4 AIADEN in der Marggrafschaft mit seinen Bädern und Umgebungen. Von A. Professor in Heidelberg. ů(—P οff 4 Mit einer Charte und Kupfern. Karlsru he, 7 in eenkot“ Hof- Buchhandlung 1811. Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht de m Herrn Kurprinzen CARIL LUDBWI von BAADEN. ànterthänigst gewiedmet Vo m Verfasser. VORREDE. D. Stadt Baaden gefört zwar in Rlichsicht ihres Umfangs und ihirer Men ſclienzalil unier die Vleinen Stadte Teuiſchlands, aber ihre an- multhige Lage, ihre woſiltkätigen Heilquellen und ihr Alter berechitigen sie 2ꝛd. höhern An- ſyruchen, und erwarben ihr auch ſeit grauen ZLeiten, die Auſinerl ſamheit der Eingeboſirnen nd Fremden. Ja, der Riff der lhiesigen Bdder 1 im ſecliszclinten und siebrelinten Oahirhuun- dert ausgebreiteter geweſen seyn, als ſelbst in VI unſern Tagen, wie der Umstand beweiſot, daſs damals die Aurgũste zu Tauſenden jahrlich hier- jer ſamen, und auch eine gròôſsere Anzaſil von Badhiilſern, als gegenwärtig, vorfanden war. Spdten, béſonders von der Telt an, da Baa- den durchi den Befelil des französiſchen Rriegs- ministers Louvois in einen Aſchenſiailſeen ver- wandelt wurde, und sicht nun langsam und adll- mdüſilig wieder aus ſeinen Ruinen erhob, verlor Sich aueh ſein Riff in etuas, bis der lexte EKieg, und der Rastatter Congreſs aus allen Ge- genden Teuſſchlands und des Auslandes, Hremde Halerhiefflilirte, dièe eben ſo durch den Reichthum unſerer mafileriſchen MNVaturſcenen beꝛdubert, als dureli die t uu““ñderàſinlicfen Mirtungen unſerer wWarmen Quellen in Arstaunen geſeꝛt wurden. Die Talil derjenigen ſowohl, die ihrer Ge- ſundbeit, als die ihres Vergniigens wegen, die VII dommermonathe bei uns zubringen, mehirt sich aucſi ſeiidem cieẽder von HJahir 2¹⁰ Gahi.. und eine Beſehreibung unſeren Stadt und Gegend wird oiο α οiueτẽl noch mebin dazu beitragen, den Nalimen derſelben au verbreiten, so wie sie den Fremden bei ihrem hiesigen Auſentlalte in mancher Hinsiclit zur Unterhaltung und Beleli rung dienen lann. Zuar besitixen wir bereits mehirere ſolcher Beſchreibungen, allein sie schräͤn- zen sich alle— mehin oder weniger— aiff die Bader und unſere rõmiſchen Denſimdbiler ein, 1 und enlſprechen sonach ſfeinesmegs ganz der Absicht einer ſolchen Ortsbeſcireibung. Mer Baaden blos von dem Rilßèe ſeiner Heilguellen zennt, der Jennt es niſt: halb, und wenn dieſe nur den Geneſung Suchenden anlocſfen, so bie- ten unſere fruclitbaren Lfdler, unſere bald an- muthigen, bald ernsten Mälder, unſere maſile- VIII riſchen Bergruinen, und unſere walirfaft dich- teriſchen Aussichten, dem, der sich nach Er- hohlung eon Geſclidften, nachi den Schibnſielten und dem Frieden der Natur ſehint, den interes- santesten Auſenthalt dar; darum wird sich' aucelt die gegenwaͤrtige Seſchreibung nichit auf, die Stadt Baaden einſchrànten, ſondern alle die ver ſchiedenen Punſte begreifen, welche dem Fremden zaum angenelimen Tiel ſeiner wechseln- den zdglichen Ausfluge und Spaziergànge dienen Eönnen. Eine neue Analyse der hiesigen Quellen zum Vergleich mit den Ræſultaten der bisherigen Un- ter ſuchungen, nebet Bemerſtungen uber Nutꝛen und Gebrauchi unſerer Bader, hatie Herr Hofrath Se f r ot h beizultragen übernommen, allein mancherlei Hinderniſſe unterbrachen ſeine ſchon IX vorgericite Arbeĩt, weleliè er indeſſen dem Pu- blilum in der Folge nocli vorzulegen gedenůt. Mir + milſoten uns dalier begnũgen, dieſen Gegenstand Hier ins Kurze ⁊tl faſſen, um unſere Leſer wenig- 1 v— 77. 2 stens mit dem, was ein allgemeines Intereſſe hat. belannt zu machen. Herr Scholaster Meyer hat, te die Freundſcliaft, dem Herausgeber einige ſei- ner Ideen und Beobachtungen mitzuliſieilen, und zum gefiört, unter andern, die, dureh den wirhli- chen Anblict selir begunstigte, Meinung von der Eutstehung des Berghangs, auf welcliem die Rie- sigen warmen Quellen au Tage lommen. Ueber- naupt ĩst hier noch. ein groſses Feld fur den Geo- logen Men, dem es so gut werden wird, sich in ſeinen Bemillungen unterstilæt æte ſelen. In den historiſchen und statistiſehen Anga- ben nögen sich 60ο½ noch fleine Lüucten und — C X 1 I. ö 7 3 r dl Fehler hinden, es hält ilberdus ſcher, hierin, fefr — 77 Un bis zum geringsten Detail, genau zu seyn, und üen u es ist unglaublich, wièe ſelir man oft mit Lau- Gelell, 75 5 1 ne, Indolens, und bõſem Millen zx fämpfen 0ů lat, um nur uber geringfugige Dinge Ausſunft dig h 2 erhalten. Fur die àltere Geſchiclitèe von Baa- den feſilt es fast ilberalil an Machtichten. Jeli cbl die gabe huindert Biichen aulſfgeſchlagen, in denen denn ich einiges xu ſinden hoſfen lonnte, und die die I meisten oergeblich. Selbet die Chronisten, wie Crusius, Lehman, Königshoven, Herzog und andere, die doch ſonst bei den unbedeutendsten • Dingen tedselig genug sind, ſyr en von Bad- den nur beilaiſſig und selten. Unſer Lands—- Johe mann Sellönllin hat das meiste geſammelt, was 5 zur ersten Geſchichte der Stadt gehiört, und XI mehr als einmalil habe ich Gelegenheit gehiabt, den unendlichen Fleiſs und die ausgebreitete Gelehiſamſeit dieſes Historiographen xu bewun- dern, dem ſein Vaterland ein Denſhmabil ſchul- dig wäre. Deber die ſpatere Geſchichte der Stadt fin- det sich nichts mehr in den hiesigen Archiven. denn sie giengen bei der Einaſcherung durehn die Franzoſen gröstentheils mit im Rauchi duf. Der Gæfalligteit des Herrn Definitors und 10lrAli chen Gilar dians der Kapuziner, verdanſe ich inzwiſchen die Mittheilung eines lateiniſchen Iagebuchis uber die Verſieerung der Stadt in dem Baierſchien Eröfolge- Kriege, welclies der Clardian jener Teit, P. Philipp Glerichier a¹ XIIL „ 8 1 ö ſetzte, und dem ich bei der Erꝛdililung jener Be— n ol gebenſieit aueh meist gefolgt bin. Nomer besten Fur die statistiſchen Angaben niizte ich die biole⸗ zupoꝰ“⁰Mh/“ ̈mende Gute des Herrn Obervogts von Magner, und ich entrichte diéèſen Herren, so wie mehireren Collegen, die mir bei dieſer Ar- Dut beit an die Hand giengen, GMHentlich den Danl, 455 76 den ihir nhumanes Benehimen verdient. 7 Mas den Ton meiner Beſchreibung anlangt, f0 Un so Htte ich. allerdings gewünſehit, denſelben 75 ilberall dem Niveai eines gemiſchiten Publiſtums 3 ic anpaſſen zau tonnen; allein bei dem Blicł auf 7100 D¹ 1 die àltere Gæſclhiichie mar es unmöglich, Allen clel ganz verstd zl werden, wenn ichi nicht die Hàlſie des Merùs mit Erhlürungen anſchwel- XIII len wolltie. Nem Spracſie und Geſchichte der Röõmer gànzlich fremd sind, der wird dalier am besten lluun, jene PBlätter zu uberſchlagen, oder sich andersWO Licht zu holen. Citalen liabe ichi ſust uᷣberall vermieden. Das Buch ist Leſebuc]i fur ein groſseres Puiblixum, 0 ware hier ganz am unrechien Ort geweſen, so Nothi er auch dem seyn mag, der sich mit der Miene von Gelehr- amſeit etwas weiſs. Einiges habe ich absichit. lichi ubergangen, oder fluchtig beriiirt, weil icſi vein Vorurtleil reizen wollte, eingedenſ des Bibliſchen: Vas hilſi es auch, gegen den Sta- chiel hintenaus ⁊u ſclilagen Lenit albeſcens animos capillus Litium et riæae cupidos. Ind wahrlich, die Thorheiten der Men ſelien eind am TEude so viel werth, als ihre Meis Neit. Badaden. am i. December 1804. A. SchREIBERR, 1 Prof, am Kurfürstl. Lycæum: Baaden unter den Römern H. Baaden unter den Teutſchen—* UR. Töfögrafiee—57. IV. Stadtverfassung— 105. 888 2„„ 110. VI. Finanzen—— 8 119. VII. Fromme Stiftungen 116. VIII. Nahrungsstand 5 1 7„130, Geisteskultur X. Anstalten zum Vergnügen* 130. XI. Umgebungen von Baaden 5 148. Die Bäder 5 f.* 338 —— VVVVVVaWꝛaiu. — 834863˙——— ———οο*=!„ö NEN WOnce I. BAA DE N unter den Römeritf Lebes der ersten Geschichte Baadens liegt ein tiefes Dunkel, und wir würden nicht einmal den Zeitpunkt seiner Erbauung mit Wahrschein- lichkeit angeben können, wenn nicht einige von der Zeit verschonte und durch Zufall wie⸗ der aufgefundene römische Denkmähler ziem- j lich bestimmt darauf hindeuteten. Schon im ersten Jahrhunderte fingen die Römer an, sich weiter in Teutschland auszu- breiten, aber nie gelang es ihnen, inu nsrer Gegend festen Fuſs zu fassen, ja, sie waren s0- A * 1 1 1 77 gar genöthigt, jenſ- 8 3 zu Strasburg, anzt um die Zabern, 5—55 Gr Tenznachbarn nac dern. Als die Marhmannéen— ein Volksstamm ntèste nannt, weil sie die J Al(lele u Böhmen zu ſchen d lang leer. römiſchen ten, und m 3.... GErund der Furcht, sich in dem verlassenen und die Bewohner des Elsasses wagten nicht, sich von dem Schutze der römischen zu entfernen. Endlich 20g ein Haufe schon mit dem 1 Teutſchen noch eriiber, und siedelte 35 erh er Zehntfelder(agri décumates) weil von nen Gauen an. Römern den Nahmen éEben 3 5 Feldern der Zehnte an dié römi- W ü * 0 0 4 3 ſche Pekumaten(Oberzollverwalter) entrichtet werden muſste.) Dieſe Zehentfelder ſahen die Römer nun als die Grenze ihrés Reichs an, denen die Do- nau und der Rhein zur Brustwehr dienten, Welche aber oft von den benachbarten Teut- ritten werden mochten; denn Ca- liguld kam ſchon wegen Kriegsunruhen nach Schwaben, ohne etwas Bedeutendes auszurich- ten, und Domitian muſste, um W teutſchen Triumpf feiern zu können, Haare und Kleider von den Teutſchen kaufen, und Sclaven in Teutſchel umwandeln.) Kaiser Hadrian umſchloſs die Zehentfelder mit 85 Wall. Dieſe Umgebun g erhielt sich, bis die Teutſchen nicht nur an den Rhein vor- ee ſondern in Gallien selbst einfi ielen,; und noch izt sind die Spuren davon übrig, von Volke Teufelsmauer, Teufelshecke ge= nannt. Dieſer Wall nahm ſeinen Anfang bey MNVellstadt an der Donau, und zog sich, über iügel„Thäler, Seen, Bäche, Pfützen, u. s. W. Jeckar bei Mimzfen. ) Einige wollen schon hier den Ursprung des Feudal- ſystems finden. *) Tacitus im Agricola. A 2 Die Entdeckung der warmen Quellen in unſern Gebürgen muſste den R6mern, bei de- nen das Baden nicht nur climatiſches Bedürſ- niſs, ſondern ein Hauptstück des verfeinten Lebensgenusses War, ein köstlicher Fund seyn. Weniger Aufmerksamkeit mochten unſre alten 1* Teutſchen dafür gehabt haben, die, an den Einfluſs eines rauhen I Is gewöhnt, und durch Ja Ungemach eines Nomadenleber ehärte nichts mehr ver⸗ té. Dieé mit den Galliern herüber gekommenen Römer unterlieſsen aàuch wohl nicht, sich — 1 Hier anzubauen; die Dagobertiſche Urkunde VOIn Jahr 6 7 6. rian un IS Erbat 4 Antonin à Punkt wäre 4¹⁸ο Hunderts. Inzwiſchen Welche Gründe jene A altesté von den römiſchen Iiinschri Wir hier Wiè f. tet, 5 Diese Inuschrift be eckigten Stein, der an einem Pfeiler in der indet sich auif einem vier- kirche eingemauert war, aber neulich von igen Antiquitäten in der ei- bestimmten Halle aufgestellt wurdé. da, mit den übr 8 gends d 1 Baaden erſcheint hier schon als Szadt, dièe einen Magistrat hatte. 7—— Joliannes Jang in 105 Briefen und in 43 4757 7 Gder Antoni u aber mit Unrecht. Sie offenbar dem Bas- 1 sianus— beékann unter dem Nahmen Cara- 18 calla— zur Zeit, Wo sein Vater, Septimus Se- s noch lebte, und ihn zaum Thronerben iatfe. Diées geſchah 19).) Eben auf den Rath eréhrten Nah- sich auch 7 7 ifübri⸗ wurde im 1 zum ernannt zum Imperator de- 108. erhielt die Würde ein uns, und den Titel 8. 199. das Proconsulat. 5 auch Pius Ot. War er 14 Jahré alt, und — erhielt die männliche Toga 202. wurde er zum ersten- mal Consul. 204. Antoninus ſelix. che iber die Donau gegan- 8 tien und Vindelicien ver- gen Waren, und heerten, zu bekämpfen. Seine Kriegsvortheile waren unbedeutend. Einige teutſche Weiber, die er gefangen bekommen hatte, äuſserten ei- nen solchen Abscheu vor der Knechtſchaft, daſs L — 333„5 s1e, als Bassianus befohlen hatte, sie zu ver- Kaufen, erst ihre Kinder und dann sich selbst der den Weichlichen danken aufzuge und mit den blauaugigten Barbaren Friede und Fréundschaft zu machen. Er suchte auch durch alle Mittel, ihre Gewo- genheèit zu gewinnen, wählte aus ihnen seine Leibwache, und erſchien nachher oft in Rom in teutſcher Tracht, mit falschen gelben, nach teutſcher Sitte geſchornen Haaren. In dieſe Zeit des Aufenthalts des Bassianus in und um Baaden fallt auch wahrſcheinlich die Vergröſserung und Verſchönerung der hie- S 8 sigen Stadt und ihrer Bäder. Es läſst sich leicht Dio Casstus. u 7 denken, daſs dieſer Fürst, der ein so groſser Freund des Badens war, und welchem Rom die schönsten seiner Bäder, die Antoniniſchen verdankte, der überdies an den üppigsten Le- bensgen quemlichkeit 2U vereinigen suchte, und noch nuſs gewöhnt, überall Pracht mit Be- durch eine andre Schoosneigung, die Jagd, 8 8 Teutſchlands Waälder gefesselt wurde, es läſst sich denken, daſs er allem aufgebothen haben werde, um seinen Geſchmack 2zu befriedigen,, und das Erstaunen der durch Auf- stellung römischer Kunst und Pracht zu erre- gen, und s0 vieles auch von den Denkmählern S 7 seines hiesigen Aufenthaltes durch die Zeit und die Allemannen zerstört worden seyn mag, 80 dürften sich doch viélleicht noch in der Folge durch Glück und Zufall merkwürdige Ueber- réste davon finden, wie man denn noch vor Marmorkopf, wenigen Jahren einen ines römiſchen Kai- wahrscheinlich das Bil sers, nahe bei der Stadt 8 Hat. Ausser dièéſer historiſchen Vermuthung von der damaligen 1 Bedeutenheit Baadens, geben aber noch einige Vorhandene Monumente aus jener Zeit nähere Beweise hierüber. Im Jahr 1586. wurden zwischen Steinbach und Sin im, zwo Stunden von hier, drey Meilen- oder eigentlich Leuken Jeiger ausge- graben,) wovon zwWei nach Durlach und einer gebrächt wurden. In den Jahren 174 und 1748. fand man 2wei andere 2u Nöttingen auf dem We⸗ ebenfalls in Antiquit' folgend 1de IMp. CAES. M. RIIIO. ANTO- NINO. PIO. FELICE. AVC. PAR TCO. MAX BRTTANICO. MAx PONIIEICE. MAX. P. P. COS. II. AVIX.S. LEVC. PDas 4 0 Leuſe jist celtisch, und bedeutet eine Meile Ser 15 sche Meile hatte nur 1000 hiéeſsen sie Rasten. Die Rö- zeil von Gallien, der römische Meilen ein, be⸗ en, und in Teutschland die euke hatte 500 ihre e mehr etrug folglich eine halbe eine teutsche Kàst. 6 ——ꝛ̃x—Ü— ¼—ę—¼ u ˖ 1 U + 4 0 „ 14 10 f Teutsch: Dem Kaiser Marc Aurel.— Dem Frommen, Glücklichen, Herrlichen, dem Besieger der Parther, der Britten, dem Oberpriester, dem Va- ter des Vatérlands, dem Consul zum vierten- mahle, Proconsul, die Stadt der Bader, vier Leu- ken von da. Einige Schriftsteller haben auch in dieſer Innschrift den edlen und weisen Marc Antonin Hnden wollen, welcher ebenfalls den Nahmen des Purthischen trug, sie gilt aber wieder mius Seperus erblich. Schon im Iso noch 11 Jahre vor dem Tode s, nahm Caracalla den Nahmen Par- is an. Im Jahr 210, erhielt er, seinem Bruder, den Nahmen Britan— Uatte. Der oben angeführte Leulenzeiger wurde im Jahr 213. geſetzt, denn 1 lièeſem Jahr mJahr 213. SEILetz„ denn in Gdlelen 4¹ 8⁰ —5 2 D — War Bassianus zum viertenmahle Consul, und in eben dieſem Jahr verlieſs er, gestachelt von 357 ſeinem Cewissen, Rom, und ging nach Jeutsch land. Von den bei Notiingen aufgefundenen und nach Durlach verseétzten Leukenze ern hat 61. I 1 1 chichte der Stadt Baaden be- 1 NXVII. Hier zum ersten und einzi gen Mahle kommt die Stadt Baaden mit ihrem Beinahmen Aurelia vor, den sie wahrscheinlich vom Während seines hiesigen Aufenthalts erhielt, und dièeſer Stein sollte billig vor allen in der hier dazu bestimmten Halle aufgestellt wer⸗ den. Wöotiingen, wo er gefunden Würde⸗ liegt an der Pfinz, acht und eine halbe Stunde von Baaden, welches genau 17 gallische Leuken nacht. Baaden war also der Hauytort, auf der hen Militärstrafse, welche vom ) Das Pius ist von Seſbpflin ergännt. 11 1 7* 8 über Pforzheim) an die Donau führte, denn uptorte pflegt man die Ent- s allerdings, daſs die Geo- graphen, noch des dritten Jahrhunderts, von dieſer Stadt schweigen, allein ihre Schriften S die disseitigen Provinzen entweder it, wie das Itinerarium und die Ta- 5**—— theodosiana,) oder sie sind voll von htigkeiten, wie die Geographie des Guido. Pforzheim aus hat sich die weitere Spur dieſer ein- befestigten Militärstraſse der alten Römer in Teutsch- d— verloren. + ) Die Tabula theodosiana(wahrſcheinlich unterm Theodo- sius verfertigt welche von dem berühmteèn teutschen Dich- ter und Geographen Connad Celtes, der um 1470. blühte, irgendwo aufgefunden, und von demſelben dem Connad ſjingen, einem Augsburgiſchen Patrizier zum Geſchenk ben wurde, später aber an den Prinzen Eugen von Savoyen uud zuletzt in die kaiserliche Bibliothek in Wien kam, ist eine eigentliche Marſchroute, zum Behuf derje- gen, welche Soldaten in die Provinzen führten, Lager aussteckten, etce. Das Iiinerasium des Autonin ist ein Reisebuch, wahr- scheinlich zum Gebrauche der ihre Provinzen besuchen- rstraſsen, Städte, Entfernungen den Kaiser verfertigt, worinn die Stationen und Herbergen, die das Reiſebuch scl 83 Kalser ent- Worfen, und nach und nach alle Veränderungen eingetra- gen, daher die Verschiedenheit in den zerschiedenèn Ab- schriften. 12 Auch dauerte der 6 ert, weil darauf die Alleman- 12 Baadens nicht über das alles, was römisch war, zer- OuUm Henthalt der Römer in ur Utars, welche die 5 5 3 Grabsteinen gewöhnlich zu auch deswege Unten am Hocherhabener 4 8 2 det, der einen ist, kommt 8 5 981 38 einige IUuf B0nh⁰, 2 1 IIE N5 . lich Aurd Würtember unter der l4ten Legion, die in 17ten Jahr an, das 45ste belxeite 3 en ——— 14 Veteran zu heiſsen, muſſste man 20 Stipendien verdient haben. Crescens hattè also mit 20 Jah- ren zu dienen angefangen, und wäre in 6 Jah- ren Veteran geworden. Der zweite, jenem ähnliche Grabstein mr daſs der Bagagewagen fehlt, ist bezeichnet: L. REBVRI 5 8800 L. F. C. L. CANDIDVS. ARA. MII. 4 H. VI VOL. CRANICI. VIC.“ ITRIS. STIP. XIII. HEC Dieſer Lucius Reburtntlis Candidus war also VAI ebenfalls von Ara, und in Rom in die claudi- —*— 8 1 4 sche Tribus“) eingeſchrieben. Er war Soldat der 26 die den Nahmen der siegreic 181 führte“), und hatte 13 tipendien verdient. Beide Grabsteine befanden sich chemals in der Gartenmauer des Kapuziner Klosters, und és Wäre zu wünschen, daſs man da, wo sie auf- Die Stadt Rom war in Tribus oder Sectionen eingetheilt, die entweder den örtlichen, oder einen Familiennahmen ſülirten. ne römische Cohorte zählte 420 Mann, und hatt die Einrichtung und ohn⸗ Best mmu ng einer französi- schen Halbbrigade., Zehn Cohorten machten eine Légion- * 0 U ˖ * ö 2 gefunden worden, weiter nachgegraben hätte — 2 wahrscheinlich wiürde man die Graburnen, W + 4 7* affen, Münzen, u. d. gl. entdeckt haben.) Zwei andre unsrer 1E sind 1 W und d 1 nält eine— ohnge 2ei dung des Neptun in hocherha- nend in den alten Geſc die Beg um wurde mit wohlriechenden 5. mit Holz und Cypressen umlegt, und auch die Waffen und Kleider des Verstorbenen darauf ge- Worfen. Die nächsten Verwandten zündeten hierauf das Tod uer mit abgewandtem Gesichte an. Körper nun von der ringsum lodernden Flamme in Asche 8 verwandelt wurde, Wwarfen die umstehenden Freunde 1 Weihrauch, wohlriechende Kräuter, und ihre abgeschnit- tenen Locken in die Glut, und es wurde vor dem Schei- terhauſen Blut ausgegossen, zur Sühne der Manen des 15. Verstorbenen. Deeſes Blut wurde anfänglich von Gefan- 5 genen oder Sklaven, später von Fechterns genommen. War der Körper zu Asche verbrannt, so löschte man die 6 Glut mit Wein oder asser aus, Uli die nüchsten Ver- idten sammelten die Asche des Leichnams in eine Ur- 1 ne, und mischten sie mit allerlei ohlgerüchen. Hier- — auf besprengte der Priester die Anwesenden dreimal mit lt ser, dem eichen der Sühne, und sieh nun — entfernend, riefen sie dem Todten ein Lebewolll zu. Die Ura e Wurde in ein Grab versenkt, und hatte auſser dem Nahmen des Verstorbenen gewöhnlich noch den Wunsch: Diè Erde sei din leiclit! oder: Sanft rulie dein Cebei — 2zur Aufschrifc. in der Linken und einen Delphin, in 9 der Re zu seinen Füssen ist ein geflügel- U — ter Drache. Dabei ist folgende Innschrift: N CONTVBERNIO. 34 IA 3 8 XEIIVS. OVNDVs. 11 83 uUnter der Benenns 1 2 chriften zu den Gottheiten 0b5 65 885 den Innsc nennen, war im zweiten und dritten Jahrhun- zumahl bei den neuen 80 1 3 Wahrscheinlich war dieſer Cor- nelius Aliquandus einer der Gallo- Römer, die häufig in die Zehntfelder herüber kamen. Die Schiffer⸗ 17 Schiffergesellſchaften hatten ihre Stationen am Rheine(der damahls seinen Lauf näher an un- sern Gébürgen hin nehmen mochte, meist bei den Mündungen der in denſelben ausströmen- de Flüsse. Dieſer Stein wurde im Jahr 1748. am Fuſse des Schloſsbergs gefunden. Die Stadt Ettlingen besitzt ein dem eben beſchriebenen vollkommen gleiches Denkmahl, nur der Delphin ist etwas verſchieden gebildet. Cornelius Aliquandus hatte vermuthlich dièe bei- den Schiffergilden am Ausfluſs der 40b und der Os unter sich.“) Der Merkur ist eine mit der àussersten Un- Kkunst gemachte Abbildung dieſes Gottes, en bas relief, 6 Fuſs, 9 Zoll hoch. Mit der Lin- Ken stüfizt er sich auf den Caduceus. Zu seinen Füfsen ist,— oder war vielmehr— ein Bock Anspielung auf seine Verwandlung auf dem Tay- getus,) von welchem aber fast nichts mehr sicht- ) Der Ettlinger Neptun wurde 1480 gefunden, und vom Kalsen Mauimilian nach Weissenburg entfülirt, doch den Ettlingern auf vielfaches Bitten wieder zurück gege- ben. Nachher lieſs ihn Georg von Sehieareenberg, Admi- nistrater der Marggrafschaft nach Marggraf Philiberts Tod, nach Manclien hringen, aber auch von da wufsten ihn die Ettlinger wieder durch Marggraf Philivp II. zu erhalten. 5 B EE 18 bar ist. Dieſes Bild steht noch gegenwärtig auf dem östlich von Baaden sich erhebenden Stau- fenberg,»o man es auch gefunden haben will. Seine chemalige Bestimmung daſelbst möchte übrigens schwer zu errathen seyn. Es fehlt ihm die Form einer Herme, auch hat wohl nie eine Straſse über dieſen höchsten und rauhesten der hiesigen Berge geführt. Als Deus terminus, (Grenzgott) mag er auch schwerlich dahin ge- stellt worden seyn. Die auf der Brust des Got- tes eingehauenen Buchstaben M. K. V. sind of- fenbar von späterer Hand, so wie vielleicht das neben seinem Haupte befindliche F. V.“) *) Herr Baudirecter Meinbrennen ist der Meinung, Bild und Altar des Merkur seyen ehemals auf dem Gipfel des Stauſſenbergs zur allgemeinen Verehrung aufge- stellt geweſen, wie zu der alten Römer Zeit das Bild Jupiters auf dem Monte Gabo, sechs Stunden von Rom, nahe bei Albano, der mit dem Staufenberg viel Aehn- lichkeit habe. Mir ist es wahrscheinlicher, daſs ein. Kaufmann sein Gelübde an der durch das Thal(ge- wiſs nicht über den unwirthbaren Bergrücken) Füh- renden Straſse aufgestellt habe, und eben so wahr- scheinlich, daſs dieſer Merkur in spätern Zeiten erst zum Markstein gebraucht, und auf die Hohe gebracht worden sey, wie einige darauf eingehauene neuere Jahrzahlen zu beweiſen scheinen. Von einem empel sind ohnedies keine Spuren vorhanden, und es fragt sich noch, ob der im alten Styl und in einer angeneh- men Form gearbeitete Altar avsisnünglich zꝛu dieſem 50 unformigen Bilde gehort habe? 19 Bei dem gedachten Bilde fand man einen alten Altar, mit einem Gesimse, der vielleicht ursprünglich schon dazu gehört haben mochte, und auch itzt wieder vor demſelben aufgerich- tet ist. Er hat folgende Innschrift: IN. H. D5 DEO MER. CVR. MERCVR. CPRVSO. Der verstorbene Stadtarzt Bellon in seiner 1766. erschienenen Badbeſchreibung lieſst dieſe Innschrift folgendermaaſsen: In honorem dedicavit deo Mercurio Mercurius Cyprus optimus. Die beiden D. D. in der ersten Linie be. zeichnen aber offenbar das regierende Kaiserhaus unter dem Nahmen des göttlichen, und die Buchstaben V. S. O. in der lezten, sind die ge- Wöhnliche Formel: votum solvens obtulit. Ich bin daher geneigt, so zu leſen: In honorem domus divinae Deo Mercurio Mercurialis c. p. Romanus votum solvens obtulit. B 2 FFF——TPPTbPbPbPTT Teutsc h: Zur Ehre des göttlichen Hauſes dem Gott Mercur 3 als Gelübdè errichtet 3 von dem Kaufmann C. P. aus Rom. Sonderbar ist es, daſs Schònflin, der alle in und um Baaden befindlichen Monumentè in sciner Alsatia illustrata geſammelt hat, und auch von dieſem Merkur eine Abbildung und Be- schreibang liefert, die oben angeführte Inn- schrift nicht kannte. Wahrſcheinlich wurde dieſer Altarstein etwas Später aufgefunden, und mit dem Bilde vereinigt. Zwei zu Bellons Zei- ten neben der Statue liegende Steine von einer- lei Grösse, in Form eines Dreiecks, dienten vermuthlich dem Bilde zum Sockel, wozu sie auch neulich wieder, bei der Restaurätion des Ganzen, benutzt wurden. Auf dem einen die- ſer Steine finden sich die Buchsaben V. I. IM., welche Bellon durch Vespasianus Imperator im- mortalis interpretirt; eben s0 glaubt er in den beiden, oben schon angeéführten Buchstaben, neben dem Kopfe des Mercur F. V. den Nah- 2¹ men Flavius Vespasianus zu finden. Dieſe Con- jectur gabe freilich dem Denkmahl ein weit höheres Alter, da Vespasian schon im Jahr 60, der christlichen Zeitrechnung zur Regierung kam. Warum man übrigens dieſes einzige Monu- ment nicht in der Antiquitätenhalle aufstellte, lee in sondern eine elende Nachbildung desselben, auf e in welcher der Sohn des Jupiters ein Rauchfaſs in u0l der Hand hält, als wollt' er selbst sich beräu- Be. chern, vie ein eitler Schriftsteller in einer nn. Selbstrecension, ist schwer zu begreifen, rde oder wollte vielleicht der Copist durch md dieſes angebrachte Rauchfaſs, den Sieg des Christenthums über den Paganismus sinnreich andeuten? Noch im letzten Sommer vwurde in dem eine halbe Stunde von hier entlegenen Dorfe Balg, neben der dortigen Kirche, ein anderer Stein ausgegraben, der Form nach ebenfalls ein 8** K Altarstein, mit einer Aufschrift, welche schwer⸗ 12 lich je wieder ganz hergestellt werden dürfte, 61 indem, allem Anschein nach, mehrere Buchsta- ben durch die Zeit verändert, einige Inerpunc- tionen verwiſcht wurden, und andere entstan- öRR....... 2 den sind. Ich theile hier die Abschrift mit, wie ich sie, mit Hülfe einiger meiner! dundigen Freun- de, sorgfaltig genommen habe. 1.I MER VR 2 585 CI 85 IV. SOL. LF. MNS. f. M. Ich bin verſucht zu lèſen: In honorem Mercurii Quintus Caecilius Campidoctor legionis quartae Solonius Lucii filii manibus votum ſolvens lubens liberoque munere, Teéut fch: Dem Gott Mercur weiht diefes als freiwillige Sühne für die Manen ſeines Sohnes Lucius Quintus Caécilius aus Solonium Kri lehrer der vierten Legion. 8 aſs die vierte Legion, von Dio Caſſius die ſcytiſche, von Jacitus die macedoniſche ge= nannt, nach dem Wegzug der 14. und 26. in Baaden gelegen habe, ist auſſer Zweifel. Da 23 dem Mercur unter anderſt auch das Geſchäft zukam, die Abgeſchiedenen ins Reich der Schat- ten zu leiten, und folglich dieſen an ſeiner Gunst gelegen war, ſo muſste es ein Römer als Pflicht anſehen, die dem Todtenführer getha- nen Gelübde ſeiner verstorbenen Angehörigen zu entrichten. Der Nahme Caecilius war meéehrern römi- ſchen Geſchlechtern eigen, ſo wie verſchiedene Römer in den Gegenden von Solonium ihre Villen hatten. Inzwiſchen beéſcheide ich mich gerne, daſs das Sol auch gar füglich durch Sol- licite(bekümmert, oder, auf votum bezogen, durch Solenne erklärt werden könne, oder wohl auch gar einen mir unbekannten Beinahmen der vierten Legion, wie Soldurius, Solers, u. s. W. Dezeichne. Es verdient hier noch angeführt zu werden, daſs die Bewohner des Dörfchens Balg, wo der Stein entdeckt wurde, eine Sage unter sich ha- ben, ihre Kirche ſey hiebevor ein heidniſcher Tempel geweſen. Auch waren an dieſer Kirche mehrere Widderköpfe angebracht, die ein eif- riger Pfarrer vor ohngefähr 30 Jahren als un- ——— K—A————ů—— FRR 5 24 christlichen Schmuck abnehmen und zerſchla. gen lieſs. Von römiſchen Bädern hat sich bei uns nichts erhalten, doch ist allem Anschéin nach das heutige Armenbad auf den Trümmern eines romiſchen erbaut. Es enthält noch ein geräu- miges Bassin mit Stufen, die gewWoöhnliche Form der römiſchen Schwimmbäder, und ein Paar ne Badkasten. Wahrſcheinlich ist aber die Vermuthung, die auch unſer mit Roms Denk- mählern vertraute Architect Meinbrehner äuſser- te, daſs der ziemlich beträchtliche Plat⸗ um die Hauptquelle zur Zeit der Romer der Präch- tigste Theil Baadens, ja vielleicht der ganzen Rheingegend geweſen seyn dürfte, wie noch die daherum liegenden Substructionen vermul then lassen. ——*— Vielleicht aus jener Zeit noch gerettète steiner- L um II. B AAD EN unter den Teutschen. Baaden als römiſche Colonialstadt, Würde von den Zeiten des Caracalla an immer glän- zender und historiſch bedeutender geworden seyn, wenn nicht die Teutſchen von nun an die Uebermacht über die Römer erhalten hät⸗ ten. Die Allemannen, eine Vereinigung meh- rerer Völker verſchiedener Stämme, hauptsäch- lich Sueven, daher ihr Nahme Allemannen, oder allerlei Manner, jagten im Jahr 234. im 13ten Jahr der Regierung des Kaiſers Alexan- der Severus, die Romer aus Teutſchland, gien- gen ſelbst über den Rhein, zerstörten die rö- miſchen Kastelle am Ufer dieſes Flusses, und wollten nun, da ihre Freiheit zu Hauſe gesi- chert war, Eroberer werden. Als Feinde der Städte und der Römer zerstörten sie alles, was von dieſen herkam, und Baaden mit ſeinen römiſchen Bädern und Tempeln erfuhr eben dieſes Schickſal. RNECCCCCCC0C Anfänglich zwwar gelang es den Römern zu- weilen, die Allemannen zurück zu treiben, und Kaiſer Valentinian ſuchte sich durch einige Fe- stungen, die er am Rhein und Neckar anlegte, 1 gegen ihre Anfälle sicher zu stellen, allein un- ter den Wge des Theodosius breiteten sie sich wieder, gleich einem Gebürgstrohm, über Schwaben, Elſaſs und die Pfalz aus. Ihre Heerführer und Edlen hatten groſse Güter, und jeder freie! einen béträchtlichen Bezirk er- worben, der nun um ſo leichter anzubauen wWar, als die Spuren der römiſchen Cultur noch da und dort sich zeigten. Schon mehr gewöhnt an feinere Bedürfnisse, und eben dadurch an die Noth- Wendigkeit des Eigenthums, legten sie izt Dör- fer an, und ſelbst die von ihnen niedergerisse- nen römischen Städte erhielten wieder Bewoh- ner, nur daſs die Mauern— für sie Zeichen der Furcht und Knechtſchaft— in ihren Trüm. mern liegen blieben. Daher kommt es auch, daſs Baaden nach den Zeiten der Römer, meh- rere Jahrhunderte hindurch, keine Sdt mehr genannt wird. Ju Speier und Strasburg wWwaren schon in der Mitte des vierten Jahrhunderts, Biſchöfle, Ull f 27 und die Allemannen, welche die Gegend von Baaden bewohnten, kannten ohne Zweifel die christliche Religion, allein sie waren weit ent⸗ fernt, den Glauben eines Volks anzunehmen, das sie verachteten, und sich einer Religion zu unterwerfen, die ihnen Geduld, Frieden und Verträglichkeit empfahl, und ihrem ungebun- denen Freiheitsgeiste ſo wenig zuſagte. Ihre Eroberungssucht brachte sie endlich um ihre Freiheit. König Clodowich bezwang sie gänzlich im Jahr 496. nach dem entſchei- denden Sieg bei Tulpich, aber er wollte sie nicht unterdrücken, ſondern nur ſchwächen, und theilte ihr Reich. Der Ausfluſs der Aurg in den Rhein, die Os und eine von da bis an den Lreprung der Enz getogene Linie machten einen Theil der Grenze aus. Es wurden Her- z0ge aufgestellt, mit fast königlicher Gewalt, und unter dieſen in jedem Bezirk, Grafen— als Richter. Beide waren aus den Edlen des Landes genommen. Schon früher war der Allemanniſche Staat in Gauen getheilt. Alles, was jenſeits der Os und Murg lag, und itzt zu den Aemtern Steinbach, tollhofen, Bühl und Schwarzach gerechnet 28 wird, war ein Theil des groſsen Allemanniſchen Gaues Mortenau. Der Beꝛzirk disseits der Os bis an die Alb, worin Baaden, Rastatt, Rothenfels liegen, machteé den Osga aus, der gewohnlich Asgau und LVigau— Aucia bei den Lateinern des Mittelalters— heifſst. Er erhielt ſeinen Nahmen von dem Flüfschen Os, bei Baaden, itzt der Oelbach genannt, das auf dem Schwarz- walde entſpringt, die südliche Seite der Stadt Baaden beſpühlt, und sich in die Murg er- gieſst. Noch bis itzt bezeichnete dieſer Bach die Grenze der Biſsthümer Strasburg und Speier. In allen dieſen Bezirken war vor und unter den Karolingiſchen Kaiſern kein Iönigliclies Schloſs und keine Stadt. Die Bader zu Baaden wurden zwar gebraucht, und zu den hiesigen MWohnungen gehörte eine beträchtliche Gemar- kung, aber der Ort wird nur ein Dorf ge- nannt. Der fränkiſche König Clodowich hatte die christliche Religion an dem JTage angenommen, an welchem er unſere Altvordern besiegte. Von dieſem Zeitpunkte datirt sich auch die Ausbrei- tung des Christenthums unter den Allemannen. Die Geistlichen waren alſobald bemüht, den 29 unfern Vätern fo verhaſsten Zehnten einzufüh- ren, und der Osgau wurde zum Speierſchen Kirchfprengel geſchlagen. Wahrscheinlich wur⸗ de die erste christliche Kirche disseits in der Stadt Baaden errichtet.) Zum erstenmahle in der fränkiſchen Ge- ſchichte wird Baadens in der Dagobertiſelen Urkunde erwähnt. Dieſe merkwürdige Urkun⸗ de ist vom iten August 676. dem zweiten Re- gierungsjahre Konig Dagoberts datirt, und ent- hält, daſs dem Abt HRaffiied und ſeinem Kloster zu Weissenburg, im District Speyer, die dies- zeits Rheins im Osgau gelegenen warmen Bäder mit ihrer ganzen Gemarkung, und zwar von der einen Seite bis an die Murg, gegen Westen eine Rast oder Stunde, und gegen Osten sechs Leuken oder drei Rasten weit, als freies und beständiges Eigenthum Verliehen seyn sollten. Der teutſche König Ludwig bestatigte im Jahr 873. obgedachte Schenkung von Baaden, das einige Vaſallen des Königs dem Kloster zu entreiſsen gewuſst hatten.) ) Eine in der Stiftskirche befindliche Innschrift sezt ihre Erbauung in das 2te Jahrhundert. Dem Auschein nach ist die Spitalkirche älter. *) Nach Sebastian Münster hätte Kaiser Otto, im zchn- Im elften Jahrhunderte stand Baaden unter der Gerichtsbarkeit Adelberts von Calib, dessen Tochter Marggraf Herrmann I. zur Gemahlinn hatte. Die Grafschaft Adelberts, wozu der Os- gau gehörte, wurde ſpäter nach Erbrecht ver- waltet; jedoch mit Ausſchluſs der weiblichen Linie, denn die Grafen waren nur Laiserliche Richter. Im Jahr 1046. ſchenkte Kaiſer Heinrich der dritte, der Domkirche zu Speier, ein bei Baa- den gelegenes Gut,(quoddam praedium in villa Baden) welches, wie er sich dabei ausdrüickt, ſein Vater an sich gebracht hatte. Mit der Villa Baaden aber hatte das, eine halbe Stunde davon gelegene— noch in feinen chrwürdi- gen Ruinen sichtbare Schloſs nur den Nahmen gemein. Dieſes war immer ein Läringiſch baa- diſches Stammgut. Zu welcher Zeit aber und in welcher Absicht dieſes Schlofs von Herr- ten Jahrhundert, die Städte Baaden, Ettlingen und Stoll- lafen, dem Abt von Weissenburg genommen, und der Markgrafschaft zugelegt. Unsre Gegend muſste dem gedachten Kloster allerdings von Bedeutung eyn, da die Bewohner des Osgasg um jene Zeit schon Gold aus dem Rheinsande wuschen, hier und da Wein bauten, u. 5. W. —¹ 6 31 mann I. oder II. erbaut ward, ist unbekannt. Vielleicht kam es auch an Baaden als Mitgabe der Gräfinn Judith von Calo, Gemahlinn Her- manns I. Die Schickſale Baadens unter den ersten Marggrafen hat uns kein vaterländiſcher Chro- nist aufbewahrt, und eben ſo wenig findet sich davon in den hiesigen Archiven, da in den vielen Kriegen manches zerstreut, und bei Ein- äſcherung der Stadt das meistèe zernichtet wurdèe. Im Jahr 1330. unter Marggraf Rudolph III. wurden Baaden und Stollhofen von dem Bi- ſchoff Bechtold und der Stadt Strasburg vergeb- lich belagert, und die ganze umliegende Ge- gend nach dem barbariſchen Kriegsgeiste je- ner Zeit— verheert.) Die Wiederherstellung des Landfriedens ge- gen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts lockte die Fürsten und Edlen von den Gebürgshöhen in die Ebnen herab. Marggraf Christoph hat- te dieſe Periode vorhergeſehen, und ſchon 1479. das alte Schloſs, Wo ſeine Väter 400 Jahre hindurch gewohnt, verlaſſen, und ein neues ) Königshoven Elsässische Chronik, S. 330. 32 in der Nähe der warmen Quellen angelegt. Das alte iiberlies er ſeiner verwittweten Mut⸗ ter, wurde aber im Jahr 15 18., weil er wahn⸗ sinnig geworden war, von seinen Sohnen, mit des Kaiſers Bewilligung, wieder daſelbst einge- ſPerrt, Wo er auch 1527) starb. Um dieſe Zeit ſcheint der Ruf der hiesigen Bäder wieder ſehr ausgehréitèt geweſen zu ſeyn. Franciscus Irenicus in ſeiner 1518. erſchiene- nen Exegesis Germaniae macht von Baaden fol- gende Schilderung: Baaden liegt zwischen Gebürgen, und hat ſeinen Nahmen von den dortigen Bädern. Es hat zwei unbezwingliche Schloſser, und heil- ſame Bäder, die ihrer Vortrefflichkeit wegen, allen andern vorgezogen werden.“) Und Sebastian Munster in ſeiner Cosmogra- phie hat folgende unſere Stadt betreffende Stelle: „Ihr )Man sehe Seite 206. des gedachten Werks. Es ist in Nürnberg gedruckt, hat ein Imprimatur von Pabst Lee X. und eine Nachschrift an Marggraf Philißn und seinem Kanzler Hieronimus Veho. Angehängt 18t eine Rede über die Liebe zu Teutschland, dem pfälzischen Kanzler FHlorentin von Venningen gewidmet. 2 3 „Ihr(der Marggrafen) Hauptstadt, da die 4 Marggrafen Hof halten, ist Baaden, die alfo 11 genennt wird, daſs man daſelbst vor langen Zeiten eéinen groſsen Quell heiſsen ers gefunden hat; und wWie etliche ſchi aus der Marggrafſchaft bürtig sind, hat man n nem alten Stein geſchrieben funden, 8 Antoninus nach der Geburt Chricti 25 Wie Philippus Beroaldus in einer Episte dieſe gebauen, nachdem man das hei mit„e man bei ſeinem Urſprung Hüh⸗ ner und Säue briihen mag, da gefunden hat,. Dies Waſſer hat in ſeiner Vermiſchung Schwe— fel, Salz und Alaun, Dienet zu vertreiben Engung der Brust, welche von kalten Flüſſen des Hauptes kommt, den feuchten Augen, den ſauſenden Ohren, den zitternden und ſchlaffen- den Gliedern, den Krampf und andere Krank heiten, bös Geäders, ſo von kalten Feuchtigkei- ten kommen., Item ist Nutz denen, die einen kalten, feuchten, und undauigen Magen ha- ben, dem Wehthum der Leber und Milz von Kälte, dem Anfang der Waſſerſucht, dem Darm- Weh, thut auch Hiilf dem Sand und Stein der Blattern und Nieren. Item ist hehülflich den 8 34 unfruchtbaren Weibern, hilft der Bärmutter, vertreibt den weiſen Fluſs der Frauen, mindert die Geſchwulst der Beine, heilet die Räut, und alle offnen Schäden, die Löcher und Franzoſen. Wider das Podagra hat es ein beéſonderes Lob für anderée Bäder.) Ein Poſaunenton dieſer Art muſste in ei⸗ nem Zeitalter, dem der kindlichfromme Glau- be an Univerſalmittel, an geheime wunderbare Naturkräfte und an die Möglichkeit, den Le- ins Unendliche zu verlängern, ſo ar, ſeine volle Würkung thun, und Wen und Unbeilbaren aller Gegenden Lranke herbeiziehen, wie sie denn auch jährlich zu zwei und drei Tauſenden sich einfanden. In dieſem Zeitraum hatte Baaden— ſeit der Röomer-Epoche— ſeine glänzendste Periode, Wozu auch der Umstand beitrug, daſs es die Reésidenz des regierenden- Haufes war. Marg- 2 graf Philipp II., welcher Pracht und Kunst liebte, riſs das von Marggraf Christoph erbaute *) Mürsters Cosmographie, 8 1550. B0¹¹5 hält dieſe isga erste, denn auf dem Titel heiſst sie ausdrücklich eine verbesserte und vermehrte, ra 35 neue Schloſs wieder ab, und führte auf eben der Stelle ein Weit größ Der Jeſuit Gamansius, der 23 Jahre hi ner handſchriftlichen hierüber 2u 38 Urm Zeit von hier aus die nachstehende Ele egie an ſeinen Freun d, den 18 All ete: 1EItete: fränkiſchen Ritter „Du weilst in den Fe Hainen, die der Waſſerreiche 8 durch- flieſst, und freust dich, nach ſo vielen R des Krieg gs und der Wanderungen, ländlicher H tille; mir beut der Schwarzw ald mit ſein heilbringenden Quelle flucht:— Hier 1 3 Mü terland und Ruhe, ſeit feindliche 32 3 Vaffen ihn 36 aus dem Schooſe ſeiner Heimath verbannten. Auch die Muſen ſolgten mir hierher, und das Saitenſpiel. Ach! nur dièéſes blieb mir noch— Alles übrige nahm der Sieger! Doch die wach- ſenden Sorgen verſcheucht das vohlthätige Bad, und der Schlaf und Amor der Freund der warmen Quellen. uch geſellen sich 2zu mir alte und neue Freunde von unwandelba- rer Treue, deren Leben harmoniſch mit dem meinigen stimmt.“ Auch er, der Schmuck und die Stütze 4 7 meiner Jugend, mein Stibarus, stärkt Eier ſei- 2 7 né kranken Glieder in der warmen Eit 03 fte 1 1e1 Frie- — er die béewaffneten Héerführer zum ſar densbund vereinigen wollte, ſchwächte er sich im Reiten die muthige Brust, und die Hand der Pierinnen vermag nicht, sie ⁊2u heilen. Itzt nimmt er ſeine Zuflucht zu den dampfen- den Schwefelquellen, ob sie vielleicht dem ver- zehrenden Uebel wehren mögen. Aus 2wiefa⸗ chem Schlunde ſprudelt das blaulichte Waſſer hervor, das mit ſeiner balſamiſchen Kraft den ſchwindenden Körper stärkt: und— es ſey nun, daſs er, gepreſst, ſchwer aufathme, oder die Nerven dem leidenden Theil ihren Dienst — 37 verſagen, oder brennender Durst in den Adern tobe, wenn furchtbare Schwäche die Einge- Weide mit Waſſer anſchwellt,— nie virst du umſonst die Nymphe des heiligen Borns anru- fen, und der reine Thau wird dir den Geist des Geſangs zuriick geben. 5 „Aber lange wird das Schickſal mich auch hier nicht weilen laſſen, und mir die erſehnte Ruhe gönnen. Denn als ich neulich, ein Fréeund des Landés, auf dem kräutervollen Ra- ſen hingestreckt lag, und ein leichter Schlum- mer mich befiel, siche, da stand Amor neben mir, ſchlug mich auf den Schenkel und ſagte: Warum ſchweifest du müſsig in den Waäldern umher? Steh auf, dich ruft der glückliche Himmel Italiens, Wo der Aponus,) heilſamer als die Quelle Baadens, um die Wohnung der Hamadryaden in reicher Fülle dampft, und der vom Phobus geliebte Eridanus ſeine krystallne Wogen in den Schooſs der Hadria Wälzt. Von dorther wirst du, bereichert mit den Gaben der Muſen, zurück kéehren, die Schläfe mit dem Laube des Sieges bekranzt.“ Eine warme Quelle bei Padua. „So ſprach Amor, und entfloh mit dem Schlaf i 1 d1eE umher ertönten Geſange der Vꝰ gel, eine glückliche Vorbedeu- tung! 80 will ich alſo den Staab 55 und mit dir über die bee ten 8 gehen.— Mache du nur, o Sohn Cytherens, deine heiſſung wahr!— Lebt wohl, ih vätel Laren und ihr Freundée! und du, meine S ster, und mein Bruder, und mein Dima Euch ist Ruhe beſc Gott der Liebe sich gern ſeiner chiec En Füir en, und mein Willen.“ 3 denen Badhäuſern 5 55 Küffer, in ſei⸗ Nachrichten die den eigenen Worten des men wWir hier, m Verfaſſers, k Das Freie Bad. Auf dem Markt(hinter dem Armenbad, am ſogenannten Fl orentinerberg) ist des Herrn Stibarus von Rabenech, dessen der Dichter hier er wär einer der ausgezeichneten te M sechszehnten Jahrhunderts, aus Wür ge seines Vaterlandes mit Albert: er als Frledensgesandter an den M Ersstarb 1555. ———. 39 Marggrafen Haus, welches 4 Badkästen hat, ge- gen Mittag, die ziemlich weit. Es steht dieſes Haus am allerlustigsten Ort der Stadt, hat eine freie Aussicht gegen Aufgang und Niedergang. Das Waſſer in dieſes gefreite Haus wird aus der Hauptquelle in hölzernen Röhren geleitet. 2. Das Prioatbad. Was in dieſem Hauſe von Waſſer nicht ge⸗ braucht wird, flieſst durch einen beſondern Kanal in eines Bürgers, Abel Stimmers Haus, daſſelbe hat überdies noch einen Kanal aus der Hauptquelle. Dieſe beiden Kanäle geben auf 11 Kästen hinreichend Waſſer, es hat auéeh 7 ſchöne Stuben mit Kammern daran, und zie- hen gewöhnlich die dahin ein, welche viel Ge- sind mit sich bringen, und sich die Küche ſelbst beſorgen wollen. 3. Tum Ungemach. (Wahrſcheinlich in der Nahe des Frauen- klosters, am ſogenannten Nonnenberg.) Unter den öffentlichen Herbergen ist, was die heilſa- me und gute Luft, das artige Gebäude und die Gröfse anbelangt, dies die vornehmste Herberge Sie hat 46 Stuben ohne die Kammern, welche meist gleich an den Stuben sind, lustige Säle, ſatut aller Zugehör. Hat 60 Badkästen, unter welchen 24 stracks und ordentlich gegen Auf- gang der Sonne stéhen, daſs alſo die Kranken, Welche baden wollen, keine Stiege auf, oder abiugehen brauchen. Die andern Badkästen sind zum Theil unten im Hof, zum Theil an andern bequemen Stellen, und alle mit Bret- tern und Getäfel unterſchieden. Das warme Wafler, ſo in dieſe 60 Kästen flieſst, kommt aus der Fettquelle, die in dieſem Hauſe ent- Pri St. IPringt. 4. Zum Falmen. Die Herberge zum Salmen, welche 1605. erbauet wurde, hat an die 232 ſehr lustige Stu- ben, darunter 13 mit Nebenkammern, 33 Bad- kästen stéhen rings im Hofe herum, gegen Auf⸗ gang der Sonne, ſo, daſs sie friſche Luft ha- Das Badwaſſer wird gröstentheils von der Haupt- ben, welches in andern Herbergen fehlt quelle, zum Theil auch von der nächst dabei entſpringenden Moorguellè dahin geleitet. 5. TLm n gel. In eben dieſer Gaſſe ist die Herberge zum 41 Engel,(gegenwärtig zum Drachen), welche nicht mehr als 4 Stuben und 20 Badkästen mit 1 Gegitter unterſchlagen hat. Das Badwaſſer da- 8 D hin kommt aus den Moorquellen. 6 ‚daun dee Die Herberge zum Ochſen,(gegenwärtig die Kanterie) hat 7 Stuben, theils mit- theils ohne Kammern, und 18 Badkästen. Das Was⸗ ser kommt dahin aus der Höllenquelle. „ ˖ Die Herberge zur Sonne ist eng, sie hat 16 Badkästen, in welche das Waſſer aus dem oben angeführten Privatbad geléitet wird. 8 CLum Randren. Hat 13 Stuben mit Seitenkammern, auch eine ziemliche An— Kammern für gemeine Leute; 30 Badkästen, die ihr Waſſer aus drei Quellen erhalten. itens, aus der Hauptquelle; atens, aus der unter dem Schlachthaus ent- ſpringenden lauen Quelle; ztens, aus der Quel- 1e in der Herberge zum kühlen Brunnen. Nächst der Hauptquelle sind noch 4 Her- R 42 bergen, die vorderste zaum Spieſs(auf dem itzt Platze, dicht hinter der Stiftskirche) hat Ieerer 6Si kästen, welche ihr Wafſſer aus der Hollenquelle den ſamt etlichen Kammern, und 34 Bad- haben, ſo wie noch étwas von jenem, das im Vogel Greif übrig bleibt. 10. Lum Juhlen Brunnen— Gleich gegen über) ist die Herberge zum kühlen Brunnen, die ihr Waſſer aus zwo war- men und einer laulichten Quelle hat. Sie zählt 5 Stuben ſamt etlichen Kammern und 52 Bad- Kästen. 11. Lum rotlʒen Löven. Nächst dem Brühbrunnen, hat ihr Waſſer aus der obern Höllenquelle, 32 Badkästen und 6 Gemächer. 12 Lum,οn higel Gfei, Ebenfalls in dieſer Nachbarſchaft, ist in das vordere und hintéere Haus abgetheilt, wovon *) Nach einer durch das Local bewährten Sage, wäre die- ſes Badhaus an der Stadtmauer, dem alten Seminar ge- gen üher, gelegen geweſen. Vielleicht, daſs es nicht im- mer auf demſelben Platze stand, den Küffers N ten wurden an Ort und Stelle gesammelt, und tragen üherall das Gepräge der Genauigkeit. 5 ACUrich- 4 — — 13 jenes von Alters her den Nahmen Greif 55 die- ſes zur Trompete heiſst. Dieſes Hinterhaus hat 0 af Otto Heinrich Wdl laſſen. 22 Stuben und 72 chen 22 mit Brettern, die⸗ eben sind. Alle 585 den sie genugfa- Vaſſer, aus der Quelle im Haus, und ch aus Gelfeiden in die Herberge zum 13. Das Armenbad. Es besteht aus zwei groſsen Bädern, wovon 2 die Armen, das andere für Leute gering ern Standes ist. noch zwei Badhäuſer oder * Vaſchen und Reinigen, die 2 Is aus der Hauptquelle haben. tdas freie Bad, das andere das untéere Bad. us mehr gedachten Hauptquelle flieſst auch ein Canal in das Gutleuthaus vor der Stadt, und ein anderer aus der Herberge zum Unge- nach in das gleichfalls vor der Stadt gelegene Armenhaus. So weit die Nachrichten aus Nilſfer. In Merians Beſchreibung von Schwaben (1645) findet man eine Abbildung des alten Baadens, die an Ort und Stelle aufgenommen ſcheint. Die Stadt ist, ſo Weit es das Terrän erlaubte, regelmäſsiger angelegt, aber von nicht gröſserem Umfang als gegenwärtig. Die Stras- sen sind breiter, und der Häuſer mehr. Von den obenangeführten Badhäuſern sind sieben mit Buchstaben bezeichnet, und in der dem Blatt angedruckten Erklärung mit ihren Nah- men bemerkt. In der ziemlich dürftigen Be- ſchreibung macht Merian die naive Anmerkung, daſs das warme Waſſer fast in allen Häuſern 2u finden, dahingegen das„aliée und der liebe gulile Mein desto rarer ſeyen. Was das hiesige Brunnenwaſſer anlangt, ſo hat Merians Behaup- tung ihre volle Richtigkeit, der Wein aber ist, wWie Wir weiter unten hören werden, ſo ſelten nicht mehr. Das siebzehnte Jahrhundert war beſonders für die Rheingegenden traurig. Zuerst wüthe— te der dreyſsigjährige Krieg, in welchem Marg- graf Millieim auf der Seite der Kaiſerlichen, Marggraf Georg Friedrichè autf jener der Schwe- 45 den focht. Darum wurden auch der Baaden Baadiſche, und der Durlachiſche Antheil bald von den Kaiſerlichen, bald von den Schweden und den mit ihnen verbündeten Franzoſen ſehr hart mitgenommen. Im August des Jahis 1662. lieſs der chwedische Feldmarichall Horn, Stadt und Aemter durch den Obristen Schestalizky peſetzen, und in schwediechen Schutz nehmen, Wobei denn mancherlei Erxpressungen und Be- drückungen vorfielen, die freilich von jedem Kriege unzertrennlich sind, und uns an einem der Humanität entfremdeten Zeitalt'er um s0 weniger auffallen dürfen, da wir erst noch in unſern Tagen ähnliche Auftrittè erneuert sehen mufsten. Im darauf folgenden Jahre führten die Sieger das Simultaneum ein, Jesuiten und Kapuziner wurden ausgewieſen, die Stiftskirche den Protestanten, gemeinſchaftlich mit den Ka- tholiken, zur Ausübung ihres Cultus eingeräumt, und auf den 51ten Juli der erste Protestantische Prediger iInstallirt. Im Jahr 1641. ſchloſs Marggraf Milllelm einen Vertrag mit den Franzoſen, wWelche von nun an unſere Gégenden etwas milder behandelten. Schrecklicher und beiſpiellos in der Geſchichte sich eben dieſes Volk 1 1 1 +4 Ludwig XIV. das Reich ii berzog, indem er 3 3 4 5 + gEL die Länder des 1685. verstorbenen Churfürsten 0 Carl Ludwigs von der Pfalz, für ſeinen mit der einzigen Tochter diéſes Fürsten Wan der anſprach. Der E gSminis té leicht berechnen, SEIDes Widerstand fin- Gel 43 den Wiir Befehl d 0 Schy SE ſer Vaterland war Oestreich in einer he Nèffe Eu- cher Nach- 1en Ruhms und er- 7 Wäh⸗ On Oſer Er oberungs- fil de des Jahn 1688. wurde b 1 len französi iſche Nn eneral und ſchon um dieſe Zeit Ua1 durch Contributionen und 47 Plünderungen heimgeſucht. Baaden erhielt französiſche Einquartierung, die über 3 Mona- S82 the dauerte, und, den täglichen Aufwand ab- gerechnet, von stündlichen Nebenerpreſſungen begleitet war. Die unerwartete Ankunft der ſchwäbifchen Stè d Kreistruppen aus Ungarn veranlaſ 20ſen, dem Obrist-Lieutenant Virt. ſetzt wurde. Dem ohnges den 1iten Merz 1689. ein französiſches Streéif. corps unvermerkt am frühen Morgeén, brannte die Sagmühle und andere Gebäude in D 8 der Nähe des Kapuzinerklosters, ähr Wohnungen in dem Doör fähr 20 Wohn ng 0 D ern. Die kaiſerlichen und baverſche räle, um die Ausfälle der Louis zu verhindern, beſch 2 zu befestigen. Den Auftrag Hierzt Obrist-Lieutenant Virts, der a mit ſeinen Truppen, wovon ein als Beſatzung in Baaden zurück bliel 1 Bestimmung abzog. Innerhalb 25 kamen auch dieſe Befestigungen zu Stande, und 8 varen bedeutend genug, die Neckereien des 48 Feindes abzuhalten. Aber jetzt fiihrte der Feld- marſchall Duras 40οοο in bei Philippsburg jiber den Rhein, und Herr von Virts erhielt ſogleich von ſeinem Genéral- Commando den Befehl, Stollhofen zu verlaſſen, zuvo aber die Festungswerke wieder zu zerstöhren, ſoweit ez die Eile erlaubte, und sich mit ſeinem kleinen Corps nach Baaden zu werfen. Die Nachricſit hievon erregte, wie unser Original ſagt, allge- meine Verwunderun Unwillen und Bestür- zung. Virts marſchirte in der Nacht von Stoll- hofen ab, und kam am 15ten Augt den an, mit dem Entſchluſſe, sich daſelbst auf's die Einwohner néeuerdings Muth und Vertrauen, E +2 cherheit zu bringen. Dieſe Zuversicht währte aber nur einige Stunden, denn am iaten in 4 iſerli- der Nacht kam ein neuer Befehl vom ke chen Commandirenden des Innhalts: daſs, da der Feind anrückte, und bereits ſchon Durlach vLerbrannt, und Ettlingen in Besitz genommen und ausgeplündert habe, er sich mit ſeinen ben ſo gut er könne, über das Gebüürg ziehen ſolle. Dies geſchah denn auch AIn 49 am 15ten August, an eben dem Tage, an wel⸗ chem Ettlingen ebenfalls ein Raub der Flam⸗ men wurde. Mit den teutſchen Truppen 20. gen in Bestürzung die e Einwohner Baa⸗ dens beiderlei Geſchlechts f ort, und es blieb niemand zurück, als ein Haufe Elender, der die verlaſſenen Wohnungen, Keller und Spei⸗ cher plünderte, Schon am ilöten zogen einige französiſche Truppen ein, unter dem Vorwande, der im Schloſs wohnenden Marggräfin, Aaria Francis- e, zur Sauvegarde zu dienen. Dieſe Fiirstin, eine Prinzeſſin von Fürstenberg, und Wittwe des durch groſse Feldherrn-Talente ausgezeich- neten, und 1671. in Ungarn verstorbenen Marggrafen, Leopold Willelms, war noch im- mer in Baaden geblieben, vertrauend auf die Verwy endung des Cardinals German von Fürsten⸗ berg, welcher auch einen Eilboten an den Koönig von Frankreich abſchickte, Cugleich fandte sie ihren Beichtvater in das französiſche Hauptquartier nach Rastatt, um den General Du- Tas zu vermögen,»o nicht der Stadt, doch wenigstens des Schloſſes zu ſchonen, indem es ohne Gräben und Fallbrücken und ohne einige D 50 Befestigung würe, und folglich den Teutſchen zu keinem militäriſchen Posten dienen konnte. Man verſprach dem Abgeordneten die Rück- Kehr des obengedachten Eilbotens mit der Ant- wort des Königs abzuwarten; allein ohngeachtet dieſer Zusicherung rückten schon am gaten August friſche Truppen ein, welche die Palli- ſaden vor der Stadt verbrannten, die Contre- escarpen ſchleiften, und die Gräben ausfüllten. An eben dem Tage wurden Stollhofen und Kuppenheim verbrannt. Am azten hatten Steinbach, Bühl und Rastatt, nebst allen Rheindörfern gleiches Schick- ſal. Die Mauern von Baaden wurden einge- riſſen, aber immer noch wankte der Muth der Marggräfin nicht, welché fest und laut erklär- te, ihren Wohnsitz nicht verlaſſen zu vollen. Der würdige Sohn des Kriegsministers Louvois, der sich mit bei der Mordbrenner- Rotte in Baaden befand, lieſs die Feldmusik vor dem Schloſſe ſpielen, und hõhnte ſo mit grauſamem Muthwillen den Schmerz der edlen Fürstin. Endlich brach der verhängniſsvolle a4te August— das Fest des heil. Bartholomäus an— früh ͤ um 5 Uhr steckten die Franzoſen zuerst 15 I0 — 51 das Frauenkloster in Brand, welches die ge- dachte Wittwe Leopolds erbaut hatte. Ver- muthlich machten sie mit dieſem Gebäude den Anfang, weil es dem Schloſs nahé lag,(dem alten Rathhauſe gegen über), um dadurch dié Marggräfin zu zwingen, ihren Aufenthalt z2u verlaſſen. Fast zugleich mit dem Frauenkloster wurde in das Collegium der Jeſuiten und in die Stiftskirche Feuer eingelegt, und binnen 2wei Stunden standen auch das Schloſs und die meisten Gebäude der Stadt in Flammen. Ein furchtbarer Anblick! Kein Haus war mehr vom andern,; keine Gaſſe von der andern zu unterſcheiden: über alle hin wogte die himmelansteigende Lohe. Das Kapuzinerkioster war àuf aüsdfücklicheit Befehl des Marſchalls Duras von der Zerstöh- rung ausgenommen worden. Unbeſchreiblich aber ist das Ungemach, welches die Bewohner des Klosters von den zu tauſenden in die Stadt und aus der Stadt ströähmenden, nach Raub lüsternen; und mit Beute beladenen Feinden zu dulden hatten. Das Kloster war meéhrere Nächte hindurch von einzelnen Haufen umla⸗ gert, die gegen 40 Wachtfeuer unterhielten, D 2 5 2 wobei denn die Geistlichen beständig auf ihrer Huth ſeyn muſsten, um einem leicht zu ent- stéehenden Brande zu wehren. Stadt und Schloſs waren itzt eine rauchen- de Brandstattée, unverſehrt standen aber noch die Vorstädte und das Kapuzinerkloster. Der Gouvernéur von Fort-Louis hatte den Bewoh- nern der Vortadte die Erhaltung ihrer Hauſer zugeſagt, ur ſchon kehrten viele, im Ver- trauen auf dicſe Zuſage, mit ihren in Eile ge- flüchteten Habſeligkeiten an den verlaſſenen Heerd zurück, und dankten Gott, daſs wenig- stens sie aus dem allgemeinen Elende gerettet wurden. Umſonst! am z2ßten Octob. gegen Mittag kam abermals ein Trupp französiſcher Mordbrenner, pliinderte von neuem, und steck- e auch die Vorstädte in Brand. Noch hieiten sich die Kapuziner für ge- —— dorgen, denn sie hatten ja das Wort des Ober- befehlshabers ſelbst! Ruhig ſaſsen sie am Mit- tagsmahl, als die Glocke gezogen wurde, die Franzoſen eindrangen, und ihr Vorhaben, das Kloster in Aſche zu legen, beékannt mach- ten. Erst durchstöberten sie die Zellen, nah- men Bücher, Kirchengeräthe, u. s, W., verüb⸗ 4 n! 0 8 5 ten mancherlei Unfug, und legten hierauf an drei Orten Feuer an. Schon ſchlug die Flam- meèe aus, als zum Glück noch, einige teutſche Plaänkler herbeikamen, bei deren Anblick die Franzoſen sich davon machten, und den Kapu- zinern Zeit gaben, den weitern Ausbruch des Feuers zu hemmen. Der damalige Guardian r gab von dieſem doppelt ſchändlichen Beginnen dem Gouverneur von Fort-Louis alſobald Nach- richt. Dieſer lieſs den Guardian durch einen Expreſſen zu sich bitten; mit dem Bedeuten, daſs ihm alles Geraubte wieder ausgeliefert wer- 1 den ſollte. Der Guardian begab sich ſogleich da- n hin, erhielt aber auſſer einer ewigen Lampe und einigen Büchern nichts wieder zurück. Dabey ſagte ihm der Gouverneur unter Mitleidsbezeu- gungen: Es ſeye ausdrücklicher Befehl des Kö- nigs, auch das Kloster wegzubrennen, er rathe ibm daher, bei Zeiten in Sicherheit zu brin- gen, wWas er könne. Der Guardian lieſs hier- auf bei ſeiner Zurückkunft sogleich, was im- mer möglich war, von Kirchen- und Hausge- rathſchaften in das Beurner Thal flüchten. Der 6te November war endlich auch der Untergangs-Tag für das Kloster. Früh um 6 6⁴ Uhr, als die Geistlichen sich eben zum Chor verſammelten, kamen die Franzosen, plünder- ten, miſshandelten, und erlaubten sich alle Ausſchweifungen, voll Wuth, daſs schon 80 manches weggeſchaft war. Itzt trugen sie auf Befehl ihres Anführers Holz, Stroh, und an- dere brennbare Sachen zuſammen, zündeten sie an, und bald standen Kirche und Kloster in Feuer. Im obern Garten befand sich noch eine Ein- siedeley, bestehend aus einer Kapelle, einem kleinen Speiſszimmer, drei Zellen, und einem in den Felsen gehauenen Keller. Die Kapuzi- ner wendeten alles an, um den Gouverneur von Fort-Louis wenigstens zur Erhaltung die- ſes kleinen Zufluchtsorts zu bewegen. Umsonst! Er entſchuldigte sich mit den ausdrücklichen Befehlen seines Konigs, und auch dieſes wurde Weggebrannt, und darinn ohngefähr 200 Bände alter, schätzbarer Bücher, welche man sonst nirgend hin hatte retten können. Da für die Kapuziner nun kein weiteres Bleiben war, 50 wendeéten sie sich an den badiſchen Hofraths- Director Hinderer und den Landſchreiber Dyh- Iin, die sich in Forbach aufhielten, und ihnen — 65 duch in dem Gräflich Wolkensteinischen Hauſe in Gernsbach eine Unterkunft verſchaften, s0 wie sie sich zugleich für das fernere Verbleiben dieſer geistlichen Gemeinde in der Marggraf- schaft bei Marggraf Herrmann, kaiserlichem Prin- cipal- Commissarius in Regensburg,(da der re- gierende Fürst Ludwig MWillièlm, die kaiserlichen Truppen gegen die Türken anführte) verwen- deten. Die ausgewanderten Kapuziner waren aben in ihrer Verbannung nicht blos auf sich selbst bedacht. Die Bewohner Baadens irrten ohne Obdach in den benachbarten Wäldern, und auf den Trümmern ihrer Wohnungen umher, niedergedrückt von Mangel und höffnungslosem Gram. In solchen Augenblicken, wo der Menſch eines höhern Trostes, Wo er des Glaubens an ein Jenſeits, an eine richtende, ausgleichende Vergeltung bedarf, Wo die Verheiſsungen der Religion allein ihn noch aufrecht zu halten ver- mögen, ergreift er mit Sehnſucht die Hande dessen, der sie ihm darbringt. Alle übrigen Geistlichen waren geflohen, die Kapuziner stan- den daher keinen Augenblick an, die Pfarrver- richtungen zu übernehmen, und die letzten 6 5 Tröstungen dahin zu bringen, wo das fliehende 8 Leben im schweren Kampfe rang, Wo Hunger und Elend die zahlreichen Opfer würgten, wel⸗ chè das Schwert des J 1856 verſchont hatte. Die- ſer Zug reiner Menſchlichkeit und religiéser kiicees Verdient es vor vielen andern, daſs die Blätter der Geſchichte ihn aufbewahren. Noch itzt begehen Baadens Bürger das An- denken an den verhängniſsvollen Bartlolomäus⸗- Tag durch eine feierliche Prozession; welche jährlich an dem Fest dieſes Heiligen nach de benachbarten Kloster Lichtenthal wallt, und die ehemahls von dem Baaden Baadenſchen Hofe selbst begleitet wurde. Es war indeſs ei ne Zeit, Wo man die ernste Feier durch eine fal- sche Tendenz entstellte, und aus dem Fest einer Religion, die Duld ung im Leiden,; und Liebe und in die W ege der Vorsel nung lehrt, ein Fest der Intoleranz zu machen suchte.“) Baaden erhob sich nur 1a ungsam wieder aus seinen Ruinen. Die Voerl egung der Residenz nach Rastatt war Urſache, daſs man mehr auf die Wiederherstellung und Verſchönerung die- ſes lezten Orts Bedacht nahm. *) Aus einem in der Vorrede beſchriebenen Manuferipte. 57 7 wärtige Kegierung sah ein, was Baaden bei sei- nen von der Natur erhaltenen Begünstigungen werden könne, und was man bis jetat gethan hat, und künftig noch thun wird, verſpricht untrer Stadt, daſs sie bald die Stelle unter den Badern Teutschlands einnehmen werde, welche äihr mit so vollem Rechte gebührt. III. TOPOGRAFITE. Baaden liegt in einem der anmuthigsten Thä- ler, die von den Abhängen des Schwarzwalds ebildet werden, an dem Fliiſschen Os, wWel⸗ geb geb ches bei Rastatt in die Murg flieſst, und die Grenze der Bisthümer Strasburg und Speier be- 8 1 zeichnet; es ist zwo Stunden vom Rhein ent- eine kleine Stunde von der Bergstraſse, ernt, die nach der Schweiz führt, und bei dem Dorf Os östlich in das Thal einbiegt. Ein gut un- terhaltener Straſsendamm zieht sich zwiſchen Wiesen und Ackerfeld und Anhöhen, die links R ... 68 meist mit Wein bepflanzt, rechts zu Ackerfeld Wie benutzt oder mit Holz bekränzt sind, bis nach Baaden, das sich zum Theil auf der Thalebene 0 ausbreitet, zum Theil nordwärts einen Hügel hinansteigt, von welchem das Schloſs den höch- 1 sten Punkt ausmacht. Gegen Westen ist das Thal ganz offen, und gewährt— beſonders von dem Schloſs aus, und in der Abendbeleuch- tung— eine Auesicht, wie sie der dichteriſche Pinſel Claude Lorrain's nur in ſeinen glück- lichsten Momenten schuf. Die Gebirge, welché den Kessel umkreiſen, sind wie die mehresten Gebirge des Schwarz- waldes gröstentheils mit Nadelholz bewachſen. Der Sänger der Gefundbrunnen(Herr V. W. Neubeck) giebt von Baaden folgendes nicht ver- schönernde Gemählde: Winkt nicht Baaden mir dort mit den grauen Ruinen der Berghöh, Wo noch wandeln die Geister der alten He-* rołn im Mondlicht? Die du mit Mathisson einst die bemoosten Trümmer der alten Veste besangst, o Muse, so ſchön auch Echo die Töne 59 Wiederhallet, so viel idein Lied auch Herzen gewinnet, Auch mich hat es entzückt, zum ſchöneren wirden dich hier noch Dieſe Ruinen begeistern, zum ſchönern die reizende Gegend. schau, dort über der Stadt die Reihe der Traubengebirge, Wo der schneitelnde Winzer den sonnigen Felſen hinanklimmt. Schau, wie ringsumher aus purpurner Ferne der Thiirme Kuppeln, vom Abend beglänzt, herglüh'n, und hier in dem grünen Thale der Strom die Bilder der farbigen Wol- ken zuriick strahlt! Schau, wie der bläuliche Rauch dort abend- lich über dem Landsitz, Rings mit Hopfen umpflanzt, zum heitern Himmel emporwallt! Welch anmuthiges Hirtengehäg dort winkt dem Naturfreund, Der hier weilt, und um Wiedergeneſung die Nymphe des Quells fleht, Der am Fuſse des Bergs einladet zum heilsa- men Bade! 979„— — ———— 900 Welch ein Gewühl um den Dom der Najade! Wäelch ein Geétümmel! Schau, wie drängt sich der Schwarm der Ge- sunden und Kranken am Eingang Rings um den Marmor her mit der halbver- loſchenen Innschrift, Welche dem Wanderer sagt, daſs schon in den Tagen der Vorwelt Hier der Gebrechliche wieder empfieng das goldene Kleinod, Dessen Besitz den Genuſs der holden Giüter des Lebens Einzig würzt, und dessen Verlust der Sterb- lichen lezte, Lezte Reise zum Lande der nichtigen Schatten beſchleunigt. Baaden ist unregelmäſsig gebaut, wie es— teiner Lage nach nicht anders seyn kann, hat gekriimmte Straſsen, und viele enge Gäſschen, die Häuſer sind meist klein, auf das Bedürfniſs einer bürgerlichen Familie eingeſchränkt. Die Stadt ist, nach alter Gewohnheit, mit einer Mauer und einem Graben umgeben, der aber 21 Gürten benüzt wird. Sie hat vier Thore, ¹ο Vorſtädte und neun öflentliche Brunnen, „„„„ 61 deren sich mehrere noch in Privathäusern fin- den. Ein kleiner Bach, mit Steinplatten be- deckt, durchflieſst den ebenen Theil der St * 4 und befördert die Reinlichkeit, so wie er bei Feuersbriinsten von Nutzen ist. Die Häuserzahl ist 383, Die der benach-⸗ barten Zinken und Höfe 35. Sie sind 2u 391484 Gulden angeſchlagen. An Einwohnern hat Baaden und zwar an männlichen—— 1208, an weiblichen—— 1330. Zusammen 2538, ten Darunter sind: Bürger——— 464,. Nichtbürger——— 3¹ — 4 Privatpersonen——— 84, In den letzten 8 Jahren(von 1796, bis 4805. wurden gebohren: ehliche Kinde—— 9215 ARehlicehe—— 70.5 polirt PAk....— 2965, starben FErwachsene— 406. Kinder——— 469, S — Die Sterblichkeit unter den Kindern ist übrigens um vieles vermindert, ſeit durch die menſchenfreundlichen und uneigennützigen Be- mühungen des Herrn Hofraths Schaſfroth die Vaccination eingeführt, und ein Impfinstitut errichtet wurde, und es mögen sich äusserst wenige Kinder in der Stadt und auf dem um- liegenden Lande finden, an denen dieſe un- schätzbare Erfindung nicht mit dem besten Er- folg angewendeét worden wäre.— Die Religion der Einwohner ist die Katholi- ſche. Marggraf Bernhard II. hatte zwar die Reformation auch in den Baaden Baadenſchen Landen einzuführen angefangen. Philipp I. ſuchte aber den neuen Cultus wieder abzuſchaf- fen, und Marggraf Millieim bewirkte dies gänz- lich. Da inzwiſchen durch das letzte Organi- sations-Edict die Religionsparität als Norm für das ganzeé Kurfürstenthum festgeſetzt wurdes s0o bequemte man sich auch hier zur Annahme protestantiſcher Bürger; dereii aber erst einer sich dieſe Begünstigung zu Nutzen machte. Ju- den sind hier gar keine angesessen: cr tel Oeffentliche Gebäude sind: 1. das Schloſs. 2. die Amtskellerei. 3. das Rathhaus. 4. die Stadtſchreiberei. 5. dlie Stiftswohnungen. 6. die Stiftskirehe. 7. das Lycaeum, wozu Kloster und Kirche 2 der ehemaligen Jesuiten gehören. 8. die Antiquitätenhalle mit dem sogenann- ten Urſprung. 9. die Obervogtei und ein zweites Amthaus. 10. das Frauenkloster, aamt Kirche. 11. das Schulhaus. Ausser der Stadt: 12. das Kapuzinerkloster nebst Kirche. 13. das Spital samt Kirche. 3 14. das Gutleuthaus. 15. das Krankenhaus. 2 16. das Promenadehaus⸗ einer Das Schlofs wurde, wWie ich schon oben bemerkte, von Marggraf Curistop]. gebaut, und im Jahr 1479. vollendet. Philiph II. riſs es wieder ab, und führte ein groſsæres prachtvol- Gebäude an dessen Stelle auf, welches ge⸗ —58 en 15780. zum Bewohnen eingerichtét War. 88 I — N Lach Schöpflin hätte er auch die untér démſfel- zen befindlichen Souterrains angelegt allein Setege; diéſe sind wahrſcheinlich wWeit älter, auch bei eitem nicht von dem groſeen Umfange, daſs, t, béi einer Be⸗ WIe gedachter Schriftsteller 8⸗ D lagerung der ganze Hof eine uflucht darinn hätte finden können. Der Eingang dahin fiihrt durch den Thurm, rechts, an der Ecke des Schlosses, eine Wendeltreppe hinab an einem chemahligen Schwimmbade, im römiſchen Ge- ſchmacke, Beim Eintritt in die Sou- terräns selbst befinden sich links in der Mauer 08 und zwei übéereinander stéhen⸗ de Nun tritt man über zwei Stufen immten Gang, sieben in einen engen gekri hoch, sechs lang, und von da in eine Vorhalle Welche 16 Fuſs im Durchmesse Vorhalle führt in ein 3 mit einem, in einem Seitenwinkel beéfindlichen ritt, ver-⸗ chemals dürch eine eiſerne Thür 118 Ver-⸗ zvahrten Gang leitet. An dieſen Gang stöſst de, das oben offen ist, und ein anderes kleines Gew In. 95 und mit dem Haupteingang ins Schloſs, neben der groſsen Treppe, eine verborgene Commu- nication hat. Der folgende Gang hat eine stei- nerne Thüre, 9 Zoll dick, 6 Schuh, 4 Zoll Schuh, 8 Zoll breit, und stöſst un. r an einen 2 eiten, chemals mit einer eiſernen Thüre verwahrten, die, wie die mei- Thüren dieſer Souterräns, mittelst starker im Gemäuer brachten eiſernen Stangen von innen und geſchloſſen werden — 65 7 7 * rnächst kommt man in eine Ha r Tradition den Nahmen der Fo tèrkammer wozu mehrere im Gemäuer angebrachte eiſerne Ringe die Vermuthung ge- 8 8 geben haben möge Unmittelbar auf dieſe Folterkammer folgt ein kleiner Gang mit einer nun gröstentheils 0 und mit Bret- tern bedeckten Grube, welche die Breite des Ganges hat. Der 38 nach wurden die zum heimlichen Tode Verurtheilten in dieſe Tiefe Hina Erst vor 20 und etlichen Jah- ren war dieſe Grube noch nicht ausg ein Hund fiel 20 Ifallig hinab, und als man 1358 mittelst einer Leiter W wollte, fand man in der Tiefe von mehreren Kuthen, noch E 66 die Reste von zwei sich bei einer starken Be- rührung gegen einander bewegenden, mit ſchar- Ssern verſehenen Rädern, worauf der Be- U ſen 112 fehl zur Verſchüttung gegeben. urde. Der folgende Gang hat wieder eine stéeiner- ne Thüre, und wendet sich südlich(da die bisherigen ihre Richtung meist 10TrdwWestlich hatten), und es befindet sich in demſelben seitwärts ein zweiter Abtritt; an dieſen reiht sich, in der Richtung nach Osten ein neéuer Gang, und aus dieſem tritt man in einen an— dern sich Windenden, der in das létz- 2 1 in der Mauer sind 8 paralell mit einander laufende Löcher ange- bracht, die wahrſcheinlich zu einer Doppel- reihe übeéreinander stéhender e dienten; rechts stehen ebenfalls an der Mauer hin, sechs steinerne Bankpfeiler. Vorn in der Richtung gegen Westen ist eine Wandblende, die 2zu 7 einem Thronhimmel gedient haben Kkönnte, und über derſelben eine kleine(itzt zugemau— erte) Oeffnung. Ueber die urſprüngliche Bestimmung ſer Souterrans sind die Meinungen Sehr abwei nd. Zu bloſsen S 8810016 können 8ie t haben, dem üüberall m. Zu einem Zufluchtsort bei einer äl⸗ D Belagerung? Fürs, ersté sind sie uch des groben d da ann haben sie auch zu wer nig Raum, um mehrere Menſchen eine Zeitlang etden Richtun gen windenden Küsten und Verſchlä ge hindurch gebracht nnen. Ueberdein wWar das Schlofs e nd Var einmal die Stadt von einde genommen, 50 boten dieſe Sou- terräns, die des Lichteés und der Luft mangeln, nicht nur keine Sicherheèit meéhr, ſondern der Aufenthalt darinn war ſogar äus- serst gefährlich, wenn etwa das 5 in Brand gesteckt ward, ein Schic Ksal, nes in jenen rohen Zeiten fast alle erob berten B traf. Durch die neben der 1r te Communication mit 25 rdgeſchosse Waren sie auch leicht zu entd E 3 Eine alte Tradition macht sie zum Sitz ei- nes Freigerichts, oder der heiligen Vehme. Wir wissen aus der Geſchichte, daſs im iten und noch zu Anfang des 15tén Jahrhunderts in Baaden oder der Gegend von Baaden ein Frei- ae ſeine Gewalt fürchterlich miſsbrauchende Ge- dieſes stuhl bestand. Mar. richt in ſeine Schranken zuri zu weiſen. Im Jahr 1459. bewilligte er der Stadt Eſ. seinen Schutz einzig unter der Bedingung, daſs keiner ihrer Bürger sich als Freiſchoppe(Sca- binus), oder Beisitzer der heiligen Vehme) auf- nehmen, keiner, der ſchon aufgenommen aber sich beigehen lassen solle, einen ſeiner Mitbür- vor gedachtes Gericht zu zichen. Unter Räthen befanden sich inzwiſchen mehrere Freéiſchöppen. Fünf Jahre ſpäter ſchloſs er nen Bund zur Beſchränkung dieſes Gerichts mit Kurfürst Friedricht von der Pfalz, Biſchoff, Rupert von Strasburg, Albert von Oesterreich, den Städten Offenburg, Gengenbach, Zell und mit noch andern Fürsten und Städten. Falsch ist es aber, was Schöpflin bei dieſer Gelegen- heit ſagt, daſs die Absicht dieſes Vereins gewe— ſen sey, das heimliche Gericht ganzlich zu un- —— 22 69 terdriicken, und daſs Kaiser Maximilian dassel be im Jahr 1512. förmlich aufgehoben habe. Noch Ulrich von Wür⸗ hHter. Erst in der rg Westphäliscl des sechezehnten„nach ein- Ordi ist nie durch einen Dieſe ge- chen rter peir Ung ng 10 8 8 — S. — D —3 — 5* —5 — che die m 2 macht, 8 Wahr stéht ihr entgegen, daſs bei dieſen Gerichter nlichkeit, und nur das e die Hinrichtung durch Stricke oder Dolch ge- Cchah. Zum Sitz eines heimlichen— Wenr auch gleich nicht westphälischen oder Vehm- geri ichts— mochten sie daher anfänglich be⸗ um germanicarum gegen das den Scriptoribus rer erk⸗ ung ne ürdige Stelle:„ K mren Unterthanen bei Leib und Gut 8 sollen, an ein westphälisches,(heimliches, Geri re denn, daſs sie bei ihrer rechtmäfsig Obrigkeit kein Recht finden konnten, oder dieſe selbst erachtete, daſs die Sache für ein westphälisches Gericht gehöre.““ S. 137. der Diplome und Dokumente in dem Sclülterschen Werke. ů—— 447„„„ dies reimt auch ganz mit der 4 X nem die Verurtnei- Hinrichtung bedeutender Perſonen chah, wWeil das Vorurtheil chen Tode eines Verbreéchers gen dieſe Souterräns älter seyn, das vom Marggraf Christoph erbaute Schloſs. Nur daſs sie urſpriünglich wohl eétwas * er Waren; indem sie der Länge na nauert scheinen. Das darüber erbaute noch Woh und durchaus bewohnbare Schl en Vorzüge, die eine Beſchreibung rdienten, aber es bieéteét einen angenehmen 0 öommeéeraufenthalt durch ſeine geräumigen, lüf, tigen Zimmer, und ſeine vortreffliche Lage, wie es denn auch noch oft Persenen der fiirstlichen Familie, welche die hiési wollen, zum dient. Die Facade der 4 mer geht gegen Al ten, mit der Aussicht in das reiche Gebiirg 4 3 lieſ- 537* 1 1 5 Aus éeinem dièéſer Zimmer führte vormals eine Ile; nun abgebrochene Treppe, auf die breite von 71 dem zweiten Geſchoſs auslaufende Terrasse, die sich in eine ſchöne steinerne Rotunde endigt. e Von dieſer Terrasse hat man die herrlichste Aus- sicht, links in das nördliche Geb bürg, Wo die ch und gant 1annen Ber- V KHeren D Junk Lel hie 33 R ˖ einer Bu- die etwas ent- gerade unten chenden Que E1 Dieſe Terrasse ist wahrſcheinlich noch ein Ueberrest des alten Schlesses, und von den Flammen verſchont worden, so wie einige im Erdgeſchoſs Zimmer, Wo die mit Mosaik einge sböden, die Reste von Deckengemah„reichen Stuckaturen und Vergoldungen, traurige Denkmähler der von den Fra 5 zerstörten Pracht sind. Auch en-Verzierungen— ein Gang von „ einige in Steingesimse ge- 2 näen, und das von einer kunst- verfertigte, über dem Portal an- 7² gebrachte Baadenſche Wappen datiren noch P1 vor dem Stadtbrande her. An Natur und Kunstmerkwürdigkeiten be- wahrt das Schloſs nichts mehr. Unter den vie- len Gemählden(meist Porträten), welche zer- st herumhängen, zeichnet sich ein einziges mythiſches Bild aus— Neptun von den ſpie- geben, wahrſchein chule, welches aber ganz garien macht als ſchöner Garten keine Anſprüche, aber er gewährt eine höchst genehme Promenade, und béſonders giebt die pe herrlicl up; aer alter Linden, zunächst am Schlosse, ein angenehmes Ruheplätzchen in den ſchwülen Sommerstunden. Wol Uthätig streuen 81e, die ſchon einige Geſchlechter vergeh hen, noch immer Kühlung und Wohlgeruch umher. 6 Noch läuft eine aufgemauerte, ſchmale Gar- ten-Terrasse unter den Remis hin, und diente hiebevor zum Al Orangerie, von welcher aber wenig mehr vor⸗ handen ist. ——— 8 „ Die Zimmer des Schlosses stéehen unter der Aufsicht eines Hausmeisteérs, an den man sich zu wenden hat, wenn man das Schloſs und die ſehen will. Auch befindet sich dar- inn noch eine Hof! rei, so wie die Speicher noch zur herrſchaftlicher Früch- tè dienen. Unter dem ersten in den geräumigen Hof * führenden Thor, hängt eine naturhistoriſche Seltenheit, ein ausgedörrter Stör von ohnge fähr 5 Schuh Länge, der in dem hiesigen Klei nen Oelbach gefar ngen wurde. Dieſe Fiſchart ist übrigens weder in der Murg noch im Rhei- neé einheimiſch. Das Collegiatstiy:. Es wurde 1453.— 8 r 3 3 den in eben dieſer Urkunde licher Revenüen, dem und Cantor jedem 40, und einem Kanonikus — 4 30 Gulden ausg Worfen. Dazu kamen noch 30 Gulden Präsenz. Der Fond wurde theils in Kapitalien, theils in Tehnten angéwieſen, Glden 8 und hierbei 2 Malter Korn für einen Gulden, 5 Malter Dinkel eben so hoch, und das Fuder Vein zu 6 Gulden gerechnet, wWa— von dem damaligen P 5 in dem Spital seyn. Das Praesenta- afen vorbehalten. 1 4 Licentiaten seyn, die übrigen aber 6 9 7 8 tionsrecht wurde dem Maf 11 Unter den Kanoniken ſollter reéchtliche Männer, aus rechtmäſsi Ehe ent- ſprossen, es wäre dann, daſs natürliche Söhne eines Marggrafen, oder Prinzen einzutreten ver- langten. Einige Anordnungen in der Stiftun urkun- de sind charakteristiſch für den Geist jener Zeit. 80 heiſst es unter andern: „Es ſoll keiner im Chor des andern lachen oder unziemliche Gébährde treiben, und ſol- len ihre Röck und Mäntel vorn oder zu den Seiten nicht offen stehen, und kein Bepfründe- ter ſoll gehen mit beéſchlagenen Holzſchuhen in D dem Chor. Desgleichen so sich einer des Stifts — 1. 10 1 0 0 0 75 unpriesterlich hielte, es ſeye Frauen, Spielens, oder anderer groben Urſachen halber, dem ſoll das Kapitel ſeine Fructus nicht folgen laſſen, 0„Frucht, oder Wein, 515 er con- cubinatum publicum, Spiel, oder eS, Weés⸗ Stifts vermehrten sich Itl durch gutgemeinte nächtniſſe fürs tlicher und n, 82 Es 18 unter andern auch im Würtembergiſchen ergiébige Zehnten 8 eVer- 3 mit dem Lycaeum vereinigt wurde,; 5 daſs nach Pfriin- den nach und nach mit Profeſſoren des Ly- 1 fligung in ein Schulstift dieſer Anordnung die ledig werde 8 8 Oο caeums beſetzt werden ſollten. Da der letzte durch Welchen die groſsen geographiſchen und poli E derungen Teutſchlands regulirt Landesflüirsten auch über die Stiftun⸗ 30 gen zu disponiren gestattet, ſo wurden, 2zufo 76 dièſes, mit dem Stift Baaden noch einige neue Dispositionen vorgenommen, die im Weſentli- chen darinn bestehen: Daſs Dekonomie Kiinftig zwar noch — — — — 8 5 1 5 nicht mehr unter der Verwaltung oder Direc- tion deſſelben, als welche der katholiſchen chen-Commiseion übertragen ist. 3) Daſs das Patronatsrecht der vom Stift ab⸗ hängenden Pfarren künftig vom Landesherrn ausgeübt wird. 4) Daſs das Stiftspersonale— welches üb gens ſchon längst nicht mehr die Zahl der Stiftungsurkunde hatte, künftig aus einem De- zant, Eugleich Lycaeums Director) dem Scho- Jaster, Cilstos(der, wie bisher Pfarrer der Stadt Baaden bleibt) vier KAanonilen, vier Viltarien und zwei Kaplänen des Custos und Stadtpfar- rers bestéhen soll. Ausserdem werden in Zukunft nur noch die Stellen des Dechants, Scholasters und Custos als Pfrunden vergeben, hingegen die Kanonika- te und Vikarien als bloſse Commenden,; jene W 7 von drei zu drei, dieſe von Jahr zu JIahr, und dies aus dem beigefügten Grunde, damit die- jenigen, welche beim Lehramt nicht tauglich befunden werden, wieder zur Pfarraushülfe ver⸗ wendet werden konneèn. Die Präsenz ist auf die Lehrstunden am Ly. eaeo übertragen, und jedes Verſaumniſs jedes zu spät Kommen wird hier, wie l im Chor, nur durch eine verhältniſsmäſsig die Prasenz übersteigende Geldstrafe gebiiſst. Der Gottésdienst in der Stifts- und Ly- cäums-Kirche, wird gemeinſchaftlich durch die Mitglieder des Schulstifts verſehen. Das Stift Besitzt zwölf, zum Theil schöne und geräumige Wohnhäuſer, meist mit daran liegenden Gärten, welche, die Probstei und Dechanei ausgenommen, nach dem Eintritts- alter vertheilt werden. Eben dies geſchieht mit den vor der Stadt liegenden Gärten, de- ren jeder Stiftsgeistliche, die Vikarien ausge- nommen, einen zu benutzen hat. Die Stiftskirche wurde fchon im stebenten Jahrhundert erbaut. Sie steht auf dem Markte, dem ſchonsten Platze der Stadt, und ſcheint in dem Brande von 1689. die Verzierungen 78 und das Dachwerk ausgenommen, nicht ſehr gelitten zu haben. Erst im Jahr 1753, wurde 4 316 ganz wieder hergestellt. Die Bauart ist go- thiſch, aber weder ſchwerfällig, noch mit Ver- zierungen ſiberladen. Das 8 fmiſst 64 Fu in der Länge, und 54 in der Breite. Verhalt- niſsmäſsig könnte es étwas zu hoch ſcheinen, Die 16 Fuſs breiten 8Sei etwas niedriger, sie endigen sich in Nebenchöre, aus welchen m chor hinaufsteigt, und ruhen auf ſehr chen Pfeilern, die ſo, wie die ſehr groſsen Fen- ster, in ſpitzige Bogen auslaufen, Von der Seite füihren ſechs steinerne Stufen in den 234 1 Fuſs bi und 336 Fuſs langen Chor. Vor dieſer Treppe steht der Pfarraltar, deſſen Stand ob gleich der Altar niedrig ist, und nur ein Kreuz zur Verzierung hat, doch das Auge des Beſchauers unangenehm unterbricl angenehmer fällt es beim Eintritt auf, daſs der Thurm im Schiffe steht, und man durch dié ereit 18455 in demſelben angebrachte, ziemlich niedrige Emporkirche, das Ganze mit einem Blick 2u überſchauen gehindert wird. Die Emporki Wifd von 4 kunstreich gearbeiteten eiſernen * 70 gern gestützt. Im Chor, der eigentlich den + Stiftsgeistlichen bei Errichtung des Stifts zu ih- ren gottesdienstlichen Verrichtungen angewie⸗ ſen wurde,(das Schiff mit den Seitenfli ügeln Bestimmung als Pfarrkirche) stehen 2u 8 die Chorstühle— eine Treppe führt die chemalige Kapitelstube. Der Hochaltar hat eine verunglückte Form, und ein nicht ganz ſchléchtes Altarblatt— die Himmeél- fahrt der Jungfrau— von Heinrich Lill, von wWelchem auch noch sieben andere Altarblätter in dieſer Kirche herrühren. Mehrere darunter, eine Flucht nach Egypten, ein heiliger Seba- stian, eine Magdalena, eine Maria, die im Le- ſen unterrichtét wird— sind nach Guido gE- mahlt, und laſlen den ſanften Geist, und die bé verkennen. Nur Sce bernde Grazieè ihres Meisters nicht ganz hade, daſs die meisten ſchon 1* 1 f ſehr 821 itten kaben, und an vielen Stellen, wWo die Farben abſprangen, der rothe Grund vor- blickt. Kömmt iknen keine vorsichtige Hand zu Hülfe, ſo möchte ihr ganzlicher Untergang ſchwerlich lange mehr ausbleiben. Von Marggraf Bernard I. an, der 1431. starb, und auch ein Denkmahl in Herrenalh 60 die meisten afen(mit Aus- en Linie) in die- Hat I 3 e der Baaden Durlachiſol nahm ſer Kirche begraben, und der ganze Chor ist CLudoig Mil—- 877183 DSteinen Verziel mit ihren Gr— jielm, dieſer genievolle herr, der mehr als je einel annen War; hat unter allen das gröiste stbarste, aber auch und 1 11 N Kunstloseste Denkmahl. Die El[cheint das Werk einer verſchobenen Phantasie, wie — 1 tionen d nchmal in den Con 81E 1 Testa herrſcht, nur daſs auch i- sten Zuſammenstellun 1 1 1 mer eine kunstbegabté 1 M 1 1 3 jenem Monumente ul „n Seite führung— das jenem gegeniiber stéhen- 4 2 ahl ſeines Oheims, des Marggrafen denfalls mit Kunst, Tap- e VOII Montecu. renberg gegen die Tüi 1657 74 Warasdeltt 1n auf einem(in Form und ud von einer andern Hand verf ophag, sinnend auf ſeine rechte 18 Gale tel 81 gestützt, und gleichſam ausruhend von den Mühen des Kriegs. Zu ſeinen Füſsen kniet ſeine Gattinn, eine interessante, weibliche Fi- gur, in einer angenehmen Stellung, mit gefal- teten Händen gegen den Altar gekehrt, und bethend. Der Sarkophag wird zu beiden Sei- ten von zwei gefeſſelten Türkenſclaven gestiitzt. Düsterer Unmuth zieht ihre Augenbraunen zu- ſammen, aber sie ſcheinen weniger gedrückt von der körperlichen Last, die sie zu tragen haben, als von dem Gefühl ihres Schickfals. Es ist eine starke kräftige Natur in dieſen zwei Figuren, die nicht aus der Phantasie gegriffen sind, ſondern unter der ſchaffenden Hand des Bildners zum zweitenmahl in die Wirklichkeit hervorgiengen. Der Künstler war ein Mann; der es sben ſo gut verstand, mit Geist und Wahrheit nachzubilden, als den Meiſel zu hand- haben. Man ſagt, das Monument ſey in Paris gemacht worden, allein es hat mehr von dem ernsten und strengen Styl der alten italieni- ſchen Kunst, als von der willkührlichen Ma- nier der französiſchen Schule. Nur Schade, daſs der Gedanke ſo tief unter der Ausführung steht. Man weiſs sich die Juſammenſetzung F 82 nicht recht zu deuten, und das Werk macht eben darum keinen bleibenden Eindruck. Ei- nige unbedeutende Restaurationen, die man da- mit vorhahm, hätten beſſeren Händen anver- traut werden ſollen. Auch der unglückliche Eduuard Fortundt, der Enkel von Gustav Masa, und der Sohn der fchönen, aber nur zu reizbaren Cäcilie, der Freundinn Eliſabeths von England, hat in die- fer Kirche ein Denkmahl, und— wie ein da- neben liegender Stein ſagt— ſein Grab. Ge⸗ Ichichtliche Urkunden versichern aber, daſs er in dem Kloster Engelgfort, bei FTrier, mit ſeiner Gemahlinn, Maria von Eiclen, begraben liege. Als im Jahr 1754. méehrere fürstliche Grabstät- ten geöffnet wurden, um die Nahmen der dar- inn Ruhenden zu erfahren, geſchah dies auch mit dem Grabe neben dem Monumenteé des gedachten Fürsten, und man fand darinn, in einem durchlöcherten zinnernen Gefäſſe; ein Herz, und in dem dabei béfindlichen Sarg ei- nen Leichnam in einem ſchwarzen Kleide, mit einem Degen zur Séite, und einen Dolch im Arm, allein keinèe Weitern Anzeigen, daſs dieſes der Körper Ediiau Fortunats ſey. Pie Ueberſet- 85 zung deſſelben nach Baaden ist auch durch nichts documentirt, als durch die gemeine Sage, und wenn man bedenkt, daſs ſein Sohn, Marg⸗ graf Willieim, beinahe 30 Jahre lang nach dem Tode ſei nes Vaters noch vom Besitze der Marg⸗ grafſchaft ausgeſchloſſen blieb, ſo ist es kaum wahrſcheinlich, daſs das Andenken an ſeinen Va- ter, das ihm in keiner Hinsicht ſehr theuer ſeyn konnte, ihn ſo lange nachher erst zu dieſer Handlung kindlicher Frömmigkeit bewogen Ha⸗ be; da aber Marggraf Eduard Fortunat die Beis ſetzung ſeiner Leiche in der Gruft ſeiner Väter zu Baaden in ſeinem Testament verlangt hatte, ſo begniigte man sich wahrſcheinlich damit, ihm an ihrer Seite ein Denkmahl zu errichten. Bei dem neulich erst in den Grabstein des Marggraf Chiristoplis eingeſetzten alten Wappen von Bronze fällt es auf, daſs daſſelbe neben dem Helm eine Biſchoſſomùiee hat. Sollte die- ſes Wappen nicht offenbar zu einem andern Grabstein gehören? Unter den übrigen zahlreichen Grabsteinen, wWwomit auch das Schiff der Kirche angefüllt ist, befindet sich einer, rechts im Eingange unter dem Thurme, mit der ſonderbar anfangenden F 2 84 Innſchrift: Hier ruht Innhalte erfährt man, daſs hier eine Wohlthä- N. 1. aus dem weitern terinn der Kirche ruhe, welche derſelben 5000 Gulden geſchenkt habe, jedoch unter der ausdrüicklichen Beédingung, ihren Nahmen zu verſchweigen. Allein ſetzt dieſe Innſchrift ſehr naiv hinzu, wenn auch die Menſchen es nicht ſagen dürfen, ſo darf es doch der Stein, und ſo plaudert denn dieſer indiscrete Stein den Nahmen aus, den die, welche ihn ſetzen lies- sen, als Gcheimniſs bewahren ſollten.— Das Jycdeum war urſprünglich ein Institut der Jeſuiten. Marggraf Millieim hatte sie von Speier kommen laſſen, und erbautèe 1632. das geräumige und angenehm situirte Collegium, welches mit dem Gymnasiumsgebäude durch einen Gang zuſammen hängt. Dièſer Orden erhielt nicht nur die Beſorgung der Böhern Schulanstalt, ſondern auch die Kanzel in der Pfarrkirche, und die Aufsicht über ein— ne— ben dem Collegio— erbautes Seminar, zur Bil- dung junger Kleriker, doch ist dieſes letztere nie zu Stande gekommen, und das dazu be- stimmté Gebäude ist itat zur Wohnung des Obervogts angewieſen. te, Icg Ue 85 ‚ Die Jeſuiten blieben im Besitze des Gymna- siums, bis einige Jahre nach Aufhebung ihres Ordens, Wo die Regierung, welche bei der da- mahligen, durch rastloſe Bearbeitung fanatiſcher Obſcuranten hervorgebrachten Stimmung des hiesigen Publikums— nur ſachte gehen konn- te, zuerst nur einen weltlichen Lehrer der Phi- Stein, und loſophie von Mainz berief, der die Vederſchen ˖CC˖.c˖C... Stein den Lehrbücher einführte, sich aber nur kurze Zeit gegen die Kabale zu halten vermochte. Die — Regierung, um noch sicherer zu gehen, bat ——— sich nun von dem Fürstbiſchoff von Speier, in deſſen Sprengel Baaden gehört, einen andern Profeſſor der Philoſophie aus, und dieſer ſchick- te einen jungen Kleriker,— den durch ſeine nachberigen Schickſale bekannt gewordenen Martin Miehrl, eine Wahl, mit welcher man in jeder Hinsicht zufrieden zu ſeyn, Urſache SSr Löhe m hatte, denn Miehrl verband mit den glücklich- 42 sten Naturanlagen und ausgebréiteten Kenntnis- — ne⸗ 1 sen, eine ſeltene Thätigkeit, einen anſpruch- loſen, oſſenen Character, und ganz die Art und Weiſs, das Zutrauen junger Lente zu gewin⸗ 1 nen. Leider muſste aber auch er bald die theure Erfahrung machen, wie gefährlich ez 8 85 RRRRRTC 86 ſeye, Menſchen, die an die Dunkelheit ge- wöhnt sind, ein Licht vorzuhalten. Da ſein reines Leben dem lauernden Feinde keine Blö- sen gah, ſo griff man ſeine bei Gelegenheit einer Schulübung aufgestellten philoſophiſchen Meinungen an. Der weitere Gang dieſer Ge. ſchichte, in welcher ſechs Universitäten— und darunter zwei zu ihrer ewigen Schmach— Gut⸗ achten auestellten, ist aus mehreren Journalen und Flugſchriften jener Zeit bekannt. Miehrl wurde durch den weiſen Carl Friedrieh geſchüat, daſs ihn nicht das Schickſal eines Galiläi traf; er blieb auch in der Folge noch mehrere Jahre in ſeiner Lehrstelle, bis er: endlich ermüdet von dem bis zum leétzten Schritt dornevollen Pfad ſeines hiesigen Lehramts, eine Landpfarre annahm, und dort, in der Blüthe ſeiner Jahre, bei einer Epidemie, ein Opfer ſeiner Menſchen- Iiebe wurde. Die Erde ſey dir leicht, verkannter Märty⸗ rer der Wahrheit, du warst mein Lehrer und mein Freund, und mit der Thräne der Weh⸗ muth lege ich dieſes Kleine Denkmahl auf dein Grab. 87 Die Miehrlsche Geſchichte gab Veranlas- sung, daſs die Exjeſuiten von dem Gymnasio entfernt, und die Lehrstellen an Weltpriester gegeben wurden, zu denen später auch einige weltliche Profeſſoren kamen. Es wurde auch ein theologiſches Studium damit verbunden, welches aber bei dem Anfall der Universität Heidelberg wieder aufhörte. In der neuen Organiſation erhielt das Institut den Nahmen eines LJycaeums, und steht unmittelbar unter der Aufsicht der katholiſchen Schul- und Kir- chen- Commiſſion in Bruchsal, da es vorhin der Leitung des geheimen Raths übergeben war, wie man denn auch die beſſere Einrichtung dieſer Anstalt den Einsichten und Bemühungen des Herrn Geheimen Rath Brauers zu verdan- ken hat. Die Anzahl der hier Studierenden war ehe- mals bedeutend, belauft sich gegenwärtig aber, o der Aussichten zu Anstellungen immer we⸗ niger werden, gewöhnlich nur noch auf 40— 60. Für die Innländer giebt es hier mehrere kleine Stipendien. Die Bewerber um die bei- den von der Marggräfin, Maria Victoria, ge- stifteten juristiſchen Stipendien(eines zu 400, das andére zu 200 Gulden jährlich, und jedes 4 Jahre hindurch zu genieſsen), müſſen sich von den Profeſſoren des Lycaeums prüfen las- sen, und nach dem Reſultat dieſer Prüfungen geſchieht die Vertheilung der bemerkten Sti- Pendien. Dies ist auch der Fall mit 4 theolo- giſchen Stipendien, jegliches zu 100 Gulden, welche aus den hiesigen Schulfonds abgereicht werden. Der Lycaeums- Unterricht umfast ge- genwärtig folgende Gegenstäande: Alte Sprachen: Griechiſche und lateiniſche, mit Erklärung klassiſcher Schriftsteller verbunden. Neue: teutſche und französiſche. Geſchichte und Erdbeſchreibung. Mathematik, Physik und Naturgeſchichte. Theoretiſche Philoſophie. Aesthetik. Moral. Religionsunterricht. Dazu kommen noch Unterricht in der Musik und im Ceichnen. Das Personale der Lehrer besteht aus einem Director, zchn Professoren, und den beiden tectol 8o Lehrern der Zeichnung und Musik. Die archi- tectoniſche Zeichnung wird, ſo oft sich Lieb- haber finden, ebenfalls gelehrt. Auch für die, wWelche sich einem Handwerk, oder einer me- chaniſchen Kunst wiedmen, wird eine Sonn- tagszeichnungs-Schule im Gymnasio gehalten, und es ist ſeit kurzem die ſehr weiſe Verordnung ergangen, daſs bei den Innungen derjenigen Handwerker, von deren Producten man, auſſer der Jweckmäſsigkeit, auch Richtigkeit und Schönheit der Formen fordert, kein Lehrjunge mehr aufgedingt werden ſolle, ohne über ſeine Verwendung im Zeichnen genügende Proben geben zu können. Auffallend ist es übrigens, daſs die Stadt für eine ganz zum Besten ihrer angehenden Handwerker abzweckende Anstalt bis jitzt noch gar nichts thun will. In Rücksicht der Zeichnungsſchule am Ly- caeo Wwäre auch zu wünſchen, dafs der Unter- richt, der gegenwärtig auf die Wintermonathe beſchränkt ist, das ganze Jahr hindurch dauer- te, und daſs die Schüler des Lycaeums ange- halten würden, denſelben ohne Ausnahme zu benützen; nicht nur macht in unſern Tagen 90 — die nähere Bekanntſchaft mit bildender Kunst ein Stück jeder liberalen Erziehung aus, ſon- dern auch dem, der sich in der Folge dem Kriegsdienste, der Baukunst, der Forstwiſſen- ſchaft oder irgend einer mechaniſchen Kunst wiedmen will, ist es von äuſſerster Wichtigkeit, ſchon früh mit den Elementartheilen der Zeich- nungskunst bekannt zu werden, ſo vie der Cammeralist, der Beamte, der Pfarrer, u. s. w. oft genug in Fälle kommen, ihre Einsichten Wer wird 2. B. nicht eingestéhen, daſs unſre Kirchenverzierun- D hierinn zeigen zu müſſen. gen einen bedeutenden Einfſuſs nicht nur auf den Geſchmack, ſondern ſelbst auf die Mora- lität des Volks ausüben? und wem ist es zuzu- ſchreiben, daſs die meisten derſelben mehr ge- eignet sind, eine religiöſe Stimmung zu unter- drücken, als au erzeugen? Der Schulfonds besteht aus den ehemaligen Besitzungen der hiesigen und Ettlinger Jeſuiten mit Ausnahme deſſen, was davon in der Ortenau liegt, und von Oesterreich in Beſchlag genom- en wurde. Dieſer Fonds wird nicht nur zur Beſoldung der Lehrer, ſondern auch zur Unter- 9¹ stüützung zrmer Studierenden verwendet, und hat eine beſondere Verrechnung. Das Collegium, welches ſeine eigenen, aber nicht zum Gebrauch eingerichteten, Bader hat, wird von einigen Profeſſoren bewohnt; denen keine Stiftswoh nungen zugetheilt sind. In dem- ſelben befindet sich die Schulbibliothek— aus dem Ueberrest der Jeſuiten-Bibliothek errich- tet, die hiebevor bedeutend war; allein ein groſser Theil der Bücher gieng im Stadtbrande zu Grunde, und nur die wenigen wurden ge- rettet, welche die Jeſuiten in ihre Begräbniſs⸗ gewölbe geflüchtéet hatten. Was nachher wie⸗ der angeſchafft wurde, kam zum Theil bei Auf hebung des Ordens abhanden, ſo daſs das mei- ste gegenwärtig aus Asceten und Mystikern be- steht. Doch ist eine bestimmte jährliche Sum- meé ausgeworken, um die nöthigsten Werke nach und nach anzukaufen, und auch die Stifts- bibliothek ſoll itzt mit dieſer vereinigt werden. Eine kleine ſogenannte Armen-Bibliothek ent- hält einen Vorrath von Lehrbüchern für die dürftigen Studierenden. Noch ist die Anlegung eines Cabinets für Physik und Naturgeſchichte zu hoffen. Inzwi⸗ 9² ſchen hat Herr Scholaster Mayer, voll Wärme für ſeine Wiſſenſchaft, zum Besten ſeiner Schii- ler eine Sammlung einheimiſcher Naturpro- ducte aus allen drei Reichen angelegt. Auch sind unſere Géegenden ſehr ergiebig, besonders für Mineralogie und Entomologie, wie denn Herr Scholaster Mayer in unſern Gebürgen ei— nen Schmetterling fand, den man ſonst nur in Siberien zu Hauſe glaubte. Das Lycaeum hat— auſſer einem im Schul- gebãude béfindlichen Betsaale— die vormalige Jeſuitenkirche zu ſeinem Gebrauche. Es ist ein groſses, nur etwas düstres und feuchtes Gebäu- de, von gnuten Verhältniſſen, mit einer unter- Zegräbnifſsstätte der Je- irrdiſchen Gruft, der fuiten. Die Kirche hat drei Altäre, und auf dem Hauptaltar ein ziemlich gutes Bild— die Himmelfahrt der Jungfrau, nach Cignani. Das Original hängt in der Düſſeldorfer Gallerie. Die Antiquitätenſialle wurde erst vor ein paar Jahren auf den Vorſchlag und nach der Zeich- nung des Herrn Baudirectors Weinbrenner in Carlsruhe aufgeführt. Sie hat die Form eines antiken Tempels, deſſen Fronton sich auf vier 9³ doriſche Säulen stützt. Zwiſchen den Säulen ist ein eiſernes Gitter angebracht, um die in dieſer Halle aufgestellten römiſchen Monumen- te, die oben ſchon ausführlich beſchrieben wur⸗ den, gegen muthwillige Beſchädigung zu si- chern. Die Titelvignette dieſes Buchs giebt die Ansicht und den Grundriſs dieſes geſchmack- vollen Gebäudes, dem nur eine freundlichere Umgebung zu wünſchen wäre. Links ſchlieſst sich an die Halle ein Zimmer mit steinernen Bänken, zur Bequemlichkeit der Curgäste, die das Wasser etwa an ſeiner Quelle trinken wol⸗ len. Das kleine Gebäude rechts umgiebt den Uroprung oder die Hauptquelle des vwarmen Wassers, welches hier aus den Spalten eines geborstenen Thonfelſens in reicher Fülle her⸗ vorsprudelt. Die Stadt enthält auſſer dieſer noch 11 an- dere warme Quellen, von welchen der zwWeite Theil dieſer Beſchreibung nähere Nachricht er- theilen wird. Von dem Urſprung führt ein Gäſschen nach dem am nordòstlichen Ende der Stadt liegen- den Frauenhloster. Es wurde von der Gemah⸗ FFFEAAEAWCCCCCCCCCCCCCC 94 linn Leopold Millielms 2668. gestiftet, welche die ersten Nonnen, von dem Orden zum hei⸗ ligen Grabe, aus Liittich kommen lieſs, und erhielt auch die Bestätigung ſeiner Fortdauer in dem neuen Organiſations-Edict der Baadi- ſchen Lande, weil sich dié Bewohnerinnen des- selben dem Schulunterrichte der Mädchen wiedmen. Auſſer dieſer öffentlichen Schule halten sie auch eine Pension fiir Töchter mehr begüterter Eltern. Der jährliche ſehr geringe Preis für Kost, Wohnung und Unterricht ist zwiſchen zehn und zwölf Louisd'or. Daſs bei dieſem unbedeutenden Aufwand die Pension auch häufig von bürgerlichen Mädchen benützt wird, die für das ganze Thun des häuslichen Lebens bestimmt sind, und hier im Umgange mit Mädchen höherer Klaſſen an Bedürfniſſe Ges feinern Lebens gewöhnt werden, ſollte frei- lich nicht ſeyn. Aber wo sind auch die zweck- mäſsigen Anstalten zur Bildung derjenigen Mäd- chen, die im elterlichen Hauſe keine erhalten können? Das Kloster, welches gleich nach ſeiner Erbauung eingeäſchert wurde, hat ſeine vigene kleine Kirche, und unbedeutende Lnbi Aufs. Com lie 95 Einkünfte. Die Nonnen stehen unter der Aufsicht des Stadtpfarrers, als biſchöfflichen Commissärs, und haben einen Geistlichen des Kapuzinerklosters zum Beichtvater. Sie halten— ungeachtet ihrer pädagogiſchen Be- stimmung, Chor, und sind einer strengen Clausur unterworfen. Das Kloster hat ein éi⸗ genes Bad. Das Stadtschiullaus giebt das Localè für den Unterricht der Knaben, und ist zugleich Woh- nung des Schullehrers, dem zwei Praeceptoren als Gehülfen zugetheilt sind. Die Schule ist in drei Classen eingetheilt, und wird in die- ſem Augenblicke neu organisirt. Dies ist auch der Fall mit einer Schullehrer- Anstalt für die geſammte katholiſche Marggraf- ſchaft, welche hier errichtet werden ſoli, und in ihrem Entstehen ist. Der Nutzen einer ſolchen Anstalt ist einleuchtend, aber ſchwerlich Wer⸗ den sich groſse Dinge erwarten laſſen, bevor der Staat im Stande ist, die Land-Schullehrer besser oder wenigtens nicht ſchlechter zu be- ſorgen, als der Bauer ſeinen Grosknecht. Rühm⸗ lich bleibt es immer, daſs man thut, was die 96 Umstände erlauben, und viel ist ſchon gethan, venn man auf eine kleine Reihe von Jahren zurück blickt, WO 2. B. in einem nicht weit von bier entlegenen Dorfe der Schulmeister des Winters die Kinder der Bauern unterrichtete, und des Sommers— ihre Pferde hütete. Das Armenbad ist offenbar auf den Ruinen eines römiſchen Bades erbaut. Es hat noch itzt ein unbedecktes Schwimmbad mit Stufen, wel⸗ ches den Armen angewieſen ist. Es werden foWohl Einheimiſche als Fremde darinn aufge- nommen, nur müsssen sich die letztern durch ein obrigb eitliches Zeugniſs legitimiren konnen. Sie erhalten eine wöchentliche Geldunterstü⸗ tzung— nach dem Maaſsstabe ihrer Dürftigkeit, wozu die Zinſen eines eignen Fonds verwendet werden. Dazu kommt noch der Betrag einer Wöchentlichen Collecte in den ſibrigen Bad- häuſern, die ein Polizei-Diener beforgt. Auch die beträchtlichen Taxgelder, denen die den Sommer über hier getriebenen Hazardspiele unterworfen sind, werden ganz zum Beésten der armen Kurgäste verwendet, und sie erhalten da- füir besser als gewöhnlich zubeéreitete Rumfor- diſche 97 diſche Suppen, und diejenigen, welche es be- dürfen, auch andre Speiſen nebst Wein. Nur ist es zu bedauern, daſs das Gebäudée zu wenig Raum hat, und den Einsturz droht. Der Magistrat könnte sich hier um die leiden- de Menſchheit ſehr verdient machen, wenn er das Armenbad von dem Erbpächter übernäh- me, und daſſelbe neu und zweckmäſsiger er- baute. Sollte es, was ich mehr wünſche als hoffe, dazu kommen, und das alte Gebäude ab- gebrochen werden, ſo würde man vielleicht gerade an dieſer Stelle noch intereſſantè römi- ſche Denkmähler finden. Das Aapuziner-Nloster liegt vor dem Rastat- ter Thor, am Ende der dortigen Vorstadt, jen- ſeits des Oelbachs, und gehört daher in das Straſsburger Biſsthum. Es wurde 1630. von Marggraf Miilelm erbaut. Das Kloster ist ziem- lich geräumig, hat eigené Bäder, einen ange- nehmen Garten, eine Kirche und Kapelle. Im Chor hängen einige Gemählde, welche immer des Beſehens werth sind, ein Simeon im Tem- pel mit dem Kinde auf dem Arme, von einem franzosiſchen Meister, eine Dornenkrönung nach Hannibal Carracci von treflicher Haltung, burger und eine Flucht nach 165 pten vom Stras Mellin, die vermuthlicl à25 unkelt hatte, ner und von einer Loftebnelchen Hand vielleicht Ver mit der Bürste gereinigt wurde, die denn das Uebel auch bis auf den Grund hob. un⸗ In Im Schiff der Kirche sieht man das Grab- mahl eéines Montecuculi, der ein Neffe von dem bperühmten Feldherrn dieſes Nahmens war. Im Inneren des Klosters findet man einen ſchonen Albreclit Durer, der Leichnam Christi An von ſeinen Freun 1den beweint.— Dieſes Bild hat cr alle Vorzüge und Fehler ſeines Meisters: gute Anordnung, W ahrheit und Gemüthlichkeit des 1 Ausdrucks, richtige Zeichnung, und ein noch V itt friſches und lebendiges Colorit, aber auch gemeéine Formen, und eine auffallende Verlet- 4 zung des Costüms. Die Magdalena erſcheint in der Nüirnberger Tracht des ſechszehnten 8 Jahrhunderts. Eine stille Trauer ſchwebt über 33 der ernsten Szene, nur hat der groſse Tode nicht 1 die Ziige der Verklärung in ſeinem Antlitz, man ahndet ſein baldiges Wiederhervorgehen ins Leben nicht. — 99 Schade, daſs das Holz, worauf das Bild ge- mahlt ist, einen starken Riſs hat. Es ſollte ei- ner geübten Hand zum Restauriren übergeben werden. Die Bibliothek enthält mitunter recht gute und brauchbare Werke, beſonders von ältern Ausgaben römiſcher Klassiker. Ausser dem Vorsteher zählt das Kloster ge- genwärtig nur sieben Priester und drei Brüder. Einer der Väter versieht die Pfarrey Eberstein- burg, die übrigen sind meist zur Aushülfe auf den benachbarten Landpfarren. Sie haben darum auch, wie die übrigen Klöster dieſes Or- dens im Kurfürstenthum, die Bestatigung ihrer fernern Beibehaltung, und die Erlaubniſs, No- vizen anzunehmen, erhalten. Das Spital liegt zunachst vor der Stadt, an dem Wege nach Gernsbach. Ein Wieſenbach flieſst unter dem Gebaude hin, und der Kirch- hof, der ehemals neben der Kollegiat-Kirche War, stöſst dicht daran; ſo daſs die Zimmer der Feuchtigkeit und dem Moderduft ausgeſetzt sind. Das Gemählde ist nicht Iockend, aber varum nicht Wahrheit ſagen, wWo es arme Unglüek 117 She gilt? 8 35 406 Es ist wahr, der abgelebte Arme, der Kriip- pel findet hier ein Obdach, Kost; Kleidung, auch die Hülfe des Arztes und Arznei, wenn er Krank ist, aber warum ſeine Tage durch einen ungeſunden Aufenthalt kürzen? varum ihm dieſes ewige Memento mori vor die Augen Halten? Die Anzahl der hier Verpflegten beläuft sich gewöhnlich auf zwanzig bis dreisig, und es be- finden sich oft auch Wahnsinnige darunter, und auch welche, die sich eingekauft haben. Wer sich mit Arbeiten noch etwas verdienen kann, der darf es, nur müſsen die, welche tauglich dazu sind, die Hausarbeiten des Spi- tals beſorgen. Für Küche, Waſche, etc. ist⸗ein Koch und eine Spitalmutter angestellt. Ein von dem Landesherrn ernannter Schaffner- be- ſorgt das Oeconomiſche, und eine aus dem Oberamt und Physikat bestehende Commission lührt die Aufsicht über das Innere. Dieſes Institut jist übrigens uralt, und wur- de von einem Marggrafen gestiftet, darum ſoll auch, vermöge des Stiftungsbriefs, bei der Auf-⸗ iche Die- ahme auf alte und arme herrſch- 60t letu nic 461 ner zunächst Rücksicht genommen werden. Gottlob, daſs wir in Zeiten leben, wWo die letzten Hoffnungen der herrſchaftlichen Diener nicht mehr Spital und Kirchhof sind! In der Spitalkirche, deren gothiſche Ver- zierungen und Altäre mit ihren auf Goldgrund gemahlten Heiligenbildern aus den ersten Zei- ten der teutſchen Kunst, den Eintretenden ſonst ſo bedeutend anſprachen, die itzt aber meist modernisirt sind, wird für die Spitalbewohner Gottesdienst gehalten, ſo wie die Todtenmes- sen bei den Begräbniſſen eben da geleſen werden. Unter den vielen Grabsteinen, womit bei⸗ nahe der ganze Boden der Kirche bedeckt ist, finden sich mehrere mit den Nahmen aus be- kannten, zum Theil bereits erloſchenen adeli- chen Familien, als— ein Hans Jacob von Ca- mern, genannt Anebel, ein von Rotienberg. von Hagenbuch, ein Siegfried v. Lenningen, ein Ber- nard v. Remchingen, ein Friedrich Kraſt v. Del- mensingen, ein Wilhelm v. Minterbach, ein franzosiſcher General, Jean Collignon, u. a. m. Noch bemerke ich unter den übrigen Grab⸗- mählern das eines Mahlers, Wilhelm Panneris E 165 von Antwerpen, der im Jahr 1634, im agten J. ſeines Alters, als Badiſcher Hofmahler hier starb. Daſs mehrere dieſer für einzelne Fami- liengeſchichten nicht unwichtige Denkmähler erst in unſern Tagen zerſchlagen wurden, ſollte wenigstens Veranlaſſung werden, etwas Aehnli- ches für die Zukunft zu verhüten. Das Gutleuthaus liegt an der Straſse nach Os, weit geſünder und freundlicher als das Spital, kann aber weit weniger Menſchen aufnehmen. Es ist ein städtiſches Institut— wird von einem Rathsverwandten unter Oberaufsicht des Magi- strats und Oberamts verwaltet, und es werden darinn lediglich ſolche Arme und Gebrechliche aufgenommen, die in Baaden das Bürgerrecht haben. Sie erhalten Kost, Logis, Holaz, Licht, und Arzneyen unentgeldlich, stellen sich die Kleidung— leisten die Hausarbeiten, aller an- dere etwaige Verdienst aber gehört ihnen eigen. Da dieſes Haus eine gute Strecke von der Stadt entfernt liegt, ſo war es vielleicht ur- ſprünglich ein Siechenhaus, oder ein Spital der Unheilbaren, und die dabei befindlichen Rui- nen einer chemaligen Kapelle bestatigen dieſe + + 108 Vermuthung. Man ſonderte die mit gefährli- chen Uebeln Behafteten dahin ab, und sie wur- den von guten Lenten erhalten, daher wahr⸗ cheinlich der Nahme Gutleuthaus. Der zu 1. dem Hauſe gehörige Brunnen ist, nebst dem im Kapuziner beéfindlichen, beinahe der einzige in Baaden, welcher auch im Sommer ein kühles und angenehmes Trinkwasser giebt. Das Hranlenkhaus. Der verstorbene Rathsverwandte Seefels hat zu einem Krankenhaus der hiesigen Stadt ſein Wohnhaus hier in der Vorstadt durch Testa- ment ſo legirt, daſs ſolches nach dem Tode ſeines Bruders und ſeiner Schwester, welche den lebenslänglichen Wohnsitz darinn haben, dazu benützt werden muſs. Zu einem Fonds ist ſchon etwas in den städtiſchen Rechnungen vorhanden, und bei der wirklichen Errichtung des Krankenhauſes wird die Stadt alles Nöthi- ge beſorgen. In dieſes städtiſche Krankenhaus werden(jedoch lediglich auf die Dauer der Krankheit) aufgenommen werden, ganz arme Bürger und Hinterſaſsen, armeé Dienstboten 8 7 7 1204 arme Handwerksburſche, auch wohl arme hier- herkommende Fremde. Zu den öffentlichen Gebäuden geſelle ich noch die Badhäuſer. Es sind derer ſechs auſſe dem Armenbad, und ich laſſe sie in alphabeti- ſcher Ordnung aufeinander folgen: 1.) Zum Baldrelili, mit 36 Badkästen und 24 Limmern zum Logiren für Kur- gãste. 9.) Zum Draclien, 33 Badkästen und 55 immer. 8.) Zum Hirſch, à Badkästen und 46 Zimmer. J.) Zum rotlen Löwen. Wird meist von der niedrigen Volksklaſſe heſucht. 5.) Zum Salmen, 42 Badkästen und 33 Zimmer. 6.) Zur Sonne, 24 Badkästen, 36 Zimmer. Die Zimmer ſowohl als die Wirthstafeln hahen ihre Taxe. Was die letztern anlangt, ſo ist Vielleicht kein Bad in Teutſchland, wo für den Gaumen beſſer geſorgt wäre, und ebenfalls keines, Wo man mit geringerem Aufwand ſeine Kur machen könnte. 405 Diejenigen Fremden, welche keinen Platz im Gasthofe haben können, finden leicht eine MWohnung in einem Bürgerhause, und die ver- miethbaren Zimmer sind gewöhnlich schon im voraus von den Badwirthen zu diesem Behufe in Anspruch genommen. IV. STADTVERFASSUNCG. ν εσ Baaden ist gegenwärtig noch— bis zur künf⸗ tigen Errichtung der Landvogteien, der Sitz eines Obervogts— des Herrn Wagners von Frommenhausen,— und eines zweiten Beamten — des Herrn Ober-Amtsraths Molitor. Die Geſchäfte werden in der Obervogtei vorgenom- men,»o ein jeder in seinen Angelegenheiten täglich ohne Anstand Gehör erhalten kann. Ausserdem hat die Stadt einen eigenen Ma-⸗ gistrat, bestehend aus zwolf Rathsgliedern und 105 zwei Burgermeistern, der aber keine Gerichts- Harkeit ausüht. Doch sitzt in Klagsachen von amtlichen Verhandlung zur Information bei. —4 gegen Bürger der Oberburgermeister der Der Unterburgermeister führt die städtiſche Hauptrechnung. Die Aufsicht über die Ar- menhäuſer, iiber die Gemeindegiiter, über Straſsen und Brunnen, die Verwaltung des Pu- Pillarvermögens ist— nebst den damit verbun- denen Specialrechnungen, den Händen eigends dazu bestimmten Rathegliedern anvertraut, und eben ſo giebt der Magistrat Beisitzer aus ſeiner Mitte, zu den Inventuren, Theilungen, und Verste ſchäft durch die Stadtſchreiberei geführt wird. gerungen, wobei aber das eigentliche Ge- Die Stadtſchreiberei ist ſeit kurzem von der Amtsſchreiberei getrennt, und der Stadtſchrei- ber wird von der Stadt beſoldet. Eine beſon- dere Kommission zur Aufnahme des Bades durch Anstalten zur Bequemlichkeit, Verſchönerung der Gegend, u. s. w. wäre ſehr wünſchens- Werth. An öffentlichen Beamten und herrſchaftli- chen Dienern hat Baaden ausserdem noch— einen Amtskeller, nebst Buchhalter, einen Spi- * 1000 Ind Die 7 Je dun F f Her R, 0 An0 hab 107 talſchaffner, einen Theilungs- Commissär, einen Oberforster, der unter dem Rastatter Oberforst- amte steht, einen Hofküfer und einen Zollbe- dienten. Zwei Aerzte— Herr Hofrath und Stadt- Physikus, Dr. Krapf, und Herr Hofrath und Hof. medicus, ihrer Majestät der jüngst verstorbenen Königinn von Preussen, Dr. und Physikus Schaff- roth, beſorgen die Geſundheitspflege. Dazu kommen noch drei Chirurgen, wovon der eine Titel und Anstellung als Land-Wundarzt hat. Die Stadt hat zwei Procuratoren, welche zugleich Leichenbitter sind, und von dem Ma- gistrat ſowohl, als den einzelnen Bürgern in beſondern Vorfällen und Angelegenheiten ge- braueht werden. Jeden Monath hält der Magistrat eine or- dentliche A um über die K0 iſchen An⸗ gelegenhéiten zu berathſchlagen. Jeder Bürgersſohn ist an und für sich Bür- ger, muſs aber, um in die wirklichen Rechte und Genüsse einzutreten, das mündige Alter haben, und sich bei Oberamt und Magistrat um 108 die Einrollirung melden. Er hat hiebei blos einige geringe Einſchreibgebühren zu zahlen; muſs einen Feuèreimer stellen, und mit Unter- und Obergewehr verſehen ſeyn. Am Feste des heil. Georgs, des Schutzpatrons der Stadt, zie- hen dann die jungen Bürger zum erstenmahl nit den übrigen in militäriſcher Ordnung auf, wo sie, nach vorhergegangener kirchlicher Feyer— in Rotten eingetheilt werden, und für das Jahr hindurch ihre Bestimmung zu Dienstleistungen bei etwaigen Feuersbrünsten, Streifzügen gegen Raubgesindel, und andern, die öffentliche Sicherheit betreffenden Anord- nungen erhalten. Für einen Fremden, der hier eingebürgert werden will, hält dies ſehr ſchwer. Der Ma- gistrat hat darüber ein Gutachten an die höch- ten Behörden zu erstatten, und der Competent muſs sich nicht nur iiber ein angemeſſenes Ver- mögen ausweiſen können, ſondern auch noch andere, ſeine Annahme begünstigende Umstän- de, 2z. B. die Betreibung eines hier noch feh- lenden Gewerbs— für sich anführen können, wenn ſeinem Geſuch willfahrt werden ſoll. CEl 8 2 7 — 3 8 — — Le K Veg Att Könken, 109 Da die Stadt ein bedeutendes Vermögen be- sitzt, ſo kommen den Bürgern mancherlei Ge- nüſſe zu. So 2. B. hat die Stadt- Kaſſe die vom letzten Kriege rückständigen ſehr beträchtlichen Contributions- Gelder zu bezahlen, übernom- men, ohne sieé auf dieseinzelnen Bewohner um- zulegen; jedèr, Bürger erhält jährlich 6 Klafter Brennholz zu einèm fehr niedrigen Preiſe,(ge- genwärtig das Klafter zu 2 Gulden) und was er überdies braucht, das Klafter zu 3 Gulden, Für die hier wohnenden Fremden ist der Preis um ein geringes höher⸗ Das Bauholz wird in bürgerliche Häufer umſonst(gegen die unbedeutende Anweiſungs⸗ gebühr von einigen Kreuzern auf den Stamm) abgegeben. Eben ſo hat der Burger ſeine Bolen, Latten, Rahmhölzer, Backsteine und Ziegel um ſehr niedrige Preiſe. Ferner genieſsen die Bewohner Baadens dié Freiheit von Frohndiensten. Als Residenz der Marggrafen durfte die Stadt ehemals auch Keine Rekruten stellen, doch hat gegenwärtig dieſe Exemtionen dieſer Vergünstigung aufgehört. Art gewähren freilich dem, der sich ihrer zu PPCC 110 freuen hat, einen Vortheil, allein die Last wird Oberan dadurch für die übrigen Contribuenten ver- hältniſsmäſsig vergrösert. V. APs5. 1 Tilal — tiag dent Wenn ich dieſem Gegenstandèe ei ne eigene 04 Rubrik wiedme, ſo geſchieht es blos, um auf ban ein ſchreiendes Bedürfniſs aufmerkſam zu ma-⸗ lieig chen. Unſre hiesige Postanstalt besteht darinn, üten daſs ein Briefhothe— die Kurzeit über täglich, W2 ſonst aber dreimal die Woche nach Rastatt geht, Lem und die hierher gehörigen Briefe und Pakete lch von dem dortigen Postamt hereinbringt. Die Heiligkeit einer öffentlichen Postanstalt fordert strenge Ordnung und Genauigkeit— sie for- dert noch auſſerdem, daſs das Geheimniſs der Correſpondenzen mòõglichst gesichert ſey. Wie N wenig nun die gegenwaärtige Einrichtung dieſen K5 Forderungen entſpreche, ist allgemein bekannt. n Und doch ist Baaden nicht nur der Sitz eines 111 Oberamts und einiger herrſchaftlichen Verrech- nungen— es ist, den Sommer hindt urch, oft der Aufenthalt von Perſonen, die in den wWich⸗ tigsten Verhältniſſen stéhen, und denen an der Ordnung und Sicherheit im Postenlauf unend- lich gelegen ſeyn muſs. Sollten dieſe U mstände nicht wicht tig genug ſeyn, um eine beſondere Filialpost hier zu etabliren? Der jährliche Er- trag Wäre vielleicht end genug dazu, denn, die nicht unbeträchtliche Correſpondenz der Einwohner 185ee— unter leth bis zwölfhundert Fremden, W ejährlich die. eſuchen, 1330 nur hiesigen Bäder S die nicht fast täglich Briefe und Pakeète ten und abſchickten, und recht viele genug Veranlaſſung finden, sich über die liche Einrichtung zu beſchweren. Das Mindeste, was man mit Fug und Recht fordern könnte, wäre ein geſchloſſenes Büreau, wo weder die ab- gehenden noch eenen Briefe zur allge- 1 UT. A meinen Musterung und Disposition offen * und ein Aufseher des der neben de gehörigen Schätzung deſſen, was ihm anvertraut ist, der teutſehen und Ranzbeileden Sprache hin- reichend kundig Wäre. VI. FINANZ EN. Inre Haupteinnahme hat die Stadt von ihren Capitalien, die sich gegenwärtig weit über hun⸗ N dert tauſend Gulden belaufen; und von ihren ſehr beträchtlichen Waldungen. Dieéſe sind, Was 2u bedauern ist, noch nie vermeſſen wor⸗ 1 den, und es ist daher auch kein béstimmter Maasstab zu ihrer forstmäſsigen Benut“ung mög-⸗ lich. Sie erstrecken sich bis gegen die Herren- wieſe hin, und bestéhen gröſstentheils aus Na- delholz. Doch fehlt es auch nicht an Eichen, Buchen, und anderm Laubholz. Ein Rathsherr ist Waldmeister, der einen Bürger als Beisitzer 4 zugeordnet hat. Ein ſehr weiſer Wunſch der höchsten Behörde, daſs die Stadt dieſe Wal⸗ dungen durch einen Forstmann beéſorgen laſſen möchte, ist bis itzt unerfüllt geblieben. Die Stadt besitzt w Sägmühlen, Wo sie N zhre Bolen oder Borde, Latten, Rahmhölzer, U. S. W. 113 u. s. W. ſowohl für ihr Bedürfniſs, als zum Ver- kauf ſchneiden läſst. Es wird darüber eine doppelte Rechnung geführt, da die Preiſe für Bürger und Nichtbürger ſehr verſchieden sind. Verbraucht und verkauft wurde an ge- — ſchnittenem Holz im Jahr 1803. Gute Bord—— 3585 Stücke. Marktbord(zur Errichtung von Krämerbuden)— 913 ᷓ— Lange Drillinge.— 557— Drei Zoll Drillinge— 60— Baddrillinge—— 6 Brückendrillinge— 833 Schwarten—— 545 1— Einfache Rahmhölzer— 2562—— Latten—— 8285— debstècken-— 9500— Lange Schindeln 825 200 Bürden. Kurze Schindeln— 1705— Das itzt ziemlich ſchlechte Brennholæ wird auf dem Oelbach hieher geflözt. Der jährliche Verbrauch beträgt ohngefähr 4000 Klafter. Noch hat die Stadt folgende Finanz-Rubriken⸗: H 1. Vein- Ohmgeld. Marktzins. Asgal 3. Güteéerabgabe von Nichtbürgern. 8 S 4. Abzug und Nachsteuer. Salzpachtung. 13. Steinbruchzinſe. — — Wieinkaufgelder. 16. Gras und Früchte. 17. Gemeine Geräthſchaften. 18. Abholz von Brunnenröhren. 19. Feuereimer. 20. Strafen. 21. Zins von dem Stadtwaſchhaus. 2 Ziegelbrennerei. Der jährliche Ertrag aller dieſer Finanzquel- len ist ungleich, aber immer die gewohnlichen 115 Ausgaben übersteigend. Die Rubriken dieſer Ausgaben sind: — S 1 1 8 Zinſe und Beſchwerden. Beſoldungen. Tag Rechnungsabhör- Kosten. gebühren und Diäten. Linſe für aufgenommene Kapitalien, (hetrugen im Jahr 1803— 192 Gulden.) Welill. Unterhaltung des Faſelviehes. Accispachtung. S Unterhalt der städtiſchen Gebäude. —— der Brunnen. ——: der Straſsen. —— der Schulen. —— der Brücken und Stege, —— des Pflasters. Taglohn. Holzmacherlohn. Gemeine Geräthſchaften. Herrſchaftliche Taxen. Schreibgebiühren. Verholzungen und Plantagen, Allmoſen. Advocaten-Deſerviten. H 2 Auſſer Kaminfegerlohn. N 1 4 6 1161POrto. Abgang un d Verlust. Montirungskosten. Oeflentliche Feierlichkeiten, Küferlohn. Brandſchatzung. Oel un Obst- und Blutzehnten. Lichter. Rüggerichts- Kosten. Leibſchatzung. Die Stadt hat ihr Eigenthum und ihre Ge- fälle ſelbst zu verwalten, muſs aber dem Lan- desfürsten Rechnung ablegen. 8 VII. FROMME STIFTUNGEN. den bereits angeführten öffentlichen Anstalten für Armeée und Kranke, sind noch fol- gende fromme Stiftungen zu bemerken, die der 117 Stadt theils ausſchlieſſend angehören, theils der- ſelben mit den vormahls Baaden Baadenſchen Landen gemein sind. 1. Ein vom verstorbenen Rathsverwandten Seefels fundirtes Kapital von 65,300 Gulden, von deſſen Zinſen ein hiesiger Bürgersſohn, der sich der Jurisprudenz wiedmen will, unter- stützt werden ſoll. 2. Ein vom Marggraf Augulst ausgeſetztes Kapital von 12000 Gulden, deſſen Zinſe theils für dürftige Schulknaben, theils zu Arzneien A für Armé angewieſen sind. 3. Ein Kapital von 2 5000 Gulden, von ge- dachtem Marg en und ſeiner Gemahlinn le- girt. Die hievon abfallenden Interessen ſollen— laut der Stiftungs-Urkunde— drei armen Mäd- chen bei ihrer Verheurathung zu Theil wer⸗— den,„ die sich in der Gottesfurcht, und in dem Gehorſam g 8 n ihre Eltern und Vorgeſetzte, in Sitten und Arbeitſamkeit, vor andern aus- zeichnen. Im Falle méehrerer Concurrenten ſoll die Tugend und Rechtſchaffenheit der Eltern in Betracht gerogen, annebst auch darauf geſehen Werden, wenn ein ſolches Mädchen durch drei; 118 vier, und mehreren Jahre, in dem nähmlichen Dienst gestanden. Bei gleichen Umständen ſoll das Loos entſcheiden. 4. Von obengedachten durchlauchtigsten Stiftern ein Kapital von 7000 Gulden, davon die Interessen von vier zu vier Jahren zur Aus- stattung eines Madchens dienen ſollen, welches in das hiesige oder Altbreisacher— zum Jugend- Untéefricht bestimmte Kloster tréèten will. Fin- det sich kein ſolches Mädchen, ſo ſoll der vier- jährige Betrag alsdenn zu andern frommen Ab- sichten benützt werden. 5. Von denſelben Stiftern ein Kapital von 90o00 Gulden, zum Behufe angehender Künst- ler und Handwerker. Zu dieſen verſchiedenen Anstalten kommen noch die wöchentlichen durch einen Polizei- diener eingeſammelten Beiträge der Einwohner, Wovon, ſeit Abſchaffung des Bettels, die Haus- armen unterstütꝭt werden. Durchziehende Hand- werksburſche erhaltéen ein kleines Reiſegeld auf den Ziinften. So ſehr man nun auch in jeder Hinsicht die Abſchaffung des Bettels loben muſs, Jo ist damit doch, noch lange nicht alles ge- 119 than, wenn dem Dürftigen nicht auch zugleich Arbeit angewieſen, und dem Anwachs einer zu keinem Broderwerb unteèrrichteten ugend, nicht] durch Anlegung von Industrie- Schitlen gewehrt wird. Alle Verbeſſerung der öflentlichen Erziehung führt zu nichts, wenn sie nicht von dem groſsen Grundſatze der Ach- tung für Eigenthum, von der frühen Richtung der Thätigkeit auf den Erwerb deſſelben aus- geht, und ſelbst die Sittlichkeit eines Volks muſs hier ihre Hauptstütze finden. Weniger Wissen, aber mehr moraliſcher Sinn, weniger Räsonnement, aber mehr Angewöhnung an Ordnung, Reinlichkeit, Arbeitſamkeit, Spar- g. ſamkeit— dies ist es, Worauf unſere Padagogik, die an den Erbübeln unſerer Zeit— der Viel- Wisserei und Vielſchwätzerei kränkelt, hinar- beiten ſollte.) Pestaloꝛꝛi ist der erste, der es ganz einge tief gefühlt hat, was unſcrer Zeitgenossen Noth ist. Was sich auch gegen ſeine Metſiode ſag en laſſen mag, er kann sich darinn vergriffen haben, aber ſeine Ansicht den Sacſiéè ist die einzig richtige. en und VIII. NAHRUNGSTAN D. οο Die geographiſche Beſchreibung des Kurfür- stenthums Baaden giebt die Gemarkung der Stadt 2u 9 8 283 28 Morgen Gärten, 476 M— Aecker, 318 M— Wieéſen, und N 10 M— WMWeinberge an. Das Wahre ist, daſs die hiesige Gemar- K. kung noch nie vermeéſſen worden, und in Rück- sicht der Abgaben nach einem beiläufigen An- 6 ſchlage geſchãtzt ist. Ein groſser Theil der um Baaden liegenden Felder ist herrſchaftlich oder Eigenthum weniger Privatperſonen. Jene wer- den gewöhnlich Stückweiſe in ſechsjährigen Iun Pacht gegeben, und der Pachtzins ilbersteigt meist das Verhältniſs zu dem laufenden Kauf- H05 Preis der Güter. Dies ist hier auch mit den Hausmiethen der Fall. 121 Der Tielistand beträgt in Baaden mit Ein- begriff der Höfe, nach einer Durchſchnitts- rechnung von mehreren Jahren: An Pferden—— 56. Ochſen——— 108. Kühen und Rindern— 417. Schaafen—— 129. Schweinen—— 466. Ziegen—— 109. Die jährliche Conſumtion an Lebensmitteln läſst sich ganz genau nicht angeben, da keine Tabeéllen darüber vorhanden sind. Nach einer auf wahrſcheinliche Angaben gegründeten Be- rechnung werden in Baaden jährlich verbraucht: An Wein—— 300 Fuder. An Früchten—— 5650 Malter. An Schlachtvieh— 462 Zentner. Von dieſer beträchtlichen Conſumtion kommt ein bedeuteüder Theil auf Rechnung der Kurgäste, deren Anzahl sich im letzten Sommer über 1200 belief. Unter dem Wein sind aber diè fremden Weine nicht begriffen, welche in den Badhäuſern häufig getrunken 122 werden. Manche Badgäste bringen auch ihren eigenen Tiſchwein mit. Die übrigen Victualien, als Butter, Eier, Milch, Gemüſe, werden von den umwohnen- den Landleuten zur Genüge auf den hiesigen Markt gebracht. Die Fiſche kommen theils aus dem Gebürge, theils aus dem Rheine, oft im DUeberfluſſe. Die feinern Gemiiſe und Gar- tengewächſe werden von Zwiſchenhändlern in eholt. Man versteht sich bei uns Strasburg 9 * 2 D noch nicht genug auf den Vöortheil deés Garten- baues, der an einem Ort, wie Baaden, Wo die 9 7 7 Producté einen täglichen Markt finden, den Ertrag des Ackerbaues ſo unendlich überstei und Wozu überdem die warmen Quellen Vor- treflich benſtzt werden könnten. Von Proféssionisten und Handwerkern fin- den sich E nwärtig in Baaden: 8 Bader.— 85 Bäcker— 3—— 6 Bierbrauer—. Blechner— 525—.— 3 Buchbinder—— 1. Drechsler Färber————— 2. Gerber: Rothgerber——— 18. Weisgerber———— 60 Glaſer———— 8 Hafner oder Töpfer—— 6. Hutmacher——— 1 Kirſehner 88 4. Knopfmacher——— 1. Krämer———— 185 Kübler———— 13 Küfer oder Böttcher—— 10. MesgeER—— 12 Müller———— 4. Eine der Mühlen ist mit einer Oehlmühle, einer Hanfreibe und Gerstenrolle, eine andre noch auſſerdem mit einem Säggange verbun⸗ den. Etwas entfernter von der Stadt liegt noch eine Ochlmühle mit einer Hanfreibe und Ger- stenrolle, und nahe dabei noch ein dem hieési- gen Stadtmüller gehöriger Sägegang. Auſſer- dem giebt es hier noch eine Walk, eine Loh- mühle und eine Schleifmühle. Pflasterer———— Sattler Seckler— Schloſſer— Schmiede: Grobſchmiede und Wagenmeister Meésserſchmieéde Nagelſchmiede Schorneteinfeger 83 1 Schreiner Schuster Seiler— Seſſelmacher Stricker— Weber: Leinenweber Wollenweber Wirthe: Schildwirthe Kranzwirthe 1 Ziegelbrenner Fimmeèermeister und Maurer Zucker- und Pastèetenbecker An mechaniſchen Bildhauer Künst die dem Luxus dienen, iaben wir: lern, und ſolchen, LLeExI 1. 1 Frifeurs——— 2 Granatbohrer——— 1. Orgelmacher——— 1 Von gröſsern Industrie:- Anstalten besitat Baaden blos eine Stéingut-Fabrik, und eine Fabrik, wWo Lichter und Saife verfertigt werden. Jeneé benützt einen vortreflichen Thon, der in den benachbarten Gruben bei Balg gewonnen wird. Vor nicht gar langer Zeit hestand hier eine Porzelän-Fabrik, welche eben dièſen Thon zu vortreflichen Waarer verarbeitete, und auch — zumahl die Kurzeit über— einen guten Ab- ſatz hatte. Später verſchaffte sich eine Geſellſchaft in Carlsruhe ein Privilegium zur Anlegung einer Fabrik von Geſundheits-Geſchirr, Wwelches ohne Beimiſchung von Bleikalken glasirt werden ſoll- te. Die ersten Verſuche entſprachen vollkom- men der Erwartung, und die als Probe, aus eben der Balger Erdé verfertigten Apotheker- Tiegel übertrafen an Dauerhaftigkeit und Rein- heit, die bis itzt aus Hessen hezogenen Gefaſſe dieſer Art. Allein die Entfernung der Theil- nehmer, welche das Oekonomiſche nicht ſelbst beſorgen konnten, hemmmte gar bald den Fort- gang dieſes ſo nmützlichen Unternehmens. EsS — ist zu Wünſchen; daſs die jetzt etablirte Stein- nstigern Erfolg haben möge. gut-Fabrik einen gi Uebrigens sind wWerkern mehrere,; nicht nur die Nach ſelbige auch in en S0 wird 2. Gerber, Nag halten die Wochen ren ſowohl als mit rohem Hanf, der im Baa- denſchen hä gebaut wird, die Frankfurter Mefle. Die Verf Seſfel, Cana igten Rohr- und Stroh- Pẽ s Werden nicht In blos von Einhein che ſondern auch von den Kurgästen in Wienge aufgekauft. Auch die in der Nähe des Jagdhauſes, des alten Schloſſes und auf dem Staufenberge be- findlichen Steingruben, welche feinkornigen Sandstein, Gestell- und Platten-Steine in Men- ge liefern, machen einen bedeutenden Zweig 127 unſrer Industrie aus, indem dieſe Steine hier in allerlei paſſenden Formen behauen, und in die ganze umliegende Gegend abgeſetzt werden. Da unſere Badquellen stark mit Salzquellen vermiſcht sind, ſo könnte die Benutzung der- ſelben zum Gewinn von Küchenſalz einen neuen nicht unbedeutenden Nahrungszweig für Baa- den abgeben, und es ist in der That zu be- dauern, daſs wir durch Unachtſamkeit, unſer einheimiſches Salz in den Oelbach ausflieſſen laſſen, während wir in Rüicksicht dieſes unent- 13 behrlichen Artikels dem Auslande zinnsbar sind. Den Sommer über haben mehrere fremde Kaufleute hier offene Boutiken; dies ist Wohl für die Fremden bequem, gereicht aber den angeſeſſenen Kaufleuten um ſo mehr zum Nach- theil, da sich jene nicht auf theure Fabrikate und Modéewaaren einſchränken. Baaden hat zwei Jahrmärkte, davon der eine auf den ersten Dienstag im Julius, der zweite auf den ersten Dienstag nach Martini gehalten Wird. IX. GETISTESCULTURI ³˙ ε ,,— Ich weis nicht, ob es einen sichern Maasstab für die Geistéescultur einer kleinen Stadt giebt, WoO das Vorurtheil oft bestimmteére Schranken zwiſchen den Ständen ziéht, als ſelbst in gros- sen Städten, und wo die Annäherungen des ge- ſellſchaftlichen Lebens auch unter der gebilde- ten, oder auf Bildung Anſpruch machenden Klaſſe, durch das sich überall kreuzende Privat- Intéreſſe täglich unterbrochen werden. 8 Man muſs für Baaden jährlich zwei verſchie- dene Epochen annehmen. Die Kurzeit über ist alles mit den Fremden beſchäftigt— man ver- liert sich in ihren Reihen durch Beobachtung oder Theilnahme. In der rauhern Jährszeit nimmt der Kleinstädtiſche Ton wieder die ver- laſſene Szene ein— Kleinigkeiten feſſeln die Aufmerkſamkeit, und machen die Geſpräche des Tags aus, da es an wichtigeren Gegenstän- den gebricht. Daſs ein mehr liberaler Geist sich + —— Düre Hte Zemn * r sich ſeit einigen Jahren unter einem Theil der Bürger regt, gereicht ihnen zu desto gröſserer Ehre, je dunkler der Himmel noch vor kur- zem War. Ein kleiner Leſezirkel, der sich auf einige gewählte kritiſche und politiſche Blätter und wenige Journale beſchränkte, zerſchlug sich bald nach ſeiner Entstehung wieder, und ein Caſſino konnte ſein mühſam erhaltenes Daſeyn nur kümmerlich durch zwei Jahre fortſchleppen. Es ist leicht zu denken, wie wenig unter ſolchen Umetänden eine ſchöne Kunst zu gedei- hen vermöge. Keine Konzerte, obgleich es gar nicht an Perſonen fehlt, die sich mit Musik be- ſchäftigen; und am Lycaeo eine Musikſchule unter der Aufsicht des Herrn Musik-Directors Lump errichtet ist. Kein Sinn für bildende Kunst, ohngeachtet wir eine Zeichenſchule be- sitzen, welcher Herr Mahler Schaſfrothi vorsteht. Ich wünſchte Fremde auf dieſen Künstler auf- merkſam zu machen, sie werden bei ihm ſchö- ne Federzeichnungen von unſern Gegenden und Alterthümern, und intéreſſante Skizzen finden, au deren Ausführung ihm nur Ermunterung 1 EEE 2 3.—— 4 ECCC.....0000ob 82 4 30 fehlt. Auch in Hackertſchen Nachtstücken, die mit Lampen beleuchtet werden, hat er glück- liche Verſuche gemacht. 8 Unglücklicher Weiſe sind es auch bei uns, die ephemeren Erſcheinungen des Luxus, die alle Aufmerkſamkeit auf sich zichen. Die Freni- den verſchafſen leichten Erwerb, und bringen neue Moden und néue Bedürfniſſe. Die Epi-⸗ demie verbreitét sich von oben bis auf die die- nendeé Klaſſe herab. Darum beziehen sich auch die meisten Vergehungen, die bei den hiesigen Gerichten vorkommen, auf das ſechstè und sie- bente Gebot. . ANSTALTIEN zUM VIERCGNÜCGEN. —.259—— Ein Badort kann ſolcher Anstalten am wenig- sten entbehren, und sie sind sich auch, dem Nahmen nach, in allen Bädern ſo ziemlich gleich; Promenaden, Hazardſpiele, Balle, da⸗ und dort auch ein Theater. * W m 131 Eine ſehr zahlreiche Schauſpielergeſellſchaft würde hier kaum ihre Rechnung finden; ein mäſsiges Perſonale aber könnte in den Mona- then Julius und August, Wo die meisten Kur- gästèe hier sind, immer bestéehen, und es wäre in mancher Hinsicht zu wünſchen, daſs die Carlsruher Geſellſchaft jene beiden Monathe über ihre Vorstellungen hierher verlegte. Die gewöhnlichen Balle werden des Sonn- tags in dem ſogenannten Promenadehaus gehal- ten. Das Gebäude liegt nahe an der Stadt, hin- ter einer ſechsfachen Reihe wilder Kastanien; die mit ihren verſchränkten Zweigen kühle Laubgänge bilden, und dem, der sich aus dem Gewühle des Tanzes nach friſcher Luft ſehnt, eine willkommene Zuflucht gewähren. Unter den Bäumen stehen gewöhnlich zu beiden Sei- ten Buden mit Kaufmanns-Waaren aller Art, hauptſachlich aber für das Bediirfniſs der Mode. P Der Tanzſaal wurde erst vor ein Paar Jah- ren neu erbaut, weil das alte Locale zu klein War, die Hunderte von Menſchen zu faſſen, 2 2 die nicht nur aus den ſondern aus — oft méhrere Stun- —— 152 den weit— herbeiströmen. An ſolchen Tagen sind die Wirthstafeln gewöhnlich ſo stark be- ſetzt, daſs der etwas ſpät Ankommende oft kaum noch ein Fleckchen finden kann, um ſei⸗ nen Stuhl in die vierfache Reihe zu ſchieben. Dafs der Ball übrigens des Sonntags gegen 4 Uhr, alſo unmittelbar nach TIiſche, und in den noch heiſsen Stunden beginnt, und gegen 8 Uhr aufhört, Wo er eigentlich erst anfangen ſollte, und daſs unter dieſen Umständen und pei dieſem Menſchengewühl; meist nur toben- de Walzer getanzt werden, dagegen ſollte die mediciniſche Polizei sich aus Kräften sträuben. Inzwiſchen ist es nicht ſelten, daſs in dem Promenadehauſe ſowohl,; als in den verſchie- denen Badhäuſern auch Nachtbälle gegeben werden. Die gewöhnlichste Unterhaltung der Kur- gaste bésteht— im Hazardsepiele. Ich komme mit einem ſchmerzlichen Gefühl auf dieſes— die Geſellſchaft in ihren edelsten Theilen an- frellende, krebsartige Uebel, welches Krieg und Emigration bei uns epidemiſch gemacht haben, da es vorher nur wenig bekannt War. Es fin- 133 den sich jährlich zwei bis drei Spielergeſellſchaf- ten hier ein, und in den vorzüglichsten Bad- häuſern, ſo wie des Sonntags im Ballhauſe, er- tönt Tag und Nacht das traurige— faites vos jeux— je fais— il ny en a plus! Es ist wahr, die Regierung hat alles gethan, um das Spiel zu erſchweren; welches sie aus Localriicksichten nicht ganz unterdrücken zu können glaubt. Jede Spielergeſellſchaft muſs eine ſehr beträcht- liche Abgabe zum Besten der Armen entrich- ten, fast eben ſo bedeutend ist die Summe, die jedem Badwirth für die Erlaubniſs, in ſeinem Hauſe zu ſpielen, bezahlt werden muſs, und das will wieder gewonnen ſeyn, und die Herrn vom Handwerk müſsen auch ſo ziemlich sicher ſeyn, dies und noch mehr wieder zu erwerben, ſonst würden sie sich nicht auf ſo harte Bedin- gungen einlaſſen, und nicht jährlich wieder kommen. Aufrichtig geſprochen, ſcheint mir aber das Hazardſpiel für Baaden, als Badort betrachtet, mehr nachtheilig als vortheilhaft zu ſeyn. Hier sind meine Gründe: Ich will abſehen davon, daſs die Spieler von einer Rolle mit Louisd'or bis zu einer Vier- 0 + telskrone, oder einem Vierzigkrenzerstück Satz annehmen, und dadurch manchen Handwerker locken, ihnen den Schweiſs einer ſauern Woche 8 605 zu opfern, daſs der, welcher einige Kronen in einigen Minuten géwinnt, dadurch gegen einen nd ſpärlichen Erwerb gleichgiiltig miihſamen u gemacht wird; dieſem Unfug könnten strenge Polizei-Maasregeln steuern; mein Augenmerk geht nur auf die Kuxgäste ſelbst. Die meisten, die unſre Bäder beſuchen, sind folche Perſo- nen, die eine Su für ihre Kurzeit bestimmt haben, und jahrlich auch nicht wohl viel mehr 1 ü Gln Hiie 101 ehe darauf wenden können, ohne sich wehe 2u thun. Dieéſe eich nun, vom Beiſpiel hin- geriſſen, und weil es an anderer Unterhaltung gebricht, an den Spieltiſch, und verlieren oft in wenigen Stunden ihre ganze Baarſchaft. Nun müſsen sié ihre Badzeit abküirzen, oder Schul- den zurück laſſen, und bleiben das folgende Jahr aus dem Bade weg, oder beſuchen ein an- deres, Wo die verderbliche Gelegenheit sich nicht findet. Manchmal hat der Spielverlust ſchreckliche Folgen. Wer erinnert sich nicht noch mit Schaudern der unglücklichen Lady L., einer 155 Schwester der engliſchen Herzoginn von C., dié vor 5 oder 6 Jahren in das hiesige Bad kam, ihr Geld verſpielte, sich an fremdem Eigenthume vergrief, und— im zernichtenden ühl der Entehrung, Gift nahm! Anch das geſellſchaftliche Leben! leidet ſehr durch die überall aufgestellten Spieltiſche. Méh- rere Fremde klagen 8 uns über Mangel an Ge- ſelligkeit, und wünſe die Errichtung eines öflentlichen Haufes, wWo die Gästé der verſchie- denen Badhäufern'sich verſammlen, sich einan- der kennen lernen, und eine angemeſſene Un- terhaltung finden könnten. Es würde wohl keine groſsen Schwierigkeiten haben, die Herr- ſchaft und die Stadt zur Beiſchieſsung der Ko- sten für ein es Gebäude zu vermögen, aber die Anstalt würde wenig benützt werden, ſo lange die Hazardſpiele Spielern von Profeſſion aſf. 1 4 üUberlallen Sind.“ Ohne die Spiel-Conceſſionen wilrden zwar uch ſolche Spiele getrieben werden, denn ganx verbieten laſſen sie sich an einem Kurorte nicht, aber die Kurgäste würden sich alsdenn untet sich ſelbst zaum Geben einer Bank vereinigen, 36 das Spiel würde weniger hoch werden, das Geld in den Händen der Geſellſchaft bleiben, und das geſellige Leben zugleich weniger lei⸗ den. Manche Gattinn würde nicht mit ban⸗ ger Frwartung ihren Mann, mancher Mann nicht angstlich ſeine Frau aus dem Bade zurück erwarten, und die Wirthe nicht oft um ihre Lahlung auf beſsre Zeiten sich vertrosten laſſen miiſsen. Ein Geſetz,— nicht gegen das Ha- zardſpiel, ſondern blos gegen öoffentliche Spie- ler-Innungen würde nur einige Glücksritter vom Beſuch unſerer Lader abhalten, aber desto mehr rechtliche Menſchen herbeiziehen. Ich habe bei meinen Bemerkungen den Nachtheil noch nicht berührt, den das ewige Sitzen am Spieltiſche, die davon unzertrennli- che leidenſchaftliche Stimmung des Gemüths, auf die Geſundheit haben muſs, Manche Kran-⸗ ke, welche die Heilkraft unſerer Quellen, und die Kunst unſerer Aerzte wieder vollkommen hergestellt haben würde, verlaſſen Baaden unter dieſen Umstanden geſchwächter und siecher, und werfen dann die Schuld ihrer Thorheit und der Gelegenheit auf das Bad und die Aerz- te, un theil 137 te, und ſetren beide unverdient in einen nach- theiligen Ruf.—— Unſere Promenaden sind mehr durch die Natur als durch die Kunst hervorgebracht, und dies giebt ihnen nur mehr Anziehendes, Von der Kastanien-Allee an dem Promenadehauſe habe ich ſchon geſprochen, von einigen an- dern Spaziergängen werde ich weiter unten zu reden Gelegenheit haben; hier führe ich nur noch einige kürzere, der Stadt näher gelege- ne an, 1.) Der Gernsbacſier Weg. Eine Weiden- Allee geht durch das Wieſenthal bis zu der links sich erhebenden Anhöhe, wWo mehrere Wege um den mit Eichen bewachſenen Hügel hinan und in das benachbarte Holz führen, Dieſe Gegend ist der Aufenthalt von Nachtigal- len und andern Singvögeln, Auf der Höhe, dem ſogenannten Haſenſprung, hat der Herr Obervogt von Wagner für Ihre Majestät, die jüngst verstorbene Königinn von Preussen, die sich den letzten Sommer einige Monathe hier aufhielt, eine Hütte von Tannenzweigen auf⸗ richten, und mit Tiſchen und Bänken verſe⸗ 2——-— 2 138 hen laſfen. Zu Ptählen und Wänden wurden die umherstehenden Bäume benutzt. Man ge- nieſet da einer reichen und mahleériſchen Aus⸗ sicht. Wer den Gernsbacher Weg eine halbe Stunde Weit steigen will, findet auf der Hôhe zunct, von Wo aus Baaden eine äus-⸗ serst intéreſſante Landſchaft bildet. Rechts hebt sich aus dem Thal eine mit Bat né zackigte Felſenwand ſenkrecht empor. Sie hat den Namen Die Kuppe t der Straſſe, mMehrere wWié Druidenaltäre unter den me Tannen stéehen. 2) Die beiden Eichen-Alleen. Sie fangen eine Strecke vor der Stadt an, und bilden ei- gentlich nur einen Spaziergang, der ohngefähr in der Mitte, durch eine Wohnung und einen Waldbach unterbrochen wird. Am Eingange in die zweite Allee ist Iinkz ein kleines Geholz mit einer kühlen Brunnen- b, 2 8 D 8 139 quelle, an dem Wegeé sind Sitze angebracht, und das ist der Standpunct, von welchem Baa- den ſeine intereſſanteste Ansicht gewährt.) chade, daſs die iegen alten Eichen, die ſchon ſo manches Menſchenalter hier wandeln ählig———8 Die Plätze der abgchenden werden indeſs jedesmahl vieder mit Linden beſetat. 3.) Die neue Promenade. Wo man am En- bengedachten Allee über den — S — + 8 — 2 *+r führt ein Fuſspfad links elbach zu einer ſchönen, rings mit R — Q en ummauerten Linde, neben welcher sich das Waſſer des Oelbachs, ſchäumend aus einer 8 herabstürzt. Die Strecke von da bis 2 188 en Porzellän-Fabrik war noch kürz- lich ein wüster Sumpf von Gewürme. und ſchrei- enden Unken bewohnt. Jetzt ist es eine freundliche Aue von Wieſen und Aeckern, und die sich durehhin ſchlängelnden Wege s sind Die dieſer Beſchreibung beigefügte Ansicht ist von dema Hügel genommen, an deſſen Fuſs sich der zeue Weg nach der fchen Promenade hinzieht. Von dieſem Stand- punct aus ist sle gröſser und pittoresker. RCECCC 146 mit Platanen und Obsthäumen bepflanzt. Un- ter den am Ende dieſer Promenadée zerstreut stéhenden Eichen sind Bänke für die Spazier- gänger angebracht. Wenn dieſe Eichen ein Klei- neés Gehölze bildeten, und die ehemalige Por- zellän- Fabrik, wWo itzt blos Wein geſchenkt wird, eine angemeſſene Einrichtung zur Bewir⸗ thung der Spaziergänger erhielte, ſo würde dieſe Promenade noch um vieles angenehmer und einladender werden. Wer ein Freund ſchöner Naturſzenen und reizender Aussichten ist, der nehme ſeinen Weg links an dieſem Spaziergange bei den neuerbau- ten Häuſern, durch den etwas zu ſehr gelich- teten Eichenwald hinauf, neben einem Wieſen⸗ thale, deſſen Seite sich in eine Reihe mit Re⸗ ben beſetzter Hügel erhebt. Auf der Höhe zeigt sich Baaden mit ſeinen ſchönsten Umge- bungen, und der Blick ſchweift ungehindert über die weite Rheinebene bis an die Gebürge, welché Elſaſs und Lothringen ſcheiden, Von dieſer Anhöhe führt der Weg auf den ſoge nann- ten Mercurius oder Staufenberg, welcher aber beſchwerlich zu besteigen ist, und der Mühe in keiner Hinsicht lohnt. ——— 141 EsS Q* R8 mehr, welche blos von der Natur gebildet sind. iebt der Spaziergänge um Baaden noch Nur ſollte noch von den Thoren der Stadt aus, zum Beiſpiel längs dem Stadtgraben vom Gerns- bacher Thor herab, wenigstens eine Baumreihe angelegt werden, damit man im Schatten auf die Promenaden ſelbst gelangen könnte. Eben ſo wäre die Erbauung eines bedeck- ten Ganges, dergleichen sich zu beiden Seiten des Schloſſes auf der Favorite welche befinden; zur Bequemlichkeit der Kurgäste bei ungünsti- ger Witterung zu wünſchen. Eine ſolche Ar⸗ kade könnte füglich mit einem gemeinſehaftli-⸗ chen Verſammlungs-Saale in Verbindung ge- bracht; und allenfalls auch zur Aufstellung der da und dort zerstreuten Kaufmannsbuden ein- gerichtet werden.— Kurgäste, welche Freunde der Jagd sind, haben die Erlaubniſs, sich in Begleitung des Oberförsters dieſes Vergnügen zu machen. Doch hegen unſere Waldungen We⸗ nig Wild mehr. ο=— ULNMCIBUNCEN VON BAADEN. ——eεν˙εε. Wer kich einige Wochen in Baaden aufhält, der kann jeden Jag einen Ausflug in eine neue, durch Naturſchönheit ausgezeichnete, oder ſonst intereſſante Gegend machen, und da dieſes Buch den Fremden zum Wegweiſer dienen ſoll, ſo muſs die Beſchreibung dieſer Gegenden auch billig einen Platz hier finden. Ich mache den Anfang mit dem Kloster Lichtenthal. Dieſe Abtei von Zistercienſer Nonnen liegt eine halbe Stunde von Baaden, am Eingange in das Beurner Thal, welches sich in die höhere Gebürgkette des Schwarzwaldes verliert. Ez führt eine ebene, wohl unterhaltene Straſse von Baaden dahin, durch die oben beſchriebe- ne Eichen-Allee, und es wäre zu wünſchen, daſs dieſe Baumreihe bis zum Kloster fortgezo- gen würde. Das ziemlich anſehnliche und räu- mige Gebaude fehnt sich rückwärts an eine 143 mahleriſche Bergwand, deren Fuſs von dem Oelbach beſpült wird, und ist ringsum von Remiſen, Stallungen, Scheunen und einer der Abteéei gehörigen Mühle eingeſchloſſen. Die Zahl der Nonnen belief sich immer gegen dreisig, sie sind einem ſehr beſchwerlichen Chor und einer strengen Clausur unterworfen, und in das In- nere des Klosters darf niemand, auſſer der herr- ſchaftlichen Familie, wenn sie etwa hicher kömmt, und denjenigen, die im Gefolge der- ſelben sind. N Die-Kirche ist klein, und enthält weder in ihrer Bauart, noch in ihren Verzierungen et- Was Merkwürdiges. Auf dem zur Clausur geh6= rigen Chor hingen 4 ſchöne groſse Bilder, auf Leinwand gemahlt, und auf die vier Seiten zweier Holztafeln aufgezogen, die man für das Werk Albrecht Dütrers hielt; als sie aber neulich abgenommen, und nach Mannheim in die dortige Gallerie transportirt wurden,; fand sichs, daſs die Zeit ikrer Entstehung noch höher hinaufzuſetzen ist, und sie mögen vielleicht von Martin Schön, oder Durers Leh- rer, Michael Mohlgemuth herrühren. Auſſer dlieſen yVeggebrachten Gemählden ſollen sich 141 auf dem Chor noch einige vortrefliche auf Gold- grund gemahlte Köpfe befinden. Eine alte Klosterkirche steht neben der neuen, und ist der Begräbniſsplatz einiger Marg- grafen aus der Hermannſchen, und der mei- sten aus der Rudolphiniſchen Linie. Der letzte, welcher daſelbst beigeſetat wurde, war Rudolph der Lange,(1372.) Sein Denkmahl stéeht mitten in der Kirche— ein steinernes Paradebett, worauf er ausgestreckt liegt. Irmengard, Tochter und Erbin Herzog Heinrichs von Braunſchweig, eine Enkelin Heinrichs des Löwen,; und Gemahlin Her-⸗ manns V. Marggrafen von Baaden und Verona, stiftete das Kloster im Jahr 1245., und lebte darin nach dem Tode ihres Gemahls bis zu ihrem Absterben.(1259.) Mehrere Prinzessinnen und fürstliche Witt⸗ wen des Baadiſchen Hauſes folgten ihrem Bei- ſpiel. Die Gemahlin Rudolphs I. Kunigunde von Eberstein, brachte ebenfalls ihre Wittwen⸗ Jahre daſelbst hin, und ihre Tochter Adelheid wWar Aebtissin des Klosters. Die Gemahlinn Frie- dricſ.is des II. gieng ſogar nach dem Ableben ihres Gemahls, mit ihren drei Töchtern Agnes, — 10 1 0 8 dis( WII —— 145 Agnes, Irmengard und Maria nach Lichtenthal, Wo sie Aebtissinn wurde Bei den 00 des Jahrs 1689 wur- deé die Abtei auf eine merkwürdige Art von Igemeinen Brande dem al 8 enommen. Eine ihrem Laienstande bei als Köchin ge⸗ 1. Rei 6 Schréek. 118 Ime dient. Pei dem Schrècken und Jammer, den die Annäherung der französiſchen Truppen über⸗ hol ehen zu dürfen. Die Hfn wurde ihr, wiewohl ohne groſse Ho nung ge⸗ 8 währt, und die Schwester, mit einem Korbe Klösterlicher Arbeiten zu Geſchenken für die Kinder des Gouverneurs beladen, trat ihren Weg muthig an. Der Gouverneur War auch wirklich von ihren Bitten und Thränen gerührt, 11 und hieſs sie ihrer Aebtissinn ſag gen, sie möchte ſogleich alle groſsen und Kleinen Thürme der Kirche, Kapellen, Thore und Mauern des Klo- sters abdecken laſſen, übrigens mit ihren Un- tergebenen ganz ruhig in ihren Wohnungen bleiben, sie würden nichts 2u befahren haben K E 46 Die Acbtissinn befolgte die Weiſung, und das Kloster wurde verſchont. Unter den Entſchädigungs-Objecten, wel- che der letzte Deputations- Rezeſs dem Kurfür- sten zuerkaunte, war Lichtenthal mit begriffen, und die Güter und Gefalle des Klosters wurden auch wirklich eingezogen, inzwiſchen ist die gänzliche Aufhebung der Abtei noch unent- ſchieden; einstweilen ſollen die Nonnen bis auf 12 absterben, und nach dem Tode der wirkli- chen Aebtissinn, eine Priorinn zur Vorstéehe- rinn erhalten, auch sich zur Uebernahme von Schulen befähigen. Als ein Seminar von Schul- lehrerinnen, und wenn der, eine nicht ſehr feste Geſundheit früh zerstöhrende Chorgeſang wegfiele, würde es immer ein wihnſchenswer⸗ thes Institut ſeyn. Die Kloster-Bibliothek, welche mit Aus- nahme éiniger Intunabeln und Manufcripte, die nach Karlsruhe kamen, der Heidelber- ger Universitäts- Bibliothek einverleibt wur— de, enthielt merkwürdige Ausgaben lateiniſcher Klassiker, und einige intereſſante Schriftsteller aus den Zeiten der Reformation. Wahrſchein- lich wurden die meisten dieſer Bücher chemals bei nach 10 447 bei Aufhebung des Klosters Herrenalb von da nach Lichtenthal gebracht. Das Thal, welches sich von dieſem Kloster an tief ins Gebürg hinaufzieht, verdient immer auch einen Beſuch. Die Parthien haben bald den Charakter ländlicher Anmuth, wie Swd- nenfelds Landſchaften, bald sind sie im küh- nen und ernsten Styl eines Saloator Rosd hin- geworfen, bald zeigen sie sich still und einfach, wie die Bilder Eyerdingens. Im Schutz der Bergklippe, auf deſſen Gipfel der Raubvogel ni- stet, hat sich unten der Menſch angebaut, und dem Genügſamen giebt die Natur— freilich nichts umſonst, aber für ſeine Mühe doch, ſo viel er braucht. Der Mineralog, für den die Streifereien in unſern Gebürgen überhaupt ſehr ergiebig sind, findet in dieſem Thale Granit, verſchiedene Agate, Amethyste, Jaspis, Chalce- done, und andere Merkwürdigkeiten aus dem Steinreiche. Auch der Botaniker und der En- tomolog gehen hier nicht leer aus. Das alte Schlo/s. Eine halbe Stunde von der Stadt erheben sich aus finstern Tannen die einſamen und zer- tallenen Zinnen und Mauern dieſes uralten Si- K 2 2 tzes der ersten Marggraſen, und zeugen in ih- en noch von der ehema- Die unge- auf un- 6 n noch Granitmaſſe Jahrtauſende den Flügel der Zeit ermüden; wenn nicht die Franzoſen im verh n Fensterhoę Sn Urge GES SCDUWAaT= 4 und Auen fern und gegen Westen die in Duft Vogeſen erblickt. In der That ist die Aussicht hier ſo reich und abwechſelnd nan un- 4 2 gedultig von einem Fenster zum andern eilt, an den verlaſſe- Immer und ungesätti nen Standpunct zurück kehrt. 1 4 1 Wer dem Schwindel nicht und wem es auf ein kommt, der bestei 32 — Schloſſes, das Rondell genannt, wo das Land Biet — 149 sich in einèe unermeſsliche Ferne vor ſeinen licken ausbreitet. Dieſe Bergruinen sind von groſsem Umfan- en überall, daſs sie nicht die Woh- ge, und emeiner Ritter waren. Wenn man aus dem letzten obern Fensterbogen des Saals, Wo sich zu beiden Seiten noch steinerne Sitze be- finden; auf den Boden hinabſchaut, ſo wird man von der ſchwindelnden Höhe mit Grau- ſen ergriffen, und doch mag das Schloſs bis an dieſe Stelle kaum die Hälfte ſeiner ehemaligen Höhe meſſen. In einige Gänge und zerfallene Gemächerf Kkann man gar nicht mehr, oder nur mit Mühe 8 und Gefahr kommen. Mahleriſch heben sich rings aus den nd Spalten Tannen und Birken, und n 18 Ahorn, der in dem Schutt eines Seitengemachs ſeine Wurzeln ſchlug, streckt ſeine dicht belaubte Krone aus dem Fenster hervor. Die Kellergewölbe sind noch gut erhalten, aber ungleich mit Schutt bedeckt, und ohne Fackeln nicht wohl zu betreten. Man ſollte von dieſem ersten Stammsitze des Baadiſchen Hauſes, ehe das Ganze noch meéhr zerfällt, einen Grundriſs aufnehmen las- sen. Eine Ansicht deſſelben findet man in Schoenjflins Badiſcher Geſchichte. Die Bäume stehen zu dicht um diéſe Rui- nen her, und eine Lichtung des Waldes an dieſer Stelle könnte viel zu ihrer längeren Er- haltung beitragen. Ebersteinburg. Von dem alten Schloſſe führt ein angeneh- mer Waldweg zu den Ruinen von Alt-Eber- stein, diè sich hinter dem Dorfe gleiches Nah- mens, auf einer Felſenspitze, wie ein Adlernest erheben. Sie sind eine Kleine Stunde von Baa- den entfernt, von Wo aus auch noch zwei an- dere Wege dahin gehen. Dieſe Burg hat nicht den Charakter der Gröſee, wie die eben beſchriebene, aber sie hängt kühner und mahleriſcher an der Berg- klippe, und die freie Ansicht derſelben, wird nicht, wie die des alten Schloſſes, durch Bäu- me gehindert. Die Aussicht von oben ist bei- nahe die nähmliche wie dort, nur offener ge- gen Norden. —.— — 151 ine Alt-Eberstein wurde, wenn ich nicht irre, durch den Schwäbiſchen Bund zerstöhrt. Das Geſchlecht dieſer Grafen gehörte übri- gens zu den ältesten in Teutſchland. Die Frei- burger Chronik läſst einen Grafen von Eber⸗ stein, als Geſandten Kaiſer Heinrichs des Voglers, nach Rom gehen.“) Gewiſs ist es, daſs ein Ludwig von Eberstein schon mit gedachtem Kaiser Heinrich, ins Feld zog. Bei dem ach- ten Turnier, welches nach Rüxner 1089. geneh⸗ zu Augsburg gehalten worden, findet sich ber⸗ unter den ſchwäbiſchen Edlen ein Wilhelm von Eberstein aufgeführt. Graf Bertold von Eberstein, der um 1220. lebte, und deſſen zwei- ter Sohn, Otto, wahrſcheinlich Neu-Eberstein bei Gernsbach erbaute, stifteté mit ſeiner Ge- mahlinn Uda, die Klöster Herrenalb und Frauen- rdkr Ab, um das Jahr 1148. unter Biſchoff Günther T tie von Speier. 8 Das erste Recht auf die Burg und Grafſchaft wird erhielt Baaden durch die Heurath Rudolphs J. zu- mit Kunigunde, der Tochter Otto's des ältern *) Der Verfasser dieſer Chronik, die 1514. zu Basel ge- druckt wurde, heiſst Sattler, und war Kaplan zu Frei- hurg. 0ι 92 von Eberetein 1 N gervaters erhielt Rudolph einen Theil der Burg (1285.), und wohnte auch öfters daſelbet. Als 1605. Bernard III. von Eberstein geäch- tet wurde, ſchenkte der Kaiser den Antheil des- séelben an Eberstein, dem Sohne des Marggra- fen Christoph äs Der Marggraf war aber edel genug, den Sohn zur Zurüc S 82 und erst im ls 1660. wWo Graf Kasi- Hauſes starb, kam Baa- den wiéder sitz. Dieſèe historiſchen An gaben sind hier nicht 5 O 2 N 8 Almmn Uunrec zu wiſſen, wer auf dem Schauf den man vor sich 55 um das Andenkeén an die Vergangenheéit durch die Nahmen denk- wWürdiger Perſonen lebendig zu machen. Dorf Ebersteinbu irg ist klein und arm. ner nähren sich zum Theil vom Kalkbrennen. Ini Walde unter deéem Dorfe wWird ein grauer in gebrochen, der einen ſehr weiſen und guten Kalk giebt Die drei Eichen. inde von Baaden, am 155 Ende des Dörfchens Scheuern, und dicht an 5 der Straſse nach Rastatt, steht eine Kapelle, de- ren Dach ehemals von drei Eichen beſchattet wurde, die dem Plätzchen den Nahmén gaben. Dieſe Kapelle ist ein Denkmahl der Pest, die im ſechszehnten Jahrhundert, ſo viele Gegen- Vaterlandes verwüstéète. Der ge. N 483 J mahlte Plafond stel gfrau von Engeln umgeben vor, zu welcher die Pestkranken ihte Zuflucht nehmen. Die mannigfachen Gruppen sind nicht übel erfunden, und auch nicht ſchlecht geordnet, beſonders anziehend ist das ches sich an ſeine todte Mutter chmiegt, aber desto weniger verstand sich der kürzungen. Es ist übrigens in unſern Zeitum- ständen doppelt merkwürdig, zu wiſſen, daſs die verhéerende Seuche damals an dieſer Stelle ihre Gränze fand, und die Stadt Baaden ver- ut lieſs, Wo man gleich anfangs die Vor- „die warmen Quellen zu öfflnen, laſſen. Die 1 immer eine intereſſante Aufgabe für den den- lurch die Straſsen hinströmen 2u rung dieſer Erſcheinung wird eiben, und ihre Aufloſung Kõnn- te zumahl in unſern Tagen, wo wir von dem Welttheile her, der uns für ſeine Fieberrinde und Kartoffeln der Uebel ſchon ſo mancherlei ſandte, von einer neuen Seuché bedroht wer- den, zu ſehr beruhigenden Reſultaten führen. Die hiesige Stadtſchreiberei bewahrt über dies Ereigniſs ein Actenstück. Rechts an den drei Eichen führt ein hie und da durch Anhöhen unterbrochener Hol- wWeg, in das eine halbe Stunde weiter entfern- te, auf einem Berghang mahleriſch hingereihte Dorf Balg, welches, auſſer ſeiner angenehmen Lage, auch die Aufmerkſamkeit des Naturfor- ſchers verdient. Ich habe ſchon in der Ge- ſchichte der Stadt Baaden bemerkt, daſs bei der Kirche dieſes Dorfs, der dem Mercur geweihte Altarstein ausgegraben wurde. Im Thale unter Balg sind ſehr ergiebige Gruben von weiſer Porzelan-Erde und ſchwarzer Pfeifen-Erde, und in eben dieſen Gruben wird ein weiſer Krystall- sand und Quarzſand gewonnen. Fs ist Schade, daſs dieſe Producte, die bei uns ſo lèeicht ver- arbeitet werden könnten, zum Theil— mit ſo manchen andern— roh ausgeführt werden. — Das Jagdhaus Es liegt eine kleine Stunde von Baaden, Wo sich das Thal in die weite Rheinebene zu ver- flächen, anfängt. Zwei Wege führen dahin. Der eine durch das Gebürg, der andere die Heerstraſse entlang, von welcher ein fahrbarer Seitenweg mit Pappeln beſetzt, in gerader Rich- tung zu dem Gebäude hinangeht. Es ist ein Achteck mit einer ſchlecht gemahlten Kuppel, den heil. Hubert vorstellend, vor dem der Hirſch mit dem Kruzifix zwiſchen dem Geweih steht. Die Aussicht ist reich und weit. Neben dem Hauptgebäude stéehen unter Eichen einzel- neé Pavillons und die Wohnung eines Försters, bei welchem man Wein, Milch, u. s. w. zur Erfriſchung findet. Seitwärts, in der Richtung nach Südost; zieht sich ein bhequemer Weg auf das ſogenann- te Kalbel. Dieſer Weg wurde durch die Für- ſorge des Herrn Obervogts von Wagner ange- Iegt, als die, izt verstorbene, Königin von Preussen im letzten Sommer die Excursion auf dieſe Berg⸗ ſpitze machte. Man genieſst daſelbst einé der intereſſantesten Aussichten, die sich bis Speier und weiter hinab in endloſe Fernen verliert- 156 haus ist reich 8 Auch die Gegend um das Ja, an mancherlei Naturproducten; man findet dies- seits Eiſenstein, der Flöz- und Nesterweiſe in 1 4 cht, und geröstet 13* die Ebe- nung hin giebt es blauen, blätterigen Thon, d WeEI- PE(441 211 1 Plaulichen Kalkstein, gelben Marmor 1Een Schwe Bergrath Erhard glaubt, Riirk 7 Inbruche von Galis dlE1C] Eiſenerz hoffen Der Fremersberg. Ein Franziskaner Kloster, eine Stur Baaden, auf dem Wege nach Stein iegt auf einem Berghange, mitten in einem — 4 zuchwalde, und hat eine freund auf den Rhein hin und mehrere dies und jen- 5ster und Dörfer. Die en die Pfarre auf its liegende Städte, K D eistlichen des Klosters D 8 der Herrenwieéſe, und den 8 Gotteésdienst in dem Huber-Bad, ſo wWi * Man ſehe die zWar etwas eigen s nten Nachrichten über des Baadiſche Serst intere neralreich, welche dieſer in der) heimiſche Mann im Magazin oo να ben hat. 147 verſchiedenen Pfarreien zur Aushülfe dienen. Ihre Anzahl ist gegenwärtig nur gering; sie ſol- D len aber durch die Väter des eingehenden Rastat- ter Klosters vermehrt werden. 4 n der Nähe des sters brechen verſchie- dene Sandstein- und Erd-Arten. Burg Hberg. steht fast isolirt da, als wäfe ungs. Daſs man auf dem Berge keiné vulkaniſchen Producteé findet, be- wieſe nichts gegen dicſe Meinung, indem 5 Aumbald in America einen noch itazt feuer- ſpeienden Berg entdeckt hat, deſſen Umgebun- gen keine en Producte enthalten. 8 Wer die Erbauer des Schloſſes Waren, ist un- nungs-Briefe, den Kai- D békannt. In dem Bel Marggraf Bernhard er- 88 ſer Wenzel 1382, theilte, kommt auch das Schloſs Verg vor. Spä- ter wurde es wahrſcheinlich zerstöhrt. Noch stehen zum Theil zwei ſehr hohe Thürme, und ein Stück Gemäuer am Eingang, Der erste dieſer Thürme wurde vor mehreren Jahren durch einen Wetterstrahl von oben bis unten geſpalten, und es ist alſo nur noch die Hälfte deſſelben übrig; der andere hingegen ist noch wohl erhalten, und man kann auf einer in demſelben néeuangebrachten Treppe die mit einer Brustwehr 8 ohneé Gèe- fahr besteigen. Er miſst ohngefahr 70 Fuſs in die Höhe, und dieſer Standpunkt ist vielleicht der höchste, den man auf unſern Gebürgen neh- men kann, und die Aussicht unermeſslich, nur daſs manchmal die Gegenden des linken Rhein- ufers zu ſehr in Dunst verhüllt sind. Ich wür— de daher einem jeden, der dieſen lohnenden Ausflug machen will, rathen, sich vor Sonnen- aufgang auf der Zinnèe einzufinden. Nicht nur ist in den ersten Frühstunden der westliche Horizont meist heiterer, ſondern man genieſst auch des entztiickenden Schauſpiels— rück- wärts die kühnen Gebürgmaſſen des Schwarz- waldes in féierlichem Helldunkel vor sich lie- gen zu ſehen, bis die Flamme des Tags sich auf ihre Haupter herabſenkt, gegen Westen aber die unendliche Ebene, vom mächtigen Rhein durc hströmt, deſſen Fluten allmählig vom er- 1 1 f 159 Wren sten Schimmer der Sonne erglänzen, bis end- 5 lich die ganze Landſchaft in bestimmten und deutlichen Umriſſen aus Dunkel und Morgen- nebel hervortritt. Der Weg von Baaden bis dahin ist freilich etwas beſchwerlich, doch kann ihn, wer kein guter Berggänger ist, zu Pferd, oder auch in einem mit Ochſen beſpannten Wagen machen. In jedem Falle thut man am besten hinter dem Selig, D Nahmen führen, den Waldweg links einzuſchla- oder den beiden Maierhöfen, die dieſen en. Es geht zWar anfangs bergan, allein man 8 7 D 8 D gelangt doch unvermerkt und auf einem fahr- baren Wege auf den Bergrücken, der mit dem Hange des Wergs zuſammen läuft. 8 Die Volksſage macht dieſe Ruinen zum Auf- enthalte neckender Dämonen und Kobolde, die hier am lichten Tage ihren Unfug treiben, den Wanderer irre führen, und mit Steinen nach ihm werfen. Der Aberglaube ist sich überall gleich, und ketteét gern das Wunderbare an das Dunkle und Unbekannte.— Nhein In der Tiefe unter dem Derg liegen die Steinkohlen-Bergwerke von Umueg, die auf zwei 160 00 chenden Flözen bre- sich übereinander verfl chen. Man findet daſelbst noch verſchiedene Naturſeltenheiten, 2. B. Steinkohlenſchiefer mit Abdrü auch ganze Lagen versteinerten Holzes. Bei 7 R 1 Umeg Wächst ein ilehr guter Wein, der sich 8 4 1 12* 7 1 noch mehr durch eine zwecl ige Anlagèé der Weingärten veredlen liéſse, wie der Herr Baron von Knébel in dem béenachbarten Nettweier an einem nachahmungswerthen Beiſpiele gezeigt hat. zin Lustſchloſs— anderthal Baaden, welches die Wittwe Marggraf Ludwig Wilhelms, eine Prinzessinn von Lauenburg, er- baute. Es liegt am En chen, die mit ausländiſchen sträuchen untermiſcht, angenehme Promenaden bilden, und hiebevor einer Rudeél von hirſchen zum Aufenthalte dienten. Von dem Gehölze führt eine kleine Alléèe zwiſchen 2zwei Arkaden auf das Schloſs, tes Viereck mit etwas ve bildet. In der Mitte ist e 32 S D. 2 161 ſeine Beleuchtung durch eine Kuppel erhält. Im zweiten Geſchoſs läuft, für die Zuſchauer eine Gallerie mit Fenstern um dièéſen Saal.— In dem Saale ſelbst sind auſſerdem, daſs er ſchon durch ſeine Lage kühl genug ist, stei. nerne Becken zum Auffangen von Waſſer an- gebracht, welches durch Niſchen in den Saal geleitet werden ſollte. Die Enfilade der Zimmer ist prachtvoll. Sie sind zwar im alten Geſchmacke, aber kostbar dékorirt, die Böden mit Moſaik eingelegt, und einige Wände mit Miniaturen von Künstler- Bildniſſen— Kopien nach Sandrat— ausge- ſchmückt. Das Speiſezimmer führt auf eine Terraſſe, die eine weiteèe und angenehme Umsicht gewährt. Unten ist ſeit kurzem ein engliſcher Garten angelegt. Am Parke hin liegen mehrere Pavillons zur Wohnung für die Suite des Kurfürsten, der sich gewöhnlich einige Sommermonathe hier auf, hält. Im Gehölze steht noch die Einsiedelei, WO die Erbauerin die Fastenzeit in strengster Abgeſchiedenheit und unter harten Bufsübun- I. 162 gen hinzubringen Pflegte. Noch zeigt man deu Stachelgürtel von Drath und das härene Unter- gewand, wWelche sie in dieſer Zeit z2u tragen gewohnt War. Das Murgthal. Unstreitig ist dieſes Thal eines der reizend- sten und an herrlichen Landſchafts-Parthien reichsten von allen, die von den Vor- und Hochgebürgen des Schwarzwaldes gebildet wer- den, und ſelbst nur wenige Hirtenthäler der Schweiz dürften bei ei ner Vergleichung den Vorrang behaupten Können. Es hat leinen lahmen von der Murg, die ohnfern des Knie- bis, eines im letzten Kriege berühmt gewordenen Bergpafſes, entſpringt, sich bei dem würtember- giſchen Dorfe Baiersbronn mit dem Forbach vereinigt, und dort erst ihren neuen Nahmen annimmt, den sie bis zu ihrem Ausfluſſe in den Rhein, eine Stunde unter Rastatt, auch bei- behält. Von Baiersbronn bis zu ſeinem Ausgange miſst das Thal die Länge von 12 Stunden. Der Eingang ist bei RAuppenheim, 2o Stun⸗ den von Baaden. Eine vortrefliche Kunsstraſse —— — tember V Uch trefl 157 Unde c C EN 163 ftihrt den Baadiſchen Antheil des Thals hin- auf; fahrbar ist der Weg aber auch im wür— tembergiſchen Antheile. Von Kuppenheim bis Gernsbach hin ist das Thal ziemlich breit, und zu beiden Seiten an- gebaut. Rechts gegen Rotenfels liegt eine Stei ngeſchirr- Fabrik, die ſo wie ein dabei befindliches Gut, der Frau Reichsgräfin von Hocliberg augehort. Am Walde auf einem kleinen Felſen, in den ſchon chemals ein Keller eingehauen war, er— hebt sich ſeit kurzem ein freundliches Sommer- haus im römiſchen Geéſchmack, und zu beiden Seiten führen Spaziergange durch den heitern Buchwald auf die Anhöhen, wo man eine vor- trefliche Ansicht des unten liegenden Thals, und eine weite Aussicht in die fruchtbare Rhein- ebene hat. Ueberall ſpricht ſchon aus dieſen neuen Anlagen, die noch im Werden sind, der edle und ſanfte Geist ihrer Stif erin, deren Nahmen ſo manches Herz dankbar bewahrt. Von hier ist's eine kleine Strecke bis Gag- genau, das sich auf beiden Murgufern ausbrei- wet:. Daſelbst findet man eine der Rindeschwen⸗ 1.2 464 derſchen Familie gehörige Glashütte, Wo immer eine Menge Glasbläſer, Glasſchneider, Schlei- fer, Taglohner, u. s. W. mit ihren Frauen und Kindern Beſchaftigung und Nahrung haben. Es wird auf dieſem Werke hauptſachlich grü- nes, weniger weiſes, Glas verfertigt; ereteres in allen Formen, auch zu chemiſchen und physi- ſchen Apparaten. Das Görgerſche Hammerwerk verdient eben- falls hier beſucht zu werden. Es hat mehreère Schmiedfeuer und Hämmer, und beſchaſtigt eine groſse Anzahl von Perſonen. Nicht weit von Gaggenau winket rechts der freundli he Amalienberg. Noch vor 2wanzig und etlichen Jahren war die ganze Anlage ein, öder Kalkfels mit traurigem Haidekraut bewach- ſen. Der thätige Geist des verstorbenen Oèco- nomieraths Rindeſchwender faſste den Gedan- ken, hier eine Villa anzulegen. Er lieſs Felſen ſprengen, Terraſſen mit Strebepfeilern aufmau- ern, den Steinboden da, wo er der Vegetation das Fortkommen verſage, mit fruchtbarer Erde bedecken, und itzt trägt die nördliche und öst- liche Séite des Bergs einen vortreflichen Wein, eili Tind X ll 166 and die Kuppe, ſo wie der westliche Abhang wuchern als Ackerfeld, und sind mit erleſenem Obste bepflanzt. Zur dankbaren Erinnerung an die allgemein verehrte Gemahlin des zu früh uns entriſſenen Erbprinzen, jetzige Frau Marg- gräfin von Baaden, die mit ihrem Gemahl oft einige Sommermonathe daſelbst zubrachte, gab Rindeſchwender der Anlage den freundlichen Nahmen Amalienberg. Aus dem Hauptgebàude, beſonders aber aus dem daneben stéhenden Pavillon hat man eine der reichsten und anziehendsten Aussichten im ganzen Murgthale. Tief unten rauſcht der ma- jestätiſche Fluſs, an deſſen mahleriſchen Ufern, ſo weit das Auge blickt, Leben und Betriebſam- keit sich regen. Da und dort ragt eine Dorf— kirche mit den Dächern ländlicher Wohnun- gen aus Baumen hervor; auf der Ebene, in wel- ché das Thal sich anderthalb Stunden von da verflächt, breiten sich Städte und Dörfer aus.— Die westlichen Gebürge, die sich mit den Wol- ken miſchen, machen den Hintergrund der gros- sen Landſchaft. Wenn die Unternehmung Rindéſchwenders auch nicht als oekonomiſche Speculation loho 166 nend war, ſo gab er doch das ermunternde Beiſpiel, was Kraft und fester Wille ſelbst ge- gen die widerstrebende Natur vermögen, und in dieſer höhern Rücksicht hat ihm denn auch der Weiſe Karl Frie drich, dem Amalien- Ber- ge gegenüber, an der Straſse nach Gernsbach. ein einfaches, aber geſchmackvolles Denkmahl errichten laſſen, wozu der Bau-Director Mein— brenner die Idee hergab. Es besteht aus einem Obelick, und hat auf dem Sockel folgende Inn- [chrift: Dem Stifter des Amalien-Bergs, Beförderer des Landbaues, Gewerbfleiſses und Hoche Handels 13 ſeiner Gegend, . ANTON RINDESCHWENDEIR,JI dankt Kurfürst CARL FRIEDRICEH. Unten am Amalienberg führt ein angeneh- den mer Pfad, längs dem linken Murgufer, nach Gernsbacht. Die Kunsstraſse zieht sich auf dem rechten Ufer durch die freundlichen Dörfer 02 181 tenau und Hördten hin. Der Fluſs ist gewöhn- Wr lich durch kleine Flöſse, und in den Sommer- 167 Abenden durch Gruppen badender Kinder be- lebt. Wenn man sich Gernsbach' nähert, ſo bietet sich dem Auge eine entzückende Land- ſchaft dar. Im Vorgrunde der mahleriſch um- wachſene Strom, häufig mit der Staffage von Rindern, die ein Hirt in das Waſſer treibt— im Mittelgrunde die Stadt, die sich theils an den beiden Ufern der Murg hindehnt, theils einen Hügel hinansteigt, auf deſſen höchstem Punkte die katholiſche Pfarrkirche hervorragt. Hinter der Stadt erhebt sich auf einem Tan- nenberge das erneuerte Schloſs Eherstein mit ſeinem gothiſchen Thurme, und die kiihnen Hochgebürge des Schwarzwalds ſchlieſsen den Hintergrund. Cernsbach, der Hauptort der Grafſchaft Eberstein, ist paritätiſch, und stand vormahls gemeinſchaftlich unter Badiſcher und Speier- ſcher Gerichtsbarkeit. Es ist ein heiteres Städt- chen von ohngefähr 1500 Einwohnern, hat ei- nen eigenen Beamten, ein Oberforst-Amt, einèe katholiſche und protestantiſche Kirche, ein Klei- nes Erziehungs-Institut, welches der achtungs- würdige Herr Diakon Adz, in ſeinem Hauſe, mit mühevoller, aber edler Verwendung ſeiner 168 Zeit, unterhält. Auch ist hier der Sitz der Obervogtei Eberstein. denen W Unter den Einwohnern herrſcht viel Be- 6⁴ triebſamkeit, beſonders durch eine hier beste- ddet hende Schiffergeſellſchaft, die aber ihren be- deutenden Holzhandel nicht in Gemeinſchaft treibt, und vielleicht auch nicht wohl treiben kann, indeém die Geſellſchaft zwar ihré äuſſerst béeträchtlichen Waldungen als gemeinſames Ei- genthum besitzt, jeder Einzelne hingegen ſeine béſondere Zahl von Gerechtigkeiten hat, ſ0, daſs der eine 2. B. auf den der Geſellſchaft 2u- 1 ständigen neun Sägmühlen, jährlich viele tau- ſend Bord mehr als der andere, ſchneiden laſſen darf. Wer sich über das Detail dés hièsigen 1 8 ifferhandels, ſo wie iiberhaupt über das Murgthal in technologiſcher und staatswirth- ſchaftlicher Hinsicht, belehren will, dem em- Pfehle ich die intereſſante Beſchreibung dieſes Thals von Herrn Forstverwalter Jägerſchmied in Gernsbach. Dieſes Buch kann dem Reiſen- den, der nicht nur etwa eine flücht Spazier- fahrt in dieſe von ſo-mancher Seitèe der Auf- merkſamkeéit würdige Gegend macht, zum un⸗ 169 terrichtenden und angenehmen Wegweiſer dienen. — Was in Gernsbacht vermiſst wird, sind gute Gasthäuſer. Dieſen Mangel erſetzt jedoch die ſeltene Gastfréeundſchaft der Einwohner. Dicht hinter Gernsbacht. verengt sich das al, und wendet sich östlicher. Eine kleine Strecke von der Stadt steht am bohen Murg- ufer eine Kapelle, der Klingel genannt, die in ihrer Lage viel Aehnliches mit der Tellskapelle Vierwaldstätter-See hat. Von da zieht eine egte Straſse rechts, im Zickzack, den ziemlich steilen Tannenberg hinan auf das ſS EO borstein. — ſes Schloſs war vor wenigen Jahren noch nſame Ruine, Wo neben dem mit Epheu bewachſenen Geéemäuer, ein Winzer ſeineé Hütte geſchlagen hatte, indem der östliche Abhan 7 8 3 g mit Reben angebaut ist. Der Marggraf Frie- drich Iieſs auf dieſen Ruinen eine elègante Som- merwohnung aufführen, und es gereicht der Geſchmack des Prinzen zur béſonderen Ehre, daſs er dem neuen Gebàude die ehrwürdige go- ilche Form gab, wozu die ganze Anlage be- 178. reits vorhanden war, und wodurch die Einheit der Empfindung an einem Orte nicht gestöhrt wird, der nothwendig und lebhaft an die alten teutſchen Rütterzeiten erinnern muſs. Hier bringt dieſer edle Fürst und ſeine liebenswür- dige Gemahlin, die„ Muſse mit Würde“— ſo vollkommen zu vereinigen wiſſen, und im ſelbstgewählten Kreiſe des Privatlebens den hö- heren Werth des Daſeyns geltend zu machen, wie wenige, verstehen, jährlich einen Theil der ſchönern Jahreszeit hin; auch wiiſst ich in der That kein Pläzchen, welches ſo ganz zu einem Asyl für ein heiteres empfängliches Gemüth geeignet wäre, als dieſer Berg mit ſeinen wahr- haft dichteriſchen und romantiſchen Umgebun- gen ist.· Der Blick verliert sich zwar in keine endloſe Ferne, die Landſchaft ist geſchloſſen; aber eés ist eine unendliche Abwechſelung in dieſen mit Tannen und Laubholz bewachſenen ergen, die bald steil sich in den Wolken ver- licren, bald auf ſanften Abhängen der ländli- chen Arbeitſamkeit und Zufriedenheit einen friedlichen Aufenthalt gewähren. Ewig wech- ſelnd ist die Beleuchtung und das Farbenſpiel in dieſen Gebürgen. Tief unten rauſcht der „ 171 dunkle Strom in ſeinem felsigten Bette, und ſeine Wellen ſpielen wie silberne Schleifen um ſein braunes Gewand. Gegen Westen liegt das anmuthige Gernsbacli— östlich Oberzroth, Weiſſenbach, mit ſeinen pittoresken Bergkirch- ein, und das am hohen Granitufer hingereihte Langenbran ADas lebendige Gewiihl der Ge- fchäftigkeit wird in der weiten Szene nie un- e— Flöſse ſchwimmen die Murg her- ab,— Wagen und Menſchen ziehen auf der Straſse hin— Die Wälder ertönen vom Brül- len der Heerden, und von den Schlägen der Holzaxt— die Felder und Wieſen von frohen Menſchenstimmen. Doch keine Sprache und kein Pinſel vermag den ganzen Reichthum, und die cwig neuen Reize dieſer Aussicht ſo darzu- stellen, daſs die Phantasie ein treues Bild da- von erhielte. Hinter dem Schloſs zieht sich ein freund- licher Waldweg südlich, und führt an den Ein gang einer verſchütteten Erzgrube. Dieſe Höli- le ist ſo mahleriſch, daſs sie den Beſuch des Naturfreundes und zumahl des Künstlers ver. dient. 172 Fremde, die sich den Genuſs dieſer éeinzi- gen Gegend verſchaffen wollen, werden durch Er die Geégenwart des Marggrafen nicht genirt. ist zu human, um ein edles Vergnügen zu stöhren. Am Fuſse von Eberstein liegt, noch am lin- ken Ufer, das Dörfchen Oberzroth, durch Weél⸗ ches die Straſeée des Thals sich hinzieht. Eine Viertelstunde weiter, fiihrt eine hölzerne Brü- cke über den Fluſs in das freundliche Hilperis- von da bis a, und der Hauptweg Forbach auf dem reèchten Ufer fort. Am lin⸗ ken, längs der Murg hin, winpdet sich auch ein angenehmer Fuſspfad, und ich rathe jede dem es um den Anblick reizender Lanc Parthien zu thun ist, oder der ſein Portefeuille mit intereſſanten Studien bereichern will, ſeine Route die Kunsstraſse hinauf, und den Wald- Weg zurück zu nehmen, indem von dieſer Sei- neuer und ſchöner Bilder ſei- teèe eine Men, nem Auge sich darbieten. Bei Hilpertsau wird noch Wein gebaut, der aber ſelten zur gehörigen Reéife kommen mag. Auch zeigt sich hie und da noch ein Kastanien- 125 0 baum. Das Thal verengt sich nun immer mehr, und wird weniger ergiebig für den Feldbau. e 8 9e tunde weiter kommt man in das groſse Pfarrdorf Weissenbach. Eine höl- zerne Brücke führt in den jenfeits gelegenen Seleg Weiler Aue. Der Kirchhof von Weissenbäacli liegt ebenfalls am linken Murgufer, auf einem mit Reben bepflanzten Hügel, worauf die Spitze der kleinen Kapelle aus Bäumen und Gesträu- 5 1. chen hervorragt. Nie ſah ich eine freundli- chere Ruhestätte für die, welche von den Mü- hen deés Lebens ausrasten. Man ſollte dies überall nachahmen, und die düstern Vorstel- lungen vom Tode durch freundliche Bilder er- heitern, und sie ſo wieder an das Leben an- knüpfen. Schon die Ausdrücke in unſerer Sprache— Friedhof, Gottesaeker— deuten darauf hin. Ein Grab von blühendem Ge— sträuche beſchattet, wird zur geweihten Schlum⸗ merſtätte, und das ewig rege und immer wie- derkehrende Leben der Natur verdrängt die finstern Gedanken der Verweſung. Von Meissenbach erhebt sich der Weg, der nier oft durch Felſen durchgefülirt werden 174 muſste, und windet sich nach den Krümmun- gen der Berge. Ueber zweihundert Fufs tief rauſcht die Murg unten in ihrem steéinernen Bette, und bricht sich oft an den vorſpringen- den Felſen. In mannichfachen Krümmungen erſcheint sie und verſchwindeèt wieder, und bie- tet mit ihren kühnen Umgebungen dem Auge ein nie ermüdendes Schauſpiel dar. Nach einer zurück gelegten Stunde kommt man in das Dorf Langenbrand, welches zwar etwas unfreundlich aussieht, aber einer herrli- chen Lage sich erfreut. Gegen über erhebt sich ein Haufe überein- ander geworfener Granitblocke, Trümmer einer Felspyramide, welche die Hand der Natur ge- baut und zerstöhrt hat. Von Langenbrand ist es eine kleine Stunde bis Gausbach. Die Straſse ist hier am höch- sten, links von hohen Bergen begrenzt, rechts tont aus dem Abgrunde das Tosen der Murg. Eine Menge Felsstüicke, die sich von den be- nachbarten Gebürgen losgeriſſen haben, heben ihr Haupt aus dem Fluſſe, deſſen Wellen sich ſchäumend an ihnen brechen. In der Ferne 175 ragt auf einem Berge das Dorf Bermersbach her- vor. Dieé Gebürge sind zu beiden Seiten, ab- wechſelnd, mit Laub und Nadelholz bedeckt, und ſelbst aus den Ritzen der unfruchtbaren Klippen hängen Fichten herab, und grünt der melancholiſche Wachholder. Nur zween dieſer Felſenberge zur Linken sind ganz unfruchtbar, wahrſcheinlich weil sie zu steil sind, als daſs zich nach und nach einige Erdlagen darauf an- ſetzen könnten. In den ſchmalen Bergſchluch- ten zu beiden Seiten sieht man eine Mengé kleiner hölzernen Scheunen, vorinn das Heu aufbewahrt wird, welches die Landleute in die- ſen grünen Zwiſchenraumen der Berge erbeu- ten. Bei allem dem ist die Viehzucht in die- ſem Thale nicht unbedeutend, und macht einen Hauptnahrungszweig der fleiſsigen und genügſamen Bewohner aus. Von Gallsbach aus hat man noch eine Vier- telstunde nach Forbach. Eine ſchone Brücke, die aus einem künstlichen Hangewerk besteéht, flihrt hier über den Fluſs in das betracl Murgthale. Man findet hier einè ziemlich gute Bewirthung in einigen Wirthshäuſern.— Die Gegend ist reich an Wildpret und Forellen. Vor dem Dorfe ist eine Waſſerstube auf der Murg, und eine Weidendréeherei zum Behuf der Flöſse. Anderthalb Stunden von Forbachi stürzt rechts die NRaulmiinꝛdch iiber zertrümmerte Fel- ſen aus einem düstern Fichtenthale herab in die Murg. Zu beiden Seiten dieſes Waldstroms thürmen sich die höchsten Berge, und in der Tiéfe bricht der Ungestümme ſeinen Weg sich zwiſchen zahlloſen Granitfelſen durch. Ohn- gefahr eine Stundé von da im wüsten und un- wegſamen Géebürge, ist die Raumunzachier Scſiwel- lung angebracht, die 1,50⁰00 Kubik- Schuh Waſſers enthält, und mittelst welcher unge- heure Holzmaſſen aus dem innern Gebürg auf einem kleinen Waldbach in die Murg gebracht werden. Die Loslaſſung einer ſolchen Schwel- lung zu ſehen, ist eines der intereſſantesten Schauſpiele. Man hat nun noch eine Stunde bis zur Schmarzenberger Glaslilitte. Mehrere kleine Waldbäche fallen nach und nach in die Murg, Von 2 177 von denen einer, der Frohindbrunnen, die Gren- 2e zwiſchen Baaden und Würtemberg macht. Noch disseits der Glashütte befindet sich eine der Calwer Floſs-Compagnie gehörige Masser- stube. Mühsam bricht sich hier die Murg ihren Weg, überall stellen sich ihr Felſentrümmer entgegen, darum sind an verſchiedenen Orten ſolche Waſſerstuben angelegt, wodurch das Was- ser hoch genug geſpannt wird, um dem Holz einen Weg über die Häupter der Felfen hin 2u bahnen. Von der Schmarzenberger Glasſiilttiè sind nur noch die Gebäude und Oefen vorhanden. Man- gel an Holz— der durch ſchlechte Bewirth- ſchaftung der Waldungen entsand, nöthigte die Eigenthümer, dieſes Werk weiter ins Ge- bürg zu verlegen. Dicht hinter der Glashütte rauſcht ein wil- der Gebürgstrom, die Schönmunzdch, über Fel- ſentrümmer in die Murg herab. Ihr rechtes Ufer ist steil, und die Oesterreicher benutzten im letzten Kriege die vortheilhafte Lage zur An- legung einer befestigten Brücke, die, da die Schinmunzacſi oft ſehr stark anſchwillt, hundert M 8 tꝛeig Schuh lang gemacht werden mufs- te, aber nicht ganz vollendet wurde. 6 Die Straſse entfernt sich hier etwas von der 0 Murg, und führt über eine Höhe hin. Nach einer halben Stunde kommt man an das am rechten Ufer liegende Dörfchen Schwarzenberg. elonderten Höfen besteht, und im das aus abe ht; die Hauſer haben Schutzeé einer Felsn ſchon ganz die Schwarzv älder Bauart, und man fiadet bei den Einwohnern auch ſchon die Ein- e Géradheit, ——¾¼ falt der Sitten, und die gutmüthi 8 wodurch die Bewohner des Schwarzwalds sich groſstentheils auszeichnen. 94. 3 Von Scſlduνeçnͥberg aus wird das Thal noch den. einsiedlériſcher, kühner und romantiſcher. Dicht che an der Straſse erhebt sich ein ungeheéurer Fels, öfft von Raubvögeln bewohnt. Rechts und links strében Granitwände empor, die dem Plufs ſei- Ffmt nen Lauf wehren zu wollen ſcheinen. und nur ner⸗ * noch Raums genug für die Straſse brig laſſen. A D In der Nähe findet man auf einer Felſen- Len ſpitze die Ruinen von Aon RKudolph von 1 übin⸗ Jagdſchloſſe, Welchés Graf 8 7 gen im Jahr 1209. erbaute. 479 Von Scliwarzenberg ist es eine V iertelstunde bis Hurenbach. Die Berge erheben sich immer mehr, die Vegetation nimmt ab; öde, oft zer- trũümmert da liegende Felſenmaſſen; die immer düstrer werdende Farbèe der Jannen, die Ein- ſamkeit und das feierliche Schweigen geben der Gegend den Charakter des Schauerlichen und Erhabenen. Hienbachi hat wieder eine freundlichere Lage. Zwantig bis dreisig Höfe Iiegen zerstreut auf grasreichen Hügeln umher. Sehenswertli ist die hier befindliche Weidendreherei, wo jun⸗ ge Fichten wie Schnüre zuſammen gedrillt wer⸗ den. Der Weg zicht sich nun über eine Brü⸗ cke auf das rechte Ufer der Murg.— Das Thal öffnet sich etwas, Verengt sich aber wieder ge-· gen die eine halbe Stunde von Huxenbach ent- fernten Schõnengruünde, Wo Höfe und Taglöh⸗ ner-Hütten in einem freundlichen Wieſenthale sich erheben. Eine halbe Stunde weiter liegt auf dem lin. ken Murgufer das Dorf Roth, zu welchem eine Brücke hinüberführt. Der Weg zicht über den steilen Hang eines Gneisgebürgs. Röthi besteht M 2 9 190 aus siébzehn beträchtlichen und ergiebigen Lehns. nHöfen. Auch Hiſſen die Einwohner sich ein 1 2E + Har——5 die Nahmhaftes mit Harz und Fech“ u verdienen, welches hier und in Hesselbach in Menge geris- sen und geſotten wird. Unter r Reihe an- derer Berge hebt sich der Hothei je iſch und birgt ſein Haupt in die Wolken. idet sich— bei heiterem empor, Vor ſeinem Gipfel Himmel— eine der inte reſſant Von Rotſi geht der We ip ſen, nd führt nach einer Viertelstunde zu sie- ben Eiblehnshöfen, die den Nahmen Hesselbacli tragen. Jeder Hof hat eine béträchtliche Ge- markung von Waldung, Ackerfeld Hier wohnen biedere Menſc chen, wohlhabend und frugal, in holzernen Wohnungen, treu den einfachen Sitten 3 Väter, dié sich in die- ſer Abgeſc chieédenheit noch lar Fegend 9 15 das halten. In dieſer Theerſchweelen den Haupt- Erwerbszweig meh- f rerer ge niigſamen Fan liegt Rei- Eine Viertelstunde von Heſſe chenbach, ein bedeutender Ort und ehéemaliges Benedictiner-Friorat, welches zum Kloster Hiſ,ſclau gchorte, und im Jahr 1065. von Benno 1 64 1en U1 9 wurde das Priorat mit 655 Kloster Gben. Die Lage von Reichenbacli ist nicht minder. ſchön, als die der übrige s Murgthals, gute Bewir⸗ thung. Bei denm dreiviertel Stunden von Reichenbach 538 entlegenen Dor fe Baiersbronn, flièſsen die Weiſs- murg und Rothmurg vom linken Ufer herab in den Forbach, und hier nimmt die Murg ihren Anfang, und hat ohngefähr die Breite von 50 h. Beide Ufer nangen durch eéeine hölzer- rüicke zuſammen. — 2 0d 221 Das Thal um Batiersbronn ist rings von Fel- ſen und Bergen eingeſchloſſen; und ſeine Lage wahrhaft romantiſch. Von da ist es noch fünfviertel Stunden bis Freudenstadt. Dieſes Städtchen, auf den Héhen des Schwarzwalds, wurde im Jahr 1599. von Her- 20g Fyiedricht von Würtemberg, zur Aufnahme Protestantiſcher Flüchtlinge aus Oestr ich, erbaut, und zählt zwiſchen zwei bis Wihe tauſend. Einwohner.— 182 Das wäre denn nun die flüchtige Skizue eines Thals, das in Rüicksicht ſeiner mahleriſchen Schönheiten ſowohl, als der Betriebſamkeit ſei- ner Bewohner, den Beſuch eines jeden em- pfanglichen Reiſenden verdient, den Absicht oder Zufall in unſere Gegenden führen. Blos im Baadiſchen Antheile leben hier, auf einer ſchmalen und oft unwirthbaren Strecke 8 egen v R Von neun Stunden, gegen Vierzehntauſend Men- 3231 4 4 1 48 1EHSstand von Wé Uigstens neun- tauſend Stück an Pferden, Rindern, Schaafen, Ziegen und einen besitzen. Die Murg ſetzt in ihrem Laufe von 14 Stunden drei und nzig Mahl- und Gerbgänge, ein und dreis- Loh- 2 Hammerwerker, ſechs Hanfreiben, Sägégänge, ſechs Oehlmühlen, ein vier Schleifen, eine Walke, zwei Tobakmühlen, eine Gypsstampfe und drei Gerstenrollen in Be- Weg Un 8· Für den Naturforſcher ist es noch bei wei⸗ tem nicht genug unterſucht, und er hätte hie die Aussicht auf eine reiche Erndte. Wer den Weg nicht durch das Murgthal zurück machen will, der nehme ſeine Route von Freudenstadt über den Aniebis, die Op- 185 penauer Steige hinab, und über Oberhirch. Er wird auch hier immer neue und groſse Natur- ſcenen finden, und auf einer Reiſe von zwei, hochstens drei Tagen; wenn er sie im Wagen macht, und von vier Tagen für Fuſsgänger, mehr Genuſs haben, als ihm manche Reiſe auf hun- dert Meilen im übrigen Teutſchlande nicht ge- Währt.— von Baaden noch mehrere in- onen machen, 2. B. in das 4 gene Huber- Bad, in das tereſſante Exc Stunden von da entle Mildbad, nach dem nahen Nastatt, nach Carlerulie, Straſoburg. u. s. w. Zur beéequemen Uebersicht hänge ich für Fremdeé die Entfernung dieſer, ſo wie der be- deutendsten in der Beſchreibung vorkommen- 0 Entfernungen von Badden. Amalienberg—— 2 Stunden. Balg——— 1— Carlsruhe—— 7— Eberstein bei Gernsach— 22—K Ebersteinburg— 133*3 Favorite—— 15— Forbach Fremersberg 55 Freudenstadt Gaggenau Ferrenwieſe Huber- Bad Lichtenthal Schloſs, altes Straſsburg— Umweger Kohlenwerk— 6 1 11 2 „— E l 5 Stundem-. — 2 — — — — f 1 1 1 1 1 1 f f f 1 1 —————E j—2—EU———2—2—— Mehrere Schriftsteller haben üher die Natur und Heilkräfte der Baader r warmen Quellen— theils in eigenen Abhandlungen, theils gelegen- heitlich— geſchrieben, und ich werde sie hier, ſo weit ich davon Kenntniſs erhaltén konnte, in chronologiſcher Uebersicht aufführen. Die lezte Analyſe rührt von dem verdienst- vollen Stadtphysicus, Hofrath Arapf her, und erſchien vor 12 Jahren. Indeſſen hat die Che- mie ſeitdem nicht blos in ihrer Nomenclatur, ſondern auch im Weſentlichen ihrer Grund- sätze und Verfahrungs-Arten ſolche Umände- rungen erlitten, daſs eine neue Unterſuchung unſers Bades in jeder Hinsicht zu wünſchen wäre. Dem Fremden, der ſeiner Geſundheit wegen hierher kommt, liegt freilich ſo viel nicht daran, zu wiſſen, ob von dieſer oder jener Gasart ein Kubikzoll mehr oder weniger in dem Waſſer enthalten ſey, ihm genügt, die heilen- 1688 de Kraft deſſelben durch tauſend erprobte Er- fahrungen zu kennen, und nur wenige, in die Sprache und Grundsätze der Kunst Eingeweihte, würden den ausführlichen Prozeſs bei einer neuen Prüfung mit Intereſſe leſen. Dieſes Werk ist aber für das groſsere Publikum bestimmt, und wir glaub n daher für unſere Absicht vor- läufig genug 2zu thun, wenn wir auch den phy- 811 heil mit Hinsicht 3 auf d 4 1 lriften— nur Nictori/ Ur das R at der bis- Unter meinfach und gemein- f Verständl 0 §0 FVtsteller 5 4. nster: Cosmographie, oder Beſchre g der ganzen Welt. Zweite Ausgabe, Basel 1550. gr. Fol.— Wir ha- ben die unſere Quellen, betreffende Stelle bereits oben eingerückt. * 2. Johannes Lang: Epistolarum medicina- lium opus miscellaneum. Der Verf., der 1565. zu Heidelberg starb, Wwar einer der geſchicktesten Aerzte ſeiner Zeit, und mit der Klaseiſchen Litteratur der Griechen und Litttefatt 189 Römer gleich vertraut. In ſeinen medi- einiſchen Briefen; die ich aber nicht zu Gesicht bekommen konnte, handelt er auch von unſern Badern, und wahrſchein- lich sind ſeine Bemerkungen die gehalt- reichsten und treffendsten, die in ältern Zeiten darüber gemacht wurden. Johiann Jacob Hugell: Von heilſamen Bä- dern des Teutſchlandes. Basel 1589. 8vo. —8. 20. ſpricht er von den hiesigen Bä- dern, und giebt Schwefel, Salz und Alaun als deren Bestandtheile an. Ihre haupt- sächlichen Heilkrafte äuſſern sie, ſeiner Meinung nach, in rheumatiſchen und ve- neriſchen Uebeln, und in allen Krankhei⸗ ten, die von Nervenſchwäche heérrühren. Ceorg Pictorius: Bäder-Büchlein, oder Bericht von mineraliſchen Badern Teutſch- lands. Mühlhauſen, 1560.— S. 28. kom- meén unſere Quellen vor. Der Verf. fin- det Schwefel, Salz und Salpeter darin, und räth sie an für asthmatiſche und epi- leptiſche Zufalle, in der Waſſerſucht, U, S. W. 490 5. Johiannes Guniher von Andernach: Com- mentarius de balneis et aquis medicatis. 1 Straſsburg, 1566. 8vo. Seite 65. bestiramt er die Bestandtheile unſeres Waſſers, wie der oben angefülirte J. J. Hugell. Nach ihm hebt es Stein und Eries, Harnbeſchwerden, Unfrucht- barkeit aus Schwäche, u. s. w. 0„ 6. Jacob Iliecdor von Bergzabern: Neuer Waſſerſchatz. Frankfurt, 1584. 8vo. Seite 555. macht er unſere Waſſer zu Schwefelbädern. 9 3. Matliueus Hessius: dèe Thermis Marchio- Badensibus. Speier, 1606. 8vo. Der Verf. hält unſere Bäder für ein Heilmittel aller Uebel in der Welt. 8. Johannes Kilſfer: Beſchreibung des Marg- gräflichen warmen Badés. Straſsburg, 1626. 8vo. 6˖ Der Verf. ein ehemaliger Arzt in Straſs- burg, deſſen Einwohner noch izt ſehr zahl- reich zu unſern Heilquellen pilgern, und welche Stadt auch das Recht hat, jahrlich eine bestimmte Anzahl Kranker in das 10. 191 Freibad hieher zu ſchicken, liefert eine ſehr ausführliche Beſchreibung unſerer Bäder mit Hinsicht auf Topographie.“ Er glaubt sie mit Salz, Schwefel, Kalk und Alaun geſchwängert, und läſst sich um- ständlich über ihre wohlthätigen Eigen- ſchaften aus. Athanasitus LHircher: Mundus ſubterraneus. Antwerpen, 8. gr. Fol. Auch giebt unſerm Waſſer Schwefel, Salz und dièeſer Excentriſche Polygraph Alaun zu Bestandtheilen, und rühmt es als ein Mittel in allen Krankheiten aus Schwäche. Bernardus Dyſilin: Badensibus. Rastadii, 1728. Der Verf. ehema Physik legenheit einer Discurſus de Thermis 8vo. Is Jéesuit und Prof. der 9 t bei Ge- jahrlichen Disputir- Ue- Ueber die Natur in Baadèn, gab ſeine Schr bung heraus. unſeérer Bäder ist er mit ſeinem Ordensbruder EFircher einverstanden. Sonst kommen noch in dem Werkchen einige angenehme Ab⸗ ſchweifungen auf die Geſchichte und Geé- gend der Stadt vor. 43. Jofi. Caspar Meꝛger: Wohlgemeintes Be- lenken über die vornehmsten Sauerbrun- nen und warmen Bäder. Frankfurt, 1741. Svo. Der Verf. erwähnt S. 58. blos der treffli- chen Wirkungen, welche das hiesige Bad für ihn ſelbst gehabt hat. Abhandlung von dem mineraliſchen Ge- balt, und mediciniſchen Gebrauch des im Marggrafthum Baaden Baaden gelegene warmen Bades. Straſsburg, 1756. 6vo. Vom Stra ſeburgiſchen Arzt Miedmer: Bei vielen Local- Hrthümern bleibt ihm doch das Verdienst, der erste eine 38555 un⸗ ſeres Waſſers vorgenomm zu haben, freilich hoch ſehr unvollständig ausfiel. 15 55 die Meinung derer, welche Schwe⸗ fel und Alaun darin zu finden meinten, erklart es für ſeifenartig, und legt ihm eine Univerſalkraft bei. Georg Martin Bellon: Tentamen chemico— Physico- medicum de Thermis Badensibus. Rastatt 1766. 3vo. Bellon war ſeiner Zeit Physikus in Baa- den, und für das Historiſche ist er nicht ohne 0n¹ — le. 0 Rad 14. Ce- ˙ 15. LX u, 16. 193 ohne Verdienst. Die etwas marktfchreie- riſchen Anpreiſsungen des Bades flüf bei⸗ nahe alle Fälle und Krankheiten zeigen freilich eine ſchwache Seite des Verfaſſers. Jol. Fr. Liiclert: Systematiſche Beſchrei- bung aller Geſundbrunnen und Bäder Teutſchlands. Königsberg, 1776. 8vo. Seite 409. der zweiten Ausgabe, kommt Baaden mit ſeinen Quellen vor. Der Ver⸗ faſſer zählt sie unter die muriatiſchen, und stüzt sich hauptſachlich auf Miedmers feh- lerhafte Analyse. Joſi. Franz Glyfierr: Obſervationes medi- cae de Thermis Badensibus, Straſsburg, 1780. 4to. Herr Glycllierr, izst Physikus in Bühl, ſchrieb ſeine Abhandlung als Inaugural- Diſſertation. Er widerlegt die alte Meinung von Schwefel und Alaun, und erklärt sich mit Vorsicht über Gebrauch und Wirkung. Jofi. Gottlieb Ruhn, Systematiſche Be- ſchreibung der Geſundbrunnen und Bäder Teutſchlands. Breslau, 1789. 8vo. N 0. Auch dieſer Schriſtsteller ſchreibt— S. 363. den alten Miedmer mit allen ſei- 1 nen Irrthümern ab. 17. Dr. Carl Fr. Haug: Diſſertatio inauguralis medica de Thermis Marchio- Badensibus. 1 Strasburg, 1790. 8vo. 18. Dr. Franz FJosepli KArapf: Beſchreibung der Warmen Bäder zu Baaden in der Marggraf- 0 ſchaft. Tübingen, 1794. 8vo. Die beiden letztgenannten— Herr Dr. Haug. iꝛt Physikus und Garniſons-Arzt in Rastatt, und Herr Hofrath Krapf, Stadt- pPhysikus dahier, haben die Unterſuchung der Baadner Quellen mit Mühe und möglichster Sorgfalt vorgenommen, und dl über Nutzen und Gebrauch derſelben die Ird ieiste gründlichsten Bemerkungen und zweck- gtr mäſsigsten Vorſchriften mitgetheilt, die um ſo mehr zu beherzigen sind, als sie in dem Werke des Herrn Hofrath Arah,, zu- 195 gleich das Reſultat vieljähriger Erfahrung ausmachen. Lage der Stadt eine Länge von beiläufig 26 Graden; sie ist fast ringuum von den Vorgebürgen de Schwarzwaldes umgeben, die ein langes, frucht- bares und an Naturſchönheiten reiches Thal in der Richtung nach Südosten bilden, und sich an der würtembergiſchen Gränze in die Hochgebürge verlieren. Der Hügel, auf welchem die warmen Quel- len Baadens entſpringen, ſcheint sich, ſo wie die dahinter aufstrebende Höhe, in einer alten Erdrevolution von dem nördlichen Bergrücken getrennt und niedergeſenkt zu haben, und je- ner wurde vielleicht nur von der Felſenreihe aufgehalten, die sich— in beinahe gerader Richtung von dem alten Schloſſe nordostwärts N 2 196 hinzicht, und dem Berge noch izt zu natürli- chen Strebepfeilern dient. Es ist wohl als ausgemacht anzunehmen, daſs die Unterlage der hiesigen Gebürge, und folglich das Bett der warmen Quellen, aus ei- nem Steéinkohlenflöz bestehe, die nächst der Stadt zu Tage kommen, und mit den— 2wei Stunden entfernten— Umweger Kohlenwerken zuſammenhängen. Auffallend bleibt es aber immer, daſs die Bestandtheile der obern Berg- lage, die aus Porphyr mit Feldspath untermiſcht, béstéhen, ein uranfängliches Gebürge Verrathen, da doch die tiefer liegenden Steinkohlen, mit ihren Gewächsabdrücken, au Anſchwem- mung und allmählige Verwi deuten. Die übrigen Berghänge um Baaden bestehen meist aus Sandstein, und die niédrigern aus Thon und Kalk, der in einigen Gegenden einen weichen, gelblichen Marmor anſeat. Unſere höheren Gebürge tragen Nadelhöl- zer, die niedrigern Eichen und mitunter Bu- chen. Die Vegetation ist frühzeitig, ohne üppig zu ſeyn. 197 Die Gegend um Baaden bringt alle in die- ſem Himmelsstriche einheimiſchen Feld- und Gartenfrüchte hervor, nur freilich der vielen Waldungen wegen, die aber ganz nahe an der Stadt immer mehr dem Anbaue weichen müs— sen, nicht in hinreichender Menge für die starke Konsumtion, und auf den feinern Gar- tenbau, wozu der Abgang der warmen Quellen ich benüzt werden könnte, versteht man sich hier noch zu wenig. Der Wein, der um Baaden gepflanzt wird, ist angenehm, leicht, und ſchon in dem ersten Jahre trinkbar, aber ihm fehlen Geist und Feuer, obgleich die Bestandtheile des Bodens dem Weinbaue ſehr zuträglich zu ſeyn ſchei- nen. An der Lage kann és nicht liegen, denn die Trauben erhalten gewöhnlich die gehörige Reife; vielleicht alfo an der Art von Reben? Ueber den Mangel an kühlem Waſſer hat fchon der oben angeführte Merian geklagt. Die Urſache mag zum Theil daher kommen, daſs die hölzernen Brunnenröhre, von den Quellen an, meist zu nahe an der Oberfläche deés Bo- dens liegen, und folglich der Sonne zu ſehs 198 ausgeſezt sind; zum Theil aber, daſs dieſe Röh- re, innerhalb der Stadt, zu nahe an den Lei- tungen des warmen W sind hievon drei bis vier Brunnen vor der Stadt — auszunehmen. Auch vermiſchen sich unſeèere Brunnquellen bei jedem stärkern Regen mit wildem Waſſer, und werden triibe und ſchlam- mich. Dieſem Uebelstande könnte und ſollte möglichst abgeholfen werden. Die Luft um Baaden ist reiner, als man bei der starken und immerwährenden Ausdünstung des warmen Waſſers vermuthen ſollte, und ihre Wirkung zeigt sich bei Fremden gewöhnlich in einer verstärkten Eſslust. Nur bisweilen im ufiger im Herbste, wird un- chüllt, Während die höher liegenden Gegenden dæs Vorgebürgs und das flache Land sich des Sonnenſcheins zu erfrèeuen Die Sterblichkeit ist gering, und man trifft hier zu allen Zeiten Menſchen von ſehr hohem Alt ter, beéſonders in der ſchwer arbeitenden Klaſfe. Auch die ſeit einigen Jahren häufiger eintretenden Frühlings- und Herbst-Epi 199 nehmen hier felten einen bösartigen Charak⸗ ter an. Das veneriſche Uebel, welches bei dem Zu- und bei der sittlichen Verdorbenheit der dienenden Klaſſe ſammenfluſſe ſo vieler F hier ziemlich gemein ſeyn Könnte, gehört nicht 1 unter die P. Hulichen Fälle unſerer Aerzte, und man wird nicht irren, wenn man die 10 uche unſerer deren sich auch die Nicht- aus dem gem einsten Volke, Man lebt in den hiesigen Gasthöfen gut, nur zu gut für einen Kurort, und die Preiſse für Wohnung, Tafel, u. dgl. sind äufſerst billig, z wenn man sie mit den Preiſsen in andern vielbeſuchten Bädern, 2. B. Pyrmont, Schwalbach, u. s. W. vergleicht. In Rücksicht der freniden Weine, beſon- trillt ders der und ſpaniſchen, die hier häufig getrunken werden, möchte noch etwas mehr Vorsicht und Enthaltſamkeit anzuempfeh- len ſeyn, als ſelbst bei den nicht immer diäte- tiſch zubereitéeten Schüſſeln der reichbeſezten 300 Wirthstafeln. Der Verbrauch derſelben wäh- rend der Kurzeit, ist hier ſchr bhedèeutend, wenn man aber annimmt und annehmen mufs, daſs von allen fremden Weinen, die im heiligen teutſchen Reiche getrunken werden, kaum ein Zehntheil rein und ächt ist, das übrige aber ein 181 gemiſchtes, oft ſchädliches Fabrikat, ſo hält man sich klüger an unſere zwar weniger geistvolle, aber reinere und gefündere Landweine, wie sie pel, noch vorzüglicher aber auf den Hügeln von Oberkirch, Durbach, und der obern Marg- grafſchaft im Ueberfluſſe reifen. An Gelegenheit zu angenehmer Bewegung und Jerstréeuung fehlt es dem Kurgaste hier nicht, und wem es zu beéſchwerlich ist, die nahe gelegenen Gebürge zu besteigen, und die umliegende Gegend zu béſuchen, welche ſo manches Intereſſante dem Auge und der Beob- achtung darbieten, der findet leicht Miethpferde und Miethwagen, Woran es ſeit einigen Jahren bei uns nicht mehr fehlt. Warme Celle n. Man zählt ihrer zwölf, die wir hier nach 281 801 hren verſchiedenen Ber iennungen und Wärme- 1. Der Ursprung, oder die Hauptquelle. Sie ſprudelt ſehr reichlich aus einem ge- 8 ſpaltenen Thonfelſen, beinahe in der Mitte der SRa, 51 ist durch ein Gebäude gedeckt. Von die r Quelle erhalten mehrere und 85 16247 ihr Waſſer im Auch was von Badwaſſer in die Nachbarſchaft abgeholt wird, wird hier geſchöpft. Der Grad ihrer Wärme ist 54 Grad Reaumur. 2. Der Briihibrunnen. 55 Grad R. An dieſer in Form eines Bassins ge Quelle werden Schweine, Hühner, u. dg brüht, und sie hat davon ihren Nahmen. 7 Judenquelle. 54 Grad R. Das Waſſer dieſer Quelle wWird in den ro- 0 1 then Löwen geleitéet, Wo ſonst die Juden grö- entheills ihren Aufenthalt zu nehmen pflegten. Seit ein paar Jahren hält aber ein Jude den Sommer über eine beſondere Tafel für ſeine orthodoxen Religions genoſſen die 185 Woh⸗- 7 nung nun meist in Bürgerhäuſern wWählen. 4. Lum Ungemach. 52 1 Gr. R. igen 6 3ie heiſst ſo von deém ehemal dièſes Nahmens. 5. Die Hollenquelle. 48& Gr. R. Vermuthlich eérhielt sie ihren Nahn der dunkeln Höhle, aus— eines 8 r1s— Garten PI 2 Diale 5 Milſur elleN 0 In der des Frat Die eine wWelché aus einer keln ut, hat 51 Gr. R. die lerèe, die in einem Klei- Gr. R. nern Behältniſſe 2 8. und 9. Tum Fiililen Brunnen. Vom ehemahligen Gasthofe 8 Nahmens, der darüber aufgebaut war. Die eine hat 44 4 Gr. R., von ihren R. Vielleicht erhie 135 sie ihre Benennung von ern Grad ihre dem gerii 10. und 11. Die Bitiquellen. 0 Sie kommen unter dem Schlachthauſe her- vor, und sind die einzigen, welche nicht im- mer einen gleichen Wärmegrad haben. Die zählt gewoh nlich 46 Gr. R., die andere 38 Gr.I * 12. Die Klosterquelle. 519. des Frauenklosters. ein ihres Waſſers zu einem Brun e des Klosters. Aehnliche Brun- finden sich im Spital und in den meisten Baadener OQuellen sind alſo nicht sĩed- ie viele glauben, ſogar laſst sich das WVe trinken 1g Weg tTrinKéeun. rkenswerth ist aber die Wärme dieſes Waſſers zu jeder und 18 wWeit die Nachrichten davon nDocumenten reichen. Wahrſcheinlich ist es urſprünglich nur eine Quelle, die sich in verſchiedenen Adern aus- breitet, und die Verſchiedenheit grade mag von mindern Ent- 204 heit des Bodens herrühren, durch welchen sie ihren Weg in entgegengeſetzten Richtungen 8 8 nehmen. Bestandtlheile. Das Baadener mineraliſche Waſſer ſcheint immer gléeich rein und hell zu ſeyn, und be- sitzt einen ſchwachen, ſalzigen, ziemlich unan- genehmen, Geſchmack; ſein ſpecifiſches Ge- wicht verhält sich zum reinen Waſſer, wie 1030 zu 1000. Genaue Analyſen dieſes Waſſers, nach der neuéesten physiſchen Chemie, fehlen einstweilen noch, ſollen inzwiſchen in der Folge durch ſachkundige Perſonen vorgenommen vwerden; denn dergleichen ganz; genügende Unte rſuchun- gen gehören zu den ſchwersten h- che- miſchen Aufgaben. Nach einer ältern Prüfung, wWelche von Hrn. Hofrath D. 95 2 wurde, enthält 1 Pfund, zu 16 Unzen, dieſes Waſſers folgende Bestandtheile: 1) Schwefelſaures Mineéralalkali(Glauber- sal2)——— 5½ Gran; 2) Schweſelſaure Kalkerde,(Se- lenit oder Gips)— 6.0— 3) Salzſaures Mineralalkali(Koch- Salz) 8 8— 34 Fr6 Gran. 4) Salzſaure Bittererde— 0. 5) Salzſaure Kalkerde— 6) Schwefelleberluft— 1 4 Kub. Zoll. Nach Hrn. Physicus D. Haugs Analyſe aber u- findet man in 1 Pfund Waſſer: 95 1) Schwefelſaures Mineralalkali 4 0 Gran. 5 2) Schwefelſaure Kalkerde 3) Salzſaures Mineralalkali— 6 28— E7 4) Salzſaure Bittererde— 0.25— 5) Salzſaure Kalkerde— 0.*— 6) Schwefelleberluft und kohlen- ſaure Luft unbestimmt. Auſſerdem ſcheint das Waſſer auch noch oxi- dirtes Eiſen(Eiſenkalk) zu enthalten. Badproducte. 15 Von dem Baadener Badwaſſer ſetzen sich zwei Substanzen ab, die dem Arzt und Naturforſcher ber⸗ nicht unwichtig sind, nämlich: Cran. Der Badstein, Tophus, der sich hauptſäch- lich beim Ausfluſſe der Hauptquelle, aber auch nicht ſelten an den Ritzen der hölzernen Röh- 206 re, mittelst welcher das warme Waſſer in die Bäder geleitet wird, und in den Sammelkästen 4 der Badhäuſer anſetzt. Dieſer Stein ist blätterich, von grau und gelblicher Farbe, bisweilen mit Salz- * 8 en 3 Kkrystallen untermiſcht, und hat einen 6 K von Thonerde. Er löſet sich zum Theil in Waſſer auf, braust mit Sauren auf, und wenn 5 7 2 El Stunden im Feuer gelegen, 20 Ilt er an Ukk. Er besteht aus einem Geèemel g verſchiedener Erdarten, Salze mit etwas Oc Der Badmoſtr. Auf dem Boden des Waſſers bilde überdem rſchlag von fetter Erdé, die Ae 1 1. den Geſc Badwaſſers hat, mit Säuren aufbraust, und ebenfalls aus einem Gemeng von 1 +1 34 Salz, Thon und Kalkerde besteht. In den höl- ich dieſer Schlamm derfläche abfaulenden Hol- nimmt eine etwas veränderte Ge- inneres Heilmittel; als gewöhnliches Bad; ge 5. als Tropfhad. Als innerliches Heilmittel gewinnt es ſeit einigen Jahren immer gröſsere 8585 merkſamkeit, bei leimungen, ——— des Unterleibes, den ondrie. Desgleichen gewährt es Frauenzimmern, im Mangel an mo- 8 Falle der U f 3 ewünſchten Erfolg. Mannigfacher und oft bewundernswürdig sind die Wirkungen der warmen Quellen beim Gebrauch als gewöhnliche Bäder, und es giebt wenige rheumatiſche und arthritiſche Uebel, wie hartnäckig und eingewurzelt sie auch ſeyn mögen, die dem wiederholten Gebrauch dieſes rs 2u widerstéhen vermöchten. Mancher Kranke, der sich bei ſeiner Ankunft ins Zim- mer und Bad tragen laſſen muſste, konnte nach Vollbrachter Kur, ohne Beſchwerde, unſere Berge bestei auf einer Krücke ſchleppte, konnte nach eini- en; mancher, der sich mühſam 8 ſeinen traurigen Stab am Altare der Hygiäa aufhängen. 8 cht minder wohlthätig, und wartung übersteigend, zeigt es sich beéi allen Krämpfen, bei der Kräze, bei alten Wunden und in chroniſchen Ausſchlägen 10 WIe Del al- len ſchlimmen Folgen, welche den 1 ga zu begleiten pflegen. en,»o eine beſo U ar eidende Theile er rt WI Us 2. B. in Lähnrungen, ſchwammi nd an- dern Auswüchfen, bei Gichtknoten, ve man 1 N** der der Duſche, wo das Waſſer 7 EE En langs des Badka 8 Röhre, bald in einem stärkern, bald in eine ſchy Strahl, von einer angemeſſenen Hö— he, leidenden Theil herabfallt, und K und lem andern Heilmittel trot- zendes, in kurzer Zeit hebt. 86 Dampjſbeden anzuwenden, und unſer Waſſer V egen ſeiner ver—⸗ Hiieh Huch- 209 flüchtigten und leicht in den Körper eindrin- genden Bestandtheile ſehr zu empfehlen. Aueli der Badstein und der Badſchlamm sind nicht nutzlos. Der erstere, zerstoſſen, und in Fluſswaſſer ab gekocht, giebt noch immer ein heilſames Bad, und nicht ſelten nehmen abge- hende Kurgäste ei nen Vorrath davon mit sich nach Hauſe, um sich deſſen zu einer Nachkur zu bedienen. Den Badſchlamm oder Badmohir brauchen unſere Aerzte nicht ohne Erfolg zu Ueberſchlä- gen bei Verrenkungen, Lähmungen und Aus- wüchſen. Inzwiſchen kann es dem, der sich unſerer Quellen ſeiner Geſundheit wegen bedienen WiIl, nicht dringend genug empfohlen wWerden, sich ja vorher erst mit einem kundigen Arzte zu berathen. Nicht nur sind sie in manchen Fällen mehr ſchädlich als nützlich, ſondern es kommt auch bei dem Gebrauche ſoviel auf das Wie an, daſs ohne gehörige Vorſchriften, der Kranke leicht ſein Uebel verſchlimmert. Die jedesmahlige Dauer eines Bades, welche ge- wohnlich von Tag zu Tage gesteigert wird, der O 210 einem jeden zuträgliche Grad von Wärme, die c nöthige Diat, und noch manché ndere Dinge, 03 zind Weſentliche Erforderniſſe eèi nes glüchlicken von Erfolgs. Veit Daſs übrigens das Baadener Bad, bei ſeinen Erlei LO- unläugbaren Vorzügen und cal-Begünstigungen, j⸗ chenden 1 12* 15 11er gewinnen müſſe, ist leicht zu erac n. Noch äimmer Kkennt man es aber zu Wenig in QGeEn entferntern Provinzen Teutſchlands, und Frem- 1 zegenden, welche der Zufall his- de aus weilen hie sind geéewöhnlich ganz dtel erstaunt, in ei kannten Fleck Teutſch- lands nicht nur eines der vorziiglichsten heil bringenden Bäder, ſondern auch einen Reich- V thum von Naturſchönheiten zu finden, der be- aubert und in Erstaunen ſetat. Daſs hier noch Verſchi Bequemlichkeit gethan werden könne, ist wahr; Di 1es für gröſsere der aber viel ist in dei ſchehen, und Eini ist es 2. B. ein ſehr ernstlicher allgemeines Reſervoir anzulegen, um auch abgekühlten Badwaſſer immer emen hinr 211 den Vorrath zu haben.— Die Besitzer geräumiger Wohnungen beeifern sich, ſelbige zur Aufnahme von Fremden einzurichten, die in den Gasthäuſern kein Unterkommen finden. Dies ist vornehm- lich in den Monathen Julius und August der Fall, wo der Zuſammenfluſs der Kurgaste am zahlreichsten ist. Wer daher ein Bad nicht gerade ſeines bunten und lebhaften Gewühls wegen beſucht, der wird beſſer thun, einen andern Monath zu ſeiner Kurzeit zu wählen. Wir ſchlieſsen dieſen Aufsat: mit einer Stelle aus Neubecis Geſundbrunnen, die hier gung des verdient, je üppiger gewöhnlich die Heln beſetzt zu ſeyn Pflegen. eit, unterm Gefolg Hygieens die Ilieblichste Huldin, Sey Vorlegerin dir. Demetér beſetze vor allen Dir mit dem Marke der Achre den Tiſch, mit Früchten Pomona, Pales mit nährender Milch, und der Blüthe der 808 8 8 Heerde, Oder dem heurigen 0 Trift. Dir näh- 212 Zartes Gewild, den Faſan, das Haſelhuhn und den Birkhan. Daſs zu kosten dir nimmer gelüste von jenem Gefièder, Welches im Schilfmohr nistet der Wildniſs, 44 4 24 oder den Sumpfteich Mit Schwimmfüſsen durchrudert! Sein Fleiſch zwar nennet der Praſſer lich verleite ſein Lob zum Verbotnen Genuſs nicht! zühmt die böotiſche Sey nur dem Fröhnling und Dreèſcher ein viel- wWillkommneés Gerichte. Athleten verdaut die geſal- Nur die Kraft des 4 zene Nahrung, 8 Durch den Rauch des Heerdes gehärtet im rusi- gen Schornstein, Feindlicher aber der Dauung und unheilbrin- ist ihr * —— — 3 Kost/ als Sammt dem ſchmeidigen Mark der dun rü. nen Olive. Auch der Speiſen Genuſs, von Indiens feurig- 3 ster Würze 1Jeig Iset. Lied den Freund einfa- Aber wie cher Gerichte? Siche, die Dörferin bringt in dãmmernder Frühe 214 Zartes Gefſügel ihm dar, und die Zucht blau- dch 1 halsiger TJauben; 1 Bringt im reinlichen Korb ihm der Eyer ge- Schbr ſammelten Vorrath, Die sie dem Neste geraubt, bevor dem zer- Dene knickten( Unter der brütenden Mutter P16PP 1 Bringt ihm, träufelnd von Thau, vollſaftige Und die Vebe 6 rarténgéewächie, Süſse, balſamiſche Kräuter, und nahrunggeben- 8 de Wurzeln, Liebliche Sommerfrichte, geſchirmt mit Laub, Auch und den Nektar, Den aus weifslichem Klee, ſüſs duftenden Lin- Und den und Thymus Aemsige Bienen geſaugt, und in wächſernen Speichern bewahret. Selber die Nymfen ernähren in ihrem krystal- 1 lenen Reiche Ihm das behende Geſchlecht der silberfloſsigen 1ſ1 Iiche; Braungeſprenkelte Schmerlen, und rothgefleck- tée Forellen, Die vor allem Gewimmel der Waſſerwelt die * 2158 Sich zu Lieblingen Kohren, wiewohl die glän- zende Schleihe Schönere Farben ſpielt, und init goldenen Schuppen bedéckt prangt, 1 8 Denen die Gütigen ſelbst mit eicenen Handen die Atzung Ueber den Perlengrund in den feuchten Be- hauſungen hinstreu'n, der launigen 1 1 S enn Und sich am Schwimmer Kieſe für deinen Tiſch vor allen Waſſerbewoh⸗ Auch den Salm und den Hecht und den silber- 19 Börs noch. Meeres die zZzarte Sardelle d bald zum Gewürze RIIE der Brühen! Auch das Geſchenk Neptuns, die geprieſene ſelbst Päon der Doch zu bes kimmmnen Jahrungen Wahl nicht; Jenem behagt ein W98 der andern in Gift sich verwandelt. 216 Jeglicher ſey ſein eigner Berather, oder er- kunde, Was ihm frommet, und was ein nnergründli- cher Abſcheu Ihn zu kosten verbeut, den noch kein Weiſer enthräthſelt. Zückert lehre dich endlich den Vorrath heil- ſamer Speiſen, Welche dem ſchwer Erkrankten und wieder Geneſenden fruchten. Rheinwein kröne das Mahl! Im goldenen Be- cher vermähl ihn Mit dem lautern Krystall des bluterfriſchenden Heilquells. Während das flüſsige Silber sich unter Ge— ſchäum und Geſprudel Raſch mit dem blinkenden Traubengold im Pokale vereinbart, Trinke den perlenden Trank, der alle Sinne begeistert. — f———————— NRafrFfF rRr — ⏑88—]8— An einem beweglichen Gemählde, vie die Beſchreibung einer Stadt, giebt es immer et- wWas beizufügen, mitunter auch etwas zu ändern. Während das Manuſcript dieſes Werkes in der Druckerei lag, wurden in der Antiquitäten- Halle noch drei antike— hier aufgefundene Köpfe, deren Nahmen aber kaum zu errathen ſeyn möchten, in kleinen Niſchen aufgestellt. Einer dieſer Köpfe, von weiſsem Marmor, hat eine ächt-römiſche Bildung, und ist das Werk einer geübten Künstlerhand. et in hoe olus Fridericus, 8 bem ter Muſaeo cor R. J. E Ector; Anno t[eh „Diefe verſchie en 1 1 3 1 merherrſchaft und welche nach und nach in der benachbarten Gegend aufg- flunden wurden, 7 7 3 CaTHHTI 2 h. TUn Ander— lieſs Chur fü Ken des einst weitherrſe! Volks, men in dieſem Musäo ichte Halle mit i- verſehen. Die abf 219 Wahrſcheinlich hat der verdienstvolle Ver- faſſer obiger Innſchrift, unſere Halle mit ihren Monumenten nie ſelbst geſehen, denn ſonst würde er sie ſchwerlich ein Muſeum der alten Aunst ge- nannt haben. Als Aunstwerle betrachtet, hätten graben zu werden; ihren Werth haben sie ein- — zig als Aistoriſcte die Geſchichteé des unſerer Gegend.— Der Fremde, der nun und Belege für athalts der Römer in dieſe Innſchrift liest, und die Monumente vor ſeinen Augen hat, dürfte leicht in Verſuchung gerathen, unſern Kunstsinn in Anſpruch zu nehmen.— Anzuführen habe ich vergeſſen, ein Paar npfbader, deren Ueberreste Dechaney gehörigen Garten ichen einen langen unterir⸗ der nächst den Bittquellen ſei- d bis zu deſſen Ende sich 2 2 * 2 0 Meine Zweifel über das hiesige Grab des Marggrafen Zaduard Fortunats sind durch handſchriftliche, aber leider, unvollständię Baadenſche Geſchichte wanken den, die sich im hiési det, und worauf micl chem ich verſc zuerst aufmerk 153 ſchichte ein Tagebu der Schw ein damahliger Beam- Verfaſſer, wahrſchein ter in Baaden— nimmt es als ausgemacht an, 2t ſey,; Was daſs gedachter Marg, — denn auch zur Zeit und unt Verfaſſers geſchehen ſeyn mufste. Auch er- zählt er, die Schweden hätten ſein Grab er- ꝛ herausnehmen brechen, und den laſſen wollen, allein die Handwerksleute hät- ten sich geweigert, ihres tod- ten Fürsten zu verle folgte in Schöpflin, des- Stelle im Tod- U meiner Angabe einer sen Behauptung sich tenbuche des Klosters aber— nach ſorgfaltigem Abwägen aller 6¹ de für und wider— auch izt noch die Sa- che nicht für ganz entſc lied 221 Mit der Einrichtung des Armenbades jist, zu- folge einer Oberamts- und Physikats-Bekannt- machung vom 1 3. April d. J. eine wichtige Ver- 33 vorgegangen: Es ſollen nähmlich, wie jene Bekannt- machung ſagt, für die Zukunft nur ſol⸗ che Armeé zum Gebrauche des Armen- bades zugelaſſen werden, welche sich le- gitimiren können; daſs sie zu ihrer Ver- Ppflegung, während der Badekur, täglich Creuzer; zu verwenden Es mögen allerdings, wie die Bekanntma- chung Urſache angiebt, bisher Misbräuche 4 mit unt n, obgleich, nach der be- stehenden Obfervanz, ein jeder fremde Dürf- tige, welch sich des hiesigen Bades bedienen will, mit Zeugniſſen von ſeiner Obrigkeit und ſeinem Ph 38 verſehen ſeyn muſste, und *3— das Erſchleichen von dergleichen Zeugniſſen ſo leicht 195 ſeyn durfte. Indeéſſen sind unter fünfzig Armen und Geébrechlichen wohl ge⸗ 45 wWöhnlich keine zehn, welche täglich 50 Kreu- zer für ihren Aufwand im Bade aufzubringen im Stande wären, und die meisten sind auch immer aus armen Dörfern, wo keine Gemeinde- Kaſſe existirt. Daher ist es ſchr zu beklagen, 43ſe d snun hundert und wieder liche die Schuld einiger Mi und lur sie die Natur Umionst ithre heilenden Waſſer ſoll hervorſprudeln laſſen. ——5260363s36%— 41 19519 N focus 0O0 Balance Q 2 3 4 5 6 7 8 18 19 V. X V Copyright 4/1999 VMuer GmbH MV yxymaster.com VierFarbSelector Standard“- Euroskala Offset ———— + e, ee,, IIII J. Alebee e, Taeheeele, 2 aoꝰοnwà gαεt, b HAl. c 3 8 3 2 ſech. Gaggenat 4 lee, en, we, we, bee, we, wee, we ulbe, 2 il, wee, Tu, Aeu e, dallen, cunα,, ll. Rothenff 8 ö Bilchweier⸗ N