Die herzlichsten Glückwünsche zum Neun Jahr. 1882. Bilderbuch für mein Pathchen Johannes Arthur Minoprio Frankfurt a Main Weihnachten 1882 Hans Thoma. Das Maehrchen von Schneeweisschen und Rosenroth.— in 12 Bildern.— Grimms Maehrchen Seit 563. Rosenroth xxx sprang lieber in der Wiese umher sucht Blumen u fing Sommervögel.— Schneeweisschen aber sass daheim bei der Mutter, half im Hauswesen oder las ihr vor wen nichts zu thun war. Wenn sie im Walde waren kamen alle Thierchen traulich herbei, das Häschen frass ein Kohlblatt aus ihren Händen das Reh graste an ihrer Seite, der Hirsch sprang ganz lustig vorbei u die Vögel blieben auf den Zweigen sitzen u sangen.— Einmal als sie im Walde übernachtet hatten u das Morgenroth sie waufwekte da sahen sie ein schönes Kind in einem weissen glanzenden Kleid neben ihrem Lager sitzen.— es stand auf blikte sie ganz freundlich an sprach aber nichts u ging in den Waöd hinein und als sie sich umsahen hatten sie ganz nah einen Abgrund gesehen—— Die Mutter aber sagte ihnen das müsste der Engel gewesen sein der gute Kinder bewache—— Eines Abend als sie vertraulich beisamen sassen, klopfte jemand an die Thür als wollte er eingelassen sein.— Nicht lange so wurden sie ganz vertraut und trieben Muthwillen mit dem unbeholfenen Gast— der Bär liess sichs aber gerne gefallen nur wenn sie's gar zu arg machten, rief er: lasst mich am Leben ihr Kinder: Schneeweisschen, Rosenroth, schlägst dir den Freier todt.— Als das Frühjahr gekommen war, sagte der Bär nun muss ich fort u darf den ganzen Sommer nicht wieder komen.— ich muss in den Wald meine Schtze vor den bösen Zwegen hüten.— Sei nur nicht ungeduldig", sagte Schneeweisschen ich will schon Rath schaffen, holte sein Scheerchen aus der Tasche und schnitt das Ende des Bartes ab.— Seht ihr nicht der verwünschte Fisch will mich hineinziehen? Sie liefen herzu und sahen mit Schrecken daß der Adler ihren alten Bekannten den Zwerg gepackt hatte und ihn forttrgen wollte.— Da rief er in Herzensangst: Lieber Herr Bär verschont mich, ich will Euch alle die schönen Edelsteine geben die hier liegen— da, die beiden hottlosen Mädchen packt das sind für Euch zarte Bisse.— Der Bär kümmerte sich um seine Worte nicht gab dem boshaften Zweg einen ein- zigen Schlag it der Tatze u er regte sich nicht mehr. Da erkannten sie seine Stimme u blieben stehen, und als der Bär bei ihnen war fil plötzlich die Bärenhaut ab u er stand da als ein schöner Mann u war ganz in Gold gekleidet.. "Ich bin ein Königs Sohn", u war von dem gottlosen Zweg der mir meine Schätze gestohlen hatte verwünsch als ein wilder Bär in dem Wald zu laufen. Schneeweisschen ward mit ihm vermählt u Rosenroth mit seinem Bruder und sie theilten die grossen Schätze miteinander die der Zweg in seiner Höhle zusammen getragen hatte.— Lieber Herr Minoprio! Gestern habe ich ein Bilderbuch, das ich in aller Eile wie Sie wohl sehen werden für mein Pathchen gemacht habe, abge- schickt.— Es ist sorglos gemacht u um dies zu entschuldigen füge ich hinzu daß es eine Aufmunterung sein soll daß die Kinder das Buch auch sorglos brauchen sollen.— Auch Klexe sind schon darin außerhalb der Malerei, auf einige mehr komt es also nicht an.— Ich u die meinigen wünschen Ihnen u Ihrer lieben Familie reicht vergnügte Weihnachten mit den herzlichsten Grüßen Ihr Hans Thoma Frankfert aM. 16 Dez. 1882.—