W7 M- MWWWWSU ! . 1 - ? f <» » Urbarmachung und Einrichtung des Hofes Lilienthal am Kaiserstichl im Vretsgau nebst einer Beschreibung der landwirthschaftlichen Verhältnisse des Koiserstnhles selbst. < Von Freiherrn August von Babo. Mit 20 Holzschnitten und<2 Plänen, r Lahr, Druck und Verlag von I. H. Geiger. I86V. 55L Vorwort. Indem ich diese Schrift dem landwirthschaftlichcn Publikum zur nachsichtigen Bcurthcilung übergebe, glaube ich mich einer Pflicht zu entledigen, welche ich nach Vollendung der Herstellung und Gutscinrichtung des HoscS Lilicnthal gegen meine Freunde sowohl als auch gegen mich selbst empfand. Alles Neue unterliegt, wie natürlich, einem strengen Urtheil des Publikums, welches sich, wenn überhaupt keine Erfahrungen über eine Sache zu Grunde liegen, stets lieber zu üblen als wohlmeinenden Acußcrungcn verpflichtet fühlt. In der That die Tabaks- gcsellschaft, ein Unternehmen reprascntircnd, welches noch nirgends in Ausführung gekommen, dessen einzelne Thcilc 50 Stunden längs der frequenten badischen Nhcinthalbahn zerstreut, einen jeden Vorübcrsahrendcn gleichsam um dessen Meinung ersuchend, hat sich nichts weniger als eines günstigen Urthcilcs zu erfreuen gehabt. Die Aufgabe der badischen Tabaksgcsellschaft besteht vorzüglich in der Production und Vcrwcrthung guter Tabake; sic sucht dies cincsthcils zu erreichen, indem sie in verschiedenen zu Bestgut geeigneten Gemarkungen Tabake in Accord nach Vorschrift bauen IV läßt, um solchen iu eigenen Trockenhäuscrn nach Bedürfnis;, schon mährend des Trocknens, zu behandeln; andcrntheils aber Tabake ans eigenem Grund und Boden zu producircn nnd zu veredeln. Eine passende Gelegenheit bot sich bei Gründung der Gesellschaft ein Areal zu aquirircn, welches allen Anforderungen der Tabaksprodnctivn entsprach; cs bestund dies jedoch nicht in einem schon vorhandenen fertigen Hosgntc, sondern in einer größeren Waldfläche, dem Jhringcr Gemcindcwald, am südlichen Abhange des für so fruchtbar bekannten Kaiserstnhlcs gelegen. Als das Schönste in der Landwirthschaft erkenne ich die Herstellung, neue Einrichtung eines WirthschaftSbetriebcS; aus un- cnltivirtcm Lande ein fertiges Hofgut erstehen lassen, Alles, Gebäude, Wege, Felder, Wiesen, Weinberge re., neu schaffen, jeden Thcil eines mannichfachcn Terrains nach seinen Eigenthümlichkcitcn benützen, ist ein landwirtschaftlicher Hochgenuß, welchen der Leiter einer rotircndcn Landwirthschaft niemals kennen zu lernen im Stande ist. Im Hinblick auf diese landwirthschaftlichen Freuden übernahm ich die Einrichtung dcö HofcS Lilicnthal; sic ist nun, nach Verlauf von 2 Jahren, vollendet und dem regemäßigcn Betriebe übergeben. Ja ich habe jene landwirthschaftlichen Freuden empfunden, welche sich einem Jeden erschließen, dem cs vergönnt ist Neues ins Leben zu rufen, Neues zu schaffen; allein sie mußten für manche trübe Stunden Ersatz bieten, welche mir in reichem Maaße geworden. Ich sehe ab von jenen kleinlichen Unannehmlichkeiten, welche im Gefolge einer jeden neuen Einrichtung sich unausbleiblich ergeben; von jenen absichtlichen Kränkungen, welche durch hinterlistige Menschen entstehen, deren ungerechte Hoffnungen und Ansprüche gescheitert, keine Berücksichtigung gefunden; allein cs mußte mich schmerzen, wenn achtbare Männer, ja Freunde von mir, jenen Vcrläumdungen Gehör zu schenken schienen, welche zum größten Thcil ans unerfüllten Hoffnungen entsprangen; doch Freundschaft wird ja erst dann eine wahre, wenn sie Gelegenheit hat sich zu bewahren, und so habe ich den Vorthcil wahrer Freundschaft gefunden, Heuchler aber erkannt zu haben. Ich gestehe cs offen, cs ist nicht meine Sache, den Stoßseufzer- gleichen Ergießungen sich aufblähcndcr Untcrlehrcr, deren gewandte Feder die Gefühle einzelner Unzufriedener als Ansicht ganzer Gegenden in einem Zeitungsartikel wicderzugcbcn verstehen, jeweils zu beantworten, zu widerlegen; ich überlasse Jenen gerne die Siegcsfrcudcn einer unbeachteten Herausforderung; diese häufigen Neckereien aber befestigten in mir den Entschluß, nach vollbrachter Arbeit, nach Herstellung des HofgutcS meine Beweggründe und Ansichten über die bei der Einrichtung sich so mannichfach ergebenden Verhältnisse niedcrzuschrcibcn. Tic Culturvcrhältnisse des Hofes Lilicnthal sind durch diejenigen des ganzen Kaiscrstuhlcs bedingt; eine Untersuchung der Kaiscrstühlcr Verhältnisse mußte dcßhalb der Anlage des Hofes vorausgchcn, wcßhalb ich mich veranlaßt fühlte, der Verständigkeit halber in diesem Schriftchcn der Beschreibung der Anlage des Hofes eine solche des Kaiscrstuhlcs in allen jenen Beziehungen bcizugcbcn, welche zur landwirthschaftlichcn Bcurthcilung noth- wcndig sind. Freibnrg, im Juni 1859. Der Verfasser. Inhalt. Der Kaiserstuhl. Seite Einleitung. 1 Gcvgnostischc Betrachtung. 2 Ncgctationövcrhältnissc.49 Geschichtliches.24 Statistisches.32 LandwirthschaftlichcS.44 Hof Lilienthal. I. Laudwirthschaftliche Beurtheilung. Ankauf des HofeS.65 Bodenverhältnisse.68 Elimatische Lage ..74 Bodcnwerthe. 74 Arbcitcrvcrhältnissc.75 Absatzwege.78 II. Urbarmachung des Hofes. Anlage von Ackerfeld.80 Wicsenaulagcn.66 Anlage von Obst- und GraSgärtcn ..90 Anlage von Weinbergen.94 Anlage von Gemüse- und Pflanzenzucht-Gärten.104 Wcganlagcn.104 III. Wirthschaftseinrichtung. Allgemeine Verhältnisse der WirthschaftScinrichtnng.103 Dnngcrbedarf.106 Einbau und Rotation.110 Oekouomicgcbäudc.146 . Landwirthschaftlichc Gewerbe.125 „ Gcräthe .428 Buchführung.432 Personal. 136 Per Kaiserstrihl. Die Situation einer Gegend kennen zu lernen, sucht man in der Regel einen erhöheten Standpunkt, von dem ans sich der Gesichtskreis erweitert und ein richtiges Bild der ganzen Umgebung erlangt werden könne. So wollen auch wir, die Lage des Kaiserstuhles uns zu vergegenwärtigen, den höchsten Gipfel dieses, nur 2 Quadratmeilen großen Gebirges, die Höhe der 9 Linden besteigen und unsere Blicke von diesem, 1200 Fuß über die umgebende Ebene hervorragenden Punkte, nach den verschiedenen Weltgegenden senden. In östlicher Richtung, in einer Entfernung von 3 Stunden, sehen wir den Schwarzwald, die hohen Häupter desselben, wie sie sich von Norden nach Süden an einander reihen; der Kandel, Feldbcrg und Belchen unterbrechen die sonst gleichmäßigen Höhenzüge und bieten dem Auge jene wohlthnende Abwechslung, die eine schöne Fernsicht charaktcrisirt. In entgegengesetzter Richtung, in Westen, erstrecken sich, ebenfalls 3 Stunden entfernt, die Vogesen, mit dem Schwarzwalde parallel laufend. Zwischen beiden Gebirgen eingeschlosscn ist die Rheinebene, in einer Breite von 8 bis 10 Stunden sich von Süden nach Norden ziehend. Die südliche Grenze derselben erkennen wir noch deutlich in dem Jura und bei besonders günstigem Himmel ist es vergönnt, die mit ewigem Schnee bedeckten hervorragendsten Berge der Hinteren Schweiz zu erblicken; nach Norden verschwinden dem Auge Vogesen, Rhcincbcne und Schwarzwald in weiter blauduftiger 1 Ferne. In Mitten dieser großen, von Gebirgen cingcschlossenen Ebene liegt der Kaiserstuhl, gleichsam eine GebirgSinscl bildend. Der Rhein erhält sich in tnnsend Krümmungen ziemlich in der Mitte der Ebene und berührt den Kaiscrstuhl nuf der Westseite desselben nur kurze Zeit. Werfen wir oon unserem erhöhten Standpunkte auö einen Blick auf den Kaiserstuhl selbst, so erkennen wir nördlich von den 9 Linden noch 2 weitere Höhcnpunktc, die Eichclspitze und Katharincnlapclle, sie sind durch höhere Gebirgsrücken verbunden, von welchen sich nach allen vier Weltgcgcndcn niedere Gebirgsausläufer und Thälcr in die den Kaiserstuhl umgebende Ebene erstrecken; dieselben sind nach Norden und Westen gegen den Rhein hin tiefer; gegen Osten und Süden aber bilden sie nur flache, muldenförmige Thalciuschnittc mit nur wenigen schroffen Abhängen. Die Lagcnvcrhältnisse am Kaiserstuhl sind daher höchst mannigfaltig, die sich nach Süden erstreckenden flachen Thälcr und Bergrücken sind der Einwirkung der Sonne besonders günstig gelegen, was uns die vortrefflichen Jhringcr und Wasenweiler Weine beweisen; diejenigen Thälcr, welche nach Osten, Norden und Westen münden, sind weniger warm, aber in Folge vermehrter Feuchtigkeit für die Vegetation im Allgemeinen günstiger. Wald erblickt man von den 9 Linden ans nur auf den steilsten Bcrgabhäugen des inneren Kaiscr- stnhlcs; das sich nach allen Seiten erstreckende hügelige Gelände ist mit Reben und Ackerfeld bedeckt; ein Obstwald von Kirschen-, Aepfel- und Nnßbäumen gibt der ganzen sonst einförmigen Landschaft einen unbeschreiblich reizenden Charakter. Geognostische Betrachtung. Der.Kaiserstuhl ist vielleicht vulkanischen Ursprunges, unter den Geognosten herrschen verschiedene Ansichten, indem keine vollständig erkennbaren ausgebrannten Krater bemerkbar, auch kein der Lava oder der Schlacke ähnliches Gebilde gefunden worden sei. Die Form der Berge erinnert in der That nur wenig an jene bizarren, vulkanische» Gebilde; allein der größte Thcil der Gcbirgsart des Kaiserstnhles ist mit einer 20 bis 50 Fuß hohen LocSschichte bedeckt, welche Tiefen ausfüllt, schroffe FelSspitzen überwölbt und so die eigentliche Gebirgsform vollständig dem Auge unsichtbar macht. Die höchste Spitze des Kaiserstuhles liegt 1730, der Fuß desselben ca. 500 Fuß 3 über der Meeresflache, somit erhebt sich derselbe über die Ebene 1230 Fuß; der Locs bedeckt das Gebirge bis 1200 Fuß Mcereshöhe, so daß von dein sich über die Ebene erstreckenden Theil des Gebirges 706 Fuß mit Locs bedeckt erscheint;' nur wenige Punkte des Kaiser- stnhlcs, die einzelnen hervorragenden Bergspitzen in Mitten des Gebirges erheben sich ans dem Loesgebiet, nur diese können ein richtiges Bild über die Bergform desselben geben, in ihnen erkennen wir allerdings Ähnlichkeiten mit sonstigen vulkanischen Gebirgen und sind versucht, an einen vulkanischen Ursprung des Kaiserstuhles zu glauben. Stehen wir auf einem jener drei erhabenen Punkte, den 9 Linden, Eichelspitze oder Katharincukapelle, so erscheinen uns diese Höhen als Ursprung der flüssigen Stcinmassen, welche sich von dort nach allen Richtungen hin ergossen haben mögen, schneller oder langsamer erkaltend, jene niederen Gebirgsausläufer in verschiedener Lange bildend, welche jetzt mit Loes bedeckt, sanfte Mulden und Hügel dem Ackerbau darbicten. Die Bildung deö Kaiserstuhleö können wir uns in Abbildung (Fig. 1) veranschaulichen; s sei der Schwarzwald, b die Vogesen, Flg. i. o das mit Erde und Gerölle ausgefüllte Rheinthal, ä der Kaiserstuhl; wir sehen hier ab von den verschiedenen neptunischcn Gebilden, von den Plutonischen Erhebungen und Durchbrechungen und machen nur auf die Hauptbestandtheile der drei hier neben einander liegenden Gebirge aufmerksam. Vogesen und Schwarzwald bestehen der Hauptmasse nach aus Gneiß und Granit, beide Gebirge bilden ein tiefes Thal, das mit Sand und Erde ausgefüllt, unsere Nheinebene bildet. 1 * 4 Die Felsarten der beiden Gebirge a und b sind nebst den Bcstand- theilen der Ebene von dem entweder als zweitjüngstes plutonisches oder aber vulkanisches Gebilde betrachteten Dolerit (o) durchbrochen und dieser bildet durch Hervortretcn und Verlaufen der feurig flüssigen Masse auf der Ebene den jetzt auö Dolerit bestehenden Ausläufer- reichen Kaiserstuhl. Es kann bei einer geognostischen Betrachtung einer Gegend in Beziehung auf deren Culturvcrhältnisse nicht in der Absicht liegen, die mannigfachen Verschiedenheiten der Felöarten und schon gefundenen seltenen Mineralien zu berühren, cs können hier nur solche Gebirgs- arten nähere Erwähnung finden, welche in großen Massen auftretcn oder aber vielleicht als Düngemittel schon bei verhältuißmäßig geringem Vorkommen für die Landwirthschaft von Wichtigkeit sein können. Das Ackerland des Kaiserstuhles besteht nicht etwa vorzugsweise aus dem Produkt der Verwitterung der Gebirgüart desselben, sondern größten - theils aus jener Kalksand - Ablagerung , welche in der Rheincbene allenthalben unter dem Namen Loes bekannt ist. Oberhalb der Locsgrenze (1200 Fuß über dem Meeresspiegel) treffen wir auf dem Kaiserstuhl nur noch wenig Feld an, Wald und Grasgeläude bedecken dort den steinigen Boden, nur selten tritt die GcbirgSart in niederen Lagen zu Tage und dort sind es nur steile Abhänge, besonders gegen den Rhein zu, wo selbst der Ackerbau unmöglich, die Kultur der Reben aber in Ausführung gebracht ist. Der Kaiserstuhl bietet somit dem Feldbau nur selten jene Bodenart, welche aus dem Gebirge entstanden ist, wohl aber macht sich dessen Einfluß in der Mischung mit dem Loes bemerkbar und zwar kann dies vorzüglich nur in denjenigen Thälern der Fall sein, welche mit solchen Höhepunkten in Verbindung stehen, die nicht von Loes bedeckt, ihre Gebirgsart der Verwitterung und dem Abschwemmen des Regenwassers direkt aussetzen; ein richtiges Bild über die Bodenverhältnisse des Kaiserstuhles zu erlangen, müssen wir daher eiuestheils die Felsart des Gebirges, anderntheils aber auch jene Loesdecke betrachten, welche die größte Masse des Ackerfeldes am Kaiserstuhle ausmacht. (Siehe die Karte vom Kaiserstuhle.) Die Felsarten des Kaiserstuhles sind: 1) Dolerit, in größter Masse. 2) Trachytisches Gestein, in einzelnen Adern auftretend. 5 3) Phonolit, in geringer Ausdehnung nur an einem Theile des Kaiserstuhles. 4) Körniger Kalk, in Mitten des Kaiserstnhlcs, auf der Höhe über dem Dolerit in geringer Ausdehnung. (Siehe die Verbreitung dieser verschiedenen Felsarten in der ^ Karte vom Kaiserstnhle.) 1. Dolerit. Der Dolerit ist aus Labrador, Augit und Magneteisen zusammengesetzt. ! Julius Schill theilt die Dolerite dcS Kaiserstuhles in seiner ! Beschreibung der geognostisch - mineralogischen Verhältnisse desselben (Stuttgart 1854) in folgende Abtheilungen ein: a. dichte Dolerite, b. die gemeinen und porphyrartigen und schlackigen Dolerite, e. die schlackigen Dolerite und Dolerit-Mandelstcine. Die größte Masse des DoleriteS bildet der gemeine und porphyrartige, sodann der schlackige und Dolerit-Mandelstein, der dichte Dolerit aber kommt in diesen meist nur in schmalen Gängen vor. Das Auftreten der einzelnen Arten ist nicht etwa nach Bergen getrennt, sondern cs finden sich dieselben bald da, bald dort, und wir glauben bemerkt zu haben, daß nur in den höchsten Theilen des Gebirges eine mehr gleichartige, nicht unterbrochene Doleritmasse anzutreffen sei. Die gewöhnlich angeführten Fundorte der einzelnen Arten sind wohl zufällig, ob vielleicht der Loes auf natürliche oder künstliche Weise durchbrochen worden; wir konnten uns von dem zerstreuten Vorkommen derselben deutlichst bei den vielen Erdarbeiten des Hof- gntes Lilicuthal, bei welcher die Locsdecke wohl an hundert Orten durchbrochen worden, überzeugen. Wenn Schill die verschiedensten Dolerite in drei Abthei- lungen bringt*), so ist damit nicht gesagt, daß diese innerhalb der Abtheilungcn ganz gleichartig, oder daß die Grenzen dieser Abthei- > lungen genau geschieden seien. Eine Art zeigt wieder hundert *) Nr. Eisenlohr unterschied in seiner Schrift über die gcognostischen Verhältnisse des Kaiserstnhlcs (Karlsruhe 1829) vier Arten, von denen jedoch einige zu den trachytischcn Gesteinen zu rechnen sind. 6 verschiedene Formen derselben innerhalb des HanptcharakterS in Farbe' Größe der einzelnen wesentlichen Theilc des Dolcrites und unwesentlich beigemengten Mineralien; besonders verschieden zeigen sich die Angitkrystalle in ihrer Größe, sie werden oft in einer Länge von ^ bad. Zoll angctrosfen und nehmen an Größe ab, bis man sie mit bloßem Auge nicht mehr erkennen kann. Von unwesentlichen Beimengungen findet sich besonders häufig der Mandelstein (Bitterkalk) vor und bildet in seinem Auftreten, ob häufig oder selten, ob in großen Mandeln oder kleinen, wieder eine Reihe von Verschiedenheiten. Eine wesentliche, besonders für die Agriknltnrverhältnisse, höchst wichtige Verschiedenheit des Dolcrites besteht in der leichteren oder schwereren Verwitterbarkeit. Weinberge, im Winter 1857 — 58 im Doleritgcstein angelegt, zeigen nun nach Verlauf eines Jahres feine grünlich und schwärzliche Doleriterde; andere wieder bieten die gleiche steinige Oberfläche dar, wie zur Zeit ihrer Anlage. Die Rebleute am Kaiserstuhl kennen diesen Unterschied sehr genau und bezeichnen den leicht verlvittcrbarcn Dolerit als zahm (gut), weil die Reben sehr gut in diesem wachsen. Die bekannte düngende Wirkung des DoleriteS beruht vorzüglich ans der Eigenschaft der raschen Verwitterung, denn die chemischen Bestand- theile desselben sind, wie wir später genauer sehen werden, nicht wesentlich von denjenigen des Granites und Gneiß verschieden; allein die Summen der Verwitterungsprvdukte in einer gewissen Zeit geben, dem Dolerit vor jenen den Vorzug. s) Dichter Dolerit. Unter dichtem Dolerit versteht Schill jene in Gängen von verschiedener Mächtigkeit vorkommenden meist harten, basaltartigen Gebilde, in denen die einzelnen bedingenden Thcile so fein mit einander gemengt sind, daß man sie mit dem bloßen Auge nicht erkennen kann; sie scheinen aus der gleichen Masse wie der Basalt zu bestehen, ohne diesen bedingenden Olivinbeimcngungen zu zeigen. Solche meist sehr harte, schwer verwitterbare, dichte Dolcrit- gänge haben wir auf dem ganzen Kaiserstuhlc Gelegenheit gehabt zn bemerken und zwar in einer Breite von 2 bis 10 Fuß; bei den vielen Doleritdurchschnitten, welche sich bei den Cultnrarbciten des Hofes Lilienthal ergaben, sind viele solcher Gänge anfgedeckt worden und zwar wieder mit verschiedenen Eigenthümlichkeitcn. Es gab solche mit beinahe schiefrigem Gefüge, bei denen die einzelnen Steine plattenweisc über einander gelagert, sehr leicht zu regelmäßig kantigen Stücken zu brechen waren; andere solcher Adern schienen aus einzelnen unregelmäßigen Stücken mit einem zähen Thone znsammengcmanert, zu bestehen. So wie die Lagerung sich verschieden zeigt, so auch die Farbe, sie wechselt von dniikelblan (Syenitfarbe) bis zn schwarzbraun, auch hellroth; von letzterer Farbe ist eine sehr harte Ader in der sogenannten Hohlgasse, Weg von Jhringen in's Mühlenthal, anfgedeckt. Die härtesten, geschichteten dichten Dolcrite werden am Kaiserstuhle zn Pflastersteinen verwendet, sie sind sehr fest und dauerhaft. b) Der gemeine und porphyrartige Dolcrit. Unter gemeinem Dolerit wird solcher verstanden, in welchem die einzelnen Theile in ziemlich gleichem Mengenverhältniß den: Auge sichtbar erscheinen; unter porphyrartigcm aber solcher, in welchem in der Grundmasse dcS gemeinen Dolcrites sich größere Augitkrystalle vorsinden. Die größte Masse des Kaiserstühler Dolerites besteht aus diesen beiden Arten und zwar findet sich nach unserer Beobachtung der porphyrartige mehr ans der Höhe, ans den Spitzen der Berge, der gemeine aber tiefer gelegen vor; ein Blick ans die Wandungen des 50 Fuß tief durchbrochenen Dolerites im GyPSbergwcrk von Wasenweiler läßt uns ahnen, daß der Dolerit in der Tiefe, von der Oberfläche entfernt, stets gleichartiger werde, und jene sich dem Auge bietenden Verschiedenheiten auf der Oberfläche mehr und mehr verschwinden. Auch die so bezcichncten Dolcrite sind nicht scharf getrennt und häufig ist man im Zweifel, zu welcher Sorte man diesen oder jenen einreihcn soll; die Farbe ist ebenfalls verschieden, je nach Verhältniß der betreffenden oder beigemcngten Mineralien; für die Landwirthschaft sind die gemeinen Dolcrite im Durchschnitt die besseren, sic verwittern zum größten Theile sehr leicht, obschon auch in dieser Beziehung, in Härte und Porosität, ein großer Unterschied herrscht; bei den vielen Dolcritweinbergen, die wir ans dem Jlgenhof ausznführen hatten, konnten wir in einem Rottschlage niemals gleichmäßig fortarbeitcn, da hier ein lockerer Dolerit mit dem Bickel be- 8 arbeitet werden kennte, zwei Schritte weiter mußte, in ebenfalls gemeinem Dolerite, gesprengt werden, und so war die Arbeit beinahe eines jeden Mannes im Rottschlage eine verschieden anfenthaltliche. Häufig geht der porphyrartige und gemeine Dolerit über in den e) schlackigen Dolerit und Doleritmandelstcin. Die dichte sowohl, wie gemeine und porphyrartige Doleritmasse, kommt an einzelnen Stellen des Kaiserstuhles mit Blaseuräumcn erfüllt vor, diese Blaseuräume sind entweder leer, oder aber mit sogenanntem Mandclstcin (Bitterkalk) ansgefüllt; crstere wollen wir Do- lerit-Schlacke, letztere aber Dolcrit-Mandclstein nennen. Uebcrgänge von beiden in einander sind häufig anzutreffen, indem oft einige Blaseuräume leer, solche nebenan vollständig ausgefüllt, bei anderen wieder nur die Wandungen der Blaseuräume mit Bitterkalk überzogen sind. Die Verwitterbarkeit der Doleritschlacke ist meist gering, cs scheint deren Grundmasse aus dichtem Dolerit zu bestehen. Do- leritmandelstein haben wir stets mehr mit leichter vcrwitterbarer Grundmasse gefunden. Die Ansicht, daß in den Blaseuräumcn der jetzt aufgefnndencn Dvleritschlacken Mandclstcin, Bitterkalk, gewesen und verwittert sei, können wir keineswegs beipslichten, indem gerade die Doleritschlacke in der Regel aus so dichter Doleritmasse besteht, daß die einzelnen Mandeln vollständig von der Luft abgeschlossen sein mußten; auch sind die leeren Blaseuräume zum allergrößten Theil kugelförmig, rund, nicht länglich, mandelförmig, wie bei dem Mandelsteine. Da wo unausgefüllte Blaseuräume auftreten, sind solche stets in großer Menge beisammen und geben dem Steine ein sehr geringes, Bimsstein-artiges Gewicht; niemals hatten wir Gelegenheit, so wie bei den Bitterkalkmandeln einzelne entsprechende Blasenräume sehr zerstreut im Gesteine zu finden. Doleritschlacke wird die gleiche chemische Zusammensetzung zeigen, wie der übrige Dolerit; Doleritmandelstcin aber enthält außer den Doleritbestandtheilen rrvch jene des eingesprengten Minerals, der Mandeln. Es kommen häufig in einzelnem Schichten-artigen Auftreten des Doleritmaudelsteiues so viele Mandeln vor, daß sie die Hauptmasse des Steines zu bilden scheinen, jedoch ist ein solcher Fund- vrt seltener. 9 Dolerit-Conglomerat. An einigen Stellen des Kaiserstuhles treten Conglomerate auf und zwar einestheils bestehend aus kantigen Doleritstückeu in Dolerit- masse eingebacken; anderntheils aber Doleritstücke mit einer Thon- Kalkmasse verbunden; ersteres Conglomerat kommt häufig bei Breisach vor und ist sehr hart, wird zu Bannsteinen benutzt, letzteres aber verwittert leicht an der Luft, d. h. das Kalkbindemittel ist der Verwitterung weniger ausgesctzt, als die eingebackenen Dolcrit-Steine, so daß diese aus dem Bindemittel heransbröckeln und ein eigenthümlichcs Gebilde zurückbleibt; auf dem Jlgenhofe hatten wir einen Weinberg im Grummenthal theilweise in solchen Dolerit cinzurotten, der jetzt, nach Jahresfrist, Doleriterde mit Kalkbindemittelstücken erkennen läßt. So verschiedenartig das Auftreten des Dvlerites im Mengen- verhältniß der denselben bedingenden Mineralien ist, so mannigfache unwesentlich bcigcmengte Mineralien er enthält, so verschieden müssen auch die quantitativen Analysen der Dolerile ausfallen; wir geben dcßhalb vorerst die Bestandtheile der Doleritinineralien, die wir in demselben in verschiedenen Verhältnissen antreffen müssen. Labrador . Augit. " Magnet- eisen. Zn 100 Theile zusammen. Kieselsäure. 54,6 54,64 — 36,6 Thonerde. 29,0 — — 9,6 Kalkerde. 11,8 24,94 — 12,2 Talkcrde. — 18,00 — 6,0 Manganorydnl. — 1,08 — 0,8 Eisenorydul. — 2,60 25,19 9,2 Eisenoryd. — — 74,81 24,9 Kali. — — — — Natron. 4,6 — — 1,5 100,0 101,26 100,00 100,3 Die dem Dolerit häufig beigcmengten Mineralien sind: 1) Bitterkalk, in den Blasenräumen als Mandclstein, in Spalten des Dolerit als Dolomit häufig vorkommend; 10 2) die Grnnerde, die grüne Färbung von Thonschichten zwischen dem Dolerit und diejenige des trachytischen Gesteines bewirkend; 3) Apatit kommt in sehr geringen Mengen aber ziemlich verbreitet vor; 4) der Feldspath; 5) der kohlensanre Kal k. Diese Mineralien haben folgende Zusammensetzung, so daß wir in den VerwitterungSprodnkten der Dolcrite noch nachfolgende Be- standtheile antreffen können: Bitterkalt. Grüncrdc, Apatit. Feldspath. Kohlensaurer Kalk. Kalk. — 18,00 55,86 1,25 Phosphorsänre . . . — — 42,01 — — Chlorwasserstosfsäure . — — 0,05 — — Flußsäure .... — — 2,08 — — Kohlensaurer Kalk . . 55,36 — — — ' 100,00 „ Talk . . 41,30 1,50 — — — Eisenorhd .... 2,00 20,50 — 1,75 — Kieselsäure .... 0,50 51,50 — 66,75 — Thonerde. — — — 17,50 — Kali. — — — 12,00 — Wasser. — 8,00 — — — 99,50 100,00 99,16 99,25 100,00 11 Analysen von I. Schill nnd Anderen, von Dolcriten des Kai- serstnhlcs geben nnö folgende Zusammensetzungen: o co Q2 ^7 ^ O' 07 <Ä> O ^ o -^x c-? cs cs 2,759 2,749 2,945 2,720 2,508 2,640 2,780 2,766 2,690 Sp. Gew. ^ ^ kp-> ^ ^ ^ ^ cs Ov --? -7 c 77 > O' dO ^ ^7 ^-7 O^ ^ °07 W 07 0 O' 0 07 0 07 o* -^r 07 Kieselerde. ^ ^ ^ do i-^ ^>7 0 w 0 07 O' 07 07 ^ 0^ 07 ^7 co ^' --7 O o' t-^ do 00 0 d---o ^7 07 Thonerde. 11,46 11,15 13,70 12,01 16,25 23,36 11,01 10,00 13,62 ^17,84 Eisen- u. Man- ganorydul. 07 w 0 w co -7 00 ^7^- ^7 07 07 02) 07 ^ ro or ^ "0 ^ r> 7 > co> w ^ 0 r ^7 07 -r 07 Kalkerde. ^701 0 r^> ^ 07 c^l - o« 0 Talkerde. >--- 07 07 >-r- ^ ^ 07 w ^ 0 0 0 0 00 ^ r^r -^r 0^ co. 07 on 0 ^ 0 on ^ °07 07 t ^7 O' Qv 0 0 Kali. Natron. K Z,s Z tz > > ?-> 0 ^ ^ ^ c--' cs o ^ PhoSphorsaure. Schwefelsäure. c» ! QÄr02o1 o'ör"-c»QQe>a Wasser. 12 Neben diesen aufgcführten Stoffen ist noch das Chlor zu erwähnen, was beinahe in jeder Analyse in Spuren gefunden wurde; auch glauben wir, daß sich überall Spuren von Phosphorsäure aufgefundeu haben würden, wo solche als nicht vorhanden bezeichnet, indem bei den Analysen auf diesen für die Vegetation so hochwichtigen Stoff wenig Rücksicht genommen worden sein dürfte. Wir glauben ferner annehmen zu können, daß die Trennung des Kali und Natron wohl bei einigen Analysen nicht streng genug geschehen, da wir wohl in den Doleritmineralicn, wie ans vorhergehenden Analysen ersichtlich, einen großen Natron-Gehalt, nicht aber das Vorhandensein von z.B. 6° o Kali vcrmnthen dürfen. Wir vcranlaßten deßhalb in dem chemischen Laboratorium zu Freiburg einige Untersuchungen von folgenden Doloriten auf Kali und Phosphorsäure-Gehalt, die von Herrn Heiz mann daselbst ansgeführt wurden. Phosphor säure. Kali. 1) Gemeiner Dolerit .... 0,015 0,912 2) Porphyrartiger Dolerit . . . 0,084 0,203 3) Dichter Dolerit. 0,079 0,101 Es bestätigen diese Bestimmungen das Vorhandensein dieser beiden für die Vegetation höchst wichtigen Körper in verhältnißmäßig schon großen Quantitäten, allein solche Kaliquantitäten, wie bei den vorgehenden Analysen anfgeführt, dürften auf Kosten des Natron gefunden worden sein, daS stets, als hervorragender Bestandtheil des Labradors anftritt. Sind diese Dolerit-Analysen des Kaiserstuhles geeignet, die anerkannt große Fruchtbarkeit der Dolcritsteinc zu begründen? wir glauben keineswegs, denn solche von Granit, Gneiß rc. nebenan gestellt, bieten uns jene für die Vegetation nöthigcn Stoffe ziemlich in gleichem oder auch oft in erhöhetem Maaße. Es tritt hier ein Umstand ein, der bei manchen Düngerarten nur zu oft nicht berücksichtigt wird, nämlich die Zeit der Auflösung. Der Dolerit verwittert sehr rasch und bietet während einer bestimmten Zeit, bei gleicher chemischer Zusammensetzung mit Granit, vielleicht die dreifache Menge Kali, Kieselsäure, Phosphorsäurc rc., den Pflanzen in löslicher Form dar. Die leichte Verwitterbarkeit des Dolcrites ist allein der Grund seiner großen Fruchtbarkeit, die sich in gleichem Maaße mit der Ver- 13 witterbarkeit der einzelnen Doleritarten vergrößert oder sich nur in geringerem Maaße geltend macht. 2. Trachytisches Gestein. Das trachytische Gestein kommt am Kaiserstuhle nur in Gängen ^ von verschiedener Mächtigkeit vor, wir haben solche von 2 bis 20 Fnß breit zu sehen Gelegenheit gehabt; im Ganzen ist dessen Auftreten, im Hinblick auf die Vegctationsverhältnisse, nur von geringerer Bedeutung. Schill thcilt dieselben ein in u. dichte bis körnige Trachhte, ohne glasigen Feldspath; b. Porphyrartige Trachhte, mit glasigem Feldspath; o. Leuzithaltige Trachhte. Die Trachhte sind meist weniger leicht der Verwitterung aus- gesetzt, doch hatten wir auch Gelegenheit, solchem bei Rotten von Weinbergen zu begegnen, dem wir den glasigen Feldspath mit der Hand entnehmen konnten. Die Gebäude des Hofes Lilieuthal sind mit schwer verwitterbarcm Trachyt, der in schmalen Gängen zwischen gemeinem, leicht verwitterbarem Dolcrit gebrochen worden, aufgcführt. Die chemische Zusammensetzung der Trachhte vom Kaiserstuhl ist nach Schill folgende: Kieselerde. Thon- erdc. ^iscn mit Mangan- orydul. Kalk- erde. Talkerde. Kali. Natron. 1) Blaßgelber Trachht vom Kapellenbcrge. 57,65 15,30 7,60 0,98 0,60 7,05 2) Grünlicher Trachht vom Silbcrbrunnen .... 53,38 13,93 11,93 6,33 0,15 12,50 6,12 3) Porphyrartiger Trachht von der Mondhaldc. . 53,00 13,90 10,23 7,06 0,60 4,34 0,10 4) Porphhrartiger (m. Leuzit) Trachyt vom Eichberge 46,53 13,96 9,06 9,45 1,42 11,22 6,78 5) Grünlicher, dunkler, Tra- chht von dem Heuthal 43,66 15,66 15,70 9,76 0,70 7,75 4,30 Der Kali-Gehalt der verschiedenen Trachytsorten ist sehr ungleich, was in dem größeren oder geringeren Auftreten des glasigen Feld- 14 spatheö und Lenzit seinen Grund finden mag; es wäre jedoch dieser Trachyt dcS starken KaligehaltcS wegen keineswegs zu einem rasch wirkenden Kalidünger verwendbar, da der glasige Feldspat!) nur sehr langsam verwittert. 3. Ahonolit. Der Phonvlit kommt in größeren Anbrüchen bei Oberschafshauscn vor, er wird daselbst zu Ban- und Pflastersteinen verwendet. Er besteht ans Feldspat!) und Zeolith in feinstem Gemenge, so daß nur schwer die einzelnen Thcile mit bloßem Auge zu erkennen sind; dessen Einfluß auf die Bodenbeschaffenheit ist eine nur sehr geringe, da dies Gestein einestheils sehr schwer vcrwittcrbar ist, andcrnthcils aber nur an einzelnen steilen Abhängen zu Tage tritt, sonst mit hoher Lveö- schichte bedeckt ist. Der Phonvlit in Oberschafshauscn enthält nach Schill Kieselerde .... . . . 51,40 Thonerde .... . . . 16,03 Eiscnorydul ... . . . 6,06 Kalkerde .... . . . 5,91 Talkcrde .... . . . 2,26 Kali. . . . 3,33 Natron. . . . 6,48 Wasser. . . . 7,26 98,79. 4. Körniger Kalk. Zwischen Vogtsburg, Schelingcn und Obcrbergcn ist der Dolerit mit einem im Gefüge verschiedenartigen Kalkstein bedeckt; einen eigen- thümlichen Anblick gewährt die nur kümmerliche Gras- und Wald- Vegetation im Vergleich mit dem kräftig bewachsenen Doleritgebiete, derselbe ist ein sehr feinkörniger, und nur in geringem Maaße dem Verwittern ansgesetzt; von fremden Beimengungen erwähnen wir den Glimmer, der an einzelnen Stellen in sehr großer Menge in dem Kalkgestein enthalten ist. Neben den zu Tage stehenden Gebirgsarten des Kaiserstuhles müssen wir noch einer, in ziemlicher Mächtigkeit vorkommend, erwähnen, welche aus dem Inneren desselben bergmännisch gewonnen wird, 15 den Gyps bei Wasenweiler. Geht man diesen rcbbegrenzten Ort entlang, so bemerkt man in Mitten desselben gegen die Bergscite hin den Ausgang eines höchst unvollkommen betriebenen Bergwerkes; trotz schlechtem Balkenwerk und mangelhafter Vcrschahlung deS Einganges ladet uns diese Ocffnung dennoch ein, in's Innere deS Kaiser- stuhlcs z>l treten, um vielleicht Aufschluß über Manches zu erhalten. Ein für einen Menschen und Schubkarren beinahe unpassirbarer Gang (Stollen) führt uns ungefähr 50 Schritte weit horizontal in den Dvlcritberg ein, am Ende desselben wurde ein Schacht abgetenft, der wohl 60—80 Fnß tief sein mag, einestheils mit halsbrecherischen Leitern, andcrntheils mit Zug versehen. Vertrauen wir uns den morschen Sprossen und. kommen glücklich unten an, so sind wir von großen Höhlen und kunstgerechten Gängen überrascht, in welchen fleißig gearbeitet und gehämmert wird. Wir haben schon früher erwähnt, daß bei einer vulkanischen Entstehung des Kaiserstnhles die langen sich verlaufenden Gebirgsrücken, die alle von den höchsten Punkten des mittleren Kaiserstnhles ansgchen, als ausgcflossenes vulkanisches Produkt zu betrachten sei; wenn dem so sein sollte, müßten die Ausläufer des Gebirges, der Dolerit, auf anderem Gestein auflicgen. In dem Wasenweiler Bergwerke sehen wir in der Thal, den Dolerit über Gyps und Thon gelagert. Der zu Stollen und Schacht durchbrochene Dolerit ist mit sehr viel Mandelstein durchdrungen, der an der Lust leicht verwittert; in einer Tiefe von 60 Fuß steht man auf der Grenze zwischen Dolerit und Gyps, diese eine scharfe Linie bildend. Der Gyps steigt von Osten nach Westen, ohne zu Tage zu geheu, er bildet eiir Lager von verschiedener Mächtigkeit, gegen Westen nur 10 Fuß auf Thon auflicgend, hat mau i,m östlichen Thcile des Bergwerkes auf 50 Fuß Tiefe noch nicht das Ende erreicht. Der Gyps enthält sehr viel Thon, was ihm zur Anwendung als Dünger einen geringeren Werth gibt, allein der Thougchalt ist in den einzelnen Theilen des Bergwerkes ein sehr verschiedener, so daß wir die Ueberzcugung mitgenommen, daß man durch Analysen und richtige Nachgrabungen einen sehr guten Gyps im Stande ist aus der Wasenweiler Grube zu liefern. Der graue, thonige Gypsstein ist häufig mit Gypsspath und Marienglas durchwachsen. 16 Nachdem wir nun, so weit es für eine landwirthschaftliche Betrachtung nöthig, die Fclöart des Kaiserstuhles betrachtet und uns deren chemische Bcstandtheile zur Benrthcilung des Verwitterungs- Produktes vergegenwärtigt, wollen wir noch einen Blick auf jenen, den Dolcrit zum größten Thcil bedeckenden Loeö werfen; er bildet theils rein, theils in Mischung mit den Verwittcrungsprodukten des Dolerites die Ackererde des Kaiserstuhles. Der Loes ist bekanntlich nicht spccicll dem Kaiserstuhle eigen, sondern er bedeckt alle Hügel im Nheinthale bis zum Biugcr Loch in einer gewissen Höhe, so daß man annehmen darf, es habe, als in früheren Zeiten die ganze Nheinebenc bis nach Rüdesheim hin ein See gewesen, sich diese Kalksandablagerung auf allen von Wasser bedeckten Hügeln gebildet. Der Loes ist am Kaiserstuhle noch in einer Höhe von 1200 Fuß anzutreffen, so daß man zu der Annahme berechtigt wird, er sei durch vulkanische Kräfte dahin gehoben worden. Der LoeS des Kaiserstnhles bildet keine gleichartige Masse, es ist dessen Sandgchalt häufig größer oder geringer, so daß z. B. Gruben vom feinsten Sand in dem Loes aufgedeckt sind, wo derselbe in einzelnen Schichten mehr oder weniger rein auftritt (Weg vom Mühlenthal nach Jhringen über die Steine-Hohl) und zur Verwendung als solcher gegraben wird. In dem Loes, besonders an einzelnen Stellen, erscheinen die sogenannten LoeSkindchcn und zwar in sehr verschiedenen Formen, so bemerkten wir z. B. beim Rotten von Weinbergen eine Stelle, die beinahe ganz aus gleichmäßig großen, eiförmigen Loeö- kindchen bestand, an anderen Theilen, z. B. in der Wasenweiler Hohle, treten sie verschieden geformt in großer Menge auf, ja sie gehen daselbst in unregelmäßige, zusammenhängende Kalkablagcrnngen über, die den Loeö horizontal durchschneiden. Auch die Reste vergangenen Thicrlebens, die kleinen Schneckenhäuschen, verändern die chemische Eigenthümlichkeit des Loes, da wo sie in großer Menge Vorkommen, werden sie den Kalkgehalt vergrößern, auch dürfte dieser Umstand auf den Phosphorsäurcgehalt von Einfluß sein. Der Loes ist an vielen Stellen mit Schichten rothbraunen Lehmes durchzogen, die sich wellenförmig im Loes verlaufen, gewöhnlich 17 sind an den Grenzen zwischen diesem und dem Loes viele Loes- kindchen vorhanden. Der Lehm ist sehr zähe, thonreich, was ihn zu Ziegelwaaren, die dunkclroth brennen, geeignet macht; einzelne kleine Kalksteine (Loeskindchen), welche sich auch in dem Lehm befinden, müssen dabei sorgfältig ausgeschieden werden. Eine Analyse von Schill zeigt unS folgende Bcstandtheile des Loes in 100 Theilen: Kieselsäure (Sand).54,46 Kieselsäure (als Silicat vorhanden) . . 1,06 Kalkerde.17,53 Talkerdc .0,84 Thonerde und Eisenoxyd.6,88 Kohlensäure .13,50 Kali.0,19 Natron (an Chlor gebunden) .... 0,14 Chlor und Schwefelsäure.5,50 Wasser.5,07. Diese Analyse macht uns vor Allem auf den großen Sand- Zehalt des Loes aufmerksam, 54°ch, allein man erkennt denselben mit bloßem Auge kaum, da die einzelnen Körner so klein sind, daß sie zum größten Theile beim sorgfältigsten Abschlemmen mit übergerissen werden. Als Silicat oder Kieselsäure-Verbindungen ist nur sehr wenig Kieselsäure vorhanden, was auf einen Mangel an loeslicher Kieselsäure schließen läßt. Die große Menge kohlensaurcn Kalkes im Loes zeigt sich schon an den Quellen des Kaiserstnhles, welche meist so kalkhaltig sind, daß sie Holz- und Blattstücke in sehr kurzer Zeit incrustiren; ja die Sohle kleiner Bäche, sogar von Wasserfällen, ist von Kalk- absondernngen häufig erhärtet; das regelmäßig fließende Qncllwasser hat sich deßhalb zur Wässerung als nachtheilig bewiesen, indem der lösliche doppelt kohlensaure Kalk im Quellwasscr sich auf der Wiese, «in Atom Kohlensäure abgebend, als festen, einfach kohlensauren Kalk niedcrgcschlägt, die Poren der Erde und der Blätter der Pflanzen schließend. Bringt man ein wenig salpetcrsaures Silber in das Kaiser- stühler Quellwasscr, so bildet sich momentan ein dicker, weißer Niederschlag von Chlorsilber; Chlor wird ohne Zweifel vom Chlornatrium- 2 Gehalt deS Loesbodens stammen, welcher nach der gegebenen Analyse keineswegs unbeträchtlich ist. Wie wir früher besprochen, besteht der größte Theil der fruchtbaren Kaiserstühler Ackererde aus einer Mischung von verwittertem Dolerit mit Loesboden, ein solcher Boden zeichnet sich durch günstige physikalische und chemische Eigenschaften aus; wir wollen uns dessen Bestandtheile in Folgendem vergegenwärtigen. Dolerit. Lo cs. In 200 Thcilcn ist enthalten. Kieselerde (als Silicat) . . 48,21 1,06 49,27 Kieselerde (als Sand) — 54,46 54,46 Thonerde ...... . 10,15 ^ 6,88 30,65 Eisen in Manganoxydul . . 13,62 Kalkerde. . 14,62 17,53 32,15 Talkerde. . 7,43 0,84 8,27 Kali. . 3,66 0,19 3,85 Natron. . 1,02 0,14 1,16 Phosphorsäure .... . 0,71 — 0,71 Schwefelsäure .... . 0,19 ^ 5,50 5,69 Chlor. Kohlensäure. — 13,50 13,50 Wasser. — 5,07 5,07 Die Bestandtheile des Dolerit und Loes zusammengestellt enthalten alle Bedingungen, die wir an einen guten Kulturboden stellen können. In physikalischer Beziehung ist das Verhältnis; von Sand zu bindender Erde ein sehr günstiges; der vereinigte Loes- und Doleritbodcn enthält ferner Kieselsäure als Silicat, als Quelle der loeslichen Kieselsäure in großer Menge, ebenso ist Kalkerde genügend vorhanden; die geschätztesten Pflanzen-Nahrnngsbestandtheile aber wie Kali und Phosphorsäure, welche meist als Dünger aufgebracht werden, in solchen Quantitäten und loeslicher Form, wie sie nicht leicht ein anderer Boden aufzuweisen im Stande ist. Die Betrachtung der neben einander gestellten Analysen des Loes und Dolerites zeigen aber auch dentlichst die verschiedene Fruchtbarkeit beider Bodenarten und erklären die schwache Vegetation auf den Loeshügeln, das üppige Wachsthum des in den Thälern gemischten Dolerit-Locsbodens, allein schon durch die anorganischen Bodenbestandtheile. 19 Vegetationsverhältnisse. So interessant nnd abnorm sich die geognostischen Verhältnisse des Kaiserstuhles erweisen, ebenso sind sie es in Beziehung auf dessen Vegetation. Die Landwirthschaft wird, indem die verschiedensten Cul- turpflanzen aus's Vortrefflichste gedeihen, in so mannigfacher Weise betrieben, daß man sich, bei einer Wanderung durch die Reb- und Obstgärten des Kaiserstuhles, nach den üppigsten Strichen der Lombardei versetzt glaubt. Der Botaniker findet eine reiche Ausbeute seltener Pflanzen, welche theilö ihr Gedeihen dem Dolerit, theils aber und vorzüglich der warmen sonnigen Lage verdanken. Alles deutet auf besonders günstige klimatische Verhältnisse hin. Die Rebe wird in großer Ausdehnung kultivirt und wenn auch der Kaiserstühler Wein im Allgemeinen zu dem schlechteren gerechnet wird, so sindet dies eincstheils seine Begründung darin, daß, indem die Lagenverhältnisse des Kaiserstuhles sehr verschieden, auch sehr viele schlechte Lagen zu Reben benutzt sind; anderntheils aber und vorzüglich in dem Umstande, daß die guten Weine zur Zeit nicht unter dem Namen „Kaiserstühler", sondern unter bekannten wohlklingenden Etiketten in Handel kommen; die schlechten Weine des ganzen Oberlandes aber Kaiserstühler genannt werden. Die besten Weine von Jhringen, Wasenweiler und Achkarren können füglich den vorzüglichsten Rheinganer Weinen zur Seite gestellt werden. Die Güte des Weines charakterisirt nicht allein günstige klimatische Verhältnisse, auch die Vegetationskraft des Rebstockes, die Höhe alter Spalicrreben beweisen, daß sich dieselben heimisch fühlen nnd es ihnen sowohl an Wärme als auch an der nöthigen Feuchtigkeit nicht gebricht. Die kräftige Rebe-Vegetation des Kaiserstuhles ist bekannt, in Folge dies die hohen Pfähle, die große Ausbeute an Wein. Auch ohne Pflege vermag der Rebstock am Kaiserstnhl Früchte zu bringen, an vielen Rainen trifft man, zwischen Hecken verwildert, nicht unter Schnitt gehaltene Reben, deren Früchte zwar klein, aber genießbar sind; ja wir finden den Wcinstock in Wäldern wild oder verwildert in einer Höhe von 1000 Fuß über dem Meere; zwei Zoll dicke Rcb- stämme winden sich oft in Mitten des dichtesten Waldes an hohen Eichbäumen empor, rcichtragend, genießbare Früchte bringend. 2 * 20 Wildwachsende Reben der Niederwaldnngen des Rheines sind bekannt; allein in einer Höhe von 1000 Fnß dürfte wohl sicher in gleicher geographischer Breite nicht ein zweiter Ort mit ähnlicher Vegetation wilder Reben anzutrcffen sein, es scheinen dieselben von dem Klanen Burgunder und dem blauen Klacpfer abzustammen; weiße Sorten haben wir niemals zu sehen Gelegenheit gehabt. Der Nußbanm, ein Bild süddeutscher Vegetationsverhältnissc, gedeiht am Kaiscrstuhl in einer außerordentlichen Ucppigkcit und zwar ist hier das Erfrieren derselben, wie z. B. in der Pfalz, eine sehr große Seltenheit;*) die Tragbarkeit dieses Baumes ist eine beträchtliche und sehr beständige, die Verbreitung dcßhalb ungemein groß. Alljährlich werden Nußbäume in großer Anzahl frisch gepflanzt, die jungen Bäume sucht man sich meist im Walde, wo sie unter anderem Holze aufwachsen und oft in einer beträchtlichen Stärke anzntresfen sind. Wir hatten selbst das seltene Vergnügen, in einem Buchcnwalde des Hofes Lilienthal im Spätjahre 1858 von einem kräftigen Nußbanm-StockauSschlagc die Taschen mit den schönsten Nüssen füllen zu können. Solch' verwilderte Nußbäume fanden wir auf der Südseite des Kaiserstuhles bis zu einer Höhe von 1500 Fuß über dem Meeresspiegel. Der Mais gedeiht in allen Theilen des Kaiserstuhles vortrefflich, ja wir können wohl sagen bestens im ganzen Rheinthalc, denn nirgends wird derselbe in so großer Ausdehnung cnltivirt, auf keinem Markte kauft man billigeren Mais wie in Endingeu. Die Moorhirse, LorAkum vulgare und saelmratum gedeiht gut und liefert alljährlich reife Samen. Der Mandel- und Pfirsich bäum wird in den Weinbergen Jhringens und von Wasenweiler häufig angetroffen, die Feige bedarf im Winter keines deckenden Schutzes. Die Vegetation der Waldungen des Kaiscrstuhlcs ist eine außerordentlich üppige, besonders da, wo Dolerit den Boden beeinflußt; als charakteristisch für die warmen Gelände dieses Gebirges erwähnen wir der Wemuthskiefer (kinus Ltrotum), welche wohl in früheren In der Pfalz erfroren die Nußl'äuinc 1827 bei 21° Kälte, am Kaiserstuhl bei 15" Kälte nicht. 21 Zeiten am südlichen Abhange des Kaiscrstuhlcs versuchsweise ange- pflanzt worden sein mag; die sich aber, heimisch fühlend, durch Samenausfall vermehrt nnd sich verwildert hat. Akazienpflanzungen werden bis zur Höhe von 1600 Fuß bei üppigster Vegetation angetroffen. Neben den gewöhnlichen Wald- ^ bänmcn erwähnen wir noch des Mehlbecrbanmes (Lorbus ^ris Lrantv) und der Elzbeere (IZrus torminali« 1. ), welche beide Holzgattnngen schöne kräftige Stämme liefern nnd alljährlich durch reichen Blüthen- flor nnd Früchteansatz sich anszeichnen. Werfen wir einen kurzen Blick auf die niedere botanische Jagd, so begegnet uns nicht allein eine sehr reiche Flora, sondern auch viele südliche Pflanzen, welche hier ihren nördlichsten Standpunkt gesunden. Die reiche Flora mag theils im milden Clima, thcils aber auch in den verschiedenen Bodenarten, Dolerit- und Kalkboden, ihren Grund finden, theils auch in dem mannichfachen Unterschiede der Lagen nach Trockenheit, Feuchte, Schatten, Sonne rc. Doch vor Allem fällt uns der üppige kräftige Stand einer jeden wild wachsenden Pflanze auf, und niemals haben wir z. B. schönere Exemplare der > verschiedenen Orchideen angetroffen wie hier; eine orelns militari« und Insoa vom Kaiserstuhle könnten wir zu den schönsten Gartenpflanzen rechnen, Opkr^s numoil'srs, und aravknites , ebenso das Uimoüorum abortivuin steigern die Bewunderung; doch die Königin der Orchideen finden wir in dem Frauenschuh (Pfaffenköpfchen) e^priäsitium Oaloeo- lu«, deren große, sackigc, gelbe Lippe von vier langen rothbraunen Perigonblättern eingcschlossen, an jene erotischen Orchideen erinnert, welche wir nur in den feineren Treibhäusern zu finden gewohnt sind. Wir erwähnen ferner einer sehr seltenen, am Kaiserstuhle in großer Masse vorkommenden Diestelart, der Kugcldicstcl oolünop« 8pl>aerooopl>al»8, die auch dem Lasten, vorzüglich aber dem Blumenfreunde anffallen dürfte; sie wäre ebenfalls geeignet, eine Zierde des » feinsten Blumengartens zu werden. Professor Jttncr empfiehlt dieselbe schon 1809 wegen des reichen Blüthenstandes als vortreffliches Bienenfuttcr, und dennoch strebt der Landmann nach deren Vertilgung, da sie im Ackerfelde zum schädlichen Unkrante wird. Die cultivirten und wild wachsenden Pflanzen deuten somit auf . einen südlicheren Charakter des Kaiserstuhles hin, als wir nach der geographischen Breite — Lage desselben, zwischen 48° und 49", be- rechtigt sind, zu schließen; ja die Höhe desselben 500 bis 1700 Fuß über dem Meeresspiegel berechtigt uns in benannter Breite noch weniger jene nachgewiescncn günstigen Vegetations-Verhältnisse vorauszusetzen. In den verschiedenen Schriften, welche wir über den Kaiserstuhl besitzen, wurde stets ans diese Eigenthümlichkeit hingewicscn und sogar die erhöhte Bodenwärme des vulkanischen Dolerites, von dem Inneren der Erde hcrrührend, abgeleitet; indem wir glauben, daß die Gründe der südlichen Vegetations-Verhältnisse weit näher liegen, wollen wir in Folgendem ein Bild dieser Verhältnisse nach unseren Erfahrungen folgen lassen. Wir haben stets die Beobachtung gemacht, daß die Vegetation in Mitten einer Ebene, sobald sie in, gegen Norden geschütztem, Gelände sich befindet, früher erwacht als in den besten südlichsten Gebirgslagen ; die Gemüse- und Lustgärten der Städte Basel, Karlsruhe, Mannheim stehen stets früher im Blüthenschmuck, geben früher Frühgemüse, wie solche in gleicher Breitenlage an den Gebirgen. Den Grund dieser Thatsache finden wir in dein Umstande, daß die rauhen Gebirgswinde sich bis zur Mitte der Ebene hin erwärmen, den Einstuß der Sonne nicht, wie oft bei den bestgelegenen Gebirgsvrten der Fall ist, mindern. Es gibt z. B. Eisenlohr die mittlere Jahrestemperatur von Freibnrg auf -j- 7,30" an, diejenige aber von Straßburg auf -st 9,10"; wenn wir auch keine genauen Thermometer- Beobachtungen vom Kaiserstuhle besitzen, so dürfen wir dennoch darnach voraussetzen, daß die mittlere Jahrestemperatur der Ebene bei dem Kaiserstuhle sich mehr derjenigen von Straßburg als von Freibnrg nähern wird. Bedenken wir, daß zu diesen hohen Thcrmometergraden der Ebene, aus der sich der Kaiserstnhl erhebt, der vollständige Schutz gegen Norden oder in den THAern desselben, gegen jeden noch rauhen Wind zu berechnen ist, so werden wir berechtigt, einzelne vorzügliche Stellen des Kaiserstuhles vorauszusetzen; kommen aber diesen günstigen Verhältnissen noch ferner die schwarzen Doleritsteine bei südlichen, geschützten Lagen zur Hülfe, welche eine so große Menge von Wärme aufzunehmen im Stande sind, daß man bei anhaltendem Sonnenschein nicht die Hand längere Zeit auf denselben liegen lassen könnte, so erklären sich zur Genüge jene auf eine südliche Vegetation schließenden Erscheinungen. Wenn Eisenlohr eine vulkanische Wärme des Dolerites annimmt, so können 23 wir solche Ansicht nicht theilen; allein wir sind der festen Überzeugung, daß sich in demselben während des Sommers eine solche Summe von Wärme, durch Einwirkung der Sonnenstrahlen hervor- geruse», ansammelt, daß eine allmähliche Ausstrahlung derselben während des Winters nicht unmöglich ist; wir haben wenigstens stets die ? Beobachtung gemacht, daß der Schnee in der ersten Hälfte des Winters nicht lange liegen bleibt, wohl aber in der zweiten. Nicht alle Theile dieses kleinen Gebirges können gleiche clima- tische, gleiche Vegetations-Verhältnisse zeigen, wir haben in einem Umkreise von 8 —10 Stunden den verschiedenen Charakter der Neigung eines Gebirges nach Süden, Osten, Norden und Westen; wir finden hier die Verhältnisse ans einem kleinen Raume znsammen- gedrängt, welche wir bei großen Gebirgen nur in weiten Entfernungen suchen können. Der südliche Theil des Kaiserstuhles wird unbestritten der wärmste sein, hier fallen die Sonnenstrahlen stets wirksam auf alles Gelände, die sich nach Süden öffnenden Thäler haben Schutz von West, Ost und Norden, so daß keine günstigere Lage denkbar ist. Der östliche Theil des Kaiserstuhles wird von der Morgensonne beeinflußt, die Mittagssonne wirkt nur auf einzelne Abhänge; der rauhe Schwarzwaldwind aber beeinträchtigt die Wirkung der Sonne wesentlich und gibt diesem Theile einen zwar fruchtbaren, feuchten und warmen, aber weniger südlichen Charakter. Die Jhringer Weine der Südseite des Kaiserstuhlcs contrastiren in hohem Grade mit den drei Männer- und Strumpfweinen von Eichstetten und Bahlingen. Die Nordscitc ist in Beziehung auf Einwirkung der Sonne sicherlich die wenigst begünstigte Lage, allein wir treffen trotz der Exposition der Nordwinde dennoch sehr fruchtbare Gemarkungen, die sich jedoch vorzüglich in die anstoßende Ebene ausdehnen. Die westliche Seite des Kaiserstuhles, von den Vogesen schon weit entfernt, erfreut sich wieder einer milderen Lage, die noch vortrefflicher wäre, wenn sie nicht den ^ ungünstigen Einflüssen des Rheines ausgesetzt sein würde. Die dortigen Reblagen zählen jedoch mit zu den besten des Kaiserstnhles, da sie einestheils auf der Südseite der zahlreich sich nach Westen erstreckenden Thälchen gelegen sind, anderentheils aber dort der Do- lerit in größter Ausdehnung in geneigten Lagen zu Tage steht. Wir beobachten somit am Kaiserstuhle im Allgemeinen je nach der Abflachung nach einer der vier Himmelsgegenden einen anderen Vcgetationscharakter; cS ist derselbe wieder innerhalb dieser Abtheilungen theils nach der specicllen Lage, ob an südlichem oder nördlichem Abhange gelegen, theils nach dem Boden, ob schwarzer Dolerit oder weißer Loesboden, und endlich nach der Höhenlage, ob 6,8, 10 oder 15 und mehr hundert Fuß vom Meeresspiegel entfernt gelegen. Oft streiten diese verschiedenen Verhältnisse in einer Weise mit einander, daß ihre Erscheinungen Manchen irre zu führen im Stande sind. So ist z. B. nicht selten eine frühere Vegetation in einer Höhe von 1500 Fuß zu erblicken, als in einer solchen von nur 800 oder 600 Fuß, erstere ist durch Dolerit, letztere von Loesboden beeinflußt; auf solche Weise finden wir auf dem Kaiserstuhle eine Verschiedenheit der Vegetations-Verhältnisse, wie wir sie sonst nur selten anzntrcffcn pflegen; wollen wir uns über irgend einen Theil desselben Rechenschaft geben, so müssen wir stets folgende Fragen beantworten: 1) Wie hoch ist das Gelände über dem Meeresspiegel gelegen? 2) Befindet sich dasselbe in der südlichen, östlichen, nördlichen oder westlichen Abdachung des Kaiscrstnhles? 3) Hat das Gelände eine günstige specielle Lage? 4) Besteht der Boden ans Loes oder Dolerit? Können diese Fragen alle günstig beantwortet werden, so haben wir jene Lagen des Kaiserstnhlcs bezeichnet, welche sich durch vortrefflichen Wein, durch frühe Kirschen und Trauben, durch seltene wildwachsende Pflanzen auszeichnen; cs wäre ein großer Jrrthnm zu glauben, die für den Kaiserstuhl viel gepriesenen günstigen climati- schcn Verhältnisse wären allerwärts dorten anzutreffen; nur der kleinste Theil ist bevorzugt; der allergrößte Theil aber ist zwar fruchtbar, liefert aber keine, von dem ganzen Breisgau verschiedenen climatischen Resultate. Geschichtliches. So wenig Anhaltspunkte die geschichtlichen Aufzeichnungen über den Kaiserstuhl bieten, so überzeugt uns doch schon ein beobachtender Spaziergang über denselben, daß die Bevölkerung, der Cnlturboden 25 schon vielen Wechselfällen unterworfen war. Die eigenthümlichen Verhältnisse des Loesboden gestatten es, sehr steile Raine, gleich Mauer», mit geringen Kosten aufzusetzen, so daß durch dieselben ein für Ackerfeld zu steiles Terrain, leicht durch Raine und Bildung von Terrassen zn pflügbarem Gelände umgewandelt werden kann. Alle jene Loeshügel, welche jetzt in Neb- oder Feldcultur stehen, sind ans diese Weise behandelt und geben dem ganzen in Cultnr stehenden Kaiserstuhle einen eigenthümlichen Charakter. Verlassen wir jedoch die jetzigen Reben und Ackerfelder und wenden unsere Schritte den meist höher gelegenen Wäldern zn, so finden wir auch in diesen die gleichen Raine und Terrassen, die wohl niemals zur Anlage von Wald ansgcführt worden, sondern in früheren Zeiten ebenfalls Ackerfeld gewesen sein müssen; durch Entvölkerung des Kaiserstuhles aber nicht mehr unter dem Pfluge gehalten, zu Wald sich bestockt haben. Die Herstellung der Raine erstreckt sich ohne Ausnahme über das ganze Loesgebiet, und zwar ist dies, wie schon früher gesagt, weit der größte Theil desselben; in dem Doleritgesteine konnten keine Raine, keine Umgestaltung der natürlichen Lage des Terrains mit geringer Arbeit bewerkstelliget werden. Alle Waldungen auf Loesboden, jetzt mit Rainen versehen, sind in früheren Zeiten als Ackerfeld verwendet worden, wann dies geschehen, wann die Kaiserstühlcr Bevölkerung sich in der Weise vermindert, daß ein großer Theil des Ackerfeldes unbebaut zu Wald liegen bleiben mußte, kann nicht mit Bestimmtheit angegeben werden, auch dürfte dieser Cultnrwechsel nicht ans einmal, sondern kann in verschiedenen Jahrhunderten, für den Ackerbau günstigen oder ungünstigen Verhältnissen cingetrcten sein. Der ganze Hof Lilienthal besteht, als Jhringer Gemeindewald, aus solchem in früheren Zeiten verlassenen Ackerfelde, ans Terrassen, die mit Wald bewachsen waren. Eines Umstandes, welcher unö berechtigt, wenigstens eine Vermuthnng zur Entstehung der Raine im oberen Theile des Kaiserstnhles ansznsprechcn, möchten wir hier noch in Erwähnung bringen. Die Anlage der Raine des jetzt cnlti- virten Kaiserstnhles ist, wie man auf den ersten Blick erkennt, Sache der einzelnen Parzellenbesitzcr; sie sind meist nicht in einem Plane gemacht, sondern beinahe in jeder kleinen Parzelle ist die Höhenlage derselben verschieden. Anders ist es auf dem oberen Kaiserstnhlc, hier ist ein System Ungehalten, ein Rain zieht sich z. B. in gleicher 26 Höhe über fünf, sechs Hügel und Buchten, von Parzellen kann bei Herstellung dieser keine Rede gewesen sein, eine Hand waltete bei deren Anlagen, welche in großartigen Maßstaben das Terrassensystcm unbehindert im Terrain in Ausführung brachte. Wir mußten oft bei Betrachtung dieser kolossalen einheitlichen Arbeiten früherer Zeiten au ein Römerhccr denken, das sich hier, von den Sümpfen des Rheinthaies abwendend, Ackerfeld geschaffen haben mochte, um die Bedürfnisse der Römerfeste Lrisiaoum, die schon vor Christi Geburt gebaut worden sein soll, zu beschaffen. Bei Roten, Stocken oder sonstigen Erdarbciten hatten wir gehofft, auf dem Hofe Lilienthal irgend auf frühere Zeiten Bezügliches zu finden, allein vergebens, nur einiges Wenige, das uns keinen sicheren Aufschluß geben kann, wurde aufgebracht; so z. B. wurden viele Hunderte von alte» Rebmessern gefunden, deren Form theils denjenigen der jetzt von der Bevölkerung im Gebrauche befindenden sehr ähnlich ist, theils aber auch solche, welche in der Art abweichen, daß die Spitze des gewöhnlichen gebogenen Rebmessers gleichsam schief nach der Schneide hin abgeschnitten erscheint; letztere Formen sind jedenfalls ältere Messer gewesen, welche so verrostet waren, daß sie nur noch Rudimenten glichen, erstcre aber konnten theilweisc noch von den Arbeitern wieder in Gebrauch genommen werden. Die gefundenen Rebmesser mit abgeschrägter Spitze können in frühesten Zeiten im Gebrauche gewesen sein; allein jetzt finden sich noch die gleichen im Elsassc vor, so daß nach dieser verschiedenen Reb- messerform kein sicherer Schluß gezogen werden kann. Die große Anzahl der gefundenen Messer spricht für einen in früheren Zeiten sehr ausgedehnten Rebbau auf dem Hofe, was auch die vielen verwilderten Neben bestätigen, bei denen man an einzelnen Stellen noch dcutlichst die reihenweise Pflanzung derselben zu erkennen im Stande war; ja sogar, es scheint unglaublich, fanden wir Rudimente von Rcbpfähleu neben hundertjährigen Eichen vor, die sich durch ihren Kien-Gehalt erhalten hatten und es scheint somit die Sage in Jhrin- gen, daß der Jhriuger Wald in früheren Zeiten ein Rebberg gewesen, wobei 500 Ncbknechte gehalten worden seien, theilweisc ihre Richtigkeit zu haben, wenn diese Sage nicht erst dann entstanden ist, als wir mit Anlage von Neben begannen, was wir dahingestellt sein lassen wollen. 27 Neben den Rebmessern fanden wir noch, als von einigem Interesse, viele hundert Hufeisen vor, und zwar zum kleinen Thcile solche, welche, noch wenig orydirt, die Formen der jetzt üblichen Eisen zeigten, zum größten Theile waren cs solche, deren Nagelköpfe nicht in einzelnen Vertiefungen ruhen, wie es jetzt hier überall üblich ist, sondern in Rinnen, die auf beiden Hälften des Eisens eingedrückt erscheinen und nur mit sieben Nägeln, je drei und vier befestigt waren. Auch die Größe dieser älteren Hufeisen mußte auffallen, sie hatten alle nur eine Länge von 3 Zoll 5—8 Linien und eine Breite von 3 Zoll bis 3 Zoll 3 Linien, so daß entweder angenommen werden muß, es seien hier nur sehr kleine feinhufige Pferde im Gebrauche gewesen, oder aber vielleicht die Feldgeschäfte mit Manlthieren ausgeführt worden. Jedenfalls sind diese Eisen nicht den ältesten, welche man überhaupt schon gefunden hat, ähnlich, solche zeichnen sich durch besonders breite Seitenthcilc, mehr einer vollständigen Sohle gleichend, aus. Da das älteste Hufeisen bis jetzt in dem Grabe des Frankenkönigs Childerich I., 481 nach Christi Geburt, gefunden worden ist, und die Deutschen zuerst das Beschlagen der Pferde in Ausführung brachten, auch die Römer Breisach und ihre Umgebung zwischen 400 und 500 Jahre nach Christi Geburt verließen, so ist die Ansicht, als seien die gefundenen Hufeisen römischen Ursprunges, sehr unwahrscheinlich, sie gehören einer späteren Zeitpcriode an und können entweder beim Pflügen oder Holzfahren verloren gegangen sein. Nächst diesen Altcrthümcrn fanden wir noch einige Schwerter oder verrostete Jagdmesser, Lanzcnspitzcn re., deren Alter wohl nicht sehr groß sein dürfte, und noch Verschiedenes, was für die Geschichte des Kaiscrstuhles von keinem Werthe sein kann. Einen größeren Werth legen wir auf das Alter der sich auf den Terrassen befindlichen Bäume und besonders der auf denselben angesammclten Humusschichte. Die ältesten Eichbäume, welche wir auf den Loes- terrassen des Hofes zu fällen hatten, zeigten nach den Jahresringen ein Alter von circa 150 Jahren und diese scheinen, oft noch erkennbar, sich aus Wurzclausschlägcn gebildet zu haben, so daß man annchmcn könnte, diese Eichen seien wenigstens die zweite Generation gewesen; nach Nachrichten von alten glaubwürdigen Männern soll vor 50—60 Jahren der Jhringcr Gemeindcwald einer der schönsten der Umgegend 28 gewesen sein, und jeder sich bis in diese Zeit erinnernde Einwohner kann die Ueppigkeit desselben, die Größe der Bäume, besonders Eichen, nicht glänzend genug schildern; Alle sind darüber einig, daß in früheren Zeiten ans dem Platze, wo sich jetzt der Hof befindet, es niemals Tag geworden, so alte und hohe Bäume seien da gestanden. Diesen Thatsachcn nach zu urtheilen, glauben wir wenigstens behaupten zu können, daß schon nach dem Alter der gefällten Bäume zu urtheilen, jene Loestcrrassen über 300 Jahre schon nicht mehr zu Ackerseld verwendet waren; ja, wenn wir eine geschichtliche Notiz zu Nathe ziehen, nach welcher die Wildbähne des Kaiserstuhles im 11. Jahnndert an die Usenbcrger übergcgangen sind, so glauben wir fast mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß unter diesen Wildbähne» nicht die wenigen Doleritwaldnngen verstanden, sondern die Waldungen der Loestcrrassen des oberen Kaiserstuhles mit inbegriffen waren, welche sich heute noch eines vortrefflichen Wildstandes erfreuen. Ein weiterer Umstand, der zwar nicht auf eine gewisse Zeit, so doch auf eine große Reihe von Jahren des Waldbcstandes schließen läßt, sind die Kienwurzeln, welche in großer Masse, besonders ans den sonnigen Föhrenhügcln, angctroffen werden, cs sind dies Wurzel- Rntimente von, in alten Zeiten, abgehanencn Föhren, die sich jetzt, als unverwitterbares Harz gleich dem Bernstein, in dem Boden, als unser bekanntes Kienholz, vorfinden; ja, es gibt Leute am Kaiserstuhle, welche sich besonders damit ernähren, Kienholz zu suchen und anszugraben. Ans allen jenen waldbcdeckten Loestcrrassen des oberen Kaiscr- stuhles befindet sich im Durchschnitt eine Humusschichte, von 1 bis IVz Fuß Tiefe, wie viel Zeit ist wohl nöthig gewesen, um eine solche Masse humoser Substanzen sich an'ammeln zu lassen? Mit Bestimmtheit läßt sich diese Frage nicht beantworten, allein unserer Ansicht nach dürfte die Zeitperiode von heute bis zum Schlüsse jenes ganze Ortschaften und Ländcrstriche zerstörenden dreißigjährigen Krieges zur Bildung des vorhandenen Humus nicht hiugereicht haben. Wenn wir z. B. solche Jhringer Felder betrachten, welche als weitest gelegen, selten gedüngt wurden, jetzt au die frisch ausgestockten Felder des Hofes augrenzen, so zeigt sich ein überraschender Unterschied im Humusgehalt; während jene die weiß-gelbliche Farbe des Loes zeigen, sind diese auf Ichz Fuß tief dunkelbraun-schwarz gefärbt; oft sind solche magere 29 humuslose Außeufeldcr der umliegenden Gemeinden mit 20- bis 30jährigem Föhrenwalde bestanden; in diesen 20—30 Jahren aber hat sich beinahe noch kein Humus angesammelt, solcher weiße Boden sagt uns aber, daß zur Ansammlung von nur wenig Humus schon jahr- hundertlange Wald-Vegetation nothwendig ist. Wenn wir die langsame Bildung des Humus mit den massenhaften Humuslagern der oberen LoeSterrassen vergleichen, so glauben wir eine Zeitperiode von 1000 Jahren annehmeu zu müssen, in welcher besagte Stellen schon mit Wald bestanden, der Humusbildung ausgesctzt waren. Nach diesen geschichtlichen Andeutungen und Vcrmuthungen nach jetzt Bestehendem, wollen wir noch einen kurzen Ueberblick über die verschiedenen Besitzstände geben, wie sie Professor Wucherer im zweiten Baude der Lleutlleria 1819 für den Kaiserstuhl zusammeustellte; so mangelhaft dieselben auch erscheinen mögen, so überzeugen sie uns doch davon, daß der Kaiscrstuhl, so geeignet für eine einheitliche Herrschaft, niemals eine solche gebildet, sondern dessen einzelne, vorzüglich am Rande desselben gelegenen Ortschaften meist zu dieser oder jener außerhalb gelegenen Herrschaft gezählt wurden. Größtenteils mochte der Kaiserstuhl sein Schicksal mit dem vielgeprüften benachbarten Breisach getheilt haben, zu dessen vielen Belagerungen und Hecresaufstellungen der Kaiserstuhl, besonders in ganz frühen Zeiten, des noch sumpfigen NhcinthalcS halber, sich als trockenes Land besonders gut eignete. Die ersten geschichtlichen Nachrichten über unser deutsches Vaterland verdanken wir den Römern, welche schon vor Christi Geburt bis an den Rhein vordrangeu und das Rhcinthal, dem Urvolk, den Kelten, entreißend, in Besitz nahmen. In diesem Besitze stets durch Einfälle der Deutschen gcängstigt, bildeten sie jene Befestigungen und Militär- kolonien längs des Rheines, von denen noch eine Menge Spuren übrig sind. Sie benutzten die heilenden Quellen (Baden, Baden- Weiler rc.) und legten Städte an, deren Namen sich bis auf die heutige Zeit noch erhalten haben, viele Straßen, höchst wahrscheinlich zu militärischen Zwecken angelegt, werden heute noch als Römerstraßen benannt. Im 5. Jahrhundert endete die Römerherrschaft am Ober- und Niederrheine, von den Alemannen und Franken verdrängt, die römischen Werke wurden zerstört; beide Stämme aber 30 bekämpften sich, wobei die Franken 496 bei Zülpich siegten, sich gegen Deutschland erweiterten und den Grundestein zum deutschen Staaten- vcrhältniß, zur deutschen Entwickelung legten. Vor-römische, keltische Denkmale sind unseres Wissens am Kaiserstuhle nicht aufgefundeu worden, wohl aber mögen die Römer den Kaiserstuhl genau gekannt, und dessen günstige Cultur - Eigenschaften zu ihrem Vortheile benützt haben. Breisach war schon vor Christi Geburt ein befestigter Platz, welchen der römische Feldherr Drusus angelegt haben soll. In den Antoninischen Reisetafeln wird Breisach noch auf dem linken Rheinnfer im Scguanerland bezeichnet; Valentinian der Aeltere gab 369 daselbst Gesetze. Römische Denkmale sind in Breisach keine übrig geblieben, was den vielfachen Verwüstungen, Belagerungen und Kämpfen aller Art wohl znzuschrcibcn ist; allein die Nömerstraße längs des Rheines ans französischer Seite, römische Namen von Ortschaften am Kaiserstnhle und Umgegend, deuten sicher ans jene Herrschaft hin. Vor Allen Breisach (Lrisisoum), von dem das Breisgau den Namen führt, sodann Böhingen (Vallioliova) Endingen (UoclloinAoo), Riegel (UsiAula) re. Von der fränkischen Herrschaft an (496) war der Besitzstand der einzelnen Kaiscrstühler Orte sehr verschieden, bald siel das eine Ort diesem, das andere jenem Herrn zu, im Allgemeinen richtete sich dieser Wechsel wenig nach den mannichfachen Vorkommnissen in Breisach. Von 496 bis zum 41. und 12. Jahrhundert sind nur einzelne Schenkungen und Vererbungen Kaiscrstühler Orte bekannt; so wird Bötzin- gen von einem gewissen Ebbo, 670, an das Kloster St. Gallen vergabt. Bischof Heddo von Straßburg schenkte 763 an daS Stift Etten- heim die Orte Bahlingen, Rothweil, Riegel, Endingen, Bnrkheim; König Ludwig der Deutsche gab, 863, seiner Sohnesfran als Leib- geding Endingcn, Bergen und Bahlingen; 937 verschworen sich gegen König Otto I. mehrere der mächtigsten Vasallen, Pfalzgraf Eberhard wurde dabei in seiner Stadt Breisach von Otto belagert und erobert, wobei crsterer sein Leben einbüßte. Im 11. und 12. Jahrhundert traten als mächtige Besitzer im Breisgan die Herzoge von Zähringen auf. Die Feste Limburg, jetzt Ruine, war ihr Eigenthum und oft ihr Aufenthalt, Breisach erkannte ihre Hoheit und war oft ihre Residenz und Münzstätte; die Kaiser- 31 stühler Orte Bötzingen, Eichstettcn, Oberschaffhausen, Rothweil, Eldingen waren ebenfalls zähringisch und höchst wahrscheinlich noch mehrere. Mit Herzog Berthold V. starb dieses Hans, 1218, aus und deren Besitzungen gericthen in verschiedene Hände, die hervorragendsten Häuser waren: 1) Die Grafen vonHabSbnrg; Rudolf von Habsbnrg, der Gründer eines mächtigen Kaiserhauses, wurde 1218 auf der Limburg geboren. 2) Die Grafen v. Urach (v. Freiburg) erhielten Bötzingen, Eichstetten, Oberschaffhanscn; es erhielt sich diese Herrschaft jedoch nicht lange und die Ortschaften kamen zur Hälfte an Oesterreich, zur Hälfte an die Markgrafen von Hochberg. 3) DaS Bisthnm Basel hatte noch in den Zähringer Zeiten Breisach erworben, es kam jedoch nach verschiedenen Wechsclfällen an das Hans Oesterreich (1331). 4) Die Herren von Usenberg hatten die größten Besitzungen in und außerhalb des Kaiserstuhlcs. Ihr Stammsitz lag ans einem Hügel bei Breisach; von den Orten des Kaiserstuhlcs erwarben sie Jhringen, Bischoffingen, Wasenweiler (1297 an den deutschen Orden verkauft), Endingen als österreichisches Lehen, Riegel, Amoltern, Bahlingen, Eichstetten und Leiselheim und die Wildbähnc des Kaiserstuhlcs. Der letzte Herr von Usenberg starb 1379 und die Besitzungen gingen an Verschiedene über. Dieser Vier-Herrschaft am Kaiserstuhl folgte eine Zwei-Herrschaft es gingen die Kaiserstühler Besitzungen in den Jahren 1300 und 1400 an die Häuser Baden und Oesterreich über; an Baden fiel Achkarren, Bahlingen, Bischofsingcn, Jhringen, an Oesterreich dagegen Amoltern, Endingcn (war 1415 reichsnnmittelbar). Die Regenten von Oesterreich erwarben sodann noch die Herrschaft Bnrkheim, Rothweil, Jechtingen, Obcrbcrgen, Vogtsbnrg. Breisach war vielen Wechselfällen unterworfen; Herzog Sigmund Verpfändete diese Stadt mit dem ganzen Breisgan an Herzog Karl von Burgund, dessen Statthalter, Peter Hagenbach, erlaubte sich solche Gewaltthätigkeiten, daß die Untcrthanen ihrem vorigen Herrn, 32 Sigmund, das Pfandgcld- zusammcnlegtcn und den Statthalter hinrichteten (1474). Der dreißigjährige Krieg brachte große Verheerungen in Breisach und der Umgegend mit sich, so daß sich die verödete Gegend aus der Fremde, besonders der Schweiz, wieder bevölkern mußte. Der westphälische Friede (1648) brachte Breisach an Frankreich, der Riswicker (1697) an Oesterreich, im spanischen Snccessions- krieg (1703) wieder an Frankreich, der Rastatter Friede (1714) gab Breisach an Oesterreich; 1793 legte französischer Mnthwillen Breisach mit Ausnahme der Kirche durch ein anhaltendes Bombardement in Schutt. Durch den Preßburger Frieden (1805) ging daS ganze Breisgau mit jenen noch österreichischen Besitzungen am Kaiserstuhle nach noch verschiedenen Wechselfällen kleinerer Herrschaften an Baden über, von dieser Zeit an konnte der Kaiscrstuhl erst gleichmäßig nach seinen Bedürfnissen zum Besten des Landes und seiner Bevölkerung regiert werden. Statistisches. Der Kaiserstuhl umfaßt eine Fläche von nahezu zwei Quadratmeilen, die Gemarkungen der am Fuße gelegenen Ortschaften erstrecken sich sämmtlich vorzugsweise in das Gebirge; ein großer Theil jedoch auch in die dasselbe umgebende Ebene, so daß, wenn von den Bevölkerungsverhältnissen re. des Kaiserstuhles die Rede ist, wir mindestens eine halbe Quadratmcile noch weiter für ebenes Land berechnen müssen, so daß sich also nachstehende Notizen auf eine Fläche von circa 2Vg Quadratmeilen beziehen. Wir zählen 23 Ortschaften mit 4011 Häusern, 5098 Familien und 23478 Einwohnern beiderlei Geschlechtes. Es vertheilen sich diese Zahlen auf die einzelnen Orte wie in folgender Zusammenstellung ersichtlich ist. 33 Ortschaften Häuser Familien Personen (>S55) 1 Endingcn . . . 529 601 2778 2 Eichstetten . . . 360 560 2574 3 Jhringen . . . 254 480 2387 4 Bahlingen. . . 338 465 2108 5 6 Obcrschaffhansen. Bötzingen . . . 235 141 397 1894 7 Riegel .... 309 347 1504 8 9 Nieder- i Oi°,- 274 338 1439 10 Sasbach . . . 178 209 1024 11 12 Oberbergen . . Vogtsburg . . 178 201 938 13 Königschaffhausen 147 184 928 14 Jechtingcn . . 150 187 897 15 Kiechlinsbergen . 145 183 860 16 Burkheim . . . 134 178 757 17 Wasenweiler . . 137 174 674 18 Achkarren . . . 104 134 607 19 Bischoffingen . . 86 101 499 20 Leiselheim. . . 69 99 455 21 Bickensohl . . . 77 97 424 22 Amoltern . . . 83 87 369 23 Schclingen . . 83 78 362 4011 5098 i 23478 Aus 2 f/z Quadratmeilen zählen wir 23478 Einwohner, auf eine Quadratmcile berechnet sich für den Kaiserstuhl 9391 Köpfe; die Bevölkerung, mit anderen Landeötheilen verglichen, ergibt: Einwohner auf eine Quadratmeile: Kaiserstuhl. 9391 Rheinthal mit den Vorbergen.7053 Odenwald mit Bauland. 4890 Schwarzwald. 3950 Im Durchschnitte für das ganze Großherzogthum 4874 3 34 Somit berechnet sich die Einwohnerzahl des Kaiscrstuhles nicht etwa von einer größeren Stadt, sondern 23 kleineren Ortschaften gebildet, verhältnißmäßig sehr hoch, ja auf die dichteste Landbevölkerung Badens. Der Grundbesitz der Bevölkerung des Kaiserstnhlcs besteht, nach Aufnahme von 1857, aus 45,966 Morgen, diese sind zu folgenden Cnlturen verwendet: 5253 Morgen Weinberge, 16271 „ Ackerfeld, 4555 „ Wiesen 6743 „ Wald, 13144 „ Reutfeld, Wege, besonders Raine, Weiden und Oedungen. 45966. Auf die einzelnen Gemeinden vertheilt sich dieser Besitz folgend: Gemarkung Weinberge Ackerfeld Wies. Wald Wege, Raine u. Reutfeld Morg. Morg. Morg. Mrg. Morg. Morg. 1 Endingen . . . 3795 650 2163 51 385 546 2 Eichstetten . . . 3556 515 992 725 186 1138 3 Jhringen . . . 5264 700 1388 420 1076 1680 4 Bahlingen. .- . 3554 470 500 600 — 1984 5 Oberschaffhausen s 3636 460 1090 1003 408 675 6 7 Bötzingen . . . s Niegel .... 5151 140 2480 830 308 1393 8 9 L7 !»-->»«-» 2876 380 1075 140 426 855 10 SaSbach . . . 2943 175 1540 54 695 479 11 Oberbergen . . i 2079 180 563 97 590 730 12 13 Vogtsbnrg . . . s Königschaffhausen. 1584 150 910 60 50 414 14 Jcchtingen. . . 2334 244 1034? 65 697 294 15 Kicchlinsbergen . 1321 157 250 26 380 508 16 Burkheim . . . 1628 140 564 7 628 289 17 Wasenweiler . . 1178 210 300 150 65 453 18 Achkarren . . . 954 214 268 161 184 127 19 Bischofflngen . . 898 126 290 18 114 368 20 Leiselheim . . . 528 120 197 88 104 21 Bickensohl . . . 838 110 209 14 209 296 22 Amoltern . . . 659 70 208 10 147 224 23 Schelingen . . 1190 42 250 124 187 587 45966 5253 16271 4555.6743 13144 35 Das Ackerfeld (16271 Morgen) ist nach unserer Schätzung mit folgenden Gewächsen in angegebener Morgenzahl eingebaut; die Drei- felderwirthschaft „Hackfrucht, Winterfrucht, Sommerfrucht" liegt der freien Bewirthschaftung am Kaiserstuhle zu Grunde. Hackfrucht Winterfrucht Sommerfrucht Klee 0800 Morgen 4971 Morgen 2500 Morgen 2000 Morgen Kartoffeln . 4000 Weizen 2500 Gerste . 600 Luzerne 500 Runkelrüben 600 Roggen 2200 Hafer . 1500 Esparsette 300 Möhren. . 50 Winter- 271 Sommer- Rother od. Maisz.Körnern 500! gerste weizen. 200 deutscher Mais zu Grün- 750 Sommer- Klee 1200 futter . . 400 roggen. 100 Raps . . 400 Hülsen- Kraut . . 70 früchte 100 Hanf. . . 400 > Mohn . . 30 ! l6800 4971f 2500 -2000 Es werden ferner noch etwa 3000 Morgen mit Stoppelrüben bebaut, 800 Morgen mit Jncarnatklee, welch letzte Felder zum Einbau mit Mais nach der Kleeernte verwendet werden. Es berechnen sich am Kaiserstuhle auf eine Familie, bestehend aus fünf Köpfen, folgende Morgenzahlen; des Vergleiches halber stellen wir die betreffenden des Oberrheinkreiscs und des ganzen Landes neben an. Kaiserstuhl. Oberrheinkr. Großherz. Baden. Morgen Morgen Morgen Morgen im Ganzen . 9,01 13,36 13,07 Weinberge . . . 1,03 0,27 0,24 Ackerfeld . . . 3,19 3,61 4,94 Wiesen .... 0,87 1,81 1,47 Wald .... 1,32 4,91 5,05 Sonstiges Gelände 2,56 2,76 1,37 Dieser Vergleich zeigt uns im Wesentlichen, daß bei dem Kaiser- stuhle nur verhältnißmäßig wenige Morgen sich auf eine Familie 3 * 36 berechnen; daß von diesen die Weinberge einen sehr großen Theil anömachen; daß ferner die Morgenzahl deö Ackerfeldes mit denen deS übrigen Landes sich ziemlich gleich stellt; daß sich aber ein großer Mangel an Wiesen und Wald vergleichsweise ergibt. Unter verschiedenem Gelände sind für den Kaiserstnhl im Verhältniß viele Morgen gerechnet, wir glauben, daß hierbei die vielen Raine verstanden sein werden, welche der Kaiserstuhl in großem Maaße anfzuweisen hat. Die Gemeinden des Kaiserstuhles besitzen nach einer Zählung von 1855 folgenden Vieh- und Bienenstand: Bie- Pferde Rindvieh Schafe Schweine Ziegen ncn- stocke 1 Endingen . . . 192 770 82 269 63 21 2 Eichstetten . . . 94 877 50 416 27 12 3 Ihringen . . . 105 659 128 291 86 26 4 Bahlingen. . . 90 897 175 397 80 47 5 Oberschaffhausen. s 159 849 23 371 175 23 6 Bötzingen .. . . s 7 Riegel .... 110 600 5 179 24 63 8 9 78 436 15 314 79 26 10 Sasbach . . . 80 427 19 166 65 26 11 Oberbergen . . s 10 276 108 68 45 12 Vogtsburg. . . s 13 Kvnigschaffhausen. 81 447 240 228 30 28 14 Jechtingen. . . 65 320 5 120 27 — 15 KiechlinSbergen . 47 295 12 129 24 15 16 Bnrkheim . . . 24 247 2 92 18 9 17 Wasenweiler . . 128 153 7 116 133 25 18 Achkarren . . . 27 217 — 138 47 26 19 Bischoffingen . . 44 193 12 96 56 12 20 Leiselheim . . . 7 132 32 48 18 4 21 Bickensohl . . . 9 149 12 59 18 4 22 Amoltern . . . 25 160 12 75 23 7 23 Schelingcn. . . 2 136 4 23 62 27 1377 8240 835 3635 1123 436 37 Vergleichen wir den Viehbesitzstcind des Kaiscrstuhles mit anderen Lan- destheilen, dem Oberrheinkreise und dem ganzen Großhcrzogthum, so ergiebt sich in Summa und auf die Familien berechnet folgendes Verhältniß: Kaiserstuhl. Oberrheinkreis Großh. Baden. Auf eine Familie,Auf eine Familie Auf eine Familie 9,Ol M. Cultur- 13,36 M. Cultur- 13,07 M. Cultur- land. land. land. 5098Familicn 66051 Familien 261877 Familien 5 Personen). 5 Personen) (-> 5 Personen). Im Auf 1 Im Auf 1 Im Auf 1 > Ganzen Fam. Ganzen Fam. Ganzen Fam. Pferde. 1,377 0,26 14,187 0,21 68,828 0,26 Rindvieh .... 8,240 1,61 158,124 2,39 582,486 2,26 Schafe. 835 0,16 29,811 0,45 162,607 0,62 Schweine .... 3,635 0,71 56,407 0,89 245,413 0,93 Ziegen. 1,123 0,22 22,884 0,34 67,014 0,26 Bienenstöcke. . . . 436 0,08 15,067 0,22 49,146 0,19 Viehbestand im Ganzen ^5,210 !2,96 !284,413 ! ! > 4,28 1,126,348 4,33 Aus diesem Vergleiche ergibt sich im Wesentlichen, daß der Rindviehstand des Kaiserstuhles im Verhältniß zu den übrigen Landestheilen sehr gering ist, eö stimmt dies mit der vorher angegebenen geringen Wicsen-Morgenzahl überein. Die am Kaiserstuhle so bedeutende Obstbaumcultur vcranlaßte uns, eine annähernde Schätzung der Bäume in den einzelnen Gemeinden vvrzunehmcn, um ein Bild über die Anzahl der Obstbäume am ganzen Kaiserstuhle zu erhalten; im Folgenden ist das Resultat dieser Schätzung zusammengestellt. 38 Es stehen auf dem Kaiserstuhle tragbare Obstbäume: Nuß- bäume Kirschbäume Apfel- und Birnb. Zwctsch- I gcnbäumc Im Ganzen der einzelnen Gemeinden Endingen . . . 4500 3000 2500 3000 13000 Eichstetten . . . 3500 4000 1000 2500 11000 Zhringcn . . . 5800 6500 1500 4000 17000 Bahlingcn . . . 2500 3000 1500 2500 9500 Oberschaffhausen . i Bötzingcn . . . ! 5000 4500 1200 2000 12700 Riegel .... 3000 2500 2500 4000 12000 Ni°d-r- < Rothweil Ober- 1 3500 6000 1800 3000 14300 Sasbach . . . 3500 800 800 1000 6100 Oberbergen . . s Vogtsburg. . . ! 1500 2000 800 1000 5300 Königschaffhausen. 1000 2500 1500 2500 7500 Jechtingcn . . . 2000 1500 800 1000 5300 Kiechlinsbergen . 800 800 600 1500 3700 Bnrkheim . . . 900 500 1000 800 3200 Wasenweiler . . 1000 2500 500 500 4500 Achkarren . . . 500 2800 400 1000 4700 Bischoffingcn . . 800 500 300 800 2400 Leiselheim . . . 800 300 300 800 2200 Bickensohl . . . 400 400 100 200 1100 Amoltern . . . 300 300 50 400 950 Schelingen . . 200 300 50 300 850 41500 44700 19200 32700 138100 Die Erträgnisse der Feldgewächse, der Neben, der Obstbäume re. am Kaiserstuhle sind, wie nach den mannichfachen Bodenverhältnissen zu urtheilen, sehr verschieden; als Durchschnitt können wir nachstehende ^ Zahlen, unseren Beobachtungen nach, angcben; dieser Tabelle anreihend, geben wir der Kürze halber zugleich die Production der betreffenden Kulturpflanzen für den ganzen Kaiserstuhl. 39 - Durchs per Morgen. chnittserträgniß im Ganzen. Durchschnittspreis. Geldwerth aller I Produkte .ws Kaiser- lruliles. Olim 6ti-. ^Utr. 6tUck Olim Levtoor Llnltvr Stll-K ü. Weinberge. 5253 rothe Weinberge 553 10 — — — 5530 — — — 18 — 99,540 weiße Weinberge 4700 12 — — 56400 — — — 12 — 676,800 Ackerfeld . . 1627, . Wtntcrwcizen . 2500 — — 5,5 — — — 13,750 — ' 13 — 178,750 Wtnlcrroggcn . 2200 — — 5,0 — — — 11,000 — 9 — 99,000 Wintergerste . . 27 l — — 7,0 — -- — 1897 — 7 — 13,279 Sommergerste . K00 — — 6,0 — — -— 3600 — 8 — 28,800 Sommerweizen. 200 — — 4,0 — — — 800 — 13 -' 10,400 Sommerroggen. 100 — — 4,0 — — — 400 — 9 — 3,600 Hülscnfrüchte. . 100 — — 3,0 — — — 300 — 12 — 3,600 Kartoffeln . . . 4000 — — 35,0 — — — 140,000 — 2 — 280,060 Mais zur Körner- gcwinnung . . 500 .- — 10,0 — — 5000 — 8 — 40,000 Hanf. 400 — 7,0 — — — 2800 — — 15 — 42,000 Raps. 400! — — 4,5 — — -' 1800 — 18 — 32,000 Mohn. 30 — — 3,5 — — 105 — 19 1,995 Kraut. 70 — _ 6000 410,600 _ 4,200 Hafer. 1500 — — 7,0 — — — 10,000 — 4 — 42,000 Runkelrüben . . 600 — 250 — — 150,000 — _ _ 20 30,000 Möhren .... 50 — 200 — — — 10,000 — — > - 28 4,666 Stoppclrüben. . 3000 — 150 — _ — 315,000 — — — 10 52,500 Mats zu Grün- futtcr. 750 — 120Heuwerth. — 90,000 — — 1 — 90,000 Luzerne. 500 — 70 — — — 35 000 — — 1 — 35,000 Esparsette . . . 300 — 60 — — — 18,000 _ — 1 — 18,000 deutscher Klee . 1200 — 55 — — — 66,000 — — 1 — 66,000 Zncarnatklcc . . 800 — 25 — — — 20,000 — - — 36 12,000 Wiesen . . . 4555 Bcrgwicsen. . . ! 270 25 6750 _ 1 12 8,100 Torfwicscn. . . 2019-— 30 _ - 60,570 — 36 36,342 Wiesen in d.Ebcne mit gutem Futtcr 2266 — 36 — _ — 81,576 _ — 1 81,576 Aon Rainen u an Wegen!c. rechnen wir. _ — — — — 10,000 — — — 30 5,090 ra-LIkt. Wald. 6743 1,2 Zuwachs. 8691,6 — — 12 — 97,098 Obstbäume. 138100 Nußbäumc. . . 41500 0,2 8300 _ 9 74,700 Kirschbäume . . 44700 — — — 1 — — — 44,700 1 — 44,700 Korb Körbe. Apfel- und Birn- bäume. 19200'— — 0,3 — — — 5760 — i 3 — 17,280 Zwetschgenbäume 32700 — 0,05 — — — 1635 — 3 20' 5,450 ^2,201,776 40 Der Gescimmtwerth der im Durchschnitte alljährlich dem Boden des Kaiserstuhles entnommenen Prodncte beliefe sich somit auf 2,201,776 fl.; es berechnet sich darnach auf eine Familie 431 fl. und auf eine Person 93 fl. Die Verwendung der aufgeführten Pxoducte kann in folgender Weise berechnet werden: Wein. Es wird producirt:. 61,930 Ohm. Davon verwendet die Bevölkerung selbst . . . 10,560 „ Es bleibt somit Ueberschuß. 51,930 Ohm, welche als zum Verkaufe kommend betrachtet werden müssen; in guten Jahrgängen können wohl hundert Tausend Ohne Wein verkäuflich werden. Getreide. Winterweizen 13,750 Mltr. ä 230 ^ 3,162,500 Winterroggen 11,000 „ ä 225 ^ 2,475,000 ^ Wintergerste . . 1,897 „ ü 160 Ä 303,520 Lü Sommergerste . 3,600 „ ü 170 ^ 612,000 ^ Sommerweizen . 800 „ ä 220 — 176,000 ^ Sommerroggen . 400 „ ü 220 ^ ^ 88,000 ^ 6,817,020 ^ Für eine Person kann der Getreidebcdarf bei schon ziemlich hohem Kartoffelgennß auf 250 per Jahr berechnet werden, auf eine Familie somit 1250 und auf die ganze Kaiserstühler Bevölkerung von 23,478 Köpfen 5,869,500 somit hätten die Kaiserstuhl-Orte ein Mchrerträgniß von 947,520 ^ an Getreide über ihren Bedarf, welches theils zum Verkaufe, theils zur Ernährung des Rindviehes verwendet werden kann. Hülsenfrüchte. 300 Malter nehmen wir, als zur Selbstver- wendnng producirt, an. Kartoffeln. 140,000 Malter. 41 Wir rechnen den Bedarf per Kopf auf ein Maschen täglich, was für die ganze Bevölkerung für's Jahr 84,530 Malter ausmacht. Es bleiben somit im Rest. 55,480 Malter. Der Ueberschuß der Kartoffelproduction über die Verwendung als direktes Menschen-Nahrungsmittel ist ein sehr beträchtlicher; es kommen diese Kartoffeln nur zu geringem Theile in Verkauf, die meisten müssen zur Viehfütterung verwendet werden; eine große Anzahl erfordern auch die Branntweinbrennereien, besonders in Riegel. Mais. 5000 Malter. Der Verbrauch des Mais am Kaiserstuhle als Mehlfrucht ist nur sehr gering, er wird vorzüglich als Mastfutter für Schweine und Rindvieh und zur Aussaat zu Grünfnttermais verwendet; jedenfalls wird aber auch ein großer Theil des auf der nördlichen Seite pro- ducirten Maises in Verkauf gebracht, was die Marktberichte von Endingen Nachweisen, nach welchen dort stets der niederste Preis für Mais im ganzen Lande notirt ist, und in Folge dieses ein regelmäßiger Kleinhandel von dort gekauftem Maise auf den Märkten in Freiburg, Basel rc. stattfindet. Wir glauben annehmen zu dürfen, daß vom Kaiserstuhle immerhin die Hälfte mit 2500 Malter zum Verkaufe gebracht und 2000 Malter als Mehlfutter selbst verwendet wird; der Rest ist als Saatgut zu notiren. Hanf. 2800 Ctr. Production. Wir berechnen das Bedürfnis für eine Person im Jahre auf durchschnittlich 10 L, es wäre dies somit ein Gebrauch für den ganzen Kaiscrstuhl von 2347 Ctr., es blieben im Rest zum Verkaufe 653 Ctr. Raps. Die angeführten 1800 Malter Raps repräsentiren 150,000 ^ Ocl und 300,000 ^ Rapskuchen. Auf den Kopf berechnen sich 6^/z ^ Oel, welches in Verbindung mit dem Oele von Hanfsamen, den Buchenspähnen, die am Kaiserstuhle sehr allgemein zur Beleuchtung gebrannt werden, den Brennölbedarf nahezu decken dürfte. Die Rapskuchen sind als Viehfutter zu berechnen. Mohn. 105 Malter, liefern, circa 8700 Speiseöl. Kraut producirt der Kaiserstuhl seinen eigenen Bedarf in hinreichendem Maße. Der Einfachheit wegen berechnen wir den Bedarf des Viehstandes an Futter sämmtlich im Heuwerthe. 42 Der Kaiserstuhl besitzt: ein Stück bedarf Heuwerth jährlich Pferde . 1377 100 Centncr ^ Zusammen jährlich 137,700 Ctr. Rindvieh 8240 72 „ 593,280 „ Schafe . 835 10 „ -- 8,350 „ Schweine 3635 6 „ 29,080 „ Ziegen . 1123 6 „ - 6,738 „ Es producirt 775,148 Ctr. Heuwcrth. der Kaiserstuhl folgende Fntterguantitäten: Runkelrüben. . . 150,000 Ctr. in Heuwcrth ausgcdrückt : ^ 50,000 Möhren . . . . 10,000 „ 4,000 Stoppelrüben . 315,000 „ ^ 63,000 Mais zu Grünfutter 90,000 „ -- 90,000 Luzerne . . . . . 35,000 „ 35,000 Esparsette . . . . 18,000 „ --- 18,000 deutscher Klee . . 66,000 ,, 66,000 Jncarnatklee . . 20,000 „ -- 12,000 Bergwiesenheu. . 6,750 „ — 6,750 Torfwiesen . 60,570 „ ^ 48,456 gutes Wiesenheu . 81,576 „ --- 81,576 Gras von Rainen . 10,000 „ ^ 10,000 494,782 — 494,782 Hierzu ist ferner zu rechnen: Hafer . . 14,000 Ctr. — 26,600 Kartoffeln . 125,000 „ (50,000 Mlt.) -- 62,500 Mais . . 4,000 „ (2,000 Mlt.) ^ 8,800 Rapskuchen 3,000 „ — 5,700 103,600 — 103,600 598,382 Der Viehstand des Kaiserstuhls bedarf 775,148 Ctr. Heuwerth. Der Kaiserstuhl producirt an verschiedenen Futterstoffen. 598,382 > 176,766 43 Diese fehlenden Futterquantitäten können noch von Selbst- producirtcm gedeckt werden, durch Strohfütterung, Nübkraut, Getreide, Traubcnkämme, Gras ans Pfaden in den Weinbergen, dem ans den Getreidefeldern auSgejäteten Unkraut, Abfälle aus den Haushaltungen für Schweine re.; jedenfalls aber steht fest, daß alle diese außergewöhnlichen Futterstoffe nicht hinreichen können, den Futterbedarf zu decken, cs sehen sich daher die Bewohner des Kaiserstuhlcö alljährlich genöthigt, eine große Masse Futter, besonders Heu in Nachbargemeinden anzukaufen. Dieser FutterauSfall fällt vorzüglich den Gemeinden am südlichen und inneren Theile des Kaiserstuhlcö zur Last. Nach dieser Betrachtung ersehen wir, daß der Kaiserstuhl in Normaljahren die nothwendigsten Bedürfnisse für seine Bevölkerung selbst zu produciren im Stande ist, Getreide und Kartoffeln, die beiden unentbehrlichen Nahrungsbestandtheilc, sind in genügendem Maaße vorhanden; er bringt Wein und Obst zu Markte; allein muß dafür regelmäßig Futter für den Viehstand ankaufen. Diese für den ganzen Kaiserstuhl bezüglichen Berechnungen geben uns ein nicht ungünstiges Bild für die Bevölkerungsverhältnisse desselben; allein würden wir unsere statistischen Betrachtungen weiter verfolgen, so dürfte sich die Thatsache Herausstellen, daß der nördliche Kaiserstuhl, Riegel, Endingen, Sasbach, Königsschaffhause» re. eine Ueberproduction an Lebensmitteln nachweist, der südliche aber einen regelmäßigen Mangel erkennen lassen dürfte; woher denn die hänfigen Klagen der Orte Oberschaffhausen, Böhingen, Wasenweiler, Jhringcn, sodann Ober- bergcn, Schelingen, Achkarrcn re. stets dann laut werden, wenn das Weinerträgniß unter dem regelmäßigen Ankaufspreis des mangelnden Getreides und Futters zurückbleibt. Handelspflanzen sind für den kleinen Bauern nur dann von Vortheil, wenn er mit deren Anbau beginnt, wenn seine Lcbsucht, seine Hausbcdürfnisse gedeckt sind, sowie sich derselbe auf den Ertrag derselben verläßt, um aus dem Erlös seine Lcbsucht zu bestreiten, wird er bei unsicheren Handelspflanzen, zu welchen wir leider den Wcinstock zählen müssen, mit ihrem Gedeihen behaglich leben oder darben müssen. Doch der Mensch lebt gern in unsicheren Hoffnungen auf Glück und Wohlergehen und so lebt der Kaiserstühler in Freud und Glück in guten Jahren und vergißt bald die Zeit der Noth, wieder auf neue gute Weinjahrc hoffend. 44 Leider werden solche Wechselfällc von Wohlhabenheit und Armuth Einzelner von Manchen zu vorteilhaften Unternehmungen benutzt, die oft dermaßen an das Gehässige grenzen, daß man den armen Winzer bedauern, den jüdischen Geschäftsführer aber von ganzem Herzen verachten muß; eine würdige Aufgabe für landwirtschaftliche Vereine dürfte die Beantwortung der Frage sein: welche Mittel gibt es, den wechselnden Vermögensstand in Weingegenden zu verhindern? Vorschußvereine, Sparkassen wären sicherlich ein nicht ungeeignetes Mittel, solche Vcrmögensschwankungen zu reguliren. Landwirthschuftliches. Es kann hier nicht unsere Absicht sein, eine vollständige Beschreibung der einzelnen Culturverfahren, der Viehhaltung rc. zu geben, wir begnügen uns mit einer kurzen Betrachtung desjenigen, was in die landwirtschaftlichen Verhältnisse des Kaiserstuhles wesentlich eingreift oder aber für denselben charakteristisch ist. u. Weinbau. Der Weinbau bildet die Hauptbeschäftigung der Einwohner, auf eine Familie von 5 Personen berechnet sich 1,03 Morgen Neben. Was die Lagenverhältnisse betrifft, so haben wir schon früher bemerkt, daß solche sehr verschieden sind, was bei einem so kleinen Gebirge, das sich nach allen Weltgegenden verflacht, und viele Thaleinschnitte und Mulden zeigt, leicht ersichtlich ist. Wir haben ferner schon darauf hingewiesen, daß der Boden; ob weißer Loes- oder schwarzer Dolerit- boden, einen sehr großen Einfluß ans das Resultat des Weinbaues am Kaiserstuhl übt und dieser sogar die übrigen Einflüsse wie spccielle Lage, Höhe über dem Meeresspiegel stets aufzuwiegen im Stande ist. Ein mit Doleritsteine bedeckter Weinberg 1000 Fuß hoch, nicht rein südlich sondern östlich oder westlich gelegen, gibt besseren Wein als ein 600 Fuß vom Meeresspiegel entfernter, rein südlich gelegener Loes- Weinberg. Das wissen die Kaiserstühler und zahlen gerne einen Doleritweinberg mindestens doppelt so hoch als einen Loesberg. Diese Doleritweinbergc sind im Verhältniß selten und wir glauben der Wirklichkeit nahe zu kommen wenn wir von den 5253 Morgen Reben am Kaiserstuhl nur 253 Morgen als Dolcritweinberge bezeichnen' 45 Der Werth der in den so verschiedenen Logen erzeugten Weine ist sehr verschieden, oft 10 bis 120 fl. per Ohm, einzelne Ausahmen unbeachtet, können wir die Kaiserstühler Weinorte der Güte des Rcbproductes nach in folgende Reihe stellen, nach welcher Jhnngen den besten, Amoltern den schlechtesten Wein producirt. 9. Bötzingen. 10. Oberbergen. 11. Bischoffingen. 12. Sasbach. 16. Riegel. 17. Endingen. 18. Königschaffhausen. 19. Leiselheim. 13. Kiechlinsbergen. 20. Schelingen. 14. Eichstetten. 21. Vogtsburg. 15. Bahlingen. 22. Amoltern. 1. Jhringen. 2. Achkarren. 3. Wasenweiler. 4. Nothweil. 5. Bickensohl. 6. Vurkhcim. 7. Jechtingen. 8. Oberschaffhansen. Die Weinberge, auf Hügeln von verschiedener Neigung gelegen, sind im Loes in nahezu ebene Terrassen gearbeitet, ein Umstand, der keinen günstigen Einfluß auf die Einwirkung der Sonne und die Qualität des Weines äußern kann. Mit nur wenig Neigung ansgeführte Weinbergterrassen sind des leichten Abschwemmens des Locsbodcns halber nöthig; allein wir glauben, daß man in den meisten Fällen ebener gelegt hat als nothwendig und sich so die günstige Einwirkung der Sonne schmälerte. Wir sind ferner der festen Ucbcrzeugung, daß wenn das Material, der Loesboden, sich nicht so sehr zur Anlage solcher Terrassen eignen würde, man gewiß nicht daran dächte, die Weinberge so eben zu legen. Leider treffen wir auch häufig, den Loesbödcn gleich, Dolerit-Stein-Weinberge mit großen Kosten und Mühe eben gelegt! Man hat hier nicht allein ein sehr großes Anlagekapital, das durch Umbrechen der Steine von theilweise 8, 10 —15 Fuß Tiefe, entstehen mußte, sondern man hat die Lage dem günstigsten Einfluß der Sonne dadurch entzogen, denn die einfache Regel bei Rebanlagen besteht stets darin, dieselben womöglich so steil zu legen als eS die Bodenverhältnisse erlauben. Das Umrotten der Weinberge geschieht 2 bis 3 Fuß tief. Das Anspflanzcn der Neben wird in Gruben mit, einige Wochen ins Wasser gestellten 4—5 Fuß langen, Schnittlingen, ausgeführt; schon oft nach 2 Jahren kann das Verlegen beginnen, so daß man gewöhnlich schon mit 4 Jahren einen vollständigen Weinberg hat. Die Erziehung der Reben geschieht allenthalben an 6 Fuß chohen Pfählen 46 im Bogenschnitt; jedoch sieht man selten, wie in sonst stark triebigen Weingegenden 2 oder 3 Bögen über einander, meist befindet sich nur ein Bogen mit einigen Zapfen an dem Rebstocke; wird ein solcher nach einer Reihe von Jahren zn hoch, so legt man ihn ein, welches Geschäft am Kaiserstuhl sehr fleißig und mit Recht auSgcführt wird. Die Rebarbciten während des Jahres, wie Schneiden, Hacken, Verbrechen, Felgen :c. werden in gewöhnlicher Weise und mit großer Sorgfalt anSgcfnhrt. Der Dünger wird nicht hinter die Rebstöcke sondern auf dem Boden zwischen denselben gleichmäßig vertheilt oder, aber seltener, an den Stöcken einen Fuß tief vergraben. Wir müssen hier einer natürlichen Gründüngung erwähnen, die der frühen Vegetation am Kaiserstuhl zu verdanken ist; in den ersten FrühjahrStagen nämlich wuchert der bekannte Hühnerdarm in so großer Üppigkeit auf den, nach dem Herbste nicht umgehackten Weinbergen, daß derselbe das ganze Rcbgelände mit einer dicken, dunkelgrünen Decke versieht, welche untergehackt sicherlich als hnmusgebende Substanz ziemlich hoch anzuschlagcn ist. Die Weinberge mit LoeSboden werden häufiger gedüngt als die Doleritböden, letztere zeigen schon ohne Stalldünger eine sehr üppige Vegetation, man hat aber die Erfahrung gemacht, daß solche Reben wenig Früchte ansetzend zn sehr ins Holz treiben; nur durch Stalldünger glaubt man den Früchtcansatz begünstigen zu können; wir sind jedoch der festen Ueberzeugung, daß auch durch Aufbringen von Superphosphat, löslichen phosphorsanren Kalk der gleiche Zweck erreicht wird. Der leicht verwitterbare Dolcrit gibt den Reben im Durchschnitt das zur Holzbildung uöthige Kali in hinreichendem Maße, die organische Entwicklung der Reben am Kaiserstuhl ist eine, wenn die anorganischen Bestandtheile vorhanden sind, hinreichend kräftige, nur mangelt die zum Früchteansatz uöthige lösliche Phosphor- saure; wenn sie in Doleritböden zugeführt wird, glauben wir sicher den entsprechenden Erfolg erlangen zu können, ähnlich wie man in südlicheren Gegenden mit üppigster Blatt - und Stengelvegetation schon längst mit Knochenmehl den Früchteansatz bewirkt. Die Düngung von Loesweinberge mit leicht verwitterbarem Dolerit wird häufig und mit sehr gutem Erfolg angewendet; Doleritgrns mit Superphosphat gemengt, würde hier hinter die Stöcke in kleine Vertiefungen gebracht, sehr vortrefflich wirken. Das Erndtegeschäft bei den Reben am Kaiserstuhl können wir 47 als ein ziemlich mangelhaftes bezeichnen; die Traubenlese wird meist, sich nach den weichen Traubensorten richtend, sehr frühe ansgeführt; die Keller und Kcllergeräthe sind im Durchschnitt schlecht, alle Herbstgeschäfte werden in einer gewissen Aufregung ausgeführt, die allabendlich, durch den vorhergehenden Jahrgang verursacht, in einer Weise zur Uebertriebenheit ausartet, wie wir noch in keiner Weingegend Aehu- liches gesehen hatten. Die geschnittenen Trauben werden in offenen, länglichen Zübern eingedrückt, nach Hause gefahren, daselbst mit hölzernen Kolben so weit gestampft, daß die Brühe über den Trauben steht und auf sehr unvollständigen Spindel- oder Hebelpressen gekeltert. Blaue und weiße Trauben werden sehr häufig nicht getrennt und da solche beinahe un- zerdrückt sogleich gepreßt werden, so wird der Wein dennoch sehr hell in der Farbe. In allen älteren und auch in jüngeren Anlagen findet man die verschiedensten Sorten untereinander angepslanzt; Champagnerfabrikanten und auch Weinhändler, welche reinen Rothwein haben wollen, kaufen deßhalb zur Zeit des Herbstes die ihnen conveuirenden Trauben dem Pfund nach, und bezahlen 3 bis 8 Kreuzer per Pfund, was den armen Leuten das nöthige Herbstgeld abwirft und sic ermöglicht mit dem Verkauf deö klebrigen einige Zeit abwarteu zu können. Die am Kaiserstuhl üblichen Rebsorten sind: Roth-Wein-Traubcn (die verbreitetste), der blaue Kl äpfer, eine großbeerige blaue Traube mit starker Triebkraft und großer Tragbarkeit, deren Wein jedoch nicht jenen herben, gerbstoffartigen Geschmack liefert, wie wir ihn an einem rothen Wein gewöhnt sind; in jüngster Zeit hat sich die blaue Burgunderrebe allgemeine Anerkennung verschafft und man sieht jetzt selten eine andere Rebsorte bei neuen Anlagen verwendet. Die Burgunderweine werden am Kaiserstuhl sehr vorzüglich und bei richtiger Behandlung im Keller mit allen jenen Eigenschaften versehen, die wir von einem guten Rothwein verlangen. Die verhältnißmäßig wenigen Burguuder-Rothweiue des Kaiserstuhls werden bis jetzt noch meist unter den wirklichen Preisen verkauft, da sich dessen Name noch zu wenig Geltung verschafft, was ihm auch schwer fallen dürfte, da die Kaiserstühler Rothweine wohl meist als Affenthaler oder ähnlich gut klingende Rothwein-Namcn von den Weinhändlern in Handel kommen. Doch die Zukunft wird lehren, daß der Kaiserstühler Rothe dereinst 48 einen weiten Ruf, einen guten Klang haben wird. Die verbreitetsten weißen Wein gebenden Sorten sind: der weiße Kläpfer und der Elb- ling, beides geringe Sorten, geben jedoch bei nur geringer Behandlung sehr vielen Wein, was bekanntlich von allen kleineren Rebleuten in der Regel zu hoch angeschlagen wird. Nach diesen Sorten wird wohl der weiße und rothe Gntedel am häufigsten anzutreffen sein, diese tragen ebenfalls sehr reichlich, die einzelnen Trauben erlangen eine Ueppigkeit und Saftsülle wie wir sie noch nie gesehen, zu Eß- tranben für den Freiburger Markt vortrefflich, geben sie nur einen sehr geringen Wein. Der Rnländer wird stets zwischen den übrigen Sorten angetroffcn und zeichnet sich ebenfalls durch große Tragbarkeit aus, der Wein derselben wird jedoch sehr süß und lieblich und verdient noch größere Verbreitung. Der Anbau des Sylvaner, „Riesling oder Grüner" genannt, ist noch gering allein mit Recht im Zunehmen begriffen, bei dessen bekannter alljährlicher Tragbarkeit, vollständigen Reife re. ist eS unserer Ansicht nach die beste Weißweintraube für den Kaiscrstnhl, sie gibt noch regelmäßiger einen hohen Ertrag wie der Elbling und liefert dabei einen sehr süßen angenehmen Wein. Der Traminer und Riesling, Letzterer unter dem Namen Rheingauer Riesling am Kaiserstuhl bekannt, ist selten, auch nur für einzelne gute Lagen und Steinboden geeignet, daselbst gibt er aber in guten Jahrgängen, wie 57 und 58, einen Wein, der dem besten Rheingauer Rieslingwcin uicht nachsteht, was durch das Ergebniß der Nieslinganlagen der Herren Blankenhorn nachgewiescn ist. Vereinzelt, allein ein vorzügliches Product liefernd, wird der Muskatgntedel, der weiße und rothe MMgMer angetroffen; solcher Kaiserstühler Muskat- Wein erinnerte uns stets wegen der Süße und des Aromas an den Muskatlünel. Nach unseren Beobachtungen glauben wir für den Kaiscrstnhl in erster Reihe für Mittellagen den blauen Burgunder und Sylvaner empfehlen zu müssen; in Steinböden von vorzüglicher Lage aber den Riesling und Ruländey, in etwas niederen Lagen auch den Muskatgutedel. Das Erträgniß der Reben am Kaiserstuhl ist weniger in einzelnen Jahrgängen als ein sehr großes (15—20 Ohm per Morgen), sondern mehr als ein alljährlich sicheres zu betrachten; eigentliche Fehljahrc sind selten, als Durchschnitt kann immerhin 12 Ohm an- 49 genommen werden; die Ertragsfähigkeit der Rebstöcke erleidet somit wenig Unterbrechung, wohl aber ist in geringen Weinjahren die Qualität im Durchschnitt eine sehr mittelmäßige, so daß alljährlich eine Masse geringer Weine in Handel kommt. Der Ruf der Kaiserstühler Weine ist nur ein geringer und auswärtige Käufer erscheinen nur, einen ordinären wohlfeilen Wein zu erhalten; allerdings zeichnet sich der Kaiserstuhl durch solche Waare aus, allein die einzelnen, wir wollen sie Doleritweine neunen, von ausgezeichneter Güte, werden von auswärtigen Händlern nicht gekannt, ohne große Concurrenz von einzelnen, diese Weine würdigenden Weinhändlern, für verhältnißmäßig sehr billigen Preis angekauft und Niemand erinnert sich, je in einem Gasthofe von einem Kaiserstühler Rothen oder Weißen, oder gar Muskatellerwein w. gehört zu haben. Auch für den Kaiserstuhl werden die guten Folgen der raschen Verkehrswege, der Eisenbahn, nicht ausbleiben und schon gehen Weine von dort mit der Eisenbahn nach Stuttgart, Frankfurt rc.; viele fremde Käufer, durch die Massen ordinärer Weine angelockt, werden bald auch für die besseren Weine jene wohlthuende Concurrenz eröffnen, durch welche allein jedes Product nach seinem wahren Werth bezahlt wird. Der Character der besseren Kaiserstühler Weine ist etwas verschieden von den übrigen badischen Weinen, sie zeichnen sich vorzüglich durch Süße, Mangel an Säure aus und bieten somit ein sehr wohlschmeckendes, gesundes Getränke; die Süße dieser Weine verführte schon Manchen zu glauben sie seien nicht stark; allein bekanntlich macht nur der Alkohol die Stärke des Weines aus und wenn ein vergohrener Wein noch unvergohrencn Zucker schmecken läßt, ist dies ein Zeichen, daß überhaupt so viel Alkohol im Weine sein muß, als sich ungehindert der Unterdrückung der Gährung durch den gebildeten Alkohol entwickle» konnte; dieser überschüssige Zucker ist jedoch auch ein Fingerzeig, daß solche Weine leicht öfteren Nachgährungcn unterworfen sind, was bei deren fernerer Behandlung im Keller wohl zu beachten ist und nur zu oft findet man am Kaiserstuhl zähe Weine, in welche sie bei schlechter Behandlung gerne übergehen. Die Kaiscr- stühlcr besseren Weine haben somit Alkohol, so viel als man von einem sehr guten Weine nur verlangen kann, sie zeigen noch nn- vergohrenen Zucker und lassen somit bei Mangel an Säuere denselben als sehr angenehm schmeckend erscheinen. Eines fehlt denselben, 4 50 um sie den ersten Weinen an die Seite stellen zn können, das Aroma; doch diese Eigenschaft hängt von den Tranbensortcn ab und niemals wird der Gntedel, Elbling oder Nuländerwein re. ein dem Riesling, Traminer gleiches Aroma erhalten. Dies Bedürfnis; ist auch von Einzelnen schon längst erkannt worden und man vermehrt den weißen Muskateller, um diesen dem süßen Gntedel oder Nuländerwein beizumischcn und so noch daö Fehlende zu ersehen; solche Kaiserstühlcr Weine müssen wir unter die feinsten zählen, welche wir in Baden anfzuwcisen haben, sie tragen schon vollständig jene süd- französische Eigcnthümlichkeit: süß, stark, aromatisch, ohne Säure. d. Feldruitnr. Das Ackerfeld des Kaiserstnhlcs ist in Qualität und Lage sehr verschieden, wie schon früher erwähnt treffen wir auf den Hügeln reinen Loesboden an; in den Thälcrn aber solchen mit Vcrwitterungs- producten des Dolerit gemischt, ans den Hügeln sehen wir eine sehr ärmliche Vegetation, in den Thälern und Mulden dagegen eine reiche. Der verschiedene Werth dieser Felder macht sich noch durch die leichte Abfuhr in Thälern und schwierige auf Hügeln fühlbar, so daß der Werth des Thalfeldes oft das fünffache des Hügellandes beträgt. Nach dieser Verschiedenheit werden sich auch die Culturverhältnisse richten müssen; indem auf den sterilen Hügeln nur Kartoffeln, Hafer uns Roggen, auch Klee gedeiht, kann in den Thalfeldern jede gewünschte Kulturpflanze mit gleichem Vortheil angebaut werden; wir haben noch niemals schöneren Tabak, Hanf, Kraut, Mohn, Weizen, Mais rc. gesehen, als in den Thälern des Kaiserstnhlcs und eine reichere Culturlandschaft, als man bei einem Gang der Straße von Oberbergen nach Burkheim entlang antrifft, ist kaum denkbar. An Getreide baut man Waizen als beste Körnerfrucht, sodann Roggen, den man jedoch vorzüglich des Strohes wegen Pflanzt, das man zum Heften in die Weinberge nöthig hat und welches trotzdem zur Zeit dieser Arbeit ungemun hoch bezahlt wird. Die frühesten Roggenfelder haben wir auf der Straße von Wasenweiler nach Jh- ringen angetroffen. Gerste wird nur wenig gepflanzt, ebenso Hafer, der vorzüglich nur um jene sterilen Höhen zu benützen ausgesät wird. Mais wird in großer Ausdehnung, besonders in Bahlingcn, Eichstctten, 51 Riegel, Endingeu, KöuigSschaffhausen :c., des Futters uud der Körner wegen cultivirt, Hirsenarten sind nur sehr selten. Von Futterpflanzen treffen wir als charakteristisch für den Kaiscrstnhl den Grünfuttermais an, der in besonders großer Ausdehnung in den nordwestlichen Ortschaften cultivirt wird; die Gemarkungen Saöbach, Leiselheim, Kvnigsschaffhausen gewähren im Spätjahr, der großen Flächen von 8—10 Fuß hohen Maisfelder halber, einen eigcnthnmlichcn Anblick. Es ist schon viel über die Benützung der Maispflanze geschrieben und berathen worden und doch glauben wir behaupten zu können, daß die Benützung dieser werthvollen Pflanze am Kaiserstuhl, so wie auch im übrigen Breisgau, wohl die rationellste sein dürfte. Man gibt gewöhnlich an, daß der Mais als Futterpflanze dicht gesät werden müsse, daß man ihn erndte, sobald sich Fahnen zeigen, da er sonst zu hart wird w., man hat ferner durch chemische Analysen gefunden, daß die zur Reife der Körner gelangte Maispflanze in entkörnter Spindel und trockenem Stengel noch eine sehr- beträchtliche Menge Nahrnngsbestandtheile an Zucker, Stärkemehl und Proteinsnbstanzen enthalte und hat in Wien eine besondere Maschine zum Zermahlen dieser sehr harten und zähen Theile in Futtermehl erfunden und patentirt; die Benützung der Maispflanze aber im Oberland steht zwischen der gewöhnlichen Methode zur Grünfütterung und der Benützung der Körner und trockenen Pflanze. Der Mais wird im ersten Frühjahr und auch nach Raps, Klee rc. in Stufen von 2 bis 3 Fuß im Quadrat anögesät, behackt und behäufelt, wie derjenige zur Körner- gewinnnng; mit der Erndte beginnt man aber dann, wenn die schon ausgewachsenen Körner der Kolben noch milchig und weich sind. Man erndtet die ganze Pflanze auf dem Felde ab, fuhrt sie nach Hause und schneidet sie auf dem Hcchselstuhl in halbe Zoll lange Stücke uud erhält so ein kurzes Futter, bestehend ans Blättern, Fahnen, Stengeltheilcn und vorzüglich aber den Kolben mit sammt der Spindel und den beinahe reifen aber noch milchigen Körnern; man erhält somit ein Futter, was anS weichen und harten Thcilen besteht, vom Rindvieh und Pferden sehr gern gefressen wird. Es entsteht nun die Frage, ob die Benützung der ganzen Pflanze den Minderwerth der noch nicht ganz reifen Körner aufwiegt? Wir glauben, daß dies allerdings der Fall sein wird; auf die Frage, die wir an einen Landwirth der dortigen Gegend machten, warum sie nicht die 4 * 52 Fahnen abschneiden nnd die Körner reifen lassen, bekamen wir die sehr richtige Antwort, daß dann die Kolben doch nicht mehr ordentlich anSreifcn und die Körner klein bleiben. Eine genaue Untersuchung der verschiedenen Benützungsverfahren, durch chemische Analysen begründet, kann nur sicheren Aufschluß geben, allein die Erfahrung, wie sie hier vorliegt, wollen wir nicht weniger hoch achten. Es ist bekannt, daß im Spätjahr im Oberland eine Menge Ochsen gemästet wird; dies geschieht ausschließlich durch solchen Futtermais und zum Erstaunen ist es, wie rasch die Zunahme derselben bei diesem Grünfutter stattsindet. Von Rübenarten wird die Runkelrübe verhältnißmäßig wenig, die Weiß- oder Stoppelrübe aber in sehr großer Menge cultivirt, was seinen Grund in der frühen Gctreideerndtc finden mag; letztere erhalten eine erstaunliche Größe und dienen während des ganzen Winters als Saftfutter für das Rindvieh. Möhren Pflanzt man ziemlich häufig in Gerstenfeldern, wobei mau wie gewöhnlich nach der Gerstenerndte die Stoppeln auszieht und diese noch zum Streuen verwendet. Der Kartoffelbau ist am Kaiserstuhl ein sehr ausgedehnter, er ist die Folge der großen armen Bevölkerung, deren Erwerb unsicher, deren Getreidebau verhältnißmäßig nur klein ist; die Kartoffel ist in guten Weinjahren die hauptsächliche, in schlechten aber die ausschließliche Nahrung der ärmeren Klasse. Riegel, Endingen, Königsschaffhausen cultiviren in ihrem ebenen Felde sehr viele und stärkemchlhaltige Kartoffeln zum Verkauf, sie gehen theils auf Schiffen den Rhein abwärts, theils aber in die Branntweinfabrikcn in Riegel. Die Kartoffeln werden für Viehfutter besonders in letztgenannten Orten häufig angewandt und zwar gibt man sie daselbst auch in rohem Zustande den Pferden. Der Kleebau sollte am Kaiserstuhl, des Mangels an Futter halber, im Großen cultivirt werden, er allein kann am Kaiscrstuhl den Mangel an Wiesen ersetzen, der Klee ist diejenige Heu gebende Pflanze, die mau am Kaiserstuhl auf jedem humusarmen, hoch- und abgelegenen Loesfeldstück antresfcn sollte; doch vergebens, die wenigen Felder Jncarnat- und rothen oder deutschen KleeS, die sehr vereinzelten Luzern- und Esparsette-Felder beweisen deutlich, daß die Kaiserstühler den Werth und die guten Eigenschaften dieser Pflanze noch zu wenig kennen; deren durchschnittlich üppiger Stand gibt aber den schlagenden 53 Beweis, daß die verschiedensten Sorten Klee am Kaiserstuhl vortrefflich gedeihen. Der Grund dieses Mißstandcs liegt einestheils in dem Vornrtheil, welches man im ganzen Oberland anzntreffen gewohnt ist, daß man nämlich unter jeder Bedingung, Matten, Wiesenheu zur Winterfütterung haben müsse, Klee könne vorzüglich nur grün gefüttert werden; eine Wirtschaft ohne Wiesen scheint hier ein Unding zu sein, man glaubt nicht, daß durch Anbau verschiedener Kleesorten Pferde- und Rindviehheu in bester Qualität gewonnen werden könne. Ein anderer Grund des geringen Kleebaues am Kaiserstuhl liegt in der verhältnißmäßig geringen Ackerfläche der einzelnen Gemeinden, man baut lieber sein Bedürfniß an Roggen und Kartoffeln und verläßt sich alljährlich auf das Ersteigern von Graserwachs ans den Matten umliegender Ortschaften. Wir glauben, daß am Kaiserstuhl gerade das umgekehrte Verhältniß eintreten sollte, die Einwohner der betreffenden Gemeinden mögen sich ihr Getreide, das sie doch nicht ganz erzeugen, ankaufcn, ihr Futter aber selber bauen. Gehen wir zur Zeit der Erndte über den Kaiserstuhl, so treffen wir eine Menge Roggenfelder auf humusarmen entlegenen Locsboden an, von denen man wohl zufrieden sein kann, das vierte Korn zu erndteu! Wir haben aber auch Gelegenheit, hie und da ein Esparsettefeld zu bewundern, das ohne Dünger auf dem unfruchtbarsten Loeö den schönsten, üppigsten Stand erkennen läßt! ES ist Thatsache, daß eine große Anzahl entlegener Loesfelder, auf unwegsamen Höhen gelegen, der Morgen oft für 40—50 fl. verkauft wird, ja vor noch wenigen Jahren kamen in Jhringen Verkäufe für 2 und 3 fl. per Morgen zu Stande; solche Felder werden so lange ohne irgend einen Dünger mit Kartoffeln und Roggen bepflanzt, bis sie vollständig ruinirt sind, sie bleiben dann oft jahrelang unbebaut liegen oder besamen sich selbst zu Föhrenbcstand. Sind das nicht Futtcrgelände, welche ohne Mühe und große Kosten alljährlich ein vortreffliches Esparsettefutter liefern, eine Pflanze erzeugen könnten, die am ganzen Kaiserstnhl an allen Wegen und Rainen in großer Ucppigkeit wild vegetirt? Warum ist nicht eine einfache Rotation auf jenen mageren Loesfeldern mit Kleeschlag eingereiht, warum baut man immer Roggen und Kartoffeln und nicht Kartoffeln, Roggen, Klee? Wie wohlthätig würde der Anbau einer sogenannten bereichernden Pflanze, zu welcher wir den Klee zählen (Rother oder Esparsette), auf den immer mehr 54 verarmenden LocSboden cinwirken! Wenn man je 3 Jahre eine alte Klcenarbc unterschlügen könnte, würde doch der Boden wenigstens eine geringe Humus-Quelle finden. Möchten doch die Kaiserstühlcr einsehen, daß sie von den Mattenbcsitzcrn der Ebeiw unabhängig sein könnten, daß sie durch vollständige Benützung ihres Ackerfeldes mit Kleebau, durch in ihre Rotation eingeschalteten Klecschlag auch auf den mageren Feldern des Höhenlandes ein besseres Rindvieh- und Pferdeheu erzielen könnten, als sie jemals aus den meist sauren Wiesen des Oberlandes für schweres Geld erkauft. Möchten die Kaiserstühlcr sich dem Kleebau in die Arme werfen, um dem ebenen Laude nicht alljährlich einen ungerechten Tribut bezahlen zu müssen. Es möchte Mancher einwendcn wollen, der Klee gerathe nicht so gut re., einen Einwand, der uns bei Anlage des Hofes Lilienthal von allen Seiten gemacht wurde; allein mit dem Erfolg des Kleebaues auf dem Hofe, im Herz vom Kaiserstuhl, können wir antworten; der Jncarnatklce gab ein überaus üppiges Futter und war ohne Dünger oder Gyps gelagert; Versuche im Kleinen mit Luzerne gaben in 4 Schnitten einen außerordentlichen Erfolg, ebenso üppig und gedeihlich die Esparsette; ein zusammenhängender Schlag von 40 Morgen deutschem Klee aber, der im ganzen Rheinthal nicht schöner zu finden ist, gibt dem Hof für 1859 ein Fundament zur Bewirthschaftung, ein vortreffliches Futter, und bald wird die dortige Wirthschaft nicht mehr uöthig haben, als unliebsamer Concnrrent bei den GraSversteigcrnngen des Oberlandes zu erscheinen. Der Graserwachs am Kaiscrstuhl selbst ist als Mattcngclände ein nnr sehr geringer, es befindet sich dies cinestheils als meist un- bewässcrte Wiesen in Thälcrn, z. B. dem Mühlcnthal bei Jhriugen, dem Willbacher Thal bei Riegel, andernthcilö aber als Bergwiescn vorzüglich im Inneren vom Kaiserstuhl auf jenen Kalkhügeln zwischen Schclingen und Vogtsburg, Oberbergeu. Die Wiesen in Thälern sind meist durch den Quellenrcichthum des Kaiscrstuhles versumpft, können aber durch Drainröhren entwässert werden, wie dies ans dein Hof Lilienthal ans circa 25 Morgen in Ausführung kam. Die Schelinger Vergwicsen, denen wir nur wegen ihrer gegen Wind sehr erponirten und theilwcise zu sonnigen Lage eine Banmpflanzung von 40 Fuß im Quadrat von Kirschen, wenn sie auch nur wild wären, wünschen möchten, geben ein mit Esparsette vermischtes vortreffliches Futter. Ein für den Kaiscrstuhl nicht unbeträchtlicher Graserwachö findet an 55 den unendlich vielen Ruinen statt, welche ebenes Acker- und Weinberg- Gelände bilden; die südlich gelegenen Ruine geben nur einen Schnitt an Gras und zwar im ersten Frühjahr, die Grasnarbe vertrocknet dann in der Regel; die Kaiserstühlcr haben jedoch eine vortreffliche Methode um dennoch Nutzen auS diesen kahlen Rainen zu ziehen, sie stecken nämlich auf die obere Kante derselben in Stufen von 12 Fuß Entfernung Feldkürbissc und hängen deren Ranken die Raine hinab; ohne Schaden für andere Gewächse, erreichen sie dadurch die Benützung der vertrockneten Graöraine und erhalten ein nicht unbeträchtliches Schweine- und Rindvichfntter im Spätjahr; die Straße von Jhringen nach Riegel verfolgend, sieht man zwischen den Reben die üppig rankenden Kürbisse reichlich mit weit hinglänzenden goldgelben Früchten beladen. In dem niederen sumpfigen, den Kaiscrstuhl umgebenden Wicsen- gcländc, besitzen die meisten Orte Matten; das von denselben gewonnene Futter in der faulen Waag, in dem Wasenweiler Ried, Nimburgcr Matten w. re. ist im Durchschnitt ein sehr schlechtes und nur wenige Morgen, hoher gelegen, geben gutes süßes Futter; gehen wir um den ganzen Kaiserstnhl, so drängen sich unS überall die verschiedensten Culturbildcr auf; üppige Nebcnvcgetation auf den Vor- hügcln; schöne Ackerfelder in einem schmalen Streifen zwischen diesen und jenen sumpfigen Niederungen, die den Kaiserstuhl von Bnrkheim, an Jhringen vorbei, bis Riegel umgeben. Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß diese Matten ein altes Rhcinbctt bezeichnen, das verlorst, jetzt noch an Versumpfung leidet. In neuester Zeit hat man dieses Mattcngelände durch Entwässerungsgräben trocken gelegt, es mußte diese Arbeit eine um so raschere Wirkung äußern, als die ganze große ebene Fläche aus gleichmäßig 4 bis 5 Fuß tiefem Torfboden besteht, der auf einer sehr durchlasscnden Nhcin-Kiesschichte anfliegt; dieser Kies, durch Gräben durchschnitten, mußte in kurzer Zeit das Ausrinnen des, zeitweise über die Torfschichte stehenden Wassers, zur Folge haben. Leicht könnte ein solcher lockerer, thcils aus verwittertem Torf, Torferbe, bestehender Boden, nach tiefer Entwässerung von gcgenthciligen ungünstigen Verhältnissen beeinflußt werden; wir haben schon öfter den Fall erlebt, daß auf solch entwässertem Torfgelände die Vegetation aus Mangel an Feuchtigkeit verschwand und der Ertrag ein geringerer wurde, als bei zu großer Nässe; doch kann dies 56 bei dem geringen Gefäll der Entwässerungsgräben besagter Matten durch Stauen des Abwassers bei Trockenheit leicht wieder ersetzt werden. Der Torf-Hnmus wird durch Trockenlegen allmählich in süßen Humus verwandelt, allein es wird solchem Boden, um ein genügendes Vegetations-Resultat zu geben, stets an den anorganischen Bestandtheilen fehlen; es wird deßhalb von Einzelnen Loesboden aufgeführt, der ein überaus günstiges Resultat schon in einer Quantität von 1 Cubikruthe (50 Wagen) auf den badischen Morgen gibt. Dieses Loesüberfahren ist jedoch ein Mittel, welches nur sehr allmählich, besonders im Wasenweiler Ried, circa 3000 Morgen groß, in Ausführung gebracht werden kann, denn es wären außerordentliche Erdmassen nothwendig, um diese ganze Fläche in entsprechendes Erträgniß zu bringen; ein einfaches, in ähnlichen Verhältnissen anderen Ortes gebräuchliches Mittel, solche Ländereien zu verbessern, besteht im Brennen eines TheileS des Torfbodens; die dabei gewonnene Asche vermehrt in dem restlichen Theil des Bodens die anorganischen Bestandtheile und auf eine lange Reihe von Jahre hinaus gibt ein solcher gebrannter Torfboden überraschende Erträgnisse der verschiedensten Kulturpflanzen. Allerdings würde man auf solchem Boden nicht sogleich wieder Gras einblümen und in Matten verwandeln, denn er wäre zum Anbau besonders von Mais, Rüben aller Art, Weizen rc. vorzüglich geeignet. Es ist jedoch für die Gemeinden besser, sie benützen ein schlechtes Grasgelände zur Cultnr von Fcldgewächsen, als daß sie sich mit dem Graserwachs saurer Wiesen begnügen. Einen für jeden unparteiischen Landwirth herzzerreißenden Anblick gewährt die jetzige unvollkommene Benützung des Wasenweiler Riedes, und jedem Fremden drängt sich beim Anblick dieser so großen, so zu sagen verlassenen Fläche, mit dem leicht zu den üppigsten Feldern verwandelbaren Boden, die gerechte Frage auf, ob es in der berühmten badischen Rheinebene möglich ist, noch solche Flächen uncnltivirtes Land zu finden? Kaiser- stühler, bauet mehr Futter auf den Höhen, bauet Klee auf den ausgemagerten Loesfeldern und verwendet Euer bestes Gelände in der Ebene zu Getreide und Rübfuttcr, verwendet vor Allem das jetzt öde liegende Wasenweiler Nied mit der faulen Waag zu einem Cultur- Paradies, zu dem es berechtigt ist gemacht zu werden! Den Anbau von sogenannten Handelöpflanzcn, Raps, Hanf, Tabak rc., treffen wir am Kaiserstuhl mit Recht uur sehr selten, nur 57 zum Selbstverbrauche an; wenn eine Gegend Weinbau in so großer Ausdehnung wie der Kaiserstuhl treibt, müssen alle Düngerkräfte auf diesen gerichtet werden, muß die übrige Feldbestellung dem Bedarf des eigenen Haushaltes und dem eines entsprechenden Viehstandes gewidmet sein. Daß sich die reichen Thäler >des Kaiserstuhles vortrefflich zum Anbau von Tabak, Raps, Hanf rc. eignen würden, versteht sich bei den schon beschriebenen Verhältnissen zu selbst. L. Vbstcnltur. Der Obstbau am Kaiserstuhl ist sehr ausgedehnt und wir glauben, daß Ackerfeld und Weinberge uuverhältuißmäßig großen Schaden durch die dieseben zum größeren Theil bedeckenden Nuß- und Kirscheubäume nehmen müssen. Wenn wir auch mit jenen Baumpflanzuugcn auf Hügeln und erponirten Lagen vollkommen einverstanden sind, können wir dies keineswegs da, wo die besten Reb- lagen, in welchen ein vorzügliches Product geliefert werden könnte, mit Kirschbäumeu verdorben werden. Doch wir dürfen oft nicht im Interesse dessen richten, was das beste Product geben würde, indem Verhältnisse cintretcn, welche die Situation wesentlich ändern. Es ist z. D. Thatsache, daß die großen Kirschbäume in den guten Lagen bei Wasenweiler und Jhriugen sehr uachtheilig auf die Qualität des Weines influiren müssen, allein der arme Rebbesitzer hat im Frühjahre meist kein Geld für die nöthigste Lebsucht mehr, er müßte, wie dies oft geschieht, von Speculanten leihen, welche sich im Spätjahre durch deren Wein um billigen Preis bezahlt machen, und sieht sich so im ersten Frühsommer im Besitze eines Productes, wodurch er bis zum Herbste einen großen Theil seiner Lebsucht bezahlen kann. In der That findet mau die Kirschenzucht in den vortrefflichen Neblagen auch nur in denjenigen armer Leute, Reichere halten reinen Weinberg. Der Kirschbaum ist am Kaiserstuhl am weitesten verbreitet, sodann folgt der Nußbaum, viel weniger werden Aepfel- und Birnbäume cultivirt, Zwetschgen verhältnißmäßig aber in großer Anzahl. Die Kirschsorten des Kaiserstuhles sind sehr mannichfaltig und werden nach zwei Richtungen hin zu veredeln gesucht; einesthcilö zu schöner Marktwaare, anderutheils zur Kirschwasserbereituug. Bei 58 einer Sammlung der verschiedenen Kaiscrstühlcr Kirschsorten zum Bchufe der Veredlung der auf dem Hose Lilienthal gepflanzten wilden Kirschbäumc haben wir folgende vorzügliche Sorten, sowohl zum Dörren und Frischverlauf, als auch zur Kirschwasserbereitung (Zuckergehalt und Tragbarkeit) gefunden: Sorten zum Verkauf im frischen Zustande sind: die frühe schwarze Kirsche; die frühe rothe Kirsche; die frühe Wasserkirsche (hellroth); die schwarze und rothe Herz- oder Knorbelkirschc; die Ostheimer Weichselkirsche. Die besten Sorten zum Dörren sind: die schwarze Herzkirsche; die Achkarrener Kirsche; der schwarze Kurzstiel rc. Die beste Sorte zur Kirschwasserbcreituug ist unstreitig die sogenannte Halbgezweigte, eine halbgroße schwarze sehr süße Kirsche, sie trägt reichlich und gibt vermöge ihres Zuckergehaltes sehr viel Alkohol. Neben diesen gibt cS noch eine große Anzahl Sorten, deren Werth wir verhältnißmäßig nur gering erachteten. Im wilden Zustande, in den Wäldern des Kaiscrstuhles befinden sich eine große Menge Kirschbäume in beträchtlicher Stärke; deren Früchte oft zur Kirsch- wasscrbereitung gesammelt werden; sie rcpräsentircn die im Wesentlichen verschiedenen veredelten Sorten, so finden sich hellrothc und dnnkelrothe, auch gelbe wilde Kirschen vor mit verschieden großen Früchten, deren manche die Größe und Güte von veredelten Sorten erhalten, besonders ist dies in kräftigem Thalwaldc der Fall, so daß man hier deutlich den Einfluß günstigerer Boden und climatischer Verhältnisse auf die Veredlung des Obstes erkennt. Einer nicht allgemein wild vorkommenden, aber edlen Kirschsorte müssen wir noch Erwähnung thun, deren Anbau wir sogar für den Kaiscrstnhl empfehlen mochten; es ist dies eine strauchartige, schwarzfrüchtige Weichselkirsche mit kurzen: Stiel und etwas plattgedrückter Frucht; sie unterscheidet sich in keiner Weise von jener, die wir in den Gärten unter dem Namen Ostheimer Weichselkirsche kennen. Diese Kirschcnsträuchcr finden sich an allen Wegrainen des Kaiserstuhlcö in großer Menge vor, sie sind wenig beachtet, ihre Früchte, auf größeren Märkten sehr gesucht, werden die Beute von Kindern und Vögeln; nur in Riegel haben wir dieselben zum Verkauf einsammeln sehen. Der Kaiserstuhl 59 mit seinen vielen Terassen, Rainen, steilem und entlegenem Terrain, mit einer großen Menge solcher Einwohner, die sich, wenn nichts in den Reden zn arbeiten ist, mit dem Markt-Vcrkaufe von Kirschen, Erdbeeren, Trauben w. ernähren, könnte gewiß aus den Kaiscrstühler Weichselkirschen den gleichen Vorthcil ziehen, den sich die Ostheimer aus ihnen zu machen wissen, und besser wäre cs für Viele, sie würden statt einem kleinen schlechten Weinberg eine gute Weichselkirschenanlage haben, die eine sichere und große Rente abwerfcn würde. Eine solche Anlage müßte in Reihen von 8 Fnß Breite angelegt und dieselben in einer Entfernung von 5 Fnß mit Weichselkirschen besetzt werden; zwischen den Kirschen könnte noch Fntternutzung statthaben; in Ostheim schneidet man solche Kirschenpflanzungen alle 20 Jahre am Boden ab und man erhält dann neue kräftigere Pflanzen mit großen Früchten und erhöhter Tragbarkeit; alte Weichselsträucher geben nur kleine trockene Kirschen. Die Nußbänme des Kaiscrstnhles haben im Vergleich mit anderen Landcsgegenden ein sehr starkes Wachsthnm und große gleichmäßige Tragbarkeit; man sucht vergebens in den starken Aesten nach Spuren , von Frostjahren, welche die ganze Krone in einem kalten Winter zerstörten, so daß sich dieselbe in folgenden Jahren wieder durch Wasserschosse neu hätten bilden müssen; ein kräftiger Stamm mit gesunder Rinde, normale Astcntwicklung, kräftige Blattvegetation sind dem Kaiserstühler Nußbänme eigen, sie fühlen sich in dem dortigen milden Clima vollständig zn Hause, was das in den Wäldern verwildert vorkommende Auftreten des Nnßbanmes noch weiter bestätigt. Die Varietäten der Nüsse in Form, Härte der Schale sind sehr zahlreich und so ziemlich unbestimmbar, da sich durch Bastardirnng und Auösaat stets verschiedenartige Früchte entwickeln. Wenn man neue Nußbänme setzen will, so sieht man vorerst was für Früchte dieselben geben und wählt stets solche mit großen Früchten und dünner Schale, die leicht zu entkernen sind und deren Kern nur wenig mit holziger Substanz durchwachsen ist; ist der Kern stark mit holzigen Flügeln durchwachsen, se nennt mau solche Zirpelnüssc, eS findet sich solche ungünstige Eigenschaft oft in so großem Maaße, besonders bei solchen, die verwildert im Walde gefunden werden, daß man an jene amerikanische sehr ölreiche Nuß erinnert wird, deren Kern vollständig mit harter Holzsubstanz durchwachsen, beinahe unverwendbar ist. Der Nußbanm 60 gibt den Kaiserstühlcrn ein treffliches Salatöl und Fett zum Schmelzen aller Speisen. Der Apfel- und Birnbaum ist am Kaiscrstuhl verhältnißmäßig nur in geringer Zahl anzutreffen, immerhin genug, um den Bedarf der Einwohner au frischem und gedörrtem Obst zu decken und noch ein beträchtliches Quantum iu Handel zu bringen; zu Wein wird das Kernobst am Kaiserstuhl mit Ausnahme einiger Birnen nicht verwendet. Die daselbst üblichen Sorten sind im Durchschnitt mehr zu den Wirthschaftsorten zu zählen, Tafeläpfel, die sich für den Markt besser eignen würden, sind verhältnißmäßig nur wenig anzutreffen. Die verbreitetsten sind: der rothe Wintertaffetapfel, die in Baden unvermeidliche Champagner-Renette, der ungerippte Lederapfel, vorzüglich aber ein Heer jener Strciflinge, in welche Abthcilung die Pomologen gewöhnlich alles das einweisen, was unbestimmbar schlecht und sauer ist, ob sie Streifen oder keine haben; in letzterem Falle sind es pomologisch wissenschaftliche interessante Ausnahmen. In besseren Obstgärten werden die Pariser Rambourrenette, die kleine Goldrenette, sehr häufig angctroffen, auch ein den Maschanzker ähnlicher, sehr schöner Apfel, den wir nicht zu dem eigentlichen Bors- dorfer rechnen zu dürfen glauben. Eine Farbeneigenthümlichkeit mußte uns im Vergleich mit andern badischen Obstarten, mit Oberkirch, Bühl, Achern re. stets auffallen; indem der Handel in letztgenannten Orten beinahe ausschließlich nur auf eine schöne rothe Farbe der Aepfel sieht, zeichnen sich die Kaiserstühler Sorten meist durch eine schöne goldgelbe Farbe aus. Alle edleren Apfelsorten die wir am Kaiserstuhl zu Gesicht bekamen, waren sehr kräftig nnd vollkommen entwickelt, die schönsten weißen Calville, in einer Größe wie sie sonst an Spalieren nur zu treffen sind, hatten wir Gelegenheit von einem dicken Hochstamme pflücken zu sehen. Die Cultur von Birnbäumen ist von sehr geringer Bedeutung; mit Ausnahme einzelner frühen Sorten, (frühen Zuckerbirnen) und wenigen guten Tafelbirnen fürs Spätjahr (Bestenbirne, Dielö Butterbirne) treffen wir nur sehr wenige Winterbirn-Bäume an, sie scheinen nur den eigenen Bedarf decken zu sollen. (Pfafsenbirne, grüne und rothe Winterbirne, Bctzelsbirne.) Der allgemeine deutsche Zwctschgenbaum ist am Kaiserstuhl in überaus großer Anzahl zu treffen, er findet in den vielen kleinen, 61 quellenrcichen Thälchen, längs den Wassergräbchen einen sehr passenden Standort, er trägt dort reichlich beinahe ohne Unterbrechung und verursacht durch seinen kleinen Wald, Krone, keinen Schaden. Auch an feuchten Rainen entlang treffen wir den Zwetschgenbaum allein nur wenig, denn die allegemeine Ansicht der Kaiserstühler ist, daß derselbe das Wasser rieseln hören wolle; wir glauben auch, daß dies für den Kaisenstuhl richtig ist, indem es demselben leicht zu warm und trocken werden könnte. Die italienische Zwetschge wird zwar hie und da angetroffen, allein deren Ertrag ist ebenso unsicher im Vergleich mit der deutschen, wie in andern Theilen Badens und man zieht deßhalb im Großen stets die Letztere vor. Andere Steinobstsorten sind nur in den Gärten größerer Gutsbesitzer anzutreffen, sie gedeihen, wie es nicht anders zu erwarten, stets vortrefflich und würden gewiß auch dem kleinen Gutsbesitzer als Marktwaare großen Vortheil bringen; so glauben wir auf die Mirabelle aufmerksam machen zu müssen, von denen größere Anlagen sich zum Verkauf im frischen Zustande sowohl wie getrocknet, vortrefflich rentiren müßten. Der Pfirstchbaum wird in Weinbergen vereinzelt angetrofseu, die gewöhnlich für denselben ausgesuchten südlichsten Lagen scheinen zu trocken zu sein, denn diese Pfirsichbäume können keinen Vergleich mit denen der Pfalz aushalten, jene sind klein und kümmerlich gewachsen, diese aber zeigen auf einem kräftigen Stamme eine regelmäßig stark tricbigc Krone. Einige schwächliche Exemplare des Mandelbaums, die man nur selten am Kaiserstuhle antrifft, verrathen auch für diesen Baum keine sehr günstigen Aussichten, obschon wir gestehen müssen, daß die Mandelsorten, mit denen man am Kaiserstuhl Versuche angcstellt, auch in der Pfalz nur kümmerlich gedeihen würden, und jene unveredelten Kernstämme der Pfalz, die dorten gleich Apfelbäumen kräftig vegetiren, müßten auch am Kaiserstuhl bessere Resultate liefern. Wir müssen noch eines Schalenobstes erwähnen, das zwar am Kaiserstuhl nicht angetroffen wird, das aber sicherlich auch vortrefflich gedeihen müßte, der Kastanie; oft mußten wir uns die Frage stellen, warum man am ganzen Kaiserstuhl keine Kastanienbäume antrifft; sollen niemals mit solchen in Wäldern Versuche angestellt worden sein, soll niemals die Gelegenheit sich geboten haben, daß Kastanien durch zufällige Ereignisse sich am Kaiserstuhl besamten? 62 Wir können es kaum glauben und dennoch müssen wir die Verhältnisse nach anderweitigen Erfahrungen für günstig erkennen. Ein Versuch ans dem Hofe Lilienthal wird in Zukunft lehren, ob die Kastanie für den Kaiserstuhl paßt oder nicht. Ein Blick auf den Viehftaud des Kaiserstuhles überzeugt uns sogleich, daß solcher nur die alleruöthigsten Bedürfnisse au Arbeitskraft, Milch und theilwcisc Fleisch, Dünger im Stande ist zu bieten, aus dein Viehstande selbst erwartet mau keine Geldeiunahmcn, sondern muß im Durschnitt noch baares Geld auf denselben verwenden. Es ist somit nicht überraschend, wenn wir bei dem Kleinbesitz des Kaiser- stuhleö keine Nacen, kein schönes Vieh autreffeu, sondern Thiere von verschiedenster Abstammnng, von verschiedener Stärke, beim Rindvieh sogar bis zu den llebergängen zur Geise, so wie sie der Handel nach Bedürfnis; eingeführt. ES machen hiermit diejenigen Kaiserstühler Orte besonders auf der Nordseite eine Ausnahme, deren Gemarkungen zum größeren Theil sich in die Ebene erstrecken, wie z. B. Riegel, Endingen, Sasbach und andere, deren Vichstandsverhältnisse mehr denen der Orte der Ebene sich nähern; von diesen müssen wir hier, als nicht für den Kaiserstnhl charakteristisch, Umgang nehmen. Die Zngarbeit wird am Kaiserstuhl nur zum kleinen Theil mit Pferden ausgeführt, größtenthcilS werden Ochsen und auch Kühe verwendet; die gebirgige Lage, steile Wege w rechtfertigen den geringen Pferdstand vollkommen. Die Pferde sind meist klein und sehr gering und nur zu oft möchte man den Leuten den Rath geben, ihre schwachen Pferde mit lästigen Ochsen zu vertauschen, allein hier, sowie anderwärts ist das Ehrgefühl befriedigter, an einem dürren Gaul hernm- znpeitschcn und zu knallen, als sich bei Ochsenfuhrwerk zu erniedrigen ; geradeso wie der Pferdeknecht stets den Ochsenknecht mit Verachtung behandelt. In den Pferden kann keine bestimmte Nace erkannt werden, wo man ein besseres Pferd findet, ist es von den Stuttgarter oder Ulmer Märkten bezogen. Das Rindvieh, ebenfalls, da keine Aufzucht getrieben wird, von der ganzen Umgegend zusammengchandelt, läßt nur selten den Charakter des Wälder-Viehcs erkennen (Schwarzwälder). 63 Man kauft auf den Emmendinger, Endinger und Freiburger Märkten Ochsen und Kühe, benützt dieselben und gibt sie wieder als Fettvieh ab. Wie wir schon erwähnt, machen die nördlichen Orte eine Ausnahme in der Viehhaltung, in Endingen und Sasbach, Königschaff- ^ Hausen mästet man viel Vieh, besonders im Spätjahr mit dem Welschkvrnfntter, im Winter mit Kartoffeln, Heu und Rüben. Die Schafhaltung ist nur eine geringe, was bei den kleinen Parzellen und freier Wirtschaft vorauözusetzen ist. Die Ziegeuhaltuug wird, wie andern OrtS auch, von armen Leuten, die keine Kuh ernähren können, betrieben. Die Bienen finden am Kaiserstuhl, während des ganzen Sommers und Frühjahres, ein reichliches Futter; im ersten Frühjahr geben die vielen Erlen-, Weiden und Hasclnuß-Blüthen eine reichliche Weide, sodann kommen die Kirschen, Zwetschgen rc., neben den Culturpflauzcn liefert die reiche, maunichfache Flora deö Kaiserstuhles während des ganzen Sommers bis zum Winter entsprechendes Futter, wozu die ungestörte Vegetation der vielen Raine einen großen Beitrag leisten mag. Die anerkannt güngstige Lage im , Kaiserstnhl für Bienenstöcke, schreiben wir nicht allein dem Blüthen- rcichthnm, sondern auch der kräftigen Entwickelung der Blüthcn zu, die gewiß mehr Honig geben werden, als solche ungünstigerer Climaten. Man begnügt sich zur Zeit noch mit der gewöhnlichen Korbbienenzucht und wartet ab, ob sich die Dzicrzon'schen Rahmcnstöcke für den kleinen Bienenzüchter bewähren oder nicht; denn sogar größere Bienenzüchter verlassen bereits wieder diese zwar schöne aber nicht leicht zu behandelnde Methode. Auch der am Kaiserstnhl vernachlässigten Seidenzucht seien einige Worte gewidmet. Welches Ländchcn, welche Verhältnisse wären wohl zur Zucht der Seidenraupen, zur Anpflanzung des Maulbeerbaums besser geeignet als der Kaiserstnhl; bei für Manlbcervegetation und Raupcnlcben günstigen Clima, sind so viele unbenützte Stellen, Raine, weit entferntes Bergfeld w. vorhanden, daß durch Anpflanzung der Maulbeere an solchen Orten nicht etwa eine sonstige Cnlturpflanze beeinträchtiget würde. Land für Maulbeeren besitzt der Kaiserstnhl in Masse; aber auch die Hände würden sich finden, denn die für den großen Weinbau erforderlichen Arbeitskräfte, ruhen nur zu oft im Sommer, eine neue Nebarbeit erwartend; die Arbeiten bei den Nau- 64 pen würden nur eine Lücke ansfüllen, oder durch die große Nachzucht, den reichen Jugendkräften Gelegenheit geben, sich ein Stückchen Geld zu verdienen. Mögen die landwirthschaftlichcn Bezirksvereine, welche die Interessen des Kaiscrstnhleö vertreten, auf Beförderung der Seidenzucht hinwirken, wenn eine Gegend in Süddeutschland zur Seidenzucht geeignet ist, so ist es der Kaiserstuhl; Beweise hierfür hat , uns die Filanda deö leider zu frühe verstorbenen Grafen von Kageneck in Munzingen am benachbarten Tuniberge gegeben; möge sie fort- Llühen und sich verbreiten und somit zum lebendigen Denkmal des Verstorbenen werden. Hof Lilienthai i. Landwirthschaftliche Beurtheilung. Ankauf des Hofes. Der Hof Lilienthal, nach der Kaiserstühler Mundart, Jlgen- grube genannt, liegt auf der halben Höhe der südlichen Abdachung des Kaiserstuhles, er umfaßt ein Gebiet, welches sich nicht allein durch Bodenrcichthum, üppige Vegetation und günstige Lage auszeichnet, sondern ein jeder Weg, eine jede Anhöhe des Hofes bietet auch dem Besucher eine reizende Aussicht über das herrliche Breisgau. Oft drängte sich uns die Frage auf, warum dieser, in jeder Beziehung günstige Länderstrich, nicht schon längst eine bessere Benützung als zu einem Walde erfahren habe? Nur völlige Unkenntniß derjenigen, welche diesen eine halbe Stunde von der Landstraße abgelegenen Wald besuchten, läßt das Vcrgessensein eines der schönsten Theile des Kaiserstuhles erklären. Nicht so wie die letzteren Generationen haben die früheren Bewohner dieser Gegend gehandelt, den» überall hinterlicßen sie auf dem Hofe die Spuren der sorgfältigsten Cultur. Ueber die Entstehung der Terrassen, über die Wahrscheinlichkeit der Zeit des Verlassens eines großen Thciles des inneren Kaiscrstuhles haben wir bereits unsere Ansicht im ersten Thcil dieses Schriftchenö ausgesprochen; wir können hier in Betreff des Hofes nur die Vermuthung aussprechen, daß, indem wir auf keinem Theile desselben Spuren eines verlassenen Ortes, einer zerstörten Gemeinde angetroffen, cs uns der Lage nach oft erscheinen wollte, als sei der Jlgenhof ein Thcil der am Ausgang des Haupt- thales, des MühlenthaleS, gelegenen Ueberreste einer Gemeinde „Neuenkirch" gewesen, von welcher zur Zeit Nichts mehr vorhanden ist als die 5 66 Kirche, der Gottesacker und zwei Mühlen, OrtStheile, welche bei Zerstörungen entweder geschont oder aber die Mühlen wieder, der Wasserkraft halber, neu hergestellt worden; eigenthümlich bleibt es jedoch immerhin, daß in Urkunden vom 12. bis 15. Jahrhundert niemals eines Ortes Neuenkirch Erwähnung geschehe», indem doch alle übrigen Orte bei Herrschaftöwechseln genannt wurden. Verfolgen wir die neueren Begebnisse der Jlgengrnbc von jetzt an rückwärts, so erhalten wir nur auf wenige Jahre Aufschluß. Die badische Gesellschaft für Tabaksproduction und Handel kaufte den Hof im März 1857 von einer sogenannten Waldgesellschaft, bestehend aus einem Kaiserstühler und zwei Elsässern, 561 Morgen groß, um den Preis von 80,000 sl. Diese Herren hatten den Hof als Jhringer Gcmeindewald zwei Jahre vorher in gleicher Größe nm den Betrag von 46,420 fl. von der Gemeinde Jhringen zur Umwandlung in Ackerfeld übernommen. Die Gründe, warum diese Herren das Gut so bald wieder verkauften, sind theilS in Uneinigkeit, theilö aber in dem sicheren Gewinn zu suchen, welcher sich ihnen, wenn auch nicht in vollem Betrage der Differenz obiger Zahlen, darbot. Auch die Gemeinde Jhringen war nicht lange im Besitze dieses Waldes, sie erkaufte solchen am 30, November 1835 von dem Staate und zwar in einer Größe von 876 Morgen 1 Viertel 91 Ruthen um die Summe von 74,445 fl. Von diesem Flächenmaaß gab dieselbe 1846, rings um den jetzt bestehenden Hof abschneidend, einzelne Waldparzellen, und zwar 315 Morgen, um den Preis von 52,275 fl. ab, den besten zusammenhängenden Theil aber im Jahre 1855, 561 Morgen groß, für 46,420 fl., so daß der Erlös aus dem ganzen Walde 98,695 sl. betrug. Die Gründe, welche die Gemeinde Jhringen veranlaßten, den Wald, ihren einzigen Gemeindewald zu verkaufen, wollen wir hier, da sich Persönlichkeiten in unangenehmer Weise berührt finden dürften, nicht näher beleuchten; so sehr wir jedoch das Verfahren des Staates, einer holzarmen Gemeinde einen Wald zu Eigenthum zu überlassen, anerkennen müssen, ebenso wenig können wir es für gerechtfertigt finden, daß man kurze Zeit darauf die Erlaubnis; zum Verkaufe dieses Grundstückes ertheilte. Wenn auch eine Gemeinde sich in momentaner Geldverlegenheit befindet, so ist immerhin noch kein Grund vorhanden, daß solche in schlimmen Jahren zur Ausgleichung 67 ihrer Schuld gezwungen werde, und besonders muß dies bei einer so großen Gemeinde wie Jhringen auffallend erscheinen, deren Wohlergehen so ganz mit dem Herbsterträgnisse znsammenhängt, deren Finanzen sich durch ein gutes Weinjahr wieder mehr als erholen können! Doch es ist vorüber, die Gemeinde Jhringen hat keinen Gemeindcwald mehr, die Bürger murren vergebens ob der gemachten Fehler und einige Kurzsichtige oder vielleicht auch Weitsehende tragen sich mit der Hoffnung, daß der Hof Lilienthal dereinst wieder Jhringer Gemeindcwald werden könnte. Wenn wir dies im Hinblick auf die Vergänglichkeit deS Bestehenden auch nicht bestreiten wollen, so fühlen wir dennoch das größte Mitleid für die Gemeinde; wir trösten uns aber in der Voraussicht, daß der Hof, wie er jetzt besteht, für die arme Bevölkerung Jhringcns ein beständiger Quell des Verdienstes sein werde, der sich vorzüglich in geringen Wcinjahren in sehr fühlbarer Weise bemerklich machen wird; das Brennmaterial aber möge die Gemeinde in ihrem Ried suchen, sie möge Torf stechen und an die Gemeindeglicder gleich Waldnutzung, wie in anderen holzarmen Gemeinden vielfach geschieht, vergeben. Einen genauen Nachweis, wann die Jlgengrube Staatseigenthum geworden, konnten wir nicht erlangen; wir glauben jedoch annehmen zu dürfen, daß der vorherige Eigenthümer der v Deutsch-Orden gewesen, von welchem wir noch einige Steine in dem Walde anzntreffcn Gelegenheit hatten, ja wenn wir bedenken, daß das benachbarte Wasenweiler dem deutschen Orden zngehörte, daß Wasenweiler seiner Lage nach vielleicht nur das verlegte Neuenkirch ist, so wird uns beinahe zur Gewißheit, daß der letztbekannte Besitzer der Jlgengrube der deutsche Orden gewesen. Die Abgaben des Hofes, die Gemeindcumlagcn in Jhringen sind zur Zeit beträchtlich, sie werden sich mindern, sobald die nicht unbedeutenden Schulden abgelöst, die Kirche und das Schulhaus hergestellt sein werden. Die ärmsten Gemeinden haben sich rasch durch günstige Jahre gehoben, sind durch gute Verwaltung in kurzer Zeit zu blühendem Zustande gelangt; hoffen wir, daß Jhringen aufblühen und einem soliden gleichmäßigen Wohlstände entgegen gehen möge. Wir glauben bei ruhigen Zeiten dieses Ziel nicht ferne, indem eines- thcils die Unternehmungen der Herren Blankenhorn von Müllheim und diejenigen der Tabaksgesellschaft alljährlich viel Geld unter die Bevölkerung 5 « 68 bringen; andcrnthcils aber der allgemeine Aufschwung des Kaiserstuhles, durch bessere Verkehrswege und Bekanntwerden der vorher nur von Einigen benutzten Eigenthümlichkeiten hervorgerufcn, seine sicheren Früchte bringen werde. Bodenverhältnisse- Bei Betrachtung der Bodenverhältnisse des ganzen Kaiserstuhlgebietes machten wir darauf aufmerksam, daß wir im Wesentlichen 3 Bodenarten antreffen: a. reiner Doleritboden (über 1200'Mccreshöhe od. an Abhängen), b. reiner Loesboden (auf Hügeln), e. Dolcritloesboden (in Thälcrn). Diese 3 Bodenarten sind auch auf dem Hofe Lilienthal vorhanden und zwar in folgendem Maaßverhältnisse: Maaß Dolcrit- LocS- Dolcritloesboden tm Ganzen. bodcn. baden. in Thälern u. Mulde». Ackerfeld . 340 Morgen. 15 Morgen. 175 Morgen. 150 Morgen. Wiesen 25 „ — /, — „ 25 „ Weinberge 30 n 8 22 „ » Obstgarten 25 „ — 20 n 5 „ Wald . . 90 „ 50 40 n » 510 „ 73 257 „ 180 „ Wir haben diese wesentlichst verschiedenen Bodenarten in der beigefügten Karte vom Hof durch verschiedene Farbe bezeichnet. In je 100 Theileu dieser 3 Bodenarten ist enthalten: Dolerit- Loes- Dolcritloesboden bodcn. bodcn. in Thälern ».Mulden Kieselerde (als Silicate) . 48,21 1,06 24,63 Kieselerde (Quarzsand) . — 54,46 27,23 Thonerde...... 10,15, 6,89 15,32 Eisen- u. Manganorhdul . 13,62! Kalkerde. 14,62 17,53 16,07 Talkerde. 7,43 0,84 4,13 Kali. 3,66 0,19 1,92 Natron. 1,02 0,14 0,58 Phosphorsäure .... 0,71 — 0,35 Schwelfelsäure . . . . 0,19, 5,50 2,84 Chlor. — ! Kohlensäure. — 13,50 6,75 Wasser ...... — 5,07 2,53 69 Bci der Verschiedenartigkeit der Gemenge des Dolerites und seinen wesentlichen und zufällig eingeschlossenen Mineralien, bei der Ungleichartigkeit des Loes und der verschiedenartigsten Mischung des Dolerit- loesbodens in den THÄern ist eine oder die andere Analyse des auf dem Hofe da oder dort genommenen Bodens von keinem besonderen Werthe, es genügt, aus den gegebenen Analysen den Grnndcharacter der wesentlich verschiedenen Bodenarten zu erkennen; es sind natürlich Hunderte von Zwischengliedern möglich. Im chemischen Laboratorium in Freiburg wurden Phosphor- und Kali-Bestimmungen von Erden und Gesteinen des Hofes ausgeführt, sie ergaben folgende Zahlen: Phosphorsäurc. Kali. 1. Humusreicher Loesboden vom großen Gegenbühl 0,038 0,090 2. rothcr Lehmboden von der Ziegelhütte .... 0,043 0,010 3. schwer verwitterbarer dichter Dolerit vom Steineweg 0,079 0,101 4. Augitreicher porphyrartiger Dolerit (leicht verwitterbar) vom Steineweg. 0,084 0,203 5. gemeiner Dolerit (leicht verwitterbar) v. Steineweg 0,015 0,912 6. verwitterter Trachyt vom großen Sauthal . . 0,069 0,003 7. Humusreicher Doleritboden aus dem oberen Wctzen- thal (von Loes nicht beeinflußt mit sehr starker Vegetationskraft). 0,132 0,119 So günstig die Analysen lauten, so ist dennoch die leichte Verwitterbarkeit des Dolerites, im Vergleich mit Granit oder Gneis, der Hauptgrund der großen Fruchtbarkeit. Wie wir bei Betrachtung der geognostischen Verhältnisse des Kaiscrstuhlcs gesehen, sind die Verwitterungsverhältnisse des Dolerites sehr verschieden; der leicht ver- wittcrbarste aber wird für die Bodencultur der beste sein; wir können sämmtliche Dolerite des Hofes als sehr leicht verwitterbar bezeichnen; Adern von dichten Doleriten durchziehen nur selten den beinahe auf dem ganzen Hofe mit der Hand leicht zerbröckelbaren gemeinen Dolerit und Doleritmandelstein. Sämmtliche Bodenarten deS Hofes sind mit einer großen Menge Pflanzenreste, Humus, gemengt; dieser färbt zur Zeit die Ackerböden alle gleichmäßig schwarzgrau, so daß kein Loes- oder Doleritboden auf den ersten Blick zu erkennen ist, erstercr wäre ohne Humus gelblich- weiß, letzterer aber schwärzlich gefärbt. Der süße Humus, die Lunge des Bodens, welcher vermöge seiner Porosität die Verbindung des. Sauerstoffes der Luft mit dem Innern des Baugrundes herstellt, und so die Verwitterung anorganischer, die Verwesung organischer düngender Bestandtheile ermöglicht, der selbst bei langsamer Zersetzung Kohlensäure abgibt und höchst wahrscheinlich Amoniak aus dem indifferenten Stickstoff der Lust zu entwickeln vermag, dieser schwarze Humus, welcher den Boden vermöge seiner Farbe gegen Sonnenstrahlen erwärmungsfähig macht und Feuchtigkeit aus der Luft anzuziehen vermag, der Stoff, dessen Vorhandensein im Boden unter allen Umständen die Güte des Feldes bedingt, zu dessen künstlicher Herstellung man aber Jahrhunderte bereichernder Cultur nothwendig hätte, ist auf dem Hofgut Lilienthal in reichlichem Maaße, als in vielen Jahrhunderten angesammelter Waldhumus, vorhanden. Denken wir uns mit einem Schlage allen Humus vom Hofe entfernt, so würden die Felder zum allergrößten Theile weiß erscheinen, sie würden jene unfruchtbare Loesfarbe dem Auge darbietcn, welche man bei Profilen des Bodens erst in einer Tiefe von 2 bis 3 Fuß jetzt antrifst; der Hof wäre unfruchtbar, hätte als Ackerfeld keinen Werth, die Cultur von Feldgewächsen würde sich nicht lohnen und mühsam nur könnte derselbe zu Wald bestanden werden. Waldcultur muß der Feldcultur vorausgehen, damit sich durch sic anorganische Reste, Humus im Boden ansammle, auf dem Hofe ist dies in reichlichem Maaße der Fall gewesen und schon längst war derselbe durch Waldvegetation zu Ackerfeld hergerichtet, denn eine schwarze Humusschichte durchdringt jetzt den Boden des ganzen Geländes auf durchschnittlich Fuß Tiefe. Der Humus ist ein unersetzbares Kapital für den Boden, er ist in so reichem Maaße vorhanden, daß man in den ersten Jahren ohne Sorgen, auf Kosten desselben, ohne sogleich wieder an Ersatz denken zu müssen, wirtschaften, Erndten nehmen kann, bis der höhere Culturzustand es ermöglicht hat, Futterpflanzen in der Ausdehnung zu cultiviren, als es zur Haltung des als nothwendig berechneten Viehstandes erforderlich wird. Die Humusansammlung ist, je nach Lage des Geländes verschieden groß; ans sterilen Anhöhen erreicht man schon bei einer Tiefe von 8 Zoll das Ende des Humus; in flachen Thälern sucht man oft auf 3 Fuß Tiefe vergeblich nach demselben. Die Qualität der Felder ändert sich nach dieser Verschiedenheit, wir können die drei oben angeführten in anorganischer Beziehung 71 verschiedenen Bodenarten nach ihrem Humusgehalt Abtheilungen bringen und zwar: Humusschichte von wieder in drei 8 Zoll. 16 Zoll. 32 Zoll u. mehr Tiefe. Ackerfeld . . , . 50 Morgen. 200 Morgen. 90 Morgen. Wiesen . . . io „ 10 „ 5 „ Weinberge . . - 10 15 5 Obstgärten . . 3 „ 18 4 „ Wald. . . . . 10 40 „ 40 83 Morgen. 283 Morgen. 144 Morgen. Climatische Lage. lieber die günstige climatische Lage des südlichen Theiles des Kaiserstuhles haben wir uns schon bei Betrachtung dieses Gegenstandes in Beziehung auf das ganze Gebirge ausgesprochen; wir erwähnen hier mir, daß daS ganze Terrain des Hofes sich auf jener südlichen Abdachung des Kaiserstuhles befindet, welche sich von den 9 Linden und ? dem Todtenkops aus gegen Süden erstreckt, in einer Höhe von 800 bis 1400 Fuß gelegen; wenn auch somit 300 Fuß höher wie der Fuß des Kaiserstuhles, so ist derselbe dennoch durch seine von Norden her geschützte Lage diesem in climatischen Beziehungen ziemlich gleich zu stellen. Betreten wir die Spitze jenes Hügels, welcher zwischen Wasenweiler und dem Ausgange des Mühlenthales liegt und wenden uns gegen Norden, so steigt das Terrain in kleinen Hügeln und Mulden amphitheatralisch gegen den Todtenkops und die neun Linden empor. Von dem östlichen und westlichen Ende dieser Höhen verlaufen sich zwei ebenfalls hohe Gebirgökämme gegen Süden, jenen malerisch aufsteigenden Länderstrich gegen Osten und Westen einschließend und schützend; in dieser großen, 1 Stunde breiten und Stunde langen, p. südlich gelegenen Mulde liegt der Hof, der ehemalige Gemeindewald Jhringens. Die allgemeine günstige Lage des ganzen Terrains, offen gegen Süden, nach den andern Weltgegenden geschützt, treffen wir am Kaiserstuhl nicht wieder; den Namen Grube, Mulde, finden wir aber in dieser Lage deS Hofes vollkommen gerechtfertigt. Auf dem Gute selbst wechseln kleine Thäler mit Hügeln und Mulden ab und bieten so eine große Verschiedenheit in Beziehung — 72 — auf specielle Lage gegen die Sonne; es wechseln südliche Abhänge, zu Reben geeignet, mit nördlichen Lagen, die besseres Ackerfeld zu geben bestimmt sind; die Hauptaufgabe bei Herstellung dieses Gutes ist unstreitig in der richtigen Benützung und Würdigung dieser verschiedenen Lagen zu suchen. Abgesehen vom günstigen Einfluß der Sonne erhöhet die dunkle Farbe des Humusbodens und die deö blau- schwarzen Dolerites die Wärme nicht unwesentlich; sie macht sich besonders im Spätjahr bemerkbar, indem die dunkelgefärbteu Hügel sich im Sommer erwärmt, im Spätjahr diese Wärme gleich einem Thon-Ofen langsam wieder abgeben und so die Spätjahrsvegetation, die am Kaiserstuhl als vortrefflich bekannt ist, hcrvorruft. Wir haben z. B. die Beobachtung gemacht, daß Schnee im Frühjahr länger liegen bleibt als in der Ebene, der erste Schnee aber im Spätjahr auf dem Hofe baldigst verschwindet. Sowie die Lagen der einzelnen Felder deö Hofes in Beziehung auf Erwärmungsfähigkeit sich verschieden zeigen, .so sind cs dieselben auch auf die Einwirkung des Windes. Im Ganzen ist Nord-, Ost- und Westwind durch Gebirgszüge abgehaltcn, im kleinen machen sich aber dennoch auf den Hügeln stärkere Winde fühlbar als in den Thälchen, es trocknet auf diesen der Boden sehr rasch; in den Mulden aber bleibt die Feuchtigkeit länger, die Vegetation ist dort schon aus diesem Grund eine kräftigere. Schon die Morgenzahl, welche zu Weinbergen gewonnen wurde, bezeichnet theilweise diejenigen Flächen, welche eine reine südliche Neigung zeigen, es sind noch viele derartige Lagen vorhanden; wir haben jedoch jedes Stück Land, welches mit dem Pfluge bearbeitnngs- fähig war, zu Ackerfeld verwendet, es sind circa 30 Morgen Reben mit rein südlicher Lage angelegt, allein die Auswahl von 100 Morgen bester Reblagen würde nicht schwerer fallen. Wir theilen der Lage nach das Terrain folgend ein: südliche, östliche, nördliche, westliche Lage. Ackerfeld . 170 Morgen. 125 Morgen. 15 Morgen. 30 Morgen. Wiesen . 2o ,, ,, ,, ,, Weinberge 30 „ — „ — „ — „ Obstgärten Ä „ 12 „ 2 ,, 6 „ Wald. . 28 „ 5 „ 8 „ 49 258 Morgen. 142 Morgen. 25 Morgen. 85 Morgen. 73 Das Thalfeld verheilt sich zu den Mulden und dem Hügelland folgendermaßen: Hügelland. Thalfcld. Mulden. mit Terrassen. ohne Terrassen. Ackerfeld . 50 Morgen. 50 Morgen. 210 Morgen. 30 Morgen. Wiesen . 25 „ — , ,, — „ Weinberge — „ — „ 30 „ — „ Obstgärten — „ — „ — „ 25 „ Wald . . - „ 10 „ 40 40 „ 75 Morgen. 60 Morgen. 280 Morgen. 95 Morgen. Die schädlichen Nord- und Ost-Winde sind am südlichen Theile des Kaiserstuhles durch entsprechende Hügclreihen abgehaltcn; in der Jhringer und Wasenweiler Gemarkung hat man deßhalb nur Furcht vor dem sog. Oberwinde, der ans der dortigen Ebene, dem Oberlandc, zu kommen scheint. Von regelmäßigen Winden, durch das kleine Gebirge selbst verursacht, kann deutlich allabendlich jene kalte Luftströmung bemerkt werden, die hei allen Gebirgen von den Höhen den Thälern entlang in die Tiefe stattfindet; es ist dies eine Ausgleichung der über Tag erwärmten Luft ans der Erde, welche in die Höhe steigend, einen Ersatz auf Kosten der oberen kälteren Luft zur Folge hat; so findet am Kaiserstuhl allabendlich eine kühle Luftströmung den Thälern entlang, von dem innern hohen Gebirge aus, nach allen Richtungen hin statt. Die feuchten, für die Vegetation so wohlthätigen Thauniederschläge sind auf dem Hofe im Frühjahr nur selten, im Sommer bleiben sie Vollständig aus, was bei trockener Witterung das Stillestehcn aller Vegetation ans der ganzen Südseite des Kaiserstuhls, besonders ans den Hügeln, zur Folge hat; im Spätjahr treten dieselben plötzlich in sehr bedeutender Stärke auf, so daß die Pflanzenwelt neu erwachend, gleichsam einen zweiten Frühling erlebt; es ist nicht unwahrscheinlich, daß diese starken Thauniederschläge durch die im Sommer gebundene Wärme des Gebirges und Differenz mit der kälteren Luft im Spätjahr hervorgcrufen werden. Der Regenfall ist am Kaiscrstnhl nach unseren Beobachtungen etwas geringer als in der Ebene oder am Schwarzwald; während die langen Rcgenbänke der anhaltenden Landregen die Schwarzwaldthäler anfüllen, kann man sich auf dem Kaiserstuhl oft mit unbedeutendem Staubregen begnügen; die von Südwest nahenden Gewitterregen 74 theilen sich in der Regel, wenn sic auf den Kaiserstnhl gerichtet sind, und gehen hälftig den Rhein hinab, zum andern Theil aber längs der Südostseite des Kaiserstnhleö gegen den Schwarzwald zu; die trockenen Jahre 1857 und 58 nöthigtcn uns nur zu oft zu derartigen Beobachtungen und ließen uns eine gewisse Regelmäßigkeit im Vermeiden der Regengüsse des inneren oder höheren Thciles des Kaiserstuhles erkennen. In den wenigen Ausnahmen dieser Regel, wo Gewitter ungehindert über den Kaiserstnhl hinzogen, waren die Wirkungen derselbe», die Regengüsse, außerordentlich groß; unaufhörlicher Donner mit nicht enden wollenden Blitzen, wolkenbruchartige Regengüsse und Sturm geben dann der sonst so anmuthigen, stillen Landschaft einen wildromantischen Character und ängstlich beobachtet dann der Landmann aus seiner Hütte die großen niederfallenden Regentropfen, ob sie nicht vielleicht wenige Minuten laug zu Eis erstarrt, verderblich auf die hülfloscn Culturpflauzen uicderfallcn, die Hoffunugen auf ein volles Jahr zerstörend; froh athmet er wieder, wenn sich die Wolken ohne Hagelschlag verziehen und gerne bessert er die oft gewaltigen Schäden aus, welche die wolkcnbrnchartigen Regen in Weinberge, Feld, Raine und Wegen verursacht. Bodenwerthe. Es ist nach den verschiedenen Zusammenstellungen der Bodenverhältnisse des Gutes nach Bodenart, Hnmusgehalt, Lage gegen Süden, und ebenen oder geneigten Lagen ersichtlich, wie verschieden der wahre Werth der einzelnen Stücke Landes sich herausstellt. Das Thalfeld verdient in den meisten Beziehungen den Vorzug vor den andern, wozu noch die leichtere Ab- und Zufuhr desselben zu rechnen ist; humnSarmes Hügelland, stark den Winden, dem Vertrocknen aus- gesetzt, ist als geringstes Terrain zu betrachten. Wenn wir den Ankaufspreis des Gutes auf die verschiedenen Bodenklassen vcrtheilen wollen, so wird sich folgendes Werth-Verhältniß Herausstellen. Morgen. per Morgen. Summa. I. Ackerfeld 1. Klasse. 130 200 fl. 26,000 fl. 340 Morgen. 2. „ 150 100 „ 15,000 „ 3. „ 60 50 „ 3,000 „ II. Wiesen 1- „ — — — 25 Morgen. 2. „ 20 200 „ 4,000 „ 3- „ 5 100 „ 500 „ 75 Uebertrag . Morgen. . 365 per Morgen. Summa 48,500 fl. III. Weinberge 1. Klasse. 8 1000 fl. 8,000 „ 30 Morgen. 2. „ 22 500 „ 11,000 „ 3. „ — — — IV. Obstgärten 1. „ 10 300 „ 3,000 „ 25 Morgen. 10 200 „ 2,000 „ 3. „ 5 100 „ 500 „ V. Wald 1. „ 50 100 „ 5,000 „ 90 Morgen. 2- „ 30 75 „ 2,250 „ 3- „ 10 50 „ 500 „ 510 80,750 fl. Indem die Unkosten der Gebäude und überhaupt der ganzen Herstellung des Hofes ungefähr die gleiche Summe wie diejenige des Ankaufspreises gekostet, so haben wir obige Ansätze, um deu wirklichen Werth der einzelnen Grundstücke, mit Antheil auf Gebäude, zu bestimmen, zu verdoppeln. Arbciterverhältnisse Die Arbeiterverhältnisse des Kaiscrstnhles sind, wie aus den Bevölkerungslisten ersichtlich, günstig zu nennen, er enthält auf kleinem Raume eine große arme Bevölkerung, welche der Weinbau nicht zu jeder Zeit vollständig beschäftigt, also noch sonst Verwendung finden kann. Doch die Größe des Ucbcrschnsses an Arbeitskräften einer Gegend richtet sich nicht allein nach den regelmäßigen Geschäften, nach der Einwohnerzahl derselben, sondern auch nach den Eigenthumsvcr- hältnissen der Einwohner selbst. Warum tritt stets dann allgemeiner Arbeitermangel ein, wenn die Productenpreise sehr hoch stehen? Die Bevölkerung ist die gleiche, die Geschäfte sind im Wesentlichen ebenfalls dieselben, doch die Arbeit selbst wird von verschiedenen Personen ausgeführt. Bei hohen Productenpreisen nimmt der reichere Land- wirth viel baares Geld ein, er kauft neues Land, Pflegt seine Felder doppelt, verbessert, er hat mehr Taglöhner nothwendig als in mageren Jahren, woselbst er sich nur auf die allcrgewöhnlichsten Arbeiten beschränkt. Der kleinere Landmann, welcher früher seine Geschäfte mit seiner Familie besorgt, fühlt sich bei den hohen Preisen des Weizens, des Weines, er verbessert, Pflegt sein jetzt so ergiebiges Land und nimmt ebenfalls Taglöhner. Die noch kleineren Grundbesitzer, welche 76 in schlechten Jahren meist in Taglohn gehen, erholen sich bei den günstigen Preisen, bleiben mehr an ihrem eigenen Geschäfte, haben nicht nöthig baarcs Geld zn verdienen; derjenige aber, der nur vom Taglohn lebt, hat die Wahl bei seinen Brodherren, Alles verlangt Arbeiter, es werden ihm höhere Löhne geboten, er verdient in einer Woche mehr als sonst in zwei; auch er denkt daran sein Hauswesen besser zu ordnen und bleibt öfter zu Hause wie sonst gebräuchlich war. Eiu allgemeiner Arbcitermangel stellt sich somit bei hohen Producten- preisen unfehlbar rasch eiu; doch bald sinken die Preise, nehmen vielleicht noch die Erndten durch ungünstige Jahre ab, Taglöhner werden von den Wohlhabenderen entlassen, neue Taglöhner aber zeigen sich, welche sonst mit dem Bau ihres eigenen Landes genugsam beschäftigt waren; es tritt jetzt daS umgekehrte Verhältniß ein, indem im ersten Falle das Taglöhnerbedürfuiß gestiegen, die Lohn-Arbeiter aber an Zahl abgeuommen sinkt im anderen Falle daS Bedürfniß und die Taglöhuerzahl steigt. Solche Verhältnisse machen sich besonders in Weingegenden fühlbar, bei einer Cultnr die man leicht bei guten Aussichten mit der doppelten Pflege, mit den doppelten Arbeitskräften behandeln kann, Arbeitermangel und Ueberflnß an solchen wechselt schnell, je nach guten oder schlechten Weinjahren, welche bekanntlich beim Rebbau in regelmäßigen Perioden aufeinander folgen. Auch an dem weinbauenden Kaiserstuhl müssen solche Mißverhältnisse eintreteu und in der That machten sich dieselben gleich in den ersten Jahren (1857 und 1858) für den Hof fühlbar; während z. B. den früheren Besitzern desselben in den Jahren 1855 und 1856 ein Uebcrfluß von Arbeitern jeder Art zu niederen Löhnen zu Gebote stunden, (der Mann zn 24 und 30 kr., der weibliche Arbeiter aber 15 und 20 kr.) konnten die Arbeiten 1857 und 58 nur verhältniß- mäßig langsam und mit hohen Löhnen (der Manu bis zu 42 kr., das Weib bis 34 kr.) ausgeführt werden, und bei diesen hohen Löhnen konnte mau im Sommer nur dann ans Arbeiter rechnen, wenn die Arbeiten in den Weinbergen ruhten; bald hatte man während 3 — 4 Wochen Ueberflnß, bald wieder Mangel. Im Winter dagegen stunde» den Meliorationsarbeiten eine große Zahl von Arbeitern zu Gebot, die bei gefrorenem Boden zu Weinberganlagen in dem gelinden Winter 1859 aber zum Ausstecken verwendet werden konnten. 77 Die Lage des Hofes in Mitten eines Kreises von je Vs bis eine Stunde entfernten 8 Ortschaften, Jhringen. mit 2387 Einwohner, Wasenweiler. 674 „ Oberschaffhauscn mit Bötzingen 1894 ,, Oberbergen mit Vogtsburg /, 938 // Schillingen. 362 Bickeusohl. „ 424 Rottweil ...... „ 1439 „ Achkarren. " 607 8725 Einwohner. mit zusammen ca. 9000 Einwohnern ist in Beziehung der Arbeitskräfte als eine sehr günstige zu betrachten; wenn der Hof an einem Orte gelegen wäre, hätte man den Vortheil, daß leichte Arbeit, wie Einsassen des Tabaks, des Abends bei Licht von den Ortseinwohnern ansgeführt werden könnte, allein cs stünden im Umkreis einer Stunde während des ganzen Jahres Taglöhner von 9000 Einwohnern nicht zu Gebot. Der Arbeiter am Kaiserstnhl ist sehr ausdauernd, genügsam, fleißig und geschicklich, wir konnten stets mit denselben sehr wohl zufrieden sein, wenn solche, nachdem sie des Morgens von zu Hause schon einen Weg von einer Stunde über Berg und Thal zurückgelcgt um 4Vz bis 5 Uhr auf dem Platze erschienen, während des Tages meist mit kalter Küche, etwas Wein oder Kirschwasser verlieb nahmen, und nur mit 2 Ruhestunden bis des Abends 7 Uhr angestrengt arbeiteten, sodann noch singend und heiteren Muthes über Berg und Thal nach allen Richtungen heimwärts eilend verschwanden, konnten wir denselben unsere Hochachtung nicht versagen und die übliche Ansicht, als ob der Kaiserstühler träge, lahm rc. sei, mußten wir als falsches Gerücht erkennen; allerdings gibt eS Viele, welche der regelmäßigen, ernsten Feldarbeit das Handeln mit Erdbeeren oder sonstigen Obstsorten in Städten vorziehen, nach diesen wird nur zu häufig fälschlicher Weise der Character eines Volkes beurtheilt, da der ruhige Arbeiter, der Kern der Bevölkerung, im Stillen ungesehen thätig ist und sich mit dem guten Bewußtsein zufrieden gibt. - 78 — Absatzweqe. Zur Beurthciluug der Lage eines Hofes müssen in der Regel die möglichen Absatzwege für die verschiedenen Productc berücksichtigt werden; allein es gibt Verhältnisse, in welchen die Gegend solche schon hinreichend bezeichnet; wenn wir sagen, der Hof liegt im Rheinthal, 3 Stunden von der Eisenbahn entfernt, mit guten Verbindungswegen versehen, so ist damit schon Alles gesagt, ein jedes Product werden wir mit Leichtigkeit zum Verkauf bringen können. Gehen wir die einzelnen Productc, die ans dem Hof in Erzeugnng kommen, kurz durch, so finden wir 1) für Milch den Absatz an dem Rindvieharmen Kaiserstuhl selbst für 6—8 kr. per Maas, 2) für Getreide den Freiburger Markt, die Nähe der Schweiz, 3) für Fettvieh die französischen Metzger, die für Straßburg und Paris sehr gute Preise bezahlen, 4) für Branntwein die Schweiz, 5) für Rothwcin die Champagner- sabriken oder die Eisenbahn, 6) für Kirschwasser, ohne Verfälschung, die ganze Welt und endlich 7) für Tabak, dem Hauptprvdnct des Hofes, ist der Tabakshandel der Gesellschaft als regelmäßiger Käufer zu betrachten. ii. Urbarmachung des Hofes. Anlage von Ackerfeld. Die Waldungen, welche bei Uebernahme des Hofes die zu gewinnenden Felder, Wiesen und Weinberge bedeckten, waren zum größten Theil in sehr geringem Zustande, nur einige wenige Theile, welche in größerer Entfernung von Ortschaften gelegen, oder überhaupt den Holzfrevlern unbequem gelegen waren, zeigten, was bei einem regelmäßigen Betriebe und guter Hütung hätte erzielt werden können. Buchen, Eichen, Eschen und Meelbeerbänme wechselten mit Forlen, Linden und Salweidenholze bei durchschnittlich zehnjährigem, durch- freveltem, Stockholzausschlage; wenig Holz und große Stumpen standen der Urbarmachung in Aussicht. Das Abholzen der Waldungen geschah im Accord, und zwar wurde für 100 Wellen, ein Fuß Durchmesser, 4 Fuß lang und das 79 badische Klafter Scheit- oder Prügelholz 1 fl. 12 kr. bis 1 fl. 36 kr. bezahlt. Diejenigen Nutzstämme, welche ausgezeichnet waren, mußten, mit Ausnahme einiger starken Eichen, dabei noch gefällt und ansgeastet werden. Die Holzhauer stellten sich auf einen Lohn von 30 bis 50 kr. per Tag. Die Kosten für's Holzaufmachen erscheinen im Vergleich mit anderen Gegenden hoch, allein der Grund hiervon ist in den schlechten ungleichen Waldungen zu suchen, woselbst oft Holz und Wellen schon beim Zusammensctzen von ^ Klafter oder ^ Hundert weite Strecken getragen werden mußten. Mit Absicht ließen wir die Stämme nicht nahe am Boden, sondern stets einen Fuß entfernt davon abhauen, da wir die Erfahrung gemacht hatten, daß solche Stücke abgeholzten Waldes, welche hohe Stöcke zeigen, sehr gerne für's Stumpenholz ausgestockt wurden. Unter den reservirten Nutzhölzern waren es vorzüglich alle Eichcn- stämme von 3 Zoll Durchmesser an; sic wurden einestheils zu Reb- pfählen gesammelt, die stärkeren Stämme aber sind zu Faßdauben gesägt; eS sind hierdurch in Zukunft dem Hofe große Kosten erspart, indem baö Eichenholz ein stets wcrthvollerer Artikel zu werden verspricht. Alle jene Fohrcnstämme, welche zu Sparrenholz, Niegelwänden oder Balken verwendet werden konnten, haben in den Gebäuden ihren Platz gefunden, ebenso sind die verschiedenen Wasserleitungen in for- lencn Deicheln des Hofes gefaßt. Diejenigen Hölzer, besonders Buchen, welche sich zur Wagnerci eigneten, wurden gesammelt, theils verkauft, theils selbst zu den mannichfachcn Wagnerarbeitcn verwendet, welche sich auf dem Hof ergeben mußten. Die ans dem Hofe zerstreut stehenden 6- bis 15jährigen Eichenausschläge, welche zu dünn zu Rebholz waren, wurden zur Rinde- bcnützung genommen, und zwar in der Weise, daß das übrige Holz der gemischten Waldungen im Winter ausgemacht wurde, die Schäleichen aber bis zum Mai stehen blieben. Der Einfachheit des Geschäftes halber, und besonders da die Bevölkerung des Kaiserstuhles sich noch wenig mit dem Schälen von Eichenholz abgegeben, versteigerten wir die Rinde an den Stämmen; Gerber kamen mit geübten Leuten, schälten, und übernahmen so das Risico, wenn die Rinde durch Regen beschädigt wurde. Die Gutsadministration erhielt per Welle von 4 Fuß Länge, einem Fuß Durchmesser, 6 kr. 80 Anlage von Ackerfeld. Die Umwandlung des zu Ackerfeld bestimmten Geländes, von Wald zu pflanzbarem Felde, bot nur geringe Schwierigkeiten dar; der allergrößte Theil konnte durch einfaches Ausstocken und Reinigen des Bodens von Rasen, Moos und Wurzelwerk hcrgcstellt, nur ein verhältuißmäßig sehr kleiner Theil mußte drainirt werden; unver- witterbare größere Steine fanden sich nirgends vor; die Lage der Felder konnte unverändert bleiben; ein Umstand, welcher wesentlich auf die geringen Kosten der Urbarmachung der Felder infliiirte. Das Ausstocken geschah auf dem Hofe theils im Taglohn, thcils und vorzugsweise im Accord. Als Hauptgeschäft bei Herstellung des Hofes, als eine Arbeit, von deren schneller Ausführung die baldige Rentablität abhängig war, wurden alle Methoden angewandt, um Arbeitskräfte beim Stocken zu fesseln, wenn man sich auch oft gestehen mußte, daß es Mittel gäbe, die Stockarbcit billiger ausführen zu können, so konnte dies doch nur stets auf Kosten der Zeit geschehen und mußte in Rücksicht auf den Zinseuverlust des Kapitals unterbleiben. Das Ansstocken im Taglvhn wurde in der Weise unternommen, daß die verschiedenen wesentlichen Arbeiten des Stockens, zu denen kräftige und weniger kräftige Arbeiter verwendbar sind, für sich gesondert auögeführt wurden. Eine Anzahl Arbeiter wurde in einer Linie angestellt, so daß kräftige und weniger kräftige Leute mit einander wechselten, oft wurden weibliche und männliche Arbeiter abwechs- lungsweisc aufgestellt; die schwächeren Kräfte hackten den Boden zwischen den Stumpen um, die kräftigen aber gruben die kleineren Stumpen auf, hieben mit den Aerten die Wurzeln ab und brachten sie so, ohne Hülfe von Hebelkraft aus dem Boden; die großen Stumpen aber ließen diese Arbeiter stehen. Hinter der ersten Reihe von Arbeitern kamen solche, welche die größten Stumpen von Erde und Nebenwurzeln frei machten; hinter diesen wieder solche, welche durch Hebel die aufgeräumten großen Stumpen .der Erde entrissen und die 2—4 Fuß tiefen Löcher sogleich wieder eben machten. Durch eine solche Theiluug der Arbeit wurde eiuestheis der Vortheil erreicht, daß jeder Arbeiter nach seiner Kraft Verwendung fand, anderntheils, daß alle Arbeiter, indem sie stets nur einen Theil ausführten, in dieser einen Arbeit eine gewisse Gewandtheit erlangten, was besonders 81 bci der Anwendung des Hebels der Fall war. Das gewonnene Stumpcnholz wurde in Klafter, per Klafter ä 18 kr., aufgesetzt und kam später zum Verkauf. Die Kosten des Ausstockens im Taglohne waren sehr verschieden, je nach Boden, Anzahl und Große der Stöcke; während ein Morgen in günstigem Gelände nur auf 20 fl. zu stehen kam, kostete das Stocken in stumpenreichen Thälcrn bis zu 70 fl.; in erstcrcm Falle ergab es aber nur 6 bis 8 Klafter Stumpen, im letzteren oft 20 bis 30 Klafter, so daß, nach Abzug des Erlöses aus dem Stumpenholz, wenn dabei nicht das leichtere oder schwerere Abführen derselben in Betracht genommen wird, die reinen Unkosten für's Ausstocken sich ziemlich gleich blieben. Daö AuSstocken im Accord wurde in verschiedener Weise ausgeführt, je nach Jahreszeit und Verlangen der Accordlustigen. Ein sehr großer Thcil des Hofes ist für das sich ergebende Stumpenholz aus- gcstockt, jedenfalls die billigste Methode; ein anderer Thcil wurde für das Stumpcnholz und eine Aufzahlung von 8 bis 24 fl. per Morgen zu Ackerfeld hcrgestellt. Ein großer Thcil des Waldes wurde in der Weise zum AuSstocken in Accord gegeben, daß die Gutsverwaltung für dasselbe eine gewisse Summe per Morgen eben gemessen bezahlte und ferner für daö Klafter Stumpcnholz eine gewisse Summe vergütete. Es wurden je nach der Zeit, in welcher gearbeitet werden sollte und auch nach Bodenbcschaffenheit folgende Preise per bad. Morgen bezahlt: In einem Accord, der für .den Sommer und Winter, ununterbrochen zu arbeiten, abgeschlossen wurde, zahlte die Gutsverwaltung per bad. Morgen eben gemessen 40 fl. nebst 2 fl. vom bad. Klafter geputztes, ungcspaltenes Stumpenholz. Im Durchschnitt ergab ein Morgen 12 Klafter Stumpen, so daß der Unternehmer per bad. Morgen 64 fl. Lohn für's Stocken erhielt. Der Erlös auS dem Stockholze war ein sehr verschiedener, im Durckschnitt kann 3 fl. per Klafter angenommen werden, so daß der bad. Morgen die Gutsverwaltung auf 64 fl., minus 36 fl. für Stumpenholz, also 28 fl. zu stehen kam. Die im Winter ausznführendcn, in Accord gegebenen Stücke wurden mit 25 bis 30 fl. per Morgen nebst 2 fl. für das Klafter Stnmpenholz bezahlt, somit um 10 bis 15 fl. per Morgen billiger; der Morgen kam also hier auf 13 bis 18 fl. 6 82 Eine wesentliche Bedingung des raschen und wohlfeilen Auö- stockens besteht in gelindem Winter und hohen Holzpreisen. Während Wir im Winter 1857/58 beständig fest gefrorenen Boden hatte», konnte 1858/59 ununterbrochen gearbeitet werden. Nachdem im Frühjahr 1858 es endlich möglich gewesen wäre, mit dem Stocken zu beginnen, hatten die Arbeiter sonst Feldgeschäfte und Niemand wollte sich mit dem Stocken befassen; während des gelinden Winters 1858Ä9 hingegen strömten die Leute von allen Seiten herbei, um für's Holz oder für's Geld zu stocken. Der Winter eignet sich für jede größere Kulturarbeit, wenn er gelinde ist, am besten, da hier eine Masse Kräfte schlummern, die in der Regel nur im Sommer Verwendung finde». Während des Ausstockens hatten wir Gelegenheit, die mannich- fachen Instrumente zu prüfen, die wohl hie und da empfohlen worden; wir kamen jedoch stets wieder auf das Einfache zurück, Haue und Hebel in verschiedener Weise angewcndct, in der Hand eines geschickten Arbeiters leisteten stets mehr als Rottpflug und Waldteufel. Fig. 2. Die Stockhane (Fig. 2) muß an der Schneide 2 Zoll breit und 12 Zoll lang sein; schmale und lange Hauen dringen bei dem Einschlagen leichter zwischen Wurzeln in den Boden ein und ist die Schneide zudem von gutem Stahl, so verwendet man sie gleichzeitig, statt öfters die Haue mit der Art zu vertauschen, bei kleineren Wurzeln als solche. Das Ausziehen der aufgeräumten und der Seitenwurzcl beraubte» Stumpen geschieht durch Anwendung des Hebels; die Verschiedenheit der Anwendung desselben beruht vorzüglich auf der Befestigung der Hebelstange am Wurzclstock, oder ob dieselbe horizontal oder vertikal bewegt wird. Wir haben die Hebelstange stets so angebracht, daß horizontal gedrückt werden mußte; wenn dieselbe senkrecht befestigt wurde (Fig. 3), konnte nur mit an dem Hebelarm angebrachten Stricken gezogen werden und sehr oft war der Stock bei einer Viertels Umdrehung, die man bei Befestigung einer senkrecht stehenden Stange nur anSsühren kann, noch lange nicht ausgezogcn, so daß eine zweite Befestigung derselben erforderlich ward; bei großen Eichenstumpen 83 mußten oft 3 bis 4 ganze Umdrehungen ausgeführt werden, bis alle Wurzeln abgebrochen waren und der Stumpen ausgehoben werden konnte. Wg Z. Die Befestigung der Hebelstange an dem Wurzelstock geschah mit Vortheil bei kleinen Stöcken von 1 Fuß im Durchmesser durch einen sog. Hakenring, des- Fig. 4. sen sich auch die Zimmerleute zum Gewichten großer Lasten bedienen (Fig. 4). Größere Wurzelstöcke wurden, nachdem sic von Erde und Seitenwurzeln befreit, mit einer Kette umlegt, in welche ein Hebelbaum eingesteckt worden (Fig. 5). 6 * EWG MMM 84 Fig. 5. /" ^ A/ HM Frisch ausgestocktes Land ist noch keineswegs fertiges Ackerfeld, die mit den Stockhaucn in einzelnen Stucken abgerissene Erde hängt fest durch kleinere Wurzeln verbunden zusammen; Rasen und M 00 S- stücke bedecken den Boden und geben ihm mehr daS Bild einer frisch umgehackten Wiese, reine Erde, lockerer zcrkrümmclter Boden, fehlt direkt nach dem Ausstocken vollständig; die weitere Aufgabe des Urbarmachens besteht im Zerstören der die Erde in einzelne Stücke zu- sammenhaltendcn Theile, Die natürlichste Zerstörung der feinen Wurzeln, Moos - und Rasenstücke besteht in dem Verwescnlasscn derselben; bleibt ein frisch ausgestocktcs Land während eines Jahres unbebaut liegen, so wird der Boden mürbe, erdig, die dieselbe zusammenhaltcnden Wurzclthcile sind mürbe geworden, zerbrechen, der Boden besteht aus feiner Erde. Moos verwest langsamer wie Wurzeln und Rasenstücke, weßhalb man solches oft nach 3 bis 4 Jahren noch im Boden unverändert antrifft; wenn dasselbe schon vor dem Stocken zwischen den Stumpen mit Rechen auf Häufchen gerecht und diese verbrannt werden, so wird moosiges Gelände schneller in regelmäßigen Betrieb gelangen. Die natürliche Zerstörung der feinen Wurzeln im Boden wird noch wesentlich dadurch befördert, daß man während dieses Vcrwesungs- jahres den Boden entweder mit dem Pfluge oder der Haue mehrerc- male umarbeitet. Wird daS ausgestockte Gelände im ersten Jahre nicht bearbeitet, so sind zwar die meisten feinen Wurzeln mürbe, allein viele Rasenstücke wachsen besonders bei feuchtem Sommer theilweise wieder an, verwesen daher nicht; bei Bearbeitung im ersten Jahre wird der Boden vollständig in feine Erde verwandelt. In beiden Fällen, ob der Boden im ersten Jahre bearbeitet oder nicht bearbeitet wird, wäre es Verschwendung, denselben unbenutzt liegen zu lassen, genügsame Kulturpflanzen ist der uncnltivirte Boden dennoch im Stande, in gedeihlichen Zustand zu versetzen. Hafer auf frisch ausgestocktes Land gesäet, gibt, wenn der Sommer feucht ist, einen schönen Ertrag; Kartoffeln in den nncultivirten Boden gesteckt und später bearbeitet, geben einen großen Knollenertrag und lassen das Neurott vollständig mürbe zurück. Will man das Neurott schneller, schon im ersten Jahre zu feinen Culturpflanzen, Weizen, Tabak, Runkelrüben re. vorbereiten, will man die Verwesung der feinen Wurzeln nicht der Zeit überlassen, so besteht das einzige Mittel, sie durch Feuer, durch Brennen zu zerstören; die sich dabei ergebende Asche, die gebrannte Erde (Thon) wirken dabei besonders kräftig ans die Vegetation. Die erste Methode, das Neurott in erdiges Ackerfeld zu verwandeln, ist mit wenig Kosten verknüpft, mit wenig Arbeitskräften ausführbar; die letztere jedoch bedarf zum Brennen und Zusammcnsetzen der Rasenstücke viele Arbeiter, günstige Witterung, Holz re. Ob die erste oder letzte Methode in Ausführung gebracht werden soll, hängt von specieller Berechnung ab. Auf dem Hofe kamen nach Umständen verschiedene Methoden in Anwendung. Wenn Tabak auf Neurott folgen mußte, war ein sorgfältiges Brennen vor dem Stocken von Mooö, nach dem Stocken von Rasen und mit Wurzeln durchwachsener Erde durchaus nothwendig Bei dem Brenneu wurde auf folgende Weise verfahren: Nach dem Stocken zerschlugen Arbeiter bei trockenem Boden im März mit der Haue die vorstehenden Rasenstücke, so daß möglichst viel Erde sich von denselben loslöste; nach einigen Tagen, nachdem diese lockeren Rasenstücke wieder abgetrocknet, wurden Arbeiter mit gebogenen Mistgabeln Fig. K> Fig. 7. (Fig. 6) oder eigens dazu gemachten kurzen eisernen Rechen (Fig. 7) eingestellt, um dieselben auf kleine Häufchen zusammen zu rechen. Nach- 86 dem diese wiederum einige Tuge abgetrocknct, konnte zum Verbrennen derselben geschritten werden. Das stärkere Holz trockener Wellen wurde phramidalisch zusammcngestellt, das feinere Reiß angelehnt, sodann das ganze rings mit Rasenstücken umlegt und vollständig bedeckt, oben an der Spitze und am Boden eine Ocffuung lassend; letztere zum Anzündeu, crstcre, um so lange Zug zu geben, bis das Holz so weit verbrannt ist, um die Rasenstücke ebenfalls in's Brennen oder Glimmen zu versetzen. Ist der Haufen im Brande, so werden alle Oeffnungeu geschlossen, das Glimmen geht fort, und überall da, wo das Feuer die Rasendecke zu durchbrechen sucht, werden neue Nasen aufgebracht, so daß niemals Flammfeucr entstehen kann. Ein solcher brennender Haufen nimmt die Nasen und den wurzclichcn Grund von 25 Quadrat-Ruthen auf; während des Brennens sind beständig Arbeiter mit weiterem Ausrechen und Ausbringen von Wurzeln w. beschäftigt, bis der Boden rein geworden. Das Brennen eines solchen Haufens währt oft 8 Tage. Nach Beendigung desselben bleibt Asche und gebrannte Erde übrig, ein Düngermittel, das sogleich ausgebreitet wurde, damit es nicht auf der Brandstätte selbst durch Auslaugen den größten Thcil seiner Wirksamkeit verliere. Obgleich die Wirkung der gewonnenen Asche und des gebrannten Bodens im ersten Jahre eine sehr augenfällige war, so unterliegt cs doch keinem Zweifel, daß durch das Verbrennen organischer Theile im Ackerboden sehr viel Humus verloren geht, der bei allmählicher Zersetzung nicht allein unorganisch, sondern auch organisch gewirkt hätte; wir möchten die Methode deS Brennens auch deßhalb nur da anempfehlen, wo Humus in sehr großer Masse vorhanden ist und man nur die Zerstörung schwer vcrweslicher Pslanzentheile in kurzer Zeit ermöglichen will. Wiesenanlagen. Dasjenige Terrain des Hofes, welches sich zur Anlage von Wiesen eignete, ist im Mühlenthal gelegen und erstreckt sich bis an den Ursprung der bedeutenderen Quellen des Thales, so daß die ganze jetzt angelegte Wiese zur Bewässerung eingerichtet werden konnte. Obgleich die Anlagckosten der Wiesen sich wegen des sehr nnregel- 87 mäßigen Terrains und großer Qucllgründigkeit hoch stellen mußten, so war deren Anlage dennoch geboten, da die ganze Fläche vorher sumpfiger schlechter Wald ohne erheblichen Ertrag und Werth gewesen, jetzt aber als gute Wässerungswiese zu den wertvollsten Ländereien des Hofes zu rechnen ist. Anöebnen, Entwässern und Bewässern war die Aufgabe, die man zu lösen hatte. Das Ausebnen des sehr unregelmäßigen Geländes geschah stets in der Weise, daß überall ein Fuß hoch schwarzer Boden obenauf zu liegen kam; die Neigung der Wiesen ist eine zweifache, dem Thal nach abwärts und von den beiden Rändern desselben nach dem das ganze Thal in der Mitte durchschneidendcn Graben. Die Entwässerung geschah zum größten Theil mit Drainröhren, nur an wenigen Stellen mußten des weichen Schleichsandbodens halber Steindohlen gemacht werden. Da die Quellen sich überall da versanden, wo ein Scitenthal in das Hauptthal einmündete, so wurde am Eingang eines jeden Seitcnthalcs in der Breite desselben ein Röhrenstrang gelegt und dieser in den mittleren Hauptgraben mit dem nöthigen Gefäll verlängert (Fig. 8). Auf diese Weise wurden die Quellen stets vor dem Wiesenthale schon abgefangen und eine rasche vollständige Entwässerung warndie Folge. Die Bewässerung mußte in der Weise eingerichtet werden, daß mit der bei gewöhnlichem Wasserstande nur geringen Wassermenge eine Befeuchtung der ganzen Wiese rasch vorgenommcn werden konnte und bei starken Regengüsten sich das Trübwasser auf alle Theile der Wiese gleichmäßig vertheilcn lasse. Der Hauptgrabcn ^8, welcher das ganze Wiesenthal in der Mitte der Länge nach durchschneidet, ist vom Sammelweihcr 6 unterbrochen, in welchen das Wasser eingeleitct oder aber, damit im Weiher sich nicht sogleich Schlamm ansammle und denselben ausfülle, außerhalb desselben wieder in den unteren Graben gelangen könne. Der Hauptgraben ist je bei 500 Fuß Länge mit Schleußen versehen (II), durch welche das Wasser bis zur oberen Kante dcö Grabens gespannt werden kann, um hier sich iu die Wässergräbchen zu vertheilen. Parallel mit dem Hauptgraben geht auf jeder Seite ein 1 Fuß breites Grübchen (och es), welches vorzüglich den Zweck hat, Hauptschleußen 88 zu ersparen, das Wasser geht hinter der Schleußt v in die Gräben cä, öS. Von diesen Vertheilgräbchcn gehen die Wässergräbchen bbb, Ng- 8. i ! 89 bbb horizontal aus; ihre Lage oder Richtung ist nicht Parallel mit einander, da das Gefall des Wiesengeländes ein ungleiches ist und somit die verschiedenen Horizontalen ungleiche Richtung einnehmcn müssen. Soll die Wiese mit besagtem Wässcrungssystem nur angefeuchtet Werden, so werden die großen Schleußen und alle jene kleinen Schlüßen, welche sich unterhalb einer jeden Einmündung eines WässergrLb- chens in die Vcrtheilgrabcn bei eo befinden, in dem ganzen Thale geschlossen. Die Weiher werden geöffnet, und jedes Wassergräbchen dient zugleich wieder als Auffanggräbchen der vorhergehenden Abtheilung. Das gleiche Wasser läuft somit, mit Ausnahme desjenigen Wassers, welches der Boden aufnimmt oder das verdunstet, über alle einzelnen Theile der Wiese des ganzen Thales. Soll das trübe Wasser bei Regen als düngende Wässerung benützt werden, so wird in Abtheilnngen gewässert und zwar so, daß man nur eiue Hauptschleuße schließt und bei wenig Wasser nur auf einer Hälfte des ThaleS das Wasser in die Wässergräbchen einlaufeu läßt; durch Oeffncn und Schließen der kleinen, im Vertheilgraben eck sich befindenden Stellfallcn ees kann das Trübwasser auf jede einzelne Abthcilnng direkt geleitet werden. Die Bestandthcilc deS Wassers der Quellen des Mühlenthales sind nicht geeignet, eine günstige Wirkung beim Graswuchse hervor- znbringen, eine solche kann nur durch Befeuchtung bei trockenem Boden oder aber durch Bewässerung bei starkem Regen mit Trübwasscr hervorgcbracht werden. Ein langsames beständiges Wässern mit klarem Qnellwasscr hat die nachtheilige Wirkung, daß das Wasser, indem es sehr vielen doppelkohlcnsaurcn Kalk gelöst enthält, und dieser an die Luft ein Atom Kohlensäure abgibt, den Boden mit einer feinen Schichte festem kohlensauerem Kalk überdeckt, so daß das wohl- thätige Einwirken der Luft verhindert ist. Die Sohle des kleinen Mühlenthalbaches ist mit einer harten Schichte Kalk bedeckt; Holz, Laub, was lange Zeit im Wasser gelegen, ist ebenfalls mit kohlensauerem Kalk überzogen. Ein langsames Wässern mit klarem Quellwasser muß daher mehr nachtheilig als vortheilhaft wirken; die angelegten Teiche, in denen sich cinestheils Wasser zur raschen befeuchtenden Ueberrieselung ansammeln soll, haben noch den weitern Vor- 90 theil, daß sich der lösliche Kalk in demselben durch längeres Stehen ebenfalls als einfachen kohlensanren Kalk absetzt und eine weitere schädliche Wirkung an diesem Wasser für die Wässerung nicht angenommen werden kann. Die Einsaat der Wiesen erfolgte mit Hafer oder Fntterroggen und Wintererbsen, auch Wicken, je nach der Jahreszeit, in welcher die Saat ausgeführt werden konnte, in welche einjährige Futterpflanzen man die eigentlichen Gräser und Kleearten, vorzüglich englisches Raigras, wolliges Honiggras, Thimotegras und Esparsette nebst schwedischem Klee (^ris. b^briüum) einsäete. Anlage von Obst- und Grasgärten. Diejenigen Theile des Hofes, welche zu steil für den Pflug, nicht warm genug für Reben gelegen, fanden als Obst- und GraSgärten Verwendung. Es hat eine solche den großen Vortheil, daß ein sicherer Ertrag, entweder durch Futter oder Obst, erzielt wird, ohne dabei viel Handarbeit verwenden zu müssen, die sich an ungünstigem Terrain nur zweifelhaft lohnt. Nachdem solches Gelände ausgcstockt, mußte in den ersten zwei Jahren Hackfrucht, Kartoffeln, darauf gebaut werden, damit der Boden rein werde und eine dauerhafte, gute Fntternarbe entstehen konnte. Die Obstbaumstücke werden mit englischem Raigras, Wiesenschwingcl, Honiggras und vorzüglich von dem am Kaiserstuhl verbreiteten peren- nirenden Luzerne- und Esparscttenklee cingesäet. Die verwendeten Obstsorten sind vorzüglich Aepfel und Birnen, in etwas feuchten Lagen und in solchen, wo der Schatten vermieden werden mußte, besonders in kleinen Parzellen zwischen gutem Ackerfeld gelegen, wurden Zwetschgen gepflanzt. Auf hohen und sonnigen, leicht anstrocknenden Lagen fand die Kirsche einen geeigneten Standort. Die Obstgärten, welche weniger steil gelegen, sind mit Kernobst auf 40 Fuß im Quadrat besetzt, Kirschen in gleicher Entfernung, Zwetschgen aber auf 25 Fuß im Quadrat; die steileren Lagen jedoch wurden durch kleine Raine in 3 bis 4 Fuß breite Terrassen gelegt, auf welche die Obstbäume gesetzt sind (Fig. 9); durch diese Art der 91 Obstpflanzung ist dem einzelnen Baume eine größere Menge lockerer Erde gegeben, er hat mehr Feuchtigkeit, indem das hcrab- laufcnde Wasser stets auf den Rainen zurückgehalten wird, und hier eine weit größere Vegetation an Obstbäumcn und Futter stattfiudet. Die Verwerthung eines Produktes, welches in großen Massen erzeugt wird, hat geringere Schwierigkeiten, als wenn nur wenig Aepfel oder Birnen rc. zum Verkaufe gebracht werden könnten. Bei größeren Massen eines Productcs lohnt es sich, dasselbe fabrikmäßig in solchen Zustand zu versetzen, in dem man cs am vortheilhaftesten verwerten kann. Aepfel und Birnen werden bestens durch Dörren in denjenigen Zustand versetzt, in welchem man mit Ruhe hohe Preise abwarten kann, die gewöhnlich zur Zeit der reichlichen Ernte nicht vorhanden sind. Frühkirschen können gut, und ebenso Spätsortcu am Baume verkauft werden; ist der Markt überfüllt, die Production in einem Jahre zu groß, so beginnt man mit dem Dörren der edleren Sorten; die wilden aber werden zur Bereitung von Kirschwasser verwendet, das bei reeller Bedienung des Publikums, bei einigem Renommö leicht nm die doppelten Preise in etiquettirtcn Flaschen verkauft werden kann als das im Handel vorkommende Kirschwasser. Sowie der Absatz des Kernobstes sowohl, als anch der Kirschen im Großen bei richtiger Behandlung gesichert ist, ebenso leicht ist auch die Vcr- werthung der Zwetschgen gedörrt, als auch gebrannt als Zwetschgcn- wasser. 92 Auf die Anpflanzung von Nnßbäumen wurde trotz der großen Verbreitung am Kaiserstnhl wenig Gewicht gelegt, einesthcils wegen der selteneren Erträge derselben und dem unverhältnißmäßig großen Schatten, den die Nnßbäume mit ihren dichten Kronen werfen, an- dcrnthcilS aber auch und hauptsächlich, weil deren Ernte in eine Zeit fällt, in welcher alle disponiblen Arbeitskräfte des Jahres mit der Ernte des Tabaks beschäftigt sein müssen. Obwohl der zahme Kastanicnbanm am ganzen Kaiserstnhle nur höchst selten anzutreffen ist, so glaubten wir dennoch, ans dem Hofe Verhältnisse gefunden zu haben, unter welchen derselbe gut gedeihen müsse; ein östlich gelegener steiler Abhang, dessen Boden äußerst humusreich, vielfach mit Dolcrit gemengt ist, wurde abgeholzt und mit jungen Kastanicnpflanzcn auf die leeren Stellen sorgfältig, die Erde etwas auflockcrnd, besetzt. Wir glauben, daß cs der Kastanie zuträglicher ist, zwischen Waldgestrüppc gepflanzt zu werden, als auf freiem Lande, wo gewöhnlich die gesetzten Kastanicnbänme gleich den gewöhnlichen Waldbäumen nur sehr langsam vegetiren; sobald der Stamm des Kastanienbaumes von der Sonne beschienen wird, ist dessen Vegetation eine kümmerliche, wir erwähnen hier eine Erfahrung, die wir in Betreff von Kastanienanlagen gemacht, und die vielleicht für Manchen Interesse haben könnte: eine Kastanicnanlage nämlich auf freiem Felde wuchs nur sehr kümmerlich, biö wir den Boden mit Topinambur bepflanzten; ein rasches gedeihliches Wachsthum derselben stellte sich bei Beschattung durch die hohen Topinamburstcngcl ein; im Verlauf von 10 Jahren waren die Kronen der Kastanien schon so gro ß daß die Topinambur von ihnen unterdrückt wurden. Neben den Obstanlagen in besonderen Gärten sind auf dem Hofe noch Obstbäume an Wegen, auf den Rainen, an Wassergräben in großer Zahl angepflanzt. Die durch das unebene Terrain des Hofes nothwcndig gewordenen vielen Wege konnten noch durch Obstbänme gleichsam nutzbar gemacht werden, indem dieselben stets nur auf die Südseite gesetzt, den Schatten nicht auf das Ackerfeld, sondern auf die Wege werfen; so sind alle Wege des Hofes mindestens auf einer Seite mit Bäumen bepflanzt, mit Ausnahme derjenigen, welche die Weinberge durchschneiden und hier der Schaden größer als deren Nutzen zu berechnen wäre. An Wegen in Thalern, in kühleren, dem 93 Winde weniger ausgesetzten Lagen ist Kernobst gepflanzt, auf höheren Lagen aber Kirschbäume. Außer den Wegen sind noch eine Menge Raine zwischen dem Ackerfeld mit Kirschbänmcn besetzt, welche hier nicht spcciell der Früchte halber, sondern der Abhaltung von starken Winden wegen Platz gefunden. Unebenes Terrain verliert, wenn der Wald vollständig entfernt wird, und durch denselben in keiner Weise mehr Schutz vor Winden findet, auf den Hügeln sehr an Prodnctionöfähigkeit. Ueberhaupt da, wo der natürliche Wald schwindet, muß ein künstlicher Wald aus Obstbänmen entstehen, damit die vorher günstigen Verhältnisse nicht Noth leiden. Dies erwägend, bepflanzten wir die Raine der Hügel in der Weise, daß die Bäume selbst niemals im Pflügen hindern (Fig. 10); der Schaden an Schatten ist nur zur Hälfte in Anschlag Flg. 10. zu bringen, da nur die eine Hälfte der Beschattung auf das Ackerfeld, die andere Hälfte aber auf den Rain selbst fällt. Wir wählten zu dieser Anpflanzung Kirschbäume, da solche unveredelt eine starke Krone abwerfe», hier besonders gut gedeihen, und sehr wohlfeil zu beschaffen waren, indem wir dieselben sämmtlich vor dem Abholzen aus den Waldungen des Hofes nehmen konnten. 94 Anlage von Weinbergen Wir verkennen nicht, daß die Anlage von Weinbergen nur mit Berücksichtigung aller Verhältnisse, welche ihnen eine günstige Zukunft sichern, ausgeführt werden sollte, wir wissen Wohl, wie schon Viele sich in Rentabilitätsberechnungen von Weinbergen getäuscht haben, wie Viele schon der Besitz von Weinbergen theuer zu stehen kam; allein es gibt auch Verhältnisse, die so entschieden für Anlage von Reben sprechen, daß alle Bedenken unmöglich werden. Solche für den Weinbau günstigen Verhältnisse haben wir auf dem Hofe und zwar auf einem Terrain von circa 30 Morgen. Wirft man von der Südseite aus von einem erhöhten Punkte einen Blick auf das in Hunderten von kleinen Hügeln und Abdachungen sich gegen Süden abflachcnde Hofgelände, betrachtet die circa 1000 Fuß höhere Gebirgskette, die sich von Osten nach Westen, den Nordwind abhaltcnd, erstreckt, diese gleichsam in einem großen Halbkreise cinschließcnd, so muß schon der Unkundige gestehen, daß hier, wenn die sonstigen Bedingungen günstig sind, der Wcinstock, was die Lage betrifft, keinen bessern Platz zu finden im Stande ist. Verlassen wir unseren fernen Standpunkt und unterwerfen ans dem Hofe selbst die einzelnen Hügel einer näheren Betrachtung, so finden wir überall, daß die verschiedenen südlichen Abdachungen durchschnittlich zu dem steilsten Gelände zu zählen sind; wir fanden, noch ehe ein Weinberg angelegt worden, diese südlichen Abhänge mit nur wenig Holz, einigen kümmerlichen Fichten bestanden, sic gaben ein unfruchtbares Bild, das Bild eines Bodens, der alljährlich an Dürre litt, und dessen Vegetation im Sommer vertrocknen mußte. Solche Verhältnisse sind aber die passenden zur Anlage von Reben, hier ist die Bedingung der Wärme für die Weinrebe in hohem Maaße erfüllt und zwar so, daß wohl keine unserer gewöhnlichen Cul- tnrpflanzen an diesen steilen, heißen Hügclwändcn irgend einen erheblichen Ertrag geliefert hätte; sollten wir hier unfruchtbare Abdachungen zwischen üppigen Feldern unbenutzt liegen lassen; sollten wir ein Gelände, dessen Kapitalwcrth ohne Benützung zu Reben ein höchst unbedeutender ist, in seinem geringen Werthe belassen, wenn die Mittel zu Gebot stehen, mindestens den zehnfachen Kapitalwcrth desselben zu erwirken? Wahrlich, wir fürchteten uns weit mehr vor 95 den gerechten Vorwürfen des Publikums, die in einigen Jahren, wenn sich durch die allgemeine Cultivirung die einzelnen Neblagen unleugbar herausgestellt hätten, unausbleiblich gewesen wären, als die vielfachen üblen Reden, die wir gerade in Beziehung der Nebaulagen während der Anlage derselben erfahren mußten. Allerdings, es mußte für den unwissenden Beschauer oft eigcnthümlich erscheinen, wenn plötzlich in der Mitte des Waldes ein Weinberg, von diesem anfänglich noch umgeben, erstand, jetzt umgeben Feld und Obstgärten mit guten Fahrwegen die Weinberge, die ungünstigen Stimmen verschwinden; die Zukunft aber wird lehre», daß der Gutswerth durch Anlage der Neben sich mindestens um 25—30,000 st. erhöht habe. I» Betreff der Höheuverhältnisse, die bei günstiger specieller Lage gewiß mit im Verhältniß ungünstig gelegenen Weinbergen verglichen werden können, sei hier nur erwähnt, daß die durchschnittliche Höhenlage der Neben des Hofes wohl noch niedriger ist wie diejenige von Frci- burg, überhaupt vom ganzen Markgräfler Lande. Der Boden der auf dem Hofe angelegten Weinberge besteht, wie aus der Karte des HofcS ersichtlich, einestheils aus dem im Rhcinthal bekannten Loesboden, andernthcilS aber aus dem dem Kaiserstuhl cigcn- thnmlichen Dolerit. Ein Doleritweinbcrg ist im Durchschnitt von doppeltem Werthe, wie ein Loesboden. Von den 30 Morgen Weinbergen des Hofeö bestehen zwar nur circa 8 Morgen ausschließlich aus Doleritboden, allein es ist überall darauf Rücksicht genommen, daß auch die Loesweinberge mit geringen Kosten mit Dolcritsteinen überfahren werden können; eine halb Fuß hohe Bedeckung des Loes- bodens möchten wir beinahe noch für günstiger als reinen Dolcrit- boden halten, da sich die Ncbenwurzeln leichter in dem weichen Loesboden ausbreiten können und dennoch den Vortheil der schwarzen Farbe und der düngenden Wirkung des Dolerits besitzen. Sowohl die Loes- als Dolcritböden waren bei allen angelegten Weinbergen mit einer hohen Humusschichte, 1—2 Fuß tief, bedeckt, so daß beim Umrotten ein äußerst reicher, lockerer Boden in die Tiefe gebracht werden konnte, in diejenige Schichte, in welcher die Reben die stärksten Wurzeln bilden sollen. Es ist eine bekannte Thatsache, daß ein Weinberg, je steiler derselbe angelegt wird, desto besseren Wein er zu liefern im Stande ist; die allgemeinere Regel muß daher die sein, daß man die Lage so steil 96 anlegt, als es die Bodenverhältnisse erlauben. Loesboden wird leicht von Rcgenwasser weggeschwemmt, weßhalb man bei diesem ziemlich eben legen mußte, nicht über 25 "/g, Doleritstcinböden aber konnten steiler angelegt werden. Das Umrotten von Doleritböden geschah auf die gewöhnliche Weise 2—3 Fuß tief, so daß der Obergrnnd unten, der Untergrund obenauf zu liegen kam; es konnte in diesen Böden, da die Form der Abdachung nicht geändert worden, regelmäßig in Rottschläge umgcar- beitet werden. In Loesbödeu aber, bei welchen aus dem steilen Gelände durch Raine gleichzeitig ebene Terrassen gebildet werden mußten, war ein regelmäßiges Rotten in Schläge unthunlich. Der Nothwendigkcit, Raine machen zu müssen, ist der Umstand günstig, daß sich solche in Loesbödeu sehr leicht und mit geringen Kosten so steil wie eine Mauer von Steinen ausführen lassen, eine Thatsache, welcher man entweder die Ersparung von vielen Tausend Gulden verdankt oder überhaupt die Benutzung steilen Terrains zu Weinbergen gestattet. Fig. 11. In der Abbildung (Fig. 1l) ist die Herstellung von Terrassen verdeutlicht; die Linie sb ist die ursprüngliche Lage des Abhanges, 97 die Linien o72,5 > >?2,5 > >72,5 >72,5> Wir bedürfen 4584 Ctr. Heuwerth in Heu oder in Grünfutter, die beständigen Anlagen liefern uns folgende Quantitäten: 30 Morgen Weinberge. Gras von Pfäden und Rainen, Neblaub Pr. Mrg. 3 Ctr. — 90 Ctr. 25 Morgen Wiesen. Heu und Oehmt pr. Morgen 30 Ctr. — 750 Ctr. 25 Morgen Gras- und Obstgarten. Heu und Oehmt pr. Morgen 25 Ctr. — 650 Ctr. 10 Morgen von den 36 Morgen Rainen, welche mit Gras und Klee angelegt worden, pr. Mrg. 20 Ctr. — 200 Ctr. 1600 Ctr. 113 Es bleiben uns somit noch 2894 Ctr. Heu auf den Ackerfeldern zu produziren übrig. Es liefert der Kleeschlag von 72,5 Mrg. (Nr. 1) Pr. Mrg. 35 Ctr., im Ganzen 2537 Ctr. Klechcu; der Rest mit 357 Ctr. wird durch den Stopfelklee des Schlages II. Nr. 2, ferner durch Frühjahrsfutter, wie Futterroggen, Wintererbsen, Jncarnat- klee hinreichend gedeckt. Letztere Futterpflanzen erscheinen nicht in der Rotation, da sie als Zwischennutzung eines Thcils der beständigen Tabaksfclder betrachtet werden. Wenn der Tabak im Spätjahr den Boden verläßt, können solche Frühfutterpflanzen noch eingesäet werden, deren Erndte erfolgt im nächsten Frühjahr so zeitig, daß das betreffende Feld noch vollkommen zu Tabak wieder hergerichtet sein kann. Das Heu und Grünfutter des Hofes wird somit in Gras, Klee, Futtcrroggen und Wintererbsen bei den eingesetzten Erträgnissen, welche wir, nach der Eigenthümlichkeit des Gutes, füglich annehmen dürfen, produzirt. 81 Ctr. Hafer — 62 Mltr. könnten, da wir keinen Sommer- getreidcschlag angenommen, nicht produzirt sondern müßten angekauft werden, wenn wir diesen Bedarf nicht durch 5 — 6 Morgen Dinkel in dem Wintergetreideschlag decken wollen; Dinkel oder Spelz besitzt den gleichen Nahrungswerth als Hafer, dessen Preis aber stand in den letzten Jahren stets niedriger wie derjenige des Hafers, weßhalb es je nach Preis von Vortheil sein dürfte, den Hafer anzukaufen oder aber denselben durch Dinkelbau im Winterfruchtschlag zu ersetzen. Wir wollen hier den Hafer im Dinkelbau berechnen und tragen unter den Winterfrüchteschlag (II. 3.) 6 Mrg. Dinkel ein (pr. Mrg. Ertrag 10 — 12 Mltr.) Der Runkelrübenbau soll aus besagten Gründen so viel nur möglich eingeschränkt werden, es sind deßhalb nur, als für die Pferdefütterung durchaus nothwendig, 486 Ctr. zur Produktion vorgemerkt, wir bauen diese in 2 Morgen des frischgcdüngten Hackfrüchteschlages und tragen diese unter Nr. 4. in unserer Rotatioustabelle ein. Wir kommen nun zum Nachweis der 5112 Ctr. — 2045 Mltr. Kartoffeln, deren Anbau wir in verschiedenen Schlägen im Hinblick auf den Tabaksbau in Ausführung bringen wollen. Wir haben zwei Hackfruchtschläge, I und IV, angeführt, in einen derselben oder aber vertheilt in beide müssen wir unsere Kartoffeln produziren; wir bedürfen bei einem Kartoffelerträgniß von 30 Mltr. 8 114 pr. Morgen, was wir gering angeschlagen rechnen dürfen, 68 Mrg. Wie aus der Benrkheilung des Ackerfeldes nach Lage und Bodcn- beschaffcnheii hervorgegangen, haben wir theils besseres geschütztes Feld, Mulden in unseren Schlägen, theils aber höher gelegenes, den Winden stark auSgesetztes Terrain; cs wäre daher nicht rathsam, einen vollen Schlag mit Tabak anzupflanzcn, indem das Erträgnis; eines großen Thcilcs desselben nur zweifclhalt sein dürfte; mir haben deßhalb die nicht gewöhnliche Einrichtung getroffen, daß mir zwei Hackschlägc einrichtetcn, aus welchen mir unsere Tabaköfcldcr auSsnchen können; die sehr crponirten, hohen Lagen nehmen wir zu Kartoffeln, die Niederungen aber zn Tabak, die 68 Morgen Kartoffeln vcrthcilen sich somit auf die beiden Schläge I und IV und zwar schreiben mir aus Schlag I, Nr. 5, 30 Mrg. Kartoffel», auf Schlag II, Nr. 6, 38 Mrg. Kartoffeln. Ein weiteres Product, welches wir zur Erhaltung dcS Viehstandes beschaffen müssen, ist das Stroh; wir haben bereits zur Fütterung 1002 Ctr. berechnet und gebrauchen als Strennutzung nach früherer Angabe 1866 Ctr. Streustroh . . . 1866 Ctr. Fntterftroh . . . 1002 „ in Summa 2868 Ctr. Es wird aus dem Wintergctreidcschlag prodneirt 72,5 Mrg. X 35 Ctr. ^ 2537 Ctr., cS blieben somit im Nest als mangelnd 331 Ctr., welche sedoch leicht durch Waldstrcn, unbeschadet deö Holzwuchses der Hoswaldungen, genommen werden können. Auch die Qualität des Strohes müssen wir in Berücksichtigung ziehen, zu Strohseil, Tabakbindeu, Rebenhcften, Verwendungen, welche dennoch nach denselben eine solche zn Streustroh zulassen, haben wir Roggenstroh zu prodnciren, wir notiren deßhalb in unserem Einbanverzeichniß Schlag II, Nr. 7, 10 Mrg. Roggen; wir bestreiten hierdurch gleichzeitig die Brodbcdürfnissc der Haushaltung; den Nest dcS strohgcbcndcn Winterschlages füllen wir bis zu 72,5 Mrg. mit Weizen, der auf dem Hofe passendsten Winterfrucht, aus. (Schlag II, Nr. 8.) Die 117 Ctr. Rapskuchen, welche zur Fütterung berechnet sind, müssen angckauft werden. 115 Der Einbau in unserem Schlagregister ist nun soweit geschlossen, als wir daS für die Wirtschaft, besonders den Vichstand nöthige zum Cultiviren eingetragen haben; es sind dies 215 Mrg., von denen wir 72,5 Mrg. als in seinem Hanptprodncte nicht für den Vichstand, sondern wegen des Nebenproductes, dein Stroh, angebaut zu betrachten haben; wir hätten somit für den Viehstand 142,5 Mrg. ausschließlich bebaut, hierzu kommt noch das Erträgniß von Grasgeländc mit 60 Mrg., so daß die alljährlich mit Futter bebaute Fläche von 202,5 Mrg. einer für andere Zwecke eingebauten Fläche mit Weinbergen von 179,5 Mrg. entgegcnstcht. Rechnen wir nun den Kar- toffclbau als ebenfalls nicht ausschließlich für den Viehstand nöthig, indem dieser nur die Abfälle der zu Branntwein verarbeiteten Kartoffeln erhält, so kommen wir mit dem Verhältnis; der zu Futter verwendeten Felder zu den übrigen, zu demjenigen, wie wir cs in dem Rheinthale meist antrcfsen, 50 zu 50 Mrg. Zur Cultur sonstiger Gewächse, Handelspflanzen, wie man sie gewöhnlich zu nennen Pflegt, bleiben uns noch 75 Morgen übrig, sie befinden sich in dem Hackschlage I und IV vertheilt, sie sind zu Tabak bestimmt und zwar sind dies die besten geschütztesten Felder ans dem frisch gedüngten Schlage I, Nr. 9, und dem Schlage IV, Nr. 10, welch Letzterer durch nntergepflügte Kleenarbe und künstliche Düngemittel in nöthige Kraft kommen soll. Die ganze Rotation ist nicht gewöhnlich üblich und Manchem könnten Zweifel kommen, ob sic dnrchzuführcn sei; in Berücksichtigung der Verhältnisse des Hofes können wir auf einen sicheren Erfolg rechnen, allnorm sind die 2 Tabakserndten hinter einander; doch bekanntlich baut man, bauen wir auf dem Hofe, wie die Holländer, alljährlich Tabak auf dem gleichen Boden; ferner wirft sich Manchem die Frage auf, ob Klee je 4 Jahre nach einander gedeihen kann; eine Pflanze, welche wir, wenn es ihr an Bodenkraft gebrechen sollte, so leicht durch anorganischen Dünger organisch entwickeln können, kann wohl rasch nach einander folgen; das Haupthindcrniß des Kleebaues aber, die Verunkrautung des Bodens wird durch die zwei Hackfrüchtc- schlägc zwischen dem Kleebau vollständigst beseitigt. Auf den Anbau von Handelspflanzen im Großen können leicht Zcitverhältnisse in der Art cintreten, daß man deren Ausdehnung in einem Jahr beschränken, im anderen wieder zu erweitern wünscht; in unserer Rotation 8 » 116 haben wir das höchste Maaß von Tabaksfeld 75 und 50 — 125 Mrg. aufgeführt, sollte es gewünscht werden, in einem Jahr denselben einzuschränken, so kann vorerst der Schlag IV anderweit Verwendung finden und zwar z. B. zu Wintergetreide; oder aber könnte der Kleeschlag III zu Kleegras ein weiteres Jahr liegen bleiben. Stellen wir schließlich die Quantitäten der auf dem Hofe alljährlich zu verwendenden Düngemittel zusammen, so erhalten wir fol- qende Zahlen: Stalldünger. Peruanischer Künstlicher Super- Guano. Guano. phoSphat. Gyps. Malz- kcime. Ctr. Ctr. Ctr. Ctr. Mltr. Ctr. Weinberge . . . 1000 — 10 18 — — Gartenland . . . 200 5 — — — 20 Gras- und Obstgarten — — 25 25 25 — Beständiges Tabaksfeld 1875 18,7 — 75 — — Kleeschlag (75,5 Mrg.) — — 75 — 75 — Hackfrüchteschlag IV (75,5 Mrg.) ' " 37,7 — 151 — — I (7o,o Mrg.) — — — — — 13950 61,4 110 269 100 20 Oekönomiegebäude. Bei der Errichtung der Gebäude des Hofes stellten wir uns nicht, wie nur zu häufig geschieht, die Aufgabe, schöne Gebäude auf fremde Kosten herzustcllen, sondern wir gingen von dem Grundsätze aus, daß daS Gebäudekapital möglichst klein werden solle, daß dasselbe in richtigem Verhältniß zur Ertragsfähigkeit des Hofes stehe. Man kann wohlfeil bauen, wenn man nur diejenigen wenigen Räumlichkeiten, welche in einem Wirthschaftshof durchaus wegen ihrer Verwendung und Dauer massiv errichtet werden müssen, solid herstellt, wie Stallung, Brennerei und Wohnhaus mit Speicher, und die übrigen Bauten, wie Gerätheschopfen, Heu- und Getreidescheunen w. nur leicht in Holz- und Niegelwände aufführt. Auf dem Hofe selbst konnte manches Baumaterial beschafft werden, wie Holz, Steine, Thon zu Backsteinen rc., wir mußten solches um so mehr in Ehren halten, als der Verbindungsweg mit der Land- 117 straßc anfänglich noch ziemlich unfahrbar gewesen und man dadurch viel an Vaufuhren ersparte. In den Waldungen war noch eine große Anzahl 5—8 Zoll starker, wenn anch meist nur kurzer Fohrenstämme, sie konnten mit Vortheil zu Riegclholz verwendet werden und somit wurde viel auf dem Hofe in Ricgelwänden mit Backsteinen ausgeführt, die stärkeren gaben Deckbalken, die, weil nur kurz, verschrcnkt mit langen Durchzügen, in halber Länge in Verwendung kamen; auch eignete sich Manches zu Sparrenholz. Geeignete Eichenstämme dienten zur Thür- und Fenstergewänder, zu Rost- und Kellcrgebälke; die Abfälle aber zu Sprenzel- hölzer. Glücklicherweise fanden wir einzelne Bansteinadcru (Trachyt), die sich im Mühlenthale vorfanden, wenn diese Adern auch nur schmal waren und oft sehr viel Abraum verlangten, so konnte stets ohne Sprengung gebrochen werden und wir zahlten für daS Klafter Steine 3—4 fl., ein Preis, der bei geringen Fuhrkosten sehr niedrig erscheint. Da die Bedingungen der Ziegelwaaren-Bereitung auf dem Hofe in glücklicher Weise vorhanden waren, so konnten solche sehr billig hergestcllt werden. Der LoeSboden eignete sich vortrefflich dazu, einen regelmäßigen Ziegelofen in demselben auszustechen und ohne Mauerung wurden etwa 40 Brände in dem nämlichen Natnrofen ausgeführt, ohne daß derselbe Schaden genommen hätte, nebenan grub man passenden Lehm, der fein verarbeitet, und von kleinen Kalksteinchen gereinigt, sehr gute Ziegel gab; das fohrcne Prügelholz, sowie Stnmpenholz zum Rauchfeuer diente als Brennmaterial, von welchem mehr vorhanden war als verkauft werden konnte; Kalksteine mußten vom nahen Tuniberg geführt werden und lieferten einen sehr wohlfeilen gebrannten Kalk. Im Durchschnitt stellten wir die Backsteine Per 1000 ü 10 fl., die Ziegel » 7 fl. her, so daß bei allen Bränden, die auf dem Hofe gemacht wurden, ohne einen Fuhrlohn von ange- kauftcr Ziegelwaare in Anschlag zu bringen, der Vorthcil gegen gekaufte Waare die Summe von 1000 bis 1200 fl. betrug, mit erspartem Fuhrlohn aber mindestens 1500 fl. Nur ein Material fehlte auf dem Hofe, der Saud, dieser mußte aus der Ebene beschafft werden und kam sehr hoch zu stehen, durchschnittlich mit Fuhrlohn zu 2 fl. 42 kr. per 20 Cubikfuß. Der Mangel an Sand bewog uns, auch Mauern ohne solchen und Kalk in Steine anszuführen und zwar mit Lehm-Bindemittel; eine Methode, die am Kaiserstnhl häufig in Anwendung gebracht ist, man baut z. B. zweistöckige Häuser in Steine nur mit ungerührtem Lehmen oder sogar nur Loeöboden; wir überzeugten uns jedoch von deren Dauerhaftigkeit an 30 und mehr Jahre alten Häusern in Jhringen. Die Accordarbeitsprcisc waren mäßig, cs wurde für Maurerarbeit mit Verputz per Cubikfnß 2'/? bis 3 kr. bezahlt, der laufende Fuß verarbeitetes Bauholz aber für 2 und 3 kr., anfgerichtet, accordirt. Die Gebäude des Hofes konnten nicht nach einem ganz neuen Plane hergestellt werden, sondern es mußte sich deren Stellung nach Fig. 14. « H ,D ^ zwei schon vorhandenen Gebäude richten. (Fig. 14) war als Scheune, v als Stall und Henspeicher eingerichtet. Die Größenverhältnisse und Lage dieser Gebäude konnte für einen größeren Hofplan nicht geeignet erscheinen; die Scheune ^ wurde zürn Wohnhaus, 6 aber zu verschiedenen Zwecken, die Stallungen aber wegen ihrer niederen und feuchten, dunklen Lage zu Balkenkeller hcrgerichtet. Die unebene Lage des ganzen Terrains ließ es nicht zu, alle Oekonomiegcbändc auf eine Höhe zu stellen, wir gingen deßhalb sogleich von dem gewöhnlich üblichen Plane ab, dieselben im Viereck mit einander zu verbinden und brachten das in Gebirgsgegenden mit Recht übliche System der Einfahrten in die zweite Etage in Ausführung. Es läßt sich wohl manches für und dawider sagen, allein wir haben die verschiedenen Gründe erwogen und sind nun, da die Gebäude ihrer Benützung übergeben sind, nicht getäuscht worden. Wenn die verschiedenen Prodncte, wie Heu, Rüben, Getreide zu — 119 — oberst gefahren, sodann in den Stall nach Bedürfnis hinabgeworfen werden können, ist eine wesentliche Kräfteersparniß die Folge. Wir haben ans dem Gehöfte 3 Höfe von verschiedenen Höhen I. ll. III. (Fig. 14). Fntter und Getreide, Stroh, wird von dem Hauptwcg II ab in den obern Hof III geführt, das Getreide wird in den offenen Schuppen abgeladen, das Hen und Grünfntter aber in den Stall bl eingefahren. Dieser obere Hof ist von Gebäuden eingeichlossen, dem gewöhnlichen Durchgang, wegen Fcuersgcfahr, verschlossen; in diesem Hofe befindet sich die Dreschmaschine, das Stroh wird durch den Henspeicher über dem Stall L in den Stall nach Bedürfniß gebracht. Auf den Hof II münden einerseits die Stallungen im Gebäude L, andererseits aber sind Wagcnschuppen, Geschirrkammern angebracht, so daß das Arbeitsvieh auf diesem Hof ein- und ausgespannt wird. Durch den Wagenschopf ans dem Gebäude 0 werden die Kartoffeln in die Balkenkellcr dieses Gebäudes? die in der Höhe des untern Hofes I> gelegen sind, ohne Mühe abgeladen, um von hier ans in der Brennerei, die in gleicher Höhe angebracht ist, verwendet zu werden. In der Höhe des unteren Hofes steht das Wohnhaus ^., von dessen Fenstern aus man jede Zu- und Abfuhr in die Gehöfte beobachten kann, so daß der Wirthschaftsführer stets bestens von allem orientirt ist. Die Situation der Hofgcbäude mit ihren Räumlichkeiten zu verschiedenen Zwecken verwendet, haben wir im Plan (Fig. 14) zu verdeutlichen gesucht; wir wollen sie nach der Ansmündung in die drei Höfe aufführen. I. unterer Hof. Es münden in diesen: 1. vom Wohuhause s. die Wohnung des Wirthschafters. d. die Hausküche. 2. vom Brennereigebäude II. a. die Brennerei. t>. der Dampfkesselraum, dem Holzschopf I> gegenüber, v. die Wasch- und Backküchc. <1. das Tabakmagaziu, Aufbewahrungsort deS gebundenen Tabaks und Wägplatz vor dem Abführen. 120 3. vom Geschirrhaus 0. a. der Branntweinkcllcr. b. der Kartvffclkeller. o. der Malzkeller nud Spritzenraum. ä. der Schweinstall. e. 1. der Noth- und Fremdenstall. Z. der Kartoffelkellcr. 4. vom Holzschopf 0. a. die Thüre zum Einfahren. b. die Thüre zum Abgeben von gemachtem Holz an die Dampfkesselraumthürc 8b, an die Wasch- und BackhauS- thnre 8 v und die Hausküchc bei b. il. mittlerer Hof. Es münden in diesen: 1. vom Brennereigcbäude 8. e. der Raum, in welchem die Kartoffeln gedämpft werden und sich das Kühlschiff befindet; die Maische wird in den unteren Stock dieses Gebäudes abgelassen, k. die Thüre zum Knechte- und Anfseherzimmcr, die sich im Dachranm befinden. K. Eingang zum Tabakbindsaal, auch wird in diesem Hellen geräumigen Zimmer bei ungünstiger Witterung oder bei Nacht grüner Tabak eingefaßt, b. Eingang zum Wachtzimmer. 2- vom Geschirrhaus 6. b. Eingang, zum Getreidespeicher, i. Eingang zur verschlossenen Gcschirrkammer. k. die ganze Seite ist 30 Fuß tief, zu einem Wageu- schuppen offen. l. Eingang zu einer verschlossenen Fuhrgeräthekammer. 3. vom Stall 8. s. Futtergäuge. b. Mistgänge. in. oberer Hof. 1. vom Stall 8. o. Einfahrten für Getreide, Heu und Grünfutter, ä. Eingang zur Dreschmaschine. 121 2. vom Getreideschuppen. u, a, s. die ganze Seite ist offen zu feimenartiger Benützung. Zwischen L und k befindet sich der Pferdegöpel; 6 und II sind Düngerstätten; ck ein laufender und L im mittleren Hof ein Pumpbrunnen , von dem aus man das Wasser in den Stall bl pumpen kann. Wie schon bemerkt, haben wir nur das Nothwendigste der Gebäude massiv aus Steinen gebaut, das andere in Niegclwäiiden; es sind in Stein ausgeführt: das Wohnhaus ^ in beiden Stocken, der untere Theil des Brennereigcbäudes L, des Geschirrhauses 6 und des Stalles L. In Nicgclwändcn mit gebrannten Backsteinen ist der zweite Stock des Brennercigebäudes, der theils Wohnungen enthält, ausgcführt; der zweite Stock aber von dem Geschirrhaus und Stall, zum Aufbewahren von Geräthschaftcn dienend und in letzterem Gebäude zu Futter und Stroh, ist nur in Niegel mit Dielen verschlagen ausgeführt. Der Getrcidcschuppen I? ist leicht aus Holz gebaut, mit Lattenwänden gleichsam einen Feimen mit feststehendem Ziegeldach bildend. Die Decke des Dampfkesselraumes ist in Backsteinen gewölbt, diejenige der Brennerei und des neuen Nindviehstalles aber zwischen die Balken mit liegenden Backsteinen construirt, eine Methode, welche sich schon als sehr vortrefflich bewährt hat und allgemeine Verbreitung verdient. Da die Backsteine von besonderer Form auf dem Hofe selbst gebrannt wurden, kam diese Methode nicht hoch zu stehen und lohnt sich deren geringe Mehrkosten gegen Wickelholz schon in wenigen Jahren. In allen Räumen, in welchen keine feuchten Ausdünstungen zu fürchten sind, wie z. B. in der Geschirrkammer, dem Tabaksaal, den: Kartoffelkeller re., ließen wir die Decken mit gewöhnlichem Lehmwickel anöführen; im Wohnhanse jedoch, damit es rasch bezogen werden konnte, mit beiderseitigen Dielenverschalung. Die Böden der Wohnungen und Arbciterräume sind mit Dielen, die Getreidespeicher aber mit sechseckigen Backsteinplättchen belegt, damit dem Verluste durch Mäusefraß, in die Rissefallen des Getreides re. gesteuert werde; auch die Waschküche, Brennerei und Malzkeller wurden mit Backstcinplattcu, die wir auf dem Hofe selbst producirten, belegt; der Quadratfuß kam auf 2 kr. zu stehen; steinerne Platten aber würden auf den Hof geliefert nicht unter 24 kr. per Quadratfuß gekostet haben. Hat man bei einem Bau die Möglichkeit, wohlfeile Ziegclwaarc zu erlangen, so kann man sehr viel an behauenen Steinen und Platten ersparen; ja man kann mittelst derselben die Steine vollständig entbehren, denn sic eignen sich bei richtiger Form zn Fenster- und Thürgewändcrn sowohl als wie zu Trögen, Decksteinen :c. Wir übergehen die vielen unterirdischen Wasser- und Abflnßkanäle and Brennerei, Waschküche und Küche und wollen zum Schlüsse unserer Betrachtung über die Hofgebäude noch die Düngerstätte erwähnen, welche wir, von den gewöhnlichen abweichend, anlegten. Wir gingen von dem Grundsätze ans, daß der Düngerhaufen gleichzeitig der Composthansen sein, daß der Stalldünger vorzüglich nur als Material zur Compostbereitung betrachtet werden solle. Fig 15. Fig. 15 gibt eine Seitenansicht der in Fig. 14 II anfgcführten Düngerstätte, n ist ein Pfnhlbehälter, in welchen sich der Ablauf des Stalles L zur Hälfte ergießt, die andere Hälfte geht nach der Düngerstätte 6. Von diesem Pfnhlbehälter ans zieht sich in der Richtung nach b (Fig. 15) in einer Breite von 20 Fuß und circa 60 bis 80 Fuß lang, je nach zukünftigem Bcdürfniß, ein ver- Ng. 16. tieftes Düngerlager mit Gefäll nach dem Pfnhlbehälter, wie in 123 Fig. 16 k>, b, e angegeben ist. In Mitten desselben befindet sich ein mit Prügelholz gedeckter 2 Fuß breiter Graben. Diese ganze Lagerstätte hat von l> nach a in Fig. 15 ein Gefalle von ZOß. Die Scitenwand desselben ist nach der Seite 1 (Fig. 16) hin frei, gegen s hingegen befestigt eine Maner die Terrasse ,l. Der Dünger nnd die Erde wird ans die Terrasse ,l angefahren, in die Grube sbe hin- unterwcrfend, abgeladen; zur Abfuhr aber werden die Wagen ans den Abfnhrwcg § gestellt und können leicht beladen werden. Wir haben somit, statt wie gewöhnlich eine quadratische, große, schwer zugängliche Düngerstätte, ein verhältnismäßig schmales langes Düngcrlager, das von der einen Längsseite her angehänft, ans der anderen leicht abgefahren werden kann. Es soll bei dieser Methode nicht, wie gewöhnlich, die ganze Düngerstätte an allen Theilen gleichzeitig angefüllt, sondern es dürfen stets nur alle 20 Fuß lang, also ein quadratisches Stück der Düngcrstätte, 4 Quadratruthen groß, ange- fangcn nnd bis zu einer Höhe von 6—8 Fuß mit Erde durchschichtet anfgcfüllt werden; ist auf diese Weise die erste Abthcilung (Fig. 15) o nnd Indem die Handbearbcitungs - Geräthe, die gewöhnliche Haue, ! am Kaiscrstuhl nur für rauhe Bearbeitung von Kartoffeln und Reben dienlich ist, mußten wir im Interesse des Tabaksbaues die bekannte Pfälzer Tabakshauc mit kurzem Stiel beschaffen, welche es, vermöge ihrer Leichtigkeit, ermöglicht, jenen nothwcndigcn Handgriff beim Hacken und Häufeln des Tabakes anszuführen, bei dem man die Haue, mit der einen Hand das kleine Pflänzchen schützend, mit der andern regiert. Mehrere Hundert solcher Tabakshaucn, die wir an- ^ gekauft, befinden sich zwar nicht iu der Gerathekammcr des Hofes, wohl aber in den Händen der Arbeiter, denen man zur Pflicht gemacht, sich eine solche Haue zu Eigeuthum zu erwerbe». Ausebnuugsinstrumente, wie Eggen und Rechen, haben wir di^ gewöhnlichen bcibehaltcn, die Brabanter Egge mit eisernen und hölzernen Zahne» leistet in dem lockeren humusreichen Boden alles, was ^ man nur wünschen mag, wir fanden es nicht einmal uothwendig, obschvn der Boden uneben, eine Glicderegge zu beschaffen; ein geeggtes Feld des Hofes glich stets mehr einem gerechten Gartenlande als einem Ackerfelde. Auch bei dem Fnhrgeräthe haben wir mit Ausnahme deS Pfälzer Dielcnwagcns, zum Einfahren von Tabak besonders gut geeignet, nichts für die Kaiserstühlcr Gegend Neues eingeführt. Des noch sehr wurzeligen Bodens des HofcS halber konnte zur Zeit mit den Säemaschineu nur kleine Versuche augestellt werden, wozu die einreihige Mvhl'schc mit der Abänderung der einfacheren Samenstreuvorrichtung durch verstellbare Oeffnung und Bürste, statt . der so complicirteu verschiebbaren Rinnen in der Saatwalze, vollständig ausreichte. Als weniger bekannt führen wir hier die Tabak- 9 130 säemaschine an (Fig. 19), mit welcher dieser feine Samen vollständig gleichmäßig auf die Samenbeete vertheilt werden kann. In dem Mg, ig, schmalen Kästchen s b bewegt sich eine Stiftenmalze, die Achse der beiden Räder bildend, sic wirft den Samen durch die feinen Löcher des Kästchens in Reihen von einem Zoll Entfernung. Wenn auch im Kleinen ein solch Ma- schinchen nur geringeren Vortheil bietet, so ist eS bei einer Pflanzenzucht von beinahe einem Morgen groß von Wichtigkeit, wenn die Samenkörner in kurzer Zeit gleichmäßig vertheilt werden können. Eine auf größeren Gütern unentbehrliche Maschine, das Hand- Dreschen zu ersetzen, eine Dreschmaschine, mußte auch auf dem Hofe aufgestellt werden; von den vielen angepriescnen Formen wählten wir eine sehr einfache, die auch bei der Karlsruher Geräthcausstellnng für die beste befunden wurde; sie besteht in einer Dreschtrommel, an welcher 3 Schlagleisten, Eisenstäbe, zu je 3 Theile in gleichem Abstand, angebracht sind (Fig. 20 a.) Der gewöhnlich oder Vz des Umfanges der Dreschtrommel angebrachte Rost umgibt dieselbe nur zu Vg und ist, von andern Maschinen abweichend, feststehend. Die Stellung der Dreschtrvmmel a zum Roste I,, ob nahe oder weit, je nach der Fruchtgattung, wird einfach durch höher oder niedrigschrauben des Achsenlagers der Trommel bewerkstelligt; wenn auch die Kreise der Trommel und des Rostes nicht vollständig parallel laufen, so genügt eine derartige Stellung vollkommen, wovon wir uns hinlänglich überzeugten. Ein einfacher liegender Göpel von starkem Guß mit eingesetzten Holzzähnen, damit Reparaturen leicht ausgeführt werden können, bewegt die Maschine. Sie ist in einer Größe ausgeführt, um täglich über 1000 Garben preschen zn können; wir erreichten unfern Zweck vollkommen und hatten dazn 4 Ochsen nebst einem Paar Wechselvchscn, also 3 Paare täglich, nöthig; es waren dabei nebst den beiden Ochsenknechten noch 4 Personen beschäftiget. Wie groß der Vortheil einer guten Dreschmaschine ist, wollen wir in Kurzem angeben: Es würden auf dem Hofe in Zukunft circa 20000 Fig. 20. 131 Garben Getreide producirt werden; mit der Hand zu dreschen erforderte dieses Quantum: 5 Manu dreschen in einem Tage 100 Garben, also 5 X 200 — 1000 Arbeitstage. Die Dreschmaschine verarbeitet in einem Tage 1000 Garben und hätte somit 20 Tage zu arbeiten; sie bedarf während dieser Zeit 6 X 20 — 120 Arbeiter und Z X 20 — 60 Paar Ochsen für einen Tag. In Geld ausgedrückt ergeben sich folgende Zahlen: Handdrusch bei 20000 Garben — 1000 Arbeitstage, -> 40 kr. — 66k fl. Maschinendrusch „ „ 120 „ a 40 „ ^ 80 fl. „ „ „ — 60 Arbeitstage für ein Paar Ochsen ü 2 fl. — 120 fl. Die Maschine kostet 800 fl., für Abnützung und Zinsen .... 80 fl. 280 fl. 280 fl. Gewinn bei dem Maschinendrusch .... 386 fl. Wir haben somit einen Gewinn mit der Dreschmaschine von 386 fl. erreicht, allein noch andere Vortheile sprechen zu Gunsten derselben; bei dem zahlreichen Gesinde eines großen Hofes kann bei schlechtem Wetter die Maschine von demselben bedient werden und die Arbeitskosten sind noch geringer; eS würden die Ochsen ebenfalls an Regentagen müßig im Stalle stehen und somit kann deren Arbeitsleistung streng genommen nicht voll angcrechnct werden. Ein Hanptvortheil aber besteht noch in dem schnellen Erdrusch, in der leichten Beaufsichtigung desselben sowohl als auch in der Möglichkeit, momentan hohe Preise benützen zu können. Indem wir mit der Ausführung unserer Dreschmaschine vollkommen zufrieden sind, können wir die mechanische Werkstätte von Schweizer in Freibnrg bestens empfehlen. Fntterschneidmaschinen haben wir zur Zeit auf dem Hofe noch nicht aufgestellt und begnügen uns einstweilen bei dem jetzt noch geringen Viehstand mit den gewöhnlichen Handhechselstühlen; wir würden diese auch in Zukunft sicherlich nicht verlassen, wenn man nicht den Vortheil der wohlfeil bewegenden Kraft des Göpelwerkes der Dreschmaschine auch in einer Hcchsclmaschinc auSnützen könnte. Neben den spcciellcn landwirthschaftlichen Geräthen und Maschinen erwähnen wir noch einer kleinen Apotheke für den Nindvich- stall, welche die nöthigsten Medikamente sowohl als auch einige leicht anwendbare Instrumente, wie Lanzetten zur Aderlässe, einen Troakar und Schlundröhre, Spritze re. enthält. 9 * 132 Da der Hof abgelegen ist und ein schon ziemlich großes Häuser- kapital repräsentirt, so fanden wir es für zweckmäßig, auch für Feuer- löschspritzeu zu sorgen; die rühmlichst bekannte mechanische Werkstätte von Kirch in Freiburg lieferte uns eine größere mit 3 Zoll Stiefelweite und eine Handspritze; beides sehr vortreffliche Geräthe. Wir sind bis jetzt dem Grundsätze treu geblieben, nur anerkannt gute Gerätschaften aufzustcllen und werden auch fernerhin auf dem Hofe alles Neue nur mit der größten Vorsicht aufnchmcn, eingedenk daß wir mit fremdem Kapitale arbeiten und kein Actionär sich zu Versuchen verpflichtete. Bucysi'lhrmrg. Es ist hier nicht der Ort eine vollständige Auseinandersetzung der auf dem Hose eiugeführtcu Buchführung zu geben, eine solche mit den uöthigeu Besprechungen würde allein den ganzen Raum dieses Schriftchcns erfüllen; wir begnügen uns, hier die allgemeinen Grundsätze aufzustellen, nach welchen der Sachverständige schon bcurtheilcn kann, ob die Bedürfnisse eines sicheren Nachweises über die einzelnen Zweige des Betriebs erfüllt sind oder nicht. Von einer landwirtschaftlichen Buchführung verlangen wir, daß für jeden einzelnen Zweig der Wirtschaft besondere Rechnung geführt werde, daß man sich zu jeder Zeit im Jahr vom ganzen Stand Rechenschaft geben könne. Es sind für folgende Zweige besondere Verrechnungen eingerichtet: 1) für die Administration. 13) für die Steuern u. Abgaben. 2) „ das Gesinde. 14) „ den Handel. 3) die Haushaltung. 15) „ die Pferdehaltung. 4) // die Branntweinbrennerei. 16) f/ die Zugochsen. 5) die Kellerei. 17) /, das Rindvieh. 6) die Werkstätte. 1ö) die Schweinezucht. 7) das Geräthe-Jnventar. 19) // die Bienenzucht. 8) „ die Gerätheunterhaltung. 20) die Gärten. 9) das Grundcapital. 21) „ die Baumschule. 10) die Meliorationen. 22) k, die Weinberge. 11) das Gebäudecapital. 23) „ die 'Wiesen. 12) die Gebäudeuuterhaltung. 24) „ die Graö- u. Obstgärten. 133 25) für die Futterrainc. 26) „ die Weideanlagen. 27) „ die Wege (mit Obstpflan- zungcn. 28) „ den Wald. 29) „ den Tabaksbau. 30) für die Winterfrüchte. 31) „ den Kartoffelbau. 32) „ den Kleebau. 33) „ verschiedene Grünfutter- pflanzcn. 34) „ sonstige Cultnren. Die Bedeutung dieser einzelnen Contis ergibt sich aus deren Benennung; der Conto Nro. 14, den wir Handelsconto benannt, wird wohl auch als Zuknnftsconto aufgeführt; diesen Conto betrachten wir als streng genommen nicht zur laudwirthschaftlichen Buchführung gehörig; er nimmt alle-jene Producte auf, kauft dieselben an, welche bei dem Jahresschluß nicht verkauft, sondern noch, zum Verkauf bestimmt, vorhanden sind; man erhält durch diese Methode für daS neue Jahr stets reine Rechnung; auch lassen wir ein besonderes Naturalienjournal für diesen HandclSconto führen. Die verschiedenen Contis genau und klar zu verrechnen, haben wir dreierlei verschiedene Bücher, als Hülfsbücher zum Hauptbuch, anzulcgeu ; die Geldjournale, die Naturalienjournale und die Arbeiterjournale; in folgender Uebcrsicht sind diese wieder mit ihren Hülfs- büchern zu erkennen. Hauptbuch- I. Gcldjournale. 1. Cassabuch. 2. Taglöhnerjournal. 3. Journal für Accordarbciten. 4. Jnventaricnbuch. II. Arb citerjournal c. 5. Gcsindearbcitjournal. 6. Pferdcarbeitjournal. 7. Zugochscnarbeitjonrnal. III. Natnralicnjournale. 8. Natnralicnbuch. 9. Einbauregister. 10. Baumschulregister. 11. Waldrcgister. 12. Obstbaumpflanzungregister. 13. Drcschregister. 14. Speicherregister. 15. Kcllerregister. 16. Milchregister. 17. Branntweinrcgister. 18. Düngerjournal. 19. Rindviehjournal. Haben wir nach Umlauf des Rechnungsjahres alle diese Journale und Hülfsbücher geführt, und schreiten wir zur Schlußrechnung, so werden wir folgendermaßen verfahren: Bei der Anlage der RechnungSbüchcr gaben wir im Hauptbuch einem jeden Conto eine Seite, und zwar erhielt ein jeder sogleich bei der Anlage das Inventar, welches er vom vorhergehenden Jahre übernommen, in Ausgabe; so daß sämmtlichcs Inventar, an Vieh, Geräthe, Grund und Häuservcrmögcn, den Werth der im letzten Spätjahr eingebauten Felder, daS sogenannte „eingebaute Felderinventar", Klee Weizen rc., um den gleichen Werth in die betreffenden Contis in Ausgabe gestellt ist, um welchen das vorhergehende Jahr dieselben verkaufte, an's neue Jahr abtrat. Nach diesem Geschäfte schließen wir das Cassabuch, in welchem sich während des Jahres alle baaren Ausgaben und Einnahmen schon in einzelnen ContiS angesammelt; wir schreiben die Totalsumme der Ausgaben und Einnahmen eines jeden Conto in den betreffenden Conto des Hauptbuches. Wir schreiten nun an die Berechnung der Naturalien. Wir schließen die einzelnen Register ab, deren Resultate sich vorerst zum großen Theil im Einbaurcgister, sodann aber hauptsächlich im Naturalienbuch ansammeln; wir haben schließlich hier in einzelnen betreffenden Abteilungen Weizen, Kartoffeln, Tabak, Heu, Holz, Dünger rc. aufgeführt, wie viel von diesen Gegenständen producirt wurde und die Verwendung derselben; wir haben von jedem einzelnen Product in gesonderten Abteilungen verzeichnet, ob die Verwendung gegen Baarzahlung geschehen oder aber nur als Uebcrtragung von einem Conto auf den andern stattgefunden hat. Alle gegen Baarzahlung abgegebenen oder angekauften Naturalien sind schon im Geldwerth in dem Hauptbuch, aus dem Cassajournal entlehnt, enthalten, 135 es bleibt uns nur noch übrig, die erzeugten Products, wie Dünger, Heu, Weizen :c., welche von einem Conto an den andern abgegeben und dorten verwendet wurden, z. B. Weizen vom Weizenconto in den Hanshaltnngsconto, Dünger vom Rindviehconto in den Tabaks- conto rc., in Geldwcrth zu übertragen; die restlichen Prodncte aber werden in ihrem Geldwerthe dem betreffenden Jahresconto zu gut, dem Handelsconto des folgenden Jahres aber zur Last geschrieben. Haben wir auch dieses Geschäft vollendet, so bleibt uns noch übrig, die in den Arbeiterjournalen verzeichnten Arbeitstage des Gesindes und des Gespannviehes in Geldwerth in die einzelnen betreffenden Contis, die in diesen Journalen verzeichnet, einzutragen. Die Bestimmung des Geldwertes der Arbeitstage kann nur durch Berechnung, Abschluß der betreffenden Contis, des Gesinde-, Pferde-, Ochsenconto, geschehen, wir müssen deßhalb im Hauptbuch vergreisen und diese drei Vortheilcontis abschließen. Ans der Anzahl der Arbeitstage, die sich in den Arbciterjournalen sammeln und der Summe der Unkosten der betreffenden Contis, berechnen sich die Kosten für einen Tag, nach den weitern Aufzeichnungen für jeden Conto der Geldwert) der im Jahre geleisteten Arbeit für denselben. Es verthcilen sich diese Contis somit im Hauptbuch vollständig und erscheinen bei der Bilanz nicht mehr. Es bleibt uns nun die letzte Arbeit vor dem Abschluß der einzelnen ContiS übrig, die Uebertragung der Jnventarien an das nächste Jahr. Sowie wir als erste Arbeit im Hauptbuch für jeden einzelnen Conto das betreffende Inventar vom vorhergehenden Jahr übernommen und unser Rechnungsjahr dafür belasteten, ebenso müssen wir den Werth des Inventars, so wie sich derselbe am Schlüsse des Jahres ergibt, an das nächste Jahr wieder abgeben, verkaufen. Durch diesen An- und Verkauf des Jnventares erhalten wir die Schwankungen des Wertheö desselben, ob geringer oder höher in die betreffende Jahres- rechnnng, was wir für vollkommen gerecht ansehen müssen. Haben wir z. V. im Rindviehconto am Anfang vom Jahr ein Rindvich- invcntar für 5000 fl. vom verflossenen Jahre übernommen und ist der Stand des Viehes ein besserer, vielleicht viel nachgezogen worden, so verkauft dies Jahr das höhere Inventar vielleicht um 6000 fl. an das nächst folgende Jahr; dem Rechnungsjahr, in welchem der Zu- 136 wachs stattgefunden hat, wird der höhere Betrag von 1000 fl. zu gut kommen. Nach Vollendung dieser Arbeiten schreiten wir zum Abschluß eines jeden ContoS im Hauptbuch, in der Bilanz sind die Resultate dieser ciuzeluen Abschlüsse zusammeugestellt, die Adition der Ausgaben und Einnahmen und Vergleich derselben gibt uns den Ertrag oder Verlust der ganzen Wirtschaft; den Werth des Hofes, das Grund- und Häuscrcapital, die Jnventarien ersehen wir auS den fürs künftige Jahr übertragenen Jnventarien. In dieser kurzen Darstellung glauben wir die Grundzüge der Buchführung des Hofes gegeben zu haben, wie ersichtlich, erreichen wir durch dieselbe das einer jeden landwirthschaftlichen Buchführung vorgestecktc Ziel: Rechenschaft nicht allein über den ganzen, sondern auch über jeden einzelnen Zweig des Hofbetricbes. Personal. Das Personal auf einem Hofe wird je nach dessen Größe und nach der Intensität der Wirthschaftsart ein größeres oder geringeres sein müssen. Die Bewirtschaftung des HoscS Lilienthal ist im Vergleich mit andern Gütern von gleicher Größe eine sehr intensive; der Anbau einer so großen Menge Tabak erfordert sowohl auf dem Felde als auch unter Dach sehr große Aufmerksamkeit und Intelligenz; die Behandlung von 30 Morgen Reben können nur sehr bewährten Händen anvertraut werden, wenn dieselben denjenigen Ertrag abwcrfen sollen, den man berechtigt ist von denselben zu erwarten. Neben diesen beiden hervorragenden Theilen des Gutes ist der regelmäßige Betrieb der übrigen Landwirthschaft mit Viehstand, Brennerei, Getreide- und Kleebau re., Hauswirthschaft, Wald- und Obstwirthschaft re. zu führen. Es muß demnach das Aufsichts- und ständige Arbeitspersonal sowohl größer sein, als man in der Regel anzunehmen pflegt; der höhere Ertrag durch Handelspflanzen, durch Jntensivwirthschaft, kann nur durch strengste, gewissenhafteste und intelligente Führung erlangt werden. Die oberste Leitung deS Hofes führt der Verwaltungsrath der Tabakögescllschaft, er überwacht die Bestimmungen der Wirthschafts- einrichtung und läßt je nach Zeit und Bedürfniß Aenderungen in denselben eintreten. Ein Verwalter ans dem Hofe selbst führt die Leitung der täglichen Geschäfte und ist soinit der ausübende Beamte des VerwaltungSrathes; ihm liegt cs ob in gewissen Zeiträumen Berichte über den Gang der Arbeiten au den Verwaltungsrath gelangen zn lassen. Die Ausdehnung der Buchführung und schriftlichen Arbeiten, Corrcspondenz, erlaubt es dem Verwalter nicht, neben dessen Obliegenheit dieselben zu übernehmen; es ist deßhalb ein Buchhalter ausgestellt. Zur spcciclleu Ueberwachung der Weinberge, welche die aus-- schließliche Thätigkeit eines Mannes erfordern, ist ein Rebmann bestimmt, der, damit dieses Amt in der Person nicht häufig wechsle, eine Stellung erhalten hat,' welche ihm erlaubt, mit Familie auf dem Hofe leben zu können. Neben diesen 3 dauernden Verwaltungspersonen sind auf dem Hofe 3 Aufseher, die, wenn nur eine geringe Anzahl Arbeiter zu beaufsichtigen ist, als Vorarbeiter dienen. Die Anzahl der Knechte muß auf einem abgelegenen Hofe stets größer sein als ein solcher in der Nähe eines Dorfes oder Städtchens, es gibt viele Arbeiten, welche oft unvorhergesehen rasch ausgeführt werden müssen, man kommt häufig in große Verlegenheit besonders bei dem Gespann, wenn mau sich auf Taglohnarbciter weit entfernter Orte verlassen muß. Zudem ist es eine nicht geringe Beruhigung, zu jeder Zeit mindestens ein Dutzend kräftiger, dem Hofe treu ergebener Bursche zu haben, im Gedanken, daß man in den Fall eines Brandunglücks kommen könnte. Neben 6—8 Fuhrknechten befinden sich zur Zeit auf dem Hofe: ein Gärtner, ein Wagner und ein Schmied. In demselben Verlage ist erschienen: Der Hausgarten in Stadt und Fand, leichtfaßliche Anleitung zum Gartenbau für Besitzer städtischer und ländlicher Hausgärtcn von , Fr. B. Hoffacker. Mit 55 Holzschnitten. Preis l Gulden — 17" - Sgr. Urtheile über dasselbe: Aus der badischen Landeözcitung. Wir fühlen uns gedrungen, auf dieses neue Wcrkchcn unseres hochgeschätzten Landsmannes jeden Gartenfreund aufmerksam zu machen. Durch Herausgabe desselben ist den Bestrebungen der landwirthschaftlichcn Vereine bezüglich Verbreitung belehrender Schriften unter den Landwirthcn ein großer Dienst geleistet, denn der Garten veredelt den landwirthschaftlichcn Betrieb. Wo der Gartenbau mit Liebe betrieben wtid, da ist der Landmann zugleich auf seiner höchsten Stufe. Man gibt sich in neuester Zeit mit Recht so viele Mühe, in den Landschulen den Kindern land- wirthschaftlichcn Unterricht z» ertheilcn, ich möchte wohl glauben, daß cs leichter ausführbar und praktikabler wäre, die Kinder zunächst auf den Gartenbau hinzu- wciscn und von diesem auf den allgemeinen Ackerbau übcrzugehcn. Der Garten liegt dem Kinde näher, als das Feld, seine Erscheinungen stehen ihm mehr vor Augen und erfreuen seine reine Seele. Namentlich möchten wir allen Lehrern die An- , schaffung dieses trefflichen Gartcnbuchcs anrathcn; cs ist der beste Leitfaden zum " Selbstunterricht, sowie zur Unterweisung Anderer. Die Sprache ist büudig und r' deutlich, der Gang systematisch, der Inhalt umfassend, die Ausstattung schön und viele Holzschnitte (55) dienen zur Verdeutlichung deS Gesagten. Aus einem Schreiben des Herrn Garteninspector LucaS in Hohenheim. Herrn I. H. Geiger in Lahr! Gestern erhielt ich durch Köhler in Stuttgart daö 1. 3. und 4. Heft Ihres Vcrlagsartikels, des Hausgartcn, nachdem ich das 2. Heft schon früher empfangen habe, zur Besprechung in der Monatsschrift für Pomologie. Ich beeile mich, nachdem ich genauere Einsicht von diesem höchst schätzbaren Buch genommen, sogleich Ercmplarc davon gegen Nachnahme für meine Schüler zu bestellen und 1 für die Gartenbauschulc. Ich wollte Ihnen zugleich für die Zusendung des RcccnsivnSercmplarcS danken und Ihnen zu diesem in der That in jeder Beziehung vortrefflichen Schriftchen Glück wünschen. Ich werde dasselbe sowohl in der Monatsschrift für Pomologie als im Hohcnheiincr landwtrthschafrlichen Wochenblatt besprechen und auf's wärmste empfehle». Hohenheim bei Stuttgart, den 28. Mai 1859. Hochachtungsvvllst ergebenst Ed. Lucas, Garteninspector und Rcdactcur der Monats- < schrift für Pomologie :c. Aus den Erheiterungen. ES läßt sich gewiß nicht läugnen, daß man mit einer gewissen Selbstzufriedenheit auf Spaziergängen bei schön und nützlich angelegten Garten weilt; jeder Naturfreund fühlt sich im Frühjahr und Sommer ungezogen bei dem Anblick üppig bebauter Beete, ticfschattiger Laubgängc und einladender Obstbäumc. Ebenso wird gewiß Jeder, der schon längere Zeit Gartenbau betrieb, denselben-zu den angenehmsten Beschäftigungen zählen. Wie man nun den Gartenbau auf eine wirklich -i rationelle Art betreibe, dies lehrt uns ein neues Wcrkchcn „der Hausgartcn" von Fr. B. Hoffacker, Lahr 1859. Dasselbe zerfällt in 5 Thcile, von welchen der erst Thcil dm allgemeinen Gartenbau, der zweite den Gemüsegarten, der dritte den Obstgarten, der vierte den Ziergarten und der fünfte den Betrieb des Gartenbaues behandelt. Zwei Hefte liegen vor uns und können wir, aus dem bereits Erschienenen zu schließen, das Werk jedem Gartenzüchtcr, so wie Pomologcu nach unserer besten Uebcrzcugnng empfehlen. Eö handelt sich hier nicht um den Bau und die Pflege von LuruSgärtcn, sondern um die Anlage solcher Gärten, welche Nutzen und Schönheit mit einander verbinden. Eine so musterhafte, kleine und gedrängte Anleitung zum praktischen Gartenbau im Gemüse-, Obst-, Wein- und Blumengarten, wie sie das vorliegende Werkchcn gibt, war längst ein entschiedenes Bcdürfniß in unserer populären Literatur. Wir kannten die früheren Leistungen desselben Verfassers auf diesem Gebiete, z. B. seine treffliche Anleitung zum Tabaksbau, und hegten daher schon im Voraus keine geringen Erwartungen von dieser Schrift, die aber auch faktisch noch übertroffen wurden, als wir den Inhalt dieses mustergültigen, kleinen Handbuches aufmerksam prüften. Die Einthcilnng des reichen Stoffes ist ebenso logisch, als umsichtig, und geht von den allgemeineren Vorkcnntniffen alles Pflanzenbaues: Lcbenskundc der Gewächse, Boden und Elima, Düngung, Bodenbearbeitung, Saat und sonstige Vermehrung , Pflanzen und Versetzen und Pflege der Gewächse, Ernte und Samcnge- winnung re aus, in organischer Fortentwickelung weiter zu der PrariS dcS Gemüsc- und Obstbaues und deren rationellen Betrieb, zur Theorie und PrariS der Zier- gärtncrei, und endlich zur klaren Darstellung des größeren und rationellen Betriebs des Gartenbaues als lohnendste Spatcnwirthschaft. Die überaus klare, gedrängte und gcmctnfaßlichc Darstellung, welche am entsprechenden Orte durch eingedruckte Holzschnitte noch anschaulicher gemacht wird, und der vielseitige Inhalt, der nichts Wesentliches vermissen läßt, sind Vorzüge, die dieses Buch von der großen Masse ähnlicher Gartcnbüchcr vvrtbeilhaft unterscheiden und eS für jeden Gartenfreund und Besitzer größerer wie kleinerer Grundstücke sehr empfehlen. Aus dem Wette rau er Boten. Der rühmlichst bekannte Verfasser hatte bet Bearbeitung dcS vorliegenden SchriftchcnS diejenigen Gärten im Auge, welche ohne großen Kapitalaufwand und ohne Zuziehung eines bcsondcrn Kunstgärtncrs, durch die Hausfrau und die übrigen Glieder der Familie gepflegt werden, also nicht eigentliche LuruSgärtcn. Sowohl mit der Eintheilung, als der speciellen Behandlung der einzelnen Abschnitte können wir uns nur vollkommen einverstanden erklären und glauben das Buch allen Gartenbesitzern um so mehr empfehlen zu können, als cS in der That nur Wesentliches enthält und durch faßliche Darstellung der Grundsätzen auf denen die Gartenkunst beruht, durch logische Sonderung und scharfe Eintheilung dem Gartenfreund die nöthigc Anlcitnng gibt, sich in allen Lagen und Verhältnissen zu helfen und selbstbewußt zu handeln. Das Buch ist äußerst instruktiv, kurz im Ausdruck und billig im Preis, so daß es sicher unter den Gartenfreunden, für die es bestimmt ist und die durch die Stoffmagc größerer Gartcnbüchcr häusig nur verwirrt werden, einem wirklichen Bcdürfniß entspricht und eine weite Verbreitung und sorgfältige Benutzung verdient. Aus der Hamburger Garten- und Blumcnzcttung. Im vorigen Hefte machten wir die geehrten Leser unserer Zeitung aus die ersten beiden Lieferungen dieser kleinen Schrift aufmerksam, von dem uns jetzt die beiden letzten Lieferungen rorlicgeu. Wir empfehlen diese Schrift nochmals ganz besonders allen Besitzern städtischer und ländlicher HauSgärtcn. Der Verfasser hat von den sogenannten LuruS-Gärten ganz abstrahirt und nur die Anlage und Pflege von eigentlichen Nutz-Gärten inS Auge gefaßt. Mit Hülfe dieses Buches wird jeder unkundige Gartenbesitzer und Gartenfreund sich in allen vorkommcnden Lagen und Verhältnissen zu Helsen wissen. E. O—o. Aus de» Frauendorfer Blättern. Man möchte nicht glauben, daß ein so umfangreicher Stoff auf so beschränktem Raume nur einigermaßen genügend verarbeitet werden könnte, müssen aber gestehen : dies Kunststück ist dem Verfasser perfekt gelungen. Er hat nur auö eigener Erfah- rungSquellc geschöpft und sich der möglichsten Kürze befleißigt, jedoch ohne Abgeriffcn- hcit; dazu hat der Verleger bei freundlicher Ausstattung einen sehr billigen Preis gestellt, und kann cS nun dem recht praktischen, wirklich empfchlcnswerthen neuen Gartenbuchc an einem glücklichen Lebenslauf nicht fehlen. Subscribeutcn erhalten das Ganze für nur t fl. oder 17 ss, Sgr. Die im Tcrt »crthcilten Holzschnitte sind eine wcrthvollc Dareingabe. / Hot'. NIL Lsspscln. Mi «r N> L.. ?L. ! .^»„IlX'Ii Mui? 8 cliLkIi 3 ii 8 k» ^ »5. - ^ f), '.. .'7/ >. s t'^ ?!- fWn.. -- / , »M ^ 77^ ' . ^^7 ^echtmH«« ' / 7 ->!-- ^ - '' ^7" ^T«». K^"-'.'-^,«,. ÄW-- - -^Ai-kly^/.'--.^.>^x ".. '?."--'WK?-i': '-.."» A^RnlkSI"!»*"*7/ " K .M M F'/ f^rV M ünmniM /- I?ixeI>nMn»en "k >^L - / ' > ^ K- ^ / ' :-Ä rr»>-- ' ^i-brniüneL 7.ÄK7L2 >>«'j..A!'.'->-">'-''''rL-".-r - !, 8(-lLe1i^MN6ii1^- LL-. ^ ^..'ü.'Ltt.v-»«'.^'-.-- . ..---< ... .LE.-Lr »Me W<'> iioll> 8 '<>>!. 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