Der Völkerkrieg als Prediger des Vertrauens Kräftiges Kriegsbrot dargereicht von vr August Kuecht Professor an der Universität Straßburg i. E. Freiburg im Breisgau 1915 Herdersche Verlagshandlung Berlin, Karlsruhe, München, Straßburg, Wien, London und St Louis, Mo. Der Völkerkrteg als Prediger des Vertrauens Kräftiges Kriegsbrot dargereicht von vr August Knecht Professor an der Universität'Straßburg i. E. Freiburg im Breisgau 1915 Her bersche Verlagshandlung Berlin, Karlsruhe, München, Straßburg, Wien, London und St Louis, Mo. /I -Z/L Imprimatur F'r'-burS-r L- rsAoviae, äis 25 ^.uznsti 1915 O. ni. vr Vrslivr, onnovieus Alle Rechte Vorbehalten HlchH°r-H°^H°-d°r,ch°n V°.l°sShandluns in S-eiburg Inhalt I. Der Völkerkricg predigt unerschütterliches Vertrauen auf Gott II. Der Völkerkrieg predigt hingebungsvolles Vertrauen auf die Kirche III. Der Völkerkrieg predigt opferwilliges Vertrauen auf unser deutsches Vaterland und demütiges Vertrauen auf uns selbst 1 LiL I. Der Völkerkrieg predigt unerschütterliches Vertrauen auf Gott. „Auf dich, o Herr, vertraue ich, und ich werde nicht zuschanden werden in Ewigkeit" (Pf 30, 2). rTT^ie Zeit ist tief ernst. Unsere Tage sind der Bitterkeit und des harten Leides voll. Vor Jahresfrist fiel der schwere Hammer auf die große Glocke der Weltgeschichte. Düster dröhnte der Ton hinaus in gar viele Länder der weiten Erde und drang hinein in das Innerste unzähliger Menschenherzen. Banger Schrecken bei den einen, kleinmütiges Verzagen bei den andern, starker Mut und sieges- gewisse Hoffnung bei den dritten war der verschiedenartige Widerhall. Schon geht der Weltkrieg mit seinem grausigen Gefolge in ein neues Jahr. Die Luft mehrerer Erdteile ist erschüttert von dem unaufhörlichen Donnergeroll der Tod und Verderben speienden Geschütze. Ströme edelsten Herzensblutes sind bereits geflossen und fließen ununterbrochen weiter. Die heimatliche und die fremde Erde decken Massen von Leibern der Unsrigen und unserer Feinde, und manche Helden haben ihr Ehrengrab gefunden auf des Weltenmeeres tiefem Grunde. Fruchtbare Felder wurden niedergetreten und von Pferdehufen wild zerstampft, Städte und Dörfer sanken in Schutt und Asche, Kultur- und Kunstwerke, öffentliches und privates Eigentum wurden geraubt oder roh zerstört, altersschwache Greise und unmündige Kinder fortgeschleppt von Haus und Hof, von Heimat und Vaterland, ehrbare Frauen, züchtige Jungfrauen und unschuldige Mädchen sind in tierischer Wollust gemein geschändet worden. Der verwegenste Stift eines phantasievollen Künstlers wäre nicht imstande, auch nur eine schwache Skizze zu zeichnen von dem, was 1 unserem teuren Vaterlande gedroht hat von seiten der betörten Rachsucht im Westen, von dem hinterlistigen Neide im Norden, dem bestialischen Blut- und Beutednrst im Osten, und zuletzt von dem schmählichen Jndasverrat im Süden. Die Feinde haben die lang getragene Maske einer geistigen und sittlichen Bildung abgeworfen und entblödeten sich nicht, wilde Heidenstämme aus fernen Weltteilen auf europäisches Christenblut zu Hetzen. So tief stehen heute Völker, die für sich die Führung in Anspruch genommen haben und annoch vermessen fordern auf kulturellem, wirtschaftlichem und sogar auf religiösem Gebiete. Solchem Tiefstände gegenüber nach fast 1 WOjährigem Wirken der Wahrheits-, Sittlichkeits- und Liebeskraft des Christentums sind Zweifel an der allgemeinen und dauernden Hebung der Menschheit begreiflich. Und doch darf der Einsichtige nicht verzagen und am wenigsten der Gott- und Christusgläubige. Die Weltgeschichte ist für die Völker ein Weltgericht. Kriege sind Strafgerichte Gottes und schwere Heimsuchungen, aber auch Buß- und Gnadenmittel. Durch die Wucht der Ereignisse predigt der Krieg den Menschen Einkehr in sich selbst und Rückkehr zu Gott, ihrem Herrn und Schöpfer. Als wirksame Zuchtrute in der erzieherischen Hand des Allerhöchsten ist uns der Krieg aus der Geschichte des auserwählten Volkes nach den heiligen alttestamentlichen Büchern bekannt. Als Missionsprediger der Neuzeit vermag er für das lebende Geschlecht eine religiös-sittliche Erneuerung anzubahnen. Den Fehlern und Sünden der Zeit den Kampf erklärend ruft der Krieg zur Übung diesen entgegengesetzter Tugenden auf. Jede Zeit hat ihre besondern Mängel und Schwächen, Verbrechen und Laster. Auch unsere Tage kranken an gar vielem. Unglaube und religiöse Gleichgültigkeit haben sich in den letzten Jahrzehnten weithin verbreitet; Unsittlichkeit und Unzucht, Mißachtung der wichtigsten Gebote Gottes und verhängnisvolle Entheiligung der Ehe sind in unser Volk eingedrungen; Ungehorsam und Auflehnungssucht gegen Gott und die von ihm bestellte geistliche und weltliche Obrigkeit hatten viele Kreise und Gesellschaftsklassen erfaßt; irdischer Gewinn und sinnlicher Genuß war der Lebensgrundsatz für nicht wenige geworden. „Zurück zu Gott, hin zu seiner heiligen Kirche und willig unter die von ihm gesetzte höhere Gewalt!" — so höre ich den Welt- und 2 Volksübeln gegenüber den Krieg mit eherner Stimme rufen, und ich glaube, von dieser Stelle aus heute und an den zwei nächstfolgenden Sonntagen diese seine ernste Predigt verdolmetschen zu sollen. Der jetzige schreckliche Krieg tritt auf als ein unüberhörbarer Prediger des Vertrauens. Er lehrt uns erstens unerschütterliches Vertrauen auf Gott, dann hingebungsvolles Vertrauen auf die heilige Kirche, drittens opferwilliges Vertrauen auf unser deutsches Vaterland und demütiges Vertrauen auf uns selbst. Gott, der Herr der Heerscharen, Jesus Christus, der Friedensfürst, Gründer und König seines Weltreiches, und der Heilige Geist der alles umfassenden Liebe seien mit uns! „Ist die Feindeswelt zum Narrenhans geworden, oder hat sich die Hölle mit allen Teufeln aufgetan?" Die Frage klingt hart, auch für jenes Ohr, das sich bereits an die rauhe Art des Mars gewöhnt hat. Sie wird erklärlich aus der rücksichtslosen Umstürzung bisheriger Humanitätsgrundsätze und aus der maßlosen Erbitterung des blutigen Weltkrieges, der seinesgleichen in der ganzen Vorzeit vergebens sucht. Durch einen tiefen Riß ist die Menschheit gespalten. Die Kulturgemeinschaft wurde von kriegführenden Nationen gekündigt, internationale wissenschaftliche Bande, deren Zweck hoch über Parteikampf und Staatenfeindschaft stand, wurden einseitig gelöst. Die Lüge tritt gegen die Wahrheit auf und kämpft um deren Platz; gutes, heiliges Recht soll dem Unrecht und der rohen Gewalt weichen; das Völkerrecht, der bevorzugte Pflegling des letzten halben Jahrhunderts, dessen wissenschaftliche Behandlung einen bedeutenden Aufschwung genommen hatte, wird mit Füßen getreten. Das Bewußtsein der Kultur-, Interessen- und Rechtsgemeinschaft, welches die Staaten in der vergangenen Friedensperiode zusammengeschlossen, scheint unfern Feinden geschwunden zu sein. Fern liege Verallgemeinerung und Auspressung von beklagens- werten Einzelerscheinungen, fern auch pharisäische Scheinheiligkeit und ausschließliches Schuldabladen auf die Gegner, kurzsichtige Selbstverteidigung und weitgehende Anklage anderer I Mit Nichten aber geht es an, feststehender Ungerechtigkeit im Völkerkampfe die Augen zu ver- schließen, zu völliger Verkehrung der Wahrheit zu schweigen und schmähliche Beschimpfung der nationalen Ehre empfindungslos hinzunehmen. Gewaltige geschichtliche Vorgänge fordern von dem Denkenden eine unnachsichtliche Beurteilung und von den lebenstätigen Zeitgenossen eine entschiedene Stellungnahme. Die unabänderlichen Sätze der Religion und die dauernden Regeln der Sittlichkeit dürfen vor den Ereignissen des öffentlichen Lebens nicht scheu und furchtsam zurückgenommen werden. Mit dem Maß- stabe göttlicher Glaubenswahrheit und unwandelbarer Sittengesetze sind nicht nur die privaten menschlichen Handlungen zu messen, sondern auch die politischen Geschehnisse. Große Ereignisse rücken von selbst in das übernatürliche Licht, kleinere sind von den Menschen in dasselbe hineinzustellen. Mit den konkreten Erscheinungen des gegenwärtigen Krieges kann man sich nicht durch einige leere, allgemeine Redewendungen befriedigend abfinden. Sie greifen zu sehr hinein in des Einzelnen und der Gesamtheit Lebensverhältnisse und berühren zu nahe die heiligsten Interessen, die Stellung zu Gott,.Kirche und Vaterland. Die Kriegsfragen in ihrer derben Wirklichkeit haben den Rahmen der rein theoretischen, bloß akademischen Behandlung überschritten und treten als praktische Lebensprobleme vor die Soldaten auf dem Schlachtfelde wie vor die Bürger zu Hause. Ihrer Erwägung und einer entsprechenden Willensentschließung kann sich niemand entziehen. Auch das verfängliche und viel mißbrauchte Wort von der „Verquickung von Politik und Religion" vermag von dieser religiösen Pflicht nicht zu befreien. Als Schlagwort für die Trennung des äußeren und inneren Lebens eines Menschen ist es längst überwunden und hat durch den jetzigen Krieg eine neue Niederlage erlitten. Jeder wahre Freund der Menschheit und ihres Kulturlebens wird den unheilvollen Krieg mit seinen Begleit- und Folgeerscheinungen in Trauer beklagen. Schmerzlich wird von uns Deutschen empfunden, daß seine Entstehung mit grober Unwahrheit und schreiendem Unrecht dem eigenen Lande zur Last gelegt wird, während wir doch alle mit der Hand auf dem Herzen das Wort unseres Kaisers nachsprechen können: „Mein Gewissen ist rein, ich habe den Krieg nicht gewollt." Berechtigte Entrüstung erfaßt uns aber, wenn dieser unverantwortlichen Anklage noch selbstüberhebender Hohn und gemeine Beschimpfung sich anschließen. Der Vorwurf des Barbarentums vermag zwar ein Volk auf einer geistigen, künstlerischen und sittlichen Höhe, wie sie die deutschen Stämme in jahrtausendlangem ehrlichen Streben er- 4 2-r.' , M'. klommen und in Besitz haben, nicht zu erniedrigen, aber es kostet religiöse Kraft und deutsche Ruhe, um angesichts des tatsächlichen Gesamtbildungsstandes der Feinde ihn nicht vier- und noch mehrfach zurückzugeben. Sieht man überdies die empörende Beschimpfung von uns treu verehrter autoritativer Persönlichkeiten, die zuweilen ganz unwürdige, schändliche und grausame Behandlung der Zivil- und Militärgefangenen in West und Ost, die hinterlistigen Überfälle und Untaten solcher, denen das Kriegsrecht keinen Waffengebrauch und keinen Platz im Kampfe gestattet, dann möchte es scheinen, als habe Viktor Hugo seine Vorstellung von der großen Revolution auch für ein späteres Jahrhundert geschrieben mit den Worten: „In den großen Lastersumpf des 18. Jahrhunderts wurde eine abscheuliche Schlange ge- worfen, die all das Gift und all die Keime der Verwesung aus dem Schlamm in sich sog und dann den Menschen ins Gesicht spie; davon wurden sie toll und verübten in ihrer Raserei die Greuel der Schreckensherrschaft." Wie soll dies enden, wie und wo kann sich die verfeindete Menschheit wieder zusammenfinden? In Gott allein, dem gemeinsamen Vater aller. Nur er kann, nur er wird dem Weltunheil steuern. „Ich erhob meine Augen zu den Bergen fragend: Woher wird mir Hilfe kommen? Vom Herrn kommt Hilfe mir, der Himmel und Erde erschaffen hat" (Ps 120, 1 2). Seine allmächtige Schöpferkraft hat die Menschheit ins Dasein gerufen, seine Vaterliebe die Völker sich vermehren lassen, und seine allweise Hand wägt die Geschicke der Welt. Gottes Name läßt sich aus der Geschichte nicht streichen und seine Vorsehung aus dem Gange der Dinge nicht ausschalten. Er ist „das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende" (Offb 22, 13), „alles ist durch ihn und in ihm erschaffen, und er ist vor allem und alles besteht durch ihn" (Kol 1, 16 s), „er trägt alles durch das Wort seiner Kraft" (Hebr 1, 3), „er deckt den Himmel mit Wolken und bereitet Regen der Erde, läßt Gras wachsen auf den Bergen und Kräuter zum Dienste der Menschen" (Ps 146, 8), „er sorgt auf gleiche Weise für alle" (Weish 6, 8) und seine Weisheit „wirkt von einem Ende zum andern mächtig fort und ordnet alles trefflich" (Weish 8, 1). „Mein ist", spricht die ewige Weisheit, „Rat und Recht, mein ist Klugheit und Stärke. Durch mich regieren Könige und verordnen Gesetzgeber, was Recht ist; durch 5 Knecht, Der Vblkerkrieg rc. 2 mich herrschen Fürsten und entscheiden Gewalthaber Gerechtigkeit" (Spr 8, 14 ff). Gott, so mahnt der fromme Dulder Job seine kurzsichtigen Freunde mit ihrem irdischen Sinn, ist es, der „Verachtung ausgießt über Fürsten, und emporhebt, die unterdrückt gewesen, der entschleiert Verborgenes aus der Finsternis und heraufführt an das Licht des Todes Schatten, der groß macht die Völker und sie der- tilgt und die Gestürzten in den vorigen Stand zurückstellt, der den Sinn ändert der Volkshäupter des Landes und sie irre führt, daß ohne Ziel weglos sie wandern; sie tappen wie im Finstern und ohne Licht, und er läßt sie irre gehen gleich Trunkenen" (Job 12, 21 ff). Gottes Vorsehung strahlt friedlich aus dem wahren Glück der Völker und donnert kriegerisch aus wilder Schlacht, seine Langmut hält dem sündigen Geschlechte die bösen Wege offen und läßt „die Toren durch ihr Glück zugrunde gehen" (Spr 1, 32). Seine Barmherzigkeit öffnet dem gefallenen jungen Helden des Himmels Pforten, während „die Frevler ihre Tage im Wohlleben zubringen und in einem Augenblicke hinabfahren in das Totenreich" (Job 21, 13). Er rächt das unschuldige Blut, das zu Boden rieselt aus Millionen Wunden. Denn „Mein ist die Rache", so kündet er, „und ich will vergelten seinerzeit. . . . Erkennet, daß ich der Einzige bin und außer mir ein anderer Gott nicht ist I Ich töte, ich belebe, ich schlage und ich heile. Keiner ist, der sich meiner Hand entziehen kann" (Dt 32, 35 39). Er hat in Gerechtigkeit Sühne gefordert für das reine Blut Abels, des ersten Kriegsopfers des blassen Neides, und sein dauernd Gericht hat gar zahlreich gerechte Strafurteile niedergelegt in der Chronik der Völker. Der Glaube an Gottes ewiges Walten, an seine Gerechtigkeit und Barmherzigkeit richtet uns inmitten der zahlreichen Feinde auf und kräftigt die Hoffnung auf den Sieg des Rechtes. Gott liebt die Gerechtigkeit und haßt das Unrecht und duldet nicht, daß das heilige Recht dauernd unterliege. Wenn unsere Gegner uns dasselbe mit den Waffen bestreiten und andere Staaten mit ihrem Urteil zurückhalten, Gott kennt keine Neutralität. Ob zwar alle Parteien sich in gutem Glauben um Hilfe für ihre Sache an ihn wenden, vor seiner Allwissenheit verdient das Recht nur auf einer Seite den Sieg. Wann er diesen nach außen hin gibt, das steht einzig in seinem anbetungswürdigen Ratschlüsse. Wir erflehen ihn für bald und endgültig und haben das feste Vertrauen, erhört zu werden. 6 Mit dem Psalmisten geben wir dann ihm allein die Ehre und preisen ihn: „Gerecht bist du, o Herr, und recht ist dein Gericht. Du stellst dein Zeugnis auf als Gerechtigkeit und als Wahrheit sehr.... Dein Recht ist ewig Recht und Wahrheit dein Gesetz" (Ps 118, 137 f 142). Der Sieg der gerechten Sache wird zum Triumph des Gottes- glaubeus, den die Not der Zeit aufs neue nachdrucksvoll gelehrt. O daß ein nachhaltiger Erfolg beschieden seil Stand und steht es doch mit dem religiösen Leben im Ausland wie im Inland nicht zum besten I Die Menschheit lernt so wenig aus der Geschichte, sie ist in der religiösen Erziehung wie ein Kind, das unter Blitz und Donner Gottes strenge Mahnung erkennt und alles Gute verspricht, beim folgenden Sonnenschein aber die alten Unarten fortsetzt. Vor hundert Jahren und darüber hinaus lasen in Frankreich und Deutschland auch bis dahin ungläubige Geister aus den Greueln des großen Umsturzes, aus Napoleons I. kriegerischen Erfolgen und aus seinem jähen Sturze bald verdiente Strafgerichte bald den sichtbaren Schutz Gottes. In wenigen Jahrzehnten war alles vergessen, und dem kurzen religiösen Aufschwung folgte wieder ein Niedergang bis zur jetzigen Tiefe, deren grauenvolle Unermeßlichkeit sich spiegelt in der blasphemischen Verspottung der deutschen Fürstengebete zu Gott bei Beginn des Krieges, vor der eine hohe französische Stelle nicht zurückschauderte, mit den Worten: „Wir holen den Gott von den Sternen herunter, wir brauchen keinen Gott, uns genügen Soldaten und Kanonen." Überlassen wir das Gericht hierüber dem ewigen Richterl Streben wir zuerst nach Besserung der Verhältnisse in unserem eigenen Volke und dann durch diese bei andern Nationen I Oft ist seit Monaten zu lesen und zu hören von einer religiösen Erneuerung des Volkes. In Wirklichkeit ist eine solche noch nicht eingetreten, sie ist nur vorbereitet. Täuschen wir uns nicht I Ein kurzes religiöses Aufflammen bedeutet noch kein heiliges Feuer vor dem Altäre Gottes. Gewiß haben viele Soldaten vor dem Abmarsch in das Feld sich mit ihrem Herrn und Schöpfer aufrichtig ausgesöhnt. Ein Teil von ihnen hat, so hoffen wir, dafür des Höchsten Barmherzigkeit in der Ewigkeit schon empfunden. Andere geben im Feindesland oder in der Heimat ein erbauendes Beispiel. Fromme Männer und Frauen beten viel in heimischen Kirchen. 7 2 * Nicht wenige aber aus dem Bürger- und Soldatenstande, hoch und nieder, reich und arm, zu den gelehrten Berufen zählend oder aus weniger gebildeten Klassen stammend, entraten noch des notwendigen religiösen und sittlichen Ernstes. Ein Volk, das jahrzehntelang unter dem Einfluß Gott leugnender, glaubeusfeindlicher Lehren in Wort und Schrift gestanden, dessen uralte Zier der sittlichen Reinheit, Zucht und Scham außerhalb und innerhalb der Ehe einer leichtfertigen Literatur, unaufhörlich und in stets zunehmendem Maße frechen in- oder ausländischen Theaterobszönitäten, einer schlüpfrigen, schmutzigen Kunst und unzüchtigen Kleidermode in frivoler Weise ausgesetzt war, erneuert sich im ge- samten innerlich nicht in wenigen Wochen und Monaten. Verschließen wir uns nicht der Erkenntnis, daß der Krieg auch für uns ein wohlverdientes Mahn- und Strafgericht ist! Erfassen wir rechtzeitig den Gnadentag der Heimsuchung des Herrn und lassen wir uns gewarnt sein durch des göttlichen Heilands mitleidsvoll- schmerzliches Urteil über die tragisch verstockte, auf ihre Macht und Pracht pochende, gott- und sittenlose Stadt Jerusalem: „Wenn doch auch du es erkannt hättest, und zwar an diesem deinem Tage, was dir zum Frieden dient; nun aber ist es vor deinen Augen verborgen I Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinde dich mit einem Walle umgeben, dich ringsum einschließen und dich von allen Seiten einengen werden. Sie werden dich und deine Kinder, die in dir sind, zu Boden schmettern und werden in dir keinen Stein auf dem andern lassen, deshalb, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast" (Lk 19, 42—44). Der verbündeten deutschen und österreichisch-ungarischen Mächte Ziel geht auf eine berechtigte feste Sicherung ihrer Länder von langer Dauer zwecks friedlicher kultureller und wirtschaftlicher Fortentwicklung hinaus. Aus der Völker- und Staatengeschichte, die übergenug von Sodomas und Gomorrhas Schlammflut unterspülte, nur mehr schwache Ruinen einstiger gewaltiger Reiche aufweist, muß wahrer, wirksamer Gottesglaube mit echter Sittlichkeit als einziges haltbares Fundament erkannt und gewürdigt werden. „Gerechtigkeit erhöht ein Volk; die Sünde aber macht elend die Völker" (Spr 14, 34). Möge in die Siegeskrone, die wir von dem Herrn der Heerscharen inständig erflehen und mit unerschütterlichem Vertrauen er- 8 warten, sich einfügen der hellglänzende Diamant des gemeinsamen heiligen Glaubens an den einen wahren Gott l Nur als Träger dessen können die siegreichen Völker die von der ewigen Vorsehung ihnen zugewiesene künftige Weltkulturaufgabe erfüllen. Die Kraft des einigen Gottesglaubens vermag die Feinde zu langwährender Aussöhnung und friedlicher Zusammenarbeit im großen Vaterhause zu führen. Die Waffen des schrecklichen Vernichtungskampfes werden ruhen, die himmlische Taube wird den Ölzweig des Friedens bringen, und über dem allgemeinen Dankopfer wird wie nach der Sündflut Gottes siebenfarbiger Bogen als Bundeszeichen (Gn 9, 13 ff) sich wölben. Ein idealer Wetteifer auf allen Gebieten des Wahren, Guten und Schönen soll dann die Menschheit neu beleben, und im wirtschaftlichen Kampfe darf die Gerechtigkeit Führer sein. Das Völkerrecht, das im ewigen Rechte verankert wird, muß eine allseitige Beachtung erlangen, und die Staatsgesetze, die im Einklang mit den göttlichen Geboten stehen, werden von gläubigen Untertanen getreu erfüllt werden. Von der Wissenschaft, die aus den vier Paradiesesströmen Nahrung schöpft, fließt reicher Segen für Zeit und Ewigkeit, und die Technik, die in des Weltbaumeisters Schutz gestellt ist, erleichtert das Arbeiterlos und fördert das irdische Glück. Hören wir auf des Krieges Predigt und fassen wir frisches Vertrauen auf die göttliche Weltregierung I Wird das öffentliche und private Leben, das nationale und internationale wieder erfüllt von der ewigen Wahrheit, Weisheit und Gerechtigkeit, dann erblüht in der Friedenssonne das Wohl der Menschheit auf viele Jahre. Zwar wird der Friede unter den Sternen nicht immer dauern. Denn seit dem ersten Friedensbruch, seit der erstmaligen Erhebung des Menschen gegen Gottes Gebot hat er seine bleibende Stätte auf Erden verloren. Mit der Sünde ist neben so vielen andern Übeln der Krieg in das Weltall eingezogen und wird es nur mit ihr wieder verlassen. Weltliche Kultur, und sei sie auch noch so hoch, vertreibt ihn nicht; sie kann, wie die Gegenwart zeigt, seine Schrecken mehren und seinen einzelnen Aufenthalt unter den Völkern verlängern. Nur wahre Gottesfurcht und aus ihr fließende reine Menschenliebe vermögen das Übel des Krieges nach Zahl und Art, in seiner Schwere und Dauer zu verringern. Darum zurück, o Menschheit, zu Gott, dem Herrn und Schöpfer, dem Erhalter und Regierer, dem ewigen Richter der WeltI Er ist in schwerer Zeitennot unsere Zuflucht geworden und die Stütze unserer Hoffnung (Ps 93, 22). Dem reue- und vertrauensvoll sich zu ihm wendenden Volke sei das zeitgemäße Wort eines frommen Geistesmannes gewidmet: Trost, mein Volkl Du bist zu retten: Gottes Ruten. Gottes Ketten Sind zu Gott ein sicherer Steg. Kannst du Gottes Zucht ertragen, Brauchst du nimmer zu verzagen, Denn du gehst des Heiles Weg. Amen. 10 II. Der Völkerkrieg Predigt hingebungsvolles Vertrauen auf die Kirche. „Du bist Petrus (— Fels), und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen" (Mt 16, 18), fLin Bild aus den jüngsten Tagen! Vor dem Allerheiligsten im St Petersdome der ewigen Stadt kniet eine ehrwürdige Priestergestalt in weißem geistlichen Kleide. Die Gesichtszüge sind ernst und ruhig. Die klaren, sichern Augen ruhen unverwandt auf dem Altäre. In der hohen Denkerstirne arbeitet ein durchdringender, in Gottesgelehrtheit und Recht, in kirchlicher Verwaltung und Seelsorge geübter Geist. Das Herz, erfüllt von Kummer und Sorge, sucht Erleichterung in der Ergießung in das liebe- und trostvolle göttliche Herz Jesu. Von dem fein geschnittenen Munde stießen in einem festes Vertrauen und Hoffnung ans Er- hörung verratenden Tone die frommen Gebetsworte: „In der Angst und Not eines Krieges, der die Völker und Nationen in ihrem Bestände bedroht, fliehen wir, o Jesus, zu deinem so liebevollen Herzen, als zu unserem sichersten Zufluchtsorte. Zu dir, o Gott der Barmherzigkeit, flehen wir mit Inbrunst: Wende ab diese schreckliche Geißel! Zu dir, o Friedenskönig, rufen wir in inständigem Gebete: Gib uns bald den ersehnten Frieden! . . . „Erbarme dich so vieler Mütter, die in Angst und Sorge sind um das Schicksal ihrer Söhne; erbarme dich so vieler Familien, die ihres Hauptes beraubt sind; erbarme dich des unglücklichen Europa, über das so schweres Verhängnis hereingebrochen ist! „Gib du den Herrschern und den Völkern Gedanken des Friedens ein; laß aufhören den Streit, der die Nationen entzweit; mach, daß 11 die Menschen sich wieder zusammenfinden; gedenke, daß du sie um den Preis deines Blutes zu Brüdern gemacht! . . . „Erhöre gnädig unser vertrauensvolles Gebet und gib der stürmisch bewegten Welt wieder Ruhe und Frieden!" Der fromme Beter ist der Vater der Christenheit, der oberste Hirt der Kirche, der Bischof von Rom — Papst Benedikt XV. In schwerer Zeit hat derselbe vor elf Monaten im lebensreifen Alter von 60 Jahren die Schlüssel des hl. Petrus, die der toten Hand Pius' X. entfallen waren, ausgenommen und verwaltet seitdem das Reich Christi auf Erden mit Weisheit, Klugheit und Gerechtig- keit. Auf ihn richten sich zur Zeit die Blicke der ganzen Welt. So vielseitig wie heute sind sich auf dem Wege nach dem Mittelpunkte der Christenheit und Kirche noch niemals in der Geschichte begegnet christliche und nichtchristliche, katholische und nichtkatholische Vertreter von Staaten, Liebe und Haß, kindlich innige Hingebung und treulose Abneigung, berechtigte Hoffnung und verdiente Enttäuschung, Hochachtung und Mißachtung, Offenheit und Hinterlist, Recht und Unrecht, Schützerwille und Vernichtungswut. Aus dem Weltkampfe des guten nationalen Rechtes gegen die Angriffe wüster Völkerleidenschaften hebt sich das Papsttum als stiller, aber sicherer Hort des Rechtes leuchtend ab. Auf dem sturmumbrausten und wellen- umbrandeten Meeresfelsen bleibt der göttliche Kirchenbau unerschüttert stehen — auch „die Pforten der Hölle werden ihn nicht überwäl- Ligen" — und mit fester Hand leitet der fünfzehnte Benedikt das Schifflein Petri durch die aufgeregten Wogen. Dräuen ihm auch von teuflischem Gottes- und Kirchenhaß ernsteste Angriffe auf sein göttlich empfangenes Recht und seine menschliche Persönlichkeit — das Papsttum und die Kirche werden nicht untergehen, sie werden sich vielmehr über den zerschellten Schädeln der Feinde in alter, ungeschwächter Kraft siegreich erheben. Zu solchem Vertrauen und dementsprechender Hingebung ermahnt uns nach göttlicher Vorsehung der Prediger Krieg, aus dessen bisherigem Verlauf die dreifache Krone der Friedens-, Liebes-und Heilstätigkeit unserer heiligen Kirche in neuem Lichte erstrahlt. -i- „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind!" (Lk 2, 14) lautete der Heroldsruf aus Engels- 12 munde bei dem ärmlichen Einzuge unseres Herrn Jesus Christus in diese Welt. Als Friedensfürst war der Weltheiland vorausverkündet, für den inneren und äußeren Frieden der Menschen lehrte und wirkte er, und als Hort dieses Doppelfriedens gründete er seine heilige Kirche. Würde von allen Menschen seine Friedenslehre, seine Friedenstat und sein Friedensreich gewissenhaft beachtet, so wäre der Krieg mit allem seinem Leid und Weh von unserer Erde auf ewig verbannt — ein Zustand, der heute wohl allen Völkern für alle Zeiten besonders erwünscht wäre, der aber auf unserem Planeten unmöglich geworden ist seit dem ersten Sündenfall. Wie schon am Schlüsse des vorausgegangenen Vortrages angedeutet wurde, verursachte die erste Auflehnung des Geschöpfes gegen den Schöpfer im Paradiese die Erhebung der menschlichen Leidenschaften zum Kriege gegen den Frieden. Im Mißbrauch des freien Willens und in der im Stamme verderbten Natur des Menschen, in der Entfesselung der bösen Neigungen und in der gereizten Begierlichkeit des Fleisches liegt der Keim des inneren und äußeren Kampfes, des Klein- und Großkrieges. In dem Satze des ersten Buches Moses' (8, 21): „Der Sinn und die Gedanken des menschlichen Herzens sind zum Bösen geneigt von seiner Jugend auf" erklingen bereits in der Vorzeit die Kriegsklage, lieber. Ihr Text erhielt sich in den verschiedensten Variationen, und ihre Weisen tönen durch das ganze Alte Testament. An der Schwelle des Neuen Bundes faßte der Völkerapostel ihren Inhalt in das Bekenntnis zusammen: „Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, welches dem Gesetze meines Geistes widerstreitet" (Röm 7, 23). Christus, der himmlische Friedensfürst, hat das Heimatsrecht, das dem Kriege von den Menschen verliehen worden war, nicht aufgehoben. Die Freiheit des menschlichen Willens ward von ihm gewahrt. Ist sie doch die Vorbedingung des sittlich Guten, so wie in ihr die moralische Schuld begründet liegt. Irrig ist es darum, aus der bleibenden Existenz des Krieges auf Erden in vorwurfsvoller Weise einen Schluß zu ziehen auf die Ohnmacht des Christentums. Wenn nun auch der Krieg an sich, solange sündige Menschen leben, aus der Menschheitsgeschichte nicht verschwinden wird, so kann und muß er doch namentlich in dem Maß seines Auftretens und in der Schwere seiner Begleiterscheinungen bekämpft werden. Und in dieser Hinsicht haben Christi Lehre und Christi Kirche allezeit gewirkt. 13 Knecht, Der Völkerkrieg rc. 2 »* Von dem Tage an, an welchem im Jahre 452 auf Bitten des Kaisers Marcian Papst Leo I. der Gottesgeißel Attila vor den Toren Roms entgegengetreten ist und mit der Wucht seiner heiligen Persön- lichkeit wie durch Worte der Weisheit und strenger Ermahnung den Abzug des wildräuberischen Heeres und die Unversehrtheit der Stadt erreicht hat, bis zu dem dreizehnten Leo auf dem römischen Stuhle, dessen Schiedsrichterspruch im Jahre 1885 den Streit um die Ka- rolineninseln friedlich beigelegt hat, ist die Papstgeschichte reich an Friedenswerken. Die sterbenden Lippen eines Pius X. haben noch mit Trauer und Schmerz den Krieg der Völker beklagt und die „Herzen aller Christgläubigen dahin zu wenden versucht, woher Hilfe kommt, zu Christus, dem Friedensfürsten und mächtigsten Mittler zwischen Gott und den Menschen". Den durch den Schnitter Tod abgebrochenen Faden der väterlichen Ermahnungsrede nahm Benedikt XV. auf, indem er sofort nach seinem Regierungsantritt die verantwortlichen staatlichen Machthaber eindringlich beschwor, angesichts des Massen- elendes und Völkerunheils, der Ströme von Blut und der Bäche von Tränen unzähliger trauernder Familien um Gottes willen versöhnlichen Sinn anzunehmen und zu baldigem Frieden die Hand zu reichen, und die Priester und die Gläubigen eindringlichst aufforderte, ohne Unterlaß im Verein mit ihm durch öffentliche und private Gebete zu Gott zu flehen, auf daß er als höchster Richter und Herr alles Geschaffenen gnädig abwende die Geißel seines Zornes, mit der er die Sünden der Völker straft. Getreu der von ihm aufgestellten Hauptaufgabe seines Pontifikates, „die Liebe Jesu Christi in den Herzen der Menschen wieder zur Herrschaft gelangen zu lassen", beklagte der Heilige Vater neben dem blutigen Krieg noch „andere schreckliche Übel, die alle Einsichtigen mit banger Furcht erfüllen, weil sie am Mark der menschlichen Gesellschaft zehren und eine solche Verwirrung der Geister und eine derartige Verwilderung der Sitten verursacht haben, daß, wenn Gott nicht bald Hilfe schafft, der Zusammenbruch der menschlichen Gesell- schast zu erfolgen droht. Diese Übel", sagt der oberste Lehrer, „sind: Mangel an wohlwollender Liebe in den Beziehungen der Menschen zueinander, Mißachtung der Obrigkeit, ungerechter Kampf der Stände und Klassen, gieriges Verlangen nach den wandelbaren und vergänglichen Gütern.... In diesen vier Grundübeln der Zeit sind ebenso- viele Ursachen zu erblicken, warum die Ordnung der menschlichen Gesellschaft so schwer gestört ist. Wir müssen daher vereint alles aufbieten, um diese Übel auszurotten, und zwar dadurch, daß wir den Grundsätzen des Christentums aufs neue Geltung verschaffen, wenn anders es uns Ernst damit ist, das Gemeinwohl zu fördern, Ordnung und Frieden zu schaffen." Mit Hellem Lichte, einem gewaltigen Scheinwerfer gleich, hat Benedikt hinausgeleuchtet in das dunkle Feld der heranrückenden Todfeinde der menschlichen Gesellschaft und in die tieferen Gründe des Krieges, um dann wiederholt Klerus und Volk dringend zu ermahnen, Werke der Buße zu verrichten zur Sühne der Sünden, die Gottes gerechtes Strafgericht herausgefordert haben, und aus demütigem Herzen zu beten um Gottes Barmherigkeit und um Frieden für die Welt. Welches unbefangene Urteil könnte aus diesen Papstworten herauslesen, daß Unrecht für Recht erklärt oder ein unbilliger oder ein sogenannter fauler Friede empfohlen werde ? Vor solcher Auffassung schützt den Papst sein hoher Sinn für Wahrheit und Recht, fein erfahrenes Urteil über Staatsintereffe und nationale Ehre, sein klares Verständnis für die Verteidigungspflicht des Angegriffenen und für die Fortführung des aufgezwungenen Kampfes, bis die Freveltat des Überfalles gesühnt und verlässige Sicherheit für Land und Volk errungen ist. Die kulturelle Welt und die Christenheit verstand die Gedanken und Absichten des Papstes zu würdigen, und die Katholiken der Erde, allen voran die deutschen, nahmen bereitwillig die befohlenen Gebete auf. Der Regierung Frankreichs allein blieb es Vorbehalten, vermessen den Gebrauch des genauen Wortlauts des päpstlichen Sühne- und Friedensgebetes in den Kirchen des Landes zu verbieten, und französische Katholiken unter Führung geistiger und geistlicher Spitzen schämten sich nicht, dem väterlichen Ruf zur Versöhnung eine unsagbar tief stehende Schmäh- und Verleumdungsschrift gegen das deutsche Polk und fein Heer folgen zu lassen und damit obendrein noch zu versuchen, auch die bislang neutral gebliebenen Staaten gegen „die deutschen Barbaren" aufzustacheln. An die vielen Unbegreiflichkeiten der französischen Katholiken während der letzten Jahrzehnte reiht sich dies letzte Werk als Krönung des Ganzen. 15 Die sozusagen offizielle Vertretung der Katholiken Frankreichs als kriegsfreiwillige politisch-religiöse Munitionskolonne mit ver- gifteten Geschossen für den unversöhnlichen Rache- und Lügenkampf einer durch satanischen Gottes- und Christushaß, durch Kirchenraub, Klösteraufhebung, Unterdrückung christlicher Schulen und andere gottlose Maßnahmen vor aller Welt berüchtigten freimaurerischen Regierung — das ist, von außen gesehen, ein Bild, wie es auf den düstersten Blättern der Kirchengeschichte nicht wieder gefunden wird. Der geweihte Ort hier soll durch Auseinanderlegung des Inhaltes der sachlich ganz minderwertigen Schrift nicht entehrt werden I Um aber nicht zu hart oder gar ungerecht in der Beurteilung zu sein, ist zu beachten, daß das französische Volk, wie in andern Dingen von seiner von ihm selbst gewählten Regierung belogen und betrogen, so auch bezüglich der Entstehungsgründe des derzeitigen Krieges irregeführt und von der Wahrheit über die richtige Art deutscher Kriegsführung, über die Kriegslage und die strategischen Vorgänge abgeschlossen ist. Obwohl trotz dieser ungünstigen Erkenntnisumstände der Gegenwart immerhin aus der Vergangenheit heraus ein der Wahrheit und Gerechtigkeit mehr entsprechendes Urteil über die deutschen Verhältnisse, deutschen Sitten und deutsche Art von auswärtigen Gebildeten hätte erwartet werden können, möge der gute Glaube berücksichtigt und das Kreuzeswort des Herrn an seine Todfeinde nicht versagt werden: „Vater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23, 34). Den Wohlmeinenden aber mag das Wort beunruhigen: „Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit." Schenken wir mit der Verzeihung ein reichliches Almosen des Gebetes I Der kleine Schatten auf der großen Helle des Kirchenbildes soll unser Vertrauen nicht schwächen. Die Gesamtkirche verfolgt eine gesunde Friedensidee, und aus allen Erdteilen steigen inbrünstige Gebete um die Wiedererlangung der Einigkeit zum Himmel empor. Im Weltberuf der Kirche, in ihrer gottgegebenen Aufgabe, alle Menschen zur Glaubens- und Heilsgemeinschaft zusammenzuführen, liegt eine völkereinigende Macht, ohne daß dadurch das berechtigte nationale Element gefährdet würde. Weltkirchentum und Nationalismus, römisch-katholische Kirchentreue und echter Patriotismus schließen sich nicht gegenseitig aus. Tüchtige Katholiken sind allezeit 16 auch verlässige Diener des Staates, und unsere braven katholischen Soldaten aller Grade standen ihren andersgläubigen Kameraden weder in früheren Kriegen noch in dem Völkerringen der Gegenwart an Mut und Tapferkeit irgendwie nach. Die von Gott gesetzte Staatsgewalt wird als solche von der Kirche nach dem Befehle Christi und seiner Apostel anerkannt, in allen ihren guten Bestrebungen unterstützt und gegen sündhaften Ungehorsam in Schutz genommen. „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" (Mt 22, 21.) „Jedermann sei den obrigkeitlichen Gewalten untertan I Denn es gibt keine Gewalt außer von Gott; die aber, welche bestehen, sind von Gott gesetzt. Wer demnach sich gegen, die obrigkeitliche Gewalt auflehnt, widersetzt sich der Anordnung Gottes. Die aber sich widersetzen, ziehen sich selbst die Verdammnis zu" (Röm 13, 1 2). Die Kirche erweitert durch ihren stiftungsgemäßen Universalismus den geistigen Blick ihrer Glieder, bietet einen Beweis und ein Vorbild für die friedliche Vereinigung verschiedener Völker, Stämme und Sprachen in einem Gemeinwesen und befestigt durch ihre monarchische Verfassung und deren erfolgreiches Wirken seit dem Tage ihrer Gründung die überzeugungstreue Liebe und das Vertrauen zur Monarchie. Im hehren religiösen Staatsgefühl teilen wir Leid und Freud mit dem Lande, vertreten mit allen Kräften seine gerechte Sache, be- gleiten mit den besten Segens- und Siegeswünschen unsere tapfern Soldaten in das Feld und sind stolz auf ihre Heldentaten, beten und schaffen mit unserem obersten Hirten und seiner großen Herde für einen ehrenvollen Frieden. Willkommen in unserem die Erde umfassenden Arbeits- und Gebets- verbande alle, die Christi Namen tragen! Innerlich anschließen mögen sich aber besonders wieder jene, die Geburt, Erziehung oder göttliche Bekehrungsgnade in die heilige Kirche geführt und die während des Laufes der Jahre im ausschließlichen Leben für das Irdische oder in der Sünde, dem Grabe des Glaubens, die Liebe zu ihrer geistlichen Mutter eingebüßt haben! Gleichgültigkeit oder Meuterei erträgt die Kriegszeit nicht. Sie fordert vielmehr Entschiedenheit und Charakterfestigkeit auf allen Gebieten. Soll das kirchliche Gebiet eine Ausnahme bilden dürfen? Nie und nimmer! Alle Glieder des Reiches Christi müssen sich fest aneinanderschließen, mit Stolz die himmlische Kokarde, das unauslöschliche Merkmal als Streiter des Herrn offen tragen und mit aufrichtiger Hingebung dem obersten Führer folgen! Mag die französisch-italienische Freimaurerei unter dem hench- lerischen Vorwände, „Papst Benedikt XV. arbeite durch seine fortgesetzten Friedensbestrebungen darauf hinaus, dem Papsttum wieder mehr politisches Gewicht zu verschaffen, und sei als eine ernste Gefahr für Italien zu betrachten", ihren schon lange vorbereiteten und geschworenen Kampf gegen die Kirche und ihr Oberhaupt nach außen beginnen und mit ihrem Hammer an das bronzene Portal von St Peter und an die Tore des Vatikans schlagen, auch „die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen". Das Christentum ist die Religion der Tat. Die Gefühlsreligion der Neuzeit bedeutet dafür weder einen Ersatz noch einen Fortschritt. Bloßes inneres Empfinden und Fühlen erschöpft das wahre Wesen der Religion ebensowenig wie eine rein äußerliche Gesetzeserfüllung. Werktätiger Glaube ist die Grundlehre der im Neuen Testamente zum Abschluß gebrachten göttlichen Offenbarung. „Nicht ein jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird eingehen in das Himmelreich, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist" (Mt 7, 21). „Seid Vollbringer des Wortes und nicht bloß Hörer, indem ihr euch selbst betrügt. . . . Die reine und unversehrte Religion vor Gott und dem Vater besteht darin: der Waisen sich anzunehmen und der Witwen in ihrer Trauer, und sich unbefleckt zu halten von dieser Welt" (Jak 1, 22 27). Auf den zwei mächtigen, von Christus errichteten Säulen, auf der Gottesliebe und Nächstenliebe, erhebt sich das übernatürliche Leben des Einzelnen und ruht das segensreiche Wirken der Kirche. Schon aus den ersten Jahren ihres Bestandes melden heilige und profane Quellen von der organisierten Armen- und Kranken-, Witwen- und Waisenpflege durch die Diakonen und Diakonissen, von der freiwilligen Liebestätigkeit ihrer Glieder und einem so weitgehenden Verzichte auf die eigene Habe zum Besten der Gemeinschaft, daß die alte wie die neue Zeit darin ein nachahmenswertes Muster erblickt. In den Tagen allgemeiner Not öffnete die Kirche allzeit ihre mildtätige Hand und spendete materielle und persönliche Hilfe nach bester Kraft. Es ist kein Zufall, daß in den Blüteperioden des innerkirchlichen Lebens, der theologischen Wissenschaft und der geistlichen Mystik auch eine 18 reiche Wohltätigkeit sich entfaltet hat. Sie ist nur die natürliche Frucht des von Christus ausgestreuten Samens. Im großen Leid und bittern Weh der Jetztzeit freuen wir uns über die rührigen Herzen und Hände, die allüberall eifrig bemüht sind, die Not zu lindern, die Verwundeten zu pflegen, die Kranken zu heilen, den Gefangenen rechtmäßig Freiheit und Heimkehr zu vermitteln oder ihr hartes Los zu erleichtern, bei Kindern und Kriegswaisen Vater- oder Mutterstelle zu vertreten, bei Erwachsenen Tränen zu trocknen und vom Schmerz Gebeugte aufzurichten. Einzelerscheinungen von tändelnder und allzu jugendlich spiele- rischer Kriegspflege, oberflächlichem caritativem Sport oder einer Art von samaritanem Flirt können, so bedauerlich sie sind, dem großartigen Gesamtbild der christlichen Liebe keinen wesentlichen Eintrag tun. Jahrtausendalte christliche Volkstradition erzeugt mit vorborgener, unzerstörbarer Urkraft, wie im öffentlichen Leben der Friedenszeit, so auch, ja in noch höherem Grade in den Jahren des Krieges für die Augen desjenigen Wunder, der nicht geübt ist, die Entwicklung der Volksseele und die geheime, nachhaltige Macht der völkischen Erziehung des Christentums in langem geschichtlichen Laufe zu verfolgen. Wie die meisten Menschen unbewußt aus der Vergangenheit ihres Geschlechtes ererbte Elemente der Körperkraft in sich tragen und in der Gegenwart die Luft einatmen, die ihnen Leben und Gesundheit ermöglicht, in derselben Weise ist die überwiegende Mehrheit von ihnen bei dem Denken und Handeln mitveranlaßt durch das gute Beispiel ihrer Umgebung und steht unter dem fortdauernden Einfluß erhabener Ideen, die ihre Ahnen und Urahnen gepflegt haben und durch die sie zu Ruhm und Ehre emporgehoben worden sind. Neben denen, die solcherart zu christlichen Liebeswerken getrieben werden, ohne dem Christentum innerlich anzugehören oder ihre kirchlichen Pflichten zu erfüllen, arbeiten im Dienste der leiblichen und geistigen Barmherzigkeit viele glaubenstreue Katholiken aus gewissenhafter Überlegung und in Gott wohlgefälliger Absicht. Privatpersonen und kirchliche Korporationen, Bischöfe und Geistliche, Ordensmänner und Ordensfrauen wetteifern draußen auf dem Schlachtfelde und in der Heimat ohne Unterschied von Freund und Feind. Die kirchlichen Anstalten jeder Art und die stillen Klosterräume, die bisher dem Studium, dem frommen Gebete, der Erziehung oder der Waisen-, Armen- und Krankenpflege dienten, sind weit geöffnet für die verwundeten und kranken Soldaten, und mit Befriedigung vernimmt man, daß das dort Gebotene bei den Empfängern aller Konfessionen manches üble Vorurteil verscheucht und hohe Anerkennung, aufrichtige Dankbarkeit und ehrendes Andenken ansgelöst hat. Möge dies achtungsvolle Verhältnis als Segen des Krieges in die Friedenszukunft hinübergenommen, im nichtkatholischen Volke weiter verbreitet und bis zu dem Ende siegreich werden, daß in allen deutschen Staaten ein fester konfessioneller Friede herrsche und die katholische Kirche, ihre Lehren und Einrichtungen eine gerechte Beurteilung und geziemende gesetzliche Behandlung erhalten! Wir Katholiken aber lernen von dem Kriege unsere heilige Kirche, die in dem Gesetz der Liebe dem Egoismus der griechisch-römischen Heidenwelt wie dem getauften und ungetansten Nenheidentum gegen- über einen heilsamen Kommunismus durch Wort und Tat vertritt, in ihrer sozialen Bedeutung immer höher schätzen, in ihren an- gebornen Rechten verteidigen und mit hingebendem Vertrauen ehren I Der erste und letzte Zweck der Kirche ist ein übernatürlicher. Sie hat die Menschen zur ewigen Seligkeit zu führen. Der Krieg predigt so laut die Hinfälligkeit des Zeitlichen und so blutig die Vergänglichkeit des irdischen Lebens, daß auch die Ungläubigen, die religiös Erkalteten und die kirchlich Lauen sich bekehren müßten. Der Krieg ist eine durchschlagende Apologie des ewigen Jenseits. Sollen die unermeßlichen Opfer an Gut und Blut nur einen Diesseitswert haben? Soll das kostbare Leben so unzähliger junger und reifer Männer, soll so manche unersetzliche Kraft des familiären, gesellschaftlichen, staatlichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens umsonst dahingesunken sein? Die Zeit ist zu arm und das Vaterland zu schwach, der Eichenlaubkranz verwelkt zu rasch und die goldenen Lettern der Ehrentafeln verschwinden zu bald, als daß dadurch die Verdienste auch nur einigermaßen gewürdigt werden könnten. Für Unermeßliches hat nur die Ewigkeit Raum, für ausgleichende Wertung der geistigen und sittlichen Ideale besitzt allein der reine, absolute Geist die Kraft, und für den verdienten Lohn steht bloß dem Herrn des Himmels und der Erde der erforderliche Reichtum zu. Kann die Schuld desjenigen, der diesen furchtbaren Krieg herauf- beschworen oder mitvernrsacht hat, ungesühnt bleiben oder auf Erden 20 genügend bestraft werden? Schreit das Blut der Gefallenen, rufen die Schmerzen der Verwundeten nicht um ewige Rache zum Himmel? Fordern das Herzeleid, das Elend und der Jammer der Hinterbliebenen nicht eine höhere gerechte Bestrafung der Schuldigen? „Ich glaube an ein ewiges Leben" — dies Bekenntnis entringt sich jetzt manch ungläubiger Brust — „und an Jesus Christus zur Rechten des Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten." Um den tapfern Kriegern den Todesmut zu erhöhen, den Weg zu Gott zu ebnen und mildes Gericht von der ewigen Barmherzig- keit zu vermitteln, bot die Kirche mit Beginn des Krieges in erhöhtem Maße durch ihre Priester die heiligen Sakramente an. Viel geistlicher Trost wurde schon gespendet, und manch schwerer Sünder ist wieder zu Gott zurückgeführt worden. Bis in die vordersten Gräben eilen die Seelsorger, um dort wie hinter der Front und in den Lazaretten den Sterbenden beizustehen und den Verwundeten Mut und Vertrauen zuzusprechen. Sie geleiten die Toten zu dem Ehrengrabe, überbringen die letzten Grüße den Hinterbliebenen und teilen mit ihnen den Schmerz. Für alle Gläubigen, ja für alle Menschen steigen täglich die vielen heiligen Opfer und Gebete zu Gott empor, rufen um Hilfe und Gnaden für die Lebenden und flehen um ewige Ruhe für die Verstorbenen. Möchte doch diese Heilstätigkeit der Mutter der Gläubigen sich tief in alle Herzen einprägen und in recht vielen Seelen ein neues kindliches Vertrauen und ein eifriges Kirchenleben erwecken I Denn ohne Kirchentum kein Christentum. Amen. 21 III. Der Völkerkrieg predigt opferwilliges Vertrauen auf unser deutsches Vaterland und demütiges Vertrauen aus uns selbst. „Er (Judas der Makkabäer) stellte die Macht über alles Gott anheim, dem Schöpfer der Welt, und ermahnte die Seinen, daß sie tapfer kämpfen und bis zum Tode für die Gesetze, den Tempel, die Stadt, das Vaterland und die Mitbürger standhalten sollten" (2 Makk 13, 14). (sVn den Jahren 168—161 vor Christi Erscheinen lag das um seine religiöse und politische Freiheit unter Führung der tatkräftigen Gottesmänner Matthathias von Modein und Judas des Makkabäers kämpfende israelitische Volk im Streite gegen die Gewaltherrschaft der Syrer. Dem äußeren Feinde kam ein innerer zu Hilfe, eine auslandsfreundliche Partei im Judentum. Ein gewisser Menelaus, der nicht aus dem Stamme Benjamin, also nicht aus priesterlichem Geschlechts war, hatte mit den unsaubersten Mitteln, durch Bestechung und Meuchelmord den Weg zum einflußreichen Amte eines Hohenpriesters erschlichen und die Erbitterung des Volkes besonders dadurch erhöht, daß er seine ruchlose Hand nach den Tempelgeräten ausgestreckt und als Verräter am Vaterlande sich an den feindlichen Syrerkönig Antiochns V. Eupator herangemacht hatte. „Jedoch", so berichtet mit Befriedigung das zweite Buch der Makkabäer (13, 4), „der König der Könige erweckte den Zorn des Antiochns gegen den Sünder (wegen seiner schlechten Ratschläge), und ... er ließ ihn ergreifen, auf der Stelle töten" und seine Leiche auf einen Schutthaufen werfen. Judas aber, der die heranziehende syrische Gefahr erkannte, „befahl dem Volke, daß es Tag und Nacht den Herrn anrufe, damit er, wie immer, so auch jetzt sie errette; denn 22 sie fürchteten des Gesetzes und des Vaterlandes und des heiligen Tempels beraubt zu werden". Sie beschworen den Herrn, „er möge nicht zugeben, daß das Volk, welches erst seit kurzem sich etwas erholt hatte, Gott lästernden Heiden unterliege". Nachdem das Volk drei Tage und drei Nächte in Fasten und Beten zugebracht hatte, „ermahnte Judas, sich bereit zu halten, und er selbst beschloß mit den Ältesten, zum Kampfe auszuziehen, bevor der Syrerkönig sein Heer nach Judäa führen und die Stadt Jerusalem erobern würde, und der Entscheidung des Herrn den Ausgang der Sache anheimzugeben. Er stellte also die Macht über alles Gott anheim, dem Schöpfer der Welt, und ermahnte die Seinen, tapfer zu kämpfen und bis zum Tode standzuhalten für die Gesetze, den Tempel, die Stadt, das Vaterland und die Mitbürger. Dann lagerte er das Heer bei Modein, wählte, nachdem er den Seinen ein göttliches Vorzeichen des Sieges mitgeteilt hatte, die tapfersten jungen Männer aus, griff in der Nacht das königliche Lager an", schlug den Feind vollständig, tötete 4000 Mann und trieb den Rest in die Flucht. Im Verfolge dieses Sieges gelang es den Juden, von der syrischen Herrschaft frei zu werden und wieder ein selbständiges Reich zu gründen, das 300 Jahre Bestand hatte. „Dieses aber", so schließt der heilige Chronist, „geschah bei Anbruch des Tages, da ihm bei- stand die Hilfe des Herrn" (2 Makk 13, 4—17). Auch wir lernten in unfern Tagen die macht- und wirkungsvolle Hilfe des gerechten und barmherzigen Gottes kennen, auch wir erwarteten von seinem Beistände den Sieg über die Feinde. Der Krieg als Prediger des unerschütterlichen Vertrauens auf Gott sollte uns in dem ersten Vortrage auf die ewige Vorsehung Hinweisen und uns und unser ganzes Volk wieder enger in einer aufrichtigen, überzeugungsvollen und werktätigen Religiosität mit dem Regierer und Leiter der Welt verknüpfen. Reumütige Rückkehr zu Gott lehrt das Straf- und Mahngericht des Krieges, sowie Ablegung der eingeriffenen Gottentfremdung und der weitverbreiteten religiösen Gleichgültigkeit. Mit Gott und für Gott soll die ganze Welt wieder zu leben anfangen. Das gesamte öffentliche und private Leben soll fernerhin von Gottes gläubig erfaßtem heiligen Willen erfüllt sein. Und so wie fester Gottesglaube alle Geister für die Zukunft neu erfassen, die Menschheit gottgläubig und wahrhaft religiös werden 23 soll, so muß auch das christliche und kirchliche Leben wieder gründliche Pflege finden. Eitler Dünkel hat vielfach die Kirche verächtlich beiseite gesetzt, und irdischer Sinn und Genuß, hochmutsvoller Individualismus und stolzer Egoismus haben das kirchliche Gemeinschaftsleben sogar bis zur Organisation einer öffentlichen Kirchenaustrittsbewegung mißachtet und an Stelle des kirchlichen Gottesund Sakramentenkultus die ausschließliche Pflege des Ich, eine hohle und leere Gefühlsreligion oder einen Naturkult gesetzt. Christliches Volk I Der Krieg läßt dich die Kirche Christi wieder genauer betrachten und mit Vertrauen lieben als Hort des inneren und äußeren Friedens und als Stätte der Liebes- und Heilstätigkeit. Treue Gottesverehrer, gute Christen und eifrige Glieder der Kirche möge der kommende Friede in unserem teuern Vaterlande begrüßen können, aber auch lauter echte deutsche Bürgerl „Der Krieg als Prediger des opferwilligen Vertrauens auf unser deutsches Vaterland und des demütigen Vertrauens auf uns selbst" wurde schon als Gegenstand des heutigen Vortrages angekündigt. Möge diese Betrachtung durch Gottes Gnade befruchtet werden! »st Natur und Geschichte sind beherrscht von dem Prinzip der Ent- Wicklung. Beide zeigen stetig fortschreitende, nicht sprunghafte Entfaltung. In der sichtbaren Schöpfung wirkt das ewige, ordnende Gesetz des Schöpfers; im Völker- und Einzelleben sind bestimmte Grundideen der Zeiten zu beobachten, betätigt sich die Willensfreiheit der Menschen, und über allem schwebt die göttliche Vorsehung. Die größere oder kleinere Plötzlichkeit eines Naturvorganges oder geschichtlichen Ereignisses ist nur eine relative, d. h. sie ist bloß für den vorhanden, der keinen Einblick besitzt in die letzten Ursachen. Was als plötzlich erscheint, war im Innern der Natur mehr oder minder verborgen und geheimnisvoll entwickelt oder von Menschengeist und Menschenwillen, sei es gutem sei es bösem, unter der Fügung oder Zulassung Gottes vorbereitet worden. Kein Donnerwetter kommt von ungefähr und auch kein Krieg von gestern auf heute. Mag die Volksmehrheit vom Ausbruch eines solchen überrascht werden und mag der Nächstliegende Grund ihr zufällig dünken, allmählich beleuchtet die Sonne der Wahrheit auch dem politisch Uneingeweihten die geheim und fein gesponnenen Fäden, und dann versteht selbst der geschichtlich Unerfahrene in den Abgrund der Bosheit zu schauen, aus dem wohlvorbereitet das Unheil für Land und Volk emporgestiegen ist. Wenn bis in die jüngsten Tage hinein die maßgebenden Persönlichkeiten der uns bekriegenden Staaten sich als unerwartet über- fallen darstellen und das deutsche Volk oder eine sog. Kriegspartei oder den deutschen Kaiser als schuld an dem Kriege anklagen, so ist das freche Lüge und gemeine Heuchelei. Vor nicht vielen Wochen, am Nationalfest des 14. Juli, sprach der Präsident der französischen Republik im Jnvalidendom zu Paris von einem „feigen Vorschlag Deutschlands an England, von Verletzung der Neutralität Belgiens, von Mißachtung aller Verträge, Terrorisierung der Bevölkerung der besetzten Gebiete durch die barbarischsten Mittel und von einer barbarischen, unmenschlichen Kriegführung", und stellte zum Schlüsse die Behauptung auf, „Frankreich sei das unschuldige Opfer des brutalsten, bis ins kleinste vorbereiteten Angriffs geworden". Ihm stehen in solcher Sprache nicht nach der englische Minister des Äußeren Grey und seine Amtsgenoffen, und neuesteus erweisen sich auch die russischen Staatsmänner hierin als gelehrige Schüler. Bezeichnte es doch ersterer noch vor kurzem „als die Pflicht der Neutralen, alles mögliche zu tun, um den gemeinsamen Feind wegen geschändeter Krieg- führung zu Fall zu bringen". Die Vorwürfe greifen die öffentliche Moral des Deutschen Reiches, die Sittlichkeit seiner Organe, die rechtliche und ritterliche Gesinnung des Heeres an. Dazu schweigen hieße jetzt pflichtvergessen die heilige Ehre von Land und Volk beschimpfen oder schädigen lassen. Drum sei auch aus religiösem Grunde entschiedenste Verwahrung eingelegt gegen solch ruchloses Unterfangen I Die schweren Anklagen enthalten eine vollständige Verkehrung der Tatsachen, eine grobe und gewissenlose Verletzung der Wahrheit. Aus einem dumpfen Untertone ist im übrigen ein unfreiwilliges Selbstbekenntnis verantwortungsvoller Schuld der Ankläger zu erkennen, feige Furcht vor der drohenden Rache der irregeführten Nation und vermessene „Spekulation auf die Dummheit der Massen". Die Wahrheit muß um ihrer selbst willen gesucht und aus sittlichen und gesellschaftlichen Interessen vor Entstellung geschützt werden. Die Akten des unheilvollen Weltkrieges liegen offen. Sie lassen sich für den Urteilsfähigen nicht mehr fälschen. 25 Deutsches Recht sollte mit Füßen getreten, deutsche Kraft vernichtet werden. Für dieses Ziel erkaufte sich Frankreich seit Jahrzehnten den plumpen moskowitischen Kraftmenschen und beförderte die fast seit den Kämpfen Albions gegen Karl d. Gr. mit Hinterlist erblich belastete und geschichtlich gebrandmarkte englische Politik das belgische Doppelspiel und den italienischen Treubruch. Nach gemeinsamem Ränkespiel sollte den zur Wahrung des Weltfriedens, der Landessicherheit und zur ruhigen Förderung des Kultur- und Wirtschaftslebens znsammengeschlossenen deutschen und österreichungarischen Völkern das Verderben bereitet werden. Noch waren die Feinde mit der Angriffsrüstung nicht ganz fertig, da platzte die Bombe und ging die Pistole des mit durch russischserbische Hände gelaufenem Gelde gedungenen Meuchelmörders in Serajewo zu früh los. Hochedles Fürsten-, Gatten-, Vater- und Mntterblut rann auf die Straße. Der teuflische Mord schrie so laut um Rache, daß kein wahres Kulturvolk den Ruf überhören konnte. Jeder Rechts- und Kultnrstaat, dem die Begriffe Recht und Sittlichkeit, obrigkeitliche Gewalt und öffentliche Ordnung noch etwas gelten, hätte für die gerechte Forderung der Sühne eines solchen Verbrechens eintreten müssen. Statt dessen warfen sich die bekannten Staaten in Selbstverrat ihrer Schuld als Beschützer des Mörders und seiner hohen Hintermänner auf und richteten die Waffen gegen die genugtunngsberechtigte Monarchie. Allgemeine moralische und besondere bundesgenössische Pflicht zog in diesem Augenblicke dem Deutschen Reiche das Schwert ans der Scheide, das noch krampfhaft znrückgehalten worden war, als schon seit Wochen die feindlichen Heere im Osten und Westen unter allerlei trügerischen Vorwänden den Marsch gegen die heimischen Grenzen angetreten hatten. Zur Forderung des Schutzes des allgemeinen göttlichen Rechtes, auf dem die Völkergemeinschaft und die Staatenordnung ruhen, gesellte sich nunmehr die heilige Pflicht, das vaterländische Recht und den heimatlichen Boden, das treue Volk und den heimischen Herd gegen heimtückische Feinde und gegen wilde Horden mit und ohne Kulturkleid zu verteidigen. Was mit unserer Väter Blut als ur- deutsches Eigenland ans rechtliche Weise wiedererworben war, das wollte eine während vier Jahrzehnten mit allerhand Mitteln aufgestachelte und gehegte nationalistische Rachsucht entreißen. Wahrlich, 26 Grillparzer verdient Glauben, wenn er schreibt: „Die Humanität führt leicht durch Nationalität zur Bestialität. Jene falsche Humanität, deren Gott die Menschheit ist, braucht sich nur des sog. Nationalitätsprinzips zu bemächtigen, und der Patriotismus wird zu einer Leidenschaft, die der Vernunft und Menschlichkeit ein Ende macht, die vor keinem Verbrechen zurückschaudert, die alle edleren Züge im Charakter eines Volkes verwüstet." i Der durch deutschen Geist und zähen Fleiß, durch Zusammenarbeit von Wissenschaft und Technik, Handel und Gewerbe, Landwirtschaft und Industrie ehrlich errungene Platz auf dem Weltmärkte sollte durch den blassen Neid einer anscheinend zu ehrlichem Konkurrenzkämpfe sich unfähig fühlenden sinkenden Nation weggenommen werden. Was deutsche Kolonisation, Kultivierung und auch religiöse Missionierung in andern Weltteilen mit redlichen Mitteln, die sich gar sehr abhoben von andersstaatlichem Ausbeutungs-, Blut- und Sklavereiverfahren, er- strebt und erreicht hatte, wollte gemeine Habgier nicht neben sich dulden. Darin liegen die wahren Gründe, die zum gegenwärtigen Kriege geführt haben, für den unsere Feinde jahrzehntelang sich rüsteten. Ein wachsames Auge und politischer Scharfblick sahen die Gefahr voraus und mahnten zur Hut und Wehr. Aus den so vom deutschen Volke gewiß nicht aus Übermut, sondern nur mit schwerem Herzen beschlossenen, wenn auch willig übernommenen und getragenen gar opfervolleu militärischen Sicherungs- und Schutzmaßnahmen Eroberungslust herauszulesen und vor aller Welt die Anklage wegen eines von langer Hand vorbereiteten Angriffes zu erheben, dazu gehört — in berechtigter Entrüstung darf und muß es gesagt werden — die Phantasie eines Narren oder die Schamlosigkeit eines Lügners von Beruf oder die Verzweiflung vor dem heranschleichenden verdienten düstern Geschick. Vor diesem, das seinen cingeschlagenen Weg nicht ändern noch unterbrechen wird, können weder die wahrheitswidrigen Berichte einer gegen vieles Geld als Bundesgenossin in allen Weltteilen verschriebenen Großmacht Presse retten, noch wird mehr der mit dem Geldsack unternommene erniedrigende Bettelgang zu den Neutralen Erlösung bringen. Das Recht ist Gottes Sache und besitzt seinen Schutz, und der ist mächtiger als alle Feinde und sieghafter als die Hilfe ' Albert M. Weiß, Lebensweisheit in der Tasche", Freiburg, Herder, 583. 27 einer Panoptikumsammlung farbiger Bundesgenossen und die langen Messer der Gurkhas. Das deutsche und die ihm verbündeten Heere wissen, warum und für was sie kämpfen, und mit ihnen ver- traut das ganzeVolk aufGott, sein heiliges Recht und seine Kraft. In feindlichen und neutralen Ländern wurde in der letzten Zeit häufig die Frage aufgeworfen, woraus denn die ihrerseits nicht erwarteten und befürchteten deutschen Kriegserfolge zu erklären seien, und wie es komme, daß die Zentralmächte mit einer Bevölkerung von nur über hundert Millionen Menschen gegen den nahezu um das Vierfache stärkeren Gegner sich halten und Herr werden können. Die Frager mögen die richtige Antwort lesen im 7. Kapitel des alttestamentlichen Buches der Richter, das berichtet von dem Siege des frommen Gedeon, der mit bloß dreihundert Mann gegen die Madianiten zog, „deren Heer unzählbar war wie ein Heer Heuschrecken"! Sie mögen sich von Judas dem Makkabäer sagen lassen, wie mit wenigen viele geschlagen werden! Der Herr hatte den Gedeon aufgefordert, das große israelitische Heer zu entlassen und nur mit einer kleinen auserwählten Schar in die Schlacht zu ziehen, auf daß sich nach dem Siege nicht Israel stolz rühme: „Durch meine Macht ward ich befreit" (Nicht 7, 2), sondern ihm, dem Allerhöchsten, die Ehre gebe. Aus der neuesten Zeit mag des Rätsels Lösung erkannt werden in den Worten, welche an dem denkwürdigen Abend des 31. Juli vergangenen Jahres vom königlichen Schlosse zu Berlin der deutsche Kaiser sprach: „Ich hoffe, daß, wenn es nicht in letzter Stunde meinen Bemühungen gelingt, die Gegner zur Einsicht zu bringen und den Frieden zu erhalten, wir das Schwert mit Gottes Hilfe so führen werden, daß wir es mit Ehren wieder in die Scheide stecken können. Enorme Opfer an Gut und Blut würde ein Krieg vom deutschen Volke erfordern, dem Gegner aber würde es zeigen, was es heißt, Deutschland anzugreifen. Nun empfehle ich euch Gott. Geht in die Kirche, kniet nieder vor Gott und bittet ihn um Hilfe für unser braves Heer!" Weiterhin können zur Erklärung dienlich sein die Worte, mit denen nach der Mobilisierung am 1. August Bayerns König 28 sein Heer unter den Befehl des Bnndesfeldherrn stellte: „Das Vertrauen auf Gott und seine Gerechtigkeit wird unsere Heere stärken", ferner die Worte des gleichen Herrschers in seinem Manifest an sein Heer vom 1. August: „Vertrauend auf den allmächtigen Gott, der unsere gerechte Sache schirmen wird, erflehe ich seinen Segen für Bayerns und des deutschen Heeres Fahnen." Das feste Gottvertrauen und die Überzeugung, für Recht und Gerechtigkeit gegen Unrecht und Frevel in den Kampf zu ziehen, ist's, was unsere Heereskraft erhöht. Gottes Hilfe und der Wille zum Sieg ist das Geheimnis der Erfolge. Das Bewußtsein, aus Gewissenspflicht für den Schutz des Vaterlandes kämpfen zu müssen, zieht den Soldaten von Haus und Hof, von Weib und Kind hinaus ins Feld und begleitet ihn bis in das feindliche Feuer. Das gemeinsame brüderliche Zusammenstehen von hoch und nieder, von jung und alt, die echte Kameradschaft erleichtert die härtesten Anstrengungen und Entbehrungen. Das Vertrauen auf die Führer, die wie ein Hindenburg und andere als Männer der göttlichen Vorsehung erscheinen, läßt die Heeresmassen jedem Winke folgen — und für die unsterbliche Ehre des geliebten Vaterlandes zu sterben ist die große Helden- und Märtyreridee, die den lebensfrohen Mann mutig in den Tod gehen läßt. Den opferwilligen Streitern auf den nahen und weitentfernten Schlachtfeldern ebenbürtig arbeitet und duldet das Volk am heimischen Herd. „Ich muß", so sagte der schwedische Nationalökonom Professor Gustav Steffen nach einer vor kurzem beendeten Studienreise durch das Deutsche Reich, „bewundernd gestehen, daß die hochgespannten Erwartungen, die ich im vorhinein in Bezug auf die Organisationskraft und das tiefe Selbstvertrauen des deutschen Volkes in mir trug, in jeder Beziehung übertroffen wurden. Daher ist mein zuversichtlicher Glaube an den glücklichen Ausgang der deutschen Sache nach innen und außen noch kräftiger geworden.... Die Organisationsfähigkeit und das starke Staatsgefühl der Deutschen sind sozusagen ohne Beispiel.... Ich wünsche den Sieg für Deutschland herbei, weil ich überzeugt bin, daß die Kulturstufe, auf der das deutsche Volk sich befindet, Deutschland am meisten befähigt, der Menschheit zu nutzen. Ich weiß, daß der Wesenszug im Gemütsbild des Deutschen Friedensliebe heißt, und ich meine, daß Deutschland in jeder Weise das Recht auf den Sieg hat." 29 Der Krieg hat in dem Innern des deutschen Volkes Kräfte wachgerufen, deren Größe auch der optimistische Volkspsychologe unterschätzt hat. Gleich einem Frühlingsfeld, das nach warmem Regen, Hellem Sonnenschein und linder Nacht üppig sproßt und blüht, so entfaltet das deutsche Volk eine nicht geahnte innere Kraft. Wie aus einem kunstvoll und in weiser Vorsicht angelegten großen Sammelbecken werden unerschöpfliche persönliche, wirtschaftliche und militärische Kräfte entnommen. Dem unmenschlichen Aushungerungskrieg, den England uns geschworen, begegnen mit vollem Erfolge die Einschränkung der Lebensweise, die auch für alle Zukunft körperlich wie sittlich empfehlenswerte Einfachheit und Natürlichkeit im äußeren Leben, die emsige Bestellung der Felder und die Ausnutzung der kleinsten Fleckchen Erde, gesegnet durch die himmlische Gnadensonue einer selten günstigen, zu innigem Dankgebet herausfordernden Witterung. Die Erwerbsstände jeder Art und alle arbeitsfähigen Kräfte haben sich den herrschenden Verhältnissen und dem, was die Stunde heischt, rasch und willig angepaßt. In der Opferwilligkeit für des Vaterlandes Bedarf wuchsen die Männer, reich und arm, und in der Sorge um die Pflege der Soldaten im Felde und der Verwundeten und Kranken in den Lazaretten erstanden Frauen von bewundernswerter Größe. Für- wahr: „Es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken." ^ Es wäre undankbar, hier nicht auch jener großen Seelen zu ge- denken, die das Liebste, was sie als Gattinnen, Mütter oder Bräute ihr eigen nennen durften, dem Vaterlande zum Opfer gebracht haben. Ein großer Zug geht durch unser Volk, ein hoher Geist wandelt durch die deutschen Lande, ein idealer Opfersinn erfüllt die Gemüter. Möchten diese Kräfte durchhalten bis zum endgültigen Siege, nein, nicht bloß bis dahin, mögen sie nie mehr aus unserer Mitte verschwinden I Mögen Gottvertrauen, Vertrauen auf alle Obrigkeit und gehorsame Unterordnung, einiges Zusammenstehen, eigene edle Kraftentfaltung, friedlicher Wetteifer unter den Erwerbsständen und Berufsklassen, Duldsamkeit und achtungsvolle gegenseitige Behandlung der staatserhaltenden politischen Parteien, vornehme Haltung und sachliche Richtung der Tagespresse, sittliche Reinheit der Kunst und ' Schiller, Prolog zu Wallenstein. 30 aufrichtiger konfessioneller Friede fortan unter uns wohnen bleiben! Die wertvollen Volkskräfte, die in der Kriegszeit einig zusammenwirkend Großes aufbauen, sollen im Frieden nicht mehr niederreißen! Das edle Herzblut unserer großen Helden, das sie zusammengekittet, soll nicht entehrt werden durch neuerliche Trennung. Innige Gottesliebe und tätige Nächstenliebe seien die Grund- Pfeiler der deutschen Zukunft! Demütiges Vertrauen auf uns selbst ist die letzte von uns genannte Mahnung des Predigers Krieg. Stolz und Überhebung, Herrschsucht und Imperialismus und andere Fehler, wie sie dem deutschen Volke von seinen Feinden jetzt zahlreich angedichtet werden, sind mit Nichten allgemeine oder charakteristische Mängel der Deutschen. Gewiß sind wir noch keine Heiligen und haben unsere Fehler. Der Krieg mag auch bei Deutschen vereinzelt Dinge aufzuweisen haben, die ein unparteiisches Urteil nicht zu entschuldigen vermag. Darüber wird die Geschichte später zu richten haben! Soll nach unserem Wunsche die allgemeine religiös-sittliche Er- Neuerung in der Zukunft erfolgen, dann muß die Arbeit bald beginnen. Das Ganze setzt sich aus Teilen zusammen. Es ist deshalb an den Einzelnen gelegen, innerlich Wandel zu schaffen. Bei dem einen ist langsame, aber zähe Sappenarbeit gegen im Herzen festsitzende alte Laster notwendig, bei dem andern geht es in raschem Vormarsch dem Tugendziele zu. Der Kampf um den ewigen Sieg und den dauernden Siegespreis muß aber von einem jeden aus uns unternommen und mit Ausdauer durchgeführt werden. „Des Menschen Leben ist ein Kriegsdienst", sagt der weise Job nach reicher Lebenserfahrung. Glücklich der, welcher des Völkerapostels Wort verstehen gelernt: „Ich vermag alles in dem, der mich stärkt" (Phil 4, 13), und der am Ende seiner Tage mit ihm sich rühmen darf: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Im übrigen ist mir hinterlegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage geben wird, der gerechte Richter" (2 Tim 4, 7 f). Auf der demütigen Seelenbildung der Untertanen baut sich der Stolz und die Ehre des Vaterlandes auf. In reinen, gottliebenden Herzen hat die Vaterlandsliebe ihren besten Nährboden. Sie wird als sittliche, als Gewissenspflicht erkannt und gewürdigt und ihr Gegenteil als schmählicher Verrat verurteilt. Wer dem Lande ent- 31 stammt, wer auf heimatlichem Boden lebt, wer des Vaterlandes Schutz genießt und Recht gebraucht, für den gibt es vor dem Gewissen keine Befreiung von der Hingebung an das Vaterland. Fluchwürdig ist es und schwer verantwortlich vor Gott, gegen das Vaterland, sein Recht und seine Ehre aufzutreten, und verwerflich, ihm kalt gegenüberzustehen, ihm Herz und Hand in kühler Zurückhaltung zu verweigern. In einer großen Zeit, wie die jetzige es ist, und die, so unheilvoll sie auch nach der andern Seite sich darstellt, nachdem sie einmal kommen mußte, miterlebt zu haben, keiner bedauern mag, ist allseitige, ausnahmslose opferwillige Hingabe an das Vaterland individuelle und soziale Pflicht. Fern und frei von Feindeshaß, aber in kraftvoller Abwehr des uns angetanen Unrechts wollen wir Deutsche alle ohne Ausnahme zusammenstehen bleiben, in der Vaterlandsarbeit ausharren und unentwegt durchhalten, bis der volle Sieg über die Feindeswelt erreicht ist. Wir wollen nicht bloß Frieden, wir arbeiten und beten um den verdienten Sieg. Wir vertrauen auf Gott, der unser Recht schützen wird, und vertrauen in ihm auf unsere deutsche Kraft. Mit dem heiligen Sänger des festen Vertrauens zur Zeit großer Not, mit dem Psalmisten David rufen wir zu Gott: „Auf dich, o Herr, vertraue ich, und ich werde nicht zuschanden werden" (Ps 30, 1). In diesem demütigen Vertrauen auf den Allgerechten und Allgütigen sei es mit vaterländischem Stolze hoffnungsvoll in deutscher Sprache gesagt, auf deutschem Boden, im deutschen Elsaß-Lande, in der deutschen Stadt Straßburg, „der wunderschönen", in dem durch den deutschen Meister Erwin von Stein- bach berühmten Münster, an dieser geweihten deutschen Stätte, auf der für den deutschen Prediger Geiler von Kaisersberg vor fast fünft- halbhundert Jahren erbauten Kanzel: Wir Deutsche werden siegenl Amen. In der Herderschen Vcrlagshaudlung zu Freiburg im Breisgau sind erschienen und können durch alle Buchhandlungen bezogen werden: Die Kreuzesfahne im Völkerkrieg. Erwägungen, Ansprachen und Predigten, gesammelt und herausgegeben von vr Joseph Schofer, Diözesanpräses, und vr A. Kiefer,- Repetitor. 8" I. Bdchen. Dritte Auflage. (IV u. 54 S.) 41—.78; geb. in Leinw. 411.28 II. Bdchen. Zweite Auflage. (IV u. 148 S.) 41 1.50; geb. 412.— III. Bdchen. Zweite Auflage. (IV u. 132 S.) I11.50; geb. IN 2.— IV. Bdchen. Zweite Auflage. (VIII u. 92 S.) 41 1 . 20 ; geb. II 1.70 V. Bdchen. Zweite Auflage. (VIII u. 98 S.) 411.80; geb. 411.88 VI. Bdchen. Fastenzeit. Dritte Auflage. (VIII u. 172 S.) 411.88; geb. 412.30 VII. Bdchen. Osterzeit und Mai-KriegSpredlgten. Erste und zweite Auflage. (VIII u. 218 S.l 41 2.— ; geb. 41 2.58 VIII. Bdchen. Pfingsten, Dreifaltigkeit, Fronleichnam, Herz-Jesu und Peter u. Paul. Erste und zweite Auflage. (VIII u. 88 S.) 411.28; geb. 411.78 IX. Bdchen. Die göttliche Vorsehung. Kanzelrcdcn von vr A. Huber. Erste und zweite Auflage. (VIII u. 182 S.) 412.— ; geb. in Leinw. 412.58 Die Bändchen der .Kreuzesfahne' sind durch ihren reichen Inhalt geeignet, dem Seelsorgsklerus das Predigtamt in der vielbeschäftigten Kriegszeit zu erleichtern und auch als passende Lesung unfern Kriegern im Feld oder Lazarett und .uns daheim' zu dienen. Krieg und Evangelium. Kriegspredigten von Anton Worlit- scheck, Stadtpfarrprediger in München. 8° I. Bdchen. Zweite Auflage. (IV u. 58 S.) 75 1/-; geb. in Leinw. 41 1.28 II. Bdchen. (IV u. 6« S.) 88 Vf.; geb. 41 1.38 Bischof v. Kuppler hat dem Autor „warme Anerkennung" gezollt und die Predigten als „wertvollen Beitrag zur Kriegshomiletik" bezeichnet. Unser Gottesglaube und der Krieg. Zehn apologetische Predigten von vr Joseph Jatsch, k. u. k. o. ö. Professor an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag. 12" (VIll u. 108 S.) Ä 1.30; in Pappband 1U1.60 Inhalt: I. Gottes Weltregierung und der Krieg. II. Der barmherzige Gott und der Krieg. HI- Was uns der Krieg predigt. IV. Das Gebet im Kriege. V. Der Allvatergott und der Krieg. VI. Der Krieg ein Weltgericht. VIl. Religion, Kultur und Krieg. VIll. Was nützt uns der Gottesglaube im Kriege? IX. Christentum und Vaterlands» liebe. X. Die gerechte Sache muf; siegen! Soldat und Krieg im Neuen Testament. Ein Vortrag von vr Simon Weber, Professor an der Universität zu Frciburg im Breisgau. 8" (16 S.) 20 Z'/'. Der Krieg Deutschlands gegen Frankreich und die katholische Religion. Ein Vortrag zur Beleuchtung des Buches „Va 6iisrrs ^.llsmanäs st Is Oatllolioisnio" von vr Gottfried Hoberg, ord. Professor der Universität Freibnrg im Breisgau. 8° (32 S.) 50 Isf. Religion und Religionen im Weltkrieg. Auf Grund des erreichbaren Tatsachenmaterials dargestellt von vr Georg Pfeilschifter, Prof, für Kirchengcschichte an der Universität Frciburg i. Br. 8° (VIII u. 116 S.) iU 1.40; in Pappband L 1.80 sucndln^vrsl 61,6 Kai' snuns YZ791 4 0Z1