! K26Z2 tWöüM' WM- MHWWS^MMMWK^WW« i4^Ä6 ' 7.".' « .. Md ?MDW8^ SMS iMLM Und wir? ^Flanderns Wehklage! Ein flämischer Weckruf und Ein deutsches Echo 5.-8. Tausend Heidelberg 1917/Bei Carl Winter So«//«eä» MM MM köstlicher warmer Augustabend im Kriegsjahr 1916. bangen Regenwochen herrliches Erntewetter. An einem der lieblichsten Punkte Mitteldeutschlands sitze ich und schaue von einer bewaldeten Bergkante weit hinaus ins Land. Am Horizonte zeichnen sich die ernsten Formen des Harzes in blauen Linien ab. Zu meinen Füßen grüne Wälder und goldreife Nhrenfelder. Hier wogendes Glitzern der noch stehenden Gottesfrucht im Abendsonnenglanz. Dort, in reichen Garben aufgeschichtet, der Arbeitssegen der Schnitter. Friede und abendliches Verklingen ringsum. Mir ist, als ob das ganze Vaterland in all seiner unzerstörten Herrlichkeit und Pracht sich vor mir ausdehnte in endlose Ferne, umbrandet vom Kriegsgewoge und dennoch in lachender Ruhe. Da klingen fremde Töne an mein Ohr. Sie kommen aus dem Waldinnern hinter meinem Rücken. Wie ich mich umwende, was werde ich gewahr? Ein Trupp Kriegsgefangener wird durch den deutschen Wald von der Arbeitsstätte zurückgeführt ins nahe Gefangenenlager. Die Schönheit des Tages hat ihre Stimmen gelöst. Die Trauer der Gefangenschaft wich für Augenblicke der Hingabe an die Natur, die nichts weiß von Kriegslos und Gefangensein. Und innere Freude hüpfte ihnen über die Kehle als Lied aus der fernen Heimat und an diese Heimat. „Mein Flandern Hab ich herzlich lieb!", so klang es in den wehmütig einschmeichelnden Klängen von Antheunis an mein Ohr. Es waren also Flamen, die durch den abendlichen Wald zogen. Flamen aus Flandern! — 3 Deutscher Leser, weißt du, was das heißen will? Fühlst du die Tiefe und Tragik dieser Töne in unserm Lande? Dazu also mußte ein Weltkrieg losbrechen, um im Schatten des Brocken aus dem Munde kriegsgefangener flämischer Stammesbrüder den Abendsegen zu vernehmen. Die Flamenschar hält für einen Augenblick Rast. Sie genießt den herrlichen Fernblick, den ich selbst seit zwei Stunden zu seiner abendlichen Schönheit ausreifen sah. Dem kräftigen Männerchor entringt sich unter diesem Anblicke noch ein zweites Lied. Es war das flämische Sturmlied, das Lied vom flandrischen Löwen. Ganz sich überlassen, vertrauen sie dem deutschen Buchendom ihr Volksgelübde aus Herzensgrund: „Sie werden ihn nicht zähmen, den stolzen flämischen Leu!" Van Peene hat mit diesen Worten dem unterdrückten Flamentum ein Kapital von Hoffnung in die Brust gesenkt. Durch dunkelste Jahrzehnte nicht aufgezehrt, erneute es sich in jedem jungen Flamen. Es gab ihm allezeit den Mut, aus der Größe der Vergangenheit, hinweg über die Erniedrigung der Gegenwart, eine nochmalige Blütezeit für sein Volk herbeizusehnen. Mit diesem Lied zogen Flanderns Scharen vor zwei Jahren ins Feld gegen deutsche Bruderstämme. Ihre Besten waren sich des grausamen Geschicks, in das sie die Politik ihres Staates hineingerissen, Wohl bewußt. Die flämische Jungmannschaft hielt, die Töne dieses Liedes auf den Lippen, ihrem welschen Zwitterstaate germanische Treue. Er hat es ihnen bitter gelohnt! — Der „flandrische Löwe", wie er heute durch den deutschen Wald klang, trug darum andere Farbe und atmete echtere Stimmung. Das war wieder der alte flämische Trutzlöwe, der mit dem schlimmen Heute um ein besseres Morgen kämpft. So wurde er hinausgesungen, so habe ich ihn miterlebt. Und während ihre germanischen Gestalten im Abenddunkel meinen Blicken entschwinden, wirbelt es in meinem Hirn von Empfindungen, welche diese flämischen Sänger im Kriegs- gefangenengewande in mir aufgewühlt haben. Ans meiner beschaulichen Betrachtung haben sie mich jäh aufgeschencht. Es trieb mich heimwärts an meinen Schreibtisch, mitten hinein in den Stapel der flämischen Dinge, die da seit Monaten aufgeschichtet liegen. Ob ich wollte oder nicht, ich mußte den Eindruck festhallen. Festhalten für mich und für jeden Deutschen. Schreibe für Flandern und du kämpfst für eine germanische Sache! So gebot mir eine innere Stimme. Wohlan, es sei! ch möchte hinausschreien in allesdeutsche Land: Schaut hin nach Flandern! Dort erblickt ihr ein Schauspiel groß und tief! Das flämische Volk erwacht! Es geht um die Zukunft der germanischen Westmark I Umbrandet von finsteren Mächten, die seine Kultur, ja sein völkisches Dasein mit Untergang bedrohen, steigt dort an Maas und Schelde wie ein Felsenriff der flämische Gedanke hoch! Die Schicksalsstunde Flanderns ist gekommen. Nicht deutsche Agenten, nicht eine gekaufte Presse haben die Uhr gestellt. Ein seit fünsundachtzig Jahren unterdrücktes niederländisches Volkstum besinnt sich auf sich selbst und auf das ungeschriebene Recht des Daseins und der Notwehr. Wir Deutschen haben nur in der Besetzung Belgiens eine durch keine Offensive zu erschütternde Grundlage geschaffen, die dies trägt. Die Beseitigung von mancherlei Hemmnissen freier Betätigung des Flamentums ist ihre Frucht. Die Sicherheit und völkerrechtliche Legitimität des Waltens der deutschen Obrigkeit in Belgien haben dem Kampf der Flamen Luft und Licht geschaffen. Das vielfach gehäufte Unrecht der belgischen Regierung in Le Havre gegen die volksmäßige Mehrheit ihrer bisherigen Untertanen hat die Schlaffen aufgerüttelt, den Bedenklichen den Mut der selbstschaffenden Persönlichkeit zurückgegeben. Fürwahr! Was sich seit einem Jahre in Flandern vorbereitet und vollzieht, gehört zum seelisch Großen dieses Weltkrieges: unter schwierigen äußeren Bedingungen eine dem Höchsten, der Freiheit, zustrebende Volkserhebung! MM 6 Wir Deutsche verteidigen ein Reich, das uns durch fast ein Halbjahrhundert zu Glanz und Wohlfahrt emporgeführt hat. Die jugendliche Begeisterung, die Bismarcks geniale Staatsschöpfung auslöste, sie gehört der Geschichte an. Der Wert des Reiches, die Notwendigkeiten seiner Kraft und Sicherheit sind uns als die Bürgschaften unseres Daseins ins Bewußtsein gehämmert. Stumm kämpfen, darben und dulden wir, denen nur die Tat und ihre greifbaren Auswirkungen als angemessener Schritt dieser Zeit von Eisen gilt. Ganz anders in Flandern heute. Dort erlebst du ein merkwürdig zerrissenes Etwas. Ein politisches Drängen und Hemmen, ein unablässiges Wecken und Werben, Schwung der Rede und Begeisterung der Herzen für ein wiedererstehendes Flandern auf der einen Seite; kulturloses Unvermögen, ängstliche Totensülle, haßerfüllte Deutschfeindlichkeit dicht daneben. Aufmerksame Betrachter haben es ausgesprochen, daß das flämische Volk in seinem urwüchsigen Empfinden, in seinem ungeschickten Staatsgefühle Romantik mit jugendlichem Überschwang verbindet. Die nicht fehlenden Schattenseiten machen das Kolorit nur noch echter: der reaküonäre Druck des offiziellen Belgiens, die Unentschlossenheit so Vieler, die Unsicherheit der Zukunftsgestaltung. Eines aber empfindet jeder deutsche Beschauer mit voller Sicherheit, und darauf kommt es allein an. Das Vorwärtsdrängen der Flamen, das dort in unseren Tagen vor sich geht, ist so unwelsch, ist so germanisch als möglich! Auch in Flandern hat man übrigens gelernt zu handeln und die Tat über das Wort und die Meditation zu setzen. Die Versprechungen der belgischen Regierung, die ihren Flamen tausendmal den Himmel gelobte und nichts hielt, haben heute keinen Kurs mehr in Flanderland. In Belgien waren die Flamen allzulang die guten Michel gewesen, die sich mit schönen Worten abspeisen ließen und deren Vertrauen mit welscher Tücke entgolten wurde. 7 Allerdings war es beim Kriegsausbruch zu einem Gefühl belgischer Gemeinsamkeit in Abwehr der Deutschen gekommen. Aber es war keine echte Vaterlandsliebe, war nur Haß gegen alles Deutsche, das man in seinem Wesen nicht kannte. Der Gang der Dinge hat diesen Pseudopatriotismus immer mehr aufgezehrt. In vielen Flamenherzen ist er in Erbitterung über all dem untergegangen, was Flandern in Le Havre und bei der Entente erleben mußte und was ihm von jener Seite als Prophezeiung für die Zukunft entgegenschallt. Die Bahn ist dadurch frei geworden für den Gedanken des Aufbaus eines neuen und selbständigen Flandern. Das ist gekommen fast über Nacht. Der alte Kampf ist plötzlich aufs neue entbrannt. Denn schon vor dem Kriege hatten sich die politischen Lager in Belgien heftig befehdet. Auf der einen Seite standen die Flamen, d. h. das flämische Volk und diejenigen unter den Gebildeten, die sich in germanischem Idealismus und unter Einsatz ihrer Persönlichkeit der Sache ihres Volkes geweiht hatten; auf der andern Seite die Wallonen und die verwelschten flämischen Zwitter, jene Verräter am eigenen Volkstum, die der Flame als „Frans- kiljons" bezeichnet, um ihnen den Stempel dieses Verrats aufzuprägen. In diesem Kampfe forderte das Flamentum immer lauter die Gewährung seiner verfassungsmäßigen Rechte. Stein um Stein bröckelte ab an den Mauern der Unterdrückung. Aber Regierung und Franskiljons hatten in ihren Winkelzügen immer wieder neue Wege gefunden, um die Breschen, die ihre Herrschaft bedrohten, unschädlich zu machen. Der Kampf hatte sich zuletzt sehr zugespitzt. Da kam der Krieg. Flandern begrub für einen Augenblick das Streitbeil. Man fühlte dort jetzt nur noch belgisch und antideutsch. Die flämische Organisation zerfiel. Ihre Verbände gerieten außer Tätigkeit, die flämische Presse verschwand. Um sich vor ihren wallonischen Brüdern als ganze Belgier zu bekunden, überboten sich viele Flamen in Deutsch- 8 feindlichkeit. Andere, darunter die Besten, verloren völlig die Sicherheit. Verschüchtert und erschreckt durch die Gewalt der Kriegserlebnisse hielten sie sich verborgen oder verfielen der Untätigkeit. Der Gedanke, während des Krieges und während der deutschen Besetzung Belgiens keine flämische Forderungen geltend zu machen, wurde als Gebot der Loyalität laut hin übers Land gepredigt und von nur zu vielen aufgegriffen. So entstand jener flämische „Passivismus" der letzten beiden Jahre, der leider alsbald auch hervorragendste flämische Führer von vordem in seinen Reihen zählen konnte. Den Höhepunkt erreichte er im Streit um die Genter Hochschule. „Nichts aus der Hand der Deutschen annehmen!" — das Wort wurde zur Parole. Auch da, wo es sich um die Erfüllung des ureigensten flämischen Verlangens nach einer Pflanzstätte der Wissenschaft in der Muttersprache der belgischen Volksmehrheit handelte! Nichts war unter dem Beifall der gesamten Niederlande noch kurz zuvor so dringend begehrt und so einleuchtend dargelegt worden, wie diese Forderung einer eigenen Universität. Bereits waren dahinzielende Anträge im belgischen Parlament eingebracht. Jetzt aber, wo der deutsche Generalgouverneur als Inhaber der höchsten Landesgewalt sein Wort für die Verwirklichung dieser Forderung einsetzte, sollte sein Beginnen durch passiven Widerstand unmöglich gemacht werden. Gut ausgeheckt, aber schlecht durchgedacht. Die Abstinenzpolitik, allzeit ein gefährliches und unfruchtbares Beginnen, überschlug sich hier selbst, hier, wo sie das Kräfteverhältnis ihrer eigenen Machtmittel zu der besetzenden Obrigkeit überschätzte. Gewiß, dem Plane wurden Schwierigkeiten in den Weg gelegt und alle Tage noch können wir davon lesen. Aber sie werden überwunden werden. Die flämische Hochschule zu Gent kommt, ja sie ist schon da. Gleich einem aufleuchtenden Gestirn erhellte die Gewißheit dieser Tatsache das Dunkel im flämischen Lager. Weil man hier die Forderungen einer 9 angeblichen Staatsbürgerpflicht auf Kesten der tiefsten Interessen des flämischen Volkes durchsetzen, die flämische Stammesart aber zur Selbstverleugnung zwingen wollte, lösten die belgischen Ententefreunde eine Gegenströmung aus, die frische Luft in die flämischen Gefilde hineinblies. Es blieb nicht dabei. Dem flämischen Volke, das Gut und Blut für den belgischen Staat geopfert, hat die eigene Negierung von ihrem französischen Zufluchtsorte aus Schmach aller Art bereitet. Ihre Ein- und Übergriffe im einzelnen aufzuzählen, ist hier weder möglich, noch nötig. Ein viel besprochenes Wort aus Le Havre drohte der flämischen Sprache den Untergang an. Das bedeutete schnöden Undank für Flanderns Blutopfer. Die Mißhandlungen der flämischen Soldaten im Kreise der Ententebrüder, die Maßregelung der besten Flamen, wie eines Dr. Renß de Clerq und eines Dr. Jacob, machten das Maß voll. Im flämischen Lager begriff man Plötzlich mit Schrecken, was auf dem Spiele stand. Während jede Betätigung im Dienste der flämischen Bewegung verpönt wurde, schoß das Franzosentum und sein Parasit am flämischen Volks- körper üppig ins Kraut. Die Fortsetzung des „Passivismus" war unerträglich geworden. So blühte seit Beginn dieses Jahres 1916 die flämische Bewegung wieder empor. Nicht nur im Kreise des radikalen Jungflamentums, das mit dem belgischen Staatsgedanken bisheriger Verfassung bald abgerechnet hatte. Weithin im flämischen Volk und in den Kreisen der Gebildeten breitet sich das heilige Feuer für Flanderns Befreiung vom welschen Joche aus. Ausgezeichnete, selbstlose Männer, die nur noch der Aufrüttelung ihres Volkes leben, schaffen dazu den Boden. Von Antwerpen aus, aber auch an anderen Mittelpunkten der flämischen Bewegung, bis hinein ins flandrische Etappengebiet, bricht sich dieselbe Bahn. Je unwahrscheinlicher der von so vielen noch immer erhoffte Sieg der Entente wird, io um so lebendiger wird es im flämischen Lager. Das dürre Holz fällt, das grüne treibt. Vom Osten, wo alles Licht herkommt, muß Flauderns Freiheit aufleuchten. Flanderns Zukunft ist letzten Endes mit dem deutschen Siege und mit dem deutschen Frieden untrennbar verkettet. Das aber ist für uns das Wertvollste am Ausstehen der Flamen, daß es dennoch nicht unser Werk, sondern das unausweichliche Ergebnis der innerbelgischen Entwicklung und der Kriegsereignisse ist. Es ist nicht so, wie vor dem Kriege mit den Umtrieben der welschen Herrenkaste in Belgien, wo Frankreich jährlich schwere Summen für die französische Propaganda im „neutralen" Belgien verausgabte. Das Leben quillt aus der Tiefe des flämischen Stammes. Es ist alles eher als eine Treibhauspflanze im deutschen Frühbeet. Die deutsche Verwaltung in Belgien war vom ersten Tage an bemüht, auf der Grundlage der bisherigen Verfassung beiden Volksteilen, den Flamen und den Wallonen, gerecht zu werden. Das wird von vielen aufrichtigen Wallonen anerkannt, wie man überhaupt nicht alle Wallonen unbesehen mit den Franzosen und flämischen Franskiljons zusammenwerfen darf. Und selbst bei den Wallonen mehren sich die Anzeichen gründlicher Abkehr vom Kielwasser der Ententepolitik. Das flämische Volk tut heute nichts anderes, als „das Recht der kleinen Nationen" auf Selbständigkeit für sich ansprechen. Die Flamen selbst richten diese Worte an bekannte Adressen in England und Amerika. Zu nichts von deutscher Seite gezwungen, handeln die Führer der Flamen so, wie es ihnen die Pflicht eingibt. Die Entwicklung der Kriegsereignisse hat ihren Blick für die politischen Zukunftsmöglichkeiten geschärft. Viel Unreifes, Nebelhaftes ist da vor der rauhen Wirklichkeit verflogen. Alles in dieser großen Zeit Erlebte wirkt bei ihnen zusammen, der Zukunft gegenüber eine zwar abwartende, aber letzten Endes entschlossene n Stellung einzimehmeu. Ein Zurück auf dem beschrittenen Wege gibt es nicht mehr. Flanderns Schicksal, durch den Krieg über die Niederungen des innerbelgischen Haders zur internationalen Frage erhoben, ist im Rollen. Mit dieser Gewißheit in der germanischen Brust, kämpfen und werben die bewußten Flamen heute für ihre große und heilige Sache. Das unselige Wort des flämischen Passivis- mns: „Flandern ist uns tener, doch Belgien ist uns heilig!", es ist in sein Gegenteil verkehrt. Das eigene Volk und Flanderns Freiheit sind die Richtschnur des Handelns geworden. Dieses Handeln ist im sittlichen Grunde der Hingabe an Muttererde und Muttersprache gewurzelt. Auf beschränktem Kampfplatz ringen die flämischen Führer mit den trägen Massen ihres rückständigen und doch so hoch veranlagten Volkes. Hier kämpfen sie mit den Ängstlichen. Hier schaffen sie Gedanken und Dinge, die von dauerndem Werte sind. Einige Dutzend Männer haben eine flämische Presse hervorgebracht, die unsere Bewunderung erregt. Hohe Kulturpolitik verbindet sich darin mit frischfröhlichem Kampf voll Treffsicherheit. In feinausgewählten Abschnitten werden dem erniedrigten flämischen Volke täglich aufs neue und täglich andere Menschen und Ereignisse aus der großen niederländischen Vergangenheit vor Augen geführt. Das so lange gesunkene flämische Volksbewußtsein erwacht dabei, das Vertrauen auf die eigene Kraft kehrt dadurch zurück. Daneben sind Federn am Werke, die Zorn und Spott ausgießen auf die Bastarde im eigenen Volke, auf die Welt der Entente und besonders auf ihre belgische Filiale in Le Havre. Das alte Wort verwirklicht sich jetzt vor unseren Augen in Flandern: eine kleine Schar zielbewußter Kämpfer vermag ganze Volksschichten mitzureißen. Dunkel ist noch der Weg, aber das Ziel winkt klar: Freiheit, das Zauberwort aller menschlichen Spannkräfte! Stille Kleinarbeit und öffentliches Wirken reichen sich die Hand zum gleichen Ziele. Hoffnungen und Rückschläge wechseln mit dem Schwanken der Kriegsereignisse. Viele freilich, die der Befreiung ihres Volkstums entgegenharren, wagen noch nicht, offen vorzutreten. So bietet der Kampfplatz der streitenden flämischen Bewegung von heute keine Heerschau über alle Anhänger des flämischen Banners. Ja die ganze Bewegung läuft nicht selten Gefahr, bei Freunden und Gegnern unterschätzt zu werden. Wer tiefer in die flämische Volksseele hineingeschaut hat, wird dieser Gefahr nicht erliegen. Er weiß, daß große Komponenten der politischen Schwungkraft Flanderns im Augenblicke noch gebunden sind. Noch ist die bisherige belgische Staatsmaschine nicht zum Stillstand gekommen. Noch suchen übermächtige kirchliche Einflüsse das Aufflammen der flämischen Bewegung im Keime zu ersticken. Aber unter der äußerlichen Ruhe glimmt die Asche. Wird einmal erst das europäische Kriegsgewitter verzogen sein, dann stehen die Tausende flämischer Männer plötzlich im Lichte, die ihrem Volke Treue gehalten haben und die keine andere Zukunft Belgiens wollen, als die, in der ein freies Flandern zu neuer Blüte erstehen kann. Dem Feldgeschrei ihrer Feinde setzen sie den festen Willen entgegen, nach dem Kriege in vollem Umfange ihren flämischen Selbständigkeitskampf auf Sein oder Nichtsein durchzuführen. Während wir im Deutschen Reiche in Erwartung schweigen, dürfen so die Flamen reden. Sie dürfen und müssen alles wagen für ihr Volk. Der Lohn bleibt nicht aus. Von Tag zu Tag wachsen ihre Scharen, die auf die neuen Führer hören und ihnen vertrauen. Der flämische „Aktivismus" marschiert. Schon sind viele Flamen, und mit die besten, innerlich frei, bereit, diese Freiheit mit der Größe ihres wiedererstehenden Volkstums gekrönt zu sehen oder mit dem Preise ihres Blutes zu besiegeln. Seil dem ersten Tage des Kriegsausbruchs haben Deutschlands und Flanderns Gegner keine schärfere Waffe geschwungen als die der Verleumdung. An die Befreiung der unterdrückten Flamen zu denken, galt in den Augen der westwärts orientierten Belgier nicht nur als Treubruch gegenüber der „heiligen Einigkeit des belgischen Volkes", es sollte ein noch Schlimmeres, sollte Zusammengehen mit dem deutschen Feinde bedeuten. Durch diesen Vorwurf des Hochverrats hofften die Gegner der flämischen Sache ihren Verteidigern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie haben damit viel erreicht. Jetzt aber hat gerechter Zorn bei Vielen die letzten Bedenken hinweggefcgt. Frei von unwürdigen Fesseln führt heute das bewußte Flamentum seinen offenen Streit. Es ist ein heiliger und reiner Kampf. „Nicht Französisch und nicht Deutsch!" lautet der Kampfruf. Damit ist es den flämischen Führern voller Ernst. Vom eigenen belgischen Staate verlassen und in seinen heiligen Rechten mit Füßen getreten, von der deutschen Obrigkeit zu nichts gedrängt, auf sich selbst und seine flämische Muttererde gestellt, so steht unser germanischer Stammesbruder an der Schelde im freien Kampfe für seine Zukunft. Dieser Kampf der Flamen muß auch für uns heilig und rein sein. Wir Deutschen mengen uns nicht hinein. Uns bleibt das Bewußtsein, daß Deutschlands ungewollter Einmarsch in Belgien den Anstoß bot für all das Große, was jetzt das kleine Flandern erlebt. Pflicht jedes Deutschen aber ist es, der flämischen Sache nicht länger teilnahmslos gegenüberzustehen. Der Sieg des germanischen Flamentums, den wir den Kämpfern an der Schelde wünschen, winkt auch uns wie ein Heller Stern aus aller Nacht des Weltkriegs entgegen! MM 14 u Pfingsten des Jahres 1916 ist in Antwerpen eine flämische Flugschrift von ungewöhnlicher Bedeutung und größter Wirkung erschienen: „Flanderns Wehklage" („Vlaanäerens ^VeerAng"). Ihr Verfasser tritt nicht hervor, sein Pseudonym „Claudius Severus" mag uns besagen, daß er mit den Feinden seines Volkstums und mit dessen eigenen Sünden streng ins Gericht gehen will. Bleischwere Wolken hängen über den düsteren Bildern, in denen er das Los des flämischen Volkes im welsch-belgischen Zwitterstaate zeichnet. Gedrückt bis zur Hoffnungslosigkeit sind seine Schilderungen. Zorn und Ergriffenheit bemächtigen sich des Lesers. Nachdem die Weckrufe so vieler trefflicher Flamenführer seit zwei Menschenaltern allzuoft wirkungslos verhallt sind, wagt hier ein Schriftsteller das Äußerste. Ohne literarische oder wissenschaftliche Vertiefung im einzelnen, rafft er Tatsachen und Zahlen zusammen, sammelt er flammende Aussprüche flämischer Dichter und Denker und niederschmetternde Ziffern der Statistik. Dazwischen reißen Stellen voll dichterischen Schwunges den Leser fort. Ein Vorkämpfer spricht laut und eindringlich zu Kämpfenden. Er spricht eine Sprache, die auch dem einfachen Mann des geknechteten Volkes verständlich ist. So scharf und schrill klingt sie, daß sie in ihm den letzten Rest von sittlicher Kraft aufrüttelt und ihn den flämischen Streitscharen zutreibt. Kaum irgendwo ist auf sechzig Seiten eine ähnliche Fülle Politischen Werbekapitals schwersten Gewichtes zusammengetragen worden. Und was haben diese Blätter nicht alles geworben! Zu Zehntausenden wurden sie über ganz Flandern verbreitet, von Hand zu Hand gereicht, überall besprochen. Ihre Kernworte klingen aus Reden und Briefen wieder. Flamen in der Fremde kennen sie und schöpfen aus ihnen Überzeugung und Kampfesmut. Dennoch wirkt das Ganze wie eine Rhapsodie, wie ein weithin schallender Klagepsalm. Nur ein kurzer Schluß spricht von Zukunftshoffnungen. Bis dahin peitschen Kontraste, grau in schwarz, den Leser auf. Flanderns Dichter Rene de Clercq hat den Sinn der Schrift in die Verse gefaßt, die er als Motto beisteuerte: „Meine Liebe wächst, arm Volk, mit der Not, Und ich wünsch mir im Herzen dich groß oder tot, Dich, durch eigene Schuld gekommen in Schand'. — Drum nimmt, der dich liebt, die Geißel zur Hand Und schlägt dich und schlägt sich zur selben Zeit, Wie ein Vater tut, der sein Kind kasteit!" Es ist eine Lektion voll der nachhaltigsten Eindrücke, die Flanderns Söhnen hier vorgesetzt wird. Nur Flanderns Söhnen? — Darf die Wucht seiner Bilder dem deutschen Leser vorenthalten bleiben? Uns, die wir am Schicksal der Flamen ein gut Teil unserer eigenen Entwicklung wiedererkennen? — Doch wo sind sie, die deutschen Flamenfreunde? Nimm und lies „Flanderns Wehklage", deutscher Leser, und du wirst nie mehr dich von Flandern abwenden, bis neben der deutschen Zukunft Flanderns Glück als Frucht unserer deutschen Waffen gereist sein wird. Nimm und lies die erschütternde Klage ganz und bis zu Ende, lies sie wieder und übersieh nichts davon. Nur Bilder daraus möchte ich dir Vorhalten. Werben möchte ich in deutschen Gauen um deutsche Herzen für der Flamen Kampf und Sieg. Denn von allem Germanentum außerhalb der Reichsgrenzen stehen uns die niederländischen Flamen so nahe, daß wir ihren Kampf miterleben, ihre Unterdrückung Mitempfinden, ihren Sieg mitersehnen müssen. Komme dann, was da kommen mag! l6 Und NUN soll Claudius Severus zu dir sprechen. — „Was ist Flandern doch für ein herrliches Land mit seinen großen Städten, seinen stolzen Kirchen und Palästen, seinen Wehr- türmen und Kaufhallen! Wie glänzend macht sich das alles, für das Auge eines oberflächlichen Touristen oder Zuschauers, der durch unsere Gegenden reist und bei dem Anblick von all dieser Pracht und diesem Reichtum uns leichthin eine Art von vornehmem Wesen zubilligt, Flandern für ein Land hält, wo Wohlstand herrscht, wo Kunst und Wissenschaften in hoher Blüte stehen. ^ Vorgaukelungen deiner Sinne, geehrter Leser! Es gibt keinen Wohlstand in Flandern! Es gibt keine Wissenschaft bei uns! Kunst, ja das ist etwas, was uns wie auch den Nordniederländern, im Blute steckt. Was wir aber am meisten von allen Völkern besitzen, die ich kenne — und ich kenne ganz Westeuropa! —: Arbeiten können wir! Wir können Sklavenarbeit verrichten! Erdarbeiter und Eisenarbeiter sind wir, weil wir müssen. Daneben schlagen wir den Rekord in Unwissenheit und Unbildung. Zu Hamme, einem großen Dorfe Ostslanderns, können 30 Prozent der Bewohner nicht schreiben; aber selbst zu Gent gibt es 50 Prozent, welche die einfachen Rechenarten nicht kennen. Ich muß noch andere Vorzüge hervorheben: daß wir den Rekord schlagen im Mißbrauch der Getränke, den Rekord im Tiefstand der Arbeitslöhne, den Rekord in der Frauen- und Kinderarbeit, den Rekord in der Kriminalität und in der tiefsten Sittenlosigkeit. Kurzum, Flandern ernährt auf seinem Boden das unbeholfenste und unmündigste Volk, das in Europa seinesgleichen nicht findet und vielleicht zurücksteht vor den Bewohnern chinesischer und japanischer Hintergassen. Geehrter Leser! Wenn dir vor dieser Zusammenstellung ekelt, dann will ich dich daran erinnern, daß ich sie mit blutendem Herzen niederschreibe. Aber wenn man diese Überzeugung fünfunddreißig Jahre lang in seinem Innersten getragen und immer gestärkt hat, je mehr die eigenen Lebensjahre und die eigene Erfahrung wuchsen, dann platzt schließlich die Bombe, und das so lang getragene Weh fließt weg in ungekünstelten Strömen. — Wir wandeln durch das Leben und sehen die Ruinen nicht, die uns umringen in Flandern, weil sie einen Teil unserer Um- 3 Flanderns Wehklage. 17 gebung ausmachen und Bürgerrecht erworben haben. Wir wandeln längs dieser Ruinen und hören die Seufzer nicht, die aus ihnen sich emporringen wollen und die unerbittlich erstickt werden durch das Gewühl des Alltagslebens. Mit Gottfried Kurth sollen wir bekanntlich glauben, daß das Königreich Belgien im Jahre 1830 geboren wurde. Die Begeisterung war freilich damals nicht sehr groß. Belgien lebte dahin, mehr nicht, bis sich in den Jahren 1870 bis 1880 überall der Drang nach materiellem und kulturellem Fortschritt bemerkbar machte. Bon den zwei Rassen, die das belgische Gebiet bewohnten, hat indes nur die eine den allgemeinen Fortschritt von Glück und Wohlfahrt erfahren, indes die andere versunken blieb in mittelalterlicher Verlassenheit. Wallonien wurde Liebkind und Flandern zum Aschenbrödel. Für das eine alles Gute im Überfluß, für das andere keine freundliche Hand. — Vor dreißig Jahren fügte ich meine Stimme und Arbeit zu derjenigen meiner Mitstreiter und ich kann sagen, daß seitdem kein Augenblick in der Geschichte Flanderns vorbeiging, dessen Zeuge ich nicht gewesen wäre. Vom Tod und Begräbnis Hendrik Consciences im Jahre 1883 bis zu den Verriestfesten in Jngoyghem 1913, überall war ich dabei; mein Land und Volk kenne ich bis in sein Innerstes. Und wenn einige unserer Führer einen Sonnenaufgang verheißen, dann sage ich: sie betrügen sich! Flandern mit seiner eigenen Sprache und Kultur ist auf dem Punkte angelangt, von der Bildfläche zu verschwinden. Der Kampf war ein zu ungleicher. —" Von diesem traurigen Auftakt schreitet der Verfasser zum Einzelnen. Er erinnert an das jahrzehntelange Betteln der Flamen, die in den flämischen Sprachgesetzen stückweise ihre verfassungsmäßigen Sprachrechte durchzusetzen suchten, um dann wieder in der Gesetzesausführung durch den Regierungs- apparat und das franskiljonistische Beamtentum geprellt zu werden. Er weist die Vorstellung eines einheitlichen belgischen Volkes zurück: 4,5 Millionen germanischer Flamen stehen in Belgien neben 3 Millionen Wallonen, getrennt durch eine fast geradlinig von Ost nach West verlaufende Sprach- grenze. Er wirft einen Blick auf das bunte Schicksal der belgischen Lande in der Geschichte, wo burgundische, spanische, österreichische, französische, holländische Fremdherrschaft einander ablösten. Er schildert kurz die französischen Annexionspläne bei Gründung des neuzeitlichen Belgiens, deren Verwirklichung durch England verhindert wurde, das es anderseits gern geschehen ließ, daß die Väter der belgischen Revolution aus dem belgischen Staate eine Außendomäne der französischen Kultur und Politik machten. „Bon da an datiert das traurige Martyrium unseres unglücklichen Flandern," — so ruft Claudius Severus aus. Zuerst richtet er den Blick auf das wirtschaftliche Elend des flämischen Volkes: „Das nächste Mittel, das zur Hand lag, war die materielle Niederhaltung unseres Volkes. Mit dem materiellen Verfall sollte sich der kulturelle von selbst einstellen, und mit beiden zusammen unsere Minderwertigkeit. Und wahrlich, das Ziel wurde erreicht. 85 Jahre einer einseitig französierenden Regierung haben aus dem flämischen Volk ein unterjochtes Sklavenvolk gemacht, das vergeblich seinesgleichen sucht in den Gefilden der Kultur. Und wenn man studienhalber in die Hütten der unterdrückten Iren oder der russischen Polen tritt, muß man zum Schlüsse kommen, daß diese Völker, unerachtet ihrer jahrhundertealten Unfreiheit und Unterdrückung, noch einige Stufen höher stehen in dem, was man Menschsein heißt." Als Belege für dieses bittere Wort dienen dem Verfasser außer bekannten Äußerungen des flämischen Jesuiten Stracke die folgenden Urteile des vielgenannten flämischen Sozialforschers und Schilderers Stijn Streuvels: „Der harte und unermüdliche flämische Arbeiter, der arm lebt und mit wenig zufrieden ist, der nicht daran denkt, über seinen Zustand zu klagen, er ist trotz alledem schlecht beleumundet in der Welt. Er ist mit dem Namen eines rohen, ungebildeten, verachteten Kerls behaftet, eines Menschen von trägem Charakter und 2 » 19 niedriger Denkweise, er gilt als kriechend, mißtrauisch, gierig, freß- haft. Die Flamen stehen vor der Welt bekannt als Säufer, als streitsüchtig, selbst als Meuchelmörder, als tierisch von Anlage. — Der Stempel der Hungersnot ist der Rasse aufgedrückt. Die Kinder leiden durch die Entbehrungen der Eltern und sie tragen alle früh die Zeichen der Entartung in ihren blutlosen schwachen Leibern. — In gleichem Tone könnte man noch lange fortfahren/ — meint Severus. „Alle unsere Schriftsteller und Dichter tragen in sich das unermeßliche Weh und das hoffnungslose Elend unseres Volkes. So ist es auch in der Tat. Das freundliche Lachen, das zufolge Präsident Wilson um den Mund des Arbeitervolkes spielen muß und den Maßstab abgeben soll für die Bemessung des Glückes des amerikanischen Volkes, wird man in unseren Gegenden vergeblich suchen. Zu lachen hat man bei uns verlernt. Drei Generationen trostlosen Sichabmühens mit hoffnungslosem dunklem Horizonte, ohne Ausweg für sich, Frau und Kind! Immer und allezeit, auch nach unserem Tode, sollen unsere Nachkömmlinge gleich und selbst mit niedergeschlagenem Blicke, das Haupt zwischen die Schultern gepreßt, die Bettlerhand ausstrecken und die Wohltätigkeit anrufen, oder sich durch die äußerste Not das Messer in die gekrampfte Faust getrieben fühlen. Und dann drauf los! Der Vater starb schon im Gefängnis, der Sohn mag es auch tun! — Schon im Jahre 1872 schrieb Emil De Laveleye an den Brüsseler Professor Van der Kindere: Man kann nicht sagen, daß die Flamen noch im Mittelalter stecken, denn sie sind unvergleichlich viel tiefer herabgesunken. — Seitdem ist unser Zustand nicht verbessert. Um 1830 konnte man in wirtschaftlicher Hinsicht die belgischen Provinzen mit den heutigen Balkanstaaten vergleichen. Unsere großen Städte zählten zwischen 30 und 70 000 Seelen. Verkehrswege primitiv. Wohlstand und Komfort fehlten um so mehr, als die Sansculotten mit ihren Räuberbanden 35 Jahre vorher alles, was gediegen war, wegschleppten und mit wertlosen Assignaten bezahlten. Alle Stellen, welche die neue Regierung zu vergeben hatte, gingen nun an Franzosen oder Wallonen über. Flamen waren grundsätzlich ausgeschlossen. So war es vom höchsten Ministerposten bis zum geringsten Zollbeamten oder Feldhüter. Flandern wurde überströmt von welschen Beamten. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert. — Um dir, lieber Leser, eine kleine Probe von der Parteilichkeit im Austeilen des belgischen Staatskochs zu geben, will ich einen Vergleich anstellen zwischen der wallonischen Provinz Luxemburg und der flämischen Provinz Antwerpen. —" Und jetzt erhält bei Claudius Severus die Statistik das Wort. Nimm seine Schrift selbst zur Hand! Dort findest du die zahlenmäßigen Nachweise für die schamlose Zurücksetzung des flämischen Volksteils auf allen Gebieten des belgischen Staats- und Kommunallebens. Du erfährst von dem weniger entwickelten Eisenbahnnetz Flanderns gegenüber dem intensivsten Schienengewebe Walloniens. Die schreienden Mißverhältnisse im Pcstwesen ziehen an dir vorbei. Die nicht minder klaffenden Gegensätze im mittleren Schulwesen und in den Fachschulen zeigen dasselbe Bild. Selbst im Volksschulwesen fallen in wallonischen Provinzen 50—100 Kinder auf eine Schule, in Flandern dagegen 150—300 Kinder. Die Schulsparkassen der wallonischen Provinzen atmen Volkswohlstand, die der flämischen Lande Armut. Ähnlich steht es mit allen übrigen Sparkasseneinrichtungen. Die kümmerliche Besoldung der flämischen Lehrer beleuchtet Severus durch empörende Beispiele, um zu rufen: „Und dies alles, während die höheren Stellen der Brüsseler Zentralverwaltung und auch unseres flämischen Landes überfüllt sind mit hochbesoldeten nichtstuenden Beamten, die keine Gelegenheit vorübergehen lassen, auf Staatskosten Vergnügungsreisen nach irgendwelchen Ausstellungen zu machen. —" Und weiter: „Von flämischem Hochschulunterricht ist keine Rede, da unsere vier Universitäten uns nicht allein in fremder Sprache eine fremde Kultur einpumpen, sondern außerdem noch Brutnester eines vorwärts drängenden Franskiljonismus sind, selbst mitten in unserem eignen flämischen Lande. Gott sei Dank, daß in Gent eine Sonne aufleuchtet." Ein unglaubliches Mißverhältnis zwischen Wallonien und Flandern enthüllt der Verfasser ferner bei statistischer Betrachtung der genossenschaftlichen Kreditinstitute zum Bau von Arbeiterwohnungen, wo z. B. für die 3 wallonischen Kreise Thuin, Dinant und Namur an 17 Millionen Frcs. dargeliehen wurden, gegen noch nicht 1 Million in den 3 flämischen Kreisen Aalst, St. Niklaas und Mecheln. Und dazu die Erklärung: „Bemerke wohl, lieber Leser, daß die Bevölkerung dieser letzteren flämischen Bezirke viel mehr den Charakter der Jndustrie- arbeiterschaft trägt als diejenige der vorangestellten wallonischen und daß sie ihr auch ziffernmäßig im Verhältnis von 5 : 4 überlegen ist." Noch einige Feststellungen des Verfassers: „Die Kindersterblichkeit beträgt in Flandern 16 Prozent und mehr, gegenüber nur 8 Prozent in Wallonien. Ostende weist die erschreckende Ziffer von 26,2 Prozent auf. Diese Beispiele könnte ich bis ins Unendliche ausbreiten, um immer zu dem nämlichen Ergebnis zu gelangen. — Nimm dazu den ganzen Schweif von Bedienten hohen und niederen Ranges, besonders in den höheren Stellungen, die in verschwenderischer Weise für Wallonien ernannt und besoldet werden, dann mußt du mit mir zu dem Schlüsse kommen, daß ein solcher Zustand einen enormen Einfluß haben muß auf die materielle Lage der ganzen Bevölkerung. — Minister Viktor Jacobs stellte schon in einer Kammersitzung von 1885 fest: In den vier wallonischen Provinzen gibt es 406 Gemeinden, die ein größeres Gemeindevermögen als 5 Frcs. auf den Kopf der Bevölkerung haben; in den vier flämischen Provinzen sind es deren nur 14." 22 Weitere Einzelbeispiele folgen, aus denen die systematische Bevorteilung der wallonischen Gebiete gegenüber den flämischen überall in die Augen springt, handle es sich um Anlage von Kanalisationen, Wasserleitungen, Kleinbahnen und um noch vieles andere. „Du siehst hier, geehrter Leser, für die südlichen Gegenden ist Zeit, Geld und Arbeit vorhanden, während der flämische Norden verlassen bleibt, in seinen verwüsteten Städten Hunger leidet und seine Kinder an der Äser stehen vor —? Ich könnte in derselben Gedankenordnung fortfahren, bis deine Geduld zu Ende wäre und du dich Wohl weigertest, meine Prosa bis zum Schlüsse zu lesen. Dem will ich zuvorkommen. Es genüge mir, auszusprechen, daß ich bei Berechnungen, die ich mit einem Freunde über alle Ausgaben der belgischen Regierung für Flandern und Wallonien seit Bestehen des belgischen Staates gemacht habe, zu dem Ergebnis gelangt bin: Im Falle der Durchführung der Verwaltungstrennung in Belgien mit Verteilung der Aktiven und Passiven auf Flandern und Wallonien ergäbe sich für uns Flamen der Anspruch, nicht nur keinen Frank Passiven der belgischen Staatsschuld zu übernehmen, im Gegenteil müßte der wallonische Teil dem flämischen 1^ Milliarde herauszahlen, um gerechtfertigt von ihm zu scheiden; abgesehen von dem kulturellen Schaden, den Flandern durch 85 Jahre erlitten hat und der nicht zu ermessen ist. —" Und nun schreitet Claudius Severus zu den Folgen der wirtschaftlichen Rückständigkeit, zu Flanderns sozialer Not in all ihrem nicht zu überbietenden Dunkel: „Die kulturelle Verwahrlosung Flanderns ging parallel mit der materiellen Benachteiligung. Unser Volk war zu gering,- um Gendarm oder Feldhüter zu werden. Die schlechteste und schmutzigste Arbeit blieb für uns Vorbehalten im Walenland und in Frankreich selbst; und dabei haben sich noch unsere Jungen mit ihren niederen Löhnen gegenseitig unterboten." Eine tieftraurige Reihe von Kleinbildern aus dem flämischen Lohnelend zieht jetzt an uns vorüber. Der erwähnte Jesuit Stracke, der sozialistische Abgeordnete Huysmans und eigene Beobachtung haben sie dem Verfasser geliefert. Einiges davon muß ich hier mitteilen. In der Kammersitzung vom 17. Februar 1914, also kurz vor Kriegsausbruch, führte Huysmans der belgischen Volksvertretung unter anderem die folgenden sozialen Lichtbilder vor Augen: „Erstes Bild: Eine Familie von Zigarrenarbeitern zu Gerards- bergen. Die Werkstatt dient zugleich als Küche, Schlafkammer, Wäscheraum. Die sechs an der Arbeit beschäftigten Personen verdienen 6—9 Franken in der Woche. Die Kinder, welche an der Verarbeitung des Tabaks mithelfen, sind 8, 6 und 4 Jahre alt. Zweites Bild: Zu Mecheln. Kinder, die das Stroh Herrichten für die Stuhlflechter, verdienen 5 Centimes in der Stunde; es sind aber auch welche darunter, die es in einem Tage auf ganze 8 Centimes bringen. Die Kinder sind 9, 8, 7 und 6 Jahre alt. Drittes Bild: Eine Leineweberin aus Ronse, Witwe mit vier Kindern. Alle, unter ihnen das Jüngste mit 6 Jahren, arbeiten mit. Die Leinwand muß über den Köpfen trocknen. Nach 14 Stunden Arbeit hat die ganze Familie mit ihren Sechsen 1 Frank verdient! Letztes Bild: Ich habe ein Kind von 4 Jahren gesehen, das bereits seit sechs Monaten mitarbeitete und sich dabei eine Lähmung des Unterarms zugezogen hatte. Dieses Kind mußte mit seinen Fingerchen einen Eisendraht anfassen, um ihn an einem brennenden Licht warm zu machen. Das immerwährende Wiederholen dieser Verrichtung hatte ihm die Lebenskraft von zwei Fingern angegriffen und sie gelähmt. Vier Jahre alt und schon ein Schlachtopfer der Arbeit! —" Wir folgen Claudius Severus weiter: „Aus den beiden flandrischen Provinzen müssen jährlich 60 000 unserer Jungens nach Frankreich ziehen, wo sie in die Hände von Unternehmern fallen und als echte Sklaven die schwerste und härteste Arbeit verrichten müssen, indes in Belgien 250 000 Fremde die besten Arbeitsgelegenheiten wegnehmen." Diese Zustände veranlaßten den tiefgründigen Kenner der flämischen Sozialverhältnisse, Ludwig De Naet, den kurz nach Kriegsbeginn der Zusammenbruch seiner flämischen Hoffnungen in den Tod trieb, zu den von Claudius Severus wiedergegebenen Sätzen: „Ein großer Teil unserer flämischen Bevölkerung ist infolge seiner Armut und infolge der Unmöglichkeit, im eigenen Lande sich voran zu bringen, auf dem besten Wege, eine Art Viehstapel zu werden, aus welchem Herden von europäischen Kulis geworben werden: flämische Saisonarbeiter auf französischen Gütern; niedere Schichten von Arbeitern für die Industrie und die Bergwerke Wallomens; Erdarbeiter über ganz Belgien hin, überall, wo es schwere Arbeit für wenig.Geld zu verrichten gilt." Zu den flämischen Saisonarbeitern Nordfrankreichs, den sog. „Franzmans", bemerkt der Verfasser vielsagend: „Sie sind noch glücklich, jenseits unserer Südgrenze ein Frankreich zu finden, wo sie für die Ihrigen die Notdurft auf den kommenden Winter verdienen können. Aber ach! das wenige Gold, das sie über die Grenze mit herüberbringen, hat sie den Verlust ihrer reinen flämischen Sitten gekostet." Wir verstehen nach alledem seinen noch ungleich schwerwiegenderen Ausspruch: „Eine zahlreiche Bevölkerung, die sonst für alle Lande der Welt ein Segen ist, wird für uns zum Fluch. Ähnlich liegen die Dinge nur in China. —" Und nun noch schnell nach Ostende. Claudius Severus schreibt: „Ihr kennt alle unsere Seeküste, nicht wahr, mit ihren blanken Dünen, die der liebe Gott geschaffen hat für die Bevorzugten unter uns, die aber in ihren Hintergassen die Parias der Gesellschaft beherbergen? — Welch schimmerndes Leben in Ostende und Blankenberghe mit ihren Hotelpalästen und ihrer kosmopolitischen Bevölkerung; aber welches sittliche und materielle Elend verbirgt sich dahinter!" Hierzu erhält einer der edelsten Flamen, der hochbejahrte Arzt und Dichter Dr. Eugen van Oye, das Wort. Er schildert uns den Jammer der Ostender Fischerfamilien: 25 „Der ewige Kampf mit den Elementen wirft soviel ab, daß die stämmigen Wikingssöhne mit Hilfe der öffentlichen und privaten Mildtätigkeit ein allerprimitivstes Leben in einer dürftigen Hütte aushalten können. Wenn die Fischerreise gut abläuft, dann erwarten die Heimkehrenden jene Teufelshöhlen mit offenen Armen und aufgesperrtem Rachen, die verfluchten Kneipen, eine wahre Pest unserer Gegend! Die 37 Häuser am Fischerkai zu Ostende sind ebensoviele Trinkhäuser. Damit soll dann ein gesundes Volk herangezogen werden!" Die folgenden Mahnungen des Claudius Severus müssen wir Deutschen uns besonders zu Herzen nehmen: „Wer Flandern kennen lernen will, darf dies nicht erhoffen aus den Büchern von Conscience, der Idealist war, und der, um mit einem Worte des holländischen Dichters Multatuli zu sprechen, die kleinen Würmer nicht sah, die den gottbesingenden Vögeln als Nahrung dienen müssen. Es sollte auch niemand ein Urteil fällen wollen nach einem oberflächlichen Besuch von Antwerpen, Gent oder Brügge und dann meinen, daß Flandern die Perle Europas sei. Nein, geehrter Leser, besuche lieber zu Fuß unsere kleinen Dörfer und Jndustriebezirke, besuche die Werkstätten und Hintergassen, sprich mit dem Arbeitervolk und mit den Lohnherren. Mach dich bekannt mit unfern Seilern und Holzschuhmachern. Besuche unsere Ziegeleien, wo du Kinder von sechs Jahren die Arbeit ausgewachsener Menschen verrichten siehst. In diesen Gegenden findest du auch die meisten Trinkhäuser und die größte Zahl der Analphabeten. Betrachte wie man die Felle reinigt. Tritt in Arbeiterhütten, wo die Anbringung eines Fußbodens auf der kahlen Erde als unbekannter Wohlstand erscheint, wo die elementarsten Gesundheitsbegriffe fremd sind, wo Geld einen unaussprechlichen Wert besitzt. Du wirst beim Eintreten in diese Menschenhöhlen nur mißtrauischen Blicken begegnen, aus den Bewohnern mit Müh und Not eine Antwort Herauspressen und ihnen den Wunsch am Gesichte ablesen, daß der ungebetene Gast bald wieder verschwinden möge." Wieder erhält einer der besten unter den Jungflamen, der Jurist L. Dosfel, das Wort, um im selben Tone fortzufahren: 26 „Du sollst Mitleid haben mit den Sklaven der Industrie, mit den krummgebeugten Schwerarbeitern, mit den bleichen blutarmen Frauen, den schwächlich geratenen Kindern. Dein Herz wird dir bluten beim Durchschreiten der kleinen Gäßchen, beim Hineinblicken in die engen Wohnungen ohne Licht und Luft, aber voller Schmutz und Ungeziefer. Du wirst dich noch mehr erbarmen über alle die sittlichen Qualen, die hier so oft aus materiellem Elende emporschießcn. Mit stillem Heimweh wirst du zurückdenken an die großen Tage der flämischen Geschichte, an die Triumphzüge und Landjuwele, wenn du betrübten Blickes nach den Arbeiterscharen hinschaust, die, zusammengepfercht in schmutzige Eisenbahnwagen, nach den Großstädten, nach den Kohlenminen Walloniens, nach der französischen Ernte fahren. —" Und Claudius Severus ergänzt: „Die Industriezweige, die in allen anderen Ländern verboten sind, suchen ihre Zuflucht in Flandern, wo sie die ihnen zusagende Gesetzgebung und billige Arbeitskräfte finden. Für einige Centimes pro Tag fällt unseren Kindern die Aufgabe zu, mit dem blutvcrgiftenden Quecksilber von morgens bis abends die Felle zu reinigen." Ähnliche Bilder sozialen Elends und langsamen Selbstmords, wie sie z. B. die Frauenarbeit in der Fabrikation künstlicher Seide hervorbringt, folgen noch mehr. „Zu alldem muß man bemerken, daß die ganze Großindustrie in Flandern nicht einheimischen Unternehmern zugehört. Kapital und Leitung stehen in fremden Händen. — Was echt flämisch ist, ist nur die elendige sog. Hausindustrie, die kein Kapital benötigt: unsere Spitzcnweber, Handschuhsticker, Seiler, Gerber, Holzschuhmacher, Ziegler usw." — Deutscher Leser, mit verhaltenem Atem wirst du das folgende aufnehmeu, es stellt den Höhepunkt dieser flandrischen Wehklage dar: „Mach einmal die Schcldeüberfahrt von Hemixem nach Callebeek mit, wenn sich Tag- und Nachtschichten in den längs des Scheldeufers angelegten Fabriken ablösen. Kupfer- und Silber- 27 industrie, chemische Fabriken und Glasbläsereien findest du am Ufer der Schelde. Sie gehören alle zu den vorhin genannten Betrieben, die ihren Heimatboden verließen, um das Land der billigen Arbeitskräfte aufzusuchen. Zehn bis fünfzehn Kilometer Fußweg haben die armen flämischen Werkleute bereits in den Beinen, bevor sie in der Fabrik sind. Dann folgen zehn bis zwölf Stunden Fabrikarbeit, und dann wieder zurück nach dem Kahn, um die Heimkehr anzutreten. Bis fast zum Versinken wird das Boot vollgepfropft. Wie man steht, muß man stehen bleiben, keine Möglichkeit, sich zu rühren. Da stehen sie nun alle, abgeschunden, wie gefühllose Wesen. Kein einziger denkt oder spricht. Stille, drückende Totenstille liegt über dem kleinen Boote, das 150 bis 200 Menschen trägt. Junge Mädchen und Knaben bilden nur eine kleine Minderzahl, der große Hause sind gute Arbeitskräfte in besten Mannesjahren, aber kein einziger darunter, der die Lust verspürte oder es für nötig fände, ein Wörtchen zu sprechen. Als unvernünftige Tiere stehen sie da aufeinandergestapelt. Da stehe ich nun mitten dazwischen. Auch mir war der Mut zu sprechen entfallen, bis ich mir, etwa 50 Meter vom Anlegeplatz entfernt, eine scherzhafte Bemerkung erlaubte, um die erdrückende Stille zu unterbrechen. Erst einige Sekunden später, nachdem inzwischen, wie es in Flandern der Brauch, meine Worte Zeit gehabt hatten, durch die schwerfälligen Hirnschädel meiner Umgebung hindurchzudringen, entlockte ich die Antwort: 'Je nun, beim Umschlagen des Bootes wäre der Verlust nicht arg groß, an Fabrikvolk ist nicht viel gelegen!' Dies war das ganze Gespräch während der Überfahrt. Das Aussteigen beginnt. Mit hastigen Schritten geht's jetzt heimwärts, halb laufend, halb gehend, die Hand an der Trinkflasche, das Haupt niedergebeugt, die Blicke zur Erde gewandt. Kein einziger sieht die untergehende Sonne, die grüne Natur ringsum, die saftigen Weiden und Wiesen, denn das alles ist nicht für ihn gemacht. Beim Aussteigen kreuzten wir die ablösende Nachtschicht. Da liefen sie vor mir, die flämischen Sklaven mit ihren gedankenleeren Köpfen und ihren strammen Gliedern, nach Hause zu, wo sie dann sehr häufig keine sorgende Frau, die anderswohin nach Arbeit ist, meist aber einen alten Vater oder eine 28 alte Mutter finden, die von der kargen Nahrung noch ihren Teil abbekommen müssen. — Was gibt es da? Zwei Gendarmen mitten auf dem Deich. Der letzte der Ausgestiegenen, ein stämmiger Vierziger, wird angesprochen und nach kurzem Gespräch stapft er weiter mitten zwischen den zwei Dienern des Gesetzes. — 'Ich habe es mir doch gedacht,' sagte mir eine Frau, die neben mir herlief. 'Ich stand dem Manne gegenüber, als das Schiff anlegte, sah ihn aus einmal erbleichen, sein Tabakspfriemchen hinunterschlucken und hörte ihn etwas in sich hineinmurmeln.' — 'Was hat der Mann getan, Frauchen, was denkt ihr?' — 'Er ist schon jüngst einmal zu drei Monaten verurteilt worden, weil er einen Hasen gewildert hatte.' — 'Hat der Mann Kinder, Frau?' — 'Acht, mein Herr, und alle noch jung, und eine so brave Frau; wir wohnen im nämlichen Gäßchen.' — Und die Sonne sank tiefer, der schöne Schimmer verließ die Felder. Und mir wurde es wieder so traurig ums Herz." — Noch andere Seiten der sittlichen Verelendung aus den Kapiteln der nicht immer natürlichen Kindersterblichkeit, der Kriminalität, der Trunksucht entrollt Claudius Severus. Ich Überschläge sie, das Gebotene mag genügen. Von allgemeinem Belang ist seine Mitteilung, daß an dem belgischen Nationalvermögen von 30 bis 35 Milliarden Franken nur ein Drittel auf das flämische Volk entfällt, was einen Vermögensstand von 2800 Frs. pro Kopf ergibt, gegenüber dem Zwei- bis Dreifachen in Holland, England, Frankreich und Deutschland. Herausgegriffen seien noch die folgenden Sätze des Verfassers: „Es gibt auf der ganzen Welt kein Land, in welchem die Beamten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung so zahlreich sind, zugleich aber auch so über- und eigenmächtig, als bei uns. — Es gibt kein anderes Land, wo die Kluft zwischen den höheren und unteren Ständen so breit klafft als bei uns. — 29 Ganz unten stehen die drei Millionen armer Schlucker, die von ihrem Dialekt als einzigem geistigen Kapital zehren. Ein Volk, das nichts besitzt, als seinen Dialekt, ist aber außer jeder Fühlung mit der Welt. Ein solches geistiges Elend ist über Flandern, nein über ganz Belgien gebreitet. Sein Zentrum ist Brüssel, der Brennpunkt des Ganzen, wo die Mehrheit der Bevölkerung weder gut Flämisch noch gut Französisch kennt: Es ist die Hauptstadt der geistigen Zwitter. Und diese Stillosigkeit der geistigen Kultur kriecht von Brüssel aus weiter über ganz Belgien, auch über Wallonien. Ihre Früchte sind das Formlose, Unselbständige, Untüchtige, Ungediegene, Unordentliche, Zuchtlose, das Fehlen an Persönlichkeitswerten überhaupt. — Wir sind ein Volk, welches die Entartung in sich trägt von Hoch bis Nieder. Unsere höheren Stände finden nichts dabei, mitten im vollen Kriege im gastfreien Haag Tangothees und Festlichkeiten einzurichten. Sollen wir uns dann darüber Wundern, wenn sich meine niederen Mitbürger keine Gewissensfrage daraus machen, einige Schlafdecken mitlaufen zu lassen, die durch die Bevölkerung des seeländischen Städtchens Middelburg den geflüchteten Flamen freundlich zur Verfügung gestellt waren. — So sind wir in der Tat das tiefgesunkene Volk, wo das Meiste getrunken und das Wenigste gelesen wird." Bittere Klagen führt Claudius Severus zum letzteren Punkt, über das geringe Interesse, das geistigen Darbietungen, wissenschaftlichen Vorträgen, dichterischen Rezitationen usw., selbst in der flämischen Großstadt Antwerpen, entgegengebracht wird. Dagegen bilden sich vornehme Herrchen auf ihre Verhöhnung von Versammlungen der Heilsarmee noch nach zwanzig Jahren etwas ein. Allerhand Schattenbilder aus der Antwerpener Stadtverwaltung ziehen an der Wand vorüber. Mit scharfen Linien zeichnet Claudius Severus, wie sich das zentralisierende Brüssel in unersättlicher Weise auf allgemeine Staatskosten und damit auch ans Kosten der Flamen bereichert und verschönert, um doch nur ein Nährboden der Verwelschung zu sein. Noch fällt des Verfassers Blick auf die Mängel der belgischen Gesetzgebung, wie sie besonders im belgischen Aktienwesen zutage treten. Schwere ^ Schatten fallen auf die innere Politik Belgiens in den letzten ; zwanzig Jahren, die häufig das wahre Volksinteresse zu- , gunsten der Jnteressenpolitik einer Clique, namentlich im Zu- Z sammenhang mit den Dingen des Kongostaates, opferte. H „Der Flame bezahlt und der Wallone genießt; das nennt man Gleichheit aller Belgier vor dem Gesetze. — i Unser ganzes Elend liegt symbolisiert in der kleinen Anekdote, , die Hippolyt Meert mitzuteilen weiß. Ein Bataillonsarzt in Gent, ! der zeitweilig die Verwundeten Pflegte, kommt in den Saal des Spitals, gefolgt von einigen angehenden Medizinern. Ein Kanonier liegt ausgestreckt auf seinem Krankenbett mit einer schlimmen Wunde am Bein. ' — 'Lb bien, man Zaryon, qu'est ee que vous aver?' — 'Uenere, ilc en kenne geen b'iansek.' Darauf wußte der Arzt, der vom Staate angestellt war, um Leid und Schmerz der Unglücklichen zu heilen, nichts anderes zu sagen, als die Worte: 'Lneore un ickiot, qui ne seit xas le kranyais.' — Geht von dannen und überläßt den Armen seinem Schicksal." Noch ein anderes böses Kapitel aus der Rechtspflege: „Die Würde der Gerichtssäle gestattet nicht, daß in Flandern vor Gericht in Flämisch plaidiert wird, so lautet ein allgemein gebildetes Vorurteil gewisser höherer Gesellschaftsschichten. Damit hat man es fertig gebracht, zwei unschuldige Flamen anzuklagen, zu verurteilen und auf dem großen Platz zu Charleroi hinzurichten (Fall Coucke und Goethals), ohne daß sie das geringste Wort vom ganzen Verfahren verstanden hatten. Die Armen mußten ihr Todesurteil von einem Gendarmen vernehmen, der ihnen mit der bekannten Gebärde zu verstehen gab, daß sie um einen Kopf kürzer gemacht werden sollten. Ihre Unschuld liegt seit lange am Tage; aber zur Wiederherstellung ihrer Ehre ist es bis heute nicht gekommen. —" Claudius Severus eilt zum Schlüsse und zieht die Summe seiner Darlegungen: Zi „Durch jene lange Sprachunterdrückung haben wir ein Volk bekommen, dessen Geistesaristokraten sich mit Herz und Seele der Kultur unserer südlichen Nachbarn in die Arme werfen und ihren Stammesbrüdern schimpfend den Rücken kehren, während andere sich das undankbare und hoffnungslose Apostolat auferlegen, dieses so tief gesunkene Volk aufzurichten. Fast hoffnungslos ist dieses Kämpfen an der Spitze unseres unmündigen und undankbaren flämischen Volkes, weil der Kampf geführt werden muß gegenüber unfern eigenen sog. Parvenüs, die in Anbetung knien vor dem eitlen und raffinierten Wesen Frankreichs; nicht minder gegenüber der französisierten Regierung unseres eigenen Staates, die es fertig gebracht hat, Leute vom Schlage eines Guido Gezelle und eines Hugo Verriest zu strafen, wie sie auch Willems und Conference verurteilte und in diesen Tagen noch den Dichter Renö de Clercq und Dr. Jacob zu treffen wußte. So ist es ein Streit gegenüber einer allmächtigen Zentralregierung, an deren Festungswällen der stärkste Wille und die bestbegründete Überzeugung zerschmettern müssen. Wir tragen das Panier unseres unterdrückten Volkes, das Panier der Erniedrigung und Sklaverei, freilich auch dasjenige der Gerechtigkeit. Und sie, die anderen, welche die Fahne des gallischen Hahns in Flandern aufpflanzen wollen, finden Unterstützung und Ermunterung von hoher Hand, unerachtet ihrer unsauberen Nebenabsichten und ihres verwerflichen Doppelspiels." , Kräftige Hiebe der Kritik sausen herab auf das Haupt Maurice Maeterlincks, des auch bei uns in Deutschland alb zulaug angcbcteteu flämischen Renegaten. Dann zitiert Claudius Severus die Worte Hendrik Consciences, die dieser vor sechzig Jahren gesprochen und die heute wie eine Prophetie klingen: „Unsere Muttersprache ist seit zwanzig Jahren verkannt und unterdrückt worden. Die Folgen dieser Unterdrückung sind für das flämische Volk sehr verhängnisvoll. Es leuchtet von selbst ein, daß eine Nation, die des ungehinderten Gebrauchs ihrer Muttersprache beraubt wird, die einzige Quelle von Bildung und Volksunterricht entbehren muß, aus der sie schöpfen kann. > Z2 Auf diese Weise bereitet man unserem Vaterlande eine sehr bedenkliche Zukunft. Denn wenn man noch länger taub bleibt für die Stimme der Pflicht und Aufrichtigkeit, wird man unfehlbar in kurzer Zeit in den niederländischen Gebieten zwei Klassen von Menschen entstehen sehen: zwei Kasten, zwischen denen für ewig ein Abgrund von Haß und Eifersucht klaffen wird. Die eine davon- an Zahl ziemlich gering, wird französisch sprechen und alle Ämter, Ehrenstellen, ja alle Früchte der nationalen Arbeit für sich selbst behalten. Sie wird allein am öffentlichen Leben Anteil haben, allein die Wissenschaften besitzen und über die ganze Nation herrschen, wie ein Eroberergeschlecht des Mittelalters. Der andere, der ganze gewerbetreibende nnd arbeitende Teil der Nation, wird von aller Kultur ausgeschlossen bleiben. Er wird fortkriechen in aller Unwissenheit. Gewerbe, Industrie und Landbau werden bei ihm in Rückständigkeit geraten. Als ein beklagenswerter Haufen von Verstoßenen wird dieses Volk von seinen „Brüdern" beherrscht und unterdrückt werden. —" Für die Gegenwart zieht Claudius Severus daraus das Fazit: „Vom ethnographischen Standpunkt aus ist Belgien eine Lüge und Ketzerei. Vergleiche mit dem freien Bundesstaat Schweiz und seinen selbständigen Kantonen halten z. B. keinen Augenblick stand. Auf sozialem Gebiete sind wir ein Trümmerhaufe, auf wirtschaftlichem Gebiete ein trauriges Schlachtfeld, auf sittlichem Gebiete negativ und auf intellektuellem Gebiete unbedeutend. So weit haben wir es gebracht nach dieser 85jährigen parteiischen Regierung, wir, einstmals das herrlichste und werksamste Volk Europas. Wir sind das Land, wo von hundert Einwohnern noch heute dreißig das Licht des Schreibens und Lesens vermissen müssen, wo auf fünf Einwohner einer das Armenbrot der Schande ißt, wo Geistesgenuß und Geistespein nicht über die Höhen des unvernünftigen Tieres steigen, wo Trunksucht und Liederlichkeit nationale Tugenden sind und das Gefühl der Zusammengehörigkeit dem einzelnen im Volke verloren gegangen ist. —" 3 Flanderns Wehklage. Und nun endlich erhält bei Claudius Severus der Politiker das Wort, um zum Ankläger zu werden: „Diese beklagenswerte Masse von Verstoßenen, von Unfähigen, von Finsterlingen heischt jetzt Abrechnung! — „Jetzt ist unser Volk völlig verlassen. Die Regierung ist geflüchtet, nachdem sie uns alle Verkehrsmittel vernichtet oder mitgeschleppt. Unsere flämischen Vormannen, die uns treu blieben, werden terrorisiert und bedroht, wenn sie sich unterstehen, das Elend unseres schwergeprüften Volkes zu lindern. Haß und Mißgunst werden uns von allen Seiten eingeimpft, und unmündiger als je stehen wir da. Wo bleibt ihr anderen Führer unseres Volkes, wenn ihr unser Volk lieber habt als euch selbst und nicht geblendet seid durch das Schimmern eines Ministerportefeuilles?" — so ruft Claudius Severus den Passivisten unter den Flamen in grimmigem Zorne zu. „Warum sprecht ihr nicht, jetzt, wo unser Volk Leiter dringend nötig hat. Oder genügte es euch, von Zeit zu Zeit eine Rede halten zu können oder einen platonischen Protest abzugeben? Wir verleugnen heute jene unserer bisherigen Vormänner, die in ihrem eigenen Hause Französisch reden lassen, die damit verleugnen, was sie eine Stunde vorher auf den Tribünen als heilig verkündeten, und die unsere große Sache für einen wissenschaftlichen Dilettantismus ansahen. Wir brechen mit unseren Leitern, die in dem verweibten und entnervten Brüssel die Verzweiflungsrufe erstickten, die in ihrer Umgebung hochstiegen, und die nichts getan haben, um unser Volk aus diesem Moderpfuhl emporzurichten. Das Flämische in Flandern ist doch nur das Mittel, nicht das Ende unseres Strebens! Das letztere steht höher!" Damit erreicht Claudius Severus sein Ziel, er wird zum Verkündiger des neuen Evangeliums vom flämischen Aktivismus: „Die Tränen von Blut und Feuer, die unserem Volke 85 Jahre lang die Eingeweide versengten, heischen Wiedervergeltung! Flandern verlangt die ungeschmälerte Herrschaft, sein eigenes Los selbst zu bestimmen durch eine völlige Selbstverwaltung." Der Forderung von Franz van Cauwelaert, die Gunstbezeugungen der Deutschen mit Verachtung zurückzuweisen, schleudert Claudius Severus den Fehdehandschuh hin: „Nein, tausendmal nein, wir weisen nichts ab. Die vorbeitreibende Planke ist dem Versinkenden von Gott gesandt. Worte haben heute für uns alle Kraft verloren. Das zweifelhafte ritterliche Gebaren überlassen wir unseren theatralisch angelegten südlichen Nachbaren. Von Gunst ist keine Rede. Unsere Muttersprache muß wieder den Ehrenplatz einnehmen, der ihr im eigenen Hause zukommt. Wir wollen nicht mehr mit Füßen getreten werden. Willkommen, liebe Sonne! Soziale Gesetzgebung und gewissenhafte Arbeitsaufsicht! Wir begrüßen euch! Keine Sklavenketten mehr in unseren Gegenden!" Endlich bricht zum Schlüsse das Licht des Optimismus durch: Ich fluche dir nicht, mein geliebtes Flandern, mit deiner brutalen Bevölkerung und deinen ungastlichen Strecken. Warst du es nicht, das Amsterdam zu seinem Aufschwünge verhalf, das Beethoven dem deutschen Volke, das Rubens Europa schenkte? War es nicht auf deinem Boden, mein geliebtes Antwerpen, daß sich im Jahre 1521 die Spitzen der damaligen Bildung begegneten: Erasmus von Rotterdam, Thomas Morus, Hans Holbein und Albrecht Dürer? Fanden jene Männer in dir nicht Quentin Matsys und die Appelmans, die damals zu Antwerpen an ihren Meisterstücken arbeiteten? — Und wir bauen ans, ja wir werden auf den Ruinen unseres vernichteten Flandern ein neues Flandern bauen, das ganz es selbst ist von oben bis unten. Ein neues Flandern, in welchem alle eine und dieselbe gebildete Sprache sprechen und an denselben Gefühlen von Schönheit, Größe und Gemeinsinn sich erlaben werden. Ein Flandern, in welchem die vertierende Schwerarbeit mit ihren Hungerlöhnen und die sogenannte Wohltätigkeit und Armenfürsorge heutiger Gestalt der Vergangenheit angehören werden und jeder imstande sein wird, für sich und die Seinigen den Unterhalt selbst zu verdienen. — Z5 Die großen kriegführenden Nationen behaupten, auch für das Recht der kleinen Völker zu kämpfen. Wohlan! Wir sind viereinhalb Millionen zum Tode Verdammter, die ihr Recht auf Dasein heischen. Für uns handelt es sich jetzt nicht mehr um Bettelworte. Denn ein ganzes Volk hinmorden, das ist eine Tat, und gegen die müssen wir uns durch die Tat verteidigen. Die Vergangenheit ist hier unser Lehrmeister. — Flämisches Volk! Jetzt hast du das Wort! Die Welt hört auf dich! In deinen eigenen Händen liegt deine Zukunft!" Hnd nun, deutscher Leser, wie ist dir? Ist es nötig, das Gemisch von Empfindungen zu beschreiben, die sich jagenden Gedanken festzuhalten, die dich bei dieser flämischen Wehklage beseelt und erfaßt haben? Ringt in dir nicht tiefes Mitgefühl über die Not der Flamen mit verhaltenem Ingrimm über ihre welschen Frevler? Steigt dir nicht die Schamröte ins Gesicht, daß das geschehen konnte im Schatten des machtvollen Deutschen Reiches und daß niemand bei uns für Flandern seine Stimme erhob? Haben wir uns nicht unverzeihlicher Gleichgültigkeit im Dienste der germanischen Sache anzuklagen? Wir, deren Volksgenossen, wenn sie sich im belgischen Zwitterstaate niederließen, so vielfach dem allbeherrschenden französischen Wesen nachhingen? Wir, die wir einen Teil der Schuld tragen müssen, daß Flandern und Deutschland einander in ihrer vielhnndertjährigen Geschichte nie innerlich so fremd geworden gegenüberstanden, als beim Ausbruch des Weltkriegs? Wir, die wir den Wenigen, welche sich mit den Flamen, ihrer Kultur und ihrem Kampf beschäftigten, oftmals den Makel eines verderblichen oder utopistischen Alldeutschtums anheften zu müssen glaubten? Wir, die wir nach alledem uns nicht wundern dürfen, wenn man in Flandern auch uns nicht kennt und nicht liebt? — „Ungekannt ist ungeliebt," so lautet ja ein altes schönes flämisches Sprichwort. Doch weg mit all den Sünden der Vergangenheit! Im Angesicht des Niesenkampfes, den das deutsche Volk heute kämpft, schwillt die Brust in Hoffnung, daß sich auch Flamen und Deutsche nach dem Friedensschlüsse nicht mehr als Feinde 37 unverstanden gegenüberstehen werden. Ob wir wollen oder nicht, wir müssen uns näher kommen. Wir Deutsche müssen darum den Kampf der Flamen mit innerer Teilnahme miterleben. Es gibt soviele steinerne Herzen im deutschen Vaterlande: Sie sehen nur das Wirtschaftsleben und das Geschäftsinteresse, und ihre Seele ist tot für den Schwung des deutschen Wesens, das sich unbeirrt durchsetzt gegen tausend Widerstände. Aus dem warmen Herzblut unserer fallenden Brüder müssen wir wieder reine deutsche Art schöpfen. Kühn und stark hoffen wir auf Deutschlands Sieg, vertrauen wir auf eine Zukunft des Germanentums. Darum ist der Kampf, den die Flamen für ihre niederländische Eigenart vor unseren Augen wieder ausgenommen haben, im höheren Sinne auch ein Kamps unserer Sache, ihr Sieg eine Niederlage unserer Feinde. Ihr Untergang wäre ein unersetzlicher Verlust auch für uns. Wir lassen sie ihren Kampf selbst ausfechten. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß diesseits unserer Schützenlinien im besetzten Westlande ein germanisches Brudervolk seinen Daseinskampf kämpft für Freiheit und Recht; kämpft unter den tragischsten Umständen seiner an Tragik so reichen Geschichte. Wir müssen uns die Herzen der Flamen verdienen. Wird die Zukunft Flandern groß sehen, so wird auch Deutschland herrlich aus dem Kampfe hervorgegangen sein. Alles, was zwischen Flandern und Deutschland werden mag, kann nur im Garten der Freiheit gedeihen, soll es Segen stiften und Früchte tragen. Ein selbstloses Schauen und ein hoffendes Wünschen ist alles, was in diesem Augenblicke jeder Deutsche den Flamen entgegenbringen muß. Des Reiches eherner Schirm und Gottes Vorsehung Hallen indessen Wacht vor dem Tore zu Flanderns wiedererstandener Größe. Darum auf, deutscher Leser! Zerreiß vor deinen Augen das Nebelgebilde des belgischen Staates von gestern. Die Zs Uü i de ' m ni m R ih Ei le ^ P lü ist re ! bl ' M B ^ en i bi / Zu ge i Ei s°! sä de sck G m ur ha I' je' > „belgische Seele", von wenigen gesucht, von keinem gefunden, l sie lebt nicht. Belgien, wie es war, durch fünfundachtzig ! Jahre das Vorwerk der französischen Kultur und ebenso lang i der Gegenstand französischer Annexionsgelüste, wird nicht mehr wiederkommen, jenes Belgien, in welchem urecht ^ niederländische Volkskraft von welschen Ausbeutern zertreten ! und in ihrer Sprache und Kultur alle Tage geschändet wurde. - Rauhe Kriegswirklichkeit hat Flandern und Wallcnien in t ihrer inneren Unverbundenheit vor der Welt enthüllt. Volle ; Entfaltung ihrer schönen niederländischen Sprache, ungeschmälerte Zuerkennung ihrer staatsbürgerlichen Rechte, das ist der Preis des Flamenkampfes von heute. Ihnen das zu ermöglichen, ist das unentwegte Bemühen der besetzenden Macht, ist das Versprechen des Reichskanzlers. Wird das Ziel erreicht, so wird Deutschland zu einem unvergänglichen Ruhmes- ! blatt in Flanderns Geschichte mitgewirkt haben. Jeder Deutsche muß heute Eines wissen und ermessen. Wer um den Preis eines baldigen und billigen Friedens ^ Belgien wiederherstellen will, der stellt ein französisches oder , englisches Belgien her. Wir sind den Flamen schuldig, die bisherige Schablone des belgischen Staatsgefüges in die Ecke ^ zu stellen und uns zu einer Umgestaltung der belgischen Lande ! geschickt zu machen. Wenn dabei das Deutsche Reich starke ^ Eigeninteressen wird in die Wagschale zu werfen haben, so , sollte uns das Wort von einem deutschen „Irland" nicht ' schrecken. Es ist von einer hochstehenden Persönlichkeit im , deutschen Geistesleben gesprochen worden und dennoch völlig schief gedacht, wie noch soeben einer unserer kritischsten Köpfe, ^ G. v. Below, treffend dargelegt hat. Wo wir einem ger- l manischen Brudervolk den Boden der Freiheit bereiten helfen ' und die Erhaltung seiner Sprache und Kultur verbürgen, ^ handeln wir wahrlich nicht wie England an der grünen ! Insel. Wer die Not der Flamen gesehen hat, wird darum jenes irreführende Wort weit von sich weisen. In letzter Linie aber ist deutsches Miterlcben an Flanderns Freiheilskampf unsere sittliche Pflicht. Im Kriege ist viel flämisches Blut geflossen. Wir wissen aber auch, was alles Flanderns Söhne, eingekeilt in die Linien der Entente, über sich ergehen lassen mußten. Von vorn die Kugeln des Gegners, von hinten Hohn und Mißachtung. Indem wir Deutsche unsere Herzen weit öffnen für die Männer des flämischen Freiheitskampfes, tragen wir darum eine Schuld ab, die das Schicksal auf uns legte. Wir vertrauen, daß unsere aufrechten Empfindungen auf die Dauer nicht ohne Rückwirkung in Flandern bleiben werden. Denn auch darin gleichen die Flamen uns, daß sie sich nicht über allzuviele Freunde beklagen können. Die höchste Wahrheit aber ist die, daß ohne Krieg der Freiheitstag für Flandern nicht gekommen wäre. Für uns ist sie ein Trcst und Hoffnungsbürgschaft zugleich. Flamen und Deutsche sind durch ein Verhängnis, das sie beide nicht heraufgeführt, gezwungen worden, gegeneinander zu kämpfen. Verfliegt in Flandern erst einmal der brutale Haß und siegt die Hingabe zum eigenen Volke über alles, was sich ihr entgegenstemmt, dann wird Deutschlands aufgezwungene Schuld getilgt, Deutschlands Not erkannt sein, dann wird Deutschlands stammverwandte Hand ergriffen werden. Denn nur sie allein kann Flandern dauernd frei erhalten! In aller Schwere dieser Tage dürfen wir den Mut nicht sinken lassen. Von den dunkelsten Bildern, die der Griffel des Claudius Severus zeichnete, vermochte er sein Antlitz wegzuwenden und in siegverheißendem Kraftgefühl sein Volk zum Freiheitskampfe anzufeuern. Darum dürfen wir auch nicht in den Ruf so vieler einstimmen, die eine deutsche Aufgabe beim Aufbau des neuen Flandern leugnen oder alle Mühe vergeblich schelten. Noch viel weniger denjenigen Recht geben, welche aus oberflächlicher Berührung mit abstoßenden 4o 1 1 Außenseiten des flämischen Volkslebens dieses Flamenvolk, j als für die germanische Sache verloren und wertlos geworden, Z verdammen. 1 Zu hoher Stufe der Kultur emporgeführt, sollen wir nicht ° hart werden gegen die stoffliche Armut und geistige Not eines , germanischen Brudervolkes. Konnte doch durch eine hundert- z jährige Zurücksetzung und planmäßige Beraubung der wert- r vollsten Kulturmittel seine völkische Eigenart nicht ausgerieben ^ werden. Gebt ihm Luft und Licht zurück, hebt es aus dem s Staub empor, und ihr sollt ein Wunder erlcben. Wo ist ein zweites Volk in Europa, das seinen Wohlstand und seine i; Intelligenz in gleichem Maße in das Lager eines fremden ! Kulturkreises abschwenken sah und dennoch Kräfte genug ; übrig behielt, um in ernster Arbeit sich emporzuringen? ' Im öffentlichen Leben ihres belgischen Staates zurück- i gesetzt, haben es seine berufenen Führer verstanden, durch j Wort und Dichtung, durch Versenkung in seine reiche Ge- ! schichte, durch Pflege der gesamtniederländischen Kultur, i durch Hebung des Volksliedes und Volkstheaters, durch die i Kraft der freien Vereinsbildung, durch eine blühende stutzen- s tische Sozial- und Kulturarbeit ein Kapital von Stammes- / bewußtsein und einen gewissen Nationalstolz zu schaffen, der j um sich griff und immer lebhafter um die politische Gleich- ! berechtigung mit der belgischen Stiefmutter stritt, t Wenn die flämische Bewegung vor dem Kriegsausbruch f noch nicht ihr ganzes Volk hinter sich hatte, so hing das an s den übergroßen Schwierigkeiten, die ihr entgegenstanden. Was i lag ihr nicht alles im Wege? Die Hemmungen eines feind- t seligen und einflußreichen Negierungsapparates, die soziale, ! politische und religiöse Zerspaltenheit unter den Flamen selbst, ! das germanische Grundübel der Nachgiebigkeit gegen Fremdes, ! nicht zuletzt aber die Armut breiter Volksmassen, dieses ge- : waltigste Bleigewicht jeder Kulturerhebung. Und doch waren ; 4l es außer dem Fähnlein der Gebildeten gerade Leute aus dem Volke, deren Seelen noch unangekränkelt reine germanische Art reflektierten, aus denen sich die Reihen ihrer Kämpfer zusammensetzten. Mit germanischer Zähigkeit gaben sich die letzteren ihren Führern hin, wie sie mit germanischer Sinnigkeit ihr Gemüt in ihren herrlichen Liedern frei badeten und aus ihnen den Glauben an die Zukunft ihres Volkes sogen. Selbst ein Claudius Severus muß die bewunderungswürdige Blüte der flämischen Kunst von seinen Schwarzzeichnungen ausnehmen. Und ein solches Volk, trotz aller Verunstaltungen frevelnder Jahrhunderte von echt niederländisch-germanischem Schlage, ein Volk, das die Stammesart von Friesen, Sachsen und Franken mit dem belebenden Einschlag des westlichen Temperaments auf bildungsreichstem Boden vereinigt, ein solches Volk soll unserer Teilnahme nicht wert, soll reif zum Untergang sein? Welcher Deutsche, dem deutsche Kultur in ihrem umfassenden Sinne nicht fremd geblieben ist, kann es wagen, fürderhin so lieblos, so undeutsch über die Flamen zu urteilen? Sind es doch im wesentlichen die gleichen Dinge, die der Norddeutsche bis vor einem Menschenalter dem Süddeutschen vorwarf, und die er jetzt an den Flamen tadelt. Und doch wäre ohne die gewaltige Mitarbeit von ganz Deutschland der heutige Riesenkampf ein Ding der Unmöglichkeit. Überhaupt, wo die Grundlagen unseres ganzen Daseins durch das verruchteste Verbrechen der Weltgeschichte vernichtet werden sollten, gilt es, die Dinge im Zeichen des Ewigen zu betrachten. Dazu gehört, daß man beim Anblick der gegenwärtigen Zustände deren zeitgeschichtliche Bedingtheit von den ruhigen Linien des Dauernden in der Entwicklung trennen lernt. Wer aber so als deutscher Beobachter auf das flämische Volk und seinen Kampf hinschaut, für den gibt es nur einen einzigen Ausgangspunkt, und der entscheidet: 42 Dort, an Maas und Schelde, ist ein germanisches Brudervolk im Begriffe, seine hochmütigen und mächtigen Vormünder abzuschütteln und endlich wieder nach langer Zeit zu werden, was es einstens war, ganz es selbst! Welches wird der Ausgang dieses seines Kampfes sein? Wer kann es sagen? Als Streiter um die geheiligten Rechte ihres Volkes haben sich die stammesbewußten Flamen erhoben. Flandern groß oder tot I ist ihre Losung. Ihr Endsieg hängt am Siege der deutschen Waffen. Wer darum an diesen glaubt, der glaube auch an Flanderns Zukunft. Für uns Deutsche sind jedenfalls beide Dinge untrennbar verknüpft. Sie sind uns mehr, eine heilige Sache! 43 it diesem Bekenntnis könnte ich schließen. Es verpflichtet jeden Deutschen, der Worte wägt. Und doch drängt es mich, meinen eigenen deutschen Gedanken noch mehr Nachdruck zu geben, mehr zu bieten, als nur eine deutsche Umrahmung zum Inhalte einer flämischen Werbeschrift. Ich habe das Glück, die flämische Bewegung nicht nur aus Streitschriften und aus der Presse zu kennen. Ich kenne ausgezeichnete Flamen und ich habe Beweise germanischen Gemütslebens und germanischer Treue bei Männern aus dem flämischen Volke gefunden, die mir unvergeßlich sein werden. So fühle ich mich selbst aufs engste mit den Hoffnungen, die heute Flandern bewegen, verflochten. Damm will ich meinen eigenen Worten, wo sie zu schwach sind oder allzu nüchternen Lesem als trügerische Vorstellungsbilder, deutschen Wünschen entsprossen, erscheinen könnten, flämische Worte zum wirkungsvollen Schlüsse beifügen. Halte dann noch, lieber Leser, all das daneben, was ich dir aus „Flanderns Wehklage" mitgeteilt habe, und du wirst mit warmem Herzen die Flamen grüßen. Ihre Sache wird fortan die deinige sein! Ich will dir zuerst Kunde geben von einem Zeitungsartikel. Von keinem gewöhnlichen, wie ihn der Tag bringt und der Abendwind verweht. Von einem Artikel vielmehr, der sich dem Leser einprägt und ihn zur Ruhe nicht kommen läßt. So ging es den Flamen, die ihn zu Gesicht bekamen, so ging es mir, so wird es dir gehen. Er wird dein deutsches Gewissen aufpeitschen! Er stand vor kurzem in der trefflich geleiteten flämischen Wochenschrift „Unser Land" („Ons Uanä") und trägt die vielsagende Aufschrift: „Flämische Boches zu Paris"^ Auf den vorhergehenden Blättern ist die schmachvolle Behandlung mehrfach gestreift worden, die man belgischen Soldaten flämischen Stammes im Lager der Entente angedeihen läßt. Je tiefer sich die belgische Regierung in die Netze der französisch-englischen Politik verstrickt, um so mehr brennt im flämischen Bewußtsein das Unerträgliche an der Lage dieser eigenen Landeskinder. Bittere Klagen dringen darüber in Soldatenbriefen aus der belgischen Schützenlinie herein nach Flandern. Im belgischen Heer wird auch jetzt im Kriege von den militärischen Vorgesetzten, altem Unfug gemäß, so gehandelt, als ob es kein flämisches Volk gäbe. Wie unvernünftige Schlachtopfer einer verwelschten Negierung müssen sich die flämischen Soldaten allesamt in dem ihnen zumeist unverständlichen Französisch in Kampf und Tod kommandieren lassen. Ein flämischer Volksvertreter, Dr. van der Perre, führte darüber schon vor einem Jahre bewegliche Klage: „Die Tagesbefehle sind nahezu ausschließlich französisch. Ansprachen werden gleichfalls fast nur in Französisch gehalten. Mit wie viel Freude berichteten mir flämische Soldaten, daß ein wallonischer Offizier sie in Flämisch angeredet hätte! Eine ehrenwerte Ausnahme! Selbst auf das Grab unserer gefallenen flämischen Jungen wird ein Kreuzchen mit französischer Aufschrift gesetzt. Ein Offizier spricht dabei einen Nachruf, den die Kameraden nicht verstehen können. Und als einmal ein Feldgeistlicher einige Worte auf Flämisch hinzufügen wollte, schnauzte ihn der Offizier an: cks klamingantisme!'" Der Gipfelpunkt dieser moralischen Mißhandlungen wurde erklommen, als beim französischen Nationalfest, am 14. Juli 1916, niederländischen Flamen die zweifelhafte Ehre widerfuhr, inmitten einer ganzen Völkerschau vor dem Präsidenten der französischen Republik und vor anderen Vertretern de? Vierverbandes zum Stück eines welschen Theaterpomps entwürdigt zu werden. Während vor Verdun und an der 45 Somme die Angriffe der Feinde am deutschen Heldenmut ^ zerschellten, pumpte man sich beim Betrachten all der vielen Uniformen und der wechselnden Gesichtsfarbe der Deputationen des Ententeheeres Mut ein. ! Zum 14. Juli 1916 berichteten die feindlichen Blätter aus Paris das Folgende: „Nacheinander zogen vorüber: das 230. Regiment Territorialinfanterie, 1 Bataillon Marinesoldaten, das 9. Bataillon marokkanischer Schützen, das 1. Bataillon Jäger zu Fuß, gestern von der Front angekommen; 1 anamitisches Bataillon, 1 Bataillon russische Infanterie, 1 englisches Bataillon, bestehend aus Engländern, Schotten und Australiern, zusammen 600 Mann; 1 Abteilung belgischer Truppen." Beachte, lieber Leser, daß noch heute 80 Prozent der belgischen Truppen aus Flamen bestehen und vergiß keinen Augenblick, daß die folgenden Sätze, die den Schimpf dieser Schaustellung geißeln, von flämischer Hand geschrieben sind. „Im August 1914 wurde Belgien der zufällige Bundesgenosse von Frankreich und England zufolge einer französisierten, d. i. verkehrt geführten Politik. Die belgischen Ministerien, welche die flämischen Interessen grundsätzlich verkannten, bauten ihre Ziele auf veralteten Grundlagen auf. Ihr Mangel an Entwicklungsfähigkeit stellte sie aus schwankenden Boden. Sie brachten die Lüge und die Tat der Lüge, den Betrug, ins Staatsleben. Unter Mit^ schuld einer von Politikern terrorisierten und an Frankreich verkauften Presse wurde das Volk in Belgien schändlich belogen und betrogen. Darum mußte Belgien der 'zufällige' Bundesgenosse Frankreichs werden. Diese Bundesgenossenschaft widerstreitet dem wahren Interesse Belgiens. Die Regierung wußte und weiß dies, aber sie muß die Strafen von Lüge und Betrug über sich ergehen ^ lassen: sie sitzt im Treibsand und versinkt. — Deutschland seinerseits mußte mit Argwohn auf das sehen, was man in Belgien 'die belgische Neutralität' nannte. Denn die auswärtige belgische Politik war wenig vertrauenerweckend. ! Militärisch wandte sie sich in ihrem letzten, kurz nach 1870 durch ! 46 Brialmont eingeleiteten Stadium, offensichtlich gegen Kriegsmöglichkeiten von Osten her, während die Süd- und Westgrenze unverteidigt und unbewacht blieben. Von ihren Gesandten wußte die belgische Regierung aber, daß sie aus dem Osten nichts zu befürchten hatte. Sie wußte, daß nicht die Regierung in Berlin, sondern diejenige in London, im Einvernehmen mit St. Petersburg und Paris, auf Krieg lossteuerte. Dennoch traf sie Vorsorge zum Schutz — ihrer westlichen und südlichen Nachbarn, traf Maßregeln, gerichtet gegen den Osten. Die Nation blieb ohne Aufklärung! Ein fremdes Interesse stand höher als das wahre belgische Interesse. Das ist noch heute so. Weder Heer noch Reserven waren kriegsbereit; die Regierung mußte das wissen und wußte es. Lügen und Betrug verrichteten ihr abscheuliches Werk. Die Regierung sandte ihre Landeskinder in den Tod, nicht zur Verteidigung der belgischen Staatsinteressen oder der Unantastbarkeit des belgischen Bodens. Für das letztere zieht man nur dann in den Krieg, wenn man durch sichere Bürgschaften von dritter Seite einige Aussicht auf Erfolg vor Augen hat. Wir zogen hinein zur Verteidigung der Interessen unserer westlichen und südlichen Nachbarn, die bekanntlich unseren tiefsten eigenen Interessen feindlich gegenüberstehen. — Die belgische Regierung weiß, daß sic nur ein zufälliger Bundesgenosse der Entente ist. Sie hat ja auch das Septemberabkommen über den gemeinsamen Friedensschluß nicht mitunterzeichnet. Aber die belgische Regierung, die schon längst die Gelegenheit hätte ergreifen müssen, einen ehrenvollen Frieden zu schließen, um die Leben ihrer Landeskinder zu verschonen, verharrt in ihrer verkehrten Politik und zwingt so zu der Annahme, daß sie bereits die Freiheit ihrer Entschließung eingebüßt hat und fühlt, was es heißt, wenn England und Frankreich für die Freiheit der kleinen Nationen streiten. — Oder sie verbirgt mit Mühe ihre 'zufällige' Bundesgenossenschaft und gibt sich den Anschein, Bundesgenosse aus Prinzip — freilich nicht ohne Zwang! — zu sein. Die fran- zösisierte und zugleich flamenfeindliche Politik besitzt noch immer die Oberhand. Diese antinationale Politik mit ihrem Einfluß im Lande 47 und ihrer Auswirkung vor den Grenzen geht ihren unbeirrbaren Gang. Lügen und Betrug sind ihre Eltern. Und all dies geschieht während die Listen der belgischen Gefallenen zu 90 Prozent mit flämischen Namen bedeckt sind. Um dieser perfiden und unheilvollen Politik willen mußten am 14. Juli belgische Soldaten — darunter 80 Prozent Flamen! — zu Paris vor den Männern der Kriegspolitik, vor Poincars und Briand, defilieren. Ganz am Schluß, hinter den anderen, kamen sie; sie, die man l in Frankreich mit den Deutschen in einen Topf wirft, indem man < sie „Boches" schimpft: Hinter den Engländern aus der City — die ; Kanadier standen inzwischen an der Front zu Mametz! —, hinter ^ den Russen, hinter den Marokkanern, den Anamiten und den Negern aus dem Sudan! Und genau wie für diese „Soldaten", die Marokkaner, die Anamiten, die Sudanneger und alle die unterworfenen Völker, die Frankreich zu seiner Schande gegen die weiße Rasse jagt, erscholl für die Flamen — aus belgischem Munde, Gott sei's geklagt! — der Kommandoruf: — 'kour ckekilor, prener vos ckistanoos!' — 'Ln avant marode!' und nach einigen Schritten: — "pßte ä ckroite!' — Und genau, wie hinsichtlich der Anamiten, Marokkaner und Sudanneger, konnten die Franzosen sagen: — 'Oes solckats sont ckono aussi ä nous.' Inzwischen zwinkerten sich Poincare und Briand lachend zu: — kait la politigue! OK! Oos Lelges!' ^ Freude war in ihrem Herzen! Freude und stiller Hohn — die ' Flamen defilierten!" k e Deutscher Leser, ich werde nicht fehl gehen, wenn ich be- ^ Haupte, daß dir seit Kriegsausbruch noch nicht viel aus dem c „feindlichen" Auslande unter die Augen gekommen ist, was ^ deinen deutschen Zorn so wachrief, wie dieses flämische ^ Stimmungsbildchen aus Paris. So wird es dich auch nicht ^ wundern, daß hart und immer härter die Sprache der Flamen ^ gegen ihre welschen Unterdrücker klingt. «. 48 Zu den begeistertsten Verfechtern des germanischen Gedankens im Flanderland zählt der ergraute Dichter, Arzt und Sozialpolitiker Dr. Eugen van Oye in Ostende, den wir schon bei Claudius Severus angetroffen haben. In seiner Jugend machte er als freiwilliger Feldarzt den deutsch-französischen Krieg mit und lernte damals deutsches Heldentum kennen. Heute ruft er seinem flämischen Volke ins Gewissen, daß mit dem Weltkrieg die Entscheidungsstunde für Flanderns Zukunft geschlagen hat. Eindringend und scharf klingen seine kurzen Verse, mit denen er schon vor einem Jahre für den Freiheitskampf seines Volkes die Parole „Jetzt oder nie!" ausgegeben hat: „Jetzt oder nie muß Flandern blühen, Jetzt oder nie zugrunde gehen, Soll das Leben wieder fliehen, Soll der Tod als Sieger stehen? ^ Jetzt — oder nie! Flandern sprich jetzt, wag' zu küren! Bist du feig, von Kraft entleert, Dann magst alles du verlieren, Bist nicht mehr zu leben wert. Jetzt — oder nie!" Von einem ihrer berufensten Führer, einem begnadeten Dichter, dem Genter Schulmann Dr. Rene de Clercq, stammt ein Kampflied, das hier Platz finden möge. Es kann den eben gewonnenen Eindruck nur verstärken. De Clercq hatte von Holland aus die Interessen seines hart bedrängten Flamenvolkes in Rede und Schrift während des Krieges in voller Loyalität gegenüber der belgischen Dynastie weiter verfochten. Seine staatstreue Gesinnung hat ihm nichts genützt. Da nun einmal die belgische Regierung allem Flämischen Untergang geschworen hat, verbot sie De Clercq unter Androhung der Amtsentsetzung seine politische Flamenarbeit. 4 Flanderns WehNage. 49 Der nicht mit Glücksgütern gesegnete Dichter und Kämpfer entschied sich für die höhere Pflicht. Er wurde deswegen seiner Stelle enthoben, „gebrotraubt", wie die Flamen sagen. Dieser schmähliche Eingriff in die staatsbürgerlichen Rechte eines königstreuen Untertans ward zum Signal einer allgemeinen Sympathiekundgebung für De Clercq. Über all dem ist der Mann, der die zartesten Wiegenlieder geschaffen,, hart geworden. Wie schneidendes Schwert sausen seine Verse darnieder auf die Köpfe der Feinde von Flanderns Freiheit. Ingrimm des Kampfes und Hoffnung des Sieges sind jetzt die Grundtöne seiner Leier. Als man ihn aufforderte, für das führende flämische Blatt Antwerpens zum Tage der Güldensporenschlacht, dem flämischen Erinnerungstage an den Freiheitskampf des Jahres 1302, ein Gedicht zu verfassen, erklärte er, zu einem Festlied außerstande zu sein. Dagegen wollte er zum 11. Juli ein Streitlied liefern. In ihm hatte er den belgischen Unterdrückern seines Volkes Kampf bis zum vollen Siege angesagt. Das mündig gewordene Flamenvolk steht im Begriffe, seine Vormünder und Vögte abzuwerfen und seinen eigenen Weg zu gehen. Davon die Überschrift „Die Vögte" und daher der Text: „Steht im Staate nun kühn genug! Flandern ist groß und alt genug! Weg mit den Vögten! Wo das Recht nichts gilt, Wo die Lüge der Schild, Wo Lästern zum Ruhm und Gewinn ist, Wo dein Blut wird begehrt, Wo dich Armut verzehrt, Deine Sprach' zu gemein und gering ist, Fläminge ans, zu tausenden auf! Gebt mit herzhaftem Herz euern Köpfen den Lauf! Wir graben und bauen, Wir nehmen und hauen, 50 Bis all unser Recht uns zu Sinn ist: Abrechnung, Regelung, Schaffe sie dir! Weg mit den Vögten, Selbst dich regier! Im Zeichen der Zeit Stehn Fuchs und Löwe zu zweit. Die Kunst und die Kraft in dem Lande Rühren sich wacker und flugs, Wie der Löwe und Fuchs, Nur Hunde liegen am Bande. Steht im Staate nun kühn genug! Flandern ist groß und alt genug, Wächst den Herren zur Schande! Abrechnung, Regelung, Selbst dich regier! Weg mit den Vögten!" Solche Stimmen in der jungflämischen Dichtung sind geeignet, Mut und Vertrauen in tausende von Flamenherzen zu gießen. Ihre lebendigen Bilder werden aber auch beim deutschen Leser Widerhall finden und Saiten der germanischen Stammverwandtschaft anklingen lassen. Angefacht durch solche Dichterworte, durch die kraftvolle Sprache einer mutigen Presse und durch die begeisternden Reden allbeliebter Vorkämpfer, springt der Funke von Mann zu Mann, von einem Ort zum andern. Was konnte man nicht alles hören über die eindrucksvollen Feiern der Güldensporenschlacht am letzten 11. Juli in allen Städten Flanderns! Wie sammelt nicht die aufgehende Sonne der flämischen Hochschule die Geister und stärkt sie zu weiterem Zusammenschluß! In der Stille des Einzellebens aber gärt und wogt es mächtig. Selbstbewußte Flamen haben gelernt, von Frau 5i und Kind den Gebrauch der flämischen Muttersprache zu fordern, wo vordem nur Französisch Parlieren als fein galt. Bis hinein in die Baracken der deutschen Gefangenenlager, bis hinüber in die Schützengräben der Entente schlägt die flämische Bewegung ihre Wellen. Das Thema des Passivismus und des Aktivismus wird nach allen Richtungen abgehandelt. Laue und Zaghafte werden aufgerüttelt. Aber auch ernste Männer, die aus patriotischen Gewissensbedenken ihre Flamentum vor vermeintlich höherer Staatspflicht glaubten zurückstellen zu müssen, ringen sich in wachen Nächten zum Evangelium seiner Bejahung durch. Wo noch nicht die Parole des freien Kampfrufs, komme was kommen mag, alles übertönt, ist Anfang und Ende aller Erwägung die sittliche Frage, den richtigen Ausweg aus einem inneren Zwiespalt zu finden: wie läßt sich schon jetzt während des Krieges und im Angesicht der deutschen Besatzung das offene Bekenntnis zur flämischen Bewegung rechtfertigen? Wie schon so oft in der Geschichte, kämpft die Selbstbestimmung eines freiheitliebenden Volkes gegen den Pflichten- komplex, der aus der zeitlich bedingten Staatsform heraus entspringt. Bei vielen und vielfach bei den Besten ist es das Ringen nach dem Einklang beider, trotz aller sich entgegentürmenden Schwierigkeiten. Die Eigenart des belgischen Staatsbaus und die Haltung der belgischen Negierung haben dieselben fast unübersteiglich gestaltet. Das Wallen berechtigter Klugheitsgebote angesichts der noch unsicheren Zukunft der belgischen Dinge tritt demgegenüber in die zweite Linie. Le Havre und seine Anhänger erwarten alles Heil von der Entente. Hinter der flämischen Parole steht dagegen das Vertrauen der flämischen Männer, daß die Zukunft unter allen Umständen ein freies Flandern und ein ungehindertes Auswirken seiner edlen Kultur bringen müsse. In diesen Dingen aber liegen, wie nicht zu verkennen ist, die letzten Gründe für die Stellungnahme jedes Einzelnen beschlossen. 52 Je weiter der Krieg im deutschen Sinne fortschreitet, je näher die Entscheidungen des Völkerringens herankommen, um so mehr werden diese Hemmungen schwinden, um so Heller wird sich die flämische Seele offenbaren. Ein tief veranlagter, echt germanisch fühlender Flame hat die nachfolgenden Sätze geschrieben: „Vom ersten Tag des Krieges an habe ich eingesehen, worum es sich handelt: germanische gegen romanische Kultur, und wir armen Flamen sind durch die Politik gezwungen, gegen unsere eigenen Lebensinteressen anzugehen. Auf der einen Seite steht unsere Unabhängigkeit, auf der anderen unsere Bildung und ganze Kultur. Was die Zukunft uns bringt, wissen wir noch nicht. Wir hoffen, daß in jedem Falle Belgien nicht mehr werden soll, was es vor dem Kriege war, eine Stätte der Zurücksetzung und Mißachtung für die Flamen. Auf der anderen Seite befällt uns wohl Furcht, daß wir, statt französisiert, verdeutscht werden sollten. Das letztere würde sich viel gemächlicher vollziehen als die Verwel- schung, und es wäre auch an sich lange nicht so bedauerlich, da unsere Anlagen, Sitten und Gewohnheiten doch viel besser übereinstimmen. Dennoch würden wir uns in unserem Selbstbewußtsein und in unseren Bildungsmöglichkeiten gekränkt fühlen, wenn wir durch das Deutschtum aufgeschlürft werden müßten. Gleichwohl wäre es für uns nicht das Schlimmste, aber für die Wallonen? Wir wissen zu gut, was Sprachunterdrückung bedeutet, um irgend jemandem so etwas zu wünschen, und haben uns trotz aller Verbitterung gegen unsere 'Brüder', die Walen, doch noch soviel christliches Gefühl gewahrt, daß wir lieber Böses mit Gutem vergelten wollen. Ich persönlich hoffe, daß Belgien wiederhergestellt werde mit einem selbständigen und freien Flandern und einem selbständigen Wallonien, allerdings mit Anlehnung Flanderns an Deutschland. So habe ich mir die Dinge immer gedacht. Fällt es anders aus, dann werde ich mich auch damit abfinden und nach meinen Kräften mithelfen, die Gemüter anderer zu beruhigen und den Haß zu füllen. Denn der Haß ist unglückseligerweise noch sehr groß in 53 unserem Volke. Es fühlt nicht so sehr belgisch, als vielmehr antideutsch. Es gab zu wenig positive Vaterlandsliebe bei uns und das Einzige, wodurch unser Volk glaubt, seine Treue dem eigenen Lande gegenüber beweisen zu können, ist Haß, blinder Haß gegen alles, was deutsch ist. Ich meine, daß es eine der schönsten Pflichten für uns gebildete Flamen sein müßte, diesen Haß abzukühlen und durch Liebe gegen das eigene Land dasjenige zu erreichen, was nun durch Haß allein zu erreichen versucht wird." Dem Herzen eines frommen und hochgebildeten Mannes, der unter seiner flämischen Gesinnung von den Franskiljons schweres Ungemach erlitten hatte, entrangen sich vor nicht langer Zeit die Worte: „Täglich sinne und grüble ich darüber nach, was für Flandern das Beste ist und lege mich dann wieder nieder im Hinblick auf Gottes Vorsehungsplan. Wir sind heute nicht weniger stark als früher, aber wir sind nicht mehr so entschieden, so bewußt, so voll Selbstvertrauen. Die Zeit rüttelte die Schönheit unseres jungen Wesens ab und wir stehen da wie ein alter Baumstrunk, von dem man sagt: 'Das muß früher ein fester Baum gewesen sein!' — Doch ich fühle, daß mich meine Gedanken kribbeln und meine Nerven überrumpeln. — Komm näher, lieber Freund, daß ich Dir's gerade heraussage: Wir lieben unser Volk, aber wir kennen noch nicht den zweckmäßigsten Weg zu seiner Rettung. — Unsicherheit! — und dennoch Vertrauen! Kein Pessimismus! Beten müssen wir, um in Tugend wieder stark und sicher zu werden! — Armes Volk! Und dennoch auserkoren! Wann wird es gelingen, dein Staatswesen zu formen? Komme dies doch!" Wenige Wochen danach hatte sich die Hoffnung auf Flanderns Zukunft auch sein Herz erobert. Er rief überglücklich aus: „Endlich erblicke ich ein Licht in der Finsternis! Gebe Gott, daß unser Volk dies Licht nicht unter den Scheffel stelle! Wir wollen zum Ende keine flämische Klagemauer gleichwie die Juden zu Jerusalem! Der weiße Tempel unserer Vergangenheit steht 54 aufrecht und glänzt in der Sonne der Zukunft. Möchte ich es doch erleben, das Endziel all unseres Sehnens: Flandern frei! Wisviel habe ich darum gelitten und war fast hoffnungslos geworden. Nun glaube ich, daß alles wieder gut wird." Deutscher Leser! Kannst du anders als in aufrichtiger Rührung diese herrlichen Gedanken in dich aufnehmen? Wie unwelsch, wie wahr, wie echt germanisch, wie tief christlich klingt das doch alles! So sieht das viel geschmähte Flamenvolk aus, wenn du entblößten Hauptes sein Heiligtum betrittst! Ein junger Student, der Sohn eines braven Landmanns aus dem Brabantischen, hatte vom Vater die Erlaubnis erhalten, die Universität Gent bei deren Eröffnung als flämische Hochschule zu besuchen. Mit dem Herannahen dieses Zeitpunktes wurde im belgischen Lager eine starke Gegenaktion betrieben. Auch den Eltem dieses Studenten wurde zugesetzt, so daß sie plötzlich ihre Genehmigung zurückzogen. Der Sohn aber legte das folgende schöne Bekenntnis eines jungen Flaminganten ab: „Weshalb habt Ihr Euch beeinflussen lassen durch Menschen, die es vielleicht gut meinen, aber nicht unabhängig genug sind, um sich ein eigenes Urteil zu bilden? Denkt nicht, daß ich ohne reifliche Überlegung zu Werke gehe. Wenn es allein gälte, ein persönliches Interesse für eine höhere Sache zu opfern, so würde ich mich leicht dazu entschließen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wo Pflicht gebietet, darf ein Mann von Ehre nicht weichen. Als gebildeter Flame habe ich Pflichten, die mir durch mein Gewissen auferlegt sind. Ich bin nicht frei, zu handeln bloß nach Willkür oder Eigeninteresse. Mein Vaterland ist Flandern, und mitzuhelfen, um die kulturelle und materielle Not des flämischen Volkes zu lindern, ist ernste vaterländische Pflicht. Darum kann ich mich vor meinem Gewissen da nicht zurückziehen, wo es gilt, eine Schöpfung zu fördern, die für unser Volk eine Lebensfrage ist. Mit oder ohne die flämische Hochschule 55 lebt oder verkümmert unser ganzes Volk. Und mag es auch heute noch viele geben, die diese große Wahrheit nicht einsehen, vielleicht weil sie sich noch nie die Muhe nahmen, diese Dinge tief und ernstlich zu erwägen, oder weil sie zu viel an sich und zu wenig an das Vaterland und die Nachkommen denken, das ist mir gleichgültig. Weil die Welt angefüllt ist mit Ungläubigen und Indifferenten, darf ich doch nicht von meinem christlichen Glauben abfallen. Ebensowenig darf ich Umschau halten nach Lüge und übler Nachrede, die die Übermacht haben und die Wahrheit von sich stoßen." Ich denke, dieser Student ist des Professors wert, von dem uns die „8et Vluumseüe Kieuvs" vor kurzem die Worte brachte, die aussagen, was ihn bestimmte, der Berufung nach Gent Folge zu leisten: „Als ich tief in meinem Gewissen mit mir zu Rate ging, was ich zu tun hätte, ohne dabei zu rechnen mit all dem Gerede von Unverstand oder Böswilligkeit noch auch mit Erwägungen persönlicher Art, dann blieben alle Gründe, die für die Annahme der Professur sprachen, unberührt, und ich fand keinen einzigen Gegengrund, um sie zurückzuweisen." Ich will diese Wiedergabe flämischer Stimmen schließen mit dem Gedanken eines frischen zielstrebigen Studenten, der, im Kriege gereift, früh erkannt hat, woher Flanderns Zukunft kommen muß. Er hat die folgenden Sätze an einen etwas älteren Freund gerichtet, der ihm früher das Vorbild des selbstbewußten Flamen gewesen war, zuletzt aber sich von Franskiljons Niederdrücken ließ. Der Zurückgewinnung des Freundes für die wiedererwachte flämische Sache sollten sie dienen. Sie lauten: „In Brüssel habe ich die trefflichen 'Patriotards' der Brüsseler am Werke gesehen. Rufen, Schreien, Schelten auf die Deutschen, dabei leckeres Essen, vollgepfropfte Theater und Kinos, Prassen und Schlemmen — darin bestand ihre Vaterlandsliebe! Außerdem noch darin, alles, was flämisch war und fühlte, häßlich anzufallen, wie es richtigen Beulemans geziemt! 56 Dicht daneben erlebte ich aber auch etwas viel Freudigeres. Wie prächtig waren die ersten Tage der flämischen Abwehr, die Tage des wiedererwachenden flämischen Kampfes mitten im Krieg! In einem Augenblick, als ich dachte, daß alle Flaminganten erblindet waren und nicht sahen, wohin man das flämische Volk treiben wollte, begegnete ich zufällig in Brüssel Freund Dr. X. Mit edler Begeisterung sprach er mir vom Werke der Jungflaminganten. Von da an hatten einzelne klaren Einblick in die Dinge gewonnen, der einzig mögliche Weg zu Flanderns Befreiung war gefunden: Für das Bestehen des Flamentums als selbständiger Nation wie für das ganze festländische Germanentum überhaupt ist dieser Krieg eine Frage auf Sein oder Nichtsein! Jetzt war der Augenblick da, wo wir Flanderns Freiheit erreichen oder für immer auf unser Ideal verzichten müssen. Hättest Du in jenen Tagen die Begeisterung der flämischen Streiter erlebt, Du würdest nicht so denken, wie Du heute tust. Hast Du wirklich noch nicht eingesehen, daß dieser Krieg, der uns durch unsere franzosentolle belgische Presse als ein Anschlag des militaristischen Deutschland auf die honigsüße europäische Freiheit geschildert wurde — vergleiche Rußland, Irland, Indien, Transval, Mazedonien, last not least Flandern! —, in Wirklichkeit die zwangläufige Folge eines langsam und scheinheilig vorbereiteten Überfalls auf alles Germanische darstellt? Und unsere Franskiljons und unsere Regierung verstanden so gut, was auf dem Spiele stand, daß sie sofort aufjubelten: 'ä.prös la guorro, on ne parlera plus klamanck en Lolgigue!' Der Traum Rogiers, des Schöpfers des belgischen Staatsmonstrums, schien verwirklicht, "kriomplio cko l'Lmo kranoo-bolgo!' — 'Holas!' — Sie waren zu voreilig gewesen! In ihrem verrückten Siegeswahn hatten diesmal unsere belgischen Alliierten der diplomatischen Engländer vergessen, diplomatisch zu handeln. Einige Wagemutigen standen in Flandern auf, den schnöden Anfall abznwehren; andere scharten sich um sie; die Besten wurden durch Le Havre ihres Amtes entsetzt, weil sie es noch wagten, flämisch zu fühlen und dies offen zu sagen. Die Herren Minister 57 begingen eine schwere Dummheit, es war nicht die erste! In großer Zahl scharten sich die bewußten Flaminganten rund um ihre so betroffenen Anführer, und mächtig klingt es heute aus der Brust aller überzeugten Flaminganten: es lebe ein freies und selbständiges Flandern! — Lieber Junge, was ist doch aus Dir geworden? Wo ist der flinke, mutige Jüngling von vor wenigen Jahren hingekommen? Damals standest Du an unserer Spitze, kanntest keine Furcht, warst so ein prächtiger Idealist! — Und nun? — Je nun, hast Du vielleicht zuviel Anatole France gelesen? Bist Du ein Skeptiker geworden? Das Los unseres verkümmerten Volkes muß uns doch heilig sein! Heute gibt es nur die eine Frage für uns: Was ist für Flanderns Zukunft das Beste? Von der Entente haben wir nichts zu erwarten, das haben die Leutchen uns genug gesagt. Durch 80 Jahre hat man das flämische Volk auf verräterische Weise dem Untergang nahegebracht. Ist es heute nicht flämische Pflicht, zu fordern, daß Flandern befreit werde aus ertötenden Staatsfesseln? Du hast doch wahrlich von Deinem Vater die bekannte Bewunderung für 1830 nicht geerbt! Daß Deutschland nicht nur aus eitel Liebe zu den Flamen handelt, ist sehr wahrscheinlich. Doch kenne ich Deutsche, von den Gelehrtesten und Besten, die wahrlich aus ganzem Herzen unser Volk lieben und deren reine Liebe nicht durch politische Hintergedanken getrübt ist. Dann steht aber auch das eine für uns fest: Deutschland hat alles Interesse am Entstehen eines freien Flandern mit seiner eigenen flämisch-germanischen Kultur, als Bollwerk gegen die französische 'Annexion äes eeprite'. Deutsches und flämisches Interesse laufen notgedrungen zusammen. Das muß man einsehen lernen. Nicht unsere Schuld ist es, daß heute belgische und flämische Interessen sich widerstreiten, daß heute unsere Regie- rung unbedingt Flandern der berüchtigten 'Ilnitö beige' opfern will. Junge, Du bist allzulang in einem franskiljonistischen Milieu geblieben, das hat Dir viel von Deinem unabhängigen flämischen Geist geraubt. Vielleicht hast Du auch den Schaden noch nicht vergessen können, den Deine Eltern durch den Krieg gelitten haben. 58 Wie traurig das auch sein mag, es wiegt doch nichts gegenüber der Zukunftsfrage unseres Volkes. Die Deutschen haben Grausamkeiten begangen? Ich bin der erste, dies zu bedauern. Aber kennst Du einen Krieg, wo sich solches nicht ereignet? Was würden Wohl Franzosen, Engländer, Senegalneger, Anamiten, Indier und andere Weiße, Rote, Gelbe und Schwarze nicht alles getan haben, wenn sie nach Deutschland eingedrungen wären? Was haben die Russen dort nicht angerichtet? Auch bestand in Belgien tatsächlich ein Franktireurkrieg. Ein Stück davon habe ich mit eigenen Augen gesehen, anderes ist mir von glaubwürdiger, zudem deutschfeindlicher Seite berichtet worden. Hatten die deutschen Befehlshaber nicht die erste Pflicht, die ihnen anvertrauten Truppen gegen eine undisziplinierte, durch Haß erfüllte Zeitungsschreiber aufgehetzte Bevölkerung in Schutz zu nehmen? Wie dem aber auch sei, das alles sind keine Argumente gegen ein unabhängiges Flandern. Und wenn man mich vor das Dilemma stellt: Da Leigigue cke ckemain sera latiue ou ne sera pas', dann kann ich doch nicht anders antworten als: dann muß eben das alte Belgien zum Teufel gehen! Ist das nicht logisch?" — Ich denke, lieber Leser, du hast aus ausländischen Federn seit dem Kriege noch nicht zu oft solch herzerfrischende Worte gelesen, wie sie dieser junge flämische Kraftmensch mit seinen blauen Augen und seinem fröhlichen Lachen ausgesprochen hat. Darum sollten sie dir nicht vorenthalten bleiben. Sie könnten auch manch einen diesseits der Neichsgrenzen nachdenklich stimmen und für den Schreiber und seine gerechte Sache erwärmen. Das aber ist ja mein ganzer und letzter Zweck. 59 arum zum Schlüsse. Ich hoffe das Zeugnis ausgestellt zu bekommen, daß ich nichtsUnerlaubtes überKriegs- ziele ausgekramt und auf meinen Blättern doch manches Nützliche für Deutschlands Zukunft vorgebracht habe. Ich wäre glücklich, wenn auch mir eine flämische Stimme das Zeugnis ausstellen wollte, das in einem führenden flämischen Blatte einer deutschen Schrift jüngst zuteil geworden ist: „Wenn morgen unser größter Feind uns die Ehre erweist, in gerechter Weise über uns zu sprechen, dann können wir gerechterweise nichts anderes tun, als ihn hochschähen um seines Gerechtigkeitsgefühles willen. Jede andere Empfindung würde nur uns erniedrigen, ohne unserem Feinde zu schaden oder seine Ehre anzutasten." Wo solche Gesinnung herrscht, und sie ist im Begriffe, sich von Tag zu Tag weiter avszubreiten, da braucht es uns um die Zukunft wahrlich nicht zu bangen. Ob die Hoffnungen der Flamen in volle Verwirklichung gehen? Ob wir ihnen dazu verhelfen können? Ob wir sie ziehen lassen müssen einer neuen und aufs neue umdüsterten Zukunft entgegen, wer weiß es? Das aber ist sicher, daß der herrliche germanische Edelmut, der heute Flanderns Männerscharen durchzuckt und belebt, für ewig unverloren sein wird. Und auch das Kapital deutscher Teilnahme an ihrem Kampfe wird niemals weggeworfen sein. Es wird Früchte tragen, um so mehr, je selbstloser es aus dem Schatze des germanischen Bruderherzens dahingegeben wurde. Vielleicht kommt doch 60 noch einmal der Tag, wo ein zweiter Emanuel Hiel den Sieg der deutschen Waffen als Morgenröte für Flanderns Größe und Glück preisen wird! Und nun, deutscher Leser, entlass' ich dich mit den Versen, mit denen einer der begabtesten unter den vielen lebenden Dichtern Flanderns, Raphael Verhulst, den heutigen Kampf seines Volkes vor wenigen Wochen treffend aus eigenem Miterleben heraus geschildert hat. Sie seien dir ein Rückblick und ein Abschiedsgruß zugleich! Wir schaffen's nicht an einem Tag, Noch gilt's, was einer allein vermag. Nur dann gelingt's, wenn jetzt ihr Streben Alle über sich selbst erheben, Ihr Wollen treiben bis zur Tat, Nicht schrecken vor des Hasses Saat, Zu künden wagen klar und laut Die Liebe schön zu ihrer Braut! Sie sollen wägen nicht noch bangen Und doch in Demut sein befangen. Spröd sind die Kräfte, der Weg ist weit, Doch nirgends Hoffnungslosigkeit. — Wo zwanzig stolz und froh ausziehen Mit Worten, die Begeiferung glühen, Stehn alsbald zehn auf einer Ecke, Erschrocken über die Müh' der Strecke. Ihr Mund wird stumm, sie unterliegen. Ein Bleichgesicht wird niemals siegen. Bald fünfe von den andern zehn Verzagt an Leib und Seele gehn — Sie müssen süße Worte hören, Da sie auf Schmeichellockung schwören! — Ziehen entmutigt der Klause nach, Suchen die Ruh' und ihr sicheres Dach, 61 Da flammt es licht auf allen Wegen, Im Schlupfloch selbst wird man verlegen. Und festlich klingt der Helle Sang! Und festlich vorwärts geht der Gang! Die Lippen rasen, Augen funkeln — Bis wiederum die Himmel dunkeln. Der Sturm steigt auf, der Mut wird klein, Die kleine Schar steht wieder allein. Da ruft's: 'Bruder, ich bin am Ermüden!' — Keine Antwort; du hörst nur des Sturmes Wüten. — 'Ich kann nicht mehr!' — 'Dann laß es sein!' So klingt es härter als von Stein. Der weiter will, kehrt ihm den Rücken, Kein Trostwort, Kampf macht Lieb' ersticken. Er geht und fühlt die Tränen fließen, Trauert nur, weil sie im Stich ihn ließen. Der Streit macht hart! — Noch sind es vier, 'Verbittert, barsch, doch stolz sind wir!' Und sollten's drei, gar zwei nur werden, Es bleibt das alte Lied auf Erden: Den Ringkampf mit dem Ideal Führt Menschenschwäche — selbst hart wie Stahl! Noch zwei — nur zwei! — Doch von Gebrechen Im Menschenherz sollt ihr nicht sprechen: Die Hände reicht euch fester dar, Erschlaffen heißt jetzt die Gefahr! Drum spannt die Muskel, schafft euch Macht, Vorbei geht die Gespensternacht! Nur kämpft! Ihr müßt! Den Weg gebahnt, Daß Wankelmütigkeit nichts ahnt! Fort! — Fort!-Ei sieh! Die Sonn' fällt ein! Gespenster flieh'n bei ihrem Schein. Nun kommen wieder allerwegen Offene Arme dir entgegen. Nun plötzlich Fest- und Freudenjubel! Gefolge jetzt und Volks ein Trubel! Jetzt muß ein trunken glühend Leben Mit Wagemut uns Stärke geben! Die Fahnen hoch! Gesänge laut! Zusammen geh'n die Hände traut! Ein Bannerlied! Ein Hüteschwenken! Die Herzen glüh'n beim Darandenken. Und stürmt es wieder, haltet stand, Euch stärkt die Schar im ganzen Land! Jetzt wollen's und jetzt wagen's alle, Nicht betteln, fordern steht im Falle! Des Volkes Seele schimmert klar, Das Häuflein wird zur Heeresschar!" Carl Winters Umversitätsbuchhandlung in Heidelberg Vor kurzem erschien: England und die Napoleonische Weltpolitik i8oo-i8oz Von Otto Brandt Zweite Auflage. Schöner Pappband. Preis 5 M. Aus Grund umfangreichen Aktenstudiums konnte dieses Buch tiefer, als es bisher geschehen ist, in das so heftig umstrittene Napoleon-Problem eindrtngcn und zunächst die Tatsache noch unumstößlicher erweisen, daß daS ungeheure Ringen Napoleons mit der Weit ihm durch England ausgczwungen worden ist, das keinen Gleichberechtigten neben sich dulden wollte. Neu ist das Ergebnis der Forschung, daß England im Vertrauen aus Rußland im Jahre 1803 den Krieg wieder aufnahm. DaS Aufcinanderprallcn englischer und Napolconischer Weltpolitik in der entscheidendsten Krisis beansprucht ein fast aktuelles Interesse Ungcsncht bieten sich die lehrreichsten Parallelen zu den allerneusten Borgängen, und der Ausbruch des gegenwärtigen Kriegs wird dem Verständnis in eine neue Beleuchtung gerückt, vor allem die Politik Englands, das heute, bei veränderter Situation, doch immer mit den gleichen oder verwandten Mitteln den Kampf führt. Die Kölnische Zeitung schreibt über dieses Buch am Schluß eines längeren Aufsatzes „Wie England den Weltfrieden brach Eine Erinnerung": ... Man wird in heutigen Zeiten gerade dieses Buch mit Nutzen lesen, das die dramatischen Kämpfe vor und während des Friedens von Amiens behandelt. Seiner Darstellung sind wir in obigem Aufsatz in der Hauptsache gefolgt. Der Verfasser zeigt aus allen Seiten seine ticsc historische Bildung und kann mit einen, stattlichen Verzeichnis von Quellen dienen. Er läßt trotzdem seine Belesenheit nicht ausdringlich hcrvortreten. Das etwas über 200 Seiten starke Werk ist mit Geschmack geschrieben, hebt die Hauptpunkte richtig hervor und wahrt in der Form die Unparteilichkeit des Geschichtsschreibers. Schlüsse aus den Tatsachen zu ziehen, überläßt der Verfasser dem Leser. Wie er in der Einleitung mitteilt, hat er mehrjährige Studien über die napoleonische Epoche gemacht, noch in Paris im Frühjahr ISIS, vor Beginn des Weltkrieges. Das Mtcnmaterial jener Zeit ist von ihm auf Bibliotheken nnd Archiven cingesehen worden. Vielleicht werden deutsche Gelehrte nach diesem Kriege nicht mehr Zutritt zu fremden Archiven erhalten; um so wertvoller vom wissenschaftlichen Standpunkt aus ist die Darstellung Brandts. Sie ist auch allgemein nützlich, da dem deutschen Volke der Sinn des groben Kampfes mit England garnicht eindringlich genug dargctan werden kann. Man mub immer wieder zeigen, daß das, was England jetzt mit uns tut, diese ganze Flut von Schmähungen, Ränken und geheimen Bündnisse gegen uns, daß das nichts neues ist, der grobe Räuber jenseits der Meere m u b immer den Tüchtigsten von Europa totschlagen oder durch seine Gcsolgslcutc totschlagcn lassen, denn sonst müßte er bloß von seiner eigenen Arbeit und vom Ertrag des eigenen Bodens leben, und daS will und kann er nicht. Und wer in einer Welt von Fricdenstäuschungcn lebt, wer glaubt, England je mit Entgegenkommen, mit Wohlwollen, mit den besten nachbarlichen Absichten zu gewinnen, der lese die Geschichte des Friedens von Amiens. Im „Hochland", 14. Jahrg., Heft 4, schreibt Adolf Holzhausen am Schluß eines sechsseitigen Aufsatzes über Brandts Buch: ... Diese Politik in einer zwar kurzen, aber geschichtlich hochbedeutenden Spanne Zeit in ihrer Werkstatt beobachtet und in einem fesselnden, schön geschriebenen Buche die Beobachtungen niedcrgclegt zu haben, ist das Verdienst des jungen Gelehrten in der Ncckarstadt. Daß ein auf dem Erdkreise furchtbar lastendes Verhängnis ihm insofern hold war, als cs seiner Studie einen der historischen Forschung seltener anhaftenden aktuellen Reiz verlieh, ist zwar an sich ein zufälliger Umstand, zu dessen Eintreffen man ihn aber kaum weniger wird beglückwünschen dürfen als zur Vollendung seiner in plastischer Rundung gelungenen Arbeit. Soct/rc/i» NWE- Carl Winters Universitatsbuchhandlung in Heidelberg Ernst Troeltsch, Reden: Nach Erklärung der Mobilmachung. Rede gehalten bei der von Stadt und Universität (Heidelberg) einbernfencn vaterländischen Versammlung am 2. August 1014. 3.—4. Tausend. 60 Pf Unser No l löste er. Rede gehalten am 3. November 1914 in der vaterländischen Versammlung im Nibelungensaale zu Mannheim. 23 Pf. Das Wesen des Deutschen. Rede gehalten am 6. Dezem- ber 1914 in der vaterländischen Versammlung in der Karlsruher Stadthalle. 40 Pf. Hermann Onüen, Reden: Bismarck und die Zukunft Mitteleuropas. Rede, ge- halten bei der Feier der Universität Heidelberg znm Gedächtnis des 100jährigen Geburtstages Bismarcks am 10. Mai 1915. 25 Pf. Zum Gedächtnis Bismarcks. Ansprache gehalten am zehn- jährigen Todestage Bismarcks vor der Heidelberger Studentenschaft. 60 Pf. Deutschland und England. Heeres- oder Flottenverstärkung? Ein historisch-politischer Vortrag. 3. und 4. Tausend. 60 Pf. Der Kaiser und die Nation. Rede bei dem Festakt der Universität Heidelberg zur Erinnerung an die Befreiungskriege und zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Rcgierungsjubiläums Kaiser Wilhelms II. 60 Pf. Zapan und Deutschland. Ihre kulturellen und politischen Beziehungen und Tic japanische Gefahr für China, Amerika und Europa. Ein Vortrag im Zyklus der Kriegsvorträge gehalten zugunsten des Roten Kreuzes im Kollegienhaus zu Heidelberg am 27. Oktober 1914 von Professor Ricgelsberger, Heidelberg. 60 Pf. Britannien und der Krieg von Germanus, i M. Frankreich. Land und Staat. Von s. Haas, o. s. Prof. an der Universität Tübingen. XII, 620 Seiten. In Leinwand gebunden 4.20 M. — Das Buch gibt erschöpfende Auskunft über alles, was Frankreich betrifft. Friedrich der Groste. Ein Vortrag, erstmals gehalten zu Weimar im März 1912, in teilweise veränderter Form zu Heidelberg am 7. Oktober 1914 von Ferdinand Fehling, a. o. Professor an der Universität Heidelberg. 60 Pf. Friedrichs des Großen Gedichte vornehmlich aus der Zeit des siebenjährigen Krieges, ausgewählt und verdeutscht von Ferdinand Fehling, a. o. Professor an der Universität Heidelberg. 1 M. 81,6 ^si-Isrulis 51 42250 1 0Z1