e b e r s i ch t der n st a r b e t t I m allgemeinen Arbeitshause. Pfo r z h e i m, gedruckt bey Johann Michael Katz, Wittwe. 1826. Vorbemerkung. Unter dem' allgemeinen Arbeitshause wird hier nicht zugleich das polizeyliche Ctrafhaus, wo nur für die gemeine Hausbedürfnisse gearbeitet, und eine stärkere körperliche Anstrengung erfordert wird — verstanden. »k-. ^ seWWTsssssrLLSSEDVLLSLSssvsss AM i. Spitzen und Blonden. 1. ) Älle Dessins von Spitzen nach Brabanter Art, mik doppeltem Schlag. 2. ) Dessins nach allen Zeichnungen auf sächsische Faxvn mit einfachem Schlag. 3. ) Alle Blonden, welche ohne besonderes Werkzeug auf dem Spitzenkissen oder sogenanntem Carro gefertigt werden. 4. ) Ausbesserung beschädigter Spitzen auf eine ganz eigene Weise. Dafür sind zwei) Arbeiterinnen und Lehrerinnen angestellt. n. S t i ck e r e y. 1. ) Stickerei) in Tüll. 2. ) Blattstickerey. .) Tamporinstickerey. .) Straminstickerey in Seide und Wolle. .) Gold- und Silberstickerey. 6.) Gepreßte Gold - und Silberstickerey, besonders für Oberländer - und Schwarzwalder- Hauben. Dafür sind drey Hauptarbeiterinnen und Lehrerinnen angestellt. in. Spinnerey in Linnen. 1. ) Spinnerey auf kleinen. Maschinen neuester Erfindung, verbunden mit dreyfädiger Zwirnerei). 2. ) Spinnerey an 12spuligen Spinntischen. 3. ) Spinnerey mit 2 Spulen. 4. ) Sonstige feine Spinnerey mit gewöhnlichen Schnellem. 4 Die Spinnerei) zu 1.) leitet der Erfinder der Maschine, die übrige Spinnerei Arten leiten zwei) in der Feinspinnerey rühmlich bekannten Frauenspersonen. iv. Näherey und Strickerey Werden nicht als Verkaufs-, sondern blos als Lehr-Gegenstände behandelt, und von einer Lehrerin aä II. besorgt. V. Weberey in Linnen. 1. ) Feine Damastweberen nach allen Zeichnungen zu Tafeltnchern, Caffee- Tüchern und Servietten. 2. ) Einrichtungen zu sonstigem feinen Gebildt. 3. ) ditto zu feinen, rein linnenen Nastuchern, für deren Aechtheit besonders garantirt wird. Dafür sind 4 Werkmeister angestellt. vi. S e i d e n z u ch t. Wie die Maulbeerbaume zu pflanzen, wenn und wie die Blatter des Maulbeerbaumes für den Seidenwurm zu benutzen, wie der Seidenwurm, bis er ausgesponnen hat, zu behandeln, wie die gewonnene Seide zu zwirnen sey, wird Allen denen, welche sich ausweisen, daß sie zu Vermehrung der inländischen Seidenzucht, vom Jahr 1827 an Maulbeerbaume gepflanzt, unentgeldlichen Unterricht von einem Seidenweber, der sich dieses Gegenstandes wegen mehrere Jahre in Italien aufhielt und nun im Arbeitshause angestellt ist, gegeben werden; man wird dabey die erfreuliche Erfahrung machen, daß Seide mit gehöriger Umsicht auf deutschem Boden erzogen, wenigstens an Stärke, die italienische Seide übertreffe. 5 vn. Seidenweberei). Hier werden gefertigt: 1. ) Halstücher, 2. ) alle Sorten Tastet, 3. ) Atlaß, 4. ) Orsx äs 8oi, ' 5.) Levantin, 6. ) 6ros äs tour, 7. ) 6ros äs Raxles, 8. ) Sammet, 9. ) alle damasirte Fußarbeit, 10. ) damasirten Sammet, 11. ) Seiden-Damast, 12. ) Pftrdshaargeweb zu Meubles und Kappen, 13. ) Schnillien, 14. ) Ueberzüge für Knöpfe, 15. ) Seiden Nähgarn. ^ - Dafür sind drei) Werkmeister und Lehrer angestellt. vm. Bandweberey. 1. ) Seidcnband mit gewobenen Blumen. 2. ) Atlasband mit gepreßten Blumen. 3. ) Alle farbige Gürielbänder mit Wasserung. 4. ) Atlasbänder mit und ohne Zacken. 5. ) Lasso Kn - Band in allen Breiten. 6. ) Alle Gattungen Bändel in Leinen und Baumwolle. Dafür ist ein Werkmeister angestellt. 6 z IX. Possamentrie. Hier werden auf künstlichen, nach jenen in Elberfeld gefertigten, Maschinen bearbeitet : Alle Arten von Kordeln, - - - Rollschnüren, - - Litzen, - - - Gallonen, - - - Schellenzügen, Dafür ist ein Werkmeister und ein Gehilfe angestellt. in Seide, Wolle, Linnen und Camelgarn. x. Wvllenwaaren. 4 .) Alle Sorten von wollenem Strick- und Stopfgarn. 2. ) Schuhzeug. 3. ) Verschiedene Sorten Futterzeug. Dafür ist ein Werkmeister aufgestellt. xi. F ä r b e r e y. 1. ) Aecht Blauschwarz, und alle andere Arten Kesselschwarz. 2. ) Blau in allen Nuevcen; besonders das Louisen-Blau. 3. ) Carmoisin — roth, blau, violet, grün, gelb in allen Schattirungen. 4. ) Ebenso die Miß- und Halb-Farben. 5. ) Färberei) in Linnen, Wolle und Baumwolle. Hierzu ist ein Werkmeister, welcher sich in der berühmtesten Färberei) in Crefeld befähigt hat, mit Beyhilfe seines in der Färberei) gleichfalls befähigten Sohnes angestellt. 7 XII. Schlossere y. 1. ) Große Preßschrauben von 5 Schu lang und 7 Zoll dick, bis zu den Kleinsten von 2 Schu lang und 3 Zoll dick, mit Metallmuttern. 2. ) Holzschrauben von den Großem bis zu den Kleinsten. 3. ) Verschiedene Schrauben mit Muttern, um Thürenbande anzuschrauben. 4. ) Winkelkloben mit einem Gewind. 5. ) Winkelhaken nach verschiedener Art. 6. ) Tischhaken mit Kloben. 7. ) Schubladenringe mit einer Schraube. 8. ) Kloben mit rundem Loch und Gewind. 9. ) Pfropfenzieher. Sammtliche Gegenstände von 2 bis 9 werden von Drath auf Maschinen gemacht. 10. ) Charnierband vom Größten bis zum Kleinsten in Eisen und Messing. 11. ) Faßschrauben mit Metallmuttern. 12. ) Krahnen von Messing. Dafür ist ein vorzüglicher Werkmeister mit mehreren Gesellen angestellt. xm. Dreherei). 1. ) Gießerei) in Messing, als: Leuchter, Girandolen, metallene Formen, um zinnerne Leuchter zu gießen. 2. ) Alle Dreherarbeiten in Holz, Horn, Bein, Metall und sonstigen Körpern. Dafür ist ein in seinen Arbeiten besonders bewahrter Werkmeister angestellt. xiv. Schlosserei) und Dreherei) gemeinschaftlich. 1. ) Feuerspritzen zu 800 bis 1800 fl., deren Haltbarkeit und Vorzüglichkeit auf mehrere Jahren garantirt wird. 2. ) Weintrotten. 3. ) Pumpenröhren für Brunnen. 8 Man wird sich Lä 1.) Lesonbers angelegen seyn lassen, dem Vertrauen der Gemeinden , welches sie dem Institut und dem deßfallsigen Fabrikationszwcige schenken wollen, sowohl ihres Interesse, als.des damit verbundenen Staats-Interesse wegen auf die vollkommenste und uneigennützigste Weise zu entsprechen. Kmnstarbeiten, in welchen vorzüglich die Taubstummen geübt werden sollen. 1. ) Lytographie, wofür zwei) — nach ihren bisherigen Leistungen rühmlichst bekannte Lytographen angestellt sind. 2. ) Malcreyen, und zwar: s. Portrat-Maler, l>. Schild-Maler, sowohl für Aushäng-Tafeln, als Uhrenblätter für Schwarzwälder - Uhren. 3. ) Zeichnungen nach allen Gegenständen. 4. ) Schnitzwaaren, oder sogenannte Nürnberger Spielsachen für Kinder — Vogelkäfige mit beweglichen Figuren, und dergleichen mehr. Nur auf besondere Bestellungen werden gefertigt: Ganze Kleider mit Brabanter oder sächsischen Spitzen, Blonden, oder nach gezeichneten Stickereyen, Meubles von Seidenzeug oder Roßhaar — damastenes Tischzeug — Feuerspritzen — Trotten — Brunnenröhre — Lytographische Arbeiten — Malcreyen und Färbereyen. ? Pädagogischer und religiöser Unterricht im Allgemeinen und besonderer artistischer Unterricht für Taubstumme. Den religiösen Unterricht in den beydcn christlichen Confessionen gemeinsamen sichren besorgen zwei) Unterlehrer, wovon einer der katholischen, der andere der evangelischen Confesston zugethan ist, unter der Aufsicht des beyderseitigen Pfarrvorstandes und des Oberlehrers. Sind Kinder der Confirmation nahe, so werden sie in den Unterscheidungslehren von dem Geistlichen und dem Unterlehrer ihrer Confesston unterrichtet. Den Unterricht der Taubstummen, um sie zur Tonsprache zu bringen, besorgt ein eigener, durch Bcsuchung der berühmtesten Taubstummen-Institute praktisch gebildeter und dieser unglücklichen Menschenklasse sich ganz opfernder Lehrer. Den pädagogischen Unterricht besorgen die beyden Unterlehrer gemeinschaftlich unter der Leitung und Aufsicht des Oberlehrers der Taubstummen. Kostgänger. Obrigkeiten, Aeltern, Vormünder, welcheKinder gegen tarifmäßige Zahlung dem Institut anvertrauen wollen, werden ersucht, bei) der Anmeldung zugleich zu bemerken, ob sie eine besondere Neigung des Kindes für diesen oder jenen Industriezweig wahr- genommcn haben und ob sie wünschen, den besondern Unterricht nach dieser Neigung zu bestimmen.