Maasordnung 4 for das Großherzogthum Baden. Mit den dazu gehoͤrigen Inſtruktionen. Karlsruhe, in der Chr. Fr. Müller'ſchen Hofbuchhandlung. 1829. Aua Aan~T e Sim Vollzug der§ 8 24, 26, und 28 der Maas- Ordnung werden die, dieſer Verordnung unter I, T, und III, hier nachfolgenden Inſtructionen ertheilt, wo⸗ nach ſich ſaͤmmtliche Eichaͤmter, ſo wie die das Maas⸗ weſen beaufſichtigenden Behoͤrden zu achten haben. Carlsruhe, am 7. Auguſt 1829. Miniſterium des Innern. Frhr. v. Berckheim. Vdt. v. Adelsheim. Maas⸗-Ordnung fuͤr das Großherzogthum Baden. I. Capitel. Allgemeines Maas⸗ und Gewicht⸗Syſtem. §. 1. SNe, durch das Geſetz vom 10, November 1810 und die Verordnung vom 21. Auguſt 1828 beſtimmten Maaſe und Gewichte ſind von dem franzoͤſiſchen Maas-Syſtem abgeleitet, deſſen Grundlage die in dem zehenmil⸗ lionſten Theile des Meridian⸗Quadranten gegebene Groͤße, unter dem Namen Meter, bildet. Sa' E Die Einheit der Laͤngenmaaſe iſt der Fuß von drei Decimeter oder dreizehentel Meter des franzoͤſiſchen metriſchen Syſtems. Er ſoll nicht anders, als zehentheilig in Zolle, Linien und Punkte getheilt werden. A — Zehen Fuß machen eine Ruthe. Die Elle ſoll zwei Fuße lang ſeyn und in Viertel, Achtel und Sechzehentel getheilt werden. Das Klafter hat ſechs Fuße. Die Wegſtunde iſt nahe vierzehentauſend achthundert fünfzehen Fuße(und genauer 14814, 8148 Fuße.) Die Meile ift die doppelte Wegſtunde. §. 3. Flaͤchen⸗Maaſe. Die Flächen maaſe ſind die Quadrate der Laͤngenmaaſe.=- s Hundert Quadrat- Ruthen en ein Viertel, vier Viertel einen Morgen aus⸗ madhen, §. 4. Koͤrperliche Maaſe. Die Koͤrpermaaſe ſind uͤberhaupt die Kubi der Laͤngenmaaſe. Ausnahmsweiſe aber ſoll das Brennholz⸗Klafter ſechs Fuße hoch und breit, die Scheitlänge hingegen vier Fuße ſeyn. r§. 5. 13 Die Einheit der Hohlmaaſe iſt das Meßlein und die Maas von Kubikfuß des neuen badi⸗ g fhen, ober von ein und ein halb Kubik⸗Deci⸗ meter oder ein und ein halb Liter des metriſchen Maaſes. Die Maaſe fuͤr ſackfaͤhige und fluͤſſige Dinge ſollen in ihren zehentheiligen Abſtufun⸗ gen hiernach gleichen Inhalt haben, und ſeyn: für ſackfähige Dinge. für flüſſige Dinge. Meßlein oder Maas. der Zuber= das Fuder S 1000 da8 Malter— die Dhm= 100 der Seſten—⸗ die Stuͤtze S 10 das Meßlein=— bdie Maas= 1 der Beher-— dag Glag= Zum Gebrauche ſind Halb ſeſter und Doppel- ſeſter, Halbmeßlein und Doppelmeßlein, die Halbmaas, der Schoppen und Halbſchop⸗ pen, als Haͤlfte, Viertel und Achtel der Maas, geſtattet. §. 6. Gewichte. Das Pfund iſt die Einheit der Gewichte, be⸗ trågt einen halben Kilogramm des franzoͤſiſchen metriſchen Syſtems, und hat das halbe Gewicht des reinſten und dichteſten Waſſers im Kubik⸗ Decimeter und den dritten Theil des Gewichts ſolchen Waſſers im Meßlein oder in der Maas. Die Stufen aufwaͤrts vom Pfund geben den Stein von zehen, den Centner von hundert Pfunden. A 2 Abwaͤrts ſind ſie fuͤr Rechnung zehentheilig, in Zehenlinge, Centaß, Dekaß, Aß ein⸗ getheilt. Fuͤr den Verkehr aber, ſoll das Pfund nach rein fortgeſetzten Halbirungen ſeine Marke, Vierlinge, Halb— vierlinge, Unzen, Lothe, Halblothe, Quentchen, Halb⸗ quentchen, und dann weiter vom Quentchen herab, nach Vierteln herabſteigend, ſeine Pfenninge, Karate, Grane, Graͤnchen und Richttheile haben, ſo daß die Mark aus 65 536 alſo das Pfund aus 131072 ſolcher Ridt- theile beſteht. II. Capitel. Maaſe und Gewichte zum wirklichen Gebrauche, und deren Beſchaffenheit und Anwendung; Inhaltsbeſtimmung der zum Detail— Verkauf und zum Transport der Fluͤſſigkeiten be⸗ ſtimmten Gefaͤße. §. 7. Alle Maaſe und Gewichte, welche im öffentlichen, wie im Privatverkehre, bei Ausuͤbung von Gewerbsbe⸗ fugniſſen, beim Geben und Empfangen in Gefolge pri⸗ vatrechtlicher Verbindlichkeiten, bei Vollziehung von Accorden uͤber techniſche Arbeiten, zum Meſſen und Waͤgen gebraucht werden, muͤſſen nach dem neuen Maaſe und Gewichte und den nachſtehenden Vorſchriften gefer⸗ tiget und geeicht ſeyn, und das vorgeſchriebene Kenn⸗ zeichen der Eiche tragen. a—— — A a — pe § 8. J. Laͤngenmaaſe zum Meſſen der Längen, Flachen und Koͤrper. Die Fußſtaͤbe mit ihren zehentheiligen Eintheilungen in Zolle, Linien und Punkte, die Ellen, Klafter und Ruthenſtaäͤbe, koͤnnen fuͤr den gemeinen Gebrauch von Holz, auch zur Be— quemlichkeit zum Zuſammenlegen oder Ineinanderſchieben eingerichtet werden, ſollen aber, die gemeinen aus har— tem Holze zu fertigenden Ellenſtaͤbe ausgenommen, we⸗ nigſtens an den Enden mit metallenen Zwingen ver⸗ ſehen ſeyn. Die Ellenſtaͤbe werden nur in Viertel, Achtel und Sech zehentel, die Klafterſtaͤbe nur in ſechs Fuße oder ſechzig Zolle eingetheilt. Die nicht anders als zehentheilig getheilte Ruthe iſt auch das Maas der Bergleute, ſtatt des Lachters. §. 9. I. Maaſe fuͤr ſackfähige Dinge, Arten und Form, Die Maaſe fuͤr ſackfaͤhige Dinge ſollen nach Moͤg⸗ lichkeit cylindriſch, von oben nah unten von gleiz cher Hohldicke oder innerer Weite, und vom Seſter aufwaͤrts, zwei Drittel des Durchmeſſers tief ſeyn; hingegen vom Seſter an, abwaͤrts, und mit Einſchluß deſſelben, die Hälfte des Durchmeſ— ſers zur Tiefe haben. Darnach werden die Dimen— ſionen dieſer Gefaͤße beſtimmt wie folgt: Durchmeſſer. Tiefe. Zolle. Linien. Punkte. Zolle. Linien. Punkte. Der Doppelſeſter 12. 8. 5,o 8. 5. 6,6 e efter 1i: 2: 2,9 Do O 3 „Halbſeſter Q i ls he 0,9 Das Doppelmeßlein 6. 5. 6, 1 3. 00 oo , „Mioßlein 5. 21,0 2, 6 0,5 =- Halbmeflein D Te 3h 2. 0 67 Der Beher Ro h yO L 2, 0 Gine leicht in die Augen falende Abweichung von den hier angegebenen Dimenſionen-Verhaͤltniſſen, bez ſonders ein groͤßerer Durchmeſſer im Verhaͤltniß zur Tiefe macht die Gefaͤße verwerflich. Bei Ge— faͤßen, die zu groß ſind, darf dieſem Fehler durch Be- feſtigung von Holzſtuͤcken im innern Raume nicht ab⸗ geholfen werden. Sie ſollen aus hartem, gut ausgetrocknetem Holze gefertiget werden, auch bei der Abgabe an das Eichamt etwas tiefer ſeyn, als oben angegeben iſt, um in die Tiefe genau geeicht werden zu koͤnnen. Die Waͤnde und der Boden ſollen die gehoͤrige Staͤrke haben, in ihrer Zuſammenfuͤgung feſt ſchließen, und keine Uneben⸗ heiten darbieten. Die obere Flaͤche des durch eine Stange unter⸗ ſtuͤtzten Steges muß in der Ebene des Randes liegen, alfo nicht unter und noh weniger, uͤber derſelben. -= zé —— p Das Streichholz ſoll ein gerades lattenfoͤrmiges, auf beiden Seiten der ganzen Laͤnge nach abgerundetes, Stuͤck harten Holzes, zwei Zoll breit, 2 Zoll dig, und von der får den Seſter oder Doppelſeſter erforder⸗ lichen Laͤnge von 16— 18 Zollen ſeyn. Auf jeder der beiden Flaͤchen wird der ganzen Laͤnge nach, und in ihrer Mitte eine Hohlkehle ohngefaͤhr 2 Zoll breit und eine Linie tief gezogen. §. 10. Beſondere Beſtimmungen uͤber Molzer⸗ Maaſe. Es ſollen keine andere Molzermaaſe vorhan⸗ den ſeyn, als blos eines vom Seſter, welches geſtri⸗ chen, den Antheil enthaͤlt, den die Muͤller nach den beſtehenden Tarifen zu beziehen berechtiget ſind. So⸗ bald der Molzer von einer groͤßern Quantitaͤt Frucht ſich zum Meſſen mit dem allgemeinen Maas eignet, ſo iſt auch alsdann dieſes dabei zu gebrauchen. Dieſes Seſter-Molzer⸗Maas wird zwar in ſeiner Form aͤhnlich den allgemeinen Fruchtgefaͤßen, bekommt aber die Aufſchrift:„Molzermaas“ mit der Anzeige des Theils vom Seſter, den es vorſtellt, und geht wie andere Maaſe nur aus den Haͤnden der verpflichteten Eicher legal aus, nachdem ſein Gehalt mit obrigkeitlicher Genehmigung genau beſtimmt und bezeichnet worden iſt.; SET III. Maaſe fur fluͤſſige Dinge. a. Die metallenen Maasgefaͤße. Die zinnernen, kupfernen und blechernen Maas- gefaͤße ſollen eine doppelte Tiefe gegen die Weite und eine um den obern Rand befindliche, in eine Schnaupe ausgebildete, Stuͤlpe haben. Blecherne Gefaͤße mit Haͤngehaken und zum Anfuͤllen durch bloßes Eintauchen, wie gewoͤhnlich beim Oelverkaufe geſchieht, koͤnnen eine Tiefe haben, die der Weite gleich iſt. Zur Beſtimmung des Inhalts metallener Gefaͤße duͤrfen weder bewegliche, oder angeloͤthete Zaͤpfchen, Spitzen, warzenfoͤrmige Knoͤpfchen, Auslaufoͤffnungen, noch andere dergleichen Vorrichtungen angebracht wer— den, die den Inhalt unrichtig oder unbeſtimmbar machen. Hiernach bekommen die kleinen metallenen Fluͤſſig⸗ keitsgefaͤße des gemeinen Verkehrs folgende Dimenſionen: Weite oder Durchmeſſer. Tiefe. Zolle. Linien. Punkte. Zolle. Linien. Punkte, Die Maas 3. 2, 8,2 6 5 6,5 „Halbmaas 2 6. 0,5 5. 1,0 Der Shoppen 20 68 4e 1 3,6 ⸗Halbſchoppen 1. 6. 4,0 3336375 Fuͤr die Anfuͤllung durch Eintauchen: D Die Maas he 1 3,6 h 1 3,6 i = pHalbmaas 3. 2. 3,0 3 a 00 Der Shoppen 2, 6 0,5 2 6 05 = palbfhoppen 2 oœ 6,8 E2 o. 6,8 j — Ueber das Verzinnen der kupfernen und den Zinn⸗ gehalt der zinnernen, zum Verkehr und fuͤr Geträͤnke⸗ fluͤſigkeiten dienenden Gefaͤße, ſind die Anordnungen der zu beobachten. b. Die hoͤlzernen Fluͤſſigkeits⸗ Maasgefeße. Die Stützen ſollen in ihrer gewoͤhnlichen, abge⸗ kuͤrzten, coniſchen Form den Inhalt von 2 zu 2 Maa⸗ ſen angeben, und die Zehentkuͤbel, welche 10 Maaſe oder eine Stuͤtze enthalten, von 2 zu 2 Maaſen be— zeichnet werden, und nur einen kleinen uͤberfluͤſſigen Raum haben. Die Tragbuͤtten ſollen auf 25 Maaſe oder T Ohm geeicht, und darin mit Naͤgeln die 1ote, lbte⸗ 20ſte und 25ſte Maas bemerkt werden. 8 12, Eiche der Wirthsgefaͤße zum Ausſchank. Alle fuͤr den oͤffentlichen Detail-Verkauf des Weins Biers und Brandweins beſtimmten Gefaͤße jeder Art, ſollen geeicht ſeyn, und das Eichzeichen nahe einen Zoll unter der Halsóffnung und nahe 4 Zoll vom Rande der Schoppenglaͤſer fallen. Halsflaſchen, deren Eichzeichen weniger als 4 Zoll von der Halsoͤffnung, und Schoppenglaͤſer, die daſſelbe nicht wenigſtens 3 Zoll unter dem Rande tragen, find ver: werflich. Schlegel⸗Bouteillen duͤrfen zum Ausſchenken von Wein und Bier nur dann gebraucht werden, wenn ſie — 10— zur Eichung und Bezeichnung auf 4 Maas oder einen Schoppen tauglich ſind. Ausgenommen von vorſtehenden Vorſchriften bleibt der Verkauf feiner Bouteillen-Weine, ſo wie der Verkauf des Krugbiers in Kaffeehaͤuſern. §. 13. Eiche der Faͤſſer, die zum Transport dienen. Alle Faͤſſer, die zum Transport von Fluͤſſigkeiten im inlaͤndiſchen Verkehre dienen, ſind auf das neue allgemeine Maas nach den hieruͤber beſonders er—⸗ gehenden Vorſchriften zu eichen; der als richtig aner— kannte alte Inhalt wird nur im neuen überſetzt, und auf dem Faßboden bemerkt. Jeder Kuͤfer, der ein neues Faß verfertigt, oder eine betraͤchtliche, ein neues Eichen erfordernde Repa- ration an einem alten Dap vorgenommen hat, ift verz bunden, fuͤr das Eichen deſſelben zu ſorgen, und darf ſolches nicht ungeeicht abgeben. §. 14. IV. Beſondere Hohlmaaſe. a. Fuͤr Holzkohlen. Die Hohlmaaſe fuͤr Holzkohlen beſtehen in ge⸗ flochtenen Gefaͤßen, die ein neues Malter halten, in viereckig rechtwinklicher Korbform. > > — 11— Damit der Korb, welcher eben ſo breit, als tief ſeyn ſoll, mit Kohlen nur eben angefuͤllt, ein neues Malter von 10 Seftern alfo 95 Kubikfuße Raum enthalte, muß derſelbe im Lichten 15 Zolle breit, eben fo tief, und 24 Zolle, 6 Linien, 9 Punk⸗ te alſo nahe 25 Zolle lang ſeyn. Fuͤr den Inhalt von zwei Maltern aber bekommt er eine Breite und Tiefe von 18 Zollen 9 Linien und eine Långe von 31 Zollen, ı Linie, Es wird jedoch für dieſe Maasgattung jede be⸗ queme Form, namentlich die Wanne geſtattet, nur muß das Gefäͤß vorſchriftsmaͤßig geeicht werden. §. 15. b. Für Erze und Steinkohlen. Das Erzmaas ſoll bis zum Rande eben ange- falt, gwei Sefter halten, cylindrifh wie die Seſter⸗ maafe au einer gangen Seitenwand aber eben fo tief, als weit im Durchmeſſer ſeyn. Demnach be⸗ fommt e8 11 Zole 2 Linien 2, 5 Punkte(ſehr nahe 114 neue Zole) gur Tiefe ſowohl als im Durchmeſſer. Wird das Maas etwas abgekuͤrzt, coniſch ge— macht, ſo ſoll es gleichwohl die angezeigte Tiefe und Weite haben, letztere aber, als das Mittel zwiſchen der groͤßern und kleinern, in der Mitte der Höhe ges nommen ſeyn. 146. V. Gewichte und Wagen. Die Gewichte ſollen von Eiſen oder Meſſing verfertiget, und koͤnnen in jeder ganzen Pfundzahl vor⸗ handen ſeyn. Es ſoll dafuͤr geſorgt werden, daß vorzuͤglich die Stuͤcke von 1 bis 5 Pfunden, dann die von 10, 29, 50, 100 Pfunden oder 1 Eentner, ſtets zu erhalten ſind, ſo wie abwaͤrts vom Pfund alle bisher uͤbliche Halbirungen. Die Gewichte von Eiſen ſollen einen verhaͤltniß⸗ maͤßig ſtarken Ring in einem Ringzapfen haben, wel⸗ cher in das Gewichtſtück mit Bley befeftigt ift, zu deſſen Einguß es unten eine Hoͤhle hat, und auf wel⸗ ches das Eichzeichen geſchlagen wird. Es wird denſelben eine ſolche Form gegeben, daß ſie auf einander geſetzt, eine ſechseckige Piramide bilden. Verboten ſind alle Gewichtſtuͤcke, die andere An- haͤngſel haben, oder überhaupt ſo beſchaffen ſind, baf ſie nach der Eichung eine nicht leicht erkennbare Ver— aͤnderung in ihrer urſpruͤnglichen Form erhalten koͤnnen. In der Regel ſollen nur gleicharmige Wagen gebraucht werden. Der Gebrauch der Schnell- und Federwagen iſt nur fuͤr ſolche Dinge erlaubt, bei denen es auf die genaue Beſtimmung der Theile eines Pfundes nicht ankommt. iiie w ipe — 13— 8. 17. Ausnahmen von dem Gebrauch des allgemei⸗ nen Gewichts. Apotheker- und Muͤnz⸗Gewicht. Den Apotheken wird zur Zeit noch die Beibehal— tung ihres bisherigen Medicinal-Gewichtes und deſſen bisherige Eintheilung des Pfundes in 12 Unzen, der Unze in 8 Drachmen, der Drachme in 3 cruz pel, des Scrupels in 20 Grane erlaubt. Dieſes Apotheker-Pfund verhaͤlt ſich zum neuen Pfunde wie 730 900 zu 1021438 oder ſehr nahe, wie 731: 1021, wonach 1397 Apothekerpfunde 1000 neue Pfunde oder 10 Apothekerpfunde oder 120 Unzen nahe 7 Pfunde 5. Loth neues Gewicht geben, und 7 Apotheker-Pfunde nahe b neue Pfunde aus- machen. Es erſtreckt ſich jedoch der verſtattete Gebrauch dieſes Gewichts nur auf die Verfertigung der Re⸗ cepte und Abgabe der Arzneimittel aus der Apotheke. Zu allem, was Apotheker ſonſt fuͤr den gewoͤhn⸗ lichen Gebrauch oder zum Handel einkaufen oder ver- kaufen, ſollen ſie ſich des allgemeinen Landesge⸗ wichts bedienen. Das Muͤnzgewicht bleibt ebenfalls einſt wei⸗ len noch das koͤllniſche Gewicht, das ſich zum allgemeinen badiſchen, wie 93456 zu 100 00⁰ verhaͤlt. Andere Ausnahmen von dem allgemeinen Maaſe und Gewichte finden nicht Statt und haben ſich deſſel⸗ ben auh die Gold- und Silberarbeiter und die Sus weliere zu bedienen, + §. 18. Anwendung der Maaſe und Gewichte. Das groͤßte anwendbare Laͤngenmaas in den Kauflaͤden iſt die Elle; das des Feldmeſſers, die Ruthe oder Doppelruthez; fuͤr ſackfaͤhige Dinge in der Regel der Seſter, fuͤr Erz, Kalk, wo der⸗ ſelbe nicht in Klaftern aufgeſetzt oder gewogen wird, der Seſter oder Doppelſeſterz fuͤr fluͤſſiges, die Stuͤtze oder Doppelſtützez fuͤr Kohlen, der 1 oder 2 Malter haltende Korb oder die Wan— ne; fuͤr Gewichte, der Centner. Groͤßere Quanti⸗ taͤten werden mit dieſen Maaſen und Gewichten, klei⸗ nere mit den denſelben zunaͤchſt entſprechenden Maaſen und Gewichten und nicht durch Wiederholung der Zuz meſſung und Abwaͤgung, mit kleinern Gefaͤßen und Gewichten, gemeſſen und gewogen, wo nicht die Bez theiligten ein Anderes verabreden. Inöbeſondere iſt die Anwendung des Doppelſeſters zum Meſſen groͤßerer Quantitaͤten ſackfaͤhiger Dinge durch ſolche Verabredung bedingt. In Anſehung des Meſſens und Waͤgens uͤber⸗ haupt, inſofern nemlich bei einem Gegenſtand deſſelben entweder das eine oder das andere, oder beides Statt Da —— — 15— finden koͤnnte, ſo wie in Abſicht auf die Art deg Meſ⸗ ſens, ob nemlich glatt geſtrichen, oder ſaͤgeweiſe geſtri⸗ chen, oder gehaͤuft gemeſſen werden ſoll, wird es bei den bisherigen Gewohnheiten und polizeilichen allge⸗ meinen Localbeſtimmungen belaſſen. §. 19. Verbot jeder Abweichung von dem allgemei⸗ nen Maas und Gewichte bei Verfertigung der Maaswerkzeuge und deren An⸗ wendung. Es iſt unbedingt verboten, irgend eines der obi⸗ gen allgemeinen Maaſe und Gewichte, wenn auch nur zur Bequemlichkeit, zu aͤndern, groͤßer zu machen, um etwa nach einem bisherigen Herkommen, das Ein⸗ maas oder die Zugabe beſtimmter in das Maas ſelbſt zu bringen, oder zu irgend einer Entſchaͤdigung, oder um eines erlittenen Abgangs willen kleiner zu machen, damit es bei der Ausgabe, wie bei der Einnahme auf dieſelbe Zahl fuͤhre. Insbeſondere ſollen alle Detail-Maaſe und Ge⸗ wichte ihrem kubiſchen Inhalte nach ſtets zu den hö⸗ hern Stufen genau in dem Verhaͤltniſſe ſtehen, das ihr Name und ihre Unterabtheilung erfordert, die Fluſſigkeitsmaaſe für Helles, Trubes und Treſter, die Hohlmaaſe fuͤr ſackfaͤhige Dinge, får rauhe und glatte Fruͤchte gleich ſeyn, und ein beſonderes Klaftermaas fuͤr gruͤnes Holz, nicht verſtattet werden. Auch dürfen nur Centnergewichte von 100 Pfun⸗ den, und keine ſolche Gewichte, die blos um des be⸗ quemeren Waͤgens willen, eine beſtimmte Tara ent⸗ halten ſollen, gefertigt und geeicht werden. In allen Faͤllen uͤberhaupt, wo eine Ausgleichung erforderlich iſt, die bisher durch Anwendung eines groͤßern Maaſes erfolgte, ſoll dieſelbe kunftighin ledig⸗ lich durch eine, dem Herkommen angemeſſene Zugabe, bewirkt werden. Bei der Meſſung von Grundſtuͤcken iſt es unter⸗ ſagt, wie es bisher hie und da uͤblich war, um des Ertrages, der Beſchaffenheit des Bodens, oder der Art der Benutzung willen, den Flaͤchengehalt anders, als nach den aus der Anwendung der allgemeinen Laͤngen⸗ maaſe erwachſenden, in§. 3. angegebenen, fuͤr alle Grundſtücke gleichen Flaͤchenmaaſe zu beſtimmen und auszudruͤcken. Jede Abweichung von dem geſetzlichen Maaſe, von der angegebenen oder aͤhnlichen Art, ſoll ſowohl gegen diejenigen, welche ſich dieſelbe erlauben, als ge— gen die obrigkeitlichen Perſonen, die ſie dulden, mit gebuͤhrender Strafe geahndet werden. | Nur ſoll den Localobrigkeiten in Beziehung Ai das Holzmaas uͤberlaſſen bleiben, da wo die Beſtim⸗ mung der Scheiterlaͤnge von 4 Fußen in der Ausfuͤh⸗ rung Schwierigkeiten findet, bis auf Weiteres, Nach⸗ | ſicht eintreten zu laſſen. | III. Cap, III. Capit el. Von den Anſtalten zur Erhaltung der Unver— aͤnderlichkeit des allgemeinen Maaſes und Ge⸗ wichtes, und zur richtigen Bezeichnung der Maas⸗Gefaͤße. §. 20. Erhaltung und Pruͤfung der Urmaaſe. Die Bewahrung und periodiſche Pruͤfung der nah dem neuen Maas-Syſtem gefertigten Urmaaſe und Gewichte mit den zu den Maasunterſuchungen ge⸗ brauchten Geraͤthſchaften, iſt unter Aufſicht des Miniſteriums des Innern, der Ober-Direk⸗ tion des Waſſer- und Straßenbaues uͤbertra⸗ gen, welche hieruͤber beſondere Inſtruktion erhal⸗ ten ſoll. § 2L Lagerſtaͤtten. In den Reſidenzſtäͤdten Carlsruhe und Mannheim und in der Stadt Freiburg beſtehen Anſtalten zur Nie⸗ derlegung und Bewahrung der Lagermaaſe und Ge⸗ wichte, welche nach den Normal-Maaſen- und Ge⸗ wichten gefertigt, zur Bildung und Pruͤfung der Eich— maaſe und Gewichte dienen. Sie ſtehen unter drr Verwahrung des Bezirks⸗ Ingenieurs, der dafuͤr verantwortlich iſt, und ſind von B — 18— Zeit zu Zeit einer Pruͤfung zu unterwerfen, woruͤber beſondere Inſtruktion ergehen wird. §. 22, Ober⸗Eichämter. Zum Zweck der Pruͤfung und Berichtigung der Eichmaaſe ſoll in jeder Lagerſtaͤtte ein Ober-Eich⸗ amt angeordnet werden, das aug dem Bezirks-In⸗ genieur und zwei Kuͤnſtlern beſteht, welche letztere von den Stadtraͤthen vorgeſchlagen und in der Lagerſtaͤtte Carlsruhe von der Polizey-Direktion, und in den Lagerſtaͤtten Mannheim und Freyburg von den Kreis⸗ Direktorien beſtaͤtigt werden. Saͤmmtliche Mitglieder des Ober-Eichamts un⸗ terzeichnen die Urkunde uͤber die Richtigkeit eines Eich⸗ maaſes. Dem Ober-Eichamte zu Carlsruhe werden Die Eichaͤmter des Kinzig- und Murg- und Pfinzkreiſes, dem zu Mannheim, die des Neckar- und Main- und Tauberkreiſes; dem zu Freiburg, die des See- und Dreiſamkreiſes zugewieſen. §. 23. Eichſtaͤtten. In der Regel ſoll jede Stadt, wo ſich der Sitz eines Amtes befindet, die Eichſtaͤtte fuͤr die Orte ſeines Bezirks ſeyn. Aemter, welche zu klein ſind, um einen eigenen Eichbezirk zu bilden, der in der Regel wenig⸗ S ſtens 8000 Seelen in ſich begreifen ſoll, werden einer benachbarten Eichſtaͤtte zugetheilt. Im Orte, wo der Sitz mehrerer Aemter ſich befindet, vereinigt ſich der Stadt⸗ und Land-Bezirk zu einer einzigen Eichſtäͤtte. Zur Bezeichnung der Maaſe und Gewichte, hat jede Eichſtaͤtte einen Stempel mit der Nummer de Bezirkes. $ 24 Eich⸗Aemter. Jede Eichſtäͤtte iſt der Sig eines Eichamtes. Es beſteht aus drei vom Stadtrathe unter amt⸗ liher Genehmigung ernannten, nah vorheriger: Pri- fung deg Eichens kundig erfundenen Perſonen, deren Gewerbe ſie dazu am tauglichſten macht. Sie werden zur Beobachtung eines überall gleichen Verfahrens nach der beſondern Inſtruktion verpflichtet, die hieruͤber er⸗ gehen wird. Es iſt ihnen geſtattet, unter obrigkeitlicher Ge⸗ nehmigung fuͤr die Vornahme der Eichgeſchaͤfte? eine Zeit zu beſtimmen, und zu dieſem Zwecke die geeignete offentliche Bekanntmachung oder Einladung ergehen zu laſſen. Niemand, der nicht auf die vorbeſchriebene Art dazu obrigkeitlich beſtellt und befugt= fol fih deg Eichens unterfangen. B 2 §. 25. Eich⸗Apparat. Die Eich-Maaſe und Gewichte unterſcheiden ſich von den zum Gebrauche im Verkehr beſtimmten Maa- ſen und Gewichten darin, daß die Eich-Hohlmaaſe feine andere Abſtufungen erhalten, als die in da8 Dez zimal-Syſtem paſſen, das Verhaͤltniß ihrer Tiefe aur Breite, wie ı zu 1 ift, und die Eichgewichte nicht die gewoͤhnliche Schaalenform erhalten, fondern in ſoliden cylindriſchen Stuͤcken verfertigt ſeyn muͤſſen. Der Eich-Apparat beſteht aus folgenden Stiens 1) aus einem Staabe von Eiſen, worauf das Klaf— ter, die halbe Ruthe, die Elle, der Fuß mit ſei⸗ nen Haupteintheilungen ſich befinden, in einer ei— ſernen Elle, mit hervorragenden Schaͤrfen, welche durch Aufſchlag auf einem dazu geformten hoͤlzer— nen Staab die Elle fuͤrs gemeine Leben giebt; 2) aus einer Seſterſtuͤtze, Halbſeſterſtuͤtze, Doppel⸗ meßlein- Maas, Meßlein-Maas und Halbmeß⸗ lein-Maas und einem Becher von Kupfer ohne Steeg, jedes Stuͤck mit einem Zungen-Lineal und die kleinen Stuͤcke noch mit ebenen Glasplat⸗ ten verſehen, ſodann aus einem Trichter, und ei⸗ nem dreieckigen, auf jedem Ecke mit einer Schrau⸗ be verſehenen Brette zum Horizontalſtellen der Gefaͤße; 3) in einem pyramidenfoͤrmigen Gewichteinſatz von Eiſen, zuſammen 1 Centner, einem weitern Halb— Centnerſtucke, und einem meſſingenen Einſatz⸗ Gewichte, zwei Pfunde betragend, und einer Waage. ür den Gebrauch bei den Viſitationen, muͤſſen auſ⸗ ſer den obigen Hohlmaaſen, zu deren Schonung an⸗ dere, von der Maas an bis zum halben Schoppen, von Weißblech nach vorgeſchriebener Form, vorhan— den ſeyn. §. 26. Anſchaffung und Erhaltung der Eichmaaſe und Gewichte. Die Eichmaaſe und Gewichte, und der zum Ei⸗ chen erforderliche Apparat uͤberhaupt, werden aus dem Gemeinds-Aerar angeſchafft und unterhalten. Gie werden auf dem Stadt- oder Gemeinde- Haufe in einem eigenen Schranke verwahrt, deſſen Schluͤſſel dem erſten Ortsvorgeſetzten und dem oͤlteſten der drei Eicher anvertraut iſt. Sie duͤrfen nicht uͤber einen Tag auſſer ihrem gewoͤhnlichen Verwahrungsorte ſeyn, es ſeye dann zu Reparationen oder zu den unten angeordneten Vergleichungen, oder wenn anhaltendes Eichen laͤnger dauert. Die Eicher ſind får gute Erhaltung der Maaſe und Gewichte verantwortlich, und erſetzen jeden Scha— den, der durch ihre Nachlaͤſſigkeit oder Unachtſamkeit entſteht. Alle fuͤnf Jahre, oder auch fruͤher, im Falle be⸗ ſondere Umſtaͤnde es noͤthig machen ſollten, vergleichen je drei naͤchſtbenachbarte Eichſtaͤtten ihre Maaſe und Gewichte nach der beſondern Vorſchrift, die hieruͤber ergehen wird. Wenn ſich ein bedeutender, nicht leicht zu berich⸗ tigender Unterſchied zeigt, ſo wendet ſich das Eichamt einer dieſer Eichſtaͤtten, durch Vermittlung des Be— zirksamtes, an die Lagerſtaͤtte, deren Obereichamt uͤber den Unterſchied entſcheidet. In dem naͤmlichen Zeit⸗ punkte ſollen auch die Eichgeraͤthſchaften in Gegenwart dreier Magiſtrats-Glieder nach dem Verzeichniſſe ge— ſtuͤrzt, ihr Zuſtand unterſucht, und das Reſultat da— von dem Bezirksamte zur weitern Verfuͤgung angezeigt werden, damit das Schadhafte verbeſſert, das Man— gelnde erſetzt werde. Es darf kein Eichmaas oder Eichgewicht ohne Vorwiſſen des Ober-Eichamtes angeſchafft, und den Eichern zur Anwendung nicht fruͤher uͤbergeben werden, als bis daſſelbe von dem Ober-Eichamte gepruͤft, und nach erfolgter etwaiger Berichtigung urkundlich als richtig anerkannt worden. Ebenſo ſollen Reparationen, die einen merklichen Einfluß auf den Inhalt haben koͤnnten, nicht ohne Mitwirkung des Ober-Eichamtes unternommen wer⸗ den. | | — 23= Se- 27- Eich-Gebuhren. Die Eichgebühren werden nach dem angebogenen Tarif bezahlt, und ſind ohne beſondere hoͤhere Erlaub⸗ niß unter keinerlei Vorwand zu erhoͤhen. Gie folen, unter den im Tarif ausgedruͤckten Aus⸗ nahmen zwiſchen den Gemeinds ⸗Aerarien und den Gi- chern nach einem von dem Amte, auf den Vorſchlag der Stadtraͤthe, zu beſtimmenden Verhaͤltniſſe theil⸗ bar ſeyn. Zir den Antheil der Gemeinds-Aerarien Fann auch dem Eicher mit amtlicher Genehmigung ein ange— meſſenes, in die Gemeinds-Caſſe zu entrichtendes Aver⸗ ſum, jedoch nur widerruflich, angeſetzt werden. Es beſteht kein Eichbann und Niemand iſt ver⸗ bunden, eine Abgabe an die Eichſtaͤtte ſeines Bezirks zu entrichten, wenn er bei einer andern Eichſtaͤtte, als jener, Maaſe und Gewichte unterſuchen laͤßt, oder Maaſe und Gewichte, die bei einer ſolchen andern Eich⸗ ſtaͤtte geeicht worden, erkauft oder verkauft. Nur, wo die Gemeinde- Caffe bisher von der Abgabe der Ellen úberhaupt oder auf Jahrmaͤrkten eine Gebuͤhr bezog, ſoll es dabei bleiben. §. 28. Groͤßere oͤffentliche Sinn-Gefaͤße. Groͤßere Eichmaaſe fuͤr Fluͤſſigkeiten, wie die ge⸗ woͤhnlich bei oͤffentlichen Brunnen vorhandenen Sinn⸗ — 24= Keſſel oder Sinn-Faͤſſer, duͤrfen uͤberall, wie bisher, wo es die Bequemlichkeit des Verkehrs erfordert, alſo auch auſſerhalb der Eichſtätten aufgeſtellt werden, Der Sinner wird auf gleiche Weiſe, wie die Ei⸗ cher ernannt, und verpflichtet. Die Sinngebuͤhr wird ebenſo, wie bei der Bezirks⸗ Eichſtaͤtte erhoben und vertheilt. In den Eichſtaͤtten iſt die Beſorgung des Sinnens einem der drei beſtellten Eicher zu uͤbertragen. Es darf mit dieſen beſondern Sinnwerkzeugen nichts geſinnt werden, als die groͤßern Fluͤſſigkeitsge— faͤße des Orts oder benachbarter Orte, wo die gleiche Einrichtung nicht vorhanden iſt. Ueber ihre Form werden die Eichaͤmter beſondere Anweiſung erhalten, nach welcher ſich die Orte, die von den Kreis-Direktorien zu einer Local-Sinnanſtalt werden ermaͤchtiget werden, wegen der techniſchen Ein— richtung, zu richten haben. Das Sinnen mittelſt des Gebrauches der Viſir— ſtaͤbe iſt unbedingt unterſagt. §.29. Beſondere Beſtimmungen uͤber das Eichen der eiſernen Gewichte und glaͤſernen Maas- gefaͤße. Die Großherzoglichen Eiſenfactorien ſind ermaͤch— tigt, die von denſelben ausgehenden eiſernen Gewichte ſelbſt zu eichen und zu ſtempeln. — 25— Ausnahmsweiſe ſtehet auch den Glashuͤtten⸗Be⸗ ſitzern die Befugniß zu, die aus ihren Hütten ausge- henden glaͤſernen Maasgefaͤße, durch ihre beſtellten und obrigkeitlich verpflichteten Glasſchneider, eichen zu laſſen. Zur richtigen Bezeichnung derſelben, ſollen ſie mit kupfernen Muttermaaſen verſehen ſeyn, die cylin⸗ driſch, doppelt ſo tief als weit ſeyn, und einen abge⸗ ſchliffenen Rand haben muͤſſen. Nach dem Inhalte ſolcher Muttermaaſe haben ſie die glaͤſernen enghalſigen Eichkoͤpfe Der glaͤſernen Wirthsgefaͤße, unter Beobachtung der hieruͤber in der Inſtruktion uͤber das Eichen ertheilten Vorſchriften, genau zu eichen und das vorgeſchriebene Zeichen ein-⸗ zuſchleifen. §. 30. Beſondere Beſtimmung uͤber die durch Kuͤnſt⸗ ler gefertigten Laͤngenmaaſe von feinem Holze oder Metall. Den Kuͤnſtlern iſt die Verfertigung und Ausgabe von Laͤngenmaaſen von feinem Holze und von Metall, wie bisher geſtattet; ſie haben aber die Maaſe mit den Anfangsbuchſtaben ihres Vor⸗ und Zunamens zu bezeichnen, und von dem Eicher ihres Bezirks ſtempeln zu laſſen, und ſind fur die Richtigkeit der Maaſe ver⸗ antwortlich. Es iſt ihnen geſtattet, von dem Laͤngen⸗ maaſe der Eichſtaͤtte, unter der Aufſicht des Eichbe⸗ amten, genaue Copie zu nehmen.; y` — 26— IV. Capitel. Polizeyliche Maasregeln und Strafbeſtimmun⸗ gen zur Sicherung gegen den Gebrauch un⸗ richtiger oder ungeeichter Maaſe und Gewichte. §. 31. Maas⸗ und Gewicht-Viſitationen. Die zum Verkehrsgebrauche beſtimmten Maaſe und Gewichte, ſollen von Zeit zu Zeit unterſucht, die vorgefundenen Maaſe und Gewichte, welche unbedeutend von dem geſetzlichen Gehalte abweichen und verbeſſerlich ſind, zur Verbeſſerung, richtige, aber ungeeichte Maaſe und Gewichte zur Eichung an das Eichamt abgegeben, unrichtige, unverbeſſerliche Maaſe und Gewichte, zer— ſchlagen oder unbrauchbar gemacht werden. Der Viſit ation ſind alle Gebrauchs-Maaſe und Gewichte, auf deren Richtigkeit es zur Sicherheit des Verkehrs ankommt, unterworfen, alſo auch die der herrſchaftlichen und andern Gefaͤllrezepturen, der Muͤller, der oͤffentlichen Korn- und Kaufhäuſer, der Wirthe und Bauhandwerker. Die Viſitation geſchieht unvermuthet durch Diea zur Handhabung der Polizey angeſtellten Perſonen nach Ermeſſen des Amtes, mit oder ohne Zuzug eines der geſchworenen Eicher. — 27 H Gine allgemeine Bifitation der Maaſe und Ge- wichte der handeltreibenden Perſonen und der Gewerbs— leute, ſoll in Staͤdten wenigſtens einmal im Jahre, auf dem Lande wenigſtens alle zwei Jahre einmal, Statt finden, und vom Amte an⸗ geordnet werden. Wenigſtens einmal im Jahre, ſind auch die Maaſe der Rezepturen, der oͤffentlichen Korn- und Kaufhaͤuſer der Viſitation zu unterwerfen. Die Herbſtgefaͤße ſind jedes Jahr kurz vor dem Herbſte zu unterſuchen. Einzelne Unterſuchungen ſind auf Woden- und Jahrmaͤrkten und in der Zwiſchenzeit von einer Viſita⸗ tion zur andern, in den Laͤden der Kaufleute, durch das Polizeyaufſichtsperſonale vorzunehmen. Die Kreisdirektorien ſind ermaͤchtiget, wo ſie es für noͤthig erachten, durch beſondere Beauftragte, Bi- ſitationen vornehmen zu laſſen. §. 32. Pflichten und Gebuͤhren der Viſitatoren. Die Viſitatoren haben darauf zu ſehen, daß alles Maas und Gewicht kein anderes ſey, als das geſetz⸗ lich geſtattete, daß dieſes nicht anders als legal geeicht, gebraucht werde und ſeinen geſetzlichen Gehalt habe. Der Erfund iſt dem Amte vorzulegen. E oge Die Viſitatoren find verantwortlich fuͤr die unpar⸗ theiiſche Vollziehung ihres Auftrags. Die vom Amte ernannten Bifitatoren erhalten die Gebühr fùr ihre Be- muͤhung aus dem Gemeinds-Aerar, aber keinen Antheil an den Strafen. Den Polizey-⸗Aufſehern ſoll dagegen 4 der Strafen zufallen, welche auf ihre Anzeigen erkannt werden. §. 33. Straf-Beftimmungen, 1) Verfaͤlſchungen von Maas und Gewicht bleiben dem Richter zur Beſtrafung nach den Ge⸗ ſetzen uͤberlaſſen. 2) Eicher, die ſich in ihrem Verfahren bei der Vornahme des Eichgeſchaͤfts⸗-Nachlaͤßigkeiten zu Schul⸗ den kommen laſſen, wodurch ein unrichtiges Maas ent— ſteht, ſollen nach dem Grade ihrer Unachtſamkeit in eine Strafe von 10 bis 30 fl.— verfaͤllt, und nach Umſtaͤnden von ihrem Dienſte entfernt werden, vorbe— haltlich des Schadenerſatzes fuͤr die Betheiligten, in den geeigneten Faͤllen. 3) Wer ungeeichtes Maas und Gewicht, das aber dennoch richtig iſt, bei Kauf oder Verkauf gebraucht, ſoll daſſelbe eichen laſſen, und dafür die zweifache Eich— gebuͤhr, Handels- und Gewerbsleute aber 1fl. 30 kr. bis ö fl. als Strafe entrichten. ) Handels- und Gewerbsleute, die ungeeichte oder geeichte, durch Abnutzung oder zufällige Beſchaͤdigung unrichtig gewordene Maaſe und Gewichte gebrauchen, deren Abweichung vom Wahren, bei gehoͤriger Auf⸗ merkſamkeit erkennbar iſt, ſollen mit 3 fl. bis 30 fl., wer nicht in die Claſſe gehoͤrt, namentlich Landleute, welche auf Wochenmaͤrkten oder beim Hauſiren ihrer Erzeugniſſe, ſich unrichtiger Maaſe und Gewichte bedienen, mit 30 kr. bis 5 fl. beſtraft werden. 5) Obige Strafe trifft diejenigen Kauf- und Ge⸗ werbsleute, in deren Laͤden und Werkſtaͤtten ſolche man⸗ gelhafte, unrichtige oder ungeeichte Maaſe und Gewichte vorgefunden werden, wenn ſie auch des Gebrauchs der— ſelben nicht uͤberwieſen werden koͤnnen. Gleiche Strafe trifft bei Rezepturen diejenigen Angeſtellten, welche dem Dienſtherrn uͤber Einnahme und Ausgabe verantwortlich ſind. 6) Die Anwendung der im hoͤchſten und niederſten Satze beſtimmten Strafen, ſoll nach Beſchaffenheit der Waaren, fuͤr welche der Eigenthuͤmer die unrichtigen Maaſe und Gewichte gebraucht, nach dem Umfange ſeines Gewerb-Betriebs und nah der Groͤße der Ab- weichung vom geſetzlichen Gehalte und andern erſchwe— renden Umſtaͤnden bemeſſen werden, wofuͤr insbeſondere die Hinwegſchaffung unrichtiger Maaſe und Gewichte bei einer Viſitation zu achten ſind, die bei einer Nachvi— ſitation vorgefunden werden. Die Strafe tritt in der Regel nur wegen zu geringen Gehalts der Maaswerk⸗ zeuge ein, inſoferne ſie nicht wie in Rezepturen und — 230— Muͤhlen zugleich zum Waͤgen und Meſſen beim Einnehmen dienen. Eine Strafe tritt nicht ein, wenn eine, die nachſtehenden Beſtimmungen erreichende aber nicht uͤber⸗ ſteigende, Abweichung der Maaſe und Gewichte vom) Wahren, niht bei zwei auf einander folgenden Viſita⸗ tionen vorgefunden, und der Betheiligte gewarnt wor⸗ den, und jedenfalls nicht, wenn die Abweichung dieſe Beſtimmungen nicht erreicht, nemlich: 1) bei Laͤngenmaaſen, und zwar: an dem Fuße und der Elle 2 Linie. =z= Klafter$$* a laa `= dey Ruthe.:; 2) bei Maaſen für trockene Dinges$ an hoͤlzernen Maasgefaͤßen 8 1I PCt. ⸗kleinen kupfernen Gefaͤßen mit geſchlif⸗ fenem Rande von der Maas abwaͤrts= ⸗blechernen Gefaͤßen mit Stuͤlpen, und andern zum Eintauchen 8 glaͤſernen Halsgefaͤßen. bei Tragbuͤtten, Zehentkuͤbeln und hoͤlzer— nen Stuͤtzen è é: s koa = Sührlingen, Ladfåffern; 3) bei Gewichten:? am Centner und Halbcentnes,, 2 Loth,| an Gewihten bis 10 Pfunde. sla = Gewihten unter 10—5 Pfunden 4 — 31— an Gewichten unter—2 Pfunden kleinern Eiſengewichten.- 5 gemeinem Einſatz⸗Gewicht von 1— 2 Pfunden 8: 8 Gold- und Silbergewichten. Gleichwohl ſollen auch geringere Abweichungen nicht geduldet werden, * “ 7) Wiederholte Vergehen ſollen, je nach der Be⸗ deutenheit der Abweichung, durch eine hoͤhere Strafe innerhalb der angegebenen Grenze der Strafſaͤtze, und wo dieſe ſchon angewendet worden, durch eine mit jedem weitern Falle um 3 bis 5 fl. ſteigende Strafe geahndet werden. 8) Der Gebrauch einer falſchen Wage, deren Un⸗ richtigkeit oder Unempfindlichkeit ſo bedeutend iſt, daß ſie das Gewicht von 1 Prozent oder daruͤber unrichtig anzeigt, ſoll mit gleicher Strafe, wie der Gebrauch unrichtiger Maaſe und Gewichte geahndet werden. Iſt die Unrichtigkeit der Wage minder bedeutend, ſo ſoll ihre Verbeſſerung befohlen werden, und wenn diefe Auflage bei der näͤchſten Viſitation nicht befolgt erfunden wird, die Confiscation der Wage eintreten. Beilage zum§. 27. der Maasordnung. Beſtimmung der Eichgebuͤhren. 1) Für gemeine Ellen, Klafterſtaͤbe und Marchruth—⸗ ſtäbe einſchließlich des Materials, nach der Localtaxe. 2) Fuͤr die Stempelung der von Kuͤnſtlern verfertig⸗ ten Laͤngenmaaſe: für die Elle, ausſchließlich der Abgabe an die Gemeinde, wo ſie hergebracht iſt eT fúr die Maasftåbe;; ser ie 3) fuͤr neue hoͤlzerne mit Eiſen beſchlagene Maaſe: von einem Doppelſeſter:. 30 fr, z z Seſter saca fr. Halbſeſter. 19 kr. Doppelmeßlein. Ente ania o aa 8 fr, Halbmeßlein x+ ss 6ft e a a a 4) fúr we yuv v nma u Wm 4) für größere Fluſigkeitsmaaſe für Eichung unb Bezeichnung: von einer Tragbuͤtte, podbot z s TD fre „einem Zehentkuͤbel von 2 zu 2 Maaſen zu eichen, je fuͤr 10 Maaſe. 6ke. = einem Suber, Botten, får jede Ohm des Gehalts 8 s S te = einem Leitfap, fúr jebe Ohm. z kr. Fuͤhrling, ſo wie von jedem groͤßern und kleinern Faſſe fuͤr die vorſchrifts⸗ maͤßige Meſſung durch Anfuͤllung mit Waſſer, und die Bezeichnung fuͤr jede Ohm 8;;{= 6 fe 5) Von glaͤſernen und ſteinernen Fluͤſſigkeits⸗ gefaͤßen, fuͤr das Einſchleifen der Eiche vom Stuͤck:$; a 6) Von den kleinern Flüſſigkeitsmaaſen von Metall, fuͤr Gefaͤße von einem Sae und darunter, 5 fuͤr groͤßere, nebſt einer fixen Gebähr von 2 kr. fuͤr jede Maas i kre. 7) Die Gebuͤhren ad 4 und 5 ſind nur zur Haͤlfte zu bezahlen, wenn die dahin gehoͤrigen Gefaͤße bereits nach dem neuen Maaſe geeicht waren, und nur noch einer nochmaligen Prüfung unterworfen wer⸗ den ſollen. C 8) Die eiſernen Gewichte werden auf den Großherzogl. Eiſenwerken verfertiget, und dort geeicht und ge⸗ ſtempelt, und um feſtgeſetzte Preiſe, einſchließlich der Abgleichungs- und Stempelungs⸗Koſten, ver⸗ kauft; fuͤr die etwa vorkommende Eichung und Stempelung bei den Eichſtaͤtten, werden die Ge⸗ buhren einſchließlich des Bleyes, fuͤr eiſerne Ge- wichte beſtimmt, wie folgt: P fuͤr einzelne Stuͤcke: von 1 Pfund und darunter 2 z z z+: 6 kr. 2 3 z z z à A 8 fr. £ 4$ z s.. 10 fr, z pe:;- 10o fi} z 29 2 z z 5 20 kr. È a£ bo z 3 z 8 24 kr. | 2 100 ⸗ z z. 36 fr.| i| far meſſingenes Einſatzgewicht:| | von 1 Pfund a à 36 kr. z 2 z E..° e 40 fr. i Altes Gewicht auf neues zu bringen, und die | Verguͤtung dafuͤr, bleibt ebenſo wie die wiederholte Hi, Pruͤfung und Juſtirung ſchon geeichter neuer Ge⸗ wichte, dem Uebereinkommen uͤberlaſſen, die | Gebüuhr darf aber die geſetzliche fuͤr neue Maaſe | und Gewichte, nicht uͤberſteigen. | 9) Die Gebühren unter 2, 5 und 6 werden von den Eichern, ohne Abzug fuͤr die Gemeinde, bezogen, Y 2, a= $ fie mögen die dahin gehörige Maafe und Gewichte ſelbſt verfertiget oder verkauft, und zum Verkauf gepruͤft und geeicht, oder die Pruͤfung und Bezeich⸗ nung fuͤr Andere beſorgt haben. 10) Der Antheil der Eicher an den übrigen Gebühren, wird auf die in der Maasordnung angegebene Weiſe beſtimmt. Die Eicher haben von den Maaſen und Gewichten, die ſie ſelbſt gefertiget oder zum Handel erkauft, gepruͤft und geeicht haben, bei deren Verkauf oder Gebrauch den der Gemeinde zukommenden Antheil in die Gemeinds⸗ Caffe zu bezahlen, Die unter 7. bemerkte Gebuͤhren fuͤr wiederholtes Pruͤfen und Eichen, ſind aber den Eichern uͤberlaſſen. — 236— I. J n fi ruktion uͤber die Beſchaffenheit der Maaſe, und uͤber das Verfahren, welches die verpflichteten Eicher in den Eichſtaͤtten, auf den Glashuͤtten und in den Eiſenwerken, beim Eichen der Verkehrs⸗ oder Privatmaaſe und Gewichte zu befolgen haben. Zur Erhaltung der Richtigkeit und Gleichheit der Maaſe und Gewichte, welche im gemeinen Verkehr ge— braucht werden, iſt ein uͤberall gleiches Verfahren beim Eichen derſelben nothwendig. Die Eicher haben daher, die, in gegenwaͤrtiger Inſtruktion enthaltenen Vorſchriften uͤber dieſes Verfahren genau zu beobachten, und bei dem Eichgeſchaͤfte zugleich ihre Aufmerkſamkeit auf die Form der Maaſe und Ge⸗ wichte in allen jenen Beziehungen zu richten, in welchen die Maasordnung hieruͤber Beſtimmungen ertheilt hat. 1) Laͤn genmaaſe. Die Verfertigung und Eintheilung der Laͤngenmaaſe von Metall oder feinem Holz iſt vermoͤge des Art. 30. der Maasordnung den Kuͤnſtlern(Mechanikern, Inſtru⸗ mentenmachern) unter ihrer Verantwortlichkeit fuͤr die richtige Eintheilung geſtattet, zu welchem Zwecke ihnen frei ſtehet, von den bei den Eichſtätten niedergelegten Originalien genaue Copien zu nehmen. En Gie bezeichnen die, von ihnen gefertigten Maafe mit den Anfangsbuchſtaben ihres Vor- und Zunahmens, und laſſen ſie dann bei den Eichern ihres Bezirks mit dem Zeichen der Eichſtaͤtte beſtempeln, oder beſtempeln ſie ſelbſt, wenn ſie als Eicher aufgeſtellt ſind. Der Stempel beſteht in dem einfachen badiſchen Wappen und in der Nummer der Eichſtaͤtte. Die metallenen Maaſe müſſen mit aller Genauig⸗ keit, welche der Stoff derſelben zulaͤßt, gearbeitet ſeyn, und ſind als fehlerhaft zu betrachten, wenn die Laͤnge einer Ruthe vom Wahren um mehr als zwei Punkte, eine Klafter um mehr als 1 Punkt, der Fuß und die Che um mehr als 2 Punkt abweicht. Die Laͤngenmaaſe des gewoͤhnlichen Verkehrs muͤſſen nach Vorſchrift des§. 8. der gefertiget werden. Auf den beiden Stirnen ſder Elle wird der oben bemerkte Stempel und auf einer nicht eingetheilten Sei⸗ S tenflaͤche derſelben der Anfangsbuchſtabe des Namens des Eichers von demſelben eingebrannt. Die mit metallenen Zwingen an den Enden verſehe⸗ nen Klaftermaaſe und Marchruthen werden auf einer der Seitenflaͤchen wie die Elle bezeichnet. Dieſe Verkehrsmaaſe werden nach der Localtaxe verkauft, oder in den Faͤllen, wo dies hergebracht iſt, an die Ortspolizeybehoͤrde zur Austheilung auf den Maͤrkten ꝛc. unmittelbar abgegeben, Als fehlerhaft ſind alle hoͤlzerne Laͤngenmaaſe zu achten, welche die vorgeſchriebene Laͤnge nicht voll— kommen haben, oder welche um mehr als hier folgt, zu groß ſind!, naͤmlich wenn die Ruthe und das Klaf— ter um 24 Punte, der Fuß und die Elle um mehr als 2 Punkte zu groß ſind. 2) Hohlmaaſe. a) Metallene Hohlmaaſe. Die metallenen Hohlmaaſe fuͤr den gewoͤhnlichen Gebrauch ſollen die, in der Maasordnung beſtimmte Form haben, und nach demſelben Verfahren gepruͤft und geeicht werden, welches bei der Pruͤfung der Eich— maaſe ſelbſt zur Anwendung kommt. Die Form der Gebrauchs maaſe von Metall fuͤr trockene Dinge, iſt, wo ſie etwa vorkommen, dieſelbe, wie bei hoͤlzernen, naͤmlich cylindriſch, von einer der Haͤlfte des Durchmeſſers gleichkommenden Hoͤhe. Die Form der metallenen Verkehrsmaaſe fuͤr fluͤſſige Dinge muß vorſchriftsmaͤßig ebenfalls eylin⸗ driſch, aber die Tiefe dem doppelten Durchmeſſer gleich, und ohne uͤberſchuͤſſigen Raum zu gaͤnzlicher Auffuͤllung big gur Randhoͤhe des Cylinders geeignet ſeyn. Die Eicher haben daher nur ſolche Gefaͤße zu eichen, die dieſe Formen haben, oder denſelben ſehr nahe kommen. Da dieſe Gefaͤße ſowohl zum Zwecke des Eichens, als beim Gebrauche zum Meſſen, bis zum Rande voll— kommen angefuͤllt werden muͤſſen, ſo darf keine Be⸗ zeichnung durch Spitzen, Zaͤpfchen u. ſ. f. ſtatt finden. Zum Behufe der leichtern Anfuͤllung und Ausleerung ſollen ſie aber mit einer in eine Schnautze auslaufen⸗ den Stuͤlpe verſehen ſeyn, welche nach vollzogener Eiche an dem Gefaͤße befeſtigt werden kann. Eine Ausnahme von dem oben angegebenen Ver— haͤltniß der Tiefe zur Weite machen diejenigen Gefaͤße, die fuͤr den Detailverkauf mit Haͤngehacken zum An⸗ fuͤllen durch bloßes Eintauchen in die Fluͤßigkeit ver⸗ ſehen ſind; dieſe koͤnnen eine der Weite gleiche Tiefe haben. Hiernach bekommen alſo die metallenen Fluͤſſigkeits⸗ maaſe folgende in der Maasordnung beſtimmte Di— menſionen: — 40— 1) Innere Weite oder Durchmeſſer. Tiefe— Zolle. Linien. Punkte. Zolle. Linien. Punkte. Die Maas 3 2, 02 6. 5. 6,5 „Halbmaas 2 6 0,5 g2,=O Der Shoppen 2 0. 6,8 5,6 ⸗Halbſchoppen 1. 6. 4,0 Fo 2.-0,0 2) Fuͤr die Anfuͤllung durch Eintauchen Die Maas D 3,6 4. I123,6 „Halbmaas 3. a2 070 3e 2. 0,0 Der Schoppen 2. 656 0,5 2, 6. 0,5 „Halbſchoppen 2. 0. 6,8 2z© 6,8 Da eine vollkommene Genauigkeit in den vorge⸗ ſchriebenen Dimenſionen bei der Fabrikation der Maaſe nicht ſogleich erreicht werden kann, ſo muß dabei in der Hoͤhe etwas zugegeben werden, damit ſie durch Abnahme am Rande auf den rechten Inhalt gebracht werden koͤnnen. Zur Belehrung der Verfertiger ſolcher Maaſe wird hier bemerkt, daß wenn die Maas um 1 Linie weiter ift, alè der innere Durchmeſſer nach obiger Vorſchrift unter 1, feyn fol, fo muß ſie dafuͤr nahe 4 Linien weniger tief ſeyn, ift fie hingegen um`eine Linie enger, ſo muͤßte fie etwas uͤber 4 Linien tiefer ſeyn. Bis zum halben Schoppen herab ſchraͤnken ſich bei einer groͤßern Weite von 1 Linie jene 4 Linien bis faft auf 34 Linien ein, und wenn dag Gefåf um eine — 41— Linie enger iſt, ſo ſteigen ſie faſt auf 43 Linien. Gez faͤße, deren Durchmeſſer von dem oben angegebenen Maaſe betraͤchtlich abweicht, beſonders ſolche, welche um eine Linie oder mehr zu weit ſind, ſind verwerflich, und ſollen nicht geſtempelt werden. Es verſteht ſich, daß auch bei ganz richtig befun— denem Verhaͤltniß der Höhe zur Weite, die Prüfung mittelſt der Anfuͤllung und Vergleichung der Eichgefaͤße, nach den unten folgenden Beſtimmungen dennoch nicht unterlaſſen werden darf. Die Verfertiger der Maaſe, Blechner, Zinngieſer u. ſ. f. ſind anzuweiſen, ſich mit ſoliden kupfernen geeichten Maaſen zu verſehen, damit die zur Pruͤfung und Stempelung den Eichaͤmtern zukommenden Gefaͤße, bei gehoͤriger Form und ebenem Rande, auch moͤglichſt genau ihren wahren Inhalt ſchon haben. Dem Eicher ſteht es frei, ſolche Gefaͤße, die, um auf den richtigen Inhalt gebracht zu werden, eine umſtaͤndliche Behand— lung mit Werkzeugen erfordern, den Verfertigern der— ſelben zum Zweck der Verbeſſerung zuruͤck zu geben. Zur Unterſuchung der Ebenheit des Randes, be— dient man ſich einer geſchliffenen Glasplatte. Wie viel der zu großen Tiefe des Gefaͤßes(durch Abdrehen, Abfeilen oder Abſchleifen) noch abgenommen werden muß, giebt, nachdem die rechte Menge Waſſer, die es halten ſoll, eingegoſſen worden, das Zungen⸗ Lineal indeſſen weit beſſer, als die Glasplatte zu er⸗ kennen, weil ſich der Abſtand der Waſſerflaͤche von der Zunge, welcher der Haͤlfte des Abſtands der wirkli— chen Zunge von ihrem Bilde unter dem Waſſer gleidh iſt, ſehr gut ſchaͤtzen laͤßt. So wie ſich nun durch dieſes Verfahren das Ge— faͤß dem vorgeſchriebenen Inhalte naͤhert, deſto genauer muß man dabei zu Werke gehen. Beim Anfuͤllen der Eichmaas gebraucht man ebenfalls entweder das Zungenlineal, oder die Glas⸗ platte. Bei der Aufſtellung des Zungenlineals, das moͤglichſt genau aufliegen muß, iſt jede Bewegung des eingegoſſenen Waſſers zu vermeiden. Das Eichmaas muß daher auf einem der Gr- ſchütterung nicht ausgeſetzten Platz, und auf dem zum Horizontalſtellen beſtimmten Brette feſtſtehen; die Auf⸗ ſtellung des Zungenlineals iſt oͤfters zu wiederholen, damit man verſichert ſey, daß das Waſſer nicht zu früh anſpringe, oder die Zunge ſich nicht eintauche, ſondern die Waſſerflaͤche blos beruͤhre. Schließt man das Waſſer im Eichmaas mit ei⸗ ner aufgeſchobenen ebenen Glasplatte ein, welches ſchnel— ler geſchehen iſt, ſo hat man vorher alle etwa am Innern des Gefaͤßes anhaͤngende Luftblaſen mit einer langen Nadel wegzuſchaffen. Ehe man nun dieſes im Eichmaas enthaltene Waſſer in das zu eichende Gefaͤß gießt, muß letzteres inwendig durchaus benetzt ſeyn. Man laͤßt das anz haͤngende Waſſer einige Zeit ſich ſammeln, und dann lang⸗ ſam einige Zeit austropfen, und ſtellt nun das Gefaͤß auf dem dazu beſtimmten Brette genau horizontal. Nachdem hierauf das Waſſer des Eichmaaſes in das zu eichende Gefaͤß ausgegoſſen worden, ſo laͤßt man jenes in dieſes auf die gleiche Weiſe und ebenſo lang, als dies mit dem zu pruͤfenden Gefaͤße geſchah, austropfen. Man ſchafft nun auch hier alle anhaͤngende Luft⸗ blaſen weg, und unterſucht mit dem Zungenlineal oder mit der aufgeſchobenen Glasplatte, ob das Gefaͤß rich⸗ tig angefuͤllt iſt. Iſt es ſchon zu klein, was man daran erkennt, daß die Zunge am Zungenlineal ſich eintaucht, oder daß die Glasplatte einen Theil des Waſſers wegdruͤckt, ſo muß das Gefaͤß gehoͤrig, aber ohne Verletzung der Form und der aͤuſſern oder innern Wand, erweitert, dabei aber darauf Ruͤckſicht genom— men werden, daß die Wand nicht zu duͤnne werde. Ueberhaupt ſollen die Gefaͤße von gehoͤriger Staͤrke, insbeſondere die blechernen Maaſe von ſtarkem Doppel⸗ blech gefertigt fene Blecherne nicht zum Gebrauch durch Eintauchen beſtimmte Gefaͤße erhalten um den Rand herum, die in eine Schnautze auslaufende Stuͤlpe angeloͤthet, wel— he bei der Maas vornen etwa ı Zol hoh ift, und nach hinten gu, big auf 4 3o abnimmt. Bei kleinern Gefåfen wird ſie nach Verhaͤltniß niedriger. Sie können auch mit einem ebenen Deckel verſe— hen werden, der auf dem Rande aufliegend die richtige Menge Fluͤſſigkeit einſchließt, und das, was zu⸗ viel eingegoſſen wurde, in den Umfang der Stuͤlpe druͤckt. Das Gleiche gilt von zinnernen Gefaͤßen mit Stuͤlpen. Alle metallene Gefaͤße fuͤr Fluͤſſigkeiten ſollen den Stempel der Eichſtaͤtte, der in dem einfachen baz difhen Wappen; und in der Nummer der Eid- ſtaͤtte beſtehet, auf dem aͤußern Boden und zunaͤchſt am obern Rande des Gefaͤßes erhalten; bei blechernen Gefaͤßen werden zu dieſem Ende Blaͤttchen von Zinn an einer Stelle, wo die Blechtheile des Gefaͤßes zu— ſammengefuügt ſind, von dem Verfertiger deſſelben an⸗ geloͤthet. Die Eicher haben darauf zu ſehen, daß durch Stempelung der Inhalt des Gefaͤßes nicht ver— aͤndert werde, und daher die Stelle gehoͤrig zu unter: legen, auf welche der Stempel geſchlagen wird, oder vor der letzten Pruͤfung den Stempel aufzuſchlagen. Auf jedem metallenen Gefaͤße, das zur Pruͤfung und Stempelung uͤberbracht wird, muß der Name und Inhalt deſſelben z. B. 1 Maas, 2 Maas, 1 Schop⸗ pen ꝛc. deutlich eingegraben und der Name des Ver⸗ fertigers, oder ſein Zeichen beigefuͤgt ſeyn. Zinnerne Gefäße erhalten von dem Verferti⸗ ger die Aufſchrift des Maaſes auf der Auſſenſeite des Cylinders, und den Namen oder das Zeichen des Ver⸗ fertigers auf dem aͤußern Boden, oder beides, wenn — 45— ſie mit Handhaben verſehen find, auf dem breiten Theile derſelben. Blecherne Gefaͤße beides oben am aͤußerſten Rande. Bei blechernen Gefaͤßen kann Name und Inhalt auch auf ein Stuͤck Meſſing geſtochen oder geſchlagen werden, welches angeloͤthet wird. Da eine geringe Abweichung vom wahren Inhalte bei Gefaͤßen, die mit Waſſer geeicht werden, leicht aus⸗ weichlich iſt, ſo kann der Eicher zur Verantwortung gezogen werden, wenn die Abweichung folgende Gren⸗ zen uͤberſteigt: Es ſind naͤmlich Gefaͤße fehlerhaft geeicht, wenn die Abweichung, welche den Gehalt groͤßer als den ge— ſetzlichen Inhalt macht, bei zinnernen und kupfernen kleinen Gefaͤßen mit geſchliffenem Rande von der Maas abwaͤrts 4 Prozent, bei blechernen Gefaͤßen mit Stuͤl⸗ pen und bei andern zum Untertauchen 2 Prozent betraͤgt. Dieſe Nachſicht ſoll ruͤckſichtlich der Abweichungen, welche den Gehalt kleiner als den geſetzlichen geben, nicht Statt finden. Die Groͤße der Abweichung wird durch die Ab- waͤgung des Waſſers gefunden, das die Eichgefaͤße und die ſehlerhaft geeichten Gebrauchsmaaſe enthalten. b. Hoͤlzerne Fruchtmaaſe. Der Doppelſeſter ſoll zur Tiefe zwei Drittheile ſeiner Weite, alle andere Fruchtmaaſe aber, zur Tiefe =Z o> die Haͤlfte ihrer Weite haben. Den Eichern iſt daher verboten, Gefaͤße zu eichen, welche auf eine alsbald merkliche Art von dieſem Verhaͤltniß der Tiefe zur Weite abweichen. Dieſe Verhaͤltniſſe ſind nach der Maasordnung: Durchmeſſer oder Weite. Tiefe. Zolle. Linien. Punkte. Zolle. Linien. Punkte. Får den Doppelſeſter 12. 8. 5,o 8. 5. 6,6 = efter 11. 2, 2,5 b. 6. 1,3 =- Halbfefter 8. 9. 1,1 4e cua 5b das Doppelmeßlein 6. 5. 6, 1 3. 2. 8,0 z Meßlein 3 5, 27 1; o` 2, 6.: O; 5 „Halbmeßlein he te A: 4 6,7. den Becher 2 he nB e 2e ly0 Da nun diefe Gefáge noh weniger als die mez tallenen fuͤr den gemeinen Gebrauch ganz genau na% dieſen Maaſen verfertigt werden koͤnnen, ſo iſt zu be⸗ merken, daß beim Doppelſeſter fuͤr jede Linie von 1 bis 5, die der Durchmeſſer groͤßer als 12 3M 8% Linien iſt, die Tiefe um 4 Linie Fleiner feyn muß; iſt aber der Durchmeſſer ſoviel kleiner, ſo muß die Tiefe fúr jede Linie faft 14 Linie mehr als 8 Zoll 55 Li⸗ nien groͤßer ſeyn, wenn der Inhalt richtig ſeyn ſoll. Bei allen übrigen Fruchtmaaſen aber kann die Regel angenommen werden, daß um ſo viel Linien ein ſolches Gefaͤß im Durchmeſſer groͤßer oder kleiner iſt, als in obiger Vorſchrift, um eben ſo viele Linien muß es auch kweniger oder mehr in der Tiefe haben. Bon ı bió 5 Linien, oder 2 Zoll weicht dieſe Regel nur um Z linie ab, naͤmlich bei einem groͤßern Durchmeſſer muß fuͤr die Tiefe immer etwas weniger, alë ða, wag er zu grop ift, fùr einen kleinern im⸗ mer etwas mehr gerechnet werden, aber dieſes Weni- ger oder Mehr betraͤgt, wie bemerkt, bis aufzh Ligien Abweichung im Durchmeſſer, nur 2 Linie. Alles die⸗ ſes ſetzt freilich voraus, daß das Gefaͤß rund, uͤberall gleich weit, daß der Boden eben, und daß der obere Rand mit dem Boden gleichlaufend ſeye, aber oft ſind dieſe hoͤlzernen Gefaͤße, ſtatt cylindriſch, wie ſie ſeyn ſollten, nicht einmal abgekuͤrzt coniſch, ſondern unor- dentlich hohl oder erhaben, in ihrer innern Geiten: wand ſowohl als auf dem Boden. Man muß daher den Durchmeſſer an mehreren Orten des innern Umfangs ſowohl oben als unten, in der Mitte ꝛc. meſſen, und dann aus den gefundenen Verſchiedenheiten das Mittel nehmen. Ebenſo muß man die Tiefe an mehreren Orten des Umfangs ſo— wohl, als an andern Orten des Bodens, mittelſt ei⸗ nes aufgelegten geraden Staabs, an dem man das Maas in ſenkrechter Stellung anlegt, und abermals aus allen Tiefen das Mittel nehmen. Durch ein ſorg⸗ faͤltiges Verfahren dieſer Art, muß man immer dem Inhalt des Seſters wenigſtens bis auf 1 Becher oder uͤberhaupt bei allen bis auf 1 Prozent nahe kommen. Wenn ferner ein Fruchtgefaͤß in der Weite recht, in der Tiefe aber fehlerhaft oder in der Tiefe recht, in der Weite aber fehlerhaft, oder in beiden unrichtig iſt, ſo iſt der Betrag des Fehlers folgender: Der Fehler von einer Linie betrågt: Wenndie Weite. Wenn die Tiefe recht iſt. vecht iſt. Becher. Becher. Beim Doppelſeſter...23 g Seſtek ae 12 € Halbffeer-> lF 175 WMeßleiz 7 F „Halbmeßlein. F F Jir die náchft weiter fehlenden Linien Fann man ohne viel zu irren, das Naͤmliche fuͤr den Fall wo beiderlei Fehler zuſammen vorkommen, die Summe des Mangelnden nehmen. Alle dieſe Angaben ſollen nur dazu dienen, vor⸗ laͤufig mittelſt des Fußſtabes die Beurtheilung zu er⸗ leichtern, ob ein noch ungeeichtes Fruchtgefaͤß ſo bez ſchaffen ſey, daß es geeicht werden duͤrfe, weil eine zu große Abweichung von den vorgeſchriebenen Maaſen deſſelben, es verwerflich macht, und weil insbeſondere der Seſter eher in eine unſchickliche Form uͤbergeht, wenn er groͤßer im Durchmeſſer und niederer, als wenn er kleiner im Durchmeſſer und tiefer, als nach der Vorſchrift gemacht wird, ſo haben die Eicher darauf zu ſehen, daß ſolche Seſter vornemlich, welche zu große Abweichungen von jener Art haben, zur Eichung nicht zugelaſſen, ſondern verworfen werden. Es ſollen aber hoͤlzerne Gefaͤße zuruͤckgewieſen werden, wenn der Seſter oder Doppelſeſter: a) — 49— 1) um mehr als eine Linie niedriger, oder 2) um mehr als 4 Linien hoͤher werden muͤßte, da⸗ mit ein Fehler in der Weite verbeſſert, und den Gefaͤßen ihr richtiger Inhalt gegeben werde, oder wenn 3) der obere Durchmeſſer, da wo er am groͤßten iſt, um mehr als 5 Linien von der normalmaͤßigen Beſtimmung abweicht. Bei dem Halbfefter vermindert fih diefe Toles rang får die Hoͤhe ad 2. und den Durchmeſſer ad 3, um eine Linie, bei kleinern Gefaͤßen um 2 Linien. Die Seſtermacher werden dieſe Dimenſionen um ſo leichter einhalten koͤnnen, wenn ſie mit Huͤlfe des Zirkels den Boden ſehr genau arbeiten, und haben alſo die Eicher darauf, daß dies geſchehen, vorzuͤglich zu achten, auch ſolche Gefaͤße zuruͤckzugeben, derer un⸗ terer Boden im Durchmeſſer um 1 Linie von der vor⸗ geſchriebenen Dimenſion abweicht. Das Eichen der hoͤlzernen Hohlmaaſe fuͤr trockene Dinge, mit Saamenkoͤrnern. Hiezu wird ein nicht ſonderlich harter oder ſchwe— rer, rundlicher kleiner Saamen genommen, welcher rein, nicht feucht, alſo nicht aneinder haͤngend, nicht rauh, ſondern glatt ſeyn muß. Vorzüglich ge— D # — 50— ſchickt dazu iſt der Hirſe, der Kleeſaamen, der Rib- faamen. i- Andere Anfuͤllungs-Mittel duͤrfen nicht gebraucht werden, und ausgeſchloſſen ſind insbeſondere der Lein— ſaamen, die ſ. g. Aeuglein oder Klaraͤuglein, die Lin⸗ ſen, Erbſen und alle zu große, grobe, rauhe Saamen, wie der Roggen, Kernen, Gerſte ꝛc. Der Hirſe enthuͤlſet ſich mit der Zeit gerne ſelbſt, und er muß daher zu dieſem Geſchaͤft von den leeren Huͤlſen befreit ſeyn. Der Saamen ſoll nicht blos eingeſchuͤttet werden, ſondern durch einen Trichter laufen, wovon die Be— ſchreibung hier im neuen Fußmaas folgt. Der Trichter hat eine obere quadratfoͤrmige Heff— nung, ift in jeder Geite 134 Zol lang, die quadrat- foͤrmige Auslaufoͤffnung iſt ebenfalls auf jeder Seite 7 bis 8 Qinien lang; die fenfrehte Entfernung. von der Aufſchuͤtt⸗Oeffnung bis zur Auslauf-Oeffnung betraͤgt 17 Zolle. So wird der Trichter genug Saaz men fuͤr einen Doppelſeſter enthalten. Es koͤnnen auch runde Trichter von Blech zum Eichen gebraucht wer— den, in welchem Fall, bei gleicher Hoͤhe und bei glei— chem Inhalt, wie die vierkantigen Trichter, der Durch⸗ meſſer der obern Oeffnung 15 Zolle 5 Linien, und der Durchmeſſer der Auslauföffnung 8 Linien betraͤgt. Ein eiſernes Plaͤttchen, welches an der Auslaufoͤffnung pi des Trichters in der Seitenwand dergeſtalt angebracht iſt, daß es ſich um einen in dieſelbe geſchlagenen —.— Nagel horizontal drehet, ſchließt oder oͤffnet nach Ge⸗ fallen den Trichter an ſeiner untern Oeffnung. Dieſer Trichter wird auf einen Trichterſtuhl ge— ſteckt. Dies ift ein, mit einer kleinen Erhoͤhung ein⸗ gefaßtes Brett 24 Zoll lang und 13 Zoll breit auf vier feſten oder eingeſchraubten Fuͤßen, die das Brett in einer Hoͤhe von 25 Fuß halten. In deſſen Mitte iſt ein quadratfoͤrmiges Loch, ſo grop, Dağ der Trichter bi zu+ feiner Höhe hinein- gehet. Die Entfernung der Auslaufoͤffnung des Trich⸗ ters von dem Boden der zu eichenden Gefaͤße ſoll im⸗ mer 20 Zolle betragen. Hiezu iſt noch ein gerades Lineal zum ſchaͤrfern Abſtreichen des Saamens noͤthig, wozu alſo nicht das gewoͤhnliche Streichholz gebraucht wird. Ein großes auf dem Boden ausgebreitetes Tuch, oder auch eine hoͤlzerne mit einer Einfaſſung verſehene Unterlage faßt den uͤberfallenden oder abgeſtrichenen Saamen auf. Die Operation ſoll auf einem feſten Boden, am beſten unmittelbar uͤber einem Gewoͤlbe, oder auf ei⸗ nem niedern Gemaͤuer, einem niedern Heerde aͤhnlich, uͤberall aber mit Vermeidung jeder Erſchuͤtterung durch Gehen, Fahren, Thierſchließen, ſtarken Wind ꝛc. geſchehen. Man thut wohl, den Saamen vorerſt ein oder D 2 % zweimal aus dem Trichter in einen Seſter, und zwar zu dieſem Zwecke uͤber den Steg deſſelben laufen zu laſſen, damit er ſich dadurch vom Staub reinigen, und die etwa aneinander klebenden Koͤrner ſich ver— einzeln. Vor allem wird nun der obere Rand des zu cis chenden Gefaͤßes auf einem Fuͤgblock, der in der Naͤhe ſeyn muß, geebnet, denn ſelten iſt die obere Rand⸗ flaͤche des zu eichenden Gefaͤßes, weder nach der Dicke des Holzes, noch nach dem Umfange deſſelben rund herum eben. Nun wird der Saamen in den unten geſchloſſenen Trichter eingeſchuͤttet, und zwar nur etwas weniges mehr, als der Inhalt des Eichgefaͤßes zur Anfuͤllung erfordert. Man thut daher gut, den Saamen in den Trida ter einzumeſſen, da eine bedeutend ſtaͤrkere Anfuͤllung, als das Eichmaas und das darnach zu eichende Ge— brauchsgefaͤß erfordert, ein unrichtiges Reſultat geben koͤnnte. Daß aber etwas mehr Saamen in den Trich⸗ ter gelaſſen wird, iſt zum Zwecke des genauen Abſtrei⸗ chens des anzufuͤllenden Eichmaaſes nothwendig. Damit die Koͤrner frei und durch die ganze Deff- nung auslaufen, muß ſodann das Schließblech ganz herum gedreht werden. Man laͤßt dieſe nahe in die Mitte des untergeſtellten Eichgefaͤßes(das Feinen Steg hat) laufen. Sogleich, nachdem alles ausgelaufen, ebnet und ſtreicht man es, theils mit dem Barte einer Feder, theils mit dem Lineal ſanft ab. Den Inhalt des Eichgefaͤßes ſchuͤttet man nun vorſichtig in den Trichter auf, und laͤßt den Saamen in das zu ei— chende noch unbeſchlagene Gefaͤß laufen, nachdem vors her ein wirklicher eiſerner Steg mit ſeiner Unterſtüͤtz— ungsſtange, oder ſoviel von Holz, als beide Stuͤcke dem Raum nach betragen moͤgen, hineingelegt worden. 8 Der Raum, den jener Steg und die Unterſtuͤtz⸗ ungsſtange einnehmen, aͤndert die Form der groͤßern hoͤlzernen Maaſe, welche damit verſehen werden, nur wenig, und hat namentlich auf die Hoͤhe des Seſters nur einen Einfluß von ohngefähr itele Linie, um wels` che die Hoͤhe dadurch waͤchst. Die Frucht wird das noch zu große Gefaͤß nicht ausfüllen; man ſchuͤttet daher nach und nach ſo viele Becher Frucht noh auf, und laͤßt ſie durchlaufen, bis es davon voll wird, und zieht das, was nach dem Ebnen und Abſtreichen uͤbrig bleibt, von der An⸗ zahl der nachgeſchuͤtteten Becher ab. Fuͤr jeden Becher nun, den die voͤllige Anfüllung des Gefaͤßes noch zum Eichmaas erforderte, kann man die Hoͤhe oder Tiefe eines Seſter-Gefaͤßes um fat+ Linie niederer machen, weil, wie oben bemerkt worden, eine Linie mehr oder weniger in der Tiefe ſchon 14. Becher austraͤgt. Beim Halbſeſter kommt auf m Be⸗ cher faſt 1 Linie u. f. w. Es wird uͤbrigens darauf aufmerkſam gemacht, daß je mehr Becher Frucht man nach und nach auf⸗ ſchuͤttet, indeſſen Zeit verſtreicht und Bewegungen vor— gehen, waͤhrend welcher ſich die Frucht im Gefaͤß et— was zuſammen ſetzen kann, daher das zur voͤlligen Anfuͤllung Erforderliche in dieſer Ruͤckſicht eher etwas zu groß, als zu klein ausfallen kann. Mit einem Streich-Model macht man nun einen Riß auſſen am Rand des Gefaͤßes herum, ſo weit von letzterm abſtehend, als der gefundene Mehrgehalt erfordert, um auf dem Fuͤgblock, oder wenn gar zu viel wegzunehmen waͤre, mit der Saͤge das Ueber— fluͤſſige herunter zu nehmen, wobei man natuͤrlich lie⸗ ber zu wenig als zu viel thut. Hierauf wird das Gefaͤß wieder auf die vorige Art mit Frucht gemeſſen, und das bisherige Verfah— ren ſo lange wiederholt, bis es ziemlich genau ſeinen Inhalt hat. Nachdem es hierauf beſchlagen, folglich auch mit dem Stege verſehen worden, wird noch einmal auf dieſelbe Weiſe geeicht. Man laͤßt aber die Frucht nicht auf den Steg, ſondern ſo nabe als moͤglich neben der Unterſtuͤtzungs⸗ ſtange herabſtromen, da, wenn Koͤrner auf den Steg fallen, mehr Frucht in das Gefaͤß gehen wuͤrde. Haͤlt jetzt das Gefaͤß zu wenig, ſo kann man es immer um ſo viel erweitern, wenn man mit einer Holzraspel innen am Rande mehr ebnet, oder auh da etwas ab: nimmt, wo das Holz uͤbereinander geheftet iſt. Haͤlt ` e p e8 zu viel, fo feilt man auf dem Rande herum, folg- lich auch auf dem Stege, da derſelbe mit dem Rande in einer Ebene liegen ſoll, etwas ab. Kloͤtzchen und dergleichen einzunageln, iſt ver⸗ boten. Es iſt von großer Wichtigkeit, daß der Saame die gleiche Zeit brauche, in das zu eichende Gefaͤß zu laufen, wie in das Eichmaas ſelbſt. Es muß auch jedesmal der Auslauf gleich offen gehalten werden. ˖ Ebenſo noͤthig iſt es, die Stellung beider Gefaͤße ſo zu ordnen, daß der Boden des einen ebenſo weit unter der Auslauf-Oeffnung ſey, als der Boden des andern, denn ein Unterſchied von nur ein Zoll kann Unterſchiede in der Frucht- oder Saamen-Menge geben, folglich das Eichen fehlerhaft machen. Ein Abſtand des gemeinen Seſters von der Aus—⸗ laufoͤffnung des Trichters der groͤßer iſt, als der Ab⸗ ſtand, der dem Eichſeſter gegeben worden, kann ver⸗ urſachen, daß das, was jener allenfalls wegen der Verſchiedenheit der Form weniger an Frucht aufnehmen koͤnnte, merklich werde. Man hat alſo dafuͤr zu ſor⸗ gen, daß der Boden des gemeinen Seſters eher um einige Linien mehr, als weniger von der Auslaufoͤff⸗ nung entfernt ſey. Das Abſtreichen muß jedesmal dicht uͤber dem obern Rande ſtets nach einer Seite hin, und nicht uͤber darauf liegende Koͤrner geſchehen; auch ſoll der Trichter für beide Anfüllungen immer nahe gleichviel Frucht enthalten. Die bisherigen Vorſchriften ſetzen voraus, daß ein Gefaͤß mit einem gleichgroßen und an Geſtalt nicht ſehr unaͤhnlichen Gefaͤß geeicht werde. Wollte man in Ermanglung eines gleichgroßen Eichgefaͤßes mittelſt ei⸗ nes kleinern durch Wiederholungen ebenfalls mit Frucht eichen, ſo koͤnnte dieſes, ohne beſondere Vorſicht, zu betraͤchtlichen Irrthuͤmern Anlaß geben. Es verſteht ſich daher von ſelbſt, daß alle Ge⸗ brauchsgefäße mit denjenigen Eichgefaͤßen, welche den gleichen Inhalt haben, und wenn keine gleichgroße Eich⸗ gefaͤße(was nur ruͤckſichtlich des Doppelſeſters der Fall iſt) vorhanden ſind, mit ſolchen geeicht werden muͤſſen, die denſelben in Groͤße am naͤchſten ſind. Der Doppel⸗ ſeſter alſo mit einem Seſter. In dieſem Fall kann man den kleinen aus der Verſchiedenheit der Groͤße des Eichmaaſes und des zu eichenden Gefaͤßes entſpringenden Fehler dadurch verbeſ— ſern, daß man den Auslauf am Trichter durch Vor— ſchieben des Eiſenblättchens fùr die Fuͤllung des Seſters etwas kleiner macht, als für die Fuͤllung des Doppel- ſeſters, damit die Anfullungen ohngefaͤhr in gleicher Zeit geſchehen. Die hoͤlzernen Fruchtmaaſe muͤſſen auf ihrer äuf— fern Wand ohngefaͤhr in der Mitte der Hoͤhe, den Ge— faͤßnamen tragen, der von dem Verfertiger darauf ge— ſchrieben oder eingebrannt wird. Die Aufſchrift des Namens des Gefaͤßes kann ſehr leicht mittelſt eines durchbrochenen Bleches bewirkt wer— den, welches mit einer kleinen in dicht ſchwarzer Tinte getauchten Buͤrſte uͤberſtrichen wird. Sobald der auf fol- che Weiſe aufgeſchriebene Gefaͤßnamen getrocknet iſt, muß die Schrift ſodann mit einem Firniß uͤberſtrichen werden. Als Eichzeichen erhalten die hoͤlzernen Gefaͤße den einfachen badiſchen Wappen an mehreren Orten, naͤmlich oben auf dem Rande, zumal da, wo die Sei— tenwand uͤbereinander gefuͤgt iſt, und an mehreren Stellen auf dem Boden, ferner unter dem Maasnamen die Nummer der Eichſtaͤtte aufgebrannt. Es findet får Fehler, wonach der Inhalt der hoͤlzernen Gefaͤße zu klein erſcheint, keine Nachſicht Statt, und ſollen alle Gefaͤße ihren vollkommenen In⸗ halt haben. Bei genauer Beobachtung der gegebenen Vorſchrif— ten koͤnnen die Fehler, wodurch das Gefaͤß zu groß wird, beim Doppelſeſter und Seſter nicht leicht uͤber 2 Prozent, bei den uͤbrigen kleinern nicht uͤber ein halb Prozent betragen, und die Eicher ſind daher verantwort— lich, wenn der Inhalt dieſe Toleranz uͤberſchreitet. Es verſteht ſich, daß ſie ihr Augenmerk zugleich auf die uͤbrige Beſchaffenheit der Maaſe, wovon etwaige Veraͤnderungen abhaͤngen, auf die Staͤrke und Trocken⸗ heit des Holzes, auf die gehoͤrige Bearbeitung und feſte Zuſammenfuͤgung zu richten haben. 58 Gefaͤße, welche aus nicht gehoͤrig getrocknetem Holze verfertiget ſind, haben ſie einige Zeit zuruͤckzube— halten, um ſie nach gaͤnzlicher Austrocknung zu eichen. Das Eichen hoͤlzerner Gefaͤße mit Waſſer iſt gaͤnz⸗ lich unterſagt. c) Beſondere Beſtimmung uͤber die Prüfung der Molzermaaſe der Muͤller. Die Molzermaaſe der Muͤller duͤrfen nur auf amt⸗ liche Weiſung, welche den Antheil angiebt, den der Muͤller zu beziehen berechtiget iſt, geeicht werden. Es wird hiebei erinnert, daß keine andern Molzermaaſe vorhanden ſeyn duͤrfen, als eines, das geſtrichen, den Antheil enthaͤlt, den der Muͤller nach den beſtehenden Tarifen vom Seſter anzuſprechen hat. Dieſe Maaſe muͤſſen mit der Aufſchrift Molzermaaſe, und der Bezeichnung des Theiles des Seſters, den ſie vorſtellen (z. B. I Seſter) verſehen, und wie die Verkehrs⸗ maaſe doppelt ſo weit als tief ſeyn. Der Gehalt des Molzermaaſes beträͤgt aber, wenn der Muͤller den 14ten Theil zu beziehen hat— 7 Becher = ibten= z z=— 6 2 „Ilbten ⸗ s s z— 6 s z 1gten È s g 2— j 2 z 18ten z A g z— 52 z Hiernach erhaͤlt das Maas folgende Dimenſionen: Durchmeſſer. Tiefe Zoll. Linien. Punkte. Zoll. Linien. Punkte. fuͤr den 1aten Theil— 4. 6. 6. =z übten=-— 4 5. 6. 3. n 8 s 2 1 Gten z lhe i lhe 6. 2. Že 3. E ten 2 aeS e 3. 7- 2. 1. 8. s I18tenn: 33 a Beim Eichen wird, was unter einem Becher iſt, in der Art in das zu eichende Maas nachgefuͤllt, daß der Saamen, den der voll geſtrichene Becher enthaͤlt, abgewogen, und der zur vollſtaͤndigen Anfuͤllung des Molzermaaſes erforderliche Theil des Saamens(nach obigen Beftimmungen 4 2 4 2) mittelſt einer zwei⸗ ten Abwaͤgung beſtimmt wird. d) Glaͤſerne Flüſſigkeitsmaaſe. Die glaͤſernen Fluͤſſigkeitsmaaſe werden auf den Glashuͤtten in den, fuͤr den Verkehr erlaubten Abſtu⸗ fungen von der Doppelmaas, Maas, Halbmaas, dem Schoppen und Halbſchoppen, in der gewoͤhnlichen Fla⸗ ſchenform mit engem Halſe verfertiget. Es koͤnnen auch Schoppen und halbe Schoppen und das Glag, Da8 ift der rote Theil der Maağ, in Geſtalt von Trinkglaͤſern gemacht werden, aber alle dieſe Gefaͤße, wenn ſie fuͤr den oͤffentlichen Gebrauch dienen ſollen, muͤſſen geeicht und bezeichnet ſeyn, naͤm⸗ lih da, wo fie den richtigen Inhalt haben; die Hals⸗ — 60— flaſchen mit zwei horizontalen einander gegenuͤber lie— genden Strichen, unter einem derſelben das einfache badiſche Wappen, unter dem andern, der erſte Buch— ſtaben des Namens der Glashuͤtte, bei auslaͤndiſchem Glaſe aber, der Eichſtaͤtte, wo es geeicht wird. Bei Schoppen, Halbſchoppen, wenn ſie die Ge⸗ ſtalt von Trinkglaͤſern haben, und beim Glaſe genuͤgt es an einem oder zwei Eichſtrichen, und dem einfachen badiſchen Wappen. Das Glas aber, als 1oter Theil der Maas, muß zur beſſern Unterſcheidung von dem Halbſchoppen, wel— or der öte Theil der Maas ift, noch die Punong: zo M. aufgeſchliffen haben. Die Glashuͤtten ſollen trachten, den Gefaͤßen eine ſolche Groͤße zu geben, daß der Eichſtrich eines Hals— gefaͤßes einen Zoll unter die Halsoͤffnung, bei dem trinkglasfoͤrmigen aber 25 Linien unter den Rand faͤllt. Halsgefaͤße, die den Eichſtrich unter einem halben Zoll, trinkglasfoͤrmige, die denſelben unter 1 Linien vom Rande haben, ſind verwerflich. Dieſe Gefaͤße werden alle auf den Glashuͤtten, die ſie verfertigen, geeicht und bezeichnet. Bei auslaͤndi— ſchem Glaſe geſchieht dieſes Eichen und Bezeichnen auf inlaͤndiſchen Eichſtaͤtten, die ihr Zeichen darauf ſchleifen laffen. Die inlaͤndiſchen Glashuͤtten muͤſſen nach Vorſchrift der Maasordnung mit Muttermaaſen verfehen ſeyn, — 61— und das Eichen der Gebrauchsmaaſe mittelſt glaͤſerner, enghalſiger aufs genaueſte nach dem Muttermaaſe gerich— teter Eichkoͤpfe mit moͤglichſter Sorgfalt nach obiger Vorſchrift verrichten. Der Eicher auf der Glashütte haftet für die Rich“ tigkeit der Maaſe ebenſo wie andere Eicher, und iſt, wie dieſe, zu verpflichten. Er kann bei Halsgefaͤßen fuͤr die Richtigkeit bis auf& Procent, bei andern bis auf 2 Procent ſtehen; groͤßere Abweichungen machen das Gefaͤß verwerflich— e) Das Eichen der hoͤlzernen groͤßern Flüſſigkeitsmaaſe und Sinnen der Faͤſſer. Ueber die Sinn-Anſtalten und das Eichen der hoͤlzernen Fluͤſſigkeitsmaaſe und Gefäͤße enthaͤlt die be⸗ ſondere hieruͤber ergangene Inſtruktion, die erforder⸗ lichen Vorſchriften. 3) Das Eichen oder Juſtiren der Gewichte. Die Gewichte von Eiſen ſollen einen reinen Guß, keine leicht abſpringenden Form-Nahten, keine Hoͤhlen und Blaſen haben, die mit Bley ausgefuͤllt werden koͤnnten, und unten einen Hohlraum erhalten, damit durch einzugießendes Bley, theils bei groͤßern Stuͤcken ` der Ringzapfen befeſtiget, theils das Gewicht ſelbſt, auf ſeinen rechten Gehalt gebracht werden koͤnne. Gewichte von 3 Pfund und daruͤber werden mit einem Ringe von geſchmiedetem Eiſen verſehen, der leicht ſpielen ſoll, duͤrfen aber außer dieſem Ringe ſonſt keine andern Anhaͤngſel haben. Die Stuͤcke von 4 bis 2 Pfund einſchließlich ers halten keine Ringe. Die Gewichtſtücke von 2 bis 50 Pfund, ſollen in den durch die Maasordnung beſtimmten Abſtufungen eine ſechseckige Pyramide bilden, vorbehaltlich weiterer Verfuͤgung uͤber die Zulaſſung anderer bequemer Formen. Ganze Centnerſtuͤcke koͤnnen in der Form eines Un⸗ tergeſtells der Pyramide, oder in viereckiger oder abge⸗ kuͤrzt coniſcher Form gefertiget werden. Die Stuͤcke der zum Verkehr dienenden meſſingenen Einſatzgewichte in Schaalenform ſollen rein gedreht und nur auf der unterſten Flaͤche dergeſtalt durch Feilen oder Schleifen juſtirt werden, daß dieſe Flaͤche immer moͤg— lichſt eben ſey. Ebenſo ſollen die abgekuͤrzt eoniſch oder cylindriſch geformten, meſſingenen kleinen Gewichtsſtuͤcke mit Knoͤpfen, rein gearbeitet ſeyn. Die Juſtirung ſelbſt geſchieht auf einer guten, der Schwere des Gewichts angemeſſenen Waage, welche die erforderliche Beweglichkeit und Empfindlichkeit hat, und deren Waagbalken, nicht nur fuͤr ſich allein, ſondern auch mit den daran haͤngenden Schaalen und bei der TG Verwechslung derſelben wenigſtens nahe dag Gleihgez wicht haͤlt. Da auch gute Waagen, durch den oͤftern Gebrauch, Roſt u. ſ. f. leicht unrichtig werden, ſo hat der Eicher jedesmal die Richtigkeit nach den unten folgenden Vorſchriften vorderſamſt zu pruͤfen. Iſt dies geſchehen, ſo legt man das Mutterge⸗ wicht auf eine Waagſchaale, in die andere Gegenge⸗ wicht, gleichviel aus was es beſtehe, bis vollkommenes Gleichgewicht entſteht. Am beſten eignen ſich zur Ausgleichung, nebſt den kleinen Gewichtstheilen, Schrote von verſchiedener Groͤße. An die Stelle des Muttergewichts legt man nun das zu eichende Einſatzgewichtſtuͤck, welches noch zu ſchwer gefunden werden wird. Man lege deswegen zum Gegengewicht ſo viel kleine Stuͤckchen Metall, die nach der Form oder Farbe von den Gegengewichtſtuͤcken zur Vermeidung eines Irr⸗ thums verſchieden ſeyn muͤſſen, hinzu, bis nahe ein Gleichgewicht entſteht, nur um zu ſchaͤtzen, wieviel man unten am Boden des zu juſtirenden Stuͤcks wegzufeilen habe. Nachdem abgefeilt worden, ſtellt man den naͤm⸗ lichen Verſuch an, wo ſich von ſelbſt verſteht, daß man vorher die dem Gegengewicht zugelegten Stuͤckchen Metall wegnehmen muͤſſe. So faͤhrt man im Abwaͤgen und Abfeilen fort, bis das zu juſtirende Gewicht mit dem Gegengewicht das nie ſeine Schaale verlaͤßt, vollkommenes Gleichge⸗ wicht haͤlt, oder bis die Zunge genau inne ſteht. Hiebei iſt auch zu beobachten, daß ter Waag⸗ balken immer dieſelbe Lage auf den Pfannen behalte, und es iſt daher bei jedesmaligem Abnehmen und Auf⸗ legen des zu eichenden Gewichts mit der groͤßten Vor⸗ zu verfahren. Nimmt man mit der Feile zu viel weg, was bei einer lang dauernden Juſtirung leicht geſchehen kann, ſo muß man mit dem Loͤthkolben etwas Zinn auftragen und dann neuerdings abwaͤgen; ein Verfahren das auch fuͤr urſpruͤnglich zu leichte Gewichte— falls der Un⸗ terſchied gering iſt— angewendet werden darf. Bei Eiſengewichten hilft man mit Abſchaben oder Zugieſen von Bley. Mit einer andern kleinen juſtirten Waage kann man ſich dieſes Juſtiren ſehr erleichtern. Man legt das, was ein Gewicht noch zu ſchwer gefunden wird, auf die eine Schaale, und ſammelt auf die andere, was man davon feilt oder ſchabt, ſo lange bis dieſes eben⸗ ſoviel betraͤgt. Was ein meſſingenes Gewicht zu leicht iſt, laͤßt ſich wohl auch dem Auge darſtellen, aber es iſt alsdann ſchwerer, mit~ Loͤthkolben gerade ſo viel aufzutragen. Mit eiſernen Gewichten iſt letzteres leichter, wenn man Bleydrath von Dicke hat, gerade ſo viel a viel davon nimmt, als die Ergaͤnzung zum richtigen Gehalte erfordert, und dann dieſes erſetzende Stuͤckchen in ein, in den Bley⸗Einguß getriebenes Loch einſchlaͤgt, das unten etwas weiter, als bei ſeiner Oeffnung ſeyn muß. Der Bleyeinguß und die Abſtempelung muſſen auf eine Weiſe geſchehen, daß jede ſpaͤtere Veraͤnderung durch Zuguß oder Hinwegnahme von Bley erkennbar wird. Es duͤrfen beim Eichen der eiſernen Gewichte we⸗ der außen, noch an den innern Seiten der zum Bley⸗ Einguß beſtimmten Oeffnung Ecken abgeſchlagen werden. Iſt das eiſerne Gewicht zu groß, ſo muß an der untern Flaͤche, fo viel als erforderlih ift, um e8 eins ſchließlich des zur Stempelung einzugieſenden Stüͤckchen Bleyes auf ſeinen wahren Gehalt zu bringen, auf eine Weiſe abgenommen werden, welche die regelmaͤßige Form nicht veraͤndert. Gewichte von 10— 100 Pfund ſind auf der groͤß⸗ ten, Gewichte von 1— 10 Pfund auf der mittlern, und Gewichte unter 1 Pfund auf der kleinſten zum Eichap⸗ parat gehoͤrigen Waagen zu juſtiren. Endlich iſt zu bemerken, daß bei jedem Abwaͤgen, Gewicht und Gegengewicht ſo viel moͤglich in die Mitte der Waagſchaalen zu legen ſind. Die Juſtirungszeichen der herrſchaftlichen Eiſen⸗ werke ſind: das badiſche Wappen und der Anfangs⸗ E ——————— x E aA S S.— JARAS adia —— buchſtabe des Namens der Factorie, wo die Gewichte gegoſſen und juſtirt werden. Privateiſenwerke, welchen die Eichung durch ver⸗ pflichtete Perſonen vorzunehmen geſtattet worden, haben dem badiſchen Querbalken, ein Fabrikzeichen beizufuͤgen, wovon ſie einen Abdruck bei dem Eichamt des Bezirks zu deponiren gehalten ſind. Gewichte, welche den Eichämtern zur Pruͤfung und Eichung uͤbergeben werden, erhalten neben dem badiz ſchen Querbalken die Nummer des Eichbezirks. Die eiſernen Gewichte werden unten auf den Bley⸗ Einguß, die meſſingenen Einſatzgewichte auf der untern Fläche, wo man ſie zu juſtiren pflegt, und Schaalen⸗ gewichte auch oben auf dem Deckel geſtempelt. Namen und Gewichtszahl eines gegoſſenen Eiſen⸗ gewichts iſt oben durch den Guß ausgedruͤckt, wie die vorhandenen zur Norm und Vorſchrift dienenden Pyra⸗ midenſtücke zeigen. Auch die kleinern meſſingenen Ge⸗ wichte muͤſſen die Gehaltszahl tragen. Was die zu erzielende Genauigkeit betrifft, ſo darf bei keinem Gewicht unmittelbar nach erfolgter Eichung an dem vollen geſetzlichen Gehalt etwas fehlen, und findet daher in dieſer Beziehung keine Toleranz ſtatt. Die Eicher ſollen aber den geſetzlichen Gehalt möͤg⸗ lichſt genau zu treffen ſuchen, und ſind dafuͤr verant⸗ wortlich, daß die aus ihren Haͤnden kommenden Ge⸗ wichte den vollen geſetzlichen Gehalt haben, und denz ſelben beim Centner und Halbcentner nich um— 1 Loth bei kleinern Gewichten bis 10 Pfund niht um..— 2 = denen unter ro big zu 5 Pfund nicht um.++++ E F z =z benen von b— 2 Pfund..— 3° = no% Ëleinern Gifengewihten niht um::: E beim gemeinen Einſatz Kraͤmergewicht von ı— 2 Pfund niht um uͤberſteigen, und werden bei groͤbern Fehlern nach der Maasordnung behandelt. 4) Unterſuchung der Waagen. Was die Unterſuchung der Waagen betrifft, ſo liegt den Eichern nicht nur die Pruͤfung derjenigen ob, deren ſie ſich bei den Eichgeſchaͤften bedienen, ſondern ſie haben auch die Waagen, deren Unterſuchung von den oͤffentlichen Behoͤrden ihnen uͤbertragen wird, genau zu prufen. Auch ſind ſie ermaͤchtiget, die Richtigkeit der Waagen, die ihnen von Fabrikanten oder Kaufleu⸗ ten zur Pruͤfung uͤbergeben werden, zu beſtaͤtigen; ſolche unterſuchte Waagen erhalten den Stempel, d. i. den E 2 at eremo — 68— badiſchen Querbalken und die Nummer des Eichbezirks, ſodann den Namens-Buchſtaben des Eichers. Bei der Prüfung der Waage uberhaupt hat man auf ihre aͤußere Beſchaffenheit, auf die Genauigkeit der Arbeit, auf gehoͤrige Laͤnge der Waagbalken, wo⸗ durch vorzuͤglich ihre Tauglichkeit bedingt iſt, und auf die, der Schwere der Gewichte, wofür ſie beſtimmt iſt, angemeſſene Staͤrke der Waagbalken zu ſehen. um für genaue Abwaͤgung tauglich zu ſeyn, muß ſie leicht ſpielen, den gehoͤrigen Grad von Empfind⸗ lichkeit haben, und nicht nur fuͤr ſich allein, ſondern auch mit den daran haͤngenden Schaalen und bei deren Verwechſelung, das Gleichgewicht halten. Die Leichtigkeit des Spieles iſt vorhanden, wenn ſie durch eine ganz geringe Gewichtszugabe gegen die eine Seite zum Sinken gebracht, nicht ſogleich ſtille ſtehet, ſondern ſich auf dieſer Seite etwas wieder hebt, ſodann wieder ſteigt, und nur allmaͤhlig zur Ruhe kommt. Der Grad ihrer Empfindlichkeit wird gefunden, wenn man das hoͤchſte Gewicht, wofuͤr ſie beſtimmt iſt, auflegt, und nachdem ſie das Gleichgewicht erlangt hat, ganz kleine Gewichttheile, die einen Bruchtheil von ohn⸗ gefaͤhr 26398 jenes groͤßten Gewichts betragen, hinzulegt, bis die eine Schaale ſich ſenkt. Das Verhaͤltniß der beigelegten Gewichte zu dem groͤßten Gewichte, welche die Waage zu tragen beſtimmt iſt, giebt ben Grad der — 69— Empfindlichkeit an. Werden die beigelegten Gewichts⸗ theile wieder hinweggenommen, ſo muß ſich die Waag⸗ ſchaale wieder erheben, und aufs Neue inë Gleichge⸗ wicht kommen. Es verſteht ſich, daß die zur Pruͤfung der Ge⸗ wichte gebrauchten Waagen in hoͤherm Grade empfind⸗ lich ſeyn muͤſſen, als die Waage fuͤr den gewoͤhnlichen Gebrauch, welche letztere ſchon nicht fúr verwerflich gel— ten koͤnnen, wenn ihre Empfindlihteit z000 VIS z005 betraͤgt, d. h. wenn ſie mit dem hoͤchſten Gewichte, wofuͤr ſie beſtimmt iſt, belaſtet, durch die Auflegung von einem obngefåbe zoo bis zocos Sheile diefe hoͤchſten Gewichts in Bewegung geſetzt wird. Schnell- und Bruͤckenwaagen ſind nicht verwerflich, wenn ihre Empfindlichkeit je nach ihrer Beſtimmung 350 bis 22 betraͤgt. Cine gute Waage, die als ihr groͤßtes Gewicht in jeder an Ketten haͤngenden Schaale einen Centner ver— traͤgt, kann aber ſchon aus dem Gleichgewichte kommen, bei leeren Schaalen mit—6 Gran, mit 25 Pfund in jeder beſchwert, mit 1 Pfennig oder 16 Gran, mit 50 Pfund beſchwert, mit 2 Pfennig. Hieraus laͤßt ſich ſchon auf die noͤthige Empfind⸗ lichkeit kleiner Waagen ſchließen. Hat man ſich der gehoͤrigen Empfindlichkeit und Beweglichkeit der Waage, auf die angezeigte Weiſe verſichert, ſo kann man davon, daß die angehaͤngten, unbeſchwerten Waagſchaalen das vollkommene Gleichge⸗ wicht halten, noch nicht auf die Richtigkeit derſelben ſchließen. Es koͤnnen naͤmlich: 1) die Arme der Waage ungleich, 2) der eine Arm ſchwerer als der andere, 3) die eine Waagſchaale ſchwerer als die andere ſeyn, und alle dieſe Fehler ſich wechſelſeitig aufheben. Man muß daher zuvoͤrderſt unterſuchen, ob die beiden Arme der Waage ohne angehaͤngte Schaalen das Gleichgewicht halten. Waͤre in dieſem Falle das Gleichgewicht dadurch hervorgebracht, daß der eine laͤn⸗ gere oder kuͤrzere Arm des Waagbalkens etwas leichter oder ſchwerer iſt, als der andere; ſo wird ſich dieſer Fehler durch das Anhaͤngen gleich ſchwerer Waagſchaa— len offenbaren. Da aber das Gewicht der letztern un⸗ gleich ſeyn kann, ſo wirde der Fehler, wenn die ſchwerere Schaale an dem kuͤrzern Arme angehaͤngt wird, verborgen bleiben koͤnnen. Daher muͤſſen die Schaalen verwechſelt werden. Jener Fehler der Ungleichheit der beiden Arme des Waagbalkens, welcher durch die ungleiche Schwere der von ihren Schaalen befreiten Arme, ausgeglichen wird, kann indeſſen bei dem Anhaͤngen und Verwech— ſeln gleich ſchwerer Schaalen verborgen bleiben, wenn der Unterſchied, den das angehaͤngte Gewicht der Schaalen hervorbringen ſollte, nicht merklich genug Wenn daher auch die Waage bei Verwechſelung der Schaalen, das Gleichgewicht haͤlt, ſo bleibt es immer rathſam einen etwaigen unbedeutenden Fehler, durch Auflegung gleicher Gewichte merklicher zu machen. Man legt z. B. ein Pfund-⸗Gewicht C. in die Waagſchaale A. und ein gleiches Gewichtſtuͤck D. in die Waagſchaale B. Setze man nun, daß die Schaale B. ſinke, und ein beigelegtes Karat das Gleichgewicht herſtelle. Nun legt man das Gewichtſtuͤck D. in die Waag⸗ fhaale A. und das Gewichtſtuͤck C. mit dem Karat in die Waagſchaale B. Kaͤmen alsdann die Schaalen oder die Waage ins Gleichgewicht, ſo laͤge der Fehler in den Gewichten. Allein, iſt dies nicht der Fall und wird das Gleichgewicht nur wieder hergeſtellt, wenn das Karat dem Gewichte D. in der Waagſchaale A. beigelegt wird, ſo iſt daraus zu ſchließen, daß die Arme der Waage ungleich und namentlich der Arm, an welchem die Schaale A. haͤngt, um zors Sheil feiner Laͤnge zu kurz, oder der andere Arm um dieſe Groͤße zu lang iſt. Bei Beobachtung des oben vorgeſchriebenen Ver— fahrens, iſt aber eine unbedeutende Ungleichheit der beiden Arme in ſoferne nur die Waage die gehoͤrige Empfindlichkeit hat, bei dem Gebrauche fùr das Eichen von keinem nachtheiligen Einfluß. Dagegen iſt dieſer Punkt bei den zum Verkehr beſtimmten Waagen ſehr weſentlich, und daher jede bemerkbare Ungleichheit zu verbeſſern, oder die der Prüfung unterworfene Waage zu dieſem Zwecke dem Fabrikanten zuruͤck zu geben. Da der Gebrauch der Schnellwaagen fuͤr Gegenſtaͤnde, bei denen es auf Theile eines Pfundes nicht ankommt, im Verkehr geſtattet iſt, ſo wird fuͤr die Unterſuchung ſolcher Waagen wo ſie vorkoͤmmt, feſtgeſetzt, daß ſie richtig eingetheilt, bei dem Anhaͤn⸗ gen des Gewichts an den fortlaufenden Eintheilungen unter Beſchwerung der Schaale mit dem entſprechenden Gegengewicht ins Gleichgewicht kommen, und um dies Gleichgewicht herzuſtellen, es wenigſtens wie bereits bemerkt ward, niht mehr al der Zugabe von s55 bis s deb angehångten Gewichts oder 388 bis 2 des Gegengewichts in der Schaale bedarf. Ueberdies müſſen ſie leicht beweglich, und der Hebel ſtark genug ſeyn, um nicht unter dem Gewichte bei deſſen Anhaͤn⸗ gen am aͤußerſten Punkte ſich zu biegen. Transportable Bruͤckenwaagen muͤſſen ebenſo, we⸗ nigſtens zum Abwaͤgen von 2 Centnern geeignet ſeyn, da ſie im Verkehr nicht zur Abwaͤgung von Quanti⸗ taͤten unter 1 Centner gebraucht werden dürfen, und fúr eine Zugabe von wenigftens soso Oder zzo Cines ins Gleichgewicht gebrachten Gewichts empfindlich ſeyn. — 73— 5) Allgemeine Vorſchriften. Der Ort, wo der Eichapparat aufbewahrt wird, darf nicht feucht ſeyn. Fuͤr die Erhaltung der dazu gehoͤrigen Maaſe, Gewichte und Geraͤthſchaften ſind die Eicher nach den Beſtimmungen der Maasordnung verantwortlich. Sie haben ſogleich nach dem Gebrauche eines Eichmaaſes oder Eichgewichts zc. fúr deffen Reinigung und Trocknung, damit ſich beſonders an den metalle— nen Gefaͤßen, Gewichten und Geraͤthſchaften kein Roſt oder Gruͤnſpan anſetze, ſo wie fuͤr eine unſchaͤdliche Aufbewahrungsart, zu ſorgen. Insbeſondere ſollen die Schaalen der Waage, nachdem ſie gebraucht worden, nicht haͤngen bleiben, die Långenmaafe niht aufreht gegen die Wand gez ſtellt werden, ſondern horizontal liegen, und diejenigen, welche Futterale oder hoͤlzernne Kiſten haben, darin aufbewahrt werden. Kein Stuͤck ſoll von Eicher ohne Noth im Haus uͤber Nacht behalten, vielweniger in fremde Haͤnde gegeben werden. Bei ſcharfer Ahndung ſollen Eichmaaſe und Eich⸗ gewichte niemals zum Privatgebrauche dienen, ſondern in dem dazu beſtimmten Kaſten unter dem Schluͤſſel des Ortsvorgeſetzten und des erſten Eichers gehalten werden. — Ti— Wenn ſie laͤngere Zeit nicht gebraucht werden, hat der Eicher nachzuſehen, ob ſich kein Roſt anſetze, und zum Schutze dagegen die eiſerne Stuͤcke mit Oel zu reiben. Die Reinigung ſoll nie mit Sand oder andern ſchleifenden Gegenſtaͤnden geſchehen, wodurch die Maaſe und Gewichte veraͤndert werden koͤnnen. Von den, der Eichſtaͤtte zugehoͤrigen Zeichen, womit die Aufſtempelungen geſchehen, und von den Namens-Buchſtaben der Eicher werden Abdruͤcke bei dem Stadtrath oder Ortsvorſtand aufbewahrt. Sie muͤſſen bei jeder Viſitation oder Pruͤfung der Eich⸗ maaſe und Eichgewichte ſelbſt vorgezeigt, in ihrem Juz ſtande unterſucht, und mit jenen Abdruͤcken verglichen werden. Auch ſollen ſie dem beſchreibenden Verzeichniß von den Gemeinds⸗Eichgeraͤthſchaften, einverleibt ſeyn. Den Eichern iſt bei Strafe unterſagt, andere als nach obigen Beſtimmungen zulaͤßige Maaſe und Gez wichte zu eichen, alſo auch keine fuͤr den vielfachen, z. B. får den 14, 4, 24 fachen Fnpalt eines vorgez ſchriebenen Maaſes oder Gewichts, oder ſolche, die ſich durch aͤhnliche Bruchtheile, den alten Maaſen und Gewichten naͤhern. II. Inſtruktion uͤber das Verfahren zur Pruͤfung der Eichmaaſe in Gemaͤsheit des§. 26. der Maasordnung. Die Pruͤfung der Eichmaaſe und Gewichte einer Eichſtaͤtte unter ſich, ſoll ſo oft geſchehen, als nur irgend eine Veranlaſſung dazu ſich ergiebt, damit ſie moͤglichſt unveraͤndert erhalten werden. Fuͤr dieſe Pruͤ⸗ fungen, ſo wie die Vergleichungen, welche zwiſchen den Maaſen und Gewichten von je zwei be⸗ nachbarten Eichſtätten des Landes periodiſch angeordnet werden ſollen, und uͤber deren Vornahme jeweils beſondere Verfuͤgung ergehen wird, ertheilt man folgende naͤhere Vorſchriften: Wor alem ift der aͤuſſere Zuſtand ſämmtlicher Maaſe und Werkzeuge genau zu unterſuchen, und wo etwas Fehlerhaftes daran iſt, ſolches dergeſtalt zu ver⸗ beſſern, daß man ſich verſichert halten kann, die Rich— tigkeit des Maaſes oder Gewichts nicht veraͤndert zu haben. Kruͤmmungen, Verbuckelungen, welche niemals vorfallen ſollten, ſind daher mit großer Vorſicht zu verbeſſern, und dabei die Vorſchrift des§. 26. der Maasordnung zu beachten. Unſauberkeiten, Verroſtun⸗ gen ſind Beweiſe, daß ſie nicht reinlich, nicht trocken genug gehalten werden, und ſollen geruͤgt werden. Jede Pruͤfungs- jede Eichungs-Operation ſoll, fo viel thunlih, bei gleicher Temperatur von 14— 16 Grad Reaumůår vorgenommen werden, Die Werf- zeuge, die Gefaͤße, die Huͤlfsmaterialien muͤſſen eine gleiche Temperatur angenommen haben, wenn man auf richtige Reſultate kommen will. Warmes Waſſer in ein kaltes Gefaͤß, kaltes in ein warmes gegoſſen, kann die Pruͤfung, die Eichung leicht fehlerhaft machen; das Verfahren wird insbe— ſondere und vornemlich folgendes ſeyn: Die Laͤngenmaaſe werden mit einander ver⸗ glichen, indem man ihre Eintheilungen nebeneinander bringt, und ſieht, wie ſie miteinander übereinſtimmen, allenfalls auch mittelſt eines guten Stangen-Zirkels, wobei jedoch mit aller Vorſicht verfahren werden muß, um die Theilungsſtriche der Eichmaaſe nicht gu vers groͤßern, oder ſonſt zu verunſtalten. Da die Eichhohlmaaſe alle von Kupfer mit ab⸗ geſchliffenem Rande und zur Anfuͤllung bis an denſelben verfertiget find, ſo ſollen fie auch alle mit Waſſer gepruft werden, wozu, wenigſtens bei den kleinern, die Glasplatten, bei allen aber, das Zungenlineal und die ebenfalls zum Eichapparate gehoͤrigen dreieckigen uͤberfirnißten Bretter mit 3 Schrau⸗ ben, zur horizontalen Stellung gebraucht werden. Sodann it auh bdie Pruͤfung durch oo mit Saamen vorzunehmen. Die ganze Oberflaͤche der Frucht muß dabei in einem Seſter in der Randhoͤhe ſeyn; man erhaͤlt die⸗ ſes, wenn man den Seſter ein wenig uͤberfuͤllt, und dann das, was zu viel darin iſt, mit dem auf dem Rande nach einer Richtung hin bewegten Streichlineal, abſtreicht. Was in der Inſtruktion uͤber die Pruͤfung der Gebrauchsmaaſe in Beziehung auf die Art der Anfuͤl⸗ lung geſagt worden, findet hier ebenfalls ſeine Anwen⸗ dung. Da aber bei der Pruͤfung und Vergleichung der Eichmaaſe, die hoͤchſte Sorgfalt erforderlich iſt, ſo findet man fuͤr noͤthig, hier verſchiedene Punkte um- ſtaͤndlicher zu erlaͤutern: Abweichungen von den vorgeſchriebenen Eichungs⸗ und Pruͤfungsmethoden duͤrfen ebenſo wenig, wie ir⸗ gend eine Abaͤnderung der Form der Eichgefaͤße Statt finden. Die Verſchiedenheit dieſer Form und des Ver— fahrens war fruͤher die Urſache, daß zwiſchen den Maaſen in verſchiedenen Orten des Landes, welche ge⸗ ſetzlich die gleichen Maaſe haben ſollten, nicht unbe⸗ — 78 a deutende Abweichungen im Gehalte der Maaswerkzeuge ſich ergaben. Man haͤlt es nicht fuͤr uͤberfluͤſſig, hier einige in mehreren Landesgegenden bisher beſtandenen abweichen⸗ den fehlerhaften Verfahrungsarten nur zu dem Zwecke zu erwaͤhnen, daß ſich die Eicher, ſo wie uͤberhaupt diejenigen Perſonen, welche kuͤnftig mit der Pruͤfung der Eichmaaſe beauftragt werden, ſolcher auf den er⸗ ſten Anblick oft unbedeutend ſcheinender Abweichungen enthalten, und ſich wechſelſeitig in der genauen Beob⸗ achtung der gegebenen Vorſchriften controlliren. An manchen Cichſtätten verfuhr man z. B. bei der Anfüllung der Eichmaaſe mit Waſſer, auf gleiche Weiſe wie bei der Anfuͤlung mit Saamen, man überfuͤllte naͤmlich die Maasgefaͤße ein wenig mit Waſſer, und ſtrich dann ſolches mit einem Lineal ab; dies iſt aber eine ſehr unſichere und trügliche Anfuüͤllungsart. Mei- ſtens aber hatte man Eichgefaͤße mit einem uͤberſchuͤſ⸗ ſigen Raume, ſo daß unter dem Rande, zu Bemer⸗ fung der richtigen Anfuͤllung, Spitzen angebracht wa⸗ ren, die ſich leicht verbogen, oder bald ſtumpf wurden, und die Reinigung hinderten, oder Nagelkoͤpfe, Stri⸗ che, Löcher ꝛc. die die Richtigkeit der Anfullung ungewiß machten, wegen der Anhäͤnglichkeit des Waſſers, das ſich am Gefaͤß in die Hoͤhe hebt. Eine andere äuſſerſt fehlerhafte Anfuͤllungsart war ferner das Untertauchen des Gefaͤßes, wobei man dann ablaufen ließ, was ablaufen konnte; oder man gab — den Eichgefaͤßen eine nach oben ſich verengende ab⸗ gekürzte kegelförmige Geſtalt, um den Fehler in der Beurtheilung der Anfuͤllung moͤglichſt zu vermindern. Aber auch dieſe Gefaͤße verlieren bald den richtigen Inhalt, weil ſie zu beſchwerlich zu reinigen ſind, als daß es nicht oft unterlaſſen wurde, und wenn der Inhalt in cylindriſche Gefaͤße uͤberging, ſo hatte man doch wieder mit einer groͤßern Waſſerflaͤche zu thun, deren Rand ſchwer zu ſchaͤtzen war. Mehr oder we⸗ niger haben alle dieſe Anfuͤllungsarten, wie geſagt, zu bedeutenden Verſchiedenheiten, ſowohl in den Privat⸗ als auch ſelbſt in den Eichmaaſen, Anlaß gegeben. Daher iſt nun im neuen Maasweſen die Anord- nung, daß die Flüuͤſſigkeits maaſe cylindriſch ſeyn, und big zur Randhoͤhe gefüllt ihren richtigen Inhalt haben ſollen, als eine der weſentlichſten Vorſchriften anzuſehen. Weil aber eine ſolche Anfuͤllung der bloſen Anſicht oder Schaͤtzung, oder dem Abſtreichen nicht uͤberlaſſen werden kann, auch nie uͤberlaſſen werden ſoll, ſo ſind zwei Mittel an die Hand gegeben, wo⸗ durch man ſich einer ſehr genauen und richtigen An⸗ fuͤlung verſichern kann: entweder der Gebrauch einer ebenen geſchliffenen Glasplatte, die auf den Rand ge— ſchoben wird, und die richtige Waſſermenge einſchließt, oder der Gebrauch des Zungenlineals, das mittelſt ſei⸗ ner Stuͤtzen auf den Rand geſtellt wird, und deſſen Zunge dann die Waſſerflaͤche in der Mitte blos beruͤh⸗ ren muß. Ueber die Beſchaffenheit und den Gebrauch die⸗ — 80— ſer Werkzeuge werden nun hier folgende nähere Erlaͤu⸗ terungen gegeben: Da die Glasplatten, wenigſtens auf derjenigen Seite, womit ſie auf dem Rande des Gefaͤßes auflie— gen, eben geſchliffen ſeyn ſollen, ſo kann man ſtatt derſelben, niemals gewoͤhnliches Fenſterglas, ſon— dern nur etwa Stuͤcke von Spiegeln brauchen; die aufliegende Flaͤche muß nicht die geringſte ſichtbare oder fuͤhlbare Unebenheit haben. Aber auch der geſchliffene Rand des Mutterge— faͤßes, worauf die Glasplatte gelegt wird, muß eben und rein ſeyn. Denn die geringſte Erhoͤhung, oder irgend eine Unreinigkeit, erhebt die ganze Glasplatte, die dadurch, als ein feſter Koͤrper, den Rand verlaͤßt, und daher ein falſches Leeres, einen zu großen Hohl— raum angeben kann. Je groͤßer der Durchmeſſer einer Glasplatte oder eines Gefaͤßes, wozu ſie gebraucht wird, iſt, deſto dicker ſollte ſie ſeyn, damit ſie ſich durch das Halten und Andruͤcken an den Rand nicht biege, daher haben die Platten eine von 2 bis 4 Linien verſchiedene Dicke. Das Zungenlineal beſteht aus einem metallenen Staͤng⸗ lein von der Laͤnge des Durchmeſſers des Gefaͤßes, wozu es gebraucht wird, die Breite ſeines Randes dazu gerechnet. Von beiden Enden gehen rechtwinklich 4 bi 8 Linien lange Stuͤtzen herab, ohngefaͤhr ſo n dit, — dick, als das Staͤnglein ſelbſt, oder ſo, daß es uͤber jedem Durchmeſſer des Gefaͤßes auf deſſen Rand von ſelbſt ſtehe. Aus der Mitte der Laͤnge des Staͤngleins ſenkt ſich eine, etwa zwei Linien breite, gegen das Ende ſchmaͤler, duͤnner, und abgerundet auslaufende Zunge herab, Das Aeuſſerſte dieſer Zunge muß mit den Enden beider Stuͤtzen genau in einer geraden Linie ſeyn, und dies iſt eine Haupt-Eigenſchaft des Zungen⸗ lineals, ohne welche es ein ganz unrichtiges Reſul⸗ tat giebt. Um ſich nun der erwaͤhnten geraden Lage der Stuͤtzen und der Zunge zu verſichern, ſtellt man das Zungenlineal auf die Schaͤrfe oder Dicke eines ges meinen guten Lineals. Iſt das Zungenlineal nicht richtig, ſo wird man ſehen, entweder daß die Zunge vom Lineal abſteht, oder daß eine Stuͤtze nicht aufſteht. In jenem Falle iſt die Zunge zu kurz, in dieſem zu lang, wobei ein Hin- und Herwanken entſteht, wenn das Zungenlineal an ſeinen Stuͤtzen bewegt wird. Auch muͤſſen die Enden der Stuͤtzen nicht blos mit einigen Punkten, ſondern mit ihrer ganzen Flaͤche aufſtehen; ob das Letztere geſchehe, erkennt man leicht, wenn man, alles gegen die Helle haltend, zwiſchen durchſieht. S Z ppa Dag nun einem fehlerhaften Zungenlineal mittelſt der Feile zu helfen ſey, wird jeder ſogleich einſehen, aber es wirklich zu thun, iſt keine leichte Sache, und erfordert Geduld und Uebung im Feilen. Man muß aber auch verſichert ſeyn, daß das gemeine Lineal, auf welchem dieſe Pruͤfung des Zungenlineals geſchieht, genau gerade ſeye. Man ziehet zu dem Ende nach der Schaͤrfe des Lineals, die man brauchen will, auf einem moͤglichſt eben liegenden Papier eine feine Linie, man wendet das Lineal dergeſtalt um, daß die naͤm— lihe Flaͤche deſſelben, womit es auf dem Papier: geles gen, immer auf demſelben bleibe, und die naͤmliche Schaͤrfe des Lineals nur an die andere Seite der ge— zogenen Linie anzuliegen komme. Steht dieſe noch uberall gleichweit von des Li— neals Schaͤrfe ab, ſo iſt dieſe gerade, wo nicht, ſo muß man das Lineal zu verbeſſern ſuchen, bis eine ſolche Uebereinſtimmung erfolgt. Der Gebrauch der Glasplatte iſt folgender: Man ſchiebt ſie, trocken, und waagerecht haltend, auf den gereinigten Rand des mit Waſſer gefuͤllten Ge⸗ faͤßes. Iſt dieſes überfuͤllt, ſo wird die Platte das, was zuviel darin iſt, davon weg- und herausdruͤcken. Iſt es nicht genug angefuͤllt, ſo wird ſich eine Luft⸗ blaſe darunter zeigen. Arbeitet man mit einer gemeſf- ſenen Fluͤſſigkeit, von welcher nichts verloren werden darf, ſo kann man mit einem kleinen ſehr ſpitzig aus⸗ laufenden Stechheber leicht das, was an Waſſer zuviel Z 8 im Gefaͤße iſt, aus demſelben heraus heben, oder das noch mangelnde hinein troͤpfeln laſſen. Leicht und bequem und ohne etwas zu verſchuͤtten, leert man, bei einiger Uebung, ein, mit Waſſer gefuͤlltes und mit der Glasplatte geſchloſſenes Gefaͤß in ein anderes aus. Druͤckt man die Glasplatte ſanft an den Rand des Gefaͤßes an, ſo kann dieſes in jeder Richtung, ohne daß etwas ausliefe, alſo auch faſt liegend gehalten und getragen werden, welche letztere Lage gum Ausleeren er⸗ forderlich iſt, damit kein Waſſer am Gefaͤße herablaufe; um dies Ablaufen deſto ſicherer zu vermeiden, ſo beſtrei⸗ che man nur die Stelle des Auslaufs, auſſen am Rande, ein wenig mit Unſchlitt. Nun wird in dieſer ſchiefen oder faſt liegenden Haltung die immer ſanft auf dem Rande angedruͤckte Platte von der Stelle, wo das Waſſer auslaufen ſoll, zuruͤckgezo⸗ gen, damit zuerſt eine Oeffnung entſtehe, durch die das Waſſer ausfließen kann. Das Auslaufen und Ausſpritzen zu maͤßigen und ruhiger zu machen, kann man zwar, waͤhrend die Glasplatte beim Auslauf zuruͤckgeſchoben iſt, und vor⸗ nen gegen dieſen Auslauf hin, immer an den Rand ge⸗ druͤckt wird, ſolche nur hinten etwas Unmerkliches vom Rande erheben, und ſo der Luft von hinten einen Zu⸗ gang, mithin dem Waſſer einen ſtillern Abfluß verſchaf⸗ fen; aber dieſes Mittel gerathet ſelten ohne Verluſt F 2 —— —— — zain E an Waſſer, der alsdann noͤthiget, Die Operation von Neuem anzufangen. Beſſer iſts, entweder den gang langſamen Abfluß des Waſſers ſich gefallen zu laſſen, oder, nahdem ein Theil abgefloſſen, das Gefaͤß durch Vorziehen der Platte zu ſchließen, aufzurichten, dann die Platte auf dem Rande hin, ganz abzuziehen, weil ſich jetzt das Uebrige wie gewoͤhnlich ausleeren laͤßt, ohne daß es am Gefaͤß herunterlaͤuft. Ein Gefaͤß iſt mit Waſſer zur Pruͤfung mit dem Zungenlineal richtig angefüllt, wenn daſſelbe mit⸗ telſt ſeiner Stuͤtzen auf den ebenen und vorher rein abgewiſchten Rand geſtellt, mit der Zunge die Waſſer⸗ fläche blos beruͤhrt, wenn man alſo nicht nur zwiſchen Waſſer und Zunge nicht hindurch ſehen kann, ſondern auch wahrnimmt, daß kein Theil der Zunge in das Waſſer wirklich hineinreicht. Der kleine Stechheber it auh hier nuͤtzlich zu gebrauchen, um, was zu viel iſt, herauszuheben, ohne die Waſſerflaͤche in Unruhe zu bringen, oder auch das noch Mangelnde, zuletzt nicht durch Eintroͤpfeln, ſondern indem man die Spitze des Hebers ins Waſſer ſteckt, ſo lange und bis zum Augenblick einlaufen zu laſſen, wo die Waſſerflaͤche mit der Zunge in Beruͤhrung kommt. Hiebei iſt nun eine Erſcheinung zu beachten, die zur Erreichung einer äußerſt genauen Anfuͤllung ſehr dienlich iſt. | f sanr- Man ſieht naͤmlich unter ber ruhigen Waſſerflaͤche, von der Zunge des Lineals auch das Bild der Zunge — in verkehrter Stellung. Wenn nun die wirkliche Zunge das Waſſer noch nicht beruͤhrt, ſo iſt der Abſtand ih⸗ rer Spitze vom Bilde der Spitze doppelt ſo groß, als der Abſtand der wirklichen Zunge von der Waſſerflaͤche, oder das Bild iſt eben ſo weit von der Waſſerflaͤche nach unten entfernt, als die wirkliche Zunge nach oben. Iſt daher der ganze Abſtand von Spitze zu Spitze 1 Linie, ſo iſt die wirkliche Zunge nur z Linie von der Waſſerflaͤche. Auf dieſe Art iſt alſo ein ungemein kleiner Abſtand der Zunge von der Waſſerflaͤche noch ſehr bemerkbar, und man darf das, was zur gaͤnzli⸗ chen Anfullung noch fehlt, oder mwas das Gefaͤß zu groß iſt, nur nach der Haͤlfte des bemerkten Abſtandes von der wirklichen Zunge zu dem Bilde derſelben ſchäͤtzen. Nur erfordert dieſes alles einen ganz ruhigen Stand, ſowohl des Gefaͤßes, als der umgebenden Luft, denn ſonſt ſpringt das Waſſer zu fruͤh an die Zunge, und bleibt daran haͤngen, wenn ſchon die eigentliche ganze Waſſerflaͤche noch nicht die richtige Hoͤhe erreicht hat. Eine ſolche Ruhe iſt ſelten auf einem gewoͤhnlichen Tiſche, nur auf einer Mauer, oder auf einem Fenſter⸗ geſimſe eines ſteinernen Hauſes ꝛc. bei ruhiger Luft zu erhalten. Ob das Waſſer wirklich bei der Zunge in die Hoͤhe gehoben ſey, das kann zwar ein geuͤbtes Auge an den dort, von umherſtehenden Dingen zuruͤck— geworfenen Bildern erkennen. Man kann aber auch das Zungenlineal wegnehmen, die Zunge abtrocknen, dann das Lineal wieder mit moͤglichſter Vermeidung jeder Erſchuͤtterung vorerſt mit der einen Stuͤtze, dann ſehr ſachte mit der andern Stuͤtze auf den Rand ſtellen und dabei genau Acht geben, ob das Waſſer ſchnell oder langſam an die Zunge anſpringe, ob ddieſe ſich eintauche oder nicht, ob das Waſſer rund um die Spitze eben oder in die Hoͤhe gehoben ſey. Die Waſſerflaͤche, wie die Zunge muß rein ſeyn, denn das geringſte auf dem Waſſer ſchwimmende, oder der Zunge anhaͤngende Faͤſerchen kann das Waſſer ſchon emporheben. Eper muß die Zunge fettig, als zuvor ſchon naß ſeyn. Das leichte Anſpringen kann auch leicht verleiten, das Gefaͤß für voll zu halten, wenn es dieſes noch nicht iſt, und dann wird eine aufgeſchobene Glasplatte dieſe nicht vollkommene Anfuͤllung kenntlich machen. Indeſſen muß auch hier das ſchon oben Bemerkte in Erinnerung gebracht werden, daß die geringſte Uneben⸗ heit des Randes oder irgend etwas, das auf demſelben liegt, auf die Lage der ganzen Platte Einfluß habe, und noch ein Leeres durch ſie anzeigen koͤnne, das un— richtig waͤre, wo hingegen das Zungenlineal nur dann zu einem ſolchen Fehler fuͤhren wuͤrde, wenn es gerade auf eine ſolche Unebenheit oder auf das auf dem Rande liegt, geſtellt würde. Der waagerechte Stand des Gefaͤßes oder berjez nige Stand deſſelben, in welchem die Waſſerflaͤche rund herum, entweder genau bis an den Rand reicht, oder ) ò — y =H— üͤberall gleich weit von demſelben abſteht, iſt durchaus nothwendig, beſonders wenn man ſich ſtatt der Glas— platten nur der Zungenlineale bedient. Das Gefaͤß aber, wenn ſolches anders der Vor- ſchrift gemaͤß gefertiget ift, und einen gleichweit von ſeinem Boden abſtehenden und ebenen untern Rand hat, erhaͤlt ſeinen waagerechten Stand, indem man ſolches auf die Mitte des zu dieſem Zweck eingerichteten drei⸗ eckigen Brettes ſtellt, wenn letzteres ſelbſt vorher mit⸗ telſt der daran befindlichen Schrauben in eine ſolche Lage gebracht worden iſt, daß die Luftblaſe einer Do⸗ ſenlibelle genau in der Mitte des Glaſes einſpielt. Es wird nicht undienlich ſeyn, hier eine Verglei— chung dieſer beiden Anfuͤllungsmittel, mit der Glas- platte und mit dem Zungenlineal zu machen. Es iſt ſehr ſchwer eine vollkommen ebene Platte zu bekommen, die geringſte Erhoͤhung des Gefaͤßran⸗ des erhebt ſie, das thut auch jede auf demſelben lie⸗ gende Unreinigkeit; aber ihr Gebrauch iſt leicht und ſicher. Das Zungenlineal ſtellt in ſeinen drei Punkten, der Zungenſpitze und den beiden Stuͤtzpunkten, gleichſam eine Durchſchnittslinie jener Platte vor; nur in dieſer Durchſchnittslinie zeigt es, daß die beiden Randpunkte und das Waſſer da, wo die Zunge es beruͤhrt, in einer und derſelben Hoͤhe ſeyen. Stellet man es auf alle Punkte des Randes, ſo erſetzen diefe Stellungen a p zuſammen, die ganze Glasplatte. Iſt aber der Rand nicht eben, ſo wird das Zungenlineal da eine voll⸗ kommene Anfuͤllung, dort eine Ueberfuͤllung, und an⸗ derwaͤrts vielleicht einen Mangel daran anzeigen. Zu allem dieſem iſt ein nicht leicht zu erhaltender ganz ruhiger Stand der Waſſerflaͤche noͤthig. Alles in ſeiner Vollkommenheit gedacht, ſollte, nachdem das Zungenlineal die vollkommene Anfuͤllung gezeigt hat, die alsdann aufgeſchobene Glasplatte dafa ` felbe zeigen, Es geſchieht aber haͤufig, daß, wenn das Zungen⸗ lineal ſchon nahe eine Ueberfuͤllung gezeigt hat, die aufgeſchobene Platte dennoch das Gegentheil, noch eini⸗ gen Mangel zeigt. Den Grund davon hat man, wie aus dem bisher Geſagten erhellt, darin zu ſuchen, daß die Oberflaͤche des Waſſers entweder nicht ganz ruhig, oder nicht ganz rein, oder daß die Platte durch Un⸗ ebenheiten des Randes oder durch Unreinigkeiten auf demſelben in die Hoͤhe gehoben iſt. Ueberhaupt aber wird man gar oft ein offenes Gefaͤß ſchon uͤberfüllt glauben, wenn doch entweder das Lineal oder die Platte das Gegentheil zeigt. Nachdem ein Gefaͤß mit Waſſer gefuͤllt worden, bleiben oft Luftblaſen an der innern Flaͤche haͤngen, dieſe muß man etwa mit einem Drathe, oder einer Tangen Nadel wegſchaffen. Kleine mittelſt des Zungenlineals ganz TE l | A — 89— angefullt, laſſen ſich, bei einiger Uebung, noch tragen, ohne daß etwas verſchuͤttet wird, und auch ſo ausleeren. Aus großen nimmt man vorher mit einem Stech⸗ heber ſorgfaͤltig ſo viel Waſſer heraus, daß man das Uebrige tragen und ausleeren koͤnne. Wie man durch geſchicktes Ausleeren ſowohl als durch das obenerwaͤhnte Beſtreichen mit Fett das Nach⸗ laufen am Gefaͤß herab, verhuͤte, das lehrt die Uebung beſſer, als die Beſchreibung. Iſt ein Gefaͤß inwendig ſchmutzig, ſo bleibt beim Ausleeren das Waſſer nicht uͤberall auf die gleiche Art haͤngen, ſondern laͤuft un— ordentlich in Tropfen zuſammen. Dieſes zu verhuͤten, ſpielt man das mit feinem Trippel geriebene Gefaͤß vorher aus. Ueberhaupt aber muß, wegen der unver— meidlichen Anhaͤnglichkeit des Waſſers in jedem Gefaͤß, dasjenige, welches die Menge Waſſers eines andern genau empfangen ſoll, vorher inwendig durchaus benetzt werden, indem man es mit Waſſer fuͤllt oder ausſpült, dann austropfen laͤßt, um das zu erſetzen, was am ausgeleerten nach genau eben ſo langem Austropfen, haͤngen bleibt. Dabei hat man natürlich auf die Groͤße oder auf das Verhaͤltniß der benetzten Flaͤchen zu ſehen, denn in vier Schoppengefaͤßen, die in ein Maasgefaͤß ausgeleert werden, bleibt mehr als in letzterm haͤngen, weil jene benetzten Flaͤchen mehr betragen, als die innere Flaͤche des Maasgefaͤßes, und weil am innern Rande der Bodenflaͤche eines viermal entleerten Schoppenge⸗ faͤßes auch mehr Waſſer haͤngen bleibt, als am Boden der Maas. Große Eichgefäͤße, wie z. B. die Sinnkeſſel, wer⸗ den mit gleicher Sorgfalt gepruͤft, und vorher; ihre waagerechte und feſte Stellung bewirkt. i Was endlich die Prufung der Waagen und der aE Gewichte betrifft, fo it das dabei zu beobachtende |i Verfahren in der Inſtruktion fuͤr die Eicher umſtaͤndlich entwickelt, ſo daß eine weitere Beſchreibung hier um⸗ gangen, und lediglich auf gedachte Inſtruktion verwieſen wird. A Jye III. Inſtruction uͤber die Einrichtung der Sinn-Anſtalten und das Verfahren zur Inhaltsbeſtimmung der groͤßern Fluͤſſigkeitsgefaͤße von Holz. Die Sinn⸗Anſtalten beſtehen zur Prüfung und Be- zeichnung der groͤßern, hoͤlzernen Fluͤſſigkeitsgefäͤße, theils in den Eichſtaͤtten ſelbſt, als Beſtandtheile der Eichamtsanſtalten, theils in andern Orten, welche einer ſolchen Einrichtung zur Bequemlichkeit des Ver⸗ kehrs beduͤrfen, und hiezu die Ermaͤchtigung des Kreis⸗ directoriums erhalten haben. Die Sinn⸗Anſtalten dieſer Orte ſollen, ſo oft ſich eine Veranlaſſung hiezu ergiebt, aber wenigſtens alle zwei Jahre einmal, auf amtliche Anordnung, durch das Eichamt des Bezirks unterſucht werden. Ueber die Einrichtung dieſer Anſtalten und uͤber das beim Sinnen der hoͤlzernen Gefaͤße zu beobachten⸗ de Verfahren, werden folgende naͤheren Vorſchriften ertheilt. 1, Erforderlihe Sinngefåfe und deren Grife und Form, 3u einer offentlichen Sinn⸗Anſtalt find erfor⸗ derlich: a. Ein Sinnkeſſel. b. Eine Stuͤtze und Halbſtüͤtze. c. Ein Maasgefaͤß. welche ſaͤmmtlich aus Kupfer gefertiget, und deren innere Wand gut verzinnt ſeyn ſoll. Der Sinn⸗- oder Eichkeſſel ſoll eylindriſch, 15 Zoll 3 Linien weit, fuͤr eine halbe Ohm 16 Zoll 5 Linien, fuͤr eine Ohm aber 32 Zoll hoch gemacht werden. Am Boden follen die Keſſel gegen die Mitte eine Vertie— fung von einem halben Zoll haben, dieſe Vertiefung muß von den Seiten gegen die Mitte des Keſſels, allwo die Ausflußoͤffnung anzubringen iſt, gleich zu— laufen, Die Ausflußoͤffnung iſt mit einem Rohr und einem gut ſchließenden Hahnen zu verbinden. Der Keſſel wird in ſtarke eiſerne Ringe gefaßt und der unterſte von dieſen in gleicher Entfernung mit drei Aermen oder Stollen verſehen, damit dem Gefaͤß entwe— der durch Schrauben, oder durch Einhauen in Stein, eine bleibende ebene Stellung gegeben werden kann. Dieſe Vorſchriften finden bei neuen Anſchaffungen ihre Anwendung. Wo bereits ſolche groͤßere Sinngefaͤße vorhanden ſind, düurfen dieſelben beibehalten werden, f

E Eichſtaͤtten. gehoͤrigen Lagerſtaͤtten. 55 Bezirks⸗Aemter. S Murg⸗ undſ 42[ Karlsruhe. St. Amt Karlsruhe. Pfinzkreis u. L. Amt Karlsruhe. Reſidenzſtadt][ 43[ Durlach. Durlach. ` Karlsruhe.| 44| Pforzheim. Pforzheim. 45| Bretten. Bretten, 46Bruchſal. Bruchſal. 47 Eppingen. Eppingen. Mannheim.] Neckarkreis. 48[ Philippsburg. Philippsburg. 49[Wiesloch. Wiesloch. 50 f Schwetzingen. Schwetzingen. 51[Mannheim. Mannheim. 52Ladenburg. Ladenburg. 53| Heidelberg, Heidelberg. 54| Weinheim, Weinheim. 55Neckargemuͤnd. Neckargemuͤnd. 56Eberbach. Eberbach. 57 Neckarbiſchofsheim.] Neckarbiſchofsheim. 58 Sinzheim. Sinzheim. 59[Mosbach. Mosbach. Main- und| 60| Buchen. Buden, ZTauberfreig,| 61| Adelsheim. Adelsheim. 62[Gerlachsheim. Gerlachsheim. 63 Krautheim. Krautheim. 64| Borberg. Borberg. 65Wallduͤrn. Wallduͤrn. 66 Tauberbiſchofsheim.] Tauberbiſchofsheim. 67 Wertheim. Wertheim, w = É y$ è ii ; 4 k N 4 H j HA sA t up WN] i i i i Š Y í 2 Á i aaike P y