Dient” Weifung $ Cari 6i tü e; er C. 85 Müllerſchen Sofvachbruckere, Sa 1$ i E EE Si$,£ TA% z j-. r a f È A aà eT è& ; zi S À*~ A~ à zi rs$ © t j $ i š i t l. $ RS; l 4 3 a x $ p> I E t Z ž 3 is ag Ex—— $ © i ——— Dicnft: Weiſung für R die piae als Beamten des büt Serlſchen Standes, D, man wahrgenommen hat, daß die Kirchen⸗ oder buͤrgerlichen Standesbuͤcher hie und da noch nicht nach den geſezlichen Vorſchriften ge⸗ Ha fuͤhrt werden, auch verſchiedene Anfragen uͤber die Verrichtungen der Pfarrer als Beamte des buͤrgerlichen Standes gemacht worden find; fo 7 hat man beſchloſſen, daruͤber nachfolgende DienſtWeiſung zu erlaſſen, und jedem Pfarrer oder ſonſtigen Beamten des buͤrgerlichen Stan⸗ des einen Abdruck davon zuſtellen zu laſſen, um ſich puͤnktlich darnach zu achten, und ſolchen bei den buͤrgerlichen aufzube⸗ Die Kirchen⸗ oder buͤrgerlichen Sbondes⸗ buͤcher werden in jedem Kirchſpiel von deſſen *ä Pfarrer in deutſcher Sprache gefuͤhrt, und zwar in Orten unvermiſchter Konfeſſion, wo nemlich fremde ReligionsVerwandte keine pfarramtliche Berechtignug haben, auch ruͤckſichtlich dieſer, mit alleiniger Ausnahme der Juden, in Anſe⸗ hung, welcher in§. 5. beſondere Beſtimmung folgt. In Orten, wo mehrere Konfeſſionen pfarramtliche Berechtigung haben, fuͤhrt dieſe Buͤcher jeder Pfarrer ruͤckſichtlich ſeiner Kon⸗ feſſionsGenoſſen. Wo mehrere Pfarrer der nem⸗ lichen Konfeſſion in einem Ort ſind, da fuͤhrt der aͤlteſte dieſe Buͤcher: iſt jedoch der Ort in mehrere Kirchſpiele der nemlichen Konfeſſion eingetheilt; ſo fuͤhrt ſie jeder aͤlteſte Pfarrer in ſeinem Kirchſpiel. N ZA Hird eine Pfarrei erledigt, fo hat das vorgeſezte Dekanat ſogleich die Anordnung zu machen, wer waͤhrend der Erledigung vie Kir chenbuͤcher zu fuͤhren habe. Wird wegen Unz tauglichkeit oder Verhinderung des Pfarrers ein PfarrVerweſer angeordnet; ſo hat dieſer die Kirchenbuͤcher zu fuͤhren. Dauert diefe Unz tauglichkeit oder Verhinderung nur kurze Zeit; ſo hat das Dekanat einsweilen zu beſtimmen, wer ſie zu fuͤhren hebe. Bloſe Vikarien oder Kaplaͤne fuͤhren die Kirchenbuͤcher nicht, auſſer wenn fie dagt vom Dekanat oder der oberſten I f gA OO AD ES OS ah am w ET A S ez ir⸗| Kirchenbehoͤrbe angewieſen werden. Verrichten fie eine Taufe, Trauung oder Beerdigung, fo muͤſſen ſie zwar den Eintrag ins Kirchenbuch mit unterſchreiben, koͤnnen ihn aber auch unter Aufſicht des Pfarrers ſelbſt ſchreiben, der Pfarrer muß ihn jedoch zur Beglaubigung jedesmal mit unterſchreiben. Eben ſo iſt es zu halten, wo mehrere Pfarrer der nemlichen Konfeſſion in Kirchſpiel ſind. §. 3 Bei den im Feld„beſonders im Ausland ſtehenden Truppen hat der Auditor, oder wer ſonſt dazu angeordnet wird, die Buͤcher des buͤrgerlichen Standes in der nemlichen Art, wie hier verordnet iſt, zu fuͤhren, und beglaubte Auszuͤge daraus dem Pfarrer des Wohnorts zuzuſenden, um auch in deſſen Kirchenbuͤcher den Eintrag darnach zu machen. S 4: Bei Wiedertaͤufern werden die Urkunden des buͤrgerlichen Standes in unvermiſchten Orten von dem Pfarrer des Orts, in vermiſchten aber von dem evangeliſch⸗reformirten— und in deſſen Ermangelung vom evangeliſch lutheri⸗ ſchen Morrer ins Kirchenbuch eingetragen. T; i Bei Juden muß die Beurkundung des bir gerlichen Standes auf die nemliche Art, wie bei den Chriſten, und zwar auch in deutſcher Sprache geſchehen, und es muß uͤberhaupt von dem Beamten des buͤrgerlichen Standes der Juden alles das, und unter der nemlichen Verantwortlichkeit, beobachtet werden, was den Pfarrern als Beamten des buͤrgerlichen Stan⸗ des vorgeſchrieben iſt. In Staädten, wo ein Rabbiner wohnt, fuͤhrt dieſer die Buͤcher. Kann er es nicht, ſo ordnet der Magiſtrat Jemand dazu an. Dieſem muß laͤngſtens bin⸗ nen 3 Taͤgen die deßfallſige Anzeige in Beiſein der vorgeſchriebenen Zeugen bei ernſtlicher Strafe gemacht werden. Die Gebuͤhr fuͤr einen ſolchen Eintrag iſt fur den Eintragenden auf 24 kr. be⸗ ſtimmt. Auf den Doͤrfern muͤſſen dieſe Anzei⸗ gen dem aäͤlteſten Pfarrer des Orts gemacht werden, welcher darüber ein abgeſondertes fort⸗ laufendes Buch zu fuͤhren, und die Doppel⸗ ſchrift ebenfalls jaͤhrlich einzuſenden hat. Die Nachfolger deg zuerſt angeordneten alteſten Pfarrers führen dieſe Buͤcher fort, ſo daß in gemiſchten Orten die Fuͤhrung derſelben bei derjenigen Pfarrei bleibt, der ſie zuerſt zuge⸗ wieſen wurde. In gemiſchten Filialien, wo kein Pfarrer wohnt, wird ſie ebenfalls dem aͤlteſten Pfarrer des Filials uͤbertragen, und geht auf deſſen Nachfolger uͤber. §. 6. 5 In dieſe Soan barf auſſer den ge⸗ pa Ca a ab, a a f fea FP PAP m y p y a O’ O„„% OM her üpt des heu jag an⸗ yer, rat inz ein afe hen be⸗ zei⸗ icht ort⸗ pel⸗ Die ſten in bei ige⸗ dem und ſezlich vorgeſchriebenen Beurkundungen des buͤr⸗ gerlichen Standes nichts eingetragen werden, und auch dieſe Beurkundungen ſollen nicht mehr und nicht weniger enthalten, als was das Geſez vorſchreibt. Sie werden in Geburts⸗, Ehe⸗ und Todten⸗Buͤcher abgetheilt, doch koͤnnen in kleinern Gemeinden dieſe drei Buͤcher auch in einen Band gebunden werden. Die Eintraͤge in dieſe Buͤcher muͤſſen mit fortlaufenden Ziffern für jedes Buch bezeichnet, und es duͤrfen in das Geburtsbuch keine Sterbfaͤlle und ſo wei⸗ ter eingetragen werden, auch ſind keine uͤber⸗ fluͤſſige Zwiſchenraͤume zwiſchen den verſchie⸗ denen Einträgen zu laſſen. Sie werden zu Ende jeden Jahrs geſchloſſen, und in dem fol⸗ genden Jahr die Ziffern von vorn angefangen; doch kann jeder Band mehrere Jahrgaͤnge ent⸗ halten. Die zu Ende eines Jahrs Gebohrnen aber erſt in folgendem Jahr getauften werden in den Jahrgang ihrer Geburt eingetragen. Eben ſo wird es in Anſehung der Sterbfaͤlle und Beerdigung gehalten, $. 7 i Sie werden doppelt, und zwar jedes Exr⸗ emplar gleichlautend mit dem andern gefuͤhrt. Die Einträge ins Duplikat muͤſſen von der nemlichen Handſchrift, wie die im Hauptbuch, und eben ſo unterſchrieben ſeyn. Beide Exemp⸗ larien werden mit einem Regiſter verſehen, und das Duplikat wird mit Ende jeden Jahrs an das einſchlaͤgige Juſtizamt eingeſchickt. Die Beilagen zu dieſen Buͤchern werden nicht mit eingeſchickt, ſondern bei den Hauptbuͤchern auf⸗ bewahrt. Sie muͤſſen paginirt werden, damit nichts heraͤusgenommen werden fann, ohne bez merkt zu werden. Die Paraphirung unterbleibt, auch wird fein Stempel- ſondern gewoͤhnliches nicht allzugroßes Papier im UrkundenFormat dder in Folio dái genommen. Für Filiale, welche eine eigene Kirche haben, oder ſonſt be⸗ traͤchtlich ſind, werden eigene Kirchenlncher auf Koſten der FilialGemeinde angelegt, bet kleinern Gemeinden und einzelnen Hoͤfen iſt jedoch dieſes nicht noͤthig. T Die in verſchiedenen Landestheilen vorge⸗ ſchrieben geweſene tabellariſche Form darf nicht mehr beibehalten werden, ſondern der Eintrag muß in protokollariſcher Form geſchehen. Jeder einzelne Eintrag muß von dem dazu angeord⸗ neten eigenhaͤndig geſchrieben, und mit ſeinem Namen unterſchrieben werden, wo moͤglich in das Geburtsbuch am Tauftage, in das Ehebuch am Trauungstage und in das Todtenbuch am Beerdigungstage. Sollte ein Pfarrer wegen Alter oder Krankheit eine ſehr unleſerliche Handſchrift An A E E a a A S, S i E O A E TAEA S T e a ez er £ i {t ht. g9 er d⸗ n $ E ſchreiben; ſo kann ihm vom Dekanat Jemand beigeordnet werden, der die Eintraͤge ſchreibe, er muß ſie aber ſelbſt unterſchreiben. Die deß⸗ fallſige Anordnung des Dekanats iſt bei den Beylagen des Kirchenbuchs aufzubewahren. $. 9 Bet jeder dieſer Handlungen muͤſſen we⸗ nigſtens zwei männliche Zeugen, die nicht unter 21 Jahr alt ſeyn ſollen, zugegen ſeyn, ſie ſind in jedem Eintrag zu nennen, ihre Unterſchrift iſt jedoch nicht nothwendig, auſſer in denjenigen Faͤllen, wo ſolches durch dieſe Dienſtweiſung beſonders verordnet iſt. Sie koͤnnen von den Betheiligten ſelbſt gewaͤhlt werden, und duͤrfen auh Anverwandte derſelben ſeyn, der Pater kann jedoch niht als Zeuge auftreten. §. 10. Jeder Eintrag muß enthalten, und zwar: Statt fand, das Geſchlecht des Kindes, deſſen Vornamen, das Gewerb und den Wohnort der Eltern, ſo wie der Zeugen; .) die Ehebuͤcher: Ort und Tag der Trauung, .) die Geburtsbuͤcher: Ort, Tag und Stunde der Geburt, den Tag der Taufe, falls eine die Vor⸗ und GeſchlechtsNamen, das Ge⸗ werbe und den Wohnort der Ehegatten, deren beiderſeitige Eltern, und der Zeugen; — 10— €) pie Todtenbuͤcher: Ort Tag und Stunde des Todes, den Tag der Beerdigung, die Vor⸗ und GeſchlechtsNamen, Gewerbe und Wohnort des Verſtorbenen, deſſen Eltern und der Zeugen, ſo wie auch ſeines allen⸗ fallſigen, noch lebenden oder verſtorbenen, Ehegatten, und das Alter des Verſtorbenen, ſo weit man beſtimmt oder ungefaͤhr von dem allem Nachricht haben kann. Jahr und Tag iſt nicht mit Ziffern, ſon⸗ dern mit Buchſtaben zu ſchreiben. Jede Geburt eines lebensfaͤhig gebohrenen Kindes, auh wenn es todt zur Welt kommt, ſoll in den erſten drei Tagen nach der Nieder⸗ kunft dem betreffenden Pfarrer von dem Vater, oder in deſſen Ermanglung von der Hebamme, Arzt, oder andern Perſonen, welche bei der Niederkunft zugegen waren, und, wenn die Mutter auſſer ihrem Wohnort niederkommt, von der Perſon, bei welcher ſie niedergekommen iſt, angezeigt werden. Dieſer macht den Ein⸗ trag ins Kirchenbuch entweder nach der Taufe, oder, falls es vor der Taufe ſtirbt, oder nach den Grundſaͤzen ſeiner Konfeſſion gar nicht ge⸗ tauft wird, ſogleich bei der Anzeige. Im leztern Fall muß entweder der Vater, oder ein ſonſti⸗ ger Anverwandte, oder Hausgenoſſe, oder die te die nd nz n, n; on n⸗ — 11— Hebamme, nebſt den geſezlich vorgeſchriebenen beiden Zeugen, beim Eintrag zugegen ſeyn, und darinnen benannt werden. Stirbt ein lebendig gebornes Kind vor dem Eintrag ins Geburtsbuch; ſo muß es in dieſes, und zugleich ins Todten⸗ buch, eingetragen, und dabei in Erſterm unter Bezug auf die Ziffer im Todtenbuch bemerkt werden, daß es bereits geſtorben ſey. Todt, jedoch lebensfaͤhig geborne Kinder werden auf die nemliche Art in die Todtenbuͤcher eingetragen, und auch in den Geburtsbuͤchern kürzlich, unter Bezug auf die Ziffer im Todtenbuch, bemerkt, mit dem ausdruͤcklichen Beiſaz, daß ſie todtge⸗ boren worden ſeyen. Der Umſtand, daß das Kind todtgeboren worden, oder daß es lebendig geboren worden, und bald nach der Geburt vor dem Eintrag ins Geburtsbuch geſtorben ſeye, iſt jedoch ſehr genau durch muͤndliche Verneh⸗ mung der Eltern, Hausgenoffen, Hebamme, oder ſonſtiger Zeugen, gu verláffigen,-und ſolches im Eintrag zu bemerken. Ganz unzei⸗ tige Geburten werden gar nicht eingetragen. § 12. Bei unehelich Gebornen wird nur die Mutter im Eintrag nebſt den Zeugen bemerkt. Der Vater darf nicht darin benannt werden, auſſer wenn er ſich ſelbſt freiwillig dazu bekennt, in welchem Fall er, oder ein Namens deſſelben hin⸗ 12 gm laͤnglich Bevollmaͤchtigter, den Eintrag mit den Zeugen mit zu unterſchreiben hat. Erkennt der Vater eines unehelichen Kindes ſolches erſt nach dem Eintrag ins Geburtsbuch an; ſo iſt daruͤber am Tag der Anerkennung ein beſonderer Ein⸗ trag ins Geburtsbuch auf obige Art zu machen, und hievon am Rande der GeburtsUrkund Mel⸗ dung zu thun. Wird Jemand vom Richter als Vater eines unehelichen Kindes erkannt; ſo darf der deßfall⸗ ſige Eintrag ins Geburtsbuch gegen deſſen Willen nur auf Anordnung des Richters gemacht werz Den, und es wird alsdann auh davon am Rande der GeburtsUrkunde Meldung gethan. Vom Vater oder vom Richter nicht anerkannte unehe⸗ liche Kinder fuͤhren den GeſchlechtsNamen ihrer Mutter, SA: i Durch nachfolgende Heirath werden unehe⸗ Tie Rinder, die nicht aus einer Blutſchande oder einem Ehebruch gezeugt ſind, ehelich, wenn beide Eltern vor der Heirath ſie in obiger Art anerkannt haben, oder ſie in dem Eintrag uͤber die Trauung anerkennen, in welchem Fall auch dieſer Eintrag von beiden Eltern nebſt Zeugen zu unterſchreiben iſt. Auch davon iſt am Rande der GeburtsUrkunde Meldung zu thun, und des Endes, falls die Trauung in einer andern y E OEE RS E e D mè — 43— Pfarrei geſchiehet, dem Pfarrer, der die Ge⸗ burtsürkunde aufnahm, davon beglaubte Nach⸗ richt zu geben. N iA Wird ein neugebornes Kind gefunden; ſo hat das Juſtizamt das deßfallſige Protokoll auf⸗ zunehmen, und davon dem Pfarrer zum Eintrag ins Geburtsbuch Nachricht zu geben, und zwar in gemiſchten Orten dem Pfarrer von der Kon⸗ feſſion, welche allenfalls in einem beiliegenden Zettel beſtimmt iſt, in deſſen Ermangelung aber dem Pfarrer desjenigen, welcher die Erziehung auf ſeine Koſten mittelſt gerichtlicher Verpflich⸗ tung uͤbernimmt, und in Ermanglung eines ſolchen dem Pfarrer des erſten Finders. 8- 15;: Die Trauſcheine werden von den einſchlaͤ⸗ gigen Juſtizaͤmtern, und ruͤckſichtlich der Mili⸗ taͤrperſonen pon der MilitaͤrBehoͤrde ausge— fertigt. Haben die Verlobten ihren Wohnſiz in zwei Aemtern, ſo muß jedes bei ſeinem Amt einen Trauſchein auswirken. Ohne einen ſolchen Trauſchein darf kein Pfarrer oder Rabbiner eine Trauung vornehmen. Nur allein die Standes⸗ herrn beduͤrfen keines Trauſcheins. Diejenigen Stellen, welche die Trauſcheine ausfertigen, haben auch darauf zu ſehen, daß keine Privat⸗ — 14—.— oöder Staatshinderniſſe obwalten, oder ſolche vorher beſeitigt werden. Die Staatserlaubniß, welche geiſtliche und weltliche Diener zu ihren Verheirathungen auswirken muͤſſen, kann nicht Statt Trauſcheins dienen, da bei deren Erthei⸗ lung nur darauf geſehen wird, daß durch die vorhabende Verheirathung der Stand nicht her⸗ abgewuͤrdigt werde⸗ §. 16. Die Aufgebote muͤſſen durch die Pfarrer oder Rabbiner des Wohnorts der Verlobten verkuͤndet werden: daß und wann es geſchehen oder die allenfallſige Befreiung davon, wird unter den Trauſchein bemerkt, und von dem, der ſie verrichtete, unterſchrieben, der Trauſchein ſonach, nebſt dem allenfallſigen Befreiungs⸗ Thein, unter den Beilagen zum Ehebuch aufbe⸗ wahrt. Auch die Aufgebote der Wiedertaͤufer und ſonſtigen chriſtlichen Sektirer, ſind von der Kanzel zu verkuͤnden. Haben die Verlobten ihren Wohnſiz in zwei verſchiedenen Kirchſpielen von verſchiedener oder auch der nemlichen Konfeſſion; fo mug das Aufgebot von den beiderſeitigen Pfarrern, wenn ſie auch im nemlichen Ort ſind, verkuͤndet werden. Es ſollen zwei Aufgebote mit einem Zwi⸗ ſchenraum bong Tagen, jedes auf einen Gonn tag, bei verſammelter Gemeinde verkuͤndet OF yu A A o Wiee M i che iß, ren cht eiz die er⸗ rer ten jen ird ein 38⸗ bez fer der sen ns en 10; vi⸗ in⸗ det — 15— werden. Am Oſter-, Pfingſt- und Weinachts⸗ feft; wenn lezteres auf einen Sonntag faͤllt, geſchiehet jedoch die Verkuͤndung an dem darauf folgenden Montag. Befreiung von einem der Aufgebote kann bewandten Umſtaͤnden nach vom Kreisdirectorium, und ruͤckſichtlich der Militaͤr⸗ Perſonen vom Kriegs Miniſterium, ertheilt wer⸗ den. Befreiung von beiden Aufgeboten kann nur der Landesherr ertheilen: die Standesherrn ſind geſezlich davon frei. §. 17. Verlobte aus zwei verſchiedenen Kirchſpie⸗ len haben die Wahl, von welchem der beiden Pfarrer ſie die Trauung wollen verrichten laſ⸗ ſen, auch koͤnnen ſie ſich von dem Pfarrer ihres kuͤnftigen Wohnorts, wenn dieſer von ihren bisherigen Wohnorten verſchieden iſt, trauen laſſen, und die Pfarrer, welche das Aufgebot verkuͤndet haben, haben daruͤber, daß ſolches geſchehen ſey, den Entlaßſchein zu ertheilen. Auſſer den obgemeldeten darf kein anderer Pfarrer die Trauung verrichten, auch wenn er vom Pfarrer des Wohnorts dazu ermaͤchtigt waͤre, ſondern es kann ſolches nur auf die vom Amt zu ertheilende StaatsErlaubniß geſchehen, und es hat in dieſem Fall derjenige Pfarrer, welcher die Trauung verrichtet, den deßfallſtgen Eintrag niht nur in fein Ehebuch zu machen, a 16— ſondern auch dem Pfarrer des kuͤnftigen Wohn⸗ orts der Getrauten davon beglaubte Nachricht zu geben, damit auch dieſer ſolches in ſein Ehe⸗ buch eintrage. Den Wohnſiz in Beziehung auf die Hei⸗ rath hat man in einer Gemeinde, wenn man ie aner nah einander daſelbſt gewohnt 2i $ 18. Bor dem britten Tag nach dem lezten Auf⸗ gebot, den Tag dieſes Aufgebots nicht mit ein⸗ begriffen, darf die Trauung nicht geſchehen. Iſt die Ehe nicht in Jahresfriſt nach dem lezten Aufgebot geſchloſſen worden;; fo fann fie niht mehr ohne neues foͤrmliches Aufgebot einge⸗ gangen werden, es bedarf jedoch keines neuen Trauſcheins, wenn beide Verlobte monom unoerheivathet geblieben ſind. §. 19. Die Trauung geſchiehet nach den- Ritual⸗ Vorſchriften jeder Konfeſſion, es muß jedoch unmittelbar vorher das ſechste Kapitel des Ti⸗ tels von der Ehe, im neuen Landrecht vorgele⸗ ſen werden. Bei ſolchen, die gar keine Trauung verlangen, z. B. Wiedertaͤufern,„oder wo ſonſt die kirchliche Trauung Anſtände hat, um welcher willen jedoch der Landesherr die Ehe⸗ ſchlieſſung nicht zuruͤckzuhalten, verordnet X haͤtte, geſchiehet die Trauung bloß nach der Vor⸗ p des neuen Landrechts S. 75 `}§: 20} hn⸗ icht ge⸗ ern, en aͤl⸗ och Ti⸗ {ez ng nſt m e⸗ tet Ir⸗ §. 20 Die Trauung kann zu jeder Zeit geſchehen, nur niht in ver Charwochet wenn ſie jedoch zu einer kirchlich geſchloſſenen Zeit, oder an einem Samſtag oder Sonntag geſchehen ſoll; ſo muß ſie in der Stille ohne oͤffentlichen Kirchen⸗ zug und ohne Hochzeitmahl vor ſich gehen. §. 21. Den Katholiken bleibt es uͤbrigens unbe⸗ nommen, bei vorwaltenden kanoniſchen Hinder⸗ niſſen zu Beruhigung ihres Gewiſſens neben der allenfallſigen StaatsNachſicht, auch noch die kirchliche Nachſicht nachzuſuchen, und es kann kein katholiſcher Pfarrer gezwungen werden, eine Tranung vor erlangter kirchlicher Nachſicht vorzunehmen, Wird die kirchliche Nachſicht ohne erhebliche Gruͤnde verſagt, ſo kann nur vom Landesherrn die Erlaubniß zu Eingehung einer StaatsEhe ertheilt werden. Den uͤbrigen Kon⸗ feſſionen genuͤgt die Staats Nachſicht. § 22. Die Einſprachen gegen eheliche Verbindun⸗ gen werden nicht bei den Pfarrern oder Rabbi⸗ nern eingelegt, ſondern entweder bei den Stel⸗ len, welche die Trauſcheine ertheilt haben, oder bei dem Juſtizamt des kuͤnftigen Wohnorts, nach der Wahl der Einſprechenden. Die Stelle, 2 — 18— bei welcher die Einſprache geſchiehet, benachrich⸗ tigt ſogleich die zur Trauung befugten Pfarrer oder Rabbiner davon, und beſorgt ihre Erledi⸗ gung im poliz eilichem Weege. Die Berufungen von ihren Entſchlieſſungen gehen an die Kreis- direktorien. Die Pfarrer und Nabbiner ſollen bei Strafe von 150 fl. und Leiſtung aller Ent⸗ ſchaͤdigung, wenn ſie von der einſchlaͤgigen Be⸗ hoͤrde von gemachten Einſprachen gegen eine Ehe benachrichtigt werden, die Trauung nicht eher verrichten, als bis die Erledigung hievon Jiühnen amtlich bekannt gemacht iſt. a§. 23. Cheſcheidungen werden nur auf Verlangen deſſen, der die Scheidung erwirkte, und in Ge⸗ maͤßheit der dem Pfarrer mitgetheilten Urtel, ins Ehebuch eingetragen, und es muß auch der Theil, gegen den die Scheidung erwirkt iſt, dazu vorgeladen werden. Erſcheint derſelbe auf wiederholte und beſcheinigte Vorladung niht; ſo iſt der Eintrag auch ohne ſein Beiſein zu 5 machen, ſeine Abweſenheit darin zu bemerken, und die beſcheinigten Vorladungen ſind unter den Beilagen des Chebuchs aufzubewahren. Eheſcheidungen auf wechſelſeitige Einwilligung werden nur auf Verlangen beider geſchiedenen Eheleute, oder deren ausdruͤcklich y Bevoll⸗ maͤchtigten, eingetragen. Keine Beerdigung, auch nicht die eines todt, aber lebensfaͤhig, gebornen Kindes, darf ohne Beiſein oder Erlaubniß des einſchlaͤgigen Pfarrers, oder ſonſtigen Beamten des buͤrger⸗ lichen Standes, oder deſſen Abgeordneten, ge⸗ ſchehen. Da, wo die Gegenwart eines Geiſt⸗ lichen bei der Beerdigung nicht noͤthig iſt, muß der Pfarrer oder ſonſtige Beamte des buͤrger⸗ lichen Standes ſich vorher von dem wirklichen Hinſcheiden des zu Beerdigenden glaubhaft und wo moͤglich in eigener Perſon verſichern, und es iſt gleich nach der Beerdigung der Eintrag ins Todtenbuch zu machen. Die beſonders vor⸗ geſchriebene Leichenſchau muß dabei beobachtet⸗ werden. Aeuſſern ſich Zeichen oder Spuren ei⸗ nes gewaltſamen Todes, oder anderer Umſtaͤnde, welche deshalb einen Zweifel erwecken; ſo iſt davon dem Juſtizamt ſogleich vie Anzeige gu” machen, und die Beerdigung darf ma Amey nenin go geſchehenk S. 25. Stirbt Jemand auſſerhalb ſeines Wohnorts; ſo ſoll der Beamte des buͤrgerlichen Standes des Sterbeorts dem des Wohnorts einen be⸗ glaubten Auszug aus ſeinem Todtenbuch uͤber⸗ ſenden, und lezterer darnach den o in ſein machen. Die Todtesfaͤlle verungluͤckter Perſonen, welche nicht begraben werden, als Verbrannte, Verſchuͤttete, Ertrunkene, die man nicht finden kann, ſind von den betreffenden Juſtiz Beamten zu verlaͤſſigen, und dem Beamten des buͤrger⸗ lichen Standes zum Eintrag ins Todtenbuch bekannt zu machen. Auſſer den im vorhergehenden§. bemelde⸗ ten Faͤllen ſind die Urſachen des Tortes, Gatz tungen von Krankheiten ꝛc. nicht in den Tod⸗ tenbuͤchern zu bemerken, obgleich den Pfarrern uͤberlaſſen bleibt, in beſondern Notabilienbüchern dieſes einzutragen. Auch davon, wenn Jemand eines gewaltſamen Todtes,„ oder in einem Gez faͤngniſſe, oder in einem Zuchthaus verſtorben oder hingerichtet worden iſt, ſoll im Todtenbuch gar nichts erwaͤhnt werden; die Juſtizaͤmter oder Vorſteher der Zuchthaͤuſer haben aber die zum Eintrag ins Todtenbuch erforderlichen Nach⸗ richten dem Beamten des buͤrgerlichen Sondeg; mitzutheilen. Jedermann iſt berechtigt, von denjenigen, welche die Buͤcher des buͤrgerlichen Standes be⸗ wahren, Auszüge aus ſolchen ſich fertigen zu : Randbemerkung darauf hin, nA — 21== laſſen. Auszuͤge, die als gleichlautend mit den Buͤchern ausgeliefert, und vom einſchlaͤgigen Juſtizamt bekraͤftigt ſind, haben volle Beweis⸗ kraft, ſo lange ſie nicht foͤrmlich als falſch an⸗ geklagt ſi ſind. Entſtehen Zweifel uͤber die Rich⸗ tigkeit eines Eintrags; ſo geſchiehet die Berich⸗ tigung von dem Juſtizamt im polizeylichen Weege auf Anſuchen des Betheiligten. Sie wird dem Pfarrer zum Einſchreiben in die Kir⸗ chenbuͤcher mitgetheilt. Nur eigentliche Rechts⸗ ſtreitigkeiten úber pe buͤrgerlichen Stope find gerichtlich zu behandein. T 8. 29. Sollte eine Geburt, Verheirathung, kie ein Sterbfall nicht zu behoͤriger Zeit angezeigt, oder aus andern Urſachen gar nicht eingetra⸗ gen worden ſeyn; ſo iſt davon dem einſchlaͤ⸗ gigen Juſtizamt die Anzeige zu machen, welches die erforderlichen Nachrichten zu erheben, und dem Beamten des burgerlichen Standes mitzu⸗ n theilen hat. Dieſer macht den Eintrag auf den Tag des wirklichen Einſchreibens, und weißt an der Stelle, wo er haͤtte eingeſchrieben werz den ſollen, nur mit einer zu unterſchreibender 8 30. Sede Uebertretung dieſes Geſezes, welche ſich ein zu Fuͤhrung dieſer Bucher Angeordneter Sn 22— zu Schulhen kommen tigt, wird mit einer Geldbuße beſtraft, welche jedoch nicht úber fuͤnfzig Gulden betragen darf. Jeder Bewahrer derſelben iſt wegen jeder Veraͤnderung fuͤr den SchadensErſaz verantwortlich, jedoch mit Vor⸗ behalt des etwa zuſtehenden Ruͤckgriffs auf die: Urheber deſſelben. Jede Beraͤnderung, jede Verfaͤlſchung in den Beurkundungen des buͤr⸗ gerlichen Standes, jede Niederſchreibung dieſer Urkunde auf ein fliegendes Blatt, oder ſonſt anderswo, als in den dazu beſtimmten Buͤchern, ſo wie uͤberhaupt jede Unterlaſſung des Ein⸗ trags einer angezeigten Beurkundung durch den dazu Angeordneten, gibt den dazu Betheiligten ein Recht auf Schadens Erſaz, ohne Abbruch der obbemeldeten und nach Befinden auch ſchaͤr fern durch peinliche Geſeze beſtimmten Strafe. Dieſe Strafe kann jedoch nachgelaſſen werden, < wenn, wie im§. 29. vorfommt, die Anzeige des verſaͤumten Eintrags noch zu behoͤriger Seit mdh wird. i uE. demai, wilden m§. 11. die Anzeige der Geburt obliegt, und ſie unterließen, i oder eine Beerdigung opne Erlaubniß des Be⸗ amten des buͤrgerlichen Standes vornehmen, ſollen nach Umſtaͤnden haͤrter oder Kelinder be⸗ a f — g Carlsruhe, den 19. April 1817. Es wird jedoch der Eintrag in die buͤr⸗ gerlichen Standesbuͤcher deßwegen, weil eine oder die andere der vorgeſchriebenen Foͤrmlich— feiten oder Nachrichten darin fehlt, nicht nichtig, ſondern es bleibt den Betheiligten uͤberlaſſen, das Fehlende auf andere Art rechtlich nach⸗ zuweiſen. Die Juſtizulemter aber ſind verbun⸗ den, den Zuſtand der ihnen einzuſendenden Duplikate zu pruͤfen, uͤber die Pruͤfung ein kurzes Protokoll aufzuſezen, die ſich ergeben⸗ den Maͤngel verbeſſern zu laſſen, foͤrmliche Uebertretungen des Geſezes aber, und jedes deßfallſige Verbrechen, zu unterſuchen, und das Protokoll zur Beſtrafung an die Behoͤrde einzuſenden. Die fih dadurch ergebenden Zuſaͤze over Verbeſſerungen muͤſſen, ſo wie uͤberhaupt alle Durchſtriche und Randzuſaͤze eigends unter⸗ ſchrieben werden. Dieſe Zuſaͤze muͤſſen auch in die Duplikate eingetragen werden, und zwar, wenn dieſe bereits eingeſchickt find, von dem der ſie aufbewahrt.; x 4 Minifterium des Innern. Frhr. von Berckheim. vdt, Seitz. —