1* 8 R A* Erbgroßherzog Friedrich von Baden, Erbgroßherzogin Bilda von Baden, Prinzellin von Nalſau. ———— Karlsruthe. Geſchichte Stadt und ihrer Verwaltung. Auf Veranlaſſung des Stadtrats bearbeitet von Friedrich von Wecch. III. Banöd. Sweite Hälfte. 1875 1900. 7 2 29. Rarlsruhe. Verlag der Macklot'ſchen Buchhandlung und Buchdruckerei. 0 1904. 8 . . Inhaltsüberſicht. V. Buch. Karlsruhe ſeit dem RNegierungsantritt des Großherzogs Triedrich 25. April 1852. Zweike Hälfte. Von Ginführung der Städteordnung(1874) bis Ende des 5 19. Jahrhunderts(1900).0 Seite LSFEßßßꝛꝛꝛ 646............... SE᷑... 9 Jĩðł0000⁰ã² (... 33.. 10 8ↄm 13 8222...ũũ 23 SB3VbVã B(ũ ã 534 HHHJHßVCC ² ²˙W...... ſũũ 1 PIVECC.0 ſſ ũ BVVC... ſ SSESHöS(((((.o((((( K IVVV S( ↄↄZ)iii BB(Cà0G0GG000G0G0Gb0ſͤT0000G(oͤ(ĩĩĩͤͤo·oͤooo(( B( T 9 CHIVVIV((C(CòGCCGG00C00GCGG0GG(0CC(((CC(((o(( I.. ß 3 6 32 C6ßſſſſ0 ũũ „533nVnöVͥ²ĩ²—5 CCCCC(CCCC000G0GG00G0cohG(3 ) Zur überſchrift auf Seite 477. Es war beabſichtigt, die Darſtellung nur bis Ende des Jahres 1899 herabzuführen. Im Verlaufe der Arbeit erſchien es aber angemeſſener, dieſe mit Ende des 19. Jahrhunderts(1900) abzuſchließen. — 2—E4— 1* ——2æ— Innere Verhältniſſe und Zuſtände. Erweiterung der Gemarkung Bewegung der Bevölkerung. Straßen und Plätze. 8 Stadttore Bautätigkeit I. Städtiſche Bauten II. Staatliche Bauten... III. Militäriſche Gebäuden. IV. Kirchliche Bauten V. Privatbauten VI. Statiſtiſches. Die Gemeindeverwaltung: Tätigkeit ihrer Organen. Das ſtädtiſche Archiv. 5 Landgraben-Correktion und 05 Erſatz von Straßen- und Kanalherſtellungskoſten. Die Anlage und Erhaltung der Gehwege Grubenentleerung, Dünger- und Kehrichtabfuhr, Die ſtädtiſchen Waſſer- und Gaswerke Der Stadtgarten 0 Ortspolizeiliche und ſonſtige 0 WN Geſundheitspflege. BgnSCCCCC.......... Armenfürſorge, Anſtalten für Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit Die ſtädtiſchen Finanzen. Die Verkehrsverhältniſſe: Eiſenbahnen, Dampfbahnen, Pferde- und Die Karlsruher Bahnhöfe 5 Der Eiſenbahnrat Kanal und Hafen Poſt, Telegraph, Handel, Induſtrie und Gewerbe. Vergleichende Berufsſtatiſtik für die Jahre 1874 1 1899 Staatliches und ſtädtiſches Schulweſen. Kirchliche Angelegenheiten Das geiſtige Leben in der Haupt⸗ und eſdenfee unsern Geſelligkeit und Vereine Schlußwort Regiſter Telephon Straßenreinigung. Seite 641 646 647 656 657 658 666 669 670 672 677 681 686 688 691 692 694 697 699 701 70² 7¹2 72⁰0 N Nr. 30. 31. 36. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 14. 45. 46. 47. 48. (K. Verzeichnis der Aluſtrationen. Erbgroßherzog Friedrich und Erbgroßherzogin Hilda von Baden(Titelbild). Huldigungswagen der Stadt Karlsruhe im Feſtzug am 22. September 1881. (Zu S. 518). „Ludwig Wilhelm, Prinz von Baden.(Zu S. 530). „Triumphbogen, errichtet auf dem Marktplatz im September 1881 und 1885. (Zu S. 540). Stadtrat Hermann Leichtlin und Stadtrat Adolf Bielefeld.(Zu S. 602). 5. Staatsminiſter Dr. Ludwig Turban.(Zu S. 624). Prinz Maximilian und Prinzeſſin Marie Luiſe von Baden.(Zu S. 634). Das alte Waiſenhaus.(Zu S. 662). Die ehemalige Infanteriekaſerne am Ludwigsplatz.(Zu S. 669). Die alte Dragonerkaſerne.(Zu S. 671). Geh. Oberpoſtrat J. Fr. Heß.(Zu S. 744). Fabrikant Auguſt Ruh.(Zu S. 753). Fabrikant Eduard Printz.(Zu S. 777). Geh. Rat Dr. Franz Grashof.(Zu S. 780). Hermann Götz, Direktor der Kunſtgewerbeſchule.(Zu S. 787). Stadtpfarrer Karl Zimmermann— Kirchenrat D. Emil Zittel.(Zu S. 819). Geiſtlicher Rat Joſef Benz.(Zu S. 825). Oberrat Benjamin Willſtätter.(Zu S. 832). Adolf Heer, Bildhauer— Rudolf Gleichauf, Maler.(Zu S. 843). Alles nach Photographieen. Die Lichtdrucke ſind aus der Hof-Lichtdruckanſtalt von J. Schober Obriſt) in Karlsruhe. — A—— Fünftes Buch. Karlsrube ſeil dem Regierungsankrill des Großherzogs Friedrich. Sweite Hälfte. 1875—1900. Zwriter Rblchnitt. Von Einführung der Städteordnung(1874) bis Ende des Jahres 1899. 1875. G as wichtigſte Ereignis dieſes Jahres für das Groß— 52%herzogliche Haus, bedeutſam und erfreulich auch für 7 die Haupt- und Reſidenzſtadt und ihre Einwohner⸗ N ſchaft war die Erklärung der Volljährigkeit des Erbgroßherzogs Friedrich. Der Feier des Tages voraus ging die Abiturientenprüfung des Erbgroßherzogs und 4 ſeiner Mitſchüler in der Friedrichsſchule, Hermann Bender, Theodor Mühling, Franz Schmidt und Karl Turban. Die ſchriftliche Prüfung fand in den Tagen vom 28. Juni bis 3. Juli ſtatt, die mündliche wurde am 5. Juli durch den Großh. Kommiſſär, Hofrat Dr. Köchly aus Heidelberg, abgenommen, der, in Gegenwart des Großherzogs und der Großherzogin, mit einer längeren Anſprache die Prüfung ſchloß. Den 5 Examinanden wurde die Maturität zum Übergang auf die Hochſchule zuerkannt. Der feierliche Schlußakt vollzog ſich im Schulſaal, in Gegenwart des Großherzogs und der Großherzogin, des Staatsminiſters Dr. Jolly, des Oberſchulratsdirektors Nokk, des Aufſichtsrates, ſämtlicher Lehrer 478— ſowie der Eltern und Schüler am 6. Juli. Prälat Holtzmann leitete die Feier mit einer Rede ein, und der Großherzog hielt an die Anweſenden eine erhebende Anſprache, worauf die Verteilung der Abiturientenzeugniſſe durch den Vorſtand der Schule ſtattfand. Den wichtigen Tag mit der Großherzoglichen Familie zu feiern hatte der Kaiſer zugeſagt, der am 7. Juli hier eintraf, von dem Jubel einer zahlloſen Menge begrüßt, welche ſich in den Straßen vom Bahnhof bis zum Schloſſe aufgeſtellt hatte. Am 8. Juli fand ſodann auf dem Schloßplatz um die Mittagsſtunde die Aufnahme des, unter gleichzeitiger Verleihung des Schwarzen Adlerordens, zum Sekond— leutnant im Leibgrenadierregiment ernannten Erbgroßherzogs in die Reihen der Armee mit wenigen feierlichen Worten durch den Kaiſer ſtatt, welche der Großherzog dankend erwiderte. Der Erb⸗ großherzog wurde hierauf als Leutnant dem Regiment vorgeſtellt und trat ſalutierend als ſchließender Offizier des linken Flügels in die Front. Am Abend brachten etwa 300 Sänger der hieſigen Geſangvereine in dem prächtig erleuchteten Garten hinter dem Schloſſe ein Ständchen dar. Am folgenden durch 101 Kanonenſchüſſe als Hauptfeſttag begrüßten Tage, dem 9. Juli, fand Gottesdienſt in der Schloßkirche und hierauf die Parade auf dem großen Exerzierplatze ſtatt, welche der Kaiſer abnahm. Ihr wohnten der Großherzog, der Kronprinz des Deutſchen Reiches und von Preußen und der Groß— herzog von Heſſen, die am Tage vorher eingetroffen waren, und Prinz Wilhelm, umgeben von einem glänzenden Stabe bei. Auch die Großherzogin und mehrere fürſtliche Damen waren zu Wagen anweſend. Am Nachmittage fand der Empfang vieler Abordnungen aus dem ganzen Lande ſtatt, die zur Beglückwünſchung des Erb— großherzogs hierher gekommen waren. Gegen Abend bewegte ſich der Zug der Schüler ſämtlicher hieſigen Schulen nach dem Schloſſe, um dem Erbgroßherzog ihre Huldigung darzubringen. Hieran ſchloß ſich ein Kinderfeſt im Sallenwäldchen an. Den Schluß des Feſtes bildete der von dem hieſigen Militärverein veranſtaltete Fackelzug, an welchem ſich auch die Militärvereine von Mühlburg, Durlach, Bulach und Rintheim beteiligten. Es waren im Ganzen wohl 800 alte Soldaten. Vor dem Schloſſe nahm der Zug Aufſtellung, die Sänger ſangen mehrere Lieder und zwei Kapellen trugen Muſik⸗ ſtücke vor. Am 10. Juli reiſte der Kaiſer mit der Großherzoglichen Familie nach der Inſel Mainau ab. Bei der Abreiſe ſtanden die Mannſchaften des Leibgrenadierregiments ohne Gewehr in der Karl-Friedrichſtraße bis zum Bahnhof und begrüßten den Kaiſer mit kräftigem Hurrah— Der Kronprinz und der Großherzog von Heſſen waren ſchon am Abend des 8. Juli abgereiſt. Auch die Vertretung der Reſidenzſtadt hatte durch eine aus dem Oberbürgermeiſter und den Stadträten Bielefeld, Glaſer und Leichtlin, als Mitglieder der ſtädtiſchen Feſtkommiſſion, beſtehende Abordnung die Glückwünſche der Einwohnerſchaft dargebracht, ſie war huldvoll empfangen, der Oberbürgermeiſter und die Bürgermeiſter Schnetzler und Günther waren zur Hoftafel geladen worden, und in der Stadtratsſitzung vom 14. Juli erſtattete der Oberbürgermeiſter hierüber Bericht. Wie ſich die nationale Geſinnung der Karlsruher bei der Begrüßung des Kaiſers und des Deutſchen Kronprinzen erwieſen, ſo zeigte ſie ſich auch, als es galt, dem Reichskanzler Fürſten Bismarck um die Wende der Jahre 1874/75 gegenüber den ſchweren Angriffen, die von verſchiedenen Seiten im Reichstag gegen ihn gemacht worden waren und ihn zur Einreichung eines, allerdings vom Kaiſer nicht angenommenen Entlaſſungsgeſuches veranlaßt hatten, ein Zeichen des Vertrauens und dankbarer Verehrung zu geben. Auf Anregung des Rentners G. Clever wurde eine Adreſſe an den Fürſten verfaßt und zur Unterzeichnung aufgelegt, die bald mit nahezu 1800 Unterſchriften von Männern aller Stände und Berufsarten bedeckt war. Am 6. Januar 1875 ſprach Bismarck in einem an Herrn Clever gerichteten Schreiben in nachſtehenden Worten ſeinen Dank aus: „Die mir in der Adreſſe vom 26. Dezember v. J. aus ſo zahlreichen und angeſehenen Kreiſen ausgeſprochenen Geſinnungen ſind mir als ein neues Zeichen des geſicherten Vertrauens der Bevölkerung, deſſen ich in dem gegen⸗ wärtigen Kampfe doppelt bedarf, erfreulich und ermutigend geweſen und ich bitte Sie, den Herrn Unterzeichnern meinen Dank für ihre Zuſtimmung auszuſprechen. von Bismarck.“ Von der gleichen Geſinnung zeugt auch die in dieſem Jahr mit beſonderer Wärme begangene Sedanfeier im Eintrachtſaale, welcher die Miniſter von Freydorf und Turban und Staatsrat Nüßlin beiwohnten. Unter dem Vorſitz des Bürgermeiſters Schnetzler, der zum erſtenmale öffentlich vor den hieſigen Einwohnern in feſſelnder Weiſe ſprach, hielt Geh. Referendär Nicolai die Feſtrede, während Herr von Freydorf, Oberſchulrats-Aſſeſſor Dr. Bürklin und Ober⸗ kirchenrat Schellenberg in zündenden Worten Trinkſprüche ausbrachten. Wie immer bei ſolchen Anläſſen verſchönten die Geſangvereine das Feſt durch den Vortrag patriotiſcher Lieder. Zum 50jährigen Dienſtjubiläum, das General von Werder am 12. September feierte, brachten die drei Bürgermeiſter Namens der Stadt Karlsruhe ihre Glückwünſche dar. In der Stadtratsſitzung vom 14. Juli erklärte Oberbürgermeiſter Lauter, daß ihm die Geſchäfte ſeines Amtes und die Sorge für ſeine Geſundheit nicht ferner erlaubten, die Stelle als Abgeord— neter der Stadt Karlsruhe in der Zweiten Kammer der Land— ſtände beizubehalten, und daß er deshalb entſchloſſen ſei, ſein Mandat niederzulegen. Eine längere Beſprechung vermochte ihn von ſeinem Vorhaben nicht abzubringen, von dem der Stadtrat mit Bedauern Kenntnis nahm unter der Vorausſetzung, daß Stadtrat Lang, welcher die gleiche Abſicht zu erkennen gegeben hatte, als Vertreter der Stadt auch ferner in der Kammer bleibe. Stadtrat Lang fügte ſich dem ausgeſprochenen Wunſche. In den nächſten Tagen machte Oberbürgermeiſter Lauter in einer an ſeine Wähler gerichteten Erklärung ſeinen Entſchluß öffentlich bekannt, indem er zugleich für. das ihm geſchenkte ehrenvolle Vertrauen dankte, durch welches ihm vergönnt geweſen ſei, während eines für die größeren Städte des Landes höchſt wichtigen Landtages der Vertreter der Stadt Karlsruhe haben ſein zu können. Die im September vorgenommenen Erſatzwahlen der Wahl⸗ männer zur Ständeverſammlung verliefen unter ſehr geringer Be⸗ teiligung und in ſehr friedfertiger Weiſe. Es waren nur Erſatz⸗ männer für 9 ausgeſchiedene Wahlmänner zu wählen. Die große Mehrheit der Wahlmänner beſtand aus Geſchäftsleuten und Privaten, nur etwa ein Viertel aus Beamten. Dieſem Verhältnis entſprechend machte ſich in der Ortspreſſe die entſchiedene Anſicht geltend, einen Abgeordneten aus bürgerlichen Kreiſen und wo möglich ein Mitglied — 481— des Stadtrates zum Abgeordneten zu wählen. Als ſolcher wurde in 8 9 0 0 0 erſter Reihe Stadtrat Leichtlin bezeichnet. Nachdem verſchiedene 0 0 gelch Wahlbeſprechungen in kleineren Kreiſen ſtattgefunden hatten, fand endlich am 18. Oktober im großen Rathausſaale eine allgemeine Wahlmännerverſammlung ſtatt, in welcher von einer Seite Kreis⸗ 0 g ſtatt, 0 gerichtsrat Freiherr von Blittersdorff, von der anderen Stadtrat Leichtlin für die Stelle des zu wählenden Abgeordneten vorgeſchlagen 0 5 Beeeeee 9 wurde. Bei der am 3. November vorgenommenen Wahl fielen 137 Stimmen auf Freiherrn von Blittersdorff, der ſomit zum Ab⸗ geordneten gewählt war. Am 22. November eröffnete der Großherzog den Landtag per⸗ ſönlich, am Nachmittag wurden die Abgeordneten beider Kammern im Reſidenzſchloſſe empfangen und zur Tafel geladen. Zum erſten Male nach Einführung der Städteordnung hatte die Einwohnerſchaft Karlsruhes im Januar und Februar 1875 die Wahlen der Gemeindevertretung, zunächſt der 96 Stadt⸗ verordneten vorzunehmen. Am 11. Januar wurde unter dem Vorſitz des früheren Ober⸗ bürgermeiſters Malſch in einer im Rathausſaale zuſammengetretenen Wählerverſammlung ein aus 47 Vertrauensmännern beſtehender Wahlausſchuß gebildet. Es folgte in den nächſten Wochen in der Ortspreſſe eine lebhafte Wahlbewegung, in welcher die Vertreter der alten Bürgergemeinde und die Wortführer der neuen Einwohner⸗ gemeinde hart an einander gerieten. Für die am 29. und 30. Januar ſtattfindenden Wahlen der III. Klaſſe wurden nicht weniger als fünf Liſten aufgeſtellt, und außer den auf dieſe Liſten begründeten Wahlzetteln wurden auch noch ſehr viele wilde abgegeben, die ſich an keine dieſer Liſten hielten. Die Beteiligung bei der Wahl war ziemlich ſtark. Von 2974 Wahlberechtigten übten 1263 ihr Wahl⸗ recht aus. 32 Stadtverordnete waren zu wählen, es fielen jedoch auf 130 Perſonen Stimmen, ſo daß die Feſtſtellung der Wahl ſehr mühſelig war und unverhältnismäßig viel Zeit in Anſpruch nahm. Am 4. Februar fanden die Wahlen der II. Klaſſe unter einer viel ſtärkeren Beteiligung als bei jenen der III. Klaſſe ſtatt. Von 690 Wahlberechtigten nahmen 442 an der Wahl teil. Auch hier bekämpften ſich mehrere Liſten. Den Schluß der Wahlen bildeten am 8. Februar 31 jene der I. Klaſſe. Von 333 Berechtigten ſtimmten 247 ab und auch bei dieſen Wahlen waren 3 Liſten aufgeſtellt worden. In der I. Klaſſe bewegten ſich die abgegebenen Stimmen, welche ein Wahl—⸗ ergebnis erzielten(alſo ohne Berückſichtigung der zerſplitterten Stimmen) zwiſchen 246 und 126, in der II. zwiſchen 441 und 236, in der III. zwiſchen 1248 und 551 Stimmen. In dem neugewählten Collegium der Stadtverordneten waren Alt- und Neubürger ſowie Angehörige aller Stände in angemeſſenem Verhältnis vertreten, wobei allerdings ſelbſtredend nicht alle Wünſche Berückſichtigung finden konnten und es deshalb nicht an Unzufriedenen und an ſcharfen Kritiken fehlte, die denn auch, wie vor den Wahlen, ihren mehr oder weniger lebhaften, ja wohl zuweilen auch heftigen und leiden⸗ ſchaftlichen Ausdruck in der Ortspreſſe fanden. Am 20. Februar traten die neugewählten Stadtv erordneten zu ihrer erſten Sitzung zuſammen. Da von den 96 Gewählten 5 die Annahme der Wahl abgelehnt hatten und am Erſcheinen verhindert waren, betrug die Zahl der Anweſenden mit den 14 Mitgliedern des bisherigen Gemeinderates 105. Nach einigen Begrüßungsworten des Oberbürgermeiſters Lauter fand die Beſtimmung über die ſechs⸗ und dreijährige Amtsdauer der Stadtverordneten durch das Los, die Ergänzungswahl für die Ablehnenden und die Abſtimmung über den Antrag des Stadtrates, daß die Zahl der Mitglieder des ſtändigen geſchäftsleitenden Vorſtandes der Stadtverordneten auf 5 feſtgeſetzt werde, ſtatt. Der Antrag wurde ohne Verhandlungen einſtimmig ange⸗ nommen. Die Sitzung wurde ſodann vertagt. Bei der zweiten Sitzung der Stadtverordneten und des alten Gemeinderates am 22. Februar, wurden 22 Stadträte gewählt. Es waren 10 bisherige Ge— meinderäte: Dürr, Lang, Leichtlin, Meeß, Weber, Bielefeld, Hoffmann, Glaſer, Seubert und Kautt, ſodann neu hinzutretend: Dr. Spemann, Rechtsanwalt Boeckh, Rentner Engelhardt, Kauf⸗ mann A. Römhildt, Rentner Wundt, Gaſtwirt Groſſe, Vater, Obermedizinalrat Volz, Kaufmann Barthold, Oberregierungsrat Burg, Oberſtleutnant a. D. Vierordt und Oberbaurat Becker. Die höchſte Stimmenzahl betrug 104, die niederſte 62. Hierauf erfolgte die Beratung über das Ortsſtatut, die Führung der Grund- und Pfandbücher betreffend, welches einſtimmige Annahme fand. Endlich fand unter Leitung des älteſten der Anweſenden, Herrn Riempp, die — 483— Wahl des geſchäftsleitenden Vorſtandes ſtatt, welche auf die Stadtverordneten Oberbürgermeiſter Malſch, Präſident Renk, Kauf⸗ mann Th. Hermann, Kaufmann Hoyer und Kreisgerichtsrat von Blitters⸗ dorff fiel. Da von den neu gewählten Stadträten 7 aus der Mitte der Stadtverordneten hervorgegangen waren, wurden für dieſe am 5. März Erſatzwahlen vorgenommen. Außerdem war die Annahme der Wahl zum Stadtrat durch Obermedicinalrat Volz vom Miniſterium des Innern für unzuläſſig erklärt, da er einer die Aufſicht über die Gemeinde führenden Staatsbehörde als Mitglied angehörte, und das Handelsminiſterium geſtattete dem Oberregierungsrat Burg nicht, die Wahl zum Stadtrat anzunehmen. An ihre Stelle wurden am 3. April Oberrechnungsrat Karl Deſepte und Bezirksingenieur a. D. Joſef Keller gewählt. Da dieſer die Annahme der Wahl ablehnte, mußte eine weitere Wahl angeordnet werden, die am 10. Mai ſtattfand und auf deſſen Sohn, den Ingenieur Franz Keller-Leu⸗ zinger fiel. Am 13. März fand die vorbereitende Sitzung des neuen Stadt— rates unter Vorſitz des bisherigen Oberbürgermeiſters Lauter ſtatt, bei welcher durch das Los die ſechs- bezw. dreijährige Amtsdauer der Neugewählten beſtimmt wurde. Es folgte am 17. März die Wahl des Oberbürgermeiſters, wobei Herr Lauter mit 103 von 106 abgegebenen Stimmen wiedergewählt wurde. Am Abend fand zu ſeinen Ehren im großen Eintrachtsſaale ein Bankett ſtatt, zu welchem alle hieſigen Einwohner eingeladen waren und das, von vielen Trinkſprüchen belebt, einen ſehr gelungenen Verlauf nahm. Nun waren noch die beiden Beigeordneten zu wählen. Am 4. April wurde vom Bürgerausſchuß beſchloſſen, die Stelle des erſten Beigeordneten, der den Titel Bürgermeiſter zu führen hatte, mit einem Mindeſtgehalt von 4200 Mk. zur Bewerbung auszuſchreiben; es meldeten ſich Notar R. Stritt von hier, und die Referendäre O. Beck von Krautheim und K. Schnetzler von Raſtatt, von denen jedoch Herr Beck ſeine Meldung wieder zurückzog. In einer vom Oberbürger⸗ meiſter auf den 7. Mai anberaumten Verſammlung des Bürgeraus⸗ ſchuſſes wurden dieſe Bewerbungen bekannt gegeben und gleichzeitig mitgeteilt, daß nach reiflicher Erwägung der Verhältniſſe der Stadt⸗ rat ſich dahin geeinigt habe, die Bewerbung des Herrn Schnetzler zu unterſtützen. Am 10. Mai fand die Wahlhandlung ſtatt, es gaben 91 wablberechtigte Bürgerausſchußmitglieder ihre Stimmen ab, wovon 82 auf Referendär Karl Schnetzler fielen. Am 21. Mai wurde ſodann zur Wahl des zweiten Beige⸗ ordneten geſchritten, welcher eine Beſprechung der Stadtverordneten vorausgegangen war. Von 108 Wahlberechtigten gaben 69 ihre Stimmen für den bisherigen zweiten Bürgermeiſter A. Günther ab, während 35 Stimmen auf Hauptmann a. D. Löhlein fielen und 4 Zettel unbeſchrieben waren. Herr Günther erhielt ſomit die abſolute Stimmenmehrheit und war demnach gewählt.. Am 1. Juni wurde Bürgermeiſter Schnetzler dem Stadtrat, am 5. Juli dem Bürger⸗ ausſchuß vorgeſtellt, wobei er ſeinen Wählern für das ihm geſchenkte Vertrauen den Dank abſtattete und die Grundſätze darlegte, denen er bei der Thätigkeit in ſeinem neuen Wirkungskreiſe zu folgen gedenke. In der gleichen Sitzung dankte auch Bürgermeiſter Günther für das ihm durch ſeine Wiederwahl bewieſene Vertrauen ſeiner Mitbürger. In dieſem Jahre ſtarb am 2. Februar, im Alter von 71 Jahren, der Konſervator der Kunſtdenkmäler und Altertümer, Hofmaler Auguſt von Bayer, ein hervorragender Künſtler und hochverdient als Gründer des badiſchen Altertumsvereins, und am 9. Dezember Adolf Schrödter, der liebenswürdige joviale Meiſter, deſſen unverwüſtlicher Humor in Bild und Wort ſo vielen Freunden der Kunſt und froher Laune⸗ reichen Genuß bereitet hatte. Am 29. April entſchlief, einem längeren Leiden erliegend, einer der trefflichſten Bürger der Reſidenzſtadt, der langjährige Gemeinderat und Kaufmann Jakob Stüber, während der Landtage von 1857—62 Abgeordneter der Stadt in der Zweiten Kammer, Mitglied und eine Zeit lang Präſident der Handelskammer, auch Kirchengemeinderat, ein Mann von echt deutſcher Geſinnung und Vaterlandsliebe und bei allen gemeinnützigen Werken bewährtem Bürgerſinn. Eine im Rathausſaale aufgeſtellte Tafel iſt beſtimmt, ſein Andenken auch den Nachkommen zu erhalten. 1876. Der Geburtstag des Großherzogs wurde in dieſem Jahre beſonders feierlich begangen, da der Landesherr am 9. September ſein fünfzigſtes Lebensjahr abſchloß. Der Oberbürgermeiſter überbrachte an der Spitze einer Abordnung aller Hauptſtädte des Landes dem Groß⸗ herzog die Glückwünſche ſeiner Landeskinder auf Schloß Mainau und teilte in der Sitzung des Stadtrates vom 13. September die Dankes⸗ worte mit, welche der hohe Herr an die Vertreter der Städte gerichtet hatte. Neben den herkömmlichen feſtlichen Veranſtaltungen fanden in dieſem Jahre auch in vielen kleineren Kreiſen und Vereinen Zuſammen⸗ künfte zur Feier des Tages ſtatt. Der Erbgroßherzog, der bald nach erreichter Volljährigkeit eine Reiſe nach Italien angetreten hatte, bezog beim Beginne des Sommerſemeſters die Univerſität Heidelberg, wo ihm ein feſtlicher Empfang bereitet wurde. Zu einer patriotiſchen Feier gab der hundertjährige Geburtstag der Königin Luiſe von Preußen, der Mutter des Kaiſers Wilhelm, der Groß⸗ mutter der Großherzogin von Baden, Anlaß. Bei einer vom Frauen⸗ verein veranſtalteten Vereinigung von Angehörigen aller Stände im großen Muſeumsſaale hielt Oberhofprediger Doll die Feſtrede und in der Aula der höheren Töchterſchule ſprach Profeſſor Specht Worte der Erinnerung an die heldenmütige Königin. Von den großen Kavalleriemanövern bei Weißenburg kamen der Kaiſer und der Kronprinz am 27. September nach Karlsruhe, wo auf dem Bahnhof großer Empfang ſtattfand, bei dem auch der Stadtrat und die Stadtverordneten, unter Führung des Oberbürger— meiſters, anweſend waren. Auf der Weiterreiſe zum Kannſtatter Volksfeſt ſchloſſen ſich die kurz vorher von Baden hier eingetroffene Kaiſerin, der Großherzog, die Großherzogin und der Erbgroßherzog an. Eine große Volksmenge, der in zuvorkommender Weiſe der Bahnſteig geöffnet war, begrüßte die Fürſtlichkeiten mit ſtürmiſchen Hochrufen. Ein Beſuch der Kaiſerin am 26. Oktober galt einer eingehenden Beſichtigung des Sammlungsgebäudes und der Kunſt—⸗ gewerblichen Schule des Badiſchen Frauenvereins. Zu Ehren des Großfürſten Michael von Rußland, Gemahls der Prinzeſſin Cäcilie von Baden, und ſeiner Söhne, der Großfürſten Nikolaus und Michael fanden am 29. und 30. Mai auf dem großen Exercierplatz und am 31. Mai auf dem Schloßplatz Paraden der hieſigen Garniſon ſtatt. Am Abend des 30. Mai wurde den Großfürſten von den drei Militärkapellen ein Muſikſtändchen auf dem Schloßplatz, der in glänzender Beleuchtung ſtrahlte, gebracht. Daran ſchloß ſich großer Zapfenſtreich an, wozu ſich eine große Volksmenge auf dem Schloß— platz eingefunden hatte. Im Auguſt verweilten der Kaiſer und 2TT....Ccc öp····˖·˖·˖·˖·ů·ů·ů·ů˖ů˖ů˖ů˖ — 486— die Kaiſerin von Braſilien mehrere Tage in Karlsruhe und beſichtigten mit lebhaftem Intereſſe alle Sehenswürdigkeiten der badi⸗ ſchen Reſidenzſtadt, beſonders die Sammlungen und Schulen. Sie waren im„Erbprinzen“ abgeſtiegen. Die Einfachheit und Leutfeligkeit ihres Auftretens machte den beſten Eindruck auf die Einwohnerſchaft. An den Beratungen des im November 1875 zuſammengetretenen Landtags) nahmen die Vertreter der Stadt Karlsruhe, Kreisgerichts⸗ rat v. Blittersdorff, Stadtrat Lang und Geh. Referendär Nicolai eifrigen Anteil. Lang war Mitglied der Budgetkommiſſion, Blittersdorff Mitglied der Geſchäftsordnungskommiſſion ſowie der Kommiſſionen für den Geſetzentwurf über Einführung des Reichsgeſetzes, über die Beurkundung des Perſonenſtandes und die Eheſchließung⸗ und für Auffuchung und Prüfung der ſeit dem letzten Landtag erlaſſenen proviſoriſchen Geſetze. Für die Verhandlung über den angeführten Geſetzentwurf war v. Blittersdorf, über das Eiſenbahn⸗ budget Lang Berichterſtatter, Nicolai gehörte der Adreßkommiſſion an und war Regierungskommiſſär für die Vorlagen des Finanzmini⸗ ſteriums. Außer ihnen waren aus Karlsruhe noch die Miniſter v. Freydorf, Jolly und Turban, Regierungsrat Bechert, Ober⸗ ſchulratsaſſeſſor Dr. Albert Bürklin, Baudirektor Gerwig und Stadtrat Morſtadt Mitglieder der Zweiten Kammer. Am 15. Juli fand der Schluß des Landtags im Auftrage des Großherzogs durch Staats⸗ miniſter Jolly ſtatt. 5 Am 21. September erbat dieſer ſeine Entlaſſung und der⸗ Großherzog entſprach ſeinem Geſuche. Darauf ſtellten auch die übrigen Mitglieder des Staatsminiſteriums ihre Amter zur Verfügung. Nach einer am 24. September in der„Karlsruher Zeitung“ ver— öffentlichten amtlichen Mitteilung wurde der Präſident des Handels⸗ miniſteriums, Turban, vom Großherzog beauftragt,„auf Grundlage der bisher maßgebend geweſenen Richtung der Regierung, ſowohl in Betreff der inneren Politik, als auch in Bezug auf die nationalen Entwickelungsaufgaben, ein freiſinniges Miniſterium zu bilden“. Am 25. September wurde ſodann Präſident Turban, unter Beibehaltung des Handelsminiſteriums, zum Staatsminiſter und Präſidenten des )Siehe oben S. 481. — 487— Staatsminiſteriums, Miniſterialrat und Landeskommiſſär Stoeſſer zum Präſidenten des Miniſteriums des Innern, Fiscalanwalt Grimm zum Präſidenten des Miniſteriums des Großherzoglichen Hauſes und der Juſtiz ernannt, der Präſident des Finanzminiſteriums, Ell⸗ ſtätter, dieſer unter Ernennung zum Geheimen Rat J. Klaſſe, und Geheimer Rat Nüßlin traten in ihre Amter wieder ein, Geheimer Rat von Freydorf wurde in den Ruheſtand verſetzt. Staatsminiſter Jolly wurde am 29. September zum Präſidenten der Oberrechnungs⸗ kammer ernannt. Der nunmehr vom politiſchen Schauplatz, auf dem er ſich unvergängliche Verdienſte, insbeſondere um die glückliche Löſung der nationalen Frage erworben hatte, abgetretene Staatsmann hat ſeinen Namen auch in das Buch der badiſchen Städtegeſchichte mit unaus⸗ löſchlichen Zügen eingetragen durch die Städteordnung von 1874), unter deren Herrſchaft auch für die Entwickelung der Haupt- und Reſidenzſtadt Karlsruhe und ihrer Verwaltung eine neue an Erfolgen reiche Zeit begann. Wurde ſein Rücktritt unzweifelhaft von den den nationalen und liberalen Grundſätzen huldigenden Einwohnern(nicht nur von den Angehörigen der nationalliberalen Partei) lebhaft bedauert, ſo durfte die Stadt von dem neuen Präſidenten des Mini— ſteriums nicht minder wie von Staatsminiſter Jolly eine wohlwollende Teilnahme an allen ihr Wohl und Wehe betreffenden Angelegenheiten und eine gerechte und verſtändnisvolle Berückſichtigung ihrer Intereſſen erwarten, da Staatsminiſter Turban während geraumer Zeit, als Vertrauensmann der Ausmärker, der ſtädtiſchen Vertretung angehörte und ſich auch, als Inſpector der höheren Bürgerſchule und des Realgymnaſiums, an der Leitung des ſtädtiſchen Schulweſens mit Liebe und Sachkenntnis beteiligt hatte. Die letzten Wochen des Jahres wurden durch die Vorbereitungen zur Wahl eines Abgeordneten zum Deutſchen Reichstag lebhaft bewegt. Die nationalliberale Partei des 10. Reichstagswahlkreiſes brachte, nachdem Prinz Wilhelm erklärt hatte, eine Wiederwahl nicht annehmen zu können, als Bewerber den Landeskommiſſär Auguſt Eiſenlohr in Karlsruhe in Vorſchlag, während die konſervative Partei *) Vergl. oben S. 216 ff. — 488— im Einvernehmen mit der Centrumspartei als ihren Bewerber den Staatsanwalt Freiherrn Adolf Marſchall von Bieberſtein be— zeichnete. Der Wahlkampf wurde in Wahlverſammlungen wie in der Preſſe in heftiger, ja leidenſchaftlicher Füiftz geführt. In einer Sitzung des Bürgetausſchuſſes vom 26. Juli wurde an Stelle des nach kurzer Amtszeit ausgetretenen Stadtrats Keller— Leuzinger Hofbuchhändler ääbuf⸗ Knittel zum Stadtrat erwählt. Der fünfzigſte Geburt8700 des gefeierten Dichters Joſef Viktor Scheffel, der am 26. Februar 1826 in Karlsruhe geboren worden war, wurde in ſeiner Vaterſtadt feſtlich begangen. Schon ge— raume Zeit vorher hatte ſich ein Komitee gebildet, um Scheffel. an dieſem Gedenktage einen ſilbernen Lorbeerkranz zu überreichen und unter ſeinen Freunden und Verehrern zu dieſem Zwecke eine Sammlung veranſtaltet. Dieſe Ehrengabe wurde von Goldarbeiter Paar jun. ver— fertigt, die Hülle, in welcher ſie ruhte, von Hofbuchbinder Feigler ausgeführt, ebenſo die Mappe mit einem von Lithograph Dobmann kalligraphiſch geſchriebenen Widmungsblatte. Dieſe Ehrengabe über— reichte eine Abordnung, welche aus einem Staatsbeamten, Ver⸗ waltungsgerichtsrat Dr. Ullmann, einem Bürger, Kaufmann Glaſer ſen., und einem Künſtler, Maler Auguſt Hörter, beſtand, dem Dichter am Morgen des 26. Februar. Mit einem Album, über das Scheffel ſelbſt ſagte, daß„von deſſen Blättern auch ſpätere Generationen entzückt ſein werden“, überraſchte ihn die Karlsruher Künſtlerſchaft. Schon vorher war ihm die Urkunde zugeſtellt worden, laut welcher der Großherzog ihm den erblichen Adel verliehen hatte. Am Abend verſammelte der Feſteommers, welchen der„Poly— techniſche Verein“ zu Ehren des Dichters veranſtaltet hatte, mit den Studierenden der Polytechniſchen Schule und den von auswärts eingetroffenen ſtudentiſchen Abordnungen eine große Zahl von Freunden und Verehrern Scheffel's in der Turnhalle, welche— da Karlsruhe immer noch einen genügend großen Feſtraum entbehrte— zu der Feier prächtig geſchmückt war. Dieſer verlieh die Anweſenheit des Großherzogs eine beſondere Weihe. Dekan Zittel hielt die Feſtrede, welcher ſich ein von Hofſchauſpieler Weiſer verfaßtes und von Mitgliedern des Hoftheaters dargeſtelltes Feſtſpiel anſchloß. Dann ö — 489— folgten, unter Vincenz Lachners Leitung, der Vortrag von ihm in Muſik geſetzter Scheffel'ſcher Dichtungen, bei dem hervorragende Sänger, wie Staudigl von hier und Ditt von Mannheim, mitwirkten, Lieder aus dem„Gaudeamus“, welche die ſtudierende Jugend in begeiſterter Stimmung neben den alten Kommersliedern erklingen ließ und ihre Huldigung für Scheffel, den„ewigen Studenten“, welcher stud. Gutmann beredten Ausdruck gab. Freudig erregte es die Feſtverſammlung, daß der neben Scheffel mitten unter den jungen und alten Feſtteilnehmern ſitzende Großherzog ſelbſt, bevor er um die Mitternachtſtunde die Halle verließ, das Wort ergriff und in der ihm eigenen kräftigen und herzgewinnenden Art den Ver— auſtaltern des Feſtes ſeinen Dank ausſprach, des Feſtes zu Ehren eines Dichters, welcher dem Studentenleben, der akademiſchen Jugend den Pfad einer idealen Richtung gewieſen habe. Dem Großherzog, „dem Schirmherrn des Landes, dem Freund der Kunſt und Wiſſen— ſchaft“ galt das Hoch des Dichters, in welches die Anweſenden ſtürmiſch einſtimmten. Auch im weiteren Verlauf des ſo wohl⸗ gelungenen Feſtes fehlte es nicht an Trinkſprüchen in gebundener und ungebundener Rede, die alle ein Hauch des Scheffel'ſchen Genius durchwehte, dem dieſe allen Theilnehmern unvergeßliche Feier ge— widmet war. + Von den Toten dieſes Jahres ſei hier nur des Geh. Regierungs— rates Freiherrn Joſef Stockhorner von Starein gedacht, eines durch Pflichttreue und humane Geſinnung ausgezeichneten Beamten, der am 20. Februar, im Alter von 82 Jahren, aus dem Leben ſchied. Er übte ſtets, ohne Aufſehen zu machen, Werke der Mild⸗ thätigkeit. In den Ausſchüſſen vieler Anſtalten zur Linderung von Not und Elend war er als thätiges Mitglied geſchätzt; in den Kriegen von 1859—1871 half er manche Thränen trocknen. Bei Ausbruch der Notſtände in Finnland und Oſtpreußen rief er zur Hilfeleiſtung auf, die er allezeit als eine Pflicht chriſtlicher Nächſtenliebe betrachtete. Als wahrer Freund des Volkes und der Kinderwelt ſtiftete er in vielen Gemeinden Badens Volksbibliotheken, und durch die von ihm herausgegebene Sammlung ausgewählter„Denk- und Sittenſprüche für die Kinderwelt auf alle Tage des Jahres“ erwarb er ſich ein bleibendes Verdienſt. Er war eine in allen Kreiſen Karlsruhes wohl— — 490— bekannte und hochgeachtete Perſönlichkeit.— Als Lehrer und Schrift— ſteller wie auch als Politiker von gemäßigter Richtung, mit ausge⸗ ſprochener Hinneigung zu konſervativen Grundſätzen bei voller— Würdigung der Anſchauungen der liberalen Partei, insbeſondere in ihrer Wirkſamkeit auf dem Gebiete der nationalen Aufgaben, hochgeſchätzt war Profeſſor Chriſtian Friedrich Platz, der im 77. Lebensjahre⸗ am 16. Dezember ſtarb. 1877. Im April dieſes Jahres waren 25 Jahre ſeit dem Re— gierungsantritte des Großherzogs Friedrich verfloſſen. Die am 18. Februar hier verſammelten Vertreter der badiſchen Städte berieten über eine würdige Feier des Gedenktages und beſchloſſen Überreichung einer Adreſſe durch eine aus je 3 Bürger⸗ meiſtern jedes Amtsbezirkes beſtehende Abordnung, Sammlung von Mitteln zu einer Stiftung, deren Zwecksbeſtimmung dem Großherzog anheimgeſtellt werden ſolle, Bildung eines geſchäftsführenden Aus⸗ ſchuſſes für die Vorbereitungen zu den Feſtlichkeiten, beſtehend aus⸗ den Bürgermeiſtern der größeren Städte und einigen Mitgliedern des Landtags, endlich Abfaſſung einer Lebens- und Regierungsgeſchichte des Großherzogs als Feſtſchrift, welche, rein objektiv gehalten, insbeſondere zur Verteilung an die Schuljugend und vermöge ihres billigen Preiſes an die weiteſten Kreiſe des Volkes berechnet ſein ſolles).“ Am 4. März wurde ein Aufruf zu Beiträgen für die Landes⸗ ſtiftung an das badiſche Volk erlaſſen. In jeder Amtsſtadt ſollte ein Ortsausſchuß zur Sammlung der Beiträge gebildet werden. Am 24. März wurden in Karlsruhe die hierzu bereiten Perſonen durch— den Stadtrat eingeladen. Das Geſamtergebnis der Sammlung war der Betrag von 110 706 Mk. Vom 27. April an ſtrömten aus allen Teilen des Landes ) Sie erſchien in 100 000 Exemplaren unter dem Titel Baden in den Jahren 1852 bis 1877. Feſtſchrift zum fünfundzwanzigjährigen Re⸗ gierungs⸗Jubiläum Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich von Fr. v. Weech. Karlsruhe, Verlag von A. Bielefelds Hofbuchhandlung 1877, umfaßte 7 Bogen und wurde zum Preiſe von 50(beim Bezug einer größeren Zahl von Exemplaren von 25) Pfennig vertrieben. Sie war mit einem Porträt des Großherzogs geziert und in der G. Braun' Hofbuchdruckerei in Karlsruhe gedruckt. — 491— Feſtteilnehmer in Karlsruhe zuſammen; die Generaldirektion der Staatseiſenbahnen hatte genehmigt, daß die von dieſem Tage an hieher gelöſten Fahrſcheine vom 29. an innerhalb der für Rückfahr⸗ ſcheine beſtehenden Giltigkeitsdauer zur Rückfahrt berechtigen ſollten. Die Abgeſandten der deutſchen Fürſten und vieler auswärtiger Staaten, Abordnungen von Gemeinden und Körperſchaften trafen ein. Am Nachmittag des 28. April wurden die Feſtlichkeiten durch ein Rennen des Jagdvereines Karlsruhe und der Offiziere des 14. und 15. Armeekorps auf dem großen Exerzierplatze eröffnet. Um 4 Uhr 40 Min. traf der Deutſche Kaiſer in Begleitung des Kronprinzen hier ein, bei Beginn der Dämmerung ertönte feierliches Glockengeläute von allen Türmen, den Abend beſchloß ein Fackelzug der Studierenden des Polytechnikums, der ſich vor das Schloß bewegte. Den eigent— lichen Feſttag, Sonntag den 29. April, an welchem auch die Deutſche Kaiſerin von Baden aus hier eintraf, eröffnete Kanonendonner, Feſt— geläute und Choralmuſik, um 10 Uhr fanden in allen Kirchen und in den Synagogen Feſtgottesdienſte ſtatt, um die Mittagsſtunde folgte die Parade auf dem Schloßplatz, vor und nach dieſer wurde die große Zahl von Glückwünſchenden, hochgeſtellten Perſonen aus dem In⸗ und Auslande und Abordnungen empfangen. Nach der Prunk— tafel im Schloſſe beſuchte der Hof mit ſeinen Gäſten das Hoftheater, wo ein von dem Generalintendanten Guſtav zu Putlitz verfaßtes Feſtſpiel zur Aufführung kam, und wurde von den ſtürmiſchen Zu— rufen des in großer Zahl erſchienenen Publikums begrüßt. In allen feſtlich geſchmückten Straßen und Wirtſchaften der Stadt herrſchte den ganzen Tag über das regſte Leben, am Nachmittag und Abend bildeten beſonders das Sallenwäldchen und der Thiergarten, wo muſikaliſche Aufführungen ſtattfanden, den Anziehungspunkt der Volks⸗ menge. Mit großem Beifall wurde das um 8 Uhr abgebrannte Feuerwerk, von Vidacovich in Höchſt verfertigt und glänzend durch— geführt, begrüßt. Den Abſchluß des Feſttages bildete das Feſtbankett in der bei dieſem Anlaß eröffneten Feſthalle, welchem auch der Groß— herzog und die Großherzogin, die Mitglieder der Großherzoglichen Familie, der Kaiſer und der Kronprinz die Ehre ihrer Anweſenheit ſchenkten und mit feierlichen Anreden und ſtürmiſchen Hochrufen em— pfangen wurden. Am 30. April, an welchem der Kaiſer und der Kronprinz Karlsruhe wieder verließen, wurden vom Großherzog noch viele Ab— ordnungen empfangen, am Abend fand ein vom Polytechniſchen Verein veranſtalteter Feſteommers, dem auch der Hof beiwohnte, ſtatt. Am 1. Mai, an deſſen Vormittag der Empfang von Abord— nungen fortgeſetzt wurde, beſuchte der Hof den Feſtball der Muſeums⸗ geſellſchaft und am 2. Mai brachten die Männergeſangvereine Karls— ruhes im Gartenſaale des Schloſſes dem Jubilar ihre Huldigung dar— Es war ein Feſt, das ſich ebenſo ſehr durch glänzende Veranſtalt— ungen als durch die große Herzlichkeit, welche bei allen Feſtteil⸗ nehmern zum lebhaften Ausdruck kam, auszeichnete. Die vielen und wertvollen Feſtgaben, welche dem fürſtlichen Jubilar dargebracht worden waren, wurden in der Gemäldegalerie ausgeſtellt und boten eine reiche Darbietung hervorragender Werke der Kunſt und des Kunſtgewerbes des badiſchen Landes. Eine ſchwere Sorge, welche im Juli auf der Großherzoglichen Familie laſtete, berührte auch ſchmerzlich die Einwohnerſchaft der Reſidenzſtadt, eine nicht unerhebliche Erkrankung des in Heidelberg ſeinen Studien obliegenden Erbgroßherzogs, die jedoch glücklicher— weiſe, Dank der umſichtigen und thatkräftigen Behandlung des Geheimen Rates Dr. Friedreich, bald einen günſtigen Verlauf nahm. Im Februar war Prinz Wilhelm in Palermo, wo er mit ſeiner Gemahlin längeren Aufenthalt genommen hatte, an einem typhöſen Fieber ſchwer erkrankt. Sein Hausarzt, Medicinalrat Dr. Schenk, war im Anfang des März an das Krankenbett des Prinzen geeilt. Auf ein Schreiben des Oberbürgermeiſters Lauter, welcher die Teilnahme der Einwohnerſchaft Karlsruhes zur Kenntnis der Prinzeſſin Wilhelm brachte, hatte dieſe telegraphiſch ihren und des Prinzen Dank und die Hoffnung auf baldige Geneſung ausgedrückt. Am 20. April kehrte der Prinz mit der Prinzeſſin in Begleitung des Dr. Schenk wohlbehalten hierher zurück. Hocherfreut wurde Prinz Karl, da ihm ſeine Gemahlin, Frau Gräfin Rhena, am 29. Januar einen Sohn ſchenkte, der in der Taufe die Namen Friedrich Maximilian Alexander erhielt. An dieſem erfreulichen Ereignis nahm auch die Einwohnerſchaft von Karlsruhe herzlichen Anteil. — 493— Zum achtzigſten Geburtstag des Deutſchen Kaiſers— entſandten die der Städteordnung unterſtehenden badiſchen Städte eine Glückwunſchadreſſe. Der Kaiſer richtete an ſie, zu Handen des Oberbürgermeiſters Lauter, ein Dankſchreiben, in welchemſer beſonders ſeiner Genugthuung über„die mannhaften Worte, mit welchen die Vertreter der bedeutendſten Städte des Großherzogtums Baden ihn ihrer Sympathie für das deutſche Einigungswerk verſichern“, Ausdruck verlieh. Den greiſen Kaiſer, umgeben von den Prinzen ſeines Hauſes und von den bedeutendſten der gefeierten Heerführer des deutſch⸗ franzöſiſchen Krieges, durfte die Stadt Karlsruhe im September bei Gelegenheit der Kaiſermanöver des 14. Armeekorps in ihrem Weichbild begrüßen. Bei ſeiner Ankunft, am 16. September, ſtanden Bewohner der Stadt und Umgebung, beſonders auch die Schuljugend, in Reihen vom Bahnhof bis zum Schloßplatz, während Salutſchüſſe ertönten, alle Glocken geläutet wurden und Mufik vom Rathaus⸗ altan erklang. Alle Häuſer und Straßen waren feſtlich geſchmückt, das Rathaus war glänzend beleuchtet. Der Oberbürgermeiſter brachte nach einer kurzen Anſprache ein Hoch auf den Kaiſer aus. An allen feſtlichen Veranſtaltungen dieſes und der folgenden Tage, am großen Zapfenſtreich, an der Kaiſerparade auf dem Felde bei Malſch, an der Fahrt der Fürſtlichkeiten und an ihrem Beſuche der Kunſt—⸗ und Gewerbeausſtellungs), an dem großen Lampionzug, der ſich am Abend des 20. September nach dem Schloſſe bewegte, wo die Männergeſangvereine ein Ständchen brachten, nahm die Bevölkerung Karlsruhes den lebhafteſten Anteil. Nächſt dem Kaiſer und dem Kronprinzen zog namentlich der Feldmarſchall Graf Moltke die Aufmerkſamkeit der Volksmenge auf ſich und wurde allenthalben ehrerbietig gegrüßt. Auch bei der Abreiſe des Kaiſers am 23. September bildeten die Geſangvereine, die Schützen, der Militärverein und die Schulkinder Reihen in den zum Bahnhof führenden Straßen, die hinter dieſen dicht mit Menſchen bedeckt waren. Im Auftrage des Kaiſers ſprach Oberbürgermeiſter Lauter der Einwohnerſchaft deſſen Dank für die mannigfachen Beweiſe der Liebe und Ergebenheit aus, ) ſiehe unten S. 496 f. — 494— welche bei Ankunft und Aufenthalt in hieſiger Stadt demſelben ſchon zum öfteren und insbeſondere dieſesmal kundgegeben worden ſind. Am 10. Januar fand, nachdem durch die Wahlbewegung in den unmittelbar vorausgegangenen Tagen die Gemüter aufs heftigſte erregt und die Anſchauungen und Wünſche der Parteien in verſchiedenen Wahlverſammlungen zur Ausſprache gelangt waren, die Reichstags— wahl unter lebhafter Beteiligung ſtatt. In der Stadt Karlsruhe wurde ſchon abends 7½¼ Uhr durch die Wahlkommiſſionen das vor⸗ läufige Wahlergebnis feſtgeſtellt. Hier erhielt der nationalliberale Landeskommiſſär Eiſenlohr 3969, der konſervative und auch vom Zentrum unterſtützte Staatsanwalt Freiherr v. Marſchall 1223, der Bewerber der Sozialdemokraten, Kaufmann Dreesbach in Düſſeldorf 457 Stimmen. Bei der endgiltigen Ermittelung des Wahlergebniſſes für den ganzen X. Wahlkreis ergaben ſich für Eiſenlohr 8252, für v. Marſchall 7452, für Dreesbach 618 Stimmen, 13 waren zerſplittert, 63 ungültig. Von 22 328 Wahlberechtigten waren 16398 Stimmen abgegeben worden; von dieſen wurden 16335 für gültig erklärt. Eiſenlohr erhielt demnach 84 Stimmen über die abſolute Mehrheit von 8 168 Stimmen. Gegen Eiſenlohr's Wahl wurde im Namen vieler Wähler beim Reichstage Proteſt erhoben. Die Wahlprüfungskommiſſion im Reichs⸗ tage beſchloß, auf Grund dieſes Proteſtes die Wahl zu beanſtanden und die Großherzogliche Regierung um Vornahme von Erhebungen über verſchiedene in dem Proteſt enthaltene Punkte zu erſuchen. Dieſem Antrage der Kommiſſion trat der Reichstag in ſeiner Sitzung vom 19. April 1877 bei. Die Erhebungen wurden alsbald angeordnet, waren aber noch nicht abgeſchloſſen, als der Reichstag am 3. Mai geſchloſſen wurde. Im Oktober waren drei Landtagsabgeordnete zu wählen. Im Rathausſaale fand unter Leitung des Landeskommiſſärs Eiſenlohr am 24. Oktober vormittags die Wahl ſtatt. Die drei von der 9 nationalliberalen Partei Vorgeſchlagenen: Stadtrat Lang, Landge⸗ richtsrat v. Blittersdorff, die bisherigen Abgeordneten, und an Stelle des Geheimerats Nicolai, der eine Wiederwahl abgelehnt hatte, Kaufmann und Handelskammerpräſident Krämer wurden mit großer — 495— Stimmenmehrheit zu Vertretern der Reſidenzſtadt in der Zweiten Kammer gewählt. Ihnen und dem zurückgetretenen langjährigen, verdienten Abgeordneten Nicolai zu Ehren fand am 29. Oktober im großen Eintrachtsſaale ein Bankett ſtatt, bei welchem in einer langen Reihe von Trinkſprüchen die Geſinnungen des Vertrauens, das zwiſchen den Gewählten und ihren Wählern beſtand, zum Ausdruck gelangten. Am 15. November wurde der Landtag vom Großherzog perſönlich mit einer Thronrede eröffnet. Nachmittags wurden die Mitglieder beider Kammern zur Hoftafel geladen. Von Karlsruhe nahmen, außer den drei genannten Vertretern der Stadt und den ſchon im Landtag von 1875/76 demſelben angehörenden Männern, an deſſen Verhand⸗ lungen noch die neuen Mitglieder des Staatsminiſteriums Stoeſſer und Dr. Grimm, als Abgeordnete teil. Mit einer längeren Unter⸗ brechung durch Beurlaubuug vom 9. Februar bis 29. Oktober 1878 dauerte dieſer Landtag vom 14. November 1877 bis zum 21. Februar 1879. Die Vertreter der Stadt Karlsruhe nahmen ſowohl an den Kommiſſionsberatungen als auch an den Ver— handlungen in den Kammerſitzungen— in dieſen beſonders der Abg. v. Blittersdorf— eifrigen Anteil. Abg. Lang gehörte der Budgetkommiſſion an und erſtattete in deren Namen den Bericht über den Fortgang der Eiſenbahnbauten in den Jahren 1876 und 1877, Abg. Krämer, der nach dem Austritt des Abg. Lang aus dem Landtag an deſſen Stelle in die Budgetkommiſſion gewählt wurde, war Berichterſtatter über die Geſetzentwürfe, die Umwandlung des 5% Anlehens der Eiſenbahnſchuldentilgungskaſſe von 1870/71 und die Handelskammern betr., v. Blittersdorf gehörte der Petitionskommiſſion, der Juſtizkommiſſion und der Kommiſſion für Eiſenbahnen und Straßen und jener zur Vorberatung der Geſetzvorlage über die Gemeindebe⸗ ſteuerung an. Er war Berichterſtatter über den Geſetzentwurf, die Gerichtsverfaſſung betr., und brachte eine Motion ein, welche die Ab⸗ änderung des Geſetzes bezüglich der Ortsſtraßen und Baufluchten be⸗ traf, ſelbverſtändlich war er auch Mitglied der für die Behandlung dieſer Motion gebildeten Kommiſſion. In den Tagen vom 19. bis 21. Mai fand das zweite badiſche Sängerbundesfeſt hier ſtatt, zu deſſen Abhaltung die neue Feſthalle eben zur rechten Zeit vollendet worden war. Die beiden Hauptauf⸗ — 496— führungen ſtanden unter der Leitung des Hofkapellmeiſters Ruczek. An das zweite Konzert ſchloß ſich ein Feſtzug der Sänger an, der durch die geſchmückten Hauptſtraßen der Stadt ſich nach dem Schloſſe und von da zum Feſtplatz bewegte. Ein Bankett mit Muſik⸗ und Geſangsaufführungen in der Feſthalle ſchloß das wohlgelungene Feſt, dem auch der Hof ſeine Teilnahme durch die Anweſenheit bei den Hauptaufführungen bewieſen hatte. Dem Sängerbundesfeſt folgte in der Zeit vom 24. Juni bis 1. Juli das 3. Verbandsſchießen des badiſchen Landesſchützenvereins. Der Feſtplatz ſchloß ſich an die Feſthalle an, die Baulichkeiten(Schieß⸗ ſtände, Erfriſchungshallen u. ſ. f.) wurden von dem Architekten Dr. Cathiau ausgeführt, in der Feſthalle fanden die Mahlzeiten und Bankette ſtatt, auf die Errichtung eines Gabentempels konnte verzichtet werden, da die Feſtgaben auf der Eſtrade des Feſthalle⸗ baues aufgeſtellt wurden. Am 24. Juni bewegte ſich der Feſtzug durch die Straßen der Stadt, die feſtlich geſchmückt waren, auf dem Balkon des Schloſſes nahm die Großherzogliche Familie die Huldig⸗ ung der Schützen entgegen, überall in den Straßen und von den Fenſtern wurden die Feſtteilnehmer aufs freundlichſte begrüßt. Die Geſangvereine verſchönerten durch ihre Vorträge die feſtlichen Verſamm⸗ lungen, die ſich abends an das Schießen anſchloſſen. Am fünften Schießtage nachmittags beſuchte der Großherzog den Feſtplatz. und wurde mit begeiſterten Hochrufen empfangen. Das Schützenfeſt durfte, dank der ausgezeichneten Leitung durch Oberſchützenmeiſter Römhildt, dem Entgegenkommen der Staats— und Gemeindebe— hörden und der umſichtigen Thätigkeit des Feſtausſchuſſes, als ein ſehr gelungenes bezeichnet werden. Die größte Sorgfalt war auf die Errichtung der 32 Schießſtände(19 Feld- und 13 Stand⸗ ſcheiben mit einer Entfernung von 300 bezw. 175 Meter) verwendet worden, welche ſich vom Thiergarten bis zur Beiertheimer Straße ausdehnten; durch die zahlreichen Hoch- und ſog. Couliſſenblenden an beiden Seiten war jede Gefahr ausgeſchloſſen, da die Kugeln weder ſeitwärts noch abwärts abfliegen konnten. So wurde denn auch die Feſtfreude durch keinen Unfall getrübt. Nur wenige Tage nach dem Schluſſe des Schützenfeſtes ergriff die Kommiſſion für die von dem Gewerbeverein Karlsruhe geplante und zur Verwirklichung gebrachte„Allgemeine Kunſt⸗ und Gewerbe-Ausſtellung für das Großherzogtum Baden in Karlsruhe“ von der Feſthalle Beſitz, und durch die angeſtrengte und opferwillige Thätigkeit aller Beteiligten konnte dieſe, wie in Ausſicht genommen war, am 1. Auguſt eröffnet werden. Die Ausſtellung war in 18 Gruppen eingeteilt, für 1. Steine und Erden, Thon— waren und Glas, 2. Metallarbeiten, 3. Maſchinen und Werkzeuge, 4. Wiſſenſchaftliche Juſtrumente, 5. Muſikinſtrumente, deren Ma⸗ terial und Teile, 6. Nahrungs- und Genußmittel, 7. Chemiſche Induſtrie, 8. Tertilinduſtrie, 9. Papier, 10. Leder⸗ und Gummiwaren, 11. Holzwaren, 12. Kurzwaren, 13. Bekleidung und Beſchmückung, 14. Polygraphiſche Gewerbe, 15. Künſtleriſche Betriebe für gewerbliche Zwecke, 16. Bau⸗ und Ingenieurweſen, 17. Bildende Kunſt der Gegenwart, 18. Schulweſen. Die Ausſtellung, in der Halle vortrefflich und geſchmackvoll auf⸗ geſtellt, bot ein hocherfreuliches Bild der Entwicklung in Gewerbe, Juduſtrie, Kunſt und Wiſſenſchaft in dem badiſchen Lande und zog aus Stadt und Land eine große Menge von Beſuchern in die Haupt⸗ und Reſidenzſtadt. Daß ſich dabei auch die Karlsruher Ausſteller rühmlich hervorthaten, beweiſt die große Zahl der ihnen von dem Preisgerichte zuerkannten Auszeichnungen: 31 goldene, 37 ſilberne, 69 bronzene Medaillen, 67 belobende Anerkennungen und 35 Diplome für Mitarbeiter. Am 15. Oktober erfolgte der Schluß der Ausſtellung, um deren bedeutenden Erfolg ſich der Vorſtand des Gewerbevereins, Direktor F. W. Keller, in hervorragender Weiſe verdient gemacht hatte. Dieſer Erfolg wäre aber nicht möglich geweſen ohne das zielbewußte Zuſammenwirken der Staats- und Gemeindebehörden, der Ausſchuß⸗ mitglieder des Gewerbevevereines und einer großen Zahl ſachver⸗ ſtändiger und thatkräftiger Männer, von denen neben Direktor Keller in erſter Reihe Miniſterialrat von Stoeſſer, Oberbürgermeiſter Lauter, Profeſſor Meidinger und Fabrikant C. Himmelheber in den Berichten namhaft gemacht werden. In der Geſchichte der Haupt- und Reſidenzſtadt iſt das Jahr 1877 auch deshalb erwähnenswert, weil in ihm, auf Anregung des Statiſtiſchen Bureaus bei Aufſtellung eines neuen Ortsverzeichniſſes, 32 und mit Zuſtimmung des darüber befragten Stadtrates, von Amts⸗ wegen die Schreibung des Namens Karlsruhe als die allgemein zu gebrauchende feſtgeſtellt wurde, während bis dahin auch noch die Schreibung Carlsruhe im Gebrauch geweſen war. Von den Toten dieſes Jahres ſind zu erwähnen die am 15. Ok⸗ tober nach kurzer Krankheit geſtorbene Frau Amalie Baader, die ſich durch die Gründung des St. Vincentius-Frauenvereins und des St. Vincentiushauſes ein bleibendes Verdienſtzum die Verbeſſerung der Krankenpflege in Karlsruhe erworben hat; Domänendirektor Iwan von Boeckh, der am 22. Mai aus dem Leben ſchied, hochverdient ſowohl in ſeiner amtlichen Stellung als auch als Mitglied der evan⸗ geliſchen Kirchengemeindeverſammlung und Kirchenälteſter; Chriſtian Friedrich Gockel, geſtorben am 13. Dezember, der ausgezeichnete Pädagog, den wir in ſeiner Thätigkeit äls Direktor des Lyceums und in ſeinem Wirken für gemeinnützige Zwecke an anderer Stelle gewürdigt haben; der am 19. März aus ſeinem thätigen Leben zu früh abberufene Kreis⸗ und Hofgerichtspräſident Georg Martin Hildebrandt, der langjährige, durch treue Pflichterfüllung und unbeſtechliche Unparteilichkeit ausgezeichnete Präſident der Zweiten und in den letzten Jahren durch das Vertrauen des Großherzogs ernanntes Mitglied der Erſten Kammer; der am 23. Februar von langen, mit größter Geduld ertragenen Leiden erlöſte Prälat Karl Julius Holtzmann, ein auf allen Gebieten des Lebens, in Kirche und Schule durch Feinheit des Geiſtes, durch Objektivität des Urteils, durch weiſes Maßhalten und feſtes Eintreten für ſeine Ueberzeugung allgemein verehrter Geiſtlicher, endlich der hochbegabte Präſident des Verwaltungsgerichtshofes, Ludwig Renck, ein Mann von vielſeitiger Bildung, ſeltener Arbeitskraft, großem praktiſchem Geſchick, ebenſo hervorragend tüchtig in allen Aemtern und Würden, die ihm der Staat und das Vertrauen ſeines Fürſten übertrug, wie aufopfernd wirkſam im Gemeindeleben, in Vereinen und geſelligen Kreiſen, den einer reichen Wirkſamkeit im 51. Lebensjahre am 30. April der Tod entriß. — 499— 5 1878. Ein wichtiger Tag für die Großherzogliche Familie war der 1. Dezember, an welchem die Prinzeſſin Viktoria in der Schloß⸗ kirche konfirmiert wurde. Die Prinzeſſin, welche am 7. Auguſt ihr 16. Lebensjahr vollendet hatte, empfing ſeit 1871 ihren Religions⸗ unterricht zuerſt allein, dann in Gemeinſchaft mit einer Anzahl von Altersgenoſſinnen, in der im Jahre 1872 gegründeten und am 13. Juli 1878 geſchloſſenen„Mädchenklaſſe im Schloß“. Den Vorbereitungsunterricht zur Konfirmation erteilte ihr ſeit Anfang dieſes Jahres Prälat Doll, welcher daher auch den Gottesdienſt am 1. Advent mit Prüfung und Einſegnung der Prinzeſſin abhielt. Der Kaiſer und die Kaiſerin wohnten mit dem Großherzog und der Großherzogin, den übrigen hier anweſenden Mitgliedern und Ver⸗ wandten des Großherzoglichen Hauſes und vielen geladenen Gäſten der Feier bei. An dieſem feſtlichen Tage verfügte der Großherzog über den bei Gelegenheit ſeines Regierungsjubiläums geſammelten Betrag?) und errichtete mit demſelben, der bisher zinstragend bei der Allgemeinen Verſorgungsauſtalt angelegt geweſen war, eine Groß⸗ herzog Friedrich-Jubiläumsſtiftung. Die Schweſter des Großherzogs, Fürſtin von Leiningen, Prin⸗ zeſſin Marie von Baden, verlegte in dieſem Jahre ihren Wohnſitz auf längere Zeit nach Karlsruhe, um hier die Erziehung ihrer Kinder, des Erbprinzen Emich und der Prinzeſſin Alberta, zu vollenden. Die Fürſtin hatte für die Zeit ihres Aufenthaltes ein Haus in der Kriegsſtraße käuflich erworben. Am 14. April fand im Großh. Schloſſe die Verlobung des Prinzen Heinrich der Niederlande, Gouverneurs von Luxemburg, mit der Prinzeſſin Marie von Preußen, älteſten Tochter des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, ſtatt. In Abweſenheit des Ober⸗ bürgermeiſters Lauter wurden die Bürgermeiſter Günther und Schnetzler von dem fürſtlichen Brautpaar empfangen, um dieſem im Namen der Stadt die beſten Glückwünſche darzubringen. Am 17. Juli traf der König der Niederlande zum Beſuch des Großherzogs hier Vgl. oben S. 490. 32 00 Q ein und nahm im Schloſſe Wohnung. Abends ſpielte vor dem Schloſſe die Kapelle des Leibgrenadierregiments. Am 18. Juli wurde auf dem Exerzierplatz eine Parade zu Ehren des Königs abgehalten, der hierauf zum Beſuch ſeines Bruders, des Prinzen Heinrich der Niederlande und deſſen Prinzeſſin Braut nach dem Bade Rippoldsau abreiste. Am 11. Mai, einem Samstag, abends gegen 6 Uhr verbreitete ſich in der Stadt die Kunde, daß ein Angriff auf das Leben des Kaiſers verübt worden ſei, und erregte die allgemeinſte Ent— rüſtung und Beſtürzung. Glücklicherweiſe war durch die Gnade der Vorſehung die mörderiſche Kugel von dem Haupte des greiſen Monarchen abgewendet worden, mit deſſen Leben auch das unſerer Großherzogin bedroht geweſen war, die, zum Beſuch in Berlin, ihren Vater auf einer Ausfahrt begleitet und ſich ſofort auf ihren Vater geworfen hatte, um ſeine Perſon mit ihrem eigenen Körper zu decken. Am Sonntag Morgen waren die Häuſer feſtlich beflaggt, und in allen Kirchen wurden Dankgebete für die glückliche Errettung des Kaiſers und der Großherzogin an den gnädigen Gott geſandt. Zu dem Militär, das ſich nach den Gottesdienſten auf dem Markt— platz aufſtellte, ſprach der Großherzog tief ergreifende Worte. Nach⸗ mittags reiste er nach Berlin ab. Die im Schloſſe aufgelegten Liſten bedeckten ſich mit den Namen der Teilnehmenden aller Stände. Am 25. Mai kehrte die Großherzogin hierher zurück. In Begleitung des Großherzogs, der, ſchon am 21. Mai von Berlin zurückgekehrt, ſeiner Gemahlin bis Heidelberg entgegengefahren war, um ½3 Uhr hier angekommen, wurde ſie auf dem Bahnhof von den Prinzen des Hauſes, den Spitzen der Behörden, dem Ober— bürgermeiſter und dem Bürgerausſchuß empfangen und von dem Oberbürgermeiſter durch eine Anſprache begrüßt, welche ſie herzlich erwiderte. Die Großherzogin fuhr hierauf an der Seite ihres Gemahls durch die feſtlich geſchmückten Straßen, vom Jubel des Volkes begrüßt, in das Schloß, wo die ganze Hofgeſellſchaft zu ihrem Empfange verſammelt war. Am Abend brachten ihr die Männergeſangvereine, unter Leitung des Kapellmeiſters Ruczek, vor dem Schloß, wohin ſie vom Marktplatz aus mit Lampions gezogen waren, eine Serenade dar. Am 27. Mai abends fand im Konzert⸗ E ee eee e 80 ſale der Feſthalle ein feierlicher Kaiſerkommers der vier Korps der Polytechniſchen Schule, denen ſich viele andere Studierende anſchloſſen, ſtatt, dem der Großherzog die Ehre ſeines Beſuchs und einer alle Teilnehmer tief ergreifenden Anſprache ſchenkte. Niemand konnte ahnen, daß wenige Tage ſpäter ein zweiter Angriff auf das Leben des Kaiſers von frevelhafter Hand verübt werden würde, und die Nachricht dieſer Schaudthat, die Kunde, daß der ehrwürdige kaiſerliche Greis ſchwer verwundet ſei, rief, als ſie am 2. Juni nachmittags hier eintraf, eine beiſpielloſe ſchmerzliche und zornerfüllte Erregung in allen Kreiſen der Einwohnerſchaft her⸗ vor. Großherzog und Großherzogin begaben ſich alsbald zur Kaiſerin nach Baden, die mit ihrer Tochter ſofort nach Berlin abreiſte, wohin der Großherzog in Begleitung des Prinzen Wilhelm am nächſten Morgen nachfolgte. Am 3. Juni richtete eine größere Anzahl von Mitgliedern der Zweiten Kammer, welche vom Präſidenten, Dr. Lamey, zur Wieder⸗ aufnahme der Kommiſſionsarbeiten zuſammenberufen waren, eine Adreſſe an den Großherzog, in welcher den Empfindungen des badiſchen Volkes über dieſes ſchmachvolle Verbrechen beredter Ausdruck verliehen wurde, wofür der Großherzog in rührenden Worten ſeinen Dank ausſprach. Die gleichen Empfindungen beſeelten die Einwohnerſchaft der Reſidenzſtadtt wie des ganzen Landes. Der Stadtrat ſäumte nicht, auch dieſesmal der Dolmetſch dieſer Geſinnungen bei dem Großherzog zu ſein, der ihn mit Vermittlung ſeines Dankes an die treuen Karlsruher beauftragte. Der Zuſtand des Kaiſers, anfangs beſorgniserregend, beſſerte ſich verhältnismäßig raſch. Er gebrauchte mit beſtem Erfolg die Bäder in Teplitz und Gaſtein und konnte ſchon im September den Manövern in der Nähe von Kaſſel beiwohnen und dabei das Pferd beſteigen. Nach längerem Aufenthalt in Baden-Baden und Wies⸗ baden kam der Kaiſer mit der Kaiſerin am Abend des 30. November in Karlsruhe an, um, wie ſchon früher erwähnt, der Konfirmation ihrer Enkelin, der Prinzeſſin Viktoria, beizupwohnen. Obwohl jeder amtliche Empfang verbeten war, wurden Kaiſer und Kaiſerin doch von einer großen Menſchenmenge auf der Fahrt durch die taghell erleuchteten Straßen ſtürmiſch begrüßt, und wer den greiſen Monarchen in der Nähe ſehen konnte, erfreute ſich an ſeinen ſicheren und friſchen Bewegungen, welche erkennen ließen, daß ſeine Geſundheit wieder vollſtändig gekräftigt ſei. Um der Freude über die glückliche Wieder— geneſung des Reichsoberhauptes und ſeine Anweſenheit in Karlsruhe Ausdruck zu geben, veranſtaltete der Polytechniſche Verein in der Feſthalle am 3. Dezember einen Feſtkommers, dem auch der Groß— herzog die Ehre ſeines Beſuches ſchenkte. Die begeiſternden Worte, die er zu der ſtudierenden Jugend ſprach, entfeſſelten einen, alle An⸗ weſenden tief ergreifenden Ausbruch des Jubels, der ſich mit den Hochrufen auf den Kaiſer verband. Am folgenden Morgen hatten Abordnungen des Polytechniſchen Vereines und der am Polytechnikum beſtehenden vier Korps die Auszeichnung, dem Kaiſer perſönlich die Huldigung der Studentenſchaft darbringen zu dürfen und auf das Huldvollſte empfangen zu werden. Am Abend dieſes Tages kehrte der Kaiſer nach Berlin zurück, wo er am 5. Dezember mittags an⸗ kam und von der Bevölkerung der Reichshauptſtadt mit der größten Begeiſterung begrüßt wurde. Am darauf folgenden Sonntag, dem 8. Dezember aber, der im ganzen Vaterland als ein Danffeſt für die glückliche Wiederherſtellung des Kaiſers gefeiert wurde, predigte in der Stadtkirche, in der alle Bänke dicht beſetzt waren, ſo daß viele keinen Platz mehr finden konnten, Hofprediger Emil Frommel, der allverehrte badiſche Landsmann. Auch die Großherzogliche Familie wohnte der außerordentlich ſchönen und tiefergreifenden Predigt an. Nachdem am 24. Mai das vom Bundesrat vorgelegte Geſetz zum Schutze der Geſellſchaftsordnung gegen die Beſtrebungen der Sozialdemokratie im Reichstag abgelehnt und, unter dem Eindruck der Unthat vom 2. Juni, dieſer Reichstag am 11. Juni aufgelöſt und die Vornahme der Neuwahlen auf den 30. Juli feſtgeſetzt worden war, begannen alsbald auch in Karlsruhe die Parteien ſich zu dem neuen Wahlkampfe zu rüſten. Wieder ſtanden ſich, wie im Vorjahre, Landeskommiſſär Eiſenlohr und Staatsanwalt Freiherr von Marſchall als Bewerber gegenüber. Noch ſchärfer und leidenſchaftlicher prallten die Gegenſätze der Partei⸗ meinungen aufeinander. In der Stadt Karlsruhe erhielt von 6241 Abſtimmenden Eiſenlohr 3906, von Marſchall 1733, Dreesbach, 576 Stimmen; nach der am 3. Auguſt erfolgten amtlichen Zu⸗ ſammenſtellung der Stimmen des 10. Wahlbezirkes wurden 16913. e eeeeee e — — 503— gültige Stimmen abgegeben, von denen Eiſenlohr 7982, von Marſchall 8150, Dreesbach 758 Stimmen erhielt, während 23 Stimmen ſich auf 15 andere Namen zerſplitterten. Da die abſolute Mehrheit 8456 Stimmen betrug und keiner der Bewerber dieſe Stimmenzahl auf ſich vereinigt hatte, mußte zur engeren Wahl zwiſchen Eiſenlohr und von Marſchall geſchritten werden, die auf den 13. Auguſt feſtgeſetzt wurde. Von neuem entbrannte ein heißer Wahlkampf, fanden Wahlverſammlungen mit leidenſchaftlichen Reden ſtatt. Von 18635 Abſtimmenden erhielt Eiſenlohr 8567, von Marſchall 10068 Stimmen, Letzterer war ſomit gewählt. Noch während der Beurlaubung des Landtags legte der Abge⸗ ordnete Lang ſein Mandat als einer der drei Vertreter der Stadt Karlsruhe nieder. Die dadurch nötige Ergänzungswahl wurde auf den 14. Oktober feſtgeſetzt. In einer auf den 7. Oktober in den großen Rathausſal berufenen Verſammlung der hieſigen Wahlmänner, in welcher der Rechtsanwalt Kuſel den Vorſitz führte, teilte Ober⸗ bürgermeiſter Lauter mit, daß ſich die Stadträte auf Langs Vorſchlag dahin verſtändigt hätten, den Geh. Rat Lamey, der ſeinerſeits ſein Man⸗ dat als Abgeordneter der Stadt Freiburg niedergelegt hatte, als deſſen Nachfolger in Vorſchlag zu bringen. Der Vorſchlag fand einſtimmige Annahme. Bei der Vornahme der Wahl fielen von 169 abgegebenen Stimmen 166 auf Geh. Rat Lamey, der dieſe auch annahm. In einem an den Oberbürgermeiſter, der ihm das Wahlergebnis mitge— teilt hatte, gerichteten Schreiben, in welchem er für das ihm von den Wählern geſchenkte Vertrauen dankte, ſprach Lamey zugleich ſeine Freude darüber aus,„daß die faſt vollſtändige Einſtimmigkeit den Zweck auf's evidenteſte erreicht habe, Proteſt gegen Marſchall's Reichstagswahl einzulegen.“ Nach dem Wiederzuſammentritt des Landtags wurde Lamey wieder zum Präſidenten gewählt. Nach dem Gemeindegeſetz hat die Hälfte der Mitglieder des Bürgerausſchuſſes nach dreijähriger Amtsperiode auszutreten und muß für dieſe ſowie die während dieſer Zeit an Stelle von Aus⸗ geſchiedenen gewählter Erſatzmänner eine Neuwahl ſtattfinden. Die Zahl der austretenden Statdverordneten betrug 57 und die Erneuerungswahlen hatten ſich in der Zeit vom 25. Februar bis 504. 14. März zu vollziehen. Eine vom Ausſchuß des nationalen und liberalen Bürgervereins eingeladene allgemeine Verſammlung fand am 21. Februar im großen Rathausſaale ſtatt, das Bureau bildeten Stadtrat Lang und die Stadtverordneten v. Blittersdorff und Ritzhaupt. Eine auf Grund der Einigung verſchiedener Ausſchüſſe und Kommiſſionen gebildete Vorſchlagsliſte wurde verleſen und er— läutert und nach längerer Beratung einſtimmig angenommen. Indes wurde gleichzeitig in den Ortsblättern auch ein anderer Wahlvorſchlag veröffentlicht. Der Ausfall der Wahlen entſprach bei mäßiger Be⸗ teiligung den Vorſchlägen der Rathausverſammlung, die ſich im Weſentlichen an die bisherige Art der Zuſammenſetzung des Stadt— verordneten-Kollegiums hinſichtlich einer gleichmäßigen Teilnahme der drei Wählerklaſſen und der in dieſen vertretenen Berufsarten anſchloß— Die Erneuerungswahlen in den Stadtrat fanden am 23. März ſtatt. Von den austretenden Stadträten wurden die Herren Bielefeld, Dürr, Hoffmann, Knittel, Leichtlin, Römhildt, Seubert, Weber, Wunder u. Wundt wieder, Kaufmann Hoyer neu gewählt. Als Ergebnis der nunmehr vollzogenen Gemeindewahlen ſtellte Oberbürgermeiſter Lauter in der Sitzung des Stadtrats am 3. April feſt, ſie hätten gezeigt, daß die bisherigen Gemeindekollegien ſich im Einklang mit der Mehrzahl der Bürgerſchaft befunden haben. Wenn während der Wahlen ſich der Wunſch geltend gemacht habe, daß eine größere Zurückhaltung in den Ausgaben für die Zukunft ein⸗ treten möchte, ſo habe derſelbe im Stadtrat gewiß den lebhafteſten Widerhall gefunden. Die beträchtlichſten Ausgabepoſten jedoch, welche an die Gemeindeverwaltung herantreten, ſeien durch dieſe nicht zu beherrſchen, da ſie durch die Geſetzgebung bedingt ſeien, ſo z. B. die Ausgaben für die Armenunterſtützung(Geſetz über den Unter— ſtützungswohnſitz), für die Kreisverwaltung(Verwaltungsgeſetz), für die Straßenbauten(Geſetz über die Baufluchten), für Schulen(Schul⸗ geſetz; und für die Polizei. Neben dieſen Ausgaben dürften ſolche für Beſſerung der ſozialen und wirtſchaftlichen Lage der Stadt nicht unterlaſſen werden. Wirtſchaftlicher Aufſchwung der Stadt ſei durch eine etwaige mäßige Erhöhung der Umlagen nicht zu teuer erkauft. In der erſten Sitzung des durch die Wahlen neu gebildeten Bürgerausſchuſſes am 9. Mai kam der vom Obmann des geſchäfts⸗ leitenden Stadtverordnetenvorſtandes angeregte Antrag zur Abſtimmung, e PPPP 8— 393 daß dieſer fortan— unter Anderung des Ortsſtatuts vom 20. Februar 1875— aus 7 Mitgliedern zu beſtehen habe, welcher einſtimmig angenommen wurde. Aus der Zahl der im Jahre 1878 Verſtorbenen ſeien hier genannt Hauptlehrer Alexander Autenrieth(6 16. Auguſt), der während 45 Jahren ſeine Dienſte der Bildung und Erziehung der hieſigen Schuljugend gewidmet hatte; Profeſſor Ludwig Des Condres (+ 23. Dezember), als Hiſtorienmaler, beſonders auch als Schöpfer kirchlicher Gemälde und als ausgezeichneter Lehrer allgemein aner—⸗ kannt; die durch hervorragende Leiſtungen in Krieg und Frieden hochverdienten Generale Karl und Berthold von Freydorf(jener am 18. März, dieſer am 12. November geſtorben); Ludwig Kachel, (F 7. Februar), deſſen vielſeitiger anregenden Thätigkeit in dem vor⸗ hergehenden Abſchnitt öfter rühmlich gedacht wurde; der treffliche Architekt Heinrich Leonhard( 18. Juli), dem Karlsruhe eine Reihe monumentaler Bauten verdankt; der feinſinnige Kupferſtecher Eduard Willmann, deſſen letztes ſchönes Werk die Dichtung Joſef Viktor von Scheffel's„Waldeinſamkeit“ mit trefflichen Illuſtrationen zierte; Generalmajor Hippolyth Wirth(am 2. Oktober), ein pflichttreuer, biederer Kriegsmann, mutig vor dem Feind, human und liebenswürdig in Erfüllung der ihm als Kommandant von Karlsruhe im Frieden geſtellten Aufgaben. 1879. Mit aufrichtiger Begeiſterung nahm die Einwohnerſchaft Karls⸗ ruhes an der Feier der Goldenen Hochzeit des Kaiſers Wilhelm und der Kaiſerin Auguſta teil. Da ſeitens des Kaiſerpaares alle Geſchenke und Huldigungsbeweiſe, wie ſie ſonſt bei ſolchen Gelegen— heiten üblich ſind, abgelehnt worden waren, hatte der Stadtrat nach Anhörung des Armenrates beſchloſſen, um das Andenken an dieſes ſeltene Feſt auch für kommende Geſchlechter in einer den Wünſchen der Jubilare entſprechenden Form zu erhalten, zu dieſem Zwecke eine Sammlung zu veranſtalten, deren Ergebnis zu einer Stiftung mit dem Namen Wilhelm-Auguſta-Stiftung für die Pflege und Erziehung armer Kinder unſerer Stadt verwendet — 506 werden ſolle. Zur Leitung der Sammlung hatte der Stadtrat eine Kommiſſion ernannt, welche am 19. Mai einen Aufruf an die Ein⸗ wohnerſchaft erließ, mit der Bitte, die Erfüllung des beabſichtigten Zweckes nach Kräften möglich zu machen. Am 21. Mai machte der Stadtrath bekannt, daß, aus Anlaß dieſer Feier, die bisherige Lange Straße auf Anſuchen der Hauseigentümer in derſelben den Namen Kaiſerſtraße erhalten habe. Am Feſttage ſelbſt, am 11. Juni, waren die Straßen feſtlich beflaggt, Glockengeläute und Kanonendonner kündigten die Feier weit⸗ hin an, in allen Kirchen fanden Gottesdienſte ſtatt, im Stadtgarten wurde von den Geſangvereinen und Militärkapellen ein muſikaliſches Abendfeſt veranſtaltet. Vor der Koloſſalbüſte des Kaiſers von Profeſſor Moeſt wurde eine Huldigung dargebracht, eine von H. Slevogt gedichtete, von Steinbach in Muſik geſetzte Kaiſerhymne unter der Leitung des Chormeiſters der Liederhalle, Gageur, und eine von Dr. Cathiau gedichtete und von Hofkapellmeiſter Ruczek in Muſik geſetzte und geleitete Feſtkantate geſungen, worauf Bürgermeiſter Schnetzler eine feurige Rede hielt, die in ein Hoch auf Kaiſer und Kaiſerin ausklang, in das die vielen Tauſende, die im Stadtgarten anweſend waren, begeiſtert einſtimmten. Die Ehrengaben, welche von verſchiedenen Seiten dem Kaiſer⸗ paare zur goldenen Hochzeitsfeier dargebracht wurden, die für die Stiftung der deutſchen Fürſtinnen beſtimmte Geldtruhe, nach der Zeichnung von Baer von Hofbuchbinder Scholl in Durlach ausgeführt, die von der Großherzoglichen Familie gewidmete Prachtbibel mit Pergamentblättern, auf denen eine Chronik des Königlichen Hauſes verzeichnet iſt, gemalt von der Großherzogin, der Fürſtin zu Hohen⸗ zollern, Frau Schrödter und Fräulein Schenk, Profeſſor Götz und Maler Brünner, die Adreſſen der Schützengeſellſchaft und der Militär⸗ vereine u. a. machten der in unſerer Stadt blühenden Kunſt und dem Gewerbefleiß, der ſie ſeit langem auszeichnet, alle Ehre. Lebhaftes Bedauern in den weiteſten Kreiſen der Reſidenzſtadt rief die Kunde wach, daß der Kaiſer den General von Werder in Genehmigung ſeines Abſchiedsgeſuches unter Erhebung in den Grafenſtand und unter Belaſſung in ſeinem Verhältnis als Chef des 4. Rheiniſchen Infanterieregiments Nr. 30 zur Diſpoſition geſtellt — 507— habe. Der Großherzog verlieh dem General den Hausorden der Treue, den er ihm in Begleitung des Erbgroßherzogs am 19. April perſönlich überbrachte. Den aus allen Theilen des Landes dem gefeierten Führer der badiſchen Truppen im deutſch⸗franzöſiſchen Kriege ausgeſprochenen Geſinnungen des Dankes und der Verehrung, ſowie des lebhaften Bedauerns über ſein Scheiden aus unſerem Lande ant⸗ wortete Graf von Werder mit einem in der„Karlsruher Zeitung“ veröffentlichten herzlichen Abſchiedsworte. Auch der Stadtrat ver⸗ ſäumte nicht, den Empfindungen der Einwohnerſchaft für ihren Ehren⸗ bürger durch eine Abordnung Ausdruck zu verleihen, und der General richtete an den Oberbürgermeiſter ein von dieſem zur öffentlichen Kenntnis gebrachtes Schreiben, in welchem er ſeinen Dank ausſprach für die vielen Beweiſe wohlthuender Teilnahme und Zuneigung, welche er von allen Seiten während ſeines nun faſt neunjährigen Aufenthalts in der Haupt⸗ und Reſidenzſtadt des ſchönen, ihm un⸗ vergeßlichen Badener Landes erhalten habe und allen Bewohnern 31 ein inniges Lebewohl zurief. Am 21. Februar war der Landtag vom Großherzog in feier⸗ licher Weiſe geſchloſen worden. Am 23. Oktober fand die Wahl zweier Abgeordneten der Stadt Karlsruhe im großen Rathausſaale ſtatt. Vor Beginn der Wahl erklärte einer der ausſcheidenden Abgeordneten, Kreisgerichtsrat Frhr. v. Blittersdorff, daß er ſeinerſeits von der Bewerbung um eine Wiederwahl zurücktreten wolle und empfahl in eindringlichen Worten die Wahl des Landgerichtsdirektors Kiefer. Als zweiten! Abgeordneten an Stelle des ausſcheidenden⸗ Abgeordneten Krämer ſchlug er im Namen einer großen Zahl der Wähler wieder einen Vertreter des Bürgerſtandes, Stadtrat Hoffmann, vor, welche beide auch bei einer Beteiligung von 186 Wahlmännern der erſte mit 155, der zweite mit 165 Stimmen gewählt wurden. Am 18. November eröffnete der Großherzog den neuen Landtag perſönlich und zog nachmittags die Mitglieder beider Kammern zur Tafel. Am 13. Dezember vereinigten ſich bei einem Bankett zu Ehren der drei Karlsruher Abgeordneten, Lamey, Kiefer, Hoffmann, einer Einladung der ſtädtiſchen Behörde Folge leiſtend, eine große Zahl von Einwohnern Karlsruhes aus allen Ständen der Einwohner⸗ — 508 ſchaft in der Feſthalle. Dieſem Landtag gehörten, während nur einer der Vertreter der Reſidenzſtadt(Stadtrat Hoffmann) in Karls⸗ ruhe wohnte, die beiden anderen auswärts, Landgerichtsdirektor Kiefer in Freiburg, Geh. Rat Lamey in Mannheim ihren Wohnſitz hatten, aus Karlsruhe noch weiter der Oberlandesgerichtsrat Baer, Oberſchulrat Bürklin, Landgerichtsrat Fieſer, Geh. Rat von Freydorf, Miniſterialpräſident Grimm, Oberlandesgerichtsrat Schmidt, Mini⸗ ſterialpräſident Stöſſer, Staatsminiſter Turban, mit zweien der Vertreter des Stadtwahlbezirkes, 10 höhere Beamte, an. Der Abg. Lamey wurde wieder zum Präſidenten der zweiten Kammer ge⸗ wählt. Der Budgetkommiſſion gehörte Abg. Hoffmann an und erſtattete in deren Namen den Bericht über die Denkſchrift der Oberrechnungskammer. Er war außerdem Mitglied der Kommiſſion für den Geſetzentwurf, die Ergänzung und Abänderung des Geſetzes über die Anlage der Ortsſtraßen und die Feſtſtellung der Baufluchten betr. Der Abg. Kiefer war Mitglied und Berichterſtatter der Adreß— kommiſſion, ſowis der Wahlprüfungskommiſſion, wobei er die Anträge auf Ungiltigkeitserklärung der Wahlmännerwahl des Ortes Frieſenheim und daher auch der Abgeordnetenwahl im 22. Wahlbezirk(Landbezirk Lahr und Ettenheim) und Beanſtandung der Wahl im 52. Wahl⸗ bezirk(Eberbach-Buchen) beantragte und die Annahme derſelben durchſetzte. Außerdem beteiligte ſich der Abg. Kiefer an den Ver⸗ handlungen über die meiſten Beratungsgegenſtände und an der Stellung verſchiedener Anträge von Abgeordneten der nationallibe⸗ ralen Partei. Am 18. Dezember wurde die 9 Sitzung auf den 9. Januar 1880 feſtgeſetzt. In der Sitzung des Bürgerausſchuſſes vom 17. Juni wurde die Anſtellung eines dritten Beigeordneten beſchloſſen, nachdem von der Abſicht, ſtatt deſſen die Leitung der Geſchäfte des Armenweſens einem Stadtrat gegen Bewilligung eines Funktions⸗ gehaltes zu übertragen, abgeſtanden worden war. Am 15. Juli wurde mit 68 von 76 abgegebenen Stimmen dieſe Stelle dem Stadtrat Dr. Spemann übertragen. eeeeeee — 509— Am 14. Oktober wurde die Kraichgaubahn)) feierlich⸗ eröffnet, nachdem— wenn auch die württembergiſche Strecke noch nicht ganz fertig geſtellt war— die Bahn bis Eppingen ihre Voll⸗ endung erreicht hatte. Es wurden zwei Feſtzüge vom hieſigen Bahnhofe abgefertigt. Im erſten nahmen der Großherzog mit den Miniſtern, und Generälen, die Spitzen der Staatsbehörden, Mitglieder beider Kammern, Oberbürgermeiſter Lauter, die 3 Beigeordneten, die Stadt⸗ räte, der geſchäftsleitende Vorſtand der Stadtverordneten und ſonſtige Geladene Platz. Unterwegs fand an allen Stationen feſtliche Be— grüßung, in Eppingen ein Feſtmahl ſtatt, bei dem Oberbürgermeiſter Lauter einen Trinkſpruch auf den Großherzog ausbrachte, den der Landesherr mit einem Hoch auf die Städte Karlsruhe, Bretten und Eppingen erwiderte. Ein zweiter Feſtzug ging um 12 Uhr ab, der in 15 Wagen etwa 600 Perſonen aller Stände aufgenommen hatte. Auch dieſe feierten in Eppingen in fröhlicher Stimmung die Vollend— ung des lang angeſtrebten Werkes, welche im Weſentlichen der That⸗ kraft und Ausdauer des Oberbürgermeiſters Lauter zu verdanken. war. Eine dritte Feſtfahrt bewilligte die Generaldirektion der Staats⸗ eiſenbahnen am Sonntag, 19. Oktober von Eppingen nach Karlsruhe⸗ und zurück, an der ebenfalls eine große Zahl von Perſonen aus⸗ allen an der Bahnlinie gelegenen Ortſchaften teilnagm. Im Stadt⸗ garten und in der Feſthalle wurden die Gäſte herzlich begrüßt. Im Jahre 1879 ſchieden von bekannten Perſönlichkeiten Karls⸗ ruhes aus dem Leben Oberbaurat Joſeph Berckmüller(8 6. April), der ſich um die künſtleriſche Ausbildung der Privatbauten in nnſerer Stadt(das Heinz'ſche Haus in der Waldſtraße, das Kuſel'ſche Haus an der Kaiſerſtraße, die Gebäude auf dem Friedrichsplatz) verdient machte und dem das ſchöne monumentale Gebäude der Vereinigten Sammlungen zu verdanken iſt, Archivrat Moritz Gmelin (F 14. Dezember), ein auf dem Felde der Landesgeſchichte bewährter Forſcher, Geh. Rat Heinrich Friedrich Muth(1 25. Juni), eine hervorragende Arbeitskraft auf wirtſchaftlichem Gebiete als ökono⸗ miſcher Referent des Oberkirchenrates, als Landtagsabgeordneter, als Reſpicient des Waſſer⸗ und Straßenbaues im Handelsminiſterium, ) S. oben Seite 365 ff. und in ſeinem Wirken bei verſchiedenen gemeinnützigen Anſtalten; Generalmajor Heinrich Ludwig von Renz(1 28. Juni), ausge⸗ zeichnet in ſeiner militäriſchen Wirkſamkeit als Chef des General— ſtabes, als Leiter des Topographiſchen Bureaus, der Direktion der Militär⸗Bildungsanſtalten und als Inſpekteur der techniſchen Truppen, litterariſch thätig als Herausgeber des Militäralmanachs, zuletzt noch beſonders verdient als Kommandeur des Gendarmeriekorps; General⸗ major Gottlob Georg Wilhelm Schellenberg(J14. April), ein ſehr fähiger Artillerieoffizier, 1869 mit der Ausarbeitung des Mobil⸗ machungsplanes nach preußiſcher Vorſchrift betraut, durch einen Sturz mit dem Pferde vor Ausbruch des Krieges an der erhofften Thätig⸗ keit im Felde gehindert, dennoch als Kommandant der Feſtung Raſtatt ſtärker als es bei ſeinem geſchwächten Geſundheitszuſtande rätlich war, in Anſpruch genommen; der talentvolle Bildhauer Karl Steinhäuſer(1 9. Dezember), der, neben den ſeiner Neigung zu⸗ nächſt entſprechenden Werken religiöſen Charakters, auch bedeutende Profanwerke ſchuf, endlich ein echtes Karlsruher Kind, Domänen—⸗ direktor Ludwig Stüber(F 30. Januar), ein vorzüglicher, pflicht— treuer, humaner Beamter und dabei von herzerfreuender Heiterkeit und Lebensfreudigkeit, die ihn zum Liebling des geſelligen Kreiſes machte, in welchem er nach des Tages Arbeit ſeine Erholung ſuchte. 1880. Der Geburtstag der Großherzogin gab in dieſem Jahre der ö Laudesfürſtin den Anlaß zur Stiftung eines ſichtbaren Zeichens ihrer Anerkennung für langjährige treue Leiſtungen von Frauen und Jung⸗ frauen auf dem Gebiete humanitärer Wirkſamkeit. Dieſes beſteht aus einem ſilbernen Medaillon, geſchmückt mit einem Kreuze, dem ver⸗ ſchlungenen Namenszug der Großherzogin und der Jahreszahl XXV. Das an einem ſchwarzen Bande zu tragende Medaillon wird für 25⸗ und mehrjährige Dienſtleiſtung auf dem Arbeitsfelde der Kinder⸗ pflege, der Jugendbildung, der Krankenpflege oder Armenfürſorge verliehen. Für 40 jährige Dienſtleiſtung wird es in Gold verliehen. Am 3. Dezember 1880 wurde es zum erſtenmal— auch in Karlsruhe— an verdiente Lehrerinnen und Wärterinnen verteilt. Am 18. Oktober wurde durch Kabinetsordre des Kaiſers, in Erfüllung eines vom Großherzog ausgeſprochenen Wunſches, der RRRRERR e eee ee ˖rereeeeeee e Erbgroßherzog, unter gleichzeitiger Stellung à 1a suite des badiſchen Leib⸗Grenadierregimentes, zum Königl. preußiſchen 1. Garde-Regiment zu Fuß und à la suite desſelben verſetzt. Der Erbgroßherzog über— ſiedelte noch im Laufe des Oktober nach Potsdam. Am 7. April fand in der Schloßkirche in feierlicher Weiſe die Konfirmation der Prinzeſſin Alberta zu Leiningen, Tochter des Fürſten Ernſt zu Leiningen, und der Fürſtin Marie, geborenen Prinzeſſin von Baden, ſtatt. Der Hofprediger Helbing vollzog die feierliche Handlung. Auf dem alten Friedhofe fand unter großer Beteiligung der Einwohnerſchaft am Sonntag den 19. Dezember eine erhebende Ge⸗ dächtnisfeier zu Ehren der vor zehn Jahren bei Nuits Gefallenen, unter Anweſenheit des Großherzogs, des Prinzen Karl, der Generali— tät und des Offizierskorps ſtatt. Stadtpfarrer Längin hielt die Gedächtnisrede. Die Liederhalle und die Kapelle des Leib-Grenadier— regiments hatten den muſikaliſchen Teil der Feier übernommen. Namens der Stadt legte Günther am Gedenkkreuze einen Lorbeerkranz nieder. Am 9. Januar wurden die Verhandlungen des Landtags wieder aufgenommen. Die ſtädtiſchen Angelegenheiten wurden in dieſer Tagung durch eine Motion des Abg. von Feder die Durchſicht der Städteordnung betr. berührt, über welche der Abg. Frech namens der Kommiſſion, welcher von den Vertretern der Stadt Karlsruhe Abg. Hofmann angehörte, Bericht erſtattete und in einigen Sitzungen Be⸗ ratungen ſtattfanden, die zu dem Beſchluſſe führten, zu Protokoll zu erklären, die Kammer ſei der Anſicht, daß eine Durchſicht der Städteordnung vorzunehmen und die in der Beratung feſtgeſtellten Punkte zu berückſichtigen ſeien. Desgleichen durch eine die Ergänzung und Abänderung des Geſetzes über die Anlage der Ortsſtraßen und die Feſtſtellung der Baufluchten betreffende Regierungsvorlage, die mit einigen kleinen Abänderungen in der Sitzung vom 11. Februar angenommen wurde. In ſehr entſchiedener Weiſe griff der Karlsruher Abgeordnete Lamey in die Beratungen über den Geſetzentwurf ein, welcher eine Abänderung des Geſetzes vom 19. Februar 1874, den 9 Nachweis der allgemein wiſſenſchaftlichen Vorbildung der Kandidaten des geiſtlichen Standes betr., zum Gegenſtand hatte. Es handelte ſich dabei um die Zurücknahme gewiſſer Beſtimmungen, in denen die katholiſche Kirchenbehörde eine Beeinträchtigung ihrer Rechte erblickte und die ſie daher auf's Schärfſte bekämpft hatte. Die Vorlage wurde einer Kommiſſion überwieſen, welcher die Abg. Kiefer und Lamey angehörten. Im Namen dieſer Kommiſſion verfaßte der Abg. Lamey einen ausführlichen Bericht, der zu dem Ergebnis kam, der Kammer vorzuſchlagen, ſie möge ein Eintreten in die Verhandlung des Geſetzentwurfes, eventuell den Entwurf ohne Eingehen in eine Beratung ablehnen. Als auf dieſes hin und nachdem die Kirchen⸗ behörde ein Entgegenkommen bewieſen hatte, das die Sachlage ver⸗ änderte, ſeitens der Regierung dieſer Geſetzentwurf zurückgezogen und ein anderer vorgelegt worden war, erſtattete abermals der Abg. Lamey den Kommiſſionsbericht, der die Annahme der neuen Vorlage empfahl, welche auch und zwar einſtimmig in der Sitzung vom 25. Februar erfolgte. In den Verhandlungen der Kommiſſion wie des Plenums der Zweiten Kammer war der Präſident des Miniſteriums des Innern, Stoeſſer, der den Antrag eingebracht, und in erſter Reihe zu vertreten hatte, von der nationalliberalen Partei, insbeſondere von dem Abg. Kiefer in der ſchroffſten Weiſe angegriffen worden. Bei der Budgetberatung wiederholten ſich dieſe Angriffe und der Abg. Kiefer ſtellte den Antrag, die Kammer ſolle, im Hinblick auf die bei der Behandlung des vorſtehenden Geſetz—⸗ entwurfs gemachten Erfahrungen, als ihre Erwartung zu Protokoll erklären,„daß etwa ſtattfindende Verhandlungen über die Wieder⸗ beſetzung des erzbiſchöflichen Stuhles vom Staatsminiſterium geführt⸗ werden“. Dieſes Mißtrauensvotum gegen den Miniſterialpräſidenten Stoeſſer wurde in der Beratung des Antrags noch verſchärft und ſchließlich der Antrag Kiefer in der Sitzung vom 10. März mit 28 gegen 19 Stimmen angenommen. Daraufhin reichte Stoeſſer ein Entlaſſungsgeſuch ein, welches jedoch der Großherzog„nach genauer Prüfung der vorliegenden Verhältniſſe“ nicht annahm. Am 18. März wurde der Landtag im Auftrage des Großherzogs durch den Staatsminiſter Turban geſchloſſen. — 513— In den Stadtrat wurde am 1. März an Stelle des ausge⸗ ſchiedenen Mitgliedes Heinrich Lang mit Amtsdauer bis zur nächſten Erneuerungswahl 6392 Fabrikant Gottlieb Widmann gewählt. Von den in dieſem Jahre hier Geſtorbenen erwähnen wir den Oberjägermeiſter Freiherrn Rudolf von Schönau-Wehr(813. März), dem in ſeinen letzten Jahren das Vertrauen ſeines Fürſten auch die wichtige, umfaſſende und vielſeitige Verwaltung der Großherzoglichen Hofdomänen übertragen hatte; Oberbaurat Hochſtstter, Profeſſor der Baukunſt am Polytechnikum(7 25. April), ein eben ſo tüchtiger Lehrer als geſchmackvoller Architekt; der Galeriedirektor Karl Friedrich Leſſing( 5. Juni), den berühmten Künſtler, deſſen auch für Karlsruhe bedeutendes Wirken ſchon an anderer Stelle“) gewürdigt worden iſt, deſſen Gedächtnis zu ehren am 12. Juni im Muſeums⸗ ſaale eine würdige Trauerfeier, bei welcher Profeſſor Hoff erhebende Worte ſprach, ſtattfand; den Gründer und Leiter der großen, weit über die badiſchen Landesgrenzen hinaus bekannten Brauerei Printz, Albert Printz, der erſt im 57. Lebensjahre ſtehend, am 3. Mai zu früh einer erfolgreichen Thätigkeit entriſſen wurde; endlich den Teil— haber der G. Braun'ſchen Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei und Mitverleger der„Karlsruher Zeitung“, Auguſt Knittel, der erſt 42 Jahre alt, nach kurzem Krankenlager am 15. November einer Lungenlähmung erlag, einen in ſeinem großen Geſchäft hervorragend tüchtigen Mann, der ſich als Mitglied des Stadtrats und des Kirchengemeinderates bleibende Verdienſte um die Stadt und die evangeliſche Kirchengemeinde erworben hatte. 1881. Dieſes Jahr war reich an Ereigniſſen, die für das Großherzog— liche Haus von Bedeutung waren und an denen, wie allezeit, die Einwohnerſchaft Karlsruhes in Freuden und den lebhafteſten Anteil nahm. ) S. oben S. 453 f. 33 Am 12. März wurde durch ein Sonderblatt der„Karlsruher Zeitung“ bekannt gegeben, daß ſich der am Tage vorher hier ange— kommene Kronprinz Guſtav Adolf von Schweden und Norwegen mit der Prinzeſſin Viktoria verlobt habe, und mit aufrichtiger Freude begrüßte die ganze Bevölkerung die erfreuliche Nachricht. Am darauffolgenden Tage brachten die Vertreter der Re— ſidenzſtadt, Oberbürgermeiſter Lauter, Bürgermeiſter Günther und Beigeordneter Spemann dem Brautpaar ihre Glückwünſche dar. Im Hoftheater wurde dieſes mit brauſenden Hochrufen empfangen. Abends erſtrahlte das Rathaus in feſtlicher Beleuchtung. Am 16. März nach 9 Uhr abends brachten die vereinigten Geſangvereine, die von dem taghell erleuchteten Marktplatze, begleitet von den Lampions tragenden Schülern der ſtädtiſchen Mittelſchulen, zum Schloſſe gezogen waren, unter Leitung des Hofkapellmeiſters Ruczek, dem Brautpaar ein Ständchen dar. Der Kronprinz wurde durch eine Erkrankung ſeines Vaters, des Königs von Schweden und Norwegen, in die Heimat zurückbe⸗ rufen und reiſte in der darauf folgenden Nacht nach Stockholm ab. Bald wurde bekannt, daß die Vermählung des Kronprinzen mit der Prinzeſſin Victoria am gleichen Tage, an welchem ſich vor 25 Jahren der Großherzog und die Großherzogin vermählt hatten, am 20. September ſtattfinden werde. Indem ſich die Reſidenzſtadt wie das ganze badiſche Land rüſtete, die Silberhochzeit des Großherzoglichen Paares und die Vermählung der jugendlichen Prinzeſſin feſtlich zu begehen, wurde als eine der bedeutſamſten Veranſtaltungen eine Kunſt- und Kunſtge⸗ werbeausſtellung ins Auge gefaßt und alsbald auch mit den Vorbereitungen zu dieſer begonnen, welche von allen Seiten her auf das Eifrigſte und Freudigſte unterſtützt wurden. Am 31. Juli fand die feierliche Eröffnung der Ausſtellung in der Feſthalle und den im Stadtgarten eigens aufgeführten Bauten ſtatt“). In großer Zahl waren Werke der modernen Kunſtinduſtrie eingeſandt worden, hervorragende Leiſtungen auf dem Gebiete der Kunſt⸗ ſchreinerei, Goldſchmiedekunſt, Kunſtſchloſſerei, Galvanoplaſtik, Elfen⸗ beinſchnitzerei, Buchbinde- und Prägekunſt, Tapetenfabrikation, der ) Ausführliche Beſchreibung in den„Karlsruher Nachrichten“ 1881 Nr. 92, 93; vgl. auch dort Nr. 97, 101—107, 111, 119, 124. r˖r˖r9˖D˖r˖wreeeeerewleeeee eeeeeee — 515— Textilindudſtrie und der verwandten Zweigen der Frauenarbeit, in den graphiſchen Künſten, in der künſtleriſchen Bearbeitung der Thon-⸗, Stein- und Cementgegenſtände, ſowie in den Handzeichnungen der Kunſtgewerbeſchulen und einzelner Architekten. Es wurde bei der Beſichtigung alsbald rühmend hervorgehoben, daß dieſe Abteilung der Ausſtellung dem hieſigen kunſtgewerblichen Schaffen ein ſehr rühmliches Zeugnis ausſtelle, da auf faſt allen Gebieten Karlsruher Firmen mit preiswürdigen Erzeugniſſen vertreten waren. Einen ganz beſonderen Reiz aber übte auf die Beſucher die zweite Abteil⸗ ung aus, welche den kunſtgewerblichen Erzeugniſſen der Vergangenheit gewidmet war. Höchſt geſchmackvoll war die Aufſtellung aller der aus öffentlichen Sammlungen und aus Privatbeſitz eingeſandten wert— vollen Kunſtwerke, die in der kunſt- und ſachverſtändigen Anordnung, in der ſie dem Beſchauer vor Augen traten, ein großartiges Bild darſtellten, in dem ein Stück vaterländiſcher Kultur- und Kunſt⸗ geſchichte den überraſchten Blicken ſich darbot. Aber auch das einen⸗ andern Urſprung verratende orientaliſche Kabinett übte eine große Anziehungskraft aus. In einem Anbau der Feſthalle war die dritte Abteilung für Werke der Malerei und Plaſtik untergebracht, in welcher vorzugsweiſe die Karlsruher Künſtlerſchaft würdig vertreten war. Die ſcherzweiſe als Abteilung IV bezeichnete Reſtauration mit der„Altdeutſchen“ Weinſtube wurde nicht minder eifrig als ihre vornehmeren Schweſtern beſucht und nach Gebühr gewürdigt. Um die Aufſtellung der ausgeſtellten modernen und alten Kunſtwerke und kunſtgewerblichen Erzeugniſſe hatten ſich neben den Ausſtellern ſelbſt ganz beſonders hervorragend verdient gemacht der Direktor der Kunſtgewerbeſchule Guſtav Kachel, die Profeſſoren Götz und Hammer und Dr. Marc Roſenberg. Kurze Zeit vor den für den Monat September bevorſtehenden Feſttagen war am 25. Auguſt auf Schloß Mainau die Feier der Konfirmation des Prinzen Ludwig begangen worden. Unter den zu der Feier Geladenen befand ſich als Vertreter der Reſidenzſtadt Oberbürgermeiſter Lauter. Herrliches Herbſtwetter nach regneriſchen Wochen ſtellte ſich am 18. September, dem Beginn der Feſtwoche, eink). Die Stadt war ) Eingehende Berichte über die Feſtlichkeiten ſ.„Karlsruher Nachrichten“ 1881 Nr. 112—117, 122, 125, 126. 33.* —3516 feſtlich geſchmückt, Fahnen und Kränze zierten die Häuſer und Straßen, in einzelnen Straßen hatten ſich die Bewohner zu gemeinſamer Aus⸗ ſchmückung vereinigt; ein majeſtätiſcher Triumphbogen erhob ſich am Eingang des Marktplatzes, das Rathaus war prachtvoll, faſt über⸗ reich geziert, der Schmuck des Marktplatzes ſtrahlte abends im Feuer einer glänzenden Beleuchtung, deren Einrichtung dem techniſchen Leiter der Gas- und Waſſerwerke, Ingenieur Reichard zu verdanken war. In den Schaufenſtern prangten geſchickt ausgeführte Zuſammen⸗ ſtellungen aller Art. Kurz, es war ein ſchönes, farbenreiches Bild, das ſich beim Durchwandern der Straßen und Plätze darbot. Eine vom Stadtrat beabſichtigte allgemeine Beleuchtung hatte der Groß— herzog dankend abgelehnt. Nachdem ſchon am 17. September Großherzog und Großherzogin eine große Zahl von Abordnungen aus dem ganzen Lande empfangen hatten, begann am 18. die Ankunft der fürſtlichen Gäſte, die mit allen ihnen zukommenden Ehren empfangen und von den die Straßen vom Bahnhof zum Schloß füllenden Einwohnern der Reſidenzſtadt und den in großer Zahl aus allen Teilen des Landes zuſammen⸗ geſtrömten Bürgern und Landleuten mit Hochrufen begrüßt wurden. Die erſten eintreffenden Fürſtlichkeiten waren der Deutſche Kaiſer, der Deutſche Kronprinz und deſſen älteſter Sohn, Prinz Wilhelm, in ſpäterer Stunde die Deutſche Kaiſerin, Großfürſt und Großfürſtin Michael von Rußland und ihr Sohn, Großfürſt Nikolaus. Um die Mittagsſtunde wurden im Schloſſe die zu den Feſten beſonders be⸗ glaubigten Geſandten empfangen. Abends brachten die vereinigten Männergeſangvereine vor dem Schloſſe ihre Huldigung durch ein Ständchen dar. Im Hoftheater, das alle Fürſtlichkeiten beſuchten, wurde das von Guſtav zu Putlitz gedichtete, von Hofkapellmeiſter Felix Mottl in Muſik geſetzte Feſtſpiel„Eberſtein“ aufgeführt. Am 19. September hielten der König und die Königin von Schweden und Norwegen, der Kronprinz und die Prinzen Karl, Oskar und Eugen ihren Einzug vom Bahnhof in das Reſidenzſchloß, im weiteren Verlaufe des Tages kamen an: Prinz Hermann von Sachſen⸗ Weimar, die Fürſtin zu Leiningen mit ihrer Tochter, Prinzeſſin Alberta, der Kronprinz von Dänemark, Prinz Heinrich von Preußen, der Fürſt und die Fürſtin zu Waldeck und Pyrmont mit ihrer Tochter, der Prinzeſſin Helene, der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin — 517— von Mecklenburg-Schwerin, die Kronprinzeſſin des Deutſchen Reiches und von Preußen, der Großherzog von Heſſen mit den Prinzeſſinnen Victoria und Eliſabeth, der Erbprinz und die Erbprinzeſſin von Sachſen⸗Meiningen. Am 20. September morgens verkündete Kanonendonner der Geſchütze der freiwilligen Feuerwehr und feierliches Glockengeläute den bei herrlichem Sonnenſchein anbrechenden Doppel-Feſttag. Während im Schloſſe in größter Stille ein Hausgottesdienſt von Prälat Doll abgehalten wurde, fanden in allen Kirchen der Stadt feierliche Gottes⸗ dienſte ſtatt, zur Abhaltung des Gottesdienſtes in der katholiſchen Stadtkirche war der Erzbistumverweſer Dr. Orbin von Freiburg hierher gekommen. Eine gewaltige Menſchenmenge bewegte ſich durch die Straßen, aus allen Teilen des Landes hatten die Eiſen⸗ bahnen Gäſte in großer Zahl herbeigeführt. Nachmittags 2 Uhr ſpielte die Böttge'ſche Kapelle auf dem Marktplatz, und auch auf dem Platze vor der Feſthalle entfaltete ſich ein frohbewegtes Treiben. An die Civiltrauung der Prinzeſſin Victoria mit dem Kron⸗ prinzen von Schweden und Norwegen, welche nach einer Anſprache des Staatsminiſters Turban der zuſtändige Standesbeamte, Bürger⸗ meiſter Günther, vornahm, ſchloß ſich in der prächtig geſchmückten Schloßkirche die durch den Prälaten Doll vollzogene kirchliche Trauung des Brautpaares und die Einſegnung des Großherzogspaares an in Anweſenheit aller fürſtlichen Gäſte und einer großen Zahl Ein⸗ geladener aus den Kreiſen der Hofgeſellſchaft, der Armee, der Beamten und der Vertreter der Bürgerſchaft, des Oberbürgermeiſters und der Bürgermeiſter der Reſidenzſtadt. Der kirchlichen Feier folgte die Defiliercour im Marmorſaale und eine große Hoftafel. Am 21. fand vormittags der feierliche Kirchgang der fürſtlichen Neuvermählten, nachmittags der Empfang vieler Abordnungen und abends nach der Galatafel Feſtvorſtellung im Hoftheater ſtatt, wo nach einem von Guſtav zu Putlitz gedichteten Prolog die Oper „Dornröschen“ von Ferdinand Langer zur Aufführung gelangte. In der Stadt ſetzte ſich das feſtliche Treiben der vorhergehenden Tage fort, Muſik ſpielte auf dem Markt⸗ und auf dem Feſtplatz, nach⸗ mittags führten die hieſigen Feuerwehren eine wohlgelungene Übung an der Infanteriekaſerne auf dem Ludwigsplatz aus. Und während dieſe unter Trommel- und Trompetenſchall über den Marktplatz marſchierten, zogen in bunten Reihen die Landbewohner in ihren maleriſchen Trachten, die zu dem Feſte hierher gekommen waren, mit Muſik vom Bahnhofe in die Stadt, wurden nach kurzem Umzug in die für ſie bereiteten Maſſenquartiere geleitet und verteilten ſich dann unter kundiger Führung in die verſchiedenen größeren Wirtſchaften zum Abendeſſen, an das ſich ein friſcher Trunk und da und dort ein fröhliches Tänzchen anſchloß. Einige Vormittagsſtunden des 22. waren dem offieiellen Be— ſuche der Kunſt⸗ und Kunſtgewerbeausſtellung durch die fürſtlichen Herrſchaften gewidmet, unter denen ſich auch der Deutſche Kaiſer, der König von Schweden und der Deutſche Kronprinz befanden. Zum Empfang in der Feſthalle batte ſich an der Spitze des Feſtausſchuſſes der Erbgroßherzog als Protektor der Ausſtellung eingefunden. Nach einer Begrüßungsrede des zweiten Vorſitzenden, Profeſſor Götz, die⸗ in ein huldigendes Lebehoch auf das großherzogliche Jubelpaar aus⸗ klang, ſprach der Großherzog Worte des Dankes für ihren Beſuch der Ausſtellung zu dem Kaiſer und dem König, denen er ſein Hoch widmete. Hieran ſchloß ſich der Vortrag der Nationalhymne ſowie eines von Dr. Cathiau gedichteten, von Iſenmann in Muſik geſetzten und von Gageur geleiteten Feſtchores durch die Geſangvereine„Liederhalle“ Rund„Liederkranz“ und ſodann die Vorſtellung des Feſtausſchuſſes und der Beſuch der Ausſtellung. Am Nachmittag aber bewegte ſich durch die Straßen der Stadt ein Feſtzug!), desgleichen Karlsruhe noch nicht geſehen hatte, eine Fülle ſchöner, ſinniger, maleriſch ge⸗ ſtalteter Gruppen, zu wahren Kunſtwerken geſchaffen durch das Zu⸗ ſammenwirken von Stadt und Land, von Kunſt und Natur, das Ganze getragen und durchdrungen von einer lebensfrohen Feſtfreude und von dem Beſtreben Aller, jeder an ſeinem Teile, ſein Beſtes zu geben zum Ausdrucke der Liebe und Verehrung für die beiden hohen⸗ Ehepaare, deren ſilberne und grüne Hochzeit zu feiern es galt. Der männlichen Schuljugend, von den Kleinſten der unterſten Volksſchul⸗ klaſſe bis zu den Größten, ſchon an der Schwelle der Univerſität ſtehenden. der Mittelſchulen ſchloſſen ſich die Gemeindebehörden an; dann ſchritten Kriegervereine, Feuerwehr und Schützen, Geſangvereine, Turnvereine, ) Beſchreibung des Feſtzugs ſ.„Karlsruher Nachrichten“ 1881 Nr. 114. S. 717 f. Nr. 115 S. 128 f., Nr. 116 S. 734. Buldigungswagen der Stadt Karlsruhe im Jeſtzug am 22. Sepkember 1881. Ruderclub und Geſellenvereine einher. Nun kamen die Vertreter der Landwirtſchaft mit ihren reich geſchmückten Wagen, welche die Gaben von Feld und Wieſe und Weinberg geſchmackvoll aufgebaut trugen, geleitet von ſtrammen Burſchen und hübſchen Mädchen. Weiterhin zeigten ſich die ſtädtiſchen Gewerbe, Fabrikation und Handel mit den Wahrzeichen ihrer mannigfachen Arbeit, reich ausgeſtattete, viel⸗ geſtaltige Gruppen. Ganz beſonders zogen die Aufmerkſamkeit und die Bewunderung auf ſich die zahlreichen Vertreter der Landbe— völkerung in ihren altherkömmlichen Trachten, ein Bild ſo bunt und lebensfriſch und ſo charakteriſtiſch, daß man ſich daran gar nicht ſatt ſehen konnte. Am lebhafteſten erklangen die Beifallrufe, als der drei⸗ fache Hochzeitszug herankam, das junge Ehepaar mit ſeiner einfachen, aber ſtilgemäßen Ausſteuer, das ſilberne Jubelpaar und die glück— ſtrahlenden Alten, die ihre goldene Hochzeit feierten. Den Schluß des Feſtzuges bildete die Huldigung der Haupt- und Reſidenzſtadt Karlsruhe, ein in großem Stil mit Geſchmack und Pracht aufgebauter Feſtwagen, der die Stadt Karlsruhe als Reſidenz des Landesfürſten allegoriſch darſtellte. Mit erſichtlich großer Freude und Genugthuung begrüßten den Feſtzug bei ſeinem Vorbeimarſch am Schloſſe das Großherzogliche Jubelpaar, die Neuvermählten und die vielen fürſt⸗ lichen Gäſte, die auf dem Balkon über dem großen Mittelportal Platz genommen hatten. Am Abend vexeinigte ein glänzender Hofball eine große Zahl Geladener in den weiten Räumen des Schloſſes. Wir vermögen hier nicht alle die feſtlichen Veranſtaltungen ein⸗ gehender aufzuführen, welche in dieſen Tagen ſtattfanden. Wir er⸗ wähnen nur ein Ballfeſt der Muſeumsgeſellſchaft, eine Feſtaufführung⸗ in der Geſellſchaft Eintracht, das Feſtſchießen der Schützengeſellſchaft, das Bankett des Militärvereinsverbandes, die Landwirtſchafts- und Gartenbauausſtellung, das große Volksfeſt auf dem Platze vor der Feſthalle. Inzwiſchen waren die meiſten der fürſtlichen Gäſte abgereist. Die letzten, welche am Nachmittag des 25. September die Stadt Karlsruhe verließen, waren der Kronprinz von Schweden und Norwegen mit ſeiner jungen Gemahlin. Es waren ergreifende Augenblicke, als die fürſtlichen Eltern und Geſchwiſter mit den Scheidenden den Bahnſteig betraten. Vom Feſtplatz waren Tauſende herbeigeeilt — 520— und hatten in den Straßen der Stadt bis zum Bahnhof Reihen gebildet und der ſo beliebten Kronprinzeſſin den Abſchiedsgruß dar⸗ gebracht. Im Bahnhof harrte ihrer eine große Zahl dem Hofe näher ſtehender Perſonen, um auch ihrerſeits Lebewohl zu ſagen. Mit tiefer Rührung ſahen die Verſammelten den Zug ſich in Bewegung ſetzen, den auch die fürſtlichen Eltern und Geſchwiſter beſtiegen hatten, um der in die Ferne ziehenden Tochter bis Durlach das Geleite zu geben. Der König von Schweden und Norwegen hatte vor ſeiner Abreiſe nach Stockholm am 23. September den Oberbürgermeiſter Lauter gebeten,„bei der ganzen Bevölkerung der Vermittler ſeines Dankes für all die herzliche Geſinnung zu ſein, die ihm und ſeinen Kindern in dieſen ſchönen Feſttagen entgegengebracht wurde“ und ein an den Staatsminiſter Turban gerichtetes und von dieſem ver— öffentlichtes Handſchreiben des Großherzogs vom 27. September ſprach in herzlichen Worten ſeinen und der Großherzogin Dank für die vielen Zeichen der Liebe und Teilnahme aus, die ihnen und den Ihrigen in dieſen Tagen bethätigt worden waren, beſonders auch für das wohlthuende Mitgefühl beim Abſchied ihrer Tochter aus dem Vaterhauſe und dem Heimatlande. Ein Beweis dieſer dankbaren Geſinnung durfte auch darin erblickt werden, daß die dem Großherzog und der Großherzogin wie der Kronprinzeſſin überreichten Ehrengaben und Geſchenke in der Kunſt- und Kunſtgewerbe-Ausſtellung zur Beſichtigung aufgeſtellt wurden. Mit großer Befriedigung durfte die Gemeindeverwaltung auf die Feſttage zurückblicken, die auch für die gaſtliche Haupt- und Reſidenzſtadt Ehrentage waren und ihren Behörden und Einwohnern gewiß die Achtung und Anerkennung der vielen Tauſende gewannen, die aus allen Teilen des Landes in Karlsruhe zuſammengeſtrömt waren. Am Sonntag den 16. Oktober nahm der Erbgroßherzog als Protektor der Kunſt- und Kunſtgewerbe-Ausſtellung deren Schluß vor und ſprach warme Worte der Anerkennung für das Geleiſtete. Schon vorher waren durch den Staatsminiſter Turban dem erſten Vorſitzenden derſelben, Direktor der Kunſtgewerbeſchule, Guſtav Kachel unter Ausſpruch des Dankes für ſeine ausgezeichnete Thätigkeit, die den Profeſſoren Hermann Götz, Karl Hammer, Franz Sales Meyer, und dem Vorſtand des Gewerbevereins, Hofmechanikus Sickler vom Großherzog verliehenen Orden, mit dem Auftrag ſie ihnen zu über⸗ reichen, zugeſtellt worden. Leider ſollten dieſer Zeit freudiger Feſte binnen wenigen Wochen Tage banger Sorge folgen. In der erſten Novemberwoche erkrankte der Großherzog im Schloſſe in Baden und bald nahm ſein Zuſtand einen ſehr ernſten Charakter an. Auf Wunſch der Arzte, die eine völlige Enthaltung von allen Geſchäften für erforderlich erklärten, übertrug am 10. November der Großherzog für die Dauer ſeiner Behinderung ſeine Vertretung in den Regierungsgeſchäften dem Erb⸗ großherzog, der am Tage vorher aus Potsdam in Baden eingetroffen war. Auch der Kronprinz und die Kronprinzeſſin von Schweden eilten an das Krankenlager des geliebten Vaters. Ebenſo war der Deutſche Kronprinz in Baden angelangt, wo die wie alljährlich zur Kur anweſende Kaiſerin Auguſta die ſchweren Sorgen ihrer Tochter teilte. In der Nacht vom 11. auf den 12. November ſchienen die ſchlimmſten Befürchtungen gerechtfertigt. Die Einwohnerſchaft der Reſidenzſtadt war von der wärmſten Teilnahme erfüllt. Die Krankheits⸗ berichte wurden mit ängſtlicher Spannung erwartet. Glücklicherweiſe geſtatteten die Kundmachungen der Arzte nach einigen Tagen die Hoffnung auf völlige Wiedergeneſung, und am 27. November konnte bekannt gegeben werden, daß das anhaltend günſtige Befinden des Großherzogs ein ferneres ungeſtörtes Fortſchreiten der Rekonvalescenz mit größter Wahrſcheinlichkeit erwarten laſſe, ſo daß tägliche Berichte nicht mehr ausgegeben wurden. In der zweiten Dezemberwoche durfte der Großherzog ſich ſchon Bewegung im Zimmer geſtatten, doch war noch für längere Zeit große Schonung geboten. Mit Rückſicht auf die rauhe Jahreszeit, welche den für eine raſchere Geneſung erwünſchten Genuß der freien Luft nicht zuließ, wurde ein vorübergehender Aufenthalt im Süden in Erwägung gezogen. In der Organiſation der oberſten Staatsbehörden war durch landesherrliche Verordnung vom 20. April eine tief ein⸗ greifende Veränderung eingetreten. Das Handelsminiſterium wurde aufgehoben und ſeine Zuſtändigkeit in den Angelegenheiten des Eiſenbahn-Baues und Betriebes, des Poſt⸗ und Telegraphenweſens auf das Miniſterium der Finanzen, in den übrigen Verwaltungs⸗ — 522— zweigen auf das Miniſterium des Innern übertragen. Das Mini⸗ ſterium des Großherzoglichen Hauſes wurde von dem Miniſterium der Juſtiz getrennt und mit dem Präſidium des Staatsminiſteriums verbunden. Dem Miniſterium der Juſtiz wurde aus dem ſeitherigen Geſchäftskreiſe des Miniſteriums des Innern das Kultus- und Unterrichtsweſen einſchließlich der Einrichtungen für Wiſſenſchaften und Künſte zugeteilt. Es erhielt die Bezeichnung: Miniſterium der Juſtiz, des Kultus und Unterrichts. Anläßlich dieſer Anderungen wurde der Rücktritt des Präſidenten des Miniſteriums des Innern L. Stoeſſer und des Miniſteriums des Großh. Hauſes und der Juſtiz, Dr. Grimm auf deren Anſuchen genehmigt, dem Staatsminiſter Turban gleichzeitig das Präſidium des Miniſteriums des Innern übertragen, dem Geh. Rat Ellſtätter das Präſidium des Miniſteriums der Finanzen belaſſen und der Oberſchulrats⸗Direktor W. Nokk zum Präſidenten des Miniſteriums der Juſtiz, des Kultus und Unterrichts ernannt. Der in den Ruheſtand getretene Miniſterialpräſident L. Stoeſſer wurde mit Leitung des Evangeliſchen Oberkirchenrats betraut. Bei der am 6. Oktober im großen Rathausſaale unter Leitung des Landeskommiſſärs Eiſenlohr vorgenommenen Wahl der drei Abgeordneten der Stadt Karlsruhe wurden Geh. Rat Lamey einſtimmig, Landgerichtsdirektor Kiefer mit 199 von 224 und Stadtrat Hoffmann mit 219 von 222 Stimmen wiedergewählt. Außer ihnen gehörten von Einwohnern Karlsruhe's der Zweiten Kammer des Landtags an: Oberlandesgerichtsrat Baer, Landge— richtsrat Fieſer, Miniſterialrat und Oberſtaatsanwalt Freiherr von Neubronn und Oberlandesgerichtsrat Schmitt. Der Landtag wurde am 15. November von Staatsminiſter Turban, als Großherzoglichen Kommiſſär, eröffnet. Abg. Lamey wurde wieder zum Präſidenten gewählt. Abg. Hoffmann gehörte der Budgetkommiſſion und der Kommiſſion für Eiſenbahnen und Straßen, Abg. Kiefer jener für Geſchäftsordnung, Archivariat und Bibliothek an. Am 22. November beurlaubte der Präſident die Kammer bis zu ihrer Wiedereinberufung durch die Regierung im Januar 1882. — 523— Die Wahl eines Abgeordneten zum Deutſchen Reichstag fand am 27. Oktober ſtatt. In der Stadt Karlsruhe ſtimmten von 8 376 Wahlberechtigten 5 445 ab; die Zahl derjenigen, die nicht zur Wahl kamen, hatte ſich ſeit 1878 bedeutend vermehrt, damals hatten von 7910 Wahlberechtigten 6241 ihr Wahlrecht ausgeübt. Der liberale Bewerber Herr Karl Auguſt Schneider ſiegte mit 2779 Stimmen, während auf den konſervativen Freiherrn von Marſchall 913 Stimmen fielen. Zum erſten Mal ſtellten die Demokraten in der Perſon des Herrn von Ehrenberg einen eigenen Bewerber auf, welcher 869 Stimmen erhielt. Für den Bewerber der Sozialdemo⸗ kraten, Herrn Dreesbach wurden 872 Stimmen abgegeben. Da im ganzen 10. Wahlkreis bei Abgabe von 14 140 Stimmen Schneider 5 999, Freiherr von Marſchall 5050, von Ehrenberg 1701 und Dreesbach 1383 Stimmen erhielten, während 7 Stimmen zerſplittert waren, und ſonach das unbedingte Mehr 7074 war, mußte zwiſchen Schneider und von Marſchall eine engere Wahl vorgenommen werden. Bei dieſer, die am 4. November ſtattfand, wurden 16 831 gültige Stimmen abgegeben, von denen 9613 auf Bankier K. A. Schneider, 7218 auf Landgerichtsrat Freiherrn von Marſchall fielen. Erſterer war ſomit gewählt. Zur Erreichung dieſes Ergebniſſes trug die Stadt Karlsruhe beſonders bei, da hier von 5791 abgegebenen Stimmen Schneider 4593 erhielt. Im Monat Februar hatten auf Grund des§. 42 der Wahl⸗ ordnung vom 16. November 1874 53 Stadtverordnete aus ihrem Amte auszutreten. Bei den Erneuerungswahlen, denen ein hef— tiger Wahlkampf vorausging und zwei Wahlliſten zu Grunde lagen, machten in der dritten Wählerklaſſe 33,7, in der zweiten 40,8, in der erſten 49 vom Hundert der Wahlberechtigten von ihrem Wahl-⸗ rechte Gebrauch. Von den neu Gewählten gehörten erheblich mehr als bisher dem Stande der Gewerbtreibenden an. Bei der am 9. März ſtattgefundenen Erneuerungswahl von 10 Stadträten wurden durch 92 anweſende Stadtverordnete die Herrn Barthold, Boeckh, Deſepte, Engelhard, Glaſer, Kautt, Vierordt und Widmann wieder⸗, an Stelle der Herren Gartner und Meeß ſen. Kaufmann A. Nerlinger und Zimmermeiſter Meeß jun. neu gewählt. Die Erſatzwahl für den eine Wiederwahl ablehnenden Herrn Seubert und den mit Tod— — 524— abgegangenen Herrn A. Knittel, die am 11. März vorgenommen wurde und an der 88 Stadtverordnete teilnahmen, fiel auf Kaufmann Ferdinand Mayer und Hofbäcker Karl Schwindt. Auch für den geſchäftsleitenden Ausſchuß der Stadt-⸗ verordneten war am 11. März eine Erneuerungswahl vorzu— nehmen, bei welcher die ausgeſchiedenen Mitglieder Schneider, Malſch, Himmelheber, Schwindt, Herrmann und Krämer wieder- und an Stelle Schwarzmanns Miniſterialrat Glockner neu gewählt wurden. Da Himmelheber und Malſch die auf ſie gefallene Wahl ablehnten, fand am 1. April ein weiterer Wahlgang ſtatt, aus welchem General⸗ kaſſier Heidenreich und Rentner Schüſſele hervorgingen. Am 19. April wurde die Wahl des Obmanns des Stadtverordnetenvorſtandes und ſeines Stellvertreters vorgenommen. Zum Obmann wurde Schneider, zu deſſen Stellvertreter Krämer gewählt. Dem früheren langjährigen Oberbürgermeiſter Malſch, der es ablehnte, noch einmal eine Wahl in das Kollegium der Stadtver— ordneten anzunehmen, wurde von Stadtrat und Stadtverordneten eine künſtleriſch ausgeſtattete Adreſſe überreicht, in welcher ſeiner ausgezeichneten Thätigkeit in warmen Worten der Dank der Gemeinde ausgeſprochen war. In ſeinem Danke ſprach Malſch den Wunſch aus,„daß durch ſtete Eintracht der Bürgerſchaft es immer mehr gelingen möge, den feſten Fortbau unſeres Gemeindeweſens zu fördern und zu erhalten.“ Vier in den Kreiſen der Einwohnerſchaft hochangeſehene Männer ſtarben im Jahre 1881: am 30. September der hochverdiente Prä— ſident des Oberlandesgerichts, Hermann Obkircher, von 1868—1871 Präſident des Juſtizminiſteriums, während einer Reihe von Tagungen Mitglied der Zweiten Kammer, ſeit 1869 Mitglied und ſeit 1873 Präſident der Erſten Kammer; am 22. Februar Bankier Eduard Koelle, der aus beſcheidenen Anfängen durch Tüchtigkeit und Solidität ſich zu einer bedeutenden geſchäftlichen Stellung emporgearbeitet hatte, ein auch im politiſchen Leben durch Zuverläſſigkeit und weiſes Maßhalten bewährter Patriot, 1848/49 Adjutant der Bürgerwehr, durch das Vertrauen ſeiner Mitbürger in den Gemeinderat, in die Handels⸗ kammer, die ihn zu ihrem Präſidenten wählte, in die Zweite Kammer des Landtags gewählt, vom Großherzog in die Erſte Kammer berufen, — 525— als Mitglied der Kirchengemeindeverſammlung, als Handelsrichter, als Verwaltungsrat der Badiſchen Bank, des Deutſchen Phönix und der Allgemeinen Verſorgungsanſtalt um die Allgemeinheit verdient, durch die namhafte Stiftung von 40000 M. zur Gewährung von Stipendien auch nach ſeinem Tode noch ein Wohlthäter der Vaterſtadt; am 3. März der Buchdruckereibeſitzer Wilhelm Gutſch, ein ſehr tüchtiger Geſchäftsmann, Miteigentümer der„Karlsruher Nachrichten“, Stadtverordneter, langjähriges Mitglied der Kommiſſion des Tiergartens, zu deſſen Begründern er gehörte, ſowie ſpäter der Stadtgartenkommiſſion; am 22. Januar der Direktor der ſtädtiſchen. Gas⸗ und Waſſerwerke, Ingenieur Konrad Lang, in welchem die— Stadt einen kenntnisreichen, pflichttreuen und gewiſſenhaften Beamten⸗ verlor, der als erfahrener Techniker namentlich das Gaswerk auf ſeinen muſterhaften Stand erhoben, wie er neben dem Gas- und Waſſerwerke früher auch das ſtädtiſche Waſſer- und Straßenbau⸗ amt mit kundiger Hand geleitet hatte. 1882. Die auf den 9. Januar anberaumte Abreiſe des Großherzogs⸗ nach Cannes mußte verſchoben werden, da in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar ganz unerwartet eine akute Entzündung der Regen⸗ bogenhaut des rechten Auges aufgetreten war. Der Verlauf der Krankheit war ein günſtiger, aber dennoch ſehr langwieriger, auch wurde im Zuſammenhang mit derſelben das Allgemeinbefinden des Großherzogs, beſonders durch Schlafloſigkeit, in ſtörender Weiſe beeinflußt. Doch kamen ſchon im Laufe des Monats Mai beruhigende⸗ Nachrichten über das Befinden des Landesherrn nach Karlsruhe. Um die Mitte des Monats Mai konnte ein Erholungsaufenthalt in Badenweiler in's Auge gefaßt werden und am 12. Mai fuhr der Großherzog vor Antritt der Reiſe nach Badenweiler auf einen Tag in ſeine Haupt⸗ und Reſidenzſtadt, nach achtmonatlicher Abweſenheit von der erfreuten Einwohnerſchaft auf das Herzlichſte begrüßt. Während des Aufenthalts in Badenweiler und ſpäter im Schloſſe Mainau lauteten die Mitteilungen über den Geſundheitszuſtand des Groß⸗ herzogs dauernd ſehr günſtig und am 16. Oktober konnte er, im Vollbeſitz ſeiner Kräfte, die Regierungsgeſchäfte wieder übernehmen. Dieſes geſchah unter dem Ausdrucke des lebhafteſten Dankes, den er⸗ in Schreiben an den Erbgroßherzog und den Staatsminiſter Turban, ſeinem Sohn, ſeinen Räten und dem ganzen badiſchen Volke aus— ſprach, welchem die Geſinnung des Landesfürſten durch Veröffent⸗ lichung dieſer Schreiben zur Kenntnis gebracht wurde. Am Abende des 17. Oktober hielt der Großherzog unter Glocken— geläute und Kanonendonner, von ſeinen beiden Söhnen, dem Erbgroß— herzog und dem Prinzen Ludwig Wilhelm begleitet, ſeinen Einzug in die Stadt Karlsruhe. Vom Bahnhof bis zum Schloſſe bildeten die Vereine und Schulen Reihen, und durch die hell erleuchteten Straßen fuhr der Großherzog in das Schloß, von den vielen Tauſenden, die auf den Straßen Aufſtellung genommen hatten, mit ſtürmiſchen Hochrufen begrüßt. Die bewegte Stimmung der Be— völkerung fand ihren Ausdruck in dem Choral„Nun danket alle Gott“, den die Angehörigen der Vereine und Körperſchaften an— ſtimmten, die unter Vortritt der Feuerwehr mit ihrer Muſik hinter den Hofwagen her vor das Schloß gezogen waren, und noch einmal wiederholte ſich die feierliche Bezeugung des tief empfundenen Dankes gegen den Allmächtigen, als Oberbürgermeiſter Lauter, mit einer Ab⸗ ordnung des Stadtrats und der Stadtverordneten zum Großherzog in das Schloß berufen, nachdem der Großherzog für den ihm be— reiteten ſo warmen Empfang gedankt hatte, den freudigen Gefühlen der ganzen Einwohnerſchaft beredee Worte lieh. Da brauſte, wie zur Bekräftigung ſeiner Rede, der Chor„Großer Gott wir loben Dich“, in mächtigen Klängen durch den Schloßplatz hin. Der Großherzog aber ergriff nun ſelbſt das Wort und ſprach mit kräftiger Stimme, weithin verſtändlich zu dem verſammelten Volke Worte herzlichen Dankes. Die Studierenden des Polytechnikums, die ſich auch an dem feſtlichen Empfang des Großherzogs beteiligt hatten, ließen es ſich nicht nehmen, ihm noch beſonders nach ſtudentiſcher Sitte ihre Huldigung darzubringen durch einen Fackelzug, der ſich am 21. Oktober abends zum Schloſſe bewegte und durch einen Kommers in der Feſthalle. Hier erſchien auch der Erbgroßherzog unter den Studierenden und kommandierte auf das Blühen und Ge⸗ deihen der Polytechniſchen Schule einen Salamander. Die Großherzogin war nicht mit ihrem Gemahl in die Re⸗ ſidenzſtadt eingezogen. Schon vor mehreren Wochen war ſie nach Stockholm gereiſt, um ihrer Tochter, der Kronprinzeſſin Viktoria, 2 die ihrer Entbindung entgegenſah, in der ſchweren Stunde nahe zu ſein. Am 11. November wurde in Stockholm ein geſunder Prinz geboren und der Stadtrat ſäumte nicht, der Großherzogin telegraphiſch die herzlichſten Glückwünſche darzubringen, für welche ſie zugleich im Namen des„jungen Elternpaares“ dankte. Im Monat März war das Großherzogliche Haus von einem ſchmerzlichen Verluſte betroffen worden. Am 6. März entſchlief nach längerer Krankheit im hohen Alter von 85 Jahren Markgraf Maximilian, der ehrwürdige Vertreter eines entſchwundenen Ge⸗ ſchlechtes, das letzte der Kinder des Großherzogs Karl Friedrich. In der Einwohnerſchaft Karlsruhes ſehr beliebt ob der ſchlichten Einfachheit ſeines Auftretens, ein Wohlthäter der Armen, der ſtets im Ver⸗ borgenen ſein reiches Wohlthun ſpendete, ſchied der greiſe Herr, in weiten Kreiſen der Reſidenzſtadt aufrichtig betrauert. Am 13. März erfolgte die feierliche Beiſetzung in der Gruft der Stadtkirche. Der Stadtrat ließ durch Vermittlung des Geheimen Kabinets dem Groß— herzog im Namen der Stadtgemeinde ſein tiefgefühltes Beileid an dieſem Trauerfall ausſprechen, worauf das Kabinet beauftragt wurde, der Haupt- und Reſidenzſtadt den Dank des Großherzogs zur Kenntnis zu bringen. Am 25. Januar trat der Landtag wieder zu ſeinen Sitzungen zuſammen. In deren Verlauf wurden die Abg. Lamey in die Kom⸗ miſſion für das Etatgeſetz, Kiefer in jene für das Kirchendotations⸗ geſetz, Hoffmann in jene für das Geſetz über die teilweiſe Abänderung der Städteordung gewählt. Lamey und Kiefer wurden von ihren Kommiſſionen zu Berichterſtattern beſtellt. Kiefer befand ſich unter den Abgeordneten, welche beantragten, die Kammer wolle der Regierung die Erwartung ausſprechen, daß ſie ihren Vertreter beim Bundesrat dahin inſtruiere, gegen die geplante Einführung des Tabakmonopols zu ſtimmen. Kiefer nahm an den Verhandlungen über die meiſten Beratungsgegenſtände einen hervorragenden Anteil und gehörte zu jenen Mitgliedern der Kammer, welche am häufigſten das Wort ergriffen. In den Ständiſchen Ausſchuß wurden in einer der letzten Sitzung dieſes Landtages, welchen Staatsminiſter Turban, vom Erbgroßherzog — 528— in Vertretung des Großherzogs hierzu beauftragt, am 6. Mai ſchloß, die Abg. Lamey und Kiefer gewählt. In den Tagen vom 26. bis zum 30. September fand hier die 36. Verſammlung deutſcher Philologen und Schul— männer ſtatt, zu welcher 518 Gelehrte aus allen Teilen des Vater— landes ſich einfanden. Der Direktor des Gymnaſiums, Dr. Wendt, führte in der Verſammlung den Vorſitz, Miniſterialpräſident Nokk begrüßte ſie in der Eröffnungsſitzung im Namen der Regierung, Bürgermeiſter Schnetzler als Vertreter des Stadtrats. Den Ver— ſammelten zu Ehren fand im Hoftheater eine Aufführung der Oper „Iphigenie auf Tauris“ von Gluck ſtatt. Unter den Toten dieſes Jahres nennen wir den Geh. Rat Dr. Robert Volz, der als Obermedizinalrat und Bezirksarzt ſich um die geſundheitlichen Verhältniſſe der Stadt Karlsruhe große Verdienſte erwarb, deſſen Bedeutung als Fachmann u. a. durch ſeine Ernennung zum außerordentlichen Mitglied des Reichsgeſundheitsamtes rühmliche Anerkennung gefunden hatte. Er ſtarb im Alter von 75 Jahren am 22. Januar.— Als ausgezeichneter Beamter hoch— geſchätzt war auch Geh. Rat Georg Spohn, zuletzt vorſitzender Rat beim Evangeliſchen Oberkirchenrat, der am 26. April aus dem Leben ſchied, ein Mann, der nicht minder wie in ſeiner Laufbahn als Staatsdiener durch uneigennützige Teilnahme an gemeinnützigen Werken ſich ein dauerndes Andenken ſicherte.— Oberforſtrat und Kammerherr Freiherr Emil von Kageneck( am 17. November) hat ſich im deutſch⸗franzöſiſchen Kriege hohe Verdienſte auf dem Gebiete der freiwilligen Krankenpflege, insbeſondere als Führer der Badiſchen Lazarettzüge erworben und auch im Frieden der Sache des Roten Kreuzes als Vorſtandsmitglied des Männerhilfsvereines ſeine Kraft gewidmet.— Tief beklagt in weiten Kreiſen der Künſtler und Kunſtfreunde, nicht zum Mindeſten in der Stadt Karlsruhe wurde das zu frühe Ableben des Direktors der Kunſtgewerbeſchule, Guſtav Kachel, der nach langem Leiden, das er mit— bewunderungswürdiger Tapferkeit trug, in der Nacht vom 30. zum 31. März aus dem Leben ſchied. Er iſt der hochverdiente Gründer des kunſtgewerblichen Unter⸗ richts und der Pflege des Kunſtgewerbes in Baden, vorab in Karlsruhe, 1 f ö und der Aufſchwung desſelben wird ſtets in Verbindung mit ſeinem Namen gerühmt werden.— Auch ein ausgezeichnetes und überaus beliebtes Mitglied unſerer Hofbühne wurde in dieſem Jahre am 20. Auguſt vom Tode ereilt, Heinrich Schneider, der ſowohl in der Tragödie als im Luſtſpiel, durch ein vorteilhaftes Außere unter⸗ ſtützt, ein reiches Talent und einen unermüdlichen Fleiß entfaltete und reiche Erfolge errang, auch als liebenswürdiger Menſch und patriotiſcher Bürger ſich allenthalben Hochachtung und Zuneigung erwarb. 1883. Mit lebhafter Freude begrüßte die Einwohnerſchaft von Karlsruhe am 22. Mai die Kronprinzeſſin Viktoria von Schweden und Norwegen, die am 22. Mai mit ihrem Söhnchen, dem Herzog von Schonen, zum Beſuche ihrer Eltern hier eintraf. Auf dem Wege vom Bahnhofe zum Schloſſe hatten ſich dichte Reihen gebildet, aus welchen der jugendlichen Fürſtin herzliche Zurufe entgegenklangen, am Markt⸗ platz vor dem Rathauſe überreichten Schülerinnen der höheren Mädchenſchule einen Blumenſtrauß, vor dem Schloſſe waren die Zöglinge der Luiſenſchule des Badiſchen Frauenvereins aufgeſtellt. Am 28. Mai abends brachten die Männergeſangvereine ein Ständchen dar, am 3. Juni beſuchten der Großherzog und die Großherzogin mit der Kronprinzeſſin auf einer Spazierfahrt den Stadtgarten, wo ſie von dem Oberbürgermeiſter, den Bürgermeiſtern Günther und Schnetzler und dem Stadtrat Leichtlin begrüßt und auf einem Rund⸗ gang durch die Anlagen geleitet wurden. Am 9. Juni reisten die Herr⸗ ſchaften nach Rippoldsau ab, wo die Kronprinzeſſin ſchon einige Tage früher zu längerem Kurgebrauche eingetroffen war. Von da begab ſie ſich nach Schloß Mainau und ſpäter in das Seebad Zandfort in Holland. Auf der Durchreiſe wurde ſie am hieſigen Bahnhof am 1. Auguſt von dem Prinzen Karl, dem Staatsminiſter Turban und einigen dem Hofe näher ſtehenden Perſonen begrüßt. Am 7. Juli wurde in der Friedrichsſchule dahier die münd— liche Abiturientenprüfung abgehalten, nachdem ihr vom 25. bis 30. Juni die ſchriftliche Prüfung vorausgegangen war. Im Juli 1872 hatte der Großherzog für ſeinen zweiten Sohn, den Prinzen Ludwig Wilhelm, eine zweite Klaſſe gegründet und durch den 34 — 530— Vorſtand der Schule, Profeſſor E. Wagner, an eine Anzahl hieſiger Eltern die Aufforderung richten laſſen, ihre Söhne dieſer Schulklaſſe anzuvertrauen. Es hatten im Laufe der weiteren Entwicklung dieſer Abteilung der Friedrichsſchule bis zum Jahre 1883 nach und nach 34 junge Leute— darunter der Prinz Wilhelm von Hohenzollern— mit dem Prinzen ihre Ausbildung erhalten, von denen verſchiedene aus⸗ geſchieden waren, acht— Nathanael Brückner, Guſtav Händel, Paul Helbing, Theodor Hofmann, Ludwig Joſt, Max Irion, Adolf Seyb und Moritz Steude— nunmehr mit dem Prinzen reif zum akademiſchen Studium ans der Schule entlaſſen wurden. Als im Jahre 1878 Profeſſor Wagner in den Oberſchulrat berufen wurde, übernahm Prälat Doll die Leitung der Friedrichsſchue. Zur Abnahme der Abiturientenprüfung war Oberſchulrat Geh. Hofrat Wagner von der oberſten Schulbehörde zum Kommiſſar ernannt worden. Er begleitete die Bekanntgabe des Ergebniſſes derſelben, welcher der Groß⸗ herzog, die Großherzogin, der Erbgroßherzog, die Mitglieder des Aufſichtsrates und die Lehrer der Anſtalt beiwohnten, mit einer Anſprache, die den Abiturienten das fortdauernde Streben nach den idealen Zielen, fleißige Arbeit und ernſte Pflichterfüllung ans Herz legte. An dem Schlußakt nahmen auch Miniſterialpräſident Nokk, Geh. Re⸗ ferendär Joos, Direktor des Oberſchulrates, Präſident Regenauer und die Eltern der Schüler teil. Zu ihnen und zu den Schülern ſprach am Ende der Feier der Großherzog bewegte Worte, die des tiefen Eindruckes um ſo weniger entbehrten, als mit ihnen die eigenſte Schöpfung des Landesfürſten, die Friedrichsſchule, ihren Abſchluß fand). ‚ Zwei Tage ſpäter, am 9. Juli, dem Geburtstage des Erb⸗ großherzogs fand die Einreihung des Prinzen Ludwig Wilhelm in die Armee ſtatt. Der Kaiſer ernannte ihn zum Sekondleutnant im badiſchen Leibgrenadierregiment und kam ſelbſt nach Karlsruhe, um ſeinen Enkel in das Regiment einzuſtellen. Am Kriegerdenkmal be—⸗ grüßte den Kaiſer auf der Fahrt vom Bahnhof zum Schloſſe der Militärverein, am Rathauſe namens der Stadt der Oberbürgermeiſter, überall in den Straßen hatte die Einwohnerſchaft Aufſtellung ge⸗ 0 Vergl. oben S. 127 f. und 477 f. ſowie die Schrift: Großherzogliche Friedrich⸗-Schule zu Karlsruhe 1867—1883. Tudwig Wilhelm Prinz von Baden. — 531— nommen und begleitete die Wagen mit Hochrufen. Auf dem Schloß⸗ platz ſtand das Regiment in Parade, vor dem Schloßportal die erſte Kompagnie. Mit einer Anſprache vollzog der Kaiſer die Einreihung des Prinzen. Abends feierten die Geſangvereine das erfreuliche Ereignis durch ein vor dem Schloſſe dargebrachtes Ständchen. Eine andere, die Großherzogliche Familie berührende Feier, die Konfirmation der Prinzeſſin Marie und des Prinzen »Maximilian, Kinder des Prinzen und der Prinzeſſin Wilhelm, durch Militäroberpfarrer Schmidt hatte am 20. Januar in kleinem Kreiſe in der Schloßkirche ſtattgefunden. 65 ANiit Sonntag den 23. September wurde die hundertſte Wieder⸗ kehr des Tages gefeiert, an welchem Markgraf Karl Friedrich die Leibeigenſchaft aufhob und des Tages, an welchem der treffliche Fürſt die Dankſagung ſeines Volkes mit einer berühmt gewordenen Antwort voll Weisheit und Güte erwiderte. Gegen 12 Uhr zogen die Schüler der Mittel- und Volksſchulen unter Führung ihrer Lehrer vor das Karl⸗Friedrich-Denkmal auf dem Schloßplatz. Dieſes war prächtig und ſinnig geſchmückt. Die Knabenkapelle hatte ſich vor dem Denkmal aufgeſtellt und begleitete den Choral„Großer Gott wir loben Dich“, den die Hunderte jugendlicher Feſtgenoſſen anſtimmten. Nach einer Anſprache des Realgymnaſiums-Direktors Kappes ſangen die Knaben die Volkshymne, welcher Heinrich Vierordt einen ſchwung⸗ vollen Text unterlegt hatte. Am Nachmittag fanden auf dem Schloßplatz Muſikvorträge der Kapellen des Dragoner- und Artillerie⸗ regimentes ſtatt und in der ſiebenten Abendſtunde verſammelten ſich um das glänzend beleuchtete Denkmal die Männergeſangvereine, um einige Lieder vorzutragen, worauf ihr Vorſtand, Forſtrat Schuberg, in warmen Worten das unvergeßliche Wirken Karl Friedrichs feierte. Um 8 Uhr aber ſchloß die Feſtlichkeiten ein Bankett in der Feſthalle, bei welchem Oberſchulrat Dr. Bürklin die Feſtrede hielt. Prinz Karl überſandte dem Stadtrat den Betrag von 500 Mark zu Wohl⸗ thätigkeitszwecken, und der Armenrat wurde erſucht, Vorſchläge über deſſen Verwendung zu machen. Ein von der Feſtverſammlung an den Großherzog gerichtetes Telegramm beantwortete dieſer mit dem Ausdruck des Dankes und der Freude, daß das Andenken an die 34* — 532— große That ſeines verehrten Großvaters in ſo ehrender Weiſe von der Stadt Karlsruhe begangen wurde.“ Der 10. November, der 400 jährige Gedenktag der Geburt des Reformators Martin Luther, wurde von der hieſigen evangeliſchen Gemeinde würdig gefeiert. Eine gemeinſame Schulfeier verſammelte am Nachmittag des Feſttages auf Veranlaſſung des evangeliſchen Kirchengemeinderates die evangeliſchen Schüler der höheren Klaſſen der⸗ Staats⸗ und Gemeindeſchulen in der ſchön geſchmückten und glänzend⸗ beleuchteten Feſthalle. Eine unter Leitung des Profeſſors Volz von ſeinem Schüler Engelmann angefertigte Koloſſalbüſte Luthers war auf dem Podium aufgeſtellt, und über ihr ſtrahlte ein aus Gas⸗ flammen gebildetes mächtiges Kreuz. Der Feier wohnten der evan⸗ geliſche Oberkirchenrat und Kirchengemeinderat, die evangeliſche Geiſt⸗ lichkeit, Vertreter der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden und Lehr⸗ anſtalten und eine große Anzahl dem evangeliſchen Bekenntniſſe au⸗ gehörender Damen und Herren aller Stände an. Die Schüler und Schülerinnen trugen Choräle und Dichtungen vor, Hofprediger Helbing und Stadtpfarrer Schmidt hielten die Gedächtnisreden. Auch in den einzelnen Schulen fanden für die evangeliſchen Schüler Feſtfeiern. mit Geſang, Deklamation und Reden der Schulvorſtände oder Lehrer ſtatt. Am Sonntag den 11. November waren die evangeliſchen Kirchen vormittags, wie in den liturgiſchen Mittagsgottesdienſten. ſehr ſtark beſucht, und in den Predigten wie in den Chorgeſängen kam die Bedeutung des Tages in erhebender und weihevoller Weiſe zur Geltung. Abends hielt Pfarrer Haffner von Illenau im großen Rathausſaale einen Vortrag über„Luthers Einfluß auf unſer perſön⸗ liches Glaubensleben“. Am 20. November wurde der Landtag vom Großherzog per— ſönlich eröffnet. Die Vertretung der Stadt Karlsruhe in der Zweiten, Kammer hatte keine Anderung erfahren. Außer den drei Abge— ordneten der Stadt gehörten der Zweiten Kammer weiter aus Karls⸗ ruhe nur noch die Abg. Miniſterialrat und Oberſtaatsanwalt Frhr. von Neubronn und Bankier Schneider an. Lamey wurde wieder zum Präſidenten gewählt, von den ſtändigen Kommiſſionen zählte die Budgetkommiſſion wieder den Abg. Hoffmann, jene für die Geſchäfts⸗ — 533— ordnung den Abg. Kiefer und zwar als deren Vorſitzenden, zu ihren Mitgliedern. In den Kommiſſionen, welche noch vor den am 15. Dezember beginnenden Weihnachtsferien gebildet wurden, gehörte der Abg. Kiefer jenen für die Geſetzentwürfe über die Verwaltungs⸗ rechtspflege, die Städteordnung und für den Antrag des Abg. von Feder, eine Statiſtik der Eiſenbahnunfälle in den Jahren 1882 und 1883 betr., an, der letzteren Mitglied war auch Abg. Hoffmann. Für den verſtorbenen Stadtrat Glaſer wurde in der Sitzung des Bürgerausſchuſſes am 25. Juni eine Erſatzwahl vorgenommen, aus welcher der Stadtverordnete Kaufmann Friedrich Wilhelm Döring mit 81 von 86 abgegebenen Stimmen als Stadtrat her⸗ vorging. Durch ſchwere Waſſersnot wurde um die Jahreswende von 1882/83 über die Nachbargemeinden am Rhein großes Unglück ver— hängt. Aus der Haupt⸗ und Reſi denzſtadt wurde den ſo hart Beſchädigten von allen Seiten Hilfe und Unterſtützung geboten. Groß⸗ herzog und Großherzogin, Staats- und Gemeindebehörden, Vereine und Einzelne wetteiferten in dem Beſtreben, den ſo ſchwer Geprüften beizuſtehen. Nächſt den Offizieren und Mannſchaften der Beſatzung hat ſich bei den vielfach mit Lebensgefahr verbundenen Rettungs⸗ arbeiten der hieſige Ruderklub beſonders hervorgethan. Alsbald wurden auch Sammlungen für die durch das Hochwaſſer Beſchädigten eröffnet und verſchiedene Aufführungen zu ihren Gunſten veranſtaltet. Die Vorſtände des Badiſchen Frauenvereins und des Badiſchen Männerhilfsvereins traten an die Spitze der freiwilligen Hilfs— thätigkeit, der Hof verzichtete, dem Ernſt der Lage gemäß, auf die Veranſtaltung größerer Feſte und überwies die für ſolche in Ausſicht genommenen Beträge dem aus den oben genannten Vereinsvorſtänden, den Vertretern der größeren Städte und anderen geeigneten Perſön— lichkeiten gebildeten Landesunterſtützungskomitee. Die vom Stadtrat eröffnete Sammlung ergab im Laufe weniger Tage neben anſehnlichen Vorräten an Kleidungsſtücken und Lebensmitteln die anſehnliche Summe von rund 32 600 M., das Konzert der Männergeſangvereine ertrug 1925 M. Indem die Großh. Regierung dem Landeskomitee die Verteilung der eingelaufenen Gaben übertrug, wurde der freiwilligen 554— Hilfsthätigkeit, deren Leitung ihren Sitz in Karlsruhe hatte, eine hervorragend wichtige Aufgabe geſtellt. In der Schlußſitzung, welcher auch Staatsminiſter Turban anwohnte, wurde dem Komitee die⸗ beſondere Anerkennung der Großherzogin ausgeſprochen. Unter den im Jahre 1883 in Karlsruhe Verſtorbenen wurde lebhaft betrauert der Geh. Rat und vorſitzende Rat im Finanz⸗ miniſterium Auguſt Nicolai, der nicht nur in den verſchiedenen höheren Beamtenſtellungen, die er einnahm, und in ſeiner eifrigen Be— teiligung am politiſchen Leben ſich große Verdienſte und reiche An⸗ erkennung erworben, ſondern auch durch ſein Wirken im Dienſte gemeinnütziger Unternehmungen und durch ſein ſtets hilfsbereites und leutſeliges Entgegenkommen ſich die Hochachtung und Zuneigung weiter Kreiſe der Einwohnerſchaft gewonnen hatte. Er ſtarb, erſt 60 Jahre alt, am 5. September.— Am 5. Juni ſchied, ebenfalls viel zu früh, aus dem Leben und einem ſegensreichen Wirken, der Direktor des Lehrerſeminars II, Dr. Wilhelm Berger, ein durch Wiſſen und Können ausgezeichneter Pädagog.— Auch den Verluſt zweier Ehren— bürger hatte die Stadt zu beklagen, des Forſtrats Dr. Johann Klauprecht(Fam 21. April), der ſowohl als hervorragender Lehrer an der Polytechniſchen Schule als auch als Abgeordneter der Stadt während mehrerer Sitzungsperioden ſich um dieſe verdient gemacht, insbeſondere aber durch ſein Eintreten für die Erhaltung der Forſtſchule bei dem Polytechnikum Anſpruch auf die Dankbarkeit der Gemeinde erworben hatte, und des zu Baden verſtorbenen, auf ſeinen Wunſch aber hier beerdigten Freiherrn Ferdinand von Lotzbeck, deſſen Großmut die Stadt im Beginne der 1830er Jahre die Förder— ung des Schulweſens, insbeſondere bei Gründung der Gewerbeſchule durch Zuwendung reicher Mittel zu verdanken hatte. 1884. Am 10. Januar wurden die Sitzungen des Landtags wieder eröffnet. Während ſeines weiteren Verlaufes bis zu dem durch den Großherzog perſönlich vorgenommenen Schluß am 14. Juni wurde von den Abgeordneten der Stadt Karlsruhe Lamey zum Mitglied der Kommiſſion für den Geſetzentwurf, die Fürſorge für die Hinter⸗ bliebenen der Angeſtellten der Staatsverwaltung betreffend, erwählt und von dieſer zum Berichterſtatter ernannt, während der Abg— Kiefer Mitglied der Kommiſſion für die landwirtſchaftlichen Erhebungen wurde und den Bericht über die Beratungen der Kommiſſion für den Geſetzentwurf, die Verwaltungsrechtspflege erſtattete. Außerdem brachten die Abg. Kiefer und Hoffmann in Verbindung mit dem Abg. Schneider eine Interpellation an die Großh. Regierung, den Kanal⸗ bau Ludwigshafen—Straßburg betr., ein, welche Kiefer begründete. Für die ſtädtiſche Verwaltung war die wichtigſte Regierungs⸗ vorlage, welche dieſem Landtage zuging, der die Städteordnung betreffende Geſetzentwurf. Dieſer war durch eine Reſolution der Zweiten Kammer vom 1. März veranlaßt, welche die Regierung um Vornahme einer Reviſion der Städteordnung erſucht hatte. Die verſchiedenen in dieſer Reſolution ausgeſprochenen Wünſche waren im Schoße der Regierung eingehender Erwägung unterzogen worden. Sie hatte ſich aber nicht entſchließen können, das Verlangen nach ſelbſtändiger Geſtaltung der Städteordnung, nach Einführung eines geſetzlichen Anmeldeverfahrens als Bedingung für die Erwerbung des Stadtbürgerrechtes und zur grundſätzlichen Trennung der Stadtver— ordneten vom Stadtrate zu erfüllen. Dagegen zeigte ſie ſich bereit, in vielen wichtigen Punkten dem Stadtverordnetenkörper und insbe— ſondere deſſen Vorſtande eine ſelbſtändigere, die unabhängige Kontrole beſſer ermöglichende Stellung zu gewähren, auch die Selbſtverwaltung der Städte, beſonders in der Frage der Penſionierung der Beige— ordneten zu erweitern und gegen eine etwaige Überſchreitung ihrer Abſetzungsbefugniſſe gegenüber den Gemeindebeamten wirkſame Bürg⸗ ſchaften zu geben. Sie verlangte aber in dieſem Falle die Ein⸗ räumung des ſtaatlichen Beſtätigungsrechtes bezüglich des Oberbürger— meiſters und der Beigeordneten. Die Kommiſſion der Zweiten Kammer (Berichterſtatter Abg. Winterer) war mit der Regierung darin ein— verſtanden, daß die geſetzlichen Beſtimmungen, welche auf die unter der Städteordnung ſtehenden Geſetze Anwendung finden, auch jetzt noch nicht als neues Geſetz gefaßt und völlig ſelbſtändig codificiert werden, daß demnach wenigſtens vorerſt von der Erlaſſung eines von der allgemeinen Gemeindeordnung unabhängigen Städtegeſetzes am beſten Umgang genommen werde, ebenſo mit der Ablehnung der vor— hergehenden Anmeldung beim Stadtrat als Bedingung der Erwerbung des Stadtbürgerrechtes, lehnte dagegen die von der Regierung bean— — 536— tragte Wiedereinführung des Beſtätigungsrechtes bezüglich des Ober— bürgermeiſters und der Beigeordneten ab. An der bisherigen Ver— einigung des Stadtrats und der Stadtverordneten im Bürgeraus— ſchuß hielt die Kommiſſion, im Einklang mit der Regierung, auch gegenüber einem deren vollſtändige Trennung verlangenden Antrag aus ihrer Mitte, feſt. Im einzelnen, worauf hier nicht näher einge— gangen werden kann, nahm die Kommiſſion an dem Geſetzentwurf ver⸗ ſchiedene Abänderungen vor. In der Geſtalt, in welcher der Geſetz— entwurf aus den Kommiſſionsberatungen hervorgegangen war, be— zeichnete er einen nicht zu unterſchätzenden Fortſchritt auf der Bahn des Ausbaues der badiſchen Städteverfaſſung, insbeſondere durch die Beſtimmungen, durch welche der Stellung des Stadtverordneten— Vorſtandes und ſeines Obmannes eine größere Selbſtändigkeit ver— liehen, die Einbringung von Initiativ-Anträgen aus der Mitte der Stadtverordneten erleichtert und die öffentliche Befragung des Stadt— rats über den Stand aller wichtigeren Gemeindeangelegenheiten ge— ſtattet wurde; beſonders iſt das dem Stadtverordnetenkörper nunmehr zuerkannte Recht hervorzuheben, den Rechnungsbeſcheid auf die Abhör der Stadtrechnung allein— alſo mit Ausſchluß des Stadt— rates— zu erteilen, ein Recht, welches eine Fülle von Ge— legenheit zur Übung einer ſelbſtändigen Kontrole und unabhängigen Kritik ſowie zur Einwirkung auf den Gang der ganzen Stadtver— waltung gibt. Die Anträge der Kommiſſion wurden im Plenum der Zweiten Kammer mit einer an Einſtimmigkeit grenzenden Stimmenmehrheit angenommen, nachdem auch die Erſte Kammer dieſen Beſchlüſſen bei— getreten war, am 16. Juni vom Großherzog genehmigt und im Ge— ſetzes⸗ und Verordnungsblatt Nr. XXIV vom 30. Juni verkündigt. Gleichzeitig wurde der Text derjenigen auf die Gemeindeverfaſſung und ⸗Verwaltung bezüglichen Geſetzesbeſtimmungen, welche auf die dem Geſetze vom 24. Juni 1874 unterſtehenden Gemeinden Anwend⸗ ung finden, als„Städteordnung“ zuſammengeſtellt und im nämlichen Geſetzes⸗ und Verordnungsblatt veröffentlicht. Dabei wurden die Aus⸗ drücke„Gemeinderat“,„Gemeinderechner“,„Gemeindeverſammlung“, „Gemeindebürger“,„Beigeordnete“, durch die Bezeichnungen„Stadt⸗ rat“,„Stadtrechner“,„Bürgerausſchuß“,„Stadtbürger“,„Bürger⸗ meiſter“ u. ſ. f. erſetzt. — 537— Für die auf den 28. Oktober anberaumte Reichstagswahl wurden von den verſchiedenen Parteien 5 Bewerber aufgeſtellt: von den Nationalliberalen Medizinalrat Dr. Arnsperger, von den Konſervativen und von der Handwerkerpartei Bauunternehmer Reiß, von der katholiſchen Volkspartei Pfarrer Gerber in Frieſenheim, früher Redakteur des„Badiſchen Beobachters“, von den Demokraten Dr. jur. Lipp in Straßburg, von den Sozialdemokraten Kaufmann Drees⸗ bach in Mannheim. Die Wahlbewegung war lebhafter als bei den bisherigen Reichstagswahlen, eine große Zahl von Wahlverſammlungen fand ſtatt und beſonders am Wahltage ſelbſt machten ſich auf dem Marktplatz vor dem Rathauſe die von den Parteien angeſtellten Ver⸗ teiler von Stimmzetteln noch mehr als früher mit Ausrufen, die ſozialiſtiſchen auch durch rote Abzeichen erkennbar. Auch die Preſſe der fünf Parteien hatte ſich an den vorbereitenden publieiſtiſchen Darlegungen mit beſonderer Leidenſchaftlichkeit für ihre Parteigenoſſen, die zur Wahl vorgeſchlagen waren, eingeſetzt. In der Stadt Karls— ruhe nahmen von 9291 Wahlberechtigten 6422 an der Wahl teil. Von dieſen wurden für Arnsperger 2998, für Reiß 389, für Gerber 664, für Lipp 710, für Dreesbach 1663 Stimmen abgegeben. Das Geſamtergebnis im 10. Reichstagswahlkreis war in der gleichen Reihenfolge der Bewerber bei 15280 Abſtimmenden von 23 850 Wahlberechtigten: 5130, 2098, 3298, 1743, 3011 Stimmen. Auf keinen der Bewerber war eine unbedingte Mehrheit von Stimmen ge⸗ fallen. Es mußte daher eine Stichwahl angeordnet werden, die am 7. November ſtattfand. Hierbei wurden in Karlsruhe 7165 Stimmen abgegeben, von denen 4142 auf Arnsperger, 3012 auf Gerber fielen. Im ganzen Wahlbezirk erhielt Arnsperger 10175, Gerber 8448 Stimmen, der erſte war ſomit gewählt. Die bei einer Abſtimmung des Reichstags am 15. Dezember gegen den Reichskanzler Fürſten Bismarck zu Tage getretene feind— ſelige Geſinnung einer von den parlamentariſchen Vertretern des Centrums, der Welfen, Deutſchfreiſinnigen, Demokraten, Sozialdemo⸗ kraten, Polen, Elſaßlothringer und Dänen gebildeten Mehrheit ver— anlaßte, daß, wie in den meiſten deutſchen Städten, ſo auch in Karls— ruhe eine entſchiedene Verwahrung gegen ſolche Haltung eingelegt wurde. Der nationalliberale Verein berief auf den Abend des 19. Dezember in den Saal der„Vier Jahreszeiten“ und deſſen 55989 Nebenräume eine Verſammlung, die ſehr ſtark, auch von Konſervativen, beſucht war und nach mehreren Reden des Stadtrats Leichtlin, des Reichstagsabgeordneten Dr. Arnsperger, des Anwalts Binz, des Profeſſors Hoff und des Pfarrers Gräbener von Teutſchneureuth dem Reichskanzler in einer einſtimmig gefaßten Kundgebung ihr Vertrauen ausſprach und eine dieſem Beſchluß entſprechende Adreſſe an ihn ab⸗ ſandte. Auch vom konſervativen Landesausſchuß und von den 49 Profeſſoren und Docenten der Techniſchen Hochſchule gingen ſolche Kundgebungen an den Fürſten Bismarck ab. In dieſem Jahre wurden wieder Gemeindewahlen in⸗ größerem Umfange vorgenommen. Zunächſt mußten für 54 Stadt⸗ verordnete teils Erneuerungs⸗, teils Erſatzwahlen angeordnet werden. Die Zahl der in die Wählerliſte Eingeſchriebenen betrug 6702, von denen 5028 der dritten, 1116 der zweiten und 558 der erſten Klaſſe angehörten. Die Wahlen fanden im Monat Februar ſtatt. Hierbei ſtimmten bei den Erneuerungswahlen von den Wählern der dritten Klaſſe 16,3, der zweiten 29,5 und der erſten 40 von Hundert ab. Bei den Erſatzwahlen waren es 3,04, 4 und 12,2 von Hundert. Am 29. Februar wurden mit Amtsdauer von 6 Jahren 11 Stadträte gewählt und zwar gingen von den bisherigen Stadt⸗ räten 10 abermals aus der Wahlurne hervor, während an die Stelle des Stadtrats Hoyer Bankier Heinrich Müller trat. Bei der Er⸗ neuerungswahl des geſchäftsleitenden ſtändigen Vorſtandes der Stadtverordneten wurden am gleichen Tage die bisherigen Mitglieder deſſelben wieder gewählt. Ebenſo erfolgte bei der am 14. März unter Leitung des Stadtdirektors von Preen vorgenommenen Neuwahl des Oberbürgermeiſters der Reſidenzſtadt die Wieder⸗ wahl des Oberbürgermeiſters Lauter unter Beteiligung von 93(von 120) Mitgliedern des Bürgerausſchuſſes mit Amtsdauer bis zum Jahre 1893 einſtimmig. Desgleichen wurde am 21. März mit der näm⸗ lichen Amtsdauer der erſte Beigeordnete, Bürgermeiſter Schnetzler wieder zum Bürgermeiſter gewählt— Auch dieſe Wahl, an der 86. Mitglieder des Bürgerausſchuſſes teilnahmen, erfolgte mit Einſtimmig—⸗ keit. Zum Obmann des Stadtverordneten-Vorſtandes wurde Bankier K. A. Schneider, zu deſſen Stellvertreter Kaufmann. Krämer gewählt. Zu Ehren der nunmehr wiedergewählten Gemeinde⸗ — 539— vertreter fand am 24. März abends 8 Uhr im großen Saale der Feſthalle ein Bankett ſtatt, bei dem eine größere Zahl von Rednern der Befriedigung über den Ausfall der Wahlen Ausdruck verlieh. In der Sitzung des Bürgerausſchuſſes vom 30. Mai wurde der Abſchluß eines neuen Dienſtvertrages mit Oberbürgermeiſter Lauter einſtimmig genehmigt. Derſelbe erkannte dem Oberbürger— meiſter neben ſeinem ſeitherigen penſionsberechtigten Einkommen von 8000 Mk. noch einen Funktionsgehalt von 2000 Mk. zu und ſtellte die Höhe ſeines Ruhegehaltes im Falle der Nichtwiederwahl oder unverſchuldeter Dienſtunfähigkeit auf 4000 Mk. feſt. Hierauf wurde der Ruhegehalt des zweiten Beigeordneten, Bürgermeiſters A. Günther, deſſen Amtszeit am 25. Mai ablief und der eine Wiederwahl aus Geſundheitsrückſichten ablehnte, von 750 auf 1500 Mk. erhöht und Tagfahrt für die Wahl eines Dienſtnachfolgers Günthers anberaumt. Bei dieſer am 5. Juni vorgenommenen Wahl wurde der bisherige dritte Beigeordnete Dr. Spemann zum zweiten und am 23. Juni Kaufmann Krämer zum dritten Beigeordneten gewählt. Deſſen Nach— folger als Stadtverordneter wurde am 18. September Rentner Ludwig Waltz, als Mitglied des Stadtverordnetenvorſtandes der Stadtverordnete Drehermeiſter Auguſt Dengler, als Stellvertreter des Obmanns dieſes Vorſtandes am 13. November das Mitglied des— ſelben, Louis Schwindt. Nun erſt war die Erneuerung der Gemeindebehörden völlig zum Abſchluß gebracht. Von den in dieſem Jahre aus dem Leben Geſchiedenen gehörte der am 3. Januar verſtorbene Senatspräſident am Oberlandes⸗ gericht, Karl Wielandt, einer angeſehenen Karlsruher Familie an, ein Mann von einer in unſeren Tagen ſelten gewordenen Idealität, dem Fürſtenhauſe in ritterlicher Loyalität ergeben, im Beſitz reicher Kennt— niſſe und einer nie verſagenden Arbeitskraft, ein Richter von unbeſtech⸗ lichem Streben nach Wahrheit, ein treuer Freund und wie von ſeinen Freunden ſo auch von den weiteſten Kreiſen ſeiner Mitbürger hoch— geachtet und geliebt.— Einfachen kleinbürgerlichen Verhältniſſen hieſiger Stadt war Chriſtian Götz(T 26. Januar) entſproſſen, der durch Begabung, Fleiß und Tüchtigkeit in der militäriſchen Laufbahn, die er im Jahre 1831. als Soldat begann, die höchſte Stufe er— klommen und nach 43 Dienſtjahren 1873 als Generalleutnant den 9540 nachgeſuchten Abſchied erhalten hatte.— Ein Veteran, der in den napoleoniſchen Feldzügen wie in den Befreiungskriegen mit Aus⸗ zeichnung gekämpft hatte, Oberſt a. D. Freiherr Karl von Reck, ſtarb in dem hohen Alter von 91 Jahren am 18. November.— Plötzlich wurde den Seinigen am 4. Februar Oberbaurat Max Becker entriſſen, ein Mann, dem die während langjähriger dienſt⸗ licher Wirkſamkeit unter ſeiner Leitung in allen Zweigen des Ingenieur⸗ weſens entſtandenen Bauwerke, ſeine Thätigkeit am Polytechnikum, insbeſondere aber ſein Werk über die geſamte Ingenieurkunde ein ehrenvolles Andenken ſichert. Der ſtädtiſchen Verwaltung hatte er früher als Mitglied des Stadtrates und des Bürgerausſchuſſes und bis zu ſeinem Lebensende als Mitglied des Ortsgeſundheitsrates an— gehört.— Die Kunſtgenoſſenſchaft des Hoftheaters und mit ihr alle Freunde der Schauſpielkunſt verloren eine hochgeſchätzte Künſtlerin durch den Tod von Frau Johanna Lange, die nach ſchwerer Krankheit am 16. Juni ſtarb, aber in der Erinnerung ihrer Zeitgenoſſen fort⸗ leben wird, ſo lange noch einer der Tauſenden lebt, denen ſie un— vergeßliche Stunden erhebenden Genuſſes gewährte, und deren Leiſtungen in die Tafeln der Geſchichte der Schauſpielkunſt unvergeßlich ein⸗ getragen ſind.— Auch ein Liebling einer älteren Generation, Amalie Haizinger, ſchloß in dieſem Jahre am 10. Auguſt ihr irdiſches Daſein in Wien, wo ſie ſeit 1845 am Burgtheater wirkte, aber im Herzen ſtets eine ſo gute Karlsruherin geblieben war, wie ihre Landsleute ihr ein treues Andenken bewahrten. 1885. Das wichtigſte Ereignis dieſes Jahres, welches die Einwohnerſchaft Karlsruhes auf das Erfreulichſte berührte, war die Verlobung des Erbgroßherzogs Friedrich mit Prinzeſſin Hilda von Naſſau. Am 27. April ſetzte der Großherzog den Staatsminiſter Turban durch ein von dieſem alsbald veröffentlichtes Schreiben in Kenntnis, daß ſein Sohn in Wien, wo der Vater der Prinzeſſin, Herzog Adolf von Naſſau, weilte, das Jawort der Prinzeſſin erhalten habe und betonte in ſeiner Mitteilung mit ganz beſonderer Befriedigung, daß dieſe Verbindung aus reinſter Neigung entſtanden ſei. Allenthalben in der Reſidenzſtadt wurden die Fahnen ausgeſteckt, von überallher 1 4 5 Triumphbogen, errichtet auf dem Marktplal Seplember 1881, September 1885. — 541— gelangten Glückwünſche an den Großherzog und die Großherzogin, denen auch der Oberbürgermeiſter mit den Bürgermeiſtern und dem Stadtrat der Reſidenzſtadt die freudigſte Teilnahme ausſprachen. An den Erbgroßherzog wurde vom Stadtrat ein Glückwunſchtelegramm abgeſandt, das freundlich verdankt wurde. Das Hoftheater war⸗ abends feſtlich beleuchtet und ein Prolog gab den Empfindungen des. Publikums Ausdruck, welches die fürſtlichen Herrſchaften mit brauſenden. Hochrufen begrüßte. Am 9. Mai traf der Erbgroßherzog, von Wien kommend, nach⸗ mittags 3 Uhr hier ein und wurde bei der Fahrt durch die beflaggten, Straßen freudig begrüßt. Am Bahnhof waren unter den ihn Empfangenden auch der Oberbürgermeiſter mit dem geſamten Stadtrat anweſend. Abends veranſtalteten die Studierenden der Techniſchen Hochſchule einen Fackelzug mit darauffolgendem Kommers in der Feſthalle. Die zweite Hälfte des Monats September war als eine Feſtzeit⸗ für die Stadt Karlsruhe in Ausſicht genommen, da außer den an⸗ läßlich der Vermählung des Erbgroßherzogs zu veran— ſtaltenden Feſtlichkeiten, für die dieſen unmittelbar vorangehenden Tage die Anweſenheit des Kaiſers, mehrerer Fürſten und vieler hohen Militär⸗ perſonen zu den Kaiſermanövern erwartet wurde. Am 5. Auguſt hatte der Bürgerausſchuß für alle dieſe Veranſtaltungen einen Kredit von 40000 M. bewilligt. Der Mehraufwand von 26000 M. wurde nachträglich bewilligt. Der Marktplatz und die Karl-Friedrich⸗ ſtraße bis zum Schloſſe wurden geziert und ihre abendliche Beleuchtung vorbereitet. Am Eingang des Marktplatzes war ein 22 m hoher Triumphbogen errichtet, der nach den Entwürfen des Direktors der Kunſtgewerbeſchule, Hermann Götz, ausgeführt war. Am 10. Sep⸗ tember hielt der Kaiſer in Begleitung des Kronprinzen und der Prinzen Arnulf von Bayern, Wilhelm und Heinrich von Preußen, zu denen noch Prinz Albrecht von Preußen hinzukam, ſeinen Einzug und wurde am Triumphbogen von den ſtädtiſchen Behörden empfangen. Auch der Kronprinz und die Kronprinzeſſin von Schweden und Norwegen waren in Karlsruhe eingetroffen. Unter den hohen Militärs befand ſich u. a. Graf Moltke. Am 11. September begannen die Manöver mit der großen Parade auf dem Forchheimer Felde, ſie endigten, von der Ungunſt der Witterung mehrfach beeinträchtigt, am 16. September. Am 17. reiſte der Kaiſer zu den Manövern des XIII.(egl. württembergiſchen) Armeekorps nach Stuttgart ab. Während der Anweſenheit des Kaiſers fanden Feſtvorſtellungen im Hoftheater, Huldigung der Schüler aller hieſigen Schulen, ein Konzert von fünf Regimentskapellen im Stadtgarten, Ständchen der Militär⸗ muſiker und der Geſangvereine vor dem Schloſſe und ein vom Karls⸗ ruher Reiterverein veranſtaltetes Pferderennen auf dem großen Exer⸗ zierplatz ſtatt. Nachdem am 20. September im Schloß Hohenburg bei Lenggries in Oberbayern die bürgerliche und kirchliche Eheſchließung des Erbgroßherzogs ſtattgefunden hatte, hielt das junge fürſtliche Ehepaar am 26. September ſeinen Einzug in Karlsruhe. Die Stadtbehörden begrüßten es am Triumphbogen und eine aus allen Teilen des Landes herbeigeeilte Menſchenmenge rief ihm ein begeiſtertes Will⸗ kommen zu. Abends waren Marttplatz und Karl⸗Friedrichſtraße glänzend beleuchtet und im Stadtgarten wurde ein wohlgelungenes Feuerwerk abgebrannt. Auf Veranlaſſung des Stadtrates hatte Maler Tuttine, der auch im Jahre 1881 an der Aufſtellung des Feſtzugs der Land⸗ leute einen hervorragenden Anteil genommen hatte, wieder einen ſolchen veranſtaltet und aus 21 Bezirken des Großherzogtums waren 510 Männer und 550 Frauen und Mädchen in ihren maleriſchen Trachten in die Haupt⸗ und Reſidenzſtadt gekommen, um dem Erbgroßherzog und der Erbgroßherzogin ihre Huldigung darzubringen. Mit ihnen verbanden ſich Vertretungen von Handel, Gewerbe und Gartenbau (hieſige junge Damen), welche mit ſinnigen Denkſprüchen ſymboliſche Gaben darbrachten. Der Präſident der Handelskammer, Bankier K. A. Schneider, und Fabrikant Schwindt, als Vertreter der badiſchen Gewerbevereine, hielten Anſprachen. Die Huldigung der Landleute, die ebenfalls ihre Gaben überreichten und ſie mit Reimſprüchen in den heimiſchen Mundarten begleiteten, geſtaltete ſich wieder wie 1881 zu einer ganz beſonders anziehenden Reihe von maleriſchen Bildern und wurde, da das Feſt in der Ausſtellungshalle ſtattfand, durch das ſchlechte Wetter nur wenig beeinträchtigt. Der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin, ſichtlich erfreut, unterhielten ſich aufs leutſeligſte mit den in langen Reihen Vorüberziehenden. Abends war Galavorſtellung im Hoftheater und ein von der Stadt den Landes⸗ abordnungen gegebener Ball in der Feſthalle. Am 28. September — 543— fand im Schloß der Empfang der zur Beglückwünſchung aus dem ganzen Lande eingetroffenen Abordnungen und abends große Gratu— lationscour ſtatt. Es folgten den Neuvermählten zu Ehren noch zwei glänzende Bälle in den feſtlich geſchmückten Räumen der Geſell— ſchaften Muſeum und Eintracht. Eine wertwolle Gabe überreichten Vertreter der hieſigen Vereinigung bildender Künſtler, ein Album mit Aquarellen und Zeichnungen der ſämtlichen Mitglieder“). Das Erbgroßherzogliche Paar reiste am 29. September mit der Groß— herzoglichen Familie nach Baden und nahm, nach einem kurzen Aufenthalt auf der Mainau, in Freiburg ſeinen Wohnſitz. Eine gewaltige Menſchenmenge hatte ſich in dieſen Tagen hier eingefunden. Täglich wurden durchſchnittlich 10 352 Perſonen aus badiſchen Stationen mit den Eiſenbahnen nach Karlsruhe befördert. Erfreulicher Weiſe kam während der ganzen Feſtzeit kein ernſter Unfall vor. Zum erſten Male bezog das freiwillige Krankenträger⸗ korps des Karlsruher Männerhilfsvereins in der für die freiwillige Krankenpflege im Kriegsfalle vorgeſchriebenen Uniform eine Sanitäts⸗ wache im Rathaus und that auch während der Kaiſerparade bei der Tribüne in erſprießlicher Weiſe Dienſt. Im Ganzen brachten dieſe Mannſchaften 22 Perſonen die erſte Hilfe. Der Sanitätswache wurde auch die Ehre zuteil, am 15. September vom Kaiſer und am 25. vom Kronprinzen beſichtigt zu werden. Die große Zahl der dem Erbgroßherzoglichen Paare gewid— meten Feſtgaben wurde in den oberen Räumen der Kunſthalle ausgeſtellt.““) Im Oktober fanden die Wahlen zum Landtag ſtatt. Der von Seite der nationalliberalen Partei aufgeſtellten Liſte der Wahl⸗ männer ſtellte ein Komitee der Bürgerpartei einen anderen Vorſchlag gegenüber, der in der konſervativen, demokratiſchen und Centrums⸗ Preſſe empfohlen wurde. Gegen dieſes„unnatürliche Bündnis“, welches „im Falle des Sieges nur eine tiefgehende Störung des Gemeinde⸗ J Vgl. die Berichte in No. 116 bis 119 der„Karlsruher Nachrichten“ vom 27. und 30. September, 2. und 4. Oktober. )% Vgl. den Bericht in Nr. 126 und 127 der Karlsruher vom 21. und 23. Oktober 1885. — 544— friedens und eine verderbliche Verwirrung zur Folge haben“ könne, wandte ſich am Vorabend der Urwahlen ein Aufruf des national⸗ liberalen Wahlausſchuſſes an die„Liberalen Geſinnungsgenoſſen“. Die Wahlmännerwahl verlief bei ziemlich ſchwacher Beteiligung, für die auch das abſcheuliche Regenwetter veranwortlich gemacht wurde, in 29 von 33 Wahlbezirken zu Gunſten des nationalliberalen Wahl— vorſchlages. Es wurden 222 Wahlmänner der liberalen, 28 der gegneriſchen Liſte gewählt. Abgeſehen von den zerſplitterten Stimmen wurden von der liberalen Partei- 1376, von der„Bürgerpartei“ 495 Stimmen abgegeben. An der Wahl dreier Landtagsabgeordneter am 23. Oktober nahmen von den 250 Wahlmännern 236 teil. Die drei bisherigen Abgeordneten wurden wiedergewählt(Lamey mit 227, Kiefer mit 186 und Hoffmann mit 222 Stimmen) und nahmen die Wahl an. Am 12. November wurde der Landtag vom Groß— herzog perſönlich eröffnet, trat aber ſchon am 5. Dezember die Weihnachtsferien an. Von den Vertretern der Stadt wurde Lamey wieder zum Präſidenten gewählt, Hoffmann gehörte der Budgetkom⸗ miſſion an, in deren Namen er Bericht über verſchiedene Eiſenbahnbau— vorlagen erſtattete, und der Kommiſſion für den Geſetzentwurf, die Auf⸗ löſung der Stadtgemeinde Mühlburg und deren Vereinigung mit der Stadtgemeinde Karlsruhe betr. Kiefer war Mitglied der gleichen Kommiſſion, in deren Namen er den Bericht erſtattete, der Geſchäfts⸗ ordnungskommiſſion, ſowie der Kommiſſion für den Geſetzentwurf, die Aufbeſſerung gering beſoldeter Kirchendiener aus Staatsmitteln betr. Er ſtellte in Verbindung mit einigen ſeiner politiſchen Freunde den Antrag, die Thronrede mit einer Adreſſe zu beantworten und erſtattete den Bericht über den in der Kommiſſion feſtgeſtellten Adreßentwurf. —— Zur Vorfeier des ſiebzigſten Geburtstages des Reichskanzlers Fürſten von Bismarck und ſeines 50 jährigen Amtsjubiläums verſammelte ſich eine mehr als 2000 Köpfe zählende Verſammlung von Verehrern des großen Staatsmannes am 28. März in der ſchön geſchmückten Feſthalle. Hofkapellmeiſter Vincenz Lachner leitete ſelbſt ſeinen Bismarck⸗Feſtmarſch, die Männergeſangvereine ſangen einige patriotiſche Chöre und Profeſſor Goldſchmit hielt die mit leb⸗ haftem Beifall aufgenommene Feſtrede. Ein telegraphiſcher Feſtgruß: „Dem eiſernen Kanzler bringt eine Verſammlung von mehr als 2000 — 545— Patrioten ihren begeiſterten Glückwunſch dar. Gott erhalte Eure Durchlaucht noch lange dem deutſchen Volke zum Heil und Wohle!“ wurde am 20. April durch ein Dankſchreiben des Fürſten beantwortet. In der Sitzung des Bürgerausſchuſſes vom 10. Juli wurde der Rücktritt des Kaufmanns Karl Barthold von ſeinem Amt als Stadt— rat unter Anerkennung ſeiner Verdienſte, namentlich um das Eiſen⸗ bahnweſen der Stadt, genehmigt. An ſeiner Stelle wurde Dr. Wilhelm Spemann, der ſein Amt als Bürgermeiſter am 1. Juli niedergelegt hatte, am 3. Auguſt zum Stadtrat gewählt. Die Dienſtgeſchäfte des Dr. Spemann übernahmen vorläufig die Bürgermeiſter Schnetzler und Krämer. Gleichzeitig wurde eine Anderung der ortsſtatutariſchen Beſtimmungen ins Auge gefaßt, wodurch die Zahl der Bürgermeiſter nur noch 2, die der Stadträte künftig 22 betragen ſolle. Vom 27.—31. Mai tagte hier die 22. Tonkünſtlerver⸗ ſammlung des Allgemeinen Deutſchen Muſikvereines. Die außer⸗ ordentliche Förderung, welche der Großherzog den Beſtrebungen des Vereines zuteil werden ließ, machte dem Vereine die mit erheblichen Koſten verbundene Aufführung einiger großen und ſelten gehörten Tonwerke möglich. Die perſönliche Anweſenheit und Teilnahme des greiſen Meiſters Franz Liszt gab den Aufführungen eine beſondere Weihe und Bedeutung. Werke, wie Wagner's Kaiſermarſch, Berlioz⸗ Requiem, die Prometheus-Chöre und die Dante-Symphonie von Liszt wurden unter Hofkapellmeiſter Felix Mottl's Leitung in größter Vollendung ausgeführt und fanden begeiſterte Aufnahme bei den die weiten Räume der Feſthalle Füllenden, aber auch eine Reihe anderer meiſt neuer Kompoſitionen, zum Teil von jüngeren Tonkünſtlern, für Orcheſter, Streichquartett und Geſang boten überaus viel Intereſſantes und Feſſelndes. Die Geſamtheit der muſikaliſchen Leiſtungen gehört ohne Zweifel zu den großartigſten in der Muſikgeſchichte unſerer Stadt. Am 29. Mai veranſtaltete der Stadtrat zu Ehren der Gäſte ein Feſt im Stadtgarten mit Konzert, Beleuchtung und Ball in der Feſthalle. Am 6. Auguſt begann der 16. Kongreß der Deutſchen Anthropologiſchen Geſellſchaft mit einer Sitzung im feſtlich geſchmückten Muſeumsſaale, der noch zwei weitere folgten. Es waren 35 209 Teilnehmer, darunter 109 Fremde eingezeichnet. Profeſſor Schaaffhauſen aus Bonn führte den Vorſitz. Von den Anweſenden ſeien nur die Bedeutendſten, Männer wie Virchow, Schliemann, Fraas, Ranke, Waldeyer genannt. Im Namen der Regierung begrüßte Miniſterialdirektor Eiſenlohr, im Namen der Stadt Oberbürgermeiſter Lauter, im Namen des Ortsausſchuſſes Geh. Hofrat Wagner die Verſammelten. Dieſer überreichte Schliemann, der über ſeine neueſten wertvollen Funde in Tiryns vortrug, einen Lorbeerkranz. An die ernſten und anſtrengenden Verhandlungen ſchloß ſich frohes geſelliges Zuſammenſein bei einem Feſteſſen im kleinen Feſthalleſaal, bei einem Konzert im Stadtgarten, bei Fahrten nach Baden, Mannheim und Heidelberg, und die auswärtigen Gäſte nahmen die angenehmſten Eindrücke und die beſten Erinnerungen an unſere Stadt und ihre Gaſtfreundſchaft mit in ihre Heimat, wovon das von Seiten der Deutſchen Anthropologiſchen Geſellſchaft an den. Oberbürgermeiſter gerichtete Dankſchreiben beredtes Zeugniß giebt. Noch eine dritte Verſammlung tagte im Jahre 1885 hier. Vom 18. bis 22. Auguſt fand der 26. Vereinstag des allgemeinen Verbandes der auf Selbſthilfe beruhenden deutſchen Erwerbs⸗ und Wirtſchaftsgenoſſenſchaften ſtatt. Zu dieſem waren etwa 400 Teilnehmer erſchienen. Auch dieſe Gäſte fanden freund⸗ liche Begrüßung durch Vertreter der Regierung Geh. Referendär v. Stoeſſer), der Stadt(Oberbürgermeiſter Lauter) und der Karlsruher Genoſſenſchaft(Kaufmann Finckh) und an ihren, ſo manche wichtige Angelegenheit des Geſchäftslebens berührenden Verhandlungen nahmen viele Angehörige der Karlsruher Bürgerſchaft teil, und die gaſtliche Aufnahme in Karlsruhe wurde ebenfalls von dem Genoſſenſchafts⸗ anwalt und dem Vorſitzenden des engeren Ausſchuſſes daukend anerkannt. Eines der größten Brandunglücke, die ſeit einer Reihe von Jahren Karlsruhe heimſuchten, brach am Nachmittag des 27. Juni um 5 Uhr auf dem Holzlagerplatz der Gebrüder Himmelheber, Ecke der Ritter- und Gartenſtraße, aus und konnte erſt gegen 8 Uhr abends bewältigt werden. Der Schaden war ein ſehr bedeutender. Die Löſcharbeiten wurden durch die Kanaliſationsarbeiten, welche den Zugang zur Brandſtätte hemmten, ſehr erſchwert. Aber die hervor⸗ — 547— ragende Tüchtigkeit des freiwilligen Feuerwehrkorps unter der be⸗ währten Leitung ſeines Kommandanten, Kaufmann Döring, wurde des Feuers Herr, ſo daß die herbeigeeilten Feuerwehren von Mühlburg, Rüppurr, Neureuth und Beiertheim nicht mehr einzugreifen brauchten und die angebotene Hilfe der Feuerwehren von Durlach und Ettlingen nicht in Anſpruch genommen werden mußte. Verletzungen von 5 Feuerwehrleuten und eines Soldaten gaben dem freiwilligen Kranken⸗ trägerkorps Gelegenheit, ſich hilfreich zu erweiſen. In dieſem Jahre ſind mehrere ungewöhnliche meteorologiſche Erſcheinungen zu verzeichnen. Aus einem dem Stadtrat vorgelegten Bericht ergibt ſich, daß bei einem am 29. Juni ſtattgefundenen Wolkenbruch, desgleichen keiner aus früherer Zeit hier bekannt war, die Niederſchlagsmenge in einer Stunde 98,5 mm betrug.(Im Jahre 1877 war ſeit dem Jahre 1873 das Maximum mit 91,6 mm in 24 Stunden erreicht worden.) Der Landgraben hatte in der einen Stunde die gleiche Waſſermaſſe wie bei dem ſtärkſten Nieder⸗ ſchlag im Jahre 1855 abzuführen. Aber dank der neuen Kanaliſation blieb der Waſſerſpiegel 30 em unter jenem des Jahres 1855 und das Waſſer fand während der Nacht raſch ſeinen Ablauf. Große Verheerungen richtete in der ganzen Gegend von Karls⸗ ruhe am 4. Juli eine Trombe oder Wetterſäule und am 6. Auguſt ein außergewöhnlich heftiges Gewitter an“). Von den im Jahre 1885 Geſtorbenen erwähnen wir den langjährigen Vorſtand der Großh. Hofbibliothek, Johann Chriſtoph Döll(1 11. März im Alter von 76 Jahren), der ſich als Bota⸗ niker einen in der Geſchichte dieſer Wiſſenſchaft bleibenden Namen gemacht hat; die Kammerſängerin Beatrix Fiſcher, einſt eine der gefeiertſten Größen unſerer Hofbühne(T 16. September), der am 30. Januar 1884 ihr Gatte, der langjährige Hofſchauſpieler und Oberregiſſeur Karl Fiſcher im Tode vorangegangen war, beide hochbetagt, ſeit 1835 Mitglieder der Karlsruher Hofbühne und in ) Vergl. eine Mitteilung des Karlsruher Centralbureaus für Meteoro⸗ logie und Hydrographie in der Chronik der Haupt- und Reſidenzſtadt Karlsruhe für das Jahr 1885. S. 76 ff. den kunſtliebenden Kreiſen unſerer Reſidenzſtadt in hohem Anſehen; der geniale Erbauer der⸗ Schwarzwaldbahn, Robert Gerwig (F 6. Dezember), Baudirektor und Vorſtand der Techniſchen Abteilung der Generaldirektion der badiſchen Staatseiſenbahnen, von 1872—75 Oberingenieur der Gotthardbahn, 1875—83 Mitglied des Deutſchen Reichstags, 1855—57 und 1863—71 Abgeordneter der Zweiten Kammer für den Wahlkreis Hornberg-Wolfach-Triberg-Furtwangen und 1875—78 für die Stadt Pforzheim; der hochgeſchätzte Oberarzt des ſtädtiſchen Krankenhauſes, Medizinalrat und Bezirksarzt Dr. Schuberg G 21. Februar); endlich Oberbaurat Hermann Stern⸗ berg( 18. Juli), Profeſſor an der Techniſchen Hochſchule und Vorſtand der Ingenieurſchule, als Lehrer und Gelehrter hochgeſchätzt, deſſen Name in der Geſchichte der Techniſchen Hochſchule für immer einen ehrenvollen Platz einnehmen wird. ö 1886. Die herzlichſte Teilnahme aller Kreiſe der Einwohnerſchaft erweckte die ſchwere Erkrankung des Erbgroßherzogs am Gelenk— rheumatismus. Von Ende Februar bis Mitte April ſchwebte mit der Großherzoglichen Familie ganz Karlsruhe in banger Sorge. Erſt als am 16. April die täglichen Krankheitsberichte eingeſtellt und nur noch von Zeit zu Zeit Nachrichten über das Befinden des Kranken ausgegeben wurden, durfte man ſich der beſtimmten Erwartung erfreuen, daß die Geneſung geſichert ſei. Die treueſte und ſorgſamſte Pflege der Mutter und Gattin und die Kunſt der Arzte, unter denen ſchon am 2. März Profeſſor Kußmaul von Straßburg an das Krankenbett gerufen worden war, thaten alles, was in menſchlicher Macht ſtand, um das teure Leben zu retten. Als nach Eintritt der Geneſung im Monat Juni die baldige Abreiſe des Erbgroßherzogs nach dem Bade Nauheim in Ausſicht ſtand, erbat eine Abordnung des Stadtrats, die aus den drei Bürgermeiſtern beſtand, die Ehre eines Empfanges bei dem Erbgroßherzog, um ihm die Freude der Stadt über ſeine Wiedergeneſung auszuſprechen. Die Abordnung wurde am 16. Juni empfangen und konnte ſich von dem guten Ausſehen des Erbgroßherzogs überzeugen. Am 26. Juni erfolgte die Abreiſe nach Nauheim, vor, deren Antritt der Erbgroßherzog durch Vermittlung des Staatsminiſters⸗ f — 549— Turban dem Dank für die zahlreichen Beweiſe von Liebe und Anhänglichkeit, die er während ſeiner Krankheit erhalten hatte, Ausdruck gab. Insbeſondere der regen Teilnahme der Karlsruher fühlte ſich der Wiedergeneſene zu Dank verpflichtet. Als ein Zeichen desſelben ließ er dem Oberbürgermeiſter ein Geſchenk von 1000 Mk. zur Verteilung an die Armen hieſiger Stadt überweiſen. Zur Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaiſers als König von Preußen wurden am 3. Januar die ſtaat⸗ lichen Gebäude und das Rathaus beflaggt. Die Parade der Garniſon vor dem Theater zog eine große Menſchenmenge an. Dem Groß— herzog, der mit der Großherzogin und dem Erbgroßherzog an dem feſtlichen Tage in Berlin weilte, trug der Oberbürgermeiſter tele— graphiſch die Bitte vor, dem Kaiſer den Glückwunſch der Stadt Karlsruhe darbringen zu wollen. Im Namen des Kaiſers teilte der Großherzog dem Oberbürgermeiſter mit,„daß der Kaiſer dieſe freund— liche Kundgebung dankbar erkennt und die ihm dargebrachten Wünſche herzlich erwidert für das Wohlergehen der Stadt Karlsruhe, die ihm ſo oft ſchon werte Geſinnungen bethätigt habe, ganz beſonders im vorigen Jahre“. Ein Nachklang dieſes Jubiläums iſt in dem Be⸗ ſchluſſe des Stadtrats zu erkennen, der Mühlburger Landſtraße vom Bahnhofe am Mühlburger Thor bis zur katholiſchen Kirche in Mühlburg den Namen Kaiſer-Allee zu geben. Am 14. Januar nahm die Zweite Kammer ihre am 5. De⸗ zember v. J. unterbrochenen Verhandlungen wieder auf. Während derſelben bis zu dem am 15. April durch den Großherzog perſönlich erfolgten Schluß des Landtages war der Abg. Lamey Berichterſtatter über den Geſetzentwurf, die Aufnahme der als Staatsdiener angeſtellten evangeliſchen Geiſtlichen in den Civildiener-Wittwenfiscus betr., Kiefer Berichterſtatter der Kommiſſionen für die Geſetzentwürfe, die Auf⸗ beſſerung gering beſoldeter Kirchendiener aus Staatsmitteln und die Zwangserziehung jugendlicher Perſonen betr., Hoffmann Bericht— erſtatter der Budgetkommiſſion über verſchiedene Etatstitel, der Kom⸗ miſſion für den Geſetzentwurf, die Erwerbung der Elzthalbahn für den Staat betr. Er war auch Mitglied der Kommiſſion für den Geſetzent⸗ wurf, die Abänderung der Gemeindeordnung bezüglich der Aufbringung des Gemeindeaufwandes betr. Kiefer, Hoffmann und einige ihrer poli⸗ tiſchen Freunde richteten an die Regierung eine das Branntweinmonopol betreffende Anfrage und im Verlaufe der über dieſe eröffneten Ver⸗ handlung einen die Beſteuerung des Branntweins betreffenden, das Monopol unter gewiſſen Vorausſetzungen nicht ſchlechthin verwerfenden Antrag, deſſen Begründung Kiefer zufiel, der aber abgelehnt wurde. Von beſonderer Wichtigkeit für die Stadt Karlsruhe waren von den in dieſer Tagung verabſchiedeten Geſetzesvorlagen jene über die Auflöſung der Stadtgemeinde Mühlburg und deren Vereinigung mit der Stadtgemeinde Karlsruhe und über die Abänderung der Städte⸗ ordnung bezüglich der Aufbringung des Gemeindeaufwandes. Von beiden wird noch an anderer Stelle die Rede ſein. Die Feier des 400jährigen Jubiläums der Univer⸗ ſität Heidelberg ging auch an der Haupt⸗ und Reſidenzſtadt nicht unbemerkt vorüber. Zunächſt iſt zu erwähnen, daß vier Karls⸗ ruher durch ihre Leiſtungen das Univerſitätsfeſt verherrlichten: Scheffel, der das Feſtlied gedichtet, Lachner, der es in Muſik geſetzt, Durm, der die Aula in ihrer neuen Geſtalt geſchaffen, Hoff, deſſen Werk der großartige Feſtzug war. Weiterhin iſt zu ſagen, daß 10 Ehren⸗ doktoren, die bei dem feſtlichen Anlaß von der Univerſität ernannt wurden, ihren Wohnſitz in Karlsruhe hatten. Ehrendoktoren der Theo⸗ logie: der Großherzog, der Präſident des Evangeliſchen Oberkirchen⸗ rates v. Stoeſſer, Dekan Zittel, Hofprediger Helbing; der Rechte: der Erbgroßherzog, der Präſident des Miniſteriums der Juſtiz, des Kultus und Unterrichts, Wirkl. Geh. Rat Nokk, der Senatspräſident v. Stoeſſer; der Medizin: Staatsminiſter Jolly, Präſident der Ober⸗ rechnungskammer; der Philoſophie: Staatsminiſter Turban, Profeſſor Durm. Der Großhergog, der Rektor Magnificus der Univerſität, wollte aber die Heidelberger Feſtgäſte auch in ſeiner Reſidenzſtadt bei ſich ſehen, und eine große Zahl derſelben folgte am 5. Auguſt ſeiner Einladung. In langen Reihen zogen ſie vom Bahnhof zum Schloſſe, vom Balkon des Rathauſes herab durch Richard Wagners Einzugs⸗ marſch aus Tannhäuſer begrüßt, im Schloſſe vom Großherzog und der Großherzogin, die eine glänzende Geſellſchaft umgab, empfangen und bewirtet, zuletzt durch den Vortrag feſtlicher Lieder der Männer⸗ geſangvereine und eine prächtige Beleuchtung des Schloßgartens —— erfreut. Der Erbgroßherzog hatte aus Rückſicht auf ſeinen Geſund⸗ heitszuſtand, der noch Schonung erheiſchte, der Univerſitätsfeier fern bleiben müſſen. Am 30. April tagte hier die gegen 400 Teilnehmer zählende Geueralverſammlung des Deutſchen Kolonialvereines unter dem Vorſitze des Fürſten zu Hohenlohe-Langenburg und in Anweſenheit des Großherzogs, der im Verlaufe der Verſammlung ſelbſt das Wort ergriff, um ſeinen lebhaften Anteil an den Beſtrebungen des Vereines Ausdruck zu verleihen. Im Namen der Stadt hatte Oberbürger⸗ meiſter Lauter der Verſammlung einen warmen Willkommgruß dar⸗ gebracht. Nach mehrſtündigen Verhandlungen vereinigten ſich die Teilnehmer abends mit vielen Einwohnern der Reſidenzſtadt bei einem von dem Stadtrat veranſtalteten Bankett in der Feſthalle. Vom 21. bis 26. September fand eine von der Stadt Karlsruhe unter Mitwirkung der Regierung und der Cantralſtelle des land— wirtſchaftlichen Vereines unternommene Landeszuchtvieh-Aus-⸗ ſtellung ſtatt. Dieſelbe gewann, nachdem eine eigene, 300 Fuß lange Halle gegenüber dem Vierordtbad, von welcher ein Platz für Vor— führung und Prämiierung der Tiere frei blieb, erſtellt wöorden war, den Charakter eines landwirtſchaftlichen Volksfeſtes an, zu dem von allen Seiten die ländliche Bevölkerung herbeiſtrömte, um ſich auf der Schießwieſe zu fröhlichem Meßtreiben zu vereinigen. Der Beſuch der Ausſtellung war ſehr ſtark. Während ihrer ſechstägigen Dauer wurden 15 329 Eintrittskarten für einzelne Beſucher und 675 Abonnementskarten ausgegeben. Ihr war am 15. Auguſt die Er⸗ öffnung einer Ausſtellung für Handwerkstechnik, Hauswirt⸗ ſchaft und Molkerei vorausgegangen, welche der Gewerbverein in der Ausſtellungshalle veranſtaltete; ſie wurde erſt am 28. September geſchloſſen, und die Beſucher der Zuchtviehausſtellung verſäumten nicht, auch ihre Räume zu betreten. Dieſe Ausſtellung wurde von 45 000 Perſonen beſucht, aus dem Reinertrag wurden der Stadt 4000, dem Gewerbeverein 12 000 M. überwieſen. Mit ihr war eine vom Stadt⸗ rat unternommene Ausſtellung verſchiedener Syſteme von Molkerei— betrieben verbunden. — 552— Am 9. April abends 7 Uhr ſtarb hier in ſeinem, ſeit vielen Jahren von ſeinen Eltern und ihm bewohnten Hauſe, Nummer 16 der Stephanienſtraße, Joſef Viktor von Scheffel. Eine lange Leidenszeit war ſeinem Hinſcheiden vorangegangen. Schwer erkrankt war der Dichter einige Monate früher nach Heidelberg gekommen, um in der ihm ſo teuern Stadt am Neckarſtrand Linderung von ſeinen ſchweren Leiden zu ſuchen. Im Angeſicht des alten Schloſſes hatte er zum Univerſitätsjubiläum das ſchöne Lied gedichtet, beſtimmt, das Feſt zu verherrlichen, das er nicht erleben ſollte. Eine Feier ſeines 60. Geburtstages hatte der Kranke abgelehnt. Als die Ahnung des nahen Todes ihn ergriff, wollte er in die Vaterſtadt zurückge⸗ bracht werden, um da, wo er geboren war, zu ſterben. Am 2. April geſtatteten die Arzte dieſe letzte Reiſe des ſo viel Gereisten, zehn Tage ſpäter ſchloß er die Augen zum ewigen Schlafe. Selten hat Karlsruhe einen ſo großen Leichenzug geſehen. Der Großherzog wohnte der Leichenfeier im Trauerhauſe bei, von dem ſich die ſchier endloſe Reihe der Leidtragenden aus Karlsruhe und der Abordnungen aus vielen Städten Deutſchlands und Oſterreichs zum Friedhof bewegte, wo der katholiſche Dekan Benz am Grabe in der Grufthalle, rechts von der Kapelle, die Perſonalien verlas und die Leiche ein— ſegnete. Viele Vertreter von Vereinen legten mit kurzen Worten der Trauer Kränze am Grabe nieder, dann erklang das Lied„Stumm ſchläft der Sänger“, vorgetragen von den Chören, die ſo oft ſeine erhebenden und heiteren Dichtungen hatten erklingen laſſen. Karlsruhe hatte ſeinen berühmteſten Bürger begraben. Schon am 29. April trat ein Komitee unter dem Vorſitz des Dichters Guſtav zu Putlitz zuſammen, um die Einleitungen zur Errichtung eines Scheffel— Denkmals zu treffen. Die von allen Seiten zuſtrömenden Beiträge erreichten hier zum Schluſſe des Jahres 1886 die Höhe von 23 000 M. Am 16. September ſtarb der Direktor der höheren Bürgerſchule, Karl Damm, der, wegen Teilnahme an der Revolution von 1849 aus dem Vaterlande flüchtig, jenſeits des Weltmeeres eine von Erfolg gekrönte Wirkſamkeit entfaltet hatte, aber doch von Sehnſucht nach der alten Heimat bewegt, nach Verkündung der Amneſtie in dieſe zurückgekehrt war, um hier noch eine Reihe von Jahren hindurch ſein pädagogiſches Talent zu bewähren.— Eine ruhigere Laufbahn beſchloß am 17. Februar der Geh. Kriegsrat Ferdinand Ekert, der 45 Jahre lang in der Militärverwaltung dem Vaterlande ſeine Kraft gewidmet und ſeit Errichtung der Intendantur des 14. Armeekorps an deren Spitze geſtanden hatte, ein Vorbild treuer aufopfernder Pflichterfüllung.— Im hohen Alter von 88 Jahren ſtarb am 28. April der Geh. Rat Karl Junghanns, einer der hervor⸗ ragendſten Juriſten Badens, mit beſonderer Auszeichnung in ſeiner Stellung als Direktor des Juſtizminiſteriums und Mitglied der Ge— ſetzgebungskommiſſion an den großen Organiſationsarbeiten der 1860er Jahre beteiligt.— In dankbarer Anerkennung langjähriger ärztlicher Thätigkeit iſt noch der am 16. März einem Herzleiden erlegene Geh. Hofrat Adolf Volz zu nennen, der auch auf dem Gebiete der wiſſenſchaftlichen Litteratur durch ſeine bedeutende Schrift über die Opiumbehandlung der Peritonitis ſich einen bekannten Namen ge⸗ macht hat. 1887. Zum letzten Male feierte die Einwohnerſchaft Karlsruhes am 22. März dieſes Jahres den Geburtstag des greiſen Kaiſers Wilhelm J. mit beſonderer Feierlichkeit und Herzlichkeit, noch zweimal berührte der Kaiſer Karlsruhe, am 26. September auf der Reiſe nach Baden, wo er, wie alljährlich, den Geburtstag der Kaiſerin Auguſta im Kreiſe der Großherzoglichen Familie feierte und dann noch die ſchönen Herbſttage genoß, und am 19. Oktober, als er von Baden nach Berlin zurückkehrte. Beide Male hatte ſich am Mühlburgerthor-Bahnhof eine große Menſchenmenge eingefunden, die den Kaiſer mit ſtürmiſchen Hochrufen begrüßte. Die ſchwere Erkrankung des Kronprinzen des Deutſchen Reiches und von Preußen wurde auch in Karlsruhe aufs Tiefſte beklagt und ihr Verlauf von der wärmſten Teilnahme der Bevölkerung begleitet. Eine dieſen Empfindungen entſprechende Kundgebung beider Kammern wurde durch den Großherzog dem Kronprinzen übermittelt und von dieſem, ebenfalls durch Vermittlung des Großherzogs, in bewegten Worten verdankt. 554— Die Abſtimmung des Reichstages über die Septennatsvorlage 14. Januar hatte ſofort noch am gleichen Tage die Auflöſung des Reichstages zur Folge, nach welcher alsbald die Anberaumung der Neuwahlen ſtattfand. Die durch die Auflöſung und ihre Gründe ſowie durch die bevorſtehenden Neuwahlen allenthalben in Deutſchland hervorgerufene Erregung machte ſich auch in Karlsruhe geltend und fand ihren Ausdruck in den Verſammlungen aller Parteien, von denen ſich dieſes Mal, angeſichts der großen Bedeutung der Septennats⸗ frage für die Wehrkraft der Nation, die nationalliberale und die konſervative zu gemeinſamem Vorgehen dereinigt hatten. Dieſes Zu⸗ ſammengehen entſchied die Wahlſchlacht am 22. Februar zu Gunſten des Bewerbers dieſer beiden Parteien. Die Wahlbeteiligung war ſehr ſtark. Von 11514 Wahlberechtigten in hieſiger Stadt machten 9343 von ihrem Wahlrechte Gebrauch. Von dieſen gaben 5547 ihre Stimmen für den nationalliberalen Erſten Staatsanwalt Fieſer, 1856 für den Bewerber der Zentrumspartei, Dr. Lipp, 1925 für jenen der Sozialdemokraten, Redakteur Geck ab. Im ganzen 10. Wahlbezirk(mit 25 713 Wahlberechtigten und 21462 Abſtimmenden) erhielt von 21428 gültigen Stimmen Fieſer 10715 und war ſomit durch Stimmenmehrheit gewählt. am Der Landtag wurde am 22. November vom Großherzog per— ſönlich in gewohnter feierlicher Weiſe eröffnet. In der Vrtretung der Stadt Karlsruhe in der Zweiten Kammer war keine Veränderung eingetreten. Von Karlsruhern gehörten außer Hoffmann der Zweiten Kammer an: Erſter Staatsanwalt Fieſer, Geh. Regierungsrat Frey, Oberſchulratsdirektor Joos, Miniſterialrat und Oberſtaatsanwalt Frh. v. Neubronn und Kommerzienrat Schneider. Lamey wurde wieder zum Präſidenten, Kiefer zum zweiten Vicepräſidenten gewählt. Hoff⸗ mann war auch auf dieſem Landtag wieder Mitglied der Budget— kommiſſion, Kiefer der Kommiſſionen für die Geſchäftsordnung, zur Erlaſſung einer(von ihm beantragten) Adreſſe an den Großherzog, für die Geſetzentwürfe, die Befreiung der Militärverwaltung von den Verbrauchsſteuern der Gemeinden und die Heranziehung der Militär⸗ perſonen zu den Gemeindeabgaben und die Ausführung der Unfall⸗ und Krankenverſicherung bett. Am 14. Dezember trat die Zweite Kammer ihre Weihnachtsferien an. rr 1 Auch für die Gemeindevertretung und-Verwaltung waren Wahlen vorzunehmen. Im März fanden, da 48 nach Vorſchrift der Städteordnung aus ihrem Amte austretende Stadtverordnete zu erſetzen waren, Erneuerungswahlen ſtatt, am 13. April wurden die 11 aus⸗ tretenden Stadträte ſämtlich wiedergewählt. Zu Mitgliedern des ge— ſchäftsleitenden Vorſtandes der Stadtverordneten wählten dieſe die Herren Dengler, Fieſer, Heidenreich, Schneider, Schüſſele, Schwindt, Waltz; Schneider wurde Obmaun dieſes Vorſtandes, Schwindt ſein Stellvertreter. Vom 14. bis 17. April fanden hier die Sitzungen des Deut— ſchen Geographentages im Gebäude der Techniſchen Hochſchule ſtatt. Geheimrat Dr. Hardeck begrüßte die von hervorragenden Fach— männern zahlreich beſuchte Verſammlung im Namen des Ortsausſchuſſes, Profeſſor Dr. Juſt, als derzeitiger Direktor der Techniſchen Hoch⸗ ſchule, in deren Namen, Oberbürgermeiſter Lauter im Namen der. Stadt Karlsruhe, worauf, wie in den noch folgenden Sitzungen, eine Reihe von Vorträgen gehalten wurde. Der zweiten und dritten Sitzung wohnten Großherzog und Großherzogin bei, von Geheimerat Dr. Neumayer in warmer Anſprache begrüßt. Die Stadt lud die Mitglieder zu einer Beſichtigung des durch Gasflammen hell er— leuchteten Landgrabentunnels ein, wobei deſſen Erbauer, Ingenieur Schück, über die Entſtehung und bauliche Ausführung des Tunnels die nötigen Erläuterungen gab. Einer ſich hieran anſchließenden Fahrt nach Maxau folgte ein Bankett in der Feſthalle. Nächſt den. wiſſenſchaftlichen Vorträgen bildete eine ſehr intereſſante geographiſche Ausſtellung im Maſchinengebäude der Techniſchen Hochſchule einen. Anziehungspunkt auch für weitere Kreiſe. Vom 25. Juli bis 25. September waren im Orangeriegebäude⸗ deutſche Kunſtſchmiedearbeiten ausgeſtellt auf Veranlaſſung. des Kunſtgewerbevereines, der eine Wettbewerbung ſolcher Arbeiten ausgeſchrieben hatte. Die Ausſtellung war ſehr gut beſchickt, auch Private, Vereine u. ſ. f. ſtellten Kunſtſchmiedearbeiten, teilweiſe von großem Wert, und außergewöhnliche Muſterſtücke zur Verfügung. Die Ausſtellung war geſchmackvoll und ſorgfältig geordnet und er— freute ſich lebhaften Beſuches von hier und auswärts. — 556— Vom 22. bis 28. September tagte hier die vierte inter⸗ nationale Konferenz der Vereine vom Roten Kreuz. Bei dieſer Verſammlung vereinigte ſich eine große Zahl bedeutender Perſönlichkeiten aus allen civiliſierten Ländern des Erdballs, Vertreter zahlreicher Vereine, welche unter dem Zeichen des Roten Kreuzes für Linderung der Leiden der Verwundeten und Kranken im Kriege thätig ſind und im Frieden die Löſung der im Kriegsfalle eintretenden Aufgaben vorzubereiten ſich zur Pflicht machen. Den Sitzungen wohnten auch der Großherzog und die Großherzogin an und die greiſe Kaiſerin kam von Baden herüber, um auch bei dieſem Anlaß ihre unermüdliche Teilnahme an der Sache des Roten Kreuzes zu bethätigen. Mit dieſer Tagung, die im Sitzungsſaale der Zweiten Kammer des Ständehauſes ſtattfand, war eine Ausſtellung von Gegen— ſtänden, die ſich auf die Verwundeten- und Krankenpflege beziehen, und eine Übung des freiwilligen Krankenträgerkorps des Karlsruher Männerhilfsvereines verbunden. Zu Ehren der Konferenz wurden von dem Großherzoglichen Hofe, von dem Staatsminiſter, von der Stadt und der Mufſeumsgeſellſchaft verſchiedene feſtliche Vereinigungen veranſtaltet, welche den Teilnehmern den Aufenthalt in Karlsruhe in beſter Erinnerung halten werden. Von den Toten dieſes Jahres ſeien hier erwähnt der Fürſt Wilhelm von Löwenſtein-Wertheim-Freudenberg (F 10. März), der ſeit einer langen Reihe von Jahren ſeinen Wohnſitz, wenn er nicht auf ſeinen Gütern lebte, hier genommen hatte, im öffentlichen Leben durch ſeine regelmäßige Beteiligung an den Ver⸗ handlungen der Erſten Kammer hervorgetreten; Graf Friedrich von Berlichingen(F 23. Mai), ein ritterlicher Herr und in der Erſten Kammer als freiſinniger Redner eine hervorragende Erſcheinung; Geheimerat Auguſt Friedrich Nüßlin( 17. Oktober), während vieler Jahre Mitglied des Staatsminiſteriums ohne Portefeuille, ſeit 1860 Präſident des Evangeliſchen Oberkirchenrates); der Ehrenbürger der Stadt, General Graf Auguſt von Werder, der gefeierte Führer der badiſchen Truppen im deutſch⸗franzöſiſchen Krieg(auf ſeinem Gut Grüſſow bei Belgard am 12. September geſtorben); einer der hervorragendſten Lehrer der Techniſchen Hochſchule, Profeſſor Dr. Karl Birnbaum, Vorſtand des Chemiſchen Laboratoriums und Profeſſor der Chemie( 19. Februar), vom Großherzog zum Mitglied der Erſten Kammer ernannt, langjähriges Mitglied des ſtädtiſchen Ortsgeſundheitsrates, beſonders verdient auf dem Gebiet der Nahrungsmittelhygiene; Hofkirchenmuſikdirektor Heinrich Giehne (+ 1. Oktober), der ausgezeichnete muſikaliſche Leiter des Cäcilien— vereins, um das muſikaliſche Leben der Stadt Karlsruhe hochverdient; der Dichter und Hofſchauſpieler Otto Conſentius(F 13. Januar), deſſen Erfolg mit ſeiner Begabung und ſeinem ehrlichen Streben nicht gleichen Schritt gehalten, der es aber doch verſtanden hatte, eine kleine Gemeinde ernſter Freunde und Verehrer zu gewinnen; endlich ein Alt-Karlsruher Bürger, Heinrich Lang(F 24. April), während einer Reihe von Jahren Stadtrat und Stadtverordneter, von 1873—78. Abgeordneter der Stadt Karlsruhe in der Zweiten Kammer, auch als Geſchäftsmann hervorragend tüchtig. Er hatte durch letztwillige Verfügung die Verbringung ſeiner Leiche zur Feuerbeſtattung nach Gotha angeordnet, der erſte Fall in hieſiger Stadt. 1888. Von den ſchwerſten Prüfungen, welche über eine Familie verhängt werden können, wurde in dieſem Jahre das fürſtliche Haus betroffen. Die ſchwere Erkrankung des Deutſchen Kronprinzen, die ſich bald nach ſeiner Überſiedlung nach San Remo als unheilbar erwies, laſtete ſchwer auf dem Gemüte der fürſtlichen Schweſter, unſerer Großherzogin, und der Ihrigen, die dem liebenswürdigen Schwager und Oheim, wie ſie, aufs Innigſte ergeben waren. Die Rückſicht auf dieſe tiefbetrübenden Ausſichten war die Veranlaſſung, daß ein Fa⸗ milienfeſt, welches ſonſt von weiteren Kreiſen freudig begrüßt worden wäre, die ſilberne Hochzeit des Prinzen und der Prinzeſſin Wilhelm, in aller Stille begangen wurde. Ein Dankgottesdienſt fand am 11. Februar, dem 25. Jahrestage der Vermählung in der Schloß— kirche, ein Te Deum in der Hauskapelle der Prinzeſſin ſtatt. Ein Empfang bei Hofe am 12. Februar gab der Hofgeſellſchaft und anderen Eingeladenen Gelegenheit, ihre Glückwünſche darzubringen. Drei Tage ſpäter, am 15. Februar, traten Großherzog und Groß— herzogin eine Reiſe zum Beſuche des Deutſchen Kronprinzen in San Remo und des Erbgroßherzogs in Cannes an. Auf der Rück⸗ reiſe erhielten ſie die beunruhigende Nachricht von der ernſten Er⸗ krankung des in Freiburg ſeinen Studien obliegenden Prinzen Ludwig Wilhelm an einer Lungenentzündung, und ſchon an der Grenze des Heimatlandes wurden die fürſtlichen Eltern von der erſchütternden Nachricht, daß ſie ihren Sohn nicht mehr am Leben antreffen ſollten, aufs Tiefſte gebeugt. Am 16. Februar erkrankt, war der Prinz, trotz ſorgfältigſter ärztlicher Pflege, am Morgen des 23. Februar entſchlafen. Mit der großherzoglichen Familie empfand das ganze badiſche Land, vorab die treue Reſidenzſtadt, in welcher der Prinz ſich der lebhafteſten Sympathien erfreute, den tiefſten Schmerz über dieſen ſo ſchweren Verluſt. In beiden Kammern gaben die Präſidenten, in einer außerordentlichen Sitzung des Stadtrats der Oberbürgermeiſter den Empfindungen, welche die Vertretungen des Landes und der Stadt Karlsruhe beſeelten, warmen Ausdruck. Am 24. Februar wurde die Leiche des verewigten Prinzen von Freiburg nach Karlsruhe überführt und in ſpäter Abendſtunde vom Bahnhof in die Schloß⸗ kirche verbracht; in den nächſten Tagen war während einiger Stunden dem Volke der Zutritt zu der aufgebahrten fürſtlichen Leiche geſtattet. Am 29. Februar fand die feierliche Beiſetzung in der fürſtlichen Familiengruft in der Stadtkirche ſtatt. Nach der Einſegnung der Leiche in der Schloßkirche bewegte ſich der Leichenzug über den Schloßplatz und die Karl⸗Friedrichſtraße zum Marktplatz. Dem Leichenwagen folgte der Großherzog, begleitet von den Prinzen Wilhelm von Preußen und Wilhelm von Württemberg und gefolgt von den Prinzen des Hauſes, den anderen anweſenden fürſtlichen Perſonen und den hier eingetroffenen Abordnungen, den Vertretern der Civil⸗ und Militärbehörden ſowie des Stadtrates. In der Stadtkirche verlas Prälat Doll die Perſonalien des verewigten Prinzen und hielt eine ergreifende Trauerrede. Die Großherzogin und die fürſtlichen Damen wohnten in der Hoftribüne der Leichenfeier bei. Der Staatsminiſter „Turban veröffentlichte ein Schreiben des Großherzogs, welches dem Danke für die Teilnahme aller Kreiſe der Bevölkerung an dem ſchmerzlichen Ereigniſſe Ausdruck verlieh. Nur wenige Tage waren vergangen, als ein anderer Trauerfall die Großherzogin und das Großherzogliche Haus auf's Tiefſte er⸗ ſchütterte. Am 10. März ſchloß Kaiſer Wilhelm nach ganz kurzer Krankheit ſeine Augen zum ewigen Schlummer. Am 7. März waren der Großherzog und die Großherzogin an das Sterbebett des geliebten Vaters geeilt, an dem ſie bis zum letzten Augenblick dieſes thaten- und ſegensreichen Lebens weilten. Auch an dieſem, das ganze deutſche Volk auf das Schmerzlichſte berührenden Verluſte, welcher der Tochter des Kaiſers, unſerer Großherzogin, ihrem Gemahl und ihren Kindern neue ſchwere Wunden ſchlug, nahm mit dem ganzen Lande die Ein— wohnerſchaft der Haupt- und Reſidenzſtadt den wärmſten Anteil. Auf die erſte aus Berlin eingetroffene Nachricht erklang von allen Türmen Trauergeläute, die Sitzung des Stadtrats wurde geſchloſſen, der Stadtrat gab durch ein an den Großherzog gerichtetes Telegramm und einen nach Berlin geſandten koſtbaren Kranz ſeiner Trauer und ſeinem Beileid Ausdruck, Bürgermeiſter Schnetzler reiste nach Berlin, um als Vertreter der Stadt den Beiſetzungsfeierlichkeiten anzuwohnen. Der Tag der Beiſetzung, der 16. März, zeigte ſich auch äußerlich in Karlsruhe als ein allgemeiner Trauertag, durch den Trauerſchmuck des Rathauſes und des Marktplatzes wie aller öffentlichen Gebäude. In den evangeliſchen Kirchen fanden an dieſem Tage Trauergottesdienſte ſtatt, während das Ordinariat für die katholiſchen Kirchen auf Sonntag den 18. März eine Trauerfeier anordnete. Der 22. März, der Geburtstag weiland Kaiſer Wil—⸗ helms J., wurde als ein weihevoller Gedächtnistag begangen durch Trauergottesdienſte in den Kirchen, Gedenkfeiern in den Schulen und durch eine großartige Trauerverſammlung in der entſprechend ge— ſchmückten Feſthalle, bei der Kreisſchulrat Trautz die Kaiſerrede hielt und die Geſangvereine eine von R. Haaß gedichtete, von Vincenz Lachner in Muſik geſetzte Trauerhymne ſangen. Schon am 15. Juni wurde das Großherzogliche Haus zum dritten Male in dieſem Unglücksjahr durch den Tod eines nahen An— gehörigen in die tiefſte Trauer verſetzt, als Kaiſer Friedrich III. nach den mit bewundernswertem Heldenmute getragenen ſchweren Leiden aus dieſem Leben abberufen wurde. Auch bei dieſem ſo tief betrübenden Anlaß zeigte ſich die allgemeine Trauer und Teilnahme wie im Februar und März in der mannichfachſten und herzlichſten Weiſe. Am 24. Juni fand in allen Kirchen Trauergottesdienſt ſtatt und legte die Stadt Trauerſchmuck an, die hieſigen Israeliten hatten ſchon früher Trauer— feiern veranſtaltet. An den Großherzog, der ſich am 16. Juni mit der Großherzogin nach Berlin begeben hatte, war ein Beileidstele— — 560— gramm ſeitens des Stadtrats abgegangen, der auch einen prächtigen Lorbeerkranz am Sarge des verewigten Kaiſers niederlegen ließ— Wie nach der Beiſetzung Kaiſer Wilhelms I. Großherzog und Großherzogin nicht ſogleich nach Karlsruhe zurückgekehrt, ſondern in Berlin geblieben waren, wo der Großherzog ſeinem ſchwer kranken Schwager, Kaiſer Friedrich III., in den erſten Wochen ſeiner Re⸗ gierung als bewährter Ratgeber treu zur Seite ſtand, ſo blieb auch nach deſſen Ableben der Großherzog, auf Wunſch ſeines Neffen, Kaiſer Wilhelm II., noch einige Tage in Potsdam und wohnte am 25. Juni in Berlin der feierlichen Eröffnung des Reichstages bei, zu der— auf ſeine Anregung— die deutſchen Bundesfürſten und die Bürgermeiſter der freien Städte erſchienen waren. Am gleichen Tage ernannte der Kaiſer den Großherzog in dankbarer Anerkennung ſeiner vielen und großen Verdienſte um das Deutſche Reich und ſeine beiden erſten Kaiſer— die er in einem Handſchreiben zum Ausdruck brachte— zum Generaloberſten der Kavallerie mit dem Rang eines General-Feldmarſchalls. Am 26. Juni kehrte der Großherzog nach Karlsruhe zurück und begab ſich ſofort nach Baden, wohin die Groß⸗ herzogin mit der Kaiſerin Auguſta ſchon am 21. Juni von. Berlin gereiſt war. Das Hoflager blieb dort bis Mitte Auguſt, da die Großherzogin wegen eines Augenleidens erſt um dieſe Zeit, nachdem das Ergebnis einer von Hofrat Maier vorgenommenen Unterſuchung ein im Allgemeinen befriedigendes war, zu längerem Aufenthalt nach Mainau abreiſen konnte. Dort blieb die großherzogliche Familie, bis ſie am 8. Oktober nach Baden abreiste, wo eine neue Unter⸗ ſuchung feſtſtellte, daß die vielerlei Gemütsbewegungen und teilweiſe Anſtrengungen der letzten Zeit ohne Nachteil geblieben waren. Die — Rückkehr nach Karlsruhe erfolgte erſt am 5. Dezember. In Baden verſchied am 17. Oktober die verwitwete Herzogin von Hamilton, Prinzeſſin Marie von Baden, Tochter weiland Großherzog Karls. Auch bei dieſem Trauerfall ſprach, Namens der Stadt Karls⸗ ruhe, der Stadtrat durch Vermittlung des Geheimen Kabinetts ſein Beileid aus und ließ am Sarge der Verewigten einen Kranz niederlegen. Am 16. Januar trat die Zweite Kammer des Landtags wieder zuſammen. In dieſer zweiten und größeren Hälfte ihrer Tagung bis zum 18. Juli, an welchem der Großherzog perſönlich den — 561— Landtag ſchloß, war Kiefer Mitglied der Kommiſſionen für zwei der wichtigſten Geſetzesvorlagen: über den Entwurf eines Beamten⸗ geſetzes und über den Entwurf, die Anderung einiger geſetzlichen Be⸗ ſtimmungen über die rechtliche Stellung der Kirchen und lirchlichen Vereine im Staat betr.(für dieſe Kommiſſion Berichterſtatter), Lamey gehörte der Kommiſſion für den Geſetzentwurf, die Beſteuerung für örtliche kirchliche Bedürfniſſe betr., an. Beide Abgeordnete wurden am Schluſſe der Tagung in den ſtändiſchen Ausſchuß gewählt. Am Tage des Landtagsſchluſſes brachte die Einwohnerſchaft Karlsruhes dem Großherzog eine Huldigung dar, durch welche dem Gedanken Ausdruck gegeben werden ſollte, wie ſehr ſie ſeine vaterlandsliebende, opferwillige Geſinnung und ſein erfolgreiches Wirken für die Macht und Größe des neu geſchaffenen Reiches zu würdigen wiſſe. Ein von dem beflaggten und feſtlich beleuchteten Marktplatz ausgehender Zug von Tauſenden, Stadtrat und Stadt⸗ verordnete an der Spitze, unter Vorantritt der Kapelle des Leib— grenadierregiments, bewegte ſich nach acht Uhr abends zum Schloſſe. Dort wurde von allen Verſammelten die„Wacht am Rhein“ und die Landeshymne mit unterlegtem Text von Ludwig Lautz angeſtimmt, von den Männergeſangvereinen das„Deutſche Lied“ geſungen. Im Marmorſaale empfing der Großherzog die Vertreter der Stadt und ſämtlicher hieſigen Vereine, nahm aus der Hand des Oberbürger— meiſters Lauter eine im Namen der geſamten Einwohnerſchaft überreichte Huldigungsadreſſe entgegen und beantwortete ſie in bewegter Rede mit einem zuverſichtlichen Ausblick in die glückliche Zukunft des Reiches. Er trat ſodann auf den Schloßaltan heraus und erwiderte ein von dem Vorſtand der Liederhalle, Finanzrat Wilhelm, aus— gebrachtes Hoch mit einem Hoch auf das Vaterland und den Kaiſer. Zwei um das badiſche Land in langjähriger Thätigkeit hoch— verdiente Männer feierten in dieſem Jahre Gedenktage ihres Wirkens: der Präſident des Finanzminiſteriums, Wirkl. Geh. Rat Ellſtätter, der am 11. Februar auf eine zwanzigjährige Amtsthätigkeit in dieſer Stellung zurückblickte. Der Großherzog ernannte ihn aus dieſem Anlaß zum Finanzminiſter. Vierzig Jahre waren am 11. Mai verfloſſen, ſeit der Präſident der Zweiten Kammer, Wirkl. 36 — 562— Geheimer Rat Lamey dieſem hohen Haufe angehörte. Zu den Vielen, unter denen auch der Großherzog nicht fehlte, die ihm ihre Glückwünſche ausſprachen, geſellte ſich der Stadtrat, der dem Ehren⸗ bürger Karlsruhes durch eine Abordnung eine Adreſſe überreichen ließ. Vom 24. bis 27. Dezember wurde hier die neunte Jahres⸗ verſammlung des Deutſchen Vereines für Armenpflege und Wohlthätigkeit abgehalten, deren Teilnehmer auf Einladung des Stadtrates die ſtädtiſchen Anſtalten für Armen- und Krankenpflege beſichtigten. Der zwölfte Badiſche Feuerwehrtag fand am 5. und 6. Auguſt ſtatt. In Verbindung mit dieſem wurde das 25jährige Beſtehen des badiſchen Landesfeuerwehrvereines gefeiert: 124 Feuer⸗ wehren des Landes mit über 5000 Mitgliedern waren aus dieſem Anlaß hier vereinigt. In der Generalverſammlung wurde bekannt gegeben, daß der Erbgroßherzog das Protektorat dieſes Vereines übernommen habe. Den Feſtteilnehmern wurde eine Probe der Mannſchaften der Stadt unter Leitung ihres Kommandanten F. W. Döring auf dem Marktplatz und am Hoftheater vorgeführt. RR²·..⁴˙. Von den Toten dieſes Jahres ſeien genannt der General— leutnant z. D. Freiherr Alfred von Degenfeld-Neuhaus ( 16. November), einer der hervorragenden badiſchen Truppenführer im deutſch⸗franzöſiſchen Kriege, in den letzten Jahren Präſident des badiſchen Militärvereinsverbandes, 1887 Mitglied des Reichstages für den Wahlkreis Offenburg⸗Oberkirch⸗Kehl; der fürſtlich fürſtenbergiſche Baurat a. D. Adalbert Kerler(T 28. März); der Geh. Rat Felix Behaghel(5 3. Juni) und der Geh. Referendär Friedrich Stroebe(F 13. Mai), beide Mitglieder des Oberkirchenrats; der Hofſchauſpieler a. D. Eduard Nebe(8 7. Oktober), von 1861—1883 Mitglied der hieſigen Hofbühne, als Schauſpieler und Sänger, wie im bürgerlichen Leben als feingebildeter und wohlgeſinnter Mann hochgeſchätzt. SA• — 563— 1889. Der Großherzog und die Großherzogin, die am 20. Dezember 18d58 ſich nach Berlin begeben hatten, nach der Rückkehr aus der Reichshauptſtadt, am 1. Februar, aber im Anfang des März wieder dorthin gereist waren, ſetzten am 25. März ihre Reiſe über Kopen⸗ hagen nach Stockholm fort, wo ihnen am 20. April ein dritter Enkel geboren wurde, und kehrten erſt am 27. Mai nach Karlsruhe zurück. Hier fand am 2. Juli die Vermählung der Prinzeſſin Marie, Tochter des Prinzen und der Prinzeſſin Wilhelm, mit dem Erbprinzen Friedrich von Anhalt ſtatt, wozu nebſt den Mitgliedern der herzoglich Anhalt'ſchen Familie auch eine größere Zahl anderer fürſtlicher Perſonen eingetroffen war. Zum Beginne der Feierlichkeiten brachten am 28. Juni die Karlsruher Männergeſangvereine ein Ständchen dar, dann folgte am 29. Juni ein Gartenfeſt der Muſeums⸗ gefellſchaft, am 30. ein großes Hoffeſt, am 1. Juli die Unterzeichnung der Ehepakten und ſeitens der Prinzeſſin Braut die hausgeſetzlich vorgeſchriebene Verzichturkunde. Am 2. Juli vollzog Staatsminiſter Turban als Standesbeamter für das Großherzogliche Haus die Zivil—⸗ trauung, welcher die kirchliche Trauung durch Prälat Doll in der Schloßkirche folgte. An dieſe ſchloß ſich eine Gratulationskur und eine Galatafel im Schloſſe an. Die Abreiſe des Erbprinzen und der Erbprinzeſſin erfolgte am gleichen Abend. Die Stadt Karlsruhe hatte am 27. Juni durch eine Abordung des Stadtrats als Feſtgabe ein Album mit photographiſchen Anſichten der Reſidenzſtadt in kunſt⸗ reicher Ausſtattung der Prinzeſſin Marie überreichen laſſen. Nur wenige Tage nach dieſem Familienfeſt erkrankte am 12. Juli in Freiburg der Erbgroßherzog an einer heftigen Lungen— entzündung, die in der Zeit vom 21. bis 24. Juli eine gefahrdrohende Höhe erreichte. Zur ärztlichen Behandlung wurden außer dem Leib— arzt, Geh. Rat Dr. Tenner Geh. Hofrat Dr. Bäumler in Freiburg und Geh. Rat Dr. Kußmaul aus Heidelberg beigezogen. Eine entſchiedene Wendung zum Beſſeren trat, nachdem der Kranke vom 24. Juli an einige Erleichterung empfunden hatte, erſt am 29. Juli ein; vom 1. Auguſt an unterblieb die tägliche Ausgabe der Krankheits⸗ berichte. Nach völliger Herſtellung des Erbgroßherzogs begab er ſich mit der Erbgroßherzogin von Freiburg nach Badenweiler und von da nach Baden. 36* — 564— Der erſte Geburtstag Kaiſer Wilhelms II. nach ſeinem Regierungsantritt wurde in beſonders feſtlicher Form begangen. Außer den militäriſchen Feſtlichkeiten fand am Vorabend des 27. Januar im großen Saale der Feſthalle eine Kaiſerfeier des Militärvereines, im kleinen Sale ein feierlicher Kaiſerkommers junger und alter Korps⸗ ſtudenten des Köſener 8. C. Verbandes, im Saale des„Elephanten“ ein ſolcher der Studierenden der techniſchen Hochſchule ſtatt. In anderen Räumen feierten das Feſt der nationalliberale Verein, die Liederhalle und andere Vereine und Geſellſchaften mit Banketten. Am Feſttage ſelbſt fanden in den Kirchen der Stadt Feſtgottesdienſte ſtatt; der ſehr ungünſtigen Witterung halber mußte die Parade der Garniſon ausfallen; am Nachmittag vereinigte eine große Anzahl von Militärs, Beamten und Bürgern ein Feſtmahl im großen Muſeumsſaale; abends wurde im feſtlich beleuchteten Hoftheater „Lohengrin“ aufgeführt. Der Großherzog, der ſich in Berlin befand, wurde von verſchiedenen Feſtverſammlungen gebeten, Vermittler ihrer Glückwünſche beim Kaiſer zu ſein und entſprach huldvoll dieſen Bitten. Umfaſſende Vorbereitungen wurden getroffen, als für den 19. Auguſt der Beſuch des Deutſchen Kaiſerpaares angeſagt wurde. Die Kriegſtraße vom Bahnhof bis zur Karl⸗Friedrichſtraße und dieſe ſelbſt, beſonders aber der Marktplatz waren prächtig geſchmückt. Aus dem ganzen Lande kamen die Mitglieder der Militärvereine, der Feuerwehr und anderer Verbände(Turner, Schützen, Sänger u. ſ.f.) nach der Hauptſtadt und bildeten Reihen, durch welche Kaiſer Wilhelm II. und Kaiſerin Auguſte Viktoria, von Großherzog und Großherzogin, den Mitgliedern des Großherzoglichen Hauſes, der Generalität und den Spitzen der Behörden empfangen, ihren Einzug hielten. Am Rathauſe begrüßte ſie Oberbürgermeiſter Lauter mit einer Anſprache, während Bürgermeiſter Schnetzler der Kaiſerin, Bürgermeiſter Krämer der Großherzogin Blumenſträuße überreichten. Vor dem Schloß waren die Geſangvereine aufgeſtellt, welche ein Lied vortrugen, und deren Vorſtand, Landgerichtsrat Rothweiler, eine Anrede an das Kaiſerpaar hielt. In das von ihm ausgebrachte Hoch ſtimmten die Tauſende, die den weiten Platz erfüllten, ſtürmiſch ein. Hierauf nahm der Kaiſer den Vorbeimarſch der Kriegervereine und Feuerwehren ent— — 3 gegen, der über eine Stunde in Anſpruch nahm. Am Abend wurden die Kriegervereine auf Anordnung des Großherzogs im Stadtgarten und von Seiten der Stadt auf dem Platze vor der Feſthalle bewirtet. Im Schloſſe fand Prunktafel ſtatt, an deren Schluß die vereinigten Muſikkapellen und Spielleute der 28. Diviſion eine Serenade auf— führten. Während am darauffolgenden Vormittag der Kaiſer im Wildpark jagte und hierauf mit dem Großherzog einer Gefechtübung zwiſchen Jöhlingen und Obergrombach beiwohnte, beſuchte, von der Großherzogin geführt, die Kaiſerin verſchiedene Anſtalten des badiſchen Frauenvereins. Am Nachmittag reiste das Kaiſerpaar wieder von hier ab. Im Oktober wurden Neuwahlen zur Zweiten Kammer vorgenommen. Die Wahlmännerwahlen in den 40 Wahlbezirken der Stadt fanden am 9. Oktober bei mäßiger Beteiligung der Wahl— berechtigten ſtatt. Deren Zahl betrug 10305, von denen 2574 (25 vom Hundert) von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Von den in den drei Wahlgängen abgegebenen 19459 Stimmen fielen 15248(78 vom Hundert) auf die Nationalliberalen, 4211(22 vom Hundert) auf die Gegenparteien. Die Nationalliberalen ſiegten in allen Wahldiſtrikten mit Ausnahme des 31.(Durlacherſtraße), in welchem die 8S von einem Wahlausſchuß, der aus den verſchiedenen Gegenparteien unter dem Namen„Bürgerpartei“ zuſammengeſetzt war, vorgeſchlagenen Wahlmänner mit kleiner Mehrheit gewählt wurden. Am 25. Oktober wurden die drei bisherigen Abgeordneten, Geh. Rat Dr. Lamey in Mannheim, Landgerichtspräſident Dr. Kiefer in Konſtanz und Stadtrat Hoffmann von hier wiedergewählt. Der Einwohnerſchaft von Karlsruhe gehörten außerdem die Abgeordneten Erſter Staats— anwalt Fieſer, Geh. Regierungsrat Frey, Geh. Referendär von Stoeſſer und Kreisſchulrat Weygoldt an. Am 21. November wurde der Landtag im Auftrage des Großherzogs durch Staatsminiſter Turban eröffnet. Von den Vertretern der Stadt Karlsruhe war Lamey Präſident, Kiefer zweiter Vizepräſident. Dieſer gehörte den Kommiſſionen für die Geſchäftsordnung und für den Geſetzentwurf, die Vorzugs- und Unterpfandsrechte betr. an, Hoffmann war Mitglied der Budget⸗ kommiſſion und der Kommiſſion für den Geſetzentwurf, einige Ab— — 566— änderungen und Ergänzungen des Polizeiſtrafgeſetzbuches betr. Vom 14. Dezember bis zum 16. Januar 1890 waren die Landtagsver⸗ haudlungen unterbrochen. In dieſem Jahre fanden nur ganz wenige Gemeindew ahlen ſtatt. An Stelle des im Januar geſtorbenen Stadtrats Fr. Wundt wurde Stadtverordneter L. Waltz in den Stadtrat gewählt. Er und zwei andere aus dem Bürgerausſchuß ausſcheidende Stadtver⸗ ordnete wurden durch Ergänzungswahlen erſetzt. Im Auguſt fand die dreißigſte Hauptverſammlung des Vereins deutſcher Ingenieure hier ſtatt, begrüßt in der erſten Geſamt⸗ ſitzung durch Miniſterialdirektor Eifenlohr, Oberbürgermeiſter Lauter und Forſtrat Schuberg im Namen der Regierung, der Stadt und der Techniſchen Hochſchule. Am 7. Auguſt verſammelten ſich die Teilnehmer am Denkmal Redtenbachers im Hofe des Polytechnikums, um das Andenken dieſes bedeutenden Mannes und unvergeßlichen Lehrers durch Niederlegen von Kränzen unter entſprechenden An— ſprachen zu ehren. Die Stadt veranſtaltete ein Feſt im Stadtgarten, die Regierung eine Fahrt zur Beſichtigung der Höllenthalbahn. Wenige Tage ſpäter hielt der deutſche Bäckerverband „Germania“ ſeinen achten Centralverbandstag hier ab, von Geh. Referendär G. von Stoeſſer, Oberbürgermeiſter Lauter und Stadtrat K. Schwindt Namens der Regierung, der Stadt und der Karlsruher Bäckergenoſſenſchaft begrüßt. Die Firma Sinner lud die Teilnehmer zur Beſichtigung ihres induſtriellen Anweſens in Grünwinkel, beſonders der Fabrikanlagen für Preßhefefabrikation ein, die„Eintracht“ ver— anſtaltete in ihrem Geſellſchaftsgarten und die Stadt im Stadtgarten Gartenfeſte, den Schluß der Verſammlung bildete ein von etwa 600 Perſonen beſuchtes Feſtmahl im großen Saale der Feſthalle. Gleichzeitig mit dem Verbandtag fand, unter dem Schutze der Groß— herzogin, eine Ausſtellung von Erzeugniſſen und Bedarfsartikeln der Bäckerei, Konditorei und verwandter Gewerbe in der Ausſtellungshalle am Feſtplatz ſtatt, welche von 280 Perſonen, Firmen und Genoſſen⸗ ſchaften aus allen Teilen des Reiches beſchickt war. Von den durch das Preisgericht zuerkannten 13 Ehrengaben fielen 9 auf Karlsruher ieeeeeeeeeeeeee. rrr ——— — 567— Ausſteller und 20 derſelben wurden durch erſte Preiſe ausgezeichnet⸗ Die Ausſtellung wurde während ihrer zehntägigen Dauer von 33000 zahlenden Perſonen beſucht. Ebenfalls im Auguſt wurde der Verbandstag des Verbandes ſüddeutſcher Arbeiterbildungsvereine und der ſüddeutſche Gaſtwirteverbandstag hier abgehalten. 8 Von den Toten dieſes Jahres erwähnen wir den proteſtantiſchen Stadtpfarrer Karl Zimmermann(1 2. Juli im 74. Jahre), der ſeit 1850 als Geiſtlicher in Karlsruhe ſegensreich wirkte, einer der angeſehenſten unter den Männern, die ſich in der badiſchen evangeliſchen Landeskirche um die Fahne des reformatoriſchen Bekenntniſſes ſchaarten und ſich in Folge der Ereigniſſe von 1861 zu einer kirchlichen Partei vereinigten. Jahre lang Leiter der„Evangeliſchen Konferenz“, des Mittelpunktes dieſer Richtung, und einer der Gründer ihres Organs, des„Evangeliſchen Kirchen- und Volksblattes für das Großherzogtum Baden“, auch ein eifriger und hingebender Arbeiter auf dem Gebiete der äußeren und inneren Miſſion. 1881 war er, durch Kränklichkeit und Körperſchwäche genötigt, in den Ruheſtand getreten.— Am 23. Auguſt ſtarb der Maler Johann Baptiſt Tuttine, ein liebe— voller Darſteller des Volkslebens ſeiner Schwarzwälder Heimat, beſonders verdient um das Zuſtandekommen der Feſtzüge in den Landestrachten bei den Feſtlichkeiten der Jahre 1881 und 1885.— Ein hervorragender Schulmann war der am 12. September einem Schlagfluß erlegene Direktor des Schullehrerſeminars II., Franz Kaver Lehmann, der auch in der naturwiſſenſchaftlichen Litteratur ſich durch eine größere Zahl von geſchätzten Abhandlungen rühmlich bekannt gemacht hatte.— Ein anderer verdienter Schulmann, Karl Moßdorff, während einer langen Reihe von Jahren Vorſtand der ſtädtiſchen höheren Töchterſchule, Anfang der 1870er Jahre in den Ruheſtand getreten, ſchied am 3. November aus dem Leben.— Einen ſchweren Verluſt erlitt die Großh. Hofoper durch den am 17. Oktober erfolgten Tod des Hofopernſängers Karl Speigler, eines Künſtlers, der ſich durch eine markige kraftvolle Erſcheinung und eine herrliche Baßſtimme auszeichnete, jede Rolle in lebensvoller, 568 charakteriſtiſch ſcharf ausgeprägter Weiſe wiederzugeben wußte und ſich auch als Menſch viele Sympathien durch ſein biederes, aufrichtiges und gemütvolles Weſen erwarb.“ 1890. Ein neuer ſchwerer Verluſt betraf bald nach Jahresanfang das Großherzogliche Haus. Am 7. Januar wurde die greiſe Kaiſerin Auguſta, die langjährige Lebensgefährtin Kaiſer Wilhelms I., die Mutter der Großherzogin, durch einen ſanften Tod von ſchweren Leiden erlöſt, die ſie mit bewundernswerter Willensſtärke getragen hatte. Ihr Leben, reich an Glück und Leid, reich auch an Segen, der von der fürſtlichen Frau ausging und ihr Daſein verklärte, ließ in weiten Kreiſen die Erinnerung an die fruchtbarſten Anregungen auf allen Gebieten der Fürſorge für die leidende und duldende Menſchheit zurück. Auch in unſerem badiſchen Lande, in dem die Verewigte ſo gern verweilte, lebt ihr Gedächtnis im Segen fort, die wärmſte Teilnahme begleitete den Schmerz der Großherzoglichen Familie. Nach Berlin, wohin Großherzog und Großherzogin an das Sterbelager der theuern Mutter geeilt waren, entſandte der Stadtrat telegraphiſch den Ausdruck ſeines Beileides und einen koſt— baren Kranz, den auf ſeine Bitte der badiſche Geſandte Freiherr von Marſchall am Sarge der Kaiſerin niederlegte— Den Wahlen zum Reichstag, die auf den 20. Februar feſtgeſetzt waren, gingen ſtürmiſche Tage voraus. Die Preſſe aller Parteien war eifrig an der Arbeit. Die nationalliberale und die konſervative Partei hatten ſich über ein Zuſammengehen geeinigt und der konſervative Verein eröffnete, um dieſes Loſungswort den Partei— genoſſen zu verkünden, die Reihe der Wahlverſammlungen; Ober— amtsrichter Freiherr von Stockhorner, Graf von Douglas und Oberbaurat Baumeiſter waren die Redner, die für dieſes Zuſammen— gehen entſchloſſen eintraten. Vor einer großen Zahl von Zuhörern, die, dem Aufruf des„Vereins für volkstümliche Wahlen“ folgend, die weiten Räume der Feſthalle füllten, ſprachen der Bewerber der Sozialdemokraten, Buchdruckereibeſitzet Geck aus Offenburg und Dr. Rüdt aus Heidelberg. In einer von dem„freiſinnigen Wahlverein“ einberufenen Verſammlung trat der von der deutſch— 1 ö — 569— freiſinnigen, demokratiſchen und Zentrums-Partei empfohlene Gaſt⸗ und Landwirt Markus Pflüger aus Lörrach ſelbſt vor die Wähler und wurde dieſen von dem Landtagsabgeordneten Muſer warm empfohlen. Stürmiſch war der Verlauf einer von den vereinigten Nationalliberalen und Konſervativen in der Feſthalle am Abend des 13. Februar abgehaltenen Verſammlung. Gegneriſche Wähler boten alles auf, die Ordnung zu ſtören und die Redner zu unterbrechen. Bankdirektor Eckhardt aus Mannheim von nationalliberaler und Freiherr E. A. von Goeler von konſervativer Seite empfahlen als Bewerber den nationalliberalen Erſten Staatsanwalt Fieſer, der ſelbſt das Wort ergriff und durch ſein kräftiges Auftreten die Lärmenden zur Ruhe und Aufmerkſamkeit zwang. Am Wahltage— 20. Februar— wurden in den 20 Karlsruher Wahlbezirken 12 865 Stimmen ab— gegeben, von denen 4621 auf Fieſer, 3324 auf Geck, 2672 auf Pflüger fielen. Im ganzen 10. Reichswahlbezirk erhielt von 21721 Abſtimmenden Fieſer 9286, Pflüger 6941, Geck 5476 Stimmen, 18 waren zerſplittert, keiner hatte die unbedingte Mehrheit(10861 Stimmen) auf ſich vereinigt. Es wurde deshalb eine Stichwahl zwiſchen Fieſer und Pflüger nötig. Bei dieſer, die am 28. Februar ſtattfand, erhielt Fieſer 10048(in Karlsruhe 4774), Pflüger 12 922 (in Karlsruhe 5 949) Stimmen. Pflüger war daher gewählt. Am 16. Januar wurden die Verhandlungen der Zweiten Kammer wieder aufgenommen In die Kommiſſion zur Beratung des von den Abgeordneten Wittmer und Gen. eingebrachten Antrags „die Abänderung der Reichsgeſetzgebung über die Naturalleiſtung für die bewaffnete Macht im Frieden und Bewilligung eines Zuſchuſſes zur Vergütung für die Naturalverpflegung der Truppen während der Herbſtübungen aus Staatsmitteln an die Gemeindeverwaltungen betr.“ wurde der Abgeordnete Hoffmann gewählt; ferner war dieſer Mit— glied der Kommiſſion für die Beratungen des Geſetzesentwurfs„die Anderungen des Geſetzes über die Anlagen der Ortsſtraßen und die Feſtſtellung der Baufluchten ſowie das Bauen längs der Landſtraßen und Eiſenbahnen betr.“ Eine von den Gemeinden des Amtsbezirks Karlsruhe eingebrachte Petition um Lostrennung des Landbezirks von der Stadt Karlsruhe bezw. Errichtung des früheren Landamts wurde nach der Berichterſtattung des Abgeordneten Hauß und nach Schluß der Debatte, an der ſich die Abgeordneten Hoffmann und 9090 Kiefer beteiligten, durch Übergang zur Tagesordnung erledigt. Nachdem die II. Kammer noch die Wahl des landſtändiſchen Ausſchuſſes vor⸗ genommen hatte, in welchen von den Vertretern der Stadt die Abgeordneten Lamey und Kiefer gewählt wurden, wurde der Landtag am 17. Juni im Auftrag des Großherzogs durch Staatsminiſter Dr. Turban geſchloſſen. Am Geburtstag des kurz vorher aus ſeinem Amte geſchiedenen Reichskanzlers Fürſten Bismarck, am Abend des 1. April, ver⸗ ſammelten ſich in der Feſthalle viele Tauſende von Verehrern des großen Staatsmannes zu einer patriotiſchen Feier, bei welcher Pro— feſſor Böhtlingk die Feſtrede hielt, während der Geſangverein„Lieder— halle“ und die Kapelle des Leibgrenadierregiments den muſikaliſchen Teil übernommen hatten. Eine von Robert Haaß gedichtete, von Vincenz Lachner in Muſik geſetzte„Bismarckhymne“ wurde in be— geiſterter Stimmung von allen Anweſenden geſungen. Dem Fürſten ſandte die Verſammlung ein Huldigungstelegramm, welches als Ver⸗ treter beider Kammern Geh. Rat Grashof und Stadtrat Hoffmann, im Namen der Stadtgemeinde Oberbürgermeiſter Lauter unterzeichneten. Die Sedanfeier fand am zwanzigſten Jahrestag der großen Ereigniſſe, welche der ſiegreichen Schlacht folgten, in beſonders weihe— voller Stimmung ſtatt. Am Vorabend war ein Bankett in der Feſthalle, bei welchem Profeſſor Müller die Feſtrede hielt, am Feſttage ſelbſt wurde vom Militärverein am Kriegerdenkmal an der Ettlingerſtraße ein Kranz niedergelegt. Am 28. Dezember feierte die zwanzigjährige Wiederkehr des Tages der Übergabe von Straßburg ein allgemeiner badiſcher Leibgrenadiertag, zu dem über 4000 Teilnehmer aus allen Teilen des Landes zuſammenkamen. Ein Feſtzug mit hiſtoriſchen Gruppen, welche die Entwicklung des Regiments und des ganzen badiſchen Militärs veranſchaulichten und mit zwei Feſtwagen(auf dem erſten eine„Badenia“, auf dem zweiten ein Obelisk mit den Namen der hervorragendſten Gefechte des letzten Krieges, an denen das Regiment teilgenommen), bewegte ſich durch die Straßen. Bei einem Bankett, dem der Großherzog und Prinz Karl beiwohnten, — 571— wurden lebende Bilder, Scenen aus dem Kriegsleben badiſcher Truppen darſtellend, vorgeführt. Der Großherzog ſchloß eine erhebende An— ſprache mit einem Hurrah auf Kaiſer Wilhelm II. Am 26. Oktober, dem neunzigſten Geburtstag des General⸗ feldmarſchalls Grafen Moltke prangten die ſtädtiſchen und viele Privatgebäude im Flaggenſchmuck. Der nationalliberale Verein in Verbindung mit dem„Liederkranz“ veranſtaltete abends im kleinen Saale der Feſthalle eine patriotiſche Feier, bei welcher Profeff or Goldſchmit die Feſtrede hielt. Im Monat April waren nach Vorſchrift des§S 39 der Städte⸗ ordnung Wahlen in den Bürgerausſchuß vorzunehmen. Es handelte ſich um die Wahl von 48 Stadtverordneten mit ſechsjähriger und von 6 mit dreijähriger Amtsdauer. Ein Komitee von Angehörigen der nationalliberalen, konſervativen, freiſinnigen, Zentrums⸗ und Handwerker-Partei hatte, um bei den Wahlen den Streit der poli— tiſchen Gegenſätze fern zu halten, eine Liſte zu Wählender aufgeſtellt, auf welcher Mitglieder ſämtlicher politiſcher Parteien leinſchließlich der ſozialdemokratiſchen) vertreten waren. Die ſozialdemokratif ſche Partei hatte aber doch eine eigene Liſte veröffentlicht. Die Beteiligung an den Wahlen war nicht beſonders lebhaft. Bei den Erneuer— ungs wahlen ſtimmten in der III. Klaſſe von 7204 Wahl⸗ berechtigten 2502(35 vom Hundert), in der II. von 1600 Wahl⸗ berechtigten 570(etwa 36 vom Hundert), in der JI. von 800 Wahl⸗ berechtigten 339(etwa 42 vom Hundert) ab. Bei den Erſatzwahlen ſtellten ſich die abgegebenen Stimmen auf 945(13 vom Hundert der Wahlberechtigten) in der III., 74(5 vom Hundert) in der II., 110 (14 vom Hundert) in der J. Klaſſe. Die von dem Komitee der vereinigten Parteien Vorgeſchlagenen wurden ohne erhebliche Aus⸗ nahmen gewählt; von 3 Angehörigen der ſozialdemokratiſchen Partei, die gewählt wurden, waren 2 in den Liſten jenes Komitees aufge⸗ führt geweſen. Demnächſt wurden die Stadträte Dürr, Hoffmann, Leichtlin, Müller, Römhildt, Schwindt, Waltz u. Weber wieder⸗, Bankier Homburger, Fabrikant A. Himmelheber und Rentner Ludwig zu Stadträten neugewählt; im geſchäftsleitenden Vorſtand der Stadtverordneten trat eine Veränderung nur durch die Wahl des Stadtverordneten Oberrechnungsrats Reiß ein. — 572— An Pfingſten, den 25. und 26. Mai, wurde in Karlsruhe das fünfte badiſche Sängerfeſt gefeiert. Der Feſtausſchuß, deſſen Vorſitz Bürgermeiſter Schnetzler übernommen hatte, traf umfaſſende Vor⸗ kehrungen zu einer glänzenden Geſtaltung des Feſtes. Die Straßen und Plätze der Stadt waren reich und geſchmackvoll geſchmückt. In einem Pavillon in der Nähe des Hauptbahnhofes war die Empfangs⸗ kommiſſion mit feſtlich gekleideten Damen verſammelt, um die an⸗ kommenden Sänger mit Blumen und einem Willkommtrunk zu begrüßen. Nicht nur aus allen Teilen Badens, auch aus Württemberg, dem Elſaß und der Schweiz kamen Geſangvereine. Am Pfingſt⸗ ſonntag vormittags 11 Uhr, nachdem die Karlsruher Sänger einen von C. Gauggel gedichteten und von E. Gageur in Muſik geſetzten Chor„Willkomm den Sängern“ geſungen, Oberbürgermeiſter Lauter die Sänger begrüßt, der Bundespräſident, Kaufmann R. Sauerbeck aus Mannheim, einleitende Worte geſprochen hatten, fanden die beiden Wettkonzerte ſtatt, an denen ſich im Ganzen 49 Vereine beteiligten. Im Stadtgarten und ſpäter bei einem Bankett in der Feſthalle vereinigten ſich hierauf die Sänger zu heiterer Geſelligkeit. Am Pfingſtmontag durchzog von 11 Uhr an der allenthalben ſtürmiſch begrüßte Feſtzug die Straßen der Stadt. Dem Feſtkonzert am Nachmittag wohnte der Hof bei. Unter Leitung des Muſikdirektors E. Gageur wurden neun Geſamtchöre vorgetragen. Die Verteilung der 37 Preiſe leitete Muſikdirektor Zöllner aus Köln durch eine Anſprache ein. Eine Feſtvorſtellung im Hoftheater und ein Gartenfeſt im Stadtgarten beſchloſſen das Feſt. Von den in dieſem Jahre Verſtorbenen ſind zu erwähnen. der Rechtsanwalt Rudolf Kuſel, der 80 Jahre alt am 26. Januar aus dem Leben ſchied. Ein hochangeſehener Rechtsanwalt, vertrat er von 1861 bis 1870 Karlsruhe in der Zweiten Kammer, den Kreis Karlsruhe ſeit 1865 in der Kreisverſammlung, trat 1868 in den Kreisausſchuß, in welchem er bis 1871 den Vorſitz führte und gehörte von 1871 bis 1875 auch dem Bürgerausſchuß an. Er war ein Mann von unerſchütterlich nationalen und liberalen Grundſätzen, in deren Bethätigung aber von verſöhnlicher Milde, die ihm jedes Parteitreiben unerfreulich erſcheinen ließ.— Geh. Kirchenrat Reinhard Schellenberg(F 25. Februar) gehörte von 1874 bis zu ſeiner Zuruheſetzung 1889 dem Evangeliſchen Oberkirchenrat als Mitglied an und erwarb ſich ein bleibendes Verdienſt durch Abfaſſung der neuen Agende und durch Zuſammenſtellung der neuen Perikopen— reihe.— Am 13. Mai verlor die Karlsruher Kunſtſchule einen aus⸗ gezeichneten Lehrer in Profeſſor Karl Heinrich Hoff, der auch in Karlsruhe eine Reihe ſeiner beſten Gemälde ſchuf, wo auch ſein litte— rariſches Hauptwerk„Künſtler und Kunſtkritiker“, eine in mehreren Auf— lagen erſchienene ſcharfe Streitſchrift, entſtand.— Zwei Zierden des höheren Beamtenſtandes waren Geh. Rat Dr. Wilhelm von Brauer (+ 30. April), ein kenntnisreicher, ſcharfſinniger Juriſt, zuletzt bis zur Aufhebung des Kriegsminiſteriums im Jahre 1871 als Generalauditor Mitglied dieſer Behörde, und Geh. Rat Joſef Baer(1 16. Auguſt), langjähriger Vorſtand der Oberdirektion des Waſſer- und Straßen-⸗ baues und als ſolcher insbeſondere um die Verbeſſerung der Land— und Kreisſtraßen hochverdient.— Nicht nur als Erbauer der Bahn Karlsruhe—-Maxau und der Rheinthalbahn Karlsruhe—Mannheim war Oberingenieur Albert Bürklin(F 18. Juli) eine in unſerer Haupt⸗ und Reſidenzſtadt hochgeſchätzte Perſönlichkeit, ſondern auch durch ſeine litterariſche Thätigkeit, der man eine Reihe im beſten Sinne des Wortes volkstümlicher Schriften zu verdanken hat und als Gründer des„Reichswaiſenhauſes“ in Lahr.— Als tüchtiger Geſchäftsmann wie opferwilliger Bürger zeichnete ſich der am 23. Juni geſtorbene Hofbuchhändler Wilhelm Müller rühmlich aus; 1848 als Hauptmann der Bürgerwehr, von 1849—1867 als Mitglied des Gemeinderats leiſtete er ſeiner Vaterſtadt treue und wertvolle Dienſte. Was er im Stillen als edler Menſchenfreund und Wohl— thäter der Armen that, entzog ſeine Beſcheidenheit öffentlicher Aner— kennung. Aber viele dankbare Herzen bewahrten ihm, ſo lange ſie ſchlugen, ein ehrendes Andenken. 1891. Am 16. April feierte der Großherzog die fünfzigſte Wieder— kehr des Tages, an dem er, 1841 von ſeinem Vater, Großherzog Leopold zum Leutnant ernannt und dem Leibinfanterieregiment aggregiert, in den Heeresverband eingetreten war. Der Kaiſer nahm von dem fünzigjährigen Militärjubiläum ſeines Oheims Anlaß, dem rheiniſchen Ulanenregiment No. 7, deſſen Chef dieſer ſeit vielen Jahren war, deſſen Namen beizulegen, wonach dasſelbe fortan die Benennung „Ulanenregiment Großherzog Friedrich von Baden(rheiniſches) No. 7“ zu führen hatte; der König von Württemberg ernannte den Groß⸗ herzog zum Chef des 8. Königl. württembergiſchen Infanterieregiments No. 126. Die öffentlichen Gebäude der Reſidenzſtadt und viele Privathäuſer legten Flaggenſchmuck an. Größere Feſtlichkeiten unter⸗ blieben auf Wunſch des Großherzogs, nur feierlicher Militärgottesdienſt fand in der katholiſchen und evangeliſchen Stadtkirche ſtatt, die Parade der Garniſon wurde wegen Ablebens des Generalfeld— marſchalls Grafen Moltke in letzter Stunde abbeſtellt. Am 8. Mai kam Kaiſer Wilhelm zum Beſuche des Fürſten⸗ paares nach Karlsruhe, das er indeß ſchon am 9. wieder verließ. Die Großherzogliche Familie beklagte den am 12. April erfolgten Tod der jüngſten Schweſter des Großherzogs, Großfürſtin Olga Feodorowna von Rußland, ſeit 28. Auguſt 1857 Gemahlin des Großfürſten Michael Nikolajewitſch, die auf einer Reiſe nach der Krim in Charkow plötzlich ſtarb. Prinz Wilhelm reiste. nach St. Petersburg, um ihrer feierlichen Beiſetzung in der Kaiſerlichen Gruft am 17. April beizuwohnen. An dieſem Tage fand in Karlsruhe ein Trauergottesdienſt in der Schloßkirche ſtatt. Zum zweiten Mal in dieſem Jahre wurde die Großherzogliche Familie in Trauer verſetzt durch das Ableben der Prinzeſſin Eliſabeth von Baden, zweiten Tochter des 1859 verſtorbenen Prinzen und Markgrafen Wilhelm, die nach längerem und ſchweren Leiden am 15. Mai aus dem Leben ſchied. Die feierliche Beiſetzung fand am 20. Mai in der Gruft der Evangeliſchen Stadtkirche ſtatt. Der Landtag wurde am 17. November 1891 im Auftrag des Großherzogs durch Staatsminiſter Dr. Turban eröffnet. Die Vertretung der Stadt Karlsruhe in der Zweiten Kammer beſtand aus den Abgeordneten Hoffmann, Kiefer und Lamey, welch' letzterer auch für dieſen Landtag zum Präſidenten der Zweiten Kammer gewählt wurde. Der Budgetkommiſſion gehörte der Abgeordnete Hoffmann an, während Kiefer Vorſtand der Kommiſſion für die Geſchäftsordnung war und als ſolcher u. a. Bericht über die Zu⸗ läſſigkeit der Petition der deutſchen Frauenvereinsreform zu Weimar um Errichtung eines Mädchengymnaſiums oder Zulaſſung des weiblichen Geſchlechts zur Ablegung des an den beſtehenden Gymnaſien ein— geführten Maturitätsexamens erſtattete. Mitglieder der Spezial⸗ komuliſſionen waren von den Karlsruher Abgeordneten Kiefer in den Kommiſſionen für den Geſetzesentwurf, die Dienſtaufſicht über die Gewerbegerichte betr. und für das Beamten- und Schulgeſetz, Hoffmann in der Kommiſſion für den Antrag auf Abänderung des Feuer⸗ verſicherungsgeſetzes vom 29. März 1852. Von Karlsruhern waren ferner in dem Landtag: Landgerichtsdirektor Emil Fieſer, Lehramts⸗ praktikant Heimburger und Kreisſchulrat Weygoldt. Am 12. Dezember wurden die Verhandlungen der Zweiten Kammer über die Weihnachts⸗ feiertage abgebrochen. Den zwanzigſten Jahrestag der Kämpfe bei Belfort und der Wiederaufrichtung des Deutſchen Reiches feierte der Militärverein unter Mitwirkung der Männergeſangvereine durch ein Feſtbankett im großen Saale der Feſthalle. Derſelbe Verein verband ſich mit dem Stadtrat, um am 4. Mai zur Erinnerung an den am 24. April verſtorbenen Generalfeldmarſchall Grafen Moltke in der Feſthalle eine Feier zu veranſtalten, welcher der Großherzog beiwohnte. Der erſte Vorſtand des Militärvereins, Profeſſor K. Fr. Müller hielt die Feſtrede. Vom 12. bis 19. Juli wurde in Karlsruhe das 12. Verband—⸗ ſchießen des badiſchen, pfälziſchen und mittelrheiniſchen Schützen— bundes abgehalten. Den Mittelpunkt des Feſtplatzes bildete das neuerbaute Schützenhaus an der Linkenheimer Allee. Die Feſtlichkeiten eröffnete am 12. Juli ein feſtlicher Umzug durch die Stadt und ein Feſteſſen in der am Feſtplatz errichteten Feſthalle, worauf um 4 Uhr das Schießen begann. Dieſes wurde an den folgenden Tagen morgens 7 Uhr begonnen und, nach einem gemeinſamen Mittageſſen in der Feſthalle, nachmittags fortgeſetzt, worauf abends jeweils die Preis⸗ verteilung und ein Bankett mit Vorträgen der Leibgrenadierkapelle und der Männergeſangvereine ſich anſchloſſen. Am Abend des 16. Juli wurde ein Feuerwerk abgebrannt, am 17. ein Glücksſpiel veranſtaltet und am 18. wurden intereſſante übungen des Männer⸗ turnvereins, der Turngemeinde und der Turngeſellſchaft beim Bankett vorgeführt. Das Verbandſchießen, an dem ſich etwa 600 bis 700 — 576— Schützen beteiligten, nahm einen ſehr befriedigenden Verlauf und fand am 19. Juli nachmittags mit der feierlichen Uberreichung der Ehrenpreiſe ſeinen Abſchluß. Die X. Verſammlung deutſcher Forſtmänner tagte hier vom 21. bis 24. September. Oberforſtrat Krutina im Namen des Ortsausſchuſſes, Finanzminiſter Dr. Ellſtätter im Namen der Großh. Regierung und Bürgermeiſter Schnetzler im Namen der Stadt begrüßten in der Eröffnungsſitzung am 22. September die von 360 Teilnehmern beſtehende Verſammlung, in welcher Oberforſtmeiſter Dr. Danckelmann aus Neuſtadt-Eberswalde den Vorſitz führte— Die Stadt gab am 23. September den Teilnehmern ein Feſt in der Feſthalle. Außerdem hielt in Karlsruhe vom 29. Auguſt bis 1. September der deutſche Zentralverein für Bienenzucht ſeine, mit einer Aus⸗ ſtellung für Bienenzucht verbundene IV. Wanderverſammlung und am 19. Oktober der Badiſche Frauenverein, in Anweſenheit der Großherzogin und der Erbgroßherzogin, ſeine Landesverſammlung ab— Unter dem Protektorat der Großherzogin und dem Ehrenvorſitz des Erbgroßherzogs wurde in den Monaten Juni bis September die Deutſche Fächerausſtellung in den Räumen der Großh— Orangerie abgehalten. Sie wurde am 28. Juni eröffnet und am 24. September geſchloſſen. Um das Zuſtandekommen der ſehr wohl⸗ gelungenen Ausſtellung machten ſich beſonders Direktor Götz und Profeſſor Mare Roſenberz verdient. Von den Toten dieſes Jahres iſt in erſter Reihe der Staatsminiſter Dr. Julius Jolly zu nennen, ſeit ſeinem Rücktritt von der Leitung der badiſchen Politik(1876) Präſident der Oberrechnungskammer, deſſen große Bedeutung als leitender Staatsmann für unſer Heimat⸗ land und das Deutſche Reich an dieſer Stelle nicht näher dargelegt werden kann, der aber durch ſeine hervorragende Thätigkeit an der Spitze des Miniſteriums des Innern(1866-1876), insbeſondere durch die Einführung der Städteordnung auch in der Geſchichte unſerer Stadt in ehrenvollſter Weiſe als ein hochverdienter Mann zu nennen iſt. Jolly erlag einem Schlagfluſſe am 14. Oktober 1891.— Am 30. Auguſt ſtarb nach längeren Leiden, erſt 50 Jahre alt, Dr. Leopold Juſt, ſeit 1876 Profeſſor der Botanik an der Techniſchen Hochſchule, 1886/87 deren Direktor. Er machte ſich verdient durch Errichtung des botaniſchen Inſtituts mit ſeinem Garten und der land⸗ wirtſchaftlichen botaniſchen Verſuchsſtation, ſowie als Mitglied des ſtädtiſchen Ortsgeſundheitsrates.— Geh. Hofrat Dr. Ludwig Schenck, einer der geſchätzteſten hieſigen Arzte, während langer Jahre auch Leibarzt des Prinzen und der Prinzeſſin Wilhelm, ſtarb am 21. Juli. Die Stadt und ihre gemeinnützigen und wohlthätigen Anſtalten ver⸗ danken ihm bedeutende letztwilligſe Zuwendungen.— Ein anderer ſehr beliebter Arzt, welcher ſeit 1829 ſeine Praxis hier bis wenige Jahre vor ſeinem Ableben ausübte, ſeit 1871 auch Medizinalreferent im Miniſterium des Innern, war der am 1. November verſtorbene Geh. Rat Dr. G. Schweig.— Als Leiter des Umbaues des hieſigen Bahnhofes im Jahre 1884 verdient hier der am 19. Januar ver⸗ ſtorbene Oberbaurat L. Heinrich Erwähnung.— Durch Forſchungen und Darſtellungen auf dem Gebiete der vaterländiſchen Geſchichte verdienen Sekretär J. B. Trenkle(J 11. Februar) und Pro⸗ feſſor G. Fecht(F 9. Dezember), der letztere auch durch ſeine 1887 erſchienene Geſchichte der Stadt Karlsruhe rühmende Erwähnung.— Durch aufopfernde Thätigkeit im Gemeindeleben(ſeit 1860 als Mitglied des Bürgerausſchuſſes, ſeit 1875 als Stadtrat), als eifriges Mitglied vieler Vereine, als Oberſchützenmeiſter der Karlsruher Schützengeſellſchaft genoß der langen Leiden am 9. Dezember erlegene Stadtrat A. Römhildt in allen Kreiſen der Stadt wohlverdientes Anſehen.— Das Großbherzogliche Hoftheater verlor in dieſem Jahre den trefflichen Hofkapellmeiſter J. Ruzek(T 17. Dezember in Genua), den ausgezeichneten Hoftheatermaler L. Dittweiler (J 24. März), die ſeit 25 Jahren der Hofbühne angehörige ſehr beliebte Hofſchauſpielerin Frau Ida Gröſſer(F 19. April), endlich den als Sänger und Schauſpieler während langer Jahre wirkenden, als Darſteller komiſcher Rollen beliebten Hofopernregiſſeur Benedikt Kürner(F 13. September). 1892. Das Jahr 1892 war ein für das badiſche Land und in erſter Reihe die Haupt⸗ und Reſidenzſtadt bedeutungsvolles durch das vierzigjährige Regierungsjubiläum des Großherzogs 37 Friedrich. Ein Rückblick auf die ſeit dem 24. April 1852 verfloſſene Zeit ſtellte eine Reihe hochwichtiger Ereigniſſe der deutſchen und badiſchen Geſchichte den Zeitgenoſſen vor Augen, an denen Groß— herzog Friedrich einen hervorragenden Anteil zum Heile des großen deutſchen Vaterlandes und der badiſchen Heimat nahm. Vor den großen und unvergänglichen Verdienſten des verehrten und geliebten Landesherrn traten bei dieſem Anlaß die politiſchen Gegen— ſätze in den Hintergrund und eine begeiſterte Feſtſtimmung bewegte das ganze badiſche Land. Die Haupt⸗- und Reſidenzſtadt, vor allem der nach dem Entwurf des Stadtbaumeiſters Strieder geſchmackvoll und prächtig geſchmückte Marktplatz, prangte in feſtlichem Gewande. Im Stadtgarten, in der Feſthalle, auf dem Marktplatz ließen Muſik— kapellen ernſte und heitere Weiſen erklingen, an mehreren Abenden waren Stadtgarten und Marktplatz beleuchtet. Am 28. April vereinigte ein vom Stadtrat veranſtaltetes Bankett Angehörige aller Stände in der Feſthalle, bei welchem Oberbürgermeiſter Schnetzler die Feſtrede hielt, während der Inſtrumentalverein unter Leitung des Direktors Spieß und die Geſangvereine„Liederhalle“ und„Liederkranz“ durch ihre Vorträge den muſikaliſchen Teil des Feſtvorabends übernommen hatten. Am 29. April empfing der Großherzog, der vorher ſchon einzelnen Abordnungen Audienzen erteilt hatte, im Schloſſe die Landesdeputation, die aus einer 174 Perſonen umfaſſenden Vertretung der Städte und Landgemeinden Badens beſtand. Oberbürgermeiſter Schnetzler verlas die Huldigungsadreſſe, welche von faſt ſämtlichen Bürgermeiſtern und Gemeinderäten der nahezu 1600 Gemeinden unterzeichnet war. Die Blätter mit dieſen Unterſchriften waren in 6 Prachtbänden vereinigt, die in einem Kaſten ruhten, zu deſſen Aufnahme ein Kunſt⸗ ſchrein nach den Entwürfen des Direktors Götz, von Künſtlern und Kunſthandwerkern Karlsruhes ausgeführt, beſtimmt war. Am Abend kam im feſtlich erleuchteten Hoftheater die Oper„Cid“ von Cornelius zur Aufführung, der ein Feſtmarſch von Felir Mottl und ein Prolog von Oswald Hancke vorausgingen. Am 30. April, einem Sonntag, fanden in den chriſtlichen Kirchen Feſtgottesdienſte ſtatt, die israelitiſche Gemeinde hatte ihren Gottesdienſt am vorhergehenden Tage abgehalten. Die vorbereiteten Volksbeluſtigungen auf dem Platz vor der Feſthalle mußten der ungünſtigen Witterung wegen ausfallen, aber in der — 579— Feſthalle drängte ſich, erfreut durch das Konzert der Leibgrenadier⸗ kapelle, eine große Menſchenmenge. Neben dieſen öffentlichen Feſt⸗ veranſtaltungen fanden in vielen Anſtalten und Vereinen Feierlichkeiten ſtatt; beſonders glänzend verlief ein von den Offizieren des Leib⸗ dragoner- und des Feldartillerieregiments veranſtaltetes Reiterfeſt. Von den vielen aus allen Teilen Deutſchlands eingegangenen Glück— wünſchen ſei hier nur das Schreiben Kaiſer Wilhelms II. erwähnt, in welchem in beredten Worten die unvergänglichen Verdienſte des Großherzogs hervorgehoben ſind. Aus der großen Zahl der Feſtgaben, welche Liebe und Velehchng dem fürſtlichen Jubilar darbrachten— ihre im Kunſtgewerbemuſeum veranſtaltete Ausſtellung wies etwa 200 Nummern nach— mögen hier nur eine Feſtſchrift der Techniſchen Hochſchule und die Dar— bietungen der Kunſtſchule, der Kunſtgewerbeſchule und des Künſtler⸗ vereines erwähnt ſein. In bewegten Worten gab der Großherzog den dankbaren Gefühlen, die ihn am Schluſſe des Feſtes beſeelten, Ausdruck. Ihre Veröffent⸗ lichung machte allenthalben im Lande tiefen Eindruck. Am 18. Januar ſetzte der Landtag ſeine Beratungen fort. An den Feſtlichkeiten aus Anlaß des 40jährigen Regierungsjubiläums des Großherzogs beteiligten ſich auch Abordnungen beider die am 29. April im Großh. Schloſſe empfangen wurden.— Von dem Stadtrat Karlsruhe und den Gemeinden des Albthales 555 eine Petition über die Erbauung einer ſchmalſpurigen Lokalbahn Karlsruhe— Herrenalb eingebracht, jedoch wieder zurückgezogen. In die für die Beratung des Initiativantrags der Abg. Muſer und Gen., die Reviſion des Beamtengeſetzes und der Gehaltsordnung betr. gebildete Kommiſſion war der Abgeordnete Kiefer gewählt, der ſich an den Beratungen und anſchließenden Debatten eifrig beteiligte. Im weiteren war Kiefer Berichterſtatter der Spezialkommiſſion zur Vorberatung des Entwurfs des Kirchenſteuergeſetzes und Hoffmann Mitglied der Kommiſſion zur Beratung des Geſetzesentwurfs, das Übereinkommen zwiſchen dem Reich und Baden vom 23. Mai 1892, die Herſtellung der im Intereſſe der Landesverteidigung erforderlichen Eiſenbahn⸗ verbindung Röſchwoog—Karlsruhe betr., zu deren Verſtärkung der Abgeordnete Kiefer gewählt wurde. Hoffmann war ferner Mitglied 37. — 580— der Kommiſſion für den Geſetzentwurf, die Abänderung des Ein⸗ kommen⸗, Gewerb⸗ und Kapitalrentenſteuergeſetzes betr.— Nach erfolgter Wahl des landſtändiſchen Ausſchuſſes, dem die Abgeordneten Lamey und Kiefer angehörten, wurde der Landtag am 22. Juni im Auftrag des Großherzogs durch Staatsminiſter Dr. Turban geſchloſſen. Für das Leben der Gemeinde war ein tiefeingreifendes betrübendes Ereignis das in der Nacht vom 10. zum 11. April erfolgte Ableben des Oberbürgermeiſters Lauter. Am 30. Juni 1870 war er zum Oberbürgermeiſter gewählt, am 17. März 1873 war dieſe Wahl zum erſten, am 14. März 1884 zum zweiten Mal erneuert worden. Seine Amtsführung während 22 Jahren war von großer Bedeutung für die Entwicklung der Stadt, und ſein Andenken wird in der Geſchichte Karlsruhe's immerdar ein ruhm- und ehrenvolles bleiben. Das Leichenbegängnis, welches durch Beſchluß des Stadtrates als eine öffentliche Angelegenheit behandelt und auf die Gemeinde über— nommen wurde, geſtaltete ſich durch die Teilnahme des Hofes, der Staatsbehörden und der geſamten Bürgerſchaft— wie es in der Chronik von Karlsruhe für 1892 mit Recht heißt—„zu einer großartigen Dankeskundgebung für den Dahingeſchiedenen“. Am 25. April wurde der bisherige I. Bürgermeiſter, Karl Schnetzler, einſtimmig zum Oberbürgermeiſter gewählt. An ſeine Stelle wählte der Bürgerausſchuß den bisherigen II. Bürgermeiſter J. Krämer zum J. und für ihn den bisherigen rechtskundigen Stadtrats⸗Sekretär K. Siegriſt zum II. Bürgermeiſter. Im Stadtrat wurden die Ende 1891 bezw. Anfang 1892 geſtorbenen Stadträte Römhildt, Vierordt und Weber durch die Stadtverordneten Fr. Höpfner, L. Händel und W. Schüſſele erſetzt. Ihr Ausſcheiden und ſonſtiger Abgang machte 5 Ergänzungswahlen im Kollegium der Stadtverordneten erforderlich. Von Ereigniſſen des politiſchen Lebens iſt zu verzeichnen, daß ſich an der von Verehrern des Fürſten Bismarck im Groß⸗ herzogtum Baden am 24. Juli veranſtalteten gemeinſamen Fahrt nach Kiſſingen zur Begrüßung des Alt⸗Reichskanzlers viele Karlsruher beteiligten, in deren Namen Rechtsanwalt Dr. Wörter ein Hoch auf den großen Staatsmann ausbrachte. Ferner, daß der nationalliberale — 581— Verein am 12. März durch ein Bankett die Feier ſeines 25jährigen Beſtehens beging, bei welchem Profeſſor Dr. Goldſchmit die Feſt⸗ rede hielt. Am 19. November wurde, in Gegenwart des Großherzogs, der Großherzogin, des Prinzen Karl ſowie einer großen Zahl hieſiger und von auswärts gekommener Verehrer des Dichters, das von Profeſſor Volz geſchaffene Scheffeldenkmal auf dem Kunſtſchul⸗ platz enthüllt. Voraus ging ein Feſtakt im Saale des Muſeums, der durch die vom Hoftheaterorcheſter vorgetragene Ouvertüre„Die Weihe des Hauſes“ von Beethoven eingeleitet wurde, worauf Profeſſor Michael Bernays die Gedächtnisrede auf Scheffel hielt, welcher das Vorſpiel zu den„Meiſterſingern von Nürnberg“ von Richard Wagner folgte. Der Vorſitzende des Denkmalkomitees, Geheimerat G. von Stoeſſer, übergab das Denkmal mit einer Anſprache an die Stadt, in deren Namen es Oberbürgermeiſter Schnetzler mit dankenden Worten übernahm. Die vereinigten Männergeſangvereine leiteten die Feier durch den Vortrag von Mozarts„Weihe des Geſanges“ ein und ſchloſſen ſie mit dem Vortrag von Spohns„Chriſtenglaube“. Die Verehrer des Dichters vereinigten ſich am Nachmittag im Hotel Germania zu einem Feſtmahl, am Abend bewegte ſich ein Fackelzug der Studierenden der Techniſchen Hochſchule zum Denkmal und von 8 Uhr an fand im großen Saale der Feſthalle ein Bankett ſtatt, bei dem u. a. des Dichters Sohn, Viktor von Scheffel, in ſchönen Worten für die dem Andenken ſeines Vaters erwieſenen Ehren dankte. Während der Feſttage beim Regierungsjubiläum des Großherzogs fand eine vom badiſchen Landesgartenbauverein aus Anlaß ſeines 25jährigen Beſtehens veranſtaltete Gartenbauausſtellung, deren Protektorat der Großherzog, deren Ehrenvorſitz Staatsminiſter Turban übernommen hatte, in der von der Stadt überlaſſenen Ausſtellungshalle mit anſtoßendem Gelände und dem kleinen Feſthalle— ſaale ſtatt. Sie wurde am 23. April durch einen Feſtakt, bei welchem der Vorſitzende des Vereines und des Ausſtellungsausſchuſſes die Feſtrede hielt, eröffnet, am 2. Mai geſchloſſen. Sie war von 380 Ausſtellern aus Baden, dem übrigen Deutſchland und dem Auslande mit etwa 12000-Nummern beſchickt. Die Zahl der Beſucher betrug über 50 000. An die Ausſteller wurden Ehrenpreiſe und eine große Zahl von Medaillen vertheilt. Mit dieſer Ausſtellung war eine Ausſtellung von Maſchinen und Geräten der Gärtnerei, des Obſt— und Weinbaues und der Landwirtſchaft verbunden, auf welcher 85 Ausſteller mit 1462 Maſchinen und Geräten vertreten waren. Auch wurden in Verbindung mit derſelben einige Fachmännerverſammlungen abgehalten. ö Am 10. Januar trat im großen Rathausſaale der 8. badiſche Handelstag zuſammen, bei welchem Miniſterialrat Braun die Großh⸗ Regierung vertrat Vom 7. bis 10. Juni fand die V. Verbands⸗ verſammlung der 117 Tierſchutzvereine des deutſchen Reiches ſtatt. Bei den Verhandlungen vertrat Oberregierungsrat Lydtin die Großh. Regierung, Oberbürgermeiſter Schnetzler die Stadt. Ihr folgten am 25. und 26. Juni der Verband der 36 ſüddeutſchen Konſumvereine und vom 16. bis 19. Oktober der Deutſche Bühnenverein, die Vereinigung der deutſchen Theaterleiter. Der Geſangverein„Liederhalle“ feierte vom 16. bis 19. Juli ſein fünfzigſtes Stiftungsfeſt. Am 19. Dezember 1842 hatten 33 ſangesfrohe Männer dieſen Verein begründet, jetzt zählte er 541 ordentliche Mitglieder, darunter 108 ausübende Sänger. Die größte Auszeichnung, die bei dieſem Anlaß der„Liederhalle“ zuteil wurde, war die Übernahme des Protektorats durch den Großherzog, der am 16. Juli aus St. Blaſien eintraf, um an den Feſtlichkeiten teil⸗ zunehmen. Ein Feſtkonzert im großen Saale der Feſthalle eröffnete dieſe Feſtlichkeiten am Abend des 16. Juli, am Vormittag des 17. folgte ein Feſtakt im großen Saale der Eintracht, die folgenden Tage, erhielten eine beſondere Bedeutung durch den mit dem Jubiläum der „Liederhalle“ verbundenen„Geſang⸗Wettſtreit für Vereine deutſcher Zunge“, zu welchem aus allen Teilen Deutſchlands und aus der Schweiz Gäſte in der feſtlich geſchmückten Stadt Karlsruhe eintrafen. Am Abend des 18. Juli erfolgte die Preisverteilung, an die ſich ein Bankett in der Feſthalle und am 19. ein Ausflug der Liederhalle mit ihren Gäſten nach Baden anſchloſſen. Von den im Jahre 1892 Geſtorbenen führen wir, nachdem des Oberbürgermeiſters Lauter ſchon oben gedacht iſt, an: den — 583— Stadtrat Dr. Wilhelm Spemann(8 6. Dezember), der während des deutſch-franzöſiſchen Krieges einen hervorragenden Anteil an der Thätigkeit der Vereine vom Rothen Kreuz genommen hatte und dafür mit dem Eiſernen Kreuz am weißen Bande ausgezeichnet worden war, ſodann in verſchiedenen Stellungen ſich an der ſtädtiſchen Ver⸗ waltung beteiligte, von 1879 bis 1885 Bürgermeiſter war und, nachdem er dieſes Amt aus Geſundheitsrückſichten niedergelegt hatte, in den Stadtrat gewählt wurde, dem er bis zu ſeinem Tode angehörte; ferner den ſeit 1875 als Mitglied des Stadtrats thätigen Oberſt⸗ leutnant a. D. Heinrich Vierordt(§ 7. Januar), während des Feldzugs von 1870/71 Etappenkommandant in Karlsruhe, durch rege Wohlthätigkeit ausgezeichnet, den Vater des Dichters Heinrich Vierordt, den Stadtrat Weber(T 26. Januar), der als erfahrener Fachmann in der ſtädtiſchen Baukommiſſion eine verdienſtliche Thätigkeit entfaltet hatte, den Regierungsrat a. D. Wilhelm Löhlein(1 16. April), während des Krieges gegen Frankreich Hauptmann und Kom⸗ pagniechef im Leibgrenadierregiment, infolge ſchwerer Verwundung nicht mehr militärdienſttauglich, durch ſeine ſchriftſtelleriſche Thätigkeit auch ſpäter noch in militäriſchen Kreiſen geſchätzt, von 1878 bis zu ſeiner, wegen ſchwerer körperlicher Leiden 1889 erfolgten Zuruheſetzung Vorſtand des Landesgefängniſſes und der Weiberſtrafanſtalt in Bruchſal. Zu den bedeutendſten Juriſten unſeres Landes gehörte der Präſident des Oberlandesgerichts und der erſten Kammer der Landſtände Friedrich Serger(4 12. Februar); als Künſtlerin durch allgemein anerkannte Leiſtungen auf dem Gebiete der Blumen- und Miniaturenmalerei wie als tüchtige Lehrerin während langer Jahre in unſerer Stadt thätig war Frau Alwine Schroedter(1 12. April), die Witwe des Malers und Profeſſors Adolf Schroedter. Ein Karlsruher Kind darf hier nicht vergeſſen werden, obwohl ſein Wirken ſich fern von der badiſchen Hauptſtadt entfaltete, Auguſt Eſſenwein(F 13. Oktober), ſeit 1866 erſter Direktor des Germaniſchen Muſeums in Nürnberg. 1893. Dreimal weilte Kaiſer Wilhelm II. in dieſem Jahre in unſerer Reſidenzſtadt. Am 12. Januar ausſchließlich zum Beſuche der Großherzoglichen Familie, weshalb kein feierlicher Empfang ſtattfand. Zum zweiten Male in Begleitung der Kaiſerin im Mai auf der Rückkehr von Rom, wo das Kaiſerpaar der ſilbernen Hochzeit des Königs und der Königin von Italien beigewohnt hatte. Bei der Fahrt vom Bahnhof zum Schloſſe am Abend des 2. Mai begrüßte am Rathaus, wo Stadtrat und Bürgerausſchuß ſich aufgeſtellt hatten, Oberbürgermeiſter Schnetzler den Kaiſer mit einer Rede, in welcher er der Freude Ausdruck gab, daß nach den neueſten Nachrichten aus Berlin(über die Ausſichten der Militärvorlage, deren zweite Beratung am 3. Mai beginnen ſollte) zu hoffen ſei, der Kaiſer könne ohne Sorge für die Wehrhaftigkeit der Nation heimkehren. In das von ihm ausgebrachte Hoch ſtimmte die auf dem Marktplatz verſammeltẽ Menge begeiſtert ein. Bürgermeiſter Krämer überreichte der Kaiſerin als Willkommgruß einen Blumenſtrauß. Am nächſten Morgen ſetzten Kaiſer und Kaiſerin die Reiſe nach Berlin fort. Der dritte Beſuch des Kaiſers erfolgte aus Anlaß der Herbſtmanöver des XIV. Armee— korps. Am 10. September traf der Kaiſer mit dem Kronprinzen von Italien in Karlsruhe ein, wo ſchon eine größere Zahl von fürſtlichen Perſonen und hohen Militärs eingetroffen waren. Abermals begrüßte den Kaiſer Oberbürgermeiſter Schnetzler am Rathaus mit einer patriotiſchen Rede. Die Straßen Karlsruhes, insbeſondere der Marktplatz waren feſtlich geſchmückt. Am 11. September fand die große Parade des XIV. Armeekorps auf dem Forchheimer Exercier— platze ſtatt. Bei der Rückkehr zog der Kaiſer an der Spitze der Fahnenkompagnie in die Stadt ein. Bei Hofe fand ein großes Prunkmahl ſtatt, dem eine Feſtvorſtellung im Hoftheater folgte. Auch am 12. September fand eine ſolche ſtatt. Vom 12. bis 14. September ſpielten ſich im Elſaß die Manöver des XIV. gegen das XV. Armee— korps ab. Abends waren jeweils der Marktplatz, die Karl⸗ Friedrich- und die Kaiſerſtraße, am 11. auch der Lauterberg feſtlich beleuchtet. Am Abend des 13. brachten die Vereine der Stadt dem Kaiſer ihre Huldigung durch einen großen Lampionzug dar, der ſich mit Muſik vom Marktplatz zum Schloß bewegte. Vor dieſem trugen die Geſangvereine drei Lieder vor. In der Nacht vom 13. zum 14. September verließ der Kaiſer wieder die Haupt⸗ und Reſidenzſtadt. Im April wurden die Erneuerungs- und Ergänzungs-Wahlen für den Bürgerausſchuß vorgenommen. Jede der 3 Klaſſen der Wahlberechtigten hatte 16 Stadtverordnete mit ſechsjähriger Amts⸗ dauer zu wählen, die J. Klaſſe außerdem 4 Erſatzmänner, die III. einen Erſatzmann für ſolche Stadtverordnete, die vor Ablauf ihrer Dienſtzeit ausgeſchieden waren, mit dreijähriger Amtsdauer. Die Wahlbeteiligung war, wenn auch nicht außergewöhnlich ſtark, ſo doch ſtärker als im Jahre 1890. Bei den Erneuerungswahlen ſtimmten in der III. Wählerklaſſe von 7634 Wahlberechtigten 4428(58 von hundert), in der II. von 1694 Wahlberechtigten 751(44 von hundert), in der I. von 847 Wahlberechtigten 416(49 von hundert), bei den Erſatzwahlen in der III. Klaſſe 530(7 von hundert), in der I. 124(rund 15 von hundert) ab. In der III. und II. Klaſſe hatten ſich die Angehörigen der nationalliberalen, freiſinnigen, Zentrums⸗ und konſervativen Partei zu gemeinſamem Vorgehen vereinigt, ihrem Wahlvorſchlag ſtanden in der III. Klaſſe eine Liſte der ſozial— demokratiſchen Partei mit ausſchließlich ſozialdemokratiſchen Bewerbern und eine Liſte der Handwerkerpartei unter dem Namen„Vereinigte Gewerbetreibende“ gegenüber. Bei der Wahl erhielt die Liſte der verbündeten Parteien 2 529 bis 2580, die der Sozialdemokraten 1 640 bis 1643, die der Handwerkerpartei 180 bis 200 Stimmen, ſo daß die erſte mit einer Mehrheit von etwa 930 Stimmen ſiegte. In der II. Klaſſe erhielten die verbündeten Parteien 646 bis 668, die Handwerkerpartei 72 bis 89 Stimmen, ſo daß auch hier die erſtgenannten die Mehrheit auf ihre Liſte vereinigten. Die Wahlen der I. Klaſſe und die Erſatzwahlen gingen ohne Wahlkampf vorüber. In den geſchäfsleitenden Vorſtand der Stadtverordneten wurden die bisherigen Mitglieder wieder, an Stelle des 1892 verſtorbenen Rechtsanwalts Dr. Wörter Kauf— mann Leopold Ettlinger neugewählt. Ebenſo wurden die 11 aus dem Amt ausſcheidenden Stadträte wieder, an Stelle des verſtorbenen Dr. Spemann Wurſtler Ludwig Käppele zum Stadtrat neugewählt. Am 14. November verlieh der Bürgerausſchuß dem Geheimen Rat Dr. Auguſt Lamey in Mannheim, der die Stadt Karlsruhe in den Jahren 1847, 1850—51 und 1878—92 in der Zweiten Kammer vertreten hatte, das Ehrenbürgerrecht— —— — 586— Auch dem Finanzminiſter Dr. Moritz Ellſtätter, der am 12. Februar ſeine fünfundzwanzigjährige Thätigkeit als Leiter der badiſchen Finanzen beging, erwies die Stadtgemeinde eine Ehrung durch eine von dem Oberbürgermeiſter und beiden Bürgermeiſtern unterzeichnete Beglückwünſchungs⸗Adreſſe. Die Beziehungen der Gemeindeverwaltung der Haupt- und Reſidenzſtadt zu den oberſten Räten der Krone ſind um ſo wichtiger für dieſe Verwaltung, als gar viele Erörterungen und Verhandlungen mit der Regierung, welche von den Gemeindebehörden anderer Städte des Landes in der Regel auf ſchriftlichem Wege geführt werden müſſen, vom Stadtrat von Karlsruhe in mündlichem Verkehr erledigt zu werden pflegen. Ein Miniſterwechſel, ſelbſt wenn er keinen Syſtemwechſel bedeutet, iſt daher für die Stadt Karlsruhe ſtets von beſonderer Bedeutung, und wird auch von der Einwohnerſchaft mit dem lebhafteſten Intereſſe begleitet. Der Miniſterwechſel, der im März 1893 erfolgte, brachte in erſter Reihe eine Anderung im Geſchäftskreis eines der Miniſterien und die Errichtung eines neuen Miniſteriums. Die bisher mit dem Präſidium des Staatsminiſteriums verbundenen Geſchäfte des Mini— ſteriums des Großherzoglichen Hauſes, ſowie die Reichs- und die auswärtigen Angelegenheiten wurden einem beſonderen„Miniſterium des Großherzoglichen Hauſes und der auswärtigen Angelegenheiten“ übertragen. Gleichzeitig ging auf dieſes neue Miniſterium die Zuſtändigkeit über, welche bisher dem Finanzminiſterium in den Angelegenheiten des Eiſenbahnbaues und Betriebes, ſowie des Poſt⸗ und Telegraphenweſens zugeteilt war. Am 7. März enthob der Großherzog auf ihr Anſuchen den Staatsminiſter Turban und den Finanzminiſter Dr. Ellſtätter ihrer Amter und ernannte zum Staatsminiſter und Präſidenten des Staatsminiſteriums den Präſidenten des Miniſteriums der Juſtiz, des Kultus und Unterrichts, Geh. Rat Dr. Nokk, zum Miniſter des Großherzoglichen Hauſes und der auswärtigen Angelegenheiten den Großherzoglichen Geſandten in Berlin, Geh. Rat von Brauer und zum Präſidenten des Finanzminiſteriums den Miniſterialrat — 587— im Miniſterium des Innern, Buchenberger. Finanzminiſter Ellſtätter trat in den Ruheſtand, Staatsminiſter Dr. Turban wurde zum Präſidenten der Oberrechnungskammer ernanut. In den Monaten Juni und Oktober wurde die Stadt Karlsruhe in lebhafte politiſche Bewegung verſetzt durch die Wahlen zum Reichstag und zum Landtag. In Folge der Ablehnung des Antrags Huene auf Vermehrung der Friedenspräſenzſtärke des Heeres bei der zweiten Leſung der Militärvorlage, wurde der Reichstag am 6. Mai aufgelöſt und die Vornahme der Neuwahlen für den 15. Juni angeordnet. Jede Partei wandte alle Mühe auf, um die Mehrheit der Stimmen für ihre Bewerber zu gewinnen. In Ver— ſammlungen und durch Zeitungsartikel und maſſenhaft verbreitete Flugblätter wurden die Wähler zur Heeresfolge geworben. In der Stadt Karlsruhe waren von vier Parteien Bewerber aufgeſtellt, von der nationalliberalen Partei Oberſtleutnant a. D. Rheinau, von der konſervativen Blechnermeiſter Schlebach, beide in Karlsruhe, von der freiſinnigen Gaſt- und Landwirt Pflüger in Lörrach, von der ſozial⸗ demokratiſchen Buchdruckereibeſitzer Geck in Offenburg. Die Beteiligung an der Wahl war ſehr groß. Von 13897 Wahlberechtigten in Karlsruhe gaben 11·630 ihre Stimmen ab. Von dieſen erhielt Rheinau 4520, Schlebach 807, Pflüger 2 546, Geck 3 743. Im ganzen, die Amtsbezirke Bruchſal und Karlsruhe umfaſſenden Wahl⸗ bezirke erhielt Rheinau 7 259, Pflüger 5 979, Geck 5 881, Schle— bach 3315 und der von den Antiſemiten aufgeſtellte Arzt Vogel in Oberweier 210 Stimmen, 10 Stimmen waren zerſplittert. Da die abſolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen keiner auf ſich vereinigte, war eine Stichwahl zwiſchen Rheinau und Pflüger erforderlich, die am 24. Juni ſtattfand. Hierbei erhielt Rheinau 11 436, Pflüger 11948 Stimmen. Somit war dieſer gewählt. In der Stadt Karlsruhe fielen auf Rheinau 5395, auf Pflüger 6044 Stimmen. Die Zentrumspartei hatte bei beiden Wahlen ihre Stimmen dem freiſinnigen Bewerber Pflüger zugewendet. Dieſes war auch der Fall bei den im Oktober 5 Neuwahlen zur Zweiten Kammer des Landtags. Wenn auch die⸗ in Karlsruhe herrſchende Aufregung bei dieſen Wahlen nicht annähernd den Grad von Erhitzung erreichte, die bei den Reichstagswahlen. — 588— geherrſcht hatte, ſo wurden doch auch jetzt von den Nationalliberalen, Freiſinnigen und Sozialdemokraten Wahlaufrufe erlaſſen und Wahl— verſammlungen abgehalten, in denen es heiß herging. Auf den 19. Oktober waren die Wahlmännerwahlen anberaumt, welche unter ſehr reger Beteiligung vorgenommen wurden. Es erſchienen von 10762 Wahlberechtigten 5299(49 vom Hundert) an den Wahlurnen. In den 49 Wahlbezirken, in welche die Stadt eingeteilt war, ſiegten die Nationalliberalen, in 37 mit 2600, in 12 die Sozialdemo⸗ kraten mit 1421 Stimmen, die Freiſinnigen und die Zentrumspartei erhielten für ihre Liſte nur 889 Stimmen und in keinem Diſtrikt die Mehrheit. Am 31. Oktober wurden— wie es in einer nationalliberalen Wahlmännerverſammlung beſchloſſen worden war— die bisherigen Abgeordneten, Landgerichtspräſident Dr. Kiefer in Konſtanz wieder-, an Stelle des Abgeordneten Geh. Rat Dr. Lamey in Mannheim, der eine Wiederwahl abgelehnt hatte, Bankier Robert Koelle neugewählt. Das Mandat des Abgeordneten Hoffmann dauerte fort. Im Auftrage des Großherzogs wurde der Landtag am 22. No— vember durch Staatsminiſter Dr. Nokk feierlich eröffnet. In den ſtändigen Kommiſſionen war von den Vertretern der Stadt Hoff— mann Mitglied der Budgetkommiſſion und erſtattete als ſolches mündlichen Bericht über das Verzeichnis der in den Jahren 1892/93 erteilten Adminiſtrativkredite ſowie über den Fortgang des Bahnbaues und des bierfür beſtrittenen Aufwands in den Jahren 1892/93. Hoffmann gehörte ferner der Kommiſſion zur Vorberatung des Geſetzes— entwurfs die Verbrauchsſteuern und Kiefer der Kommiſſion zur Vor— beratung des Antrags Heimburger und Gen. die Wahlen der Abgeordneten zur Zweiten Kammer, ſowie des Geſetzesentwurfs Nachtrag zur Gehaltsordnung betr. an. Am 16. Dezember traten die Mit⸗ glieder der Zweiten Kammer ihre Weihnachtsferien an. Die Landesverſammlung des Badiſchen Frauenvereines wurde in Anweſenheit der Großherzogin am 19. Juni im großen Rathausſaale abgehalten. Eine außerordentliche Hauptverſammlung des Badiſchen Landesvereins für innere Miſſion fand am 15. Auguſt im Saale des evangeliſchen Vereinshauſes ſtatt. Die kirchlich liberale Vereinigung hielt ihre erſte Landesverſammlung am 31. Mai im Gaſthof zum Weißen Bären. Der deutſche Freidenker— — 589— bund hatte ebenfalls unſere Stadt für ſeine elfte Hauptverſammlung— vom 27. bis 29. Mai gewählt.— Außerdem tagten hier am 25. April die neunte Generalverſammlung des Verbandes der landwirt— ſchaftlichen Kreditgenoſſenſchaften Badens und der zehnte⸗ Abgeordnetentag des Verbandes der badiſchen landwirtſchaftlichen, Konſumvereine, außerdem noch eine Reihe anderer Vereine, die an dieſer Stelle nicht einzeln aufgeführt werden können.— Dagegen muß noch der achte Kongreß der Allgemeinen Radfahrer-Union erwähnt werden, der unter dem Protektorat des Großherzogs vom 12. bis 14. Auguſt hier abgehalten wurde, bei dem u. a. ein großer⸗ Feſt⸗ und Preiskorſo durch die Straßen der Stadt nach der Renn— bahn im Stadtgarten und ein internationales Wettfahren ſtattfand, an welchem eine Anzahl Meiſterfahrer teilnahm. Hieran mag ſich ein kurzer Bericht über die am 24. September vollzogene Enthüllung des⸗ von dem„Deutſchen„Radfahrerbund“ geſtifteten Draisdenkmals anſchließen, welches auf der Kriegſtraße zwiſchen Karl-Friedrich- und Lammſtraße aufgeſtellt worden war. Unter Geſang und Feſtreden. wurde das von Bildhauer Theodor Haf in München ausgeführte⸗ Denkmal— die Büſte des Freiherrn Karl von Drais auf einem Sockel aus ſchwediſchem Granit— der Stadt Karlsruhe als Eigenthum übergeben, in deren Namen es Oberbürgermeiſter Schnetzler mit einer Anſprache übernahm. Nachmittags wurde ein Preiskorſo durch die Straßen der Stadt veranſtaltet, dem abends ein Bankett— in der Feſthalle folgte. Von den in dieſem Jahre Verſtorbenen ſind in erſter Reihe drei auf dem Gebiete der ſtädtiſchen Verwaltung hochverdiente Männer zu nennen: Auguſt Günther( 14. Februar), ein Karlsruher Bürgerſohn, der nach Abſchluß der philologiſchen Studien ſich als Privatmann in ſeiner Vaterſtadt niederließ und ſeiner Fortbildung auf dem Boden der ſchönen Künſte und Wiſſenſchaften lebte. 1865. trat er in den Gemeinderat ein, wurde 1868 zum zweiten Bürger⸗ meiſter gewählt und verwaltete die Geſchäfte der Rechtspflege und des Standesamts, bis Geſundheitsrückſichten ihn zum Rücktritt veranlaßten. Wilhelm Morſtadt(T 18. Juli), der als Schwiegerſohn des Gasdirektors Spreng gegen Ende der 1850er Jahre das hieſige⸗ Gaswerk leitete, machte ſich, nachdem er einige Zeit als Privatmann. — 590— gelebt hatte, als Gemeinderat, Bezirksrat, Mitglied der Handelskammer, Vorſtand des Gewerbevereines und Vorſtandsmitglied des Pfründner—⸗ und des Waiſenhauſes um die Intereſſen der Karlsruher Einwohner— ſchaft vielfach verdient. 1867—1878 vertrat er ſeine Vaterſtadt Lahr im badiſchen Landtag, 1874—1878 den 6. badiſchen Reichs⸗ wahlbezirk im Deutſchen Reichstag. Karl Schmidt(1 18. Oktober), widmete, nachdem er das von ihm viele Jahre lang betriebene Seifenſiedergewerbe aufgegeben hatte, ſeine ganze Zeit während nahezu 22 Jahren der Armenpflege als ſtädtiſcher Armenrat und in der dieſer Thätigkeit gewidmeten Abteilung des badiſchen Frauenvereines und erwarb ſich durch dieſes ſein Wirken große und allgemein anerkannte Verdienſte. Ferner ſind 4 Profeſſoren der Techniſchen Hochſchule zu nennen: Franz Grashof(1 27. Oktober), Profeſſor und Vor⸗ ſtand der Maſchinenbauſchule und der mechaniſch-techniſchen Schule, als Lehrer, Gelehrter und Menſch gleich hoch geachtet und geehrt, Adolf Knop(T 27. Dezember), Profeſſor der Mineralogie und Geologie und Vorſtand des Großherzoglichen Naturalienkabinets, von ſeinen Kollegen wie von ſeinen Schülern hochgeſchätzt und geliebt. Heinrich Lang G 4. September) während einer Reihe von Jahren Leiter der Bauſchule, auch Mitglied der Großherzoglichen Baudirektion. Als Gewerbeſchul-, Ortsſchulrat und Stadtverordneter war Lang auch in der ſtädtiſchen Verwaltung thätig. Eine Anzahl ſtädtiſcher Schulbauten und verſchiedene Privatbauten ſind nach ſeinen Plänen, zumteil auch unter ſeiner Leitung entſtanden. Wilhelm Lübke (J 5. April) erſt ſeit 1885 an der hieſigen Techniſchen Hochſchule als Profeſſor der Kunſtgeſchichte und gleichzeitig als Direktor der Großherzoglichen Gemäldegalerie thätig. Er bewährte auch hier ſein großes Lehrtalent und die Beherrſchung aller Gebiete der Kunſt⸗ geſchichte, die ſeinem Namen eine große Berühmtheit erwarb. Der Schule gehörten Adolf Armbruſter(FT 13. Dezember), als Mit⸗ glied des Großherzoglichen Oberſchulrates und als ſolches wie als Stadtverordneter auch um das ſtädtiſche Schulweſen verdient, und Karl Kappes(1 14. Dezember), der eifrige und pflichttreue Direktor des Realgymnaſiums an. Vincenz Lachner(+ 22. Januar), war um die Mitte der 1870er Jahre nach dem Rücktritt von der lange Jahre innegehabten Stellung des Kapellmeiſters am Mannheimer Hoftheater hierher übergeſiedelt, lebte ſich aber ſo raſch hier ein und — 591— nahm einen ſo lebhaften Anteil an dem Muſikleben unſerer Stadt, daß er zu den volkstümlichſten Geſtalten der Einwohnerſchaft Karls— ruhes zählte. Am 8. September ſtarb Wilhelm Kalliwoda, Kapellmeiſter am hieſigen Hoftheater; als Dirigent, Komponiſt, hervorragender Klavierſpieler und Muſiklehrer genoß er hier großes Anſehen und allgemeine Beliebtheit. Ein beſonderes Verdienſt erwarb er ſich durch Gründung des Philharmoniſchen Vereines. Wir erwähnen noch den am 14. Oktober geſtorbenen Maler Paul Borgmann, aus deſſen Atelier für Damen ſich 1886 die Malerinnenſchule ent— wickelte, an der er bis zu ſeinem Tode unterrichtete und während der letzten fünf Jahre die Stelle des Vorſtandes bekleidete. Auch darf die am 9. April hochbetagt aus dem Leben geſchiedene Freifrau Auguſte von Hardenberg, geb. Freiin von Gemmingen-Guttenberg, nicht vergeſſen werden, die ſeit 1865 als Präſidentin der Ab— teilung IV. des badiſchen Frauenvereines eine umfaſſende Thätigkeit auf dem Gebiete der Armen- und Krankenpflege entfaltet und ſich beſonders während des deutſch-franzöſiſchen Krieges bei der Pflege der Kranken und verwundeten Krieger rühmlich hervorgethan hatte. 1894. Die Erkrankung der Großherzogin an einem anfänglich von Fieber begleiteten Bronchialkatarrh verhinderte, obwohl die Krankheit einen günſtigen Verlauf nahm, den Großherzog an der Feier des Geburtstages des Kaiſers, wie in anderen Jahren, in Berlin teilzunehmen. Ende Januar erhielt die Großherzogliche Familie den Beſuch des Kronprinzen und der Kronprinzeſſin von Schweden und Norwegen. Am 2. Februar ſetzte die Kron— prinzeſſin die Reiſe nach Rom fort, um dort zur Pflege ihrer Geſundheit den Reſt des Winters zu verleben, während der Kronprinz nach Schweden zurückkehrte. Im April verweilte der Kaiſer während zwei Tagen zum Beſuche des Großherzogs und der iäen in unſerer Stadt. Am 10. Januar begann die Zweite Mn wieder ihre Sitzungen. In die Kommiſſion zur Beratung der von dem Abgeordneten Freiherrn von Buol und Genoſſen eingebrachten Geſetzesvorſchläge, die Anderung einiger Beſtimmungen des Geſetzes vom 19. Februar 1874 bezw. 5. März 1880, die allgemeine wiſſenſchaftliche Vorbildung der Geiſt⸗ lichen, desgleichen die Orden und ordensähnlichen Kongregationen und die Aufhebung des Geſetzes vom 2. April 1872, die Abhaltung von Miſſionen betr. wurde Kiefer gewählt und nahm an der Debatte über dieſe Anträge mit lebhafter Beſürwortung ihrer Verwerfung teil. Hoffmann war Mitglied und Berichterſtatter der Kommiſſion für den Antrag des Abgeordneten Schumann und Genoſſen, die Ab⸗ änderung des Geſetzes über die Wahl der Bezirksräte und Kreis⸗ abgeordneten ſowie Mitglied der Kommiſſion für den Geſetzentwurf, die Abänderung des Geſetzes vom 4. Juli 1888 die Gebühren in Verwaltungs⸗- und verwaltungsgerichtlichen Sachen betr. Als Mitglied der Budgetkommiſſion erſtattete Abgeordneter Hoffmann Bericht über die Darlegungen, die Bau- und Betriebsverhältniſſe einer Verbindungs⸗ bahn von Espaſingen nach Stockach betr., an deren Beratung ſich auch der Abgeordnete Kiefer beteiligte. Dieſer nahm ferner an den Beratungen der Kommiſſion über den Geſetzentwurf, die Abänderung und Ergänzung des Polizeiſtrafgeſetzbuches teil, und wurde abermals in den landſtändiſchen Ausſchuß gewählt.— Am 28. Juni wurde der Landtag durch den Großherzog in feierlicher Weiſe geſchloſſen. Am 28. Januar hielt hier die freiſinnige Partei ihre Landesverſammlung ab. Bei einer andern von dem Vorſtand dieſes Vereines veranſtalteten Verſammlung trat der Abgeordnete Eugen Richter als Redner auf und ſprach über„Politiſche Tagesfragen“. Am 25. und 26. März fand unter dem Vorſitz des Abgeordneten Dreesbach aus Mannheim der 4. badiſche Arbeitertag ſtatt, der ſich eingehend mit der parlamentariſchen Thätigkeir der ſozial⸗ demokratiſchen Landtagsfraktion und den Preßangelegenheiten der badiſchen ſozialdemokratiſchen Partei beſchäftigte.— Am 6. und 7. Juni hielt die Südweſtdeutſche Konferenz für innere Miſſion ihre Jahresverſammlung, welcher Vertreter der Großh. Regierung, des Evangeliſchen Oberkirchenrates und des Zentralausſchuſſes des Vereins für innere Miſſion beiwohnten. Großherzog und Großher— zogin ſandten durch Prälat D. Doll, Erbgroßherzog und Erb⸗ großherzogin ſchriftlich der Verſammlung ihre Grüße und Segens⸗ wünſche. Am 10. Dezember fand zur Erinnerung an den Tag— 9.(19.) Dezember— an welchem vor 300 Jahren König Guſtav KKSSS·ů·ů··ů·. — 593— Adolf von Schweden das Licht der Welt erblickt hatte, im Saale der Eintracht eine Guſtav Adolf-Feier ſtatt. Szenen aus dem Guſtav Adolf-Spiel von Profeſſor Thoma, lebende Bilder und muſikaliſche Darbietungen des Vereins für evangeliſche Kirchen⸗ muſik und der Kapelle des Grenadierregiments verſchönten das Feſt.— Am 5. Auguſt hielt der Bund der Inhaber des Eiſernen Kreuzes in Karlsruhe einen Delegiertentag ab. 41 ca. 7000 Mitglieder zählende Vereine hatten 150 Abgeordnete entſandt. An den Kaiſer, den Großherzog und den Fürſten Bismarck wurden Huldigungstelegramme abgeſchickt, am Kriegerdenkmal wurde ein Kranz niedergelegt, in der Feſthalle vereinigte ein Bankett die auswärtigen Gäſte mit den Vertretern der Stadt, vielen Offizieren und den Mitgliedern des Militärvereins. Vom 15. bis 17. Mai war hier der 6. allgemeine deutſche Neuphilologentag verſammelt, welchen der Vorſtand des Karls⸗ ruher Neuphilologenvereines Profeſſor K. Fr. Müller eröffnete, Oberſchulratsdirektor Geh. Rat Joos Namens der Gr. Regierung, Bürgermeiſter Siegriſt Namens der Stadt begrüßten.— Der 9. badiſche Handelstag trat am 11. Februar im großen Rathaus⸗ ſaale zuſammen und beriet, unter dem Vorſitz des Geh. Kommer⸗ zienrates Diffens aus Mannheim, über ſeine Stellungnahme zum deutſch⸗ruſſiſchen Handelsvertrage.— Die 3. ordentliche Hauptver⸗ ſammlung des Verbandes deutſcher Gewerbevereine fand im gleichen Raume den 25. und 26. September ſtatt. Es waren 131 Delegierte anweſend, welche eine große Zahl der dem Verbande ange—⸗ hörenden 398 Vereine vertraten. Außer der badiſchen hatten auch die Regierungen von Württemberg und Heſſen Vertreter geſandt. Fabrikant Berghauſen aus Köln, der Verbandspräſident, führte den Vorſitz, zum zweiten Vorſitzenden wurde Generalſekretär L. Schwindt aus Karlsruhe gewählt. Miniſterialrat Braun begrüßte im Namen der Großh. Re⸗ gierung, Oberbürgermeiſter Schnetzler im Namen der Stadt die Ver— ſammlung. Am erſten Tage wurde das Kunſtgewerbemuſeum beſucht, am zweiten wurde eine Fahrt nach Baden, am dritten nach Triberg und Furtwangen unternommen, wo man die Schnitzerei- und Uhrmacher— ſchulen beſichtigte.— Der deutſche Verein von Gas- und Waſſer— fachmännern hielt hier vom 19. bis 21. Juni ſeine 34. Jahres⸗ verſammlung ab. Der Vorſitzende des Vereines, Direktor Cund aus 38 —3594— Berlin, leitete die Verhandlungen. Im Namen der Regierung begrüßte Miniſterialdirektor Dr. Schenkel die Verſammlung, im Namen der Stadt Oberbürgermeiſter Schnetzler, im Namen der Techniſchen Hochſchule deren Direktor, Oberforſtrath Profeſſor Schuberg. An den Vormittagen fanden Vorträge, an den Nachmittagen Beſichtigungen der Sehenswürdigkeiten und techniſchen Anſtalten und Einrichtungen, ſowie Ausflüge nach Baden und Triberg ſtatt. Ein von der Stadt gegebenes Gartenfeſt vereinigte die Teilnehmer am Abend des 21. Juni im Stadtgarten. Mit der Verſammlung fand eine Ausſtellung von Gas⸗ und Waſſerapparaten in der Ausſtellungshalle ſtatt, wo Fräulein Hothmann mit Demonſtrationen verbundene Vorträge über Heizen und Kochen mit Gas hielt. Von den in dieſem Jahre Verſtorbenen ſeien genannt: Baurat Ludwig Diemer(1 29. April), ein Schüler von Hübſch, ſeit 1865 evangeliſcher Kirchenbauinſpektor, Profeſſor Hermann Baiſch (F 18. Maih, ſeit 1880 Lehrer der Landſchaftsmalerei an der hieſigen Kunſtſchule, ein hervorragender Landſchafts- und Thiermaler, Dr. Joſeph Dienger(8 27. November), von 1850—1868 Profeſſor der Mathematik am Polytechnikum, von da an bis Juli 1888 Direktor der Allgemeinen Verſorgungsanſtalt, Karl Auguſt Mayer(f 16. Oktober), der erſte Direktor des Karlsruher Realgymnaſiums, auch durch ſchrift— ſtelleriſche Thätigkeit rühmlich bekannt; die Stadträte Gottlieb Widmann(5 2. Juli), der Begründer der Cementwarenfabrik von Dyckerhoff& Widmann, Johann Nagel(126. Juli), Karl Schwindt (+J 28. Juli), Adjutant der freiwilligen Feuerwehr, und Ludwig Meeß (FT 24. Auguſt), ferner Geh. Oberregierungsrat Friedrich von Preen (5. Maih), ſeit 1874 Vorſtand des Bezirksamtes Karlsruhe(Stadt— direktor), Geh. Rat Dr. Friedrich Hardeck(F 1. September), vorſitzender Rat der Abteilung für Angelegenheiten des Großherzoglichen Hauſes, Reichs⸗ und auswärtige Angelegenheiten im Großh. Staats⸗ miniſterium und im Nebenamt Vorſtand des Statiſtiſchen Bureaus, endlich Oberlandesgerichtsrat a. D. Chriſtian Wilhelm Gerbel (F 24. September) von 1863 bis 1870 Vertreter der Stadt Offenburg in der Zweiten Kammer des Landtages. — ———— — 595— 1895. Am 24. April berührte der Kaiſer die Haupt⸗ und Reſtdenz⸗ ſtadt auf der Fahrt nach dem Jagdſchloß Kaltenbronn zur Auerhahn⸗ jagd, von wo er am 27. wieder nach Karlsruhe zurückkehrte, aber ſchon nachmittags abreiſte. Auch der Statthalter von Elſaß⸗Loth⸗ ringen, Fürſt zu Hohenlohe-Langenburg, ſeine Gemahlin und der Erbprinz ſowie Prinz Albert von Sachſen, der in Frei⸗ burg ſtudierte, waren an dieſem Tage zum Beſuche des großherzoglichen Hofes eingetroffen. Am 24. April hatte die Königin von Eng⸗ land auf der Durchreiſe Karlsruhe berührt und war auf dem Bahnhofe vom Kaiſer, von Großherzog und Großherzogin, Erb— großherzog und Erbgroßherzogin begrüßt worden. Im Mai beſichtigte der Großherzog die größeren induſtriellen Anlagen der Hauptſtadt und ihrer nächſten Umgebung und bewies lebhaftes Intereſſe für die Verhältniſſe der einzelnen Unternehmungen, beſonders auch für die zum Wohle der Arbeiter getroffenen Ein— richtungen. Eine Abordnung von Vertretern der beſuchten Betriebe überreichte dem Großherzog in einer Audienz eine den Dank für ſeine Teilnahme an den Zuſtänden der heimiſchen Induſtrie aus⸗ ſprechende Adreſſe und zugleich das Ergebnis einer Sammlung im Betrage von 17500 Mark zu Handen der Großherzogin für die vorzugsweiſe dem Wohle der Arbeiter dienenden Anſtalten des badiſchen Frauenvereines. Im November ſtiftete der Großherzog ein beſonderes Ehrenzeichen für Arbeiter und Dienſtboten. Den 80. Geburtstag des Fürſten Bismarck feierte die Stadt⸗ gemeinde durch Veranſtaltung eines glänzenden Feſtbankettes in der Feſthalle am Abende des 1. April. Der Großherzog und Prinz Karl ſowie Vertreter der Armee, der Staatsbeamtenſchaft und der Stadtbehörden wohnten dem Feſte an. Oberbürgermeiſter Schnetzler eröffnete das Bankett durch einen Trinkſpruch auf Kaiſer und Groß⸗ herzog, Staatsanwalt Dr. Julius Jolly hielt die Feſtrede, der Großherzog rief dem Gedeihen und Blühen von Karlsruhe ein freudiges Hoch zu. Es folgte ſodann das vom Redakteur der „Badiſchen Preſſe“ verfaßte Feſtſpiel„Germaniens Huldigung zum Bismarcktag“. Am nächſten Tage überſandte der Großherzog mit einem Handſchreiben die Kopie eines der großen Bismarckbilder von 38* — 596— Lenbach für das Rathaus. Auch der Militärverein und andere Ver— eine, ſowie die Schulen hielten Bismarckfeiern ab. In den ſtädtiſchen Schulen gelangte eine von Profeſſor Dr. Goldſchmit verfaßte Feſt⸗ ſchrift zur Verteilung. Schon Ende Januar hatte der Bürgerausſchuß in vertraulicher Beratung den von Oberbürgermeiſter Schnetzler begründeten Antrag, den Fürſten Bismarck zum Ehrenbürger der Haupt⸗ und⸗ Reſidenzſtadt zu ernennen, mit 78 gegen 16— der freiſinnig⸗ demokratiſchen und der Zentrumspartei angehörenden— Stimmen angenommen. Die gleiche Ehrung des Fürſten Bismarck wurde auch in allen übrigen der Städteordnung unterſtehenden Städten Badens beſchloſſen, und der von den Oberbürgermeiſtern dieſer neun Städte. unterzeichnete, am 1. April 1895 ausgefertigte Ehrenbürgerbrief (die Urkunde und der zu deren Aufnahme beſtimmte wertvolle Wand⸗ jchrein von Direktor Götz entworfen, der Schrein von Bildhauer Maybach, die Metallteile von Profeſſor Rudolf Mayer ausgeführt) wurde am 12. Juni durch die Oberbürgermeiſter dem Fürſten in Friedrichsruh überreicht. Der Tag, an welchem ſich das weltgeſchichtliche Ereignis der ſiegreichen Schlacht von Sedan zum 25ten Male jährte, wurde⸗ auch in Karlsruhe von vielen Vereinen und von den Schulen in patriotiſcher Begeiſterung feſtlich begangen. Im Hoftheater wurde⸗ Heyſe's Kolberg mit einem Prolog von Direktor Hancke gegeben. Im Koloſſeum hielt Profeſſor Goldſchmit bei einer Gedenkfeier die Feſtrede vor vielen Veteranen und Mitgliedern der Militärvereine, denen. im Stadtgarten freier Zutritt zu einem Doppelkonzert gewährt worden war, der Stadtrat ließ an bedürftige Veteranen und Witwen ſolcher Ehrengaben verteilen. Größere Gedenkfeiern an den deutſch-franzöſiſchen Krieg hielten in den Monaten November und Dezember u. a. der Karls⸗ ruher Männerhilfsverein, in Anweſenheit des Prinzen Karl, die⸗ Liederhalle im Anſchluß an ihr 53. Stiftungs⸗Konzert, das Leib⸗ grenadierregiment am Tage von Nuits unter Teilnahme des— Großherzogs und der Prinzen Maximilian und Karl. Der Kaiſer verlieh dem Prinzen Wilhelm, der an dieſem Tage, ſeinem Geburts⸗ tage, ſchwer verwundet worden war, den Orden pour le mérite und — 597— ſtellte ihn à Ja suite des Leibgrenadierregiments; den Entwurf für das von den ehemaligen Einjährigen des Regiments geſtiftete Denkmal gefallener Leibgrenadiere und die Stiftungsurkunde übergab der Vor⸗ ſitzende des hiefür thätigen Ausſchuſſes, Direktor Götz, dem Regiments⸗ kommandeur Oberſt von Fallois. In der Gemeindeverwaltung wurden die Wahl eines Stadt— rates, an Stelle des verſtorbenen Bankier Heinrich Müäller, des Kaufmannes Emil Glaſer und acht Ergänzungswahlen von Stadt— verordneten vorgenommen. Den langjährigen Vertreter der Stadt Karlsruhe im Landtage, Landgerichtspräſident Friedrich Kiefer, ereilte ein Schlaganfall während er bei der Sedanfeier in ſeinem Wohnort Freiburg die Feſtrede hielt, und er ſtarb an deſſen Folgen in der Nacht vom 1. zum 2. September. Es wurde deshalb eine Neuwahl notwendig, die von den gleichen Wahlmännern, welche im Jahre 1893 Kiefer gewählt hatten, vorzunehmen war. Sie wurde am 31. Oktober vollzogen und fiel auf Oberbürgermeiſter Schnetzler, der 260 Stimmen erhielt, während 45 ſich auf den ſozialdemokratiſchen Bewerber, Buch— druckereibeſitzer Geck in Offenburg, vereinigten, 4 Stimmen zerſplitterten. Der Landtag wurde am 12. November im Auftrag des Groß— herzogs ourch den Staatsminiſter Dr. Nokk eröffnet. In den ſtändigen Kommiſſionen waren vertreten Hoffmann als ſtellbertretender Vorſtand der Budgetkommiſſion, Schnetzler als Mit— glied der Petitionskommiſſion und Koelle als Mitglied der Kommiſſion für Eiſenbahnen und Straßen. Hoffmann erſtattete Bericht über die in den Jahren 1894 und 1895 verwilligten Adminiſtrativkredite und über den Fortgang des Eiſenbahnbaues und den hiefür beſtrittenen Aufwand in den Jahren 1894 und 1895 und die angeforderten Beträge für das Budgetjahr 1896 und 1897, darunter Poſitionen für Erweiterung des Bahnhofpoſtgeböudes, Herſtellung weiterer Maſchinenhäuſer beim Rangierbahnhof und Geleisanlagenerweiterung und Beleuchtungsanlagen beim Werkſtättebahnhof in Karlsruhe. In den Spezialkommiſſionen waren Hoffmann in der Kommiſſion für die Hundstaxvorlage, Schnetzler in der Kommiſſion für die Vorlagen, betreffend: Polizeiſtrafgeſetzbuch, Beamtengeſetz, Gerichtsverfaſſung 509 Schnetzler und Koelle in der Kommiſſion für die Wahlordnungs— vorlage thätig, Schnetzler ferner in der Kommiſſion für den Geſetzes— entwurf, die Kommunalbeſteuerung des Wandergewerbebetriebs betr. und als Berichterſtatter der Kommiſſion zur Vorberatung des Geſetzesent⸗ wurfs über die Anlage der Ortsſtraßen und Feſtſtellung der Baufluchten ſowie das Bauen längs der Landſtraßen und Eiſenbahnen. Der Abgeordnete Schnetzler berichtet u. a. über die Petition des Vorſtandes des Verbandes ſelbſtändiger Kaufleute und Gewerbetreibende des Großherzogtums Baden um Schutz und Förderung des Kauf⸗ manns⸗ und Gewerbeſtandes. Von Karlsruhern treffen wir weiter in der II. Kammer als Abgeordnete: Oberingenieur a. D. Delisle, Landgerichtsdirektor Fieſer, Landgerichtsrat Freiherrn Stockhorner von Starein und Oberſchulrat Weygoldt. Am 22. Dezember begannen die Weihnachtsferien. Die Bewegung gegen die im Reichstage eingebrachte ſogenannte „Umſturzvorlage“ fand auch in Karlsruhe lebhaften Widerhall. In einer vom Freiſinnigen Verein Anfangs Mai veranſtalteten öffentlichen Verſammlung ſprach Profeſſor Dr. Günther aus München mit großer Entſchiedenheit und unter lautem Beifall gegen dieſe Vorlage. Die an den Stadtrat gelangte Aufforderung des Stadt—⸗ verordnetenvorſtehers Dr. Langerhans von Berlin, eine dort zur Abgabe einer Erklärung gegen die„Umſturzvorlage“ zuſammentretende Verſammlung von Gemeindevertretern zu beſchicken, wurde zwar vom Stadtrat, trotz ſeines einmütigen Wunſches, daß die Vorlage in ihrer jetzigen Geſtalt nicht Geſetz werden möge, abgelehnt, da dieſe Frage außerhalb des Kreiſes ſeiner Zuſtändigkeit liege und er daher zu derſelben eine amtliche Stellung zu nehmen Bedenken trage, aber die der nationalliberalen Partei angehörigen 71 Mitglieder des Bürger— ausſchuſſes, darunter alle Stadträte, die ſozialdemokratiſchen und ein der Centrumspartei angehöriger Stadtverordneter, erklärten ſich in einer Zuſchrift an' Dr. Langerhans gegen die„Umſturzvorlage“ in der eingebrachten Form, während die freifinnige Fraktion der Stadt⸗ verordneten ſich in einem beſonderen Schreiben gegen die Vorlage in jeder Form erklärte. — 599— Am 2. und 3. Juli fand in Karlsruhe die 50. Jahresverſammlung des Badiſchen Hauptvereins der evangeliſchen Guſtav-Adolf— Stiftung ſtatt. In der Stadtkirche war am 2. Juli ein Abend⸗ gottesdienſt, bei dem nach einer Begrüßung durch den Vorſitzenden des Kirchengemeinderates, Dekan D. Zittel, Anſprachen von mehreren Vertretern gehalten wurden, und am Vormittag des 3. ein Feſt⸗ gottesdienſt, bei welchem Stadtpfarrer Schmitthenner aus Heidelberg predigte und Stadpfarrer Zäringer aus Weinheim den Jahresbericht des Vereines verlas, Oberkirchenrat Oehler im Namen der oberſten Kirchenbehörde die Verſammlung begrüßte und Diasporageiſtlicher Rapp über die Diasporagemeinden Bonndorf, Tiefenſtein und Alb⸗ bruck ſprach. Eine abendliche Zuſammenkunft im Gaſthof zum Weißen Bären und ein gemeinſames Mittageſſen im kleinen Saale der Feſt— halle vereinigten die Verſammelten zu geſelligem Verkehr. Am Abend des 3. fand eine Feſtaufführung des Guſtav-Adolf-Spieles von A. Thoma im überfüllten großen Saale der Geſellſchaft„Eintracht“ ſtatt. Die„Chriſtlich-Sozialen“ Badens vereinigten ſich am 18. April unter dem Vorſitz des Stadtpfarres Spengler von Ettlingen zu einer erſten Verſammlung, bei der u. a. Pfarrer Naumann aus Frankfurt und Pfarrer Lehmann aus Hornberg ſprachen. Der 10. badiſche Handelstag trat am 17. Februar im großen Rathausſaale unter dem Vorſitze des Geh. Kommerzienrates Diffené aus Mannheim zuſammen. Ihm wohnten 39 Mitglieder aus den 8 Handelskammerbezirken des Großherzogtumes und als Vertreter der Regierung der Präſident des Miniſteriums des Innern, Geh. Rat Eiſenlohr und Miniſterialrat Braun bei. Die erſte ordentliche Verbandsverſammlung badiſcher Spar⸗ kaſſen tagte am 10. Juni. 46 von den 65. dem Verband angehörigen Kaſſen hatten 64 Vertreter abgeordnet. Oberamtmann Dr. Nicolai wohnte im Auftrag des Miniſteriums des Innern der Verſammlung bei. Am 22. April war die Generalverſammlung des Verbandes der landwirtſchaftlichen Kreditgenoſſenſchaften Badens, welcher etwa 200 Perſonen beiwshnten. Der Karlsruher Gewerbeverein veranſtaltete in der Zeit vom 1. September bis 15. Oktober eine Elektriſche Ausſtellung, über welche der Großherzog das Protektorat übernahm. Sie wurde von 86 Ausſtellern aus Deutſchland und 5 aus dem Ausland beſchickt, 20 Ausſteller gehörten dem Großherzogtum Baden, 10 der Stadt Karlsruhe an. Den Beſuchern wurden die mannigfachen Anwendungen des elektriſchen Stromes für das private, gewerbliche und öffentliche Leben vorgeführt, unter beſonderer Hervorhebung ſeiner Verwendung zum Betrieb von Arbeits- und Werkzeugmaſchinen, namentlich in den Beziehungen zum Kleingewerbe. Sachverſtändige ſorgten für Erklärung und Erläuterung der ausgeſtellten Gegenſtände, Experimentalvorträge und Demonſtrationen aller Art. Der Großherzog verlieh dem Gewerbeverein in Anerkennung des trefflichen Gelingens dieſer Aus— ſtellung die goldene Medaille für Förderung der Landwirtſchaft, der Gewerbe und des Handels. Das 6. badiſche Sängerbundesfeſt vereinigte an den Pfingſtfeiertagen(2. und 3. Juni) Gäſte aus allen Teilen des Landes in den ſchön geſchmückten Räumen der Feſthalle. Einem Feſtakt, bei welchem, nach einem von den Karlsruher Vereinen vorgetragenen Begrüßungschor, Oberbürgermeiſter Schnetzler und der Bundespräſident Kaufmann Richard Sauerbeck aus Mannheim in beredten Worten das deutſche Lied und ſeine vaterländiſche Bedeutung verherrlichten, folgten am 2. Juni die Wettkonzerte, an denen 97 Vereine teilnahmen, ferner Abends ein Stadtgartenfeſt und im Hoftheater die erſtmalige Aufführung der Oper„Der Pfeiffer von Hardt“ von Ferdinand Langer. Am 3. Juni fand ein großes Feſtkonzert, nachmittags ein Feſtzug durch die feſtlich geſchmückten Straßen der Stadt, unter Beteiligung von 153 Bundesvereinen mit ihren Fahnen, welche vor dem Schloſſe den fürſtlichen Herrſchaften eine Huldigung dar— brachten, die Verkündigung des Urteils der Preisrichter und zum Schluſſe ein Bankett in der Feſthalle ſtatt. Noch größer war die Beteiligung bei dem großen Landes⸗ kriegerfeſt, welches der aus 1160 Vereinen mit 82 504 Mit⸗ gliedern beſtehende Badiſche Militärvereinsverband in Verbindung mit ſeinem 17. Abgeordnetentag in den Tagen vom 3. bis 5. Auguſt veranſtaltet hatte, um nach 25 Jahren die Zeit der großen vater— ländiſchen Erhebung von 1870 zu feiern. Gegen 17000 Verbands⸗ mitglieder, darunter mehrere Tauſend, die im deutſch-franzöſiſchen Krieg für des Vaterlands Ehre und Größe gekämpft hatten, waren aus allen Gauen und Bezirken nach Karlsruhe gekommen, das ſeinen 60 ſchönſten Schmuck zum Empfang der Gäſte angelegt hatte. An den Abgeordnetentag unter dem Vorſitz des Verbandspräſidenten, Generals der Infanterie z. D. Freiherrn Roeder von Diersburg, ſchloß ſich eine von den Karlsruher Vereinen veranſtaltete geſellige Vereinigung in der Feſthalle, welcher der Großherzog, Prinz Karl und viele Offiziere beiwohnten, an. Verſchiedenen Anſprachen und Trinkſprüchen folgte ein von Hofſchauſpieler Brehm verfaßtes Feſtſpiel. Den nächſten Tag eröffnete eine Gedenkfeier am Kriegerdenkmal, ihr folgten die Fahnenweihe von 4 Karlsruher Waffenvereinen, am Nachmittag der Vorbeimarſch der alten Soldaten vor dem Schloſſe, von deſſen Balkon der von einem glänzenden Gefolge umgebene Großherzog dieſe huldvoll begrüßte, endlich ein feierlicher Feſtakt, bei welchem der Großherzog eine begeiſternde Anrede hielt. In die Schlußworte:„Unſer Deutſches Vaterland, das Deutſche Reich und unſere Heimat, ſie leben hoch!“ fielen die Hochrufe der Verſammelten und die Klänge der Wacht am Rhein, die von den Tauſenden alter Soldaten geſungen wurde, brauſend ein. Dem um den Aufſchwung der Stadt Karlsruhe hochverdienten Oberbürgermeiſter Lauter wurde aus freiwilligen Beiträgen ein Denkmal(eine von Profeſſor Volz modellierte Porträtbüſte in Bronzeguß auf einem von Stadtbaumeiſter W. Strieder entworfenen Sockel aus Granit) errichtet, das im Stadtgarten in der Nähe der Feſthalle am Stadtgartenſee Aufſtellung fand und am 14. Oktober in Gegenwart des Großherzogs, des Prinzen Karl, der Lauter'ſchen Familienangehörigen und vieler geladenen Gäſte enthüllt wurde. Die Liederhalle und die Leibgrenadierkapelle hatten den muſikaliſchen Teil der Feier übernommen, Oberbürgermeiſter Schnetzler hielt die Weihe— rede. Viele Kränze wurden am Denkmal des unvergeßlichen Stadt⸗ oberhauptes niedergelegt. Ein Denkmal für den Kunſthiſtoriker Wilhelm Lübke, von dem Bildhauer Weltring modelliert, in Zinkguß hergeſtellt, welches deſſen Witwe der Stadt zum Geſchenk gemacht hatte, wurde vor einem Kreiſe Geladener am 12. Juni vor dem Ateliergebäude in der Bismarckſtraße enthüllt. Liederhalle und Liederkranz ſangen einige — 602— Chöre, Profeſſor von Oechelhäuſer feierte die Verdienſte des Verſtorbenen als Gelehrter, Bürgermeiſter Krämer übernahm das Denkmal im Namen der Stadt. In dieſem Jahre ſchieden aus dem Leben zwei verdiente und hochangeſehene Mitglieder des Stadtrats: der langjährige Eigen— tümer der Bielefeld'ſchen Hofbuchhandlung, Adolf Bielefeld, 20 Jahre lang Mitglied des Stadtrats, während 40 Jahren Vor— ſitzender des Synagogenrates, auch vielfach in wohlthätigen und gemein— nützigen Vereinen wirkend: Er ſtand im 84. Lebensjahre als er am 5. Juli ſtarb.— Am 13. Mai erlag einem langen ſchweren Leiden Stadtrat und Konſul Heinrich Müller, ſeit 1875 Mitglied des Bürgerausſchuſſes, ſeit 1884 des Stadtrats, lange Jahre hindurch Inhaber eines angeſehenen Bankgeſchäftes.— Dem Bürgerausſchuß ſeit 1877 angehörend, 1881 Mitglied des geſchäftsführenden Vor— ſtandes deſſelben, hatte Generalkaſſier a. D. Karl Friedrich Heiden— reich ſein Amt als Stadtverordneter nur kurze Zeit vor ſeinem Tode(4. Februar) niedergelegt. Während des deutſch-franzöſiſchen Krieges hatte er ſeine umfaſſenden Kenntniſſe und reichen Erfahrungen auf dem Gebiete der Militärverwaltung(als Kriegs- und Oberkriegs— kommiſſär und ſeit 1868 Generalkaſſier der Militärwitwenkaſſe) in den Dienſt des Roten Kreuzes geſtellt und ſich um die Sache der Hilfsvereine hoch verdient gemacht. Mit ihm ſtarb der letzte der noch lebenden Gründer der„Liederhalle“.— Der am 12. Januar verſtorbene Gerichtsnotar Karl Heinrich Reutti hatte ſich nicht nur in ſeinem Amte und in ausgebreiteter ſchriftſtelleriſcher Thätigkeit in ſeinem Fache ausgezeichnet, ſondern auch als vorzüglicher Kenner der Mikrolepidopteren. Er hatte eine jetzt im Beſitz der Techniſchen Hochſchule befindliche Sammlung dieſer kleinen und kleinſten Schmetter⸗ linge angelegt und über ſie ſchon 1853 eine Schrift veröffentlicht.— Zu den älteſten Bürgern unſerer Stadt gehörte der am 18. Juli dahin⸗ geſchiedene Oberrat Benjamin Willſtätter, von 1842 bis 1875 Rabbiner der hieſigen israelitiſchen Gemeinde, ſeit 1875 theologiſches Mitglied des israelitiſchen Oberrates.— Ein ſehr geſchätzter Arzt war Medizinalrat Max Weill, der ſeit 1870 den ärztlichen Beruf in ſeiner Vaterſtadt Karlsruhe ausübte und gleich zu Beginn ſeiner Praxis ſich um Errichtung des hieſigen Militärſpitals große Ver⸗ A 7 π Haan inipn uur a Jjbaforse i — 603— dienſte erwarb. Während 10 Jahren war er Mitglied des Bürger— ausſchuſſes, während nahezu 20 des Ortsgeſundheits- und des Ortsſchulrates. Er ſtarb am 18. Mai.— Zwei dem Landesfürſten ſehr nahe ſtehende Männer ſchieden in dieſem Jahre aus dem Leben: am 20. März der Wirkl. Geheime Rat Freiherr von Ungern⸗ Sternberg, ſeit 1861 Vorſtand des Großherzoglichen Geheimen Kabinets, deſſen Geſchäfte der Verſtorbene mit unbedingter Hingebung an ſeinen erlauchten Fürſten, mit ſtrengſter Gewiſſenhaftigkeit und nie verſagenden Wohlwollen für jeden, der ihm ein Anliegen vortrug, verwaltete, Mitglied zahlreicher gemeinnütziger Vereine, voll Intereſſe für Wiſſenſchaften und Künſte, in eifriger und hochgeſinnter Thätig— keit beſonders den Angelegenheiten der evangeliſchen Kirche zugewandt, am 15. Oktober der General der Infanterie z. D. Freiherr Neubronn von Eiſenburg, von 1844 bis 1882, zuletzt als Generaladjutant, im perſönlichen Dienſte des Großherzogs. Als Zeichen der beſonderen Anerkennung und des Dankes ſeines Fürſten ſollte er bei der 25. Wiederkehr der Gedenktage des deutſch-franzöſiſchen Krieges den Hausorden der Treue erhalten an dem Tage, da er aus dem Leben abgerufen wurde. 1896. Das wichtigſte Ereignis, welches in dieſem Jahre die Groß— herzogliche Familie und mit ihr das ganze badiſche Land, in erſter Reihe die Haupt- und Reſidenzſtadt freudig bewegte, war der ſiebzigſte Geburtstag des Großherzogs. Die Stadt Karlsruhe hatte es als ihre Pflicht wie als ihr Recht betrachtet, den Mittelpunkt der Landesfeier zu bilden und alles aufzubieten, um dieſen Freuden⸗ tag feſtlich zu begehen. Die Ausſchmückung der Straßen war in allen Stadtteilen großartig, insbeſondere der Marktplatz hatte einen durch den Stadtbaumeiſter Strieder entworfenen und ausgeführten Schmuck erhalten. Aus allen Teilen des Großherzogtums ſtrömten Menſchenmaſſen hier zuſammen, es mögen wohl 100 000 Perſonen geweſen ſein, darunter viele Tauſende, deren Herkunft die maleriſchen Landestrachten anzeigten. An verſchiedenen Plätzen der Stadt bildeten ſich Mittelpunkte der Feſtfreude, im Stadtgarten, auf dem Platz vor der Feſthalle, auf dem Gottesauer Exerzierplatz, auf dem ehemaligen — 604— Schützenplatz in der Kaiſerallee, wo vom 6. bis 13. September in den Nachmittags- und Abendſtunden Volksbeluſtigungen, Muſik und Tanz ſtattfanden. Der Großherzog empfing, während all der Feſtjubel die Straßen ſeiner Reſidenzſtadt belebte, vom Nachmittage des 7. September an die an ſeinem Hofe beglaubigten Geſandten und Abordnungen von Städten, Behörden, Körperſchaften und Vereinen, welche ihre Glück— wünſche darbrachten. Der bayriſche Geſandte, Freiherr von der Pfordten überreichte dem Großherzog ein Patent, durch welches Prinzregent Luitpold ihn zum Inhaber des Königl. bayriſchen 8. Infanterieregiments ernannte. Am Abend des 8. war allgemeine Beleuchtung der Stadt; während die im Lichterglanze ſtrahlenden Straßen die Großherzogliche Familie durchfuhr, wurde ſie allenthalben mit begeiſterten Hochrufen begrüßt. Von 10 Uhr an fand in der prächtig geſchmückten Feſthalle das Feſtbankett ſtatt, bei dem Profeſſor Goldſchmit die Feſtrede hielt, der muſikaliſche Teil des Programms durch die Liederhalle und die Leibgrenadierkapelle ausgeführt wurde. Am 9. September erſchallte am frühen Morgen Kanonendonner, Glockengeläute und Choralmuſik. In allen Gotteshäuſern wurden Gottesdienſte abgehalten. Um die Mittagsſtunde bewegte ſich der Feſt⸗ zug durch die Stadt und vor das Schloß. Den Entwurf zu dieſem größten Zug, der je in Karlsruhe geſehen worden und der an Aus— dehnung und Pracht die namhafteſten Feſtzüge, die in neuerer Zeit in deutſchen Städten veranſtaltet worden waren, übertraf, verdankte man dem Direktor der Kunſtgewerbeſchule, Hermann Götz, dem bei der Ausführung ein ganzer Stab von Mitarbeitern zur Seite ſtand. Im Zuge zählte man über 40 Prunkwagen, 1400 Koſtümirte, 1500 Fahnenträger; im Ganzen nahmen an, demſelben wohl mehr als 4000 Perſonen teil. Der Feſtzug ſetzte ſich aus 12 Gruppen zu⸗ ſammen: Schule und Erziehung, Wiſſenſchaft, Kunſt, Gewerbe, Handel und Induſtrie, Verkehr, Gartenbau, Landwirtſchaft, Feuerwehr, Turner, Schützen, das deutſche Lied, Huldigung dem Fürſten und dem Hauſe der Zähringer, das Volk in Waffen. Kurze Zeit bevor die Spitze des Zuges ſich dem Schloſſe näherte, traf die Deutſche Kaiſerin Auguſte Viktoria zur Beglückwünſchung ein und nahm mit dem Großherzog und ſeinen fürſtlichen Gäſten auf der vor dem Schloßportal errichteten Tribüne Platz. Nachdem ö — 605 die letzte Gruppe des Zuges vorüber war, brachte Oberbürgermeiſter Schnetzler ein Hoch auf den Großherzog aus, in welches die auf dem Schloßplatz verſammelte Menge begeiſtert einſtimmte. Am Nach⸗ mittag fand Volksfeſt mit Muſik auf dem Feſtplatz, Konzert im Stadtgarten, und das von der Stadt veranſtaltete Feſtmahl in dem großen Saale der Feſthalle ſtatt, bei dem der Oberbürgermeiſter die Feſtrede hielt, der kommandierende General von Bülow auf Großherzog und Großherzogin und der Prorektor der Univerſität Heidelberg, Profeſſor Baſſermann, auf den Kaiſer Trinkſprüche aus⸗ brachten. Am Abend war Feſtvorſtellung im Hoftheater(Feſtmarſch von Mottl, Feſtſpiel von Hancke mit lebenden Bildern aus der Geſchichte des badiſchen Landes und ſeines Fürſtenhauſes). Am Vormittag des 10. September brachten die Männergeſangs⸗ vereine dem Großherzog ein Geſangsſtändchen dar, nach deſſen Beendigung die Großherzoglichen Herrſchaften einem Huldigungsakt in der Feſthalle beiwohnten, welchen die Stadtgemeinde und viele andere Vereine und Körperſchaften des Landes darbrachten. Am 11. unternahmen der Großherzog und die Großherzogin mit der Erbgroßherzogin und der Kronprinzeſſin von Schweden und Norwegen eine Umfahrt durch die Stadt, während welcher ſie in allen Stadt— teilen auf das Herzlichſte begrüßt wurden. Am Abend vereinigte zum Schluſſe der Feſtlichkeiten ein Bankett, das von der Stadt ver— anſtaltet war, alle ſtädtiſchen Arbeiter in der Feſthalle. Der Großherzog, der noch am 11. zu den Manövern der 30. Diviſion nach dem Elſaß abreiſte, richtete an den Staatsminiſter Dr. Nokk und an den Oberbürgermeiſter Schnetzler Dankſchreiben für die ihm von der Bevölkerung ſeines Landes und der Einwohnerſchaft ſeiner Reſidenzſtadt dargebrachten Beweiſe treuer Geſinnung und liebevoller Anhänglichkeit. Die dem Großherzog zu ſeinem 70. Geburtstag gewidmeten Feſtgaben wurden im September und Oktober im Kunſtgewerbe— muſeum ausgeſtellt; das Geſchenk des Kaiſers, das Modell zu dem für Berlin beſtimmten Denkmal Kaiſer Wilhelms J. von Reinhold Begas, hatte im Lichthofe des Muſeums ſeinen Platz gefunden. Im Oktober erkrankte der Großherzog in Baden unter Fieber⸗ erſcheinungen, und ein ſchmerzhafter Absceß machte einen operativen — 606— Eingriff nötig. Auf Rat der Arzte verblieben, als Beſſerung eintrat, die einen zwar ſtetigen aber langſamen Verlauf nahm, Großherzog und Großherzogin den Reſt des Jahres in Baden— Im Monat April verweilte der Kaiſer vom 16. bis 19. in Karlsruhe, da ſchlechtes Wetter die beabſichtigte Auerhahnjagd in Kaltenbronn vereitelte. Am 17. befahl er ein Ausrücken der Garniſon, die auf dem Schloßplatze Aufſtellung nahm, wo der Kaiſer die Fronten abritt und hierauf den Parademarſch abnahm— Am 29. Juni wurde in Anweſenheit der geſamten großherzog— lichen Familie die während der Jahre 1889 bis 1896 neu erbaute Grabkapelle im Faſanengarten kirchlich eingeweiht. Am frühen Morgen des 30. Juni erfolgte die Überführung der ſterblichen Hülle des Prinzen Ludwig Wilhelm aus der fürſtlichen Gruft in der Stadtkirche nach der Grabkapelle, um dort ihre dauernde Ruheſtätte zu finden. Dieſe wehmütige Feier gab der Großherzogin Anlaß, für die Städtiſche Friedhofkapelle ein großes Kruzifix zu ſtiften und in rührenden Worten die Bedeutung dieſer Stiftung in einem Schreiben an den Oberbürgermeiſter Schnetzler darzulegen. Der kommandierende General des XIV. Armeekorps, General der Infanterie von Schlichting, der 7½ Jahre in dieſer Eigen— ſchaft in Karlsruhe ſeinen Wohnſitz hatte, wurde durch Kabinets⸗ ordre des Kaiſers und Königs im Januar 1896 in Genehmigung ſeines Abſchiedsgeſuches unter Belaſſung in der Stellung à 1a suite des Leibgrenadierregimentes und unter Verleihung des Schwarzen Adler— ordens zur Dispoſition geſtellt und durch den kommandierenden General des VIII. Armeekorps, General der Kavallerie von Bülow erſetzt. In einem Schreiben an Oberbürgermeiſter Schnetzler hob General von Schlichting hervor, daß ihm dieſe Jahre durch„das liebenswürdige Entgegenkommen aller Behörden der Haupt⸗ und Reſidenzſtadt dienſtamtlich leicht geworden ſeien und in ihrem Verlauf ſtets zu voller Harmonie geführt hätten“. Von Jahr zu Jahr habe er ſich mehr unter der Karlsruher Bürgerſchaft wohl und heimiſch gefühlt und er rechne die in der Stadt zugebrachten Jahre zu den ſchönſten ſeines Lebens. Zur Erinnerung an den hieſigen Aufenthalt ‚ ö — 607— des kommandierenden Generals, der ſich bei der Karlsruher Bürger— ſchaft die wärmſte Sympathie zu erwerben gewußt hatte, widmete ihm der Stadtrat in künſtleriſch ausgeſtatteter Mappe eine Anzahl photo⸗ graphiſcher Anſichten der Stadt mit einem kalligraphiſch ausgeführten Widmungsblatt, welche eine Abordnung(die drei Bürgermeiſter und drei Stadträte) überreichte. Im April und Mai fanden die durch die Städteordnung vor⸗ geſchriebenen Wahlen für den Bürgerausſchuß ſtatt. Jede der drei Klaſſen der Wahlberechtigten hatte 16 Stadtverordnete auf 6 Jahre zu wählen, außerdem die erſte und zweite Klaſſe 3 Erſatz⸗ männer und die dritte Klaſſe 1 Erſatzmann auf 3 Jahre. Im Jahre 1893 hatte die Zahl der Wahlberechtigten 10 175 betragen, jetzt waren es 10 556, in der erſten Wählerklaſſe 879, in der zweiten 1758, in der dritten 7919. Die Umlagebeträge der Wähler der erſten Klaſſe bewegten ſich zwiſchen 19608 und 155 Mk., der zweiten zwiſchen 155 und 37 Mk.,, der dritten zwiſchen 37 Mk. und 18 Pf. An den Erneuerungswahlen beteiligten ſich in der dritten Klaſſe 4666, oder rund 59 von hundert, in der zweiten 1191, oder rund 68 von hundert, in der erſten 516, oder rund 59 von hundert, bei den Erſatzwahlen 2019, 617, 355. Bei den erſteren lagen in der dritten Wählerklaſſe Wahlvorſchläge der Nationalen und Konſer⸗ vativen, des Zentrums und der Freiſinnigen, ſowie der ſozial⸗ demokratiſchen Partei vor. Auf den erſten fielen 1 465, auf den zweiten 1244, auf den dritten 1969 Stimmen, durch welche 11 Sozialdemokraten, 4 Angehörige der Zentrumspartei und 1 Frei⸗ ſinniger gewählt wurden. In der zweiten Wählerklaſſe fielen 830 Stimmen auf den Wahlvorſchlag der Nationalliberalen und Konſer⸗ vativen, 346 auf jenen des Zentrums und der Freiſinnigen, 21 auf den Wahlvorſchlag der„Handwerkerpartei“. In der erſten Wähler⸗ klaſſe ſiegte die Liſte der Nationalliberalen und Konſervativen mit 479 Stimmen über jene der beiden anderen Parteien, die 36 bis 42 Stimmen erhielten. Bei den Erſatzwahlen gewann die Mehrheit in der dritten Klaſſe der ſozialdemokratiſche Wahlvorſchlag; in den beiden anderen Klaſſen war überhaupt nur ein Vorſchlag aufgeſtellt. In den geſchäftsleitenden Ausſchuß der Stadtverordneten wählte am 22. Mai das erneuerte Kollegium: Kommerzienrat — 608— K. A. Schneider als Obmann, Generalſekretär Schwindt als deſſen Stellvertreter, ferner Drehermeiſter A. Dengler, Landgerichtsdirektor E. Fieſer, Profeſſor Dr. R. Goldſchmit, Rechnungsrat P. Müller und Fabrikant A. Ruh. Die 11 aus dem Stadtrat nach Vorſchrift des Geſetzes ausſcheidenden Mitglieder wurden ſämtlich wiedergewählt. Im Laufe des Jahres ergab ſich für den Stadtrat infolge des Todes der Stadträte Engelhardt und Leichtlin die Notwendigkeit der Vor— nahme von Erſatzwahlen; ſie wurden durch Rechtsanwalt Dr. G. Binz und Baurat A. Williard Nach Wiedernulfſhihe der Wechandlunzen der Zweiten Kammer am 14. Januar wurde von den Stadträten der der Städteordnung unterſtehenden Städte eine Petition eingebracht, welche die Er— weiterung der Berechtigungen der Oberrealſchulen verlangte und nach dem Kommiſſionsbericht des Abgeordneten Venedey mit Stimmen—⸗ mehrheit der Regierung empfehlend überwieſen wurde. Anläßlich der Wiederkehr des Tages, an welchem vor 25 Jahren im Schloß Verſailles das deutſche Kaiſertum proklamiert worden war, wurde dem Großherzog am 18. Januar eine Adreſſe durch den Geſamt⸗ vorſtand der Kammer überreicht. Im weiteren Verlauf der Ver⸗ handlungen wurde der Geſetzesentwurf, die Herſtellung einer Lokalbahn Karlsruhe-⸗Herrenalb betr. vorgelegt, und in dem Kommiſſionsbericht durch den Abgeordneten Klein erläutert. An der über den Bericht eröffneten Beratung beteiligte ſich der Abgeordnete Schnetzler. Sämt⸗ liche anweſenden Mitglieder(52) ſtimmten für den Geſetzentwurf. Von dem im Nachtrag zum Budget ſeitens der Regierung beantragten Staatszuſchuß von 2 Millionen Mark an die. Stadtgemeinde Karlsruhe zur Herſtellung eines Stichkanals und einer Hafenanlage in der Niederung: weſtlich von Mühlburg wurde die I. Rate mit 800000 Mk. genehmigt. Die Zuſchußleiſtung des Staates an die Stadtgemeinde war damit begründet, daß der Stadt Karlsruhe in ihrer Eigenſchaft als Eigentümerin der Maxauer Bahn durch die in Zuſammenhang mit der Herſtellung der Bahnlinie Graben-Karlsruhe-Röſchwoog erfolgte Geſtaltung der Bahnverhältniſſe bei Karlsruhe finanzielle Nachteile erwachſen ſeien und durch den Staatszuſchuß aus Mitteln der Eiſenbahnſchuldentilgungskaſſe die Entſchädigung für den Einnahme⸗ ausfall der Maxauer Bahn erledigt ſei. Ein weiterer gleichzeitig — 609— beantragter Zuſchuß von 500000 Mk. wurde mit Rückſicht darauf, daß der von der Stadt neu zu erſtellende Hafen den ſeitherigen im Staatseigentum ſtehenden Hafen bei Maxau erſetze, der bei Eröffnung des ſtädtiſchen Hafens eingehen werde, bewilligt, jedoch mit der Ein— ſchränkung, daß der Zuſchuß des Staates aus Mitteln der Eiſenbahn⸗ ſchuldentilgungskaſſe von 2 auf 1½ Millionen herabgeſetzt werde, unter gleichzeiter Ermäßigung des in einer Vereinbarung zwiſchen Regierung und Stadt feſtgeſtellten Mindeſtbetrages der Herſtellungskoſten des Hafens von 3½ auf 3 Millionen Mark. 8 Für den Kommiſſionsantrag, begründet vom Abgeordneten Wilckens, ſtimmten die Nationalliberalen mit Ausnahme des Abgeordneten Keller, der vor der Abſtimmung den Saal verließ, und die Abgeordneten Delisle(dem.) und Kirchenbauer(konſ.), dagegen das Zentrum, die übrigen Demokraten, die Sozialdemokraten und die Abgeordneten Freiherr von Stockhorn(konſ.) und Pfiſterer(antiſem.). Am 23. Juni wurde der Landtag durch den Großherzog in feierlicher Weiſe geſchloſſen. Die vaterländiſchen Erinnerungsfeiern in treuem Gedenken an die Kriegstage von 1870/71 wurden in dieſem Jahre fortgeſetzt. Am Vorabend des 25. Jahrestages der Kaiſerproklamation in Ver— ſailles, am 17. Januar, veranſtaltete die Stadt ein Feſtbankett im großen Saale der Feſthalle, welchem der Großherzog beiwohnte. Die Feſtrede hielt Profeſſor Dr. Goldſchmit. Trinkſprüche wurden von dem Landtagsabgeordneten Freiherrn Stockhorner von Starein, von Reallehrer Bergmann, von dem kommandierenden General von Bülow und von Profeſſor Heimburger ausgebracht. Die Männergeſang⸗ vereine ſangen vaterländiſche Lieder. Am 18. Januar, einem Samstag, feierten die Israeliten, am Sonntag den 19. die Katholiken und Proteſtanten den Erinnerungstag durch Gottesdienſte. Am 19. abends wurde im Hoftheater„Der Kyffhäuſertraum“ von A. Herzog auf— geführt. Beſondere Feiern veranſtalteten am 18. Januar das 1. badiſche Feldartillerieregiment Nr. 14, am 24. die Studentenſchaft der Tech— niſchen Hochſchule, Anfang Februar die Poſt- und Telegraphenbeamten, Anfang März die Vereinigung der Reſerve- und Landwehroffiziere des Landwehrbezirks Karlsruhe, am 22. März das 1. badiſche 39 — 610— Leibdragonerregiment Nr. 20. Mehreren dieſer Feiern wohnte der Großherzog bei und beehrte die Teilnehmer durch begeiſternde An— ſprachen. Dieſes war auch der Fall bei der Feier des 25. Stiftungs— feſtes des Militärvereins Mühlburg am 8. Juni, mit welchem der Hardgauverband des badiſchen Landes-Militärvereines ſein Gau— kriegerfeſt und ſeinen Abgeordnetentag verband. Am Tage der Schlacht von Nuits, am 18. Dezember, wurde das von den ehemaligen Einjährig-Freiwilligen des Leibgrenadier— regiments zum Andenken an die im Kriege 1870,/71 gefallenen Offiziere und Mannſchaften dieſes Regiments errichtete Denkmal enthüllt. Nach einem Entwurfe des Direktors Götz von Bildhauer Nußberger ausgeführt, fand dieſes Denkmal ſeine Aufſtellung in der Einzäunung der neuen Grenadierkaſerne an der Moltkeſtraße. Der Einweihungs— feier wohnten der Erbgroßherzog in Vertretung des Großherzogs und Prinz Karl bei. Das vom Verein deutſcher Ingenieure ſeinem Begründer und langjährigen Vorſitzenden, Geh. Rat und Profeſſor Gras⸗ hof an der Kriegſtraße errichtete Denkmal wurde am 26. Oktober feierlich enthüllt. Als Vertreter des Großherzogs 1 Prinz Karl bei dem im kleinen Feſthalleſaal abgehaltenen Feſtakt. An⸗ gehörige der Familie Grashof, Mitglieder des Vereines deutſcher Ingenieure, Vertreter der Karlsruher und auswärtiger Techniſchen Hochſchulen, der Staats- und ſtädtiſchen Behörden wohnten demſelben bei. Geh. Hofrat Profeſſor Dr. Hart hielt die Feſtrede. Hierauf erfolgte die Enthüllung des Denkmals, die von Profeſſor Fr. Moeſt modellierte Büſte Grashofs auf einem Poſtament aus Odenwälder Granit, an deſſen Fuß ein Genius aus Bronze mit aufgeſchlagenem Buche ſitzt. Vertreter einer großen Zahl akademiſcher und techniſcher Körperſchaften und Vereine legten am Denkmal Kränze nieder. Unter den Toten dieſes Jahres iſt in erſter Reihe der lang⸗ jährige Oberbürgermeiſter Jakob Malſch(4612“ Dezember) zu nennen, deſſen unvergängliche Verdienſte um die Haupt⸗ und Reſidenz⸗ ſtadt bis zu ſeinem im Jahre 18700 erfolgten Rücktritt und auch nachher noch in der Verwaltung verſchiedener Ehrenämter, an vielen Stellen dieſes Buches gewürdigt ſind. Ferner zwei verdiente Stadt⸗ — 611— räte: Hermann Leichtlin( 9. Oktober), der über ein Viertel⸗ jahrhundert lang der Gemeindeverw altung angehörte und an vielen, gemeinnützigen Beſtrebungen regen Anteil nahm, ein eifriges Mitglied und längere Zeit hindurch Vorſitzender des nationalliberalen Vereines und während 12 Jahren Vorſitzender der Loge„Leopold zur Treue“, der andere Wilhelm Franz, Engelhardt(F31. Mai), der 1869 in den damaligen kleinen Ausſchuß und 1875 in den Stadtrat gewählt wurde, dem er bis zu ſeinem Tode angehörte und in welchem er ſich als Mitglied verſchiedener Kommiſſionen, beſonders auch als Vorſtand des Waiſenhauſes verdient machte. Weiterhin iſt, der langjährige Stadtrechner Ludwig Lautenſchläger(F 28. Mai) zu erwähnen, der ſeit 1868 ſein verantwortliches Amt in treuer Pflichterfüllung verwaltete, bis ein Jahr vor ſeinem Tode Krankheit ihn nötigte, es niederzulegen. Von Staatsbeamten nennen wir den Geh. Rat Franz Sales Hebting(1 4. November), der von 1887 bis 1890 als Landeskommiſſär ſeinen Wohnſitz hier hatte und ihn nach ſeiner Zuruheſetzung beibehielt, auch dann noch als Abteilungs⸗ vorſtand des badiſchen Frauenvereins und im Jahre ſeines Todes als Vorſitzender des zur Hilfeleiſtung für die durch Hochwaſſer Beſchädigten gebildeten Landeskomitees thätig, und den Regierungsrat, Dr. Hermann Pfaff(6. 11. Juni), der als Polizeiamtmann wie als Mitglied der Oberdirektion des Waſſer⸗ und Straßenbaues und der Verſicherungsanſtalt Baden, als und in ſeiner Thätigkeit bei verſchiedenen gemeinnützigen Anſtalten und Vereinen vielfach die Intereſſen der Stadt wahrnahm. Dem Lehrkörper der 3 Hochſchule entriß der Tod den Geh. Hofrat Profeſſor Wiener(85.31. Juli), der als Mitglied des Gewerbeſchulrates. 10 außerordentliches Mitglied des Oberſchulrates auch mit der Stadtverwaltung manche Berührungspunkte hatte, die Kunſtgenoſſen⸗ ſchaft verlorein geſchätztes Mitglied in dem Hiſtorienmaler Rudolf Gleichauf(6715.,Oktober), von deſſen Hand auch in ſtädtiſchen Gebäuden(⸗Realgymnaſium, Vierordtbad, Feſthalle) einige treffliche Gemälde herrühren⸗ Dem am 14. Januar i in Mannheim verſtorbenen Geheimen Rat Dy. Auguſt Lameysbewahrt die Stadt Karlsruhe. ein/ treues Andenken, In einer zu dieſem Zwecke berufenen außer⸗ ordentlichen Sitzung! beſchlouß de tadtrat, den Hinterbliebenen des Karlsruher Ehrenbürgers ſeine Teilnahme auszuſprechen. 39* — 612— Bei der Beiſetzungsfeierlichkeit war der Stadtrat durch vier Mit⸗ glieder vertreten und wurde Namens der Stadt ein Kranz nieder— gelegt. 1897. Der 22. März, während 16 Jahren ein nationaler Feiertag, wurde in dieſem Jahre wieder feſtlich begangen; die hundertſte Wiederkehr des Geburtstages Kaiſer Wilhelms I. rief allenthalben in deutſchen Landen die Erinnerung an die Thaten dieſes großen und guten Fürſten wach, und überall vereinigten ſich ſeine Zeitgenoſſen zu pietätvollen Rückblicken auf alles, was das Vaterland ſeinem erſten Kaiſer zu verdanken hat. Die Stadt war geſchmückt, in allen Kirchen fanden am Vorabend, dem 21., einem Sonntag, Feſtgottesdienſte ſtatt, auch in den Schulen und in den Verſammlungen der Vereine gedachte man des verewigten Monarchen. Am 22. war große Parade der Beſatzung auf dem Exerzierplatze. An einer von der Stadt am Abend in der Feſthalle veranſtalteten Feſtfeier nahmen etwa 3000 Perſonen teil. Vom Hofe erſchien Prinz Karl. Militärmuſik und Männerchöre begleiteten die Feier, die Feſtrede hielt Gymnaſialprofeſſor Fr. Keim. Am folgenden Tage vereinigten ſich in den gleichen Räumen der Militärverein, die Regiments- und Waffenvereine. Auch hierbei war Prinz Karl anweſend. Profeſſor K. Fr. Müller, der I. Vorſtand des Militärvereins, ſprach zu den alten Kriegern. Großherzog und Großherzogin wohnten in Berlin der Jahr—⸗ hundertfeier bei, Kaiſer Wilhelm II. verlieh am Morgen des Tages, an welchem das Denkmal ſeines kaiſerlichen Großvaters enthüllt wurde, deſſen Tochter, der Großherzogin Luiſe das Großkreuz mit Stern des Luiſenordens, das er an dieſem Tage und nur für dieſe einzige Verleihung geſtiftet hatte. Das Kaiſerdenkmal, welches die Stadtgemeinde auf dem, ſeitdem Kaiſerplatz genannten Platze am ehemaligen Mühlburger Thor errichtete(wozu am 20. Mai die Grundſteinlegung vollzogen worden war), wurde am 18. Oktober enthüllt. Am Sonntag den 17. Oktober wurden Feſtgottesdienſte und abends eine Vorfeier in der Feſthalle abgehalteu, welcher der Großherzog, der Erbgroßherzog und der Prinz Hermann von Sachſen-Weimar beiwohnten. Auf den Trink⸗ ſpruch, den Oberbürgermeiſter Schnetzler dem Kaiſer und dem Groß⸗ — eee eeeeeeeeeebare VVV herzog darbrachte, antwortete dieſer mit einem in warmen Worten begründeten Hoch auf die Stadt Karlsruhe. Die Feſtrede hielt Stadtrat Dr. Binz, Militärmuſik und Männerchöre verſchönten das Feſt. Bei der Enthüllungsfeier, an welcher alle Mitglieder der Großherzoglichen Familie, der Vertreter des Kaiſers, Generaloberſt Graf Walderſee, zahlreiche vom Großherzog geladene Ehrengäſte, die Spitzen der Behörden und die Vertreter der Stadt teilnahmen, hielt Oberbürgermeiſter Schnetzler die Feſtrede, und auf den vom Großherzog auf des Redners Bitte erteilten Befehl fiel unter Kanonen— donner und Glockengeläute die Hülle von dem Denkmal, an dem nun eine große Zahl von Kränzen niedergelegt wurde. Nachmittags fand eine große Hoftafel ſtatt, bei welcher der Großherzog in beredten Worten des Kaiſers gedachte und ein dreimaliges Hurrah auf ihn ausbrachte. Die Stadt veranſtaltete für die etwa 500 ſtädtiſchen Arbeiter ein Bankett in der Feſthalle, bei welchem von Bürgermeiſter Siegriſt und Stadtrat Boeckh Anſprachen gehalten wurden. Abends fand im Hoftheater Feſtvorſtellung ſtatt. Zur Erinnerung an die Enthüllungsfeier ſandte die Großherzogin dem Stadtrat eine Büſte Kaiſer Wilhelms I. als Zeichen ihrer Dankbarkeit. Das Denkmal, ein hervorragendes Werk des Bildhauers Adolf Heer, die Bronzeteile in der Bildgießerei von Schäffer und Walker in Berlin gegoſſen, das Poſtament aus rotem polierten ſchwediſchen Granit von der Firma Rupp und Möller in Karlsruhe ausgeführt, wurde am Tage der Enthüllungsfeier und an den nächſten Tagen von der Bevölkerung der Hauptſtadt und ihrer Umgebung, die in Scharen herbeiſtrömte, bewundert. Am 21. Oktober kam der Kaiſer von Wiesbaden zur Beſichtigung des Denkmals hierher und ſprach, als er in Begleitung des Großherzogs auf dem Kaiſerplatz erſchien, dem ihn mit einer Anſprache begrüßenden Oberbürgermeiſter und dem Schöpfer des Denkmals, Profeſſor Heer, ſeine vollſte Anerkennung aus, indem er ſeine Worte mit einem Hoch auf Großherzog und Großherzogin ſchloß. Am 27. April wurde das Großherzogliche Haus durch das Ableben des Prinzen Wilhelm, Bruders des Großherzogs in tiefe Trauer verſetzt, an der das ganze Land, in welchem ſich der tapfere und hochherzige Prinz großer Beliebtheit erfreute, innigen — 614— Anteil nahm. Nachdem er im Laufe des Winters von ernſtem Unwohlſein befallen worden war, nahm dieſes um die Mitte des Monats April einen ernſten Charakter an und geſtaltete ſich am 25. April⸗ ſo bedenklich, daß das Schlimmſte zu befürchten( war. Dieſer und der folgende Tag verliefen unter Krankheitserſcheinungen, welche eine nahe Auflöfung vorausſehen ließen; am Abende des 26. April verfiel der Prinz in einen ſchlummerſüchtigen Zuſtand, aus welchem er nicht mehr erwachte. Am 27. April, morgens 6 Uhr, that er den letzten Atemzug, umgeben von ſeiner Gemahlin, ſeinem Sohn, dem Prinzen Manimilian, ſeiner Tochter, der Erbprinzeſſin von Anhalt, dem Herzog von Leuchtenberg, Bruder der Prinzeſſin Wilhelm, und allen hier anweſenden Mitgliedern der Großherzoglichen Familie. Mit den weiteſten Kreiſen des Landes beklagte der Stadtrat der Haupt⸗ und Reſidenzſtadt den Tod des ritterlichen Prinzen, der in guten und böſen Tagen ſeinem erhabenen Bruder und Landes⸗ herrn, der badiſchen Heimat und dem großen deutſchen Vaterlande in hingebender und opferwilliger Liebe ergeben war und in dem großen Kriege gegen Frankreich auf dem Felde der Ehre ſein Blut vergoſſen hatte. Er trat zu einer außerordentlichen Sitzung zuſammen, in welcher der Oberbürgermeiſter dem Heimgegangenen einen Nachruf widmete und beſchloſſen wurde, am Sarge des Prinzen einen Kranz niederzulegen, das Rathaus und den Marktplatz mit Trauerſchmuck zu verzieren und den Hinterbliebenen des Prinzen wie der geſamten Großherzoglichen Familie die Teilnahme der Einwohnerſchaft Karls⸗ ruhes zum Ausdruck zu bringen. Am Abend des 29. April wurde die Leiche des Prinzen, nach Abhaltung einer Andacht an der offenen Bahre durch Stadtpfarrer Mühlhäußer, in die Schloßkirche überführt und im unteren Raume aufgeſtellt; am 30. April war der Beſuch der Schloßkirche dem Publikum freigegeben, welchem geſtattet war, ſich an dem mit⸗ prachtvollen Blumenkränzen geſchmückten Katafalk vorbei zu bewegen. Nach einem Trauergottesdienſt in der Schloßkirche wurde der Leichenwagen in feierlichem Zuge zur fürſtlichen Grab⸗ kapelle geleitet, nach einer kurzen Andacht in die Gruft getragen und dort Der⸗ 0460 war vom 12. bis 18. Januar zu einer von dem Staatsminiſter Dr. Nokk im Auftrage des Großherzogs eröffneten — außerordentlichen Tagung verſammelt, deren einzigen Beratungs⸗ gegenſtand eine Vorlage der Regierung über die Umwandlung der vierprozentigen Staats-Schuld in eine dreiundeinhalbprozentige bildete. Von der Bildung der definitiven Abteilungen wurde im Hinblick auf die kurze Tagung Abſtand genommen. Die Prüfung der durch den Tod des Vertreters des 50. Wahlbezirkes erforderlich gewordenen Erſatz⸗ wahl wurde den Vorſtänden der bisherigen Abteilungen überwieſen, wobei an Stelle des durch Krankheit am Erſcheinen verhinderten Vorſtandes der II. Abteilung der Sekretär derſelben, Abgeordnete Koelle, trat. An Stelle der neu zu wählenden Kommiſſion zur Beratung der geſchäftlichen Behandlung obiger Vorlage trat auf Antrag des Abgeordneten Fieſer die 17gliedrige Budgetkommiſſion des vorigen Landtags, welcher der Abgeordnete Hoffmann angehörte. Der Geſetzes⸗ entwurf wurde nach vorausgegangener Generaldebatte, an welcher ſich der Abgeordnete Koelle beteiligte, in namentlicher Abſtimmung ein⸗ ſtimmig angenommen. Auf den 27. Oktober waren die Wahlmännerwahlen für den noch im Herbſt einzuberufenden ordentlichen Landtag anberaumt. Sie fanden unter ſehr großer Beteiligung ſtatt, ihnen ging und ſie begleitete eine ſo lebhafte Wahlbewegung, wie man ſie bisher nur bei Reichstagswahlen erlebt hatte. Die vereinigten Oppoſitions⸗ parteien(Zentrum, Freiſinnige, Deutſche Volkspartei und Sozial⸗ demokraten) kämpften einhellig unter dem Stichwort, daß auf keinen Fall ein Nationalliberaler gewählt werden dürfe. Die nationalliberale Partei wurde zur Aufrechterhaltung ihres Beſitzſtandes nur von den Konſervativen unterſtützt. Es fand eine große Anzahl von Wahlverſammlungen ſtatt, bei denen die Oppoſitionsparteien zur Bekämpfung ihrer Gegner auch von Auswärts Beihilfe herbeiriefen, ſo den Reichs- und Landtags⸗ abgeordneten Ulrich aus Offenbach und den Profeſſor Pr. Quidde aus München. Die Stadt war in 55 Wahlbezirke(gegen 49 im Jahre 1893) eingeteilt, in denen 420 Wahlmänner zu wählen waren. Von 12642 Wahlberechtigten ſtimmten 9535, alſo etwa 75 von Hundert ab. In 30 Bezirken ſiegten die Oppoſitionsparteien, welche 4944, in 25 die Wärmeflikkse welche 4591 Stimmen erhielten. Am 20. November fand die Wahl der drei Abgeordneten ſtatt. Die von den nationalliberalen aufgeſtellten Bewerber, Stadtrat Karl Hoffmann, Kommerzienrat Robert Koelle(die bisherigen Abgeordneten) und Profeſſor Dr. Robert Goldſchmit, erhielten 194, Buchdruckerei⸗ beſitzer Adolf Geck aus Offenburg, Schreinermeiſter Auguſt Schaier (der ſozialdemokratiſchen) und Bauunternehmer Karl Bleß(der Deutſchen' Volkspartei angehörig), die zwei letztgenannten aus Karls⸗ ruhe, 224 Stimmen. Dieſe waren alſo als Vertreter der Stadt Karlsruhe in den Landtag gewählt. Aus Karlsruhe erſchienen in der II. Kammer ferner die Abgeordneten Rechtsanwalt Dr. Binz, Profeſſor Dr. Heimburger, Landgerichtsrat Freiherr Stockhorner von Starein und Oberſchulrat Dr. Weygoldt.“ Am 23. November wurde der Landtag im Auftrag des Groß⸗ herzogs durch den Präſidenten des Staatsminiſteriums, Staatsminiſter Dr. Nokk eröffnet. Von den Vertretern der Stadt Karlsruhe wurde Schaier in die Petitionskommiſſion, Geck in die Kommiſſion für Eiſenbahnen und Straßen gewählt, in der er Bericht über den Geſetzesentwurf, die Fortſetzung der Nebenbahn Bruchſal—Odenheim nach Hilsbach erſtattete. Geck war ferner Mitglied der Verfaſſungs⸗ kommiſſion und der Juſtizkommiſſion, der die Beratung verſchiedener mit der Neuorganiſierung des Grundbuchweſens in Zuſammenhang ſtehenden Geſetzesentwürfe überwieſen wurde. Am 18. Dezember war die letzte Sitzung in dieſem Jahre. Vier Vereine begingen im Jahre 1897 die Erinnerungs— feier ihrer Gründung: in der zweiten Hälfte des Mai die ſeit 1847 beſtehende Geſellſchaft der„Fulder“, der 1857 gegründete katholiſche Geſellenverein am 29. Auguſt, der 1872 entſtandene Militärverein Karlsruhe(in Gegenwart des Erbgroßherzogs) am 16. Oktober und der im gleichen Jahre in's Leben gerufene kauf⸗ männiſche Verein Karlsruhe am 6. November⸗ Das fünfzigjährige Jubiläum ihres Beſtehens feierten gemeinſam die freiwillige Feuerwehr und die Feuerwehr der Maſchinenbaugeſellſchaft, deren Beſtehen in das Jahr 1847 zurückreicht. Ein Bankett im Koloſſeum am Abend des 15. Mai zu Ehren der von Auswärts gekommenen Gäſte, Feſtgottesdienſte in der — 617— proteſtantiſchen und katholiſchen Stadtkirche und ein Feſtakt in der Feſthalle, bei welchem Stadtrat Boeckh die Feſtrede hielt, und der Amtsvorſtand, Miniſterialrat Freiherr von Bodman, die vom Groß⸗ herzog an den Kommandanten Kautt und einige Feuerwehrleute verliehenen Auszeichnungen verteilte, ein Feſteſſen im kleinen und ein Bankett im großen Feſthalleſaal, bei dem ein Feſtſpiel mit lebenden Bildern zur Aufführung kam, am 16. Mai und eine Übung der vereinigten Feuerwehren auf dem Marktplatz am 17. Mai waren die zu Ehren des ſeltenen Feſtes veranſtalteten Vereinigungen der Feuerwehren mit Vertretern der ſtaatlichen, ſtädtiſchen und militäriſchen Behörden und vielen Angehörigen der Bürgerſchaft. Bekanntlich war die Errichtung der Feuerwehren eine unmittel⸗ bare Folge des Hoftheaterbrandes am 28. Februar 1847) Auch dieſes entſetzlichen Unglückes gedachte man fünfzig Jahre ſpäter. An dem Denkmal, welches Großherzog Leopold den Opfern dieſes Brandes auf ihrem gemeinſamen Grabe auf dem alten Kirchhof errichtet hatte, fand am 28. Februar eine Gedenkfeier ſtatt, bei der Stadtpfarrer Längin und Rabbiner Dr. Appel Anſprachen hielten; für die verunglückten Angehörigen des katholiſchen Bekenntniſſes wurde am J. März in der Stadtpfarrkirche zu St. Stephan ein Traueramt abgehalten. Die Feier ihres 25jährigen Beſtehens beging am 20. Juni die Freiwillige Sanitätskolonne des Karlsruher Männer⸗ hilfsvereines. Am Vormittag fand auf dem großen Exerzierplatze eine größere Übung ſtatt, der u. a. der Kaiſerliche Militärinſpekteur der freiwilligen Krankenpflege, Graf zu Solms⸗Baruth, der Landes⸗ delegierte, Miniſterialpräſident Geh. Rat Eiſenlohr, der General à la suite des Großherzogs, Generalmajor Müller, und der Korps⸗ arzt des XIV. Armeekorps, Generalarzt Dr. Strube beiwohnten. Von Auswärts nahmen die Sanitätskolonne Speyer und eine Abteilung der Sanitätskolonne Pforzheim an der Übung teil. Abends fand ein Bankett im Koloſſeumsſaale ſtatt. Eine aus Anlaß des Jubiläums veranſtaltete Sammlung für den Unterſtützungsfond der Kolonne ergab 4739 Mk. JVgl. Bd. 2 S. 136 ff. — 98— Zwei große und angeſehene Firmen, die Chr. Fr. M üller' ſche Hofbuchhandlung und die Erſte Karlsruher Parfümerie— und Toiletteſeifen-Fabrik von F. Wolff& Sohn feierten in dieſem Jahre, die erſte am 21. Februar ihr hundertjähriges, die andere am 20. November ihr vierzigjähriges Beſtehen. Beide von beſcheidenen Anfängen ausgegangen, haben ſich, Dank dem Fleiße und der Tüchtigkeit ihrer Häupter, zu bedeutenden, auch auswärts hochangeſehenen Betrieben entwickelt. Die Inhaber beider Geſchäfte wurden vom Großherzog durch Auszeichnungen beehrt, von Ver⸗ tretern der Regierung und der Stadtgemeinde feierlich beglückwünſcht, beide bei feſtlichem Zuſammenſein mit ihren Geſchäftsangehörigen, welche an dieſem Tage durch reiche Stiftungen und Ehrengaben erfreut wurden. Auch in dieſem Jahre wählten verſchiedene Vereine und Verbände Karlsruhe zum Verſammlungsorte. So fanden u. a. am 9. Mai der erſte Allgemeine Badiſche Handwerkertag, am 10. Mai der Verbandstag des Verbandes der landwirtſchaftlichen Kredit⸗ genoſſenſchaften, am 25. Mai die Hauptverſammlung des Badiſchen Schwarzwaldvereines ſtatt; am 7. Juni hielten der Verein badiſcher Reallehrer, am 9. Juni der Verein deutſcher Zeichenlehrer, am 29. Juni der Verein badiſcher Lehrerinnen ihre Hauptverſammlungen ab. Im September traten am 12. die Vorſtände der deutſchen Gewerbegerichte, am 13. Vertreter der Behörden und Verbände des Arbeitsnachweiſeweſens, am 14. die Oberbürgermeiſter der deutſchen Städte mit über 80000 Einwohnern, zu Konferenzen zuſammen. Gegenſtand dieſer letztgenannten Konferenz war die Beſchickung der Pariſer Weltausſtellung im Jahre 1900; ihr wohnte der Reichs⸗ kommiſſar für dieſe Ausſtellung, Geh. Rat Richter aus Berlin bei. Als letzte in der Reihe, aber nicht geringſte ſei die 22. Verſammlung des Vereins für öffentliche Geſundheitspflege genannt, bei der vom 14. bis 16. September gegen 400 Fachmänner(Arzte, Staats- und Gemeindebeamte, Ingenieure u. ſ. f.),wie auch Vertreter von Behörden, zu deren Wirkungskreis die Geſundheitspflege gehört, teilnahmen. Miniſterialpräſident Geh. Rat Eiſenlohr begrüßte die Verſammlung im Namen der Regierung, Oberbürgermeiſter Schnetzler und Geh. Hofrat Profeſſor Hart im Namen der Stadtgemeinde und der ——— — 619— Techniſchen Hochſchule. Die Vormittage waren den Verhandlungen unter dem Vorſitz des Oberbaurats Profeſſor Baumeiſter, des Ober⸗ bürgermeiſters Schnetzler und des Geh. Rats Dr. Günther aus Dresden, die Nachmittage dem Beſuche hygieniſch intereſſanter Baulich⸗ keiten der Stadt gewidmet. Am Abend des 15. veranſtaltete die Stadt ein Gartenfeſt i im Stadtgarten und ein Bankett in der Feſthalle. Hieran anſchließend ſei noch des Sozialwiſſenſchaftlichen Kurſus Erwähnung gethan, der— als erſter ſeiner Art in Süddeutſchland— vom 4. bis 8. Oktober im großen Saale der Techniſchen Hochſchule abgehalten wurde und bei dem Profeſſoren und Dozenten der Hoch— ſchulen Karlsruhe, Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Stuttgart Vortäge über volkswirtſchaftliche Themata hielten. Von den in dieſem Jahr Geſtorbenen erwähnen wir in erſter Reihe den Wirkl. Geh. Rat Eugen von Regenauer(56. Dezember), der in den verſchiedenen Staatsämtern, die er im Laufe einer langen Dienſtzeit inne hatte, insbeſondere als Präſident der Generalintendanz der Großh. Civilliſte, durch Gewiſſenhaftigkeit und Wohlwollen gegen—⸗ über allen Angelegenheiten, die an ihn herantraten und allen Perſonen, mit denen er in Berührung kam, ſich rühmlich hervorthat.— Kurz nachdem er ſich von der evangeliſchen Gemeinde, an der er ſeit 1864 ſegensreich gewirkt, verabſchiedet und ſeinen Wohnſitz nach Freiburg verlegt hatte, ſtarb dort am 13. September Stadtpfarrer Georg Längin. Sein Name iſt durch litterariſche Arbeiten dauernd mit dem des allemanniſchen Dichters Johann Peter Hebel verknüpft, zu deſſen Geburtstag er jährlich eine einfache Feier im Schloßgarten veranſtaltete.— Nur wenige Jahre lebte in Karlsruhe der berühmte Litterarhiſtoriker Michaoal Bernays, der ſchweren Leiden am 25. Februar erlag. Ohne eine öffenliche Stellung einzunehmen, hat er doch auch in Karlsruhe einen Kreis um ſich zu ſammeln verſtanden, dem ſein Umgang reiche Anregung darbot.— Ein ächter Altkarlsruher ſchied am 24. September mit dem Buchdruckereibeſitzer Friedrich Gutſch aus dem Leben, dem durch die Herausgabe der „Karlsruher Nachrichten“ und zahlreicher, meiſt humoriſtiſcher Gedichte in Karlsruher Mundart ein dauerndes Andenken in unſerer Stadt geſichet iſt.— Ein durch Fleiß, Pünktlichkeit und freundliches Benehmen hochgeſchätzter Beamter wurde am 7. Januar durch den — 620— Tod ſeiner Thätigkeit entriſſen, der Sekretär der Grund⸗ und Pfand⸗ buchführung Wilhelm Wörner.— Als einer der Mitbegründer und pflichteifriger Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr hatte ſich in langjährigem Wirken Hofpoſamentier Louis Voit vielfach verdient gemacht, der nach langer Krankheit am 21. Dezember aus dem Leben ſchied. Während des deutſch⸗franzöſiſchen Krieges hatte er auch im Verbande des Männerhilfsvereines an der Leitung des Transportweſens der hierher verbrachten Krieger eifrigen und erfolg⸗ reichen Anteil genommen. 1898. Der Stadtrat wurde in dieſem Jahre durch das Ableben dreier Mitglieder in Trauer verſetzt. An Stelle des im Februar verſtorbenen Stadtrats Ludwig Waltz wurde Fabrikant Auguſt Ruh, bis dahin Mitglied des geſchäftsleitenden Vorſtandes der Stadt⸗ verordneten, zum Stadtrat gewählt; als auch dieſer im Oktober ſtarb, wurde Kaufmann Adolf Wilſer ſein Nachfolger. Für den im De⸗ zember verſtorbenen Stadtrat Ludwig wurde eine Erſatzwahl in dieſem Jahre nicht mehr vorgenommen. Nach nahezu ſiebzehnjähriger Thätigkeit als Obmann des Stadtverordneten-Vorſtandes legte Geh. Kommerzienrat Karl Auguſt Schneider zu Beginn des Jahres ſeine Stelle nieder. Ihn erſetzte Profeſſor Dr. Robert Goldſchmit. Neu traten in den geſchäftsleitenden Vorſtand ein: Architekt Karl Augen⸗ ſtein, Kaufmann Adolf Wilſer und Oberſtiftungsrat Rudolf Fetzer, der erſte an Stelle von Profeſſor Goldſchmit, der zweite an Stelle des zum Landgerichtspräſidenten in Freiburg ernannten bisherigen Landgerichtsdirektors Emil Fieſer. Nach Wiederbeginn der Sitzungen der Zweiten Kammer am 10. JFanuar wurde von dem Stadtrat der Reſidenzſtadt Karlsruhe und den Städten Mannheim, Heidelberg u. A. die Bitte um Be⸗ rechtigung der Oberrealſchulen bezw. Einführung des wahlfreien lateiniſchen und griechiſchen Unterrichts an allen Realmittelſchulen ſowie Abänderung der Verordnungen vom 3. April 1884 und 27. März 1895 eingebracht, durch den Abgeordneten Venedey begründet und in der darauf folgenden Beratung der II. Kammer der Regierung empfehlend überwieſen. In die Spezialkommiſſionen wurden von den Vertretern der Stadt gewählt: Bleß in die Kommiſſion zur Vor⸗ 8 6% beratung des Geſetzentwurfs über die Beſteuerung des Wandergewerbe— betriebs, Geck in die Kommiſſion zur Beratung über die geſchäftliche Behandlung des Geſetzesentwurfs die Rechtsverhältniſſe der Dienſtboten betr. Eine von der Bürgerſchaft der Südſtadt ein⸗ gebrachte Petition betr. die Hebung der Verkehrsſchwierigkeiten an den Bahnübergängen der Stadt Karlsruhe wurde der ſtändigen Kommiſſion für Straßen und Eiſenbahnen überwieſen. Von den Abgeordneten Geck und Conſ. wurde eine Interpellation über die Regelung der Vorſchriften betr. Nutzbarmachung der Waſſerkräfte durch elektriſche Anlagen in öffentlichen Gewäſſern eingebracht, welche nach Annahme des Entwurfs eines Waſſergeſetzes als zwecklos zurückgezogen wurde. Durch Entſchließung des Großherzogs vom 1. Juli wurde die Verſammlung der Stände vertagt. Am 22. November traten auf Grund einer Entſchließung des Großherzogs vom 15. d. M. die zur Vorberatung der von der Regierung vorgelegten Geſetzentwürfe beſtellten Ausſchüſſe zuſammen. Eine andere Entſchließung des Groß— herzogs vom 29. November berief die Ständeverſammlung auf den 5. Dezember. Die Zweite Kammer hielt nur eine Sitzung, am 6. Dezember, in welcher einige ſeit der Vertagung erfolgte Wahlen geprüft und durch Zuruf die Abteilungen und Kommiſſionen ergänzt wurden. Sodann wurde, während die Kommiſſionen weiter arbeiteten, das Haus durch den Präſidenten von Neuem vertagt. Die auf den 16. Juni anberaumten Wahlen zum Reichs—⸗ tag bewegten ſchon Wochen vorher die Gemüter. Der Erfolg der ſozialdemokratiſchen Partei bei den Landtagswahlen des Jahres 1897 erhöhte die Hoffnungen der Angehörigen dieſer Partei, auch im Reichstag die badiſche Haupt- und Reſidenzſtadt durch einen der Ihrigen vertreten zu ſehen. Ein Zuſammenhalten der übrigen Parteien würde dieſe Hoffnung vereitelt haben. Da aber von ſechs Parteien nicht weniger als fünf Bewerber aufgeſtellt wurden, ſo war von vornherein ſicher, daß keiner die abſolute Mehrheit der Stimmen auf ſich vereinigen würde. Der Wahl gingen, in einem weit größeren Umfang als je zuvor, Wahlverſammlungen voraus, und der Wahl⸗ kampf zeigte von Anfang an einen leidenſchaftlichen Charakter, der ſich immer mehr verſchärfte, je näher der Wahltag heranrückte. Die Beteiligung an der Wahl war eine überaus ſtarke. Die Zabl der Wahlberechtigten in Karlsruhe⸗ betrug 17·406, der abgegebenen Stimmen 14112; es nahmen alſo etwa von hundert Wahlberechtigten 81 an der Wahl 196 Von den fünf Bewerbern erhielt der ſozialdemokratiſche, Redakteur Adolf Geck in Offenburg 5419, der nationalliberale, Rechtsanwalt Dr. Ludwig Schneider in Karlsruhe 5032, der von der deutſchen Volkspartei und vom Zentrum aufgeſtellte Profeſſor Dr. Karl Heimburger in Karlsruhe 3014, der konſervative Bewerber, Land⸗ gerichtsrat Emil Freiherr Stockhorner von Starein 450 und jener der Antiſemiten, Schuhmachermeiſter Franz Schmidt 222. Im ganzen 10. Reichstagswahlkreis fielen auf die gleichen Bewerber in vor⸗ ſtehender Reihenfolge 9031, 7607, 6370, 1624, 874 Stimmen. Die Geſamtzahl der abgegebenen giltigen Stimmen belief ſich auf 25 490, die abſolute Mehrheit demnach auf 12746. Da keiner der Bewerber dieſe Zahl auf ſich vereinigt hatte, mußte zwiſchen jenen beiden, welche die meiſten Stimmen erhalten hatten, eine engere Wahl ſtattfinden, für deren Vornahme der 24. Juni beſtimmt wurde. Der Landesausſchuß der Konſervativen forderte nunmehr ſeine Angehörigen auf, wo Nationalliberale und Sozialdemokraten einander gegenüber⸗ ſtänden, dem Nationalliberalen ihre Stimmen zu geben, der 2 Verein der deutſchen Volkspartei lud alle Wähler Heimburgers ein, für Geck einzutreten, das Zentralkomitee der Centrumspartei ſprach ſich mit Entſchiedenheit gegen jede Begünſtigung des Nationalliberalismus aus. Damit war der Ausgang der Stichwahl entſchieden. In Karls— ruhe wurden bei dieſer 14198 Stimmen abgegeben, von welchen 7138. auf Geck, 6922 auf Schneider fielen. Im ganzen Wahl— kreiſe erhielt Geck 12 821, Schneider 12602 Stimmen, Geck war daher mit einer Mehrheit von 219 Stimmen zum Mitglied 5 Meichstags gewählt. Die Kunde von 9 Ableben des Fürſten Bismarck am 30. Juli machte in Karlsruhe, wo viele Tauſende zu den begeiſterten Verehrern und Anhängern des großen Staatsmannes gehörten, wie faſt allenthalben in Deutſchland einen erſchütternden Eindruck. Schwer nur konnte man ſich mit dem Gedanken vertraut machen, daß der große Staatsmann, der mit Kaiſer Wilhelm J. dem deutſchen Volke die Einheit errungen und das neue Reich aufgerichtet hatte, nicht — 623— mehr auf Erden weile. Der Stadtrat, zu einer außerordentlichen Sitzung berufen, beſchloß nach einer Anſprache des Oberbürgermeiſters Schnetzler, an den Fürſten Herbert Bismarck ein Telegramm zu richten und nach Friedrichsruh einen Kranz zu ſenden. Rathaus und Marktplatz trugen am Beiſetzungstage Trauerſchmuck. Eine allgemeine Gedächtnisfeier mußte wegen des Umbaues der Feſthalle auf das nächſte Jahr verſchoben werden. Gedächtnisfeiern der Techniſchen Hochſchule und der Volksſchule fanden am 26. November ſtatt. Aber alsbald erging ein von vielen Männern der verſchiedenſten Parteirichtung, die ſich zu einem Komitee vereinigt hatten, unter— zeichneter Aufruf zur Errichtung eines Bismarckdenkmals in der Stadt Karlsruhe. Auch in dieſem Jahre wurden hier verſchiedene Verſammlungen abgehalten: am 16. Januar ein Parteitag der Deutſchen Volks⸗ partei in Baden, am 9. Mai die 14. Generalverſammlung der landwirtſchaftlichen Kreditgenoſſenſchaften, am 10. Mai der 15. Verbandstag der landwirtſchaftlichen Konſumvereine Badens, am 28. und 29. Juni die 34. Hauptverſammlung des wiſſenſchaftlichen Predigervereines Badens, am 30. Juni die 11. Generalverſammlung des Vereines badiſcher Lehrerinnen, am 9. Auguſt tagte der Landesausſchuß 15 badiſchen Gewerbe⸗ vereine. Eine größere Zahl von Teilnehmern als alle dieſe, etwa 300 Perſonen vereinigte hier am 26. und 27. Auguſt der Verband der allgemeinen deutſchen landwirtſchaftlichen Genoſſen⸗ ſchaften. Die Regierungen von Baden, Heſſen und Württemberg, die deutſch⸗öſterreichiſchen und die franzöſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften hatten Vertreter hierher geſandt, der Vorſitzende des internationalen Genoſſenſchaftsverbandes, Präſident Henry Wulff aus London, wohnte der Tagung bei. Miniſterialpräſident Geh. Rat Eiſenlohr begrüßte die Teilnehmer im Namen der Regierung, Bürger⸗ meiſter Krämer im Namen der Stadt. Ein Feſtmahl im Eintrachts⸗ ſaale, ein Gartenfeſt im Stadtgarten, am 27,, Ausflüge nach Baden und Triberg am 28. Auguſt ſchloſſen ſich an die Verhandlungen an. Am 29. und 30 Auguſt hielt der Verband der katholiſchen Arbeitervereine Süddeutſchlands ſeinen achten Delegiertentag hier ab. Den Verhandlungen wohnte ſeitens der Regierung Geh. Oberregierungsrat Freiherr von Bodman, ſeitens der Stadt Stadtrat Williard an. Am 14. November tagte der Landesausſchuß der Badiſchen Männerhilfsvereine, am 19. November der Verein badiſcher Tierärzte. Die Feier ihres fünfzigjährigen Beſtehens beging am 12. Juni die freiwillige Feuerwehr des Stadtteils Mühl— burg; am 25. und 26. September hielt der Badiſche Landesverein des allgemeinen evangeliſch-proteſtantiſchen Miſſionsvereins ſein Jahresfeſt ab, nachdem am 17. September im Evangeliſchen Vereins— hauſe eine Gedenkfeier zur Erinnerung an den Tag, an dem vor fünfzig Jahren Johann Wichern die Innere Miſſion in's Leben gerufen, ſtattgefunden hatte. Unter den im Jahre 1898 Geſtorbenen nennen wir zunächſt drei Mitglieder des Stadtrats: Ludwig Waltz(F 17. Februar), der als Stadtverordneter und ſeit 1889 als Stadtrat in der ſtädtiſchen Verwaltung und als Mitglied vieler Vereine thätig war, Friedrich Ludwig(F 8. Dezember), der in gleicher Eigenſchaft um die Stadt, um die altkatholiſche Kirchengemeinde und ebenfalls im Vereins⸗ leben ſich verdient und in vielen Kreiſen beliebt gemacht hatte, und Auguſt Ruh( 4. Oktober), der Nachfolger von L— Waltz im Stadtrat, in welchen er gewählt worden war, nachdem er ſchon längere Zeit Stadtverordneter, zuletzt Mitglied des geſchäftsleitenden Vorſtandes geweſen war, eine hervorragende Kraft auf induſtriellem Gebiete, Mitbegründer der Firma Junker& Ruh, einer der be⸗ deutendſten Fabriken auf dem Gebiete der Nähmaſchineninduſtrie; ſodann eine Anzahl hoher Staatsbeamten: den Staatsminiſter a. D. Dr. Ludwig Turban(T 12. Juni), deſſen bleibende Verdienſte um den Staat und die Stadt Karlsruhe, insbeſondere auch in einer Reihe von Ehrenämtern, als Mitglied und Vorſitzender des Ortsſchul⸗ rates der evangeliſchen Volksſchule, als Präſident der Allgemeinen Muſikbildungsanſtalt und namentlich während 26 Jahren als Mitglied des evangeliſchen Kirchengemeinderates, in dieſen Blättern mehrfach gewürdigt wurden, Miniſterialpräſident a. D. Dr. Karl von Grimm (F 6. April), der den Angelegenheiten ſeiner Vaterſtadt während der kurzen Zeit, in der er als Präſident des Miniſteriums des Groß⸗ Staatsminiſter Dr. Tudwig Turban. herzoglichen Hauſes und der Juſtiz im Staatsdienſt ſtand(1876— 1881), ſtets ein reges Intereſſe entgegenbrachte und ſich nach ſeinem Rücktritt in weiten Kreiſen durch ſeine Beteiligung an den kolonialen Beſtrebungen rühmlich bekannt machte; allgemein hochgeſchätzt und beliebt war Geh. Oberregierungsrat Emil Bechert(F 6. Auguſt), der als Oberamtmanu in Karlsruhe, Mitglied des Miniſteriums des Innern und ſeit 1890 zugleich Landeskommiſſär für die Kreiſe Karlsruhe und Baden vielfach auch mit Angelegenheiten, welche unſere Stadt betrafen, befaßt war und dabei ſtets eine deren Intereſſen wohlwollend gegenüberſtehende Geſinnung bethätigte. Unlöslich iſt mit dem Namen der Stadt Karlsruhe der Name des Bildhauers, Profeſſor Adolf Heer verknüpft, des Schöpfers des hieſigen Kaiſer⸗ denkmals. Überangeſtrengt durch die Arbeiten an dieſem großartigen Werke, neben denen auch noch andere Aufträge ſeine Kräfte in Anſpruch genommen hatten, ſuchte Heer vergebens Erholung in Italien; krank hierher zurückgekehrt, erlag er am 29. März einer Lungenentzündung. Unter großer Teilnahme weiter Kreiſe der Einwohnerſchaft wurde der ausgezeichnete Künſtler beerdigt. Der Großherzog folgte ſeinem Sarg bis zum Grabe. Der Deutſche Kaiſer beklagte in einem Telegramm an die Großherzogin in ehrenden Worten den Verluſt „des berühmten badiſchen Bildhauers“. Mit Hofmaler Profeſſor Auguſt Viſcher ſchied ein Künſtler der alten Schule aus dem Leben. Die Karlsruher Kunſthalle beſitzt einige größere hiſtoriſche Gemälde von ſeiner Hand. Am 30. November verlor die hieſige katholiſche Kirchengemeinde ihren langjährigen Stadtpfarrer, Geiſtlichen Rat Joſeph Benz, einen Mann von milder und verſöhnlicher Denkungsart; noch im Auguſt hatte er unter lebhaftem Anteil ſeiner Gemeinde ſein fünfzigjähriges Prieſterjubiläum gefeiert. Von 1879 bis zu ſeinem Tode(am 26. März) Verwalter der ſtädtiſchen Sparkaſſe, war Johann Wörner in verantwortlicher Stellung ein pflichttreuer, bei allen Perſonen, mit denen er in ſeinem Amte zu verkehren hatte, geſchätzter und beliebter Beamter; von 1874 bis zu ihrer Aufhebung i. J. 1896 war er auch Verrechner der ſtädtiſchen Hypothekenbank. 1899. Dieſes Jahr war reich an fürſtlichen Beſuchen der Groß— herzoglichen Familie, welche auch das lebhafte Intereſſe der Ein— 40 wohnerſchaft erregten. Der erſte war der König Oscar von Schweden und Norwegen, der, von Paris kommend, ſich am 21. und 22. April hier aufhielt. Ihm folgte der Kaiſer, der am 24. April eintraf, ſich zur Auerhahnjagd nach dem Jagdhauſe Kaltenbronn begab, am 27. hierher zurückkehrte, abends der erſten Aufführung der Oper„Der Bärenhäuter“ von Siegfried Wagner beiwohnte und am 28. wieder abreiſte. Demnächſt erwiderten die Königin Wilhelmine und die Königin-⸗Mutter Emma der Niederlande, die einen längeren Aufenthalt in Badenweiler nahmen, den dort empfangenen Beſuch des Großherzogs und der Großherzogin am 16. Mai in Karlsruhe. Am 25. Mai kamen der Kronprinz und die Kronprinzeſſin von Schweden und Norwegen mit ihrem Sohne, dem Prinzen Guſtav, hier an und blieben 14 Tage bei den fürſtlichen Eltern. Am 7. Juni erhielten die Großherzoglichen Herrſchaften den Beſuch des Prinz. regenten Luitpold von Bayern. Am Bahnhof vom Großherzog und den hier anweſenden Prinzen mit ihren Gefolgen empfangen, wurde der Prinzregent anf der Fahrt durch die feſtlich geſchmückten— Straßen, in welchen die Vereine Reihen bildeten, am Rathauſe vom— Oberbürgermeiſter Schnetzler mit einer Anſprache begrüßt, welche— huldvoll erwidert wurde. Abends war im Hoftheater Feſtvorſtellung, „Lobetanz“ von L. Thuille. Am 8. Juni machten Großherzog und Großherzogin mit dem Prinzregenten eine Rundfahrt durch die Stadt und beſuchten mehrere Künſtlerateliers. Abends geleiteten ſie ihren— Gaſt zum Bahnhof, von wo er die Rückreiſe nach München antrat. Zum zweiten Mal kam der Kaiſer aus Anlaß der Kaiſermanöver des XIII., XIV. und XV. Armeekorps im September nach Karlsruhe. Am 8. fand auf dem Forchheimer Exercierplatz große Parade des— XIV. Armeekorps ſtatt, nach deren Beendigung der Kaiſer mit demm Großherzog, dem Erbgroßherzog und dem Prinzen Max an der Spitze der Fahnenkompagnie und der Standarteneskorte nach Karls⸗ ruhe zurückritt. Vor dem Rathauſe begrüßte ihn der Oberbürgermeiſter mit einer Anſprache, die der Kaiſer dankend erwiderte. Nach der— Paradetafel im Großherzoglichen Schloſſe fand abends 9 Uhr großer militäriſcher Zapfenſtreich ſtatt. Am folgenden Tage, dem 9. Sep⸗ tember, beteiligte ſich der Kaiſer mit den übrigen anweſenden Fürſtlich⸗ keiten an der Feier von Großherzogs Geburtstag. Am 10., einem Sonntag, machten die Fürſtlichkeiten gegen Abend eine Rundfahrt eee eeeeeeeeeee R — 627— durch den Stadtgarten, wohnten Kinematographiſchen Aufführungen im kleinen Saale der Feſthalle bei und wurden beim Verlaſſen desſelben durch die Beleuchtung des Stadtgartens überraſcht. Am Schluſſe der Manöver verließen der Kaiſer und die übrigen Fürſtlichkeiten Karls⸗ ruhe. In einem an den Großherzog gerichteten Handſchreiben ſprach der Kaiſer ſeinen Dank auch der von der Stadt Karlsruhe ihm bereiteten Aufnahme aus. Ein Trauerfall bewegte auf das Schmerzlichſte mit der Großherzoglichen Familie auch die Einwohnerſchaft der Reſidenzſtadt. Am 21. November verſchied, nach längeren ſchweren Leiden, im Schloſſe Waldleiningen die Fürſtin Marie Amalie von Leiningen, Schweſter des Großherzogs, und wurde dort beigeſetzt. Die Fürſtin erfreute ſich in Karlsruhe, wo ſie bis zu ihrer Vermählung im Jahre 1858 und ſpäter während mehrerer Jahre gelebt hatte, großer Beliebtheit. Der Stadtrat ließ an ihrer Bahre im Namen der Stadtgemeinde einen Kranz niederlegen. 5 In der zweiten Hälfte des März wurden die durch die Städte— ordnung vorgeſchriebenen Wahlen für den Bürgerausſchuß vorgenommen. Jede der drei Klaſſen der Wahlberechtigten hatte 16 Stadtverordnete mit ſechsjähriger, die erſte Klaſſe 3, die dritte 4 Erſatzmänner mit dreijähriger Amtsdauer zu wählen.— Von 11676 Wahlberechtigten gehörten der I. Wählerklaſſe(mit einem Umlagebetrag von 7273,71—155,20 Mk.) 973, der II.(mit einem ſolchen von 154,99—37,62 Mk.) 1946, der III.(mit 37,60—0,25 Mk. Umlagebetrag) 8757 Wähler an. Bei den Er⸗ neuerungswahlen ſtimmten in der III. Klaſſe 5714(rund 65 von 100), in der II. 1265(rund 64 von 100), in der J. 599 (rund 61 von 100) ab. An den Erſatzwahlen beteiligten ſich 5095 Wähler der III., 250 der I. Wählerklaſſe. Vei den Erneuerungs⸗ wahlen der III. Wählerklaſſe fielen auf den Wahlvorſchlag der ver⸗ einigten Nationalliberalen, Freiſinnigen und Konſervativen 2369 bis 2379, auf jenen der Zentrumspartei 809 bis 814, auf jenen der vereinigten Demokraten und Sozialdemokraten 2509 bis 2524 Stimmen. Gewählt wurden 10 Sozialdemokraten, 4 Demokraten, 2Angehörige der Zentrumspartei; deren Namen auch auf dem erſten 40* — 628— Wahlvorſchlag ſtanden. Bei der Wahl der II. Klaſſe ſiegte der Wahlvorſchlag der Nationalliberalen, Freiſinnigen und Konſervativen mit 1005 bis 1019 Stimmen über jenen der demokratiſchen und der Zentrumspartei mit 240 bis 250 Stimmen. Das gleiche Ergebnis hatte die Wahl der I. Klaſſe, bei welcher auf den erſten Wahlvor⸗ ſchlag 558 bis 582, auf den zweiten 16 bis 20 Stimmen fielen. Bei den Erſatzwahlen waren nur in der III. Klaſſe zwei Wahlvor⸗ ſchläge aufgeſtellt, von denen der ſozialdemokratiſche ſiegte. Bei der am 7. April ſtattfindenden Neuwahl von 11 nach dem Geſetz ausſcheidenden Stadträten wurden 8 derſelben: die bis⸗ herigen Stadträte Dr. Binz, Boeckh, Döring, Ganſer, Händel, Käppele, Koelle und Meeß wieder gewählt, neu traten hinzu: Färbereidirektor Eduard Printz, Blechnermeiſter Wilhelm Schlebach und Rechtsanwalt Dr. Friedrich Weill. Für den 1898 verſtorbenen Stadtrat Friedrich Ludwig wurde geiſtlicher Verwalter Adolf Ludin, der ſchon früher dem Stadtrat angehört hatte, wieder in denſelben gewählt. Die Stadtverordneten wählten in ihren geſchäftsleitenden. Vorſtand am gleichen Tage Profeſſor Dr. Robert Goldſchmit (Obmann), Generalſekretär Louis Schwindt(Stellvertreter desſelben), Architekt Karl Augenſtein, Malermeiſter Karl Dieber, Oberſtiftungsrat Rud Fetzer, Generalagent Fried. Kern und Rechnungsrat Paul Müller. Am 21. Februar trat die am 6. Dezember 1898 vertagte Zweite Kammer wieder zuſammen, weſentlich zu dem Zwecke, die noch eingelaufenen Petitionen ſowie die noch unerledigten Geſetzes⸗ entwürfe und aus der Mitte der Kammer eingebrachten Anträge zu erledigen. Von den letzteren ſind die Anträge des Abgeordneten Wacker und Genoſſen: zwei Geſetzesvorſchläge, betreffend die allgemeine wiſſen⸗ ſchaftliche Vorbildung der Geiſtlichen ſowie die Einführung bezw. Zulaſſung von Orden und ordensähnlichen Kongregationen und ein Antrag der Abgeordneten von Stockhorner, Pfiſterer und Heimburger, wonach, für den Fall, daß der zweite der Wacker'ſchen Anträge nicht die Zuſtimmung aller geſetzgebenden Faktoren finde, die Regierung, erſucht werden ſolle, von der ihr nach§ 11 des Geſetzes vom Oktober 1860 zuſtehenden Befugnis, Niederlaſſungen von Männerorden zuzu⸗ laſſen, Gebrauch zu machen, deshalb zu erwähnen, weil die Ab⸗ geordneten der Stadt Karlsruhe, Bleß, Geck und Schaier, ihre Stimmen „22CCCCCC.......... — 62 für alle drei Anträge abgaben. Am 12. Mai würde der Landtag vom Großherzog feierlich geſchloſſen. Der neue Landtag wurde am 23. November durch den Präſidenten des Staatsminiſteriums eröffnet. Die Vertretung der Stadt Karlsruhe in der II. Kammer hatte keine Anderung erfahren. Von deren Abgeordneten gehörte Bleß der Budgetkommiſſion an und erſtattete Bericht über den Etat der Oberrechnungskammer; Geck war Mitglied der Kommiſſion für Eiſenbahnen und Straßen. Aus Karlsruhe waren ferner in die Zweite Kammer gewählt, Profeſſor Dr. Heimburger, Landgerichtsrat von Stockhorner, Miniſterialrat Straub und Oberſchulrat Weygoldt. Zwei von den Abgeordneten Dreesbach und Genoſſez darunter die 3 Vertreter der Stadt Karlsruhe, eingebrachte Geſetzentwürfe betr. das Wahlrecht zur Zweiten Kammer der Landſtände und die Abänderung der Landtagswahlordnung hinſichtlich der Wahl der Abgeordneten zur Zweiten Kammer wurden gedruckt zur Vorlage gebracht und der Verfaſſungskommiſſion zur Vorberatung überwieſen. Die Abgeordneten Geck und Schaier waren ferner Mitglieder der Kommiſſion zur Vor⸗ beratung über die Petition einer Anzahl Einwohner der Gemeinde Daxlanden um Erſtellung einer feſten Brücke über den Karlsruher Rheinkanal.— Die Weihnachtsferien begannen am 19. Dezember. Von den in dieſem Jahre in Karlsruhe tagenden Verſammlungen führen wir in erſter Reihe den 11. badiſchen Handelstag, der am 31. Januar unter dem Vorſitz des Geh. Kommerzienrats Diffens zu⸗ ſammentrat, um zu der Reichsbanknovelle Stellung zu nehmen, an. Die Regierung war bei demſelben durch Geh. Oberregierungsrat Braun und Geh. Legationsrat Freiherrn von Marſchall vertreten.— Am 25. April fand die 15. Generalverſammlung der lñandwirtſchaft⸗ lichen Kreditgenoſſenſchaften im Großherzogtum Baden, am 10. Juni die 12. Generalverſammlung des Vereines badiſcher Lehre r⸗ innen, am 20. und 21. die Jahresverſammlung des evangeliſchen wiſſenſchaftlichen Predigervereines ſtatt.— Am 17. und 18. Juli hielt der Bund deutſcher Barbier-, Friſeur⸗ und Perückenmacher-Innungen ſeinen 28. Kongreß ab. Der 19. Abgeordnetentag des Badiſchen Militärvereinsverbandes ver⸗ ſammelte ſich unter dem Vorſitz des Verbandspräſidenten, Generals — 630— der Infanterie z. D. Freiherrn Roeder von Diersburg.— Den 15. deutſchen Kongreß für erziehliche Knabenhandarbeit hielt vom 30. September bis 2. Oktober der deutſche Verein für Knaben⸗ handarbeit hier ab. Die ſüdweſtdeutſche Handfertigkeitsausſtellung fand gleichzeitig im großen Feſthalleſaal ſtatt.— Am 7., 9. und 10. Oktober tagten in Karlsruhe Angehörige des Baugewerbes, am 7. der 14. ordentliche Verbandstag der deutſchen Baugewerks— Berufsgenoſſenſchaften, am 8. der 14. Delegiertentag des Innungs⸗ verbandes deutſcher Baugewerksmeiſter, am 9. die erſte General⸗ verſammlung des in dieſem Jahre gegründeten deutſchen Arbeitgeber— bundes für das Baugewerbe.— Noch ſind zu erwähnen die Jahres⸗ verſammlung der kirchlich-liberalen Vereinigung Badens am 25. und die 27. Landesverſammlung des Badiſchen Frauen⸗ vereins am 30. Oktober. Letzterer wohnten die Großherzogin, die Erbgroßherzogin und die Fürſtin-Witwe zur Lippe bei. Eine von dem Generalſekretär des Frauenvereins, Geheimerat Sachs, ver⸗ leſene Kundgebung der Großherzogin hatte die Thätigkeit des Vereines in den 40 Jahren ſeines Beſtehens(ſeit 1859) zum Gegenſtande. Neue Aufgaben der Frauenvereine behandelte ein Vortrag des Geheime⸗ rats Dr. Battlehner über die Bekämpfung der Lungentuberkuloſe und ein Bericht des Oberamtmanns Eckhard aus Achern über die Erhaltung bezw. Wiederbelebung des Einen politiſchen Charaktet trug eine auf den 8, P 5 in den großen Feſthalleſaal von einem Ausſchuß, der„im Anſchluß an die Orts⸗ gruppe Karlsruhe des Alldeutſchen Verbandes“ von Angehörigen ver⸗ ſchiedener Parteirichtungen gebildet worden war, berufene Volksver⸗ ſammlung. Etwa 3000 Perſonen hatten ſich eingefunden, um ſich für die Verſtärkung der Flotte zu erklären. Mit einem Hoch auf den Großherzog durch den Schriftſteller Otto Ammon eröffnet, faßte die Verſammlung nach Reden des Kapitänleutnants a. D. Brundo Weyer aus Koblenz, des Profeſſors Dr. Dietrich Schäfer aus Heidelberg und des Weltreiſenden Dr. Neubaur aus Berlin eine in dieſem Sinne abgefaßte, von Stadtrat Schlebach verleſene Reſolution, die auf Vor⸗ ſchlag des Stadtverordneten, Rechtsanwalt Dr. Schneider an den Kaiſer und den Großherzog telegraphiſch übermittelt wurde. Sodann wurde die Verſammlung mit einem 5 auf d den Kaiſer geſchloſſen. eeer S — 631— Die Bismarck-Gedächtnisfeier, die im vorigen Jahre wegen des Umbaues der Feſthalle verſchoben werden mußte, wurde vom Stadtrat auf den 8. März anberaumt. In dem mit Trauer⸗ zeichen gezierten großen Feſthalleſal war auf dem Podium ein abgeſtumpfter Obelisk aufgeſtellt, den ein Erzrelief des großen Staats⸗ mannes von Profeſſor Dietſche's Hand ſchmückte. Der von einer großen Zahl von Einwohnern beſuchten Verſammlung wohnten auch der Großherzog und die Großherzogin bei. Die Feſtrede hielt Profeſſor Dr. Goldſchmit, Hofſchauſpieler Reiff trug drei Gedichte von Robert Haaß vor, das Hoforcheſter ſpielte zum Beginn der Feier Beethovens Sinkonia eroica, zum Schluß Richard Wagners Huldigungsmarſch, der Männergeſangverein Liederkranz Wehgles das Feſt durch den Vortrag patriotiſcher Geſänge. Am 6. April, am fünfzigſten Jahrestage des Gefechtes von Ulderup in Holſtein, vereinigten ſich die badiſchen Veteranen, 51 Angehörige des Bataillons, das unter dem Oberſtleutnant von Porbeck an dieſem Gefecht teilgenommen hatte, zu einer Gedenffeier. Von den 17 Offizieren des Bataillons weilte keiner mehr unter den. Lebenden. Der Großherzog, welcher zu den Koſten des Feſtes, der Reiſen und Beherbergung der teilweiſe aus den entfernteren Landes⸗ teilen hierher gekommenen Veteranen, eine größere Summe bewilligt hatte, empfing die alten Soldaten im Schloß und hielt an ſie eine Anſprache; am Nachmittag verſammelten ſich dieſe im Gaſthof zum Erbprinzen zu einem Feſteſſen. Von den verſchiedenen in dieſem Jahre ſtattgehabten Aus⸗ ſtellungen erwähnen wir nur die Hiſtoriſche und Trachtenausſtellung, eine Schöpfung der Fürſtin-Mutter zu Wied und ihrer Tochter, der Königin von Rumänien, welche vom 9. bis 23. April die Räume des Markgräflichen Palais beherbergten. Eine ſeltene Ehrung wurde dem langjährigen Präſidenten des Oberlandesgerichtes, Geheimen Rat Richard Schneider gewidmet, als dieſer hervorxagende Richter im Juli in den Ruheſtand trat. Der Stadtrat richtete an ihn eine Adreſſe, welche ihm von einer Abordnung überreicht wurde, die aus Oberbürgermeiſter Schnetzler, den Stadträten Dr. Binz, Böckh, Hoffmann, Printz und Dr. Weill und dem ſtellvertretenden Obmann des Stadtverordnetenvorſtandes Generalſekretär A beſtand. Von den im Jahre 1899.660 führen wir an: den Kirchenrat Emil Zittel( 23. Januar), ſeit 1862 Stadt⸗ pfarrer in Karlsruhe, als Prediger und Seelſorger, als Vorſitzender des evangeliſchen Kirchengemeinderates, als Mitglied kirchlicher und gemeindlicher Behörden und Vereinigungen, als fruchtbarer Schrift— ſteller hervorragend, ein entſchiedener Vertreter liberaler Grundſätze, in Staat und Kirche, aber durch ſeine verſöhnliche Geſinnung in allen Angelegenheiten, in denen ſich Kirchlichliberale und Kirchlich— konſervative zu gemeinſamer Arbeit zuſammenfanden, auch bei ſeinen principiellen Gegnern geachtet und beliebt; einen im öffentlichen Leben der Stadt Karlsruhe vielfach hervorgetretenen hochgeachteten Mann, den Generalarzt a. D. Dr. Adolf Hoffmann, der nahezu 77 Jahre alt am 27. Januar ſtarb, eine Zierde des ärztlichen Standes, in Frieden und Krieg hochverdient in ſeiner Berufsthätigkeit, durch ſeine Beteiligung an der Wirkſamkeit des Roten Kreuzes und an der Pflege der Intereſſen ſeiner Standesgenoſſen, durch die Gründung der Ferienkolonien für arme und kränkliche Schulkinder der Stadt Karls⸗ ruhe, endlich durch ſein Wirken als Mitglied und ſeit 1898 als Vorſitzender des Verwaltungsrates der Allgemeinen Verſorgungsanſtalt; den Oberforſtrat Karl Schuberg( 17. April), Profeſſor der Forſtwiſſenſchaft an der Techniſchen Hochſchule, während einer Reihe von Jahren Vorſtand und Ehrenmitglied des Männergeſangvereins „Liederkranz“; den ausgezeichneten Sangesmeiſter des Männergeſang— vereines„Liederhalle“, Eugen Gageur(23. November), der ſich nicht minder während 25 Jahren als Muſiklehrer am Schullehrer— ſeminar II, wie als Organiſt und Leiter des Kirchenchores zu St. Stefan bewährt hatte; den am 18. April aus dem Leben geſchiedenen hochgeſchätzten Arzt, Medizinalrat Albert Seeligmann, Oberrat und ſeit 1895, Vorſitzenden des Synagogenrates hieſiger Stadt; den Galeriedirektor und Hofmaler Ernſt Richard(F 12. Juni), der vor der Ernennung zum Direktor im Jahre 1893 ſchon ſeit 1846 als Galerieinſpektor an der Großherzoglichen Kunſthalle gewirkt hatte; den Drehermeiſter Auguſt Dengler( 9. Dezember), ſeit ECECEE — 633— 1877 Stadtverordneten, ſeit 1884 Mitglied des Stadtverordneten⸗ vorſtandes, Mitglied des evangeliſchen Kirchengemeinderates und der Kirchengemeindeverſammlung; endlich den erſten Ratſchreiber und Stadtratsſekretär Wilhelm Schumacher(F 13. November), einen während 25jähriger Dienſtzeit durch Eifer und Pflichttreue aus⸗ gezeichneten Beamten. 1900. Der 20. Februar war der fünfzigſte Jahrestag der Zugehörigkeit des Großherzogs zum Leibdragonerregiment, der am Vorabend durch ein vom Offizierkorps veranſtaltetes Reiterfeſt, am Tage ſelbſt durch eine Parade des Regiments vor dem Schloſſe, ein Feſtmahl der Offiziere, eine Speiſung der Unteroffiziere und Mannſchaften und durch Aufführungen in der Feſthalle, welche von den Vereinen ehemaliger Angehöriger des Regiments in Mannheim und Karlsruhe veranſtaltet wurden und an die ſich ein Ball der Mannſchaften anſchloß, feſtlich begangen wurde. Der Großherzog erſchien bei allen dieſen Gelegenheiten im Kreiſe ſeines Regimentes, uur die Teilnahme an dem Reiterfeſte mußte er ſich aus Geſundheitsrückſichten verſagen. — Das Leibgrenadierregiment feierte am 13. Juli den Tag, an welchem der Erbgroßherzog vor 25 Jahren durch ſeinen Groß⸗ vater, Kaiſer Wilhelm I. in das Regiment eingeſtellt worden war. Der Erbgroßherzog erſchien in der Kaſerne, nahm den Parademarſch des Regiments ab und beteiligte ſich an dem Feſteſſen des Offizier⸗ korps, bei welchem ihm ein Ehrenſäbel überreicht wurde. Auf der Durchreiſe nach Donaueſchingen zur Auerhahnjagd ver⸗ weilte der Kaiſer am 26. und 27. April als Gaſt der Groß— herzoglichen Herrſchaften in unſerer Stadt.— Zur Großjährigkeits⸗ erklärung des Kronprinzen des Deutſchen Reiches und von Preußen, am 6. Mai, zu deren Feier Großherzog und Großherzogin ſich nach Berlin begeben hatten, brachten die der Städteordnung unterſtehenden badiſchen Städte durch Vermittlung des Großherzogs dem Kaiſer und dem Kronprinzen ihre Glückwünſche dar. Der Großherzog dankte telegraphiſch im Namen des Kaiſers. Am 14. Juli hielt Prinz Maximilian, der ſich am 10. Juli in Gmunden in Oberöſterreich mit der Prinzeſſin Marie Luiſe 63 von Cumberland vermählt hatte, und ſeine Gemahlin ihren feierlichen Einzug in die Reſidenzſtadt. Auf ihrer Fahrt vom Bahnhof durch die geſchmückten Straßen wurden der Prinz und die Prinzeſſin vom Oberbürgermeiſter mit einer Anſprache begrüßt, Stadtrat Koelle über— reichte der Prinzeſſin einen prächtigen Blumenſtrauß. Wie ſchon bei der Verlobung des Prinzen am 23. März, ſo brachte auch am 14. Juli eine Abordnung des Stadtrates dem Großherzog und der Groß— herzogin die Glückwünſche der Stadtgemeinde dar. Dem Prinzen und der Prinzeſſin überreichten am 15. Juli die Oberbürgermeiſter der der Städteordnung unterſtehenden Städte des Landes die Ab— bildung der von dieſen Städten gewidmeten Hochzeitsgabe(vergoldetes Tafelſilber und eine auf einem Unterſatztiſche ruhende Truhe mit reicher Einlegearbeit und Broncebeſchlägen), die erſt gegen Ende des Jahres überreicht werden konnte. Am Abend dieſes Tages brachten die vereinigten Männergeſangvereine vor dem Palais des Prinzen ein Geſangſtändchen dar. Am Nachmittag des 17. Juli beſuchten die Neuvermählten, zugleich mit den übrigen hier anweſenden Fürſtlich—⸗ keiten den Stadtgarten, wo ihnen der Oberbürgermeiſter einen Ehren— trunk kredenzte und dabei ein Hoch ausbrachte, in welches die im Garten anweſende Menſchenmenge freudig einſtimmte. Durch das am 19. Juni erfolgte Ableben der Fürſtin Joſe— phine von Hohenzollern, der am 21. Oktober 1813 geborenen Tochter des 1819 verſtorbenen Großherzogs Karl von Baden, wurde die Großherzogliche Familie in Trauer verſetzt. Der Stadtrat ſprach dem Großherzog und der Großherzogin ſeine Teilnahme durch ein Tele— gramm aus und ließ am Sarge der Entſchlafenen einen Kranz niederlegen. Im März bildete ſich aus früheren badiſchen Offizieren und höheren Beamten, welche den deutſch-franzöſiſchen Krieg mitgemacht hatten, ein Ausſchuß, der am 27. April, dem Todestag weiland des Prinzen Wilhelm, einen Aufruf zu Sammlungen für ein dem tapferen Prinzen, der bei Nuits ſein Blut für das Vaterland ver— goſſen hatte, zu errichtendes Denkmal ausgehen ließ. Noch im Laufe des Jahres war durch die eingehenden Beiträge die Aus⸗ führung des Denkmales geſichert, welche dem Bildhauer Hermann Volz, Profeſſor an der Akademie der bildenden Künſte, übertragen — Prinz Maximilian und Prinzelſin Marie Tuiſe von Baden. — 635— wurde. Der Großherzog ſtellte einen Platz im Schloßgarten an der Linkenheimer Straße als Aufſtellungsort zur Verfügung. Das⸗ Denkmal wurde am 18. Oktober 1901 enthüllt. Der fünfundzwanzigſte Jahrestag des Eintrittes des Ober⸗ bürgermeiſters Schnetzler in die ſtädtiſche Verwaltung wurde am 9. Juni begangen. Unter den Vielen, die zu dieſem Tage ihre Glück⸗ wünſche darbrachten, befand ſich auch der Großherzog, der dieſen in einem vom 8. Juni datierten Handſchreiben Ausdruck verlieh. Der Stadtrat und der geſchäftsleitende Vorſtand der Stadtverordneten, Ab⸗ ordnungen von Behörden, Vereinen, benachbarten Städten feierten im geſchmückten großen Rathausſaale in Anſprachen, einige unter Über⸗ reichung von Blumenſpenden, die Verdienſte des Stadtoberhauptes, im Namen der ſtädtiſchen Beamten und Bedienſteten überreichte Stadt⸗ baurat Reichard eine Adreſſe. Am Abend fand im großen Saale der Feſthalle ein Feſtbankett ſtatt, zu welchem durch einen von Angehörigen aller politiſchen Parteien unterzeichneten Aufruf die Einwohnerſchaft eingeladen worden war. Mehr als tauſend Perſonen aller Stände, Bekenntniſſe und Parteien waren dieſer Einladung gefolgt. Profeſſor Dr. Goldſchmit hielt die Feſtrede, die in ein Hoch auf den Oberbürger⸗ meiſter aus klang, welches dieſer mit einem Hoch auf die Stadt Karls⸗ ruhe erwiderte. Vorträge der vereinigten Männergeſangvereine und der Kapelle des Feldartillerieregiments No. 14 verſchönten die Feier. Als einzige Veränderung in der Gemeindeverwaltung iſt zu verzeichnen, daß an Stelle des verſtorbenen Stadtrats Ludin Apotheker Dr. Eitel in den Stadtrat gewählt wurde. Die Zweite Kammer der Landſtände nahm am 15. Januar ihre Verhandlungen wieder auf. In dem von dem Abgeordneten Pfefferle erſtatteten Bericht der Budgetkommiſſion über den 2. Nachtrag zum Budget der Eiſenbahn⸗ bauverwaltung für die Jahre 1900/1901 wurde beantragt, das hohe Haus wolle der in Ausſicht genommenen Verlegung des Karlsruher Perſonenbahnhofs zuſtimmen und die erſte Rate mit 1 Million Mark für Erwerbung des Geländes bewilligen. An der Beratung nahmen die Abgeordneten von Karlsruhe, Bleß und Schaier, Anteil. Zwei von Einwohnern der Stadt Karlsruhe an die II. Kammer gerichtete — 636— Gegenvorſtellungen und eine Petition des Bürgervereins der Oſtſtadt, welche ſich gegen das im Entwurf vorgeſehene Projekt richteten, wurden durch Annahme der Budgetanforderung für erledigt erklärt. Dabei ging die II. Kammer von der Vorausſetzung aus, daß dieſe Löſung der Karlsruher Bahnhofsfrage die billigſte ſei und machte den Vorbehalt, daß die Entſchließung über die Ausführung des Baues ſelbſt nach Vorlage der definitiven Pläne und Koſtenvor⸗ anſchläge erſt auf dem nächſten Landtag erfolgen ſolle. Nach der der Kommiſſion von der Großherzoglichen Regierung mitgeteilten Darſtellung waren die Koſten für den hochliegenden Durchgangs⸗ bahnhof ſüdlich vom Lauterberg auf ungefähr 14980000 Mk., für den tiefliegenden Bahnhof mit Überführung der kreuzenden Straßen auf 15 192000 Mk. berechnet, mit welchem Projekt ſich die Gemeinde— verwaltung durchaus nicht befreunden konnte, während die dritte Berechnung, den Bahnhof an Ort und Stelle hochzulegen und während der Bauzeit einen Notbahnhof zu errichten, bei einer Schätzung der Koſten auf 21½ Millionen erhebliche Mehrforderungen geſtellt hätte. Am 28. Juni wurde durch Entſchließung des Großherzogs die Vertagung, am 16. Juli der Schluß des Landtags ausgeſprochen. Am 1. April trat unter dem Vorſitz des Geh. Kommerzienrats Schneider von hier der 12., am 4. Dezember unter dem Vorſitz des Geh. Kommerzienrats Diffené aus Mannheim der 13. badiſche Handelstag zuſammen. Beide Verſammlungen beſchäftigten ſich in Anweſenheit mehrerer Regierungsvertreter mit verſchiedenen Vor⸗ lagen und Maßnahmen der Reichsregierung auf dem Gebiete von Handel nnd Verkehr.— Ihre Verbandstage hielten am 14. Mai die badiſchen landwirtſchaftlichen Konſumvereine, am 15. die ländlichen Kreditgenofſenſchaften in Baden, am 16. und 17. der badiſche Gaſtwirte-Verband hier ab.— Vom 6. bis 8. Juni verſammelte ſich der Evangeliſch-ſoziale Kongreß zu ſeiner 11. Tagung, die mit einem Volksabend im großen Saale der Feſthalle abſchloß. Gleichzeitig tagte am 6. Juni die Vertreter⸗ Verſammlung des badiſchen Verbandes evangeliſcher Arbeiter— vereine. Von den Verſammlungen kleinerer Vereinigungen ſeien erwähnt die 36. Hauptverſammlung des wiſſenſchaftlichen Prediger⸗ — 637— vereins am 26. und 27. Juni, die Jahresverſammlung der kirchlich— liberalen Vereinigung Badens am 31. Oktober, die 8. Jahresver⸗ ſammlung der im Jahre 1892 in Karlsruhe gegründeten Deutſchen dendrologiſchen Geſellſchaft vom 5. bis 7. Auguſt. Einen politiſchen Charakter hatten die 2. Konferenz der ſozialdemokratiſchen Bürger⸗ ausſchußmitglieder der badiſchen Städte am 16. Dezember, ſowie Landesverſammlungen der freiſinnigen Partei Badens am 18. November und der konſervativen Partei am 5. Dezember⸗ Eine Proteſtverſammlung gegen die ſogenannte Lex Heinze, der etwa 3000 Perſonen beiwohnten, fand am 14. März im großen Saale der Feſthalle ſtatt; Künſtler, Gelehrte, Schriftſteller und Rechtskundige ſprachen ſich gegen die im Reichstag geplanten Zuſatz⸗ paragraphen 184 a und b zum Reichsſtrafgeſetzbuch aus und gaben ihren Anſchauungen in einer an Reichstag und Bundesrat gerichteten Reſolution Ausdruck. Die gleichen Paragraphen, aber auch die Flottenvorlage, bekämpften zwei Reſolutionen, die in einer im April ebenfalls in der Feſthalle abgehaltenen ſozialdemokratiſchen Verſammlung beſchloſſen wurden. Das 1. badiſche Feldartillerieregiment No. 14 beging am 21. Januar die Feier ſeines fünfzigjährigen Beſtehens, bei welchem Anlaß der Kaiſer dem Regiment als Abzeichen auf den. Epaulettes und Achſelſtücken bezw. Schulterklappen an Stelle der Regimentsnummer eine Krone mit Granaten und als Zierrat in der hinteren Ecke der Sattelüberdecke je eine Krone von ponceaurotem Tuche verlieh. Zu dem Feſte waren viele ehemalige Offiziere und Mannſchaften des Regiments erſchienen. Bei dem Feſtgottesdienſt waren Großherzog und Großherzogin, die Prinzeſſin Wilhelm, die Prinzen Max und Karl, ſowie die Fürſtin zur Lippe anweſend. Nach demſelben fand ein Regimentsappell und ein Parademarſch des Regiments und der Veteranen vor dem Großherzog ſtatt. Der Großherzog und die Prinzen erſchienen auch bei dem Feſteſſen ſämt⸗ licher Teilnehmer in der Feſthalle am Nachmittag, bei welchem Oberbürgermeiſter Schnetzler dem Regiment einen Lorbeerkranz über⸗ reichte. Der Stadtrat hatte eine Ehrengabe von 500 Mk. kewilligt. Abends nahm der Großherzog an dem Feſteſſen der Offiziere teil. Bei beiden Anläſſen brachte er ein Hurrah auf den Kaiſer, der — 638— Regimentskommandeur, von Beck ein Hurrah auf den Großherzog aus. Am 21. Mai beſuchten Offtziete und Mannſchekten 4 vom Kaiſer an den Oberrhein entſandten Torpedobdote auch die Stadt Karlsruhe; in Maxau wurde die aus ſechs Booten beſtehende Diviſion von den ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden empfangen und auch von einer großen begrüßt. Nach einem Beſuch der Boote fuhren die Vertreter der Stadt mit ihren Gäſten mit einem Extrazug nach Karlsruhe, wo abends ein Feſtbankett in der Feſthalle ſtattfand, welchem Prinz Karl, die Miniſter und Generale und andere Geladene beiwohnten. Dem Großherzog, der durch Un— wohlſein am Erſcheinen verhindert war, brachte die Verſammlung ſchriftlich, dem Kaiſer telegraphiſch ihre Huldigung dar. Nach dem am 22. Mai die Offiziere von der Großherzogin empfangen und ſowohl vom Hofe als von der Stadt bewirtet worden waren, erfolgte am 23. vormittags die Rückfahrt der Torpedodiviſion. Bei der Abfahrt, vor welcher die Großherzogin eines der Boote beſichtigte/ war der Oberbürgermeiſter mit mehreren Stadträten und ein zahl—⸗ reiches Publikum anweſend. Gegen hundert Abgeordnete des Deutſchen Kriegerbundes in New⸗Porktrafen, auf einer Rundreiſe durch Deutſchland begriffen, am Abend des 29. Mai auf dem hieſigen Hauptbahnhofe ein. Ihnen zu Ehren fand am nächſten Tage nach Beſichtigung der Stadt ein Bankett in der Feſthalle ſtatt, welches die Stadtgemeinde an Stelle eines durch ſchlechtes Wetter vereitelten Gartenfeſtes angeboten hatte. An demſelben nahmen die Mitglieder des Militärvereines ſowie der Regiments⸗ und Waffenvereine teil. Am Vormittag des 31. Mai reiſten die Gäſte wieder ab, nachdem eine Abordnung derſelben am Kriegerdenkmal einen Kranz niedergelegt hatte. Die zwei Kompagnien, welche in Karlsruhe aus den von den Truppenteilen des XIV. Armeekorps für das Expeditionskorps nach China abgegebenen Mannſchaften formiert worden waren, verließen am 17. Juli die Stadt. Der Großherzog, die Großher— zogin und die Kronprinzeſſin von Schweden und Norwegen verab—⸗ ſchiedeten ſich von Offizieren und Mannſchaften in der Kaſerne des Leibgrenadierregimentes, eine große Menſchenmenge war am Bahnhof anweſend, wo Oberbürgermeiſter e der mit mehreren Stadt⸗ ieeeeee — 639— räten erſchienen war, den Scheidenden Lebewohl ſagte und„Auf Wiederſehen“ zurief. Als die beiden Kompagnien, vom Truppen⸗ übungsplatze bei Hagenau kommend, am Morgen des 3. Auguſt den Bahnhof auf der Fahrt zur Einſchiffung nach Bremerhaven abermals paſſierten, wo, wie am 17. Juli der kommandierende General von Bülow mit vielen Offizieren der Garniſon anweſend war, hatte ſich zu ihrer Begrüßung auch wieder eine große Menſchenmenge eingefunden. Das 4. oſtaſiatiſche Infanterieregiment, welchem beide Kompagnien zugeteilt wurden, befehligte ein geborner Karlsruher, Oberſt Hoffmeiſter, bisher Kommandeur des 60. Infanterieregiments Markgraf Karl. Eine dritte, einige Wochen ſpäter aus Mannſchaften des XIV. Armeekorps in Karlsruhe zuſammengeſtellte Kompagnie, wurde als 9.(Erſatz-) Kompagnie dem 2. oſtaſiatiſchen Infanterie⸗ regiment zugewieſen. Den nach China ausziehenden Truppen widmete die Stadt ein Ehrengeſchenk von 1500 Mk. Von den Geſtorbenen dieſes Jahres nennen wir Karl Deſepte (J 26. Juli), von 1868 bis 1890 Oberrechnungsrat bei der Ober⸗ rechnungskammer, von 1875 bis 1899 Stadtrat, ein eifriges und opferwilliges Mitglied der nationalliberalen Partei; den Oberſt Heinrich Schmidt(5 6. Dezember), früher im 2. Dragonerregiment Markgraf Max, 1893 Kommandant des 3. Gendarmeriediſtriktes(Karlsruhe), ſeit 1897 Korpskommandeur der badiſchen Gendarmerie; den Geh. Oberfinanzrat Eduard Vierordt(+ 10. November), zuletzt ſeit 1893 Kollegialmitglied der Oberrechnungskammer, als Privatſekretär der Großherzogin von 1870—72 Beirat des badiſchen Frauenvereins und während des deutſch⸗franzöſiſchen Krieges mit an der Spitze der ver⸗ einigten Hilfskomitees vom Roten Kreuz; den Geh. Rat Dr. Adolf Gmelin(1 23. November), zuletzt 1872—1887 Direktor der Rechnungsabteilung der Generaldirektion der Staatseiſenbahnen, ein eifriges Mitglied des Alpenvereins und der Bärengeſellſchaft; den am 22. Januar geſtorbenen Rechtsanwalt Dr. Leopold Regensburger, einen hervorragenden Juriſten, ſeit 1886 Fiscalanwalt; den am 28. Januar beim Beginn einer Aufführung von Webers„Freiſchütz“ im Großherzoglichen Hoftheater einem Schlaganfall erlegenen Geh. Finanzrat Dr. Albert Gutman, 1879 durch ein ſchweres Augenleiden genötigt, in den Ruheſtand zu treten, bald darauf völlig erblindet, aber — 64— doch noch durch Benützung einer Schreibmaſchine im Stande, ſeine erfolgreiche und ihm liebgewordene jahrelange journaliſtiſche Thätigkeit fortzuführen; den Profeſſor Dr. Philipp Platz(F 30. Juni), Lehrer der Mathematik und der Naturwiſſenſchaften an der höheren Bürger— ſchule, ſpäter am Realgymnaſium in Karlsruhe, Verfaſſer einer Reihe von Monographien aus dem Gebiete der Geologie und Geographie und Bearbeiter trefflicher Karten, Begründer der Sektion Karlsruhe des deutſchen und öſterreichiſchen Alpenvereines, thätiges Mitglied des naturwiſſenſchaftlichen Vereines; den im hohen Alter von 84 Jahren am 24. April aus dem Leben geſchiedenen, frühzeitig auf einem Auge und ſpäter völlig erblindeten patriotiſchen Dichter Wilhelm Sehring, der in Königsberg i. Pr. geboren, ſeit langen Jahren in Karlsruhe ſeine zweite Heimat gefunden und ſich hier große Achtung und treue Freundſchaft erworben hatte, wovon die wenige Monate vor ſeinem Ableben gefeierte goldene Hochzeit, bei der ihm auch die Stadt ein Ehrengeſchenk überreichen ließ, Zeugniß gab; die talent⸗ volle Porträtmalerin Marie Gratz(F 31. Juli); endlich— last, not least— den Kammerſänger Fritz Plank, der ſeit 1884 dem Verband des hieſigen Hoftheaters angehörte und bald der gefeierte Liebling des Karlsruher Publikums wurde. Er beherrſchte ein viel⸗ ſeitiges Repertoire und zeichnete ſich durch ſeine herrliche Stimme, wie durch ſeinen verſtändnis- und gemütvollen Vortrag in hervorragender Weiſe aus, nicht zum mindeſten in der Verkörperung bedeutender Geſtalten der Wagner'ſchen Meiſterwerke, für die er auch bei den Feſtſpielen in Bayreuth den Beifall der leitenden Perſönlichkeiten wie des aus allen Ländern herbeigeſtrömten Publikums fand. Ein tragiſches Geſchick ließ ihn bei einer Probe im Großherzoglichen Hoftheater durch einen Sturz verunglücken, deſſen Folgen Plank am 15. Januar erlag. eee eeie — E DRRRRRR 2 FFF—— FFF ν ν Innere Verhältniſſe und Zuſtände. der Gemarkung. Dan und Riſheneſen 55 55 die füdtſche EVerwaltung berührenden Angelegenheiten eine ſelb— 2.0. ſtändigere und zielbewußte Haltung einzunehmen und, befreit von der Vormundſchaft einer wohlmeinenden, aber oft engherzigen Bureaukratie, im Bewußtſein weiter ausgedehnter Rechte, aber auch größerer Verantwortlichkeit, ſich ihre weitere Entwicklung ſelbſtändig zu erringen. Als eine der wichtigſten Fragen trat dabei die Erweiterung der ſtädtiſchen Gemarkung immer mehr in 550 Vordergrund. In den erſten zehn Jahren waren es indeß nur kleinere Gelände, welche in die Gemarkung von Karlsruhe aufgenommen wurden. Im Jahre 1876, nachdem ſchon zwei Jahre früher der neue Friedhof eröffnet worden war,“) ging deſſen bisher zur Gemeinde Rintheim gehöriges Gelände in die ke Karlsruhe über, die ſich da— durch um 15 ha 34 ar 85 qm erweiterte. Im gleichen Jahre wurde der ſog.„Baumſchulgarten“ vor dem Durlacher Tor, deſſen Übernahme in ſtädtiſche Gemarkung ſeit Auguſt 1874 Gegenſtand von Verhandlungen zwiſchen dem Stadtrat und der Intendanz der Vgl. oben S. 290 ff. 41 — ö664 Großh. Hofdomänen geweſen war, derſelben einverleibt, wodurch ſie um 4 ha 14,5 ar vergrößert wurde, und ebenfalls im Jahre 1876 wurde ein längs der öſtlichen Seite der Weſtendſtraße, nördlich der Kaiſerſtraße an das Pfründnerhaus anſtoßender Geländeſtreifen, der bis 1879 als Seilerbahn benutzt wurde, ſeitdem aber teils überbaut iſt, teils als Garten dient und zur Hardtwaldgemarkung gehörte, im Umfang von 16 ar 65 qm in die ſtädtiſche Gemarkung aufgenommen. Schon ſeit Dezember 1873 ſchwebten Verhandlungen zwiſchen der Intendanz der Großh. Hofdomänen und der ſtädtiſchen Ver— waltung über Aufnahme eines Teiles der Hardtwaldgemarkung, das — nach den während des Krieges 1870/71 dort ſtehenden Friedrichs⸗ baracken— ſogenannte„Barackenfeld“, zwiſchen Mühlburger Allee (jetzt Moltkeſtraße), Bismarck- und Weſtendſtraße in die Gemarkung Karlsruhe. Mit der Zeit ergab ſich aber die Notwendigkeit, auch dieſe Straßen ſelbſt in die ſtädtiſche Gemarkung übergehen zu laſſen, und die Frage wurde durch eine am 24. Mai 1880 abgeſchloſſene Übereinkunft zwiſchen der Domänendirektion, als Vertreterin des Do— mänengrundſtocks, im Einverſtändnis mit der Intendanz der Hof— domänen und dem Stadtrat endgiltig geregelt, welche am 26. Juni 1880 die vorbehaltene Genehmigung des Großherzogs erhielt. In derſelben wurde u. a. beſtimmt, daß auf dieſem Gelände nur Gebäude in villen— artigem Bauſtil mit Vorgärten u. ſ. w. künftig errichtet werden ſollten. Durch dieſe Übereinkunft erhielt die Gemarkung Karlsruhe aus der Hardtwaldgemarkung eine Fläche von 12 ha 2 ar 21 qm zugeteilt, von welcher über 4 ha 10 ar 95 qm zur Anlage von Straßen und Plätzen u. ſ. f. unentgeltlich in ſtädtiſches Eigentum übergingen. Langjährige Verhandlungen mit der Gemeinde Beiertheim, bei denen ſeitens der Stadt Karlsruhe die Vereinigung der Beiertheimer mit der Karlsruher Gemarkung in Ausſicht genommen war, führten in dieſer Ausdehnung zu keinem Ergebnis. Doch kam es am 22. Oktober 1881 zwiſchen dem Gemeinderat Beiertheim und dem Stadtrat Karlsruhe zum Abſchluſſe eines von den beiderſeitigen Bürgerausſchüſſen gutgeheißenen und vom Staatsminiſterium am 21. April 1882 genehmigten Vertrages, wonach ein Gelände ſüdlich der Gartenſtraße(das bereits zum größten Teil im Beſitze von Karlsruher Eigentümern und vielfach überbaut war), ein ſüdlich an — 643— das Sallenwäldchen angrenzender Acker und ein Teil der früheren Langenbruchwieſen, die jetzige Pfützner'ſche Bleiche, mit einem Geſamt⸗ inhalt von 63 ha 54 ar 79 qm um den Betrag von 90000 Mk. (darunter 15000 Mk. für Ankauf des genannten Ackers) aus Beiert⸗ heimer in Karlsruher Gemarkung überging. Im Jahre 1883 wurde der ſüdliche Gehweg der Mühlburger Landſtraße(jetzt Kaiſerallee) von der Weſtendſtraße bis zur Mühl⸗ burger Gemarkungsgrenze beim Schützenplatz, ein bis dahin nur not⸗ dürftig unterhaltener Feldweg, aus der Hardtwaldgemarkung in die ſtädtiſche Gemarkung übernommen, wodurch dieſe um 80 ar 65 qm vergrößert wurde. Seit Jahrzehnten war die Streitfrage erörtert worden, ob der Schloßbezirk als Teil der Stadtgemarkung oder als ſelbſtändige Ge— markung zu betrachten ſei. Nach längeren Verhandlungen zwiſchen der Generalintendanz der Großherzogl. Civilliſte und der Stadt— gemeinde kam im Jahre 1884 eine Übereinkunft zuſtande, durch welche der ſogenannte„Hofbezirk“, d. h. das Großerzogliche Reſidenzſchloß mit ſeiner Umgebung für einen Teil der Stadtgemarkung erklärt wurde. Dadurch war jene Streitfrage zugunſten der Stadtgemeinde entſchieden. Durch dieſe Übereinkunft erhielt der ſtädtiſche Bann eine Erweiterung um 165 ha. Dieſe beſtand aus dem eigentlichen„Hof— bezirk“ mit 162 ha 27 ar und zwei aus der Hardtwaldgemarkung ausgeſchiedenen Parzellen, dem„Hofwaſſerwerk-Grundſtück“ mit 1 ha 78 ar 70 qm und dem ſogenannten„Schalterhaus-Grundſtück“ mit 94 ar 30 qm. Erheblich größer war die Erweiterung der ſtädtiſchen Gemarkung im Jahre 1885 durch die Vereinigung von Mühlburg mit Karls⸗ ruhe, durch welche ſich deren Flächeninhalt um 211 ha 25 ar 15 qm vergrößerte. Durch die Ausdehnung der Stadt war ſchon längſt die Gemarkungsfrage eine dringliche geworden. Die Feſtſtellung der Bei— tragspflicht der Angrenzer zur Herſtellung ſtädtiſcher Straßen, welche Mühlburger Gebiet mitberührten, konnte nicht wohl von der Karls⸗ ruher Gemeindebehörde einſeitig erfolgen, die Kontrolle der ſtädtiſchen Verbrauchsſteuer ergab große Schwierigkeiten, die Einwohner von Mühlburg genoſſen zahlreiche Vorteile durch die unmittelbare Nähe der Hauptſtadt, ohne daß als Gegenleiſtung für dieſe ihre Steuer— kraft in Anſpruch genommen werden konnte. Zu einer teilweiſen 41* Abtretung von Gelände an Karlsruhe ließ ſich die Mühlburger Ge— meindevertretung nicht herbei. Schon im Auguſt 1883 war durch das Bezirksamt die Frage aufgeworfen worden, ob eine vollſtändige Vereinigung mit Karlsruhe für Mühlburg nicht vorteilhaft ſei, und im Februar 1884 hatte ſich der Karlsruher Stadtrat zu hierauf be— züglichen Verhandlungen mit der Gemeinde Mühlburg bereit erklärt. Nach eingehenden Erhebungen wurde zur Erledigung der Frage einer Gemarkungsvereinigung eine aus dem Bürgermeiſter Schnetzler und fünf Stadträten beſtehende Kommiſſion ernannt, und 515 Verhand— lungen mit Vertretern der Gemeinde Mühlburg hatten das Ergebnis, daß man auf beiden Seiten die Anſicht gewann, daß eine vollſtändige vorbehaltloſe Verſchmelzung beider Gemeinden allein den beiderſeitigen Intereſſen entſpreche. Ein von Bürgermeiſter Schnetzler ausgearbeiteter Entwurf bildete die Grundlage des weiteren Vorgehens beider Ge— meindebehörden, welches die Regierung veranlaßte, dem Landtag einen Geſetzentwurf über die Vereinigung beider Gemarkungen vorzulegen.“ Dieſem erteilten beide Kammern ihre Zuſtimmung und er erhielt am 12. Dezember 1885 Geſetzeskraft. Nunmehr traten die Mühlburger Gemeinderäte Nagel und Strebel in den Stadtrat der Reſidenzſtadt, 9 Mitglieder des dortigen Aus— ſchuſſes in die Reihen der Karlsruher Stadtverordneten. Bürger— meiſter Wörner und einige andere Gemeindebeamte von Mühlburg. übernahmen ihrer bisherigen Wirkſamkeit entſprechende Stellungen in der Karlsruher Gemeindeverwaltung. Für Mühlburg hatte die Einverleibung in Karlsruhe den Vor⸗ teil einer Herabſetzung der Gemeindeumlage um mehr als die Hälfte, ferner Pflaſtergeldfreiheit, Ermäßigung der Gas- und Waſſerpreiſe. und der Schulgelder ſowie Erhöhung des Liegenſchaftswertes, Karls⸗ ruhe gewann die Möglichkeit weiterer Entwicklung nach Weſten inner⸗ halb der eigenen Gemarkungsgrenzen. Anläßlich dieſer Gemarkungsvereinigung wurde ferner das 957 Großherzoglichen Civilliſte zugehörige Stück der Hardtwaldgemarkung. zwiſchen der Kaiſerallee, der verlängerten Mühlburger Allee, der Weſtend- und der Roſenſtraße im Umfang von 46 ha durch einen Vertrag des Stadtrats mit der Generalintendanz der Großherzoglichen Civilliſte mit Genehmigung des Wircerfchfes und der Wegiezung⸗ der ſtädtiſchen Gemarkung einverleibt. —36⁴5 Q Im gleichen Jahre erhielt die Stadt einen weiteren— wenn auch nur 11 ha betragenden— Zuwachs durch die vollſtändige Ein— verleibung des zwiſchen der Bahnlinie und der Durlacher Landſtraße liegenden rechteckigen Teiles der domänenärariſchen Wieſen, welcher von der Gemarkungsgrenze diagonal durchſchnitten wurde. Die Stadt⸗ gemeinde Durlach erhielt ſeitens der Stadt Karlsruhe den Betrag von 2500 Mk. als Entſchädigung für das abgehende bisher in Dur⸗ lacher Gemarkung gelegene Steuerobjekt. Ebenfalls in öſtlicher Richtung erfuhr im Jahr 1887 die ſtädtiſche Gemarkung eine Erweiterung im Umfang von 29,08 ha durch die Einverleibung eines ſüdweſtlich vom neuen Friedhof ge— legenen Teiles der Gemeinde Rintheim, des ſogenannten„Rintheimer Feldes“, auf welchem in den letzten Jahren mehrere größere gewerb⸗ liche Niederlaſſungen entſtanden waren, während die Ausführung anderer in Ausſicht ſtand. Hier ergaben ſich ähnliche Mißſtände wie früher gegenüber der Gemeinde Mühlburg. Bedauerlicherweiſe ſtellten ſich einer auch hier am meiſten erwünſchten vollſtändigen Vereinigung Rintheims mit Karlsruhe durch die den Bürgern und Hausbeſitzern Rintheims zuſtehenden Holzberechtigungen Schwierigkeiten rechtlicher Natur entgegen, zu deren Beſeitigung, die vorläufig die Gemeinde Rintheim gar nicht wünſchte, ein Akt der Geſetzgebung erforderlich geweſen wäre. Die teilweiſe Gemarkungsabtretung wurde daher durch einen Vertrag mit der Gemeinde Rintheim herbeigeführt, welcher, neben einigen Vergünſtigungen, eine Geldvergütung von 90000 Mk. zufiel. Eine weitere Vergrößerung der ſtädtiſchen Gemarkung ergab ſich im Jahre 1888 durch Übergang eines Teiles der Hardtwaldgemarkung zwiſchen der Moltkeſtraße, der Knielinger Allee, der Linkenheimer Allee und dem großen Exercierplatz, des„Locher Schlages“, im Um— fang von 46,4 ha in den Beſitz der Stadt Karlsruhe— Im Jahre 1890 erfolgte abermals eine Erweiterung der Ge— markung durch Einverleibung von 9,613 ha des Geländes von Beiertheim, der„Forlen- und Straßenäcker“, gegen eine Vergütung von 1200 Mk. Um 4,11 ha 49 qm wurde der Gemarkungsumfang Karlsruhes im Jahre 1891 vergrößert, als die Schützengeſellſchaft, deren-Schieß— ſtätte an der Kaiſerallee im Intereſſe der Nachbarn verlegt werden — 646— mußte, von der Generalintendanz der Großherzoglichen Civilliſte einen Platz im Hardtwald an der Linkenheimer Allee um den Preis von 10287 Mk. 25 Pf.(25 Pf. für den Quadratmeter) erkaufte, für welchen die Stadt das Gemarkungsrecht erwarb. Eine weitere Vergrößerung der Gemarkung erfolgte im Jahre 1893, als bei dem— durch Vertrag zwiſchen dem Reich und Baden vom 23. Mai 1892— beſtimmten Bau einer neuen Güterbahn Mühlburg—Rangierbahnhof der Bahnhof auf die Gemarkung Bulach zu ſtehen gekommen wäre und, um dieſes zu vermeiden, der Stadt— rat ſich entſchloß, das Gemarkungsrecht und das Eigentumsrecht an dem künftigen Bahnhofgebiet und ſeiner nächſten Umgebung— 55,17 ha 81 qm— um den Preis von 343 706 Mk. 30 Pf. für die Stadt zu erwerben. Um 100 ha 23 qm wurde die Gemarkung im Jahre 1894 vergrößert, als die Stadt von der Gemeinde Daxlanden Eigentum und Gemarkung des„Lutheriſchen Wäldchens“ um den Preis von 59394 Mk. erwarb. Im Jahre 1895 gingen Teile der Gewanne„Grund, Groß— gewann, Schardt, Weiß Kreuz und Mittelfeld“ im Umfang von 16,42 ha 95 qm und 1896 das„Beiertheimer Wäldchen“, die „Reutherwieſen“, die„Ackerwieſen“ und die„Auäcker“— 40,87 ha 33 qm— aus der Gemarkung Beiertheim in die Gemarkung Karls— ruhe, über. Von da an bis zum Jahre 1900 ſind in den Gemarkungs— verhältniſſen der Stadt Karlsruhe weſentliche Veränderungen nicht eingetreten. Durch die letzte Vergrößerung hat die Gemarkung Karls— ruhe einen Flächeninhalt von 1360 ha 88 ar 32 qm erreicht. Bewegung der Bevölkerung. Die Einwohnerzahl von Karlsruhe, welche im Jahre 1875 42 739 Perſonen umfaßte“), hob ſich bis zum Jahre 1900 auf 97185 Perſonen, die Vermehrung derſelben betrug daher in dieſen 25 Jahren 54446 Perſonen. Den allmählichen Zuwachs weiſt fol— gende Tabelle(nach den Veröffentlichungen des Statiſtiſchen Landes— amtes) nach. ) Vgl. oben S. 225. . 1880 1885 1890 1895 1900 707.7.0.'0.0.... ² ² Familien bezw. Haushalt— üngen: 9 778 11 461 14 712 1707120 413 Perſonen..49 30156 97273 684 84 030 97185 Männliche... 24 448[28 07636 564 42 08148 547 Weibliche. 24 85328 89637120 41 949 48 638 Evangeliſche....[26 50330 5013904744704 50 630 Katholiſchtete 20914 24625 32111 36 872 43 063 Iſräelitettt.. 1689 1740 20562169[2576 Straßen und Plätze. In den Jahren 1875 bis 1900 erhielten in allen Teilen der Stadt verſchiedene Straßen neue Namen. Im Jahre 1879 gab die Feier der goldenen Hochzeit des Deutſchen Kaiſers und Königs von Preußen, Wilhelm Jund ſeiner Gemahlin, Kaiſerin und Königin Auguſta Veranlaſſung, der Hauptſtraße der Reſidenzſtadt, der Langen— ſtraße den Namen Kaiſerſtraße beizulegen. Gleichzeitig wurde, auf Grund eines mit den Hauseigentümern getroffenen Übereinkommens, die Herſtellung unterirdiſcher Entwäſſerung derſelben und Anlage neuer breiter Gehwege beſchloſſen und der erforderliche Aufwand aus verfügbaren Mitteln der Amortiſationskaſſe entnommen. Zehn Jahre ſpäter, in der Zeit vom 1. April bis 1. Auguſt 1889, wurde die Kaiſerſtraße mit einem Aufwand von 269 270 Mk. unter Anwendung eines neuen Syſtems(Granitpflaſter nebſt Fugenverguß desſelben mit künſtlichem Asphalt ſog. Pflaſterkitt, ſowie Cementmörtel auf Geſtück und Betonunterlage) vollſtändig umgepflaſtert. An ihrem weſtlichen Ende wurde ein Platz mit gärtneriſchen Anlagen in eliptiſcher Form angelegt und die Straße auf beiden Seiten desſelben vorbeigeführt. Auf dieſem Platze wurde im Jahre 1897 das Reiterſtandbild Kaiſer Wilhelms I. errichtet. Die öſtliche Fortſetzung der Kaiſerſtraße, die Durlacher Landſtraße, erhielt im weiteren Verlauf dieſes Zeitabſchnittes den Namen Durlacherallee, ihre weſtliche Fortſetzung, die bisherige Mühlburger Landſtraße den Namen Kaiſerallee. Im Innern der Stadt wurde der Name der kleinen Herrenſtraße zwiſchen Amalien- und Erb⸗ prinzenſtraße in Bürgerſtraße umgewandelt, die zwiſchen Lamm- und — 648—d Kreuzſtraße gelegene Lyceumſtraße erhielt dem alemanniſchen Dichter Johann Peter Hebel zu Ehren bei Verlegung des Lyceums in die Bismarck— ſtraße den Namen Hebelſtraße, die Straße zwiſchen der katholiſchen Stadtpfarrkirche zu St. Stephan und dem Ständehaus wurde Stände— hausſtraße, die Straße hinter dem Rathaus Turmſtraße, die Straße hinter der Stadtkirche Kirchſtraße, die Straße, die ſich von der Tech— niſchen Hochſchule in der Kaiſerſtraße in nordweſtlicher Richtung bis zum Zirkel hinzieht, Schulſtraße genannt. Der Spitalſtraße vom Markgräflichen Palais am Rondellplatz bis zur Waldhornſtraße gab man den Namen Markgrafenſtraße, dem durch dieſe, die Stein- und die Adlerſtraße gebildeten und mit Anlagen verſehenen Platz zu Ehren des durch reiche Stiftungen für das ſtädtiſche Krankenhaus hoch— verdienten Kammerrat Chriſtof Friedrich Lidell den Namen Lidell— platz; die Querſtraße, ein Sträß chen zwiſchen Kronen- und Zähringer— ſtraße, wurde mit der Faſanenſtraße unter einem Namen vereinigt. Die am ehemaligen Durlacherthor beginnende und beim Güterbahn— hof endigende Landgrabenſtraße erhielt von der Kapelle des auf— gegebenen alten Friedhofes den Namen Kapellenſtraße. Die Linden— ſtraße, die durch einen ſog. Ahagraben von der Kriegſtraße getrennt geweſen war, wurde nach Auffüllung dieſes Grabens, unter Aufgabe ihres Namens, mit der Kriegſtraße vereinigt.“ In der Südſtadt erhielten zwei Sackgaſſen, die von der Augartenſtraße in die Bauten des Vereins für Errichtung billiger Wohnhäuſer führen, als ſie aus dem Eigentum dieſes Vereines an die Stadt übergingen, auf Antrag der Angrenzer Namen: Hermannſtraße wurde die weſtliche,? Dorotheaſtraße die öſtliche, zunächſt der Rüppurrer⸗ ſtraße gelegene genannt. In der Südweſtſtadt wurde der Viehtriebweg von der Ettlingerſtraße bis zunächſt zur Karlſtraße und weiterhin bis zur Scheffelſtraße Gartenſtraße genannt— In der Weſtſtadt bekam die bisher weſtlche Kriegſtraße ge— nannte Straße von der(füdlichen) Kriegſtraße bis zum Mühlburger— tor und ihre Verlängerung den Namen Weſtendſtraße und die Mühlburger Allee, in die ſie einmündete, nach dem Generalfeld⸗ marſchall Graf Helmuth von Moltke 3— neuen Moltke⸗ ſtraße. — 649— Es entſtand aber auch eine außerordentlich große Zahl neuer Straßen und Plätze in allen Teilen der Stadt. Natürlich nur ſehr wenige in der Altſtadt: die verlängerte Kreuzſtraße auf dem Areal eines Teiles des Markgräflichen Gartens zwiſchen der Spital-(jetzt Markgrafen-) und der Kriegſtraße, die Kaiſer Wilhelm-Paſſage, eine nur für Fußgänger beſtimmte Ver⸗ bindung, die von der Ecke der Kaiſer- und Waldſtraße nach der Akademieſtraße führt. Zwei neue Plätze entſtanden bei der Ein— . der Belfort- in die Leopoldſtraße, der auf zwei Seiten von Wohnhäuſern, auf der dritten von einem ſtädtiſchen Schulgebäude 5161 Leopoldsplatz und der mit Anlagen bepflanzte Stephansplatz, ſüdlich von dem neuen Reichspoſtgebäude. Mit Rückſicht auf die Anlage einer Teilſtrecke der elektriſchen Straßenbahn wurden aus der Karlſtraße zwiſchen Kaiſerſtraße und Karlsthor die Bäume entfernt und die Fahrſtraße vertieft und verbreitert. Durch eine 2 Verbreiterung der Kronenſtraße bei ihrer Einmündung in die Kriegſtraße und die Erweiterung dieſer Straße an der Stelle des ehemaligen iſraelitiſchen Friedhofes wurde da, wo das Friedrichsthor ſtand, eine öffentliche Anlage hergeſtellt. Längs des Erbprinzengartens wurde auf An⸗ ordnung des aus Mitteln der Civilliſte der„Ahagraben“ ausgefüllt und der Garten von der Grenze des Sammlungsgebäudes bis zur Ausmündung der Lamm⸗ in die Kriegſtraße mit einem eiſernen Geländer eingefriedigt, gleichzeitig wurde das an der Ecke der Krieg— und Ritterſtraße in die Straßenflucht vorſpringende Tempelchen ab⸗ getragen, um im Schloßgarten wieder aufgeſtellt zu werden. Ebenſo wurde auf Koſten der Domänenkaſſe der„Ahagraben“ längs des ſogenannten Schlößchengartens ausgefüllt und dieſer zunächſt gegen die Kriegſtraße, ſpäter auch nach der Seite der Ritter- und Herrenſtraße mit einem eiſernen Gitter verſehen. In der neuen Oſtſtadt, die vor dem ehemaligen Durlacher Thor zu beiden Seiten der breiten von Karlsruhe nach Durlach führenden Straße entſtand, wurde eine Reihe von Straßen der Bau— luſt eröffnet. Von ihnen haben die Berthold-, Rudolf-, Bernhard⸗, Ludwig Wilhelm⸗, Georg Friedrich- und Karl Wilhelmſtraße nach hervorragenden Mitgliedern des zähringiſch— badiſchen Fürſtenhauſes ihre Namen erhalten, die Edelsheimſtraße wurde nach dem 1793 ver⸗ ſtorbenen Staatsminiſter des Markgrafen Karl Friedrich, Wilhelm 4 —5 ˖——— 650— von Edelsheim, die Degenfeldſtraße nach dem im deutſch-franzöſiſchen Krieg durch ſeine Tapferkeit hervorragenden badiſchen Generalleutnant Alfred Freiherrn von Degenfeld-Neuhaus, die Weſſenbergſtraße nach dem Bistumsverweſer Ignaz Karl Heinrich Freiherrn von Weſſenberg, die Frommelſtraße nach dem in Karlsruhe geborenen Kgl. preußiſchen Oberhofprediger Emil Frommel, die Humboldtſtraße nach dem großen Naturforſcher Alexrander von Humboldt, die Seubertſtraße nach dem Profeſſor der Botanik Moritz Seubert, die Eichrodtſtraße nach dem vaterländiſchen Dichter Ludwig Eichrodt genannt. Die Lachnerſtraße erhielt ihren Namen zu Ehren des Komponiſten Vincenz Lachner, die Eſſenweinſtraße zum Andenken an den bier geborenen Direktor des Germaniſchen Nationalmuſeums in Nürnberg, Auguſt v. Eſſen— wein. Nach hervorragenden in Karlsruhe wirkenden Ingenieuren und Profeſſoren der Techniſchen Hochſchule, Robert Gerwig, Hermann Sternberg und Johann Gottfried Tulla wurden ebenfalls drei Straßen genannt. Nach ihrer Lage innerhalb des Straßennetzes erhielten ihre Namen die ſich in ſüdöſtlicher Richtung vom ehemaligen Dur— lacherthore bis nach Gottesaue hinziehende Gottesauer-, die von der Durlacher Allee ausgehende, die Gottesauerſtraße kreuzende und zwiſchen den alten Friedhöfen bis zur Kriegſtraße führende Oſtendſtraße, die von derſelben aus in der Richtung nach dem Dorfe Wolfartsweier bei Gottesaue vorüberführende Wolfartsweiererſtraße und die Wieſen— ſtraße, die an den Bruchwieſen entlang bis gegen Gottesaue führt, die an den großh. Wildpark angrenzende Parkſtraße, die von der Georg-Friedrichſtraße in der Richtung nach dem Dorfe Rintheim führende Rintheimerſtraße, die Schlachthausſtraße, die von der Dur— lacher Allee direkt in das neue Schlachthaus führt. Die Bedeutung der Namenbezeichnungen der von der Karl Wilhelm- nach der Rint— heimerſtraße führenden Malzſtraße und des von der Ludwig Wilhelm— zur Karl Wilhelmſtraße führenden Schwalbenweges vermögen wir nicht feſtzuſtellen, wie uns auch unklar bleibt, warum man die vom Park nach dem Friedhof und der von der Durlacher Allee zur Rint— heimerſtraße hinziehenden Straßen nach Kornblumen und Veilchen benannte, die letzte doch wohl im Hinblick auf die an der Ecke dieſer Straße und der Durlacher Allee erbaute Parfumeriefabrik von Wolff u. Sohn. Drei Plätze: der Bernhardusplatz bei der gleichnamigen Kirche, der einen Teil des früheren Friedhofes bildende Lutherplatz — 651— und der Mendelsſohnplatz an der Ecke der Krieg- und Kronenſtraße, an der Stelle des früheren iſraelitiſchen Friedhofes, haben ihre Namen von dem Patron jener Kirche, dem Markgrafen Bernhard II. dem Seligen von Baden, von DPr. Martin Luther und von dem Philo⸗ ſophen Moſes Mendelsſohn. In der Südſtadt, dem öſtlich der Ettlingerſtraße gelegenen Stadtteil, entſtand eine Anzahl von Straßen, denen man ihre Namen zu Ehren berühmter deutſcher Geſchichtsſchreiber gab: zu Ehren von Leopold von Ranke, Heinrich von Sybel, Ludwig Häußer, Heinrich von Treitſchke, Georg Gottfried Gervinus, Johannes Scherr und des Archäologen Johann Joachim Winkelmann. Wie der Name der zwiſchen allen dieſen Hiſtorikerſtraßen liegenden, Wielandt- und Augartenſtraße verbindenden Morgenſtraße entſtanden iſt, ließ ſich nicht ermitteln. Alle dieſe Straßen liegen im Oſten der Rüppurrerſtraße. Dieſe ſelbſt wurde auf Grund eines von dem ſtädtiſchen Waſſer- und Straßen— bauamt in Folge der Auffüllung des Floßgrabens ausgearbeiteten Projektes umgeſtaltet; der teils als Promenadeweg, teils als Gehweg für die angrenzenden Gebäude beſtimmte öſtliche Fußpfad erhielt eine Breite von 11,6 m, der längs der Vorgärten anzulegende, von den Angrenzern herzuſtellende und zu erhaltende Gehweg eine Breite von 3 m. Südöſtlich in die Gegend des ſtädtiſchen Waſſerwerks und des Rangierbahnhofs ziehen ſich die Waſſerwerkſtraße und die nach dem langjährigen Generaldirektor der Poſt und der Staatseiſen⸗ bahnen genannte Zimmerſtraße hin. Südlich der Augartenſtraße er— hielten zwei Straßen nach den badiſchen Staatsmännern Ludwig Georg Winter und Karl Friedrich Nebenius ihre Namen. Vom Lauterberg führt öſtlich zur verlängerten Rüppurrerſtraße die Lauter⸗ bergſtraße, die, wie jener, dem Andenken an Oberbürgermeiſter Ludwig Lauter geweiht iſt. Links und rechts der verlängerten Ettlingerſtraße folgen Straßen, die von drei gefeierten badiſchen Volksvertretern, Karl Joſef Anton Mittermaier, Karl Wenzeslaus von Rotteck und Karl Theodor Welcker und von den Komponiſten Konradin Kreutzer und Karl Ludwig Spohn ihre Namen erhielten. Die ſüdlichſte f Straßenreihe iſt die Güterbahnſtraße. Zwiſchen Ettlingerſtraße und Beiertheimer Allee links vom Eiſen⸗ bahndamm ſehen wir vor der Feſthalle den großen, teilweiſe mit An— lagen bepflanzten Feſtplatz und die nach dem Ehrenbürger der Reſi— — 652— denzſtadt, Maler Wilhelm Kloſe, genannte Kloſeſtraße, und ſüdlich zwiſchen Stadtgarten und Eiſenbahndamm den neuen Meßplatz, deſſen Name auf die ihm neuerdings gegebene Beſtimmung hinweiſt, während vorausſichtlich eine nicht all zu ferne Zukunft, mit der Verlegung des Bahnhofs und der Entſtehung neuer Straßen in deſſen nördlicher Nachbarſchaft, der Meſſe, wenn ſie überhaupt weiterbeſtehen ſoll, wieder einen neuen Platz anweiſen wird. Zu dieſen wird dann wohl die längs der ſtrategiſchen Bahn ſich hinziehende bis jetzt noch nicht von Häuſern begrenzte Schwarzwaldſtraße gehören. Auch die See— promenade, die ſich am Lauterſee entlang zieht, wird mit dieſem von der Bildfläche verſchwinden.— Von den älteren Straßen der Süd— ſtadt wurden im Laufe der Jahre 1874 bis 1900 die Wilhelm⸗, die Marien⸗, die Luiſen- und die Werder-, ebenſo die Ettlinger-, Rüp⸗ purrer- und Augartenſtraße erheblich verlängert. Die Südweſtſtadt wird öſtlich von der Beiertheimer Allee, ſüdlich von der Südendſtraße, nördlich von der Kriegſtraße und nordweſtlich von der gegen die Alb zur Militärſchwimmſchule hin— ziehenden Strecke der Yorkſtraße, die vor kurzem erſt ihren alten Namen Schwimmſchulweg zu Ehren des Feldmarſchalls Grafen York von Wartenburg mit dem jetzigen Namen vertauſchte, begrenzt. Im Weſten erſtreckt ſie ſich über das Gebiet, das ſich bis zur Alb und über dieſes Flüßchen und jenſeits desſelben in der Richtung nach Grünwinkel ausdehnt, wohin eine an der Schwimmſchule be— ginnende, nach dieſem Dorf, das wohl in abſehbarer Zeit mit Karls— ruhe vereinigt werden wird, benannte Straße ſich hinzieht. Die Süd— weſtſtadt wird von Oſten nach Weſten von mehreren Straßen durchzogen: der Gartenſtraße, welche ihre unmittelbare Verbindung mit der Alt— ſtadt durch die Karl-, Hirſch- und Leopoldſtraße erhält, der Gutſch— ſtraße, die nach dem geſchätzten Lokaldichter und Redakteur Friedrich Gutſch benannt iſt, der Kurvenſtraße, welche an die zur Kriegs— zeit 1870 errichtete, für den Gütertransport beſtimmte und ſpäter wieder aufgegebene, Kurvenbahn genannte Verbindungsbahn erinnert, der Jollyſtraße, die zu Ehren des Staatsminiſters Dr. Julius Jolly ihren Namen erhielt und der längs der nach Maxau führenden Bahn— ſtrecke erbauten Rheinbahnſtraße. Von Norden nach Süden durch— ziehen ſie in der Richtung gegen Beiertheim die verlängerte Karls— ſtraße und die Hirſchſtraße, die mittels einer Brücke das Gelände — 653— überſchreitet, auf dem ſich die Geleiſe der Kurvenbahn befanden und jene der Maxaubahn auch jetzt noch befinden und jedenfalls bis nach erfolgter Verlegung des Hauptbahnhofs befinden werden. Zwiſchen Garten- und Rheinbahnſtraße entſtanden die nach Ferdinand Redten— bacher, dem langjährigen Direktor des Polytechnikums, benannte Redtenbacherſtraße, die Friedenſtraße, welche ihren Namen auf den Wunſch ihres Erbauers, Herrn von Friedeburg, erhielt und die ver— längerte Leopoldſtraße, die an einem Gebäude vorüberführt, welches zuerſt als Waſſerreſervoir, ſpäter als Exportmuſeum diente und ſchließlich für die Aufſtellung der ſtädtiſchen Sammlungen beſtimmt wurde. Der dieſes Gebäude umgebende, mit Anlagen bepflanzte Platz erhielt den Namen Archivplatz. Südlich der Rheinbahn⸗, der Gutſch⸗, ſowie der ebenfalls mit Anlagen bepflanzten Kurven- und der Jollyſtraße ent⸗ ſtanden neu die nach Staatsminiſter Karl Mathy, nach dem durch eine bedeutende Wohlthätigkeitsſtiftung hochverdienten Fräulein Karoline Auguſte Sountag, das auch einem angrenzenden kleinen Platz den Namen gab, nach dem Karlsruher Volksdichter Chriſtof Vorholz, dem Karlsruher Ehrenbürger und Profeſſor der Forſtwiſſenſchaft am Poly⸗ technikum, Forſtrat Ludwig Klauprecht, nach dem Generalfeldmarſchall Graf Albrecht von Roon, dem Staats- und Finanzminiſter Chriſtian Friedrich von Boeckh, dem Geheimerat Johann Nikolaus Friedrich Brauer, dem Direktor des Hoftheaters Eduard Devrient, dem Dichter Guſtav zu Putlitz, dem Maler Moritz von Schwind und dem Be⸗ gründer der Kindergärten Friedrich Fröbel benannten Straßen. An wen bei Benennung der Lenzſtraße gedacht wurde, iſt nicht bekannt geworden. Von den ſich in das Albgebiet hinziehenden, zu beiden⸗ Seiten der verlängerten Kriegſtraße neu angelegten Straßen erhielten die diesſeits der Alb gelegenen ihre Namen zu Ehren der be⸗ rühmten Chemiker Robert Wilhelm Bunſen, Juſtus von Liebig und Karl Weltzien, des Oberbaudirektors Heinrich Hübſch, des Phyſikers Wilhelm Eiſenlohr und des Architekten Friedrich Eiſenlohr, beide, wie auch Weltzien, Profeſſoren am Polytechnikum. Von den Straßen jenſeits der Alb erhielten vier Straßen ihre Namen von hervor— ragenden Männern, dem Karlsruher Oberbürgermeiſter Chriſtian Griesbach, dem Begründer der hieſigen Maſchinenbaugeſellſchaft Emil Keßler, dem Nationalökonomen Friedrich Liſt und dem großen Elektro⸗ techniker Werner von Siemens. Die übrigen Straßen zwiſchen dem 654 Güterbahnhof und der Bannwald-Allee heißen Arbeit-, Gewerbe—, Heu⸗, Kohlen-, Lager-, Lohn⸗, Schotter- und Ziegelſtraße. Im Stadtteil Mühlburg wurden im Jahre 1886, un— mittelbar nach der Vereinigung Mühlburgs mit der Stadtgemeinde Karlsruhe, die Namen derjenigen Straßen, welche mit Karlsruher Straßen gleichlautende Namen führten, abgeändert und heißen ſeitdem Eiſenbahn-, Hardt-, Markt⸗ und Kleine Straße, ſowie zu Ehren des badiſchen Staatsmannes Auguſt Lamey und zur Erinnerung an die Schlacht von Sedan, Lamey- und Sedanſtraße. Im weiteren Ver— laufe dieſes Zeitraumes erhielten die neu entſtandenen Straßen rechts und links von der alten Mühlburger Hauptſtraße, der Rheinſtraße, ihre Namen: zu Ehren der Erbgroßherzogin, die aus dem Privat— eigentum der Brüder Pfeiffer von der Stadt übernommene und als Ortsſtraße ausgeführte Hildaſtraße, zum Andenken an den Dichter Emanuel Geibel die Geibelſtraße, zur Erinnerung an General Adolf von Glümer, Führer der badiſchen Diviſion im Jahre 1870/71, die Glümer— ſtraße, die Fabrik- und Lerchenſtraße, zu beiden Seiten der Maxauer Bahn die Flieder- und Sonnenſtraße, Feld⸗, Graben- und Falterſtraße, ferner der Linden- und Fliederplatz, von der Hardtſtraße am neuen Waiſenhaus vorbei in nordöſtlicher Richtung gegen den Hardtwald hinziehend, die Stoeſſerſtraße, zu Ehren des langjährigen Stadtdirek— tors und Vorſitzenden des Verwaltungsrates des Waiſenhauſes, links von der Rheinſtraße die Vogeſen- und die Sternſtraße, in der Richtung gegen den Rheinhafen die Mühlſtraße und zu Ehren des Oberbaudirektors Max Honſell, des ausgezeichneten Waſſerbau— technikers, die Honſellſtraße. Die Weſtſtadt, von der Weſtend- und Kriegsſtraße, von einem Teil der Porkſtraße, von der nach dem Generalfeldmarſchall Fürſten Blücher benannten Blücherallee und der verlängerten Moltkeſtraße begrenzt, wird durch die Kaiſerallee von Oſten nach Weſten in zwei annähernd gleich große Teile geteilt, deren ſüdlicher in gleicher Richtung die verlängerte Sofienſtraße durchzieht, während in dem nördlichen, die zum Teil mit Anlagen bepflanzte Hildapromenade dem Laufe der Maxaubahn ſich anſchließt. In dem ſüdlichen Teile erhielten ſechs Straßen ihre Namen von den deutſchen Dichtern Gottfried Ephraim Leſſing, Joſef Victor v. Scheffel, Johann Wolfgang v. Goethe, Friedrich v. Schiller, Theodor Körner und Ludwig Uhland, zwiſchen 659 denen die Grenzſtraße, deren öſtlicher Teil noch 1885 zu Karlsruhe, der weſtliche zu Mühlburg gehörte, und— ohne erkennbaren äußeren Anhaltspunkt für ihre Benennung— die Nelken- und Mondſtraße entſtanden. Von der Krieg- zur Porkſtraße führt eine kurze, nach dem altkarlsruher Architekten, Baudirektor Friedrich Auguſt Wein— brenner, benannte Straße, während die Geranienſtraße die Sophien— ftraße in ihrer Verlängerung gegen Mühlburg hin mit der Kaiſer⸗ allee verbindet. Nördlich von der Kaiſerallee gab man ſechs Straßen ihre Namen zu Ehren hervorragender Naturforſcher und Techniker: Franz Grashof, Hermann v. Helmholtz, Heinrich Hertz, Robert Koch, Rudolf Virchow und gefeierter Komponiſten: Johann Sebaſtian Bach, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Chriſtof Willibald Gluck, Georg Friedrich Händel, Joſef Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Wagner und Karl Maria v. Weber. Zwei Straßen wurden nach verdienten in Karls— ruhe wirkenden Schulmännern, den Gymnaſialdirektoren Ernſt Friedrich Kärcher und Guſtav Wendt, drei zum Andenken an bedeutende badiſche Maler: Anſelm Feuerbach, Karl Heinrich Hoff und Wilhelm Rief— ſtahl, eine zu ehrender Erinnerung an den badiſchen Staatsminiſter Anton von Stabel genannt. Eine neu angelegte, von der Stabel— zur Weberſtraße führende Straße erhielt nach dem Prinzen Maximilian den Namen Maximilianſtraße. Die von der Dragonerkaſerne in der Blücherallee zur Wendtſtraße führende Straße wurde Dragonerſtraße genannt. Auf der Fortführung der Moltkeſtraße in weſtlicher Richtung längs des Kadettenhauſes und der Grenadierkaſerne zweigen ſich öſtlich und weſtlich vom Kadettenhauſe zwei bis zum Hardtwald hinziehende Straßen ab, die nach den badiſchen Kriegsminiſtern Karl Wilhelm Eugen von Freydorf und Franz Kaver Auguſt Freiherr von Roggen⸗ bach benannt wurden. In dem nördlich der Bismarckſtraße zwiſchen dieſer und der Moltkeſtraße und ſüdlich der Linkenheimer- bis zur Riefſtahlſtraße liegenden Gelände wurden in dieſen Jahren ebenfalls neue Straßen angelegt, parallel mit der ſchon 1870 entſtandenen Wörthſtraße und der verlängerten Seminarſtraße, die nach dem Philoſophen Johann Gottlieb Fichte und nach dem Maler Johann Wilhelm Schirmer, dem erſten Direktor der Kunſtſchule, benannten Straßen, die zwiſchen dieſen und von da an in der Nähe der Turn— halle weiter bis zur Riefſtahlſtraße ſich erſtreckende Straße, welche — 656 zu Ehren des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn ihren Namen er— hielt, und der Kunſtſchulplatz. Die Stadttore. Am 26. Juni 1875 machte in der Sitzung des Stadtrats der— Oberbürgermeiſter Lauter bekannt, daß der Großherzog durch Ent— ſchließung aus Großherzoglichem Staatsminiſterium genehmigt habe, daß diejenigen Torgebäude in Karlsruhe, welche dermalen von der; Gemeinde zu ſtädtiſchen Zwecken benutzt werden, nebſt den zugehörigen Plätzen der Stadtgemeinde zu Eigentum überlaſſen werden, wobei auch die geſamte Bau- und Unterhaltungspflicht zu dieſen Gebäuden an die künftige Eigentümerin überzugehen habe. Dieſe Verfügung hatte zur Folge, daß nunmehr der Beſeitigung dieſer Tore, die von manchen Seiten ſchon längſt angeſtrebt wurde, nichts mehr im Wege ſtand. Schon vorher war der Abbruch des Linkenheimer und des Durlacher Tores in's Auge gefaßt worden. Gegen den Abbruch des Linkenheimer Tores, das den Verkehr an dem Eingang der Stadt von der Seite der Hardtorte her erheblich ſtörte und welches weder durch Alter noch durch Kunſtwert die Er— haltung verdiente, war von keiner Seite Einwand erhoben worden, als der Stadtrat am 31. März beſchloſſen hatte, bei der Bezirks— Bauinſpektion die Genehmigung zum ſofortigen Abbruche dieſes Tores zu erbitten. Dagegen erregte der Plan, auch das Durlacher Tor abbrechen zu laſſen, lebhaften Widerſtand. Dieſes Tor, nach dem Entwurf des Baudirektors J. Müller erbaut, war eines der wenigen, in architektoniſcher Hinſicht erwähnenswerten Gebäude aus der Zeit— des Großherzogs Karl Friedrich.“) Als das moderne Verkehrs— bedürfnis auch die Beſeitigung dieſes Tores verlangte und im Monat! Juli 1874 von Bewohnern der Oſtſtadt an den Gemeinderat eine darauf hinzielende Eingabe gerichtet worden war, hatte ſich eine größere Anzahl hieſiger Architekten, Künſtler und Kunſtfreunde eben— falls an den Gemeinderat mit einer Petition gewandt, um den Ab—⸗ bruch des Durlacher Tores aus Rückſicht auf die künſtleriſche und ſtadtgeſchichtliche Bedeutung dieſes Bauwerkes zu vereiteln. Eine Erwiderung der Stadtbehörde, daß ſie ſchon am 1. Juli ganz im. ) Vgl. die Abbildung Bd. 1 Seite 42. — 657— Sinne der Bittſteller beſchloſſen habe, dieſes Tor„als ein ſchönes Baudenkmal der erſten Jahre des Beſtehens unſerer Stadt“ zu er⸗ halten und zu reſtaurieren und die Entfernung der Verkehrshemmniſſe nur auf das notwendigſte Maß, d. h. Entfernung der Abſperrgeländer, an deren Stelle zwei Durchfahrten hergeſtellt werden ſollten, zu be⸗ ſchränken, erweckte in allen kunſtfreundlichen Kreiſen lebhafte Be⸗ friedigung und man ſah ohne Beunruhigung den Beginn der nötigen Abbrucharbeiten. Allein dieſe nahmen immer größeren Umfang an, in der Stadtratsſitzung vom 31. März 1875 wurde der Abbruch auch des letzten Reſtes des Durlacher Tores angeordnet und eine nochmalige Bitte der Unterzeichner der erſten Eingabe wurde ab— ſchlägig beſchieden, da der Stadtrat in dem Tore„ein großes Hemm⸗ nis des Verkehrs“ erkenne. Der nämliche Oberbürgermeiſter Lauter, der am 1. Juli 1874 die Erhaltung des Durlacher Tores als eines „ſchönen Denkmals der erſten Jahre des Beſtehens unſerer Stadt“ verſprochen hatte, erklärte am 7. April 1875, als die Petenten dieſe Worte in ihrer Eingabe wiederholten, daß der Stadtrat ſich mit dieſer Anſicht nicht einverſtanden zu erklären vermöge. Und wenige Tage darauf wurden die krönenden Figurengruppen und Geſimſe abgehoben und die Stelle des„ſchönen Baudenkmals“ dem Erdboden gleich— gemacht. Nicht einmal der Verſuch einiger Kunſtfreunde, die Tor— pfeiler mit ihrer Krönung zu erhalten und an anderer Stelle wieder aufzubauen, fand Zuſtimmung. Heute würde man ſich freuen, wenn ſolche Reſte der Vergangenheit noch irgendwo erhalten wären. Im Jahre 1884 wurde das öſtliche Torgebäude am Friedrichstor an Privatmann Chr. Höck behufs Aufführung eines Neubaues an deſſen Stelle käuflich abgetreten. Das dem kgl. preuß. Militärfiskus gehörige weſtliche Friedrichstorgebäude, in welches die in jenem be— findliche Verbrauchsſteuer-Erheberſtelle verlegt werden ſollte, wurde von dieſem gegen das der Stadt gehörige nördliche Durlachertor— gebäude eingetauſcht. Im Jahre 1888 wurden endlich die militär— ärariſchen Gebäude am Karls- und am Mühlburgertor um die Summe von 20035 Mk. von der Stadt angekauft. Bautätigkeit. Im Februar 1875 laſen die Karlsruher mit lebhafter Befrie— digung in der Zeitſchrift„Uber Land und Meer“ eine mit Illu— 42 —658 ſtrationen gezierte Schilderung ihrer Vaterſtadt. Auf eine noch nicht ferne Vergangenheit zurückblickend, ſagte der Verfaſſer dieſes Aufſatzes: „Es gab eine Zeit, wo die Deutſchen darin übereinſtimmten, daß die Reſidenzſtadt des badiſchen Landes eine langweilige Stadt ſei, und auch andere Nationen entfernten ſich nicht ſonderlich weit von dieſem Urteil. Joanne in ſeinem„Guide diamant“ von 1870 nannte: „Carlsruhe une ville propre et bien bätie, mais monotone et triste“. Nun aber ſei Karlsruhe eine durchaus moderne Stadt, die am 17. Juni 1874 erſt ihren 159. Geburtstag gefeiert habe, trotzdem aber in der neueſten Zeit nicht mehr eine der geringſten unter den deutſchen Städten, im Gegenteil ſtelle es ſich„in Baudenkmalen, Kunſt⸗ und wiſſenſchaftlichen Anſtalten, Privat- und öffentlichen Ein— richtungen als eines jener Kulturcentren dar, um welche uns zu be— neiden, die großen Nachbarnationen ſo viele Urſache haben“. Dem Blicke des Karlsruhe betretenden Fremden tritt dieſer Unter— ſchied gegen die Vergangenheit am deutlichſten in der großen Zahl von Bauten entgegen, die ſeit der Mitte der 1870er Jahre neu ent— ſtanden ſind. Es ſind ſtädtiſche, ſtaatliche, militäriſche und kirchliche ſowie auch viele Privatgebäude, von denen die bedeutenderen hier einzeln aufzu— führen zu den erfreulichſten Verpflichtungen des Geſchichtsſchreibers der Stadt Karlsruhe gehört. J. Städtiſche Bauten. Nachdem durch das am 4. Dezember 1874 zuſammengetretene Preisgericht(Oberbürgermeiſter Lauter, Präſident des Verwaltungs⸗ gerichtshofes Renck, Oberbaurat Berckmüller, Oberbaurat Profeſſor Sternberg und Baurat Profeſſor Hochſtetter) der Preis für den beſten Plan einer Feſthalle im Betrag von 1000 Mk. dem Profeſſor Durm zuerkannt worden war?), ruhte die Angelegenhait dieſes Baues bis Juni 1875. In einer Kommiſſionsſitzung des Stadtrats vom 15. Juni d. J. wurde dann beſchloſſen, da der in's Auge gefaßte Bauplatz im Sallenwäldchen von der Domänendirektion verweigert wurde, die Halle nach dem Ausſchuß-Beſchluß vom 22. Oktober 1874 auf der Schießwieſe zu erbauen. In der Bürgerausſchußſitzung vom ) Vgl. oben S. 298—-301. — 659— 5. Juli 1875 wurde, mit 72 gegen 26 Stimmen, dazu die Ge— nehmigung erteilt, daß eine Feſthalle auf Koſten der Gemeinde erbaut und für deren Erbauung und innere Einrichtung der Betrag von 350 000 Mk., welcher durch ein Anlehen zu beſchaffen ſei, verwendet werden ſolle. Am 29. Dezember 1875 erteilte der Bürgerausſchuß ſeine Zuſtimmung zum Abſchluſſe eines Anlehensvertrages der Ge— meinde mit der ſtädtiſchen Leihhaus- und Erſparniskaſſe, in dieſem Betrage, verzinslich mit 4 vom Hundert. Hierauf ſetzte ſich der Stadtrat mit Profeſſor Durm in Verbindung und verſtändigte ſich mit ihm wegen der Ausführung des Baues der Feſthalle. Mit dem Bau wurde im September 1875 begonnen. Die Eröffnung der Feſt⸗ halle fand, wie früher erwähnt,“) in Gegenwart des Deutſchen Kaiſers, des Kronprinzen und aller hier anweſenden Mitglieder der Großher— zoglichen Familie bei dem Feſtbankett ſtatt, welches die Stadt zur Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums des Großherzogs Friedrich am 29. April 1877 veranſtaltete. Das erſte Konzert der Kapelle des Leibgrenadierregimentes, unter Leitung ihres Kapellmeiſters Böttge, fand am Sonntag den 6. Mai unter großem Andrang hieſiger und auswärtiger Beſucher ſtatt. Dem Erbauer der Feſthalle, Baurat Durm, wurde nach Vollendung des Baues der Dank der Stadt in feierlicher Form ausgeſprochen, indem ihm am 6. September 1877 Oberbürgermeiſter Lauter und Bürgermeiſter Schnetzler ein künſtleriſch— ausgeſtattetes Gedenkblatt überreichten.— Durch die Freigebigkeit des Malers Kloſe erhielt das dem Stadtgarten zugewandte Südportal im Jahre 1885 ein von Rudolf Gleichauf gemaltes allegoriſches Gemälde und im Jahre 1889 die Nifche des Nordportals ein Wandgemälde von der Hand des gleichen Künſtlers, ferner eine nach dem Entwurfe von Profeſſor Adolf Heer durch Bildhauer Binz ausgeführte plaſtiſche Gruppe aus weißem Stein.— Im Jahre 1898 wurden an der Feſt⸗ halle umfaſſende bauliche Veränderungen und Herſtellungen vorge— nommen, durch welche eine größere Sicherheit gegen Feuersgefahr ge— ſchaffen wurde. Dazu kam ein beſonderes zweiſtöckiges Wirtſchafts⸗ gebäude und ein Dienſtwohngebäude.— Neben der Feſthalle, auf der Schießwieſe, wurde im Jahre 1886 eine ſtändige Ausſtellungs-⸗ halle errichtet, die auch für Sommertheater und Zirkus verwendbar ) Vgl. oben S. 491. 660 ſein ſollte.— Der Umbau des ſtädtiſchen Vierordtsbades und der Neubau einer Schwimmhalle daſelbſt wurde im Auguſt 1898 begonnen, im Frühjahr 1900 vollendet und am 2. Juli d. J. wurde die Geſamtanlage eröffnet.— Nachdem die Verlegung des alten Schlachthauſes in der Leopoldſtraße aus dem Gebiete der Stadt hinaus um ſo mehr zur Notwendigkeit geworden war, da aus geſund⸗ heitlichen Rückſichten alle Privatſchlächtereien in den Häuſern der Stadt aufgehoben worden waren und fortan alles Kleinvieh nur noch in den öffentlichen Schlachthäuſern geſchlachtet werden darf, wurde, nachdem ſchon im Jahre 1883 die Errichtung eines neuen Schlacht- und Vieh— hofs vom Bürgerausſchuß beſchloſſen worden war, im März 1885 der Bau im Oſten der Stadt, rechts von der Durlacher Allee, begonnen; die Baupläne arbeitete der Stadtbaumeiſter Strieder aus. In dieſer ſtatt⸗ lichen Anlage iſt neben der Kanaliſation des Landgrabens eine der großartigſten neueren Leiſtungen der Stadt zu verzeichnen. Die feier— liche Eröffnung fand am 28. März 1887 ſtatt. Die Metzgergenoſſen— ſchaft hatte dazu einen großen Feſtzug veranſtaltet, der ſich vom Mühlburgertor durch die Kaiſerſtraße nach dem Schlachthaus bewegte. Im Jahre 1897 wurde je ein Gebäude für die Freibank und für ein Häutemagazin erbaut, 1899 die elektriſche Beleuchtung in den Schlachthallen eingerichtet.— Beim Neu- bezw. Umbau des Gas— werkes im Jahre 1872 war die Erbauung eines größeren Gaſo— meters in den Erweiterungsplan aufgenommen worden, der aber erſt bei wirklichem Bedarf erſtellt werden ſollte. Dieſer Bedarf zeigte ſich ſchon im Jahre 1875 und der Bürgerausſchuß beſchloß deshalb, auf Antrag des Stadtrats dieſen Gaſometer in eigener Regie zu erbauen. Im Jahre 1884 ſchon wurde eine abermalige Erweiterung nötig. Dem Antrag des Stadtrates, ein zweites Gaswerk auf einem vom Domänenärar zu erwerbendes Gelände öſtlich von Gottesaue zu errichten, erteilte der Bürgerausſchuß im Dezember 1884 ſeine Zu⸗ ſtimmung und beſchloß im März 1885, daß der Bau innerhalb zweier Jahre vollendet werden ſolle. Ihn führte Direktor Reichard aus, und er wurde noch früher, als vorgeſehen worden war, zum Abſchluß ge— bracht. Das zweite Gaswerk wurde Ende Oktober 1886 in Betrieb geſetzt. Im Jahre 1895 wurden in demſelben verſchiedene Erwei— terungsbauten vorgenommen, durch deren Erſtellung die, Leiſtungs⸗ fähigkeit des öſtlichen Gaswerkes von 20000 auf 40000 obm im — 661— Tag geſteigert wurde; 1896 wurde ein Dienſtgebäude für den Werk— führer aufgeführt und der Bau von Arbeiterwohnungen begonnen, die 1897 vollendet wurden.— Auf dem Gegenreſervoir in der Gartenſtraße wurde im Auguſt 1895 mit dem Abbruch der eiſernen Reſervoirs begonnen. An ihre Stelle wurde ein drittes Stockwerk zur Aufnahme der ſtädtiſchen Sammlungen erbaut, deſſen Räume an dieſe im Spätjahr 1896 übergeben werden konnten.— Im Jahre 1876 waren es hauptſächlich die Bauten auf dem neuen Friedhof, welche das Intereſſe weiter Kreiſe der Ein— wohnerſchaft erweckten. Durch ein Portal betritt man einen von der Grufthalle umgebenen Vorhof, dem Portal gegenüber erhebt ſich die Giebelfaſſade der Friedhofkapelle, zu deren beiden Seiten Wege nach der Leichenhalle und den Begräbnisfeldern führen. Die ganze An— lage, die in ihrer Geſamtheit einen tiefernſten Eindruck macht, iſt nach den Plänen und unter Leitung des Baurats und Profeſſors Joſef Durm ausgeführt. Eine beſondere Bedeutung in der Geſchichte der Stadt Karls⸗ ruhe in dieſem Zeitabſchnitt darf, wie das Schulweſen überhaupt, ſo insbeſondere die Erbauung einer großen Zahl von Schulhäuſern beanſpruchen. Im Jahre 1877 wurde der Ankauf des Meeß'ſchen Anweſens an der Kriegſtraße mit dem darauf befindlichen Wohnhaus und ein— ſtöckigen Gartenhaus um den Preis von 250000 Mk. durch die Stadt und die Erbauung eines Gebäudes für die höhere Töchter— ſchule auf dieſem Platze mit einem Bauaufwand von 450000 Mk. vom Bürgerausſchuß beſchloſſen. Der Ausführung des Baues ſtellten ſich aber Hinderniſſe entgegen, der angekaufte Bauplatz wurde wieder veräußert und auf dem Platz der ehemaligen Militärbäckerei in der Sophienſtraße wurde, ſtatt— wie es bereits beſchloſſen war— eines Volksſchulgebäudes, ein Neubau für die Höhere Töchterſchule aufgeführt und im November 1878 bezogen. Der Aufwand hiefür betrug 265 000 Mk. 8 Im Jahre 1878 wurde der Neubau eines Schulhauſes im Bahnhofſtadtteil, in der Schützenſtraße, vom Bürgerausſchuß genehmigt und alsbald nach den Plänen und unter Oberleitung des Oberbaurats Lang begonnen. Der Bau wurde ſo raſch gefördert, daß er ſchon im September des gleichen Jahres vollendet und am 16. — 662— dieſes Monats eingeweiht werden konnte. Bald wurde ein neuer Schulbau in dieſem Stadtteil erforderlich. Im Juli 1885 beſchloß der Bürgerausſchuß, auf dem Platze hinter der Turnhalle des Schul— hauſes an der Schützenſtraße mit einem Koſtenaufwand von 120000 Mk. ein weiteres Schulhaus zu errichten und zu dieſem Zweck, ſowie zur Erweiterung des Schulhofes und zur Gewinnung eines beſonderen Zugangs zu dem zu errichtenden Schulhauſe das Willet'ſche Grundſtück in der Bahnhofſtraße um 53000 Mk. zu er— werben. Das in ſehr einfachem Stil aufgeführte neue Schulhaus wurde am 23. Oktober 1886 feierlich eingeweiht.— Im Jahre 1880 wurde die Vergrößerung des Schulhauſes Spitalſtraße 28 durch Umwandlung der Lehrerwohnung zu Schulſälen und den Auf— bau eines dritten Stockwerkes mit 4 Schulſälen ausgeführt und der angrenzende Garten des Herrn Karl i eikeat Ferner wurde beſchloſſen, das Schulhaus Spitalſtraße 42 an der Ecke der Kreuzſtraße abzubrechen und auf dieſem Platze nach dem Plane des Profeſſors Warth mit einem Aufwand von 160000 Mk. ein neues Schulgebäude zu errichten. Der ſtilvolle Bau wurde im April 1880 vollendet und erhielt einen beſonderen Schmuck dadurch, daß die an der fenſterloſen ſchmalen Faſſade in der Kreuzſtraße an— gebrachte Niſche durch ein von Profeſſor Friedrich Moeſt ausgeführtes Standbild geſchmückt wurde. Inm Juli 1880 beſchloß der Bürgerausſchuß auch das Haus Waldhornſtraße 83 zum Preis von 80000 Mk. anzukaufen und in dem Garten deſſelben ein Wolksſchulgebäude mit einem Aufwand von 105000 Mk. zu erbauen. Es iſt, charakteriſtiſch für die Anſchauungen eines Teiles einflußreicher, gebildeter und wohl— habender Männer, in denen noch die altkarlsruher, Überlieferungen lebendig waren, daß in der Sitzung, in welcher dieſer, Beſchluß gefaßt wurde, der Stadtverordnete, Bankier Eduard Koelle, ſeine Freude darüber ausſprach,„daß der Stadtrat einen einfachen, praktiſchen Bau ohne monumentale Zierden aufzuführen beabſichtige“. Im November 1881 wurde der Bau vollendet und, da nach Bericht des Stadtbau— amtes der Bauaufwand ſich auf nur 107 000 Mk. belief, war ſogar eine Erſparnis von rund 8000 Mt. gegenüber dem Voranſchlag ge⸗ macht worden.— Im Februar 1882 faßte der Bürgerausſchuß den Beſchluß, den füdlichenTeil des Waiſenhausplatzes zum 6681 Ualgaagabqr Auvihuaal ahr suog H. A 9. W 7 4 2 35 132 3 8 — 663— Preiſe von 55974 Mk. für eine Schule zu kaufen, im März wurde der Bau des Schulhauſes begonnen und im Jahre 1883 mit einem Aufwand von 260000 Mk. vollendet. Im Juni d. J. wurde der zum Waiſenhaus gehörige Garten um 13 180 Mk. zur Ver⸗ größerung des Spielplatzes käuflich erworben und am 10. September erfolgte die Einweihung des Schulhauſes, deſſen Faſſade nach der Gartenſtraße zu gelegen iſt. Im Jahre 1886 waren die Räume der ſtädtiſchen Realſchule mit Schülern ſo überfüllt, daß die Aufführung eines Neubaues in Ausſicht genommen wurde. Doch wurde, da von mehreren Seiten der Gedanke der Errichtung einer zweiten Realſchule im weſtlichen Stadtteil angeregt wurde, im Bürgerausſchuß davon abgeſehen und nur zu einer Erweiterung des Schulgebäudes geſchritten, welche im April nach den Plänen des Stadtbaumeiſters Strieder begonnen und unter deſſen Leitung im gleichen Jahre vollendet wurde.— Schon im Jahre 1884 wurde der Platz des ehemaligen Sch lachthauſes in der Leopoldſtraße für ein neues Schulhaus beſtimmt und durch Stadtbaumeiſter Strieder ein Baüplan ausgearbeitet. Der Bau wurde aber erſt im Jahre 1887 begonnen; das ſtattliche Schulhaus mit Dienerwohnung wurde 1888 vollendet und auf dem freien Platze vor demſelben ein monumentaler Brunnen mit dem Medaillonporträt des Großherzogs Leopold errichtet. Am 12. Januar 1889, dem Ge— burtstage Peſtalozzi's, wurde es in feierlicher Weiſe ſeiner Beſtim— mung übergeben. Das Treppenhaus ſchmücken die Büſten der Groß⸗ herzoge Leopold und Friedrich und der Großherzogin Luiſe, das Außere erhielt durch die Aufſtellung der Büſten von Arndt und Hebel einen bildneriſchen Schmuck. 1899 wurde bei dem Schulhaus eine Turnhalle errichtet und im Jahre 1900 der Benützung übergeben.— Die Turnhalle der Töchterſch ule in der Kreuzſtraße wurde im Jahre 1888 umgebaut und vergrößert und unter Veranſtaltung einer ein⸗ fachen Feier in Gebrauch genommen.— Das Volksſchulgebäude im Stadtteil Mühlburg wurde im Jahre 1887 durch Auf— ſetzen eines dritten Stockes vergrößert, bei demſelben wurde eine Turnhalle errichtet.— Das zur Unterkunft von etwa 1300 Schülern in, 21, Lehrſälen eingerichtete Schulhaus vor dem Durlachertor in der Kayl, Wilhelmſtr aße, deſſen Bau im Jahre 1891 begonnen wurde, konnte im darauffolgenden Jahre feierlich eingeweiht werden. — 664— Die Hauptfront des Gebäudes erhielt einen beſonderen Schmuck durch Aufſtellung zweier von Bildhauer Binz ausgeführten Figurengruppen in Savoniére-Kalkſtein, von denen die eine den Elementar⸗, die andere den Induſtrieunterricht ſinnbildlich darſtellt.— 1892 wurde für die Zwecke der ſtädtiſchen Gewerbeſchule, für welche die Räume in dem vom Staate gemieteten alten Lyzeum nicht mehr genügten, das Schul— haus Zirkel Nr. 22 im Innern völlig umgebaut.— Der Neubau einer zweiten Oberrealſchule an der Kaiſerallee wurde im Auguſt 1893 begonnen und mit Turnhalle und Dienſtwohngebäude 1895 vollendet. Sie erhielt den Namen Friedrichſchule und wurde am 8. Januar 1896 in Gegenwart des Großherzogs feierlich ein— geweiht.— An Stelle des alten Schulhauſes Kriegſtraße Nr. 44 (ehemals Lindenſtraße) wurde ein neues Volksſchulhaus errichtet. Mit dem Neubau wurde im Mai 1896 begonnen; er wurde 1897 vollendet und bezogen.— Die Bauten eines Mädchenſchul— hauſes auf dem ehemaligen Schützenplatz an der Kaiſerallee wurden 1898, und eines Volksſchulhauſes in der Nebeniusſtraße 1900 begonnen. Das erſtere wurde im Jahr 1900 der Benützung übergeben, indem nach dieſem im Bau vollendeten Schulhauſe acht Jahr— gänge der erweiterten Mädchenſchule aus dem Schulhauſe Waldhorn— ſtraße 83 überſiedelten. Im Jahre 1900 wurden den nachſtehend verzeichneten Schul— häuſern beſondere Namen gegeben: Lidellſchule(nach dem 1793 geſt. Kammerrat Lidell, Markgrafenſtraße 28), Markgrafenſchule(dieſelbe Straße 42), Hebelſchule(Kreuzſtraße 15), Bahnhofſchule(Bahnhof⸗ ſtraße 22), Nebeniusſchule(Nebeniusſtraße), Gutenbergſchule Kaiſer⸗ allee), Lindenſchule(Kriegſtraße 43), Peſtalozziſchule(Erbprinzen— ſtraße 18), Karl Wilhelmſchule(Karl Wilhelmſtraße 2), Leopoldſchule (Leopoldſtraße 9); die Schulhäuſer der Garten-, Wald- und Schützen⸗ ſtraße wurden nach dieſen Straßen benannt. Im September 1889 wurde mit dem Bau eines größeren, zu vier Stockwerken, einſchließlich Manſardenſtock projektierten Hauſes, nach den Entwürfen des Stadtbaumeiſters Strieder, begonnen, zu deſſen Ausführung der Bürgerausſchuß 205000 Mk. bewilligt hatte. In dieſem ſollten eine Volksküche, die Kindergrippe, die Sofienſchule, die Kleinkinderbewahranſtalt und ein Knabenhort untergebracht werden. Der Bau ſollte nach dem Wunſche des Stadtrates, wie das alte Ge⸗ — 665— bäude, an deſſen Stelle er zu treten hatte, den Namen Luiſen— haus führen und ein dauerndes Zeichen der Erinnerung an die Großherzogin ſein,„welche auch in unſerer Stadt die Werke des Gemein— ſinns und der Nächſtenliebe in langjähriger aufopferungsvoller und unermüdlicher Bemühung mächtig gefördert und dabei Alle, ohne Unterſchied des Bekenntniſſes und der Lebensſtellung, zur Mitarbeit berufen hat.“ Am 17. März 1894 wurde im Luiſenhauſe die von der Stadt⸗ gemeinde geſtiftete, im Treppenhauſe aufgeſtellte Büſte der Großher— zogin Luiſe feierlich enthüllt. Mit dem Neubau des Hildahauſes, eines Baues für ver⸗ ſchiedene Wohlthätigkeitsanſtalten(Volksküche, Kinderkrippe und Klein— kinderbewahranſtalt) in der Scheffelſtraße, wurde im Auguſt 1895 begonnen, im Anfang des Januars 1897 konnte es dem Betrieb übergeben und am 18. Januar in Gegenwart der Großherzogin, des Erbgroßherzogs und der Erbgroßherzogin feierlich eingeweiht werden. Das neue Waiſenhaus im Stadtteil Mühlburg wurde am 3. Oktober 1899 bezogen. Am 18. d. M. fand in Gegenwart des Großherzogs, der Großherzogin und der Fürſtin-Wittwe zur Lippe die feierliche Einweihung ſtatt. Es war nach den Plänen des Archi— tekten E. Schweickhardt erbaut worden und iſt zunächſt für 84 Kinder eingerichtet, bietet aber Raum für 100. Im Rathaus und an der Süd- und Weſtfaſſade desſelben wurden im Jahre 1885 größere Ausbeſſerungen vorgenommen. Der große Rathausſaal erhielt durch Stiftungen mehrerer Mitglieder des Stadtrats in den Jahren 1884 und 1886 fünf Glasgemäldefenſter. Der kleine Rathausſaal wurde reſtauriert und erhielt eine beſondere Zierde durch ein von Stadtrat Römhildt copiertes und geſtiftetes Oelgemälde, Porträt Kaiſer Wilhelms I.— Größere bauliche Ver— änderungen wurden im Rathauſe im Jahre 1891 vorgenommen, welche insbeſondere durch die Rückgabe der an den Staat vermieteten Ge— fängnisräume nördlich des Rathausturmes an die Gemeindeverwaltung und deren Überweiſung zu Bureauräumlichkeiten an das ſtädtiſche Tiefbauamt und die Krankenverſicherung, ſowie für Unterbringung der ambulatoriſchen Klinik veranlaßt waren. Die Räume der letzteren wurden für die Unterbringung der Grund- und Pfandbuchführung — 36 verwendet.— Im Jahre 1897 wurde der Rathausturm im Nußern und Innern hergeſtellt und eine Wohnung für den Feuerwächter in demſelben eingerichtet, ein Oberlicht über der Haupttreppe des Rat— hauſes angebracht u. a. m. Endlich wurden im Jahre 1899 neue Räume für das Gewerbegericht, den Armenrat, die Stadtkaſſe, die Meldeſtelle, die Regiſtratur u. ſ. w. errichtet, die meiſten Räume wieder in Stand geſetzt und eine Centralheizung(Niederdruck-Dampf— heizung) für ſämtliche Räume hergeſtellt. Das ſtädtiſche Krankenhaus wurde nach dem Entwurfe des Stadtbaumeiſters Strieder in den Jahren 1884 und 1885 insbeſon— dere durch einen ſtattlichen dreiſtöckigen Neubau bedeutend erweitert. Doch zeigte ſich ſchon nach Jahresfriſt, daß dieſe Erweiterung nicht mehr lange genügen werde. Im Jahre 1887 zeigten ſich bereits ſo erhebliche, durch die erhöhte Frequenz hervorgerufene Mißſtände, daß die Schaffung neuer Unterkunftsräume für Kranke ſich als unerläßlich herausſtellte. Zunächſt wurden zu dieſem Zweck mehrere an das Krankenhaus anſtoßende Liegenſchaften angebaut, was ſchon deshalb unaufſchiebbar war, weil die erſt im Vorjahre um zwei Räume ver— größerte ambulatoriſche Klinik nicht länger im Rathauſe belaſſen werden konnte. Die Erwägung der Frage eines Neubaues zeigte ſich ſomit als unabweisbar. Es blieb aber noch viele Jahre die Her— ſtellung des ſo notwendigen Neubaues ein frommer Wunſch. Ein Erweiterungsplan des Pfründnerhauſes wurde im Jahre end 1894 fertiggeſtellt. II. Staatliche Bauten. Im Jahre 1893 wurde nach den, Plänen und 5 Leitung des Oberbaudirektors Durm an der Stelle des Gartenſchlößchens an der Kriegsſtraße der Bau eines neuen, Palais für den Erb— großherzog begonnen und im Jahre 1897 vollendet. Ebenfalls nach den Plänen und Detailzeichnungen Durms wurde an der Stelle des ehemaligen Griesbach'ſchen Anweſens an der Ecke der Karl Friedrich- und der Hebelſtraße ein neues Dienſtgebäude für das Bezirksamt im Jahre 1899 vollendet. Die Stilformen, welche die in einer kräftig gegliederten, in einfachen. Formen ſich bewegenden Renaiſſance ſind, knüpfen an die vorhandenen öffentlichen Gebäude des Marktplatzes an; der plaſtiſche Schmuck iſt das letzte Werk des — 667— zu früh dahingeſchiedenen Bildhauers Joſef Heer.— Das nach den Plänen des Baurats und Profeſſors Weinbrenner aufgeführte Dienſt— gebäude der Verſicherungsanſtalt Baden an der Kaiſerallee wurde 1893 begonnen, 1894 vollendet.— Der Neubau des Ge— richtsgebäudes in der Linkenheimerſtraße mit Seitenflügeln in der Akademie- und Stefanienſtraße fand im Jahre 1882 ſeine endgiltige Vollendung durch die Aufſtellung zweier nach den Entwürfen des Profeſſors Hermann Volz in weißem Kalkſtein ausgeführten Statuen in den beiden Niſchen der Faſſade der Stefanienſtraße.— Im Jahre 1900 wurde das nach den Plänen des Oberbaudirektors Dr. Durm an der Hoffſtraße aufgeführte neue Gebäude für das Oberlandesgericht der Vollendung nahezu entgegengeführt.— In den Jahren 1895-97 wurde das neue Amtsgefängnis im Hardtwaldſtadtteil aufgeführt. Die Lage des Gefängniſſes weſtlich der Weſtendſtraße, in einem Stadtteil, der für beſſere Wohngebäude beſtimmt, jetzt aber meiſt mit größeren öffentlichen Bauten(zwei, Kirchen, drei Schulgebäuden, Krankenhaus, Verſorgungsanſtalt, Kadettenhaus, Verſicherungsanſtalt u. ſ. w.) bedeckt iſt, verlangte eine andere Behandlung des Baues an ſeinem Aeußeren, als ſie ſonſt bei den landläufigen Gefängnisbauten üblich iſt. Er ſollte ſeine Beſtimmung, mit Rückſicht auf die ge— nannten Nachbarbauten und die ſpäter weſtlich desſelben in Ausſicht genommenen Stadtviertel, nicht in der typiſchen Form mit kleinen Feuſtern und ernſten, ungegliederten Mauermaſſen zu⸗ erkennen geben. Vorbildlich für ihn war„eines der intereſſanteſten Gefängniſſe des europäiſchen Rußlands, das Unterſuchungsgefängnis in St. Peters⸗ burg“, das ſeiner Zeit von dem engliſchen Geiſtlichen Landsdell als Muſtergefängnis lobend erwähnt wurde und mit einem Koſtenauf⸗ wand von 800000,Rubeln nach den Plänen des Wirklichen Staats⸗ rats Majeski, mitten in der Stadt, an der Ecke des Liteni-Proſpektes, in den, Jahren, 1875 bis 1880 erbaut wurde.— Der Neubau des Reichspoſtgebäudes, an der Kaiſerſtraße auf dem⸗ Platze der zu Beginn des Jahres 1897 abgebrochenen alten Infanteriekaſerne wurde im gleichen Fahre begonnen, im Jahre 1900 vollendet. Die feier⸗ liche Eröffnung desſelben fand unter Beteiligung des Großherzogs und des Prinzen Max ſowie des aus Berlin eingetroffenen Staats⸗ ſekretärs des Reichspoſtamtes v. Podbielski am 18. Oktober ſtatt. Eine von Regierungsbäunieiſter Walter verfaßte Feſtſchrift enthielt — 668— eine ausführliche Beſchreibung des Neubaues.— Die Errichtung des Reichsbankgebäudes in der Herrenſtraße wurde im Jahre 1892 in Angriff genommen und 1893 fertiggeſtellt.— Einer der bedeu— tendſten monumentalen Bauten, das Amtsgebäude der General— direktion der Staatseiſenbahnen mit einer im italieniſchen Renaiſſanceſtil gehaltenen Faſſade, ein Werk des Baurats Helbling, wurde im Jahre 1875 vollendet und erhielt auch im Innern, in dem unter Leitung des Architekten Schlüter ausgeführten Konferenzſaale, geſchmückt mit Gemälden von Canon und mit Büſten von Moeſt, eine hervorragende Zierde.— Der Umbau des Bahnhofes, dem läugere Verhandlungen zwiſchen den Staats- und Stadtbehörden vorausgegangen waren, wurde unter Leitung des Oberbaurats Heinrich im Jahre 1884 begonnen, im Juni 1885 vollendet. Beſonderen Beifall fand dabei das Außere des vor- und umgebauten Aufnahms— gebäudes mit ſeiner weißen Sandſteinfaſſade. Die Warteſäle, die Schalterhalle, die Wirthſchaftsräume erhielten durch Wandgemälde und figuralen Schmuck, Werke hieſiger Künſtler, geſchmackvolle Zierden. Am Oſtende des Bahnhofes wurde das neue Bahnhofpoſtge— bäude errichtet.— Im Jahre 1885 wurden die Gebäude der Steuerverwaltung in der Kreuzſtraße und das Hauptſteueramtsgebände in der Rüppurrerſtraße fertig geſtellt.— Eine ſtattliche Reihe von bau— lichen Aufführungen wurden in dem umfangreichen Bezirk der Tech— niſchen Hochſchule in den Jahren 1895 bis 1900 in Angriff ge— nommen und fertig geſtellt: das botaniſche Inſtitut, die Aula, der Hörſaalbau, das elektrotechniſche Inſtitut“), endlich noch die elektriſche Centrale und die chemiſch⸗techniſche Anſtalt der Techniſchen Hochſchule. — Der Erweiterungsbau der Kunſthalle wurde in den Jahren 1894-97 nach den Plänen und unter Leitung des Oberbaudirektors Dr. Durm ausgeführt. An der Ausſtattung des Innern und der Faſſaden nach der Waldſtraße und dem Schloßplatz beteiligte ſich eine größere Zahl hieſiger Künſtler. Gleichzeitig wurde in ſämtlichen Räumen der Kunſthalle eine Dampfheizung eingerichtet.— Auf Ge— meindekoſten wurde im Jahre 1889 ein Atelierhaus in der ſüd— lichen Ecke der Bismarck- und Weſtendſtraße nach den Plänen des ) Über dieſe Bauten und ihre Einrichtung vgl, Chronik der Haupt⸗ und Reſidenzſtadt Karlsruhe im Jahre 1899 S. 48—53. — öU J061 uaſpaaqahqv Avjckssiatounz uiw auaafvuaiaajurtuc auyrvuialhgh — 669— Oberbaurats Lang erbaut und an das Miniſterium der Juſtiz, des Kultus und Unterrichts vermietet. Um auch Räumlichkeiten für die Malerinnenſchule zu gewinnen, wurde mit Zuſtimmung des Bürger— ausſchuſſes auf die urſprünglich vorgeſehenen drei Stockwerke mit 29 Künſtlerwerkſtätten ein viertes aufgeſetzt. Ein weiteres Atelier— haus wurde im Jahre 1898 von der Generalintendanz der Großh— Civilliſte in der Hoffſtraße erbaut und ebenfalls an das Miniſterium vermietet. Im Jahre 1886 genehmigte der Landtag den Betrag von 300000 Mk. für den Neubau einer Kunſtgewerbeſchule und Stadtrat und Bürgerausſchuß erklärten ſich zur Zahlung von 39 500 Mk. für den von der Hofdomäne zu erwerbenden Bauplatz in der ver— längerten Weſtendſtraße bereit. Im Herbſt 1889 wurde das nach den Plänen von Baudirektor Dr. Durm aufgeführte Gebäude voll⸗ endet und mit Beginn des Schuljahres 1889/90 bezogen. Die Mitte des Inneren des mit allen vier Fronten freiliegenden Baues nimmt ein großer Lichthof ein, der von ſäulengetragenen Umgängen umgeben iſt. In drei Stockwerken befinden ſich Zeichen- und Lehrſäle, im Erdgeſchoß das Bildhaueratelier und die Ateliers für den Modell— unterricht, im Kellergeſchoß das Laboratorium für die Ziſeleure und die Gypsformerei.— Für den Neubau einer Baugewerkſchule bewilligte im Jahre 1888 der Landtag 250000, die Stadtgemeinde 30000 Mk. Das Gebäude wurde auf dem nördlichen Teil des Turnplatzes in der damals Mühlburger Allee genannten, ſpäteren Moltkeſtraße nach den Plänen des Direktors der Anſtalt, Baurat Kircher, aufgeführt und im Jahre 1900 erweitert.— Im Jahre 1892 wurde für das Großherzogliche Konſervatorium für Muſik in der Sofienſtraße ein Neubau errichtet und am 20. Oktober 1893 feierlich eingeweiht. III. Militäriſche Gebände. Imn Jahre 1875 wurde das Gebäude des Generalkom— mandos des XIV. Armeekorps in der Bismarckſtraße, noch heute im Volksmunde nach dem erſten kommandierenden General dieſes Korps das„Werderpalais“ genannt, vollendet. Der Bau des Ka— dettenhauſes in der Moltkeſtraße, für welches im Jahre 1888 die erſten Abſteckungen vorgenommen wurden, im Jahre 1889 be— 139 i E.—— —* 670 gonnen, erreichte 1891 ſeine Vollendung.— Wie für dieſes, be— gannen auch für den Bau der neuen Dragonerkaſerne an der Kaiſerallee die erſten Vorarbeiten im Jahre 1888, aber erſt 1898 konnte derſelbe bezogen und die alte Kaſerne in der öſtlichen Kaiſer— ſtraße abgebrochen werden.— Mit dem Bau der neuen Grenadier— kaſerne an der Moltkeſtraße wurde 1895 begonnen, er wurde 1896 vollendet, die alte Infanteriekaſerne in der Kaiſerſtraße wurde— der letzte Reſt derſelben im Jahre 1901— abgebrochen. IV. Kirchliche Bauten. Die Errichtung einer evangeliſchen Kirche im Bahnhof— ſtadtteil beſchäftigte im Jahre 1885 die Organe der evangeliſchen Kirchengemeinde. Die Kirchengemeindeverſammlung genehmigte ein⸗ ſtimmig am 6. Mai die Anträge des Kirchengemeinderates wegen der Erhebung einer freiwilligen Kirchenumlage für dieſen Bau, die Aus⸗ arbeitung eines Bauplanes wurde alsbald in Angriff genommen und Erbgroßherzog und Erbgroßherzogin ſtifteten für die zu erbauende Kirche zur Erinnerung an ihre Vermählung ein Glockengeläute. Unter Leitung des Baurats Diemer wurde im Jahre 1886 der Bau begonnen. Die feierliche Grundſteinlegung fand am 28. April 1887 in Gegenwart des Großherzogs, der Großherzogin, der Kronprinzeſſin von Schweden und Norwegen und des Prinzen Karl ſtatt, und am 11. April 1889 wurde die neue Kirche feierlich eingeweiht. Dem Weiheakt wohnten Prinz Karl und Prinzeſſin Wilhelm mit ihrer Tochter Prinzeſſin Marie, ſowie Vertreter der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden bei.— Auf einem vom Großherzog der evangeliſchen Kirchengemeinde geſchenkten Platze an der Weſtendſtraße vor dem Mühlburger Tore wurde in den Jahren 1897 bis 1900 nach den Plänen der Architekten Curjel und Moſer die evangeliſche Chriſtus— kirche erbaut und am 14. Oktober 1900 in Anweſenheit des Groß— herzogs, der Großherzogin und der Prinzeſſin Wilhelm ſowie der Spitzen der Civil- und Militärbehörden, der Vertreter der Stadt und der Geiſtlichkeit feierlich eingeweiht. Im Faſanengarten, nahe dem Kloſterweg(ſo genannt weil er ehedem nach dem Kloſter Gottesaue geführt hatte), wurde in den Jahren 1889 bis 1896 von dem Architekten H. Hemberger in gotiſchem Stil aus rohem Sandſtein des Maintales eine fürſtliche Grabkapelle erbaut und am 6681 uathaaqasqv augafvyhaauaüvag ayv Abend des 29. Juni 1896 in Gegenwart der geſamten großherzog— lichen Familie kirchlich eingeweiht. Im Stadtteil Mühlburg wurde am 29. Juni 1884 zu einer neuen katholiſchen Kirche, welche die heil. Petrus und Paulus zu Patronen habeu ſollte, der Grundſtein gelegt. Der Bau erfolgte aus Mitteln des aus milden Beiträgen zuſammengekommenen Kapellen— fonds und wurde unter Leitung und nach Plänen des Baurats Williard im Jahre 1886 vollendet, ſo daß am Weihnachtfeſt dieſes Jahres der erſte Gottesdienſt ſtattfinden konnte. Die feierliche Ein— weihung durch den Erzbiſchof von Freiburg Dr. Roos konnte jedoch erſt am 10. Mai 1889 ſtattfinden. Auch im Bahnhofſtadtteil wurde nach den Plänen des Architekten Schmidt eine neue katholiſche Kirche, die Liebfrauenkirche, erbaut, im Jahre 1891 vollendet, am 9. Dezember dem gottesdienſtlichen Gebrauche übergeben und am 16. Oktober 1892 vom Erzbiſchof Dr. Roos eingeweiht. Dem an den Weiheakt an⸗ ſchließenden Hochamt wohnten der Großherzog, die Großherzogin, ſo⸗ wie die Vertreter der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden bei.— Im Laufe des Jahres 1881 hatte ſich die dringende Notwendigkeit einer eingehenden Reſtauration der katholiſchen Stadtpfarrkir ch e ergeben. Zu Beginn des Jahres 1882 war in Folge der Aufführung der insbeſondere auch zu den Arbeiten in der Kuppel der Kirche er— forderlichen Gerüſte, die Abhaltung des Gottesdienſtes in der Kirche nicht mehr möglich und das Stadtpfarramt ſuchte daher beim Stadt⸗ rat um Überlaſſung der zu Zwecken der Landwirtſchafts- und Garten— bauausſtellung auf dem Feſthalleplatz errichteten Gebäudes nach, um darin während einiger Zeit an Sonn- und Feſttagen Gottesdienſt ab⸗ zuhalten. Der Stadtrat entſprach in ſeiner Sitzung vom 5 Januar 1882 dieſem Erſuchen und das Gebäude wurde in entſprechender Weiſe zu einer Notkirche umgeſtaltet. Am 8. September war die Reſtauration der Stadtpfarrkirche ſo weit vollendet, daß der erſte Gottesdienſt wieder in derſelben ſtattfinden konnte. Die Wiederherſtellungsarbeiten erfolgten nach den Entwürfen und unter Leitung des Fürſtlich Fürſten— bergiſchen Hofbaumeiſters zu Donaueſchingen, Adalbert Kerler, die Dekorationsarbeiten wurden von Maler Braſch gefertigt, die Kanzel hatte die Firma Ziegler und Weber hergeſtellt. Bis zum Jahres⸗ ſchluß waren auch die Renovierungsarbeiten am Nußern der Kirche in der Hauptſache vollendet.— Im Jahre 1898 wurde für die Katho— — liken der Weſtſtadt zunächſt eine Notkirche erbaut und dem heil. Bonifaz geweiht, dem Patron der Kirche, die ſpäter, wenn die Mittel dazu vorhanden ſein werden, in dieſem Stadtteil erbaut werden ſoll. Der Holzfachwerkbau wurde in vier Monaten auf einem an die Goethe- und Sofienſtraße anſtoßenden Platze aufgeführt und am 4. Dezember 1898 eingeweiht.— Der Bau einer neuen katholiſchen Kirche, zu deren Patron Markgraf Bernhard der Selige von Baden beſtimmt war, wurde im Jahre 1895 auf einem der katholiſchen Kirchengemeinde vom Großherzog geſchenkten Platze an der Durlacher Allee und Karl Wilhelmſtraße begonnen, der Plan zu dieſem gotiſchen Prachtbau war von dem erzbiſchöflichen Baudirektor Merkel entworfen, der auch den Bau leitete. Am 29. Juni 1896 fand die feierliche Grundſteinlegung in Gegenwart des Großherzogs, der Großherzogin, der Erbgroßherzogin, des Prinzen und der Prinzeſſin Wilhelm durch den Weihbiſchof Dr. Knecht aus Freiburg ſtatt. Der Bau der Bernharduskirche wurde erſt im Jahre 1901 vollendet. Der Bau der altkatholiſchen Kirche nebſt Pfarrhaus im Hardtwaldſtadtteil, wozu ebenfalls der Großherzog den Bauplatz ſchenkte, wurde in den Jahren 1895—97 von Oberbaurat Profeſſor K. Schäfer in frühgotiſchem Stil ausgeführt. Der altkatholiſche Biſchot Weber aus Bonn nahm am 8. Juni 1897 die Einweihung vor. Vertreter des Großherzogs, der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Be— hörden, der evangeliſchen Geiſtlichkeit und viele aus Anlaß der an dieſem Tage hier verſammelten Altkatholikenſynode anweſende Geiſt— liche wohnten der Einweihung bei. Am 11. November 1900 wurde die in der Karlſtraße neuer— baute Kirche der Karlsruher Methodiſtengemeinde feierlich ein- geweiht. Den„Friedenskirche“ genannten Bau leiteten die Archi— tekten Billing und Mallebrein. V. Privatbauten. Immer reger geſtaltete ſich auch die Privatbautätigkeit, unter anderem durch Erbauung einer Reihe ſtattlicher Häuſer, worunter mehrere Gaſthöfe, gegenüber dem Bahnhofe. Immer häufiger wurden beſonders in der öſtlichen Kaiſerſtraße und in anderen Straßen der Altſtadt die kleinen altkarlsruher Wohnhäuſer abgebrochen, um mo⸗ dernen Bauten Platz zu machen. Die vermehrte Bauluſt veranlaßte — 678 im Jahre 1886 den Beſchluß des Bürgerausſchuſſes, fortan Bau⸗ prämien nur noch für Neubauten in der Kaiſerſtraße zu gewähren, und dieſe Bewilligung wurde im Jahre 1887 auf ſolche Bauten be— ſchränkt, für welche noch im Laufe dieſes Jahres die Pläue vorgelegt und auch die Inaugriffnahme im Jahre 1888 in Ausſicht genommen wurden. Die Folge war, daß gleichzeitig eine ungewöhnlich große Zahl von Neubauten in der Kaiſerſtraße entſtand. Den Geſamteindruck der Kaiſerallee beeinträchtigte einiger— maßen die Einhaltung der Bauflucht des Gasdirektionsgebäudes, das unmittelbar an den ſüdlichen Gehweg geſtellt worden war. Denn in dieſer Baulinie wurde die lange Häuſerreihe errichtet, welche eine faſt ununterbrochene Verbindung zwiſchen der Altſtadt und dem Stadtteil Mühlburg bildet. Dagegen wurde bei der im Jahre 1886 erfolgten Feſtſtellung der Bauflucht auf der Nordſeite der Kaiſerallee der Gehweg um 5 m verbreitert und mit einer zweiten Baumreihe bepflanzt; daran anſchließend wurde eine zweite 7 m breite Fahrſtraße mit einem ſchmaleren Gehwege in der Richtung nach den Häuſern hin in Aus— ſicht genommen.— Im weiteren Verlaufe der Ausdehnung der Stadt und der damit verbundenen Vermehrung der Wohnhäuſer er— hoben ſich bald in den neu eröffneten Bauquartieren nach Oſten, Süden und Weſten Privatbauten, die ſich durch das dabei verwendete Baumaterial wie durch die verſchiedenen, in den letzten Jahren auch der allermodernſten Richtung angehörigen Stilarten ſehr weſentlich von der früher in der badiſchen Haupt- und Reſidenzſtadt üblichen Bauweiſe unterſchieden.) Das Gebäude der Verſorgungsanſtalt am Ludwigsplatz erhielt im Jahre 1875 durch den Aufbau eines dritten Stockwerkes und durch die reiche architektoniſche Ausſtattung der abgeſtumpften Ecke an der Wald- und Amalienſtraße ein recht ſtattliches Anſehen. Den Plan zu dieſer baulichen Umgeſtaltung ent— warf Baurat Kerler, die Bildhauerarbeiten wurden nach dem Ent— wurfe des Profeſſors Volz in der Werkſtatt des Bildhauers Binz ausgeführt. Im Oktober 1898 verließ die Anſtalt ihr langjähriges Heim und ſiedelte nach dem neuen Anſtaltsgebäude vor dem Mühl⸗ ) Es können hier nur die durch ihre Beſtimmung oder durch Größe und beſonders hervorragende Durchbildung der Faſſaden ausgezeichneten Bauten aufgeführt, auf eine Vollſtändigkeit in der Aufzählung der bemerkenswerten Privatbauten muß jedoch verzichtet werden. 43 burger Tor über, mit deſſen Bau im Jahre 1896 begonnen worden war. Dieſer wurde nach den Plänen und unter der Oberleitung des Baurats Profeſſor Adolf Hanſer ausgeführt. Am 19. Oktober wurde das neue Haus mit einer Feſtfeier eröffnet.— Der im Jahre 1876 begonnene und 1877 zum Abſchluß gebrachte Bau des Hotel Germania war ſeit mehreren Jahren geplant, nicht ohne Schwierigkeiten vollendet worden und konnte nun dem Betrieb über— geben werden. Schon im Jahre 1873, als durch den Abbruch des Weinbrenner'- ſchen Hauſes neben dem Platze, wo das Ettlingertor geſtanden, ein an der Linden- und Karl-Friedrichſtraße gelegener Eckplatz verfügbar wurde, war im Schoße des gemeinnützigen Vereins die Frage der Erbauung eines Hotels erſten Ranges an dieſer Stelle mehrfach er— örtert worden, und Baurat Lang hatte hiefür einen Bauplan ausge— arbeitet. Die von Oberbürgermeiſter Lauter unternommenen Verſuche, zur Übernahme des Baues eines ſolchen großen Gaſthofes eine ge— eignete Perſönlichkeit zu gewinnen, waren indes erfolglos geblieben, bis ſich endlich der bemittelte Architekt v. Schmädel in München, unter der Vorausſetzung der Bewilligung einer erheblichen Unter— ſtützung ſeitens der Stadt dazu bereit erklänrte und den von Baurat Lang ausgearbeiteten Plan in allem Weſentlichen adoptierte. Mit ihm ſchloß Oberbürgermeiſter Lauter am 30. Oktober 1875 einen Vertrag ab, der in der Sitzung des Bürgerausſchuſſes vom 5. No— vember 1875 zur Genehmigung vorgelegt wurde. Dem Stadtver— ordnetenvorſtand ſchien aber die Angelegenheit noch nicht genug geklärt, und es wurde daher von ihm zunächſt eine Vertagung bean— tragt, um die inzwiſchen noch zu vervollſtändigenden Vorlagen ein— gehend prüfen zu können. Dieſer Antrag fand die Zuſtimmung des Bürgerausſchuſſes. In der Sitzung vom 9. November wurde ſodann die Beratung wieder aufgenommen und der Vertrag mit einer Anzahl von Abänderungen nach längerer Verhandlung ſchließlich einſtimmig angenommen. Die Einzelheiten der Verhandlung übergehend, ſei hier nur erwähnt, daß ſich die Beihilfe der Stadt, abgeſehen von dem Nachlaß der unmittelbaren allgemeinen ſtädtiſchen Umlogen auf die erſten 5 Jahre des Betriebes, der unentgeltlichen Abgabe von Waſſer aus der ſtädtiſchen Waſſerleitung und der Ermäßigung des Gaspreiſes auf die erſten 3 Jahre des Betriebes ſowie der Zuſage der billigen ieee — Beſchaffung des Baukapitals aus der ſtädtiſchen Leihhaus- und Er⸗ ſparniskaſſe und der ſtädtiſchen Hypothekenbank nebſt der Zuerkennung der Bauprämie von 25 fl. für den laufenden Fuß Frontlänge, auf den Nachlaß der Bauzinſen und die Übernahme von ½ 9% Zinſen für einen Teil des Baukaupitals beſchränkte. In der Annahme, daß ſich der gerichtliche Schätzungswert des vollendeten Baues einſchließlich des Bauplatzes auf etwa 240000 fl. belaufen und daß die zu er— laſſenden Bauzinſen etwa 7000 fl. und die Zinſen zu /9 von 120000 fl. während 10 Jahren 3000 fl. betragen würden, wurde die Beihilfe der Stadt auf etwa 10000 fl. angeſchlagen, und man war allſeitig einverſtanden, daß ein ſolcher Betrag nebſt den übrigen oben erwähnten Zugeſtändniſſen kein zu großes Opfer ſei, das für die läugſt erwünſchte Erbauung eines großen Gaſthofes gebracht werde. Der Erbauer des Hotel Germania war jedoch in Folge von Un— zulänglichkeit ſeiner Mittel nicht in der Lage, die Gläubiger des Hotels bezüglich ihrer Forderungen für Bau, Einrichtung und Be— trieb desſelben vollſtändig zu befriedigen und mußte, nachdem der Verſuch, für Ankauf und Betrieb des Hotels eine Aktiengeſellſchaft zu bilden, nicht gelungen war, den Konkurs anmelden. Bei der am 14. März 1879 ſtattgehabten Verſteigerung des Hotel Germania wurde dieſes der erſten Unterpfandsgläubigerin, der Leihhaus- und Erſparniskaſſe in Karlsruhe, um den Preis von 460000 Mk. zugeſchlagen. Gleichzeitig wurden auch diejenigen Einrichtungsgegen— ſtände erworben, welche von dem Gantrichter als verliegenſchaftet erklärt worden waren und einen Schätzungswert von 23073 Mk. 40 Pf. darſtellten. Den weſentlichen Teil der Hoteleinrichtung, der ſich im Eigentum eines Gläubigerconſortiums befand, im Schätzungs— wert von 130098 Mk. 17 Pf., erwarb die gleiche Kaſſe um den Preis von 120000 Mk. Wie dieſe Ankäufe der Leihhaus- und Er⸗ ſparniskaſſe wurde auch der Verkauf des Hotel Germania durch dieſe Kaſſe um den Preis von 550000 Mk. und die Vermietung der Ein— richtungsgegenſtände um einen Mietzins von jährlich 5250 Mk. auf die Dauer von 15 Jahren an Herrn Joſef Leers vom Bürgeraus⸗ ſchuß genehmigt. Im Jahre 1878 ließ Graf Douglas an der Ecke der Stefanien-, Hirſch- und Akademieſtraße ein Palais erbauen, das auf Grund des Ergebniſſes eines engeren Wettbewerbes unter 43* — 676— drei Architekten nach dem Entwurfe des Bauinſpektors Dyckerhoff in Mannheim ausgeführt wurde.— Im Jahr 1879 wurde das ſtattlihe Wohnhaus des Dr. Albert Bürcklin in der Kriegſtraße vollendet. Die Pläne zu dieſem villaartigen Gebäude mit vornehmem Außenſchmuck und geſchmackvoll feiner Ausſtattung wurden von Baurat Durm entworfen, der auch den Bau leitete. Im Jahr 1900 wurde dieſer Bau unter Leitung des gleichen hervorragenden Architekten bedeutend erweitert. Der urſprüngliche Bau iſt, wie dieſer Zubau, im Stile edler italieniſcher Renaiſſance ausgeführt; der ge— ſamte Gebäudecomplex gehört zu den bedeutendſten Sehenswürdigkeiten der Reſidenzſtadt. Beſonders die maleriſche Dispoſition der ver— ſchiedenen Baugruppen ſowie der von den namhafteſten Bildhauern Karlsruhes herrührende reiche plaſtiſche Schmuck erregt allgemeine Bewunderung.— Zu den hervorragendſten Privatgebäuden gehört das im Jahre 1880 erbaute Geſchäftshaus der Firma S. Model an der Ecke der Kaiſer- und Lammſtraße, deſſen Schaufenſter und Beleuchtungseinrichtungen in jener noch weniger luxuriöſen Zeit all— gemein bewundert wurden.— Lebhaft begrüßt wurde im gleichen Jahre die Nachricht, daß der aus Breslau nach ſeiner Vaterſtadt Karlsruhe überſiedelte Bankier Auguſt Schmieder ſieben Bau— plätze vom öſtlichen Teile des ehemals Langenſteiniſchen Gartens käuflich erworben habe, um darauf ein großes und prächtig aus— geſtattetes Wohnhaus, nach den Plänen des Baurats Durm, im italieniſchen Renaiſſanceſtil erbauen zu laſſen. Nach Ablauf von zwei Jahren war der ſtattliche und ſchöne Neubau vollendet, welchem eine großartige Geſamtwirkung, eine tadelloſe Behandlung im Ein— zelnen und eine von jedem Standpunkt des Beſchauers aus ein ryth— miſches Bild gewährende Gruppierung des Gebäudekomplexes nach— gerühmt wird, ebenſo wie die vortrefflichen, durch Profeſſor A. Heer ausgeführten Bildhauerarbeiten einen hier an Privatbauten noch nie geſehenen figuralen Schmuck der Faſſaden bilden. Von den im Jahre 1886 entſtandenen Privatbauten verdient der Neubau der Firma M. Reutlinger u. Cie. beſondere Erwähnung. Im Jahre 1887 wurden das an Stelle des Gebäudekomplexes hinter dem Rathaus durch Architekt Hermann errichtete Café Bauer und die Kaiſerpaſſage, deren bauliche Herſtellung der Architekt G. Ziegler leitete, aufgeführt; die Bildhauerarbeiten an dem Ein— —— gangsportal in der Kaiſerſtraße wurden, zum Teil nach Modellen von Profeſſor A. Heer, durch Bildhauer Binz hergeſtellt. Von den Bauten des Jahres 1888 iſt beſonders das von Maler G. A. Lepper zwiſchen Kaiſerſtraße, Kaiſerpaſſage, Akademie— und Karlſtraße errichtete Friedrichsbad mit Dampfheizung, künſtlicher Ventilation und elektriſcher Beleuchtung zu erwähnen. Die Badanſtalt enthält 30 Badezellen und das erſte in Karlsruhe errichtete Schwimmbad. Der von Baurat Profeſſor Weinbrenner geleitete Bau der Vereinsklinik des Badiſchen Frauenvereins an der Kaiſerallee, der im Jahre 1885 begonnen worden war, wurde im Jahre 1889 vollendet, konnte jedoch erſt im Frühjahr 1890 bezogen werden. Zur Erinnerung an den verewigten Prinzen Ludwig Wilhelm erhielt er den Namen Ludwig Wilhelm-Krankenheim. In den nächſten Jahren wurden noch zur Ausführung gebracht der Neubau der Filiale der Rheiniſchen Kreditbank in der Waldſtraße nach den Plänen von Baurat Hanſer, hinter dem Ludwig-Wilhelm-Krankenheim der Friedrichsbau, welcher Räume zur Aufnahme von gynäkologiſchen Kranken und einer Anzahl Schweſtern, einen Verſammlungsſaal der Schweſtern, ſowie eine Wäſche- und Desinfektionsanſtalt enthält. Im Jahre 1900 erbaute Profeſſor Ratzel das neue Heim des Kunſtvereins, deſſen Faſſade eines der zierlichſten Werke der Karlsruher Architektur iſt. Von Geſchäfts- und Wohngebäuden erwähnen wir aus den letzten Jahren das fünfſtöckige Geſchäft- und Wohngebäude von Emil und Karl Büchle, die Neubauten für das Wollwarengeſchäft der Firma Weiß und Kölſch, die Teppich-, Wachstuch- und Möbelſtoffhand⸗ lung der Gebrüder Sexauer in der Kaiſerſtraße und den Neubau der Firma Leipheimer und Mende in der Kaiſerſtraße. V. Statiſtiſches“). Nach einer am Schluſſe des Jahres 1877 gemachten Zuſammen— ſtellung betrug damals die Zahl der Gebäude in der Stadt ) Wir müſſen uns an die Mitteilungen in der ſeit 1885 veröffentlichten Chronik der Stadt Karlsruhe halten, nur die Zuſammenſtellung für 1877 iſt den Karlsruher Nachrichten entnommen. 678 Karlsruhe 9295, worunter 3495 in Stein, 4061 in Steinriegel, 1739 in Holz erbaut; die Verſicherungsſumme für dieſe Gebäude betrug 74691080 Mk., jene des Gebäudefünftels 10 569 351 Mk. Zwanzig Jahre früher, im Jahre 1857 zählte Karlsruhe nur 4943 Gebäude, davon 1228 in Stein, 1458 in Steinriegel, 2257 in Holz erbaut, im Geſamtverſicherungswert von 20275700 Mk., während das Gebäudefünftel einen Wert von 975 650 Mk. darſtellte. Dieſe Zahlen allein ſprechen laut für den Aufſchwung der Reſidenzſtadt in dieſem verhältnismäßig kurzen Zeitabſchnitt. Und bald ſollte dieſer ſich noch viel bedeutender geſtalten. In den Jahren 1885—1900 wurden rund 1780 Wohngebäude (ohne ſelbſtändige Seiten- und Hintergebäude) aufgeführt. Die größte Zahl dieſer Neubauten beträgt 176, die niederſte 48 in einem Jahre. Ein ſehr lebhafter Zug, wie er wohl ſeit Mitte der 1870er Jahre kaum wieder einmal beobachtet worden war, kam im Jahr 1887 in die Bautätigkeit. Den Grund dazu erblickte man im billigen Geld, in dem bevorſtehenden Aufhören der Bauprämie, von der noch, ſo lange ſie bewilligt wurde, möglichſt viele Bauluſtige Gebrauch machen wollten.— Im Jahre 1889 wurde als ein Übelſtand im Bau— gewerbe das ſogenannte Gegenarbeitsſyſtem bezeichnet, durch welches Baugewerbetreibende, die einmal angefangen haben,„auf Gegenarbeit“ Spekulationsbau zu treiben, gezwungen wurden, immer wieder zu bauen, weil ſie für das, was ſie ſelbſt einem Dritten liefern, keine bare Zahlung, ſondern nur Gegenarbeit verlangen können. Das ſolide Geſchäft mußte wohl darunter leiden, jedoch wurde angenommen, daß der Anreiz zu dieſem Syſtem bei kleinen Geſchäftsleuten, die dabei auch wohl ſchlechte Erfahrungen gemacht hatten, bereits aufgehört habe.— Im Jahre 1890 ſtand die Bautätigkeit gegen jene des Jahres 1889 wieder etwas zurück, was den immer ſchwieriger ſich geſtaltenden Arbeitsverhältniſſen ſowie dem Umſtand zugeſchrieben wurde, daß in den vorausgehenden Jahren teilweiſe weit über Be— darf gebaut worden war.— Im Jahre 1893 zeigte ſich wieder eine regere Bauluſt als in den letzten Jahren.— Auf Antrag des Stadt— rates wurde durch ortspolizeiliche Vorſchrift im Jahre 1895 in den neueren Stadtteilen(Weſt-, Süd- und Oſtſtadt) die offene Bauweiſe vorgeſchrieben. Dadurch wurde erreicht, daß jedes Vordergebäude und die daran anſchließenden Gebäudeflügel nach allen Nachbarſeiten 679 hin mindeſtens 6 Meter von benachbarten Gebäuden und mindeſteus 3 Meter von der Nachbargrenze abſtehen mußten. Der freie Raum zwiſchen den Vordergebäuden, ſoweit er nicht als Eingang oder Ein— fahrt erforderlich iſt, muß als Garten angelegt und unterhalten werden. Gruppenbauten bis zu einer Frontlänge von 35 Meter ſind zu— läſſig. Die Vordergebäude, einſchließlich des Erdgeſchoſſes und des Manſardenſtockes dürfen nicht mehr als 3 Stockwerke erhalten. Im Jahre 1893 hatte der Stadtrat beſchloſſen, über den ge— ſundheitlichen Zuſtand der Wohnungen der minder wohlhabenden Be— völkerung der Stadt Erhebungen anzuſtellen. Über die Ergebniſſe dieſer Unterſuchung erſchien ein Bericht im Jahre 1895. In der Durlacherſtraße, Faſanenſtraße, Klauprechtſtraße, Markgrafenſtraße, Schützenſtraße, Schwanenſtraße und Waldhornſtraße wurden im Ganzen 313 bebaute Grundſtücke mit 1666 Wohnungen(darunter 1489 Mietwohnungen) und 7540 Bewohnern in die Unterſuchung ein— bezogen. Das Ergebnis derſelben war, daß„ein eigentliches Wohnungs— elend, wie es ſich in großen Städten ſo ſchreiend geltend macht,“ in den unterſuchten Straßen nicht feſtgeſtellt werden konnte, eigent— liche Kellerwohnungen kamen nicht vor. Als beſondere Mißſtände, welche auf allgemeinere Urſachen zurückzuführen ſind, wurden in dem Bericht bezeichnet: eine zu große Zahl von Wohnungen in einem und demſelben Hauſe, zu dichte und zu hohe Bebauung, und in deren Gefolge vielfacher Mangel an Luft und Licht, Übervölkerung, ins⸗ beſondere der kleinſten Wohnungen und engſten Räume, zu hoher Preis gerade der kleinſten Wohnungen, ſowie zu kurze Mietsdauer und zu häufiger Wohnungswechſel. Zur Beſeitigung dieſer Übel— ſtände wurden verſchiedene Vorſchläge gemacht, von denen einer, der die Errichtung guter Wohnungen für die Arbeiter in's Auge gefaßt hatte, den meiſten Anklang fand und, wie von der Stadtverwaltung, ſo auch von manchen größeren Arbeitgebern zur Ausführung kam. Im Jahre 1896 erfuhr die private Bautätigkeit wieder eine bedeutende Steigerung gegen das Vorjahr. Die Zahl der Bau— unternehmungen war die höchſte ſeit Gründung der Stadt. Man konnte einen Zuwachs von 582 Wohnungen verzeichnen, der ſich durch den Neubau von 96 Vorder- und 38 Hinterhäuſern ergab. Dieſe entſtanden zum größten Teil in der Gegend vor dem ehemaligen Durlachertor und im Bahnhofſtadtteil. Den Bedarf an kleineren ä Wohnungen erklärte die ſtädtiſche Baukontrole vorläufig für gedeckt. Dagegen trat nun das Bedürfnis für größere Wohnungen und Häuſer zum Alleinbewohnen in den Vordergrund und dieſem gegenüber der Mangel an geeignetem Baugelände in genügender Anzahl. In Folge davon erzielten die Bauplätze zwiſchen Weſtend- und Riefſtahlſtraße außergewöhnlich hohe Preiſe und trat in der zweiten Jahreshälfte allenthalben eine Steigerung der Miete beſſerer Wohnungen ein. Noch ſtärker zeigte ſich die Bauluſt im Jahre 1897. Man ver— zeichnete einen Zuwachs von 889 Wohnungen, den Neubau von 146 en und 33 ſelbſtändigen Hinter- und Seitengebäuden. Das Baugelände, auf dem dieſe Neubauten entſtanden, verteilte ſich ziemlich gleichmäßig auf die verſchiedenen Teile der Außenſtadt. Be⸗ züglich der Baudichtigkeit wurde feſtgeſtellt, daß bei rund 69 641 Quadratmeter Baugelände etwa 37570 Quadratmeter oder wenig mehr als die Hälfte der betreffenden Grundſtücksflächen überbaut wurden. Im Gebiete der offenen Bauweiſe wurden 27 Wohngebäude erbaut. Das Jahr 1898 übertraf das Vorjahr wiederum durch größere Bautätigkeit. Es ergab ſich ein Zuwachs von 896 Wohnungen. 160 Vorderhäuſer und 32 ſelbſtändige Hinter- und Seitengebäude wurden erbaut. In dieſem Jahre trat eine neue ſtädtiſche Bauord— nung in Kraft. Dieſe teilte u. a. die Gemarkung der Stadt in vier Bauzonen, für welche von einander abweichende Beſtimmungen hin— 9 der geſtatteten Gebäudehöhe, der Zahl der Stockwerke, des Maßes der zuläſſigen Bebauung, der der Ab⸗ ſtände der Fenſterwände von den Nachbarhäuſern u. ſ. w. Geltung erhielten. Im Jahre 1899 betrug die Zahl der neu hergeſtellten Woh— nungen 1002. 176 Vorderhäuſer und 37 ſelbſtändige Hinter- und Seitengebäude wurden erbaut, demnach abermals mehr als im Vo jahre. Dagegen erreichte die private Bautätigkeit im Jahre 1900 an Umfang nicht ganz jene von 1898 und 1899. Es wurden nur 144 Vorderhäuſer und 28 ſelbſtändige Seiten- und Hintergebäude erbaut. Doch betrug die Zahl der neu hergeſtellten Wohnungen 1213. Von dieſen Zahlen iſt jährlich eine wechſelnd große Quote in Abzug zu bringen in Folge des Abbruchs von Häuſern, durch welchen jeweils eine Anzahl älterer Wohnungen in Wegfall kam. Die Gemeindeverwaltung. Tätigkeit ihrer Organe. Der Stadtrat hielt im Jahre 1874: 58, 1879: 60, 1884: 55, 1890: 57, 1895: 52, 1899: 56, 1900: 51 Sitzungen ab, nur im Jahre 1888 erreicht die Zahl der Sitzungen die Ziffer 61. Die Zahl der in dieſen Sitzungen behandelten Gegenſtände iſt nur aus den zwei letzten Jahren bekannt: 1899 waren es 3215, 1900: 3007. Die Zahl der Sitzungen des Bürgerausſchuſſes bewegt ſich zwiſchen 6 und 9, die Zahl der behandelten Gegenſtände zwiſchen 29 und 73. Die ſtädtiſchen Kommiſſionen hielten zu allen Zeiten ſehr viele Sitzungen ab. Bei der öfteren Veränderung ihrer Zahl, Organiſation und Kompetenz, wie ſie ſich im Laufe der Zeit vollzog, iſt ihre Zahl in den einzelnen Jahren ſehr verſchieden. Die höchſte Ziffer mit 270 Sitzungen weiſt das Jahr 1885, die niedrigſte mit 108 Sitzungen das Jahr 1900 auf. Über alle dieſe Einzelheiten der unmittelbaren Verwaltung gibt die Chronik der Haupt- und Reſidenzſtadt Karls— ruhe von 1885—1900 eingehenden ziffermäßigen Aufſchluß, insbeſon— dere auch über die vielſeitige Tätigkeit des Bürgermeiſteramts, des gewerblichen Schiedsgerichts, des Standesamts und der einzelnen Kommiſſionen. Hier kann nur auf dieſe in vieler Beziehung lehr— reichen und intereſſanten Zuſammenſtellungen hingewieſen werden. Dauernde Einrichtungen auf dem Gebiete der ſtädtiſchen Ver— waltung, welche wichtigere Angelegenheiten betreffen, wurden durch Ortsſtatute geregelt. Dieſe, auf Grund von Beſtimmungen der Städteordnung beruhend, werden vom Stadtrat mit Zuſtimmung des Bürgerausſchuſſes beſchloſſen und bedürfen zu ihrer rechtskräftigen Gültigkeit der ſtaatlichen Genehmigung. Die gleiche Zuſtimmung und Genehmigung iſt zu jeder Abänderung der Ortsſtatute erforderlich— Für ſolche Materien, welche ihrer Natur nach öftere Veränderungen verlangen und in gewiſſen Beziehungen von wechſelnden, insbeſondere auch wirtſchaftlichen Verhältniſſen abhängen, ſah man, ſoweit dem keine geſetzliche Beſtimmung im Wege ſtand, von ihrer Ordnung durch 682 Ortsſtatute ab und ſtellte lediglich Grundſätze auf, nach denen hin— ſichtlich derſelben verfahren werden ſollte. Zur Erläuterung und für die Ausführung der Ortsſtatute wurden ſpezielle Verordnungen, Dienſt— weiſungen u. ſ. f. erlaſſen. Mehrere Ortsſtatute betreffen die perſönlichen Rechte und Pflichten der ſtädtiſchen Beamten. Am 21. Mai 1886 wurde die Stellvertretung des Oberbürger— meiſters und des Bürgermeiſters geregelt, durch einen Zuſatz vom 19. Oktober 1894 eine beſondere Beſtimmung für den Fall ihrer Stellvertretung als Gemeinderichter oder Schiedsmänner getroffen. Desgleichen wurden am 25. Juni 1883 Beſtimmungen über die Ernennung fürſorglicher Stellvertreter des regelmäßigen Standes— beamten hieſiger Stadt, am 12. Juli 1875 über die Tagesgebühren und Reiſekoſten der ſtädtiſchen Beamten erlaſſen und am 11. Juli 1899 zur Ergänzung der Gemeindegebührenordnung vom 31. Dezember 1896 abgeändert. Über die Anſtellungs- und Einkommensverhältniſſe der ſtädtiſchen Beamten wurden unter der Bezeichnung„Beamten— ſtatut“ im März 1898 vom Stadtrat Grundſätze aufgeſtellt. Die Zahl der ſtädtiſchen Beamten hatte im Jahre 1870 nur 60 betragen, welche zuſammen in feſtem Gehalt ein Einkommen von 57060 Mk., im Durchſchnitt von 951 Mk. bezogen. Die niedrige Ziffer des Durchſchnittsbetrages erklärt ſich daraus, daß viele Beamte noch dienſtliche Nebenbezüge hatten, welche bei deſſen Ermittlung nicht in Rechnung kamen. Die Zahl der Beamten erhöhte ſich bis 1875 auf 130 mit einem Geſamteinkommen in feſtem Gehalt von 147124 Mk. und einem durchſchnittlichen Gehalt von 1132 Mk., im Jahr 1880 ergeben ſich die Zahlen 142, 185 527, 1307; im Jahr 1888: 196, 302 858, 1545; nach Jahresfriſt(1889) 196, 312 710, 1595 Mk. Im März 1889 ergab ſich die Notwendigkeit, durch allgemeine Feſt— ſtellungen die Ruhege haltsverhältniſſe der ſtädtiſchen Angeſtellten ſyſtematiſch zu regeln. Der Bürgerausſchuß ſprach hierzu ſeine Zu— ſtimmung aus und es wurden nun vom Stadtrat allgemeine Grund— ſätze feſtgeſetzt, welche bei der Anſtellung ſtädtiſcher Beamten mit Ruhegehaltsberechtigung als maßgebend betrachtet werden ſollten?). 2 *) Chronik der Haupt- und Reſidenzſtadt Karlsruhe für das Jahr 1889 S. 20 ff. S. 2 4 4 4 — 68⏑ Dieſe Grundſätze wurden am 31. Mai im Bürgerausſchuſſe beraten und einſtimmig angenommen. Im Jahre 1890 wurde ſodann die ſchon im Vorjahre in Aus— ſicht genommene Gewährung von Verſorgungsgehalten an die Hinter— bliebenen ſtädtiſcher Beamten endgiltig geregelt. In der Sitzung des Bürgerausſchuſſes vom 25. September wurden die hiefür vom Stadtrat aufgeſtellten Grundſätze“) ebenfalls einſtimmig augenommen— Einen ſehr bedeutenden Schritt weiter machte die Gemeindever— waltung im Jahre 1891 durch Regelung der Einkommensverhältniſſe der ſtädtiſchen Beamten im Allgemeinen“). Die Erlaſſung einer Gehaltsordnung wurde zunächſt, nachdem dieſe Frage ſchon früher, im Kreiſe der Stadtverordneten mehrfach erörtert worden war, zu— erſt durch eine Kommiſſion des Stadtrats geprüft, welcher— unter dem Vorſitz des Bürgermeiſters Schnetzler— die Stadträte Himmel— heber, Hoffmann und Leichtlin und der Stadtverordnete Fieſer an— gehörten. Der von dieſer Kommiſſion ausgearbeitete und vom Stadt— rat nur in einigen unerheblichen Punkten abgeänderte Eutwurf wurde vom Bürgerausſchuß in der Sitzung vom 7. Dezember genehmigt. Das Jahr 1898 brachte endlich auch die Aufſtellung von Grund— ſätzen für die Ordnung der Dienſt- und Einkommensverhältniſſe der ſtädtiſchen Arbeiter mit Beſtimmungen über die Einſtellung der Arbeiter, über Arbeitslohn, Arbeitszeit, Arbeitsordnungen, Arbeiter— ausſchüſſe, den Arbeiterunterſtützungsfonds, die ſogenannten„ſtändigen Arbeiter“ 0 nicht minder über Ruhegehalte und Verſorgung der Hinter— bliebenen*). Dieſe Grundſätze wurden als„Arbeiterſtatut“ in der Sitzung 5 Bürgerausſchuffes vom 12. Dezember 1898 zum Be⸗ ſchluſſe erhoben. Vorausgegangen waren demſelben Statute der Aus— ſchüſſe der Arbeiter des ſtädtiſchen Tiefbauamts, Hochbauamts und Schlacht- und Viehhofs, ſowie der ſtädtiſchen Gas- und Waſſerwerke vom 13. Januar 1898. Dieſe enthalten Beſtimmungen über die Aufgaben der Arbeiterausſchüſſe, deren Zuſammenſetzung, die wahl— berechtigten Arbeitergruppen(Wählergruppen), das Wahlrecht der Arbeiter, das Wahlverfahren, die Art und Dauer des Mandats, die Chronik 1890 S. 15 **0 Chronik 1891 S. 14 ) Chronik 1898 S. 11 — Ausſchuß-Sitzungen und Protokolle, die Erledigung der Beſchlüſſe der Arbeiterausſchüſſe, endlich über die Geſamtvertretung der ſtädti— ſchen Arbeiterſchaft durch Vereinigung der beiden Arbeiterausſchüſſe in einer Plenarſitzung, deren Einberufung vom Stadtrate angeordnet, von den Vorſitzenden der beiden Arbeiterausſchüſſe gemeinſam be— ſchloſſen und von jedem Ausſchußmitglied beim Stadtrat beantragt werden kann. Mit Recht iſt von dieſen Statuten, insbeſondere von den Be— ſtimmungen der„Grundſätze“ über die ſtändigen Arbeiter in der Chronik der Haupt- und Reſidenzſtadt Karlsruhe(1898 S. 12) geſagt, daß ſie ſich„als eine ſozialpolitiſche Neuerung von bedeutender Tragweite darſtellen, zu gleicher Zeit aber auch in gewiſſem Sinne einen Abſchluß jener Beſtrebungen bilden, welche auf die Fürſorge für die im Dienſte der Stadt beſchäftigten Perſonen gerichtet und in verſchiedenen Beſchlüſſen des Bürgerausſchuſſes zum Ausdruck ge— kommen ſind.“ Es dürfte dieſen Worten noch beizufügen ſein, daß durch dieſe Statute die Verhältniſſe der ſtädtiſchen Beamten wie der ſtädtiſchen Arbeiter in allen weſentlichen Beziehungen auf abſehbare Zeit befriedigend geordnet ſind. Hiedurch haben ſich der Stadrat wie die Stadtverordneten, in erſter Reihe aber der Oberbürgermeiſter Schnetzler nicht nur um die zunächſt betroffenen Berufsgenoſſen, ſondern auch um das ganze ſtädtiſche Gemeinweſen ein bleibendes Verdienſt erworben. Die Gemeindeverwaltung fand hiebei eine namhafte Unterſtützung durch die im Jahre 1897 in's Leben gerufene ſtädtiſche ſoziale Fommiſſion. Dieſer gehören, außer dem Oberbürgermeiſter und den beiden Bürgermeiſtern, mehrere Stadträte und Stadtverordnete an, ferner die Vorſtände der ſtädtiſchen techniſchen Amter, der Direktor des ſtädtiſchen ſtatiſtiſchen Amtes und ein Stadtrechtsrat, dazu einige Privatperſonen, deren Mitarbeit an den Aufgaben der ſozialen Kom— miſſion mit Rückſicht auf ihre eigene Berufstätigkeit beſonders er— wünſcht erſcheint. Auch wird darauf gehalten, daß in der ſozialen Kommiſſion möglichſt alle politiſchen Parteien vertreten ſind. Die Sitzungen dieſer Kommiſſion finden nach Bedürfnis ſtatt. Aus dem reichen Programme, das dieſe Kommiſſion von ihrem Beſtehen an. bis zum Ende des Jahres 1900 erledigt hat, ſeien hier folgende Beratungsgegenſtände beſonders hervorgehoben: die Ordnung der 685 Dienſt- und Einkommensverhältniſſe der ſtädtiſchen Arbeiter(Arbeiter— ſtatut) und die Organiſation der ſtädtiſchen Arbeiterſchaft in Arbeiter— ausſchüſſen, die Ordnung der Dienſt- und Einkommensverhältniſſe der ſtädtiſchen Beamten(Beamtenſtatut), die Vornahme von Zählungen der Arbeitsloſen und von ſtädtiſchen Notſtandsarbeiten, die Feſtſetzung des ortsüblichen Taglohnes gewöhnlicher Tagearbeiter, die Verbindung eines Wohnungsnachweiſes mit der Arbeitsnachweisanſtalt, die Er— richtung von Volksleſehallen und die Einführung von Volkskonzerten, die Fragen der Wohnungsinſpektion und der Neuregelung des Sub— miſſionsweſens. Aber ſchon mehrere Jahre vor dieſe ſozialpolitiſchen Einrichtungen getroffen worden waren, am 11. Oktober 1892, hatte ein Ortsſtatut die Verwaltung des Arbeiterverſicherungsweſens geregelt. Sämtliche dem Stadtrat, beziehungsweiſe dem Bürgermeiſter bezüglich der Kranken-, Invaliditäts- und Alters-, ſowie der Unfallverſicherung zuſtehenden Rechte und obliegenden Pflichten wurden einer Kommiſſion, welche aus 7 vom Stadtrat ernannten Mitgliedern beſteht und den Namen„Stägdtiſche Arbeiterverſicherungskommiſſion“ führt, beziehungs⸗ weiſe deren Vorſitzenden übertragen. Dieſe Kommiſſion hat auch die Aufſicht über die Innungskrankenkaſſen zu führen, ſich über Satzungen und Leiſtungsfähigkeit der eingeſchriebenen Hilfskaſſen ſtets unter— richtet zu halten, welche hier ihren Sitz oder eine örtliche Verwaltungs⸗ ſtelle haben, die ambulatoriſche Klinik, ſowie die gemeinſame Melde— ſtelle, namentlich die periodiſche Reviſion des von derſelben zu führenden Kataſters zu leiten und zu beaufſichtigen und das Verhältnis zwiſchen der Stadtgemeinde und den Krankenkaſſen bezüglich der Mitbenützung ſtädtiſcher Räumlichkeiten und des ſtädtiſchen Perſonals zu regeln. Mit Inkrafttreten dieſes Ortsſtatutes wurde das Ortsſtatut vom 18. September 1884 über die Verwaltung des Krankenverſicherungs— geſetzes aufgehoben.— Hinſichtlich der Einholung von Urlaub, des Antritts von Dienſtreiſen und der Anzeige von Verhinde— rungen am Dienſte ſeitens der ſtädtiſchen Beamten waren am 19. Mai 1893 durch den Stadtrat Beſtimmungen getroffen worden. Weitere Ortsſtatute wurden über das Kaſſen- und Rech— nungsweſen und über die Grund- und Pfandbuchführung erlaſſen. Das erſtere beſtimmte die Zuſammenſetzung der Kaſſen- und Rechnungskommiſſion, deren Geſchäftsordnung und Wirkungskreis und 686— traf insbeſondere Beſtimmungen über die Aufbewahrung der Wert— papiere, das andere beſtimmte die Zuſammenſetzung, die Aufgaben und die Geſchäftsordnung der Gewähr- und Pfandgerichtskommiſſion, ſowie die Verwendung der gewähr- und pfandgerichtlichen Gebühren.— Auf Grund von Spezialgeſetzen wurden die Satzungen der ſtädtiſchen Spar- und Pfandleihkaſſe, einſchließlich der Schulſparkaſſe und der ſtädtiſchen Hypothekenbank feſtgeſtellt. Hierzu ergingen Dienſtweiſungen für den Schätzer, den Magazinier und den Kaſſen— diener, ſowie ein Dienſtausteiler für die Spar- und Pfandleihkaſſe und eine Hinterlegungsordnung.— Ein Ortsſtatut ſetzte eine eigene Kommiſſion zur Ausſtellung von Vermögenszeugniſſen ein. Über die Führung der Inventare der Stadtgemeinde wurden Vorſchriften erlaſſen, auch wurden zwei Inventurbehörden, deren Zahl bis auf drei erweitert werden kann, gebildet. Auch eine ſtädtiſche Feuerverſicherungskommiſſion wurde durch Orts⸗ ſtatut gebildet. 5 Das ſtädtiſche Archiv. Im Jahre 1882 nahm der Stadtrat die Einrichtung eines ſtädtiſchen Archivs in Ausſicht und beſchloß am 30. März zu dieſem Zweck durch öffentliche Aufforderung an die Einwohner die Bitte zu richten, etwa in ihrem Beſitz befindliche Pläne, Anſichten und Beſchreibungen, welche von dem baulichen Zuſtand und der Ent— wickelung der Stadt Karlsruhe in früheren Zeiten Kunde geben, der Gemeindebehörde zur Einſicht und zur Fertigung von Kopien oder zum Ankauf zur Verfügung zu ſtellen. Für die Einrichtung und Verwaltung des ſtädtiſchen Archivs wurde am 22. Juni eine Kom— miſſion ernannt.— In der Sitzung des Stadtrats vom 6. Februar 1885 wurde beſchloſſen, die ſtädtiſche Archivkommiſſion ortsſtatutariſch zu bilden, der Entwurf eines hierauf bezüglichen Ortsſtatuts wurde genehmigt und in demſelben der Wirkungskreis der Archivkommiſſion feſtgeſtellt. Er umfaßt die Sammlung, Ordnung und Aufbewahrung von Schriftwerken, Abbildungen, Urkunden, Plänen, ſowie anderer Denkmale und Crinnerungszeichen, welche für die Geſchichte der Stadt von Bedeutung ſind, die Anbringung von Erinnerungstafeln an den Häuſern der Stadt, wo bedeutende Männer wohnten, ſowie auf Plätzen, wo ſich bedeutende Ereigniſſe abſpielten, Aulage und 687— Weiterführung der Werke hieſiger Schriftſteller, die Herausgabe einer Geſchichte der Stadt von deren Gründung bis zur Gegenwart und einer fortlaufenden Chronik der Stadt. Endlich ſollte ihr auch die Sorge für die ſtädtiſche Bibliothek übertragen werden. Am 10. Juli 1885 wurde das Ortsſtatut über die Verwaltung des ſtädtiſchen Archivs erlaſſen und dieſe einer vom Stadtrat zu ernennenden aus ſieben Mitgliedern beſtehenden Kommiſſion übertragen. In der Sitzung des Stadtrats vom 13. März 1885 wurde beſchloſſen, den Profeſſor a. D. K. G. Fecht mit Abfaſſung einer Geſchichte der Stadt Karls— ruhe zu betrauen. Das 604 Seiten umfaſſende Werk erſchien ſchon im Jahre 1887 in einzelnen Lieferungen im Verlage von Macklot. Noch im Laufe dieſes Jahres ließ die Archivkommiſſion zunächſt an 7 Häuſern, in denen berühmte Perſönlichkeiten gewohnt haben, Ge— denktafeln anbringen, was in ſpäteren Jahren fortgeſetzt wurde. Im Jahre 1886 erſchien zum erſtenmal eine Chronik der Haupt⸗ und Reſidenzſtadt Karlsruhe, Druck und Verlag der G. Braun'ſchen Hof— buchhandlung. Sie berichtete auf 94 Seiten über Ereigniſſe und Zuſtände im Jahre 1885. Im Jahre 1887 mit dem zweiten Jahr⸗ gang(1886) ging Druck und Verlag an die Macklot'ſche Buchhand— lung über, bei der alle ſeitdem ausgegebenen Bände derſelben er— ſchienen ſind. Seit 1889(V. Jahrgang) ſind der Chronik Abbil⸗ dungen in Lichtdruck beigegeben. Im Jahre 1893 wurde der Direktor des General-Landesarchivs Dr. Friedrich von Weech vom Stadtrat erſucht, eine Geſchichte der Stadt Karlsruhe und ihrer Verwaltung zu verfaſſen. Der erſte Band erſchien im Verlag der Macklot'ſchen Buchhandlung im Jahre 1895, der zweite 1898. Verſchiedene Schwierigkeiten und Hinderniſſe ſtellten ſich in den folgenden Jahren der Vollendung des Werkes entgegen, die nun endlich in dem in zwei Abteilungen zerlegten dritten Bande erreicht iſt. Das ſtädtiſche Archiv erfreute ſich alle die Jahre ſeit ſeiner Gründung hindurch eines lebhaften und dauernden Intereſſes ſeitens aller Kreiſe der Einwohnerſchaft. Eine große Zahl von Schenkungen vermehrt fortwährend ihre jetzt ſchon als umfangreich und bedeutend zu bezeichnenden Beſtände. Um nur die bedeutendſte dieſer Schenkungen ausdrücklich zu erwähnen, ſei die überaus wertvolle Sammlung von Stichen, Radierungen und Aquarellen genannt, welche in Folge eines Beſchluſſes der Familie Siegel beſtimmt wurde, der Stadt Karlsruhe 888 als Geſchenk überreicht zu werden. Als ein Mitglied dieſer Familie, der Landeskommiſſär, Geh. Oberregierungsrat Siegel in Freiburg, bei der Hochwaſſerkataſtrophe des 8/9. März 1896 in Ausübung ſeines Berufes einen jähen Tod fand, wurde die Sammlung der Stadt übergeben. Teilweiſe durch Schenkungen, nicht minder aber auch aus den jähr— lich vom Bürgerausſchuß genehmigten Mitteln käuflich erworben, iſt nun eine ſtattliche Sammlung von Büchern, Brochuren, Anſichten, Karten und Plänen in das ſtädtiſche Archiv und die mit demſelben vereinigte ſtädtiſche Bibliothek aufgenommen worden. Sehr bedeutend iſt auch die Sammlung von Porträts und von Nachbildungen einer großen Zahl von Gemälden hieſiger Künſtler, letztere zum Teil von dieſen ſelbſt geſchenkt. Längſt hatten ſich die Räume im Rathaufe, in denen zuerſt das ſtädtiſche Archiv untergebracht war, als unge— nügend erwieſen. Im Jahre 1895 wurde das Gegenreſervoir in der Gartenſtraße für die Aufnahme des ſtädtiſchen Archivs umgebaut und bezogen. Aber auch dieſe Räume beginnen bereits ſich als unzu⸗ reichend zu zeigen. Im Jahre 1887 zum erſten Male und dann im Laufe der fol— genden Jahre wiederholt fanden— da das Stadtarchiv im Rathauſe keinen genügenden Raum bot— im Lyceumsgebäude am Marktplatz und ſpäter im Archivgebäude Ausſtellungen der wertvollſten im Archiv aufbewahrten Gegenſtände ſtatt, welche ſich ſtets eines ſehr lebhaften Beſuches erfreuten. Landgraben⸗Korrektion und-uberwölbung. Kanaliſation der Stadt. Die Entwäſſerung der Stadt unter Benützung des Landgrabens, welche ſchon früher die ſtädtiſche Verwaltung lange und eingehend beſchäftigt hatte“), gehörte auch in dieſem Abſchnitt der Geſchichte zu einer ihrer wichtigſten Aufgaben. In den Jahren 1877 und 1878 arbeitete der ſeit 1876 im ſtädtiſchen Dienſte ſtehende Ingenieur Schück einen Kanaliſationsplan aus, in welchem die Land— grabenfrage inbegriffen war. Bei durchſchnittlicher Vertiefung der Sohle des Landgrabens um 1,5 Meter konnte, nach dem Schück ſchen ) Siehe oben S. 317 ff. — 6839 Plane, dieſer als Entwäſſerungskanal beibehalten werden. Indem gleich— zeitig ſämtliche Brauchwaſſer der Stadt in den Landgraben eingeführt wurden, war anzunehmen, daß infolge dieſer bedeutenden Zuflüſſe der niedrigſte Waſſerſtand nie unter die Höhe von 40 om fallen würde. Bei einer Geſchwindigkeit des Gefälls von 0,95 Meter pro Sekunde beim niederſten Waſſerſtande, von 1,4—1,7 Meter bei Hochwaſſer konnte der korrigierte Landgraben ohne beſondere Spülung allen An— forderungen gerecht werden. Nach eingehender Ausarbeitung und Prüfung dieſes Planes wurde er in der Sitzung des Bürgeraus⸗ ſchuſſes vom 8. Auguſt 1879 genehmigt. Schon vorher, in der Bürgerausſchußſitzung vom 18. Januar 1877, war die Landgraben— mühle in Mühlburg mit allen Rechten und Zubehörden dem Müller Schorb um den Preis von 65000 Mk. abgekauft und damit die von dem bisherigen Eigentümer zum Betrieb ſeiner Mühle für erforderlich erachtete Stauung und mit ihr das Haupthindernis für Ausführung jenes Planes beſeitigt worden. Die Mittel zur Ausführung desſelben wurden im Höchſtbetrage von 700000 Mk. genehmigt. Zur Schonung der hochliegenden Häuſerfundamente war ſchon im Jahre 1878 mit Herſtellung einer Spundwand begonnen worden. Im November 1879 wurde die eigentliche Korrektionsarbeit in An— genommen. Deren Ausführung wurde der Firma Holzmann 1. Comp. in Frankſurt a. M. übertragen. Im Frühjahr 1880 be⸗ gann die Unternehmung den Bau am unteren Ende der Korrektion bei der Lameyſtraßenbrücke in Mühlburg. Der enorme Grundwaſſer⸗ zudrang in den ſehr naſſen Jahren 1880 und 1881, wie auch die anhaltenden Landgrabenhochwaſſer verzögerten die Arbeit ſehr. Der Bau nahm, hauptſächlich aus dieſem Grunde, ſtatt des im Vertrage feſtgeſetzten Termines von 30 Monaten faſt die doppelte Zeit in An— ſpruch. Die Hauptarbeit, die Vertiefung der Sohle, wurde ſomit erſt im Dezember 1884 abgeſchloſſen. Im September 1885 wurden dann noch durch Maurermeiſter Stefan Billing die Überwölbungs⸗ arbeiten des Landgrabens öſtlich der Kronenſtraße zum Abſchluſſe ge— bracht. Deren Koſten beliefen ſich auf 45182 Mk. Die ganze Länge der Korrektion beträgt 4921,24 Meter. Der Geſamtaufwand einſchließlich der ſchon 1878 und 1879 verausgabten Summen be⸗ trägt etwas über 787000 Mk. Der ſeit 1870 gemachte Aufwand für dieſes bedeutende Werk, einſchließlich des Ankaufs der Mühl⸗ 44 burger Mühle beträgt rund 1 Million Mark, wovon 200000 Mk. auf die Vorarbeiten kommen. Dieſer Sammelkanal, zu dem ſich der Landgraben durch die vor— genommenen Korrektionsarbeiten geſtaltet hat, kommt an Lichtweite faſt dem größten Sammler in Paris gleich und übertrifft alle anderen Sammelkanäle der europäiſchen Städte. Einige noch offen gebliebene Strecken des Landgrabens wurden im Laufe der Jahre noch überwölbt: 1896 von der Scheffelſtraße bis zur Körnerſtraße, 1899 von dieſer bis zur Schwimmſchulſtraße, 1900 von dieſer(nunmehr Yorkſtraße benannten) Straße weſtlich auf' eine Linge von etwa 300 Meter und zwiſchen Kronen- und Kapellenſtraße. Der Aufwand für dieſe Überwölbungen betrug ins⸗ geſamt 442 495 Mk.“). Nach Vollendung der Landgrabenkorrektion konnte man an die Kanaliſation zur Entwäſſerung der Stadt herantreten. Die Prüfung verſchiedener Entwäſſerungsſyſteme anderer Städte führte zu dem Entſchluſſe, ein Spülſyſtem zur Ableitung der Küchen⸗, Induſtrie—, Brauch- und Meteorwaſſer einzuführen, bei deſſen Anlage zugleich die Möglichkeit einer ſpäteren vollſtändigen oder teilweiſen Einführung der Waſſerkloſets berückſichtigt wurde. Der ganze bis dahin über— baute Stadtbezirk wurde in drei von einander unabhängige Spül⸗ ſyſteme eingeteilt, um die Waſſerſpülung behufs Reinigung ſämt⸗ licher Kanäle durch möglichſte Ausnützung der beſtehenden Waſſerläufe zu erreichen. Das nördliche, den nördlich des Landgrabens liegenden Teil der Stadt umfaſſende Syſtem wird durch den zu dieſem Zwecke mit einem Kanal abgeleiteten Landgraben ſelbſt durchſpült; aus dem Waſſer der Waſſerleitung wird der Spülſtrom im weſt⸗ lichen, ſüdlich des Landgrabens und weſtlich der Karl-Friedrich—⸗ ſtraße liegenden Gelände entnommen; der Mittelbruchgraben, welcher in der Nähe des ſtädtiſchen Waſſerwerkes zu dieſem Zwecke in das Kanalnetz übergeleitet wird, liefert das Waſſer zur Reinigung der Kanäle des öſtlichen, den Bahnhofſtadtteil umfaſſenden Spül⸗ diſtriktes. Von den beſtehenden Kanälen konnte teils wegen ihres ) Vgl. Chronik von Karlsruhe Jahrgänge 1, 30 ff. 12, 35. 15, 40. 16, 23, ſowie Schück, Die Korrektion des Landgrabens. Karlsruhe 1885. N ſehr mangelhaften Zuſtandes, teils wegen der zu hohen Lage der— ſelben kein Gebrauch gemacht werden. Die Kanaliſation wurde im April 1884 begonnen, in den folgen⸗ den Jahren fortgeführt und auf alle neu entſtandenen Straßen aus⸗ gedehnt. Am Schluſſe des Jahres 1900 betrug die Geſamtlänge des ſtädtiſchen Kanalnetzes 89831 Meter mit 1098 Kontroll- und Spül⸗ ſchachten und 2136 Straßenſchlammfängern“). Bis Ende des Jahres 1900 wurde für die Kanaliſation von Karlsruhe der Betrag von 5144000 /, verwendet. Erſatz von Straßen- und Kanalherſtellungsloſten. Eine am 22. Januar 1876 vom Großh. Miniſterium des Innern erlaſſene neue Vollzugsverordnung zu dem Geſetze vom 20. Februar 1868 die Anlage der Ortsſtraßen und die Feſtſtellung der Baufluchten, ſowie das Bauen längs der Landſtraßen und Eiſen⸗ bahnen betr. beſtimmte, daß künftighin die Anwendung der in jenem Geſetz den Gemeinden eingeräumten Befugnis, die an eine Ortsſtraße angrenzenden Eigentümer zur Koſtentragung beizuziehen, nirgend mehr in lediglich genereller Weiſe d. i. für alle neuen Straßen, ſondern durchgehends von Fall zu Fall beſchloſſen werde, verlangte jedoch gleichzeitig behufs tunlichſt gleichmäßiger Anwendung des Geſetzes in den einzelnen Fällen, daß zunächſt gewiſſe allgemeine Grundſätze über Art und Maß der Beiziehung der Angrenzer von den Gemeinden aufgeſtellt werden ſollen. Auf Grund dieſer Verordnung hatte der Stadtrat ſolche Grund— ſätze aufgeſtellt, denen der Bürgerausſchuß ſeine Zuſtimmung erteilte. Danach ſollte 1. bei Anlegung einer neuen Ortsſtraße und beim An⸗ bau an eine ſchon vorhandene noch unbebaute der Aufwand für den Erwerb des zur Straße nötigen Geländes und jener für die den Bedürfniſſen des Verkehrs entſprechende erſte Einrichtung der Straße und für die fünfjährige Unterhaltung derſelben von den angrenzenden Eigentümern, wenn ſie auf ihren Grundſtücken Gebäude beſitzen oder aufführen, an die Stadtkaſſe dem vollen Betrage nach erſetzt werden; 2. trägt die Stadt von den Koſten der Dohlen neu anzulegender ) Chronik 1, 36 ff.; 2, 18; 3, 22; 4, 35; 5, 32; 6, 28; 9, 36; 10, 16; 11, 22; 12, 47; 14, 24; 15, 37; 16, 37. 44* 692— Straßen ein Zehntel, während die übrigen Koſten diejenigen Anlieger zu erſetzen haben, welche Gebäude beſitzen oder aufführen, zu deren Eutwäſſerung der Dohlen dient; hiebei iſt als Neuanlage auch die endgiltige Herſtellung eines bis dahin ſchon benutzten Weges zur Ortsſtraße mit Straßenrinnen, Pfläſterung oder Chauſſierung, Waſſer— ableitung u. ſ. w. zu verſtehen; 3. die Verteilung dieſes Aufwandes unter die einzelnen beiderſeitigen Angrenzer der Straße erfolgt nach Verhältnis der Frontlänge ihrer die Straße berührenden Grundſtücke; 4. der Erſatzanſpruch der Stadt iſt hinſichtlich derjenigen Angrenzer, welche bereits Gebäude auf ihren Grundſtücken beſitzen, dann fällig, wenn die Straße bezw. der Dohlen bis vor dieſe Gebäude hergeſtellt iſt, hinſichtlich derjenigen dagegen, welche erſt ſpäter Bauten aus— führen, bei deren Beginn.— Auf Grund weiterer in dieſem Betreff erlaſſener Geſetze und Verordnungen wurden fortan von Fall zu Fall Ortsſtatute über den Erſatz von Straßenherſtellungs- und Unter— haltungskoſten und von Kanalherſtellungskoſten erlaſſen. Die Anlage und Erhaltung der Gehwege. Nach den geſetzlichen Beſtimmungen ſind die Anordnungen über die materielle Beſchaffenheit der Ahee über deren Höhenlage, Breite u. ſ. f. durch ortspolizeiliche Vorſchrift zu treffen, wogegen die Entſcheidung darüber, in wieweit die Straßenangrenzer zu den Koſten der Gehwege beigezogen werden ſollen, dem Ortsſtatut an— heingegeben iſt. Da die Ordnung der hierauf bezüglichen Verhält— niſſe geboten ſchien, wurde dem Bürgerausſchuß in der Sitzung vom 15. Juli 1879 der Antrag des Stadtrats vorgelegt, er wolle ſich damit einverſtanden erklären, daß das Großh. Bezirksamt um Er— laſſung einer ortspolizeilichen Vorſchrift, nach dem vom Stadtrat aus— gearbeiteten Entwurf erſucht werde und er wolle zu dem ebenfalls vom Stadtrat ausgearbeiteten Entwurf eines Ortsſtatutes ſeine Zu— ſtimmung geben. Beide Anträge mit kleinen Abänderungen in den Entwürfen wurden vom Bürgerausſchuß genehmigt. Der Entwurf der ortspolizeilichen Vorſchrift ließ an Stelle des §59 der Bauordnung für die Reſidenzſtadt Karlsruhe vom 5. Mai 1877 Lit. a-g cveränderte Beſtimmungen treten, wonach zur Herſtellung der Gehwege bis an die Rinne nur Pflaſterſteine I. Qualität von mindeſtens 15 em Geviert, Steinplatten von mindeſtens 10 em — 653 Stärke und in der Regel 1 qm Fläche, gebrannte Thonplatten von mindeſtens 15 emüan Geviert und 4 em Stärke, Cement von min⸗ deſtens 1,5 em Stärke, welcher gerippt oder kaneliert ſein muß, mit Betonunterlage von 15 em Stärke und Asphalt von gleicher Stärke⸗ und mit gleicher Unterlage verwendet werden dürfen. Im allgemeinen oder für einzelue Straßen und Grundſtücke darf der Gemeinderat mit Zuſtimmung des Bezirksamtes noch weitere Materialien als zu— läſſig erklären. Vor einem und demſelben Grundſtück dürfen in der— ſelben Straße die Gehwege nicht aus verſchiedenen Materialien her⸗ geſtellt werden. Bei Neüherſtellungen oder Hauptreparaturen muß, wo der gegenwärtige Zuſtand dieſer Vorſchrift widerſpricht, die letztere zur Ausführung kommen. Für Einfahrten kann auch anderes Material als für die übrige Gehwegſtrecke verwendet werden, doch muß es den an Gehwege geſtellten Anforderungen entſprechen. Au der Ettlinger— Rüppurrer⸗, Krieg- und Weſtendſtraße können die beſtehenden Kies⸗ gehwege beibehalten, müſſen jedoch, wenn es der Stadtrat mit Ge⸗ nehmigung des Bezirksamts beſtimmt, mit feſten Deckungen mach den oben bezeichneten Materialien bis zu 2,5 m Breite belegt werden. Dieſelben Beſtimmungen können für neu anzulegende oder in die Ge— markung aufzunehmende Straßen durch den Stadtrat feſtgeſetzt werden. Für die Breite der Gehwege ſind die amtlich genehmigten Ortsbau— pläne und, wo ſolche nicht vorhanden, der hergebrachte Zuſtand maß— gebend. Die auf Grund dieſes vom Bezirksamt erlaſſene orts⸗ volizeiliche Vorſchrift wurde am 14. Dezenber 1879 vom Landes⸗ kommiſſär für vollziehbar erklärt. Der Entwurf des Ortsſtatuts er⸗ hielt die Staatsgenehmigung erſt, nachdem der§S 1 in der Bürger⸗ ausſchußſitzung vom 10. Juni 1880 eine andere Faſſung als die am 10. Dezember 1879 vom Bürgerausſchuß angenommene erhalten hatte. Danach beſtimmte nunmehr das Orts ſtatut, daß die Angrenzer ſämtlicher öffentlichen Straßen der Stadt verpflichtet ſeien, die vor ihren Grundſtücken hinziehenden Gehwege und Straßenrinnen, ſowie die zur Ableitung des Regenwaſſers und des Haushaltungsabwaſſers in die öffentlichen Abzügsgräben dienenden Rinnen und Kanäle auf eigene Koſten herzuſtellen und in gutem Stande zu halten; die Be⸗ ſtimmung über Herſtellung' und Unterhaltung der Gehwege durch die — 694— Stadt für einzelne Straßen wurde dem Stadtrat zuerkannt, in welchem Falle der Erſatz der erwachſenden Koſten an die Stadt nach Verhältnis der vor jedem Grundſtück befindlichen Gehwegfläche den Angrenzern obliegen ſollte; eine Ausnahme wurde für die Angrenzer des Schloß-, ſowie die öſtlichen und weſtlichen Angrenzer des Marktplatzes feſtgeſtellt, deren Verpflichtung für erſtere auf den unter den dortigen Bogenplätzen befindlichen, für letztere auf den vor ihren Grundſtücken hinziehenden Gehweg bis zu 1,80 m Breite beſchränkt wurde. Als maßgebend für die Beſchaffenheit der Gehwege wurden die jeweils beſtehenden ortspolizeilichen Vorſchriften erklärt; der Er— ſatz der Koſten für die immer durch die Stadt zu bewerkſtelligende Legung des Rinnenpflaſters(der Bordſteine) war Sache der Au⸗ grenzer und zwar nach Verhältnis der Länge der vor ihren Grund— ſtücken hinziehenden Rinnen. Beſondere Beſtimmungen, die der Stadt—⸗ rat auf neuanzulegende oder in die Gemarkung zu übernehmende Straßen auszudehnen befugt war, erfolgten für die Ettlinger-, die Rüppurrer⸗, die Krieg⸗ und Weſtendſtraße, in welchen die Stadt die Unterhaltung der Kieswege beſorgt, wogegen den Angrenzern der Erſatz der Hälfte der Unterhaltungskoſten obliegt. An Stelle der 88 4 und 5 dieſes Ortsſtatuts traten durch Be— ſchluß des Bürgerausſchuſſes in deſſen Sitzung vom 28. April 1886. die Beſtimmungen, daß die Angrenzer, inſoweit die Unterhaltung der Kieswege durch die Stadt beſorgt wird, zur Deckung der Unter⸗ haltungskoſten einen Beitrag von jährlich 50 Pf. vom laufenden Meter der Frontlängen ihrer an die Straßen ſtoßenden Grundſtücke⸗ zu leiſten haben, von der Tragung der Koſten für die Unterhaltung der Gehwege jedoch entbunden ſeien, wenn ſie die vor ihren Grund— ſtücken herziehenden Gehwege mit feſten, den ortspolizeilichen An— forderungen entſprechenden Deckungen verſehen. Grubenentleerung, Dünger- und Rehrichtabfuhr, Straßenreinigung. Verſchiedene Mißſtände, die mit dem Betriebe der Abtritt⸗ gruben⸗Entleerung verbunden waren, veranlaßten den Stadt⸗ rat, am 25. Januar 1875 beim Bürgerausſchuß einen Antrag ein⸗ zubringen, welcher den Zweck verfolgte, dieſe zu beſeitigen. Danach ſollten die Koſten der Grubenentleerungen nicht mehr wie ſeit Auguſt — 695 1872) im Wege der Soziallaſt, nämlich der Umlageerhebung, von den Häuſerſteuerkapitalien, ſondern in der Weiſe aufgebracht werden, daß die Grubenbeſitzer für jede Entleerung eine Gebühr von 2 Mk. vom Kubikmeter der ausgeſchöpften Maſſe an die Stadtkaſſe zu be⸗ zahlen hätten. Aus den Ergebniſſen dieſer Gebühren ſollte dann die Stadt auch die Koſten der Kehrichtabfuhr beſtreiten. Da dieſer Antrag von Seiten eines Teiles der Stadtverordneten beanſtandet wurde, zog der Stadtrat denſelben zurück und betraute eine aus Mitgliedern des Stadtrats, des Ortsgeſundheitsrats und aus Stadtverordneten zuſammengeſetzte Kommiſſion damit, ander⸗ weitige Vorſchläge zur Beſeitigung der vorhandenen Mißſtände zu machen. Auf Antrag dieſer Kommiſſion und des Ortsgeſundheitsrats wurde die Kehrichtabfuhr, nachdem der bisherige Unternehmer, Ziegelei⸗ beſitzer Joſt, das Vertragsverhältnis, an dem er ſeine Rechnung nicht finden konnte, gekündigt hatte, für die Dauer von drei Jahren dem Fuhrmann Allgaier übertragen. Ferner wurde ein beſonderer Be— dienſteter angeſtellt, mit der Aufgabe, die Erfüllung der vertrags⸗ mäßigen Verbindlichkeiten der Düngerabfuhr unternehmer zu überwachen, die Anmeldungen der Gruben-Entleerungen an die Unter— nehmer zu vermitteln, über den Zuſtand der Gruben und ihres In— halts Erhebungen zu machen und ordnungswidrige Zuſtände oder Handlungen zur Anzeige zu bringen. Eine gründliche Abhülfe wurde aber dadurch nicht herbeigeführt, und es zeigte ſich immer mehr, daß das ganze hier beſtehende Syſtem der Abfuhr der Fäkalien den be—⸗ rechtigten Anforderungen der Bevölkerung nicht mehr genüge. Dazu kam, daß der damalige Unternehmer, Fabrikant Dölling, welcher an— gab, bei dem Abfuhrgeſchäft erhebliche Einbußen zu erleiden, geltend machte, daß er ſich der Stadt gegenüber nicht mehr als verpflichtet anſehe, nachdem der Vertrag über die Düngerabfuhr nicht mit ihm, ſondern mit ſeinem Vater und Kaufmann Leipheimer abgeſchloſſen worden ſei und nach deren Ableben die aus dem Vertrage ent⸗ ſpringenden Rechte und Pflichten ihrer Natur nach ohne ausdrückliche Beſtimmung nicht auf die Erben übergehen könnten. Obwohl über die Richtigkeit dieſer Rechtsanſchauung Zweifel beſtehen konnten, zog der Stadtrat doch vor, ein neues Vertrags— ) Vgl. oben Seite 325. — 696 verhältuis einzugehen und ſchloß in Übereinſtinmmung mit dem Orts— geſundheitsrat und der oben erwähnten Kommiſſion am 24. Septem⸗ ber 1877 einen Vertrag mit Léon Carrière Sohn in Straßburg ab, welcher dort ſeit etwa einem Jahre die Grubenentl leerung mit Ma⸗ ſchinen Tallard'ſchen Syſtems zur Zuftiedenheit der Einwohnerſchaft und der Behörden vornahm. Der Stadtrat ging dabei von der auf Grund eines von dem Vorſtand des ſtädtiſchen Waſſer- und Straßenbauamtes, Schück, er— ſtatteten Gutachtens gewonnenen Überzeugung aus, daß durch die Annahme dieſes Vertrages ein weſentlich beſſerer Zuſtand als der bisherige ohne unverhältnismäßige Koſten herbeigeführt werden könne und legte daher dem Bürgerausſchuß in ſeiner Sitzung vom 23. Ok— tober 1877 nebſt eingehender Begründung dieſen Vertrag mit dem Antrag vor, zu demſelben und zu der in der Folge notwendigen Aufhebung der Sozialumlage für die Düngerabfuhr ſeine Zuſtimmung zu geben. Von Seiten des Stadtverordnetenvorſtandes war zur Prüfung des Vertrages eine Kommiſſion niedergeſetzt worden, welche denſelben, vorbehaltlich einiger Anderungen, zur Zuſtimmung empfahl. Dieſe erfolgte mit Einſtimmigkeit. Schon bald nach Abſchluß des Vertrages, am 10. April 1878 gründete Herr Léon Carriéère mit dem Gaſtwirt Franz Lipp dahier eine offene Handelsgeſellſchaft, welche das Geſchäft der Düngerabfuhr in hieſiger Stadt nach den Vertragsbeſtimmungen beſorgte. Als ſpäter Herr Julius Morlock als Mitglied der Geſellſchaft aufgenommen wurde und nach einiger Zeit Herr Carriére aus der Geſellſchaft austrat, beantragten am 29. März 1884 die beiden übrigen Geſell— ſchafter, den Vertrag vom 24. September 1877 umzuſchreiben. Hier— zu war nach dem am 23. Oktober gefaßten Beſchluſſe des Bürger— ausſchuſſes deſſen Zuſtimmung erforderlich. Da die Düngerabfuhr, ſeit ſie von den Herren Lipp und Morlock übernommen worden, keinen Anlaß zu weſentlichen Klagen gegeben hatte, beantragte der Stadtrat, dieſe Zuſtimmung zu erteilen, was in der Sitzung vom 7. Mai 1884 mit Einſtimmigkeit erfolgte. Im Oktober 1878 hatte der Stadtrat beſchloſſen, vom nächſten Jahre an die Reinigung der Straßen, einſchließlich der Geh— wege und der Rinuen, auf die Stadt zu übernehmen. Im Jahre 697— 1889 erfolgte auch die Übernahme der Kehrichtabfuhr durch die Stadt.“ Die ſtädtiſchen Waſfer- und Gaswernke. Trotz mehrfacher Erweiterungen in den Jahren 1874 bis 1877 war das ſtädtiſche Waſſerwerkt) zu Beginn des Jahres 1887 an der Grenze ſeiner Leiſtungsfähigkeit angelangt. Die Zahl der an die Waſſerleitung angeſchloſſenen Grundſtücke war von 1350 im Jahre 1877 auf 2400 geſtiegen. Die Kanaliſation der Stadt hatte die Anlage von Waſſerkloſets und die Einrichtung von Haus— bädern erleichtert und dadurch den Waſſerverbrauch ſehr erheblich geſteigert. Im Juli 1887 beſchloß deshalb der Bürgerausſchuß Autrag des Stadtrats und auf Grund einer Denkſchrift des Direktors der Waſſer- und Gaswerke, Fr— Reichard, die Er⸗ weiterung der ſtädtiſchen Waſſerleitung. In den Jahren 1887 bis 1893 wurde die Waſſerfaſſung' verſtärkt, die Maſchinenkraft vermehrt, das Rohrnetz erweitert und ein Hochreſervoir auf einer künſtlichen Aufſchüttung angelegt. Dadurch wurden zugleich eine bequem zugängliche Ausſichtshöhe und durch den Aushub zwei Zierteiche geſchaffen und die Aulagen des Stadtgartens in willkom— mener Weiſe bereichert. Der Gedanke, eine Erdaufſchüttung zur Auf— nahme des Reſervoirs zu verwenden, rührt von Oberbürgermeiſter Lauter her. Der Reſervoirbau, deſſen Koſten, ohne die Koſten der Erwerbung des Platzes, rund 405000 Mk. betrugen, wurde von Direktor Reichard entworfen und geleitet. Nach Vollendung des Baues erhielt der Hügel eine gärtneriſch— laudſchaftliche Ausſtattung, auf ſeiner Höhe wurde in Geſtalt einer künſtlichen Ruine ein Aus⸗ ſichtsturm errichtet, eine zweite auf halber Höhe deſſelben. Durch Beſchluß des Stadtrates vom 13. Mai 1892 erhielt der Hügel zu Ehren des kurz vorher verſtorbenen Oberbürgermeiſters Lauter den Namen„Lauterberg“. Der Geſamtaufwand für die Waſſerleituug bis zum Jahre 1893 betrug 2827731 Mk. Im Jahre 1887 betrug der Geſamtwaſſerverbrauch 2131842 Kkbm gegen 1873 145 kbm im Jahre 1885, im Jahre 1892: 3365 910, im Jahre 1897: 4081910, im Jahre 1900: 4353069 kbm. ) Siehe oben Seite 260 ff. — 698— In den gleichen Jahren ergeben ſich die folgenden Zahlen: ſtärkſte Tagesabgabe: 12573, 17906, 22655, 22853 kbm; ſchwächſte Tagesabgabe: 2 789, 4504, 6 473, 6 865 kbm; Abgabe zu öffent⸗ lichen Zwecken, Straßengießen, Fontänen n. ſ. w. 454 424, 901710 411355, 437673 kbm. Am Ende des Jahres 1887 betrug die Länge des Hauptröhrennetzes 6332537 m. Die Zahl der öffent⸗ lichen Brunnen war in den obigen Jahren 56, 58, 55, 60; die Zahl der öffentlichen Feuerhahnen 366, 508, 653, 814; der Fontänen %8, 8, 9. Nach den erſten fünf Jahren des ſtädtiſchen Betriebes des Gas- werkes“), welche eine Verdoppelung des Gasgebrauches hervor— gebracht hatten, trat, entſprechend den allgemeinen geſchäftlichen Ver⸗ hältniſſen der zweiten Hälfte der 1870er Jahre und den folgenden, eine langſamere Bewegung des Gasverbrauches ein, ſo daß erſt im Jahre 1884 ein Projekt zur durchgreifenden Erweiterung der Fabrik— anlage ſowie der Verſtärkung der Rohrleitungen aufgeſtellt werden mußte. Man entſchied ſich aus verſchiedenen Gründen für die Er⸗ richtung eines zweiten Gaswerkes im Oſten der Stadt. Es wurde für dieſes ein Bauplatz von 74000 qm Flächeninhalt erworben und darauf die Fabrikationsanlage für eine Tagesproduktion von 80000 kbm projektiert. Die Anlage wurde ſo ausgeführt, daß ſie in Zukunft immer ganz den Bedürfniſſen entſprechend vergrößert werden konnte. Die Geſamtkoſten dieſer erſten Anlage einſchließlich des Gelände— erwerbs und des neuen Rohrkranzes betrugen 568 359 Mk.— Da der Gasverbrauch vom Jahre 1886 ab in einem die Erwartung weit überſteigenden Maße zunahm, mußte ſchon im Jahre 1890 zu einer durchgreifenden Vergrößerung geſchritten werden, und in den folgen— den Jahren wurden ſtets neue Vergrößerungen erforderlich. Vom 1. Mai 1886 bis 30. April 1887 wurden im ſtädtiſchen Gaswerk 1) 4149 065 ebm Gas erzeugt, 207435 kbm mehr als im Vorjahre, abgegeben wurden 2) für öffentliche Beleuchtung 490 431 kbm, 3) für Privatbeleuchtung 3047775 kbm. 4) Die Zahl der öffentlichen Laternenflammen betrug 1465. 5) 3528 Gas⸗ meſſer waren am 30. April 1887 aufgeſtellt; 6) am nämlichen Tage ) Hier dürfte in der Statiſtik ein Fehler vorliegen. ) Vgl. oben Seite 267 ff. — 699— betrug die Länge der Hauptleitung 51 233,37 m. Für die gleichen Rubriken ergeben ſich in den nächſten je fünfjährigen Perioden folgende Zahlen: 1892: 1) 6043 310 kbm, 2) 995 194 kbm, 3) 4 399 479 kbm, 4) 1579, 6 4391 für Leuchtzwecke, 1444 für Koch- und Heizzwecke.— 1897: 1)8 775 640 Kbm, 2) 1174031 Kbm, 3) 6525019 kbm, 4) 1976, 9 6701 und 4053.— Im Jahre 1900: 1) 10016 070 kbm, 2) 1043 997 kbm, 3) 8 207 801 kbm, 4) 2 401, 5) 8307 und 6 520). Am 11. Oktober 1883 erließ der Stadtrat ein Ortsſtatut über die Verwaltung der ſtädtiſchen Gas- und Waſſerwerke als wirtſchaft⸗ licher, dem öffentlichen Intereſſe dienender Unternehmungen der Stadt⸗ gemeinde, welche einen Teil des Gemeindevermögens bilden und gemein— ſam, jedoch mit geſonderter Verrechnung, zu verwalten ſind. Die Ver— waltung erfolgt durch eine den Namen Gas- und Waſſerwerks—⸗ Kommiſſion führende, aus neun vom Stadtrat ernannten Mitgliedern beſtehende Kommiſſion, unter Vorſitz des Oberbürgermeiſters oder ſeines Stellvertreters. Eine dieſer Kommiſſion unterſtellte„Städtiſche Gas- und Waſſerwerksverwaltung“ beſorgt die laufenden Geſchäfte. Das Ortsſtatut ſtellt u. a. den Wirkungskreis und die Geſchäftsord— nung dieſer Kommiſſion ſowie den Dienſtkreis der einzelnen Beamten der Gas- und Waſſerwerke feſt. Der Stadtgarten. Eine der vornehmſten Sehenswürdigkeiten der Haupt- und Re⸗ ſidenzſtadt mit prächtigen Anlagen entwickelte ſich im Laufe der Zeit aus dem die Feſthalle auf drei Seiten umgebenden, ſüdöſtlich an den Tiergarten“) angrenzenden und bald mit dieſem vereinigten Stadt⸗ garten. Im Jahre 1877 war von dem Tiergartenverein der Tier— garten an die ſtädtiſche Verwaltung abgetreten worden. In dem Stadtgarten finden an beſtimmten Tagen regelmäßig Konzerte ſtatt, er iſt aber auch der Schauplatz von Vergnügungen bei feſtlichen An— läſſen. Dem Tiergarten werden von Einwohnern von Karlsruhe, aber auch von geborenen Karlsruhern im Auslande, in jedem Jahre wertvolle Tiere zum Geſchenk gemacht. Nach Maßgabe der vor⸗ ) Vgl. Die Gas- und Waſſerwerke der Reſidenzſtadt Karlsruhe 1894. Chronik von Karlsruhe 3, 14 f.; 8, 12; 13, 8 15 16, 14. ) Vgl. oben Seite 295 ff. 700 handenen Mittel werden auch Tiere angekauft. Die Zahl der Be— ſucher des Stadtgartens erhöhte ſich von Jahr zu Jahr. In den Jahren 1885 bis 1889 vermehrte ſich die Zahl der Abonnenten (einſchließlich der Aktionäre) von 3810 auf 5 140, die Einnahmen aus dieſen Beſuchen von 7947 Mk. auf 11312 Mk. 50 Pf. Zum Tagespreis von 20 bezw. 10 Pf. beſuchten den Garten im Jahre 1885: 33341, im Jahre 1889: 42335 Perſonen, woraus in den beiden Jahren 5863 Mk. 20 Pf. bezw. 7585 Mk. 50 Pf. erzielt wurden. Von den Beſuchern des Stadtgartens beſuchten viele, be— ſonders Familien mit Kindern, auch den Tiergarten. Im Jahre 1890 8 der Stadtrat, am erſten Sonntag eines jeden Monats bis 12 Uhr Vormittags den Stadtgarten gegen ein ermäßigtes Ein— trittsgeld von 10 Pf. für die Perſon, bezw. 5 Pf. für Kinder zu öffnen. Am 6. Juli, an welchem Tage dies zum erſten Mal geſchah, wobei die Schülerkapelle konzertierte, wurde während dieſer Stunden der Stadtgarten von mehr als 2000 Perſonen beſucht. Jufolge dieſes großen Andranges, der ſich an anderen Sonntagen wiederholte, beſchloß der Stadtrat im Jahre 1891 auch noch für den dritten Sonntag in jedem Monat die Ermäßigung des Eintrittsgeldes zu bewilligen. Auf Grund der Städteordnung wurde am 18. Oktober 1892 mit Zuſtimmung des Bürgerausſchuſſes und mit Genehmigung des Miniſteriums des Innern ein Ortsſtatut über die Verwaltung des Stadtgartens erlaſſen. Durch dasſelbe wurde die Verwaltung des Stadt— gartens, der Feſthalle, der Ausſtellungshalle und der dazu gehörigen Liegenſchaften der aus 11 Mitgliedern beſtehenden Stadtgartenkom— miſſion übertragen, die aus ihrer Mitte Referenten für die einzelnen Verwaltungsgebiete ernenut, den zuſtändigen techniſchen Behörden der Stadt Weiſungen zur Herſtellung und Unterhaltung der Baulichkeiten und Anlagen des Stadtgartens erteilt, zum Teil aus eigener Macht— vollkommenheit, zum Teil nach Einholung der Genehmigung des Stadtrates. Ihr unterſtand u. a. ein Oberſtadtgärtner, an deſſen Stelle in der Folge ein Stadtgartenverwalter trat. Als ſolcher wurde durch den Stadtrat im November 1892 der Oberſtadtgärtner Ries ernannt.“ Die Frequenz des Stadtgartens wuchs mit jedem Jahre. 1893 wurden für die Tages- und Abonnementskarten 39528 Mk. 25 Pf. 701— eingenommen. Der Erlös aus der Gondelmiete, der Eisbahn, der Radfahrbahn und dem in dieſem Jahre neu erſtellten Netzballſpiel— platz belief ſich zuſammen auf 6686 Mk. 30 Pf.— 1897 ſtellten ſich die Summen für die gleichen Einnahmepoſten auf 47320 Mk. 79 Pf. bezw. auf 6133 Mk. 53 Pf. und 185 Mk. 80 Pf. als Erlös aus der neu errichteten Camera obscura.— 00 aber auf 56667 Mk. 18 Pf. bezw. 5092 Mk. 80 Pf. in dieſem milden Winter der Erlös aus der Eisbahn wegfiel). Im Jahre 1894 hatte eine Erweiterung des Stadtgartens nach Veſten und Süden ſtattgefunden. Im Zuſammenhang mit derſelben 1590 die bisherige hölzerne Verbindungsbrücke zwiſchen dem Stadt⸗ garten und dem Tiergarten, welche bei 11 Benutzung keine ge— nügende Sicherheit mehr bot, durch eine Brücke aus Cementſtampf— beton erſetzt. Die weſtliche und ſüdliche Seite des wurden mit einer eiſernen Einfriedigung verſehen, in welcher 3 Dreh— türen angebracht wurden, die das Verlaſſen des Gartens, nicht aber den Eintritt in denſelben geſtatten. Ortspolizeiliche und ſonſtige polizeiliche Vorſchriften. Im Laufe der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurde eine große Zahl ſolcher Verordnungen erlaſſen, von denen nur die wichtigeren hier augeführt werden ſollen. Sie betreffen: Das poli— zeiliche Meldeweſen, die Überwachung des Fremdenverkehrs, die An— und Abmeldung zur Kranken- und Invalidenverſicherung, die nächt⸗ liche Wee die weltliche Feier der Sonn- und Feſttage. Die Kehrichtabfuhr, die Grubenentleerung, die Schlachthof⸗, Viehhof- und Viehmarktordnung, den Schutz der Brunnen und der ſtädtiſchen Waſſerleitung, die Gasleitungen, die Friedhofordnungen, die Bundee die Aufſicht auf Hunde. Die Kaminfegerordnung, die Feuerlöſchordnung, die Feueralarm⸗ anlage, die Feuerſicherheit in Warenhäuſern, die Verwahrung und den Trausport von feuergefährlichen Flüſſigkeiten. Die ſtädtiſche Bauordnung, die einheitliche Nummerierung der Häuſer, die Gehwegordnung. Die Straßen- und Fahrpolizeiordnung, den Verkehr mit Fahr⸗ rädern und Motorfahrzeugen auf öffentlichen Wegen und Plätzen, den Schutz des Schloßgartens und des Schloßplatzes, ſowie der öffent— lichen Anlagen, die elektriſche Straßenbahn, die Bahnordnung und den Betrieb der Lokal- und Nebeneiſenbahnen, die Hafenpolizei für den Rheinhafen. Die Wochenmarktordnung, die Meßordnung, die Sonntagsruhe, die Droſchkenordnung, die Dienſtmannsordnung, die Rechtsverhält⸗ niſſe der Dienſtboten, die Verbrauchsſteuerordnung. Geſundheitspflege.“) Am 23. September 1875 brachte in einer Sitzung des Stadt— rats unter Vorſitz des Oberbürgermeiſters Lauter dieſer die Ge— ſundheitsverhältniſſe hieſiger Stadt zur Sprache, nachdem er Veranlaſſung genommen hatte, hierüber mit einer Autorität im Sanitätsweſen zu verhandeln, und teilte mit, daß die geſundheitlichen Verhältniſſe unſerer Stadt, welche ſtets ſehr günſtige geweſen ſeien, ſo daß Karlsruhe immer zu den geſundeſten Städten des Landes gehörte, wenn nicht die geſundeſte war, ſich in letzterer Zeit noch weſentlich gebeſſert hätten. Bekannt ſei, daß Epidemien hier noch nie hätten Platz greifen können. Die Ruhr habe im Jahre 1852 hier einige Bedeutung erlangt, indem 63 Perſonen, allerdings meiſt Kinder, derſelben zum Opfer gefallen waren, dieſelbe ſei ſpäter aber nicht mehr aufgetreten; die Cholera, obgleich ſie ganz in der Nähe einen Herd gehabt(Wörth, Speyer, Mannheim), habe Karlsruhe trotz deſſen Verkehrs mit dieſen Orten doch ſtets verſchont; der Typhus komme nur als Haustyphus hier vor und zwar trotz des erhöhten Militärſtandes in ſtets abnehmender Weiſe, ſo daß heute nach Verhältnis der Einwohnerzahl nur/ der Zahl der Typhus⸗ fälle der 50er Jahre zu verzeichnen iſt, nämlich im Jahre 1873 nur 20 Fälle, das iſt ½ auf tauſend der Einwohnerzahl; in den meiſten Fällen konnte die Veranlaſſung dazu aus den ungünſtigen ſanität⸗ lichen Verhältniſſen des betr. Hauſes amtlich nachgewieſen werden. Ein weiteres günſtiges Zeichen der Geſundheit unſerer Stadt zeige ſich in der ſtets wachſenden Überſchreitung der Geburtsziffer über die Sterbeziffer; dieſe Überſchreitung habe ſich ſeit dem Jahre 1852, wo ſie als Null angenommen werden könne bis auf 3 im Jahre 1870 geſteigert. Selbſtverſtändlich ſei, daß die Sterbeziffer im Verhältnis ) Vgl. oben Seite 341 ff. — 7. zur Einwohnerzahl ſich mit der Erhöhung der Geburtsziffer ebenfalls ſteigern müſſe, indem von den Geborenen im Laufe des erſten Jahres erfahrungsgemäß ſchon 20 bis 25 9% ſterben. In§ 19b der Städteordnung von 1874 waren im Intereſſe der öffentlichen Geſundheitspflege beſondere Vorſchriften gegeben. Zur Erfüllung dieſer geſetzlichen Vorſchriften, wonach für die öffentliche Geſundheitspflege eine beſondere Kommiſſion zu beſtellen und deren Wirkungskreis durch Ortsſtatut zu beſtimmen ſei, wurde dem Bürgerausſchuß in ſeiner Sitzung vom 5. Juli 1875 der Ent⸗ wurf eines ſolchen Ortsſtatuts vorgelegt. In demſelben wurde als Zweck der zu bildenden„Kommiſſion für öffentliche Geſundheitspflege“ die Mitwirkung bei den auf die öffentliche Geſundheitspflege ſich be— ziehenden Geſchäften der Stadtvertretung bezeichnet. Neben den ge⸗ ſetzlich berufenen Mitgliedern, dem Polizeibeamten des Bezirksamtes, dem Bezirksarzt und den Armenärzten der Stadt, nahm der Entwurf die Ernennung von 6 weiteren Mitgliedern(wovon wenigſtens 4 aus der Zahl der Stadträte oder Stadtverordneten) mit dreijähriger Amtsdauer an. Die Kommiſſion wurde die begutachtende Behörde des Stadtrats in allen auf die öffentliche Geſundheitspflege ſich beziehen— deu Angelegenheiten genannt und erhielt insbeſondere die Aufgabe zu⸗ gewieſen, ſich über die ſanitätlichen Verhältniſſe der Stadt genaue Kenntnis zu verſchaffen, vorhandenen Mißſtänden nachzuforſchen und deren Beſeitigung zu veranlaſſen, dem Bezirksamt auf deſſen Ver⸗ langen Gutachten über geſundheitliche Fragen zu erſtatten und die erforderlichen Maßregeln und Einrichtungen gegen etwa ausbrechende anſteckende Krankheiten vorzubereiten. Den Vorſitz ſollte ein vom Stadtrat zu ernennendes Mitglied aus der Zahl der der Kommiſſion angehörenden Stadträte führen, ihm ſollte es obliegen, die der Be⸗ ſchlußfaſſung zu unterbreitenden Gegenſtände zur Sitzung vorzubereiten und zu dieſem Zwecke die nötigen Verfügungen ſelbſtändig zu erlaſſen, er ſollte auch das Recht haben, jeden Beſchluß, bevor er zur Aus⸗ führung kommt, dem Stadtrat zur Genehmigung zu unterbreiten. Die regelmäßigen Sitzungen der Kommiſſion ſollten in vom Stadt⸗ rat feſtzuſetzenden Zwiſchenräumen ſtattfinden, aber auch vom Ober⸗ bürgermeiſter bezw. deſſen Stellvertreter und dem Vorſitzenden wegen dringender Angelegenheiten jederzeit berufen werden können. Der Entwurf wurde nach kurzer Verhandlung einſtimmig an⸗ — 704— genommen, fand jedoch nicht die Zuſtimmung des Miniſteriums des Innern, welches der Kommiſſion, für die es die Bezeichnung Ortsgeſundheitsrat empfahl, eine mehr als nur begutachtende Tätig— keit eingeräumt zu ſehen wünſchte und es, im Sinne der Be— ſtimmungen in§S 19a der Städteordnung für zweckentſprechend er⸗ achtete, daß beſondere Zweige der ſtädtiſchen Verwaltung der ſelbſt— tätigen und unmittelbaren Fürſorge der genannten Kommiſſion an— vertraut werden möchten. Die Beſchlüſſe der Kommiſſion, auch in— ſoweit polizeiliche Zwangsmaßregeln und das Eingreifen der Staats— behörde nötig falle, würden durch die im Geſetz vorgeſehene Mit— wirkung des Polizeibeamten auf raſche und nachdrückliche Weiſe zum Vollzug gebracht werden können. Jedenfalls aber ſei es geboten, daß die Geſchäfte der Kommiſſion in verſchiedene Reſpiciate verteilt und dieſe den einzelnen Mitgliedern übertragen werden, welche die einzelnen Angelegenheiten zu bearbeiten und ſodann der Kommiſſion Vortrag zu erſtatten, ſowie auch für den Vollzug zu ſorgen haben. Auch die dem Vorſitzenden eingeräumte Befugnis, jeden Beſchluß, bevor er zur Ausführung kommt, dem Stadtrat zur Genehmigung zu unterbreiten, ſei kaum erforderlich, da der Stadtrat ohnehin von den Beſchlüſſen der Kommiſſion jederzeit Kenntnis zu erhalten ver— möge und unzweifelhaft berechtigt ſei, Maßregeln, denen er nicht zu— zuſtimmen vermöge, außer Wirkſamkeit zu ſetzen. Infolge dieſes Erlaſſes unterzog der Stadtrat den Entwurf einer Durchſicht, nahm den Vorſchlag, der Kommiſſion den Namen „Ortsgeſundheitsrat“ zu geben, gerne an, hielt dagegen an der Anſicht feſt, daß demſelben nur eine begutachtende, nicht auch eine verwaltende Tätigkeit eingeräumt werden ſolle, erweiterte aber ander— ſeits deſſen Wirkungskreis, indem eine Reihe ſtädtiſcher Anſtalten und Einrichtungen der Überwachung des Ortsgeſundheitsrates unter— ſtellt wurde und durch die Vorſchrift periodiſcher Beſichtigungen für die Ausführung dieſer Überwachung geſorgt ward. Auch durch andere Beſtimmungen wurde dem Ortsgeſundheitsrat eine größere Selbſtändigkeit eingeräumt und damit auch einigen Anregungen im Erlaß des Miniſteriums entſprochen. Der neue Entwurf wurde durch eine beſondere aus dem Stadt— verordneten-Vorſtand und einigen von ihm beigezogenen Stadtverord— neten beſtehende Kommiſſion geprüft, durchberaten, mit einigen Ab— 40 änderungsvorſchlägen dem Stadtrat wieder vorgelegt und mit dieſen vom Stadtrat angenommen. In der Sitzung des Bürgerausſchuſſes vom 29. Dezember 1875, in welchem die Vorlage zur Verhandlung kam, entſpann ſich eine eingehende Erörterung eigentlich nur über die grundſätzliche Frage, ob dem Ortsgeſundheitsrat nur eine begutachtende Stellung einzu⸗ räumen ſei; nach kürzerer Verhandlung über einige andere Para⸗ graphen wurde der Entwurf mit allen gegen 3 Stimmen angenommen. Nach einem an die miniſterielle Genehmigung dieſes O rtsſtatuts geknüpften Vorbehalt mußte dasſelbe nach Ablauf von zwei Jahren einer erneuten Durchſicht unterzogen werden. Dieſes geſchah in der Bürgerausſchußſitzung vom 14. Juni 1878. Nachdem ſich inzwiſchen die Tätigkeit des Ortsgeſundheitsrates in jeder Hinſicht bewährt hatte, ſah ſich der Stadtrat veranlaßt, nur zwei unbedeutende Ande— rungen des Ortsſtatuts zu beantragen, nämlich die Erhöhung der bis⸗ herigen Zahl 6 der vom Stadtrat zu ernennenden Mitglieder auf 10 und die Streichung der Beſtimmung, wonach es dem Stadtrat vor— behalten blieb, für einzelne Fälle noch weitere Mitglieder zu ernennen. Der Bürgerausſchuß genehmigte beide Anträge. Seit dem Jahre 1878 ſtellte ſich der Ortsgeſundheitsrat neben der Tätigkeit, die er als begutachtende Behörde des Stadtrats in allen die öffentliche Geſundheitspflege betreffenden Angelegenheiten auszu⸗ üben hat, die weitere Aufgabe, über angebliche Heilmittel, welche in den hier verbreiteten Zeitungen angeprieſen wurden, Erhebungen zu machen, deren Ergebniſſe zu veröffentlichen und dadurch einer ge⸗ wiſſenloſen finanziellen Ausbeutung der Leichtgläubigkeit entgegen zu arbeiten. Auch jede andere Form der Kurpfuſcherei wurde vom Ortsgeſundheitsrat energiſch bekämpft. Man darf wohl ſagen, daß ſich dadurch der Karlsruher Ortsgeſundheitsrat ein weit über das Weichbild unſerer Stadt, ja auch über die Grenzen des badiſchen Landes hinausreichendes Verdienſt erworben hat. Er hat auch bei allen Einſichtigen und Wohlmeinenden die gebührende dankbare Anerkennung gefunden. Dieſe hat durch die große Zahl von An— griffen, Verleumdungen, Drohungen und Prozeſſen, welche gegen ſeine Veröffentlichungen und Warnungen erhoben wurden, keinen Eintrag erliten. Die Namen der von ihm bekämpften Geheimmittel und die einſchlägigen Erzeugniſſe einer ſchwindelhaſten literariſchen Freibeuterei 45 werden ſeit 1885 in der Chronik von Karlsruhe veröffentlicht. Im Jahre 1891 erſchien unter dem Titel„Gegen den Heilmittelſchwindel“ eine amtliche Sammlung der Bekanntmachungen des Ortsgeſundheits— rates Karlsruhe über Geheimmittel. Seit 1894 ſind in ſehr er— wünſchter Weiſe auch über die ſonſtige ſehr vielſeitige Tätigkeit des Ortsgeſundheitsrats auf dem Gebiete der Fragen, welche in geſund— heitlicher Hinſicht für die Stadt von Bedeutung ſind, in der Chronik kurze Berichte mitgeteilt. Es ergibt ſich aus dieſen Mitteilungen die geradezu erſtaunliche Fülle wichtiger Gutachten und Maßnahmen, welche man der in der Offentlichkeit wenig hervortretenden ſegens⸗ reichen Wirkſamkeit dieſer ſtädtiſchen Kommiſſion ſeit einer langen Reihe von Jahren zu danken hat. Es mag hier die Bemerkung eingeſchaltet ſein, daß ſich vom Jahre 1875 bis zum Jahre 1900 die Zahl der Karlsruher Arzte von 40 auf 83 vermehrte, einerſeits eine Folge der bedeutenden Er— höhung der Einwohnerzahl, anderſeits aber auch der vermehrten Für— ſorge, welche in allen Kreiſen der Bevölkerung der Krankenpflege ge— widmet wurde. Das ſtädtiſche Krankenhaus war der Erweiterung dringend bedürftig.“) Nachdem ſchon im Jahre 1873 eine Anzahl von Grund— ſtücken in der Schwanenſtraße zum Betrage von 68 000 Mk, ferner der bisher der Stadtgemeinde noch nicht gehörige Teil des Krankenhauſes— einſchließlich der vier Grundſtücke in der Schwanenſtraße— um 102 300 Mk. und das Molbiliar der Anſtalt um 52 497 Mk., ferner 130 qm Gartengelände mit Schreinerwerkſtätte um 7000 Mk. angekauft worden waren, wurde nach dem Entwurfe des Stadtbaumeiſters Strieder ein Erweiterungs⸗ neubau aufgeführt, der im Frühjahr 1885 fertiggeſtellt war. Ob⸗ wohl er ſich nur als Hintergebäude des alten Spitals darſtellte, erſchien er mit ſeiner gegen Süden gekehrten Hauptfront, in ſeiner Geſamtanlage doch als ein umfangreiches dreiſtöckiges Gebäude und, trotz der einfachen ſoliden Ausführung, als ein ſehr ſtattliches Bau— werk. Die Koſten der Neuherſtellung beliefen ſich auf 162 000 Mk. Die Anſtalt— in welcher im Jahre 1884 2591 Perſonen mit 40000 Verpflegungstagen Aufnahme fanden— umfaßte nunmehr 52 ) Vgl. oben Seite 666. Krankenſäle mit 255 Betten. Für weitere Vergrößerung war noch ein Gelände verfügbar, auf welchem mehrere Gebäude mit 23 Miet-⸗ wohnungen zunächſt an bedürftige, der Armenpflege aber nicht an— heimgefallene Familien durch Vermittelung des Badiſchen Fraue n. vereins um billigen Preis vermietet wurden. Von dieſen Gebäuden waren 16 mit dem dazu gehörigen Grundſtück erſt im Jahre 1885 um 26000 Mk. käuflich erworben worden.— Am 22. Dezember 1885 wurde die Gedächtnisfeier des vor 100 Jahren von dem Markgrafen Karl Friedrich erbauten ſtädtiſchen Krankenhauſes gleichzeitig mit der Einweihung des Neubaues gefeiert. Der Hof und die Spitzen der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden waren anweſend. Prälat Doll und der Oberarzt, Medizinalrat Arnſperger, hielten Anſprachen, in denen ein Bild der Entwickelung der Anſtalt gegeben wurde.— Schon im Jahre 1887 wurde die ſteigende Frequenz des Kranken— hauſes Anlaß, in einer Sitzung des Bürgerausſchuſſes die Frage einer Verlegung desſelben durch Errichtung eines Neubaues in Er⸗ wägung zu ziehen. Die Zahl der Verpflegungstage hatte ſich vo n 1878 bis 1887 von 37731 auf 64700, die Zahl der verpflegten Perſonen von 2555 auf 2853 erhöht. Als Hauptgründe dieſer ſteigenden Frequenz wurden vom Stadtrat, neben der Vermehrung der Einwohnerzahl, die neue ſozialpolitiſche Geſetzgebung, insbeſondere die Wirkung des Unfallverſicherungsgeſetzes bezeichnet. Zunächſt fand der Plan eines Neubaues noch keine Zuſtimmung, wohl aber wurden zu abermaliger Erweiterung des Krankenhauſes zwei Grundſtücke u m den Preis von 121000 Mk. angekauft. Im Jahre 1888 waren ſchon 3305 Perſonen(1942 Männer und 1363 Frauen) mit 71010 Verpflegungstagen in ärztlicher Behandlung, die größten Zahlen ſeit dem Beſtehen des Krankenhauſes), im Jahre 1893 4037 Kranke mit 73058 Verpflegungstagen, 1900 3320 Kranke mit 8127 1 Verpflegungstagen. Im Jahre 1883 wurde ein Ortsſtatut über die Verwaltung des ſtädtiſchen Krankenhauſes aufgeſtellt, eine Krankenhaus⸗ kommiſſion niedergeſetzt und deren Wirkungskreis beſtimmt. Im Zu⸗ ſammenhange damit wurden im Laufe der folgenden Jahre verſchie⸗ dene Verordnungen erlaſſen: Vorſchriften über die Verbringung Ver⸗ unglückter und Erkrankter in das ſtädtiſche Krankenhaus, Dienſtweiſungen für die Oberin und die Wärterinnen und Wärter, Inſtruktionen für — 708— die Gemeindekrankenpflegerin, die Koſtordnung und Taxordnung für die Patienten, eine Dienſtweiſung für den ſtädtiſchen Desinfektor u. a. Am 1. Dezember 1884 wurde eine Ambulatoriſche Klinik im Rathauſe errichtet, in welcher durch eigens dazu beſtellte Stadt— ärzte kleinere Operationen, Verbandanlegungen u. ſ. f. vorgenommen werden. In dieſer Klinik wurden in den Jahren 1884—1886 4897 Perſonen ärztlich behandelt, 74 größere Operationen vorge— nommen. 1886 wurde ſie durch Hinzufügung von zwei weiteren Räumen der früheren Mehlhalle vergrößert. Von 1886 an wurde nicht mehr die Zahl der behandelten Perſonen in der Stadtchronik veröffentlicht, ſondern die ärztlichen Leiſtungen des Heilgehilfen. 1886 betrug deren Zahl 25723, 1887 erhob ſie ſich auf 31929, 1891 auf 43 387; 1892 auf 49 514, 1893 auf 54095. Von 1894 an werden die Konſultationen der 4 Stadtärzte(1894 32 170, 1897 38 174, 1900 40750), deren Hausbeſuche lin den gleichen Jahren 8870, 11033, 12 833), die Einzelleiſtungen des Heilgehilfen (17 684, 14 749, 17 684), deſſen Hausbeſuche(304, 588, 266) ver— zeichnet. Von großer Bedeutung für die eferndheidlichen Verhältniſſe der Haupt⸗ und Reſidenzſtadt war es, daß am 1. Dezember 1884 das neue Krankenverſicherungsgeſetz in Kraft trat. Die Organiſation des Krankenverſicherungsweſens erfolgte nach den von Bürgermeiſter Schnetzler ausgearbeiteten Vorſchlägen. Der Vollzugsverordnung dieſes Geſetzes entſprechend wurde für ſämtliche hier zur Errichtung kommende Ortskrankenkaſſen und für die Gemeindekrankenverſicherung eine gemeinſame Meldeſtelle im Rathauſe angeordnet. Die ver— ſchiedenen hieſigen Krankenkaſſen zählten am Schluſſe des Jahres 1885 7330 männliche und 1609 weibliche Mitglieder. Die Zahl der Krankheitstage betrug 54893(davon 3174 infolge von Betriebs⸗ unfällen)j. Aus den zu gemeinnützigen Ausgaben zur Verfügung ſtehenden Überſchüſſen der ſtädtiſchen Spar- und Pfandleihkaſſe wurde behufs Fundierung der Kaſſen dieſen ein Betrag von 3000 Mk. überwieſen. Im Jahre 1888 wurde ein neues Ortsſtatut über die Krankenverſicherung der Dienſtboten und der ohne Gehalt und Lohn beſchäftigten Geſellen, Gehilfen und Lehrlinge aufgeſtellt. Durch das Geſetz über die Ausführung der Unfall- und Krankenverſicherung vom 24. März 1888 und die landesherrliche Verordnuung vom 25. Juni d. J. trat§S 34 des Geſetzes vom 5. Mai 1870 über die öffentliche Armenpflege“) mit dem 1. Januar 1889 außer Kraft. Damit verlor die ſtädtiſche Krankenverſicherungsanſtalt, in welcher bisher die Dienſtboten, ſowie die ohne Lohn beſchäftigten Gewerbe— gehülfen und Lehrlinge gegen Krankheit verſichert waren, ihre recht— liche Grundlage. Eine ſolche wurde nunmehr durch das in dem gleichen Geſetz vom 24. März 1888 vorgeſehene oben angeführte Ortsſtatut erſetzt. Dieſes wurde in der Bürgerausſchußſitzung vom 26. November 1888 einſtimmig genehmigt.“)— Am 11. Oktober 1892 wurde— auf Grund des§ 2 Ziffer 2 und 5 des Reichskranken⸗ verſicherungsgeſetzes in der Faſſung vom 10. April 1892 und des § 15 des badiſchen Geſetzes vom 7. Juli 1892, die Krankenverſiche— rung betr.— für Karlsruhe mit Wirkung vom 1. Januar 1893 vom Bürgerausſchuß ein Ortsſtatut über die Krankenverſiche— rungspflicht erlaſſen. Durch dieſes Ortsſtatut wurden die Vorſchriften des§S 1 des Krankenverſicherungsgeſetzes auf eine Reihe von Perſonen angewendet, welche nicht ſchon kraft Geſetzes ver— ſicherungspflichtig waren. An die Stelle der bisherigen reichsgeſetz⸗ lichen Gemeinde-Krankenverſicherung(Arbeiterkrankenkaſſe) trat nun eine allgemeine Ortskrankenkaſſe und an Stelle der bisherigen landes— geſetzlichen Gemeinde-Krankenverſicherung(Dienſtboten-Krankenkaſſe) eine beſondere Ortskrankenkaſſe der Dienſtboten. Die neu errichteten Ortskrankenkaſſen vereinigten ſich mit den bereits beſtehenden behufs gemeinſamer Verwaltung zu einem Krankenkaſſenverband. Am Schluſſe des Jahres 1893 beſtanden in der Stadt 5 Ortskrankenkaſſen(die allgemeine Ortskrankenkaſſe und die Ortskrankenkaſſen der Dienſtboten, der Bäcker, der Handlungsgehilfen und der Metzger und Wurſtler), eine Innungskaſſe(der Baugewerke-Innung) und 19 Betriebs⸗ (Fabrik-) Krankenkaſſen. Die durchſchnittliche Zahl der Verſicherten betrug bei den Ortskrankenkaſſen 14001, bei der Innungskranken⸗ kaſſe 1222 und bei den Betriebskrankenkaſſen 5 968 Perſonen. Gleichfalls am 1. Januar 1893 trat an Stelle des Ortsſtatuts vom 18. September 1884 über die Verwaltung des Krankenverſicherungs— weſens ein neues Ortsſtatut über die Verwaltung des Arbeiter— ) Vgl. oben Seite 344 f. ) Näheres ſ. Chronik von Karlsruhe 4, 1888 Seite 67 ff. — 710— verſicherungsweſens in Kraft. Als deren Organ wurde eine ſtädtiſche Arbeiterverſicherungskommiſſion gebildet.) Im Jahre 1900“ betrug die durchſchnittliche Zahl aller dieſer Kommiſſion unterſtellten Krankenkaſſen der Stadt 28 356. Die Ausgaben der Kaſſen beliefen ſich auf 699 781 Mk, ihre Einnahmen auf 754622 Mk.““) Neben dem ſtädtiſchen Krankenhauſe war im Laufe der Jahre noch eine Reihe anderer der Krankenpflege gewidmeten Auſtalten ent— ſtanden..*) Die evangeliſche Diakoniſſenanſtalt vergrößerte ihr Arbeitsgebiet nicht nur in der Stadt, ſondern dehnte es allmählich auch auf die Landgemeinden aus. Im Jahre 1889 zählte ſie 91 Diakoniſſinen, 34 Probe- und 7 Vorprobeſchweſtern. In den Kranken— häuſern wurden 3449 Kranke und 159 Pfründner verpflegt. Privat— und Armenpflege wurde an 3155 Perſonen geleiſtet. Im Jahre 1900 zählte man 201 Diakoniſſinen, 68 Probe- und 5 Vorprobe⸗ ſchweſterr. In den Krankenhäuſern und Spitälern der Stadt und auf den Stationen wurden vom 1. September 1899 bis 31. Auguſt 1900. in 120872 Verpflegungstagen 5066 Kranke und 78 Pfründner ver— pflegt. Privat- und Armenpflege wurde an 15 126 Dienſtboten ge⸗ leiſtet. Im St. Vincentiushaus wurden im Jahre 1890 3831 Kranke in 12 641 Verpflegungstagen verpflegt, im Jahre 1898 waren es 992 Kranke in 25 100 Verpflegungstagen, im Jahre 1900 1247 Kranke und 31654 Verpflegungstage. Am 16 Mai 1900 wurde das neue Krankenhaus des St. Vincentiusvereins im Südweſten der Stadt an der Südendſtraße feierlich in Gegenwart der Großherzogin eröffnet. Die Anſtalt faßt 140 Betten, deren Zahl aber nach Be— darf erhöht werden kann. Im alten Gebäude an der Kriegſtraße verblieben die Abteilungen für Augen-, Naſen- und Ohrenkranke. In der Vereinsklinik des Badiſchen Frauenvereines betrug, im Jahre 1889 die Zahl der Kranken 579. Der Neubau derſelben „) Vgl. oben Seite 685. ) Zu vorſtehendem Abſchnitt vgl. die betreffenden Jahrgänge der er Chronik von Karlsruhe, ſowie die„Beiträge zur Statiſtik der Stadt Karlsruhe, her⸗ ausgegeben vom Statiſtiſchen Amt“. 8 den) Vgl. oben Seite 345 ff., 359. 8 — wurde im Frühjahr 1890 bezogen. Am 5. Mai war die feierliche Eröffnung derſelben, die auch ein Wärterinnenheim umfaßt und zur Erinnerung an den ſo früh dahingeſchiedenen Prinzen Ludwig Wilhelm den Namen Ludwig-Wilhelm-Krankenheim erhielt. Der Hof und eine große Zahl Eingeladener wohnten der Feier bei. Im Jahre 1891 betrug die Zahl der Kranken 964, der Verpflegungstage 17188, im Jahre 1900 waren es 1073 Kranke, 20220 Verpflegungstage. Im Frühjahr 1892 trat auf Anregung und unter dem perſön— lichen Vorſitz der Prinzeſſin Wilhelm eine Anzahl Damen zur Gründung eines Wöchnerinnen-Aſyls zuſammen. Die er—⸗ forderlichen Räumlichkeiten im Ludwig-Wilhelm-Krankenheim ſtellte die Abteilung III des Frauenvereins zur Verfügung. Im Juli wurde das Aſyl eröffnet und bis zum Schluß des Jahres wurden in demſelben 42 Frauen mit 484 Verpflegungstagen verpflegt, im Jahre 1896 waren es 140 Frauen uit 1466 Verpflegungstagen, für 1900 ſind die Zahlen 246 und 2728. Im ſtädtiſchen Vierordtbad wurde im Jahre 1882 ein in der Hydro- und Pneumatotherapie ſpeziell geübter Arzt aufgeſtellt, wodurch den leidenden Bewohnern der Stadt Behandlungsmethoden zugänglich gemacht wurden, wie ſie ſonſt nur in beſonderen Kur— anſtalten zu finden ſind. Seit 1887 iſt die Kuranſtalt auch während der Sommermonate im Betriebe. Neben den gewöhnlichen Wannen— und Douchebädern, Heißluft-sz, Dampf- und künſtlichen Soolbädern beſteht ſeitdem auch noch eine Abteilung für Anwendung der phyſi— kaliſchen Heilmethode und für das Geſamt-Waſſerheilverfahren. In den Jahren 1885 bis 1889 betrug die größte Zahl der Bäder 18 984(1886), die niedrigſte 9576(1889). Der Rückgang erklärt ſich aus der außerordentlichen Vermehrung der Hausbäder und Bad— anſtalten in dieſem Zeitraume, darunter auch Volksbäder in ver— ſchiedenen Schulhäuſern. Die von den Doktoren Wunderlich und Morſtadt geleitete Kurabteilung hatte dagegen in der gleichen Zeit eine bedeutende Zunahme der Frequenz zu verzeichnen. In den Jahren 1897—1900 wurde das Vierordtbad mit einem Aufwand von 706000 Mk. umgebaut und erweitert und in demſelben ein Schwimmbad angelegt. Vom Juli, in welchem das umgeſtaltete Bad neu eröffnet wurde, bis Dezember 1900 betrug die Zahl der Bäder 75 270. Darunter waren 50 957 Schwimmbäder, 13026 — 712— Wannenbäder, 5278 Heißluft- und Dampfbäder und 4009 Kurbäder verſchiedenſter Art. Die Errichtung eines Damenſchwimmbades im Rhein bei Maxau, insbeſondere aber die Erbauung des Friedrichsbades in der Kaiſerſtraße mit Schwimmbad, Dampfheizung, künſtlicher Ven— tilation und elektriſcher Beleuchtung ſind an dieſer Stelle beſonders hervorzuheben als wichtig für die Geſundheitspflege in weiten Kreiſen der Einwohnerſchaft. Von hygieniſchen Geſichtspunkten ging die Gemeindeverwaltung auch aus, als ſie eine neue Begräbnis-Ordnung erließ, welche mit dem 1. Oktober 1893 als Ortsſtatut in Kraft trat. Ihre wichtigſte Beſtimmung ſtellt feſt, daß die Leichen allgemein innerhalb 36 Stunden nach Eintritt des Todes mittels Leichenwagens auf dem kürzeſten Wege in die Leichenhalle auf den Friedhof zu verbringen und von dieſer aus zu beerdigen ſind. Armenfürſorge. Anſtalten für Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit. Nach Vorſchrift der Städteordnung war auch für das Armen— weſen eine beſondere Kommiſſion zu bilden und zu dieſem Zwecke ein Ortsſtatut zu erlaſſen. Es war ſelbſtverſtändlich, daß dieſe Kom— miſſion den Namen Armenrat zu führen hat, der hier ſchon bisher für die örtliche Armenbehörde üblich war. Der neue Armenrat wurde als ein Organ des Stadtrats dieſem unterſtellt, während der frühere ſich nur als der zum Zweck der Armenpflege erweiterte Gemeinderat darſtellte und dieſen in ſich ſchloß. Die ſämtlichen zur öffentlichen Armenpflege gehörigen, dem früheren Armenrat obgelegenen Geſchäfte wurden, ſoweit dieſes geſetzlich möglich war, dem neuen Armenrat zur ſelbſtändigen Erledigung zugewieſen, nur wenn es ſich um allgemeine, für dauernde Geltung berechnete Maßregeln handelte, muß die Ge— nehmigung der gefaßten Beſchlüſſe durch den Stadtrat herbeigeführt werden. Die Zuſtändigkeit des Stadtrats zur Ernennung der Mit—⸗ glieder der Kommiſſion ergab ſich aus den einſchlägigen geſetzlichen Beſtimmungen. Zur Kenntnis und Beaufſichtigung der Verhältniſſe der Unterſtützungsbedürftigen in allen Teilen der Stadt wurden, wie bisher, ſo auch für die Zukunft aus der Bürgerſchaft erwählte Armenpfleger herangezogen und als Grundlage ihrer Wirkſamkeit Armenbezirke gebildet, die ihrerſeits wieder in Pflegſchaften zerfallen. Durch die Armenpfleger haben alle Geſuche um Unterſtützung zu gehen, welche auf Grund ihrer Anträge verbeſchieden werden; ſie haben auch die Verwendung der Unterſtützungen zu überwachen. Eine lebendige Vermittlung zwiſchen den einzelnen Armenpflegern und dem Armenrat wurde durch die Bezirksvorſteher, welche zugleich Mit— glieder des Armenrats ſind, geſchaffen, der einheitliche Geiſt, der in der Armenpflege herrſchen muß, wurde aber dadurch geſichert, daß jede Beſchlußfaſſung vom Armenrat ſelbſt auszugehen hat. Dieſe Organiſation ſchloß auch die Möglichkeit ein, für die Zukunft die Zahl der Armenpfleger und wohl auch der Armenbezirke nach Bedarf zu vermehren. Im Übrigen begnügte ſich das Ortsſtatut damit, alle Verhältniſſe des Armenweſens zu regeln, welche grundſätzlicher oder bleibender Natur ſind, alles andere aber blieb der Verfügung des Stadtrats und des Armenrats in der Form von Dienſtweiſungen überlaſſen. Daß auch Vertreter der freiwilligſgen Armenpflege dem Armenrat angehören ſollten, war ebenſo ein Grund dafür, daß die Zahl der Mitglieder desſelben allerdings in gewiſſen Grenzen eine wandelbare ſein mußte wie die— wie ſchon erwähnt— voraus⸗ zuſehende Notwendigkeit, mit der Zeit die Armenbezirke zu vermehren. Aus den innigen Beziehungen, in denen die Verwaltung der Kranken— verſicherungsanſtalt und des ſtädtiſchen Krankenhauſes mit der Armen— pflege ſtehen, ergab ſich die Zweckmäßigkeit der Unterſtellung dieſer Verwaltungszweige, einſchließlich ihrer Kaſſenverwaltung, unter den Armenrat mit der Beſtimmung, das Referat darüber einer engeren aus ſeiner Mitte zu bildenden Kommiſſion zu übertragen, während die Überwachung der geſundheitlichen Verhältniſſe des Krankenhauſes in die Hände des Ortsgeſundheitsrats gelegt wurde. Die Mitglieder der Armenbehörde wurden im Ortsſtatut auf die Pflicht hingewieſen, die Gemeindekaſſe nicht über das geſetzlich vorgeſchriebene Maß zu belaſten, die Verhältniſſe der Armen nach angemeſſener Friſt wieder aufs Neue zu prüfen, die Unterſtützungen nach einem überdachten Syſtem und nicht in den wechſelnden Fällen nach der wechſelnden Stimmung zu erteilen. Der Entwurf dieſes Ortsſtatuts wurde in der Sitzung des Bürgerausſchuſſes vom 28. Dezember 1875 nach kurzer Verhandlung mit einigen unbedeutenden Abänderungen einſtimmig genehmigt. Dabei empfahl der Stadtverordnete Malſch dem Stadtrate dringend, bei der hohen Summe, welche die Armenpflege zur Zeit verlange, mit mög⸗ lichſter Sparſamkeit zu Werke zu gehen. Da ſich Zweifel erhoben hatten, ob dem Armenrat nicht nur die Verteilung der Erträgniſſe der örtlichen Armenſtiftungen, ſondern auch deren Verwaltung zuſtehe, erhielt§S 8 des Ortsſtatuts über die Armenpflege, durch Beſchluß des Bürgerausſchuſſes vom 19. Juli 1881 eine Form, welche ihm auch das Recht der Verwaltung derſelben aus⸗ drücklich zuſprach. Eine erfreuliche Tatſache auf dem Gebiete der Armenpflege konnte im Jahre 1885 feſtgeſtellt werden, nämlich daß, trotz der ungewöhnlichen Bevölkerungszunahme, das ſtädtiſche Budget für den Armenaufwand in den letzten fünf Jahren keine Steigerung erfahren hatte. Dieſer Umſtand erklärte ſich teils aus der wirtſchaftlichen Beſſerſtellung der ärmeren Bevölkerungsklaſſen, teils aus der opferwilligen privaten und von Vereinen ausgeübten Mildtätigkeit. Die Durchſchnittszahl der in den Jahren 1878 bis 1888 vom Armenrat unterſtützten Perſonen beträgt 1864,9, von 1889 bis 1898 2234,5, im Verhältnis zur Be— völkerungszunahme in dieſen Jahren eine ſehr mäßige Erhöhung. Der Geſamtaufwand der Stadt für die Armenpflege betrug im Jahre 1890 191637 Mk. oder 7,5 Prozent des geſamten ſtädtiſchen Aufwandes“), im Jahre 1895 203 326 Mk. oder 7,16 Prozent, im Jahre 1900 262 585 Mk. oder 6,68 Prozent desſelben. Die Zahl der vereinigten Armenſtiftungen betrug im Jahre 1889 30, das Stiftungskapital 55 250 Mk. Der Wohltätig⸗ keitsfond, welcher aus den Geldbeiträgen gebildet wird, die der Gemeindebehörde zu dem Zwecke überwieſen werden, um ſie nach Er— meſſen zu Zwecken der Hilfsbedürftigen zu verwenden und deren ſo⸗ fortige Ausgabe nicht erforderlich iſt oder nicht gewünſcht wird, betrug am Schluſſe des Jahres 1893 49 355 Mk. Die Zinſen desſelben und nötigenfalls auch Teile des Kapitals werden zu Wohltätigkeits⸗ handlungen außerhalb des Kreiſes der geſetzlichen Armenpflege ver⸗ wendet.— Die ſeit Juli 1874 hier neu geordnete Armenkinderpflege beſorgt gemeinſam der Armenrat und der Frauenverein. Der Armenrat ) Bis 1894 wurde der Aufwand für Armen⸗ und Krankenpflege in einer Summe verzeichnet. — 7 entſcheidet über die Aufnahme unter die Zahl der Armenkinder, wählt die Familien aus, bei welchen ſie unterzubringen ſind und beſtimmt die Zuſchüſſe. Damen des Frauenvereins beſuchen die ihnen zur' Beaufſichtigung zugewieſenen Kinder regelmäßig mindeſtens einmal im Monat. Von den ſchulpflichtigen Armenkindern, deren Zahl im Jahre 1885 186 betrug, beſuchten 126 die Karlsruher, die übrigen auswärtige Volksſchulen. 1886 war deren Zahl auf 223 angewachſen, 1888 waren ihrer 384, der größere Teil wurde ſpäter in den Land— orten der Umgegend untergebracht, ſo daß im Jahre 1892 in der Stadt Karlsruhe ihre Zahl nur 99 betrug. 1893 waren es wieder 191. 1894 wurde das Syſtem geändert; die Chronik verzeichnet von da— an die Zahl der Kinder, deren Unterbringung in einer dazu geeigneten Erziehungs- oder Beſſerungsanſtalt oder in einer Familie zum Zwecke⸗ der Zwangserziehung auf amtsgerichtliches Erkenntnis erfolgte, dieſe betrug 68, im Jahre 1895 78, 121 in den Jahren 1896 und 1897, 109, 114, 112 in den Jahren 1898—1900. Ohne auf Vollſtändigkeit Anſpruch zu machen, ſtellen wir in— Nachſtehendem die Leiſtungen der namhafteſten Anſtalten und Vereine zuſammen, welche ſich in Karlsruhe mit Wohltätigkeit und Gemein— nützigkeit beſchäftigten. Von gemeinnützigen Anſtalten iſt in erſter Reihe die Karl— Friedrich-Leopold- und Sofienſtiftung zu nennens)! Im Jahre 1888 befanden ſich in derſelben(gewöhnlich das Pfründnerhaus— genannt) 39 Pfründner erſter Klaſſe und 58 Armenpfründner. In⸗ folge des Rückganges des Zinsfußes und des Sinkens des Geldwertes, bei dem Ausbleiben nennenswerter Zuſtiftungen, war dieſe Anſtalt aber an der Grenze ihrer Leiſtungsfähigkeit angelangt und konnte wieder— holt Aufnahmegeſuche nicht berückſichtigen. Aber nach und nach beſſerten ſich ihre Verhältniſſe wieder. Im Jahre 1889 ſtanden den Einnahmen im Betrage von 61854 Mk. an Ausgaben 50071 Mk. gegenüber. Nach mancherlei Schwankungen im Laufe der Jahre betrug 1899 die⸗ Zahl der Pfründner erſter Klaſſe 58, jene der zweiten Klaſſe 47, den laufenden und Grundſtocks-Einnahmen von 83 384 Mk. ſtanden Ausgaben von 74800 Mk. gegenüber. Die Herberge zur Heimat“) gewährte vom 1. No⸗ *) Vgl. oben Seite 351. *) Vgl. oben Seite 354. 1106— vember 1889 bis dahin 1890 Unterkunft an 18 783 Perſonen, in dem mit der Herberge verbundenen Gaſthauſe übernachteten 1646 Per— ſonen, an 19273 Perſonen wurde Mittagstiſch verabreicht, die Ein— nahmen betrugen 50 921, die Ausgaben 50682 Mk., das Reinvermögen erreichte die Höhe von 33993 Mk. In der Zeit vom 1. No⸗ vember 1899 bis dahin 1900 entſprechen den gleichen Poſten die Zahlen: 19 436, 2985, 19 766, 103 602 Mk., 103 207 Mk, 74529 Mk.— Im Jahre 1900 wurde eine zweite Herberge zur Heimat im Stadtteile Mühlburg von der gleichen Geſellſchaft ge— gründet, in deren Hand die Leitung der ſchon beſtehenden Herberge liegt, und am 31. Oktober feierlich eröffnet. Der Lebensbedürfnisverein erzielte im Jahre 1885 günſtigere Ergebniſſe als ſeit 20 Jahren.“) Er zählte 1115 Mit⸗ glieder, der Jahresumſatz betrug 569 800 Mk., der Reingewinn 51176 Mk.; im Jahre 1892 gehörten ihm 2815 Mitglieder an, der Umſatz betrug 1474 341 Mk., der Ertrag des Geſchäftes 237 215 Mk., an die Mitglieder wurde eine Dividende von 10 Prozent verteilt. Der Verein gegen Haus- und Straßenbettel ſetzte ſeine verdienſtliche Tätigkeit durch Unterſtützung Durchreiſender(7495 im Jahre 1885, 5 347 im Jahre 1900) und während einiger Zeit auch durch Gewährung unverzinslicher Darlehen an hieſige unbeſcholtene und unbemittelte Perſonen fort. Desgleichen war die Kleinkinderbewahranſtalt bemüht, ihr ſegensreiches Wirken fortzuführen. Im Jahre 1885 waren in derſelben 446 Kinder untergebracht. In der Anſtalt wurden auch Lehrerinnen (Kleinkinderſchweſtern) ausgebildet. Aus 3 Anſtalten wurden im Laufe der Jahre 8, im Jahre 1900 waren in dieſen 807 Kinder unter— gebracht. Dazu waren bis dahin weiter 4 katholiſche Kleinkinder— bewahranſtalten, eine Kinderpflege und 4 Kleinkinderſchulen mit zu— ſammen durchſchnittlich 600 Kindern gekommen. Der Badiſche Frauenverein unter dem Protektorate der Eroßherzogin Luiſe, deſſen Wirkſamkeit die verſchiedenſten Gebiete berührt und ſich auf das ganze Land erſtreckt, hat, wie früher, in großem Umfange auch der Stadt Karlsruhe ſeine wertvolle Fürſorge zugewandt. Im Juni 1884 konnte er das 25jährige Jubiläum ſeines ) Er war 1865 gegründet worden. Siehe oben Seite 355 f. iee 74 Beſtehens in Gegenwart der Großherzogin feiern, zu welchem viele Teil— nehmer aus allen Teilen des Landes und auch aus außerbadiſchen Städten nach Karlsruhe gekommen waren. Im kleinen Saale der Feſthalle fand am 26. Juni eine Feſtverſammlung ſtatt, der ein ge⸗ meinſames Mittageſſen im großen Feſthalle-Saal und ein Empfang bei Hofe folgte. Am 27. Juni wurde eine zweite Verſammlung ab⸗ gehalten. Später beſuchten viele der Anweſenden die Volksküche, andere nahmen am Feſte der Wärterinnen in der Klinik teil und am Abend vereinigte ein von der Stadt gegebenes Feſt Einheimiſche und Gäſte im Stadtgarten.— In den Jahren 1891, 1893 und 1899 fanden in Karlsruhe die Landesverſammlungen des Vereines ſtatt.— Die umfaſſende Tätigkeit des Vereines vermehrte ſich von Jahr zu Jahr ſowohl hinſichtlich der Aufgaben, welche er in ſeinen Bereich zog, als auch der Ausdehnung, welche die Löſung dieſer Aufgaben gewann. Dem Jahresbericht für 1900 entnehmen wir eine Überſicht über das Wirken des Frauenvereins in der Stadt Karlsruhe in dieſem Jahre. In der J. Abteilung für Frauenbildungs- und Erwerbs— pflege wurden Kurſe zur Ausbildung von Handarbeitslehrerinnen an Kochſchulen und an Höheren Mädchenſchulen abgehalten; in der Luiſen— ſchule wurde ſchulentlaſſenen Mädchen eine Fortbildung in den Haupt⸗ ſchulfächern geboten und praktiſcher Unterricht im Kochen erteilt, in der Frauenarbeitsſchule wurden die Schülerinnen in Kurſen, welche acht Fächer umfaßten, unterrichtet, die Handelsſchule bereitete ihre Schüle⸗ rinnen zur Tätigkeit in Verſicherungsanſtalten, Fabriken und größeren kaufmänniſchen Geſchäften als Kanzliſtinnen, Buchhalterinnen, Hand⸗ lungsgehilfinnen vor, die Schule für Kunſtſtickerei erteilte Unterricht zur Erlernung der feineren Stickereitechniken und bildete Kunſtſtickerei⸗ Lehrerinnen aus. Es ſind ferner zu erwähnen: das Friedrichſtift, welches alleinſtehenden Damen ein behagliches Heim zu mäßigen Preiſen bietet, mit welchem eine Haushaltungsſchule verbunden iſt; das Seminar zur Ausbildung von Haushaltungslehrerinnen, ein Stellen⸗ vermittlungsbureau, Kurſe zur Ausbildung von Köchinnen und die Beaufſichtigung des weiblichen Handarbeitsunterrichts in den Karls⸗ ruher Volksſchulen. In der II. Abteilung für Kinderpflege waren die Krippen Luiſen⸗ haus und Hildahaus, das Kinderpflegerinnen-Inſtitut und die Armen⸗ kinderpflege(über die ſchon oben berichtet iſt) in eifriger Tätigkeit. — 718— In der III. Abteilung für Krankenpflege waren im Jahre 1900 in der Stadt Karlsruhe 110 Vereinsſchweſtern in dem Garniſon— lazarett, dem Ludwig-Wilhelm-Krankenheim, dem Armenpfründnerhaus, dem Pfründnerhaus und dem ſtädtiſchen Krankenhaus, ſowie in der Privatpflege tätig. In der IV. Abteilung für Armenpflege und Wohltätigkeit waren wie ſeit langen Jahren der Sofienfrauenverein, der Eliſabethenverein, der Nähverein für arme Kranke, die Mädchenfürſorge mit den zwei Fürſorgeheimen des Luiſenhauſes und in Scheibenhardt für arme oder gefährdete Mädchen, das Aſyl- und Erziehungshaus Scheibenhardt, das Geſchäftsgehilfinnenheim, die Arbeiterinnenfürſorge, der Sonntags⸗ verein, die Flickſchule und der Flickverein, der Beſchäftigungsverein, die Kochſchule und die Volksküchen Luiſenhaus, Ritterſtraße und Hildahaus tätig. Dieſe ganze bedeutende Tätigkeit wurde von der Großher— zogin Luiſe nicht nur angeregt, geſchirmt und in großartiger Frei— gebigkeit unterſtützt, ſondern die hohe Frau nahm, wie es auch in den folgenden Jahren geſchah und noch jetzt geſchieht, nicht nur an den verſchiedenen Unternehmungen des Vereins, ſondern an allen Ein⸗ zelheiten bei deren Ausführung den lebhafteſten und erfolgreichſten Anteil. Auch der Karlsruher Männerhilfsverein“) hat im Anſchluß an ſeine Leiſtungen während des deutſch-franzöſiſchen Krieges und in den erſten Jahren nach dem Friedensſchluſſe ſein Wirken im Dienſte des Roten Kreuzes mit Eifer und Ausdauer fortgeſetzt. Das freiwillige Krankenträgerkorps, dem im Laufe der Zeit der Name Freiwillige Sanitätskolonne beigelegt wurde, hat ſich, trotz mancher Schwierig⸗ keiten, die ihm in den Friedensjahren entgegentraten, in denen manche die Notwendigkeit einer ſolchen Organiſation vergaßen oder beſtritten, nicht nur in dem früher erreichten Umfang erhalten, ſondern ſogar eine größere Mitgliederzahl gewonnen, ſeine Ausbildung für den Zweck einer wirkſamen Kriegstätigkeit bedeutend erweitert und ver— vollkommnet und ganz beſonders auch eine Tätigkeit im Frieden zur Leiſtung der erſten Hilfe bei Unglücksfällen Einzelner und bei Feſt⸗ lichkeiten, die ein Zuſammenſtrömen großer Menſchenmaſſen veran⸗ ) Vgl. oben Seite 360f. — 719— laſſen, in eine feſte und im Laufe der Zeit auch bewährte Organi⸗ ſation gebracht. Die Erinnerung an die Leiſtungen des Vereines in den Kriegsjahren gab Anlaß zu einer beſcheidenen Feier als 25 Jahre verfloſſen waren, ſeit der Verein ſich beim Ausbruch des Krieges ge—⸗ bildet hatte. In ergreifenden Worten gab die Großherzogin ihrem dankbaren Gedenken an die erſprießliche Tätigkeit des Vereines am 27. Juli 1895 in einem Telegramm an deſſen Vorſitzenden Ausdruck. Die von dem Männerhilfsverein im Februar 1875 gegründete Allgemeine Volksbibliothek hat ſich in den 25 Jahren, die im Jahre 1900 abgeſchloſſen waren, bedeutend erweitert. In dieſer langen Reihe hat ſie an 28 528 Benützer 640 738 Bände ausgeliehen und ſich dadurch unter den Bildungsanſtalten der Haupt- und Reſidenz⸗ ſtadt einen allſeitig anerkannten Platz erworben. Von großer Bedeutung unter den Vereinigungen, welche dem Wohle der Stadt und ihrer Einwohner dienen, war auch in dieſem Zeitabſchnitte die Freiwillige Feuerwehr, die im Jahre 1897 auf eine fünfzigjährige Wirkſamkeit zurückſchauen konnte. Wie ihre Aufgaben, ſo wurden auch die Einrichtungen und die Ausrüſtung des Korps größer und mannigfaltiger. Für„Einrichtungen zum Schutz und zur Verſicherung gegen Feuersgefahr“ wurden im ſtädtiſchen Voran— ſchlag ſtets namhafte Ausgaben vorgeſehen, die ſich— um nur einige Jahre heranzuziehen— von 1893 bis 1897 von 28831 auf 34646 Mk. erhöhten. Im Jahre 1896 wurden 42 388 Mk. ange⸗ fordert und bewilligt infolge der Verlegung des Steighauſes und ver— ſchiedener Neuherſtellungen. Am 10. Auguſt 1894 wurden der Feuerwehr Körperſchaftsrechte verliehen. Im Jahre 1895 erhielt die Feuerwehr neue Satzungen unter Beibehaltung ihrer militäriſchen Or⸗ ganiſation. Eine Reihe größerer Brände gab der Feuerwehr Gelegen⸗ heit, ihre Tüchtigkeit und raſche Hilfsbereitſchaft zu bewähren. Wenn unter dem Eindruck eines Brandes in der Seminarſtraße Nr. 13 am 29. März 1891, bei welchem der Verluſt von zwei Menſchenleben zu beklagen waren, Stimmen laut wurden, die ſich für Errichtung einer Berufsfeuerwehr ausſprachen, ſo ergab auch dieſes Mal eine vom Stadtrat vorgenommene Feſtſtellung aller in Betracht kommenden Verhältniſſe die vollſtändige Bewährung der Feuerwehr. Der Stadtrat ſah aus verſchiedenen Gründen von der Errichtung einer Berufs⸗ feuerwehr ab, traf dagegen Maßregeln zur tunlichſteu Beſchleunigung — 720— des Feueralarms und des erſten Angriffes auf das Feuer, welche in den folgenden Jahren noch weiter ausgebildet und ergänzt wurden. Auch in Zukunft wird die Freiwillige Feuerwehr Karlsruhe, getragen von dem Vertrauen der Einwohnerſchaft, ihrem Wahlſpruch:„Einer für Alle und Alle für Einen“ getreu bleiben.“) Die ſtädtiſchen Finanzen.““) Die Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben der Stadtkaſſe weiſt im Jahre 1877 als Summe der Ein—⸗ nahmen 825937, der Ausgaben 826 461 Mk. nach. Unter dieſen werden aufgeführt: auf Kirchen- und Schulanſtalten: 138 143 Mk., auf die Polizei 299 337 Mk., darunter für die Sicherheitspolizei 53 042, für die Armenpolizei 115033 Mk.), Aufwand auf die Gemeindeverwaltung: 83 259 Mk. Im Jahre 1881 betrugen die Einnahmen 2579119, die Ausgaben 2411371 Mk. Unter dieſen: auf Kirchen- und Schulanſtalten: 104385, auf die Polizei 133 264 Mk.(darunter für die Sicherheitspolizei 43 454, für die Geſundheitspolizei 7526, für die Armenpolizei 122 284 Mk.), auf die Gemeindeverwaltung 111117 Mk. Im Jahre 1890 waren die Einnahmen 2808 351, die Ausgaben 25398872 Mk. Unter dieſen entfallen auf die Schulen 512 740, auf die Armen- und Krankenpflege 191 657, auf die Gemeideverwaltung 231182 Mk. Im Jahre 1900 ergab ſich für die Einnahmen die Summe von 4563 940, für die Ausgaben 3 933 472. Von dieſen trafen auf die Mittel- und Volks⸗ ſchulen 880 270, auf die Armen- und Krankenpflege 262 585, auf die Geſundheitspflege, einſchließlich Straßenreinigung und Kehricht— abfuhr, 140 309, auf die Schuldentilgung und Verzinſung 1145512, auf die Gemeindeverwaltung 405 352 Mk. Eine ſummariſche Überſicht über den Vermögens- und Schuldenſtand der Stadt Karlsruhe am Schluſſe des Jahres 1876 ergibt Aktiva im Betrage von 7953 596, Paſſiva 4494591, nach deren Abzug ſich ein reines Vermögen von 3 459 005 Mk. ergibt. Im Jahre 1881 beziffern ſich die Aktiva auf 9550 411, ) Vgl. die Feſtſchrift zum fünfzigjährigen Stiftungsfeſt der Feuerwehr Karlsruhe 1897. 4) Vgl. oben S. 301 ff., insbeſondere die Anmerkung auf S. 301. 92 die Paſſiva auf 6926815 Mk. Von den Aktiven können 5 945 195 Mk. als Ertrag abwerfendes Vermögen angenommen werden, der Reſt mit 3 605 215 beſteht in zu Gemeindezwecken dienendem, nicht durchweg rentierendem Vermögen, das Geſamtvermögen berechnet ſich auf 2 623 596 und erhöht ſich auf 4752 238 Mk,, wenn man zu obiger Summe den Mehrwert der Gebäude nach den dermaligen Verkaufspreiſen gegenüber dem Anſchlag zur Brandverſiche— rung(mit 2058 892) und des Gaswerks(mit 69749 Mk.) rechnet. Am Schluſſe des Jahres 1890 betrug die geſamte Anlehensſchuld der Stadtgemeinde 14507 100 Mk,, das geſamte Stadtvermögen 15 165 648 Mk,, die darauf ruhenden Schulden 14681028 Mk., das reine Vermögen daher 484620 Mk. Dabei ſind die Ge⸗ bäude nur mit dem Brandverſicherungsanſchlag, die gewerblichen Anlagen nur mit den Erſtellungskoſten aufgenommen. Da die Stadt am Schluſſe des Jahres noch Wertpapiere im Betrage von 2601377 Mk. beſaß, ſo betrug die Summe des ertragabwerfenden Vermögens 9480 712 Mk., der Reſt des Vermögens von 5684936 Mk. diente Gemeinde-, insbeſondere Schulzwecken.— Am Schluſſe des Jahr— hunderts— am 3. Dezember 1900— betrug die Anlehensſchuld 24956 490 Mk., das geſamte Vermögen der Stadtgemeinde 22036 758 Mk, die darauf ruhenden Schulden 25 053 339 Mk., ſo daß ſich ein reiner Schuldenſtand von 3016581 Mk. ergab. Die Geſamtſumme des ertragabwerfenden Vermögens betrug 13 458 681 Mk., das keinen Ertrag abwerfende, zu Gemeinde⸗, vorzüglich zu Schulzwecken dienende 8578 076 Mk. Die ſämtlichen Umlageneinkünfte betrugen im Jahre 1876: 326989 Mk.; im Jahre 1881: 461 924 Mk.; im Jahre 1890: 737 253 Mk.; im Jahre 1900: 1450 715 Mk. Der Ertrag der Verbrauchsſteuern in den gleichen Jahren: 169 927, 225 463, 260 000, 342 509 Mk. Die umlagepflichtigen Steuerkapitalien betrugen im Jahre 1876: 1793 316 Mk. Grund⸗ und Gefällſteuer⸗ kapital, 28 928 700 Mk. Häuſerſteuerkapital, 26684572 Mk. Ge— werbſteuerkapital, 106 958 340 Mk. Kapitalrentenſteuerkapital, im Jahre 1881 von den gleichen Kapitalien: 2539 731, 52 942 690, 61555 600,, 132 626 000 Mk.; im Jahre 1890: 31975620, 88 249 120, 47 483 100, 204 430 560 Mk.; im Jahre 1900: 103 124640 Mk. Grund- und Häuſerſteuerkapital, 70 192 Mk. 46 Gewerbſteuerkapital, 36938 6665 Mk. Einkommenſteueranſchlag und 274904 720 Mk. Rentenſteuerkapital. Dieſe Ziffern weiſen deutlicher, als die umfaſſendſte Darlegung es vermöchte, nach, welch großen Aufſchwung die Haupt- und Reſi⸗ denzſtadt Karlsruhe vom Jahre 1876 bis zum Schluſſe des 19. Jahr- hunderts genommen hat. Die Veräehrsverhältniſſe. Eiſenbahnen, Dampfbahnen, Pferde- und elektriſche Bahnen. Die rieſige Entwicklung der Stadt Karlsruhe in dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts hinſichtlich des Verkehrs bedingte einer— ſeits vollkommen neue Einrichtungen im Verkehrsbetrieb, andererſeits mehr oder weniger ausgedehnte Vergrößerungen und Verbeſſerungen der ſchon beſtehenden Verkehrsmittel. Der in den 1870er Jahren eifrigſt angeregte und auf die verſchiedenartigſte Weiſe projektierte Bau einer Bahn von Durlach über Bretten nach Eppingen!) erhielt am 29. Juli 1876 ſeine definitive Konzeſſion. Dabei trat die Stadt Karlsruhe als Unternehmerin auf; das Kapital von 12 Millionen Mark aber wurde zu 4½ vom Staat, der den Betrieb übernahm, verzinſt. Die Frankfurter Firma Holzmann& Co. und der Bauunternehmer Kögler aus Bretten wurden mit der Aus— führung des Baues betraut. Im Auguſt 1880 konnte endlich die feierliche Eröffnung der Bahnſtrecke ſtattfinden. Für Karlsruhe war die Erbauung dieſer Bahn von Wichtigkeit; denn die Stadt hätte, falls dieſe Bahnſtrecke nicht erbaut worden wäre, als Verkehrsplatz ſowohl, wie auch als Eigentümerin der Maxauer Bahn entſchieden ver— loren, da ſie bei dem Verkehr zwiſchen der Pfalz und Württemberg durch die Germersheimer Bahn alsbald nach deren Eröffnung zum größten Teil umgangen worden wäre. Ferner war dadurch die Ver— ) Vgl. oben S. 365. bindung mit ſehr wohlhabenden Gegenden hergeſtellt und ein kürzerer Verkehrsweg nach Würzburg, Mühlacker—Stuttgart, Heilbronn und Nürnberg geſchaffen. Nachdem im März 1881 der Stadtrat, auf Grund eingeholter Gutachten der Handelskammer und des Gewerbevereins, in Überein— ſtimmung mit denſelben beſchloſſen hatte, der Großh. Oberdirektion zu berichten, daß der Bau der projektierten Straßenbahn Karls— ruhe— Durlach als ein ſowohl im Intereſſe der Stadt, wie auch in dem von deren öſtlichen Umgebung wünſchenswertes Unternehmen zu bezeichnen ſei, nahm er die darauf erfolgten Konzeſſionsbedingungen ohne Einwendung an, erklärte ſich außerdem bereit, den zur Errichtung eines Wartepavillons erforderlichen Platz vor dem Durlachertor pacht— weiſe dem betreffenden Unternehmer zu überlaſſen und vertrat die Anſicht, daß es vorteilhaft und im Intereſſe des Publikums ſei, wenn die Pferdebahn und die projektierte Dampfbahn in einer Hand ſich befänden. Die Konzeſſion zur Anlage der Bahn wurde dann auch dem Privatier Chriſtian Hoeck, der den Pferdebahnbetrieb in der Stadt hatte, erteilt. Der nördliche Seitenweg der Karlsruhe—Durlacher Landſtraße wurde als Bahnkörper genommen. Am 17. Juli 1881 ging die Eröffnung der neuen Linie vor ſich. Die Geſamtlänge der Bahn betrug jetzt 14 Kilometer. Das Aktienkapital der dieſen Bahn⸗ betrieb führenden Geſellſchaft wurde auf 550000 Mk. feſtgeſetzt. Davon befanden ſich gleich zu Beginn für 200000 Mk. Aktien in feſten Händen, während die weiteren 350000 Mk. in 700 Aktien à 500 Mk. von der Vereinsbank in Berlin zur Subſkription zum Kurſe von 105 plus 4% Stückzinſen aufgelegt wurden. Zum Ver⸗ kehr auf der Bahn wurden kleine, von der Karlsruher Maſchinen⸗ fabrik erſtellte Lokomotiven, an welche ſich mindeſtens 4 Wagen an⸗ hängen ließen, genommen. Der Fahrpreis vom Durlachertor bis Durlach betrug an Werktagen 10 Pf. und an den Sonntagen 15 Pf. Abends und morgens wurden Arbeiterzüge eingelegt. Die Züge hatten von einer halben Stunde zur andern zu fahren. An der feierlichen Eröffnungsfahrt nahmen der Generaldirektor der bad. Staatseiſen⸗ bahnen Eiſenlohr, Bürgermeiſter Schnetzler, mehrere Mitglieder des Stadtrats, die Direktoren und Ingenieure der Bahn, Vertreter der Preſſe, der Gemeinderat von Mühlburg und ſonſtige eingeladene Gäſte teil. 46* — 724— Anfangs November des Jahres 1885 wurde wegen des Baues einer Dampfſtraßenbahn Karlsruhe— Hagsfeld von Intereſſenten in Hagsfeld eine Verſammlung abgehalten, an der, auf Erſuchen des Stadtrats, in deſſen Namen Bürgermeiſter Schnetzler teilnahm. Sämtliche Vertreter der beteiligten Hardtgemeinden Blanken— loch, Büchig, Friedrichstal, Rintheim, Spöck und Staffort waren erſchienen. Dabei äußerte Bürgermeiſter Schnetzler die Anſicht, daß die Stadt Karlsruhe jede Vermehrung der Verkehrswege zwiſchen der Reſidenz und den Nachbarorten freudig begrüße und tunlichſt fördern werde, daß ſie aber an dem Unternehmen ſich nicht beteiligen könne, da ſie kein direktes Intereſſe an deſſen Verwirklichung habe. Auf einſtimmigen Beſchluß dieſer Verſammlung wurde, im Hinblick darauf, daß das Dampfbahnprojekt einem wirklichen Bedürfniſſe des Stadt⸗ und Landbezirks entſpreche, das ſeitherige Komitee erweitert durch Kooptation der ſämtlichen Bürgermeiſter der intereſſierten Ge— meinden und des Landtagsabgeordneten K. A. Schneider, des Ver— treters für Karlsruhe-Land in der II. Ständekammer. In den Stadt— ratsſitzungen vom 10. Juni und 18. Juli 1887 befürwortete der letztere lebhaft den Antrag auf Bewilligung eines Kredits von 4300 Mk. zur Herſtellung von Plänen und Koſtenvoranſchlägen für die von Karlsruhe nach Spöck zu erbauende ſchmalſpurige Dampfſtraßenbahn. Nachdem mehrere Komiteeſitzungen ſtattgefunden, vereinbarte man ſich, den Bau und den Betrieb einer Straßenbahn Otigheim—Karls— ruhe— Spöck dem aus den Firmen Bachſtein& Co. Berlin, Darm⸗ ſtädter Bank, Ladenburg& Söhne in Mannheim und Rheiniſche Kreditbank in Karlsruhe beſtehenden Konſortium zu konzeſſionieren, und zwar unter der Bedingung, daß die beteiligten Gemeinden das auf ihren Gemarkungen für die Bahn erforderliche Gelände unent— geltlich zur Verfügung ſtellen und das Unternehmen, ſo lange das— ſelbe nicht eine Rente von 4½ abwerfe, umlagefrei laſſen ſollten. Soweit ſich dieſe Bedingungen auf die Gemarkung Karlsruhe bezogen, nahm der Stadtrat, vorbehaltlich der Zuſtimmung des Bürgeraus⸗ ſchuſſes, der dieſe alsbald erteilte, dieſelben an. Die intereſſierten Gemarkungen folgten in Bälde nach. Am 26. Oktober 1887 ließ das bekannte Konſortium in einer Stadtratsſitzung erklären, daß es bereit ſei, den Bau und den Betrieb einer Straßenbahn Otigheim— Karlsruhe—Spöck ſich konzeſſionieren zu laſſen. Da jedoch die Ver⸗ handlungen, die von ſeiten der Stadt Karlsruhe bezüglich der Er— ſtellung eines Anſchluſſes an die genannte Bahn mit Raſtatt ange⸗ knüpft worden waren, nicht zum Ziele führten, ſo wurde dieſe nur bis Durmersheim gebaut, und zwar unter denſelben Bedingungen, wie ſie bei der urſprünglich geplanten Straßenbahn nach Stigheim vereinbart worden waren. Der Bahnhof in Karlsruhe wurde beim alten Friedhofe angelegt, eine Verbindung desſelben mit dem Güter— bahnhof der Staatsbahn hergeſtellt. Von dem genannten Ort aus wurde die Bahn durch die Kriegſtraße geführt, bei der Weſtendſtraße überſchritt ſie die Staatsbahn, ſodann in der Nähe der Militär⸗ ſchwimmſchule die Alb, von hier aus ging ſie nach Grünwinkel und mündete, die Orte Forchheim, Mörſch und Bickesheim berührend, in Durmersheim. Lange war auch der Wunſch rege, zwiſchen Karlsruhe und Ettlingen eine direktere Verbindung, als dieſes durch die ungünſtige Lage des Ettlinger Bahnhofes möglich war, herzuſtellen.) Zu dieſem Zwecke wurde die Errichtung einer Dampfſtraßenbahn ins Auge gefaßt. Nachdem verſchiedene engere Verſammlungen von In— duſtriellen und den betreffenden Amtsvorſtänden in dieſer Angelegen— heit ſtattgefunden, die Sache wegen Bewilligung der Koſten für die Vorarbeiten vor den Bürgerausſchuß in Ettlingen gebracht worden war und dieſer einſtimmig die Bewilligung des geforderten Kredits angenommen hatte, zog es ſich dennoch weit über ein Dezennium hin, bis der Bau dieſer Sekundärbahn in Angriff genommen und voll— endet ward. Am 1. Dezember 1897 erſt wurde der Betrieb auf der 7,82 Kilometer langen Teilſtrecke-Karlsruhe-Meßplatz-Ettlingen⸗ Holzhof der Albtalbahn eröffnet. Am 14. Mai des folgenden Jahres wurde die Fortſetzung dieſer Bahn bis Frauenalb und etwas ſpäter auch die Strecke Frauenalb-Herrenalb dem Ver⸗ kehr übergeben. Vom 1. Mai 1898 an verkehrten die Züge auf der Strecke Karlsruhe-Meßplatz bis Ettlingen-Holzhof, die ſpäter als elektriſche Bahn eingerichtet wurde, von 5 Uhr 30 Min. morgens bis abends 11 Uhr halbſtündlich. Die Bahn wurde von der Firma Lenz& Co. in Stettin als eingleiſige Schmalſpurbahn erbaut. Zu den Baukoſten hatte Karlsruhe, gemäß Beſchluß des Bürgerausſchuſſes ) Vgl. oben S. 367. — 726— vom 30. November 1896, einen Beitrag von 150000 Mk geleiſtet. Eine zweite von Buſenbach abzweigende, nach Pforzheim führende Bahnlinie wurde im Jahre 1899 dem Betrieb übergeben. Daß dieſe Bahn als notwendig und rentabel ſich erwies, zeigt die Tat—⸗ ſache, daß 1898 auf der Bahn 877222 Perſonen, 458 Tonnen Gepäck und 2134 Tonnen Güter befördert wurden, und die Ein— nahmen ſich auf 220000 Mk. beliefen. Am 1. Mai 1888 fand die feierliche Eröffnung der Draht— ſeilbahn Durlach-Turmberg ſtatt. Eine ähnliche eigenartige Bahn war in Deutſchland bis dahin nur noch in Ems zu finden. Sie bildete eine ſchätzenswerte Sehenswürdigkeit für die Beſucher Karlsruhes und ward darum auch im Anfang ſchon ſtark frequentiert. An einem Maiſonntag des Eröffnungsjahres wurde ſie von 1500 Per— ſonen benützt. Das Bedürfnis einer Pferdebahn,“) deren Schienenſtrang ſich vorerſt längs der Kaiſerſtraße, der Mühlburger und Dur— lacher Allee erſtrecken und in ihren beiderſeitigen Ausgangspunkten die beiden Nachbarſtädte mit der Reſidenz verbinden ſollte, war Ende des Jahres 1875 ein ſehr reges geworden, beſonders nachdem im Oktober des gleichen Jahres der Ingenieur Huber aus Luxem⸗ burg mit dem Geſuch vor den Stadtrat getreten war, man möge⸗ ihm die Erbauung einer Pferdeeiſenbahn geſtatten. Dieſem Ge— ſuche, dem noch gleiche Geſuche von ſeiten anderer Firmen, ſo von der Stuttgarter Pferde-Eiſenbahngeſellſchaft, vom Civilingenieur Weſtfeld aus Bremen, folgten, wurde vor eine eigens gebildete Kommiſſion zur Antragſtellung gewieſen. Am 20. Mai 1876 ſchloß Bürgermeiſter Schnetzler mit dem Herrn Weſtfeld einen Konzeſſions— vertrag bezüglich des Baues und Betriebes einer Pferdebahn längs. der ganzen Langenſtraße— jetzigen Kaiſerſtraße— und vom Markt⸗ platz an zum Hauptbahnhofe ab, der die Genehmigung des Stadt— rates erhielt. Die Oberdirektion des Waſſer- und Straßenbaues, erteilte Mitte Juni des genannten Jahres im allgemeinen dieſem Vertrage ihre Zuſtimmung. Dem Erſuchen, die Bahn, ſtatt ſofort zweigleiſig, zunächſt eingleiſig bauen zu dürfen, wurde vom Stadtrat Mitte November die Genehmigung erteilt. Sonntag den 21. Januar ) Vgl. oben S. 369. — 727— 1877 begann der Betrieb der neuerrichteten Pferdebahn. Die Probe— fahrt auf der Bahn ging unter Anweſenheit von Vertretern der Hof—, Staats-⸗ und Gemeindebehörden, von Vertretern der Preſſe und von Freunden und Gönnern des notwendigen und dankenswerten Unter— nehmens vor ſich. Die Pferdebahn beförderte ſeit 1. März 1877 in anfangs 2, ſpäter 4 Wagen, beiläufig 42 000 Perſonen. Der Pferde— beſtand betrug vorerſt 20, jener der Wagen ſchließlich 6 Stück. Bald wurde auch die Weiterführung der projektierten Bahnſtrecke nach Durlach in Angriff genommen und der Bau der Stallungen und Remiſen begonnen. Da die Frequenz der Pferdebahn eine immer größere wurde— an einem Sonntag beförderte dieſelbe z. B— 3035 Perſonen— war die Legung eines zweiten Gleiſes bald notwendig geworden. Ende April 1878 ſtand dasſelbe ſchon fertig da. Einige Wochen ſpäter ging auch die Weiterführung des Schienengleiſes nach dem Bahnhofe vor ſich, und am 1. September des gleichen Jahres konnte die feierliche Eröffnung der Pferdebahnſtrecke Karlsruhe-Mühl⸗ burg ſtattfinden. Anfangs September 1880 wurde die Pferdebahn, welche Ingenieur Weſtfeld an den Beſitzer des„Grünen Hofes“, Herrn Hoeck käuflich abgetreten hatte, von dieſem an zwei Herren aus Berlin um verhältnismäßig billigen Preis verkauft. Ende Mai 1881 teilte die Direktion der Pferdebahn dem Stadtrate mit, daß ſich unter der Firma„Vereinigte Karlsruhe-Mühlburger und Durlacher Pferde— und Dampfbahngeſellſchaft“ eine Aktiengeſellſchaft gebildet habe. Die Fahrtaxen betrugen bis zum Jahr 1892: von Mühlburg bis Mühl—⸗ burgertor 15 Pfg., Mühlburg bis Marktplatz Karlsruhe 20 Pfg., Mühlburg bis Durlachertor 25 Pfg., Mühlburg bis Gottesaue 30 Pfg, Mühlburg bis Durlach 45 Pfg. Mühlburgertor bis Durlachertor 10 Pfg., bis Gottesaue 15 Pfg. Die Fahrtaxe von 15 Pfg. wurde 1892, auf Grund einer Vereinbarung der Direktion der Pferde- und Dampfbahngeſellſchaft mit dem Stadtrat, auf 10 Pfg. herabgefetzt. Als Gegenleiſtung verzichtete die Stadt in widerruflicher Weiſe darauf, die Geſellſchaft zu den Koſten für die Unterhaltung und Reinigung des Bahnkörpers innerhalb der Stadt beizuziehen. Im März 1898 ſchloß dieſelbe Geſellſchaft mit dem Stadtrat einen Vertrag ab, über die Umwandelung der bisherigen Pferdebahn- und Dampfbahnſtrecke in elektriſche Bahnen, ſowie über den Betrieb einiger neuen elektriſchen Linien im Stadtgebiete. Die erforderliche Staatsgenehmi⸗ — 728— gung hierzu wurde vom Großh. Miniſterium im gleichen Jahre erteilt. Zu Beginn des Jahres 1900 fand die Umwandlung der bisher als Dampf- und Pferdebahn betriebenen Strecken in ſolche mit elektriſchem Betriebe ſtatt. Auch wurden die neuen Linien„Haupt⸗ bahnhof-Moltkeſtraße(Grenadierkaſerne)“,„ Mühlburgertor-Kühler Krug“ und„Kaiſerſtraße-Beiertheim“, die eine im März, die anderen im Dezember, dem Verkehr übergeben. Bemerkt ſei hier noch, daß die Strecke Marktplatz-Hauptbahnhof als Pferdebahn ſchon ſeit einer Reihe von Jahren eingegangen war und nun als Teilſtrecke der elektriſchen Linie Hauptbahnhof-Moltkeſtraße aufs neue eröffnet wurde. Ein anfangs der 8S0er Jahre entworfenes Projekt, die Errichtung einer Omnibuslinie zwiſchen Altſtadt und Bahnhofſtadtteil, bezw. dem Nordoſt- und Südweſtende der Stadt, wurde 1884, von ſeinem Urheber, Herrn A. Joſt, ins Leben gerufen. Doch war dieſe Ein— richtung von nicht langer Dauer. Nach Erweiterung des Betriebes der Pferdebahnlinie verſchwand dieſelbe wieder. Die Karlsruher gahnhöfe. Zwecks Erweiterung des Güterbahnhofs wurde von der Stadt der an den alten Lohfelder Graben grenzende ſüdliche Gelände— abſchnitt des Gewanns Lohfeld mit Flächengehalt von 24,43 à käuf⸗ lich erworben und laut Beſchluß der am 25. Januar 1875 ſtatt⸗ gehabten Stadtratsſitzung an die Eiſenbahnverwaltung abgetreten. Da der Mühlburger Bahnhof für den immer mehr ſich ent— wickelnden Verkehr nicht mehr ausreichte, mußte er erweitert werden. Die Stadt bewilligte in dieſer Sache in der Stadtratsſitzung vom 11. Auguſt 1882 19200 Mk. Der Hauptbahnhof war, wegen ſeiner dem allzugroß ge— wordenen Verkehr nicht mehr genügenden Einrichtungen, hinſichtlich mannigfaltiger Verbeſſerungen ſowohl in den Sitzungen der zweiten Badiſchen Kammer, wie in denen des Stadtrats des öfteren zur Sprache gekommen. Die ungünſtige Lage der Bahnhofgebäulichkeiten hatte im Laufe der Jahre viele Übelſtände hervorgerufen. War doch durch den Bahnhof der neue Bahnhofſtadtteil von der Alt— ſtadt geradezu abgeſchloſſen. Seit den 1870er Jahren beſchäftigte die Bahnhoffrage die Stadt. Viele Vorſchläge wurden gemacht, viele Projekte ausgearbeitet. Teils ſprach man ſich für eine voll— ſtändige Verlegung, teils für eine Hochlegung des Bahnhofes aus. Andere wieder wollten, zugleich mit der Verlegung, die Idee einer Kopfſtation verwirklicht wiſſen. Erſt anfangs der 80er Jahre richtete auch die zuſtändige Behörde ihr Augenmerk auf dieſen in der Offent⸗ lichkeit viel beſprochenen Punkt. In dem der Zweiten Kammer der Land— ſtände zu Anfang des Jahres 1881 zugegangenen Entwurfe des Eiſen— bahnbaubudgets für die Periode 1882—83 war eine Erweiterung des hieſigen Perſonenbahnhofs mit einem Aufwande von 700000 Mk. vorgeſehen. Die ſchwebende Bahnhoffrage hatte damit in unſerer Stadt einen neuen Anſtoß erhalten. Auf Veranlaſſung einiger Mitglieder des hieſigen Handelsſtandes fand infolge deſſen zwiſchen dieſen und den hieſigen Mitgliedern der Handelskammer ein diesbezüglicher Meinungsaustauſch ſtatt, wobei beſchloſſen wurde, daß der Vorſitzende der Handelskammer zum Zweck der Stellungnahme zu vorliegender Frage eine Verſammlung der hieſigen Kaufleute und Induſtriellen einberufen ſolle. In letzterer, von ungefähr 300 Per⸗ ſonen beſuchten Verſammlung wurde mit Stimmeneinheit beſchloſſen, durch die Handelskammer das Miniſterium der Finanzen zu bitten, dasſelbe wolle dahin wirken, daß die Vorlage an den Land— tag, betreffend die Erweiterung de Karlsruher Perſonenbahnhofs, zurückgezogen und daß eine neue Vorlage an den Landtag ein⸗ gebracht werde, und zwar nach ſtattgefundenem Benehmen mit den ſtädtiſchen Intereſſenten, unter Feſthaltung des jetzigen Platzes für den Umbau und unter Erſtrebung vollſtändiger Beſeitigung der Ver— kehrsſtörung zwiſchen der Altſtadt und dem Bahnhofſtadtteil. Anfangs April des gleichen Jahres war in der Zweiten Kammer daraufhin die Regierungsvorlage einſtimmig angenommen, aber dabei zugleich beſchloſſen worden, eine Petition des Stadtrats, die ſich im Prinzip mit der Reſolution der oben erwähnten Verſammlung deckte, der *⁰ Regierung empfehlend zu überweiſen. Für die Intereſſen unſerer Stadt trat beſonders der Abgeordnete Kiefer ein. Ihm und dem Abgeordneten Hoffmann war es vorzüglich auch zu danken, daß die in der Vorlage enthaltene Forderung der Eiſenbahnverwaltung, den Bau eines eigenen Gaswerkes zu genehmigen, abgeſchlagen wurde. Im Oktober wurden die Umgeſtaltungsarbeiten im Innern des Bahn⸗ hofes mit Benützung der weniger verkehrsreichen Jahreszeit ſchon eifrig betrieben. Die alte, große, rauchgeſchwärzte Einſteighalle — 730— wurde abgebrochen und damit für Warteſäle, Reſtauration und Bureau— räume mehr Licht gewonnen. Der vom Aufnahmsgebäude iſolierte Mittelperron wurde auf ſeine ganze Länge mit einem gefälligen, leichten, eiſernen, ſäulengetragenen Dach verſehen. Ferner wurden unterirdiſche Verbindungswege zwiſchen dem Warteſaalperron und den anderen Perrons fertiggeſtellt. Zu ungeſtörter Handhabung dieſer Arbeiten wurde ein e ſ Bahnhof in der Nähe des Winter— denkmals angelegt. Der Umbau des Bahnhofs konnte darum ziem— lich raſch vor ſich gehen. Anfangs 1885 war das Hauptgebäude in ſeinem Außern vollendet. Die beiden Endpavillons wurden ſchon im Mai von dem proviſoriſchen Bahnzaun befreit. In dem weſtlichen Pavillon wurde das Bureau des Bahnamtsvorſtandes neu etabliert, während der öſtliche, den Fürſtlichen Warteſaal enthaltend, mit einem neuen Glasvordach verſehen wurde; auch am Mittelbau wurde ein ſolches Vordach angebracht. Zur geſchmackvollen Ausſtattung der Schalterhallen und Warteſäle wurden mehrere hieſige Künſtler bei-̃ gezogen. Die beiden Warteſäle, geräumig, hell und mit hinreichenden Sitzplätzen verſehen, wurden mit den Reſtaurationen direkt verbunden. Ebenſo freundlich und einladend wie die Warteſäle wurden auch die Reſtaurationen hergerichtet. Die Einrichtung eines geräumigeren Gepäckbureaus bedeutete auch eine weſentliche Verbeſſerung. Gleich— zeitig erfuhr die Gleisanlage eine durchgreifende Umgeſtaltung. Die— ſelbe ward durch die Einrichtung einer zentralen Weichenſtellung viel überſichtlicher und einfacher gemacht. Das für die Einfahrt vom Oberland und der Rheinbahn beſtimmte Zentralſtationshäuschen fand unter dem Übergang an der Ettlinger Landſtraße ſeine Aufſtellung. Waren ſomit die Verkehrsverhältniſſe in den Grenzen des Hauptbahn— hofs beſſer geworden, ſo hatte doch die We mdaffrage⸗ damit ihre Löſung noch nicht gefunden. Die bauliche Anlage des 2 Bahnhofs rief eben immer noch dieſelben Übelſtände hervor, die ſeit Jahren den Verkehr der Altſtadt mit dem Bahnhofſtadtteil in ſo hohem Grade erſchwert hatten. Der im Jahre 1883 gegen 15000 Einwohner zählende Stadtteil empfand lebhaft dieſe Übelſtände, und es wurde auch dieſem Empfinden in mehreren Verſammlungen von ſeiten der Intereſſenten öffentlich Ausdruck verliehen. Der Stadtrat, der dieſe Be⸗ wegung zu würdigen wußte, richtete Ende Januar 1884 eine Petition an die Zweite Kammer, ſie möge zur Ausführung von je einem —(731— Tunnel für Fußgänger an den Bahnübergäugen der Rüppurrer⸗, Ettlinger-und Gartenſtraße die Mittel bewilligen, dagegen die An⸗ forderungen der Regierung für Herſtellung von Bahnüberbrückungen ablehnen. In den Jahren 1871 und 75 hatte er zwar die Herſtellung von Überbrückungen neben den Niveauübergängen gewünſcht. Nachdem jedoch dieſer Wunſch von ſeiten der Regierung abgelehnt worden war und daraufhin der Stadtrat es übernommen hatte, ein Projekt zu entwerfen, kam er während der Ausarbeitung desſelben zur Er⸗ kenntnis, daß eine Überbrückung keine Verbeſſerung für den Verkehr bedeuten würde, und gab deshalb ſeinen bis dahin eingenommenen Standpunkt auf. Die Sache ruhte nun bis zum Jahre 1882, als ſich in der Stadt das Gerücht verbreitete, die Regierung beabſichtige eine Erweiterung des beſtehenden Bahnhofes ohne Beſeitigung der vorhandenen Mißſtände der den Bahnhof kreuzenden Straßen. Eine lebhafte Bewegung entſtand in der Stadt, Eingaben mit zahlreichen Unterſchriften wurden an den Stadtrat eingereicht, die den Wunſch ausſprachen, der Stadtrat möge ſich bei der Regierung dafür ver—⸗ wenden, daß ein ſolcher Bahnhofumbau in Ausſicht genommen werde, der auch den beſtehenden Mißſtänden abhelfe. Der Stadtrat wandte ſich alsbald an die Generaldirektion. Nachdem aber in der Vorlage der Regierung an die II. Kammer über die Bahnhoferweiterung für fragliche Übergänge keine Verbeſſerung vorgeſehen worden war, wandte ſich der Stadtrat an die Il. Kammer mit der Bitte, ſie wolle bei eventueller Bewilligung der von der Regierung für die Erweiterung des Karlsruher Bahnhofs geforderten Beträge ausſprechen, daß dieſe Mittel nicht ausſchließlich für das von der Regierung vorgelegte Projekt als bewilligt anzuſehen ſeien, und daß die Regierung vor Inangriff⸗ nahme der Arbeiten nach Anhören des Stadtrates noch zu prüfen habe, ob nicht Mittel und Wege gefunden werden könnten, die ohne Überſchreitung des bewilligten Betrags, unter Verbeſſerung der Zu— ſtände des innern Bahnhofs auch jene der Straßenübergänge ermöglichten. Um dieſe Wege anzudeuten, wurde von Baurat Profeſſor Baumeiſter ein Gutachten hierüber für den Stadtrat ausgearbeitet. Die Regierung lehnte aber jede Verhandlung hierüber mit dem Stadt⸗ rate ab, worauf derſelbe um die Belaſſung der beſtehenden Fahrüber— gänge und Herſtellung von Tunnels für den Perſonenverkehr bat, wobei er bemerkte, daß er in der Herſtellung von Überbrückungen keinen 332 Vorteil für den Straßenverkehr erkenne, gegen dieſe vielmehr als ent— ſchieden ſchlimmer gegenüber dem jetzigen Zuſtand ſich ausſprechen müſſe und ſich gegen einen in Ausſicht geſtellten Beizug zu den Koſten verwahrte. Anfangs 1883 wandte ſich der Stadtrat an den Groß— herzog mit der Bitte, die Erbauung eines Zentralbahnhofes mit Berückſichtigung der Intereſſen der Stadt in Erwägung zu ziehen. Durch das Finanzminiſterium wurde dieſe Bitte ablehnend beantwortet. Gleichzeitig konnte man in einem Karlsruher Blatte leſen, daß die Herſtellung von Überbrückungen für die Rüppurrer-, Ettlinger- und Gartenſtraße von der Regierung beabſichtigt ſei. Dies veranlaßte den Stadtrat, ſtatiſtiſche Erhebungen über den Verkehr dieſer Straßen vornehmen zu laſſen, um ſich eine ſichere Grundlage für die Beur— teilung der Augelegenheit zu verſchaffen. Aus dieſen Erhebungen ging hervor, daß die größte Gefahr beim derzeitigen Zuſtande in dem außerordentlich ſtarken Straßenverkehr bei den Übergängen lag, der durch die tagsüber häufig geſchloſſenen Barrieren ſehr gehindert war. Ohne weſentliche Schädigung des Bahnverkehrs konnte alſo durch Erbauung von Tunnels dieſer größte Mißſtand beſeitigt werden. Was den Fuhrwerksverkehr anbelangte, hätte die Herſtellung von Über⸗ brückungen abſolut keine Erleichterung bedeutet, ſondern derſelbe hätte eher erhebliche Erſchwerungen erfahren. Es war darum keine un— wichtige Entſcheidung der Budgetkommiſſion der II. Kammer, als ſie das von der Regierung geplante Projekt einer Bahnüberbrückung an der Ettlinger- und Rüppurrerſtraße mit 1½¼ Millionen Koſtenaufwand ablehnte. Nunmehr konnte das vom Stadtrat und Bürgerausſchuß ſowie von der Handelskammer und dem Gewerbeverein gemeinſam befürwortete anderweitige Projekt zur Durchführung gelangen. Das— ſelbe zielte bekanntlich dahin, die bisherigen Bahnübergänge für deu Fuhrwerksverkehr zu belaſſen und an Stelle der geplanten teueren, unpraktiſchen und mißliebigen Überbrückung für Fuhrwerk und Fuß⸗ gänger lediglich 2 Tunnels für letztere zu erſtellen. Ein dritter Tunnel an der Gartenſtraße wurde dagegen als nicht abſolut erforderlich, ſeitens der betreffenden Kommiſſion für überflüſſig erachtet. Dieſem Projekte pflichtete ſchließlich auch die II. Kammer bei. Es kam in den Jahren 1885—86 zur Ausführung der Tunnelarbeiten. Nachdem — 733— Fußgängertunnels an der Ettlingerſtraße, wo gleichzeitig der dort ſeit 1875 befindliche Steg abgetragen wurde. Wohl war damit den Übelſtänden etwas abgeholfen; aber die Verbeſſerungen reichten bei weitem nicht aus, die Bürgerſchaft zufrieden zu ſtellen. Immer und immer wieder kam die Bahnhofsfrage zur Sprache. Am 19. März 1895 ſtellte deshalb der Stadtrat an die Generaldirektion den Antrag, endlich einmal eine definitive Löſung der Bahnhofsfrage durch Ausarbeitung von Pläuen und Verhandlung derſelben mit dem Gemeinderat herbeizu⸗ führen. Jetzt erkannte die Generaldirektion an, daß die Höherlegung des Bahnhofs wohl das geeignetſte Mittel zur Beſeitigung der vor— handenen Mißſtände ſei. Jedoch könne in dieſer Sache noch keine beſtimmte Entſchließung getroffen werden. Mehrfach an die ſchwebende Frage erinnert, ließ das Miniſterium des Großh. Hauſes und der auswärtigen Angelegenheiten, dem die Eiſenbahnen ſei 1893 unter⸗ ſtellt ſind, drei Projekte ausarbeiten und ſtellte dieſe am 19. Feb⸗ ruar 1898 auf einige Tage zur allgemeinen Beſichtigung aus. Das erſte Projekt befaßte ſich mit einer hochliegenden Kopfſtation zwiſchen Tiergarten und Beiertheimer Wäldchen(Koſtenanſchlag 8 230000 Mk.); das zweite mit der Hochlegung des Bahnhofs an der jetzigen Stelle (Koſtenanſchlag: 17750000 Mk, wenn die Maxauer Bahn und die Bahn Karlsruhe—Eggenſtein—Graben auf der jetzigen Linie belaſſen würde; Koſtenanſchlag: 15000000 Mk, wenn die Maxauer Bahn und die Bahn Karlsruhe—Eggenſtein—Graben nach der Linie der gegenwärtigen Güterbahn: Rangierbahnhof—Weſtbahnhof—Mühlburg verlegt würde); das dritte endlich mit der Überführung der Ettlinger⸗, Garten-, Rüppurrer- und Wolfartsweiererſtraße mittelſt Brücken über die Bahn(Koſtenanſchlag: 4320000 Mk.). Inzwiſchen war die Bahnhoffrage bei der Beratung des Eiſenbahnbudgets im Mai 1898 in den beiden Kammern des Landtags zur Sprache gekommen. In der zweiten Kammer bekannte ſich der Abgeordnete Delisle als Gegner der Überführungen; ihm ſchloß ſich der Abgeordnete Bleß für Karls— ruhe an. Der Abgeordnete Fieſer ſah die Notwendigkeit einer ſpäteren Höherlegung des Bahnhofs voraus, verneinte aber, daß dieſelbe augen⸗ blicklich ſchon Bedürfnis ſei, und befürwortete fürs erſte die Über⸗ führung. Miniſter v. Brauer erklärte, daß die Überführung kein Proviſorium bedeuten ſolle, daß bei derſelben hinreichender Raum bleiben werde, um die ſpäter erforderliche Erweiterung des Bahnhofs 73/— innerhalb desſelben vorzunehmen. Bezugnehmend auf verſchiedene Ausſtellungen von Modellen betonte er, daß die Überführungen keine Verunſtaltung der Stadt zur Folge hätten, daß ſie im Gegenteil eine hervorragende Zierde für dieſelbe werden würden. Er ſchloß damit, daß er wiederholte, die Regierung ſei für die Überführungen und ſie hoffe, daß die ſtädtiſche Behörde und die Einwohnerſchaft für dieſen Plan noch günſtig geſtimmt würden. Nun aber waren gerade die Straßenüberführungen in demjenigen Projekt vorgeſehen, gegen welches ſich die weiteſten Kreiſe der Einwohnerſchaft durchaus ablehnend ver— hielten, während die Meinungen über die beiden anderen Projekte, Verlegung und Höherlegung, ſich ungefähr das Gleichgewicht hielten. Außerdem hatte Oberbaurat Profeſſor Baumeiſter, der von der Stadt zum zweitenmal um ein Gutachten erſucht worden war, im Mai die Hochlegung des Bahnhofs für die Stadt wiederum als das wün— ſchenswerteſte Hilfsmittel zur Beſeitigung der Mißſtände erklärt, mit Rückſicht auf den Koſtenaufwand allerdings geraten, mit den Über⸗ führungen ſich zunächſt zu begnügen. Bei der außerordentlichen Be— deutung der ganzen Frage für die Stadt beſchloß nunmehr der Bürger— ausſchuß auf Anregung des Stadtrats, bevor er endgültig zu den Projekten der Generaldirektion Stellung nehme, zunächſt ein weiteres Sachverſtändigen-Gutachten einzuholen, durch welches die Gemeinde⸗ verwaltung und insbeſondere auch die Bürgerſchaft in die Lage ver— ſetzt werden ſolle, über die eiſenbahntechniſche Seite der Frage ſich näher zu unterrichten. Die Ausfertigung dieſes Gutachtens wurde wieder dem Oberbaurat Profeſſor Baumeiſter zuſammen mit dem Generaldirektor der Königl. Bayeriſchen Staatseiſenbahnen, G. v. Eber— mayer in München, und dem Zivilingenieur C. O. Gleim in Hamburg übertragen. Dieſe drei Sachverſtändigen kamen zu dem Ergebnis, daß vorläufig eine Verlegung des Perſonenbahnhofs nicht empfohlen werden könne, da für die möglichſt zentrale Lage des Hauptverkehrs— punktes einer Stadt neben den geſchäftlichen Einzelvorteilen, welche ſich an die Lage eines beſtehenden Bahnhofs knüpften, das wohlverſtandene allgemeine Intereſſe der Bevölkerung ſo maßgebend ſei, daß man heute ſchon mit Beſtimmtheit ſagen könne, die Sache dürfe auch in Karls⸗ ruhe keinen andern Verlauf nehmen, als in ſo vielen anderen Städten, welche ſich oftmals mit ſchweren Opfern die zentrale Lage ihrer Haupt⸗ bahnhöfe gewahrt hätten. Die Anlage eines Kopfbahnhofs wurde als ausgeſchloſſen betrachtet wegen der mit einem ſolchen verbundenen Betriebsſchwierigkeiten und Zeitverſäumniſſe, die bei einer Station wie Karlsruhe, bei welcher der Durchgangsverkehr die Hauptrolle ſpiele, beſonders ſchwer ins Gewicht fallen müßten. Demgemäß beſtände nur die Möglichkeit einer Hochlegung des Bahnhofes an ſeiner jetzigen Stelle mit Unterführung der kreuzenden Straßen ungefähr in ihrer jetzigen Höhenanlage oder einer Überführung der Straßen auf Brücken. Auf Grund dieſes Gutachtens entſchied ſich der Stadtrat einſtimmig für die Höherlegung des Bahnhofs, und ſeinem Antrage gemäß be— ſchloß ſodann der Bürgerausſchuß ebenfalls einſtimmig in einer Sitzung vom 24. Oktober 1898, daß der Stadtrat bei dem Miniſterium des Großh. Hauſes und der auswärtigen Angelegenheiten namens der Stadt— gemeinde ſich für die Höherlegung des Bahnhofs ausſprechen ſolle. Am 2. Februar 1900 aber ließ der Miniſter von Brauer in einem Erlaß einige Bedenken techniſcher Art gegen die Höherlegung des Bahnhofs am alten Platz laut werden. Die angeführten Gründe wurden am 23. Februar vom Bürgerausſchuß auch als ſtichhaltig befunden. Und als am 25. Mai 1900 die Bahnhoffrage wieder in der zweiten Kammer zur Verhandlung kam, ſchloſſen ſich auch die Landſtände der Begründung für die Verlegung an. Es wurde zu— gleich zur Ausführung der Vorarbeiten und zur Erwerbung des er— forderlichen Geländes am Lauterſee eine Million Mark bewilligt. Der Eiſenbahnrat. Durch landesherrliche Verordnung vom 4. November 1879 wurde nach dem Vorgange anderer deutſchen Staaten zur Beratung des Handelsminiſteriums und der Generaldirektion der Staatseiſenbahn für das Großherzogtum ein Eiſenbahnrat errichtet. Derſelbe übernahm die Aufgabe, in wichtigen, die Intereſſen des Handels, der Gewerbe und der Landwirtſchaft berührenden Angelegenheiten des Eiſenbahnweſens, insbeſondere hinſichtlich der Beſtimmungen des Be⸗ triebsreglements, der Tarife und der Fahrpläne gutachtliche Ruße— rungen abzugeben und Wünſche und Beſchwerden zur Kenntnis der Zentralbehörde zu bringen. Die Schaffung eines Eiſenbahnrats wurde als eine willkommene Einrichtung freudig begrüßt; iſt doch dadurch den Vertretern des Handels- und Induſtrieſtandes die Möglichkeit — 736— geboten, in regelmäßig wiederkehrenden Sitzungen deſſen Wünſche, die ſich auf den Betrieb der Eiſenbahn beziehen, unmittelbar zur Kenntnis der leitenden Behörde zu bringen. Ranal und Hafen. In der Frage der Erbauung eines rechtsrheiniſchen Kanals von Mannheim nach Straßburg war ſeit der bekannten Inter— pellation der Karlsruher Abgeordneten in der Zweiten Kammer im Jahre 1884 völliger Stillſtand eingetreten. Erſt im Januar 1894 wandten ſich Karlsruher Intereſſenten, Kohlenhändler und Induſtrielle, mit einer ausführlichen Vorſtellung an die Oberdirektion des Waſſer— und Straßenbaues. Durch den abnorm niederen Waſſerſtand der vorangehenden Jahre waren denſelben nicht nur die Mißſtände, die ſich der Schiffahrt ſelbſt in günſtigen Jahren entgegenſtellten, völlig klar geworden, ſondern auch ganz empfindliche Schädigungen ent— ſtanden. Beſonders der Kohlenhandel war davon ſchwer betroffen. Die Erbauung eines Kanals oder eine durchgreifende Oberrhein— regulierung war alſo dringend notwendig. Drei Projekte wurden im genannten Jahre ausgearbeitet und veröffentlicht. Eines, das die Bezeichnung der Fahrrinnen durch Signalſtangen und die Aus— baggerung der Sandſchwellen im Auge hatte, konnte am eheſten zur Ausführung gelangen. Zunächſt waren die bekannten gefährlichen Übergangsſtellen und Untiefen beim Rottergrund, bei Hochſtetten ober— halb der Bell, dem ſog. ſchwarzen Grund und der großen Pappel unterhalb Maxau auszupeilen, dann dieſe Stellen auszubaggern. Der erwähnten Eingabe bezüglich der Regulierung ſchloß ſich noch die Bitte an, die Fortführung des Waſſertelegraphen, der in Greffern endigte, bis Maxau veranlaſſen, ferner die für die Fahrt nach Maxau bisher unzureichenden Angaben des Pegels dadurch verbeſſern zu wollen, daß, in Verbindung mit der in der Vorhalle des Direktions— gebäudes ſich befindenden Pegelmarke für Maxau, Mitteilungen über den Waſſerſtand bei Kehl, Waldshut und Konſtanz gemacht würden. Dieſer Bitte wurde von der betreffenden Behörde inſofern entſprochen, als dieſelbe die Einſendung der täglichen Waſſerſtandsnachrichten der Rheinpegelſtationen Waldshut und Kehl mittels Poſtkarten und ihre Bekanntmachung in dem Vorraum des Erdgeſchoſſes des Direktions⸗ gebäudes zur Einſicht aller Intereſſenten anordnete. Was die in der Eingabe angeregten Auspeilungen und Ausbaggerungen anlangte, ver⸗ trat die Behörde die Anſicht, daß dieſelben jedenfalls koſtſpielig und in den meiſten Fällen von recht fragwürdigem Erfolge wären, daß ſie überdies nur im Einvernehmen mit der Königl. Bayeriſchen Re— gierung und mit deren Mitwirkung zur Ausführung gebracht werden könnten. Dieſer Sache wegen fand im hieſigen Rathauſe eine Ver⸗ ſammlung von Vertretern mittelbadiſcher Gemeinden und Intereſſenten— kreiſe ſtatt, die einſtimmig zu der Reſolution kamen, daß die Ver⸗ beſſerung der Schiffahrtsſtraße auf dem Oberrhein einem vater—⸗ ländiſchen Intereſſe entſpräche, beſonders aber für eine günſtige Ent⸗ wickelung von Handel, Induſtrie und Landwirtſchaft in Mittel— baden und dem badiſchen Oberlande hohe Bedeutung habe und daher mit Entſchiedenheit zu fördern ſei. Auf das von der Budget— kommiſſion der zweiten Kammer des Bad. Landtags in der Seſſion 1895-96 an die Regierung gerichtete Erſuchen um Mitteilung, ob und wie weit Arbeiten für die Schiffbarmachung des Oberrheins unternommen worden ſeien, ging die Auskunft dahin, daß zunächſt im September 1893 auf Anregung der Regierung von Elſaß— Lothringen eine Verhandlung zwiſchen Bevollmächtigten der drei Ufer— ſtaaten Baden, Bayern und Elſaß-Lothringen ſtattgefunden habe und dabei feſtgeſtellt worden ſei, daß das Ziel einer Regulierung darin beſtehe, eine für die Großſchiffahrt benutzbare Waſſerſtraße zu ſchaffen, deren Tiefe 2 m und deren Breite 80—100 m bei mittlerem Waſſer⸗ ſtand betrage; ferner, daß zunächſt 2 Vorfragen zu prüfen ſeien, nämlich einerſeits in hydrologiſcher Beziehung, ob nach der phyſi— kaliſchen Beſchaffenheit des Strombettes jenes Ziel durch künſtliches Eingreifen in den gegenwärtigen Stromzuſtand erreicht werden könnte, und andererſeits in hydrotechniſcher Hinſicht, durch welche techniſchen Mittel und mit welchem Koſtenaufwande eine ſolche Regulierung durchzuführen wäre. Ferner gab das Auskunftsſchreiben bekannt, daß im Einverſtändnis der Regierungen der drei Uferſtaaten zunächſt eine techniſche Kommiſſion, beſtehend aus den leitenden Waſſerbau— beamten, damit betraut worden ſei, auf Grund der vorhandenen Materialien die hydrologiſche Frage zu begutachen, und daß dieſe in einer Schlußverhandlung vom April 1895 zu der Anſchauung ge— langt ſei, daß die derzeitigen Stromverhältniſſe zwiſchen Mannheim und Sonderheim im weſentlichen ſchon jetzt den Bedürfniſſen der 47 — 738— Großſchiffahrt genügten, ſofern nur auf der Strecke von Rheinhauſen bis Sonderheim durch Baggerungen zeitweiſe nachgeholfen würde. In den gegenwärtigen Stromzuſtänden auf der Strecke von Sondern— heim aufwärts bis Straßburg dagegen ſeien, insbeſondere durch die geringe Fahrtiefe auf den zwiſchen den Kiesbänken gelegenen Talweg— ſchwellen bei niederen Waſſerſtänden, durch die auf den ſeichten Schwellen infolge der verſtärkten Strömung bewirkte ungünſtige Fahr— richtung und durch die wirbelnden Waſſerbewegungen beim Abfall der Kiesbänke, für eine regelmäßige und kräftige Entwickelung der Groß— ſchiffahrt Hinderniſſe gegeben, die nur durch künſtliches Eingreifen in den Stromzuſtand beſeitigt werden könnten. Ferner hätten ſich die drei Uferſtaaten auf Grund einer am 7. und 8. Oktober 1895 zwiſchen ihren Bevollmächtigten ſtattgehabten weiteren Verhandlung darüber geeinigt, daß tunlichſt bald ein Projekt über die zur Er—⸗ reichung des Regulierungszweckes auszuführenden Arbeiten ſamt Koſtenvoranſchlag aufzuſtellen und im Einverſtändnis der beteiligten Regierungen Oberbaudirektor Honſell mit der Arbeit zu betrauen ſei. Bald nach dieſer Antworterteilung von ſeiten der großh. Behörde wurden die zur Regelung nötigen Arbeiten begonnen und durch— geführt. Der Handelskammer, welche die Regulierung des Ober— rheinſchiffahrtsweges von Anfang an warm befürwortet und eifrigſt unterſtützt hatte, ging ſchon am Ende des Jahres 1895 von einer Firma ihres Kammerbezirks ein Schreiben zu, in dem dieſelbe über die günſtigen Folgen der geregelten Schiffahrtſtraße für ihren Ge— ſchäftsgang ſich verbreitete. 1896 und 1897 war die Schiffahrt auf dem Oberrhein auch wirklich eine rege. Allein im Jahre 1898 konnte, infolge des allzugeringen Waſſerſtandes, 14 volle Wochen die Strecke Mannheim-Maxau nicht befahren werden. Ein Hauptgrund für dieſe unwillkommene Erſcheinung lag mit darin, daß für Bagge— rungen zu wenig geſchehen war. Vom 16. Mai bis 6. Juni 1898 tagte eine Verſammlung der internationalen Zentralkommiſſion für die Rheinſchiffahrt. Hinſichtlich der Rheinſtrecke zwiſchen Worms und Straßburg wurde dabei bemerkt, daß die techniſche Befahrungs⸗ kommiſſion feſtgeſtellt habe, die Waſſerſtraße bis Speyer ließe nichts zu wünſchen übrig, zwiſchen Speyer und Germersheim dagegen könne nur durch Nachhilfe mittelſt Baggerungen die Flußrinne eine ge— nügende Fahrwaſſertiefe von 2 m erhalten. Auf der Rheinſtrecke ober⸗ halb aber bis nach Straßburg könne ein den augenblicklichen Verkehrs⸗ bedürfniſſen entſprechender, einem regelmäßigen Betriebe der Großſchif⸗ fahrt dienlicher Zuſtand nur dann erhalten werden, wenn mit einer auf die Ausbildung eines Niederwaſſerbettes im Stromſchlauch mit 2 m Fahrwaſſertiefe gerichteten Regulierung durchgegriffen würde. Die hinſichtlich dieſer letzteren Strecke beteiligten Regierungen kamen ſchließlich zu der Übereinſtimmung, daß die vorgenommenen Bagge⸗ rungen einerſeits fortgeſetzt, andererſeits aber auf das von Oberbaurat Honſell ausgearbeitete Projekt ſich ſtützende, durchgreifende Regulierungs⸗ arbeiten in Angriff genommen werden ſollten. Jedoch die Inangriff⸗ nahme der Regulierung zog ſich ſehr in die Länge. Für Karlsruhe war es ja vom größten Intereſſe, daß eine Regulierung intenſiv in Angriff genommen und durchgeführt werde; ging doch ſoeben der Bau eines großen Hafens ſeiner Vollendung entgegen. Bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts reichten die Beſtrebungen zurück, Karlsruhe durch eine ſchiffbare Waſſer— ſtraße mit dem Rhein zu verbinden. Auf die verſchiedenſte Weiſe wurde immer und immer wieder die Löſung der Frage verſucht. Als im Jahre 1871 Elſaß-Lothringen eine deutſche Provinz geworden war und die bedeutende Elſäſſiſche Induſtrie ſich gezwungen ſah, neue Abſatzgebiete in Deutſchland zu ſuchen, und als ſich das Fehlen einer für die Großſchiffahrt geeigneten Waſſerſtraße nach Mannheim⸗ Ludwigshafen, dem Niederrhein und Belgien ſowie nach Straß⸗ burg ſehr fühlbar gemacht hatte, waren ſeit dieſer Zeit die Stadt Straßburg, die Handelskammer daſelbſt, verſchiedene Komitees und die Regierung von Elſaß-Lothringen ununterbrochen beſtrebt, die Durch— führung eines linksrheiniſchen Schiffahrtskanals von Straßburg nach Ludwigshafen oder eine Regulierung des Rheins herbeizuführen. Während das Projekt eines linksrheiniſchen Kanals der Elſaß⸗ Lothringiſchen Regierung unterbreitet wurde, ließ die Stadt Karls⸗ ruhe im Jahre 1893 von Oberingenieur Schmick in Frankfurt a. M. das Projekt eines rechtsrheiniſchen Kanals, der bei Kehl mittels Kanalbrücken oder direkter Benutzung der entſprechend umzugeſtalten⸗ den Rinne des Rheins den Strom überſchreiten, Raſtatt und Karls⸗ ruhe berühren und bei Germersheim endigen ſollte, bearbeiten und beantragte bei der Großh. Regierung, daß ein etwa zu erbauender Kanal auf dem rechtsrheiniſchen Ufer geführt werden ſollte. Nach 47* — 740— dem Schmick'ſchen Projekte ſollten die Koſten der Herſtellung eines ſolchen Kanals ſich auf 28 Millionen Mark belaufen, dieſer Kanal 11 Schleuſen— 3 bei Karlsruhe— erhalten und mit Benutzung der überflüſſigen Waſſerzuflüſſe und der Schleuſengefälle der In— duſtrie mittelſt dieſer 3 Schleuſen 4800 P. S. zur Verfügung ſtellen. Ein anderes Projekt eines linksrheiniſchen Kanals wurde unter— Leitung des Miniſterialrates, Waſſerbaudirektors Willgerrodt, ge— fertigt und der Regierung von Elſaß-Lothringen vorgelegt. Vieles wurde damals geſchrieben und geſprochen über die Vor- und Nach— teile von links- und rechtsrheiniſchen Kanälen. Die ganze Angelegen⸗ heit wurde jedoch durch die im Jahre 1890 erſchienene Broſchüre des Oberbaudirektors, Geheimrats Honſell,„Die Waſſerſtraße zwiſchen Mannheim⸗Ludwigshafen und Kehl⸗Straßburg, Kanal oder freier Rhein?“ in neue Bahnen gelenkt. In dieſer Broſchüre wurde nach— gewieſen, daß durch geeignete Regulierung des Oberrheins eine Nieder⸗ waſſerrinne geſchaffen werden könne und alsdann der Oberrhein während des ganzen Jahres ſchiffbar ſei. Es wurde ferner darin geltend gemacht, daß die Regulierung des Oberrheins geringere Koſten als die Herſtellung eines Kanals verurſachen würde und die Schiffbarmachung des Oberrheins den Staaten und den Gemein— weſen an beiden Ufern Nutzen bringen, während ein Seitenkanal nur die Bedürfniſſe der am betreffenden Rheinufer wohnenden Bevölkerung berückſichtigen und das Intereſſe der Bevölkerung des andern Ufers ſchädigen würde. Inzwiſchen war Maxau der Hafen für die Stadt. Karlsruhe geblieben. Der Verkehr in Leopoldshafen war unbedeutend, der Güterumſchlag in Maxau dagegen nahm ſtetig zu. Er ſtieg von 17680 Tonnen im Jahre 1870 auf über 200000 Tonnen im Jahre 1899. Dieſe bedeutende Verkehrszunahme hatte ſich voll, zogen, obgleich die Schiffahrt nach Maxau nur in einem Teil des Jahres möglich war und der vorhandene Hafen ſich als zu klein erwies und an demſelben nur ein Krahnen, aber keine ſonſtigen Lade— vorrichtungen und keine gedeckten Lagerräume ſich befanden. Es konnte darum keinem Zweifel unterliegen, daß bei der Entwicklung, welche Karlsruhe genommen hatte und vorausſichtlich weiter nehmen werde, der Maxauer Hafen für die Zukunft nicht mehr genügen würde. Die Frage war nun, ob der Maxauer Hafen vergrößert oder ein neuer Hafen bei Karlsruhe angelegt und durch einen Kanal — 741— mit dem Rhein verbunden werden ſolle. Nach einem Berichte der Oberdirektion des Waſſer- und Straßenbaues mußte von einer weiteren Ausgeſtaltung und Vergrößerung des Maxauer Hafens abgeſehen werden, weil das rechte Rheinufer auf beträchtliche Erſtreckung ober— halb und unterhalb Maxau in der konvexen Seite einer Strom— biegung liegt und demgemäß bei der künſtlichen Ausbildung einer Schiffahrtsrinne dieſe an das linke Ufer zu liegen kommt. Es war alſo ein unmittelbarer Anſchluß an das Fahrwaſſer für Maxau un⸗ möglich. Dagegen ſprach noch eine Anzahl recht triftiger finanzieller Gründe, die von Karlsruhe geltend gemacht wurden und berückſichtigt werden mußten. Es konnte ſomit nur die Erſtellung eines neuen Hafens in der Nähe von Karlsruhe in Frage kommen. Anfangs des Jahres 1893 war deshalb von der Karlsruher Gemeindebehörde Stadtbaumeiſter H. Schück beauftragt worden, ein Projekt für einen Stichkanal Rhein-Karlsruhe auszuarbeiten. Ende September des genannten Jahres legte Schück dem Stadtrat ſeine Arbeit vor, worauf dieſelbe in einer Druckſchrift veröffentlicht wurde. Als mit der Veröffentlichung dieſes Projektes wieder neues Leben in die Karlsruher Kanalfrage gekommen war, beſchloß die Handelskammer, die nicht nur die Frage der Oberrheinregulierung eifrig unterſtützte, ſondern auch ein beſonders warmes Intereſſe dem Gedanken der Er— ſtellung einer Schiffahrtsverbindung zwiſchen Karlsruhe und dem Rhein zuwandte, ebenfalls in dieſer Sache eine Denkſchrift aus— arbeiten zu laſſen, um an deren Hand die Sache bei der Großh. Regierung und den Landſtänden fördern zu helfen. Dieſe Denkſchrift erſchien im Mai 1894. In derſelben wurde verſucht, die Bedeutung und Notwendigkeit der Erbauung eines Stichkanals vom Rhein nach Karlsruhe und der Erſtellung von Hafenanlagen bei Karls⸗ ruhe nachzuweiſen. Das von Stadtbaurat Schück ausgearbeitete Projekt, bei welchem der Hafen in das Hochgeſtade zwiſchen Mühl— burg und Beiertheim verlegt war, und der Transport der Schiffe aus dem unteren in die obere Waſſerhaltung mittelſt Hebelwerks er— folgen ſollte, konnte nicht zur Ausführung empfohlen werden, weil dasſelbe zu große Koſten verurſacht und die bauliche Ausdehnung der Stadt nach Südweſten gehemmt hätte. Dagegen war vom Stadtrat das von dem Oberbaudirektor, Geheimerat Honſell, gut— geheißene Projekt, die Hafenanlage in der Rheinniederung zwiſchen —1 Daxlanden und dem ſog. Lutheriſchen Wäldchen zu erſtellen, befür— wortet worden. Mit der geplanten Verlegung des Karlsruher Hafens in die Nähe der Stadt, wodurch der Bahnweg nach den Stationen im Verkehrsgebiet gegenüber dem Wege ab Maxau um 4 Kilometer gekürzt wurde, ſollte eine Ermäßigung der Bahnfrachten erzielt werden. Durch Ausrüſtung der Anlagen mit zeitgemäßen Auslade— und Lagervorrichtungen, eine Maßnahme, die eine Herabſetzung der Ausladegebühren ermöglichte, konnte der projektierte Hafen einem weit— ausgedehnten und dabei induſtriell ſchon hochentwickelten Hinterlande (Durlach, Pforzheim, Ettlingen, Raſtatt, Murgthal u. ſ. w.) den billigen Bezug und Verſand der Waren verſchaffen. Die Herſtellung. des Hafens konnte deshalb gut als Staatsſache betrachtet werden. Jedoch mit dieſer Anſicht drang der Stadtrat nicht durch. Die Großh. Regierung lehnte es ab, den Hafen auf Staatskoſten zu“ bauen und zu betreiben, und verſtand ſich nur dazu, der Stadt— gemeinde die Konzeſſion für den fraglichen Bau und deſſen Betrieb— zuzuſagen. Stadtrat und Bürgerausſchuß beſchloſſen daher, den neuen Rheinhafen von der Stadt erſtellen zu laſſen. Am 12. Mai 1896 gab der Karlsruher Bürgerausſchuß einſtimmig ſeine Zu⸗ ſtimmung dazu, daß namens der Stadtgemeinde eine Vereinbarung. mit dem Großh. Miniſterium des Innern abgeſchloſſen werde. Am 18. April kam dieſelbe zum Abſchluß. Dabei waren alle Verpflich⸗ tungen gegeben, die einerſeits der Staat, andererſeits die Stadt zwecks Erbauung und bezüglich des Betriebs zu erfüllen hatten. Danach wurden zum Bau des Hafens 2 Millionen Mark vom Staat bewilligt. Das bedeutete aber für denſelben kein beſonderes Geld— opfer für den Rheinhafen; denn dieſe Summe konnte lediglich als die Tilgung einer Schuld des Staates, die dieſer gegenüber der— Stadt hatte, betrachtet werden. Durch Geſetz vom 6. September 1860 hatte nämlich die Stadtgemeinde Karlsruhe die Konzeſſion zum Bau und Betrieb einer Eiſenbahn zwiſchen Karlsruhe und Maxau erhalten. Nach Erbauung der ſog. ſtrategiſchen Bahn und der An— lage des Rangierbahnhofes wurde der hieſige Hauptbahnhof vom Güterverkehr eutlaſtet und der Stadtgemeinde der geſetzlichen Kon— zeſſion zuwider unterſagt, auf ihrer Bahn zwiſchen Mühlburg und⸗ Hauptbahnhof Güterzüge zu führen. Der hierdurch der Stadt— gemeinde zugefügte Schaden wurde im Jahre 1896 unter Zu⸗ — 743 grundelegung des damaligen Verkehrs auf jährlich 120000 bis 130000 Mk. geſchätzt, ein Betrag, der bei 3½ igem Zinsfuß einem Kapital von rund 3400000 bis 3700000 Mk. entſpricht. Die ſpätere Zunahme des Verkehrs hätte den Schaden felbſtverſtändlich entſprechend höher erſcheinen laſſen. Aus Rechts- und Billigkeits⸗ gründen erhob darum die Stadtgemeinde Anſpruch auf Vergütung, welche ihr denn auch ſeitens der Regierung in Form eines Zu⸗ ſchuſſes zu den Koſten des Rheinhafens im Betrag von 1500000 Mk. zugeſagt wurde. Durch die von der ſtrategiſchen Bahn der ſtädtiſchen Maxauer Bahn bereitete Konkurrenz war letztere auch hinſichtlich des Erträgniſſes der Strecke Mühlburg-Maxau, auf welcher Güterzüge noch verkehren durften, ſchwer geſchädigt. Ein Rechtsanſpruch auf Erſatz dieſes Schadens beſtand nicht, wohl aber erkannte die Re— gierung einen Billigkeitsanſpruch an, dem ſie gleichfalls in Form eines Zuſchuſſes zu den Hafenbaukoſten zu genügen beabſichtigte. Die zweite Kammer der Landſtände lehnte jedoch die Bewilligung der bezüglichen Abfindung im Betrag von 500000 Mk. ab. Durch eine Anlage des Karlsruher Hafens kam aber die dem Staate ob— liegende Unterhaltung des Maxauer Hafens in Wegfall. Der Kapital⸗ wert der bezüglichen Leiſtung des Staates wurde auf 500000 Mk. geſchätzt und dieſer Betrag der Stadt als weiterer Zuſchuß zu den Baukoſten des Hafens bewilligt. Von dem geſamten Staatszuſchuß mit 2000000 Mk. war demnach der Betrag von 1500000 Mk. als Entſchädigung für einen ſeitens des Staates der Stadtgemeinde zugefügten Schaden eingeſetzt und der Betrag von 500 000 Mk. als Vergütung dafür, daß die Stadt dem Staat eine entſprechende Ver— pflichtung abnahm. Nach der Vereinbarung wurde ferner beſtimmt, daß die Erhaltung des Fahrwaſſers im Hafenbecken und Kanal ein⸗ ſchließlich des Aufeiſens auf Koſten der Stadt beſorgt und die Aus— mündung des Kanals innerhalb der Uferlinie und die damit zu— ſammenhängenden Arbeiten am Rheinufer auf Rechnung der Ge— meinde hergeſtellt und unterhalten werden ſollten. Die Großh. Regierung hatte beabſichtigt, dieſe Koſten auf die Staatskaſſe zu übernehmen, hatte aber hierzu nicht die Zuſtimmung der Land⸗ ſtände gefunden. Das für den Hafen erforderliche Gelände— 1291326 àm—, ſoweit es Eigentum der Gemeinden Bulach und Daxlanden war(nur 8811 qm waren im Beſitz von Privaten), — ꝗ17⁴4 wurde mittels Zwangsenteignung erworben, das Privateigentum auf Grund gütlicher Vereinbarung zum Preiſe von 6102 Mk. und etlichen Pfennig. Nach dem Urteil des Großh. Ländgerichts Karls— ruhe vom 9. April 1900 mußte die Stadt an die Gemeinde Bulach für 458 814 qm 329383,88 Mk., an die Gemeinde Daxlanden für 823 701 qm 500099,59 Mk. zahlen. Da der Stichkanal die Ge— markung Daxlanden in zwei Teile trennte, wurde deshalb der Stadt zur Auflage gemacht, dieſer Gemeinde für die Erſchwerung ihres Landwirtſchaftsbetriebs eine Geldentſchädigung von 50000 Mk. zu zahlen, eine Fähre im Stichkanal zu erſtellen und zu betreiben und verſchiedene neue Wegverbindungen herzuſtellen. Die Geländekoſten beliefen ſich alſo im ganzen auf 927693,25 Mk. Die ganze Hafen— anlage wurde auf 6139 675,90 Mk. berechnet. Hiervon mußte die Stadt 5846 674,90 Mk. bezahlen und die Staatseiſenbahnbehörde 293000 Mk. Zieht man nun von dem der Stadt zufallenden Koſtenbetrag die 2 Millionen ab, die der Staat zugeſchoſſen hatte, ſo bleibt für die Stadt ein Aufwand von 3846674,90 Mk. Der Bau des Hafens wurde im September 1898 begonnen. Die Bau— unternehmung war im Auguſt des genannten Jahres der Frankfurter Firma Philipp Holzmann& Co., die ſich verpflichtet hatte, bis 1. Juli 1900 den Hafen fertigzuſtellen, übertragen worden. Die genaue Beſchreibung der Hafenanlagen, der Hochbauten und maſchinellen Anlagen des Hafengebiets wurde von den berufenen Behörden und Dienſtſtellen ausgearbeitet. Es iſt dies die im Eröffnungsjahr 1902 erſchienene Schrift„Rheinhafen Karlsruhe“, auf die wir hier gleich— zeitig verweiſen wollen. Poſt, Telegraph, Telephon. Vom 1. Januar 1875 an ward die Taxe für Stadtpoſtbriefe bis auf weiteres auf 3 Pfennig feſtgeſetzt. Für alle übrigen Sen— dungen im Stadtverkehr ſowie für alle Verſendungen im Landbezirk der Aufgabepoſtanſtalt galten die Taxen, welche durch die vom deutſchen Reichskanzler am 18. des genannten Monats erlaſſene Poſtordnung feſtgeſetzt worden waren. Vom 1. Juli desſelben Jahres an jedoch war die Taxe für Stadtpoſtbriefe auf 5 Pfennig erhöht. Am 1. Januar 1876 ging die Verſchmelzung des Reichspoſt⸗ und Telegraphenweſens vor ſich. Dadurch wurde die bisher beſtandene Kaiſerliche Oberpoſtdirektion Geh. Pberpoſtrat J. Jr. Beß, Dberpolldirekkor. aufgelöſt; deren Geſchäfte wurden den Kaiſerlichen Oberpoſtdirektionen in Karlsruhe und Konſtanz übertragen. Der Wirkungskreis der hieſigen Oberpoſtdirektion umfaßte daher ſeit dem 1. Januar nicht allein die Verwaltung des Reichspoſtweſens, ſondern auch die des Reichs—⸗ telegraphenweſens in denjenigen Teilen Badens, welche nach Maßgabe der bisherigen poſtaliſchen Einteilung zum Oberpoſtdirektions⸗ bezirk Karlsruhe gehörten. Im September 1877 wurde in den Dienſträumen des Kaiſerl. Telegraphenamtes eine Verbindung durch das Telephon hergeſtellt, welche in der Zeit vom 10. bis 15. des genannten Monats täglich von 10—12 Uhr vormittags von jeder⸗ mann unter Entgegennahme etwa gewünſchter Belehrung ꝛe. beſichtigt werden konnte. Die erſten Verſuche dieſer neuen Erfindung wurden in der Offentlichkeit ſowie in der Preſſe lebhaft beſprochen. Gleich— zeitig mit der obengenannten Aufſtellung eines Telephons wurde eine ſolche vonſeiten des Hofmechanikers Sickler betrieben. Erſt im Feb⸗ ruar 1883 ſprach auf eine Anfrage der Handelskammer, die die Ein— führung der Telephonleitung in Karlsruhe eifrigſt erſtrebte, der Ober— poſtdirektor ſeine Bereitwilligkeit zur Förderung des Unternehmens aus. Am 1. Oktober wurde der Bau der hieſigen Stadtfern— ſprechanſtalt auf dem weſtlichſten Punkte, in Mühlburg, begonnen. Die erſten Abonnenten meldeten ſich Mitte November. Es waren der Fabrikant Rud. Ellſtädter und der Bierbrauereibeſitzer S. Moninger. Zum Anſchluß an das allgemeine Fernſprechnetz meldeten ſich alsbald 23 Teilnehmer mit 34 Sprechſtellen an. Ende November teilte die Kaiſerl. Oberpoſtdirektion den Entwurf eines Vertrags wegen Her⸗ ſtellung einer Fernſprechanlage für die Karlsruher Stadtgemeinde dem Stadtrate, der ſich mit dem Entwurfe einverſtanden erklärte, mit. Mitte Juli 1885 wurde in Verbindung mit der Renovierung des Bahnhofgebäudes ein beſonderes Bahnhofpoſtamt fertiggeſtellt. In demſelben wurden eine kleine Schalterhalle mit Bureauräumlich⸗ keiten, größere Expeditionslokale am Bahnperron und ein geräumiger Packhof mit Wagenremiſen vorgeſehen. Außer dieſem im Laufe des genannten Jahres am Oſtende des Bahnhofes neu errichteten Poſt— gebäude(Poſtamt II) vermittelten 3 Amter den Verkehr der Stadt. Im ganzen waren bei demſelben 157 Arbeitskräfte tätig, bei dem Telegraphenamt 54. Die Verkehrsziffern weiſen gegenüber den früheren Jahren eine nicht unbeträchtliche Zunahme in dieſem Jahre auf. Im — 3— Fernſprechverkehr blieb Karlsruhe im Vergleich zu andern Städten, beſonders zu Mannheim, zurück. Die Telephoneinrichtungen zählten 39 Teilnehmer mit 56 Fernſprechſtellen und 9 Private mit beſon— deren Fernſprechanlagen. Beſonders bemerklich war die bedeutende Steigerung im Neujahrsverkehr. Die Sitte des Austauſches von Glückwunſchkarten erfaßte immer breitere Volksſchichten. Schon der Abſatz in Freimarken kann ein Bild davon geben. In der Zeit vom 27. Dezember bis 31. Dezember 1885 verkauften die hieſigen Poſtämter, ausſchließlich Stadtteil Mühlburg, nicht weniger als 244 500 Stück, 13 mehr als im vorangehenden Jahr. In 2 Tagen, vom 31. Dezember bis 2. Januar mittags gingen hier 214 800 Briefe zur Beſtellung und Abholung ein, darunter 95 400 Stadtbriefe, gegen— über 188 000 Briefen einſchließlich 77000 Stadtbriefen im Vorjahr. Das Perſonal zur Bearbeitung und Beſtellung dieſer Briefmaſſen ſowie zur Behandlung der aufgegebenen Briefe war von 52 auf 139 Köpfe verſtärkt worden. Zu Beginn des Jahres 1886 wurde die an den Sonntagen und geſetzlichen Feiertagen um 12 Uhr 45, beginnende Briefbeſtellung abgeſchafft, da ſich, entgegen der durch die allmählige Einſchränkung des Poſtdienſtes an dieſen Tagen geſchaffenen allgemeinen Norm, der Beſtelldienſt oft bis mittags 3 Uhr hinzog. Auch dieſes Jahr hatte eine beträchtliche Zunahme gegenüber dem vorangehenden in faſt allen Teilen zu verzeichnen. Mit dem 23. Oktober 1886 trat auch eine Privatbriefbeförderung durch Anſelm& Co., deren Bureau Ecke der Blumen- und Bürger— ſtraße war, ins Leben. Der geſchloſſene Brief wurde zu 3, die Mit⸗ teilungskarte zu 2, Druckſachen zu 1 Pfennig befördert. Der Betrieb wurde mit 6 Mann eröffnet, ſtieg aber gegen Weihnachten und Neu⸗ jahr ſo, daß um letztere Zeit 23 Leute im Dienſte ſtanden. Bis zum 1. Januar 1887 wurden 16000 Stück Briefmarken zu 3, 15000 Stück zu 2 Pfennig verkauft und außerdem eine geringe Anzahl von Packeten befördert. Ein zweites, gleichzeitig von Reinhardt gegründetes Unter— nehmen ging ſpäter in den Beſitz des Kaufmanns Zentner über und. wurde im Januar 1887 mit dem Anſelmſchen Geſchäfte verſchmolzen. Das Jahr 1887 wies eine geringere Stückzahl der ausgelieferten Briefe auf. Dafür iſt der Grund darin zu ſuchen, daß in dem be— treffenden Ermittelungszeitraum weniger Druckſachen zur Auslieferung— kamen, als dies gewöhnlich der Fall war. Trotz der offenſichtlich — 747— erheblichen Steigerung im Fernſprechverkehr blieb Karlsruhe dennoch wiederum weit hinter anderen Städten zurück. Während 3. B. die Zahl der bei der Fernſprechvermittelungsſtelle des Tele⸗ graphenamts dahier hergeſtellten Verbindungen von 26000(täglich 72) auf 33 844(täglich 93) ſtieg, fand in Mannheim eine Steigerung von 1142 300(täglich 3 130) auf 1918 911 Verbindungen(täg⸗ lich 5 257) ſtatt. Die Fernſprecheinrichtung zählte 1887 59 Teil— nehmer mit 76 Stellen und 16 Private mit beſonderen Sprechanlagen (75 Stellen). Die Gemeindebehörde ſelbſt verkehrte mit 43 Stellen von der Zentralſtelle im Rathauſe aus. Gegen das Vorjahr war die Steigerung des Neujahrsverkehrs wiederum eine ſehr beträchtliche; dieſelbe berechnete ſich auf nahezu 20. In dieſem Jahre wurden 5 365 594 Briefe aufgegeben und waren 6015 401 eingegangen. Packete ohne Wertangabe gelangten 348 691 Stück, Briefe und Packete mit Wertangabe 370506 Stück zur Aufgabe. Eingegangen waren in Karlsruhe 342 895 Packete ohne Wertangabe, ſowie 58 812 Briefe und Packete mit Wertangabe. Poſtnachnahmeſendungen wurden 54548 im Geſamtnachnahmebetrag von 310622 Mk. aufgegeben und 23 901 mit einem Nachnahmewert von 244106 Mk. gingen ein. Auf 196840 Poſtanweiſungen wurde die Summe von 12 478 575 Mk. eingezahlt, während 246273 Poſtanweiſungen im Werte von 15311005 Mk eingeliefert wurden. Telegramme wurden nach dem Inlande 57 575 und nach dem Auslande 18821 aufgegeben. Die Ziffer der in Karlsruhe angekommenen Depeſchen betrug 87 258. Die genannten Zahlen mögen für den umfangreichen Poſtverkehr ſprechen. Die folgenden Jahre erreichten fortwährend größere Zahlen. Der konſtant anwachſende Verkehr erforderte in der Betriebseinrichtung manche Verbeſſerung. 1889 kamen folgende zur Ausführung: Beim Poſtamt 1(Friedrichsplatz) Beſchleunigung der Briefbeſtellung durch Einſtellung von 3, ſpäter 5 Sortierbriefträgern, Einrichtung eines 5. Packettransportes vom Bahnhofe nach dem Stadtpoſtamt, ſowie Vermehrung der amtlichen Verkaufsſtellen für Poſtwertzeichen um 3; beim Poſtamt II(Bahnhof) Vermehrung des Unterbeamtenperſonals von 42 auf 45 Perſonen, endlich eine Landbeſtelleinrichtung(Karlsruhe— Mühlburg), Einführung der Landbeſtellung nach den Ziegeleien. Die Stadtfernſprechanlage erfuhr eine Erweiterung von 63 Sprechſtellen für 58 neue Teilnehmer, ſo daß am Ende des Jahres 1889 157 Sprech⸗ — 748— ſtellen mit 129 Teilnehmern beſtanden. Im Jahre 1890 erfuhren die örtlichen Betriebseinrichtungen folgende Verbeſſerung: beim Poſtamt J die Einrichtung einer beſonderen Packetausgabe und Ingebrauchnahme größerer Räume für das Beſtellgeſchäft, ferner die Vermehrung der amtlichen Verkaufsſtellen für Poſtwertzeichen von 26 auf 27, beim Poſtamt II die Einſtellung eines weiteren Packetbeſtell— wagens, des 9. bei der I., bezw. des 5. bei der II. und III. Be⸗ ſtellung für die Zeit des ſtärkeren Packetverkehrs. Die Verbeſſerung in den Telegrapheneinrichtungen erſtreckten ſich auf die Herſtellung einer neuen oberirdiſchen Leitung nach Frankfurt a. M. zum Betrieb mit Hughes-Apparaten, die Inbetriebnahme einer neuen unterirdiſchen Leitung für den Verkehr mit Frankfurt a. M., Darm— ſtadt, Mannheim, Heidelberg und Stuttgart, die Erweiterung der Fernſprechanlage um 13 Sprechſtellen, die Herſtellung von 9 beſon— deren Fernſprechanlagen für Private und Behörden, ſowie endlich auch die Abwechslung der noch vorhanden geweſenen gewöhnlichen Fern— ſprechſyſteme gegen Mikrophonſyſteme und die Ausrüſtung der meiſten Sprechſtellen mit 2 Fernhörern. 1891 wurde eine direkte telegraphiſche Verbindung mit Nürnberg hergeſtellt. Die Stadtfernſprecheinrichtung wurde um 32 neue Anſchlüſſe erweitert, 1892 geſchah die Herſtellung einer direkten Telegraphenverbindung mit Pforzheim und Wildbad, ferner einer weiteren direkten Verbindung mit Heidelberg. Zur Be— ſchleunigung des Telegrammverkehrs zwiſchen dem Telegraphenamt, dem Poſtamt II und den Eiſenbahntelegraphen wurde eine neue Bahn— hofsverbindungsleitung gelegt, ferner wurde Karlsruhe in eine neue unterirdiſche Leitung von Metz über Straßburg—Stuttgart-Nürn— berg— München eingeſchaltet. Im genannten Jahre erhielt die Stadt— fernſprecheinrichtung 40 neue Anſchlüſſe. Die Poſtverkehrs—⸗ ziffern wieſen in dieſem Jahre wiederum eine recht bedeutende Zu— nahme auf. 1893 wurde im Telegraphengebäude eine öffentliche Fernſprechſtelle eingerichtet, ferner ein Fernſprechbetrieb zwiſchen Durlach, Ettlingen und Karlsruhe einerſeits und Frankfurt, Mann— heim und Pforzheim andererſeits eingeführt. Die um 40 Sprech— ſtellen erweiterte Stadtfernſprechanlage hatte 265 Teilnehmer im Jahre 1893, 300 1894, 353 1895, 396 Teilnehmer 1896. 1894 wurden die Telegrapheneinrichtungen inſofern verbeſſert, als der Fernſprechverkehr mit den Orten Heidelberg, Bruchſal, Offenbach a. M. — 749— Hanau, Mainz, Kaſtel a. Rh., Bockenheim und mit ſämtlichen an das Fernſprechnetz Württembergs angeſchloſſenen Anſtalten erweitert wurde. Im März des genannten Jahres wurde wiederum eine Karls— ruher Privatſtadtbriefbeſtellung errichtet. Das Porto ſür Briefe und Karten war für dieſelbe auf 2 Pfennig feſtgeſetzt. Bei ihrer Eröffnung zählte dieſe Privatſtadtpoſt 50 Verkaufsſtellen von Wertzeichen und 36(gelbe) Briefkaſten in den verſchiedenen Gegenden der Stadt. 1898 beſtand das mit der Bearbeitung der Brief— ſendungen der Reichspoſt betraute Perſonal aus 98 Beamten und 174 Unterbeamten. Zur Abwickelung des Neujahrbriefver— kehrs, der Jahr für Jahr größer wurde, war dasſelbe auf 124 Beamte und 284 Unterbeamte verſtärkt. 1899 wurden vom 27. bis 31. Dezember 611254 Stück Freimarken, Poſtkarten und Kartenbriefe verkauft. An Briefſendungen gingen in der Zeit vom 31. Dezember mittags bis 2. Januar mittags zu Beſtellung durch die Briefträger (alſo ohne die zur Abholung gelangten) 560 907 Stück ein, darunter 106 468 Stadtbrieffſendungen. Für das Jahr 1900 über den Poſt- und Telegraphenverkehr nähere Angaben zur Vergleichung mit den für das Jahr 1887 angegebenen zu machen, iſt zur Beleuchtung des gewal— tigen Verkehrsaufſchwungs der Stadt nicht unintereſſant. An Brief— und Packetſendungen gingen ab ohne Wertangabe 506 407 Stück, mit Wertangabe(im Werte von 118 210086 Mk.) 52 115 Stück, ohne Wertangabe kamen an 655 888 Stück, mit Wertangabe(im Werte von 127 482 031 Mk.) 51257 Stück. Nachnahmeſendungen gingen ab 94729 Stück(Wert 1219333 Mk.), kamen an 93 703 Stück(Wert 1657070 Mk. Poſtaufträge gingen ab 31616 Stück, kamen an 16 888 Stück. Betrag der angekommenen Poſtaufträge 1 926 800 Mk. Poſtanweiſungen gingen ab 474063 Stück(Betrag 31298 884 Mk.), kamen an 584071 Stück(Betrag 41051381 Mk). Telegramme gingen ab: inländiſche 122 531 Stück, ausländiſche 45 633 Stück, kamen an: inländiſche und ausländiſche 157970 Stück. In den Tagen vom 16. bis 18. Oktober 1900 wurde der Betrieb der Ober— poſtdirektion, der Oberpoſtkaſſe, des Poſtamtes J und des Telegraphen⸗ amtes aus den bisherigen Dienſträumen am Friedrichplatz, in der Ritter⸗ ſtraße und der Herrenſtraße in das neuerbaute Reichspoſtgebäude auf der Kaiſerſtraße(Nr. 217) verlegt. Gleichzeitig damit ſiedelte das Poſtamt III von der Sofienſtraße(Nr. 43) nach der Wald⸗ hornſtraße(Nr. 21) über. Am 18. fand um die Mittagsſtunde im Briefſchalterraum des neuen Hauptgebäudes die feierliche Eröffnung des letzteren ſtatt. An derſelben nahmen der Großherzog und Prinz Mapn teil. Aus Berlin war der Staatsſekretär des Reichspoſtamtes von Podbielski erſchienen. Außerdem wohnten die Beamten der Ober— poſtdirektion, Vertreter der Staats- und Militärbehörden, der Geiſt⸗ lichkeit, der Handelskammer und zahlreiche Korporationen und Vereine der Feier bei. Aus Anlaß dieſer Feier war eine Feſtſchrift erſchienen, deren erſter Teil eine Darſtellung der Entwickelung des Poſtweſens in unſerer Stadt ſeit dem Jahre 1715 aus der Feder des Ober— poſtdirektors Heß brachte, während der zweite Teil eine von dem Regierungsbaumeiſter Walter verfaßte ausführliche, durch Bilder er— läuterte Beſchreibung des in den Jahren 1897 bis 1900 aufgeführten Poſtneubaues enthält. Kurz vor der Überſiedelung der Oberpoſt⸗ direktion in das neue Heim war deren langjähriger Vorſtand, der eben erwähnte Oberpoſtdirektor, Geheimer Oberpoſtrat Joh. Friedr. Heß, in den Ruheſtand getreten, nachdem er 22 Jahre an der Spitze des Oberpoſtdirektionsbezirks Karlsruhe geſtanden und zu Beginn des Jahres 1900, unter reger Anteilnahme der ihm unterſtellten Beamten, wie auch weiterer Kreiſe der Bevölkerung, ſein 50jähriges Dienſt— jubiläum gefeiert hatte. Handel, Induſtrie und Gewerbe. Wie in andern Städten, ſo war auch in Karlsruhe im Jahre 1875 eine allgemein fühlbare Arbeitsſtockung zu bemerken, ſo daß in einigen größeren Fabriken eine teilweiſe Reduktion der Arbeitszeit und Arbeitskräfte ſtattfinden mußte. Die Haupturſache dieſer Lähmung im Handel und Gewerbe war in der Überproduktion der letzten Jahre und in dem Ruin ſo vieler ſchwindelhaften Unternehmungen zu ſuchen. Durch die ſchnelle Abzahlung der franzöſiſchen Milliarden an das Deutſche Reich und der damit verbundenen Überſchwemmung des deutſchen Geldmarktes war ferner auch der leichtſinnigen Spekulation Tür und Tor geöffnet worden. Die Folge davon war das Empor— blühen von Handel und Gewerbe und das durch die Freizügigkeit noch beſonders geförderte Wachstum der Städte, aber auch die Schaffung aller möglichen Unternehmungen durch die„Gründer“, welche wie Pilze aus der Erde geſchoſſen waren, die eine Über⸗ ſtürzung nach der andern herbeiführten. Ein weiterer Hauptgrund der entſtandenen Arbeitsloſigkeit waren die Arbeiter ſelbſt. Ihre Anſprüche hatten ſich durchſchnittlich zu einer Höhe geſtaltet, die mit den damaligen ſozialen Zuſtänden nicht mehr harmonierten und mit den wirtſchaftlichen Grundſätzen geradezu in Widerſpruch ſtanden. Viele der Anſprüche waren ja gerechtfertigt, denn die Lage der Ar— beiter erheiſchte unbedingt eine Verbeſſerung; aber es gab auch viele übertriebene Anſprüche, unter denen beſonders das künſtliche Hinauf— ſchrauben der Löhne zu nennen iſt. Durch eine allzugroße Er— höhung der Arbeitslöhne ward es manchen Geſchäften unmöglich ge— macht, mit dem Auslande noch zu konkurrieren. Daß trotz dieſer herrſchenden Arbeitsſtockung die Bauluſt in Karlsruhe immer noch rege war, beweiſt der Umſtand, daß durch das Bezirksamt bis Mitte April 1875 ſchon 80 Baugeſuche, darunter 50 Neubauten, zu einer Hälfte drei-, und zur andern Hälfte vierſtöckig, genehmigt wurden. Für die hieſigen Bauhandwerker war dieſes Jahr alſo demnach kein ſchlechtes. Dieſe Tatſache lieferte zugleich den Beweis, daß die Karlsruher wirtſchaftlichen Verhältniſſe doch auf einer geſunden Grundlage beruhten. Die Einwechslung der alten Geldſtücke in die neuen Reichs⸗ münzen war im Jahre 1875 äußerſt rege. Es war zu erwarten, daß mit Eintreten der Markrechnung die Gewerbetreibenden eine teilweiſe Steigerung der Preiſe ihrer Waren verſuchen würden, und es trat daher an das Publikum die Notwendigkeit heran, den nachweis⸗ bar ungerechtfertigten Verſuchen einen möglichſt kräftigen Widerſtand entgegen zu ſetzen und alle erlaubten Mittel zu deren Abwehr zu ergreifen. Daß man ſich mit der eingeführten Währung nicht gleich zurecht finden konnte und ihr anfangs wegen mancher infolge der Umwechs— lung hervorgerufener Mißſtände im Publikum feindſelig gegenüber⸗ ſtand, bewies in der Tat folgender Übelſtand: die neuen 100⸗Mark⸗ noten, welche doch nach dem Reichsbankgeſetz vom 1. Januar 1876 ab entweder in Berlin oder in Frankfurt a. M. eingelöſt werden konnten, wurden nicht allgemein in Zahlung genommen. Eine ſächſiſche, hannoveraniſche ꝛe. Banknote von 100 Mark wurde peremptoriſch zurückgewieſen. Dieſe Nörgeleien nahmen aber in Karlsruhe bald ein Ende, als am 1. Oktober des genannten Jahres die deutſche Reichsbank— filiale eröffnet worden war. Ende April hatten zwiſchen unſeren Behörden und Vertretern der deutſchen Reichsbank in Berlin im hieſigen Rathausſaale Verhandlungen ſtattgehabt zwecks Errichtung der ebengenannten Reichsbankfiliale. Sie drehten ſich hauptfächlich um die Frage, ob Mannheim, als der bedeutendere Handelsplatz, oder Karlsruhe, als Hauptſitz der Regierung, die Filiale bekommen ſollte. Es wurde anfangs Mai zu dieſem Zwecke eine Deputation nach Berlin geſandt. Die Frage wurde dahin geregelt, daß ſowohl Mannheim als auch Karlsruhe eine Filiale erhielten. Die Preußiſche Bankkommandite, ſo hieß die Reichsbank nämlich offiziell bis 1. Januar 1876, begann ihre Wirkſamkeit am 1. Oktober.— Anfangs Mai 1875 hielten die Aktionäre der Karlsruher Gewerbebank ihre Generalverſammlung ab. Der erſtattete Geſchäftsbericht über das abgelaufene Rechnungsjahr— 1. Januar bis 31. Dezember 1874— ergab folgendes Reſultat: Die Darlehensreſte am 31. Dezember 1874 betrugen 95 627 fl. 31 Kr., das Konto-Korrent-Guthaben 1675 fl. 50 Kr. Die Teilaktiv-Zinſen 1803 fl. 16 Kr., und an Einnahme—⸗ rückſtänden waren es 11 fl. Der Kaſſenvorrat belief ſich auf 1236 fl. 27 Kr., während der Wert der vorhaudenen Inventarſtücke 38 fl. 54 Kr betrug. Die Aktiva beliefen ſich ſomit auf 100392 fl. 58 Kr. Unter Paſſiva war ein Aktienkapital mit 65625 fl. auf⸗ gezählt. Die Teilpaſſiv-Zinſen betrugen 99 fl. 44 Kr. und die rück— ſtändigen alten 40 fl.; die Paſſiv⸗Kapitalien waren zu 10 417 fl. 39 Kr. angegeben, während der Reſervefond die beträchtliche Höhe von 17626 fl. 14 Kr. erreichte. Die Dividendenreſerve betrug 375 fl. 4 Kr., und wurde ein Reingewinn von 6209 fl. 4 Kr. erzielt. Nach den Brauregiſtern wurden vom 1. Mai 1874 bis 1. Mai 1875 folgende Mengen Bier gebraut: Albert Printz 2206766, Friedrich Biſchoff 1687392, Leopold Eypper 1631220, Karl Schrempp 1615175, Stefan Moninger 1234792, Heinrich Fels 1 229 160, Friedrich Höpfner 999 355, Chriſtof Glaßner 967240, Friedrich Seyfried 846285, Karl Kammerer 822510, Heinrich Fels Wwe. 809 684, Albert Benz 760 155, Aug. Clever 609 120, Friedr. Singer 576558, Aug. Stefan 339 978, Louis Heck Jabrikant Ruguſt Ruh. 192 780, Franz Heydt 117 150, Friedrich Martins 115 560, Fried⸗ rich Lörcher 98 701, Jakob Lauer 83 985, Adam Mutſchle 60 480 und Heinrich Schmidt 43 656 Liter, zuſammen 17043 702 Liter. Ein erfreuliches Zeichen des gedeihlichen Aufſchwungs unſerer Stadt gewährte eine größere Anzahl erſtehender bedeutender Fabrik⸗ gebäude. Unter dieſen neuen Etabliſſements iſt beſonders die große Brauerei von A. Printz hervorzuheben. Dieſelbe wurde in den Monaten Auguſt und September in einem 7ſtöckigen großen Neubau neu eingerichtet. Die Einrichtung war die erſte derartige in Baden. Die verſchiedenen Keſſel kamen in engſte Verbindung mit einander und ebenſo mit den Kühlſchiffen, ſo daß ohne irgend welchen Zeit⸗ verluſt das zu brauende Bier von einem Gefäß in das andere ge— leitet werden konnte. Dadurch war die Möglichkeit gegeben, inner⸗ halb 24 Stunden 3 Sud Bier von je 12080 Liter zu brauen. Eine große Maſchine von 16 Pferdekräften und eine kleine von 5 Pferdekräften ſetzten das in ſeiner Art in Württemberg und Baden ſeinerzeit einzig daſtehende Werk in Bewegung. Auch das Auf- und Niederlaſſen der Fäſſer geſchah mit Dampfkraft; bis in das Brau— haus wurde ein Schienenſtrang geführt. Ende Juni 1876 gelangten die erſten Zweimarkſtücke zur Ausgabe. Auf das Erſcheinen dieſer Geldſtücke war man um ſo ge— ſpannter, als der Reichstag die Ausprägung derſelben gegen den Wunſch des Bundesrats beſchloſſen hatte, und letzterer nur mit Zögern darauf eingegangen war. Im März 1877 wurden vom Kaiſerl. Generalpoſtamt die Poſtanſtalten durch das Poſtamtsblatt angewieſen, bei den Geld⸗ ſendungen die Silbertaler aus den Jahren 1823—56 von den Vereinstalern genau zu trennen und geſondert zu packen. Es waren dies die erſten Anweiſungen zur Einziehung der Talerſtücke. Ende Juli des genannten Jahres wurde ein für den induſtriellen Aufſchwung von Karlsruhe bedeutungsvolles Feſt in der kurz vorher durch eine Eiſengießerei weſentlich erweiterten Nähmaſchinen— fabrik von Junker& Ruh vom geſamten, gegen 280 Mann zählenden Geſchäftsperſonal feierlich begangen. Seit Jahresfriſt waren 25000 Nähmaſchinen angefertigt und damit die Jubiläumsziffer 50000 als ehrendes Zeugnis emſigen Gewerbefleißes erreicht worden. Anfangs März 1879 eröffnete Ed. Nowack jun. in ſeinem 48 — 7 durch Neubau vergrößerten Hauſe(der ehemaligen Villa Nowack) ein neues elegantes Kaffee-Reſtaurant. Ende April kam die auf vielſeitig geäußerten Wunſch erfolgte Errichtung eines Plakat— inſtituts zuſtande. An den ſich hierfür eignenden Straßenecken, welche bisher in unſchöner Weiſe mit Plakaten unregelmäßig beklebt waren, wurden an 130 Häuſern über 250 hübſch ausgearbeitete, mit Olfarbe angeſtrichene, hölzerne Anſchlagtafeln mit Rahmen angebracht. Das Jahr 1879 zeichnete ſich beſonders durch die große Anzahl der beim Amtsgericht angemeldeten Konkurſe aus. Von 95 Ganten fielen 76 auf Karlsruhe allein. Die Urſache dieſes Gantenausbruchs war in den allerſeltenſten Fällen eine unverſchuldete. In der Regel hatte die Gantmäßigkeit ihren Grund in allzu großem Aufwand, in frivoler Spekulation oder in leichtfertiger Gründung und Ausdehnung von Geſchäften ohne genügende Betriebsmittel. Nachdem im Jahre 1877 nach dem Vorgange von Preußen und anderen deutſchen Ländern dem Landtage des Großherzogtums der Entwurf eines Geſetzes über die Handelskammern vorgelegt und unter dem 11. Dezember 1878 dieſer Entwurf in der ihm von den Kammern gegebenen Faſſung zum Geſetz erhoben und zur Aus— führung desſelben die Vollzugsordnung vom 8. April 1879 erlaſſen worden war, war damit der von der Karlsruher Handelskammer ſchon lang gehegte Wunſch in Erfüllung gegangen, daß Kreis- oder Bezirkshandelskammern gebildet werden möchten, denen die in das Handelsregiſter eingetragenen Firmen kraft Geſetzes angehören ſollten, weil erſt dadurch der Handelsſtand eines Bezirks eine geord— nete Repräſentation und die letztere ſelbſt die zu ihrer Exiſtenz nötigen Mittel erhielte. Infolge des neuen Geſetzes ſollten die bisher be— ſtandenen Handelskammern ſpäteſtens binnen Jahresfriſt dem Geſetze entſprechend umgebildet werden. Für den Kreis Karlsruhe wurde durch ein vom Handelsminiſterium am 24. Dezember 1879 erlaſſenes Statut eine Handelskammer mit dem Sitz in Karlsruhe errichtet. Zu deren Bezirk gehörten aus den Amtsbezirken Karlsruhe, Bretten, Bruchſal, Durlach und Ettlingen 7 Städte und 19 Landorte. Die Zahl ihrer Mitglieder betrug 23. Am 31. Mai 1880 wurden die erſten Wahlen zur neuen Handelskammer vollzogen. Dabei ſtimmten 240 Wahlberechtigte ab. Am 28. Juni 1880 fand die konſtituierende Verſammlung ſtatt. In derſelben wurde als Präſident Bankier — 755— K. A. Schneider und als Stellvertreter desſelben Kaufmann Rudolf Herrmann, als prov. Sekretär Fabrikant Kamill Leichtlin, als Kaſſier Fabrikant Friedr. Haug gewählt. Später wurde ein Sekretär in der Perſon des Dr. Rich. Planer beſtellt. Im Jahre 1881 erſchien der erſte Jahresbericht der neuen Handelskammer für den Kreis Karls⸗ ruhe über das Jahr 1880. Das Jahr 1880 entſprach den von der Induſtrie, dem Handel und dem Gewerbe gehegten Erwartungen nicht vollſtändig. Die im Jahre 1865 gegründete Zementwaren-Fabrik von Dyckerhoff& Widmann bezog und verarbeitete an Roh⸗ materialien ca. 2200 obm Kiesſand, 1610000 kg Portland⸗ zement und 15600 kg Formgyps. Die durchſchnittliche Arbeiterzahl war 90 Mann. Die ſchon durch viele Medaillen ausgezeichnete Fabrik holte ſich 1880 in Düſſeldorf wiederum eine goldene Medaille. Die deutſche Metall-Patronenfabrik von Lorenz& Cie. fabrizierte Metallpatronen und Hülſen, Geſchoſſe, Munitionsartikel und zugehörige Maſchinen im Verkaufswert von rund 1320000 Mark; davon entfielen auf den Zollverein 735000 Mk., auf das überſeeiſche Ausland 585000 Mk. Für Löhne wurden an durch⸗ ſchnittlich 137 Arbeiter 132000 Mk., für Gehälter an Beamte und Aufſeher 33500 Mk. bezahlt. Die Nähmaſchinenpreiſe im Groß— handel waren ſeit ungefähr 4 Jahren um etwa 38 9 herabgegangen; am Ende des Jahres 1879 war dieſer Rückgang inſofern an einem Haltepunkt angelangt, als die ſoliden Fabriken, von der wachſenden Nachfrage unterſtützt, zu weiteren Preiskonzeſſionen ſich nicht mehr gewillt zeigten und die vereinzelten Preisherabſetzungen kleinerer und zweifelhaft ſituierter Fabriken von keinem Einfluſſe auf die allgemeine Preislage waren. In der Nähmaſchinenfabrik von Gritzner & Cie. in Durlach hatte ſich beſonders die Nachfrage nach Näh— maſchinen im letzten Jahre weſentlich gehoben, und zwar ſchließlich in dem Maße, daß die Fabrik kaum mehr genügend zu liefern im⸗ ſtande war. Über 10000 Maſchinen brachte ſie im Jahre auf den Markt. Über 200 Arbeiter fanden in ihren Räumen Beſchäftigung. Im Maſchinenbaufache gingen im großen Ganzen während des Jahres 1880 die Hoffnungen nicht in Erfüllung, die der Anfang desſelben erweckte. Das Jahr begann mit einer Steigerung der Materialpreiſe, welche als Fortſetzung der in der zweiten Hälfte des 48* Jahres 1879, infolge des plötzlich aufgetretenen amerikaniſchen Be— darfs, begonnenen Hauſſe anzuſehen war, und die ganz den Charakter der Überſtürzung trug. Unter anderem ſtiegen Bleche von 172,50 Mk. pro 100 Kilo Grundpreis auf 270 Mk., Stabeiſen von 105 Mk— auf 190 Mk,, Feuerbuxbleche von 136 Mk. pro 100 Kilo Grund— preis auf 198 Mk. u. ſ. w. Dieſer ſich innerhalb weniger Monate vollziehende Wechſel brachte aber keinen Segen; denn er war ganz einſeitig. Die Preiſe der Fabrikate im Maſchinenfach blieben ent— weder ganz auf ihrem niederen Stande oder erfuhren nur kleine Er— höhungen, die mit der Erhöhung der Materialpreiſe nicht gleichen Schritt hielten. Daher kam es, daß die Maſchinenfabriken aus dem neuen Verhältnis wenig oder gar keinen Nutzen ziehen konnten; denn ſie mußten teurer einkaufen und konnten bei der noch immer an— dauernden Konkurrenz nur wenig Nutzen bringende Preiſe ſtellen. Im Lokomotivgeſchäft, der größten Spezialität der Karlsruher Maſchinenbaugeſellſchafk, trat keine Beſſerung ein. Kleinſter Bedarf gegenüber koloſſaler Überproduktion und daraus hervorgehende Ver— luſt bringende Preiſe waren die charakteriſtiſchen Merkmale dieſer Erſcheinung. Im Bau von Dampf- und anderen Maſchinen brachte das Jahr 1880 den Karlsruher Fabriken etwas mehr Auf— träge. Die Arbeiter-Verhältniſſe waren unverändert und ließen nur inſofern eine Beſſerung konſtatieren, als es der Maſchinenbau— geſellſchaft beinahe während des ganzen Jahres möglich war, täglich volle 10 Stunden und teilweiſe ſelbſt darüber arbeiten zu laſſen. Die Wagenfabrik von Schmieder& Mayer fertigte bei einer durchſchnittlichen Arbeiterzahl von 150 Mann 160 Güter⸗ und Perſonenwagen, und außerdem noch verſchiedene Ausrüſtungs— gegenſtände für Eiſenbahnen und Private. Die Chemiſche Fabrik bei Karlsruhe erzeugte an chemiſchen Produkten 184 400 kg gelbes blauſaures Kali, 30 140 kg rotes blauſaures Kali, 52 980 kg⸗ Pariſerblau, bezw. Berliner- und Stahlblau in 21 Qualitäten und Nuancen, 240970 kg Entfärbungsprodukte, 19470 Kg Düngerſalze. Hierzu wurden verwendet 2400000 kg Flammkohlen, 242 825 kg. Kalkpottaſche, 1400080 kg ſtickſtoffhaltige Körper, wie Horn, Lumpen⸗ und Lederabfälle, 77 970 kg Eiſen, wie Guß- und Schmiede⸗ eiſen und Eiſenabfälle, 179600 kg Salzſäure, 2000 Kkg Braunſtein, 17630 kg Chlorkalk, 46685 kg Eiſenvitriol. 75—80 Arbeiter — mit einem Geſamt-Arbeitslohn von 52 950,32 Mk. wurden beſchäftigt. Die Fabrik chemiſch präparierter Papiere von Gebr. Leichtlin erfreute ſich, trotz der Ungunſt der Zeitverhältniſſe, einer lebhaften Tätigkeit, und ihre Erzeugniſſe blieben dem Auslande gegenüber in jeder Beziehung konkurrenzfähig. Die Produktion ſteigerte ſich in den letzten Jahren auf ca. 335000 qm fertig prä— parierten Papieres, welches etwa zur Hälfte im deutſchen Reiche und in Oſterreich-Ungarn, zu einem Viertel nach Belgien, Frankreich und Italien und zu einem weiteren Viertel nach der Schweiz, Däne— mark, Schweden, Norwegen und den Vereinigten Staaten von Nord— Amerika Abſatz fand. Die Fabrik beſchäftigte 15—20 Arbeiter; es wurden in einem Jahre ca. 370 Ztr. Rohſtoffe als Papier, Gewebe, ätheriſche Ole, Harze, Drogen ꝛc. verarbeitet. In der Tapeten— fabrikation waren die Preiſe für das Jahr 1880 auch keine beſonders günſtigen, ſondern vielmehr außerordentlich gedrückte, ob— gleich der Umſatz einem mittelmäßigen Jahre gleichkam. Die Tapeten⸗ fabrik von L. Kammerer erzeugte täglich ca. 5000 Rollen, die in Deutſchland, in der Schweiz, in Oſterreich, Italien, Holland, Belgien und Frankreich ihren Abſatz fanden. Eine techniſch vollkommene Maſchineneinrichtung unterſtützte die Produktionsfähigkeit der Fabrik, welche 75 Arbeiter beſchäftigte. Die Fabrik für Künſtliche Mineralien und Mediziniſche Heilwaſſer von Cillis& Cie. hatte einen weſentlichen Aufſchwung dadurch erfahren, daß ihr be— ſonders die Einführung des Cillis'ſchen Stahlwaſſers auch im Norden gelang. Ihre Niederlagen in Hamburg, Bremen, Berlin, Hannover ꝛc. hatten ganz bedeutenden Abſatz. Die Lage der Tabak- und Zigarreninduſtrie war gerade keine günſtige. Ein Haupt⸗ grund dafür lag darin, daß die Fabrikanten infolge der neuen Zoll- und Steuergeſetzgebung genötigt waren, ihr Material teurer einzukaufen, ferner daß der Konſum durch die dadurch erhöhten Preiſe kleiner geworden war. Ahnlich ſtand es mit der Glacéhandſchuhfabrikation. Auch ſie hatte unter der neuen Geſetzgebung zu leiden. Die 1874 gegründete und 1880 etwa 100 Perſonen beſchäftigende Glacéhand— ſchuhfabrik von W. Ellſtätter produzierte etwa 15000 Dutzend Hand— ſchuhe in Lamm- und Ziegenleder. Die Ware fand zum kleineren Teile im Inland, in Holland und England, zum größeren Teile durch Vermittlung deutſcher, franzöſiſcher und engliſcher Exporthäuſer 1658— nach Nord- und Südamerika, ſowie nach verſchiedenen Kolonien ihren Abſatz. Das Bau gewerbe erfreute ſich einer ausgedehnten Tätig— keit. In den letzten 10 Jahren wurden jährlich durchſchnittlich— 48 größere und 32 Nebengebäude neu aufgeführt, im ganzen alſo⸗ wohl gegen 500 größere Neubauten und ebenſoviel kleine Erſatz— bauten. Seit 1872 hatte ſich die Häuſerzahl der Stadt von 1800 bis— auf nahezu 2700 vermehrt. 1880 gab es in der Stadt wohl gegen— 20 größere und kleinere Bauunternehmerfirmen(Maurermeiſter). Mehrere dieſer Unternehmer waren zugleich Steinbruchbeſitzer. Hierzu traten 15 Zimmergeſchäfte. Die Zimmerplätze verarbeiteten im Jahre— über 1600 ebm Holz. Die Bauſchreinerei beſchäftigte im ganzen gegen 200 Arbeiter. Von den größeren Geſchäften wurden 2 mit: Dampf betrieben. Etwa 60 Schloſſer- und Schmiedemeiſter und⸗ halbſoviele Blechner mit zuſammen gegen 180 Gehilfen und Lehr— jungen kamen dem baulichen Bedürfniſſe entgegen. Was die bau⸗ gewerblichen Ausſtattungsgeſchäfte betrifft, ſo fehlte es nicht an. tüchtigen Gypſern und Stukkateuren, Zimmermalern, Anſtreichern, Tapezierern und Vergoldern, Gürtlern und Inſtallateuren und dergl— Die Möbelfabrikation erfreute ſich, vielfach unterſtützt durch die Mitwirkung der Großh. Kunſtgewerbeſchule, eines wachſenden Ge— deihens. Unter den größeren Geſchäften arbeiteten 2 mit Dampf (mit Maſchinen von 20—25 Pferdekräften); die 3 größten beſchäf⸗ tigten allein jedes ca. 50—60 Arbeiter. Im Ganzen waren in dieſer Branche ungefähr 350 Geſellen dauernd eingeſtellt. Der geſamte— Jahresumſatz der Karlsruher Schreinereien und Möbelfabriken belief, ſich ungefähr auf 1/ Millionen Mark. Der Tierhandel ſowie das— Getreidegeſchäft waren von geringer Bedeutung. Auch für den Handel. in Kolonialwaren war das Jahr 1880 im Großen und Ganzen ein ſehr unlohnendes. Der Börſenkrach von 1873, der bei den Kapitaliſten eine große Scheu vor allen nicht feſt verzinslichen Werten hervor— gerufen hatte, hatte eine Entwertung aller Dividendenpapiere, welche ſchließlich nicht mehr im Einklang mit den wirklichen Erträgniſſen ſtand, zur Folge. Die Erkenntnis hiervon brach ſich im Jahre 1878. immer mehr Bahn, und es trat infolge deſſen ein erneuter Auf— ſchwung der Dividenden-Papiere und damit eine Belebung des— Effektengeſchäftes ein, welches von 1873—77 ſehr darnieder gelegen war. In den Jahren 1879 und 1880 ſetzten ſich die Steige⸗ (759— rungen der Kurſe aller Dividendenpapiere fort und ſpeziell die Steige— rungen des letzgenannten Jahres übertrafen bei mauchen Papieren die kühnſten Erwartungen. Der Geſchäftsumſatz ſtellte ſich bei der hieſigen Reichsbankſtelle in Einnahme und Ausgabe auf 8962000 Mk. im Lombard-Verkehr, 147753 500 Mk im geſamten Wechſelverkehr, 3801300 im Anweiſungs-Verkehr, 301065 100 Mk. im Giro-Verkehr, 28800 Mk. im Depoſiten-Verkehr, 27372000 Mk. im Verkehr mit Reichs- und Staatskaſſen, 488 982 700 Mk. Die Direktion der Badiſchen Bank konnte für das Geſchäftsjahr 1880 über ein noch erheblich günſtigeres Ergebnis als für das vor⸗ hergehende berichten. Dieſe erfreuliche Tatſache hatte ſie einerſeits der durchſchnittlich höheren Zinsrate, andererſeits dem vergrößerten Umfange ihrer ſtatutmäßigen Geſchäftsoperationen zu verdanken. An Dividende kamen 5// zur Verteilung. Der Geſamt-Umſatz, der im Jahre 1879 in Mannheim 519323526,61 Mk,, Kin Karlsruhe 184 195415,25 Mk., zuſammen 703 518 941,86 Mk. betragen hatte, ſtieg im Jahre 1880 auf 548 186400,70 Mk in Mannheim, 271879850,32 Mk. in Karlsruhe, zuſammen auf 820066 251,02 Mk. Von ſeiten der Karlsruher Metzgergenoſſenſchaft wurde in einer anfangs November ſtattgefundenen Generalverſammlung einſtimmig die Gründung einer„Innung der Metzger“ beſchloſſen. Zu Beginn des folgenden Jahres trat dieſelbe in Kraft. Das Jahr 1881 bezeichnet der Jahresbericht der badiſchen Handels— kammer im Großen und Ganzen in geſchäftlicher Beziehung als ein mittelmäßiges. Der Stand der Induſtrie und des Gewerbes blieb durchſchnittlich der gleiche wie im vorangehenden Jahre. Das Baugewerbe fand im allgemeinen wiederum hinreichende Be— ſchäftigung; denn die Bauluſt hatte zugenommen, was ſchon aus der Steigerung der Jahresziffern der in der Reſidenz amtlich genehmigten größeren Neubauten hervorgeht. Dieſelbe erhob ſich in der Bauperiode von 1880—1881 auf einige über 60, im letzten Jahre ſogar auf 70 Objekte. Die Anzahl der Bauunternehmer und Maurermeiſter ſtieg auf 29, die der Zimmermeiſter auf 16. In der Kolonialwarenbranche war hauptſächlich ein Rückgang der Kaffeepreiſe bemerkbar. DdDie Manufaktur⸗- und Kurzwaren⸗ branche konnte über einen günſtigen Geſchäftsverlauf berichten. An⸗ fangs des Jahres trat im Farbenexportgeſchäft ein lebhafter Aufſchwung — 760— ein. Doch er hielt nur kurze Zeit an und machte Mitte des Jahres einer völligen Stagnation Platz. Anfangs Auguſt beſchloß der Stadtrat auf ein Geſuch von Bewohnern hieſiger Stadt hin um Aufhebung, eventuell um Verlegung der Meſſe aus der Kaiſerſtraße, Verkaufs— buden auf der Kaiſerſtraße, mit Rückſicht auf die daſelbſt befindliche Pferdebahn, fernerhin nicht mehr zuzulaſſen, ſondern denſelben, als Verbindung der Meſſe mit dem Geſchirrmarkt, den Teil der Stefanien— ſtraße zwiſchen Karlſtraße und Akademieplatz zuzuweiſen. Das Jahr 1882 hatte nur für die wenigſten Erwerbszweige zu— friedenſtellende Ergebniſſe. Die Verhältniſſe waren ungefähr die gleichen wie in den 3 letzten Jahrgängen. Die Deutſche Metall— Patronenfabrik mußte ganz erhebliche Anſtrengungen machen, um durch neue Einrichtungen, Konſtruktionen großer und ſchwerer Maſchinen und bauliche Ausdehnung der größten Anforderung an Leiſtungsfähigkeit in der Fabrikation von Munition für Kriegs- und Friedenszwecke entſprechen zu können. Die Fabrik wurde dadurch der Art vervollkommnet, daß ſie in den Stand geſetzt war, mit Tag- und Nachtbetrieb ev. ½ Million Patronen pro Tag zu liefern. Die Nähmaſchinenfabrik Gritzner& Cie. in Durlach erſtellte mit einer Arbeiterzahl von 350—400 Perſonen ungefähr 20000 Näh— maſchinen im Werte von ungefähr 1 Million Mark. Im Betriebe der Maſchinenbaufabrikation konnte die Maſchinenbaugeſell— ſchaft eine kleine Beſſerung nachweiſen. Die durchſchnittliche Arbeiter— zahl betrug 387 Mann gegen 337 im Vorjahre; die Summe der gezahlten Löhne 380645 Mk. gegen 322 310 Mk. im Jahre 1881 und die Produktion 1080750 Mk. gegen 1040 449 Mk. im Vor⸗ jahre. Die Wagenfabrik Schmieder& Mayer fertigte bei einer durchſchnittlichen Arbeiterzahl von 170 Mann ungefähr 160 Stück Perſonen-, Güter- und Tramway-Wagen. Der Geſamtbetrag der gefertigten Arbeiten belief ſich ungefähr auf 400000 Mk. In der Tapeten-Branche war, wenn auch der Konſum im in- und aus⸗ ländiſchen Geſchäft in langſamem Steigen begriffen war, doch keine weſentliche Anderung zu verſpüren. Die Fabrik für künſtliche Mine—⸗ ralwaſſer von Cillis& Cie. erfuhr einen weſentlichen Aufſchwung. Die Bierbrauerei ſtand wiederum im allgemeinen unter günſtiger Konjunktur, da die Preiſe für Gerſte und Hopfen bei guter Qualität der Waren mäßige waren. Die Rohſpritfabrikation dagegen, — 761— betrieben in dem Sinnerſchen Etabliſſement in Grünwinkel, ſtand unter ſehr ungünſtigen Auſpizien. Das Baugewerbe hatte abermals eine hinreichende Tätigkeit. Die Privat-Bauluſt entfaltete ihre Tätigkeit vorzugsweiſe auf dem neueröffneten Bauterrain zwiſchen Bismarck⸗ ſtraße, Wörthſtraße, Mühlburger Allee und Weſtendſtraße. Nebenbei erhielt dieſelbe noch Anregung durch Hinausrückung der Stadt— gemarkungsgrenze gegen Beiertheim. Durch die Fortſetzung der Kor— rektion des Landgrabens, ſowie durch die in Angriff genommene Entwäſſerung des Stadtgebietes fanden zahlreiche Arbeitskräfte Be— ſchäftigung. Von den großen Baugeſchäften mit Dampfbetrieb lieferte Billing K Zoller faſt ausſchließlich außer Landes. Markſtahler K Barth hatten im Inlande viele Abnehmer. Dieſe Firma vergrößerte ihr Geſchäft bedeutend durch Ankauf der ehemals Stöveſandtſchen Möbel— fabrik. Der Handel in Wollgarn und Baumwollweb- und Stickgarn war ein ſehr reger. Für das Bankgeſchäft waren die Verhältniſſe weniger günſtig als im Vorjahre. Für den Kolonialwarenhandel war das Jahr 1883 durchſchnittlich kein gutes. Die Bierbrauerei fand in den erſten 9 Monaten des Jahres wohl einen befriedigenden Abſatz, aber die Rentabilität hatte unter ſehr hohen Hopfenpreiſen zu leiden. Für den Tabakhandel war das Jahr eines der ſchlechteſten; nicht viel beſſer ging es der Zigarrenfabrikation. In der Blechwaren— Induſtrie war zwar auf der einen Seite eine geſteigerte Tätigkeit zu konſtatieren, aber auf der anderen Seite das überall vorhandene Verlangen nach billiger Ware und das Herabgehen der Preiſe im allgemeinen zu beklagen. Die Maſchinenfabrikation konnte, wenn ſie auch noch keine beſſeren Preiſe erzielte, doch im allge— meinen einen Fortſchritt aufweiſen; lediglich das Lokomotivgeſchäft hatte ſich nicht gebeſſertt. Die Nähmaſchinen-Induſtrie hatte bei wiederholtem Rückgange der Engros-Preiſe ihre Produktion wiederum nicht unbedeutend erhöht. Für die Seifen- und Lichterfabrikation war der Geſchäftsgang ein etwas ge— drückter und unerquicklicher. Das Baugeſchäft hatte ſich einer angenehmen und lohnenden Beſchäftigung zu erfreuen; die Preiſe waren übrigens auch hier vielfach gedrückt. In Anbetracht der ge— ſteigerten Anforderungen, die man an die Handwerker ſtellte, und hinſichtlich der ſcharfen Konkurrenz, welche ihnen durch die Groß— Induſtrie erwuchs, war es von denſelben nicht unzweckmäßig gehandelt, wenn ſie ſich korporativ zu verbinden und ihre Leiſtungsfähigkeit durch⸗ ihre geſchloſſene Maſſe zu erhöhen ſuchten. So bildete ſich am Ende des Jahres nach dem Vorgang anderer Städte eine Schreinergenoſſen— ſchaft, die es ſich zum Hauptprinzip machte, nur dauerhafte und ſtil— gerechte Möbel anzufertigen, um dadurch den Anforderungen des Pub— likums in jeder Weiſe gerecht zu werden. Im Dezember reichte der Vorſtand des Vereins Karlsruher Wirte an den Stadtrat ein Geſuch um Erlaſſung eines Ortsſtatutes ein, durch welches die Er— laubnis zum Betrieb von Gaſt- und Schankwirtſchaften von dem Nachweis eines Bedürfniſſes abhängig gemacht werden ſollte. Im Stadtrat war man jedoch der Anſicht, dem Geſuch augenblicklich nicht entſprechen zu können, da die damaligen Verhältniſſe der Stadt zu der beantragten Beſchränkung der gewerblichen Freiheit keine hin— reichende Veranlaſſung boten. Überproduktion, geringere oder größere Konkurrenz und gedrückte Verkaufspreiſe bewirkten neben anderen Faktoren auch im Jahre 1884, daß ſich ſelbſt da, wo der Abſatz flott und zufriedenſtellend war, in der Regel nur ein beſcheidener Nutzen finden ließ. Einen erfreulichen Aufſchwung nahm die erſt ſeit einigen Jahren nach Karlsruhe ver— legte Syphon- und Metallwarenfabrik von Friedrich Bock. Im Export-⸗Geſchäft war der Aufſchwung der Parfümerie-Branche beſonders bedeutend. Sie vermochte den Kampf namentlich mit der— Pariſer Konkurrenz mit Glück aufzunehmen, und beſonders von Erfolg gekrönt waren die Verſuche, nach Amerika zu exportieren. Sie beteiligte ſich an einer Internationalen Ausſtellung in Ant— werpen. Befriedigend war auch für die Maſchinenbau— geſellſchaft dieſes Jahr. Gegenüber 583 Arbeitern im voran— gehenden Jahre beſchäftigte ſie 626 Arbeiter. Der Wert ihrer abge— ſetzten Fabrikate betrug 1838 945,19 Mk. gegenüber 1453 421,59 Mk. im Jahre 1883. Die Wagenfabrik Schmieder& Mapyer fertigte bei einer durchſchnittlichen Anzahl von 360 Arbeitern ungefähr 240. Perſonen-, Güter- und Tramway-Wagen, was ebenfalls früheren Jahren gegenüber eine Verbeſſerung des Geſchäftsganges bedeutete. In der Glacélederbranche waren die Verhältniſſe von denen des vorhergehenden Jahres inſofern verſchieden, als das Mißverhältnis zwiſchen teuren Rohprodukten und dem Verlangen der Käufer nach— 1 billigen Preiſen des fertigen Fabrikats weitere Fortſchritte gemacht hatte. Auch der Nutzen im Biergeſchäft war im allgemeinen geringer als in den Vorjahren. Bedeutenden Mehraufwand verur— ſachte beſonders die Beſchaffung des Eiſes infolge des eisloſen Winters. Nicht wenig beeinträchtigend auf das Braugewerbe wirkte auch der⸗ ſehr geſteigerte Import Münchner Biere. Die Zigarrenfabri— kation hatte ein mittelmäßiges Reſultat zu verzeichnen. Das Baugewerbe hatte wiederum ein dankbares Feld der Tätigkeit in folge der fortdauernden Privatbauluſt. Vorzugsweiſe entfaltete ſich die Privat-Bautätigkeit in dem erſt 1881 eröffneten ſogenannten Hardt— waldſtadtteile, einem Gebiete von ca. 180 ha, auf welchem ſich faſt aus⸗ ſchließlich wohlhabende Private anſiedelten; ſodann im Bahnhofſtadt⸗ teil, wo die im ſtädtiſchen Bebauungsplane von 1857) vorgeſehenen Straßen alle geöffnet und größtenteils beſiedelt wurden, ſowie auf dem Gelände an der Gartenſtraße bis zu den Gleiſen der Maxauer und Rheintalbahn, ferner auf dem Terrain des ehemaligen Markgräf— lichen Palaisgartens gegenüber dem Hauptbahnhofe und endlich auf dem Areal vor dem ehemaligen Durlacher Tor. Dem Baugewerbe, das⸗ mit unweſentlichen Ausnahmen auf die Privatbautätigkeit angewieſen war, gehörten etwa 20 größere Bauunternehmer, 12 ſelbſtändige Maurer, ebenſoviele Bild- und Steinhauer, ſowie größere Zimmergeſchäfte, gegen 60 Schloſſer und gegen 50 Blechner an. Der Kolonial-— warenhandel hatte ſich in dieſem Jahre wiederum verſchlechtert. Das charakteriſtiſche Merkmal für das Bankgeſchäft im Jahre 1884 war das weitere Sinken des Geldwertes, das ſich am deutlichſten in. dem Kurſe der vierprozentigen deutſchen Staatspapiere ausſprach. Waren auch die Verhältniſſe des Handels, der Induſtrie und des Gewerbes im Jahre 1885 gerade keine ungünſtigen, ſo verſpürte⸗ man doch die durch die Differenz mit Spanien und die Wirren im Orient hervorgerufene beeinträchtigende Einwirkung. Geſchäftlich be— friedigende Ergebniſſe hatten die deutſche Metallpatronenfabrik, die Syphon- und Metallwarenfabrik, ſowie teilweiſe die Maſchinenfabrikation und die Nähmaſchinen-Induſtrie, ebenſo die chemiſche Induſtrie. Der Weinhandel war im allgemeinen mit dem Umſatze ebenfalls zufrieden. Gegenüber dem troſtloſen Zuſtand vom vergangenen Jahre konnte der Kolonial—⸗ ) Siehe oben Seite 225 ff. warenhandel das Jahr 1885 ein befriedigendes nennen. Die Fabrikation chemiſch präparierter Papiere erzielte dieſelben günſtigen Reſultate, wie in den früheren Jahren. Für die Brauerei, das Möbelgeſchäft, die Blechwaren-, die Tapeten-Induſtrie, die Zementwarenfabrikation, den Zwiſchenhandel des Manu— fakturwarengeſchäfts war dieſes Jahr wiederum zufrieden— ſtellend, dagegen nicht für die Seifen- und Lichter-Induſtrie, die Holzgeſchäfte, die Zigarrenfabrikation, den Export von Korſetten und Samt, bei welchem eine förmliche Stag— nation eintrat, die Malzfabriken und das Eiſen- und Hadern— geſchäft und beſonders nicht für die Parfümerie-Branche. Auch das Bankgeſchäft hatte zu klagen, weil es mehrfachen Beun— ruhigungen wegen der politiſchen Verhältniſſe unterworfen war. Das Baugewerbe war wie in den früheren Jahren wiederum be— ſonders durch die anhaltend rege Privatbautätigkeit reichlich beſchäftigt. Zu Anfang des Jahres legte der Baugewerbe-Verein den Entwurf von Statuten zur Gründung einer Baugewerksinnung dem Stadtrat vor; nach Erledigung einiger erhobenen Beanſtandungen brachte dieſer ihn vor das Großh. Bezirksamt zur Erteilung der Genehmigung, die bald darauf erfolgte. In den beiden Stockwerken des das Gegenreſervoir in der verlängerten Leopoldſtraße enthaltenden Gebäudes, die bisher zur Aufbewahrung von allerhand Utenſilien, Beleuchtungsgegenſtänden, Meßbuden ꝛc. gedient hatten, wurde zu Beginn des Jahres ein Exportmuſterlager eingerichtet. Die Zahl der Teilnehmer aus den verſchiedenſten Induſtriezweigen betrug 129 und täglich gingen weitere Anmeldungen ein. Für das induſtrielle Leben der Stadt muß das Jahr 1886 als ein bedeutungsvolles bezeichnet werden. In der Zeit vom 15. Auguſt bis 28. September fand nämlich in der Ausſtellungshalle eine vom hieſigen Gewerbe-Verein veranſtaltete Ausſtellung für Handwerks— technik und Hauswirtſchaft ſtatt. 173 Ausſteller, darunter die erſten Firmen aus Deutſchland, England, Frankreich, Oſterreich, der Schweiz und Amerika beteiligten ſich mit hervorragenden Erzeugniſſen der Technik. Für die Gewerbetreibenden hatten die zahlreicher als bei einer der früheren Ausſtellungen vorgeführten Kleinmotore be— ſonderes Intereſſe; die Ausſtellung zeichnete ſich ferner durch ihren Reichtum an Apparaten und Maſchinen für den Betrieb des Haus— geſtatteten Wirtſchaftsräumen von den rührigen Karlsruher I165 weſens aus. Beſucht wurde ſie im ganzen von etwa 45000 Per⸗ ſonen. Mit ihr war noch eine vom Stadtrat mit ſtaatlicher Unter⸗ ſtützung unternommene Ausſtellung verſchiedener Syſteme von Molkerei⸗ betrieben in Verbindung gebracht. Nach den von der Handelskammer gemachten Angaben hinſichtlich der Lage und des Ganges der In—⸗ duſtrie und des Handels war das Jahr 1886 für das Baugewerbe, die Möbelfabrikation, die Zementwarenbranche und die Ziegelei, das Bankgeſchäft, die Blechwarenfabrikation und endlich auch einmal wieder für den Kolonialwarenhandel ein befriedigendes. Beſonders günſtig war der Geſchäftsgang für die deutſche Metall- und Munitionsfabrik von Lorenz. Während die unſichern politiſchen Verhältniſſe vielfach auf die Gewerbe des Friedens hemmend wirkten, war für die genannte Fabrik die kriegs⸗ drohende Lage nur von Vorteil. Wiederum waren jedoch bedeutende Vergrößerungen notwendig geworden, um der Nachfrage genügen zu können. Zu faſt allen Militärbehörden der Welt unterhielt dieſe Fabrik ausgedehnte Beziehungen. Da die Beſtrebungen der ver— ſchiedenen Regierungen dahin zielten, die Fabrikation von Kriegs⸗ bedarfsartikeln, zumal von Munition, im eigenen Lande einzurichten, verband die erwähnte Metall-Patronenfabrik ſich mit namhaften aus⸗ ländiſchen Induſtriellen und rüſtete in Oſterreich, England und Italien ſchon beſtehende Fabriken mit Maſchinen zur Fabrikation von Patronen aus, wie ſie auch zur Errichtung von neuen Fabriken in jenen Ländern Kontrakte abſchloß. So wurden in Italien nach dem Vorbild dieſer Fabrik neue Munitionsfabriken errichtet. Die ſämt⸗ lichen hierzu notwendigen Materialien wurden dazu bis auf die Steine von Karlsruhe geliefert. In dem Geſchäftsbetrieb der Benzinger'ſchen Eisfabrik trat dadurch eine Anderung ein, daß neben der Eis— fabrikation noch eine mechaniſche Werkſtätte mit 3 Drehbänken, eine Gießerei für Gelb- und Rotguß nebſt Metalldreherei, ſowie auch die Fabrikation von Syphons als Nebenbetriebe eingerichtet wurden. Einmal konnte dadurch während der Betriebszeit in der Saiſon die vorhandene Dampfkraft völlig ausgenützt werden, und ferner war es dadurch möglich geworden, die Arbeiter auch den Winter über, ſo lange die Eisfabrik nicht benutzt wurde, hinlänglich zu beſchäftigen. Nennenswert iſt es, daß in dieſem Jahre an geſchmackvoll aus⸗ — 766— Wirten mancherlei Neues geſchaffen wurde. So entſtand durch Umbau und hübſche Dekorierung der bisherigen Wirtſchaft„zur neuen Bier⸗ halle“ in der öſtlichen Kaiſerſtraße ein neues Lokal„zum Elefanten“. In der Herrenſtraße übergab Weinhändler G. Benzinger Ende des Jahres eine im mittelalterlichen Stil ausgeführte Weinwirtſchaft „Zum Rodenſteiner“ dem Betrieb, während das benachbarte„Hotel Prinz“ die in altdeutſchem Stil hergerichteten Räume unter dem Schilde„Zum Landsknecht“ neu eröffnete. Weſentliche Verſchiebüngen gegen den Stand des vorhergehenden Jahres hinſichtlich der Lage und des Ganges der Induſtrie und des Handels hatte das Jahr 1887 nicht zu verzeichnen. Nur auf einem Gebiete zeigten ſich Zeichen eines nahenden Umſchlags, auf dem der Brauerei. Zwar war die Lage dieſes Induſtriezweiges im voran— gehenden Jahre eine günſtige geweſen, und dank der reichen Ernte in Gerſte und Hopfen durch die neuen Getreidezölle in keiner Weiſe beeinflußt worden, aber gerade die augenblicklich günſtige Lage dieſes Gewerbes führte zu einer faſt maßloſen Ausdehnung der Produktion, die berechtigter Weiſe alsbald die Befürchtung ins Leben rief, daß ſie bald in Überproduktion mit allen ihren bedenklichen Folgen aus— arten werde. Dieſe gefährliche Entwicklung wurde durch die zahl— reichen Umwandlungen von Privatbrauereien in Aktiengeſellſchaften gefördert, womit ja gewöhnlich eine Vermehrung des Kapitals ver— knüpft iſt, das dann wiederum zu weiteren Vergrößerungen angelegt wird. Solchen Ausdehnungen gegenüber konnte ein genügender Ab⸗ ſatz kaum geſchaffen werden. Die Brauereien kauften und pachteten Wirtſchaftslokale und ließen dieſe durch ſogenannte Zäpfler betreiben. Hierin lag eine entſchiedene Gefahr, da infolge der Konkurrenz die Kauf⸗ und Pachtpreiſe ſo hoch geſtiegen waren, daß die Rentabilität ſehr zweifelhaft wurde. In Zuſammenhang mit dieſer Erſcheinung ſtand die Bedürfnisfrage der Gaſtwirtſchaftsbewilligungen. In den letzten Jahren waren wiederholt neue und großartige Lokale ent— ſtanden. Schon beſtehende Lokale erfuhren koſtſpielige Erweiterungen und Verſchönerungen. Infolge der raſchen Aufeinanderfolge dieſer Neuſchöpfungen drängte ſich faſt ſelbſtverſtändlich die Frage auf, ob dieſelben einem wirklichen Bedürfniſſe entgegenkamen, und ob nicht auch hier eine Überproduktion entſtanden war. Der Anlaß zur Prüfung dieſer Angelegenheit für die Stadtbehörde war zunächſt ein anderer. Ein wiederholtes Geſuch der Karlsruher Wirte, die Er— laubnis zum Betriebe einer Wirtſchaft durch Ortsſtatut vom Nach⸗ weis eines vorhandenen Bedürfniſſes abhängig zu machen, wurde vom Stadtrat aus dem gleichen Grunde wie im Jahre 1883 abgelehnt. Es wurden zur näheren Begründung dieſer Entſcheidung und zugleich zur Gewinnung eines für die Beurteilung der ganzen Sache erforder⸗ lichen Materials bei den Verwaltungen von 173 deutſchen Städten mit über 15000 Einwohnern Erkundigungen eingezogen, wie groß die Zahl der Wirtſchaften im Verhältnis zur Bevölkerungsziffer wäre. Das Ergebnis war, daß nur 9 Städte weniger, dagegen 164 Städte mehr Wirtſchaften im Vergleich zur Bevölkerungszahl hatten als Karlsruhe. Zwiſchen den beiden äußerſten Verhältniſſen 1(Wirt⸗ ſchaft): 480(Einwohner) und 1:80 ſtand Karlsruhe mit 1:335. In 117 Städten, in welchen durch Ortsſtatut eine Wirtſchaft vom Nachweis der Bedürfnisfrage abhängig war, kamen durchſchnittlich 215 Einwohner auf eine Wirtſchaft. Dieſe Verhältniſſe waren alſo für Karlsruhe allerdings gegenwärtig noch günſtig. Aber berech— tigte Bedenken durfte die Tatſache erwecken, daß in dieſem Jahre eine beträchtliche Vermehrung von Lokalen ſtattgefunden hatte; es wurden 15 Wirtſchaften neu eröffnet, 3 gingen ein, ſo daß ſich eine Zunahme von 12 ergab, während bei einer Bevölkerungszunahme von 1200 Einwohnern höchſtens 3 oder 4 hätten hinzukommen dürfen, damit wie bisher auf je 335 Einwohner je eine Wirtſchaft gekommen wäre. Das 1887 hier gebraute Bier betrug nach dem Faßgehalt(gleich 80 vom Keſſelinhalt) 272 573 kl, ausgeführt wurden davon 126 152 hl, hier konſumiert das übrige, wonach bei 63400 Einwohnern 269 Liter auf den Kopf kamen. Der G. Sinnerſchen Geſellſchaft für Brauerei, Spiritus- und Preßhefenfabrikation in Grün⸗ winkel wurde auf der Bäckerausſtellung in Dresden, allein unter 18 Bewerbern, die goldene Medaille zuerkannt. Der Vermögens⸗ ſtand der Gewerbebank am 31. Dezember belief ſich auf 206 439,86 Mk., die Zahl der beantragten Darlehen auf 3483 (1886:3278). Bewilligt wurden an Darlehen: 3058 mit einem Betrage von 579 190 Mk.(1886: 560840 Mk.). Bei der ſtädti⸗ ſchen Hypothekenbank beſtanden die ſeit einigen Jahren wirken⸗ den ungünſtigen Verhältniſſe fort und hemmten deren Entwicklung. Der Gewerbeverein, welcher 332 Mitglieder zählte, beſchäftigte 222EEC.E..... RRRTTL ſich unter anderen Fragen auch mit der Reorganiſation des Lehrlings⸗ weſens, bezw. mit der Gründung eines Lehrlingsheims für die weder bei dem Meiſter noch bei den Eltern in Koſt und Wohnung ſtehenden Ge— werbslehrlinge, deren Zahl 533 betrug. Der Vermögensſtand des Vereins betrug 38 667,93 Mk. Der Lebensbedürfnisverein bezifferte den Reingewinn auf 89285 Mk., um nahezu 20000 Mk. mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Mitglieder war von 1354 auf 1638 geſtiegen, an welche eine Dividende von 11/ reſp. 11 Pfennigen für die Mark des Umſatzes in Vereinsmarken vergütet wurde. Der Geſamtumſatz betrug 902067 Mk., gegen 200000 Mk. mehr als im Vorjahre. Ende Dezember fand unter dem Vorſitze des Ober— bürgermeiſters Lauter im Rathauſe eine Verſammlung der Intereſſenten des hieſigen Exportmuſterlagers ſtatt. Dabei wurde eine Um— wandlung dieſes Unternehmens in eine Aktiengeſellſchaft ins Auge gefaßt, um demſelben dadurch Körperſchaftsrechte, bezw. eine juriſtiſch begründete Stellung, zu verſchaffen. Ferner wurde dabei die Er— richtung von Agenturen mit Warenniederlagen an größeren See— plätzen in Ausſicht genommen, wobei namentlich Hamburg und Bremen in Betracht kamen. Das vergangene Jahr wurde in ſeinem Erfolge als ein befriedigendes bezeichnet, indem gegen 700 Anfragen und ſonſtige Kundgebungen von Intereſſenten vorlagen. Auch konnte in 600 Fällen über auswärtige Firmen Auskunft erteilt werden. Dank der liberalen Unterſtützung ſeitens der Stadt war die Finanzlage des Unternehmens keine ungünſtige. Man beſchäftigte ſich ferner mit der Errichtung eines Handelsmuſeums und ſuchte auf billige Frachtſätze bei Ausfuhrſendungen über die deutſchen Häfen Hamburg und Bremen bei der Großh. Eiſenbahnbehörde hinzuwirken. Nach dem Berichte der Handelskammer über das Jahr 1888 ver— mehrten ſich die Anzeichen einer allgemeinen allmählich platz— greifenden Beſſerung der meiſten Handels-, Induſtrie- und Gewerbezweige. Die ſtatiſtiſchen Ziffern weiſen faſt durchgängig eine Steigerung gegen das vorige Jahr auf. Die Zementfabrik von Dyckerhoff& Widmann konnte ihren Geſchäftsbetrieb als einen regen. und im allgemeinen zufriedenſtellenden bezeichnen. Die Ziegeleien, die Marmor⸗, Granit⸗, Syenitwerke vermochten ebenfalls mit Be⸗ friedigung auf die Reſultate dieſes Jahres zurückzublicken. Für die Werkzeugmaſchinenfabrikation war dieſes Jahr inſofern kein — 769— ungünſtiges, als es beſſer war als die vorhergegangenen 5—6 Jahre. Weniger befriedigt war man allerdings mit den Ergebniſſen des Lokomotivenbaus ſowie mit der Fabrikation von Dampf⸗ und anderen Maſchinen. Für die Nähmaſchinenfabrikation geſtaltete ſich dieſes Jahr wiederum zu einem normalen. Auch im Manufakturen-Engros-Geſchäft war der Abſatz ein zufrieden⸗ ſtellender, während der Handel mit Baumwolle, Web- und Stickgarn wenig Nutzen brachte. Die Erzeugniſſe der Schreib- Druck- und Packpapier⸗- ſowie der Tapetenfabrikation fanden bei gedrückten Preiſen nur ſchleppenden Abgang. Eine weſent⸗ liche Beſſerung zeigte ſich in der Zigarren-, Parfümerie- und Toilettenbranche. Während das Bankgeſchäft dieſes Jahr als ein günſtiges bezeichnen konnte, bot der Kolonialwaren— handel immer noch im allgemeinen ein unerfreuliches Bild. Die früher erwähnte Befürchtung von dem Zurückgange der Brau—⸗ induſtrie zeigte ſich in dieſem Jahre als keine unberechtigte. Der Verbrauch an Bier war dazu noch zurückgegangen, einmal infolge der lang andauernden kühlen und regneriſchen Witterung des Sommers, dann aber auch infolge der dadurch veranlaßten vermehrten Moſt⸗ bereitung. Da das Großh. Miniſterium des Innern auf Veran⸗ laſſung des Königl. Generalkommandos dahier die Entfernung der Meſſe vor der Infanteriekaſerne in Anregung gebracht und das Großh. Bezirksamt hierauf einen Entwurf über die Abänderung des§ 2 der Meßordnung dem Stadtrate zur Nußerung mitgeteilt hatte, beſtimmte dieſer, daß vom Jahre 1889 ab als Meßplatz das ſüdlich der Eiſenbahn Karlsruhe-Ettlingen zwiſchen der Ettlinger— und Gartenſtraße gelegene Gelände ſowie der Platz zwiſchen Feſthalle und Ausſtellungshalle dienen ſollte. Im Laufe des Jahres 1889 wurden die beiden Bezirke der Handelskammern für die Kreiſe Karlsruhe und Baden zu einem einzigen vereinigt, welchem 54 Orte angehörten. Die Zahl der Mit⸗ glieder wurde auf 27 feſtgeſetzt. In einer ganzen Reihe von Ge— ſchäften wurde die Arbeiterzahl und zwar teilweiſe nicht unbeträcht— lich erhöht; vielfach wurden auch geſchäftliche Vergrößerungen vor— genommen. Wie den meiſten Metallbranchen ſo hatte das Jahr 1889 beſonders der Nähmaſchinenfabrikation eine lebhafte Tätigkeit gebracht. Die Nähmaſchinenfabrik vorm. Gritzner& Co. verfertigte 49 — 0— über 25000 Nähmaſchinen und daneben eine erhebliche Anzahl von Möbeln für Nähmaſchinen. Die Zahl der Arbeiter betrug ca. 700, und es waren dieſelben während des ganzen Jahres vollauf beſchäftigt. Der Umſatz belief ſich auf etwas über 1¼ Millionen Mark. Die Firma Junker& Ruh hatte wie ihren Nähmaſchinen ſo auch ihren Ofen einen großen Abſatz im In- und Auslande er— ſchloſſen, im Norden Europas und ſelbſt in ſüdlichen Ländern eine feſte Kundſchaft für dieſe errungen und ihrer Marke wie ihrem Namen Eingang verſchafft. Sie produzierte 26000 Nähmaſchinen und rund 7000 Zirkulationsfüllöfen. Der Geſamtumſatz erreichte die Summe von 1300000 Mk., und der Arbeiterſtand ſchwankte zwiſchen 454 und 522 Mann, denen 470000 Mk. an Löhnen ausgezahlt wurden. Die für den Maſchinenbau im vorangehenden Jahre eingetretene Beſſerung nahm infolge der reichlichen Aufträge und der etwas aufgebeſſerten Preiſe der Fabrikate zu. Die Maſchinenbaugeſell—⸗ ſchaft verbrauchte Rohmaterialien im Werte von 865 345,02 Mk. gegen 788302,01 Mk. und Brennmaterialien im Werte von 97306,90 Mk. gegen 76 100,46 Mk. im Vorjahre; an Löhnen wurden 625896,35 Mk. gegen 610286,97 im Vorjahre ausbezahlt. Auch die Nachfrage nach den Erzeugniſſen der Karlsruher Werkzeug— maſchinenfabrik vorm. Gſchwindt& Cie. war eine recht lebhafte, und es war die Fabrik deshalb, trotz vermehrter Zahl der Arbeits— maſchinen, kaum in der Lage, die eingehenden Aufträge zu erledigen. Der Umſatz der in dieſem Jahre abgelieferten Maſchinen hatte ſich gegen das Vorjahr um etwa 10/ erhöht. Die Arbeiterzahl betrug durchſchnittlich 120. Die Wagenfabrik Schmieder& Mayer fertigte bei einer durchſchnittlichen Arbeiterzahl von 320 Mann(gegen 230 Mann im Vorjahre) ungefähr 300 Perſonen-, Güter-, Tramway— und Bierwagen(gegen ca. 200 Stück im Jahre 1888). Außerdem fiel ihr die Erſtellung von Krahnen verſchiedener Konſtruktion ſowie von Gegenſtänden für Eiſenbahnbedarf und Private zu. Auch in der Glacéhandſchuhfabrikation machte die ſchon im Vorjahre vor— handene Aufwärtsbewegung der Preiſe weitere Fortſchritte. Das gleiche fand in der Zigarrenfabrikation ſtatt. Die Bier— brauereien dagegen hatten auch in dieſem Jahre für einen Teil ihrer Rohmaterialien ſteigende Preiſe zu verzeichnen. Kauf und Pacht von Wirtſchaften ſeitens der Bierbrauereien hatte etwas nachgelaſſen; — auch wurden die Mietpreiſe der einzelnen Objekte bedeutend herab⸗ geſetzt. Das Baugewerbe blieb auf ſeiner ſeit Jahren einge— nommenen Höhe. In dem Holzbearbeitungsgeſchäfte konnte die Firma Billing& Zoller für die zweite Jahreshälfte ſogar eine Überbürdung durch Aufträge, deren ſofortige Bewältigung Schwierigkeiten bereitete, verzeichnen, obſchon die Fabrikanlagen bedeutende Erweiterungen er⸗ fahren hatten. Der Handel mit Vieh ging ſehr flau; dieſes Jahr war eines der ſchlechteſten von den letzten ſchlechten 10 Jahren. Auch der Getreidehandel war wie in den früheren Jahren ſehr ſchleppend. Für den Kolonialwarenhandel dagegen war das Jahr im allgemeinen ein befriedigendes. War das Geſchäft mit Kaffee immer noch flau und darum wenig lohnend, ſo erfreute ſich dafür der andere Hauptartikel, der Zucker, im erſten Halbjahre einer ungeahnten Kon— junkturentwickelung, welche allerdings im weiteren Verlaufe ein kläg⸗ liches Ende nahm. Die Friedenszuverſicht, welche in der zweiten Hälfte des Jahres 1888 einen Aufſchwung des geſamten wirtſchaft⸗ lichen Erwerbslebens veranlaßte, hielt im Jahre 1889 an und übte einen vorteilhaften Einfluß auf die Unternehmungsluſt aller wirt⸗ ſchaftlichen Kreiſe aus. Der Induſtrie und ihren Anlagen wurden bereitwilliger als früher Kapitalien zur Verfügung geſtellt, und die zunehmende Produktion wurde von dem vermehrten Konſum anſtands⸗ los aufgenommen. So war es möglich geworden, Preisſteigerungen eintreten zu laſſen und zur Förderung dieſer Preisſteigerungen viel⸗ fach Vereinigungen der einzelnen Intereſſenkreiſe ins Leben zu rufen. Solch wichtige Vorgänge mußten ſelbſtverſtändlich auf das geſamte Produktionsgebiet, in erſter Reihe aber auf das Bankgeſchäft den größten Einfluß ausüben. Die Lebhaftigkeit, welche dadurch und durch größere Anforderungen, welche die Induſtrie an die Banken ſtellte, im Bankgeſchäfte hervortrat, führte vielfach zur Erhöhung der Bankkapitalien. Die zu Anfang des Jahres auf dem Geldmarkte herrſchende große Geldfülle führte zu dem niedrigen Privatdiskontoſatz von 1½. Doch ſchon zu Beginn des zweiten Halbjahres zog der Geldmarkt an, ſodaß mit Beginn des Oktobers die Reichsbank ihren Diskontoſatz auf 5 erhöhen mußte. Der Geſchäftsumſatz der hieſigen Reichsbankfiliale ſtellte ſich in Einnahme und Aus—⸗ gabe auf 13 485 200 Mk. im Lombardverkehr, 250 276300 Mk. im geſamten Wechſelverkehr, 13677000 Mk. im Anweiſungsverkehr, 49* — 678 089300 Mk. in Giroverkehr, 100530400 Mk. im Verkehr mit Reichs- und Staatskaſſen und 1043 748 900 Mk. überhaupt. Der Geſamtumſatz der Badiſchen Bank betrug hier 854061802 Mk. gegen 1086364188 Mk. in Mannheim. Die oben öfters genannte Metallpatronenfabrik von W. Lorenz ging in dieſem Jahre um den Preis von 5 Millionen Mark aus dem Beſitze des Ge— nannten in den einer Aktiengeſellſchaft über, deren Gründer Kaufmann J. Löwe in Berlin, die Direktion der Pulverfabrik Rottweil-Hamburg, in Rottweil und die Vereinigte Weſtfäliſche Pulverfabrik in Köln⸗ waren. Im Jahre 1890 konnten ſowohl Handel und Induſtrie als auch, das Gewerbe im Durchſchnitt einen Aufſchwung aufweiſen. Auf Grund des Reichsgeſetzes betr. die Gewerbegerichte vom 29. Juli 1890, traten an Stelle der Gewerblichen Schiedsgerichte nunmehr die⸗ Gewerbegerichte. Das in Karlsruhe gebildete Gewerbegericht, welches das ſeit 1884 beſtehende Schiedsgericht zu erſetzen hatte, beſtand nach dem darüber erlaſſenen Ortsſtatut, welches am 30. April einſtimmig vom Bürgerausſchuß, am 20. Mai durch Er— laß des Miniſteriums des Innern ſtaatlich genehmigt worden war, aus einem Vorſitzenden, einem I. und einem II. Stellvertreter und aus 24 Beiſitzern. Die Wahl des Vorſitzenden und der Stellvertreter erfolgte durch Beſchlußfaſſung des Stadtrats, welcher auch die Ge— richtsſchreiber des Gewerbegerichts zu ernennen hatte. Von den Bei- ſitzern wurden 12 durch die Arbeitgeber und 12 durch die Arbeiter gewählt. Die Zuſtändigkeit des Gewerbegerichts erſtreckte ſich auf Streitigkeiten der ſelbſtändigen Gewerbetreibenden mit ihren Arbeitern oder Lehrlingen, die auf den Antritt, die Fortſetzung oder Aufhebung des Arbeits- oder Lehrverhältniſſes, auf die gegenwärtigen Leiſtungen aus denſelben oder auf die Erteilung und den Inhalt der Arbeits— bücher und Zeugniſſe ſich bezogen; ferner auf Streitigkeiten zwiſchen den Arbeitgebern und den von ihnen beſchäftigten Perſonen über die Be⸗ rechnung und Anrechnung der von dieſen geleiſteten Beiträge für die reichsgeſetzliche Gemeindekrankenverſicherung, für Orts- und Kranken⸗ kaſſe; ebenſo auf Streitigkeiten über Anſprüche, welche auf Grund der— Übernahme einer gemeinſamen Arbeit von Arbeitern derſelben Arbeit⸗ geber gegen einander erhoben wurden, auf gewerbliche Streitig⸗ keiten, welche Betriebsbeamte, Werkmeiſter u. ſ. w, deren Jahres⸗ — 8 arbeitsverdienſt an Lohn oder Gehalt 2000 Mk. nicht überſteigen durfte, mit ihren Arbeitgebern oder unter ſich ſelbſt hatten, endlich auf gewerbliche Streitigkeiten der Gewerbetreibenden mit ihren Arbeit— gebern. Zum Vorſitzenden des Gerichts wurde Stadtrat und Rechts— anwalt Boeckh ernannt, zum I. Stellvertreter desſelben Bürgermeiſter Schnetzler und zum II. Stellvertreter der rechtskundige Sekretär, Referendär Siegriſt. Die Wahl der Beiſitzer erfolgte am 8. Auguſt. Seine erſte Sitzung hielt das Gericht am 19. September ab. Im Februar wurde im Mittelpunkt der Stadt(Kreuzſtraße 17) eine Anſtalt für Arbeitsnachweis jeglicher Art eröffnet. Am Ende des Jahres betrug die Geſamtzahl aller eingeſchriebenen Geſuche 4306, von denen 1133, alſo nahezu 31/%, die gewünſchte Erledigung fanden. Die auf eine Erweiterung der Sonntagsruhe hinzielenden Beſtrebungen, welche um die Mitte des Jahres in verſchiedener Weiſe hervortraten und die beteiligten Kreiſe lebhaft beſchäftigten, hatten zur Folge, daß von Auguſt ab an Sonntagen und allgemeinen Feier— tagen der Schluß der öffentlichen Verkaufsläden nachmittags um 1 Uhr erfolgte. Auf eine an die Karlsruher Geſchäftswelt ergangene Einladung hin hatten ſich ſchon 387 Firmen für den vollſtändigen Schluß der Geſchäftsräume an dieſen Tagen ausgeſprochen. Im Jahre 1891 wurde das Erwerbsleben vielfach von einer rückläufigen Konjunktur betroffen. Doch war die dem Handel und der Induſtrie dadurch zugefügte Schädigung nicht von all— gemeiner und tiefgreifender Natur. Im Ziegeleigewerbe, in dem Marmor-, Granit- und Syenitgeſchäft, in der Eiſengießereibranche, der Herdfabrikation, im Eiſen- und Metallgeſchäft, im Manufaktur⸗ waren-Groß- und Kleinhandel, im Strumpf- und Wollwarengeſchäft, in der Düten- und Papierfabrikation, der Tapetenbranche, dem Kolonial⸗ warenhandel, bei welchem im Spätjahr die Kaffeepreiſe einen geradezu panikartigen Rückgang erfuhren, in dem Brauereigewerbe, im Wein⸗ handel, im Handel mit inländiſchen Rohtabaken, im Holzhandel und ſchließlich im Bankgeſchäft erzielte dieſes Jahr im Gegenſatz zu dem bedeutend geſtiegenen Abſatz in der Parfümerie- und Toilettenbranche, teilweiſe empfindlich unerfreuliche Reſultate. Die Jahre 1892, 1893 und 1894 geſtalteten ſich für Handel, Induſtrie und Gewerbe ebenſo ungünſtig. Gegen Ende des Jahres 1892 wurde eine neue Aktienbank, die„Badiſche Handelsbank“, gegründet. Als — Grundlage wurde ein Aktienkapital von 1500000 Mkb feſtgeſetzt, von welchem zunächſt 40 Einzahlung gefordert wurden. Die Bank be— gann ihr Geſchäft am 21. November. 1893 wurde die Verwaltung des ſtädtiſchen Schlacht- und Viehhofes durch Ortsſtatut einer⸗ Kommiſſion übertragen, welche den Namen„Schlacht- und Viehhof— kommiſſion“ annahm. Dieſelbe ſetzte ſich aus 7 Mitgliedern zu— ſammen und hatte alle zur Verwaltung des Schlacht- und Viehhofs gehörigen Geſchäfte ſelbſtändig zu leiten. Die Anſtellung, Zuruhe— ſetzung und Entlaſſung der Beamten und Bedienſteten und der Abſchluß der Dienſtverträge blieben jedoch in den Händen des Stadtrats. Im Oktober des gleichen Jahres ſiedelte die Reichsbank in das für ſie neu errichtete Gobäude in der Herrenſtraße über. Am 20. des genannten Monates fand aus dieſem Anlaſſe eine von der Handels— kammer veranſtaltete Feierlichkeit ſtatt, welcher der Großherzog bei— wohnte. Aus Berlin war der Reichsbankpräſident Geheimrat Dr. Koch eingetroffen, außerdem waren mehrere höhere Staatsbeamte und die Ober— bürgermeiſter der Städte Karlsruhe, Baden und Bruchſal zugegen. Im gleichen Monat wurde durch Beſchluß des Bezirksrats auf Grund der bezüglichen Artikel der Gewerbeordnung und der Vollzugsbeſtimmungen des Miniſteriums des Innern, unter Aufhebung aller bisher erlaſſenen Beſtimmungen, eine Neuordnung der Sonntagsruhe im Handels— gewerbe eingeführt. Arbeitskontraktbrüche und Arbeitseinſtellungen kamen in dieſem Jahre in Karlsruhe bis auf einen einzigen Fall nicht vor. In dem einen Fall handelte es ſich um den Verſuch, im Brauerei— gewerbe einen Streik hervorzurufen, der jedoch mißlang. Ende Juni des Jahres 1894 gingen die„Karlsruher Nachrichten“, die wöchentlich dreimal erſchienen, wegen andauernder Kränklichkeit ihres Begründers und Redakteurs Friedrich Gutſch sen. ein. Sie hatten ſeit nahezu 25 Jahren beſtanden und ſich als Spezialorgan für Lokalangelegen— heiten in weiten Kreiſen der Einwohnerſchaft großer Beliebtheit er⸗ freut. Gleichzeitig entſtanden 2 neue Zeitungen. Die„Karlsruher Abendzeitung, Generalanzeiger für Baden“ wurde ſeit Mitte März 6 Mal wöchentlich ausgegeben und koſtete ins Haus gebracht viertel⸗ jährlich nur 1,30 Mk. Etwas ſpäter erſchien der„Badiſche Reſidenz— anzeiger, illuſtriertes Karlsruher Tageblatt und Karlsruher Nach— richten“, welcher für nur 30 Pfennige monatlichen Trägerlohn ohne jede Nachzahlung in allen Häuſern der Stadt verteilt wurde. Von ebenſo tief eingreifendem als günſtigem Einfluſſe auf die Weiter⸗ geſtaltung des Anſtaltsbetriebs für Arbeitsnachweis war die teil⸗ weiſe Einführung der Unentgeltlichkeit der Arbeitsvermittelung. Dieſelbe trat am 1. Auguſt 1894 ins Leben und wurde allen innerhalb des Kreiſes Karlsruhe wohnenden Arbeitgebern und Arbeitnehmern ſowie denjenigen Arbeitſuchern zuteil, welche anläßlich einer vorübergehenden Anweſenheit ſich perſönlich vorſtellten. Ermöglicht wurde dieſe Neue—⸗ rung dadurch, daß die Stadtgemeinde Karlsruhe ihren bisherigen jährlichen Zuſchuß zu den Betriebskoſten der Anſtalt von 600 Mk. auf 1000 Mk. erhöhte und der Kreis Karlsruhe zum erſten Male für das Jahr 1894 einen Betrag von 500 Mk. bewilligte. Auf Grund der§s 33 und 142 der Gewerbeordnung und der§Ss 42 und 161 der badiſchen Vollzugsverordnung vom 23. Dezember 1893 wurde mit Zuſtimmung des Bürgerausſchuſſes und nach Genehmigung des Miniſteriums des Innern ein Ortsſtatut erlaſſen, durch welches die Erlaubnis zum Betrieb einer Gaſt- und Schankwirtſchaft in ſolchen Räumlichkeiten, in welchen innerhalb eines Jahres vor Einreichung des Erlaubnisgeſuches eine Wirtſchaft nicht betrieben worden war, fortan, und zwar zunächſt bis zum 31. Dezember 1898, von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfniſſes abhängig gemacht wurde. Die Abſicht war, dadurch der allzuſtarken Vermehrung der Wirtſchaften, über welche mannigfaltige Klagen laut geworden waren, vorzubeugen. Zu Anfang des Jahres 1894 waren in der Stadt 290 Wirtſchaften vor⸗ handen; bei einer Einwohnerzahl von rund 80 000 Perſonen entfielen ſomit 276 Einwohner auf eine Wirtſchaft, während allerdings im Landesdurchſchnitt nur 179,6 auf eine ſolche kamen. Vom Jahre 1886 bis 1890 war die Zahl der Wirtſchaften von 185 auf 275 geſtiegen und die auf je eine Wirtſchaft entfallende Einwohnerzahl von 335 auf 274 geſunken. Zu Anfang des Jahres 1894 war alſo die Anzahl der Wirtſchaften verhältnismäßig kleiner als 1890. Gegenüber den Vorjahren war in der geſchäftlichen Lage im Jahre 1895 eine erfreuliche Beſſerung eingetreten. Die Zementwarenfabrikation, Eiſengießerei, Maſchinen⸗ und Nähmaſchinen⸗ fabrikation, Mineralwaſſer-Maſchinen-Syphon- und Metallwaren⸗ branche, der Handel mit Woll- und Baumwollwaren, die Zigarren⸗, Parfümerie- und Toilettenſeifenfabrikation und die Bautätigkeit konnten günſtige Reſultate aufweiſen. Dagegen bietet der Rückblick auf das — 776— Jahr 1895 für den Kolonialwarenhandel ein wenig erfreuliches Bild. Beſonders die Zuckerverhältniſſe und in der zweiten Hälfte des Jahres auch die des Kaffees waren ſchlechte. Die Zahl der in Karlsruhe erſcheinenden Zeitungen vermehrte ſich um eine. Von Ende März an erſchien dreimal wöchentlich eine neue katholiſche Volkszeitung„Die badiſche Volksſtimme“(katholiſches Volksblattß). Am 1. Oktober ging der „Badiſche Landesbote“ durch Kauf aus dem Beſitze der Badiſchen Verlagsanſtalt in denjenigen einer Vereinigung demokratiſcher Partei— mitglieder aus Frankfurt, Baden, Württemberg und Bayern über. Am Ende des Jahres wechſelte die nationalliberale„Badiſche Landes— zeitung“ ebenfalls den Beſitzer. Am 1. Mai 1849 von Camill Macklot unter dem Namen„Die Biene“ begründet, erſchien ſie ſpäter vorübergehend unter dem Titel„Badiſche Landesblätter“, mit Anfang der 50er Jahre dann unter dem heutigen Namen und blieb im Beſitze der Familie des Begründers, bis ſie am Schluſſe des Jahres 1895 an den Eigentümer der Konſtanzer Zeitung, Otto Reuß in Konſtanz, verkauft wurde. Auch im Jahre 1896 geſtaltete ſich die geſchäftliche Lage verſchiedentlich beſſer. Einige Etabliſſements ſchritten zu baulichen Erweiterungen. In anderen Betrieben konnten die Aufträge nur unter Vermehrung des Arbeiterperſonals oder unter Zuhülfenahme von Überſtunden bewältigt werden. Der Abſatz der Nähmaſchinen— fabrik vorm. Haid& Neu betrug in dieſem Jahre ca. 10 9, mehr als im Vorjahre. Die Firma errichtete auf einem angekauften Nachbargrundſtücke verſchiedene Neubauten, in denen eine eigene Möbel— ſchreinerei eingerichtet, ſowie der Fahrradbau neu aufgenommen wurde. Die Maſchinenbaugeſellſchaft Karlsruhe ſah ſich genötigt, in— folge der nicht wenig geſteigerten Aufträge ihren Arbeiterſtand zu erhöhen. Ihre Arbeiterzahl betrug im Durchſchnitt 723 Mann. Die bezahlten Löhne bezifferten ſich zuſammen auf 698 438,06 Mkä gegen 639490 Mk im Vorjahre. Die Koſten der verbrauchten Materialien ſtellten ſich auf 890 150 Mk. gegen 752 724 Mk. im Jahre 1895. Die Lage der Preßhefeninduſtrie hatte ſich nach einem Berichte der Geſellſchaft für Brauerei, Spiritus- und Preßhefenfabrikation vorm. G. Sinner in Grünwinkel durch die Einführung neuer Fabri— kationsmethoden gründlich geändert. In dieſem Jahre war die Bau⸗ tätigkeit“in der Stadt nicht allein eine ſehr rege, ſondern ſogar die Fabrikant Eduard Prinh. ——.....:.....cc ˖ ee———————— — 777— ſtärkſte ſeit dem Beſtehen der Stadt. Der Kolonialwaren— großhandel litt wiederum unter der Ungunſt der Preiskonjunk⸗ turen. Durch die reiche Beſchäftigung der Induſtrie wurde der Geld— wert einigermaßen verteuert. Der durchſchnittliche Privatdiskont betrug etwas über 3 gegen 2,01% im Jahre 1895 und 1,77 im Jahre 1894. Der Reichsbankdiskontoſatz war dabei bis zum Feb⸗ ruar 4%, dann 3%8 bis zum Anfang des September. Von da ab wurde er wieder auf 4%% und von Mitte Oktober ab auf 5 9% erhöht. Die erhöhten Geldſätze waren für das Bankgeſchäft von Vorteil und der flotte Gang der Induſtrie hatte auch eine bedeutende Belebung des Kontokorrentgeſchäftes zur Folge. Vom Geſamtumſatz der Badiſchen Bank(2 258 905516,84 Mk.) kamen auf Mannheim 1178 304655,26, auf Karlsruhe 1080600861,58 Mk. Die Ge— ſamteinnahme der Städtiſchen Hypothekenbank belief ſich auf 506 953,26 Mk., die Geſamtausgabe dagegen auf 464 832,54 Mk.; ſie erzielte ſonach einen Einnahmeüberſchuß von 42 120,72 Mk. Be⸗ friedigende Ergebniſſe wies auch die Allgemeine Verſorgungs— anſtalt auf. Sie erzielte einen Überſchuß von 3 491.567 Mk.— Der Gewerbeverein Karlsruhe hatte zu Beginn und Schluß des Jahres 1896 388 Mitglieder, darunter 300 Gewerbetreibende. Am 15. November wurde das neue Bankgebäude der hieſigen Filiale der Rheiniſchen Kreditbank feſtlich eingeweiht. Im Juni feierte die Firma Ed. Printz, Hofkunſtfärberei und chemiſche Waſchanſtalt das 50⸗jährige Beſtehen ihres Geſchäftes. Dasſelbe war am 6. Juni 1846 in beſcheidenſter Weiſe errichtet worden, hatte ſich dann aber im Laufe der Jahre in bedeutendem Maße vergrößert. Im Jahre 1886 wurde, da die bisherigen Geſchäftsräume in der Erbprinzenſtraße nicht mehr ausreichten, die Fabrik in der Ettlingerſtraße erbaut. In derſelben waren 1896 etwa 160 Perſonen beſchäftigt. In mehreren Städten Badens, Württembergs, Elſaß-Lothringens und der Pfalz hatte die Firma Filialen und Agenturen errichtet. Die im Jahre 1896 ſich beſonders ſtark äußernde Beſſe— rung in der Lage des Handels, der Induſtrie und der Gewerbe dauerte in den Jahren 1897 bis 1899 weiter. Anfangs des Jahres 1897 wurde eine Geſellſchaft für elektriſche Induſtrie Karlsruhe gegründet. Gegenſtand des Unter— nehmens war jede Art der Verwertung elektriſcher Kraft, insbeſondere 7 die Herſtellung, der Erwerb und die Veräußerung von Einrichtungen und Anlagen, Maſchinen und Apparaten, bei denen die Elektrizität zur Anwendung gelangt, endlich der Betrieb ſolcher Anlagen. Das Grundkapital wurde auf 2 Millionen Mark feſtgeſetzt. Zu Anfang des genannten Jahres beging die C. F. Müllerſche Hofbuchhand— bung die Feier ihres 100-Jährigen Beſtehens. Die Haupterzeugniſſe dieſes Geſchäftes beſtanden bisher, ſeit ſeiner im Jahre 1796 erfolgten Gründung, in Druckſachen jeder Art, Accidenz- wie Werkdruck für Behörden und Private, in tabellariſchen Arbeiten, in typographiſchen und lithographiſchen Ausführungen ſowie Buntdrucken und in der Her— ſtellung der Werke des eigenen umfangreichen Verlags, darunter des „Karlsruher Tagblattes“, das am 7. Juli 1803 unter dem Titel „Provinzial-Blatt der Badiſchen Markgrafſchaft“ zum 1. Mal von der Firma herausgegeben worden war. Das Geſchäftsperſonal zählte 1896 im Jahresdurchſchnitt 170 Köpfe. Gleichfalls in dieſem Jahre feierte die I. Karlsruher Parfümerie- und Toilettenſeifen—⸗ fabrik von F. Wolff und Sohn das 40)jährige Beſtehen der Firma zugleich mit dem vierzigjährigen Jubiläum des Mitbegründers und Chefs Friedrich Wolff sen. Schon der Vater des Genannten hatte ſeit 1843 in dem Hauſe Karlfriedrichſtraße 4 die Herſtellung von Toiletteartikeln unternommen; 1857 trat der Sohn als Teil— haber in das Geſchäft ein und die Firma„Wolff& Sohn“ wurde gegründet. 1863 wurde der Grundſtein zu dem neuen Hauſe Kaiſerſtraße 104 gelegt, in welchem ſeit einer Reihe von Jahren ſchon das rühmlichſt bekannte Geſchäft„Wolff& Sohn's Detail“ von Friedrich Blos betrieben wird. In den Jahren 1891 und 1892 wurde das neue große Fabrikgebäude in der Durlacher Allee erbaut. Im Juli 1897 beſchäftigte die Firma über 300 Perſonen; ſie hatte Filialen in Berlin und Wien, während Reiſende des Hauſes bis Niederländiſch- und Brittiſch-Indien kamen. Im Oktober 1898 verließ die Allgemeine Verſorgungsanſtalt ihr altes, langjähriges Heim am Ludwigsplatze und ſiedelte nach dem neuen Anſtaltsgebäude vor dem Mühlburgertor über. Im Juli des gleichen Jahres wurde die Firma„Oberrheiniſche Elektrizitäts— werke, Akt.⸗Geſ. Karlsruhe“ gegründet. Gegenſtand des Unter— nehmens war derſelbe wie bei der 1897 gegründeten Geſellſchaft für Elektriſche Induſtrie. Das Grundkapital wurde auf 1 Million feſt⸗ 78 geſetzt. Die im November mit einem Grundkapital von 4 Millionen gegründete„Bad. Feuerverſicherungsbank“ in Karlsruhe hat zum Gegenſtand des Unternehmens die Verſicherung beweglicher und unbeweglicher Gegenſtände gegen Feuer-, Blitz- und Exploſions⸗ ſchaden. 1899 erfuhren die erſcheinenden politiſchen Zeitungen wieder eine Vermehrung. Der bis dahin in Offenburg erſchienene ſozial— demokratiſche„Volksfreund“ wurde ſeit 1. April in Karlsruhe heraus— gegeben. Um die Mitte des Jahres ging die„Badiſche Landes—⸗ zeitung“ durch Kauf aus dem Beſitze von O. Reuß in denjenigen einer aus Mitgliedern der nationalliberalen Partei Badens gebildeten Ge— ſellſchaft über. Zu Beginn des Jahres 1900 herrſchte auf dem induſtriellen Gebiete noch eine lebhafte Tätigkeit. Jedoch machte ſich in einzelnen Induſtriezweigen eine rückläufige Bewegung gegen die Mitte des Jahres bemerkbar. Da die Arbeitslöhne ſehr hohe waren und die Roh- und Hilfsmaterialien Preiſe erreicht hatten, wie es ſeit Jahren nicht der Fall geweſen, mußten die Produktionsverhältniſſe, insbeſondere auch wegen des hohen Zinsfußes, als ſehr ſchwierige bezeichnet werden. Dazu kam noch, daß infolge der großen Konkurrenz eine Steigerung der Verkaufspreiſe oftmals nicht möglich war. So reduzierte ſich der Nutzen auf ſehr vielen Gebieten ganz weſentlich, ja bei einzelnen Geſchäften zeigte ſich am Jahresſchluß, daß ſie ohne jeden Nutzen, da und dort ſogar mit Verluſt gearbeitet hatten. Der ſüdafrikaniſche Krieg und die chineſiſchen Wirren hatten hin und wieder, teils direkt, teils indirekt, den Geſchäftsgang ungünſtig beeinflußt. Vergleichende Berufsſtatiſtik für die Jahre 1874 und 1899.) Die nachſtehenden Angaben gehören dem Jahre 1899 an. In dieſem Jahre zählte die Stadt Karlsruhe 98000, im Jahre 1874 nur 43000 Ein⸗ wohner. Die Bevölkerungszunahme beträgt daher 128 Prozent. Jene Berufsklaſſen, deren Zahl mit der prozentualen Zunahme der Bevölkerung annähernd gleichen Schritt gehalten haben, ſind σνον, jene welche in ihrer Zunahme erheblich— um 50 Prozent und mehr— über die pro⸗ zentuale Zunahme hinaus hervorragen, geſperrt gedruckt, die neu ) Vergl. oben Seite 403—5. — 780— entſtandenen Berufsklaſſen find mit einem Sternchen bezeichnet. Ver⸗ ſchwundene Berufsklaſſen ſind: Holzmacher, Peitſchenmacher, Stärkefabrikant, Zeugſchmiede. 413 Agenturen in 22 Geſchäftszweigen, von denen 12 neu entſtanden, 82 Anſtreicher(Tüncher), 3 Antiquariate, 3 Antiquitäten— handlungen, 11 Apotheken, 42 Arbeitsnachweisbureaus, 76 Archi— tekten und Zivilingenieure, 7 Asphaltfabriken und-Handlungen, 7 Auskunftsbureaus, 3 Automobilhandlungen, 4 Backofenbauer, 14 Badanſtalten, 149 Bäcker, 14 Bandagiſten, 22 Bank⸗ und Wechſelgeſchäfte, 111 Barbiere(Friſeure und Perückenmacher), 10 Baumaterialiengeſchäfte, 3 Begräbnisordner, 3 Bereiter und Pferdeverleiher, 16 Betten-, Bettfedern- und Roßhaar-Handlungen, 4 Bettfedernreiniger, 11 Bierbrauereien, 4 Bierdruckapparate, 15 Bildhauer, 1 Blechemballagengeſchäft, 84 Blechner, 2 Bleich— anſtalten, 7 Blumenfabrikationsgeſchäfte, 8 Branntweinbrennereien, 1.Brauereiartikelgeſchäft, 1 Bronzegießerei, 4 Bodenwichſer, 5Brunnen— macher, 33 Buchbinder, 41 Buchdruckereien, 26 Buch-⸗, Ver⸗ lags⸗ und Kunſthandlungen, 3 Büchſenmacher, 28 Büglerinnen, 2 Bureau⸗Einrichtungengeſchäfte, 8 Bürſten- und Pinſelfabrikanten und ⸗Handlungen, 17 Cafés, 18 Zementfabriken und Zement— geſchäfte, 11 Chemilter, chiemische Produſttenfabriſten und Laborditonien, 5 Chirurgiſche Inſtrumentengeſchäfte, 3Schokolade- und Zuckerwaren— fabriken, 53 Zigarren- und Tabakfabriken und-Handlungen, Kuvertenmacher, 12 Dachdecker, 7 Dachpappefabriken, 4 Darmhandlungen, 6 Dekateure und Tuchſcheerer, 30 Deko— rationsmaler, 1 Dolmetſcher, 2 Drahtflechter(Siebmacher), 14 Dreher, 19 Drogen- und Farbwarenhandlungen, 1»Düngerfabrik, 10*Eierhandlungen, 5 Eiſengießereien, 21 Eiſen- und Eiſenwarenhand— lungen, 4 Eishandlungen, 23 Geſchäfte für Elektriſche Apparate und Beleuchtung, 1“Elfenbeinſchnitzer, 1 Eſſigfabrik, 2 Export⸗ und Import⸗Geſchäfte, 1 Fabrik verſilberter und vergoldeter Waren, 11 Färbereien und chemiſche Waſchanſtalten inel. Kunſtwäſchereien, 29 Fahrradhandlungen ꝛc., 4 5Fechtlehrer, 4 Feilenhauer, 43 Fein⸗ mechaniker und Mechaniker, 11 Fiſch-, Geflügel- und Wild⸗ prethandlungen, 2 Fouragegeſchäfte, 4 Fournierfabriken und-Hand— lungen, 8 Frauenarbeitsſchulen, 32 Fuhrunternehmer und Kutſcher, 37 Gärtner, Blumen- und Samenhandlungen, 30 Galanterie-, Porte—⸗ — 781— feuille- und Quincailleriehandlungen, 3 Galvaniſieranſtalten, 50 Gas⸗ und Waſſerleitungsapparatefabriken und— Inſtallateure, 70 Gaſthöfe, 206 Gaſtwirtſchaften und Reſtaurationen, 14 Glacélederfabriken und Handſchuhhandlungen, 33 Glaſer, 1 Glas⸗ graveur- und Schleifer, 15 Glas-, Porzellan⸗, Bronze-, Steingut⸗ und Tonwarenhandlungen, 3 Glasmaler, 16 Gold- und Silberarbeiter, Juweliere, 2 Gold- und Silberſtickerinnen, 12 Graveure, 3 Gürtler— und Bronzearbeiter, 8 Güterbeförderer, 7 Gummi- und Guttapercha⸗ handlungen, 15 Gypſer, 2 Hadernſortieranſtalten, 38 Händler, 6 Häutehandlungen, 23 Hafner und Herdſetzer, 4 Handelslehrer, 3 Handſchuhwäſcherinnen, 27 Haushaltungsgegenſtändehandlungen, 4 Heizungs- und Ventilations-Anlagen, 7 Herdfabriken, 42 Holz⸗ (Nutzholz), Coke- und Kohlenhandlungen, 1 Holzmeſſer, 1 Hopfen⸗ händler, 19 Hutmacher und H utwarenlager, 3 Walouſien⸗ und Rolladenhandlungen, 18 Inſtrumentenmacher- und Handlungen, 6 Kaminfeger, 2 Kammacher, 1 ⸗Kanalartikelfabrik, 2 Kartonage⸗ fabriken, 7 Kaſſen⸗ und Kaſſenſchrankfabriken, 2 Keſſelſchmiede, 101 Kleidermacherinnen und Damenſchneider, 1 Knopffabrik, 8 Köche⸗ und Kochfrauen, 3 Kohlenſäurelager, 300 Kolonialwaren— handlungen einſchl. Delikateſſen- und Spezereiwarenhandlungen, 32 Konditoren und Konditoreiwarenhandlungen, 25 Konfektions⸗ geſchäfte, 8 Korbmacher und Korbwarenhandlungen, 1 Korkwaren- und Korkmaſchinen-, 8 Korſettengeſchäfte, 4 8Geſchäfte für Krankenpflege⸗ artikel, 12 Krankenwärter und Wärterinnen(private), 5 Kübler, 25 Kufer, 135Künſtler(bildende), 5 Kürſchner, 6Kupferſchmiede, 78 Kurz-, Woll⸗, Garn-, Strick-, Strumpf⸗ Poſamentierwarenhandlungen und Putzgeſchäfte, 10 Lackfabriken, 6 Lackierer, 2 Lagerhallen, 19 Landesprodukten⸗, Frucht- und Mehlhandlungen, 17 Lederfabriken und-Handlungen, 3 Leichenprokuratoren, 2 Leichenſchauer, 3 Leihbiblio⸗ theken, 9 Leihhäuſer und Pfandleiher, 2 Leinwandfabriken, 17 Lein⸗ wandhandlungen und Wäſchefabriken, 4 Leiſtenmacher und Leiſten⸗ fabriken, 1 Leiterfabrik, 3 Lichtdruckanſtalten, 8 Likörfabriken, 2 Linier⸗ anſtalten, 23 Lithographen, 5 Lohndiener, 1 Lotteriegeſchäft, 1 Lumpen⸗ händler, 5 Malerutenſilienhandlungen, 3 Malzfabriken, 37 Manu⸗ fakturwarenhandlungen, 1»Margarinefabrik, 3»Marmor⸗, Granit⸗ und Syenitwarenfabriken, 15 Maſchinenfabriken und Eiſengießereien, 2 Maſchinenölhandlungen, 14 Maſchinen- und Werkzeughandlungen, 9»Maſchinenſtrickereien, 13»Maſſeure und Maſſeuſen, 46 Maurer meister, 3 Meſſerſchmiede, 90 Metzger, 44 Milchhändler und Lieferanten, 18 Milchkuranſtalten und Molkereien, 17 Militär⸗ Effektengeſchäfte, 19 Mineralwaſſerfabriken und-Handlungen, 3 Mineral— waſſermaſchinen, 29 Modiſtinnen inel. Putzgeſchäfte, 40 MꝰHIfAbriken unç-Handlungen, 8 Möbelſtoffhandlungen(Teppichhand— lungen), 25 Möbeltransporteure, 29 Näherinnen, 1 Nagelſchmied, 1 Obſtkelterei, 1Geſchäft für Ofenarmaturen, 20 Ofenfabrikanten und-Niederlagen, 5 Optiker, 1 Papierfabrik, 46 Papier⸗ und Schreibmaterialienhandlungen, 7 Papierwaren⸗ fabriken, 6 Parfümerie- und Toiletteartikel-Handlungen und Fabri⸗ ken, 8 ⸗Parkettfabriken, 3 Paßpartoutgeſchäfte, 1*Patentbureau, 1 5Patronenfabrik, 2 Penſionen, 8 Pfandleiher, 4„Pferdeſchlächter, 4Pfläſterer, 21 Photographen, 7 Geſchäfte für photographiſche Bedarfs— artikel, 2 Porzellanmaler, 14 Poſamentiere, 2 Präparatoren, 2 Puppen⸗ geſchäfte, 40 Rechtsanwälte, 3 Reinigungsinſtitute, 2*Roßhaargeſchäfte, 3»Sägewerke, 30 Sattler, 3 Schäftefabrikanten, 1 Scheerenſchleifer, 1 Schiffexpedition, 21 Schirmfabrikanten und-Handlungen, 2 ⸗Schlammkaſtenreiniger, 1 Schleifer, 73 Schloſſer, 29 Schmiede und Wagner, 231 Schneider, 2»Schreiblehrer, 112 Schreiner, 4 Schriftenmaler, 1 Schriftengießer, 293 Schuhmacher und Schuh— lager, 3 Seifenſieder, 3 Seiler, 1 Senffabrikant, 6 Seſſelflechter, 2 Siebmacher, 12 Spediteure, 9 Spielwarengeſchäfte, 17»Sprach— lehrer(private), 2»Stahlgeſchäfte, 42 Stellenvermittlungen, 4 Sterbekleiderhandlungen, 8 Stickerei- und Tapiſſerie-⸗ geſchäfte, 5 Strohhutfabriken, 4 Stukkateure, 2*Syphonfabriken, 10 Tanzlehrer, 10 Tapetenfabriken und-Handlungen, 79 Tapesiere“ unẽ-Dieſroratenre, 19»Telegraphen- und Telephonbauer, 1 Tonwaren— fabrik, 7 Tierärzte, 3»Torfſtreuhandlungen, 1 Trockenplattenfabrik, 10 Tuchhandlungen, 1 Turngerätehandlung, 2 KüÜberſetzer, 2»Uhr⸗ fourniturenhandlungen, 35 Uhrmacher, 17 Vergolder, 3 Vernicke— lungsanſtalten, 66 Viktualienhändler, 1 Waogelhandlung, 1 Wagenfabrik, 27 Wäſcherinnen, 1 Waffen- und Munitionsfabrik, 1 Waggonfabrik, 3»Waſchanſtalten, 57 Weinhandlungen, 36 Weiß— warengeſchäfte, 34 Wundarzneidiener, 17 Wurſtler, 2 kylo— graphiſche Anſtalten, 14 Zahnärzte, 21 4 Ziegeleien, 26 Zimmermeiſter, 3 Zinngießer. Staatliches und ſtädtiſches Schulweſen. Die Verbeſſerung und Vergrößerung des geſamten Schulweſens der Stadt, die Vermehrung der Schulanſtalten und die Reorgani— ſation der ſeither beſtehenden, wie wir das in dieſem Zeitraume— von 1875 bis 1900— zu verzeichnen haben, ſtehen im engen Zu— ſammenhange mit der ſonſtigen ſtarken Entwicklung der Stadt. Doch finden wir in dieſen Schulanſtalten auch eine ſehr große Anzahl von fremden Schülern, welche der gute Ruf, den die hieſigen Schulanſtalten ſich im Verlaufe der letzten drei Jahrzehnte erworben haben, hierher⸗ geführt hat. Die in dieſem Zeitraume in den ſtädtiſchen Schulen durchgeführten Reformen ſind das Werk des derzeitigen Oberbürger⸗ meiſters Schnetzler, welcher ſeit 1875 als ſtädtiſcher Referent für das Schulweſen mit großer Umſicht und raſtloſer Tätigkeit an der Hebung der Real- und Volksſchulanſtalten arbeitete. Wenn auch dieſe Reformen in erſter Reihe nur den ſtädtiſchen Schulen galten, ſo übten ſie doch einen Einfluß auf die Entwicklung der übrigen An— ſtalten aus, und ſeinem Einfluſſe iſt es nicht in letzter Reihe zuzu— ſchreiben, daß beinahe alle hervorragenden nichtſtädtiſchen Schulen auf irgend eine Art, ſei es durch Geld, Überlaſſung von Schulräumen oder Begünſtigungen anderer Art, ſeitens der Stadt Unterſtützung und Förderung erfuhren. Karlsruhe erhielt daher wohl mit Recht den Beinamen„Schulſtadt“. Als ſtaatliche Schuleinrichtungen beſtanden am Schluſſe dieſes Zeitraums: die Techniſche Hochſchule, das Gymnaſium, die Akademie der bildenden Künſte, die Kunſtgewerbeſchule, die Baugewerkeſchule, die beiden Lehrerſeminare mit ihren Übungsſchulen, das Lehrerinnen⸗ ſeminar, die Turnlehrerbildungsanſtalt und die landwirtſchaftlichen Schulen. Die„Techniſche Hochſchule“, welcher Name der Poly⸗ techniſchen Schule durch Miniſterialerlaß vom 28. Mai 1885 ver— liehen wurde, hatte zu Beginn dieſer Periode eine ſchwere Kriſis durchzumachen, erreichte aber am Ende derſelben eine Bedeutung, wie ſie ſolche ſeit ihrem Beſtehen niemals gehabt hatte. Die Zahl der Studierenden ſank vom Jahre 1874 bis zum Jahre 1884 von 604 auf 255 herab, die geringſte Frequenz ſeit der Zeit des Beſtehens der Anſtalt. Von nun an ſtieg die Zahl der Hörer ziemlich raſch und erreichte im Winterſemeſter 1899/1900 die Höhe von 1364, wovon 1152 Studierende, 114 Hoſpitanten und 98 Teilnehmer. Im Sommer— ſemeſter 1900 betrug die Zahl der Beſucher 1262. Im Jahre 1895 erhielt die„Techniſche Hochſchule“ eine neue Verfaſſung, nach welcher ſie dem Großherzoglichen Miniſterium der Juſtiz, des Kultus und Unterrichtes unmittelbar unterſtellt wurde. Die Leitung der Verwaltung wurde jetzt geführt für die geſamte Hochſchule durch Rektor, Senat, Großen Rat, Beiräte, Sekretariat und Ver— rechnung, für die einzelnen Abteilungen durch beſondere Vorſtände und Kollegien. Der Rektor wird jetzt jeweils auf ein Jahr vom Großherzog auf Grund der vom Großen Rate vorgenommenen Wahl ernannt; ſein Amtsantritt erfolgt am 1. September. Sein Vorgänger, der Prorektor, iſt ſein Stellvertreter. Der Senat beſteht aus dem Rektor, dem Prorektor, den Abteilungsvorſtänden(7) und einem vom Großen Rate aus der Zahl der ordentlichen Profeſſoren ge— wählten Mitgliede. Der Große Rat beſteht aus ſämtlichen ordent⸗ lichen Profeſſoren, ſowie aus ſolchen Lehrern, welche vom Miniſterium zu deſſen Mitgliedern ernannt ſind. Die Direktoren bezw. Rektoren dieſer Periode ſind: Knop, Sternberg, Lüroth, Birn— baum, Sohncke, Lang, Hart, Wiener, Grashof, Engler, Baumeiſter, Juſt, Schröder, Haid, Keller, Bunte, Lehmann. Am 28. Dezember 1899 verlieh der Großherzog der Anſtalt das Recht, denjenigen, welche die Diplomprüfung beſtanden haben, die Würde eines Diplomingenieurs und den Grad eines Doktor-Ingenieurs zu erteilen. In den einzelnen Unterrichtsdisziplinen der Hochſchule traten im Verlaufe dieſes Zeitraumes verſchiedene Anderungen einz neue Fächer wurden in den Lehrplan aufgenommen, andere exweitert oder einheitlicher organiſiert. So erfolgte im Jahre 1878 nach dem Tode Seuberts eine Trennung der Lehrſtühle für Botanik und Zoo⸗ logie, und damit begann für den naturgeſchichtlichen Unterricht eine neue Ara reger Entwicklung. Den großen Fortſchritten auf dem Gebiete der Elektrotechnik wurde in dem neuen elektrotechniſchen Inſtitut Rech⸗ nung getragen. Die chemiſch-techniſche Prüfungs- und Verſuchsanſtalt, die Großh. Lebensmittelprüfungsſtation, die Landwirtſchaftliche Verſuchs⸗ anſtalt wurden der Hochſchule angegliedert. Die Namen der hervor—⸗ ragendſten Lehrer in den einzelnen Unterrichtsdisziplinen der El⸗ U RA 9 1 — 785— Hochſchule mögen hier ihren Platz finden: Mathematik: Schröder, Wiener, Wedekind, Schur, Schell; Architektur: Durm, Fiſcher, Warth, Lang, Weinbrenner, Schäfer; Ingenieurweſen: Sternberg, Engeſſer, Sayer, Honſell, Rehbock, Drach, Baumeiſter, Jordan, Haid; Maſchinenweſen: Hart, Keller, Richard, Brauer, Lindner; Elektrotechnik: Schleiermacher, Arnold, Lehmann, Meidinger; Chemie: Seubert, Knop, Braun, Birnbaum, Engler, Bunte, Kaſt, Scholl, Futterer, Klein, Le Blane; Forſtweſen: Vonhauſen, Schu⸗ berg, Weiſe, Endres, Siefert, Müller, Hausrath. Außer dieſen Ver— tretern der eigentlichen Fachwiſſenſchaften finden wir eine Reihe von Lehrern in allgemein bildenden Unterrichtsgegenſtänden tätig, ſo für Deutſche Sprache und Literatur: Waag, für engliſche und franzöſiſche Sprache: v. Sallwürk und Möry (nur auf kurze Zeit 1879), für Unterrichts- und Erziehungs⸗ lehre: v. Sallwürk, für Philoſophie: Drews, für Geſchichte und Literatur: David Müller, Pfaff und Böhtlingk, für Volks⸗ wirtſchaftslehre: Lehr, Gothein, Bücher, Herckner, Troeltſch, für Rechtswiſſenſchaft: Trefurt, Schenkel, Dorner, Süpfle, für Kunſtgeſchichte: Brund Meyer, Lübke, Roſenberg, v. Oechel— häuſer, für Geſchichte und Aſthetik der Muſik: Nohl, für Hygiene: Riffel, ür Turnen: Leonhard, für Malen und Zeichnen: Viſcher, Krabbes, Knorr, für Photographie: Schmidt, für Aſtronomie: Valentiner. Außer verſchiedenen baulichen Erweiterungen in den einzelnen Abteilungen der Hochſchule ſind beſonders zu nennen: der Aula- und Hörſalbau, aufgeführt 1896/98 mit einem Auf⸗ wand von ca. 700 000 Mk., das Elektrotechniſche Inſtitut, gebaut 1896/97 mit ca. 500000 Mk. Koſtenaufwand und das Bo⸗ taniſche Inſtitut. Die Einweihung dieſer Neubauten, welche für die Hochſchule und mit ihr für die Stadt eine Zierde ſind, fand unter großer Feierlichkeit am 17. und 18. Mai 1899 ſtatt. Der Groß⸗ herzog und die Großherzogin, Mitglieder des Großherzogl. Hauſes, das Staatsminiſterium und die übrigen Spitzen der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden nahmen an der Feier teil. So beſitzt Karlsruhe am Schluſſe dieſes Zeitraums eine„Techniſche Hochſchule“, welche nicht nur der Stadt ſelbſt zum großen Vorteil gereicht und Nutzen und Segen für die engere Heimat bringt, ſondern auch den Ruhm 50 — 786— des badiſchen Schulweſens weit über die gelbroten Grenzpfähle hinaus im ganzen Deutſchen Reiche, ja auch im Auslande verkündet. Die Zahl derjenigen Studierenden, welche Ausländer ſind, wächſt von Jahr ü. Juhr⸗ 38— Das Gymnaſium unterſtand während dieſes ganzen Zeit⸗ raums der Leitung Wendts, deſſen großen Verdienſten nicht nur um dieſe Anſtalt, ſondern um das geſamte badiſche Mittelſchulweſen anläßlich der Feier ſeines 70. Geburtstags am 24. Januar 1897 Anerkennung in hohem Maße zuteil wurde. Auch die Stadt wollte bei der Ehrung dieſes verdienten Schulmannes nicht zurückbleiben und der Stadtrat beſchloß, einer Straße den Namen Wendts beizulegen „in dankbarer Würdigung ſeiner hohen Verdienſte um das Schul— weſen unſeres Heimatlandes und insbeſondere auch um die Heran⸗ bildung ſo vieler Söhne unſerer Stadt zu patriotiſchen, freien und tüchtigen Männern“. Als Profeſ ſoren wirkten in dieſer Zeit am Gymnaſium: Mangelsdorf, Aug. Schuhmacher, Leutz, Löhlein (ſeit 1877 Direktor der Höheren Mädchenſchule), Keller(ſeit 1898 Gymnaſiumsdirektor in Lörrach), Böckel(ſeit 1896 Gymnaſiums⸗ direktor in Konſtanz, nachdem er 25 Jahre am hieſigen Gymnaſium gewirkt hatte), Treutlein(1866—1894, wo er Direktor des hieſigen Real- bezw. Reformgymnaſiums wurde), J. Lamey, Deimling, Kuntze, 0 Biſſinger, Bihler, Strack, von Schmitz, Rebmann, Zutt, Keim, Funck, Häuſſner, Goldſchmidt(ſeit 1876), Kienitz(ſeit 1877), Emlein, Dauber, Holtzmann, Imgraben, Stock, Möry, Luckenbach, Goldammer, Goos, Durler, Grashof, Spath, Marx, Hausrath, Geilsdörfer, von Müller; Karle, Lang. Als Reallehrer waren lange an der Anſtalt tätig: Beck, Räuber, Miller, Alb. Meinzer, Aug. Meinzer, Leonhardt(für Turnen). Die Schülerzahl hat im Verlaufe dieſer Periode eine allmälige Steigerung erfahren; ſie war keinen großen Schwankungen unterworfen. Sie betrug 1873/74 mit Vorſchule 588, 1884/85 6753 unter den am Schluſſe dieſes Schuljahrs zur Univerſität entlaſſenen Abiturienten befand ſich auch Prinz Max von Baden. 1894/95 war die Schülerzahl auf 620 und 1901/02 auf 598 geſunken. Das Sinken der Schülerzahl in den letzten Jahren iſt eine naturgemäße Folge der Errichtung des Reformgymnaſiums. Am 22. und 23. November 1886 feierte das Gymnaſium ſeine 300jährige Jubelfeier im Beiſein des Großherzogs, der Großherzogin und der geſamten Großh. ö Bermann Gößtz, Direklor der Kunftgewerbeſchule. — R E 9 Canαονάνννα Karlaruhe 6 Familie. Nach dem Feſtgottesdienſt in der Schloßkirche und der kathol. Stadtkirche fand ein Feſtzug von der Anſtalt zu der Feſthalle ſtatt, wo der eigentliche Feſtakt folgte. Der Direktor Wendt hielt die Feſtrede, Damen überreichten der Anſtalt eine geſtickte Fahne, deren Zeichnung von Götz entworfen war, Oberbürgermeiſter Lauter übergab als Geſchenk der Stadt die Büſte des Großherzogs. Als Feſt⸗ vorſtellung fand im Hof-Theater eine Aufführung von„Wilhelm Tell“ ſtatt; außerdem führten Schül er im Feſthalleſaale nachmittags Sophokles! „Philoktet“ nach der Überſetzung Wendts auf. Für die Kun ſtſchule, welche ſeit 1893 den Namen„Groß⸗ ⸗ herzogliche Akademie der bildenden Künſte“ führt, war ſchon im Jahre 1887 wegen des, trotz wiederholter baulicher Er— weiterungen, ſtets größer werdenden Mangels an Schülerateliers der Plan eines weiteren Atelierbaues vom Stadtrat ins Auge gefaßt worden. Der Bau wurde 1888 vollendet; er ſteht an der Ecke der Bismarck- und Weſtendſtraße. In den drei untern Stockwerken wurden 29 Künſtlerwerkſtätten eingerichtet und im 4. Stockwerke Raum für die Malerinnenſchule geſchaffen. Die Zahl der Schüler ſchwankte in dieſem Zeitraume zwiſchen 70 und 130.) Die Kunſtgewerbeſchule wurde im Jahre 1878 zu dem Zweck gegründet, tüchtige Kräfte für das Kunſthandwerk heranzubilden, ſowie auf Hebung des Kunſtgewerbes auregend einzuwirken; außerdem bietet die Schule Gelegenheit zur Ausbildung von Zeichenlehrern. Die Anſtalt, welcher als Direktoren in dieſem Zeitraume Kachel und Götz vorſtanden, erhielt eine große Anzahl von Auszeichnungen, ſo ſchon 1885 ein Ehrendiplom in London. Die Anſtalt war zuerſt in der Landesgewerbehalle untergebracht; die raſch wachſende Schüler— zahl machte ein eigenes Schulhaus notwendig. Dieſes wurde 1889 bezogen; doch war bald darauf ein weiterer Neubau nötig, welcher im Jahre 1900 durch die Glasmalereiausſtellung ſeine Weihe erhielt. Derſelbe iſt nach dem Plane Durms ausgeführt und gehört zu den bedeutenderen öffentlichen Gebäuden der Stadt. An den Koſten be⸗ zahlte dieſe 39 550 Mk. Mit dem Umzug in das eigene Heim würde 1889 die Gründung eines Kun ſtgewerbem uſeums ver⸗ — Die Namen der Lehrer an. ſehe unter der Rubrit Bildende Kuuſt. 50* — 788— bunden; durch dasſelbe wurden der Schule äußerſt wertvolle Lehr⸗ mittel zugeführt, deren Benützung Lehrern und Schülern viel An— regung bietet. Dieſes Muſeum zählte ſchon 1890 4519 Gegen⸗ ſtände kunſtgewerblicher Art; ſeither hat es ſich durch Ankauf und' Schenkungen, darunter ſehr wertvolle ſeitens des Großherzogs, be deutend vermehrt. Es hat neben der Schule nicht am wenigſten zur Hebung des badiſchen Kunſtgewerbes beigetragen. 1893 veranſtaltete die Kunſtgewerbeſchule auf Einladung des deutſchen Reichskommiſſärs für die Weltausſtellung in Chicago auf dieſer eine Schulausſtellung. Seit ihrem Beſtehen hat die Kunſtgewerbeſchule inbezug auf den Lehrplan und die innere Organiſation verſchiedene Verän— derungen durchgemacht. Anfangs beſtand ſie aus einer Vor- und einer Fachſchule und Abendkurſen. Die Fachſchule hatte vier Kurſe für Dekoration, Kleinkunſt, Architektur, Modellierkunſt. Später wurden Vor⸗ und Fachſchule vereinigt und eingeteilt in fünf Schulen, Archi⸗ tektur⸗, Bildhauer⸗, Ciſelier-, Dekorations- und Zeichenlehrerſchule. Als hervorragende Lehrer ſind außer den erwähnten Direktoren zu nennen: Franz Sales Meyer, Hammer, Heer, Schick, Rud. Mayer, Eyth, Gagel, Läuger, Dietſche. Die Schülerzahl, welche anfangs⸗ ancſch wuchs, iſt im letzten Jahrzehnt ziemlich konſtant geblieben; ſie⸗ betrug 1878 56, 1883 98, 1893 172. Baugewerkſchule, welche am 6. November 1878 hier⸗ eröffnet wurde, hat die Aufgabe, ſowohl für bau- wie maſchinen⸗ techniſche Geſchäftsbetriebe tüchtige Kräfte heranzuziehen, ſowie Tech— niker mittleren Ranges, z. B. Werkmeiſter und Werkführer für Staats⸗ und Gemeindebehörden, für Bauplätze und Fabriken auszubilden. Dann bildet ſie die Lehrer für die gewerblichen Fortbildungsſchulen des Landes aus. In der Bürgerausſchußſitzung vom 9. Mai 1878 wurde beſchloſſen, dem Staate das alte Realgymnaſiumsgebäude zum Zwecke der zu errichtenden Baugewerkeſchule zur Verfügung zu ſtellen, jedoch unter Vorbehalt des Eigentumsrechts, des Rechts der Ver— fügung über die Dienſtwohnungen und der Vereinfachung der be— ſtehenden Gewerbeſchule. Die Zahl der Schüler war 1886 ſo geſtiegen (ſie betrug 173), daß neue Schulräume gewonnen werden mußten; das geſchah dadurch, daß man die bisher als Dienſtwohnungen benützten Räume ſeitens der Stadt dem Oberſchulrate unentgeltlich zu Unter⸗ richtszwecken zur Verfügung ſtellte. Als jedoch die Schülerzahl 1888 eeeeeeeeeeet Erenede auf 253 geſtiegen war und man eine weitere Zunahme vorausſah, wurde durch den Landtag die Errichtung eines Neubaues beſchloſſen. Derſelbe wurde 1889 nach den vom Direktor der Anſtalt, Architekt Ph. Kircher, entworfenen Plänen begonnen und 1892 vollendet; er ſteht an der Moltkeſtraße. Die Stadt leiſtete einen Baubeitrag von 30000 Mk. Die raſche Entwicklung dieſer Schule zeigt ſich darin, daß die Schülerzahl ſich von 1886 bis 1898 beinahe verdrei⸗ facht hat; ſie iſt von 173 auf 475 geſtiegen. Dementſprechend mußte eine ſtetige Vermehrung der Lehrkräfte eintreten; 1888 waren es 17, 1898 ſchon 32. Das evangeliſche Lehrerſeminar, zum Unterſchiede von dem 1875 eröffneten gemiſchten Lehrerſeminar das Seminar J ge— nannt, ſtand während dieſes ganzen Zeitraumes unter der Leitung des Direktors Hofrat Leutz, welcher ſeit 1865 Leiter der Anſtalt war. Als Lehrer wirkten unter ihm die Profeſſoren Schmidt, Thoma, und die Seminarlehrer Schweikert, Kramm, Schneider, Eyth, Knauer, Barner und Reinfurth. Um dem immer mehr fühlbaren Mangel an Volksſchullehrern abzuhelfen, entſchloß ſich die Regierung zu den im Großherzogtum beſtehenden drei Lehrerſeminarien ein viertes zu er— richten und dasſelbe nach Karlsruhe zu verlegen. Während die drei ſchon beſtehenden Anſtalten konfeſſionelle, ein evangeliſches, zwei katholiſche, waren, ſollte das neue Seminar ein gemiſchtes ſein. Es wurde als ſolches am 28. November 1875 in Anweſenheit des Groß— herzogs eröffnet. Für dieſe Anſtalt, welche den Namen Seminar II führte, waren in dem hierfür neuerbauten Seminargebäude in der Rüppurrerſtraße zweckentſprechende Räume geſchaffen worden, welche dem größeren Teil der Zöglinge auch als Internat dienen ſollten. Als Direktor des neuen Seminars wurde Wilhelm Berger berufen, welcher zuvor gemiſchte Seminarien in Straßburg und Kolmar geleitet hatte. Nach Bergers Tode leitete der frühere Direktor des Ettlinger Seminars, F. H. Lehmann, von 1882 bis 1888 die Anſtalt. Seit deſſen Tode iſt Hofrat Zengerle Direktor. Als Lehrer wirkten am Seminar III ſeit deſſen Beſtehen Höchſtetter, Keller, Raſtetter, Steiger, Säger, Barner, Gageur, Eyth, Emele, Lay. Im gleichen Jahre der Eröffnung des gemiſchten Lehrerſeminars trat hier unter dem Namen Ifraelitiſches Landesſtift ein Internat für iſraelitiſche Zög⸗ linge der hieſigen Lehrerſeminare ins Leben; hier ſollten die jungen — 790 Leute Wohnung und Verpflegung erhalten und unter der Aüfſicht eines Direktors ihre Arbeiten fertigen. Als Direktoren leiteten die Anſtalt ſeit ihrem Beſtehen Treitel, Einſtein und Drieſen. Mit den beiden Seminarien ſind Übungsſchulen verbunden; dieſe haben den Lehrplan der erweiterten Volksſchule und umfaſſen die vier untern Schuljahre derſelben. Sie werden von ſtaatlich angeſtellten Unter— lehrern geleitet und dienen dazu, den künftigen Lehrern Gelegenheit zur Erlernung der Praxis zu bieten. Das Lehrerinnenſeminar Prinzeſſin Wilhelm-Stift ging aus der Privatſchule der Fräulein Trier hervor; dieſe eröffnete im Jahre 1873 eine Nach— weiſeanſtalt für ſtellenſuchende Erzieherinnen. Dieſe Anſtalt hatte raſchen Erfolg und wurde bald mit einem„Daheim für Er— zieherinnen“ und einem Lehrerinnenſeminar verbunden. Es galt nun, die nötigen Geldmittel zu beſchaffen. Die Gründerin der Anſtalt, Fräulein Trier, leiſtete in hochherziger Weiſe Jahre hin⸗ durch beträchtliche Zuſchüſſe an Geld und Fahrniſſen, die Geſchäfts— führung geſchah unentgeltlich, Freunde der Frauenbildung traten helfend bei. Doch erſt die Zuſicherung eines jährlichen Zuſchuſſes von 2000 fl. vonſeiten der Prinzeſſin Wilhelm von Baden, die dem Unternehmen ihre lebhafte Teilnahme geſchenkt hatte, gab die Gewiß⸗ heit, daß die Zukunft der Anſtalt geſichert ſei. Am 6. Oktober 1873 wurde das Lehrerinnen-Seminar in dem mietweiſe erworbenen Hauſe des Freiherrn von Cornberg(Stephanienſtraße 7) mit 26 Zöglingen eröffnet. Die häusliche Leitung hatte Fräulein Trier, die pädagogiſche Leitung ihr Schwager, Dr. Ludwig Dietz, übernommen. Das Seminar umfaßte anfangs zwei Jahreskurſe; doch trat ſchon 1876/77 eine Präparandenklaſſe dazu, deren Zweck war, die große Ungleichheit der Vorbildung der Zöglinge zu mildern. Durch vortreffliche Verwaltung hatten ſich 1878 ſchon 25 700 Mk. Überſchüſſe ergeben, welche Fräulein Trier zu einer Stiftung widmete mit der Beſtimmung, daß aus den Zinſen und dem Schulgeld ein Seminar unterhalten werden ſollte. Dieſe Stiftung erhielt dann den Namen„Prinzeſſin Wilhelm-Stift“ und wurde unmittelbar dem Oberſchulrat unterſtellt. Das Lehrer— kollegium war zu Anfang aus lauter außerordentlichen Mitgliedern Zuſammengeſetzt; 1879 wurde der Gymnaſiumslehrer Dr. Oeſer in Worms zum Profeſſor am Stift berufen. In ſeinen Händen liegt ſeit 1882 die Leitung der Anſtalt, nachdem er 1881—82 die höhere R Mädchenſchule in Baden geleitet hatte. Seit 1884 wirkte als Pro⸗ feſſor an der Anſtalt Fath und ſeit 1885 als Reallehrer A. Leh⸗ mann. Als Lehrerinnen wirkten die Damen Neumann, Bühler, Beder, Lanz(zugleich Vorſteherin des Inſtituts), Eggeling, Hertrich, Brechtel, E. Müller. Die Schülerzahl war von 1873 an raſch gewachſen und von 26 auf 85 im Jahre 1883 geſtiegen; 1893 betrug ſie 76. Die Räume im urſprünglichen Heim in der Ste⸗ phanienſtraße erwieſen ſich bald als ungenügend; es wurde deshalb das dem Fürſten zu Hohenlohe-Langenburg gehörige Haus Sophien⸗ ſtraße 31 und 33 erworben. Hier hat die Anſtalt nicht nur große Räumlichkeiten, welche wiederholt erweitert wurden, ſondern auch einen großen Garten. Der Umzug geſchah 1884. Der Lehrplan wurde wiederholt verbeſſert und erweitert; nach der heutigen Organiſation beſteht das Seminar für ſolche Kandidatinnen, welche ſich für das Volksſchullehramt vorbereiten wollen, aus zwei Kurſen, nach deren Abſolvierung die„Erſte Lehrerinnenprüfung“ gemacht wird. Für 9 fung“ gemacht ſolche Lehrerinnen, die ſich der„Zweiten“ oder„Höheren Lehrerinnen— prüfung“ widmen wollen, beſteht ein weiterer Kurs, der„Seminar— oberkurs“. Die im Jahre 1867 hier ins Leben getretene Turnlehrer— bildungsanſtalt unterſtand ſeit ihrer Gründung der bewährten Leitung des Direktors Geh. Hofrats A. Maul, des Begründers des badiſchen Schulturnens. Ihm zur Seite ſtand eine Reihe von Aſſiſtenten: G. Kaller, O. Kabus, J. G. Röſch, J. J. Schröter, Th. Zahn, A. Leonhardt. An der Anſtalt wurden bis jetzt 51 Turn⸗ lehrerkurſe abgehalten, an welchen 1926 Lehrer und Lehrerinnen teil—⸗ genommen haben. Unter den Teilnehmern befanden ſich 257 Nicht⸗ badener, ein Beweis, daß das ſogenannte Maul'ſche Turnen auch außerhalb Badens eingeführt wurde, und daß die Karlsruher Turn— lehrerbildungsanſtalt ſich eines guten Rufs erfreut. Zu den hieſigen landwirtſchaftlichen Schie welche dem Miniſterium unmittelbar unterſtehen, ſind die Landwirt— ſchaftliche Winterſchule, die Obſtbauſchule, die Wieſen— bauſchule und die Hufbeſchlagſchule zu rechnen. Die Landwirtſchaftliche Winterſchule für den Kreis Karls— ruhe war ſeit ihrer 1864 erfolgten Gründung mit der Obſtbau— ſchule hier vereinigt. Als Vorſtände wirkten an dieſer Anſtalt 1% Nerlinger, Bach und Klein, neben welchen als Fachlehrer hieſige Lehrkräfte Unterricht erteilten. Im Oktober 1894 wurden beide Schulen nach dem Gute Auguſtenberg bei Durlach verlegt. Der Zweck der Wieſenbauſchule iſt die Ausbildung des für den Landes— kulturdienſt erforderlichen Perſonals; die theoretiſche Vorbildung ge— ſchieht in den Wintermonaten in drei Kurſen in der Wieſenbauſchule. Die Anſtalt ſteht unter der Leitung eines techniſchen Referenten der Oberdirektion des Waſſer- und Straßenbaues. Als Lehrer ſtehen dieſem zur Seite ein Ingenieur und einige Hilfslehrer. Die Schüler— zahl betrug in dieſem Zeitraume im Durchſchnitt 16. Die Erfolge dieſer Schule waren ſo befriedigend, daß ſie in wiederholten Fällen von andern Ländern zum Muſter genommen worden iſt. Um den jungen Hufſchmieden des Landes den Nachweis der durch das Geſetz vom 5. Mai 1884 verlangten Berechtigung zur gewerbsmäßigen Aus— übung im Hufbeſchlag zu ermöglichen, wurden im Jahre 1884 fünf Hufbeſchlagſchulen ins Leben gerufen, wovon eine hierher verlegt wurde. Sie unterſteht einem techniſchen Reſpizienten des Miniſteriums; der Unterricht wird von einem Tierarzt und einem tüchtigen Hufſchmiede erteilt. Die Lehrkurſe umfaſſen je drei Monate in zwei auf einander folgenden Jahren. Die Durchſchnittsſchülerzahl dieſer Schulanſtalt betrug 16. Die der ſtädtiſchen Verwaltung direkt unterſtellten Schulen ſind am Ende dieſes Zeitraums folgende: das Realgymnaſium bezw. Reformgymnaſium, die Realſchulanſtalten, Realſchule und Ober⸗ realſchule, die Höhere Mädchenſchule mit Gymnaſialabteilung, die Gewerbeſchule mit gewerblichen Unterrichtskurſen für Frauen und Jungfrauen, die Volksſchule mit der kaufmänniſchen Fortbildungs⸗ ſchule, der Sophienſchule und einigen ihr angegliederten andern Schul— einrichtungen. Die Schulaufſicht und Leitung aller dieſer Anſtalten unterſteht dem Stadtrat oder vielmehr einer von dieſem ernannten Kommiſſion, der„Städtiſchen Schulkommiſſion“, wie ſie durch das Ortsſtatut vom Jahre 1893 eingeſetzt wurde. Dieſe ſämtlichen Schulanſtalten haben ſeit dem Jahre 1875 eine eingehende Neuorganiſation erfahren, welche wir bei den einzelnen Schulen be— ſonders behandeln werden. Die Aufſichtsbehörde, welche jetzt eine gemeinſame für die ſtädtiſchen Schulen iſt, war es zu Anfang dieſes Zeitraums nicht; ſie iſt aus dem Ortsſchulrat, der Aufſichtsbehörde ee —171793— der Volksſchulen, hervorgegangen. Gerade in der Entwicklung dieſer Schulen zeigt ſich Karlsruhe als„Schulſtadt“, und gerade hier treten Schnetzlers große Verdienſte um das Schulweſen am deut⸗ lichſten hervor. Daß die Stadt auch nach außen hin wiederholt für die Hebung des Schulweſens eintrat, zeigte ſich auf verſchiedenen Städtetagen; ſo ſtellten 1889 auf dem 7. Städtetag zu Bruchſal die Vertreter der Stadt, Bürgermeiſter Schnetzler und die Stadträte Hoffmann und Leichtlin, mit Erfolg den Antrag:„Es wolle der Städtetag ſich dahin erklären, daß eine Beſchränkung der den Ge— meinden nach gegenwärtiger Geſetzgebung und Übung auf dem Gebiete des Schulweſens zuſtehenden Berechtigungen ſowohl im Intereſſe der Schule als in jenem einer geſunden Selbſtverwaltung der Gemeinden zu bekämpfen ſei.“ Die ſtarke Entwicklung der ſtädtiſchen Schulen in dieſem Zeitraum zeigt ſich auch in dem zunehmenden Koſten— aufwand für dieſelben; derſelbe betrug 1886 389 672, 1890 512 740, 1895 701058, 1900 880 270. Eine gemeinſame Einrichtung für die ſtädtiſchen Schulen iſt die Schulſparkaſſe; dieſelbe wurde 1877 von Stadtrat Speman beantragt. Sie hat den Zweck, den Schülern Gelegenheit zu nutz⸗ bringender Anlage kleiner Erſparniſſe zu geben und dadurch den Sinn für Sparſamkeit überhaupt zu fördern. Dieſe Einrichtung wurde bald ſo fleißig benützt, daß im Schuljahr 1884 die Zahl der Ein⸗ leger ſich ſchon auf 10219 mit 17229 Mk belief. Anfangs hatte die Kaſſe eigene Verrechnung; 1880 wurde ſie mit der Spar- und Pfandleihkaſſe vereinigt. Die Realſchulanſtalten haben eine weitgehende Reform in dieſem Zeitraume erfahren; das Realgymnaſium wurde zum Reform⸗ gymnaſium, die urſprüngliche Höhere Bürgerſchule zur Realſchule und Oberrealſchule, die Töchterſchule zur Höheren Mädchenſchule mit Mädchengymnaſium. Auch der Volksſchule wurden mehrere ſehr zweckmäßige und ſegensreiche Schuleinrichtungen angegliedert. Die Entwicklung dieſer Schulen im einzelnen ſoll hier geſchildert werden. Am Realgymnaſium wurde in dieſem Zeitraume eine Neu— organiſation von weittragender Bedeutung zur Ausführung ge— bracht. Die große Verſchiedenheit der Lehrpläne der beſtehenden Karlsruher Mittelſchulen hatte ſchwere Mißſtände im Gefolge; ſo mußte über den Bildungsweg, alſo meiſt über den Lebensweg eines 4199— Meuſchen ſchon vor ſeinem 9. Lebensjahre entſchieden averden. Wenn ſich dann die eingeſchlagene Bahn als die unrechte erwies, ſo war ein Üübergang von einer Schulgattung in die andere faſt unmöglich. Schon 1883 hatte der Stadtrat beim Oberſchulrat eine Abänderung der Organiſation der hieſigen Mittelſchulen in Anregung gebracht und dabei eine entſprechende Reform der Gymnaſien für notwendig erklärt. Das Erſcheinen der Preisſchrift des damaligen Profeſſors am Gym— naſium Treutlein„Über den Zudrang zu den gelehrten Schulen“ veranlaßte im Jahre 1889 den Stadtrat, auf ſeinen früheren Plan zurückzukommen; doch führten die Beſtrebungen nicht zum Ziele. Als im Jahre 1894 die Trennung der Oberrealſchule von der Realſchule vollzogen wurde, regte ſich das Intereſſe der Schulreform von neuem, umſomehr als Frankfurt a. M. mit der Gründung eines Reform⸗ gymnaſiums vorausgegangen war. 1896 folgte dann die grundſätzliche zuſtimmende Entſcheidung des Miniſteriums, und mit Beginn des Schuljahres 1896/97 wurde die neue Organiſation, das Reform— gymnaſium, eingeführt. Dasſelbe iſt eine aus 9 Jahreskurſen beſtehende Schule, die ſich in drei Stufen aufbaut. Die unterſte Stufe(Sexta, Quinta und Quarta) ſoll ein gemeinſamer Unterbau für alle Gattungen der Mittelſchulen ſein. Hier wird haupt— ſächlich das Deutſche gelehrt, an Fremdſprachen nur Franzöſiſch. Wer dieſe Stufe durchgemacht und keine Neigung zu Gymnaſialſtudien hat, kann zur Oberrealſchule übergehen. Die mittlere Stufe umfaßt Unter⸗ und Obertertia; hier beginnt der Lateinunterricht, ſie iſt der gemeinſame Unterbau für Gymnaſium und Realgymnaſium. Die oberſte Stufe, welche die vier obern Klaſſen umfaßt, zweigt ſich in eine Gymnaſial- und Realgymnaſialabteilung. Die Einführung dieſer Schuleinrichtung wurde im Schuljahr 1896/97 in der Weiſe begonnen, daß die 118(gegen 60 des Vorjahres) eintretenden Schüler die Sexta des Reformgymnaſiums bildeten. Sie wurde in den folgenden Jahren in gleicher Weiſe weitergeführt, ſo daß im Schuljahr 1901/02 von den von der Obertertia zur Unterſekunda promovierten 64 Schülern durch eigene Wahl und durch Beſtimmung der Eltern 25 dem gym⸗ naſialen und 29 dem realgymnaſialen Zweig zugewieſen wurden. Die Leitung der Anſtalt lag zu Beginn dieſes Zeitraums in den Händen des Direktors Kappes. Als derſelbe im Jahre 1893 nach zwanzigjähriger erfolgreicher Tätigkeit ſtarb, folgte ihm im Amte — Treutlein, deſſen unermüdliche Beſtrebungen in der Neuorgani— ſation einen glänzenden Erfolg fanden. Unter der Leitung Kappes' wurde ſchon 1879 der achtkurſigen Anſtalt ein neunter Kurs in der, Weiſe angegliedert, daß die Prima zweijährig(Unter⸗ und Oberprima) wurde. Dadurch war ſchon ein gewiſſer Abſchluß der zum Berufs⸗ ſtudium vorbereitenden Ausbildung der ſtudierenden Jugend weſentlich gefördert worden. Auch hatte die Anſtalt im Zuſammenhang mit der landesherrlichen Verordnuung vom 29. Januar 1884, die Or⸗ ganiſation der Mittelſchulen betr., ein neues Statut erhalten, deſſen Beſtimmungen ziemlich die gleichen ſind, wie die des 1894 gegebenen Statuts, welches wenig an der innern Organiſation der Anſtalt geändert hatte. Als Lehrer wirkten am Real- und Reformgym⸗ naſium in dieſem Zeitraum, und zwar als Profeſſoren: A. Maier, Platz, Perréaz, Stocker, Conradi, Kiefer, Dr. K. Bauer, K. Fr. Müller, Heim, Höhler, Hammes, Steurer, Fleuchaus, Meidel, Stein⸗ hauer, Friedrich, Wacker, Seith, Keller, Höflin, Breidt, Fiſcher, Arm⸗ bruſter, Leutz, Werner, Krapp, Hübler, Jäger, Dürr, Lang, Hanauer und als Reallehrer: Henrich, Ganter, Knauer, Mainzer, Köppel, Guſt. Reuther, Miltner, Roman, W. Schumacher, K. W. Maier, Steinhardt, Leonhardt und Kälber. Die Schülerzahl betrug bei Beginn dieſes Zeitraums 374 und war am Ende des Schuljahres 1899/1900 auf 585 geſtiegen; dementſprechend mußte eine erhebliche Vermehrung der Lehr⸗ kräfte eintreten. Während 1875/76 12 ordentliche und 6 Neben⸗ lehrer den Unterricht erteilten, beſtand 1900 das Lehrperſonal aus 19 etatmäßigen, 11 nichtetatmäßigen und 6 Nebenlehrern. Als Heimſtätte hatte das Realgymnaſium dieſen ganzen Zeitraum hindurch das 1876 be⸗ zogene neue Gebäude an der Schulſtraße inne. Dieſer Bau umſchließt mit ſeinem Fünfeck einen luftigen Hof und richtet ſich mit der Haupt⸗ faſſade gegen den Faſanengarten und das neue Aulagebäude der Tech⸗ niſchen Hochſchule. Die gegen Schluß dieſes Zeitraums in ſo hohem Grade angewachſene Schülerzahl, ſowie die bevorſtehende Teilung dieſer Schule in zwei Anſtalten macht die Erbauung eines neuen Gebäudes nötig. Anfangs hatten die beiden Anſtalten des Realgymnaſiums und der Realſchule eine gemeinſame ie ſßiites wurde eine zweite Turnhalle gebaut. Zu Beginn dieſes Zeitabſchnittes ſtand die 55 here Bürger—⸗ 615 unter der Leitung des Prof. Karl Damm. Ihre Schüler⸗ — 0 zahl betrug 325. Außer dem Vorſtande wirkten als Lehrer der Anſtalt 4 Profeſſoren, 1 Lehramtspraktikant und 4 Reallehrer, wozu einige Nebenlehrer für Religion, Singen, Zeichnen und Turnen kamen. 1876 trat Damm in den Ruheſtand; in ihm verlor die Anſtalt einen ſorgſamen Leiter, die Schule einen treuen Lehrer und die Lehrer einen väterlichen Freund. An ſeine Stelle trat Profeſſor Dr. Fr. Firn— haber, welcher die Anſtalt(Oberrealſchule) heute noch leitet. Auf Antrag des Stadtrats wurde dieſelbe 1884 vom Miniſterium zu einer 7klaſſigen Realſchule erhoben und erhielt unterm 29. No⸗ vember 1884 ein neues Statut. Vom Herbſt 1885 an wurden mit der Realſchule zwei Fachklaſſen, eine für techniſche und eine für kauf— männiſche Gegenſtände verbunden. Die letztere, welche als Haupt— unterrichtsgegenſtände Aufſatz(Briefe), Buchführung, Handelsgeographie, Franzöſiſch, Engliſch und Italieniſch hat, wurde dem Reallehrer Aug. Bergmann übertragen, welcher noch in derſelben unterrichtet. Infolge der 1892 erfolgten Angliederung einer achten Klaſſe(Unterprima) war das Bedürfnis einer techniſchen Fachklaſſe nicht mehr vorhanden— Im Jahre 1888 feierte die Anſtalt das Inbiläum ihres 25jährigen Beſtehens; bei dieſem Anlaſſe machten ehemalige Schüler eine Stiftung von 2800 Mk. 1893 erfolgte dann die Erhebung der Realſchule zu einer Oberrealſchule mit neun Klaſſen und einer kauf— männiſchen Fachſchule. Die Schülerzahl war inzwiſchen ſtetig ge— wachſen, ſo daß ſie 1895 992 betrug. Es wirkten in dieſem Jahre an der Anſtalt 22 etatmäßige, 15 nichtetatmäßige und 5 Nebenlehrer, zuſ. 42 Lehrer. Man erachtete deshalb eine Trennung der Anſtalt für zweckmäßig; nach eingehenden Verhandlungen mit dem Stadtrat wurde durch Verfügung des Großh. Oberſchulrats vom 23. Dez. 1895 beſtimmt, daß einzelne Parallelabteilungen losgelöſt und zu einer Schule vereinigt würde; dieſe Schulabteilung mit 7 Klaſſen bildete von da an die Realſchule. Dieſe blieb im früheren Gebände in der Schulſtraße. Die neunklaſſige Abteilung, die Oberrealſchule, bezog mit dem Beginn der Trennung im Januar 1896 das neu— erbaute Friedrichsſchulhaus am Mühlburger Tor. Dasſelbe wurde am 8. Januar 1896 in Anweſenheit des Großherzogs eingeweiht. Die Schülerzahl der Oberrealſchule, welche am Schluſſe des Schul— jahres 1895/96 551 betrug, war am Schluſſe des Schuljahres 1899/1900 513. Die Anſtalt ſteht ſeit dem Jahre 1876 unter der Leitung Firnhabers. An ihr wirkten 32 Lehrer, 18 etatmäßige, 9 nichtetatmäßige und 5 Nebenlehrer. Bei der nach den Weihnachts⸗ ferien des Schuljahres 1895/96 erfolgten Loslöſung der jetzigen Realſchule von der Oberrealſchule zählte die erſtere Anſtalt 436 Schüler, welche in 7 Klaſſen unterrichtet wurden. Als Direktor derſelben wurde der Profeſſor Dr. Otto Ehrhardt ernannt, welcher die Anſtalt heute noch leitet; an derſelben wirkten 1895 7 etatmäßige, 7 nichtetatmäßige und 7 Nebenlehrer, 1900 12 etat⸗ mäßige, 7 nichtetatnäßige und 3 Nebenlehrer. Die Schülerzahl ging ſtetig rückwärts und betrug am Ende des Schuljahrs 1899/1900 365. Als Profeſſoren wirkten an beiden Auſtalten in dieſem Zeitraume: La Fontaine, Rothmund, Trück, Adam, Marx, Guterſohn, Greule, Debo, Weckeſſer, Ehrhardt, Horn, Steinhauer, A. Holzmann, Heim⸗ burger, Maſſinger, Metzger, Heck, L. Müller, Wild, Aſal, Stark, Kramer, Ad. Specht, Pfeffer, Kirſch und als Reallehrer Tritſcheler, Oehler, Baader, Räuber, Gageur, Bopp, M. Specht, König, Gönner, Konrad, Kemmer, Klumpp, Bergmann, Kasper, Bender, Schick, Kraus, Hüttner, Gutmann. Das urſprüngliche Schulgebäude der Höheren Bürgerſchule wurde 1887 mit einem Koſtenaufwand von 71000 Mk. vergrößert und mit einem Schulbade eingerichtet. 1891 wurde mit einem Aufwand von 23000 Mk. eine Turnhalle für die Realſchule erbaut, da ſich die ſeither vom Realgymnaſium und von der Realſchule gemeinſam benützte Turnhalle als ungenügend erwies. 1895 wurde das neue Oberrealſchulgebäude am Mühlburger Tor vollendet, es verurſachte einſchließlich des Bauplatzes einen Koſtenaufwand von 626000 Mk. In den drei Stockwerken befinden ſich 16 Lehrſäle, große Räume für Chemie und Phyſik, zwei große Zeichenſäle, ein Singſaal, ein Na⸗ turalienkabinet, Bibliothek, Konferenz- und Lehrerzimmer, Direktions⸗ zimmer, im Erdgeſchoſſe ein wohleingerichtetes Schulbad. Dieſes Gebäude, Friedrichſchulhaus genannt, gehört zu den am zweckmäßigſten eingerichteten Schulhäuſern der Stadt und iſt zugleich eine Zierde der Kaiſerallee. Die Höhere Töchterſchule) wurde im Jahre 1877, nachdem eine landesherrliche Verordnung über die Errichtung von Mittelſchulen für die weibliche Jugend erſchienen war, aufgelöſt; man bildete aus ihr ) Siehe oben Seite 430—433. 9 f zwei Schulen, eine weibliche Mittelſchule und eine erweiterte Mädchen⸗ volksſchule mit beſonderem Lehrplan. Die erſtere wurde eine ſieben⸗ klaſſige Schule mit einer dreiklaſſigen Vorſchule; ſie erhielt den Namen Höhere Mädchenſchule, den ſie heute noch führt. Die andere Schule wurde eine fünfklaſſige mit dreiklaſſiger Vorſchule; ſie wurde dem Volksſchulrektorat unterſtellt und führt den Namen Töchter⸗ ſchule.. Die Satzungen der 1878, neu errichteten Höheren Mädchenſchule wurden 1879 zwiſchen der Oberſchulbehörde und dem Stadtrate dahin vereinbart, daß für die Anſtalt ein eigener Auf⸗ ſichtsrat eingeſetzt wurde, deſſen Mitglieder mit Genehmigung des Oberſchulrats jeweils auf 3. Jahre vom Stadtrat ernannt wurden, während der Vorſtand als ſolcher demſelben angehörte. Um die Satzungen mit dem am 1. Januar 1890 in Wirkung tretenden neuen badiſchen Beamtengeſetze in Einklang zu bringen, wurde 1889 eine Reviſion derſelben vorgenommen. Danach erfolgt die Beſetzung der Vorſtands⸗ und Profeſſorenſtellen vom Oberſchulrat, wobei jedoch Bedenken und Wünſche des Stadtrats zu berückſichtigen ſind; die Beſetzung aller übrigen Stellen erfolgt auf Vorſchlag des Stadtrats. Den Geſamtaufwand für Baulichkeiten und deren Einrichtung über⸗ nimmt die Stadt. Zur Beſtreitung der an das Lehrperſonal zu zahlenden Gehalte u. dergl. werden der Ertrag des Anſtaltsver⸗ mögens und die Schulgelder(Vorſchule 60 Mk., Mittelſchule 81 Mk.) verwendet. An dem hierdurch nicht gedeckten Aufwand übernimmt die Staatskaſſe ein Drittel, jedoch höchſtens den Betrag von 5000 Mk. für das Jahr; für den Reſt hat die Stadt aufzukommen. Die ört⸗ liche Aufficht führt ein Auffichtsrat, dem die Mitglieder des Orts⸗ ſchulrats, der Direktor der Anſtalt und gutſcheinenden Falls drei weitere vom Stadtrat zu ernennende Einwohner der Stadt angehören ſollen. Auch kann der Stadtrat beſchließen, daß und in welcher Zahl Frauen in den Aufſichtsrat zu berufen ſeien. Die Grundlinien der Einrichtung der Anſtalt und ihres Lehrplans ſind im weſent⸗ lichen den ganzen Zeitraum hindurch die gleichen geblieben; einige Verbeſſerungen am Lehrplan wurden 1885 und 1892 vorgenommen. Erweiterungen am Lehrplan wurden inſofern vorgenommen, als man den hauswirtſchaftlichen Unterricht mit Übungen im Kochen, erteilt von Frl. M. Specht, anſchloß, nachdem zuvor eine Selekta als Fort⸗ bildungsklaſſe angefügt worden war. Die tiefgehendſte Veränderung — 799— brachte die im Jahre 1898 erfolgte Angliederung des Mädchen? gymnaſiums. Dieſes wurde 1893 durch den Verein„Frauen⸗ bildungsreform“ ins Leben gerufen und erhielt ſich mit Unterſtützung ſeitens der Stadt bis zum Jähre 1897. Es hat den Zweck, den Mädchen dieſelbe Schulbildung zugänglich zu machen, welche den Kuaben auf dem humaniſtiſchen Gymnaſium geboten wird. Für die Aufnahme wird der Beſuch der ſechs unterſten Klaſſen einer Höheren Mädchenſchule vorausgeſetzt; die unterſte Klaſſe des Gym⸗ naſiums bildet den Übergang zum Gymnaſium, indem in ihr das Latein als hauptſächlichſter Lehrgegenſtand erſcheint. Die folgende Klaſſe entſpricht der Obertertia des Gymnaſiums; in ihr ſetzt das Griechiſche ein. Der Lehrplan der 4 folgenden oberen Klaſſen iſt identiſch mit dem der 4 oberen Klaſſen des Gymnaſiums. Im Jahre 1897 trat im genannten Vereine eine Kriſis ein, als deren Folge das Mädchen— gymnaſium dem neugebildeten Verein„Frauenbildung“ zufiel. Dieſer erreichte es, daß die junge Anſtalt von der Stadt übernommen wurde— Nach längerer Beratung geſchah die Übernahme ſeitens der Stadt mit Beginn des Schuljahres 1898/99 am 11. September 1898 in der Weiſe, daß das Mädchengymnaſium mit der Höheren Mädchen⸗ ſchule verbunden wurde. Dieſe Gymnaſialabteilung zählte im Schul— jahre 1898/99 in 4 Klaſſen(Unter- und Obertertia, Unter- und Oberprima) 31 Schülerinnen. Die Leitung der Höheren Mädchenz ſchule lag dieſen ganzen Zeitraum hindurch in den Händen des er— fahrenen und bewährten Direktors Löhlein. Anläßlich ſeines 1899 feſtlich begangenen 70. Geburtstages und am Schluſſe des Schul⸗ jahres 190102, welches auch zugleich ſein Abſchied von der 25 Jahre lang trefflich von ihm geleiteten Anſtalt war, wurde in anerkennenden und warmen Worten ſeiner Schöpfungen und ſeiner Verdienſte um das höhere Mädchenſchulweſen gedacht. Ihm folgt im Amte Friedrich Keim) bis dahin Profeſſor am Gymnaſium. Als Lehrer wirkten ſeit ihrem Beſtehen an dieſer Schule die Profeſſoren Moßdorff, G. Specht, Holdermann, Rob. Mayer, Birnbaum, F. Lamey, Armbruſter, K. Fr. Müller, Nopper, Reichenberger, Helbing, Ott, die Reals lehrer Peter, Buhlinger, Kobe, Bürckel, Klumpp, Müller, Kaller, Oehler, Seltenreich, W. Ziegler und Gansloſer, dann die Lehrerinnen Mittelbach, von Schmitz, Pfeiffer, Arnold, Döring, Mecß, Jungk, Moßdorff, Heil, Drach, Weick, Ritzhaupt, Wehrle, Gernet, Schmidt, 8————— SDS¶— — 800— Bader. Die Entwicklung der Höheren Mädchenſchule zeigt ſich in folgenden Zahlen: nach der 1877 erfolgten Neuorganiſation bezw. Lostrennung der Töchterſchule zählte die Anſtalt 12 Klaſſen mit 336 Schülerinnen; die Zahl der Lehrkräfte betrug 14, wozu 7 Neben⸗ lehrer kamen. 1885 waren es 16 Klaſſen mit 494 Schülerinnen; den Unterricht erteilten 19 Lehrer und 7 Nebenlehrer. 1895 finden wir in 16 Klaſſen 597 Schülerinnen und 20 etatmäßige und 9 Neben— lehrer. Am Schluſſe des Schuljahres 1900 iſt der Stand der Schule: a. Vorſchule 3 Klaſſen mit 121, b. Höhere Mädchenſchule 14 mit 430, c. Mädchengymnaſium 6 mit 34, zuſammen 23 Klaſſen mit 585 Schülerinnen. An Lehrkräften wirkten 19 etatmäßige, 4 nicht⸗ etatmäßige und 16 Nebenlehrer. Mit der Neuſchaffung der Höheren Mädchenſchule mußten auch neue Unterrichtsräume gewonnen werden. Die Anſtalt bezog 1878 das Schulgebäude in der Sophienſtraße(Nr. 14), welches ſeiner urſprünglichen Beſtimmung gemäß eine Volksſchule aufnehmen ſollte. Mit der Erweiterung der Anſtalt durch Angliederung des Mädchengymnaſiums mußten wiederum neue Schulräume geſchaffen werden; das geſchah durch Umwandlung von Dienſtwohnungen in Schulzimmer und durch Verwendung des anſtoßenden ſtädtiſchen Volksſchulgebäudes in der Waldſtraße. Die Gewerbeſchule, welche in der vorigen Periode einen ſtarken Rückgang zu verzeichnen hatte, blühte in dieſem Zeitabſchnitte von neuem auf; die Schülerzahl war 1874 auf 107 geſunken und überſchritt am Ende dieſer Periode 700. Aus den ungenügenden Räumen im ſüdlichen Flügel des Rathauſes wurde ſie 1882 nach dem alten Lyceum überführt; auch hier genügten bald die Räume nicht mehr, und man baute für die Anſtalt 1892 das alte Schulhaus, Zirkel Nr. 22 mit einem Koſtenaufwande von 66 500 Mk. um. Seither iſt die Schule hier untergebracht. Die ſtarke Zunahme der Schülerzahl erforderte eine weſentliche Vermehrung des Lehrperſonals; zu Beginn der Periode waren fünf Lehrer tätig; am Schluſſe der⸗ ſelben 14. Im Jahre 1885 wurde für Gäſte(Gehilfen und ältere Leute), welche eine theoretiſche und zeichneriſche Weiterbildung ſuchen, ein Fachzeichenkurs eröffnet. Nachdem 1892 die Gewerbeſchule das neue Heim im Zirkel bezogen hatte, wurden hier auch Unter⸗ richtskurſe für Frauen und Jungfrauen aus verſchiedenen Berufsklaſſen eingerichtet. Es ſollte dadurch dem weiblichen Ge⸗ ſchlechte eine einfache und billige Gelegenheit geſchaffen werden, ſich in Realien, Buchführung, Zeichnen, fremden Sprachen weiterzubilden. Mit 40 Schülerinnen konnte am 2. Januar 1893 der Unterricht be— gonnen werden. Als geeignete Lehrkräfte wurden Fräulein Julie Non als Zeichenlehrerin und C. Vater als kaufmänniſcher Fach— lehrer gewonnen. In franzöſiſcher Sprache unterrichtete zuerſt Fräu—⸗ lein Schönherr. Im Verlaufe der Zeit wurden dieſe Kurſe, welche einen ſehr ſtarken Zudrang haben, weſentlich erweitert; ſo wurden als weitere Unterrichtsfächer Engliſch, Maſchinenſchreiben und Stenographie angefügt. In der Gewerbeſchule wurde 1893/94 der Sonntags-⸗ unterricht abgeſchafft, und es wurde vom Zeichnen bei künſt⸗ lichem Licht zum Unterricht am Vormittag übergegangen. Dadurch wurde allerdings der Werkſtättenlehre Zeit entzogen; dieſe mußte durch Verlängerung der Lehrzeit eingeholt werden. Jedoch wurde für den Unterricht bedeutend Zeit gewonnen, und es konnte der Lehrplan er⸗ weitert werden. So wurde im Modellierunterrichte 1895,96 eine Neuerung vollzogen, indem das ſogenannte Metallmodellieren hinzu— trat; auch kam ein Atelier für Holz- und Marmormalen und eine neue Fachabteilung für Fein- und Elektromechaniker hinzu. Als Vorſtände leiteten die Anſtalt Egetmeyer und Cathiau, deren raſtloſer und umſichtiger Tätigkeit das Emporblühen der Anſtalt mit⸗ zuverdanken iſt. Als Lehrer wirkten an derſelben in dieſem Zeit— raume Ederle, Tuttine, Meyerhuber, Buhlinger, Stempf, Ris, Koß⸗ mann, M. Specht, Gutmann, Bott, J. Müller, Schmitt, Dittmann, Bender, Münch, Köbele, ſowie eine Anzahl Fach- und Nebenlehrer. Das Volksſchulweſen der Stadt erhielt in dieſen Jahren eine weſentliche Umgeſtaltung, hervorgerufen durch die Einführung der gemiſchten Schulen) und die Anderung der örtlichen Schul— aufſicht infolge der Einführung der Städteordnung. Durch dieſe wurde nun die örtliche Verwaltung und Leitung der Schulange⸗ legenheiten, ſoweit nicht die Zuſtändigkeit der Staatsaufſichtsbehörden begründet war, ihrem ganzen Umfange nach in Anſehung der Volks⸗ ſchule auf den Stadtrat übertragen. Dieſer konnte jedoch die ihm zukommenden Befugniſſe und Obliegenheiten nicht ſelbſt ausüben; es wurde vielmehr eine Kommiſſion zu ſeiner Unterſtützung gebildet, welche ) Siehe oben Seite 433. — 802— innerhalb eines durch ein Ortsſtatut zu beſtimmenden Wirkungskreiſes in Unterordnung unter dem Stadtrat ihres Amtes waltete. Die recht— liche Stellung dieſer neuen Kommiſſion war eine weſentlich andere als die der früheren Ortsſchulräte. Der Wirkungkreis der letzteren war durch Geſetz oder Verordnung beſtimmt worden, derjenige der Kommiſſion wurde durch Gemeindebeſchluß feſtgeſtellt. Die Orts— ſchulräte waren der Gemeindeverwaltung gegenüber ſelbſtändig, die neue Kommiſſion wurde dem Stadtrate unterſtellt und bildet einen Teil der Verwaltung der politiſchen Gemeinde. Während jene in dienſt⸗ polizeilicher Beziehung dem Oberſchulrat und den Kreisſchulräten unterſtanden, teilen die Mitglieder der Kommiſſion die dienſtpolizei⸗ liche Stellung der Stadträte. Eine Ausnahme machen die der Kom—⸗ miſſion angehörenden Lehrer, denen gegenüber die Disziplinargewalt der ſtaatlichen Behörde beſtehen bleibt. Trotz dieſer Verſchieden— heiten wurde der Wirkungskreis der neuen Kommiſſion demjenigen der früheren Ortsſchulräte nachgebildet und behielt vorerſt den Namen „Ortsſchulrat“ bei. Mit der 1893 erfolgten Neuregelung des Orts⸗ ſtatuts wurde die Bezeichnung„Städtiſche Schulkommiſſion“ ein— geführt. Dem 1876 neu gebildeten Ortsſchulrate unterſtanden die Volksſchule, die Fortbildungsſchule und die Handelsſchule; er war zu— ſammengeſetzt aus je einem Geiſtlichen der einzelnen Konfeſſionen, dem ſtädtiſchen Schulrektor, einem Hauptlehrer als Vertreter der Lehrer, von den Hauptlehrern auf 3 Jahre gewählt, und aus acht durch den Stadtrat auf drei Jahre gewählten Stadtbürgern; den Vorſitz führte ein vom Stadtrat bezeichnetes Mitglied. Dieſer ſtädtiſche Ortsſchulrat hatte alle jene Geſchäfte zu erledigen, welche durch Geſetz und Verordnung den örtlichen Schulaufſichtsbehörden zugewieſen ſind; ſein Wirkungskreis beſtand alſo vornehmlich darin, innerhalb der Grenzen des Voran⸗ ſchlags die Lehrmittel und ſonſtigen Schulrequiſiten anzuſchaffen oder deren Anſchaffung zu beantragen. Die Verwaltung der innern Schul⸗ angelegenheiten, die mehr ſchultechniſcher Art ſind und die Lehrer und Schüler, Unterricht und Schulzucht betreffen, wurde einem ſtädtiſchen Schulrektor übertragen. Dieſe neue Schulaufſichtsbehörde, der „Städtiſche Ortsſchulrat“, war nach vorausgegangener eingehender Beratung im Bürgerausſchuß nach dem vom Oberbürgermeiſter Schnetzler entworfenen Statut Oſtern 1876 gebildet worden; er erlitt bald durch das Geſetz vom 18. September 1876 betr. die Einführung der gemiſchten — 803— Schule eine Anderung von unweſentlicher Bedeutung, in Betreff ſeiner Stellung als Aufſichtsbehörde. Von großer Wichtigkeit war es, eine hervorragende Kraft für die neu errichtete Stelle eines ſtädtiſchen Rektors zu gewinnen; es gelang dem Stadtrate, hierfür den ſeit— herigen Leiter der ſtädtiſchen Schulen, Profeſſor Guſtav Specht, dauernd zu erhalten. Die geſamte im Jahre 1876 und 1877 voll— zogene Neuorganiſation des ſtädtiſchen Volksſchulweſens ſind das Werk zweier um die ſpätere Entwicklung des Schulweſens der Stadt hoch— verdienten Männer, des Oberbürgermeiſters Schnetzler und des Pro⸗ feſſors und nachmaligen Stadtſchulrats Specht. Ihre Verdienſte um die Hebung der Schule haben auch den Badiſchen Lehrerverein veranlaßt, beide zu Ehrenmitgliedern zu ernennen(1895). Schnetzler führte den Vorſitz in der örtlichen Schulaufſichtsbehörde bis zum Jahre 1895, von welcher Zeit an der erſte Bürgermeiſter Siegriſt Vorſitzender war. Das Amt des ſtädtiſchen Schulrektors, welcher vom Jahre 1893 an den Titel„Stadtſchulrat“ führte, lag die ganze Periode hindurch in der bewährten Hand Spechts. Welche Liebe und Verehrung ihm von— ſeiten ſeiner Untergebenen entgegengebracht wurde, zeigte die von den ſtädtiſchen Volksſchullehrern am 11. Juni 1898 veranſtaltete Feier ſeines 25jährigen Dienſtjubiläums. Wegen der ſehr ſtarken Zunahme der Schulen mußten dem Stadtſchulrat als Amtsgehilfe und Stell— vertreter ein Rektor(Schmidt, Gerwig) und 1887 ein ſtändiger Sekretär(Sickinger, Geier) beigegeben werden. Ferner wurde 1893 für jedes Schulhaus ein Hauptlehrer bezeichnet, welcher für die Auf— rechterhaltung der Hausordnung zu ſorgen und nach den Weiſungen des Stadtſchulrats den dienſtlichen Verkehr zwiſchen dieſem und dem Lehrerperſonale in ſeinem Schulhauſe zu vermitteln hat. Dieſer Haupt⸗ lehrer führt die Amtsbezeichnung Oberlehrer und bezieht ſeit 1900 einen Funktionsgehalt für ſeine Dienſtverrichtung. Im Jahre 1885 trat in dem ſtädtiſchen Ortsſchulrat inſofern eine Anderung ein, als derſelbe den„ſtädtiſchen Schulkommiſſionen“ eingefügt wurde, ſo daß dieſelben von da ab beſtanden aus dem Ortsſchulrat, dem Beirat des Realgymnaſiums, dem Beirat der Realſchule, dem Aufſichtsrat der Höheren Mädchenſchule und dem Gewerbeſchulrat. Eine weitere tiefeinſchneidende Neuorganiſation dieſer Schul— behörde fand im Jahre 1893 ſtatt. Durch das Geſetz über den Elementarunterricht vom 13. Mai 1892 wurden den Städten mit Städte— 51 — 7 ²?¼Vů·ů·ů·¶¶ů· 0„ ordnung bezüglich der Verwaltung des Volksſchulweſens weitere Befug— niſſe als das bisher geltende Recht gewährte, eingeräumt. Demgemäß wurde im Jahre 1893 eine Neuregelung des Ortsſtatuts vorgenommen; dieſe wurde jedoch nicht auf die Volksſchule allein beſchränkt, ſondern umfaßte auch die übrigen ſtädtiſchen Schulen(Realgymnaſium, Ober⸗ realſchule u. ſ. w.), ſoweit die Zuſtändigkeit der Gemeindebehörde hin⸗ ſichtlich der Verwaltung dieſer Anſtalten reicht. Das neue„Orts— ſtatut über das Schulweſen“ wurde vom Bürgerausſchuß am 26. Januar 1893 genehmigt und trat mit Beginn des Schul— jahres 1893/94 in Kraft. Nach dieſem Ortsſtatut, das heute noch in Kraft ſteht, iſt die Verwaltung des der Gemeindebehörde zuſtehenden Schulweſens vom Stadtrat einer beſonderen Kommiſſion übertragen, welche den Namen Schulkommiſſion führt. Dieſelbe beſteht aus dem Oberbürgermeiſter oder deſſen Stellvertreter als Vorſitzenden, dem Stadtſchulrat, einem evangeliſchen, einem katholiſchen und dem alt— katholiſchen Stadtpfarrer, dem Stadtrabbiner, den Direktoren des Real— gymnaſiums, der Oberrealſchule und der Höheren Mädchenſchule, dem Vorſtand der Gewerbeſchule, einem von den ſtädtiſchen Hauptlehrern der Volksſchule aus ihrer Mitte gewählten Vertreter und zwölf vom Stadtrat ernannten Stadtbürgern, unter denen ſich ein Arzt und ein Bauverſtändiger befinden ſollen. Der Wirkungskreis dieſer Kommiſſion iſt inſofern ein weiterer als jener des früheren Ortsſchulrats, als ihr die Angelegenheiten ſämtlicher ſtädtiſcher Schulen zur Beratung und Beſchlußfaſſung überwieſen ſind, jener dagegen nur für die Vorſchule zuſtändig war. Nach dieſem Ortsſtatut beſtehen in der Stadt folgende Gemeindeſchulen: Realgymnaſium, Oberrealſchule, Höhere Mädchen— ſchule mit Vorſchule und ſeit 1898 mit Gymnaſialabteilung, Gewerbe— ſchule mit Lehrkurſen für Frauen und Jungfrauen, kaufmänniſche Fortbildungsſchule, Frauenarbeitsſchule(Sofienſchule), Volksſchule. Die letztere enthält folgende Abteilungen: 1. Bürgerſchule, 2. Töchterſchule mit Vorſchule, 3. Knabenvorſchule, 4. Erweiterte Volksſchule à) für Knaben, b) für Mädchen, 5. Einfache Volksſchule a) für Knaben, b) für Mädchen, 6) Fortbildungsſchule a) für Knaben, b) für Mädchen. In Verbindung mit der Volksſchule ſind eingerichtet: ein Knabenhort, ein Mädchenhort, eine Hilfsſchule, eine Schule für Stotternde, Klaſſen für Handfertigkeitsunterricht, Kurſe für Haushaltungskunde(Koch— ſchule), eine Schülerkapelle, die Ferienkolonien. Bei dieſer 1893 voll⸗ — 805— zogenen Neuorganiſation, welche heute noch beſteht, glaubte man von der Beſeitigung der Abſtufungen der Volksſchule und der Errichtung einer einzigen erweiterten Volksſchule, die alle volksſchulpflichtigen Kinder, ſoweit ſie nicht in Mittel- und Privat⸗ ſchulen unterrichtet werden, aufnehmen ſollte, Abſtand nehmen zu ſollen. Die ſeitherige Einrichtung hatte ſich wohl bewährt; zudem hatte man in Mannheim, wo eine einheitliche Volksſchule beſtanden hatte, nach Karlsruher Muſter die Abſtufung eingeführt. Schon 1876 war bei der Neuorganiſation die Frage aufgeworfen worden:„Soll man eine einheitliche Volksſchule, welche alle Schichten der Bevöl— kerung gleichmäßig umfaßt, einführen, oder ſollen verſchiedene Arten und Abſtufungen dieſer Schule eintreten, wie ſolche ja ſchon ſeit den 1820er Jahren in der Stadt durchgeführt waren?“ So wünſchens—⸗ wert und ideell die erſtere Art geweſen wäre, ſo wenig entſprach ſie den Anforderungen an das wirkliche Leben und den Wünſchen der Eltern. Der neue Ortsſchulrat hatte ſich deshalb damals für Er— richtung von Volksſchulen verſchiedener Abſtufungen ent— ſchloſſen. Die einzelnen Schulabteilungen unterſcheiden ſich im weſent— lichen im Lehrplan, in der Unterrichtszeit und im Schul— gelde. Während in der einfachen Volksſchule nach dem Normallehrplan unterrichtet wird, haben die erweiterte Volksſchule und die Bürger— und Töchterſchule einen weſentlich erweiterten Lehrplan, letztere beiden mit Fremdſprachen. Die Vorſchule, welche 4 Jahreskurſe enthält und zum Eintritt in die Sexta einer Mittelſchule vorbereitet, hat einen beſonderen zweckentſprechenden Lehrplan. Die Unterrichtszeit beträgt für die einfache Volksſchule 16 bis 24 Stunden, ſür die anderen Abteilungen'bis zu 32 Stunden. Die einfache Volksſchule iſt vom Schulgeld befreit, während in der erweiterten 6, in den übrigen 28 Mk. erhoben werden. Die an ſämtlichen Volksſchulabteilungen unter— richtenden Lehrer ſind Volksſchullehrer im Sinne des Elementar— unterrichtsgeſetzes, und zwar als etatmäßige oder Hauptlehrer und nicht— etatmäßige oder Unterlehrer, bezw. Haupt- und Unterlehrerinnen. Ihre Anſtellungsverhältniſſe ſind dieſelben wie vor 1875; dagegen haben ihre Einkommensverhältniſſe in dieſer Periode wieder— holt eine Anderung erfahren. Das Einkommen bei Beginn dieſes Zeitraums war noch immer nach dem ſogenannten Pfründeſyſtem be⸗ meſſen, wobei die Schulkompetenzen zu berückſichtigen waren. Erſt 1883 — 806.— wurde die Verpflichtung des Domänenfiskus zur Lieferung von Holz, für die Schulzimmer und zur Abgabe von Geld, Früchten, Wein und Holz als Beſoldungsteile an Lehrer abgelöſt. Allein erſt im Jahre 1890 konnte an eine eingehende Neuregelung herangetreten werden. Bis zu dieſem Jahre waren die Einkommmensver— hältniſſe der Volksſchullehrer und Lehrerinnen in der Weiſe geregelt, daß das Einkommen nicht den Lehrern ſelbſt, ſondern den an den verſchiedenen Schulen beſtehenden Lehrſtellen zugemeſſen wurde. Eine Erhöhung des Einkommens konnte daher für einen Lehrer nur eintreten, wenn der Inhaber einer Lehrſtelle abging; dieſer Mißſtand veranlaßte den Stadtrat in Übereinſtimmung mit dem Bürgerausſchuß im Jahre 1890 zur Aufſtellung„von Grundſätzen über die Gewährung von Zuſchüſſen zum geſetzlichen Einkommen der Lehrer und Lehrerinnen an den ſtädtiſchen Volksſchulen“. Nach dieſen Grundſätzen ſollte jeder Hauptlehrer jährlich mindeſtens 2000 und höchſtens 3200 Mk. erhalten, worin das Wohnungsgeld eingeſchloſſen, war. Der Gehalt einer Hauptlehrerin betrug 1500 bezw. 1800 Mk., der eines Unterlehrers 1050 bezw. 1200, einer Arbeitslehrerin 600 bezw. 1200 Mk. Dieſe Zuſchüſſe wurden als freiwillige, jederzeit widerrufliche Leiſtung der Gemeinde betrachtet, weshalb ſie alljährlich vom Bürgerausſchuß neu zu bewilligen waren. Der Mehraufwand betrug anfangs für die Stadt ca. 60000 Mk. 1895 fand wiederum, eine teilweiſe Neuregelung der Einkommensverhältniſſe der Lehrer und Lehrerinnen an den ſtädtiſchen Schulen ſtatt. Durch Be⸗ ſchluß des Bürgerausſchuſſes vom 22. April d. J. wurde feſtgeſetzt, daß das Einkommen einer Volkſchulhauptlehrerin jährlich mindeſtens 1500 und höchſtens 2000 Mk,, das Geſamteinkommen eines Lehrers oder einer Lehrerin in nicht etatmäßiger Stellung mindeſtens 1200 und höchſtens 1300 Mk., das Einkommen eines Schulverwalters endlich mindeſtens 1300 Mk. und höchſtens 1500 Mk. betragen ſolle. Bei dieſer Berechnung wurde die Mietzinsentſchädigung mit 540 Mk. für Hauptlehrer, 350 Mk. für Hauptlehrerinnen und 210 Mk. für nicht⸗ etatmäßige Lehrkräfte eingeſchloſſen. Ferner wurde beſtimmt, daß die Lehrer und Lehrerinnen, welche 10 Jahre ununterbrochen in ſtädtiſchem Dienſte ſind bezw. deren Hinterbliebene Ruhe⸗ und Verſorgungs⸗ gehalt vom ſtädtiſchen Einkommen, nicht wie ſeither nur vom ſtaat⸗ lichen Einkommen zu beziehen haben ſollten. 1898 trat dann eine 6—V——————— — 807— nochmalige Erhöhung auf 2100 bezw. 3600 Mk. ein, wobei das Wohnungsgeld ebenfalls eingerechnet war. Die raſch wachſende Schülerzahl bedingte natürlich eine Erwei— terung der vorhandenen und die Schaffung neuer Schulräumlich— keiten. Am Schluſſe der vorigen Periode zählte die Stadt fünf Volksſchulhäufer; dieſe waren: das Haus Kriegſtraße 44, erbaut 1830; dasſelbe wurde 1896 niedergeriſſen, und es wurde an ſeiner Stelle mit einem Koſtenaufwande von 215000 Mk. ein neues Schulhaus, die„Lindenſchule“, erbaut und im November 1897 bezogen; das Schulhaus in der Erbprinzenſtraße, die heutige„Peſtalozziſchule“, erbaut 1846 und in dieſem Zeitraume in ſeiner inneren Einrichtung weſentlich verbeſſert, ſo 1891 mit Räumen für die Haushaltungs⸗ ſchule und ſchon zuvor mit Schulbad verſehen; das 1853 in der Spitalſtraße(Markgrafenſtraße) erbaute Schulhaus, die heutige„Lidell— ſchule“; auch dieſes Haus erhielt eine beſſere innere Einrichtung und 1887 ein Schulbad, zu deſſen Koſtenaufwand Stadtrat Karl Hoffmann die Mittel geſtiftet hatte, weshalb ihm zu Ehren eine Marmortafel am Schulhauſe angebracht iſt; das für die Töchter— ſchule beſtimmte Schulhaus Kreuzſtraße 15, erbaut 1870, die heutige „Hebelſchule“, in welcher ſich die Verwaltungsräume des Rektorats, die Wohnung des Stadtſchulrats, ſowie Lehrzimmer der Töchterſchule befinden; hinter dieſem Hauſe wurde 1888 eine Turnhalle mit einem Koſtenaufwande von 18300 Mk. gebaut; die„Augartenſchule“ an der Ecke der Rüppurrer- und Bahnhofſtraße, in welcher bis 1878 Volksſchulklaſſen, zuletzt die erſte gemiſchte Schule, untergebracht waren. Nach deren Verlegung diente das Haus als Kinderbewahranſtalt und Krippe. Im Jahre 1889 wurde das Gebäude, das ſich in jeder Be— ziehung als ungenügend erwies, niedergeriſſen, und es wurde an ſeiner Stelle das heutige„Luiſenhaus“ erſtellt und ſeiner Beſtimmung übergeben, nachdem es am 22. Mai d. J. von der Großherzogin, deren Namen es trägt, beſichtigt worden war. Außer als Kinderbewahr— anſtalt und Krippe dient das Haus zur Aufnahme der Sophienſchule und der Volksküche des öſtlichen Stadtteils. Zu dieſen Schulhäuſern kommt die Mühlburger Schule, welche 1874 von der Gemeinde Mühlburg erbaut worden war und nach der Eingemeindung im Jahre 1887 mit einem Koſtenaufwande von 44700 Mk. von der Stadt durch einen dritten Stock und eine Turnhalle erweitert wurde. — 808 An Neubauten wurden in dieſem Zeitraume folgende aufgeführt: auf dem Platze vor dem Betſaale im Bahnhofſtadtteile errichtete man im Jahre 1878 mit einem Aufwand von 282000 Mk. ein Volksſchul— gebäude, welches ſpäter die Bezeichnung„Schützenſtraßſchule“ er— hielt und zur Aufnahme der erweiterten Mädchenſchule verwendet wurde. 1880 wurde dann für die Töchterſchule neben der Hebel— ſchule ein zweites großes Schulhaus erſtellt, die heutige„Mark— grafenſchule“. 1881 folgte der Neubau in der Waldſtraße, welcher jedoch im Laufe der Zeit mehr und mehr für die Höhere Mädchen— ſchule verwendet wurde und nur zur Aufnahme einzelner Mädchen— klaſſen der Volksſchule diente. Am 10. September 1883 erfolgte die Ein— weihung des ſtattlichen Neubaues im Waiſenhausgarten, der„Garten— ſtraßſchule“, welche die Bürgerſchule, die Vorſchule und die Handels— ſchule aufnahm. Für den Bahnhofſtadtteil, deſſen Schülerzahl 1885 auf 1971 geſtiegen war, erſtellte man ein neues Schulhaus hinter dem ſchon beſtehenden; der Neubau, welcher am 23. Oktober 1886 feierlich eingeweiht wurde, erhielt ſeine Front gegen die Bahnhofſtraße und wurde ſpäter die„Bahnhofſchule“ genannt. Der Koſten— aufwand betrug 163000 Mk. 1887 wurde mit einem Neubau auf dem Gelände des alten Schlachthauſes in der Leopoldſtraße begonnen; in dieſem Schulhauſe wurden zum erſtenmale Schulbäder eingerichtet. Das Haus, welches ſpäter den Namen„Leopoldſchule“ erhielt, wurde am Geburtstage Peſtalozzis, am 12. Januar 1889 ſeiner Be— ſtimmung übergeben. In demſelben ſind Klaſſen der erweiterten Knabenſchule untergebracht; der Koſtenaufwand betrug 270000 Mk. 1900 erhielt dieſes Schulhaus eine prachtvolle Turnhalle. Für die Oſtſtadt wurde 1891 ein Doppelſchulhaus vor dem Durlachertor an der Karl⸗Wilhelmſtraße begonnen und am 15. Oktober 1892 feierlich eingeweiht; der Koſtenaufwand belief ſich auf 460 500 Mk. Dieſes Schulhaus, die„Karl-Wilhelms-Schule“, bildet eine Zierde der Oſtſtadt; es enthält Knaben- und Mädchenklaſſen der erweiterten Volksſchule. Im engen Zuſammenhange mit den ſtädtiſchen Volksſchulen ſtehen verſchiedene einzelne Schuleinrichtungen, eine Art Nebenanſtalten; dieſelben ſind der Verwaltung des Volksſchulrektorats unterſtellt. Hierher gehören in erſter Reihe die Kaufmänniſche Fortbildungsſchule, die Mädchenhaushaltungsſchulen, die Knabenarbeitsſchulen und die 8 Fortbildungsſchulen. Die Kaufmänniſche Fortbildungsſchule iſt aus der im Jahre 1871 ins Leben gerufenen Handelsſchule hervorgegangen. Den Aufwand für dieſe Schulanſtalt beſtritten an⸗ fangs die Stadt und die Handelskammer des Kreiſes Karlsruhe ge— meinſam, ſpäter die Stadt allein. Im verfloſſenen Zeitraum hat die Schule einige Anderungen und Erweiterungen im Lehrplan erhalten; doch iſt das Schulprogramm ſeit 1871 im weſentlichen gleich geblieben. Nachdem für dieſe Schule auf Grund des Geſetzes vom 15. Auguſt 1898 der Schulzwang eingeführt worden war, mußte eine Neuorganiſation erfolgen; das geſchah durch ein neues Ortsſtatut. Nach demſelben ſind die Handlungsgehilfen und Lehrlinge unter 18 Jahren verpflichtet, dieſe Schule zu beſuchen, ſofern ſie nicht zuvor ſich die Kenntniſſe angeeignet haben, welche in der Kaufmänniſchen Fortbildungsſchule erworben werden. Die Schule umfaßt drei Jahres— kurſe. Sie war zuerſt im Gebäude der Höheren Bürgerſchule, dann im alten Lyzeum untergebracht. 1883 bezog ſie mit der Bürger— ſchule das neue Schulhaus in der Gartenſtraße, wo ſie heute noch untergebracht iſt. Geleitet wurde die Anſtalt ſeit ihrem Beſtehen von Firnhaber, Spies, Baumeiſter, Vogt. Die Lehrer waren ſeither Neben— lehrer. Mit dem Inkrafttreten des neuen Ortsſtatuts erhielt die Schule eigene Lehrer, einen Vorſtand(Vogt) und 4 Reallehrer (Sütterlin, König, Fink und Greiner). Bis zum Jahre 1896 war ſie von 1712 Schülern beſucht worden, d. ſ. im Durchſchnitt 71. Im Jahre 1896 betrug die Schülerzahl 110, 1900 128. Der Handarbeitsunterricht für Mädchen, die ſogenannte In—⸗ duſtrieſchule, wurde durch einen im Jahre 1882 erſchienenen Lehrplan beſonders geregelt. Seitdem wird dieſer Unterricht nur von Lehrerinnen erteilt, die für den Beruf beſonders vorgebildet ſind. Eine weſentliche Unterſtützung hatte die Mädchenarbeitsſchule ſchon 1878 dadurch er— fahren, daß ein von der Großherzogin zur ſtädtiſchen Armenkinderpflege geſtifteter Beitrag von 1000 Mk. zur Errichtung einer Mädchenarbeits— ſchule in der einfachen Volksſchube verwendet wurde. Mit Beginn des Schuljahres 1892/93 wurden unter die obligatoriſchen Unter— richtsgegenſtände der Mädchen-Volksſchule die Haushaltungs— und Kochkurſe aufgenommen, wie ſolche zuvor in Kaſſel eingeführt waren. Es hatten deshalb zwei Lehrerinnen auf ſtädtiſche Koſten an einem Kochſchulkurs in Kaſſel teilgenommen und ſodann, um ihre — 810— Kenntniſſe den hieſigen Verhältniſſen anzupaſſen, auch einen Kurs in der Kochſchule des Badiſchen Frauenvereins beſucht. Zunächſt wurde dieſer Unterricht in der einfachen Mädchenſchule eingeführt und hierfür ein Unterrichtsraum in der Peſtalozziſchule gewonnen. Später wurde der Unterricht als fakultativer auf die oberen Klaſſen der anderen Mädchen— ſchulen ausgedehnt. Die Leitung der Kochſchulen lag anfangs in den Händen der Fräulein Math. Specht, ſpäter der Fräulein Schrickel. Schon 1892/93 wurden ſechs Klaſſen von je 24 Schülerinnen unter— richtet; 1894 wurde der Unterricht erweitert, indem die Zahl der Klaſſen auf 10 vermehrt wurde, wovon 4 der einfachen, 5 der erwei⸗ terten und 1 der Fortbildungsſchule angehörten. 1895 waren es ſchon 13 Klaſſen. Beſondere Erwähnung verdient an dieſer Stelle die ſeit 1876 unter dem Protektorate der Großherzogin ſtehende Sofienſchule. Sie hatte urſprünglich die Aufgabe, ſich mit dem Handarbeitsunterricht der Mädchen überhaupt zu befaſſen; wiederholt erhielt ſie neue Statuten und einen neuen Lehrplan, welcher den an die Ausbildung des weiblichen Geſchlechts geſtellten Anforderungen ent— ſprechen ſollte. 1892 wurde ſie dem Volksſchulrektorate unterſtellt und iſt ſeither der Mädchenarbeitsſchule angegliedert. Bis zum Jahre 1882 war dieſe Anſtalt im Gewerbhaus, dann bis 1891 im ſüdlichen Rathausflügel untergebracht. Mit der im Jahre 1892 voll— zogenen Neuorganiſation bezog die Sophienſchule ihr neues ſchönes Heim im Luiſenhaus, welches an der Stelle des ehemaligen Augarten— ſchulhauſes erſtellt worden war. Die ſtändige Zunahme dieſer Schul— abteilung machte die Verlegung einzelner Klaſſen in das Hildahaus (Scheffelſtraße) und das Mühlburger Schulhaus notwendig. Die Schülerzahl betrug in den letzten Jahren zwiſchen 150 und 180. Die Einrichtung einer Knabenarbeitsſchule iſt der raſt— loſen Bemühung des jetzt noch an derſelben wirkenden Hauptlehrers Jais zu verdanken; derſelbe nahm im Jahre 1880 in Emden an einem Kurſe teil, den der Begründer der Arbeitsſchulen, der däniſche Rittmeiſter a. D. von Clauſon-Kaas perſönlich leitete. Jais veran— ſtaltete nach ſeiner Rückkehr eine Ausſtellung von Arbeiten, welche ſolchen Anklang fand, daß man in den Voranſchlag für 1881 die Mittel zur Gründung einer ſolchen Schule ſtellte. Dieſelbe war 1891 von 104 Schülern beſucht, welche Unterricht in der Hobelbank-, Papp⸗, Metall- und Kerbſchnittarbeit erhielten. 1893 war die Schüler⸗ — 811— zahl auf 340 geſtiegen. Im Schuljahr 1899/1900 wurden 308 Schüler, worunter 146 Volks- und 162 Mittelſchüler, von 3 Lehrkräften in⸗ 18 Abteilungen in dieſem Fache unterrichtet. Die infolge des Geſetzes vom 18. Februar 1874 wieder ins Leben getretene Fortbildungsſchule wurde 1882 für die Knaben und 1889 für die Mädchen inſofern neu organiſiert, als ſämtliche Fortbildungsſchul— klaſſen einem einzigen Lehrer übertragen wurden. Seit 1889 wirkte an der Mädchenfortbildungsſchule Hauptlehrer Maaß, von 1882 bis 1891 an der Knabenfortbildungsſchule Hauptlehrer Aug. Meinzer. Mit Beginn des Schuljahres 1892/93 erfuhr die letztere eine durchgreifende Um— geſtaltung. Nach einem von Hauptlehrer A. Ott ausgearbeiteten Plane wurde die ſeitherige Unterſcheidung der Schüler nach Alters— klaſſen aufgegeben und eine ſolche nach Berufen eingeführt. Dadurch konnte der Unterricht den Bedürfniſſen eines jeden Berufes angepaßt und ein regeres Intereſſe an dieſer Schule geweckt werden. Eine beſonders wohltätige Volksſchuleinrichtung ſind die Ferien— kolonien, welche in dieſem Zeitraum ins Leben traten, und um welche ſich neben dem Stadtſchulrat Specht Generalarzt Dr. Hoff— mann beſonders verdient gemacht hat. Alljährlich können viele arme ſchwächliche Schulkinder in verſchiedenen Abteilungen auf einige Wochen ins ſchöne Murgtal zur Erholung geſchickt werden. Die Mittel hierfür werden auf dem Wege privater Wohltätigkeit aufgebracht, und in der letzten Zeit fanden gut gelungene Wohltätigkeitsaufführungen zu dieſem Zwecke von Schülern der Volksſchule und der Schülerkapelle ſtatt. Die Zahl der Kolonien betrug anfangs(1881) drei, dann fünf, 1900 ſieben. Eine neue Schuleinrichtung ſind auch die in dieſer Periode entſtandenen Nachhilfsklaſſen; ſie wurden im Laufe des Schuljahrs 1888/89 errichtet und haben ſich gut bewährt. Sie haben den Zweck, Kinder, die in der geiſtigen Entwicklung zurück ſind, jedoch nicht zu den Blödfinnigen gerechnet und deshalb vom Unterrichte nicht zurückgewieſen werden können, durch zweckentſprechenden Unterricht zu brauchbaren Menſchen zu machen. Zuerſt war die Zahl der aufzu— nehmenden Schüler ſehr beſchränkt; bald erkannte man die guten Erfolge dieſer Einrichtung und es entwickelte ſich im Laufe dieſer Periode aus den Nachhilfsklaſſen eine beſondere Hilfsſchule, die am Schluſſe des Schuljahres 1899/1900 in 3 Klaſſen 59 Kinder zählte, welche von zwei Hauptlehrern unterrichtet werden. 8 Die Schulſparkaſſe, von der in der Einleitung zu den ſtädtiſchen Schulen geſprochen wurde, wird beſonders viel von der Volksſchule benützt und gerade in dieſer Schulgattung übt ſie am meiſten ihren erzieheriſchen Einfluß aus. Die unter dem Volksſchulrektorate ſtehende, in dieſem Zeitraum gegründete Schülerkapelle iſt aus einer früheren privaten Knaben⸗ kapelle hervorgegangen. Sie hat den Zweck, bei Schulfeſten an vater— ländiſchen Gedenktagen und bei ſonſtigen Veranſtaltungen mitzuwirken. Sie war zu Anfang von Berufsmuſikern geleitet, ſteht jedoch jetzt unter der Leitung von Volksſchulhauptlehrern. Wiederholt haben die beiden Lehrerdirigenten Käſer und Wölfle mit ihren jungen Muſikern bei Feſtlichkeiten große Erfolge errungen. Den Koſtenaufwand für dieſe Einrichtung trägt die Stadt. Um Kindern, deren Eltern den Tag über außerhalb des Hauſes beſchäftigt ſind und daher ſich der Erziehung und Überwachung in ſchulfreien Stunden nicht widmen können, ein Heim zu bieten, wo ſie ihre Schulaufgaben fertigen, ſpielen oder ſich ſonſt zweckmäßig beſchäf— tigen können, wurden Schülerhorte eingerichtet, zuerſt für Knaben, dann auch für Mädchen. Zudem erhalten hier die Kinder ein tüchtiges Veſperbrot, Milch und Schwarzbrot. Der Koſtenaufwand für dieſe ſegensreiche Einrichtung beträgt ca. 3000 Mk. für einen Hort. Auch in ihr zeigt ſich die Fürſorge der Stadtverwaltung gegenüber der Schule. In ſchulhygieniſcher Beziehung hat die Stadt gegenüber der Volksſchule es an nichts fehlen laſſen. Die großen luftigen Schulräume mit zweckmäßiger Beleuchtung geben davon Zeugnis. Vor allem ſind es aber die Schulbäder, welche in faſt allen Schulhäuſern eingerichtet wurden, nachdem im Jahre 1884 Stadtrat Hoffmann der Stadt 1000 Mk. mit der Beſtimmung zur Verfügung geſtellt hatte, daß ein Schulbad eingerichtet werde. Wiederholt wurden ſeitens hervorragender Arzte Unterſuchungen an Schülern vorgenommen, die auf Verbeſſerung und Befolgung ſchulhygieniſcher Vorſchriften abzielten; ſo unterſuchte Augenarzt Dr. Gelpke im Schul⸗ jahr 1888/89 die Augen der Schüler in Bezug auf Weit- und Kurz⸗ ſichtigkeit, um dadurch feſtſtellen zu können, inwiefern die Beleuchtung der Schulräume, die Haltung der Kinder beim Schreiben, die Schrift— richtung u. dergl. zu ändern und zu verbeſſern ſei. — 813— Im Jahre 1878 wurde der beſtehende Leſeverein der Volks—⸗ ſchullehrer zu einer Lehrerbibliothek umgewandelt; die Stadt ſtellte einen jährlichen Zuſchuß von 600 Mk. zur Anſchaffung von Büchern zur Verfügung und überließ derſelben im Rektoratsgebäude einen Leſeſaal, deſſen Heizung, Beleuchtung und Bedienung ebenfalls ſeitens der Stadt übernommen wurden. Es erübrigt noch, die Entwicklung des Volksſchulweſens der Stadt in dieſem Zeitraume ziffernmäßig darzuſtellen. 1875 betrug die Zahl der Volksſchüler 2555, 1880 ſchon 4078 und 1890 hatte ſie ſich gegen 1875 gar verdreifacht mit 7313. Im Jahre 1900 war ſie auf 8653 geſtiegen. Dementſprechend mußte auch die Zahl der Lehrkräfte vermehrt werden; eine Vermehrung derſelben mußte aber auch deshalb eintreten, weil die Zahl der zu gleicher Zeit in einer Klaſſe zu unterrichtenden Schüler wiederholt herabgeſetzt wurde, und man die Unterrichtszeit der verſchiedenen Schulabteilungen, ſo auch der einfachen Volksſchule, nach und nach erweiterte. 1875 zählen wir 40 Lehrkräfte, 17 Hauptlehrer und 23 Unterlehrer, 1880 ſchon 39 Hauptlehrer, 20 Unterlehrer und 16 Unterlehrerinnen, zuſammen 75 Lehrkräfte. 1890 beträgt die Zahl der Lehrkräfte 133, nämlich 73 Hauptlehrer, 13 Hauptlehrerinnen, 34 Unterlehrer und 13 Unter⸗ lehrerinnen. 1900: 84 Hauptlehrer, 20 Hauptlehrerinnen, 48 Unter⸗ lehrer, 18 Unterlehrerinnen, 25 Arbeitslehrerinnen, zuſammen 197. Die verhältnismäßig ſtärkſte Zunahme an Schülen fand bis ungefähr zur Mitte dieſes Zeitraums, alſo vor 1890, ſtatt; von da an hat ſie all⸗ mählich nachgelaſſen. Am Schluſſe dieſes Zeitraums beträgt die Zahl der ſämtlichen Lehrkräfte der ſtädtiſchen Schulanſtalten 323, nämlich 7 Direktoren oder Vorſtände(darunter der Stadtſchulrat und der Rektor der Volksſchule), 34 Profeſſoren, 27 Lehramtspraktikanten, 22 Reallehrer, 3 Lehramtskandidaten, 5 Gewerbeſchullehrer und 2 Ge— werbeſchulkandidaten, 89 Hauptlehrer, 48 Unterlehrer, 10 Mittelſchul⸗ lehrerinnen, 21 Hauptlehrerinnen, 17 Unterlehrerinnen, 2 Zeichen⸗ und 36 Handarbeitslehrerinnen(darunter 4 Haushaltungs⸗ und Koch⸗ lehrerinnen). Außer dieſen ſtaatlichen und ſtädtiſchen Schulanſtalten finden wir in der Stadt mehrere Privatſchuleinrichtungen, welche jedoch unter ſtaatlicher Aufſicht ſtehen und vonſeiten der Stadt mehr oder — 814— weniger Unterſtützung erfahren. Während die Privatſchulen vor Be— ginn dieſes Zeitraums mehr die allgemeine Bildung ihrer Zöglinge im Auge hatten, ſind dieſelben jetzt mehr Fachſchulen geworden, welche für irgend welchen Beruf vorbereiten oder auf den Abſchluß irgend eines Studiums hinarbeiten. Es ſind deshalb jene privaten Schul⸗ inſtitute für das weibliche Geſchlecht, welche Volksſchul⸗ und Mittel⸗ ſchulunterricht erſetzen ſollten, in dieſem Zeitraume faſt ganz ver— ſchwunden, und die beiden großen Inſtitute für die weibliche Jugend, welche privaten Charakter haben, die Viktoriaſchule und das Inſtitut Friedländer, haben den Lehrplan der Mittelſchulen für Mädchen angenommen. Das Konſervatorium für Muſik und die Muſik⸗ bildungsanſtalt ſowie die Malerinnenſchule ſind Fach— ſchulen; das Inſtitut Fecht bereitet zum Examen für den ein— jährig⸗freiwilligen Dienſt vor. Die Schuleinrichtungen des Frauen⸗ vereins, welche ſegensreich für das ganze Land wirken, verdienen ebenfalls erwähnt zu werden. Das Großherzogliche Konſer— vatorium für Muſik wurde am 15. September 1884 unter dem Protektorate der Großherzogin eröffnet; es ſoll Gelegenheit zur gründ— lichen Ausbildung in der Muſik bieten. Es wurden deshalb die in das Gebiet der Muſik einſchlagenden Unterichtsfächer in den Lehrplan auf⸗ genommen. Auch erhielt die Anſtalt 1894 eine Erweiterung durch Begründung einer Theaterſchule, welche unter Leitung des Hofſchau— ſpielers Waſſermann ſteht. Wiederholt wurden ihr Begünſtigungen ſeitens der hohen Protektorin zuteil, ſo 1896 ein neues Statut be⸗ treffs der von der Fürſtin ſchon früher errichteten Stipendienfonds. Anfangs war die Schule im Hauſe Sophienſtraße 11 untergebracht; mit der zunehmenden Vergrößerung wurde 1893 das neue Heim in der Sophienſtraße 35 bezogen. Die Stadt leiſtete dem Konſervatorium einen jährlichen Zuſchuß von 1800, ſeit 1899 von 3000 Mk. Die Schülerzahl betrug 1884 109, 1894 468 und 1900 602. Die Leitung liegt ſeit dem Beſtehen der Anſtalt in der Hand des Direktors Ordenſtein, deſſen umſichtiger Verwaltung das raſche Aufblühen dieſer Anſtalt mitzuverdanken iſt. Die Muſikbildungsanſtalt Karlsruhe hatte in dieſem Zeitraume eine bedenkliche Kriſis durchzumachen. Nachdem ihre Schüler— zahl im Schuljahre 1879/80 auf 280 geſtiegen war, begann die Fre⸗ quenz zu ſinken, ſo daß ſie zeitweiſe nur 200(ſo 1886/87) und im Jahre 188788 ſogar nur 165 betrug. Dieſe Erſcheinung war auf die langjährige Krankheit eines der beſten Lehrer, des Konzertmeiſters Will, ſodann aber auch auf die im Jahre 1884 erfolgte Gründung des Großherzoglichen Konſervatoriums für Muſik zurückzuführen. Nachdem für die muſikaliſche Leitung 1887 in dem Hofmuſiker Ernſt Fritſche eine bedeutende Kraft gewonnen war, wurde der Beſuch der Anſtalt wieder ein beſſerer. Nach Fritſches Tod(1891) über⸗ nahm der Hofpianiſt Rübner die Leitung; die Frequenz ſtieg nun raſch und erreichte im Jahre 1899/1900 die Zahl 404. Vom 1. Oktober 1892 ab wurde für die Schüler, welche den erforderlichen Elementarunterricht abſolviert hatten, und bei denen eine höhere muſi— kaliſche Ausbildung angezeigt erſchien und gewünſcht war, eine höhere Klavierklaſſe mit 2 Jahreskurſen eingerichtet. Wiederholt wurden der Anſtalt Gnadenbeweiſe ſeitens des Großherzogs und der Großherzogin zuteil; ſo wurde ihr den ganzen Zeitraum hindurch die freie Benützung der Räumlichkeiten des Schlößchens im Erbprinzengarten überlaſſen. Im Jahre 1893 wurden die in den Schullokalen notwendig gewor— denen Herſtellungsarbeiten ausgeführt, und 1896 wurde durch die auf Koſten der Großherzoglichen Handkaſſe eingerichtete Gasbeleuchtung einem recht fühlbaren Mangel abgeholfen. Im Oktober 1887 über— trug Geh. Rat von Ungern-Sternberg ſein Amt als Präſi⸗ dent der Anſtalt, dem er 25 Jahre mit großer Fürſorge vorgeſtanden hatte, an Stadtrat Adolf Römhildt und nahm das Amt eines Ehrenpräſidenten an. Als ſolcher blieb er bis zu ſeinem Tode(1895) der Schule ein treuer Beſchützer und Berater. Nach Römhildts Tode übernahm 1891 Stadtrat Ludwig das Präfidinm bis zu ſeinem 1898 erfolgten Ableben. Seit 1898 liegt die Präſidentſchaft der Muſikbildungsanſtalt in der bewährten und kundigen Hand des Ober⸗ ſchulrats Geh. Hofrat von Sallwürk. In den letzten Jahren kamen zu dieſen beiden Muſikbildungsanſtalten mehrere Muſikinſtitute privater Natur, worunter das Pädagogium für Muſik von Theodor Munz, das Inſtitut Kahn und das Inſtitut Rampmeyer beſonders zu nennen ſind. Im Jahre 1885 wurde, um einem lebhaften Bedürfniſſe ent⸗ gegenzukommen, eine Malerinnenſchule als Privatanſtalt er— öffnet; die Großherzogin übernahm das Protektorat. 1886 wurden 91 die Unterrichtsfächer erweitert, indem kunſtgeſchichtliche Vorleſungen und Übungen in der Kompoſition eingeführt wurden. 1888 bezog die Schule die Räume im Gartenſchlößchen, welche durch die Ver⸗ legung der Luiſenſchule frei geworden waren, und 1889 den vierten Stock des Atelierhauſes der Kunſtſchule, welcher eigens für dieſen Zweck dem urſprünglich dreiſtöckig geplanten Hauſe aufgeſetzt worden war. Die Leitung dieſer Anſtalt lag bis zum Jahre 1893 in der Hand des Mitbegründers Maler P. Borgmann; nach deſſen Tode über⸗ nahmen Kemmer und Roman gemeinſam die Vorſtandſchaft. Unter den Lehrern neunen wir M. Petſch, Prof. Lübke, Prof. Bergmann, Döring, Prof. Kanoldt, Kluncker, Plaß, Tyrahn, Amefeder, Groh, Heyn, Krauskopf, Pahlmann, K. Armbruſter, Fr. Lamey, von Petzold, Winterberg. Die Schülerzahl betrug zu Anfang 40, 1895 74, 1900 betrug ſie wieder 40. Zu Beginn dieſes Zeitraums finden wir in Karlsruhe folgende Privatinſtitute für das weibliche Geſchlecht: Inſtitut Derndinger (Waldſtraße 54) mit 6 Klaſſen und 177 Schülerinnen im Alter von 6 bis 16 Jahren; Inſtitut Strauß(Sophienſtraße 11) mit 5 Klaſſen und 152 Schülerinnen in demſelben Alter; Inſtitut der Gräfin Reh⸗ binder(Waldhornſtraße 11) mit 3 Klaſſen und 36 Schülerinnen; Inſtitut Friedländer(Stephanienſtraße 76) mit 6 Klaſſen und 56 Schülerinnen im Alter von 6 bis 18 Jahren; Inſtitut Charpentier (Belfortſtraße 1) mit 2 Klaſſen und 6 Schülerinnen; Inſtitut Trier (Stephanienſtraße 7, zugleich Lehrerinnenſeminar) mit 3 Klaſſen und 53 Schülerinnen. Die Geſchichte dieſer Anſtalten iſt kurz folgende: Das Inſtitut Derndinger ging 1880 in die Viktoriaſchule über. Das Inſtitut Strauß wurde 1880 ebenfalls mit der Viktoriaſchule verſchmolzen. Das Inſtitut Trier wurde zum Lehrerinnenſeminar Prinzeſſin Wilhelm⸗Stift. Die Inſtitute Rehbinder und Charpentier löſten ſich auf. Nur das Friedländer'ſche Inſtitut beſteht noch. Die Viktoriaſchule, welche aus dem ehemaligen Privat— inſtitut Derndinger hervorgegangen war, erhielt 1880 ihre neue Ge— ſtaltung durch die Großherzogin, in deren Beſitz ſich die Schule ſeit 1. Mai 1880 befand. Noch im gleichen Jahre erhielt die Anſtalt einen Zuwachs durch die Einverleibung des Privatinſtituts des Frl. Strauß. Die Räume dieſes Inſtituts wurden nun ebenfalls für die Viktoriaſchule in der Weiſe verwendet, daß das Penſionat derſelben in dem Hauſe Sophienſtraße 11 in zweckentſprechender Weiſe unter⸗ gebracht, das Haus Waldſtraße 56 dagegen ausſchließlich in Unter— richtslokale umgeſtaltet wurde. Statt der ſeitherigen 6 Klaſſen, von denen die 4 obern je zwei Jahrgänge umfaßten, wurden nun 10 Klaſſen mit einjähriger Unterrichtszeit gebildet. Der Unterrichtsplan wurde demjenigen für Höhere Mädchenſchulen genähert. Auch wurde ein Fortbildungskurs angefügt. Die ſtete Ausdehnung des Penſionats, welches von Anfang an mit der Anſtalt aufs engſte verbunden und mit ſeinen Wohnräumen ganz in deren Nähe untergebracht war, ver— anlaßte die Großherzogin, für dasſelbe ein eigenes Haus(Kaiſer— ſtraße 241) zu erwerben und einzurichten. Dasſelbe wurde im Herbſt 1884 bezogen. Mit der ſtarken Zunahme von Schülerinnen und Penſionärinnen war eine Teilung der Leitung notwendig ge— worden. Die ſeitherige Leiterin der ganzen Schule, Frl. Schnee— mann, behielt die Leitung des Penſionats, während für die Schule ſelbſt Frl. Jüngſt die Leitung übernahm. Im Lehr- und Unter— richtsplane traten im Verlaufe der Zeit verſchiedene Erwei— terungen ein; ſo wurde 1898 ein Kurs für Haushaltungskunde und Kochen eingerichtet und Frl. Math. Specht damit betraut. Die Schülerzahl betrug 1880 209, 1890 237, 1900 267. Das Privatinſtitut Friedländer erhielt im Beginn dieſes Zeitraums ſein neues Heim in der Stephanienſtraße 74. Dadurch war das ſeitherige Hindernis einer weiteren Entwicklung der Anſtalt weggeräumt. Lehrplan und Unterrichtszeit wurden weſentlich er— weitert; erſterer iſt nach dem Normallehrplan der Höheren Mädchen— ſchulen organiſiert. An die 5 obern Klaſſen, welche Doppeljahres⸗ kurſe bilden, ſchließen ſich eine Selekta und ein Seminar zur Ausbildung von Lehrerinnen an. Die ſtarke Entwicklung dieſes Inſtituts, das in dieſem Zeitraume unter der Leitung der beiden Fräu— lein R. und A. Friedländer ſtand, zeigt die Frequenzzunahme. Im Jahre 1878 war die Anſtalt von 72, 1888 von 85, 1895 von 125 und 1900 von 146 Schülerinnen beſucht. Das Inſtitut Fecht, 1874 als Privatunterrichtsanſtalt in Pforzheim unter der Leitung des Premierleutnants a. D. Fecht be— gründet, wurde 1878 nach Karlsruhe verlegt. Es hat den Zweck, junge Leute für das Einjährig-Freiwilligen-Examen, für die Aufnahme in eine Mittelſchule oder Kadettenſchule, ſowie für das Primaner— 52 WWA2WCCCCCC.˖.˖C˖C˖C.CCCCR ——**3E4— 818 und das Portepeefähnrichsexramen und die Seekadettenprüfung vorzu— bereiten. Eine bewährte Leitung und tüchtige Lehrkräfte haben die Anſtalt, die ein ſehr ſchönes Heim in der Kriegſtraße hat, gute Er— folge und mit ihnen einen vortrefflichen Ruf verſchafft. Gegen 500 junge Leute holten ſich ſeit der Gründung in dieſem Inſtitut die Berechtigung zum Einjährig-Freiwilligen-Dienſte. Zu den privaten Unterrichtsanſtalten ſind dann auch jene zu rechnen, welche ſich mit dem Unterrichte und der Erziehung der Kinder im vorſchulpflichtigen Alter befaſſen; es iſt in Karlsruhe eine ſehr große Zahl ſolcher Einrichtungen unter verſchiedenen Namen geſchaffen worden. Schon 1871 war ein Kindergarten ins Leben gerufen worden; derſelbe fand die Unterſtützung des Fröbel— vereins und wurde ſo ſtark in Anſpruch genommen, daß ſchon 1877 ein zweiter Kindergarten im Bahnhofſtadtteil errichtet wurde. Im Jahre 1900 ſind es ſchon 4 ſolcher Anſtalten. Die im vorigen Zeitraum errichteten Kleinkinderbewahranſtalten wurden ſeit 1875 weſentlich erweitert und vermehrt, wie auch den Klein— kinderſchulen, deren Anzahl auf 6 geſtiegen iſt, beſondere Für— ſorge zuteil geworden iſt. In engſter Beziehung zur Stadt ſtehen die ſegensreichen Schul— einrichtungen des Badiſchen Frauenvereins, deren Zweck die Ausbildung des weiblichen Geſchlechts und die Fürſorge ſür ſeine Erwerbsfähigkeit iſt. Die neu entſtandenen Schulanſtalten des Ver— eins in hieſiger Stadt ſind folgende: Kurſe zur Ausbildung von Handarbeitslehrerinnen, das Seminar zur Ausbildung von Haus— haltungslehrerinnen, die Luiſenſchule, die Haushaltungsſchule des Friedrichsſtifts, die Schule für Kunſtſtickerei, die Frauenarbeitsſchule, die Handelsſchule, die Anſtalt zur Ausbildung von Kinderpflege— rinnen, die Flickſchule, die Kochſchule. Es würde zu weit führen, wollte man die Geſchichte jeder dieſer Anſtalten ins einzeluſte ver— folgen; zudem ſteht ſie mit der Geſchichte des Badiſchen Frauen— vereins im engſten Zuſammenhange. Großherzogin Luiſe, die Protek— torin und Förderin aller dieſer wohltätigen Schuleinrichtungen, hat ſich in ihnen ein unſterbliches Denkmal ihrer hochherzigen Geſinnung geſetzt. Eine der Anſtalten, welche ihren Namen trägt, ragt vor den andern hervor, weshalb deren Geſchichte kurz hier folgen möge. Auf Anregung der Großherzogin wurde im Jahre 1873 urſprünglich als Jahig nutch d j1wutaipain uurvutaautung jarn aagavfchorſch 819— Fortbildungsſchule für hieſige Mädchen die Luiſenſchule gegründet. Der Zudrang zu dem mit der Schule verbundenen Penſionate hatte die Anſtalt in kurzer Zeit ſo erweitert, daß 1880 eine Teilung nötig wurde. Es wurde deshalb für Mädchen aus hieſiger Stadt die Frauenarbeitsſchule errichtet. Oſtern 1885 wurde die Be— ſtimmung getroffen, daß die Luiſenſchule fortan nur noch als Penſionat die zugleich daſelbſt wohnenden Zöglinge aufnehmen ſolle. Nachdem an Stelle des Gartenſchlößchens, wo die Anſtalt unter— gebracht war, die Errichtung eines Palais für das Erbgroßher— zogliche Paar in Ausſicht genommen worden war, mußte ein eigenes Heim für die Luiſenſchule gegründet werden. Die Geld— mittel hierfür wurden durch eine Sammlung und durch eine Anleihe beſchafft. Am 15. November 1886 fand die Überſiedelung ſtatt, am 6. Dezember der Weiheakt in Anweſenheit des Hofs, der Vertreter der Regierung und der Stadt. Das neue Gebäude, welches in der Leopoldſtraße liegt, zeichnet ſich durch eine ſehr geſunde und freie Lage aus und bietet genügenden Raum für die Penſionatszöglinge, deren Zahl zur Zeit 85 beträgt. Am 10. Juni 1899 feierte die Luiſenſchule das Feſt ihres 25jährigen Beſtehens, an welchem außer der Großherzogin und vielen Gäſten über 500 ehemalige Schülerinnen teilnahmen. Kirchliche Angelegenßeiten.“) Die Generalſynode der evangeliſch-proteſtan⸗ tiſchen Kirche des Großherzogtums Baden tagte in den Jahren 1876, 1881/82, 1886, 1891, 1892, 1894 und 1899. Aus der Stadt Karlsruhe gehörten der Synode als geiſtliche Mitglieder Dekan D. Zittel(1876, 1881/82, 1886, 1891/92) und Oberhof— prediger und Dekan D. Helbing(1894 und 1899); als weltliche Mitglieder Oberſchulrat Armbruſter(1876, 1881/82, 1886), Senats⸗ präſident Pr. K. v. Stößer(1891/92, 1894, 1899), Geheimerat Helm(1894) und Profeſſor Dr. Thoma(1899) an. Die wichtigſten Gegenſtände von allgemeinem Intereſſe waren folgende: Auf der erſten Synode 1876(Präſident: Geheimerat ) Vergl. oben Seite 405 ff. S 1 * — 3830 Bluntſchli), der einſtimmige Beſchluß, der Oberkirchenrat möge eine engere Verbindung der deutſchen evangeliſchen Landes— kirchen in der Weiſe anbahnen, daß die beiden Feſte, Reformations— feſt und Bußtag, als deutſche evangeliſche Feiertage wenn möglich an Sonntagen gefeiert werden; die vorläufige Genehmigung der vom Oberkirchenrat umgearbeiteten Kirchenbücher von 1855, bibliſche Geſchichten, Agende und Katechismus, mit einigen von der Kommiſſion vorgeſchlagenen Abänderungen; die neue Regelung der Erhöhung der Pfarrgehalte nach endlich erreichtem Staats— zuſchuſſe von jährlich 200 000 Mk. in der Richtung, daß ſtatt der bisherigen Einteilung der Pfarreien nach Einkommensklaſſen nun das Dienſtalter der Pfarrer nach 7 Stufen mit geeigneter Erhöhung der Sätze bis zum Höchſtbetrag von jährlich 4000 Mk. zu Grund gelegt wird; ferner die durch eine Reſolution erfolgte dringend wiederholte Empfehlung der Einführung des kirchlichen Selbſtbeſteuerungsrechts. Auf der zweiten Synode 1881/82(Präſident: Geheimerat Bluntſchli), die Verlegung des Reformationsfeſtes, in Baden ſeit 1835 in Erinnerung an die Übergabe der Augsburger Konfeſſion am letzten Juni-Sonntag gefeiert, auf den nächſten Sonntag nach dem 30. Oktober zur Erinnerung an den Anſchlag der 95 Theſen; die Beſchränkung der Pfarrwahl durch die Kirchengemeinde dadurch, daß von der in einem Jahre zur Gemeindewahl verfügbaren Pfarreien deren 6 vom Großherzog unmittelbar auf die Dauer von 5 Jahren beſetzt werden können(ſog. diskretionäre Ernennung); die Übertragung der Verwaltung des ev. Pfründevermögens, die nach§ 92 Ziffer 4 der Kirchenverfaſſung den Pfarrern unter Auf— ſicht des Kirchengemeinderats obgelegen, an die Zentralpfarrkaſſe; die Beſtellung von zwei, aus je fünf Mitgliedern beſtehenden Kom— miſſionen zur Prüfung der vom Oberkirchenrat vorgelegten Kirchen— bücher, eines Leitfadens zum evangeliſchen Religionsunterricht(Kate— chismus) und eines Geſangbuchs, und die Aufſtellung gewiſſer Leit— ſätze, beim Geſangbuch insbeſondere auch bezüglich der Choräle. Auf der dritten Synode 1886(Präſident: Geheimerat, Dr. Lamey) die Zuteilung der evangeliſchen Kirchengemeinde Mühlburg an das evang. Dekanat Karlsruhe-Stadt; der Beſchluß, das neue Geſangbuch allgemein und ausſchließlich innerhalb Jahresfriſt, von der Verkündigung dieſes Geſetzes an, in der Landes⸗ kirche in Gebrauch zu nehmen; die Zuſammenſtellung und Neuord⸗ nung der weſentlichſten neben der Kirchenrats-Inſtruktion von 1797 und der Promotionsordnung von 1794 noch geltenden Vorſchriften über die Rechte und Pflichten der Geiſtlichen, insbeſondere bezüglich der Ruhegehalte, des Disziplinarweſens, hier mit Einräumung einer weit⸗ gehenden Mitwirkung des Generalſynodalausſchuſſes durch das Geſetz über die Dienſtverhältniſſe der Geiſtlichen der evangel. proteſtant. Landeskirche, ſchließlich das an den Oberkirchenrat dringend und wiederholt gerichtete Erſuchen, bei der Großh. Staatsregierung ſich nachdrücklichſt dahin zu verwenden, daß ein Geſetz über zwangs— weiſe Erhebung kirchlicher Umlagen baldtunlichſt erlaſſen werde. Auf der vierten Synode 1891(Präſident: Geheimerat Dr. Lamey) mehrfache Abänderungen der Kirchenverfaſſung und Wahlordnung, hauptſächlich durch das ſtaatliche Geſetz vom 26. Juli 1888 über die örtliche Kirchenbeſteuerung und zum Zwecke der Übereinſtimmung mit demſelben; eine übereinſtimmende Erklärung zwiſchen der Kirchenregierung und der Generalſynode dahin, daß alle mit Penſion verabſchiedeten Offiziere, welche zur evangel. Landeskirche gehören, als Mitglieder der evangeliſchen Zivilgemeinde mit allen Rechten und Pflichten zu betrachten ſeien; die auf die Vorlage des Oberkirchen— rats, die Bildung abgegrenzter Pfarrbezirke in Kirchen— gemeinden mit mehreren Pfarrern— unter Hinweiſung auf die in Karlsruhe beſtehende Bezirks-Einteilung und Seelſorge-Ordnung— erfolgte Erklärung der Generalſynode, daß ſie damit einverſtanden ſei und den Oberkirchenrat erſuche, darauf hinzuwirken, daß in jenen Ge— meinden unter Berückſichtigung der örtlichen Verhältniſſe und nach allgemeiner Maßgabe der ausgeſprochenen Grundſätze die bezeichnete Bildung herbeigeführt werde; ferner die Erklärung der Generalſynode, ſie erachte die Beſeitigung der noch üblichen Stolgebühren für geboten und erſuche den Oberkirchenrat, einen Geſetzentwurf in dieſer Richtung bis zur nächſten Generalſynode vorzulegen, falls ſchon vor dieſem Zeitpunkte einzelne Kirchengemeinden die Beſeitigung be⸗ ſchließen, die Sache zu prüfen und zur Ausführung zu genehmigen, ſowie ſchließlich bei der Großh. Staatsregierung darauf hinzuwirken, daß durch eine Erklärung oder durch ein ſtaatliches Geſetz die Ver⸗ wendung von aus örtlicher Kirchenſteuer fließenden Mitteln zur Ent⸗ ſchädigung der Pfarrer für aufgehobene Stolgebühren als zuläſſig bezeichnet werde. Auf der fünften, außerordentlichen Synode 1892 (Präſident: Geheimerat Dr. Lamey) erfolgte die Genehmigung der Vorlagen des Kirchenregiments bezüglich der durch das Geſetz vom 18. Juni 1892 die Beſteuerung für allgemeine kirchliche Bedürf— niſſe betr. gebotene Abänderung der Kirchenverfaſſung, der Wahlord— nung und Wahlbezirkseinteilung für die Wahlen zur Generalynode ſowie der Geſchäftsordnung für dieſelbe. Auf der ſechſten Synode 1894(Präſident: Senatspräſident Dr. K. v. Stößer), die erſtmalige verfaſſungsmäßige Tätigkeit der Steuerſynode neben der Vollſynode und die Annahme des„die allge— meinen kirchlichen Ausgaben für 1895/99 und deren Deckungsmittel“ betreffenden Geſetzentwurfs durch beide. Der Haushalt der evan— geliſchen Kirchengemeinde Karlsruhe erhielt nach Inkrafttreten des Orts— kirchenſteuergeſetzes vom 26. Juli 1888 eine ſehr erhebliche Ausdehnung, indem die Kirchengemeindeverſammlung vom 19. Juni 1891 beſchloß, zur Deckung des Aufwandes für kirchliche Bauten, beim Mangel ander— weitiger Mittel, vom Jahr 1891 ab Kirchenſteuer zu erheben. Nach dem erſtmals für die Jahre 1891/92 aufgeſtellten Voranſchlag bezifferte. ſich bei einer Seelenzahl von 34 481 Evangeliſchen und rund 10000 Steuerpflichtigen die Geſamtſumme der zur örtlichen Kirchenſteuer bei— zuziehenden Steuerkapitalien und Steueranſchläge auf 145 809 590 Mk. und das jährliche Steuererträgnis hieraus, unter Zugrundelegung eines Steuerfußes von 3 Pfg. von 100 Mk. Steuerkapital, auf 43 717 Mk. 94 Pfg. Nach dem Voranſchlag der allgemeinen Kirchenſteuer für 1895—1899 waren jährlich 373 476 Mk. durch Beſteuerung gemäß dem Staatsgeſetz vom 18. Juni 1892 aufzubringen und es wurden zu dieſem Zweck erhoben von je 100 Mk. Kapitalrenten— ſteuerkapitalien 1 Pfg. Grund⸗, Häuſer- und Gewerbeſteuerkapitalien 1,5 Pfg.; Einkommenſteueranſchläge 20 Pfg.; Grund-, Häuler⸗ und Gewerbeſteuerkapitalien der Auswärtigen 1,5 Pfg. Infolge der erſtmals im Jahr 1895 erhobenen allgemeinen Kirchenſteuer wurden die finanziellen Verhältniſſe der evangeliſchen Kirche auf eine zwar immerhin noch ſchmale, doch ſichere Grundlage geſtellt. Schon für dieſe Periode konnten nach den vom Oberkirchenrat vorgelegten und von der Generalſynode genehmigten Geſetzen das Dienſteinkommen der 2 Pfarrer in den 7 Dienſtklaſſen auf anfänglich 1800 Mk. und ſchließlich 4200 Mk. erhöht werden, ſowie die Beträge für die Hinterbliebenen⸗ Verſorgung der Geiſtlichen eine mäßige Aufbeſſerung erfahren; der dem letzten Generalſynodalbeſchluß entſprechende Geſetzentwurf über Ablös⸗ barkeit der Stolgebühren gegen eine jährliche Rente im Durch— ſchnittsbetrage der letzten 5 Jahre und Verbot jeglicher Annahme von Geſchenken an ihrer Stelle durch die Geiſtlichen wurde angenommen. Auf der ſiebenten Synode 1899(Präſident: Senats⸗ präſident Dr. K. v. Stößer) Eröffnungsrede des Präſidenten des Evang. Oberkirchenrats, Dr. Wielandt, mit Erwähnung des 400. Ge— burtstages des Reformators Philipp Melanchthon und der Einweihung der Erlöſerkirche in Jeruſalem durch den deutſchen Kaiſer als einer für die Kirche wie für ganz Deutſchland hochbedeutſamen Feier, Vereinbarung der Geſetze über die Erhöhung der Ruhegehalte der Geiſtlichen, ſowie über die Einkommensverhältniſſe der evangel.-proteſtant. Pfarrer. Als ordentliche Mitglieder des Oberkirchenrates ſind zu verzeichnen: die Präſidenten: Dr. Ludwig v. Stößer und Dr. Wielandt; die Prälaten: D. Holtzmann, I). Doll und D. Schmidt; die Oberkirchenräte: Spohn, Behaghel, Faißt, Schellenberg, Ströbe, Gilg, Bujard, Frantz, Henriei, Schenk, Ganz, Ohler und. Zäringer. Als außerordentliche Generalſynodalausſchuß— Mitglieder des Oberkirchenrates wurden ſeit 1871— einzelne mehrmals— berufen die Herren: Doll, Dr. Lamey, Otto Schellenberg, Kiefer, Schmidt, Rudolf Schellenberg, Bluntſchli, Para⸗ vicini, Dr. K. v. Stößer, Bechtel, DD. Zittel, Greiner, D. Helbing, Bähr, Stein, Viſcher, Ruckhaber, JD. Baſſermann, Fingado, Salzer, Dürr, Bauer und Ströbe. Das Leben und die Entwicklung der Kirchengemeinde war— außerordentlich bewegt und mannigfach.“) Beſonderer Erwähnung bedarf hier die mit dem 1. September 1891 in Wirkſamkeit ge⸗ *) Über die kirchlichen Angelegenheiten und die mit der Kirche zuſammen⸗ hängende Vereinstätigkeit u. ſ. w. gibt das vom Kirchengemeinderat heraus⸗ gegebene Kirchenblatt 1874—1900 erſchöpfende Auskunft. tretene und vom Oberkirchenrat und der Generalſynode zur Nach— bildung empfohlene„Bezirkseinteilung und Seelſorgeord— nung der evangel.⸗proteſtant. Gemeinde Karlsruhe“. Derſelben zufolge wurde die evangel. Gemeinde der Reſidenz— ſtadt— der weſtlich des Schwimmſchulweges gelegene Teil der politiſchen Gemarkung bildet eine ſelbſtändige Kirchengemeinde— in 5 Bezirks— pfarreien(Hof- Oſt⸗, Mittel-, Weſt- und Südpfarrei) mit je einem Bezirkspfarrer eingeteilt mit der Beſtimmung, daß die Seel— ſorge jeder Art, insbeſondere auch die vornahme von Taufen, Trauungen und Beerdigungen, der Konfirmandenunterricht und die kirchliche Armen- und Krankenpflege für die Gemeindeglieder und ihre Familien— angehörigen ſeines Bezirks Recht und Pflicht des Bezirkspfarrers iſt. Von allen in ſeinem Bezirke vorkommenden Amtshandlungen ſoll er Kenntnis erhalten, die Gemeindeglieder eines Bezirks haben ſich in allen Angelegenheiten der Seelſorge an den Pfarrer ihres Bezirks zu wenden. Die Wahl eines anderen Seelſorgers kann nur durch Ab— meldung von dem Bezirkspfarrer und durch Anmeldung bei dem ge— wählten Geiſtlichen erfolgen. Zur Unterſtützung der Pfarrer wurden zwei Vikariate neu errichtet, ſo daß hier nunmehr deren fünf beſtehen; einem der Vikare wurde im Jahre 1898 die als notwendig erkannte Paſtoration der Genoſſenſchaft Beiertheim-Bulach übertragen. Als Seelſorger ſind zu nennen Oberhofprediger D. Doll und D. Helbing für die Hofpfarrei; Stadtpfarrer Zimmermann, Schmidt und Mühlhäußer für die Pfarrei der Kleinenkirche (Oſtſtadt); Stadtpfarrer D. Zittel und Rapp für die Pfarrei der Stadtkirche(Mittelſtadt); Stadtpfarrer Längin und Rhode für die Pfarrei der Neuſtadt(Weſtſtadt); Stadtpfarrer D. Brückner für die Pfarrei der Augartenvorſtadt(Südſtadt); Militärober⸗ pfarrer Schmidt und Fingado für die Militärgemeinde. Jnfolge der Bevölkerungszunahme wurde im Jahre 1900 eine Teilung der Oſtpfarrei in die Pfarrei der Oſt- und Neuoſtſtadt vollzogen. Zu letzterer gehören alle außerhalb des ehemaligen Durlachertores einſchließlich der Kapellenſtraße wohnenden Evangeliſchen; die Ver— waltung dieſer Pfarrei wurde bis zu deren endgiltiger Beſetzung dem Stadtvikar Friedrich Manz übertragen. Anſchließend an die geord— nete Seelſorge verdient das im Jahre 1889 ins Leben gerufene und Geiſtlicher Rat Joſ. Benz. ſeitdem durch Gründung neuer Stationen immer wachſende Werk der evangeliſch-kirchlichen Gemeindepflege beſonders hervor— gehoben zu werden. Nebſtdem erweiſt ſich die kirchliche Armen— und Krankenpflege, welche in jeder der 5 Pfarreien beſteht und bei deren Ausübung den betreffenden Geiſtlichen Diakone(Gemeinde— helfer) zur Seite ſtehen, als überaus ſegensreich. Außer den ſo dringend notwendigen, aber auch reichlich fließenden mildtätigen Zu— wendungen an Geld und Naturalien von privater Seite, leiſtet die Ortskirchenkaſſe für die Armen- und Krankenpflege einen jährlichen Zuſchuß, der 1876 1400 Mk. und 1889 über 2000 Mk. betrug. Im Jahre 1899 betrug bei 38 817 Evangeliſchen und rund 12000 Steuerpflichtigen die Geſamtſumme der örtlichen Steuerkapitalien 193 646751 Mk. und das Steuererträgnis hieraus: 58 236 Mk. 33 Pfg. Aus dem Steuererträgnis der Jahre 1891/99 wurden u. a. verwendet*): für den Neubau der Johanneskirche rund 100000 Mk.; für Einrichtung einer Gasbeleuchtung in der Stadtkirche rund 10000 Mk.; für die Vorarbeiten wegen Erſtellung einer Kirche in der Weſt— ſtadt rund 16000 Mk.; für Herſtellung von 2 Konfirmandenſälen 25 000 Mk.; für den Neubau eines Pfarrhauſes in der Weſtſtadt 80 000 Mk; für Neuherſtellung der Kleinenkirche und Erweiterung der Orgelempore in der Johanneskirche 25000 Mk.; für Erwerbung des Anweſens Luiſenſtraße 53(bei der Johanneskirche) 20 800 Mk. Die katholiſche Kirchengemeinde Karlsruhe erhielt am Schluſſe dieſes Zeitabſchnittes eine neue Pfarreieinteilun g, die übrigens zum Teil erſt im 20. Jahrhundert in Wirkung trat. J. Die Pfarrei St. Stephan umfaßt den inneren Stadtbezirk zwiſchen der Mittellinie der Kronen-, Brauer- und Weſtendſtraße und der Hauptbahnlinie. Pfarrer war bis zu ſeinem Tode am 20. No⸗ vember 1898 Geiſtlicher Rat Joſef Benz(ſodann Pfarrverweſer Valentin Pfennig); vom 10. Auguſt 1899 bis zu ſeiner wegen Krank— heit am 15. März 1900 erfolgten Penſionierung Adam Halbig (während deſſen Krankheit und bis zur Wiederbeſetzung der Pfarrei Pfarrvikar bezw. Pfarrverweſer Georg Layer bis Auguſt 1900, dann proviſoriſch Geiſtlicher Lehrer Jeſter); vom 30. September 1900 an über den Neubau zweier evangeliſchen Kirchen ſiehe oben 670 u. 671. 826— Anton Knörzer. 4 Kapläne.— II. Pfarrei zu unſerer lieben Frau, Kuratie ſeit Dezember 1891, Pfarrei ſeit Auguſt 1901. Pfarrbezirk der Stadtteil ſüdlich der Hauptbahnlinie und Rüppurr. Kurat bezw. Pfarrer: Konſtantin Brettle. 2, ſeit Auguſt 1898 3 Kapläne.— III. Kuratie ad 8. Bonifatium ſeit Dezember 1898. Umfang: Mittellinie Weſtend-, Brauer-, York- und Blücherſtraße und Gemeinde-Grenze Beiertheim. Kurat: Auguſt Link. 1 Kaplan. — IV. Kuratie ad B. Bernardum ſeit Oktober 1901. Gründung der Pfarrei ein Werk durch Anſammlung eines Grundſtocks. Grenzen: Mittellinie der Kronenſtraße, Schloßplatz, Hauptbahnlinie, Gemeinde— grenze von Durlach. Hiezu gehören Hagsfeld und Rintheim. Kurat: Auguſt Heinrich Stumpf. 2 Kapläne.— V. Pfarrei ad. 8S.8. Petrum et Paulum. Bezirk: Stadtteil Mühlburg, öſtlich davon der Stadtteil bis zur Mittellinie der Pork- und Blücherſtraße. Der Stadtteil Mühlburg wurde vom 25. Dezember 1886 bis 12. Januar 1887 von dem geiſtlichen Lehrer Albert in Karlsruhe paſtoriert. Kuraten: Michael Hehn ſeit 12. Januar 1878, Karl Graf ſeit 1. Oktober 1889, Auguſt Baumeiſter ſeit 27. April 1893, Friedrich Iſemann ſeit 26. Juli 1897. Erhebung zur Pfarrei März 1899. Friedrich Iſemann Pfarrer ſeit Juni 1902. 1 Kaplan. Im Juni 1900 wurde die Errichtung einer Vikarsſtelle genehmigt. Im Jahre 1880 ergab ſich die Notwendigkeit, gründliche Reſtau— rationsarbeiten des Außern und Innern der St. Stefanskirche vorzunehmen; mit denſelben wurde am 3. November begonnen. Wäh— rend der Reſtauration des Gotteshauſes wurde zuerſt der Pfarrgottes— dienſt in den Kapellen des St. Vineentiushauſes und des alten Friedhofes abgehalten, ſpäter in der vom Stadtrat unentgeltlich über— laſſenen Ausſtellungshalle eine Notkirche eingerichtet. In der reſtau— rierten Kirche wurde am 9. September 1882 wieder der erſte Gottesdienſt abgehalten. Die Reſtauration hatte der fürſtlich Fürſten— bergiſche Baurat Kerler geleitt.— Im Mai 1890 begann der Bau der Liebfrauenkirche in der Südſtadt, abgeſehen von der im Jahre 1845 von Eiſenlohr erbauten Friedhofkirche, des erſten Bau⸗ werks gothiſchen Stiles in der Reſidenzſtadt. Der bauleitende Architekt war Jakob Schmitt. Am 8. Dezember 1891 fand in dieſer Kirche, nach vorausgegangener Benediktion durch Dekan Benz, der erſte Gottes— dienſt ſtatt. Am 16. Oktober 1892 wurde ſie in Gegenwart des— Wiiie ileee 8 Großherzogs, der Großherzogin, ſtaatlicher, ſtädtiſcher und kirchlicher Vertreter durch den Erzbiſchof von Freiburg Dr. Ross feierlich kon— ſekriert.— Im Mai 1896 wurde in der Goetheſtraße mit die der St. Bonifatiusverein bewilligt hatte, ein Bauplatz für die zi errichtende Bonifatius-Kirche angekauft. Der Bau der 11 zu errichtenden Notkirche begann am 26. Juli, die Benediktion der— ſelben fand am 27. November 1898 ſtatt.— Der erſte Spatenſtich zum Bau der Bernharduskirche geſchah am 16. Mai 1895, die feierliche Grundſteinlegung in Anweſenheit des Hofes, der Staats⸗ und Stadtbehörden, durch den Weihbiſchof Knecht am 29. Juni 1896. Bis zur Vollendung der Kirche, welche im gothiſchen Stile durch den erzbiſchöflichen Baudirektor Meckel erbaut wurde, fand ſeit 17. September 1899 der ſonntägliche Gottesdienſt für den Kuratie— bezirk in einem Schulzimmer der Karl Wilhelmſchule ſtatt. Am 20. Oktober 1901 wurde die Kirche durch den Geiſtlichen Rat Knörzer benediziert und der erſte Gottesdienſt in derſelben abgehalten; am 26. Oktober 1902 erfolgte die Konſekration durch den Erzbiſchof Thomas Nörber von Freiburg.— Die St. Peter und Pauls—⸗ kirche im Stadtteil Mühlburg war nach den Plänen und unter der Leitung des erzbiſchöflichen Bauinſpektors, Baurat Williard erbaut worden. Am 25. Dezember 1886 fand in dieſer Kirche der erſte Gottesdienſt ſtatt, nachdem die Weihe der Glocken am 20. Dezember vorgenommen worden war. Am 9. Mai 1889 wurde die Kirche durch den Erzbiſchof von Freiburg, Johannes Chriſtian Roos, feierlich e Im Laufe der Jahre 1875 bis 1900 wurden in der St. Stephans⸗ kirche feſtliche Gottesdienſte bei verſchiedenen Anläſſen abgehalten, die nicht mit kirchlichen Feiern im eigentlichen Sinne zuſammenfielen. So am 12. Mai 1878 ein Dankgottesdienſt wegen des Fehlſchlagens des von Hödel verübten Attentates auf Kaiſer Wilhelm I.; am 15. Juni 1879 ein Hochamt zur Feier der goldenen Hochzeit des Kaiſers Wilhelm; am 5. Juli 1886 ein Requiem für König Ludwig II. von Bayern; am 16. März 1888, nach dem Ableben des Kaiſers Wilhelm, eine Predigt und ein darauf folgendes Amt, am 24. Juni 1888 ein entſprechender Gottesdienſt aus Anlaß des Todes Kaiſer Friedrichs III.; am 7. Februar 1889 ein Requiem für Kronprinz Rudolf von Oſter⸗ reich, am 9. September ein von Weihbiſchof Dr. Knecht eelebriertes Pontifikalamt aus Anlaß des 70. Geburtstages des Großherzogs Friedrich; am 26. Dezember 1887 ein Feſtgottesdienſt aus Anlaß des 50jährigen Prieſterjubiläums des Papſtes Leo XIII.; dieſem folgte am Nachmittag ein Feſtakt im großen Saale der Feſthalle, bei welchem Profeſſor Franz Kaver Kraus die Feſtrede hielt; am 19. Feb⸗ ruar ein Feſtgottesdienſt anläßlich des goldenen Biſchofsjubiläums desſelben Papſtes; am 10. Auguſt 1881 ein Requiem für Erzbis⸗ tumsverweſer Dr. Lothar Kübel; am 16. Juli 1882 ein Dankgottes⸗ dienſt anläßlich der Konſekration des Erzbiſchofs Pr. Orbin und am 14. April 1886 ein Requiem für denſelben; am 20. September die feierliche Begrüßung des Erzbiſchofs Pr. Roos in der St. Stephans⸗ kirche; am 3. November 1896 wurde nach deſſen Ableben das Requiem für ihn, am 16. Mai 1898 das Requiem für Erzbiſchof Dr. Komp, am 10. November 1898 die feierliche Begrüßung des Erzbiſchofs Dr. Nörber, am 7. Auguſt 1888 die gottesdienſtliche Feier des 40 jährigen Prieſter-, am 25. September 1897 des 25jährigen Pfarr⸗, am 10. Auguſt 1898 des 50jährigen Prieſterjubiläums des Dekans, Geiſtlichen Rats Benz. Am 3. Juli 1877 erteilte Erzbistumsverweſer Dr. Kübel, am 9. und 10. Mai 1889 und am 17. und 18. Oktober 1892 Erzbiſchof Dr. Roos, am 31. Oktober 1895 Weihbiſchof Dr. Knecht und am 22. September 1899 Erzbiſchof Dr. Nörber einer großen Zahl von Firmlingen das hl. Sakrament der Firmung. Die hohen kirchlichen Würdenträger wurden jeweils bei ihrer Ankunft und bei ihrer Abreiſe von der katholiſchen Gemeinde feierlich empfangen und zum Bahnhof geleitet, auch fanden ihnen zu Ehren Veranſtaltungen der katholiſchen Vereine und ſonſtigen Körperſchaften in der Feſt— halle ſtatt. Zum erſtenmal im Jahre 1896 fand in der Haupt- und Reſi⸗ denzſtadt Karlsruhe eine Fronleichnamsprozeſſion ſtatt, welche ſich von der St. Stephanskirche durch die Herren- Krieg, Weſtend, Belfort⸗, Leopold⸗, Amalien⸗, Herren⸗, Ständehaus- und Erbprinzenſtraße wieder zurück in die Kirche bewegte. Die Straßen waren feſtlich geſchmückt und eine ſehr große Zahl von Katholiken aus allen Stadtteilen, mit Ausnahme des Stadtteils Mühlburg, wo eine eigene Prozeſſion ſtattfand, nahm an dem feierlichen Umzug teil. Vom Jahre 1897 an bewegte ſich die Prozeſſion über den Friedrichsplatz, durch die r 89298— Erbprinzenſtraße, Herren-, Sophien-, Leopold-, Amalien⸗, Wald⸗, Erbprinzenſtraße in die St. Stephanskirche zurück. Die Teilnahme der Gläubigen an der Prozeſſion, bei der alle katholiſchen Vereine und die katholiſchen Studentenverbindungen mitwirkten, vermehrte ſich von Jahr zu Jahr. Nachdem durch das Geſetz über die Beſteuerung für ört— liche kirchliche Bedürfniſſe vom 26. Juli 1888 die Mög⸗ lichkeit gegeben war, für die in Ausſicht genommenen Kirchenbauten die erforderlichen Mittel aufzubringen, wurde im Oktober 1893 die erſte Wahl einer aus 40 Mitgliedern beſtehenden Kirchenvertretung vorgenommen. Dieſe hatte zunächſt für die Jahre 1894/95 den vom Katholiſchen Stiftungsrat aufgeſtellten Kirchenſteuervoranſchlag zu be— raten und über denſelben Beſchluß zu faſſen. Die Zahl der Katholiken, die bei Aufſtellung dieſes Voran— ſchlags ſowie des Voranſchlags für die Jahre 1896/97 zu Grunde gelegt wurde, betrug, nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1890, nach Abzug der Katholiken des Kuratiebezirks St. Peter und Paul (Stadtteil Mühlburg) 28 390, bei Aufſtellung des Voranſchlags für die Jahre 1898/99 und 1900/01 nach der Volkszählung von 1895 31486. Das Erträgnis der örtlichen Kirchenſteuer in dieſen Jahren war 339 227 Mk. Aus demſelben wurde bis Ende 1901 bezahlt für die Bernharduskirche 689 214 Mk., für das dazu gehörige Pfarrhaus 6912 Mk.; für die Liebfrauenkirche 7233 Mk., für das Pfarrhaus 72 174 Mk.; für die Bonifatiuskirche 1012 Mk., Anzahlung an dem Kaufpreis für den Bauplatz dieſer Kirche(im Betrag von 181050 Mk.) 22050 Mk, verſchiedene Koſten für Straßenherſtellung 746 Mk, Zinſen 4437 Mk.; für die St. Stephanskirche 3047 Mk, für das Pfarrhaus 1000 Mk.; zuſammen 807825 Mk.“) Über die weitere Entwicklung der altkatholiſchen Ge— mieinde!) iſt Folgendes zu berichten: Am 1. Oktober 1875 legte Pfarrer Hamp ſein Amt nieder. Mit der proviſoriſchen Seelſorge wurde der Prieſter Thomas Braun aus der Dibözeſe Paſſau betraut, bis am 1. Juli 1876 der neugewählte Pfarrer Karl Obertimpfler, ) Bei dieſer Zuſammenſtellung wurden die Pfennige nicht in Rechnung gezogen. ) Vergl. oben Seite 415 und 416. 830 bis dahin in Stühlingen, ſein Amt als Pfarrer in Karlsruhe antrat und regelmäßigen Gottesdienſt in der ſeit 15. Mai 1876 den Alt— katholiken zur Benützung eingeräumten„Kleinen Kirche“ hielt. Am 1. Oktober 1883 ſchied derſelbe aus dem altkatholiſchen Kirchendienſte aus; an ſeine Stelle trat der in einer Gemeindeverſammlung am 29. Juli desſelben Jahres einſtimmig gewählte Stadtpfarrer Emil Bodenſtein in Säckingen, der bis jetzt an der Spitze der Gemeinde ſteht und am 16. Oktober 1899 zum biſchöflichen Kommiſſar für das badiſche Unterland ernannt wurde, während Pfarrer Wilhelm Schirmer in Konſtanz zum biſchöflichen Kommiſſar für das badiſche Oberland eingeſetzt worden iſt. Stadtpfarrer Bodenſtein iſt außerdem mit der Paſtoration der altkatholiſchen Gemeinden in Durlach und Raſtatt, ſowie mit der Seelſorge der altkatholiſchen Gefangenen in den Zentral— ſtrafanſtalten in Bruchſal betraut. Den Religionsunterricht für die altkatholiſchen Schüler beſorgen an ſämtlichen Mittelſchulen, am Lehrer— und Lehrerinnen-Seminar der Geiſtliche, an den Volksſchulen Ober— lehrer Albin Schmidt und Hauptlehrerin Mathilde Kohler. Dem Pfarrer ſteht der aus 18 Mitgliedern beſtehende Kirchenvorſtand zur— Seite, deſſen Vorſitzender 1874—76 Graf von Enzenberg, 1877 bis— 20. September 1883 Oberbürgermeiſter Malſch, von da bis zum— 31. Auguſt 1898 der J. Staatsanwalt und nachherige Landgerichts— direktor Fieſer war; ſeit 3. November 1898 iſt der Vorſitz dem Ober— forſtrat und Profeſſor aver Siefert übertragen. Bei der Volkszählung im Jahre 1895 zählte die Gemeinde 800, bei der letzten 875 Seelen. Im Jahre 1895 wurde auf Veranlaſſung des Geiſtlichen der Gemeinde, welche bis dahin ihre Bedürfniſſe aus freiwilligen Beiträgen der Mitglieder beſtritt, durch Einführung einer örtlichen Kirchenſteuer einer feſtere Grundlage gegeben und gemäß der ſtaatlichen Geſetze vom 26. Juli 1888 und 12. Mai 1890 eine aus 72 Mitgliedern beſtehende Gemeindevertretung— beſtellt. Von beſonderer Bedeutung war für die altkatholiſche Gemeinde die Erbauung einer eigenen Kirche und eines Pfarrhauſes, die der derzeitige Pfarrer gleich nach ſeinem Dienſtantritte als not— wendige Bedingung für eine gedeihliche Entwicklung der Gemeinde in's Auge faßte. Nachdem durch Aufrufe von hieſigen und auswär— tigen Altkatholiken und Freunden der Sache etwa 100 000 Mk. zu— — 831— ſammengebracht worden waren, konnte an die Verwirklichung des Planes gedacht werden. Unterm 9. Januar 1891 wurde dem Kirchen— vorſtande der altkatholiſchen Gemeinde von der Generalintendanz der Großh. Zivilliſte mitgeteilt, daß der Großherzog auf eine ſeitens des Rirchenvorſtandes eingereichte Immediateingabe beſchloſſen habe, der altkatholiſchen Gemeinde einen noch näher zu bezeichnenden Platz in dem Hardtwaldſtadtteile zwiſchen der Kaiſerallee und der Moltkeſtraße zum Zwecke der Erbauung einer Kirche ſchenkungsweiſe zu überlaſſen. In⸗ folge Schwierigkeiten, die in der ſchwebenden Frage der Umgeſtaltung der Eiſenhahnanlagen vor dem ehemaligen Mühlburger Tor beſtanden, indem dieſe Umgeſtaltung auf die Feſtſtellung der unmittelbar an⸗ grenzenden Bauquadrate von Einfluß war, konnte die Lage des Platzes erſt am 16. Februar 1895 von der General-Intendanz der Groß— herzoglichen Zivilliſte angegeben werden. Der nördlich der neuen ſtädtiſchen Realſchule gelegene 2143 qm große Platz ging durch Schenkungsvertrag vom 30. April 1895 in das Eigentum der alt— katholiſchen Kirchengemeinde über. Zur Errichtung eines Pfarrhauſes wurden von dieſem Gelände 297 qm ausgeſchieden, wofür die alt— katholiſche Gemeinde an die Höchſte Privatvermögensverwaltung einen mäßigen Preis zu entrichten hatte. Im Auguſt 1895 wurde mit dem Bau der Kirche und des Pfarrhauſes nach den von dem Oberbaurat Profeſſor Schäfer ent⸗ worfenen Plänen begonnen. Das dreiſtöckige, im altdeutſchen Bau— ſtile errichtete Pfarrhaus konnte bereits am 1. Juli 1896 bezogen werden. Die in frühgotiſchem Stil aufgeführte Kirche, die den Namen „Auferſtehungskirche“ trägt, wurde am 8. Juni 1897 durch Biſchof Dr. Weber feierlich eingeweiht, nachdem der erſte Biſchof der Alt⸗ katholiken des deutſchen Reiches, Dr. Joſef Hubert Reinkens, der dem Kirchenbau ſein größtes Intereſſe gewidmet hatte, am 4. Januar 1896 geſtorben war.“) Am Tage nach der Einweihung der Kirche wurde in derſelben die XV. Synode der Altkatholiken des deutſchen Reiches abgehalten, an welcher 37 Geiſtliche und 56 Laienabgeordnete teilnahmen. Die Gemeinde zählt 640 Steuerpflichtige mit 8302 613 Mk. Steuerkapital und 8 300 Mk. Steuerertrag. In der iſraelitiſchen Gemeinde war Rabbiner Dr. Adolf ) Vergl. oben S. 672. — 832— Schwarz vom 1. Juni 1875“) bis zum 21. März 1893 tätig; der Bezirks- und Stadtrabbiner, Benjamin Willſtätter, welcher ſeit Mai 1847 dieſes Amt bekleidet hatte, war am 1. Juni 1875 von demſelben zurückgetreten und bei dem Großherzoglichen Oberrat der Israeliten angeſtellt worden. Dr. Schwarz ſiedelte im März 1893 nach Wien über. Von da an bis zum 1. April 1894 verwaltete Rabbiner Dr. Treittel das Amt des Stadtrabbiners als ſtellver— tretender Rabbiner. Seit 1. April 1894 iſt Rabbiner Dr. Meier Appel Stadt⸗ und Konferenzrabbiner. Nachdem der Gemeindevorſteher, Oberrat Adolf Bielefeld, unterm 5. Juli 1895 mit Tod abgegangen war, trat unterm 10. Juli 1895 Medizinalrat Albert Seeligmann an deſſen Stelle, welcher er aber nur nahezu 4 Jahre lang vorſtehen konnte; er verſtarb am 18. April 1899. Unterm 30. April 1899 wurde Stadtrat Fritz Homburger zum Ge— meindevorſteher ernannt. Der alte an der Krieg- und Kronenſtraße gelegene israe— litiſche Friedhof, welcher bereits am 1. Juli 1826 geſchloſſen worden war, mußte nach einem Erlaß Großherzogl. Miniſteriums des Junern im Jahre 1898 eingeebnet werden, weil deſſen Gelände zur Verbreiterung der Kriegs- und Kronenſtraße verwendet werden mußte. Bei dieſem Anlaß ließ der Großherzog am 2. Januar 1898 durch das Geheime Kabinet dem Miniſterium des Innern mitteilen, es möge mit allem Nachdruck auf die tunlichſte Schonung der religiöſen Ge— fühle der iſraelitiſchen Gemeinde und der Pietät bei ihren Mitgliedern hinwirken. Der Synagogenrat beſchloß, die Gebeine der auf dieſem Friedhof Beerdigten ausgraben und in Einzelſärgen auf dem noch nicht geſchloſſenen Gemeindefriedhof in Einzelgräber beſtatten zu laſſen. Eine Anzahl frommer Israeliten hat ſich bei den Ausgrabungs- und Überführungsarbeiten beteiligt. Am Tage der Ausgrabung, vor deren Beginn hielt Stadtrabbiner Dr. Appel eine religiöſe Feier ab; eine gleiche Feier fand bei der erſten Einſenkung von Särgen auf dem noch nicht geſchloſſenen Friedhofe ſtatt. Am 16. März 1898 wurde mit den Ausgrabungsarbeiten begonnen, am 18. April 1898 waren ) Vergl. oben Seite 420. Die Rede des Rabbiners Dr. Schwarz bei der Einweihung der Synagoge war zugleich ſeine Probepredigt. Wegen deren Vorzüglichkeit hatte ihn die Gemeinde zu ihrem Rabbiner in Vorſchlag gebracht, worauf ſeine Ernennung zum Stadtrabbiner erfolgt war. Willſtätter. — — — 2 2 —— 2 PDherrat Ben — — 833— ſie beendet. Bei der Einſenkung des letzten Sarges hielten Stadt— rabbiner Pr. M. Appel und der Rabbiner der ifraelitiſchen Religions⸗ geſellſchaft Dr. Sinai Schiffer Trauerreden. Schon im Jahre 1887 hatte der Synagogenrat erkannt, daß der Friedhof in der öſtlichen Kriegſtraße in Folge des wachſenden Verkehrs in jenem Stadtteil nicht mehr lange offengehalten werden könne, im gleichen Jahre wurden behufs Anlage eines anderen Friedhofs auf der Gemarkung Rintheim 11155 qm Gelände gekauft und dazu noch im Jahre 1894 6039 qm Grund und Boden erworben. Nachdem dieſes Gelände eingeebnet war, wurde im nämlichen Jahre dasſelbe noch zu Gräbern eingeteilt; es wurde daſelbſt eine Gebet- und Leichenhalle erſtelltt. Im Jahre 1895 wurde der Friedhof in der öſtlichen Kriegſtraße durch bezirksamtlichen Erlaß geſchloſſen und der neue Friedhof auf Gemarkung Rintheim, nachdem Stadtrabbiner Dr. Appel in demſelben eine kurze Einweihungs⸗ rede gehalten hatte, in Benützung genommen. Im Jahre 1890 ließ der Synagogenrat mit Genehmigung Großh. Verwaltungshofs das Stiftungshaus Herrenſtraße 14 abreißen und erbaute daſelbſt ein neues Haus, in deſſen hinteren Lokalitäten die Religionsſchule und das Sitzungszimmer des Synagogenrats eingerichtet wurden. Die iſrae⸗ litiſche Gemeinde erfreut ſich einer fortwährenden Entwicklung; wäh⸗ rend ſie nach Erbauung der neuen Synagoge nur 226 ſteuerzahlende Mitglieder zählte, hat ſich dieſe Mitgliederzahl bis Ende 1903 auf ca. 600 erhöht. Mit der Errichtung der neuen Synagoge in der Karl⸗ friedrichſtraße im September 1881 begann das eigentliche Empor⸗ blühen der iſraelitiſchen Religionsgeſellſchaft.*) Faſt dreihundert Synagogenplätze ſind an Mitglieder und deren Ange⸗ hörige vermietet. Die Religionsſchule wird z. Zt. von etwa 80 Kindern beſucht. Im Jahre 1876 wurde innerhalb der iſraelitiſchen Religions⸗ geſellſchaft der Jünglingsverein„Chinuch Neorim“ ins Leben gerufen. Durch mehrmals wöchentlichen Unterricht im bibliſch-rabbiniſchen Schrifttum ſowie durch Vorträge aus dem Gebiete der jüdiſchen Ge— ſchichte und Lileratur, ſucht der Verein auf ſeine Mitglieder, deren Zahl augenblicklich 110 beträgt, belehrend einzuwirken. 1880 wurde „die allgemeine iſraelitiſche Krankenkaſſe“ und 1896 die iſraelitiſche ) Oben Seite 420 Abſatz 4 ſteht irrig: Religionsgemeinſchaft. 53 — 834— Kinder-Krankenkaſſe, letztere unter Mitwirkung von Mitgliedern der iſrae— litiſchen Gemeinde, begründet. Behördlicher Anordnung gemäß, wurde im Jahre 1898 auf dem Friedhofe der iſraelitiſchen Religions— geſellſchaft eine Leichenhalle erbaut. Dem erſten Rabbiner der iſrae— litiſchen Religionsgeſellſchaft, Herrn Dr. Ehrmann, folgte 1876 Dr. Goitein. Seit Januar 1884 bekleidet dieſes Amt Rabbiner Dr. Schiffer. Das geiſtige Leben in der Haupt. und Reſtdenzſtadt Karlsruhe. Zu den im vorigen Zeitraume erſchienenen Zeitungen und Zeit⸗ ſchriftenk) ſind in der Periode von 1875—1900 keine Blätter von größerer Bedeutung hinzugetreten. Die konſervative„Warte“ änderte ihren Namen in„Süddeutſche Reichspoſt“, aus der mit der Zeit die „Badiſche Landpoſt“, als Vertreterin der konſervativen und poſitiv proteſtantiſchen Richtung ſich entwickelte. Mit den„Karlsruher Nach— richten“ verſchwand ein beliebtes Lokalblatt aus der Reihe der Karls—⸗ ruher Zeitungen, für welches ſich kein Erſatz fand. Denn die„Badiſche Preſſe“, welche urſprünglich auch einen mehr lokalen Charakter hatte, bildete ſich bald zu einem in erſter Linie politiſchen Blatte aus; wenngleich ſie niemals ein eigentliches Parteiorgan wurde, ſteht ſie doch in allen grundſätzlichen Fragen auf dem Boden des national— liberalen Programmes. Sie hatte urſprünglich den Namen„Badiſche Dorfzeitung“ geführt, aus welcher zunächſt der„Neueſte Badiſche Landesbote“, ſpäter die„Kleine Preſſe“ ſich entwickelt hatte. Andere Blätter, die nur ein mehr oder weniger ephemeres Daſein friſteten, waren die„Mittelrheiniſche Volkszeitung“ mit fortſchrittlicher Ten— denz, ſpäter„Süddeutſche Volkszeitung“ genannt. Kurze Zeit hin— durch erſchien auch eine„Wochenzeitung“, ſpäter ein freiſinniges Wochenblatt unter dem Namen„Badiſche Rundſchau“. Auch die „Karlsruher Abendzeitung, Generalanzeiger für Baden“ und der „Badiſche Reſidenzanzeiger, Illuſtriertes Karlsruher Tageblatt mit Karlsruher Nachrichten“ hatten nur eine kurze Lebensdauer. Es er⸗ ſchien auch einige Zeit hindurch eine neue katholiſche Zeitung, die *) Siehe oben Seite 445. — 835— „Badiſche Volksſtimme(katholiſches Volksblatt)“ mit ausgeſprochen lokaler Tendenz. Der Übergang des„Badiſchen Landesboten“ aus dem Beſitz der Badiſchen Verlagsanſtalt in jenen einer Vereinigung demokratiſcher Parteimitglieder aus Frankfurt, Baden, Württemberg und Bayern und der„Badiſchen Landeszeitung“ aus dem Beſitz der Familie Macklot in jenen des Eigentümers der„Konſtanzer Zeitung“ Otto Reuß in Konſtanz und weiterhin einer aus Mitgliedern der nationalliberalen Partei Badens gebildeten Geſellſchaft iſt ſchon früher erwähnt worden. Ebenſo der Überſiedelung des ſozialdemokratiſchen „Volksfreund“ von Offenburg nach Karlsruhe.“) Die Zahl der Buch-, Kunſt⸗ und Muſikalienhandlungen hat ſich ſeit 1874*) erheblich vermehrt. Von den Sortimentsbuchhand⸗ lungen iſt die Firma Creuzbauer erloſchen; die Firmen Agentur der literariſchen Anſtalt in Freiburg, Jahraus, Kundt, Linck, Metzler, Schöber, Evangeliſcher Schriftenverein ſind bis 1900 neu dazu ge— treten; von den Verlagshandlungen verſchwanden Creuzbauer, Groos, Hasper; Reiff, Scherer und Evangeliſcher Schriftenverein taten ſich neu auf; von den Kunſthandlungen erloſch Veit, wogegen neu er— ſcheinen Agentur der literariſchen Anſtalt in Freiburg, Büchle, Laffert Nachf.(Hugo Kuntz), Trouslard und Bieg, Velten; Frey und Schuſter erſcheinen nicht mehr unter den Muſikalien-Handlungen und Leih⸗ anſtalten, dagegen neu Hack, Laffert Nachf.(Hugo Kuntz); zur Firma A. Bielefelds Hofbuchhandlung kamen als Antiquariate neu hinzu Antiquariat für Literatur und Kunſt und Müller& Gräff; dazu 6 Kolportagebuchhandlungen und eine Reiſebuchhandlung. Die Zahl der Buchdruckereien erhöhte ſich von 12, von denen 5 erloſchen, auf 39. Das literariſche Schaffen“““) Karlsruhes ſeit 1875 hat eine Reihe von Schöpfungen gezeitigt, welche auch in weitere Kreiſe gedrungen ſind. Hier iſt vor allem ein Dichter zu nennen— Scheffel und ) Siehe oben Seite 774, 776, 779. ) Siehe oben Seite 446. „ Der Verfaſſer verdankt die Bearbeitung dieſes Abſchnittes, welcher ein Gebiet behandelt, das ſeinem eigenen Arbeitsfelde ferner liegt, der großen Freundlichkeit des Schriftſtellers Albert Geiger. Die Stadtgeſchichte hat dadurch eine ſehr willkommene Bereicherung erfahren. 83 — 836— Eichrodt hatten mit ihrem Schaffen ſchon ſo gut wie abgeſchloſſen— der mit ſeinen Dichtungen gewiſſermaßen die Veräſtelungen verſchie— dener im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts hervorgetretenen äſthe— tiſchen Bewegungen darſtellt: Heinrich Vierordt. Er knüpft mit manchen ſeiner Lied- und Balladendichtungen an Scheffel und Freilig— rath an; er ſetzt in den von ihm höchſt glücklich ausgebildeten heimatlichen Dichtungen, beſonders Wertheimer und Karlsruher Ein— drücken, die Art Mörike's kräftig und oft ſehr ſtimmungsvoll fort, aus ſcheinbar unbedeutenden Ereigniſſen kleine Stimmungswelten. aufzubauen; er hat insbeſondere in ſeinen italiſchen Dichtungen zuweilen im klaſſiſch ſtrengen Empfinden ganz überraſchende Farben— pracht und ſatten Ton. Gar oft gibt er ſich mit Glück als Schalk, der in ſparſamer Weiſe oder in gewürzten Worten Menſcheneigenarten, Nationalitäten wie Einzelweſen, Stadttreiben und Dorfleben zu ſchildern weiß. Eine gewiſſe Herbheit, die zuweilen faſt in's Ungeſchickte fällt, ſtört vor Allem in den letzten vollgereiften Werken nicht oder gibt ihnen einen beſonderen Klang. Weniger iſt ihm der ſpezifiſch lyriſch— muſikaliſche Zauber geſchenkt. Aber wenn er mit ein paar kräftigen Strichen Altkarlsruhe vor uns erſtehen läßt, wenn er ſtimmungs— ſchwere Bilder aus Italien oder Sizilien vor uns hinmalt, wenn er Haus und Heim in gehaltenen Tönen beſingt, zieht er mehr Regiſter— auf als viele andere moderne Lyriker zur Verfügung haben.— Ein faſt ſubtiler, die Naturempfindung des Heimatlandes, beſonders des Schwarzwaldes, bis in's innerſte Wachſen und Weben der Natur empfindender Dichter iſt Robert Haaß, der uns mit großer Anmut. und doch nachdrücklichem Ernſt Schwarzwaldlandſchaften hinzuzeichnen weiß oder das ſtillemſige Schaffen eines tauenden Februar- oder März— tages, verhangene Regenſtimmungen in Schwarzwaldhöhe gewiſſer— maßen mit vegetativer Nachempfindung zu fühlen gibt. Dabei hat⸗ er als Verehrer Bismarcks kräftige patriotiſche Töne angeſchlagen. Sparſam rinnt der Quell ſeiner Poeſie, aber lauter und klar.— Ein jüngerer Dichter, Otto Frommel, hängt in ſeinen Dichtungen ebenfalls innig an der Heimat. Geborener Heidelberger hat er aus Heidelberg ſelbſt, aber auch manche Stimmungen aus Karlsruhe mit fein, manchmal faſt nervös nachfühlender Hand zu bannen gewußt. Auf ſeiner lyriſchen Palette miſchen ſich gerne zarte Töne, aber doch mit maleriſchem Reiz. Im Ganzen hat er etwas Frauenhaftes, das. — 837— jedoch keineswegs unangenehm berührt, ſondern etwas Schmeichelndes hat.— Albert Roffhack, ein greiſer Poet, eigentlich Rheinländer, hat ſich in unſerer Stadt das Bürgerrecht längſt erſeſſen. Seine durchaus auf die Klaſſiker aufgebauten formenſchönen, in der Wirkung ſehr zurückhaltenden und faſt ſpröden Gedichte zeigen eine überaus vornehme, reife, feſte Natur. Sein Geſchmack iſt hochentwickelt, alle brutale Wirkung iſt bei ihm ausgeſchloſſen. So erreicht er ſtille nachhaltige Wirkungen.— Albert Geiger hat in einigen Gedicht⸗ bänden eine poetiſche Wirkſamkeit entfaltet, welche im Ganzen wenig Heimatliches an ſich hat. Er hat Fauſt- und Triſtancyklen, dazwiſchen Mädchen- und Mutterlieder von einfachem, legendärem Ton gedichtet. Seine Dichtung neigt ſtark zum Peſſimismus, hat ſich aber in neueſter Zeit zu einem mehr ruhigen poetiſchen Schauen geläutert, in dem oft ein rein maleriſches Beſtreben hervortritt. Man könnte ihn ſchwerlich Karlsruher oder Badener nennen, wenn auch viele Motive zu ſeinen Dichtungen der Gegend und ihrem lokalen Kolorit ent— nommen ſind. Doch iſt die Heimat an ſeinem auf das eigentlich Heimatloſe oder überall im Reiche der Dichtung Beheimatete gerichteten dichteriſchen Schaffen nicht vorübergegangen. Ein Drama wurde in Berlin aufgeführt.— Eine fein organiſierte und harmoniſch abge⸗ ſtimmte Natur offenbart ſich in den Erzählungen von Hermine Villinger. Ihre Perſönlichkeit tritt hinter ihren Geſtalten zurück, aber etwa ſo wie der Mond, der durch leichte Wolken ſchimmernd alles mit einem ruhigen, heiteren, gleichmäßigen Lichte durchdringt und überflutet. Eine wahrhaft„ſchöne Seele“ lebt und webt in Villingers Erzählungen. Dennoch würde man irre gehen, wollte man glauben, ſie beſäße keine Kraft... Aber ihr Beſtes liegt doch in der Liebe und Wärme eines glücklichen Gemütes, in dem feinen Sonnenſchein und feinen Humor ihres Weſens. Ihr kluges und ſcharfes Auge findet Stoffe in Lebensverhältniſſen, an denen ſo manch anderer achtlos vorbeigehen würde. Aber ſie zu formen, ſcheint ihrem ausgeſprochen künſtleriſchen Sinn zumeiſt Bedürfnis, innere Notwendigkeit.“)— Zu den„Stillen im Lande“ hat ſich Hermann Oeſer mit ſeinen Proſaſchriften ſelbſt eingereiht. Obgleich ſchon ein ) Dieſe Würdigung der dichteriſchen Perſönlichkeit Hermine Villingers entnehme ich dem Aufſatz„Das badner Land“ von Albert Geiger in Heft 14 des erſten Jahrgangs(1899) der Zeitſchrift„Das literariſche Echo“, v. W. Fünfziger, hat er bisher nur wenige Bücher veröffentlicht, die durchaus etwas Sinnendes, Beſchauliches haben, mit epigrammatiſcher Zu— ſpitzung, einer Beigabe kräftigen Erdgeruches; er ſchildert in ſcharfen knappen Zügen; ſein Humor hat etwas Facettiertes. Er arbeitet offenbar ſehr an ſeinen Büchern, auch den Humor ſorgſam abwägend. Er gleicht ein wenig einem Koch, der immer das Allerfeinſte zuſammen— köchelt. Daß ſeine ganze literariſche Erſcheinung etwas Herbes hat, nimmt ihr nicht ihren Reiz. Er iſt übrigens fromm im beſten Sinne. Sein Weſen zeigt bei allem Landſtändigen einen ſtarken Zug zum Klaſſiſchen, zu Goethe hin. Seine ſtillen Bücher haben eine zahl— reiche Gemeinde und haben eine Reihe von Auflagen erlebt. Dazu mag auch ein pädagogiſcher Hauch beitragen, der des tüchtigen Schul— mannes Schriften durchweht.— Lyriſche Bücher haben noch Albert— Herzog, eigentlich rheiniſcher(Wuppertäler) Poet, und Franz Hein, der Grötzinger Maler, letzterer mit Illuſtrationen ſeiner Hand, herausgegeben, erſterer friſch und leicht dichtend, letzterer gewandt in der Form.— Was die Dialektdichtung angeht, ſo hat ſie in Romeo(Römhildt), Karrer und Diehm gewandte Verſifizierer— ſtädtiſcher und ſonſtiger Vorgänge und Anekdoten in Karlsruher⸗ Mundart gefunden; ſie haben ein breites Publikum, ohne freilich, einem tiefergehenden Geſchmack genügen zu können; ſie beſtreben ſich⸗ nicht, nach dem Beiſpiel Hebels oder Nadlers, auch Eichrodts und ſelbſt Gutſchs Typen des Lebens in humoriſtiſcher Form zu bringen, ſondern der Spaß, mehr oder minder glücklich pointiert, regiert in ihren Werken. Wiſſenſchaftlich und zwar philoſophiſch haben ſich Arthur Drews, der bekannte Hartmannianer, MWax Dreßler und Drews“ Schüler, der hochbegabte Leopold Ziegler hervorgetan. Drews— hat neben ſeinen umfangreichen Büchern über Hartmann und Nietzſche. auch ſeine Vorleſungen über Wagner's„Ring des Nibelungen“, ge- halten im Conſervatorium, erſcheinen laſſen, Dreßler Vorleſungen über Pſychologie, und Leopold Ziegler äſthetiſch-kulturphiloſophiſche Werke veröffentlicht, die von den Kennern als Zeugniſſe eines frühe hochentwickelten Geiſtes geſchätzt werden. Pädaggogiſch und litterariſch⸗ waren Guſtav Wendt, der hochverdiente Schulmann, und Ernſt von Sallwürck, gleichfalls als Pädagog hoch geſchätzt, verſchieden⸗ artig tätig. Wendt hat auch eine treffliche Sophoklesüberſetzung ver⸗ — 839— faßt. Mit ganzen Vortragseyklen ſind außer den ſchon erwähnten beſonders Karl Widmer mit ſehr dankenswerten kunſtkritiſchen Vorträgen, Arthur Böhtlingk mit Vorträgen über Goethe und Shakſpeare, Albert Geiger mit Vorträgen über moderne Litte— ratur hervorgetreten. Auch die trefflichen Vorträge verſchiedener Hoch— ſchulprofeſſoren in den Volkshochſchulkurſen, Engler, v. Oechelhäuſer, Bunte u. a. ſind hervorzuheben. Was die Vortragsdarbietungen des Kaufmänniſchen Vereins angeht, ſo ſind ſie, wie in der Natur der Sache begründet liegt, ungleichartig und nicht durchweg nur vom Bildungsſtreben geleitet. Das Gleiche gilt von den Vorträgen, welche die zahlreichen Vereine teils nur für ihre Mitglieder, teils auch für das große Publikum veranſtalten. Verzeichniſſe derſelben veröffentlicht alljährlich die Chronik der Haupt⸗ und Reſidenzſtadt Karlsruhe. Es iſt hier nicht der Ort, über die fachwiſſenſchaftlichen Veröffentlichungen ſowohl die ſelbſtändigen Werke als die in Zeitſchriften niedergelegten Arbeiten der hier wohnenden Gelehrten, insbeſondere der Naturforſcher, aber auch der Juriſten, National— ökonomen und Theologen zu berichten. Wohl aber ſcheint es geboten, in Kürze zu erwähnen, daß auch in dieſem Zeitraum wie früher“) die Tätigkeit auf dem Gebiete der Landesgeſchichte eine lebhafte, er⸗ folgreiche und auch an weitere Kreiſe gerichtete war. Die Gründung der Badiſchen Hiſtoriſchen Kommiſſion im Jahre 1883. war für dieſe Tätigkeit eine überaus förderliche. Die Neue Folge der„Zeitſchrift für die Geſchichte des Oberrheins“ brachte neue Im⸗ pulſe, beſonders auch durch die enge Fühlung mit den geſchichtlichen Studien im Elſaß. Ein bedeutendes modernes Quellenwerk, die „Politiſche Korreſpondenz Karl Friedrichs von Baden“, bearbeitet von Bernhard Erdmannsdörffer und Karl Obfes ver⸗ öffentlichte aus den badiſchen und auswärtigen Archiven wichtige Mit⸗ teilungen zur Kenntnis der Geſtaltung und Entwicklung der badiſchen Politik in den Jahren 1783 bis 1806. Über das Leben am Hofe der Markgräfin Amalie bringen die„Erinnerungen“ der Hofdame, Karoline von Freyſtedt, welche Karl Obſer herausgab, manches ) Siehe oben Seite 448. — 840— Neue. Friedrich von Weech gab„Badiſche Biographien“ in vier Bänden(1875—1891) und eine„Literariſche Beilage der Karlsruher Zeitung“(1879—1881) heraus, ſchrieb eine Badiſche Geſchichte, auf Veranlaſſung des Stadtrats das dreibändige Werk „Karlsruhe, Geſchichte der Stadt und ihrer Verwaltung“ und als Feſtſchrift zur ſilbernen Hochzeit des Großherzogpaares das von Hermann Götz illuſtrierte Werk„Die Zähringer in Baden“. Alois Schulte widmete dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden eine den Reichskrieg gegen Frankreich 1693—1697 behandelnde Monographie. Albert Krieger bearbeitete das umfangreiche, von Kirchhof in Halle als ein„monumentales“ bezeichnete Werk „Topographiſches Wörterbuch des Großherzogtums Baden“. Sehr anziehend erſcheinen die Badiſchen Fürſtenbildniſſe(von Karl J bis zur Gegenwart) von Hans Müller, ſehr verdienſtlich iſt die von Otto Kienitz und Karl Wagner bearbeitete„Litteratur der Landes⸗ und Volkskunde des Großherzogtums Baden“ und die ſeit 1885 jährlich erſcheinende„Chronik der Haupt- und Reſidenzſtadt Karlsruhe“. Mit Anerkennung ſind auch die„Geſchichte der Stadt Ettlingen“ von Benedikt Sch warz, dem Verfaſſer einer größeren Zahl von Aufſätzen über die Geſchichte verſchiedener Orte aus Karls— ruhes Nachbarſchaft, ſowie die„Geſchichte des Kloſters Frauenalb“ und eine volkstümliche Biographie Philipp Melanchthons von Albrecht Thoma zu nennen. Der 1864 begründete Litterariſche Vereint) verlor im Laufe der Zeit viele ſeiner Mitglieder durch Tod und Wegzug, ohne daß es ihm gelungen wäre, ſich durch neuen und jüngeren Zuwachs zu er⸗ gänzen. Er löſte ſich im Laufe der 1880er Jahre auf.— Im Jahre 1893 vereinigten ſich die Redakteure der Karlsruher Zeitungen zu einer Beratung, die ihren engeren Zuſammenſchluß in Standesfragen zum Ziele hatte. Noch in demſelben Monate wurde der Karls— ruher Schriftſteller- und Journaliſtenverein begründet. Als erſter Vorſitzender wurde der Schriftſteller Heinrich Vier— ordt gewählt; ihm folgten in dieſem Amte zunächſt der Kaiſerliche Miniſterialrat z. D. von Sybel, ſpäter(von 1897 bis jetzt) der Chefredakteur der„Karlsruher Zeitung“ Julius Katz. Der Ver⸗ ) Siehe oben Seite 449. 9 ein erachtet als ſeine weſentlichſte Aufgabe, durch den unmittelbaren perſönlichen Verkehr der Redakteure aller Karlsruher politiſchen Zeitungen das perſönliche Moment in der Zeitungspolemik auszu⸗ ſchalten. Tatſächlich iſt ihnen das auch gelungen. Die früher nicht gerade ſeltene gehäſſige Ausdrucksweiſe iſt aus den Spalten der Karls⸗ ruher Zeitungen verſchwunden. Der Verein hat es ferner als ſeine Aufgabe betrachtet, in Karlsruhe wirkende Schriftſteller und Tonſetzer in öffentlichen Veranſtaltungen zum Worte kommen zu laſſen und hatte die Genugtuung, daß der Großherzog einem ſolchen Vortrags⸗ abend, an dem neue Werke von Vereinsmitgliedern zur Aufführung gelangten, bis zum Schluſſe beiwohnte. Ein beſonderer Vorzug iſt es, daß nach einigen Jahren dem Verein auch die Verleger der hieſigen Zeitungen als Mitglieder beitraten. Der Verein gehört als Unter⸗ verband dem Verbande deutſcher Schriftſteller- und Journaliſten⸗ vereine an.— Der Karlsruher Altertumsverein nahm unter der Vorſtandſchaft des Direktors der Sammlungen für Altertums⸗ und Völkerkunde, Ernſt Wagner einen neuen Aufſchwung durch Veranſtaltung regelmäßiger Verſammlungsabende und Ausgrabungen in der Nachbarſchaft von Karlsruhe ſowie durch Herausgabe einer eigenen Zeitſchrift. Auch der Naturwiſſenſchaftliche Verein ſetzte ſeine erfolgreiche Tätigkeit eifrig fort“). Wie in dem Zeitabſchnitt von 1854 bis 1874) blieb auch in den Jahren 1875 bis 1900 die Kunſtſchule, deren Leitung im Jahre 1876 von der Hofverwaltung an den Staat überging und die im Jahre 1893 den Namen Akademie erhielt, der Mittelpunkt aller Beſtrebungen und Leiſtungen in der Haupt- und Reſidenzſtadt Karlsruhe auf dem Gebiete der bildenden Kunſt. Insbeſondere ſeit der ſpätere Staatsminiſter Wilhelm Nokk als Präſident des Mini⸗ ſteriums der Juſtiz, des Kultus und Unterrichts ihr ſeine eifrige und verſtändnisvolle Fürſorge zuwandte, übte ſie eine früher nicht in dieſem Maße erkennbare Anziehungskraft aus. Die Zahl der Pro⸗ feſſoren wurde auf 11 erhöht, die Schülerzahl vermehrte ſich von ) Siehe oben Seite 449. *) Siehe oben Seite 454. — 842— Jahr zu Jahr“). In den Jahren 1896 bis 1899 wurden ein beſonderes Bildhauerateliergebäude, im Anbau an das Atelier für Tiermalerei erſtellt und zwei Ateliergebäude in der Weſtend- und Hoffſtraße erbaut. Von der älteren Generation der Profeſſoren der Malerei iſt Ferdinand Keller als der weitberühmte und gefeierte Senior an erſter Stelle zu nennen, Karl Hoff“ der 1879 von Düſſel— dorf nach Karlsruhe berufen wurde, ſtarh 1890, 1881 trat in das Lehrerkollegium Guſtav Schönleber, 1882 Hermann Baiſch, im gleichen Jahre Ernſt Schurth ein. Baiſch, der 1894 aus dem Leben ſchied, erhielt Heinrich Zügel als Nachfolger, der aber ſchon 1895 nach München, woher er berufen worden war, zurückkehrte. Im Jahre 1891 wurde Kaſpar Ritter berufen. Seit 1892 wirkten hier Claus Meyer und Carlos Grethe, ſeit 1893 Robert Pötzelberger, ſeit 1896 Leopold Graf von Kalckreuth. Von ihnen verließen Meyer ſchon 1895, die drei anderen 1899 Karlsruhe, um in Düſſeldorf bezw. Stuttgart ihre Lehrtätigkeit fortzuſetzen. Viktor Weishaupt, der eben— falls 1896 an die Akademie berufen wurde, erhielt ihr ſeine hervor— öben⸗ 80 Kraft. Das Jahr 1900 führte in Friedrich Fehr, Ludwig Dill, Ludwig Schmid-Reutte, die bis dahin in München ge— wirkt hatten, der Akademie Künſtler zu, welche dieſer durch ihr Können und ihr Lehrtalent neue und bedeutende Anregungen brachten. Als Lehrer der Radierkunſt wirkte von 1893 bis 1900 Profeſſor Wilhelm Krauskopf. Als Profeſſoren der Bildhauerkunſt ſind Friedrich Moeſt und Hermann Volz zu nennen.— Die durch Karl Friedrich Leſſings Tod im Jahre 1880 erledigte Stelle des Galeriedirektors erhielt der Kunſthiſtoriker Wilhelm Lübke, nach deſſen Ableben ver— waltete ſie der bisherige Galerie-Inſpektor Maler Ernſt Richard; nach deſſen Tode berief der Großherzog im Jahre 1900 Hans Thoma aus Frankfurt hierher, zugleich als Profeſſor an die Akademie, deſſen Einfluß auf das Karlsruher Kunſtleben ſich bald mächtig geltend machte.— An der Techniſchen Hochſchule wirkten als Lehrer die Künſtler Profeſſoren Auguſt Viſcher, Hugo Knorr, Hermann Krabbes und Max Läuger; an der Kunſtgewerbeſchule waren unter Direktor Hermann Götz als Profeſſoren Franz Sales Meyer, Rudolf Mayer, Eugen Biſchoff, Karl Eyth, Valentin Merk, Karl Rieger, Karl ) Siehe oben Seite 787. Invipi AalpCtl ajhο Haang 4 AanvlfOlel a4 Haon 4— 8 Londlesbibliot 608K Kcirisruſe — 843— Gagel, die Bildhauer Adolf Heer, Fridolin Dietſche und Karl Kornhaas tätig.“) Aus der großen Zahl der keine öffentliche Lehrtätigkeit aus⸗ übenden Künſtler und Künſtlerinnen machen wir im Hinblick auf die ihren Werken allgemein gezollte Anerkennung ſowie auf die lange Dauer ihres künſtleriſchen Wirkens in Karlsruhe namhaft: Maler: Hermann Baumeiſter, Julius Bergmann, Karl Böhme, Paul Borgmann(5 1893), Eugen Bracht, Walter Conz, Adolf Des Coudres, Hellmuth und Otto Eichrodt, Wilhelm Füßli, Robert Geiger(5 1903), Rudolf Gleichauf(1896), Wilhelm Haſemann, Franz Hein, Rudolf Hellwag, Georg Hans Heſſe, Karl Hollmann, Profeſſor Auguſt Hörter, Hermann Junker, Friedrich Kallmorgen(ſeit 1900 Profeſſor in Berlin), Profeſſor Eduard Friedrich Kanoldt, Otto Kemmer, Wilhelm Kloſe, Karl Langhein, Max Lieber, Adolf von Meckel( 1892), Otto Propheter, Hermann Petzet, Paul von Ravenſtein, Max und Viktor Roman, Rudolf Schäfer, Nathanael Schmitt, Wilhelm Schröter(T 1904), Richard Straßberger, Joſef Thomann, Profeſſor Eduard Tenner (111900), Georg Tyrahn, Hans von Volkmann, Wilhelm Volz(ſeit 1888 in München, F 1901), Manuel Wielandt.“*)— Bildhauer: Chriſtian Elſäßer, Johannes Hirt, Wilhelm Sauer, Heinrich Johann Weltring.— Malerinnen: Reſi Borgmann, Marie Gratz(T 1900), Marie Heſſe, Margarethe Kallmorgen-Hormuth(ſeit 1900 in Berlin), Sofie Ley, Emilie Stephan, Helene Stromeyer. Wie in anderen Kunſtſtädten, ſo traten ſich im Laufe dieſes Zeitabſchnittes auch in Karlsruhe die zwei Richtungen, die ſich unter den Künſtlern ſchieden, mehr oder weniger ſchroff gegenüber. Mit der Zeit ſchieden ſie ſich in zwei Gruppen: die Kunſtgenoſſenſchaft und der Künſtlerbund. Wie jeder Kampf auf geiſtigem und künſt⸗ leriſchem Gebiete, ſo hatten auch die Differenzen dieſer beiden Gruppen die gute Folge, eine lebhaftere Entfaltung des Strebens nach Er— reichung möglichſter Vollkommenheit hervorzurufen und einen feſteren Zuſammenſchluß Gleichgeſinnter und Gleichgeſtimmter herbeizuführen. Der Wettſtreit der beiden Richtungen bei örtlichen und großen aus⸗ ) Über die Kunſtgewerbeſchule und das Kunſtgewerbemuſeum vergl. oben Seite 787 f., über die Malerinnenſchule Seite 815 f. **) Eine kleine Kolonie von Künſtlern und ihren Schülern und Schülerinnen bildete ſich in dem benachbärten Dorfe Grötzingen. Ihre Führer waren Guſtav Campann, Otto Fikentſcher, Franz Hein. wärtigen Ausſtellungen war ohne Zweifel von günſtiger Wirkung auf die künſtleriſche Tätigkeit der Angehörigen beider Gruppen. Im Laufe der Zeit beruhigten ſich wohl auch die aufgeregten Gemüter und eine achtungsvolle Anerkennung abweichender Auffaſſungen und Ausführungen machte ſich immer mehr geltend.“) Im Jahre 1894 bildete ſich, nach dem Vorgang anderer Kunſt— ſtädte, in Karlsruhe ein Verein für Originalradierung mit dem Zwecke,„die Kunſt des Radierens unter ſeinen Mitgliedern zu pflegen und die Teilnahme weiterer Kreiſe an dieſem edeln Kunſt— zweige zu wecken. Das erſte der jährlich erſcheinenden Hefte erſchien gegen Ende dieſes Jahres. Zwei Jahre ſpäter, 1896, erſchien, von dem„Künſtlerbund Karlsruhe“ herausgegeben, eine Mappe mit einer Reihe von Darſtellungen, in denen die farbige Wirkung der Litho— graphie zum erſten Male für Kunſtblätter angewendet war. Die Anregung zu der lithographiſchen Bewegung, in Anlehnung an die von Hans Thoma neu entdeckte Kunſt des durch die Farbe lebendiger gemachten Steindrucks, war von dem Grafen Kalckreuth ausgegangen. Sie hatte einen großen Erfolg. Die Akademie führte einen beſon— deren Unterricht im Lithographieren ein und der Künſtlerbund gründete in Verbindung mit der G. Braun'ſchen Hofbuchdruckerei eine eigene lithographiſche Anſtalt. Im Laufe des erſten Jahres wurden ſchon über 200 lithographiſche Kunſtblätter hergeſtellt. Der Kunſtverein, der im Laufe dieſes Zeitabſchnittes ſich ein neues Heim zwiſchen der Kunſthalle und dem botaniſchen Garten in einem kleinen Pavillon erbaut hatte und von der Kunſthalle dorthin über⸗ geſiedelt war, gründete ſich, da ſich dieſer Raum bald als zu klein und auch hinſichtlich der Lichtverhältniſſe unzulänglich erwieſen hatte, eine dauernde ſchöne Stätte für ſeine Ausſtellungen durch einen ſtatt— lichen Neubau in der Waldſtraße, wozu ihm die Mittel durch die Munificenz des Großherzogs vorgeſtreckt wurden. Der Neubau wurde im November 1900 bezogen und die erſte Ausſtellung in Gegenwart des Hofes eröffnet. *) Dieſe kurze Darlegung möge motivieren, daß man ſich in dieſem Abſchnitt auf eine Aufführung der Namen der größten Zahl der hier wirkenden Künſtler beſchränkte, da der Verfaſſer ſich ſelbſt kein maßgebendes Urteil über deren Werke zutraut und Anſtand nahm, der einen oder der andern der beiden Richtungen anhängende Kunſtſchriftſteller für dieſen Abſchnitt heranzuziehen. Das Großherzogliche Hoftheater hatte in den Jahren 1875 bis 1900 zwei Männer als Vorſtände, die ſich die redlichſte Mühe gaben, das Theater in dem gleichen Sinne zu leiten, in welchem Eduard Devrient von 1852 bis 1870 in ſo hervorragender Weiſe gewirkt hatte“), die beiden Generalintendanten Guſtav Gans Edler Herr zu Putlitz und Dr. Albert Bürklin. Putlitz trat nach einer 17jährigen an Erfolgen reichen Tätigkeit im Juni 1889 von ſeinem Amte zurück. An ſeiner Stelle wurde gegen Ende dieſes Jahres der Gutsbeſitzer und Reichstagsabgeordnete Pr. A. Bürklin mit der Leitung und Verwaltung des Großherzoglichen Hoftheaters betraut. Die Männer, welche in dieſem nahezu dreißigjährigen Zeitraum auf den Haupt⸗ gebieten dieſer Kunſtanſtalt eine maßgebende, führende Tätigkeit ent⸗ falteten, waren der greiſe Oberregiſſeur Karl Fiſcher, ein Veteran des Schauſpiels, der bis zu ſeinem Tode im Jahre 1884 ſein Wiſſen und Können in den Dienſt der Hofbühne ſtellte. Ihm zur Seite ſtand in der Führung der Regie des Schauſpiels bis zu ſeiner Zuruheſetzung im Jahre 1883 Eduard Nebe, in ebenſo tüchtiger als gewiſſenhafter Arbeit bewährt. Seit 1881 entfaltete Oswald Hancke eine überaus verdienſtliche Wirkſamkeit als Oberregiſſeur des Schauſpiels, ſeit 1882 mit dem Titel Direktor. Im Jahre 1886 konnte er auf eine 25jährige künſtleriſche Tätigkeit zurückblicken. Von 1892 an war Rudolf Lange, ſeit 1899 Dr. Eugen Kilian Re⸗ giſſeur des Schauſpiels, dieſer, nachdem er ſchon ſeit 1891 als Sekretär und Dramaturg ſeine reichen Kenntniſſe und ſein feines Ur⸗ teil bei Auswahl und Einſtudierung vieler Neuheiten des Schauſpiels erprobt hatte. Auf dem Gebiete der Oper wirkten als Kapellmeiſter Otto Deſſoff, der 1880 einem Rufe an das Stadttheater in Frankfurt folgte, Joſef Ruzek(von 1890 an mit dem Titel Hofkapellmeiſter) bis 1891, ſeit 1881 Felit Mottl, 1887 Direktor der Oper und der Hofkapelle, 1893 Generalmuſikdirektor, neben ihm ſeit 1894 Albert Gorter, ſeit 1899 Alfred Lorentz; als Regiſſeure Auguſt Harlacher, Benedikt Kürner, Mathias Schön. Von Mitgliedern des Hoftheaters, welche ſeit 1875 bis 1900 in deſſen Verband traten, nennen wir die Schauſpieler Wilhelm v. Hoxar, ) Siehe oben Seite 456 ff. — 846— Arthur Kraußneck, Alois Praſch, Heinrich Reiff, Wilhelm Waſſermann, ſeit 1890 Vortragsmeiſter und Rezitator, Adolf Baſſermann, Hermann Benedikt, Joſef Mark, Fritz Brehm, Hugo Waldeck, Hugo Höcker, Wilhelm Kempf, Fritz Hertz, Siegfried Heinzel; die Schauſpielerinnen Marie Schanzer, Marie Bacon, ſpäter Frau Stritt, Karoline Bruch, ſpäter Frau Pezet, Auguſte Praſch-Grevenberg, Charlotte Boch, Jenny Engelhardt, Sidonie Hönig, Mina Behrens, ſpäter Frau Höcker, Ottilie St. Georges, ſpäter Frau Gerhäuſer, Marie Genter, Lina Loſſen, Alwine Müller; Luiſe Bender, die ſchon während der Devrient⸗ ſchen Direktion dem Hoftheater angehört hatte, und ſich ſpäter mit dem Direktor der Kunſtgewerbeſchule, Guſtav Kachel vermählt hatte, kehrte nach deſſen Ableben als willkommene Vertreterin des Faches der Anſtandsdamen wieder in den Verband der hieſigen Hofbühne ein. Von den Mitgliedern des Schauſpiels wurden nach ihrer Pen— ſionierung 1885 Amalie Baldenecker, 1899 Rudolf Lange zu Ehrenmitgliedern des Großherzoglichen Hoftheaters ernannt. Aus der Zahl der Mitglieder der Oper ſind zu nennen die Sänger: Karl Holdampf, Karl Speigler, Joſef Staudigl, Hermann Roſenberg, Alfred Oberländer, Wilhelm Guggenbühler, Fritz Plank, Karl Cords, Karl Nebe, Emil Gerhäuſer, Haus Buſſard, Hans Keller, die Sängerinnen: Thereſe Schneider, Johanna Schwarz, Bianca Bianchi, Carrie Goldſticker, Cornelie Meyſenheim, ſpäter Frau Schübel, Eliſe Rupp, ſpäter Frau Harlacher, Pauline Meilhac, Giſela Kopp⸗ mayer, ſpäter Frau Staudigl, Luiſe Belce, ſpäter Frau Reuß, Chriſtiane Friedlein, Sophie Fritſch, ſpäter Frau Brehm, Henriette Mottl—⸗ Standthartner, Amalie Nos, Marie Tomſchick, Czdenka Faßbender. — Von den Mitgliedern der Hofoper wurde nach ſeiner Penſionierung im Jahre 1899 Joſef Hauſer zum Ehrenmitglied des Groß— herzoglichen Hoftheaters ernannt.— Als Concertmeiſter iſt Heinrich Deecke, als Orcheſter-Direktor Ernſt Spieß zu nennen. Das Ballet leiteten die Balletmeiſter Alfred Beauval bis 1890, und Alfred Rathner bis 1897, von da an die Balletmeiſterin Paula Bayz. Die Dekorationen ſchufen die Hoftheatermaler Ditt⸗ weiler und Wolf, die Maſchinerien lenkten die Maſchinenmeiſter Mayer und Thiede. Wie Guſtav zu Putlitz zeigte auch Albert Bürklin keine be⸗ ſondere Neigung, die modernſte Richtung bei der Feſtſtellung — 847— des Spielplanes für das Schauſpiel beſonders zu bevorzugen. Aber immerhin verhielten ſie, insbeſondere Bürklin, ſich nicht gerade⸗ zu ablehnend gegen dieſe Richtung. Daneben wurde der Spiel⸗ plan nicht ſelten durch Aufnahme oder Wiedereinſtudierung älterer Stücke bereichert. Daß die bedeutendſten Werke der deutſchen und in Deutſchland eingebürgerten ausländiſchen Klaſſiker auf demſelben nicht fehlten, bedarf keiner beſonderen Betonung. Wo es ſich um einen Überblick über einen ſo langen Zeitraum handelt, kann doch nur der namhafteſten Dichter und Tonſetzer gedacht werden, deren Werke von 1875 bis 1900 auf der Karlsruher Hofbühne, ſei es als Neuheiten, ſei es durch Neueinſtudierung zur Aufführung gelangten. Es ſind im Schauſpiel von modernen und modernſten Autoren: Björnſtjerne Björnſon, Paul Heyſe, Erckmann-Chatrian, Ernſt von Wildenbruch, Ohnet, Ludwig Ganghofer, Adolf Wilbrandt, Anzen⸗ gruber, Sudraka-Pohl, Sudermann, Meyer⸗Förſter, Gerhard Haupt⸗ mann, Martin Greif, Echegaray, E. Pailleron, Henrik Ibſen, Niſſel, Roſtand, Heinrich Kruſe, Langmann, Halbe, Schnitzler; von älteren: Shakſpeare(darunter ein Cyklus der Königsdramen und mehrere Stücke in der Bearbeitung von Gisbert Vincke), Calderon, Molisre, Sophokles(Sedipus in der Überſetzung von Wendt), Leſſing, Schiller (darunter die Wallenſteintrilogie), Goethe(darunter erſtmalige Auf⸗ führung des Götz von Berlichingen in der alten Faſſung von 1773); zur Feier des 400. Geburtstages von Hans Sachs von dieſem die junge Witfrau, Franziska, der Bauer im Fegefeuer; deutſche Luſt⸗ ſpiele aus vier Jahrhunderten: Das heiß Eyſen von Hans Sachs (1531), die ehrlich Bäckin von Jakob Ayrer(1619), Hanswurſt der traurige Kuchelbäcker von Gottlieb Prehauſer(1729), die Veilchen von Marie v. Eſchenbach(1876); ferner Ferdinand Raimund(die gefeſſelte Phantaſie mit Muſik von Schubert-Mottl), Zacharias Werner, Franz Grillparzer, Friedrich Hahn, Heinrich von Kleiſt, Moreto-Weſt, Otto Ludwig, Friedrich Hebbel, Karl Gutzkow, Guſtav Freytag, Karl Immermann, Hermann Moſenthal.— In der Oper verzeichnen wir als Autoren der während der Jahre 1875 bis 1881 gegebenen neuen und neueinſtudierten Werke: Gluck, Mozart, Beethoven, Schubert, Weber, Lortzing, Marſchner, Herold, Nicolai, Meyerbeer, Mähul, Adam, Auber, Halévy, Donizetti, Bellini, Gounod(nunmehr auch Margarethe), Langer, Brüll, Götz. Von Richard Wagner — 848— kam zu den ſchon früher dem Spielplan angehörenden Opern!) noch „Walküre“ hinzu. Seit Felin Mottl am Kapellmeiſterpult den Dirigentenſtab ſchwang, kam ein neuer Zug in das Repertoire der Oper. Von da an nahm das Karlsruher Hoftheater den erſten Rang unter den deutſchen Bühnen ein, welche ſich mit Verſtändnis und Be— geiſterung der Aufführung der Meiſterwerke Richard Wagners wid— meten. Vielleicht nirgends wurden auch die Opern ſeiner Epigonen ſo wohlwollend in den Spielplan aufgenommen. Wenn Mottl auch nicht von einer gewiſſen Einſeitigkeit freizuſprechen iſt, von der er ſich bei der Auswahl der neu aufzuführenden Opern leiten ließ, ſo wurde dieſe doch durch die Genialität ſeiner Leitung aller muſikali— ſchen Darbietungen ohne Zweifel aufgewogen. Zu den erſten Auf— führungen der Karlsruher Oper kamen namhafte Künſtler, Kritiker und Kunſtfreunde aus allen Ländern herzugereiſt, und nicht minder zog jeweils eine Aufführung des„Ring des Nibelungen“ ein großes und auserleſenes Publikum an. Es war eine Auswahl bedeutender und intereſſanter älterer und neuerer Werke, durch welche Mottl den Spielplan bereicherte. Ohne auf Vollſtändigkeit Anſpruch zu er— heben, ſeien nur die Namen der Komponiſten genannt, die er dem Karlsruher Publikum und den Fremden, die ſich zu demſelben ge— ſellten, in den Jahren 1881 bis 1900 vorführte. Von den alten Meiſtern, durch hier noch gar nicht gehörte oder neu einſtudierte Werke, Gluck, Händel, Mozart, Haydn, Pergoleſe, Schubert; von neuen und neueſten Deutſchen Brüll, Perfall, Ritter, Förſter, Lortzing, Neßler, Strauß, Liszt(die hl. Eliſabeth), Humperdinck, Sigfried Wagner(Bärenhäuter), Hillemacher, Schilling, Urſpruch, Rückauf, Thuille, Oscar von Chelius; von Ungarn, Czechen und Slaven Zichy, Smetana, Reznicek, Tſchaikowsky; von Italienern Donizetti, Cherubini, Verdi, Mascagni, Leoncavallo; von Franzoſen Gretry, Auber, Halévy, Bizet, Thomas, Plaquette, Chabrier, Berlioz(Ur⸗ aufführung der„Trojaner“). Im Allgemeinen wurde auch während der Jahre 1875 bis 1900 daran feſtgehalten— abgeſehen von dem Auftreten von Künſt⸗ lern, das auf ein Engagement abſah— keine zu große Zahl von ) Siehe oben Seite 460 f. — 849— Gäſten vor das Karlsruher Publikum treten zu laſſen. Wir be⸗ ſchränken uns auf eine Aufzählung der bedeutendſten. Im Schauſpiel: Herr Haaſe, Frau Schramm, Herr Drach, Herr Mitterwurzer, Frau Klara Ziegler, Herr Dreher, Frau Duſe, Herr Sonnenthal, Frau Sorma.— In der Oper: Fräulein Brand, Herr Bertram, Herr Wachtel, Frau Duſtmann, Frau Artot, Frau Hauck, Herr Götze, Herr van Dyck, Herr Alvary, Herr Scheide— mantel, Herr d'Andrade, Herr Reichmann, Frau Bellincioni, Herr Knote, Frau Wedekind. Das Hoforcheſter fuhr fort in ſeinen Abonnementskonzerten, die mit der Zeit aus dem zu klein gewordenen Muſeumsſaal in den großen Saal der Feſthalle überſiedelten, die namhafteſten Werke der Klaſſiker ſowie der modernen Meiſter in vollendeter Weiſe zur Aus⸗ führung zu bringen. Hieſige Künſtler und Gäſte, die von auswärts eingeladen wurden, wirkten in großer Zahl in dieſen Konzerten mit. Die geiſtliche Muſik, längere Zeit auch noch in der Feſthalle gepflegt, zog ſich nach und nach in die evangeliſchen Kirchen der Hauptſtadt zurück. In den Sälen des Muſeums, der Eintracht und im Foyer des großh. Hoftheaters fanden viele Konzerte ſtatt. Geſang, Solo— vorträge hervorragender Inſtrumentaliſten und die Kammermuſik fanden in dieſen Sälen und in dem Saale des Konſervatoriums eine Stätte und verſammelten, wie jene großen Aufführungen, eine zahlreiche Zuhörerſchaft. Zu den zwei ſeit langer Zeit erprobten Männer⸗ geſangvereinen„Liederhalle“ und„Liederkranz“ trat eine Anzahl neugebildeter, den Männergeſang pflegender Vereinigungen hinzu, die zuweilen einzeln oder in Gruppen vereinigt auch vor das große Pub⸗ likum traten und ſchöne Erfolge erzielten. Wir nennen Badenia, Konkordia, Frohſinn, die verſchiedenen Kirchenchöre, den Lehrergeſang⸗ verein, die Liedertafel, Verein für evangeliſche Kirchenmuſik. Bei beſonderen feſtlichen, namentlich patriotiſchen Veranſtaltungen traten die ſämtlichen Männergeſangvereine zu gemeinſamen Produktionen zu⸗ ſammen, in den Wintermonaten in der Feſthalle, im Sommer im Stadtgarten, bei patriotiſchen Feiern und bei Huldigungen, die dem Großherzog und der Großherzogin oder dem Deutſchen Kaiſer, wenn er hier weilte, dargebracht wurden, wohl auch im Schloßgarten oder auf dem Schloßplatz. Von anderen muſikaliſchen Vereinen gedieh auch in dieſem Zeitraume der ſchon 1863 gegründete Inſtrumental⸗ 5⁴ 0.— verein unter dem Protektorate des Prinzen Karl weiter und vervoll— kommnete ſeine Darbietungen. Die beiden Vereine für gemiſchten Chor, der Cäcilienverein und der Philharmoniſche Verein löſten ſich auf und es gelang— abgeſehen von den Kirchengeſangvereinen— nicht, ſie durch eine neue Vereinsbildung zu erſetzen. Mit der überaus raſchen Zunahme der Bevölkerung nahm die Geſelligkeit nach und nach eine ganz veränderte Geſtalt an. Die Zahl der geſelligen Vereinigungen vermehrte ſich und dieſe neuen Verbände umfaßten mit der Zeit geſellſchaftliche Kreiſe, die früher das Bedürfnis nach ſolcher Abſchließung gar nicht empfunden hatten, während die Angehörigen der alten Vereine ſich untereinander fremder fühlten und dafür die geſchloſſene Geſelligkeit der wohlhabenden Familien immer größere Ausdehnung gewann. Während des Karnevals zogen die Maskenbälle in der Feſthalle ein großes Publikum heran, auch andere Veranſtaltungen zu wohltätigen Zwecken, Bälle, Aufführungen theatraliſchen und muſikaliſchen Charakters, Bazare u. dgl. brachten Kreiſe, die ſonſt wenig Berührungspunkte hatten, einander näher. Masken⸗ züge am Faſtnachtsdienstag wurden mit wechſelndem Erfolg inſzeniert. Für alle dieſe Unternehmungen war der Zuſtand der Stadt in der allmählichen Umbildung zur Großſtadt nicht allzu vorteilhaft. Der eigentlich großſtädtiſche Zug wollte ſich noch nicht einſtellen, das be— hagliche kleinſtädtiſche Leben in ſeiner größeren Einfachheit und Harm— loſigkeit war aber entſchwunden. Es würde zu weit führen, ſich über das vielgeſtaltige Vereins— weſen, wie es ſich in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts immer breiter und mannigfaltiger entwickelt hat, eingehend zu verbreiten. Die kirchlichen und politiſchen, die wohltätigen und gemeinnützigen, die wiſſenſchaftlichen und künſtleriſchen, die muſikaliſchen und die lediglich geſelligem Vergnügen gewidmeten Vereine vermehrten ſich von Jahr zu Jahr. Auf acht dreiſpaltigen Seiten zählt das Adreßbuch für 1900 nach dem Stande vom 1. November 1899 die außer— ordentlich große Zahl von 337 Vereinen und Verbänden auf. iee Bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts iſt die Geſchichte der Stadt Karlsruhe in dem nun zum Abſchluß gebrachten Werke dargeſtellt worden. Nußerlich hat ſich dieſe Stadt aus den beſcheidenſten Anfängen mit einer bunt zuſammengeſtrömten Bevöl⸗ kerung zu einer der ſtattlichſten und ſchönſten Städte nicht nur des Badiſchen Landes, ſondern auch des Deutſchen Reiches mit einer in⸗ telligenten, wohlhabenden, zielbewußten Einwohnerſchaft entwickelt. In ihr fühlt ſich die alte Bürgergemeinde mit den ſie an Zahl weit übertreffenden im Laufe von faſt zwei Jahrhunderten aus allen deutſchen Gebieten Zugezogenen zu gemeinſamem Streben für das Wohl der Stadt verbunden. Sie erfreut ſich einer muſterhaften Ver⸗ waltung, wohlgeordneter Finanzen, einer aufblühenden Induſtrie, eines ſich täglich weiter entwickelnden Handels und Gewerbes. Alle Mittel des modernen Verkehres verbinden die einzelnen Teile der Stadt untereinander, mit den Nachbarorten, durch ein Netz von Eiſenbahnen mit allen Nachbarländern. Der Rheinhafen eröffnet die lang erſehnte Verbindung mit einer großen Waſſerſtraße. Der Bau eines neuen Bahnhofes wird die jetzt noch ſtörenden Verkehrshinderniſſe in wenigen Jahren entfernen. Für die Pflege der Geſundheit ſind die trefflichſten Auſtalten getroffen. Immer mehr vergrößert ſich die Gemarkung, immer ſtattlichere und ſchönere öffentliche Bauten und Privatgebäude erheben ſich in der Altſtadt wie in den neu eröffneten Stadtteilen. Prächtige Anlagen zieren die zahlreichen Plätze, ein unvergleichlich ſchöner Stadtgarten, die wohlgepflegten Wege des Hardtwaldes bieten Gelegenheit zum Wandeln und Aufenthalt im Freien. Für die Armen und Notleidenden ſorgt die Gemeinde und der wohltätige Sinn der Bevölkerung, der ſich in einem ausgedehnten Vereinsleben betätigt. Die Schulen in ihrer Vielſeitigkeit, von der Techniſchen Hochſchule bis zu der einfachen Volksſchule entſprechen in ihrer Verfaſſung wie in ihren Erfolgen den höchſtgeſpannten Anforderungen der neuen Zeit. Ein reges geiſtiges Leben entwickelt ſich immer mehr und auf allen Gebieten der Bildung, die man beſtrebt iſt, in den weiteſten Kreiſen der Bevölkerung zu verbreiten. Künſte und Wiſſenſchaften blühen und 54* geſellen den Namen Karlsruhe immer mehr und mit ſtets größerem Rechte— zu jenen der erſten Bildungsſtätten der Nation. Eine heitere Ge— ſelligkeit verſammelt nach des Tages Laſt und Mühen in einer großen Zahl von Vereinen die verſchiedenſten Kreiſe der Einwohnerſchaft zu wohltuender Erholung. Die Stadt Karlsruhe iſt die Schöpfung eines erlauchten Fürſten— aus dem uralten Zähringer Geſchlechte. In Freude und Leid haben⸗ ſeitdem Fürſt und Volk in dieſer Haupt- und Reſidenzſtadt des Badener— Landes treu zuſammengehalten und zuſammengearbeitet für das Blühen⸗ und Gedeihen dieſer Stadt. 5 In treuer Geſinnung, in liebevoller herzlicher Verehrung blickt⸗ der Karlsruher zu dem ehrwürdigen Großherzog Friedrich, zu der edlen Großherzogin Luiſe empor. Das erlauchte⸗ Fürſtenpaar erwidert ſeinen Karlsruhern in wohlwollend fürſorglicher Huld die Liebe und Treue, welche dieſe ihm widmen. Mit der' innigſten Anhänglichkeit an die badiſche Heimat verbindet der Karls— ruher die wärmſte Hingebung an das große deutſche Vaterland. In⸗ nationaler Geſinnung wiſſen ſich alle Einwohner dieſer Stadt einig, mögen ſie auch ſonſt durch Verſchiedenheit der politiſchen und kirch⸗ lichen Anſchauungen und Grundſätze getrennt ſein. Sie ſtehen feſt—. und treu allzeit zu Kaiſer und Reich. So möge es auch fortan ſein, wie ja auch in den drei erſten— Jahren des zwanzigſten Jahrhunderts die Stadt Karlsruhe, auf der' gleichen Bahn ſchreitend, ſich in erfreulichſter Weiſe weiter ent⸗ wickelt hat. Dem Manne aber, dem es beſchieden ſein wird, als Geſchicht— ſchreiber der Stadt Karlsruhe am Ende dieſes Jahrhunderts auf ihre Geſchicke zurückzublicken, möge es gegönnt ſein, mit den gleichen Gefühlen der Befriedigung über die Vergangenheit, der Zuverſicht auf eine glückliche Zukunft die Feder aus der Hand legen zu können, wie es der Verfaſſer dieſes Buches am Abſchluſſe ſeiner Arbeit— tun darf. 8 E 3 Regiſter. A. Aab, Lehrer J, 273, 497. Abert, Joſeph, Komponiſt III, 95, 451. Abreſch, Mechaniker u. Hausbeſitzer II, 409. Achenbach, Ludwig, Oberhofgerichts⸗ advokat u. Landtagsabgeordneter III53 Achert, Joſef, 428, 436, Ackermann, Konrad Ernſt, Schauſpieler u. Bühnenleiter I, 84. Adam, A., Maler II, 446. —, Adolf Charles, franz. Komponiſt III, 461, 847. —,„Victor, Profeſſor III, 438, 797. v. Adelsheim, Karl Leop. Frh., Ober⸗ forſtmeiſter I, 141, 197. — Sennfeld, Frfrl. III, 234. Aders, Ferdinand, Maler III, 233, 455. Affenmüller, Gaſtwirt II, 245. Affſprung, Litterat J, 59. d'Alayrae, Nicolas, franz. Opernkom⸗ poniſt J, 87, 359, 516. Aldridge, Ira, Schauſpieler III, 462. Alexander, franz Schauſpieler J, 516. Allgaier, Joh., Fuhrunternehmer III, 695. Hofgerichtsadvokat II, 440. Aloſſe, Peter, Schirmfabrikant II, 408. Alt, Martin, Kreisſchulrat III, 431, 436, 437. Altmann, Joſef, Oberrat III, 443. d'Alton, Eduard, Anatom u. Archäo⸗ loge J, 501-502. Alvars, Parish, Harfenvirtuos II, 454. Alvary, Max, Opernſänger I, 849. Amann, Alan, Sprachlehrer III, 495. v. Amerongen, Emma Frfr. Taets, III, 39, 115. Ameſeder, Lehrer an der Malerinnen ſchule UII, 816. Ammann, Privatſchule II, 429. Ammon, Otto, Schriftſteller III, 630. v.—, bayr. Regierungsrat III, 286. v. Andlaw⸗Birſeck, Conrad Karl Frie⸗ drich Frh., Miniſter, ſpäter Hof⸗ richter I, 234, 297, 441. —, Franz Xaver Frh., Sohn des Vorigen, bad. Diplomat J, 303. —, Heinrich Frh., bad. Politiker, Bruder des Vorhergehenden II, 187, 188, 222; III, 109. d'Andrade, Francesco, Opernſänger III, 849. Aneke, pfälziſcher Revolutionär und Frau A. II, 288. Anhalt-Deſſau, Leopold(Friedrich Franz), Fürſt, ſpäter Herzog von „95, 145. — Leopold, Friedrich, Erbprinz von III, 563. —, Marie, gebor. Prinzeſſin von Baden, Gemahlin des Vorher⸗ gehenden III, 100, 190, 531, 563, 614, 670. Anſelm u. Co., Privatpoſt III, 746. de Antoni u. Co., Kaffeefabrik 1, 278. Anzengruber, Ludwig, Dichter III, 847. Appel, Dr. Meier, Stadtrabbiner III, 617, 832, 833. Appelt, Schauſpieler u. Bühnenleiter J, 84-85. v. Apponyi, Anton Graf, öſterreich. Geſandter I, 227, 296, 297, 299. —, Gräfin, geb. Gräfin Nogarolla, Gemahlin des Vorigen I, 299. —, Rudolf Graf, öſterreichiſcher Ge⸗ ſandter II, 32—33. d'Aprix, Maler I, 508—509. Arens, Polytechniker II, 137. Argelander, Friedr. Wilhelm Auguſt, Aſtronom III, 35. Arleth, Karl, Kaufmann II, 392, 408. d'Arlincourt, Charl. Vietor Prevöt Vicomte, franz. Schriftſteller II, 31. Armbruſter, Adolf, Oberſchulrat III, 194, 451, 590, 819. —, Dr. Karl, Profeſſor III, 799, 816. Arndt, Ernſt Moritz III, 70, 72, 663. v. Arnim, Frh., preuß. Legations— ſekretär II, 240- 241. Arnold, Baumeiſter J, 82, 265, 288. —, Barbara, Privatlehrerin III, 441. —, Bertha, Lehrerin III, 799. —, Engelbert, Profeſſor III, 785, 795, — 854— —„Friedrich, Oberſtleutnant u. Mili⸗ tärbaudirektor J, 418, 420, 478 II, 84, 371. —„ Jakob Friedrich, Pfarrer in Lie⸗ dolsheim J, 375. v.—, Mourij, ruſſiſcher Komponiſt 95 Arnsperger, Dr. Leopold, Obermedi— zinalrat III, 537, 538, 707. Artaria, Maler II, 444. —, Philipp, Landtagsabgeordneter III, 49. Artöét, Deſirée, Opernſängerin III, 849. Aſal, Philipp, Profeſſor III, 797. Aſchbach, Gerhard, Hofgerichtsrat u. Landtagsabgeordneter II, 53, 64. Aſſal, Friedrich Wilhelm, Geh. Kanz⸗ liſt J, 117. Auber, Daniel Frangçois, franz. Kom⸗ poniſt I, 407, 409, 516; Ef, 451; III, 461. d'Aubuſſon, Pierrre Raymond Hector, Comte de la Feulliade, franz. Kammerherr I, 202. Auerbach ſ. Bühler. Auerbacher, Jonas und Frau Thereſe, geb. Diefenbronner III, 18. —, Meier, Schutzjude J, 273—-274. v. Auerswald, Hans Adolf Erdmann, (ſtatt Alfred), preuß. Generalmajor II, 206, 210. v. Auffenberg, Joſef Frh., Hoftheater⸗ intendant I, 391, 500, 514, 515; II, 439, 447—449. Augenſtein, Karl, Architekt III, 620,628. Augier, Emile, franzöſiſcher Drama⸗ tiker III, 460. Auguſtenburg, ſ. Schleswig. Autenrieth, Alexander, III, 433, 505. —, Karl, Hofmaler I, 498. Ayrer, Jakob, Dichter 1II, 847. B. Baader, Amalie, Oberin des St. Vin— centiushauſes II, 374; III, 24, 498. —, Matthias, Reallehrer III, 797. v. Babo, Auguſt Frh., Vorſtand der landwirtſchaftl. Gartenbauſchule II, 422, 423. —, Joſ. Marius, Dramatiker I, 514; II, 449. Bach, Johann Sebaſtian III, 8, 95, 180, 466, 655. —,Karl, Vorſtand der landwirtſchaft⸗ lichen Winterſchule III, 792. Bachelin, Eduard, Oberſtaatsanwalt III, 91. Bachſtein u. Co., III, 724. Bacmeiſter, Heinrich, Oberrechnungsrat II, 44, 380. Bacon, ſ. Stritt. Hauptlehrer Bauunternehmer Baden: Markgrafſchaft Baden: —, Bernhard I., Markgraf von III, 649. —, Bernhard II.(d. 650—651, 672. —, Philipp I., Markgraf von I, 4. —, Rudolf I., Markgraf von III, 649. Markgrafſchaft Baden-Baden: —, Auguſt Georg Simpert, Mark— graf von J, 94. —, Ludwig Wilhelm, Markgraf von I, 30, 151; II, 439; III, 6, 649. —, Marie Victoria, Gemahlin des Markgrafen Auguſt Georg von I, 344, 345, 359; III, 352. Markgrafſchaft Baden-Durlach: —, Auguſte Magdalene, Prinzeſſin, Tochter des Markgrafen Karl Wilhelm J, 9. —, Auguſte Maria, Prinzeſſin von Holſtein, Gemahlin des Mark⸗ grafen Friedrich Magnus I, 7. —, Chriſtoph, Prinz, Sohn des Mark⸗ grafen Friedrich VII. Magnus I„ 1 —, Chriſtoph, Prinz, Sohn des Vor⸗ hergehenden J, 57, 58. Selige) III, Baden, Ernſt Friedrich, Markgraf von l Friedrich VI., Markgraf von J, 4. Friedrich VII. Magnus J, 7, 8, 17, Friedrich, Erbprinz, Sohn des Markgrafen Karl Wilhelm I, 9, 17⁷ 3⁴ Georg Friedrich, Markgraf von I, 4, 41, 226; III, 649, 650. Karl II., Markgraf von I, 8; III, 16. Karl Auguſt Reinhard, Sohn des Prinzen Chriſtoph 1,37, 38, 57,84. Karl Magnus, Erbprinz/ Sohn des Markgrafen Karl Wilhelm J, 9. Karl Wilhelm, Markgraf von I, 3, 6—33, 37, 39, 53, 93, 184, 211, 242, 529, 531; II, 8, 122—124, 128; III, 649, 650, 664, 852 „Karl Wilhelm Eugen, Sohn des Prinzen Chriſtoph I, 57, 58, 70. Ludwig Wilhelm, 1 0. des 6585 prinzen Friedrich J, 38, Magdalene Wilhelmine, Prinzeſſin von Württemberg, Gemahlin des Markgrafen Karl Wilhelm I, 9, 28, 31, 37, 38. Großherzogtum Baden: „Alexander(Maximilian Karl), Erbhroßherzeg, Sohn des Groß⸗ herzogs Karl J, 358—359, 377. Amalie(Chriſtiane Luiſe), Prin⸗ zeſſin, Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig l, 56, 174, 175, 188, 329, 332, 337, 390, 406. Amalie Friederike), Prinzeſſin von Heſſen-Darmſtadt, Gemahlin des Erbprinzen Karl Ludwig!, 55 57, 97, 109, 125, 147, 149, 150, 174178, 182.—184, 191, 193, 197, 199—202, 208, 209, 217, 218, 227, 230, 232, 242, 243, 265, 288, 297, 300, 304, 316, 317, 324, 329, 330, 332, 337, 338, 342—343, 355, 356, 386, 391, 404, 406, 407, 411, 425; 10, 11, 25 IIIJ 839. Cliſabeth(Alexandrine Konſtanze), Herzogin von Württemberg, Ge⸗ mahlin des Markgrafen 719 15 (Ludwig Auguſt) II, 6, 7, 9, 13, 15, 28, 68, 103, 104, 127 128,311 3137 III, 14, 20, 96—97, 468,574. 855 Baden, Marie, Prinzeſſin, Markgrafen Auguſt) II, Wilhelm 133 III, 6, 468, Eliſabeth(Pauline Sophie E. Tochter des (Ludwig 574. Friedrich, Markgraf, Sohn Groß⸗ herzogs Karl Friedrich I, 55—57, 69, 94, 118, 182, 377, 378, 279, 297, 526; II, 24; III, 29. Friedrich, Großherzog von J, 405, 406; II, 27 7. 30, 138, 176, 243, 281, 334—338, 407, 459; III, 30, 32—48, 64, 66, 6 15-17, 35— 38, 50—55, 7, 69, 70, 197, 20— 23 126, 186, 198, 206, 313,316, 345, 346, 321, 227, 406, 243, 25 127, 220, 325, 350—352, 3, 5—14, 16—27, 5761, 63, 72, 75, 7780, 82, 85, 89—91, 98102, 118—120, 131136, 105—107, 122, 123, 138, 139, 149, 152, 110—112?, 126—129, 141, 142, 154, 155, 144, 158, 145, 160, 164, 165, 169, 171, 1725 174 177, 179³ 181, 185, 187— 195, 197 199, 204, 200—212, 239, 245, 284, 293, 365, 366, 406—4508, 468, 472, 484, 485, 498.—502, 516, 521, 568, 570, 591—593, 603-606, 617, 618, 663- 665, 750, 774, 820, 826 256, 294, 346, 380, 390, 413. 419.—122, 444, 450—452, 455, 524—526, 571, 573—583, 595, 596, 608—610, 621, 625—628, 631, 633—638, 642, 216, 2²¹ę, 264, 349, 396, 456, 475, 477,—479, 488—493, 506, 507, 495, 238, 278, 360, 402, 426, 459, 481, 496, 509—514, 527534, 536,540, 541,543, 545, 548—565, 589, 599—601, 612-614, 649, 667, 670672, 785—789, „827, 831, 844, 849, 852. 796, 832, 630, 659, 732, 81¹5, 8115 Friedrich, Erbgroßherzog, Sohn Großherzogs Friedrich III, 24— 123, 127, 209, 210, 492, 507, 526, 528, 548—551, 592, 595, 633, 665, 64, 73, 107, 190, 302, 478, 485, 520, 521, 541—53, 563, 576, 616, 626, 819. 128, 51¹, 530, 58 610, 667, 29, 187 7, 477 518, 540, 562, 612, 670, — Baden, Henriette, Prinzeſſin, Tochter 8 des Markgrafen Wilhelm(Ludwig Auguſt) II, 12, 13. Hilda, Prinzeſſin von Naſſau, Gemahlin des Erbgroßherzogs Friedrich III, 540—543, 548, 563, 576, 592, 595, 605, 614, 630, 654, 665, 670, 672, 819. Karl, Großherzog von I, 56, 146, 174, 177, 182, 187, 189—190, 193, 196-197, 199-206, 208-209, 214, 215, 217—219, 223—224, 228—233, 266, 388—399, 401, 407, 425, 441—442, 451, 479; II, 7, 22, 6768, 76, 124, 128; III, 4, 31, 144, 560, 634. Karl(Friedrich Guſtav Wilhelm Maximilian), Prinz u. Markgraf, Sohn Großherzogs Leopold II, 7, 8, 24, 25, 111, 127, 313, 314316, 350, 352, 382; IIũI, 217 40 41, 54, 100,, 111, 116, 123, 127, 129, 138, 141, 174, 178, 182, 193, 492, 511, 529, 531, 570, 581, 595, 596, 601, 610, 612, 637, 638, 670, 850. Karl Friedrich, Markgraf, dann Kurfürſt u. Großherzog von I, 37, 295, 297299, 341, 344, 352, 379, 383, 386, 388, 392, 411—415, 429—430, 441—442, 478, 506; II, 4, 6, 10, 123, 126—130, 177, 310, 354, 371, 379, 434, 447; III, 4, 31, 154, 158, 241, 244, 410, 527, 531—532, 649, 656, 707. Karl Ludwig, Erbprinz, Sohn Großherzogs Karl Friedrich I, 55, 56, 58, 72, 74, 77, 97, 98, 104, 109, 110, 132, 143, 146, 147, 150, 158, 162, 164, 165, 174—177, 183, 184, 243, 247, 342, 390. Karoline Luiſe, Prinzeſſin von Heſſen⸗Darmſtadt, 1. Gemahlin Großherzogs Karl Friedrich J, 39, 40, 55—59, 66, 69, 72, 74, 77, 78, 94, 95, 97, 266. Leopold, Reichsgraf v. Hochberg, ſpäter Markgraf u. Großherzog von Baden I, 57, 123, 132, 326, 379, 390—391, 404, 405, 409, 411, 414, 417, 429, 430, 441, 511, 526; II, 3—10, 13—18, 20—23, 25, 2731, 33 42, 46, 63— 47, 49, 50, 55—59, 62, 64, 65, 68, 74, 76, 78, 81, 88, 89, 938, 99-105, 107, 1174119, 124131, 133—135, 140, 141, 144, 146, 148—150, 152156, 158, 159, 161, 164, 169, 175, 176,179—182, 186-191, 197, 198, 200, 205, 206, 208, 216, 219—221, 223, 228, 230, 242, 243, 255—257, 260, 261, 267— 269, 272, 281, 286, 288, 291, 294—296, 300, 302-304, 307, 311-323, 325-329, 331, 334-338, 343, 347, 349-354, 361, 381—386, 388, 397, 398, 406, 407, 410, 420, 422, 423, 426, 441, 442, 444, 446, 447, 456, 458—460; III, 4-7, 209, 100, 233, 396, 468, 573, 617, 662, 664. Baden, Ludwig I., Großherzog von I, 5557, 96, 97, 108, 110, 118⸗119, 132, 143, 146-147, 162, 177, 181, 182, 184, 189, 190, 192—194, 196, 197, 200, 203—205, 215,217, 232, 243, 244, 279, 288, 341, 342, 345, 353, 355, 359, 360, 387, 388, 405, 442, 445, 451, 452, 469, 479, 496, 500, 512, 513“; II, 3, 4, 40, 98, 124—126, 128, 257. —„Ludwig II., Großherzog von I, 405; II, 15—17, 20—24, 27, 29, 30, 35—37, 68, 106, 107, 126, 127, 313, 352; III, 17, 32, 75. —, Ludwig(Karl Friedrich Leopoldb, Sohn Großherzogs Leopold 1, 404- 405. —, Ludwig Wilhelm, Prinz, Sohn Großherzogs Friedrich III, 98, 99, 190, 515, 526, 529 531, 558, 606, 677, 711. —, Luiſe(Chriſtine L.), Prinzeſſin von Naſſau⸗Uſingen, Gemahlin des Markgrafen Friedrich I, 55, 57, 297, 360, 370, 378—379, 406, 425, 447, 448, 454, 536; 11, 24; III, 29. —, Luiſe, Prinzeſſin von Preußen, Gemahlin Großherzogs Friedrich II, 323—324; III,12—14,18—27, 35, 36, 39, 41, 51, 53, 59, 64, 66, 72, 75, 98, 107, 114, 115, 123, 128, 129, 138, 164, 165, 168, 169, 172, 174—177, 185, 192, 200, 294, 358, 209, 214, 420, 432, 477, 478, 506, 510, 520, 526, 531, 541, 187-190, 215, 234, 441, 451, 468, 472, 485, 491, 49950l, 514, 516, 517, 519, 527, 529, 530, 533, 549—550, 555—560, 563—566, 568, 576, 581, 588, 591, 592, 595, 605, 606, 612, 613, 625,626, 630, 631, 633. 634, 637, 638, 663⸗665, 670-672, 710, 716⸗719, 785, 786, 807, 809,810, 814—819, 827, 849, 852. Baden, Marie Luiſe, Herzogin von Cum— berland, Gemahlin des Prinzen Maximilian(Alexander Friedrich Wilhelm) II, 633-634. Marie Maximilianowna, Herzogin von Leuchtenberg, Gemahlin des Prinzen(Ludwig) Wilhelm(Auguſt) 857 III, 75, 76, 100, 115, 123, 127, 129, 169, 172, 186, 190, 359, 420, 468, 492, 531, 563, 577, 614, 637, 670, 711, 790. Maximilian(Friedrich Johann Ernſt), Reichsgraf von Hochberg, Markgraf von Baden, Sohn Groß⸗ herzogs Karl Friedrich I, 57, 132, 146, 182, 352, 379, 407, 417, 429, 431—433; II, 9, 12, 15, 29, 34, 37, 39, 59, 89, 100, 101, 103, 104, 107, 127, 134, 135, 140, 183, 243, 256, 313, 325, 459. III, 138, 193, 402, 468, 527. Maximilian(Alexander Friedrich Wilhelm), Prinz u. Markgraf, Sohn des Prinzen u. Markgrafen (Ludwig) Wilhelm(Auguſt) III, 157, 531, 596, 614, 626, 633, 634, 637, 655, 667, 750, 786. Sophie, Prinzeſſin von Schweden, Gemahlin Großherzogs Leopold J, 227, 390, 391, 404—407, 411; II, 3, 4, 710, 12—18, 21, 22, 294, 672, 25—29, 41, 47, 89, 99-—101, 103—105, 111, 117, 119, 127, 130, 131, 141, 180—182, 242, 313—316,321,322,324,350—352, 382, 385—387, 390—394, 406, 424, 426, 447; III, 11, 12, 16, 17, 19, 23, 27, 29, 32, 33, 41, 75, 77, 89, 99, 160, 168, 233, 444. Baden, Stephanie, Vicomteſſe de Beau⸗ — — — harnais, Gemahlin des Groß⸗ herzogs Karl J, 199, 201—-205, 208, 215, 218, 219, 224, 228—230, 284,296—298,300,302—304,308, 313, 314, 316, 317,324, 327—329, 333,335,337,340—342,345—347, 358—360,365,369—371,379,381, 383, 385, 389, 390, 405, 444, 498, 502, 525; II, 7, 13, 22, 24, 27, 68, 100, 127, 350; III, 21, 50. Wilhelm(Ludwig Auguſt), Reichs⸗ graf von Hochberg, ſpäter Mark⸗ graf von Baden, Sohn Groß⸗ herzogs Karl Friedrich I, 57, 222, 225, 226, 230, 300, 307, 308, 313, 315, 326, 331, 332, 334, 335, 350, 352, 358, 379, 390, 407, 411, 417, 431—433, 499, 500, 511 f, 6, 7, 9, 12, 1 15, 19, 28, 29, 31, 33—35, 37—39, 41, 59, 68, 89, 90, 101, 116—118, 127, 134, 135, 140, 159, 176, 183, 197, 205, 243, 256,311—313, 321, 325, 332, 349, 350, 384; III, 6, 8, 14, 20, 33, 41, 68, 468, 574. Wilhelm(Ludwig W. Auguſt), Prinz u. Markgraf, Sohn Groß⸗ herzogs Leopold J, 407; II, 24, 25, 111, 127, 313316, 326, 352; III, 11, 17, 19, 21, 32, 40, 51, 53, 54, 60, 63, 75—77, 106 105, 1 15 122, 126—129, 133, 138, 146, 169, 178, 181, 182, 190, 191, 193, 210, 212, 213, 215, 216, 234, 468, 478, 487, 492, 501, 531, 557, 563, 574, 577, 596, 597, 613, 614 634, 672. ungenannter Prinz, Sohn Groß⸗ herzogs Karl J, 303—305. — ſ.a. Anhalt⸗Deſſau, Bayern, Braun⸗ ſchweig⸗Wolfenbüttel, Fürſtenberg, Hamilton, Heſſen-Darmſtadt, Hoch⸗ berg, Hohenlohe-Langenburg, Ho⸗ henzollern, Leiningen, Lippe, Rhena, Rußland, Sachſen⸗Koburg⸗Gotha, Sachſen⸗Weimar, Schleswig⸗Hol⸗ ſtein, Schweden, Seldeneck, Waſa. Bader, Lehrerin III, 800. —, Dr. Joſef, Archivrat II, 438—439, 450. —, Johann Sebaſtian, Landtagsabge— ordneter II, 72, 78. Bader, Dr. Karl, Profeſſor u. Baurat II, 58, 174, 188, 321, 396, Baer, III, 215. Franz Joſef, Waſſer- u. baudirektor III, 413, 573 Friedrich, Maler III, 506. Karl Anton Ernſt, Oberlandes⸗ gerichtsrat u. Abgeordneter III, 507, 522. Baggefei, Jenſ., däniſcher Dichter J, 28 35. Bähr, Jakob, Güterbeſtätter II, 402. —„Johannes, Prälat I, 407. —„Johann Chriſtian Felix, Prof. in Heidelberg J, 506. —„ Julie, 418. —, Karl Chriſtian Wilhelm Miniſterialrat III, 4, 20, 405, 409, 417, 418, 823. Bailli, engl. Ingenieur II, 109. Baillot, Pierre, Violinvirtuoſe I, 520. Baiſch, Dermann, Profeſſor u. MalerII, 594, 842. Balbach, Ottmar, Bildhauer II, 407. Baldenecker, Amalie, Schauſpielerin III, 458, 846. —, Johann Daniel, Muſikdirektor II, 455. Bapſt, J. Auguſt, Kaufmann II, 384. Bär, Chriſtian, Landtagsabgeordneter II, 330. „Pr. Johann Ernſt, Medizinalrat in Durlach J, 508. 50555 Sohn des Vorhergehenden!, 11100 I Schenkendorf. Barlow, James, Gasdirektor II, 415. — u Manby, Gasfabrik II, 87, 99 415. Bärmann, Heinrich, bayr. Kammer— muſiker I, 519. Barner, Andreas, Seminarlehrer III, 789. Barnſtedt, Wilhelm, Hoftheatermaler 5 III, 203, 462, 465. Barriere, Theodore, franz. Dramatiker III, 460. Barrot, Odilon, franzöſiſcher Staats⸗ mann II, 146. Barth, ſ. Markſtahler⸗ Barthold, Karl, Kaufmann, Stadtrat, bayr. Konſul II, 196, 403; III, 11, 104, 147, 148, 163, 2025 290, 482, 523, 545. Bartlin, Erasmus, Redakteur II, 51. Felix, 346, 398. 858 v.—, öſterreich. O de Bary, Auton 9 Profeſſor in Freiburg III, Baſel, Biſchof von 15 186, 295. Basler, k. bayr. Oberingenieur III, 286. Baſſermann, Adolf, Schauſpieler III, 846. —,Friedrich Daniel, Landtagsabge— ordneter II, 145, 154, 160, 163, 189, 190, 324, 363. —„Dr. Heinrich, Profeſſor in Heidel⸗ berg III, 405, 605, 823. Battlehner, Pr. Ferdinand, Geh. III, 639. Bauer, II, 439; III, 823. —, Kupferſchmied I, 119. „Kapellmeiſter III, 467, 468. „Bildhauer aus Konſtanz III, 28,29. —, Gabriel, Bürgermeiſter J, 48 187, 221 14. Karl, Oberreviſor I, 512. l Karl Ludwig, Profeſſor am Realgymnaſium III, 795. Rat —„Karoline, Schauſpielerin N‚ II, 449. —, Wilhelm, Gaſtwirt III, 67, 68. berſt I, 111. —, bayr. Generalmajor II, 36. —, kurheſſiſch. Generalleutnant II, 185. v. Bauernfeld, Eduard, Luſtſpieldichter II, 449, 460. Baum, Dr. I, 159. —, Rudolf, Landtagsabgeordneter II, 189, 222. Baumann, Chriſtian, Stadtrat I, 431. —, Joſeph, Hofmuſiker II, 180, 456. v. Baumbach, Wilhelm Frh., Intendant der gr. Kunſtkabinette II, 441. Baumeiſter, Dr. Andreas, Reallehrer, Vorſtand der kaufmänniſchen Fort⸗ bildungsſchule III, 443, 809. „Auguſt, Pfarrkurat 1II, 826. —, Hermann, Maler III, 843. „Reinhard, Oberbaurat u. Profeſſor III, 204, 320, 342, 568, 619, 731, 784, 784, 786. Baumgarten, Hermann, Profeſſor III, 58, 80, 8l, 83, 89, 113m, 189, 206, 423, 449. Baumgärtner, Karl, Stadtdirektor, Geh. Rat I, 431; II, 3, 81, 106, 132, 133, 425. „Dr. Karl Peintich Profeſſor in Freiburg III, 451. Bäumler, Dr. Chriſtian, Profeſſor in. Freiburg III, 563. Baur v. Eiſenegg, Karl, Polizeidirektor und Geh. Referendär J, 300, 373, 452, 497. Bautz, Stadtrat II, 91, 92 96, 137, 218, 219, 258, 383, 384, 427 III, 436. Bayer, Daniel, 431. Jof IE 163 Stadtrat I, 187, 201, 859 —, Phil., Drahtgewebefabrik III, 377. v.—, Auguſt, Hofmaler II, 443; III, 23, 28, 29, 41, 448, 450, 484. Bayern, Arnulf, Prinz von III, 541. —,Karl, Prinz von, Sohn Maximi⸗ lian I. I, 359; II, 186. —, Karoline(Friederike Wilhelmine), Prinzeſſin von Baden, zweite Ge⸗ mahlin Maximilians I. von I, 56, 146, 147, 175, 178, 185, 229, 316, 323, 337, 391, 394, 407. Ludwig J., König von I, 334; II, 29, 106, 107, 441. 626. Maximilian I. Joſef, König J, 56, 146, 147, 175, 185, 191, 202, 299, 316, 323, 336, 337, 359, 380, 391, 394, 407, 416, 2 337. „ſ. a. Leuchtenberg, Preußen. Bayz, Paula, Balletmeiſterin III, 846. Bazendorff, Joh. Friedrich, Ingenieur und Leutnaut I, 12. Bazoche, Privatlehrer II, 430. Bazzini, Antonio, italien. Violinvirtuoſe II, 454. Beauharnais, ſ. Leuchtenberg. Beaumont, Graf, franz. Diviſions⸗ general I, 222. Beauval, Alfred, Balletmeiſter 451; III, 457, 846. Bechert, Emil, Geh. Oberregierungsrat U. Landtagsabgeordneter III, 486, 625. Bechtel III, 823. Beck, Lohnkutſcher I, 492. —, Lyceumslehrer III, 638. Gottlob, Stadtdiakon I, 311. Johann Nepomuk, Opernſänger III, 462. Dr. Joſeph, kathol. Oberkirchenrat II, 438. Baden, Frankreich, II, „O., Referendär III, 483. —, Oberſtleutnant III, 638. „Georg Ludwig Karl, Oberſt I, 126-127. Becker, Schieferdecker J, 343, 449; III, 234. Beck, Ludwig, Reallehrer III, 425, 786. v. —, Hausvater III, 354. „Verwaltungsrat der preußiſch—⸗ rheiniſchen Dampfſchifffahrtsgeſell⸗ ſchaft I, 101. Eduard, Luftſchiffer I, 405. Max, Oberbaurat und Stadtrat III, 286, 423, 482, 540. Nikolaus, Dichter II, 64. Philipp, bad. Revolutionär, II 266, 274— 276, 278—281. Philipp Jakob, Galleriedirektor I, 66, 83, 264—267, 509, 512. Beder, Seminarlehrerin III, 791. van Beethoven, Ludwig I, 515, 518, Ludwig II., König von III, 827. Luitpold, Prinzregent von III, 604, 521; II, 451, 453, 455; III, 460, 581, 631, 655, 847. Begas, Reinhold, Bildhauer III, 7, 8, 605. Beger, Miniſterialrat II, 412. Maximilian II., König von II, 29, —,ſ. Gerwig. Béguin, Privatlehrer J, 497; II, 430. Behaghel, Felix, Geh. Rat und Ober⸗ kircheurat III, 409, 562, 823. Behrens, ſ. Höcker. v. Beja, Herzog, ſ. Infant Miguel von Portugal. Beideck, B., Lehrer III, 433. Beira, Prinzeſſin v. II, 102. Bekk, Johann Baptiſt, Staatsrat und Miniſterialpräſident II, 60, 76, 78, 140, 147150, 154, 163, 167, 188, 207, 223,239,241, 243,244, 255—257, 261, 262, 267, 286, 297, 332, 395, 412, 435, 430; III, 15—16. Belce, ſ. Reuß. Belgien, Leopold, König von II, 18. v. 105 preußiſcher Hauptmann II, 9 Bellineioni, Opernſängerin III, 849. Bellini, Vincenzo, italien. Opernkom⸗ poniſt II, 26, 451; III, 461, 847. v. Belluno, Claude Perrin Victor Herzog franz. Marſchall I, 300. Benda, Schriftſteller II, 449. —, Schauſpielerin I, 517. Bendel, Franz, Komponiſt III, 95. Bender, Reallehrer III, 797, 801. — heſſiſcher Hofprediger III, 346. Bender, Fr., I, 4²5, —, Hermann, Schuler III, 477. —,„ſ. Kachel. Benedict, Julius, Komponiſt III, 9. Benedikt Hermann, Schauſpieler III, Stadtpfarrer 846. Benedix, I88 N I 449; III, 8, 460. Benkendorff, Zuſſiſcher General und Geſandter J, 391, 394 Bentinck, Baron, niederländiſcher Ge⸗ Geſandter 1I325 Benz, Albert, Bierbrauer III, 752. —,„ Joſeph, kathol. Stadtpfarrer und Geiſtl. Rat III, 145, 442, 552, 625, 825, 826. 828. v. Benzel-Sternau, Graf, Staatsrat I, 262. Benzinger, Eisfabrikant III, 764. „G., Weinhändler III, 766. v. Berckheim, Karl Chriſtian Frh., Staatsminiſter J, 174, 201, 270, 412, 413, 442; 165 3, 39. v. Berckholz, Privatmann 5 451. 0 Joſeph, Stadtbaumeiſter J, 220, 265, 343, 344, 345; II, 20 21, 82.— Frau Berckmüller 15 371. — Joſeph, Oberbaurat I, 430, 513; II. 60, 131, III, 250, 256, 413, 509, 658. — Joſeph, Mechanikus u. Fabrikant II, 403, 409. — 1175 kathol. Kirchenvorſteher I, 344, 345. Berger, Guſtav, Muſitlehrer I, 429. —, Heinrich, Hofmuſiker II, 89, 90. —, Ludwig, Komponiſt I, 455. —„Dr. Wilhelm, Seminardirektor III, 534, 789. Berghauf en, Fabrikant aus Köln III, 593. Bergmann, Auguſt, Reallehrer III, 609, 96, 797. „Julius, Maler III, 816, 843. de Beriot, Charles Auguſte, Violin⸗ virtuoſe II, 454. v. Walecingen, Friedrich Graf III, 208, 556 Berlioz, Hektor, franz. Komponiſt III, 8, 95, 454, 545, 84 Bernadotte, Jean Baptiſte Jules, franz. Marſchall I, 154. Bernard, Revolutionär II, 289. 860— Bernays, 5515 10 451, 581, 61 Berner,“ Vührenletter J, 84. Bernhardy III, 35. v. Berry, Karoline Ferdinande Luiſe, Herzogin I, 516. v. Berſtett, W̃ zilhelm Ludwig Leopold Frh., Staatsminiſter I, 396, 410, 414, 419, 442, 509; II, 39, 50, 132. —, Frau 1I, 324. Berſy, Bert, Berton, ſ. Berthier, ſ. Neuchatel. Berthold, Hermann, Redakteur II, 437. Bertram, Opernſänger III, 849. Bertrand, Henri Gratin Graf, franz. General J, 315. v. Berwick, James Fitzjames Herzog, franzöſiſcher Marſchall I, 31. Beſſisres, Jean Baptiſte, Herzog von 91. franz. Marſchall I, 221, Danican. Betz, Unddecs Bote II, 401. —, Franz, Obervogt I, 452. v. Beuſt, Friedrich Ferdinand Frh., ſächſiſcher Miniſter III, 88. —„ſ. Rhena. 8 Ratsverwandter I, 318. v.—, Guſtav Friedrich, Kriegsminiſter III, 130, 133, 142, 144—147, 174, 178. Beyſchlag, Willibald, Hofprediger III, 25— 27, 33, 405, 407, 409. Bianchi, Bianca, Opernſängerin I 846. —„Thereſa Lombardi, Sängerin und Herr Bianchi 15163. Biechele, Ur. J. N., kathol. Stadt⸗ pfarrer J, 344, 493. v. Biedenfeld, Hauptmann I, 134. —, Frl. II, 395. de Biéfre, Charles, niederländiſcher Maler II, 444- 445. Bieg, ſ. Trouslard. Bielefeld, Adolf, Hofbuchhändler u. Stadtrat IIi, 163, 275, 419, 427, 438, 479, 482, 504, 6025 832. —, Joſef jun., Hofbuchhändter. —, J. M., Agentur II, 341. —, Fofbuchhandlung 155 407, 437; III, 835 Bierey, Komponiſt I, 220. de Bignon, Louis Pierre Edouard Baron, franz. Geſandter J, 221, 229, 230. — 861— Bihler, Profeſſor III, 786. Bilger, Vergolder III, 413. Billing, Hermann, Architekt III, 672. —, Stefan, Maurermeiſter III, 689. — u. Zoller, Baugeſchäft III, 761, 771. Bils, Hof⸗ und Kammermuſikus J, 375, 498. —,Dr. Franz Joſeph, Geh. Rat, Leib⸗ arzt III, 2 —, Margaretha, Muſiklehrerin J, 375. Bingner, Heinrich, Kanzleirat II, 169. 395, 396, 438. Dr. Adrian, Miniſterialrat, III, 387. Binz, Leutnant III, 182. —, Fidel, Bildhauer III, 659, 664, 673, 677. —, Dr. Guſtav, Rechtsanwalt, Stadt—⸗ rat, Landtagsabgeordneter III, 538, 608, 613, 616, 628, 632. de Bionneau, Marquis d'Eiragues, franz. Geſandter II, 32, 380. Björnſon, Björnſtjerne III, 847. Björnſtahl, Jakob Jonas, ſchwediſcher Reiſender J, 58. Birch—Pfeiffer, Charlotte, Schrift⸗ ſtellerin II, 449; III, 460. Birk, Kaplan III, 442. Birnbaum, Dr. Karl, Profeſſor III, 423, 556—557, 784, 785, 799. v. Biſchoffswerder, Johann Rudolf, preuß. Staatsmann I, 111. Biſchoff, Eugen, Architekt und Profeſſor. III, 842. „24. —„Friedrich, Bierbrauer III, 752. v. Bismark, Auguſt Graf, württem⸗ berg. General und Geſandter I, 394, 416; II, 24, 31, 33, 191; III, 29— f. a. Naſſau⸗Uſingen. —„Gräfin, geborne Thibaut, Ge⸗ mahlin des Vorigen II, 33. —, Herbert Fürſt III, 623. —, Stto Fürſt III, 88, 108, 386, 479, 537, 538, 544, 570, 580, 593, 595— 596, 622—623, 631. Biſſing, Dr. Ferdinand, Landtagsab⸗ geordneter III, 181, 189. Biſſinger, Dr. Karl, Profeſſor III, 425, 786. — Simon Karl, Profeſſor II, 423. Bitter, W. Holzhändler II,368; 1II, 328. Bittorf, Luftſchiffer I, 527. franz. Komponiſt III, Blankenhorn⸗Krafft, Nikolaus, Land⸗ tagsabgeordneter II, 189; III, 47. Blatz, Friedrich, Oberſchulrat III, 429. Bleibtreu, Leopold Karl, Profeſſor II, 422. Bleidorn, Bleichinhaber II, 206, 365. Bleß, Karl, Bauunternehmer u. Land⸗ tagsabgeordneter III, 616, 620, 621, 628, 629, 635, 733. Blind, Polytechniker II, 137. —, Artillerieunteroffizier II, 247. —, Karl, bad. Revolutionär II, 229, 261. Blinzig, Hofkapellmeiſter I, 29. v. Blittersdorf, Frh. I, 371. —, Friedrich Karl Landolin Frh., Staatsminiſter II, 31, 62, 63, 64, 67, 154, 436. —„ Landolin Frh., Kreisgerichtsrat u. Landtagsabgeordneter III, 481, 483, 486, 494, 495, 504, 507. Blos, Friedrich, Kaufmann III, 778. v. Blücher, Gebhard Leberecht Fürſt, preuß. Generalfeldmarſchall 1, 313, 325; III, 654. Blum, Dr. Reinhard, Heidelberg III, 263. —,Robert, Politiker II, 209—211, 288 Profeſſor in v. Blumenthal, Leonhard Graf, preuß.“ Generalleutnant III, 169. Bluntſchli, F., Architekt III, 256. —„Johann Kaſpar, Profeſſor und Geh. Rat III, 67, 84, 87, 109, 135, 145, 160, 194, 819820, 823. Bob, Lorenz, Mechaniker II, 402. Boch, Charlotte, Schauſpielerin III, 846. —, Ph. Jak., Hofvikar I, 28. Bochkoltz⸗Falconi, Sängerin II, 450,, 454 Bock, Friedrich, Metalwarenfabrik LIl, 762. Böckel, Dr. Ernſt, Profeſſor III, 425, 786 Böckh, Auguſt, Profeſſor II, 32. —, Ludwig, Profeſſor I, 32, 423. —, Max, Rechtsanwalt u. Stadtrat⸗ III, 482, 523, 613, 617, 628,632, 773. v.—, Chriſtian Friedrich, Staats⸗ miniſter 1, 268, 432, 433, 442; II, 32, 55, 74, 75, 133, 442; III, 16, 653. — 862— v. Böckh, Friedrich, Generalleutnant II, 167, 174—176, 196, 232; III, 122. —, Iwan, Domänendirektor III, 83, 135, 498. v. Böcklin v. Böcklinsau, Frh., II.1375 —„Friedrich Frh., O —,ſ. a. Maſſias. Böckmann, Johann Lorenz, Prof. u. Geh. Hofrat J, 64-67, 69, 70, 72, 268, 440. „Karl W̃ zilhelm, Hofrat u. R 1, 185, 263, 266, 268, 269, 362 363, 366, 368, 369, 384, 403, 495, 499, 506. Bodemer, Einnehmer I, 243. Bodenſtein, Emil, altkathol. Stadt⸗ pfarrer III, 830. v. Bodman, Frh., Geh. Oberregierungs⸗ rat III, 617, 624. Bogenſtierna, ſchwediſcher Oberſt u. Geueraladjutant I, 177. Bohm, Kanzleidirektor I, 378 —, Dietrich, Stadtdiakon I, 28. Böhme, Heinrich, kathol. Kirchenvor— ſteher I, 344, 345. —„Karl, Maler III, 843. v. Böhmer, Georg Friedrich, preuß. Geh. Rat I, 95, 96. v. Bohnenberger, Johann Gottlieb, Prof. in Tübingen I, 363. Böhnlein, Violinvirtuos J, 284. Bohrer, Gebrüder, Muſikvirtuoſen I, 284, 519. Böhringer, Floßinſpektor u. Kammer⸗ rat I, 171, 172. „Dr. Adolf, Profeſſor, III, 425. Böhtlingk, Dr. 35 Profeſſor III, 570, 785, 839. Boieldieu, François Adrien, franz. Komponiſt I, 87, 380, 414, 516; II, 451; III, 461. Boiſot, Privatſchule der Frau II, 430. —, cand. theol. u. Privatlehrer II, 429, 430. Boiſſerée, Sulpiz I, 354, 355. Boll, Bernhard, Erzbiſchof von Frei⸗ burg I, 426; II, 4. 938 Philipp, Hofprediger Bonafont, Philipp Karl, Schriftſteller J, 270, 375. U 15 Bonamy, franzöſ. General I, 159. Lyeeiſt berſt I, 299. Bonaparte, Jéröme, König von Weſt⸗ falen 1, 199, 215, 304. —„Joſef, König von Spanien(Graf von Survilliers) I, 167; II, 31. —, Katharina, Prinzeſſin von Würt⸗ temberg, Gemahlin des Königs Jérome von Weſtfalen I, 199. —, ſ. Frankreich. Boni, Amalie, Opernſängerin III, 95, 459, 465. Böning, Freiſcharenführer II, 270, 277, 279, 280. Bonivanti, Kapellmeiſter I, 29. Bonnier d'Arco, Ange Louis Antoine, franz. Diplomat IJ, 156. Bopp, Reallehrer III. 797. Borgmann, Paul, Maler III, 591, 816, 843. „Reſi, Malerin III, 843 Boſt, ſ. Gröſſer. v. Both, oldenburg. Staatsrat II, 18. Bott, Gewerbelehrer III, 801. Böͤttcher, Naturforſcher III, 35. —, Dr. F., Redakteur III, 159. Böttge, Adolf, Militärkapellmeiſter III, 517, 659 Böttlin, Hauptmann III, 182. Boucher, Alexandre Jean, Violinvir⸗ tuos J, 519, 520. Bouginé, Karl Joſeph, Geh. Kirchen⸗ rat I, 64. de Bouillé, Graf 93 55 franzöſiſcher Geſandter II, Boulanger, Kaplan IĨ. 419; III, 433. Bourbaki, Charles Denis Sauter, franz. General III, 185. Bourdillon, ſ. Imbert. Bouſſingault, Jean Baptiſte, franz— Chemiker III, 62. Boye, Profeſſor I, 30 Bracht, Eugen, Maler III, 843. Albert Emil, Dichter III, 460. Brahms, Johannes, 465, 655. Brand, Opernſängerin III, 849. Brandeis, Dr., Hofrat II, 374. Brandenburg, Friedrich III. Kurfürſt von III, 214. — Bayreuth, Friederike Markgräfin Vvon l, 380. v. Brandenſtein, preuß. Oberſt 1I, 296, 301, 302, 304—306, 308, 310, 313, 314, 333, 346. Komponiſt III, 86 Brandes, Wilhelm, Opernſänger III, 95, 197, 459, 465. Brandl, Johann,. Muſikdirektor I, 87, 219, 220, 226, 230, 282, 345, 357, 358, 361, 426, 498, 516, 519 II, 455. v. Brandt, Karl Frh., Oberſtleutnant J, 310. Braſch, Johann, Maler III, 671. Braſilien, Kaiſer u. Kaiſerin von III, 485, 486. Brauer, Eduard, Schriftſteller III, 447. —,Ernſt, Profeſſor u. Hofrat III, 785. —„Johann Nikolaus Friedr., Staats⸗ rat I. 63, 128, 181, 367, 271, 441; III, 653. v.— Arthur, Staatsminiſter III, 586, 733—735. —, Dr. Wilhelm, Generalauditor u. Geh. Rat III, 573. Braun, Stadtbaumeiſter J, 472. —,Alexander, Profeſſor 1I, 422, 440; III, 35. —,„Dr. Ferdinand, Profeſſor III, 785. —, G., Hofbuchhandlung u. Hofbuch⸗ druckerei I. 271, 397, 502, 503; II, 57, 389, 407, 435—437; III, 687, 844. —, Otto, Geh Oberregierungsrat III, 582, 599, 629. —, Thomas, altkathol. Prieſter III, 829. Braunhofer, III, 459. 8 Braunſchweig-Wolfenbüttel(⸗Ols), Frie⸗ drich Wilhelm I. Herzog von I, 56, 184—186, 217. —, Karl II.(Wilhelm) Ferdinand Herzog von J, 103 —, Karl III. Herzog von I, 338, 391, 408. —, Marie Eliſabeth Wilhelmine), Prinzeſſin von Baden, Gemahlin des Herzogs Friedrich Wilhelm von I, 56, 98, 174, 175, 17, 178, 184186, 217, 218. —„Wilhelm IV. Herzog von I, 338, 356, 391, 408, 413; II, 26. Braunwarth, Metzger I, 140. —„C. A., Spediteur II, 411. Anna, Ohpernſängerin Brechtel, Perrückenmacher I, 458. —,Frieda, Seminarlehrerin III, 791. Brede, Auguſte, Schauſpielerin I, 517. Bredow, Karl, Schauſpieler I, 284. Bregenzer, Opernſänger III, 8. Brehm, Fritz, Hofſchauſpieler III, 601, 846. —, Sofie, geb. Fritſch, Opernſängerin „846. Breidt, Profeſſor III, 795. Brender, Dr., Arzt II, 374. v. Brenner, Frh., öſterreich. Diplomat 32 Brentano, Lorenz Peter, Obergerichts⸗ advokat u. Landtagsabgeordneter II, 153, 189, 222—224, 243, 260, 268, 271, 273—281, 284, 285, 290. Brettle, Konſtantin, Pfarrkurat III, 826. Briccialdi, Giulio, Flötenvirtuos II, 454. Bringmann, A., Muſiker I, 381, 519. Broadwell, Lewis Wells, amerikan. Fabrikant III, 369. Brodhag, Archivrat I, 397, 525. Bröge, Adelaide II, 89. Broglie, Ferdinand, Kaſſier der Ver⸗ ſorgungsanſtalt II, 413; III, 387. Brombacher, H., Kaufm. III, 296—298. Bronn, Dr. Valentin, Profeſſor u. Forſtrat II, 422. Bronner, Schneidermeiſter II, 406. Brotzler, Fabrikdirektor III, 355. v. Brouſſel, Alexander Graf, Hof⸗ domänenintendant II, 84, 154, 201, 202. Bruch, ſ. Pezet. Brückner, Anton, Major I, 306. —, Joſef Ludwig, Generalmajor J, 223, 406, 452; II, 131, 132. —,Nathangel, Gymnaſiaſt III, 530. —, Dr. Wilhelm, Stadtpfarrer III, 824. Brühlmann, Schloſſer J, 343. Brüll, Ignaz, Komponiſt III, 847, 848. Brulliot. Karl, Opernregiſſeur III, 8, 449, 457, 458, 465. Brune, Guillaume Marie Anne, franz. Marſchall J, 210. Brunn, F. L., Schriftſteller I, 43, 79, 84. Brunner, Karl, Staatsrat II, 145, 256, 257, 332. —, Philipp Joſeph, Miniſterialrat I, 189, 261, 267, 343, 345, 498. Brünner, Maler III, 506 Buchegger, Dr. Ferdinand, Leibarzt u. Geh. Rat II 434; III, 24, 96, 99, 106. —, Dr. Ludwig, Generalvikar III, 50. Buchegger, Frau III, 39. Buchelle v. Löwencron, Heinrich Franz Adolf, Intendant I, 11. Buchenberger, Dr. Adolf, Miniſter III, 886, 887. Bücher, Dr. Karl, Profeſſor III, 785. Büchle, Emil, Kaufmann III, 677. —, Karl, Kaufmann III, 677. —, Kunſthandlung III, 835. Buchner, Hofmuſiker I, 518. Bückle, Medailleur I, 145. v. Budberg, ſ. Graimberg. Buhl, Florian, Fabrikbeſitzer II, 410. —, Franz Peter, Fabrikant u. Land⸗ tagsabgeordneter II, 223, 239, 241. —, Guſtav Albert, Fabrikant u. Land⸗ tagsabgeordneter III, 78, 369. 5 Seminarlehrerin III, 791. e IJ, 503. uU ebuch Leihbibliothek von II, 437. Buhlinger, Rudolf, Reallehrer III, 439, 799, 801. Bühlmann, Hofmuſiker III, 445. Bujard, J. Kaufmann u. Handelslehrer I Bulla, ſpieler J, 84, 85. v. Bülow, Adolf, preuß. General d. Kavallerie 1II, 605, 606, 609, „Iriedrich Heinrich, Hofſchau— Komponiſt III, 8, 95, 466. Dennewitz, Graf Friedrich Wilhelm, preuß. General l, 313. Bunſen, Robert Wilhelm, Profeſſor Bunte, Dr. Hans, Profeſſor u. Hofrat III, 784, 785, 839. v. Buol, Rudolf, Landgerichtsvat u. Landtagsabgeordneter III — Schauenſtein, Joh. Rud Graf, öſterreich. Diplomat I, 86 16; 1157, 32 pckel, Reallehrer III, 2 BIl Thard, Hoff B82 310 Burdeie cer, J, 265. Burg, Anton, Oberregierun dat u. Stadtrat III, 296, 297, 8 1805 onièur —„Dr. burg I, 414. Bürg Militärkapellmeiſter II Ri Commis II, 386. 864 Burger, Karl, Geh. Regierungsrat, Stadtdirektor II, 257, 332, 361. Bürger, Gottfried Auguſt u. Eliſe J, 284, 285. Burgſchmiet, J. D., Gießer III, 15. Bürklin, Albert, Oberingenieur III, 40, 68, 282, 285, 447, 573. Dr. Albert, Hoftheaterintendant eu. Landtagsabgeordneter III, 480, 486, 508, 531, 676, 845—847. Johann Ernſt, Staatsrat I, 30. „Philipp Jakob, Kirchenrat u. Pro⸗ feſſor I, 30, 32. Frau, geb. Fecht II, 168. Buſam, Wirt II, 401. Buſch, Dr. Karl, Rechtsanwalt III, 58, 69, 70, 81, 83, 357. Buſchmann, Muſikvirtuoſe II, 452. Busjaeger, Karl, Kaufmann II, 403. v. Buß, Franz Joſef, Profeſſor u. Landtagsabgeordneter II, 57. Buſſard, Hans, Opernſänger III, 846. de Butré, Charles, franz. National⸗ ökonom I, 77 C. Calderon de la Barca, Pedro, ſpan. Dramatiker I, 515; III, 460, 847. Cambridge(Adolf Friedrich), Herzog von J, 360. Cammerer, Bürgerausſchußmitglied II, 157. Campmann, Guſtav, Maler III, 843. Canetta, M. A., Armenſtiftungen von. III, 352. Canon, Hans, Maler III, 455, 668. v. Carbonnel, Litterat II, 441. Carrière, Léon, Abfuhrunternehmer III, 696. Carſtens, Asmus Jakob, Maler I, 82. Caſal, Felix, Menageriebeſitzer I, 527. Caſſini de Thury, Céſar Francçois, franzöſiſcher Aſtronom I, 77. Caſtelli, 5 614 Franz, Theaterdichter 1 U v. Caſtiglione, Herzog I, 314. Caſtlereagh, Lord, engliſcher Staats⸗ Catalani, Adelina, Vitus, Erzbiſchof zrei⸗ mann I, 347. Sängerin und ihr Gatte I, 521. „Angelika, Sängerin J, 520—-522. Cathiau, Dr. Thomas, Rector d. Ge⸗ werbeſchule III, 154, 168, 203, 255, 299, 361, 362„396, 496, 506, 518, 801. V. Cecconieri, Graf, k. k. Feldmarſchall⸗ leutnant II, 14. Chabrier, Emanuel, franz. Komponiſt 848. Chailloux, Joſef, franz. Maler II, 431. Chäle, Privatlehrer II, 430. Chambéry u. Réal, franz. Schauſpieler⸗ geſellſchaft II, 451. Charpentier, Lehrinſtitut von III, 816. Chatrian, Aléxandre, franz. Schrift⸗ ſteller III, 847. Chaudouet, Emil, Kaufmann II, 403. Chavoen, Reviſor u. Hauptmann der Bürgerwehr II, 174. Cheélard, franz. Komponiſt II, 451. v. Chelius, Max Joſeph, Profeſſor II, 23, 351. —, Oscar, Komponiſt III, 848. Cherubini, Luigi, franz. Komponiſt I, 87, 516, 522; II, 451, 455; III, 12, 180, 461, 848. Chevalier, Schriftſteller u. Reiſender J, 516. —,„Frau I, 541. Chevalley⸗Barreau, Privatſchule von III, 443. v. Chézy, Helmine Chriſtiane, Schrift⸗ ſtellerin II, 440, 443. Chladni, Ernſt Florenz Phyſiker II, 499. Choffé, Privatlehrer II, 430. Chowanetz, Dr., Privatdozent III, 450. Chriſt, Anton, Miniſterialdirektor u. Landtagsabgeordneter II, 77, 223, 271, 273, 411, 439; III, 373, 451. —, Wilhelm, Schuſter I, 458. 5 Auguſte, Schauſpielerin III, 458. Friedrich, Chriſtofle u. Co., Silberwarenfabrik III,-28, 251, 376. Chrudimsky, Sänger III, 8. Church, amerikan. Konſul I, 490. Cillis u. Co., Mineralwaſſerfabrik III, 757, 760. Cimaroſa, Domenico, italien. Komponiſt I, 516. Clam, Graf, öſterreich. Generalad⸗ jutant J, 349. Clauren, Heinrich, Schriftſteller II, 449. v. Clauſon⸗Kaas, A., däniſcher Ritt⸗ meiſter a. D. III, 810. Clebſch, Dr. Alfred, Profeſſor III, 423. Clement, Franz, Muſikvirtuos I, 520. 865 Clerfayt, Karl Joſ. Graf, k. k. Feld⸗ marſchall I, 123. Clever, Aug., Bierbrauerei III, 248,752. —„ G., Rentner III, 479. Cloſe, Arzt J, 30. Cloßmann, bad. Konſul in Bordeaux II, 376. v.— Joſeph, Generalleutnant I, 211, 337. —, Wilhelm, Major I, 336. Cnefelius, Karl Wilhelm, Hofdiakonus und Dekan II, 305, 306, 315, 417, 418; III, 4—7, 16, 25, 34, 60, 409, 430, 433. —, Wilhelm Chriſtian, Sekretär I, 201. Coblitz, Maler II, 116. v. Collin, Dramatiker I, 514. Collobiano, Graf, italien. Diplomat III, 91 v. Colloredo, Graf, k. k. Feldzeugmeiſter I, 348. Comloſſy, Freiſcharenführer II, 274. Condé, Ludwig Joſeph von Bourbon, Prinz von I, 101, 153. Conradi, Franz, Violinvirtuoſe I, 519. —, Karl Adolf, Profeſſor III, 795. Conſentius, Rudolf Otto, Schauſpieler und Dichter II, 127, 449; III, 447, 460, 557. Conteſſa, Karl Wilhelm, Salice—, Dra⸗ matiker I, 514. Conz, Walter, Maler III, 843. Cords, Karl, Opernſänger III, 846. v. Cornberg, Frh., III, 83, 92, 136, 138, 274, 700. Corneli, Franz, Generalmajor II, 34, 35. Cornelius, Peter, Komponiſt III, 578. Corri, italien. Sängerin I, 520. v. Cotta, Frh. I, 490. Crabathi, Hoftheatermaſchiniſt II, I, 38, 90. Cramer, Alexandrine, Arbeitslehrerin —, Luiſe, Arbeitslehrerin II, 432. —, Wilhelmine, Privatlehrerin II, 429, 432. —, Spediteur I, 185. —,„ Frau II, 89. —, Frau, aus Genf I, 74. Crecelius, Emanuel, Theaterkaſſierer J, 283. Creglinger, Schauſpielerin II, 449. Crenzbauer, W.(u. Fr. Nöldecke), Buch⸗ handlung II, 382, 407, 437; III, 446, 835. 5 —866— W0. Prinzeſſin Marie Luiſe, Baden. Cuno. Direktor III, 593—594. Curjel u. Moſer, Architekten III, 670. Cuzent, S., Kunſtreitergeſellſchaft II, 458. D Dagoti, Gauthier, Hofkupferſtecher I, 66. Dahmen III, 83. —, Geh. Referendär I, 371. v. Dalberg, Emerich Frh., bad. Staats⸗ mann I, 234. —, Karl Frh., Erzbiſchof von Regens⸗ burg, Biſchof von Konſtanz J, 190, 343. —, ſ. Frankfurt. Daler, Ludwig, Oberbürgermeiſter u. Stadtverrechner II, 98, 99, 141, 147, 153, 155, 167,191, 194, 195, 383, 413; III, 316. —, Frau Kaufmann, geb. 167-68. Damance, Franz, Redacteur II, 454. Dambacher, Joſeph Jakob, Archivrat II, 438; III, 147. —,„ſ. a. Dannbacher. Damm, bad. Revolutionär II, 292. —, Karl, Direktor der höheren Bürger⸗ ſchule III, 429, 430, 438, 552, 795, 796. Danckelmann, Dr., meiſter III, 576. Dänemark, Prinz u. Prinzeſſin Chriſtian von II, —, Ehrſtiar Friedrich(Wilhelm Karl), Kronprinz III, 516. Dänemark, Hirſch, Rabbiner II, 440. Danican, franz. General u. Emigrant 17153,154 Dannbacher, Kaufmann und Haupt⸗ mann der Bürgerwehr II, 138, 173, 226, 276(ſtatt Dambacher). Danner, Fr., Muſikdirektor I, 86, 286. —, Frl., Sängerin J, 284. Danniel, k. k. Oberſtleutnant I, 128, 129. Dänzer, demokrat. Redner II, 198, 199. Danzi, Franz, Kapellmeiſter I, 282, 339, 341, 345, 359, 407, 513, 516, 517, 519, —,„ Fr. u. Jeckel, Müiſkalien händlui 6592 Darm, Schnellläufer II, 459. Katz II, preuß. Oberforſt⸗ Däſchner, Karl, Gaſtwirt u. Gemeinde⸗ rat III, 139,,157, 163, 177, 220, 240, 292, 298, 300, 328, 340. Daſe, Zacharias, Rechenkünſtler II, 460. Dauber, Dr. Karl, Profeſſor III, 786. Daul, A., Revolutionär II, 288. Daun, Hofmuſiker I, 86. David, Félicien, franz. Komponiſt III, 139. Daviſon, Bogumil, Schauſpieler III, 462. Davouſt, Louis Nicolas, Herzog v— Auerſtätt, Fürſt v. Eggmühl, franz. Marſchall J, 192. v. Davans, Sigmund, Staatsrat I, 347, 372, 373, 442. Debattis, Joſeph Martin, Miniſterial— reviſor II, 412. Debo, Dr. Felix, Profeſſor III, 797. Deecke, Heinrich, Konzertmeiſter III, 846. Degen, Revolutionär II, 274. v. Degenfeld-Neuhaus, Alfred Frh., Generalleutnant II, 137; III, 174, 179, 185, 562, 650. —, Leutnant, Sohn des Vorigen III, 182. Deimling, ſen., Silberarbeiter II, 5. —„ Gebrüder, Silberarbeiter II, 133. —, Hiſtorienmaler III, 29. —, Ernſt, Hofſilberarbeiter II, 82,408; III, 22. —, FFriedrich, Silberarbeiter II, 20, —, Dr. Karl, Profeſſor III, 425, 786. —, Ludwig Friedrich, Oberhofprediger I, 260, 425; II, 4, 13, 16, 18, 22, 24, 133, 134, 140, 350, 352, 353, 370, 387, 417, 433, 444; III, 4, 16, 65, 66, 409. —„Otto, Profeſſor am Lyceum in Mannheim III, 451. —„Wilhelm, Silberarbeiter II, 20, 408. Deinhardſtein, Joh. Ludwig, Bühnen⸗ dichter I. 515; II, 449. Delisle, Karl, Oberingenieur u. Abge⸗ geordneter III, 598, 609, 733. Delmas, franz. Diviſionsgeneral J, 130, 132, 133. Demmer, Heinrich, Hofſchauſpieler I, 516; 9 „Auguſte, Schauſpielerin I. 516. Bennler, M. C., Kaufmann II, 196, 383. — 867— Dengler, Auguſt, Drehermeiſter III, 539, 555, 608, 632—-633. —, Leopold, Forſtrat und Profeſſor III, 126, 422, 423. „Chriſtiana, Witwe I, 462. Denl, Joſeph, Schauſpieler II, 449; III, 208, 458, 465. Dennig/ Auguſt, Fabritant u. Land⸗ tagsabgeordneter II, 189. Denon, franz. Schriftſteller IJ, 516. Dereſer, Taddäus Anton, katholiſcher Stadtpfarrer I. 233, 261. Derndinger, Anna, Privatſchule von III, 441, 816. Deſaix, Louis 198 1 Antoine, franz. General J, 128, 131. Des Coudres, Ludwig, Maler und Profeſſor III, 453, 470, 505. —„Adolf, Maler III/ 843. Defepte, Karl, Oberrechnungs⸗ u. Stadt⸗ rat III, 483, 523, 639. De esmouſtier, franz. Geſandter 1, 230, 296, 297, 299. — de Mereubille, Biſchof von Dijon J, 164. Deſſart, Otto, Fabrikant I, 399. Deſſoff, Otto, Hofkapellmeiſter III, 464, 465, 845. Deſſoir, Ludwig, Schauſpieler III, 449, 452, 462. Deurer, Peter Ferdinand, Maler II, 446. Deutſchland, Kaiſer, ſ. Oeſterreich und Preußen. Devrient, Eduard, Generaldirektor J, 85, 5¹173 II, 447, 449; III, 6, 34, 35, 37, 415 43, 5¹1j 69, 79, 83, 447449, 451, 456—463, 465, 470, 653,„8⁴5, 846. „Emil, Schauſpieler III, 462. „Larl, Schauſpieler II, 449ñ, 462. Otto, Hofſchauſpieler Iil, 179, 208, Llß, 457, 458, 465. Dieber, Karl, Malermeiſter III, 628. Diebold, Anton, Hauptlehrer II, 434. v. 110 5 ruſſ. Spezialgeſandter 109 Diefenbronner, ſ. Auerbacher. Diehm, Fritz, Dialectdichter III, 838. Diemer, Ludwig, Baurat III, 594, 670. Dienger, Dr. Joſef, Profeſſor III. 423, 594. v. Diepholz Graf, ſ. Cambridge. v. Dietrichſtein, Graf, öſterreichiſcher Geſandter II, 32, Dietſche, Fridolin, Bildhauer u. Profeſſor III, 631, 788, 843. Dietz, Spernſänger II, 450. —,„Feodor, Hofmaler II, 116; III, 134, 183, 443, 445, 446, 453. —, Frau Julie II, 373, 418. —, Dr. Ludwig, Archivrat III, 790. —, Dr. Rudolf, Miniſterialrat und Landtagsabgeordneter III, 39, 46, 47, 49, 77, 87, 114, 119, 51 387 392, 408, 451. —„Frau Pfarrer II, 305. — Großhändlerswitwe aus Regens⸗ burg J, 451 Dietzel, Karl Auguſt, 451 Heidel⸗ berg II, 423, — — — Diez, Bonifaz, W 9 eh III, 413. —, Karl, Baurat III, 285. Diffené, Philipp, Geh. Kommerzienrat J, 153, 593, 599, 629, 636. Dilg, Schriftſteller 5 336. Dill, Advokat I, 13 —, Ludwig, MWaler 9210 Profeſſor III, 842. Ditt, Karl, Opernſänger aus Mann⸗ heim III, 489. Dittenberger, Antoinette, Schauſpielerin I, 517. „Guſtav, Maler I, 513. Ditters v. Dittersdorf, Karl, Komponiſt 1787,515 Dittmann, Arbeiter III, 357 —, Zeichenlehrer III, 801. Dittrich, ſ. Schenkendorf. Dittweiler, Ludwig, Hoftheatermaler III, 462, 577, 846. Dobler, Karl Auguſt, Schauſpieler u. Bühnenleiter IJ, 84. Döbler, Maler II, 447. —, Zauberkünſtler II, 452. Dobmann, Heinrich, Lithograph III, 488. Döhrle, J., Tapeziergehilfe und Frau Juſtine, gebor. Mühlfeith III, 18. Dolce, Carlo, Maler I, 511. Doligny, franz. Schauſpielertruppe von 451. „ Doll, Chriſtoph Heinrich, Kirchenrat u. Direktor d. Lyceums J, 263, 429, 495. —, Friedrich, I3 482; II, 281, 37 „Karl W zilhelm, Hoſdekau u. Prälat IIII, 89, 100, 141,164, 192—195, —1 — 868— 292, 408, 409, 451, 485, 499, 517, 530, 558, 563, 593, 707, 823, 824. Doll, Max, Lehrer am Polytechnikum III, 423. Döll, Johann Chriſtoph, Hofbibliothekar III, 448, 547. —, Karl, Medailleur II, 56. Dolletſchek, Frau, Wirtin I, 525. Dölling, Louis ſen., Fabrikant, Stadt⸗ rat und Kommandant der Feuer⸗ wehr II, 137, 174, 397, 398; III, 11, 31, 138, 222, 241, 324, 362, 363, 695. —, Louis jun., Fabrikant III, 695. — u. Leipheimer, Abfuhrunternehmer, III, 324, 695. Dollmätſch, Bernhard, Oberbürger⸗ meiſter u. Kammerrat J, 237, 244, 318, 385, 388, 419, 420, 423, 424, 427—431, 449; II, 4, 79. Dolmetſch, Kaufmann II, 215. Dölter, Fabrikant I, 278. Donak, Margarete, Privatſchule von III, 441. Donizetti, Gaetano, italien. Komponiſt 1I, 15, 451; 111, 461, 847, 848. Döring(Doering), Friedrich, Architekt II, 428. —, Friedrich Wilhelm, Stadtrat und Kommandant der Feuerwehr III, 377, 533, 547, 562, 628. —, Joh. Friedrich, Kaufmann J, 28. —, Karl Leopold, Kaufmann II, 407. —, Karl Wilhelm, Kaufmann II, 406, 437. —„Louis, Kaufmann II, 406. —, Minna, Lehrerin III, 799. —„, Theodor, Schauſpieler III, 462. —, Wilhelm, Kaufmann u. Gemeinderat II, 98, 408. —„Willy, Maler III, 816. Dorner, Emil, Geh. Oberregierungsrat III, 785. Dorten, Freiſcharenführer II, 274. Doti, Sängerin I, 73. v. 890— Graf, III, 236, 237, 568, 75. —„Wilhelm, Graf, III, 436. Dove, Heinrich Wilh., Phyſiker III, 35. Doxie, Geometer III, 280. Drach, Schauſpieler III, 849. —, Adolf, Oberbaurat, Profeſſor III, 423, 785. —, Emma, Hauptlehrerin III, 799. —— 2 2— Drackert, Wilhelmine, Armenſtiftung der III, 352. Drais von Sauerbronn, Chriſtoph Wilhelm Frh., Kammerjunker und Hauptmann I, 11. —, Karl Frh., Forſtmeiſter u. Kammer⸗ herr J, 324, 382, 383, 526, 527; III, 589. —, Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Frhr., Oberhofrichter J, 63, 145, 151, 231, 246, 250—253, 415, 506. —„Ludwig Friedrich Frhr., Kammer⸗ junker und Oberſtleutnant I, 11. Dreßler, Cafetier I, 187. —, Friedrich, Mechanikus JI, 172—174, 182, 343. —, Heinrich, Bierbrauer II, 405. Dreesbach, Landtagsabgeordneter III, 494, 502, 503, 523, 537, 629. Dreher, Schauſpieler III, 849. —, Karl, Lyceumslehrer III, 425, 444. Dreßler, Max, Hofarzt III, 838. —, Raphael, Flötenvirtuos I, 519. Drews, Arthur, Profeſſor III, 785, 838. Dreyer, Dr., Anwalt III, 380. Dreyfuß, Kaufmann II, 408. Drieſen, Direktor des iſr. Landesſtifts III, 790. Druti, Maſchinenmeiſter II, 137. Dubois de Greſſe, Franz Xaver Che— valier, Hoftheaterintendant u. Hof⸗ marſchall J, 513; II, 411. Dühmig, Kaſpar, Geh. Rat III, 411. Dumanoir, Philippe Francçois, franz. Theaterdichter III, 460. Dumas, Jean Baptiſte André, franz. Chemiker III, 52. Dumberth, Oberbürgermeiſter von Dur⸗ lach J, 429. Dümge, Karl Georg, Archivrat II, 439. Dupont de Nemours, Pierre Samuel, franz. Phſiokrat I, 76, 77, 97. Durler, Julius, Profeſſor am Lyceum III, 786. Durm, Joſef, Profeſſor u. Oberbaurat III, 220, 241, 243, 250, 255, 292, 293, 294, 300, 419, 423, 550, 658, 659, 661, 666-669, 676, 785, 787. Dürr, Auguſt, Kaufmann u. Gemeinde⸗ rat III, 213, 482, 504, 571. —, Friedrich, Gemeinderat 1, 431; II, 240, 380. Dürr, Heinrich, Uhrenhandlung 1, 278, 408. —, Heinrich, Profeſſor am Realgym⸗ naſium III, 795. —, Johann Konrad, Advokat II, 232, 259, 272, 273, 289. — Karl, Weinhändler u. Gemeinderat II, 92, 96, 157. — Wilhelm, Hofmaler II, 446. v. Duſch, Alexander, Staatsminiſter J, 510; 1I, 67, 90, 128, 147, 159, 223, 261, 262, 267, 286, 297, 332. „Gottfried, Miniſterialpräſident III, 102, 142, 144, 145, 155, 202. Duſe, Eleonore, Schauſpielerin III, 849. Duſtmann, Luiſe, Opernſängerin III, 849. Duttlinger, Dr. Joh. Georg, Profeſſor u. Landtagsabgeordneter J, 420, 4245 II, 42, 54, 55, 60. van Dyck, Ernſt Marie Hubert, Opern⸗ ſänger III, 849. Dyckerhoff, Maler II, 116. —, Karl, Bezirksbauinſpektor III, 676. — u. Widmann, Cementwarenfabrik III, 241, 382, 755, 768. E. Eberhardt, V., Muſiklehrer II, 431. Eberius, Heinrich, Opernſänger III, 8, 458, 459. Eberle, Hauptkaſſier IIL, Frau E. II, 305. —, Robert, Maler II, 446. Eberlein, Joſeph, Domänenrat III, 423. v. Ebermeyer, G., Generaldirektor d. bayr. Eifenbahnen III, 734. v. Eberſtein, Graf, ſ Braunſchweig. Eecard, Fr., Kaiffnnin II, 408. —, Fr., Graveur III, 22, 61. Eccardt, Karl Friedrich, Polizeikom⸗ miſſär I, 318. 00 155 ſpan. v. Eck, Adalbert Neri, J. 178, 210 Eckardt, Dr. Ludwig, Profeſſor III, 70, 81, 85, 88, 89, 92—94, 96, 451. Ecker, Dr. Alexander, Freiburg III, 451. Eckert, Ferdinand, Geh. Kriegsrat III, 552—553. 192, 433; Schriftſteller Generalmajor Profeſſor in 869 Eckhard, Karl, Oberamtmann III, 630. —, Karl Maria Joſeph, Rechtsanwalt u. Landtagsabgeordneter, ſpäter Bankdirektor III, 110, 159, 160, 162, 181, 569. v. Edelsheim, Friederike Frfr., Ober⸗ hofmeiſterin II, 391. —, Georg Ludwig Frh. miniſter I, 62, 114, 124, 126—133, 135, 142, 143, 146, 151, 160, 173, 342, 441. — Ludwig Wilhelm Frh. II, 248; III, 108, 120, 649- 650. — Wilhelm“ Frh., Staatsminiſter I, 62, 72. 74, 94, 9799, 103, 107-— 109, 113, 114. —,„ Wilhelm Frh., Sohn von G. Oberhofmarſchall I, 228. Ederle, Wendelin, Achitett u. Gewerb⸗ ſchullehrer III, 801. Egetmeyer, Johann, Gewerbſchulvor⸗ ſtand II, 428, 429, 439, 801. Eggeling⸗ Marie, Seminarlehrerin III, Staats⸗ 121, 123, 136, 138, 154, 158, — v. Ehrenberg, III, 523. Frl. II, 324. Ehthardt, Dr. Otto, Profeſſor, Direktor der Realſchule, I Ehrmann, Dr. H., Rabbiner III, 421, 834. Eichfeld, Oberleutnant, II, 260, 261, 264. Nikolaus, Hofmuſiker II, 454, Revolutionär Eichrodt Hellmuth, Maler III, 843. —,„Johann Friedrich, Staatsrat 15 268. —, Ludwig, Oberamtsrichter, Dichter III, 439, 447, 650, 836, 838. —, Ludwig Friedrich, Staatsrat und Miniſterialdirektor II, 60, 74, 818 133. Otto, Maler III, 843. Eichroth, Arzt I, 30. v. Eichthal, Frh., Fabrikant II, 60, 131. —,„ Frfr., geb. Krings, Harfenvirtuoſin J, 520. Eigner, K., Redakteur II, 434. Eikemeher,, franz. General 1, 136. Einſtein, Daniel, Direktor des iſr. Landesſtifts 1II, 790. Eiſele, Lieutnant I, 32. —, Bierbraner II, 219, 405. Eiſen, Eduard, Profeſſor III, 40, 425. — 8 Eiſenlohr, Auguſt, Geh. Rat, Mini⸗ ſterialpräſident III, 487, 494, 502—503, 546, 565, 599, 617, 618, 623. Chriſtoph Jakob, Oberamtmann, Landtagsabgeordneter J, 194, 201, 394, 398, 400, 419, 420, 423. Engelhard Gottlieb, Generalkaſſier II, 418. Friedrich, Profeſſor u. Architekt J, 513; II, 84, 110, 355, 422, 423, 444; IIi, 288, 423, 653, 836. Wilhelm, Generaldirektorder Eiſen⸗ 5 95 Geh. Rat IIL, 286, 723. Dr. Wilhelm Friedrich, Geh. Rat u. Profeſſor II, 79, 115, 159, 404, 422, 423, 440, 447; III, 35, 41, 44, 157, 208, 423, 450, 451, 653. Frau Profeſſor II/ 305. Eitel, Dr. Karl Heinrich, Apotheker u. Stadtrat III, 635. Ellenrieder, Marie, Malerin I, 415, 508, 509, 513; II, 116, 446. Eller, Elias, Advokat III, 70. Ellmenreich, Friederike, Schauſpielerin 5 5N v. Ellrichshauſen-Maiſenhelden, Friedr. Frh., Kammerherr u. Geh. Rat Il, 60, 115. Ellſtätter, Julius, 407. — — Möbelhändler II, —„Dr. Moritz, Finanzminiſter III, 142, 487, 522, 561, 576, 586, 587. —, Rudolf, Fabrikant III, 745. — u. Co., W., Glacéhandſchuhfabrik III, 383, 757. Elſäſſer, Chriſtian, Bildhauer III, 843. Elsler, Hermine, Ballettänzerin II, 451. Elsner, H., Redakteur II, 434. Emele, Julius, Reallehrer III, 789. Kaukeee Georg Friedrich, Profeſſor III, 786. Emminghaus, Dr. Arwed, Profeſſor III, 131, 150, 205, 254, 423. v. Ende, Karl Wilhelm 2095 Frh., Theaterintendant 1,230, 513. Endres, Dr. Mar, Profeſſor III, 785. Eugelheärdt, Jenny, Schauſpielerin III, „Wilhelm, Stadtrat III, 482, 523, 608, 611. Engelmann, Bildhauer III, 532. —, Lithograph J, 510. Engeſſer, Friedrich, Profeſſor u. Ober⸗ baurat III, 423, 785. ——— v. Enghien, Ludwig Anton Heinrich, Prinz v. Condé, Herzog J, 187, 188, 259. England, ſ. Großbritannien. Engler, Dr. Karl, Profeſſor u. Geh. Rat III, 784, 785, 839. v. Enhuber, Karl, Maler II, 446. v. Enzenberg, Karl Graf, Major III, 416, 830. Epple, Franz, Zeichenlehrer J, 495; II, 116. Cyftein 1 israelit. Oberrat II, Erb, Wbie n III, 445. Erbe, Mitglied d. Nationalverſammlung II, 266, 267. Erckmann, Emile, III, 847. Erdmann, Otto Linne, Chemiker III, 35. Erdmannsdörffer, Bernhard, Profeſſor III, 839. Mechaniker II, 109. „Karl Heinrich, Kaufmann I, 481, 482; II, 421. — Ludwig/ Buchbinder III, 83. Erhard, Karoline, Opernſängerin III, 459. franz. Schriftſteller Ernſt, Heinrich Wilhelm, Violinvirtuoſe II, 454. „Laura, Schauſpielerin III, 458. Dleun norwegiſcher Schnellläufer II, 459. Ertleber Anguſt, Hofkupferſchmied II, 137, 157, 397. v. Eſchenbach, Marie, Schriftſtellerin III, 847. Eſcher, Sergeant J, 286. v.—, ſchweizer. Diplomat J, 384. Eſſenwein, Auguſt, Direktor des Germ. Nationalmuſeums III, 583, 650. Eßlair, Ferdinand, Hofſchauſpieler 5 332, 333, 516, 517; II, 449. Eſterhazy, öſterr. General I, 104. v. Galantha, Graf, öſterreichiſcher Diplomat II, 32. Ettlinger, Eiſenhändler II, 440. —,„J. H. III, 420. Narl III, 662. 5 Leopold, Kaufmann III, 585. —„Veit, Advokat und Gemeinderat II, 218; III, 145. —,„ Frl. II, 395. und Wormſer, Kohlenhandlung J, 478. Euler, Militärturnlehrer II, 432. — 871— Ewald, Johann Ludwig, Oberkirchenrat I, 230, 262, 267, 499, 500, 506. Eyben, Bernhard, evang. Pfarrer I, 30. Eylert, E Hofſchauſpieler III, 465. Eypper, Leopold, Bierbrauerei III, 151, 752. d'Eyragues, ſ. Bionneau. Eyth, Heinrich, Zeichenlehrer III, 789. Karl, Maler und Profeſſor III, 782, 842. — Loniſe, Hofharfeniſtin II, 89. —,Tapetenfabrik von I, 278. ◻ . Faber, Mechaniker II, 460. v.—, Philipp, Artilleriemajor II, 205, 335 v. Fahnenberg, Frh., öſterr. Diplomat 5 0 6. —,Karl Heinrich, Frh., Oberpoſtdirektor I, 268, 340—342, 370, 489, 506, 512; 1I, 8, 44, 387, 425. Fahrbach, Ludwig, Maler III, 455. ee II, 226. Faißt, 9 Oberkirchenrat III, 409, 823 Fallenſtein, Geh. Rat II, 333. v. Fallois, preuß. Oberſt EI97 Faſel, Maler II, 116. Faßbender, Czdenka, Opernſängerin III, 846. Fäßler, Julius, Oberlieutnant II, 249, 250, 251, 254, 256. Fath, Dr. Fritz, Profeſſor III, 791. Faubel, bayriſcher Muſikdirektor und Sohn, I, 520. 89 251 Julius, Nationalökonom III, A1115 Mathieu, Commiſſair ordon⸗ nateur J, 137. Fecht, Alexander, Lehrinſtitut von III, 814, 817-818. —, Ludwig, Direktor des Verwaltungs⸗ hofs II, 50; III, 221. —, Hermann, Sekretär II, 167. —, Karl Guſtav, Profeſſor 577, 687. —,„ſ. Bürklin Fechtig, Bildhauer II, 61, 131. v. Feder, Heinrich, Rechtsanwalt und Landtagsabgeordneter III, 511, 533. Fehr, Friedrich, Maler III, 842. Feigler, Chriſt, Hofbuchbinder III488. —, Guſtav, Mehlwagverwalter III, 439. Feldbauſch, Sebaſtian, Oberſtudienrat 15 Fellmeth, Stadtbaumeiſter J, 171. —, Kaufmann J, 485. 85 Modehandlung von I, 279, 481. —, Konditorei von II, 407, 4⁰08; Uil, 379. Fels, Fenich, Bierbrauerei von III, —, Geinrich Wtwe., Bierbrauerei von EII52 v.—, preußiſcher Major II, 36. Ferdinand, franz. Advokat und Privat⸗ II, 429. Ferenzy,“ III, 465. v. Ferſen, Axel, Graf I, 154. Fesca, illeanrder, Komponiſt 1173815 451, —, Friedrich Ernſt, Konzertmeiſter u. Komponiſt I, 380, 516, 517, 519. Fetzer, 8 Oberſtiftungsrat IIꝗ, 620, 628 Feuerbach, Anſelm, Maler III, 455, 655. Feuillade, ſ. d'Aubuſſon. Feuillet, Octave, franz. Dichter III, 460. Fichte, Johann Gottlieb III, 69, 70, 355. Fickler, Joſeph, bad. Revolutionär II, 163, 263. 271—275, 279, 284. Fiedler, preuß. Generalmajor II, 335. Fieſer, Emil, Landgerichtsdirektor und Landtagsabgeordneter III, 508, 522, 554, 555, 565, 569, 575, 598, 608, 615 620, 683, 733, 830. Fikentſcher, Otto Maler' III, 843. Finckh, Kaufman III, 546. Fingado, Theodor, Militäroberpfarrer III, 823, 824. Fink, Stadtbaumeiſter und Bürger⸗ meiſter I, 48. „Reallehrer III, 809. „Dr. Philipp, Regimentsarzt II, 375. Fiumeiſen, Dompräbendar III, 123. „Kaplan II, 419. Firnhaber, Dr. Friedrich, Direktor III, 430, 438, 796, 797, 809. Fiſcher III, 212. — Baumeiſter II, 385; III, 246. — Hofkapellmeiſter II, 138. Wirt I, 128. Pean Sängerin aus Straßburg 2 20 84. —, Beatrix, Kammerſängerin II, 90, 142, 450, 455; III, 4, 458, 459, 547. — — — 872— Fiſcher, Emil, Opernregiſſenr III, 465. —, Friedrich Theodor, Baudirektor III, 15, 29, 139, 140, 372, 422, 423, 785. —, Hermann, Profeſſor III, 795. —„Johann Guſtav, Poſtmeiſter und Landtagsabgeordneter II. 65, 72, 116. —, Karl, Oberregiſſeur II, 449, 459, 460; III, 457, 463, 465, 547, 548, 845. Konrad, Lehrer III, 436. Dr. Kuno, Profeſſor II, 441. Wilhelm, Redakteur II, 436. Karl Frhr, Obervogt I, 436; II, 104. —, Karl Friedrich Frh., Finanz⸗ miniſter I, 442. —, Wilhelm Ludwig, Frh., Oberſt II.58. ⸗Achten, Opernſängerin II, 450. Fiſchler, Johann Benedikt, Landtagsab⸗ geordneter II, 330. Fladt, bayr. Kammermuſiker I, 520. v. Flaxlanden, Baron, Großkomtur des Malteſerordens J, 121. Fleiſchmann III, 205. v. Flemming, Graf, 160 55 Ge⸗ ſandter III, 112, 469. „Gröfin, gebor. v. Arnim III, 469. Fleuchaus, Profeſſor III, 795. v. Flotow, Friedrich, Opernkomponiſt III, 461. Fohr, Daniel, Maler II, 442—444, 446, Föhrenbach, Mathias, Oberhofgerichts⸗ rat u. Landtagsabgeordneter l, 424. da Fonfeea, Ida, dän. Hofſängerin I. 519. — Font, ſpaniſcher Tänzer II, 451. v. Forſter, Major a. D., Gaswerks⸗ direktor II, 415. Förſter, Alban, Komponiſt III, 848. Foßler, Lyceumslehrer II, 423. Fraas, Oskar, Authropologe III, 546. Fanchelt⸗Wiizel, Opernſängerin I15 v. Frantker, Karl Hermann, General⸗ major und Stadtkommandant I, 318, 452. v. Franckenberg, Freifrau III, 352. Frankfurt, Karl Theodor(bv. Dalberg), Großherzog v. I, 296. v. SI11470 Ludwig Auguſt, Schriftſteller 1 Frankoni, P II, 458. Frankreich, Eugénie, Gemahlin Napo⸗ léons III. III, 128, 129. — Joſephine von Beauharnais, 1. Ge⸗ mahlin Napoleons I. I, 193, 195—200, 202. —, Karl X., König von I, 411. Louis Philipp, König II, 145. Ludwig XVI., König von I, 380. Ludwig XVIII,, König von J, 121. Marie Antoinette, Gemahlin Königs— Ludwig XVI. I, 153. —, Luiſe, Erzherzogin von Oeſterreich, 2. Gemahlin Napoleons⸗ J. I, 227—230. —, Napoleon I. Bonaparte, Kaiſer von I, 148, 152, 161, 174, 188—191, 193—202, 204, 206, 207, 211, 215—218, 221—224. 227- 230, 297—299, 301-303, 307, 312, 313, 315—317, 321, 332, 333,347—350, 353; II, 458. —, Napoleon II., Bonaparte, König von Rom I, 230. —,Napoleon III., Bonaparte, Kaiſer von III, 128 129; 175. Philipp 1345 König II, 146. — ſ. a. Berry, Bonaparte, Condé, Eng⸗ hien, Orléans. Franquemont, württemb. Oberſtlieut⸗ nant I, 96. v. Franſecky, oldenburgiſcher General⸗ major III, 85 Frantz, ſ. Trautz. Frech, Heinrich Albert, Abgeordneter II, 511 Freiberg, Hofmuſiker III, 445. —, Klavierlehrerin III, 445. Freiburger, Vikar III, 16. Freiligrath, Ferdinand III, 836. Fremon, franz. General I, 129. Frera, Klavier- u. Harfenvirtuoſin I, 520. S 111 Karl Remigius, Chemiker— 35 Freudenſtein, ſ. Grempp. Freund, Opernſänger II, 450. Frey, Ratsverwandter I, 318. „Albert, Kaufmann II, 157, 408. „Alexander, Muſikalienhandlung von. III, 835. —, Friedrich, Geh. Hofrat, Vorſtand⸗ des Geh. Kabinetts II, 154. —, Joſeph, Hauptmann im Leibin⸗ fanterieregiment II, 258. 8 115 15 Particulier u. Gemeinderat J, 76, 96, 272, 273, 383, 462; l, 1¹ 31. —, Otto, Geh. Regierungsrat, Land⸗ tagsäbgeordneter III, 554, 565. v. AI Berthold, Generalmajor III, 112, 505. „Karl, Geueralmajor III, 505. „Karl Wilhelm Eugen, General⸗ leutnant u. Kriegsminiſter II, 154; III, 12, 655. „Rudolf, Miniſterialpräſident III, 121, 123, 127, 128, 132, 142, 144. 180, 418, 468, 479, 480, 486, 487, 508. 9. Freyſtedt, Karl Friedrich Hermann Frh., General und Stadtkomman⸗ dant J 337. Karl Friedrich Frh., Oberſt J, 96, 105, 112. Karoline Sophie Freiin, Hofdame III, 839 Freifrau, I. 201. „Frfr., Freytag, Guſtav II, 135, 449; 449, 460, 469, 847. Frickel, Wiljalba, griechiſcher Hofkünſtler 219 Gemahlin d. Oberſten Gemahlin d. Generals J. 328. III. 8, 219. Friderich, Karl, Landtagsabgeordneter III, 14. Frieb⸗Blumauer, Minona, Hofſchau⸗ ſpielerin III, 138. v. IIi, 653. Friederich, Albert, Schriftſteller 289 Friedländer, A., Schulvorſteherin III, 517. „Voſele, Privatlehr. III, 442, 443, —, Anin III, 814, 816, 817. W011 Chriſtiane, Opernſängerin III, 846. Friedreich, Dr. Nikolaus, Profeſſor III, 155, 492. Fries, Ernſt, Maler I, 513; II, 444, 445 Fritſch, Wilhelm, Oberſtlieutnant II,335. „ſ. Brehm. Früſhe, Ernſt, Hofmuſiker III, 444, Srie, Bienpeoneter III, 300. Ible Joſef, Privatſchule von III, 443. Suddie Dorothea, gebor. Beck III, 5 Komponiſt III, 95. — 0 3 Fröbel, Friedrich II, 433, 653. Fröhlich, Wilhelm, Miniſterialrat III, 158, 439. Frohmann, Stadtbaumeiſter u. Bürger⸗ meiſter I, 48. Frohme, Soſialif, III, 205, 206. Frohmüller, Lohnkutſcher 1139. Fromm, ſ. Lange. Frommel, Emil, Oberhofprediger II, 417; III, 16, 89, 409, 425, 502, 650. F., Handelslehrer II, 428. Henriette II, 373, 418. Karl Ludwig, Galleriedirektor I. 510,512, 513; II, 125,442—4463 253 85, 454. O Otto, Honprediger III, 836—837. Wilhelm, Landbaumeiſter I, 291. Gebrüder, Kaufleute 1, 487. Frühauf, Privatlehrer II, 430. Fuchs, Chr. Fr., Hauptlehrer, III, 434. Füeßlin, Chriſtian Karl, Kaufmann u. Oberbürgermeiſter l, 279, 415, 423, 424, 481; II, 5, 21, 53, 60, 68, 80.— 82, 88, 92, 1045 122², 129, 283, 427. —ſ. Schmieder. Funck, Heinrich, Profeſſor III, 786. 1 Marie, Schauſpielerin 115 449. v Fürſtenberg,9 Amalie Chriſtine, Reichs⸗ gräfin v. Hochberg, Prinzeſſin von Baden, Gemahlin des Fürſten Karl Egon I, 57, 132, 299, 328, 341—343, 370, 370, 383, 526; II, 26, 30, 10¹1, 128) III, 158. Eliſabeth(Henriette), Prinzeſſin von Reuß, Gemahlin des Fürſten. Karl(Egon— 1 855 95 Karl Egon, Fürſt I, 295, 405, 413, 433, 526; II, 17, 26, 30, 59, 89, 101, 116, 127, 151j 180, 205 328, 383, 308, 420 III. 4, 7, 12, 158. —, Kark(Egon Leopold), Erbprinz, 1995 Fürſt II, 31, 313, 353; III, 29. —, f Ratibor. Füßli, Wilhelm, Maler III 843. Futterer, Dr. Karl, Profeſſor III, 785. Fütterer, Schreinermeiſter III, 29. G. Gaa, Karl, Hoforganiſt II, 423, 432. Gagel, L5 Profeſſor III, 788, 842—84 v. Gagern, Friedrich Balduin General II, 183, 184. —, Heinrich Wilhelm Auguſt Politiker II, 221. Gageur, Eugen, Muſikdirektor III, 506, 518, 571, 632. —, Reallehrer III, 789, 797 Gall, 805 Franz Joſeph, Phrenolog J, 269. 5 Gallait, Louis, niederländiſcher Maler II, 444—445. v. Gallatin, Graf, württemb. Geſandter I, 299, 361. Gallitzin, ſ. Skarjatin. Gambs, Karl, Stadtbaumeiſter III, 228, 251. 259, 291, 316. Ganghofer, Ludwig, Schriftſteller III, 847. Frh, Frh., Ganſer, Bürgermeiſter von Mühlburg III, 213, 215, 228. —„Friedrich, Stadtrat III, 628. Gansloſer, Reallehrer III, 799. Ganter, Reallehrer III, 795. Ganz, Philipp, Oberkirchenrat III, 823. Garcia—Veſtris, Sängerin II, 453. Garibaldi, Giuſeppe III, 181. Garnier, Circusbeſitzer II, 458. Gartner, Jakob, Schneidermeiſter, Stadtrat III, 96, 104, 125, 163, 343, 523. Gasnier, Maler J, 498. Gasperini, Tänzer II, 451. Gaß, Valentin, Geiſtl. Rat II, 104, 140, 283,319, 419, 433, 444IIl, 5, 6, 25, 34, 60, 126, 196—197, 412—415, 433, 437. v. Gaſſer, Frh., bayriſcher Geſandter J, 32. Gäßler, Joſeph, kathol. Stadtpfarrer IIi 8 I,441,412, 493 Gaßmann, Komponiſt I, 87. Gaßner, Dr. Ferdinand Simon, Muſik⸗ direktor J, 519; II, 432, 454. Gaudens, Muſiklehrerin II, 431. Gauggel, C., III, 572. Gaum, Wilhelm, Amtmann J, 136. v. Gayl, oldenburgiſcher General II, 36. Gayling v. Altheim, Frh., I, 124, 512; III, 258, 430 —„Chriſtian Ludwig Frh., Oberhof⸗ marſchall J, 174, 177, 305, 328. —,„Heinrich Frh., Staatsminiſter J, 63, 234. —, Karl Frh., Hausmarſchall, Theater⸗ indendant J, 335, 370, 513. 874 Gayling v. Altheim, Wilhelm Friedr— Frh., General d. Kavallerie III, 65. —„Frfr., geborne von St. Andreé, I, 328 Gebauer, A., Redakteur J, 503, 504, 507. Gebhardt, Peter, Weinhändler II, 44. Geck, Maler II, 442. — Adolf, Landtagsabgeordneter III, 554, 568, 569, 587, 597, 616, 621, 622, 628, 629. Gedemer, Martin, Hauptlehrer III, 434. Gehres, Kaufmann II, 406, 408. —, Siegmund Friedrich J, 267. Geibel, Emanuel III, 460, 654. Geier, Sekretär III, 803. Geiger, Bierbrauer III, 248. —„Albert, Schriftſteller III, 835, 837, 839. —, Robert, Maler III, 843. Geilsdörfer, Hugo, Profeſſor III, 786. Geiſendörfer II, 252. —, Kaufmann II, 215. —, Ludwig, Lithograph III, 125, 290. —„Frau Hafnermeiſter J, 139. Gelpke, Dr. Theodor, Augenarzt III, 812. v. Gemmingen, Auguſt Karl Franz Johann Frhr., Rittmeiſter J, 326. Eberhard Frh., k.k. Geh. Rat, Ritter⸗ ſchaftshauptmann im Kraichgau!, 142, 143. Otto Heinrich Frh., Schriftſteller 1,515. Reinhard Frh., Staatsminiſter 1, 62, 63, 234. Sigmund Frh., Grundherr II, 174. Frfr., Vicepräſidentin des Frauen⸗ vereins III, 23, 39, 324. — Michelfeld, Ludwig Frh., Hof⸗ theaterintendant II, 432, 448. Genelli, Architekt J, 82. Genter, Marie, Schauſpielerin III, 846. Georgii, Dr. III, 58, 70. Gerbel, Chriſtian Wilhelm, Oberlandes⸗ gerichtsrat III, 594 —, F., Kaufmann I, 487. Gerber, kathol. Pfarrer in Frieſenheim III, 537. —, Prieſter III, 126. —, Konrad, Generalmajor u. Kom⸗ mandant der Bürgerwehr II, 175, 177—181, 196, 206, 209, 231—233, 238, 243, 246— 248, 252, 253,257, 258,264, 275—282, 290292, 294, 295, 301, 302, 312, 314, 320—322, 344) III, 125, 126, 159. Redakteur II, 225. —, Th., Buchhändler II, 437, 446. 5 Chriſtian, Hauptlehrer III, u Emil, Opernſänger III, 846. —, Ottilie, geb. St. Georges, Schau⸗ ſpielerin III, 846. German, Ignaz, Hauptlehrer III, 434. Gern, Schauſpieler II, 449. Gernet, Lehrerin 799 Gersbach, Joſef, Seminarlehrer III, 440, 462. Gerſtel, Balletmeiſter J, 518. Gerſtlacher. Karl, Finanzdirektor 54 Karl Friedrich, Geh. Rat 1, 63. Getſtner, Auguſt, Profeſſor I, 495; II, 325 173, 270, 389, 433. Ernſt, Bezirks singenieur III, 267, 280. Jakob Friedrich, Profeſſor u. Kirchenrat J, 65, 263; II, 423. Gerth, Karl, Tuͤrnlehret III, 425. 8655 11505 Hofſchaufpielerin!, 324 266, II, Gervinus, G1050 Gottfried, Profeſſor III, 651. Gerwer, Sängerin J, 522; Gerwig II, 91,275 IDr. Ludwig, Rektor III, 803. „Robert, Oberbaudirektor' III77 207, 26 10— 266, 366, 486, 548, 650. —, Frau, geb. Beger 115 168. Geſell, Kaufmann J, 482. Geßler, Anton, Maler I, 508. G0 Salomon, Dicher 1, 69. b. Geuſau, Karl Frh.,“ Oberſt-Kammer⸗ herr I, 156, 203. Karl Frh., Reiſeſtallmeiſter J, 228, 230. Wilhelmine Freiin, 352. Gevers, niederländ. Uſinti II, 32. Geyer v. Geyersberg, Heinrich R Wilhelm Maximilian Frh.,O ter 3 —,ſ. Hochberg. II, 450. Hofdame III, 875 8 Giani, Jakob, Kaufmann I, 485, 508 II, 375, 403, 408. Giavina, E., II, 139. Giehne, Dr. Friedrich, Redakteur II, 261, 296, 435, 436. Giehne, Heinrich, Hofkirchenmuſikdirektor 15 455; III, 21, 180, 466, 557. Muſikalienhandlung II, 437; I 446. Gieſin, 551 II5 250, Gieſſelbrecht, 1 III, 280, 282. Gieſſendorfer, Lucas, Prediger I, 30. Gilg, Georg Jakob, Oberkirchenrat III, 409, 823. v. Girard, General u. J, 223, 296, 304. Glänz, Bildſchnitzer III. 29. Glaſer, Emil, Kaufmann u. Stadtrat III, 40, 202, 340, 479, 482, 488, 523, 533, 597. Aiößi Chriſtof, Bierbrauerei III, 249, weſtfäliſcher Gleichanf, Rudolf, Maler III, 259, 455, 611, 659, 843. Gleim, C. O., Civilingeneur III, 734. Glock, Albert Kaufmann u. Stadtrat III, 11, 258, 436. „Ernſt, Spediteur II, 108, 142. gur Glocken, Johann Wilhelm, Geh Rat J, 11, 30. Glöckler, Rittmeiſter der Bürgerka⸗ vallerie J, 433. Glockner, Emil, Miniſterialrat III, 413, 524. v. Gluck, Chriſoph Willibald Ritter, I, 73, 87, 125, 515; II, 451; III, 21, 37, 96, 460, 528, 655, 847, 848. Glück, Buchdrucker III, 446. v. Glümer, Adolf, preuß. General III, 178, 181, 190, 191, 654. Dr. Adolf, Geh. Rat III, 639. „Karl Chriſtian, Profeſſor u Geh. Hofrat J, 65, 185, 263, 266, 268, 271, 276, 298, 354, 3557 374. Dr. Moritz, Archivrat III, 448, 509. Gobat, Biſchof III, 66. Gockel, Hauptmann III, 182. „Chriſtian Bernhard, Stadtpfarrer U. Kirchenrat J, 213, 214. Chriſtian Friedrich, Geh. Rat u. Lyceumsdirektor I, 495; II, 389, 423, 434, 444; Il, 4, 44, 69, 354, 393, 406, 424, 443, 419, 498.5 —, Frl. Julie II. 418. —, Frau“ Hofrgt 1I, 167, 433. Socgg, Revolutionär“ 145 260, 261, 271, 274, 278, 284, 285, 287, 293. v. Goethe, Johann Wolfgang I, 62, 72, 81, 270, 285, 353—355, 383, 502, 514,515; II, 439, 452; III, 449, 451, 460, 654, 838, 839, 847. —,ſ. Schloſſer. Goitein, Dr., Rabbiner III, 834. Goldammer, Profeſſor III, 786. Goldoni, Carlo, Luſtſpieldichter I, 336. Goldſchmidt, Spritzenmeiſter II, 137. Goldſchmit, Dr. Robert, Profeſſor III, 544,571,581, 596, 604, 608, 609, 616, 620, 628, 651, 635, 786. Goldſticker, Carrie, Opernſängerin III, 846. Göler v. Ravensburg, Auguſt Frhr., Hauptmann II, 167. —, Ernſt Auguſt Frh. III, 144, 569. —, Franz Wilhelm Auguſt Frhy., Generalmajor III, 75. —, Julius Frh, Oberleutnant II, 69—71, 134. —„Frfr., geb. v. Reck I, 328. — Seldeneck, Frfr. III, 39. Goll, Heinrich, Schriftſteller II, 240; IIL, 187, 447. —, Max, Stadtrat, Landtagsabge— ordneter I, 481; II, 4, 8, 41—43, 48, 5257, 60, 63—66, 73—78, 81, 86, 90, 105, 144, 188, 189, 403, 411, 427. v. Golowkin, Graf, ruſſiſcher Geſandter 39 v. 83380 Graf, preuß. Diplomat J, 380 Gönner, Reallehrer III, 797. Goos, Profeſſor III, 786. Gopelt, Karl, Kaufmann II, 403. Görger, Apotheker II, 215. Görner, Karl Auguſt, Bühnendichter und Schauſpieler III, 460. Gorter, Albert, Hofkapellmeiſter III, 845. Görtz⸗Schlitz, Euſtachius Graf, preuß. und bad. Diplomat J, 96, 149. Goſſet, Verwalter II, 386. —,„Friedrich, Schneider III, 352. Goßmann, Friederike, Schauſpielerin III, 462. Goßweyler, Wilhelm, Zolldirektor II, 74. Bihent, Dr. Eberhard, Profeſſor III, 785. Gottſchalck, Ernſt Friedrich, Landtags⸗ abgeordneter II, 76—178. —, 0 Dekan in Pforzheim J, — 876— v. Gottſchall, Rudolf, Dichter III, 460. Gottwald, Komponiſt III, 95. Götz, Paſtetenbäcker II, 408. —, Chriſtian, Generalleutnant III, 201, 539—540. —, Hermann, Direktor der Kunſtge⸗ werbeſchule III, 506, 515, 518, 520, 541, 576,578, 596, 597, 604, 610, 787, 840, 842. —, Hermann, Komponiſt II, 847. Götze, Emil, Opernſänger III, 849. Götzenberger, Jakob, Maler II, 445, 446. Gounod, Charles Francois, franz. Komponiſt III. 199, 461, 847. La Goutte, franz. Offizier I, 165. Gotz Carlo, italien. Schriftſteller J, 360. Gräbener, Pfarrer III, 538. v. Grabow, Graf und Gräfin, ſ. Meck⸗ lenburg. Graefle, Albert, Maler II, 116, 445. Graf, Karl, Pfarrkurat III, 826. Gräff, ſ. Müller. Graham, engl. Geiſtlicher II, 22. v. Graimberg, Ludwig, Profeſſor u. Geh. Legationsrat I, 262, 263, 498, 501 —, geb. v. Budberg, Gattin des eben⸗ genannten I, 262. Gramm, Lieutnant a. D. II, 459. Granville, Dr., engliſcher Arzt II, 31. Grashof, Dr. Franz, Prof. u. Geh. Rat III, 126, 211, 423, 570, 590, 610, 655, 784, 786. Gratz, Karl, Profeſſor u Hofrat II, 433; 11I, 423. —, Marie, Malerin III, 640, 843. Graumann, Induſtrieller II, 86. Gramm, Karl Heinrich, Komponiſt I, 518 Greber, Apotheker I, 30. Green, C. G., engliſcher Luftſchiffer II, 459. Gregor XVI., Papſt II, 420. Greif, Martin, Schriftſteller III, 847. Greiner III, 823. — Reallehrer III, 809. Grempp vonFFreudenſtein, Frh, wüttem⸗ bergiſcher Geſandter I, 379. Grenot, Euphémie, gebor. Neumann, Privatlehrerin II, 430. Grethe, Carlos, Maler III, 842. Grétry, André Erneſt Modeſte, franz. Komponiſt I, 87, 516, 848. ieee enleen — 877— Greule, Profeſſor III, 797. Grevé, Karl, Muſiker III, 466. Wolfgang Rob., Gries bach 5 Chriſtian 5 Fabrikant II, 99. —„ Ida I, 290. — A001 95980590 Geheimſekretär I, 66, 70, 80, —(ilhelm) Ehriſtian, Handelsmann, Oberbürgermeiſter u. Landtags ab⸗ geordneter I, 48, 201, 237, 243, 268, 291, 292, 318, 322, 325, 385, 394, 165.50 415, 419423, 435, 436, 457, 481, 499, 51¹²3 I5, 8, 9, 4 44, 45, 60, 79, 132, 380, 385, 386, 442; III, 653 666. —, Frau, Gemahlin des Johann Chriſtof I, 70, 80. —, Frau, Gemahlin des Chriſtian J, 328. Tabatfabrik vonl, 50,278; III, 376. v. Ga88 55 preuß. Major II, 333, 338, 339. Griefflih, Dr. Ludwig, 5 II, 374, 439; III, Grillparzer, Franz, Schrifſteler!, 515 II, 450; III. 460, 847. Grimm, Albert Ludwig, Profeſſor u. Landtagsabgeordneter J, 424. „Dr. Karl„Miniſterialpräſident III, 487, 495, 508, 522, 624—-625. Grimminger, Adolf, Spernſänger III, 459. 33 Marie, Schauſpielerin I. 517. Gritzner u. C. Nähmaſchinenfabrik III, 755, 760, 769-770. Grob, Dr., Arzt I, 70. Grobe, Komponiſt II, 121. Groh, Auguſt, Maler III, 816. Gronovius, Ritter, holländiſcher Ge⸗ ſandter 15 227 Groos, Chr. Th., Buchhandlung II, 436, 437; III, 835 Emil II, 1675 Grboß, Friedrich, Stadtrat 1, 187, 431; II, 60, 383. Großbritannien, Albert, Gemahl der Königin Victoria von II, 18. „Eduard(VII.), Prinz v v. WaleslI, 3 „Georg VV., König von J, 380. „Karoline, Prinzeſſin von Braun⸗ ſchweig-Wolfenbüttel, Gemahlin des Königs Georg IV. I, 380. Dichter Kaufmann u. Wilhelm Großbritannien, Victoria, Königin II, 18, 28, III, 198, 595. —, ſ. a. Kent. les II, 87; III, 275, 276, Gröſſer. Ida, gebor. Boſt, E 458, 577 Wilhelm, Schauſpieler III, 458. Großmann, Artilleriehauptmmann II, 256. v. Gruben, Frh., Geſandter d. Groß⸗ herzogs von Frankfurt I, 296. Gruber, Karl, Profeſſor III, 427 451. Grund, Maler II, 443.—446. Grynäus, Samuel, Prediger I, 30. 0 C.„Werkzeugmaſchinenfabrik II — u. Zimmermann, III, 470. Gude, Hans, Maler III, 453, 470. Guerillot, Peter, Polizeiamtmann II, Schauſpielerin Maſchinenfabrik 361. Gugert, Dr Franz Anton, Leibarzt II, 351 —„Joſeph, kath. Stadtpfarreiverwalter II, 4. Guggenbühler, III, 846. Guilleminot, franz. General u. Diplomat II Gulat v. Wellenburg, Daniel, Staats⸗ rat I, 370, 442, 501, II, 39. —,ĩ 1011 Joſeph, Geh. Referendär III, 56. —, Frau III, 39. Gulde, Ladenfrau II, 392. v. Gültlingen, Leutnant J, 134. v. Gumppenberg, Frhr., bayriſcher Hauptmann II, 36. Gumprich, Eduard, Sekretär III, 289. v. Günderode, Hektor Wilhelm Frh. I., 63. Gunn, engliſch. Major I, 112. v. Günter, Johann, Hofrat 4,6115 Günth, Schneidermeiſter II, 406. Günther, Dr, ſächſ. Geh Rat III, 619. —,Auguſt, 2. Bürgermeiſter III, 104, 125, 131, 145, 146, 150, 151, 160, 189, 196, 199, 212, 275, 308, 333, 479, 480, 484, 499, 511, 514, 517, 529, 539, 589. —, F. W., Schützenmeiſter I, 286. —„Franz, Bildhauer II, 124. —,„Dr. Siegmund, Profeſſor III, 598. Wilhelm, Opernſänger 7 U 1 — 878— v. Güntzer, Johann Frh., Stadtamt— mann I, 17, 30 —, W. Frh., Obervogt J, 529. Gürn, Schauſpieler I, 517. lez Karl, Maler u. Profeſſor III, Guſtavſohn, ſ. Schweden. Guterſohn, Profeſſor III, 797. Gutman, Adolf, Advokat III, 91. —, Dr. Albert, Geh. Finanzrat III, 639- 640. —„Jakob, Rechtsanwalt, Gemeinde⸗ rat u. Abgeordneter III, 163, 184, 222, 275. Gutmann, Reallehrer III, 797. —„ Gewerbelehrer III, 801. —, Student III, 489. —, Siegmund, Kaufmann II, 403, 407. Gutſch, Friedrich ſen., Buchdrucker III, 157-—158 —,„Friedrich jun., Buchdrucker u. Volksdichter I, 129; III, 296, 445, 447, 619, 652, 774, 838. —„Wilhelm, Buchdrucker III, 525. —„ Buchdruckerei II, 425. —, Witwe, Hoſenträgerfabrik von I, 482. — u. Rupp, artiſtiſches Inſtitut II, 381, 435-437. Gutzkow, Karl, Schriftſteller II, 449; III, 460, 847. Gützlaff, K. D., Miſſionar II, 419. Gyllenband, ſ. Uexküll. Gyrowetz, Adalbert, Komponiſt I, 515. H. Haaf, Leutnant I. 134. Haag, Georg Bernhard, Präceptor II, 425. —, J. Chriſtian, Hofkantor I, 499. Haagel, Konradin, Kaufmann II, 398, 401, 407, 408; III, 40, 296, 413. Haas, Leutnant I, 5. —, Albert, Bankier III, 150, 162, 380. —, Gebrüder, Kaufhaus von II, 408. —„ſ. Lotz. Haaſe, Friedrich, Schauſpieler III, 458, 849 Haaß, Robert, Schriftſteller III, 386, 559, 570, 631. v. Haber, Louis II, 162. —, Moritz, Bankier II, 69—72, 437. —, Salomon, Hofbanquier II, 69. —„Frau III, 39. v. Haber, S., Bankhaus I, 279; II, 60, 91, 109, 142, 143, 381, 410, 411. Haberſtroh, Techniker I, 429, 479; III, 260. Hack, Bierbrauer II, 405; III, 248. —, Muſikalienhandlung von III, 835. v. Hacke, Karl Frh., Staatsminiſter 1, 227, 234, 441, 442, 506. —,„Frfr. I, 370. Hacker, Leutnant III, 182. —, Oberarbeiter III, 355. Hackländer, Friedr. Wilhelm, Schrift⸗ ſteller III, 460. v. Hadeln, Frh., naſſauiſch. General Haf, Theodor, Bildhauer III, 589. Häfelin, Joſeph, Polizeiamtmann J1, Hafner, Gaſtwirt II, 219. —, Adolf, Bäckermeiſter u. Stadtrat 110481 —, Gchrh; Pfarrer in Illenau III, 53² v. Hagn, Charlotte, Schauſpielerin II, 449 Hahn, Friedrich, Schriftſteller III, 844. v.,— Auguſt Johann, Geh. Rat 1, 61. Haid, Dr. Matthias, Profeſſor u. Hofrat III, 423, 784, 785. — u. Neu, Nähmaſchinenfabrik von III, 378, 382, 776. Haizinger, Amalie, geb. Morſtadt(ver⸗ witwete Neumann), Schauſpielerin I, 405, 517; II, 449, 452; III, 540. —, Anton, Kammerſänger 1, 517, 520, 522; lI, 15, 122, 142, 318, 432, 450, 455; III, 4, 184. Halbe, Max, Schriftſteller III, 847. Halbig, Adam, kathol. Stadtpfarrer III, 825. Haldenwang, Chriſtian, Hofkupferſtecher I, 83, 264, 270, 309, 442, 509, 512. Halévy, Jacques Fromental, franz. Komponiſt II, 451, 461; III, 847, 848. Halm, Friedrich, Dichter II, 19, 449; III, 42, 460. Hambel J, 362. Wamher, Dr. H., Privatlehrer II, 30. 819 Hamilton, Marie(Amalie Eliſabeth Karoline), Prinzeſſin von Baden, Gemahlin des Herzogs Wilhelm v. J, 379, 405; II, 22; III, 560. —, Wilhelm, Herzog, Marquis v. Douglas II, 22. Hammer, Bierbrauer II, 405. —, N Profeſſor III, 515, 520, 501 Otto, Profeſſor III, 795. Hamp, Anton, altkatholiſcher Pfarr—⸗ verwalter III, 415, 416, 829. Hanauer, Dr. Gerſon, Profeſſor III, 795. Hancke, Oswald, Hoftheaterdirektor III, 578, 596, 605, 845. Händel, Georg Friedrich, berühmter Komponiſt II, 142, 453, 455; III, 21, 180, 655, 8048. „Guſtav, Schüler III, 530. —, Ludwig, Stadtrat lir, 580, 628. v. Hanfſtängl, Franz, Lithograph III 20. Haniel, ſ. Jacobi. Hanſen, Schauſpieler III, 465. Hanſer, Dr. Adolf, Profeſſor u. Bau⸗ rat III, 674, 677. Hanſult, Friedrich, Garniſonslehrer II, 425, 326 III, 434. Hardeck, Dr. Friedrich, Geh. Rat III, 123, 555, 594. v. Hardegg, Graf, k. k. Major I, 159, 160. v. Hardenberg, Auguſte Frfr., geb. v. Gemmingen⸗ Guttenberg 11, 433; III, 39, 115, 591. „Karl Auguſt' Frh, preuß. Staats⸗ mann I, 132. Harlacher, Auguſt, 465, 845. —, Eliſe, geb. Rupp, IIL, 846. Opernregiſſeur III, Opernſängerin v. Harmenſen, württemb. I, 295, 299. v. Harrant, Valentin, Generalleutnant U3 179, 194, 221. H Härſcher, Ignaz, Wirt I, 526. Geſandter Hart, Joſeph, Prof. u. 6015 Hofrat III, 423, 610, 618, 784, 785. Hartleben, Dr. Theodor, Geh. Lega⸗ tionsrat J, 270, 483; II, 122. Hartmann, Schwimmeiſter III, 37. —, Soziclif III, 205, 206. v. 466 Dr., ruffiſcher Leibarzt III, Guſtav, Stadtrat u. v. Hartmann, Eduard, Philoſoph III, 838 Hartweg, Hofgärtner I, 287, 378. Haſemann, Wilhelm, Maler III, 843. Haſper, Friedrich Wilhelm, Hofbuch⸗ drucker II, 50, 52, 99; III, 197. „Fr. W., Druckerei u. Buchhandlung II, 51, 436, 8 III, 446, 835. Haffelt, Emma, Opernſängerin r 450 Ha Apligge III, 250, 256, 257, 372. —„Karl, Hoftapezier III, 29. Hauber, Chriſtoph Emanuel, Prof. u. Geh. Rat I, 64, 65; II, 4275 III, 436. Hauck, F., Kaufmann II, 408. —, Minnie, Opernſängerin III, 849. Hauer, Gotthold, Kriegsminiſterial⸗ aſſeſſor I, 512. Stadtver⸗ rechner J, 352, 431. Haufe, Sophie I, 281. Haug, Friedrich, Fabrikant III, 755. Haunz, Architekt III, 250. —, F., Muſiklehrer II, 431. Gerhard, Schriftſteller III, G655 0 Adolf, Profeſſor III, 46, 58, 92, 425. Ferh, Kammerſänger II, 450; III, 8, 449, 458, 459, 846. „Karl, Matetialiſ II, 135. „Magzdalene, geb Grashey, Opern⸗ fängerin III, 95, 449, 458, 465. Hausmann, franz. Generalkommiſſär I, 131¹, 133, 136. Hausrath, D T. Adolf, Oberkirchenrats⸗ aſſeſſor Prof.) III, 409, 448, 449, 451 —, Auguſt, 13 II, 24, 60, 134, 417, 418, 433, 436. 5 Auguſt, Profeſſor III, 786. „Dr. Hans, Profeſſor III, 785. ie Gußſd, Landtagsabgeordneter I Häußer, Dr. 815 Prokeſſo, Land⸗ tagsabgeordneter II, 222, 223, 229, 231, 239, 241, 258, 270, 271, 284; III, 5, 55, 67, 82, 88, 89, 401, 450, 451, 65¹ Häußme, Dr. Joſeph,“ Profeſſor III, VHantevill, Sprachlehrer II, 430. Haydn, Joſeph, Komponiſt J, 518, 521 II, 117, 455: III, 655, 848. — 880— v. Haynau, Wilhelm Karl, kurheſſ. General II, 36, 37. Hebbel, Friedrich, Schriftſteller III, 95, 460, 847. Hebel, Johann Peter, Prälat I, 65, 817 82, 263, 270, 271, 281, 282, 354, 401, 438, 459, 495, 498, 500, 506, 513) II, 130, 131, 463; III, 147, 213, 448, 449, 619, 648, 663, 664, 838. Hebting, Franz Sales, Geh. Rat III, 611. Heck, Auguſt, Profeſſor III, 797. —,„Daniel, Gemeinderat III, 125, 195, 202, 215. —, Louis, Bierbrauer III, 752. Hecker, Friedrich, Obergerichtsadvokat, Landtagsabgeordneter II, 73, 145, 148, 149, 153, 154, 158, 159, 162, 169, 184, 189, 200, 244, 245, 263, 266, 300, 303. —, Dr. Karl, Profeſſor in Freiburg II. 288 Heer, Adolf, Bildhauer u. Profeſſor III, 613, 625, 659, 667, 676, 677, 788, 843. —,„ſ. Herr. Hehn, Michael, Pfarrkurat III, 826. Heidenreich, Karl Friedrich, General— kaſſier III, 524, 555, 602. Heigel, Cäſar Max, Hofſchauſpieler J, 358, 515, 517. Heil, Lehrerin III, 799. Heilbronner, Rudolf, Fabrikant III. 377. Heilig, E. u. A., Goldſtickerinnen III, 29. —, Karl, Steindrucker III, 137. Heim, Johann, Profeſſor III, 795. Heimburger, Dr. Karl, Profeſſor u. Landtagsabgeordneter III, 575, 588, 609, 616, 622, 628, 6209, 797. Heimerdinger, Meier, Kreisgerichtsrat III, 146, 380. v. Heimrodt, Friedrich, Oberſt J, 311. Hein, Franz, Maler III, 838, 843. Heinefetter, Kathinka, Opernſängerin P —,ĩ 1 Opernſängerin II, 450, 517. Heingärtner, Dr. Andreas, Profeſſor III, 425, 451. Heinlein, Maler I, 513; II, 445. Heinrich, Karl, Chirurg I, 464. —, 86805 Oberbaurat III, 250, 577, 68. Heintz, Julius Ludwig, Oberkirchenrat III, 406, 408, 409. Heinzel, Siegfried, Schauſpieler III, 846. Heinzen, Karl Peter, Revolutionär II, 274 Heiſſat, Privatlehrer II, 430. Helbing, Dr. Albert, Oberhofprediger III, 425, 442, 511, 532, 550, 819, 823, 824. —„Johann Jakob, Sekretär II, 427. —, Karl, Fabrikant u. Landtagsab⸗ geordneter II, 144. —, Paul, Schüler III, 530. —, Robert, Domänendirektor II, 389, 417. —,Dr. Robert, Profeſſor III, 799. Helbling, Adolf, Baurat III, 668. Held I, 339. —, Friedrich Caſimir, Hofgärtner II, 385 v. Heldewier, niederländ. Geſandter 1J, 416. Helferich, Georg, Profeſſor am Lyeeum II, 423. Helfricht, Ferdinand, Hofgraveur II, 20. Hell, Thebdor, Schriftſteller II, 307, 449. Hellmesberger, Georg, Violiniſt II, 454. —„Joſef, Violiniſt II, 454. Hellner, Ehriſtoph, Zimmermeiſter II, 151, 368, 369. Hellwag, Rudolf, Maler III, 843. Helm, Karl Oberkirchen⸗ u. Geh. Rat III, 409, 819. v. Helmholtz, Hermann Ludwig, Phyſiker III, 35, 451 655. Helmling, ſ. Hemeling. Helmle, Karl, zweiter Bürgermeiſter II, 25, 83, 96, 98, 226, 273, 388, 339, 343, 344, 383; III, 31. —, Lorenz, Glasmaler I, 513. Helmsdorf, Friedrich, Hofmaler II, 125, 443, 445. Hemberger, H., Architekt III, 670. Hemberle, Heinrich, Gaſtwirt II, 173, 185, 378. Hemeling, Johann Wilhelm, Hofbiblio⸗ thekar u. Geh. Hofrat J, 52, 263, 266, 290, 291, 425. Hendel⸗Schütz, Henriette, Schau⸗ ſpielerin I, 281, 517, 518. Hengſt, Feuerwehrhauptmann II, 138. Henkel, OSpernſängerin II, 450. Henle, Kaufmann II, 91. Hennig, Stadtbaumeiſter u. Bürger⸗ meiſter I, 48. —, kathol. Geiſtlicher III, 215. v. Hennin, Peter Graf, Hofgerichtsrat I, 347. Henrich, Konrad, Reallehrer III, 795. Henrici, Karl, Oberkirchenrat III, 823. v. Henriquez, öſterreich. Oberleutnant I, 127. Herbſt, Dr. Karl Friedrich, Medizinal⸗ rat J, 497. Herder, Buchhandlung II, 407, 437; III, 446. v.—, Johann Gottfried I, 68, 71, 502. v. Herding, Frh. II, 116. Hergt, Dr. Franz, Arzt II, 376. Herklots, Schriftſteller I, 515. Herkner, Dr. Heinrich, Profeſſor III, 785. erlan, Friedr., Kaufmann III, 368. ermann, Theodor, Kaufmann III, 145, 483. —, Handlung I, 279. Marie, Schauſpielerin II, 449. t t0 t= SDSedd Hermanuz, Raimund, Seminardirektor Herold, Komponiſt III, 847. —,Ernſt II, 462. —ſ. Leuz. Herr, Franz Joſeph, Landtagsabge— ordneter II, 54. Herrmann, Rudolf, Kaufmann III, 755. —, Samſon, Kaufmann II, 403, 481. —, Theodor, Rentner III, 524. 5 Luiſe, Seminarlehrerin III, t — Hertz, Fritz, Schauſpieler III, 846. —, Heinrich, Profeſſor III, 655. Herwarth v. Bittenfeld, Karl Eberhard, preuß. Generalleutnant III, 84, 85. Herz, Henriette I, 502. Herzberg, Joh. Gerhard, Kirchenrats⸗ direktor I, 212, 214, 291. —, Marie Karoline, geb. Kärner I, 291, 292. Herzer, Heinrich, 2. Bürgermeiſter II, 98, 157, 258, 403; III, 31, 68, 83, 124, 125, 145. —,„ A., Maler II, 431. erzog, Poſthalter in Durlach I, 19. —, Albert, Redakteur III, 609, 838. —, Ernſt Siegmund, Staatsrat I, 128, 347, 442. 2*.5 0 881 Heſer, Komponiſt III, 43. Heß, Heinrich, Dichter II, 64. —, Joh. Friedr, Oberpoſtdirektor, Geh. Oberpoſtrat III, 750. —, Frl. II, 395. Heſſe, Georg Hans, Maler III, 843. —, Marie, Malerin III, 843. Heſſen—Darmſtadt, Chriſtian, Sohn des Landgrafen Ludwig IX. I, 186. Eliſabeth, Tochter d. Gr. LudwigIV. III,517 Ludwig VIII., Landgraf I, 39. Ludwig II., Großherzog I, 56, 179, 186, 188, 229, 337, 353, 359. Ludwig III., Großherzog II, 18, 22, 26, 35; III, 7, 8, 478, 479. Ludwig IV., Großherzog III, 517. Mathilde, Gemahlin des Groß⸗ herzogs Ludwig III. II, 26; III, 8. — „Viktoria, Tochter des Großherzogs Ludwig IV. III, 517. Wilhelmine, Gemahlin des Groß⸗ herzogs Ludwig II. I, 56, 174, 179, 229, 337. —,.a. Baden, Naſſau u. Sachſen- Weimar. — Homburg, Ludwig Wilhelm Friedr., Landgraf II, 24. — Kaſſel, Wilhelm Landgraf von J, 120. etterich, Bierbrauer II, 244. etzel, Michael, Fechtmeiſter I, 286, 499. Heuniſch, Revolutionär II, 285. —, Adam Ignaz, Kanzleirat I,. 506. Heuſer, Maler II, 116. Heydt, Franz, Bierbrauer III, 753. Heyn III, 816. Heyſe, Paul, Schriftſteller III, 460, 596, 847. Hilb, Kaufmann II, 113, 403. Hilbert, Leutnant J, 321. Hildebrandt, Georg Martin, Hof—⸗ gerichtspräſident und Landtags⸗ abgeordneter III, 47, 67, 118, 415, 498. —, Theodor, Maler II, 443. Hillemacher, Komponiſt III, 848. Hiller, Ferdinand, Komponiſt III, 461. —,„ Johann Adam, Komponiſt I, 87. v. Hillern II, 394. Himmel, Friedr. Heinrich, Komponiſt J, 87. 56 Himmelheber, Heinrich, Möbelſchreiner III, 29. —, Karl, Stadtrat III, 146, 150, 163, 213, 251, 252, 293, 497, 524, 571, 683. —„ Wilhelm, Kaufmann II, 407, —,(Gebr.), Möbelfabrik J, 278, 385; IIT, 383, 384, 546, 547. v. Hinkeldey, Heinrich, Oberſtleutnant III, 20, 184, 211, 248. Hinterfad, Philipp, Oberamtmann III, 411. Hirn, Hauptlehrer II, 425; III, 434. Hirſch, Adolf, Kaufmann II, 138. v. Hirſchfeld, preuß. Generalleutnant III, 10. —, preußiſcher General Hirt, Johannes, Bildhauer III, 843. Hirzel, ſchweizer. Diplomat I, 394. Höber, Benedikt, Kaufmann II, 84, 159, 160, 403, 408. —„E. u. B., Handlung II, 406. Hochberg, Luiſe Karoline Geyer v. Geyersberg, Reichsgräfin von Hoch⸗ berg, 2. Gemahlin Gr. Karl Friedrichs v. Baden I, 56, 57, 96, 97, 101, 132, 143, 146, 147, 184, 193, 205, 207, 223, 232, 243, 244, 269, 392. —,ſ. Baden, Fürſtenberg. Hochſtetter, Dr., Arzt I. 497. —„ Jakob, Prof. u. Oberbaurat III, 250, 423, 513, 658. Höchſtetter, Wilhelm, Seminarlehrer III, 789. Hock, Alexander, Schauſpieler II, 137, 449, 458. S09 Gaſtwirt III, 657, 723, 27. —, Wirtin II, 109, 110, 112. Höcker, Hugo, Hofſchauſpieler III, 846. —, Mina, geb. Behrens, Schau— ſpielerin III, 846. —,„Oskar, Hofſchauſpieler III, 458. Hödel, Max III, 827. v. Halgg⸗ Johann, Staatsrat I, 234, 488. Hoff, Revolutionär II, 260. —, Karl Heinrich, Profeſſor u. Maler III, 513, 538, 550, 573, 655, 842. Hoffmann II, 45. —, Hauptmann II, 8. —, Klavierlehrerin III, 445. Hoffmann, Dr. Adolf, Generalarzt III, 632, 811. —, Chriſtian, Hofſänger III, 8. —, Friedrich, General und Kriegs— miniſter II, 154, 176, 184, 199, 208, 209, 247, 256, 261, 262, 267, 286, 297. —„ Jakob, Wirt u. Stadtrat II, 206; III, 31, 125, 292, 436. —, Karl, Stadtrat u. Landtagsabge⸗ ordneter III, 202, 290, 328, 482, 504, 507, 508, 511, 522, 527, 532—534, 544, 549, 550, 554, 565, 569—571, 574, 575, 579, 580, 588, 592, 597, 616, 632, 683, 729, 793, 807, 812. —, Karl Georg, Staatsrat II, 154; III, 385. Hoffmeiſter, Eduard, Oberſt III, 639. —, 51 Hofkupferſtecher II, 322; 158 Höflin, Theodor, Profeſſor III, 795. Hofmann, Auguſt, Kaufmann I, 486. —, Heinrich, Kaufmann II, 216, 386, 403, 406, 408, 410. —, Theodor, Schüler III, 530. —, Wilhelm, Seminarlehrer II, 192. —, Wilhelm, Kaufmann III, 150, 271. v. Hohenberg, Bertold Graf I, 6. Hohenlohe-Langenburg, Ernſt, Erbprinz III, 595. —, Hermann, Fürſt III, 68, 468, 551, 595, 791. —, Leopoldine, Prinzeſſin v. Baden, Gemahlin des Fürſten Hermann II, 13; III, 6, 68, 420, 468, 595. —Schillingsfürſt, Fürſt u. Fürſtin II, 22 — — Waldenburg⸗Schillingsfürſt, Fürſt I 3533 —,Prinz II, 127. Hohenzollern⸗Hechingen, Franz, Prinz, k. k. General I, 350, 351. —, 465 Wilhelm, Erbprinz J, 408. —„Sigmaringen, Anton Aloys, Fürſt 1220 —,„Joſefine Friederike Luiſe, Prin⸗ zeſſin von Baden, Gemahlin des Fürſten Karl Anton I, 314, 316, 324, 405; II, 13, 14; III, 506, 634. —, Karl, Fürſt II, 13. — 883— 15 11 Karl Anton, Fürſt II, 13, 14,26, 35. —, Leopold, Erbprinz III, 164. —, Wilhelm, Prinz III, 530. Höhler, Wilhelm, Profeſſor III, 795. Holb, Maurermeiſter 1125 Holbein, Hans, Maler 1. 511. v.—, Franz Ignatz, I, 325, 392, 5¹43 II, 449. 8 v. Holhſrg, Ludwig, dän. Dichter III, abg, Karl, Opernſänger III, 465, Socbereun Karl, Profeſſor III, 799. Höll, Xaver, Kaplan II, 374, 419; III, 24, 433. v. Holle, Auguſt, Oberſt II, 8, 37; III, 427. Hollmann, Karl, Maler III, 843. Holſtein, ſ. Baden, Schleswig. v. Holtei, Karl, Schriftſteller II, 449. Holtz, Ernſt, Generalmajor II, 37, 68, 246; III, 140. Volzmannt Gewerbelehrer II, 428. „Dr. Adolf, Profeſſor III, 786, 797. „Herrg Kunſt⸗ u. Buchhändler 15 167, 389, 407, 437; III, 58, 83, 89, 96—98, 446, 456. —, Juhoani Michael, Profeſſor I, 263, 515 496. — Karl Julius, Prälat II, 412; II, 54, 66, 68, 89, 97, 99, 127% 128, 135, 194, 200, 409, 478, 498, 823. Holzhauer, Ernſt, Dekan J, 305, 387. v. Holzing, Adolf, Artilleriehauptmann II, 335. —„Franz Joſef, Oberforſtmeiſter II, 364. Leopold, Major J, 321, 322, 326. „Frau I, 502. Böizün III, 136. „Joh. Lorenz, Hofprediger I, 10, 28. Holzmann, Philipp u. Comp., Bauunter⸗ nehmer III, 689, 722, 744. Homburg, Regine, Modehandlung II, 408. Homburger, Fabrikant I, 278. —, Abraham, Metzger III, 239. —, D., 05.9685 der Handelskammer „403. —,FFritz, Bankier u. Stadtrat III, 571, 832. — Löw, Kaufmann J, 481, 487. „Löw, Bankier II, 14². — 2 Homburger, Veit Löw, Bankier III, 252. Honſell, Max, Oberbaudirektor III, 423, 654, 738-741, 785. Hönig, Sidonie, Schauſpielerin III, 846. Höpfner, Friedrich, Bierbrauer u. Stadt⸗ rat III, 580, 752. Horn, Adrian, Profeſſor III, 797. Horſt, Hebamme J, 305. „Klotilde, Leiterin einer Privat⸗ ſchule III, 443. Hörter, Auguſt, Maler III, 455, 488, 843. Hothmann, Frl. III, 594. v. Hövel, Ludwig Wilhelm Alexander Irh, Juſtizminiſter I, 234, 442. Hoven, J., Komponiſt II, 19. Howitz-Steinau, Clementine, Opern⸗ ſängerin III, 8, 21, 458, 459. v. Hoxar, Wilhelm, Schauſpieler III, 845. Hoyer, Oekonomierat 1, 373, 377. —, Auguſt, Kaufmann u. Stadtrat III, 125, 483, 504, 538. v. Hruby⸗Gelleny, Frh., öſterr. ſandter J, 394, 416. Huber III, 250. —, Ingenieur III, 726. —,„ Joſef, kath. Stadtpfarrer I, 189, 219, 261, 344, 345, 410. Hübler, Adolf, Profeſſor III, 795. Hübſch, Heinrich, Baudirektor 313 II, 60, 84, 355, 422, 443, 4443 IIf, 85, 86, 139, 140, 246, 423, 446, 594, 653. Hüffell, Ludwig, Prälat I, 4, 14, 440; Ge⸗ „Frau Prälat II, 381. Hug, Dr. Leonhard, Domkapitular II, 4. v. Vugel Ernſt, Oberſtleutnant 5 —, Marie II,373, v. Humboldt, Alexander, Naturforſcher III, 35, 157, 650. Humperdinck, Komponiſt III, 848. Huene von Hoiningen, Karl Frh., Politiker III, 587. Hunger, preuß. Diviſionsprediger III, 5. Hunkler, Karl, Chorſänger II, 461. Hunzinger, Privatlehrer II, 430. Hüttner, Reallehrer III, 797. Huyſſen, ſ. Jacobi. 3 — 884— J. Jäckel, Peter, Hauptlehrer II, 426; III, 434. Jacobi, Haniel und Huyſſen, Schiff⸗ bauergeſellſchaft II, 103. Jacobſohn, J., Wirt I, 525. Jügeg 65fälz. Eiſenbahndirektor III, —,Dr. Joſeph, Profeſſor III, 795. —„Lukas, Hauptlehrer III, 434. Jahn, Friedrich Ludwig III, 655-656. Jahraus, Wilhelm, Buchhandlung von 5 Jais, Robert, Hauptlehrer III, 810 Jakobi, Friedrich Heinrich, kurpfälz. Hofkammerrat I, 7. —, Johann Georg, Prof. in Frei⸗ burg I, 72, 270. Jeeunch Fanny, Schauſpielerin II, Ibſen, Henrik, norweg. Dramatiker III, 847. Idler, Ludwig, Hauptlehrer III, 434. Jeannot, franz. Offizier I, 133, 138, 139 Secel, micharl Hofſchauſpieler I, 279, 8. —,„ſ. Danzi. Jenſen, Adolf, Komponiſt III, 95. Jeſteg, Franz Karl, Geiſtl. Lehrer III, 25 Iffland, Auguſt Wilhelm, Schauſpieler u. Dichter I, 304, 514, 515, 517; II, 449, 472. Imbert—Bourdillon, franz. Lehrinſtitut von I, 497. Imgraben, Auguſt, Profeſſor III, 786. Immermann, Karl Leberecht, Schrift⸗ ſteller 1II, 460, 847. Joachim, Joſ., Komponiſt u. Geigen⸗ virtuos III, 8, 95, 466. 656 franz. Reiſeſchriftſteller III, 98. Jollivet, Jean Baptiſte, franz. Staats⸗ Fat 1945 Jolly, Dr. Julius, Staatsminiſter III, 56, 83, 109, 113, 117, 121, 141⸗ 145, 149, 180, 185, 194, 203, 218, 228, 415, 427, 449, 451, 469, 477, 486, 487, 550, 576, 595, 652. —, Iſaac, Miniſterialpräſident II, 39, 41, 147 —, Philipp Guſtav, Phyſiker III, 35. — Jomelli, Niccolo, Hofkapellmeiſter in Stuttgart I, 86. Joos, Auguſt, Oberſchulratsdirektor III, 530, 554, 593. I55 68 Hiler Freiheitskämpfer⸗ „68. —, Wilhelm, Dichter III, 451. —, Dr. Wilhelm, Profeſſor III, 423, 785. Joſt, Adolf, Ziegeleibeſitzer III, 695, 728 —, Gottlieb, Bahnhofaufſeher II, 137. —, Guſtav, Kaufmann II, 403; III„ 125. —, Ludwig, Schüler III, 530. Jourdan, Jean Baptiſte Graf, franz. Marſchall I, 123, 154. Irion, Max, Schüler III, 530. Iſemann, Friedrich, kathol. Pfarrer III, 826. Iſenmann, Karl, Komponiſt III, 518. Iſouard, Niccolo, franz. Komponiſt I, 359, 816. Italien, Humbert, König von III, 584. —, Margherita, Gemahlin des Königs⸗ Humbert von III, 584. —, Victor Emanuel(II.), König III, 90. —,Viktor Emanuel(III.), Kronprinz von III, 584. v. Itzſtein, Johann Adam, Landtags⸗ abgeordneter J, 421, 422; II, 42, 50, 64—67, 153, 160, 189, 241, 330. Jung—Stilling, Johann Heinrich, Schriftſteller I. 74, 75, 262, 267, 354, 382, 500. Jünger, Johann Friedrich, Luſtſpiel⸗ dichter I, 515. Junghanns, Franz Damian, Ober⸗ gerichtsadvokat u. Landtagsabge⸗ ordneter II, 210. —,Dr. Karl, Geh. Rat u. Landtags⸗ abgeordneter II, 174; III, 44, 387, 448, 533. Jungk, Anna, Lehrerin III, 799. Jüngſ, Eliſe, Schulvorſteherin III, Junker, Hermann, Maler III, 843. — u. Ruh, Eiſengießerei III, 624, 753, 770. Junot, franz. Oberſt I, 152. Juſt, Dr. Leopold, Profeſſor III, 423, 555, 576, 577, 784. eri — 885— Iwanowlitſch), Feodor, Maler J, 265, 509. K. Kabus, Otto, Turnlehrer III, 791. Kachel, Guſtav, Direktor der Kunſtge— werbeſchule III, 515, 520, 528, 787, 846. —, Ludwig, Münzvorſtand J, 432; II, 8, 20, 56, 60, 125, 126, 167, 197, 395, 447; 1II, 12, 22, 140, 452, 456, 471, 505. —, Ludwig, Maler III, 12, 455. —, Luiſe, geb. Bender, Schauſpielerin III, 465, 846. Käfer, Hofkapellmeiſter I, 29. v. Kageneck, Karl Frh., Major J, 211, 341, 455, 456, 523. —, Emil Frh., Oberforſtrat III, 528 Kagerer, Hauptmann I, 301 Kahn, Lina, Muſikinſtitut III, 815. Kaiſer, Bildhauer J, 341. —, Wilhelm, Oberregiſſeur III, 463. Kälber, Reallehrer III, 795. v. Kalckreuth, Keopold Graf, MalerIII, 842, 844. v. Kalenberg, Alexander, Generalmajor I, 424, 501) II, 371. Kalkbrenner, Friedrich, Pianiſt II, 454. Kaller, Georg, Turnlehrer III, 791 799. Kallenbach II, 446. Kalliwoda, Johann 2 1715 Komponiſt II, 121. 453; III, —, Wilhelm, Hoftapellmeiſter II, 453; III, 51, 457, 466, 591. Kallmorgen, Friedrich, Maler III, 843. — ⸗Hormuth, Margarethe, Malerin III, 843. v. Kaltenbronn, kurheſſ. Generalmajor 405 Kamerer, Johann Gottfried, Hofgerichts⸗ advokat II, 417. Kammel, Tänzerin I, 380. Kammerer, Ludwig, Tapetenfabrikant, Stadtrat II, 233; III, 11, 379. —, L, Tapetenfabrik III, 757. —, Frau, gebor. Keller II, 167. —, Bierbrauerei III, 151, 157. Kammüller, J. W., Redakteur u. Buch⸗ händler II, 436, 437. Kanoldt, Eduard Friedrich, Maler u. Profeſſor III, 816, 843. Kapff, württemberg. Prälat III, 346. E Kapp, Joh. Georg Chriſtian, Profeſſor u. Landtagsabgeordneter II, 153, 189, 209 Ludwig, Stadtrat III, 585, 8001 Karl, Profeſſor, Direktor des Realgymnaftums III, 429, 531, 590, 794, 795. Kappler, Wirt II, 267. Karcher, Kupferſtecher IJ, 382. Kärcher, Amalie, Malerin III, 446, 455. —, Dr. Ernſt Friedrich, Lyceums⸗ direktor I, 260, 413, 495; II, 60, 423, 424; III, 655. —, Guſtav II, 137. —, Karl, Vorſtand d. höheren Töchter— ſchule II, 424; III, 430. —, Karl, Landgerichtsrat II, 137. Karle, Martin, Profeſſor III, 786. Karrer, Dialectdichter III, 838. Käſer, Ferdinand, Hauptlehrer III, 812. Kaſper, Ferdinand, Reallehrer III, 797. Kaſt, Dr. Hermann, Profeſſor III, 785. Katz, Sekretär 15 500. —, Chefredakteur III, 840. —,„ Wilhelm Heinrich, Hofprediger u. 7 Kirchenrat I. 407, 415, 425, 431, 492, 495; II, 4, 8, 16, 283, 417, 423; III, 433, 440. —,ſ. Daler. 3 Ferdinand, Komponiſt I, 87, 454. Kaufmann, Bierbrauer II, 152, 201. —,„Friedrich, Akuſtiker I, 285, 522. —, Johann E., Apotheker u. Bürger⸗ meiſter J, 26, 48. Kaula, S. M., Bankier II, 212, 403. Kautt, Louis, Hofwagner u. Stadtrat —5 163, 189, 290, 365, 482, 523, 17 Agn⸗ Landtagsabgeordneter U l⸗ 50 1 II, 425 III, 8605 Fchi, Profeſſor III, 612, 786, Keller, bkud der 8 —, Kaufmann II., 408. —, Ferdinand, Maler u. Profeſſor III, 188, 453, 842. —, Franz, Profeſſor u. Oberbaurat II, 109, 422; III, 412, 423. —, Friedrich, Oberſt III, 140. —, Friedrich Wilhelm, Generaldirektor III, 497 — 886— Keller, Hans, Opernſänger III, 846. —„ Joſeph, Oberamtmann III, 412. Joſeph, Bezirksingenieur III, 483. Julius, Profeſſor III, 786. Karl, Flötenvirtuos I, 519. Dr. Karl, Profeſſor u. Geh. Hofrat III, 423, 784, 785. —, Karl, Profeſſor III, 795. Louis, Athlet II, 452. Ludwig, Seminarlehrer III, 789. Xaver, Rat I, 512, 513. (Leuzinger), Franz, Ingenieur u. Gemeinderat III, 483, 488. —„ſ. Kammerer. v.—, Graf II, 207. Kellermann, Frangois Chriſtoph, Herzog von Valmy, franz. Marſchall J,215. Keltenacker, ſ. Kettenacker. Kemmer, Otto, Maler u. Reallehrer III, 797, 816, 843. Kempf, Karl Chriſtian, Expeditor I, 275. —, Wilhelm, Schauſpieler III, 846. Kendrick, Karl, Architekt III, 256. v. Kent, Herzog(Eduard) u. Herzogin (Luiſe) II, 28. Kerler, Adalbert, Baurat III, 562, 671, 673, 826. —, Friederike, geb. Mallebrein II, 373, 433. —, 11 Oberrechnungsrat II, 319, 57 Kern, Friedrich, Generalagent III, 628. Kerner, Juſtinus, Dichter II, 440. Keßler, Emil, Fabrikant II, 109, 110, 397, 409; III, 653. —(u. Martienſen), Maſchinenfabrik II, 85, 109, 110,143, 144, 165, 175, 181, 197, 240, 320, 409. v. Kettenacker, Johann Nepomuk, Mini⸗ ſterialrat II, 431. v. Kettner, Franz, Hofdomänenintendant IIII, 222, 452, 457. —,„Frau III, 39, 115. de Keyſer, Nicaiſe, niederländiſcher Maler II, 443. Kiby, Blechnermeiſter II, 407. Kiefer, Seifenſieder u. Gemeinderat II, 6 —, Dr. Friedrich, Landgerichtspräſi⸗ dent u. Landtagsabgeordneter III, 145, 159, 160, 507, 508, 512, 522, 527, 528, 533, 534, 544, 549, 550, 554, 561, 565, 569, 570, 574, 575, 579, 580, 588, 592, 597, 729, 823. W110 Friedrich, Seminarlehrer III„ 440. —, Landolin, Benefiziat III, 425. —, Otto, Profeſſor III, 795. Kiel, Friedrich, Komponiſt III, 95. —, ſ. Kies. Kielmann, Jakob J, 274. Kienitz, Dr. Otto, Profeſſor III, 786, 840. Kienle, ſ. Kieſele. Kies(ſtatt Kiel), Muſiker u. Frau I, 279 —, Friedrich, Militärkapellmeiſter I, 523; II, 381. Kieſele, Thierarzt u. Gemeinderat II, 92, 96, 258, 366(ſtatt Kienle). Kieſer, Felix Anton, Landtagsabgeord— neter II, 330, 331. Kilber, Anton, Bierbrauer III, 271. Kilian, Auguſte II, 394. —, Dr. Eugen, Regiſſeur III, 457, 845. —, Wieſenbaumeiſter III, 228. v. Killinger, Karl Frh., Redakteur II, 296, 304. Kinberger, Hofmuſiker I, 519. Kinkel, Gottfried, Dichter II, 308. —,„ Johanna II, 308. v.—, Frhr.,niederländiſcher Geſandter 1337 Kintzinger II, 439. Kirch, Philipp, Geiſtl. Rat I, 370, 371, 426, 431, 493. Kirchenbauer, Karl II, 370. —, Karl, Abgeordneter III, 609. Kircher, Ph., Baurat, Direktor der Baugewerkſchule III, 669, 789. Kirchgeßner, Erwin Michael, Zoll⸗ direktor III, 106. —, Karl, Kaſſierer III, 387. Kirchhoff, Alfred, Geograph III, 840. —, Guſtav Robert, Phyſiker III, 35. Kirchner, Jakob, Faktor III, 356. Beneficiat u. Prof. II, Kirner, Joh. Bapt., Maler I, 5133 II, 446. Kirrſtein, Ciſeleur II, 408. Wilhelm, Profeſſor III, Kirſchbaum, Ludwig, Oberreviſor II, 43 III, 411, 436. Kirsner, Ludwig, Landtagsabgeordneter III, 67, 109. Kiſſele II, 240. Kißling, Spediteur I, 490. Klammer, Lorenz, Bildhauer III, 15. Klauprecht, Johann Ludwig Joſeph, Forſtrat u. Landtagsabgeordneter II, 173, 265, 342—344, 422, 423; III, 11, 29, 46, 534, 653. Klein. Rk Oberſt J, 140. Baie Abgeordneter III, 608. Dr. Ludwig, Profeſſor III, 785, 792. Kleine, H., Violinvirtuoſe J, 519. v. Kleiſer, Albert, Forſtrat, II, 173. v. Kleiſt, Friedrich, Graf v. Nollen⸗ dorff, preuß. Feldherr J, 394. —,Heinrich J, 154; III, 80, 460, 847. v. 115 Friedrich, Oberpoſtmeiſter Hl Kley, Thebdor Silberarbeiter III, 6I, 136. Klingel, Baurat II, 137; III, 286. Klingemann, Ernſt' Uuguſ, Schrift⸗ ſteller J, 514. Klopſtock, Friedrich Gottlieb I, 59, 67, 7173, 75, 82, 86; III. 451. —, 18865 Chriſtoph, Legationsſekretär 67 Kloſe, Auguſt, Oberbürgermeiſter 85 415, 512; II, 41, 42, 44, 45, 60, 80, 815 92, 03, 96—98, 112 177, 383, 442. —, Wilhelm, Maler III, 652, 659, 843. —„Bankhaus II, 91. Klüber, Johann Ludwig, Staatsrat II, 234, 286, 326, 527. Klumpp, Anton, Reviſor II, 45. —,Franz, Reallehrer III, 797, 799. Kluncker, Maler III, 816. Knapp, Franz Michael, Landtags⸗ abgeordneter I, 423; II, 57. Knapp, Dr. Jakob Hermann, Profeſſor in 50 III, 451. Knauer, Reallehrer III, 789, v. Knebel, Chriſtof Wiihelin, 6 1005 Legationsrat I, 96, 149. „Karl Ludwig, Schriftſteller 1572, 8555 355⁵ Knecht, Pr. Juſtus, Weihbiſchof III, 672, 827, 828. Knie, Seiltänzerfamilie I, Knies, Dr. Karl, Profeſſor 5015 ratsdirektor III, 67, 83, 84, 91, 451. 219, 455, 887 Knittel, Albert, Stadtrat u. Landtags⸗ abgeordneter II, 68, 72—78, 91, 96, 97, 160, 188, 235, 261, 264, 320, 342, 344, 403, 437; 11I,11, 14, 29, 30, 46, 47, 49, 56, 59, 125, 197, 427. — Auguſt, Hofbuchhändler u. Stadt⸗ rat III, 202, 292, 293, 488, 513, 524. —, Gottlieb Auguſt, 260, 362, 388, 495. Knobloch, Theatermeiſter II, 137. —„G., III318 Kirchenrat J, Anodere Architekt III, 250. Knop, 115 5 III, 423, 590, 784, 785, 8 810 05 Profefſor III, 423, 42. Knörzer, Anton, Geiſtl. Rat III, 826, 827. Knote, Opernſänger III, 849. Kobe, Karl, Reallehrer III, 799. Köbele, Gewerbſchullehrer III, 801. v. Kobenzl, Ludwig Graf, öſterr. Diplomat I, 152, 165, 167. Köberle, Dr. Georg, Theaterdirektor III, 464. Koberſtein, Karl, Schauſpieler III, 458. Koberwein, Bühnenleiter IJ, 84. Koch, Johann Georg, Präceptor I, 263, 498; II, 423. „Robert, Prof. III, 655. „Richard Eduard, Reichsbankpräſi⸗ dent III, 774. v.—, Staatsrat I, 98. Köchly, Dr. Hermann Auguſt, Profeſſor 1. Hofrat III, 477. Koffka, Redakteur II, 435. Kögler, Bauunternehmer III, 722. 830 Hauptlehrerin III, 830. Köhler J, 279. Kolb, 60. Baptiſt, Archivrat I, 506 v. Kolhom, Frh., Weihbiſchof I. 343, —610 S1i Hofſilberarbeiter II, 403, —, 515 Reriſor III, 233, 402. —, Frl. II, 167. Kölle(Koelle), Kautſchukfabrikant aus Stuttgart II, 404. —, Chriſtian, Kafetier I, 497. — 888— Koelle, Eduard, Stadtrat u. Landtagsab⸗ geordneter II, 76, 92, 96, 97, 101, 102, 167, 178, 193, 242, 247, 249, 253, 255, 264, 269, 277280, 282, 287, 288, 290, 291, 293, 294, 314, 403, 407; III, 11, 30, 83, 103, 124, 125, 131, 132, 143145, 153, 196, 212, 213, 215, 275, 290, 292, 293, 402, 524, 525, 662. — Magdalene, geb. Murjahn, Opern⸗ ſängerin III, 459, 465. „Robert, Stadtrat u. Landtagsab⸗ geordneter II, 242; III, 465, 588, 597, 598, 615, 616, 628, 634. — Wilhelm, Kommiſſionsbureau II, 89, 368, 369, 410, 411. Kölreuter, Joſeph Gottlieb, 71, 72, 268. —, Dr. Wilhelm Ludwig, Medizinalrat I, 497, 525. Kölſch, ſ. Weiß. Komp, Dr., Erzbiſchof III, 828. Kömpel, Nuguſt, Violiniſt III, 95. Köntig. Maler I, 508. „Hofmuſiker 15 519. , Emil, Reallehrer III, 797. —, Johann Georg, Präceptor u. Rat J, 263, 423, 425, 495. Karl, Reallehrer III, 809. Konrad, Reallehrer III, 797. Kochmänn, Johann Heinrich, Maler Profeſſor I, 509; II, 116, 443.— 446; III, 423. Kopp, Mathilde, Malerin III, 455. Köppel, Reallehrer III, 795. Koppmayer, ſ. Staudigl. 3516 55.595 u. Stadtrat I7 Hofrat J, iler, Theodor I, 514; III, 85, 210, 65⁴ Kornhaas, Karl, Bildhauer III, 843. Koſpoth, k. k. General I, 104. Köſſel, Nagelſchmied II, 71. 67521394 Fürſt, rufſiſcher Geſandter 9 1. 000 Profeſſor III, 801. Kotſch, Theodor, Maler III, 455. v. Kotzebue, Auguſt, ruſſ. Staatsrat I 281, 284, 354, 395, 413, 514, 5153 II, 449. Krabbes, Hermann, Profeſſor III, 423, 785, 842. Kramer, Poſtſtallmeiſter I, 489. —„Dr. Auguſt, Profeſſor III, 797. Kramer, Dr. Wilhelm 550 LeibarztJ, 230, 303, 305, 358. Krämer, 65 Kapitän 399 — Johann, Bürgermeiſter III, 163, 202, 290, 507, 524; 538, 539, 545, 548, 564, 580, 584, 586, 602, 607, 684. Kramm, Ferdinand, Seminarlehrer III, 440, 789. Kranach, Lukas, Maler J, 510, 511. Krapf, Hauptmann der Bürgerwehr II, 196, 253, 254. —, Buchdruckerei III, 446. Krapp, Profeſſor III, 795 Kraſtel, Fritz, Schauſpieler III, 458. Kraus, Franz Kaver, Profeſſor III, 828. —, Johann, Real lehrer III, 797. 8 Wilhelm, Radierer III, 816, 842 Krauß, Kaſſier II, 438. Kraußneck, Arthur, Krauth, Luiſe, Schauſpielerin II, 449. Kräutler, Revolutionär II, 292. Kreglinger, Joh. Sebold, Poſthalter u. Bürgermeiſter J, 48, 399, 489. — PNeukirch, Frau J, 497. —,ſ. Schmieder. Kreidel, Dr. Adolph, III, 252, 293, 442 Kreitmann, Ehirurg 1 385. Kreußler, Hauptmann l„ 125 Kreutzer, Konradin, Komponiſt I, 285, 515; III, 651. Kreuzbauer, Schuhmacher I, 105. Krieg v. Hochfelden, Georg Heinrich, General II, 439. Krieger, Albert, Archivrat III, 840. Krinſs, Harfenkünſtlerin II, 453. 70 Eichthal. Krone, Opernſängerin III, 465. Krönlein, Dr. Joſef Hermann, Redak⸗ teur II, 435; III, 8, 55, 139. Krüdener, Juliane 5 500. K110 Friedrich, Muſikdirektor U 89, 90, 455, 456; III, 72, 202, 457, 463. A 917800 Kirchenrat u. Oberhofprediger iſler 1517 Kruſe, Heinrich, Schriftſteller III, 847. Krutina, Friedrich, Sberfortrat III, 576. 366, 438, 494, 495, Schauſpieler III, f f 5 — 889— Kübel, Dr. Lothar, Erzbistumsverweſer III, 414, 828 Kücken, Sriedrich, Komponiſt II, 121. Kuenzer, Dominicus, Dekan u Land⸗ tagsabgeordneter II, 73. Kugel, 10 Oberkirchenrat III, 12612 Miniſterialrat II, 41¹4 U „Karl ſne, Kirchenrat I, 64, 213, Kühn, Fliednich Hauptmann II, 175. Kühner, 6887 Kutſcher II, 306. Kummer, E. P. 1 275 — Wilhelm Fr., Kaufmann 1, 275. Kundt, Ernft, Buchhändler III, 835. Kunert, Virtuos I, 522. Kunſt, Wilhelm, Schauſpieler II, 449. Kuntz, Guſtav, Generalleutnant II, 200 III, 85. —, Hugo, 835. —, Karl, Galleriedirektor J, —, Konrad, Regierungsrat II, 299. „Ludwig, Maler II, 116, 430. Kuntze, Franz, Profeſſor III. 4255 15 Kuentzle, Georg, Zimmermeiſter II, „Heinrich, Zimmermeiſter, Stadtrat III, 31, 92, 118, 161, 252, 275, 290, 368. „Karl, Stadtrat u. Landtagsabge⸗ ordneter J, 356, 423, 424, 431. „Karl, Baurat 15 430; II, 195 125, 138, 226, 355, 405, 406. 3505 Maler J, 513. —, Rudolph, Galleriedirektor I, 513; II, 442, 444, 445. Kürner, Benedikt, Hofopernregiſſeur III, 459, 577, 8⁴⁵ Kuſel, David, Bankier II, 212. — Friedrich, Bankier II, 212. —, J., Kaufmann I, 279, 481. —,„ Jakob, Bankier II, 5, 8, 91, 130, Muſikalienhandlung III, 509, 512. 297, 142, 157, 212, 380, 396, 403, 412. —, Dr. Karl, Medizinalrat II, 60 91, 252, 270, 385; III, 81, 125 255. —,Dr. Rudolf, Rechtsanwalt, Land⸗ tagsabgeordneter II1665 1875 IlI, 56, 57, 59, 69, 7779, 86, 87, 102, 119, 124, 130, 132, 145, 145, 150— 153, 160, 180, 181ʃ, 275, 300, 320, 503, 572. Kußmaul, Dr. Adolf, Mediziner III, 548, 563. Küßwieder, Anton, Miniſterialrat III, 423, 456. v. Küſter, Geh. Staatsrat, preuß. Ge⸗ ſandter J, 337. Kuſterer, Bauunternehmer III, 238. Labes, Karl, Schauſpieler I, 516, 518; II, 449. Lachner, Franz III, 76, 461. —„Vincenz, Komponiſt III, 489, 544, 550, 559, 570, 590, 591, 650. Ladenburg, Dr. Leopold, Advokat III, 58, 0 „W. H., Kaufmann J, 487. „Söhne, Banthaus III, 724. Ladomus, Johann Friedrich, Profeſſor J, 263, 501; II, 422, 423. Laffert, Oscar, Kunſthandlung III, 835. v. Laflöche, Baron J, 480. Gäfen Virtuos I, 520. Lafontaine, Auguſt, Profeſſor III, 443, EI Khime, 7 I, 497, 498 III, v. Lagerbjelka, G500 Baron J, 183. Lagoansre, 3520 Lagoutte, franz. Offizier J, 165. Lamey, Andreas Sberbibliothekarl, 75. — 184f. Staatsrat II, 98, 99, 188, 189, 195, 216, 223, 230, 271, 327.—329, 343; III II, 47, 59, 67 69, 73, 78, 101, 108—110, 112, 117, 120, 121, 124, 145, 160, 501, 503, 507, 508, 511, 512, 522, 527, 528, 532, 534, 544, 549, 554, 561, 562, 565, 570, 574, 580, 585, 588, 611, 612, 654, 820—823. — 500 Andreas, Redakteur I, 503 —„PDr. Ferdinand, Profeſſor III, 799, 816. —, Dr. 8652 Profeſſor III, 70, 425, 432, 786 „Frau Dr. III167 Landsdell engl. Geiſtlicher III, 667. Lang, Dr. Albert, Profeſſor IIi, 786, 1⁰E 268, — „Heinrich, Hofpoſamentier II, 5. „Heinrich, Stadtrat u. Landtags⸗ abgeordneter III, 69, 77, 92, 125, 146, 157, 161— 163, 194, 212, — 890— 224, 228, 251, 252, 300, 328, 333, 368, 378, 408, 480, 482, 486, 494, 495, 503, 504, 513, 557. Lang, Heinrich, Profeſſor u. Oberbaurat III, 252, 260, 346, 423, 437, 590, 661, 668, 669, 674, 784, 785 — Karl, Poſamentier I 399. —, Konrad, Gasdirektor III, 228, 267, 270, 317, 370, 525. —, Ludwig, Profeſſor am Lyeeum J, 395; II, 423. —, Philipp, Poſamentier J, 456; II, 226. ——— —, Wilhelm, Poſamentier J, 456. Lange, Johanna, Hofſchauſpielerin III, 85, 180, 449, 458, 540. —„Mathilde, geb. Fromm, Opern⸗ ſängerin III, 458. —, 1 Regiſſeur III, 458, 845, „Dr. Wilhelm, Profeſſor u. Geh. Hofrat III, 99. Langenbach, Joſef, Hauptlehrer III, 434. Langenbacher, Wehrmann II, 252. Langendorf, Georg, Hofmuſikus J, 519. v. Langenſtein, Katharina Werner, Gräfin I, 440. —, Ludwig Wilhelm Auguſt Graf J, 440; III, 236, 237, 255, 436. —, Luiſe Gräfin I, 440. Aung oſewerg Dr., Improviſator II, 52 Langer, Ferdinand, Komponiſt III, 517, 600, 847. —„Otto, Pfand⸗ u Ratſchreiber, Stadt⸗ rat III, 161163, 300, 316, 343. Langerhans/ Dr., Politiker III, 598. Langhein, Karl, Maler III, 843. Längin, Johann Georg, Stadtpfarrer III, 195,357, 409, 425, 448, 451, 511, 617, 619, 824. Längle, Andreas, Privatlehrer III, 441. Langmann, Schriftſteller III, 847. v. Langsdorff, Emil Frh., franz. Ge⸗ ſandter II, 32. „Karl Frh., Profeſſor III, 425. —,17.400 Heinrich Frh., Oberkirchenrat Lannes, J1 Herzog vou Montebello, franz. Marſchall J, 192. —,„Frau, Herzogin von Montebello I, 228. Lanz, Minna, Seminarlehrerin III, 791. Lanzano, Kaufmann II, 232, 240, 259, 266, 273 Lanzer, Johann Heinrich, Läufer I, 129, 130, 136—141, 143. Laplane, franz. General I, 310. v. Laroche, Karl Du Jarrys Frh., Generalleutnant III, 174, 178. ⸗Starckenfels, Max Frh..,Rittmeiſter II, 248, 346. — Philipp Frh., Oberſt J, 208, 307. Las Caſes, ſ. Leſage. v. Laſſolaye, Karl Frh., General⸗ leutnant J, 218, 409; II, 37, 420. Laſynsky, G., Maler II, 116, 446. Latour, k. k. General J, 125—127; 148. v.—, Theodor, Graf Baillet, k. k. General II, 210. Laub, Joſef, Hauptlehrer III, 436. Laube, Heinrich, Dichter III, 460. Lauer, Friedrich, Kaufmann I, 201, 279. —, Jakob, Bierbrauer III, 753. Läuger, Max, Profeſſor III, 788, 842. Laurop, Chriſtian Peter, Oberforſtrat I, 264, 269. —„Frau I, 354. Lautenſchläger, Ludwig, Stadtverrechner III, 316, 611. Lauter, Wilhelm, Oberbürgermeiſter II, 433; III, 161—163, 175—177, 189—193, 195, 196, 199, 200, 203, 206, 211—213, 215, 219, 220, 224, 230, 231, 240—243, 275—277, 290, 293, 294, 298, 300, 308, 313- 315, 339,355,365— 368, 370,394—396, 414, 429, 430, 439, 468, 479, 480, 482—485, 492, 493, 497, 499—501, 503, 504, 507, 509, 514, 515, 517, 520, 526, 527, 529, 530, 538, 539, 541, 546, 548, 549, 551, 555, 558, 561, 564, 566, 570, 572, 580, 582, 601, 651, 656- 659, 674, 697, 702, 768, 787. Lauterbach, Mechaniker II, 460. Lautermilch, M., Hofſattler II, 138. Lautz Ludwig, Dichter, III, 555 Robert, Privatmann III, 252. Lubale, Georg, bayr. Kreisbaurat IIII S0bf Johann Kaſpar, 69— 71, 82, 83, 101 Lay, Auguſt, Seminarleher II 321, 333, Layer, Georg, kathol. Pfarrverweſer II, 825. Lebeau, Wilhelm, Oberſt III, 201. Leber, Adam, Profeſſor III, 423. Le Blanc, Dr. Max, Profeſſor III, 785. Leers, Joſef, Hotelier III, 675. Lefebvre, Frangois Joſeph, Herzog v. Danzig, franz. Marſchall 1, 218, 221. Lefevre, franzöſiſcher Geſchäftsträger II, 32. Legrand, Kammermuſiker I, 284. Leguay, franz. Offizier I, 164. Lehlbach, Friedrich Auguſt, ev. Pfarrer II, 285, 290. Lehmann, Armenpfleger II, 378. —, Pfarrer III, 599. —„Albert, Reallehrer III, 791. —, Franz Kaver, Seminardirektor III, 567, 789. Ifſaac I, 274. —, Dr. Otto, Profeſſor III, 784, 785. Lehr, Dr. Julius, Profeſſor III, 423, 785. v. Lehrbach, Graf, öſterreich. Diplomat 535 Lejars, Kunſtreiter II, 458. Leichtlen, Dr. Ernſt Julius, Archivrat I, 267. 8 Leichtlin, Heinrich, Kaufmann II, 101, 408. —, Hermann, Kaufmann u. Stadtrat III, 163, 177, 328, 340, 343, 370, 402, 438, 479, 481, 482, 504, 529, 538, 571, 608, 611, 793. —, Kamill, Fabrikant III, 755. —, Gebr., Papierfabrik III, 377, 383, 757. —— Leile, Bildhauer III, 259. v. Leiningen, Alberta, Erbprinzeſſin III, 499, 511, 516. —, Emich, Erbprinz III, 499. —, Emich Karl, Fürſt I, 295. —, Ernſt, Fürſt III, 33, 511. —, Karl Emich, Fürſt II, 18, 28, 116. —, Marie, Prinzeſſin v. Baden, Ge⸗ mahlin des Fürſten Ernſt II, 13, , IIi, i6, 1% 20 32—33, 468, 499, 511, 516, 627. — Neudenau, Auguſt Graf zu, Hof⸗ theaterintendant II, 447-450. 891 Leipheimer, Georg, Kaufmann u Stadt⸗ rat III, 52, 125. — u. Mende, Kaufhaus III, 677. —, ſ. Dölling, Mathis. Lemadre, franz. Schauſpieltruppe II, 451. Lemaitre, Frau II, 324. Lemarois, franz. General I, 198. Lembke, Baurevident II, 427. —, Emil, Kaufmann III, 202. Lenbach, Franz, Maler III, 596. Lender, Franz Kaver, Landtagsabge⸗ ordneter III, 181. Lendorf, Friedrich, Architekt II, 410. Lennox, Lord, engliſcher Kammerherr II, 18. Lenz, Fabrikant III, 23. —, Peter, Bildhauer III, 140. —„Frl. II, 395. — u. Co., Bauunternehmer III, 725. — u. Herold, Erzgießerei III, 126. Leo XIII., röm. Papſt III, 828. Leon, Simon, Kaufmann I, 481; II, 403 Leoncavallo, Komponiſt III, 848. Leonhard, Heinrich, Architekt III, 505. Leonhardt, Anton, Turnlehrer III, 785, 786, 791, 795. Lepique, Chriſtoph Daniel, Miniſterial⸗ ſekretär J, 460. Leppeck, F., Mechaniker I, 285. Lepper, C. Auguſt, Maler III, 677. 510 5 Las Caſes, Geograph I, 510. Leſſing, Gotthold Ephraim I, 84, 87, 514; III, 460, 654, 847. —,„Ida III, 470, 471. —, Karl Friedrich, Galleriedirektor III, 41, 86, 453, 454, 469—471, 513, 842. v. Leszezynski, Stanislaus Eduard⸗ Paul, Major III, 133. v. Leuchtenberg, Auguſta Prinzeſſin von Bayern, Gemahlin des Folgenden I, 199. —,Eugene, Vicomte de Beauharnais, Herzog I, 199, 334. —, Georg Maximilianowitſch, Herzo III, 614.. Heites —, Marie Nikolajewna, Großfürſtin v. Rußland, Gemahlin d. Vorigen „160. —,ſ. a. Baden. Leutz, Ferdinand, Seminardirektor III 135, 213, 440, 789. — 892— Leutz, Heinrich, Profeſſor III, 795. —, Ludwig, Profeſſor III, 786. Leval, franz. General I, 218. Levi, Haium, Oberrat III, 353. —, Hermann, Hofkapellmeiſter III, 409, 457, 463- 464, 466. „J. u. V., Kaufleute I. 279, 481. Levinger, Dr. Julius, Rechtsanwalt III, 58, 68, 81. —, Veit David, Kaufmann I, 408, 481. Levis, Kaufmann II, 408. Lewald, 0 Schriftſteller II, 381, 440, 446, 460. Leven, Konſervator II, 407. L505, 0 Gebrüder, Muſikvirtuoſen II, Ley, Sofie, Malerin III, 843. Leye, koburg. Kammermuſiker J, 284. v. 8810 0 Felix Fürſt II, 206, Lichtnnlie Eduard, Hauptmann II, 256. Friedrich, Domänenrat III, Odell Chriſtoph Friedrich, Kammer⸗ rat III, 241, 344, 648, 664. v. Liebenſtein, Ludwig Aug. Friedrich Frh., Landtagsabgeordneter 1,419. Lieber, Max, Maler III, 843. v. Liebig, Juſtus Frh., Chemiker III, 35, 653. Liebknecht, i⸗ Sozialiſt II, 274. v. Liegnitz, Auguſte Fürſtin II, 29. de Lille, Graf, ſ. Frankreich, Ludwig XVIII. Linck, Julius, Buchhändler III, 835. Lind, Jenny, Opernſängerin II. 450. Lindau, Jakob, Kaufmann u. Land⸗ tagsabgeordneter III, 181, 193. Lindemann, Karl, Lithograph I, 510. v. Lindenau, preuß. Oberſtallmeiſter 1. 111. v. Lindenberg, Friedrich, Haupt⸗ mann I, 126 Lindenmeyer, Albert, Garniſonsprediger II123, 195, 409. Lindenſchmit, Wilhelm, Maler II, 446. Linder, Karl, Hanptlehrer III, 434. Lindner, Albert, Dichter III, 460. —, Georg, Profeſſor III, 785. —, Wilhelm, Hofmuſiker III, 445. v. Lindpaintner, Peter Joſeph, Kom⸗ poniſt III, 42. Lingen, ſ. Preußen(Wilhelm I.). Lingg v. Linggenfeld, Johann, General—⸗ leutnant J, 243. Link, Univerſitätsmechanikus I, 285. — ,„Auguſt, Pfarrkurat III, 826. —„ Wilhelm, Lehrer II, 425. —, ſ. a. Lingg. v. Linné, Karl, Naturforſcher J, 58, 66. Lipp, Dr. jur. III, 537, 554. —, Franz, Gaſtwirt III, 696. Lippe, Sophie, Prinzeſſin v. Baden, Gemahlin des Folgenden II, 13, 349—350, 396; III, 33, 630, 637, 665. —, Woldemar, Fürſt zur III, 33. Lips, Reſtaurateur J, 417. Liſt, Friedrich,Nationalökonom III,653. Liszt, Franz, Komponiſt II, 4543 III, 7, 8, 94, 95, 545, 848. Litſchgi, Franz Xaver, Landtagsabge— ordneter II, 64. Litta, Balzarino Graf, italien. Diplo⸗ mat III, 91. de Livio, Graf I, 153. Loder, Bergmeiſter Ai Löhle, Franz, Kammerſänger J, 520. Löhlein, Dr. Theodor, Profeſſor und Direktor III, 43, 98, 423, 425, 449, 451, 786, 709. —, Wilhelm, Hauptmann a. D. und Regierungsrat III, 583. Lohrer, Seminarlehrer III, 440. Longhi, Zeichner I, 513. Loos, Schloßwächter 8 Lörcher, Friedrich, Bierbrauer III, 753. Lorentz, Alfred, Hofkapellmeiſter 111,845. Lorenz, Joſeph, Baudirektionsſekretär II, 82, 162; III, 22. —, Martin, Sänger J, 86. — u. Co., Metallpatronenfabrik III, 755, 765, 772. — u. Schunggart, kalligraph. Inſtitut 8 Lorrain, Claude, Maler I, 510. Lortz, Wehrmann II, 251, 323. Lortzing, Guſtav Albert, Komponiſt II, 451 III, 461, 847, 848. Loſſen, Lina, Schauſpielerin III, 846. Lotſch, Karl Chriſtian, Bildhauer J, 510 Lotti, Antonio, ital. Komponiſt II, 455. Lotz, Schuhmachermeiſter u. Frau III, 18. v. Frh. II, 116. „Ferdinand Frh. II, 427; III, 534. „Karl Ludwig Frh. I, 398, 3993 II, 427. eee v. Loureiro, Dr. Joao Alves, braſi⸗ lianiſcher Geſchäftsträger III, 30. Löw, Aſcher, Oberrat u. Oberlandes⸗ rabbiner I, 238, 261. — v. Löwenkranz, Philipp Jakob Oberſtallmeiſter 5 Löwe, J., Kaufmann III, 772. —, Ludwig, Schauſpieler II, 449. v. Löwenberg, k. k. Oberſt I, 159. v. Löwenkranz, Hauptmann J, 32. —,„ſ. a. Löw. v. Löwenſtein⸗Wertheim, Fürſt I, 295. —, Erbprinz II, 35. — Freudenberg, Wilhelm Fürſt III, 556. Lubberger, Frl. II, 395. Lübke, Wilhelm, Galleriedirektor II, 355; III, 590, 601, 785, 816, 842. Luccheſini, Girolamo Marcheſe, preuß. Diplomat I, 111. v. Lucheſi, Giuſeppe Graf I, 399. Luckenbach, Dr. Hermann, Profeſſor III, 786. Ludin, Adolf, Stadtrat III, 628, 635. —, Georg, Kaſſier II, 413. Ludwig, Damian, Kriegsminiſter III, 18, 34, 59, 66, 85, 110, 121, 130, 141. —,Friedrich, Stadtrat III, 571, 620, 624, 628, 815. —, Johann, Bäcker- u. Bürgermeiſter „Stto, Schriftſteller III, 460, 847. „Frl. II, 392. Lueger⸗Ettlinger, Friedrich, Kübler III, 259. Lüroth, Dr. Jakob, Profeſſor II, 784. Luther, Dr. Martin I, 381; II, 418; III, 532, 650, 651. Lüttich, Biſchof v. I, 295. Lutz, Leopold, Weinhändler III, 125. Lutzer, Jenny, Opernſängerin II, 450. Lux, Johann Jakob, Major I, 265. Lydtin, Dr. Auguſt, Oberregierungsrat III, 582. v. Lyncker, heſſiſcher Generalmajor II, 36. M. v. d. 51 J. J., Rheeder III, 401. Maas, ſ. Moraß. v. Mackau, Armand Louis, franz. Diplomat I, 96. 893— Macklot, Camill, Drucker II, 434, 435; III, 776. —, Philipp(Vater), Drucker I, 102. —, Philipp(Sohn), Drucker I, 102, 437, 502, 503; II, 49, 50, 420, 434. —, Buchdruckereien von Camill, Karl Friedrich u. Philipp I, 53, 145, 163, 177, 270—272, 276, 344, 345, 404, 502, 503; II, 20, 225, 437; III, 687, 835. v. Madeweiß, Frh., preuß. Geſandter J, 96, 109, 110. Magerin, Thereſe, Violinvirtuoſin J, 169. —— Magg, Dr. Konrad, Zuchthausverwalter „64. Mahner, Ernſt, Homöopath I, 374. Maier, Brauer II, 226. —, Andreas, Profeſſor III, 795. —, Emil, Augenarzt u. Hofrat III, 560. — —, Johann Georg, Oberzeugwart II, 252. —, Karl Wilhelm, Reallehrer III, 795. Majeski, ruſſ. Architekt III, 667. Maiſch, Damian I, 438. —, Oualibert I, 438. —, ſ. Müller. Maiſonneuve, franz. Diplomat J, 101, 102. Maler, Dr. Friedrich Wilhelm, Leib⸗ arzt u. Geh. Rat I, 174, 268, II, 439. —, 0 5 Wilhelm, Staatsrat I, Mallebrein, Architekt III, 672. —„Joſeph, kath. Kirchenvorſteher I, 344, 345. —, Karl Joſeph, Kaufmann u. Ge⸗ meinderat I, 481; II, 4, 5, 79, 86, 92, 380, 403, 411, 444. —, Handlung I, 279. —,„ſ. Kerler. Mallet, Alexander, engliſcher Geſandter II, 32. Malmaiſon, ſ. Leuchtenberg. Malſch, Jakob, Oberbürgermeiſter II, 92, 96, 157, 167, 173, 188—190, 195, 196, 218, 225, 235—238, 245, 248, 249, 253, 256—258, 260, 264, 273, 275, 278, 282, 288, 290, 292—-294, 312, 313, 323, 327, 329, 330, 332, 338, 339, 342—344, 351, 354, 359; III, 11, 13, 15, 18, 20, 21, 26—28, 33, 35, 56, 59—61, 68—72, 76, 77, 81, 82, 89, 98, 100—102, 107, 109, 118, 122—125, 131, 133, 134, 138, 143, 146, 150, 151, 161, 162, 173, 196, 206, 208, 212, 213, 215, 218, 219, 252, 253, 259, 266, 267, 271, 275, 276, 286, 288, 292, 293, 300, 307, 310, 316, 354, 362, 400, 402, 413—415, 426—428, 436, 437, 452, 481, 483, 524, 610, 714, 830. —, Johann Kaſpar, Prorektor in Durlach I, 10, 11, 13, 30. 11 Hauptlehrer II, 426; III, Frl. III, 20. — u. Vogel', Buchdruckerei II, 437. Auguſt Frh., Schriftſteller „506. „Franz Frh., Schriftſteller I, 506. —, Peter Frh., ruſſ. Geſandter J, 187, 193, 296, 355, 379, 501. v. Maltzahn, Frh., preuß. Geſchäfts⸗ träger I, 416. Manby, ſ. Barlow. Mangelsdorf, Dr. Albert Ludw. Wilh., Profeſſor III, 786. Männing, Karl, Gemeinderat II, 91, 92, 96, 167, 259. Manſuroff, ruſſ. Oberſt I, 411. v. Manteuffel, Edwin Frh., preuß. General III, 122. Manz, Friedrich, Stadtvikar III, 824. 85 Eliſabeth Gertrud, Sängerin!, Marbe II, 91 Andreas, Badbeſitzer J, 287, 525. Marchal, Privatlehrer II, 430. Marconi, H., Muſiker I, 163. Maret, Hugues Bernard, Herzog v. Baſſano, franz. Staatsmann I, 222. Marinoni, ital. Sängerin I, 519. Mark, Joſef, Schauſpieler III, 846. v. Muref, Graf, ruſſ. Geh. Rat I, — Markſtahler, Chriſtian, e II, 240, 397; III, 214 Barth, Baugeſchäft IIx, 761. de Marmont, Auguſt, Herzog v. Raguſa, franz. Marſchall I, 152. Marr, Heinrich, Schauſpieler III, 462. — 894— v. Marſchall, Leutnant I, 134. — v. Bieberſtein, Adolf Frh., Staats⸗ rat II, 113, 296, 330—332, 343; III, 3, 18. —, Adolf Frh., bad. Geſandter in Berlin III, 488, 494, 502, 503, 523, 568. —, Adolf Frh., Geh. Legationsrat III, 629. —, Karl Frh., Hauptmann II, 256. —, Karl Wilhelm Frh., Staatsminiſter I, 63, 347, 375, 441, 442. Marſchner, Adolf Eduard, Komponiſt Il, 121. —, Heinrich, Komponiſt II, 451; III, 461, 847. Martienſen, ſ. Keßler. Martini, Komponiſt I, 87. —, Dr. Johann Jakob, Oberhof⸗ prediger I, 361, 370, 371, 375, 387, 392, 396, 406, 407, 440, 492, 501; II, 4, 7, 12, 13, 15, 16, 417. Martins, Friedrich, Bierbrauer III, 753. Martiny, Revolutionär II, 274. Marx, württ. Kammermuſiker I, 519. —, Dr. Auguſt, Profeſſor III, 786. —, David Raphael, Antiquar I, 276, 277, 381, 502; II, 437. —, Johann, Profeſſor II —, Matern, Muſikdirektor' J, 520. —, 190 0 5 Opernſängerin II, 122, 90. —,„ Frau, Privatlehrerin L 262. Mascagni, Pietro, Komponiſt III, 848. Maſchenbauer, Andreas Jakob, Hof⸗ buchdrucker I, 30. —, Joh. Chriſtian, Bürgermeiſter 1I, 48 Maſſena, Audre, Herzog v. Rivoli, franz. Marſchall I, 221, 222. Maſſias, Karoline Charlotte Friederike, geb. v. Böcklin I, 164. —,Nicolas, franz. Geſchäftsträger J, 161, 163, 164, 188, 192. Maffinger, Richard, Profe eſſor III, 797. 105 Friedrich, Kaufmann II, 113, — 1 z Handlung II, 113, 332, 406, Mathy, Karl, Stogter II, 42, 50—52, 67, 68, 73, 77, 135, 144, 149, 160, 163, 187, 189, 331, 343, 436; III, 90, 113, 120, 132, 141, 142, 469, 653. 895 Mattes, Friedrich, Hauptlehrer III, 434. Mattis, Ballettänzer II, 451. Mauck, Johann, Maurermeiſter II, 378. Maul, Albert, Turndirektor III, 439, 791. v. Maulendorff, P. A., Sprachlehrer „498 Maurer, Georg, Lehrer III, 425. —, Wilhelm, Profeſſor und Hofrat I, 493; II, 423, 444. Mauritii, Chriſtoph(Vater u. Sohn), Hofprediger J, 64. Mahbach, Heinrich, Bildhauer III, 596. Mayer, pfälz. Hofſänger I, 284. —, Kaufmann II, 91. —, Auguſt, Amtsrichter III, 92. —,„Ferdinand, Kaufmann III, 524. —,Friedrich, Fabrikant III, 238. „Karl, Gartendirektor III, 240, 241. „Dr. Karl Auguſt, Profeſſor und Direktor III, 228, 429, 451, 594. —,eopold, Maſchinenmeiſter III, 846. „Peter, Hofhafner II, 407. —, Robert, Profeſſor III, 799. „Rudolf, Bildhauer u Profeſſor III, 596, 788, 842. —, Simon, Komponiſt I. 521. —, Thereſia, Lehrerin II, 432. —,ſ. Schmieder. Mayerhofer, Amalie, Solotänzerin III, 457. —, Franz(Vater), Hofſchauſpieler J, 279. —,Franz(Sohn), Hofſchauſpieler J. 279; II, 89, 449, 458. — Vöhephine, Hofſchauſpielerin III, 58. —„Steffen, Violinvirtuoſe III, 90. Mays, Joh. Pet. Ferdinand, Landtags⸗ abgeordneter III, 78. v. Mechel, Chriſtian, Kupferſtecher I, 264. Meckel, Baudirektor III, 672, 827, v.—, Adolf, Maler III, 843. Mecklenburg⸗Schwerin, Friedr. Franz II., Großherzog II, 30. —, Erbgroßherzog(Friedr. Franz III.) und Erbgroßherzogin(Anaſtaſia) III, 516, 517. —, Paul Friedrich, Großherzog, und 11 5 Großherzogin 1, 410; „26. v. Meerveld, Graf, major I, 159. k. k. General⸗ Meerwarth, Friedrich, Expeditor III, 186. Meerwein, Friedrich, Bankier I, 370, 487. —, Handlung I, 299, 479. Meeß, Zimmerpalier I, 431. —, Lina, Hauptlehrerin III, 799. —, Ludwig, Zimmermeiſter u. Stadt⸗ rat III, 241, 523, 594, 628, 661. —, Simon, Zimmermeiſter u. Stadt⸗ rat III, 96, 104, 125, 163, 228, 252, 290, 293, 298, 300, 414, 482, 523. Méhul, Etienne Nicolas, franz. Kom⸗ poniſt I, 229, 296, 324, 516; III, 461, 487. Meichelt, Heinrich, Maler u. Profeſſor II, 116, 443, 445; III, 423. Meidel, Franz, Profeſſor III, 795. Meidinger, Dr. Johann Heinrich, Profeſſor u. Hofrat III, 392, 423, 497, 785. Meier, Columban, Domänenrat II, 411. —, Dr. Eduard, Medizinalrat II, 374; „96. —, Emanuel, Staatsrat I, 63, 108, 125, 128, 132—136, 142, 151, 165, 167, 243, 347, 442; II, 354, 457. —, K., Weinhändler J, 481. —, Dr. Wilhelm, Generalſtabsarzt I, 153; II, 5, 268, 305, 371, 374. Meilhac, Pauline, Opernſängerin III, 846. Meinzer, Alb., Reallehrer III, 786, 795. —, Aug., Reallehrer III, 786, 811. Meixel, Gaſtwirt J, 489. Melanchthon, Philipp III, 823. Melling, Joſeph, Hofmaler I, 66. —, Frl., Privatlehrerin J. 262. Mende, ſ. Leipheimer. Mendelsſohn, Moſes, Philoſoph III, 650, 651. — Bartholdy, Felix, Komponiſt I, 502; II, 117, 121, 453, 455 III, 8, 37, 180, 449, 460, 461. Mengs, Rafael, Künſtler I, 264. Menſchikoff, Fürſt III, 63. Menter, hohenloh. Celliſt II, 454. v. Menzingen, Frh., württemb. Oberſt⸗ leutnant II, 459. v. Meran, ſ. Oeſterreich(Johann). — 896— Merk, Friedrich, Landtagsabgeordneter II, 442 —, Valentin, Profeſſor III, 842. —, Frl. II, 395. Merkens, Großkaufmann II, 101. Merſy, Auguſt, Oberleutnant II, 264. Mesmer, Friedrich Anton I, 70, 71. Meßmer, Jakob, Hofbaukontrolleur III, 436 —, Jakob Friedrich, Mechaniker II, 409. v. Metternich, Franz Georg Karl Graf, öſterr. Diplomat I, 152. —, Klemens Lothar Wenzel Fürſt I, 410; II, 31, 62. —, Viktor, Prinz I, 410. Metz, Dr. Auguſt, Politiker III, 58, 70. Metzger, bayr. Kammermuſiker I, 284. —„E,, Privatlehrer II, 430. —, Friedrich, Profeſſor III, 797. —,„ ohann, Gartendirektor II, 422, 423 Metzler, Buchhändler III, 835. Meyer II, 240. —,„ Dr. Bruno, Prof. III, 423, 785. —,D. III, 250. —= Frans Sales, Prof. III, 520, 788, —, Karl, Regiſſeur I, 513; II, 449. —,Klaus, Maler III, 842. —, Lothar, Profeſſor III, 423. — ⸗Förſter, Schriftſteller III, 847. —⸗Seligmann, Kaufmann II, 408. v.—, Franz, bayr. Regierungsdirektor III, 286. Meyerbeer, Jakob, Komponiſt II, 451; III, 8, 461, 847. Meyerhofer, Revolutionär II, 284. Meyerhuber, Auguſt(Vater) III, 439. —, Auguſt(Sohn), Bildhauer III, 439, 801. v. Meyern, Hauptmann I, 501. v. Meyſenbug, Wilhelm Frh. Rivalier, Staatsminiſter III, 17. Meyſenheim, ſ. Schübel. Mez, Karl Chriſtian, Landtagsabgeord⸗ neter II, 153. Mezger, Theobald, Gouverneur 1, 487. Michaelis, Violiniſtin I, 284. Michel, Litterat u. Revolutionär II, 274, 276. v. Mieroslawski, Ludwig, Revolutionär II, 275, 279, 286. Milanollo, Tereſa u. Maria, Violin⸗ virtuoſinnen II, 454. Milder-Hauptmann, Pauline Anna, Schauſpielerin I, 517, 519. Miller, Karl Auguſt, Reallehrer III, 425, 439, 786. v.— däniſcher Generalmajor III, 34. —, württemberg. Generalmajor II, 36. Millot, Alexander, Militärſchwimm⸗ meiſter II, 401, 432. v. Miloradowitſch, Graf Michael, ruſſ. General J, 335. Miltner, Franz, Reallehrer III, 795. v. Mirabeau, Victor Riquetti Marquis, franz. Phyſiokrat I, 76. — Tonneau, Vicomte, franz. Emigrant 7, 100, 101. Miſolly, Balletmeiſter I, 29. Mitſcherlich, Eilhard, Chemiker III, 35. Mittel, Regiſſeur I, 85, 265. Mittelbach, Friederike, Lehrerin III, 799. Mittermaier, Karl Joſeph Anton, Prof. u. Landtagsabgeordneter II, 50, 54, 60, 77, 148, 149, 154, 163, 388; III, 651. Mittermayr, Ludwig, Hofmuſiker II, 454, 455; III, 445. —, Klavierlehrerin III, 445. Mitterwurzer, Friedrich, Schauſpieler III, 849. Model, Simon, Kaufmann II, 403. —, S., Handlung 1, 279, 481; II, 406, 408; III, 676. Modena, ſ. Oeſterreich. Möglich, Karl, Bezirksbahninſpektor III, 367. v. Mohl, Robert, Bundestagsgeſandter III, 81, 122. Mohr, Andreas, Hofmuſikus III, 234. —,riedrich, Hofmuſikus I, 493, 498, 499 —, Karl Friedrich, Chemiker III, 35. Moliere, Jean Baptiſte, franz. Dichter I, 87, 304; III, 460, 847. Molitor, Frau III, 39, 115. v. Mollenbec, Leopold, Oberpoſtdirektor II, 110, 113. Möller, Maurermeiſter III, 613. Molter, Hofkapellmeiſter I, 32, 86. —, 4855(Vater), Oberbibliothekar —, Friedrich(Sohn), Hofbibliothekar J, 266 v. Moltke, Hellmuth Graf III, 493, 541, 571, 574, 575, 648. —, Paul Friedrich Frh., ruſſ. Ge⸗ ſandter I, 416; II, 38. — 897— Mondt u. Nemnich, Seidenbandfabrik III, 376. Mone, Dr. Franz Joſef, Archivdirektor J, 503; II, 50, 51, 412, 413, 438; III, 197. Moninger, Stefan, Bierbrauer III, 233, 740, 752. Monſigny, Piede Alexandre, Komponiſt I, 87. Montebello, ſ. Lannes. Monsgolfet, Joſeph Michel, Luftſchiffer v. Wäͤeheon, franz. Geſandter III, v. Munle Graf, franz. Geſandter I, 361, 416. v. Montperny, Friedrich Camill, Ober⸗ hofmarſchall I, 164, 201, 305. II 6 Joſeph, Maler 5133 Moraß, Johann(ſtatt Maas), Haupt⸗ lehrer III, 811. Mörch, G., Holzkohlenhändler II, 369. Mördes, Revolutionär II, 283, 285. Moreau, Jean Viktor, franz. General I, 128, 131, 148, 161, 164—166, 169, 170. —, Frau 1, 169. Morelle, franz. Offizier I, 159. Moretony Cabaßa, Auguſtin, ſpan. Dichter III, 460, 847. Morgenroth, Maler II, 446. Morgenſtern, Chriſtian, Maler II, 443. 0 Ludwig, Schauſpieler III, 458. Mörike, Eduard, Dichter III, 836. Morlock, Julius, Abfuhrunternehmer III, 696. v. Mornay, Karl Graf, franz. Ge⸗ ſandter II, 32. „Kommiſſionär II, 138, 215 Morſtadt, Wilhelm, Stadtrat III, 92, 150, 162, 163, 237, 252, 268, 271, 275, 338, 368, 370, 438, 486, 589, 590. 15¹8 Wilhelm, Arzt II, 414; III, 7115 —,„ſ. Haiz inger. Mörd 6 5 Ludwig, Profeſſor III, 785, v. Mosbourg, Michel Graf, franz. Geſandter III, 165. Moſenthal, Salomon Hermann, Dichter II, 462; III, 460, 847. Moſer, Architekt III, 670. 35 ſ. Curjel. v. Frh., bayr. Oberſt I, 336. —„Guftap, Dichter III, 460. — Frl. I, 371. Moskwa, ſ. Ney. Moßdorff, 5075 Profeſſor III, 431, 432, 799. —, 51 Win III, 799. Moeſt, Friedrich Bildhauer III, 126, 139, 210, 241, 439, 506, 610, 662, 668, 842. Mottl, Felix, Generalmuſikdirektor III, 516, 545, 578, 605, 845, 847, 848. — SStandhartner, Henriette, Opern⸗ ſängerin III, 846. Mozart, Wolfgang Amadeus, Komponiſt J, 87, 233, 282, 303, 426, 515, 516; II, 14, 121, 128, 140, 451, 455; III, 4, 8, 51, 460, 581, 655, 847, 848. Muckenſchnabel, Wehrmann II, 179. v. 3238 bad. Reſident i. Wien I, Mühlfeith, L., Handelslehrer II, 429. —, ſ. Döhrle. Mühlhäuſer, Ida II, 418. —, Karl Auguſt, Oberkirchenrat II, 389, 417; III, 4, 89, 409. —, Ludwig, Stadtpfarrer II, 614,824. Theodor, Schüler III, 477. „Wilhelm 812 Bofgerichsprüft dent I v. Mühlinen, Graß württemb. Ge⸗ ſandter I, 383, 416. Müller, franz. General I, 157. —, Hofbuchbinder I, 173. —, Wirt in Beiertheim I, 417. —, Dekorationsmaler III, 259. —, Alwine, Schauſpielerin III, 846. „Cöpltnn Friedgſch,ofbuchhandler I, 269, 375, 397. —85 David, Profeſſor III, 211, 423, „E., Seminarlehrerin III, 791. Eugen, Generalmajor III, 617. 5 Franz, Reallehrer III, 799. —, Franz Chriſtian Karl, Landtags⸗ abgeordneter II, 78. —, Georg, Handelsrichter III, 380. Hans, Schriftſteller III, 840. „J. M., Maurermeiſter III, 258. —, Heinrich, Hofbanquier u. Stadtrat III, 275, 293, 402, 538, 597, 602. 57 Müller, Johann, Gaſtwirt II, 100. —,„ Johann Georg, Hauptlehrer III, 801. —, Johann Gottwerth, Schriftſteller I, 290. —, Julie, Privatlehrerin I, 498. —, Karl, Steindrucker I, 276. —, Karl Guſtav Theodor Georg(Ge— brüder), Streichquartett II, 454. —, Karl, Stadtbaumeiſter III, 432. —, Karl, Maler II, 445. —, Karl Friedrich, Profeſſor III, 570, 575, 593, 612, 795, 799. —,„Leonhard, Profeſſor III, 797. Paul, Rechnungsrat III, 608, 628. Philippine, Privatlehrerin I. 498. Dr. Udo, Profeſſor III, 785. Wenzel, Komponiſt I, 87, 545. Wilhelm, Hofbuchhändler u. Stadt⸗ rat II, 167, 173, 212, 252, 332, 432; III, 104,427, 442, 446, 571, 573. —, Wilhelm Jeremias, Baudirektor I, 82; III, 474, 656. —, Wilhelmine, geb. Maiſch, Dichterin 5 271. —, Chr. Fr., Hofbuchhandlung 1, 269, 271, 272, 276, 319, 329, 332, 374, 381, 382, 415, 502, 503, 505, 506, 507,510; II, 436, 437, 618 778 —,Geſchwiſter, Privatſchule II, 429. — u. Gräff, Buchhandlung I, 503; II, 389; III, 835. v.—, Heinrich, Profeſſor III, 186. Müllner, Adolf, Schriftſteller I, 515;3 II, 449. Münch, Gewerbelehrer III, 801. v. Münchhauſen, preuß. Hauptmann v. Munk, Frh., Oberhofmeiſter I, 406, 501. Muntz, Karl, Hofſattler III, 250. Müntz, Prediger in Hävre II, 192. Munz, Theodor, Muſiklehrer III, 815. Murat, Joachim, König v. Neapel J, 191, 192, 314. —, Karoline Bonaparte, von Joachim J, 228. Murjahn, ſ. Kölle. Muſaeus, Johann Karl Auguſt, Schrift⸗ ſteller I, 290. Gemahlin — 898— Muth, Heinrich Friedrich, Oberkirchen⸗ u. Geh. Rat III, 387, 409, 509, 510. Mutſchle, Adam, Bierbrauer III, 753. N. Nadermann, Virtuos I, 520. Nadler, Karl Gottfried, Dialektdichter I, 347; III, 838. Nagel, Jakob, Gemeinderat II, 96. — Johann, Stadtrat III, 594, 644. Nägele, Friedrich, Gemeinderat u. Land⸗ tagsabgeordneter II, 56, 57, 60, 6365, 79, 91, 96, 97,398, 411. Nägeli, Hans Georg, Muſikſchriftſteller 1, 499, 507. Naſſau, Adolf, Herzog III, 540. —„ Wilhelm, Herzog J, 391,410; 1I, 26. Oranien, ſ. Niederlande. Uſingen, Amalie Auguſte, Prin⸗ zeſſin von(Gemahlin des Grafen Auguſt von Bismarch) II, 24, 25, 383, III, 29. —,„Luiſe, Gemahlin des Grafen Friedrich(Auguſt) von 1, 360. —,„ſ. Baden. Naumann, Sozialpolitiker III, 599. —„Johann Gottlieb, Komponiſt III, 95 V Neapel, Ferdinand II., König II, 27. —,„ſ. a. Murat. Nebe, Eduard, Regiſſeur III, 458, 562, 845. —, Karl, Opernſänger III, 465, 846. Nebenius, Karl Friedrich, Staatsrat I, 373, 384; II, 8, 54, 59, 62, 63, 74, 75, 78, 223, 297, 381, 421; III, 31, 651, 664. Neff, Ludwig, Hauptlehrer II, 426; 434 III, 434. Nehrlich, Karl, Litterat I, 499, 514, 518. melſon, Philipp, Hauptlehrer II, 426, (ſtatt Nilſon); III, 435. Nemnich, ſ. Mondt. Nerlinger, Auguſt, Kaufmann u. Stadt⸗ rat II, 523. —,Theodor, Landwirtſchaftsinſpektor III, 792. Neßler, Dr. Julius, Profeſſor u. Hofrat III, 212, 213, 215, 355, 357. Neßler, Victor, Komponiſt III, 848. Neſtler, Friedrich, Amtmann II, 43l. Nefe0 Nepomuk, Dichter III, 60. Muſer, Oscar, Landtagsabgeordneter II, 569, 579. — 899— Neu, ſ. Haid. Neubauer, Dr., Weltreiſender III, 630. v. Neubronn, Friedrich Frh., Ober⸗ ſtaatsanwalt III, 522, 532, 554. —, Karl Frh., Stadtdirektor III, 17, 19, 20, 25, 33, 92, 102, 129, 133, 219, 346, 354. —, Wilhelm Frh., General II, 138; III, 112, 190, 603. Neuchätel, Alexander Berthier, Fürſt von I, 222, 223, 228. Neumann, Hoff ſchauſpieler 517 — Adolfine, Schauſpielerin II, 449, 452. —, Jakob, Fechtmeiſter I, 286. —,„ Julie, Seminarlehrerin III, 791. —,„ͤLuiſe, Schauſpielerin II, 449, 452. —, ſ. Grenot, Haizinger. Neumayer, Dr. Georg, Geh. Rat, Geo⸗ 9 I555, Neukirch, Kreglinger. Nelreuther, Eugen, Maler I, 513; II, 64. Newhouſe, L., Kommerzienrat II, 57, 58. Ney, Michel, Fürſt von der Mos 5twa, franz. Marſchall I, 191, 192, 311, 314. Nickles, Dr. Eduard, III, 85, 180. Nicolai, Auguſt, Geh. Rat und Abge⸗ ordneter III, 131, 132, 145, 151, 153, 160, 189, 194, 201, 203, 208, 212, 213, 215, 286, 368, 480, 486, 494, 495, 534. —, Dr. Eduard, Oberamtmann III, 599 Otto, Komponiſt III, 847. Meblini, Komponiſt 3 516. Niederlande, Emma, Gemahlin des Königs Wilhelm III. der III, 626. —„Friedrich(Wilhelm Georg), Prinz von Oranien I, 141. —„Friedrich(Wilhelm Karl), Prinz von Oranien I, 394. —, Heinrich, Prinz der III, 499. —, Marie Luiſe, Prinzeſſin von Preußen, Gemahlin des Prinzen Heinrich der III, 499, 500. — Wilhelm II., Erbprinz von Oranien, ſpäter König der I, 186; II, 26. — Wilhelm III., König der II/ 26, 35; III, 499, 500. „Wilhelmine, Königin der III, 626. Niemann, Albert, Opernſänger III, 462. Nietzſche, Friedrich, Philoſoph III, 838. Lehramtspraktikant Obertimpfler, Karl, Nilſon, ſ. Nelſon. Niſſel, Franz, Schriftſteller III, 847. Noé, Amalie, Opernſängerin III, 846. 9—, Frau II, 324. Noel, Leutnant III, 182. Nohl, Ludwig, Profeſſor III, 785. Nokk, Dr. 451, Wilhelm, Staatsminiſter III, 477, 522, 528, 530, 550, 586, 588, 597, 605, 614, 616, 841. Nöldeke, Franz, Buchhändler II, 407, 437; III, 446, 474. Non, Julie, Zeichenlehrerin III, 801. Nopper, Hermann, Profeſſor III, 799. Nörber, Dr. Thomas, Erzbiſchof III, 827, 828. v. Nothomb, Johann Baptiſt Baron, belgiſcher Geſandter II, 32. Nötling, Ernſt, Rheder III, 399, 400. Nowack, Eduard, Kanzleirat III, 71, 72, 237. —, Eduard, Wirt III, 753, 754. Nußberger, Karl, Bildhauer III, 610. Nüßlin, Auguſt Friedrich, Staatsrat III, 59, 121, 135, 142, 144, 194, 409, 480, 487, 556. —,Dr. Otto, Profeſſor III, 423. O. Oberhoffer, Karl, Sänger u. Opern⸗ regiſſeur II, 91, 142, 450, 455; III, 4, 8, 21, 457—459, 465. v. Oberkamp, Karl Auguſt Frh., bayr. Geſandter II, 29, 32. W48 Alfred, Opernſänger III, 38 Obermüller II, 159. —, Friedrich, Oberingenieur III, 228. —, Ludwig, Maler III, 455. —, Theodor, Stadtamtsreviſor I, 431. altkathol. Stadt⸗ pfarrer III, 829, 830. Obkircher, Hermann, Miniftrrialoräſt⸗ dent III, 142, 524. Obſer, Karl, Archivrat III, 839. v. Dethelhäuſer, Dr. Adolf, Profeſſor III, 602, 785, 839. 3 Gemeinderat u. Armenpfleger II, 378. v.—, Frh., kurheſſ. General II, 37. v. Odeleben, Frh. I, 499. Offenhof, Maler II, 443. Ohl, 9165 Joſeph, Staatsrat I, 344, 345. 57* Ohlenſchläger, Adam Gottlob, dän. Dichter J, 514; II, 449. Wucehr Oberkirchenrat III, 9 „Karl Ludwig, Reallehrer III, 797, 799. 15 franz. Schriftſteller Oehrlein, Opernſänger II, 450. Oken, Lorenz, Naturforſcher I, 502. Oldekopp, ruſſ. Generalmajor I, 331. Oldenburg, Auguſt 13 Grußherzeg von II‚ 15, 18, 26, „Cäcilie, Prinzeſ ſin von Schweden, Gemahlin des vorhergehenden II, 15, 26, 407. Oldoini, Filippo Marquis, Geſandter III, 90, 91. Oehlenheinz, Th., Bijouteriefabrik von IJ, 278, 406. de Oliva, Pepita, ſpaniſche Tänzerin III, 46 „ 2. George, 847. italien. Oppenheim, H. B., Revolutionär, Redakteur II, 261, 274, 281. Oranien, ſ. Niederlande. Orbin, Dr. Johann Baptiſt, Erzbiſchof von Freiburg III, 50, 517, 828. Ordenſtein, Heinrich, Direktor des Konſervatoriums III, 814. 575 Nähmaſchinenfabrik von III, v. Oriola, Graf, preuß. Hauptmann II, 36. v. Orléans, Herzogin II, 146. Orth, Maler II, 116. —, niederländ. Ingenieur III, 395. —, Matth., Kaſſier II, 413. Ortlepp, Dichter II, 45. Oeſer, Dr. Hermann, Seminardirektor III, 790, 837, 838. Sſterreich lihrecn, Erzherzog III, 17. —, 99„Kaiſer von II, 14, —, Feibiuänb, Erzherzog, Prinz v. Modena II, 26, 28. —, Franz II., Kaiſer von Deutſch⸗ land u.(als Fr. I.) von Oſterreich I, 103, 145, 146, 150, 151, 165, 179, 191, 206, 323, 324, 349, 386, 392; II, 7, 14. —, Franz Joſeph, Kaiſer von II, 220, 337; III, 41, 128, 129. — FJohann, Erzherzog/(Gr. v. Meran), Reichsverweſer II, 28, 196—200. 900 Oſterreich, Jgſeßh, II., deutſcher Kaiſer⸗ —„ Joſef, Fröheeöog, Palatin von. Ungarn. II, —, Karl(Audlig 0 Erzherzog, öſt. Feldherr J, 125—127, 138, 140144, 146, 148, 149, 154, 156-—158, 160, 410. —, Karl Ludwig, Erzherzog III, 129. —, Ludwig(Joſeph Anton) Viktor, Erzherzog III, 129. —, Marie(Dorothea), Gemahlin des⸗ Palatins Joſeph II, 26, 28. —, Marie, Tochter des Palatins⸗ Joſeph II, 28. —, Maximilian(Graf Puchheim), P596569, Hoch- u. Deutſchmeiſter II, 26. —, Rudolf, Kronprinz, Sohn K. Franz Joſephs III, 827. „Stephan, Erzherzog II, 28. „ſ. a. Frankreich. Oſtertag, Karl, Blechner III, 365. Ott, Profeſſor III, 799. —„Albert, Hauptlehrer III, 811. v. Otterſtedt, Joachim Frh., preuß. 1 0 5 J, 405 414, 416; II, 13, 26, 31,—. 101, 105. v. Sttingen⸗Wallerſtein, Fürſt 299 Ottmann, Georg, Glaſer und Bürger⸗ meiſter I, 26. Otto, Pfarrer in Mühlburg II, 190. Oudinot, Franz, Komponiſt I, 87. —, Nicolas Charles, Herzog v. Reggio, franz. Marſchall I, 305. v. Ozeroff, Johann, ruſſ. Staatsrat und Geſandter II, 33. P. Paar, Wehrmann II, 251. —, Ludwig, Goldarbeiter III, 488. Paör, Ferdinando, italien. Komponiſt⸗ 1, 85, 87, 228, 297, 330, 515 II, 451. Paäöſiello, i5 ln italien. Komponiſt I. 516, Paganini, eb, Violinvirtuos I, 522; II, 454. Pagenſtecher, Dr. Heinrich Alexander, Profeſſor III, 451. Paget, engl. Diplomat J, 155. 16 Wilhelm, Zeichenlehrer III, Pleer Eduard, franz. Schriftſteller III, 847. — — — 2+ — 99 da Paleſtrina, Giovanni Pierluigi, italien. Komponiſt II, 455. v. Pahfp⸗ Graf, k. k. Kämmerer I, v. Palm, Eberhard Frh., Geh. Rat I, 253; II, 427; III, 436. Panek, Komponiſt I, 87. Paravicini, Ludwig, Landtagsabge⸗ ordneter III, 823. Paret, Balletmeiſter I, 29. Parfuß, Bühnenleiter J, 83. Pauli, Otto, Fabrikant III, 378, 383. 5 Franz, Konzertmeiſter I, 5175 —, Wilhelm, Hofmuſiker III, 445. Pecher, Johann Friedrich, Amtmann „225, 229. Pecht, Friedrich, Maler I, 509. Pedetti, italien. Baumeiſter I, 41. Pedrotti, Sängerin I, 520. —, Alexander, Sänger I, 520. Peel, Robert, engl. Staatsmann II, 31. Pelliſſier, Adam, Profeſſor II, 140, 423, 438. v. 184501 Karl Frh., Komponiſt III, Pergoleſe, Giov. Battiſta, italien. Kom⸗ poniſt I, 73, 86; III, 848. Perréaz, Eduard, Profeſſor III, 795. Perrin, Franz, Kaufmann III, 365. Perſien, Naſſr-Eddin, Schah v. III, 211. Peſtalozzi, Johann Heinrich III, 663, 664, 808. Peter, Korporal I, 133, 134. —, Kaufmann II, 398, 399, 403. —„Joſeph Ignaz, Landtagsabgeord⸗ neter II, 64, 153, 189, 243, 260, 271, 273, 274, 278, 280, 284, 286. —, Karl, Reallehrer III, 799. —, Karl Lorenz, Hof⸗ u. Stadtvikar II, 417. v. Peternell, Guſtav, Oberſtleutnant II5137. Peterſohn, Karl Chriſtoph, Profeſſor 1, 229, 263, 329, 495. Petry, Jakob, Goldarbeiter III, 357. Petſch, Max, Maler III, 816. Petzet, Hermann, Maler III, 843. —, Karoline, geb. Bruck, Schauſpielerin III, 846. v. Petzold, Leopold, Maler III, 816. v. Peucker, Eduard, preuß. General II, 286. Peutz, Lehrer II, 456. Pfaff, Dr. Hermann, Regierungsraf III, 6 —,„ Dr. U Johann Adam, Profeſſor III, 785. Pfalz, Karl Theodor, Kurfürſt I, 73. — ,„ Otto Heinrich, Kurfürſt III, 16. —,ſ. Bayern. Pfeffel, Gottlieb Konrad, Dichter I, 68, 75. Pfeffer, Dr. Peter, Profeſſor III, 797. Pfefferle, Wilhelm, Landtagsabgeord⸗ neter III, 635. Pfeiffer III, 654. —, Wehrmann II, 252. Stabsguide II, 423. Charlotte, Schauſpielerin I, 517. Emilie, Lehrerin III, 799. Friedrich, Hofmuſiker III, 445, 454, 455. —„Johann Karl, Läufer I, 143. —, Michael, Geheimrat III, 436. v. Pfeil, Oberſtleutnant II, 305. —, Frau II, 324. Pfennig, Valentin, kathol. Pfarrver⸗ weſer III, 825. Pfetſch, Wagner II, 92, 378. Pfiſterer, Georg Philipp, Landtags⸗ abgeordneter III, 609, 628. Pflüger, Marcus, Reichstagsabgeord⸗ neter III, 451, 569, 587. Pflughaupt, Robert, Pianiſt III, 95. v. d. Pfordten, Kurt Frh., bayeriſcher Geſandter III, 604. Pfrang, Joſef, Stahlbadbeſitzer II, 377. Pfuſterſchmidt v. Hardenſtein, Karl 98 k. k. Geſchäftsträger III, 129. Pfützner, Bleichbeſitzer III, 643. franz. Komponiſt Philipp, Friedrich, Hauptlehrer III, 434. Picard, Louis Benoit, franz. Dichter III, 460. Pichegru, Charles, franz. General I, 123, 124. Pichler, Oskar, Architekt III, 256. Pickford, Dr. Eduard, Privatdozent III, 58, 423. Felix, Stabsarzt III, 119, —, Karl Friedrich, II, 52, 53, 361. Picquot, Franz, Hofmuſikus I, 86, 1 Franz(d. j.), Hofmuſiker I, 86, 508. Polizeidirektor Piris⸗ Franzilla u. Peter, Virtuoſen II, 454. Plank, Fritz, Kammerſänger III, 640, 846. Planſini, Virtuoſin J, 284. Planta v. Wildenberg, Friedrich Main⸗ hard, Kammerjunker I, 1I. Plaquette, franz. Komponiſt III, 848. Plaß, Ernſt L. F., Maler III, 816. v. Plate, oldenb. Hauptmann II, 36. Plato, Dr. H, Privatlehrer III, 443. Platz, Dr. Chriſtian Friedrich, Archiv⸗ rat II, 435; III, 42, 43, 425, 490. —, Dr. Philipp, Profeſſor III, 640, 95 Pleißner, Hofſchauſpieler I, 322, 518. Plitt, Jakob Theodor, Stadtpfarrer u. Profeſſor II, 24, 417; III, 346. —, Frau II, 305, 324. 1191 Dichter III, 460. v. Podbielski, Staatsſekretär III 667, 750. Pohl, Dichter III, 460. v. Poletica, ruſſ. Senator I, 410. Polin, Tänzerin II, 451. v. Pöllnitz, Karl Ludwig Frh., Schrift⸗ ſteller I, 16, 30. Popper, David, Violoncelliſt III, 95. v. Porbeck, Friedrich, Generalleutnant II, 205, 206, 231; III, 140, 631. „Heinrich Philipp Reinhärd, Sberſt 1, 192, 210, 211, 218. —, Frau III, 39. Portogallo, Komponiſt I, 521. Vorkeſfal, Johann VI., König I, 409. „Maria da Gloria, Königin 1, 409. „Miguel, Infant v. I, 409, 410. Bofcl, 58 Ludwig, Legationsrat 267 —„ Johann Friedrich, Hofrat I, 151. —, Karl, Kaufmann u Stadtrat II, 4, 44, 45. Potter, Paul, niederl. Maler I, 355. Pötzelberger, Robert, Maler III, 842. Pozzo di Borgo, Karl Andreas Graf, ruſſ. Diplomat II, 26. Praſch, Alois, Schauſpieler III, 846. — Auguſte, Schauſpielerin v. Preen, 510 Stadtdirektor III, 219, 538, Prehauſer, Göttlieh, Dichter III, 847. 0 Albert, Hofgercctstat II, 1439. 902² Preuſchen, 21550 Wilhelm, Obervogt 1„ 212, 21 „Georg Ernſt Ludwig, Geh. Rat J, 61. —, Karl Friedrich, Hofdiakonus J, 64. Preußen, Albrecht, Prinz III, 541. —, Auguſt, Prinz II, 26. —„Auguſta, Prinzeſſin v. Sachſen⸗ Weimar, Gemahlin K. Wilhelms J. II, 27, 323—325; III, 5, 24, 27, 4I, 43, 66, 99, 133, 199, 209, 215, 485, 491, 499, 501, 505, 506, 516, 521, 553, 556, 560, 568, 647. —„Auguſta Victoria, Gemahlin K⸗ Wilhelm II. III, 564, 565, 583, 584, 604. —, Eliſabeth, Prinzeſſin v. Bayern, Gemahlin K. Friedrich WilhelmIV. I. 407, 408; II, 28, 29, 323; III, 12. —, Friedrich II. d. 505 96, 207; III, 450. —„ Friedrich II5 König u. deutſcher Kaiſer II, 3²³; III, 41, 66, 165, König J, 95, 169—172, 198, 269, 478, 479, 485, 491, 493, 516, 518, 521, 541, 543, 553, 557, 559, 560, 659, 827. —, Friedrich, Prinz II, 26. —„Friedrich Karl, Prinz II, 295; III, 499, 500. —, Friedrich Wilhelm I., König I, 8. 0 1 Wilhelm II., König 96, 103, 109—111, 120, 122, 423 132. —,„Friedrich Wilhelm III., König I, 111, 112, 337, 386, 392, 405, 408—409; II, 29. —, Friedrich Wilhelm IV., König— I, 325, 394, 407, 408; II, 26, 28—29, 105, 161, 162, 204, 205, 228 231, 286, 315, 324—326, 899 3463 III. 5, 12 21742, 2, 53. —, Heimrich Prinz III, 516, 541. —, Karl, Prinz I, 409; II, 29. —, Ludwig, Prinz I, 1I1, 112. —, 50905(Louis) Ferdinand, Prinz Gemahlin K. Friedrich „Luiſe, Wilhelm III. III, 485. „Victoria, Gemahlin K. Fried⸗ richs III. III, 115 198, 517. — 903 Preußen, Wilhelm J., König u. deutſcher Kaiſer I, 325, 337, 394, 409; II. 27, 286, 293—297, 310, 311, 313316, 320, 321, 323—325, 334, 336, 339, 346; III, 5, 21, 24, 26, 41, 42, 53, 66, 129, 133, 134, 164. 165, 175, 180, 181, 185, 187-—190, 192, 197, 198, 201, 209, 214, 215, 221, 478, 479, 485, 491, 493, 499—502, 505, 506, 510, 516, 518, 530, 531,541—543,549,553,558—560, 568, 605, 612, 613, 622, 633, 647, 659, 665, 827. —, Wilhelm II., König, u. deutſcher Kaiſer III, 516, 541, 558, 560, 564, 565, 571, 573, 574, 579, 583.—584, 591, 593.—595, 605, 606, 612, 613, 625—627, 630, 632, 637, 638, 823, 849. —„Wilhelm, Kronprinz III, 653. —, ſ. a. Baden, Niederlande. Printz, Albert, Bierbrauer III, 274, 513, 752, 753. —,„Eduard, Stadtrat, Fürbereibeſttzer III, 628, 632, 777. Propheter, Otto, Maler III, 843. Puchheim, ſ. Oſterreich(Maximilian). v. Pückler⸗Muskau, Hermann Fürſt III, 26. Puricelli, Fabrikanten II, 415; III, 271, 272. Puſchkin, Alexander Sergejewitſch, ruſſ. Dichter III, 95. zu Puttlitz, Guſtav Gans Edler Herr III, 447, 448, 460, 464, 491, 516, 517, 552, 653, 845—847. v. Pivihur, Marquis, Naturforſcher 70. 7 Q. Quidde, Dr. Ludwig, München III, 615. v. Quosdanowitſch⸗ öſterr. 9. 5 leutnant J, 122, 123. Profeſſor in R. v. Rabenau, Georg, Oberſtleutnant J, 127/ 14,151 Rabioſus, Anſelmus, ſ. Weckerlin. 5.ſez franz. Schauſpielerin II, v. 5 Athanaſius Graf, Schrift⸗ ſteller II, 442. v. Radecki, Karl, Muſikdirektor III, 445. v. Radowitz, Joſeph 2400 preuß.“ Geſandter II, 33, v. Radziwill, Fürſt 175 285 Ragg, Bierbrauer II, 405. Raimund, Ferdinand, Dichter III, 460, 847. Rampmeyer, Auguſtin, Lehrer II, 425; —, Eliſa u. Lina, Muſiklehrerinnen III, 815. Ranke, Johannes, Anthropolog III, 546. v—, Leopold, Hiſtoriker III, 651. v. Rantzow, Graf, oldenburg. General⸗ major III, 10. Rapp, Schloßwächter II, 138. —,Prediger III, 599. —, Heinrich, Stapfarrer III, 824. Raſte et Wilhelm, Seminarlehrer III, 789. Rathner, Alfred, Balletmeiſter III, 846. Ratibor, Victor, Herzog u. Amalie(v. Furſendberc, Herzogin von II, 31, Ratzel, Itidrich Architekt u. Profeſſor III, 677. Rau, Eduard, Architekt III, 251. —„Jakob, Lehrer II, 425. —, Dr. Karl, Prof. u. Geh. Hofrat II, 57. —„Karl, Archivar II, 386. Räuber, Albert, Reallehrer III, 425, 786, 797. Rauffer, Bildhauer J, 513; II, 124, 125, 443. Raupp, Heinrich, Gürtlermeiſter I, 213; II, 124. — Heinrich, Gürtlermeiſter u. Stadtrat II, 232, 442; III, 11, 30, 31, 104, 163, 272, 355, 356. —, Ludwig, Photograph II, 447. Ernſt, Schriftſteller II, 449, 55 05 Revolutionär II, 266, 267, 271. v. Ravenſtein, Paul, Maler III, 843. Räal, franz. Schauſpieltruppe II, 451. —,ĩ f. Chambéry. Reble, Chriſtian, Weinhändler und Gemeinderat III, 31, 77, 104. Karl, Bierbrauer II, 162 III, 248. — 904— Rebmann, 55 Edmund, Profeſſor III, 786. v. Rechthaler, Martin, Major I, 211. v. Reck, Karl Frh., Sberſt III/ 540. 5 Göler. v. Reden, Frh., 5015 Geſandter 365, 416, 501. Redtenbacher, Jakob Ferdinand, Direktor des Polytechnikums II, 422; III, 41, 69, 86, 126, 421, 423, 566, 653. v. Redwitz, Oskar Frh., Dichter III, 460. Regenauer, Eugen, Präſident d. General⸗ intendanz u. Geh. Rat III, 530, 619. —, Franz Anton, Finanzminiſter II, 50, 60, 74, 154, 296, 332, 412; IIi, 44, 48, 9 —, Frau III, 39. Regensburger, Dr. Leopold, Fiscalan⸗ walt III, 639. Rehbinder, Julie Gräfin, Lehrinſtitut III, 816 Rehbock, Theodor, Profeſſor III, 785. Rehmann, Revolutionär II, 260. v. 930 5 Frh., bayr. Geſandter I, Weih, Gaſtwirt 199 „Chriſtian Auguſt, Stadtpfarrer I, 493. —„Franz Kaver, Bildhauer II, 140, 193, 442; III, 15. —, Lucian, Maler II, 442. Reichard, Franz, Gasdirektor III, 516, 635, 660, 697. Reichardt, Guſtav, Komponiſt II, 121; III, 72. Reichel, Johanna, Schauſpielerin III, 458. —, Joſef, Opernſänger J, 517; II, 450. Wklbener Dr. Sigmund, Profeſſor 799 Reichmann, Theodor, Opernſänger III, Reiche, Waler II, 116. Reiffe Oberrechnungsrat II, —, Fre, Hofſchauſpieler III, 631, —— J. 1815 Verlagshandlung III, 835. Graf, bayr. Geſandter 379 Reinboldt, Anton, Regiſtrator und Bannerführer der Bürgerwehr II, 174, 264, 275. Reiner, Willibald, III. 925 158, Reinfurth, A910 Senhmörlehdet III, 789. Reinhard, Chriſtian, Kaufmann I, 479, 481, 485; II, 403, 410. Johann, Melker I, 438. Johann Jakob, Geh. Rat I, 61, 68. Maximilian Wilhelm, Staatsrat I, 117, 128. —, Sophie, Hofmalerin I. 513. —, Wilhelm, Staatsrat J, 268 II, 446. —, Frau Geh. Referendärin I, 371. Wänhnds, Privatpoſtunternehmer III, Reiuholtt, E., Uhrenhändler II, 408. Reininger, Revolutionär u. Stadtkom⸗ mandant II, 240, 259, 274—277, 283. Reinkens, Dr. Joſef Hubert, altkathol. Biſchof III, 415, 831. Reinmuth, Leonhard, Pfarrer in Fried⸗ richstal II, 418. v. Reiſchach, Hauvtmann der Bürger⸗ wehr II, 344 Reiß, F., Agent II, 410. —, 8 Kommerzienrat III, 2 —, Heinrich, Adjutant beim Bürger⸗ militär I, 220. —, Heinrich Hofſattler u. Wagen⸗ fabrikant I, 128, 278, 321, 451; II, 446. —, Joſeph, Oberverwalter II, 4, 12. „Karl, Oberrechnungsrat III, 571. „Ludwig, Bauunternehmer IIi, 537. Reiſiiger, Komponiſt II, 121. Reitzel, 5 Hauptlehrer III, 147, 434. v. Reizenſtein, Ernſt Frh., Legations⸗ rat II, 411. „Sigmund Karl Johann Frh., Staatsminiſter I, 62, 123, 128, 130131,135 146, 149, 151, 155 161, 167, 316, 342, 4423 II, 5¹1, 62, 63, 74, 134, 235.4 Reményi, Eduard, Violinvirtuos III, 95. Renck, Ludwig, Präſident des Ver⸗ waltungsgerichtshofes III, 150, 300, 483, 498, 658. — — —— v. Renz, Geh. Rat III, 352. —, Heinrich Ludwig, Generalmajor u. Kommandeur der Gendarmerie II, 224; III, 510. Rettig, Friedrich, Geh. Rat u. Re⸗ gierungsdirektor III, 3. Reubke, Muſiker III, 95. Reuß, Luiſe, geb. Belce, Opernſängerin III, 846. —, Otto, Zeitungsverleger aus Kon⸗ ſtanz III, 776, 778, 835. —, ſ. Fürſtenberg. Reuther, Fabrikant I. 50. „Guſtav, Reallehrer III, 795. „Heinrich, Hofmuſikus 1540 431, 455. „Karl Friedrich, Lehrer⸗ III/ 433. Ludwig, Hauptlehrer II, 425; III, 186, 434. Reutlinger, E. M., Armenſtiftung von III, 353. J., Möbelhändler I, 481. Moritz, Kaufmann II, 137; 676. —, Salomon, Kaufmann J, 283. Weäcff, Rurt Heinrich, Gerichtsnotar 1 Rezniceck, Rönpbhif III, 848. Rheinau, Eugen, Oberſtleutnant III, 587. v. Rhena, Friedr. Maximilian Alexander Graf, Sohn des Prinzen Karl von Baden III, 492. —, Roſalie Gräfin, geb. v. Beuſt, Gemahlin des Prinzen Karl von Baden III, 193, 492. v. Wöhirin, ruſſ. Geſandter I, 219, Wog Auguſt, Reviſor II, 169, 216, III 79 Enſ, Maler u. Galleriedirektor III, 455, 632, 842. —, Heinrich Johann, Profeſſor III, 785. —, Jakob, Hoftanzmeiſter J, 286, 518. Richter, Baumeiſter III, 352. —, preuß. Geh. Rat III, 618. „Eugen, Politiker III, 592. —, Franz Joſef, Landtagsabgeordneter II, 153, 189, 260. de Rieglés, Privatlehrer II, 430. Riefſtahl, Wilhelm, Maler III, 453, 470, 655. Riegel, Dr. Emil, Apotheker III, 68, 69, 150, 252, 365. — 90 — 0—— Rieger, Heinrich, Hofſänger II, 137. —, Karl, Lehrer an der Kunſtgewerbe⸗ ſchule III, 842. Wichelm Heinrich, Redakteur Riempp, Chriſtian, Kaufmann II, 402, 403; 25 Ries, Friedrich, Oberſtadtgärtner III, 700 v. Rieſch, Graf, k. k. Feldmarſchall⸗ leutnant J, 126. Rietz, Julius, Komponiſt III, 449. Riffel, Dr. Alexander, prakt. Arzt. u. Profeſſor III, 785. Rigaud, Generalconſul III, 395. Rinck, Wilhelm Friedrich, Hof⸗ u. Stadtvikar II, 373, 417, 418. Ring, Friedrich Dominikus, Geh. Rat I, 71, 75, 180, 182, 270. —„Julie, Bibliothekarin d. Muſeums⸗ geſellſchaft I, 76. „Karl Ludwig, Geh. Referendär I5 76, 270, 341. Ritz„Mathäus, Ris, Ahee an der Gewerbeſchule III, Schauſpielerin III, Reitſchulbeſitzer III, Riſtorb Adelaide, 462. Ritter, Heinrich Ludwig, Hofmuſikus, ſpäter Miniſterialkanzliſt u. Kom⸗ poniſt I, 381; II, 89, 90; III, 445. 3905 I15445 Hofmuſikus II, 89, nih Maler III, 842. —.80.80 Heinrich, Hofmuſikus II, 89 —, Peter, Hofkapellmeiſter u. Kom⸗ poniſt I, 516; III, 848. Ritz, Nikolaus, Werkführer III, 356. Ritzhaupt, Georg, Hofkonditor III, 504. —, Hermine, Lehrerin III, 799. Roberjeot, Cl., franz. Diplomat I, 156. Robert, Antoinette, Arbeitslehrerin II, 432. —, Ludwig, Schriftſteller JI, 383, 501, 515 v. Rochau, Auguſt Ludwig, Profeſſor aus Heidelberg III, 70. Rochlitz, Franz, Direktor des Waſſer⸗ und Straßenbaues II, 106, 110. v. Poeic⸗ Diersburg, Frh., MWaler 513 „Adolf Frh. III, 40. 906 v. Röder zu Diersburg, Georg Friedrich Frh., Kammerherr u. Major J, 174. —, Philipp Frh., Generalleutnant II, 439. —, Wilhelm Frh., General der In- fanterie III, 601, 629, 630. de Rodes, Théodal Marquis, Geſandter II, 19. Rodrian, Louis, Buchdruckereibeſitzer III, 205, 446. Roffhack, Albert, Schriftſteller III, 837. Roger, 5 Hippolyth, Opernſänger III, Rogers, 116, 444, 445. v. Roggenbach, Franz Frh,, Juſtiz⸗ miniſter III, 55—57, 59, 67, 69, 90, 108. — Franz Kaver Auguſt Frh., General⸗ leutnant u. Kriegsminiſter II, 296, 311, 321, 334, 335, 338, 345; III, 12, 655. —, Konſtantin Frhr., Generalmajor u. Stadtkommandant II, 20; III, 3 —,„ Frfr., Oberſthofmeiſterin 105 324; III,23, 26. de Rohan, Louis, Kardinal u. Fürſt⸗ biſchof v. Straßburg I, 100. Rohde, Stadtpfarrer III, 824. Roman, Johann Kornel, Bürgermeiſter belg. „ „ —, Karl, Privatlehrer II, 430. —, Max, Maler III, 816, 843. —,„Viktor, Maler u. Zeichenlehrer III, 795, 843. 100 105 Graf, ruſſ. J, 98, Römer, 84819 Chriſtian, Miniſterial⸗ ſekretär U. Schriftſteller I, 341, 345, 359, 515. Römhildt, Adolf, Kaufmann u. Stadt⸗ rat III, 213, 274, 275, 365, 482, 496, 504, 571, 577, 580, 665, 8¹5. „8385(Romeo), Lokaldichter III, 38 —, Gabriel, Hofſchloſſer U, 406, 407. Römiſch, Paul, Redakteur II, 281. Ronge, Johannes, Pfarrer II, 420. v. Rönne, Baron, ruſſ. Oberſt I, 331. W Luiſe, Schauſpielerin III, v. 95555 Albrecht Graf III, 653. Geſandter Roos, Dr. Johann Chriſtian, Erz⸗ 00 v. Freiburg III, 671, 827, 828 —, Wilhelm, Stadtrat II, 405; III, 11, 83, 104, 427. Röſch, J. G., Turnlehrer III, 791. Roſe, Naturforſcher III, 35. Roſen, Julius, Dichter III, 460. Roſenberg, Hermann, Opernſänger III 846. —, Dr. Mare, Profeſſor III, 515 576, 785. Roſenfeld, Mayer, iſr. Lehrer II, 420, 426; III, 435. v.—, Frh., Sohn des M. Karl Wilhelm Eugen v. Baden-Durlach 20. Roſenfeldt, Heinrich, Kaufmann u. Speditionsgeſchäft I, 279, 479; II, 142, 383, 402, 403. —, K., Kaufmann I, 481. Roſenhain, Jakob, Klaviervirtuos J, 520; II, 454; III, 9. Roſſini, Gioachino, Komponiſt J, 386, 396, 516, 522; II, 13, 27, 12²5 451, 461. de Roſtand, Ed., III, 847. Roſtoptſchin, Feodor Graf, ruſſ. General I, 360. v. Rotberg, Hofmarſchall u. 11. franz. Schriftſteller Leopold Melchior Frh., Geh. Rat J, 10, „Tbeodor Frh., Rittmeiſter I, 411. Roth, Adolf, Kunſt⸗ u. Buchhandlung II, 437; III, 446. —, Chriſtian Wilhelm, Kohlenhändler III, 382. —, Theodor, Dekan u. II 16 9 — 437. — v. Schreckenſtein, Frh., preuß. Generalleutnant II, 323, 334, 337-339. —,Dr. Karl Heinrich Frh., Archiv⸗ direktor III, 448. Rothe, 1 54 Prof. u. Geh. Kirchen⸗ rat III, 54, 84. Rothenacker, Wirt II, 405. Rothenſee, Johann Friedrich Ludwig, Geh. Kirchenrat I, 189, 219, 261, 344, 345. Rothnmrid, Ferdinand, Profeſſor, v. Rothſchbd, Lionel Frh. II, 143. Stadtpfarrer 195, 409, 433, U ——————————— — 907— Rothweiler, Theodor, Landgerichtsrat III, 565. Rötſcher, Muſiker III, 95. Rott, Karl, Schauſpieler II, 449. v. Rotteck, Karl Wenzeslaus Rodecker II, 42, 43, 50, 187, 193; III, 651. Rottmann, Karl, Maler II, 116, 443, 445. Rouſſel, franz Oberſt J, 157. Roux, Karl, Maler III, 453. Roys, Heinrich, Kommiſſionär II, 215, 411. —, Heinrich, Schriftſteller III, 271. Rubinſtein, Anton, Klaviervirtuos II, 454; III 466. Rübner, Martin III, 815. Rückauf, Komponiſt III, 848. Ruckhaber, Guſtav Adolf, Dekan in Mannheim III, 823. Ruczek, Joſef, Hofkapellmeiſter III, 464, 496, 500, 506, 514, 577, 845. Rudersdorf, Hermine, Opernſängerin II, 450. Rudolf, Lyceumslehrer II, 192, 424. —„Joſephine, Hofſängerin III, 465. —, Philipp, Seminarlehrer III, 440. Rudolph, Adolf, Schauſpieler III, 457, 458, 463. Rüdt, Dr., aus Heidelberg III, 568. — v. Collenberg-Bödigheim, Staats⸗ miniſter II, 337. — v. Collenberg-Eberſtadt, Franz Frh., Miniſterialpräſident II, 63, 67, 72, 74, 188, 297, 388. Ruf, Georg Friedrich, Lehrer am Lyceum u. Schulrat I, 261—263, 495. Ruh, Auguſt, Fabrikant u. Stadtver⸗ ordneter III, 608, 620, 624. —, ſ. Junker. Rumänien, Eliſabeth, Königin v. III, 631. Runge, Friedrich, Inſtrumentenmacher 29 Cornel, Hofpianiſt Rupp, Auguſt, Maurermeiſter III, 6I3. —, Friedrich, Fabrikant, Gemeinderat II, 91, 226, 406; III, 83. —,„ſ. Gutſch, Harlacher. Rüppele, Spritzenmeiſter II, 137. Ruppert, Franz, Fabrikant III, 377. v. Ruppin, Graf, ſ. Preußen(Friedrich Wilhelm III.). 103 Rußland, Alexander I., Großfürſt, dann Kaiſer von I, 56, 98, 109, 174, 317, 323, 324, 326, 329, 331, 337, 359, 386, 387, 390—391, 400-411. —, Alexander II., Kaiſer von II, 26, 29, 30; II, 46, 27, 53. —,Alexandra, Prinzeſſin von Preußen, Gemahlin Kaiſers Nikolaus I. von III, 16, 17. —, Anna, Großfürſtin von II, 30. —, Eliſabeth, geb. Prinzeſſin Luiſe (Marie Auguſte) v. Baden, Ge⸗ mahlin des Kaiſers Alexanders I. Bon I, 56, 98, 109, 110, 1. 265, 329—333, 336—338, 356, 386, 387, 390, 391, 411. —, Eliſabeth, Tochter des Großfürſten Michael II, 30. —, Helene, Gemahlin des Großfürſten Michael von II, 26, 30 —, Katharina II., Kaiſerin von I, 98, 109. —, Katharina, Tochter des Groß⸗ fürſten Michael II, 30.“ —, Marie, geb. Prinzeſſin Sophie von Württemberg, Gemahlin Kaiſer Pauls I. von I, 73, 98, 411. —, Marie, Tochter des Großfürſten Michael von II, 30. —, Michael, Großfürſt, Sohn Kaiſers Paul I. I, 334, 353, 387; II, 26, 30. —, Michael(Nikolajewitſch), Großfürſt, Sohn Kaiſers Nikolaus I. III, 16, 17, 28, 485, 516. —, Michael(Michaelowitſch), Sohn des Vorigen III, 516. — ,Nikolaus I, Kaiſer von I, 334, 353, 410, 411. —, Nikolaus, Sohn des Großfürſten Michael(Nikolajewitſch) III, 485, 516. — —„Olga Feodorowna, gebor. Prinzeſſin Cäcilie von Baden, Gemahlin des Großfürſten Michael(Nikolaje⸗ witſch) von II, 15, 25; III, 16, 17, 27, 28, 485, 516, 574. —, Paul I., Kaiſer von I, 73, 98. —, ſ. Leuchtenberg. v. Ruſtige, Heinrich, Maler II, 446. Ruth, Heinrich, Badanſtaltsbeſitzer I, 525; II, 377. — 908— Rutſchmann, Guſtav Adolf, Domänen⸗ direktor u. Landtagsabgeordneter II, 41, 42, 52—56, 60, 133—134. l. 168 Opernſängerin II, 142; S. Sachini, Komponiſt I, 515. Sachs, Revolutionär II, 285. —„Portepeefähnrich III, 182. —, Hans, Dichter III, 847. —,„ Johann Chriſtian, Profeſſor u. Kirchenrat I, 64, 65, 67; III, 440. Julius, Leutnant II, 138, 256. Karl, Oberamtsrichter III, 83. Ludwig Chriſtian, Stadtpfarrer u. Kirchenrat J, 425, 493; II, 4, 24139,888 417. — Otto, Geh. Rat III, 102, 630. Wilhelm, Hauptmann I5 527. iſche Stadtapotheke II, 392. S10515 Anna Leopoldine, Königin „Friedrich, Prinz von I, 353. „Johann, König von Ili, 110. „Klemens, Prinz v. I, 353.1 „4. Spanien. Altenburg, Amalie, Gemahlin des Herzogs Joſeph II, 26, 30. —, 9670 Erbprinz), Herzog von II, —— EEEE — Aöbhih⸗Blh Alexandrine, Prin⸗ zeſſin von Baden. Gemahlin des Herzogs Ernſt II. I, 391, 392; II, 14, 16—20, 27, 351, 392, 424; III, 12, 21, 32, 100. „Ernſt(I.), Herzog II, 18. „Ernſt(II.), Herzog II, 17—19, 27, 351, 383 III, 10, 12, 32, 72, 110. — Meiningen(Bernhard), Erbprinz 51 Erbprinzeſſin III, 917¼. — Teſchen, Albert Herzog, von I, 114. — Weimar, Bernhard, Herzog von II, 127, 128. —, Hermann, Prinz II, 26; III, 516, 612. —, Ida, Gemahlin des Herzogs Bern⸗ hard von II, 127, 128. —, Karl Alexander, Erbgroßherzog von II, 26. —, Karl Auguſt, Großherzog I, 62, 72, 353, 360, 380, 391, 394, 408. Sachſen-Weimar,(Karl Friedr.), Groß⸗ herzog, u.(Marie Paulowna), Großherzogin II, 26. —, Konſtantin, Prinz von I, 72. —, Luiſe, Prinzeſſin von Heſſen-Darm⸗ ſtadt, Gemahlin des Großherzogs Karl Auguſt von I, 72, 380. —, Wilhelm, Prinz von II, 26. Säger, Seminarlehrer III, 789. St. André III, 250. —,„ſ. a. Gayling. v. St. Ange, Jean Nicolas de Lorne, Hauptmann I, 126. 8 —, Joſeph de Lorne, Hauptmann I, 211, 399. St. Genié, franz. 154, 164 St. Georges, ſ. Gerhäuſer. v. St. Julien, Heinrich, Kriegs⸗ 465 I, 493; II, 431, 55. Sales, Pierre, franz. Schildkourier I, 165. Salieri, v. Sallwürk, Ernſt, 785, 815, 838. v. 5 50 Konſtantin Fürſt 295 v. Salvini, Joſef, Kaufmann I, 479, 507, 512, 513. Salzer III, 823. —, Albert, Kaufmann III, 336, 408. —, Karl Friedrich, Staatschemiker J, 264, 478. v. San⸗Carlos, Herzog, ſpaniſcher Diplomat I, 360. Sand, Ludwig, Student I, 395, 397. v. Sandberg, Moritz Wilhelm, Oberſt I, 142, 170. Sandrne Dr. Fridolin, Profeſſor III, 262, 263, 423, 451. Landtagsabgeordneter Emigrant I, 153, Antonio, Komponiſt I, 516. Oberſchulrat III, „Nikolaus, Profeſſor u. Kirchenrat 15 65, 263, 309, 495, 498. Veszter, ungar. Tänzer II, 52. v. Sarachaga⸗Uria, Georg, ſpaniſcher Edelmann II, 71. Sauer, Wilhelm, Bildhauer III, 843. Sa155 0 Johann, Oberbaurat II, 58 I, 280 „Richard, Kaufmann III, 572, 600. Sauerbronn, ſ. Drais. 99 Sautier, Hermann, neter I, 422. v. Savigny, Karl Friedrich, preuß. Geſandter II, 33, 324. 745 Kosmas, Profe ſſor III, 423, Landtagsabgeord⸗ Scandalibene, Regiſſeur I, 29. Scarlatti, Alexandro, ital. Komponiſt II, 455.4 Schaaff, Friedrich Theodor, Regierungs⸗ direktor und Landtagsabgeordneter II, 42, 77, 154, 189, 297, 332; III, 49, 67. Soafffhfe Hermann, Anthropolog Schaal, Sprachlehrer II, 430. Schäfer, Gaſtwirt III, 215. —„Dr. Dietrich, Profeſſor III, 630. — f0 Profeſſor und Oberbaurat III, 67²5 785, 831. —„Konr., Hauptlehrer III, 436. „Rudolf, Maler III, 843. v. v. Schäffer, Konrad Rudolf, General⸗ leutnant I, 313, 350, 356; II, 414; III, 257. —, Ludwig, Hauptmann II, 173, 175, 246, 253, 264. — u. Walker, Bild⸗Gießer III, 6I3. Schaier, Auguſt, Landtagsabgeordneter III, 616, 628, 629, 635. Schak, Komponiſt I, 87. v. Schall, Frh., k.. 155, Miniſter I, 186, 193. abie Marie, Echonppielerin III, 846. Scharpf, J., Kommiſſionär II, 411, 412. Schätzle, Goldſtickerin III, 29. Schäufelein, Hans, Maler I, 511. 8196 Agnes, Opernſängerin II, 449, Scher Auguſt, Seifenſieder II, 219. —, Karl, Gemeinderat II, 98. Scheffauer, Bildhauer und Profeſſor I, 183, 184, 242. Scheffel, Joſephine II, 394—-396; III, 23, 39, 106, 447. —, Philipp Jakob, Major u. Ober⸗ baurat III, 158. v.—, Joſeph Viktor III, 106, 447, 468, 489, 505, 550, 552, 581, 654, 835, 836. —, Viktor III, 581. Scheidemantel, Karl, III, 849. Opernſänger Schell, Martin, Domkapitular III, 50. —, Dr. Wilhelm, Profeſſor III, 423, 785. Schellenbauer, Frau III, 39. Schellenberg, Gottlob Georg Wilhelm, Generalmajor III, 510. —, Otto Emil, Stadtpfarrer in Mann⸗ heim III, 194, 823. —, Dr. Reinhard, Geh. Kirchenrat III, 409, 480, 572, 573, 823. —, Rudolf III, 823. Schenk, 0 III, 82³ —, Johann, Komponiſt I, 87, 515. —, Dr. Ludwig, Medizinalrat II, 374 III, 100, 127, 182, 250, 492. —,Marie, Malerin III, 455, 506. —, Eduard, Dramatiker II, 449. Schenkel, Dr. Daniel, Profeſſor und Kirchenrat III, 45, 135. „Dr. Karl, Miniſterialdirektor III, 594, 785. v. Schenkendorf, Max, Dichter u. Frau, geb. Dietrich(verwitwete Barkley) I, 500, 501. Scherb, franz. General I, 140. Jakob, Lehrer III, 425. „Karl, Gemeinderat III, 11, 52. Karl, Buchhändler III. 835. —„Sebaſtian, Oberlehrer II, 426,431. Schert, Johannes, Schriftſteller III, 651. Oberkirchenrat Scherzer, ſ. Lange. Scheve, Dr., Phrenolog II, 440. Schey, Johann Baptiſt, Landtagsab⸗ geordneter II, 241. 1 Emil, Reallehrer III, 797. 9988 Maler u. Profeſſor III, 453, Schifer, Dr. Sinai, Rabbiner III, 416, 833, 834. Schiller, Hermann, Profeſſor III, 425. v.—, Friedrich I, 282, 284, 285, 502, 506, 514, 519; III, 8, 42 43, 179, 449, 451, 460, 654, 847. Schilling, Komponiſt III, 848. —, Schauſpieler III, 465. — v. Cannſtatt, Frh., J, 276. —,„ Frh., Sberſtwachtmeiſter 1335 „Wilhelm Friedrich Frh., Staats⸗ rat I, 30. v. Schimmelpennink oon der Oye, Ale⸗ xander Frh., niederl. Geſandter⸗ 1, 416; II, 32. — 910— Schindelmeiſter, Kapellmeiſter III, 9. Schindler, Muſiklehrer II, 431. Schirmer, Johann Wilhelm, Kunſt⸗ ſchuldirektor III, 17, 23, 41, 86, 452, 453, 665. —„Wilhelm, altkath. Pfarrer III, 830. Schirr, Gebrüder, Balletmeiſter II, 451. Schlatter, Pfarrer zu Mühlbach II, 283, 285. Schlebach, Stadtrat III, 587, 628, 630. Schlecht, Friedrich, Leutnant U5 134. Schlegel, D., Bildhauer III, 29. v.—, Friedrich I. 502. Schleich, Maler II, 446. Schleicher, Karoline, Virtuoſin I, 520 Schleiermacher, Dr. Auguſt, Profeſſor III, 785. Schlenkerer, Jakob, Bügermeiſter von Klein⸗ Karlsruhe 1, 302. Schleſinger, Maler 11, 116. Schleswig-Holſtein Auguſtenburg, Friedrich, Herzog III, 81, 82, 87, 107, 108. —⸗ Gottorp, Albertine Friederike, Prinzeſſin von Baden—Durlach, Gemahlin des Folgenden II, 17,18. 80 Auguſt, Herzog II, 18. —, ſ. a. Baden⸗-Durlach. Scklektwein, Johann Auguſt, Kammer⸗ u. Polizeirat I, 76 v. Schlichting, Sigismund, preußiſcher General III, 606, 607. v. Schlick, Architekt II, 138. Schliemann, Heinrich III, 546. Shloffes Peter, Revolutionär II, 263, 290- 293. Schloſſer, Cornelia, geb. Goethe I, 72. , Johann Georn, Oberamtmann I5 62, 71, Schlöſſer, Joleßh Opernſänger III, 21. v. preußiſcher Oberſt III, Slorde A.,Armenſtiftung von III, 353. Schlüter, Hermann, Architekt III, 668. v. Schmädel, Architekt in München III, 674, 675. Schmalkalder, Samſon, Quartiermeiſter 4 Schmaäus, Johann Jakob, Staatsrat J, 30. v. Schmerling, Anton Ritter, 3 miniſter II, 207. Schmezer, Redakteur II, 436. Schmick, Oberingenieur III, 739, 740. Schmid, J. B., Kameralaſſiſtent II, 129. —, Max, e III, 801. — ⸗Reutte, Ludwig, Maler III. 842. Schreiner I, 343. Lehrerin III, 799. —,„ Adele, Privatlehrerin III, 441. Albert, III, 440, 789. Albin, Oberlehrer III, 830. Anen, Oberlandes gerichtsrat III, 508 —, Auguſt, Lyceumslehrer II, 423. —, Emil, Inſtallateur III, 267. —, Emilie, Privatlehrerin III, 441. —,5, Erich Litterarhiſtoriker J, 75. —, Franz, Kutſcher J, 492; II, 107. —, Frans, Schuhmachermeiſter III, 622. —„Franz, Schüler III, 477. —„Friedrich Chriſtof, kurheſſiſcher Hauptmann II, 36. —„Friedrich Wilhelm, Militärober— pfarrer, dann Prälat III, 409, 531, 532, 823, 824. —, Fritz, Profeſſor III, 785. Heinrich, Oberſt III, 639. Heinrich, Rektor III, 803. Heinrich, Bierbrauer III, 753. Johann, Hofuhrenmacher II, 8. Karl, Sattler I, 399. Karl, Armenrat III, 590. A., Armenſtiftung von III, 352. —,„Dr. Karl Adolf, Prof. u. Ho III, 109. —,Lorenz Hofmuſiker III, 445. „Ludwig Friedrich, Hofprediger I, 132, 161. —„Frau II, 324. v. Schmidtburg'ſche 352, 436. Schmieder, Buchhändler J, 271, 272. —„Wirt J, 485. —, Auguſt, Bankier III, 676. „Guſtav, Kaufmann u. Gemeinde⸗ rat II, 80, 81, 92, 106, 387, 406. „Karl, Fabrikant III, 143, 250, 252.* —„Frau, geb. Kreglinger J, 370, 371. frat Stiftungen III, — u. Fueßlin, Handlung von I. 279 481. — u. Mayer, Eiſenbahnwagenfabrik von II, 85, 140, 111, 113, 165, 409; III, 281, 376, 381, 756, 760, 762, 770. „9 Schmitt, Maler u. 498; II, 116. —,Anton, Müller II, 199. H., Poſaunenvirtuos I, 522. Jakob, Architekt III, 671, 826. —, Max, ſ. Schmid. —„Nathanael, Maler III, 843. Schmittbauer II, 382. Handzeichner JI, — Joſeph Aloys, Kapellmeiſter I, 73, 86, 87, 205, 220. —, Louis, Abbé I, 493, 518. Schmitthenner, Adolf, Stadtpfarrer in Heidelberg III, 599. Schnorr, Otto, Hauptlehrer III, 434, 438. — von Carolsfeld, Ludwig, Opern⸗ ſänger III, 459. —, Mathilde, geb. Garrigues III, 459. Schöber, Max, Buchhändler III, 835. Schöchlin, Dr. Karl Friedrich III, 20, 43, 183, 184. Scholer, Buchdrucker II, 225, 437. Scholl, Eduard, Hofbuchbinder III. 506. —,„Johann, Polizeikommiſſär II, 365. —„Karl, cand. theol. II, 122. v. Schmitz, Iſenader, Profeſſor III,786. —, Thereſe, Lehrerin III, 799. — rollenburg, Edmund Frh., hohen⸗ zolleriſcher Geſandter I, 227. Schmiz, Chirurg u. Leichenſchauer 1, 464. Schnabel, Heinrich, Kaufmann III, 104, 325 288 v. Schönau II, 277. 125, 250. Schneemann, Anna, Schulvorſteherin III, 442, 817. Schneider, Reſtaurateur I, 524. —,Heinrich, Schauſpieler III, 458, 529. —, Karl Auguſt, Geh. Kommerzien⸗ rat IIT, 150, 160—162, 212, 213, 220, 221, 300, 362, 394, 523, 524, 532, 535, 538, 542, 554, 555, 607, 608, 620, 636, 724, 754, 755. —„Louis, Schriftſteller II, 307. —„ Dr. Ludwig, Rechtsanwalt 622, 630. —„Ludwig III, 789. —, Richard, Geh.-Rat III, 631, 632. —„Thereſe, Opernſängerin III, 465, 846. v. Schnellenbühel, bayr. Regierungs⸗ direktor II, 106. Schnetzler, Karl, Oberbürgermeiſter II, 357; III, 292, 311, 479, 480, 483,, 484, 499, 506, 517, 528, 529, 538, 545, 548, 559, 564, 572, 576, 578, 580—582, 584, 586, 589, 593—598, 600, 601, 605—608, 612-614, 618, 619, 623,626, 631,634,635,637—639, 644, 659, 683, 684, 708, 723, 724, 726, 773, 783, 793, 802, 803. Schnitzler, Schriftſteller III, 847. U II, Adam, Seminarlehrer 7 —, Karl Benjamin Friedrich, Direktor der Amortiſationskaſſe II, 60, 68, 76, 122, 132, 216, 255, 386—388, 412, 458; III, 140. —,Dr. Roland, Profeſſor III, 785. Scholz, Wenzel, Schauſpieler II, 449. Schön, Mathias, Spernregiſſeur III, 845. — Wehr, Rudolf Frh., Oberjäger⸗ meiſter III, 513. Schönberger, Schauſpielerin I, 282. Schönfeld, Karl, Schauſpieler II, 449, 451, 458, 465. —, Luiſe, Schauſpielerin III, 458, 465. Schönherr, Anna, Lehrerin III, 801. Schönleber, Guſtav, Maler III, 842. Schönlein, Johann Lukas, Mediziner II, 35. Schönwald, Katharine, Händlerin 1,482. Schöpflin, Johann Daniel, Profeſſor J, 53, 67, 75. Schorb, Müller III, 689. Schorle, Wendelin II, 370. Schorn, Miniſterialrat III, 352. Schortmann, ſ. Seldeneck. Schramm, Schauſpielerin III, 849. —, Rudolf, Revolutionär II, 274. Schrank, A., Kunſtfeuerwerker II, 3503 III‚ 2NN Schreiber, Alois Wilhelm, Profeſſor I, 336, 378, 415, 506. —, Guido, Profeſſor II, 159, 162, 178, 422, 427. —, Frl. II, 455. Schrempp, Karl, Bierbrauer III, 752. Schrickel, Adolf, Oberamtmann u. Landtagsabgeordneter II, 63—65. —„Eliſe, Lehrerin III, 810. —, Dr. Friedrich, Leibarzt u. Geh. Hofrat II, 351, 373; 111, 24, 32, 99, 155. 912 Schrickel, Dr. Friedrich Andreas, Leibarzt u. Geh. Rat I, 288, 305, 440, 482, 483, 525. „Karl Veiß Polizeiinſpektor J, 319, 482—48 —„ſ. Sümler Schröder, 955 Ernſt, Profeſſor III, 855 —, Sophie, Schauſpielerin II, 449. — ⸗Devrient, Wilhelmine, Schau⸗ ſpielerin I, 517; II, 45. Schrödter, Adolf, Maler u. Profeſſor III, 423, 453, 454, 470, 583, 584. —, Alwine, Malerin III, 454, 470, 506, 583 Schröter, J. J., Turnlehrer III, 791. —, Wilhelm, Maler III, 843. Schubart, Chriſtian Daniel, Dichter „65, 285. Schübel⸗ Meyſenheim, Cornelia, Opern⸗ ſängerin III, 846. Schuberg, Georg, Bierbrauer III, 368. —, Karl, Profeſſor u. Oberforſtrat III, 423, 531, 566, 594, 632, 785. —, Dr. Wilhelm, Medizinalrat III, 548. — Schubert, Franz, Komponiſt III, 461, 655, 847, 848. Schück, Hermann, Stadtbaumeiſter III, 233, 394, 555, 688, 690, 696, 741. Schuh, Franz, Bühnenleiter I, 83. 80 Auguſt, Profeſſor III, Sboihnen Theodor, Lithograph II, 430, 437, 439. Schulte, Alois, Archivrat III, 840. Schultz, Johann Chriſtian, Bürger⸗ meiſter I, 48, 105. „Wilhelm, Buchbinder III, 22. Schuc Georg, Oberſtleutnant III, —, Ictob, Faktor III, 356. „Julius, Maler II, 443. Schühß, Dr. Julius, Litterat III,157, —„Delizſch, Hermann III, 292. Philipp, Waiſfenvater II, „Wilhelm, Ratſchreiber III, 633. „Wilhelm, Reallehrer III, 795. Schumann, Abgeordneter IIIñ, 592. „Klara, Virtuoſin III, 466. Schumann, Robert, Komponiſt III, 8, 461, 655 „Wilhelm, Mechaniker III, 356. Schumm, M. II, 179. Schuufhetz Jofeus, Hofrat II, 462; 41² „ſ. a. Lorenz. Schunke, Kammermuſiker I, 284, 520. 8105 Dr. Friedrich, Profeſſor III, 785 Schurth, Ernſt, Maler III, 842. Schüſſele, Wilhelm, Stadtrat III, 524, 555, 580. Schuſter, Komponiſt I, 87. —, A., Maler II, 431. 8 Franziska, Tanzlehrerin II, 432. L. Fr., Muſikalienhändler III, 835. Schiß Heinrich, Hofſchauſpieler + 407; 38, 122, 128, 461. S0007550 Erfinder I 110. Schuwalow, Gräfin J, 169. Schwab, Stadtverrechner II, 195. —, Leopold, Hofmuſikus III, 95. Schwanthaler, Ludwig, Bildhauer II, 126, 128, 447. Schwartz, Anton, Generalmajor II, 185, 206, 247, 255. —, Heinrich, Baumeiſter I, 12. Schwarz, Adolf, Oberleutnant II, 137, 138. —, Dr. Adolf, Rabbiner III, 420, 831, 832. —, Benedikt, Hauptlehrer III, 840. „Bianca, Opernſängerin III, 465. —, 845 5 Opernſängerin IIi, 465, —, 5f05 Geſchäftsführerin II, 391. v. Schwarzenberg, Karl 13600 Fürſt, 95 05 Feldmarſchall I, 323, 334, S5 Walter, Präſident d. Verwaltungshofs III, 415, 429, 443, 524. Schweden, Amalie, Tochter Guſtavs IV. I, 407; II, 13, 15, 27. „Eugen, Prinz III, 516. —, Friederike, Prinzeſ ſin v. Baden, Gemahlin König Guſtavs IV. von J, 56, 109, 150, 174, 182—186, 188, 2²7ñ 243, 329, 332, 337, 342, 390, 405, 406; II, 12, 28. —„Guſtav IV., König(Oberſt Guſtav⸗ ſohn) I. 56, 150, 182—186, 188, 22775 II,14 — 913— Schweden, Guſtav Adolf, König III, 592, 593. — Guſtav Adolf, Prinz, Herzog v. Schonen III, 529, 626. —,Karl, Prinz v. III, 516. —, Oskar II., König III, 514, 518, 520, 626. —, Oskar, Prinz v. III, 516. —, Oskar Guſtav Adolf, Kronprinz von III, 441, 442, 514, 516—521, 541, 591, 626. —,„ Sophie, Gemahlin des Königs Oskar II. III, 516. —„Viktoria, Prinzeſſin v. Baden, Gemahlin des Kronprinzen Oskar Guſtav Adolf III, 66, 180, 190, 432, 441, 499, 501, 514, 516—521, 526, 527, 529, 541, 591, 605, 626, 638, 670. —,„ſ. Baden, Oldenburg, Waſa. Schweickardt, Friedrich(ſtatt Schwei⸗ gert), Garteninſpektor J, 183. Schweickert, Martin, Seminarlehrer III, 440, 789. Schweickhard, Chriſtian Ludwig, Medi⸗ zinalrat I, 81, 115, 249, 268, 291, 497. —, Emil, Architekt III, 665. Schweig, Photograph II, 447. —„Bernhard, Kaufmann u. Gemeinde⸗ rat II, 92, 96, 167, 341, 403; III, 11, 77, 118, 163, 292, 380. —, Dr. Guſtav, Arzt u. Geh. Rat III, 577. Schweigert, ſ. Schweickardt. Schweinfurt, Maler II, 444. Schweinfurth, Hutmacher II, 407. Schweitzelberger, Hofkapellmeiſter J, 29. —, Anna Barbara, Sängerin I, 29. Schweizer III, 250. —, 15 bayeriſche Hofſängerin I, 20. Schwerd III, 35. Schwind, Marmorier u. Wirt I, 163, 286, 365. —, Moritz, Hofmaler II, 21, 442, 446; III, 23, 653. Scmnd, Maurermeiſter J, 343; III, „Luni, Stadtrat III, 524, 566, 571, 594. —, Louis, Generalſekretär III, 202, 883, 539, 542, 555, 593, 608, 628, 632. 516 5 85 Hyaeintho, Muſikdirektor I, Scribe, Auguſtin Eugene, 160400 Bühnen⸗ dichter II, 452; III, 460 155 Marie, Schauſpielerin III, 52. Seeber, Ludwig Auguſt, Profeſſor II, 423. Seeger, Chriſtian, Wirt J, 340, 524. — ,„Frau, Wirtin I, 284. Seeligmann, Albert, Medizinalrat III, 632, 832. Segard, Karl, Wirt J, 381. Segiſſer, Klavierlehrerin III, 445. —„ Wilhelm u. Ferdinand, Hofmuſiker III,95. Sehring, Karl, Hofopernſänger J, 517. —, Wilhelm, Dichter III, 640. v. Seiboltsdorff, Graf, bayr. Geſandter I, 295, 299, 379. —, bayr. Major I, 337. Seippel, ſ. Wanderer. Seith, Karl, Profeſſor III, 795. v. Seldeneck, Kriegsſchüler II, 254. —,„Frfr. III, 39. —, Chriſtiane Schortmann, Frfr. v. Seldeneck, Gemahlin des Prinzen Ludwig von Baden⸗Durlach I, 57. —, Wilhelm Frh., Oberſtallmeiſter III, 19. Seligmann, David, Kaufmann I, 279. —, J., Kaufmann IJ, 481. Seitentic, Philipp/ Reallehrer III, Sembach, Johannes, Wirt u. Bürger⸗ meiſter I, 26. v. Spnteribti, preußiſcher Major II, 309 Senoble, Fechtmeiſter I, 286. v. Sensburg, Joſeph Frh., Stadt⸗ u Polizeirektor I, 430, 431, 452. —, Karl Philipp Frh., Staatsrat J, 268, 354, 442. Serger, ör Bezirksbauinſpektor III, 228, 452 —, Friedrich, Oberlandesgerichtsprä⸗ ſident III, 583. Serr, Maler II, 443. 51 Maria, Violinvirtuoſin II, 454 Seſſi, Thereſa, Sängerin I, 520. Seubert, Dr. Karl, Profeſſor. 1375 423, 423; III, 262, 423. —, Dr. Karl Auguſt, Medieinalrat 5 431, 497. 58 Seubert, Karl Friedrich, Geh. Rat 1, 63. —, Dr. Max, Medizinalrat II, 374, 377; III, 86. —, Dr. Moritz Auguſt, Profeſſor II, 422, 423; III, 423, 650, 784, 785. —„Wilhelm, Gemeinderat III, 163, 177, 296, 338, 343, 482, 504, 523. —,Frau II, 324; III, 39. Seutter v. Lötzen, Karl, Hauptmann II, 20. —, Theodor Auguſt, Hauptmann u. Adjutant I, 223. Sexauer, Georg, Oberbaurat III, 367. —, Gebrüder, Kaufhaus III, 677. Seyb, Adolf, Schüler III, 530. Seddergann, Karl, Schauſpieler II, 49 Seyfried, Friedrich, Bierbrauer II, 475; III, 248, 752. v.—, Ignaz Kaver, Komponiſt I, 516. —, 18815 Oberſchulratsdirektor III, 12 Seyfriz, Kapellmeiſter u. Komponiſt 95 Seyler, G. L., Mechaniker II, 58. Shakespeare, William I, 515; II, 449; III, 8, 37, 460, 839, 847. Sheef 8.33 5 engliſcher Geſandter II, Sheridan, Richard Brinsley, Schrift⸗ ſteller J, 87, 515. Sickinger, Andreas, Hauptlehrer III, 434, 803 Sickler, Karl, Hofmechaniker III, 22, 331, 521, 745. Siebenpfeiffer, Karl, Fabrikant III, 22, 377. Siebert, Frl. I, 520. v. Siebold, Naturforſcher III, 35. Siedler, Bierbrauer II, 404. Siefert, Xaver, Profeſſor u. Oberforſtrat III, 785, 830. Siegel, Karl, Geh. Oberregierungsrat u. Landeskommiſſär III, 687, 688. v. Siegenfeld, Frh, k. k. Major I. 150. Siegle, Badanſtaltsbeſitzer II, 377. 0 Friedrich, Luftſchiffer I, 287, Siegriſt, Karl, Bürgermeiſter III, 580, 586, 593, 607, 613, 684, 773, 803. v. Siemens, Werner III, 653. Sievert I, 527. —, Auguſt Wilhelm, Hofgärtner I, 30. 914 Sievert, Friedrich, Generalkaſſier u. Landtagsabgeordneter J, 373, 377, 394, 398, 400, 419. —„Joachim, Hofgärtner I, 13, 30. —, Karl, Rechnungsrat u. Fabrikant I, 278, 482. Sigel, Franz, Revolutionär II, 183, 269, 271, 274, 275, 281, 284. Sigl, Karl Eduard, u. Katharina, Vir⸗ tuoſen I, 520, 521. Singer, Friedrich, Bierbrauer III, 752. Sinner, G. u. Co., Bierbrauerei II, 407; III, 566, 761, 768, 776. Skarjatin, Graf u. Gräfin, geb. Fürſtin Gallitzin II, 31. Slevogt, Adolf, Hoftheatermaler III,. 462. —,H. III, 506. 8 Friedrich, Komponiſt III, 848. v. Soden, Friedrich Julius Heinrich Graf, Schriftſteller I. 514. Sohneke, Dr. Leonhard, Profeſſor III, 423, 784. v. Soiron, Alexander, Landtagsabge⸗ ordneter II, 77, 153, 163, 189, 190. zu Solms⸗Baruth, Graf III, 617. Sommariva, Diego, Sänger I, 520. Sommerlatt, Feldjäger I, 307. Sommerſchu, Dr. Karl, Phyſikus II, 376. v. Sonnenthal, Adolf, Schauſpieler III, 849. Sonntag II, 439. —,Friedrich, Gaswerksbeſitzer II, 127, 415; III, 268. —, Guſtav Friedrich, Kirchenrat J, 413, 415. —,„Henriette u. Sofie, Privatſchule von II, 429; III, 441. —, Karoline Auguſte III, 353, 653. Sontheim, Heinrich, Opernſänger II, 89, 450, 455; III, 462. Sophokles III, 460, 787, 847. 3— Agnes, Schauſpielerin III, Soult, Nicolas Jean de Dien, franz⸗ Marſchall I, 192. Souveſtre, Emil, Dichter III, 460. Sowinsky, Pianiſt II, 454. Spath, Oskar, Profeſſor III, 786. Spanien, Don Carlos, Thronpräten⸗ dent II, 69. —„Ferdinand, Prinz II, 102. — 915— ——5 Johann, Prinz von II, 102. „Karl, Prinz von II, 102. „Marie Joſepha, Prinzeſſin von Sachſen, Gemahlin König Ferdi⸗ nands VII. von I, 394. —,ſ. Bonaparte. Spät, Magdalene II, 373. Specht, Adolf, Profeſſor III, 797. —, Guſtav, Stadtſchulrat III, 803, 811. —, Mathilde, Lehrerin III, 798, 810, 817 —, Man, Reallehrer III, 797, 801. Speigler, Karl, Hofopernſänger III, 465, 567, 568, 846. Spemann, Dr. Wilhelm, Stadtrat III, 150, 357, 482, 508, 514, 539, 545, 582, 583, 585, 793. Spengler, Stadtpfarrer in Ettlingen III, 599 Speyer, Kanzliſt II, 233. Speyerer, Jakob Wilhelm, Landtags⸗ abgeordneter II, 78, 144, 330. Spies, Louis, Profeſſor III, 809. Spieß, Ernſt, Orcheſterdirektor III, 578, 846. 799, Spindler, Kapellmeiſter I, 87, 281. Shitz. 5 Karl Philipp, Profe ſſor IJ, 423. Sbeneh Karl, Maler II, 446. Spohn, Georg, Geh. Rat III, 409, 528, 823 —, Karl Ludwig, Muſikdirektor II, 209, 432, 456; III, 405, 581, 651. —, Wilhelm, Inſtrumentenmacher II, 454. Spohr, Ludwig, Komponiſt I, 516, 521; II, 453; III, 460. v. Sponeck, Graf, Leutnant I, 134. Spontini, Gaſparo, Komponiſt I, 298, 380, 516; II, 28, 451; III, 33, 67, 199, 461. Spreng, Johann Nepomuk, Stadtrat und Gaswerksbeſitzer II, 92, 97, 318, 406, 408, 414, 415; III, 61, 63—65, 268, 272, 413, 589. Sprenger, Saiteninſtrumentenmacher II, 407 v. Stabel, Dr. Anton, Staatsminiſter II, 296, 332; III, 47, 55, 67, 120, 133, 141, 468, 655. Stadelmann, Konrad Dietrich, Staats⸗ rat J, 30. Stahl, 51 II, 349. v.—, Dr. Georg Anton, Biſchof von⸗ Würzburg III, 84. Standthartner, ſ. Mottl. v. Staray, Graf, k. k. General I, 121, 147, 148. Stark, Friedrich, Profeſſor III, 797. „Dr. Karl Bernhard, Profeſſor in Heidelberg III, 451. Staudigl, Giſela, geb. Koppmayer, Opernſängerin III, 846. —, Joſeph, Opernſänger II, III, 465, 489, 846. Stay, Revolutionär II, 283. Stecher, Gefangenwärterin II, 308. Stefan, Auguſt, Bierbrauer III, 752. Stehle, Sophie, Opernſängerin III, 462. Steibelt, Komponiſt I„ 87 Steigenteſch, Schriftſteller I, 514. Steiger, Johann, Reallehrer III, 789. —, Louis, Bankier II, 415. Stein III, 823. —„Friedrich, Zahlmeiſter II, 412. —, Johann Friedrich, Hofprediger v.—, württemberg. Generalleutnant — 450; Frh, 18—5 gothaiſcher Diplo⸗ mat II, 18. vom—, Heinrich Friedrich Karl Frh., preuß. Staatsmann III, 58. Steinbach, Ludwig, Hofmaler und Zeichenlehrer II, 116, 423, 445, 446; III, 425, 506. v. Steinbeis, Ferdinand, Direktor III, 64. Steiner, Dr. Adolf, II, 374. Steinhardt, Reallehrer III, 795. Steinhauer, Konrad, Profeſſor III, 705, 797. Steinhäuſer, Karl, Bildhauer III, 140, 453, 510. Karl Auguſt, Phyſiker III, 35. Steinmetz, Revolutionär II, 283. württemb. Regimentsarzt Steinmüller, Wilhelmine, gebor. Schrickel, Kammerſängerin II, 450; III, 467. Steinwachs, Bankier 1 Stemme, Hofmuſiker I, 519. Stempf, Karl, Kaufmann II, 167, 174, 278, 396, 397, 403; III, 68, 83, 104, 438, 439, 801.“ 58* Stengel, Lehrer II, 428. —, Dr. Adolf, Profeſſor III, 272, 423, 424. v.—, Franz Frh., Staatsrat II, 177, 230, 235, 261, 262, 267, 297, 412, 413; IIIT, 39, 47, 183, 385, 387. Stephan III, 92. —, ohnkutſcher I, 491. —, Emilie, Malerin III, 843. 100 Franz, Oberkirchenrat III, 4 Stern, Wilhelm, Seminardirektor I, 493, 495; II, 192, 383, 417, 418; III, 213, 214, 440. Sternberg, Hermann, Profeſſor u. Oberbaurat III, 299, 423, 548, 650, 658, 784, 785. v.—, ſ. Ungern. v. Stetten, Eberhard Frh., Viceoberſt⸗ kammerherr I, 126, 152, 174, 207, 229; II, 44, 380. —, Ludwig Frh. II, 167. Steude, Moritz, Schüler III, 530. Steurer, Franz, Profeſſor III, 795. —, Louis, Kaufmann II, 162. Stiebel, Lotteriekollekteur I, 486. Philipp Friedrich, Profeſſor 429, 462. Stigelli, Sänger II, 454. Stilling, ſ. Jung. Stimm, Ludwig, Baurat III, 285. 0 Hermann, Profeſſor III, 786 Stocker, Wilhelm, Profeſſor III, 795. Stockhauſen, Julius, Opernſänger III, 462 Stockhorner v. Starein, Emil Frh., Landgerichtsrat u. Landtagsabge⸗ ordneter III, 568, 598, 609, 616, 622, 628, 629. —, Joſeph Frh., Geh. Regierungsrat I, 493, 513; II, 169, 395, 433; III, 40, 58, 489, 490. — — —,„ Joſeph Ernſt Frh., Oberſt I, 160, 206, 207. —, Karl Frh., Generalleutnant I, 85, 211, 222, 301, 309—312, 335, 348, 451, 491, 501, 513; II, 35, 36. zu Stolberg, Chriſtian u. Friedrich Leopold, Grafen I, 72. Stolz, Karl Friedrich, Pfarrer III, 430, 431. — II, 348, 417, 422, 425, — 916— v. Stolze, Frau Generalin I, 371. Stolzenberg, Benno, Opernſänger III, 110, 449, 459. Stöſſer, Gottfried, Hofgerichtsdirektor u. Landtagsabgeordneter II, 75, 76, 145, 149, 155, 160, 189, 327 329. v.—, Dr. Franz Ludwig, Miniſterial⸗ präſident III, 487, 495, 497, 508, 512, 522, 550, 823. —, Guſtav, Verwaltungshofpräſident III, 161, 162, 546, 565, 566, 581. —, Dr. Karl, Senatspräſident III, 550, 819, 822, 823. —, Karl Auguſt Friedrich, Stadt⸗ direktor I, 425, 431; II, 54—57, 63, 68, 76, 77, 93, 99, 120, 191, 243, 245, 247, 257, 313, 359, 413) III, 3, 83, 84, 135, 222, 385, 406, 408, 654. Stöveſandt, Möbelfabrik III, 136, 761. Strack, Dr. Otto, Profeſſor III, 786. v. Stralenheim, Karl Friedrich Frh., hannover. Geſandter II, 19. Straßberger, Richard, Maler III, 843. Stratthaus, Lehrer I, 497. Straub, Hermann, Lithograph II, 198. —, Roderich, Miniſterialrat u. Abge⸗ ordneter III, 629. — — —, Sebaſtian, Landtagsabgeordneter⸗ II, 189. Strauß, David Friedrich, Theolog I, 75 5 Heinrich, Hofmuſikus II, 455. Ida, Lehrerin III, 443, 816. Johann, Komponiſt II, 453, 457. Joſeph, Hofkapellmeiſter J, 407, 517, 520; II, 121—122, 128, EK — 2 2 140, 381, 450, 453; III, 20, 127, 457. Richard, Komponiſt III, 848. 903 III, 458, 465 Strebel, Stadtrat III, 644. Strekalow, ruſſ. Senator I, 109. Streule, Karoline, geb. Drechsler III, 352. Strieder, Wilhelm, Stadtbaumeiſter III, 577, 601, 603, 660, 662, 664, 666, 706. Stritt, Marie, geb. Bacon, Schau⸗ ſpielerin III, 846. —, Richard, Notar III, 483. Sophie, Hofſchauſpielerin II, 89, Wiüt 84 e eeeee iieeeeeeeeeeeeee eene e ae e Ströbe, Friedrich, 409, 562, 823. Stromeyer, Helene, Malerin III, 843 Strott, Kupferſtecher I, 270. Strube, Dr. Otto, Generalarzt III, 617. Struve, Guſtav, Revolutionär II, 162, 207, 208, 229, 244, 245, 268, 270, 274-281. v.—, ruſſ. Geſandter I, 416. Stüber, Jakob, Stadtrat und Land⸗ tagsabgeordneter II, 341, 403, 406, 407; III, 11, 30, 46, 47, 49, 57, 69, 77, 104, 125, 163, 370, 379, 484. —, Ludwig, Domänendirektor 145, 510. eh9t reformierter Prediger I, Oberkirchenrat III, III, 5 Ortenberg, Georg, Induſtrieller II, 385, 421. Stumpf, Shlguf Heinrich, Pfarrkurat III, 826. S SuuneN Hartmann, Komponiſt J, v. Stürmer, Frh. I, 855 Stürz, Arbeiter III, 357 Stütz, Heinrich, Kürſchner III, 205. Sudermann, Hermann, Schriftſteller III Sudraka⸗Pohl. Schriftſteller III, 847. Sulzer, Arzt J, 30. Süpfle, Karl Friedrich, Profeſſor u. Hofrat II, 423. —, Dr. Robert, Rechtsanwalt III, 785. Süß, Vogt I, 478 Süßmayer, Franz Xaver, Komponiſt I, 87, 515. Sutter, Handelsmann II, 400. —, G. F., Miſſionar II, 419, 441. Sütterlin, Auguſt, Reallehrer III, 809. —, C. Friedrich, Lehrer II, 425. Sürvilliers, ſ. Bonaparte. v. 8405 Alexander Miniſterialrat III, hg, Hiſtoriker III, 651. v. v. Sydow, X T. B., Rezitator J, 284. Sznaide, Revolutionär U 288, 289. Szuhanny, Ferdinand, Direktor III, 355, 356. T. Täglichsbeck, Komponiſt II, 451. Taglioni, Ballettänzerfamilie J, 517. 9 de Talleyrand⸗Prigord, Auguſte, franz. Geſandter I, 219. Tartarinow, ruſſ. Oberſtleutnant I, 334. v. Tautphoeus, Johann Nepomuk Frh., bayeriſcher Geſandter J, 416; Tawlor, ſ. Towler. Taylor, Brook, engl. Geſandter I, 384. v. Teck, Graf, ſ. Württemberg. Tenner, Dr. Adolf, Geh. Hofrat u. Leibarzt III, 442, 563. —, Eduard, Maler III, 453, 843. de 1.90 5 Chevalier, franz. Diplomat 9 Teſcher, Hoftheaterdirektor aus Darm⸗ ſtadt III, 9. Teuffel, Sigmund Jakob, Leibarzt u. Geh. Rat, I, 263, 268, 399, 483, 497, 506. —„Frau Geh. Rat III, 39. — v. Birkenſee, Karl Frh., Amtsrichter III92 Textor, Arzt I, 30. Thalberg, Sigismund, Klaviervirtuoſe II, 454. Thalmann, Gumpel, Rabbiner III, 420. Thau, Ignaz, Sänger J, 86. v. Theobald, Joſeph, Generalmajor III, 74, 75. Theodor, Schauſpieler III, 458. de Thiard, Auxonne Thöéodoſe, Kammerherr I, 191. Thibaut, Wirt in Ettlingen II, 200. —, ſ. Bismarck. Wiezen Revolutionär II, 271, 273, franz. 89100 G1510 Maſchinenmeiſter am Theater III, 846. Thielcken, Dr., aus Darmſtadt III, 64. v. Thiele, preuß. Generalleutnant II, 36. Thierry, Architekt II, 427—429. Thiers, Louis Adolf, franzöſiſcher Staatsmaun II, 31, 64. Thilo II, 439. Thoma, Dr. Albrecht, Profeſſor III, 593, 599, 789, 819, 840. —, 841 Galleriedirektor III, 842, Thomann, Joſef, Maler III, 843. Thomas, Ambroiſe, franz. Komponiſt III, 848. S51 Wilheimine, Schauſpielerin III, Thuille L., Komponiſt III, 626, 848. v. Thumb⸗Neuburg, Otto Frh., württem. Geſchäftsträger III, 10. Thüringen, Eliſabeth, Landgräfin II, 396. v. Thurn u. Taxis, Karl Alexander, Fürſt I, 209. Tichatſcheck, Joſeph Alois, Opernſänger III, 462 Tieck, Ludwig, Schriftſteller II, 440; III, 460. Tiedemann, Guſtav Nicolaus, Revo⸗ lutionär II, 274, 279. Tiſchbein, Joh. Friedr. Auguſt, Maler 513 Tiſſot/ Franz Heinrich, Legationsrat 1,174, Titl, Komponiſt II, 447. Tittel, Gottlieb Auguſt, Gymnaſiums⸗ direktor u. Geh. Kirchenrat J, 64, 65, 214, 267; III, 352. Toegel, Dr. II, 441. —,„Dampfſchiffahrtsdirektor III, 400. de Tolly, Michel Barklay, Fürſt, ruſſ. General I, 301. v. Tolſtoi, Graf J, 324. se Marie, Opernſängerin III, Topp, Alide, Klaviervirtuoſin III, 95. Towler, John, Privatlehrer II, 430. —,(ſtatt Tawler), Sohn des Vorigen II, 459. v. Trautmannsdorff, Graf, öſterreich. Geſandter I, 349, 355, 384. Trautz, Theodor(ſtatt Frantz), Ober⸗ kirchenrat III, 559, 823. Travers, Theodor Johann, nieder⸗ ländiſcher Geſandter II, 52. Trefurt, Chriſtof Franz, Staatsrat „55, 65, 66, 73—75, 147, 154, 235, 332; III, 44, 65. —, Wilhelm, Miniſterialrat III, 423, 448, 785. v. 15 Heinrich, Hiſtoriker III, 01. Treitel, Dr. Leopold, Rabbiner III, 790, 832 Trenkle, Johann Baptiſt, Regiſtrator III, 448, 577. Treutlein, Joſeph Peter, Direktor III, 425, 786, 794, 795. Trier, Fanny, Privatſchulvorſteherin III, 790. —, Lehrinſtitut III, 816. Trißler, Beſitzer des Stephanienbades 1, — 918— Tritſcheler, Ernſt, Reallehrer III, 438, 797. Troeltſch, Dr. Walter Friedrich Julius, Profeſſor III, 785. Tröſch, Vinzenz, Hauptlehrer III, 434. Tronillet, Wiener Schauſpielergeſell—⸗ ſchaft II, 452. Trouslard u. Bieg, III, 835. Trück, Volksſchullehrer II, 426. —, Karl Leopold, Profeſſor III, 797. Trütſchler, Revolutionär II, 266, 267. v. Tſchaikowsky, Peter Iljitſch, Kom⸗ poniſt III, 848. v. Tſchudy, Johann Frh., Hoftheater⸗ intendant II, 448. Tulla, Johann Gottfried, Oberſt und Waſſer⸗ und Straßenbaudirektor I. 263, 269, 270, 276, 439, 479, 480; II, 106, 421; III, 650. Turban, Dr. Ludwig Karl Friedrich, Staatsminiſter III, 102, 128, I4I, 160, 195, 202, 428, 429, 437, 477, 479, 486, 487, 508, 512, 517, 520, 522, 526, 527, 529, 534, 540, 548, 550, 558, 563, 570, 574, 580, 581, 586, 587, 624. v. Türkheim zu Altdorf, Hans Frh., bad. Geſandter in Berlin III, 112, —, Johann Frh., Staatsminiſter I, 228, 234; II, 13, 39, 62. Türkei, Sultan I, 218. Tuttine, Johann Baptiſt, Maler III, 439, 542, 567, 801. Tyrahn, Georg, Maler III, 816, 843. Tzſchirner, Revolutionär II, 274. u. Uckermann, Kunſthändler J, 510. Uetz, Ferdinand, Balletmeiſter II, 451. —,„Franz, Hofſänger III, 8. Kunſthandlung. v. Uexküll, Friedrich Emicho Frh., Staatsrat I, 30. — Gyllenband, Frh., württemberg. Geſandter I, 202. v. Ugarte-Meldemann, Joſeph Graf, öſterreichiſcher Geſandter II, 32. Uhland, Ludwig III, 85, 460, 654. Ulbrecht, Hofkapellmeiſter I, 86. Ullmann, Dr. Karl, Prälat III, 20, 22, 105, 106, 346, 405, 409. —,Dr. Karl, Verwaltungsgerichtsrat⸗ III, 488. Ullrich, Bierbrauer II, 404. ieeeeee e0 Siii1 0 Umrath, Chriſt., I, 431 —g919 Ulrich, Reichstagsabgeordneter III, 6I5. Ulrici, Theodor, Buchhändler III. 446. Stadtamtsaſſeſſor 431 v. Ungern⸗Sternberg, Amalie Frfrl., Hofdame III, 26. Auguſt Frh., Geh. Legationsrat III, 83, 444, 603, 815. Urſpruch, Anton, Komponiſt III, 848. V. Valentiner, Dr. Karl Wilhelm, Pro⸗ feſſor III, 785. Vandamme, Dominique Joſeph, Graf von Hüneburg, franz. Marſchall I, 154, 314. v. Varnbühler, k. k. Oberſt J, 334. Varnhagen v. Enſe, Karl Auguſt, preuß. Geſchäftsträger J, 361, 379, 383, 392, 394, 416, 501, 502, 521. — Rahel I, 501, 502, 521. Varnier, Roman, Lehrer II, 429; III, 423. Vater, Gemeinderat III, 482. —, Karl, Sprach- und Handelslehrer III, 801. de Vecchi, Opernſänger J, 520. Veit, Dorothea I, 502. Veith, Kunſthandlung II, 437; III, 835. Velten, Johann, Kunſthandlung I, 410, 414, 415, 493, 507, 510, 511, 523) II, 436, 437; III, 835. —,„Joh, Seidenbandfabrikant II, 406. —, Karl, Maler III, 455. Venedey, Martin, Landtagsabgeord⸗ neter III, 608, 620. v. Venningen, Joſephine Freiin I, 164. 3 53 3 Komponiſt II, 325, Verdin engl. Miſſionar II, 430. v. Verger, Ferdinand Frh., bayeriſcher Geſandter II, 32. Verhas, Jan, belg. Landſchaftsmaler J, 446. Vetter, Johann, Regiſtrator III, 448. Viardot⸗Gareia, Pauline, Opernſängerin III, 448, 462. v. Vicari, Hermann, Erzbiſchof von Freiburg II, J, 13, 373, 419; III, 4, 84. Victor,. Belluno. Vidacovich, Feuerwerker III, 491. Vierordt, Kaufmann II, 399, 408, 410. —, Auguſt, Hofkammerrat 55 291. Vierordt, Eduard, Geh. Oberfinanz⸗ rat III, 639. —, Ernſt Jakob, 1„„ —, Heinrich, Finanzdirektor u. Geh. Rat I, 279, 370 III, 436. —, Heinrich, Bankier u. Stadtrat I, 512; II, 91, 98; III, II, 96, 292. —, Heinrich, Oberſtleutnant u. Stadt⸗ rat III, 293, 482, 580, 583. —,„ Heinrich, Schriftſteller III, 531, 583, 836, 840. —5 Karl Friedrich, Gymnaſiumsdirek⸗ tar u. Hofrat I, 495, 498; II, 423, 439; III, 43, 98, 424, 448. —, Frau Finanzdirektor 5 328. „Frau Kaufmann II, 305, 324. Wiäienus, Henri, Violinvirtuoſe II, 15 Geheimkämmerer 6955 Hermine, Schriftſtellerin III, 837 Vinäccatt Pietro, ital. Muſikdirektor 520. v. Vincenti, Auguſt, bad. General⸗ major I, 223, 224. Vincke, Gisbert, Schriftſteller III, 847. Virchow, Rudolf, Mediziner IIi, 35, 546, 655. Viſcher, Auguſt, Hofmaler u. Profeſſor III, 423, 455, 625, 785, 823, 842. da Vittoria, Ludovico, ital. Komponift II, 455. Vochatzer, Joſef, Militärbaukontrolleur u. Stadtbaumeiſter III, 316, 413. 414. Vogel, Kaufmann I, 140. — u. Frau V.,„Schauſpieler aus Straßburg J, —,„Arzt in 9155 III. 587. —„Friedrich, Geh. Rat II, 76. —,„ Jakob, Buchdruckereibeſitzer und Gemeinderat II, 166, 167, 174, 218, 219, 224, 226, 246, 332, 4375 III, 68, 83, 84, 427. — Wilhelm, Hoſſchauſpieler u. Büh⸗ nenleiter I, 85, 87, 185, 226, 281. —, Milhelm, Regiſſeur III, 457. —,ſ. Malſch. Vogelmann, Vollrath, Staatsrat II, 63, 412; III, 48, 120, 155, 196, 385, 387. Vogler, Georg Joſeph, Abt u. Komponiſt I, 73, 285, 286. Vogt, Adam, Reallehrer III, 809. — 920— Voit, Ludwig, Feuerwehrkommandant III, 363, 620. Volange, franz. Bühnenleiter I, 282, 283. Volk, Revolutionär II, 283. Volkmann, Robert, Komponiſt III, 95. v.—, Hans, Maler III, 843. Vollweider, Jakob, Kunſtſchulinſpektor III, 452, 453. de Voltaire, Frangois Marie Arouet J, 73, 74. Volz III, 250. —, Dr. Adolf, Arzt u. Geh. Hofrat II, 252, 375, 439; III, 451, 553. —, Hermann, Bildhauer u. Profeſſor III, 538, 532, 581, 601, 634, 667, 673, 842. —, Johann Chriſtof, 291, 373. —, Dr. Robert Wilhelm, Obermedi⸗ zinalrat u. Stadtrat III, 35, 150, 157, 163, 290, 293, 328, 343,ů 349, 427, 482, 483, 528. —, Theodor, Amtmann I, 30. —„Theodor Friedrich, Kirchenrat J, 212, 214, 263. —„Wilhelm, Maler III, 843. —, Wilhelm Ludwig, Feldprobſt und Archidiakonus J, 252, 260. —, Wilhelm Ludwig, Profeſſor und Hofrat I, 496, 498; II, 120, 428. Vonhauſen, Wilhelm, Profeſſor III, 23, 785 Staatsrat I, Vorholz, Chriſtof, Bäckermeiſter und Volksdichter 1I, 68, 76, 122, 162, 427, 439, 444; III, 436, 653. Vosberg, Heinrich, Maler III, 455. Voß, Hans, Sohn des Folgenden 1, 81. —,„ Joh. Heinrich, Dichter I, 81, 82. v. Vrintz⸗Berberich, Frh., fürſtl. thurn⸗ u. taxis'ſcher Geh. Rat I. 209. W. Waag, Dr. Albert, Oberſchulrat III, Vabel, Henrtete, Hofſängerin III, 85, Wrh Theodor, Opernſänger III, v. Wächter, württemb. Geſandter JI, Wacer, Georg Michael, Profeſſor III, —, f Schuhmacher III, 161. Wacker, Theodor, Landtagsabgeordneter III, 628. Wagenbauer, Maler J, 513. Wagner, Säckler I, 140. —, Hofbeſitzer I. 438. —, Bäcker J, 476. —, Oberzugmeiſter der Bütgerwehr II, 252. —, Hausbeſitzer II, 425. Maler II, 443, 445. Dr., Arzt aus Mühlburg III, 160. Ad., Schreinermeiſter II, 226. Chriſtian, Wirt I, 288, 289, 487. Dr. Ernſt, Geh. Rat III, 127, 128, 296, 442, 530, 546, 841. —„Johanna, Opernſängerin III, 462. —„Joſef, Dampfbootbeſitzer III, 399. —, Karl, Steindrucker I, 276, 415, 508, 510; II, 383, 407. —, Karl, Kaufmann III, 840. —, Ludwig, Herdfabrikant III, 381. —, Richard, Komponiſt III, 7, 8, 41, 460, 461, 466, 467, 545, 550, 581, 631, 640, 655, 847, 848. —, 8 Komponiſt III, 626, —„òTheodor, Expeditor III, 357. —„ Wilhelm, Stadtrat J, 431, 472; II, 96; III, 352. Wagram, ſ. Neuchätel. Waizenegger, Anton, Major II, 205. Walchner, Polytechniker II, 137. —, Alfred, Dichter II, 434. —„Dr. Friedrich Auguſt, Bergrat u. Landtagsabgeordneter J, 482; II, 8, 52, 54, 60, 68, 374, 422, 441, 462; III, 58. Waldeck, Hugo, Schauſpieler III, 846. Waldeck, Chriſtian Prinz von, k. k. Feldmarſchalleutnant J, 114. —, Fürſt(Georg Victor), Fürſtin (Helene) u. Prinzeſſin Helene v. III, 516. v. Walderſee, Alfred Graf, preuß. Generaloberſt III, 613. Waldeyer, Wilhelm, Anatom III, 546. v. Waldkirch, Graf, bayeriſcher Ge⸗ ſandter in K. II, 32. Waldow III, 95. Wales, ſ. Großbritannien. Walker, ſ. Schäffer. 3 40 Miniſterialrat III, 437, 2 Walſh, Agathe Gräfin, Oberſthof⸗ meiſterin I, 502. ———-—- 2 iiieiee — 921— Walter, Muſiker I, 284. —, Luiſe, Hofſängerin III, 465. —, Wilhelm, Regierungsbaumeiſter ITI, 667, 668, 750. —, Muſiklehrerin II, 432. v. Walther, Prof. in Bonn u. Ge⸗ heimerat IJ, 411. Waltz, Ludwig, Stadtrat III, 539, 555, 565, 571, 620, 624. Walz, Thierarzt II, 366. —, Johann Leonhard, Oberhofprediger I, 64, 70, 145, 146, 170, 177, 178, 180, 184, 205, 220, 224, 226, 232, 233, 260, 267, 297, 305, 310, 332, 357, 362, 378, 379, 382, 498. Wanderer, Richard,(Seippel), Dichter 62. Wanney, Chriſtian, Bäcker I, 476. Warth, Dr. Otto, Oberbaurat III, 260, 423, 662, 785. Waſa, Guſtav, Prinz, Sohn des Königs Guſtav IV. v. Schweden, ſpäter k. k. Feldmarſchalleutnant I, 186, 227, 342, 408, 430, 431; II, 7, 26, 27; III, 21, 27, 100. —, Luiſe, Prinzeſſin von Baden, Ge⸗ mahlin des Vorigen J, 230, 231, 296, 297, 405, 407; II, 7, 24, 26, 27. Waſſermann, Wilhelm, Schauſpieler III, 814, 846. Wattry, Hofbuchbinder I. 173; II, 82. Weber, Bildſchnitzer aus Rothenfels III, 29. — von Beiertheim III, — 2— 2 — —„Dr,, altkathol. Biſchof III, 672, 831. F., Maler II, 116, 430. Friedrich, Maurermeiſter u. Stadt⸗ rat III, 202, 298, 300, 413, 482, 504, 571, 580, 583. —, Ludwig, Leihhauskaſſier III, 316. —,ſ. Ziegler. v.—, Karl Maria, Komponiſt I, 405, 515; II, 19, 451—453; HII, 20, 460, 655, 847. v. Wechmar, Karl Auguſt Ferdinand Frh., Staatsrat u. Geh. Rat J, 243, 388, 394; II, 377. —, Rudolf Frh., Sberſt III, 147, 171. —,„Frau Geh. Rat I, 502. Weckerlin,(Rabioſus Anſelmus), Publi⸗ ziſt I, 60, 78. Weckeſſer, Dr. Albert, Profeſſor III, 797. Wedekind, Dr. Ludwig, Profeſſor III, 785. —, Opernſängerin III, 849. Weeber, Johann, Hauptlehrer II, 425, 429; III, 433. v. Weech, Dr. Friedrich, Archivdirektor u. Geh. Rat III, 448, 449, 451, 490, 687, 840. Wegner, kurheſſiſcher General III, 85. Wehrle, Iſabella, Lehrerin III, 799. Weick, Helene, Lehrerin III, 799. —,Dr. Wilderich, Profeſſor in Frei⸗ burg II, 19, 20, 61. Weidebuch, Dr., naſſauiſcher Beamter III, 64. Weidner, braunſchweig. Balletmeiſter, II, 451. —, Emilie, Ballettänzerin II, 451. Weigand, Sprachlehrer II, 429. Weigelt, Dr. L., Kuſtos III, 424. Weigl, Joſeph, Komponiſt 1, 515. Weihlöhner, ſ. Weylöhner. Weil, Ludwig, Fabrikant III, 379. —,Nathangel, Rabbiner III, 420. —„Frau III, 39. Weilbier, Heinrich, Maurermeiſter I, 449 III, 258. v. Weiler, Georg Frh., Staatsrat II, 39. Weill, Dr. Friedrich, Rechtsanwalt u. Stadtrat III, 628, 632. —, Man, Medizinalrat III, 602, 603. Weimar, Pianiſt III, 90. Weinbrenner, Zimmermeiſter I, 309, 343; III, 440. —, Adolf, Profeſſor u. Oberbaurat III, 667, 677, 785. —„Johann Jakob Friedrich, Oberbau⸗ direktor I, 81—83, 85, 183, 196, 200, 204, 212—314, 219, 224, 242, 243, 265, 269, 270, 280, 287, 310, 338—-340, 343—345, 355, 362, 378, 399, 401, 420, 429—432, 438, 447, 448, 479, 513; II, 84, 122—124, 136, 138, 355, 421; III, 244, 259, 417, 655, 674. Weiſe, Chriſtian, Lederwarenfabrikant III, 378, 383. —, Georg, Fabrikant III, 298, 300. — —, Wilhelm, Profeſſor III, 785. * Weiſer, Emma, Hofſchauſpielerin III, 46⁵ —,Karl, Hofſchauſpieler III, 465, 488. Weishaupt, Viktor, Maler III, 842. Weiß II, 240. —,„Joſefine, Balletmeiſterin II, 451. —, Leopold, Fabrikant III, 270. — u. Kölſch, Kaufhaus III, 677. v.—, Frau, gebor. von Geuſau III, 352. v. Weißenthurn, Johanna, Schrift⸗ ſtellerin I, 325, 514. Weiſſer, Karl, Maler III, 455. Weißhaar, Wirt II, 184. Weiſſinger, Kaufmann I, 140. Weixelbaum, Kammermuſikus I, 391, 51 Weizel, Gideon, Staatsrat II, 332; III, 49, 59, 63, 73, 90, 102, 207, 208. Welcker, Dr., Regimentsarzt II, 268. —, Dr. Karl Theodor, Profeſſor u. Landtagsabgeordneter II, 41, 44, 15, 74, 153, 154, 159, 163, 189, 271; 1II, 651. Wellenburg, ſ. Gulat. Wellenreiter, Franziska, Arbeitslehrerin II, 432. Weller, Maler II, 116, 445, 446. —, Ludwig, Advokat u. Landtagsab⸗ geordueter II, 189, 241, 329—331, 340. Wellington, Arthur Wellesley, Herzog v. I, 347, 410. Welſch, Frl., Virtuoſin I, 284. Weltring, Heinrich Johann, Bildhauer III, 601, 843. Weltzien, Karl, Privatmann I, 451. —, Karl, Profeſſor u. Hofrat II, 404, 422, 423; III, 41, 52, 262, 423, 451, 653. Wendling, Phil., Hauptlehrer III, 436. Wendt, Dr. Guſtav, Gymnaſiumsdirektor u. Geh. Rat III, 424, 425, 448, 528, 655, 786, 787, 838, 847. Wene Eliſabeth, Arbeitslehrerin II, 432 Wentz, Philipp Ludwig, fürſtlicher Be⸗ reiter I, 150. Wenz, Amalie I, 508. Wenzel, Komponiſt I, 515. v. Werder, Auguſt Graf, preuß. General III, 174, 178, 185—187, 190, 191, 198, 200, 205, 210, 236, 480, 506, 507, 556, 669. Werefkin, ruſſiſcher Küraſſierleutnant II, 69. Werner, Advokat, Revolutionär II, 260, 285, 290. —,Ernſt, Profeſſor III, 795. —, Zacharias, Schriftſteller III, 847. —, ſ. Langenſtein. v.—, Anton, Maler III, 455. Werrmann, Karl, Stadtrat I, 431. Wertheim, Martin, Sprachlehrer II, 341, 430. Werzinger, K., Luftſchiffer III, 9, 51. v. Weſſenberg, Ignaz Karl Heinrich Frh., Bistumsverweſer von Frei⸗ burg IJ, 380, 384; II, 44, 45, 388; III, 650. Weſt, Karl Auguſt, Schriftſteller I, 514; II, 449; III, 847. Weſtfalen, ſ. Bonaparte. Weſtfeld, Civilingenieur III, 726, 727. Wettſtein, Inſpektor III, 220. Wetzel, Theaterregiſſeur I, 85. Weyer, Bruno, Kapitänleutnant III, 630. Weygoldt, Dr. Georg Peter, Oberſchul⸗ rat u. Landtagsabgeordneter III, 565, 575, 598, 616, 629. Weyl, Dr. Guſtav, Profeſſor III, 451. Weylöhner III, 440. —, Schloſſermeiſter I, 449. —„Frau Schloſſermeiſter II, 305, 324; III, 39. v. Wiäſemskoy, Fürſt J, 109. Wichern, Johann Heinrich III, 624. Wichmann, A., Redakteur I, 504. Wichtermann, Gaſtwirt J, 499. Wickert, Dichter III, 460. Widenhorn, Marie, Privatſchulleiterin III, 44i. Widmann, Kaufmann II, 397. —, Gottlieb, Fabrikant u. Stadtrat III, 513, 523, 594. —,ſ. Dyckerhoff. Widmer, Karl, Profeſſor III, 839. v. Wied, Fürſtin III, 631. Wiedemann, aus Baſel III, 451. —, Guſtav Heinrich, Prof. u. Hofrat III, 157, 423. v. Wiederhold, württemberg. Haupt⸗ mann II, 36. Wiegand, Franz II, 462. Wieland, Bürger II, 289. —, Chriſtof Martin, Dichter I, 68, 75, 184, 330, 502. 923 Wielandt II, 45. —, Dr. Friedrich, Oberkirchenrats⸗ präſident u. Stadtrat III, 163, 224, 338, 343, 823. —, Heinrich, Kanzleirat III, 238. —„Johann Heinrich, Amtmann 1, 30. —, Karl Friedrich Rudolf, Senats⸗ präſident III, 448, 539. —, Karl Ludwig, Staatsrat J, 267. —, Karl Wilhelm, Gaſtwirt u. Stadt⸗ rat J, 325, 399, 431, 445, 524. —, Manuel, Maler III, 843. —,„Philipp, Kammerrat J, 183. —, Wilhelm Auguſt, Agent II, 410. Wiener, Dr. Chriſtian, Profeſſor u. Geh. Rat III, 423, 611, 784, 785. Wieſt, F., Muſiker II, 240, 452. Wilbrandt, Adolf, Schriftſteller III, 460, 847. Wilckens, Dr. Karl, Abgeordneter III, 609. Wild, Opernſänger II, 450. —, Dr. Karl, Profeſſor III, 797. Wildenberg, ſ. Planta. v. Wildenbruch, Ernſt, Schriftſteller III, 847. Wilhelm, Emil, Finanzrat III, 561. Wilke, Karl, Schauſpieler III, 458. Will, Karl, Konzertmeiſter II, 90, 454; III, 444, 445, 815. Willet, Robert, Hausbeſitzer III, 662. Willgerodt, elſäſſ. Waſſerbaudirektor III, 740. Williard, Kaufmann I, 481. —,„ Adolf, Baurat u. Stadtrat 1I, 423; III, 608, 623, 671, 827. —, Alois Anton, Domänenrat II, 412. Willich, Revolutionär II, 269, 288. v. 55 Wilhelm, holſtein. General 332 Willmann, Eduard, Kupferſtecher III, 453, 505. Willſtätter, iſr. Volksſchullehrer II, 426. —, Benjamin, iſr. Oberrat I, 414; II, 140, 421; III, 4, 420, 602, 832. —, Löw 1, 481. —, Handlung I, 279; II, 406. Wilſer III, 255. —, Adolf, Kaufmann u. Stadtrat III 620. v. Wimpfen, General u. württemb. Geſandter I, 295: Winkelmann, Johann Joachim, Kunſt⸗ ſchriftſteller III, 651. de Wingfield, Kapitaine II, 31. Winter, Kaufmann II, 407; III, 402. —, 11 Landeskommiſſär III, 102, —, Ludwig, Zauberkünſtler II, 452. —, Ludwig Georg, Staatsminiſter I, 373, 428, 479, 500; II, 39, 40, 43, 47, 48, 51, 59—62, 76, 193, 427; III, 14, 15, 218, 221, 436, 651. v.—, Peter, Komponiſt I, 87, 347, 515, 519, 521. Winterberg, Maler III, 816. Winterer, Otto, Landtagsabgeordneter III, 535. Winterfeld, Tiſchler III, 210. Winterhalter, Franz Kaver, Maler II, 445. Wirth, Hippolith, Generalmajor III, 505. v. Wittgenſtein, Vertreter der preußiſch⸗ rheiniſchen Dampfſchiffahrtsgeſell⸗ ſchaft II, 104, 105. —, Ludwig Adolf Peter Fürſt, ruſſ. Feldmarſchall I, 326, 331, 333. —, ſeine Gemahlin I, 333. Wittich, L. W., Fabrikdirektor I, 278. Wittmer, Heinrich Auguſt, Landtags⸗ abgeordneter III, 569. Wittner, Roſine Margarete, Privat⸗ ſchulleiterin III, 443. Witzenmann, Joh. Friedr., Orcheſter⸗ direktor III, 445. Wohnlich, Chriſtoph, Staatsrat I, 399. Wolf III, 250. —, Komponiſt I, 87. —, Kapitain II, 369. —, Albert, Hoftheatermaler III, 846. —, Andreas, Hauptlehrer III, 434. —,„Dr. Heinrich, Stadtamtschirurg II, 374, 377. —, Pius Alexander, Schauſpieler u. Schriftſteller I, 405, 515. Wolff, Dr., Prediger des jüdiſchen Tempelvereins I, 494. —, Ferdinand, Oberſt III, 65. —„Friedrich, Fabrikant III, 778. — ,„ Levi, Buchdrucker II, 437. —, Wilhelm, Maler III, 189. —, F. u. Sohn, Pafümeriefabrik III, 62, 378, 383, 560, 618, 778. Wölfle, Karl, Hauptlehrer III, 812. v. Wöllwarth, k. k. Major I, 128. —, Amalie Frfr., Oberſthofmeiſterin I391 5 — 924— v. Wöllwarth, Ludwig 0 Frh., Geh. Rat I, 159, —,„ Wilhelm Frh, Dilettor des evangel. Sberkirchenrats II, 332, III, 409. Wolter, Dr., Redakteur I, 504. Woltmann, Dr. Alfred, Profeſſor III, 423, 448, 454. —ꝗ— Franziska, Sängerin I, 86. „Michael, Hofmuſiker I, 86. Wormſer, Kaufmann J, 476; II, 408; III, 352. —, Baruch Hayum, Kaufmann III, 418, 420. Wörner, Hauptlehrer II, 426. —, Bürgermeiſter von Mühlburg II, 644. —,ĩ Sohann, Sparkaſſenverwalter III, 625. —, Ludwig, Leihhauskaſſier III, 316. „Wilhelm, Pfand- und Grundbuch⸗ ſekretär III, 619, 620. Wörter, Dr. Karl, Rechtsanwalt III, 580, 585. Wöttle, ſ. Wöttlin. Wöttlin, Karl, Sattler u. Gemeinde⸗ rat II, 3²2, 380. v. Wrangel, Friedrich Heinrich Ernſt 9005 65 5 Feldmarſchall II, 206, v. Wrede, 5 Philipp Fürſt, bayr. J, 314, 323, 334, Wicherer Guſtav Friedrich, Profeſſor I, 64, 70, 106, 495, 496. Wulff, Henry, Präſident III, 623. Wunder, Friedrich, Fabrikant III, 241. —, Georg, Stadtrat III, 504. Wunderlich, Dr. Hermann, Arzt III, 711. Wundt, Friedrich, Stadtrat III, 482, 504, 565. Wurm, Schauſpieler II, 449. v. Wurmſer, Dagobert Sigismund Graf 1, 111,113—115, 123, 125. Württemberg, Adam, Sohn des Her⸗ zogs Ludwig von I, 380. —, Alexander, Herzog von II, 26; III, 34. —, Friedrich I., König IJ, 202, 215, 360; II, 24. —,„Friedrich Prinz v, Kommandeur des 8. Bundeskorps II, 184, 186; III, 39. —, Henriette, 130 des Herzogs Ludwig von II, 6, 7, 26, 311. Württemberg, Karl I., 293 III, 574. König von II —, Karl Eugen, Herzog von I, 96. „Ludwig, Herzog von II, 6, 7. —, Ludwig Wilhelm, Herzog von I, 9. * Wilhelm J. von[I, 6, 12, 13, 29. —, Wilhelm I., König von I, 229, 348, 353, 394, 408; II, 26, 337; III, 10, —, Wilhelm, Prinz von III, 558. —, ſ. a. Baden, Bonaparte, Rußland. Würz, Nic., kathol. Kirchenvorſteher J, 344, 345. Würzburg, Ferdinand, Erzherzog von 8 Oeſterreich, Großherzog von J, 324. Würzburger, Samuel, isr. Lehrer III, 420. X. Keller, Glaſer J, 119. N. Yarmouth, Graf, engl. General I. 112. York v. Wartenberg, Hans David Ludwig Graf, preuß. Feldmar⸗ ſchall J, 308; III, 652. 3. Zachmann, Revolutionär II, 27 Zahn, Theodor, Hauptmann a. 80 Uu. Turnlehrer III, 791. v. Zähringen, Berthold Herzog III, 649. Zandt, Emil Wilhelm Theodor, Pro⸗ feſſor II, 423. —„Jakob Friedrich Theodor, Lyceums⸗ direktor u. Kirchenrat I, 65, 263, 413, 429, 495, 496; II, 423. —, Johann Joſeph, Medizinalrat „249. —, Dr. Karl Theodor, Leibarzt des Großherzogs Ludwig II. III, 32. Zangemeiſter, Diaconus I, 32. Zäringer, Julius, Oberkirchenrat III, 599, 823. de Zea Vermiden, Ritter, ſpan. Diplo⸗ mat J v. Zech, 011 Ludwig Ferdinand, Hauptmann I, 341. Zeis, Karl, Hof ſſchauſpieler 1U5 l Zell, Dr. Karl, Miniſterialrat und Profeſſor 11, 19, 57, 60, 439, 155 444. Karl, Phyſtkus in Emmen⸗ 05 II, I Pauline, Gemahlin des Königs e F............cc. 2 322 ö ˖ f „ 1 ö ö Zenger, Max, Theaterkapellmeiſter III, 464. Zengerle, Wilhelm, Seminardirektor und Hofrat III, 789. Zenn, Monſignor, Erzbiſch. v. Calce⸗ donien, päpſtl. Diplomat I, 380. Zentner, Heinrich, Kaufmann III, 746. Zeroni, Mathias, Oberſt III, 97. Zerr, Anna, Hofſängerin II, 15, 450. Zerrenner, Bürgermeiſter von Pforz⸗ heim III, 59. Zeuner, Gottlieb, Lyceumslehrer II, 424, 432; III, 444. —, Heinrich, Hofbuchbinder u. Bürger⸗ meiſter I, 507; II, 4, 80—83, 122, 380. Zeyher, Johann, Gartendirektor J, 438. v. Zichy, Geza Graf, Komponiſt III, 848. Ziegler, Anwalt II, 388. —, Auguſt, Forſtdirektor und Präſi⸗ dent des kathol. Oberſtiftungsrats II, 413, 444; III, 385. —„Friedr. Wilhelm, Bühnendichter J, 325, 354, 515. —, Guſtav, Architekt III, 676. —, Julius, Apotheker, Gemeinderat u. Landtagsabgeordneter III, 28, 77, 87, 119, 130, 131. —, Karl, Landtagsabgeordneter 1,420. —, Karl, Advokat und Gemeinderat II, 98, 99, 194, 195, 218, 259, 264, 266, 267, 273, 283, 286. —, Karl Friedrich, Sekretär I, 512. —, Klara, Schauſpielerin III, 849. —, eopold, Schriftſteller III, 838. —, W,., Reallehrer III, 799. — u. Weber, Möbelfabrik III, 671. Zimmer, Hermann, Verkehrsdirektor II, 111, 167; 1II, 105, 371, 651. Zimmermann, Komponiſt II, 122. —, aus Darmſtadt III, 451. Landesbäblsthl 8 Kariaruhe Zimmermann, Friedrich, Fabrikant III, 89, 138, 376. —, Karl, Stadtpfarrer II, 373, 417; III, 89, 346, 406, 409, 567, 824 Zinco, Konditor II, 98. Zipfel, Dienerin des Frauenvereins II, 392. Zipperer, Louis, Kaufmann III, 365. Zipperlin, Philipp, Obereinnehmer II, 412. Zittel, D. Emil, Stadtpfarrer und Kirchenrat III, 83, 84, 89, 135, 195, 409, 448, 449, 451, 488, 550, 599, 632, 819, 833, 834. —, Karl, Stadtpfarrer in Heidelberg, Landtagsabgeordneter II, 74, 77, 187, 189—191, 209, 228, 332, 437, 438; III, 45, 136. v.— Karl Alfred, Profeſſor III, 423. 449. Zoll, Franz Joſeph, Maler I, 509, 513, Zoller, ſ. Billing. Zöller, Georg, Schiffer II, 102. Zöllner, Muſikdirektor aus Kölu III, 572. — —, Heinrich, Komponiſt III, 43. —,Karl H., Orgelvirtuos I, 522. Zöpfl, Heinrich Matthias, Profeſſor u. Hofrat II, 332. Zſchokke, Heinrich, Schriftſteller I, 514; II, 449. Zuber, Joſef, Bijouteriefabrikant II, 406. Zügel, Heinrich, Maler III, 842. Zutavern, Wilhelm, Privatſchulbeſitzer 443 Zutt, Gerhard, Profeſſor III, 786. Zwerger, Bildhauer in Frankfurt II, 193. v. Zyllnhardt, Karl Frh., Miniſterial⸗ präſident J, 347, 442. —,Frfr., Vizepräſidentin des Frauen⸗ vereins II, 391, 427. 26 14072 1 031