Breitkopf& Härtels Muſikbücher Nr. 409 Textbibliothełt uſpiel⸗ NR tiven otiv. (e.-d.) engl.) ranz.) ſtürn notiv/ tiven tiven. tiven,. ꝛotiv.) tiven ven). der. tiven notlv) E. 7 ²ν 2 5 BREITKOPF LIARTEILCO= vor ner) 0 7 1215 2 8 . 7 3 5 7 * Breitkopf& Hü Irtelg 4 Allbier Erauazg-Bihliothek. Klavierauszüge von Ppern. Albeniz, d'Albert, 5 Albert, Albert, Auber,— Auber, 8 Sirene. 33 Bantock, d bie Perle von Jran. Baußnern, v., Dürer in Venedig. Beethoven, Fidelio. Bellini, Romeo und Julie.. Berlioz, Benvenuto Cellini. Berlioz, Die Einnahme von Troja Berlioz, D ie Trojaner in Karthago Boieldieu, Die weiße Dame. Cherubini, Der 11N f Cornelius, Gunlöd. 0 Curti,— Curti, Lili⸗Tſee(engliſch). Damroſch, Das Scarlet Letter). Donizetti, Lucrezia Borgia Enna, Die Erbſenprinzefſin.. Enna, Cleopatra Enna, Heiße Liebe.. 5 Enna, Das Streichholzmädel Gluck, 9 Iphigenieind Aulis(R. Wagner) Goldſchmivt, A. v. Heliantus Goldſchmidt, v., Die ſieben Tod⸗ ſunden(deutſch⸗ engl.), Goldſchmidt, v., Die ſieben Tod⸗ ſünden Granzöſiſch) Grötry, Richard Löwenherz Hofmann, O Qb. 56. Wilg, von Oranien Hofmann, Op. 75. Donna Diana. Holſtein, v., Der Erbe von Morley Holſtein, v., Der Haideſchacht. Kaun, Oliver Brown. 8 Lohſe, Der Prinz wider Willen Lorenz, 35 und Theano. Lortzing, C Czaar und Sunmermun 8 Lortzing, Undine 58 Lortzing, Waffenſchmied Lortzing, Wildſchütz. 3 Marſchner, Hans Heiling. Rn Der Vampyr. Mathien, Jung Roland. Möhul, Joſeph. Mendelsſohn, Op. 10. des N 1 5 Mendelsſohn, O des Fremde Meudelsſohn, Oy. 98. Loreley! Meyerbeer, Die Afrikanerin Meyerbeer, Die Hugenotten Meyerbeer, Prophet Meyerbeer, Robert der Mozart, Coſi fan tutte. Mozart, Coft an tutte(e6i) Mozart, Don Juan Mozart, Die Entführung Pepita Jiménez. Gernot. Ghismonda. Der Rubin. er Feenſee. Brandmal.(The 2 15 2 6— 16 6 10 10 5 10 6 12 6 5— Mozart, Die Hochzeit des Figaro Mozart, Hochzeit des—— 6 evi) Mozart, Idomeneo 255 Mozart, Il Rs Paſtore. 5 Mozart, Schauſpieldirektor 8 Mozart, Thamos, König in Agnpien Mozart, Tirus 8 Mozart, Die Zauberflöte Neubille, Tiphanig. Neuville, Die Willis 80 Nicolai, Die luſt. Weiber v. Windſor Oberleithner, v., Ghitana 2 Perfall, Raimondin Reinecke, Op. 45 Reinecke, Sp⸗ 99. Reinecke, Op. 177. Pechvögel(Achdg.) Der vierjähr. Poften König Manfred Glückskind und Roſſini, Der Barbier von S evilla. Roſſini, Die diebiſche Elter. Rofſini, Othelle Rofſini, Fenſerd 8 Rüfer, Op. 35. Merlin Schartoenka, X., Mataswintha Schubert, Die Verſchworenen(Der häusliche Srieg Schumann, Op. 81. Genoveva.. Tinel, Op⸗ 43. Godoleva. Bogl, Der Fremdling. Wagner, G Ander 9 Wagner Wagner, Wagner, Wagner, Wagner, L Waguer, Wagner, Wagner, Wagner, Wagner, Wagner, Wagner, Wagner, Wagner, Wagner, Wagner, (020 der itſch) Lohengrin EErl. Fohengrin(franzöſiſch).. Lohengrin lengliſch.deutſchz Meiſterſinger(d.⸗e.) 8 Parſifal 5152 + Rheingold(d. Rienzi(d.⸗e.) Siegfried(d.⸗e.* Tannhäuſer(d.⸗e* Triſtan und Zſolde. 40. Triſtan u. Iſolde.(Otſch.) Triſtan u. Iſolde.(Erl. A) Triſtan u. Iſolde lengliſchj Wagner, Triſtan u. Iſolde(d.4.). Wagner, Triſtanu. Fſoldelfranzöſtfch) Wagner, Triſtanu Iſoldeldtſch⸗engl.) Wagner, Triſtan u. Iſolde(ruſſ.⸗dtſch) Wagner, Die Walkilre(d.⸗e.). Wallnöfer, Eddyſtone Weber, Euryanthe Weber, Freiſchütz.. Weber, Oberon. Weber, Prezioſa 8 Weingartner, Oreſtes. 3 Teile je vellner, Op. 76. Das hölz. Schwert vellner, Op. 80. Die verſunkene Glocke.(Mit Illuſtr.) Zoellner, Op. 80. Die verſ. Glocke — — οSe· οι⏑⏑ιε⏑εe ε ε. ε eS8 οε ε αε e⏑ * 1SS818! S 12 250 3⸗ 130 n 140 16 10 8—— Siun; Ein orientaliſches Singſpiel in zwei Akten 98 6 63 von 4 5 119b.— 2 3 W. A. Mozart 16— 5 10 3— Bearbeitung von A. Rudolph 8 5 4 30 * 53 2 4— 10— 4* 10 Leipzig SS8! Druck und Verlag von Breitkopf& Härtel * ο ε ·⏑ε. 11 — Den Bühnen gegenüber Manufkript. Perſonen. Scheich Solimaun...Sprechrolle. Zaram, ſein Feldherr....... Heldentenor. Zaide, deſſen Sklavin... Sopran. fangene Spanier gefangene Spanier. Juan E Ein Borſingenrns Denbde Gefangene Spanier; Mauren und Maurinnen. Mehrere Boten. Ort: Der Palmengarten Solimans. Zeit: Mitte des 16. Jahrhunderts. Lyr. Tenor. (Bariton. Allazim, ein Palaſtbeamter Solimans Baßbuffo. 8 R . Erſter Akt. 1 Hintergrunde arbeitet eine Schar gefangener ſo iſt mehr nach dem Vordergrunde zu e zwäche ankämpft und ſie nur mit — Beim Aufgehen des Vorhangs ſtarren einige de efangenen, die in der Ar innehielten, verträumt in die Ferne.— Rechts und links vom Zuſchauer. Erſter Auftritt. Vorſinger, gefangene Spanier. Der Palmengarten Solim Juan Nr. 1. Chorſatz mit Dialog. Der Vorſinger(u den Träumenden). Brüder, froh und mutig ſein! So nur trotzt ihr den Beſchwerden! Iſt es doch der Fluch auf Erden: Jeder Menſch hat ſeine Pein. Singen laßt uns, laßt uns lachen, Wer denn kann es anders machen? Welt und Not iſt einerlei, Keiner bleibt von Plagen frei! Alle. Singen laßt uns, laßt uns lachen, Wer denn kann es anders machen? Welt und Not iſt einerlei, Keiner bleibt von Plagen frei! Dialog: Juan. Leute, muß mir denn wegen eures Zauderns das Solimänchen doch noch einmal über den Kopf kommen? Vorſinger. Was? Dir? Deſſen Kunſt er bewundert? Und dem er eine ſo beſondere Gunſt zugewendet hat, NNR 6 daß wir ſogar daran mitzehren dürfen?— Nein, Brüder! Und wenn wir auch alle beklagen, in mau— riſche Gefangenſchaft geraten zu ſein, wenn uns auch manchmal das Heimweh ſchwer bedrückt—: daß wir uns immer noch als Menſchen fühlen dürfen, daß uns manche Erleichterung und Freude zuteil wird, das ver danken wir hier unſerem treuen Landsmann Juan! Alle(durcheinander). Das iſt wahr! Vorſinger. Darum, meine ich, dürfen wir ganz zufrieden ſein und unſeren nachſichtigen Freund nicht durch Kopfhängerei betrüben! Wer kann denn ſagen, ob die Zukunft nicht doch einmal unſere geheimſten Träume erfüllen wird? Der Vorſinger Gweite Strophe). Größre Sorg' und ſchwerer Leid Wahrlich ſehen wir alltäglich; Darum iſt noch ganz erträglich, Was das Schickſal hier uns beut! Troſt und Freundſchaft bleibt uns immer Und uns bleibt der Hoffnung Schimmer: Hilfe naht einſt doch herbei Und wir werden wieder frei! Alle. Troſt und Freundſchaft bleibt uns immer Und uns bleibt der Hoffnung Schimmer: Hilfe naht einſt doch herbei Und wir werden wieder frei! Dialog: Juan chat ſich umgeblickt, dann unterdrückt). Zum Wetter,—.— ihr ſeid doch hier nicht in Abrahams Schoß, daß ihr eure Gedanken ſo keck in die Welt ſingt! Haben wir nicht einen höchſt gewiſſenloſen Streber in Solimans Palaſt? Jawohl: Allazim! Wenn dieſer Schleicher ein mal erraten würde, was euch im Innern beſchäftigt, dann wäre es mit den kleinen Annehmlichkeiten bald vorbei! ein, 'au⸗ iuch wir uns ber den irch die ime ihr wir ans ꝛin IAnn (Ein Gong ertönt. Freudige Be 9.9 Feierſtunde! Und daß ihr es gleich erfahrt: Feierſtunde für den Reſt des Tages! Gubelrufe.) Nicht ſo laut gleich! Denn es iſt kein freudiger Anlaß, der euch dieſe Erholung verſchafft! Der Zwiſt zwiſchen Soliman und dem Scheich des Nachbarreiches iſt in kriegeriſchen Streit ausgebrochen! Die Urſache iſt mir nicht bekannt, obwohl ich ſie ahne! Verhaltet euch gerade heute ruhig und bleibt ſo viel wie möglich unſichtbar!— Und nun zur Mahlzeit! Ich folge euch gleich! (Alle ab bis zuf Alonſo und Juan.) Zweiter Auftritt. Juan. Alonſo u igt und geht dann in düſtern Gedanken lat ihm leiſe und unauffällig.) Juan(plötzlich neben Alonſo, ſcheinbar ſtreng). Dich ſchon wieder ſo beiſeite ſtehlen, Alonſo? Um der Mahlzeit fern zubleiben? Es iſt der vierte Tag heute, daß du nichts mehr genoſſen haſt! Verſuche nicht zu leugnen ich ſah dich vorhin ſogar einige Male vor Schwäche ſchwanken. Wenn du eine Dummheit vorhaſt— es gibt klügere Dummheiten als den Lebensfaden immer dünner werden zu laſſen! Alonſo(turz und heftig). Habe ich jemand um Rat gefragt? Ich brauche ihn nicht! Juan. Es liegt mir fern, mich dir aufzudrängen! Du biſt kaum einen halben Monat hier und glaubſt, die Scham, in Sklaverei gefallen zu ſein, nicht ertragen zu können! Aber darum werde ich dennoch verhindern, daß du dir das Außerſte antuſt! Alonſo. So geh doch und verrate mich! Stopfe mir Brocken ein wie einem kranken Hunde! Aber du ſollſt den nur erſticken, dem du auf ſolche Weiſe das Leben erhalten willſt! NR 8 Juan. Schön— ſehr ſchön! Ich werde dich jedoch an einer Stelle verklagen, der du gehorſamen wirſt! Du ſollſt auch noch zu ganz andern Dingen gezwungen werden— warte nur! Bis dahin leb' wohl!(er geht rechts ab.) Alonſo. Zeigſt du jetzt einmal dein wahres Geſicht?— Aber es ſoll hier vorbei ſein, bis du wiederkommſt! Ich fühle ſchon das Ende dieſer Tyrannei!(Wirft ſich auf eine Raſenbank.) Dritter Auftriit. Alonſo. Nr. 2. Melodram. Alonſo. Du Niedrigkeit des Schickſals!— Mich unter Sklaven und Verräter zu ſtoßen!— Mich für eine Torheit büßen zu laſſen, die ich im Jugendübermut beging!— Weil ich mich in falſchem Ehrgeiz brüſtete, die Schlupfwinkel der Piraten ausſpähn zu können!— Dann von den wilden Geſellen überwältigt und ge— fangen!— Und hierher verkauft!— Ja, gute Eltern, was hab' ich euch angetan?— Ich habe euer Leben vergiftet wie das meine!— Doch euern Stolz ſoll nicht das Bewußtſein kränken, daß euer Sohn ſich ewiger Sklaverei gebeugt habe!— Schon ſtrebe ich dem Tod entgegen, der mich befreit!—— Und dennoch hatte ich kurze Zeit gehofft, daß das Leben mir einen neuen Weg zeigen wolle!— Ein zartes Mädchen, aus deſſen ſanften Augen Mitleid leuchtete, ſchien an meinen Leiden Anteil zu nehmen!— Schien Ver— ſtändnis für mein Schickſal zu haben!— War ſie doch gleich mir hierher verkauft!— Zaide!— Ihr vertraute ich ganz!—(er ſteht auf.) Aber auch hier nur bittere Täuſchung!— Grauſames Spiel!— Immer deutlicher erkannte ich, daß ſie mich zu meiden ſuchte! an Du zen geht ſt! ſich 9 — Und trotzdem glaubte ich an ſie!— Beſchwor ſie mit Bitten!— Flehte ſie an, ſie retten zu dürfen!— Doch ſie entfloh und ließ mich ſtehn!— Meiner Weich⸗ heit lachte ſie vielleicht!— Weg drum auch mit dir, letzte, falſche Hoffnung!—— Welch ſüße Mattigkeit? — Biſt du's endlich, ewiger Schlummer?(er ſintt ohn⸗ mächtig auf die Raſenbank hin.) Vierter Auftritt. Alonſo. Zaide kommt nach kurzer Pauſe. Zaide(tritt erregt auf. Spricht zurück.) Als Siegespreis willſt du mich haben, wenn du die Schlacht gewännſt? O, ich werde dich auch diesmal zwingen wie ſonſt!— Ja, ich haſſe dieſen Zaram! Nichts zu ſein als die Beute begehrlicher Männer, man möchte ſein Mädchentum verfluchen!— Gie entdeckt Alonſo auf der Bank.) Ein kühner Sklave, der ſich hier zum Schlafe niederzulegen wagte! (Sie geht näher und erkennt in tiefem Schreck den Schlummernden.) Wie? Alonſo?— Ich muß ihn wecken! Sie hält inne.) Aber vielleicht hat ihn ja die ſchwere, ungewohnte Arbeit niedergezwungen und er braucht die kurze Ruhe!— Gut, dann werde ich hier für ihn wachen! Darf ich ihm auch nie meine Zuneigung zeigen(weil die geringſte Vertraulichkeit uns beide ja ins Verderben ſtürzen würde), dieſes heimliche Opfer darf ich ihm bringen! Rr. 3. Arie der Zaide. Zaide. Ruhe ſanft, der in mein Leben Selig ſchöne Träume mir gebracht! Darf auch nicht mein Herz ich je dir geben, Du gabſt doch mir Troſt in meine Nacht! 2 V 10 Hätte doch, dich zu umſchweben Mein Bild, mein einfach Bild die heilig ſtarke Zaubermacht! Ruh drum ſanft, der in mein Leben Selig ſchöne Träume mir gebracht! Du warſt mir teuer, Kaum, daß ich dich ſah! Der Liebe Feuer Ach, ergriff mich da! Nun fühl' ich wilden Blutes Jagen, Und muß mich doch dem Glück verſagen; Zu deinem Heile, mein Geliebter, Denn dir ſoll Freiheit wieder blühn, Der Erde Schönheit dir wieder erglühn! Schlafe, ſchlafe, ja Ruhe ſanft, der in mein Leben Selig ſchöne Träume mir gebracht! Fünfter Auftritt. Alonſo, Zaide, Juan(raſch von rechts). Juan(mnit einem Körbchen voll Früchten). Endlich finde ich dich, Zaide?(erblickt Alonſo.) Gott ſei uns gnädig! Er iſt doch nicht ſchon tot? Zaide. Tot?— Wer?— Hier?— Alonſo? Juan(bei ihm). Und du ſahſt noch nicht, wie bleich er hier liegt? Seit vier Tagen hat er jede Nahrung verweigert! Darum ſuchte ich dich ja! Weil ich bemerkt hatte, wie er dich verehrt! Nur du hätteſt ihn beſtimmen können, von ſeinem Wahne, zu ſterben, abzuſtehen! Zaide Guan beiſeite drängend). Hinweg! Ich muß zu ihm! O ich Überängſtliche, Uberbedenkliche! Glaubte ihn zu retten, indem ich ihn von mir ſtieß!— Gaßt Alonſo an). Alonſo, Freund, Geliebter!—— Juan, er rührt ſich ja nicht mehr— er hört nicht! urke ich, iſt hier ert! wie ien, hm! ihn lonſo ihrt 11 Juan. He— Alonſo— auf! Das Glück ruft doch hier nach dir! Zaide. Soll mir auch der letzte Troſt geraubt werden? — Alonſo, hörſt du mich nicht— deine Zaide?(Si⸗ hat ihn verzweiflungsvoll gerüttelt.) Alonſo(eegt ſich.) Juan. Sahſt du's? Er regte ſich! Alonſo(in Schwäche befangenr). Wer rief den ſüßen Namen? Zaide. Ich ſelbſt doch— ich— deine Zaide! Alonſo(taumelt halb auf, ſieht ſie ſtarr an und ſinkt zurück). Juan(u Zaide). Schnell! Gib ihm von den Früchten! Ich brachte ſie für ihn!— Mich darf er ja vorläufig noch nicht erblicken! Denn ich erfreue mich leider nicht ſeines Vertrauens! Aber er ſoll ſich bald recht gründ— lich bekehren! Bringe du indes den Armen ins Leben zurück! Er geht raſch nach rechts ab.) Sechſter Auftritt. Alonſo, Zaide. Zaide. Alonſo, hörſt du mich? Hier, nimm dieſe Frucht! (Sie drängt ſie ihm über die Lippen.) Und dieſe noch!— Nein, rühre dich nicht! Du mußt dich erſt erholen! Alonſo(uichtet ſich auf). Es iſt kein Traum? Du kamſt zu mir, Zaide?(Er erhebt ſich ungeſtüm.) Zaide. Was tuft du? Soll die Schwäche dich ganz niederwerfen? Alonſo. Schwäche? O nicht der Hunger warf mich nieder — nur mein Unglück! Jetzt gibt das Glück mir Rieſen⸗ kräfte! Gegen die ganze Welt werde ich nun ſtehn! Nr. 4. Arie des Alonſo. Alonſo. Ja, nun laß das Schickſal wüten, Laß die Hölle Unheil brüten! Du haſt alles mir erhellt, Golden ſtrahlet mir die Welt! R Zaide. Zaide. Zaide. Alonſo. 12 Nicht mehr fürcht' ich den Tyrannen, Meinen Mut gabſt du zurück, Dir dank' ich das große Glück! Laß mich knien zu deinen Füßen; Laß mir dieſen Augenblick, Deine ſüße Hand zu küſſen, Denn du wandteſt mein Geſchick! Liebſte, Schönſte! Ja, nun laß das Schickſal wüten, Golden ſtrahlet mir die Welt! Nicht mehr fürcht' ich den Tyrannen, Für dich kämpf' ich, voller Mut, voll Kraft, Erlöſe uns aus ſchwerer Haft! Freude ſoll den Weg dir ſchmücken, Jubel füllen hell dein Herz, Ewge Treu ſoll dich beglücken; Heut' ſoll enden aller Schmerz! Dialog: Zaide. Haſt du denn wirklich noch ſoviel Vertrauen, mir das alles anzubieten? Alonſo. Du warſt ja lieb und gut! Denn wenn ich an meine Zweifel und meinen Kleinmut denke— ich war deiner nicht wert! Und ich, die dich in dieſe Verzweiflung hineinſtieß? Nr. 5. Duett. Kannſt, Geliebter, du vergeben, Wenn dem Herzen ich gebot? Herrlich erſt doch ſcheint das Leben, Das entriſſen ward dem Tod! Gib zurück mir Ruh und Friede, Da du liebend mir verzeihſt! nir ich ich 13 Alonſo. O Zaide, o Zaide Weiß ich noch, was Zürnen heißt? Beide. Doch nun laß vereint uns gehn Und uns beſſer ſtets verſtehn! Jubeln laß uns immerfort, Freude ſei uns ewger Hort! Juan raſch von rechts. Er hat ein Bündel in as er zur Seite niederlegt.) (Sie umarmen und küſſen ſt der§ Siebenter Auftritt. Alonſo, Zaide, Juan. Juan. Darf ich euch als erſter meine Glückwünſche zu Füßen legenꝰ?(Die beiden fahren erſchreckt auseinander.) Alonſo. Du?— Was willſt du hier? Dein Verräter⸗ werk jetzt krönen und den Lohn aus deinen Schlei⸗ chereien ziehn? Aber hier ſteht kein Schwacher mehr vor dir! Zaide. Wie ſprichſt du denn mit dem, der es ſo ehrlich mit dir meint? Der mich ſuchte, um dich zu retten? Der dieſe Früchte brachte, daß du wieder zu Kräften kommen könnteſt? Juan. Laß ihn doch nur! Ich wußte ja, wie es um ihn ſtand und trug ihm darum nichts nach! Alonſo. Bei Gott! War ich denn ſo blind und un⸗ dankbar? Nr. 6. Arie des Alonſo. Alonſo. Wackrer Freund, voll tiefer Scham Steh' ich vor dir! Darf ich dein Verzeihn erlangen, Willſt du dieſe Hand empfangen Zum Gelöbnis ewgen Dankes Zum Gelöbnis ewger Freundſchaft, Weigre nicht, die ſpät erſt kam!(Sie geben ſich die Hand.) 14 Zaide, o mein Juan, N eine Torheit muß ich ſchelten; Zaßt, o laßt mich nicht entgelten, Straft Verzweiflung nicht zu ſehr! Denn nun will ich froh vertrauen, Schließen feſt mit euch den Bund, Will 41 Schickſals Güte bauen, Weiß Gefühl und Herz geſund! 0 o mein Juan, Laß das mich vollbringen, Alles wag' ich jetzt zu zwingen Zu Zaidens reinem Heil! Wackrer Freund, drum nicht, Sfer bin ich jetzt dein!(Steut ſich mit Zaide vor Juan hin.) Sieh hier ſtehen, die 15 liebe, Laß für ſie mit ſtarkem Sinn Binien uns zur Freiheit hin! — 08 8 5 Dialog: Juan. Als ob in dieſer Gegend hier die Freiheit ſo billig zu kaufen wäre! Wenn hier nicht einer ſchon ſo lange daran gedacht hätte, ſie zu„ſtehlen“, dann könnteſt du ein paar Jährchen vergeblich nach ihr um⸗ herblicken!— So wiſſe denn, daß heute die beſte Gelegenheit iſt, eine Flucht ins Werk zu ſetzen! Alonſo. Glaubſt du das wirklich? Juan. Dir in deiner geſuchten Vereinſamung iſt natürlich alles entgangen, was hier um dich geſchah! Du weißt wohl noch nicht einmal, daß ſich zwei mächtige Herren um das Glück ſtreiten, das dir inzwiſchen in den Schoß fiel!— Zaide, willſt du uns nicht Aufn geben über dieſe Feindſchaft zwiſchen Soliman und Juſſuf, unſerm wilden Nachbarfürſten? ſo on nun m⸗ ſte ich ißt en oß en uf, 15 Zaide. All das Alte ſoll ich wieder auffriſchen?— Nun gut, einmal muß es ja Alonſo doch erfahren!— Ich ſtamme aus Spanien wie ihr, aus Algeciras, wo ſich das Meer ſo herrlich breitet! Ich liebte das Meer leidenſchaftlich und wagte trotz dem Verbot der Eltern manchen heimlichen Spaziergang am Strande. Eines Tages aber ſtieß in meiner Nähe ein Boot mit fremden Männern ans Land. Ehe ich fliehen, ja ehe ich nur einen Hilferuf ausſtoßen konnte, ward ich umringt und fortgeſchleppt. In einer mauriſchen Hafenſtadt ſtellten ſie mich zum Verkauf und es war mir in meinem Jammer eine bittere Genugtuung, daß ein heißer Handel um mich entbrannte. Alle aber wurden über⸗ boten durch den alten, begehrlichen Scheich Juſſuf und den leidenſchaftlichen Zaram, den Feldherrn Solimans. Schon ſchien Juſſuf die Oberhand behalten zu ſollen, da ſprang Soliman mit Geld und Überredung für Zaram, dem er für große Siege Dank ſchuldete, ein. Mit fürchterlichen Drohungen verließ der wohl auch mit Willen gedemütigte alte Juſſuf den Markt. Nun iſt er plötzlich und überraſchend in dies Land eingebrochen und ſteht gar nicht weit von hier entfernt. Zaram will die Schlacht noch heute gewinnen und dann meinem Weigern ein Ende bereiten, damit er den Preis wirk⸗ lich erränge, um den er gekämpft habe!— Alonſo, vor dieſem Schrecklichſten mußt du mich bewahren und wär's nicht anders, als daß du mich mit dir ſterben läßt! Juan. Vorerſt wollen wir es aber doch noch mit unſerm bischen Leben verſuchen! Denn, Kinder, ich habe ja alles ſchon von langer Hand zur Flucht vorbereitet! Bisher hatte es mir nur an Gelegenheit gefehlt, um von Soliman ohne Abſchiedsküßchen zu ſcheiden! Heute aber iſt ſie da! Die nahe Schlacht lenkt alle Blicke von uns ab! Wir können alſo(ach links zeigend) dort hinüber lautlos ins Leere verſchwinden! Denn euch N 16 beide wenigſtens will ich retten, wenn ich leider 19 all unſre andern Landsleute im Stiche laſſen muß! Aber hört weiter! Über muſelmänniſche Kleider—ſogar über ein weibliches— verfüge ich auch!(Er hebt das Bündel auf.) Hier ſind ſie, und ich werde ſie ſogleich(wvieder nach links deutend) dort im Gebüſch verbergen, wo wir uns ſpä⸗ ter ungeſehn umkleiden können!— Von dir jedoch, Zaide, muß ich vorher unbedingt noch eine wichtige Unternehmung fordern! Zaide. Kann ich ſie erfüllen? Juan. Es wird dir leider nichts anderes übrig bleiben! — Du mußt Zaram, noch ehe er ins Feld geht, 8 zu wiegen ſuchen! Zaide. Unmöglich! Daß er mich wieder bedrängt? Und daß er nur erſt recht aufmerkſam wird? Alonſo. Zaide hat recht! Ich bin ebenſowenig dafür! Juan. Ich muß jedoch an dieſer Bedingung feſthalten! Denn fürchteſt du nicht, daß dich Zaram unter heim liche Aufſicht ſtellen könnte? Und wäre es dann mit unſerer Rettung nicht vorbei? Du wirſt ihm alſo ein wenig Hoffnung machen; das wird ihn mit Freude erfüllen! Zaide. Du weißt nicht, was du von mir begehrſt! Juan. Ich weiß, daß du deine Sache überaus geſchickt machen wirſt!— In einer halben Stunde treffen wir uns hier wieder und dann ſoll einer drei ehrlich flie henden Mauren noch etwas anhaben wollen! Nr. 7. Arie des Juan. Juan(das Bündel öffnend). Nur mutig, ihr Freunde, Dann lacht uns das Glück Und nimmer hierher Sehnt ihr euch zurück! (Hält ein Kleid an Zaide:) m tit in ckt ir ie⸗ 17 Die reizenden Farben Sieh, wie ſie Zaide Leuchtend ſchmücken und lieblich! Ich ſelbſt bin ſtolz, ihr Führer zu ſein! Held Zaram würd' ſtaunen, Würd' glühend entflammen, Könnt' er ſie ſo ſehen, So reizend und hold, Und durch brauſenden Krieg Er eilte vor Wonne Zu Kampf und Sieg! Nur mutig, ihr Freunde, Dann lacht euch das Glück Und nimmer hierher Sehnt ihr euch zurück! Hält an Alonſo ein Gewand) Nun prange Alonſo Im Zauber des mauriſchen Gewandes, Ei, Zaide, ſieh: Ein edler, echter Muſelmann! (Schließt das Bündel wieder) Drum darfſt du nicht zagen, Durch tapferes Wagen Schlägt oftmals der Schwache Den Starken zurück! eutet Alonſo und Zaide nach dem Hintergrunde zu abzugehen. eilt nach links ab.) (Er bed Er ſelbſt Achter Auftritt. Allazim kommt von rechts hervorgeſchlichen. Allazim. Euch ſoll ja——! Was geht hier vor? Fragſt du noch, Allazim? Gehen dieſe Sklavenhunde je auf etwas anderes aus, als uns zu betrügen?— Es ſoll euch aber nicht gelingen! Ich werde herausbringen, was ihr vorhabt!— Nun, Soliman und Zaram, ihr ſollt nicht länger verkennen, wer ich bin! Jetzt werde ich 3 R 18 meinen geraden, ſchönen Weg machen!— Wem ich nur folge von dieſen Dreien, damit ich bald klarſehe? Sagt man nicht, wo das Weib die Füße regt, da ſei auch die Schlange? Gut, mein Pärchen, ſo werde ich dir folgen! Und was du mich ſehen läßt, das ſoll Zaram gleich zu hören bekommen!(er geht Zaide und Alonſo nach.) 0 Neunter Auftritt. Soliman und Zaram raſch von rechts. Soliman. Nein, Zaram! Kein Säumen mehr! Es iſt entſchieden, daß wir auch diesmal gegen Juſſuf zuſam⸗ menſtehn und Zaide dir verbleibt! Wir haben ihm ja damals freilich ein wenig übel mitgeſpielt und hätten vielleicht unterlaſſen ſollen, ihn zu reizen,— aber trotz dem, zu ſolchem Vorgehn war er nicht berechtigt! Darum muß dieſer wilde, übelnehmeriſche Alte heute vernichtend geſchlagen werden! Es darf auch keinen ewigen Krieg um dies niedliche Lärvchen Zaide geben, ſonſt wäre der Preis zu hoch! Eher muß das Mädchen fort aus dieſem Land! Dies iſt meine einzige Vorſchrift, die dich im Kampfe leiten ſoll! Du führſt den rechten Flügel und die Mitte, ich werde Juſſuff mit dem linken Flügel zu umfaſſen ſuchen! Das Heer ſteht bereit! Folge bald! Und ſo denn: Auf einen ehrenvollen Sieg!(er geht rechts ab.) Zaram(üür ſich. Mir Zaide nehmen? Nein, alter Scheich! 4 Auch deine Macht wird mich nicht von ihr reißen! Und was die Schlacht betrifft: Du ſollſt dich nie über einen raſcher erkämpften Sieg zu freuen haben! Zehnter Auftritt. Zaram, ſpäter Zaide. Nr. 7à(Orig. Part. Nr. 11, Es-Dur) Arie des Zaram. Zaram. Nur ſie allein bewegt noch all mein Tun! Würd' je man ſie mir rauben, ur ſei ich oll n E 19 Dann, großer Scheich, wär' Zaram dir verloren! Vergällt wär' mir mein Leben Und alles ſtolze Streben. Ja, träf' mich ſelbſt dein Zorn, Ich zückte nur die Waffen, Den Räuber zu beſtrafen Und träf' ich auch ſein Blut! Denn ſchwer fühlt dieſes Herz Verkannter Liebe Schmerz; Doch flieht mich auch der Friede, Dies Herz gehört Zaide, Im heimlichſten Erbangen, Im raſendſten Verlangen! Denn ſie allein bewegt noch all mein Tun.. uſw. 8 der Arie und ohne von Zaram bemerkt vom Hintergrunde her.) Zaide(jür ſich. Wohl denn— ſie muß vollführt ſein— Juans Liſt!— Es ſoll mir nicht zu ſchwer werden! Zaram(entdeckt ſie; ihr entgegen). Zaide?— Iſt es möglich? Du hätteſt ein Mal deinen Trotz bezwungen und deinen Schritt nicht von mir abgelenkt? Zaide(pielend). Wer?— Trotz?— Ich?— Nennſt du Trotz, was doch du nur ſtets ſelbſt herausgefordert haſt? Zaram. Liebe iſt immer ungeſtüm! Und habe ich dich trotz allem Weh und Spotte nicht dennoch ſtets ge⸗ ſchont? Kannſt du größere Beweiſe einer wahren Liebe verlangen? Zaide(wie oben). Gut! So möge mir Gott jetzt bezeugen, daß ich an deiner— Liebe auch nie gezweifelt habe! Soeben ziehſt du in den Kampf um mich hinaus, da will ich dir dies Zugeſtändnis nicht mehr vorenthalten! Zaram. Wie— du könnteſt ahnen, was ich um dich tun will? Der Mann, der für dich kämpft, der findet end⸗ lich vor dir Wohlgefallen? (Zaide kommt währen 3˙* 20 Zaide. Nun— wenn zwei Länder um mich Krieg führen, muß ich das einſt nicht zu den ſtolzeſten Erinnerungen meines Lebens zählen? Zaram. Das ſollſt du auch, bei Mohammed! Und ſelber ſollſt du's ſehn, wie ich dem heutigen Tage deinen Triumph entreiße! Du haſt mich hocherhoben, darum ſoll auch dein Stolz hoch über den von allen Frauen wachſen! In goldner Sänfte ſollſt du mich begleiten! Von fern ſollſt tief und ſtaunend du bewundern, was meine Kraft und langgeübte Kunſt vermag! Dann wirſt du mir von ſelbſt den höchſten Preis ſchenken: Dein Herz! Zaide(charf). Ich? Dich in die Schlacht begleiten? Zaram. Wenn es nicht leere Worte waren, die du eben brauchteſt, ſo ziehſt du mit mir! Du ſollſt dich auch gar nicht anders mehr beſinnen dürfen! Diesmal will ich den gewognen Augenblick benützen! Zu deiner Fahrt ſoll alles ſchnell bereitet ſein!(Ruft in die Szene) Leute— he! Iſt denn kein Menſch zur Hand? Zaide(jür ſich. Entſetzlich! Hat mir's doch halb geahnt! Geeidenſchaftlich auf Zaram zu.) Biſt du von Sinnen? Zeigſt du dich wieder einmal, wie du wirklich biſt? Du willſt ein Mädchen zwingen, zuzuſehen, wie ſich die Männer morden? Das mögen euere Frauen lieben, aber nicht Mädchen meiner Art! Niemals— niemals geh' ich mit dir! Zaram. Und glaubſt du, ſo ließe ich mir ewig alle Freuden zerſtören? Meinſt du, weil ich immer nachgab, weil ich dir Freiheiten erlaubte, die ſonſt niemals einer Sklavin zuteil werden, ich ſei ein Weichling ohne Glut und Willen? Gezwungen wirſt du, heute mir zu folgen! Es iſt zu Ende jetzt mit deinem Eigenſinn! Zaide. So tu's! Doch lebend bringſt du mich nicht dort hinaus! Und alles, was ich geſagt habe, gilt nicht mehr, ſobald du mich von deinen Kreaturen berühren läßt! Ich gehe— und wenn ich im Geringſten be— 21 merke, daß du mich zu zwingen gedenkſt, ſo weißt du, wie du mich hier wiederfindeſt! Sie geht raſch im Hinter grunde ab.) Zaram. Schmach der Ohnmacht! Daß ich's noch ein Mal annehmen muß! Doch es war dein letzter Triumph, ſpröde Katze! Schon morgen werde ich dir die Krallen für immer beſchneiden!(Er will nach rechts abgehen. Allazim tritt ihm entgegen. Elfter Auftritt. Zaram. Allazim von rechts. Allazim. Darf ich dem großen Feldherrn Solimans meine ehrfurchtsvollſten Huldigungen zu Füßen legen? Zaram. Was willſt du? Ich habe jetzt keine Zeit für Schleicher und Spürnaſen! Allazim. Nun, alles an ſeinem Ort, Herr! Der eine hier— der andere dort— und die ſchlimmſten Dinge geſchehen vielleicht nicht einmal auf dem Schlachtfeld! Zaram. Willſt du mich mit deiner Weisheit füttern? Ich brauche ſie nicht! Allazim. Sehr wohl, Herr! So lief ich leider einen falſchen Weg, als ich annahm, daß ein gewiſſes Ver⸗ halten— Zaidens dir verdächtig erſcheinen würde! Zaram(äaßt ihn ar). Wie, du Hund? Iſt jetzt auch dieſes Mädchen nicht mehr vor dir ſicher? Mußt du alles zu deiner Gemeinheit herabziehn? Allazim(ohne Furch). Nun Herr, wenn Nichtblindſein gemein macht, dann bin ich's nicht! Dann kenne ich in wenig Tagen einen, der bedauern wird, daß er mich am Reden verhindert hat! Zaram. O lieber Freund, du wirſt jetzt auch ſprechen! Denn ehe du deine Lügen weiter zu verbreiten vermagſt, will ich ſie hören, damit ich ihnen ſchon im Entſtehen den Kopf zertreten kann.— Nun, willſt du reden? Allazim. Ohne langen Umſchweif, Herr! Wie Wahrheit ſpricht!— Ich ſah hier vorhin, an eben dieſer Stelle, R 22 2 Zaide mit Solimans Liebling Juan und einem jungen Sklaven Alonſo in heimlichem, doch ſehr eifrigem Ge— ſpräch! Noch eh' ich ſie belauſchen konnte, trennten ſie ſich und Zaide ging mit dem jungen Sklaven hier dieſen Weg entlang. Nun konnte ich zwar nicht viele, doch einige ihrer Worte erhaſchen. Zaide ſprach von einer Liſt, durch die ſie deine Wachſamkeit einſchläfern wolle! Zaram. A h, beim ewigen Mohammed! Das klingt jetzt ſchon nach ehi(Zu Allazim) Weiter, weiter! Was glaubſt du, das die Beiden 5510 d5 Allazim. Herr, denke ſo ſchlecht wie— willſt von dieſen Sklavenfeelen, du wirſt ihre wah e Schlechtigkeit nicht erreichen! Wer weiß, ob ſie in ürbeiner Abweſenheit nicht einen Fluchtplan bereden werden? Denn da du jetzt zur Schlacht ziehſt—— Zaram. Ich? Zur Schlacht? Jetzt noch? Dort um Zaide kämpfen und ſie hier verlieren? Das wäre ſo des Satans rechtes Spiel! Nein, Freund: Hier hebe ich erſt das Neſt aus! Die beiden ſollen meine Rache fühlen!— Folge mir! Ich will Nazim, meinem Unter⸗ feldherrn, die Befehle ſchicken! Der erſte Teil des Treffens kann ohne mich geſchehn. Und Soliman ſoll nicht einmal mein Fehlen bemerken dürfen!— Und du, mache deine Arbeit jetzt ganz! Sieh zu, wo die Verräter ſtecken und teile es mir mit! Es ſoll wahr⸗— haftig nicht dein Schade ſein!(er geht raſch vechts ab.) Allazim(allein). Sieh an, mein tugendſamer Feldherr! Du kannſt auch Soliman ein Schnippchen ſchlagen wollen?— Hm, nachgerechnet, Allazim, nachgerechnet! Was kann dir das für Vorteil 55 I, wenn man Soliman heimlich erfahren ließe——? Wahr— haftig, noch erkenne ich's nicht ganz, aber ich erkenne, daß mein Weizen zu blühn beginnt!(er geht Zaram nach.) Kurze Pauſe. en ie en ch er e! 6 18 23 Zwölfter Auftritt. Zaide, Alonſo und Inan raſch vom Hintergrunde. Juan(zu Zaide). Nichts mehr jetzt von Furcht! Zaram wird vor deiner Drohung ſchon die nötige Achtung be⸗ kommen haben! Das iſt, was ich wünſchte!— Und dann:— Vergißt du, daß wir morgen ſchon die Frei⸗ heit grüßen werden? Nr. 8. Terzett. Zaide, Alonſo, Juan. Zaide. O ſelige Wonne! Wie glänzende Sonne Steigt's lieblich empor! Alonſo. Beſiegt nun die Oualen! O himmliſches Strahlen Aus roſigem Flor! Juan(nach links deutend). Seht ihr dort der Palmen Wogen? Dorthin froh hinabgezogen, Dort iſt's, wo uns Freiheit lacht! Zaide iſionär). Nein— dort in der dunkeln Ferne— Seht ihr nicht des Unheils Sterne? Hört nur! Wilder Donner kracht! Alonſo. Laß die Angſt dich nicht erſchrecken! 9 ν Alonſo und Juan. Gottes Schild wird uns bedecken! Traue feſt auf ſeine Macht! Zaide. O Alonſo! Alonſo. O Zaide! Juan. Stark Alonſo! Stark Zaide! 9* Zaide und Alonſo. Möchten bald uns wieder werden Ruh und ſüßer Friede— Nach ſo langer Qual und Pein Unſre Herzen neu erfreun! Juan. Wonne, Ruh und ſteter Friede Werden bald nach langer Pein Eure Herzen neu erfreun! (Sie gehen links ab.) (Ende des erſten Aktes.) Zweiter Akt. Spielt am gleichen Ort, am Spätnachmittag. Zaram tritt raſch und in großer Erregung auf. Erſter Auftritt. Zaram. Später Allazim. Nr. 9. Melodram des Zaram. Zaram. Doch mir entflohn!— Zu Schmerz und Wut nun noch den Schimpf!— Wie lächerlich habe ich ſie behandelt!— Meine Ergebenheit mußte ihr ja wie Schwäche erſcheinen!— Aber, bei Allah, ſie ſoll ge— troffen werden!— Zu ſpät ſoll ſie erkennen, wer ich wirklich bin!— Ein Mal will ich ſie zittern ſehn! Allazim(raſch von rechts). Allazim. Herr, die erſte gute Botſchaft! Ein Läufer kam eben mit der Nachricht, daß die Spur der Flüchtlinge entdeckt iſt. Es kann alſo nicht mehr lange dauern, bis ich dir die Freudenmeldung von ihrer Gefangen— nahme überbringen darf! 25 Zaram. Mache das bald wahr, Allazim! Sicher iſt die Schlacht ſchon im Gange! Ich darf nicht mehr lange ſäumen! Allazim(verbeugt ſich und geht rechts ab). Zaram(allein). Ja, gib mir die Vergeltung, großer Allah! — Laß mir die Gnade, Soliman meine Heilung dar⸗ bringen zu dürfen!— Denn hier verfluche ich die Liebe!— Sie ſoll mich nicht länger narren!— Schon faſt zu weit hatt' ich ihr nachgegeben!— Fort— weg auch mit dir, Betrügerin!— Undankbare!— Die nur Wohltaten annahm, um ihrer Eitelkeit zu fröhnen! — Du wirſt nicht mehr über den Toren lachen, der ſich ſcheinbar ſo leicht gebrauchen ließ!— Du fühlteſt dich allzu ſicher!— Haſt Güte und Ehrlichkeit zu leicht geopfert!— Dafür will ich Rächer ſein!— Dafür dich in deine Niedrigkeit zurückſtoßen, glatte Schlange! Arie des Zaram. Mein Stolz ſoll deinen Stolz zerbrechen, Kein zierlich Schmeicheln hilft dir mehr! Von Huld und Gnade bleibt heut' dies Herze leer! Noch länger ſklaviſch mich zu beugen, Zu dem Verrate noch zu ſchweigen, ut ie Selbſt müßt' ich mir Verachtun weihn! ſt mu 0 5 erachtung ie Und ſänkſt du mir zu Füßen, e⸗ Den Hochmut ſollſt du büßen; h0 In Schmach ſei von dir jetzt beſtritten Das Leid, das um dich ich gelitten; 1l Mein blutendes Herz muß Rache haben, m Es ſoll aus meiner Pein und Not Der Triumph mir gedeihn! 8 Und dem du gewogen, Der dich mir entzogen, Zum Tode führ' ich ihn! * 26 Den Schimpf zu bezahlen, In bitterſten Qualen Er ſinke dahin! Mein Stolz ſoll deinen Stolz zerbrechen... uſw. Dialog: Allazim Lraſch wieder von rechts). Zaram(halb auf ihn zu). Bringſt du mir gute Nachricht? Allazim. Ei, Herr, ſagte ich nicht, vor dem Abend ſchon würden wir ſie haben? Jawohl— ſie wurden gefangen, obwohl ſie ſich verdammt beeilt hatten, ans Meer zu kommen! In kurzer Zeit wirſt du ſie vor dir ſehen und deine Rache nehmen können! Zaram. Endlich! Sofort auch muß die Strafe ſie er⸗ eilen!— Und dann zur Schlacht— meine ganze Luſt an Juſſuf zu büßen!(er will rechts ab; ein Bote tritt ihm entgegen. Zweiter Auftritt. Die Vorigen. Ein Bote von rechts. Bote. Verzeihe, Herr, wenn ich dich ſo ſpät erſt erreiche! Feindliche Späher verfolgten mich und ich mußte einen großen Umweg machen! Zaram. Was gibt es? Von wem kommſt du? Bote. Nazim ſchickt mich zu dir, Herr! Du möchteſt, ſo raſch als es die Umſtände erlauben, ihm zu Hilfe kommen! Er könnte kaum noch den wütenden An⸗ griffen Juſſufs ſtandhalten, der offenbar dich auf dieſer Seite unſeres Heeres vermute! Aber auch vor Solimans Blicken ließe ſich der ſchlechte Stand der Schlacht nicht lange mehr verheimlichen. Nazim bittet dich, ihn aus der Not zu erretten! Zaram. Was? Ließ ich Nazim nicht ausdrücklich ſagen, er ſolle ſich vorerſt nicht ernſt auf die Schlacht einlaſſen? tꝰ on en, zu en er⸗ tze ritt n⸗ uf or der tet en, 27 Bote. Das hat er auch verſucht, Herr! Doch Juſſuf ſprang ihn an wie ein Löwe. Da war Nazim gleich im Nachteil! Zaram. Schmach und Hölle! Kann man auf keinen Menſchen mehr baun? Und weil Nazim den rechten Augenblick verſchlief, ſoll ich hier etwas aufgeben, was die Ruhe meines Lebens ausmacht? Das gibt es nicht! (Zu dem Boten.) Du erwarteſt mich dort zur Seite! Ich werde dir Anweiſungen an Nazim mitgeben! Bote lrechts ab). Zaram(auf Allazim zu). Eine verwünſchte Wendung—! Aber ich gehe nicht!— Ich kann nicht hier fort, wo ich die Kränkung meiner Ehre ahnden muß! Doch ich will auch Soliman nicht in Zweifel und Unruhe geraten laſſen, ſelbſt wenn Juſſuf einen erſten kleinen Erfolg davontrüge! Darf ich auf einen großen Freund⸗ ſchaftsdienſt von deiner Seite zählen? Allazim. Warum befiehlſt du nicht geradezu, Herr? Zaram. Frei ſollſt du's tun, ſonſt nicht! Ich brauche einen Mann, der, falls Soliman unruhig werden ſollte, ihm ſagt:„Zaram iſt da, er wird trotzdem alles zum Guten wenden!“ Willſt du dieſer Mann ſein? Allazim. Von ganzem Herzen doch! Ich breche auch ſofort auf! Zaram. Tu's! Du findeſt Soliman auf dem linken Flügel! Doch ſag' ihm noch nichts von den Vorgängen hier— er ſoll alles durch mich ſelbſt erfahren! Ich eile inzwiſchen die Straße nach dem Meer hinunter, um die Flüchtlinge zu empfangen! Tue, wie ich dir geſagt habe! Meine dankbare Freundſchaft ſoll dir gewiß ſein!(Er winkt dem Boten und geht rechts hinten mit ihm ab.) — 28 Dritter Auftritt. 8 Allazim. Dann ein verwundeter Bote, von Mauren hereingeführt. Hinter A ihnen nachdrängendes, erregtes Volk. Zuletzt ein junger Bote. Allazim(allein). Deine Freundſchaft? Wirklich?— Du glaubſt, daß ſie noch jemand nützt? Ich fürchte, du haſt jetzt ſchon bei Soliman verſpielt! Ich werde mich drum hüten hinzugehen, um für deine Sache zu reden! Ja, Soliman ſoll die rechte Aufklärung em⸗ pfangen— aber durch mich! Ich werde die gute 8 Stunde wahrzunehmen wiſſen und bald über euch alle lachen! Nr. 10. Arie des Allazim. 0 Allazim. Wer hungrig bei der Tafel ſitzt Und ſchmachtend Speiſ' und Trank nicht nützt, Mag ſelbſt ſein Glück nicht machen! Er iſt fürwahr ein ganzer Narr. Wer ſoll nicht drüber lachen? Wer ſchnatternd über Kälte lärmt Und ſich bei naher Glut nicht wärmt, Mag ſelbſt ſein Glück nicht machen! Er iſt fürwahr... uſw. Wer winſelt, jammert, ſchreit und flucht Und, was er hat, erſt ängſtlich ſucht, Mag ſelbſt ſein Glück nicht machen! Er iſt fürwahr... uſw. Der verwundete Bote, Mauren und Maurinnen von rechts. Ein Maure. Sag' uns— wo iſt Zaram? Er muß uns Rede ſtehn! Alle. Der Verräter—! Der Maure. Der uns dem Feinde ausgeliefert hat! Allazim. Was lärmt ihr hier? Seid ihr von Sinnen? Der Maure. Zeig', ob du ſtärker biſt, wenn du den Grund erfährſt! Die Schlacht ging verloren! Nazim mußte weichen! Juſſuf dringt ſchon hierher vor! 7 ¹ u zu 29 Die Frauen. Wir ſind verloren!— Wir müſſen fliehnl Allazim. Wer ſagte das 7 Wer brachte dieſe Kunde! Bote(mühſam). Ich, Herr! Von Nazim geſchickt! Zaram zu unterrichten! Doch ich wurde unterwegs verwundet und brauchte drei Stunden ſtatt einer einzigen! Das Heer iſt ſicher jetzt ſchon auf der Flucht— oder gar eingeſchloſſen! Es hätten mich ja ſonſt ſchon Flüchtlinge überholen müſſen! Die Frauen. Dann fort— fort!— Der wilde Juſſuf tötet uns alle! (Sie drängen nach links.) Ein junger Bote raſch von rechts. Der junge Bote. Halt hier! Soll ich euch noch weiter nachlaufen, um euch eine frohe Botſchaft überbringen zu können? Ich habe mich genug für euch abgehetzt! Der Maure. Was willſt du bringen? Eine frohe Bot⸗ ſchaft? Der junge Bote. Ei wohl! Soliman hat Juſſuf ge⸗ ſchlagen! Der Sieg iſt unſer! Große Bewegung.) Allazim Eu dem Boten). Was? Willſt du uns zum Beſten halten? Soeben kam hier dieſer Bote und meldete uns, Nazim ſei zurückgeſchlagen! Der junge Bote. Er meldete nichts Falſches, aber er ſah wohl nicht mehr die günſtige Wendung! Denn Soliman eilte zu Nazims Scharen hinüber und ſtellte ſich kühn an ihre Spitze! Hättet ihr geſehen, wie ſie das befeuerte! Mit unwiderſtehlichem Stoß warfen ſie den Feind zurück, der ſchließlich in wilder Flucht davonlief! Alle. O Soliman— großer Soliman— Heil! Der junge Bote. Aber einen vermißte unſer Herrſcher— ſeinen Feldherrn Zaram! Weiß jemand von ihm? Allazim. Ob jemand— von Zaram? Hier— ich, wahrhaftig! Schnell! Sattelt mir ein Pferd! Soliman ſoll hell ſehen! Und wer ihm wie ich eine Freude be⸗ reiten will, begleite mich! *.. 30 Alle. Ihm entgegen!— Dem großen Soliman ent— gegen!— Heil, Heil! (Sie drängen nach rechts hinaus.) Kurze Pauſe. Vierter Auftritt. Zaide, Wachen. Zaide wird während der Einleitungsmuſik zur nachfolgenden Arie vom Hinter grunde rechts hereingeführ mtreten dann zurück Seite auf. Nr. 12. Arie der Zaide. Zaide. Troſtlos ſch luchzet Phi ilomele Neu in Ketten eingeſch hränkt Und beklagt mit reger Kehle, Daß man ihre Freiheit kränkt! (Gegen die Wachen.) Tag und Nacht nicht werd' ich ſchlafen, Euch zum Trotz ſuch' ich 15 Flucht! Wer denn könnte mich wohl ſtrafen, Wenn mein Herz Erlöſung ſucht! Troſtlos ſchluchzet... uſw. Dialog: Zaide. Nein, ihr ſollt mich auch nicht halten! Ich bin ſchuld am Unglück der Freunde und ich will mit ihnen ſterben! Sie will fort, wird aber aufgehalten.) Einer der Wache. Ruhe, Täubchen! Du ſollſt deinen Willen haben! Denn dort kommt Zaram ſchon mit deinen Freunden! ter zur. in en en nit 31 Fünfter Auftritt. Die Vorigen. Zaram vomse Ihm folgen von Wachen geführt hten, doch halb gegen ſie ſprechend). zu be U r Erklärungen ſchuldig! Betrug werden in dieſem Lande mit Tod beſtraft! Das war ſchon euer Urteil, eh ihr von vird nur vollführt, was ihr euch Zaram(ccheinbar ohne Zaide Ich bin niemand hie und hinterliſtige Flucht hier gingt! Jetzt 1 ſelbſt verdient habt! Juan. Dann aber wirſt du erſt noch mein offenes Ge⸗ ſtändnis anhören, Herr! Mich trifft die Schuld allein! Ich überredete die Beiden hier zur Flucht und Zaide zu dem törichten Verſuche, dich zu täuſchen! Zaram. Das ändert nichts! Juan. So wirſt du mir jedoch die Gnade erweiſen, mit ihnen ſterben zu dürfen! Zaram. Du haſt dich an Soliman vergangen— er wird dich richten! Doch dieſer Beiden Richter hier— bin ich! Unſer altes Geſetz wird ſich an ihnen erfüllen! ſterben— das will ich und be⸗ Doch er muß vor ihr fehle ich! Zaide. Willſt du mich zweimal töten, Unbarmherziger? Alonſo. Betteln willſt du bei dieſem Barbaren? Kein Wort mehr! Es ſchmeckt ihm ja zu ſüß, ſeine Ent⸗ täuſchung und Rache an uns zu kühlen! Doch ſoll er nur im Tode einen, was er im Leben nicht trennen konnte: Unſre Liebe! Nr. 15. Quartett. Zaide, Alonſo Zaram, Juan. Alonſo. Freundin, ſtille deine Tränen, Laß den Tod die Liebe krönen! Welch ein Schmerz, mein Herze bricht! Alle Tränen nützen nicht! Juan. Zaram. Wne, 0 Zaide. Laß mich, Herr, allein verderben, Ich bin ſchuldig(auf Alonſo deutend) dieſer nicht! Zaram. Alle beide müßt ihr ſterben! Juan. Welch ein Schmerz, mein Herze bricht! D Zaram. Alle Tränen nützen nicht... uſw. Alonſo. Freundin, ſtille deine Tränen... uſw. Zaide. Laß mich, Herr, allein verderben... uſw. Inan. Welch ein Schmerz... uſw. 3 Zaide, Alonſo. Himmel, höre doch mein Flehen, Laß allein mich untergehen! 9 Juan. Zaram, Herr, o hör' mein Flehen, Laß ſie nicht zu Grunde gehen! 7 Zaram. Fort, vergebens iſt dein Flehen, Laß ſie nur zu Grunde gehen! Zaide, Alonſo. ö Ach, das Leben hat für mich Keine Reize mehr in ſich! Juan. Mitleid, Herr, beſänftge dich! Zaram. Fort, umſonſt bemühſt du dich, Geh, dein Flehn beleidigt mich! Ja, alle beide müßt ihr ſterben Alle Tränen... uſw. Alonſo. Freundin, ſtille deine Tränen... uſw. Zaide. Laß mich, Herr, allein verderben... Juan. Welch ein Schmerz... uſw. Dialog: Zaram(zu den Wachen). Fort mit ihnen! Dort— an das Ende des Gartens! Das Urteil muß raſch vollzogen werden! Die Zeit drängt! Gaide und Alonſo werden ergriffen und dem Hintergrunde zugeführt. Plötzlich ertönen kriegeriſche Hornſtöße. Allgemeine Bewegung. Der junge Bote tritt auf.) Sechſter Auftritt. rechts. Gleich darauf Soliman, Alla Die Vorigen. Der junge Bote von zim, Mauren und Maurinnen. Der junge Bote. Im Namen Solimans, des Groß⸗ mächtigen, der hinter mir naht— niemand rühre ſich von ſeinem Platze! Kein Wort und kein Befehl gilt außer dem ſeinen— ſo ſpricht er durch mich! Zaram(auf ihn zu). Was trägſt du hier für einen Un⸗ ſinn aus? Es iſt unmöglich! Soliman kann noch nicht zurück ſein! Der junge Bote. Nun, ſo wirſt du ihn gleich ſehen, Herr! Zaram. Es iſt nicht wahr, ſag' ich! Warum käme er zurück? Was gab's? Iſt die Schlacht zu Ende? Sprich? Der junge Bote. zu melden! Zaram. Soll das heißen, daß; zurück.) Verloren! (Neue Hornſtöße. Alo nſo, Ich habe den Auftrag, nichts weiter Zaide werden zurückgebracht.) Allazim und nachdrängendes Volk. Allazim Eu dem gleich anhaltenden Soliman). Darum, großer Soliman, wird mir deine Weisheit und Güte gerne zugeſtehen, daß ich nur an dein Heil und Anſehn dachte! Soliman. Und nicht an das deine? Sei zufrieden, ich werde unterſuchen laſſen, wie weit du in die Schuld da dieſes unglückſeligen Mannes verſtrickt biſt! Und du, unſchuldig ſelbſt, tauſendmal wertloſer biſt als er, ſo ſollſt du den Platz erhalten, den du verdienſt! Allazim. Großmächtigſter Herr—— 5 Soliman. Fort mit dir! Du ſollſt noch mehr reden müſſen 1 als dir lieb iſt! 8 Allazim(üür ſich, im Abgeher).: undankbares Pack!(Ab.) Soliman, Ich werde dir's heimzahlen, οον Soliman(auf Zaram zu). Nun, Tor du— verblendeter! Wo war dein Verſtand, dein Urteil, deine Ehre, daß du mich und mein Land dem blöden Zufall überant— worten konnteſt? Daß wir uns alle hier jenes ſanften Lärvchens wegen an den Rand des Verderbens gebracht ſehn mußten? Denn dieſes Siegs, im Augenblick der Niederlage nur mit knapper K raft erkämpft, ich ſchäme mich ſeiner! Durch dich fühle ich mich dennoch als geſchlagen! Zaram. Herr— das kann nicht ſein! Niederlage? Knapper Sieg? Es ſollte mir ja glücken, noch zur rechten Zeit zu kommen! Soliman. Mein Sinn ſteht jetzt nicht danach, haltloſe Möglichkeiten zu erwägen! Nazim war ſchon nahezu geſchlagen, mein Heer halb aufgelöſt, als mich Allah die Fahne ergreifen ließ, um das Letzte zu retten! Zaram(wvöllig nied ſo weit war, Herr, gedrückt). Wenn es ſo dann habe ich mich al unent ſchuld ldbar. Ai i Dann ſprich nur gleich dein Urteil über mich! Ich will das härteſte noch als mild em npfinden! Soliman. Nun, du wirſt auch hinnehmen, was ich be ſchloſſen habe! Ich will nicht zum zweiten Mal mich ſelber treffen! Denn, bei Mohameet, nur das rettet uns, daß ich an deinem Fehler dunh Vorſchub nicht unbeteiligt bin! Aber wiederhole n darf er ſich nicht mehr! Zu Zaide, Alonſo und Juan.) J hr habt durch Verrat und Undankbarkeit euer Leben verwirkt! Durch euern Tod ſollte ich ein abſchreckendes Beiſpiel geben! Doch Allah hat mehr Nachſicht, als ihr verdient! Ich wünſche aus ganz beſondern Gründen, daß ihr die Flucht, die hr geplant habt, ausführt! Macht euch im Augenblick davon und ſäumt nicht auf dem Weg! Zaram. Herr, du wirſt nicht meine Ehre kränken, indem du dieſe freiläßt! Zaide bedeutet mir nichts mehr— du kannſt ſie ſtrafen, wie du willſt! 0 762229 f 15 it⸗ ht er ie m 32 35 Soliman. Willſt du hier noch fordern? Haſt du nicht alle Rechte verwirkt? Und habe ich nicht die Pflicht, dem Übel, dem dieſes Land zu erliegen droht, den Stachel zu nehmen? Denn Juſſuſ floh mit einem neuen Racheſchwur! Jetzt aber winde ich ihm die 5 Waffe aus der Hand! Der Tod oder eine Strafe Zaides würde ſeinen Haß nur reizen! So ſoll ſie denn eher mit ihren beiden Freunden verſchwunden und ver⸗ ſchollen ſein! Sind ſie meiner und ſeiner Macht ent⸗ flohn, ſo fallen alle Vorausſetzungen! Er ſoll es ſchon auf die rechte Art erfahren, damit ihm alle fernere 6 8 Rachluſt vergehe!— Du ſiehſt, ich denke weiter als du! dann aber wirſt du mir erlauben, meine Zaram. Herr, Schmach nicht mit eignen Augen ſehn zu müſſen!— Ich halte mich zu deiner Verfügung!(er geht rechts ab.)* Soliman. Begleite ihn wer! Wir brauchen dieſen Mann alle noch! Zu Zaide, Alonſo und Juan.) Und nun fort mit euch! Nehmt eure Zeit wahr! Jüan e Soliman. Nichts mehr! Ich will euch nicht mehr ſehen! (Während ſich Zaide, Alonſo und Juan dankbar verbeugen:) Nr. 16. Schlußchor. Dank dir, Dank dir, großer Soliman, Der uns erlöſet! Heil und Dank dir, edler Herrſcher, Ruhm und Preis ſei dir geweiht! Deine Treu ließ uns nicht fallen, In der bittern Not nicht fallen! 90 Wieder iſt dein Reich vor allen Nur dir ſelbſt an Größe gleich! Der Vorhang fällt. Ende des Singſpiels. 32**X—·*—— 34 08732 1 031