7 3 NINNN Ies — A———. ————— — RERE ——— rrIUUr rrr ILIIIII KAAEEAAEAAAAAAs AAIAAnl Drrrrrrrrrrrrr rreeeeenn rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrlrlrelleleeeeeeee 441 eeerrrrrees eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeneeeeer rrrrrrrrrrrrerrr Johann von Paris Komiſche Oper in zwei Aufzügen von Frangçois Adrien Boieldien Dichtung von Saint-Juſt Joſeph Ritter von Seyfried) Vollſtändiges Buch Herausgegeben von C. Fr. Wittmann Philipp Reclam jun. Leipzig Verlag von D Druck von Philipp Reclam j Nrangçois Ad D n Boieldien, der große franzöſiſche Kom⸗ poniſt, wurde am 16. Dezember 1775(nicht, wie Fetis irrtümlich angiebt, am 15. Dezember) zu Rouen geboren. Nicht Boleldien oder Boyeldieu ſchrieb er ſeinen Namen, wie es ſelbſt auf Titel⸗ blättern ſeiner Kompoſitionen und auf der Gedenktafel ſeines( Bofeldieu François Adrien, est né dans cette maison le 16. décembre 1775 zu finden iſt; der Name iſt dreiſilbig und ſoll Boieldien geſchrieben! Boa⸗jel⸗dien ausgeſprochen werden.“ ein Vater, der nach der franzöſiſchen Revolution eine Stelle an der S huldentilgungskaſſe er⸗ hielt, ward ekretär des Erzbistums; ſeine Mutter, eine geborne Dumouchel, unt Die 1 ielt das geſuchteſte Modewarenmagazinder Stadt en Fähigkeiten des Kindes waren frü ig ſo erſich lich, daß über ſeinen Beruf zur Muſik kein Zweifel obwalten konnte. In ſeinem fünfundzwanzigſten Jahre ſchon zählte man ihn zu den beſten Komponiſten ſeiner! Er ſtarb in der Nähe von Paris in ſeinem Landhauſe zu Jarcy bei Brunoy den 8. Oktober 1834. indige Biographie Boieldieus mit einer B ſeiner ſämtlichen Opern findet ſich in dem Openibne 1(Univerſal-Bibliothek Nr. 2892). e Oper„Johann von Paris“ iſt neben der ſ Weißen Dame“ das Hauptwerk Boieldieus äter komponierte Das mitt Aihüßihr Su ſchrieb Saint-Juſt, welcher hier zum letztenmal mit Boieldieu zu⸗ ſammenarbeitete, nachdem er für ihn die meiſten ſeiner Operndich⸗ tungen geſchaffen hatte:„Die Schweizerfamilie“;„Die iche Neuigkeit“;„Der Pari“:„Zorarme und Zulnare“;„ verſt 5 0 05„Emma oder die Gefangene“;„Der Kali v von dad“. Ihr bisheriges g ückliches Zuſammenwirken ſollte durch einen 1* 1 Paris. Johann von ungeheuren Erfolg gekrönt werden, denn„Johann von Pa erlebte lloſe Wiederholungen und führte mehrere Monate hindurch die Menge in die„Komiſche Oper“. Aber trotz ſeiver ſonſtigen Be⸗ ſcheidenheit war es diesmal Saint-Juſt, der in überraſchender Weiſe den größten Teil des Erfolges beanſpruchte, obſchon ſeine Dichtung mittelmäßig war und ihre Mängel auf der Hand liegen. Die Arie Johanns und ſein Duett mit Olivier ſind Abhandlun über die Pflichten der Ritterlichkeit; die Auftrittsarie des Prinzen iſt eine Ab handlung über die Tafelfreuden, die Arie des Pagen Olivier eine Ab⸗ handlung über die Equipage ſeines Herrn. Das iſt bei Saint-Juſt, der dem franzöſiſchen Bedürfnis entgegenkam, welches mehr den Geiſt amüſieren, als die Sinne erregen oder das Herz rühren will, nicht verwunderlich. Mangel an Leidenſchaft iſt der größte Fehler in der Operndichtung„Johann von Paris“ wie in den meiſten damaligen Opernbüchern, und es bedurfte eben der entzückenden Muſik Boiel⸗ dieus, um dieſen Mangel ſo oft vergeſſen oder überſehen zu laſſen. Claude, Baron Godard d'Aucour de Saint-Juſt, franzöſiſcher Schriftſteller, der Sohn des Generalpächters und Schrift⸗ ſtellers Claude Godard d'Aucour, wurde am 14. Juli 1709 zu Paris geboren. Nachdem er die Rechte ſtudiert hatte, widmete er ſich der Beamtenlaufbahn, der mehrere Glieder ſeiner Familie angehörten. Er war bereits Parlamentsrat, als die Revolution ſeine weiteren Pläne zunichte machte. Ohne ſich an den politiſchen Wirren jener aufgeregten Zeit zu beteiligen, widmete er ſich fernerhin eifrig litterariſchen Studien und es gelang ihm, den großen Gefahren jener Bewegung zu entgehen. Er blieb der ſchriftſtelleriſchen Thätig⸗ keit treu bis an ſein Lebensende und beſonders ſeine Opernbücher errangen, allerdings zunächſt durch die Muſik ſeines Freundes Boiel—⸗ dieu, einen großen Erfolg. Seine dramatiſchen Erzeugniſſe ſind überhaupt am bemerkenswerteſten. Er hatte das Weſen der Bühne erfaßt. Er beſaß das Talent, vom Leichten zum Schweren, vom Scherz zum Ernſt, vom Vornehmen zu anmutiger Vertraulichkeit weiter zu ſchreiten; er verſtand es, eine Intrigue zu entwickeln, ohne ſie zu verwirren oder zu verdunkeln und ihren wohlgeſchürzten Kno⸗ Johann von Paris. 5 abwechſelnd heitere oder rührende Vorgänge zu löſen. iſchaften hatten in ſeinen liebenswürdigen Schöpfungen brauſenden Beifall der Menge hervorgerufen. Auch in ſeinen Feinheiten, treffende Gedanken, ein von allem en freier Stil, eine folgerichtige und immer ſichere Führung, die er dem Studium guter Vorbilder verdankte. Allein die Empf dung immer das beſte, gleich einem Moliere, erreichen zu kön⸗ ihn von zu häufigen Verſuchen auf dem Gebiete des Luſt⸗ abſtehen. Dieſer der Se lbſterkenntnis, nicht der Mutloſigkeit weggrund verrät eine Einſicht, die ſelten gefunden ſorgfältigen Erziehung beſaß er eben vor allem Taktgefühl, das ihn ſtets das Richtige finden ſchätzte, war ſeine perſönliche Unabhängi r Wunſch, ſeine Freiheit, ſeine Muße und Ruhe zu bewah⸗ „ließ ihn auf das Verlangen, in der Geſellſchaft durch ſein Talent multien, verzichten. Er war einer von jenen Charakteren, die Geſuc ein res natürlich ließ. Was er am höch k De ſich inmitten einer weiterſtrebenden Wi mehr auf ſich ſelbſt zurückziehen, die Geſelligkeit zwar lieben, aber jedem Druck auf ihr Entſchließungen und Neigungen ausweichen. Daher eine gewiſſe Nachläſſigkeit in ſeinem Weſen, welche das Reſultat ſeiner heiteren Lebensphiloſophie war. Im Beſitz von Glücksgütern geboren, wohl⸗ thätig und zu helfen bereit, wo er nur konnte, war er überhaupt ein Menſch von gefälligen Sitten. Die ſtille Melanch olie ſeines Charak⸗ ters gab der luſtigen Konverſation der Schriftſteller und Künſtler, welche er um ſich zu verſammeln liebte, ein mildes Element. Als er von der Krankheit, die ſeinen Tod herbeiführen ſollte, erfaßt wurde, bereitete er ſeine geſamten poetiſchen Werke, die erſt nach ſeinem Ableben veröffentlicht wurden, zum Druck vor. Er ſtarb zu Paris am 17. März 1826. Die„Komiſche Oper“ hatte in der Beſetzung der Partieen dem Komponiſten die Blüte ihres Perſonals zur Ver fügung geſtellt. „Johann von Paris“ wurde ſelbſt in den kleinſten Rollen von Künſt⸗ lern erſt en Ranges dargeſtellt und geſungen. 5s folgt hier der Theaterzettel der erſten Vorſt ellung: Pari Théatre de 15 comique Jean de Paris. Opéra-comique en 3 acçtes. Paroles de Saint-Just. Musique de Boieldieu Représenté pour la première fois à Paris, sur le théätre de l'Opéra comique le 4 Avril 1812. Personnages Jeun de Paris Le Grand Sénéchal Pedrigo, maitre d'aube La Princesse de Navu Olivier, jeune page de la suite de Jeun de Paris 2 Mme u, flle de Pedri Suite de Ia Princesse rru et de Jean de P Garçons et d'auberge. La sobne se passe dt vuume de Navarra Man hat mit Recht darauf hingewieſen, „Johann von Paris“ eine zweite Phaſe im rale zeichne. Mit dieſer neuen Schöpfung hatte der 8, ohne ſeine Liebenswürdigkeit, ſeine Friſche, ſeine beherrſchende Ele ganz zu verlieren, eine Größe, eine Ausreifung gewonnen, die an Klarheit und Sicherheit in der muſikaliſchen Führung kaum noch Wünſche aufkommen ließ. Zu dieſer zweiten Periode gehören:„Der neue Dorfherr“,„Das Feſt im Nachbardorfe“ und einige der zahl reichen Gelegenheitswerke, welche Boieldieu im Verein mit mehreren ſeiner Kollegen, wie Cherubini, Catel, Nicolo Iſouard, Berton, Kreutzer, Herold komponierte. Später, als ſein Talent ſich neue Horizonte eröffnete, brachte eine dritte Periode ſeine letzten, ſeine vollkommenſten Hauptwerke:„Rot käppchen“,„Die weiße Dame“ und jene unglückliche Partitur„Di beiden Nächte“, die leider durch eine mangelhafte Dichtung, gegen die ſelbſt die zauberiſchſte Inſpiration nicht obſiegen konnte, in unver⸗ diente Vergeſſenheit gekommen iſt. Die Energie, die Sicherheit des Erfolges, welche ſich Boieldien ſeit ſeiner Reiſe nach Rußland angeeignet hatte, trat glänzend her⸗ vor. Wenn ſeinen harmoniſchen Studien die erſte Anleitung gefehlt hätte, ſo hätten ihn ſeine eigenen Beobachtungen gelehrt, was i kein Meiſter hätte beibringen können. Sein Stil war gereifter, ſeine Inſtrumentation glänzender, klangvoller, farbenprächtiger Ohne ſeine Urſprünglichkeit zu verlieren, hatte er ſich inzwiſchen in den deutſchen Meiſter Mozart vertieft und ſich deſſen Eigenart zu⸗ nutze gemacht. Boieldieu war nicht nur ein gefälliger und geiſtreicher Komponiſt geworden, er zeigte ſich in„Johann von Paris“ als würdiger Nebenbuhler von Méhul und Catel, welche er lange als ſeine Meiſter betrachtet hatte. Die Oper ſpielt in einem Dorfgaſthauſe im Königreich Navarra und die Handlung ſei hier kurz wiedergegeben: 0 5 geg Der Ruf von der gewinnenden Anmut und l kenden Schön heit der Prinzeſſin von Navarra durchzog die Lande und lockte Freier in Menge herbei. Allein die befreundeten Höfe von Navarra und Frankreich beſchloſſen eine Verlobung der Prinzeſſin mit dem fran⸗ zöſiſchen Kronprinzen, worauf das junge Paar, einander völlig fremd, ſich vorher erſt kennen zu lernen beſchloß. Unter dem Namen eines einfachen Pariſer Bürgers Johann reiſt der Prinz der aufge drungenen Braut, die ſich gleichfalls auf der Reiſe be In einem Dorfgaſthauſe, welches ſich die Dame zur Raſt gewählt, trifft Johann früher ein als der Oberſeneſchall, der Reiſemarſchall der Prinzeſſin; der Prinz mietet zum Verdruß des gezier nes alle vorhandenen Räume und beſtellt und bezah ſämtliche Speiſen und Getränke für ſeine Perſon. Die nachkomi Prinzeſſin ladet er in übermut und froher Laune zu Gaſt. Die hohe Dame aber erkennt den Prinzen trotz ſeiner V Verkappung, durch ſchaut ſeinen Plan und beſchließt, den Übermütigen, d H findet, entgegen ten Hofman⸗ vt im voraus ende ſie verkennt, jann von Paris 7 8 ri 0. Za Johann von zu beſtrafen. Sie nimmt die Einladung zum größten Erſtaunen ihrer Umgebung an, Johann verliebt ſich ſterblich in ſie und ſie ruft ſeine Eiferſucht auf einen mächtigen und gefährlichen Nebenbuhler wach, der wohl das einzige Hindernis ſeiner flammenden Neigung ſei. Bei aller Neckerei einerſeits und Verzweiflung auf der an⸗ dern Seite kommt es dadurch zu einem guten Ende, daß die Prin⸗ zeſſin den überglücklichen Johann der Erkenntnis entgegenführt, er ſei mit dem begünſtigten Rivalen ein und dieſelbe Perſon. Sie reicht hierauf dem Beglückten die Hand zum frohen Bunde. Es dürfte am Platze ſein, ein Wort der Anerkennung und Be⸗ wunderung für Boieldien zu ſprechen zu einer Zeit, wo das Intereſſe für Richard Wagners große Schöpfungen alle anderen verdienten Komponiſten in den Hintergrund zu drücken droht. Die Theorien Richard Wagners haben eine Überzahl feuriger Jünger gefunden, die zu Gunſten des Bayreuther Meiſters die Eigenſchaften ſeiner Vor⸗ gänger in Vergeſſenheit zu bringen geneigt ſind. Und die Muſikge⸗ ſchichte preiſt Boieldieu, jenen großen Komponiſten aus Rouen, als einen Namen erſten Ranges in der langen Reihe berufener Geiſter. So ein junger und kühner Wagnerianer wagt es, wenn man ihn um ſeine Meinung über eine Oper fragt, die Melodie in Fülle hat und heute noch ſo friſch iſt, wie zur Zeit ihrer Entſtehung, gering⸗ ſchätzend und mit Achſelzucken zu antworten:„Das? Das iſt von Boieldieu!“ Möchten dieſe jungen Eiferer bedenken, daß auch Richard Wagner nur da wirklich Großes und alle Herzen Erhebendes ge⸗ leiſtet hat, wo er dem innerſten Weſen der Muſik treu geblieben iſt. Ein bekannter Kritiker und Komponiſt ſchrieb jüngſt über eine Wie⸗ deraufführung der„Weißen Dame“:„Wir wollen nicht über den Wert dieſes Werkes ſtreiten. Seit Jahren bekommt das Publikum bei den Chören der ſchottiſchen Bergbewohner Freudenkrämpfe; ebenſo bei der Kavatine: O welche Luſt, Soldat zu ſein!“ wie bei dem berühmten Duett:„Dieſe Hand, dieſe Hand, ſo weich 8 h, ach ſo zart!“ und noch immer ſcheint nichts das Ende dieſer allgemeinen Vorliebe für dieſe Tiroler Oper, die ſich in Schottland abſpielt, anzu⸗ deuten.“ Es mag zweckdienlich ſei in, wenn einmal dieſen fanatiſchen An— * hängern Wagners, welche deshalb doch nicht zugleich Verächt Boieldieus zu ſein brauchen, gerade über dieſen Komponiſten di Meinung eines Vorgängers des Tannhäuſer-Schöpf s zurückgerufen wird, eines Muſi vollgültig bezeichnen oder ſein Geni eugnen oder beſtreiten dürften. Es iſt Carl Maria von Weber, der unſterbliche Komponiſt des„Frei⸗ ſchütz“, der„Euryanthe“ und des Dieſe Eiferer ſollen hören, was er über den Schöpfer der„We „Weißen Dame“ und des Jo⸗ hann von Paris“ und über die„Weiße Dame“ ſelbſt dachte. Zur Zeit, als Weber Kapellmeiſter in Dresden war, hatte er die Ge⸗ wohnheit, jedesmal, wenn ein neues 8 erk aufgeführt werden ſollte, in der Dresdener Zeitung vor der? lufführung eine Beſprechung zu geben. Im Jahre 1817 nahm er Jobarm von Paris führung an, und dieſes Werk iſt das einzige, welches ihm Gelegenheit verſchafft hat, ſich über Boieldien auszuſprechen. 55 als ob es die einzige Oper Boieldieus geweſen wäre, die er der Aufführun g für wert erachtet hätte, ſondern weil er ſpäter von ſeiner Gewohnheit abging, der Dresdener Zeitung eine Vorbeſprechung zu übergeben. Weber ſchrieb über„Johann von Paris“ und Boieldien unter dem 1. Mat 1817 das Folgende „Sonnabend den? ers ins Gedächt⸗ 8, den ſie wohl kaum als nicht „Oberon“. * W'. zur Auf⸗ 3. Mai zum erſtenmal:„Johann von Paris“, Oper in zwei Auf fzügen, nach dem Franzöſiſchen des Saint⸗Juſt, mit Muſik von Boieldien. Die Gattung, welcher dieſe Oper angehört, hat ſich ſeit einem Jahrzehnt und darüber in Frankreich gebildet und von da auch über Deutſchland verbreitet. Man hat ſie mit der Benennung von Kon⸗ verſationsopern zu bezeichnen geſucht, da ſie meiſt auf ihre hiſtori⸗ ſchen Beziehungen— durch welche ſie uns zuweilen ſehr fern gerückt werden— doch nur das eigentliche Geſelligkeitsleben der jetzigen oder vielmehr zunächſt der franzöſiſchen Welt enthalten. Sie ſind die muſikaliſchen Schweſtern der franzöſiſchen Luſtſpiele und geben uns, wie dieſe, das an jener Nation Liebens: würdigſte. Heitere Lanne, ſpielender, fröhlicher Witz auf angenehme Weiſe durch Johann von Paris. 9 10 Johann von Pa ige hübſche Situationen herbeigeführt, ſind dieſen Opern eigen nlich und durch den Geſchmack der Nation ſo zur Hauptſache er hoben, daß man(wie bei ihren Luſtſpielen) eine ſehr g Zahl der ſelben nennen könnte, die ſich in Hinſicht der Art der Erfindung, in Zuſchnitt, Behandlung und Charakterzeichnung beinahe völlig glei⸗ chen, und nur durch die mehr oder minder glückliche Behandlung des einmal beliebten Materials voneinander unterſchieden und anziehend werden können. Sie treten, im Gegenſatze des dem deutſchen und italieniſchen Gemüte eigenen tiefern leidenſchaftlichen Gefühls als Repräſentan ten des Verſtandes und Witzes auf. Namentlich und hauptſächlich in muſikaliſcher Hinſicht. So wie der deutſchen innigen Phantaſie ein einzeln gegebener Gedanke genügt, ſie aufzuregen, um in herr⸗ lichen Maſſen ein Tongemälde auszuführen— der glühenden italie⸗ niſchen oft das einzelne Wort Liebe, Hoffnung ꝛc. dasſelbe erzeugt (was dann auch allenfalls wieder, dieſer Worte entkleidet, doch noch als ſprechendes Seelenbild allein durch ſich beſtehen würde, wie die höhere Inſtrumentalmuſik z. B.) ſo iſt es der be F Muſik eigen, nur meiſt durch das Wort allein Wert zu haben, da ſie, ihrer Natur und Nationalität nach, witzig iſt. Den ausgezeichneten Meiſtern der Kunſt bleibt es vorbehalten dieſe Gattungen von einzelnen Nationalcharaktern zu erſchaffen, ein ander zu nähern, zu verſchmelzen und ſo der Welt angehörig zu machen. Unter dieſen wenigen möchte Boieldien wohl faſt den er Rang unter den jetzt in Frankreich lebenden Komponiſten behaupten; wenn gleich der Beifall des Publikums ihm Iſouard an die Seite ſetzt. Beiden ſind herrliche Talente verliehen, aber Boieldien durch ſeinen fließenden, ſchön geführten Geſang, durch die planmäßige Haltung der einzelnen Stücke, wie des Ganzen, durch die trefflich ſorgſame Inſtrumentierung und die Korrektheit, die, den Meiſter be⸗ zeichnend, allein Anſpruch auf Dauer und klaſſiſches Leben in der Kunſtwelt giebt— immer weit allen ſeinen Mitbewerbern vorgehen. Wenn er darin Méhul gleich zu achten iſt, ſo zieht ihn andern ſeine Neigung mehr zu heiteren italieniſchen Formen und er en no ſtellt das Muſikaliſch-Melodiſche höher, ohne der Wahrheit des ausdrucks deshalb etw vergeben. Dieſer charakteriſtiſche Zug ſeiner Kunſtſchöpfungen iſt ein doppelt großer Beweis ſeines ſelbſtändigen Talen da er, als Ve Cherubinis, den größten Teil ſeiner Studien bei dieſem Meiſ macht haben ſoll.“ Wort⸗ 0 W̃ eber der Boieldieus außerordentliche Befähi Später, im Februar 1826, als Weber Frankreick ) durchreiſt ſich nach London zu begeben, wobei er acht 5 in 115 is das einzige Mal, daß l Dinge: r dahin gekommen die Auſtern und die„Weiße Dame“.„Seit„Figaros Hoc ieb er an Theodor Hell,„iſt keine ton tiſche Oper geſc worden, wie dieſe. Ich habe unglückliche loren. Beſorgen Sie es mir doch durch Sch 8 und Marſchner möge dann die Oper eine brillante Acquiſiti zeit““, ſchr veiſe das Libretto ver⸗ überſetzen Sie ne ſetzen. Das on für das Repertoire.“ Der Eindruck, die Aufführung des„Johann von J machte, war ungewöhnlich, überſtrömend die Em idungen, di es bemächtigt Eleganz zeigt, und das in ſeinen Nummern von der Bubkrint re bis zum letzten Publikums beim Hören eines ſo fäbobbe 1Wer iCharakter eine ſo ritterlich Finale auch nicht den Schatten einer Ermattun gaufkommen ließ, nicht den Schein einer Unvollkommenheit zeigte. Um gerecht zu ſein, müßte man ſie alle anführen. Es genügt, an die unſchuldige bombaſtiſche—.— Oliviers„Begiebt mein Herr ſich auf die Reiſe“ zu erinnern, an das ſchöne Duett voll Heiterkeit und Laune zwiſchen? Johann und ſeinem Pagen„Den Ruhm über alles zu lieben“, an ben feierlichen und großſpurigen Auftritt des Seneſchall: erſten Aufzugs, das entzückende Finale in dem ſich die Arie der Prinzeſſi reiſen“ eingeſchloſſen fi welche Luſt z t, welche Boieldieu ſeiner in Rußland auf⸗ geführten Oper„Telemach“ entnahm. Sie iſt eine unverfälſchten Koloraturgeſanges. Endlich iſt im noch die edle und Glanz“, die hü Muſternummer zweiten Aufzug je Arie Johanns„Der Ritterſchaft Zierde he launige und gemütvolle Romanze Oliviers. 12 Johann von Paris. in die ſich mit ihm Johann, die Prinzeſſin und der Chor teilen: „Der Troubadour, ſtolz auf der Liebe Bande“ und das charakteri⸗ ſtiſche Duett zwiſchen Johann und der Prinzeſſin beſonders er⸗ wähnenswert. Heiter, ritterlich und galant beweiſt ſich Johann, jugendlich über mütig und lebensfriſch der Papa Olivier, kokett und vornehm lie⸗ benswürdig und bezaubernd die Prinzeſſin, unſchuldig und kindlich Lorezza, liſtig, verſchlagen und unterthänig Pedrigo. Von beſon⸗ ders treffender Charakteriſtik iſt der Großſeneſchall, voll übertrieben feiner Form und leer an Geiſt und Gemüt, von oben herab geger Tieferſtehende, ſklaviſch unterthänig gegen Höhere, ſteif-ceremoniöſen Weſens und von affektioniert⸗gezierter Sprechweiſe, alt und verliebt, dumm und gefräßig. Die Darſteller thun gut, ſich in dieſer ohn hin ſcharf gezeichneten Partie jeder übertreibung zu enthalten. 5 Komponiſten ſind die Tonfärbungen zu ſeinen Charakteren meiſter haft gelungen; er hebt die Skizzen der Dichtung zum Vollbilde. Die Muſik individualiſiert und idealiſiert die halbgeſchichtlichen Perſonen zum Entzücken. Um uns über die Aufnahme, die ein Werk von ſolchem Wert fand, genaue Rechenſchaft zu geben, iſt zu bemerken, daß das Talent Boieldieus während einer langen Abweſenheit, nämlich in den acht Jahren, die er in Rußland zugebracht hatte, geſtärkt und erweitert, wie eine Art Offenbarung auf das Pariſer Publikum, dem alles, was der Komponiſt außerhalb Frankreichs geſchrieben hatte, unbe⸗ kannt war, wirkte. Man ſtelle ſich einen völlig unbekannten Muſiker vor, der mit einem Werk wie„Johann von Paris“ debütiert, und man kann ſich wohl eine annähernde Vorſtellung von dem Erſtaunen, das die Hörer empfanden, machen. Außerdem war die Partitur von Anfang bis zu Ende durch ein gewiſſes feierliches Gepränge cha rakteriſiert, welches ſich jedoch vollkommen mit dem Charakter der chtung deckte und in vorteilhafter Weiſe mit den litterariſchen und künſtleriſchen Ideen der kaiſerlichen Epoche harmonierte. Es war zudem eine der hervorragenden Seiten Boieldieuſchen Genies, mit der Zeit zu gehen und ſich dem Wechſel der Ideen, den Veränderun⸗ * d r it 12 Johann von Paris. 13 gen des allgemeinen Geſchmacks in jeder Hinſicht anzupaſſen. 4 5 begreift aber wohl, daß alles dies unbedenklich zu Gunſten ſeine Werkes ſprach, und daß es in A lnſehung ſeiner hohen Bedeutung we⸗ entlich zum allgemeinen Erfolg beitrug. Um einen Begriff von dem weitgehenden Erfolg, den die neue Partitur Boieldieus erregte, zu geben, mag ein Vorkommnis erzählt ſein, welches ſich eines Abends vor der Auffül jrung der Oper zutrug. Der Theaterzettel nannte Die Holzſchuhe“,„Picaros und D iego“ und„Johann von Paris“. Wie gewöhnlich ſollte Martin die Rolle des Seneſchall ſpielen; aber zur Anfangszeit hob ſich der l und ein Künſtler wurde ſichtbar, der dem Publikum ank kündigte, Me tin könne wegen plötzlichen Unwol hlſeins nicht ſingen, für„J Johann von Paris“ ſei die Aufführur ig der„Strohwitwer“ eingeſchoben. Da ertönte von allen Seiten lebhafter Widerſpruch. von Paris“ ſei man gekommen, Für„Johann und man wolle„Johann von Pa⸗ 8“hören. Als man aber dennoch mit der ve ränderten Aufführung egann, ſteigerte ſich die Aufregung des Publikums aufs äußerſte, man empfing die Sänger mit Pfeifen und bewarf ſie mit großen Sousſtücken. Der Tumult ſteigerte ſich endlich derartig, daß die Polizei genötigt war einzuſchreiten und den Saal mit der? Bedi räumte, daß dingung den Zuſchauern ihr Geld zurückgegeben werden ſolle. Am nächſten Tage wurde eine Unt terſuchung über dieſes Ereignis, welches in Paris Stadtgeſpräch geworden war, eingeleitet. Man erfuhr, daß Martin ſchon am Morgen ſeine Kollegen, die Societäre der„Komiſchen Oper“ von ſeinem Unwohlſein benachrichtigt hatte, nd daß dieſe, um die gute Einnahme, welche ihnen die Ankündigun K „Johanns von Paris“ verſprach, nicht zu gefährden, den Zettel un⸗ verändert ließen, indem ſie dem oben erwähnten Sch gachzug und der Nachlußt des Publikums vertrauten. Jufolgedeſſen wurden die bei— en Societäre, die durch die Wochenl eitung mit der Führung des Theaters betraut Wten, jeder zu einer Geldbuße von dreihundert Franken verurteilt. Was Martin anlangt, ſo wurde nachgewieſen, daß er am Abend ſeiner angeblichen Krankheit im Theater-Italien bei der erſten Vorſtellung von„Romeo und J Julia“ von Zingarelli 14 Johann von Paris. mitgewirkt hatte. Auf höchſten Befehl wurde ihm Gelegenheit ge Ver geben, in Einſamkeit darüber nachzudenken, welche Folgen eine nachläſſigung der Pflicht und der Achtung, die jeder Ki Publikum ſchuldet, haben kann. Boieldieu widmete ſeine Partitur Grétry und that es in Aus⸗ denheit ein ehrendes Zeugnis geben. drücken, die ſeiner Beſchei Mein Herr! Wenn ich einigen Erfolg auf meiner Laufbahn errang, ſo ver danke ich ihn zweifelsohne den großen Meiſtern, die ich mir immer zum Vorbild nahm. Und welche Verp ichtungen habe ich nicht dem Komponiſten von„Sylvain“, der„Falſchen Magie“, von„Richard“ und anderen Meiſterwerken gegenüber! Könnte doch der? rud meiner Hochachtung, den ich zu genehmigen bitte, einen Teil meine Schuld ausgleichen und Ihnen öffentlich einen Beweis meiner Er⸗ kenntlichkeit geben. Ich verbleibe mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr ſehr ergebener und gehorſamſter Diener A. Boieldieu. Grétry, welcher ſeiner Natur nach weder liebenswürdig, noch ein Freund weitgehenden Lobes war, antwortete in wahrhaft anmutiger Weiſe auf dieſe Widmung. Er ſchenkte Boieldien eine ſehr hübſche abatiere, auf deren Deckel die ſo raſch berühmt gewordene Arie „Johanns von Paris“,„Der Ritterſcho aft Zierde und Glanz“ eingra⸗ viert war. Die neue Oper fand für die deutſche Bühne ſogleich nach ihrem Erſcheinen mehrere überſetzer, jedoch die Arbeiten von Herklots und Anderen vermochten nicht, ſich zu halten. Die einzig gangbare über ſetzung, in der in Deutſchland„Johann von Paris“ gegeben wird, iſt diejenige von Joſeph Ritter von Seyfried Joſeph Ritter von Seyfried, wurde am 24. 9 zu Wien als Sohn Joſeph von Seyfrieds, Hofrats des 0 von ſt geboren. Ein Bruder des vorteilhaft 8 83 Hohenlohe-Schilling bekannten Komponiſten Ignaz Sey fried, beendete er ſeine juriſtiſchen Studien im Jahre 1801 in ſeiner Vaterſtadt. Anfänglich für die ſtaatsdienſtliche Laufbahn beſtimmt, durchkreuzte dieſe Abſicht der Kaufmann Zitterbarth, als dieſer 1801 von dem bekannten§ chika⸗ Al ih A0 be neder(Biograp Univ.⸗Bibl. Nr. 20 Seite 11) Privi⸗ legium des neuerbauten Theaters an der Wien erwarb. Den Thea⸗ geſchäften fremd, nahm Zitterbarth ſeinen jungen Verwandten mit des Vaters Einwilligung in ſein Bureau und Joſeph von Sey⸗ fried begann ſeine veränderte Laufbahn mit einer überſetzung von Mozarts„Titus“. Originalwerke, überſetzungen der ſchon zu je Zeit beliebten fra chen und J hen Operetten, übertragungen aus dem Eng⸗ t folgten. Als ſeine Überſetzung des Sing⸗ ſpiels:„Die beiden Füchſe“ in St. Petersburg die Aufmerkſamkeit auf den erfole ftſteller gelenkt hatte, beabſichtigte Direk⸗ tor Miric ihn als Theaterdichter und Sekretär theater zu engagieren. dortige Hof Die Annehmlichkeiten Wiens ließen ihn den 91¹8 vorteilhaften Antrag ablehnen, ja er verließ auch unter dem Direk tor Freiherrn von 2 ſeine angenehme Stellung nicht. Er im Jahre 1806 eine vielköf f als ige Leitung den Dingen eine weſentlich andere Geſtalt gab, ſchied er aus ſeinem Amte, indes ohne ſeine ſchriftſtelleriſche Thä t aufzugeben. Bis zum Jahre 1811 be⸗ ſchäftigte er ſich nun mit Opernüberſetzungen und er hatte dabei da gkei große Glück, mit den beſten Komponiſten jener Zeit Hand in Hand zu gehen. Weniger der Wert ſeiner Arbeiten als dieſer Umſt verhalf ihm auf dieſem Gebiete zu Erfolgen. Im letztge Jat Jahre eröffnete ſich ihm das publiziſtiſche Gebiet und übernahm er nächſt von Caſtelli die Redakti on der Theaterzeitſchrift„Thalia“, um im Jahre 1813 den vom litterariſchen Raube lebenden„Sammler“ zu redi Die müheloſe Schriftleitung dieſes Piratenblattes ſetzte ihn in den Stand, 1814 auch noch den„Wanderer“ zu über nehmen und aushilfsweiſe an den„Vaterländiſchen Blättern“ und an der„Wiener Zeitung“ mitzuarbeiten. Seine Thätigkeit wu ihm dabei ſo wenig über den Kopf, daß er 1818 bei Heusler, dem aeuen Direktor des Theaters an der Wien, eine Stellung als Thea⸗ terdichter annehmen konnte. Nach mehreren erfolgreichen Jahren berief ihn 1828 Graf Gallenſtein, der in genannter Zeit das k. k Hofoperntheater in Pacht nahm, als Kanzleidirektor an ſein Inſtitut, und auf gemeinſamer Reiſe mit Franz Lachner ſtellte er den Wienern 16 Johann von Paris. ein Opern⸗Enſemble zuſammen, welches die glänzendſten un tendſten Namen der damaligen Geſangskunſt in ſeinem 9 n vereinigte. Darunter Holzmüller, Wild, Hauſer und der ſpäter Darmſtadt verſtorbene Tenoriſt Cramol ini. Er blieb auch 15 ſpäteren Opernhauspächter Duport treu, redigierte den„Wanderer“ und den„Sammler“ fort und von 1832 ab auch noch den„Jugend⸗ freund“. Erſt im Jahre 1843 gab er dieſe immerhin aufreibende Thätigteit auf, um in ſtiller Beſchaulichkeit, nur zu ſeiner Unter haltung arbeitend, ſtill dahin zu leben. über zweihundert Bearbei tungen von Opern, Operetten und Singſpielen hat er dem deutſchen Theater geliefert. Poetiſche und proſaiſche Arbeiten aller Art ent— ſtammen feiner Feder, auch ein in Oſterreich früher beliebtes Haus⸗ buch:„Heldenſpiegel der öſt ſchen Armee“ hat ihn zum Ver⸗ faſſer. Ein Schlagfluß beendete am 28. Juni 1849 im Alter von neunundſechzig Jahren plötzlich ſein Leben. Auf dem Matzleins⸗ dorfer Friedhofe zu Wien liegt er beſtattet. Vier Söhne und drei Töchter trauerten an ſeinem Grabe. Boieldieu iſt nicht der einzige geblieben, der einen„Johann von Paris“ komponiert hat. D N Die Italiener überſetzten ſich in der Folge die Dichtung von Saint⸗ Juſt, der Boildien einenſo großen Erfolg verliehen hatte; am 30. Mai 1818 brachte die Slala in M eine:„Gianni di Parigi“ betitelte Oper von Romani, Muſik von Morlacchi; im Jahre 1836 ſchrieb Speranza zu derſelben Dichtung einen„Gianni di Parigi“, der in Neapel gegeben wurde; en dlich wurde noch am 10. September 1839 ein neuer„Gianni di Parigi“, von Donizetti komponiert, immer nach dem Buch von Romani, Überſetzung nach Saint⸗Juſt, in der Skala gegeben. Die Oper John of Paris“, die man im Jahre 1814 in London gab, war eine überſetzung von H. R. Biſhop ins Engliſche mit der Muſik von Boieldieu. Erwähnenswert iſt, daß ſchon vor Entſtehung der Oper Boiel⸗ dieus, am 26. Februar 1807, auf dem Theater der Porte Saint-Mar⸗ tin in Paris ein Melodrama in drei Aufzügen:„Jean de Paris“ von Marſollier, Muſik von Darondeau, aufgeführt worden iſt. iland „Jean de Pa 7 S von Varis“ ola der Oper„Johann von Paris“ er niere). zuſt 1812. 1813 und wurde ſie bis zum 19 1 1 Hambi Mü lnch Berlin November 18 mundzwanzigmal gegeben, zweimal im Neue 1813. mal in Pot emen, im Jahr Kaſſel, 9. N1l 15 Fanütar 1817. tember 1817. 1465 Februar 1818 Oktober 1818. zig, 23 ber 1820. Deſſau, im Jahre 1821. Frankfurt a. M., 20. Januar Koburg, 3. Februar 1822(Direktion Gotha, 9. März 1831. Di Die Partitur zur Oper„Johann von Paris vollſtändige, mit dieſem? en in Buche übereinſtimmende Klaviere bei Philipp Reclam jun. in Leipzig. Schaup Erſter Aufzug. mit Mittelbogen in e großen Dorfe Mitte nach rechts gelangten itte nach links ins Frei Innere des Hauſes, durch 8 thüren rechts und links. Ein ter links vorn. Rechts vom Mittel bogen ein Kredenztiſch in gefälliger Ausſtattung. Rechts und link vorn Tiſche und Stühle. Auf dem Tiſch rechts ve 6 mit Wäſche. Möbel ſind in Unordnung Sweiter In einer ländli dem eine Treppe in den Garten fi Guirlanden geſchmückt. Das Gaſthaus eine Terraſſe nach einem Wirtſchaf hen Gegend links Mitte das Gaſthaus Pedrigos yrt; die Thür iſt mit Kränzen 1 rechts hin durck die Terraſſe iſt in den arten. Zur Rechten vorn ein großer einem Lehnſeſſel; zur Rechten hinten eine große Ebenſo zur Linken eine große Tafet OQuverture Introduktion und Chor. rſter Aufzug nicht, thut eure Pflicht! 2. Cerzett. Olivier. Pedrigo. Lorezza. Gaſtwirt, willkommen! Arie. O Olivier. Begiebt mein He Nr. 4. Arie und Chor. Johann. Chor. bequem Nr. 5. Duett. 6. Arie 7 2. Finale. Tr. 9. Duett. J. Chor. 5. Duett. ure 2 Romanze und Chor. Olivier. Der Troubadour, ſtolz auf Prinzeſſin. Johann. Johann. Olivier. Seueſchall. Weil Olivier. Lorezza. Nr. 10. Arie. Jo man je d Zweiter Aufzug. Zwiſchenaktsmuſik) In eine zann. iſt ehrlich. I4. Finale. Chor. Der Den Ru der Muſiknummern. Pedrigo. Lorezza. Chor. nzeſſin. Seneſchall. Johann. Olivier zza. Chor. Darf ſch ſ r ſchmachtenden Roman Ritterſchaft Zierde und Glanz. aßt zu dem Feſt ein fröhl 4 ich ich Mann, iheit Ruhm hier im§ Jo etwas Herz uns bringen. Johann. Prinzeſſin. Chor. e Bande. den ich erwählt, Perſonen. Die Prinzeſſin von Navarra. Der Ober⸗Seneſchall der Prinzeſſi Johann von Paris.(Tenor.) Olivier, Page.( Pedrigo, Gaſtwirt.(Baß.) Lorezza, ſeine T Ein Aufwärter. opran.) hter.(M Kavaliere, Hofdamen und Pagen der Prinzeſſin. und Diener Johanns. Der Kellermeiſter und ſeine Bauerr N Bauern⸗ diener. Aufwärter. Mägde. Bauern und Bäueri Kör em großen Dorfgaſthauſe im Navarra vor. e des vierzehnten Jahrhunderts. Rechts und links vom Darſteller. Stur ng: Paris, 4 O Ouverture Erſter Aufzt 31 22 nd in Unordnung. ind links vom Darſtelle Erſter Auſlril. ſchlauer und g iebener Gaſtwi ufwärter und Dienſtmägde ſind mit dem Aufräumen des rezza, ſeine Tochter Lorezza en Arbeiten und mit Zimn Rr. 1. Introdultion und Chor. Die Mägde Gringen Körbe, Geſchirr, Teller, Tiſchwäſc Die Aufwärter Jaäubern den Boden, ſtellen Trinkgeſch Kredenz zu recht, ordnen Tiſche und Stühle). Chor(in voller iftigkeit und Bewegung). Säumet nicht, eure Pflicht, Rühret Füß' und Hände. Pedrigo(geſchäftig zuredend). Burſche, Mägde, eil t, Chor. 15 ſch Pedrigo. Burſche, Nägde Chor. Raſch 155 ſch Pedrigo. Jedem iſt die hirre auf der ſchafft es bald zu cheuert, fegt! „eilt, rühret Füß' und euert, fegt! Arbeit zugeteilt! ◻ Hände! Chor. Jedem iſt ſein Platz zugeteilt! pedrigo. Jedem iſt die Arbeit zugeteilt, ſäumet ni Chor. Auf, rührt pedrigo und Chor. Füß' und Hände! Säumet nicht, thut die Pflicht Jedem iſt ſein Platz zugeteilt! Raſch bewegt, ſcheuert, fegt, Jedem iſt ſein Platz zugeteilt! Lorezza(zu Pedri Täuſcht Euch vielleicht ein falſcher Name? ). So iſt es wahr, Vom Fürſtenſtamme in unſerm Haus die daß eine Dame, daß eine 2 nimmtꝰ Iſt's die Prinzeſſin von Navarraꝰ pedrigo. Ja, liebes Kind, ich weiß beſtimmt, mt 's iſt die Prinzeſſin von Navarra. Chor(erſtaunt). Die Prinzeſſin von Navarra? pedrigo. Ja, Freunde, ja! jajajaja! 's iſt die Prinzeſſin von Navarr Chor(zu einander). a! Dieſe Dame, die im Beſitz der ſeltenſten Tale Seltener Talente, an Körperreiz, an Verſtand, raſchem Witz Als Muſter geprieſen werden könnte. pedrigo. Und die dabei, wie ihr ſchon wißt, Des Königs Schweſter iſt. Ihr ſeht daraus, daß meinem Haus Der größte Vorteil hier entſprießt! Daher um ſolchen Gaſt Nach Würden aufzunehmen, Muß man ſich zu jeder Arbeit gern bequemen. Säumet nicht, thut eure Pflicht, Rühret Füß' und Händel Chor(zu einander). pedrigo. Burſche, Mägde, eilt, ſchafft es bald zi Chor. Raſch bewegt, ſcheuert, fegt! pedrigo. Burſche, Mägde, eilt, rühret Füß' und Hände! 1 1Ende! Chor. Raſch bewegt ſcheuert, fegt! Pedrigo. Je edem iſt die Arbeit zugeteilt! Chor. Jedem iſt ſein Platz zugeteilt! Pedrigo. Jedem iſt die Arbeit A ſä Chor. Auf, rührt Füß' und Händ Pedrigo und Chor.Säumet nicht Jedem iſt ſein Platz zugeteilt, Raſch bewegt, ſcheuert, fegt, Jedem iſt ſein Platz zugeteilt! Schafft es bald zu Ende, Säumet nicht, thut die Pflicht! Die Aufwärter und Mägde(get nd links und durch die Pedrigoe 68— eitet die iumet nicht! * träge erteilend GAuf dem Tiſche 1 Zweiter Auftritt Der Wirt Pedrigo, ſeine To Corezza(unmutig). Ich hoffe den dieſe vielbeſprochene Frinzeſſin endlich einmal bekommen? Seit vier T Tagen hält ſie das ganze 1 Atem, und am Ende iſt unſere Mühe und Euer Geld loren. Ihr langes Wegbleiben wird mir nachgerade denklich.] Pedrigo(mimmt Lorezza in den Arm und). Ge⸗ duld, mein Kind, höre deinen weiſen Vater und bewundere ſeine Weisheit. Verlorene Mühe iſt eine mißliche Sache, verlorenes Geld iſt noch weit verdrießlicher lund ich habe ſelbſt meine Stunden, wo mir über das lange Ausbleiben der Prinzeſſin allerlei Grillen zu Kopfe ſteigen.] Indeſſen— wenn ihr arbeitet, ſo macht das mich nicht müde, und was die baren Aus agen betrifft, ſo bin ich dafür ſchon im voraus bezahlt worden.[Wozu alſo das Kopfhängen?] Ich ter Lorezza zu ſ ßt ſie k ) Die eingekla ſtreichen. U 1Stellen ſind bei der Auff doch, lieber Vater„wir wer⸗ zu ſehen rade be⸗ 94 24 zebung und rate dir väter trage alles mit Geduld und E lich, es ebenſo zu machen. Lorezza. L Ihr habt gut reden, mit dem Lohn in der Taſche. Pedrigo(läßt Lorezza los). Kommt Zeit, tommt Re zat! Wohl⸗ gemnerkt: unter Rat verſteh ich hier die Lorezza(geht an P o vorüber, macht che zu thun). igo. Ihr Herr O Abrei Sen Lag der Durchreiſe Ihrer H i Sie war geſonnen, 1 Erf ich mußte daher meinen garzen Gaſthof ihr 0eſolhe einrichten, damit ſie bei ihrer Ankunft ihre dolle Vehtemiket findet und nach Standesgebühr emp ˖ werden kann. Der Herr neſchall efahl mir l[weiter große Vorräte von L zebensmitteln amuſchaff fen, weil die Prin zeſſin hier ihrem Hofſtaat glänzende Gaſterei geben will. Corezza(wol ickend). O der Herr Seneſchall verſteht viel, ſehr viel, rſchwerlich etwas ſo gut, als die Kunſt, ein Gaſtmahl anzuordnen. pedrigo. Du irrſt. Er verſteht f ſich noch beſſer d arauf, es zu verzehren. Doch ich m08 ihm nichts ſchlim mes nachreden. Er macht gute Tafel, aber auch gute Zeche. Ich habe zum Beweis das Geld in Händen, welches er mir als E Entſchädig ing für den Verluſt gab, den ich durch die nötig gewordene Abwe iſung aller übrigen Gäſte erleiden könnte. 10 Man ſagt, daß die Prinzeſſin auf die Einladung igs von Navarra, unſeres guädigen Fürſten, in die O6 uptſtadt zurückkehre? Pedrigo(ſetzt ſich lintsv. Da ſagt man ganz recht. entfernte ſich nur, um das erſte Witwenjahr in ländlick Abgeſchiedenheit auf ihren Gütern zuzubringen. Nun iſt die Zeit der Trauer verſtrichen und ſie begiebt ſich wieder an den Hof ihres Bruders, der von allen jungen Fürſtenſöhnen Europas auf das dringendſte um den Beſitz eines ſolchen Wunders von Schönheit angegangen wird, und der nun die Wahl des künftigen Gatten ihrem Abe 15 eſchmack überläßtl. Bei dieſer Gelegenheit iſt es keine kleine Ehre und Auszeichnung für meinen Gaſthof, welcher 25 er einzige ganzen Straße iſt, daß e ausgewählt erholen. ie ſo hohe Herrſchaft ge hat, um ſich von den Strapazen der ). Da bin r ich ganz Eurer Meinung. zauch). Hoc ömi Hle nicht! Welt kennt Unterſchied. ebenſo emſi gehüllt, bei der in ein er reick geſchmile 0 41185 ufte vor 6 von Mar meinem Hausthor klit igelt. Wi ſchen.](Er erhebt ſich 2 1 and meiner Gäſte, wenn ſie nur Leute ſind.(Er eund dur ſtige IN wendet ſich nach dem ich und ordentlich das Doppelte be⸗ (ſieht aus dem Fenſter links). Das iſt d die Hauptſache. 1 bier Ur ein junger enſch auf uns et ſich nach der Mitte und nim Aber wa gelaufen? tre mt nach dem E Der page Olivier Barett und Reitpeitſcd Mantel über die hulter, durch die Mitte Dritter Auftritl. Pedrigo rechts. Lorezza in der Mitte, der Page Olivier u ihrer Linken. Olivier. Willkommen, Herr Gaſttwir„willkommen! Pedrigo. Was will denn er? Was wil denn erꝰ Olivier. Ein Lager, potz Blitz Element Lorezza(für ſich). Ganz artig iſt dies Kompliment. Pedrigo(für ſich). Das iſt ganz ſicher ein Student. Olivier. Nun, werd' ich aufgenommen? Nun, werd aufgenommen? Nein! Vedrigo(mit barſchem Ton). Unnütze Klagen, es bleibt dabei! n Paris 26 Johannu Olivier. Nein, nein? Nein, nein? Was kann dies Weigern frommen? pedrigo. Seine Bitte kommt allzuſpät, Kein Zimmer zu Gebot mir ſteht, Nein, nein, nein, nein, nein, nein! Kein Zimmer noch zu Gebot mir ſteht! Olivier(zu Pedrigo). Weiter kann, weiter kann dieſer Fuß mich nicht tragen. Was habt Ihr zu wagen? Gebt Speiſ' und Trank und friſche Streu. Pedrigo(u Lorezza und Oli Unnütze Klagen! nein, nein, nein er). Lorezza(zu Pedrigo). Könnt Ihr ihm verſagen Die Kanne Wein, das bißchen Streu? Olivier(zu Lorezza). Sprecht nur ein Wort, ſprecht nur ein Wort, Mein Schätzchen, ſprecht nur ein Wort! Ein Wort, mein liebes Schätzchen, Und ſchnell zerſchmilzt des Herzens Eis! Lorezza(zu Pedrigo). Gebt ihm doch, gebt i Nur ein winzig Plätzchen, hm doch Und er dankt gewiß Euch heiß! Seht, ſeine Stirne träuft noch von Schweiß Olivier. Seht, ach ſeht, auf der Stirn, ö Ach, ſteht noch der Schweiß! ö pedrigo Gornig zu beiden). Wagt nicht, ſo albern fortzuſchwätzen. (Zu Olivier.) Marſch fort, dort iſt die Thür! Olivier(zu Lorezza). Sprecht nur ein Wort, mein Kind Und ſchnell zerſchmilzt des Herzens Eis. Lorezza(zu Pedrigo). O ſo gebt ihm doch nur ein Plätzchen, Und er dankt gewiß Euch heiß. Glück auf den Weg, doch fern von hier. pedrigo(zu Olivier). Er mag ſich an die Hausthür ſetzen, Olivier(ſetzt ſich links). Verzeiht, verzeiht, ich muß Denn hier erwart ich, ja, erwart ich Meiſter mich etwas Lorezza, Pedrigo. Meiſter Haus? Meiſter Pedrigo. iſt wohl mit Olivier. Mein G Lorezza. Sein Gebie Pedrigo. Sein Gebieter? Corezza. Sein Gebieter. Olivier. Mein Gebieter. Pedrigo. Recht gut, recht ſchön, recht Jetzt 05 er Zeit, Des Mei eiſte Lorezza.) uf Hör a livier lück auf Marſch 85 dort Lorezza(die f Gebt 101 ein tleines Und Er Se er daukt gewiß Seht, Gebt i Und er Olivier ht auf und f Sprecht nur Seht, meine Sprecht nur ein Und ſchnell z Lorezza(ſpricht zu Olivier). hungert ſehr, er ein Wort, Und ſchnell zerſchmilzt d Mich hungert ſehr, mich Wort, erſchmilzt des Herze Thut alſo, 1 jetzt kann er gehn, enn es gehört wohl in den S Hanſen Hör 17 ſo albern fortzuſchwä Seneſchall. ſo dumm zu ſchwätzen. der 455 Weg, doch fern Thür!— Plätzche Euch heißl dürſtet mehr, ſeine Stirne träuft von Schweiß! ihm ein kleines dankt gewiß Plätzchen uch heiß!- ſich auf Lorezz —— dürſte et Stirne träuft von Schwei mehr, mein 1 8 Eis! Nur fort, ju nger was klug iſt und von ziebkoſungen gefallen läßt). Tollkopf! nicht ſo zudringlich! Mau will Euch nicht 8 ſeht Ihr wohl. 98 zu ihm.) Bleibt in den Zimmern Olivier.) Ich gehe zum Empfang Euch ein Fr pedrigo. Thu d ◻ ſtück zu 5, mein Kind un horüber zum cht, Vater, geſagt habe ]Sie 2 ab nach uftrilt. Der Wirt Pedrigo, der Page Olivier zu ſeir ſich Ein allerliebſtes Mädchen! und für den Magen. ſe, wobei er Olivier ht) u, be ymten 8 Vierker bonrigo(nach einer P n zum Gel 85 0 97 ich Ihm' in WRoſe⸗ Iſt kein Schlupfwinke kel für Bettler und lie Auch ſind alle Zimmer meines Hotels beſtellt, fol und will ich Ihn nicht aufnehmen. Hat Er mich ve Olir er. Ich ſoll gehen? Das kann nicht ſein. doch hier meinen Gebieter erwarten.(er ſetzt ſich an links.) Pedrigo. Aus welchem Lande i Ein Gaskogner vermullich? Olivier(aufſpringend'. Alle Hagel! Keine Beleidigung. Er iſt aus Paris. Pedrigo. Aus Paris? So, ſo! Olivier. Man nennt ihn gewöhnlich 1 nur Johann von Paris. Pedrigo. Ei! Was Er da ſagt! Johann von Paris! [Ein ſchöner Name: Ein ſeltner romantiſcher Name! Nun, wohlan! So ſag Er ſeinem Gebieter, dem Herrn— Jo⸗ hann von Paris, nicht wahr? er mag immerhin der Johann von Paris ſein und blei aber] in meinem Hauſe kann er kein Unterkommen finden, wenigſtens heute nicht. Krliche C — t denn ſein Gebi N 5 1 erſteh ich rn nicht be beherberger Pedrigo. Nein, nein und ab nicht deutlich genugꝰ manche Leute he i in Aufwärter(k Barett au ˖ meinen He rmals nein! War War das nock zie für ſich.) M immt eilig durch die Mitte von l Fünſter Auſtritt. Die Vorigen. Der Aufwärter z Auſwärter. Gef ſtrenger in den Hof he in welchem It Olivier(hört mit ſie Pedrigo. J du d ganzen S 5 eingerichtet, 5 smacht? Herr, Ich na b igen ſollꝰ pferde ſind en wollen, Junge, habe 6 erhobenen Marſt belchem unf ſtreitig dieſer Aufwã Mit 1 Herr, das verſteh ich beſſer. Der · Name, der auf den Pferdedecken ſteht, iſt nicht jener der Prinzeſſin. Dedrigo. Weſſen denn? Aufwärter. Der Name des Reiſenden Pedrigo. Über den Tölpel! Und wie ſende, dem ſie gehören? Aufwärter. Johann von nach links.) Paris.(er geht ab durch die Mitte lter Auftrilt. „Olivier zu ſeiner Linken. Pedrigo(verwi Johann von P Olivier(n0 immer ſitzend, leichthin). Ja. Zuweilen wan on delt ihn die Luſt an, mit mir einen Seitenpfad einzuſchla⸗ gen. Da ſitzen wir ab, gehen eine Strecke zu Fuß und 81 ſchicken den Marſtall oraus. in, Pedrigo(erſtaunth). Den Marſtall? Sehr unt hänig o⸗ Mützchen abnehmend.) Bedeckt Euch doch, bedeckt Euch, mein der 8170 Freund! Die Luft iſt heute tdas rauh. Könntet iſe Ibr mir nicht ſagen, was eigentlich den Herrn Johann von Paris nach Navarra fü hrtꝰ kein Gott, was doch 30 Olivier. Er will Eure Hauptſtadt beſehen lernen. Pedrigo. Daß dich die Peſt! Daran thut giebt nur ein Pamplona in der Welt. Auf Erdboden findet man ſonſt keinen Ort dieſes Olivier. Ich habe als Kind ſchon viel rüh Eurer Stadt gehört.] Sind wir noch weit davon entfer Pedrigo. Höchſtens eine halbe Tagereiſe. Alſo Euer Herr wäre wirklich geſonnen, in meinem Gaſthof abzuſte Olivier. In vollem Ernſt. pedrigo. Fatal! Ich bin untröſtlich über den Z Indeſſen ſhört, da hab ich einen Gedanken! Ich erin nere mich richtigll Da iſt noch eine kleine Stube im Erdgeſchoß. Zwar ſchlägt der Rauch aus der daranſtoßen⸗ den Küche etwas ſtark hinein, aber wenn ſich Euer He damit behelfen wollte, ſo würde ich ſie ihm mit Vergnü einräumen. Olivier. Warum nicht? Mein Herr iſt bald befriedi pedrigo. Gut! So will ich ſelbſt die Anſtalten beſor Olivier. Thut das. Geht in die kleine Räucherf hinein. pedrigo. Ihr ſeht doch, daß ich, ſoweit es in meir Kräften ſteht, alle meine Gäſte ohne Unterſchied zufrieden zu ſtellen trachte. Lorezza(kommt eilig von links). Hiebenter Nuftritt. Die Vorigen. Lorezza nimmt die Mitte Lorezza. Vater! Vater! Unſer Haus wimmelt von Leu⸗ ten zu Fuß und zu Pferde. Ich weiß nicht, ob ich genug Wohnungen finde, ſie alle unterzubringen. Pedrigo(an Lorezza vorüber zu Olivier tretend). Ihr ſeht, daß ich ein wahrheitsliebender Mann bin. Ich ſagte Euch vor⸗ her, daß ich eine große Anzahl fremder Gäſte erwarte [Nun ſind ſie angekommen. Fort, Mädchen! Verdopple deine Auſtrengungen, deine Aufmerkſamkeit. Mein Haus ſoll ſich des hohen Beſuches würdig zeigen.] Ihr wißt doch wem dieſe Leute angehören? Lorezza. O ja, ſie ſagten— Pedrigo. Di Kſten bei— Lorezza. Pedrigo(erf von Par Olivier. N Es iſt ja ff5n Gefol Pedrigo(fur habt vermutlich eimige Er ſchungen nötig. Die Ermüdung von der langen Reiſe— Geh, Lorezza, bediene den Herrn * aufs ſchnellſte und beſte. Lorezza. Recht gern, lieber Vater! Hier hab ich, was ich brauche.(Sie ni n Tablett mit E 3 von der Mittelthür, n und Flaſche Weir vom Kredenz 1115 ſich). Sein G efolge?(Laut zu Olivier.) Ihr 0 dient Olivier damit und ſchenkt ihm 0 Olivier. Verzeiht, ſchönes Kind, ⸗ Mühe mache. Lorezza chinter dem Tiſch links). keine Mühe. Olivier. Nun, Herr Wirt, mein Herr kann nicht mehr weit ſein, zögert nicht lange, ich bit Euch, bringt die kleine Räucherkammer in Ordnung. Pedrigo(gu Sein Gefolge?— Sonderbar! Olivier(auffpring nit der Reitpeitſche fuchtelnd). Nun, habt Ihr Blei in den Füßen? Pedrigo Gögernd). Nicht doch— i aber ich glaube hoffe Olivier. Was hofft, was glaubt Ihr?(er ein Glas Wein und ſchenkt nochmals ein.) Pedrigo. Da hab ich zu meinem eigenen Gebrauch einen Teil des zweiten Stockwerks zurückbehalten. Im äußerſt Notfall könnte ich dieſes Quartier entbehren, und d] wenn ſich daß ich Euch ſo viele Was man gern thut, iſt trinkt ſchnell iug Herr Johann von Paris deſſen bedienen wollte— Olivier(ironiſch). O das macht Euch zu große Unbe⸗ daß quemlichkeiten. or⸗ Pedrigo. Keineswegs. Wir gemeinen Leute ſind überall rte gut aufgehoben. ple Olivier. Dann iſt es um ſo beſſer. Geht alſo in das aus zweite Stockwerk und macht Ordnung. och Pedrigo(halblaut, ſo daß es Olivier und Lorezza hört). Es iſt ein gefälliger, ein allerliebſter Menſch! Lorezza chu n Tiſch links, für ſich). Ich habe nicht ſo viel Zeit gebraucht machen. pedrigo(neugierig). Aber Johann von Paris, deſſen? wer iſt ſolchem O was Ihr bis habt, Ihn ſelbſt mi Ihr erſt kenn W̃ hat eine? er, durch die zu ſo leicht kein anderes Menſchenkind nachahmen wir Pedrigo. Das wäre! Olivier. Hört nur meine ſch Lorezza(kommt nach links vor). dache Beſchreibung. Olivier. Begiebt mein Befolgt er ſtets die 9 Alles prächtig, entzüc Ja, alle es prächtig, 10995 ſchön Ha, welcher Glanz der Equipagen, Jeden Abend Tanz und Schmaus! r ſtreuen 88 aus vollen Taſchen, zu jön, N Und alles ruft begeiſtert aus: „O ſeht nur hin, die P15 n Tiere, Der Decken Schmuck, die Pr achtpaniere, Kann man wohl etwas Schönres ſehn?“ Zu Fuß, in Sänften und zu Roſſe, F 91 jedermann dem prächt'gen Troſſe; Des muntern Ho hall, ton, ton, ton, ton, Ton, ton, ton, ton, ton, ton, ton, di ihre f Der lockern Peitſche Knall, klickklack, klickklack, (mit der Reitpeitſche fuchtelnd) Klickklack, klickklack, klickklack klatſcht durch die Luft! Vierzig Wagen begl leiten uns von weitem, Jeder drängt und eilt im Flug. Welch Getümmel von Leuten, Eine Stunde währt der Zug. Endlich folgen der Spielleute Chöre, Vortrefflich, vortrefflich, bei meiner Ehre, Johyhann von Paris. 33 Sie machen Lärm, wie ſich's gebührt, Daß man oft ſein Gehör riskiert! Ach, ganz vortrefflich, ganz vortrefflich, Ganz vortrefflich, bei meiner Ehr'! Ha, welcher Glanz der Equipagen, Jeden Abend iſt Tanz und Schmaus! Wir ſtreuen Gold aus vollen Taſchen, Und alles ruft begeiſtert aus: „O ſeht nur hin, die ſtolzen Tiere, Der Decken Schmuck, die Prachtpaniere, Kann man wohl etwas Schönres ſehn?“ Eine Stunde währt der Zug! Welch Getümmel da von Leuten, Jeder drängt und eilt im Flug! Ton, ton, ton, ton, ton, ton, klickklack, klickklack! Begiebt mein Herr ſich auf die Reiſe, So iſt es prächtig anzuſehn! Iſt es prächtig anzuſehn! Pedrigo, Lorezza. Ja, das iſt prächtig, ſo was zu ſehn!! Iſt es prächtig, dies anzuſehn! Pedrigo(ſpricht erſtauntb). Was mir ſagt! faſt unglaublich! Aber wenn es, die re Das iſt ja ie ich nicht zweifle, doch ine Wahrheit ſein ſollte, ſ0 it ja Euer Herr— Olivier(ſchnell einfallend)d. Ein Reiſender, der keine Aus⸗ gaben ſcheut, um ſeine Pläne durchz zuſetzen. So hat man Winde⸗ le, daß er an Orten, wo er zur Zufriedenheit bedient wu dem Wirte beim Abſchied die allergewichtigſten Be⸗ Welſe 255 Freigebigkeit und Großmut in die Hand drückte. Pedrigo(reibt ſich entzückt die Hände, für ſich). Daß dich die Peſt! Olivier. 11 pfl gt ſeinen Equipagen gewöhnlich auf dem Fuß zu folgen. Trefft daher bei guter Zeit die nötigen An⸗ ſtalten in ben kleinen Raume des zweiten Stockwerks. Pedrigo(im Begriff zu gehen, kehrt wieder um und zieht Olivier beiſeite). Halt, halt! Da kommt mir noch ein Einfall! Nicht wahr, Euer Herr will nur über Mittag bei mir ver⸗ weilen? Es müßte doch verhext zugehen, wenn die anderen 3 34 Johann von Paris. Reiſenden gerade um dieſe Zeit einträfen. Das iſt gar wahrſcheinlich. Warum ſollte ſich alſo Herr Johann von Paris in den kleinen eungen Raum des zweiten Stockwerks einzwängen? Nein! Er ſoll im erſten Stock, in dem ſchönſten Quartier meines Hauſes wohnen. Olivier. Auch gut! So geht ſogleich in den erſten Stock, in das ſchönſte Quartier Eures Hauſes.(Er wendet ſich ab und ſetzt ſich an den Tiſch links.) Lorezza(zu Pedrigo hinüberlaufend). Vater, erlaubt auch mir ein Wort mitzureden. Ich habe die Wohnung ſo eingerichtet, wie es für eine Prinzeſſin ſchicklich iſt, aber nicht für- Pedrigo. Was geht das dich an? Habe ich nicht hundert⸗ tauſendmal geſagt, mir iſt ein Paſſagier ſo lieb wie der an⸗ dere.[Jedem gleiche Sorge, gleiche Treue, gleiche Zeche. chütterlich in meinen Grundſätzen.] O ich bin ſtandhaft, unerf (Zu Olivier.) Da fällt mir ein: Ihr habt mir wohl den Na⸗ men Eures Herrn genannt, allein noch immer weiß ich nicht, wer er iſt und was er treibt. Olivier(ſitzend). Er ſchläft, trinkt, ißt, verdaut, reitet, geht ſpazieren und ſetzt ſich nieder, wenn er müde iſt. Pedrigo. Das alles hat er zu thun? Der Mann muß keinen Augenblick für ſich übrig haben. Aber welche Würde bekleidet er eigentlich? Olivier. Eine ſehr anſehnliche reſpektable Würde. Pedrigo. Er iſt alſo- Olivier. Ein Bürger von Paris. Pedrigo(prallt zurückh). Ein Bürg— Geringſchätzig.) Ein Bürger? Olivier. Ja. Pedrigo. Mit ſolch einem Aufwande müßte er ja eher ein Prinz ſein? Olivier. Mein Freund, Ihr müßt wiſſen, daß ein Bür⸗ ger von Paris mehr bedeutet, als ein gnädiger Herr in Pamplona. pedrigo. So? Wäre das möglich? Ein Bürger mehr als ein gnädiger Herr? Das muß ein kurioſes Land ſein Ich bin doch neugierig, die Bekanntſchaft dieſes ſonderbaren Mannes zu machen. (Das Vorſpiel der nächſten Nummer beginnt.) 0 Ra 953 Johann von Pari 8. 30 Olivier(ſpringt auf). Das könnt Ihr ſogleich. Ich hör ihn ſeben auf der Treppe mit Leuten aus ſeinem Gefols ſprechen.(Er eilt nach der Mitte hin un Acht Pagen links hinten Ar Johann von Paris er einfachen l Kavalieren in Bürge vier Diener und vier Aufwärter(ble d tritt dann nach Tr Achter Auftrikt. Die Vorigen. Johann von Paris. Seine Kavaliere. Acht Pagen. Vier Diener. Vier Aufwärter. * A◻. * ο2 Lorez; 4 Lorezz 22 ——— 2 EHeER J * Tiſch Johann * Olivier Nr. 4. Arie mit Chor. Zohann. Macht's, Freunde, euch bequem, Der Wirt reicht Trank und Speiſe, Ein kurzes Stündchen der Ruhe genießt; Der Wein erfreut, Geſang entzückt, Und beides ſtärkt zur weitern Reiſe. Chor. Wir machen's uns bequem, Der Wirt reicht Trank und Speiſe! Die Kavaliere(gehen zur Kredenz und ſtehen Die Auſwärter(bedienen ſie mit Wein). 36 Johann. Der Wirt reicht Trank und Speiſe; 155 Johann von Paris. Ein kurzes Stündchen der Ruhe e genieß Der Wein erfreut, Geſang entzückt! Chor. Kurze Ruhe genügt, kurze Ruhe genügt!l Der Wein erfreut, Geſang entzücktl Johann. Und beides ſtärkt zur weitern Reiſe! Chor. Wohlan, auch kurze Ruhe genügt! Zohann(zu Pedrigo). Schnell die Tafel beſchickt! —— Pedrigo(jür ſich). Viel Zeit verliert er nicht! Lorezza und Olivier öu Johann). Bald ſeid Ihr bedient, Denn ſie kennen die Pflicht! pedrigo(für ſichh. Bei Gotk, viel Zeit verliert er nicht! Johann. Welch Vergnügen gewährt mir die 850 93— Ein volles Glas zur Hand, ein Liebchen an i Das macht ſo froh, die Rede kommt in§ Fluß, Man lacht, man ſcherzt, ertränkt wird der Verdruß. Laßt Madeira mir kredenzen, Burgunder bringt, ein ganzes Faß, Von des Champagners ſprudelndem N Soll der Schaum am Barte mir glã Herr Wirt, Euer Wein trifft an mir ſeinen Mann! pedrigo(für ſic)h. Der Bürger iſt ein lockrer Kumpan, Dieſer Bürgersmann iſt ein lockrer Kumpan! Johann und Chor. Ha, welch Vergnügen bringt uns die Tafelfreude, Ein Glas zur Hand, ein Liebchen an der Seite! Johann. Das macht ſo froh, d die Rede kommt in Fli Man lacht, man ſcherzt, ertränkt wird der Verdruß! Johann und Chor. Das macht ſo froh, die Rede kommt in Fluß! Man lacht, man ſcherzt, ertränkt wird der Verdruß! Macht's euch bequem, der Wirt reicht Trank und Speiſe, Ein kurzes Stündchen der Ruhe genügt. Macht's euch bequem, ganz bequem! N 5 1 D Johann von Paris. Johann(ſpricht im rauhen barſchen Tone). Nun zur Sache, Herr Wirt! Euer Gaſthof iſt noch unbe ſetzt? Ohne Antwort abzuwarten.) Ja? Gut! So behalte ich ihn f mich.(er ſetzt ſich links.) Pedrigo(nähert ſich zögernd). Unglücklicherweiſe iſt Euch be reits ein anderer zuvorgekommen. JZohann. Und dieſer andere? Wer iſtsꝰ Pedrigo. Der Herr Ober-Seneſchall Ihrer Hoheit der Durchlauchtigſten Frau Prinze ſſin von Navarra. Johann. Was hat Euch der Herr Obe er⸗Seneſchall Ihrer Hoheit der Durchlauchtigſten Frau Prinzeſſin dafür gegebenꝰ? Pedrigo. Er bezahl te mir großmütigſt für alle Räume, ſämtliche Wohnzimmer, Küchen, Keller, Remiſen und Stal⸗ lungen] eine bare Summe von zwanzig Piaſtern in Gold. Johann(zeigt ihm eine Börſe). Hier ſind Hundert. Gu ſei⸗ nem ge.) Kinder, der ganze Gaſthof ſteht zu eurer Verfi igung! Pedrigo(35 indeſſen Johann. Habt Ihr etwas zum Imbiß für meine Leute? pedrigo. O es ſind allerlei ſchöne Vorräte da, aber der Herr Seneſchall hat ſie ſchon im voraus für ſich beſtellt. Johann(wirft ihm die zu). Ich bezahle ſie voraus. Zu ſeinem Gefolge.) Freunde, alle Lebensmittel, die ihr im Hauſe findet, ſind euer. Pedrigo. Ja— aber— Johann(ſpringt aufö. Keine Widerrede. Ich gab, Ihr nahmt; der Handel iſt geſchloſſen. Geht und gebt Eure fehle.(Er wendet ſich ab, gieß li t.) [Lorezza(jür ſichb. Der Herr Bürger von Paris ſpricht in einem ſehr fſch iedenen Tone.] Pedrigo(für ſich). Ich weiß nicht, welche unſichtbare Macht mich zwingt, Wefern Satan von Menſchen in allen Dinge zu Willen zu ſein. Ich will nur gehen und die Anſtal ſchuell treffen, ſo werde ich die fatalen Gäſte doch bald wie⸗ der los.(Laut.) Komn ut mit mir, ihr Herren! Ich will euch eine kleine Probe geben, wie man in Spanien ſeine Gäſte bewirtet.(Er giebt den vier Aufwärtern einen Wink.) zernd einwende d). Das wäre alles ſehr gut, Be⸗ t ſich aus der Flaſche auf dem Tiſch Wein ein und tr 38 Johann von Paris Die Aufwärter(gehen durch die Mitte nach rechts ab). Olivier. Laßt es euch ſchmecken; bedenkt, daß das ganze Haus euer iſt. Nicht wahr, Herr Wirt? Pedrigo D). Freili ja— das ganze Haus iſt euer.(Für ſich.) Wenn ich nur Spießglas und ſpani⸗ ſchen Pfeffer unter die Speiſen nehmen dürfte! zeigt m Unterwürfigkeit durch die Mitte nach rechts.) Die Kavaliere(gehen durch die Mitte nach rechts ab). Die Pagen und Diener(folgen). Pedrigo(ebenſo). Lorezza l(entfernt ſich durch die Mitte nach links). lb weinen Neunter Auftritt. Johann, der Page Olivier zu ſeiner Linken vor dem Tiſe Johann(in ſeinem nat en liebenswürdigen Tone, ſti auf Olivier). Nun, Olivier, wie gefällt dir meine Art zu reiſen. Olivier. Sie iſt neu, wunderlich, vielleicht ein bißchen toll; Urſachen genug, gnädiger Herr, um in den Augen eines Pagen allerliebſt zu ſein. Johann(ſetzt ſich an den Tiſch links). Du glaubſt alſo— Olivier. Daß Ihr Euer ſchlichtes Bürgerwams mit f chem natürlichen 1 zu tragen wißt, lund die Sit⸗ ten und Gebräuche der mindern Volksklaſſen mit ſolcher Treue nachahmt,] daß ich darauf ſchwören wollte, jedermann müſſe Euch eher für einen ehrlichen Spießbürger halten, als für den[Sohn Philipps von Valois, für den] rechtiäßigen Erben der Krone Frankreichs. Johann. Du meinſt alſo, daß mein jetziger Name,[ſo wenig hochklingend er auch iſt,] meine Pläne begünſtige. Olivier. Der Titel eines Königs von Frankreich, der ihm einſt beigeſetzt werden wird, wäre allein hinlänglich, ihm Glanz zu verſchaffen, wenn Eure Thaten ihn nicht dieſer Mühe enthoben hätten. Johann(aufſtehend). Keine Schmeicheleien, ich liebe ſie nicht.[Wenn ich das höchſte Gut des Lebeus, den Ruhm, mit der Sorge 55 mein Vergnügen in Verhindung briuge] — ich befolge nur das heilige Geſetz, welches die Ehre jed em [mannhaften undl tapfern Ritter vorſchreibt. Johann von Paris. Olivier. O wie teuer iſt dieſer Name meinem§ Wie ſüß erſcheint mir die Erfüllung der Pflichten, auferlegt. Nr. 5. Duett. Johann. Den Ruhm über alles zu lieben, Der Dame des Herzens ſich weihn, Das heißt die Ritterpflichten üben, Treu dem Geſetz der Ehre ſein. Den Ruhm über alles zu lieben, Das heißt die Pflichten üben, Treu dem Geſetz der Ehre ſein. Olivier. Den Ruhm über alles zu lieben, Der Dame des Herzens ſich weihn, Das heißt die Ritterpflichten üben, Treu dem Geſetz der Ehre ſein. Johann. Willſt du dem Bund dich beigeſellen, So mache dich des Namens wert, Befolge ſtreng in allen Fällen, Was dich mein Mund, mein Beiſpiel lehrt, Was dich mein Mund, mein Beiſpiel lehrt! Olivier. Ja, ich folge ſtreng in allen Fällen, Was Euer Mund und Beiſpiel lehrt. Johann. Willſt du dem Bund dich beigeſellen, So mache dich des Namens wert, Johann und Olivier. Wohlan, den Ruhm über alles lieben, Der Dame des Herzens ſich weihn, Das heißt die Ritterpflichten üben, Treu dem Geſetz der Ehre ſein. Johann. Gedeihn, Gedeihn dem edlen Ritterſtande! Olivier. Gedeihn, Gedeihn dem edlen Ritterſtande! Johann. Gott diene und dem Vaterlande! Johann. Lerne ſie ganz kennen, um ſie einſt ſtrenge er⸗ füllen zu können lund eine Zierde der Ritterſchaft zu werden!. Olivier. An beide feſſeln mich die ſtärkſten Bande! ———————— Johann von Paris. Johann. Im Kampf für deinen König mußt du Ruhm erwerben. Olivier. Ich ſchwöre, gern für ihn zu ſterben! Johann. Deiner Schönen bleibe ergeben! Olivier(mit Feuer und Gefüh Ich ſchwöre, ich ſchwöre, für ſie nur zu leben. Johann. Es hat das ſchwächere Geſchlecht Auf unſern Schutz das nächſte Recht; Dem Weib gebühret unſres Armes Weihe, Doch auch Olivier. Noch mehr? Zohann. Liebe und ew'ge Treue! Olivier. Auch ew'ge Treue? (Nach einer Pauſe, mit Ironie.) Folg ich hierin auch Eurer Lehre, Ahm ich nicht lieber das Beiſpiel nach? Johann(acht). Nein, junger Freund, nur meiner Lehre, Nicht meinem Beiſpiel folge nach. Johann und Olivier. Den Ruhm über alles zu lieben, Der Dame des Herzens ſich weihn, Das heißt die Ritterpflichten üben, Treu dem Geſetz der Ehre ſein. (Er fordert Olivier auf, das Gelöbnis in ſeine Hand zu geben.) Olivier(ſchlägt freudig ein; ſpricht). Ich dank Euch, gnädiger Herr, für Euren Unterricht. Eure Worte ſind unauslöſch⸗ lich in mein Herz gegraben.(er küßt Johann die Hand.) Johann. Deſto beſſer. Aber laſſen wir das jetzt. Ich muß vielmehr daran denken, mein kaum begonnenes Aben⸗ teuer durchzuführen. [Olivier. Das Unternehmen mag glücken oder nicht: Euch wird man doch das Recht wwerfayren laſſen, daß Ihr mit etwas ſeltſamen Mitteln eine ſehr weiſe Abſicht bezweckt. Johann. Das glaub ich auch.] Die Klugheit hat dies⸗ mal[ganz allein] meine Schritte geleitet. Man macht den Eigenſchaften der Prinzeſſin von Navarra die größten Lob⸗ ſprüche; lich erfahre, daß alle Straßen mit Prinzen bedeckt ſind, die einen Zug nach Navarra machen, um dieſe ſo Johann von Paris. 41 ſeltene Schönheit heimzuführen.] Meine Phantaſie erhitzt ſich: ich komme auf den Gedanken, mich ihren Brautwerbern anzuſchließen. Aber klüger als meine Rebenbuhler, faſſe ich den Eutſchluß, mich[vor der entſcheidenden Erklärung erſtj perſönlich zu überzeugen, ob die Prinzeſſin ihren Ruf recht⸗ fertige. Ich bitte meinen königlichen Vater um die Be⸗ willigung, unter dieſer Vermummung reiſen zu dürfen.[Er gewährt meine Bitte, und ich mache mich auf den Weg. Mein ganzes Haus,] die edelſten Ritter des Königreichs be⸗ gleiten mich. Die Karawane iſt ſo zahlreich,[daß ich meine ſämtliche Equipage mit mir führe und ſo den Vorteil habe,] mich[nach Erfordernis der Umſtände,] in einem Augen⸗ blick aus einem gemeinen Bürger, der mit ſeinen Leuten das Land durchzieht, in einen mächtigen Prinzen zu wandeln, d ver⸗ eſſen Umgebungen ſeinem Range angemeſſen ſind. Olivier. Bisher ſcheint alles Eurem Plane den günſtig⸗ ſten Erfolg zu verbürgen. Johann. Als ich erfuhr, daß die Prin zeſſin in dieſem Gaſt⸗ hofe abſteigen wolle, ſo entſchloß ich mich, ihr zuvorzukommen und mich zum Meiſter von Grund und Boden zu machen. [Das Sonderbare meines Auß zern und meiner Manieren, die Vorſicht, alle Lebensmittel in Beſchlag zu nehmen, die Über⸗ raſchung, welche ich ihr vorbehalte: alles dies zuſammenge⸗ nommen muß mir Gelegenheit verſchaffen, mich ihr zu nähern J Zum Glück weiß man auf d W110 Lande noch nichts vom Zwang der Hofetikette, und ich werde alſo hier be eſſeb er als irgend anders⸗ wo die Prinzeſſin ſehen, beo bac hten, ihre Schönheit. 80 ihren Geiſt würdigen können. Mit einem Wort: der Z Zweck meiner Reiſe wird erfüllt, ehe ſie noch vollendet iſt. [Olivier. Das nenne ich mit der Zeit wuchern.] Johann. Ich rechne dabei auf deine Unterſtützung ſin dem ‚ angewieſenen A Du kennſt meinen Plan, beſchäftige dich mit den Mitteln, ihn zur Reife zu bringen.] Olivier. O gnäd diger Herr, an Eifer und Thätigkeit ſoll es ſvon meiner Seite] nicht fehlen. Ich geh 1 05 ff zu ordnen, Batterien zu errichten, Reko f zu veranſtalten, kurz, alles vorzukehren,! un tragenen Expedition mit Ehren zu entledi durch die Mitte nach links.) he jetzt, den gnoscierungen uch der über⸗ ekog 1n igen. Er geht ab 42 Johann von Paris. Zehnter Ruftritt. Johann allein. Johann. Bald ſoll alſo mein Wunſch in Erfüllung Ich werde dieſe reizende, und wie es heißt, gefährliche Prin⸗ zeſſin ſehen. pedrigo(kommt durch die Mitte von Elfter Ruftritt. Der Wirt Pedrigo, Johann zu ſeiner Linken pedrigo(ärgerlich). Da haben wir's, mein von Paris! Ihr habt mich in eine ſchöne Verleg Johann(wieder in etwas derberem Tone). Wieſo? Pedrigo. Der Ober-⸗Seneſchall iſt kaum noch zwanzig Schritte von hier. Johann(nit Kaltblü igkeit, die er den gan hält). Der Ober⸗Seneſchall? pedrigo. Freilich! Er rechnet darauf, den Gaſthof leer zu finden. Johann(ſetzt ſich links). Nun, er wird ihn voll finden. Pedrigo(verzweifelt hin⸗ und herlaufend),. Das iſt's eben, was mich zur Verzweiflung bringt. Was ſoll nun mit ihm geſchehen? Johann. Was mit mir geſchehen wäre, wenn ich ſpäter als er gekommen wäre. Pedrigo. Zum Henker! Ihr und er! Das iſt doch ein Unterſchied, ſollt ich meinen? Johann. Freilich, ein bedeutender Unterſchied! pedrigo. Ihr hättet Eure Reiſe fortgeſetzt. Johann. So ſoll er die ſeinige auch fortſetzen. pedrigo. Aber er hat mich im voraus bezahlt. Johann. Ich ebenfalls. Pedrigo. Er wird mich nun einen Lügner ſchelten. Johann. Wahrſcheinlich. Pedrigo(immer wütender). Mich wie einen Betrüger behandelun. Johann(immer ruhig). Mit vollem Recht. pedrigo. Mich züchtigen. Johann. Sehr wahrſcheinlich. Dedrigo. Wohl gar aufhängen laſſen. Johann eit geſtürzt. n Auftritt durch be Johann. Höchſtens. Pedrigo. Höchſtens?(.) Gehorſamer Diener! wäre mir hoch genug. wechſelnd, deh- und O liebſter Herr, ich halte Euch für den beſten, liebreichſten, barmherzigſten, menſchlichſten aller Menſchen, wenn Ihr dieſe Unannehmlichkeit erſpart. Johann(ſcheinbar gemütlich). Ja, wo Pedrigo(bi). Abreiſen! Faſt (Den mir 8 kann ich thun? Abreiſen, ſo ſchnell als möglich abreiſen, mit allen Euren Leute n. Bedenkt, daß die Prinzeſſin von Navarra, ldieſe erhabene Perſon, in e reu Zimmern Eure reſpektablen Geſellen jetzt Saufge halten, dem Seneſchall auf dem Fuße folgt, und daß bei ihrer Ankunft die Wohnung leer und das Mittas mahl fertig zu finden hofft. Johann. Wirklich? Pedrigo. Bedenkt das und ſeid doch ein Menſch Ihr kein Chriſt ſein wollt! Johann. Warum ſagt Ihr mir das erſt jetzt? bedrigo. Meine Gründe überzeugen Euch alſo? Johann(ſteht auf). P10 Pedrigo. Und Ihr geht? Johann. Ich 8008„meine Leute zuſammenzurufen, um ihnen zu ſagen, daß ſie ſogleich alle Auſtalten treffen Pedrigo. Um abzureiſen? Johann. Nein, um das Mittagsmahl einzunehmen. Ich binde es Euch auf die Seele, Herr Wirt! Speiſen und Wein müſſen dem Ruf Eures Haufes und meinem Appetit eutſprechen.(Er geht ab durch die Mitte nach rechts.) Zwölfter Auftritt. Der Wirt Pedrigo allein. Dann Lorezza links Pedrigo(wiltend nachrufend). Seid doch wenigſtens ein Chriſt, weun Ihr auch kein Menſch ſeid!(Vorkommend, ärger lich.) Der verdammte Hans! Will er mich ſchrauben? Wer iſt er denn?[Kein Titel, kein Rang.] Ein Herr Jo⸗ hann von Paris ſchlechtweg. So kann jeder heißen, d der einmal in Paris geweſen und in der Taufe den Namen Johannes hat. Wenn jetzt mein Unſtern wollte, daß der Herr Seneſchall— —— 44 Johann von Paris. Lorezza(lints hinten). Nur hier herein, Herr Seneſchall, hier herein! pedrigo. Ach, um aller Heiligen willen, da iſt er! Was ſoll ich ihm ſagen? Was antworten? Entſetzlich! Selbſt in Spanien läuft's mir eiskalt über den Rücken!(Er wendet ſich in größter Unterwürfigkeit nach der Mitte links.) Lorezza(kommt durch die Mitte von links und macht eine Be wegung zum Eintreten). Sechs Hausdiener Pedrigos(mit großen weißen Servietten folgen durch die Mitte von links). Der Ober⸗Seneſchall(tritt hierauf mit gr Seine vier Kavaliere(begleiten ihn). Seine vier Diener Golgen). zer Wichtigkeit ein). Dreizehnter Ruftritt. Lorezza rechts vorn. Der Ober⸗Seneſchall in der Mitte, Pedrigo zu ſeiner Linken. Die vier Kavaliere hinter dem ieſchall. Die vier Diener im Hintergrunde. Die ſechs Hausdiener. Die Hausdiener(breiten drei große Servietten aus). Der Seneſchall(ſchreitet über dieſelben geradeaus vor). Die Hausdiener(Cegen diejenige Serviette, welche überſ iſt, ſchnell wieder vor; ſie nehmen dann hinter den Dienern des Sene⸗ ſchalls Aufſtellung). Nr. 6. Arie. Seneſchall(nit gezierter Würde). Weil man jetzt hier im Haus uns gehorchen wird müſf Thun wir— der Seneſchall— nun männiglich zu wiſſen: Schnell ſeid zur Hand, wenn man einmal befahl. So wollen wir ſogleich das Mittagsmahl!— Heil Euch, Navarras ſchönſte Zierde Hat Euer Haus zur Ruh erwählt! Durch holde Anmut, Geiſt und Würde Iſt ſie ein Wunder der Natur! Pedrigo(nähertretend, zum Seneſchall). Herr Graf! Seneſchall(won oben herab). Schon gut. Lorezza(ſich nähernd). Befehlt! Seneſchall(wie oben, zornig). Man ſchweige! en En, Johann von Paris. 45 Pedrigo. 55 rr Graf! Lorezza. Befehlt! Seneſchall. Man ſchweige!— Alle(weichen zur Seneſchall(für Wird nun die 7 t ſelbſtgefälligem Lächeln). ſtin ſehn, daß alles ſchon geſchehn, Wird ſie dem Seneſchall ein köſtlich Kleinod ſchicken Und ihm ein Bravo nicken. Dann winkt ſie uns zu ſich mit einem von den Blicken, Womit, womit ſie manchem ſchon ſein Herzchen ſtahl! Sagt ſie zu mir, ſagt ſie zu mir, ſagt ſie zu mir— derholt die letzten Worte einige Male und iſt in Verlegenheit, wie er endigen ſoll; endlich det er ſich mit Heftigkeit zu Pedrigo und Lorezza, als ob er die Rede ſchließen wolle:) Bringt doch das Bringt doch das (Ereu kittagsmahl! Wohlan, wohlan, wohlan, Mittagsmahl! Bedenkt das wohll Heil Euch, Navarras ſchönſte Zierde Hat Euer Haus zur Ruh erwählt! Durch holde Anmut, Geiſt und Würde Iſt ſie ein Wunder der Natur! Laßt ins Haus alles Nötige ſchaffen, Sorgt für Wohnung, Keller und Herd Laßt Euren Fleiß nicht erſchlaffen Macht der Gnade wert!l] Heil Euch, Navarre 8 ſchönſte Zierde Hat Euer Haus zur r Ruh erwählt! Er einen W Die Kavaliere und die Diener des Seneſch all(entfernen ſich nack Verneigungen durck e e nach rechts). Vierzehnter Auftritt. Lorezza rechts.—8 Bie abe ldit in der Mitte, Pedrigo zu ſeiner Linken. Die ſechs Hausdiener im Hintergrunde. Seneſchall(gebt umber und muſtert durch das 6 das Zimmer). Pedrigo(für ſich). Weil ich keine Lebensmittel mehr habe, ſo will ich verſuchen, ihn mit Komplimenten abzuſpeiſen. 46 (Laut, 5 die Mit ſtellt.) otteri 9. Es iſt eine gemeine 85⸗805 daß wir ungemeinen Leute die Gnade haben— in unſerm erlauchten Haus einen ſo ſchlechten Gaſt aufzunehmen, als der Herr Seneſchall iſt. 8 t5 igſam und geſpreizt) Sen Seneſchall— Gebietet Eurem Munde Stillſchweigen, ſonſt plaudert er Euch um den Kopf. Laßt uns an das Weſentliche denken. Sind alle Quartiere im⸗ ſtande? pedrigo(für ſich). Ich weiß ſchon, wie ich mir helfe. gebe gar keine Antwort.(er tritt in den Hintergrun den ſechs Hausdienern einen Wink.) Die ſechs Hausdiener(gehen ab durch die Mitte nach liuks). Seneſchall. Ihr fühlt doch, ſo gemeines Volk Ihr auch ſeid, die Notwendigkeit, eine Perſon von ſo hohem Range wie die Frau Prinzeſſin von Navarra, ſtandesmäß wirten? Pedrigo(kommt wieder dem Seneſchall zur Linken Johann(kommt durch die Mitte von rechts un hinten ſtehen). d und gie Fünſzehnter Ruftritt. Die Vorigen. Johann im Hi Johann(für ſich). Ah, der Herr Ober-Seneſchall! Wir wollen ſeine Bekanntſchaft machen. Lorezza. Iſt es ſo, Herr Seneſchall— Seneſchall. Sen— 91 Afchl. Ober-⸗Seneſchall! rgrunde rechts. Lorezza. Herr O Ober⸗Seneſchall— wie man hier zu Lande ſagt, daß die Prinzeſſin bloß deshalb an den Hof reiſe, um ſich einen Gemahl zu wählen? Seneſchall. Dieſes Geſchäft haben wir bereits abgethan, mein Kind. Wir haben uns einen Gatten erkoren. Johann ſ(ſich ratend, für ſich, aber mit la S 0 Gatten erkoren? Seneſchall(ſieht über die Schulter nach hinten). Was ſpricht dort? Gohann erblickend.) Wer iſt der Menſch? Was will er? Woher kommt er? Wohin geht er?(er erhebt ſich langſam.) mnen F=—◻Æ=Æ?—⸗ FEDEMe 2 2 P ti al da m Johann von Paris. 17 pedrigo(ſteut den Stuhl an den Tiſch links zurlück). Johann Ewiſchen Lorezza und den Seneſchall vortretend, ſich un⸗ eholfen ſtellend). So viel Ihr auch fragt, Herr Seneſe chall, Ihr ſollt auf alles Antwort haben. Auf ſich zeigend.) Dieſer Menſch iſt ein guter ehrlicher Bürger, der halb in Geſchäf⸗ ten, halb aus Vergnügen in luſtiger Geſellſchaft von Frant 8 ich nach Navarra reiſt. Im burſchikoſen Tone.) Als mein Bater von mir Abſchied nahm, ſagte er:„Die Spazierfahrt etwas lauge, aber was thut das, mein Junge? Du wirſt Welt und Menſchen kennen le rnen,[deine Leute wer⸗ den Welt und Menſchen kennen lernen,] und vielleicht wer⸗ den Welt und Menſchen auch dich kennen lernen.“ Mit dieſem Reiſeſegen entließ er mich. Ich ließ anſpannen(er klopft dem Seneſchall auf die S Wund nun bin ich hier. Seneſchall(fur ſich). Welch ein gemeiner Ton! Welche pöbelhafte Sitten!(Laut.) Herr Wirt, wie hat es ſich ge— fügt, daß ein fremder Reiſender ſich, trotz unſeres Überein⸗ kommens, in Eurem Gaſthofe befindet? pedrigo.[Bei Gott, die Erklärung würde mir ſauer wer den!l] Was ich weiß, will ich Euch gern ſagen. Dieſer Menſch kam heute Morgen mit einer H euſchreckenwolke von luſti gem Geſindel hier an. Er bemeiſterte ſich mit Gewalt der Zimmer und des Mittagsmahls der Prinzeſſin,(und wird/ wenn man ihn ſchalten läßt, ſich wahrſcheinli ch der Perſon d der durchlauchtigſten Prinzeſſin bemeiſtern. + orezza und Pedrigo(ziehen ſich zu leiſer Beſprechung in den Hin⸗ tergrund ch Seneſchall(zu Johann). Welche Kühnbeit! Sich der Woh⸗ nung und was noch weit mehr ſagen will, des Mittagsmahls einer Prinzeſſin von Navarra zu bemächtigen. Ihr wißt alſo nicht Johann. Um Vergebung.] Ich weiß recht gut, daß eine inzeſſin von Navarra[wenn ſie einige Stunden im Wagen tüchtig gerüttelt worden iſt,] ebenſogut mit leerem Magen ankommen kann, als unſereiner. Aber weit er utfernt, ihr das Mittagsmahl z zu rauben, bin ich vielmehr geſonnen, das meinige mit ihr zu teilen und ſie freimütig zu Gaſte zu bitten. Seneſchall. Was müſſen meine altadeligen Ohren hören 2! [Kann man die goldene Regel der Wohlanſtändigkeit, die iſt 48 Johann von Paris. erhabenen Grundſätze einer altherkömmlichen Etikette, von deren Befolgung das Gleichgewicht in Europa abhängt, ſo⸗ weit vergeſſen?! Wir ſind außer uns! Wir wiſſen uns vor Zorn kaum zu faſſen! Mein Herr Bürger! Ihr habt die Wahl, in 4 Minute durch die Thüre oder in der nächſten durch d das Fenſter Euren Abgang zu nehmen. Johann. Ihr ſeht mich in Verzweiflung, Herr Seneſchall, aber ſo freundſchaftlich auch Eure Vorſchläge ſind, ich kann weder den einen noch den andern annehmen. Seneſchall. Wie? Ihr weigert Euch? Ihr wollt nicht weggehen? Johann. Nein. Seneſchall. Nein? Johann(luſtig). Non! Seneſchall(außer ſich). Non? Johann. Non! Seneſchall. Bon! Johann. Bon⸗bon! Nr. 7. 1 Seneſchall(für ſich), Darf ein Menſch ſo etwas wagen! (Zu Johann.) Man entferne ſich ſogleich! Johann(immer ſehr kaltblütig). O wie gern gehorcht ich Er Doch verſtattet mir zu ſagen, Daß ich Herr im Hauſe bin; Es iſt mein: ich bleibe drin. Seneſchall(zu Johann). Behandelt man ſo verwegen Den Ober-Seneſchall? Herr Sauſewind, dagegen Giebt's noch Mittel ohne Zahl. Zohann. Laßt Euern Zorn ſich legen Herr Ober⸗Seneſchall! (Ironiſch.) Seid gnädig, gebt mir Euern S Sparet Euch des Zornes? Qual! Seid gnädig, gebt mir Euren Segen, Sparet Euch des Zornes Qual! Seneſchall. So mißhandelt man verwegen Der Prinzeſſin Seneſchall? — ohann von Paris. Ha, Herr Sauſewind, dagegen Giebt es Mittel ohne Zahl! Lorezza(tritt auf die rechte Ecke vor; zu Johann). Endlich müßt Ihr doch entfliehn, Beuget Euren ſtarren Sinn! Johann. Nein, nein, nein, nein; nein, nein, nein, nein, nein! Seneſchall(für ſich). Dieſen ſtolzen Bürgerſinn, Ha, was gilt's, wir beugen ihn! Pedrigo etritt auf die linke Ecke vor; zu Johann). Endlich müßt Ihr doch entfliehn, Beuget Euren ſtarren Sinn! Zohann. Nein, nein, nein, nein! weil ich Herr im Hauſe bin, So iſt's mein, ich bleibe drin! Lorezza, Pedrigo(zu Johann). O geht!/ Seneſchall. Ich raſe! Johann. Weil ich Herr im Hauſe bin, So iſt's mein, ich bleibe drin! Seneſchall(u Johann). Alſo ſoll mir's nicht gelingenꝰ? Johann. Jetzt, mein Herr, jetzt ſprecht Ihr wahr! Seneſchall(ſehr erboſt). Ihr ſeid ein völliger Narr! Johann(aufgeräumt). Scherzt nicht mit ſo ernſten Dingen! Lorezza, Pedrigo(zu Johann) Warum wollt Ihr ſtörriſch ſeinꝰ Laßt uns erfüllen, was wir verſprachen Johann. Nein. Mir geziemt, mir Alen Heute 15 155 Wirt zu machen. (Entzückt.) Ja, die Prinzeſſin ein zuladen Welch 51115 wird das ſein! Loreza, 8 Seneſchall, Pedrigo(zu Johann). Ihr wagt, die Fürſtin zu laden? Wied Wuhnn. Ja, ich, ja, ich— Lorezza, Seneſchall, Pedrigo. Ihr?— Wie?— Ihr?ꝰ Johann(zum Seneſchall). Mein Herr! Auch Euer Gnaden finden ſich dabei ein. 4 „ 60 Johann von Paris. Lorezza, Pedrigo(zu Johann). Dieſer Frevel ſoll Euch reun! O geht, o geht! Ruft die Leute und packt ein! Beeilet Euch und packet ein! Fürchtet den Zorn der Prinzeſſin, Niemals wird ſie Euch verzeihn! Packt ein, packt ein, o packet ein! Johann(zum Seneſchall). Ihr findet Euch dabei ein! Hahahahahahaha!— Nein, nein, nein, nein! Seneſchall, laßt es ſein! Ja, ich bewirte die Prinzeſſin, Welch Vergnügen wird das ſein! N Seneſchall(zu Johann). Ha, der Frevel ſoll Euch reun, Dieſer Frevel wird Euch reun, Nur fort! Nur fort! Macht Euch Füße! 1 Fürchtet den Zorn der Prinzeſſin, Niemals wird ſie Euch verzeihn! Hahahahahahahal Dieſer Frevel wird Euch reun! Packt ein, packt ein, o packet ein! Olivier Commt durch die Mitte von links). Die Kavaliere und Pagen Johanns(treten gleichzeitig durch die Mitte von rechts ein). Hechzehnter Auftritt. Die Vorigen. Der Page Olivier in der Mitte zurückſtehend. Kavaliere und Pagen Johanns auf der rechten Seite zurückſteh Olivier. Schon naht die Prinzeſſin! Lorezza, Johann, Seneſchall, Pedrigo. Schon naht die Prin⸗ zeſſin! Lorezza und Pedrigo(eilen durch die Mitte nach links ab). Olivier. Sie zu melden kam ich her! Seneſchall. Aha, die Prinzeſſin! Aha, die Prinzeſſin! Gu Johann.) Mein Freund, mein Freund! Johann(ruhig). Nun was? Johann von Pe 51 Seneſchall. Säumet Euch nicht länger mehr! Chor. Es kommt die Prinzeſſin, es kommt die Prinzeſſin! Seneſchall. Fort, nur fort! (Er geht der Prinzeſſin ehrerbi LCorezza und Pedrigo(kommen Haltung zum Eintreten ein). etig entgegen.) zurück und laden in ehrerbiet Johann(für ſichh). Ha, nun beginnt mein Meiſterſtück. Die Prinzeſſin von Kavarra Gommt mit dem Seneſchall durch die Mitte von links). Die Pagen, die Hofdamen, die Kavaliere, die Diener der Prin⸗ zeſſin(treten nach ihr ein). Sechs Aufwärter(folgen und nehmen hinten Aufſtellung). Bauern und Bänerinnen(drängen nach). Hiebzehnker Muflritt. Die Vorigen. Die Prinzeſſin von Navarra. Ihre Hofdamen, Ka⸗ ö valiere, Pagen und Diener. Sechs Aufwärter. Volk. Allgemeine Verbeugung.) zza Pedrigo Arie mit Chor. Johann und Olivier(für ſich). Welcher Adel in den Zü Nur Sanftmut ſtrahlt jeder Blick. Prinzeſſin Gaut und fröhlich zum Seneſchall). Welche Luſt gewährt das Reiſen, ◻Æ Johann von Paris. Friſchen Reiz zeigt jedes Laud; In immer wechſelnden Weiſen gt ſich jeder Gegenſtand. Hier zeigt dem Aug' ſich eine Wüſte, Hier zeigt ſich eine Wüſte. Doch dort ein Hain, den Flora küßte. Ein Hain, den Flora küßte! Schwatzhaft murmelt hier ein Quell, Uns zur Labung einzuladen; Und in des Baumes Dryaden Tönt Philomeles Stimme hell. Welche Luſt gewährt das Reiſen! In immer wechſelnden Weiſen Zeigt ſich jeder Gegenſtand. Wer ſah nicht mit trunknen Blicken Den magiſchen Reiz der Natur: Mein Herz pocht ſtets vor Eutzücken, Verfolg ich der Schöpferin Spur. Johann und Olivier ich). Welch ein Reiz, ſanft und mild, In den Locken Amor ſpielt! Seneſchall, Lorezza, Pedrigo, Chor(jür ſich). In den Locken Amor ſpielt, Welcher Reiz, ſanft und mild! Prinzeſſin. Welche Luſt gewährt das Reiſen, Friſchen Reiz zeigt jedes Land; In immer we chſelnden Weiſen Zeigt ſich jeder Gegenſtand. Johann und Olivier(für ſich). Mein Sein 6 Seneſchall, Lorezza, Pedrigo, Chor(für ſich). In den Locken Amor ſpielt, Welcher Reiz, ſanft und mild! Herz hat Liebe ſchon erfüllt! Johann von Prinzeſſin. Welche Luſt gewährt das Reiſen! In immer wechſelnden Weiſen Zeigt ſich jeder Gegenſtand! Schwatzhaft murmelt hier ein Quell, Uns zur Labung einzuladen! Johann und Olivier(für ſich). Ha! Wie zum Kuß die Lippen laden! Seneſchall, Pedrigo, Chor cjur ſich). Ha!— Wie. Kuß Wie zum Kuß die Lippen laden! Prinzeſſin. Und in des Haines Dryaden nt Philomeles Stimme, Philomeles Stimme hell! In immer wechſelnden Weiſen Zeigt ſich ſtets, zeigt ſich jeder Gegenſtand!— Zohann und Olivier(für ſich). Meine Se ine Von 115 und Schmerz iſt die Bruſt erfüllt! Seneſchall, Lorezza, Pedrigo, Chor(für ſichh. Jeder Wunſch ſei erfüllt, jeder Wunſch ſei ſchnell erfüllt! Ja, ſie iſt ſo mild! Ja, ſie iſt ſo mild!— Johann(für ſich). Ich höre Sphären erklingen. Prinzeſſin Gohann betrachtend, für ſich). Bruſt pochet wild, von Luſt und Schmerzerfüllt!“ Das iſt der Prinz, mit Argliſt Lest. er mir Schlingen; Laß ſehn, ob es ihm mag gelingei (Zum Seneſchall.) Sagt mir doch, Herr Ser teſchall: Wo iſt das Original, 5 ſich, ohne anzufragen, Mein M kittagsmahl läßt behagen? Das wär ein verwünſchter Streich! Se eneſchall(ſchadenfroh, auf Johann zeigend). Ihr ſeht ihn hier, er ſteht vor Euch. Lorezza(leiſe zu Johann). Lieber Herr, jetzt rettet Euch, Flieht zur hintern Pforte gleich! Johann von Paris. pedrigo(leiſe zu Johann). Lieber Herr, jetzt rettet Euch, Flieht zur hintern Pforte gleich! Johann(luſtig). Weit entfernt, von hier zu gehen, Muß ich öffentlich geſtehen, Daß ich Herr vom Hauſe bin, Es iſt mein, ich bleibe drin. Seneſchall(außer ſich). Ha, der Menſch wird unerträglich, Größ're Frechheit iſt unmöglich! Uns das Eſſen zu entziehn! Aus dem Hauſe jag ich ihn! Lorezza(redet Olivier leiſe zu, er ſoll ſeinem Herrn abraten). Prinzeſſin(mit Humor). Seueſchall, ſeid doch verträglich, Denn mir iſt der Scherz behäglich; Über Eure Angſt und Not Lach ich mich noch halb zu tot! Pedrigo(leiſe bittend zu Johann, indem er zwiſchen Johann Lorezza tritt). Seid doch nicht ganz unbeweglich, Die Bedingung iſt erträglich, Frei dürft Ihr von dannen ziehn; Beugt doch Euern Felſenſinn. Johann(zu Pedrigo). Ihr gebärdet Euch gar kläglich Und mein Herz iſt leicht beweglich, (Beſtimmt.) Dennoch iſt es ganz unmöglich; Weil ich Herr im Hauſe bin, So iſt's mein, ich bleibe drin! Olivier zu Pedrigo und dem Seneſchall, zwiſchen Johann und Pe⸗ drigo tretend.. Was ihr wünſcht, iſt ganz erträglich, Ja, Herr Wirt, es iſt erträglich! Doch ſein Herz bleibt unbeweglich, Tauſend Pferde würden ihn Sicher nicht vom Flecke ziehn. Seneſchall(zur Prinzeſſin). Habt Ihr erſt alles erfahren, Dann macht der Zorn Euch erſtarren! Prinzeſſin, ſchon kocht mein Blut, Ich beb und zittre vor Wut! Johann von Paris. Prinzeſſin. Was geſchah denn? Seneſchall. Mag er ſeine Frechheit büßen! Er drängt ſich in das Haus, Schnappt vom Mund die beſten Biſſen, Und jetzt ladet er zum Schmaus Die Prinzeſſin von Navarra! Chor der Kavaliere der Prinzeſſin(erſtaunt). Ha, er ladet jetzt zum Schmaus Die Prinzeſſin von Navarra! Prinzeſſin. Dieſer Fall iſt wirklich ſelten, Überlegen will ich's mir. Johann lehrerbietig),.. Werdet Ihr den Bürger ſchelten Der, um Eurem Reiz zu huld'gen, Als Verſchwender möge gelten? Nein, Ihr werdet mich entſchuld'gen. Chor der Kavaliere der Prinzeſſin(höchſt aufgebre Nein, nein, nein, das kann nicht gelten, Man zücht'ge ihn dafür! Seneſchall Jur Prinzeſſin). Was geruht Ihr zu befehlen? Was geſchieht mit jenem Mann? Prinzeſſin(fröhlich). Je nun, iſt da viel zu wählen? Seinen Antrag nehm ich an. hor der Kapaliere(verwundert). Sie willigt ein, nimmt es an, Dieſen Antrag nimmt ſie an?! (Allgemeines Er ſtaunen der überraſchung und Seneſchall(redet der Prinzeſſin zu). Prinzeſſin(weiſt ihn lachend ab). Johann(mit Feuer). Ha, die Prinzeſſin werd ich bewirt Welche Ehre wird das ſein! Gum Seneſchall.) Mein Herr, auch Euer Gnaden finden Sich dabei ein! Su Pedrigo und den Aufwe Nun fort, tragt auf die Speiſen! Chor der Aufwärter. Nur fort! Nur fort! F rn.) Laßt alles mich wiſſen! Lell Johann von Paris. Johann. Nun fort, tragt auf die Speiſen! Chor der Aufwärter. Wir müſſen Eifer jetzt beweiſen! Prinzeſſin(äußert leiſe lachend ihren Hofdamen, wie ſie das Aben⸗ teuer freut). Johann. Hab ich nicht voraus verkündet, Was ſich jetzt bewähret findet? Weil ich Herr vom Hauſe bin, So iſt's mein, ich bleibe drin! Seneſchall(für ſich. Sie läßt ſich den Plan gefallen! Iſt ſie auf das Haupt gefallen? Vor Verdruß wird's vor dem Aug' mir gelb und grün. Dieſer Plan kann ihr gefallen, Vor dem Auge wird mir's ſchon gelb und grün! Aus der Luft ſchein ich gefallen, Vor Verdruß wird's gelb und grün! Der Teufel ſelber hole ihn. Laßt uns gehen, laßt uns gehen, Der Teufel hole ihn! Prinzeſſin(für ſich, Johann betrachtend). Er ſoll die Liſt mir bezahlen! (Auf den Seneſchall zeigend.) Mich ergötzen ſeine Qualen! Dieſer Plan iſt mir ſehr angenehm, Dieſer Plan muß mir gefallen. Denn je mehr die Augen ſprühn, Deſto mehr belach ich ihn. Ja, ſein Plan kann mir gefallen, Sein Plan iſt mir ſehr angenehm! Ja, er glaubt, ich ſei aufs Haupt gefallen, Und er iſt der Narr von allen! Wie wird er heraus ſich ziehn? Denn je mehr die Augen ſprühn, Um deſto mehr belach ich ihn, Wenn ſeine Augen Funken ſprühn! Laßt uns gehen mit frohem Sinn, Eilet hin! Johann von Paris. Auf den Seneſchall zeigend.) Ha, der leidet Höllenqualen! EZu Pedrigo.) Machet fort, man wird Euch gut bezahlen Su ſich.) Wohl mir, daß Herr im Hauſe ich bin, Dies Haus iſt mein, ich bleibe drin. Unſer Plan kann ihr gefallen! Ich will bezahlen, recht gut bezahlen! Aus der Luft ſcheint er zu fallen. Wie wird er heraus ſich ziehn? Denn je mehr die Augen ſprühn, Um deſto mehr belach ich ihn, Wenn ſeine Augen Funken ſprühn! Laßt uns gehen mit frohem Sinn, Eilet hin! Olivier(für ſich). Ich bin der Klügſte von allen! Auf den Se Unſer Plan ſcheinet ihr angenehm, Unſer Plan muß ihr gefallen. Wohlan, wohlan, daraus iſt Vorteil zu ziehn. Ihr gefällt unſer Plan, Vorteil iſt daraus zu ziehn! Unſer Plan kann ihr gefallen, E ſein Plan iſt ihr ſehr ant genehm!— r ſcheint aus der Luft zu fallen! Aus der Luft ſcheint er zu fallen! Wie wird er heraus ſich ziehn? Gu Pedrigo und Lorezza.) Rai eilt zur Arbeit hin, Denn reich belohnt wird das Bemühn! Laßt uns gehen mit frohem Sinn, Eilet hin! Pedrigo(auf die Prinzeſſin zeigend). Sie läßt ſich den Plan gefallen! Auf Johannzeigend.) Iſt es ſo, muß ich mich um ſein Lob bemühn. Eu den Auſwärtern.) Machet ſchnell, das Haus iſt ſein, er bleibe darin. zohann(zu Olivier). Mein Projekt hat ihr gefallen.— ſchall zeigend.) Der iſt wie aufs Haupt gefallen! Johann von Paris. Dieſer Plan muß ihr gefallen!— (Auf Johann zeigend.) Er wird bezahlen!— (Auf den Seneſchall zeigend.) Wie wird er heraus ſich ziehn! (Zu den Aufwärtern.) Freunde, fort, bedienet ihn! Nur fort, eilt fort, zur Arbeit nun hin! Laßt uns gehen mit frohem Sinn, Eilet hin! Lorezza. Ihr ſcheint der Plan zu gefallen! (Auf den Seneſchall zeigend.) Er iſt wie aufs Haupt gefallen!“ Dieſer Plan muß ihr gefallen! Wohlan, ſo wollen wir uns bemühn! (Zu den Aufwärtern.) Freunde, eilt zur Arbeit hin. (Auf Johann zeigend.) Ja, ſein Plan kaun ihr gefallen!— (Auf den Seneſchall zeigend.) Er ſcheint aus der Luft zu fallen, Wie wird er heraus ſich ziehn? Gu den Aufwärtern.) Freunde, eilt zur Arbeit hin, Denn reich belohnt wird das Bemühn. Laßt uns gehen mit frohem Sinu, Eilet hin! Chor. Sie läßt ſich den Plan gefallen! (Auf den Seneſchall zeigend.) Er iſt wie aufs Haupt gefallen! (Auf Johann zeigend.) Man muß ſich um ſein Lob bemühn, Dies Haus iſt ſein, er bleibe drin. Machet ſchnell! Es iſt Vorteil hier zu ziehn.— Sie läßt ſich den Plan gefallen! Er wird trefflich uns bezahlen, Jeder hat davon Gewinn!— Nur fort, Freunde fort, bedienet ihn! Freunde fort, zur Arbeit hin, eilet hin! Laßt uns gehen mit frohem Sinn, Eilet hin! Pedrigo, Lorezza und die Aufwärter(eilen durch die Mitte nach rechts hinaus). Prinzeſſin(läßt ihr Taſchentuch fallen). 0 0 Jo in von Paris. Johann(überreicht es, eh Handfläche legt). Prinzeſſin(nimmt es und reicht Johann die Hand zum Kuß). Johann(üßt die dargebotene Hand, erhebt ſich und geleitet die Prinzeſſin durch die Mitte nach rechts hinaus). Der Seneſchall, die gofdamen, die Kavaliere, die Pagen und Diener(ſchließen ſich an). Bauern und Bäuerinnen(entfernenf rbietig knie m er es auf di h dur durch die Mitte nach links). Umzug der Prinzeſſin. 0 1 r. 8. Juverture.(Zwiſchenaktsmuſik.) Zweiter Aufzug. In einer ländlichen Gegend. Mitte das Gaſthaus Pedrigos, von dem eine Treppe führt; die Thür iſt mit Kränzen und Guirlanden 9 aſthaus ſetzt ſich nach rechts hin durch eine Terraſſe nach einem ftsgebäude fort; die Terraſſe iſt rechts Mitte durchſchnitten eingang aus dem Freien in den Garten. Zur Rechten vorn ein großer Tiſch mit zwei und einem Lehnſeſſel; Rechten hinten eine große Tafel. Ebenſo zur Linken e Erſler Auſtritt. Lorezza. Mägde. Der Page Olivier. Lorezza(iſt mit einigen jungen Rägden an den Zuri Tiſche beſchäftigt). Olivier(kommt von links Mitte über k8 die Tr⸗ e aus dem Hauſe und muſtert die Zurichtung Lorezza. Nun, Herr Fremdling, was ſagt Ihr zu unſerm Kunſtgeſchmack? Ich denke, wir haben die Zeit nicht“übel angewendet und Ihr könnt mit der Eilfertigkeit zufrieden ſein, welche ich und meine Schweſtern in Eurem Dienſte bewieſen haben. Olivier. Du und deine Schweſtern, ihr ſeid alleſamt wackere Mädchen, die wackere Männer verdienen, beſonders 18, 60 Johann von Paris. wenn ihr alles mit ſolchem Eifer vollendet, wie ihr es an— gefangen habt.(er ſchäkert mit den Mägden.) Lorezza. Sorgt nicht darum. So lange es nur Sträuß chen zu binden, Blumen zu flechten, zu ſingen und zu tan— zen giebt, könnt Ihr auf ſämtliche weibliche Bevölkerung im Umkreiſe unſeres Dorfes rechnen.(Sie giebt den Mägden einen Wink, nach rechts in das Wirtſchaftsgebäude abzugehen.) Die Mägde lentfernen ſich lachend nach dort). Olivier(verfolgt ſie ſchäkernd). Lorezza. Nur ein Umſtand macht mich etwas ſchüchtern. Olivier. Und dieſer Umſtand? Lorezza(zu ſeiner Linkenöv. Ihr kommt von Paris, ſeid an Eure ſchönen, wohlgedrechſelten Stadtmädchen gewöhnt und werdet daher uns arme Dorfdirnen plump und unbehilflich ſchelten. Olivier. Keineswegs. Wir Stadtherren fügen uns nach den Umſtänden.[Die Pariſer Schönen haben ihre Reize, ihr habt ebenfalls die eurigen, und glaubt mir, wir ſind yt unempfindlich dagegen.(Er will Lorezza wieder umarmen.) Lorezza(ihn abweiſend). Ihr ſcherzt wohl nur. Aber ich weiß es beſſer. Man hat bei Euch eine eigene kunſtmäßige Art zu ſingen und zu tanzen, wovon wir nichts verſtehen! Olivier. Ja, die Manier iſt allerdings verſchieden, aber mit etwas Fleiß und Anſtelligkeit läßt ſich das bald lernen.] Ich mache mir ein Vergnügen daraus, einem ſo artigen Kinde in den Elementen unſerer freien Künſte einen kleinen vorläufigen Unterricht zu geben. Beobachtet alſo, wie man in Paris ſingt und tanzt. Nr. 9. Duett. Olivier. In einer ſchmachtenden Romanze Erkennet man den Ton der großen Welt; Schwermut atme jede Stanze, Das wird bewundert, das gefällt. Lalalalalalalalalalala!(Er tanzt mit Würde und Grazie.) Lorezza. Bloß zarte Melodien Kennt man auf unſrer Flur; Kein künſtliches Bemühen, Nur fröhliche Natur. 0 (Er Lorezza. Wir tanzen gleich auf fri (Si t man auf unſrer Flur! Will eine Dame ein Herz bewegen, 1 Mann erobern, der entfl So mengt ſich mit den Trillerſchlägen r Laute ſanfter Silberton.(Er ahmt das Lautenſpiel nach.) za. Wenn ſich die Herden zerſtreuen, eidend am Haine entlang, Dann begleiten Schalmeien Den Hirtengeſang. Olivier. Man muß am Feſttag ſie erblicken, Wo ſie zum Ball ſich gl Hiſil ſchmücken. Lorezza. Am Kirchweihfeſte ſollt Ihr uns erblicken, Wo wir uns Bruſt und Haar mit ſchönen Blumen ſchmücken. Olivier. Wie nymphenartig iſt ihr Tanz, Wie verführend der Schönheit Glanz. Lorezza. Die Liebe führet uns zum Tanz, Uns ziert allein der Erntekr ranz. Olivier. Im Prachtgewand durchſicht'ger Gaze, Iſt anmutsvoll ihr Tanz und leicht. tanzt.) Lalalalalalalala! S2 — 1— 2 3 SGS? 2 8888 chem Gras, Wenn uns den Arm der Burſche reicht. e tanzt naiv, munter und anmutig.) Lalalalalalalala! Beide(tanzen). Lalalalalalalala! Lorezza. Wenn uns den Arm der Burſche reicht— Olivier. Iſt n80ll ihr Tanz und obachtet mit Vergnüügen den Tanz Lo Lorezza. Ja, wenn uns den Arit der Burſche reicht C Olivier(ſpricht). Bravo, bloß d z leicht!(Er be— .9 Lalalalalalalala! hlivier. Iſt anmutsvoll ihr Tanz und leicht! Lalalalalalalala! Lorezza! Vortrefflich! Dir fehlt ie Schule, um Meiſterin deiner Kunſt zu werden 62 Johann von Paris. Lorezza. Es freut mich, wenn ich Euch einen kleinen Be— weis gab, daß ein Landmädchen ſich von einem Stadtherrn nicht in Verwirrung ſetzen läßt.(Sie ſieht nach links vorn.) Doch ich höre Euren Gebieter und will Euch mit ihm allein laſſen, ldenn ich ſehe wohl, daß ihr Dinge miteinander ab⸗ zumachen habt, die nicht jeder wiſſen ſoll](Mit einem Knix.) Nichts für ungut, lieber Herr!(Sie hüpft ab nach rechts in das Wirtſchaftsgebäude.) Johann(kommt von rechts über die Terraſſe). Zweiter Auftritt. Johann, der Page Olivier zu ſe Johann(muſtert die Anordnungen). Olivier. Glück zu, gnädigſter Herr! Ihr habt die Prin⸗ zeſſin geſehen, ihre Blicke ſind auf Euch gefallen und haben Euch zum Sklaven der ſüßeſten Leidenſchaft gemacht. Johann. Ach, indem ich die Wonnen der Liebe empfinde, fühle ich auch zugleich alle ihre Qualen! Olivier. Wie pathetiſch! Wie tragiſch! Johann. Dem verwünſchten Seneſchall ſind einige Worte entſchlüpft, die es außer Zweifel ſetzen, daß ich einen be— günſtigten Nebenbuhler habe, für den ſich die Wahl der Prinzeſſin bereits entſchied. Olivier. Alle Wetter, das wäre eine ärgerliche Entdeckung! [Da ſehe man! Wir reiſen wohl hundert Meilen über Stock und Stein, verzetteln Geld wie Heu, hungern, dür⸗ ſten, wachen, kaſteien unſern Körper, und warum? Ledig⸗ lich aus dem Grunde, damit wir noch zeitig genng eintreffen, um dem Triumph eines glücklichen Nebenbuhlers beizu wohnen.] Ein ſolcher Zufall könnte dem Unerſchrockenſten den Mut benehmen, folglich auch Euch, gnädigſter Herr. Zohann. Wie? Mir? Ich ſollte auf den erſten abge⸗ ſchlagenen Anprall den Kampf aufgeben! Kennſt du mich ſo wenig, Olivier?[Weißt du nicht, daß in einem Ge⸗ müte, wie das meinige, Begierde und Leidenſchaft in dem Grade zunehmen, als die Schwierigkeiten ſich häufen? Mag der Schwachkopf oder der gemeine Lüſtling leichte Erfolge lieben und aufſuchen;] mich freut der Sieg erſt dann, wenn ihn ein würdiger Gegner lange ſtreitig gemacht hat. Johann von Paris. 63 Olivier. Denkt Ihr ſo, dann geht mutig Eurem Ziele entgegen. Johann. Das will ich auch. Sorge aufs genaueſte voll zogen werden. Olivier.(Das ſollen ſie, bei meiner Ehre! Ich wünſche Euch Glück, gnädigſter Herrl](e Er geht mit einer Verbeugung ab nach rechts über die Terraſſe.) „daß meine Befehle Dritter Auſtritt.“) Johann allein. Johann. Ich iuß geſtehen— das Verlangen, die Prin⸗ zeſſin zu ſehen, der Wunſch, ihr zu gefallen, haben mich in ein ſonderbares Abenteuer verwickelt.[Die Mehrzahl, im⸗ mer nach dem Erfolge urteilend, wird mich einen Unfinni⸗ gen ſchelten, wenn mein Plan fehlſchlägt. Immerhin! Ich bedauere weder Zeit noch Mühe.[Nach meinen Grundſätzen kann ich die Stunden, in welchen das Vaterland meinen Arm nicht bedarf, nicht beſſer anwenden, als] wenn ich der Schönheit und Tugend huldige. Rr. 10. Arie. Johann. Der Ritterſchaft Zierde und Glanz Liebt Weibeskuß und Waffentanz! Ach, teuer ſind Sie mir, ich muß beide ſie lieben, Auf meiner Fahne ſteht Mein Wahlſpruch ja geſchrieben:— Alles für Gott, Schönheit und Ruhm, Er bleibe ſtets mein Eigentum.— Iſt eine kühne That zu wagen, Stürz auf den Feind ich mutig hin! Ich kann ja doch begeiſtert ſagen: Alles für Gott, Schönheit und Ruhm, Er bleibe ſtets mein Eigentum! Alles für Gott, Schönheit und Ruhm!— — iſt vorgekommen, daß man den zweiten Aufzug mit dem dritten Auftritt begonnen und die vorhergehenden zwei Auftritte ge⸗ ſtrichen hat. Johann von Paris. Ja, zwiſchen Lieb' und Waffen, Möchte mein Herz ich teilen, meine Rechte Mit dem Schwert in der Fauſt Eine Burg zu erringen, Im ſtillen Buchenhain ſchönern Sieg zu erzwingen. Im Kampf auf Schimpf und Ernſt Die Helden hinzuſtrecken, Durch Mut und Schlangenliſt Ein ſprödes Herz zu necken, Zweifacher Sieg wird gewährt, Dem Kämpfer für Mars und Cythere. So vereint man zugleich, was die Liebe begehrt, Mit den Pflichten der Ehre. Alles für Gott, Schönheit und Ruhm, Er bleibe ſtets mein Eigentum!— Iſt eine kühne That zu wagen, Stürz auf den Feind ich mutig hin! Der Ritterſchaft Zierde und Glanz Liebt Weibeskuß und Waffentanz! Wohl mir, daß ich Schönheit preiſe, Ich bin ein Mann, mein Wahlſpruch heiße: Alles für Gott, Schönheit und Ruhm! Der Ritterſchaft Zierde und Glanz Liebt Weibeskuß und Waffentanzl Wohl mir, daß ich Schönheit preiſe, Ich bin ein Mann, mein Wahlſpruch heiße: Alles für Gott, Schönheit und Ruhm, Er bleibe ſtets mein Eigentum! Alles für Gott, Schönheit und Ruhm! Der Oberſeneſchall(kommt von links Mitte über die Treppe aus dem Hauſe). Vierter Auftrilt. Johann, der Ober⸗Seneſchall zu ſeiner Linken. Seneſchall(noch auf der Treppe). Mein Herr Bürger, Euer Mittagsmahl iſt ſehr früh angetragen worden und wird ſehr unn von Paris 65 etragen. Wann werdet Ihr doch de 1 wütendſten illen, den je ein Reiſender empfand hann owerſtellt, derb bürgerlich). Ihre Hoheit f ſoglei ut werden. Seneſchall. Gelt, dieſe hol r können es noch immer von Navarra an einer f Johann. Und was weiter? einem Zünftler, als gar nicht Seneſchall. Gar nicht zu ſpät aufg Hunger iſt doch beſſer, mit das iſt die alle rtraurigſte S mein Freund, 851 werdet hoffent abe nen Gaſtes und das au es Standes Johann. Ja, Herr Seneſ nich will thun, was me was weiß ich von der Hofetikette f anz! Hall gutſtehen kann ich ich iſt, aber meiner und dem altadeligen F Ich lebe ſo auf meine eigne Weiſe, tolldreiſt und u] und wäre wohl imſta mit einer Prinzeſſin umzugehen, wie mit meinesgleichen. Seneſchal. Das möchtet Ihr bereuen. Ihre Hoheit ſind zwar die Güte ſelbſt, leutſelig, nachſichtsvoll. Höchſt Sie lieben auch den Scherz— vielleicht etwas zu ſtark; dem ungeachtet aber kann man in ihren Blicken leſen Johann(ſchnell einfallend). Daß ihre Sanftmut heit noch überſtrahlt. Seneſchall(verdrießlich über die Unterbrechung). Überſtrahlt? Ja. Indeſſen iſt doch in Gang, Sprache, Haltung ein ge⸗ wiſſes ernſthaftes geſetztes Weſen— Johann(begeiſtert einfallend). Hinter welchem die lieben würdigſte Schalkh aftigkeit verborgen iſt. Seneſchall(noch verdrießlicher). Schalkhaftigkeit? wenn man ſich ihr nähert, ſo fühlt man, daß furcht— Johann ägeidenſchaftlich einfallend). Vergeſſen wird, der innigſten Liebe Platz zu me Seneſchall(erregt). ihre Schön⸗ Ja, aber die Ehr⸗ Alle Wẽ etter, Herr Bürger, Ihr kommt 5 66 Johann von Paris. ja in eine unanſtändige Ereiferung! Ihr wißt doch zweifelsohne, daß viele vornehme Perſonen nach dem Beſitz ſo ſeltener Reize und Talente ringen? Zohann. Allerdings. Da haben ſie auch recht. Seneſchall(nit Fronie). Ihr billigt die Abſicht der hohen errn? Wie gnädig! Johann. Ich thue noch mehr, ich ahme ihnen nach. Seneſchall. Was wollt Ihr damit ſagen? Johann. Daß Ihr in meiner Perſon einen neuen Braut⸗ werber ſeht,[der ſich mutig und voll guter Hoffnung unter die große Zahl gekrönter Nebenbuhler ſtellt. Seneſchall. Was?— Ihr?— Welche Blasphemie!(Ei, wie kommen wir doch dazu, uns in Arger zu verſetzen?] Herr Johann von Paris treibt ſeinen Scherz mit uns. Johann. O ich ſcherze nicht. Seneſchall. Geht, Freundchen, geht, Ihr ſeid närriſch!(er klopft Johann auf die Stirn.) Johann. Ja, närriſch in die Prinzeſſin verliebt, da ſprecht Ihr die Wahrheit, Herr Seneſchall![Mein Kopf iſt ganz wirblichl] Seneſchall(ſeufzend).[Es geht mehreren ehrlichen Leuten ſo.] Aber wie kommt Ihr dazu, mir ein Geſtändnis zu machen— Johann. Ich brenne vor Begierde, es zu den Fi Prinzeſſin zu wiederholen. Seneſchall. Zu den Füßen der Prinzeſſin?— Ihr?— Nun, das möchten wir zum Beiſpiel erleben! Das möch⸗ ten wir ſehen! Eine ſolche Unverſchämtheit würde nicht lange auf den gebührenden Lohn warten dürfen.(Für ſich.) Der Menſch iſt verrückt. Wir können nicht länger mit ihm Zwieſprache halten. GCaut.) Mein Herr! Wir haben uns auf einige Zeit zur Zielſcheibe Eures Spottes hergeliehen. Treibt den Scherz nicht weiter und bedenkt, daß wir uns mit einer Affaire von höchſter Wichtigkeit beſchäftigen müſſen, das heißt— Johann(ſchnell einfallend). Mit dem Mittageſſen! Ich verſtehe Euch volllommen, Herr Seneſchall! Ihr ſollt mit mir zufrieden ſein. ν zen der Zwei Diener Johanns(kommen von aus dem Hauſe). n links Mitte über die Treppe Johann(winkt zu ſervieren). Die zwei Diener(gehen nach rechts in das Wirtſchaftsgebäude ab und kehren ſogleich mit den beiden andern A mit deſſen acht Pagen und mit den Rägden von dort z Lorezza und Pedrigo(folgen und ordnen an). Die vier Diener(bringen die Speiſ Die Mägde(ebenſo, bedienen die Die Pagen(ordnen die Tafeln). Der Kellermeiſter und ſeine Auſwärt ter(tragen von recht dem Wirtſchaftsgebäude den i damit). en für die beiden Tafeln rechts). Tafeln links). 8 aus herbei und beſetzen die Tafeln Olivier und die Kavaliere Johanns(kommen von rech raſſe und umge r die ben Johann). ternmädchen(kommer aſſe). imit Blumenbogen aus rechts Mitte durch Bauern und Bäuerinnen(drängen nach, verhalten ſich g Hintergrunde und beſetzen ſpäter auch die Treppe am Hauſe Mitte). iz im links Der Seneſchall(wendet ſich nach links Mitte und eilt über di Treppe ins Haus, um die Prinzeſſin zu empfangen). Die Prinzeſſin(kommt während des folgenden Chores von links Mitte aus dem Hauſe). Der Heneſchall(geleitet ſie). Die Pagen, Kavaliere und die Hofdamen der Prinzeſſin (folgen). Die Bauernmädchen(kommen, ſobald die Prinzeſſin her mit den Blumenbogen und bilden damit eine Bogengaſſe vom nach vorn). E mvon Paris. 67 68 Johann von Paris. Fünfter Nuftritt. Die Prinzeſſin. Der Ober⸗Seneſchall. Johann. Der Page Olivier. Die Kavaliere, Hofdamen und Pagen der Prinzeſſin. Die Kavaliere, Pagen und Diener Johanns. Der Kellermeiſter und ſeine Aufwürter. Der Wirt Pedrigo. Seine Tochter Lorezza. Mägde. Bauernmäd chen. Bauern. Bäuerinnen. Stellung: Freie Gegend. 3 5 Links Mitte 2 33 — Pedr Rechts über die Terraſſe ν 8 2 22 Rechts chaf Bauern u. Bäuerinnen Bauernmädchen gebäude 8 77⁴—*⁰ο IO VYs 0 S —& = N YS& Gefolge Gefolge der 5 Johanns Prinzeſſin ** Seneſchall Pedrigo *.** Prinzeſſin Johann 4 Lorezza Olivier (Allgemeine Verbeugung vor der Prinzeſſin.) Nr. 11. Chor. Herrenchor. Laßt zu dem Feſt ein fröhlich Herz uns bringen, Denn muntrer Sinn verſcheuchet allen Zwang. Gemiſchter Chor. Laßt Tugend uns und Reiz beſingen, Der Fürſtin weihet den Geſang; Um ihr Haupt laßt Blumen uns ſchlingen, Streut Düfte hin den Weg entlang. Johann von Paris. 69 Prinzeſſin(ſprich). Ich erſtaune.(Sich umſehend.) Alles was mich umgiebt, zeugt von einem geläuterten Geſchmack, von einer Galanterie, die ich in einer Dorfherberge wahr⸗ lich nicht erwartete. Johann(näher tretend, mit Verbeugung). Verzeiht, wenn nicht alles ſo iſt, wie es ſollte.[Wir einfachen Bürgersleute wiſſen nicht, wie es bei hohen Herrſchaften bräuchlich iſt; auch wird es uns nicht alle Tage ſo wohl, eine Königliche Hoheit zu bewirten. Wenn alſo der Fall eintritt— Pedrigo. Wenn es Ihrer Hoheit gefällig wäre, Pl atz zu nehmen— die Speiſen ſind ſerviert. Seneſchall(näher tretend, bietet der Prinzeſſin den Arm). Gnä⸗ dige Frau, die Speiſen— Prinzeſſin(ohne den neſchall zu beachten, zu Johann). Ihr habt nicht nötig, Euch zu entſchr uldigen. Ich verſichere E Euch, daß ich mit allem was ich ſehr wohl zufrieden bin. Johann. Wenn dieſes Mahl nicht mit gehöriger Sorgfalt vorbereitet iſt, ſo wird es wenigſtens aus gutem zen angeboten, das könnt Ihr mir glauben. all(der wieder zurückgetreten war, ſich nähernd, leiſe zur Was meint Ihro Hoheit von Euerm ſonderbaren (Laut.) Wenn Ihr Luſt hättet, zur Tafel—(er rinzeſſin wiederholt den Arm.) Prinzeſſin(ohne ihn zu beachten, zu Johann). Ich begreife nicht, mein artiger Herr Johann von Paris, wie Ihr in ſo kurzer Zeit dieſe großen Vorbereitungen treffen konntet. Seneſchall(der wiederholt zurü ückgetreten war, ſich nähernd). Die Ehre Eurer hohen Gegenwart mußte ſeinen Eifer ſpornen. Ich fürchte aber, die Speiſen möchten kalt— Err bietet der Prinzeſſin nochmals den Arm.) Prinzeſſin(ſchenkt ihm wiederholt keine Aufmerkſamkeit). Johann. Großen Dank, Herr Seneſchall, daß Ihr mir als Dolmetſcher dienen wollt. Die vornehmen Red ens⸗ arten ſind ohnehin meine Sache nicht. Prinzeſſin. Nehmen wir Platz! Seneſchall(bietet der Prinzeſſin zum viertenmal den Arm). Prinzeſſin(äßt den Seneſchall verdutzt ſtehen und winkt Johann heran, ſie zu Tiſch zu führen). bietet der Johann von Paris. Johann(geleitet die Prinzeſſin zum Tiſche recht orn, nachdem er vorher ſeinem Gefolge einen Wink gab, ſich zu ſetzen). Prinzeſſin(ſetzt ſich auf den Lehnſtuhl hinter dem Tiſch rechts). Johann(nimmt zu ihrer Linken Platz). Seneſchall(ebenſo zur Rechten der Prinzeſſin). Die Kavaliere und Hofdamen(nehmen Platz an den Tafeln rechts und links). Olivier(ſtellt ſich hinter den Stuhl Johanns). Pedrigo und Lorezza Giehen ſich in den Hintergrund zurück und überwachen das Ganze). Die Sitzenden(beginnen zu eſſen und zu trinken). Der Kellermeiſter, die Pagen, Diener, Aufwärter und Kägde (bedienen). Prinzeſſin. Welche koſtbare ſinnreich gewählte Mahlzeit. (Zu Pedrigo.) Herr Gaſtwirt, ich könute in meinem eigenen Palaſte nicht prachtvoller und beſſer bedient werden. pedrigo(nähertretend). Ihre Hoheit halten zu Gnaden! Ich bin ein beſcheidener Manun und muß daher die un verdiente Ehre ablehnen.] Dieſe Speiſen ſind nicht von meinen Leuten zubereitet. prinzeſſin. Nicht? Von welchen alſo? Johann. Von den Meinigen. Pedrigo Gieht ſich zurüch. Seneſchall(für ſich). Wie? Er führt auch Köche mit ſich? Da kann man ſehen, was die Bürgersleute heutzutage ver⸗ dienen müſſen![Ein Mann ſeinesgleichen, und Köchel] Bei unſerer altadeligen Ehre, es iſt himmelſchreiend. Prinzeſſin. Ich finde alles ſo niedlich, ſo elegant Seneſchall ou ihr). Seht einmal dieſes ſilberne Tafelge— ſchirr, ganz nach dem neueſten und reichſten Geſchmack. Johann. Es iſt mein Reiſeſervice. Seneſchall. Was? Es gehört Euch? Johann. Wem ſonſt? Prinzeſſin Und Ihr habt es von Paris mitgebracht? Johann Ja Ich befolge hierin den Rat meiner Mutter. O das iſt eine kluge umſichtige Frau.„Johann,“ ſagte ſie zu mir am Morgen meiner Abreife,„hüte dich nur vor den garſtigen hölzernen Tellern und Schüſſeln, die man in den Wirtshäuſern aufträgt In unſerer Speiſekammer iſt Silber Johann von Paris. genug. Nimm es mit. Die ganze Geſchichte iſt mit ein paar Wagen abgethan,[die man damit bepackt, und mit einigen Leuten, denen man es in Aufſicht giebt. Übrigens ißt man auf dieſe Art überall wie die vornehmen Leute, ohne das es einen etwas koſtet, denn das Silber kommt wieder ſo gut zurück, wie es mitgenommen wurde.“] Ja, ſo hat meine Mutter geſagt. Prinzeſſin. Mein lieber Herr Johann von Paris, nach dem zu urteilen, was ich höre und ſehe, muß Euer Vater ein ungewö hnlich reicher Mann ſein! Johann. Ei nun, er hat ſein Auskommen,[das muß ich ſelbſt ſagen. Er iſt der älteſte in der Familie und hat ein einträgliches Amt.] Doch[genug von ſolchen nichtsbedeu⸗ tenden Familiengeſchichte etzt ſoll Tanz und Geſang unſer Mahl würzen. W Ihr dazu, Herr Seneſchall? Jeneſchall. Was ich 0 daß ich bei T ſo wenig als anderswo zubringen kann; ich! pflege[daher! wenn zu eſſe nu und nicht zu ſingen. Johann. Auch gut! So werden es andere an Eurer 816 thun. Olivier, wir wollen unſere Strophe von der nanze des Troubadours zum beſten geben. Olinier. Sehr wohl, gnäd— mei Herr! Eren immt die Mitte.) Johann. So[geh, nimm eine Guitarre und] fang an. [Pedrigo(zum Landvolk). Ihr andern könnt indeſſen tanzen und eure Gaſſenhauer ſingen.] Nr. 12. Romanze. Olivier. Der Troubadour, ſtolz auf der Liebe Bande Folgt einer Spur, eilend von Land zu Lande Durch Hain und Flur erſchallen Klagetöne: Gieb, holde Schöne, dir winkt Natur, Ein Küßchen nur dem Troubadour! Chor und Tanz. Wenn Kaſtagnetten klingen, muß alles tanzen, ſpringen; O ſingt die Weiſe mit, froh iſt der Tanz wie unſer Lied! Singt, o ſingt, ſingt, froh iſt der Tanz zie unſer Lied, wie unſer Lied, wie unſer Lied! 0 T ſe d ſi er Schönen an den Troubadour. Johann von Paris. Johann(erhebt ſich, tritt vor und ſingt). Der Troubadour, ſeufzend von Liebesgrame, Preiſt auf der Flur ſingend das Lob der Dame. Gieb, o Natur, daß ihr Herz ſein Wünſchen kröne: Gieb, holde Schöne, dir winkt Natur, Ein Küßchen nur dem Troubadour. Chor und Tanz. Wenn Kaſtagnetten klingen, muß alles tanzen, ſpringen; O ſingt die Weiſe mit, froh iſt der Tanz wie unſer Singt, o ſingt, ſingt, froh iſt der Tanz Wie unſer Lied, wie unſer Lied, wie unſer Lied!— 8 * ied! Prinzeſſin(erhebt ſich und tritt vor). Alle(ſtehen auf, ſowie ſich die Prinzeſſin erhebt und treten vor die iſche). Prinzeſſin(ppricht). lbſt die letzte Strophe ſingen. Ich kenne dieſe Romanze und will Sie enthält die Antwort (Sie ſingt.) Freund Troubadour, wiſſe, was ich begehre: Du liebeſt nur die Waffen und die Ehre; Doch ſage nur, ob man auf Treue rechnen könne? Dann folgt die Schöne auch der Natur, Hält Liebesſchwur dem Troubadour! Dann folgt die Schöne auch der Natur, Hält Liebesſchwur dem Troubadour! Zohann und Olivier. Gieb, holde Schöne, dir winkt Natur, Ein Küßchen nur dem Troubadour. Chor und Tanz. Wenn Kaſtagnetten klingen, muß alles tanzen, ſpringen; O ſingt die Weiſe mit, froh iſt der Tanz wie unſer Lie Singt, o ſingt, ſingt, froh iſt der Tanz Wie unſer Lied, wie unſer Lied, wie unſer Lied! Die Prinzeſſin(entläßt mit einem Wink ihr Gefolge). Johann(ebenſo). Die Kavaliere, Hofdamen und Pagen der Prinzeſſin(entfernen ch mit Verbeugungen nach links Mitte über die Treppe in das Haus). d! Johann von Paris. 73 Die Kavaliere, Pagen und Diener Johanns(gehen ebenſo nach rechts über die Terraſſe ab). Pedrigo und Lorezza(treten nach links Mitte über die Tr das Haus). Der Kellermeiſter, die Aufwärter und Rägde(gehen nach rechts in das Wirtſchaftsgebäude ab). Die Bauern, Bäuerinnen und Bauernmädchen(entfernen ſich rechts Mitte durch die Terraſſe ins Freie). in Hechſter Nuftritt. her Ober⸗Seneſchall und die i l⸗ rechts, Johann und der Page Prinzeſſin pricht). rr Johann von Paris.[Ich werde Aufmerkſamkeiten nie vergeſſen.] Es iſt unmöglich, ſeine Gäſte beſſer zu bewirten. Johann(mit 1325 Verbeugung). Wenn Ihr nur zufrieden ſeid. [Prinzeſſin. Wer würde es nicht ſein? Ihr habt alles aufgeboten, was eine Mahlzeit angenehm machen kannj. Seneſchall. Ihre Hoheit waren geſonnen, gl ich nach der Tafel die Reiſe fortzuſetzen. Iſt es Euch gefällig, daß ich mich eimeniee ob Wagen und Pferde in Bereitſchaft ſind? Prinzeſſin. Thut das, Seneſchall. Seneſchall. Ich fliege und augenblicklich kehre ich zurück. (Er geht rechts Mitte durch die Terraſſe und verſchwindet nach links.) Johann(eiſe zu Olivier). Jetzt muß ſich mein Schickſal ent⸗ ſcheiden. Laß meine Befehle ſo ſchnell als möglich vollſtrecken. Olivier Geiſe zu ihm). Ich fliege! Aber nicht augenblicklich kehr ich zurück und werde auch einen gewiſſen andern daran verhindern.(Er folgt dem Seneſchall.) Hiebenter RAuftrilt. Die Prinzeſſin, Johann zu ihrer Linken. Prinzeſſin(für ſich). Herr Johann von Paris hat ſich unterfangen, mit mir Komödie zu ſpielen? Ich bin doch neugierig, wie er ſeine Rolle durchführen wird. Johann(will ſich nach einer Verbeugung entfernen). Prinzeſſin. Schenkt mir noch einige Augenblicke, Herr Bürger. Eh' ich Euch beurlaube, wünſch'te ich noch zu er⸗ fahren, was Euch bewegen konnte, dieſes Land zu beſuchen? (Sie ſetzt ſich rechts auf Johanns Stuhl.) 74 Johann von Paris. Johann. Ach, gnädige Frau, mich führt ein Geſchäft von höchſter Wichtigkeit hierher, das intereſſanteſte in meinem ganzen Leben. Prinzeſſin. Das intereſſanteſte in Eurem ganzen Leben? Johann(befangen0. Ja. Ich komme— ich kam mich zu verheiraten. Prinzeſſin. So? Aber wozu denn plötzlich dieſe Arme⸗ ſündermiene?(Ihr werdet niedergeſchlagen, traurig, wenn Ihr von Eurer Heirat ſprecht. Erſt noch war Euer Ton ſo freimütig, Eure Züge der Ausdruck des Frohſinns und der guten Laune, und jetzt— doch ich ſehe, daß ich eine unbeſcheidene Frage gethan habe. Johann. Keineswegs.] Prinzeſſin. Ich begreife— es iſt vermutlich eine Kon⸗ venienzheirat, wozu man Euch bereden will? Johann. In der That, gnädige Frau, es iſt eine Heirat aus Konvenienz— aber— aber auch aus Neigung. Prinzeſſin. Wirklich? Alſo kennt Ihr die Dame? Johann. Ja— ich kenne die Dame. Prinzeſſin. Ich ſetze voraus, daß ſie tugendhaft und ſchön iſt. Johann(ſich vergeſſend, mit höchſter Würde). Nie iſt etwas Vollkommeneres aus den ſchöpferiſchen Händen der Natur hervorgegangen. Denkt Euch alles, was Grazie und Eben⸗ maß der Foͤrm, Blüte der Jugend und des Geiſtes Ver⸗ führeriſches haben; ein bezauberndes Lächeln, einen himm liſchen, das innerſte Gemüt anregenden Ton der Stimme, einen unerklärbaren Reiz, der alles beſiegt, unterjocht, mit ſich fortreißt— und Ihr habt nur einen ſchwachen Begriff von dem Weſen, dem ich im erſten Augenblicke, als ich es ſah, meine Gefühle auf ewig gelobte. Prinzeſſin(lächelnd). Mein Herr—] Ah, Herr Johann von Paris, ich merke wohl, daß Ihr verliebt ſeid. Johann. Ja, gnädige Frau, recht ſehr verliebt! (Prinzeſſin(ſteht auf). Ich kann Euch deswegen nicht tadeln, nur ſetzt mich die plötzliche Veränderung, die ich an Euch wahrzunehmen glaube, in Erſtaunen. Das iſt nicht die Sprache von vorhin, nicht Euer ehemaliger Ton. Ihr ſprecht mit ſolchem Feuer und in Ausdrücken, die— Johann cjür ſich). Ich vergeſſe mich. Caut.) Ach, gnädige Johann von Paris. Frau, macht doch davon kein Aufhebens; der gemeinſte ur ſchickteſte Menſch wird beredt, wenn er von Liebe, t.] Prinzeſſin. Ich danke Euch, Herr Johann, daß Ihr mich zur Vertrauten Eurer Leidenſchaft gemacht habt. Zohann. Vergebt mir dieſe Unbeſonnenheit. Ich fühle, daß meine Rolle— Prinzeſſin. Ich will Euch keine Vorwürfe machen, nur möchte ich Euch eine kleine Lehre mit auf den Weg geben, die Euch, gut angewendet, in den Zirkeln der gebildeten Welt ſehr zu ſtatten kommen dürfte. Die Schönheit und Tugend ſeiner Dame unter vier Augen mit ihr oder vor einer Verſammlung kampfluſtiger Ritter zu loben und ſie über alle ihres Geſchlechtes zu erheben, iſt ſchön, rühmlich und vorteilhaft; aber iet einer andern Frau, deren Spiegel ihr eben auch keine häßliche Geſtalt entgegenwirft— dies mir zu ſagen, mir ins Geſicht zu ſagen— erlaubt, Herr Johann, das iſt, gelinde getadelt, kindiſch, und was Ihr immer für Mittel anwenden mögt, mich zu überreden, über⸗ zeugen werdet Ihr mich wahrlich nie. Johann. Ich bin in Verzweiflung, daß meine Freimütig— keit Euch mißfallen konnte. Prinzeſſin. Sie mißfällt mir nicht.—] Doch auf einen andern Gegenſtand zu kommen— lda hab ich gerade einen Einfall! Wirklich, es wird angehen. Ihr ſcheint mir zur Anordnung von Feſtivitäten ein ſo entſchiedenes Talent zu be⸗ ſitzen, daß ich es gern neuerdings in Aufpruch nehmen möchte Johann. Ihr habt mir nur zu befehlen.] Prinzeſſin. Ihr wißt, daß der König, mein Bruder, in mich dringt, mir einen Gatten zu wählen.(mit einigen ritten nach rechts.) Ich habe ſeinen Wunſch erfüllt. Johann cfür ſich, verzweifelt). O ſo bleibt kein Zweifel übrig. Prinzeſſin(ſich wieder zu Johann wendend). Ein ſolches E eignis giebt natürlich Anlaß zu löffentlichen Beluſtigunger und] glänzenden Feſten. Ich wünſche,[daß allenthalben Frohſinn und anſtändige Munterkeit herrſche und will, um meinen Zweck ſicher zu erreichen Euch die Ausführung und Leitung derſelben übertragen. Johann. Euer Vertrauen ſchmeichelt meinem Stolze Doch[geſtattet mir zu bemerken, daß es mir unmöglich iſt r⸗ E 76 Johann von Pa ris. die glänzenden Eigenſchaften, die den Mann auszeichnen müſſen, den Ihr mit Eurer Hand beglückt, ſinnbildlich dar⸗ zuſtellen,] da ich ihn nicht perſönlich kenne—! Prinzeſſin. Vielleicht kennt Ihr ihn. Doch gleichviel. Ich kaun Euch in dieſer Hinſicht alle Aufklärung geben, die Ihr nur immer wünſchen mögt.] Ich werde Euch eine Be⸗ ſchreibung meines Gatten machen,[die weder ſchmeichelt, noch verunſtaltet, ſondern ein treues Porträt iſt.] Johann(für ſich). Wenigſtens werde ich meinen Neben⸗ buhler kennen lernen. Nr. 13. Duett. Prinzeſſin. Der Mann, den ich erwählt, iſt ehrlich. Johann. Ehrlich? Sehr ſchlimm! prinzeſſin. Sehr ſchlimm? Mir ſchien das nicht gefährlich! Sein ſtolzer Blick den Damen ſtets gefällt. Johann. Sein Betragen? Prinzeſſin. Iſt herrlich! Johann. Sehr ſchlimm! Prinzeſſin. Sehr ſchlimm? Mir ſchien das nicht gefährlich! Johann. Sein Verſtand? Prinzeſſin. Sein Verſtand? Er hat Lebensart und Welt. Johann. Und ſeine Treue? Prinzeſſin. Und ſeine Treue iſt zuverläſſig! Johann. Kann er kämpfen? Prinzeſſin. Heldenmäßig. Zohann. Und ſein Rang? Prinzeſſin. Kommt meinem gleich! Johann(für ſich). O weh, der Mann beſitzt, Was uns bei Frauen nützt! Prinzeſſin(für ſich). Ich darf ſein ängſtlich Thun nicht ſehen, O Liebe, komm, mir beizuſtehen, Dann iſt mein Sieg ganz unfehlbar. Johann(für ſich). Sie darf mein ängſtlich Thun nicht ſehen, O komm, mir beizuſtehen, mir beizuſtehen, Dann iſt mein Sieg ganz unfehlbar. Zur Prinzeſſin.) Der Mann, den Eure Blicke fanden, Hat Euch geſehn, hat Euer Herz verſtanden? Johann von Paris. — —1 Prinzeſſin. Daß er mich geſehn, iſt kein Gedicht, (Mit Beziehung.) Ob auch verſtanden, ich weiß es nicht. eichend.) Ihr fragt ſo hin und her, Ich gebe keine Antwort mehr, nein, nein! Johann(für ſich). Ha, was hör ich?(er faßt ſie f Sw π Nennt ſeinen Namen mir. Prinzeſſin. Den Namen? Johann. Nennt ſeinen Namen mir! tzeſſin(mit Beziehung, g und mit Laune). Er will im Dunkeln ſchleichen, Einen Scherz hätt' er gern g Doch ſein Geheimnis ward enthüllt, Und man vergalt ih l mit Gleichem. Johann(für ſich). Ha, welch ein Strahl! Täuſch ich mich hierd Caut.) Der Mann, dem Ihr)band wollt reichen— Prinzeſſin(geht an ihm vorüber nach links, zärtlich). Kennt Ihr ihn jetzt? Kennt Ihr ihn jetzt? O nennt ihn mir! Zohann(für ſich). Nein, ich kann nicht länger ſchweigen, arf ins Auge.) · die§ Geſtehn will ich die Schuld. Ich liebe mit heißem Entzücken, Kann ich denn nicht deutlich erblicken Mein nahes Glück in ihrer Huld!— Prinzeſſin(zu Johann). Wohlan, des Truges Nebel weichen, Geſteht mir Eure Schuld! (Für ſich.) Er liebt mich mit heißem Entzücken, Kann er denn nicht deutlich erblicken Sein nahes Glück in meiner Huld!— Johann. Alſo gnädige Frau, ſtatt Euch einen kleinen Poſſen zu ſpielen, bin ich ſelbſt—? Prinzeſſin. Der König war von Eurer Reiſe ſund Ver⸗ richtung] unterrichtet, er gab mir Nachricht davon und äußerte zugleich den lebhaften Wunſch, daß ich Euch vor zahlreichen Mitbewerbern den Vorzug geben ſollte. Johann. O ſprecht! Kann ſeinem Verlangen Genüge geſchehen? Seid Ihr 78 Johann von Paris. Prinzeſſin. Ich bin— eine ſehr zärtliche Schweſter, die keinen andern Wunſch hat, als jenen ihres Bruders zu er⸗ füllen. Johann. Mein Glück iſt ohne Grenzen. Erlaubt, daß ich zu Euren Füßen meine Empfindung geſtehe. Er kniet vor ihr und küßt ihr die Hand.) Der Ober⸗Seneſchall(kommt von links, durch die Terraſſe rechts Mitte). Achter Auftritt. Die Vorigen. Der Ober-Seneſchall. Seneſchall(noch zurückſtehend). Himmel! Was ſeh ich! Prinzeſſin(Geiſeite, lachend). Ah, der Seneſchall![Nun, der wird Zeter ſchreien.] Seneſchall(Johann zur Rechten vorkommend; zu ihm). Unglück⸗ liches Menſchenkind, Ihr zu den Füßen Ihrer königlichen Hoheit! Johann(noch immer knieend).„Nun, des möchten wir zum Beiſpiel erleben! Das möchten wir ſehen.“— Sagtet Ihr vorhin nicht ſo? Jetzt habt Ihr's erlebt, jetzt könnt Ihr's ſehen. Seneſchall. Iſt es möglich? Wirklich? Bin ich der Narr mei⸗ ner Augen?— Und die Prinzeſſin duldet zu ihren Füßen—? Zohann. Ihren Gemahl. Iſt das ſo ſonderbar?(er ſteht auf.) Seneſchall. Ge—Gemahl?— Der Prinzeſſin Gemahl?—Ihr? ZJohann. Jetzt ſpielt Ihr den Erſtaunten! Als ob ich es Euch nicht vorausgeſagt hätte. Seneſchal. O abominabler Skandal! O abſcheuliche Mesalliance! O verdorbene Welt! Und Ihro Hoheit laſſen ſich dieſe Frechheit gefallen? Prinzeſſin. Was nützt Euer Aufbrauſen, lieber Seneſchallꝰ (Sie nimmt die Mitte.) Ich habe heute meinen guten Tag, wo ich alles auf die leichte Seite nehme. Seneſchall(jür ſich). Unbegreiflich! Sie muß bezaubert 2 ſein! Oder— mein Gott, das wäre ein Unglück!— wenn etwa die Prinzeſſin—(Er macht eine Bewegung nach dem Kopf.) Da kommen endlich Leute. Hoffentlich wird doch der ärger liche Auftritt vor Zeugen nicht fortgeſetzt werden. Die Kavaliere, Hofdamen und Pagen der Prinzeſſin(kommen von links Mitte über die Treppe aus dem Hauſe). Pedrigo und Lorezza(folgen). u I Johann von Paris. 79 Die Kavaliere, Pagen und Diener Johanns(kommen von rechts ie Terraſſe). Hlivier(kommt von links, durch die Terraſſe rechts Mitte). Bauern, Bäuerinnen, Bauernmädchen(folgen ihm). Aeunler Auftritt. zrinzeſſin. Johann. Der Ober⸗Seneſchall. Der Page Olivier. Hofdamen und Pagen der Prinzeſſin. Die Kavaliere, und Diener Johanns. Pedrigo Lorezza. Bauern. Bäue rinnen. Bauernmädchen. Stellung: Bauern und Bäue Prinzeſſin Johann Pedrigo Olivier(zu Johann). Mein Herr, alles iſt bereitet, wir können reiſen, ſobald Ihr befehlt! [Pedrigo(für ſich). Ein ſolcher Gaſt wird in langer Zeit bei mir nicht wieder einkehren.] Johann. Meine lieben Reifegefährten! Ihr. müßt mir noch, ehe wir abreiſen, Gl ück zu der neuen Bekauntſchaft wünſchen, die ich ſoeben an Ihrer Hoheit, der Schweſter des Königs von Navarra gemacht habe.) Ich ſtelle Euch hier in der Prinzeſſin von Navarra lein Modell der Grazien, ein Meiſterſtück von Schönheit und Verſtand und über alles dies! meine Gemahlin vor.(Allgemeines Staunen.) Pedrigo, Lorezza. Seine Gemahlin? Seneſchall. Nein, jetzt geht der Unfug zu weit. Das iſt zu ſtark! Ihr wagt es, öffentlich zu erklären— Johann. Der ehrliebende Herr Seneſchall meint doch nicht, daß ich eine heimliche Heirat ſchließen werde, loder daß ich mich mit dieſer tugendhaften Dame auf die linke Hand trauen laſſen ſoll? Doch nein! Er bedauert bloß, daß eine ſolche Verbindung nicht vor anſehnlicheren ſtandes⸗ gemäßen Perſonen und in einer glänzenden Verſammlung vor ſich gehen ſoll. Dieſes Begehren iſt billig und ich muß ihm willfahren. Wohlan, Kameraden, ſo verwandelt euch augenblicklich, bloß dem Herrn Seneſchall zu Gefallen, in Johann von Paris. 80 Ro ſtattliche turnier⸗ und ſtiftsfähige Ritter! Auf meinen fehl falle die grobe.Hülle, die eure Heldenkörper verunſtaltet! Zeigt euch im höchſten Glanz hochzeitlichen Schmuckes. Die Kavaliere von des Prinzen Gefolge(werfen ihre Oberkleider ab und ſtehen im brillanteſten Koſtüm da). Seneſchall. Iſt das ein Traum? Lorezza. Mein Gott, wie ſchön! Haben alle Bürger in Paris ſo prächtige Kleider 2] Johann. Ich will dem ehrenwerten Herrn Seneſchall nichts zu wünſchen übrig laſſen. Um ſeine Freundſchaft zu gewinnen,[verändere auch ich meinen Stand. Ich entſage meinen bisherigen Vorrechten. Da ich aber die erhabene Würde eines nützlichen Bürgers überaus hochſchätze, ſo] er nenne ich mich aus eigener Machtvollkommenheit zum erſten Bürger des Staats— zum Kronprinzen von Frankreich. ſcer wirft ſein Obertleid ab.)] Seneſchall(für ſich). O weh, das iſt der Prinz ſelbſt!(Zu Johann in tiefſter Unterwürfigkeit.) Gnädigſter Prinz, entſchul⸗ digt den Irrtum und erlaubt, daß ich der erſte ſei, der Euch zu dieſer glücklichen Verbindung— Cür ſich.) Was war ich für ein Dummkopf! Johann. Sie hat alſo endlich Euren Beifall erhalten, Herr Seneſchall? Das freut mich].(Zu ſeinem Gefolge.) Ja, wackre Kampfgenoſſen, ſein ſüßes Band vereinigt mich mit der Prinzeſſin von Navarra. Welcher Gegenſtand könnte der Verehrung edler Ritter würdiger ſein?] Folgt meinem Beiſpiel und bringt ihr knieend die Huldigung eurer Herzen dar.(eEr kniet vor der Prinzeſſin.) Die Kavaliere Johanns(treten vor und folgen ſeinem Beiſpiel) Nr. 14. Finale Chor. Der Schönheit Ruhm und Ehre, Ihr ſei unſer Arm ſtets geweiht! Johann(erhebt ſich). Die Kavaliere Johanns(ebenſo). Chor. Minneglück lacht, ſingt Freudenchöre. Feiert den Sieg der Zärtlichkeit! Johann(ſtellt ſeine Braut ſeinen Kavalieren vor). Auf holzfreies Papier gedruckt ſchall ft zu itf abene ge önnte einem derzen iſpiel) rrrrrrt rrrereeen III Frrrrrrrrrri rrrer Trrryyr A rrrrktrrertettrrrr! Frrrrrrrrrrrrrrrr 33 4444 rrrr A4444414 . EAAAα 1444144 BLB Karlsruhe UhRhh 48 97570 6 0371