G. leyerbeer. N2 Ed. Kote& S. Sock Zerlin. 2+—+— IAXREGE Klavierwerke 2=2 Hax Reger-Manpe Eine Auswahl mittelschwerer Klavierstüeke. 1. Mappe. 10 Stücke. u. a. Gavotte(Op. 82), Largo CTrio Op. 102), 6 Welt ich muß dich lassen. Gebet aus: Die Nonnen, ver- schiedene Lieder. 2. Mappe. 8 Stücke. u. a. Arie aus Op. 103a Larghetto a Op.109(Quartett 1 Satz aus Op. 89 Sonatine). Die Toteninsel a. der Böcklin- Suite. Preis jeder Mappe. M 4, Aus meinem Tagebuche 35 kleine Stücke. Op. 82 Band IIV Jeder Band M 4.— Sonatinen Op. 89 Nr. 1-4 Jede Nummer M 2,.— Bd. I(Nr. 1½2) M 4.— Bd Il Nr. 34 M 4.— Sechs Prãludien und Fugen Op. 99 Band I/1i1 Jeder Band M 3.— Episoden Klavierstücke für große und kleine Leute. Op. 115 Band /iI Jeder Band i13.— Professor Franz Schrecker(Berl. Tageblatt“ 13. 8. 1920): Reger ist eins der wichtigsten und besonders in se ner Bedeutung für die Schule noch viel zu wenig gewürdigtes Kapitel. 9 Verlag von Ed. Bote& G. Bock, Berlin W. Leipziger Str. 37 Gegründet 1838 Tauentzienstr. 1 2 ie cccecc celcclcc e 2 — —— lerstücke. tücke. 2), Largo Vorspiel: h lassen. men, ver- der. tücke. za(Suite), Quartett). 5onatine). Böcklin- 1 4,.— eger ist] e Schule Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt.) Zur gefl. Beachtung! Wie machen ergebenst darauf aufmerksam, daß auf Grund der Reichsgerichts-Entschei- dung vom 13. November 19007 Aufführung und Druck des Textbuches der Oper „Die Afrikanerin“ bis zum Ablauf der Schutzfrist von Perdinand Qumbert ohne unsere besondere Bewilligung unzulässig sind. BERLIN W. S. Die Afrikanerin. Oper in fünf Akten von E. Scribe. ED. BOTE& G. BOCK Deutsch von Ferdinand Gumbert. Musik von G. Meyerbeer. Ausschliebliches Eigentum von Ed. Bote& G. Bock, Berlin W. 8 Gegründet 1838 Meyerbeer, dessen europàischer Ruhm dutch„Robert der Teufel“,„Die Hugenotten“ und den„Propheten“ begründet und betestigt war, hielt seine Oper„Die Afrikanerin“ mehr als 20 Jahte ängstlich im Schreibtisch verschlossen und war ständig mit Anderungen beschältigt, ehe er sich 1864 entschloß, diese mit größter Spannung erwartete Oper in Paris zur Uraufführung zu bringen. Hier aber, Wwo er endlich nach langem Suchen in Marie Sax(der Elisabet in der berüchtigten Aufführung von Wagners„Tannhäuser“ in Paris von 1861) die geeignete Vertreterin der Titelrolle funden hatte, überraschte den gteisen Tonsetzer mitten in den Vorbereitungen zur Aufführung am 2. Mai der Tod. Erst am 28. April 1865 ging dann„Die Afrik⸗ nerin“ in Paris in Szene und zwar mit ungemeinem Erfolg. Es folgten Aufführungen in London, Madrid und Bologna, bis am 18. November der Schwanengesang des Berlinet General- musikdirektors im Königlichen Opernhause zu Be lin, 8 zur Aufführung gelangte und zwar gleichfalls mit sensationel Generalintendant Herr von Hülsen hatte für eine großartige Ausstattung gesorgt, Heinrich Dorn dirigierte, Pauline Lucca sang die Titeltolle, Frau Harties- Wippern die Ines, Theodor Wachtel den und Franz Betz den Nelusko. Nach dem Berliner Erfolg verbreitete sich das Werk sehr rasch über alle deutschen Bühnen. Auch jetat ist es noch an zahlreichen Orten auf de bielplan. Das von Scribe herrührende Libretto fußt auf dem Epos„Die 1 en“ des portugiesischen Dichters Camoens. Es behandelt das Schicksal des durch die Entdeckung des Seewegs nach Ostindien(im Jahte 1498) berühmt gewordenen Vasco da Gama. ner Geburtsstätte em Erfolge. U KURZE INHALTSANGABE. G. AKrT.) Im Ratsaal der Admitalität zu Lissabon wartet Ines auf Befehl ihres Vaters, des Admirals Diego; sie hofft hier gute Nachrichten über die vor zwei Jahren ausgesegelte Flotte des Entdeckers Diaz au erfahren, dem sich ihr Geliebter, der junge Offizier Vasco da Gama, angeschlossen hat, um berühmt zu werden und damit Anspruch auf ihte Hand zu etlangen. Ihr Vater aber teilt ihr mit, daß sie auf Wunsch des Königs dessen Minister Pedto heiraten soll; vergeblich versucht sie dagegen anzukämpfen. Der herbei- kommende Don Pedro teilt den Untergang der Flotte des Diaz mit und aul ihr Befragen auch den Tod Vascos. Ihr Schmerz darüber läßt i ihn erkennen, daß er seinen Nebenbuhler verloren nat.— Es versammeln sich die Großen des Landes, auch der Groß-Inquisitor, um zu beraten, wie dem ausgesandten Diaz Hilfe gebracht werden kann. Da erscheint Vasco da Gama, der einzig gerettete Teilnehmer jener Expedition, mit der Meldung vom Tode des Diaz, übergibt aber gleichzeitig eine Denkschrift, in der er die Wiederauinahme des Planes jenes Seehelden und ein Schiff fordert, um den erhoftten Seeweg um das Kap der guten Hoffnung und neuentdecktes Land zu erteichen. Als Beweis für die Existenz eines bisher unbekannten Volksstamms führt er zwei Sklaven vor, die er in Afrika erworben, Selika und Nelusko; beide aber verweigern die Auskunft über ihre Heimat. Im Rat sind die Ansichten sehr geteilt, ob der abenteuerliche Plan Vascos unterstützt werden Soll. Die Mehtheit ist dagegen. Vasco ist über diese Verständnislosigkeit, die den Ruhm seines Vaterlandes nicht will, so aufgebracht, daß er beleidigend wird; er wird daher ins Gefängnis abgeführt. 2. AkT.) Im Gefängnis weilt Vasco; Selika, von der etf nicht weiß, daß sie in ihrer Heimat die Königin gewesen, ist bei ihm; sie liebt ihn, erfährt von ihm, der im Halbschlaf redet, daß er in der Heimat sein Herz verloren; sie singt inn in den Schlaf. Herein tritt Nelusko, um ihn zu ermorden; et natzt ihn als Christen, und weil er weiß, daß seine angebetete Königin ihn liebt. Um Vasco zu retten, weckt sie ihn; et weist Nelusko hinaus und trägt Selika nach dem Weg nach ihrer Heimat; sie kann ihm nicht wider- stehen; sie gibt ihm die gewünschte Auskunft und wird jubelnd von ihm umarmt. Da treten Don Pedro, Ratsherren und auch Ines ins Gefängnis. Vasco jubelt, als er die Geliebte erblickt, Selika ist außer sich und möchte sich am liebsten auf ihre Nebenbuhlerin stürzen. Diese überbringt Vas co die Freiheit und einen schriftlichen königlichen Befehl, erklärt ihm aber, daß sie ihm entsagen müsse. In dem Glauben, daß dies ihre Absicht nur sei, weil sie Selika in seinen Armen gesehen, schenkt er ihr diese seine Sklavin nebst Nelusko. Don Pedro aber zieht Ines fort, erklärt dem bestürzten Vasco, daß er vom König mit der Ausführung der angeregten Durchrahrt beauftragt und zum Gouverneur der neu zu entdeckenden Lande ernannt und mit Ines getraut sei. Diese klärt Vasco darüber auf, daß sie, um ihn zu erretten, Don Pedro ihre Hand gereicht habe und fordert ihn auf, seine Freiheit zu benutzen, um auf eigene Hand seinen kũhnen Plan auszuführen. GS. AKr.) Auf der Fahrt nach dem zu entdeckenden Land befindet sich Don Pedro mit seiner Gemahlin. Er wird von Don Alvar vor Nelusko, dem er das Steuer anvertraut hat, gewarnt, da er durch ihn schon zwei Schiffe verloren habe, und auch aufmerksam gemacht, daß bereits ein anderes Schiff vor ihm segle. Nelusko unterhält die Schiffsmannschaft mit der Ballade von Adamastor, dem König der Stürme. Da erscheint Vas co, der jener Segler gewesen ist, im Boote, um Pedro zu warnen, weil dessen Schiff gerade nach dem unheilvollen Kap zugesteuert wirxd. Es kommt zu einem Wortwechsel. Pedro läßt Vasco fesseln; ehe er ihn aber trotz der Bitten von Ines hat hinrichten lassen, stößt das Schiff an eine Klippe und wird von den Indiern erstürmt, die Nelusko herbeigerufen hat. Im feierlichen Zuge wird die wieder heimgekehrte Königin Selika Brahmas itet. Sie muß schwören, daß niemals ein Fremd- ide gedu len soll. Alle Männer, die auf Don Pedros esen, sind mit Ausnahme Vascos bereits ermordet. Dieser wird herbeigefünrt und drückt sein Entzücken über das herrliche Land, das er erblickt, aus; er sieht auch in der Nähe sein eigenes Schiff, allein auch er soll getötet werden. Da erklärt Selika, er sei kein Fremder, er sei ihr Gemahl und zwingt durch ihren Blick Nelusko, dies zu bezeugen. Feierlich werden Selika und Vasco vom Oberpriester des Brahma vermählt. Selika klärt Vasco darüber auf, daß sie ihn zwar innig liebe, aber ihm die Flucht nach seinem Schiffe ermöglichen wolle. Er aber schließt sie liebestrunken in seine Arme und erklärt, sie Sei auch vor seinem Gott seine Gattin. Während des rauschenden Festes aber hört er plötzlich aus der Ferne die Stimme der Ines die nicht ermordet worden ist, und merkt, wie sehr sein Herz ihr gehört. G. Akr.) Selika überrascht Vasco im Gespräche mit Ines, die erklärt, er habe von ihr nur Abschied genommen und wolle treu bei Selika bleiben. Diese erkennt, wie sehr Vasco und Ines sich lieben, ist so edelmütig, beide durch den ihr treuergebenen Neliusko auf Vascos Schiff bringen zu lassen, damit sie in die Heimat zurückkehren, vermag aber ohne Vasco nicht mehr zu leben; sie begibt sich unter den Manzanillobaum, dessen giftige Blüten ihr beim Einatmen den Tod bringen sollen. Nelusko meldet, daß er ihren Befehl erfüllt, sie sieht noch Vascos Schiff absegeln, ehe sie stitbt. Nelusko kolgt inr in den Tod, um wenigstens im Jenseits mit ihr vereinigt zu sein. Wilh. Altmann. AKT.) Personen. un. Oon Pedro, Vorsitzender im Rate des Königs von Portugal. Don Diego. Admiral. Ines. dessen Tochter. Lasco de Gama, Marine-Offizier. Don Alvar, Mitglied des Rates. Der Crob-Induisitor von Lissabon. 85 Nelusko, 0 Selika, Sklaven. Der Oberpriester des Brahma. N Anna, Ines' Dienerin. Marine-Offiziere. Bischöfe. Räte. Priester des V Brahma. Indier und Indierinnen. Offiziere, K. Soldaten, Matrosen. Erster Akt. Der Ratssaal der Admiralität in Lissabon. Türen im Hintergrunde und an den Seiten. Rechts“) der Sessel des Vorsitzenden auf einer Erhöhung. Rechts und links die Sitze für die Räte. Erste Szene. Ines und Anna(treten auß). No. 1. Szene und Romanze. Ines(sehr bewegth. Was hör' ich, Anna? In dem Saale des Rats Soll erscheinen ich, so befiehlt es mein Vaterl Anna. Wie er sagt, habe er Euch Wicht'ges zu verkünden, Ines. Was mag es sein? Mein Herz, es fürchtet und es hofft! Kam Botschaft von der Flotte, von meinem teuren Freund7 Anna. So hofft Ihr noch auf ihn, der schon zwei Jahre fern? Ines. Ich hoffe nochl W'enn Hoffnung mir entschwand, nicht leben mõcht' ich mehrl Ohne ihn gibt's kein Dasein für mich! Aus Liebe nur zu mir schlo sich Vasco dem Zuge Des grollen Diaz an, teilet Arbeit und Müh', Trotzt den Wellen, trotzt dem Sturm, Segelt mit ihm in ein neues Land. ) Immer vom Zuschauer. Für ihn soll meine Hand der Preis des Ruhmes werden, Wacht Lieb' über ihm, wird Vasco Sieger sein! Er kehrt zurũck, lch fühl' es klar in meinem Herzen, Und tröstend klingt, als hätt' ich's heut' vernommen, Sein hold melodisch Lied durch meine Seele, Das er vor meinem Fenster sang die Nacht, bevor er schied, Sein Abschiedslied: No. 1bis. Romanze. Leb' wohl, freundlich Gestade, Wo ich die Teure fand, Den Stern auf meinem Pfade, Leb' wohl, mein Heimatland! Ihr Lüftchen weht so linde, Als sei's der Trennung Kull; Zur Liebsten geht geschwinde, Bringt ihr den Scheidegruſhl Der jugend Gefühle Im Herzen so reich, Voll Hoffnung, ihr Ziele, Ich sterbe mit euchl Zweite Szene. Die Vorigen. Don Diego. Dann Don Pedro. No. 2. Szene und Terzettino. Ines(Don Die go entgegengehendh. Mein Vater, Ihr befahlet— Von Diego. Erfahren sollst du nun, bevor alsbald der Rat die Sitzung hier beginnt, Daß des Königs Majestät in allerhöchster Gnade Hat für dich erwählt einen glorreichen Gatten, Don Pedro ist's! Ines. Wie, er? Nein, nimmermehr, mein Vater! Don Pedro tritt ein, ein Manuskript in der Hand.) Don Diego. Der König will's, so Wwie auch ich. Du muſt gehorchen! (Leise.) Hast wirklich du geliebt, vergil den jungen Mann, Der ohne Rang und Ruhm— Ines(feurig). Doch dessen Zukunft groſl! Sein hoher, edler Geist— Don Diego. Führte ihn ins Verderbenl (Sich zu Don Pedro wendend.) Ist es wahr, das Gerücht, das ich hörte heut' früh7 s: des Diaz Untergang! Kunde Dringt Don Pedro. Gescheitert ist der Plan, es erfallt' sie der Sturm, Warf die Schiffe zerstört auf eine einsame Insel. Ja, entsetzlich ist diese Nachricht und gewibl Ines(lebhaft). Und er selbst ist nicht mehr7! Don Pedro. Man befürchtet das schlimmste. Ines(zitternd). Sein Offizier, Vasco de Gama, ist er am Leben? Don Pedro(mit verächtlichem Erstaunen). Vasco de Gama? Ach, wer fragt wohl nach Leuten, Die ganz unbekannt?! Und doch— Er sucht in den Papieren.) Hier sehet selbst— unter den Toten— ist auch er! Ines (sieht auf das Papier, dann mit einem Schmerzensschrei). Er ist totl Terzettino. Don Diego(zu lnes mit gedämpfter Stimme). Denk' an die Pflicht, denk' an die Ziele, Sonst weckst du nur seinen Argwohn sogleich. Berge den Schmerz und die Gefühle, Was dich bewegt— sei klug und schweig'! Don Pedro(für sich mit gedämpfter Stimme). Woher der Schmerz, diese Gefühle? Argwohn erweckt es sogleich. Durch Klugheit nur komm' ich zum Ziele, Drum siehe scharf, o Herz, und schweig'! Ines. Ach, hast du dein Leben So früh schon gegeben, Dann soll mich umschweben Erinn'rung so reich. O jugendgefühle, Voll Träume hoher Ziele, Ja, ich sterbe mit euch. Don Diego führt Ines zurück, die im Hintergrunde abgeht.) Don Pedro(zu Don Diego). Diese Nachricht, die ich Euch brachte, Wie kann sie also nur verwirren ihren Sinn7 Ist's eine stille Lieb', die sie gehegt? Don Diego. Was tut es7! Der Nebenbuhler tot, und man fürchtet nichts mehrl Ein Diener. Der hohe Rat tritt ein; gleich beginnt die Sitzung. hrei. leich. abgeht.) un? 8 mehrl Sitzung. Dritte Szene. Don Diego. Don Pedro. Der Grob-Inquisitor. Die Bischöfe, Don Alvar und die anderen Räte. Don Pedro besteigt den Sessel des Vorsitzenden, Don Diego Setzt sich neben ihn; die anderen Räte bilden einen Halbkreis. Der Grol-Inquisitor ist rechts, Don Alvar zur Linken.) No. 3. Ensemble und Finale. Der Groß-Inquisitor und die Bischöfe. Gott aller Lebenden, senke Ruh' in die Seelen und Licht, Herr, uns zum Frieden nur lenke, Stärk' uns im ernsten Gericht!l Send' aus dem Schol deiner Gnade, Herr, auf uns Milde herab! Ach, mein Herr! Herr, mein Gott! Fromm lal uns gehn deine Pfade, Gott, sei uns Führer, sei uns Stab! Don Pedro(sich erhebench. Seitdlem Kolumbus einst dem Spanier, dem Kival, Entdecket eine Welt und Schätze ohne Zahl, Will kühnen Sinnes auch uns neues Land erwerben Der edle Emanuel, unser König und HHerr, Das ew'gen Ruhm ihm bringet. Der Groß-Inquisitor(ärgerlich). Oder führt ins Verderbenl Die Bischöfe(dem Inquisitor beistimmench. Oder führt ins Verderbenl Don Pedro. Schon sieht der Portugiese, Wwagend kühn zu Schiff, Einen neuen Seeweg unserm Reiche offen; Wo Gefahr uns erwächst, da erblüht auch das Hoffen. Der Groß-Inquisitor(ärgerlich). Ja, ein trüg'risches Hoffen! Ja, ein trüg'risches Hoffen! Man glaubte zu umgehen Die Klippen des Kaps, doch man hat sich getäuscht. Das Gerücht sagt, dab Diaz, bis dorthin vorgedrungen, Es sah, wie sein Geschwader vom Meer ward verschlungen. Beraten sollen Der Groß-Inquisitor und die Bischöfe. Send' aus dem Schoß deiner Gnade, Herr, auf uns Wahrheit herab, Fromm lal uns gehn deine Pfade, Gott, sei uns Führer und Stab! Don Pedro und die anderen Räte. Wer sagt das? Er kommel (Zwei Diener gehen durch die Mitteltür ab.— Zu Don Alvay. Sein Name? Die Bischöfe(wie vorher). Der Groß-Inquisitor. Don Pedro. Wie der König es will, werd' Hilfe ihm gebracht; Inr Herrn, was meinet ihr? Der Groß-Inquisitor. Dah der Herr uns erleuchtel Don Pedro. Don Alvar, saget uns Eure Meinung! Don Alvar(sich erhebencd. Beten wir für Diaz, Gott bestimmte sein Ziel. Ein Offizier, der mit Diaz gezogen Und entkam fast allein jenem tückischen Reich, Der ums Leben gekämpft mit dem Sturm und den Wogen, Er bittet um die Gunst, zu erscheinen vor euch. Don Pedro(zu den Dienern). — — Don Alvar. Vasco de Gamal Don Pedro und Don Diego(für sich). Er! O Gott! Vierte Szene. Die Vorigen. Vasco de Gama. Vasco, durch die Diener und Wachen der Admiralität herein— geführt, tritt in die Mitte des Halbkreises und grüllt ehrfurchtsvoll. Don Pedro gibt ihm ein Zeichen zum Sprechen.) Vasco. Ich sah', ihr edlen Herrn, vom Abgrund verschlungen Unsern Chef, unser Heer, voller Mut, unbezwungen, Noch vor Wut bebten sie, als sie sanken ins Grab; Es fiel ihr letzter Blick auf das furchtbare Kap, Diesen Riesen im Meer, beschützt von Wind und Welle, Zum Himmel reicht sein Haupt und sein Fuß bis zur Höllel lch erklomm diesen Felsen, uns allen unbekannt, Das Land, auf dem noch nie ein Europäer stand. Die gefährlichen Ufer, so wild diese Wüsten, Diese Klippen im Meer und diese neuen Küstenl Don Alvar. Ihr habt sie, armer Freund, gewill so oft verfluchtl Vasco. Nein, um jeden Preis sie gesucht! Erobert soll'n sie sein, so will's Gott, der mich schütztel (Er übergibt Don Pedro eine Schrift.) Nun prüfet diese Schrift, und wirkt dahin, ihr Herrn, Dal in Gnaden der König ein Schiff mir gewähre, Und der Sieg über Klippen, er ist uns nicht fern; Ihr beherrschet ganz allein den Handel und die Meere Und euch gehört die neue Welt, Reichtum und Macht nur euch auf ew'ge Zeit! Grob-Inquisitor(ironisch). Und was behaltet Ihe? 10 Vasco(mit Enthusiasmus). leh? Die Unsterblichkeit! Ensemble. Vasco. Und wag' ich auch mein Blut, mein Leben, Wenn ich bei euch Gewährung fand, lch will es dann mit Freuden geben Für meinen König, ja, fürs Vaterland. Groß-Inquisitor, Don Pedro und die alten Räte. Nur Wahnsinn ist sein kühnes Streben, Und Mitleid war, was ich empfand; Was er verlangt, wollt' man es geben, Dem Spott verfiel das Vaterland. Don Alvar und die jungen Räte. Sein hoher Geist, sein Kkühnes Streben ln meiner Brust ein Echo fand; Was er verlangt, möcht' man es geben, Es ehrte sich das Vaterland. ODon Pedro gibt Vasco ein Zeichen, sich während der Be- ratung zurückzuziehen.) Vasco (im Begrift abzugehen, kommt noch einmal zurück). Eh' ihr beschließt, sei nur ein Wort noch mir vergönnt, Auf dal der König mir ein Schiff vertraue, Wagen darf er es wohl, denn mich täuschet kein Wahn. Zwei Sklaven, der Art, wie ich nie sie gesehen, Und die in Afrika auf einem Sklavenmarkt ich erworben, Sie sind hierl Groß-Inquisitor. Zu was denn nützen sie? Vasco. Beweisen werden sie die Existenz von Völkern, Bis heute unbekannt, die nicht aus Asien stammen, Noch aus der neuen Welt, die Spanien sich errang. Sehet siel nt, in. en, Don Diego(lebhafh. Führt sie hereinl Don Pedro. Ich stimme beil (Auf einen Wink Don Pedros öffnet ein Diener die Tür und gibt ein Zeichen. Selika tritt zuerst ein, Nelus ko in ehrfurchtvoller Entfernung.) Fünfte Szene. Die Vorigen. Selika. Nelusko. Don Pedro (zu Selika und Nelusko). Ihr Sklaven, nahet euchl Don Diego. Von wannen stammet ihr? Don Pedro. Wer hat euch bis hierher gebracht? (Nelusko schüttelt, wild blickend, den Kopf. Selika wendet sich mit Stolz ab.) Don Diego(zu Nelusko). Du antwortest nicht? Nelusko(mit Hadh). Nein! neinl Don Pedro(zu Selika). Weib, so antworte dul Selika. Gefangen wurden wir im Meer diesseits des Kaps, Wohin das kleine Boot durch den Sturm ward verschlagen, Es nahm als gute Beute ein Sklavenschiff uns auf. Vasco(mit triumphierender Miene). Oberzeugt euch selbst! Die Züge, (auf Nelusko zeigend) dieses Antlitz Und diese Farb' S0 kupferbraun Verraten ein unbekanntes Volk! Don Alvar. Ja, ja, so ist's! (Alle geben ein Zeichen der Zustimmung.) Don Diego(befehlench. So nennet eure Heimat! Vasco(gütig). O tu's für mich, Sprich, o Selika, erhöre du mein Flehen! Selika(für sich mit Zärtlichkeit). So sanft ist seine Stimme, ach, Ich kann nicht widerstehenl (Zu Vasco.) Ihr wollet es? Wohlan— Nelusko(mit vorwurfsvollem Tane zu Selika). O schweig', Königin! Du hast geschworen, bleibe starkl Hält ein Tyrann dich als Sklavin in Schmach und Schande, Bist du nicht Kön'gin trotz deiner Ketten und Bande? Sprical π Erhebung) Denk' an Brahma, den du verehrest An der Götter Strafgericht! Ach, dein treues Volk, o Selika, verrate nichtl Don Pedro(zu Selika). Deine Heimat, hörest du, Weib, ich will sie wissen! Bedenk', ich kann dich zum Sprechen wohl zwingen! Selika(stolz). Die Heimat, wo sie liegt? Sagt Ihr es selber mir, Ein Sklave kennt sie nicht. Nelusko(mit verhaltener Wuß). Wenn lIhr Euch heute kauft Zur Arbeit einen Stier, da werdet Ihr nur fragen, Ob stark er sei zum Ziehen und zum Tragen, Doch nicht, ob wohl bekannt Des Stieres Vaterland. Was kümmert's also Euch, woher ein Mensch gekommen, Den einzig Ihr habt als Lasttier genommen! Was soll's Euch kümmern! Don Pedro. Welch ein störrisches Wesenl Vasco. 's ist vergebliche Mũh', Auch mir ist stumm ihr Mund. Doch darauf deutet alles, Daß von weiter noch als Afrika sie kommen, Wohl aus Zonen, die Schiffe von Portugal noch nie gesehen. Diese Länder, die unbekannt, will ich erspäh'n, Will erobern sie euch, gebt mir die Mittel nurl Don Pedro. Nun wWohl! Zieht Euch zurück, damit wir beraten. Vasco verbeugt sich und geht ab. Selika und Nelusko folgen ihm. In der Versammlung entsteht sogleich eine grole Bewegung; alle stehen auf und vereinigen sich in verschiedenen Gruppen.) Sechste Szene. Die Vorigen, auler Vasco, Selika und Nelusko. Don Alvar(lebhaft). Man mul mit aller Kraft seinen Plan unterstützen! Don Diego. Wie kann man, was nur Wahnsinn, befördern, beschützen? Don Alvar. Er ist tapfrer Soldat, Don Diego(ironisch). sehr geschickt, schlau und fein! Don Alvar. Dem der Ruhm über alles! Don Diego: Der befördert will sein! Die Räte(Wiederholen). Groß-Inquisitor(mit scheinheiliger Sanftmut). O ihr Brũder, Mögt mit Ruhe ihr überlegen, Dall mit euch sei Gottes Segen! Don Alvar Eu Don Pedro). Diese Zeichnungen, die Karten, diese Schrift, Die er gelegt in Eure Hand, laꝗt sie uns sehn! Don Pedro. Nun wohl! Was seh' ich?(Er liest.) O Gott, welch ein Lichtstrahl Wird mir in diesem Dunkel und zeiget uns das Ziell Don Diego. Wie? Wir sollen vertrau'n unsre Schiffe und Schätze Dem Ehrgeiz'gen, den wir durch Taten nicht kennen? Eln Teil der Räte. Nur Wahnsinn kann man's nennen! Ein anderer Teil der Räte. Einst wird groll man ihn nennenl Qrob-Inqulsitor. Nein, der Rat wird nicht hören den ruchlosen Sünder, Das ist erl Ein Teil der Räte. Nein, nein, nein! Ein andrer Teil der Räte. Einen Sünderl Don Alvar. Einen Sünder7! Weil ein neuer Weltteil sich ihm aufgetan? Grobß-Inquisitor. Ha, wer das will behaupten, ist ein gottloser Ketzer, Denn in heiligen Büchern wir davon nichts seh'n! Don Alvar. Hat die Kirche nicht Christoph Kolumbus verfluchet? Grobß-Inquisitor. Junger Tor, der Ihr“selbst Gott zu lästern versuchetl Don Alvar. Will des Vaterlands Größel Räte(wiederholen). Groß-Inquisitor. Und beleidiget Gottl Bischöfe(wiederholen). Groß-Inquisitor. Die Schrift, die jener gab, sei ungelesen verbrannt! Alle. Verbrannt!— Nein, nein! Ensemble. Don Pedro, Don Diego, Groſs-Inquisitor. Die alten Räte. Welch ein Lärm auch hier entstehe, Ob man tobe, ob man schmähe, Die Beratung hier geschehe Nur nach Ehre und nach Pflicht. Der Verwegne, er soll schweigen, Kann er uns nicht überzeugen, Seinen Trotz will ich schon beugen, Achtet er mein Anseh'n nicht! Don Alvar. Die jungen Räte. Welch ein Lärm auch hier entstehe, Ob man tobe, ob man schmähe, Die Beratung hier geschehe Nur nach Ehre und nach Pflicht. Ha, wir sollen duldend schweigen, Er ist nicht zu überzeugen, Deshalb nur will er uns beugen, Doch die Macht erreichet er nicht! Alle. Stimmt abl Grob-Inquisitor und die Bischöfe. Herr, aus dem Scholß deiner Gnade Send' uns die Milde herab, Fromm laß uns geh'n deine Pfade, Gott, sei uns Führer und Stab! ODie Diener gehen umher und sammeln die Stimmen. Sobald das geschehen, tritt Vasco ein.) Siebente Szene. Vorige. Vasco. Don Pedro(ernst zu Vasco). Der gebietende Rat, der in des Königs Namen Regieret und nur will des Vaterlandes Wohl, Er weist zurück, was Ihr verlanget, Erklärt den Plan als Wahnwitz nur! Vasco(unwillig). Wahnwitz nur! saget Ilhr? Also wies einst zurück Eben das eigene Land, und es nannte vom Wahne betört Christoph Kolumbus, der unsterblich heut, Und es ward sein Verlangen von den Weisen jener Zeit Nur als Wahnwitz erklärt. Don Pedro. Ha, schweige, du Verwegner! Don Diego, Groß-Inquisitor, Bischöfe und Räãte (Wiederholen). Vasco(auſler sich). Nein! Reden will ich! Jetzt bin ich euer Richter, und ich beschimpfe euchl Aber ihr, die des Ruhmes Blühen Dem Vaterlande wollt entziehen, Es richte euch die spät're Zeit, Euch, die ihr blind, voll Eifersucht und voll Neid! Alle(aufstehend, auler Don Alvar). Den Tod, den Tod für solche Schmach] Don Alvar. O nein, habet Nachsicht, verzeiht! Großb-Inquisitor. Für solch Verbrechen werde ew'ger Kerker sein Lohnl Vasco. Recht! Henker werdet mir, so krönt ihr euer Werkl (Mit vor Zorn erstickter Stimme.) Ihr, die ihr das Licht so sehr scheuet, Ihr schliellt es nur in Kerker ein Aus Furcht, daß es ja nicht euch einmal doch erleuchtel Ensemble. Don Pedro, Don Diego, Groß-Inquisitor, Bischöfe und Räte. Ha, was er sich erfrecht, Das ist gottlos und schlecht, Doch hat es ihn gebracht Ganz in unsere Macht! Don Alvar. Bedenk' es, Vasco, recht, Was du tatest, war schlecht, Es hat dich nun gebracht Ganz in ihre Macht. Die Afrikanerio. Vasco. Als Sünder und Rebellen Behandelt man mich heut, Doch wird die Nachwelt fällen Das Urteil seinerzeit. Was Wahn und Neid jetzt stören, Zum Lichte ringt es sich, Das Land, es wird mich ehren, Die Zukunft doch, sie rächet mich! Don Alvar. Als Sünder und Rebellen Behandelt man ihn heut', Der ein Held, Doch wird die Nachwelt fällen Das Urteil seinerzeit. Was Wahn und Neid jetzt stören, Zum Lichte ringt es sich, Das Land, es wird dich ehren, Die Zukunft rächet dichl Don Pedro, Don Diego, Groß-Inquisitor. Voll Kühnheit ist sein ganzes Streben, Sein Plan nur Wahnwitz, Unverstand, Was er verlangt, wollt' man es geben, Dem Spott verfiel das Vaterland! Der Verwegne, er soll schweigen, Seinen Trotz will ich schon beugen, Achtet er mein Ansehn nichtl Don Alvar. Sein hoher Geist, sein kühnes Streben In meiner Brust ein Echo fand, Was er verlangt, möcht' man es geben, Es ehrte sich das Vaterland. Groß-Inquisitor(zu Vasco). Hört, so spricht Gott im Zorne, Und er strafet zugleich, Er schleudert seinen Bannfluch, Den Bannfluch auf Euch! Vasco und Don Alvar. Tribunal! verblendet bist dul Die übrigen. Der Rebell sei bestraft mit dem Bannfluchl (Zwei Offiziere treten vor und lühren Vasco ab.) Der Vorhang fällt.) Zweiter Akt. Ein Gefängnis der Inquisition in Lissabon. In der Mitte der Dekoration ein massiver Pfeiler, an diesem ist eine geographische Karte befestigt. Erste Szene. Vasco Gitat schlafend in einem Sesseh. Selika. Entr'acte und Szene. Selika. Wie immer, voll Unruh' sein Schlaf, Nichts als Träume von Ruhm und von Unsterblichkeit! (Nähert sich ihm und betrachtet ihn im Schlafe.) Seit einem Monat schon in dem dunkeln Kerker Und alle außzer mir, sie haben dich vergessen, Und du, du Kennst nicht meines Herzens stille Pein, Du fühltest, ach, für sie vielleicht Verachtung nur allein. hier, Vasco(träumench. O meine Heimat, o teure Geliebtel Selika. Was sagt er? Ach, ich z⁊ittre! Vasco. O Ines, einz'ge Freundin! Selika(20rnig). Wie, Ines? Was hörte ich! Wie ich so heißl ihn liebe, So liebt er eine andre; ach, die Oual ist 2u groſll Vasco(träumench. Ach, getrennt von ihr, welch ein Schmerz! eder hische keit! Er. lein. Selika. Wohlan! Töne denn, mein Lied, bring' ihm die Rub', Die er mir geraubt. No. 4. Schlummer-Arie. Selika(ſächelt Vasco mit einem indischen Fächer). In meinem Schoß laß ruh'n dein Haupt, Du tapfrer Sohn der Sonne, Vom Lotoskranz des Siegs umlaubt, Winkt dir des Schlummers Wonne, Täubchen girrend ruft, Leise bebt die Luft, Sternlein blitzt in hellem Scheine, Der Bengal erwacht, Singt sein Lied der Nacht: O schlafe friedlich hier im Hainel ln meinem Schob laßs ruh'n dein Haupt, Du tapfrer Sohn der Sonne, Vom Lotoskranz des Siegs umlaubt, Winkt dir— Er schlummert fest! Weh mir, mein armes Herz, es bricht, O Schmerz, verrate mich ihm nicht! O dalß ich doch im Meere schliefe, Hätt' mich getötet Sturmes Wut, Eh' ich in meines Herzens Tiefe Den Fremden geliebt, der dort ruht. Die Flamme hier, o Brahma, rette mich, Vor Liebesqual und Lust vergehe ichl Vasco(träumench. Der Sturm naht! Gefährten, habet achtl Selika(ängstlich). Er erwachet! Schnell— das Lied: Zu Füllen mir schlummre nur du Hier auf mosiger Schwelle, Lotos nur haucht duftig dir zu, Es murmelt die Welle. — 22— Er schläft in Ruh'l (Ait erstickter Stimme.) Fast unterliege ich, wie leid' ich Weh mir, die Schmerzen! Ach, ach! Für dich allein hab' ich vergessen Die Götter und mein Heimatland, Die Schätze all S0 unermessen, Die Krone, meiner Größe Pfandl Ah, ich lieb' dich! Mein Glück, mein ganzes Sein Bist du, ja, nur du allein! (Sie kehrt aufgeregt zu Vasco zurück, betrachtet ihn, beugt das klaupt zu ihm herab und berührt Seine Stirn mit ihren Lippen. Nelusko tritt links heraus, ohne Von ihr gesehen zu werden. Selika verbirgt weinend das tlaupt in ihren Händen.) hier im Herzen, weite Szene. Nelusko. Vasco Gchlafend). Selika(Vverborgen). No. 5. Szene und Arie. Sellka(leise). Nelusko! (Sie verbirgt sich hinter dem Pfeiler.) Nelusko(sinnend und mit niedergeschlagenen Augen). Hla, die Ehr' der Herrscherin gebietet's! Es mull sein, ja, für ihre Ehre,(mit erstickter Stimme) und weil ich ihn hassel Er nähert sich dem Schlafenden.) Er ist's! Was seh' ich? eingeschlummertl(Kalt) Unrecht ist's! Ich töte niemals gern einen Feind, der schläft. Er zieht einen Dolch.) Was tut's— es mul sein! Selika Nelusko in den Weg tretench. Halt ein! Was willst du beginnen? Ein Gefangner ist's, so wie wirl zen, das pen. den. ind cht 23 Neluskco. Er ist ein Christ, sie alle hasse ichl Selika(mit vorwurfsvollem Toty). Unser Retter war er einst, willst den Dank so du zahlen? Ihm verdank' ich allein— ist unser Los auch hart— Daß ich sehe in dir die geliebte Heimat. Ohne ihn, ohne dich, die Königin verlassen, Es wär' viel härter nochl Und du, Krieger so stolz, willst deine Hand also beflecken, Du willst ermorden ihn, der so gut und so edel7!l Nelusko. Ja, ich will's! Als Christen haſl' ich ihnl Selika(mit Beziehung). Und nur deshalb allein? No. 5 bis. Arie. Nelusko. Vielleicht, doch— Selika(mit Würde). Vollende! Nelusko. Nein, o nein! Selika. Nun, ich befehl's, so sprichl Nelusko. Dir, Königin, bin ich ergeben, EwW'ge Treue ist meine Pflicht. Knechtschaft dein Los und Sklavenleben, Sie rauben dir deine Hoheit nicht. Auf unsrer grollen Insel, wo einst so glücklich wir, Die Krieger und die Priester sah ich im Staub vor dir, Doch die Stirne, der einst das Diadem zu eigen, Soll vor Gott nur allein in Demut sich beugen. O du Hehre, Die ich so hoch verehrel Doch als der Zorn mich nun trieb, den Arm gegen den Feind (Aui Vasco zeigend.) * KNelusko! Nelusko. Vergib! Dir, Königin, bin ich ergeben, EW'ge Treue ist meine Pflicht. Knechtschaft dein Los und Sklavenleben, Sie rauben dir deine Hoheit nicht. (Auf Vasco deutend.) Doch für ihn, für Vasco, der ein Christ, Kön'gin, Kön'gin, denk', wer du bistl Ob mich Lieb' erfasse, Ob dem finstern Hasse Ich mich überlasse, Heil wallt auf mein Blutl Hall und Liebe nähren Flammen, die verzehren, Die bei uns sich mehren In Sonnenglut. (Mit halber Stimme.) O, ich hab' es entdeckt, ein Geheimnis bestent, (Auf Vasco zeigend.) lch schwor es mir im Innern, daß er untergeht. Selika(erschreclch. Neluskol Nelusko. Meinen Haß mag er fürchten, der seinem Leben drohtl Selika. Habe Mitleid! Nelusko. Wie, für ihn bittest du? Das fordert seinen Todl Er stürzt auf Vasco, um ihn zu erdolchen.) Selika. Habe Mitleid! Höre michl roht! flein, nein, (Selika wil ſus zurũckhalten; da sie aber sieht, das sie zu schwach ist, stürzt sie auf Vasco zu und rüttelt seine Hand.) Herr, mein Herr, wache auf! (Nelusko verbirgt rasch den Dolch.) Vasco(erwachß. Ha, Was gibt's? Selika(Verlegen, zeigt auf den Tisch). Hier, dein Mahl, das dir gebracht deine Sklavin getreulich. Vasco(rauh). 's ist gut!(Zu Nelusko.) Lal uns allein! (Als er sieht, dal jener unbeweglich stehen bleibt.) Hörst du nicht? Nelusko. Hab's gehört!(Veinend für sich.) Brahma, du mãcht'ger Gott, Du Herr der Welt, an den ich glaube, Duldest du, dall sie vor ihm im Staube 71 Mächt'ger Gott! CLangsam ab.) Vasco. Umsonst wollt ihr am Geist euch rächen, Ihr kerkert mich ein so lange Zeit, lch will die Sklavenfesseln brechen Und Ines seh'n, o Seligkeit! Er verfällt wieder in Träumerei und betrachtet die Landkarte an dem Pfeiler, auf welcher die Küsten Afrikas von der Meerenge von Gibraltar bis zaum Kap der guten Hoffnung gezeichnet sind.) Selika. Verleihet mir Kraft für meine Schmerzen, O Götter dort in Himmelshöh'n, O reillt mir sein Bild aus dem Herzen, Labt sein Aug' mein Leid nicht seh'n! Vasco(immer die Karte betrachtench. Dies Vorgebirg', das niemand erklommen, Mit seinen Klippen uns bedroht, O Kuhm für mich, wenn es genommen! (Mit dem Messer auf die Spitze des Kaps deutend.) Von diesem Punkt— Selika (welche sich genähert hat, sieht über seine Schulter“ Nein, nein, nein, nein! Vas co. W'eshalbꝰ Selika. Hier geht's sicher zum Tod! Vasco(erstaunß. Was sagst du? Selika (nimmt das Messer und zeichnet eine andere Linie). Doch von dortl Vasco(von Erstaunen erfallt, mit erstickter Stimme) Von dort7 Selika. Hier zur Rechten eine lnsel— Vasco. Hier zur Rechten eine Insel? Selitca. Mächtige Insel, ein gottgeliebtes Landl Vasco. O Gott!— Und weiter— Selika. Ja, hier war's, Wo mein gebrechlich Boot, Vom Typhon überrascht auf erst so stillem Meere, Nachdem es tagelang mit den Wogen gekämpft, Endlich wurde verschlagen nach dem Land der Sklaven. Vasco(enthusiastisch). Triumph mir! Jetzt seh' ich klar! Von hier ist's zu erreichenl Dank dirl Endlich doch! Es krönt der Himmel nun mein Werkl Ensemble. Vasco. Des Dankes Empfinden, O, nie soll es schwinden, Mag dir es verkünden So freudig die Brust. In Kerker und Qualen Will Hoffnung sich malen, Seh' Ruhm ich erstrahlen, O himmlische Lust! Selika(für sich, von Glück berauscht). Seines Danks Empfinden, Möge nie es schwinden; Könnt' es doch entzünden Lieb' in seiner Brust! In Kerker und Qualen Will Hoffnung sich malen Und Liebe erstrahlen, O himmlische Lust! Vasco drückt Selika ans Herz.— Während der letaten Takte des Ensembles hat sich die Tür des Kerkers geöffnet und Don Pedro und Ines treten in dem Augenblick ein, als Vasco Selika in seinen Armen hält.) Vierte Szene. Die Vorigen. Don Pedro. lnes. Anna. Nelusko. Don Alvar. No. 7. Finale. ö Don Pedro(zu Ines, auf Vasco und Selika zeigencdh. Berichtet sind wir gut; lhr mögt Euch überzeugen, Dall das Glück uns begünstigt. 28 Vasco(auſler sich). Darf den Augen ich trau'n? Ines, die Heihgeliebte! Sellka(wütend, für sich). Sie ist's, Ines, sie hierl (Selika will mit drohender Miens auf Ines stürzen, Vas co bedeutet ihr, azu schweigen. Selika betrachtet Ines mit dem Aus- druck des Neides und sagt für sich, ihre eigenen Hände betrachtend: 9 Ha, die Weibe! Wie's so Kkalt durch die Adern mir rieselti Ines(geht auf Vasco zu, ihre Aufregung verhindert sie fast zu reden; endlich spricht sie mit gewaltsamer Anstrengung). Du sollst, so hab' ich heut' gehört, Zur Sühne dein Leben enden im Kerker hier, Doch ist durch mich für dich Begnadigung gewährt, Und so bring' ich die Freiheit dirl Vasco(freudig). Die Freiheit mirl Ines(ihm eine Urkunde, versehen mit dem Kköniglichen Siegel, gebench. Ja! Lies diese Schrift! Hier den Befehll Vasco(glücklich). O Gott! Ines. Sieh! Nun ewig lassen mul ich dich, Vergebens hältst du mich! Leb' wohll (Zu Don Pedro.) O kommt und lallt uns gehn! Nun fort! (Sie nimmt Pedros Hand, um abzugehen.) Vasco(will sie zurückhalten). Bleibt! Erriet' ich doch, was Euch Argwohn erregtl Diese Sklavin— (Auf Selika zeigend.) Ines. Die in Afrika Ihr erstanden— o 48- d:) t! ZU¹ rt Vasco(lebhafh. lst nichts als meine Sklavin; Euer Herz heget Zweifel Doch ein Wort gibt Ruhe ihm. Vernehmt, ich schenk' sie Euchl * Selika(schmerzlich, für sieh). Grausam ist erl Vasco. Sie soll von nun an Euch gehören! Nelusko(ängstlich). Und ich, und ich? Vasco. Und auch du folgest ihr! (Zu Ines mit Enthusiasmus.) Nimm mein Herz und mein Blut, alles, was ich besitze, Wenn dein Aug' in Liebe mir strahlt! Selika(für sich). Grausam ist erl Ines(für sich). Ach, welch Unglückstag!l Vasco will Ines befragen; sie wendet sich ab.) Ensemble. Ines. Nur mich liebt er in ew'ger Treu'! Weh mir, im Schmerz die Brust erbebtl Es stockt das Wort in stummer Scheu, Das auf der Lippe schwebt. Anna und Don Alvar. Für sie, o Gott, welch herber Schmerzl Was nur bedrückt ihr armes Herz? Er liebet sie so inniglich. O könnte ich doch retten dich! Das Wort versagt, bleich ihr Gesicht, Ihr Aug' erlischt, das Herz, es bricht. 10 Vasco. Nun winkt auch mir so hold das Glück, Ein Stern in dunkler Nacht Aus ihrem Aug' mir lacht. Don Pedro. U Das Schicksal will's, bringt es auch Schmerz, Erhörte mich, es heilt ihr Herz. Ha, der Rival in Zorn und Wut, Wie wohl doch das dem Herzen tutl Selika. O güt'ger Gott, welch herber Schmerzl Verraten hat er doch mein Herz. O Grausamkeit, verkauft bin ich An jene dort! Er tötet mich! Nelusko. Das Schicksal will's, beut es auch Schmerz, Es bricht das Band, befreit ihr Herz. (Zu Selika.) Sei stolz und fest, hab' Kraft und Mut, Bald sind wir dort, Wo alles gut. Don Pedro(zu Vasco). Nun wohl, es seil (Auf Selika und Nelusko zeigend.) Hier dieses Paar, ich werd' es Euch bezahlen! (Zu Ines) Doch ungesäumt nun fortl Vasco(erstaunt). Was saget Ihr? Don Pedro(mit Stolz). Der König, der lang noch regiere, Vertraute meiner Hand, dad zu Ende sie führe Das Suchen der Durchfahrt, den ruhmreichen Plan, An dem bis heut' gescheitert der Stolz und der Wahn! n, Vasco(unwillig). Euch, dem ich übergab mit unseligem Schwanken Die Früchte der Gefahr, meiner Müh'n und Gedanken Don Pedro. Eitle Pläne, vergessen, vom Feuer verzehrt. Vasco. Ruhm, den Ihr rauben wollt, der mir allein gehörtl Nelusko(leise zu Don Pedro). Bring' mich nur auf dein Schiff, und aller Ruhm ist dein Ich will dir Steuermann und sichrer Führer sein. 1 Don Pedro(leise zu Nelusko). Das dacht' ich, als ich dich gekauft. Caut.) Der König über alles entdeckte Land Zum Gouverneur hat er mich ernannt. Vasco. Was hör' ich! Don Pedro. ln wen'gen Stunden segelt ab das Geschwader. (Zu Ines.) Nun kommt, wir müssen fort! Eure Handl Vasco. Mit welchem Recht? Don Pedro. Mit dem Rechte, Das ich am Altar hab' von Gott selbst empfangen. Vasco(zu Ines). Was sagt er7 Ines(leise zu Vasco). Ihr habt, sagte man, mich vergessen. Um Euch zu retten von der Schmach; Vom bittern Los ew'gen Kerkers, Oab ich ihm meine Handl Nun fern von Euch— der Todl — 32— Vasco. Ha, verflucht sei jener Bubel Wehe mir! ha, wehe mir! Ensemble. Ines Vasco betrachtend). O, der Schmerz macht ihn erbeben, Seit vernichtet ich sein Leben, Brach das Wort, das ich gegeben, Elend bin ich ewiglich! Doch zu spät kommt nun die Reue, Don Pedro betrachtend.) Ihm gehöret meine Treue, Ha, verfluchet ist mein Dasein, Und das Unglück treffe mich! Anna und Don Alvar. O, der Schmerz macht sie(ihu) erbeben Und vernichtet ist ihr(sein) Leben, Doch ihr Wort hat sie gegeben, Ist gebunden ewiglich. Nun zu spät kommt ihre Reue, Ihrem Mann gehört die Treue, Die am Altar fand die Weihe, O, die Armste dauert michl Vasco. O, der Schmerz macht mich erbeben, Sie vernichtete mein Leben, Brach das Wort, das sie gegeben, Elend bin ich ewiglich. Dem Verhaßten schwor sie Treue, Später doch trifft sie die Reue; Nie der Himmel dir verzeihe, Und das Unglück treffe mich. Don Pedro Vasco betrachtench. Ha, der Schmerz macht ihn erbeben, Seh' von Sram zerstört sein Leben, Doch ihr Wort hat sie gegeben, Und ihr Los beherrsche ich. Am Altar schwor sie mir Treue, Ob sie nun den Schritt bereue, Ob er wüte, ob er dräue, Sie ist mein auf ewiglich. Selika. ö O, der Schmerz macht mich erbeben, Nun vernichtet ist mein Leben! Schmach nur hat er mir gegeben, Die ihn liebte ewiglich. Doch zu spät kommt seine Reue, Einem andern schwor sie Treue, Meine Hoffnung keimt aufs neue, Und das Schicksal schũtzet mich. Nelusko. Ha, den Christen seh' ich beben, Rache hat uns Gott gegeben, Könnt' vernichten ich sein Leben, Seiner Schmerzen lache ich. Don Pedro betrachtend.) O, das Glück winkt mir aufs neue, Er, der hofft auf meine Treue, Ihn auch opfr' ich ohne Reue, Welche Wollust bald für mich! Ines. O Vasco, höret michl Selika(für sich, eifersüchtig). Ob er ihr folget? Don Pedro(für sich, zornig). Sie wagt es! Don Alvar u Don Pedro). Bleibt ruhig! Nelusko(zu Selika). Er geht zu ihrl Die Afrikeserit. — 34— Ines(zu Vas co) So nimm die Preiheit, die ich gab, Sie winkt zu Ruhm und Ehren; Doch wirst du glücklich Wiederkehren, Dann geh', ach geh' zu meinem Grabl! Umsäuseln dich dann linde Lüfte, O, dann wehet durch Blumendüfte Der Treue Grull zu dir herab. Leb' Wohl, dort oben winket uns eW'ges Wiedersehn! Selika. Verlassen, verachtet, Welch grausames Los! Verlassen, verachtet sein, O grausam, grausam Los! Er gibt den Feinden mich. Fern von ihm, welche Quall Tränen, rinnt ohne Zahll Ich verlor mein ganzes Glück, Es kehrt nie zurückl Leb wohl, dort winkt uns Wiedersehn! Anna. Sie bracht' ihm die Preiheit Und bracht' ihm Verderben, Er mul lassen sie. Sein einzig Glück sieht er entfliehn, O grausam, grausam Los! Er läßt den Feinden sie. O Gott! Unes! Leb' wohl, dort winkt uns Wiedersehn! Vasco. Sie gab mir die Freiheit, Doch mit ihr das Elend, leh mull lassen sie. Die Hand, die mir die Freiheit gab, Sie brachte Elend mir, Auf ewig mull ich lassen sie, hn! 4 3435 P Die hier mein einzig Glüeck. Fern von ihr, welche Qual, Tränen, rinnt ohne Zahll Ich verlor all mein Glück, Es kehret nie, ach nie zurückl O Gott, welch Los für mich! Leb' Wohll Don Alvar. Sie bracht' ihm die Freiheit Und bracht' ihm Verderben, Er mul lassen sie. Die Hand, die ihm die Freiheit gab, Sie brachte Elend ihm, Auf ewig mul er lassen sie, Die hier sein einzig Glück. Er hat verloren sein Glück, Es kehret nie zurückl O Gott, welch Los für ihn! Leb' Wohll Nelusko. Sie sieht sich verachtet, Er leidet im Herzen, Brahma sei gelobt! Sie sieht allein, verachtet sich Durch ihn, den sie geliebt, Brahma, sei gelobt, du rettest siel Ihr Gesicht, es erbleicht, Doch nun ist es erreicht, Rettung war's für sie, Er kehret nie mehr zurückl Leb' wWohl! Don Pedro. Mein Plan ist gelungen, Er mull sie verlassen, Ich bin nun gerächt. Gelungen ist mein schöner Plan, Er mull lassen sie, Er ist besiegt, ich bin gerächt, 36 4 Verioren alles let fülr iha! Sein Oesicht, es erbleicht, Doch das Ziel ist erreicht, Er kehret nie mehr Aükucle Der Sieg, der Sieg ist mein! Leb' wohll Don Pedro führt Ines ab. Vasco fällt bestürzt auf einen Sessel. Selika will zu ihm e ilen, Nelusk o hält sie zurück und zieht sie zum Ausgange; sie wirft im Abgehen noch einen Blick voll Schmerz und Liebe auf Vasco.— Der Vorhang fällt langsam.) Dritter Akt. einen Kk und Das Theater stellt den Durchschnitt eines Schiffes in der Breite Blick dar. Man sieht das erste Deck und das Innere des zweiten. Auf ZSam.) dem ersten erheben sich die Maste, hinter welchen man das Meer erblickt. Das zweite Deck, durch eine Lampe beleuchtet, ist in zwei Räume geteilt: das Zimmer der lnées und das Don Pedros. Nelusko und Matrosen schlafen auf dem ersten Verdeck, von den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne beleuchtet. Ines, in ihrem Zimmer, liegt in einer Hänge sie ist von ihren Diene- rinnen, unter diesen auch Selika, umgeben. im Zimmer rechts sitzt Don Pedro vor einem Tische, der bedeckt mit Marine- instrumenten und Landkarten. No. 8. Intermezzo und Frauenchor. Chor der Frauen. Der Morgen kommt heraufgezogen, Die frische Luft stärkt uns den Sinn, Es spielen unter uns die Wogen, So gleitet sanfit das Schiff dahin. Don Pedro. Tag und Nacht mull sich alles rühren, Dal die Zeit nicht umsonst verrinnt, Mir ward das Los, das Schiff zu führen, Mich schrecket nicht Wetter, nicht Wind. (Ein Kanonenschuſ reigt die Stunde des Erwachens am Bord All. E Alle Matrosen erheben Sich.) No. 9. Quartett und Matrosenchor. Chor der Matrosen. Auf, auf! Matrosen aufl Ganze Mannschaft, auf, aufl Solo-Ouartett und Chon Morgenrot so helle Scheinet auf die Welle, Der Tag kommt herauf. Auf, auf! Die Arbeit beginne den täglichen Lauf. (Die Sonne ist aufgegangen. Man läutet die Glocke zum Morgen— gebet. Alles kniet nieder, die Matrosen und Offiziere aul dem ersten Deck, Ines und die Frauen in dem Zimmer.) No. 10. Gebet. Chor der Matrosen. Sankt Dominik dort oben, Den alle Frommen loben, Oib auch heut' uns das Glückl Führ' lebend mich zurückl Und ich sag' Alle Tag Mein Gebet, dich zu loben, Sankt Dominik dort oben] Ines. O mein Gott in Himmelshöhen, Gib mir Ruh', o gib mir Glück, Mein Gott, mich schützel Anna und die Frauen. O mein Gott in Himmelshöhen, Gib ihr Ruh', o gib ihr Glück, Mein Gott, sie schütze! Zweite Szene. Die Vorigen. Don Alvar (in Don Pedros Zimmer eintretench. No. 11. Szene und Rezitativ. Don Pedro. Ah, Ihr seid's, Don Alvar? Tgen- dem — 393— Don Alvar. Will zu Euch, Admirall Don Pedro. Erobrung suchet Ihr fern von dem heimischen Strande, Gebet auf Euren schönen Palast im Vaterlande? (daàchelnd) Das zeigt den Helden! Und doch, was ist Euch7 Don Alvar(düster). Seht Euch vor! Euer Steuermann, Den IUhr nicht kennt, ist ein Verräter! Zwei Schiffe schon verlort Ihr bisher, Eins am Pelsen zerbrach, und das zweite liegt drunten im Meerl Don Pedro. Doch diesem Schiffe bleibt, so hoff' ich, Unglück ferne, Dank weil ich ihm, durch den es Sieger war, Und erreicht' dies Schreckens-Kap trotz der drohenden Gefahr; Vertrauend ihm allein und meinem günst'gen Sterne! So zuerst war ich hier, Seht, das Glück lächelt mirl Don Alvar. Nein! Ein andrer vor uns war noch schneller als Ihrl Dort kann man deutlich noch sehn das weide Segel zieh'n, Die Furche in den Wellen zeigt den Weg. Don Pedro. Wem gehört's? Don Alvar. Nun, es soll, wie der Matrose sagt, Des Meeres Schutzengel sein. Don Pedro. Vielleicht der böse Dämonl Don Alvar. Man mul ihm folgen! Don Pedro. Nein, bleiben ihm fern! Nelusko(mit starker Stimme den Matrosen zurufench. Holla! Habet acht! Der Wind dreht sich! Hisset die Segell Alle an Bord! Seht, wie der Wind sich dreht, wendet nach Nord! Am Horizont dort seh' ich die Zeichen schon, 's naht der Sturmwind Typhon! Wendet nach Nord, Sonst droht euch Untergang. (Während der letzten Worte sind Don Pedro und Don Alva— auf das erste Deck gestiegen.) Don Alvar u Don Pedro). Und diesem feigen Knecht, der seinen ersten Herrn verraten, Wollt Ihr vertrauen? Wer einmal treulos, Ist's später auch, weh dann Euch! Zwei Schiffe schon Die er hat geführt, sind dahin! Nelusko. Adamastor, dem niemand trotzet, Des Meeres Riese, er hatte sie verdammt. Nur zu bald wird sein Zorn ob unsern Häuptern wüten, Wenn Ihr nicht ändert Eure Ansicht und laßt nicht steuern Nach Norden sogleich. 9 Don Alvar. Wohin willst du uns führen? Nelusko. Seid furchtlos, folget mir! Don Pedro. Nun wohl, sei's! Steuert Sleich gegen Nord! Der Befehl wird ausgeführt, das Schiff dreht sich nach Norden.) Neluslco(mit zufriedener Miene). Tra la la la lal Für sich.) Schon seh' alles im Sturme ich brechen, Dieser Weg führt zum Tod, er wird uns endlich rächen; H J rd Alva rden.) chen; Lefahrvolle Ort, mir ist er fremd nicht mehr, Die Böte unsrer Insel fuhren oft hierher. (Laut.) Tra la la la lal Ein Matrose. Nelusko, was singst du denn da? He, Nelusko(düster). Ich singe die Legende vom grausen Adamastor, Von dem Riesen, der uns droht, Der den Sturm bringt und sichern Tod! Matrosen(lächelndh. Lallt uns hören die Legende vom Riesen, der uns droht!l Hören wirl No. I1a. Ballade. Nelusko. Höret zu! Chor. Höret zul Nelusko(mit kräftigem und wildem Ausdruch). 115 Hei! Adamastor, der König der Wellen! Hört ihr sein Brausen, sein Pfeifen und Gellen? Wenn auf das Meer sein Full sich Stellt, Weh euch allen, Wehe dem Schiffe, das er überfällt! Seht ihr ihn wohl7! Schreitet beim Feuer der Blitze einher, Seht ihr ihn wohl, ihn, den Riesen im Meer7 Hebt die Wogen und stürzt sie herab, Sünder, du stirbst, und kein Mensch kennt dein Grab! (Chor wiederholt.) Ha, ha! zittert ihr? Auf! An die Segel, Stricke, Dal euch die Rettung glücke, Wenn euch der schwarze Abgrund droht! Und klammert euch fest an die Taue und Maste, Sonst trifft euch der Tod!(Chor wiederholt.) Wie? ihr wollt trotzen, armselig Gewürme, Dem Adamastor, dem König der Stürme? Sprechet ihr Weihen dem Ozean Hohn? Blicket nur um euch, ihr findet den Lohn! Seht ihr ihn wohl? Schreitet beim Feuer der Blitze einher, Seht ihr ihn wohl, ihn, den Riesen im Meer? Hebt die Wogen und stürzt sie herab, Sünder, du stirbst, und kein Mensch kennt dein Grab. (Chor wiederholt.) Ha, hal zittert ihr? Auf! An die Segel, Stricke, Dahſ euch die Rettung glücke, Wenn euch der schwarze Abgrund droht! Und klammert euch fest an die Taue und Maste, Sonst trifft euch der Tod!(Chor wiederholt.) No. 12. Rezitativ und Duett. Ein Matrose(vom Steuerruder her). Ein Schiff, das trägt portugiesische Flagge, Es lällt ein leichtes Boot her zu uns grade steuern. Wie es eilet, gleich ist's hier. Nelusko(für sich). Kommt jemand etwa gar, guten Rat zu erteilen, Will retten sie am End'? Das verdürb' mir den Plan! Dritte Szene. Die Vorigen. Vasco de Gama. Don Alvar(zu Vasco gehend, drückt ihm die Hanch. Wie, Vasco, seid Ihr's? Mit uns zu gleicher Zeit In diesem fernen Land, wWas konnt' hierher Euch führen? Vasco. Wer mich geführt, war Gott— ich vollzieh' sein Gebot, Er allein schützte mich, wie er schützte mein Fahrzeugl FE H N174+ jrab. Dlan! ren? ebot, — 43— Don Pedro(ironisch. Um nach uns hier zu sein7? Vasco. Nein, vor Euch traf ich ein! Don Pedro. Also nur Trotz führt' Euch hierher? Vasco. Hlerr, retten will ich Euch, ja retten, wenn's noch Zeitl Oon Pedro befiehlt allen, sich zurückzuziehen; er selbst steigt mit Vasco in seine Kajüte hinab.) Vierte Szene. Vasco. Don Pedro. Duett. Vasco. Welch Geschick, sagt vielmehr, welch verblendeter Wahnsinn Führte Euch gegen jenen Ort, Wo einst mein Admiral Bernard Diaz starb, Wo sein Schiff an Klippen zerschellte? Nicht allein droh'n die Felsblõcke Euch, die im Meere versteckt, Es landen von den Ufern kleine Boote ohne Zahl, ln denen wilde Krieger, die bald Ihr seht Im Kampf um die Trümmer Eures Schiffs. Don Pedro(ironisch). Glaubet lhrꝰ Vasco. O gewiß, wohl kenn' ich die Gefahren; Zu meiden sie, es würd' Euch schwer! Don Pedro(Wie vorher). Meint Ihr7 Vasco. Stati meinen Halb Euch zu bewahren, Zu retten Euch kam ich hierher! Denn die Söhne des gleichen Vaterlands Soll'n fest zusammensteh'n. Don Pedro(immer milltrauisch). Ihr meint, zu umgeh'n die Gefahren, Wär' ohne Euch nicht möglich mehr7 Doch bin wohl ich's, den zu bewahren Und den zu retten Ihr kamt hierher? Vasco. Eilet Euch! Das Meer im Sturme Gibt Euch nicht mehr die Frist zu flieh'n. Don Pedro(ironisch). Doch ist's nicht für mich, dabb Ihr sorget, Für Ines ist's! Vasco(mit Wärme). Nun wohl, ja ja, für Ines, Für ihre Rettung nur blieb mir allein nur diese Wahl, Mit ihr muß ich retten den verhaßten Rivall Don Pedro(stolz). Junger Tor, wollet nicht vergessen: Auf diesem Schiff gilt mein Gebot, Niemand darf hier mit mir sich messen, Und den Trotz bestraft der Tod. Vasco. Wie? ein edler Portugiese wagt dies mir zu sagen? Don Pedro. Das Gesetz züchtigt den, der sich frech überhebt! Vasco. Wie? du denkst mich zu richten, wo es gilt, sich zu schlagen? Don Pedro(immer heftiger). Hüte dich, mich zu reizenl! Vasco(ebenso). Ha, der Feige, er bebt! ö Don Pedro. Willst du trotzen, der sich frech überhebt! ahl, en? 45 Vasco. Ha, kaum kann ich mich halten, Das Schwert möge walten, Komme, nur dein Blut Kühlet meine Wut! Er zieht den Degen.) Don Pedro(mit Härte). Ha, kaum kann ich mich halten, Das Gesetz möge walten, Du fällst meiner Wut, Spare deinen Mut! Vasco. Kannst zittern und beben, Hast Furcht für dein Lebenl! Feiger, ruf' ich, Komm und räche dich! Don Pedro. Dein armselig Leben, Du sollst mir es geben! Den Schimpf räche ich, Furchtbar straf ich dich! Fünfte Szene. Die Vorigen: Don Alvar, Nelusko, Matrosen und Sol- daten. Nachher Ines, Selika und die Prauen. rzen sich auf einen Wink Don Pedros aul Die Soldaten stü Vasco und entwaffnen ihn.) No. 13. Szene und Finale. Don Pedro(zu den Soldaten). An den Mast bindet ihn ohne Säumen, Daß die Kugeln eurer Gewehre Gerechtigkeit übenl Vasco. Feiger! Sellka. Welche Stimme? Ines. Vasco ist's!(EFür sich.) Ja, er ist's! Selika. Er ist's! Don Pedro(zu den Soldaten). Hin zum Tod führet ihn! Ines und Selika(kniend). Ach, dal mein heiges Flehen, Dal es mag Eure Seele durchziehn, Begnadigt ihn! Don Pedro. Soldaten, sogleich gehorchet! Ein Matrose(auf dem Maste). An die Segell An die Taue! Der Sturm bricht los! Der Sturm wütet. Plötzlich ertönt ein fürchterliches Krachen; das Schiff ist auf eine Klippe geraten.) Sechste Szene. Die Vorigen. Indier(kommen heran und steigen über Borch. Don Pedro, Don Alvar, die Matrosen(Welche in dem Ge— wirr des Sturmes sich nicht verteidigen konnten, werden ent— Wafinet und zu Boden geworfen). Nelusko. Zu euch, ihr meine Brüder, Zu euch, in eure Macht Hab' ich das Schiff, hab' ich den Feind gebracht! Chor der Indier. Brahma, Brahmal Mach stark mich heute, Den Sohn, der dich verehrt, Brahmal Brahmal Dall Ruhm und Beute Dem Tapfern sei beschert. Brahmal Brahmal Nicht Milde, Gnade, Brahmal Brahmal Nicht Frieden sei gewährt Auf unserm Pfade Mähe nur das Schwert, Brahma, Brahmal (Der Vorhang fällt.) Vierter Akt. Die Bünne zeigt zur Linken einen indischen Tempel, zur Rechten einen Palast. lm Hintergrunde reiche Gegend und prächtige Denkmäler. Erste Szene. Selika. Nelusko. Der Oberpriester Brahmas. Undier der verschiedenen Kasten. Indischer Marsch. Einzug. Ballett. No. 14. Szene und Chor. Oberpriester(an Selika gewendet). Wir schwören bei Brahma, Bei Wischnu und Schiwa, Den Göttern, die in Hindostan wir hoch verehren. Gehorsam lallt uns schwören Hier für unsre Königin. (Chor wiederholt.) Nelusko(Selika betrachtencdh. Und Selika, die durch uns ward gekrönet, Schwöre, ihr alle hört's, zu halten das Gesetz, (Selika legt kniend ihre Hand auf das goldene Buch.) Auf dies heilige Buch, in dem Tempel Von Brahma einst selbst eingesetzt! Selika. Ja, ich schwörel (zwei Schläge des Iam-Tam. Selika steht aul.) ſten ige 23 No. 14 à. Szene. Oberpriester(zu Selika). Niemals, so schwurest du, niemals soll ein Fremdling Mit seiner sünd'gen Gegenwart beflecken Den geweihten Boden des Vaterlands. Nelusko. Königin, Das heil'ge Schwert hat vertilget sie alle! Selika(sucht ihre Verlegenheit zu verbergen). Himmell Allel Ein Priester(leise zu Nelusko). Einer nur, den auf des Schiffes Grunde Sie an Ketten gelegt, nur er noch ist am Leben. Nelusko(zornig für sich). Vielleicht ist's Vasco! (Leise zu dem Priester.) Geh', ihn zu opfern sogleichl Oberpriester(feierlich zu Selika). Am Altar unsrer Götter die Krone Deiner harrt. Nun kommt! Er geht mit Selika und den Priestern in den Tempel.) Nelusko(zu den Indiern). Laßzt der Kön'gin uns folgen! (Sie wollen gehen, und man hört Lärm.) Welches Geräusch? Ein Priester. Zum Gericht führt man jetzt Die Frauen der Barbaren. Nelusko. Zum Manzanillobaum mit seinem schwarzen Schatten, ln dessen grünem Laub die Todeslüfte wWehn, Dort führt die Opfer hin, dort sollen sie ermatten, Bis vom Gift sie betäubt und dann langsam vergehn. (Sie gehen zu derselben Seite wie vorher Selika ab.) 4 Die Afcikzseris — Iweite Szene. Vasco, gefolgt von einigen Soldaten. No. 15. Arie. Vasco (tritt langsam auf, alles, Was ihn umgibt, bewundernd). Land so wunderbar! Gärten reich und schön! Tempel so voll Glanz, Seid gegrühlt! O Paradies, das mir zum Ruhme werde, Himmel so rein, Himmel so blau, Den entzücket ich schau', Dank, dal ich fand dich, neue Erde, Schatz, den nun empfängt das Vaterland. Für uns diese fruchtbaren Felder, Dies Eden, dem keines gleichl Du, an Schätzen, ach!l an Wundern so reich, Du neue Welt, ich halte dich, o sei nun mein! Dritte Szene. Vasco. Priester(umgeben und bedrohen Vasco). Priester. Ha, Blutl Sehet die Sonne, sie pranget In Glut, Was von dem Schwert sie verlanget, Ist Blut! Heute soll verfallen das Opfer Dem Todl Rache-Chöre rings erschallen: Der Tod! Vasco(zu sich kommench. Was sagen sie? den Tod7 Und grade jetzt soll ich nun sterben? Mein Ruhm soll untergehn Wie ich selber und mein Name mit ihm? Das wollen Kkönnt ihr nicht, nein! (Zu den Opferpriestern.) O, geht mit mir, das Schiff zu finden, Dessen Flagge leuchtet dem Blick, Dall ich den Freunden kann verkünden: leh bin am Ziel, gekrönt vom Glück; Dall Europa weill, wie mein Streben Umstrahlt war von dem Siegesglanz, Dabl ich hier bezahlt mit dem Leben Des ewigen Ruhmes Kranz. O führt mich hin zu jenem Schiff! Habt Mitleid doch, Mitleid mit mirl 4 Priester. Nein, nein! Dem Fremden Tod! Vasco(verzweiflungsvoll). Laßt mein Flehen euch beschwören, Ach, wollt ihr töten mich hier, O, so nehmt das Leben mir, Aber nicht des Nachruhms Ehrenl Priester(zueinander). Sterben mull Herl Vasco. Weniger grausam wird mir sein das Sterben, Trotz der Qual, seht, ich bin bereit, Soll ich geopfert sein— lalt mich erwerben Den Ruhm, ja, die Unsterblichkeit. Priester(ihn fortziehend) Dem Fremden Tod! Vasco(entschlossen). Nun wohl! Als Held und als Christ sterb' ich hier, Mein Gott, nimm mich gnädig auf zu dir! Ach, nun fortl 4 52 Priester(die Beile erhebench. Der Tod, der Todl Sehet die Sonne, sie pranget In Glut! Was von dem Schwert sie verlanget, lst Blut! Heute soll verfallen das Opfer Dem Tod! Rache-Chöre rings erschallen: Der Todl Vierte Szene. Vorige. Selika, Nelusko, der Oberpriester und das * Gefolge. Szene. Selika(on der Höhe der Tempeltreppe). Haltet einl Vasco. Selikal (Selika steigt schnell die Treppe herab und gibt den Opfer— priestern ein Zeichen, sich zurückzuziehen.) Nelusko(leise zu Selika). Du willst ihn dem Opfer entziehen? Oberpriester(laut). Wie? Für den fremden Mann willst trotzen du dem Gesetz, Das streng zu halten du hier am Altare schwurst? Die Priester. Ja, allen Fremden Tod! Unsre Gesetze, Sie werden befolget! Oberpriester. Dem Gesetz ist Genüge gescheh'n; bis auf die Frauen Erschlugen unsere Beile sie alle. Vasco(in Verzweiflung). Auch du, Ines, tot? (Zu den Priestern.) Trefft auch mich! à8 — 532 Selika Vasco schmerzlich anbſickencdh. Grausam ist erl Oberpriester. Dem Fremden Tod, der Todl Die Priester. Der Tod! Selika(nach langer Pause Vasco bei der Hand nehmench. Wie, wenn er nun kein Fremder uns wär'? Vasco(erstaunt). Was hör' ich7! Selika(leise zu ihm). Sei still! Nur dies allein kann retten dich vom Tod, Vergessen magst du mich nachher! (Zum Oberpriester und dem Volke.) Wenn durch ein seltsam Schicksal er nun wär' unser Bruder? Alle. O Himmel! Selika. Wenn durch Geschick, Durch heil'ge Bande, die nichts kann verstören, Mit ihm ich wär' vereint? Nelusko(für sich). Gott, was soll ich hören! Selika. la, eure Fürstin, als Sklavin verkauft in die Ferne, (Auf Vasco zeigend.) Er rettete allein ihr Leben, ihre Ehre. Cu Nelusko). Meine Hand, Wie du weißkt, gab ich ihm zum Lohne. Nelusko(Verwirrth. Wie, ich? Selika(leise zu Nelusko). Du allein kannst Lügen strafen mich, Doch merk' es wohl: stirbt er, dann sterb' auch ich! (Laut zum Volke.) Hört mich! Nelusko bezeugt es hier vor euch, Dal ich die Wahrheit sprach. — 54 Oberpriester. Er bezeug' es gleich bei unseren Göttern Und auf ihr goldnes Buch. (Chor wiederholt.) (Auf ein Zeichen des Oberpriesters holt ein Priester das heilige Buch, auf welches Selika in der ersten Szene den Eid leistete.) No. 16. Kavatine mit Chor. Nelusko(für sich mit klagender Stimme). Wie hat für sie geschlagen, Ach, dieses Herz so warml! Wie soll das Leid ich nun ertragen, Sie seh'n in seinem Arm7! Er begegnet Selikas bittendem Blick.) Das Opfer mag geschehen, Mein Herz mag untergehen, Doch wird es glücklich nie. lhr Glück soll niemand stören, lch selbst will es vermehren, Will sterben gern für sie. Sellka. Du allein kannst zeugen, Lall die Rachgedankenl Kannst du noch länger schwanken? Sieh mein Bangen, meine Tränen, Brich dieses Schweigen! Vasco. Er zittert, er schwanket, Weshalb wohl er schweiget? So rede, ach redel Oberpriester und Chor. O seht doch, er zittert, er bebet, Er Wanket, er schwanket, Weshalb wohl er schweiget? Du könntest bezeugen Und enden ihr Leiden. Für sie nur so redel Schwöre! (Mas hält Nelusko das goldene Buch hin.) Nelusko(nach groblem Kampfe). E 5 Nun wohl, ich schwöre hier vor euch, Daß sie— ihn liebt— und dal sie— ist sein Weib! Chor. heilige Ach, sie sein Weib! e(Alle verbeugen sich vor Vas co.) Nelusko(für sich). Der Himmel möge richten, Sein Donner mich vernichten, Doch jener Schändliche, der sie mir geraubt, Er sei vernichtet mit mir! Chor. Brahma, Brahma, Ehre dir! Herrschet, herrschet! Ruhm und Ehr', glücklich Paar! Mögt ihr im Glück lange uns regieren! Oberpriester(in die Mitte der Bühne tretend). Höre, hör', o Volk, meine Stimme! Die Götter Hindostans, deren Gesetze wir halten, Wollen, dal jedes Band, das in fremdem Land geschlossen, Hier vor unsren Altären erst werde geheiligt. Selika(leise zu Vasco). Fürchte nichts! Oberpriester. Bevor wir die Feier beginnen, rufet an Die mächtigen Götter, dall zur heiligen Dreiheit nun steigen Empor die geweihten drei Hymnen, Die Brahmas Hand in diese Wand gegraben. (Er zeigt auf die Tafeln, welche in die Wand gegraben Sind.) Volk, falle auf die Kniel (Er bedeutet Selika und Vas co zu knien.) No. 16a. Szene. Brahmal Wischnul Schiwa! Ehre euchl (Zu Selika und Vasco.) Empfangt zuerst den gottgeweihten Trank, Vom Feuerstrahl durchglüht der mächt'gen Sonne; Dem Gott der Liebe, spendet Brahma Dank, Der ihm verlieh des Daseins höchste Wonne. In eure Adern gieſit der heil'ge Saft Die heibe Glut, das ewig junge Sehnen, Das Herz zum Herz er zieht mit Götterkraft, Untrennbar euch vereint in Lust und Tränen. (Vasco den Becher gebend.) Trink', Fremdling, nun, willst du, daßb wir vertrau'n Dir den Schatz, den uns Brahma wiedergab. (Zu Selika.) Du teilst den Trank, damit du ohne Grauen Einst folgst dem Gatten in das Flammengrab! Chor. Sötter, segnet auch das Paar! Oberpriester(zu beiden). Betet leise jetzt!(Zu den Priestern und dem Volk) Ihr folget zum Altar; Der Götter Dreiheit bringt die Opfer dar! Er wendet sich nach den drei Kapellen, das ganze Volk mit ihm.) Brahmal Wischnul Schiwal Ehre euch! (Chor wiederholt.) Der Oberpriester, die Priester und das ganze Volk begeben sich feierlich in Prozession zur Kapelle Brahmas. Wenn Selika zu singen beginnt, mul der letzte Teil des Zuges noch auf der Bühne sein, jedoch so weit entfernt, dal er von Selikas Worten nichts verstehen kann.) Fünfte Szene. Selika. Vasco. Selika(leise zu Vas co). Das Schiff Don Pedros liegt drunten im Meer— Vasco(leise). Weil es wWohll Selika. Auch alle die Gefährten fielen als Opfer— Vasco. Weill es Wohll — 37— Selika. Doch von hier kann man noch dein Fahrzeug erblicken, Wo deine Freunde, die du verlieſlest nur allein, dein harren. Vasco. Weil es wohl! No. 17. Szene und Duett. n Selika(nachdem sie sich überzeugt hat, dal der Zug ver— schwunden ist). Dies Band, zu welchem nur dein Wohl mich hat gezwungen, O Vasco, du kannst ohn' Schrecken dich ihm weih'n, Unser Schwur am Altar bindet mich nur allein! Doch der Kön'gin Gemahl ist frei und darf befehlen, Er kann morgen, ja vielleicht heut' abend, (traurig) Wenn er auf leichtem Boot zu seinen Freunden flieht, hr Verlassen dies Land, das er hat entdeckt—(mit erstickter Stimme) und besiegt. ihm.) Oberpriester und Chor(in der Kapelle). Brahma, Wischnu, Schiwa, Ehre euch! ö n sich Vasco(für sich mit erstickter Stimme). d a2u Wie ist mir? Was durchströmet so plöõtzlich meine Brust? 8855 Enthoben jedem Schmerz, kaum meiner selbst bewullt, So wogt vor trunknem Blick ein Meer von Purpurflut, Und tiefes Sehnen falt mein Herz mit wilder Glut! Duett. Selika. So fliehe weit von uns, bedeckt mit deinem Ruhme, Und das Unglück lasse mir! Vasco. Wie, das Unglück, Kön'gin, dir? Selika(schmeralich). Ach, du begreifst es nicht, der Liebe bittres Leids, Und daß man stirbt am gebrochenen Herzen. Vasco. Was hör' ich? Wie konnt' bis heute ich dich verkennen! Welch ein Schleier verbarg dich mir? Selika(traurig). Welch ein Schleier? Die Verachtung! Vasco. O schweig', du sprichst im Wahn! Kein Weib jemals im Leben Konnte durch der Schönheit Reiz mich so hoch erheben; Dein Aug' 80 feurig klar, so glühend heill und rein, Ach, wie der Sonne Brand strahlt's ins Herz mir hinein. Wie? dich sollt' ich lassen? Nimmermehr kann dies geschehn! Selika(traurig). Hast du vergessen, dal du mich ihr verkauft, Der Liebe du gelobtest? Vasco. Ach, kränke so mich nicht, o Fürstin, sieh mich hier zu Füllen dir, O Selika, ach, verzeih' deinem Gatten! Selika(auſler sich, kann an 80 viel Glück nicht glauben; sie fürchtet, sich verhört zu haben, sie will sprechen, aber ihre Be- wegung ist eine zu mächtige, endlich gewinnt sie die Kraft und ruft mit erstickter Stimme): Du, Gatte mir,— ach! Was noch kann die Erde geben, Was bieten alle Himmel mir, Fühl' dein Herz an meinem beben, Seh' im Aug' die Träne dir! Vasco. Zum Paradies wird uns das Leben, Füllt Liebe so ganz unsre Brust. Selika. Ach, lall dem Staube mich entschwebenl zie nd Beide. ln deinem Kuß wird Tod zum Leben. Vasco. Dir, o Selika, Weih' ich ganz meine Seele. Selika. Was spricht dein Mund7 Dies Wort, es brennt, Es verwirrt meine Sinne! Vasco. Vor deinem Gott und vor dem meinen sei mir Gattin! Selika(Wonnetrunken). Dir Gattin! Doch bedenke Wohl, dein Weib will ohne Schranken Deine Liebe, selbst deine Gedanken, Voll Eifersucht blickt es auch selbst auf die, Die nicht am Leben mehr; mullt nun vergessen sie, Kannst du mir das versprechen? Vasco. Alles, ach, vergeſ' ich, Selika, bin ich bei dir! Selika. Das gelobst du? Vasco. Ich gelob' es! Selika. Vor deinem Gottl! Vasco. Vor meinem Gottl Selika. Nur mein! Ewiglich! Vasco, Nur dein! Ewiglich! 60 Beide. Was noch kann die Erde geben, Was bieten alle Himmel mir, Fühl' dein Herz an meinem beben, Seh' im Aug' die Träne dir! Das Paradies wird uns auf Erden, Füllt Liebe so ganz unsre Brust, ln deinem Kul wird Tod zum Leben! O Seligkeitl o Glück! Sechste Szene. Vorige. Der Oberpriester, Priester und Volk(Kkommen aus der Kapelle des Schiwa). No. 18. Szene. Oberpriester(breitet segnend die Hände über Vasco und Selika aus). Allmächt'ge Dreieinigkeit! Dein Zorn straft den Meineid. Hör' unser Fleh'n für dieses Paar! Seid nun vereint auf immerdar! Chor. Seid nun vereint auf immerdar! (Nun zerstreut sich der Zug. Alles läuft zu Selika, ihr Glück zu wünschen. Die Frauen umgeben sie und bringen Kleider und Schmuck für den bräutlichen Anzug.) Chor mit Tanz. (Während desselben umgehen die Prauen Selika, setzen ihr eine Blumenkrone auf und bedecken sie mit einem Schleier; andere Frauen bilden mit Schleiern Gruppen um Selika.) Ihr leichten Schleier, Verbergt das Feuer, Das heute strahlet In ihrem Blick. Verhüllt die Lust, Die schwellt die Brust. Mög' sich erfüllen Der Götter Willen, Ihr blüh' im stillen Das höchste Glück. — 2 „ Selige Lust Schwelle die ˖ Liebe und Glũck Strahle ihr Blick! Vasco betrachtet die Königin liebevoll; plötzlich tönt Gesang aus der Ferne an sein Ohr.) Ines und Chor(hinter der Szene). Leb' Wohl, dich soll ich meiden, Du schöne, reiche Welt, Leb' wohl denn, ich muß scheiden, Leb' wohll U Vasco(bebend). Wie, welche Stimme? lst es ein Zauber? Dein treuer Schatten, o Ines, der von oben zu mir sendet, Ach, noch einen letzten Gruſd7! Vasco, der seiner Bewegung nicht mehr widerstehen kann, will nach der Seite hin, von welcher die Stimmen ertönen; eine Gruppe von Tänzerinnen tritt ihm entgegen und zeigt ihm Selika, die auf ihn wartet. Die jungen Mädehen ziehen Vasco zu Selika, welche, von den Schleiern der Bajaderen bedeckt, nach dem Ge- mach links schreitet. Die Priesterinnen werfen Blumen.) Chor. Ihr leichten Schleier, Verbergt das Feuer, Das heute strahlet In ihrem Blick. Verhüllt die Lust, E Die schwellt die Brust. Selige Lust Schwelle die Brust, Liebe und Glück Strahle ihr Blick! Oer Vorhang fällt) Fünfter Akt. Die Gärten der Königin. Tropische Bäume, Blumen und Früchte. Zur Linken der Eingang zum Palaste. Erste Szene. Selika. Ines(on Soldaten umgeben). No. 19. Szene und Rezitativ. Selika. Gott, so ist es wahr! Wie, Vasco, er! Von ihm verraten, Von ihm betrogen! Undankbarer, hältst du so deinen Eid? Ines. O lab mich reden! Selika. Nein! Hab' ich auch mich erniedrigt, Dennoch mein ist die Macht! Denk, es ist hier nicht mehr Die Gattin, nein, die Kön'gin, die beleidigte Kön'gin, Die vor dir steht als Richter und die Rache fordert! Ines. Habt Mitleid mit ihm! Selika. Wer wagt es noch, Für ihn, der mich verriet, mein Mitleid zu erflehen? Ha, fürchte meinen Zorn, den kaum zurück ich haltel Entfernet alle euch!(Zu Ines.) Du bleibst hier! No. 20. Duett. Selika(düster zu Ines). Eh' im Gefühl' der Rache ich an dein Urteil denke, Komm näher, Sklavin, und antworte mir, Durch welchen Verrat, durch welche List und Ränke Kam der Falsche hierher zu dir? — 63— Ines. Der Zufall nur liel einander uns sehen! Selika. Was hat er dir gesagt? O sprich, was ist geschenhen7 Ines. e. Er sagte mir, dal sein Schwur ihn fesselt ewiglich, Daſ Her dir in Treue ergeben, Die allein gerettet sein Leben. Sellka. Ha, und dennoch liebt er nur dichl Ines. n, Nein! Mag dein Herz verzeih'n, ihn nicht hassen; 7 Wie die Ehr' ihm gebot, so hat er mich verlassen, Und nicht mehr sieht er mich! Selika(mit Schmerz und Zorn). t Dennoch wird er lieben ewig dich! Ines. lst es das, was du nennst Verbrechen, Lall deinen Zorn fallen auf mich, Jja, dann magst du grausam dich rächen, Auf den Knien bitte ich dich: Mein Urteil mögest du sprechen! Ist alles Glück uns dahin im Erdenleben, Ist das Weh gar s0 grol Und die Welt hoffnungslos— Dann gib mir den Tod! (Selika betrachtend, welche bis dahin unbeweglich und mit ge- senktem Haupte dagestanden.) Wie? Du wWeinst? Selika(schluchzend). Ach, er mul sie lieben ewiglichl Selika(jür sich). Wer kennet, ach! den höchsten Schmerz? Du armes Weib, nicht kann ich mich rächen! Wie könnt' ich nennen wohl Verbrechen, Wo gleich wie sie auch fühlt mein Herz. Ines. Du kennest jetzt den höchsten Schmerz, lch sagt' es wohl, das ist mein Verbrechen, Gib mir den Tod, dann kannst du schwer dich rächen, Und danken wird dir nur mein Herz. Selika. Also willst du den Tod, weil die Liebe entschwand? Ines. Ach, ich fühl', wie die Lieb' und der Haßl in mir ringen! Selika(die Hand auf ihr Herz legench. Und es erfallt dich wie eine Eisenhand? Ines. Ja, martert das Herz, als wollt' es zerspringen. Ines. Nun wohll Räche dich, gib uns beiden den Todl Selika. Töten ihn? l[ch, die Freundin, ich, die gegeben, Um glücklich ihn zu seh'n, mit Freuden auch mein Leben! (Uberlegend.) Und wie? Wenn für sein Heil ich vermöchte ihn zu fliehn? Ines. Doch stiel' ich ihn zurück, denn er ist Gatte dir, Der Tod trennt bei uns solch heil'ges Band allein! Selika. So wird stets er sie ersehnen?l O grenzenloses Elend, Weh mir! Solika. Ines. Wie kann ich entrinnen Den Schmerzen tief innen, Was soll ich beginnen7? Ratlos schwanke ich. Oott, nur du kKannst retten, O zerbrich die Ketten, O erleuchte mich! Zweite Szene. Die Vorigen. Nelusko(welchem Soldaten folgen). No. 20 a. Rezitativ. Selika(auf Ines zeigend, zu den Soldaten). Führt hinweg diese Prau! (Die Soldaten führen Ines ab. Zu Nelusko.) Und nun ferne von hier Bringst Vasco dul Nelusko(erstaunt). Zu Ines? Selika. Ja, merke auf!l Du führst sie beide auf jenes Schiff allsogleich, Das dort man noch im Meer erblickt. Nelusko. O Himmell Selika. Und dann, Vernimm es wohl: Sobald Vasco am Bord, sollst du ihm dann Dieses hier übergeben, doch nicht eher, Du verstehst!(SSie übergibt ihm eine Schreibtafel.) Nelusko(reudig). Ach, was du auch begehrst, ich will es treu vollbringen. Dieser glückliche Tag endet all meine Qual, O Königin, er gibt dir zurück Macht und Ehrenl Die Atrikesoerim. 5 — 66 Selika. Und dann, sobald du siehst, wie das Schiff Langsam sich von dem Ufer entfernt, Dann gleich erwart' ich dich an der Spitze Des Kaps auf jenem Vorgebirge, das beherrschet Das Meer! Nelusko(mit Schrecken). O, nahet Euch ihm nicht! Dort steht, o denkt daran, mit seinem mächt'gen Schatten Der Manzanillobaum, der gibt den sichern Tod! Sellka. Weil es wohl! Nelusko. Weh dem, der sich ihm naht, Seinem sülen Duft, den die Blüten ihm spenden! Anfangs wähnt er sich wohl in himmlischen Regionen, O trügerisches Bild, o gefährlich böser Traum, Der zum Wahnsinn ihn führt und vom Wahnsinn zum Tod! Selika. Weil es wohl! Doch von dort übersieht man das Meer, Und das ist's, was ich will! (Nelusko geht rechts ab. Selika kehrt in den Palast zurück.) Verwandlung. Die Szene stellt ein Vorgebirge dar, welches das Meer beherrscht. Die Mitte der Bühne nimmt ein großer Baum ein. Dritte Szene. No. 21. Grole Szene des Manzanillobaums. Selika(allein). (Sie tritt langsam auf, geht bis zum Ufer des Meeres und be- trachtet dasselbe einige Zeit stillschweigend.) Von hier seh' ich das Meer, unendlich und ohne Grenzen, Dir gleich, du bittrer Schmeral Wie die Woge so wild, die im Kampfe sich bricht, Weh mir, bricht auch dies Herz! (zu dem Manzanillobaum gehend.) Du Tempel reich und herrlich, von Blättern aufgebauet, Der seine Trauerzweig in dem Winde bewegt, Der Hafen du, den nach dem Sturm mein Aug erschauet, Da keine Hoffnung mehr meine Seele hegt, Sei das Grab meinem Herzen, das bald nun nicht mehr schlägt. Ich halßlte nur im Leiden, Nun geht mein Herz zur Rub', Vergebung sei mein Scheiden, Leb' Wohl, Geliebter dul Leb' Wohll (Sie pflückt die Blumen von den Zweigen des Manzanillobaumes.) Blumen schön und so rot, euch seh' ich mit Entzücken, Ihr sollt den Busen der jungen Gattin schmücken, Zu dieser Feier seid ihr der bräutliche Kranz! (Sie betrachtet die Blumen traurig, dann atmet sie den Duft ein.) Man sagt, der süde Duft verleiht ein gräblich Glückl Die Seele sieht das Himmelreich, wo sie der Engel Chören lauschet, Dann folgt der lange Schlaf, der befreit von Qual und Not! Liebe, wie du, die erst berauschet, Und die gar bald uns gibt den Tod! Ja, Wahrheit ist's! Schon fühl' ich die Sinne mir schwinden. Welch ein Wahn, ach, so süfsl— Ha, der Zauber beginnet! Welche Sphärenmusik! O dieser Zauber— und dieser Glanz!— Ha, es öffnet sich des Himmels goldenes Tor, Brahma im Strahlenkleide tritt aus Sonnen hervorl Er ist's, die Allmacht selber, Und hebt mich dann empor, Nimmt dann in sein Reich mich auf! Von Wolken nur getragen, Zieht ein Schwan den Wagen, Herrlich strahlend, weiſ und schön, 5⁰ — 683 Die Houris ihn umgeben, Tanzen, lächelnd schweben Mit ihm auf zu lichten Höh'n. Kommt er in ros'gem Schimmer, Liebt er mich doch noch immer, Die nie sein vergillt! O Oott, ihn zu erblicken, Brich, Herz, nicht vor Entzücken! Ach, er naht, mein Vasco ist's! Jetzt hat der Wolkenwagen Ihn gleich zu mir getragen, Ja, jetzt hält er an, mir zu Fülen,— Steiget wieder— lmmer höher— und noch höher— Ach— Creudenschrei.) Er ist da! (Während des Vorhergehenden hat die Betäubung sie mehr und mehr erfallt, und sie ist nun am Fulle des Baumes niedergesunken.) (Man hört einen Kanonenschull. Bei diesem Schall zittert Selik a, öffnet die müden Augen, sieht nach dem Meere, bemerkt das abfahrende Schiff und stöllt einen Schmerzensschrei aus.) Vierte Szene. Selika. Nelusko. No. 22. Finale. Nelusko(herbeieilench. Nun sind sie fort! Selika. Ach, gebt den Himmel mir zurückl Nelusko. Selika, flieh' diesen Ort, o meine junge Herrin, Beim Gesang der schwarzen Geister Und berauscht von den Blumen schläfst du ein! (Selika macht ihm ein Zeichen des Lebewohls und befiehlt ihm, sich zu entfernen.) Wie? du willst sterben? O unglücksel'ge Königin! und ken.) lika, das K1 ihm 69 Feure Undankbare, du siehst meine Tränen. Dir ewig treu im Unglück noch, Will ich, dein armer Sklave, hier sterben bei dir! Selika. Fliehe, Nelusko, daß dein Herz mich nicht hasse— Wenn sterben ich gewollt— und wWenn ich dich verlasse Nelusko(erschreckt). Weh mir!— 0 Himmel, kalt ihre Hand, Kalt wie Eis,— das ist der Tod! Selika(sterbencdh. Nein— das ist— höchstes Glück! (Sie stirbt, die Augen nach dem Himmel gewendet. Aus der Ferne ertönt ein unsichtbarer Chor, welcher gleichsam ihre Seele in die Ewigkeit geleitet. ln diesem Augenbſick stürzt das Volk herbei, wagt aber nicht gegen den Manzanillobaum vorzuschreiten. Alle bleiben bestürzt stehen. Nelusko allein kniet zu den Fülen Selikas.) Unsichtbarer Chor. ln der Liebe ew'gem Reich Sind alle, alle gleich! (Nelusko stürzt tot zu Selikas Füllen nieder. Am FHHorizonte erscheint noch einmal Vascos Schiff.) ODer Vorhang fällt.) — e—— Druck von C. G. Röder G. m. b. H., Leipzig. NE E E E Cedic ersetzu v Klavier 0 SDAN KBARES KCNZERTLIED ADA NEGR ng von FH Schneidert OTTORINO RESPICHI — J Ich lei- de! In grau- er —.— Lon- tan U n den schwei- gen- den — f i bel-schwa-den träg ént- stei— ge o Le die son- uno-len- te Sal- goνσ dal ta-cen- te 8 6E 2 12 Für Deutschland, Ost. Für alle übricen Län ED. BERLINWS krächzend flie-gen di to grac-chian- do, 1 der K Bongiotaanl. Beickss 2L 19350 Hoch und mittel je 1.50 & G. BOCK GECER. 1838 BOTE 2¹ 25 4 9⁴ 5 EIN NKEUER.“I MASCAGN VVIVI½%-/ % f˖ % i ö NS 4 D N 2 70 0 Vꝗ N Ms 0 WXXN LVRISCHE VISION Beim Anblick der Statue der heiligen Terese von Bernini in der Kirche Sante Marie delle Vittorie in Rom Für Klavier NMark 1.50 ED. BOTE BERLINVS 4 eeeneenenheeneneeeeeeeeeeeeeeeeneeneeeeeeeeeneeenee 2* Unentbehrlich für den Konzertbesucher 655 b — nnn 5 8* JULIUS JULIUS f LERCHE LERCHERE enthält: 2000 der beliebtesten Konzertlieder und Arien im Texte 2. Auflage tunteg Beste Ausstattung! Eleganter Leinenband! 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