Der Wildſchütz Komiſche Gper in drei Aufzügen Dichtung und Muſik von Albert Lortzing vollſtändiges Buch Durchgearbeitet und herausgegeben von Carl Fr. Wittmann verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig Alle Rechte, insbeſondere das der Überſetzung in fremde Sprachen, vorbehalten Druck von Philipp Reclam fun. Leipzig Einleitung. Nach den glücklichen Erfolgen, die Lortzing 1837 mit ſeinen erſten größeren Opern„Die beiden Schützen“ und„Zar und Zimmermann“ errungen hatte, ſchien das Glück ſich von ihm wenden zu wollen. Sein nächſtes, muſikaliſch ſehr feines Werk „Caramo oder das Fiſcherſtechen“, obwohl in Leipzig 1839 wiederum freundlich aufgenommen, gewann ſich nicht die Bühnen und blieb bis heut unveröffentlicht. Das Jahr 1840 brachte den„Hans Sachs“, der zwar noch immer gelegentlich hervor⸗ geſucht wird— nar nentlich von Chorvereinen— aber doch keinen feſten Platz im Spielplan erobern konnte, ſo wenig wie der 1841 folgende graziöſe„Caſanova“.— Erſt der Silveſteroper des nächſten Jahr s beſchieden, wie⸗ der ins Schwa Lortzingopern zu behaupten. Das Textbuch bearbeitete Lortzing wiederum nach einem alten Luſtſpiel, in dem er wohl ſelbſt früher eine Hauptrolle geſpielt hatte, Kotzebues„Rehbock““). Mendelsſohn nennt es in einem ſeiner Reiſebriefe„das infamſte, verwerflichſte, elendeſte“ des fruchtbaren Dichters, und es iſt eine ſeltſame Ironie des 2 dem„Wildſchütz“, war ze zu treffen und ſich dauernd in der Reihe der Schichals, daß gerade er dazu beitragen mußte, die Langlebig⸗ keit dieſes Stückes— in Geſtalt der Oper— zu erhöhen. War es doch die Aufführung ſeiner„Antigone“ in Leipzig am 5. März 1842, unter Mendelsſohns perſönlicher Leitung, und die dadurch erregte übertriebene Begeiſterung, die Lortzing eingab, der Gräfin Eberbach die Schwärmerei für die Tragödie des Sophokles bei⸗ zulegen und mit dieſer komiſchen Verſpottung die Wirkung der Oper außerordentlich zu ſteigern. Von den ſonſtigen dichteriſchen Zutaten Lortzings ſei nur die köſtliche Billardſzene und die Ein⸗ führung des„närriſchen“ Haushofmeiſters Pankratius erwähnt. Wie er aus dem widerlichen Pachter Grauſchimmel einen ſo drolligen Schulmeiſter(der urſprünglich Baſedow heißen ſollte) gemacht hat, wie er alles verfeinerte und nach Möglichkeit die Frivolität milderte, und wie geſchickt er das ganz unmuſikaliſche Buch ins Opernmäßige umgeſtaltete, kann man nur nach Ver⸗ gleichung mit dem Original voll würdigen. Der Zettel der Uraufführung lautete: Univerſal⸗Bibliothek Nr. 23. Theater der Stadt Leipzig. Sonnabend den 31. Dezember 1842. Zum erſtenmale: Der Wildſchütz oder Die Stimme der Natur. Komiſche Oper in drei Akten, nach einem Luſtſpiel von Kotzebue bearbeitet. Muſik von G. A. Lortzing. Perſonen: Graf von Eberbacchhh Die Gräfin, ſeine Gemahlin. 3 Baron Kronthal, Bruder der Gräfin Baronin Freimann, eine 88 Witwe, Schweſter des Grafen 838 Nanette, ihr Kammermädchen 2— Baculus, Schulmeiſter auf einem Gute des Grafen Gretchen, ſeine Braut. Pancratius, Haushofmeiſter auf dem Grafen. Dienerſchaft und Jäger des Grafen. Bauern und Bäuerinnen. Schuljungen. Der erſte Akt ſpielt in einem eine Stunde vom Schloſſe gelegenen Dorfe, der zweite und dritte Akt im Schloſſe ſelbſt. Der Text der Geſänge iſt an der Kaſſe für 5 Neugroſchen zu haben. 49. Abonnementsvorſtellung. ̃ Krank: Madame Deſſoir. Die Billets ſind nur für den Tag gültig, an dem ſie gelöſt ſind. Preiſe der Plätze: Parterre 10 Neugroſchen. Parquet 20 Neugroſchen. Logen des Par⸗ terres und erſten Ranges: Ein einzelner Platz 20 Neugroſchen. hloſſe des Fremdenloge Nr. 25 20 Neugroſchen. Ein geſperrter daſelbſt 1 Thaler. Logen des zweiten Ranges: Ein einzelner Platz 15 Neu⸗ groſchen. Erſte Gallerie 15 Neugroſchen. Ein geſperrte tz daſelbſt 20 Neugroſchen. Zweite Gallerie 10 Neugroſchen. Ein geſperrter Sitz daſelbſt 15 Neugroſchen. Dritte Gallerie Mittelplatz 7½ Neu⸗ groſchen. Seitenplatz 5 Neugroſchen. Anfang um 6 Uhr. Ende gegen 9 Uhr. Einlaß um 5 Uhr. Ate. P Einleitung zum„Wiloſchütz“ Die überaus friſche Ouvertüre ſetzt ſich nac überne der von Web ommenen Form aus Themen der Oper zuſammen, doch bildet ſie ein Unikum inſofern, als ein Flintenſchuß hinter dem Vorhang in das muſikaliſche Gef Knalleffekt, der aber durchaus ſinnreich verwendet iſt, denn er bedeutet den Schuß des wildernden Schulmeiſters, der die Vor⸗ geſchichte der ganzen Handlung bildet Beim Aufgehen des Vorhangs)t man, wie vor dem Hauſe des Baculus deſſen Hani mit Gretchen gefeiert wird. Nr. 1 Introduktion.) Ein altväte zroßvatertanz e dann fol Dorfbewohner, die 2[BC-Lied. Ein Diener des Gr 8 ef, deſſen Inhalt ihn ſtark erregt; er die Gäſte darüber hinwegzutäuſchen, und dieſe gehen unter den Klängen des Eingangschores ins Wirts⸗ haus zum Feſtmahle. In der Proſaſzene zwiſchen Baculus und Gretchen kommt zur Sprache, wie der Schulmeiſter, um einen Rehbraten zum Verlobungsſchmauſe herbeizuſchaffen, im Tiergarten des Grafen ein Wild ſchoß und erwiſcht wurde. Er ſoll nun ſein Amt ver⸗ lieren, und im Duett(Nr. 2) mit Gretchen ſagt er, daß ſie vielleicht Begnadigung für ihn erlangen könne, wenn ſie beim Grafen, der die 1 Weiber gern ſehe, darum bäte. Sie iſt auch bereit, Baculus ſelbſt aber will aus Eiferſucht von ſeinem Plane Abſta ind nehmen, und ſtreitend gehen ſie ab. Als Student verlleidet tritt die Baronin auf, in ihrer Arie(Nr. 3) das Glück des Witwenſtandes preiſend. Ihr Kammermädchen Nanette, ebenfalls in Studententracht, kommt hinzu, und aus ihrem Geſpräch erfährt man, daß die Baronin in dieſer Ver⸗ kleidung den ihr vom Bruder, dem Grafen, zugedachten neuen Gatten, Baron Kronthal, unerkannt prüfen und zugleich ihre Schwägerin kennenlernen will. In dem anſchließenden Quartett (Nr. 4) wird nun verabredet, daß die Baronin, als Mädchen gekleidet, an Gretchens Stelle als Braut des Schulmeiſters mit aufs Schloß gehen und um Gnade bitten ſoll. Hörnerklang kündet den Grafen und ſeine Jagdgeſellſchaft an, die unter den Klängen des freudig bewegten Jägerchors(Nr. 5) auftreten. Aus dem folgenden Dialog wird bekannt, daß der Baron, don at üge einbezogen iſt. Ein witziger r F RN Einleitung zum„Wildſchütz“. ſeiner Schweſter, der Gräfin, unerkannt, die Rolle des Stall⸗ meiſters im Schloſſe ſpielt und unter den Erinnerungen an eine unglückliche Ehe angeblich von Weltſchmerz gequält wird. Finale (Nr. 6): Die Verlobungsgäſte verabſchieden ſich vom Bräutigam, da treten die beiden Herren unter ſie und freuen ſich der hübſchen Weiber, während Baculus ſich verſteckt hält und die Gäſte ver ſtändigt, daß ſie nichts über den Anlaß des Feſtes ſagen ſollen. Zu ſeinem Mißvergnügen platzt Gretchen in den Kreis, ſogleich erhöhte Aufmerkſamkeit der Jagdherren erregend. Allgemein kommt dann die Neugier zum Ausdruck, als die Baronin in Gretchens Sonntagsſtaat erſcheint. In dem volkstümlich ge⸗ wordenen Liede„Bin ein ſchlichtes Kind vom Lande“ weiß ſie ihre Rolle natürlich und doch nicht ohne Feinheit zu ſpielen, und als die Jagdgeſellſchaft aufbricht und der Graf alle zu ſei⸗ nem Wiegenfeſte am nächſten Tage zu Gaſt bittet, richtet er dieſe Einladung noch beſonders an die Baronin ſowie an Gretchen. Nach einem flotten Enſembleſatz ſchließt der Akt mit dem Thema des Jägerchors. Die Introduktion Nr. 7 beginnt mit dem gleichen Thema, das, bald in Dur bald in Moll erklingend, gewiſſermaßen die verſchiedenartige Stimmung der heimkehrenden Jäger ſchildert. Dazu geſellt ſich das Motiv des folgenden Chors der Diener ſchaft, die im Billardſaal des Schloſſes der Vorleſung der Gräfin aus dem Nebenzimmer(„Antigone“) mehr oder minder aufmerk⸗ ſam lauſcht.„Schade, ſchade, das wir's nicht verſtehn“ iſt der Ausklang dieſer köſtlichen Chornummer. Baculus iſt eingetreten und erfährt im Geſpräch mit dem Haushofmeiſter von der Schwärmerei der Gräfin für Sophokles und die antike Tragödie, die er ſich zunutze machen ſolle, um ihre Fürſprache zu erbitten. Dann tritt der Baron mit der Gräfin ein, der er zum Schein den Hof macht.(Duett Nr. 8.) Doch die Stimme der Baronin, die er aus dem Garten vernimmt, läßt ihn ſogleich dahineilen. In einer hochkomiſchen Szene zwiſchen der Gräfin und Baculus ſucht dieſer ſein Anliegen vorzubringen, da kommt der Graf und weiſt ihm die Tür.(Quintett Nr. 9.) Als der„Wilddieb“ ſieht, daß Sophokles ihm nicht helfen kann, ruft er durch das Fenſter die Baronin herauf. Auch den Baron hat der Ruf heraufgeführt, und als nun das vermeintliche Gretchen kommt und ſich als Einleitung zum„Wildſchültz“. 7 Braut des Schulmeiſters vorſtellt, ergreift allgemeines Staunen die Herrſchaften; die beiden Herren ſind ganz außer ſich, und noch heftiger äußert ſich das, als die Gräfin ſchalthafterweiſe durchſetzt, daß ſich die Brautleute, die ſich geſtritten hatten, einen Verſöhnungskuß geben. Das neckiſche Duett Nr. 10 bringt die Liebeswerbung des Barons um das vermeintliche Gretchen. Ein Unwetter gibt den Anlaß, daß Baculus und ſeine Braut über Nacht auf dem Schloſſe bleiben müſſen. Sie wollen im Billard⸗ ſaal verweilen, was den beiden Herren ſehr recht iſt. Man ſpielt noch eine Partie, und es entwickelt ſich das Quintett(Nr. 11), die Glanznummer des Aktes, die in il hneten An⸗ lage und Durchführung muſikaliſch ein wü Seitenſtück zu dem Männerf im„Zar“ iſt, an Situati omik aber alles Ahnliche weit übertrifft. Die Billardpartie beginnt, die Baronin beſchäftigt ſich mit ſtricken, Baculus will ſich in den Schlaf ſingen und ſtimmt mit Donnerſtimme den Choral„Wach auf, mein Herz, und ſinge“ an. Das Gebrüll wird ihm verwieſen, und das Spiel nimmt ſeinen Fortgang. Abwechſelnd muß der Graf und der Baron zur Gräfin abgehen, und jeder benutzt die Ab⸗ weſenheit des andern, um Gretchen eine Liebeserklärung zu machen, auf das gleiche melodiſche Thema, das dem Mozartſchen Klarinettenquintett entſtammt. Beim Billardſpiel geraten die beiden Gegner in Streit, die Lampe verlöſcht, in der Dunkelheit verſuchen ſie die Baronin zu erhaſchen, da erſcheint plötzlich die Gräfin, Pankratius kommt mit Licht, allſeitige Verlegenheit und Entſchuldigung. Schließlich nimmt die Gräfin die Baronin mit auf ihr Zimmer.— Der Baron iſt mit Baculus allein zurück⸗ geblieben und bietet ihm 5000 Taler, wenn er ihm ſeine Braut abtritt. Baculus erklärt ſich einverſtanden, und in der berühmten Arie(Nr. 12) macht er neue Pläne, wie das Kapital am beſten zu verwenden ſei, und mit dem Bewußtſein, ein hochberühmter Mann zu werden, geht er raſch und aufgeblaſen ab. Den dritten Akt eröffnet die Arie des Grafen(Nr. 13), die in ſchwungvoller Polonäſenform ſeiner Lebensfreude glücklichſten Ausdruck gibt. Im folgenden Geſpräch zwiſchen dem Grafen und dem Baron erklärt letzterer, daß er Gretchen heiraten wolle. Die Einwendungen werden unterbrochen durch den Auftritt der Mädchen, die das Geburtstagskind beglückwünſchen wollen. 0 Einleitung zum„Wildſchütz' Nr. 14, Enſemble. r Graf dankt den hübſchen Kindern und veranſtaltet ſogleich eine Tanzprobe, an der auch der Baron trotz ſeines Weltſchmerzes teilnimmt. Als alles im luſtigſten Walzen iſt, erſcheint die Gräfin. Die Mädchen laufen ſchreiend davon, 8 5 die Herren ſtehen verlegen und folgen der Gräfin ins Schloß. Baculus kommt mit Gretchen, die mit dem Bräutigamswe ganz einverſtanden iſt, um ſie dem Baron zu übergeben. Dieſer, der natürlich die Baronin erwartet, will von dieſem Gretchen nichts wiſſen, Baculus vertraut ihm, die andere ſei ein ver⸗ kleideter Student(Terzett Nr. 15), worüber er in helle Wut gerät. Aber ſchnell iſt er entwaffnet, als die Baronin ihm gegenübertritt und ihn aufklärt. Er wiederholt ſogleich ſeine Werbung, wird aber daran erinnert, daß er der bürgerliche Stallmeiſter und ſie die Schweſter des Grafen, ſeines Herrn ſei Als er ihr zu Füßen liegt, erſcheint wieder die G entrüſtet über die Szene. Sie läßt ſich von dem Baron fort führen, und als nun der Graf die Baronin ſeiner Liebe ver⸗ ſichert und ſie mit Gewalt küſſen will, kommt wiederum die Gräfin mit dem Baron dazu. Finale Nr. 16. Mit Worten aus„Antigone“ ſtrengt ſie ein Verhör an, wobei ſich ergibt, daß ſie zwei Geſchwiſterpaare ſind, deren gegenſeitige Neigung durch die Stimme der Natur gegeben war. Ein Votal⸗Quartett⸗ ſatz von ſaſt Mozartſcher Süßigkeit vereinigt die Stimmen der ſchuldlos Schuldbewußten zu lieblichſtem Zuſammenklang. Nun zieht der Chor mit Baculus, Gretchen und der Schuljugend zur Beglückwünſchung unter charakteriſtiſchen Dorfmuſilklängen herein. Der Graf ſtellt die Baronin als ſeine Schweſter, die Gräfin den Baron als ihren Bruder vor, und unter Wiederholung des Themas aus dem Duett Nr. 10 vereinen ſich Baron und Baronin zum Lebensbunde. Inzwiſchen hat die Schuljugend ihren komiſchen Bittgeſang angeſtimmt, ihr den lieben Schulmeiſter zu laſſen, da kommt auch noch die Nachricht, daß Baculus gar kein gräfliches Reh, ſondern ſeinen eigenen Eſel erſchoſſen habe: Stimme der Natur! Noch einmal erklingen die Jagdfanfaren, unter denen der Graf die Amtsentſetzung zurücknimmt, dann folgt der allgemeine Schluß⸗ geſang, der die Oper fröhlich, wie ſie begann, ausklingen läßt. äfin, ſehr Reihenfolge der Muſiknummern. Erſter Aufzug. Ouvertüre. N J. Introduktion. So munter und fröhlich wie heute. Nr. 2. Duett. Laß doch hören. 3. Arie. Lebens raſchen Wogen. Nr. à4. Qua nt Ihr, 7 Nr. 5 dort den Nr. nach Hauſe geh Smoitor 3 F2 Sweiter Aufzug. 2 Nicht geplaudert, achtg Einlage von Cortzing: Jokaſte! Theber Duett und Arie. Bleiben ſoll ich und ſeh ich? Mir aus d Duett. Ihr Weib? Mein teures Weib! Quintett. Ich habe Nummro eins. Arie. Fünftauſend Taler! Dritter Aufzug. Nr. 15. Kecitativ und Arie. Wie freundlich ſtrahlt die holde Morgenſonne. Quintett. Was Augen! Nr. la. Enſemble. Um die Laube zu ſchmücken. Nr. 15. Terzett. Komm, liebes Gretchen, bekenne fre Nr. 16. Finale. Was ſeh' ich? Alle Teufel! Schauplatz. Erſter Aufzug. Ländliche Gegend. Rechts die Wohnung des Schulmeiſters Gretchens Haus; links hinten nach der Mitte zu das Sweiter Aufzug. Eleganter Salon mit zwei Mitteltüü'ren auf dem Schloſſe des Grafen von Eberbach. Dritter Aufzug. Park am gräflichen Schloſſs Perſonen. Graf von Eberbach.(Bariton.) Die Gräfin, ſeine Gemahlin.( Baron Kronthal, Bruder der Gräfin.(Ter Baronin Freimann, eine junge Nanette, ihr Kammermädchen.(M Baculus, S Gretchen, ſeine Braut. twe, Schweſter des Grafen.(Sopran.) ezzoſopran.) chulmeiſter auf einem Gute des Grafen.(Baß.) Sopran.) Pancratius, Haushofmeiſter auf dem Schl(Baß.) Dienerſchaft und Jäger des Grafen. Dorfbewohner. Schuljugend. Der Schauplatz iſt ein Dorf der Grafſchaft und das gräfliche Schloß. Zeit: Im Sommer 1803. Rechts und links vom Darſteller. Spielzeit: Drei Stunden fünfzehn Minuten. Ouvertüre. Erſter Aufzug. Link mit nach der Mitte zu Tiſch davor. Holztiſche, Bänke wort 8 mit ein eine Bank; Rechts und links vom Do Erſter Auftrilt. Landleute beiderlei Geſchlechts tanzen eine Art Contre; die Altern ſitzen zur Seite auf Bänken und ſehen zu. Gretchen und Baculus tanzen in der Mitte. Auf einem Tiſche vor dem Wirtshaus ſitzen die Muſikanten. Der Tanz endet mit einer Gruppe, dann allgemeiner Chor. Alle(ſtoßen mit den Gläſern an und rufen) Es lebe das Brautpaar! Nr. 1. Introdultion. Chor der Landleute. So munter und fröhlich wie heute, Beim Tanze, beim Weine, So möchten wir, ihr lieben Leute, Recht oft uns des Lebens freun. Herr Baculus, er ſoll leben, Denn er hat dies Feſt uns gegeben, Und möge ſein Eheſtand eben⸗ So heiter und fröhlich ſein. Der Wildſchütz. Gretchen und Baculus. Danke! danke! danke! danke! Unſre Ehe wird geraten! Gretchen. Denn mein Alter liebt mich ſehr! Baculus. Denn mein Gretchen liebt mich ſehr! + Gretchen und Baculus. Freilich könnte es nicht ſchaden, Wenn er(ich) etwas jünger wär'! Baculus. Mein Geſicht, was meinſt du, Gretchen? Iſt nicht mehr ganz jung und ſchön. Grelchen. Ach, ich hab' in meinem Leben Sie weit häßlicher geſehn. Baculus. Der fromme Chriſt ſieht aufs Gemüt. Gretchen. Mit meiner Frömmigkeit ſtehts ſchlecht. Baculeis. Schulmeiſtrin ſein, nicht wahr, das zieht? Gretchen. Ja, weiß es Gott; da hat Er recht! Baculus. Du ſpaßeſt, mein Kind. Gretchen. Wahrhaftig nicht! Es iſt mein Ernſt! Baculus. Du Schelmengeſicht! Gretchen. Wahrhaftig! Baculus. Du Schelmin! Gretchen.'s iſt mein Ernſt, jajajajajajajajaja! Baculus. Du ſpaßeſt! Hahahahahahahahaha! Chor. Seht doch den verliebten Streit! Hahahahahahahahahahahaha!— So munter und fröhlich wie heute, Beim Tanze, beim Weine, So möchten wir, ihr lieben Leute, Recht oft uns des Lebens freun. Herr Baculus, er ſoll leben, Denn er hat dies Feſt uns gegeben, Und möge ſein Eheſtand eben⸗ So heiter und fröhlich ſein! (Sie beginnen wieder zu tanzen.) Ein Gaſt. Man wird müd' vom vielen Springen; Laßt uns lieber etwas ſingen, Ein fideles Lied mit Chor. Der W̃ ild ſchütz. Baculus. Euch zu Dienſten, ſchlagt nur vor. Chor. Herr Baculus, Ihr ſeid ein Mann, Der ſchöne Reime machen kann. Baculus. Wohlan, ein Lied, euch unbekannt, Charaktriſierend meinen Stand, Will ich zum Beſten geben, Ihr ſingt den Chorus dann. Gretchen und Chor. Singen, ſingen iſt unſer Leben! Fangt an! fangt an! fangt an! fangt an! Baculus. Ich fange an! Tied. Bacnlus. A, B, C, D, Der Junggeſellenſtand thut t weh, E, F, G, H, Sind erſt die lieben Jahre da. 8 I, K, L, M, N., O, P. Darum thä it mit ſüßem Bangen, R. S, I. U Nach dem Eh'ſtand mich verlangen. Nahet ſich des Lebens Winter, Kommt man endlich doch dahinter, Daß der Menſch nur halb genießt, Wenn er ganz alleine iſt. Darum nehm' ich mir ein Weibchen, Führ' ein Leben, wie ein Täubchen, Sag' dem Stand der Junggeſellen nun Valet! X, Vpſ'lon, 21 Sag' dem Stand der Junggeſellen nun Valet! X, Vpſ'lon, 21 Gretchen. Ach, das wird ein Leben ſein! Baculus. Ach, das wird ein Leben fein, Daß ſich die lieben Engel freun! X, Ypſilon, Z, JZ! Gretchen. Daß 15 darob die lieben Eugel freun! X, Vpſilon, 2, T2! Das ſchöne Gleichnis, ich geſteh', EeE Paßt herrlich, denn es liegt ganz nah; EIL, M, N,, PE, Warum ſollt es denn im Leben, ( Nicht auch alte Täuber geben? Beſſer was, wie nichts auf Erden, Hausfrau muß ich einmal werden; Er baut mir ein Neſtchen fein, Drum will ich zufrieden ſein. Alſo nehm ich einen Alten, Sehe nicht die vielen Falten, Drück' ein Auge zu, denk' er wär' jung X, Vpſ'lon, 21 Drück' ein Auge zu, denk' er wär' X, Vpf'lon 21 Ach, das wird ein Leben ſein! Baculus. Ach, das wird ein Leben ſein, Daß ſich die lieben Engel freun! X, Ypſilon, 2, T4ʃ jung X, Xpſilon, 2, T741 X, Ypſilon, 2, 1T21 Gaculus. A, B, C, D, Und welche Freude iſt's, Herr Je! E, F, G, I, Hört man ſich rufen erſt Papa, EDN 0, 5 14 Der Wildſchütz. Chor. A, B, C, D, E, F, G, H, I, K, L, M, R, S, I, ,. W W. W,. V. X, Vpſilon, 2, J. Gretchen. A, B, C, D, Gretchen. Daß ſich darob die lieben Eugel freun! N, O, P, W. und nett! und nett! 1N Chor. A, B, C, D, E, F, G, H, I, K, I, M, N, O, P, KR, 8, T, U, V. W. W, W, W, WI EKEREEER...E...·E........ Der Wilbſchütz. 15 Fühlt man ſchmeichelnd ſich umfangen, Von recht ungezognen Rangen, Die, erhält der liebe Gott ſie, Man erzieht nach Peſtalozzi; Welche Wonne, wenn die Frucht Dann gedeiht durch milde Zucht. (Pantomime des gelns.) Darum nehm' ich mir ein Weibchen, Führ' ein Leben, wie ein Täubchen, Sag' dem Stand der Junggeſellen nun Valet! X, VYpſ'lon, 2! Sag' dem Stand der Junggeſellen nun Valet! X, Vpſ'lon, 21 Hretchen. Ach, das wird ein Leben ſein! Baculus. Ach, das wird ein Leben ſein, Daß ſich die lieben Engel freun! X, VYpſilon, 2, T! Gretchen. Daß ſich darob die lieben Engel freun! X, 0— Z, T2ZI Chor. A, D. E, F, G, H, L, 5 892 N.5 8 U, V, W— 5 W. V 5 X, Vpſil on, 2, J21 Zweiler Ruftrikt. Die Vorigen. Ein Jäger tritt von links hinten auf und überreicht Baculus ein verſiegeltes Schreiben. Baculus(öffnet das Schreiben). Vom Herrn Grafen. Der Jäger(entfernt ſich nach links hinten). Gretchen und Chor. Vom Herrn Grafen? Vom Herrn Grafenꝰ Baculus(für ſich). Großer Gott! was mag das ſein! Sollt' er meine Jagdluſt ſtrafen? Caut und freundlich.) Sicher ladet er uns ein. 16 Der Wildſchütz. Gretchen(freudig). Ach, das iſt ſchön! Ihr all Daß morgen Da müſſen wir, das wird ihn rühren, ſein Geburtstag iſt. Ihm unterthänigſt gratulieren. Chor. Da müſſen Baculus chat inzwiſch hen geleſen und wir ihm gratulieren! zeigt ſich verlege 7 Chor. Es ſcheint, der Brief macht Euch Verdruß, Warum ſo ernſt, Herr Baculus? Baculus(ſich mit Mit Es wünſcht im Schulfach unſer Herr he ſammelnd). 'ne kleine And'rung vorzunehmen, Und darum fragt er mich um Nat. Chor. Zu viele Güte in der That! zu viele Güte! Baculus(für ſich). O O meine Lag' Zu viele Güte in der That!] Baculus(laut). Laßt, lieben Gäſte, Und geht, die Fröhlichkeit zu mehren, Chor. iſt deſperat! Hinauf in meines Nachbars Saal, Dort harrt auf euch das Abendmahl. Baculus und Grekchen eſtellen ſich zur Thür des Wi laſſen die Muſikanten und Chor. So munter meine Lage iſt deſperat! euch nicht f 1 bren shauſes und die Landleute paarweiſe eintreten). und fröhlich wie heute, Beim Tanze, beim Weine, So möchten wir, ihr lieben Leute Recht oft uns Herr Baculus, „ des Lebens freun. er ſoll leben, Denn er hat dies Feſt uns gegeben, Und möge ſein So heiter und Gretchen(wvill folgem. Baculus chält ſie zurück und führt ſie vor). Eheſtand eben⸗ fröhlich ſein! Wildſchütz. Driller Auſtritt. Gretchen, Baculus zu ihrer Linken. Baculus(ſeufzend). Grete! Gretchen. Herr Sebaſtian! Baculus(wie oben). Grete! Grete! Gretchen. Nun, was will Er denn? Baculus. Da haben wir die Paſtete! Gretchen(ſetzt ſich rechts auf die Bank). Ach, was Paſtete; nichts Feines haben wir, nicht einmal einen Wildbraten— weil Er dumm war. Baculus. Du haſt deine liebe Sippſchaft e willſt hoch traktieren und meinteſt, ohne Wi der Schmaus nicht vornehm genug— Gretchen. Nun ja, wofür heirate ich Ihn denn? Ich bin genug verſpottet worden. Das junge hübſche Gretchen ſagten die Leute und der alte häßliche Schulmeiſter— Baculus. Nu, nu— Gretchen. Ich dachte, ſpottet ihr nur! kann ich nur erſt recht traktieren, ſo ſtimmt ihr ein andres Liedchen an, und iſt vollends ein Rehbraten dabei, ſo platzt ihr alle vor Neid. Baculus. Nun bin ich denn auf dein Begehren in der Dämmerung hinausgeſchlichen und habe im Tiergarten des Herrn einen feiſten Rehbock geſchoſſen. Gretchen. Und iſt dumm geweſen, und hat ſich ertappen laſſen! Baculus. Rede nicht ſo einfältig; ich bin ja doch kein Wilddieb von Profeſſion; du hätteſt mich ſollen ſtehen ſehen mit dem Mordgewehr in der Hand. Siehſt du, ſo ſtand ich da und überlegte, ob ich losdrücken ſollte oder nicht; und das gute Tier, ſoviel ich in der Dämmerung erkennen konnte, ſtand ſo ruhig da, als ob es fragen wollte:„iſt das Nächſtenliebe?“ Pautz! da ging der Schuß los und gleich darauf ich auch, weil ich jemand kommen hörte; am Ende des Tiergartens wurde ich erwiſcht, und ich glaubte bis jetzt noch gut weggekommen zu ſein, daß ich nur die Fliute eingebüßt hatte. Gretchen. Und wo bleibt denn nun der Rehbock? Baculus. Hol' der Kuckuck den Rehbock! wenn ich nur 9 2 ngeladen, du i lobraten wäre 0 18 Der Wildſchiltz. erſt wüßte, wo der Schütze bliebe. Der gnädige Herr hat mir ſo eben in dem Schreiben ganz freundſchaftlich erklärt, daß er mich auf der Stelle meines Amtes entſetzt, und ich mich zum Teufel packen ſoll Gretchen(ſtebt auf). Aber Er will ein Studierter ſein und läßt ſich ſo leicht verblüffen. Konnte Er denn nicht ſagen, das Wild habe ihm ſeinen Acker verr wüſtet? Baculus. Mein Acker liegt doch nicht im Tiergartend Gretchen. Was will Er denn nun anfangen? Baculus. Darauf antworte du. Wer hat mich verleitet, gegen meine Grundſätze zu handeln? Greichen. Er? Grundſätze? Hahahahal! [Baculus. Na, wenn der Informator einer zügelloſen Dorfjugend, ein Pädagog, keine Grundſätze haben ſoll, wer ſoll ſie denn haben? Gretchen. Red' Er nicht ſo viel gelehrtes Zeug, ich ver— ſteh' es doch nicht.]*) Sag' Er lieber, was Er zu thun willens iſt. Baculus. Höre Gretchen— ich wüßte wohl ein Mittel— wenn du wollteſt— aber nein— wenn du auch wollte eſt, ich will nicht. Nr. 2. Duett. Gretchen(neugierig). Laß Er doch hören! laß Er doch hören! Baculus. Bei dieſem ſchlimmen Fall Hilft weiter nichts als bitten. Nur bin ich bei dem Herrn Nicht garzuwohl gelitten Wenn du nun gingſt und bäteſt Bei unſerm gnäd'gen Herrn, Das wirkte, denn er ſiehet Die hübſchen Weiber gern. Gretchen. Sieh mal an, die Pfiffigkeit Hätt' ich ihm nicht angeſehn. Weil es denn nicht anders iſt, Will ich ihm zu Liebe gehn. ) Die eingeklammerten[1 Stellen ſind bei der Aufführung zu ſtreichen. 3 Der Wildſchütz. Baculus(einen andern Gedanken faſſend). Ne, Gretchen, ſo vermehrte Am End' ſich mein Malheur, Und mir blieb von dem Bocke Nichts als das Zubehör. Gretchen. Pfui! pfui! ſchäm' Er ſich! Baculus. Ich wäre närriſch ganz und gar. Gretchen. Ich bin ihm treu auf ewig! Baculus. Bis jett noch, das iſt wahr. Gretchen. Ich werd' nach fünfzig Jahren Ihm gulh ſo treu noch ſein. Baculns. Ganz recht! nach fünfzig Jahren, Da ſtimm' ich ſelber ein. Gretchen. Ich bin ein ehrbar Mädchen Baculus. Ei, Kind, das weiß ich ja! Gretchen. Tret' Er nicht meiner Treu zu nah! Baculus. Ei, Kind, das weiß ich, das weiß ich ja! f Gretchen(ſchmeichelnd). So darf ich? Baculus. Was denn, Gretchen? Gretchen. Aufs Schloß? Baculus. Wohin? Gretchen. Aufs Schloß! Baculus(hart). Nein, du bleibſt da! Gretchen(geht ärgerlich an ihm vorüber nach links). So empfindlich mich zu kränken Und ſo argwöhniſch zu ſein! Wart', das werd' ich Ihm gedenken, Kann ich niemals Ihm verzeihn. Nun will Er mich gar bewachen! Was ſie ſagten, wird doch wahr: Glücklich kann mich niemals machen Solch verliebter alter Narr.— Baculus. Kind, ich will dich gar nicht kränken, Aber klug muß man doch ſein, Niemand wird mir das verdenken, 2** De D r Wildſchültz. 4 Freilich ſiehſt du das nicht ein. Magſt du weinen oder lachen, Deiner Tugend droht Gefahr; Wollt ich dieſe nicht bewachen, Wär' ich wohl ein ganzer Narr.— Gretchen(ſetzt ſich, das Geſicht von ihm gewendet, links auf die Bank an ihrem Hauſe und ſchluchzt). Ich armes, armes Mädchen, Wie wird es mir ergehn! Baculus(ſetzt ſich auf die andere Seite zu ihr). Gretchen(wendet ihm den Rücken zuh. Baculus. Herzallerliebſtes Gretchen, 9 Verſuchs mich anzuſehn. Gretchen. Ich will nicht! + Baculus(geht auf die andere Seite). Grelchen(wendet ihm wiederum den Rilcken). Baculus(bittend). Nur ein bißchen! Gretchen. Ich will nicht! Baculus(wie oben). So thu' es doch, Dann reich' ich dir ein Küßchen! Gretchen. Nun ja, das fehlet noch!(Sie ſteht auf.) Ich kann Ihn nicht mehr leiden, Er mag fortan mich meiden, Aus iſt es mit uns beiden, Ich will Ihn nicht mehr ſehn. Aus, aus, aus iſt's, Ich will Ihn nicht mehr ſehn! Aus, aus, aus iſt's, Er kann ſeiner Wege gehn! Gaculus. Wie! trau' ich meinen Ohren!— Denkſt du nicht mehr daran, Daß Treue du geſchworen Deinem Sebaſtian? (Sehr gerührt.) Wie kanuſt du ſo mein Herz touchieren! er Wildſchütz. Denkſt du daran, als du noch klein, Das ABC nicht konnt'ſt kapieren, Mit Sanftmut paukt' ich dir es ein. Früh ſtarben Vater dir und Mutter, Ich nahm mich der Verwaiſten an, Gab Obdach, Kleidung dir und Futter, O Gretchen, denkſt du noch daran? O Margarethe, denkſt du noch daran?— Gretchen Geſänftigt)b. Viel Dank bin ich Ihm ſchuldig, Er nahm ſich meiner an, Drum fügt' ich mich geduldig, Will nehmen Ihn zum Mann, Nur muß Er mich auch quälen Mit Eiferſucht nicht mehr. Bacnlus. Was ſoll ich dir's verhehlen, Ich liebe dich zu ſehr. Gretchen(ſchmeichelnd). Ich hab' Ihn auch lieb. Baculus(entzü Mädchen! Gretchen. Das weiß Er ja! Baculus. Ich bin dem Wahnwitz nah! f Gretchen(pfiffig). So darf ich? Baculus. Was denn, Gretchen? Gretchen. Aufs Schloß? Baculus. Wohin? Gretchen. Aufs Schloß. Baculus(hart). Nein, du bleibſt da! Grelchen(geht ärgerlich an ihm vorüber nach rechts). So empfindlich mich zu kränken Und ſo argwöhniſch ſein! Wart', das werd' ich Ihm gedenken, Kann ich niemals Ihm verzeihn. Nun will Er mich gar bewachen! Was ſie ſagten, wird doch wahr: Glücklich kaun mich niemals machen Solch verliebter alter Narr.— Der Wildſchütz. 4 Baculus. Kind, ich will dich gar nicht kränken, Aber klug muß man doch ſein; Niemand wird mir das verdenken, Freilich ſiehſt du das nicht ein. N Magſt du weinen oder lachen, Deiner Tugend droht Gefahr; Wollt' ich dieſe nicht bewachen, Wär' ich wohl ein ganzer Narr.— Grelchen(eilt rechts vorn ab). Baculus(folgt ihr). Baronin(in Männerkleidern, kommt, eine Reitpeitſche in der Hand, von lints hinten). 0 Vierter Ruftrilt. Baronin Freimann allein. Nr. 3. Arie. Auf des Lebens raſchen Wogen N Fliegt mein Schifflein ſchnell dahin, Keine Wolk' am Himmelsbogen Trübet mir den heitern Sinn; Denn mein Heute gleicht dem Geſtern, Feſſellos ſind Herz und Hand, Darum, meine trauten Schweſtern, Lob' ich mir den Witwenſtand. Mein Gemahl, Gott hab' ihn ſelig, War zuerſt ſo übel nicht, Fein, galant, jedoch allmählich Zeigt er ſich in anderm Licht. Stolz, gebietriſch, eiferſüchtig, Liebt er Pferde nur und Jagd; Darum hat die kurze Ehe Wenig Freuden mir gebracht. Auf des Lebens raſchen Wogen Fliegt mein Schifflein leicht dahin, Der Wildſchütz. 23 Keine Wolk' am Himmelsbogen Trübet mir den heitern Sinn; Denn mein Heute gleicht dem Geſtern, Feſſellos ſind Herz und Hand, Darum, meine trauten Schweſtern, Lob' ich mir den Witwenſtand. Zwar mag es im Eh'ſtand geben Oft auch hellen Sonnenſchein, Ja, bei ein'gen ſolls ein Leben Wie im Paradieſe ſein. An der Hand des liebenden Gatten Durchs Leben eilen, die Sorgen teilen So wie die Luſt, an ſeiner Bruſt Das ganze Daſein ihm nur weihn, O es muß ſchön, muß herrlich ſein! Herz, gieb dich zufrieden, ſolch' Glück wär' zu groß! Ward mir doch beſchieden ein ruhiges Los! Auf des Meeres leichten Wogen Fliegt mein Schifflein leicht dahin, Keine Wolk' am Himmelsbogen Trübet mir den heitern Sinn; Denn mein Heute gleicht dem Geſtern, Feſſellos ſind Herz und Hand. Darum, meine trauten Schweſtern. Lob' ich mir den Witwenſtand. Nanette(in Männerkleidern, kommt, mit einer Reitpeitſche in der Hand, von links hinten). Fünflir Auflrilt. Baronin Freimann, Nanette zu ihrer Linken. Kanette. Der Kutſcher hat ausgeſpannt und füttert die Pferde. Baronin. Er mag ſich Zeit nehmen, denn ich bin eut⸗ ſchloſſen, zu Fuße nach dem Schloſſe zu wandern. Uanette. Und werden wir dort unſere Mummerei ab⸗ legenꝰ Der Wildſchüßz. Baronin. Das kommt darauf an— ſobald wohl noch nicht. Nanelte. Ach, gnädige Frau, es wird nicht lange währen, ſo entdeckt man, daß wir keine Herru der Schöpfung ſind. Baronin. Geſetzt auch, man argwöhnte, ich ſei ein Frauen⸗ zimmer, ſo weiß man doch immer nicht, welches. Mein Bruder hat mich ſeit meiner Kindheit nicht geſehen. Uanette. Erwartet aber Ihre Ankunft. Baronin. Gelingt es mir nur, einen Tag ihn zu täuſchen, nur bis ich den beſtimmten Herrn Bräutigam geſehen. Uanette. Aha! Sie wollen ihn unerkannt prüfen. Baronin. Prüfen? Wozu? Die Männer gleichen ſich alle N auf ein Haar und heiraten werde ich ihn auf keinen Fall. Uanette. Ei, wenn Sie wirklich ſo feſt eutſchloſſen waren, ihn zu verſchmähen, warum blieben Sie nicht zu Hauſe und erklärten ihm ſchriftlich Ihre Willensmeinung? Baronin. Das Verlangen, meinen Bruder an ſeinem Geburtstage zu überraſchen, meine Schwägerin kennen zu lernen, und dann— ein wenig Neugier: man macht ſo viel Rühmeus von dieſem Baron Kronthal. Uanette. O wenn Sie neugierig ſind, ſo darf ich auch noch hoffeu. Warum wollen Sie auch bei Jugend, Schön⸗ heit und Reichtum ſich in den Witwenſchleier hüllen, bloß weil Ihr verſtorbener Gemahl nicht liebenswürdig war? Baronin. Nicht deswegen, ſondern weil die Männer mei⸗ nes Standes heutzutage alle nichts taugen. Uanette. Da nähme ich mir einen Bürgerlichen. Baronin. Nimmermehr! Du kennſt meine Grundſätze. [Uanette. Wenn es ſich aber einmal träfe, daß ein Bürger⸗ licher einen adligen Eindruck auf Sie machte— Baronin. Geuug davon, laß uns unuſere Wallfahrt an⸗ N treten. Uanette. Aber es wird bald dunkel, wenn wir nur den Weg nicht verfehlen— Baronin. Da kommen Leute, die wir fragen können. Gretchen(läuft von rechts vorn herbei). Baculus(kommt hinter ihr her). Der Wildſchütz. Hechſter Nuſlritt. Gretchen rechts vorn. Baculus zu ihrer Linken. Nanette links vorn. Baronin Freimann zwiſchen Baculus und Nanette. Gretchen. Laß Er mich in Ruhe; geh' Er lieber hinauf zu den Gäſten, die werden nicht wiſſen, wo wir bleiben. Baculus. Ja Grete, aber du gehſt mit. Gretchen. Nein, ich bleibe da. Baronin Cu Baculus). Lieber Mann, wem gehört dies Dorf? Baculus(kurz). Dem Grafen Eberbach! Su Grete.) Ich ſage dir, Grete— Uanette(an der Baronin vorübergehend, zu Gretchen). Iſt's noch weit bis dahin? Gretchen(an Baculus vorübergehend, zu Nanette). Eine dicke Stunde! Su Baculus.) Ich will aber nicht mit hinauf. Baronin zu Baculus). Iſt der Graf zu Hauſe? Baculus(wie oben). Weiß nicht!(Zu Gretchen.) Was ſollen die Leute denken? Uanette zu Gretchen). Iſt der Baron Kronthal ſchon ange⸗ kommen? Gretchen Kkurz). Weiß nicht!(Zu Baculus.) Mit rotge⸗ weinten Augen? Baronin(an Nanette vorübergehend, zu Aber, ihr guten Leute, was habt ihr denn?(Zu Baculus.) Wahrſchein⸗ lich ſeid Ihr unzufrieden mit Eurer Tochter Gretchen(zu Baculus). Tochter! da ſieht Er's! Baculus. Warum nicht gar, Enkel! Uanette. Der Mann doch wohl nicht gar? Baculus. Bald, zur Zeit aber noch Bräutigam. Gretchen. Ach gerechter Gott, jal Baronin. Alſo ein verliebter Streit? Gretchen. Streit? Ja, aber nicht verliebt. Kanette. Ei, worüber dennꝰ Baculus. D geht Ihm nichts an, Mosje? Naſeweis! Gretchen. Will Er wohl gleich höflich ſein gegen fremde Leute? Er iſt mir ein ſauberer Lehrer. Baronin. Der Kleidung nach habe ich wohl die Ehre— Baculus. Zu dienen. Ich bin der Schulmeiſter des Orts. Der Wildſchütz. Gretchen. Aber nicht lange mehr. Baculus. Was brauchſt du denn das fremden Leuten auf die Naſe zu binden? Baronin. Wie ſoll ich denn das verſtehen? Baculus. Nun ſieht Er— aber wer iſt Er denn eigent— lich? Baronin. Ich bin— Student. Baculus. Ah ſo— ein hübſches Kerlchen! Und der andred Baronin. Mein Stubenburſch! Gretchen. Auch ein hübſches Kerlchen! Baculus(zur Baronin). Wie lange ſtudiert Er denn ſchon? Baronin. Ein Jahr; jetzt reiſe ich nach Hauſe. Baculus. Wie? Er iſt ſchon fertig? Baronin. Allerdings. Baculus(geht an Gretchen vorüber zur Baronin). Da macht Er eine Ausnahme. Sonſt fangen ſie nach dem dritten Jahre erſt an zu ſtudieren. Er[hat mir aber ſo einen gewiſſen Ernſt in ſeinem Weſen und] kann mir vielleicht einen guten Rat erteilen; alſo, wie ſchon erwähnt, ich bin Schulmeiſter. Gretchen. Schießt aber auch Böcke. Baculus(mit einem gewichtigen Blickh. Du ſei ganz ſtille. Und da hatte ich denn das Unglück, im Tiergarten des Herrn Grafen einen Rehbock zu ſchießen. Gretchen. Und da iſt der Graf böſe geworden, und will Ihn vom Amte jagen. Bacnlus. So laß mich doch— Gretchen. Und da muß nun auf ein Mittel gedacht wer⸗ den, den Herrn Grafen zu verſöhnen. Baculus. Und da dachten wir eben— Gretchen. Ja, proſit, nichts dachten wir. Der Herr Graf ſieht nämlich die jungen hübſchen Mädchen gern— Baculus. Das heißt— Gretchen(geht an Baculus vorüber zur Baronin). Ach, ſo laſſ' Er mich doch reden! Weil nun die Leute ſagen, ich wäre jung und hübſch— Uanette. Da haben die Leute recht. Baculus. Stubenburſch! Silentium! Ranette(tritt launig einige Schritte zurüch). Gretchen. So waren wir überein gekommen, ich ſollte Der Wilbdſchütz. aufs Schloß gehen und den gnädigen Herrn um Verzeihung bitten; mir ſchlüge er gewiß nichts ab. Baculus. Weißt du das ſchon ſo 8‚ßN Gretchen. Nun will Er aber nicht, weil Er eiferſüchtig iſt. Baronin. Hat denn der Graf Eurer Wrant ſchon nach⸗ geſtellt? Zaculus. Ei, er kennt ſie noch gar nicht; wenn er ſie aber ſieht, wird die Sache gleich in Ordnung ſein; er hat ein entzündbares Herz. Saronin(für ſich). Mein Herr Bruder ſte eht in einem ſau⸗ bern Renommee. Baculus. Alſo muß auf andere Weiſe Rat geſchafft werden. [Baronin und Greichen. Aber wie? Baculus. Ich werde mich an die die Frau Gräfin wenden, die ſoll viel über den Herrn vermögen. Gretchen(zu Baculus). Die Frau Gräfin miſcht ſich nicht in dem Herrn ſeine Angelegenheiten.] Baculus und Gretchen(verhandeln leiſe miteinander). Baronin. Nanette! Nanette(kommt vor, der Baröonin zur Linken). Baronin(leiſe zu ihr). Ich habe einen köſtlichen Einfall! Du haſt recht, die Männerkl eider möchten doch Verdacht erregen. nanette(leiſe). Nun alſo? Baronin(leiſe). Gleich ſollſt du meinen Entſchluß hören. Nr. 4. Quartett. Baronin. Was meint Ihr, lieber Freund, Sollt' es mir wohl gelingen, Das Ausſehn eines hübſchen jungen Mädchens zu erringen? Zaculus und Gretchen. Ei nun, warum denn nicht? Er hat ein glatt' Geſicht. Baronin. Nun, Leutchen, wißt ihr wasꝰ Gebt mir ein Frauenkleid, Wir machen uns den Spaß, Und gehn aufs Schloß noch heut. Der Wildſchlltz. Da Ihr dem gnäd'gen Herrn Nicht ganz beſonders traut, So gebet mich dort aus Für Gretchen, Eure Braut. Ein Bräut'gam ohne Brot! Das wär' ja ewig ſchade, Ich helf' Euch aus der Not Und bitt' für Euch um Guade. Saculus und Gretchen. Ein toller Einfall iſt es zwar, Doch kann er Nutzen bringen; So ein Student, es bleibet wahr, Weiß Rat in allen Dingen. Doch wenn der Spaß mißlingt, Dann ſteht es ſchlimm, es bringt Uns deſto größern Schaden! Drum Mut gefaßt! Hoffentlich glückt der Spaß; bin ich Morgen ſind wir vielleicht ſchon geborgen. Hoffentlich glückt der Spaß!— Caronin. Ein toller Einfall iſt es zwar, Doch kann er Nutzen bringen; Vielleicht kann ſelber ich ſogar Mir Vorteil auch erringen. Wenn auch der Spaß mißlingt, Was liegt daran, es bringt Mein Anſehn ihm nicht Schaden. Drum Mut gefaßt! Hoffentlich glückt der Spaß; Morgen ſeid ihr vielleicht ſchon geborgen. Hoffentlich glückt der Spaß!— Ranette. Ein toller Einfall iſt es zwar, Doch kann er Nutzen bringen; Die gnäd'ge Frau, es bleibet wahr, Weiß Rat in allen Dingen. Der Wildſchältz. Weun auch der Spaß mißlingt Was liegt darau, es bringt Ihr Anſehn ihm nicht Schaden. Drum Mut gefaßt! Hoffentlich glückt der Spaß; Morgen iſt er vielleicht ſchon geborgen. Hoffentlich glückt der Spaß!— Bacnlus. Nun Grete, ſchnell hinein und hole deinen Staat. Gretchen. Sogleich. Ich geh' doch mit? Baculus. Ja, du wärſt gleich parat; das geht nicht. Gretchen. Ei, warum nicht? Soll ich alleine bleiben? Baronin(rroniſch). Sie kann mit meinem Freunde ſich ja die Zeit vertreiben. Baculus chitzig). Den Teufel auch! Gelegenheit macht Diebe! Grelchen. Er ſieht ſo fromm, thu' Er mir das zu Liebel Baculus. Fromm hin, fromm her! Uanette. Ihr zweifelt? Baronin. Ihr wollt nicht? Meinetwegen, So unterbleibt es.(Sie will gehen.) Baculus. Nun ja doch, ja doch, habe nichts dagegen. Gretchen Gur Baronin). So gehe ich hinein, Hol' ihm'nen Anzug ſchmuck und fein. Ganz ſchmuck und fein! ganz ſchmuck und fein! Vaculus. So geh' hinein! ſo geh' hinein! Grelchen(eilt links in ihr Haus). U Hiebenter Auflrikt. Baculus. Baronin Freimann. Nauctte. Baronin c(tritt einige Schritte zurüch). Baculus(zu Nanette). Pſt! Herr Stubenburſch, ich will Ihm etwas ſagen! Nanette(nähert ſich ihm). Baculus. Wenn Er es mir verſpricht, recht brav ſich zu betragen, Wenn Er mir das verſpricht, Der Wildſchütz. So geb' ich, daß die Zeit nicht lang Ihm wird, So'n ſiebzig Schreibebücher, die er korrigiert; Da kaun er ſich ein Weilchen amüſieren. (Für ſich mit einigen Schritten nach rechts.) Die Grete ſperr' ich ein, darauf kann ſie parieren. Uanette(wendet ſich lachend mit einigen Schritten nach links). Baronin(tritt vor). Gretchen(kommt von links aus ihrem Hauſe mit einem ihrer Anzläge 14 und nimmt ihre frühere Stellung ein). Achter Auflrill. Baculus rechts vorn. Gretchen zu ſeiner en. Nanette links vorn. Baronin Freimann zwiſchen Gretchen und Nanette Greichen. Da bin ich. Baculus(nimmt ihr den Anzug ab; zur Baronin). Junger Herr, nun komm' Er, folg' Er mir, Ich kleid' Ihn an. Baronin. Ich bitte, bleib' Er nur ruhig hier; 5 Das thue ich allein, ich bin darin ſehr eigen. Gretchen. So will ich Ihm die Oberſtube zeigen. Baculus. Warum nicht gar, das wird durch mich geſchehen. Gretchen. Ich freu' mich drauf, als Mädchen Ihn zu ſehen. Bacnlus und Gretlchen. Ein toller Einfall iſt es zwar, Doch kann er Nutzen bringen; So ein Student, es bleibet wahr, Weiß Rat in allen Dingen. Doch wenn der Spaß mißlingt, Dann ſteht es ſchlimm, es bringt Uns deſto größern Schaden! Drum Mut gefaßt! Hoffentlich glückt der Spaß; 0 6 Morgen 115 ir vielleicht ſchon geborgen. Hoffentlich glückt der Spaß! Garonin. Ein toller Einfall iſt es zwar, Doch kann er Nutzen bringen; e. Der Wildſchütz. Vielleicht kann ſelber ich ſogar Mir Vorteil auch erringen. Wenn auch pder Spaß mißlingt, ö Was liegt daran, es bringt Mein Anſehn ihm nicht Schaden. Drum Mut gefaßt! Hoffentlich glückt der Spaß; Morgen ſeid ihr vielleicht ſchon geborgen. Hoffentlich glückt der Spaß!— Ranette. Ein toller Einfall iſt es zwar, 85 kann er Nutzen bringen; ie gnäd'ge Frau, es bleibet wahr, Weifß ß Nat in allen Dingen. Wenn auch der Spaß mißlingt, Was liegt daran, es bringt Vr Anſehn ihm nicht Schaden. Drum Mut gefaßt! Hoffentlich glückt der Spaß; Morgen iſt er vielleicht ſchon geborgen. Hoffentlich glückt der Spaß!— Baronin(nach rechts ins Haus ab). Baculus(folgt ihr mit dem Anzug). Es wird nach und nach etwas dunkler.) Aeunker Ruflrikt. Gretchen, Nanette zu ihrer Linken. Uanette. Sagt mir, ſchönes Kind, iſt denn das wirklich Euer Schatz? Gretchen. Schatz?— Nein, er iſt mein Bräutigam. [.Uanette. Wie konntet Ihr Euch entſchließen, ſolch'nen alten Perückenſtock zu heiraten? Gretchen. Herr Student, das verſteht Er nicht. Wenn unſereins fünfundzwanzig Jahre alt und noch nicht unter der Haube iſt, ſo fangen die Leute an von alten Jungfern zu munkeln, und das klingt ſo häßlich, daß man denkt Der Wildſchütz. ein alter Mann iſt doch beſſer als gar keiner; außerdem hat der Herr Sebaſtian einen recht einträglichen Poſten; das Dorf iſt groß, und Kinder haben wir— ich meine unſer Dorf— Er glaubt nicht, Herr Student, wie reich geſegnet wir mit Kindern ſind. Uanette. Wann wird denn Eure Hochzeit ſein 7] Gretchen. In acht Tagen— ſoll die Hochzeit ſein. Nun denke Er ſich das Unglück, wenn der Herr Sebaſtian um ſeine Stelle käme. Uanette. Ich, meinesteils, würde darüber gar nicht böſe ſein. Gretchen. O Er garſtiger Menſch! Freundlich.) Warum dennꝰ Uanette. Weil ich mich alsdann um die Stelle bewerben würde, und— wenn mir's gelänge, auch um die Braut. Gretchen. O geh Er! Er würde einen ſaubern Schul⸗ meiſter abgeben mit ſeinem Milchgeſicht; Ihm ſpielten ja die Kinder auf der Naſe herum. Uanette. Daraus machte ich mir nichts; freilich müßte mich die Liebe dafür entſchädigen— wenn es mir daher gelänge— Sie umarmt Gretchen.) Gretchen ſſucht ſich der Umarmung zu entziehen, indem ſie an Na⸗ nette vorüber auf die andere Seite eilt). Pfui, ſchäm' Er 5 einem ehrbaren Mädchen ſolche Dinge vorzureden; laß Er mich los, ich muß hinauf zu den Gäſten, die werden gar nicht wiſſen, wo ich geblieben bin. Uanette. Aber wenn ſie fort ſind— Gretchen. Dann habe ich zu thun, ich muß Wäſche zeich⸗ nen— zu Hauſe bei mir— Mach links auf ihre Wohnung zeigend, wichtig). Ja, ja, mein lieber, junger Menſch, es giebt allerlei zu thun, wenn man ſich verheiraten will. Uanette. Kann ich Euch dabei nicht helfen? Gretchen. Na, Er wird was Schönes zeichnen. Uanette. Zwar hat mir Euer alter Schatz eine Beſchäf⸗ tigung gegeben— ich ſoll Schreibebücher korrigieren. Gretchen. Da ſieht Er, alſo iſt an Plaudern gar nicht zu denken. Uanette. Wenn ich aber mit meiner Arbeit fertig bin? Gretchen. Dann iſt es etwas anderes. Er kann ſich Der Wildſchütz. hierher(ſie zeigt nach links) ans Fenſter ſtellen und mir etwas erzählen. [Hanette. Vom gehörnten Siegfried? Gretchen. Wer war denn das? Uanette. Ohne Zweifel einer, der Siegfried hieß, und Hörner hatte. Gretchen. Iſt denn das eine ſpaßige Geſchichte? Uauette. Wenigſtens ſehr unterhaltend. Grelchen. Schön; ich höre dergleichen für mein Leben gern. Weiß Er was? Sehe Er die Schreibebücher lieber nicht nach; das iſt eine ſchrecklich langweilige Arbeit— ſetz' Er ſich hier auf die Bank und erzähl' Er mir.] Uanette. Da werd' ich nur nicht lange bleiben können, denn wenn es anfängt zu reguen— der ganze Himmel iſt umzogen— Gretchen. Nu, wenn's regnet, kann Er nicht draußen ſitzen bleiben, das verſteht ſich von ſelbſt.(Verſchämt.) Dann kann Er ein bißchen hereinkommen— aber(ernſt) daß Er ſich ordentlich aufführt, ſonſt— Baculus(kommt von rechts aus ſeinem Hauſc). Zehnler Ruſtrilt. Die Vorigen. Baculus tritt zwiſchen Nanette und Gretchen. Baculus. He! führt er ſich nicht ordentlich auf? Gretchen. Ei freilich. Ich gebe ihm nur ein bißchen gute Lehren. zarnlus. Du? Das kommt mir ganz wunderbar vor. Gu Nanette.) Geh' Er hinauf, Sein Freund verlangt nach Ihm. Nanette. rechts in des llſo auf Wiederſehen, ſchöne Braut.(Ab nach chulmeiſters Haus.) 2 Elſter Auflritt. Baculus, Gretchen zu ſeiner Linken. Baculus(Nanette nachrufend). Ja, wart' Er, ich will Ihm die Wiederſeheus-Gedanken ſchon vertreiben. — Der Wildſchütz. Gretchen. Ach, Herr Sebaſtian, das iſt ein nettes Kerlchen. . Baculus. Warum nicht gar, ſo ein unreifes Bürſchchen! er ſieht ja aus wie ein abgebrochener Bleiſtift. 9[Gretchen. Er erzählte mir die Geſchichte vom gehörnten Sebaſtian— Baculus. Was? Vom gehörnten—? Gretchen. Siegfried, wollt' ich ſagen.] + Baculus. Grete, ich ſage dir: laß mir den jungen Schnüffel . aus dem Spiele, oder ich bleibe da, und laſſe alles gehen, wie es wolle. Jetzt gehſt du hinauf zu den Gäſten, ſpäter ſperrſt du dich in deine Stube ein ſund läßt dir keine Ge⸗ ſchichten erzählen, weder gehörnte noch ungehörnte.] Gretchen. Will Er denn zu Fuße gehn? Baculus. Muß ich denn nicht? Gretchen. Ach, es iſt ja wahr, ſein Eſel— W Baculus. Nulla malheuritas solo, ſagen wir Lateiner, Unglück kommt nie allein; habe auf dem guten Tiere ſo manchen Ritt in die Nachbarſchaft vollbracht, doch ſeit eini⸗ gen Tagen muß ich per pedes wandern. MI Gretchen. Ach, der gute Eſel wird ſchon wieder kommen. Baculus. Wollen's hoffen; denn ich läugn' es nicht, wir A4 waren ein Herz und eine Seele; er war, was man ſagt, mein zweites Ich— (Das Ritornell des folgenden Muſikſtücks beginnt.) 6 Was iſt denn das für ein Geblaſe?[Kann ich denn von den Hörnern gar nicht loskommenꝰ7](er ſieht nach links hinten 4 hinaus.) So wahr ich lebe, das iſt der gnädige Herr mit ſeiner Jagdeompagnie! Gretchen(freudig zu ihm eilend)d. Der Herr Graf? Baculus(ſie zurückdrängend). Marſch hinauf, und laß dich nicht blicken, ſo lange er hier iſt. Gretchen. Ich möchte gern die Muſik hören. Baculus. Die will ich dir morgen auf der Orgel vor⸗ ſpielen. Fort! fort!(Er drängt ſie ins Wirtshaus und folgt ihr dorthin.) Baron Kronthal und Graf von Eberbach(kommen in Jagdklei⸗ dung mit Jagdgefolge, EE Bauern mit Stöcken als Treiber von links hinten). Der Wildſchütz. Zwölſter Nuftritt. 85 88 Varon Kronthal, Graf von Eberbach zu ſeiner L zurückſtehend, e Bauern hinter den J bt dort den muntern Baron, Graf, Chor. Den wilden Büchſenträger, Er zieht aus ſtillem Haus Ganz 163— 3— hinaus. Haucht Zu Zum kühlen Eichenplatz. 2 8 er * W̃ In Gold di Er Und hei——— an 0 28 — S 2. 8 +τ e hall len waldwärts wieder 5 locken ſeinen Schatz um kühlen Eichenplatz. eil ſie ihm regt die Bruſt, cht er ins Horn die Luſt! Hau Drum liebt das Horn der Jäger, Der wilde Büchſenträger, Trara! trara! trara! Sitzt ſie ihm nun zur 8 Dann haucht er Luſt und F Der Wildſchütz. Süß aus in einem Kuß, Vergißt des Hornes Gruß. Das legt er auf den Raſen, Zu ſeinen toten Haſen, Und ſchwelgt in freud'ger Luſt An ſeines Liebchens Bruſt! Da braucht kein Horn der Jäger, Der zahme Büchſenträger. Trara! trara! trara! Graf(ſpricht zu den Jägern). Eine kurze Raſt, Kinder, dann ziehen wir weiter. Erquickt euch. Die Jäger und Zauern(gehen auf ſeinen Wink ins Wirtshaus). Dreizehnter Nufkritt. Baron Kronthal ſetzt ſich rechts auf die Bank vor Baculus Haus. Graf von Eberbach zu ſeiner Linken ſtehend. Graf Gum Baron). Müde vom Jagen, Herr Bruder? Oder hat unſer Jagdlied, mit ſeinen Anſpielungen auf das Glück der Liebe, deinen Weltſchmerz wieder rege gemacht? Baron. Und wenn es ſo wäre, könnte man es mir ver⸗ argen? Du weißt— Graf, Aber, ich bitte dich, höre doch endlich auf, das alte Lied deiner unglücklichen Liebe zu ſingen!— Du hatteſt eine glückliche Idee, dich nach dem Trauerjahr!] hierher zu flüch⸗ ten; wir haben hier in der Gegend einen herrlichen Mäd⸗ chenflor; da ſuche dir aus, Herr Bruder, und geſetzt, du fändeſt keine, deren Blick dich feſſelte, nun ſo haben wir ja noch meine Schweſter, deren Ankunf. ich täglich erwarte— [welche Freude, wenn ihr euch gegenſeitig behagtet.] Schon habe ich in meinen Briefen ihr einen Wink gegeben— Baron. Das iſt mir nicht lieb. Eben um eine Gelegen⸗ heitsmacherei zu vermeiden, kam ich hierher unter dem Titel eines Stallmeiſters. Meine eigene Schweſter, deine Gattin, die das elterliche Haus verließ, als ich noch ein Kind war, ahnt nicht, daß ich ihr Bruder ſei, ja, ich habe mir ſogar erlaubt, ihr ein wenig den Hof zu machen. Der Wildſchütz. Graf. Ei, du Spitzbube, meine ehrbare Gemahlin zum Beſten zu haben? Und wie lange gedenkſt du dein Inkognito zu behaupten? Baron. Vielleicht nur bis morgen. Entweder wähle ich mir morgen eine Frau, oder ich ziehe weiter. Graf. Doch nicht, ohne meine Schweſter geſehen zu haben? Baron. Das kann ich dir nicht verſprechen. Der Ge⸗ danke, ſie ſei mir beſtimmt, macht ſie mir ſchon zuwider. Nur] meinem Herzen will ich folgen, wes Standes die Er⸗ korene auch ſei. Eraf. Und wenn nun ein Kammerkätzchen dein Herz eroberte? Baron. Gleichviel. Graf. Oder eine Bauerndirne? Baron. Einerlei. Graf. Das geſteh' ich! Ich glaube, du wärſt imſtande, bloß deiner Grille zu genügen, einem Manne die Braut oder gar die Frau abſpenſtig zu machen— Baron. Wo denkſt du hin, Herr Bruder, ich habe ſtrenge Grundſätze. Graf dächelnd). Wirklich? Baron. Du lächelſt?(Indem er ſich erhebt.) Das könnte ich dir übelnehmen. Du mußt mich nicht nach dir beur⸗ teilen. Graf. Nach mir? Baron. Allerdings. Die böſe Welt will behaupten, daß kein hübſches Mädchen vor dir ſicher ſei. Graf. Schändliche Verleumdung! Nein, Herr Bruder, auch ich habe Grundſätze. Ich verehre meine Gattin über alle Maßen— nun du weißt, wie dieſe Heirat zuſtande kam: ich war arm, ſie war reich, ich bin jung, ſie nicht mehr ganz jung, jedes hat ſeine eigene Liebhaberei, und trotz dieſer Ungleichheiten kann keine glücklichere Ehe exiſtie⸗ ren, als die unſrige. Wenn ich mir nun wirklich einmal erlaubte— (Man hört im Wirtshauſe einen Toaſt ausbringen: Vivat! Vivatl) Graf. Was Teufel iſt denn da los? Baron. Gewiß ein Feſt. Wildſchütz. Graf. Eine Hochzeit! Bruder, ſo eine Bauernhochzeit iſt mein Leben; laß uns hinein! [Baron. Ich bin verſtimmt, was ſoll ich bei den Fröh⸗ lichen? Graf. Schüttle deinen Weltſchmerz ab, thu' es mir zu Liebe. Baron. Wohl! bloß um dein Vergnügen nicht zu ſtören. Graf(führt ihn vor). Höre, es läuft doch nicht gegen unſere Grundſätze? Baron(nach kurzem Beder Ich dächte nicht. Graf(ihn unter den Arm 911 55 Nun alſo! ſich nach dem Wirtshaus.) Aber, wie es ſcheint, iſt ſchaft im Aufbruch begriffen und kommt hierher. Baron. So müſſen wir ſie hier erwarten. Graf(die Thür ein wenig öffnend). Hübſche Mädchen, hol' mich der Teufel! laß uns ein wenig beiſeite treten. Er ſucht den Baron nach links vorn hinweg zu drängen.) Der Wirt und die Landleute(kommen aus dem Wirtshaus). Baculus(ihnen das Geleit gebend, folgt; wie er den Grafen ſieht, geht er ſchnell zurück und bleibt unter der Thür des Wirtshauſes ſtehen). Vierzehnler Auſtrikt. Baculus unter der Wirtshausthür. Graf von Eberbach und Baron Krouthal links vorn. Landleute und der Wirt etwas Nr. 6. Finale. Chor. Laſſet uns nach Hauſe gehen, Nehmet unſern Dank, Herr Wirt, Alle müſſen eingeſtehen, Ganz honett hat Er traktiert. Graf(näher tretend). Guten Abend, lieben Leute! Chor. Der Herr Graf! wie, ſehn wir recht? Graf. Wie ich merke, wurde heute Hier ein Feſt gefeiert, ſprecht? Chor. Ei, ja freilich, gnäd'ger Herr! Graf(ſich nach links zum Baron wendend). Nun, gefallen dir die hübſchen Weiber, nichtꝰ— Der Wildſchütz. Baron(troniſch). Allerliebſt! Graf. Von dieſen allen Keine dir zum Herzen ſpricht? Baron(melancholiſch). Fiuſter iſt mein Sinn und trübe, Die Erinn'rung will nicht ruhn! Doch, mein Bruder, dir zu Liebe, Will ein Übriges ich thun. eht zu den Mädchen und beſch ſich 1 ſich). Warte, Schelm, ich will drauf wetten, ß dein Weltſchmerz, noch ſo groß, zald ſein Ziel gefunden hat. Baculus(iſt, während der Graf und der Baron abgewendet ſtanden, ihnen.) 2 62 zu den Landleuten herausgetreten, ihnen leiſe begreiflich machend, daß ſie ſeiner Verlobung nicht erwähnen möchten). Chor(unter ſich). Das iſt ſeltſam, in der That; Warum ſollen wir nicht ſagen, Daß das Feſt heute ihm gegolten hat? Gretchen(Eommt neugierig aus dem Wirtshaus). Fünſzehnter Auflrikt. Vaculus rechts etwas zurlückſtehend, durch Gretchen gedeckt. Gretchen zu ſeiner Linken. Graf von Eberbach links vorn. Varon Krouthal zu ſeiner Rechten. Gretchen. Iſt der gnäd'ge Herr noch da? Graf und Baron. Sieh! Sieh! ein allerliebſtes Kind! Immer näher, liebe Kleine! Baculus(halblaut). Aber Grete, Plagt dich ganz und gar der Teufel! Chor. Eiferſüchtig iſt er ohne allen Zweifel, Auf dieſe beiden da! Baculus(giebt den Landleuten abermals pantomimiſch zu verſtehen, nicht zu verraten, daß Grete ſeine Braut ſei). Graf und Baron. Dieſe Augen, dieſe Wangen Wecken Sehnſucht und Verlangen. Baron. Sprich, wie heißt du, holdes Mädchen? Der Wildſchütz. Graf. Sprich, wie heißt du, holdes Mädchen? Baron und Graf. Sprich, wie heißt du, holdes Mädchen? Sprich, wie heißt du? Baculus(winkt und droht Gretchen). Gretchen(knixend und immer ſchüchtern nach Baculus blickend). Zu Befehl, ich heiße Gretchen. Graf. Gretchen! allerliebſter Name! Baron. Ja, fürwahr, ſo rein idylliſch, Reizend, wie das ganze Weſen. Graf. Ei, Herr Bruder, wie mir ſcheint, So erwachen deine Triebe, Und der Weltſchmerz weicht. Baron. Es geſchieht nur dir zu Liebe, Darum wird mir's leicht, ganz leicht! Baculus(für ſich). O Spektakel! o Entſetzen! Wie ſie lachen, Sich an meiner Angſt ergötzen! Solche Sachen Muß erfahren auf der Welt, Der ſich mit der Liebe quält. Wie ſie lachen! Gretchen(nach Baculus hin). Er iſt wahrlich zum Ergötzen! Ich muß lachen, Mich an ſeinen Mienen letzen; Seht den Schwachen, Wie die Eiferſucht ihn quält, Kaum, daß er noch an ſich hält. O des Schwachen! Baron(für ſich). Sie iſt wahrlich zum Ergötzen! Ich muß wachen, Darf mich nicht in Glut verſetzen, Mich, den Schwachen; Denn fürwahr, nur wenig fehlt, Daß mich heiße Glut beſeelt. Ich muß wachen! Der Wilbſchütz. 41 Graf(nach dem Varon hin). Das iſt wahrlich zum Ergötzen! Ich muß lachen, Mich an ſeinen Mienen letzen; Seht den Schwachen, Der als hochgeprieſner Held Gleich der Lieb' zum Opfer fällt. O des Schwachen! Chor(unter ſich). Es iſt wahrlich zum Ergötzen! Man muß lachen, Sich an ſeinen Mienen letzen; Seht den Schwachen, Wie die Eiferſucht ihn quält, Kaum, daß er noch an ſich hält. Man muß lachen! Baronin(ommt als Landmädchen gekleidet von rechts aus Baculus Hauſe). Hechzehnter Auſttilt. Die Vorigen. Baronin Freimann nimmt die Mitte. Baronin. Seht, da bin ich. Chor. Ei, wer iſt das? Ei, wer iſt das? Eine Freundin Eurem Haus? Baron(die Baronin bemerkend). Abermals ein reizend Kind! Graf(ebenſo). Abermals ein reizend Kind! Gretchen cür ſich. Allerliebſt ſieht er doch aus! Baculus(beſorgt für ſich). Blieb er lieber doch im Haus. f Graf(auf die Baronin zeigend). Sieh die Geſtalt! Baron. Sie iſt bezaubernd. Graf. Der friſche Teint Baron. Die Roſenlippen Graf. Der Hals— Baron. Das Haar— Garon und Graf. Das Augenpaar Dieſer Adel in den Zügen Der Wildſchütz. Strafet Lügen ihren Stand.(Zur Baronin.) Mädchen, ſprich, biſt du vom Land? Baronin. Bin ein ſchlichtes Kind vom Lande, Mein Palaſt auf grüner Flur Jene Hütt' am Wieſenrande, Meine Amme die Natur. Freue mich inniglich, Wenn die muntern Herden treiben Auf der Berge luft'gen Höh'n; Auf dem Lande will ich bleiben, Auf dem Lande iſt's ſo ſchön! Hörte viel vom Glanz der Städte, Wo man lebt in Saus und Braus; Doch die Sittſamkeit, ich wette, Iſt nur ſpärlich dort zu Haus. Ach, davon viele ſchon Konnten nicht genug beſchreiben! Nein, ich mag die Stadt nicht ſehn. dem Lande will ich bleiben, Auf dem Lande iſt's ſo ſchön! Baron und Graf. Solchen Reiz, ohn' Übertreiben, Hab' ich niemals noch fhbi Baculus und Gretchen. Prächtig weiß er es zu treiben, 's iſt'ne Luſt, ihn anzuſehn. Chor. Auf dem Lande iſt's ſo ſchön! Die Jäger und die Treiber(kommen aus dem Wirtshauſe zurüch. Hiebzehnler Auflrilt. Die Vorigen. Die Jäger und die Treiber auf der linken der Nähe des Grafen. Chor der Jäger. Es läßt am Himmel ſich ein Ungewitter blicken; Befehlen der Herr Graf, daß wir den Wagen ſchicken? Graf. Vortrefflich! geht allein! Ich bleibe! 8 Saron. Du vergißt, es lud die Gräfin zur Vorleſung uns ein. e, in e Der Wildſchütz. Graf. Verwünſcht! Doch haſt du Recht. Mir Beifall zu rzielen Will heute Abend ich'mal den Soliden ſpielen. Zu den Doch morgen, morgen zu meinem Wiegenfeſte, Lad' ich euch alle ein, traktiere euch aufs beſte! Seid alle meine Gäſte! Bei Gläſerklang, bei Tanz und Geſang, Mögt ihr dann ermeſſen und nimmer verg Wie huldvoll geſinnt ſtets euer gnäd'ger Landleute und Jäger(ſich freudig bedankend). Doch morgen, morgen, zu ſeinem 2 · 5 er uns alle ein, trakieret uns aufs beſte! Wir all' ſind ſeine Gäſte! Bei Gläſer klang, bei Tanz und Geſang, Da woll'n wir ermeſſen und nimmer vergeſſen, Wie huldvoll geſinnt ſtets unſer gnäd'ger Herr. LöGaculus ézu Gretchen). Gieb nur acht, du wirſt es ſehen Mit der Liſt, ſo ſchlau und fein Wird es ganz vortrefflich gehen, Und der Herr wird mir verzeihn. Du wirſt mir dein Händchen geben, Uns winkt dann ein Götterleben, Und bald iſt verſüßt uns die erlitt'ne Pein! Gretchen für ſich). Dürft ich nur mit ihnen gehen, Auch mich dem Vergnügen weihn, Mich im Tanz mit ihnen drehen! Leider wird es anders ſein. Während ſie der Luſt ergeben, Soll ich ſtill und einſam leben, Und darf mich nicht mit andern freun. Baronin(für ſich). Dieſen Herrn, ich muß geſtehen, Flößte ſchnell ich Neigung ein; So bewundert mich zu ſehen, Darf mir ſchmeichelhaft nur ſein. Der Wildſchütz. Gar zu klar iſt ihr Beſtreben, Ihre Liebe mir zu weihn! Baron(für ſich). Ja, ich muß die Holde ſehen Und ſie ſprechen ganz allein; Weiß nicht, wie mir iſt geſchehen, Wunderbar nimmt ſie mich ein. Möglich, daß dies Mädchen eben Krönet meiner Wünſche Streben, Und mir dann verſüßt des herben Lebens Pein! Graf(für ſich). Dieſe Holde dort zu ſehen Und zu ſprechen ſie allein, Mich im Tanz mit ihr zu drehen, Soll mir eine Wonne ſein.(Zum Chor.) Eurer Wohlfahrt nur zu leben, Iſt mein Trachten, mein Beſtreben, Wird ſtets meine Sorge ſein! Chor. Laßt uns froh das Feſt begehen, Und uns ganz der Freude weihn; Alle will er uns dort ſehen, Alle finden wir uns ein. Laßt dann beim Saft der Reben Hoch, ja hoch den Herren leben Und uns ſeiner Gnade freunlJ Baculus(drängt Gretchen, welche ſich ſträubt, nach links bis zu ihrem 9 0 0 6 Hauſe und bleibt beſorgt mit ihr an der Hausthür ſtehen). Graf(ur Baronin). Du wirſt, mein ſchönes Kind, Doch auch beim Feſt erſcheinen? Baronin. Wenn es der Herr vergöunt— Graf. Ei ja, das will ich meinen. Gretchen an der früheren Stelle vermiſſend.) Wo iſt die andre Kleine, Das hübſche Mädchen, ſprecht? Auch ſie darf mir nicht fehlen. Baculus(nürriſch und halblaut). Du kämſt mir grade recht! Graf(wird dadurch aufmerkſam, wendet ſich nach links und ſieht Baculus). Rae Der Wilbſchiltz. Irr' ich mich nicht, ſo iſt dies Geſicht Des Schulmeiſters, der auch Rehböcke ſchießt. Baculus(zerknirſcht). Gnade, Herr Graf! Graf(ſtreng). Hinweg mit Ihm! Baculns. Es thut mir leid— Graf. Hinweg mit Ihm! Er kennt den Beſcheid. Baculus(wendet ſich in gedrückter Haltung nach rechts bis zur Thür ſeines Hauſes). Chor. Ei, warum zürnt der gnäd'ge Herr? Baronin(leiſe, indem ſie ſich Baculus nähert). Stell' Er mich dem Grafen vor. Baculus(betrübt). Er ſieht doch wohl, daß es nicht geht Wenn meine Braut daneben ſteht. Graf(tritt zwiſchen die Baronin und den Baron). Ihr Freunde denn auf Wiederſehen, Bei Tanz, Geſang und Spiel; Der Morgen bringet Freud' und Luſt, Vom Morgen hoff' ich viel! Baculus, Baronin, Graf. Baron, Gretchen anit Bezug). Vom Morgen, vom Morgen hoff' ich viel! Gaculus(nach Gretchen hin). Gieb nur acht, du wirſt es ſehen, Mit der Liſt, ſo ſchlau und fein Wird es ganz vortrefflich gehen, Und der Herr wird mir verzeihn. Du wirſt mir dein Händchen geben, Uns winkt dann ein Götterleben, Und bald iſt verſüßt uns die erlitt'ne Pein! Baronin(für ſich). Dieſen Herrn, ich muß geſtehen, Flößte ſchnell ich Neigung ein; So bewundert mich zu ſehen, Darf mir ſchmeichelhaft nur ſein. Gar zu klar iſt ihr Beſtreben, Ihre Liebe mir zu weihn! Graf(fur ſich). Dieſe Holde dort zu ſehen Und zu ſprechen ſie allein, Der Wildſchütz. I Mich im Tanz mit ihr zu drehen, NI Soll mir eine Wonne ſein.(Zum Chor.) Eurer Wohlfahrt nur zu leben, 8 Iſt mein Trachten, mein Beſtreben, Wird ſtets meine Sorge ſein! Baron(für ſich). Ja, ich muß die Holde ſehen Und ſie ſprechen ganz allein; Weiß nicht, wie mir iſt geſchehen, N Wunderbar nimmt ſie mich ein. 4 Möglich, daß dies Mädchen eben Krönet meiner Wünſche Streben, Und mir dann verſüßt des herben Lebens Pein! 14+ Gretchen(für ſich). Dürft ich nur mit ihnen gehen, Auch mich dem Vergnügen weihn, Mich im Tanz mit ihnen drehen! Leider wird es anders ſein. KI Während ſie der Luſt ergeben, Soll ich ſtill und einſam leben, Und darf mich nicht mit andern freun. Chor. Laßt uns froh das Feſt begehen, Und uns ganz der Freude weihn; Alle will er uns dort ſehen, Alle finden wir uns ein. Laßt dann beim Saft der Reben Hoch, ja hoch den Herren leben Und uns ſeiner Gnade freun! Graf, Baron, Jäger, Treiber(gehen links hinten ab). Die Landleute(ebenſo rechts hinten). Baculus(ſperrt Gretchen in ihr Haus). Baronin(wendet ſich nach rechts zum Hauſe des Schulmeiſters). Umzug: Graf, Baron. Der Wildſchültz. Zweiter Aufzug. 0 Hdie Mittelthü li dient als allgemei 0 ein Fenſter. In ein Billard. and das nnende kann. Rechts vorn und Fauteuils. Links vorn Fauteuil und chen Armleuchter mit Kerzen. ſind nur die i töbel angegeben; die ſonſtige Ausſtattung bleibt unben Es iſt gegen Abend. 2 ommen. Erfler Auftritt. Pancratius ſitzt vor der offenen Zimmerthür rechts, hinter ihm hat die ſämtliche Dienerſchaft des Schloſſes, Bedieute, Köche, Jäger und Mädchen Platz genommen; einige von ihnen ſind eingeſchlafen. Nr. 7. Chor. Chor und Pancratius. Nicht geplaudert! acht gegeben! Alles ſchärfe Sinn und Ohr! St! Denn es kommt in unſerm Leben So etwas nicht wieder vor. Chor. Die Frau Gräfin lieſt vortrefflich, Unnachahmlich, wunderſchön, Thränen könnte man vergießen— Schade, daß wir's nicht verſtehn! Schade! Baculus(tritt unter tiefen Verneigungen durch die Mittelthür links 48 Der Wildſchütz. Zweiler Auflritt. Die Vorigen. VBaculus an der Thür verweilend. Gräſin aus dem Zimmer rechts hörbar. Baculus Gaut). Darf ich unterthänigſt wagen Alle(drehen die Köpfe, ihm Ruhe gebietend). Nicht geplaudert! ſtille! ſtille! Gräſin(lieſt im Zimmer rechts). „Dann lernt er wohl noch weiſe zu werden im Alter!“ Pancratius(nach einer Pauſe die Zimmerthür ſchließend). Die Frau Gräfin iſt zu Ende. Gu der Dienerſchaft, die auſſteht.) Trollt euch leiſe und behende. Nun, was ſagt ihr? Nun, was meint ihr? Nun, wie iſt euch? Wie? Chor. Die Frau Gräfin lieſt vortrefflich, Unnachahmlich, wunderſchön; Thränen könnte man vergießen— Schade, daß wir's nicht verſtehn! Schade! Die Dienerſchaft(entfernt ſich, die Stühle mit ſich nehmend, durch die beiden Mittelthüren rechts und links). Drilter Auftritt. Baculus, Pancratius zu ſeiner Linken. Bacnlus(kommt vor und ſpricht). Aber was hat denn das zu bedeuten, Herr Pancratius? Weder im Hofe, noch auf der Treppe, noch im Vorzimmer eine menſchliche Seele— Pancratius. Weil alles bei der Vorleſung verſammelt war, wie närr'ſch. Baculus. Vorleſung? Pancratius. Wie ich Euch ſage, und wenn das ſo fort⸗ geht, ſo ſeid Ihr binnen kurzem gegen den Stallknecht ein Einfaltspinſel, denn bei uns muß jetzt alles gelehrt werden, wie närr'ſch. Baculus. Wie verſteh ich denn das? Pancratius. Unſre gnädige Frau Gräfin nämlich— wie denn jeder Menſch ſeine närr'ſchen Einfälle hat— will mit aller Gewalt Komödie ſpielen, wie närr'ſch. Und das wäre auch ganz hübſch, wenn ſie nur recht ſpaßige Stücke wählte, wobei man lachen Fbunte; aber ſo hat ſie ſich ganz alte Komödienbücher aus der Stadt mitgebracht, die man gar nicht verſteht, wenn ſie geleſen werden; und wenn man nicht verſteht, was die Leute wollen, kann man doch nicht lachen, und bei jeder Komödie muß doch gelacht werden, wie närr'ſch. Baculus. Je nun, mein lieber Herr Pancratius, es giebt wohl auch ernſte Komödien. Mir zum Beiſpiel hat der Graf heute eine vorgeſpielt, bei der ich eher hätte in Thränen zerfließen mögen. Pancratius. Ich weiß, ich weiß. Aber, Herr Baculus, wie iſt Er auch auf den närr'ſchen Einfall gekommen? Bacnlus. Du liler Gott, wie kommt der Menſch auf ſo manches! Meine Rangen hatten mir den Kopf warm ge⸗ macht. Um mich zu zerſtreuen, nehm' ich die Flinte, mit welcher ich ger wöhnlich nur Sperlinge zu vertilgen pflege, trete vor die Hausthür, das Gewehr geht los und die Kugel fliegt— Pancratius. Na, na, doch wohl nicht ein paar Stunden weit bis in unſern Tiergarten. Baculus. Es iſt allerdings ein vortreffliches Gewehr, aber in der Zerſtreuung mochte ich mich wohl ein wenig vom Hauſe entfernt haben. Pancratius. Und was gedenkt Ihr denn jetzt zu thun, Herr Baculus? Baculus. Seht, man ſagt: Der Herr Graf ſähe die hüb⸗ ſchen Weiber gern. Pancratins. Na— wie närr'ſch. Baculus. Da habe ich denn meine Braut mitgebracht— ſie wartet unten im Park— und die, hoffe ich, ſoll ihn herumbringen. Pancratins. So kriege ich doch 11 5 Herzliebſte bei der Gelegenheit auch einmal zu Geſicht Baculus. Und dann, was meint Ihr, ſollte denn die 4 Der Wildſchültz. Frau Gräfin[keine Gewalt über den Herrn haben und] ein gutes Wort für mich einlegen können? Pancratius. Es käme darauf an; ſie hat nur jetzt für nichts andres Sinn, als für die alte Komödie, die morgen aufgeführt werden ſoll, wie närr'ſch— da fällt mir etwas ein. Ihr ſeid doch ein Gelehrter? Baculus. J nun— ſo ein Stück davon allerdings, wenn nicht zuviel verlangt wird. Pancratius. Ich wüßte etwas, wodurch Ihr die Frau Gräfin gewinnen könntet. Baculus. Heraus damit. Pancratius. Kennt Ihr den Sophoklex? Baculus. Den Sophoklex? Pancratius. Das iſt nämlich der Poet, der die gemacht hat— vor langer Zeit—[wie der T ein kleiner Junge war,] wie närr'ſch. Baculus. So? Ich habe noch nichts von ihm gehört. Pancratius. Ich höre die Frau Gräfin.— Kommt mit hinunter, Ihr müßt mir etwas davon erzählen.(Sie wenden ſich nach links.) Baculus. Von Sophoklex? Den kenne ich ja gar nicht. Pancratius. Kommt nur mit. Baculus. Wenn ich ihn aber doch nicht kenne! Geide ab durch die Mittelthür links.) Baron(kommt von rechts). Komödie eufel noch Vierter Auflrllt. Baron Kronthal allein. Einlage. Dichtung und Kompoſition von Albert Lortzing. Baron. Jokaſte! Theben und Odip! Noch klingen mir die Ohren, Wüſt iſt mein Kopf! Hier bin ich frei, Fühl' mich wie neugeboren!— Die Bruſt durchglühet ſchneidend Ein tiefer Weltenſchmerz, Ver Wildſchiltz. Die Seele träumet leidend Und bang pulſiert das Herz! Wenn ich ein Mädchen ſehe, Die ſchon ihr Herz verſagt, Fühl' ich in ihrer Nähe, Wie mich der Weltſchmerz plagt. eures Gretchen! o Gretchen! Gretchen! Margarethe! Gretchen, ſieh mein Schmachten Dir gilt es nur allein, Denn fern von dir umnachten Mich Sorge, Qual und Pein! Bis ganz du mir ergeben, Zähl' ich den Augenblick; Verhaßt iſt mir das Leben, Stößt du mich kalt zurück! Mit ſehnendem Verlangen Schlägt nur für dich dies Her Und liebeglühend Bangen Erfüllet mich mit Schmerz. O Gretchen, laß uns teilen Der Liebe ſüßen Schmerz, Nur ſo kannſt du mich heilen Und meinen Weltenſchmerz. O Gretchen! o Gretchen! Margarethe! O Gretchen, ſieh mein Schmachten, Dir gilt es nur allein, Denn fern von dir umnachten Mich Sorge, Qual und Pein! Bis ganz du mir ergeben, Zähl' ich den Augenblick; Verhaßt iſt mir das Leben, Stößt du mich kalt zurückl Mit ſehnendem Verlangen Schlägt nur für dich dies Herz, E Der Wildſchilg. Und liebeglühend Bangen Erfüllet mich mit Schmerz. Für dich ſchlägt nur mein Herz, Schlägt nur mein armes Herzl Gräſin(kommt von rechts). JFünfter Auftrilt. Gräſin von Eberbach, Baron Krouthal, zu ihrer Linken. Dann drau unter dem Fenſter links Baronin Freimann. Gräfins). Nein, nein, Herr Stallmeiſter, Sie ſind nicht recht im klaren. Erſt nachdem Odipus König von Thebä geworden, vermählte er ſich mit Jokaſte, der Tochter des Menökeus. Baron. Sie mögen recht haben, Frau Gr entſchuldigen Sie mich, wenn ich Sie jetzt verlaſſe, eine plötz⸗ liche Migräne verhindert mich, klar zu denken. Eräfn. Ei, ei, Herr Stall meiſt er, geſtehen Sie vielmehr, daß Sie heute für die hehre Sage des griechiſchen Alter⸗ uns ganz unempfänglich ſind. Baron. Sie thun mir Unrecht, Frau Gräfin; wer bei Ihrem ſeelenvollen 9 Vortrage nicht davon Gegeiſtrt würde, müßte geiſtig und körperlich krank 125 und beides— Gräſin. Scheint bei Ihnen der Fall zu ſein.] Nun, mein geiſtig und körperlich Falller Herr Stallmeiſter, welch har⸗ tes Schickſal ruht denn auf Ihnen?[Wurden S Sie, ein zweiter Polyneikes, von den Ihrigen verſtoßen, oder ſind Sie ein troſtloſer Hämon, den Verluſt der verbundenen Braut beklagend? Varon(für ſich). Meine Frau Schweſter ſetzt mir Daum⸗ ſchrauben an; ich kann ihr doch unmöglich ſagen, daß ich mich in ein Bauerumädchen verliebt habe. Gräſin. Sie ſchweigen? Hab' ich's erraten? Baron. Schöne Gräfin, Sie martern mich. Sol hören Sie denn ein Geſtändnis, welches ſchon lange auf meinen Lippen ſchwebt. „) Wenn die Einlage des Baron unterbleibt, tritt die Gräfin ſogleich mit dem Baron auf. Gräſtu(beiſeite). Was werde ich hören? zaron. Nach manchen Stürmen des Lebens glaubte ich hier endlich unter edlen Menſchen eine Freiſtatt gefunden baben— zu meinem Unglück fand ich nicht bl 5 Edelmut — auch die höchſte Liebenswürdigkei Gräſin. Herr Stallmeiſter, Sie vergeſſen— Baron. Sie haben recht, ich bin ſtrafbar, ſund möchte mich, gleich dem Odip, ſelbſt des Augenlichts berauben, um mein Verbrechen zu büßen;z! darum vergönnen Sie mir, daß ich ſofort mich aus Ihrem Hauſe entferne. Gräſin(für f Der junge Mann ſpricht gut! Caut.) Herr Stall llmneiſter, ich ſollte Ihnen zürnen, doch[—„ver⸗ nehm' es Zeus, der ſtets Allſe hende“— ich bin kein König Laios, Sie dem Verderben Preis zu geben. 5 ron. Wie? Sie verzeihen? in.] Ihre Leidenſchaft iſt eine und ich habe lein Gedächtnis für Schwächen;[fragen Sie den delphiſchen Apollo— Ihren Verſtand— er wird Ihnen das Rechte ſagen, aber— bleiben Sie.] Baron. O Gräfin,[was muten Sie mir zuzl ich bin nur ein ſchwacher Menſch. Gräfin Geciierendl.„Vieles Gewaltige lebt, und nichts iſt gewaltiger als der Meuſchl—“ Sie ſind ein Mann von Erziehung; ich weiß das zu ſchätzen und darum habe ich Sie ausgezeichnet. Sie mögen bleiben—„nicht mit zu haſſen pfleg' ich, mit zu lieben nur.“(Sie reicht ihm die Hand zum Kuß.) Baron(ſchnell). Mit zu lieben? Gräſin. So ſagt Autigone. Sie ſollen bleiben. Baron(küßt ihr die Hand). O himmliſche Güte! wohlan, ich will verſuchen, den Kampf zu beſtehen, aber ich werde unterliegen. DLVr. 8. Puett und Kavatine. Garon. Bleiben ſoll ich und ſtets Sie ſehen, Für die mein liebend Herz erglüht! Werd' ich vor Schmerzen nicht vergehen, Wenn keine Hoffnung mir erblüht? Der Wildſchütz. Bei Gott, viel lieber ſtürzte ich, Gleich jener Sphinx, vom Felſen mich. Gräfin(für ſich). O er ſpricht gut, o er ſpricht gut, ſehr gut! Baron(für ſichh. Das Geſicht nur will ich ſehen, Wenn es ſpäter ihr wird klar— Gräfin(für ſich). O er ſpricht gut, o er ſpricht gut, ſehr gut! Baron(für ſich). Daß, der ſchmachtend ſie verehrte, Ihr leibhafter Bruder war. K Gräfin(für ſich). Doch wenn mein Gemahl es hörte, Drohte ſicher ihm Gefahr! Baron(für ſich). Daß, der ſchmachtend ſie verehrte, Ihr leibhafter Bruder war! Gräſin(für ſich). O er ſpricht gut, ſehr gut, ſehr gut! ˖M Baron(zur Gräfin). Schweigen ſoll ich, wenn bittre Leiden 1 Mir trüben den ſonſt heitern Blick, 4 Wenn dieſes Lebens ſchönſte Freuden Sich wenden ſcheu von mir zurück! Wenn dieſe Bruſt preßt ſüßes Weh, Wie Hämon um Antigone? 4 Baronin(draußen unter dem Fenſter links), 6 Auf dem Lande will ich bleiben, fU Auf dem Lande iſt's ſo ſchön! Gräfin(für ſich). O er ſpricht gut, ſehr gut! Baron. Was iſt das?(er ſtutzt und horcht erregt auf.) Gräfin(jür ſich). O er ſpricht gut! ſehr gut! Baron. Welche Stimme! Baronin(wie oben). Auf dem Lande will ich bleiben! Baron(für ſich).'s iſt der nämliche Geſang, Der von jenen ſchönen Lippen Mächtig mir zum Herzen drang! Caut.) Mich faßt der Schmerz, ich kann's nicht tragen, In Ihrer Näh' nicht ferner ſein; Den Abendlüften will ich klagen Der Wildſchütz. Meines Herzens herbe Pein. Ich kann's nicht tragen! Baronin(wie oben). Auf dem Lande iſt's ſo ſchön! Baron(nach dem Fenſter links lauſchend). Aus dem Parke erklingen die lieblichen Töne, Ja, ſie iſt es ſelbſt, die ländliche Schönel Ich will ſie ſehen, ihr Liebe geſtehen, In Wonne vergehen und ſeliger Luſt, Wenn mir es gelinget, ihr Herz zu gewinnen! Sie iſt meiner wert, ich täuſche mich nicht, Nein, nein! ich werde glücklich ſein! (Sich plötzlich wieder zur Gräfin wendend, welche ihn erſtaunt be⸗ trachtet.) Ja, den Lüften will ich klagen Meines Buſens herbe Pein. Baronin(wie oben). Auf dem Lande iſt's ſo ſchön! Baron(freudig beiſeite). Aus dem Parke erklingen die lieblichen Töne, Ja, ſie iſt es ſelbſt, die ländliche Schönel Ich will ſie ſehen, ihr Liebe geſtehen, In Wonne vergehen und ſeliger Luſt, Wenn mir es gelinget ihr Herz zu gewinnen! Sie iſt meiner wert, ich täuſche mich nicht, Nein, nein! ich werde glücklich ſein!] Gräfin“)(ſpricht). Alſo Sie bleiben? Baronin(ſingt unter dem Fenſter links draußen im Garten.) Auf dem Lande will ich bleiben, Auf dem Lande iſt's ſo ſchön! Baron(für ſich). Was iſt das? Es iſt das ſchöne Mädchen, deren Stimme mir ſo zu Herzen drang. Ich muß hin zu ihr!(Er wendet ſich zum Gehen.) Gräfin. Wohin, Herr Stallmeiſter? 8 8. ) Sprechſtelle für den Fall des geſtrichenen Duetts Nr. Der Wildſchütz. Baron. Frau Gräfin, mein Herz iſt ſo bewegt, ich muß ins Freie! Sanfte Frühlingslüfte, der Nachtigall ſchwellende Töne werden meinem Herzen Frieden und Kraft geben, das ungeheure Glück zu ertragen!(er eilt links Mitte ab.) Hechſler Ruflrill. Gräfin von Eberbach allein. Gräfin. Der junge Mann macht mir Sorge; entweder iſt er krank, oder ſeine Leidenſchaft für mich iſt wirklich der Art, daß— ſſie tritt mit einigen Schritten nach rechts vor den Spiegel rechts vorn)— warum auch nicht! Als Odipus um Jokaſte warb, zählte ſie gewiß auch bereits— ja, ja, ſo alt wie ich!(Sich im Spiegel muſternd.) Ich glaube, ich habe Ahnlichkeit mit Jokaſte; ſie muß ſehr liebenswürdig geweſen ſein!(Plötzlich ernſt.) Aber ſie beſaß auch Stolz und Grund⸗ ſätze! Als ſie die gräßliche Gewißheit vernahm, daß ihr Gatte ihr Sohn ſei, erhing ſie ſich!— Wohlan, Eleonore, Gräfin von Eberbach, ſpiegle dich an jenem erhabenen Vor⸗ bilde! Wahre deinen Stolz, deine Grundſätze, wie ſie— aber hänge dich nicht auf! Pancratius(kommt durch die Mittelthür links). Hiebenter Muſtrilt. Gräſin von Eberbach. Pancratius zu ihrer Linken. Pancratius. Frau Gräfin, ich habe unterthänigſt zu mel⸗ den, daß— Gräfin.„Was giebt es neues, hoher Greis Wo iſt mein Gemahl? Pancratinus. Der Herr Gemahl ſind auf ihrem Zimmer und liegen auf dem Kanapee, wie närr'ſch. Gräfin. Ich laſſe ihn bitten, wenn er ausgeruht, zu mir zu kommen. Pancratius. Ganz wohl, Frau Gräfin. Gräſin. Iſt für den morgenden Tag alles geordnet? Pancratius. Alles, wie närr'ſch; nur mit einem bin ich in Schwulität. Teireſias?“ Gräſin. Schwulität?„Was iſt es? Schauder faßt mich an bei dieſem Wort!“ Pancratius. Die Muſikanten, welche wir aus der Stadt verſchrieben, haben abſagen laſſen. Gräfin. O weh mir!„Giebt es wohl ein Übel, das von Odipus forterbend, uns nicht Zeus erſchuf?“ Was beginnen wir nun? Pancratius. Ich wollte Euer Gnaden eben einen unter⸗ thänigen Vorſchlag machen: mein Gevatter, der Schul⸗ meiſter Baculus, ein äußerſt gelehrter Mann iſt da. Er ſpielt das Klavier, wie närr'ſch, und würde ſich eine Ehre draus machen— Gräſiu. Das ließe ſich hören. Der Mann iſt hier? Pancratius. Im Vorzimmer, wie närr'ſch; er hat außer⸗ dem Euer Gnaden eine Bitte vorzutragen. Gräſin. So laß Er ihn eintreten. Noch eins: hat Er den Herrn Stallmeiſter geſehen? Pancratius. Er lief ſoeben in den Park hinunter, wie närr'ſch. Die Vorleſung von Euer Gnaden muß ihn ge⸗ waltig ergriffen haben. Gräſin. Meint Er? Selbſtgefällig.) Mein Vortrag iſt ergreifend, wie? Ich leſe gut! Pancratius. O wie närr'ſch—(ſich erſchrocken auf den Mund ſchlagend). Gräſin(ſtutzt). Wie? Pancratins(ſich verbeſſernd). O göttlich! erſchrecklich! Gräfin. Schon gut; herein mit dem Schulmeiſter. Pancratius erbeugt ſich und öffnet die Mittelthür links). Nur herein, Herr Baculus, die gnädige Frau will die Guade haben. Baculus(tritt ein). Pancratius(entfernt ſich durch die Mittelthür links). Gräſin. Einen Augenblick, Herr Schulmeiſter, ich bin gleich wieder hier. Ab nach rechts in ihr Zimmer.) Der Wildſchültz. Achter Auflritt. Baculus allein. Baculus. Nun, lieber Gott, bitte ich dich, laß einen armen Schulmeiſter nicht im Stich.(er zieht einen Zettel hervor.) Mein Freund Pancratius hat in der Geſchwindig⸗ keit aus dem Zimmer der Frau Gräfin das Komödienbuch wegſtibizt, und ich habe mir daraus einige Redensarten auf ein Zettelchen notiert; gebe Gott, daß ich mich damit nicht blamiere. Courage, Sebaſtian! es handelt ſich hier um Amt und Brot. Sie kommt. Aufgepaßt, und ihr gleich eine fauſtdicke Phraſe ins Geſicht geworfen. Gräſin(tritt von rechts ein). Neunter Ruftritt. Gräfin von Eberbach. Baculus zu ihrer Linken. Gräfin(im Eintreten, für ſich). Unerklärlich, ich ließ doch das Buch auf dem Tiſche liegen. Baculus chat den Zettel in ſeinen Hut gelegt und hineingeſehen, deklamierend). „Strahl der Sonne, du ſchönſtes Licht, „Das je dieſes Thebanervolks— Gräfin(erſtaunt). Was höre ich? Baculus(fortfahrend, nachdem er jedesmal in den Hut geſehen). „Siebenthoriger Stadt erſchien!“ Gräſin. Sie überraſchen mich; alſo kennen Sie dies er⸗ habene Gedicht des grauen Altertums? Baculus. Durch und durch, Euer gräflichen Gnaden, durch und durch. Gräfin(ſetzt ſich auf das Sofa rechts und giebt Baculus einen Wink zum Sitzen). O Sie entzücken mich, nehmen Sie Platz! Baculus(ſetzt ſich ſchüchtern auf der entgegengeſetzten Seite, an den Tiſch links). Wenn ich es wagen dürfte— Gräſin. Wie freut es mich, einen Lehrer vor mir zu ſehen, der die alten Meiſterwerke kennt und ſchätzt. Leider wird dieſer Zweig der Wiſſenſchaft in den Schulen ſo gänz⸗ lich vernachläſſigt. Der Wilbdſchütz. Baculus. O es iſt abſcheulich; aber ich verſichere Euer Gnaden, daß in meiner Schule— Gräſin. Wie? Sie kultivieren dieſe Wiſſenſchaft? Baculus. Tagtäglich. Morgens ABC, Nachmittags So⸗ phokles. Gräfin. O Sie ſind mir von Gott geſendet! Baculus. Wenn ich eine unterthänige Bitte— Gräſin. So ſind Sie ohne Zweifel auch vertraut mit der Einrichtung der griechiſchen Schaubühne? Baculus(beiſeiteö). O wehl Caut.) Ich habe zwar noch keine geſehen, aber doch viel davon gehöͤrt— Gräfin. Und geleſen? Baculus. Verſteht ſich, geleſen. Gräfin. Herrlich! Alſo Ihre Meinung? Ich bin näm⸗ lich wegen der Arrangements der Bühne zur Vorſtellung, welche zu Ehren des Grafen morgen Abend ſtattfindet, noch etwas in Zweifel. Stand der Altar mehr nach hiunten, oder in der Mitte der Orcheſtra? Baculus(konfus) Wo drin? Gräſin. Ich frage Sie, ob der Altar des Bacchus in der Mitte ſtand? Baculus. Wahrſcheinlich; allerdings. Ich würde ihn jeden⸗ falls in die Mitte ſetzen. Gräfin. Ganz meine Anſicht. Und— nicht wahr— drei Thüren im Hintergrunde? Baculus. Verſteht ſich, auch in die Mitte. Gräfin. Wie? Die Seitenthür auch? Baculus. Alles in die Mitte, das iſt altgriechiſch. Gräfin(beiſeitey). Der Mann iſt wirklich nicht unintereſſant. Baculus(beiſeite). Wenn ich nur erſt mit meinem An⸗ liegen zuſtande kommen könnte! Gräſin Gaut). Nun aber einen Übelſtand, wir haben kei⸗ uen Chor. Baculus. Wenn ich unterthänigſt meine Schuljugend offe⸗ rieren dürfte— Gräſin. Sie ſcherzen— Kinder! Baculus. Es befinden ſich ſchon paſſable Pflanzen dar⸗ unter. Gräſin. So ſind ihnen doch immer dieſe Chöre unbe⸗ 60 Der Wildſchültz. kannt. Wie erhebend iſt gleich der erſte:„Strahl der Sonne, du ſchönſtes Licht“ und ſo weiter! Baculus. Vielleicht ließe el ſtatt deſſen der ſchöne Choral verwenden:„Wie ſchön leucht't uns der Mor geuſtern.“ Gräſin. 555 55 wohl nicht, Gri 700 umeiſter; ich weiß keinen andern Ausweg, als das Ganze melodr rainatiſch zu ndeln. Baculus. Auch ſehr gut, ſehr zweckmäßig. Gräſin. Ich hoffe durch dieſe Vorſtellung den Grafen ganz für die griechiſche Tragödie zu gewinnen. Baculus chat in den Hut geſehen).„Dann lernt er wohl noch weiſe zu werden im Alter.“ Gräfin. Gar nicht übel! GBeiſeite.) Der Mann hat auch Witz. Baculus ebeiſeite). Ich mache meine Sache ja p (Caut.) Wenn ich es jetzt wagen dürfte, Euer Guaden Guade in Anſpruch zu nehmen, ſo— Graf(kommt durch die Mittelthür links). Zehnter Ruflrikt. Die Vorigen. Graf von Eberbach die Mitte nehmend. Nr. 9. Quintett. Graf(den Schulmeiſter erblickend, entrüſtet). Was ſeh' ich! mir aus den Augen, Dieſe Kühnheit geht zu weit! Soll ich Gewalt noch gebrauchen? Baculus(war ſofort aufgeſprungen). Ach, gnäd'ger Herr, Barmherzigkeit! Gräfin(ſich erhebend). Dieſen Mann ſo zu beleid'gen? Ich bin ſtarr! Graf. Dieſer Mann iſt nicht zu verteid'gen. Baculus(flehend). Hören Sie mich ruhig an. Graf Gur Gräfin). Er iſt ein Wilddieb! Baculus(abwehrend). O ich bitte! Gräfin(erſtaunt). Er, ein Wilddieb? Gruf. Darum eben finde ein Exempel ſtatt. r Wildſchültz. Baculus. 11 55 Menſch in ſeinem Leben 'mal'nen Bock geſchoſſen hat Gräſin(verwundert). Und mir geſtand er frei, Daß er Schulmeiſter ſei. Graf. Das iſt er auch. Baculus(nit 2 Gräfſin. Und W̃ Graf. Das iſt es, Baculus. Das iſt es, ja. Gräfin. Und Gnade er begehrt? Graf. Nein, nein, es ſoll ihm nicht gelingen, Sich Guade zu erz Drum möge Strenge walten; Mein Wort, ich werd' es halten. (Er wendet ſich nach hinten.) Gräſin(ihn beſänf Baculus(in Verzweiflung, für ſich) Meine Weisheit iſt am Ende; Helfen muß nun der Studente, Denn es ſcheint, bei dem Prozeß Hilft mir nicht der Sophokles. Fenſter links vorn und ruft nicht zu laut hinunter.) bin ich auch. Unerhört! zingen. igend, ihm nach). (Er geht ans Studente, herauf! Studente, herauf!— Denn kann der ſein Herz nicht rühren, Darf ich getroſt das Bündel ſchnüren. Graf(wieder in die Mitte vortretend). Fort! ich will nichts weiter hören, Fühle meines Willens Kraft; Mir das Jagdvergnügen ſtören, Bleibet nimmer ungeſtraft. Gräfin u ſeiner Rechten). Er will nichts von Guade hören, Allzuſehr tobt Leidenſchaft; Ihm das Jagdvergnügen ſtören, Bleibet nimmer ungeſtraft. Baculus(links in der Nähe des Fenſters). Der Wildſchltz. Er will nichts von Gnade hören, Allzuſehr tobt Leidenſchaft; Doch ich hoffe zu zerſtören Seines ſtarren Willens Kraft, Baron(kommt durch die Mitte Ithür links). Elfter Auflrikt. Die Vorigen. Baron Kronthal tritt dem Grafen zur Linken. Baron. Ich höre, daß hier oben ſich ein Streit erhoben. Man rief aus jenem Fenſter, was? konnt ich nicht verſtehn. Graf(an dem Baron vorüber nach links gehend). Man rief aus jenem Feuſter? Herr, was fällt Ihuen ein? Sie träumten wohl Geſpenſter? Baron. Ich träumte wachend, ja, ich will es eingeſtehn, Von Wünſchen, die vielleicht nie in Erfüllung gehn. Gräfin(für ſich, geſchmeichelt). Er träumt von mir, von ſeiner Schönen, Vergehet ſchier vor Liebesſehnen, Geſtehet frei, ohn' alle Scheu, Daß er verliebet ſei; Doch in wen, darf er nicht eingeſtehn. Baron(eiſeite). Ich ſprach mit ihr, der holden Schönen, Vergehe ſchier vor Liebesſehnen, Geſtände frei, ohn' alle Scheu, Daß ich verliebt aufs neu; Doch in wen, darf ich nicht eingeſtehn. Graf(beiſeite). Er träumt von ihr, der holden Schönen, Vergehet ſchier vor Liebesſehnen, Geſtehet frei, ohn' alle Scheu, Daß er verliebet ſei; Doch in wen, darf er nicht eingeſtehn. Baculus(für ſich). Wär' ich bei ihr, bei meiner Schönen! Doch nichts hilft mir mein Liebesſtöhnen, Die Schelmerei quält mich aufs neu; 63 Der Wildſchiltz. 63 Vor Angſt werd' ich dabei Noch vergehn, das darf ich eingeſtehn. Baronin(kommt durch die Mittelthür links, ein Arbeitskörbchen am Arm). Zwölſter Muftrikt. Die Vorigen. Baronin Freimann tritt ſchüchtern zwiſchen den Grafen und Baculus. Zum Schluß drei Diener. Graf. Wen ſehe ich? Baron(beiſeite). Was will ſie hier? Graf(zum Baron). Es iſt das ſchöne Kind vom Landel Gräfin(zwiſchen den Grafen und die Baronin tretend, gütig). Was willſt du, liebes Kind? Garonin(linkiſch). Ach, Sie verzeihn, Daß ich ſo frei hier trete ein; Ich komm', für meinen Bräutigam Zu bitten beim Herrn Grafen. Garon und Graf(ſchnell und erſtaunt). Du wäreſt Braut? Baronin. Ach ja, zu dienen. Gräfin(troniſch). Ei, meine Herrn, mißfällt das Ihnen? Baronin(lintiſch). Nun ſagt man von dem gnäd'gen Herrn, Er ſäh die hübſchen Mädchen gern. Gräfin. Ei, ei! Graf. Wer ſagt das? Baronin. Alle Welt! Baron. Ei, ei, wer ſagt das? Baronin. Alle Welt! Graf(werlegen für ſich). Sieh, wie mich die zum Narren hält. Garonin. Der Herr will ohne Fragen(auf Vaculus zeigend) Ihn nun vom Amte jäagen. Baron und Graf(überraſcht). Wer iſt der Bräutigam? Baronin(auf Baculus zeigend). Der! Graf(erſtaunt). Der? Garon lerſchrocken). Der? 64 Der Wildſchlltz Gräfin(verwundert). Der? Baron, Graf, Gräfin, Baronin. Der7! Baculus c(beiſeite, ſelbſtgefällig). Darüber wundern ſie ſich ſehr.. Lsaron und Graf(entrüſtet). Nein, es iſt kaum zu glauben, Das dieſes Monſtrum hier Imſtande wär', zu rauben Der Mädchen ſchönſte Zier! Und dieſe Roſenwangen, Sie ſollten vor Verlangen Für dieſen Alten glühn? Erdroſſeln möcht' ich ihn! Baronin. Sie ſcheinen nicht zu glauben, Daß dieſer Alte hier Imſtande wär, zu rauben Des Herzeus Neigung mir. Vor heinilichem Verlangen Erglühen ihre Wangen, Es möchten beide kühn Erdroſſeln lieber ihn. Gräſin. Was ſoll ich davon glauben? Die Nachricht ſcheinet mir Die Laune ſchnell zu rauben Dem Herrn Gemahle hier. Daß dieſe Roſenwangen In bräutlichem Verlangen Für einen Alten glühn— Fürwahr, das ärgert ihn. Baculns. Man ſollte es nicht glauben, Daß der Studente hier Imſtand' wär', ſo zu ſchrauben Die beiden Herren hier. Wüß't ihr, nach welchen Wangen Der Wildſchütz. Ihr traget ſolch' Verlangen So würde eure Mien' Gewaltig ſich verziehn.] Gräſin Eu Baculus). Der Herr wird gnädig ſein!— Doch habt Ihr falſch vertraut, Wenn Ihr der Meinung ſeid, Daß er Euch nur verzeiht, Weil ſchön iſt Eure Braut. Graf(beiſtimmend). Das mein' ich auch. Gräfin. Beweis, daß Ihr den Herrn nicht kennt. Baculus(ſich abereilend). Die Leute ſagten ſo, Da meinte der Student— Baron, Graf, Gräfin(verwundert). Student? Student? Baculus(ſich verbeſſerndh. Mein Vetter, wollt' ich ſagen. Baronin(unmutig zu Baculus). Schwatzt nicht ſo dummes Zeug. Schweigt lieber! Gräftn. Student? Baronin. Schweigt lieber! Gräſin. Student? Baron und Graf. Vergiften möchte ich den Alten auf der Stellel Baculus. Mein Vetter, mein Vetter! „ Gräfin(für ſich). Wie Verdruß ſich malt in ihren Zügen! Baronin(machte inzwiſchen Baculus leiſe Vorwürfe). Gräfin. Wie? Zank' Ich will nicht hoffen— Geſchwind, geſchwind, vertragt euch! Baron und Graf Gur Gräfin). Die Leute ſind betroffen! Grüſin(führt die Baronin zu Baculus). Verſöhnung! umarmt euch! Baronin. Ach, das iſt gar nicht nötig. Graf Gur Gräfin). Es ſchämen ſich die Leute. Baron(ebenſo). Ja wahrlich, ſie genieren ſich. Gaculus Guverſichtlich). Ich bin dazu erbötig. 3 5 275 Der Wildſchütz. Baron(für ſich). Boshafte Kreatur! Graf(für ſich). Mich ärgern will ſie nur. Gräfin. Ein Kuß! ein Kuß! Baronin(für ſich, verlegen). Gott, was beginn' ich nur! Gräſin gebieteriſchh. Ein Kuß! Gleich auf der Stelle! Baron und Graf(für ſich, eiferſüchtig). O wär' er in der Höllel Baculus(zur Baronin). So komm Er einmal her! Baron, Graf, Gräfin(erſtaunt). Er! Er! Was ſoll das heißen? Iſt Er verrückt? Vas ſoll zur Unzeit dieſer Scherz! Baronin lärgerlich). Der Tölpel! der Tölpel! der Tölpel! der Tölpel! Baculus(einlenkend). Ein Scherz, ein Scherz, ein Scherzl Es war ein gar unſchuld'ger Scherzl Baronin(beiſeite, ſich drein ergebend). In Gottes Namen denn, Die Augen zugedrückt! (Sie hält ihm die Wange entgegen.) Baculus(giebt ihr einen derben Kuß). Garon und Graf(entrüſtet). Nein, nein, nicht iſt zu glauben, Daß dieſes Monſtrum hier Imſtande wär', zu rauben Der Mädchen ſchönſte Zier! Und dieſe Roſenwangen, Sie ſollten vor Verlangen Für dieſen Alten glühn? Erdroſſeln möcht' ich ihn! Grüfin. Was ſoll ich davon glauben? Die Nachricht ſcheinet mir Die Laune ſchnell zu rauben Dem Herrn Gemahle hier. Daß dieſe Roſenwangen In bräutlichem Verlangen Für einen Alten glühn— Fürwahr, das ärgert ihn. Der Wildſchütz. Baronin. Sie ſcheinen nicht zu glauben, Daß dieſer Alte hier Imſtande wär, zu rauber Des Herzens Neigung mir. Vor heimlichem Verlangen Erglühen ihre Wangen, Es möchten beide kühn Erdroſſeln lieber ihn. Baculus. Man ſollte es nicht glauben, Daß der Studente hier Imſtand' wär', ſo zu ſchrauben Die beiden Herren hier. Wüßt't ihr, nach welchen Wangen Ihr traget ſolch Verlangen, So würde eure Mien' Gewaltig ſich verziehn. Drei Diener Commen durch die Mittelthür rechts). Der erſte Diener(pricht meldend). Es iſt ſerviert! Graf(reicht der Gräſin die Hand und geht mit ihr thür rechts in den Speiſeſaal ab). Baron(will folgen, beſinnt ſich und bl 8 Der erſte Diener Kolgt dem gräſlichen Paare). die Mittel⸗ Die beiden andern Diener(nehmen die Leuchter von den beiben Tiſchen und entfernen ſich damit durch die Mittelthür rech Dreizehnter Auftritt. Baron Kronthal rechts etwas zurückſtehend. Baronin Freimann in der Mitte. Baculus am Fenſter links. Baculus(beiſeite). Die Herrſchaften gehen, und ich bin wegen meiner Angelegenheit immer noͤch nicht im klaren. Baronin(beiſeite, nach dem Baron hin, mit einigen Schritten nach rechts0Q. Der Mann durchbohrt mich faſt mit ſeinen Blicken. Baron(fur ſich). Ich kann mich von dem holden Geſchöpf nicht trennen.(Laut, der Baronin zur Linken vortretend.) nes Kind, ich bedauere dich von Herzen! Baronin. Ei, warum denn das? Der Wildſchütz. [Baron. Stell' dich ſo einfältig, wie du willſt; dein Auge ſprüht Geiſt und klagt nur deine Erziehung an. Baronin. Ich verſtehe den Herrn nicht.] Baron. Bekenne es nur, du wirſt nicht glücklich mit die⸗ ſem Manne, du kaunſt nicht glücklich mit ihm werden. Baronin. Man muß ſich in ſein Schickſal finden. Baculus(beiſeite). Der beißt an; hähähä! Der wird ſich wundern! Pancratius Eommt durch die Mittelthür rechts aus dem Speiſeſaal. Vierzehnter Ruftrilt. Baronin Freimann rechts vorn. Baron Kronthal zu ihrer Linken. Baculus lints vorn. Pancratins zwiſchen dem Baron und Baculus. Pancratius. Der Herr Stallmeiſter möchten zu der Abend⸗ tafel kommen. Die Herrſchaften warten wie närr'ſch, Baron. Ich habe keinen Appetit, ich bin unwohl. Baculus. Schade, daß die Einladung nicht an mich ge⸗ richtet iſt, mein Appetit iſt grenzenlos. Pancratius. Deſto beſſer. Der Herr Graf haben be— fohlen, Ihn zu reſtaurieren; wenn es alſo gefällig iſt, mir zu folgen— Baculus. Edler Mann! So was läßt man ſich nicht zweimal ſagen.(er will gehen.) Baronin(am Baron und Pancratius vorüber zu ihm tretend). Er will mich allein laſſen? Baculus. J was, der Herr bleibt ja. Baronin(leiſe). Eben deswegen ſoll Er dableiben. Baculus(leiſe). Zier' Er ſich doch nicht.(Laut.) Ich habe Hunger, und da der Herr Graf ſo zuvorkommend iſt— Baron. Verſteht ſich, drum geh' Er getroſt; Seine Braut iſt in den beſten Händen. Baculus. Meine Braut? Ja ſo. Mir fiel eben ſein Stubenburſche ein. Baron. Was ſchwatzt Er da? Pancratius. Wer fiel Euch ein? Baronin(mit einigen Schritten nach rechts an ihre frühere Stelle). So geh' Er, aber laß Er mich nicht lange warten! Gaculus Nun, Herr Stallmeiſter, gute Unterhaltung; Der Wildſchütz. 69 meinetwegen braucht Er ſich keinen Zwang anzuthun; ich bin nicht eiferſüchtig, hähähä! Baronin und Baron(wenden ſich im Geſpräch nach hinten). Pancrattus(leiſe zu Baculus). Wie ſtehts deuu? Baculus(leiſe erwidernd). Je nun— Pancratius(ebenſo). Gut? Baculus(ebenſo). Paſſabel. Pancratius(ebenſo). Alſo Hoffnung? Saculus(ebenſo). Wie närr'ſch! hähähäl Pancratius(ebenſo). Freut mich— wie närr'ſch— hahaha! Beilde(lachend durch die Mittelthülr links ab). Fünſzehnter Auftritt. Baronin Freimann, Baron Kronthal zu ihrer Linken. Baron(ſie vorführend). Nun höre mich an, Gretchen; wir wurden vorhin geſtört. Ich bin Witwer, wohlhabend. Mit vieler Überlegung wählte ich mir eine Frau und war un⸗ glücklich. Als ſie ſtarb, wollte ich nie wieder heiraten. Ich führte Monate lang ein qualvolles Leben, der Weltſchmerz erfaßte mich und ich wollte mich bereits erſchießen— ich habe mich nicht erſchoſſen. Baronin. Das ſeh' ich. Baron. O es kann noch dahin kommen! Baronin. Das verhüte Gott! Baron. Da nun das erſte Mal Überlegung und Rück⸗ ſicht mich ſo bitter getäuſcht, ſo beſchloß ich bei der zweiten Wahl ganz ohne alle Rückſichten zu verfahren. Kurz, Gret⸗ chen, als ich dich erblickte, da lwar mir's, wenn gleich meine Augen dich zum erſtenmale ſahen— als hätte dich mein Herz ſchon längſt gekannt; mein Schmerz wurde milder, und plötzlich! ſtaud es feſt vor meiner Seele: dieſe wird mein Weib! Nr. 10. Duett. Baronin(ſich verwundert ſtellend). Ihr Weib? Baron(feurig). Mein teures Weib! Baronin(naiv). Das wäre viel Ehre Für mich, doch gehet das nicht an; Der Wildſchltz. In unſerm Dorf hat jede Frau Nicht mehr als einen Mann. Garon. Noch biſt du frei. Garonin. Nicht frei, ich bin verſprochen. Baron cheftig). Entſage jenem Band. Baronin. Das wäre Treu' gebrochen. Baron. Geſetzt, dein Bräutigam tritt dich Mir ab, wärſt du dagegen? 4 Baronin. Der Herr iſt viel zu vornehm mir. I Garon. Laß, Holde, dich bewegen! Reich bin ich auch und vornehm. 0 Baronin. Auch? Garon. Vielleicht; Doch ſoll dich das nicht blenden: Von meiner Lieb' allein— Baronin(enttäuſcht). Ach ſo— Baron. Laß mich vollenden. Von meiner heißen Lieb' allein Red' ich zu deinem Herzen. Wirſt du noch ferner grauſam ſein, Erwachen alle Schmerzen Aufs neu' in mir! Nicht trag ich mehr dies Leben; preisgegeben 5 Fühl' ich mich der Verzweiflung wieder; Ein tötend Gift oder Blei, einerlei, Gift oder Blei, was es auch ſei, Soll mir willkommen ſein, Zu enden meine Pein. Baronin(ironiſch). Ach Gott, das wär' doch Schade Um ein ſo junges Leben; Mich jammert Ihre Lage, 11A4N Doch hat es keine Not, N Vor Liebe heutzutage Schießt keiner ſich mehr tot. Wildſchütz. Beide(fur ſich). Iſt fſr; Plan, mich zu necken, abzuſchrecken? Fublt 558 wirklich Liebe, wahre Triebe? Ei, das ſonergel⸗ mir ſehr, ja wahrhaftig! Zwar gelobt' ich hoch und teuer, Mich an Hymens heil'gem Feuer Zu erwärmen nimmermehr; Doch man müßte es probieren, Und noch einmal es riskieren, Vielleicht wird ein dauernd Glück erreicht.— Baron. So zweifelſt du an meinem Wort? Baronin. Ich bitte, laſſen Sie mich fort. Baron. Sei offen, Kind, mißfall' ich dir? Baronin. Davon iſt keine Rede hier. Baron. Bin ich ſo häßlich? Baronin. Nein! Baron. Dir ganz zuwider? Baronin. Nein! Baron. Bin ich ſo häßlich? Baronin. Nein! Baron. Dir ganz zuwider? Baronin. Sie ſind ſo ernſt. Baron. Das macht der Schmerz; Soll mein Benehmen anders ſein? Baronin.'s iſt etwas wild. Garon. Das macht der Schmerz. Ich bin ein Menſch voll lauter Schmerz, Bis ich erzwungen hab ein Herz, Das mich dem Daſein wiedergiebt, Das mich verſteht, das mich liebt. Baronin(mit verſtelltem Beileid). Ich zweifle faſt, daß ich es kann, Sie armer, ſchmerzensreicher Mann. Baron(entſchloſſenz. Wohlan, du willſt nicht, daß ich lebe? 72 Der Wildſchütz. Baronin. Ach Gott, es fällt mir ja nicht ein. Baron. Wohlan, der Tod, er ende meine Pein! Er geht bis zur Mittelthür links und wendet ſich.) Ich gehe. Man hört durch das Fenſter links vorn den beginnenden und ſich nach und nach verſtärkenden Regen.) Baronin(in anſcheinender Verzweiflung). Wünſche wohl zu leben. Baron. Von Leben kann nicht Rede ſein. Baronin Groniſch). So wünſch' ich wohl zu ſterben. Baron(forſchend). Es würde wohl mein Tod dich gar erfreun? Baronin(ärgerlich). So argen Scherz zu treiben! Garon. Ein Scherz? Ein Scherzd Wohlan! nun laß ich's bleiben. Baronin(irontſch). Es wär' auch wirklich Schade 4 Um ein ſo junges Leben; Mich jammert Ihre Lage, 1UI Doch hat es keine Not, 61118 Vor Liebe heuzutage Schießt keiner ſich mehr tot! Beide(fur ſich). Iſt 15 Plan, mich zu necken, abzuſchrecken?ꝰ Fühlt ler: Herz wirklich Liebe, wahre Triebe? Ei, das ſchmeichelte mir ſehr, ja wahrhaftigl Zwar gelobt' ich hoch und teuer, Mich an Hymens heil'gem Feuer Zu erwärmen nimmermehr; Doch man müßte es probieren, Und noch einmal es riskieren, AN Vielleicht wird ein dauernd Glück erreicht. (Der Regen iſt durch das Fenſter links vorn mit voller Gewalt hörbar⸗) Baculus(kommt durch die Mittelthür links). EER i Der Wildſchütz. Sechzehnter Auftrilt. Varonin Freimann rechts vorn. Baron Kronthal Mitte, Baculus zu ſeiner Linken zurückſtehend. Baculus(im Eintreten). Das iſt ein Wetterchen draußen, wie bei der Sündflut. Wie ſollen wir denn nun nach Hauſe kommen? Baron. Eben recht. Ich habe mit Ihm zu reden, Herr Schulmeiſter.— Wer kommt? Graf(kommt durch die Mittelthür rechts). Hiebzehnler Auftritt. Die Vorigen. Graf von Eberbach tritt zwiſchen den Baron und Baculus. Graf. Was ſoll das heißen? Wir warten auf den Herrn Stallmeiſter bei Tiſche, aber wie es ſcheint, neigte ſich ſein Appetit nach etwas anderem. Baculus(beiſeite). Hähähä! die Geſchmäcker ſind verſchieden! Baron. Und wenn ich in der That Ihrer intereſſanten Unterhaltung eine noch intereſſantere vorgezogen hätte? Graf. Mit einem Bauermädchen? Sehr ſchmeichelhaft für meine Frau. Baron(leiſe zum Grafen). Herr Bruder, das Mädchen iſt bezaubernd! Graf(ebenſo). Der Meinung bin ich auch. Baron(ebenſo). Wenn du wüßteſt— Graf(ebenſo). Was denn? Baron(ebenſo). Nun ſpäter, wenn wir allein—(Er winkt Baculus und wendet ſich mit ihm nach links hinten.) Baronin(zieht ſich nach rechts hinten zurlück.) Graf(für ſich). Ich glaube, der will hier Hahn im Korbe ſein? Ja proſit! du kommſt mir gerade recht! Caut.) He, Baculus! Baculus(ſchnell vorkommend). Gräfliche Gnaden! Baron(tritt nach rechts hinten zur Baronin). Graf(zu Baculus). Meine Gemahlin hat ein gutes Wort für Ihn eingelegt, und werde ich rückſichtlich deſſen milder gegen Ihn verfahren. Der Wilbdſchültz. Baculus(halblaut). Dank, o Sophokles! Graf. Was ſagt Er? N Bacnlus. Ich ſage allzugnädig! Graf. Halt! Die Sache iſt damit noch nicht abgethan; doch da es ſpät, und der Jäger Thomas nicht anweſend iſt, ſo mag Er für heute nach Hauſe gehen; morgen wollen wir den Fall näher unterſuchen. Bacnlus. Wollen der Herr Graf nicht huldreichſt eine Droſchke kommandieren; draußen befindet ſich eine überaus feuchte Atmoſphäre. Graf. Unverſchämt ohne Gleichen! Am Ende ſoll ich I Ihn noch mit vier Pferden nach Hauſe fahren laſſen! + Baculus. Aber dieſer enorme Regen— W Graf. So mag Er im Schloſſe bleiben. UN Baculus. Ja, aber meiue Braut? Graf. Auch die, das verſteht ſich. Baculus. Meine Braut?(überlegend.) Ja ſo, die da! Graf. Die da? Hat Er mehr als eine? 14 Gaculus. Behüte, ich dachte nur— Baronin(mit welcher der Baron inzwiſchen geſprochen, zu Baculus). Geb' Er ſich doch mit dem Denken lieber gar nicht ab. 4[Graf. Sie kann— bei der Kammerjungfer ſchlafen, 4 wenn ſie will. IN Baculus. Bei der Kammerjungfer? Hähähä! I nu, mei⸗ nethalben, wenn die Kammerjungfer es zufrieden iſt. Baronin. Ach, wenn's der gnäd'ge Herr vergönnte, ſo bliebe ich gern hier im Saale. Graf(beiſeite). Deſto beſſer. Caut.) Wie es dir gefällt, mein Kind.(Zu Baculus.) So kann Er beim Verwalter ſchlafen. Baronin. Wie, ich ſoll allein hier bleiben? Baculus Gur Baronin). Na, Seine Unſchuld wird doch hier nicht in Gefahr kommen. Graf. Weſſen Unſchuld? Baculus. Ich meine den Verwalter, wenn ich— Baronin chat ſich inzwiſchen unauffällig Baculus genähert, leiſe). Entweder Er bleibt hier, oder ich verrate alles. Baculus(eiſe). Nun meinetwegen, weunn Er gar ſo zimper⸗ lich thut— Der Wilöoſchütz. Baron(zum Grafen vortretent). Ich dächte auch, es wäre dem Anſtande gemäß— Graf. Ah, der Herr Stallmeiſter auch noch da? SZu Ba⸗ culus, nach links zeigend.) Wohlan, ſo ſetz' Er ſich in jenen Lehnſtuhl.(Für ſich.) Hoffentlich ſchläft Er bald ein. Baronin(aus ihrem Arbeitskörbchen ein Striczeug nehmend). Ich ſetze mich hierher und ſtricke— o ich will mir ſchon die Zeit vertreiben!(Sie ſetzt ſich rechts zum Sofa.) Bacnlus(beiſeiteyß. Der wird einen guten Stiefel ſtricken. (Er ſetzt ſich links vorn.) Graf. Herr Stallmeiſter, ich wünſche wohl zu ſchlafen. Baron. Ich habe noch keinen Schlaf. Graf. Mir geht es eben ſo. baron. Da bleibt weiter nichts übrig, als uns gegen⸗ ſeitig zu amüſieren. Graf. Ich bin dabei. Vielleicht noch eine Partie gefällig? Baron. Ich ſtehe zu Dienſt.(Fur ſich.) Wüßt' ich ihn nur zu entfernen! Graf(ebenſo). Der Satan weicht nicht von der Stelle. Geide treten hinter das Billard, bereiten ſich zum Spiel und ſetzen die Bälle.) Baronin(beiſeite). Die Nacht ſcheint amüſant zu werden. Baculus(ein Geſangbuch aus der Taſche ziehend). Ich will den Choral für morgen noch einmal durchnehmen. Nr. 11. Guintett. Baron. Ich habe Nummro eins. Graf. Sie ſetzen aus. Baron. Doch ſind Sie mir weit überlegen. hnen vor. Graf. So geb' ich J Baron. Wie viel? Graf. Wohlan, ich gebe vierundzwanzig. Baron. Meinetwegen.(er ſtößt.) Baronin(für ſich. Ich glaube gar, man ſpielt um mich! Graf(ctößt). Baronin(für ſich). O wie will ich morgen lachen, Der Wilbdſchliltz. Denn die beiden Herren machen Sich gewaltig lächerlich. Graf, Baron geder fur ſich). Aus dem Zimmer ihn zu treiben, Um allein bei ihr zu bleiben, Ganz allein bei ihr zu bleiben, Sei mein Streben, iſt mein Plan. Baculus(ſingt mit lauter Stimme aus dem Geſangbuch). „Wach' auf, mein Herz, und ſinge!“ Garonin, Graf, Zaron czu Baculus). Welch' Gebrülle! Seid Ihr toll? Sagt, was das bedeuten ſoll? Baculus(ſich entſchuldigend). Ich glaub', es ſollte mir gelingen, Mich in ſanften Schlaf zu ſingen. 4 Graf und Baron. Schlaft, doch brüllet uns nichts vor. N Baculus. Gut, ſo leg' ich mich aufs Ohr. 4(Er legt ſich zurück und ſchläft.) Graf. Wie ſteht das Spiel? Baron. A point. Graf.& point! wohlan! CEr wil ſtoßen.) (Es klingelt im Zimmer rechts.) Graf(werbrießlich). Die Gräfin klingelt. Was will ſie noch ſo ſpät? Baron(auf den Grafen zeigend). Da würd' es doch wohl ſchicklich ſein, Daß jemand zu ihr geht. Baronin(ſchnell). Gleich will ich hin zu ihr. Graf(ſchnell). Nein, bleibe, liebes Kind. Fur ſich.) Sie blieb' am End' bei ihr. Caut.) Ich geh zu ihr geſchwind. (GBaculus rüttelnd.) He, Alter! ſchickt es ſich, zu ſchlafen Jn Gegenwart des Herrn Grafen? Der Wildſchütz. Bacnlus(ermuntert ſich). Baron(ärgerlich). Wie boshaft! Graf(zu Baculus). Hübſch die Augen klar! Baronin(far ſich. Zum Wächter ſtellt er ihn wohl gar. Graf(fur ſichh. Nun ſind ſie mind'ſtens nicht allein, Da darf er auch nicht zärtlich ſein. Ab nach rechts.) Achlzehnker Auflrikt. Die Vorigen ohne den Grafen von Eberbach. Baron(wirft das Queue aufs Billard, leidenſchaftlich zur Baronin). Laß mich nicht in Zweifel ſchweben, Denn du weißt, es gilt mein Leben, Daß du willſt dein Herz mir weihn, Mein fürs ganze Leben ſein. Graf(tritt von rechts wieder ein). Aeunzehnter Auſlrilt. Die Vorigen. Graf von Eberbach tritt wieder zum Billard. Graf. Da bin ich wieder. Baron(für ſich). Verwünſcht! Er tritt zum Villard und nimmt das Queue wieder auf.) Graf. Die Frau Gräfin möchte wiſſen, Ob ihr Reitpferd wieder wohl. Baron. Werde ihr zu Dienſten ſtehn morgen früh. Graf(ſchnel). Nein, gleich, im Augenblick. Baronin(für ſich). Aus dem Zimmer ihn zu treiben, Iſt ſein Streben nur allein. Baron(für ſich). So geh' ich, doch nicht lange Laß ich beide hier allein. Graf(für ſich). Aus dem Zimmer ihn zu treiben, Iſt mein Streben nur allein. Der Wildſchütz. Baculus(für ſich). Keine Ruhel wohl, ſo will ich In die Ohren ihnen ſchrein. Graf(zum Baron). Wie ſteht das Spiel? Baron(mit Bezug auf die Baronin). A point! Baronin(ſchelmiſch).& point! Fuür ſich.) Meine Liebe zu erringen, Dürfte endlich ihm gelingen; Dieſe Spröde zu bezwingen, Iſt ſein Streben nur allein! Schmeichelhaft, ich muß geſtehen, Iſt, ſich ſo geliebt zu ſehen, Und ich glaube, daß ſein Flehen Werde nicht vergebens ſein. Baron und Graf(für ſich). Ihre Gunſt mir zu erringen, Wird mir ſicher noch gelingen; Dieſe Spröde zu bezwingen, Streb' ich nur allein! Noch will ſie mich nicht verſtehen, Doch Geduld, wir werden ſehen, Und ich hoffe, daß mein Flehen Nicht vergebens werde ſein. Gaculus.„Wach auf, mein Herz und ſinge!“ (Für ſich). Ach, wann werd' ich endlich ſehen, Daß die Herren ſchlafen gehen? Denn bevor das nicht geſchehen, Wird kein Schlummer mich erfreun.(er ſchläft.), Baron(ab nach rechts). Zwanzigſter Ruflritt. Die Vorigen ohne den Baron Kronthal. Graf(zur Varonin tretend). Holdes Kind, willſt du nicht ſehen Mich vor Liebe gleich vergehen, Reiche, denn ich ſchmachte ſehr, Mir zum Kuß dein Mündchen her. PEE Der Wildſchlltz. 79 Baronin(verſchämt aufſtehend, ihm entſchlüpfend und zu Baculus laufend). Ach, der Herr will mich nur necken! Graf. Halt, mein Kind, was willſt du thun? Baronin(äroniſch). Meinen Bräut'gam will ich wecken. Graf. Nicht doch, laß den Alten ruhn. Garonin(wie oben). Ei was, es ſchickt ſich nicht zu ſchlafen In Gegenwart des Herren Grafen. Graf(nähert ſich ihr). Laß die Poſſen! Baronin. Soll ich ſchrei'n? Graf(dringend, ſie umarmend). Nur ein Küßchen. Baronin(ſchlüpft an ihm vort Nein, nein, nein! Baron(tritt ſchnell wieder von rechts ein). er nach rechts und ſetzt ſich dort nieder). Einundͤzwanzigſter Auflritt. Die Vorigen. Baron Kronthal tritt wieder zum Billard. Baron. Da bin ich wieder. Graf(ärgerlich zum Billard tretend). Verwünſcht! Baron. Dem Herrn Grafen hat's gefallen, In April zu ſchicken mich. Graf. Ei, es ſagte doch die Gräfin— Baron. Nein, mein Herr, Sie irrten ſich. Graf. Ei, da bitt' ich um Verzeihung, Sicher hatt' ich mich verhört. Baron. Wie ſteht das Spiel? Graf(mit Bezug, ſich den Mund wiſchend).& point! baron. A point? Baronin(ſchelmiſch).& point! Baronin, Zaron, Graf. Einer führt den andern an! Baculus(erwachend). Weil ich doch nicht ſchlafen kann, Fange ich zu ſingen an: „Wach' auf, mein Herz und ſinge!“ Für ſich). Ach, wann werd' ich endlich ſehen, Daß die Herren ſchlafen gehen? Denn bevor das nicht geſchehen, Wird kein Schlummer mich erfreun. Baronin(für ſich). Meine Liebe zu erringen, Dürfte endlich ihm gelingen; Dieſe Spröde zu bezwingen, Iſt ſein Streben nur allein! Schmeichelhaft, ich muß geſtehen, Iſt, ſich ſo geliebt zu ſehen, Und ich glaube, daß ſein Flehen Werde nicht vergebens ſein. Baron und Graf(für ſich). Ihre Gunſt mir zu erringen, Wird mir ſicher noch gelingen; Dieſe Spröde zu bezwingen, Streb' ich nur allein! Noch will ſie mich nicht verſtehen, Doch Geduld, wir werden ſehen, Und ich hoffe, daß meine Flehen Nicht vergebens werde ſein. Baron. Doch nun dächt' ich, wir beendeten Das Spiel. Was meinen Sie? Graf. Geru. Baron(für ſich). Ich geh' nicht von der Stelle. Graf(für ſich). Ich bleib' hier bis morgen früh. Beide(fangen wieder an zu ſpielen). Baronin(beiſeite). In der That, ich bin begierig, Wie ſich end'gen wird die Scene. Baculus(ärgerlich für ſich). Sie fangen wieder an! Noch keine Ruh! Mir fallen wahrlich vor Schlaf die Augen zu. Graf und Baron(ppielen weiter). Baron. Wenn nur ein Ballen mir geläng'! Graf. Sie ſpielen ohne all Deſſein. Baron. Ohne Deſſein? Da muß ich lachen. Graf(auf das Billard zeigend). Dieſer Ballen war zu machen. EN Der Wildſchütz. Baron(achend). Der gehört ja gar nicht mein. Graf. Herr, was reden Sie für Sachen? Baron. Laſſen wir das Spielen ſein. Graf(ausfallend). Sie ſind Streiter! Baron(heftig). Oder Sie! Graf. Sie! Baron. Sie! Graf. Sie! Beide. Sie! Durch das Demonſtrieren mit den Queues berllhren ſie die Lampe, der Schieber fällt herab und die Lampe verliſcht.) (Es wird dunkel.) Alle. Das iſt das Ende von dem Streit, Nun ſitzen wir in Dunkelheit. Graf(für ſich). Das iſt mir lieb! Baron(eiferſüchtig). Fataler Streich! Baronin(mißbilligend). Das geht zu weit! Baculus. Welch' tolles Zeug! Graf. Zu mir, mein Kind, ich ſuche dich! Garon. Zu mir, mein Kind, ich ſchütze dich! Baronin. Gefährlich wird es nun für mich! Baculus. Nun haſchen ſie im Dunkeln ſich! Graf(ſchlüpft mit den Worten„das iſt mir lieb“ zur Baronin; dieſe ſpringt auf, entwiſcht ihm und läuft bei Baculus vorbei, um das Billard herum, der Graf ihr nach, hinter ihm der Baron; nachdem ſich alle drei einigemal herumgejagt, jedoch ohne ſich zu faſſen, tritt die Gräfin im Negligs von rechts aus ihrem Zimmer und gerade zwiſchen den Grafen und die Baronin. Erſterer umarmt die Gräfin, in der Meinung, die Baronin erwiſcht zu haben; der Baron ſchießt vorbei und packt den ſich eben vom Stuhl erhebenden Baculus, ihn feſthaltend. Zu gleicher Zeit tritt durch die Mittelthür rechts Pancra⸗ tius mit zwei Dienern ein, die Armleuchter mit brennenden Kerzen tragen, welche ſie auf die Tiſche rechts und links ſetzen und ſich dann durch die Mittelthür rechts entfernen. (Es wird hell.) Der Wildſchüz. 8 Zweiundzwanzigſter Nuflritt. Die Vorigen. Gräfin von Eberbach. Pancratlus. Graf und Baron(ihren Irrtum erkennend, ſtehen beſchämt). Pancratius(ſpricht). Hier iſt ja ein Geſchrei wie närr'ſch! Stellung: 2 Pankratius* 0 Gräſin Graf* Baculus Baronin Varon Pancratius Gündet ſofort die 0 wieder an). Gräſin. Welch' unruhvolles Treiben! Wer ſtörte meinen Schlummer? Baron werlegen). Wir ſpielten. Graf(ebenſo). Wir ſpielten. Gräfin(roniſch). Aha! Graf. Und kamen ſehr in Rage. Baronin cherzutretend). Ich ſtrickte! Baculus. Ich nickte! N Gräfin. Ahal Graf. Das gab Carambolage. Gräſin. Das leuchtet mir ſchon ein. 04 Nur glaub' ich, daß Ihr Spiel Der holden Jungfrau viel Von ihrem Schlummer raubt; Drum ſei es ihr vergönnt, 6 Der ſüßen Ruh zu pflegen Bei mir, auf meinem Zimmer. Zum Grafen.) Sie haben nichts dagegen? Baronin(küßt der Gräſin die Hand). Baculus(ppöttiſch für ſich. Ei, ein gewagter Schritt! Jetzt nimmt ſich die Frau Gräfin Gar den Studenten mit. 049 Baronin, Gräfin(für ſich). Wie ein Schlag aus heitern Höhen Traf Mn Wort und beide ſtehen ihr. mmir. Säumen verträumen, Begier Sie beſchämet da vor Darum müſſen ohn Sie den Unmut nun Heut' ien die Darum müſſen beide ohne E Zähmen die Begier Gute Nacht! gute 2765 Ge Graf, Baron(für ſich). W Traf ihr Wort und be Wir beſchämet da vor ihr. Darum wollen ohne men Wir den Unmut nun vertr äumen, Heut bezähmen die Begier. Darum müſſen beide ohne Säumen Zähmen die Begier. Gute Nacht! gute Nacht! gute Nach Wie ein Schlag aus heiterr Traf ihr Wort und beide ſtehen Sie beſchämet da vor ihr. Beide wachten ohne Sär Auf aus ihren Liebesträumen; Wüßten ſte Beſcheid gleich Beide wachten auf aus Wüßten ſie Beſcheid gleich mir. Gute Nacht! gute Nacht! gute Nacht! Graf(begleitet die Gräfin bis zur Thür rechts). Gräfin und Baronin lentfernen ſich nach rechts Graf k(entfernt ſich durch die Mittelthür lints). Pancratius(folgt ihm mit einem Armleuchter) ein Laculus(für ſich). mir. Dreiundzwanzigſter Auflritt. Baron Kronthal, Baculus zu ſeiner Linken. Faron(anſcheinend dem Grafen folge nd und an 4 1* Wahrhaftig, lebten wir noch in fin für ſich). ihren Träumen, 0 umkehrend; Der Wildſchütz. trank gegeben.(Laut.) He! Schulmeiſter! Baculus. Noch keine Ruhe! Was beliebt? Baron. Ich habe Euch einen Vorſchlag zu machen. Wenn Ihr einwilligt, ſo geb' ich Euch mein Wort, daß Ihr nicht allein Euer Amt behalten, ſondern noch tauſend Thaler oben⸗ drein verdienen ſollt. Baculus. Ei der tauſendl wie denn das? Baron. Wollt Ihr mir Eure Braut abtreten? Baculus. Meine Braut? Ei beileibe! was will der Herr würde ich glauben, das Mädchen habe mir einen Liebes⸗ denn mit meiner Braut anfangen? Saron. Ich will ſie heiraten.[Das holde Weſen machte 4 gleich, als ich ſie in Eurem Dorfe ſah, einen tiefen Eindruck auf mich.] Baculus. Das glaub' ich wohl, aber ich habe meine Braut lieb. Baron. Sind Euch tauſend Thaler nicht noch lieber? Baculus(überlegend). Tauſend Thaler? Nein, Herr Stall⸗ I meiſter, tauſend Thaler ſind mir nicht lieber. 1 Baron. Aber zweitauſend? 1 Baculus. Zweitauſend? FFür ſich.) Potz Adam Rieſe 4 und Peſtalozzi! Gaut.) Nein, auch zweitauſend Thaler ſind mir nicht lieber. 4 Baron. Aber fünftauſend? Baculus. Fünftauſend!— Alle Wetter, Herr Stallmei⸗ ſter, wenn das Ihr Ernſt iſt, und meine Braut nichts da⸗ wider hat— Baron. Ihr müßt ſie zu überreden ſuchen. Baculus. Das wird ſchwer halten, ſie liebt mich un⸗ menſchlich, in acht Tagen ſollte ja unſre Hochzeit ſein. [Wie wär' es denn, wenn ich ſie erſt auf ein Jahr heiratete, und wir machten hernach das Geſchäft ab? Baron. Wo denkt Ihr hin! Morgen oder nie! Morgen mit dem Früheſten. Baculus. In Gottes Namen denn, ich will's verſuchen. Aber] geben Sie acht, ſie wird nicht wollen. Baron. Sie wird wollen— wir ſind ſchon halb und halb einig. Baculus. So? Das wär' der Teufel! Der Wilbſchütz. Baron. Überlegt es wohl! Mit fünftauſend Thalern könnt Ihr Euch ein ſchönes Gütchen kaufen, und Bräute giebt's ja noch genug in der Welt. Morgen mit dem Früheſten erwarte ich Euren Eutſchluß.(Er geht durch die Mittelthür links ab.) Vierundzwanzigſter Auflritt. Baculus allein. Nr. 12. Arie. Baculus. Fünftauſend Thaler! Fünftauſend Thaler! Träum' oder wach ich? Zittr' und zag' ich? Wein' oder lach' ich? Götter, was mach' ich? Wahr bleibt es ewig doch, das Glück iſt kugelrund, Vor kurzem war ich noch ein rechter Lumpenhund; Nicht ſehr viel mehr als Menſch und Chriſt, Und nun auf einmal— Kapitaliſt! Dir dank' ich, ew'ges Fatum, Jetzt meines Glückes Statum!(überlegend.) Doch wenn Gretchen, thränenvoll, Mich um Gottes willen bittet, Daß ich ſie behalten ſoll? Wenn ſie ſchmeichelt und mich ſtreichelt, Was bis jetzt noch nie geſchah; Wenn ſie jammert, mich umklammert? Lieber Gott, was mach' ich da? Sprechend.) Thun Sie mir den einz'gen Gefallen und ſagen Sie mir: was mach' ich da? Mach kurzem Bedenken.) Kann alles nicht helfen, ich ſchlage ſie los, Denn fünftauſend Thaler ſind gar zu viel Moos. Und nun heißt es, überlegen, Was fang' ich mit Gottes Segen, Mit dem Kapitale an? Soll ich ein Gelehrter bleiben? Oder's Merkantilſche treiben? Baue ich mir ein Palais? Oder werde Kneipier? D er Wildſchüt er Wildſchütz. Kaufe ich mir Staatspapiere, Oder ſchenk' ich bayer'ſche Biere? Treibe ich Okonomie, baue ich ein Tivoli? Doch warum die Zeit jetzt töten, Und mit Plänen martern mich? Habe ich erſt die Moneten, Findet ſchon das Weit're ſich. Fünftauſend Thaler! Das iſt ein Wort So voluminös, ſo nummerös So pekuniös, und ſo famös! Beſchloſſen iſt's im Weltenplan, Ich werd' ein hochberühmter Mann! Es ſauſet und brauſet, es ſumſet und brumſet, Es ſchimmert und flimmert, es krabbelt und zappelt Im Körper, vor Augen und Ohren mir. Beſchloſſen iſt's im Weltenplan, Ich werd' ein hochberühmter Mann! Er geht raſch und aufgeblaſen durch die Mittelthür links ab.) U „ Dritter Aufzug. Park am gräflichen Schloſſe, hinten durch eine Mauer mit einem Gitterthor in der Mitte geſchloſſen. Rechts über einige Stufen der Ein g in das Schloß; davor eine Laube, worin eine Bank. Lir hinten ein Pavillon. E8 Erſter Auſtritt. Graf von Eberbach kommt von rechts hinten. Nr. 13. Krie. Wie freundlich ſtrahlt die holde Morgenſonne Auf mich herab, auf dieſen Tag der Wonne! Bald naht der Dorfbewohner frohe Schar, Sie bringet Wünſche mancher Art mir dar. Wildſcheltz. „Geſundheit langes Leben“ So ſchallt's vom Mund der Gäſte! ſch' ich mir daneben Das Köſtlichſte, das Beſte! Heiterkeit und Fröhlichkei 5 Götter dieſes Lebens, zuch zu ſehen, zu erflehen, Iſt das Ziel des Strebens! O du holde Seligkeit, Die des Menſchen Herz Jubelnd ruf' ich aus, ziehe nie O holde Göttin Freude Gieb mir immer das Geleite! [Seh' ich Blumen blühen, Will's mich immer ziehen, Sie ſogleich zu pflücken, Mich damit zu ſchmücken. Ja, es bringt mir jede Sonne Neue Luſt und neue Wonnel Kommt auf meinen Wegen Etwas mir entgegen, Was die Freude ſtört, Luſt in Schmerz verkehrt, Werden ſtiller meiue 01015 Aber gleich ſing' ich doch wie Heiterkeit und Fröhlichkeit! Ihr Götter dieſes Lebens, Euch zu ſehen, zu erflehen, Iſt das Ziel des Strebens! O du holde Seligkeit, Die des Menſchen Herz erfreut Jubelnd ruf ich aus: ziehe nie hinaus! O holde Göttin Freude, Gieb mir immer das Geleite!] Hübſche Mädchen, hübſche Frauen, e 88 Der Wildſchütz. Kann ich euch nur immer ſchauen! Holde Sterne meines Lebens, Ihr ruft nie, nein, nie vergebens. Doch durch Liebe nicht allein Zieht die Freude bei mir ein. Sinkt der Abend nieder, Dann im Kreis der Brüder, Wenn Champagner winket, Wenn man jubelt, trinket, Dann ertönen meine Sänge Bei der Laute froher Klänge: Heiterkeit und Fröhlichkeit! Ihr Götter dieſes Lebens, Euch zu ſehen, zu erflehen, Iſt das Ziel des Strebens! O du hohe Seligkeit, Die des Menſchen Herz erfreut, Jubelnd ruf' ich aus: ziehe nie hinaus! O holde Göttin Freude, Gieb mir immer das Geleite! Durch Liebe, Sang und Wein, Zieht die Freude bei mir ein! Baron(kommt von links hinten). Zweiter Nuftrilt. Graf von Eberbach, Baron Kronthal zu ſeiner Linken. Baron(ſpricht). Sieh da, der Herr Grafr— Graf. Ah— der Herr Stallmeiſter— Baron. Auch ſchon aus den Federn? Graf. Ich— botaniſiere, und Sie? Baron. Ich— botaniſiere auch. Graf(lachend). Ja, du ſiehſt mir auch aus, wie lauter Botanik. Die Wahrheit zu ſagen, Herr Bruder, du ſiehſt recht kläglich aus. Baron. Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugethan. FPEEEEE Der Wildſchiltz. Eraf. Wohl aus Arger, weil ich dir geſtern nicht das Feld überlaſſen wollte? O du ſpielteſt in deiner Verliebt⸗ heit eine äußerſt komiſche Figur. Baron. Komiſch oder nicht, ſo viel iſt gewiß, daß mich dein Betragen gegen das junge Mädchen empörte. Graf. Mein Betragen? Was ſoll das heißen? Baron. Ich hoffe, jede andere Erklärung werde überflüſſig ſein, wenn ich dir ſage, daß ich Gretchen zu meiner Gattin erwählt habe. Graf. Zu deiner Gattin?[Hahaha! Baron pitiert). Herr Bruder, ich verbitte mir dies Lachen. Graf. Die Sache iſt allerdings eher zum Weinen.— Sei geſcheit, Herr Bruder, das Mädchen iſt ja verſprochen. Baron. Ich ſchmeichle mir, alle Hinderniſſe beſeitigen zu können. Graf. Alſo es wäre wirklich dein Ernſt? Baron. Mein völliger Ernſt. Graf. Und meine Schweſter— Baron. Die wird ſchon einen Mann finden. Graf. Das Urteil der Welt— Baron. Mein Glück gilt mehr. Graf. Eben deswegen; und] weißt du denn ſchon, ob das Mädchen deiner wert, ob ſie dich liebt? Baron. Nein, Bruder, das weiß ich eben noch nicht. Aber— [Graf. Na, alſo— Baron. Sie hält noch zurück, ſie will mich prüfen, ſich an meinem Schmerz weiden.] Willſt du mir einen Ge⸗ fallen thun? Graf. Was denn? Baron. Ich will ſie hier erwarten. Verlaß mich. Graf. Gern.(Einige Schritte zurücktretend und nach links hinten hinausſehend.) Aber du wirſt geſtört werden, es kommen Leute. Baron(nach rechts vorn zur Laube gehend). Sie werden vor⸗ überziehen. Graf. Eine Garnitur allerliebſter Mädchen. Baron(ſich ſchnel wendend). Wahrhaftig?(er faßt ſich.) Mir ſehr egal!(er ſetzt ſich in die Laube.) 90 Der Wilbdſchlltz. Graf. Denen muß ich guten Morgen wünſchen. auch in die Laube.) Baron. Was willſt du denn hier? Graf. Dableiben. Baron. Aber du wollteſt ja— Graf(an ſeiner Rechten Platz nehmend). Wir haben doch beide Platz. Er geht Dritter Auflritt. Die Vorigen in der Laube. Junge Mädchen aus dem Dorfe, geſck und Guirlanden tragend, kommen von links Mitte durch das G Nr. 14. Enſemble. Chor. Um die Laube zu ſchmücken zu Freude und Glanz, Eilet Blumen zu pflücken und windet den Kranz. Ach, wir möchten gern dem Herrn es ſagen, Daß im Herzen wir ihn alle tragen. Wenn ſein Aug' auf einem ruht, Vird ein'm ſo wonnig, wird ein'm ſo gut. Ganz apart iſt ſeine Art und ſeine Weiſe. Um die Laube zu ſchmücken zu Freude und Glanz, Eilet Blumen zu pflücken und windet den Kranz. Unſer Beſtreben iſt nur allein, Für ſo viel Güte dankbar zu ſein. Die Mädchen(wenden ſich nach der Laube und werfen, als ſie den Gra⸗ fen erblicken, mit einem Schrei ihre Guirlanden weg und wollen 1 davonlaufen). Graf(wertritt ihnen den Weg). Halt! Ihr ſchönen Kinder! IEN Mädchen. Der gnäd'ge Herr! Graf. Für ſo viel edle Denkungsart Werde nicht der Dank geſpart. Mädchen. Wir ſchämen uns. Graf. Ei, warum ſchämen? Mädchen. Sie könnten übel es wohl nehmen. Graf. Mit nichten, meine Kinder! Nichts kann den Herrſcher wohl mehr erfreun, Als vom Volle ſo geliebt zu ſein. Der Wildſchütz. Und zum Beweiſe meiner Huld Gelob' ich heut, bei Feſtes Glanz Jede zu führen zum frohen Tanz. Ja, heut' führ' ich jede zum frohen Tanz. Baron(für ſich). Der freud'ge Lärm mehrt meine Pein! Graf. Das ſoll'ne wahre Freude ſein! Mädchen(für ſich). Er tanzt mit uns! ach, das wird herrlich ſeinl Graf. Ihr könnt doch tanzen? Mädchen(nit einem Knix). Ich tanze gut! Andere(ebenſo). Ich tanze beſſer! Andere e(ſich vordrängend, ebenſo). Auch ich! auch ich! Graf. Was nicht der Ehrgeiz thut! Wohlan, ihr holden Mädchen, Laßt ein Pröbchen mich ſehn. Mädchen(drängen ſich an ihn.) Sogleich, mit tauſend Freuden, Der Herr muß es verſtehn. Graf. Nicht all' auf einmal!'s wird beſſer ſein, Ich tanz' mit jeder zuerſt allein. Klädchen(unter ſich). 's wird beſſer ſein, es tanzet jede mit ihm allein. Graf(valzt abwechſelnd mit einigen). Die Andern(ſammeln ſich, die Köpfe zuſammenſteckend und unter ſich läſternd). Die glaubt nun gleich, daß ſie allein gefällt. Wie ſie ſich ziert, wie ſie die Beine ſtellt. Seht doch nur hin, es iſt zu lächerlich! Da tanze ich doch etwas beſſer, ich. Baron(in der Laube, für ſich). Wie pocht mein armes Herz! Könnt' ich betäuben dieſen Schmerzl Vor Sehnſucht und Verlangen pocht mein Herzl Die Andern. Seht nur hin, wir tanzen beſſer, viel beſſer! Ach Gott, wie lächerlich! ach Gott, wie lächerlich! Baron(erhebt ſich, für ſich. O welche Qual. Schmerzerfüllt Muß ich einſam hier ſtehn, Darf nicht im Tanze mit ihnen mich drehn. Graf. Herrlich! prächtig! wunderſchön I Der Wildſchütz. Wißt ihr im Tanze euch zu drehn.— Gum Baron.) Gefällt dir dieſes Treiben? Wie kannſt du ruhig bleiben? Einige Rädchen(unter ſich ſtreitend). Ich tanz' am beſten, hat er geſagt. Andere(ebenſo). Nein ich, hat er geſagt! Alle(den Grafen umringend). Wer tanzt am beſten? Graf. Jede gut auf ihre Art. Noch kann beſtimmt ich nicht entſcheiden, Da an der Reih' ihr all' nicht wart. Die Mädchen(drängen ſich vor). Jetzt komm ich! jetzt komm ich! jetzt komm ich! Graf. Nicht all' auf einmal! nicht all' auf einmal! (Er beginnt wieder zu tanzen.) Baron(für ſich). O dieſe Qual, das Herz mir bricht! Ich ertrag' es länger nicht; eine innre Stimme ſpricht: Aus Verzweiflung ergieb dich den Scherzen, Betäube die Schmerzen! (Er kann ſich nicht länger halten, ergreift ein Mädchen und walzt mit ihr.) Graf(hat indeſſen mit ſeinen Tänzerinnen mehreremale gewechſelt). Die Kädchen(können ſich auch nicht länger halten und walzen mit⸗ einander). Gräfin(tritt plötzlich, von rechts aus dem Schloſſe kommend, unter ſie). Die Mädchen(laufen ſchreiend durch das Gitterthor nach links Mitte davon). Vierter Ruſtritt. Graf von Eberbach rechts. Gräfin von Eberbach Mitte, Baron Kronthal zu ihrer Linken. Graf und Baron(ſtehen in großer Verlegenheit da). Gräſin.(„Von dieſen Mädchen, glaub' ich, ward die eine jetzt ſiunlos, die anderen waren's ſchon vor Anbeginn.“] Nicht übel, meine Herren, ich wähnte beide noch in Momus Armen, und finde ſie, wo korykiſche Mädchen froh der Bacchen Tauz begehen.(Sie geht am Grafen vorüber nach rechts). Der Wilbſchütz. 93 Graf(ſich faſſend). Verzeihe, liebes Kind, ich wollte dich berraſchen. Gräfin. In der That, das iſt Ihnen gelungen. Baron. Allerdings, wir wollten— Gräfin.„Sie ſchweigen, eh' mich Ihre Rede ganz mit Zorn erfüllt.“ Graf. Ich weiß, du liebſt die Bilder in Teniers Manier— Baron. Da probierten wir eine Scene— Graf. Bloß aus Liebe zur niederländiſchen Schule— Gräfin. Ich will für diesmal das Märchen glauben, Herr Gemahl, verbitte mir jedoch die Vorſtellung dieſer nieder⸗ ländiſchen Scene, da ſchon die Probe mich nicht beſonders enchantiert hat. Reichen Sie mir Ihren Arm, das Früh⸗ ſtück erwartet uns auf der Terraſſe. Pancratius(kommt von rechts Mitte durch das Gitterthor). Fünſter Ruſtritt. Die Vorigen. Pancratius dem Baron zur Linken tretend. Pancratius. Der Schulmeiſter Baculus wünſcht den Herrn Stallmeiſter zu ſprechen.(Leiſe zu ihm.) Er läßt Ihnen ſagen, er hätte ſie bei ſich, wie närr'ſch. Baron(für ſich). Mein Gott! Graf. Begleiten Sie uns zum Frühſtück, Herr Stall⸗ meiſter? Baron. Ich erfahre ſoeben— Graf(leiſe zu ihm). Geh' mit, ich bitte dich. Baron. Sie haben zu befehlen. Zu Pancratius.) Er ſoll mich hier erwarten. Graf, Gräſin und Baron(gehen nach rechts in das Schloß ab). Pancratius(die Guirlanden und Blumen aufraffend). Was iſt denn hier geſchehen? Die Blumen liegen ja herum, wie närr'ſch.(Durch das Gitterthor nach rechts Mitte rufend.) Nur näher, Herr Gevatter, der Herr Stallmeiſter werden gleich erſcheinen.(Er gebt nach rechts in das Schloß ab.) Baculus und Gretchen(kommen von rechts Mitte durch das Gitterthor). Wildſch Sechſler Auftritt. Baculus, Gretchen zu ſeiner Linken. Gretchen(wvorauslaufend). Und nun laſſ' Er mich in Ruhe! Er iſt und bleibt ein eiferſüchtiger Narr! Baculus. Ein Narr war ich, ſo lange ich trug, dich zur Frau nehmen zu wollen; ſucht, da iſt's Matthäi am letzten. Gretchen. Nun, Gott ſei Dank! Baculus. Du haſt f für weiter nichts zu danken, als daß ich dir nicht auf der Stelle den Hals umgedreht habe. Gretchen. Wer Ihn ſo reden hörte, ſollte glauben, es wäre was Eutſetzliches geſchehen. den Gedanken aber mit der Eifer⸗ [Baculus. Es iſt auch was Entſetzliches geſchehen, du Kreuzſpinne, du! Gretchen. Das iſt nicht wahr, nichts iſt geſchehen, aber Er macht gar zu gern Lärmen um Nich ts.] Baculus. Nun höre ein Menſch dieſen Tugendſpi komme bei ſtockfinſterer Nacht nach Hauſe, denle: der Herr Stubenburſch wird wohl noch über den Schreibbüchern ſitzen, aber proſit die Mahl geit! er iſt im ganzen Hauſe nicht zu finden. Iſt das Nichts? Gretchen. Das war t0iß Nichts. Baculus. Ich denke, du mußt doch deinem Gretchen eine gute Nacht wünſchen, gehe hinüber, trete in ihre Stube; wer ſitzt mit ihr auf dem alten ledernen Diwan, im trauten Geſpräche begriffen? [Gretchen. Das war wieder Nichts. Baculus. Der Teufel auch war das Nichts; das waren zwei mir ſehr fatale Etwaſſe. Sind das deine Grundſätz Iſt das die Treue, mit der du noch geſtern prahlteſt? Gretchen. Meine Treue iſt unverletzt, ich kann's be⸗ ſchwören—(weinend) Er aber bringt mich ins Geſchrei um Nichts und wieder Nichts, wegen eines Menſchen, der noch ein pures Kind iſt. Baculus. Das pure Kind trug, als ich es viſierte, lauter Mordinſtrumente bei ſich, Scheren, Nähnadeln, Nadel⸗ büchſen; wer weiß, was der im Schilde führt, die Orts⸗ behörde wird ihn ſchon abfaſſen. 218 4 957 Der Wilbdſchältz. ³⁰ Gretchen. Sei Er froh, wenn ſie Ihn nicht faßt. Baculus. Schweig, angehende Potiphar! In einen Sack würde ich dich ſtecken und in den Mühlbach werfen, wenn nicht zum Glück der Herr Stallmeiſter ſo ein Narr wäre, dich heiraten zu wollen. Gretchen(ſehr verwundert). Der Herr Stallmeiſter will mich heiraten? Bacnlus. Ja, du Eidechſe! rede mir nicht ein Wort da⸗ gegen, oder du ſpazierſt in den Mühlgraben. Gretchen. Ach, ich bin's ſchon zufrieden, wenn ich Ihn nur los werde, mein alter Schatz. Baculus. Was iſt das! beim Antigonus! nun iſt's aus mit uns! Gretchen. Aber ich kann noch gar nicht begreifen— Baculus. Kann ich's denn begreifen? Wie es ſcheint, iſt der Herr Stallmeiſter noch vernagelter als ich. Gretchen. Das will viel ſagen. Baculus. Er zahlt mir fünftauſend Thaler, daß ich ihm meine Anſprüche auf dich abtrete. Gretchen. Ach, der liebe Herr! Baculus. Wie ſich der Baſilisk freut, daß er mich los wird.(Auf den Pavillon links hinten zeigend.) Da tritt hinein! Ich muß erſt meinen Handel ins reine bringen, ehe er dich ſieht. Gretchen. So lebe Er wohl, Herr Sebaſtian! Baculus. Fahr' hin, Gomorrhaſeele! Grelchen(ſchluchzend). Ich danke Ihm für alle Liebe, die Er mir erwieſen; verzeih' Er mir, wenn ich Ihn jemals betrübt habe, und ſei Er verſichert, daß ich noch in ſpäten Jahren dem Himmel dafür danken werde, cplötzlich heiter) daß er mir von Ihm geholfen hat, Er alter, grauköpfiger ABC⸗ Schütz!(Aub in den Pavillon links hinten.) Siebenter Auflritt. Baculus allein. Saenlus. Und das[(Weſen] wollte mich nun jemals ge⸗ liebt haben!— Ich vermute faſt, daß es niemals der Fall war; oder iſt ſie uur darüber eutrüſtet, daß ich ſie verkaufe? Der Wildſchlltz. Pah! l[werden doch in England die Frauen verhandelt, und ich bin noch gar nicht verheiratet. Was iſt dabeies] Wer weiß, ob ich das Fünftauſendthalergeſchäft nicht in Zu⸗ kunft ins große treibe. Übrigens iſt jetzt mein Gewiſſen ganz beruhigt. Sie war meine Braut, und ſaß ohne meinen Konſens mit einem Studenten auf dem Diwan. Und wenn eine Braut einmal mit einem Studenten auf einem ledernen Diwan geſeſſen hat, dann— iſt es eine lederne Geſchichtel Ah! der Herr Stallmeiſter da! Baron(kommt von rechts aus dem Schloſſe). Achler Auftritt. Baron, Baculus zu ſeiner Linken. Baron. Da bin ich; habt Ihr über die Sache nachgedacht? Baculus(nimmt den Hut ab). Alles in Ordnung. Baron. Habt Ihr mit Eurer Braut geſprochen? Baculus. Ei freilich. Baron. Und ſie willigt ein? Baculus. Sie macht ſich eine Ehre daraus. Baron. O ſprecht, was ſagte ſie? Baculus. J nun, ſie ſagte, ich wäre zwar ihr lieber, kleiner Sebaſtian— und das Herz würde ihr bluten— aber wenn's nicht anders ſein könnte, und wenn der Herr Stallmeiſter ihr ein ſchönes Brautkleid verſpräche. Baron. Ihr lügt, das hat ſie nicht geſagt. Baculus. Nun, ſo hat ſie es doch gedacht; denn ich habe mein Lebtag gehört: wenn ein Mädchen heiraten ſoll, ſo denkt es immer zuerſt ans Brautkleid. Baron. Wo iſt ſie? Ich muß ſelbſt mit ihr ſprechen. Baculus. Hier ganz in der Nähe— und von wegen der fünftauſend Thaler— Baron. Sie liegen bereit. Baculus. Ah, gratias! Baron. Auch Euer Poſten ſoll Euch bleiben. Baculus(aufgeblaſen, ſich den Hut aufſetzend). Es iſt nun übrigens noch eine große Frage, ob ich die Stelle behalte oder nicht— Baron. Wie Ihr wollt— Der Wilbſchüt. Sarulus. Man hat andere Ideen— großartige— Baron. Ruft mir Gretchen, ich ſtehe auf Kohlen. Sie zu. Baculus(den Pavillon links hinten öffnend). Hier, Stallmeiſter, langen Eretchen(ſch die Schürze vorhaltend kommt heraus). Neunter Auſtritt. Die Vorigen. Gretchen die Mitte nehmend. LRr. 18. Ferzett. Baron. Komm, liebes Gretchen, Bekenne frei und ohne W51 Daß du mir willſt angehörer Gretch en(läßt geſchmeichelt die Schürze fallen und verneigt fichz Wenn Sie befehlen. Baron(ſeinen Irrtum bemerkend). Ha, Höll' und Teufel! was iſt das? Baculus(für ſich, erſchrocken). Er ſieht ihr's an, Daß der Student bei ihr ſaß Gretchen. Macht Ernſt er oder Spaß? Baron(ergrimmt zu Baculus). Baculus. Ei freilich. Baron. Haſt du zwei? Baculus. Bewahre! Die iſt nicht deine Baron. Bekenne laut, welche die Rechte ſei? Dies iſt das liebliche Geſicht Doch von geſtern nicht, beim Teufel! Das iſt das Geſicht von geſtern nicht! Baculus(verwundert). Das iſt es nicht? Garon. Macht mich nicht toll! macht mich nicht toll! Baculus.'s fällt mir nicht ein. Baron. Die andre, wo kam ſie hin? taculus. Wenn ich dem Herrn gut raten ſoll: Laß Er die andre ziehn. Die iſt doch auch ganz hübſch und fein Und würde mir viel lieber ſein. 7 mein 5 derr Braut! Gretchen(zu Baculus). Was hab' ich ihm denn gethan? Er ſieht mich ja gar nicht an. Baculus(zu Gretchen). Sei nur getroſt, ſei nur getroſt! Dir wird dein Herr Gemahl Und mir mein Kapital. Garon(für ſich). Es vergehen mir die Sint Ich weiß kaum, was ich beginne, Und erbebe ſchier vor Zorn und Wut! Alle Qualen, alle Schmerzen Nagen wieder mir am Herzen. Dieſe Kränkung, ſie fordert Blut! Gretchen(für ſich). Es vergehen mir die Sinne, Denke ich, daß ich gewinne Einen ſchönen Mann von edlem Blut! Ha, ſchon weichen aus dem Herzen Alle Leiden, alle Schmerzen, Ich erhalte auch noch Hab' und Gut! Baculus(für ſich). Es vergehen mir die Sinne, Denke ich, daß ich gewinne Durch den Handel vieles Hab' und Gut. Ha, ſchon weichen aus dem Herzen Alle Leiden, alle Schmerzen, Die bereitet Liebe mir, darum Mut! Alle Leiden verſchwinden, darum Mut! Baron lärgerlich zu Baculus). Wer iſt das andre Mädchen, ſprich? Gaculus(unterwürfig). Ach, lieber Herr, ich fürchte mich, Es Ihnen grad' heraus zu ſagen. Baron. Was wäre wohl dabei zu wagen? Gaculus.'s könnt' im Schloß, bei meinem Leben, Einen Mordſpektakel geben. Baron. Dein Schweigen macht die Sache ſchlimmer; Sprich und zähl' auf reichen Lohn. Baculus(zögernd). Die andre iſt kein Fraue garon. Kein Frauenzinmer? Mer iſt ſie imnier. Baculus cherausplatzend).'ne Mannsperſon. Baron(außer ſich). Ein Mann! ein Mann! Baculus äzuſtimmend). Durch und durch und Student dazu. Baron(ergrimmt). Und hat die ganze Nacht Im Zimmer meiner Schweſter zugebracht? Himmel und Erde! Tod und Hölle! Ich ermord' ihn auf der Stellel (Er eilt auf und ab.) Gretchen, Baculus. Seine Schweſter Hier im Schloß! Was iſt das! Gretchen(leiſe zu Baculus). Er will mich wohl nicht nehmen? Zaculus(leiſe). Ei, er wird ſich ſchon bequemen. Gretchen(ebenſo). Doch er bekümmert ſich ja nicht um mich. Vaculus(ebenſo). Hab' nur Geduld, das findet ſich. Sei nur getroſt! ſei nur getroſt! Dir wird dein Herr Gemahl, Und mir mein Kapital. Baron(für ſich). Es vergehen mir die Sinne, Ich weiß kaum, was ich beginne, Und erbebe ſchier vor Zorn und Wut! Alle Qualen, alle Schmerzen Nagen wieder mir am Herzen. Dieſe Kränkung, ſie fordert Blut! Es vergehen mir die Sinne, Ich weiß kaum, was ich beginne, Ich erbebe faſt vor Wut! Gretchen(für ſich). Es vergehen mir die Sinne, Denke ich, daß ich gewinne Einen ſchönen Mann von edlem Blut! Ha, ſchon weichen aus dem Herzen Alle Leiden, alle Schmerzen, Ich erhalte auch noch Hab' und Gut! Es vergehen mir die Sinne, Denke ich, daß ich gewinne Einen Mann mit Hab' und Gut! 0 2 Der Wildſchitz. Gaculus(für ſich). Es vergehen mir die Sinne, Deuke ich, daß ich gewinne Durch den Handel vieles Hab' und Gut. Ha, ſchon weichen aus dem Herzen Alle Leiden, alle Schmerzen, Die bereitet Liebe mir, darum Mut! Alle Leiden verſchwinden, darum Mut! Es vergehen mir die Sinne, Deuke ich, daß ich gewinne Durch den Handel vieles GutlJ 8 Baron(ſpricht).“) Alle Teufel, das iſt ja nicht deine Braut! Baculus. Ei freilich! garon. Haſt du zwei? Buculus. Bewahre! Baron. Wo iſt denn die andere? Baculus. Herr Stallmeiſter, mit der andern hat's Haken! Baron. Wieſo? Baculus(die Mitte nehmend, heimlich zum Baron). Wir ſind hier unter uns Mädchen, alſo will ich Ihuen nur geſtehen: die andere iſt kein Frauenzimmer, ſondern— eine Mauusperſon, ein Student. Nehmen Sie deshalb lieber hier das hübſche Kind. Sehen Sie die feurigen Augen, wie ſchlank, wie niedlich!(Beiſette.) Ich muß ihm durchaus die Grete an⸗ ſchmieren! Baron. Packt Euch ſamt Eurer Braut zum Teufel!— Fort, ſag' ich! Gretchen. Aber, ſagt'mal, Herr Baculus— 2 Baculus. Still! komm mit! der Herr Stallmeiſter reitet jetzt ein anderes Prinzip. Der Paroxismus muß erſt vor⸗ übergehn!(Er geht mit Gretchen durch das Gitterthor nach links Mitte ab). Garon(nit einigen Schritten nach links. Der Burſche war die ganze Nacht im Schloß, im Zimmer meiner Schweſter! Höll' und Teufel! Baronin(kommt von rechts aus dem Schloſſe). ¹ „) Sprechauftritt für den Fall des geſtrichenen Terzettes Nr. 15. Der Wildſchllz. Zehnter Auftritt. Baronin Freimann, Barou Kronuthal zu ihrer Linken. Baron(für ſich. Seh' ich recht? Er iſt es!(Beim ewigen Gott! es ging nie etwas Vollendeteres aus den Händen der Schöpfung hervor, als die ſchöne Hülle, welche dem Buben verliehen wurde, um Biedermänner zu verlocken; aber warte Burſche, du ſollſt nicht ungeſtraft deine Pagenſtreiche hier getrieben haben.] Student alſo?ꝰ Na, mit dir werd' ich ſchon fertig werden. Baronin. Guten Morgen, Herr Stallmeiſter. Baron[Geeiſeite, die Baronin fixierend,. Was das Bürſchchen für eine melodiſche Stimme hat. garonin. Warum ſehen Sie mich denn ſo ſonderbar an? Baron(für ſich). Sonderbar? Da haben wir's. Das iſt Tuſch bei den Studenten. Baronin. Ich begreife Ihr Benehmen nicht, Herr Stall⸗ meiſter. Baron. Nimmt es Sie Wunder— in der That?(Für ſich.) Ich weiß nicht, warum ich ſo viele Umſtäude mache.] Caut.) Mein Herr— Baronin. Was iſt das? Baron. Sie ſind ein dummer Junge! Baronin. Mein Herr, Sie ſind von Sinnen! Fur ſich.) Sicher hat der Alte geplaudert. Baron. Sie werden mir Genugthuung geben für den Karnevalsſtreich, den Sie ſich in dieſem Hauſe zu ſpielen erlaubten. Baronin dacht). Herr Stallmeiſter! Baron(für ſich). Er lacht mich aus. Laut.) Höll' und Teufel! Baronin. Halten Sie mich im Ernſt für einen ſogenanu⸗ ten Herrn der Schöpfung? Baron(verwirrt). Dieſer Ton— dieſe reizenden Züge— bei Gott! ich werde verſucht zu glauben: wenn das ein Mann iſt, ſo bin ich ein Frauenzimmer und weiß es nicht. Baronin. Herr Stallmeiſter, Ihr Betragen in dieſem Uugenblick iſt zwar nicht das feinſte, doch haben Sie mir 10² Der Wildſchütz. vom erſten Augenblick unſerer Bekanntſchaft ſo viel Teil⸗ nahme eingeflößt, daß ich nicht umhin kann, mich Ihnen zu entdecken. Erfahren Sie alſo— Baron. Was werd' ich hören? Baronin. Daß ich nicht die Braut des alten Schulmeiſters bin— Baron. Mir ſehr einleuchtend— da Sie ein Mann ſind! Baronin. Daß ich aber doch eine Dame zu ſein die Ehre habe, nämlich— die Baronin Freimann, des Grafen Schweſter. Baron chöchſt angenehm überraſcht). Wie? Was? Wär' es möglich? Baronin. Aus guten Urſachen wünſche ich noch uner⸗ kannt zu bleiben und erſuche daher ſehr ernſtlich Baron. Sie, des Grafen Schweſter? Alſo nicht verhei⸗ ratet? Gott ſei Dank! ſo darf ich keinem Grundſatz un⸗ treu werden, indem ich aufs neue um Ihre Hand werbe. Baronin. Haben Sie mich denn nicht verſtanden? Ich bin die Schweſter Ihres Herrn. Baron. Alſo ſollte ein bloßes Vorurteil das Glück mei⸗ nes Lebens hindern?(Beiſeite.) Nun iſt die Reihe zu foppen an mir.[Caut.) Ich kenne Ihr Schickſal, gnädige Frau; Sie waren mit Ihrem erſten Mann nicht glücklich, mit mir werden Sie es ſein. Sie kennen mich noch zu wenig. Ich bin nur ein Bürgerlicher, aber ein ehrlicher Mann; ich bin leidenſchaftlich, heftig— Sie haben es erfahren— im Übrigen aber der ruhigſte Menſch von der Welt! und gut bin ich— gut! wahrhaftig, es wäre ſchlecht von mir, zu behaupten, daß ich nicht gut wäre. Baronin. Was wollen Sie aus mir machen, mein Herr — meine Verhältniſſe, meine Grundſätze—] Baron. Der Bäuerin ſchenkt' ich mein Herz lohne Rück⸗ ſicht auf Stand und Verhältniſſe—JTvergelten Sie mir nun, verſchmähen Sie den Bürgerlichen nicht.(er hat ſich zu ihren Füßen geworfen und drückt ihre Hand an ſeine Lippen.) Gräſin und Paucratius(im Geſprüch von rechts aus dein Schloſſe). Der Wildſchütz. Elſter Auftritt. Grüfin Eberbach rechts. Baronin Freimann Mitte, Baron Kronthal zu ihrer Linken. Pancratius rechts zurückſtehend. Gräſin. Was iſt das? Abermals eine Seene in nieder⸗ ländiſcher Manier? Baron(ſpringt auf). Gräſin. Herr Stallmeiſter, was Sie geſtern wünſchten, ſei Ihnen gewährt, Sie haben volle Freiheit, ſich einen andern Aufenthalt zu wählen. Für jetzt bitte ich, mich zu begleiten, um eine 3 der Dorfbewohner zu em⸗ pfangen.( n.) Du, mein Kind, geh' zu deinem Bräutigam, und hüte dich vor der Verführung gewiſſen⸗ loſer Männer;„von den Sterblichen gehſt du zum Hades.“ (Sie geht mit Pancratius nach rechts in das Schloß ab.) Baron(indem er 88 leiſe zur Baronin). Ich ſchweige noch, weil Sie es wolle(Ab nach rechts in das Schloß.) Zwolſter Muftlritt. Baronin Freimann allein. Baronin. Faſt ſcheint es mir, die Frau Schweſter ſei mehr empfindlich als ſtolz, und der Herr Stallmeiſter ihr trotz des Unterſchiedes der Jahre 3 gleichgültig. Ja, ja, das Herz iſt ein gar wunderliches D Ding. Graf(kommt von rechts hinter dem Hauſe). Dreizehnter Auftrikt. Graf von Eberbach, Baronin Freimann zu ſeiner Linken. Graf. Ha, ſchönes Gretchen, biſt du endlich allein? Wo iſt denn dein alter Schatz? Hol' ihn der Teufel! laß uns geſchwind Abrede nehmen, wie und wo wir uns künftig ohne Zeugen ſprechen können. Baronin. Kluftig, Herr Graf, werden wir Gelegenheit genug dazu finden, aber ich wette, Sie werden ſie ſelten beuutzen. 104 Der Wildſchüß. Graf. Du verlierſt die Wette, denn ich bin ganz entſetz⸗ lich in dich verliebt. Baronin. Ich ſpreche nur ein Wort, und Ihre Liebe er⸗ kaltet. Graf. So will ich wenigſtens— ehe du dieſes fatale Wort ausſprichſt— dir beweiſen, wie glühend ſie war.(Er will ſie umarmen.) Baronin. Nicht mit Gewalt, Herr Graf, aber wenn Sie mir ein gutes Wort geben, ſo küſſe ich Sie freiwillig. Graf. Schönes, liebes, ſüßes Gretchen, ich gebe dir die beſten Worte von der Welt. Baronin. Und ich will denken, ich küßte meinen Bruder⸗ Graf. Denke, was du willſt, nur küſſe mich. Baronin(ſtiegt in ſeine Arme). Recht von Herzen! Baron und Gräfin(kommen von rechts aus dem Schloſſe)⸗ Vierzehnler Auftritt. Graf von Eberbach rechts. Gräfin von Eberbach zu ſeiner Linken. Ba⸗ ronin Freimann links vorn. Baron Kronthal zwiſchen der Gräfin und der Baronin. Nr. 16. Finale. Gräfin(frappiert). Was ſeh ichꝰ Graf prallt zurück). Alle Teufel! Baron und Baronin(jedes für ſich). Nun geht das Spiel zu Ende, Und ˖ 551 5 Maske fällt. Baronin(ſenkt das Haupt). Gräfin(zur Baronin). „Du, die zur Erde neigt das Haupt, ich frage dich, Bekenneſt oder leugueſt du die Miſſethat?“ Graf cur Gräfin). Mein Kind, beruh'ge dich, Im Scherz nur war's gemeiunt. Der Wildſchltz. Baronin. Ach nein, der gnäd'ge Herr, Im Ernſt hat er's gemeint. Gräſtn. Im Ernſt? Baron. Im Ernſt? Nun, wie man's nimmt! Hahahaha! Graf und Gräſin. Mein Herr, Ihr Lachen ſtimmt Nicht zu der ernſten Sache. Baron(leiſe zur Baronin). So darf ich? Baronuin(nickt ihm bejahend zu). Graf und Gräſin. Erklärung! Baron(vie oben). So darf ich? Baronin(nickt ihm wiederholt bejahend zu). Graf und Gräftn. Erklärung! Mein Herr, was ſoll das heißen? Baron. Der Graf, ich kann beweiſen, Daß er ganz ſchuldlos iſt, Nicht kann Verbrechen heißen, Wenn man die Schweſter küßt. Graf. Die Schweſter? Gräſin. Die Schweſter? Baronin(beſtätigend). Seine Schweſter! (Sie eilt an dem Baron vorüber, der Gräfin in die Arme.) Gräfin(zur Baronin).„Ismene, traute Schweſter, Vielgeliebtes Haupt,“ Wie haſt du uns vexiert! Graf Czu ſich ſelbſtbö. Da haben Sie, mein Beſter, Sich ſchauderhaft blamiert.(Zur Gräfin, laut.) Da ſiehſt du, mein Vergehen War bloße Ahnung nur; Es hat mich nicht getäuſcht Die Stimme der Natur. Gräfin, Baronin, Baron. Wir bitten ſehr, zu ſchweigen! Sie hatten keine Spur Und waren ſchuldbewußt. Graf.'s war bloße Ahnung, bloße Ahnung nur!— 106 Der Wildſchiltz. Ich war es nicht allein, Das wird ſogleich ſich zeigen. Zur Gräſfin.) Geſtehe nur, mein Kind,(nach dem Baron hin) Daß dieſer feine Herr Dir nicht gleichgültig war. Grüfin. Mein Herr! ſind Sie bei Sinnen? Graf. Nun, gieb dich nur zufrieden, Dein Bruder mit dir ſpricht. Gräfin. Mein Bruder? Baronin. Ihr Bruder? Baron(beſtätigend). Ich bin's. Graf. Erſtaune nur! Gräfin(ſich entſchuldigend).. So hat mich nicht getäuſcht Die Stimme der Natur. Graf und Varon. Wir bitten ſehr, zu ſchweigen, Du hatteſt keine Spur! Gräfin. Ich will es nicht verſchweigen, 's war bloße Ahnung nur! Baronin. Auch ich wills nicht verſchweigen, 's war bloße Ahnung nur! Gräfin(eilt an der Baronin vorüber, dem Baron in die Arme). Hämon, geliebter Bruder! O wie ſelig fühl' ich mich. Graf(die Baronin kalt umarmend), So komm denn, liebe Schweſter, Komm, ich umarme dich. Alle dier. Kann es im Erdenleben Wohl Schön'res noch geben, Als wenn Geſchwiſter ſich Lieb haben inniglich? Wenn auch bei dieſem Falle Ein Zweifel preßt die Bruſt— Daß eh' wir ſchuldbewußt; Unſchuldig ſind wir alle. E Der Wilbſchültz. Baculus, Gretchen, ein Schulknabe mit dem Wappenſchild des Grafen an einer kurzen Stange, kleinere und größere Schulknaben paarweiſe, Landleute beiderlei Geſchlechts paarweiſe, feſtlich ge⸗ ſchmückt, mit Fahnen, K n und Guirlanden kommen im feſtlichen Zuge von links Mitte, umziehen den ganzen Raum und nehmen links Aufſtellung. Dienerſchaft und Jäger des Grafen kommen von rechts und nehmen rechts Aufſtellung. Fünſzehnter Auftrikt der Schuljugend. Gretchen. Landleute Die Vorigen. Baculus l echts. Jäger. Dienerſchaft. rlei G Stellung: „„„6„„„„„„„„„ „****+ Schulknaben ** Baculus Gretchen ** Baronin Graf Baron Chor. Unſer Herr lebe hoch! Er iſt ſo brav, er iſt ſo gut, Unſer Herr lebe hoch! [Jedermann er Gutes thut, Unſer Herr lebe hoch! Die Frau Gräfin auch nicht minder; Leider mangeln noch die Kinder, Sonſten ließen wir daneben Auch noch die Familie leben. Weil's dermalen nicht ſo weit, Sparen wir's für künft'ge Zeit. Unſer Herr lebe hochl] Die Frau Gräfin auch nicht minder; Vivat hoch das edle Paar, Wie heute, ſo noch manches Jahr. Graf. Ich danke innig euch Für eure Segenswünſche! (Die Baronin vorſtellend.) Begrüßet auch zugleich Die Schweſter eures Herrn, Die mich in dieſer Maske So herrlich überraſchte. Baculus und Gretchen(erſtaunt). Was hör' ich! Die Schuljugend. Unſre Schweſter lebe hoch! Chor. Sie lebe hoch! Gräſfin(den Baron vorſtellend). Dies iſt mein teurer Bruder! (Sie nähert ſich dem Grafen, indem ſie ſich an deſſen rechte Seite begiebt.) Baronin(nähert ſich gleichzeitig ſchalkhaft dem Baron). Schuljugend. Unſer Bruder lebe hoch! Chor. Er lebe hoch! N Baculus(erſtaunt zur Baronin). Wie ſoll ich das verſtehn, N Wer iſt der and're denn? NN Den Stubenburſchen mein' ich. Baronin. Er iſt mein Kammermädchen Und meines Jägers Braut. Gretchen Ju Baculus mit Vorwurf). Da ſieht Er's. Baculus Höre, Gretchen, Nun glaub' ich deinem Schwur. Gretchen. So hat mich nicht getäuſcht I Die Stimme der Natur. Baculus(mißmutig). Ich bitte dich, zu ſchweigen. Baron(der ſich inzwiſchen mit der Baronin verſtändigte). So willigen Sie ein? 1 Baculus. Was hör' ich? Baron. Bald wird Vermählung ſein? Baculus(erſtaunt in komiſcher Verzweiflung). Vermählung? Vermählung? O Mißgeſchick! Her Witbſchütz. Mein ganzer Handel geht zurück. Ich abgeſetzter Mann, Was fange ich nun an! Baronin, Baron. So ſind wir nun verbunden; 0 Weltſchmerz iſt verſchwunden, Nur Freude füllt die Bruſt. Baculus(wurde vlötzlich von einem Gedanken ergriffen, eilt in den Hintergrund zur Schuljugend, läßt ſie im Halbkreiſe, dem Grafen gegen⸗ üÜber, niederknieen; er ſelbſt kniet hinter der Fronte, ihnen zuflüſternd). Die Schuljugend(nit gefalteten Händen). O du, der du die Tugend ſelber biſt, Du biſt aus edlem Blut, ſei auch ein Chriſt! Wir ſchwören hier zu deinen Füßen, Im Leben keinen Bock zu ſchießen! Erhöre uns, erhöre uns, ſei bös nicht mehr, Und laß uns unſern lieben Schulmeiſter. Graf(nit einem Anflug von Humor). Der Unſchuld Lallen rühret mich, Ich will deshalb auch milde ſein und Ihm— Pancratius(kommt von rechts aus dem Schloſſe und ſagt dem Grafen etwas ins Ohr). Sechzehnter Auftrikt. Die Vorigen. Pancratius. Alle(geſpannt). Was iſt geſchehn? Graf(ſprechend). Im Ernſt? Pancratius(ebenſo). Wie närr'ſch! Graf(lachend ebenſob. Der arme Teufel iſt zwar ſchuld⸗ bewußt, aber auch unſchuldig; denn ſoeben wird mir ge— meldet, daß er in der Dämmerung anſtatt eines Rehbocks ſeinen eigenen Eſel geſchoſſen hat. Alle Gachen). Baculus(ſchlägt die Hände zuſammen und ſpricht zu Gretchen). Hab' ich dir nicht geſagt, daß mich das Tier wehmütig auſah. Der Wildſchütz. So hat mich nicht getäuſcht Die Stimme der Natur. Chor. Der Herr will milde ſein Und gnädig Ihm verzeihn. Graf(einlenkend). Wofern er künftig nicht Mehr Jägerei will treiben, Mag Er fortan getroſt In ſeinem Amte bleiben. Chor. Hoch lebe unſer Herr! hoch lebe unſer Herr! Alle ohne Chor. Wie heut' ſich alles Uns zum Heil geſtaltet. Gräfin, Graf, Baronin, Baron. Euch Uns Durch der Ehe heilig Band, uch ns Da ſich Herz zum Herzen fand. erblüht ein neues Leben euch! Liebe wird uns! Freuden geben, Bacnlus, Gretchen, Chor. Laſſet hoch den Herren leben! Herz bezeigt er und Verſtand; Zeugnis wollen wir ihm geben, Daß ſein Walten anerkaunt! — in Reclams Aleſſandto Amelia oder Ein M rBa rbier von Bagdad Barbier von Sevill Die beiden Blitz. Carlo Br Schütz en. Nr. teil.) Nr. 33 Cosi fan tutte Dichter und!? Dinorah. Nr. 4215 Doktor und Apotbeker. Don Inan“). Don Pasquale. Nr. Entführung a. d. Serail. Ernani. Nr. 4388 Euryanthe. N Fidelio. Nr. 2 Figaros§ Finale.„5 Der fliegende§ Fra D iavolo. Francesca. Freiſchütz. r. 22 Feitzchen und Aieeg en. 8 goldene Krenz. Ar tterdämmerung. Ar Guſtav o Haus Sachs. Die Hugenotten. Iphigenia in Arlis Nr. Die Nr. Jobann von Pa Nr. Joſephs). N Die Jüdin. Nr. 2 Die Königin von Der nüri. Lohengrin. Nr. Lucia von Lammermoor⸗. Martha ob. Maskenball.(Verdi.) Nr. Maurer und Schloſſer“ Vollſtändiger tradella. Nr. askenball. 4236 Martt z. Richmond Aniv 5184 Baſtien und Baſtiennes). N 2798 Ar An 5694 Nr. 3795 Weiber von Windſor. Klavieraus Opernbücher erſal-B Meiſterſinger v. D 8Nachtlage e Nachtwan Normas). 5 Orpheus und Par 5 N Der Poſtil Precioſa. Der Prophet. Ratcliff. Die Reg Rheingol Rienzi. Nr. Rigoletto. N Robert der T N Rolands Knappen. Rosmunda. N Santa Chiara. Der Schauſpieldirektor. Nr. Die ſchöne Ga Der ſchwarze Siegfried. Nr. Die Stumme von Por tici. Nr. 3874 Tannhänſer. Wilhelm Tell T Triſtau und J Der Undine.(Nach Nach E. T Der Vampir Der Waffenſcht Die Wallüre. Der Die weiße Der Zampa. Dan 31 Zar und Zimmermann. Die Zanberflöte. Nr. 26 zzug im gleichen Die Opernprobe. Domino. Nr. 3358 Troubadour. Nr. Waſſertrügers). Wildſchütz. Nr. 2 ibliothek Nüirnberg. Nr r in Gran dlerin. Nr. Eurydike. Nr. 4566 5640 Lonjumean. 2749 30 Nr. 3715 d. Nr. 5641 ufel. 3596/ 96 a 4847 r. 3270 Nr. 2917 4739 E lathee. Nr. 4 5643 Nr. 4357 ſolde. Lortz zing. r. 3517 nied. Nr. 2569 Nr. 5642 me. Nr 85 Verlage Max Chop Erläuterungen zu Meiſterwerken der Tonkunſt Geſchichtlich, ſzeniſch und muſikaliſch analyſiert, mit zahlreichen Notenbeiſpielen Bisher erſchienen in Neclams Aniverſal⸗B Puceini, Madame Butterfly d' Albert, Tiefland. Nr. 528 Jibliothet: Bach, Matthaͤus⸗Paſſion. Nr. 6385 Nr. 5063(Textbuch Nr. 5918)— Bohème. Nr. 6440 Beethoven, Fidello. Nr. 5124 Strauß, Oer Roſentavaller. — Missa solemnis. Nr. 6259 Nr. 3337 — Symphonien. Nr. 5231-33— Salome. Nr. 4955(Textbuch Bizet, Carmen. Nr. 4886 Nr. 4407) Brahms, Symphonien. 6309 Wagner, Rienzi. Nr. 4042 Händel, Meſſias. Nr. 5206— ODer fliegende Hollaͤnder Haydn, Schöpfung. Nr. 5407] Nr. 4709 — Jahreszeiten. Nr. 583— Tannhäuſer. Nr. 4225 (Texibuch zu beiden Nr 5/— Tohengrin. Nr. 4750 Leoncavallo, Der Baſazzo]— Triſtan und Jſolde. Nr. 4268 Nr. 5486— Meiſterſinger von Nürnberg. Liſzt, Symphoniſche Werkc. 1 Nr. 4846 Nr. 6519. II. Nr. 6548— Das Rheingold. Nr. 4289 Mascagni, Cavalleria rusti-][— Walküre. Nr. 4290 cana. Nr. 5454— Giegfried. Nr. 4803 Mozart, Oon Juan. Nr. 5430— Götterdämmerung. Nr. 4804 — Die Zauberflöte. Nr. 5589— Parſifal. Nr. 4805 Offenbach, Hoffmanns Erzäh][Wolf⸗Ferrari, Der Schmuck lungen. Nr. 5036 der Madonna. Nr. 8616 Vollſtändiges Textbuch unter Opernbücher. 0 οο Näberes über Preiſe und Einbände iſt aus dem neueſten Verzeichnis der A.⸗B. erſichtlich, das in jeder Buchband⸗ lung oder gegen Portoeinſendung vom Verlag zu haben iſt.