BANADIETRILCH LN DRET AKTEN VON SIEGFRILED WAGNER LEIPZIG MXX BROCKHAUS BANADIETKICH IN DREI ARKTEN VON A SIEGFRIED WAGNER LEIPZIG MXX BROCKHAUS UEBER DIHE BANADIETRICH-SAGE SCHREIBT EHHNMMLENLNV: „Dietrich von Bern, Berndièetrich gehört nach wen— dischen Sagen in's Gefolge des wilden Jägers. In dem benachbarten nördlichen Böhmen(Warnsdorf ete.) heisst er Banadietrich, und man erzählt von ihm fol— gendes: Es lebte einst ein Ritter, Namens Banadietrich. Der war so fromm und etugendhaft, dass ihm ein Engel die Speise brachte und der Wind(oder auch die Stralen der Sonne) ihm den Mantehtrug. Der Teufel versuchte all seine Macht, um den frommen vom Wege des guten abzubringen; vergebens, es wollte ihm nicht gelingen. Endlich nahm er zur List seine Zuflucht. Es war eben ein grosser Feiertag und Banadietrich betete in der Kirche. Da nahm der böse die Gestalt eines alten. hässlichen Mannes an und setzte sich, eine Bockshaut in den Krallen, vor die Kirchthür; denn die Heiligkeit des Ortes hielt ihn ab, das innere der Kirche zu be— treten. Während der Wandlung nun, da alles mäuschen— still war, biss der Teufel in seine Bockshaut, zerrte daran, liess sie plötzlich fahren und schlug mit dem Kopfe gewaltig gegen die Kirchthür. Dadurch ent— stand ein grosser Lärm. Banadietrich wandte sich voll Entrüstung um und wollte sehen, wer die heilige Hand— lung auf solche Art zu stören wage. Da erblickte er den alten, welcher gerade wieder die Bockshaut aus dem Munde riss und den Kopf mit aller Kraft gegen die Thür schleuderte. Bei diesem Anblicke verlor Banadietrich all seine Erusthaftiglceit; er konnte sich nicht enthalten, laut auf zu lachen. Sein Gelächter gab Argernis, und die ganze versammelte Gemeinde wurde in ihrer Andacht gestört. Nun hatte der Teufel gewonnen, denn der fromme Ritter war unandächtig gewesen und hatte durch sein böses Beispiel auch andere verführt. Bald offenbarte es sich, dass er dadurch das Missfallen des Herrn auf sich geladen. Als er nämlich aus der Kirche trat, liess ihm der Wind den Mantel fallen. Und zu Hause angekommen wartete Banadietrich vergeblich auf den Engel, der ihm ehemals das Essen gebracht hatte. Nun war der böse thätig, das Herz des gefallenen mehr und mehr von Gott abzuwenden. Bald bemäch— tigte sich ein tiefer, finsterer Grimm des Ritters. Dieser konnte nicht begreifen, warum Gott eines 8o kleinen Fehlers wegen ihn so hart bestrafe und ihm so plötz- lich seine grosse Gnade entziehe. Seine Erbitterung ging so weit, dass er beschloss, die grössteé aller Sün— den zu begehen. Er wusste aber nicht, welches die grösste Sünde sei. Deéshalb ging er zu einem Einsiedler und fragte diesen darum. Er erhielt folgenden Bescheid: Wer sich Brot in die Schuhe legt, diese dann an— zieht und so die edle Gottesgabe absichtlich mit Füssen tritt, der verübt die grösste Sünde. Dies that nun Banadietrich und von nun an war er wie umgewandelt. Er betéete nicht mehr, besuchte keine Kirche, theilte kein Almosen mehr aus, kurz, er hörte ganz auf, ein tugendhafter Mensch zu sein. Statt der heiligen Messe beizuwohnen trieb er sich in Wäldern und Einöden umher, und in kurzer Zeit hing er dem Jagdvergnügen mit solcher Leidenschaft an, dass er oft tagelang ausserhalb seiner Burg verweilte. An einem Sonntage, da eben fernes Dorfgeläute zur Kirche rief, flog er in einer wüsten Gegend, wie ein Sturmwind, auf seinem feurigen Rosse einher. Da rief eine gewaltige Stimme vom Himmel herab:„Bana— dietrich, Banadietrich! Wie lange willst du noch jagen?“ Der Ritter erzitterte und rief:„So lange als Gott will!“ Es war sein Glück, dass er also gesprochen, denn hätte er frech geantwortet, so wäre er unverweilt der Hölle zugeritten. Jetzt aber er— wiederte die Stimme von oben:„Nun so sollst du jagen bis zum jüngsten Tage!“ Und noch heute jagt der wilde Jäger. Wer zur Neumondzeit des Nachts den Wald durchstreift, hört oft plötzlich in seiner Nähe Hundegebell und den Huf— schlag eines Rosses; er vernimmt den Ton des Hieft— hornes und den Halloruf des Jägers; aber das Auge vermag nichts in der undurchdringlichen Finsternis zu erspähen, der Wanderer werfe sich zu Boden und drücke das Gesicht in's Gras, auf dass die wilde Jagd über ihn dahinbrause.“ PERSONEN: Dietrich Schwanweiss Wittich Dietleib Ute, dessen Mutter als Raunerath. Grster Akt) Der Teufel als Flederwisch. Eweiter Akt) in eigener Gestalt. Pritter Akt) Etzel Ein Prièster Eine Elfe Der Tod Stimme des Herrn SCHAUPLATZ: Erster Akt: Dieètrichs Burghof Jweiter Akt: Utes Gehöft und Garten Dritter Akt: Wald und See— Auf dem Brocken— In der Tiefe des Sées. ERSTER AKT. Im Burghof Dietrichs von Bern. Rechts die Burg mit hoher Freitreppe; links der Dom, ebenfalls mit Treppe. Im Hlinter- grund Zinnen. Schlachtenlärm hinter der Scene. Die Frauen 8 eilen üngstlich umher. Raunerath beobachtet von der Zinne aus den Kampf. ERSTE SCENE. DrueRlon (des Schwertes verlustig, stürzt durch das Thor herein und sinkt wie vernichtet auf einen Stein). Wie steht der Kampf? RAUNRRNTIH. Verzweifelt. DinuRIOH. Wo ist Dietleib? RXUNERATH. Wittich auf der Spur. DinrRIOH. Schmach! Wittich! Treuloser Freund Mit Ermenrich, dem Verwegnen, im Bund! Und ich, des Schwertes verlustig, Das er mir entschlug! Nicht er! Laurins Tücke half ihm wohl! Warum fiel ich nicht da! Zu den Frauen, die ſammernd betend, gekauert sind.) Lasst Euer Flennen! (Schwanweiss kommt hinzu) DiarRICH. Holde! Bleib' in der Kammer! SCHWXNWIISS. Dein Leid zu theilen Willst du mir wehren? DrbTRICH. Mein Leid zu mehren Trösteét dein Wort. Geh'! Schütz' dich! 8 Flieh', wenn Dietrich fiel, 52 Wem gönnt' ich solche Beute? SCHWXNWIISS. Darf ich nicht weilen? * DrhyRIOH. Geh'! Ich beschwör' dich! (Schwanweiss in die Burg ab.) DrhRTon (zu Kaunerath). Siehst du Hildebrand? RXUNERXTH. Eben nicht. DIuTRICH. Sind Etzels Söhne geborgen? RAUNHRAUH. Es liess sie nicht, Sie folgten dem Greise. DIRTRICH. Er wehrte nicht? Verwegner Alter! Gilt nichts mein Verbot? RXUNERATII. Flehendem Ungestüm gab er nach. DurRICH. Weh! Die mir anvertraut, Nahte das Verhängniss ihnen. RRUNERNTH. Herr! Gefasst. Schlimmer wird's! Dietrichs Stern verblasst! Hörst du den Jubel? Die Rabenschlacht schlichtest du nimmer! DErRICI. Ich muss siegen! Raunerath! Ueberkluger! Giebt's keine List? Giebt's keinen Weg? Hilf! Weisst du nichts? Hat mich Gott verlassen, Liess er mein Schwert der Hand mir entsinken, Wozu wäre Satan da? Nur heute! Nur jetzt! Rathe! Rathe! RXUNEHRXNH. LEus gäb' ein Mittel, Doch du wirst's nicht greifen. DihrRIC. Ich will und muss! RAUNERATH. Was ist das Theuerste dir? DTaTRTIORH. Das Theuerste! Als gäb' es zu fragen. Eben entschwand es in's Haus. Schwanweiss! RAUNERAUH. 5 Entsag' ihr, so wird dir Sieg. DihrRTOIH. Ich? Schwanweiss verlieren? . RXUNERATII. Sie ist's; sie bringt dir Unglück. DiIhrRICH. Lügner! RAUNHRATH. Verblendeter! Du willst nicht sehen, nicht hören. Dein Volk verwünscht sie, Der Priester weicht vor ihr scheu, Nicht chelich dir angetraut, Meidet sie Gottes heiliges Haus. Eine Wasserjungfrau ist sie; Wie sie kam, wird sie gehen. Böse Feen sannen das aus, Sandten sie dir in den Weg. DIETRICI. Gerettet hat sie mich, Als wildbeutelustig in Sümpfe ich sank. Ihr lieblicher Arm enthob mich dem Tod. Den Nebelstreif schuf sie zum sicheren Pfad, Dem Geretteten wollt' sie heimlich entweichen, Doch ich hielt sie und liess nicht von ihr Und schwur ihr Liebe als einzigen Dank. RXUNERNTIH. Die Scherzchen, die kenn' ich. 80 ging's schon manchem Schwächling. Ein Recke wie Dietrich, Sumpf-Zauberei ein feiles Opfer! O denk' daran An Etzels Versprechen. Seine Tochter zum Weib, Seines Reiches Erbe! Willst du's verschleudern Um eines Nebelstreifens feuchtes Glück? DuurrInIB (Stürzt herein). Noth dir! Hildebrand fiel! Und mit ihm Etzels blühende Sprossen. ODDietrich steht wie vernichtet da-) RAUNEHRAIUII (bedenklich). Auch Etzels Söhne? Das kostèet dir theuer: Des Vaters Gunst. (Hildebrands Leiche wird gebracht. Dietrich sinkt 7 nieder.) DinhrRILCR. Glückliche Götterburg, die Dich empfängt, Hildebrand“ Kühn-frohes, treues Herz. Felsenentströmender, felsenspaltender Quell, JZum Strome geéewandelt, dem Meere des Todes Gönntest du deine Gewalt. Jweifacher Tod: Meine qugend sank mit dir hin. Halb abgestorben, was frommt der Rest? Das Gute schwand, es bleibt der Trotz. RXUNERATH (wieder von der Zinne aus rufend). Flieht, Frauen! Tod oder Schmach! Von Norden neue Schaaren, Sie stossen zu Ermenrich. Sie morden und sengen. Qualm und Staub! Armes Vollk! Die Hütten lodern! Und jetzt zur Burg! DrhæRICH. Meine Waffe! Hätte ich Balmung! RAUNHRNTIH. Hol' sie dir! DIETRICH. Muss es denn sein; Hilft mir niemand? Höllenmächte! Euch weih' ich mich! Das Liebste auf Erden, Ich opf're es hin. RUFH AUS DER TIhFE: Wittich gefangen! Heil Dietleib! 11 RXUNERATH. Hörst du? Wittich gefesselt! Und dort: es wankt! Prahlfreudiger Ermenrich, Wie? Wirst du lahm? 8 Schnell heim! Stopf' Romas Thore fest! Heil Dietrich! 8 Schneller als ich wähnte, wirkte das Gift! Dietrich ist Herr! König! Fürst! Gewaltigster aller Gewaltigen! ZWEITE SCENE. (Dietleib bringt Wittich gefesselt herbei9 DrhLETB. Hier schau, ein prächtig Wild, Und hier ein tauglich Schwert. Kennst du's? Ich errang es mit Schweiss. Ja, ja! mein Held! es stand um dich schlecht! Heut' rang sich's hart. Als walteten schwarze Geister, Manch Flüchlein geknickter Zwerge Hemmte uns am wack'ren Werke. Von Glockensaxen und Rosengarten Feinde sich zum Feinde schaarten. (Auf Wittich deutend.) Den konnte ich tot dir bringen. Doch anders sann ich's aus. Wittich und Dietrich Gleicher Kraft zwei hell-frohe Helden, Freunde sie, sollten Feind' sich schelten? Ei des Hohns! ob thörichtem Zank! Fort der Groll! Hass versank! Wahr und echt zwei Herzen schlagen, Sollt' ihr Muth sich nicht vertragen? DETRIOCH. Hörst du's? Soll uns Dietleibs Wort nicht gelten? Gleicher Kraft zwei hell-frohe Helden, Sollten wir uns Feinde länger schelten? Blick' auf; treu-trüg'rischer Freund, Was schaust du zur Erde? Sie bleibt dir stumm. Vergangnes schwand, verlornen Sieges Scham! Dass mein in Worms er ward, verlässt dich nie der Gram. Sei frei! sei froh! sei Freund mir wieder! Zum Bund die Hand! Treue im Blick! (Balmung ihm hinhaltend) Hier mein Pfand; es bringt dir Glück. Reich' mir deines! Trutz-Waffenbrüder! Dass Groll auf ewig weiche, Ich schwör's bei dieser Leiche! (Wittich vermag Dietrichs Worten nicht zu widerstehen, er reicht ihm die Hand, sie tauschen die Schwerter.) DIErRICH (zu den Umstehenden; auf Hildebrand deutend). Auf! Den Helden in den Münster tragt, Keines Königs Tod werd' festlicher beklagt. ODie Leiche wird in den Dom gebracht; Dietrich folgt ihr.) DRITTE SCENE. (Wittich und Raunerath bleiben zurück.) RAUNERATI (mit übertriebenen Geberden des Schmerzes). Unglückshaus! Unheilbergende Burg! Ungerechter, grausamer Herr! Dietrich! Dietrich! 8S8o kaufst du Siege? Für Ruhm zerreisst du ein Herz? Für flackerndes Lachen nagenden Schmerz? Für deiner Veste starres Gestein Musst du dein Inn'res ewig entzwei'n! Verstossen! o grausig kaltes Wort! Verbannen sein Weib, seines Glückes Hort! WITTICEH. Was hat der Wicht? Was soll das Klagen? RXUNERATII. O wüsstest du, was ich weiss! Ein böser Geist hat ihn umgarnt. Nicht redlich ward der Sieg errungen! Dem Teufel ward er abgezwungen Durch schmählichstes Versprechen! O wehe! wehe! bitt're Schand'! Sein eignes Weib, es ist das Pfand. Wohin mit ihr? über Feld und Strasse? Gaunern zur Lust, Wölfen zum Frasse! Schau! dort seh' ich sie kommen. Sie ahnt nichts! es zerreisst mein Herz! Erbarm' dich ihrer! Ritterlich sei ihr ein Retter! (für sich): Jetzt kann sich's entspinnen, wie es mir taugt. (Ab.) VIERTE SCENE. SCHWXNWIISS (noch auf-den Stufen der Burg, rechts). DihRICH! Wür' ich die Letzte, dich zu preisen? WITTIOR (wendet sich Du täuschest dich! Wittich steht vor dir. SOCHEWXNWIISS. Wittich hier? Frei der Feind und fessellos? WITYITICEH. In Freundschaftsfesseln, Da er's S0o gewollt. SCHWANWIEISS. Versöhnt? 0 Glück uns Allen! Bös hast du gegrollt, Und schlimm war deine Wuth! So musste erst durch Blut Die Freundschaft neu ersteh'n? WITTICH. Um wieder zu vergeh'n! SOCHWXNWIISS. Dein Auge sprühet Zorn? Wankend wäre euer Bund? WIrpToR Gang sie betrachtendh. Verstossen— sie— Lod're auf, kaum erstickte Gluth! Durchfliesse dein Strom die Adern! Intflamm' er Alles! Lichterlohe Hasses-Brunst Verseng' den niedrigsten Verrath! 15 SCHWANWEISS. Was ist dir? Trägst du Dietrich noch Gram? WITTUICH. Ieh verachte ihn! SCHWANWIEISS. 8 Schweig'! Hasst du ihn, so hasst du mich! Mich vernichtet dein Schäumen. WITJYICE. Dich vernichtet Er. Schwanweiss! ahnst du nichts? (Sie sieht ihn betroffen an⸗) WITPITon (tur sich). O wundersam geheimnissvolles Spiel! Dem Grimm und Zorn entblüht eine Blume, Himmlischen Duftes, zartester Farbe, Ungeahnte Wonne spendend. Dufte, leuchte meinem Pfad! SOCHWANWIISS. Käm' ich von hier, Sein Gebahren ängstigt mich. Gaut) Wo Dietrich nur ist? WITTITOH. Blinde! Suchst du noch nach der Falle, Die kümmerlich Reisig bedeckt? Weisst du, was Dietrich heut' zum Sieg verhalf? Sein Muth? oder Balmung? Nein! Ein Opfer! Das Theuerste, was ihm am Herzen lag! Du bist's! Du der Preis, Verstossen wirst noch heute du. SCIIWXNWIEISS. Weh, sprächst du wahr! WITICI. Schwanweiss! Du glaubst nicht? Verscheuchtem Wilde gleich fragt dein Blick! Das Auge, das in Deines schaut, das log noch nie! Nie trog die Hand, die Deine jetzt fasst! Glaub' mir! Vertraue mir! Eh' es zu spät, eh' widriger List du erliegst. Folge mir! mein Arm wird dich schützen! Miming dich wahren. Schwanweiss, zauberisch Holde, Kläglich Verrathene! Zzist du Dietrichs Opfer, So opf're ich mich dir! Dein ist mein Leben! Mein Muth ist dein Knecht. (r umfasst sie glühend.) Preise das Schicksal, Das den Rächer dir rief. Flieh'! flieh' diesen Ort! Hier lauert Betrug. Folg' deinem Schützer, Trau seinem Wort! 17 FUNFTE SCENE. (Raunerath hat, wie zufällig im Gespräch, Dietrich herbeigeführt.) DIETRILOII Uinks im Hintergrund). Sieh'!“ Welch verliebtes Pärchen! RXUNRHRAYT. O weh! Was erblick' ich? Schau nicht hin! DERICH. Ha, wen erkenn' ich! Wer umfasst so lüstern mein Weib? daut) Veèrräther! ohne Scheu! Bist du so mir treu? WITYICH. Treuer dir, Als du dir selbst! Steh'! ich tilge deine Schmach! SCHWXNWIISS. Wahnwitzige! Lasst ab! (Sie fechten, Raunerath hünderingend, ruſt Andere zur Hilfe. Wittich sinkt verwundet zu Boden.) WirTOH. Verwünscht! Das dankst du Wielands Waffe! O! Wo bleibt der Himmel! Gerechtigkeit! Der Frevel jauchzt ob geknechtetem Recht! Geknebelt! Getreten! doch nicht noch zermalmt. 2 2 Richte dich auf! zäche dich! Rüste dich! Rache! Rache! 8 Die Wunde schwört dir Rache. (Edle und Volke sind herbeigeeilt. Schwanweiss müht sich um Wittich, Frauen helfen.) DIhTRICRH (zu den Umstehenden). Ihr steht und starrt! Verwundert euch, wie das kam. In schnell-wirrem Wechsel Hass und Liebe und abermals Hass! Schwanweiss brach die Treue! Mein eignes Auge war dess Zeuge. Deine Schuld von dir zu wälzen, Find'st du listig kluge Worte; Nun, so sprich: wir lauschen dir. SCHWANWIEISS. Zu Dietrich möcht' ich reden. DiErRICH. Er steht vor dir. SCHWANWHEISS. Du bist nicht Dietrich: Ein fremdes spricht aus dir! Dein Aug' ist nicht dein Auge: Ein fremdes blitzt aus ihm! Nur zu Dietrich könnt' ich sprechen! Schwanweiss bleibt sonst stumm. RAUNERATH. Sollten wir geh'n? 19 SOCHWXNWIEISS. Schlange! RAUNERATH. Meint sie mich? SCHWXNWIEISS. Weich' von seiner Seite! Unheil rieth dein Rath! RXUNHRATH. 8So ist das Weib: Weiss sie nicht, wie aus und ein, Mengt sie einen Dritten drein. SCHWANWEISS. Dietrich? kann ich zu dir sprechen? RAUNERATH (zum Volk). Geht nicht! bleibt, Sie will ihn behexen. Bezaubern soll ihn ihr Blick! Wassernixen süsses Geflöte, Mondspiegel-Wellengeplätscher! Wehrt dem Klange! Dem falschen Gesinge, Dass zu ihm sein Schmeicheln nicht dringe. SOGCHWXNWEISS (schmerzlich). Dietrich! Schweigst du meiner Frage? VoLk (flüsternd). Er sinnt— es kämpft in ihm. RAUNERATH. Lasst sie nur nicht allein. 20 SCHWXNWIISS. So darf ich nicht? Du willst den Dunst, Du scheust das Licht! Du wähnst zu athmen, Erstickt im Lug. Weh dir, Dietmars Sohn, Trauriger Held. Zur Fratze hat dich Wahn entstellt! Wenn du dich selbst einst wiederfandst, Wehre zwei Gestalten nicht, Wenn sie deinem Herzen nah'n. Die eine bringt dir Kunde von mir: Sie nennt sich Treue! Die andre nagt mit Schmerz an dir: Sie heisst die Reue! Lebe glücklich und in Wonne! Freu' dich deiner Ruhmes-Sonne! (Sie wendet sich Wittich zu und hilft ihm, sich aufzurichten.) Dich zu heilen Wolle nicht wehren— (Beide dem Thor zu langsam ab. Aus dem Dom ertönt Chorgesang. Glocken verkünden die Todesfeier für Hildebrand. Alle gehen in die Kirche) SECHSꝝTE SCENE. (Raunerath bleibt allein zurück, entkleidet sich und steht als Teufel da. Er hat einen Ziegenfell-Sack über dem Rücken, den er dick aufbläst.) RAXUNHRATRH (auf den Stufen des Domes). Zis hierher wär' alles recht niedlich geglückt! Doch nun kommt der Teufel und kitzelt und zwickt! Hei mein Dietrich! Du mein Gewaltiger! Ueber-Gestaltiger! 21 Wie putazig ist's, dich beten zu seh'n, Kuf dem Knie errutschtes Gnad-Erfleh'n! Einstens zwar, ich geb's gern zu, Warst ein frommer Christmensch du! Dass das Volk sich's gern erzählte, Wie Gott selbst dich auserwählte, Wie vom Himmel Englein bray Speise brachten dir im Schlaf. 5 Ja den Mantel— kind'scher Glaube! Hingst du fest am Sonnenstaube! So frömmlich war einst dieser Dietrich, Doch bald ward's ihm im Innern widrig. Urheide du! Gieb's nur zu, Das ganze Gebet, Geknie, Gefast Zu dir nicht passt; Ist längst dir Last! Der Teufel durchschaut dich, ihm heuchelst du nicht, Schaut auch voll Demuth zur Erd' dein Gesicht! Soll ich's erproben? soll ich erspäh'n, Ob es richtig, was ich wähn'? Just zur Stell' Ziegenfell Aufgebläht Und nun gedreht! Um Augenblick der grössten Feierlichkeit in der Kirche be— ginut der Teufel auf den Stufen einen grotesken Tanz mit Pock- sprüngen.) TBHUFnI (sich unterbrechend). Er merkt's noch nicht— Jetzt lugt er her Nun im Kranz Teufels-Tanz. (Man hört Dietrichs schallendes Gelächter. Der Teufel ver— schwindet. Alles stürzt entsetzt aus der Kirche.) SIEBENTE SCENE. 58 DR PRTESTER (von den Stufen der Kirche herab zu Dieètrich, der unten steht). König! sprich, was ist's! Grauen erfüllt uns! Die Totenfeier entweiht, Gottes Raum verhöhnt! Deut' uns, was wir nicht fassen! Künde, was dich befiel. Unbegreiflich! Unversöhnbar! Frevel, furchtbar, kaum zu sühnen. Verlachtest du Gott? DihrRICR. Hätt'st du's geseh'n vorm Thore springen, Schwerlich konnt'st du's Lachen zwingen! *. PRIESTER. Höhnst du auch mich? Nicht zu kühn, mein grosser Fürst, Knecht bist du wie alle hier. DIaRICH. Knecht? Wessen Knecht? PRIESTER. Gottes und durch ihn auch meiner. DihTRICRH. Vermessene Sprache! Dir wär' ich Unterthan? PRTESTER. Bereue deinen Frevel. Büsse, wie ich's dir befehl'! DIErRIC. Bereuen? Büssen? Auf deinen Befehl? PRIESTER. Fürchte den Fluch! DIETRICH. Ich habe mich selbst verflucht! Ich fürchte keinen andern Bann! PRIESTER. Weicht von ihm! Eidentbunden! Gotteslästerung! schlimmste That! Weh dem, der ihm freundlich naht! (Alle weichen von Dietrich zurück. Wachsender Kriegslärm hinter der Scene. Dietrich steht allein, regungslos) ACHTE SCENE. DIETLEIR inter der Scene). Wo seid ihr Männer? Ilelft Dietrich! (Athemlos auft retend.) Neue Noth! Die Heunen nab'n. Hasshungernd, Heuschreckengleich, Scheuchen die Horden Dein Volk von Norden. Etzel schnaubt Rache! Seiner Söhne Tod Sollst du büssen! DihrRICR (unbeweglich). Geh', guter Dietleib! Keines Schutzes bedarf ich, Keines Mannes Hülfe. Hörtest du nicht, Der Eid ist gelöst, Der an mich dich band! Flieh mich! flieh! Meine Nähe bringt Noth! Mein Athem ist Pesthauch. Flich! Flich den Tod! DiurUnrB. Wie sprichst du, Dietrich? DIurRICH. Ich bin nicht mehr Dietrich. Siehst du nicht mein Auge funkeln? Eines Verfluchten Blitze zucken aus ihm. Satan bin ich Gesell! Dietrichs Sonnentag sanke hin! Drum eile: dort durch den Koller Unterirdisch ein Gang dich birgt. Spar' für Bess'res den glühenden Muth! DIErLIIB. Weh uns! DiaupRIOI. Noch einmal, ford're ich! Gehorche! Dietleib rechts ab.) 25 NEUNTE SCENE. DER TRHUFPEL WIEDER ALS RAUNERANTIH. 8 Schnell! Häng' den Mantel um dich! Unsichtbar Ihrer Schaar, Entkommst du heil! (Raunerath ab Etzel und seine Heunen stürmen herbei) ETZUL. Mörder meiner Kinder! Steh' mir! Dihrkien (in der Mitte stehend, jenen unsichtbar). Was brüllst du So? Breitbackiger Heunenfürst! Ich steh' ja dicht vor dir! (Alle schen sich erstaunt um.) ETZEL. Wer spricht da? Ist's nicht Dieétrichs Stimme? DIETRICOH. Ja! ich Dietrich! Hier mitten unter euch. ETZEL. Gaukelei! Neckt ein Zaubrer? Auf! in die Burg! DinTRIOH (zupft Etzel am Bart). Dummer Itzel! Fang' mich doch! ETZEL. Haut um euch! Kobolde sind's! Die foppend wirren. Dièetrich! Fliehst du mir feig? DIETRICEH. Steht ruhig und lugt! Und wenn ihr mich seht, dann fasst mich! ODietrich geht uubeschadet zur Brüstung im Hintergrund. Er macht ein Zeichen in die Lüfte, worauf ein Drache nieder- steigt und am Rande der Zinne anhält.) DiurRlon (auf den Rücken des Thieres sich setzend, ruft den Heunen zu). Jetzt greift mich! Um Augenblick, da er davonfliegen will, lässt er den Mantel fallen, sodass die Heunen ihn davonschweben sehen. Zugleich stürzt die Burg brennend ein. Die Heunen, ein böses Wunder fürchtend, fallen betend auf das Angesicht.) ZWEITER ARKT. Frau Utes Garten und Hof, alles in Blüthe, links das Haus, rechts eine Linde. Hinter dem Gartenzaun ein Weg, dahinter ein Flüsschen, über das eine Brücke(etwas rechts) führt. Weiter im Hinter- grund düsterer Fichtenwald, stark contrastirend zur Helligkeit vorn. 5 ERSTE SCENE. (Zwei Hirten stchen mit ihrer Herde am Zaun und blasen ein Lied ſin der Richtung des Hausesl. Frau Ute, ain Zaun ge— lehnt, lauscht. Als die Hirten beendet, bringt sie ihnen Speise und Trank.) Urn. e1 Gut geblasen! Ehrlich Lob! Die edle Frau, erkenntlich drob, Lässt euch sagen, wie sie's freut, Hört sie früh eu'r Herdgeläut. Leider ging's dem Herrn nicht gut: Off'ner Wund' entfliesst noch Blut. Wohl thun ihm die sanften Lieder, Lullen in Schlaf die leid'gen Glieder. Hier zum Lohne für euch zwei Vollen Humpen, lech'ren Brei. ODie Hirten geniessen das Gereichte und zichen dann über die Brücke, der Weide zu, ab.) ZWEITE SCENE. (Von links wachsender Lärm. Mädchen und Burschen eilen herbei.) Din MäDpOCHEN. Ute! Rathe! Wer kommt? Wer ist da? Diurunrn (tritt auf) (Mutter und Sohn umarmen sich.) UnzE. Du lieber Sohn! Du braver Bursch'! Mein Dietleib du! Jetzt bleib aber da! Wie war's im Krieg? Im Kampfe Sieg? Was gab's zu schaffen? Taugten die Waffen, Vom Vater im Sterben Geweiht seinem Erben! ODietleib legt die Waffen nieder.) Der prächt'ge Helm, Der frommt meinem Schelm! Ach! Dietleib! Dietleib! Erzähl'! Beschreib'! Sandt' mir Dietrich keinen Gruss? DrhrEbrn (setzt sich). Frag' nicht! Lass' mich schweigen. UR. So wärst du nimmer als Mann ihm eigen? DIhuEIn. Alles aus! Vorbei! Vernichtet! Dietrich hat sich selbst gerichtet! Die Burg zerstört, Das Land verheéert. seine Leute, Heunen-Horden traur'ge Beute. Des Himmels Lohn 5 Für thörichten Hohn! Vom Weib verrathen, Vom Teufel berathen, Der Schuld bewusst, Trotz in der Brust, Zauber zwingend, Vor allen Blicken Auf Drachenrücken Kühn sich schwingend, Flog er dahin! Eidentbunden Un. Weh! Was war der Hohn? DihLRIB. Weil er in Gottes heiligen Hallen Launisch Lachen liess erschallen!— Im düst'ren Walde haust er nun, Irrend, jagend, ohne Ruh'n! Vor ihm die Hirten ängstlich flieh'n, Den Banadietrich nennt man ihn. Seines Hornes Ruf, mit rauhem Klang, Bald hier, bald dort zum Ohre drang, Und weh dem, der auf irrem Pfad Ahnungslos dem Wilden naht! UE. Klingt's doch fast, als gehörte er Jetzt schon dem verdammten Heer! EIN MäDOCHTN. Mich gruselt's! In den Wald Bringt mich Keiner mehr so bald. 30 ZXUER. Mir war es schon so manches Mal, Als hört' ich was wie Hörnerschall. ANDERRRS MADOHEN (steht auf). Still! Hört ihr nicht was? (Alle lauschen) UrR Gächelnd). So scholl's nie aus Dieétrichs Mund, Diesmal boll des Nachbars Hund. DIETLEIR (sieht sich um). Ja! wo ist denn uns'rer hin? Urn. N Er starb! Der Knurrer! verdarb die Ruh' dem kranken Mann. DIETLRIB. Einem Kranken? UB. Ja! weisst du noch nicht? Hier drinnen berg' ich Einen, Und mit ihm sein liebes Weib. Herberg' suchénd, ihn zu heilen, Bat sie flehend, hier zu weilen. Den Namen wollte sie nicht nennen, Was nützt's auch, ihn zu kennen? Nur einmal war's, als hörte ich Den Namen Dietrich oder Wittich. Und zweimal rief er, halb erst wach: Rache! Rache deiner Schmach! Täglich, wenn es Mittags wird, Die Frau den Kranken zur Linde führt. Da flüstern sie; er meint's recht innig, Er blickt in sie, so flehend innig. Sie bleibt sich gleich; nur selten ein Scherz, Da lächelt sie, ihm kränkt's das Herz. Fürwahr, sie ist schön und gut und zart, Ganz besond'rer Menschenart, Die Haare anders wie bei uns Frauen, Die Augen gülden anzuschauen. Stets trägt sie ihr grün Gewand Und im Haar wie Schilf ein Band. Und ein Stimmchen, silbern hell So denk' ich mir die Nix' im Quell. DihrUprB. Was ahn' ich? Künde, wie sie kamen! Verbirg' mir nicht die Namen. Un. Nur Abends öfter merkte ich, Wie sie still zum Bache schlich Und nicht eher von ihm wich, Bis die Sonne ganz verblich. Leisses Singen, wie sanftes Sehnen, leh sah ihr das Auge feucht von Thränen. DIbTLEIB. Mutter! ich muss sie seh'n! Geht! lasst mich hier allein! Urn. Was hast du? DiInuLEIB. Ich sag' dir's später. Erst muss ich's wissen. (Ute und dio Uebrigen ab.) DRITTE SCENE. DIhLEIB. Wittich und Schwanweiss! So ist's doch wahr, Was ich nicht glauben wollte. 0 schlüpfrig glattes Weiberherz! Er klopft an der Pforte, Schwanweiss tritt heraus, sie er- kennen sich) SOCHWANWIISS. Dietleib, du? Suchst du Wittich? DITLRIR (leise). Schamlos nennt sie laut den Namen, Statt ihn scheu zu bergen. SCHWANWIIISS. Bist du grimmig? Sprich! wem gilt dein Groll? (Er schweigt.) SCHWANWIEISS. Dein Auge meidet's, Meinem zu begegnen. Bin ich's, der du gram bist? DrnrIRIn. Ich möchte lügen können. SCHWANWIISS. Dazu wäre Dietleib zu ehrlich. Sprich heraus: Denkst du schlimm von mir? ODDietleib schweigt.) SCHWXNWIEISS. Wenn ich Wittichs Wunde heile, Dünkt dich das so arg? DIrUnIB. Du red'st so unschuldsvoll. Wär' dein Herz so wie dein Mund! SCHWANWIEISS. Dietleib! Kch! seid ihr Menschen schlèecht! Bist auch du bethört, behext? Eure Augen deckt ein Schleier Wahrheitsscheu, von Trug gewoben! So kleinlich sinnst auch du? Du glaubst an meine Schuld? Dipruurn. Wollt' ich damals zweifeln, Glauben muss ich's heut, Wo ich euch treffe, scheu verborgen, Euren Namen 2ag verschweigend. Dummkopf hiesse ich mit Recht, Wenn ich jetzt nicht anders dächt'! SCHWANWEISS. Wahr sprichst du! ich darf nicht schelten, Für buhlerisch muss ich dir gelten. Bitte! Hör' mich an: Am End' ich's doch noch wandeln kann: Wittich pfleg' ich, heil' die Wunde; Doch von Weh er nur gesunde, Wenn er einen Schwur mir schwört, Dass er nicht mehr Rache gehrt! Du staunst und möchtest fragen! Der Rache an Dietrich soll er entsagen! Nur eine DIETLEIB. So dürft' er sich und dich nicht rächen, Wenn euch wirklich Unrecht traf? SCHWANWEISS. Unrecht! bitt'res Unrecht! Und doch! Dietrich ist nicht schlecht. DIEILEIB. Wie? Schwanweiss, Der dich verstossen, Den hasst du nicht? SCHWANWIISS. Ich kann ihn nicht hassen, Zertrat er mich gleich. Er nicht! Er war es ja nicht! Ich sah ein widerlich Fratzengesicht. DihruniB. Doch Wittich? SCHWXNWEISS. Ach! Der Aermste, Er liebt, mich! 5 Und ich bin so. grausam hart, zu ihm. 83 Ein freundlich Lächeln kühl Bezähmt sein schäumend Gefühl. Wie es mich oft im Herzen jammert, Wenn er sich brünstig an mich klammert. Denn ich kann ihn nicht lieben; Ich bin ihm nur gut! Leicht könnt' ich entweichen! Doch er wahrt das Zeichen, Das ihn an Rache mahnt. Balmung! Dietrichs Waffe! Ach! wenn sich nur Einer fände, Der das Schwert ihm heimlich entwände, Der es Dietrich brächt' zurück. Es wär' uns Drei'n zum Glück. Doch wer wär's! wer fände Dietrich, Wer wagte es, dem Wilden zu nah'n! Und welcher Edle gäb' sich her, Mit feiger List den Stahl zu stehlen. DibTLRIB. Dem Dietleib trautest du's nicht zu? SCHWANWIISS. Zu offen, ehrlich, frei! Der liess' sich nie herbei! DrhrLEIB. 5 Ist's Wittich's Heil und Dietrichs Glück, So weis' ich keine List zurück. SCHWANWIISS. Wenn wir zum Lindenschatten gingen, Nur dann könnt' es gelingen. DinTLRIB. Doch wo wahrt er's? 36 SCHWANWIISS. In seiner Kammer liegt's am Bett. Birg dich! lass dich nicht sehn. Könnt' ich dir's danken, Wie ich wollte! Guter Dietleib! du warst mir immer treu gesonnen, Heil, dass ich dich neu gewonnen! (Schwanweiss kehrt in's Haus zurück, Dietleib blickt ihr nach.) DrhLEIB. Könnte Lug sich so verhüllen, Trüge Trug ein solch' Gewand, Wahrheit würd' ich Lüge heissen, Würde Lüg' als Wahrheit preisen, Blickte dieses Aug' nicht Kklar, Trauerte ihr Mund nicht wahr, Sterne, Mond und Sonnenschein, Alles müsst' der Lüg' ich zeih'n! (Als er Schritte vernimmt, verbirgt er sich hinter dem Haus.) VIERTE SCENE. CVon der Strasse von verschiedenen Seiten her kommen Ute und Flederwisch.) UrB. Ja! wer kommt denn da. FLEDRRWISCH. Grüss' Gott! guten Tag! du braves Weib. Dich grüsst Magister Flederwisch. Du lauerst gewiss auf Zeitvertreib, Drum lasst uns schwatzen hier am Tisch Friedlich, Gemüthlich, Ganz, wie es uns behagt! Ei der Ehr'! 's ist lang gar sehr, Dass du nicht kamst zur Ute daher. Gott zum Gruss! 12 n, Doch sag'! der Fuss, Schafft er dem Wanderer noch immer Verdruss? FLRDERWISCOIH. Verflixt verteufeltes Ungemach! Ieh werd's nicht los, ich bleib' halt lahm! Wie ich damals mir mein Füsschen brach, Du weisst doch noch, wie der Jammer kam. Gräulich, Abscheulich, Hör', wie ich mich verstaucht. Zum Dome trug die Mutter mich, Ich sollt' die Taufe krisch empfahn. 33 Und wie sie sich recht feierlich Dem Wasserbecken wollte nah'n, Weh! o Graus! 555 Da rutscht' sie aus! Und das Büblein zart Fällt zu Boden hart. Seit der Zeit,'s ist kein Genuss, Hink' ich krumm auf einem Fuss. UR. Andern hilfst du wunderbar, Nur dir selbst nicht! Sonderbar! FLEDERRWISCH. So ist des Quacksalbers echt Gemüth, Das sich für And're stets nur müht. Für sie stéets weich, für sich nur hart, Ist das nicht menschlich edle Art? 4 Doch still! lass uns von anderm reden. Solch' Eigenlob macht mich eèrröthen! (Sie reicht ihm Wein.) EPLEDERWISCOH. Bei euch geht's recht üppig zu. Den Hof ich fast nicht wiederkannte. 5 Da erbtest gewiss Was feines du? Wofür hätt' man auch Anverwandte? Uen. Rupp'ge Verwandtschaft! was der schwätzt! 8 Hab' ganz and're Schätze jetzt. FLREDERWISCH. Ich platz' noch vor Wissensgier! Du bergest wirklich Schätze hier? UB. Lebend'gen Schatz, ein lieblich Paar! ELEDERWISCH. Wovon ich hörte, wär' es wahr? Ein Pärchen? wie? verliebtes Girren Ju dir in's Haus that sich's verirren? UrBE. Eheleute, edel gute! FLEDERWISCEH. Weisst du's auch genau, Frau Ute? UrRE. Was geuau? FLEDERWISCH. Ob Eheleèute? Nun! wenn ich's'mal anders deute! Urn. Was da wohl wieder zu deuten wär'! ELEDERWISCH. Wie unschuldsvoll sie red't daher! li! stell' dich nur nicht gar so frumm, Dein Hirn war sonst doch niemals dumm. Wenn Weiblein und Männlein auf's Land sich begeben, Bei Fremden recht friedlich und freudig zu leben, Da ist die Sache nicht immer ganz eben. Urn. Ich bitt' mir aus! Höhnt er mein Haus? LELEDERRWIS0CII. Uast du Beweis, dass sie getraut? Hast auf den Ring du auch geschaut? Urn. Was kümmert's mich! 8 FLEDERWIS0CIH. Den Namen aber wirst du sagen. UmRE. Was schert das dich? FLHDRRWIS0OI. Hollaah! das will mir nicht behagen! UrzE. Trink' den Wein, du Nörgler du! Ilink' davon und lass' mir Ruh! EFLEDRRWIS0CH. Grobheit ist meist der Beweis, Dass man sich im Unrecht weiss! Gewiss! hast Recht! Mich kümmert's kaum. Ein Weib wie du, dem der Lenz entfloh, Das lauscht gar gern, wenn um sie froh Es webt wie einst im Liebestraum! Nur leid thät mir's!— Urn. Leid? Für wen? FLEDRRWISCH. Leid für dich! lass mich's gesteh'n! Ehrengeachtet ein ehrliches Haus! Schad', würd' es dem Hohn zum Schmaus! Ist der Funke erst erweckt, Schnell die Flamme um sich leckt. Nachbarzungen sind gar spitz, Fürchte ihren biss'gen Witz! Kommt die Kunde In die Runde, Dass für Geld du bietest frei Deine Mauern Bublerei. Urn. Da hör' Einer zu! FLRDERWISCH. Ich sag' ja nur, mir thut es weh, Wenn ich dich Weib s0 arglos seh'! Ehrengeachtet, du ehrliche Frau! Achte mein Wort! Dem Warnen vertrau'! 11 Weisst du, wer sie sind? Wittich ist's, den Dietrichs Weib berückte, Schwanweiss sie, die Lieb-Beglückte! Verfehmt, verbannt, Ob off'ner Schand'! Gelt, Frau Ute, das dachte sie nicht. Und wer ist diese Schwanweiss licht? Wassertümpels gleissender Spross, Glatt und klebrig,'s wird keiner sie los! Willst du Beweis, befühl' mit der Hand Am Saum das Gewand! Ein Eckchen ist da immer feucht. Hast das du befühlt, jeder Zweifel fleucht! Gemeinen Zaubers ist sie mächtig! Prüf' dein Geld! mir wär's verdächtig! Und dieser Blumen Ueberblüh'n, Unheimlich wär' mir solches Glüh'n. Und glaubst du immer nicht daran: Wart'! sollst seh'n! ich klopfe an! (r klopft an der Pforte, zuckt zusammen und zittert.) Ha! siehst du, wie ich zucke, zitt're, So geht mir's, wo ich Zauber witt're! Er klopft wieder.) Das Klopfen tönt im Herzen wieder. So sind mir Nixen tief zuwider! Es bebt, es bangt durch alle Glieder, 5 Am liebsten sänk' ich betend nieder. UrR. Der gute Mann! zuviel der Güt'! E Dass er für mich sich so bemüht. FLEDERWISCH. Ich höre Tritte, leises Flüstern! Pfui! wie klingt das schändlich lüstern. FLNETE SCENE. Schwanweiss öflnet die Pforte FLEDRHRWIS0CH. Doctor doctissimus Bietet schöner Frau den Gruss! (Schwanweiss bleibt stehen und sieht ihm lang, unverwandt in's Auge. Er vermag ihren Blick nicht auszuhalten, schaut bald hier, bald dorthin. Unwillkürlich späht ihr Auge auch nach seiner Gestalt, zuletzt nach seinem linken Fuss. Er merkt's und will ihn hinter den rechten verstécken. Um jenen sehen zu könuen, macht Schwanweiss eine kleine Wendung, Flederwisch entspre— chend mit ihr, sodass sie schliesslich einen ganzen Kreis um ihn, er einen um sich selbst beschreibt.) SCHWANWIISS. Kennt er vielleicht den Raunerath? FLIEDERWISCII. Leider nicht! ach! wie schad'! Ist's ein Mann von weiser Art, So wie ich, recht hochgelahrt? SOGCHWANWEISS. Ganz wie du, auch bischen krumm, Hinkt auf linkem Fuss heérum. FLEDRRWIS0CII. Auch er beim Taufen ausgerutscht, Ward ihm der arme Fuss zerknutscht? SCHWXANWEISS. Was ist dein Wunsch? FLEDERWISCH. Es drang zu mir die Kunde Von deines Helden Wunde. Herbeizueilen, Sie zu heilen, Dünkt dich das nicht Dankes werth? SCHWAXNWEISS. Solch' Eifer ist schier unerhört. FLEDERWISOII (hält ihr ein Fläschchen hin) Flederwisch Braut Gemisch, Gesundend wunderbar. SCHWXNWIISS. Im Flaschen-Zwange, Falsche Schlange, Biet'st du das mir dar. (Schwanweiss nimmt ihm das Fläschchen ab und öffnet es. Eine Schlange schnellt heraus und verschwindet im Boden,) FLEDERWISCH (geheim zu Ute). Sah'st du's, Trulle? (Iu Schwanweiss.) Ich irrte mich! Die falsche Bulle! Diese ist's. SCEHEWANWIISS. Noch ein Stückchen Zauberei? Fliess' zur Erde, feur'ger Brei. (Eine Flamme schlägt auf, Schwanweiss maächt eine Hand- bewegung, sodass die Flamme zischend verlöscht.) 44 FLEDRRWISCII. Wie es zischt! Schlecht sich mischt! Gleich erlischt! Wo kamen nur die Tropfen her? Wasser und Flammen Passt nicht zusammen! Das Beste, was ich je gekocht, Zum ersten Mal hat's nichts vermocht. SCHWXNWIISS. Dank für hülfreich' gute That! Sag' dem Vetter Raunerath, Seine Kunst er besser nütz'! Schwanweiss kenn' Herrn Voland's Witz! Hat er nicht am Spass genug, Der mein Glück in Scherben schlug? Geh! lasst uns allein! (Ab.) FLEDRRWIS0OI (im Abgehen zu Ute). Nun, Ute! sprich! wie ist dir jetzt? UuE (abgehend). Fahr's gleich drein, das Donnerwetter. 0 Jammer! Pein! es ist kein Zweifel! Und wen liess sie grüssen? welchen Vetter? Von Voland sprach sie! So heisst ja der Teufel. SECHSTE SCENE. Voller Sonnenschein. Schwanweiss geleitet Wittich zum Rasenlager unter der Linde. WITTICH. 0 Sonne, heiliger Himmelsglanz, Du sendest deine Strahlen nieder. Beglücke mich! Entrück' mich ganz, Dass schmerzbefreit ich athme wieder. Alles, was dein Leuchten wärmt, Durch nächt'gen Todeshauch erstarrt, Alles deiner Wonne harrt, Regt sich, flattert, schwirrt und schwärmt; Alles lacht und alles dankt, Klles preist die Heilesmacht, Ohne die in ewger Nacht Alles matt und wankend schwankct. Nur Eine Nacht erhellst du nicht! In Eine bricht kein Sonnenlicht! Meines Herzens tiefer Not Leuchtet nicht dein Morgenrot! Und wär' es nur des Mondes Strahl, Des Sternes glitzerndes Gefunkel. Licht brächt' es in meine Qual, Dämmerung in des Busens Dunkel! Dunkel sag' ich! armer Narr! Der zu fernen Sonnen sich wendet. Strahlt nicht nah ein Augenpaar, Das mir Licht und Wärme spendet? Ja! es könnte, wenn es wollte. Mächt'ge Zauber sind ihm eigen. Schwanweiss wär' das Licht, das holde, Meiner Wunde Schmerz zu schweigen, Dreimal schöpft' ich neues Hoffen, Deine Kunst hab' ich gepriesen; 46 Dreimal wieder klafft es offen, Einen Blutquell sah ich fliessen! Sag', wie deut' ich solches Spiel? Freut's dein grausam starres Herz, Dass ich, sehnlich nah' dem Ziel, Wieder sink' in alten Schmerz? Ist es Täuschung, dieses Auge, Das so lieblich blickt und mild, Aus dem ich Trost und Hoffnung sauge, Wär' es wirklich Truggebild? Warum, als die Schmach mich traf, Fand ich Schutz in deinen Armen! Was sorgte dich des Wunden Schlaf, Wozu dein Mitleid? dein Erbarmen? So gut und doch so Kalt zugleich, So nahe mir und so entrückt— So karg und doch so überreich An allem, was euch Frauen schmückt! Schwanweiss! räthselhaftes Wesen! Lass mich länger nicht mehr siech. Willst mich nicht vom Leid erlösen? Schwanweiss! hörst du! heile mich! SCHWANWEISGS. Du weisst's genau, wann es geschieht. WITYICRH. Was wüsst' ich? SCHWANWEISGS. Wenn du ganz gut bist. WITTICER. Bin ich's nicht? 17 SCHWXNWIISS. Ganz gut und friedlich, Eines vergessend! WITVICH. 855 Ist es das wieder! Womit ich einzig dir danken Könnte, Die Rache soll ich vergessen? 8 Deine Ehre dürft' ich nicht ehren? Deine Unschuld sollt' ich nicht schützen? SCHWANWIISS. Ach! Worte! eitel, hohl! Ehre! feiler Tand! Was ist mir And'rer Achtung Gegen das Eine— Wahre? WITTICH (sieht sie befremdet an). SCHEWXNWIISS. Dass Dietrich es glauben mochte! Und er glaubt es ja nicht! Wer säh' klar durch das Gewirr! WITTICH. 8 Welch' sonderbare Milde Gegen den Ungerechtesten aller, Gegen deinen Vertreiber, Der schmählich einen Vorwand suchte, Weil zum Opfer du erkoren warst! SCHWANWIISS. Wittich! Das ist nicht so. WIITTICH. Das ist so! Wann log ich? Höher galt ihm als dein Herz Eines Sieges Jubel-Tag. SCHEWXNWIISS. Schweig'! ich will es nicht hören! WITVTICH. Und so elenden Verrath Am Höchsten, was uns heilig ist, Den sollte ich nicht rächen dürfen? (Schweigen.) SCHWANWIISS. Du fieberst. WITTIOH (matt). Lass mich geésunden! Heile mich! (Er fasst sie und blickt ihr in's Auge). Krystall! Kann keine Thräne dich erweichen? Wie uns're Augen sich treffen, Nähern sich die Herzen nie? Schönste aller Frauen! Wenn ich der Rache vergässe, Wenn du mich heilen würdest, Dass neu in alter Kraft ich erstarkte, Wenn ich so gut nun würde, Wie dein Wunsch es will, Schwanweiss!— sag'!— (Schwanweiss senkt das Haupt und schweigt.) WITTICI. Wittich will gut sein! Wird Schwanweiss es auch? 19 SOGCHWAXNWIEISS. Gelobst du mir? WITIIeH. Bei meinem Auge. SCHWXNWIISS Soll ich dich heilen? WITTICIH. leh flehe dich! (Schwanweiss nimmt einen Balsam und giesst ihn über Wittichs Wunde. In diesem Augenblick vernimmt man einen Wortwechsel im Haus.) Urn (im Haus). Was suchst du hier? DIEUIB. Lass geh'n! Schweig'! Uun. Was willst du mit dem Schwert? Gieb's her! Dietleib! Es gehört Wittich, Dietleib! Er läuft davon!— WITTICH. Wer rief? was hört' ich? Urn cheéraustretend) Ich kann nichts dafür. Der Bursche floh. Dietleib nahm dein Schwert. WITTICH. Balmung geraubt! Ha! doppelt blutige Rache! Schwanweiss! ich räche dich doch! Dich und mich! Und mied mich der Tod, Dann bist du mein. (Er jagt davon-⸗) SCHWXNWIISS. So brichst du den Schwur? Blute denn wieder! Oeffne dich, Wunde! (Sie blickt ihm nach, dann verfällt sie in Sinnen.) SIEBENTE SCENE. Urn. Da wär' er ja fort! Dietleib treff' ich, wie er ein Schwert stiehlt. Wem gehört es denn eigentlich? SCHEWXNWEISS. Dietrich!— Urn. Klso wirklich, dem Dietrich! Und welchem Dietrich? SCHWXNWIEISS. Dietmars Sohne UrE. Den kennst du? 51 SCHEWXNWIISS. Meinen Gatten? 8 Urn. Gatten? und der And're?—5 Hast du denn gar ihrer Ute betrachtet das Kleid der Schwanweiss und lugt, ob sie den feuchten Saum findet.) Uurn (für sich) Weiss der Himmel! Flederwisch sprach wahr. (Sie giebt sich einen Ruck.) Ja, weisst du, Frau, Heraòus muss sie, die Wahrheit. Wie mein Mann im Sterben lag Nie vergess' ich jenen Tag! War das Letzte seine Bitte: „Halt' in Ehren meine Hütte.“ Diese Worte, als klängen sie eben, Achtet' ich mein ganzes Leben. Alle Nachbarn ehren mich, Preisen laut mich tugendlich! Weh! Wenn sich's nun ändern müsste, Wenn's zu flüstern rings begänn, Wenn von Ute man was wüsste, Wenn man übel von ihr sänn'. SCHEWXNWIISS. Viele Worte! sag' es kürzer— Uh. Musst mich ja nicht missversteh'n, Aber wiss', ich muss drauf seh'n, Dass nicht so Gerüchte geh'n, Bei der Ute wohnten Leut', Männlein, Weiblein schön beisammen, Die die Zeit sich recht versüssen, Die ohn' richt'ge Hochgezeit Doch der Ehe Freèud' geniessen. (Schwanweiss macht eine zuckende Bewegun ) Urn. Ja! Verzeih'! ich weiss,'s klingt hart, Du bist lieb und güt'ger Art! Manche Gab' hast mir gereicht, Aber wie's nun'mal so steht Fürchten muss ich bös Gered'. SCHWXNWIISS. Genug! ich weiche gern! Geh' hin zum Grab! beruhig' den Gatten! Sein Haus sei rein wie je zuvor. Die Hütte trübe kein böser Schatten, Die ich zum Obdach uns erkor! Ich geh' und dank' und bitt' in Treu'n, IIs mög dein Herz dir selbst verzeih'n. (tür sich) Wohl begreiflich, doch irriges Wähnen, Oben auf Erden Glück zu ersehnen. Hätte der Vater, durch Bitten bethört, Nie den Wunsch seines Kindes erhört. Heim zu der Wellen wohligem Grab Tauch' ich enttäuscht hinab. Trübsal fand ich nur, Schmerz und Leiden, Lohn für kurze Herzensfreuden. O wie trüg' ich's froher Geduld, Blieb' mir einzig seine Huld. Blumen, Blüthen, Gräser, Bäume, Lebet wohl, ich seh' euch nimmer. Jzu Eude sind die süssen Träume, Ju Nichts zergangen! eitler Flimmer. Ihr war't mir gut und treu und hold. Lasst mich euch meinem Segen weih'n. Erglänzet licht in laut'rem Gold, 5 Ju nie geahntem Gedeih'n! lit den Armen, als wolle sie alle schirmen, segnet sie die Natur. Sonnenuntergang. Sie geht zum Fluss und verschwindet in der Piefe. 32 Alle Blumen, Blüthen und Blätter erscheinen im Goldglanz und ein Gold-Regen fliesst herab. Ute sieht nüäher hin und ge— wahrt, dass es eitel Gold ist. Sie holt in grösster Hast einen Korb und häuft darein den Goldstaub. Zugleich wachsendes Unwetter. Der Fluss schwilit an und will sein Wasser nach vorn ergiessen.) MädDóR UND NACHRARRN (eilen herbei). Frau Ute! Um Gott! welch' Unwetter! Urn. Helft! Schnell! Sammelt das Gold ein! Din NACHRXXN. Was ist? Was hast du im Korb? Urn. 5 Gold! Eitel Gold! 7 ODas Wetter hört plötzlich auf zu toben. Die Abend-Sonne dringt durch.) DIn NACHRARN (sehen in den Korb). Das nennst du Gold? Uen. Gold! Gold! Nichts Gold! wie 54 Din NACHRXEKN. So guck' doch hin. Blätter! Faule Blätter! Der Teufel erscheint dicht hinter Ute, lacht ihr grell in's Ohr und verschwindet alsbald. Alles rings erscheint wie verdorrt. Ute guckt in den Korb und steht wie versteinert da. Man hört die Hirten heimkehren, Sie wollen wieder anhalten, um au blasen) UR (Wwütend). Heim mit euch! Weg und fort! — Wollt ihr Blätter, faul verdorrt? ODie Hirten ziehen weiter.) UAn (allein, sich an die Stirn schlagend.) Ach Ute! Ute! Bist du dumm géewesen! DRITTER AKT. ERSTE SCENE. Wald. Vorn links Felsenstücke, im Hintergrund rechts ein See., links Sumpf, von Schilf umrahmt. Heisse Mittagssonne. Lustiges Spielen und Necken von Hlfen mit Waldschratten(zuerst gelagert, dann durch Alraunchen auf— gescheucht.) Irrlichter wollen sich drein mengen, verlieren aber im Sonnen glanz ihr Leuchten. Da eilt erregt eine Elfe herbei. Epn. Der Banadietrich! lur verfolgt mich! Helft! Banadietrich stürmt daher; die Waldschratte drohen ihm. Er legt den Bogen an und will schiessen. Die Elfen und Irr— lichter tanzen immer wilder um ihn herum, sodass er den Pfeil nicht losschnellen kann; er giebt es auf und sucht die Elfe, nach der es ihn reizt, zu erhaschen. Die andern entweichen. Er will sie küssen) BANADTETRICH. 8 Halt, du entrinnst mir nicht. Mein bist du! Erlieg' meinem Wunsch! ELHYE. Twingen willst du Elfen! Schäm' dich! Banadietrich Hatte das schönste Weib daheim. Und jagte es fort. Die findest du nimmer, So wenig wie mich! (Sie entwindet sich ihm und entflieht in's Gesträueh BXNADIHTRIOH. Freche! Das sollst du mir büssen. ZWEITE SCENE. —(Er will inr nach, als er Dietleib hört.) DrInrEErIB. Heil Diètrich! . BXNADIETRIOH. Wer wagt's? Wer nennt den Namen? Weg, Gespenster! sonst fühlt meinen Pfeil. DrbrEnin (hält inm sein Schwert hin). Lieber dein Schwert! Du wirst sein bedürfen! 0 hör'! Mache dich auf! Rette dein Volk! IIs stöhnt, dass du ihm wiederkehrst, Dass als Blitz du zuckend niederfährst Und Etzel triffst und Ermenrich schlägst. BXNADTIETRICH. Vergassen sie den Fluch? Drürurn. Ob thörichtem Lachen! Künde den Grund! Werd' wieder fromm! Beug' dich vor Gott. Klles verzeiht sich. Nur kehre zurück. BXNADIHTRICOH. Dass ich Gott gehöhnt, war schlimm, Doch Sühne, wenn ich will, könnte es tilgen. Dass ich aber am Heiligsten frevelte, m Theuersten, das in uns lebt, Dass ich ein Herz verschachern Konnte, Dafür giebt es keine Heilung. DibrUnrn. Doch das Herz, das du geknickt, Würde es, ja wär's geheilt? BXNXDIEPRICH. Thöricht Geschwätz. Dinrunrn. Kann nichts dich mit Schwanweiss versöhnen? BXNADTIETRIOH. Reiss' mein Inn'res nicht auf. leh! Versöhnen! DInrUniB. Verzeihen! XNADTETPRIOH. Verzeihen! Als hätte ich zu verzeihen. DrErLEIB. So glaubst du nicht an der Treue Bruch? BXNXDIEERICH. O wär' sie zehnfach untreu! Was ist das gegen meine Schuld. DIRrUEIB. Sie hat dir verziehen. BANADIERRICH (blickt erstaunt) Was willst du wissen? DIEEEEIn. Sie sagte mir's! Woher kam mir sonst das Schwert. Als durch ihren list'gen Rath! *. Dir's zu bringen bat sie mich Und dich zu grüssen. BXNADIETRIORH (sSteht erschüttert da). DinuUnin. Wittich pflegt sie, doch heilt sie nur dann, Wenn er gelobt, nicht Rache zu nehmen. BXNADITRICEH. Aber ich sah sie in seinen Armen. DIhIEEIE. Er liebt sie mit unseliger Gluth, Sie wehrt sanft seinem sengenden Muth. Wahrlich ein rechtes Herzeleid! 9 32 BXNADIETRICH. O! Unpürdigster Aller! Dietrich! Jämmerlicher! Das Letzte, womit ich künstlich mich deckte, 3 Dass auch sie in Schuld verstrickt sei, Der schwache Schild, dem Gewissen ein Schutz, Wär' auch er zerschlagen? DIEPLEIBE. 8 Noch ist's nicht zu spät. Du wirst sie wiederfinden. Den Feind verscheuchen. Werd' deinem Volk ein König wieder! BXNADTETRTOH. Schweig' davon, Ju tief ist der Ingrimm gegen die Macht, Die so mich preisgab, Gegen die Willkür, der mein Fall behagte! Die mich verfluchten, sie lass herrschen. leh sollte ein Knie vor ihnen beugen? Reuig flennen? Ha! Narr! kennst du den Dietrich so schlecht? Wage nichts! Versuche nichts! Es könnte schlimm dir lohnen. Vor dem die Wälder zittern, Fürcht' Banadietrichs Zorn! 5 Du stehst? Zauderst? Dein Blick ist trüb'? Hast du den wilden Freund noch lieb? Willst du mein Schwert? Nimm! es sei dein! Wenn du es schwingst, gedenke mein. Vielleicht bringt es dir Glück! ODietleib wehrt ab und scheidet traurig) DRI“ (Man hört Verruchter Dieb! Bin ich dir auf der Spur. Mein Schwert! (Wittich und Banadietrich stehen sich plötzlich Hier liegt's. Tausch taugt BA uns be Gieb mir mein eign Wenn du es BANADIETRICEH. findést. Wo ist es hin? Pfeil und Bogen frommen mir mehr Als eines Verräthers gleissende Waffe. TTE WIrYITICHS NADIETRICH. WITIICEH. SSer. es zurück. WITIICR. BANADIETRICH. WIrYICH. So ring' mit mir! Wozu? Schwachkopf! BXNADTETRICRH. WIVTVICB. Weisst du nicht, we n ich zu SCENE. 61 BXNADTIEPRICH. Was will dein bübischer Eifer? llätte Einer sich zu rächen, Wär' es nicht ich, Dessen Weib du lüstern berührtest? WITTIOH. Lüstern nennst du Liebe? 3 Liebe und Mitleid? Als mein Aug' jenes Opfer sah, Das deine Machtgier sich erkor! BXNADTIHTRICH. n meine Schuld mich zu mahnen, Kommt dir nicht zu. Eine ist's, vor der ich knieend büssen müsste, Und Sie der Engel— hat vergeben. Und weil Sie Versöhnung spendet, Weil durch Sie mein verwittertes Herz Neu zu leben begonnen hat Wittich! Willst auch du Versöhnung? WITNICH. Hei seht! Was ist in ihn gefahren? Der KRache-Reizer soust, Mild versöhnlich, zährenreich! Ring' mit mir! (Plötzlich erblickt Wittich hinter Dietrich eine grosse Ge— stalt zu Ross.) WITTICI. Ha! Dietrich! Schreécklicher! Wer steht dir bei? Wer ist der Reiter hinter dir? Sein Haupt trägt er im Arm. hat drei Hufen nur. Grauen! Wilder! steh' mir Rede! Welcher Macht bist du im Bund? Wer ist's? Wer ist der Fremde? Fluch über dich! Schmach über mich! Himmel! lohnst du mir S0? (Wittich flieht in der Richtung des Sees. Die Erscheinung Sein Ross verschwindet) BXNADTETRICHH. Wohin? Was ist dir? Nie flohst du noch. Er stürmt in rasendem Lauf zum See! Wittich! halt ein! Treibt die Flucht in die Fluthen dich? Er sinkt! Was gaukelt mir mein Auge vor? Ist mir's nicht, als öfknet' die Tiefe sich? Als höbe ein Arm sich wonniglich? Als schläng' er sich um den sinkenden Mann? Ich sehe ein Haupt! den Nacken weiss wie ein Schwan— Trügen mich Kobolde? lasst euren Scherz! Ju gross wäre der Gram, zu zehrend der Schmerz. Dietleib! Du logst!'s ist alles nicht wahr. Hacke an mir des Argwohns Aar! Reisse mir Wunden der Eifersucht auf, Fliesse Blut in brennendem Lauf! Und ich bliebe hier zagend zurück, Gönnte Wittich das einzige Glück? VIERTE SCENE. Der Teufel hält Banadietrich am Mantel fest. Daneben steht Tod.) lang und hager der TnUpRL. Halt! Halt! Nur kein verfrühter Sprung! BXNADIETRIOR heftig sich wendend) Wer seid ihr? TROUFHEL. Gute Freunde! Teufel und Tod! BANADIETRIOn Und was wollt ihr? TROUFEEU. Dich holen! BXNADIETRICEH. Das war deutlich! Weshalb? 8 TEUFPEV. Ob deines Undanks Schnödigkeit. Wer half gegen Etzel, gegen Ermenrich? Der Drache entriss dich dem Todesstich! Das alles dünkt dich nicht'ger Tand? BANADTETRICEH. Wo ist das Blatt mit Blut beschrieben? TEUFEL. O schlauer Schlingel! Schmach und Schand'! Ich glaubt', es müssten solchem Helden Mündliche Verträge gelten? BXNADIETRICH. Was du mir gabst, das zähltest du vor: Vergisst du, was ich durch dich verloren? Es gleicht sich aus. Was meint er dazu? — TEUFEEL. Er ist stockheiser! kann kaum krähen. 5 Seine Sense meint: sie möchte dich mähen. BXNADIETRIOR (mustert den Tod.) Das also ist euer Tod? Das des Lebens Abendroth? Wisse, wie ich den Tod geseh'n! Im Kampfe verzweifelndem Heldenleid Neigt' sich die kühne Schlachtenmaid! Auf dem Rosse zur Götterburg jauchzend ihntragend. So sah ich den Tod! In den Felsen hoch die Gemsen erjagend, Am schwindelnden Abgrund, verlorener Pfad, Da dem Wankenden die Nebeljungfrau naht! So lieb' ich den Tod. Auf stürmender Séee, an lauerndem Riffe Steéuerlos irr' auf verlorenem Schiffe; Zum Fährmann dringt ein wonniges Klingen, Schwanenflügels lockendes Schwingen! In lieblichen Tönen Schmerzversöhnen, Wellenweiches Untergel'n! S0 will ich den Tod! Und solchem folg' ich gern. Nicht dir armseligem Gerippe Mit Stundenglas und Hlippe, Modrig, schaurig, Hässlich, traurig! Gruftentstiegener! Wurmzernagter! Mir zu nahen wahrlich wagt' er? Hebe dich weg! Gehorchst du nicht? Hinweg das dürftige Dürr-Gesicht! Er mag nicht! So will denn ich! Er hebt das Schwert auf und schlägt den Tod entzwei) TBUFPEL (steht da wie Einer, dem man auf den Fuss getreten hat) (tur sich) Ein ungemüthlich Menschenkind! Am End' schlägt er auch mich noch entzwei. Ich muss ihm droh'n, die Beute mir sonst entrinnt. Ha! Ruchloser Höhner! Tod-Verpöner! Fürchtest du nicht Das letzté Gericht? Wenn die Posaune einst schmetternd dich schreckt, Dich vor des Ewigen Richtstuhl weckt! 5 ZXNADTIETRICH Gacht). Wie der Teufel so keck das Gute verficht! Ei was! Worte-Ungeziefer! Juch' and're damit! Geh'! gieb mich auf! Doch eh' du scheidest, raune mir Rath: Was ist die grösste Sündenthat? 66 Tnupnu. Als hättest du noch nicht genug begangen? BANADTETRICOH. Den Einsiedler hörte ich sagen, Brod in der Schuhsohle tragen. Ich that's, doch genügte mir's nicht; Lastender will ich der Sünde Gewicht! TEUFEEIL. Das ist dein letzter Wunsch auf Erden? BANADTETRICH. Aus Trotz! Was hatt' ich gethan? Was war meine Schuld? Dass ich schmachvoll sank aus des Höchsten Huld. Mein Leben war Muth und Tugend, Ehre und Freude, Da sandte man dich! Ich ward der Versuchung zur Beute. TEOVUFERL. Ja ja! widersteh'n! BANADITETRICH. Will ich denn Heiliger sein? Ich bin verflucht, dess' will ich mich freu'n, Frevelnd, sündigend ohne Bereu'n. Tnurnu. Und graust es dich nicht vor dem Ende? BANADIETRICH. Vor dir? Vor dem Tod, den ich zerschlug? Ich sterbe nicht! TEVUFPEL. LKLühn und herrisch! Mir bischen zu närrisch! Fahr' wohl! BANADTIETRICH. Halt! erst nenn' mir, was ich dich fragte! THVUFYEIL. (sicht sich am Boden um). Siehst du das Blümelein Lieblich und fein? Halb erst offen, Sonnen-Erhoffen! O farbenentzückendes Spiel! Thautropfen eben dreinfiel Und feuchtet ihm hellblaue Augen! Zu kindisch noch, den Bienen zu taugen, Bebend bei leisestem Winde, Scheu vor jedem Schritt! Siehst du's? Geh' hin! Zertritt! Das ist die grösste Sündenthat. (Als der Teufel sich entfernen will, erblickt er die Ueber- reste des Todes. Erübreitet dessen Mantel aus, legt die Knochen darauf und geht wie ein Prödler mit dem Sack auf dem Rücken ab) Tnuphu. Mein braver Tod, das liesst du dir nicht träumen. Komm'! lass mich dich pichen, leimen, Für Andere bist du noch gut genug. FINFTE SCENE. BANADTETRIOH. Er hinkt ab und hat Recht. Selbst dem Tropfen bin ich zu schlecht! Ein mädchenhaft empfindelnder Teufel, Schwärmt von Blumen und Thaugeträufel. (Er tritt näher zur Blume und neigt sich.) Wie lang' sah ich euch Blumen nicht mehr! Den süssen Duft, wie lang' ich ihn mied! Und doch, nicht fremd blickt's dort zu mir her, Es klingt wieder auf: ein verstummtes Lied. Zum Ohr dringt wieder ein Klagelaut: Der Schrei einer Blume, die ich getötet! Wie es zu mir so schmerzlich schaut. So blickte schon einmal, zährengeröthet, Eine and're Blume zu mir. So hätt' ich sie schon begangen, die Sünde, nach der ich strebe? Was hatte der Teufel sich gedacht? Vielleicht so? Eine Schuld einmal gethan, liess' sich verzeih'n, Das zweite Mal nicht. Hoffnungslos Alles— Erkaltet das Her2— Is will erstarrt sein!— Nur im Inn'ren ein nagender Ingrimm! Wach' auf! Wuth! Recke dich! Blümchen, klein und fein, Leben, halb im Keime noch, Unwissend oft zertreten, Wissend wär' es der grösste Frevel? Blümchen! hab' Acht! Dein Mörder ist nah'!— 69 Thor! ich zage! Ich schliess' die Augen, Ich will es nicht seh'n, Was gereizter Wille begeht! Dummes Blümchen, Du meinst, ich schenkte dir dein Leben? Lache, wenn ich dich trete! Sei froh, Erblind'st du der trügerischen Welt!* (Er zertritt die Blume; ein Klageruf weht durch die Lüfteg Din SrIXAH DES HERRN ERKLINCGT. Banadietrich! bereust du? (Banadietrich steht starr.) STIMMEHE DES HEREN. Bereu' deine That! BXNADIETRICH. Bereuen? ich? Wer du auch seist, Ungekannter Laut, Wärst du der Ewigkeit Stimme, Ich rufe: Nein! Trotz! Trotz! 8 STIMNMRH DES HERRN. Noch einmal ruf' ich: bereue! BANADIETRICH. Noch einmal bekenn' ich: Nein: ich bereue nicht. Trotz! Trotz bis zum Ende! STIMME DES HERRN. So sei verdammt zur ewigen Pein, Dem wilden Heer Gesell zu sein. (Alsbald erhebt sich ein gewaltiges Brausen und Tosen. Jagdrufe, Bellen, Peitschen. Die wilde Jagd naht. Im Wirbel— sturm wird Dietrich ergriffen; sie reissen ihm das Gewand vom Leib und jagen mit ihm im Kreis. Im Hintergrund, auf einem Felsen, zeigt sich eine zertrüm- merte, noch in Flammen lodernde Burg. Banadietrich wird hin- gezerrt. Der Reiter mit dem Kopf im Arm steht in der Mitte. anadietrich soll das Haupt abgeschlagen werden, dass er auch s0 reiten soll; ein dreibeiniges Pferdegeripp wird ihm gereicht. Jubel und Hohngeschrei der Geister. Als ihm eben der Kopf abgeschlagen werden soll, erklingt SCHEWANWEISSERNS Stimme aus der Piefe.) Banadietrich! Banadietrich! Bereue! (Alles hält einen Augenblick still.) BANADIHRTRICH. 1 Schwanweiss! Ihre Stimme! SCHWANWIISS (wiederholt den Ruf). BANADTETRICH. Was kein Mensch, kein Satan, kein Gott vermochte, Vermag es eines Weibes Bitte? Schwanweiss! Schwanpeiss! Ja! ich bereue! Die wilde Jagd zerstiebt heulend; dichter Wolkennebel er- füllt die Bühne. Verwandlung. In der Tiefe des Sees. Banadietrich in Schwanweiss' Armen liegt auf einem sanften schilfumgebenen Lager.) Chor der Nixen und Schwanjungfrauen: Ileil, Banadietrich! Willkommen Freund! Luft und Erde waren dir feind. Grollen und Trotzen, Sehnen und Irren, Hier in der Tiefe in nichts sich verlieren. Wellen, gleich in wandelndem Lauf. Lösen in Wonne die Wehmuth auf! Wogen schliessen in fliessender Ruh' Irdischen Kummers Wunden zu! Der nur wird dem Wahn entrückt. Den unser Fluthenreich beglückt. Allen Werdens Urgewalt, All' Empfindens Urgehalt: Treue findet nur und Trost, Wer die Tiefe sich erlost! 2 — — . 2 2 + — S 2 * —