G5 leſſandte(—5* gHellg. Romantiſche Oper in drei Aufzügen. Muſik von F. v. Flotow. Zum Erſtenmale dargeſtellt auf dem Hamburger Stadt⸗ theater am 28. December 1844. Eduard Bloch. Theater-Buchhändler in Berlin. Brüderſtraße 2. Perſonen. Aleſſandro Stradella, Sänger. Baſſi, ein reicher Venezianer. C Leonore, ſeine Mündel. Malvolio, Barbarino, Schüler Stradella's. Masken. Diener. Römiſche Landleute. Patrizier. Sbirren ꝛc. Ort der Handlung: Im erſten Aete, Venedig; im zweiten und dritten Acte, Gegend bei Rom, Stradella's Ge— burtsort,(3 Monate ſpäter). Banditen. Erſter Aet. Ein kleiner Platz in Venedig. Im Hintergrunde ein Kanal, mit einer Fernſicht aufs Meer.— Rechts, vom Zu⸗ ſchauer, Baſſi's Haus, das die Ecke einer kleinen Straße bildet. Rings um das erſte Stockwerk läuft ein Bal⸗ kon, der ſich um die Ecke zieht. Nacht. Mondſchein. Die Bühne iſt durch einige Laternen und die erhellten zweiten Fenſter der umliegenden Häuſer matt beleuchtet. Beim 6 Ge⸗ Aufziehen des Vorhangs gleiten einige Gondeln über den Kanal. Erſte Scene. Stradella(und einige ſeiner Schüler, in einer Gondel). Chor. In des Mondes Silberhelle, Durch die ſtille Nacht, Trag' uns, Gondel, ſanft zur Stelle, Wo das Liebchen wacht. 18* 276 Durch der hohen Marmorbogen Stolze Pracht, Schaukelt uns, ihr blauen Wogen, Leis' und ſacht. Stradella. Wohl ſtrahlen ſchön Venezia's Räume, In der Sonne gold'nen Pracht; Doch füllen lieblicher noch, Träume, Hier die Bruſt, in ſtiller Nacht. Chor. In des Mondes Silberhelle ꝛc. (Sie ſteigen an's Land.) Stradella. Wir ſind zur Stelle, wo die Theure weilet, Weckt, Freunde, ſie mit ſüßer Melodie; Das holde Bild, das mit dem Traum enteilet, Mal' Wahrheit ſchöner ihr, als ſelbſt die Fantaſte. Im leiſen Chore Flüſtert ihr zu: Wach' auf, Lenore, Aus ſüßer Ruh'! Chor. Im leiſen Chore ꝛc. (Serenade.) Stradella(zum Balcon gewendet). Horch, Liebchen! Horch! Es ſingt der Traute In Lieb' erglüht, lſie. 277 Zum Klang der Laute, Der Minne Lied. Mag tobend dort die Feier rauſchen, In wilder Luſt und kühnem Scherz; Hier kann die Lieb' der Liebe lauſchen, Dem Herzen künden ſich das Herz. Venedig ſtrahlt im Glanz der Feſte; Hier leuchtet Lung, ſanft und mild— Die Blüthen koſen mit dem Weſte Und ſpiegeln in der Fluth ihr Bild. Horch! Liebchen, horch! Chor. Horch, Liebchen! Horch! zc— Kein Laut, kein Schimmer Auf dem Altan!— Träumſt Du noch immer? O, hör' ihn an! Horch, Liebchen! Horch! ꝛc. Stradella. Doch ſeht: In der Geliebten Zimmer Erglänzet mit der Kerze Hell, Dem Harrenden ein Hoffnungsſchimmer. O, Freunde, eilt zur Seite ſchnell Und wachet, daß kein Horcher lauſcht, Was Liebe mit der Liebe tauſcht. (Die Schüler entfernen ſich.) 278 Zweite Scene. Stradella. Leonore(auf dem Balcon). Leonore. Stradella. Stradella. Theure Leonore— O, komm' hervor! Die Liebe winkt. Leonore. Nur heimlich! Sacht! Daß nicht zum Ohre Des Vormunds, unſer Koſen dringt! Verrath iſt wach— mit Argusblicke Belauert uns des Argwohns Tücke. Stradella. Bin ich nicht da, Dich zu beſchützen? Iſt nicht mein Leben Dir geweiht? Leonore. Was kann des Sängers Beiſtand nützen, Wo ſiegreich, Macht und Gold gebeut?— Schon morgen— nach des Vormunds Willen, Vereint mich ihm der Ehe Band; Doch eh' ſoll mich die Woge hüllen, Als dies verhaßte Brautgewand. Stradella. So laß uns flieh'n! Leonore. Doch wie entrinnen? Den Ausgang wehrt der Söldner Troß. hre llen, 279 Stradella. Wo Lieb' und Treu' auf Mittel ſinnen, Da weichet ſelbſt ein Zauberſchloß. (Notturno.) Stradella. Durch die Thäler, über Hügel, Führet Liebe uns zum Port. Liebe, Liebe leiht uns Flügel, Sie beſchützt uns hier und dort. Liebe lehrt uns Alles wagen, Schirmt und wahrt uns immerdar, Lehrt uns dulden, lehrt uns tragen, Muthig trotzen der Gefahr. Leonore. Mit Dir theilen, mit Dir tragen Will ich Luſt und Ungemach, Ohne Wanken, ohne Klagen Folgen Dir durch's Leben nach. Mag ſich trüb die Zukunft färben, Mag ſie ſtrahlen roſig klar; Mit Dir leben, mit Dir ſterben, Sei mein Wahlſpruch immerdar. Beide. Liebe lehrt uns Alles wagen ꝛc. (Jubel und Geräuſch in der Ferne.) 280 Stradella. Doch horch! Ein Troß der wilden Schaaren Nah't dieſem friedlichen Aſyl.— Verborgen, Theure, laß uns harren, Ob nicht ihr tolles Maskenſpiel, Mit unſerm Liebesplan im Bunde, Beſchleunige der Rettung Stunde? (Sie ziehen ſich zurück.) Dritte Scene. (Masken aller Art, theils in Gondeln, theils durch die Straße kommend, erfüllen die Scene. Viele tragen Fackeln.) n Chor. Freudeſauſen, Jubelbrauſen, Füllt die Lüfte ringsumher— Und die bunten Masken hauſen In den Hallen, auf dem Meer. Durch die Wogen Hergezogen, Nahen Schaaren tief vermummt; Auf den Straßen Und Terraſſen Jauchzet Alles, lacht und ſummt— Fackelſchimmer! Kerzenflimmer! Hörnerſchall, Trompetenklang! ren ck.) ch die keln.) 281 Welch' Getümmel! Welch' Gewimmel! Wonne rings und Luſt und Sang.— Vivat hoch, Prinz Carneval, Vivat hoch, Prinzeſſin Freude!— Jubelnd preiſen hoch, Euch Beide, Treue Diener, ohne Zahl. (Ballet.) Vierte Scene. Vorige. Stradella(hervortretend). Später Leonore. Stradella. In Jubelchor und frohen Reigen, Miſcht gerne ſich des Sängers Lied: Apollo's Schüler darf nicht ſchweigen, Wo Komus Segen rings erblüht. Chor. Stradella! Stradella! Willkommen Meiſter, In unſer'n Reih'n; Als dienende Geiſter, Sind Alle wir Dein. Stradella. Ein Späßchen gilt's, ein tolles Maskenſpiel— Wollt, Freunde, Ihr dem Freunde Beiſtand leih'n? Chor. Den dienenden Geiſtern befiehl, befiehl! Wir Alle ſind Dein!(Di Stradella. wer So horcht meinen Worten, Habt Acht, habt Acht: Mein Liebchen weilt dorten Vom Argus bewacht; Doch kaum, daß die Zither Ertönt ihrem Ohr, So tritt ſie an's Gitter Verſtohlen hervor. Chor. Doch kaum, daß die Zither Ertönt ꝛe. Stradella(ſich gegen den Balcon wendend). V. Horch, Liebchen, horch! Es ſingt der Traute In Lieb' erglüht, Zum Klang der Laute Der Minne Lied! Komm', Liebchen, komm'! Chor. Komm', Liebchen, komm'! Leonore. Ach! Lockend tönt das Lied des Treuen In meiner Klauſe ödes Grab— 283 Und ob mir rings Gefahren dräuen, Fort zieht es mich, zu ihm hinab. (Die Masken bringen Strickleitern aus den Gondeln, und werfen ſie ihr zu.— Sie verſchwindet damit um die Ecke des Balcons.) Chor. Muth! Liebchen! Muth! Laß uns vollbringen Die kühne That. Muth! Liebchen! Muth! Es muß gelingen, Die Rettung nah't. Fünfte Scene. Vorige. Leonore(unten, von rechts, hervortretend). Leonore. Die Freiheit winkt! O ſeliges Gefühl— Habt, Freunde, Dank! Ihr gabt mir neues Leben, Vereint nun laßt in munt'rer Laune Spiel, Dem Frohſinn und dem Scherze uns ergeben. Chor. Vivat hoch, Prinz Carneval! Vivat hoch, Prinzeſſin Freude! 84 Sechste Scene. Vorige. Signor Baſſi(auf dem Balcon). Baſſi(d'rinnen). Leonore! Leonore! Leonore. Weh! Es iſt um mich gethan! Chor. Nicht doch, Kind! Zu taubem Ohre Spricht er.— Unſer Scherz hebt an! Baſſi(auf den Baleon vortretend). Leonore! Leonore! Weibliche Masken. Hier, Herr Vormund, ſind wir ja! Baſſi. Leonore! Leonore! Masken. Seht den Alten! Ha, ha, ha! Baſſi. Hülfe! Hülfe! Wache! Sbirren! Helft mir die Verweg'ne kirren! Will ſie zügeln, Sie verriegeln, Daß ſie nie die Freiheit ſieht. (Diener kommen aus dem Hauſe, die Masken ſtellen ſich vor.) 285 Chor. Hurtig! Hurtig, in den Nachen! . Stern der Lieb' wird Euch bewachen! Schaukle, Welle, Sie zur Stelle, Wo der Ruhe Glück erblüht. Leonore und Stradella. Hurtig! Hurtig, ꝛc. Schaukle, Welle, Uns zur Stelle, Wo der Ruhe Glück erblüht. Baſſi(unten). Packt ſie! Greift ſie! Faßt ſie, Leute! Chor Stradella und Leonore in die Mitte nehmend). Sucht ſie erſt und faßt ſie dann! Baſſi. Hundert Seudi für die Beute! Chor. Hundert Prügel für den Mann! Baſſi. Herzensmündel! Füg' dich willig, Und Dein Frevel ſei verzieh'n! Leonore. Herzensvormund! War's wohl billig, Mich dem Feſte zu entzieh'n? 286 Leonore und Stradella. Vivat hoch! Prinz Carneval! Vivat hoch! Prinzeſſin Freude! (Stradella und Leonore ſind unterdeß, immer von den Mas— kes beſchützt, an eine Gondel gelangt, und ſingen im Fort— fahren mit dem Chor). Chor. Vivat hoch! Prinz Carneval! Ge Vivat hoch! Prinzeſſin Freude! (Die Masken zwingen indeß den ſich ſträubenden Baſſi, zum Tanz, bis er erſchöpft niederſinkt.) Mas⸗ 3 Zweiter Aet. (Gegend bei Rom, Stradella's Geburtsort. Links das Haus Stradella's, mit einem Schilde, worauf eine Glocke gemalt; darunter die Unterſchrift: Alla Campanella. — Rechts ein Wirthshaus, mit Stühlen und Tiſchen davor.) ſi, zum Erſte Scene. Leonore(aus dem Hauſe rechts tretend, im Brautkleide.) So wär' es denn erreicht, das heißerſehnte Ziel! Nach langem Wandern, von Gefahr bedräuet, Beut' Roma, des Geliebten Vaterland, Dem treuen Paar ein friedliches Aſyl, Und froh erſtrahlt der Tag, an dem ein heilig' Band, Zwei Herzen mit des Himmels Segen weihet. (Arie.) Seid meiner Wonne ſtille Zeugen, Ihr Wolken auf des Himmels Blau, Du Wald, mit deinen Schattenzweigen, Ihr Blumen auf der bunten Au. O, trocknet nicht, ihr Gluthenſtrahlen, Den Thau der Blüthen auf der Flur, Daß glanzvoll ſie die Freude malen, B Der neu ſich ſchmückenden Natur. Alles theile Unſer Glück; Freundlich weile, Frühlingsblick! Morgenſonne, Maienduft, Füllt mit Wonne Rings die Luft! Philomele, Hoch im Grün, Deine Seele Hauche hin. Himmelsthau, von Roſen thräne, Wie das Auge Freude weint; Strahl' in voller Lenzesſchöne Tag, der mich dem Theuren eint.— Verhaßter Zwang hielt mich in Banden, Kein Strahl erhellte meine Nacht! Daß neu zum Leben ich erſtanden Dank' ich der Liebe Zaubermacht. Alles theile Unſer Glück; 0 —2 A 8 289 Zweite Scene. Bauern und Bäuerinnen, mit Blumen und Krän⸗ zen. Später Stradella. Chor. Hört die Glocken! Freundlich locken Ihre Klänge zum Altar. Zu den Hallen Laßt uns wallen, Wo ſich ein't das treue Paar! In Freudigkeit, Zum Feſtgeleit Nah'n der Gefährten Reih'n. Und nehmen Theil An ihrem Heil Und jubeln froh darein! Stradella(aus dem Hauſe tretend). Leonore! Leonore. Stradella! Stradella. Alles iſt bereit— Der Prieſter harrt am ſtrahlenden Altar Und der Geſpielen buntgeſchmückte Schaar Erwartet uns zum feſtlichen Geleit! 19 290 Leonore und Stradella. O, frohe Stunde; Auf immerdar Ein'ſt du zum Bunde Ein treues Paar. Chor der Mädchen. Duftender Blüthen Strahlende Zier, Huldigend bieten Wir Jungfrauen Dir. Chor. Hört die Glocken— . ꝛc. ꝛc. (Sie verlaſſen im Zuge, paarweiſe, Leonore und Stradella folgend, die Scene.— Das Ritournell der Glocken ver— klingt ſanft.) 2 Dritte Sceue. Malvolio. Später Barbarino.(Malvolio, den Hut tief in's Geſicht gedrückt, ſchleicht links herein, in ein Papier blickend, als ſuche er ſich zurecht zu finden.) Duett. Malvolio. „An dem linken Strand der Tiber, „Bei- dem Hügel rechts vorüber, —22— ů ů ů ů V ¶ „Liegt ein Flecken, „Zwiſchen Hecken „Grüner Lorbeer'n, hoch und dicht. „Dort im Haus zur Campanella, „Wohnet ein Signor Stradella, „Großer Sänger, ee— Ihn verfehlen kannſt Du nicht.“ (Herumblickend.) Hier der Flecken— dort die Tiber— Jwiſchen Hecken— rechts vorüber— Dort das Schild zur Campanella— Ei! Per bacco! Freund Stradella, Dich verfehlen kann ich nicht! „S r⸗ Klopft an's Haus.) äuschenſtill!— Nichts will ſich rühren— (Horcht.) Weder Wort, noch Laut zu ſpüren— (Die Thüre öffnend.) Unverſchloſſen?— Will es glauben!— lio, den Wo nichts iſt, fällt's ſchwer, zu rauben. in ein(Schleicht herein und ſe düeßt die Thür hinter ſich.) en.) VBarbesiud(hereinſchleichend, mit einem Papier in der Hand, wie Malvolio, den Hut tief in's Geſicht gedrückt.) „An dem linken Strand der Tiber, „Bei dem Hügel rechts vorüber, „Legt ein Flecken, „Zwiſchen Hecken 19* 292 „Grüner Lorbeer'n, hoch und dicht. „Dort im Haus zur Campanella, „Wohnet ein Signor Stradella,(Si „Großer Sänger, „Mädchenfänger,— „Ihn verfehlen kannſt Du nicht.“ (Herumblickend.) Hier der Flecken— dort die Tiber— Zwiſchen Hecken— rechts vorüber— Dort das Schild zur Campanella— Ei! Per bacco! Freund Stradella, Dich verfehlen kann ich nicht! (Findet die Thür verſchloſſen und ſchaut durch's Fenſter.) Keine Seele!— Ausgeflogen —*— u 4 Scheint der Sänger— mir gewogei Iſt der Zufall— daß ich ſpüre, Wie ich ſchlau den Streich vollführe. (Will durch's Fenſter ſteigen. In demſelben Augenblick ſchleicht Malvolio zur Thür heraus und packt ihn von hinten.) Malvolio. Wart, Spion! Ich will Dich lehren! Barbarino. Teufelsſohn! Man kann ſich wehren! Malvolio(den Dolch zuckend). Diebsgeſell! Herab den Hut! 293 Barbarino(ebenſo). Fahr' zur Höll'! Banditenbrut. (Sie haben beim Ringen die Hüte verloren und erkennen ſich lachend.) Malvolio. Ha! ha! ha! Freund Barbarino! kend.) Barbarino. Ha! ha! ha! Freund Malvolino! Malvolio. Dem ich bald das Garaus machte! Barbarino. Den ich bald nach Jenſeits brachte. enſter.) Malvolio und Barbarino. Ha! ha! ha! Malvolio(ähm die Hand ſchüttelnd). Herzensfreund! Wie geht's? Was treibt man? Barbarino(ebenſo). ugenblick Alter Burſch! Wie ſteht's? Wo bleibt man? hinten.) Malvolio. Flau der Handel! Schlechte Zeiten! Pfuſcher, die den Preis verderben. Barbarino. Schlechte Kundſchaft bei den Leuten; Schwer, ſein ehrlich Brod erwerben! Malvolio. Und die Frau? Die lieben Kinder? Barbarino. Munter! Und bei Dir? 294 Malvolio. Nicht minder. Beppo liegt ſchon auf der Lauer, Stellt dem Wand'rer manche Schlinge, Und kein Fuchs war jemals ſchlauer. Barbarino. Memmo führt ſchon ſeine Klinge, Sticht nach Puppen, wie ein Held, Ohne, daß er jemals fehlt. Beide(gerührt, faſt weinend). Brave Kinder! Himmelsluſt, Für die fromme Vaterbruſt. Malvolio. Aber ſag', was führt dich her? Barbarino(geheimnißvoll, das Zeichen des Todtſtechens machend.) Hab' zu: hm! hm! Malvolio. So? Verſteh'! Barbarino. Doch Du ſelber! Dein Begehr? Malvolio(ebenſo). Auch zu: hm! hm!—!— In der Näh'! Barbarino(gheimlich). Ein Geſchäft für einen alten Zähen Geizhals aus Venedig; Mach' ein Sängerherz erkalten Und ſein Weibchen frei und ledig! 295 Malvolio— Alle Teufel! Barbarino. Aber Du? Malvolio c(gheimlich). Ganz curioſe! Hör' nur zu: Ein Geſchäft für einen alten Zähen Geizhals aus Venedig; Mach' ein Sängerherz erkalten Und ſein Weibchen frei und ledig! Barbarino. 'S iſt ein Irrthum! Malvolio. Nein, doch! Nein! tſtechens Du nur täuſch'ſt Dich! Barbarino. Kann nicht ſein! (Das Papier hervorziehend und leſend.) „An dem linken Strand der Tiber— Malvolio(ebenſo). Bei dem Higel rechts vorüber— Barbarino. ih'!„In dem Haus zur Campanella.“ Malvolio. „Wohnet ein Signor Stradella.“ Beide. „Großer Sänger— Mädchenfänger— „Ihn verfehlen kannſt Du nicht.“ 0 296 Ha! ha! ha! O! fürwahr ein Spaß zum Lachen, Beide hier zu gleichem Ziel! Armer Sänger! Für Dich Schwachen, Sind vier Arme faſt zu viel! Alter Sünder! Schlau, wie Keiner, Gelt! das nenn' ich auf der Huth: Beſſer treffen zwei, als Einer! Bravo! Brav! Dein Plan war gut! Barbarino. Doch wen trifft's nun von uns Beiden? Malvolio. Mich, den Erſten! Barbarino. Eitler Wahn! Eher mag der Stahl entſcheiden. Gieht den Dolch und fällt gegen ihn aus.) Malvolio(ebenſo). Sei's! Mein Dolch macht ſich're Bahn. Barbarino. Schade um Dein junges Leben. Malvolio. Für Dein Weibchen wär' es hart! Barbarino. Laß uns denn gemeinſam ſtreben— Malvolio. Meinethalb! Mag's ſein! Halbpart! Leo RccccccCcC„Cc„„bC„„VVC. 207 Beide. Treue Freundſchaft! Himmelsluſt, Du erhebeſt unſre Bruſt— O fürwahr, ein Spaß zum Lachen, ꝛc. ꝛc. ꝛc. (Ritournell des vorigen Chors hinter der Scene.) Malvolio. Glockenklänge? Barbarino. 12 Bunte Menge— Beide. Hurtig hier zur Seite hin. Malvolio. Um zu lauſchen— Barbarino. aus.) Rath zu tauſchen— Wie wir ſchlau den Streich vollzieh'n. (Ziehen ſich zurück.) Vierte Scene. Leonore. Stradella. Chor der Landleute. Chor. Froh durch's Leben Hinzuſtreben, Wandelt Ihr nun Hand in Hand. 298 Reine Freude, Um Euch Beide De Gürte ſtets ihr Roſenband.— Aus Voll Freudigkeit(Leont Und Heiterkeit und 5 Seh't der Gefährten Reih'n, Den frohen Tag, Durch Luſtgelag Und munt'ren Scherz zu weih'n. Stradella. Wohlan! Laßt heut', ihr munt'ren Gäſte, Erlaben uns in trauter Luſt; Doch morgen, zum Madonnenfeſte, Erheb' in frommen Danke ſich die Bruſt. Chor. Ja morgen, zum Madonnenfeſte, Erheb' in frommen Danke ſich die Bruſt— Stradella. Leonore. Chor. O! daß immer doch im Leben, Wechſelnd ſchwände ſo die Zeit, Bald der Andacht fromm ergeben, Bald der Heiterkeit geweih't! Barbarino und Malvolio(bei Seite). Uns verfallen iſt ſein Leben, 5 Unſre Dolche ſind bereit. Vor Dank dir, Zufall, der gegeben Günſtige Gelegenheit! 299 Stradella. Doch jetzt, mein Weibchen, ſchnell herbei die Gaben, Aus Küch' und Keller— gaſtlich uns zu laben. (Leonore, von einigen Bäuerinnen begleitet, bringt Becher und Krüge aus dem Hauſe.— Die Andern gruppiren ſich um die Tiſche.) Chor. Bei Schmaus und Sang Und Becherklang, Dem Scherz geweih't, Enteil' die Zeit. Die Falte ſchnell der Stirn entſchwebt, Sobald der Wein zum Hirn ſich hebt. t. Der Rebenſaft Giebt Muth und Kraft, Regt Herz und Geiſt, . Macht klug und dreiſt, Und färbt die Wangen roſenroth, — ͤ Verſcheucht den Gram, verjagt die Noth. Im Wein! Im Wein! Im Wein! Da ſitzt die Luſt allein! 24 Site). Fünfte Scene. Vorige. Malvolio. Barbarino(ortretend). Malvolio. Wär's wohl erlaubt, die Luſt zu theilen? 300 Barbarino. Wär's wohl vergönnt, bei Euch zu weilen? Stradella. Wer ſeid Ihr? Freunde? Malvolio. Barb Fromme Leute, Die zum Madonnenfeſte nah'n. Barbarino. Uns zog gar mächtig aus der Weite Stradella's Ruf, des Meiſters, an. Malvolio. Der morgen, mit der Weihe Tönen Die hohe Feier wird verſchönen. Stradella. Seid mir willkommen! Ruh' und Obdach beut Mit Freuden Euch des Sängers Gaſtlichkeit. Barbarino. Habt Dank! Malvolio. Habt Dank! Barbarino. O, daß der Himmel ſpende Euch langes Leben— Malvolio. Und ein ſanftes Ende— (Heimlich das Zeichen des Todtſtechens machend). Chor. Bei Schmaus und Sang ꝛc. ꝛc. len? 9 E ute, ch beut it. pende nachend). Daß recht der Schmaus uns munde, 301 Trinklied. Barbarino und Malvolio(denen Leonore indeß Be⸗ cher gereicht.) Raus mit dem Naß aus dem Faß! Flugs mit dem Naß in das Glas! Flink mit dem Glas an den Mund! Trink' dich, du Matter! geſund. Sas! Sas! Sas! Sas! Vom Faß zum Glas, Vom Glas zum Mund, Das iſt geſund! Raſch, ſteigt der Wein mir zu Kopf, Faß' ich das Mädel beim Schopf, Küß' ihr den roſigen Mund, Das iſt dem Mädel geſund! Sas! Sas! Sas! Sas! ꝛc. Muck' nicht, du Weib, mir zu Haus, Guck' nicht ſo barſch nach mir aus, Schluck's lieber nieder zur Stund', Schlucken iſt immer geſund! Sas! Sas! Sas! Sas! ꝛc. Chor. Sas! Sas! Sas! Sas! ꝛc. Ballet Einige. Doch ſoll die Luſt vollkommen ſein, — 302 Andere. So ſing' ein frohes Liedchen d'rein, Zum munt'ren Chor der Runde. Stradella. 0 Von Herzen gern! Ich trage Euch zum Chor Das Liedchen von Salvator Roſa vor: G 2 — Romanze. Stradella. S iſt Nichts ſo ſchlimm, als man wohl denkt, Wenn man's nur recht erfaßt und lenkt: Tief in den Abruzzen, Da lauert im Moos Und zielt mit den Stutzen Der raubende Troß. Huſch! Huſch! Im Buſch, Habt Acht Und wacht— 3 Und nah'n ſie mit Kaſten 1 Vom Golde zu ſchwer, 8 So nehm't ihre Laſten— 0 Es drückt ſie zu ſehr. S Tralala! Wer Selbſt bei Räubern wohn't Erbarmen, Selbſt bei Räubern wohn't Gefühl— 75 0 Nichts entreißen ſie den Armen, Reichen nur das Allzuviel! 303 S iſt Nichts ſo ſchlimm, als man wohl denkt, Wenn man's nur recht erfaßt und lenkt. Chor. S iſt Nichts ſo ſchlimm ꝛc. ꝛc. n Chor Stradella. Da nahet ein Wand'rer— „Wer biſt Du, Geſell?“ Ein Menſch, wie ein And'rer, Und raube gar ſchnell hl denkt, Gleich Euch, Was reich Und ſchön Zu ſeh'n; Ich plünd're, beſtehle Die ganze Natur, Dem Tag ſeine Helle, Die Blüthen der Flur. Tralala. Doch wie Ihr, hab' ich Erbarmen, Und wie Ihr, hab' ich Gefühl; Denn bei Küſſen und Umarmen Geb' ich wieder, was zu viel. S iſt Nichts ſo ſchlimm, als man wohl denkt, Wenn man's nur recht erfaßt- und lenkt. Chor. 'S iſt Nichts ſo ſchlimm ꝛc. ꝛc. 304 Stradella. J0 sono pittore, Gar flink bei der Hand, Und bin Salvatore Il Rosa genannt. In Kluft Und Gruft Und Graus Zu Haus! „Kamm'rade! Mag'ſt bleiben „Und ſtehlen in Ruh' „Den Räubern ihr Treiben, „Die Grillen dazu.“ Tralala! Edle Kunſt macht ſelbſt erwarmen Des Banditen Mitgefühl— Künſtler nah'n ſtets offnen Armen, Finden überall Aſyl. S iſt Nichts ſo ſchlimm, als man wohl denkt, Wenn man's nur recht erfaßt und lenkt. Chor. 'S iſt Nichts ſo ſchlimm ꝛc. ꝛc. (Stradella zieht ſich mit Leonore in's Haus zurück, den Banditen ein Zeichen gebend, ihnen zu folgen.) Malvolio(den Andern bedenklich anſehend). Edle Kunſt macht ſelbſt erwarmen Des Banditen Mitgefühl— 305 Barbarino(ebenſo). Und der Künſtler beut dem Armen Gaſtlich Obdach und Aſyl.— (Folgen langſam und kopfſchüttelnd.) Chor(ſich über die Berge hin zerſtreuend). 'S iſt Nichts ſo ſchlimm, als man wohl denkt, Wenn man's nur recht erfaßt und lenkt. Dritter Aet. Vorhalle in Stradella's Hauſe.— Den Hintergrund bildet ein großer Vorhang zu einer Veranda.— Seitenthüren. Erſte Scene. Leonore. Stradella. Malvolio. Barba⸗ rino.(Links im Vordergrunde, Leonore und Stradella, auf einer Bank.— Rechts, Malvolio und Barbarino, auf dem Boden gelagert und alla Morra ſpielend.) Wechſelgeſang. Stradella. Italia! Mein Vaterland, Wie biſt du ſchön zu ſchauen, Umwallt vom blauen Wogenband, Bekränzt mit Blüthenauen. Dich preiſt mein Mund— Dir tön't mein Sang, Dir ſchlägt mein Herz in heißem Drang. Venezia bella— du Meeresbraut, Geprieſen ſei Du mir vor Allen, Neeen bildet ren. rba⸗ adella, 5„auf ang, 307 Wo Abends in leiſem, tändelndem Laut Die Barcarolen erſchallen. Es ſchaukelt und gaukelt vor hohem Balkon, Der Liebenden Nachen wohl auf und ab Und Roſen fallen, als freundlicher Lohn Zum Sänger der Lieder herab. La! la! la! Leonore. Ich lobe mir Roma's heilige Mauern, Erhab'ner Kuppeln mächt'gen Bau; Es füllt die Bruſt mit frommen Schauern, Zum Herzen ſpricht's: Auf Gott vertrau'! Und der Campagna Wogenhügel, Wie herrlich, wenn Aurora glüht, Die Lerche hebt die leichten Flügel Und zwitſchert ſanft ihr Morgenlied: La! la! la! Barbarino. Preiſ't Rom's und Venezia's Mirakel! Will's glauben! Ich halt's mit Laspezia's Durchzuckerten Trauben. Toscana, die Hebe, Kredenzet mir Wein, E viva! Sie lebe! Ihr ſing' ich allein: La! la! la! 308 Malvolio. Ich lob' mir Neapel, Den ſonnigen Brand, Da ruh' ich im Stapel Und gähne am Strand Und ſchluck' Maccaroni Herein, ohne End', Mit Euch Lazzaroni, Beim dolce far' nient'. Ich ſchlaf' alla stella, Vom Himmel bedeckt, Und tanz' Tarantella, Wenn Liebchen mich weckt! La! la! la! Alle Vier. Italia, mein Vaterland, Wie biſt du ſchön zu ſchauen, Umkränzt ꝛc. ꝛc. Pilger-Chor chinter der Seene). Roſig ſtrahlt die Morgenſonne, Heilige, um dein Gnadenbild, Kündet froh den Tag der Wonne, Unſern Blicken freud'erfüllt. Sieh', wir nah'n mit Strahlenkerzen, Blumenkranz und Opferduft— Unſer Sang, aus frommen Herzen, Deinen Segen niederruft. (2 8 82 309 Leonore(während des Chors). Pilger nah'n.— Mit frommen Händen Schmücken ſie der Jungfrau Bild.— Laß auch uns die Gaben ſpenden, Ihr, der Hohen, gnad'erfüllt. Stradella. Laß uns flehen, daß Sie weihe Unſer Streben, unſern Fleiß, Und dem Ton des Sängers leihe Kraft und Schwung, zu Ihrem Preis. Beide. Friſche Roſen laß uns pflücken, Und dann wallen, Hand in Hand, Der Erhab'nen Bild zu ſchmücken Mit dem reichen Blüthenband. (Beide ab. Malvolio und Barbarino ziehen ſich in die ver— ſchiedenen Thüren rechts und links zurück.) Zweite Scene. Baſſi(den Kopf durch den Vorhang ſteckend). Später Malvolio und Barbarino(mit Hüten und Stock). Baſſi. Das Haus ſcheint leer?— Wie, wär' es ſchon gelungen, Was meine Rache ſtrafend ihm erdacht? Dem Sänger wär' ein Sterbelied geſungen? Ha! Leute dort— hier gilt es, ſchlau bedacht. Gieht ſich zurück.) 310 Dief ti⸗ Malvolio. Sag' doch an, Freund Barbarino, Wie nun ſteht's um unſre That? Barbarino. Sag' Du ſelbſt, Freund Malvolino, Was beſchloß Dein weiſer Rath? Malvolio. Nun— fürwahr!— Bei meiner Ehre, Gerne laß ich Dir's allein. Barbarino. So? Wahrhaftig?— Ei, das wäre That und Lohn ſei Beides Dein. Malvolio. Nicht doch— Barbarino. Ja doch! Malvolio. Muß verbitten! Barbarino. Dein die Beute— Malvolio. Dein der Ruhm! Barbarino. Keiner gleicht Dir, unbeſtritten— Malvolio. Jeder weicht Dir, ringsherum. 311 Barbarino. D'rum leb' wohl— Ich mag's nicht wagen— Lach' mich aus! Mir fehlt der Muth. Malvolio. Vale, Freund— und laß Dir's ſagen, Bin dem Sänger gar zu gut. Baſſi. Wie? Was hör' ich?(Der indeß näher getreten.) Beide. Ha! Der Alte! Baſſi. Haltet ſo Ihr Euer Wort? Malvolio. Ei! Du ſelbſt Dein Geld behalte! (Haͤlt ihm eine Börſe hin.) Barbarino(ebenſo). Nimm den Bettel und mach' fort! Baſſi. Was Ihr verſprochen? Beide. Wird nicht vollführt! Baſſi. Das Wort gebrochen? Beide. Da liegt's quittirt! (Das Geld hinwerfend.) 312 Baſſi(höhniſch). Ihr nennet Bravi Euch? Beide(nach dem Dolche greifend). Nicht zweifle länger. Baſſi. Und Euch macht Furcht ſo bleich, Vor einem Sänger? Beide. Ja! „Edle Kunſt macht ſelbſt erwarmen „Des Banditen Mitgefühl; „Und der Künſtler bot dem Armen „Gaſtlich Obdach und Aſyl.“ Baſſi. Ich bin betrogen, Ich bin belogen, Von dieſen Thoren Zum Spott erkoren Und rein verloren! Wenn man entdeckte, Was ich bezweckte, Wär's mit mir aus. Beide. Er iſt betrogen, Da ihm entzogen, Den zu durchbohren Er uns erkoren. Zu tauben Ohren 313 Spricht der Geneckte; Was er bezweckte, Damit iſt's aus! (Wollen gehen.) Baſſi. Halt! Ein Wort noch! Malvolio. Ich muß eilen, Meine Gattin harret mein. Baſſi. Aber hör't doch— Malvolio. Kann nicht weilen, Muß erzieh'n die Kinderlein. Baſſi. Doch— verdoppelt' ich die Summe, Thätet ihr es wohl vielleicht? Malvolio. Schweig, Verſucher, und verſtumme— Barbarino. Apage! Laßt ab und weicht. Baſſi(ſchmeichelnd). Zwanzig Ducaten, Kommt, laßt Euch rathen; Sie liefern Braten Für Weib und Kind. ·*v.. 314 Beide. Seid ſchlecht berathen. Was ſind Ducaten, Für ſolche Thaten Der Todesſünd'? Baſſi. Noch zehn darüber— Malvolio. Nicht doch, mein Lieber. Baſſi. Zehn noch daneben— Barbarino. Nichts! Er bleibt leben! Baſſi. Hundert, wiegt dieſes Gold. Malvolio. Wie ſingt Stradella hold! Baſſi. Funfzig dazu gezollt! Malvolio. Wie er die Töne rollt! Beide. Bietet ſo viel Ihr wollt, Von Eurem Sünderſold, Was iſt der gold'ne Lohn, Gegen den Silberton? Baſſi. Ich bin betrogen ꝛc. 315 Beide. Er iſt betrogen ꝛc. Baſſi. Zweihundert will ich Euch denn geben. Malvolio Gaudernd). Zweihundert! Barbarino ſkopfſchüttelnd). Doch ein Künſtlerleben! Malvolio. Jetzt— wo die erſten Sänger rar— Barbarino. Man ſagt, ſie fehlen ganz und gar. Baſſi. Noch zwanzig— Barbarino. Operndirectoren Bezahlen doppelt, wenn wir's weigern. Baſſi. Will's zu zweihundert fünfzig ſteigern. Malvolio. Geduld! Bis er die Stimm' verloren. Barbarino. Das währt nie lang! Baſſi. Dreihundert, ſag' ich! Malvolio(heimlich zu Barbarino). Vas meinſt Du, hm? 316 Barbarino(ebenſo). Das eben frag' ich. Ba ſſi. Dreihundert— wollt Ihr, oder nicht? Malvolio(auf Barbarino zeigend). Fragt Den? Barbarino(ebenſo). Hört zu, was Der da ſpricht. Malvolio. Nein! Nein! Nein! Nein! Barbarino. Es kann nicht ſein! (Sie wenden ſich zum Gehen.) Baſſi. Vierhundert denn! Mein letztes Wort! Beide. Vierhundert! Baſſi. Doch gleich hier am Ort, Den Sänger jenſeits erpedirt Und die Signora ſchnell entführt. Malvolio. Je nun— weil Ihr's ſeid, will ich's wagen. Barbarino. Doch erſt die Hälfte abgetragen! Malvolio. Zweihundert jetzt— 317 Barbarino. Zweihundert ſpäter! Baſſi(ſeufzend). Hier, meine Freunde!(Bei Seite:) Die Verräther! Es iſt gelungen, Ich hab's errungen, Sie ſind bezwungen Und feſt gedungen— Gold hat's erſchwungen; Eh' er geſungen, In's Herz gedrungen Iſt ihm der Stahl. Beide. Es iſt gelungen, Er hat's errungen, Wir ſind bezwungen Und feſt gedungen— Gold hat's erſchwungen; Eh' er geſungen, In's Herz gedrungen, Sitzt ihm der Stahl. Baſſi. Aber ſtill— ich höre nah'n. Malvolio. 'S iſt der Sänger— hier probiren Wird er— 318 Barbarino. Me Ja! Sein Lied ſich einſtudiren. Baſſi. Un; Wohl! Der Rache Stund' bricht an. eettino ſtuhig! Leiſe! Stille! Sacht! Laßt uns ſinnen, fein bedacht! Habet Acht und haltet Wacht! St Theurer Sänger— gute Nacht! unt (Ab hinter den Vorhang.) 5 Dritte Scene. Stradella. Wie freundlich ſtrahlt der Tag— die buntgeſchmückte Menge Erfüllt die Gaſſen rings und Flur und Thal. Von allen Seiten ſtrömt's in wogendem Gedränge, Kaum faßt der weite Markt der frommen Wand'rer Zahl.— Doch— wenn der Sänger ſich des Ruhmes unwerth zeigte? Wenn Zagen ihn befiel? Wenn ihn die Angſt er— ſchlafft? ickte 'rer erth 319 Madonna! Steh' mir bei, Du hülfreich ſtets Ge— neigte, Und leih' zum ſchönen Ziel Begeiſt'rung mir und Kraft! Vierte Sc̃cene. Stradella. Gleich darauf Baſſi, Malvolio und Barbarino(aus dem Vorhange tretend und im Hintergrunde lauernd). Später Leonore.(Stradella nimmt ein Notenblatt zur Hand.) Stradella. (Hymne.) Jungfrau Maria! Himmliſch Verklärte! Hohe Madonna! Mutter des Herrn! Blicke hernieder, gläubig Verehrte! Freundlich und milde, vom hohen Stern. Mutter des Segens, freudenerkoren, Die Du gebareſt den himmliſchen Sohn— Mutter der Schmerzen, die ihn verloren, Eh' Du vereint Ihm vor Gottes Thron. Seg'ne uns, Mutter! Gottheit der Gnaden, Seg'ne die Unſern, daß ſie Dich freu'n, Schütz' unſre Felder, wann ſich entladen Zürnende Wetter und Schrecken dräu'n. 320 Baſſi(leiſe zu Malvolio). Jetzt iſt es Zeit! Malvolio. Wie! Im Gebet ihn ſtören? Baſſi(zu Barbarino). Auf, zaud're nicht! Barbarino. So herrlich iſt's zu hören. Stradella. O! Erleuchte den Verlockten, Daß er kehre zum Guten zurück!( Aber ſtrafe den Verſtockten, Der Dir trotzet mit höhniſchem Blick. Wehe den Sündern Voll Frevelmuth! Weh' ihren Kindern, Weh' ihrem Blut! Nicht hier, nicht dorten Finden ſie Heil! Fluch— aller Orten Werde ihr Theil! Malvolio. Entſetzlich! Ich wanke— Barbarino. Ich bebe! Ich ſchwanke! 321 Stradella. Doch verzeihe, Wenn die Neue Den Verführten zu Dir zieht; Wenn er betend, Schagamerröthend, Heilige Jungfrau, vor Dir knie't. Selbſt dem Sünder ſei vergeben, Wenn der Schuld er ſich bewußt, Und zu ſühnevollem Streben Neu ſich ſtärket ſeine Bruſt. (Baſſi, Malvolio und Barbarino— die ſchon erhobenen Dolche fallen laſſend und knieend.) Alle. Selbſt dem Sünder ſei vergeben, Wenn der Schuld er ſich bewußt, Und zu ſühnevollem Streben Neu ſich ſtärket ſeine Bruſt. Stradella(ſie erblickend). Was ſeh' ich? Wie? Leonore cgherbeieilend). Mein Vormund! Stradella(zu den Banditen). Ihr bewehret? Baſſi. Ja! Frevelnd nahten wir— 21 322 Malvolio und Barbarino. Dein Sang hat uns bekehret. Baſſi. Verzeihet und vergeßt.— O! Nennt mich Freund fortan. Stradella und Leonore. Von Herzen. Malvolio und Barbarino. (Das Geld hinwerfend). Hier dein Gold! Baſſi. Euch bleib's. Beide. Wir nehmen's an. Fünfte Scene. Der hintere Vorhang wird aufgezogen. Man erblickt auf einem fernen Hügel, der mit Pilgern und Volk beſetzt iſt, das erleuchtete Madonnenbild.— Vornehme Bürger, Pa— trizier ꝛc. ꝛc.— Hirtenburſchen, mit einer Tragbahre von Zweigen, auf welcher ſie Stradella über die Bühne tragen. (Glockengeläute.) Schluß ⸗Chor. Fromme Menge, Im Gedränge Harrt des Sängers, freud'erfüllt— uf ſt, a⸗ on 22² Hör't die Glocken, Freundlich locken Sie zum hohen Gnadenbild.— In Freudigkeit, Zum Feſtgeleit, Nahen der Gefährten Reihen, Und führen ihn In Jubel hin, Das ſchöne Feſt zu weihen. Segen fleh' er auf uns nieder Vom erhab'nen Himmelsthron— Und begeiſternd ſchalle wieder Rings, der Andacht Feierton. Gedruckt bei W. Moeſer und Kühn in Berlin. is 9s