————— 22 20 Pfe ennig(Oc— 0.24 K.W. f10 DQ² ööthet uHblnh Nr———— NAdonb m zan Schauſpiel in fünf Aufzügen A. v. Kotzehne. Leipzig Verlag von Philipp Reelam jun. Verlag von Philipp Reclam jun. in Leipzig. Con Ernst Wichert sind erschienen: Als Verlobte empfehlen ſich— Luſtſpiel in 1 Aufzug.(Nr. 650.) Am Strande. Erzählung.(Nr. 1227.)—3 60 Pf. An der Majorsecke. Luſtſpiel in einem(Nr. 690.) Aus eignem Recht. Vaterländiſches Schauſpiel in 5 Aufz.(Nr. 9601.) Bei frommen Hirten. Komiſche Oper in einem Aufzug.(Nr. 2999.) Biegen oder brechen! Luſtſpiel in vier Aufzügen.(Nr. 520.) Das eiſerne Kreuz. Lebensbild in einem Aufzug. Gr. 1150.) Der Freund des rſten. Luſtſpiel in vier Aufzügen.(Nr. 1269.) Der geheime Secretär. Luſtſpiel in drei Aufzügen.(Nr. 1463.) Der Mann der Freundin. Luſtſpiel in einem Aufzug.(Nr. 2660.) Der Narr des Glücks. Luſtſpiel in fünf Aufzügen.(Nr. 746.) Des Königs Dank. Schauſpiel in drei Aufzügen.(Nr. 4458.) Dido. Scherzſpiel in einem Aufzug.(Nr. 2143.) Die Bekenntniſſe einer armen Seele. Luſtſpiel in einem Aufzug (Nr. 1885.) Die Fabrik zu Niederbronn. Schauſpiel in 5 Aufzügen.(Nr. 569.) Die Frau für die Welt. Schauſptel in fünf Aufzügen.(Nr. 736.) Die glückliche Inſel. Puppenſpiel in drei Handlungen.(Nr. 3914.) Die gnädige Frau von Paretz. Dramolett in 1 Aufzug.(Nr. 1070.) Höchſt eleg, mit Goldſchnitt M. 1.20. Gräſin von Schwerin. riſches Schauſpiel in fünf Auf⸗ zügen.(Nr.) Die Realiſten. Luſtſpiel in vier Aufzligen. 6 Die Stimme der Natur. Schauſpiel in vier Aufzi 18615 Ur. 925.) Die talentvolle Tochter. Luſtſpiel in drei Aufzügen.(Nr. 2 Ein Komödiant. Erzählung.(Nr. 3878.) Ein Schritt vom Wege. Luſtſpiel in vier Aufzügen.(Nr. 730.) Eine Geige.— Drei Weihnachten. Zwei Erzählungen.(Nr. 1370.) Geb. 60 Pf. Fünfundzwanzig Dienſtjahre. Luſtſpiel in 1 Aufzug.(Nr. 2050.) Für tot erklärt. Erzählung.(Nr. 1117.) Geb. 60 Pf. Ihr Taufſchein. Luſtſpiel in einem Aufzug.(Nr. 1209.) Im Dienſt der Pflicht. Schauſpiel in vier Aufzüütgen.(Nr. 4222.) In Feindes Land. Kriegs⸗Genrebild in einem Aufzug.(Nr. 116.) Marienburg. Schauſpiel in fünf Aufzügen.(Nr. 3357.) Nur Wahrheit.— Sie verlangt ihre Strafe. Zwei Erzählungen. (Nr. 1500.) Geb. 60 Pf. Peter Munk. Volksſchauſpiel in vier Aufzügen und einem Vorſpiel. (Nr. 1850.) Fost festum. Luſtſpiel in einem Aufzug.(Nr. 2650.) Sein Kind. Schauſpiel in vier Aufzügen.(Nr. 3011) Weimar. Feſtſpiel in einem Aufzug.(Nr. 4030) 2 M hienen: ifzug.(Nr. 650.) f. (Nr. 690.) Aufz.(Nr. 9601.) fzug. Nr 9. (Nr. 520.) (Nr. 1150.) igen.(Nr. 1269.) . Ur. 146g.) zug.(Nr. 2660.) 1. Ur. 746.) (Nr. 4458.) in einem Aufzug zügen.(Nr. 569.) ügen.(Nr. 736.) igen.(Nr. 3914.) ifzug.(Nr. 1070.) el in fünf Auf⸗ en.(Nr. 730.) igen.(Nr. 1370.) fzug.(Nr. 2050.) Pf. 1208.) gen.(Nr. 4222.) zug.(Nr. 1163.) 3357.) wei Erzählungen. d einem Vorſpiel⸗ 2650.) 110 Menſchenhaß und Reue. Ein Schauſpiel in fünf Aufzügen von Auguſt von Rotzebue. Leipzig Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. 8 u) Gene Die —— Maj. Lotte Ein Bitte Pete Mad * Ein Fran Zwel Ein —— Menſchenhaß und Reue. Perſonuen. General Graf von Winterſee. Die Gräfin. Major von der Horſt, Bruder der Gräſin, in franzöſiſchen Dienſten Lotte, Kammermädchen der Gräfin. Ein Kind der Gräfin von vier bis fünf Jahren. Bittermann, Haushofmeiſter und Verwalter des Graſen. Peter, ſein Sohn. Madame Müller, oder Eulalia. Ein Unbekannter. Franz, ſein alter Diener. Zwei Kinder von vier bis fünf Jahren. Ein Greis. ————.]ĩ——— Eine lä Peter( Aha ſchön, ſteckt ihn Junge 5 Peter! ſeinen im Leil ſein, u bald z ſo nen liebſten und ich wohl z ärgerli auslack chen d⸗ einer; Ach, p ich kan lacht v dem al befohle nun, kommt ſchön! ſagt: 4 aber w ins Te Erſter Att. Eine ländliche Gegend. Tief im Hintergrunde eine armſelige Hütte, zwiſchen einigen Bäumen verſteckt. Erſte Scene. Peter(jagt einem Schmetterlinge nach, den er endlich mit dem Hute erhaſcht.) Aha!— dich hab' ich erwiſcht. Ei, der iſt gewaltig ſchön, roth und blau und gelb.(er ſpießt ihn an eine Nadel, und ſteckt ihn auf den Hut.) Sapperlot! ich bin doch ein geſcheidter Junge, wenn gleich mein Vater immer ſpricht: dummer Peter! der Peter iſt aber gar nicht dumm. Da hat er ſeinen Hut aufgedonnert, daß jeder Bauerdirne das Herz im Leibe lachen wird.— Der Vater will immer ſo geſcheidt ſein, will immer Alles beſſer wiſſen; bald red' ich zu viel, bald zu wenig, und wenn ich einmal mit mir ſelbſt rede, ſo nennt er mich gar einen Narren: und ich rede doch am liebſten mit mir ſelbſt, denn ich verſteh' mich am beſten; und ich ſelbſt lache mich auch nimals aus, wie die Andern wohl zu thun pflegen. Das Auslachen iſt eine abſcheulich ärgerliche Gewohnheit. Ja, wenn Madame Müller mich auslacht, das laſſ' ich noch hingehen; die verzieht das Mäul⸗ chen dabei ſo ſüß und artig, daß man meint, ſie lecke an einer Zuckerpuppe.—(Im Begriffe zu gehen und wieder umkehrend.) Ach, potz Velten! da hätt' ich beinahe vergeſſen, warum ich kam. Nun ja, da wäre wieder auf meine Koſten ge⸗ lacht worden.(Er zieht einen Beutel h'raus.) Das Geld ſoll ich dem alten Tobies bringen, und Madame Müller hat mir befohlen, nicht ein Wörtchen davon auszuplaudern. Nun, nun, da kann ſie ganz rubig ſein; aus meinem Munde kommt keine Sylbe— Schön iſt Madame Müller, ſehr ſchön! aber dumm, entſetzlich dumm! denn mein Papa ſagt: wer ſein Geld verthut, der handelt unvernünftig; aber wer es gar verſchenkt, den muß man je eher je lieber ins Tollhaus bringen. Menſchenhaß und Reue Fr. Zweite Scene. Un Der Unbekannte. Franz. Peter. 10 Unbekannter(mit verſchränkten Armen und niederhängendem Kopfe. Fr Als er Petern erblickt, bleibt er ſtehen, und betrachtet ihn mißtrauiſch) Un Peter(ſteht ihm gegenüber, und ſperrt das Maul auf. Endlich zieht er Fr den Hut ab, macht eine linke Verbeugung, und geht in die Hütte). Un Anbekannter. Wer iſt der Menſch? Fr Franz. Der Sohn des Verwalters. A11 Unbekannter. Auf dem Schloſſe? Fr Franz. Ja. Ili Unbekannter(uach einer Pauſe). Du ſprachſt geſtern Abends— enN Franz. Von dem armen Bauer? Fr Unbekannter. Ganz recht. A Ili Franz. Sie antworteten mir nicht? Fr Anbekannter. Sprich weiter! Ul Franz. Er iſt arm. F. Unbekannker. Woher weißt du das? Il. Franz. Er ſagt es. F. Unbekannler(bitter). O, ſie ſagen und klagen viel. At Franz. Und betrügen viel. Fr Unbekannter. Richtig. 1. Franz. Dieſer nicht. F. Unbekannter. Warum nicht? Il Franz. Das fühlt ſich beſſer, als es ſich ſagt. 6 Unbekannter. Narr! 11 Franz. Ein gefühlvoller Narr iſt mehr werth, als ein 4 eiskalter Klügler. I. Uubekannter. Das iſt nicht wahr. 4 Franz. Wohlthaten erzeugen Dank. 11 Unbekannter. Das iſt nicht wahr. 7 Franz. Und beglücken mehr den Geber als den Empfänger. Unbekannter. Das iſt wahr. Franz. Sie ſind ein wohlthätiger Herr. Unbekannter. Ich? Franz. Ich bin hundertmal Zeuge davon geweſen. E Unbekanuter. Ein wohlthätiger Menſch iſt ein Thor. bei Franz. O, gewiß nicht. aus Aubekannter. Sie verdienen's nicht Menſchenhaß und Reue. Franz. Die meiſten freilich nicht. Unbekannter. Sie heucheln. Franz. Sie betrügen. Unbekannter. Sie weinen ins Aungeſicht. m Kopfe. Franz. Und lachen hinter dem Rücken. ch) Unbckannter(bitter). Menſchenbrut! WeRE Franz. Es giebt Ausnahmen. Unbekannter. Wo? Franz. Dieſer Bauer. Uubekannter. Hat er dir ſein Unglück geklagt? Franz. Ja. 88 Unbekannter. Ein wahrhaftig Unglücklicher klagt nicht.(Rach einer Pauſe.) Aber ſo erzähle! Franz. Man nahm ihm ſeinen einzigen Sohn. F Unbekannter. Der Fürſt? Franz. Ja. Zum Soldaten. Unbekannter. Pfui! Franz. Der Alte darbt. Unbekannter. Schändlich! Franz. Iſt krank und verlaſſen. Unbekannter. Da kann ich nicht helfen. Franz. Doch. Unbekannter. Wodurch? Franz. Durch Geld. Er kauft ſeinen Sohn los. Unbekannter. Ich will den Alten ſelbſt ſehen. Franz. Thun Sie das! 3 Unbekannter. Aber wenn er lügt—— als ein Franz Er lügt nicht. Unbekannter. O, die Menſchen ſind geborne Lügner Franz. Leider! Unbekannter. Dort in der Hütte? Franz. Dort in der Hütte.(unvekannter geht in die Hütte.) pfänger. Dritte Scene. Franz(allein). n. Ein guter Herr— aber das Reden verlernt man faſt hor. bei ihm. Ein braver Herr— aber ich kann nicht klug aus ihm werden. Auf jedes Menſchenantlitz ſchimpft er, Menſchenhaß und Reue. und kein Armer geht hilflos von ſeiner Thür. Schon drei Jahre bin ich bei ihm, und noch weiß ich nicht, wer er iſt. Ein Menſchenfeind, das iſt klar; aber ich wette, ſeine Mutter hat ihn nicht dazu geboren. Der Menſchenhaß iſt in ſeinem Kopfe, nicht in ſeinem Herzen. Vierte Scene. Franz. Der Unbekannte. Peter(aus der Hütte). Peter. Spazieren Sie nur voran! Aubekannter. Narr! Franz. So bald zurück? Unhekaunter. Was ſoll ich da? Franz. Fanden Sie es nicht, wie ich ſagte? Unbekannter. Dieſen Burſchen fand ich. Franz. Was hat der mit Ihrer Wohlthätigkeit zu ſchaffen? Unbekaunter. Er ſpielt mit dem Alten unter einer Decke. — Wie würden ſie lachen, wenn ſie mich einmal wieder zum Narren meines Herzens gemacht hätten! Franz. Aber woher?— Unbckannter. Der Burſche und der Alte, was thaten ſie zuſammen? Franz(copfſchüttelnd und lächelnd). Nun, wir werden es hören. Gum Peter.) Junger Herr, was haben Sie dort in der Hütte gemacht? Peter. Gemacht?— nichts! Franz. Nun, umſonſt ſind Sie doch nicht da geweſen? Peter. Umſonſt? warum nicht? Meiner Six! ich bin um⸗ ſonſt da geweſen. Pfui, wer wird ſich denn Alles bezahlen laſſen? Wenn Madame Müller mir ein freundlich Geſicht macht, ſo lauf' ich wohl umſonſt und um nichts bis an den Hals in den Schloßgraben. Franz. Alſo hat Madame Müller Sie geſchickt? Peter. Nun ja; man ſpricht nicht gern davon. Franz. Wie ſo? Peter. Ja, ſeh' Er nur, Madame Müller ſagte: Musje Peter, ſein Sie ſo gut und laſſen Sie ſich nichts merken. (Mit vieler Behaglichkeit.) Musje Peter— ſein Sie ſo gut— hä! hä! hä! Da war mir's gerade, als ob mich eine roth⸗ backige Bauerdirne kitzelte. Fr fein he er ſo Geld nicht Fr ihm Pe grün die J men Fr Pe Geld an e — 0 mein Fr Pe nicht Ratl keine und ſatt Fr Pe vor! ten Fr pe ſchick ich i die! drei er er ſeine aß iſt affen? Decke. vieder en ſie hören. Hütte ſenꝰ um⸗ zahlen Heſicht is an Rusje ierken. At roth⸗ Menſchenhaß und Raeue. Franz. Ei, das iſt ein ander's. Dann müſſen Sie auch fein verſchwiegen ſein. peter. Das bin ich auch. Ich ſagte dem alten Tobies, er ſollte nicht etwa denken, daß Madame Müller ihm das Geld geſchickt hätte; denn das würde ich in meinem Leben nicht ausplaudern. Franz. Daran thaten Sie ſehr wohl.— Brachten Sie ihm viel Geld? peter. Nun, ich hab' es nicht gezählt. Es war in einem grünen, ſeidenen Beutelchen. Ich denke, es mochten wohl die Milchpfennige ſein, die ſie ſich ſeit vierzehn Tagen zuſam⸗ men geſpart hat. Franz. Warum denn eben ſeit vierzehn Tagen? Peter. Ei, vor vierzehn Tagen mußt' ich ihm ja auch Geld bringen, und vor einer Woche auch. Es war gerade an einem Sonntage— nein, es war an einem Montage — aber ein Feſttag muß es geweſen ſein, denn ich hatte meinen Sonntagsrock an. Franz. Und all' das Geld kam von Madame Müller? peter. J Herr Je, von wem denn ſonſt! mein Papa iſt nicht ſo ein Narr; der ſagt, man muß das Seinige zu Rathe halten, und beſonders im Sommer muß man gar keine Almoſen geben; denn da hat der liebe Gott Kräuter und Wurzeln genug wachſen laſſen, von denen der Menſch ſatt werden kann. Franz. Ei, der liebe Papa! Peter. Aber Madame Müller lacht den Papa aus. Als vor Weihnachten die Kinder der alten Lieſe die Blattern hat⸗ ten— nein, es war nach Weihnachten.— Franz. Nun gleichviel! Peter. Ja, da wollte Madame Müller mich auch hinunter ſchicken in's Dorf, zu der alten Lieſe nämlich. Aber das ſchlug ich ihr rund ab; denn es hatte damals geglatteiſ't, und die Kinder ſahen ſo ſchmutzig aus. Franz. Und was that denn Madame Müller? Peter. Meiner Six! Sie ging ſelber hin. Ha! ha! ha! und da hat ſie ſich mit den ſchmutzigen Kindern ſo viel ab⸗ gegeben und geſchwatzt, ha! ha! ha! Franz. Eine ſonderbare Frau. 10 Menſchenhaß und Reue. peter. Ja, ſie iſt manchmal gar zu wunderlich. Zu⸗ weilen weint ſie den ganzen Tag, ohne zu wiſſen warum. Und wenn ſie dann nur mich zufrieden ließel Aber wenn ſie weint, ſo ſchmeckt mir kein Biſſen; ich muß mitweinen, ich mag wollen oder nicht. Franz(äu dem Unbekannten). Sind Sie nun beruhigt? Unbekannter. Schaff' mir den Schwätzer vom Halſe. Franz. Ich empfehle mich, Musje Peter. Peter. Wollen Sie ſchon fort? Franz. Madame Müller wird auf Antwort warten. peter. Ach der Geier! Sie haben Recht.(er ziett vor dem Unbekannten den Hut.) Gott befohlen, Herr! Unbekannter(nickt mit dem Kopfe) Peter(balb leiſe zu Franz). Der iſt gewiß böſe, daß er nichts von mir heraus kriegt? Franz. Es ſcheint beinahe. Peter. Ja, ich bin keine Plaudertaſche(Ab.) Fünſte Scene. Der Unbekannte. Franz. Franz. Nun, Herr? Unbekannter. Was willſt du? Franz. Sie hatten Unrecht. Unbekaunter. Hm! Franz. Sie können noch zweifeln? Unbekannker. Ich will nichts mehr hören. Dieſe Madame Müller; wer iſt ſiel warum find' ich ſie immer auf meinem Wege? Wo ich hinkomme, da iſt ſie ſchon geweſen. Franz. Sie ſollten ſich deſſen freuen. Unbekannter. Freuen? Franz. Daß es der guten wohlthätigen Seelen noch mehrere in der Welt gibt. Unbekannter. O ja. Franz. Sie ſollten ihre Bekanntſchaft ſuchen. Unbekannter(wpöttiſch). Warum nicht lieber ſie heirathen? Franz. Auch das, wenn Sie Luſt dazu haben. Ich ſah ſie einige Mal im Garten; ſie iſt eine ſchöne Frau. Unbekannter. Deſto ſchlimmer! Schönheit iſt die Larve. 5 Wo Gle Ste ihr eite 8 Mi kor kar Di leie we M Re Ei uüb⸗ Zu⸗ arum. wenn einen, 7 15 E. vor dem nichts kadame neinem u noch athen? Ich ſah Larve. 2 Menſchenhaß und Reue⸗ 11 Frauz. Bei ihr ſcheint ſie Spiegel der Seele. Ihre Wohlthaten— Unbekannter. Ach, rede mir nicht von ihren Wohlthaten! Glänzen und ſchimmern wollen ſie alle; eine Frau in der Stadt durch ihren Witz, eine Frau auf dem Lande durch ihr Herz. Oder ſie iſt eine Betſchweſter, und dann iſt'8 eitel Gleißnerei. Franz. Gleichviel, wie das Gute geſtiftet wird. Anbekannter. Nicht gleichviel. Franz. Für den armen Alten wenigſtens. Unbekannter. Deſto beſſer. So kann er meiner Hilfe entbehren. Franz. Das fragt ſich noch. Unbekaunter. Wie ſo? Franz. Seinen dringendſten Bedürfniſſen hat Madame Müller abgeholfen! ob ſie ihm aber ſo viel gab, oder geben konnte, um ſich auch die Stütze ſeines Alters zurück zu er⸗ kaufen.— Unbekannter. Schweig! ich will ihm nichts geben(Hämiſch.) Du intereſſirſt dich ja recht warm für ihn! Willſt du viel⸗ leicht mit ihm theilen? Franz. Pfui! das kam nicht aus Ihrem Herzen. Unbekannter(ich veſinnend, reicht ihm die Hand). Vergib mirl Franz Eüßt ſie). Armer Herr! wie muß Ihnen mitgeſpielt worden ſein, ehe es der Welt gelang, dieſen fürchterlichen Menſchenhaß, dieſe ſchauerlichen Zweifel an Tugend und Redlichkeit in Ihr Herz zu pflanzen. Unbekannter. Du haſt's errathen. Laß mich zufrieden. (Er wirft ſich auf eine Bank, zieht einen Theil von Zimmermanns Buche über die Einſamkeit aus der Taſche, und lieſt.) Franz(für ſich, ihn betrachtend). Nun wieder geleſen. So geht es den ganzen Tag. Für ihn hat die ſchöne Natur keine Freude und das Leben keinen Reiz. Ich hab' ihn in drei Jahren nicht ein einziges Mal lachen ſehen. Was ſoll daraus werden? ein Selbſtmörder!— Wenn er ſich doch nur an irgend ein lebendes Weſen in der Welt kettete, und wär' es auch nur ein Hund, ein Canarienvogel! Denn etwas muß der Menſch doch lieben. Oder wenn er Blumen zöge, oder Schmetterlinge ſammeltel— Nein, er thut nichts, als 12 leſen. Und wenn er einmal den Mund öffnet, ſo ſprudelt ein Fluch über das ganze Menſchengeſchlecht heraus. Unbekannler(ieſt).„Da vergißt man nichts. Da blutet jede alte Wunde, da roſtet kein Dolch. Alles, was einſt die Nerven ſpannte, und mit nefen Spuren ſich einprägte in die Imagination, iſt ein Geſpenſt, das dich mit uner⸗ müdeter Wuth in deiner Einſamkeit verfolgt.“(Der Greis tritt hervor.) Franz. Ja, ja, der ehrliche Mann hat Recht. Aber eben deswegen fort! fort aus der Einſamkeit; fort in einen Wir⸗ bel von Zerſtreuungen und Geſchäften! Unbekannter(pört ihn nicht). Menſchenhaß und Reue. Hechſte Scene. Der Greis(aus der Hütte). Vorige. Greis. O, wie wohl das thut, ſich ſo nach ſieben langen Wochen einmal wieder von Gottes Sonne beſcheinen zu laſſen. Faſt hätt' ich im Rauſch der Freude dem Schöpfer zu danken vergeſſen.(er faltet ſeine Mütze zwiſchen beiden Händen, blickt gen Himmel, und betet.) Unbekannter(läßt das Buch ſinken, und wird aufmerkſam auf ihn). Franz Eu dem Unbekannten). Dem Alten iſt wohl wenig Freude in der Welt beſcheert, und doch dankt er Gott auch für das Wenige. Unbekannter. Weil die Hoffnung ihn noch immer an ihrem Gängelbande leitet. Franz. Deſto beſſer! Hoffnung iſt des Lebens Amme. Unbekannker. Die größte Betrügerin auf dem weiten Erdboden. Greis(hat indeſſen ſeine Mütze wieder aufgeſetzt und nähert ſich). Franz. Glück zu, Alter! Du biſt, wie ich ſehe, dem Tod entronnen. Greis. Für dies Mal, ja. Gott und die Hilfe jener braven Frau haben mir auf ein paar Jahre das Leben gefriſtet. Franz. Nun freilich, lange wirſt du nicht mehr mitlau⸗ fen. Du ſcheinſt mir ein alter Knabe. Greis. Nahe an die ſiebenzig.— Habe auch wohl nicht viel Freude mehr zu hoffen.—— Je nun, es gibt ja noch ein anderes Leben! 2 ſo den 0 dief Gle wie leie 6 wis der Un der doe Vo Ke Wi De me gri Ab vo ein mi en M mi ihn Ar M iſt el utet einſt ägte ner⸗ tritt eben Wir⸗ ugen zu öpfer inden, hn). enig auch hrem e. eiten ö Tod aven ſtet. tlau⸗ nicht 5t ja Menſchenhaß und Reue. 13 Franz. Du ſollteſt mit dem Schickſal zürnen, das dich, ſo nahe dem Grabe, wieder in die Welt zurückwirft. Für den Unglücklichen iſt der Tod kein Uebel. Greis. Bin ich denn ſo unglücklich? Genieß' ich nicht dieſen ſchönen Morgen? Bin ich nicht wieder geſund?— Glaubt mir, Herr, ein Geneſener, der zum erſten Male wieder in die freie Luft tritt, iſt in dieſem Augenblick das glücklichſte Geſchöpf unter der Sonne. Franz. Ein Glück, an welches ſich der Menſch nur allzu leicht gewöhnt. Greis. Freilich wohl. Doch weniger im Alter. Da wird man haushälteriſch mit der Geſundheit. Man ſtürzt den Wein nicht mehr hinunter, ſchlürft die letzten Tropfen. Und ſo iſt's auch mit der Freude. Ich habe freilich viel in der Welt gelitten, und leide noch, aber ich würde darum doch nicht gerne ſterben. Als mir vor vierzig Jahren mein Vater dieſe Hütte hinterließ, da war ich ein junger, raſcher Kerl, nahm ein gutes flinkes Weib; Gott ſegnete meine Wirthſchaft reichlich, und mein Ehebett mit fünf Kindern. Das dauerte ſo neun Jahre oder zehn. Ein Paar von meinen Kindern ſtarben: ich verſchmerzte das; es kam die große Hungersnoth: mein Weib half ſie mir ehrlich tragen. Aber vier Fahre darauf nahm Gott ſie zu ſich, und auch von meinen fünf Kindern blieb mir bald nachher nur ein einziger Sohn. Das war Schlag auf Schlag. Ich konnte mich lange nicht erholen. Zeit und Gottesfurcht thaten endlich das ihrige. Ich gewann das Leben wieder lieb. Mein Sohn wuchs herau, und half mir arbeiten. Nun hat mir der Fürſt auch dieſen einzigen Sohn weggenommen, und ihm eine Muskete zu tragen gegeben. Das iſt freilich hart. Arbeiten kann ich nicht mehr; ich bin alt und ſchwach. Wäre Madame Müller nicht geweſen, ich hätte verhungern müſſen. Franz. Und doch hat das Leben noch Reiz für dich? Greis. Warum nicht? ſo lange noch etwas in der Welt iſt, das an meinem Herzen hängt. Habe ich denn nicht einen Sohn? Franz. Wer weiß, ob deine Augen ihn je wieder ſehen? Greis. Er lebt aber doch. Franz. Er kann auch wohl ſchon todt ſein. 14 Menſchenhaß und Reue. Greis. Ach, warum nicht gar? Und wenn auch: ſo lange ich deſſen nicht gewiß bin, ſo lange lebt er in meinen Gedanken, und das erhält mir mein eigenes Leben. Ja, Herr, ſelbſt wenn mein Sohn todt wäre, ſo würd' ich darum doch nicht gerne ſterben. Denn hier iſt noch eine Hütte, in der ich geboren und erzogen bin; hier iſt noch eine alte Linde, die mit mir aufwuchs, und— faſt ſchäm' ich mich, es zu bekennen: ich hab' auch noch einen alten treuen Hund, den ich liebe. Franz. Einen Hund? Greis. Ja, einen Hund. Lach' Er, wie Er willl Ma⸗ dame Müller, die herzensgute Frau, war ſelbſt einmal in meiner Hütte. Der alte Fidel knurrte, als ſie kam.„Warum ſchafft Er den garſtigen großen Hund nicht ab?“ fragte ſie mich,„Er hat ja kaum Brot für ſich.“ Lieber Gott, gab ich ihr zur Antwort: wenn ich ihn abſchaffe, wer wird mich dann lieben? Franz(zu dem Unbekannten). Nehmen Sie mir's nicht übel, gnädiger Herr! ich wollte, Sie hätten zugehört. Unbekannter. Das hab' ich. Franz. Nun ſo wollte ich, Sie nähmen ein Beiſpiel an dieſem Alten. Unbekannter(nach einer Pauſe, gibt ihm das Buch). Da, lege das auf meinen Schreibtiſch. Franz ab.) Unbekannter. Wie viel gab dir Madame Müller? Greis. Ach! die gute, engliſche Seele hat mir ſo viel ge⸗ geben, daß ich dem kommenden Winter ruhig entgegen ſehen darf. Unbekannter. Nicht mehr? Greis. Wozu denn mehr?— Freilich, um meinen Hans loszukaufen, könnt' ich's wohl brauchen;— aber ſie mag wohl ſelbſt nicht mehr entbehren können. Unbekannter(drückt ihm einen vollen Beutel in die Hand). Da! Kaufe deinen Hans los!(Er entfernt ſich ſchnell.) Greis. Was war das?(er öffnet den Beutel, und findet ihn voller Goldſtücke.) Ach Gott! Er zieht die Mütze ab, kniet nieder, und dankt im Stillen.) Gr auf halten Fr Gr lohn Fr muß ſeine G nehn eine Got Rüc aber aus Her Dar war unr hat mir wir ein Fün lange einen Ja, arum hütte, alte mich, dund, Ma⸗ al in arum te ſie gab mich übel, iel an lege el ge⸗ tgegen Hans mag Da! det ihn nieder, Menſchenhaß und Reue. Hiebente Scene. Franz. Der Greis. Greis(ihm entgegen) Nun, ſieht Er wohl, Herr! Vertrauen auf Gott läßt nicht zu Schanden werden.(Ihm den Beutel hin⸗ haltend.) Hier iſt Gottes reicher Segen. Franz. Glück zu! aber wer gab dir'sꝰ Greis. Sein braver Herr, dem der Himmel dafür lohnen wolle. Franz. Amen!— Der ſonderbare Mann! Alſo deswegen mußt' ich das Buch hineintragen? Er wollte keinen Zeugen ſeiner Wohlthätigkeit. Greis. Auch wollt' er nicht einmal meinen Dank mit ſich nehmen. Er war fort, eh' ich noch reden konnte. Franz. Das ſieht ihm ähnlich. Greis. Nun, Herr, nun will ich gehen, ſo ſchnell mich die alten Füße tragen wollen. Achl ein ſüßer Gang!— ich gehe meinen Hans los zu kaufen! Wie wird der Junge ſich freuen!— Er hat auch ein Mädchen unten im Dorfe, eine brave Dirne.— Welche Freude! welche Freude!— Gott, wie gütig biſt du! Jahrelange Leiden vermögen die Rückerinnerungen an ehemalige Freuden nicht auszulöſchen, aber ein einziger froher Augenblick tilgt jahrelange Leiden aus unſerm Gedächtniß.— Ich gehe; beſchreib' Er ſeinem Herrn meine Freude; das wird ihm lieber ſein als mein Dank—(Im Gehen.) Ach! warum kann ich nicht laufen? warum nicht fliegen?—(Er ſteht plötzlich ſtille) Ha! das war unrecht. Mein alter Geſellſchafter muß mit mir gehen. Er hat mit mir gehungert und gewinſelt; er ſoll ſich auch mit mir freuen. Er und mein Sohn ſind alte gute Freude. O, wird der gute Fidel vor uns herſpringen! Er geht in die Hütte.) Franz(ihm nachſehend). Warum bin ich nicht reich? oder ein Fürſt? Augenblicke, wie dieſe, ſind es, in welchen ich Fürſten-Reichthum beneide.(Er geht ab.) Achle Scene. (Ein Zimmer im Schloſſe.) Eulalia(ritt auf mit einem Briefe in der Hand). Das iſt mir nicht lieb. Ich hatte mich ſo gewöhnt an 16 die ſtille Einſamkeit. Ruhe wohnt freilich nicht immer in der Bruſt des Einſamen, denn ach! du nimmſt dein Gewiſſen mit in Klöſter und Wüſtenein! Aber ich konnte doch weinen, wenn mir der Kummer das Herz nagte, und niemand ſah mein rothgeweintes Auge, und niemand fragte: warum haben Sie geweint? Ich konute durch Thal und Flur um⸗ herſchweifen, und niemand ſah, daß mein Gewiſſen mich jagte.— Nun werden ſie mir auf den Hals kommen, wer⸗ den mich in ihre Geſellſchaften ziehen; da werd' ich reden und lachen ſollen, an ſchönen Tagen mit ihnen ſpazieren gehen, und bei Regenwetter wohl gar Karte ſpielen.— Nimmt man einmal ein Buch in die Hand, ſo heißt's gleich: was leſen Sie da? erzählen Sie doch! was ſteht in dem Buche? oder: werfen Sie das einfältige Buch auf die Seite; wer wird immer leſen!— Ach! ich wollte, ſie wären in der Stadt geblieben, auf ihren Bällen und Clubs, auf ihren Aſſembleen und Promenaden, und hätten ſich da be⸗ gafft und verleumdet, und betrogen und verführt.— Und heute ſchonl(in den Brief ſehend); ach! das iſt mir gar nicht lieb! und ich kann nicht recht klug aus dem Briefe werden, ob die Reiſe auf's Land nur ſo eine Grille war, Laune eines Augenblicks, oder Plan auf längere Dauer. Faſt be⸗ fürcht' ich das Letztere; und dann— gute Nacht, Einſam⸗ keit, die du ſo oft mit deinem magiſchen Stabe Ruhe in dieſes Herz zurück brachteſt! Gute Nacht, Lektüre! Schales Plaudern wird dich verdrängen. Hier, wo die Morgenſonne ſich nur in meinen Thränen ſpiegelte, hier wird Jagdgetöſe und Hundegeheul ſie begrüßen. Ach! alles wollt' ich gern ertragen; aber wenn nun die edle Gräfin mir Beweiſe ihrer Zuneigung, wohl gar ihrer Hochachtung gibt, und ich alle Augenblicke fühlen muß, daß ich das nicht verdiene — o, wie wird dann mein Gewiſſen mich peinigen!— Oder— ich bebe vor dem Gedanken!— wenn dieſes Schloß nun ein Tummelplatz von Geſellſchaften würde, unter welche das Ungefähr wohl gar einige meiner ehe⸗ maligen Bekannten miſchte!— ach! wie elend iſt man, wenn auch nur zwei Augen in der Welt ſind, deren Blick man ſcheuen muß. Menſchenhaß und Reue. Pete Eul Pete noch 6 ein V Eule Pete alten? daß de Eult Pete auchen Eule geſtellt Pete⸗ heraus Eulce Kind ꝰ ſchuldi abzube Pete. er wol Knie u Eula fallen Petel nur ar Eula alte Te Sie il oder w Peter die Ho Eula zufüger Petet mmer in Gewiſſen weinen, iand ſah warum lur um⸗ ſen mich en, wer⸗ ich reden ſpazieren ielen.— 's gleich: t in dem die Seite; wären in ubs, auf ch da be⸗ — Und gar nicht e werden, ir, Laune Faſt be⸗ Einſam Ruhe in 1 Schales rgenſonne zagdgetöſe ich gern Beweiſe gibt, und verdiene tigen!— un dieſes n würde, einer ehe⸗ iſt man, eren Blick Menſchenhaß und Reue. Neunte Seene. Peter. Eulalia. Peter. Nun, da bin ich. Eulalia. Schon zurück? Peter. Gelt, ich bin flink? und ich habe unter Weges noch obendrein einen Schmetterling gehaſcht, und auch wohl ein Viertelſtündchen verplaudert. Eulalia. Plaudern laß ich gelten; nur nicht ausplaudern. Peter. Ei, bewahre der Himmel! Nein, ich ſagte dem alten Tobies, das würde er in ſeinem Leben nicht erfahren, daß das Geld von Ihnen käme. Eulalig. Allerliebſt! Peter. Und den Musje Franz, hi! hi! hi! den ließ ich auch mit einer langen Naſe abziehen. Eulalia. Sie fanden den alten Tobies völlig wieder her— geſtelltꝰ Peter. J freilich; er will heute zum erſten Male wieder heraus, in die friſche Luft. Eulalia. Gott ſei Dank!— FFür ſich.) Bin ich nicht ein Kind? ich freue mich wie ein Menſch, der hundert Tauſende ſchuldig iſt, und dem es endlich gelang— Einen Thaler abzubezahlen. Peter. Er ſagte, das alles hätt' er Ihnen zu danken; er wollte noch vor dem Eſſen ſelbſt herauf kriechen und Ihre Knie umfaſſen. Eulalig. Lieber Musje Peter, wollen Sie mir einen Ge⸗ fallen thun? Peter. J Herr Je! hundert für einen. Wenn Sie mir nur auch erlauben wollen, Sie recht lange anzuſehen. Eulalig. Herzlich gern. Geben Sie Achtung, wenn der alte Tobies kommt, und laſſen Sie ihn nicht herauf. Sagen Sie ihm, ich hätte keine Zeit, ich wäre krank, ich ſchliefe, oder was Sie ſonſt wollen. Peter. Gut, gut. Und wenn er nicht geht, ſo will ich die Hofhunde auf ihn hetzen. Eulalia. Ei, bewahre Gott! Sie müſſen ihm kein Leid zufügen, hören Sie? den alten Mann ja nicht kränken. Peter. Wohl! Wohl! Alles wie Sie befehlen. Sonſt 18 Menſchenhaß und Reue. iſt der Sultan ein tüchtiger Hund, und der Caro hat wohl manchen Bauerlümmel in die Waden gebiſſen. Zehnle Scene. Bittermann. Die Vorigen. zittermann. Guten Morgen, guten Morgen, meine liebe ſcharmante Madame Müller; ich freue mich recht herzlich, Sie wohl zu ſehen. Hochdieſelben haben mich rufen laſſen. Vermuthlich etwas Neues aus der Reſidenz!— Ja, ja, es gehen wichtige Dinge vor; ich habe auch Briefe. Eulalig(lächelnd). Freilich, lieber Herr Bittermann, Sie correſpondiren ja mit der ganzen Welt. Ziltermann(wichtig) Wenigſtens habe ich in den Haupt⸗ ſtädten von Europa meine ſichern Correſpondenten. Eulalig. Und doch zweifle ich, ob Sie wiſſen, was heute hier im Hauſe vorgehen wirdꝰ gittermann. Hier im Hauſe? Nichts von Bedeutung. Wir wollten heute ein paar Tonnen Gerſte ausſäen; aber die Witterung iſt mir zu trocken. Ich hatte geſtern Briefe aus Siebenbürgen! auch da mangelt der liebe Regen. Die allgemeine Klage durch ganz Europa! Doch ein Plaiſirchen können Sie ſich heut machen, wir haben Schafſchur. peter. Und die Eier der großen Glucke müſſen heut aus⸗ kommen. Und der wilde braune Hengſt— gittermann. Schweig, Tölpel! peter. Nun, da haben wir's! ich darf das Maul nicht aufthun.(Er ſetzt ſeinen Hut auf, und geht maulend ab) Eulalia. Unfer Graf wird heute hier ſein. Bittermann. Wie? was? Enlalia. Nebſt ſeiner Gemahlin und ſeinem Schwager, dem Major von der Horſt. gitlermann. Spaß apart? Eulalia. Sie wiſſen, lieber Herr Bittermann, ich bin eben nicht ſehr ſpaßhaft. gittermann. Peter!— Du lieber Gott! Seine Hochge⸗ borne Excellenz, der Herr Graf, in eigener hoher Perſon — Peter!— und die gnädige Frau Gräfin— und Seine Hochwohlgebornen Gnaden, der Herr Major— und hier iſt nichts in der gehörigen Ordnung— Peter! Peter! I 8 ſchic liche den Fra in 1 ſoll ſoll E und hat 6 dau hab nen 0 6 von 0 der hert hat wohl eine liebe herzlich, en laſſen. —Ja, ja, fe.— ann, Sie n Haupt⸗ n. vas heute zedeutung. äen; aber ern Briefe gen. Die Plaiſirchen zur. heut aus⸗ Naul nicht Schwager, ch bin eben ne Hochge⸗ her Perſon und Seine —und hier Peter! Menſchenhaß und Reue. peter. Nu, was gibt's ſchon wieder? gittermanu. Rufe doch geſchwind die Leute zuſammen! ſchick' nach dem Förſter; er ſoll ein Reh in die herrſchaft⸗ liche Küche liefern— und Lieſe ſoll die Zimmer fegen und den Staub von den Spiegeln wiſchen, damit die gnädige Frau Gräfin ſich darin ſpiegeln kann.— Und der Koch ſoll in der Eil' ein paar Kapaunen ſchlachten— und Hans ſoll einen Hecht aus dem Teiche holen— und Friedrich foll meine Sonntagsperücke friſiren.(Peter ab.) Eulalia. Vor allen Dingen laſſen Sie die Betten lüften und die Sopha's aufklopfen. Sie wiſſen, der Herr Graf hat es gern ein wenig bequem. Bittermaun. Freilich, freilich, meine liebe ſcharmante Ma⸗ dame Müller, das muß ſogleich geſchehen. Verzweifelt! da hab' ich im grünen Zimmer Erdäpfel aufgeſchüttet, die kön⸗ nen nicht ſo eilig trausportirt werden. Eulalia. Iſt ja auch nicht nöthig. gittermann. Lieber Gott! wo ſoll denn der Herr Major von der Horſt logiren? Eulalia. Geben Sie ihm das kleine rothe Zimmer an der Treppe; das iſt ein niedliches Zimmer, und hat eine herrliche Ausſicht. gitlermann. Recht gut, liebe Herzens-Madame Müller; aber da hat ſonſt immer der Haus⸗Sekretär des Herrn Grafen gewohnt. Zwar, den brauchen Seine Excellenz eben nicht nothwendig; er hat alle Jahre kaum ein paar Briefe zu ſchreiben. Man könnte ihm— halt! es kommt mir da ein vortrefflicher Einfall. Sie kennen das kleine Häuschen am Ende des Parks? Da wollen wir den Herrn Sekretär hinſtopfen. Eulalia. Sie vergeſſen, lieber Herr Bittermann, da wohnt der Fremde. giltermann. Ach, was geht uns der Fremde an! Wer hat ihn heißen hinein ziehen? er muß heraus. Eulalia. Das wäre unbillig. Sie ſelbſt haben die Woh⸗ nung ihm eingeräumt, und ich denke, er bezahlt ſie Ihnen gut. Biltermann. Er bezahlt wohl, und ſo ein Aceidenz für einen armen Verwalter iſt freilich nicht zu verachten; aber— Enlalia. Nun, aber? 2* —————-ꝝyͤ— Menſchenhaß und Reue. gittermann. Aber, man weiß doch nicht, wer er iſtl kein Teufel kann klug aus ihm werden. Ich habe den Henker von ſeinem Gelde, wenn er mich für jeden Groſchen quä⸗ len will. Enlalia. Er quält Sie? wodurch? Sittermann. Zerbrech' ich mir denn nicht ſchon ſeit ganzen Monaten vergebens den Kopf, um hinter das Geheimniß zu kommen? Zwar hatt' ich vor kurzem einen Brief aus Spanien, in welchem man mir meldet, daß ſich in der hie⸗ ſigen Gegend ein Spion aufhalte; und der Beſchreibung nach— Eulalia(lächelud). Leicht möglich! Der König von Spa⸗ nien hat von Ihrer vortrefflichen Schafzucht gehört, und da ſeine eignen Schafe nicht viel taugen, ſo will er Ihnen die Kunſtgriffe ablauern laſſen. Nein, lieber Herr Bitter⸗ mann, laſſen Sie den fremden, geheimnißvollen Mann zu— frieden. Er iſt mir zwar noch nicht in den Wurf gekommen, und ich bin auch eben nicht neugierig, ihn zu ſehen; aber alles, was ich von ihm höre, charakteriſirt ihn als einen Menſchen, den man allenthalben wohl dulden mag.— Er lebt ſtill und friedlich. Bittermann. Das thut er. Enlalia. Er erzeigt manche Wohlthat im Verborgenen. Bittermann. Das thut er. Eulalia. Er beleidigt kein Kind. Bittermann. Nein, das thut er nicht. Enlalia. Er fällt Niemanden zur Laſt. gittermann. Nein, das auch nicht. Eulalia. Nun, was wollen Sie mehr. Bittermann. Ich will wiſſen, wer er iſt.— Und wenn er Einem nur Rede ſtünde, daß man ihn bei Gelegenheit fein ausholen könnte; aber wenn er mir auch einmal im dunkeln Lindengange, oder unten am Bache aufſtößt— das ſind ſo ſeine beiden Lieblingsſpaziergänge— ſo heißt es: guten Tag und guten Weg, und damit holla! Ich habe ein paar Mal angefangen: es iſt heute ſchönes Wetter.— Ja. — Die Bäume fangen ſchon an auszuſchlagen.— Ja. Der Herr machen ſich, wie ich ſehe, eine kleine Bewegung. — Ja.— Nun ſo geh' du und der Teufel! Und wie der Herr eine 6 verg Da dare E Her! chen das 3 auch Mü Ma daß Ma eine war Wir Got Wir Fre gibt lern Lein — iſtl kein n Henker )en quä⸗ t ganzen eheimniß Brief aus der hie⸗ chreibung on Spa⸗ jört, und er Ihnen r Bitter⸗ Nann zu⸗ ekommen, hen; aber als einen ig.— Er orgenen. wenn er enheit fein m dunkeln as ſind ſo 8: guten habe ein er.— Ja. Ja. Bewegung. id wie der Menſchenhaß und Reue. 21 Herr, ſo der Diener; gerade ſo ein Stax. Ich weiß nicht eine Sylbe von ihm, als daß er Franz heißt. Eulalia. Sie ereifern ſich, lieber Herr Bittermann, und vergeſſen ganz darüber die Aukunft unſers Grafen. Bittermann. Ach, der Teufel! Gott verzeih' mir die Sünde! Da ſehen Sie nun, liebe Madame Müller, was für Unglück daraus entſteht, wenn man die Leute nicht kennt. Eulalia(nach der Uhr ſehend). Schon neun Uhr. Wenn der Herr Graf ſich ein Stündchen von ſeinem Schlafe abgebro chen hat, ſo kann die Herrſchaft bald hier ſein. Ich gehe das Meinige zu thun; thun Sie das Ihrige.(Ab.) Eilſte Scene. Bittermann(allein). Ja ja, ich will das Meinige ſchon thun. Die iſt mir auch ſo eine; man weiß ja auch nicht, wer ſie iſt. Madame Müller? Ja, lieber Gott! Madame Müller! Es giebt der Madamen Müller viele in der Welt.— Das weiß ich wohl, daß die gnädige Frau Gräfin mir vor drei Jahren die Madame Müller ſo unvermuthet in's Haus geſetzt hat, wie einen Tintenklecks auf einen Bogen Papier; aber woher? warum? weswegen? ja, da hapert's.—„Sie ſoll die innere Wirthſchaft führen,“ ſagte die Frau Gräfin. Je du lieber Gott! hab' ich denn nicht etwa der innern und äußern Wirthſchaft zwanzig Jahre lang mit Ruhm vorgeſtanden? Freilich, ich werde alt, und das muß ich ihr nachſagen, ſie gibt ſich viel Mühe. Aber hat ſie nicht alles von mir ge lernt? Wie ſie herkam— Gott verzeih' mir meine Sünde! Sie wußte ja nicht einmal, daß man aus Flachs Leinwand webt. Menſchenhaß und Reue. Zweiter Act. Erſte Scene. Der Major von der Horſt(hereingeführt von Bittermann und Peter, welcher während dieſer ganzen Scene das Echo und der Affe ſeines Vaters iſt). Bittermann. Ich habe die Ehre, Ew. Hochfreiherrlichen Gnaden in meiner geringen Perſon den Herrn Haushof⸗ meiſter Bittermann vorzuſtellen, welcher die Stunde ſelig preiſet, da ihm das Glück zu Theil worden, den Hochfrei⸗ herrlichen Herrn Schwager Seiner Hochgräflichen Exeellenz von Angeſicht zu Angeſicht kennen zu lernen. Peter. Kennen zu lernen. Major. O, ſchon mehr als zu viel, lieber Herr Bitter⸗ mann! Ich bin Soldat, wie Sie ſehen; ich mache wenig Umſtände, und begehre dergleichen auch nicht von andern. Bittermann. Bitte, bitte, Herr Major, wenn man gleich auf dem Lande lebt, ſo kennt man doch ſeine tiefe Schuldig⸗ keit gegen hohe Perſonen. peter. Man lennt ſeine Schuldigkeit. Major. Nun, nun, wir werden ſchon noch bekannter werden. Sie ſollen wiſſen, Herr Bittermann, daß ich wenig⸗ ſtens ein paar Monate lang die Einkünfte von Winterſee werde verzehren helfen. gittermann. Warum nicht Jahre lang, Ew. Hochfreiherr⸗ lichen Gnaden? Dem alten Bittermann iſt's eben recht. Der hat, ohne Ruhm zu melden, zuſammen geſcharrt und geſpart, daß Se. Hochgräfliche Exeellenz darüber erſtaunen werden. Major. Deſto beſſer! ein Sparer will einen Verthuer, und da finden Sie an meinem Schwager Ihren Mann. Sie wiſſen doch, daß er den Dienſt quittiret hat, und in Zukunft ſein Leben in Fried' und Ruhe hier auf Winterſee zu beſchließen gedenkt? gittermann. Was Sie mir ſagen! Nein, nicht eine Sylbe iſt mir zu Ohren gekommen. Peter. Mir auch nicht. 1 wa! ſo und mei Ert zu un mit Me ſaf der ſeſt N 5. er na Ri me m tei N und Peter, Affe ſeines iherrlichen Haushof⸗ inde ſelig Hochfrei— Excellenz rr Bitter⸗ iche wenig andern. nan gleich Schuldig bekannter ich wenig⸗ Winterſee ſchfreiherr— eben recht. charrt und erſtaunen Verthuer, en Mann. it, und in Winterſee eine Sylbe Menſchenhaß und Reue. Major. Sie haben unſern alten Fürſten gekannt? Der war kein Liebhaber von Soldaten, hielt deren nur gerade ſo viel, als nöthig war, um die Wache vor ſeinem Schloſſe und an den Thoren zu beſetzen. Daran that er auch, nach meiner Meinung, ſehr wohl; denn ſein Land vermag für Ernſt zu wenig, und ein paar tauſend Mann ſind für Spaß zu viel. Andere Zeiten, andere Sitten. Der Alte ſtarb, und der junge Fürſt vertauſchte ſeine hölzernen Puppen mit lebendigen. Da gir es nun an ein Exereiren und Marſchiren den lieben langen Tag. Früh um vier Uhr ſaß der Fürſt ſchon zu Pferde. Das ſtand meinem Schwager, dem Herrn General, nicht an. Er hatte ſich immer im Lehn feſſel die Rapports bringen laſſen, war höchſtens in jeder Woche einmal auf der Parade erſchienen, und nun ſollt' er dem Kinderſpiel ſeine Bequemlichkeit aufopfern;- flugs nahm er ſeinen Abſchied. Bittermann. Ei! Ei! peter. Ei! Ei! gittermanu. Sonderlich, aber vortrefflich, beſonders in Rückſicht auf meine Wenigkeit. Nun wird der alte Bitter⸗ mann erſt recht zu leben anfangen. peter. Und der junge Peter auch. gittermann. Der Herr Graf erhalten poſttäglich, wie ich mich noch ganz wohl erinnere, den„hamburgiſchen unpar⸗ teiiſchen Correſpondenten“ und den„luſtigen Erlanger.“ Nichts Neues, Herr Major, aus der politiſchen Welt? Major. Nichts, als daß der Krieg zwiſchen den benach⸗ barten Mächten wahrſcheinlich bald ausbrechen wird. gittermann(ſehr wichtig). O, das wiſſen wir ſchon ſeit zwei Monaten. peter. Ja, das wiſſen wir ſchon. Mafor(ächelnd). Nicht möglich, Herr Bittermann! Vor zwei Monaten wußten die kriegführenden Mächte ſelbſt noch nichts davon. Bittermann. Ha! ha! ha! das iſt eben der Spaß von der Sache. Man hat Freunde im Miniſterium— man hat Correſpondenten— man erhält Briefe von allen Seiten. Der Major(welchem die Unterhaltung herzliche Langeweile macht, für ſich. Ich merke wohl, es wäre beſſer geweſſen, ein paar Menſchenhaß und Reue. Stunden auf der Straße die Langeweile zu ertragen. Da hat man doch Bäume um ſich, und den blauen Himmel über ſich. Bittermann. Bedaure nur, daß ich nicht im Stande bin, dem gnädigen Herrn die Zeit zu paſſiren. Peter. Bedaure recht ſehr. Bittermann. Weiß gar nicht, wo Madame Müller ſtecken mag. Das iſt eine Frau, die Mundwerk hat. Major. Madame Müller? Wer iſt dieſe Madame Müller? Bittermann. Ja, lieber Gott! wer ſie iſt, das weiß ich ſo eigentlich nicht zu ſagen. Peter. Ich auch nicht. Bittermann. Keiner meiner Correſpondenten hat mir dar⸗ über Nachricht geben können. Sie iſt hier quasi Haushäl⸗ terin.— Mir däucht, ich höre ihre Silberſtimme auf der Treppe. Ich werde ſogleich die Ehre haben, ſie herauf zu ſchicken. Major. Bemühen Sie ſich nicht. Bittermann. Was bemühen! Ich bin Ew. Gnaden allezeit bereitwilliger Diener.(Mit vielen Verbeugungen ab.) Peter(murmelt auch ſein„bereitwilliger Diener“ zwiſchen den Zähnen, macht viele Kratzfüße und geht). Major. Nun werden ſie mir gar ein altes Weib auf den Hals ſchicken.— Die wird mich zu Boden ſchwatzen!— O köſtliche Geduld. Zweile Scene. Eulalia. Major. Eulalia(tritt mit einer ſehr anſtändigen Verbeugung in das Zimmer). Major(erwidert ſie ein wenig verwirrt; für ſich). Nein, alt iſt ſie nicht.(Er wirft noch einen Blick auf ſie.) Beim Henker, nein! und häßlich auch nicht. Eulalia. Ich freue mich, gnädiger Herr, in Ihnen den Bruder meiner Wohlthäterin kennen zu lernen. Major. Madame— jeder Titel iſt koſtbar, wenn er An⸗ ſpruch auf Ihre Bekanntſchaft gibt. Eulalia(ohne das Compliment, weder durch Blick, noch durch Stel⸗ lung zu erwidern). Die ſchöne Jahreszeit hat den Herrn Grafen vermuthlich aus der Stadt gelockt? Me gilt e ling ein e freun lacher Eu imme Leben welch Sie, Nicht Miſch gerne träge ſelbſt M ſich me mein und um Eir M läſtig Eu befar Freu M keit Er mein M liebe Ei M Men t. Da dimmel de bin, ſtecken Nüller? ich ſo ir dar⸗ aushäl⸗ auf der rauf zu allezeit hen den zuf den dſen!— zimmer). alt iſt „nein! en den er An⸗ rch Stel⸗ Grafen 2 Menſchenhaß und Reue. 2 Major. Das wohl eben nicht. Sie kennen ihn. Ihm gilt es gleichviel, ob wir Regen oder Sonnenſchein, Früh⸗ ling oder Winter haben, wenn nur in ſeinem eigenen Hauſe ein ewiger Sommer herrſcht. Das heißt nämlich: eine freundliche Frau, eine gut beſetzte Tafel und ein paar lachende Freunde. Eulalia. Der Graf iſt ein liebenswürdiger Epikuräer; immer gleichlaunicht, immer genießend jede Minute ſeines Lebens tropfenweiſe, wie das erſte Glas Rheinwein, welches der Arzt einem Kranken erlaubt. Aber geſtehen Sie, Herr Major, der Graf iſt ein Schooßkind des Glücks. Nicht um Geburt und Reichthum, nein, um der geſunden Miſchung ſeiner Säfte willen. Ein geſunder Körper iſt gerne gepaart mit einer heitern Seele. Kranke Nerven, träge ſchleichendes Blut, würden den Grafen elend machen, ſelbſt in den Armen Ihrer liebenswürdigen Schweſter. Major(der immer ſichtbarer betroffen wird, ſo wie Eulaliens Verſtand ſich mehr und mehr ihm entwickelt). Sehr wahr, Madame!— und mein guter bequemer Schwager ſcheint ſein Glück zu fühlen und feſt halten zu wollen. Er hat den Dienſt verlaſſen, um ganz ſich ſelbſt zu leben. Eulalia. Wirklich? das macht ſeinem Kopfe Ehre. Major. Wenn nur die Einſamkeit ihm nicht am Ende läſtig wird. Eulalia. Ich denke, Herr Major, für den, der ein un⸗ befangenes Herz in die Einſamkeit mitbringt, erhöht ſie jede Freude des Lebens. RMajor. Zum erſten Male hör' ich das Lob der Einſam keit aus einem ſchönen Munde. Eulalia. Sie ſagen mir da eine Schmeichelei auf Koſten meines Geſchlechts. Major. Iſt die Einſamkeit ſchon lange im Beſitz einer ſo liebenswürdigen Vertheidigerin? Eulalia. Ich wohne hier ſeit drei Jahren. Major. Und nie ein leiſer Wunſch nach Stadt- und Menſchengewühl? Eulalia. Nie, Herr Major. Mafor. Das zeigt entweder von einer ſehr rohen, oder 26 Menſchenhaß und Reue. von einer ſehr ausgebildeten Seele. Ihr erſter Blick läßt keine Zweifel übrig, zu welcher Klaſſe man Sie rechnen darf. Eulalia(nit einem Seufzet). Es gibt vielleicht noch einen dritten Fall. Major. Wirklich, Madame ohne Ihrem Geſchlechte zu nahe treten zu wollen.— Die Weiber ſchienen mir immer weniger für die Einſamkeit geſchaffen, als die Männer. Wir haben tauſenderlei Beſchäftigungen, tauſenderlei Zer⸗ ſtreuungen, welche jenen mangeln. Eulalia. Darf ich fragen: welche? Major. Wir reiten, wir jagen, wir ſpielen, wir leſen, wir ſchreiben Briefe, wir ſchriftſtellern wohl gar ein wenig. Eulalia. Die edle Fagd und das noch edlere Spiel räume ich ihnen willig ein; aber ich fürchte, dabei haben Sie wenig gewonnen. Major. In der That, Madame, ich wünſchte einen Tag lang Zeuge Ihrer Beſchäftigungen zu ſein. Eulalia. O, Sie können nicht glauben, Herr Major, wie ſchnell die Zeit vorbei eilt, wenn eine gewiſſe Einförmig⸗ keit in unſerer Lebensart herrſcht. Ein Tag wie der an⸗ dere; die heutige Morgenſtunde wie die geſtrige; o, da fragt man ſich ſo oft: haben wir heute ſchon Sonnabend? iſt der Montag ſchon zu Ende?— Wenn ich an einem heitern Morgen mir den Kaffee auf den grünen Hofplatz hinaus tragen laſſe, dann iſt mir das ſüße Bild der auflebenden Geſchäftigkeit und Thätigkeit um mich her immer neu. Die Schwalben ſchwirren, die Enten und Gänſe ſchnattern, das Bieh wird ausgetrieben, der Bauer zieht hinaus auf's Feld, und wünſcht mir im Vorbeigehen einen freundlichen guten Morgen; Alles lebt und webt, und iſt froh. Wenn ich nun ein paar Stunden lang Zeuge dieſes erquickenden Schau⸗ ſpiels geweſen bin, dann geh' ich an meine Geſchäfte, und eins, zwei, drei iſt der Mittag da. Gegen Abend fang' ich an herum zu ſchwärmeu, aus dem Garten in den Park, aus dem Park auf die Wieſen. Ich füttere mein Federvieh, ich begieße meine Blumen, ich ſuche Erdbeeren, pflücke Kir⸗ ſchen von den Bäumen, oder ich ſehe den Bauerknaben zu, wie ſie ſpielen. denk in 1 Wer ſont war öffn. ling Clas und mir 4 gan Ste gebe Har nier nock ant 0 ſehe blic auf ein luft kon ich bel⸗ un! mie ſie ver k läßt darf. einen hlechte n mir änner. i Zer⸗ leſen, wenig. Spiel haben n Tag or, wie förmig⸗ der an⸗ ſa fragt ndꝰ iſt heitern hinaus benden 1. Die n, das 8 Feld, guten ich nun Schau⸗ te, und d fang' n Park, dervieh, icke Kir⸗ iben zu, Menſchenhaß und Reue. der Winter! der Winter! Eulalia. O, wer wird ſich nun gerade den Winter immer denken als einen Greis, in Pelz gehüllt, mit dem Muff in der Hand? Der Winter hat ſeine eigenen Freuden. Wenn draußen Schnee und Hagel an die Fenſter ſtürmt, ſo thut einem ſchon der Gedanke ſo wohl: ich ſitze hier am warmen Ofen. Und dann iſt's Zeit, den Bücherſchrank zu öffnen, durch Leſen die Seele zu erheitern, bis die Früh⸗ lingsſonne wieder wärmer ſcheint. Oder ich laſſe mir mein Clavier ſtimmen, ſo gut unſer Schulmeiſter das verſteht, und ſpiele mir ſelbſt eine Sonate von Mozart, oder ſinge mir eine Arie von Paiſiello. Aajor. Selig, wer den Faden ſeiner Beſchäftigungen ſo ganz aus ſich ſelbſt zu ſpinnen vermag! Enulalia. Und, lieber Gott! wie unerſättlich frißt das Stadtleben die koſtbare Zeit! da muß ich heute Viſiten geben, morgen läſtige Beſuche empfangen, heute mir eine Haube ſtecken, morgen mir ein Kleid garniren. Hier fragt niemand darnach: für die Frau Paſtorin iſt meine Haube noch immer nach dem neueſten Geſchmack. Major. Aber man will doch zuweilen ein Menſchen⸗ antlitz ſehen. Eulalia. Fehlt es mir etwa daran? O, Herr Major, ich ſehe Menſchengeſichter, die geſunder und froher um ſich blicken als Ihre ſtädtiſchen Gerippe. Und dann hab' ich, außer dem Herrn Bittermann und ſeinem Peter, noch ſo eine ganz eigene Geſellſchaft, die mich zuweilen herzlich be⸗ luſtigt, nämlich die Bauerweiber aus dem Dorfe. Die kommen im Winter mit ihren Spinnrädern; dann ſetze ich mich mitten unter ſie, und da erzählen ſie mir, und belehren mich über Flachs und Hauf, über Milchlund Butter, und was dergleichen mehr iſt. Die guten Seelen haben mich alle lieb, weil ich ſie immer um Rath frage, und weil ſie ſich dabei ſo wichtig fühlen. 8 Major. Gewiß, Madame, wenn jemand auf der Welt verſteht, aus jeder Blume Honig zu ſaugen, ſo ſind Sie es. Eulalia(ſtößt einen unwillkürlichen Seufzer aus). Major. Alles das ſind Freuden des Sommers. Aber Menſchenhaß und Reue. Dritle Scene. Peter. Die Vorigen. Bald nachher der Greis. peter. Ja, ich kann ihn nicht halten; er iſt ſchon auf der Treppe. Eulalia. Wer? peter. Der alte Tobies. Hätten Sie mir erlaubt, den Sultan auf ihn zu hetzen; meiner Six! er wäre nicht über die Schwelle gekommen.(Ab.) Greis(ſich herein drängend). Ich muß— guter Gott! ich muß!— Eulalia(ſehr verlegen). Ich habe jetzt keine Zeit, Alter! Ihr ſehet, ich bin nicht allein. Greis. Ach! der gnädige Herr wird mir verzeihen. Major. Was wollet Ihr? Greis. Danken will( ich! Empfangene Wohlthaten ſind ja auch eine Bürde, wenn man nicht danken darf. Eulalia. Morgen, lieber Alter, Morgen. Major. Keine falſche Beſcheidenheit, Madame. Erlauben Sie ihm, daß er ſeinem Herzen Luft macht, und geſtatten Sie mir, Zeuge eines Auftrittes zu bleiben, welcher reden⸗ der als Ihr Geſpräch mich belehrt, wie edel Sie Ihre Zeit zubringen.— Rede, Alter, rede! Greis. O, daß jedes meiner Worte Segen auf Sie her⸗ unter beten könnte!— Verlaſſen lag ich in meiner Hütte. Fieberfroſt klapperte mir in den Zähnen. Der Wind ſauſte durch die Spalten meiner zerfallenen Wohnung, und der Regen ſchlug durch die zerbrochenen Fenſter. Da hatt' ich keine Decke, meine Füße d'rein zu wickeln! nur mein alter treuer Hund wärmte mich, und wedelte mir? Troſt zu. Aber nicht einmal ein Biſſen Brod war mir übrig geblieben für den treuen Gefährten meiner alten Tage. Ach! da erſchie⸗ nen Sie mir in der Geſtalt eines Engels, reichten mir Arzeneien, und Ihre tröſtende, liebliche Stimme wirkte kräf⸗ tiger als Ihre Arzeneien, kräftiger als die Hühnerbrühen, die Sie mir täglich ſchickten, und der Wein, womit Sie mich labten. Ich bin geneſen; ich habe heute zum erſten Male im Angeſichte der Sonne Gott meinen Dank darge— bracht, und nun komme ich zu Ihnen, edle Frau. Laſſen Sie nen! fallen Alten barſe um nach mir leich dan! woh das E 6 mir Got Ihn eine ſie, däu fah mi tyr her au na all n auf den t über tt! ich Alter! ſind lauben ſtatten reden⸗ e Zeit ie her⸗ Hütte. ſauſte id der itt' ich alter Aber en für erſchie⸗ n mir e kräf⸗ rühen, it Sie erſten darge⸗ Laſſen — Menſchenhaß und Reue. 29 Sie mich meine Thränen auf Ihre wohlthätige Hand wei⸗ nen! Laſſen Sie mich Ihre Knie umfaſſen!(Er will nieder⸗ fallen, Eulalia verhindert es.) Um Ihrentwillen hat Gott mein Alter geſegnet. Der fremde Herr, der dort in meiner Nach⸗ barſchaft wohnt, hat mir einen Beutel mit Gold geſchenkt, um meinen Hans loszukaufen. Ich bin auf dem Wege nach der Stadt; ich kaufe meinen Hans los; dann gibt er mir eine brave Schwiegertochter; dann ſchaukele ich viel⸗ leicht noch Enkel auf meinen Knien— und Sie, wenn Sie dann vor meiner glücklichen Hütte vorübergehen— o, wie wohl muß Ihnen zu Muthe werden, wenn Sie ſich ſagen: das iſt mein Werkl Eulalia(bittend). Genug, Alter, genug! Greis. Ja wohl genug! denn ich kann's doch nicht ſo von mir geben, wie es bier in meinem Herzen geſchrieben ſteht. Gott weiß das beſſer. Gott und Ihr Herz mögen es Ihnen vergelten. Ab.) Vierle Scene. Eulalia. Der Major. Eulalia(ſchlägt die Augen nieder, und kämpft mit der Verwirrung einer ſchönen Seele, welche man auf einer guten That ertappt hat). Major(ſteht ihr gegenüber, und wirft von Zeit zu Zeit Blicke auf ſie, in welchen ſein Herz ſchwimmt). Eulalia(bemühet ſich, ein anderes Geſpräch anzuknüpfen). Mir däucht, der Herr Graf könnte nun bald hier ſein. Major. Nicht doch, Madame, er mag immer langſam fahren; die Wege ſind holpericht. Sein Außenbleiben hat mir eine Unterhaltung verſchafft, die ich nie vergeſſen werde. Eulalia(lächelnd). Ei, Herr Major, Sie machen eine Sa⸗ tyre auf die Menſchen. Major. Wie ſo? Eulalia. Weil dergleichen Auftritte Ihnen ſelten ſcheinen. Major. Wirklich, Madame, Sie haben's errathen— und heute— ich geſtehe es— ich war ſo wenig vorbereitet auf eine Bekanntſchaft, wie die Ihrige— ich fühle mich ſo ſehr überraſcht.— Als mir Bittermann Ihren Namen nannte,— wer hätte glauben ſollen, daß hinter einem ſo alltäglichen Namen— Menſchenhaß und Reue. Eulalia(qchnell einfallend). Ein nicht ganz alltägliches Weib verborgen wäre?(Scherzend.) Darum rathe ich Ihnen— was ſchon mancher Sittenlehrer ohne Erfolg angeprieſen— einen guten Menſchen ohne Namen immer höher zu ſchätzen, als einen Thoren, deſſen Namen dreihundert Jahre alt iſt. — Verzeihen Sie! Ich werde muthwillig. Weiber kommen ſo leicht in's Plaudern. Major. Und wiſſen ſo fein von der Straße abzulenken. Von Ihrem Namen war die Rede. Eulalia. Nun ja, ich denke ihn nicht berühmter zu machen als er iſt. Major. Verzeihen Sie meine Neugier. Sie waren— (ſchüchtern) oder ſind verheirathet? Eulalia(plötzlich aus ihrer muntern Laune in traurigen Ernſt fallend). Ich war verheirathet, Herr Major. Major(deſſen neugierige Aeußerungen doch immer in den Grenzen des feinſten Anſtandes bleiben). Wittwe alſoꝰ Eulalia. Ich bitte Sie— es gibt Saiten im menſchlichen Herzen, deren Berührung zuweilen einen ſo traurigen Miß⸗ ton hervorbringt— ich bitte Sie— Major. Ich verſtehe.(Er ſchweigt ehrerbietig). Eulalia(nach einer Pauſe, ihre vorige Laune wieder erkünſtelnd). Wahrhaftig ich werde anfangen, dem Herrn Bittermann ſeine Kunſtgriffe abzulernen. Nichts Neues aus der Reſidenz, Herr Major? Aajor. Nichts von Bedeutung. Doch— ich kann nicht wiſſen, was Sie dort intereſſirt, welche Bekanntſchaften Sie haben. Eulalig. Ich? nicht eine einzige. ajor. Alſo wohl gar nicht einmal in unſerm Lande geboren? Eulalia. Weder geboren, noch erzogen. Major. Darf ich fragen, welcher Himmelsſtrich— Eulalia. So glücklich geweſen, meine Wenigkeit hervor zu bringen? Ich bin eine Deutſche; das heilige römiſche Reich iſt mein Vaterland. Major. Wirklich, Sie wiſſen alles in einen geheimniß⸗ vollen Schleier zu hüllen; nur Ihre Vorzüge nicht. Ef zu 9 Bitte Aus vali will Weib was einen n„ als lt iſt. mmen enken. nachen n— fallend). Grenzen hlichen 1Miß⸗ uſtelnd). rmann eſidenz, nnicht ſchaften Lande hervor ömiſche eimniß⸗ Menſchenhaß und Reue. Eulalia. Das müſſen Sie ſchon der weiblichen Eitelkeit zu gute halten. Jünſte Scene. üren auf. Es treten herein der Gra, Bittermaun und Peter(Ceißen die Th der Hand). und die Gräfin mit ihrem Kinde an Graf. Nun, da wären wir. Gott ſegne unſern Ein- und Ausgang!— Madame Müller, ich bringe Ihnen einen In⸗ validen, der in Zukunft zu keiner andern Fahne ſchwören will, als zu der Ihrigen.(Er umarmt ſie.) Eulalig. Meine Fahne weht für die Einſamkeit. Graf. Und iſt mit Liebesgötterchen auf allen Seiten bemalt. Gräfin(welche indeſſen auch Eulalia freundſchaftlich umarmt, und von hr bewillkommt wird). Sie vergeſſen, Herr Gemahl, daß ich dabei bin. Graf. Zum Henker, Frau Gemahlin, ich kann doch nicht weniger thun, als Ihr ſüßer Herr Bruder. Der hat meine vier Schimmel halb todt gefahren, um nur ein paar Minu⸗ ten früher anzukommen. Aajor. Hätt' ich alle Reize dieſes 2 ſo möchten Sie wohl recht haben. Gräfin(zu Eulalig.) Iſt mein Wilhelm geworden? Eulalia. Das ſüße tiefe Melancholie überſchattet ihr Geſicht.) Graf. Nun, Bittermann, ich denke, Mahlzeit Sorge getragen? gittermann. So gut ſich's in der Eile hat wollen thun Laſſen. Graf Cäßt ſich ſeinen Oberrock ausziehen; indeſſen zieht der Major die Gräfin auf die Seile). Major. Ich bitte dich, Schweſter, welche Perle haſt du auf dem Lande verſcharrt? Gräfin. Ha! ha! ha! Herr Weiberhaſſer! iſt er gefangen? Major. Gib Antwortl Gräfin. Nun, ſie heißt Madame Müller. AMajor. Das weiß ich; aber— Gräfin. Aber mehr weiß ich auch nicht. Aajor. Scherz bei Seite! ich wünſchte zu wiſſen— Aẽfenthalts gekannt, nicht recht groß Kind!(8ie kauert ſich zu ihm nieder, und Er hat für eine gute 32 3 Menſchenhaß und Reue. Gräſin. Scherz bei Seite! Herr Bruder! ich wünſchte, du ließeſt mich in Ruhe.(Laut) Mein Gott! ich habe ja noch zehnmalhunderttauſend Dinge zu beſorgen. Das erſte und wichtigſte, mein Kopfputz. Ich wette, daß der Paſtor und Amtmann mir noch heute ihre unterthänige Aufwar⸗ tung machen werden; nun, da muß man wohl den Spiegel ein wenig zu Rathe ziehen. Komm', Wilhelm, wir wollen uns ankleiden. Auf Wiederſehen, liebe Madame Müller! (Sie geht mit dem Kinde ab.) Major(für ſich). Ich bin in einer ſonderbaren Stimmung. Er will gehen.) Graf. Wohin, Herr Schwager? Major. Auf mein Zimmer. Graf. Ei, ſo bleiben Sie doch! wir wollen vor dem Eſſen noch einen Spaziergang in den Park machen. Major. Verzeihen Sie! es ſpazieren mir ſo viele Dinge im Kopfe herum, daß ich an keinen andern Spaziergang den— ken kann.(Ab.) Hechſte Scene Der Graf. Bittermann. Peter. Eulalia. Der Graf(hat ſich behaglich in einen Seſſel geworfen). Eulalia(ſteht an der Seite, hat ihren Strickſtrumpf hervor gezogen, und wiſcht ſich dann und wann eine Thräne aus den Augen). Graf, Nun, Bittermann, Er iſt doch immer ein när⸗ riſcher Kerl. Bittermann. Ew. Hochgräflichen Excellenz unterthänigſt aufzuwarten. Graf. Ich denke, wir wollen recht viel Spaß mit ein⸗ ander haben. Bittermann. Das wollen wir, geliebt es Gott! Graf(auf Peter zeigend.) Wer iſt denn der große Maul⸗ affe da? Bittermann. Das iſt, mit Reſpect zu melden, mein leib⸗ licher Sohn, mit Namen Peter. Peter(macht Kratzfüße). Graf. So, ſo.— Wie ſieht's in der Wirthſchaft aus? Bittermann. Alles wohl und gut. Hab', ohne mich zu rühmen, gearbeitet wie ein Pferd. Gra Bilt, Excelle lich gei Gra Bitt, ben ir Gra Bitt. mir d Gänſe wieder Vete Bilte Excelle Herr ihn ni ein O mit O Hal h Fluß Graf, dem a Graf ſteht n Bitte Graf ſehen. Bitte Ew. H Petel Graf Müller müßter inſchte, abe ja is erſte Paſtor ufwar⸗ Spiegel wollen Nüller! imung. n Eſſen Dinge ig den⸗ gezogen, n när⸗ hänigſt nit ein⸗ Maul⸗ n leib⸗ aus? mich zu Menſchenhaß und Reue. Graf. Warum nicht gar wie ein Eſel? Biltermann. Oder wie ein Eſel, wenn Ew. Hochgräfl. Excellenz ſo befehlen.— Das Heu iſt dieſes Jahr vortreff⸗ lich gerathen. Dem Roggen hat der Wurm Schaden gethan. Graf. Wie ſieht's mit der Jagd aus? biltermann. Federwildbret in Menge, und die Haſen ha⸗ ben im Frühjahr dem Roggengras weidlich zugeſprochen. Graf. Iſt Er auch ein Jäger? Bittermann. Vor dieſem wohl; aber ſeit vier Jahren, als mir das Unglück begegnete, daß ich drei zahme türliſche Gänſe ſchoß, die ich für Trappen anſah, habe ich keine Flinte wieder losgebrannt. Mein Peter ſchließt zuweilen Sperlinge. Peter. Ich ſchieße Sperlinge. Biltermann. Ich habe lieber nebenher für Ew. Hochgräfl. Excellenz hohes Plaiſirchen geſorgt. Den Park ſollen der Herr Graf ſehen, wie ich den zugeſtutzt habe. Sie werden ihn nicht wieder kennen. Eine Einſiedelei, krumme Gänge, ein Obelisk, Ruinen eines alten Raubſchloſſes. Und alles mit Oekonomie, alles mit der ſparſamſten Sparſamkeit. Ha! hä! häl Da hab' ich, zum Beiſpiel, über den kleinen Fluß eine chineſiſche Brücke gebaut. Was meinen der Herr Graf, wo ich das Holz dazu hernahmd Häl hä! hä! von dem alten eingefallenen Hühnerſtall. Eraf. Das mußte ja mürbes Holz ſein. Und die Brücke ſteht nochꝰ Bittermann. Sie ſteht noch bis auf den heutigen Tag. Graf(aufſtehend). Nun, ich will doch die Herrlichkeiten be⸗ ſehen. Laß Er unterdeſſen die Tafel decken! Bittermann. Iſt ſchon beſorgt. Ich werde die Ehre haben, Ew. Hochgräfliche Excellenz in Unterthänigkeit zu begleiten. Peter. Werde auch die Ehre haben. Graf(im Abgehen). Sie ſind ja ſo fleißig, liebe Madame Müller, als ob Sie Ihr Brot mit Stricken verdienen müßten.(Ab mit Bittermann und Peter. Siebente Scene. Eulalia(allein). 2 Was iſt's, das mich ſo fürchterlich erſchüttert hat? Mein Herz blutet; meine Thränen fließen. Schon war es mir 34 ſtenſchenhaß und Reue. gelungen, Herr über meinen Kummer zu ſcheinen, und min⸗ deſtens jene frohe Laune zu erheucheln, die einſt mir ſo eigen war. Ach! da ſchlägt der Anblick dieſes Kindes mich tief, tief zu Boden. Als die Gräfin den Namen Wilhelm nannte— ach! ſie wußte nicht, daß ſie mir einen glühen⸗ den Dolch durch's Herz ſtieß.— Ich habe auch einen Wil⸗ helm! Er muß jetzt ſo groß ſein als dieſer, wenn er noch lebt— ja, wenn er noch lebt! Wer weiß, ob er und meine kleine Amalia nicht ſchon lange vor Gottes Richterſtuhl Wehe über mich ſchreien!— Warum quälſt du mich, mar⸗ ternde Phantaſie? warum kreiſcheſt du mir ihr hilfloſes Wim⸗ mern in die Ohren? warum malſt du mir die armen Kleinen, kämpfend gegen Maſern- und Blatterngift, lech⸗ zend mit dürrer Zunge nach einem Trunk, den die Hand eines Miethlings ihnen darreicht— vielleicht auch verſagt. — Dennn ach! Sie ſind ja verlaſſen von ihrer unnatür⸗ lichen Mutter.—(GBitterlich weinend.) O, ich bin ein elendes, verworfenes Geſchöpf! Und daß eben heute dies ganze ſchreck⸗ liche Gefühl in mir rege werden mußte! eben heute, da mein Geſicht einer Larve ſo bedürftig war! Achle Scene. Lotte. Enlalia. Lotte(im Hereintreten, zur Thür hinaus belfernd). Nun ja; das wäre mir eben recht. Warum nicht lieber gar in den Stall? — Ihre Dienerin, Madame Müller. Ich bitte mir ein Zimmer aus, wie es ſich für eine honnette Perſon geziemt. Eulalia. Ich denke, man hat Ihnen ein recht artiges Zimmerchen eingeräumt. Lotte. Ein artiges Zimmerchen? ſeht doch! hinten an der Treppe, gerade über dem Kuhſtalle. Fi! da könnt' ich vor Geſtank kein Auge zuthun. Enlalia(ſehr ſanft). Ich habe ſelbſt ein ganzes Jahr lang da geſchlafen. Lotte. Wahrhaftig? Nun ſo rathe ich Ihnen, je eher je lieber wieder hinein zu ziehen. Meine liebe Madame, es iſt ein großer Unterichied zwiſchen gewiſſen Perſonen und gewiſſen Perſonen; es kommt gar viel darauf an, wie man es von Jugend auf gewöhnt geweſen. Mein ſeliger Papa 4 ar: G und Reue war Hofkutſcher, und trug die Livree Sr. Durchlaucht. Gewiſſe Perſonen ſind ſo aus der Luft herunter geſchneit, und mögen freilich wohl ihre Naſen von Kindheit auf an den Geruch von Kuhſtällen gewöhnt haben.— Ich dächte, Madame, Sie träten mir Ihr Zimmer ab. Eulalia. Wenn die Frau Gräfin es befiehlt, recht gern. Lotte. Wenn die Frau 0 es befiehlt? Seht doch! Wer wird denn hohe Herrſchaften mit ſolchen Bagatellen überlaufen? Ich werde meinen Koffer dahin bringen laſſen, wohin es mir beliebt. Eulalia. Das mögen Sie thun; nur nicht auf mein Zimmer. Lotte. Auf Ihr Iiinme Madame. Eulalia. Ich trage den Schlüſſel in meiner Taſche. Lotte. So bitt' ich mir ihn aus. Eulalia. Auf Befehl der Frau Gräfin augenblicklich. Lotte. Verdammt! Doch warum ſuch' ich auch Lebens art unter Hühnern und Gänſen. Aeunte Seene. Peter. Die Vorigen. Peter(ſtürzt athemlos hereinl. Ach Herr Jemine! ach Herr Jemine! Eulalia. Was gibt's? peter. Der gnädige Herr iſt in's Waſſer gefallen! Die Excellenz iſt erſoffen! Eulalia und Lotte(zugleich). Wer? was? Peter. Der gnädige Herr Graf Enlalia. Iſt ertru Peter. Ja. Eulalia. Todtꝰ Peter. Nein, todt iſt er nicht. Eulalia. Nun, ſo ſchreien Sie nur nicht ſo, daß die Frau Gräfin nichts davon erfährt. Peter. Ich nicht ſchreien? Ach Herr Jeminel Herr Jemine! Die Excellenz trieft wie ein Pudel am ganzen Leibe. Menſchenhaß und Reue. Zehnte Scene. Die Gräfin. Der Major(von verſchiedenen Seiten). Die Vorigen. Gräfin. Was gibt's? Major. Welch Geſchrei? Eulalia. Ein Zufall gnädige Gräfin; ich vermuthe, ein un⸗ bedeutender Zufall. Der Herr Graf iſt dem Waſſer zu nahe gekommen, Und hat ſich die Füße ein wenig naß gemacht. peter. Die Füße? ja proſit die Mahlzeit! er iſt bis über den Kopf hinein geplumpt. Gräfin. Barmherziger Gott! Major. Ich eile— Eulalia. Bleiben Sie, Herr Major, beruhigen Sie ſich, gnädige Frau! es ſei geſchehen, was da wolle, der Herr Graf iſt zum mindeſtens gerettet. Nicht wahr, Musje Peter? Peter. Meiner Siz, die Exeellenz iſt eben nicht todt, aber ſie iſt ſehr naß. Gräfin. Rede, junger Menſch, rede. Aajor. Erzähle alles, was du weißt! Peter. Von Anfang bis zu Ende? Gräſin. Ja, ja, nur geſchwind. Peter. Nun, ſeh'n Sie nur, wir waren alle drei hier im Zimmer; ich, mein Papa und der Graf. Enulalia. Ich merke wohl, auf dieſe Art wird Monſieur Peter vor Abend mit ſeiner Erzählung nicht fertig. Kurz und gut, Sie waren hier im Zimmer, und begleiteten den Herrn Grafen hinaus— Peter. Richtig. Eulalia. In den Park— Peter. Richtig. Eulalia. Und da gingen Sie ſpazieren— Peter. Ganz recht; ich glaube, Sie können hexen. Eulalia. Nun, was trug ſich ferner zuꝰ peter. J Herr Jel wir gingen am Bache hinunter, und kamen an die chineſiſche Brücke, die mein Papa aus dem alten Hühnerſtall zuſammengeſchlagen hat. Da ging nun der Herr Graf auf die Brücke, und da ſagte er, es wäre recht fein und lieblich anzuſehen, wie der Fluß ſich durch den Buſch ſchlängelte, und da lehnte er ſich ein wenig auf ieſee rigen. ein un⸗ zu nahe zemacht. bis über Sie ſich, err Graf Peter? odt, aber hier im Monſieur ig. Kurz teten den n. inter, und aus dem ging nun „es wäre ſich durch wenig auf— Menſchenhaß und Reue. 37 das Geländer; krach! brach das Geländer entzwei; plumps! lag die Excellenz im Waſſer. Eulalia. Aber Sie zogen ihn doch gleich wieder heraus? Peter. Ich nicht. Eulalia. Aber der Papa? peter. Der Papa auch nicht.— Eulalia. Sie ließen ihn alſo liegen? heter. Wir ließen ihn liegen. Aber wir ſchrieen alle beide aus Leibeskräften. Ich glaube, man hat es bis hinunter in's Dorf hören können. Eulalia. Und da eilten Laute herbei? peter. Der fremde Herr kam, der dort unten neben dem alten Tobies wohnt, und immer kein Wort ſpricht. Das iſt ein Teufelskerll Mit einem Sprung war er im Waſſer! da patſchte er d'rin herum wie eine Ente, erwiſchte die Ex⸗ cellenz bei den Haaren, und ſchleppte ſie glücklich an's Ufer. Gräfin. Gott ſegne den fremden Mann! Major. Wo bleiben ſie denn alle? Peter. Sie kommen die Allee herauf. Enlalia. Auch der Fremde? Peter. Meiner Six! der lief davon. Der Herr Graf wollte ſich bei ihm bedanken, aber er war ſchon über alle Berge. Eilſte Scene. Der Graf. Bittermann. Die Vorigen. Gräſin(ihrem Gemahl entgegen, ihn in ihre Arme ſchließend). Ach, mein Beſter! Graf. Drei Schritte vom Leibe! Sie ſehen ja, daß ich triefe. Gräfin. Um Gottes willen! geſchwind trockene Wäſche! Graf. Nun ja, ja! Sein Sie ruhig; es hat keine Gefahr. Ein alter Soldat iſt wohl eher ein Bischen in der Schwemme geweſen. Aber es hätte übel ablaufen können, wenn nicht der großmüthige Fremde— Wer iſt der Mann? wer kennt ihn? Bittermann hat mir da allerlei verworrenes Zeug vorgeſchwatzt. Enulalia. Man kann nicht klug aus ihm werden. Er kam vor einigen Monaten in dieſe Gegend, und miethete 38 Menſchenhaß und Reue. von Bittermann das kleine Haus am Emde des Parks. Da lebt er ganz im Stillen; er ſieht niemand, er ſpricht mit niemand; ich ſelbſt ſah ihn nur ein paar Mal von Ferne. Scheu und gebückt ſchleicht er umher, und weicht jedermann aus; aber er thut viel Gutes im Verborgenen. Graf. Lotte, gehe hin und bitte ihn auf den Abend zum Eſſen. Er möchte vorlieb nehmen, hörſt du? er käme in das Haus eines Freundes. Gräſin. Sie vergeſſen ſich umzukleiden. Graf. Gleich, gleich. Gräfin. Und ein niederſchlagendes Pulver einzunehmen. Graf. Ich habe den Henker von Ihrem niederſchlagenden Pulver. Ein Glas Malaga, um das Blut ein wenig lebhafter durch die Adern zu jagen. Hör' Er, Bittermann, das muß ich Ihm nachſagen, Er hat eine helle, durch⸗ dringende Stimme: Er kann brüllen, daß man's bis unter das Waſſer hört. gittermann. Ew. Hochgräflichen Excellenz unterthänigſt aufzuwarten. Graf. Aber mit Seiner chineſiſchen Brücke kann er zum Teufel gehen.(Ab.) Gräfin. Komm', Bruder, wir müſſen ihn überreden, daß er einen ganzen Theelöffel voll„unzeriſch Pulver“ einnimmt. Sie haben doch welches im Hauſe, liebe Madame Müller? Eulalig. Augenblicklich.(Sie greift nach ihren Schlüſſeln und geht ab.) Gräfin und der Rajor(folgen dem Grafen). Zwölſte Scene. Bittermann. Peter. Lotte. Lotte. Ha! ha! ha! mein lieber Herr Bittermann. Sie haben ſich ein wenig blamirt gittermann. Lieber Gott! hochedle Mamſell, man will doch alles ökonomiſch einrichten; die hohen Herrſchaften ſehen das ſelbſt gern. Kotte. Ja, aber man muß doch keine Brücken von faulem Holz bauen. glttermann. Nun, ſo gar ſehr verfault war es doch auch eben nicht. Se. Excellenz, der Herr Graf, ſind nur ein wenig ſchwer bei Leibe. re h5 Parks. icht mit Ferne. ermann nd zum käme in ehmen. lagenden wenig ermann, „durch⸗ is unter rthänigſt er zum den, daß innimmt. Müller? nd geht ab.) nn. Sie nan will errſchaften 'n faulem doch auch nur ein Menſchenhaß und Reue. Lotte. Aber warum ſprangen Sie denn nicht ſelbſt in's Waſſer, um den gnädigen Herrn zu retten? gittermann. Gott behüte! Ich wäre untergeſunken wie ein Stück Blei. Nein, was deines Amtes nicht iſt, davon laß deinen Vorwitz. Und ich hatte überdies eben einen wichtigen Brief in der Taſche; der wäre mir ja ganz naß und unleſerlich geworden; einen Brief aus Frankreich vom Chevalier— wie heißt er doch nun gleich?(Er zieht den Brief hervor, ſteckt ihn aber gleich wieder ein.) Sehen Sie, Sie könn⸗ ten deuken, es wäre nicht wahr. O! der euthält intereſſante Dinge.(Peter mauſet ihm den Brief aus der Taſche.) Die Welt wird erſtaunen, wenn das öffentlich bekannt wird, und kein Menſch wird auf den Einfall geratben, daß der alte Bittermann die Hand mit im Spiele hatte. Lotte. Nein, wahrlich nicht. gittermann. Ich muß doch gehen, und die chineſiſche Brücke ein wenig repariren laſſen, wenn etwa die Frau Gräfin Luſt haben ſollte— Lotte. Sich auch ein wenig zu baden? Zittermann. Nicht doch, nicht doch! wir wollen's ſchon befeſtigen. Gehorſamer Diener, hochedle Mamſell! Lotle(ſtolz). Ihre Dienerin!(Bittermann ab.) Peter(entjaltet den Brief) Da iſt der Brief aus Frank⸗ reich. Den hat mein Vetter geſchrieben. Lotte. Ihr Vetter? Wer iſt der! peter. F Herr Je, kennen Sie den nicht? Der Schneider Fummel in der Reſidenz. Lotte. Ihr Vetter ein Schneider? Ha! ha! ha! Mein Vater war Hofkutſcher.(Ab.) peter. Nun, da war er auch was Recht's. Aber warum ſagt denn der Papa, der Brief käme aus Frankreich? Hm! hm! was er nun da davon hat?(Ab.) Menſchenhaß und Reue. Dritter Act. (Die Bühne iſt wie zum Anfang des erſten Aetes.) Erſte Heene. Der Unbekannte(ſitzt auf der Raſenbank und lieſt.) Franz(tommt). Franz. Das Eſſen iſt fertig. Unbekanuter. Ich mag nicht eſſen. Franz. Junge Erbſen und ein gebratenes Huhn. Unbekannter. Für dich, wenn du willſt. Franz. Sie ſind nicht hungrig? Unbekannter. Nein. Franz. Die Mittagshitze benimmt allen Appetit. Unbekaunter. Ja. Franz. Ich werde das Hühnchen verwahren. Vielleicht auf den Abend— Unbekannter. Vielleicht. Frauz(nach einer Pauſe). Gnädiger Herr, darf ich reden ꝰ Unbekannter. Rede. Franz. Sie haben eine ſchöne That gethan. Unbekannter. Welche? Franz. Sie haben einem Menſchen das Leben gerettet. Unbekannter. Schweig'. Franz. Wiſſen Sie auch, wem? Unbekannter. Nein. Franz. Den Grafen von Winterſee. Unbefkannter. Gleichviel. Frauz. Wahrlich! ſo was kann einem alten Auge Thrä⸗ nen entlocken. Unbekannter. Altes Weib! Franz. Ein ſo edler, ein ſo braver Herr— Unbekannter(böſe). Willſt du mir ſchmeicheln? Pack dich fort! Franz. Bei meiner armen Seelel es geht mir vom Her⸗ zen. Wenn ich ſo im Stillen zuſehe, wie Sie um ſich her Gutes wirken, wie Sie ſo die Noth eines Jeden zu Ihrer eigenen machen, und doch ſelbſt nicht glücklich ſind— ach! da blutet mir das Herz. Unbekannter(weich). Ich danke dir. vie me M ve iſt J 9 Le Löe (tommt). u. Vielleicht reden ꝰ gerettet. uge Thrä⸗ ck dich fort! vom Her⸗ im ſich her zu Ihrer ud— ach! — Menſchenhaß und Reue. Franz. Lieber Herr, nehmen Sie mir's nicht übel! Sollte vielleicht nur dickes, ſchwarzes Blut Sie ſo ſchwermüthig machen? Ich hörte einmal von einem berühmten Arzt: der Menſchenhaß habe ſeinen Sitz im Blute, oder in den Ner⸗ ven, oder in den Eingeweiden. AUnbekannter. Das iſt nicht mein Fall, guter Franz. Franz. Alſo wirklich unglücklich? und doch ſo gut! Das iſt ein Jammer! Unbekannter. Ich leide unverſchuldet. Franz. Armer Herr! Unbekannter. Haſt du vergeſſen, was der Greis dieſen Morgen ſagte?„Es gibt noch ein anderes, beſſeres Leben.“ Laß uns hoffen— und muthig tragen! Franz. Amen! Zweite Scene. Lotte. Die Vorigen. Lotte. Mit Permiſſion, Sie ſind doch der fremde Herr, der meinen gnädigen Grafen aus dem Waſſer gezogen? Unbekannter(ſieht ſie ſtarr an). Lotte(zu Franzen). Oder ſind Sie es? Franz Cnacht ihr ein unfreundliches Geſicht). Lotte. Sind die Herren beide ſtumm? 68ie betrachtet ſie wechſelsweiſe; beide ſehen ſich ſtarr in's Geſicht.) Nun, das iſt luſtig, ha! hal ha!(Wieder eine Pauſe.) So lachen Sie doch wenig⸗ ſtens mit.— Nein, wahrlich! nicht eine Miene, nicht eine Falte. Ein paar Puppen, in Wachs formirt. Ich möchte lachen oder weinen, ſeufzen oder ſchreien; das bringt die Herren ſo wenig aus ihrer Faſſung, als den Tom Pipes im Pere⸗ grine Pickle.— Sollte der ſpaßhafte Herr Bittermann ein Paar Bildſäulen aufgeſtutzt haben?(Sie nähert ſich Franzen.) Aber nein, das lebt, das holt Athem, das verdreht die Augen.(Ihm in's Ohr ſchreiend.) Guter Freund! Franz. Ich bin nicht taub. Lotte. Und auch nicht ſtumm, wie ich endlich ein wenig ſpät erfahre. Iſt jener Lebloſe dort Sein Herr. Franz. Jener brave Mann iſt mein Herr. Lotte. Der nämliche, der— Franz. Der nämliche. 42 Menſchenhaß und Reue. Lotte(ſich zu dem Unbekannten wendend). Meine gnädige Herr⸗ ſchaft, der Herr Graf von Winterſee und die Frau Gräfin, laſſen ſich Ihnen ſchönſtens empfehlen, und angelegentlich bitten, dieſen Abend auf dem Schloſſe mit einem Gerichte Gerngeſehen vorlieb zu nehmen. Unbcekannter. Ich eſſe nicht. Lolte. Nun, ſo kommen Sie wenigſtens. Unbekannter. Ich komme nicht. Kotte. So trocken werden Sie mich doch nicht abfertigen? — Kein Wort weiter?— Der Herr Graf iſt durchdrungen vom Gefühl der Dankbarkeit. Sie haben ihm das Leben gerettet. Unbekannter. Iſt gern geſchehen. Lotte. Und wollten nicht einmal ein kahles Gott ver⸗ gelt es! dafür in Empfang nehmen? Unbekannter. Nein. Lotte. Wirklich, mein Herr, Sie ſind grauſam. Ich muß Ihnen ſagen, daß unſer drei Frauenzimmer im Schloſſe ſind, und daß wir alle drei vor Begierde brennen, zu wiſſen, wer Sie ſind. Unbekannter(ſteht auf und geht ab). Lolte. Der Herr iſt ein ſauertöpfiſcher Grobian. Ich muß ſehen, wie weit ich es mit dem Bedienten bringe. Franz(kehrt ihr den Rücken zu). Lotte. Der Anfang verſpricht blutweuig. Guter Freund! warum ſieht Er mich nicht an? Franz. Weil ich lieber grüne Bäume, als grüne Augen ſehe. Lolte. Grüne Augen? Verflucht! wer hat Ihm denn geſagt, daß meine Augen grün ſind? Man hat wohl eher Verſe auf meine Augen gemacht. Doch an Seinem Bei⸗ fall iſt mir wenig gelegen. Aber wenn Er mich nicht au⸗ ſehen will, ſo ſprech' Er wenigſtens mit mir. Franz. Ich ſpreche mit keiner Meerkatze. Lbilk. Hör' Er, mein Freund! ich dächte, Er ließe ſich an eine Keite legen, und wie ein polniſcher Bär für Geld ſehen. Etwas ſo Grobes, Ungeſchliffenes ſieht man nicht alle Tage. Aber Er ſoll wiſſen, daß ich von gutem Hauſe bin, und daß meine Erziehung mich dergleichen Sottiſen verachten lehrt. Franz. Das freut mich. Kotte. Alſo kurz und gut, zur Sache! wer iſt Sein Herr? Fra Lott höflich bedien Fra Lott Fro Lot Fro Lot Fre Lot Fre Lot Fre Lot Fre Lot ich n wiſſer Fr. Lol E77 thut, nicht Tölp in je Herr⸗ räfin, ntlich richte igen? vom rettet. ver⸗ muß chloſſe viſſen, muß eund! n ſehe. denn eher Bei⸗ t au⸗ ſich an ſehen. Tage. id daß lehrt. Herrꝰ Menſchenhaß und Reue. Franz. Ein Mann. Fotte. Nun freilich iſt er kein Weib; denn ſonſt wäre er höflicher, und ließe ſich auch nicht von einem ſolchen Grobian bedienen. Aber wie heißt er? Franz. Man nannte ihn nach ſeinem Vater. Lotte. Und der war?— Franz. Verheirathet. Fotte(trontſch). Mit einem Frauenzimmer vermuthlich. Franz. Getroffen! Lotte. Vielleicht hat er im Duell— Franz. Einen Haſen geſchoſſen. Lotte. Oder als falſcher Münzer— Franz. Paſteten gebacken. Lotte. Oder er iſt als Deſerteur— Franz. Seinem Mädchen entlaufen. Kotte. Oder er iſt— Franz. Ein Jeſuit. Lotte(entrüſtet). Guter Freund! wer Sein Herr iſt, werd' ich wohl freilich nicht erfahren, und mag's auch nun nicht wiſſen; aber wer Er iſt, das weiß ich. Franz. Nun? Lotte. Er iſt ein Tölpel.(Sie läuft fort.) Franz. Schönen Dank! Wer den Weibern ihren Willen thut, der iſt ein homme comme il faut! und wer ſich nicht von ihnen zum Narren brauchen läßt, der iſt ein Tölpel. Aber ſie mögen dich nun bezahlen in dieſer oder in jener Münze; du biſt immer betrogen. Dritte Scene. Der Unbekannte. Franz. Unbekannter. Iſt das Weib fort? Franz. Ja. Unbekannter. Franz! Franz. Gnädiger Herr! Anbcekannter. Wir müſſen auch fort! Franz. Wohin? Unbekannter. Das weiß Gott! Franz. Ich folge Ihnen. Unbekannter. Allenthalben? 44 Menſchenhaß und Reue. Franz. In den Tod. Unbekannter. Wollte der Himmel! dort iſt Ruhe. Franz. Ueberall iſt Ruhe. Mag's von außen ſtürmen, wenn nur das Herz nicht tobt. Und dann iſt's hier wohl noch immer eben ſo gut, als in einem andern Winkel der Welt. Die Gegend iſt herrlich, die einladende Natur ver⸗ ſchwenderiſch mit Schönheiten und Früchten. Aubekannter. Aber ich bin kein fremdes Thier; ich will mich nicht begaffen laſſen. Franz. Wie Sie dem Dinge nun wieder eine Deutung geben nach Ihrer eigenen Manier! Daß ein Menſch, dem man das Leben gerettet hat, Einen zum Eſſen bitten läßt, das finde ich ſehr natürlich. Anbekannter. Aber man ſoll mich nicht zum Eſſen bitten. Franz. Sein Sie ruhig! man wird es ſchwerlich zum zweiten Male verſuchen. Anbekannter. Die Schranzen! Sie bilden ſich ein, der wichtigſte Dienſt ſei vergolten, wenn man einmal das Glück haben darf, mit ihnen zu ſpeiſen. Franz. Recht, Herr! lieber Kartoffeln zu Hauſe, wo man nicht jeden Biſſen mic Schmeicheleien verzollen muß, wo man nicht gezwungen iſt, über froſtige Späßchen zu lachen, oder den ehrlichen Namen eines Dritten zu zerreißen. Unbekannter. Wir wollen fort. Franz. Aber Geduld, gnädiger Herr! Vielleicht zerſtreut ſich das Menſchengewühl wieder. Die kommen allzumal aus der Reſidenz, werden's im Schatten der einfachen Natur bald ſatt kriegen, finden hier weder Karten noch Hanswürſte, wenn ſie nicht ſelbſt welche mitgebracht haben. Denn heut zu Tage hat jeder Narr ſeinen Hanswurſt bei der Hand. Geben Sie Acht, Herr, das ſind die Drohnen aus dem Bieuenſtocke des Hofes, die ſind ausgeflogen, nicht um hier in der Einſamkeit Honig zu ſammeln; nein, um der lieben Mode willen. Wenn der Herbſt herbeikommt, fliegen ſie alle wieder zurück, und treiben dort ihr Weſen. Unbekannter. Dein Scherz wird bitter. Franz. Was iſt Speiſe ohne Salz? Unbekannter. Und es läßt ſich vermuthen, daß, wenn jenes Ziel deines Spottes dir aus den Augen gerückt worden, du de dich 1 Fre Lieber halte An ſichet Fr Un Fr Ur Fr wied Ui ſchon — N Fr A1 herr! den türmen, r wohl ukel der ur ver⸗ ich will )eutung h, dem n läßt, bitten. ch zum in, der 8 Gſück bo man iß, wo lachen, en. erſtreut llzumal Natur zwürſte, in heut Hand. iS dem im hier lieben gen ſie wenn vorden, Menſchenhaß und Reue. du deinen Herrn zum Ziele nehmen werdeſt. Ich kannte dich noch nicht von der Seite. Franz. Schon wieder menſchenfeindliches Mißtrauen? Lieber Herr, ich will Ihnen gerne ohne Lohn dienen, aber halten Sie mich für einen ehrlichen Kerl. Unbekanuter. Ohne Lohn? Alſo läßt dein ehrlicher Name ſich taxiren. Ungefähr ſo hoch, als dein Lohn? Franz. Nein, das iſt zu arg. Unbekannter. Thu' ich dir Unrecht? Franz. Wahrlich. Unbekannter. Du biſt mein einziger Freund. Franz. Der Titel, den Sie mir da geben, macht alles wieder gut. Unbekannter. Sieht du, Franz? Schimmern dort nicht ſchon wieder Uniformen und Kopfzeuge die Allee herauf? Nein, ich muß fort. Hier iſt meines Bleibens nicht mehr. Franz. Wohl, ich ſchnüre mein Bündel. Unbekannter. Je eher, je lieber. Da muß ich an dem herrlichen Tage mich zwiſchen vier Mauern ſperren, um den Maulaffen aus dem Wege zu gehen. Und iſt es wahres Hofgeſchmeiß, ſo ſind ſie wohl keck genug, ſich bis in mein Zimmer zu drängen.(Im Abgehen.) Franz, ich verriegle meine Thür. Franz. Und ich halte Schildwache von außen. Unbekannter(ab). Franz. Wenn die Herrſchaften eben ſo neugierig ſind, als das Kammermädchen, ſo werd' ich meinen Vorrath von Impertinenzen wieder auskramen müſſen. Aber ſie haben gut fragen, und ich habe gut antworten. Von mir werden ſie wenig erfahren, denn ich weiß ſelbſt nichts. Vierte Scene. Die Gräfin am Arme des Majors. Franz. Gräfin. Sieh' da, ein fremdes Geſicht! Vermuthlich der Diener. Rajor. Mein Freund, kann man Seinen Herrn nicht ſprechen? Franz. Nein. Major. Nur auf wenige Minuten. Menſchenhaß und Reue. Franz. Er hat ſich eingeſchloſſen. Gräſin. Sag' Er ihm, daß eine Dame hier auf ihn warte. Franz. Dann macht er gar nicht auf. Gräfin. Haßt er unſer Geſchlecht? Franz. Er haßt das Menſchengeſchlecht überhaupt, und das weibliche insbeſondere. Gräſin. Warum denn? Franz. Er mag wohl betrogen worden ſein. Gräfin. Ei, da iſt er aber nicht galant. Franz. Galant iſt mein Herr nicht, aber wenn es darauf ankommt, einem Menſchen das Leben zu retten, ſo thut er es mit Gefahr ſeines eigenen Aajor. Und das iſt mehr werth als kahle Galanterie, er hat Recht. Auch uns führt Galanterie nicht hierher. Die Frau und der Schwager des Geretteten wünſchten Seinem Herrn ihre Erkenntlichkeit zu bezeugen. Franz. Er liebt das nicht. Major. Ein ſonderbarer Mann! Franz. Der keinen andern Wunſch hegt, als den, in Ruhe und Friede zu bleiben. Gräfin. Er ſcheint ſich mit dem Schickſal überworfen zu haben. Franz. So ſcheint es. Gräfin. Vielleicht eine Ehrenſache, oder unglückliche Liebe. Franz. Vielleicht. Gräfin, Oder iſt er ein Schwärmer? Franz. Kann ſein. Gräſin. Dem ſei, wie ihm wollte, ich wünſchte zu wiſſen, wer er iſt. Franz. Ich auch. Gräfin. Wie? Er kennt ihn ſelbſt nicht? Franz. O, ihn kenn' ich wohl, das heißt, ſein eigent⸗ liches Ich, ſein Herz, ſeine Seele; oder glauben Sie, daß man die Menſchen kennt, wenn man ihren Namen weiß? Gräfin. Brav! Er gefällt mir, und nun wünſchte ich auch Seine Bekanntſchaft zu machen. Wer iſt Er denn? Franz. Ihr gehorſamer Diener.(Er geht ab.) Gri manr umſe, M Gr ſuche M verli G1 W 1 Ich 6 woll ſo 0 die Ma geſa und ſein des beg erſc wel dar win ſin Un ver erb ver ihr un ur bil mwarte. pt, und darauf ſo thut anterie, hierher. inſchten wiſſen, eigent⸗ ie, daß weiß? ch auch 7 Menſchenhaß und Reue. Jünſle Scene. Die Gräfin. Der Major. Gräfin. Bizarrerie! Sucht ſonderbar zu ſcheinen! Jeder⸗ mann will ſich unter ſeinen Brüdern auszeichnen; der eine umſegelt die Welt, der andere verkriecht ſich in eine Hütte. Mujor. Und der Diener äfft dem Herrn nach. Gräſin. Komm', Bruder, wir wollen meinen Mann auf⸗ ſuchen; er ging mit Madame Müller dort über die Wieſe. Major. Vorher ein paar Worte.— Schweſter, ich bin verliebt! Gräfin. Zum wie vielten Male?ꝰ Aajor. Zum erſten Male in meinem Leben. Gräfin. Gratulire. Major. Du biſt mir ausgewichen bis jetzt. Wer iſt ſie d Ich bitte dich, ſei ernſthaft! Lachen hat ſeine Zeit. Grän. Um aller Grazien willen, du ſiehſt aus, als wollteſt du Geiſter citiren. Rolle deine wilden Augen nicht ſo auf mir herum! ich gehorche ſchon. Ernſthaft alſo über die närriſchſte Materie von der Welt, über die Liebel Wer Madame Müller iſt, weiß ich nicht, das hab' ich dir ſchon geſagt. Was ich aber ſonſt noch von ihr weiß, das ſoll dir unverholen bleiben. Es mögen nun ungejähr drei Jahre ſein, als man mir eines Abends in der Dämmerung ein frem⸗ des Frauenzimmer meldete, welches mich allein zu ſprechen begehre. Ich nahm den Beſuch an, und Madame Müller erſchien, mit all' dem Anſtande, all' der Beſcheidenheit, welche auch dich bezaubert haben. Doch trugen ihre Züge damals noch das ſichtbare Gepräge der Angſt und Ver⸗ wirrung, welche jetzt in ſanfte Melancholie verſchmolzen ſind. Sie warf ſich zu meinen Füßen, und bat mich, eine Unglückliche zu retten, die der Verzweiflung nahe ſei. Sie verſicherte, man habe ihr viel Gutes von mir geſagt, und erbot ſich, mir als Kammermädchen zu dienen. Ich forſchte vergebens nach der Urſache ihrer Leiden, ſie verſchleierte ihr Geheimniß, entfaltete aber mit jedem Tage immer mehr und mehr ein Herz, von der Tugend zum Tempel erkoren, und einen Verſtand, durch die ausgeſuchteſte Lectüre ge⸗ bildet. Ich ließ ab, mich in ihr Vertrauen eindrängen zu Menſchenhaß und Reue. wollen; aber ſie war nun nicht mehr mein Kammermäd⸗ chen, ſie war meine Freundin. Als ſie mich einſt auf einer Spazierfahrt hierher begleitete, und ich in ihren Augen das ſtille Entzücken las, mit welchem ihre Seele an den Schön⸗ heiten der Natur hing, that ich ihr den Vorſchlag, hier zu bleiben, und ſich der häuslichen Wirthſchaft anzunehmen. Sie ergriff meine Hand, und drückte ſie an ihre Lippen mit ungewöhnlichem Feuer. Ihre dankbare Seele ſchwamm in ihren ſtummen Thränen. Seitdem iſt ſie hier, und wirkt unzähliges Gute im Verborgenen, und wird angebetet von jedem Geſchöpfe, das ſich ihr nähert.(Mit einer Verbeu⸗ gung.) Ich bin fertig, Herr Bruder. Major. Zu wenig, um meine ganze Wißbegierde zu be⸗ friedigen, aber doch genug, um den Vorſatz zur That werden zu laſſen.— Schweſter, ſteh' mir bei!— ich heirathe ſie. Gräſin. Duꝰ Major. Ich. Gräfin. Baron von der Horſt? Major. Pfui!— wenn ich dich recht verſtehe. Gräfin. Nur nicht gleich ſo bitter! Die großen, erhabenen Grundſätze von Gleichheit aller Stände, und ſo weiter, ſind herrlich in einem Roman; aber wir leben nun einmal nicht in der Ideenwelt. Der Herr Baron will ſeine Ge⸗ mahlin nach Hofe führen, das geht nicht an; er will ſeine Söhne zu Domherren machen, das geht nicht an; er will ſeine Töchter in einem Stift verſorgen, das geht wieder nicht an. Major. Predige mir nicht Gemeinſprüche! Ich dürfte dir nur antworten, daß ich liebe, leidenſchaftlich liebe, und du müßteſt ſchweigen, denn die Liebe kehrt ſich weder an Dom⸗ herren noch an Stiftsfräulein. Aber ich bin kein brauſender Jüngling mehr; du haſt einen Mann vor dir, der— Gräſin. Eine Frau nehmen will. Aajor. Nein, der vernünftig und kalt Vortheil gegen Nachtheil abgewogen, häusliche Ruhe und Zufriedenheit gegen Glanz des Hofes, Glück des Lebens gegen eitle Con⸗ venienz. Ich kenne die Verhältniſſe in der bürgerlichen Geſellſchaft; ich kenne und ehre ſie. Sie waren einſt ſehr nothwendig, und ſind es vielleicht noch. Ich werde nie thörich willen Hof⸗E Adelsr Hofe dabei Grũ der ka Ma meine Worte geſäet den ih nern f Grũ Ma Umen Titels Herz. die ih her z wenn hältſt, wann Freun jovial gerin Grä Mla Grä Plan vergef Ma Gri Me deiner Henri faſele. geſchn mermäd⸗ auf einer igen das Schön⸗ „hier zu mehmen. e Lippen chwamm ier, und angebetet r Verbeu⸗ e zu be t werden the ſie. rhabenen weiter, meinmal zine Ge⸗ zill ſeine er will t wieder ürfte dir und du n Dom⸗ auſender il gegen iedenheit tle Con⸗ gerlichen inſt ſehr erde nie Menſchenhaß und Reue. thöricht genug ſein, zu verlangen, daß man um meinet⸗ willen auch nur ein Titelchen an der wohlhergebrachten Hof⸗Etikette ändere, oder ein Quentchen vom uralten Adelswahn fahren laſſe. Meine Frau wird alſo nicht bei Hofe erſcheinen! und da fragt ſich's nur noch, ob wir dabei gewinnen oder verlieren werden? Gräfin. Darum mußt du den alten Hofmarſchall fragen; der kann dir das am beſten erklären. Major. Meine Söhne werden weder Domherrn, noch meine Töchter Stiftsfräulein ſein. Das heißt mit andern Worten, meine Söhne werden da nicht ernten, wo ſie nicht geſäet haben, und meinen Töchtern— wenn ſie die Tugen⸗ den ihrer Mutter erben— wird es nie an braven Män⸗ nern fehlen. Gräfin. Beſonders, wenn ſie ſich nach ihrer Tante bilden. AMafor. Ich ziehe auf's Land: ich bin mir ſelbſt genug. Um meine Bauern glücklich zu machen, bedarf ich keines Titels, und mein eigenes Glück zu fühlen, lehrt mich mein Herz. Eine Frau, wie dieſe— einſt Vater von Kindern, die ihr gleichen— reich genug, um Wohlſtand um mich her zu verbreiten— was will der Menſch mehr? Oder wenn du mich nun auch für ein ſo gar geſelliges Thier hältſt, daß ich, ſelbſt meiner Frau gegenüber, dann und wann Langeweile empfinden müßte; hab' ich denn nicht Freunde? eine zärtliche, muthwillige Schweſter? einen jovialen Schwager?— oder— wie?— wäre dieſe Schwä⸗ gerin der Frau Gräfin vielleicht nicht anſtändig. Gräfin. Du wirſt unartig. Major. Nun, was hindert denn noch? Gräfin. Das iſt alles ſehr ſchön und rührend. Der Plan iſt vortrefflich; nur einen kleinen Umſtand haſt du vergeſſen— Major. Der wäre? Gräfin. Ob Madame Müller dich haben will. Major. Das iſt es eben, liebe Schweſter, wozu ich deinen Beiſtand nöthig habe.(Sie vei der Hand faſſend.) Gute Henriette! du kennſt mein Herz, du weißt, daß ich nicht faſele. In franzöſiſchen Dienſten aufgewachſen, unter geſchminkten, verbuhlten Weibern, ward euer Geſchlecht 50 Menſchenhaß und Reue. mir verhaßt. Der Hof bot mir ein ewiges ekelhaftes Einerlei, und in Privathäuſern fand ich, wenn's hoch kam, Cheleute, die ſich vertrugen, weil ſie mußten, und einander liebkoſ'ten, weil es nun einmal ſo Sitte iſt. Ueberall Bilder des Ueberdruſſes und der Reue; überall eitle Weiber und zu Grunde gerichtete Männer; thörichte Mütter und verzogene Kinder. Gräfin. Ein ſauberes Gemälde; aber nimm mir's nicht übel— mit Hogarths Pinſel entworfen— Karrikatur. Mafor. Ach, liebe Henriette, auch meine Stunde iſt ge⸗ kommen. Gräfin. Es geſchieht dir ſchon Recht. Nur Schade, daß du eben an eine ſanfte holde Seele gerathen biſt. Eine Tautippe hätte den Herrn Bruder an ihren Triumphwagen ſpannen ſollen. Major. Nur eine ſolche Seele vermochte dies widerſpen⸗ ſtige Herz zu feſſeln. Und nun— liebe Henriette— du, mit der ich an einer Bruſt lag— Gräfin. Um Vergebung! ich hatte eine Amme. Major. Grauſamer Muthwille. Gräfin. Wunderlicher Menſch! wozu denn ſtöhnen und ſeufzen, da ſich dir die reizendſte Ausſicht öffnet? Hier haſt du meine Hand! Ohne glänzendes Wortgepränge, ich thue, was ich vermag. St! beinahe wären wir überraſcht worden. Sie kommen. Weg mit der Eheſtandsfalte. Warte dein Spiel ruhig ab! ich will die Karten ſchon miſchen. Hechſte Seene Enlalia am Arme des Grafen. Die Vorigen. Zuletzt Peter. Graf. Potz Stern! Madame, Sie ſind gut zu Fuße. Mit Ihnen mag ein anderer um die Wette laufen. Eulalia. Die Gewohnheit, Herr Graf. Sie dürfen nur vier Wochen hinter einander alle Tage einen ſolchen Spazier⸗ gang machen. Graf. O ja! wenn ich Luſt habe, meinen Windhunden ähnlich zu werden. Gräfin. Wo war't ihr? wir ſuchten euch. Graf. Wo wir waren? Ja, ſieh' nur, mein Schatz! wenn man eigen Ei von der f Gr dame der ſchrei übel! Füße rechte M wohl Gr ſo n halte auf ſe Herr Paar Gr wenigſ M. Gr nieme leiden affe h wenn in die unten Peter Pet Gri Pet Gre für u für u Pet Gre ekelhaftes hoch kam, d einander Ueberall tle Weiber ütter und mir's nicht rikatur. ide iſt ge⸗ chade, daß biſt. Eine mphwagen widerſpen⸗ tte— du, hnen und Hier haſt „ich thue, ht worden. Varte dein en. Peter. zu Fuße. fen. ürfen nur n Spazier⸗ indhunden hatz! wenn Menſchenhaß und Reue. 51 man mit Madame Müller geht, ſo weiß man nicht ſo eigentlich, wo man iſt. Eulalia. Ich führte den Herrn Grafen auf jenen Hügel, von deſſen Spitze man das ganze Thal und den Fluß, der ſich unten im Thale ſchlängelt, überſehen kann. Graf. Ja, ja, die Ausſicht iſt ſchön, und ſo neben Ma⸗ dame Müller zu ſtehen, und zuzuhören, wie ſie die Reize der Schöpfung ein wenig dichteriſch und ſchwärmeriſch be⸗ ſchreibt, das iſt noch ſchöner; aber nehmen Sie mir's nicht übel! mich kriegen Sie doch nicht wieder hinauf. Meine Füße ſind klagbar geworden, und haben wahrlich die ge⸗ rechteſte Sache von der Welt. Major. So laſſen Sie uns nach Hauſe gehen. Ein wohlgepolſterter Sopha ladet Sie ein. Graf. Der bloße Gedanke iſt erquickend. Aber ich bin ſo müde und ſo durſtig, daß ich durchaus erſt Raſttag halten, und meinen trockenen Gaumen durch eine Libation auf ſeinem Grund und Boden ausſöhnen muß. Wie wär's, Herr Schwager, wenn wir uns dort in die Laube ein Paar Pfeifen und eine Bouteille engliſch Ale bringen ließen? Gräfin. Thut das! wir Weiber laufen indeſſen noch ein wenig herum.(Sie gibt ihrem Bruder einen Wink.) Major Gum Grafen). Ich bin von der Partie. Graf. Schön! Heda!— Verdammt! nun haben wir niemand zu ſchicken. Ich kann es vor dem Henker nicht leiden, wenn auf Spazierzängen immer ein großer Maul⸗ affe hinter mir hertritt: aber diesmal wäre mir's doch lieb, wenn ich einen Bedienten mitgenommen hätte.(Ullenthalben in die Ferne ſchauend.) Seht doch, iſt das nicht Peter, der dort unten am Wege den Birnbaum ſchüttelt? Ja, er iſt's. Peter! He! Peter! Peter(von weitem). He! Holla! He! Graf. Hieher! Friß auf ein andermal mehr! Peter(kommt). Da bin ich ſchon. Graf. Spring' geſchwind aufs Schloß, und hole Pfeifen für uns und eine Flaſche engliſch Ale. Geſtopfte Pfeifen für uns, hörſt du? Veter. Geſtopfte Pfeifen für uns: ich höre.(Ab.) Graf. Kommen Sie, Herr Schwager, wir wollen uns U RRRR — 52 Menſchenhaß und Reue. indeſſen einen Lagerplatz ausſuchen. Die Damen ſcheinen nicht Luſt zu haben, uns zu folgen. Ihre feinen Naſen können den Tabaksdampf nicht vertragen.(Ab.) Major(folgt ihm, nachdem er noch einige verſtohlene Winke mit ſeiner Schweſter gewechſelt). iebente Scene. Die Gräfin. Eulalia. Gräfin. Nun, liebe Madame Müller, wie gefällt Ihnen der Mann, der eben von uns ging? Eulalia. Wer? Gräfin. Meine brüderliche Liebe. Eulalia. Er verdient, Ihr Bruder zu ſein. Gräſin(eerneigt ſich tief) Unterthänige Dienerin! Das ſchreib' ich in mein Taſchenbuch. Eulalia. Ohne Schmeichelei, gnädige Frau, ich halte ihn für einen wackern Mann. Gräfin. Und für einen ſchönen Mann?ꝰ Eulalia(gleichgültig). O ja. Gräfin. O ja? das klang beinahe wie: o nein! Aber ich muß Ihnen ſagen, daß er Sie für eine ſchöne Frau hält.(Eulalia lächelt.) ſagen nichts dazu? Eulalig. Was ſoll ich ſagen? Spott kann nicht aus Ihrem Munde kommen; alſo Scherz war es; und ich bin ſo wenig dazu gemacht, einen Scherz zu unterhalten.— Gräfin. Eben ſo wenig, als ihn zu veranlaſſen. Nein, es war Ernſt.— Nun? Enlalia. Sie ſetzen mich in Verlegenheit. Nun ja, ich will mich nicht zieren. Es war eine Zeit, wo ich mich ſelbſt für ſchön hielt; aber der Kummer hat an meiner Geſtalt genagt.— Ach! die Herzensruhe iſt es, die den ſchönſten Zauber über ein weibliches Geſicht gießt. Der Blick, der brave Männer feſſelt, iſt nur der Abglanz einer ſchönen Seele. Gräſin. Nun, Gott gebe mir immer ein ſo reines Herz, als aus Ihren Augen leuchtet. Eulalia(wild und raſch). Ach! Gott behüte Sie davor. Gräfin(erſtaunend). Wie? Eulalia(mit verhaltenen Thränen). Verſchonen Sie mich!— Ich bin eine Unglückliche.— Dreijährige Leiden geben mir 7⁰ ſcheinen en Naſen e mit ſeiner Üt Ihnen as ſchreibꝰ halte ihn iein! Aber höne Frau nicht aus nd ich bin alten.— ſen. Nein, un ja, ich mich ſelbſt ner Geſtalt n ſchönſten Blick, der önen Seele. eines Herz, davor. e mich!— »geben mir— Menſchenhaß und Reue. zwar keine Anſprüche auf Freundſchaft einer edlen Seele, aber auf Mitleid!— Verſchonen Sie mich!(Sie will gehen.) Gräſin(ſehr liebreich) Bleiben Sie, liebe Madame Müller! Wirklich, Sie müſſen bleiben. Was ich Ihnen zu ſagen habe, iſt vielleicht des Anhörens werth. Ihre Selbſtanklage ſchreckt mich nicht ab. Mich dünkt, Sie ſehen, wie der gute Paſcal, neben Ihrem Stuhl eine Hölle; aber die Teufelchen exiſtiren nur in Ihrer Einbildung. Eulalia. Wollte Gott, ich ſähe die Hölle nur neben meinem Seſſel— Ach! ich trage ſie raſtlos im Herzen mit mir herum. Gräfin. Freundſchaft hat Balſam für manche Wunde. Ich bitte zum erſten Male um Ihr Vertrauen. Sie wiſſen, ob ich in dieſen drei Jahren unſerer Bekanntſchaft Ihnen je durch unbefugte Neugier läſtig wurde. Heute treibt mich ein edleres Intereſſe. Ich bitte mit Schweſterliebe um Ihr Vertrauen Mein Bruder liebt Sie.— Eulalia Fäyrt zuſammen, und blickt der Gräfin ernſthaft in's Geſicht). Für Scherz zu viel— für Ernſt zu traurig! Gräfin. Ehe ich weiter in Sie dringe, erlauben Sie mir, Ihnen den Charakter meines Bruders zu ſchildern, und ich gebe Ihnen mein Wort: nicht die Hand der Schweſter ſoll den Pinſel führen.— Sie möchten ihn leicht für einen Leichtſinnigen halten; denn ſah er Sie nicht heute zum erſten Male? und ſchon Liebe?— Aber, liebe Freundin! er iſt ein ernſter Mann, von geprüften Grundſätzen. Schon zählten ihn die Damen unſeres Hofes unter die Klaſſe der Hageſtolze; denn unter ihnen fand er nicht, was er ſuchte; verzweifelte oft daran, es je zu finden. Nicht Geſtalt, nicht Reichthum und Rang ſollten ſeine Wahl beſtimmen; er wollte ein Herz, von der Natur, einen Geiſt, durch Er⸗ ziehung gebildet. Von beiden gaben Sie ihm Proben. Ihre geheime Wohlthätigkeit blieb unverborgen, und Ihr Verſtand— ich ehre dieſe beſcheidene Schamröthe— genng, mein Bruder iſt ein Kenner in dieſem Punkt.— Hier haben Sie mein Creditiv. Entſcheiden Sie, ob ich be⸗ rechtigt bin, um Ihr Zutrauen zu bitten. Entdecken Sie ſich mir! Sie wagen nichts. Schütten Sie Ihren Kummer in den verſchwiegenen Buſen einer Schweſter aus! 54 Menſchenhaß und Reue. Eulalia. Ach! ich fühl' es: das höchſte Opfer, welches wahre Reue zu bringen vermag, iſt freiwilliger Verzicht auf die Hochachtung einer ſchönen Seele. Ich will dieſes Opfer bringen— und hab' ich dann genug gebüßt? Stockend.) Hörten Sie nicht— verzeihen Sie mir! hörten Sie nie o, es iſt ſehr ſchwer, eine Täuſchung zu zerſtören, welcher allein ich bis jetzt Ihre Güte verdankte.— Aber es muß ſein— Pfui, Eulalia! ziemt Stolz dir?— Hör⸗ ten Sie nie von einer gewiſſen Baroneſſe Meinau reden? Gräfin. Am benachbarten Hofe? Mich dünkt, ich hörte von einer ſolchen Creatur. Sie ſoll einen ſehr braven Mann höchſt elend gemacht haben. Enlalia. O Gott!— Ja, einen ſehr braven Mann. Gräſin. Sie lief mit einem Landſtreicher davon. Eulalia. Ja, das that ſie——(8ie ſtürzt außer ſich zu den Füßen der Gräfin) Verſtoßen Sie mich nicht! Nur ein Plätz⸗ chen, auf welchem ich ſterben kann!— Grüäfin. Um Gottes willen! Sie ſind Enlalia. Ich bin dieſe Creatur. Gräfin(ſich unwillig wegwendend). Ha!(Ste geht einige Schritte, ihr Herz zieht ſie zurück.)— Aber ſie iſt unglücklich— ſie büßt ſtreng— weg mit dem Kopfe, der immer bereit iſt, ein Verdammungsurtheil zu ſprechen!—(Sie blickt wehmüthig nach ihr) Ach! ſie iſt ſo unglücklich!— Stehen Sie aufl ich bitte Sie, ſtehen Sie auf!l Mein Mann und mein Bruder ſind nicht weit. Dieſe Scene leidet keine Zeugen. Ich ge⸗ lobe Ihnen Verſchwiegenheit,(Sie hebt ſie auf. Eulalia. Ach, mein Gewiſſen! mein Gewiſſen! das wird nie ſchweigen.(Mit beiden Händen die Hand der Gräfin ergreifend.) Verſtoßen Sie mich nicht! Gräfin. Nein, ich verſtoße Sie nicht. Ihr Betragen in den letzten drei Jahren, Ihr ſtiller KRummer, Ihre Reue tilgen freilich nicht Ihr Verbrechen; aber eine Freiſtatt wird mein Herz Ihnen nie verſagen, eine Freiſtatt, wo Sie ungeſtört um den Verluſt Ihres Gemahls weinen dür⸗ fen.— Ach! ich fürchte, ein unerſetzlicher Verluſt! Eulalia(mit der Kälte der Verzweiflung) Unerſetzlich! Gräſin. Armes Weib! Eulalia(immer im nämlichen Tone). Ich hatte auch Kinder. welches Verzicht ill dieſes (Stockend.) Sie nie zerſtören, — Aber — Hör⸗ u redendꝰ ich hörte rbraven ann. ſich zu den in Plätz⸗ Schritte, ihr ſie büßt it iſt, ein müthig nach aufl ich in Bruder Ich ge⸗ das wird ergreifend.) tragen in ähre Reue Freiſtatt iſtatt, wo einen dür⸗ Kinder. Menſchenhaß und Reue. Gräfin. Genug! Eulalia. Gott weiß, ob ſie leben oder todt ſind. Gräfin. Arme Mutter! Eulalia. Ich hatte einen liebenswürdigen Gemahl. Gräfin. Faſſen Sie ſich! Eulalia. Gott weiß, ob er lebt oder todt iſt. Gräfin. Ihr Blick wird gräßlich! Enulalia. Für mich iſt er todt! Gräfin. Sie büßt ſtrenge. Eulalia. Ich hatte einen alten Vater. Gräſin. O, um Gottes willen! Hören Sie aufl! Eulalia. Der Gram um mich bat ihn gemordet. Gräfin. Wie ſchrecklich rächt ſich die beleidigte Tugend! Eulalia lendlich in laute Thränen ausbrechend, und mit beiden Händen ihr Geſicht verhüllend.) Und ich lebe noch! Gräfin. Wer könnte dieſe Büßende haſſen?(Eulalien in ihre Arme ſchließend.) Nein, Sie ſind nicht laſterhaft. Der Augen⸗ blick Ihrer Verwirrung war ein Traum, ein Rauſch, ein Wahnſinn. Eulalia. O, verſchonen Sie mich; wenn Sie wüßten, daß jede Milderung meiner Verbrechen mir ein Dolchſtich iſt— daß mein Gewiſſen nie mich heftiger martert, als wenn mein Kopf nach Entſchuldigungen grübelt.— Nein, ich kann mich mit gar nichts entſchuldigen; und die einzige, traurige Beruhigung meines Herzens iſt die, mich ohne alle Einſchräukung ſtrafbar zu bekennen. Gräfin. Dieſer Zug iſt echte Reue. Eulalia. O, wenn Sie ihn gekannt hätten! als ich ihn zum erſten Male ſah, den ſchönen, den edlen Mann— ich war damals kaum vierzehn Jahre alt.— Gräſin. Und Ihre Verbindung? Eulalia. Wenig Monden nachher. Gräfin. Und Ihre Flucht? Enlalia. Zwei Jahre war ich ſeine Gattin. Gräfin. O, meine Liebe! dann laſſen Sie Ihre Jugend büßen, was nicht Ihr Herz verbrach. Eulalia. Das iſt die Sprache meines Kopfes in Stun⸗ den, wo Sehnſucht und Liebe den Sieg über die Reue davon tragen.— Nein, meine Jugend entſchuldigt mich K ——————..m 2..—— 56 Menſchenhaß und Reue⸗ nicht.(Den Blick gen Himmel) Alter! ehrwürdiger Vater! Das hieße dich anklagen! Du hatteſt mir Grundſätze der Ehre und Tugend in's Herz gepflanzt. Du hatteſt mich gewarnt vor dem Gift der Schmeichelei und Verführung.— Gräfin. Was vermag Erziehung gegen einen Lovelace? Eulalia. Ach! Sie ſtoßen da auf eine Unbegreiflichkeit in meiner Geſchichte. Nein, er war kein Lovelace, dieſer Menſch, in jeder Rückſicht tief, tief unter meinem Gemahl. Nur daß dieſer nicht mehr tändelte, nicht mehr jeder meiner Launen und Grillen ſchmeichelte, mir neue Equipagen, Liv⸗ reen und Schmuck verſagte, wenn der Aufwand unſ're Kräfte überſtieg. Alles das bot mir des Verführers Schlan genzunge, und ich war Kind genug, mich an den bunten Bildern zu ergötzen; war verblendet genug, Kinder, Vater und Gemahl zu verlaſſen, um einem Nichtswürdigen zu folgen, der— doch genug! er ſteht nun vor Gott, wo meine gemordete Tugend das Maß ſeiner Bubenſtücke bis an den Rand füllen wird. Gräſin. Schrecklich! aber mit dieſem Herzen konnte meine Freundin nicht lange irren. Enlalia. Lange genug, um nie es büßen zu können. Freilich verflog der Rauſch in wenig Wochen; ich rief den Namen meines biedern Gatten— vergebens— ich horchte auf das Lallen meiner Kinder— umſonſt! Ach! was ich damals empfand, als der Nebel vor meinen Augen zerfloß! Gräſin. Weg mit dieſer Rückerinnerung!— Ich errathe das Ende Ihrer Geſchichte. Sie verließen Ihren Verführer. Eulalia. Das that ich— und flüchtete zu einer edlen Seele, die mir ein Plätzchen gab, auf dem ich weinen darf — und mir auch ein Plätzchen geben wird, auf dem ich ſterben könne. Gräfin(ie in ihre Arme ſchließend). Hier, nur hier an meinem Buſen ſollen in Zukunft Ihre Thränen fließen, und möcht' es mir gelingen, dich, arme Leidende! wieder mit der Hoff⸗ nung vertraut zu machen! Eulalia. Ach nein! ach nein! Gräfin. Hörten Sie ſeitdem gar nichts von Ihrem Gemahl? Eulalia. Er verließ die Stadt, niemand weiß wohin. na Il ni⸗ ni ei N 2 55 r! Das er Ehre gewarnt velace? ichkeit in „dieſer Semahl. meiner zen, Liv⸗ d unſ're Schlan bunten r„ Vater ſigen zu zhott, wo tücke bis te meine können. rief den h horchte was ich floß! herrathe zerführer. ier edlen nen darf dem ich meinem id möcht' der Hoff⸗ Ihrem vohin. enhaß und Reue. Gräfin. Und Ihre Kinder? Eulalia. Die nahm er mit ſich. Gräfin. Wir müſſen Erkundigungen einziehen; wir müſſen Stille! mein Mann und mein Bruder.— Ach! mein armer Bruder; den hatt' ich ganz vergeſſen.— Geſchwind, liebe Madame Müller, ein anderes Geſicht! Achle Seene. Der Graf. Der Major. Etwas nachher Peter.(Alle drei Tabak rauchend.) Die Vorigen. Peter(bleibt ein wenig im Hintergrunde ſtehen). Graf. Friſch, Kinder! ich wittere Abendluft. Wir müſſen nach Hauſe. Gräſin. Es iſt ja kaum ſechs Uhr. Graf. Nun, ſo iſt's Zeit, Thee zu trinken. Und meint Ihr denn, ob ich gleich Soldat war, daß ich heute noch nicht genug Strapazen ausgeſtanden? Erſt die Reiſe, dann das kalte Bad, dann der foreirte Marſch unter Kommando der Madame Müller. Gräfin. Wohlan, wir ſind bereit. Graf. Da, Peter, bring' die Pfeifen zurück.— Was zum Henker! Du rauchſt ja gar ſelbſt? Peter. Ja freilich rauch' ich ſelbſt. Es wird mir ſauer genug. Graf. Wer Teufel hat dir's geheißen. Peter. Die Excellenz hat mir's geheißen. Graf. Ich? Peter. Ja; ſagten Sie nicht: ich ſollte Pfeifen holen für un8? Graf. Für mich und den Major. peter. Nun, ich ſtand ja auch dabei. Graf. Burſche, du biſt ein Eulenſpiegel— Vorwärts! Marſch!— Apropos! Wie iſt's mit dem Fremden? Wird er kommen? Gräfin. Nein. Er hat's der Lotte rund abgeſchlagen. Graf. Ein wunderlicher Heiliger! Aber das geht doch nicht an; ich muß ihm doch meine Dankbarkeit auf irgend eine Art an den Tag legen.— Wiſſen Sie was, lieber Major, ich kann Ihnen nicht helfen, führen Sie meine Frau nach Hauſe, und kommen Sie dann zurück, ihn ſelbſt zu holen. * ————————————0 58 Menſchenhaß und Reue. Major. Wenn Ihnen ein Gefallen dadurch geſchieht, recht gern. 8 2 Graf. Ich muß dem Manne ooch einen Biſſen Brod vor⸗ ſetzen. Er gibt Eulalien den Arm, der Major der Gräfin Sie gehen ab.) Neunte Scene. Peter(allein). (Seine Pfeife unwillig wegwerfend.) Nun, da will ich doch jeden vernünftigen Chriſtenmenſchen zum Schiedsrichter nehmen! wenn ihrer drei beiſammen ſtehen, und die Excellenz ſpricht: „hol' Pfeifen für uns,“ ob ich nicht auch mit unter die uns gehöre! Daß ich auch ſo ein gutherziger Narr war! Ich habe in meinem Leben noch nicht geraucht, und thue 28 da der Excellenz zu Gefallen. Pfui, das Zeug ſchmeckt abſcheulich; es iſt mir ganz übel darnach geworden.(Ab.) vierter Act. Erſte Scene. Franz(tritt auf mit einem Stück Brod und Käſe in der Hand, wovon er dann und wann einen Biſſen herunter ſchneidet. Gleich darauf) der Major. Franz. Als ich noch in der Stadt auf dem Kaffeehauſe diente, da war ich ein lockerer Geſelle; Karten und Würfel mein Zeitvertreib vom Abend bis an den Morgen; Braten und Wein zu jeder Stunde, wenn es mir beliebte, den Speiſeſchrank heimzuſuchen. Und doch ſchmeckte mir kein Biſſen! Dem Braten fehlte das Salz der innern Zufrie⸗ denheit, dem Wein mangelte das Zuckerbrod eines guten Gewiſſens.— Wie anders, ſeit ich dieſem Herrn diene! Ich habe heute nichts Böſes gethan; ich habe mein Tagwerk redlich vollbracht. Du guter Käſe! du ſchwarzes Brod! vortrefflich ſchmeckt ihr mir!(er erblick den Major in der Ferne). Pfui, daß ich ſchon wieder geſtört werde. Ich dachte mein Abendbrod unter freiem Himmel zu verzehren; aber ſie wie die Spürhunde hinter uns drein.(Er will gehen.) Major. Pſt! guter Freund! kof eil fa Ge vo Hi la ht, recht od vor⸗ gehen ab.) och jeden nehmen! ſpricht: iter die irr war! ind thue ſchmeckt en.(Ab.) d, wovon er harauf) der affeehauſe 1d Würfel tH; Braten iebte, den mir kein n Zufrie⸗ nes guten ziene! Ich Tagwerk zes Brod! n der Ferne). achte mein er ſie en.) Menſchenhaß und Reue. 59 Franz(für ſich,, Lieber Gott! welch eine Mätelei die Men⸗ chen treiben mit dem Titel: guter Freund. Major. Ich muß Seinen Herrn ſprechen. Franz. Kann nicht dienen. Major. Warum nicht? Franz. Iſt mir verboten worden. Major(will ihm Geld in die Hand ſtecken). Da! melde Er mich. Franz. Brauche kein Geld. Mafor. Nun, ſo melde Er mich nur. Franz. Ich will Sie melden, gnädiger Herr; aber was kann das helfen? ich werde ausgeſcholten, und Sie be⸗ kommen eine abſchlägige Antwort. Major. Wer weiß? Sag' Er ihm, ich bäte nur um eine einzige Minute; ich wollte ihm auf keine Weiſe beſchwerlich fallen! kurz, ſag' Er ihm alles, was man bei dergleichen Gelegenheiten zu ſagen pflegt. Wenn Sein Herr ein Mann von Erziehung iſt, ſo wird er mich nicht hier unter freiem Himmel vergebens auf ſich warten laſſen. Franz. Nun, in Gottes Namen, wir wollen's verſuchen.(Ab) Major(ruft ihm nach). Hört Er? nur um eine halbe Miuute laſſ' ich bitten. Franz. Schon gut. Major. Aber wenn er nun kommt, wie ſoll ich ihn be⸗ handeln? Ein Menſchenfeind iſt mir im Laufe meines Le⸗ bens noch nicht vorgekommen. Knigge hat ein ſchönes Buch über den Umgang mit Menſchen geſchrieben; aber wie man mit einem ſolchen Geſchöpfe umgehen ſoll, dem die ganze Welt und ſein eigenes Ich zur Laſt geworden, darüber hat er Vorſchriften zu ertheilen vergeſſen. Wohlan! auf gut Glück! Ein offenes, freundliches Geſicht, nicht zu blöde, nicht zu dreiſt, damit kommt man ſo ziemlich bei Jeder⸗ mann an. Zweite Scene. Der Unbekannte. Der Major. Unbekannter. Was ſteht zu Befehl? Major. Verzeihen Sie, mein Herr—(Ihn plötzlich erkennend.) Meinau! Uubekannter. Horſt! GSie ſtürzen ſich in die Arme.) N S———————————————————— 60 Menſchenhaß und Reue Major. Biſt du es wirklich, alter Freund? Unbekannter. Ich bin's. Major. Mein Gott, wie hat der Gram dich entſtellt! Unbckannter. Die Hand des Unglücks liegt ſchwer auf mir. — Stille! Wie kommſt du hieher? was willſt du? Major. Wunderlich! Ich ſtehe hier und ſinne, wie ich den einſiedleriſchen Fremden anreden, was ich ihm ſagen ſoll— er erſcheint— und ſiehe da, ich finde meinen bra⸗ ven Meinau. Unbekannter. Du haſt mich alſo nicht erforſcht! Du wuß⸗ teſt nicht, daß ich der Bewohner dieſer Hütte ſeiꝰ Major. So wenig, als ich weiß, wer auf der Spitze des Kaukaſus wohnt. Du haſt dieſen Morgen meinem Schwager das Leben gerettet; eine dankbare Familie wünſchte dich in ihrer Mitte zu ſehen; du ſchlugſt es dem Kammer⸗ mädchen meiner Schweſter ab, und um der Einladung mehr Gewicht zu geben, ſandte man mich ſelbſt. Siehe da, das Vehikel, deſſen ſich der Zufall bedient hat, mir den Freund wieder zu ſchenken, deſſen mein Herz ſo lange entbehrt, und deſſen es gerade in dieſem Augenblick ſo ſehr bedarf. Unbekannter. Ja, ich bin dein Freund, dein wahrer Freund. Du biſt ein guter Menſch, ein ſeltner Menſch. Mein Herz iſt unverändert gegen dich. Iſt aber dieſe Verſicherung dir lieb und werth— ſo— Horſt!— ſo verlaß mich und komme nie wieder zu mir. Major. Alles, was ich von dir ſehe, alles, was ich von dir höre, iſt mir ein Rätſel. Du biſt es, dein Geſicht ſchwebt vor mir, aber das ſind nicht die Züge, welche einſt unſere franzöſiſchen Mädchen bezauberten, Freude in jede Verſammlung brachten, dir Freunde erwarben, ehe du noch den Mund aufthateſt. Unbekannter. Du vergiſſeſt, daß ich ſieben Jahre älter ge⸗ worden bin. Major. Freilich, dann biſt du ein paar Jahre über dreißig.— Warum vermeideſt du mich anzuſehen? iſt Freundesantlitz dir zuwider geworden? oder biſt du ſcheu, dein Auge zum Spiegel deiner Seele zu machen? Wo iſt der offene Feuerblick, der ſonſt in aller Herzen las? 77 — ee ſtellt! auf mir. 9 „wie ich m ſagen ien bra⸗ Ddu wuß⸗ ö er Spitze meinem wünſchte Rammer⸗ ing mehr da, das Freund entbehrt, r bedarf. Freund. ein Herz erung dir nich und ich von n Geſicht ewelche Freude in n, ehe du älter ge⸗ ihre über ehen? iſt du ſcheu, 9 Wo iſt asꝰ —— Menſchenhaß und Reue. Unbekannter(bitter). Mein Blick las in aller Herzen? Ha! ha! hal 5 5 Major. O Gott! lieber hätt' ich gewünſcht, dich nie lachen zu hören, als in dieſem Tone.— Freund, was iſt dir widerfahren? Unbekannter. Alltägliche Dinge— der Welt Lauf— Be⸗ gebenheiten, wie man ſie auf allen Straßen hört.— Horſt! wenn ich dich nicht haſſen ſoll, ſo verſchone mich mit Fra⸗ gen: und wenn ich dich lieben foll, ſo verlaſſe mich! Major. Pfui, wie das Schickſal einen Menſchen ver⸗ hunzen kann! Ich bitte dich! wecke die ſchlummernden Ideen von Freuden der Vergangenheit, daß dein Herz wieder warm werde, und fühle, daß ein Freund ihm nahe iſt. Erinnere dich unſerer froh durchlebten Tage in Elſaß, nicht jener tollen Schwärmereien im lärmenden Gewühl unferer Kriegs-Kameraden; nein, jener heitern ſanften Stunden, wo wir uns von allem, was uns umgab, los⸗ riſſen, wo wir einſam wandelten, Arm in Arm, auf den Wällen von Straßburg, oder am Ufer des Rheins, wo die Schönheiten der Natur unſere Herzen öffneten, und ſie für Wohlwollen und Freundſchaft empfänglich machten. In jenen ſeligen Augenblicken ward der Bund geknüpft, der unſere Seelen an einander kettete; in einem jener ſeligen Augenblicke gabſt du mir dieſen Ring zum Pfande deiner Liebe. Erinnerſt du dich deſſen noch? Uubekannter. O ja. Major. Bin ich ſeitdem deines Vertrauens unwerth ge⸗ worden? Unbekannter. Nein, nein. Aajor. Waren wir je bloße Alltagsfreunde, durch Laune, Zufall und Luſtbarkeiten an einander geknüpft? Haben wir uns nur in bunten Zirkeln mit einander herumgetrieben? oder haben wir auch dem Tode unter den Batterien von Gibraltar, Hand in Hand, getrotzt?— Carl, es thut mir weh', daß ich meine Rechte auf dich ſo geltend machen muß.— Kennſt du dieſe Narbe? Unbekaunter. Bruder! Es war der Hieb, der mir den Kopf ſpalten ſollte. Ich hab' es nicht vergeſſen. Ach! du wuß⸗ teſt freilich nicht, welch ein elendes Geſchenk du mir machteſt. Menſchenhaß und ſteue. Mafor. So rede, ich bitte dich! daß i Uunbekannter. Du kannſt mir doch nicht helfen. in m Major. So kann ich mit dir trauern. ſam Unbekaunter. Pfui, das mag ich nicht. Auch hab' ich Lieut ſelbſt ſchon lange keine Thränen mehr. im L Major. So gib mir Worte ſtatt Thränen! beide erleich⸗ lichke tern das Herz. nung Unbekannter. Das meinige iſt gleich einem lange ver⸗ Oben ſchloſſenen Grabe. Laß faulen und verweſen, was dort als verſcharrt wurde!l Warum es öffnen und die Luft umher und verpeſtenꝰ Fürf Major. Lüften wollen wir's und reinigen, damit das einer ganze Gebäude ein anderes Anſehen gewinne.— Wie du die ausſiehſt! Schäme dich! Ein Mann von deinem Kopfe, von ſich, deinen Talenten; ein Mann wie du, der immer die Welt⸗ Spö weisheit praktiſch übte! und ſich ſo unter den Pantoffel Gefe des Schickſals zu beugen! Biſt du von Schurken verfolgt und und von Buben geneckt worden, ſo mag es hingehen; haſt Ich du Jahre lang in Ketten geſeſſen, ſo will ich dir verzeihen. Lan Unbekannter. Horſt, du thuſt mir Unrecht. Zwar glaubte mir ich, es ſei mir gleichgültig geworden, was irgend ein Meuſch ter. in der Welt von mir denken mag; aber ich fühle in dieſem Mei Augenblicke, es iſt nicht ganz ſo. Der Freund ſoll den re abgeſchiedenen Schatten des Freundes nicht verlaſſen, ohne Gel zu erfahren, wie die Hand des Schickſals ihn für jede 1. Freude des Lebens mordete. Wohlan!— Ja, in ein Vor paar Worte läßt ſich viel Unglück faſſen.— Bruder! ich 1115 verließ dich und die franzöſiſchen Dienſte; von jenem Augen⸗ 5 blick an floh mich das Glück. Mir winkte mein Vaterland. ihr Was träumt' ich mir nicht für füße Bilder, wie ich da leben me und wirken wollte, manchen alten Schlendrian verbeſſern, ſich manche Thorheit, die ſich in hundertjqährigen Nebel hüllt,— zu Schanden machen. Ol wem ſeine Ruhe lieb iſt, der 1 wage ſich nicht an die Thorheiten der Menſchen! Ich iſt wurde verfolgt, geneckt, für einen gefährlichen Menſchen 00 ausgeſchrieen.„Witz hat er,“ ſo ſprach man überall,„aber 5* ein böſes Herz“. Das ärgerte mich. Ich ſchwieg, tadelte 8¹ nichts mehr, lobte alles, buhlte um das Zutrauen der 55 Menſchen— vergebens! Sie konnten mir's nie vergeſſen, hab' ich erleich⸗ ge ver⸗ as dort umher nit das Wie du pfe, von e Welt⸗ zantoffel verfolgt en; haſt erzeihen. glaubte Meuſch t dieſem ſoll den n, ohne für jede in ein der! ich Augen⸗ iterland. da leben rbeſſern, el hüllt, iſt, der en! Ich Nenſchen ll,„aber tadelte uen der ergeſſen, Menſchenhaß und Reue 63 daß ich einſt hatte klüger ſein wollen als ſie. Ich zog mich in mich ſelbſt zurück, war mir ſelbſt genug, und lebte ein⸗ ſam mitten in der Reſidenz. Man hatte mich zum Oberſt⸗ Lieutenaut gemacht; denn man wollte mein Vermögen gern im Lande behalten. Ich verſah meinen Dienſt mit Pünkt⸗ lichkeit und Eifer, ohne empor zu ſtreben, ohne Aus,zeich⸗ nung zu begehren. Mein Oberſter ſtarb; es gab eine Menge Oberſt⸗Lieutenants, die weit längere Zeit gedient hatten, als ich. Ich erwartete einen von dieſen befördert zu ſehen, und das ließ ich mir gerne gefallen. Aber ſiehe da, der Fürſt hatte eine Maitreſſe, und dieſe hatte einen Vettern, einen albernen, eingebildeten Laffen, der ſeit ſechs Monaten die Uniform trug; der wurde mein Oberſter. Es verſteht ſich, daß ich den Abſchied forderte und erhielt.— Einige Spöttereien über den Einfluß der Dame machten mich zum Gefangenen auf der Feſtung. Da ſaß ich ein halbes Jahr, und kauete an den Nägeln. Man gab mir meine Freiheit. Ich raffte mein Vermögen zuſammen, und ging aus dem Lande. Mit Menſchenkenntniß bewaffnet— ſo bildete ich mir ein— ſollte es mir nun leicht werden, mit und un⸗ ter den Menſchen fortzukommen. Ich wählte Caſſel zu meinem Aufenthalte. Alles ging vortrefflich. Ich fand Freunde, die mich liebkoſeten, mich verhätſchelten, mir mein Geld abborgten und meinen Wein austranken. Endlich fand ich auch ein Weib, ein ſchuldloſes, herrliches Geſchöpf von kaum fünfzehn Jahren. O, wie liebte ich ſie! ja, da⸗ mals war ich glücklich! Sie gebar mir einen Sohn und eine Tochter! beide hatte die Natur mit der Schönheit ihrer Mutter geſtempelt. O, wie liebt' ich mein Weib und meine Kinder! ja, damals war ich recht glücklich!(Er wiſcht ſich die Augen.) Sieh' da, noch eine Thräne; hätt' ich's doch kaum gedacht. Willkommen, ihr alten Freunde! wir haben uns lange nicht geſehen.— Nun, Bruder, meine Geſchichte iſt gleich zu Ende. Der eine meiner Freunde, den ich für einen ehrlichen Kerl hielt, betrog mich um mein halbes Vermögen. Ich verſchmerzte das, ich ſchränkte mich ein; Zufriedenheit bedarf wenig. Da kam wieder ein anderer Freund, ein Jüngling, an dem ich Behagen gefunden, den ich mit meinem Gelde unterſtützt, dem ich durch mein An⸗ 64 Menſchenhaß und Reue. ſehen empor geholfen, der verführte mir mein Weib— und lief mit ihr davon!— Iſt dir das genug, um mir meinen Menſchenhaß, meine Abgeſchiedenheit von der Welt zu ver⸗ zeihen?— Bin ich etwa ein Phantaſt, der Verfolgung ahnete, wo niemand an ihn dachte? Oder bin ich blos ein Opfer der Gewalt eines Einzelnen? Wollte Gott! Ein König kann nur in Feſſeln ſchmieden, oder tödten: ach! was ſind Feſſeln und Tod gegen die Untreue eines gelieb ten Weibesꝰ Major. Das deiner unwerth war. Pfui, Meinau! Daß ein Mann ſich um ein gutes Weib quälen kann,— iſt ſchon eine Thorheit, aber um ein untreues Weib auch nur eine Thräne vergießen, iſt Raſerei. Uubekannter. Nenn' es, wie du willſt, ſprich, was du willſt, das Herz kehrt ſich an kein Vernunftgeſchwätz. Ach! ich liebe ſie noch. Major. Und wo iſt ſie? Aubekaunter. Das weiß ich nicht, verlang' es auch nicht zu wiſſen. Major. Und deine Kinder? Unbekannter. Die ließ ich in einem Landſtädtchen, nicht weit von hier, bei einer Bürgerswittwe, die mir ehrlich ge⸗ nug ſchien, weil ſie dumm genug war. Klajor. Schon wieder ein menſchenfeindlicher Seitenhieb! Doch warum behielteſt du deine Kinder nicht bei dir? Sie würden dir manche ſchwermüthige Stunde weggegaukelt haben. Anbekannter, Daß die Aehnlichkeit mit ihrer Mutter mir täglich das Bild entflohener Freuden zurückgerufen hätte? Nein! ich habe ſie in drei Jahren nicht geſehen. Ich mag keinen Menſchen um mich haben, weder Kind noch Greis; das Kind iſt ein werdender Böſewicht, und der Greis ein vollendeter Schurke! Wahrlich! hätte unſere vornehme Er⸗ ziehung mir nicht einen Bedienten zum Bedürfniß gemacht, ich würde den meinigen längſt weggejagt haben, ob er gleich nicht der ſchlechteſte unter den ſchlechten iſt. Major. Das kommt dabei heraus, wenn man eine Frau von unſern ſogenannten guten Familien heirathet; die beobachten von Jugend auf in ihren Eheſtandsbegriffen die lat ſchloſſen Unbe Maj. Famili Unbe treiben Maj. mit fei digen kämeſt, eine N und ſck die We Uunbe Majt ſt, den die Me der W᷑̃ anfäng am Er Unbe die ſich wüßteſt ich liel einem mir da wenn i men ſe dem ie laß m ſich ein ſelbſt i kehle it ſo lang Maj! aber le Unbe Maj Veib— und mir meinen ZJelt zu ver⸗ Verfolgung ich blos ein Gott! Ein tödten: ach! eines gelieb einau! Daß kann,— iſt Weib auch ch, was du hwätz. Ach! 8 auch nicht tchen, nicht ehrlich ge⸗ Seitenhieb! ei dir? Sie veggegaukelt Mutter mir ufen hätte? t. Ich mag noch Greis; r Greis ein ꝛrnehme Er⸗ liß gemacht, ben, ob er iſt. man eine n heirathet; ndsbegriffen Menſchenhaß und Reue. 65 die late Obſervanz. D'rum, Meinau, ſiehſt du mich ent⸗ ſchloſſen, ein Weib aus dem Bürgerſtande zu heirathen. Unbekannter. Du heirathen? Ha! ha! ha! Major. Du ſollſt ſie ſehen. Komm' mit mir! Meine Familie erwartet dich mit Sehnſucht. Unbekannter. Ich mich wieder unter Menſchen herum— treiben! Hab' ich mich noch nicht beſtimmt genug erklärt? Major. Das haſt du freilich. Aber ich erkläre dir hier⸗ mit feierlich, daß du alle Zartheit der Empfindung belei— digen würdeſt, wenn du nicht wenigſtens dieſen Abend kämeſt, eine Suppe bei meinem Schwager zu eſſen. Jemand eine Wohlthat erzeigen und keinen Dank fordern, iſt edel und ſchön; aber dieſem Dank ſo gefliſſentlich ausweichen, daß die Wohlthat dem andern zur Laſt wird, iſt Affectation. Unbekannter. Gilt das mir? Major. Ich will gern glauben, daß es nicht dein Fall iſt, denn ich kenne dich beſſer; aber ich bitte dich, was ſollen die Meinigen von mir denken? Es gibt ſchöne Dinge in der Welt, die man nicht zu weit treiben darf; Dinge, die anfänglich Bewunderung erregen, hinterdrein Verdruß, und am Ende eine Art von bitterer Gleichgiltigkeit. Unbekannker. Bruder, es gibt auch Dinge in der Welt, die ſich beſſer predigen, als befolgen laſſen. Wenn du wüßteſt, wie mich jedes fremde Menſchengeſicht anekelt, wie ich lieber auf Millionen Nadeln ſitzen möchte, als auf einem gepolſterten Stuhle in euren eleganten Zirkeln; wie mir das auf den ganzen Tag meine beſte Laune verdirbt, wenn ich nur von ferne einen Menſchen auf mich zukom⸗ men ſehe, dem ich nicht mehr ausweichen kann, und vor dem ich alſo meinen Hut ziehen muß.— O, laß mich! laß mich in Ruhe!— Jeder Menſch ſucht um ſich her ſich einen eigenen Zirkel zu bilden, deſſen Mittelpunkt er ſelbſt iſt; ſo ich den meinigen. So lange noch eine Vogel⸗ kehle in dieſem Walde iſt, welche die Morgenſonne begrüßt; ſo lange wird mir's an Geſellſchaft nicht fehlen. Major. Thu' morgen und übermorgen, was dir gefällt; aber leere heute ein Glas Wein mit mir. Unbekannter(feſt). Nein! Nein! Major. Auch dann nicht, wenn du vielleicht im Stande 66 Menſchenhaß und Reue. wäreſt, durch dieſen einzigen Beſuch das Glück deines Freun⸗ des zu gründen? Unbekannter(futzend). Dann— ja! Aber laß hören! Major. Du ſollſt mein Freiwerber ſein bei Madamt Müller. Unbek. Ich?— guter Horſt! wenn ich auch einſt Talent zu ſolch einem Auftrage hatte, ſo ſind ſie längſt verroſtet. major. Nicht doch. Sieh', Bruder, ich liebe eruſtlich und meine Liebe iſt eine Frucht der Hochachtung! Sie if ein herrliches Weib! und wenn ich ſo vor ihr ſtehe; von allem kann ich mit ihr ſchwatzen, nur nicht von meine Liebe. Denn ſie hat da einen Blick in ihrer Gewalt— einen Blick, der die Zunge feſſelt. Zwar hatte mein Schweſter übernommen— aber das frommt nicht; ih Lob klingt parteiiſch. Du hingegen— einem ſo ſauet töpfiſchen Geſicht, wie das deinige, glaubt man am erſten Bruder, wenn du meine paar guten Eigenſchaften ein weni gegen ſie heraus ſtreicheſt— Unbek. Sieh' da, wieder ein Menſch, der betrügen wil Aajor. Nun, ich denke nicht, daß ſie übel mit mir fah ren ſoll. Ich bitte dich, Meinau; es gilt Wohl und We deines Freundes. Ich ſchaffe dir Gelegenheit, ſie allein z ſprechen. Willſt du? Uẽnbekannker(nach einer Pauſe). Ich will. Aber unter eint Bedingung. Mafor. Sprich! Unbekannter. Daß du mich morgen ohne Widerred reiſen läſſeſt. Major. Abreiſen? Wohin? AUnbekannker. Wohin Gott will! unter Menſchen, die mit nicht kennen. Major. Halsſtarriger! Unbek. Du verſprichſt das— oder ich komme gar nicht Major. Wohlan, ich verſpreche es. Vielleicht ſind dein Ideen heiterer beim Aufgang der Sonne.(Ihm die Hand n chend.) Folge mir! Anbekannter. Ich muß mich doch erſt ein wenig ankleiden Aafor. So erwarten wir dich in einer halben Stund⸗ Du gabſt mir dein Wort. ab Ilt M euch Schl Sch Ru euch verf ſel For + 1 ſchã und Ste ſein 22 — C0 2. S.-reeen un 4 deines Freun⸗ laß hören! bei Madamt ch einſt Talent ingſt verroſtet. liebe eruſtlich chtung! Sie iß ihr ſtehe; vol ht von meine zrer Gewalt— r hatte mein umt nicht; ih inem ſo ſauer man am erſten haften ein weni r betrügen wil el mit mir fah Wohl und We eit, ſie allein z ber unter eint e Widerrede al enſchen, die mil omme gar nicht lleicht ſind dein (Ihm die Hand r' wenig ankleide halben Stundd Menſchenhaß und Reue. Unbekannter. Ich gab es. Major. Leb' wohl! Drilte Scene. Unbekannter. Gleich darauf Franz. Unbekannter(geht einige Male auf und nieder, ſein Blick iſt in ſich gekehrt und trübe. Endlich bleibt er ſtehen und ruft). Franz! Franz(tommt). Herr! Unbekannter. Morgen reiſen wir. Franz. Mir recht. Unbekannter. Vielleicht in ein anderes Land. Franz. Mir auch recht. Unbekannter. Vielleicht in einen andern Welttheil. Franz. Mir alles recht. Unbekannter. Ihr friedlichen Inſulaner der Südſee! zu euch will ich; ihr ſeid noch unverdorben. Eure einzige Schwachheit iſt Stehlen.— Immerhin! ich bringe keine Schätze mit. Das köſtlichſte Kleinod, das ich hatte, meine Ruhe, hat man mir in Europa geſtohlen.— Oder zu euch, ihr wackern Bewohner von Bisnapore; zu euch, deren verführeriſches Gemälde Raynal mit unnachahmlichem Pin⸗ ſel uns darſtellt— oder— nun ja, wohin Gott will! Fort! fort aus dieſem cultivirten, moraliſchen Lazareth! — Hörſt du, Franz? morgen mit dem Früheſten. Franz. Ganz wohl. Unbekannter. Doch vorher, Franz, noch ein kleines Ge⸗ ſchäft für dich. Gehe hinunter in's Dorf, miethe dir Pferde und Wagen von einem Bauer, und eile in das benachbarte Städtchen. Du kannſt vor Sonnenuntergang noch zurück ſein. Ich will dir einen Brief an eine Bürgersfrau mit⸗ geben, die ich kenne. Dort wirſt du zwei Kinder finden; es ſind meine Kinder— Franz(erſtaunt). Ihre Kinder, Herr? Unbekannter. Nimm ſie, packe ſie auf den Wagen, und bringe ſie hieher. Franz. Ihre Kinder, Herr? Unbekannter. Nun ja doch, meine Kinder; iſt denn das ſo unbegreiflich! Franz. Ich begreife wohl, daß Sie Kinder haben können; 5* Menſchenhaß und Reue. aber daß ich nun ſchon drei Jahre in Ihren Dienſten bin, und noch nie ein Wörtchen davon erfuhr, das iſt doch ſonderbar. Unbekannter. Viel von ſeinen Kindern ſprechen, iſt Narrheit. Franz. Es iſt ein Unterſchied zwiſchen viel und gar nicht. Sie waren alſo verheirathet? Unbekannter. Beläſtige mich nicht mit unnützen Fragen. Geh', mach' dich reiſefertig! Franz. Dazu brauch' ich ffünf Minuten. Unbekannter. Ich folge dir ſogleich, um den Brief zu ſchreiben. Franz(ab). Vierte Scene. Unbekannler(allein). Ich will ſie mit mir nehmen. Ich will mich an ihren Anblick gewöhnen. Die unſchuldigen Geſchöpfe ſollen nicht vergiftet werden, weder durch ein Philanthropin, noch durch eine Penſion. Mögen ſie lieber auf irgend einer wüſten Juſel 5 täglichen Unterhalt mit Bogen und Pfeil er⸗ jagen, oder ſich, wie die Hottentotten, in einen Winkel kauern, 9110 die Spitze ihrer Naſe betrachten. Beſſer nichts thun, als Böſes.— Narr, der ich war! Mir das Ver⸗ ſprechen entlocken zu laſſen, mich noch einmal unter die Affengeſichter zu mengen. Welch eine lächerliche Figur werde ich da ſpielen! und gar als Freiwerber! Ha! haJ ha! — Nun, ich habe ſo Manches ertragen; warum ſollt' ich nicht einem Freunde zu Liebe, eine böſe Stunde mehr in den Kalender meines Lebens ſch hreiben?(Ab.) Fünſte Scene. (Zimmer im Schloſſe.) Lotte— Nein, Frau Gräfin, wenn Sie ſich hier auf dem Lande einſperren wo Uelt; ſo bin ich J 6 gehorſame Dienerin. Ich bin nicht für das Landleben' geſchaffen; ich bin in der großen Welt erzogen.(Sie gähnt.) Wahrhaftig, ich habe in den paar Stunden ſchon öfters gegähnt, als in allen Predigten zu⸗ ſammengenommen, die ich in meinem Leben gehört habe. dien an vom 6 nicht + die zu nich trag zulö mir 6 nich 1 Mü ſo e 6 brot Kur hab viel 1 mat und mit 1 kein and 4 eine Pri hör Fro dieuſten bin, das iſt doch iſt Narrheit. gar nicht. itzen Fragen. en Brief zu lich an ihren eſollen nicht t, noch durch einer wüſten nd Pfeil er⸗ inen Winkel Beſſer nichts ir das Ver⸗ U unter die rliche Figur Da! ha! hal um ſollt' ich nde mehr in f dem Lande ienerin. Ich n der großen in den paar redigten zu⸗ gehört habe. Menſchenhaß und Reue. 69 — Unerträglich! nicht einmal ein vernünftiger Kammer⸗ diener, der mir die Cour machte. Und wenn ich vollends an die Madame Müller denke; da möchte ein Mädchen vom Stande ſich die gelbe Sucht an den Hals ärgern. Hechſte Scene. Bittermann. Lotte. Bittermann(der die letzten Worte gehört hat). Ei, ei, warum nicht gar? Wer hat Ihnen Leides gethan, mein ſchönes Kind? Lofte(verächtlich)j, Mir, Herr Bittermann? Ich bin nicht die Perſon, die ſich von irgend jemand in der Welt etwas zu Leide thun läßt. Wenn auch gewiſſe Leute, die ich nicht nennen will, ſich gegen gewiſſe Leute übermüthig be⸗ tragen, denen ſie kaum werth ſind, die Schuhriemen auf⸗ zulöſen; ſo habe ich doch zu viel Erziehung genoſſen, um mir auch nur ein graues Haar deshalb wachſen zu laſſen. Bittermann. Die hochedle Mamſell ſprachen auch vorhin nicht von grauen Haaren, ſondern von der gelben Sucht. Lotte. Nun ja, ich meinte, es wäre Schade, daß Madame Müller, die ſonſt eine ganz erträgliche Figur macht, eine ſo gelbe Haut hat. Gittermann. Lieber Gott! es gibt gelbe, ſchwarze und bronzirte Menſchen in der Welt. Ich habe darüber noch vor Kurzem Briefe vom Vorgebirge der guten Hoffnung ge— habt; und wenn Madame Müller gelb iſt, ſo mag das vielleicht in ihrem Vaterlande ſo gebräuchlich ſein. Loltte. In ihrem Vaterlande? Allerliebſter Herr Bitter⸗ mann! Sie können mir alſo ſagen, wer dieſe Creatur iſt? und ob ſie in Anſehung ihrer Geburt und Herkunft ſich mit gewiſſen Perſonen meſſen darf? Bittermann. Nein, hochedle Mamſell, ich habe darüber keine Briefe, weder aus Europa, noch aus irgend einem andern Welttheile. Lotte. Wenn eine hochgetragene Naſe immer das Zeichen eines vornehmen Standes iſt; wirklich, ſo muß ſie eine Prinzeſſin ſein. gittermann. In der That, wenn man ſie zuweilen reden hört, ſollte man denken, man habe eine hochwohlgeborne Frau Baronin vor ſich. 70 Menſchenhaß und Reue. Lotte. Aber wer iſt Schuld daran, als die hohen Herr⸗ ſchaften ſelbſt? War das auch heute eine Aufführung für einen Grafen? Er tritt kaum in die Thür— ich ſtand auf dem Vorſaal— ſo läuft er auf Madame Müller zu und umarmt ſie, recht als ob ſie ſeines Gleichen wäre. Bittermann. Ja, ja, davon bin ich Zeuge geweſen. Lotte. Eben ſo die Frau Gräfin. Sie ſpeiſet mit den Herrſchaften, ſie geht mit ihnen ſpaziren, und jetzt in dieſem Augenblicke ſitzt ſie mitten unter ihnen am Theetiſche. Bittermann. Leider alles wahr. Lotte. Schickt ſich das für einen Grafen? Bittermann. Ganz und gar nicht. Lotte. Muß ein Graf nicht immer einen gewiſſen Stolz, eine edle Selbſtgenügſamkeit in allen ſeinen Handlungen blicken laſſen, wenn er auch ſonſt nichts auf der Welt wäre als Graf?ꝰ Biltermann. Ei freilich! freilich! Lotte. Eben ſo, als wenn ich, die Tochter eines Hofkut⸗ ſchers, mich mit den Bauern im Dorfe familiariſiren wollte. Bittermann. Bewahre der Himmel! Lolte. Nein, das leide ich durchaus nicht. Morgen früh beim Ankleiden werde ich mit der Gräfin ſprechen. Eine von uns beiden muß das Feld räumen, eutweder ich, oder Madame Müller. Bittermann(wvelcher den Major kommen ſieht). St! Hiebenke Scene Der Major. Die Vorigen. Major(welcher im Hineintreten den Namen der Madame Müller hat nennen hören). War hier nicht die Rede von Madame Müller? Bittermann(in einiger Verlegenheit). Ja, ſo vel quasi. Major. Lotte, ſage Sie meiner Schweſter, ich wünſchte mit ihr zu ſprechen, ſobald der Theetiſch abgeräumt worden. Lotte(ab). Major. Darf man erfahren, was geſprochen wurde? Bittermann. Wir ſprachen ſo hin und her, dieſes und jenes, herüber und hinüber. Major. Bald ſollt' ich vermuthen, es ſtecke ein Geheimniß dahinter. Bitt müßt Grenz Mo zu ne Vit viel alltät jeder darar Welt Man M Schy mehr ¹ eine kein lichn Herr wirk 4 8 er! Bou im fün nich 4 nich 1 trin der hohen Herr— fführung für — ich ſtand ie Müller zu )en wäre. eweſen. iſet mit den und jetzt in im Theetiſche. wiſſen Stolz, Handlungen er Welt wäre ines Hofkut⸗ riſiren wollte. Morgen früh rechen. Eine eder ich, oder dame Müller hat ame Müller? Auasi. ich wünſchte iumt worden. t wurde? „dieſes und in Geheimniß Menſchenhaß und Rer gittermann. Ein Geheimniß? Behüte der Himmel! da müßt' ich Briefe haben. Nein, es bleibt alles in den Grenzen der Publicität. lafor. Um ſo eher darf ich bitten, Theil am Geſpräche zu nehmen. gittermann. Viel Ehre, Hochwohlgeborner Herr Major, viel Ehre! Je nun, wir machten anfänglich einige ganz alltägliche Bemerkungen. Die hochedle Mamſell vermeinte, jeder Menſch habe ſeine Fehler, und da ſagte ich ja. Bald darauf merkte ich an, daß auch der beſte Menſch auf der Welt ſeine kleinen Schwachheiten habe, und da ſagte die Mamſell: ja. Major. Iſt das eine Einleitung in die Fehler und Schwachheiten der Madame Müller, ſo bin ich begierig mehr zu hören. gittermann. Ja, lieber Gott! Madame Müller iſt wohl eine kreuzbrave Frau, aber ſie iſt doch auch noch lange kein Engel. Als einem alten treuen Diener des Hochgräf⸗ lichwinterſeeiſchen Hauſes liegt es mir ob, der gnädigen Herrſchaft allerlei in's Ohr zu raunen, was den Einkünften wirklichen Schaden und Nachtheil bringt. Mafor(uengierig). Nun? gittermann. Der Herr Graf zum Beiſpiel wird denken, er habe da zum wenigſtens noch ein vierzig bis fünfzig Bouteillen von dem alten ſechsundzwanziger Rhein⸗Wein im Keller liegen. Ja proſit die Mahlzeit! Kaum zehn oder fünfzehn mögen noch übrig ſein. Ueber meine Zunge iſt nicht ein Tropfen gekommen, nicht einmal an hohen Feſttagen. Major(dächelnd). Madame Müller wird ihn doch wohl nicht ausgetrunken haben? Bittermann. Sie ſelbſt nun wohl eben nicht; denn ſie trinkt keinen Wein. Aber wenn ein Kranker im Dorfe iſt, der ſich wohl mit einem Schluck Branntwein behelfen könnte, da ſchickt ſie flugs eine Flaſche von dem köſtlichen Sechs⸗ undzwanziger hin. Ich habe ihr verſchiedeutlich und wie⸗ derholentlich Vorſtellungen darüber gemacht; aber ſie ant⸗ wortet mir immer ganz ſchnippiſch:„ich will es ſchon verantworten.“ Major. Ich auch, lieber Herr Bittermann. 2 Menſchenhaß und Reue. Bittermann. In Gottes Namen! mich geht es nichts an. Ich habe dem Keller zwanzig Jahre lang vorgeſtanden; von mir haben die Armen nicht einen Tropfen bekommen.— Und wenn ſie auf der einen Seite verſchwendet, da knau⸗ ſert ſie wieder auf der andern zur unrechten Zeit. Als ich im vergangenen Herbſt einen Brief aus Ungarn erhielt, in welchem man mir die Einnahme von Novi durch den Feldmarſchall Loudon meldete, da wollt' ich, als ein Mit⸗ glied des heiligen römiſchen Reichs, meine Freude an den Tag legen. Ich bat den Herrn Pfarrer und den Herrn Gerichtshalter zu mir, um in Fröhlichkeit des Herzens ein paar Flaſchen alten Wein mit ihnen auszuſtechen.— Den⸗ ken Sie nur, Hochwohlgeborner Herr Major, da ſpeiſ'te ſie mich mit Franken-Wein ab. Major. Unerhört! Bittermanu. Man kann überhaupt gar nicht aus der Frau klug werden. Der Umgang der Frau Paſtorin und der Frau Gerichtshalterin iſt ihr nicht gut genug, und dann ſitzt ſie doch zuweilen wieder mitten unter den Bauerweibern. Wir beide vertragen uns noch ſo ziemlich; denn, unter uns, ſie hat ein Auge auf meinen Peter geworfen. Major. Ei, ei! Bittermann. Ja, der Peter iſt ein vertrackter Junge; er lernt vom Schulmeiſter ſchreiben. Wenn der Hochwohlge— borne Herr Major Belieben tragen, ein Pröbchen zu ſehen; er malt ſeine Buchſtaben, daß es eine Art hat. Major. Ein ander Mal, lieber Herr Bittermann! ein ander Mal. Für jetzt empfehle ich mich Ihnen.(Bittermann verbeugt ſich, ohne zu gehen; der Major blättert in einem Buche, das auf dem Tiſche liegt.) Ich finde da eben ein ſehr intereſſantes Buch. Wirklich, das muß ich leſen; leben Sie wohl! Bittermann(ohne den Wenk zu verſtehen.) Unterthäniger Diener. Alajor. Das iſt zu arg. Herr Verwalter, ich wünſchte allein zu ſein. Bittermann. Der gnädige Herr haben zu befehlen. Wenn Ihnen einmal die Zeit laug werden ſollte, und Sie wünſch⸗ ten die neueſten Neuigkeiten vom ungariſchen Kriegs-Thea⸗ ter zu erfahren, ſo dürfen Sie ſich nur an mich wenden. Ich habe Briefe— es nichts an. geſtanden; von bekommen.— idet, da knau⸗ Zeit. Als ich ngarn erhielt, ovi durch den als ein Mit⸗ Freude an den nd den Herrnu s Herzens ein echen.— Den⸗ r„, da ſpeiſ'te icht aus der Paſtorin und iug, und dann Bauerweibern. un, unter uns, ter Junge; er Hochwohlge— chen zu ſehen; at. termann! ein ten.(Bittermann Buche, das auf intereſſantes ie wohll iniger Diener. ich wünſchte fehlen. Wenn Sie wünſch⸗ Kriegs-Thea⸗ mich wenden. Menſchenhaß und Reue. Mafor. Schon gut. Bittermann(indem er mit vielen Verbeugungen abgeht). Briefe aus dem Banat, Briefe von der türkiſchen Grenze, Briefe aus Rußland, Briefe vom Paſcha von Sqcutari—(Ab.) Major. Unerträglicher Schwätzer!— Doch nein! Sprach er nicht von Madame Müller? Verziehen ſei ihm ſeine politiſche Wuth! Achte Scene. Die Gräfin. Der Major. Gräfin. Wahrhaftig, die Verliebten denken, man hun⸗ gere nicht, man durſte nicht, weil ſie ſelbſt von Roſenduft und Mondſchein leben. Kaum hab' ich ein paar Taſſen Thee hinunter geſchlürft, ſo läßt mich der Herr Bruder ſchon abrufen; und was ſteht zu Befehl? Aajor. Du kannſt noch fragen? Haſt du mit Madame Müller geſprochen? Gräfin. Ja. Major. Nun? Gräfin. Nichts. Major. Nichts? Gräfin. Das heißt, wenn der Herr Bruder nicht bald einen andern Hafen ſucht, ſo wird er bis an's Eude ſeines Lebens auf offener See herum treiben müſſen. Major. Iſt ſie verheirathet? Gräfin. Das weiß ich nicht. Rajor. Iſt ſie nicht von guter Geburt? Gräſfin. Das darf ich nicht ſagen. Klajor. Kann ſie mich etwa nicht leiden? Gräſin. Darauf muß ich dir die Antwort ſchuldig bleiben. Major. So ſo, ich bewundere deine ſchweſterliche Zunei⸗ gung! ſie iſt exemplariſch. Gut, daß ich gleich Anfangs nicht ſehr darauf baute. Gut, daß ich einen Freund wieder fand, der die Frau Schweſter beſchämen wird. Gräfin. Einen Freund? Major. Aufzuwarten. Der Fremde, der dieſen Morgen deinem Manne das Leben gerettet, iſt mein alter Freund. Gräfin. Wie heißt er? Alajor. Das weiß ich nicht. nhaß und Reue. —. Gräſin. Iſt er von guter Geburt? Major. Das darf ich nicht ſagen. Grüſin. Wird er herkommen? Klajor. Darauf muß ich dir die Antwort ſchuldig bleiben. Gräfin. Du biſt unerträglich. ſklajor. Magſt du denn deine eigene Compoſition nicht einmal da Capo hören? Neunte Scene. Der Graf. Eulalia. Die Vorigen. Graf. Zum Henker! denkt ihr denn, ich bin ein Kenokrat, oder ich habe ein paar marmorne Spindelbeine, wie der arme Sultan Uzim Oſchanty? Da laſſen Sie mich immer in Gottes Namen mit Madame Müller allein, und be⸗ denken nicht, daß mein Herz kein Kieſelſtein iſt. Ich ſage es Ihnen, Frau Gemahlin, wenn es noch einmal geſchieht, ſo habe ich meine Liebeserklärung ſchon in petto. Gräſin. Vermuthlich von Ihrem Kammerdiener entworfen. Graf. Nein, Madame, aus einem von Ihnen aufgefan⸗ genen Liebesbriefchen entlehnt. Gräſin. Alſo doch immer geborgt? Graf. Nicht doch! Alte einkaſſirte Schuld, abgeſchrieben von einem Billet-doux, das Sie vor ſechs Jahren von mir erhielten. Gräfin. Wie ökonomiſch! und das wollen Sie nun zum zweiten Male brauchen? Wiſſen Sie denn nichts Neues zu ſagen? Graf. Sie haben mich erſchöpft, Madame. Gräfin. Ein trauriges Bekenntniß in Gegenwart Ihrer neuen Geliebten! Graf(komiſch). Verdammtes Weib! Ich komme nicht gegen ſie auf.— Herr Schwager, wie ſteht's? wird der Fremde kommen? Major. Ich erwarte ihn jeden Augenblick. Graf. Das iſt mir lieb. Wieder eine Geſellſchaft mehr! Auf dem Lande kann man deren nicht zu viel haben. Major. Durch dieſen Fremden wird unſer Zirkel eben nicht erweitert werden. Er reiſet morgen ab. Graf. Das ſoll er wohl bleiben laſſen. Nun, Frau Gri kein iſt hat wer zu Ge Wi Un nic ha ldig bleiben. oſition nicht in Kenokrat, ie, wie der mich immer n, und be⸗ . Ich ſage 'al geſchieht, tto. rentworfen. u aufgefan⸗ bgeſchrieben zahren von e nun zum 8 8 Neues zu wart Ihrer nicht gegen der Fremde chaft mehr! haben. Zirkel eben NLun, Frau Gräfin, keine Kunſt, ſich an einem Ehemann iſt ſchon abgeſchliffen; hat ſcharfe Ecken. Da verſuchen S 75 Menſchenhaß und Reue. nun einmal alle Ihre Reize aufgeboten! Es iſt zu reiben, der iſt aber ſo ein fremder Sonderling, der ie Ihr Heil. Gräfin. Wahrhaftig, die Eroberung wäre ſchon der Mühe werth. Aber was Madame Müller in vier Monaten nicht zu Stande gebracht. wird mir nie gelingen. Eulalia(ſcherzend). Doch, gnädige Frau. Er hat mir nie Gelegenheit gegeben, meine Reize auf ihn wirken zu laſſen. Wir haben in dieſen vier Monaten einen ſehr geiſtigen Umgang mit einander gehabt; denn wir haben uns auch nicht ein einziges Mal geſehen. Graf. Er iſt ein Narr, und Bittermann(tritt berein.) Der fremd haben aufzuwarten. Graf. Herzlich willkommen! Immer herein! Zehnte Scene. Der Unbekannte. Die Vorigen. Unbekannuter(kritt mit einer ernſthaften Verbeugung in das Zimmer). Graf(gebt mit offenen Armen auf ihn zu). Eul. lerblickt ihn, ſtößt einen lauten Schrei aus, und fällt in Ohnmacht). Unbekannter(wirft einen Blick auf ſie; Schrecken und Staunen in ſeinen Geberden, rennt er ſchleunig zur Thür hinaus). Graf(ſteyt ihm woll Verwunderung nach). Gräſin und der Major(beſchäftigen ſich um Eulalien). Sie ſind ein Närrchen. e Herr will die Ehre Fünfter Act. (Zimmer im Schloſſe). Erſte Scene. Der Graf(allein, geht herum, und ſchlägt Fliegen todt). Ehemals zog ich gegen Menſchen zu Felde, und nun gegen Fliegen. Beide ſind impertinentes Geſchmeiß. Den heutigen Feldzug eröffne ich blos aus langer Weile, wie es die großen Herren gewöhnlich zu machen pflegen, wenn ſie nichts Beſſeres zu thun wiſſen.— Kaiſer Domitian U CCCCCCC. 76 Menſchenhaß und Reue. ſch lug Fliegen todt ſo gut als ich; darüber lacht die ganze Wel t: aber daß Kaiſer Karl der Große Menſchen todt ſchlug wie Fliegen, weil ſie nicht beten wollten wie er; darüber lacht niemand: und es iſt doch, bei Gott! ſehr lächerlich. — Guter Domitian! deine Aſche ruhet in Frieden; die Seelen der ermordeten Fliegen laſſen dich ungehudelt. Selig iſt der Kaiſer, der fein zu Hauſe bleibt und Fliegen todt ſchlägt. Zbbeile Scene. Bittermann. Der Graf. Bittermann. Ich hab' die Ehre, Eurer Hochgräflichen Ex⸗ cellenz zu melden, daß die Tafel ſervirt iſt. Graf. Womit iſt die Tafel ſervirt? Bittermann. Für's Erſte ſind da delicate junge H ihner und zuckerſüße junge Erbſen. Alsdann ein Hecht, ſo laug als ein Wallfiſch, ein gebratener Kapaun, ſo zart als ein Milchbrei, und Krebſe, ſo groß als die Schildkröten. Graf, Lieber Bittermann, wenn Er auch noch zwanzig der ſchmackhafteſten Schüſſeln auf die Tafel ſetzt, ſo wird Er mei⸗ nen Appetit doch nicht eher rege machen, als bis Er die Tafel auch mit einigen Menſchen ſervirt. Allein ſchlafen kann ich zur Noth; aber allein eſſen iſt mir unmöglich. Je mehr Menſchen um mich her ſitzen, je voller ſie die Backen ſtopfen, je begieriger ſie einhauen, deſto beſſer ſchmeckt es mir ſelbſt. Bittermann. Da könnte ich Eurer Hochgräflichen Excellenz meinen Peter recommandiren; der frißt, als wollt' er die Schüſſeln zuſammt den Speiſen verſchlingen. Graf. Wo bleibt denn meine werthe Hausgenoſſenſchaft? — Liegt Madame Müller noch in Ohnmacht? Bittermann. So viel ich im Vorbeigehen am Schlüſſel⸗ loch erlauſchen konnte, iſt ſie nunmehr wieder zu ſich ſelbſt gekommen. Iſt das nicht ein geziertes, geſchraubtes, ge⸗ drechſeltes Weſen mit ſo einem verlaufenen Dämchen! Da wurde nach Hirſchhorn geſchickt, nach Riech⸗Spiritus, nach weißem Pulver; die arme hochedle Mamſell Lotte läuft Treppe auf, Treppe nieder, daß ſie ihre allerliebſten Bein⸗ chen kaum mehr fühlt. Ein paar Kannen kaltes Waſſer über den Kopf gegoſſen, das iſt das kräfligſte Mittel gegen alle Oh Frau 0 die ſind ob das hohen! Graf Bilte ein alt hat, 0 das U. halb ſe Graf Bitte das F ſchrieb keiner Gra guten Bitt Gra dame müſſet Nachr Bitl mir d ben? ten egypt Ruhr im ti reſpo eigen Mit der richtt G¹ die die ganze todt ſchlug darüber ächerlich. ieden; die ngehudelt. id Fliegen ichen Ex⸗ e Hühner ſo laug t als ein ten. anzig der Er mei⸗ die Tafel kann ich Je mehr f ſtopfen, ir ſelbſt. Excellenz t' er die enſchaft? ſchlüſſel⸗ ich ſelbſt tes, ge⸗ ſen! Da 18, nach te läuft n Bein⸗ Waſſer elgegen 7 Menſchenhaß und Neue. Ich wundere mich nur über die gnädige er den Hochwohlgebornen Hern Major; ängſtlich um ſie her beſchäftigt, als chen zu Eurer Hochgräflichen Excellenz alle Ohumachten. Frau Gräfin und üib die ſind ſo emſig und ob das Frauenzimmer hohen Familie gehörte. Graf(lächelnd). Wer weiß! gittermann. Bei meiner armen Seele! ich glaube, wenn ein alter treuer Diener, der ſeit zwanzig Jahren die Ehre hat, Eurer Hochgräflichen Excellenz aufzuwarten, einmal das Unglück bätte, in Ohnmacht zu fallen, es würde nicht halb ſo viel Lärm entſtehen. Graf. Das glaub' ich beinahe ſelbſt. gittermann. Und, lieber Gott! niemand weiß doch, wer das Frauenzimmer iſt. Ich habe Briefe über Briefe ge⸗ ſchrieben, ich habe Antworten über Antworten erhalten; keiner meiner Correſpondenten kann mir Auskunft geben. Graf. Weiß Er was, Bittermann 9 da will ich Ihm einen guten Rath ertheilen. Bittermaun(ſehr begierig). Ich bin ganz Ohr. Graf. Ich ſchließe aus dem heutigen Vorfall, daß Ma⸗ dame Müller und der Fremde ſich ziemlich genau kennen müſſen. Wenn Er alſo nur von dem Fremden nähere Nachricht einziehen könnte! Bittermann Gvehmüthig). Ach, theurer Herr Graf, habe ich mir denn nicht ſchon die unſäglichſte Mühe deshalb gege⸗ ben? Seit vier Monaten iſt all' mein Dichten und Trach⸗ ten auf dieſen wichtigen Gegenſtand gelenkt; aber da iſt egyptiſche Finſterniß, undurchdringlicher Nebel. Und ohne Ruhm zu melden, was ich nicht zu Tage fördere, das muß im tiefſten Schacht vergraben liegen. Ich habe meine Cor⸗ reſpondeuten weit und breit, und dann babe ich ſo meine eigene Manier, ein Geheimniß unter die Leute zu bringen. Mit meinen Briefen in der Taſche halte ich die Leute auf der Straße an, ich leſe ſie in der Kanzlei des Herrn Ge⸗ richtshalters vor, ich publicire ſie in der Kirche— Graf. Ja, ja, und wenn Er keine Briefe bekommt, ſo ſchmiedet Er ſie ſelbſt. giltermann. Auch wohl mitunter, Eure Hochgräfliche Ex⸗ cellenz. Die Correſpondenten ſind zuweilen ſaumſelig. Menſchenhaß und Reue⸗ Dritte Scene. Der Major. Die Vorigen. Graf(ihm entgegen). Nun, endlich kommt doch einer, der die Krebſe wird verzehren helfen, die ſo groß ſind als die Schildkröten.— Aber mein Himmel, f ein O.Jemi⸗ nesgeſicht! Kommen Sie, Herr Schwager, ein Glas Bur⸗ gunder auf den Schrecken! Major. Verzeihen Sie! ich habe weder Hunger noch Durſt. Graf. Ohrei Sie! unter allen Dingen auf der Welt verzeihe ich das gerade am wenigſten, wenn man in meinem Hauſe nicht luſtig und froh iſt. Wenn ich ein König wäre, ich würde meine Unterthanen glücklich machen, ſo viel in meinen Kräften ſtünde; wen ich aber nicht glücklich machen könnte, der müßte über die Grenze. Algjor. Alſo würden Sie die Menſchen nur glücklich machen, um keine traurigen Geſichter um ſich her zu ſehen? Graf. Allerdings. Major. Ein ſehr egoiſtiſcher Grundſatz. Graf. Ach, lieber Herr Bruder! Egoiſten ſind wir alle; der eine mehr, der andere weniger! Der eine läßt ſeinen Egoismus nackend laufen, der andere hängt ihm ein Män⸗ telchen um. Major. Daß ich jetzt nicht geſtimmt bin, mit Ihnen darüber zu diſputiren! Graf. Auf ein anderes Mal, bei einer Pfeife Tabak! — Apropos! was macht Madame Müller? Major. Apropos? ein allerliebſtes Apropos! Graf. Nun dann, ohne Apropos! Major. Sie hat ſich erholt. Graf. Wird ſie zum Eſſen kommen? Major. Nein. Graf. Meine Frau auch nicht? Major. Ich zweifle. Graf. Nun ſo hol' euch alle der Henker! Komm Er, Bittermann, Er ſoll mir bei Tiſche ein paar von ſeinen Briefen vorleſen. Bittermann. Mit dem größten Vergnügen, Eure Hoch gräfliche Excellenz.(Graf und Bittermann ab.) Ma Hoffn: die Ar Armen deines zänker eben aber wiede trenn lunge Klein 6 E; mich allei Er lich E ſchie 4 mei zun wa zuf chr ver Bu ni. gä ier, der als die D⸗Jemi⸗ is Bur⸗ h Durſt. r Welt meinem ig wäre, viel in machen glücklich ſehen? ir alle; t ſeinen 7s Man⸗ Ihnen Tabak! im Er, ſeinen eHoch⸗ Menſchenhaß und Reue. 79 O die täuſchende Hoffnung!— Wolkenbild von ſeliger Zukunft! ich breite die Arme nach dir aus— und du zerfließeſt in Luft.— Armer Horſt! die Räthſel ſind gelöſet. Sie iſt das Weib deines Freundes.— Wohlan! nicht durch trockene Wort⸗ zänkerei, durch That will ich widerlegen, was der Graf da eben herdeclamirte. Ich kann nicht ſelbſt glücklich ſein; Ueicht in meiner Macht, zwei ſchöne Seelen die des Schickſals tückiſche Laune ter jammern über miß⸗ Thätigkeit den Major(einige Augenblicke vor ſich hinſtarrend). aber es ſteht vie wieder zu vereinigen, trennte.— Auf, Horſt! kleine Geif lungene Pläne; ein Mann erſtickt in edler Kleinmuth, der ihn zu Boden drücken will. Vierle Scene Die Gräſin. Eulalia. Der Major. Gräfin. In den Garten, liebe Freundin, in die friſche Luft! Eulalia. Mir iſt recht wohl.— Wenn Sie ſich nur um mich nicht beunruhigten;(ittend) wenn Sie mich lieber ganz allein ließen!— Aajor. Nicht doch, gnädige Frau, die Zeit iſt koſtbar. Er will fort, morgen ſchon. Laſſen Sie uns gemeinſchaft⸗ lich auf Mittel denken, Sie mit Ihrem Gemahl auszuſöhnen. Enlalia. Wie, Herr Major? Sie ſcheinen mit meiner Ge⸗ ſchichte bekaunt zu ſein. Alajor. Das bin ich. Meinau iſt mein Freund ſeit meinen erſten Jugendjahren; wir haben vom Cadet bis zum Hauptmann mit einander gedient. Seit ſieben Jahren waren wir getrennt; der Zufall führte uns heute wieder zuſammen, und ſein Herz ſchloß ſich mir auf. Enlalia. Nun fühl' ich, was es heißt: den Blick eines ehrlichen Mannes nicht ertragen zu können!— O, Gräfin! verbergen Sie mich vor mir ſelbſt!(Sie verbirgt ihr Geſicht am Buſen der Gräfin.) Major. Wenn ungeheuchelte Reue, ein Leben ohne Tadel, nicht einmal Anſpruch auf Verzeihung der Menſchen gäben; was hätten wir denn einſt vor Gott zu hoffen? — Nein! Sie haben genug gebüßt. Der ſchlummernden Tugend entriß das Laſter auf einen Augenblick die Herr⸗ ſchaft in ihrem Herzen. Die erwachte Tugend bedurfte 80 Menſchenhaß und Reue. nur eines Blicks, um es für ewig daraus zu verſcheuchen. — Ich kenne meinen Freund. Er denkt ſtark wie ein Mann, und fühlt fein wie eine Frau. Ich eile zu ihm, Madame, als ihr Geſchäftsträger.— Mit dem Feuer der Freundſchaft will ich das Werk beginnen, damit ich, wenn ich einſt auf den Lauf meines Lebens zurück blicke, ver⸗ weilen könne bei einer guten That, die mir Zufriedenheit im Alter gewähre.— Auf fröhliches Wiederſehen!(er will gehen.) Eulalia. Was wollen Sie thun, Herr Major?— Nein, nimmermehr!— Die Ehre meines Gemahls iſt mir heilig. Ich liebe ihn unausſprechlich; aber ich kann nie wieder ſeine Gemahlin werden, ſelbſt wenn er großmüthig genug wäre, mir verzeihen zu wollen. Major. Iſt das Ernſt, gnädige Frau? Eulalia. Nicht dieſe Beuennung; ich bitte Sie. Ich bin kein Kind, das ſich der Strafe entziehen will. Was wäre meine Reue, wenn ich einen andern Vortheil dadurch zu erlangen hoffte, als den eines minder tobenden Gewiſſens? Grufin. Aber wenn nun Ihr Gemahl ſelbſt— Eulalia. Das wird er nicht, das kann er nicht. Major. Aber er liebt Sie noch. Eulalia. Nun ſo muß er nicht! er muß ſein Herz von einer Schwachheit losreißen, die ihn entehrt. Major. Unbegreifliche Frau! Sie haben mir alſo gar keinen Auftrag zu ertheilen? Eulalia. Doch, Herr Major. Ich habe zwei Bitten, deren Erfüllung mir ſehr am Herzen liegt. Oft, wenn ich im Uebermaß meines Kummers an jedem Troſt verzweifelte, kam es mir vor, als würd' ich dann ruhiger ſein, wenn das Schickſal mir den Wunſch gewährte, meinen Gemahl nur noch ein einziges Mal zu ſehen, ihm mein Unrecht zu bekennen, und dann auf ewig von ihm zu ſcheiden.— Das alſo meine erſte Bitte. Eine Unterredung von wenigen Minuten, wenn er meinen Anblick nicht verabſcheuet. Aber daß er ja nicht wähne, ich wolle auch nur den mindeſten Verſuch machen, ſeine Verzeihung zu erhalten. Daß er ja überzeugt ſei, ich wolle meine Ehre nicht auf Koſten der ſeinigen wieder herſtellen.— Meine zweite Bitte iſt— um Nachricht von meinen Kindern. Major. ihn vermö Ihr Verla Gräfin. Eulalia. Major( Gräfin. Schatten rück kehrt. Eulalia Herzen dr — Hier dort die theure Gi durchlebt; wandeln Wangen Gräſin. das Alter Wege eile wird ball zerſtreuet. Eulalia ſpiel für Gräfin menden? (Die Bühr Unter dürfen n Aber die ſchwerer, antworte ſtellt? w gerlichen ihm antſ heuchen. wie ein zu ihm, uer der „w]enn e, ver⸗ heit im ll gehen.) Nein, heilig. wieder genug Ich bin S wäre urch zu iſſens? erz von ſo gar Bitten, enn ich veifelte, wenn Hemahl Unrecht den.— venigen Aber indeſten ß er ja ten der iſt— Menſchenhaß und Reue 8 Major. Wenn Menſchlichkeit und Freundſchaft etwas über ihn vermögen, ſo wird er keinen Augenblick anſtehen, in Ihr Verlangen zu willigen.(Mit einer Verbeugung.) Ich eile— Gräſin. Gott ſei mit dir! Eulalia. Und mein Gebet! Major(ab). Gräfin. Ihm nach, liebe Freundin! Einen Gang im Schatten der Linden, bis er mit Hoffnung und Troſt zu⸗ rück kehrt. Eulalia(vor ſich binſtarrend). Wie ſich das in meinem armen Herzen durchkreuzt! Hier mein Gemahl, dort meine Kinder. —Hier entflohene Freuden und Schrecken der Zukunft— dort die mütterliche Wonne des Wiederſehens.— Ach! theure Gräfin! es gibt Augenblicke, in welchen man Jahre durchlebt; Augenblicke, welche ſchwarzes Haar in Grau zu wandeln vermögen, und tiefe Runzeln auf jugendliche Wangen furchen. Gräſin. Das heißt: der Kummer zerſtört mächtiger als das Alter. Aber ſolchen Augenblicken muß man aus dem Wege eilen. Fort! hinunter in den Lindengang! die Sonne wird bald untergehen. Ein ſolches Schauſpiel der Natur zerſtreuet. Eulalia. Recht! die untergehende Sonne iſt ein Schau⸗ ſpiel für einen Unglücklichen. Gräſin(indem ſie, von Eulalien begleitet, abgeht). Der des kom⸗ menden Morgens nie dabei vergeſſen darf. Glb⸗ Jünſle Scene. (Die Bühne verwandelt ſich wieder in den Platz vor Meinaus Wohnung.) Der Major(allein). Unter Sonne und Mond iſt nur ein ſolches Paar. Sie dürfen nicht getreunt werden; er muß ihr verzeihen.— Aber die Rolle, die ich zu ſpielen übernommen habe, iſt ſchwerer, als ich Anfangs dachte. Was werd' ich ihm antworten, wenn er mir das Phantom der Ehre eutgegen ſtellt? wenn er mich fragt, ob ich ihn zum Spott der bür⸗ gerlichen Geſellſchaft herabwürdigen will? was werd' ich zihm aatworten gegen meine eigene, beſſere Ueberzeugung? 6 82 Menſchenhaß und Reue. 4 Denn bei Gott! er hat Recht. Ein ehebrecheriſches Weil iſt ein Schandfleck ihres Geſchlechts, und ihr verzeihen heißt ihre Schande theilen. Wenn auch ein Weib, wi Eulalia, hier eine Ausnahme macht, ein fünfzehnjähriges verführtes Geſchöpf, das ſo lange, ſo ſtrenge, ſo aufrichtiß büßte, ſo kehrte ſich doch die Welt nicht daran.— Di Welt? Nun, die muß er fliehen; der muß er auf imme entſagen. Eulalia gewährt zehnfachen Erſatz für ſie. Si herrſcht noch in ſeinem Herzen, und auf dieſe Herrſchaß gründ' ich den glücklichen Ausgang meines Unternehmens Hechſte Scene. Franz(mit den beiden Kindern) Wilhelm und Malchen. Der Major, Wilhelm. Ich bin müde. Malchen. Ich auch. Wilhelm. Haben wir noch weit bis nach Hauſe? Franz. Nein, wir ſind gleich da. Major. Halt! was ſind das für Kinder? Franz. Die Kinder meines Herrn. Wilhelm. Iſt das der Papa? Aajor. Wie ein Blitzſtrahl fährt es mir durch den Kop — Ein Wort, Alter! Ich weiß, du liebſt deinen Herri Hier ſind wunderliche Dinge vorgefallen. Franz. Zum Exempel? Major. Dein Herr hat ſeine Frau wieder gefunden. Franz. So? das iſt mir lieb. Major. Madame Müller. Franz. Iſt die ſeine Frau? Das iſt mir noch lieber. Major. Aber er will ſich von ihr trennen. Franz. O wehe! Allajor. Man muß das zu hindern ſuchen. Franz. Ei freilich. Major. Der unvermuthete Anblick der Kinder könnte den Dinge vielleicht noch eine andere Wendung geben. Franz. Wie das? Major. Nimm die Kleinen, und verbirg dich mit ihne vort in der Hütte. Ehe eine Viertelſtunde verläuft, ſoll du mehr erfahren. Franz. Aber— Maj iſt koſtl Frat Komm Ma kleinen durchz der Ki Ma Unb Ma Unb mals Ma eben Unl meine Ma Abgeo zu ſti dich 1 Verze mit e Un Me ches! Un zuſan wußt M. Male Höre ganz große Desh riſches Weil yr verzeihen Weib, wi zehnjähriges ſo aufrichtiz ran.— Di rauf imme⸗ ir ſie. Si ſe Herrſchaf nternehmens Der Major. uſe?ꝰ rch den Kopf deinen Herrn gefunden. och lieber. er könnte den geben. ich mit ihne verläuft, ſoll Menſchenhaß und Reue. Major. Ich bitte dich, Alter, frage nicht viel; die Zeit iſt koſtbar. Franz. Nun, nun, fragen iſt ſo eben meine Sache nicht. Kommt, Kinder!(eEr geht mit ihnen in die Hütte.) Aajor. Herrlich! Ich verſpreche mir viel von dieſem kleinen Kunſtgriff. Wo der ſanfte Blick der Mutter nicht durchzudringen vermag, da wird das unſchuldige Lächeln der Kinder den Weg zu ſeinem Herzen finden. Hiebenke Scene. Der Unbekannte. Der Major. Major(ihm entgegen). Ich wünſche dir Glück, Meinau. Unbekannter. Wozu? Major. Du haſt ſie wieder gefunden. Unbekannler. Zeig' einem Bettler den Schatz, den er ehe⸗ mals beſaß, und nenn' ihn glücklich! Wie albern! Major. Warum nicht? wenn es nur an ihm liegt, wieder eben ſo reich zu ſein als ehemals. Unbekannter. Ich verſtehe. Du biſt ein Abgeordneter meiner Frau. Daraus wird nichts. Major. Lerne deine Frau beſſer kennen! Ja, ich bin ein Abgeordneter von ihr; doch ohne alle Vollmacht, Frieden zu ſtiften. Sie, die dich unausſprechlich liebt, die ohne dich nie glücklich ſein kann und wird; ſie entſagt deiner Verzeihung, weil— ſo drückte ſie ſich aus— deine Ehre mit einer ſolchen Schwachheit nicht vereinbar ſei. Unbekaunter. Poſſen! mich fängt man nicht. Alajor. Meinau, beſinne dich wohl! Sie iſt ein herrli⸗ ches Weib. Unbekannter. Soll ich dir ſagen, Bruder, wie das alles zuſammenhängt? Seit vier Monaten wohne ich hier; das wußte Eulalia— 8 Major. Das wußte ſie? Sie ſah dich heute zum erſten Male. Unbekannter. Das mag ſie einem Narren weiß machen. Höre nur weiter! Sie wußte ferner recht gut, daß ich kein ganz gewöhnlicher Schlag von Menſchen bin, daß auf der großen Heerſtraße meineim Herzen nicht beizukommen iſt. Deshalb legte ſie einen ſeinen, tiefverſteckten Plan an. 6* — ECC 84 Menſchenhaß und Reue Sie ſpielte die Wohlthätige; doch ſo, daß ich es jedesmal erfahren mußte. Sie ſpielte die Fromme, die Sittſame, die Eingezogene, um meine Neugier rege zu machen. Und endlich heute ſpielt ſie die Spröde! ſie ſchlägt meine Ver⸗ zeihung aus, um mir durch dieſen künſtlichen Edelmuth meine Verzeihung zu entlocken. Major. Meinau, ich habe dir mit Verwunderung zuge⸗ hört. Vergib mir; nur einem Menſchen, der ſo oft in der Welt betrogen wurde, verzeiht man ſolchen Unſinn. Schade, daß das ganze ſcharfſinnige Gebäude durch einen Hauch über den Haufen fällt. Deine Frau hat ſich aus⸗ drücklich und ſtandhaft erklärt, ſie werde deine Verzeihung nie annehmen: auch dann nicht, wenn du ſelbſt ſchwach ge⸗ nug ſein könnteſt, die Ehre der Liebe aufzuopfern. Wozu denn alſo der tief verſteckte Plan? Wahrlich, Bruder! ſolche Maſchinerie kann nur der Kopf eines Menſchenfeindes argwohnen. Unbekannter, So ſag' mir's doch, warum biſt du denn eigentlich hier? Major. Aus mehr als aus einer Urſache. Zuerſt in meinem eigenen Namen, als der Freund meines alten Kriegs-Kameraden, dich feierlich zu beſchwören, dies Weib nicht von dir zu ſtoßen; denn, bei Gottl du findeſt ihres Gleichen nicht wieder. Aubekaunter, Gib dir keine Mühe! Mlajor. Aufrichtig, Meinau, du liebſt ſie noch. Unbekannter. Leider ja! Major. Ihre ungeheuchelte Reue hat ihre Schuld längſt getilgt. Was hält dich ab, wieder ſo glücklich zu ſein, als du einſt warſt? Unbekannter. Ein Weib, das fähig war, einmal die eheliche Treue zu verletzen, iſt es auch zum zweiten Male. Malor. Nicht ſo Eulalia. Vergib mir, Bruder, wenn ich den größten Theil ihrer Schuld auf dich ſelbſt zurückſchiebe. Unbekannter. Auf mich?ꝰ Alafor. Auf dich. Wer hieß dich, ein junges, unerzo⸗ genes Mädchen heirathen? Von einem Manne von fünf und zwanzig Jahren fordert man kaum feſte Grundſätze; und du ſuchteſt dergleichen bei einem weiblichen Geſchöpfe von vi fehlt, ſich ſo leumdt keinen Unb denn doch n Das! all da träte, hohnl' mich; Teufel Ma wird koſten war, ſein g Unl macht verſche Wort Ma erfüllt Sie b rakten Un Schn M. jedesmal Sittſame, hen. Und ieine Ver⸗ Edelmuth ung zuge⸗ ſo oft in n Unſinn. urch einen ſich aus⸗ zerzeihung hwach ge— n. Wozu der! ſolche henfeinded du denn Zuerſt in nes alten dies Weib deſt ihres ild längſt ſein, als mal die tſen Male. wenn ich ückſchiebe. „unerzo⸗ von fünf undſätze; Geſchöpfe Menſchenhaß und Reue. 85 von vierzehn Jahren? Doch das bei Seite. Sie hat ge⸗ fehlt, ſie hat gebüßt, und in einer Zeit von drei Jahren ſich ſo untadelig betragen, daß auch die ſchwärzeſte Ver⸗ leumdung durch ihr vergrößerndes Sehrohr in dieſer Sonne keinen Flecken entdecken würde. Unbekannter. Und wenn ich auch das alles glaube— denn ich geſtehe dir, ich glaube es gern— ſo kann ſie doch nie wieder die Meinige werden.(Bitter.) Ha! hal ha! Das wäre ein Schmaus für die geſchminkten Weiber und all das fade Hofvolk, wenn ich ſo wieder mitten unter ſie träte, mit meinem verlaufenen Weibe am Arme. Wie ſie hohnlächeln, ſich in die Ohren wiſpern, mit Fingern auf mich zeigen würden. O, das wäre ein Schauſpiel, um des Teufels zu werden! Aajor. Nun, jenem abgeſchmackten Zirkel zu entſagen, wird doch wohl meinem Freunde Meinau keinen Seufzer koſten? Ich denke, wer drei Jahre lang ſich ſelbſt genug war, der kann in Eulaliens Armen kühn der Einſamkeit ſein ganzes Leben weihen. Unbekannter. Ich begreife. Ihr habt ein Complott ge⸗ macht, habt euch mit meinem Herzen gegen meinen Kopf verſchworen; aber vergebens! Ich bitte dich, Bruder, kein Wort weiter! oder ich gehe. Major. Wohlan, ſo hab' ich als Freund meine Pflicht erfüllt. Jetzt erſcheine ich als Abgeordneter deines Weibes. Sie bittet dich um eine letzte Unterredung; ſie will Ab⸗ ſchied von dir nehmen. Dieſen Troſt kannſt du ihr nicht verſagen. Unbekannter. O, ich verſtehe auch das. Sie ſchmeichelt ſich mit dem Gedanken, meine Standhaftigkeit werde von ihren Thränen hinweg ſchmelzen; aber ſie irrt ſich; ſie mag kommen! Major. Und dich fühlen laſſen, wie ſehr du ihren Cha⸗ rakter verkennſt. Ich hole ſie.(Will gehen.) Unbekannter. Noch Eins, Horſt. Hier, gib ihr Schmuck! Er gehört ihr zu. AMlajor. Das magſt du ſelbſt thun.(Ab.) dieſen Menſchenhaß und Reue, Achle Scene. Der Unbekannte(allein.) Nun, Meinau, der letzte glückliche Augenblick deines Le⸗ bens naht heran. Du wirſt noch einmal ſie ſehen; ſie, au der deine ganze Seele hängt. O, daß ich ihr nicht entge⸗ gen fliegen, an dies klopfende Herz ſie drücken darf!— Pfui! iſt das die Sprache des beleidigten Gatten? Ach, ich fühle es: das Hirngeſpinnſt, das wir Ehre nennen, iſt nur in unſerm Kopfe, nicht in unſerm Herzen.— Standhaft! es darf nun einmal nicht anders fein.— Ernſt will ich mit ihr reden; aber ſanft.— Hüte dich, daß kein Vorwurf deinem Mund entwiſche! Ja, ihre Reue iſt wahrhaftig; mein argwöhniſches Gehirn mag dagegen einwenden, was es will.— Nun, ſo ſoll wenigſtens ihr Schickſal erträglich ſein. Sie ſoll nicht dienen dürfen, um des Bischen täg⸗ lichen Brodes willen. Sie ſoll unabhängig leben, und noch ſo viel übrig behalten, ihren wohlthätigen Hang zu befriedigen. Er blickt um ſich und fährt zuſammen.) Ha! Sie kom⸗ men! Beleidigter Stolz, erwache! Gekränkte Ehre, ſchütze mich! Neunte Scene. Der Unbekannte. Eulalia. Die Gräfin. Der Major. Eulalia(welche langſam und bebend herbei ſchwankt, zu der Gräfin, welche ſie unterſtützen will). Laſſen Sie mich, gnädige Frau! Ich hatte einſt Stärke genug zu fündigen; Gott wird mir heute Kraft verleihen zu büßen.(Sie naht ſich dem Unbekannten, welcher mit weggewandtem Geſichte in großer Bewegung ihre Anrede erwartet.) Herr Oberſt— Uubekannter(mit ſanſter zitternder Stimme und ſtets abgewandtem Geſichte), Was willſt du von mir? Eulalia? Eulalia(ſehr erſchüttert) Nein— um Gottes Willen!— darauf war ich nicht vorbereitet.— O, dieſer Ton ſchneidet mir durch's Herz! Dieſes Du— dieſes vertrauliche Du — nein!— um Gotteswillen!— großmüthiger Mann! einen rauhen, harten Ton für das Ohr der Verbrecherin! Anbekannter(ſucht ſeiner Stimme mehr Feſtigkeit zu geben). Nun, Madame— Eulalie Sie ſich Unbek Wange, würfe ſchont J Eulali dieſes reuige 2 mich ga Herold für mic wälzt v Unbel und er ſelbſt ei auf ewi Eulal zeihung nung i welche ken hes ich zu zu hör Uube — De Freude Eule ich Ih Jahre iſt no ben— zu we gen d Papie ches 2 Uun nichte geher⸗ deines Le⸗ n; ſie, an icht entge⸗ darf!— 9 Ach, ich n, iſt nur ptandhaft! ſt will ich Vorwurf ahrhaftig; iden, was erträglich schen täg⸗ ben, und Hang zu Sie kom⸗ jütze michl jor. der Gräfin, rau! Ich mir heute iten, welcher erwartet.) bgewandtem illen!— ſchneidet iliche Du Mann! brecherin! n). Nun, Menſchenhaß und Neue. Eulalia. Ach! wenn Sie mein Herz erleichtern, wenn Sie ſich herablaſſen wollten, mir Vorwürfe zu machen— Unbekannter. Vorwürfe? Hier ſtehen ſie auf meiner blaſſen Wange, hier in meinem eingefallenen Auge: dieſe Vor⸗ würfe konnt' ich Ihnen nicht erſparen— mein Mund ſchont Ihres Elends. Eulalia. Wär' ich eine verhärtete Verbrecherin, ſo würde dieſes Schweigen mir Wohlthat ſein; aber ich bin eine reuige Büßende, und dieſes edelmüthige Schweigen drückt mich ganz zu Boden.— Ach! ſo muß ich denn ſelbſt der Herold meiner Schande werden! Denn wo wäre Ruhe für mich, ehe dies Bekeuntniß von meinem Herzen abge— wälzt worden? Unbekaunter. Kein Bekenntniß, Madame! Ich weiß Alles, und erlaſſe Ihnen jede Demüthigung. Doch werden Sie ſelbſt einſehen, daß nach dem, was vorgefallen iſt, wir uns auf ewig trennen müſſen. Enlalia. Ich weiß es. Auch kam ich nicht hieher, Ver⸗ zeihung zu erflehen; auch regte ſich nicht die leiſeſte Hoff⸗ nung in mir, Verzeihung zu erhalten. Es gibt Verbrechen, welche doppelt ſchänden, wenn man auch nur den Gedan⸗ ken hegen kann, ſie jemals ganz auszulöſchen. Alles, was ich zu hoffen wage, iſt: die Verſicherung aus Ihrem Munde zu hören, daß Sie meinem Andenken nicht fluchen wollen. Unbekaunter(weich). Nein, Eulalia, ich fluche dir nicht. — Deine Liebe hat mir in beſſern Tagen ſo manche ſüße Freude gewährt.— Nein, ich werde dir nie fluchen! Eulalia(in großer Bewegung). Mit dem innigen Gefühl, daß ich Ihres Namens unwerth bin, hab' ich ſchon ſeit drei Jahren einen andern, unbekannten getragen.— Aber das iſt noch nicht genug.— Sie müſſen einen Scheidebrief ha⸗ ben— der Sie in den Stand ſetzt, eine würdigere Gattin zu wählen— in deren Armen Gott ſeinen mildeſten Se⸗ gen auf Sie herabſchütten wolle!— Dazu wird dieſes Papier Ihnen nothwendig ſein!— es enthält ein ſchriftli⸗ ches Bekenntniß meiner Verbrechen.(Sie reicht es ihm zitternd dar.) Uunbekannter(nimmt es und zerreißt es). Es ſei auf ewig ver⸗ nichtet! Nein, Eulalia! Du allein haſt in meinem Herzen geherrſcht, und— und ich ſchäme mich nicht, es zu be⸗ Menſchenhaß und Reue. kennen— Du allein wirſt ewig darin herrſchen! Dein eigenes Gefühl für Tugend und Ehre verbietet dir, dieſe Schwachheit nutzen zu wollen; und wär' es— nun bei Gott! dieſe Schwachheit iſt meiner Ehre untergeordnet, Aber nie, nie wird ein anderes Weib mir Eulalien erſetzen Eulalia Citternd) Nun, ſo bliebe mir nichts weiter übrig —,als Abſchied von Ihnen zu nehmen. Unbekannter. Halt! noch einen Augenblick. Wir haben einige Monate lang, ohne es zu wiſſen, einander ſehr nahe gelebt; ich habe viel Gutes von Ihnen erfahren: Sie haben ein Herz, weich geſchaffen für die Noth Ihrer armen Brüder. Das freut mich. Es muß Ihnen nie an Mitteln fehlen, dieſen Hang zu befriedigen— auch Sie ſelbſt müſſen nie Mangel leiden. Dieſe Schrift verſichert Ihnen eine Leibrente von tauſend Thalern, welche der Bankier Schmidt in Caſſel Ihnen alljährlich auszahlen wird. Eulalia. Nimmermehr! Die Arbeit meiner Hände muß mich ernähren. Ein Biſſen Brod, von einer Thräne der Reue befeuchtet, wird mir mehr Ruhe gewähren als das Bewußtſein, von dem Vermögen eines Mannes zu ſchwel⸗ gen, den ich einſt ſo ſchändlich verrathen konnte. Unbekannter. Nehmen Sie, Madame, nehmen Sie! Eulalia. Ich habe dieſe Demüthigung verdient— aber ich flüchte zu Ihrer Großmuth. Verſchonen Sie mich. Anbekannter(oei Seite). Gott! welch' ein Weib hat der Bube mir entriſſen!(Er ſteckt das Papier wieder zu ſich). 2 zohl, Madame, ich ehre Ihre Gründe, ich ſtehe ab von meinem Begehren: doch nur unter der Bedingung, daß, wenn es Ihnen je an etwas mangelt, ich der Erſte und Einzige ſei, an den Sie ſich freimüthig wenden. Eulalia. Ich verſpreche es. Unbekannker. Und nun darf ich daß Sie Ihr Eigenthum zurück neh Er reicht ihr das Schmuckkäſtchen.) Eulalia(ſehr bewegt, öffnet das Käſtchen, und ihre Thränen ſtürzen darauf). Ach! da ſchwebt es vor meiner Seele, das ſüße Bild jenes ſchönen Abends, an welchem Sie mir dieſen Schmuck ſchenkten. An jenem Abend legte mein alter Vater unſere Hände in einander, und froh ſprach ich ihn aus, wenigſteus verlangen, men, Ihren Schmuck. — den S hatt' kauft mir ein Feſt! froh! Wilh nerur warſt halte⸗ ſeiner Sie (Sie Un er abe und ſt Eu Gebr Ui (Er w nicht! El tung mein Ai Et A E recht ſchen! Dein et dir, dieſe — nun bei utergeordnet, lien erſetzen! weiter übrig Wir haben nander ſehr n erfahren: Noth Ihrer nen nie an auch Sie ft verſichert welche der ahlen wird. dände muß Thräne der en als das zu ſchwel⸗ Sie! nt— aber e mich. b hat der ich). Wohl, zu meinem wenn es ud Einzige verlangen, Schmuck. zänen ſtürzen das ſüße nir dieſen lter Vater ihn aus, Menſchenhaß und Reue. 89 den Schwur ewiger Treue— Er iſt gebrochen!— Damals hatt' ich ein reines, ſchuldloſes Herz— ach! dies Gefühl kauft keine Reue zurück!— Dies Halsband ſchenkten Sie mir vor fünf Jahren an meinem Geburtstage. Das war ein glücklicher Tag. Sie hatten ein kleines, ländliches Feſt veranſtaltet. O! wie waren wir alle ſo heiter und froh!— Dieſe Schmucknadel erhielt ich, als ich meinen Wilhelm geboren hatte.— O, wie ſchwer drückt die Erin⸗ nerung an entflohene Freuden, wenn du ſelbſt ihr Mörder warſt!— Nein, auch dieſen Schmuck kann ich nicht be⸗ halten;— es müßte denn Ihre Abſicht ſein, mir durch ſeinen Aublick endloſe Verwürfe zu bereiten.— Nehmen Sie ihn zurück! (Sie reicht ihm den Schmuck, nachdem ſie vorher nur die Nadel h genommen.) Unbekannter(in eben ſo großer Gemüthsbewegung als Eulalia, welche er aber zu verbergen ſucht, nimmt den Schmuck mit weggewandtem Geſicht und ſieckt ihn ein.) Eulalig. Nur dieſe Nadel ſei mir ein Andenken an die Geburt meines Wilhelms. Unbekannter(bei Seite). Nein, läuger halte ich's nicht aus. (Er wendet ſich zu ihr, ſein Ton iſt nicht rauh und nicht ſanft, nicht feſt und nicht weich, ſondern ſchwankt zwiſchen allen dieſen) Leben Sie wohl! Eulalian. O nur noch eine Minute, nur noch Beantwor⸗ tung einer Frage: Beruhigung des Mutterherzens! Leber meine Kinder noch? Unbekannter. Sie leben. Eulalia. Und ſind geſund? Uubekannter. Geſund. Eulalia. Gott ſei Dank!— Mein Wilhelm iſt wohl ſchon recht groß geworden? Unbekannter. Ich vermuthe. Eulalia. Und Malchen— iſt ſie noch Ihr Liebling? Unbekannter(den dieſe ganze Scene ſichtbar erſchüttert, bleibt ſtumm im Kampf mit Ehre und Liebe). Eulalia. O, großmüthiger Mann! ich bitte Sie, laſſen Sie mich meine Kinder noch ein Mal ſehen, ehe wir ſcheiden, daß ich ſie an mein Herz drücke, daß ich ſie ſegne, daß ich die Züge ihres Vaters in ihnen küſſe, eraus⸗ M enſchenhaß und Reue. Unbekannter(cchwei Eulalia(fährt nach einer Pauſe fort). Ach! wenn Sie wüßten, vie in dieſen drei fürchterlichen Jahren mein Herz an meinen Kindern hing; wie mir die Thränen in die Augen ſchoſſen, ſo oft ich einen Knaben oder ein Mädchen gleichen Alters erblickte; wie ich zuweilen in der Dämmerung in meiner einſamen Kammer ſaß, mich an den Zauberbildern meiner regen Phantaſie letzend, bald Wilhelm, bald Malchen auf meinem Schooße wiegend.— O! erlauben Sie mir immer, ſie noch ein Mal zu ſehen! nur eine mütterliche Umarmung! und wir trennen uns dann auf ewig. Unbekannter. Gern, Eulalia— es iſt noch nicht Abend — ich erwarte die Kinder jeden Augenblick— ſie wurden im nächſten Städtchen erzogen— ich habe meinen Bedien⸗ ten dahin geſandt— er könnte ſchon zurück ſein— ich gebe Ihnen mein Wort, ſo bald ſie kommen, ſende ich ſie auf's Schloß. Da mögen ſie, weun es Ihnen gefällt, bis zum Anbruch des morgenden Tages bei Ihnen bleiben— dann nehme ich ſie wieder mit mir.—(hauſe). (Die Gräfin und ihr Bruder, welche wenig Schritte von da der ganzen Unterredung mit innigſter Theilnahme zuhörten, geben ſich verſtohlne Winke. Der Major geht in die Hütte, und kommt bald darauf mit Franz und den beiden Kindern zurück. Er übergibt den Knaben ſeiner Schweſter, welche ſich hinter Eulalien ſtellt; er ſelbſt tritt mit dem kleinen Mädchen hinter Meinau.) Eulalia. So hätten wir uns denn in dieſem Leben nichts weiter zu ſagen.(All' ihre Entſchloſſenheit zuſammen raffend.) Leben Sie wohl, edler Mann.(Sie ergreift ſeine Hand.) Vergeſſen Sie eine Unglückliche, die Sie nie vergeſſen wird!(Sie kniet nieder.) Laſſen Sie mich noch einmal dieſe Hand an meine Lippen drücken; dieſe Hand, die einſt mein war. Uubekannter(ſie aufhebend.) Keine Erniedrigung, Eulalia! Er ſchüttelt ihr die Hand.) Leben Sie wohl! Enlalig. Auf ewig! Unbekannter. Auf ewig! Eulalia. Wir ſcheiden ohne Groll— Unbekannter. Ohne Groll. Eulalia. Und wenn ich einſt genug gebüßt habe, wenn wir in einer beſſern Welt uns wiederſehen— Unbekannter. Dort herrſchen keine Vorurtheile, dann biſt du wier nen ſich v ſich, aber und Mein Malc Wilh. ( Male Wilh (Vater u ten die? Uubt (Die Gr ihre Elte wüßten, Herz an die Augen ngleichen ierung in berbildern Malchen Sie mir rütterliche g. ht Abend e wurden 1 Bedien⸗ ich gebe ſie auf's bis zum — daun der ganzen hlne Winke. unz und den „welche ſich er Meinau.) en nichts id.) Leben jeſſen Sie niet nieder.) te Lippen Eulalia! be, wenn dann biſt Menſchenhaß und Reue. einander, beider Blicke begeg⸗ ammeln noch ein Le bew ohll und tren du wieder mein! GBeider Hände liegen in Eulalia auf den kleinen Wilhelm, nen ſich wehmüthig. Sie ſt ſich, aber indem ſie gehen wollen, ſtößt und Meinau auf Malchen.) Malchen. Vater— Wilhelm. Mutter— (Vater und Mutter drücken ſprachlos Malchen. Lieber Vater— Wilhelm. Liebe Mutter— (Vater und Mutter reißen ſich los von den Kindern, ſ ten die Arme aus, und ſt andern Arme.) Unbekannter. Ich verzeihe dir! (Die Gräfin und der Major heben die Kinder in die Höhe, welche ſich an ihre Eltern anklammern, und: lieber Vater! liebe Mutter! rufen.) (Der Vorhang fällt.) Kinder in ihre Arme.) ehen einander an, brei⸗ ürzen ſich einer in des Ende. Aus Von Bayar Blind des einer Der E und Der 5 ſchi Der E pre Die re eif Das 1 Die d Ddie b Menſ Pacht in Page Der de Das Der ſpi Aus Philipp Reclams UniverſalBibliot ek. 2 Preis jeder Nummer 20 Pfennig. —— von Auguſft von Notzebue ſind erſchienen: Bapard. Schauſpiel in fünf Aufzügen. Nr. 127. Blind geladen. Luſtſpiel in einem Aufzug.— Die Roſen des Herrn von Malesherbes. Ländliches Gemälde in einem Aufzug. Nr. 668. Der Edukationsrat. Luſtſpiel in 1 Aufzug.— Die Witwe und das Keitpferd. Dramatiſche Kleinigkeit. Nr. 1659. Der Freimaurer. Luſtſpiel in einem Aufzug.— Der Ver⸗ ſchwiegene wider Willen. Luſtſpiel in 1 Aufz. Nr. 341. Der Gefangene. Luſtſpiel in einem Aufzug.— Die Feuer⸗ probe. Luſtſpiel in einem Aufzug. Nr. 1190. Die reſpektable Geſellſchaft. Poſſe in einem Aufzug.— Die eiferſüchtige Frau. Luſtſpiel in zwei Aufzügen. Nr. 261. Das neue Jahrhundert. Poſſe in einem Aufzug. Nr. 3099. Die deutſchen Uleinſtädter. Luſtſpiel in vier Akten. Nr. 90. Die beiden Klingsberg. Luſtſpiel in vier Aufzügen. Nr. 310. Menſchenhaß und Keue. Schauſpiel in fünf Aufz. Nr. 102. Pachter Feldkümmel von Tippelskirchen. Faſtnachtsſpiel in fünf Aufzügen. Nr. 212. Pagenſtreiche. Poſſe in fünf Aufzügen. Nr. 376. Der arme Poet. Schauſpiel in einem Aufzug.— Ausbruch der Verzweiflung. Ein Gedicht. Nr. 189. Das Poſthaus in Treuenbrietzen. Luſtſpiel in 1 Aufz. Nr. 890. Der Kehbock oder Die ſchuldloſen Schuldbewußten. Luſt⸗ ſpiel in drei Aufzügen. Nr. 23. Schneider Fips oder Die gefährliche Nachbarſchaft. Luſt⸗ ſpiel in einem Aufzug. Nr. 132. Die Stricknadeln. Schauſpiel in vier Aufzügen. Ar. 115. Der Taubſtumme oder Der Abbe de lEpe. Hiſtoriſches Drama in fünf Aufzigen von J. N. Bouilly. Nr. 1020. U. A. w. g. oder Die Einladungskarte. Schwank in einem Aufzug. Nr. 199. Die Unglücklichen. Luſtſpiel in einem Aufzug. Nr. 2012. Der Vielwiſſer. Luſtſpiel in fünf Aufzügen. Nr. 586. Der gerade Weg der beſte. Luſtſpiel in 1 Aufzug. Nr. 146. Der Wirrwarr. Poſſe in fünf Aufzügen. Nr. 168. Die Ferſtreuten. Poſſe in 1 Aufzug.— Das Landhaus an der Heerſtraße. Faſtnachtsſpiel in 1 Aufzug. Ar. 262. Der hänsliche Swiſt. Luſtſpiel in einem Aufzug. Nr. 479. VXæRIAOG vox PHILEEP RnCLAAUf JuR. Ix LRIPZTG. Das singende Deutschland. AHlbum der beliebtelten AHrien, Lieder und Roman der Momponiſten Bach. Beethoven. Bellini. mann. Gluck. Händel. Haydn. Lortzing. Mendel Mozart. Roſſini. Schubert. Stradella. Weber. Neue Ausgabe. Bearbeitet von Prof. Dr. Herm. Langer. 0 8 0 Ereis 8 M. In Leinen geb. 4 II — Opern-Bibliotbekkin. Vollständige Klavier-Auszuge mit deutschem Freis einer Gper 2 Marll. Auber, Die Braut.— Maurer und Mozart, Eutfünrung a. d. Sohlosser.89)— Per 80 hnee.——Cosi fan tutte.— Do Die Stumme von Portioi.“) Figaros Hochzeit.“ Bellini, Nachtwandlerin.“ Zen Text. Sorail.“) n Juan.“ J Idomeneo. —. Titus.— Die Zauberflöte.“ Norma.5) Rossini, Der Barbier v. Sevilla.) Boleldieu, Johann von iE Othello.— Tanored. ie weisse Dame. ) lträger.7) Schenk. DerDorfba Cherubini, Medea.— Der Wasser- Limarosa, Die heimliche Ehe. Weber, DerEreischüta.)(Kit voll⸗ Donizetti, Luoia v. Lammermoor.e) ständigem Dialog.)— Preoiosa. Herold, Zampa.8) UMit vollstündigem Dialog.) Himmel, Fanchon. Weigl, Die Schweizerfamilfe. Kauer, Das Donauweibchen. Winter, Das unterbrochene Opfer- Méhul, Joseph.“) fest. ) Das vollständige Opernbuch ist im gleichen Verlage für 20 Pf. erschienen. Deutsches Eleder. Texikon. Eine Sammlung von 976 der beliebteſten Lieder und Geſänge des deutſchen Volkes. Mit Begleitung des Pianoforte. Von Aug. Härtel. Preis 6 B. rbier.(Mit voll- stündigem Dialog.) — In Leinen geb. 7 M. Uollständige Klavier-AHuszüge. Mit der Soenenfolge und den Stichworten. Prels eines Klapler-Huszugs elegant kartonlert 1 IIl. 50 Pf. Angely, Das Fest der Handwerker. Hartmann, Jery und Bätely. —, Die Hasen in der Hasenhaide. Konr. Kreutzer, D. Verschwender. —, List und Phlegma. Kudell, Vroni. —,. Paris in Pomniern. Mozart, Bastien und Bastienne. Baumann, D. Verspr. hint. Herd.—, Der Schauspieldirektor. Conradi, An der Mosel. Müller, Lumpacivagabundus. Doxktor Peschke. Raeder, Robert und Bertram. Doebber, Dolcetta. Stiegmann, Guten Morgen Herr Dreyer, Der Bergfex. Fischer! Fiebach, Bei frommen Hirten. —, Hans und Hanne. Couplet- und Liederalbum. Boieldieu. Chopin. Curſch sſohn⸗Bartholdy. 2 Bände. 7 LETPZTG. d. Romanzen Chopin. Curſch⸗ ſohn⸗Bartholdy. eber. n. Langer. Text. g a. d. Serail.“) —Don Juan.) * * Idomeneo. Zauberflöte.“) er v. Sevilla.) anored. bier.(it voll- ta.) Glit voll- — Preoiosa. m Dialog.) zerfamilie. ochene Opfer- Verlage für Geſänge des Aug. Härtel. . 50 Pf. Bütely. rschwender. Bastienne, tor. bundus. ertram. orgen Herr de. 7 Aus Philipp Reclams Aniverſal-Bibliothek. Preis jeder Nummer 20 Pfennig. R 7 7 Muſiker⸗Biographien. Auber. Von A. UMohut. 3389. Liſzt. 2. Teil. Von A. Göllerich. 2392. Bach. Von Richard Batka. 3070.] Loewe, Carl. Von M. Runze. 4668 Bellini. Von Paul Voß. 4238. Lortzing. Von H. Wittmann. 2634. Berlioz. Von Br. Schrader. 5043. Marſchner. Von Wittmann. 3677. Beethoven. Von C. Vohl. 1181. Mendelsſohn. Von Schrader. 3794. Bizet. Von Paul Voß.. Meyerbeer. Von A. Uohut. 2734. Brahms. Von K. von Perger. 5006. Mozart. Von L. Nohl. 1121. Cherubini. Von Wittmann. 34: Noffini. Von Dr. A. Kohut.? Cornelius, O., Von Dr. E.Iſtel. 4766 Rubinſtein. Von Bernſtein. Franz. Von Prochäzka. 74.Schubert. Von A. Niggli. Gluck. Von Beinr. Welti. 2421. Schumann. Von R. Batka. Händel. Von Schrader. 3497. E Von Ludw. Nohl. 1780 18 Von Ludw. Nohl. 1270.] Wagner. Von L. Nohl. 1700. iſzt. 1. Teil. Von C. Nohl. 1661. Weber. Von Ludw. Vohl. 1746. Wolf. Von Dr. E. Schm 3 8 Erinnerungen an Rich. Wagner von H. v. Wolzogen. Nr. 2831. Geſammelte Schriften über Muſik und Muſiker von Rob. Schumann. Herausgegeben von Dr. Heinrich Simon. Bunde. N. 24783.250108 2685 Muſikaliſche Aphorismen. Citate aus den Werken großer Philo Geſammelt und herausgegeben von O. Girſchner. Nr. 2401.— Geb. 60 Pf. Kurzgefaßte Allgemeine Muſiklehre von C. A. Hermann Wolff, Kapellmeiſter und Lehrer der Muſik. Nr. 3311.— Geb. 60 Pf. Allgemeine Muſikgeſchichte. Populär dargeſtellt von Dr. Ludwig Nohl, Dozent der Muſikgeſchichte an der Univerſität Heidelberg. Nr. 1511/13.— Geb. 1 M. Bremers Handlexikon der Muſik. Eine Enzyklopädie der Tonkunſt. Neu herausgegeben von Brund Schrader. Nr. 1681/86.— Geb. 1 M. 75 Pf 2621/22. In 1 Band geb. 1 M. 75 Pf. 5—8— ſophen, Schriftſteller und Tonkünſtler. Helios⸗Klaſſiker⸗Ausgaben. L. biegſamer Leinenband. Gl.= biegſamer Ganzlederband mit Goldſchnitt. Börnes geſammelte Schriften. 3 Bände. L. M. 5.— Byrons ſämtliche Werke. 3 Bände. L. M. 5.— Chamiſſos ſämtl. Werke. 2 Bde. L. M. 2.50, Gl. M. 6.— — poetiſche und erzählende Werke. 1 Band. L. M. 1.25. Eichendorffs geſ. Werke. 2 Bde. I. M. 3.—, Gl. M. 6. Gaudys ausgewählte Werke. 2 Bände. L. M. 3.50. Goethes ſämtl. Werke. 10 Bde. I. M. 15.—, Gl. M. 30. — Werke. Auswahl. 4 Bände. L. M. 5.—, Gl. M. 12.— Grabbes ſämtliche Werke. 2 Bände. L. M. 3.50. Grillparzers ſämtl. Werke. 3 Bde. L. M.5.—, Gl. M. 9.— Hauffs ſämtliche Werke. 2 Bde. I. M. 3.—, Gl. M. 7. Heines ſämtliche Werke. 4 Bde. L. M. 5.—. Gl. M. 12.— Herders ausgewählte Werke. 3 Bände. L. M. 5. Kleiſts ſämtliche Werke. 1 Bd. I.. M. 1.50, Gl. M. 3.25. Körners ſämtliche Werke. 1 Bd. I. M. 1.40, Gl. M. 3.— Leuaus ſämtliche Werke. 1 Band. I. M. 1.50, Gl. M. 3.25. Leſſings Werke. 3 Bände. L. M. 5.—, Gl. M. 9.— —poetiſche und dramatiſche Werke. 1 Band. L. M. 1.75. Longfellows ſämtliche poetiſche Werke. 2 Bde. L. M. 3.50. Ludwigs ausgewählte Werke. 1 Bd. L. M. 1.75, Gl. M. 3.50. Miltons poetiſche Werke. 1 Band. I. 9—*—*8 Moliéres ſämtliche Werke. 2 Bände. L. M. 3.50. Mörikes ſämtliche Werke. 2 Bde. I. M. 3.50, Gl. M. 6. Reuters ſämtliche Werke. 4 Bde. I. M. 6.—, Gl. M. 12. — ausgewählte Werke. 2 Bände. L. M. 3.50, Gl. M. 7.— Rückerts ausgew. Werke. 3 Bde. L. M. 5.—, Gl. M. 9.— Schillers ſämtl. Werke. 4 Bde. L. M. 5.—, Gl. M. 12.— Shakeſpeares ſämtliche dramatiſche Werke. 3Bde. L. M.5.—, Gl. M. 9.— Stifters ausgew. Werke. 2 Bde. M. 3.50, Gl. M. 6.— Uhlands geſammelte Werke. 2 Bde. L. 2.50, Gl. M. 6.— 40 15458 5