eeee 23 1 Schauſpiele von Auguſt von Kotzebue. Neunzehnter Band. Der Schutzgeiſt. Der Rehbock. Der Weſtindier Lei bei Paul Gotthelf Kummer. 5 84 ——— — F—2 JAHadllNie. KI Nii0 V A. PNRNEEnHem 90 — Ihro Kaiſerliche Majeſtaͤt Eliſabeth Alexiewna. Das Wunder jener grauen Zeit, Es hat in unſern Tagen ſich erneut; Der Ruſſe darf Wie, zu des Gluͤckes Unterpfand, Um eine Menſchen-Huͤlle zu beſeelen, Gott ſeinen Engel herab geſandt. dramatiſche Legende in ſechs Akten nebſt einem Vorſpiel von Auguſt von Kotzebue. Leipzig, bei Paul Gotthelf Kumſer. 8 1 19. Der Schutzgeiſt. Dramatiſche Legende in ſechs Akten nebſt einem Vorſpiel. Perſonen. Otto der Große, deutſcher Kaiſer. Berengar, Koͤnig von Italien. Adelheid, verwittwete Koͤnigin von Italien, (Die ſpaͤter unter die Heillgen verſetzt wor den.) Der Geiſt des Ekmordeten Koͤnigs Lothar. Markgraf Azzo von Eſte, Burggraf zu Ca⸗ noſſa. Oswald, ſein alter Knappe. Guido. Aſtulf, deſſen Vater. Eugenia, deſſen Mutter. Antonio, ein alter Fiſcher. Margarethe, ſeine Tochter. Herrmann Billing, Herzog der Sachſen. Conrad der Weiſe, Herzog der Franken. Heinrich, Herzog in Bayern, Otto's Bruder. Ludolf, Herzog in Schwaben, Otto's Sohn. Harald, ein Daͤnenkonig. Der VBurgvoigt des feſten Schloſſes zu Como. Der Schultheiß von Pavia. Geſandter der Weſtfranken. Trtbut bringende Slaven. Burgundiſche Frauen der Koͤnigin. Lombardiſche Frauen der Koͤnigin. Reiter. Waͤchter. Trabanten. Fiſcher und Fiſcherinnen. Der Biſchoff, Der Stadtgraf, von Pavig. Geiſtlichkeit und Buͤrger!“ (Die Zeit faͤllt in die Mitte des zehnten Jahr⸗ hunderts.) Das Vorſpiel. (Die Straße nach Pavia, an derſelben mal Auf einer Baähre liegt der todte Der alte Vater ſteht vor Händen, wehmüthig den Le ſtl E ehab dich wohl mein ſchoͤner Tra ein 1 Die herrliche Bluͤte— ſie iſt gefalen! Entwurzelt ſteht der alte Baum— Mir ſoll kein Kind Sind e ö Noch toͤnt der Ruf in meine Ohren: 8 den Aſtulf! dir iſt ein Knabe gebohren! Grab⸗ uido. ihm mit gefalteten chnam detrachtend.) im! Tend Vaternahmen lallen! s doch funfzehn Jahre kaum, Da fuͤhlt' ich ploͤtzlich in Mark und Bein Die Glut der Freude ſtroͤmend ergoſſen— Ich ſah der Mutter Haupt umfloſſen Aa Von — 4—— Von einem milden Heilgenſchein— Ich ſah vertilgt auf blaſſen Wangen Die Schmerzens Spur— mit Himmels⸗Luſt Hielt ſie den Knaben laͤchelnd umfangen, Und druͤckt' ihn laͤchelnd an ihre Bruſt! Und als er ſich lebendig regte, Und als im roͤthenden Morgenſtrahl, Die Mutter das Sind zum Erſtenmal Auf meine Vaterarme legte— Da wurde mir das Herz ſo groß! Da lebt' ich ſtolz in dieſem Sohne! Und nicht um eine Koͤnigskrone Vertauſcht' ich meiner Armuth Loos! Die Erdennoth ſie war verſchwunden, Verſchwunden die enge Gegenwart Und alle des Lebens Feyerſtunden Mir fuͤr die Zukunft aufgeſpart—— Sie iſt gekommen im ſchwuͤlen Gewit⸗ ter— Ein Blitz durchzuckte den jungen Baum— Mein Mein Kelch iſt leer— die Hefe bitter!— Gehab dich wohl mein ſchoͤner Traum! Die Mutter(wankt heran mit einem Korbe voll Blumen.) Hier bying ich Blumen zur letzten Weihe, Gepfluͤckt von bebender Mutterhand— Bethaut mit Thraͤnen.— Nimm ſie und ſtreue Sie auf der Lieb' entſeeltes Pfand! A ſt ulf(deu Leichnam mit Blumen be⸗ ſtreuend.) Mir bricht das Herz indem ich ſcheide Von meines Alters Hoffnungsſtab! Eugenia. Mir iſts gebrochen! jede Freude— Faͤllt mit den Blumen in dieß Grab! A ſt ulf. Noch geſtern in ſchoͤner Jugendfuͤlle, Der Eltern Hoffnung— Freude— Troſt— Euge— — 6— Eugenic. Und heute nur eine kalte Huͤlle, Erſtarrt in ewgem Todesfroſt! A ſtulf. Du wirſt nicht mehr die Stirn mir kuͤhlen Am heißen Tag auf lechzender Flur! Eugenia. Wirſt nicht mehr um die Mutter ſpielen, Du Kind der Unſchuld und Natur! A ſt uelf. Genug!— wir ſegnen den ſchlummernden Knaben, Wir ſcheiden von ihm mit naſſem Blick— Laß unſern Todten uns begraben— Dem Staube geben wir Staub zuruͤck. Eugenia. O laß, eh mich die Thraͤnen erſticken, Nur Einmal noch der Trennung Kuß Auf die erblaßten Lippen druͤcken! O goͤnne mir den letzten Genuß! (hie wirft ſich auf den Leichnam.) Aſt ulf. — 11— Guido. Wo ſich der Allmacht Wunder offenbaren, Die keines Sterblichen Zunge lallt; Wo ewger Lobgeſang der Engelſchaaren Aus einem Lichtmeer wiederhallt, Stand ich vor Gott, als Eurem Erden— ſtaube Die Seele Guido's ſich entwand, Und ſeiner Unſchuld kindlich frommer Glaube Am Thron des Richters Gnade fand. Doch kaum iſt ihm das Urtheil zugewogen, Als fernes Stoͤhnen die Wolken zerreißt— Und ſieh' es ſchwebt herauf am Sternen⸗ bogen Ein bleicher, Wehe rufender Geiſt! Es iſt Lothar, der Lombardey Gebieter, Den weder Tugend, ſeiner Krone Zier, Noch die gezuͤckten Waffen treuer Huͤter Geſchuͤkt vor Mord— und Herrſchbegier. Auf Erden bluͤht ihm eine ſchoͤne Blume, Ein ———ͤ—— — —— 12— Ein Weib, hienieden ſchon verklaͤrt, In dem die Nachwelt einſt zu Gottes Ruhme Die heillge Adelheid verehrt. Doch jeder Willkuͤhr, jeder Schmach zum Raube Erbebt ſie jezt im Laſterſchlund! In Geyers Krallen eine weiße Taube, Die edle Koͤnigstochter von Burgund. Und ihre Seufzer ſtiegen aus der matten, Von Angſt gequaͤlten Bruſt empor, Und ſchmiegten ſich an das Gebet des Gatten, Und drangen zu des Richters Ohr.— Da winkte Gott— ich lauſchte ſeinem Winke, Vernahm in Demuth das Gebot: „Hinab zu der entweihten Erde ſinke, „Wo Unſchuld weint, Gewalt ihr droht; „Beſeele dort den Koͤrper dieſes Knaben, „Den noch der Eltern Schmerz umgibt; „Sie moͤgen an dem Himmels,Troſt ſich f laben: F „Er — 13— „Er iſt nun mein, den ſie geliebt. „Du aber, zu der edeln Fuͤrſtin eilend „Sey du ihr Schutzgeiſt in der kalten Welt, „Bis einem hoͤhern Geiſt', auf Erden weilend, „Sie mein Verhaͤngniß zugeſellt. „Nur mit beſchraͤnkter Macht ſollſt du voll⸗ ziehen, „Gleich Sterblichen, was Huͤlfe ſchafft; „Doch ſey der Taͤuſchung Gabe dir verlie— hen „Und des Gebetes Wunderkraft, „Bis du bekaͤmpft des Laſters freche Hyder,— „Dann loͤſe ſich das lockre Erdenband, „Und ſchwinge dich mit luftigem Gefieder „Herauf zu mir!“— Er ſprachs— ich ſchwand. Im Nu durchflattert' ich die Himmelsraͤume Mich ſenkend in die Erden-Nacht 4 Hinab ins duͤſtre Land der ſchwuͤlen Traͤume— Und Euer Guido iſt erwacht. Aſtulf Aſtulf und Eugenia die ibm ſtaunend zugehört, jetzt ſcheu zurückweichend.) Nicht unſer Guido— Guido. Doch! denn keine Schranke Trennt Geiſter— wo iſt hoch? wo tief? Was lebt und webt iſt doch nur Ein Ge— danke Der Allmacht, die das Werde rief. Schaut uͤber Euch auf zahllos funkelnde Sterne, Aus ihrem Kreis ſcheint ihr gebannt, Und doch, in unermeßlich weiter Ferne Sind durch das Licht ſie Euch verwandt. Im All nichts fremdes wo das Licht er⸗ ſcheinet, Von ihm umfloſſen, nichts getrennt: Im ewgen Lichte wir Alle vereinet, Licht iſt der Geiſter Element! Drum nenne mich Sohn, ich will dich Mut⸗ ter nennen; (zu glſtulf.) Dich Dich Vater begruͤßen nach Erdenbrauch, Bis wir uns dort am Thron des Lichts er— kennen Als Eines Geiſtes einzgen Hauch. Eugenia. O Guido! ſey mir Sohn— nicht Engel! Sey wieder in kindlicher Einfalt mein! Was kuͤmmern die Mutter des Kindes Maͤngel? Sie will nur lieben— geliebt nur ſeyn! A ſt ulf. Laß ihn! wer mag ins Dunkel dringen, Wenn die geweihte Lippe ſpricht?— Berufen iſt er zu hohen Dingen, Moͤg' er mit Gott das Goͤttliche vollbringen! Wir ſcheiden von ihm und murren nicht. Waͤchſt doch leicht wieder die Weidenruthe, Vom Stamme geloͤſt, fuͤr ſich allein; Und ob des Stammes Wunde blute, Wird es dem Baͤunichen kuͤmmernd ſeyn?— So loͤſen ſich auch vom Vaterherzen, Vom Mutterbuſen die Kinder ab. — 16— Das Schickſal ſpart der Trennung zen Den Eltern nicht bis an das Grab! Schmer⸗ In der Erinnerung kaltem Lohne Ruft eng beſchraͤnkt des Alters Gluͤck; Der Eltern Blicke folgen d K dem Sohne, Do ch vorwaͤrts nur ſchweift Sohnes Blick.— Drum ziehe hin! das iſt die Straße, Die nach Pavia fuͤhrt— Leb wohl! Bald ruhen die Herzen unter dem Graſe, Die jetzt noch ſeufzen: Lebe wohl! Guido. Ja, nach Pavia fuͤhl' ich mich gezogen! Es trozt mein freyer Geiſt des Koͤrpers Haft, Und in des Erdenlebens blutige Wogen Stuͤrz' ich hinab mit rettender Himmels⸗ kraft! Dort fodert einſt, hoch uͤber dem Sternen— bogen, Der mich geſandt die hohe Rechenſchaft! Dann Dann werf' ich von mir die entlehnte Huͤlle Und ſtammle: Herr! es iſt vollbracht dein Wille! (Er eilt fort. Aſtulf und Eugenia mit ausge⸗ breiteten Armen ihm nach doch als ſie den Fliehenden nicht erreichen können, ſinken beyde — auf ihre Knie und heben ihre Hände ſegnend empor!) Der Vorhang faͤllt. Er ſter Akt. Gemach der Koͤnigin Adelheid. Cueber einem Seſſel hängt ein Pilger. Gewand. Auf der Tafel liegt ein Pilgerhut.) —... Erſte Scene. (Eine Kammerfra u in Trauer bringt einige Schmuckkäſtchen, welche ſte ſeußzend auf die Ta⸗ fel ſtellt und ſich wieder entfernen will, Mark⸗ graf Azzo tritt herein.) Az 3z o. Melde der Koͤnigin, Markgraf Azzo wolle Von ihr beurlaubt ſeyn. (Die Kammerfrau geht.) Ja beſſer ſo! Ich tauge nicht fuͤr eine Hoͤflings Rolle; Und nimmer werd' ich hier des Lebens froh. Mag, wem es gnuͤgt, um eitlen Prunk ſich muͤhen, Mir ekelt vor der ſchaalen Gleisnerey; In meine alten Mauern will ich fliehen, In meinen Waͤldern athm' ich wieder frey! Hier, wo ich ſtets mit Haß und Liebe ringe, 0 Iſt mir die muntre Lebensluſt verſcheucht, Doch wenn ich meinen Jagd-Spieß wieder ſchwinge, So wird auch wohl das Herz mir wieder leicht.— Nur Einmal noch verbirg das wilde Feuer! Ehrfurcht gebietend iſt ihr ſtummer Schmerz.— Sie kommt!— ſo ruͤhrend ſchoͤn im Witt— wenſchleyer! Bewache dich du ungeſtuͤmes Herz! Zweyte — 26— Zweyte Scen e. Adelhei d, A; Adelheid. Herr Markgraf, wie? auch Ihr wollt mich verlaſſen? Hier, wo mein Fuß den Rand des Abgrunds ſtreift, Muß ich den letzten Freund mit Angſt um⸗ faſſen! Den letzten— fuͤhlt, wie mich das Wort ergreift! A3 3o. Ja, Euer Freund, ich bin's und werd' es bleiben; Weiß Gott ich bleibs! Nah oder fern, gleichviel. Adelheid. Was kann Euch ploͤtzlich aus Pavia treiben? A z zr o. Frau Koͤnigin, die Luft iſt mir zu ſchwuͤl. Ich 21— Ich koͤnnte Vorwand in Geſchaͤften ſuchen, Doch hab ich nie Verſtellungskunſt erborgt; Ich moͤchte nbelauſcht dem Schickſal flu⸗ chen— wo jede Mauer horcht? Wer darf das hier, Ich bin ein freyer, ſtolzer Mann gebohren. Darin iſt Freyheit der Geſundheit gleich: Erkannt wird erſt ihr Werth, wenn ſie ver⸗ loren, Und arm iſt nur, der gluͤcklich war und reich. Seit Herrſchgier uns den milden Koͤnig raubte, Iſt Sclaverei uns auf die Stirn gepraͤgt, Da Berengar auf fluchbeladnem Haupte Die alte Krone der Lombarden traͤgt. nicht laͤnger ſehen, wie geſchandet Ich mag Ihn das Geſchmeiß umkriecht, den Fuß ihm leckt, Und, wenn er die geraubten Schaͤtze ſpendet, Wie Jeder dann die Haͤnde gierig ſtreckt. Ich mag nicht laͤnger höͤren laut geprieſen Ver⸗ — 22— Verhoͤhntes Recht und Mißbrauch der Ge— walt; Ich will mich feſt in meine Burg verſchlie⸗ ßen Auf daß mein eigner Seufzer dort verhallt. Wenn in der Bruſt die letzte Kraft ver— glommen, Entwichen iſt der Freiheit Genius, Dann gute Nacht! dann iſt die Zeit ge— kommen, Wo ſich der Redliche verbergen muß. Adelheid. Ihr geht— ich tadl' es nicht— doch ich, der Frauen Ungluͤcklichſte! ich bleib allein zuruͤck! N Mir oͤffnet ſich kein Buſen mit Vertrauen, Kein Auge ſchenkt mir einen naſſen Blick! Wo darf hinfort des Jammers Thraͤne rinnen, Wenn mir der letzte Freund Lothar's ent— wich? Denn — 22——. 23 Denn wißt, auch meine treuen Dienerinnen, Mir aus Burgund gefolgt, verlaſſen mich! Noch heute, noch in dieſer bangen Stunde, Trennt des Tyrannen Wille ſie von mir, Und ich mit meiner tiefen Herzens-Wunde Steh' unter Fremden eine Fremde hier! Azzo. Ha! wie? er wagt— 2 Adelheid. Was darf der Mann nicht wagen, Der mit des Gluͤckes bunter Wimpel ſchifft? Er hat das Graͤßlichſte gewagt!— muß ich noch ſagen, 7 Wie mein Gemahl— Az zeo. Ich weiß— er ſtarb an Gift. Adelheid. Au Gift! in ſeines Lebens Jugendfuͤlle! — Man Man log, er ſey durch Zauberey verdorrtz Allein die Flecken der entſeelten Huͤlle Verriethen deutlich den verfluchten Mord⸗ Der Undankbarel dem mein edler Gatte Ein warnender Freund, ein rettender Engel war, Als Koͤnig Hugo ſchon beſchloſſen hatte, Sich zu befrey'n von dieſem Berengar; Der ihm den Paß gezeigt in den Gebirgen, Daß er nach Deutſchland unverfolgt entwich; Den konnt' er nun mit ka tem Blute wuͤr⸗ gen! Und taͤglich mordet ſeine Hand auch mich! Az 3zo. So flieht und ſuchet Schutz im Vaterlande, Wo Euch die Mutter-Arme offen ſtehn? Adelheid. Gewahrt Ihr nicht, daß mich zum Unter⸗ pfande Von ſeiner Macht der Wuͤtrich auserſehn? Mich — 25— Mich liebt das Volk, das weiß er— meine Guͤter— Sie haben ſchnoͤde Habſucht angefacht— Darum bewachen tauſend feile Huͤter Den kleinſten meiner Schritte Tag und Nachk⸗ Wenn ich die Schwelle des Pallaſts betrete, Steht ſchon bereit ein lauernder Trabant;z Wenn ich am Grabe meines Gatten bete, Wird mir der Seufzer von der Lipp' ent⸗ wandt; Wenn ich der Armuth ſtille Huͤlfe bringe, Schleicht bis zur Huͤtte mir ein Lauſcher nach, und horcht, und zaͤhlt genau die Silber— linge, Und wiegt die Worte, die ich troͤſtend ſprach. In ſtiller Nacht hoͤr' ich den Fußtritt kni⸗ ſtern, Der an die Thuͤr des Lauſchers Ohr mir traͤgt; Zu meinem Gott darf ich nur leiſe fluͤſtern, Ich bebe wenn zu laut mein Herz mir ſchlaͤgt. Azzo⸗ — 26— Alz 3 o. Ha! es ſoll anders werden! los und ledig Sind wir des Schwurs, den er von uns erzwang; Wir ſtehn bereit— ſo wahr ein Gott uns gnaͤdig!—— Mit Gut und Blut zu ſeinem Untergang! Schon gaͤhrt es uͤb rall in d Und Gottes Rache-Schwert iſt ſchon ge⸗ zuͤckt! en Gemuͤthern Vergriffen hat er ſich an Und Mailands frommen Erzbiſchoff gedruͤckt; Und der von Como Kirchenguͤtern ſeufzt— und Wehe ru⸗ fen am Joche ſtehn; Und an des deutſchen Kaiſerthrones Stufen Beſchloſſen alle, Rettung zu erflehn. Wenn Einer nur von Allen, Die Edlen, die gebeugt die ſich ruͤſten, 8 Nur Einen guͤnſt'gen 2 lugenblick erſah, Des Wuͤtrichs 2 Bachſamkeit zu uͤberliſten. Vertrauet mir, dann iſt die Huͤlfe nah, U 0 Dann Dann ſind gezaͤhlt die Thraͤnen, die hier fließen, Denn Deutſchlands maͤcht'ger Kaiſer ſchwingt den Speer. Adelheid. So hat auch mir ein Traumbild juͤngſt ver— hießen Ich nenn es Traum— es war wohl mehr. Ich lag ermattet durch Wachen und Weinen, Am Grabe Lothars— ich ſchlummerte nicht— In halber Ohnmacht lag ich auf den Steinen, Die Grabes-Lampe warf ein duͤſtres Licht Hinab in die Halle, wo die Marmor-Saͤu— len Wie ſchwarze Rieſen ſtanden im Schatten— reich; Es flatterten im hohen Dom die Eulen Mit dumpfem Gekreiſch, der Geiſter Aech— zen gleich: Da ſah ich Nebel aus den Gruͤften ſteigen, Der — 28— Der ſeine Streifen nach und nach geb Sah ihn herab in Wellenform ſich neigen allt, Bis er geworden eine Luftgeſtalt. Die Lampe flackerte— hin ſtarrt' ich ber bend— Und ſchmiegte mich verhuͤlt ins Trauerge— wand— Es war Lothar— mir langſam naͤher ſchwe⸗ bend, Er trug die Kaiſer-Kron' in ſeiner Hand Und ſie allein umfloß ein milder Schim— mer— Mit duͤſterm Laͤcheln wandt' er ſeinen Blick Auf ſie und mich— doch nur ein leiſes Ge⸗ wimmer Schwamm in der Luft— er ſchwieg— er wich zuruͤck— Und die Geſtalt zerfloß im Saͤulengange Und ſchwand allmaͤhlig mir aus dem Geſicht, Nur ſah ich durch den Nebelſtreif noch lange Die Krone ſchimmern wie ein weißes Licht. Azzo. 29— A zis o. Vertraut dem Winke. Ehe noch die Blaͤt⸗ ter Sich faͤrben in des Herbſtes kuͤhler Nacht, Erſcheinet uns und Euch der Held als Ret⸗ ter, Dem ſchon die halbe Welt Tribut gebracht. Doch wenn ein neuer Sturm Euch hier um— brauſet, Eh' Eurem Henker Gottes Rache blitzt, So denkt, daß in Canoſſa Einer hanſet, Der froͤhlich dann ſein Blut fuͤr Euch ver⸗ ſpruͤtzt.(ab.) Adelheid. Gott ſey mit ihm!— O daß er von mir ſcheidet, Der letzte, der mir unverwandelt blieb! An ihm hat ſich Erinnerung geweidet; Des Gatten Freund wird auch der Gattin Dritte — 30— Dritte Scene. Während ihrer letzten Worte ſind drey tief be⸗ trübte Frauen in Trauerkteidern ſchüchtern hereingetreten; binter ihnen drey Andere in bunten Gewändern mit hei⸗ tern Geſichtern. Adelheid Cihre Frauen er blickend) Ha!(Eine Pauſe, in welcher ſie ſich zu faſſen ſucht) Tretet naͤher—(bei Seite) Aus der Leidensſchaale Ein bittrer Zug!(laut) Ich weiß, warum Ihr kommt— Ich weiß, wir ſehen uns zum letzten Male— Seyd ſtandhaft wo zu klagen doch nicht frommt. (Die fremden Frauen erblickend.) Wer ſeyd Ihr? und wie moͤgt Ihr Euch erkuͤhnen Herein zu treten ohne mein Geheiß? Eine 81 Eine der Frauen. Uns ward geboten Euch hinſort zu di 24 nen. Adelheid. Wohl! ſo gehorcht und geht!(Die Frauen ent⸗ fernen ſich.) Den Trauerkreis, Den kummervolle Lieb' um mich gezogen— Entweihen ſoll ihn mir kein fremdes Herz; Der um die letzte Freude mich betrogen, Belauſche nicht den letzten, heil'gen Schmerz. Ihr weint?— ein Balſam fuͤr die leidende Seele Der Thraͤnen Thau auf bleichem Angeſicht Mein Aug iſt heiß in ſeiner trocknen Hoͤhle— Ihr habt noch Thraͤnen— ach! die hab' ich nicht!— Wir ſollen uns fuͤr dieſe Welt nun tren— nen— Auch Euch entreißt mir hoͤhnende Ge valt! Ich ſoll die theuern Nahmen nicht mehr nennen, Die —— 32—— Die in dee Wiege ſchon das Kind gelallt. Von Eltern und von Vaterland geſchieden Stand ich umringt von lauter Fremden da; Ach! da gewaͤhrt' es mir oft ſtillen Frieden, Wenn ich die wohlbekannten Zuͤge ſah.— (Zu der Erſten.) Auf deinem Arm, in kindlich frohen Scherzen, Hab' ich die erſten Jahre ſuͤß vertraͤumt; Auf deinem Arm, an deinem Mutterherzen Hat meine erſte Geiſteskraft gekeimt.— Zu der Zweiten.) Und du, Geſpielin meinet Kindheit— Schweſter! Die mir ein gleiches Alter zugeſellt— Ein ſuͤßes Band umſchlang uns beide feſter, In dieſer neuen, ach! ſo fremden Welt.— Zu der Dritten.) Camilla, du von meiner muntern Jugend Die ernſte, doch ſo milde Fuͤhrerin, Du — 2— Du zeigteſt mir den ſteilen Pfad der Tugend Und ſtreuteſt Blumen freundlich druͤber hin. Dir hofft ich einſt die Augen zuzudruͤcken— Euch allen zu vergelten waͤhnt' ich ſuͤß— Fuͤrwahr, mich ſelbſt wollt' ich in Euch be⸗ gluͤcken— Verſunken iſt mein Hoffnungs-Paradies! ch bin ein armes, armes Weib geworden! Mein Loos— die Sclaverey, mein Wit— thum— Harm! Ich ſah ſchon laͤngſt mir jede Freude morden Und ſelbſt an Thraͤnen bin ich arm!— Doch ohne meiner Liebe letzte Gabe Von mir Euch trennen, ſollt Ihr nicht. Da, nehmt und theilt— s'iſt alles was ich habe— Mir ziemt der Schmuck nicht mehr, ver⸗ ſchmaͤht ihn nicht. (ſie giebt ihnen die Schmuckkäſtlein.) Auch die Gewaͤnder, die ich einſt getragen, C In ———————— In meiner Herrlichkeit, in meinem Gluͤck Sie rufen Euch von unſern beſſern 19 Tagen Die wehmuthsvoll' Erinnerung zuruͤck. Nehmt alles hin! mir iſt kein Gold ge⸗ ſponnen! (ſie deutet auf das Pilgerkleid) Mir bleibe nur dieß haͤrne Busgewand, In dem zu ſpaͤt die Wallfahrt ich begon— nen Zur heilgen Jungfrau in der Roͤmer Land. Im Pilgerkleid hofft' ich das theure Leben Von ihrem Wunderbilde zu erflehn, Und mußte mir den Witwenſchleyer weben Denn ach! daheim— ſchon wars um ihn geſchehn!—— Vergebens hatt' ich mit bethraͤnten Wan gen, Mit wunden Knieen heißer mich gefleht! Auch ſeinen letzten Seufzer zu empfangen— Es war mir nicht vergoͤnnt— ich kam zu ſpaͤt! Ver Verſtumme endlich, klagend Herz, v vek⸗ ſtumme! Denn ach! wer hoͤrt dich, wer verſteht dich hier? In dieſes kalten Drohnenſchwarms Geſumme Die Einzigen, die Letzten, raubt man dir!— Gehabt Euch wohl! des Wiederſehens Freude Im Vaterland vergaͤll' um mich kein Schmerz; Verheimlichet dem Vater was ich leide Und ſchont mir auch- das weiche Mutter⸗ herz. Mein Kindergaͤrtchen wollet kuͤnftig pflegen— Die alten Diener— Jeder ſey gegruͤßt— Noch einmal meinen Dank— und neinen Segen— Run fort! fort eh mir Blut vom Auge fließt! (Die Frauen küſſen weinend ihre Hände und ge⸗ hen.) Vierte Vierte Scene. Adelheid. Sie ziehen fort zum ſchoͤnen Vaterlande= Ziehn ohne mich!— ZSerreiſſen mußt' ich ſie, 8 Des Erdenlebens ſtarke Doppelbande, Lieb' und Gewohnheit— Arme Phantaſie! Wenn kuͤnftig du in bitterſuͤßer Freude Mit Sehnſucht nach der Heimath mich er⸗ uͤllſt, Auf Wolken mich im erſten Fluͤgelkleide Zu den geliebten Bergen tragen willſt; Was bleibt dir, um die luftigen Geſtalten Hervorzurufen oder feſt zu halten? Kein Ton der Stimme, kein bekannt Geſicht! Die holde Mutterſprache hoͤrſt du nicht! Und will die Sehnſucht mir das Blut vom Herzen ſchroͤpfen— Nur aus dir ſelber kannſt du Nahrung ſchoͤ— pfen! Fuͤnfte Fuͤnfte Scene. Vorige. Eine Kammerfrau. — Kammerfrau. *— Verzeiht, wenn ungerufen ich es wage— Ein junger Fremdling bittet um Gehoͤr. Adelheid. Was ſucht er? Huͤlfe?— weg mit eitler Klage! Des Ungluͤcks Freiſtatt iſt bei mir nicht mehr. Die Kammerfrau. Umſonſt verſuchten wir ihn abzuweiſen. Adelheid. Wohlan er komme. Kammerfrau (öffnet die Thür.) Fremdling, tritt herein. (ſie entfernt ſich) Sechſte Sechſte Scene. Guido erſcheint, Adelhei d Was willſt du? Guido. Mir hat juͤngſt ein Traum verheißen, Ich ſolle kuͤnftig Euer Diener ſeyn. Und wenn am ſchoͤnſten unter allen Gaben Den Dienenden die Treue ziert, So nehmt ihn auf den armen Knaben, Den Lieb und Treue hergefuͤhrt. Adelheid. Von wannen trugen dich die Lebenswellen? Guido. Dem Vater hab ich Schweigen angelobt. Adelheid. Du wollteſt dich dem Ungluͤck zugeſellen? Guido. — 39— Guido. Im Ungluͤck wird die Treue ja erprobt. Adelhei d. Nur der Gewalt muß hier die Treue froh— nen. Guido. Nur um Vertrauen buhlt ſie und iſt reich. Adelheid. Es kann die Witwe Treuer Dienſt nicht lohnen. Guido. Auch fodert Guido keinen Lohn von Euch. Adelheid. Was willſt du hier? Furcht, Gram und Sorgen theilen? Guido— Ja theilen, wohl auch mildern was Euch nagt. Adelheſid. O! meine Wunden kann der Tod nur heilen. Guido. Guido. Es iſt ein Gott— Ihr kennt ihn und ver⸗ zagt? Adelheid. Hier kann die Tugend keinen Sieg erringen. Guido. Doch unbeſiegt ein Fels im Meere ſtehn. Adelheid. Du ſollſt nicht nothlos in die Wellen ſprim gen. Guido. Euch retten oder mit Euch untergehn. Adelheid. Wie? Tauſende, die ſchamlos mich verrier then, Sobald der Pfeiler meines Gluͤcks gewankt, Beſchaͤmt des Knaben freundliches Erbieten, Der mir aus beſſern Zeiten nichts verdankt?— Mir hat kein Herz, mit Wohlthat uͤber— ſchuͤttet, In In Ungluͤcks Feuerprobe ſich bewaͤhrt; Und dieſer Knabe, der nichts will, nichts bittet, Der meinen Gram zu theilen nur begehrt—— Nein! nein! mich ſoll der Jugend Leichtſinn jammern; Der Knab' iſt fremd, er kennt nicht Hof noch Welt; Er ſoll nicht an das ſchwache Rohr ſich klam⸗ mern, Das muͤhſam nur im Sturme ſich erhaͤlt. Er ſoll nicht Glanz noch Waͤrme hoffen Von meiner Abendſonne truͤben Blick. Es ſteht dir ja die Welt noch freundlich offen; Geh Knabe, ſuch' ein beſſres Gluͤck Guido. Verſtoßt mich nicht! Ihr duͤrft mich nicht verſtoßen! Ich ſchmiege mich an Euch, ſanft aber feſt. Ich D — 42— Ich waͤre ja ſo gern der Hoffnungsloſen In Lebensglut ein Kuͤhlung bringender Weſt; Ich boͤte gern die eigne Bruſt zum Schilde, Abwendend was Gefahr Euch droht; Jung ſchein' ich zwar, doch bin ich ernſt und milde Und ſtark im Kampf und huͤlfreich in der Noth. Adelheid. Bedarf ich deiner?— Bald hab ich voll— endet— Mein Ziel die Gruft— warum dich nach mir ziehn? Guido. Vertrauet mir! ich bin von Gott geſen⸗ det; Mir iſt, zu Eurem Schutz die Kraft ver— liehn. Siebente Siebente Scene. Berengar tritt auf. Vorige. Berengar. Seyd mir gegruͤßt! noch Thraͤnen auf d I 10 Wange? 2 Die letzten ſey zu trocknen mir vergoͤnnt. Fort mit des Hofes kaltem, laͤſtgen Zwange, Der jedes trauliche Verſtaͤndniß trennt! Ich bin gekommen, frei mit Euch zu ko⸗ ſen; Es iſt mein Herz, das mich heruͤber zieht; Zu lange ſchon verſcheucht der Gram die Roſen Von Wangen, die ſo lieblich einſt gebluͤht.— Doch ſind wir nicht allein?— hm! ich er— ſtaune! Aus welchem Lande kam der Unhold her, Den warlich die Natur in boͤſer Laune So haͤßlich ſchuf? o ſprecht, was ſoll Euch der? Adelheid. Adelheid. Ihr nennt den Knaben haͤßlich? Berengar. Wie? ein Knabe? Adelhesde An Muth ein Juͤngling. Berengar. Nun fuͤrwahr! mich deucht, Es mach' ihn reif, und uͤberreif zum Grabe Der graue Bart, der bis zum Guͤrtel reicht— Adelheid. Ihr ſcherzt. Guido. Bisweilen taͤuſcht der Schein. Berengar. Im Blicke Traͤgſt du ein grelles Licht— was willſt du hier? Iſts doch als ob mich etwas fremdes druͤcke!— — Laß uns allein! mir iſt nicht wohl bei dir Guido. Guido. Ich gehe wenn die Koͤnigin gebietet, Sie warnend werde mein Beruf erfuͤllt! Denn was in Eures Herzens Tiefe bruͤtet, Das ſteht vor meinen Augen unverhuͤllt. Berengar. Du wagſt? Adelheid. Was ſoll das Knabe? geh! ich will es. Guido. Beſinnt Euch! dieſer Mann iſt Berengar. Adelheid. Vernommen haſt du mein Gebot, erfuͤll' es1 Guido. Durch ihn gemordet fiel Lothar. Berengar. Ha! Wache! (Trabanten dringen herein) Greift ihn! Adelheid. Flieh! Berengar: — Berengar- An Ketten geſchloſſen Zum ſchmaͤhlichſten Tode werd' er aufbewahrt! Guid o(iu adelheid) Du wirſt bereuen, daß du mich verſtoßen. Gu Berengar) Dir wird die neue Blutſchuld noch erſpart. rgeht. Die Trabanten treten mit geſenkten Spießen ihm entgegen. Er winkt— ſie wei⸗ chen zurück, erheben ihre Spieße und bilden ein Dach, unter welchem er ruhig hinaus ſchreitet.) Berengar. Was iſt das? meine W — achen ſeh' ich beben? Ein Trabant. Ein unwillkuͤhrlich Grauen packt uns an. Berengar. Ihr Memmen! fort! Ihr buͤßt mit Eurem Leben, Wenn Euch der alte Boͤſewicht entrann. (die Trabanten ab) A ch 1e Achte Scene. 2 Berengar. Adelheibd. Berengar. Ich hoffe nicht, dem Frevler ſey gelungen Argwohn zu wecken in der edlen Bruſt. Adelheid. Was er laut ſprach, das haben tauſen Zungen Schon oft gefluͤſtert— waͤrs Euch unbe— wußt? Berengar. Das iſt des Poͤbels alte naͤrriſche Weiſe, Daß er— ſo oft ein Großer ploͤtzlich faͤllt= Ropfſchuͤttelnd ſteht und aus der Fauͤrſten Kreiſe Gewaltſam ihn hinausgeſtoßen haͤlt. Da hoͤren wir nicht ſelten Volkspropheten Aus Mißgeburten ſchwere Deutung ziehn, Und Sonnen-Finſterniſſe und Kometen Mit unſern Erdenhaͤndeln keck bemuͤhn, ———— —— — 48— Doch laͤchelnd ſtehen wir, die Eingeweihten, Vergoͤnnend und benutzend Poͤbelwahn, Und frei von Kinderglaubens Feſſeln ſchrei— ten Wir ohne Furcht auf angeſtaunter Bahn. Ade lheid. Nicht ſcheuen moͤgt Ihr Euch vor Finſter⸗ niſſen, Noch vor dem drohenden Kometenſchweif; Doch Einen Schrecken gibts— er heißt Gewiſſen! Berengar(ppottend) e Tugend Schatz bewacht ein Greif. Auch ſo ein Maͤhrchen aus der Ammenſtube. Wer hat fuͤr Leidenſchaft Ziel oder Maaß? Ich weiß, der Im tiefſten Herzen iſt die Loͤwengrube, Aus der kein Beten rettet, glaubt mir das. Und ſoll der Menſch fuͤr ſeine Leidenſchaften— Sprecht! fuͤr das Blut in ſeinen Adern haf— ten? Schuf Schuf er dieß Blut? In die der Zufall ihn — Er iſt gebohren um ſich Gleichviel ob Antonin, Wass ihn beſtimmt, Das waͤhlt' er nicht, Es mag Vernunſt an Nicht fromme Einfalt, Nur dieſer Glaube kan Und Wehe dem, der Ber e Wohl moͤgen Einzelne V Der ſtumpfe Bloͤdſinn konnt' er die Lagen waͤhlen, geſchleudert hat?— ſelbſt zu quaͤlen, ob Heroſtrat; wornach er hier ge— rungen das wurd' ihm aufge— drungen. ſolchen Klippen ſchei— tern, die an Tugend glaubt; n die Nacht erheitern N Naflks 111 ihn dem Volke raubt. nugar. die Tugend lieben, ſtaunt den Dulder an; Ein Volk kann Tugend ehren, nicht ſie uͤben. D Das — A 14 K NMI 4 1 F AI 50— Das eben war Lothars gutmuͤthger Wahn— Unwuͤrdig und verderblich einer Krone— Des Herzens truͤgende Sophiſterei: Daß Tugend auch in einem Volke wohne, Daß ſie ein Zuͤgel fuͤr die Menge ſey. Adelheid. Der ſchoͤne Irrthum, ja, er war ihm eigen, Berengar. Wer leugnet, daß er Gutes ſtets gewollt? Und hab' ich ſelbſt— Ihr moͤgt es mir be— zeugen— Nicht laut und willig Achtung ihm gezollt? A O laßt die Witwe deſſen nicht gedenken. delhei d. Berengav. Doch mit dem Herzen wird kein Volk ke— giert. 4 Nur der vermag das wilde Thier zu lenken, Der es mit ſtarker Fauſt an Ketten fuͤhrt, Vielkoͤpfig iſts, doch jedes Haupt am Rumpfe Ein — 35t— Ein Sitz der Thorheit, trotzig und verzagt; Im Ungluͤck feig und grauſam im Triumpfe; Das heute nichts, und morgen Alles wagt; Das jedem Schwaͤrmer taub und blind ver—⸗ trauet, Stets nach dem Neuen gierig haſcht und laͤ Ft Das heute ſeinem Herrn Altaͤre bauet Und morgen bruͤllend ihn zum Richtplatz beu, Geliebt und immer nur geliebt zu ſeyn, Was hats gefrommt? er ſetzte Kron' und Leben An einen matten Heiligenſchein? Die Krone fiel, der Schein iſt ihm geblie— ben— Ein Stern, wenns Euch beliebt, kein Erden— licht, Drum wollen wir in ihm den Menſchen lieben, D2 ————— — R NR —————— Den Koͤnig bewundern duͤrfen wir nicht. Habt Ihr doch ſelbſt in Euren Marmor— hallen Mit Argwohn ſtets gekaͤmpft, in Furcht ge⸗ hauſt; Denn ihm gebrach— hochmuͤthige Vaſallen Zu baͤndigen— die ſtarke Koͤnigsfauſt. Adelheid. Vaſallen? ich entſinne mich ſo eben, Daß Ihr der Markgraf von Prrea wart. Berengar. Jetzt ſchimmert Euch, von neuem Glanz um⸗ geben, Des Thrones Gluͤck, mit Sicherheit ge— paart. Aldelhei d. Mir? Gluͤck? Ihr ſcherzt. Wohl hab ich es genoſſen, Und daß mein Herz um das verlorne klagt, Iſt jetzt mein Gluͤck. Berengar. Berengar. 33 Fuͤnf Monden ſind verfloſſen, Seit Ihr den Witwenſchleyer tragt; Den Wohlſtands⸗Pflichten thatet Ihr ein Gnuͤge, Und, wie ſichs ziemt, ehrt' ich die Trauer⸗ zelt; Doch nun begehr' ich, daß der Gram ſich Doch fuͤge, Wenn Liebe bittet und Vernunft gebeut. Ich lieb' Euch, ſchoͤne Frau— Adelheid. Ha! mir das! Berengar. 0 ** Lange Schon liebt' ich Euch, doch nur mit ſtiller Pein; Die Zeit iſt endlich da, vom laͤſtgen Zwange Den ungeſtuͤmen Buſen zu befreyn. Ich biet' Euch Herz und Hand. Noch Eins mal ſteiget—— Auf Auf dieſen Thron, den Euch die Liebe beut; Empfangt noch einmal dieſen Purpur— Adelheid Schweiget! Ihr mahnt mich nur an meine Niedrigkeit. Jetzt erſt gewahr' ich— kann den Schimpf nicht raͤchen— 2 ie tief, wie tief das Schickſal mich ver— warf, Weil ſo zu ſeiner Koͤnigin zu ſprechen Ein Berengar ſich keck erdreiſten darf. Berengar. Ich bin jetzt Euer Koͤnig. Adelheid. Laut verleſen Ward es dem Volke bei Trompetenſchall; Ihm ſeyd Ihr Koͤnig— was Ihr mir geweſen, Das ſeyd Ihr noch und bleibt es mir— Vaſall. Berengar. Viel kann die Liebe hoͤren und ertragen, Adelheid. Entweiht der Liebe heilgen Namen nicht. er eng g'e: 72 Wohlan, ſo moͤgt Ihr die Vernunft befragen. Adeleheid. Mich lehrt mein Herz die ewig theure Pflicht. Berengar. Der Koͤnigs-Toͤchter Herzen muͤſſen ſchweigen. Adelheid. Sind einer Witwe Thraͤnen nicht vergoͤnnt? Berengar. Fuͤrſtin gilt dem Staate fuͤr leibeigen. Die Adelheid. Die Sklavin hat noch Rechte, die ſie kennt. Berengar. Wo Volks und Koͤnigs Wuͤnſche ſich ver— ſchwiſtern, Heiſcht Eure Pflicht des neuen Bundes Schwur. Adelheid. Adelhſe i d. Bekennt, Ihr ſeyd nach meinem Brautſchatz luͤſtern? Pavia leiht mir Schmuck und Liebreiz nur. Berengar. War um nicht gern des Staates Ruhe gruͤn⸗ den, Auch wenn die Klugheit nur den Plan ent⸗ warf? Adellheid. Nehmt hin Pavia, mich laßt Ruhe finden In heilgen Mauern, wo ich weinen darf. Berengear. Gonug der Thorheit aus dem ſchoͤnen Munde! Ihr werdet mein, Ihr muͤßt es werden! Adelheid. Wie 2 Die Hand ſoll ich zu frevelhaftem Bunde Dem Moͤrder meines Gatten reichen?— Nie! Berengar. Berengar. Reizt nicht den Zorn, der ſchon die Bruſt erſchuͤttert. Adelheid. Zorn erweckt, iſt das Gewiſ— heit 30 22 S Wahrh ſen wund. Berengar. Ihr ſeyd in meiner Gewalt! bedenkts und zittert! Adelheid. Vor dir 2 die Koͤnigstochter von Burgund? Berengar. Mein letztes Wort— ich will es noch ver don den ſchwen— Der naͤchſte Morgen findet uns vermaͤhlt. Noch Einmal liegt das Loos in Euren Haͤn— den: Hier Thron und Liebe— dort ein Kerker— waͤhlt!(ab) Neunte E. 838— Neunte Scene Die Wahl iſt leicht: hinab zum tiefſten Thurme! Daß nie dorthin dein giftger Athem dringt.—— Nun fuͤhl' ichs: wenn von Truͤmmern ſich im Sturme Der Schiffer auf die ſteile Klippe ſchwingt, 2 inſtre Nacht und Grauſen ihn umge⸗ ben, So iſt das nicht der ſchrecklichſte Moment! Noch hofft er nahes Land— er hofft mit Beben— Erſt wenn es tagt, erſt wenn ſein Aug' er— kennt, Daß Wolken nur und Wellen ihn umflie⸗ ben, Kein leckes Boot ihm Rettung bringen kann— Erſt dann muß er das Licht mit ſtarrem Blick hegruͤßen, Und 8660 Und die Verzweiflung packt ihn graͤßlich an! So iſt die letzte Hoffnung mir geſchwun— den! Auch ſtille Thraͤnen ſind mir nicht vergoͤnnt— HJ Kein Tropfen Oel in meine Herzens Wun— A ‚ At den— W Voͤn Allen, die ich liebte, weit getrennt— Mit ſchweren Ketten an den N gebun⸗ den, en meine Lipype nur mit Schaudern nennt— 5 ſiebender Bruſt die fremde Qual— zu haſſen! So ſteh' ich da von Gott und Welt verlaſ⸗ ſen! Von Gott? der ſich erbarmend zu dem Staube Des Wurmes neigt?— Vergib die Laͤſte⸗ rung! Du lebſt! es lebt in mir der feſte Glaube An deine Macht, an deine Vorſehung! Nicht —— 60— Nicht der Verzweiflung ſchufſt du mich zum Raube— Mein Geiſt erhebet ſich mit Adlerſchwung— Vernimm es Gott! ich ſchuͤttle meine Ket— ten— Vertrauend ſeufz' ich: du, du wirſt mich ret— ten! (ite geht, die Hände ringend, auf und nieder.) in tiefen Gedanken Die Flucht— wohin?— gleichviel!— ich muß entweichen. Fort in die Mutter Arme will ich fliehn! Und ſollt ich auch die Heimath nicht errei— chen, Mir wird in jeder Huͤtte Schutz verliehn. Aus niedern Huͤtten Elend zu verſcheuchen, Es war ja oft mein freundliches Bemuͤhn; Deß werden die Bewohner nun gedenken Und freundlich mir im Elend Huͤlfe ſchen— ken, Doch — 61— Doch ach! wem ſoll— wem darf ich mich vertrauen? Hier herrſcht mit tauſend Augen der Des— pot— Kein Herz hab' ich zu jenen fremden Frauen, Mir aufgedrungen durch ein fremd Ge— bot— Auf keines Dieners Treue darf ich bauen— Der Markgraf ging— der letzte Freund in Noth— Und jeder Seufzer, den die Lippen ſenden, Toͤnt mir zuruͤck von kalten Marmor⸗ waͤnden. Wohlan ich geh' allein!— Gefahren ſchrecken Die Unſchuld nicht— hervor mein Pilger— kleid! (ſie wirft es baſtig über.) Vorlaͤngſt hat im Gebet zu frommen Zwecken Der Gattin heiße Liebe dich geweiht, Der —— — 62 Du ſollſt mich nun vor Spaͤher Augen dek ot eke ken— Der Strick umguͤrte mir die Niedrigkeit, Und vor des Lichts verraͤtheriſchen Strah⸗ len Verberge mich der Hut mit Muſchelſcha— len. (ſie ſetzt den Hut auf und ergreift ſtab) den Pilger⸗ Es daͤmmert ſchon— ich ſehe Sterne blinken— Was zaud'r ich noch?— Geworfen iſt mein 005. Oft in Gefahren muß der N 22 Renſch verſin⸗ ken, Nicht raſch befolgend was er klug be⸗ ſch lo ß. Drum ſoll mir Heſperus nicht zweimal win— ken, Ich fliehe, ſtille Nacht, in deinen Sch bos! Ich 63— Ich wandre muthig fort am Pilgerſtabe, Wo nicht zur Heimath— doch zum ſichern Grabe! (ſie eüt fort.) * 8 Ende des erſten Akts. Zwejtet Akk: Das feſte Schloß zu Como vom See umfloſſen Ein Söller tritt hervor, doch mit eiſernen Stä ben vergittert, hinter welchen ein düſteres Lämp⸗ chen flimmert. Nacht und Mondſchein. Ein ſcherboot iſt auf das Ufer gezogen. Zwei Wäch⸗ ter gehn am Strande auf und nieder.) Erſte Scene. Berengar ſtritt haſtig auf. Ihm folgt der Burgvoigt. Berengar. O wiederhol' es mir! Sie iſt ergriffen? Burg⸗ Burgvoigt. Bis Como, bis zum See gelang die Flucht; Hier wollte ſie an fremdes Ufer ſchiffen, Und ſucht' ein Fiſcherboot in dieſer Bucht; Doch als die Pilgerin Verdacht erregte, Gewohnte Koͤnigswuͤrd' ihr Stolz verlieh, Und doch die Angſt in jeden Blick ſich praͤgte; Ward mirs gemeldet, ich erkannte ſie. Zu meinen Fuͤßen ſah ich nun ſie zittern Und manche Thraͤne ihr vom Auge floß; Doch konnte ſie die Treue nicht erſchuͤttern, Und ſeufzt gefangen nun im feſten Schloß. Berengar. Hab Dank. Um reichen Lohn ſey unbe— kuͤmmert. Burgvoigt. Verloren hat ſie das gewagte Spiel— Schaut hin, wo jenes Laͤmpchen duͤſter flim— mert, Dort fand verwegne Flucht ihr Ziel. E Bereungear. Doch daß ſie nicht zum zweiten Mal entrinne! Hat deine Wachſamkeit— Burgvoigt. Seyd unbeſorgt; Kaum dringt in dieſen Kerker eine Spinne; Wenn ſie von Schwalben nicht die Fluͤgel borgt, So wird ſie jenen ſtarken Eiſenſtaͤben, Die ihr Gemach vergittern, nicht entfliehn, Auch iſt vom See die Feſte rings umgeben, Fuͤrwahr, ſo waͤre eitel ihr Bemuͤhn. Am Ufer hier noch Wachen aufzuſtellen Schien' unnuͤtz, doch ich that es wie Ihr ſeht. Berengar. Sobald der Mond ſich taucht in dieſe Wellen, Aus ihrem Schoos die Morgenſonn' erſteht, Soll feſtlich man die Schloßkapelle ſchmuͤk— ken, Wo 67— Wo ein geſchmeidger Prieſter uns vereit it; Denn Morgen will ich dieſe Roſe pfluͤcken Und waͤre ſie von Dornen rings umzaͤunt. Burgvoigt. Wollt Ihr indeß der kurzen Ruhe pflegen? Mit einem harten Lager nehmt v dorteb Oblteb. Berengar. Zum Pfuͤhle magſt du einen Stein mir le— gen, Wenn ihr Beſitz mir unbeſtritten blieb. Verſuch' es nun Empoͤrn ng anz zufachen, Ein Markgraf Azzo mit der Prieſter Schaal In ihrem Arm will ich hinfort erwachen, In ihrem Arm verſpott' ich die Gefahr Ich weiß, was gegen mich die Fuͤrſten bruͤten, Ich weiß, was unter heißer Aſche glimmt; Doch iſt ſie mein, ſo trozt ohnmaͤchtgem Wuͤten Der auf des Cluͤckes reiſſendem Strome ſchwimmt. Cab mit dem Burgvoigt) Ea Zweite Scene. Zweite 2 ie beiden Waäaͤchter. Erſter Waͤchter. Der Koͤnig wars. Er iſt heraufgezogen Mit Roß und Mann aus ſeiner Koͤnigs⸗ ſtadt. Der Zweite. Schnell wie ein Sturmwind iſt er hergeflo— gen, Weil wuͤthger Zorn ſein Roß geſtachelt hat. Von einem Knappen hoͤrt' ich ſchon erzaͤh⸗ len: Wie er, die Flucht vernehmend, wild geraſt; In Marterkammern ließ er Zofen quaͤlen Und mancher Waͤchter Blut floß im Pallaſt. Der Erſte. Faͤrwahr ich bin ein armer Kriegsgeſelle, Doch ungern ſteh ich hier. Um alles Gold Erkauft' ich nicht des Koͤnigs Ehrenſtelle. Der 689— Der Zweite. Was kuͤmmerts uns? wir haben Brod und Sold. Adelheids Stimme hinter dem Gitter. Keinen Troſt kann mein Gebet erfaſſen! Alles ſchlaͤft— nur mein Verfolger wacht; Wehe! Wehe! mich hat Gott verlaſſen! Ich verſchmachte in des Kerkers Nacht! Der erſte Waͤchter. Hoͤrſt du die Klagetoͤn' heruͤber ſchallen? Mir ſchneiden ſie durchs Hrrz— o waͤr' ich taub! Der Zweite. Was kuͤmmerts mich? Der Erſte. Einſt hochgeehrt von allen, Und nun ihr Schmerzenslager duͤrres Laub! Der Zweite. Was haben wir denn? Kalte naſſe Steine, Und Und uͤbern See beſtreicht uns der Nordoſt; Ein giftger Nebel ſchwimmt im Monden— ſcheine Und Mark und Bein durchſchuͤttelt Fieberfroſt. Der Erſte. Ein Wirbelwind erhebt ſich. Der Zweite. Sieh, da oben Geſtaltet er die Wolken wunderlich; Hu! wilde Jagd! Der See beginnt zu to— ben— Am Ufer brechen ſchaͤumende Wellen ſich Der ſchwarze Himmel will den Mond ver— ſchlucken, Hat ihm den Trauermantel umgethan. Der Erſte. siſt eine Nacht, in der die Geiſter ſpuken— Ich wollt es krähte ſchon der Hahn. Der Zweite. Wer da! — 71— Der Erſte.(fährt erſchrocken zuſammen) Was ſiehſt du? Der Zweite. Siehſt du nichts? da druͤben An jenem Baum— es regt ſich eine Ge— ſtalt— Der Erſte.(ſich kreutzigend) Ich habe meine Seele Gott verſchrieben. Dritte Scene. Vorige. Guido tritt auf als Fi⸗ ſcherknabe. Der zweite Waͤchter. Guido. Ein armer Fiſcherbube. Der zweite Waͤchter. Halt! er Der Erſte. Laß ihn— mir luͤpft das Haar ein heim— lich Grauen— Der Zweite. Mir nicht. Was ſuchſt du hier in dunkler Nacht Guido. Der Fiſcher will nach ſeinen Netzen ſchauen. Der Zweite. Weg da! hier wird das Ufer ſcharf bewacht— Guido(teiſe betend) Laß deinen Wolkenſchleyer niederfallen, Daß er das ſchwache Mondenlicht erſtickt! Laß kuͤhle Duͤnſte ſich zum Nebel ballen, Der den getaͤuſchten Augen mich entruͤckt! Der Zweite. Was murmelſt du?— wo biſt du?— biſt verſchwunden?— Czu dem Erſten) Siehſt du nichts mehr? Der Erſte. Ich ſehe nichts. Der Zweite. Fuͤrwahr, Den Ruͤckweg hat der Bube ſchnell gefun— den. Der Erſte. Wenns kein Geſpenſt um uns zu necken war. Guido. Sie ſtehn geblendet. Der Zweite. Hm! was kanns bedeuten? Die Ammenfurcht hab' ich ſchon laͤngſt be— ſiegt, Sieh nur den dichten Nebel ſich verbreiten, Iſts da ein Wunder, wenn das Auge truͤgt? Der ganze See will ſich in Duͤnſte loͤſen— Erkenn' ich doch dich ſelbſt nicht mehr. Der Erſte. Das geht Un⸗ —— 4— Unheimlich zu, das iſt ein Werk ſen— Wer weiß, was noch erfolgt! Der Zweite. Ungluͤcksprophet. Guido. Wird Adelheid auch jetzt noch widerſtre— ben?— Wohl jedem Sterblichen, ihm unbewußt, Ward auf der Welt ein Schutzgeiſt zugege— ben, Der in der Noth ſich ſchmiegt an ſeine Bruſt; Der— wenn ſich Erd und Himmel hart verſchworen— Durch Flammen noch den Rettungspfad ent⸗ deckt, Und wenn der Hoffnungsanker ſchon verlo— ren, Oft ploͤtzlich ungekannte Kraͤfte weckt. Doch moͤgen nur die Kinder ihm vertrauen; Heran 14 Heran gereift, ſchwand ihre Zuverſicht 134 K Und weil ſie ihn mit Augen nimmer ſchauen, F So ahnen ſie ſein freundlich Daſeyn nicht. U Daß er ſie oft gehoben und getragen, HM I. Wenn Muthwill' gaukelt' um das offne Grab, 4 — N Das haben ſie vergeſſen! Maͤnner zagen, N 46 4 33 1 Wo ſich das Kind dem Schutzgeiſt kuͤhn er— gab— I Menſch! laß die freudige Ahnung dir nicht rauben: „Er ſchwebt um mich! verſinken kann ich ö nie!“— N 0—— 8 1 O moͤchte ſie nur dießmal kindlich glauben! J V. Denn warlich! nur der Slaube rettet ſie. C(er geht den Kahn los inden und vom Ufer in Der erſte WVaͤchter. Vernimmſt du nichts? Der Zweite. Wohl hoͤr' ich, wie mit Grimme Der See an's Ufer ſchlaͤgt; was ſonſt? 4 Der 56— Der Erſte. Es ſummt Mir vor dem Ohr, es fluͤſtert eine Stime me— In unſrer Naͤhe— Der Zweite. Wer da! Der Erſte. Sie verſtummt Der Zweite. Wo war es? Der Erſte. Dort! Der Zweite. Will uns ein Spuk verwir⸗ ren? Der Erſte. So ſcheints. Der Zweite. Ein guter Chriſt bleibt ungeſchreckt. Gehn wir drauf los! Der Der Erſte. Wir koͤnnten uns verirren, Mir ſind die Augen wie mit Flor bedeckt. Der Zweite. Taumel' ich doch ſelbſt in dichten Nebelkap⸗ pen, Und ſteif iſt mir das bleierne Genick; Doch wenn wir auch die Gegend blind durch—⸗ tappen Uns fuͤhret ſtets der Wellen Geraͤuſch zuruͤck. Der Erſte. Es koͤnnte leicht die Dunkelheit uns trennen. Der Zweite. Dann rufen wechſelnd wir einander zu. Der Erſte. Mag ich doch kaum den naͤchſten Baum er— kennen— Der Zweite. Ich will voraus dir ſchreiten— folge du. (beide tappen fort, indem ſie mit den Speeren dit Luft vor ſich her theilen)(ab) Vierte ——— Vierte Scene. Guido bat ſich indeſſen in das Bor t geſetzt, und rudert bis unter den Söller.) Adelheid chinter dem Gitter) Keinen Troſt kann mein Gebet erfaſſen! Alles ſchlaͤft— nur mein Verfolger wacht! Wehe! wehe! mich hat Gott verlaſſen! Ich verſchmachte in des Kerkers Nacht! Guid O.(hinauſſpreckh end) Wohl einen Troſt kann dein Gebet erfaſſen; Nicht alles ſchlaͤft, dein Schutzgeiſt wacht; Vertraue nur, dich hat Gott nicht verlaſſen, Es dringt ein Strahl in deines Kerkers Nacht. A de l hei d. Ha! welche Stimme! Guido. Moͤchtet Ihr ſie kennen! Es iſt der Guido, den Ihr von Euch ſtießt. Adelheid. ind Ad e h e i 8. O! wie ſo tief mich Scham und Reue brennen, Da des Verſchmaͤhten Stimme mich begruͤßt. Guido. Auf leckem Boote kam ich angeſchwommen, Doch muß im Sturm es unbeweglich ſtehn. Mein Wort zu loͤſen bin ich hergekommen: Euch retten oder mit Euch untergehn! Adelheid. Mich retten? ach! unmoͤglich frommer Knabe! Guido. Was iſt unmoͤglich dem der glaͤubig fleht. Adelheid. O wuͤßteſt du, wie ich gebetet habe— Guido. Vertrauen iſt das kraͤftigſte Gebet, Adelheid. Kann ich das Eiſen dieſes Gitters brechen? Guido. — 80— Guido. Warum nicht! wenn der Glaub' Euch Kraft verleiht. Adelheid. Willſt du noch Hohn dem ſchwachen Weibe ſprechen? Guido. Nur der iſt ſchwach, den Glaube nicht er— freut. Natur entſagt den ewigen Geſetzen, Nach jenem Wink, den ihr ein Gott-Menſch gab: Des Glaubens Senfkorn Berge ſolls ver— ſetzen! Und Euch verwirrt ein duͤnner Eiſenſtab? Auf Koͤnigin! mit Freudigkeit erhebe Das Auge ſich zum ſtarken Gott empor! Mit Zuverſicht und Glauben faßt die Staͤbe, Brecht und zerſplittert ſie wie duͤrres Rohr! Adelheid. Adelheid. Dein Hauch beſeelt— mein Herz wird groß— ich hebe Zum ſtarken Gott das naſſe Aug' empor— Mit glaͤub'ger Zuverſicht faß ich die Staͤbe— Und ſchuͤttle ſie— und breche ſie wie Rohr. (ſie zerbricht das Gitter) Ha! neue Hoffnung will den Buſen ſchwel— len, Da ſeiner Magd Gott Wunderkraft verliehn! Guido. So ſtuͤrzt Euch nun herab in dieſe Wellen! Herab in meinen Arm, durch Glauben kuͤhn. ADielheid Wie? meinen Gott verſuchen? darf ichs wa— gen?— Ein Abgrund gaͤhnt herauf— dein Arm iſt ſchwach— Guido. Noch immer koͤnntet Ihr an dem verzagen, Durch den der Glaube dieſes Eiſen brach? F Adelheid. Adelheid. Nein! nein!— ich will— ich muß— warum dieß Zaudern?— In ſchwarze Tiefe ſtuͤrzt der ſcheue Blick— Wenn Seel' und Koͤrper, ſich entſetzend, ſchaudern— Ach! unwillkuͤhrlich bebt der Fuß zuruͤck! Guido. Schon iſt Verderben uͤber Euch beſchloſſen, Seit Berengar in dieſe Mauern drang, Und der Verbrecher kalte Mitgenoſſen Bereiten grinſend Euch den Untergang, Schon ſind die Hochzeitkerzen angezuͤndet, Schon hat der Prieſter den Altar geſchmuͤckt Und eh' die Sonne ſich dem Meer entwindet Hat Eure Seufzer die Gewalt erſtickt. Adelheid. Halt ein! Gui do.(bittend) Herab zu mir! Adelheid. Adelheid. Wie Dolche dringen Mir deine Wort' ins Herz— Guido. Herab geſchwind! Adelheid. Ja, lieber in des Todes Rachen ſpringen, Als Ketten tragen, die mir ſchimpflich ſind! Guido. Es daͤmmert ſchon. Adelheid. Hinab!— Weh mir!— die Wellen— E ie Wellen tragen den, der Gott vertraut 7 7³ — 2 ◻ν Guido. Horch! Schluͤſſel klirren! Stimmen gellen! Sie kommen— Guido. Sie ergreifen die Braut. Adelheid. Allmaͤchtger! rette mich! Guido. Er will dich retten. Adelheid. Vor mir und hinter mir ein offnes Grab!? Guido. Die Pforte knarrt— A delhei Er kommt! Guido. Zerbrich die Ketten! Adelheid. Er iſts! Gott ſchuͤtze mich! hinab! hinab! — (ſie ſpringt in die Wellen. Guido rettet ſie, und der Nachen gleitet, von ihm gerudert, leicht über die die Wogen Fackel auf dabin. den Söller, erblickt mit Entſetzen die dert ihnen fällt.) Ende die 8 9e8 Fackeln Berengar tritt mit einer ſchaut wild um ſich— Fliehenden, und ſchlen⸗ nach. Der Vorhang zweiten Akts. Dritter Dritter Akt. Eine ländliche Gegend am Comer See mit einer f Fiſcherhütte. Der Morgen iſt angebrochen. Erſte Scene. Der alte Fiſcher Antonio Cttitt aus der Hütte) Die buͤchnen Tiſche blank geſcheuert— Die Becher von Buxbaum ausgeſchwenkt— Die Keſſel tuͤchtig unterfeuert— Die Kuchen mit ſuͤßem Oel getraͤnkt— Die ſchoͤnſten Fiſche ſind erleſen, Wir haben gezapft vom beſten Wein, Und horch! es fegen ſchon die Beſen — — E niedrige Stube zum Tanze rein. Die Die Kerzen flackern vor der Madonne, Die ſchnurrenden Geigen werden geſtimmß Und uͤberall hochzeitliche Wonne, Mtt In der das junge Voͤlkchen ſchwimmt, He! Margarethe! biſt du fertig? Die Dirne inwendig. Gleich Vater, gleich. Antonio. Das putzt ſich noch, Des ſchmucken Braͤutigams gewaͤrtig Und luͤſtern nach dem Ehſtandsjoch. So ſpielen die Fiſchlein im klaren Gewaͤſſer Und wiegen behende ſich her und hin; Sie habens wohl gut und haͤttens gern beſſer, Und ſchluͤpfen ins Netz— und zappeln drin. Zweite Zweite Scene. Margarethe. Antonio. Margarethe. Da bin ich Vater. Antonio. Wohl auf Margarethe! Bevor ich mit dem Schleier dir Im Kreis der Verwandten entgegen trete, Vernimm noch ein trauliches Woͤrtchen von mir. Du haſt den froͤhlichen Kindermorgen Durchflattert mit Behaglichkeit; Du, in der Aeltern Huͤtte geborgen, Was kuͤmmerten dich des Lebens Sorgen?— Sie kommt nicht wieder die ſchoͤne Zeit! Der Jugend Frohſinn Allen vertrauend, Nie hinter ſich, nie um ſich ſchauend, Den jedes Bluͤmchen kindiſch freut, Dem alles Gold iſt, wenns nur blinket, Den — 89— Den jeder Pfennig ein Schatz beduͤnket, Und Jahresfriſt eine Ewigkeit— Sie kommt nicht wieder die ſchoͤne Zeit! Oft wirſt du ihrer noch gedenken, Wenn Sorgen in deine Bruſt ſich ſenken, Erkennen, was oft im Jugendraufch Wohl unbeachtet dir geblieben: Wie Aeltern ſorgen, wie Aeltern lieben, Und was du verloren beim froͤhlichen Tauſch. Du ſollſt nun eine Hausfrau werden. Es iſt der edelſte Stand auf Erden, es Gluͤckes Grund auf ihn gebaut; ich wird der Mutter Name zieren, Du wirſt die Weſen, dir anvertraut, 2 2 u Ordnung, Fleiß und Tugend fuͤhren, 8 ein Haus mit Ernſt und Milde regieren, Stillwirkend und ſchaffend fruͤh und ſpaͤt; Nicht karg die Nothdurft zugemeſſen, och auch das Kleinſte nicht verſchmaͤht. er Armuth wolle nie vergeſſen, 29 838 2— —— — 90— Ihr Segen bringt und mehrt das Gluͤck; Und kehrt dein Gatt' am Abend muͤde Vom ſauern Tagewerk zuruͤck, Empfange ihn der haͤusliche Friede Und ſeiner Gattin freundlicher Blick. Nagt dir bisweilen ein Gram die Seele, Ei den verrathe nicht ohne Noth, Daß ihm der froͤhliche Muth nicht fehle Zur maͤnnlichen Sorg' ums taͤgliche Brod. Vor Allem bleibe feſt im Glauben, An deinem Gotte halte feſt! Laß dir den Himmelstroſt nicht rauben, Der nie zu Schanden werden laͤßt; Den Himmelstroſt, vor Gott zu treten, Wenn Erdennoth die Seele druͤckt; Wer beten kann, von Herzen beten, Der kann auch tragen was Gott ihm ſchickt.— Dieß letzte Wort von Vaters wegen Mußt' ich ans kindliche Herz dir legen. Genug ſchon werden die Gaͤſte laut, So So ziehe denn hin mit meinem Segen, Geliebte Tochter! fromme Braut! Dritte S̃eene. Fiſcher und Fiſcherin nen führen den gam mit Geſang und Tauz. Vor ihnen her zieht ein Knabe und ein Mädchen Der Knabe trägt eine brennende Fackel, das Mädchen einen Schleier. Froͤhlicher Marſch und Chor. Zur Hochzeit! ihr Alten und Jungen, Am Ufer des Comer See Da werde die Fackel geſchwungen, Die Braut verſchleiert, Die Liebe gefeiert, Geſungen, geſprungen, Mit lautem Juchhe! Anton i o. Seyd mir gegruͤßt, ihr Nachbarn alle! Ich dank Euch, daß Ihr willig und froh Herauf⸗ Hergufgezogen mit Jubelſchalle Zum alten Nachbar Antonio. Verdoppelt wird am Hochzeittage Des Vaters Freude wie ihr wißt, Wenn er bei ſolchem Ehrengelage Die guten Nachbarn nicht vermißt. Der Tochter karges Brautgeſchmeide Noch Eines ſo herrlich ſchimmert es dann: Denn was iſt Gluͤck, und was iſt Freude, Wenn ſie der Menſch nicht theilen kann?— Noch Einmal, willkommen in meiner Huͤtte! Doch eh' ich nun, wie ſichs geziemt, Die Braut verſchleire nach alter Sitte; So werde dankbar in Eurer Mitte Der Gott geprieſen, der Engel geruͤhmt, Der ploͤtzlich mir nach langen Sorgen Den Lebensfaden freundlich ſpann; Denn iſts Euch allen doch unverborgen: Ich war ein armer, blutarmer Mann, — 93 708 —— en oft in ſeinem muͤhſeligen Leben 2 es Fleißes Hoffnung hart betrog, Venn er bei Tag und Nacht mit Beben f Das leere Netz ans Ufer zog! Nur Einmal— iſt mirs doch wie heute!— Es zappelt' im Netz ein großer Fiſch, Ein koͤſtlicher Fiſch war meine Beute, Erleſen fuͤr des Koͤnigs Tiſch. Da ſpracht ihr Nachbarn:„Antonio, eile! „Die Fuͤrſtentochter von Burgund „Wird unſerm guten Koͤnig zu Theile „Durch einen frommen Liebesbund, „Schon ziehen die ſtattlich geſchmuͤckten Gaͤſte, „Voran der erzbiſchoͤffliche Hirt, „Auf allen Straßen zum herrlichen Feſte, „Das in Pavia bereitet wird. „Drum eile! des Koͤnigs Tafel zu ſchmuͤcken „Iſt dieſer koͤſtliche Fiſch wohl werth; „Wer „Die Hand der Braut dafuͤr beſcheert.“ weiß was dir an Silberſtuͤcken S — —— —, 94 Da fuͤllt' ich die Mulde mit klarem Ge— waͤſſer, Und warf den lebenden Fiſch darein, Und baut' in die Luft mir herrliche Schloͤſſer, Und wanderte luſtig— die Welt war mein! Und Gott ſey Dank! mein kuͤhnſtes Hoffen— Mir ſelber ſchien es ungereimt— Doch wurd' es dießmal uͤbertroffen! Von Silber hatt' ich nur getraͤumt, Eine Hand voll Gold ſah ich mir ſpenden! Und daß die Braut, ſo wunderhold, Es mir gereicht mit eignen Haͤnden, O warlich! das war mehr als Gold! Denn Fuͤrſten Huld— zerbrochene Scherbe Verwandelt ſie in Edelſtein!— Von Weib und Kindern und Gewerbe Und wie wir leben und wie wir gedeihn, Mußt ich erzaͤhlen mit breiten Worten, Sie hoͤrte den Schwaͤtzer freundlich an, Und wahrlich! meines Herzens Pforten Hatten ſich weit weit aufgethan. Ich Ich meint' ich muͤßte ſie in mich ſaugen Die holde Geſtalt der Sie ſchwebt mir immer noch vor Augen, Sie ſchwebt mir ewig vor dem Sinn! Mein Fleiß, der ihr Geſchenk verzinſte, S Und mit dem redlichen Gewinſte Statt' ich die Tochter nun dankbar aus. Doch ach! im ſchwarzen Witwenkleide Haͤrmt ſich die fromme Koͤnigin! Gott troͤſte ſie in ihrem Leide! Gott troͤſte meine Wohlthaͤterin! A Gott troͤſte ſie! (Antonio zieht die Mütze ab und veret ſtill. thun ein Gleiches.) Koͤnigin; Trug Gottes Segen mir ins Haus, le. Antonio. Nun reicht mir den Schleier. —— — ————— ———— Die brennende Fackel reicht mir auch, Auf daß ich die Verlobungs-Feier Mit Ernſt beginne nach altem Brauch. Cer verſchleiert die Braut) Mit dieſem Schleier, dicht gewoben, Verhuͤllt dein Haupt die Vaterhand; Von keinem werd' er aufgehoben, 4 Bis du geknuͤpft das heilige Band. f ker ſchwingt die Fackel über ihn.) Und vor der geſchwungenen Fackel weiche Der boͤſe Geiſt in ewige Schmach! Die Flamme nicht loͤſche noch erbleiche, Bevor der Prieſter den Segen ſprach. Die Fackel wird vor der Hütte aufgepflanzt. 8 Antonio(umarmt den Bräutigam) Mein Sohn! von meines Lebens Reſte Vertrau ich nun die Obhut dir! Vierte Vierte Scene. Ade lhe id und Guido c(landen mit dem Voote) Antonio. Sieh da! es kommen noch mehr der Gaͤſte. Gleichviel woher, willkommen mir! Guido. Gott ſey mit Euren grauen Haaren! Und hoch geprieſen die himmliſche Macht, Die, an der Unſchuld ſich zu offenbaren, Auf leckem Boot uns hergebracht. Antonio. Habt Ihr gewagt den See zu befahren Im Sturme der entwichnen Nacht? Guido. Gewagt mit Gott! Aln Still wurd' es heute, tonio. Doch grimmig hat der See getobt. Ihr kommt fuͤrwahr in Gottes Geleite. G Guido. So iſts. Adel9 Gott ſey gelobt! Antonio. * e gütlich 1 So thut Euch guͤtlich i 1mmeiner Huͤtte, Wenn gleich mir fremd von Angeſicht; Ihr ſeyd willkommen in unſrer Mitte Woher des Landes? fragen wir nicht. Verknuͤpft die Freude doch alle Weſen, Iſt doch die Welt ihr Vaterland, Mit Roͤmern und mit Calabreſen Durch Freude der Lombarde verwandt! Adelheid. Vergoͤnnt mir heute unter Euch zu weilen, Um Stand und Nahmen unbefragt, Wenn gleich der Freude Taumel hier zu theilen Ein herbes Schickſal mir verſagt. Antoni o. Wie iſt mir?— Blendet mich die Sonne? Mir werden die Augen wacker und klar— So helfe mir Gott zur ewigen Wonne! Sonne! Ich ſehe die Witwe des Lothar! Alle Die Koͤnigin! Guid o. Sie iſts. Adelheid. Erbarmen! Verrathet eine Fliehende nicht, D Die ſich entwunden verhaßten Armen, Die ihre ſchimpflichen Ketten zerbricht. Antonio⸗ Ihr auf der Flucht? wir Euch verrathen? Ha! lieber den martervollſten Tod! Wenn auch der Papſt durch ſeinen Lega⸗ ten Uns mit dem ewigen Bannfluch droht! —— Hier ſoll keine Muͤcke Euch verwunden, Saͤh' gleich die Hoͤlle dazu ſcheel! G2 Durch Afg Durch Wohlthun habt Ihr uns gebunden Und Euer ſind wir mit Leib und Seel! Alle. Ja, Euer ſind wir mit Leib und Seel! Adelheid. Gott! wenn das Herz im Brechen und Scheiden Die letzte Hoffnung zuckend begruͤßt, So traͤufelſt du in den Kelch der Leiden Den Tropfen der Liebe, der Alles verſuͤßt! Antonio. Habt Ihr, ſeit Eurem Ehrentage, Des alten Fiſchers wohl gedacht, Der Euch zum frohen Brautgelage Vom Comer See den Fiſch gebracht? Ich war es, der Geringſten Einer, Gewuͤrdigt Eures gnaͤdigen Blicks. Adelheid. Recht Alter, ich entſinne mich Deiner, Du ſahſt mich auf dem Gipfel des Gluͤcks! Antonio. Antonio. Nun, damals haben Lieb und Treue Im Herzen Euch Altaͤre gebaut; Durch Euch erbluͤhte mein Gluͤck aufs neue, Durch Euch iſt dieſes Maͤdchen Braut; Und was ich habe, und was ich beſitze, Von Eurer Gnad' iſts ein Geſchenk: Nun fragt noch, ob ich Euch beſchuͤtze, Der Koͤnigs-Milde eingedenk? Wir Alle, ſo gering wir ſcheinen, Wir achten die Treue ein Ehrenkleid, Nun fragt noch, ob wir Alle fuͤr Einel Im Kampfe ſtehn fuͤr Adelheid? 8 2 Doch ſeyd getroſt! zu unſern Huͤtten erirrt kein Spuͤrhund ſich ſo leicht, 8 enn wo die Armuth eingeſchritten, — Da wird die Habſucht bald verſcheucht. Adelheid. So bleib' ich ruhig in Euren Haͤnden Und halte mich verborgen ſtill, FEEEEEEEEE 2+++—+—+++f, DEN —.— 3 2 2 Bis nach Canoſſa mich zu wenden, Erneute Kraft vergoͤnnen will. Fuͤnfte Sceſe. Vorige. Eine junge Dirne eilt herzu. Ach Huͤlfe! Huͤlfe! d des Koͤnigs Reiter— Sie ſuchen und fluchen— ſie toben und pochen— Sie haben verſchloſſene Thuͤren erbrochen— Sie dringen im Dorfe mit Ungeſtuͤm wei— ter— Durchſtoͤbern die Winkel und forſchen und fragen— Kaum bin ich entronnen Euchs anzuſagen. Adelheld. Ich bin verloren! Antonio. Ei mit nichten! Wie viele ſind ihrer? * 2 — L. öRRDPr Antonio. Nur Zwei? Und waͤrens Zwanzig, vor ſolchen Wich— ten —— Seyd ruhig— tragen wir keine Scheu. Iſt Ihnen mit Geld der Mund zu ſtopfen, 32 2 Mein letztes geb' ich her— wo nicht, 14 So wollen wir ſie mit Rudern klopfen, 1+* 1 Bis auf den Koͤpfen das letzte bricht.— 4 1 II Doch moͤchte, wenn ichs ſchlau bedenke, Auch eine Liſt hier wohl gedeihn, Und wenn ich die alte Sitte kraͤnke, So moͤg' in der Noth mirs Gott verzeihn. Der Sittſamkeit den Schleier entwenden, Die Braut enthuͤllen vor der Zeit Iſt wohl ein Frevel von kuͤhnen Haͤnden, Doch Freunde, hiet gilts Dankbarkeit. Fuͤr unſre Koͤnigin nichts zu theuer! 1 . 4 Sie + 3* — 104 Sie hat im Ungluͤck uns vertraut. Wohlan! herunter mit dem Schleier; (Er nimmt ſeiner Tochter den S Adelheld damit.) chleier und verhüllt Ihr meine Tochter, Ihr die Braut. Adelheid Ha! redlicher Greis! — Antonio. Still! folgt meinem Rathe. Wir taͤuſchen die Buben. Sprecht kein Wort. und daß die Angſt Euch nicht verrathe— Kert in die Hütte! eilig fort! (Er ſchiebt ſie ſanft hinein.) Sie werden die Landesſitte ehren, Und wenn ſie die brennende Fackel ſehn, Den lauten Hochzeitjubel hoͤren, So werden ſie ruhig voruͤbergehn. O! Gott! laß nur dieß Eine gelingen! Dann fahre zur Grube mein graues Haar!— Sie — 105— Sie kommen!— jubelt mit Singen und Springen, Als wuͤrdet ihr ſie nicht gewahr. Chor und Tanz. Zur Hochzeit ihr Alten und Jungen! Am Ufer des Comer See. Sechste Scene. Vorige. Ein alter und ein junger 2 Reiter. 2 Der Alte. Gluͤck auf! ſo luſtig? Antonio. Kein truͤbes Woͤlkchen Steht heut an unſerm Firmament. Der Alte. Was giebts denn hier? Antoniso- Das junge Voͤlkchen— Sey — 106— Sey 58 die ſeltne Freude vergoͤnnt— Es 87 Lelte uͤpft wie auf der Himmels?d iter. Got Eſchentts mir einen fi ohen Tag! Seyd mir willkommen, ihr Herren Reiter, Bei meiner Tochter Brautgelag. Ein guter Wein, vollauf f zu eſſen— Macht Euchs bequem, die Koller ſind ſch Der Altre. Uns iſt die Zeit karg zugemeſſen, Wir jagen raſtlos hin und her⸗ Die Adelheid iſt entſprungen, Da dri Ihr üben aus Como's feſtem Schl oß, wohl durch Zaubermittel gelungen, Da ihren Kerker der See umfloß. Doch wird ſie auch das Wagſtuͤck buͤßen Und waͤre ſie in der Kirche verſteckt. Dem iſt ein herrlicher Lohn verhießen, Der die verlorne Spur entdeckt. Antonio. Was zwang die Edle zu entfliehen, Von der ganz Mailand ruͤhmlich ſpricht? De D 107— Der junge Reiter. Was kuͤmmerts uns, warum? vollziehen Des Koͤnigs Befehl iſt unſre Pflicht. Antonio. In Gottes Namen! Gluͤck auf die Reiſe! Der alte Reiter. Iſt, die wir ſuchen, nicht unter Euch? Antonio. Schaut ſelbſt umher ig dieſem Kreiſe, Sieht Eine hier einer Koͤnigin gleich? Der alte Reiter. Ich habe die Koͤnigin nie geſehen, Stand auf der Grenzwacht Jahre lang, Und darum koͤnnt' es leicht geſchehen, Daß mir entginge der koͤſtliche Fang. Antonio. Und Ihr? kennt Ihr ſie? Der junge. Reiter. Wie mich ſelber. Ich war ja taͤglich ihr nahe genug, Wenn — 108— Wenn durch der Vorhalle weite Gewoͤlber, Almoſen ſpendend, ihr Weg ſie trug. Oft ſtand ſie lange im dichten Kreiſe Mit vollem Seckel in der Hand, Gab hier dem Kinde, dort dem Greiſe, Bis auch der letzte Heller ſchwand. Antonio. So habt ihr ſie geſehn und koͤnntet Nun ſie verfolgen? Der junge Reiter. Scheint es doch, Als ob ihr mir den Preis nicht goͤnntet? Mir iſt dergleichen viel zu hoch. Der Koͤnig beſiehlt, ich muß gehorchen; Soldat und Gruͤbeln, das ſteht nicht fein. Obs recht und gut? ſind ſeine Sorgen, Und die Verantwortung iſt ſein. Drum auf Kamerad! was nuͤtzen die Fra— gen? Hier ſteht ſie nicht, doch ihre Flucht — 109— Hat ſchwerlich weiter ſie getragen; Die Huͤtte blieb noch undurchſucht. Antonio. Verſchonen wollet ihr dieſe Huͤtte, Denn was ſie birgt die Fackel verraͤth, Ihr kennt des Vaterlandes Sitte; Dort harret die Braut im ſtillen Gebet. Der junge Reiter. Die Braut? wir muͤſſen ſie betrachten. Antonio. Sie iſt verſchleiert wie ſichs ziemt. Der junge Reiter. Hier duͤrfen wir der Sitte nicht achten. Antonio. Es werde Schonung euch nachgeruͤhmt. Der junge Reiter. Wir wollen ihr kein Leid zufuͤgen; Wir ſchauen ſie an und damit gut. Antonio. Verlangt ihr Geld? Da, laßt euch gnuͤgen, Nur keinen frechen Uebermuth! rtd Der alte Reitet. Ich daͤchte, Kamerad, wir gingen, Der junge Reiter. Mit nichten, denn mir waͤchſt Verdacht. Antonio(tritt vor die Thür) In meine Huͤtte ſoll Niemand dringen! Der junge Reiter. Hinein! und waͤr' ſie vom Satan bewacht! (er ſchleudert Antonio auf die Seite und geht hinein) Antonio. Auf Nachbarn! Freunde! Bruͤder! Soͤhne! Verflucht, wer ſeinen Schwur nicht haͤlt! Wer duldet, daß der Knecht uns hoͤhne? Ergreift was euch in die Haͤnde (Alle bew faͤllt. affnen ſich mit Rudern und Knütteln) Der alte Reiter. He! Kinder, bleibt ruhig bei eüren 9 Bedenkt doch kluͤglich was euch droht! Wollt i Letzen! hr dem Koͤnig euch widerſetzen? Ihr hoͤrt, es iſt des Koͤnigs Gebot. Antonto— 14 Antoni o. Und ſtuͤnd' ich an der Todespforte, Die heilige Pflicht gebietet hier! ö Der alte Reitet. He Alter! was bedeuten die Worte? Nun weckſt du auch Verdacht in mir. 1 2— 6 Siebente Scene. NI Vor ige.(Der junge Reiter zieht Adelheid nach ſich) Der junge Reiter. Heraus an's Licht mit deinem Schleier! So wahr ich ein ehrlicher Kriegsmann bin, Kamerad, hier iſt es nicht geheuer, Das iſt die Geſtalt der Koͤnigin. Der alte Reiter. Wie magſt du doch ſo ſeltſam traͤumen, Die Koͤnigin eine Fiſchersbraut? Der junge Reiter. Sie zittert— wie Laub auf Eſpenbaͤumen, Warum? Wenn ihr vor uns nicht graut? Antonio. Antondo. Kein Wunder! ſie mag wohl zittern und beben, Da ihr ſo toͤlpiſch ſie gefaßt; Denn wahrlich! ſie ſah in ihrem Leben Noch keinen ſo ungeſchliffenen Gaſt. Der junge Reiter. Gleichviel, doch jetzt den Schleier herunter! Was gilts, ich halte Fortunen beim Schopf? Antonio(zwiſchen Adelheid und den Reiter tretend.) Herr! laßt euch rathen! machts nicht noch bunter; Es tanzt mein Knuͤttel euch auf dem Kopf! Der junge Reiter. Ihr wollt mir meine Pflicht verwehren? Der alte Reiter. Laß gut ſeyn— komm— esiſt doch nicht recht, Daß wir die Hochzeitfreude ſtoͤren. Antonio. Da hoͤrt ihrs! Der junge Reiter. Gleichviel, gut oder ſchlecht; Ihr wagt des Koͤnigs Befehlen zu ſpotten? Auf eure Gefahr! mein Schwert! heraus! Will ſich das Voͤlkchen zuſammen rotten, So treibe den Ungehorſam aus. Antonio. He da! ich warn' euch, kecker Geſelle, Eh' ihr den Ernſt der Drohung ſpuͤrt! Der iſt des Todes auf der Stelle, Deß Fingerſpitze den Schleier beruͤhrt! Der junge Reiter. Drauf will ichs wagen. Antonio. Schlagt ihn zu Boden, den trotzigen Wicht! Der junge Reiter. Graukopf zuruͤck! ich ſtoße dich nieder! Antoni o⸗ Auf Bruͤder! * — 114— Adelheid. Halt! halt! ich bins! Ciie ſchlägt den Schleier zurück. Guld o, der wäh⸗ rend dieſer ganzen Scene mit verſchräͤnkten Armen ein ruhiger Zuſchauer geweſen, ſchmiegt ſich jetzt behende an Adelheid und man erblickt ſtatt ihres Geſichts ein ganz fremdes.— Alle ſtutzen. Pauſe.) Der junge Reiter. Nein, ſie iſts nicht. Antonio.(ſtammelnd) Nein, ſie iſts nicht— Der junge Reiter. Was ſtaunt ihr alle? Adelheid. Ich bin es nicht? Der junge Reiter. Wars nun wohl recht, Daß ihr um nichts getobt? die Galle Mir aufgereizt? ihr Thoren, ſprecht! Antonio.(fromm gen Himmel blickend) rein, ſie iſts nicht! wohl waren wir Thoren! Wohl Wohl unſer Beginnen frevelhaft! Weil wir den ſchoͤnen Glauben verloren An eine ſchuͤtzende Wunderkraft! Der junge Reiter. Ich meint es ja ehrlich mit euch allen. Nun ſchoͤne Dirne, ſo erſchreckt? Laß nur den Schleier wieder fallen; Muthwillig wirſt du nicht geneckt. (Adelheid verſchleiert ſich wieder) Der alte Reiter. Und wenn kein Groll dir nachgeblieben— Soll doch eine Braut ſanftmuͤthig ſeyn— So geh um Gaſtfreundſchaft zu uͤben Und hol uns einen Becher voll Wein. Antonio. Geh, bringe den Wein, geh ohne Zagen, Es droht dir ferner keine Gefahr. Nun darf beherzt der Glaube fragen: Wer kruͤmmt der Unſchuld hier ein Haar? Adelheid.(geht in die Hütte) H Der 2 *— ———⁰.. ——— D YQρ —— ——. — 116— Der alte Reiter⸗ Auch ihr, laßt uns in Frieden ſcheiden. Glaubt mir, es iſt ein ſaurer Gang, Wenn oft zum Werkzeug fremder Leiden Den Knecht des Herren Wille zwang. (Adelheid bringt Wein.) Antonto.“ So trinkt und alles ſey vergeſſen. Der alte Reiter.(rrinkt) Auf die Geſundheit der ſchoͤnen Braut! Der junge Reiter.(trinkt) Vergebt mir, war ich zu vermeſſen, Dem Schein hatt' ich zu raſch vertraut. Der alte Reiter. Der Wein kann jeden Groll erſaͤufen. Der junge Reiter. Wir muͤſſen fort. Gehabt euch wohl! Ihr thut euch guͤtlich bei Trommeln und Pfeifen, Indeſſen wir das Land durchſtreifen Bis an die Graͤnze von Tyrol. — 117— Der alte Reiter. So treibt nun wieder mich alten Knaben Bergauf Bergab der leidige Stand. Wir, die wir keine Heimath haben, Oft nicht einmal ein Vaterland, Und taͤglich die Haut zu Markte tragen, Des Gluͤckes Ball und Wuͤrfel ſind, Und wenn wir den kargen Sold erjagen, Ihn nicht verzehren mit Weib und Kind, Nur immer nach Betaͤubung ſtreben; Uns bleibt es doch wohl unverdacht, 1 Wenn oft das wilde, muͤhſelige Leben Uns rauh und unempfindlich macht? (Beide ab.) Achte Seene. Vorige, ohne die Reiter. Antonio. Fort ſind ſie— die Gefahr verſchwun⸗ den. Wie f— 118— Wie iſt mir denn? war es ein Traum?— Ob ſie die Koͤnigin gefunden? Ob nicht? weiß ich nun ſelber kaum. Adelheid.(entſchleiert ſich) Ich bius. Antonio. Ja, ja, nun ſeyd ihrs wieder! Es ſenkte ſich mit taͤuſchender Kraft Ein himmliſch Blendwerk auf euch nieder. Adelheid. Wie iſt mir alles noch ſo raͤthſelhaft? Entſchleiert und dem Schickſal mich erge⸗ bend, Wie wurd' ich ploͤtzlich von der Angſt be— freit? Guido. Vertraut ihr nun der Macht, die euch umt ſchwebend, Bedraͤngter Unſchuld eine Wolke leiht? Adelheid. Adelh eid. Getend) Ja. Du haſt mir die Huͤlle zart gewobenl Von Dir verſchleiert ſtand ich unerkannt! Vertranen will ich kindlich Dir geloben, Und Vater, Vater ſey von mir genannt! Ich fuͤhle mich ermuthigt und erhoben, Und kraftvoll jede Nerve mir geſpannt; Du, deſſen Engel ſchuͤtzend mich begleiten, Wirſt nach Canoſſa meine Schritte leiten! Antonio. Duͤnkt unſre Huͤlf euch ſchon entbehrlich? O zoͤgert! ſcheidet nicht zu bald! Der Weg iſt weit, auch wohl gefaͤhrlich/ Er fuͤhrt durch einen dichten Wald, Die Pfade laufen krumm verworren, Es iſt die heiße Erntezeit, Wo Baum und Strauch in Glut verdorren, Kein Labetrunk Erquickung beut. Adelheid. O laßt mich ziehn! mit ungehemmten Schrit— ten Eilt 120— Eilt nach Canoſſa der befluͤgelte Fuß; In jenen Mauern, wie in euren Huͤtten, Wohnt noch der Treue maͤchtger Genius. Doch will ich ewig dieſes Tags gedenken, Wenn betend ſich mein Herz mit Gott b e ſpricht; Und wird mein Schickſal ſich zum beſſern lenken, So ſey Vergeltung meine erſte Pflicht. (ſie verſchleiert die Braut.) Den Schleier, der mich barg vor Raͤuber— blicken, Nimm ihn zuruͤck und Segen ſey dein Lohn! Nur eine Myrthenkrone wird dich ſchmuͤcken, Doch ſtille Haͤuslichkeit iſt auch ein Thron— Dir ſoll kein Diadem die Schlaͤfe druͤcken, Fern bleibt von dir der Herrſchſucht Scor— pion!—— Lebt wohl, erhalt euch Gott den ſtillen Frieden! Mir iſt ein andres bittres Loos beſchieden. Cab mit Guido) Antonio — 121— Antonio. O Freunde! Nachbarn! hier auf dieſer Stelle, Wo durch ein Wunder Gott ihr Schutz ver— lieh, Erbauen wir und weihen die Kapelle Der heil'gen Jungfrau zum Gebet fuͤr ſie! Doch was beduͤrfen wir der Mauern?— Bruͤder! er erſte Chriſtentempel war ein Stall; rum werft euch flugs im Staube nieder, Y2 Denn unſer Gott iſt uͤberall! (Er kniet. Alle mit ihm. Der Vorhang fällt.) Ende des dritten Akts. (Die Muſik des Zwiſchenakts die anfangs das Ge⸗ bet der Fiſcher ſanft begleitet, wird nach und nach wild und rauſchend, ein Ungewitter vorbe⸗ reitend.) Vierter — 23— E 1 E Vierter A kt. Wald und Felſen, Sturm und Donner. ——— Erſte Scene. Berengar tritt auf von mehrern Trabanten be⸗ gleitet. De⸗ Donners Brällen hallt vom Felſen wieder— Es rauſcht der Wald— die Wipfe ſich, Der Himmel ſenkt den ſchwarzen Schoos hernieder— beugen Empoͤrte Empöͤrte Natur! wen willſt du ſchrecken? mich? Umſonſt! ich bebe nicht vor Donnerkeilen, Noch wenn die Blitzentladne Wolke kracht, Doch wirſt du mir die Fluͤchtige ereilen, So ſey willkommen! huͤlle ſie in Nacht! Gieß Stroͤm' herab, daß ihre ſtolzen Traͤume Der kalte Schauer aus dem Buſen ſchwemmt! Zerſchmettre um ſie her die alten Baͤume, Auf daß der Schrecken ihren Fußtritt hemmt!— (Su den Trabanten.) Hier iſt der Kreuzweg— Theilt Euch— Dorthin reitet Zu dem Geſtade, das der See umbrauſt— Ihr Andern hierher— dieſer Hohlweg leitet Euch nach Canoſſa, wo der Markgraf hauſt.— Ja, ſicher hat zu ſeiner Burg die Schlaue Sich einen Weg zu bahnen ſchon verſucht; Doch wenn ich einer leiſen Ahndung traue, So hemmt wohl noch mein Gluͤck die kuͤhne Flucht. Ihr — 124— Ihr moͤgt' im Wald— ihr am Geſt ade H lauern, Daß kein verkapptes Haupt voruͤber zieht; Und ihr ſpaͤht fleißig um Canoſſa's Mauern, Erforſcht und fragt was in ſchieht. Wirdꝰ der Verrath durch Drohung der Burg ge— nicht er— 60 zwungen, Verheißet Gold, ſpart auch kein Schmeichel— wort; Die Mittel gleich, wird nur der Zweck er⸗ rungen. Hierher berichtet mir am Abend.— Fort! Die Trabanten Uzerſtreuen ſich nach verſchiedenen Seiten.) Zweite Seene. Berengar. Ha! Undankbare! meine Rache lodert! Warum verſchont' ich ſie im erſten Schmerz? Haͤtt Haͤtt ich ſogleich mit kuͤhlem Ernſt gefodert, Betaͤubung ſchleuderte ſie mir ans Herz.— Warum ihr Zeit vergoͤnnt ſich zu beſinnen? Ein raſcher Schritt, und laͤngſt ſchon war ſie mein! Wer mag ein widerſpenſtig Herz gewin⸗ nen? Geraubt, erſtuͤrmt, ertrotzet will es ſeyn!— Ich gleiche faſt dem eigenſinnigen Kinde, Das um verſchmaͤhtes Spielwerk ſich gebracht; Mich will beduͤnken, daß ich Lieb' empfinde Run erſt, da ſie entronnen meiner Macht.— Ich Liebe? Ha! in ihren bunten Netzen Mich zu verſchlingen war ich nie verdammt; Daß man es wagt ſich mir zu widerſetzen, Mir Hohn zu ſprechen, das hat mich ent— flammt! Es giebt eine Qual, die nicht gemeine See— len, Die auf dem Throne nur den Herrſcher nagt: Die ä———ůů 7—97— ĩ— — 126— Die Eiferſucht der Macht! er muß be f f Und wehe! wird Gehorſam ihm verſagt. Will Andrer Gluͤck den Wuͤnſchen nicht entſprechen, Im Hoffnungs Wechſel finden ſie Erſatz; Er nie! er muß den fremden Willen brechen, Sonſt wird zur Marterbank ſein Ehrenplatz, + Und alles was ihm vormals kuͤhn gelungen, hlen 17 Und alles was ihm kuͤnftig noch gelingt, Bleibt ohne Werth, denn ihm ſcheint nichts errungen, Wenn er nicht auch das Eine noch erringt.— Dieß Eine— Hoͤchſte— werd' ich es er⸗ reichen, So lange dieſer ſtolze Markgraf lebt?— Aus meiner Bahn ſoll der Verhaßte weichen! Wie? das gilt gleich, wird nur das Ziel er— ſtrebt. Um ſeine Freundſchaft will ich kunſtreich werben, Er⸗ Erbuhlen will ich ſie.— Er ſey mein Knecht So lang' es nutzt— dann moͤg' er ploͤtzlich ſterben— Im Dunkel richten iſt ein Koͤnigsrecht. Hat mich umſonſt Luitprand, der ſchlaue Pfaffe, In ſeiner Staatskunſt Tiefen eingeweiht? Schliff nicht zu Rheims ein Gerbert mir die Waffe Der Menſchenkunde, die Gewalt verleiht? Da lernt' ich Menſchen und Natur belauſchen, Da drang ich luͤſtern bis zum Goͤtterſitz, Und zittre, Donner, nicht vor deinem Rau— ſchen, Und zittre, Wolken, nicht vor Eurem Blitz. Mir dienen ſollt ihr! jede Spur beleuchten! Wenn eure Schrecken aus dem offnen Thal Den Fluͤchtling tief in Felſenkluͤfte ſcheuchten Verrath' ihn ploͤtzlich mir ein Feuerſtrahl! (er entfernt ſich) Dritte 3— 33—K—K ——— 3. 65 1 U 128— Dritte Scene. Adelheid und Guido.(treten aus dem Gebüſch.) Adelheid. Ich kann nicht weiter— Elemente kaͤm⸗ pfen— In ſchwarzen Schleier huͤllt ſich die Natur— Und doch kein Tropfen dieſe Glut zu daͤm⸗ pfen! Gott! einen Regentropfen gieb mir nur! Guido. Noch eine Stunde— laßt den Muͤth nicht ſinken. Adelheid. Die Zunge brennt— ich athme heiß und ſchwer— Guido. Bald werden euch Canoſſas Thuͤrme winken. Adelheid. Ein Waſſertropfen nur! ich kann nicht mehr! Guido. 129 Guido. Wollt ihr am Ziel der letzten Muͤhe achten? Ermannt Euch! ſtuͤtzt den muͤden Arm auf mich. Adelheid. Mein Fuß verſagt— ich lechze— muß ver— ſchmachten— Ich kann nicht weiter— Gott erbarme ſich! (ſie ſinkt am Felſen nieder) Guido. Umeingt von Feinden, die den Wald durch— ſtreifen— Adelheid. Ich bin verloren!— Armes Herz, nun brich! Guido. Noch iſt es Zeit— Sie moͤgen mich ergreifen! — hindern— Gott erbarme Ich kanns nicht ſich! J Guido. 77++— —————½e——⏑⏑— Bedauernswerth Geſchlecht der Menſchenkin⸗ der! Was iſt die Tugend, die es prunkend zeigt, Wenn oft ein Waſſertropfen mehr oder min⸗ A der Sie aufrecht aͤlt, ſle kraftlos niederbeugt?— 7 E Du der die Seele dieſes edlen Wei⸗ U Durch mich geſtaͤrkt, daß ſie die Furcht be— ſiegt, Erbarme dich nun auch des zarten Leibes, Der ungewohnter Buͤrde unterliegt! Ein Fremdling iſt die Seele, hart gefangen In engen Banden, die der Tod nur bricht; Sie will das Gute mit heißem Verlangen— Die Feſſel druͤckt— ſie kann es nicht! (knieend) O laß dir gnuͤgen an dem reinen Willen, Und blick' erbarmend auf der Menſchheit Loos! Und Und oͤffne, um den brennenden Durſt zu — 15 ſtillen, Du haſt in mir die hoͤhere Kr 3 7 Doch was vermag dein Engel ohne dich? umſonſt mein Schutz, wo deine Macht 14 — nicht waltet, N Drum Vater! liebender Vater! hoͤre mich! 7(ein heftiger Donnerſchlag, nach welchem plötzlich 3 eine Quelle aus dem Felſen ſprudelt) Guido. 1 Ich bin erhoͤrt!— Auf Adelheid! genieße Was dieſer Fels dir beut auf Gottes Wink; 4 Daß neue Kraft in deine Adern fließe, Nimm dieſe volle Muſchel, nimm und trink. Adelheid. Es taͤuſcht kein Blendwerk die gebrochnen Augen? Noch einmal fuͤh' ich mich dem Tod ent— ruͤckt? O laß die duͤrren Lippen in ſich ſaugen J2 Den Den Labetrunk, der mehr als Wein er— quickt.— ſie duftete aus goldenem Pokale ο o lieblich mir des Koͤnigs Rebenſaft. 2 ſoch einen Zug aus dieſer Muſchel-Schale— Durch jede Ader ſtroͤmt mir neue Kraft.— Nun iſt mir wohl— ſehr wohl— hab' Dank mein Retter! Und goͤnne mir noch eine kurze Ruh, Denn eingewiegt vom Duft der friſchen Blaͤt— ter Faͤllt unwillkuͤrlich mir das zu. (Pauſe) Guido. Sie ſchlummert ſuͤß— ihr Athemzug ſo leiſe— Die Unſchuld ſchlummert— und der Don— ner ſchweigt— Und aus der Wetterwolken duͤſterm Kreiſe Mit neuer Pracht die ſtrahlende Sonne ſteigt, Die Voͤglein zwitſchern ihre liebliche Weiſe, Ein 133 Ein laues Luͤftchen kaum den Grashalm beugt; Und um die Welt hat ſchon der Regenbo— gen, Den Gnadenbund verkuͤndend, ſich gezogen. So kann der Unſchuld Kraft ſich offen— baren, Ihr unbewußt in ſtillem Heldenmuth; Das iſt ihr himmliſch Recht, daß in Gefah⸗ ren Sie an des Abgrunds Rande laͤchelnd ruht; Ein guter Engel wird ſie doch bewahren, Es netzt und brennt ſie weder Strom noch Glut; Unſchuld! du holder Schmuck der Schoͤpfungs— werke! Du biſt ſo ſtark— und kennſt nicht deine Staͤrke. Sie moͤge ſich in ſanfte Traͤume wiegen, Indeß die Quelle kuͤhlen Thau ihr ſpritzt. Den Den ſtarken Zweig will ich heruͤber biegen, 1 Der vor der Sonne Strahl ſie deckt und ſchuͤtzt. Auch moͤg' er ſie vor Spaͤherblicken bergen, Sein Blaͤtterſchirm verdichtet vor ihr ſtehn, Daß Berengar und ſeine feilen Schergen, Durch ihn getaͤuſcht, an ihr voruͤber gehn.— So woͤlben ſich die Zweige dir zur Laube, Sie ſchaffen dir die kuͤhle, gruͤne Nacht, Und dich umſchweben Hoffnung, Liebe, Glau— be— So ſchlummre ſanft— dein Schutzgeiſt wacht, (er ſetzt ſich an die Quelle.) Vierte Scene. Markgraf Azzo tritt auf, nur mit einem leichten Jagdſpieß bewaffnet, ein Thierfell um die Schul⸗ ter geſchlagen, deſſen Klauen auf der Bruſt ſich ſchließen. Sieh da, faſt irrt' ich ſelbſt im eignen Forſte; Mich trennend von der Jagd am Felſenhang, Ver⸗ 1853— Verfolgt' ich blind den Adler, der vom Horſte In weiten Kreiſen ſich zur Sonne ſchwang; Und meines Koͤchers Pfeile ſind verſchoſſen, Mir blieb zum Kampfe nur der ſchwache Speer. Umirrend ſuchen mich die Jagdgenoſſen, Im dichten Walde irrt' ich ſelbſt umher, Der Donner bruͤllte und der Sturm ver— ſchlang Der Stimme Ruf, des Hifthorns rauhen Klang. Doch war mir Einmal wohl in dem Ge⸗ toͤſe, Und als der Blitz in jene Eiche ſchlug, 8 Da wurde mir als ob die Bruſt ſich loͤſe Zu einem erſten freien Athemzug.— Wo das gefolterte Herz im ewigen Krampfe Sich zuckend hin und her im Buſen warf, Da iſt ihm wohl, wenn einmal es im Kampfe Der Elemente ſich vergeſſen darf.— — 136— Iſt das die Liebe der gefeierte C Von dem ſo mancher Geck ſich h zoͤtze, eißer ſchrie: Dem Armen ſey ſie mehr als alle Schaͤtze? Der Reiche ſey ein Bettler ohne ſie? Es koͤnne nie ein Herz mit ihr verzagen? Sie lebe mit der Tugend nie im Streit? Muth gebe ſie das Schwerſte zu ertra⸗ gen Und trag' es gern mit ſtiller Heiterkeit?— Warum muß ich denn nur in Schauern Mich raſtlos winden unter ihrer Laſt? kalten Warum bin ich in meinen eignen Mauern, Im eignen Herzen mir ein ftemder Gaſt?— Iſt Adelheid zu lieben ein Verbrechen? Steht mir zu fern die edle Koͤnigin? Will zuͤrnend ſich der Geiſt des Freundes raͤ— chen, Daß ich ein Menſch, daß ich kein Engel bin?— —— 297— 13 Du edler Geiſt! o komm und hilf mir ſiegen! Der Will' iſt redlich, ſtaͤrke meine Kraft! Geflohen bin ich, habe ja geſchwiegen, Nur in der ſtummen Bruſt gluͤht Leiden⸗ ſchaft. Auch ſoll zu hoch der kuͤhne Wunſch nicht fliegen, Durch den ich oft mich keuchend aufgerafft: Nur Ein Verdienſt, Ein Gluͤck laß mich er— 0 werben, Fuͤr die Geliebte kaͤmpfen— bluten— ſter⸗ ben!— Was ſeh ich? hier am Kreuzweg eine Quelle? Folgt gaukelnd mir die zaubernde Liebe nach? Oft ſtand ich an der wohlbekannten Stelle, Doch ſah ich nie den klaren Felſenbach. Und dieſer fremde blondgelockte Knabe— Gar — — — * wW... — ̃2— — — 138— Gar wunderſam ergreift ſein Anblick mich— Es zieht mich hin, daß ich am Quell mich 9 labe. Fuͤnfte Seene. Gun⁰id o, A; 60. Guido. Herr Markgraf, gruͤß Euch Gott! Azz3o. Wer biſt du? ſprich Guido. Auch ein Geſchoͤpf, das mit verwandtem Triebe 15 Das Gluͤck der Sterblichen zu foͤrdern ſtrebt; 6 Auch ein Geſchoͤpf der reinen ewigen Liebe, 14 Die Euch und mich und dieſen Wurm be— lebt. Az zeo. Des Knaben Worte mir bedenklich ſcheinen. Wo kommſt du her? Guido. Guido. Aus meines Vaters Haus. A o. 3 3 Guido. Ich habe noch einen, Doch ſpricht des Menſchen Zung' ihn hier nicht aus. Azzo. Warum nicht? Guido. Fraget nicht. A'ſ z z o. Ein heimlich Grauen Befaͤllt mich. Guido. Faßt ein Herz zu mir! Ein Biedermann darf mir ins Auge ſchauen. A z zeo, ö Ich bins. Wohlan! faſſ' ein Herz zu dir. Guido. — 140— Guido. Und zu Euch ſelbſt. Der Kranke wird ge⸗ neſen, Kaͤmpft unverdroſſen. Eure Tugend ſiegt. Azzo. Kannſt du in meines Herzens Tiefe leſen? Guido. Gleich einem offnen Buch es vor mir liegt. A z 3z o. Bin ich gewuͤrdigt eines Himmelsboten, So ſprich, wie wirds um meine Zukunft ſtehn? Guido. Das Schickſal loͤſt den hart verſchlungnen Knoten, Und euer Wunſch wird in Erfuͤllung gehn. A z z6o. Mein Wunſch fuͤr ſie zu ſterben? Guido. Ausgeſprochen Hat Hat ihn das Herz, vernommen Gottes Ohr: Ihr fallt mit Ruhm bedeckt, ſie wird ge— rochen, Und eine neue Sonne ſteigt empor. Wie? wenn zu armer Sterblichen Verblen⸗ dung Ein boͤſer Geiſt den ſchlauen Trug erſann? Gieb mir ein Zeichen deiner himmliſchen Sen— dung. Guido. Unglaͤubiger, Ihr zweiſelt noch? Wohlan! Was mit des Landes Edlen ihr beſchloſſen; Wie ihr zum deutſchen Kaiſer Euch gewandt, Verkappte Boten auf den ſchnellſten Roſſen M Rit Brief und Bitte fleißig ausgeſandt; Wie Berengar ſie alle aufgefangen Durch ſeiner Waͤchter ſchlau vertheiltes Heer, Und wie der Rache keiner noch entgangen— Das Alles weiß ich. Wollt Ihr mehr?— Auf Eurer Bruſt, hier unter den Baͤrenklauen Verbergt —. — ———— Verbergt Ihr neue Briefe eben jetzt; Ihr ſucht den Boten, dem ſie zu vertrauen, 4 17 4 Die oft getaͤuſchte Vorſicht wuͤrdig ſchaͤtzt. Ihr ſucht ihn noch und habt ihn nicht ge— funden, Und Eure letzte Hoffnung ſchwindet ſchier. Gebt mir die Briefe und in wen'gen Stunden A Liegt die bewachte Grenze hinter mir. A z z o. Ja, das Verborgenſte haſt du enthuͤllet, f Und gegen des Thrannen maͤcht'gen Grimm Mit neuer Zuverſicht die Bruſt erfuͤllet; Fuͤrwahr, du biſt ein guter Geiſt. Da, nimm. Cer zieht die Briefe aus dem Buſen und gibt ſie ihn) Guido. Noch eins. Ihr habt es klug bedacht, und ſchicklich Sind eure Wuͤnſch' in Worte ausgepraͤgt; Doch fehlt dem Schreiben, was allein nach⸗ druͤcklich Des Kaiſers liebeſehnend Herz bewegt. Azzo. — 142— A z zo. Was fehlt? Guido. Ihr wollt ihm Welſchlands Krone bieten? Genug der Kronen traͤgt er ohnehin. Wollt Ihr den ſchweren Kriegszug ihm ver⸗ guͤten, So bietet ihm die Hand der Koͤnigin. Ihm hat der Tod die Gattin juͤngſt entriſ⸗ ſen, Er ſteht betruͤbt in ſeinem Ehrenkreis Und muß die liebende Gefaͤhrtin miſſen, Die ſanft getrocknet ihm den Heldenſchweiß. Soll ihm ein neuer Gluͤcksſtern nun er⸗ glaͤnzen, Und ſie entrinnen des Tyrannen Haß; So laßt in Eurem Namen mich ergaͤn— zen Was dieſem Schreiben mangelt. Wollt Ihr das? Azzo. munkbn — 144— Azzo. Gurückſchaudernd) In meinem Namen?— Zwar was du geſprochen, Sugr ſeiſe— cd beke*5 3 He 0 Iſt weiſe ich bekenn' es Ottos Heer Kann nur das Land— ſiesHerzen unterjo— chen— Doch ach! ich ſelbſt— ich ſoll— nein, nimmermehr! Guido. Gedenkt der Pflicht und Eures Fuͤrſtenſtan⸗ Ein leidend Volk blickt ſeufzend auf Euch hin; Es gilt die Rettung Eures Vaterlandes! Es gilt das Gluͤck der edlen Koͤnigin! A 3z. zuo. Was foderſt du? Guido. Ich weiß von wem ich fodre. Nichtswuͤrdge Liebe⸗ die ein“ ſcleut; dDie reinre Flamm' in Eurem Buſen lodre, Die hoch ſich aufſchwingt uͤber Raum und Zeit! Um [Mit eigner Hand in fremden Arm ſie fi 6 lbſt veblieren, Um die Geliebte gern ſich ſe ——————ů ů ů ů è ˖— In ihrem Gluͤcke froͤhlich untergehn, — rrrrr Al 0 ren, 1 Und blutend, aber ſchweigend vor ihr ſtehn.; ————— 1 Das iſt der Ruhm, auf den ich Euch verweiſe, 4 6 18 Nakuo 1s 5 Das der Genuß, den wahre Liebe kennt; α Erſtrebt ihn! denn der Lohn, den ich ver⸗ Iſt nur der Geiſter Edelſten vergoͤnnt. In Trümmern ſtͤͤrzen alle. Köuigsthronen Und aufgelöſt wird jedes. Erdenbandz Nur ſolche Liebe— ewig wird ſie lohnen; Denn nicht auf Erden iſt ihr Vaterland. * Es ſey. Guido. Triumph! des Herzens blutende Wunde— Sanft heilend werde ſie von mir beruͤhrt: Du wirſt nicht Zeuge ſeyn von jener Stunde, K Die, 146— Die, vorbereitend, du herbeigefuͤhrt: Es hat ein Gott den reinen vif Willen gewogen, Und wiſſ', ihm gnuͤgt— er fodert nicht die That; 8= Ich ſehe dem Getuͤmmel dich entzogen, Eh noch die Stunde ſchwerer Pruͤfung naht. A z 3ze o. Allein wird ſie den Schleier von ſich wer— fen, Die fromme, keuſche Witwe des Lothar? Guido. Wenn kluge Freunde ihre Blicke ſchaͤrfen Fuͤr Vaterlands und eigene Gefahr; Wenn ihr ein Kaiſerthron zum Wohlthun winket, Ein frommer Held Bewundrung ihr entlockt; So ſchweigt das Herz, der Witwenſchleier ſin Wenn auch das Ja auf ihrer Lippe ſtockt. Ket, A z z o. Doch wenn ſie lieber eines Moͤrders Dolche D Dite Die Bruſt enthuͤllt, wek ruft ihr warnend zu?— Du ſprachſt von klugen Freunden— gibt es ſolche 2 Wer wird mit Sanftmuth ſie bereden? Guido. Du! A 3 3 o. Gui d o. A z zeo. Sie zu begluͤcken Was waͤre dir zu ſchwer? A z.zeo. Du folterſt mich— Und koͤnnt' ich auch das eigne Herz erdruͤcken, Wer wird zu ihr den Weg mir bahnen? K2 Guido. —— N —2—ñw¶Uũ—— G 61 154 Ich! üi d o. *(er ſchiebt die Zweige aus einander! Schau her. A 3 3 o. I Sie iſts! Guideo. Ich habe ſie gerettet, Sie flieht zu Dir— auf Deinen Edelmuth Hat ihre letzte Hoffnung ſie gebettet— Wirſt Du ſie von Dir ſtoßen? A3 3 o. Ha! mein Blut, 15 Mein Leben, meine Liebe opfr' ich freudig! 115 Und was ein Menſch vermag, wird Azzo thun! Gutdo. So wird im Feuer auch das Gold geſchmei— dig. Du ſiegſt und gern vertrau' ich Dir ſie nun. In⸗ 11 Indeſſen in der Ferne ihr zu nuͤtzen, Nach Deutſchland ich entſchwebe, bleibſt Du nah; Du wirſt in Deine Burg ſie fuͤhren ſchuͤtzen— Mit Deinem Blut ſie ſchuͤtzen?— 14 A 3 z o. 8 (er reicht ihm die Hand) Ja! ö(er bebt die Hand zum Schwur empor) Ja! Guido. I. Gott hoͤrt den Schwur!— Wenn aber Blut und Leben Nicht wenden mag die drohende Gefahr, So moͤge ſchuͤtzend ſie und dich umſchweben Der Schatten des ermordeten Lothar.— Ihn ruf' ich an! vernimm des Bruders 6 Stimme! Erflehe dir den Gnadenwink von Gott! Vor deines Geiſterblickes ſtillem Glimme Erbleiche und erbebe der Deſpot; — 150— Kann Menſchenkraft das Kleinod nicht mehr huͤten, Und waͤchſt und ſteigt am hoͤchſten die Ge— fahr; So decke du, vor eines Moͤrders Wuͤthen, Mit deinem Schilde dieſes edle Paar.— Leb wohl! noch einen Troſt darf ich Dir geben, Er ſtaͤrke Dich in jeder Erdennoth: (Der Tugend weihteſt Du ein ſchoͤnes Leben, Vergelten wird ſie Dir durch einen ſchoͤnen Tod. (ab) Sechste Scene, A z 3 0. Wie iſt mir?— träumt' ich?— warlich f nein! ich wache! Sie iſt's, auf die mein trunknes Auge blickt. Ich fuͤhre Gottes und der Unſchuld Sache Und 151 Und der gemeinen Welt bin ich entruͤckt! Und Himmelskraft ſpannt alle meine Nerven! Mir iſt Gefahr und Menſchenfurcht ein Spott! + Es moͤg' ein Heer ſich mir entgegen werfen, Sie ward mir anvertraut— ich bin ein Gott! Siebente Scene. Az zo, Adelheid. lerwachendg Adelheid. Erquickend war mein Schlummer, ſanft er— quickend; Ich fuͤhle die geſchwundne Kraft erneut. A z3 3z o. Das ſchoͤne Auge, fromm gen Himmel blickend, Es zaubert mich in die Vergangenheit. Adelheid. Wer ſpricht?— Herr Markgraf! Ihr!?— Gott ſey geprieſen, Der Der mir die gute Vorbedeutung gibt. 185 Mich hat mein banges Herz an Euch ver— ˖ wieſen K Weil es in Euch die letzte Hoffnung liebt. Az 8o. Ich dank' Euch. Traun! es war kein eitles Hoffen. Schon weiß ich Alles. Nehmt mein Fuͤrſten— Wort: Ich ſchuͤtz Euch und Canoſſa ſteht Euch offen, So lang' ich athme lebt Ihr ſicher dort. Adelheid. Habt Dank.— Wo iſt mein Guido?— redet'! Haben Verfolger ihn entdeckt? ihn mir geraubt? A 3 z o. Er iſt in Sicherheit. Kennt Ihr den Kna⸗ ben? Adelhei d. Wenn ſich mein Herz noch einen Wunſch erlaubt, So 153— So iſt es der, dem Fremdling zu vergelten, Der mir in hoͤchſter Noth huͤlfreich erſchien; Den Lieb' und Treu der Blinden zugeſellten, Die ihn verſchmaͤhte— Azà o- ber kennt Ihr ihn? Adelheid. Ich durfte kuͤhn mein Leben ihm vertrauen; Woher er mir gekommen weiß ich nicht, Und mich ergreift ein unbekanntes Grauen, Wenn er von ſeiner fernen Heimath ſpricht. Wo iſt er? Warum hat er mich verlaſſen? Ihr moͤgt indeß die ſ choͤnſte Hoffnung faſſen; Jenſeits der Alpen ſucht er Euer Gluͤck. —0 Dort herrſcht ein Held, den Sieg und Tu⸗ Ihn ruft er— Euch zum Retter— zum Gemahl. Adelheid. Ade Auch Guido koͤnnte Der jede 1 Freude mir auf ewig ſtahl? 0. Es kann Vernunft der Witwe Schmerz be— zwingen. Adelheid. Im Kloſter thu' ich auf die Welt Verzicht, Ihr ſollt dem Vaterland ein Opfer bringen. Adelheid. Auf Koſten meiner Ruhe? meiner Pflicht? A 3 zeo. Lothar iſt todt— wie moͤgt Ihr Pflicht verletzen? Adelheid. Ich leb' und habe Treue ihm gelobt. + 2 8 A z zuo. Kann ein Geluͤbde Voͤlkergluͤck erſetzen? Adelheid. Adelheid. Nur in Verſuchung wird die Treu erprobt. Aſ 3 3o. Schwer iſts, die Pflichten redlich abzu— waͤgen. Adelheid.(auf ihr Herz deutend) Hier ſchrieb ſie Gott— kein Richter in ſein Buch Azz o. Befreiter Voͤlker Dankgebet bringt Segen. Adelheid. Und mein Gewiſſen braͤchte mir den Fluch! Az z o. Mit Rednergaben bin ich ungeruͤſtet; Ich ſprach wie ichs vermocht'— und Ihr= bezeugt Den redlichen Willen mir— O wenn Ihr wuͤßtet— Genug! der Freund that ſeine Pflicht— und ſchweigt. Adelheid. ——— H 4 Adelheid. Ich dank Euch. Ja, Ihr habt zu mir ge— ſprochen Und ich zu Euch, ſo wie uns beiden ziemt. Daß Adelheid die Treue nicht gebrochen, Das werd' allein im Grab' ihr nachgeruͤhmt— A 3 zo. So folgt mir nun. Geſegnet meine Schwelle, Wenn Euer Fuß in Frieden ſie erreicht.— Was ſeh' ich! ha! ein Gaukelbild der Hoͤlle! Iſt das nicht Berengar, der uns beſchleicht? Der duͤſter wandelt unter jenen Baͤumen, Mit leiſem Tritt, die Arme feſt verſchraͤnkt, Sich wiegend in der Herrſchſucht boͤſen Traͤu⸗ men, Das Fluchbeladne Haupt zur Erde ſenkt? Adelheid. Er iſts! Weh mir! es iſt um mich geſchehen. Az 3o. Noch wurd' er nichts gewahr. Schluͤpft ins Geſtraͤuch! Er — 157— 4 Er komme nur! ich will ihm Rede ſtehen; zur durch mein Herz fuͤhrt ihn der Weg zu Euch. (udelheid verbirgt ſich im Gebüſch.) 4 Azzeo. Was will er hier? was ſucht er?— Hm! ich frage? Den Fluͤchtling zu erſpaͤhen iſt ſein Ziel. Geduld, daß ich den Uebermuth ertrage. Hier gilts Verſtellung— faſſe dich— ſey kuͤhl. Achte Sceene. Berengarttritt auf. Vorige. Berengar. Sieh da Herr Markgraf! Traun! Euch hier zu finden K* 19*„ oſe Iſt mir erwuͤnſcht. A z 3z o. Heer Koͤnig ſeyd gegruͤßt. Berengar. Bereng ſo ſchnell ver⸗ 4 6 Vom Hofe ſah man Euch 4— 7 A K ſchwinden— Noch weiß ich nicht, warum Ihr uns ver— I ließt? A 3.;3 o. Es lag mir ob nach eignem Herd zu ſchauen, Der wohl zu lange ſchon veroͤdet ſtand! Berengat. Gleichviel. Nah oder ferne, mein Vertrauen 0 1 Bleibt immer Euch in Gnaden zugewandt! Ich haſſe ſelbſt den Zwang der Hofgeſetze, Will nicht daß er die Freunde mir entfuͤhrt, Am mindſten Euch, den ich vor allen ſchaͤtze, N Weil alter Sitte Gradheit ihn noch ziert. A z 3o. N Die alte Sitte?— Altes Hausgeraͤthe, 1 Bequem, allein unfoͤrmlich. Berengat. Ihr ſeyd wohl gelaunt; 7˖ Fragt Fragt nicht einmal, warum an Ihr mich erblickt? Alz zo⸗ Fuͤrwahr, ich bin erſtaunt— Berengear. Es haben, waͤhrend Ihr, durch Reiten und 1 Jagen In Eurem Forſt, die Langeweile ſcheucht, — Sich wunderliche Dinge zugetragen, 2 luch Euch, Herr Markgraf, ſchon bekannt vielleicht? A z z o. Es ſind Geruͤchte hier herum geſchlichen, Als ſey die Koͤnigin entflohen. Berengar. Recht! Und an demſelben Tag iſt ſie entwichen, An dem Ihr von uns gingt. Wohl f e — ſam! Sprecht? A 3z3 o. Ein Zufall. Berengar. Ber Freilich, und ſo ſprechen viele I Mit mir; indeſſen andre keck gemeint, I Ihr haͤttet wohl die Hand dabei im Spiele. II Ein jeder ſchwazt wie ihm die Sache ſcheint. Az3 z o . Es truͤgt der Schein und Hoͤflingszungen Ul pflegen Ihn gern zu deuteln, das iſt ihre Luſt. Doch nehmt mein Wort— wenn Euch dar— U an gelegen— I Mein Ehrenwort: es blieb mir unbewußt. Berengar. Dem Ehrenmanne glaub' ich mit Vergnuͤgen, Und acht' ihn gern des Koͤnigs Freundſchaft U werth. 41. Vertrauen ſoll den alten Groll beſiegen, 4 Der etwa noch im edlen Buſen gaͤhrt. 6 Von gleichem Stande wurden wir gebohren, Ein blindes Schickſal wirft die Kronen zu; So hat es auch zum Opfer mich erkohren, Ein Ein Opfer, ja, fuͤr Vaterlandes Ruh; Denn meiner Freuden ſind fuͤrwahr zu we— — nig, Und glaubts, ich trage ſchwer um kargen Lohn. 1 Azzo.(ausbrechend) Wenn das iſt, warum mußt' ein guter Koͤnig Herab von ſeinem vaͤterlichen Thron? Berengar. Ihr ſollt mich wahr, wie's Maͤnnern ziemet, finden; Denn fuͤr Verſtellung dacht' ich ſtets zu groß. ‚ Der ſchwachen Hand den Zuͤgel zu entwin— — den War eine Pflicht— und dieſe Pflicht mein Loos. A z z o. Wahrheit verlanzt Ihr? Wohl, ſo laßt mich reden, L Wie 162— Wie mir ums Herz ſchon ſeit der Kindheit war: Verachten und bedauern muß ich uß Jeden— Und ſchmuͤckte gleich der goldne Reif ein 0 gleich Daar— Der, um ſein Vaterland zu unterjoche Gewalt und Liſt und Raub und M wagt— Verachten— weil er ſeinen Schwur gebro— chen; 1. Bedauern— weil ihn ſein Gewiſſen nagt Berengar. 14 Ihr ſprecht ſehr kuͤhn mit einem Ueberwinder; Doch wird mein Zorn durch Freimuth nicht geweckt. 117 Ein Wöͤrtchen im Vertrauen: ſind wir Kin— del, 16 Die man noch jetzt durch Ammenmaͤhrchen ſchreckt? Verachten? hm! nnut an der Schwaͤche klebet Was Was Ihr ſo nennt— und warlich unbe— dacht— Denn man verachtet nicht, wornach man ſtre— bet, Und jeder Sterbliche ſtrebt nach der Macht! Laßt große Worte dem Sentenzenſchreiber, Kein Weltlauf ſpiegelt ſich im Dintenfleck. Verachtet wird der Dieb— doch nicht der Raͤuber. Denn ſchwach und feig' iſt Jener— dieſer ſtark und keck.— Gewiſſen?— Fuürcht vor Strafe quaͤlt den Knaben, Allein auch ſie den Schwachen nur erreicht; Sey ſtark, ſey uͤber das Geſetz erhaben, So athmeſt Du im blut'gen Purpur leicht. Macht iſt das Ziel der Schlauheit wie der Waffen, Denn was dem Sterblichen behaglich iſt: Gold, Herrſchaft, Wolluſt, Ruhm— ſie kann es ſchaffen! — 2 Altaͤre * — 164— Altaͤre dampfen wenn du maͤchtig biſt. Wie Du's geworden? fragt vielleicht im Dunkeln Ein muͤß'ger Schwaͤtzer, den der Neid ver— zehrt; Doch er verſtummt, wenn Gold und Schwert ihm funkeln Und er das Jauchzen von Millionen hoͤrt.— Ziemt Euch nun wohl im Dunkel noch zu weilen?— Seht, Euer Koͤnig bietet Euch die Hand, Er iſt bereit die Macht mit Euch zu theilen; Auf! ſeyd nach ihm der Erſt' im Vater— land!— Ich weiß gar wohl, Ihr wart mir nicht gewogen, Habt unter die Verſchwoͤrer Euch gemiſcht, Und manche Boten, die nach Deutſchland zo⸗ gen Mit N — 165— Mit Euren Briefen, ſind'mir nicht ent wiſcht; Doch ſeys vergeſſen— Freundſchaft neu ge— gruͤndet— Vertrauend kam ich ſelbſt in Eure Mark. 3 8o wechſelſeitiges Beduͤrfniß bindet, a iſt das Band der Treue feſt und ſtark. 75 A z zeo. Ich mag nicht uͤber Dinge mit Euch rechten, Die Gottes Langmuth ſelbſt zu dulden ſchien; Doch zaͤhlt mich auch nicht zu den feilen Knechten, Die ſcharenweis um Eure Tafel knien. Vergebt, es muß heraus— ich kann nicht heucheln— Denn lieber naͤhre mich in Hitz' und Froſt Der eigne Forſt mit Wurzeln und mit Ei— cheln, Als Eure Tafel mit der Koͤnigskoſt. Und wie gering Ihr auch die Menſchheit achtet, An ä—————— 1 166— An mir, Herr Koͤnig, findet Ihr den Mann, . Der nicht verwegen nach der Hoheit trachtet, 145 4 Die freudig er doch nicht beſitzen kann. 14 Mir gnuͤgt an meiner Vaͤter kleinem Erbe, Mir gnuͤgt an meines Gottes freier Luft, Doch weiß ich, daß nicht unbeweint ich ſterbe . Und daß kein Fluch mir nachhallt in die Gruft. A Berengar. Trotzkopf! wohlan! moͤgt Ihr die Grille naͤhren, 116 Und, was ich freundlich bot, verſchmaͤhn mit Haß; f Nur wollet nicht des Volkes Ruhe ſtoͤren, Und meine Ruhe nicht— verſprecht mir 17 das. A 3 z o. Ich? was vermag ich?— Kaum noch in Turnieren .— 1* 2 Wird Azzo's Wapenſchild mit aufgehaͤngt. 1 Ihr ſeht, ich kaͤmpfe nur mit wilden Thie⸗ ren, Scheto Sochwert Der leichte Jagdſpieß hat, das draͤngt. Berengar. Soll ich den milden Worten gern vertrauen, Wohlan, Herr Markgraf, gebt mir den Be— weis. Ich muß den Thron auf feſtern Grund mir bauen, Den Lorbeer bindet fuͤglich Myrtenreis! Gelingts, der mehr noch Stolzen als Be⸗ truͤbten Mich— nennt es aufzudringen— als mahl; o ehrt das Volk in ihr, der Vielgeliebten, ue Wahl. en neuen Koͤnig, ihre neue ο Umkrochen wird mein Thron von Ungezie— fern, Die ſolche Hymer sfackel nur verjagt; Drum zoͤgert nicht, den Fluͤchtling auszulie⸗ fern, Dem Eure Burg die Freiſtatt zugeſagt. Azzo. Ihr irrt. In meiner Burg ſuͤcht Ihr ver— 4 1 gebens II Die Hochbedraͤngte. Faͤndet Ihr ſie dort, II Nur mit dem letzten Hauche meines Lebens Entrißt Ihr ſie dem ſichern Zufluchtsort. . Beren gar. Ig. Noch Einmal warn' ich Euch! Seyd vor dem Schlimmern Auf Eurer Hut! benuzt die Gnadenzeit, Auf daß Ihr nicht den Starrſinn auf den Truͤmmern I Der ſchnell zerſtoͤrten Burg zu ſpaͤt bereut. 114 A z z o. N Nicht doch. Ihr moͤgt durch Eure Mieth—⸗ lings-Scharen Die Burg zerſtoͤren, meine Treue nicht. Doch koͤnnt Ihr— glaubt es— die Ge— waltthat ſparen, Der vor der Hand es noch am Zweck ge⸗ bricht. Noch 169— Noch iſt die Koͤnigin dort nicht erſchienen— Kann ſeyn, daß ſie— recht bald— ſo hoch f̃ mich ehrt— Dann will ich es mit Gut und Blut ver⸗ 1 5 dienen, 4 1 Verlaßt Euch auf mein Wort— und auf mein Schwert. 5 1 Berengar. Der Argwohn waͤchſt. Wo nicht in Euren Mauern, So iſt ſie doch nicht fern— und eben jetzt Wollt Ihr vielleicht den Augenblick erlauern, Sie heim zu fuͤhren ſtill und unverletzt, Sprecht! habt Ihr keine Spur? ſie nicht geſehen? Gebt Antwort! ritterlich und ohne Trug. A zez o. Muß ich denn ſtets der Neugier Rede ſtehen? Ich bin es muͤde Berengar. Ha! ich weiß genug! — 170— Sie iſt nicht fern, ſie iſt in unſrer Naͤhe— Wer weiß, ob dieß Geſtraͤuch ſie nicht ver—⸗ I 19 ſteckt? Herr Markgraf, zittert, wenn ich ſt ſie erſpaͤhe! Muth willig habt Ihr den Verdacht geweckt. Cer will in das Gebüſch dringen) II Az z 0. Nus Soll ich Gewalt in meinen Grenzen dulden? AN. 3 Zuruͤck! die Straß' iſt breit— der Wald iſt mein. Berengar. Wollt Ihr den Tod durch Euern Trotz ver⸗ ſchulden? A 3 z o. In meinem Forſte bin ich Herr allein. Sucht Ihr Verbrecher? wohl! ich helf' Euch ſuchen Und nie gewaͤhr' ich Raͤubern Aufenthalt; Doch nie ſoll mir verfolgte Unſchuld fluchen, Daß ich ſie preis gegeben der Gewalt. Berengar. 171 Berengar. Vermag denn nichts den Frevler abzumah⸗ nen? Azzo. — 1 Der Frevler iſt, der Landesfrieden ſtoͤrt. ö f Berengar. 4 Sol g mit meinem Schwert mir Soll ich den We bahnen 7 A z zub. Ihr ſeht, ich bin ja unbewehrt. Verſuchts. Berengar. Laßt ab! ich warne Euch zum letzten Male. Az zeo. Zum letzten Male ſprech' ich Nein! nein! nein! So wahr mir Gott den Lohn der Treue zahle! Beren gar. Odas Schwert ziehend) Wohlan, ſo gilt es Euren Kopf! Neunte 172— Ne unte Scene. 10 Adelheid.(bervortretend) Halt ein! Berengar. Ha endlich! ſeyd willkommen! Adelheeid. Mich laßt buͤßen. F Aſ z zo. Was thut Ihr, Koͤnigin! Adelheeid. O gebt mich auf! Kein Tropfen redlich Blut ſoll um mich fließen! Laßt meinem herben Schickſal freien Lauf. Berengar. So ſprecht Ihr nun verſtaͤndig, und nicht herbe Iſt Euer Schickſal— folgt mir unverzagt. Azzo. Gwiſchen ſie tretend) Nur wenn ich hier zu Euren Fuͤßen ſterbe, 1 Wird ungeſtraft das Bubenſtuͤck gewagt! Berengar. Berengear. Wie? auch noch jetzt kann die Vernunft nicht ſiegen? Weicht meines Gluͤckes maͤchtigem Geſtirn! A z zo. Nur der Gewalt kann Treue unterliegen, Doch biet' ich Dir im Fallen noch, die Stirn! Adelheid. O moͤgtet Ihr die edle Hitze daͤmpfen! Al z zeo. Ich kann nicht— und ich will nicht! Berengar. Run wohlan! So moͤgt Ihr um die Beute mit mir kaͤm⸗ pfen— Die Ehre werd Euch noch— Mann gegen Mann. (Zieht) Adelheid. Er undewehrt— Berengar. „„5E+„—— * Berengear. Er wills. Ich ſchone ſeiner, 5. Folgt mir, ſo geh' er frei. A z 3 o. Ich wanke nicht! Und nie erbarm' ein gnaͤdger Gott ſich mei— ner, Wenn jetzt der Muth zu ſterben mir gebricht! Berengar. Die Langmuth hat ein Ziel. Tollkuͤhner! weiche! J45ʃ Azzo.(ihm ſeinen Speer entgegenſt reckend) 14U Entfliehet Koͤnigin! ich halte Stand. Berengar. So nimm das hin! eer zerſplittert ihm d en Speer) 1 Sieh da, mit Einem Streiche UI Entfiel die morſche Waffe deiner Hand. Adelheid. Erbarmen! Berengar. n v. Wohl! noch will ich Großmuth uͤben, Das Leben ſchenk ich Dir. Jetzt folge ſie. — A z z o. Mir iſt der Schaft noch in der Fauſt ge⸗ blieben! So prahlſt Du mit dem Siege noch zu fruͤh. (er faßt Adelheid in den linken Arm, und ſchwingt drohend den Schaft des Speers) Berengar. Unſinniger! ſo ſtirb von meinen Haͤnden! (Azzo fäͤngt die erſten Streiche auf, indem et Adelheid zurückdkängt. Faſt ohnmächtig ſtrau⸗ chett ſie und fällt, wodurch Azo neben ihr auf ein Knie ſinkt. Berengar faßt ſein Schwert mit beiden Faäuſten um u einen waltigen Streich dem Gegner den Kopf zu ſpalten.) Zehnte Scôeene. ** (In dieſem Augenblicke erſcheint ploͤtzlich ein Ritter in glänzender Silberrüſtung mit geſchloſſenem Vi⸗ ſie. ——..—————— 176— + 4 ſir, der mit ſeinem Schilde Adelheid und Azze ö 1*— 2— 14 5 ſchirmt, und ſeines Schwertes Spitze dem Könige Niti K entgegen ſtreckt.) A 4 U 14 Berengar.(ttutzt) Wer biſt du Fremdling? der es wagt, ſo kuͤhn Hier aufzutreten? fort! laß mich vollenden! Aus koͤniglicher Huld ſey dir verziehn.—— Noch weichſt du nicht?— Gehorſam dich zu lehren Darf ich nur winken der Trabanten Schar; Doch ſoll des Koͤnigs eignes Schwert dich ehren, So oͤffne dein Viſir! Des Ritters Viſir öffnet ſich von ſelbſt.) I(Berengar zurückbebend) Lothar! IN Adelheid und Azzo.(ich aufraffend) 6 Lothar! 11 5 10 Berengar. 4 Ein Gaukelſpiel— ein Blendwerk meiner 4 Sinne— Nicht Richt außer mir— in meinem Blute nur— Hinweg du luftges Hirngeſpinſt! zerrinne Aſauß helßaſt du mich u„ Patnn Umſonſt belügſt du mich und die Natur! 8 G e* 8 (ohne ſeine Steln zu verändern, wendet da nach Adelheid gibt ihr ine freundlichen n nken andeutet, daß ſie f n und Ade de den mit Schandern und dar eh Canoſſa Endem er Adelheid haſtig auf nach ſich zieht.) Fort Koͤnigin! Gott iſt mit uns! Berengar. Tod und Hoͤlle! Sie fliehen! halt! Trabanten! eilt herzu Ihr ſeyd des Todes, weicht ihr von der Stelle! Verdammtes Trugbild! fort! verſchwinde Du! Trabanten! herbei!— Ha es verſagt die Und jede Kraft iſt ploͤtzlich mir gelaͤhmt— M Ein Knabe ſteh' ich mit ohnmaͤchtgem Grim Durch eigner Sinne Gaukelſpiel beſchaͤmt— f ne— 4 1 1 Wohlan ich weiche— bebt vor meinem Er wachen! Verſchwinden wird was heute mich bethoͤrt! Und wenn Canoſſa's ſtuͤrzende Mauern kra— chen, Waſch ich den Schimpf mit Blut von mei— nem Schwert. (er eilt fort)(Pauſe.) Der Geiſt. I ebt mit beiden Händen das Schwerkt gen Himmel und verſinkt) Ende des vierten Akts. Fünfter Fünfter Akt. 1 Cum Hoflager Kaiſer Otto des Großen.) Erſte Scene. Kaiſer Otto auf ſeinem Thron ſtehend, umgeben von den Großen ſeines Reichs, unter welchen ſein Sohn Ludolf, ſein Bruder Heinrich, Conrad der Weiſe und der Franken Herzog. Herrmann VBilting. Vor dem Throne ſtehn die Geſandten des Koͤnigs der Weſtfranken, H as dundne Dänenkönig, und mehrers rald, der übern Slaven, welche Tribut bringen. Otto Gu den Geſandten) — 8 u! Sagt Eurem Herrn, dem Koͤnig der Weſt⸗ franken, U. Es ſey nun Friede zwiſchen mir und ihm; M2 Der 180— Der klugen Unterwerfung moͤg' er danken, 15 U Daß ich gehemmt des Sieges Ungeſtuͤm. N Auch knuͤpf' ich gern das Band der Freund— 4• ſchaft feſter, II Und daß hinfort kein neuer Groll uns trennt, So ſey Gerberge, die geliebte Schweſtel I Wie Ihr's begehrt, ihm zum Gemahl ver⸗ 5 goͤnnt. Doch muͤſſ' er Schonung auch mit Ernſt ver— ſprechen Den Geafen Hugo und Vermandois, Denn wißt, ich ſchuͤtze beid' und werde raͤ 15 chen, Was Unbills oder Uebermuths geſchah. Cer winkt, die Geſandten verbeugen und entfernen . ſich) Euch, Slaven, gruͤß' ich als die juͤng⸗ ſten Soͤhne, Die ich der Kirch' erkauft duürch Chriſten— 4 blut; An ſanftes Joch der Nacken ſich gewoͤhne; Mit 2 WMWie Mit 9 licher Huld empfang' ich de but; Auch ſoll hinfort kein Goͤtzendienſt vergiften Die Seelen, die mein Schwert dem Him⸗ 4 mel gewann; Zu Havelberg will ich ein Bisthum ſtiften, 64 Mit Beiſpiel gehe Brandenburg voran. Cer winkt, die Slaven verbeugen und entferuen ſich) Du, Koͤnig der Daͤnen, Harald, ſey willkommen! Und zu der heilgen Taufe nun bereit; Biſt in den Gnadenbund du aufgenommen, So iſt auch Otto's Freu. dſchaft dir geweiht. 0 Du Herzog Conrad, den wir weiſe nennen— ‚ Und wohl mit Recht— Lothringen ſey dein Lohn— Dir, Bruder Heinrich, will ich Baiern göͤn⸗ nen— lund — 182— Es thut mir wohl, die Laͤnder Euch zu ſpen⸗ den, N Und Schwaben dir, Ludolf, geliebter Sohn— In deren Mitte Euer Kriegsruhm weilt; Dem Kaiſer ziemt das Große zu vollenden, Indem er dankbar deſſen Fruͤchte theilt.— Nun noch zu dir, mein Herrmann Bil⸗ ling, deſſen Gewichtge Fauſt mir Boͤhmen unterwarf; 16 Was Helden ziert, iſt reich Dir zugemeſſen, Und was zum Schmück ein Fuͤrſtengeiſt be⸗ darf. ſeur Eins verſagte Dir des Zufalls Laune, Geburt— Doch wem der Sieg den Lor— beer reicht, 464 Weß Nam' erſchallt aus Heldenruhms Po⸗ ſaune, O der entbehrt der Purpurwindeln leicht. 114 Mir gilt kein Stamm, mir gelten keine Wappen Ich Ich ehre Tapferkeit und Biederſinn, Ich ehre ſie im Ritter wie im Knappen Und achte nicht des Zufalls Eigenſinn. So moͤg' aus Dir ein neu Geſchlecht er—⸗ wachſen, Deß Ahnherr Du vom Enkel ſtolz genannt, Denn ich erhebe Dich zum Herzog meiner Sachſen, Vertraue Deiner Hut mein Vaterland.— Nun geht! laßt mich allein. (Atle, außer Herrmann, entfernen ſich. Otte ſteigt vom Throne und geht tieffinnis umher.) Zweite Scene. Kaiſer Otto, Herrmann. Herrmann. Die Fuͤrſten All' entweichen, Nur Herrmann nicht, den Euer, Kummer druͤckt; Ich 8 184 1 HI. Ich ſehe finſtern Gram den Thron umſchlei— 14 chen, Der, Otto tragend, eine Welt begluͤckt. Ihr konntet ſchnell zum Fuͤrſten mich erhe— ben Und— doch— verzeiht!— dem Freunde ſeys geklagt: Ihr gabt mir viel und habt mir nichts ge— J 665 ö geben, Wenn hr Vertraun, das Koͤſtlichſte verſagt— Atto. Du kannſt noch fragen? Hoheit, Macht und Wuͤrde, Gewaͤhren ſie was Herzen ſtill begluͤckt? O! auch die Kaiſerkron' iſt eine Buͤrde, Wenn ſie mit kaltem Glanz Verwaiſte ſchmuͤckt. 40 Muß ich auf einem Thron mich einſam haͤr⸗ 1 men, 1 So gnuͤgt mir nicht der Sonne Macht und Schein. Mag jeder doch an ihrem Strahl ſich waͤrmen, Sie — 185— Sie aber glaͤnzt— und ſteht allein— allein! Sich Goͤttern gleich zum eignen Gluͤck erhe— ben Durch Andrer Gluͤck, ſteht nicht in Men⸗ ſchenkraft; Gern will er in und mit Begluͤckten leben, Nicht ſehen nur, auch theilen was er ſchafft. Nur wenn ſein Herz, an fremdem Gluͤcke bauend, Nach Sorg' und Muͤh' an treuer Bruſt er⸗ wacht, Der liebenden Gefaͤhrtin ſtill vertrauend: as hab' ich heute ſtill voll— „Sieh her, bracht.“ Und dann aus ihrem unbeſtochnen Munde Die Herzlichkeit das ſchoͤnſte Lob ihm ſprach;— O Freund! das iſt die ſuͤße Abendſtunde, Die auch ein Kaiſer nicht enbehren mag. Herrmann. Es hat der Tod, der unerbittlich ſtrenge, ——— — 186— Die edelſte Gemahlin Euch geraubt, Und wohl mag nun das kalte Hofgepränge Euch ſchal, unleidlich duͤnken crlaubt Dem treuen Diener, daß ne, Auf daß ein großes, faſt rz Zu neuem Gluͤck den Blumenpfad ſich bahne, Maͤunlich beſiegend den unmaͤnnlichen Schmerz. Bedenkt! noch ſeyd Ihr fern vom Lebens⸗ ziele, Noch ruͤſtig ſteht Ihr da in Manneskraft; Der edlen Fuͤrſtentoͤchter gibt es Viele, Wohl wuͤrdig einer edlen Leidenſchaft, Blickt um Euch— waͤhlt. Otto. Es ſey Dir unverholen, Daß oͤfter ſchon der Wunſch in mir ge— glimmt, Auch die Vernunft mir gleichen Troſt em⸗ pfohlen, Wenn ſchon das Herz unwillig beigeſtimmt. Wohl manche ſind voruͤber mir gegangen. Die —— 187— Die ich fuͤr ſchoͤn und edel gern erkannt; Doch keine ſah ich luͤſtern mit Verlangen, ind keiner hat mein Herz ſich zugewandt. Nur durch ein Wunder konnte das geſchehen, Es iſt erfolgt und dennoch glaub ichs kaum. Vernimm: ich hab ein fremdes Weib geſehen, Ein engelſchoͤnes Weib— doch nur im Traum. Wie ſie mit tiefem Gram in Blick und Mienen um Rettung flehend meine Knie umfaßt. So iſt ſie dreimal mir im Traum erſchienen, Und nun im Herzen mir ein lieber Gaſt. Ja, uͤberall erblick' ich nur die Eine! War es ein Spiel der Phantaſte?— gleich⸗ viel! Verſpotten magſt du mich— ſie oder keine! Laß meinem kranken Herzen dieſes Spiel. Herrmann. Fern ſey von mir, der Traͤume kuͤhn zu ſpotten, Die oft der Zukunft Schleier aufgedeckt; Fern ——— — 20 188—— Fern ſey von mir, die Hoffuung auszurotten — darf ich rathen— Phantaſie nach einem Trugbild haſcht, Es ſey kein leerer Traum, der Euch geneckt. I Doch daß nicht laͤnger einſam 4 Die So macht Euch auf, durchziehet Eure Staa⸗ ten, Bis Euch die Wirklichkeit froh uͤberraſcht. Und waͤrs auch nicht, doch dem Gemuͤth er⸗ goͤtzlich Iſt in der heitern Fremde jeder Schritt. Folgt meinem Rath, wer weiß wo Euch ur⸗ ploͤtzlich Die ruͤhrende Geſtalt entgegen tritt. Sites Noch manches Gute muß ich hier vollenden, Bevor mein Herz Zerſtreuung ſuchen darf, Geh— harre— ſchweig— ich werde nach N Dir ſenden 14 So oft der Freund des biedern Freunds be⸗ 1 5 darf. K Jetzt laß mich. Herr— 4 8 — 1 89 Herrmann. Ich gehorche. Otto. Mir behagen, Nach dem Getuͤmmel, Einſamkeit und Ruh; Es ſoll kein Fremder mick zu ſtoͤren wagen. Dritte Secene. Otto. Wohl mir! ich darf die Einſamkeit nicht ſcheuen, Wo keines Opfers Schatten mich umſchwebt; Ich darf mich des gelungnen Werkes freuen, zer klebt. Daß eine Scholle Landes mir verbliebe, Darum hab' ich der Herrſchſucht nie 9 roͤhnt, Nie Furcht geheiſcht, Vertrauen nur und Liebe; —————ů——ů— — 190— Wohl mir! ich bin geliebt— ich bin be⸗ lohnt. Der Wahrheit Stimme hab' ich ſtets geach⸗ tet, Und gern erkannt der Menſchheit hohen Werth; Sie wird veraͤchtlich, wenn man ſie ver⸗ achtet, Und ſie erhebt ſich, wenn der Fuͤrſt ſie ehrt. Drum weg von mir, du tolle Herrſchbegierde! Du ſtellſt mich nie dem Hohn der Nachwelt blos; Durch ſtrenges Recht— der Krone hoͤchſte Zierde— Die Macht freiwillig zuͤgeln— das iſt grotz. Vierte Scene. Guideo erſcheint. Gott gruͤß Euch! Otto. Ha!] wer iſt der Unbekannte, Der — 191— Der in des Kaiſers Burg ſo kuͤhn ſich wagt? Wer biſt du? rede! hat denn kein Trabante, Kein Waͤchter mein Verbot dir angeſagt? Guido. Wie? Kaiſer Otto koͤnnte ſich verſchließen? Bedraͤngten zeigt er gern ſein Angeſicht; Und auch in ernſter Stund' ihn zu begruͤßen, Wehrt ja der Vater ſeinen Kindern nicht. Otto. Wohlan, es ſey dieß Recht dir unbenommen. Wo kommſt du her? Guido. Aus Welſchland. Otto. Lange ſchon Iſt keine Botſchaft mir von dort gekommen, Guid o. So ſchenkt mir Eure Huld fuͤr Botenlohn. Ot to. Wer ſendet dich? Guido. Guido. Moͤgt Ihr den Knaben achten, doch bedenkt: Oft foͤdert ſchwaches Werkzeug große Dinge, 9 Und klein iſt oft was Menſchenherzen lenkt. So manche Voten, ſtattlich ausgeruͤſtet, Hat Euch der Fuͤrſten Drangſal zügeſchickt, Doch ſtets von Berengar ſchlau uͤberliſtet, Ward jede Bitte durch Gewalt erſtickt. Da mußten ſie den Fiſcherbuben ſenden, ö Der unbelauert uͤber die Alpen ſchlich, Und Ihr empfangt— gleichviel aus welcher Haͤnden— Der Fuͤrſten Briefe. Leſ't— dann hoͤret mich. Ott o.(nachdem er geleſen) Wie? dieſer Berengar? ha! wie vermeſſen! Nach 193— Nach Kron' und Inful ſtreckt er ſeine Hand? Hat er ſobald der eignen Noth vergeſſen, Die einſt an meinem Hofe Zuflucht fand?— Als Koͤnig Hugo ſeinem Leben drohte, War ich es, der den Fliehenden beſchuͤtzt. Guido. Durch ihn erlag Lothar dem fruͤhen Tode, Er hat ſein Gift dem Edlen zugeſpruͤtzt; Und noch erſteht kein Raͤcher der ſich ruͤſte; Der Fuͤrſten Ohnmacht ſeufzt, das Volk er— bebt. O duldet nicht, daß Uebermuth ſich bruͤſte, So lange Deutſchlands großer Kaiſer lebt. Ott d. Was wollen ſie von mir?— Daß ich im Kriege Das Reich erkaͤmpfe?— mir ein ſchnoͤder Lohn! Nur Blut erkauft den leichteſten der Siege; Ein Tropfen iſt zu viel fuͤr einen Thron. N Guido. —— —— ———— rCr. — 194— Guido. Ein wahrhaft fuͤrſtlich Wort! nicht feile Her— den Sind Voͤlker Euch; Ihr zuckt kein freſſend Schweut; Doch der bedraͤngten Unſchuld Retter werden Des Schickſals labyrinthiſche Verkettung Iſt wohl ein Preis auch eines Otto werth. Birgt Sterblichen des Schoͤpfers weiſen Plan: Lothars gebeugte Witwe fleht um Rettung! ö Burgunds gequaͤlte Fuͤrſtin ruft Euch an! Durch ihre Hand will im verhaßten Bunde Der Moͤrder ſichern das geraubte Reich; Das holdeſte Weib auf dieſem Erdenrunde Iſt das ungluͤcklichſte zugleich. Zu Markgraf Azzo von Eſte gefluͤchtet, Gewaͤhrt ihr noch Canoſſa ſchwachen Schutz, Doch hart belagert bietet, faſt vernichtet, Sie Feindes Grimm und Hungers Wuͤthen Trutz. Auf! rettet ſie! von dem beſudelten Throne Stoßt — 195— Stoßt den verruchten Schoͤpfer ihrer Qual! Auf! rettet ſie! empfangt die eiſerne Krone Aus ihrer Hand und— werdet ihr Gemahl. Otto. Meinſt du, daß ſolche Lockung mich bethoͤre? Mir bieteſt du Erſatz?— eitles Bemuͤhn! Guido. Wie aber dann, wenn Adelheid es waͤre, Die dreimal Euch im Traume juͤngſt erſchien? Otto. 2 ν — 2 — E u?— Adelheid?— wie kannſt du wiſſen— Wer hat dir meinen Traum enthuͤllet? Sprich! Guido. Otto! der Schleier iſt fuͤr dich zerriſſen— Dein Geiſt— verbruͤdert mir— erkenne mich! Otto. Ha! du— ich ahne dich— der Nebel ſchwinde?— N2 Mir —— ——— — 196— Mir iſt ein Geiſt— ein guter Geiſt genaht— Mein Traum— mein Hoffen— ja es un— terwinde Die Kraft, von dir geweckt, ſich kuͤhn der That! Du freundliche Erſcheinung, ſey willkommen! Ich bebe nicht vor dir— ich kenne dich— Tief in der Seele hab ich dich vernommen, Ja, dir verbruͤdert iſt mein beſſres Ich! Wohlan! zerbrechen will ich jene Ketten, In welchen ſich die Unſchuld aͤchzend kruͤmmt! Auf! ſchwebe vor mir her! ich will ſie retten, Die zur Gefaͤhrtin mir ein Gott beſtimmt. Guido. So ruͤſte dich, entrolle deine Fahnen Und ſammle deine Krieger um dich her! Wohl auf! ich will dir Siegespfade bahnen, Erſcheine ploͤtzlich, du Gewaltiger! All deine Schritte will ich ſorgend lenken, Den Fels dir ebnen, der ſich ſteil erhebt, In ſichern Uebermuh den Feind verſenken, Bis — 197— Bis er, geweckt durch Kampfgeſchrei, erk Bis deine Scharen drohend ihn umſchwenken Umſonſt der Rach' er zu entrinnen ſtrebt; Umſonſt Verbrechen auf Verbrechen haͤufet, Und der Verzweiflung Taumel ihn ergreifet! (ab) Otto. Nun ſammelt euch, ihr wackern Fuͤrſten alle, Um eures Kaiſers flatterndes Panier! Die Pauke wirble! die Trompet' erſchalle! Nun Herrmann gilts! wer treu iſt folge mir! (ab) Ein Gemach in der Burg Canoſſa mit einem Soͤller nach außen. Se— Fuͤnfte Scene. d Oswald ſein alter Knappe, tre⸗ (Markgraf Azzo, un einen Waſſerkrug auf ten auf. Der Knappe ſetzt den Tiſch. Am Fenſter ſteht ein Blumengefäß.) 9 Azzo. Hieher, daß nicht die Koͤnigin uns hoͤre, Denn Gutes weiſſagt mir dein Auge nicht. Oswald. ä3*XXX ⁰ 3 — 198— Os wald. Ach leider nein! wenn ich den Gram Euch mehre, So mag mirs Gott verzeihn! es iſt doch Pflicht. Az 3z o. So rede. Sind doch laͤngſt die Hiobsboten Mir nicht mehr fremd. Os wald. Die Knecht' hab' ich behorcht; Im Zwinger ſtanden ſie gekreiſt und drohten Euch zu verlaſſen. Az 3z o. Was ich laͤngſt beſorgt. Ous wald. Die Koͤpfe ſteckten ſie gar eng zuſammen, Und habens kluͤglich zu berathen vermeint, Und Euer Burgvpoigt ſchüͤrte ſelbſt die Flam⸗ men, Gleich wie beſeſſen durch den boͤſen Feind. „Sind — 199—— —2 —————— Sind wir“ ſo ſprach er,„1 umzingelt? f 1 nicht ſchon lang 4 0 „In dieſer Burg— verwuͤnſchtes Felſen— * neſt!—. 4 „Gleich einer Raupe in ihr Blatt geringelt? RN „uUnd Mann an Mann bei Hunderten ge⸗ preßt? 4 „Kein Huͤndlein darf ſich aus der Pforte wagen, „Des Koͤnigs Heer hat jeden Pfad geſperrt, „Stiehlt einer ſich hinaus, flugs wird beim Kragen „Der arme Wicht zum Galgen hingezerrt— „Hinauf mit ihm! da haͤngt er, uns zur Schande, „Wir von der Mauer ſehn es knirſchend an, „Und ſtehen ſelbſt an eines Abgrunds Rande. „Uns wird geſchehen wie man ihm gethan. „Wen früher nicht der Hunger aufgerieben, „Der ziert den Galgen wenn ſein Stuͤnd⸗ lein ſchlaͤgt. Wollt — 200— „Wollt ihr die Rettung laͤnget noch ver— ſchieben, „Da zum Entſatz ſich keine Hoffnung regt? „Da wir ſchon lange Speiſ und Trank ver⸗ miſſen, „Der einzge Brunnen abgegraben ſteht? „Schon waren Ratten unſre Leckerbiſſen, „Umſonſt wird Regen fuͤr den Durſt erfleht. „Wir nagten ſchon das Leder von den Schu— hen, „Und jeder Baum gab ſeine Rinde her, „Indeſſen ſie ſich draußen guͤtlich thuen— „Wer unter euch mags laͤnger dulden? wer?— „Drum wollet raſch, was retten mag, be⸗ ſchließen; ie Koͤnigin ergreift, fuͤhrt ſie hinaus, „So iſt des Koͤnias Gnade uns verhießen, „Und jeder zieht wohl gar belohnt nach Haus.“— So ſprach er und ich ſah die Koͤpfe nicken. Sie „D — 1 Sie ſchwiegen als ich ploͤtzlich naͤher trat, — Doch las ich deutlich in den ſcheuen Blicken, Daß ihnen wohlgefiel der boͤſe Rath. A zzeo. Geſindel! ſollſt mich vorbereitet finden. 4 14 Os wald. 14 Auch blieb ein warkres Haͤuflein noch Euch treu, Und will mit Euch den Teufel uͤberwinden, 4 Erhuͤbe nur der Magen kein Geſchrei. 6 Nun, wir ſind Manner, hart wie Stahl und Eiſen, Mich jammert nur die zarte Koͤnigin, Was wird aus der?— Wohl trug ich ſelbſt die Speiſen Bisher im Ueberfluß ihr taͤglich hin, Und, waͤhrend uns der Hunger faſt ver⸗ zehrte, Ihr Euch entzogt den letzten Tropfen Wein, Genoß ſie wahrlich was ihr Herz begehrte, Nicht einmal ahnend unſre Sorg' und Pein. Doch —— 202—— 0 Doch moͤgt Ihr nun die hoͤchſte Noth be— trachten Ein ſcheußlich Bild, vor dem der Seele graußt! Selbſt Euren Lieblingsfalken mußt' ich ſchlach⸗ ten, Mir zitterte das Meſſer in der Fauſt. Den duͤrren Gaum ſchon laͤngſt kein Regen netzte, Es bleibt fuͤr uns der Himmel taub' und hart, Und dieſer Krug voll Waſſer iſt der letzte, Den fuͤr die Koͤnigin ich aufgeſpart. A zuz o. Recht ſo! fuͤr ſie den letzten Waſſertropfen! Fuͤr Adelheid den letzten Tropfen Blut! Mag das Geſchick Elend auf Elend pfropfen, Bleibt ſie verſchont, ſoitrag ich es mit Muth. Es will kein rettender Engel uns erſcheinen, Wir ſind auf eigne Kraft beſchraͤnkt— wohlan! Im — 203— Im Kampf noch einmal dieſe Kraft vereinen Das wollen wir! oft Kuͤhnheit Sieg gewann. Im Burghof ſammle mir ſogleich die Knechte, Ruf auch die Kinder von der Mutter Schooß, Sie moͤgen Steine ſchleudern, die Verzweif⸗ lung fechte, Sieg oder Tod! geworfen ſey das Loos! Ich wappne mich und tret' an eure Spitze— Die Nacht bricht ein— die Pforte thut ſich auf— Hinaus! die Schwerter wandeln ſich in Blitze Und tauſend Leichen thuͤrmen wir zu Hauf! Wenn ich mein Blut fuͤr Adelheid verſpruͤtze, Wohl mir! ſo end' ich herrlich meinen Lauf! Fort! mahne jeden Knecht an Ehr' und Eid, Und gib die Loſung: Gott und Adel⸗ heid! (Der Knappe geht.) Sechste — 204 Sechste Scene. A'ſz 3 o. callein) Doch fall' ich— wer wird dann zum Schutz ihr dienen?— Wo bleibſt du Guido? haſt du mich bethoͤrt? 4 Warſt du kein guter Geiſt, der mir erſchie— 6 nen? 2 ̃ Verhallen ihre Seufzer ungehoͤrt?— ö Herbei! und rette du ſie vom Verderben, Wenn mich in Todeskampf Verzweiflung 4 treibt! Ich bin ja nur ein Menſch, ich kann nur ſterben— Es ſey! wenn Adelheid' nicht huͤlflos bleibt.— 4 5 Du ſiehſt, ich muß den Knoten nun zer— hauen, Den ſonſt mit duͤrrer Hand der Hunger loͤſt; Schon darf ich kaum der alten Kraft noch 11 trauen— 16 Der Muskeln ſtarkes Band ſcheint aufgeloͤſt, Denn — 205— Denn dieſer heiße Durſt will mich erſticken— Auf meiner Lippe brennt ein trockner Schaum— Ich koͤnnt' ihn oͤſchen, koͤnnte mich erquik⸗ ken— Sieh da, ein voller Krug— mir lechzt der Gaum— Nein! brenne fort! mag ſich der Koͤrper ſtraͤuben, Roch ihn zu baͤnd'gen hat die Seele Muth! Es iſt der letzte Trunk— ihr ſoll er blei— ben. Fort, loͤſche deinen Durſt in Feindesblut!— Wer kommt?— ſie iſts. Siebente Sceene. Adelhei d. Critt auf) Was ſoll der Laͤrm bedeuten? In eurem Burghof ploͤtzlich ein Gewirr, Ein wuͤſt Getuͤmmel von bewaffneten Leuten, Schwertgeklirr? Azzo Und heiſere Stimmen und ——— ———— 206— A 3 zuo. Sie ruͤſten ſich. Ein Ausfall iſt beſchloſſen. Adelheid. Herr Markgraf, wie? Ihr wagt— A z zo. Fuͤr Euch, mit Gott! Adelheſi d. Ihr wolltet trotzen feindlichen Geſchoſſen? Der Menge trotzen ohne dringende Noth? Aſ zu z o. Nicht ohne Noth. Adelheid. Erwaͤget, iſts auch weiſe? Was treibt Euch zu dem kuͤhnen Wageſtuͤck? Was mangelt uns? wir haben Trank und Speiſe, Der Fels verhoͤhnt des Koͤnigs Waffengluͤck. A zuz o. Und doch— ich darf nicht laͤnger Euch ver—⸗ heelen— Der Speiſe Vorrath will zu Ende gehn— Adelheid. 207— Adelheid. Ihr ſcherzt— A ziz o. Auch Waſſer moͤchte bald uns fehlen. Adetheide Doch war die Tafel mir ſtets wohl verſehn. Sogar der Wein ſchien unerſchoͤpft zu flie⸗ ßen, Und hab ich Waſſer nicht einmal entbehrt/ 110 Um dieſe Blumen taͤglich zu begießen. Azzo.(bei Seite) Doch war ein jeder Tropfen Goldes werth⸗ Adelheid. Da ſeht! (ſie ergreift den Krug um die Blumen zu begießen⸗ Azzo.(ſie zurück haltend) Ha! jetzt? was wollet Ihr beginnen? Adelheid. Die Blumen— — — 208— Az3o. Haltet ein!— Adelheid. Warum? Azzo. Erfahrt!— Dieß Waſſer— keinen Tropfen laßt verrin— nen— Es iſt der letzte Trunk, Euch aufgeſpart— Adelheid. Der letzte? ha! A z 3z o. Schon ſeit vier bangen Tagen Entbehrt mein murrend Kriegsvolk den Ge— nuß, Drum wollen wir vom Feinde kuͤhn erjagen Fuͤr Euch und Uns den neuen Ueberfluß. Nur dießmal ſpart, und gern ſetz' ich mein Leben An Eure Blumen ſelbſt mit Freudigkeit. Adelheid. Adelheid. Iſts moͤglich! O! das moͤg' Euch Gott ver⸗ geben! So weit war es gekommen? ha! ſo weit!? Und ich— den Mangel durft' ich nie be⸗ merken? Ich mußte ſchwelgen, waͤhrend ihr vielleicht Alzzo. Nehmts nicht zu hoch. Wenn Lieb und Treue ſtaͤrken, So wird Entbehren einem Manne leicht. Adelheeid. Es muß mein Herz mit bittrer Wehmuth fuͤllen— Herr Markgraf ſeht mich an— der hohle Blick— Die duͤrre Lippe— O um Gotteswillen! Bekennt, Euch duͤrſtet— ie reicht ihm haſtig den Krug) nehmt und trinkt. O Azzo. ——— FPK—————ç—..— 210— 13z3o. Zuruͤck! ticht einen Tropfen!— mir das Schwert umguͤrten Will ich mit letzter Kraft— Hinaus! hinaus! Der ſtolze Berengar ſoll mich bewirthen, An ſeine Tafel winkt der blutge Schmaus Und wenn ich dort an ſeinem Wein mich labe, So werd' in mir das Hochgefuͤhl erregt, Daß ich fuͤr Euch, fuͤr Euch geduͤrſtet habe! Lebt wohl! erfleht mir Sieg. Die Stunde ſchlaͤgt! (ab) Achte Seene. Adelheid. Ich bin erſchuͤttert— ſeltner Treue Muſter? Die, alles wagend, Freundes Witwe ſchuͤtzt; Die unvergolten, nur in ſelbſtbewußter Hoch⸗ Hochherzigkeit fuͤr Waſſer Blut verſpritzt. Wie hat er ſtets den Dank ſo zart vermie— den, Ja, mir verpflichtet duͤnkt er ſich wohl gar!— So biſt du doch nicht ganz von mir geſchie— den, Im edeln Freunde lebſt du mir Lothar! O ſchweb herab aus ſeligem Gefilde, Wo Tugend dir den Sternenkranz gereicht; Zieh vor ihm her, deck' ihn mit deinem Schilde, Wenn, fuͤr mich kaͤmpfend, ihm die Kraft entweicht. Neunte Sĩeene. Oswald. k(tritt auf und geht zum Söͤllet) — Sie ſind hinaus. Gott wolle Sieg verlei⸗ hen! Vom Soͤller koͤnnt Ihr alles uͤberſchaun. O2 Seht 60 * ⏑ Erſchrockne Waͤchter einzeln niederhau'n— Die Letzten klimmen noch den Fels hinunter, Indeß die erſten ſchon im Lager ſind— Hu! hu! ſchaut her, da wird es ploͤtzlich munter, Als rauſche durch die Zelt' ein Wirbelwind— Da ſchluͤpfen ſie hervor aus ihren Loͤchern, Und zuͤcken die Schwerter zu Hieb und Und reißen die Pfeile aus den Koͤchern, Und ſpannen die Bogen und tummeln ſich.— Doch wie verworren— ſeht ein wuͤſt Ge— draͤnge— Es wirbelt Staub— das ganze Lager ſcheint In Wolken verhuͤllt— was nutzt der Glie— der Menge, Wenn Ordnung nicht zum Koͤrper ſie ver⸗ eint?— Sey immerhin der Unſern Haufe kleiner, Den erſten Schrecken traͤgt er ins Gefecht.— Raſch Seht wie die Unſern ſich im Thal zerſtreuen, 6* — 21 323—— 1 Raſch vorwaͤrts nur!— ha! ha! da ſtuͤrzt ſchon Einer— Dort wieder Einer!— Juchhe!— ſo recht!— 4 Seht unſre Schwerter Blut in Stroͤmen trinken— Schon kuͤßt den Boden mancher trotzige Schelm— Wo iſt der Markgraf?— wohl! ich ſeh ihn 3 blinken, Den goldnen, ſchwarz beſiederten Helm— Hu! hu! wie ſauſt ſein Schwert um ihre Koͤpfe! Wie duͤrre Diſteln werden ſie geknickt— 2 — friſch drauf los! daß keiner Athem ſchöͤpfe! Daß jeder ſtuͤrze, dem der Nacken juͤckt. Er ſtreckt ſie reihenweis auf blutgen Raſen— Ihm ſcheint das Wuͤrgen nur ein Kinder— ſpiel; Als habe ſie ein Sturmwind umgeblaſen, So —ů 222⁊— ————— tꝗ——————.f.—.Cꝓ—— —————————— So fallen ſie um ihn im Kampfgewuͤhl— Er macht ſich Luft— ins Lager will er dringen— Ins Koͤnigs-Zelt— Gefahr den Muth nicht daͤmpft. Ha, braver Herr! wird dir auch das gelingen, So iſt mit einem Streich der Sieg er— kaͤmpft.— Sey auf der Hut!— der Feind iſt uͤberlegen— Der erſte Schreckenstaumel nun vorbei— Die Fluͤcht'gen ſtehn— es will die Scham ſich regen— Kaum ſind der Unſern Einer gegen drei— Die Wen'gen noch zerſtreut.— Um Vieh zu rauben, Ging dort ein Haufe ſeinem Hunger nach— Ein Andrer ſchoͤpft mit Haͤnden und Pickel— hauben Den Labetrunk ſich aus dem nahen Bach— Fort! fort Geſindel! iſt nun Zeit zu trin⸗ ken?— Fort! — 2175— Fort! ſeht Ihr nicht? der Markgraf kommt in Noth. Sein Haͤuflein zu gering— die Speere blinken— Dort eine Lanze— dort ein Schwert ihm droht— Noch ſeh' ich ihn mit Loͤwenmuthe ſtreiten— Da ſchwingt er ſich raſch auf den erbeuteten Gaul— Doch ſtuͤrzt der Feind herzu von allen Sei? ten— Schon gibt es einen dichten Menſchenknaul— Nun gilts!— der Loͤwe iſt umringt von Hunden— He da! herbei! herbei wer fechten kann!— Der ſchwarze Federbuſch— er iſt verſchwun⸗ den! Adelheid.(ſtürzt auf die Knie) Oswald. Cas Schwert zuckend) Heraus mein Schwert!— O Gott! ich al— ter Mann! Da ——————— ——————.———— 216— Da muß ich ſtehn, als waͤr' ich angefroren! Das Herz noch jung, der Arm des Feindes Spott! Ja, betet nur, denn habt Ihr ihn verloren, So iſt es aus mit Euch und uns. Adelheid. die Hände ringend.) Gott! Gott! Os wald. Ha! friſche Hoffnung!— neue Schaaken dringen Mit unſerm Faͤhnlein haſtig ſchon herbei— Sie ſchwenken die Speere— theilen ſich— umringen Den dichten Haufen mit gellendem Kriegs⸗ geſchrei— Jetzt greifen ſie an— die Feinde fallen wie Fliegen— Es ſchallt heruͤber, unſer Loſungswort— Der Knaul entwickelt ſich— die Unſern ſiegen!— Allein der ſchwarze Federbuſch iſt fort! Die 217 Die Feinde weichen— ſammeln ſich— und lauern— Der duͤſtre Mordplatz wird nun wieder licht— Die Unſern nahen unverfolgt den Mauern— Doch ach! der Markgraf— ihn gewahr' ich nicht!— Dort um die Zelt' iſt ſchon der Raum ver— oͤdet— Und nirgend ragt hervor die Heldengeſtalt! Iſt er gefangen?— todt?— wo iſt er?— Ließt Ihr den Leichnam in des Feindes Ge⸗ walt?— Was ſeh' ich! Knappen tragen eine Bahre Den Felſenpfad herauf— weh mir! er iſts! Mit Blut bedeckt!— hinab ihr grauen Haare, Hinab in die Gruft! mein guter Herr! du biſts! Adelheid. —— 8 — 218— Adelheſi b. So ſchließt euch nun, ihr wundgeweinten Augen, Zum Todesſchlaf! Oswald. Hinaus! ich will ihn ſehn! Ich will das Blut aus ſeinen Wunden ſau— gen, Und Rettung ihm— wo nicht, mir Tod erflehn! (ab) Zehnte Scene. Adelhei de Weh mir!— ich Aermſte muß den Grels beneiden, Der nicht den Fall des Edlen uͤberlebt! Indeſſen mir der bittre Kelch der Leiden Noch immer an der bebenden Lippe klebt!— O meine Jugendkraft! laß dich erdruͤcken! Gibts —— 219— Gibts keine Qual, die dich zerſtoͤrt und bricht?— Es will mein Blut das zuckende Herz erſtik⸗ ken, Und doch zerreißt der morſche Faden nicht!— kommen— mich durchbohrt ein kaltes Eiſen— Sie —*— Eilfte Scene. Sinige Knechte tragen den bleichen, blutenden K3s3o auf einer von Zweigen geflochtenen Bahre berein und ſtellen ſie vor Adelheid. Noch hält Azzo ſein Schwert in der Fauſt. Adelheid, Herr Markgraf! Ihr verwundet?! Azzeo. Toͤdtlich!= Adelheid. Nein! O nein! Az zo. —————— —————— —— —— ³—n—— Mi T v ward ein ſchoͤner od verheißen— Und bald erfuͤllt wird die Verheißung ſehn— Den Friedensengel ſeh' ich ft eundlich winken— Ich ſterb' um Euch— und ſterbe unbeſiegt— Mag nun das Schwert der ſchwachen Fauſt entſinken, Wenn es geehrt zu Euren Fuͤßen liegt. (er läßt das Schwert fallen) Adelheid. O Rettung! Rettung! A z z o. Wolle Gott Euch ſenden— Nicht mir, der ruͤhmlich in dem Kampfe ſiel— O goͤnnet mir das Gluͤck, ſo zu vollenden— Fuͤr Euch zu ſterben war mein Wunſch, mein Ziel— Laßt mich bekennen in der Scheideſtunde Den ſchweren Frevel, den mein Herz ver— uͤbt— Und Euch verſoͤhne meine Todeswunde— Denn —ͤ— 221— Denn wiſſet nun— ich habe Euch geliebt— Geliebt mit einem Feuer— einem Stre— ben— Das nur die Scham der Tugend uͤberwand— Koͤnnt Ihr den kuͤhnen Frevel mir vergeben, So reicht verſoͤhnt dem Sterbenden die Hand A d elhei d.(reicht ihm ſchluchzend die Hand) Az z o. Nun iſt mir wohl— nun bin ich hier ſchon ſelig— Todesſchmerz— Vertilgt hat Eure Hand den Der letzte Funke— er verglimme allmaͤhlig— Zum letzten Male ſchlaͤgt fuͤr Euch dieß Herz— Ihr weint?— um mich?— o hoͤchſter Lohn der Leiden! In Eurem Perlenſchmuck vor Gott zu ſtehn— Es waͤre ſuͤß ſo von der Welt zu ſcheiden— Doch nein— Ihr ſollt mich auch nicht ſter⸗ ben ſehn— Mein letztes Roͤcheln ſollet Ihr nicht hoͤren— Gott ———— ä—— 2 Gott ſey mit Euch!— Ihr Knappen tragt 44 9 mich fort— Moͤg' Euer Schutzgeiſt bald— bald wieder— kehren!— Lebt wohl!— Lebt wohl!— wir ſehn uns wieder— dort! (Die Knappen tragen ihn hinaus.) Zwoͤlfte Scene. 4 Adelheid. U Ha! dieſe Angſt— aus meinen Blicken ſchwand er, Doch ſeh' ich ihn noch immer— Fieber— froſt Schlaͤgt mir die Zaͤhne klappend an ein⸗ ander K Und ſchuͤttelt mich— wo ſuch' ich Huͤlfe— Troſt 21 Wenn ſo die Tugend die Verirrung buͤßte, 6 279 4 Wer iſt vor Gott der Makelloſe? wer?— 1 Ich 223 Ich ſchaudre!— Gott! ich ſteh' in einer Wuͤſte Und tauſend Schlangen ziſchen um mich her? (ſie finkt auf die Kuie) Erbarmer! ſprich ein Gnadenwort! er lebe! Nimm es zuruͤck das grauſame Gebot! Erbarmer! hoͤre mich!— wer kommt?— ich bebe— Oswald. (ſchwantt über die Bühne) Adelheid. Nun Knappe rede— Oswald. Er iſt todt. (ab) Ade Ih ei d. Gernichtet) Todt! cſie erhebt ſich langſam) Todt?—— Auch dieſe Eiche hat der Blitz zerſchmettert, Und ach! in ihrem Schatten mich verſchont! Mir iſt der letzte Hoffnungszweig entblaͤttert— So —2.. ˖ä— —————. So wird auf Erden die Treue belohnt!— O Tugend! die, bei frechem Weltgetuͤmmel, Du in die ſeltnen Herzen dich verbirgſt; Warum verweilſt du nicht in deinem Himmel 7 Wenn du auf Erden nur die Edeln wuͤrgſt?— Was ſuchſt du, Fremdling, hier uneingeladen, Wo nur Verbrechen ſuͤße Frucht genießt? Wo, mit der Menſchenkinder Fluch beladen, Du die Verfuͤhrten ſtuͤrzend nach dir ziehſt? Entſagung forderſt du, nur um zu quaͤlen; In ewgem Kampfe hadert wer dir frohnt, Du treibſt ein haͤmiſch Spiel mit frommen Seelen Die, arglos dir vertrauend, Spott belohnt.— Auch ich— gewoͤhnt dich kindlich zu um— faſſen— Wie hab ich mich geſchmiegt an dein Panier! Da ſteh' ich nun— verfolgt— beſchimpft— verlaſſen— Des rohen Siegers blutend Opferthier. Der letzte Freund— er iſt durch dich gefallen— Mit Mit ihm der letzte Muth— die Zaͤhne blekt Der bleiche Hunger— und des Tigers Krallen Sind nach der zuckenden Beute ausgeſtreckt.— Ich kann nicht laͤnger mit dem Schickſal ringen— Schon hoͤr' ich wie der wilde Sieger ſchnauft— Der Knechte Schaar ſeh' ich herein ſchon dringen, Die, mich verderbend, Schonung ſich erkauft— Weh mir! ſie naht, die ſchrecklichſte der Stunden! Den letzten Seufzer ſtoͤhnt die Unſchuld aus— Sie ſchleppen mich hinab— verhoͤhnt— ge— bunden— Die Pforte gaͤhnt— ſie ſtoßen mich hinaus— Und draußen wiehert mir der Hohn entge— gen— Auf meinem Haupte ſtraͤubt ſich jedes Haar— Des Gatten Moͤrder bietet mir verwegen Die blutge Hand und ſchleift mich zum Al⸗ tar—— P Nein! Nein! nein! den Tod! den Tod! nicht chande! ande! Den ſchnellen Tod' eh' ſolch ein Fluch mich trifft! Gewaltſam loͤſ' ich die verworfnen Bande— Nur einen Dolch— nur einen Tropfen Gift— Ein Tropfen gnuͤgt, das Leben au zuzehren, Das kaum noch in der matten Bruſt ſich regt— O hoͤre mich! du wirſt, du mußt mich hoͤren! Die Nacht bricht ein— die letzte Stunde ſchlaͤgt— (ſie wirft ſich auf den Boden) Ich winde mich im Staube— ich erſticke In meinem Jammer— (ſie erblickt Azzos Schwert zu ihren Füßen. Ha! ein Schwert!— ein Schwert!— Des Freundes blutges Schwert vor meinem Blicke— (ſich aufraffend) Triumph! ich bin gerettet— bin erhoͤrt!— Nein, Nein, du wirſt kein verdammend Urtheil ſprechen, Der du mich ſiehſt in meiner tiefſten Noth! Ich kann nicht mehr!— nein es iſt kein Verbrechen, Waͤhlt die bedraͤngte Unſchuld raſch den Tod! Um makellos den Himmel zu erwerben, Entriß ſchon Manche ſo ſich der Gewalt— Was rauſcht! ſie kommen— makellos zu ſterben Vergoͤnn' auch mir!— Gott ſey mir gnaͤ⸗ (ſie ſetzt das Schwert gegen ihre Bruſt) Dreizehnte Scene. Guido.(piötztich erſcheinend und ihr in den Arm fallend) Halt! Guido Guido. Ich bins. Adelheid. Mein Guido! Guido. Wehe! Wehe! Du haſt mich tief betruͤbt! Adelheid. Verdamme nicht. Guido. Ich ſeh' und mag nicht glauben was ich ſehe. ———-— Iſt das der Unſchuld fromme Zuverſicht?— 0 Der einſt zu Como ſprengte deine Ketten, Der uͤber den tobenden See dich trug, Der Graͤber oͤffnete um dich zu retten, 10N1 Der that fuͤr dein Vertrauen nicht genug? Wie? ſichtbarlich umſchwebt von ſchuͤtzenden 1 Geiſtern— Wenn gleich von ſchroffen Felſen rings um⸗ thuͤrmt— Kann ſich Verzweiflung einer Bruſt bemei— ſtern, Die Gottes Liebe wundervoll geſchirmt? O Adelheid! Adelheid. Die ſtrafenden Worte brennen— In meiner Seele daͤmmert neues Licht. Du, den die Lippe kaum noch wagt zu nen— nen, Geh mit der Reuigen nicht ius Gericht! Guido. Vernimm beſchaͤmt: im ſelben Augenblicke, In dem du moͤrderiſch das Schwert gefaßt, Erſchien dein Retter mit dem Siegesgluͤcke, Es trieb uͤber Stroͤm' und Berg' ihn edle Haſt. Blick auf und ſieh— ein dichter Wald von Speeren, Den jenes breiten Huͤgels Ruͤcken traͤgt; Ein weites Feld von hohen, goldnen Aehren, Das wogend ſich ins Thal herab bewegt. Hoͤrſt —— —— —— 230— Hoͤrſt du mit dumpfem Schall den Boden ſtampfen? Es draͤngt in dichten Reih'n ſich Mann an Mann, Die Reiter keuchen und die Roſſe dampfen, Es weht das goldne Reichspanier voran. Der Kaiſer ſchwur, es ſchwuren tauſend Ritter Laut auf das heilge Kreutz: Sieg oder Tod! Sie ruͤcken ſtill herauf wie ein Gewitter Das murmelnd noch in ſchwarzer Wolke droht. Adelhelnd. Gott! Gott! ich danke dir! Guido. Sieh das Gewirre In Feindes Lager— alles wuͤhlt und gaͤhrt— Die losgeriſſnen Pferde in der Irre— Die Knechte ſuchen taumelnd Schild und Schwert— Des — DDe ————— Des Feldherrn Stimme wird nicht mehr ver— nommen— Die feigen Miethlinge verlaſſen ibu.— Man hoͤrt nur- CiuG A d eſchrei Vos Tabvot KKyoscthens Des ſtarren Schreckens i: Die Deut ———..—..—+˖.. ſchen kommen! ——— Fittig rauſcht— ſie fliehn. e i d. Gott! Gott! ich danke dir! Guido. Der jenes wilde? Seht Ihr den Reiter, doß zu baͤndgen wagt? Den Stattlichen, der uͤber die Begleiter So hoch hervor in goldner Ruͤſtung ragt? N Es winden ſich die gruͤnen Lorbeerreißer Um den gekroͤnten Helm, die Lanze blitzt— Adelheid. Wer iſt der Stattliche? Gu i d 0. Der deutſche Kaiſer, Otto der Große, deſſen Schwert Euch ſchuͤtzt. Adelheid. ——— Adelheid. O koͤnnt' ich ihm vergelten! Guido. Wollt Ihr 7 Adelheid. Gerne! Pavia raͤum' ich ihm und was ſonſt mein! Mir ſey vergoͤnnt, in abgeſchiedner Ferne Des Lebens Reſt dem Kloſter ſtill zu weihn. Guido. eit nichten! fuͤr den Thron ſeyd Ihr ge— boren, Wo Tugend wirken darf iſt Heiligthum. Euch zur Gemahlin hat der Held erkoren, Und theilen ſollt Ihr Liebe, Segen, Ruhm, Auf ſchmuͤcket Euch! Adelheind. Mit eitlen Weltgedanken Quaͤlſt du die Himmelsbraut vergebens nur; Denn —— 233— Denn wahrlich! nimmer ſoll die Treue wan⸗ ken, Die ich dem Gatten bis zum Grabe ſchwur. Guido. Die Treue?— Gott hat Euren Bund ge— ſchieden. Was Euch beduͤnken mag verletzte Pflicht, Das ſtoͤrt fuͤrwahr dort keinen Himmelsfrie— den, Es eifern ja die ſelgen Geiſter nicht. Ihr duͤrft, Ihr muͤßt, Ihr werdet Euch ver— maͤhlen! Dem Buſen ſey das letzte Ach entſchluͤpft; Es bleibt ja doch das ſchoͤne Band der See— len, Das Erd' und Himmel an einander knuͤpft. Adelheid. Du muͤheſt dich umſonſt, mit ſchlauen Gruͤn⸗ den Das Herz zu ſchwichtigen, das ſich empoͤrt; Was kann von der geliebten Pflicht entbinden, So ———— ———— So lang' mein Ohr nur dieſe Stimme hoͤrt? Wohl wahr, daß ſich die irdſchen Bande trennen, Es bleibt darum des Herzens Reinheit doch! Darf Keuſchheit ſelbſt vor Gott ſich Tugend nennen, So ſchaͤtzt auch wohl ein ſelger Geiſt ſie noch. Guido. Es iſt und bleibt des Menſchen eitle Gabe, Daß er den Geiſtern ſein Empfinden leih Wĩ̃ I* Ruhe faͤnd' im Grabe lker Gluͤck erneut? ie, wenn Lothar nicht Bis Ihr geliebter V Adelheid. Nicht Ruh' im Grabe bis ich treulos wuͤrde? Das uͤberredeſt du die Witwe nie. Guido. Wer war es, der, als Euch die Schmerzens⸗ buͤrde Am Grabe niederbeugt' auf wunde Knie, Mit — — 2 80 Mit einer Krone Euch entgegen ſchwebte? Die Kaiſerkrone ward von Euch erkannt; Laut von Geiſterlippen bebte, Wink die Kron' Euch zuge⸗ Und wenn kein Hat doch ſein wandt. Adelheid. So iſts— doch dieſe Deutung— waͤr' es moͤglich! Guido. h92 der freundlich truͤbe 0 Ihr zweifelt noch Blick— Adelheid. Ich ſah ihn wohl! Guido. Zwar ſtumm, doch tief beweglich Erfleht' er ſeine Ruhe, Euer Gluͤck. Adelheid— Ich moͤchte zweifeln— doch mein Herz er⸗ zittetk ſtie hatt' ich ſo der Deutung nachgedacht— Du ——— — — 236— Du haſt den feſten Willen mir erſchuͤttert, Haſt uneins mit mir ſelber mich gem Wenn mir ſein Wink die Krone zugeſpro— acht— chen— Guido. Vollendet. Adelheid. Ja bekennen muß ich dann: Es waͤre mein Geluͤbde nicht gebrochen, Und ihm gehorchen ſchwere Pflicht! Guido. Wohlan! Erfuͤllet ſie. Adelheid. Muß jeder Zweifel ſchweigen? Hat nicht ein Traum die Schlummer nde getaͤuſcht? Doch wird auch wachend mir ſein Geiſt ſich zeigen, Nun dann erfuͤll' ich was er hofft und heiſcht. Bis — 237— Bis aber ſo die letzten Zweifel ſchwanden, Sey mir vergoͤnnt, im Kloſter— fromm und ſtill— Guido. Blickt auf! Adelheid. Er iſts!(ſie ſtürzt auf die Knie und kreuzt die Arme über der Bruſt) (Lothars Geiſt un königlichen Schleppgewande, mit der eiſernen Krone auf dem Haupt, mit langem herabwallenden Haar, in der Hand die Kaiſertrone tragend, ſchwebt langſam vorüber, deutet auf die Krone, indem er den Arm nach Adelheid ausſtreckt, legt dann die Hand auf die Bruſt, deutet gen Himmel und verſchwindet) Guido. Habt Ihr den Wink verſtan⸗ den? Adelheid. Ich habe. echster uͤnften s fuͤ S Es de Adelheid. 2 — 2 Pavia mit dem offenen Stadtthor. In den Stra⸗ ßen, auf den Mauern, vor dem Thor, wimmel es von Menſchen, die ſämmtlich ihre Aufmerkſam⸗ keit nach der Gegend richten, aus welcher Otto kommen ſoll. Erſte Scene. Ein Buͤr ger der ſeitwärts im Vordergrunde in ſeinen Mantel gehüllt ſteht. Da ſtehen ſie und gaffen mit offnen Mau⸗ lern Und haben die Daͤcher, die Mauern geſpickt, Und klettern empor an allen Pfeilern— Juchhe! wer ihn zuerſt erblickt!— — 240— Sie meinen ſich ſeiner gar maͤchtig zu freuen, Und haben in allen Segeln Wind— Iſt doch nur Schaugier, Luſt am Neuen; Iſt doch nur ein Voͤlkchen wie Alle ſind. Das kuͤmmert ſich wenig um große Thaten; Gebt ein Paar Faͤſſer voll Wein ihm Preis, Laßt auf dem Markt ihm Ochſen braten, So jubelts dem Teufel auf ſein Geheiß. Zwei andere Bürger(im Geſpräch be⸗ griffen) Der Zweite. Das ganze Land hat er gewonnen, Faſt ohne Schwertſtreich. Der Erſte cfür ſich) Welche Schmach! Der Zweite. Nur Berengar iſt ihm entronnen, Doch ſpuͤrt man dem ſchon fleißig nach. Der Dritte. So mußte nun der Freiheitswuͤrger Selbſt vor Canoſſa untergehn. Doch werden auch Pavia's Buͤrger Noch heute ihre Koͤnigin ſehn? Die Vielgeliebte von uns Allen, Um die wir betend oft geweint, Wird ſie in unſers Tempels Hallen Mit ihrem Retter auf ewig vereint? Der Zweite. Noch hat der Kaiſer ſie nicht geſehen, Durch Boten nur ſie freundlich beſchickt; Er meint', erſt muͤſſe ganz geſchehen Was vor Canoſſa halb gegluͤckt; Drum hat er, ſonder Ruh noch Raſten, Den Feind verfolgt von Schritt zu Schritt, Bis er fuͤr immer dem Verhaßten Den letzten Hoffnungsfaden zerſchnitt, Wer weiß, in welcher Hoͤhle der Tieger Noch kuͤmmerlich die Freiſtatt fand; Und nun erſt hat der ed Sich zu uns nach Pavia gewandt. Doch wird er hier wohl ſchwerlich weilen, le Sieger Man ſagt, daß ſein Verlangen gluͤht, Der Der frommen Braut entgegen zu eilen, Die von Canoſſa heruͤber zieht; Und bis den feuchten Witwenſchleier 2 Ihr zu entwinden ihm gelang, Verbot er Muſik und Freudenfeuer Und jeden prunkenden Empfang. Wir ſollen ihn ſtill und zuͤchtig begruͤßen, Das ſey die zarte Wohlſtands-Pflicht; So lange der Koͤnigin Thraͤnen fließen Gezieme ſich laute Freude nicht, Der Dritte. Doch wird und kann der Mund verſtummen, Wenn Jubel aus dem Herzen ſteigt? Der Erſte.(cwpöttiſch) Run freilich wohl, die Muͤcken ſummen Sobald ſich eine Sonne zeigt. Der Dritte. He Nachbar! ſcheint es doch als truͤget Ihr einen Groll in dunkler Bruſt, Daß eure Stimme ſich hoͤhnend fuͤget Zur allgemeinen Voͤlkerluſt. Der Erſte. Ein Groll? mit nichten. Mir hat der Him— mel Nur Augen und Ohren geſund bewahrt, Und mich betaͤubt nicht das Getuͤmmel, Das nur den Leichtſinn offenbart. Es ſchallten, wie heute, die Jubellieder, Als Hugo fiel— und als Lothar Vom Thron geſtuͤrzt, da ſchallten ſie wieder Dem neuen Herrſcher Berengar; Nun werden wir Ottos Ruhm vernehmen, So iſt des Volkes beweglicher Sinn: Es mag ſich gern zu allem bequemen Und hofft vom Neuem ſtets Gewinn. Der Dritte. War nicht ein Jeder hoch bekuͤmmert, Als ihn der Koͤnigin Flucht erſchreckt? Der Erſte. O ja, ſie haben geſeufzt, gewimmert, Doch hat einem Jeden ſein Eſſen geſchmeckt. Q2 Dery * Der Dritte. In ſeines Vaterlandes Wunde Fuͤhlt auch der Buͤrger verwundet ſich. Der Erſte. Das Vaterland tragt ihr im Munde, DDds Im Herzen nur das liebe Ich. . Der 3 weite. (een Dritten bei Seite ziehend) —̃ vX— 0 Laß ihn! wir kennen ihn ja, den Suͤnder; War er doch Schultheiß durch Berengar, Und meinte Stadtgraf zu werden nicht min⸗ der, So iſt des Grolles Urſach klar. Vertrieben hat ihn die Gemeinde, Dem Wuͤrdigern das Amt ertheilt. Tyrannen behalten immer noch Freunde, Die naͤmlich, die ihre Macht getheilt. Der Erſte. Sprecht was ihr wollt, ihr neuen Propheten. (Man hört in Pavia die Glocken läuten.) Der Dritte. Horch! alle Glocken laͤuten ſchon. — 245 Der Zweite. Nun hat er das Weichbild der Stadt be— treten. Der Erſte.(pottend) Ein Caͤſar uͤber den Rubicon. Ner Der Zweite. Seht auf der Mauer die Haͤlſe recken— Die Kappen ſchwingen— und wie gedraͤngt Sie dem die Arme entgegen ſtrecken, Den ſchon das Herz mit Lieb' umfaͤngt.—— (aus dem Thor zieht der Biſchoff an der Spitze der Geiſtlichkeit. Ihm folgt der Stadtgraf, das Wahrzeichen von Pavia tragend, ihm der Schultheiß mit den Schlüſſeln der Stadt) Der zweite Bürger. Nun naht auch ſchon in Wolken von Rauche Mit Fahn' und Kreutz die Kleriſei; Der Schultheiß traͤgt, nach altem Brauche, Die Schluͤſſel von Pavia herbei.—— Und dort— dort flimmerts im Gewuͤhle Sie ziehn herauf mit ſtiller Zucht— Der Der ſtattlichen Herren ſind wohl viele, Doch Einen nur das Auge ſucht. Iſts der, dem eine Reiherfeder So ſtolz vom guͤldenen Helme nickt?— O draͤngt Euch naͤher! daß ein Jeder Sich ruͤhmen duͤrf', er hab' ihn erblickt, (ſie verlieren ſich unter der Menge) Das Volk auf der Mauer⸗ Willkommen! Willkommen! es lebe der Kaiſer! Das Volk unten. Otto der Große! der deutſche Held! Der erſte Buͤrger. Die Thoren ſchreien die Bruſt ſich heiſer, Wie vormals um des Koͤnigs Felt. VAAuch er verliert ſich im Gedränge⸗) —— Zweite Scene. Der Kaiſer tritt auf mit ſtattlichem Gefolge. Oet o. So ſteh ich nun als Sieger vor den Thoren Der — — — ——— — 249— Die ihr vertrauend froͤhlich aufgethan.— Ihr moͤgt hinfort die Obrigkeiten waͤhlen, Die wuͤrdigſten aus eigner Buͤrger Kreis, Denn gern gehorcht der Buͤrger den Befeh⸗ len, Die her Vortheil ihm zu mildern weiß. Es moͤgen Conſuln euch hinfort regieren, Die, wenn mein Heerbann rufet zum Gefecht, An Eurer Spitze Schwert und Lanze fuͤhren, Im Frieden Euch handhabend Fug' und Recht. Die alte Koͤnigsſtadt, der, wohl gelegen, Natur den Po ihn zu beherrſchen gab, Auf dem ſich' ihre Schiffe munter bewegen Bis tief zum adriatiſchen Meer hinab; Die ſtets befruchtend der Ticino waͤſſert, Der jeder Strom der ſchoͤnen Lombardei Das uͤppge Land durch Anſchwemmung ver⸗ groͤßert— Pavia bluͤhe! ſey geehrt und frei! Das Volk. Es lebe der Kaiſer! Der Schultheiß. Eure erſten Schritte, Sie triefen Segen auf das durſtge Land. O zieht herein! verweilt in unſrer Mitte, Wo Dankbarkeit die Ehrenkraͤnze wand. Hier mochten gern die edelſten und beſten Der Koͤnige von ihren Thaten ruhn, Sie hauſten in veroͤdeten Pallaͤſten, Die zu erneutem Glanz nun auf ſich thun. O Herr! betretet ſie mit Gottes Segen! Willfahrt der Kinder bangen Ungeduld! Herein zu uns! empfangt was wir vermoͤ— gen Mit Kaiſerlicher— nein mit Vaterhuld. Otto. Gern werd' ich kuͤnftig unter euch verweilen Im Garten der geſchmuͤckten Lombardei; Nur heute muß ich ſchnell voruͤber eilen; Doch zieh' ich eure Thore jetzt vorbei, So moͤgt ihr meine Ruͤckkehr zwiefach ſeg— nen, Denn — 251— Denn wißt, mein ungeſtuͤmes Herz ergluͤht Der Koͤnigin noch heute zu begegnen, Die von Canoſſa mir heruͤber zieht. 7 ſchon ſandt' ich ihr, zum prunkenden Ge⸗ leite, Die Edelſten mit meiner Macht beliehn; Ich folge ſchnell und nur an ihrer Seite Will im Triumpf durch dieſes Thor ich ziehn. Dann ſchmuͤcket koͤſtlich Pforten, Kirchen, Haͤuſer, Und wallet und ſtroͤmt zu ihren Fuͤßen hin! Empfanget jauchzend Euren gluͤcklichen Kai⸗ ſer! Und ſegnet Eure holde Kaiſerin! (ab) Der Schultheiß.(gegen das Volk) Der Liebe Geleit', er wird es nicht verſchmaͤt hen, Bild' ihm das ganze Volk die Ehrenſchar! Alles ——— 3—— Alles Volk. (dem Kaiſer nach ſtürzend) Ihm nach! ihm nach! ſie wieder ſehen! Die unſre frundliche Mutter war! Die Straße nach Pavia mit dem Grabmahl. Dritte Scene. Der fliehende Berengar im Bettlergewand, mit ſalſchem Haar und Bart. Hier kein Verfolger?— Darf ich Athem holen?— Horch! ein Geſumm'— nicht doch, ein Kaͤ— fer ſchwirrt— Gekreiſch dicht hinter mir?— es kraͤch Dohlen— Ein Jagdhorn?— nein es blies der Alpen— zen hirt— Was raſchelt?— habt ihr Fluͤgel an den Sohlen?— Was s fluͤſtert?— ruhig! eine Taube girrt.— Ermanne dich, das Leben iſt gewonnen; Ein Bettler— doch dem Henkerſchwert ent— f ronnen. 4 So hat nunmehr das Gaukelſpiel geendet, In dem ich kuͤhn die erſte Roll' erſtrebt, Und ploͤtzlich von mir haben ſich gewendet, Die geſtern noch vor meinem Wink gebebt, Die tauſendmal der Treue Schwur verpfaͤn⸗ det: Mein Sturz— von Keinem werd' er uͤber—⸗ lebt! Sie hatten mich zu ihrem Gott erhoben, Und es gebrach an Worten mich zu loben. Doch kaum iſt meiner Krone Glanz ver— blichen, Fort Alle wie durch Wirbelwind zerſtreut! Der Eine achſelzuckend mir entwichen, Der Andre mich verhoͤhnend ungeſcheut, Der Dritte hat des Feindes Gunſt erſchli— chen, Ver⸗ — ———————————2—2 ⁰˖—˖ Verraͤtherei gewaͤhrt ihm Sicherheit; Zerſtiebt ſind Alle, gleich dem Volk der Muͤk— ken, Das nur getanzt in warmen Sonnenblik⸗ ken.— Und konnte mich ſolch Gaukelſpiel be⸗ thören? Iſt jeder nicht des Gluͤcks geborner Knecht? Soll mich die Weltgeſchichte noch belehren: Es ſey der Menſchen Troß ein feil Geſchlecht? Er wiſſe ſchnell den Ruͤcken dem zu kehren, Dem Gluͤckes Laune Ruhm und Macht ge⸗ ſchwaͤcht? Sinds doch nur Alltagspoſſen die ſie treiben; So wars ja immer— und ſo wird es blei—⸗ ben. Ich ſteh' allein— der Gluͤcksſtern will ſich neigen, In Bettlerlumpen ſteh' ich— mag es doch! Mir ſoll das Schranzenvolk den Muth nicht beugen, 3 Ich war mir ſelbſt genug— und bin es noch. Nur was ich in mir trage, iſt mein eigen Und fuͤr den Willen gab es nie ein Joch! Ich ſteh' allein— doch frei und unbezwun⸗ gen— Durch eigne Kraft wird Großes nur errungen. + Nicht ungerochen will ich unterſinken! Mir blieb ein Dolch— mein Arm noch Kraft bewußt.— Er ward geſchliffen Feindes Blut zu trinken, Der Feige nur durchbohrt die eigne Bruſt. Mir ſoll die Rach' ins neue Leben winken, Gelungne Rache— edler Geiſter Luſt! Mein Kopf iſt feil— hab' ich den Preis gegeben, So bin ich Herr von jedes Menſchen Leben.— (man vernimmt in weiter Ferne Glockengeläut und ſanfte feierliche Muſik.) Horch auf! was giebts? ich hoͤre Glocken ſchallen Und 25F— 256 Und vieler Stimmen fernen Jubelſang, Die von den Bergen zwiefach wiederhallen, Gemiſcht in heller Cymbeln weichen Klang; Ein Zug beginnt ins Thal herab zu wallen, Ein langer Zug mit feierlichem Gang; Es wird ein Kreutz dem Biſchoff vorgetragen Und Faͤhnlein flattern um den goldnen Wa— gen. Und dort am Po, dem Heilgenbild zur Seite, Sind Lauberhuͤtten, bunte Zelt' erbaut— Das iſt kein Kriegsgetuͤmmel— nicht zum Streite Zog dieſe Schaar— hier wird die Freude laut. Mir ahnet— ha!— es iſt ein Brautge⸗ leite! Iſt Adelheid, die kaiſerliche Braut! Ihr jauchzt das Volk— ſie will der Sie— ger kroͤnen— Sie feiert den Triumpf, mich zu verhoͤhnen! Ha! — 257— Ha! triumphire nicht zu fruͤh! Noch wiegen Nur Traͤume dich; das Gluͤck iſt wandelbar; Des Siegers Bett haſt du noch nicht beſtiegen; Erzittre! noch lebt Berengar! Zu ſeinen Fuͤßen blutend ſollſt du liegen! Erſtarren ſoll die bunte Hoͤflingsſchaar, Die ſich geſchmuͤckt zu einem Siegesfluge, Doch unbewußt dir folgt im Leichenzuge. (er verbirgt ſich hinter das Grabmal) (Die Muſik, die ſich genähert hatte, verſtummt.) Vierte Scene. Adelheid(reich geſchmückt) und Guldo treten auf. Adelheid. Roch immer will die Furcht ſich leiſe regen, Im Freudentaumel ſelbſt, der mich umkreiſt. Was zoͤgern wir? warum nicht ihm entge— gen, Den zum Gemahl mir das Geſchick verheißt? RN Guido. G Ermuͤdet ſtraucheln vor dem Siegeswagen Die Zelter, die des Schmuckes Buͤrde druͤckt; Mit Jubel wird ein Lager aufgeſchlagen, Durch Otto's bunte Faͤhnlein ausgeſchmuͤckt. Der Reiter hat den Harniſch losgeſchnallet Und mit Geſang das Maulthier abgezaͤumt; Und der Trompete Abendruf erſchallet, Der zum Gebet die fromme Schaar ver— eint. Si e tummeln, Roß und Mann, ſich nun im Graſe Und jeden Helm verziert ein friſches Gruͤn.— Hier ſchlaͤngelt nach Pavia ſich die Straße, Von dort herauf wird euer Retter ziehn. Ruht, edle Fuͤrſtin, von des Tages Schwuͤle; Am Scheidewege ſtehn und harren wir; Ich kenne dieſen Platz— wir ſind am Ziele— Die Heimath findet Euer Guido hier. Adelheid. — 2 59— Adelheid. (das Grabmal erblickend) Wie? haſt du mich zu einer Gruft geleitet? Guido. Hier haucht fuͤr Euch die Duft. Myrthe ſuͤßen Ihr lebt— ich werde leben.— Laͤngſt bexpeitet War mir ein Blumenbett in dieſer Gruft. Adelheid. O ſtoͤre nicht die Geiſter, die hier wohnen. Warum ergreift dich ploͤtzlich finſtrer Wahn? Nun erſt vermag die Kaiſerin zu lohnen, Was am verfolgten Weibe du gethan. * Guido. Ihr mich belohnen?— Euren Gram zu theilen War mir hienieden nur vergoͤnnt; Ich darf nicht laͤnger auf der Erde weilen, Muß dem gehorchen, deſſen Wink uns rennt. Adelheid. N„„ Adelheid. Von dir mich trennen?— Nimmermehr! nur feſter Wird nun im Gluͤck der Ungluͤcksbund er—⸗ neut; Du warſt und bleibſt mir Bruder— ich dir Schweſter, Auch einer Krone Zier iſt. Daukbarkeit. Guideo. Als die Natur den zarten Stoff des Wei— 5 bes Aus einem Hauch des erſten Fruͤhlings wob, Und in der Huͤlle eines ſchoͤnen Leibes Ihn zu der Schoͤpfung Feierſchmuck erhob, Da ſchien es ſich den Engeln anzueignen Das holde Weib— ſo lieblich! und ſo ſchoͤn! Nur ſeinen Urſprung konnt' es nicht verlaͤug⸗ 8 nen, Den Fruͤhlingshauch, den Stuͤrme leicht ver⸗ wehn, Den 261— Den fremder Athem leicht zerſtoͤrt, vergiftet, Wenn mit ſich ſelbſt in zarter Bruſt ent— I. zweit Die Leidenſchaft ein irdiſch Blendwerk ſtiftet, Das jenen himmliſchen Beruf entweiht. 4 Gott ſah es— und dem ſchoͤnſten ſeiner Werke vor ſeinem Angeſicht Verhieß er Schutz— Erſchien der Genius der Un ſchuld, der der Staͤrke— 9 Ein Wink— und beid' entſchwebten ſeinem Licht. Der Jungfrau ward die unſchuld zur Aegide, und wehrlos wandelnd durch das Erden⸗ thal— der reine Himmelsfriede Fuͤhrt dennoch ſie Auch uͤber'n Abgrund auf geſchliffnem Bis ſich die Schoͤnheit an die Staͤrke ſchmieget, Stahl: * j Schutz 262 Schutz heiſchend, Kraft empfangend durch den Bund! Die ſiegende Kraft zum reinen Willen ge— fuͤget, Dann ruht des Weibes Gluͤck auf ſicherm Grund. Bis hieher durfte Guido dich umſchwe— ben, Jungfraͤulich Weib! nun muß er ſcheidend dich Des ſtaͤrkern Geiſtes Obhut uͤbergeben— Der Unſchuld Genius war ich— Ald eleheeſind. Kann Otto's Schutz dieß Kleinod mir ge⸗ faͤhrden? Iſts Unſchuld nicht, die auch die Gattin ſchmuͤckt? Und darf ſie fremd ſelbſt einer Mutter wer— den, Die ihren Saͤugling an den Buſen druͤckt? Sie N — 263— Sie wohnt ja nicht in zuͤchtigen Geberden, Noch in der Bluͤte, die das Aug entzuͤckt; Es raubt ſie nicht der irdſchen Gunſt Ge— meinheit, Denn wahre Unſchuld iſt des Herzens Rein— heit. So will auch ich nun den Gemahl begruͤ— ßen, Es ſchuͤtze mich des Helden Kraft und Macht; Doch ſoll ich drum den holden Fuͤhrer miſ⸗ ſen, Der mich ſo treu an dieſes Ziel gebracht?— Fuͤnfte Scene. Beren gar tritt auf und ſpricht mit dumpfer Stimme. O daß die Hoffnung einen Greis nicht taͤu⸗ ſche!— Vergoͤnnet, edle Fuͤrſtin, Welſchlands Zier, Daß ß ich die erſte Gnade von Euch heiſche; E 0 her neuen Wuͤrde Kraft beweiſt an mir. Er ſucht ſich ihr zu nähern, Guido tritt zwiſchen beide.) Adelheid. Sprich, was begehrſt du? kann ich doch im Leide Nun wieder huͤlfreich ſeyn. Du ſchoͤnes Recht! Nur du gewaͤhrſt den Kronentraͤgern Freude, Du adelſt, und vergoͤtterſt ihr Geſchlecht! Guido. Sey auf der Huth. A delheid. Nicht alſo. Frei ergießen Mag ſich die Bruſt, die meine Huͤlf' erfleht; Kein kalter Hauch ſoll Fuͤrſtenherz verſchlie— ßen, Wenn es Bedraͤngter Bitten offen ſteht. Entbehrt' ich ſelbſt doch jede Lebensfreude, In langer Nacht ſchien mir kein Hoffnungs— ſtern, Drum 265— Drüm blieb mein Herz empfaͤnglich fremdem * eide Telde, Drum rede Greis; ich hoͤr' und helfe gern. — Berengar. Ein ſchweres Siechthum druͤckt ſchon lang mich nieder, Ich wanke keuchend mit erloſchnem Blick; Es brachte mir in die gelaͤhmten Glieder Kein heilend Kraut die alte Kraft zuruͤck. Doch feſſelten mich bange Vaterſorgen, Ich mußte ſeufzend meiner Gruft mich nahn; Bis mir ein frommer Klausner dieſen Morgen Den Himmel neuer Hoffnung aufgethan. „Geh,“ ſprach er,„du von Schmerzen Un⸗ terjochter! „Noch lebt ein Arzt, der dir Geneſung ſchafft; „Such Adelheid, die edle Fuͤrſtentochter; Den Kaiſerthron umfließet Wunderkraft— 77 „Auf dieſem Thron, nach harten Schickſals Schlaͤgen, „Hat — 266— „Hat nun die Tugend ihr den Preis er, theilt; „Wird auf dein Haupt die zarte Hand ſie legen, „So biſt du ploͤtzlich wundervoll geheilt.“ Da wankt' ich fort an meinem Bettler⸗ ſtabe, Der nun ein gruͤner Hoffnungsſtab mir iſt, Hier knie' ich edle Fuͤrſtin, dicht am Grabe: Verlaͤngert Ihr dem Greis die Lebensfriſt! uUnd wenn das Stammeln von des Bettlers Danke Vor einer Fuͤrſtin Ohren Gnade fand, Wenn nicht umſonſt vertraut der arme Kranke, So ſtreckt nun aus nach ihm die Wunder⸗ hand! Adelheid. Ich, Gottes Magd, anbetend nur im Staube, Empfinde keine Wunderkraft in mir; Doch moͤglich daß der fromme Kinderglaube Sich 267 Sich wunderbar verherrlichet an dir. Es moͤge huͤlfreich dir ein Gott e ſcheinen, Der gnaͤdig auch des Armen nie vergaß! Ich kann nur mein, Gebet mit dir vereinen, Und ſieh, von Herzen thu ich das. (ſie geht auf ihn zu und legt die Hand auf ihn. Er ergreift ihren Arm mit der Linken, ſpringt auf, zieht mit der Rechten den Dolch nnd ſtoͤßt nach ihrer Bruſt Guido, ſich dazwiſchen werfend fe mit ſeiner eignen Bruſt den Stoß auf Der Dolch bleibt ſtecken. Berengar bebt zurück und ſtaͤrrt ihn an) A delheid. (an einen Baum ſinkend) Ha! Guido. (feſt ſtehend, und ohne Schmerz zu äußern) Berengar! gefuͤllt iſt deine Schale. Erkenne mich, du ſchnoͤder Hoͤllengeiſt! Der, tief verborgen vor des Lichtes Strahle, Verderbend eine Menſchenbruſt zerreißt. Ein Arr——— (Ein Donnerſchlag. Guido ſteht plötzlich ſchnee weiß vor ihm da und ſchleudert ihm dem Dolch vor die Füße. Die Wunde blutet. Beren gar. (von Grauſen ergriffen) Was iſt das! Knabe— graͤßlich wiederhal— lend Iſt deine Stimm' in hohler Bruſt— Lo— thar! Es packt mich dein Geſpenſt das Herz um⸗ krallend— Wo bin ich?— warum ſtraͤubt ſich jedes Haar?— Der Boden wankt— ich ſteh' auf ſchroffen Klippen— Der Abgrund gaͤhnt— ich bin der Hoͤlle Spott— Welch' eine Kraft erpreßt mir von den Lip— pen: Es iſt ein Gott?— nein! nein! es iſt kein Gott! Guido L * — 269 (Guido folgt ihm, wie er berum wankt, ſtets un ritten und ſieht ihn ſtarr an.) Was ſtarrſt du mich ſo an?— Haupt der abgemeſſenen Sckh Meduſe!— Laß ab von mir du feiger Himmelsknecht!— was ſoll mir Reu und Es iſt kein Gott!— Buße! Der Zufall gaͤngelt nur das Kinder-Ge— ſchlecht!— Ha dort! es blitzt!— es flammen feurige Ruthen— Warum verfolgſt du mich mit ſtarrem Blick? Laß ab von mir! ich ſtuͤrze in die Flu⸗ then!— Es giebt keine Ewigkeit!— Zuruͤck! zuruͤck! Cer taumelt fort) Sechste Seene. Guido, Adelheid. Guido. Entwichen iſt er mit verworrnen Sinnen. S— Der Der Menſchen Fluch! der hoͤlliſchen Geiſter Spott! Dem Flammenpfuhle wird er nicht entrin⸗ nen! A delheid.„ſich aufraffend) Guido! du biſt verwundet! Guido. Mich ruft Gott. Adelheid. Wie iſt mir?— Ha! in uͤbe rdſchem Lichte, In reinem Himmelsglanze ſtehſt du da! Was leuchtet mir aus deinem Angeſichte? Du biſt ein Engel! Gui do. War Dein Engel, ja. Adelheid. (ſinkt auf die Knie) Guido.(ſie aufhebend) Vor Gott allein ſollſt du die Kniee beugen; Auf ſein Geheiß erſchien ich huͤlfreich dir. Steh Steh auf! es will der letzte Tag ſich neigen; Der Trennung Stunde naht— wilkommen mir! (man vernimmt aus weiter Ferne einen kriegeriſchen Marſch, der gegen das Ende immer näher kemmt) Adelheid. Du mich verlaſſen!? Guido. Hoͤrſt du? ſchon verkuͤnden Die fernen Pauken, daß der Sieger naht. O zage nicht, muß Guido dir verſchwinden, Du wirſt den Maͤchtigern in Otto wieder finden, Es ſoll nunmehr dein ebner Blumenpfad Die rauhe Bahn des Helden ſanft beruͤhren, Er mit dir theilen: Sorge, Liebe, Ruhm, Er dich mit ſtarker Hand durchs Leben fuͤhren, Bis vor der Himmelspforte Heiligthum! Dann jauchzen wir alle in lieblichen Choͤren Der Schweſter entgegen, der himmliſchen Braut! S 2 Dann Dann wirſt du vor allen die Stimme hoͤ— ren, Der du auf Erden ſo willig vertraut. Gurückwa ikend und ſanft am Grabe niederſinkend) Schon ſeh' auch ich den Sternenkranz mir ſtrahlen— Nur der geliehne Koͤrper mahnt mich noch, Der irdiſchen Natur die Schuld zu zah— len; Es loͤſt vom Nacken ſich das fremde Joch.— Wenn keine Feſſeln den Scheibenden druͤk— ken, Der Pflichten Erfuͤllung ſuͤß bewußt— Heil ihm! dann ſenket mit ſtillem Entzuͤcken Sich himmliſche Ruh in die muͤde Bruſt.— Der Geiſt entwindet allmaͤhlig der Huͤlle Sich ſanft und heiter und ohne Schmerz— Nur aufgeloͤſt in freundlicher Stille, Nicht zuckend gebrochen wird das Herz.— Adelheid. — Adelheid. —— (mit gerungenen Händen ſich neben ihm nieder⸗ werfend) Du ſtirbſt! weh mir!— als Braut mich zu umfaſſen Naht ſich ein fremder Mann— ich ſteh' allein— In dieſer Stunde willſt du mich verlaſſen? Dein letzter Seufzer ſoll mein Brautlied ſeyn?— Du ſtirbſt!— O Qual!— Der Todes⸗ pfeil durchſchneidet Auch mir das Herz— Guido! verweile noch! Siebente Scene. Der Kaiſer.(ſeinem Gefolge haſtig vor⸗ auseilend) Sie iſts!— was ſoll das? Adelheid. Herr! mein Engel ſcheidet! Otto. rt0 Ha! ich erkenne dich! verweile noch! Guido. Ich darf nicht— ſey willkommen!— ſieh gelungen Iſt unſer Werk— Heil dir!— das Traum— bild ſchwand— Der ſchoͤne Preis, um den dein Schwer gerungen, Empfang' ihn jetzt aus meiner kalten Hand— (er legt die zitternde Hand der Königin in Sttos Hand) Und ſchwoͤre mir, daß nie dein Herz ſich wendet. Otto.(Adetheid umarmend) Ich ſchwoͤr es dir! Gui do.(zu Adelheid) Wohlan, dein Schutzgeiſt wacht— Triumph! Triumph! ich habe vollendet— Gott! nimm mich auf! dein Will' iſt vollbracht! (die (Die ausgebreiteten Arme ſinken— das Haur ſich auf die Bruſt— er ſtirbt. Otto Adelheid, ſich umarmt haltend, ſinken ihm nieder. Das Grabmal wird prlötzlich ſanft erleuchtet. Trompeten und Pauken hinter der Scene.) Der Vorhang faͤllt Ende. BLB Karlsruhe Ie 51 00668 2 031