= ur——— Pr˖r˖r˖. 5 R. ie n ſi ßd f i ch. Ein Schauſpiel in fünf Aufzugen 4 von 4 Auguſt Wilhelm Iffland. — 6¹ AJ X X 83 8 5 5 Leipzig, bey Georg Joachim Göſchen. rsgo, — öRRL RRrο⏑⏑r Y ˖YrrrDrrrrrrrree fſt ßfliſchk Ein Schauſpiel in fünf Aufzügen, ie — —— E RDrrSr rr.r.rrrrrrreeeeL Perſonen. Der Fuͤrſt. Kammerherr von Falkenberg. Zwey Jagdjunker. Zwey Kavaliere. Kriegsrath Dallner. Hofraͤthin Roſen, Wittwe, ſeine Tochter. Eunſt, ihr Sohn. 8 Sekretär Dallner, ihr Bruder. Juſtizrath Liſtar. Sekretaͤr Falbring⸗ Becker Ehlers. Baruch, Handelsjude. Wender, Leiblakey des Fuͤrſten. Falbrings Bedienter. unterofficier Gruner. Kanzleybote Brand. Erſter Zimmer in des Juſtizrath Liſtars Hauſe. Au f i Erſter Auftritt. Der Jude Baru ch ſitzt ſchon im Zimmer. Sekretaͤr Falbring mitt en. Falbring. Aha! Meiſter Baruch! treffen wir hier zuſammen? Es iſt ja ſchon gar zu lange, daß ich Ihn nicht geſehen habe! Baruch. Guten Morgen, Herr Sekeketaͤr! Er ſteht auf. Ja ſehr lange iſt es her. Falbring. Auch dem Juſtizrath die Cour machen, Herr Baruch? Baruch. Ja— bey dem hilfts ach was! der geht grade durch! Falbring. Ja es iſt ein Ehrenmann, der Herr Liſtar, das iſt wahr. Aber mit allem dem— ein gutes Wort findet eine gute Stelle. i en ſt p Baruch. Warum nicht? Falbring. Meiſter Baruch iſt geſcheidt, weiß ſich zu drehen und zu wenden. Baruch. Man muß wohl, wenn man vom Flecke will. Falbring. Will Er in ein paar Stunden zu mir kommen, Baruch? Wir koͤnnen einen Handel machen. Baruch. Iſt doch bey Ihnen nichts zu ge⸗ winnen. Falbring. Das kann man nicht wiſſen. Baruch. Was ſolls? Wollen Sie mir ver— dorbene Frucht aufhaͤngen? Falbring. Frucht? Wie kaͤme ich dazu? Baruch. Nu!— Sie und Companie— Haben Sie doch die Lieferung fuͤr die Armee und fuͤr die Lazarether! Falbring. Ich war dabey intereſſiert. Das iſt vorbey. Baruch. Gratuliere, wenns gluͤcklich vorbey iſt. Man ſagt doch allerhand davon. Falbring. Allerhand? Wie iſt das? Baruch. Was weiß ichs! Kriegsrath Dallner ſolls gewiß unterſucht haben— alle Welt ſpricht davon. Falbring. Hm! Es iſt ein eigenſinniger, wunderlicher Mann, der alte Dallner. Dienſtpflicht. Baruch. Wunderlich? Ja! aber gewallts 90 brav. Und die Soldaten bruͤllen wie die Loͤwen gegen den Becker Ehlers und Companie. Nu— Sie gehen ja ins Haus? bey die Dallners, meine ich. Falbring. Ja, das thue ich; das hat auch ſeine Urſachen, warum ich hingehe. Baruch. Ich weiß „ich weiß, von wegen der tauſend Thaler, die Si ie fuͤr die Meyerſchen Kinder zu fordern haben. Nu— da laͤßt ſich doch ein Wort mit den Leuten reden. Falbring. Weßhalb? Baruch. Was weiß ich? Wie haben Sie vorhin geſagt?— Ein gut Wort, findet eine gute Stelle!— Zweyter Aufteitt Vorige. Juſtizrath Liſtar. Juſtizrath. Es iſt mir leid, daß ich Sie habe warten laſſen. Falbring. Ich bin eben erſt gekommen, Herr Juſtizrath! Juſtizrath. Was giebts, Herr Baruch? Baruch. Mit Erlaubniß— ich moͤchte gern allein mit Ihnen reden. NR —— RDDDrrrrrrrrrr.. · Dienſtpflücht. * Juſtizrath zu Falbeing. Was wir zu reden haben wird wohl bald abgethan ſeyn. Wollen Ste indeß— Er deutet auf ſein Zimmer. Falbring. Mit Vergnuͤgen! er geht hinein. Driitteit Aufttitit! Juſtizrath. Baruch. Juſtizrath. Nun? Baruch. Da leſen Sie. Er giebt ihm den Wechſel. Juſtizrath. Kriegsrath Dallner, mit Unter— ſchrift des Sohns und der Tochter, ſuchen taufend Thaler aufzunehmen?— Baruch. Ich ſoll ſie ſchaffen. Kann ich ſie ſchaffen? Juſtizrath. Das muß Herr Baruch wiſſen. Baruch. Ich meine ſo: Sie gehn ins Haus, oft und viel. Sie muͤſſen wiſſen, wie es ſteht?— Der alte Kriegsrath— brav iſt er. Aber die braven Leute greifen nicht zu. Die Tochter, die Wittwe Roſen? ein liebes Kind. Aber— die zwey Augen ſind auch ihr beſtes Kapital. Der Sohn, der Sekretaͤr— o weh! Juſtizrath. Nun? Baruch. Was weiß ichs? Er haͤngt da an der Wittwe Waldner. Die Schweſter hat noch immer fuͤr ihn bezahlt. Aber es langt nimmer zu. Dienſtpflicht. Juſtizrath. Geht das mich an? Baruch. Ja! Wenn Sie ins Haus gehen als Braͤutigam, muͤſſen Sie wiſſen, wo Thaler lie— gen, und wo keine liegen. Juſtizrath. Ich bin kein Braͤutigam! Baruch. Nu! Wann Sie es mal werden— ſo fragen Sie nur mich.— Die Schiffe fahren alle ſtolz mit Segel und Flagge daher— aber Ladung habe ſie doch nich. Kai Ladung!— Nu, nu! mit dem Kapital— ſoll ichs wagen?— Juſtizrath. Warum nicht? Baruch. Sie wollen das Kapital damit ab⸗ zahlen, das an der Vormundſchaft fehlt, vom Schwiegerſohn, mein' ich, vom verſtorbenen Roſen, vom Hofrath. Juſtizrath. Das geht mich nichts an. Baruch. Nu, wenn das iſt, ſo empfehl' ich mich! Geht ab. Vierter Auftritt. —— Juſtizrath geht an das Zimmer. Sekretär F albrin 9 kommt beraus. Juſtizrath. Wollen Sie Platz nehmen? Falbring verneint es. Ich werde ganz kurz ſeyn, denn Ihre Zeit iſt koſtbar.— Da ich nun ieneenteeee RRRRRRRRRRRRrRcrrrrr 8 Dienſtpflicchet. nach des ſeligen Hofrath Roſens Tode die Vor— müundſchaft uͤber die Meyerſchen Kinder habe an— treten muͤſſen; ſo kann und darf ich auch das Intereſſe dieſer Kinder nicht vernachlaͤſſigen. Juſtizrath. Gewiß nicht. Falbring. Tanſend Thaler Kapital— die fehlen einmal den Meyerſchen Kindern an der Maſſe, wie ſie mir von dem Schwiegervater des ſeligen Hofraths, dem Herrn Kriegsrath Dallner uͤber— geben iſt. Juſtizrath. Richtig. Falbring. Die Auszahlung⸗der tauſend Tha— ler an den Hofrath iſt erwieſen. Juſtizrath. Richtig! das iſt ſie. Falbring. Und die tauſend Thaler ſind nicht da. Kein Schein, keine Obligation, keine Annota⸗ tion ins Hausbuch— nichts giebt eine Auskunft, wo ſie hingekommen ſind. Sie geſtehen doch, daß das unbegreiflich iſt? Juſtizrath. Der gute Mann ſtarb ſo ploͤtz— lich, vielleicht hat er ſie kurz vor ſeinem Tode aus—⸗ geliehen, und Falbring. Wahrſcheinlich. Aber an wen 2 Die Frau weiß nichts. Der Schwiegervater, der alte Kriegsrath Dallner, weiß nichts. Auch der Schwager, der junge Dallner— ſagt— daß er nichts wiſſe.— Es iſt unbegreiflich— unbe⸗ greiflich!— Dienſtpflicht⸗ 9 Juſtizrath. Die Wittwe— Falbring. Sehen Sie— daß es der junge Dallner nicht weiß— das— begreife ich gar nicht. Juſtizrath. Warum nicht? Falbring. Da der Hofrath Roſe ihm ge— woͤhnlich alles gefagt hat.— und er ihn ſehr lieb gehabt hat. Sehr lieb— ſo— Juſtizrath. Inzwiſchen weiß er es doch nicht. Falbring. Ja, ſo ſagte er— Juſtizrath. So iſt es. Er iſt ein Mann von Ehre. Falbring. Natüuͤrlich! Natuͤrlich!— von Ehre— und von einem vortrefflichen Herzen. Ein gutdenkender, wohlthaͤtiger Menſch, der ein zaͤrt⸗ liches Herz hat fuͤr Wittwen und Wayſen.— Wenn er nur dadurch nicht ſelbſt leidet. Juſtizrath. Wie ſo? Falbring. Wenn er ſich entbloͤßte und ſelbſt leiden ſollte, das waͤre traurig. So iſt da z. B. die Wittwe Waldner, zu der er denn fleißig ins Haus geht, an der er viel thut— denn er erhaͤlt ſie mit Kind und Kegel, hat auch des Mannes Receß bezahlt, fonſt waͤren ſie alle von Stuhl und Bank gejagt— die mag er auch fuͤr eine ehrliche Frau halten. Juſtizrath. Gewiß, ſonſt ginge er nicht hin. Falbring, Ach, das iſt leichte Waare, Herr Juſtizrath!— die koſten ihm ſchweres Geld. R —.—.— i Ne 40 Dienſtpflicht. Juſtizrath. Das iſt die Sache ſeiner Ueber— zeugung und ſeines Beutels! Falbring. Seines Beutels, ja, ja! Juſtizrath. Alſo— was verlangen Sie von mir? Falbring. Daß Sie doch der Familie ein; reden, daß ſie es mir nicht zurechnen, daß ich auf der Zahlung der tauſend Thaler fuͤr meine Muͤndel beſtanden bin. Juſtizrath. Wer kann Ihnen uͤbel deuten, daß Sie thun, was Sie nicht unterlaſſen duͤrfen? Falbring. Mir iſt es ſo leid— Juſtizrath. Aber ob die Frau in die Ver— bindlichkeit ihres Mannes wird treten wollen; ob ſie nicht ihr Eingebrachtes ſordern wird? Falbring. Hm— das war gering.— Aber rathen Sie ihr, daß ſie nicht darauf beſtehet. Mein Herz leidet freylich, wenn ich daran denke, wie die arme junge Frau dadurch ihr Bißchen Habe verliert, oder Abzug an der kleinen Penſion wird leiden muͤſſen. Juſtizrath. Das waͤre denn doch nicht zu aͤndern, wenn ſie bezahlen ſoll. Falbring. Und daß des guten ſeligen Hof— raths Accurateſſe ſo ins ſchlechte Licht geraͤth. Denn ſehen Sie, mit dem Kapital iſt und bleibt es wahr⸗ haftig unbegreiflich— unbegreiflich! Dienſtpflicht. 11 Juſtizrath. Und ſo denke ich— zerbre⸗ chen wir uns den Kopf nicht mit dem, was wir nicht ergruͤnden koͤnnen. Falbring. Da haben Sie Recht— derjenige aber, der das Geld hat, und meldet ſich nicht, und laͤßt die liebe junge Frau in der Verzweiflung— wenn man ihn wuͤßte— mit dem ſollte man kein Mitleiden haben. Juſtizrath. Da man ihs aber nicht weiß— Falbring. Wahrhaftig, wenn man Vermu— thungen haͤite— Juſtizrath. Haben Sie Vermuthungen?— Falbring. Hm— nein! Wenn ich aber welche bekomme, ſo werde ich der Spur folgen. Juſtizrath. Daran thun Sie recht. Falbring. Unablaͤſſig werde ich ihr folgen; deßhalb rathen Sie der Frau, daß ſie kein Einge⸗ brachtes fordere.— Sie haben Geſchaͤfte— ich will mich nicht aufhalten. Gehorfſamſter Diener! Er geht; der Juſtizrath begleitet ihn aus der Thür, kehrt zurück und geht in ſein Zimmer. ee RRRRRRR̃NnN⸗⸗r⸗⸗ mnmun fkefie Es verwandelt ſich in des Kriegsrath Dallners Haus. Madam Ro ſe U ſitzt an einem Tiſche und näht, neben ihr Ernſt und ſchreibt. Hernach Se kretär Dallner. Mad. Roſen. Die Reihe wird wieder ſchief. Ernſt giebt ihr die Hand. Die andere ſoll beſſer werden. Mad. Roſen. Wir wollen ſehen. Ernſt ſchreit. Der erſte Buchſtabe iſt ſchoͤn!— Er zeigt ihr das Buch. Sieh doch! Dallner tritt ein. Guten Morgen, Schweſter! Mad. Roſen. Gehſt du ſchon aus? Dallner Auf die Kanzley. Mad. Roſen ſteht auf und geht vor. Was fehlt dir? Dallner. Hm!— Ernſt. Onkel! ich ſchreibe wieder große Buch⸗ ſtaben. Mad. Roſen. Nach einer Pauſe. Hoͤrſt du nicht?— Dallner zerſtreut. Was? Dienſtpflicht. Mad. Roſen. Ernſt hat ir geſagt, daß er wieder große Buchſtaben mac 95 Dallner gezwungen lächelnd. Das iſt gut. Mad. Roſen. Liegt der kleine freundliche Knabe dir gar nicht mehr am Herzen? Sie holt ihn. Frag den Onkel, ob er gar nicht mehr an dich denkt? Dallner hebt ihn auf ur küßt ihn mit Ungeſtüm. Unzaͤhligemale! Wachend und traͤumend. Du biſt ein Glaͤubiger, der ſchrecklich mahnt. Er ſetzt ibn von ſich. Aber ich will dich bezahlen, ſo wahr ich ehr— lich bin! Mad. Roſen. Bruder! Dallner. Und kann ich dich nicht bezahlen, ſo will ich dir Genugthuung geben. Das ſchwoͤre ich dir! Ernſt. Was biſt du mit denn ſchuldig?— Ich habe dir ja nichts gegeben. Dallner. Ich habe dir genommen, mein Kind! Mad. Roſen. Lauf hin, ſage dem Groß— vater einen guten Morgen. Ernſt. Hernach ſchreibe ich doch wieder? Mad. Roſen. Ja, mein Kind! Ernſt. Wieder große Buchſtaben? Ja, ich mache große Buchſtaben. Er läuft ſort. ͤ ——————— Dienſtpflicht. Sechs tene fett Madam Roſen. Sekretaͤr Dallner. Dallner. Das Kind arbeitet zu viel. Mad. Roſen. Der Vater wuͤnſcht es ſo. Dallner. Die Geiſteskraͤfte werden mit Treib—⸗ hauskuͤnſten in die Hoͤhe getrieben, daß alle Koͤrper— kraft dabey zu Grunde gehen muß; den ganzen Tag wird das Kind erinnert, gemeiſtert, gelehrt. Was iſt die Folge davon? Ein Knechtsſinn, der immer⸗ dar bleibt. Mad. Roſen. Ich will ſchon einlenken. Dallner. Eine Furcht, eine Zuruͤckhaltung— die— ſpaͤter hin noch die traurigſten Folgen hat— ſo geht mir es. Mad. Roſen. Aber deßhalb biſt du doch ſeit einiger Zeit nicht ſo unmuthig? 0 Dallner. Pauſe. Wer weiß. Mad., Roſen. Druͤcken dich Schulden? Dallner. O Gott, ja! Mad. Roſen. Immer noch? Dallner. Und wenn ich dir bezahlen koͤnnte, was du fuͤr mich gegeben haſt— kann ich dann ſagen: ich haͤtte abgetragen, was ich dir ſchuldig Dienſtpflicht. 13 bin? Deine Aufopferungen, deine Entſagungen, die marternden Verlegenheiten, die du mit meinem Vater deßhalb haſt. O Marie! Mad. Roſen. Ich verſchenke nichts, Ernſt iſt an dich gewieſen. Er wird einſt Thorheiten be⸗ gehen, auch er wird Leidenſchaften haben, er wird der Stuͤtze beduͤrfen— dann zahle wieder mit Nachſicht, mit Geduld, mit That! Dallner. Wenn ich daran denke, daß deine kleine Beſoldung dich erhaͤlt, und noch meine Thor⸗ heiten gut machen mußte? Marie, ich bin deiner nicht werth! Mad. Roſen. Wenn die Wittwe Waldner nur alles das werth iſt, was du fuͤr ſie thuſt? Dallner. Sie iſt ungluͤcklich. Mad. Roſen. Iſt ſie es ohne alle Schuld? Wuͤrdige Leute halten ſie fuͤr eine Kokette— Dallner. Wuͤrdige Leute haben oft ſehr wenig Menſchenkenntniß, und urtheilen nach dem Schein! 5 Mad. Roſen. Auch der Schein ſollte nicht gegen ſie ſeyn. Dallner. Sie ſollte alſo immer weinen, immer klagen, die Augen nie aufheben? Dann wuͤrde ich ihr gerade am wenigſten krauen. Mad. Roſen. Ich breche ab. Aber ſage mir— weiß ich deine Schulden nun alle!k Rn ee —— 16 Diſenſtpflichet. Dallner. Daß ich keine mehr machen werde, ſchwoͤre ich bey Gott! ich thue auch nichts mehr fuͤr die Wittwe. Mein Gewiſſen ſchreibt mir drin— gendere Pflichten vor. Ma d. Roſen. Was biſt du noch ſchuldig?— Helfen kann ich freylich nicht— aber— Dallner. Ach Marie! Siebenter Auftritt. Vorige. Kriegsrath Dallner. Ernſt. Kriegsrath. Ey, ey, mein Sohn! An die Arbeit! Dallner. Es iſt noch fruͤh, lieber Vater! Kriegsrath. Die Arbeiter, die ſo auf den Glockenſchlag paſſen— die ſind mir die rechten. Ehe die Stunde anfaͤngt, muß man ruhig gefam⸗ melt und kalt— am Arbeitstiſch da ſitzen. Wenn die Uhr das erſtemal anſchlaͤgt— zur Feder grei— ſen— und dann in Gottes Namen fort. Es wird indem neun Uhr voll ſchlagen— geh an dein Ge— ſchaͤft, mein Sohn! Dallner geht ab. Dienſtpflicht. Alrchter Wufteite Vorige ohne Sekretäͤr Dallner. Kriegsrath zu Ernſt. Wie geht deine Schrei— berey von Statten, Kleiner? Ernſt bolt das Schreibbuch. Gut, Großvater. Kriegsrath. Ey, ey!— Wie ſteht der Buchſtabe da? Dieſen meine ich. Dieſes A. Ernſt ſieht hin. A?— Der ſteht ſchoͤn da. Kriegsrath. Der ſteht ſchief da.— So ſteht er: Er ſtell ſich auf ein Bein. Sieh— ſo lehnt er ſich an den andern Buchſtaben. Das kann ich nicht leiden. Ein wohlgemachter Buchſtabe und ein rechtlicher Menſch— die muͤſſen allein ſtehen koͤn⸗ nen und ſich nirgend anlehnen.— Du darfſt ihm keine Vorſchriften mehr machen, meine Tochter, er muß einen Schreibmeiſter bekommen. Ernſt. Macma ſchreibt ſchoͤn. Kriegsrath. Du haſt ſparen wollen, ich weiß es wohl; aber dabey muß mans' nicht. Weiber ſchreiben wohl eine ſchoͤne Hand, aber keine feſte Hand. Er will gehen. Dienſtpflicht. Rrr iie . —— ˖˖˖pr˖reeerrrrrlee Dienſtpflicht. Neünee üfftt iitt. Vorige. Unterofficier Gruner den Arm in der Binde und gebrechlich. Kriegsrath. Guten Morgen, Herr Gru— ner— wie ſteht es mit der Penſion? War Er bey dem geheimen Kriegsrath Doſitz, was hat er geant— wortet? Gruner. Wie das vorigemal, wie allemal— ich kriegte keine Penſion. Kriegsrath. Hat er ſonſt nichts geſagt? Gruner. Ich waͤre ein Plauderer, hat er geſagt— Kriegsrath. Das iſt nicht wahr. Gruner. Meine Atteſtate taugten nichts— Kriegsrath. Das iſt nicht wahr— Gruner. Es waͤren Maͤnner da, die es noͤthi— ger brauchten. Kriegsrath. Das iſt nicht wahr. Gruner. Er hat mir einen Gulden geben wollen, den habe ich nicht genommen. Kriegsrath. Recht, Herr Gruner, damit bezahlt man einen verſtuͤmmelten Koͤrper nicht. Dienſtpflichet. 19 Grüner. Meine alte Frau— meine Kin— der— wenn die nicht waͤren— eine Kugel ſchoͤſſe ich mir durch den Kopf. Kriegsrath. Das iſt gottlos gedacht, alter Mann, ſchaͤme Er Sich— Gruner. Der Mann will mich von der Pen— ſion ſtoßen, weil er ſie dem Korporal Lebrecht ver⸗ ſchaffen will. Dienen kann der auch nicht mehr, das iſt wahr. Aber er hat ſeinen Arm in des Kriegsraths Gartenarbeit gebrochen. Meinen Arm hat eine Kartaͤtſchenkugel im Dienſt des Herrn ge— troffen. Kriegsrath. Darum muß der Herr Ihm helſen. Gruner. Auch hat er mich einen Verleumder geſcholten, weil in meiner Bittſchrift angefuͤhet iſt, daß ich eigentlich durch die ſchlechte Verpflegung im Lazareth zum Dienſt untauglich geworden bin. Kriegsrath. Das iſt Wahrheit. Gruner. Der Fuͤrſt iſt nicht Schuld daran, er giebt genug. Auch die Generale nicht. Aber die mit der Lieferung zu thun haben, die Betruͤger morden uns. Kriegsrath. Das iſt Wahrheit. Gruner. Sage ich das allein? Das ſagen wir alle. Kriegsrath. Und der Fuͤrſt ſoll es erfahren, das iſt meine Pflicht. .:..................... Dienſtpflicht. Gruner. Es ſind gar zu viele dabey inter— eſſiert. Kriegsrath. Das kuͤmmert mich nicht. Gehe Er auf die Parade und rede Er den Fuͤrſten ſelhſt an. Gruner. Soll ich das wagen? Kriegsrath. Er hat mit dem Saͤbel fuͤr Seinen Herrn gewagt— wage Er nun auch mit dem Munde fuͤr ſich. Gruner. Ich will es thun. Kriegsrath. Stelle Er alles vor, und dann bringe Er mir die Antwort. Gruner. Wenn Sie nicht waͤren, Herr Kriegsrath. Kriegsrath. Adieu, Herr Gruner. Gruner. Gott wirds lohnen. Geht ab. Z e henzter Aufiteitte Kriegsrath Dallner. Madam Roſen. Ernſt. Mad. Roſen. Lieber Vater— ich glaube— Sie ſtehen nicht gut mit dem geheimen Kriegsrath Doſitz. Kriegsrath. Was hat das auf ſich? Ich ſtehe gut mit mir. Darauf kommts an. Dienſtpflicht. 21 Mad. Roſen. Sie nehmen Sich des Un— gluͤcklichen zu lebhaft an. Kriegsrath. Deßwegen hat mich Gott auf die Welt, uͤnd der Fuͤrſt in Eid und Pflicht genommen. A Mad., Roſen. Wenn es Ihnen nur keine Verdrießlichkeiten zuzteht. Kriegsrath. Man thut, was man zu thun hat, und ſtellt das uͤbrige Gott anheim. Mad. Roſen. Seit einigen Tagen ſehe ich Sie ſo nachdenkend, ſo beſonders ernſthaft. Kriegsrath. Das kann wohl ſeyn. Mad. Roſen. Soll mich das nicht beun⸗ ruhigen, lieber Vater? Kriegsrath. Rein!— Man kaͤmpft ſich auf der Welt zwiſchen Muͤhſeligkeiten und Thorhei— ten hindurch. Wenn beide uns nicht von der gera— den Linie werfen, ſo haben wir das unſrige gethan. Von der geraden Linie ab bringt mich nichts! Alſo ſey ruhig!— Kleiner, huͤbſch fleißig, gehabt Euch wohl! Gebt ab. fT. PPU˖˖ Dienſtpflicht. Elft eer Ausſfect i ten Madam Roſen. Ernſt. Ernſt. Mutter!— Was hat der Großpapa da von der geraden Linie geſagt?— Mad. Roſen. Du ſollſt auch ſo, wie er, bey deinen Buchſtaben auf der geraden Linie bleiben. Ernſt. Mache mir eine gerade Linie, Mutter! Mad. Roſen. Heute ſchreibſt du nicht mehr. Du lieſeſt. Ernſt. Aus dem Buche mit den Geſchichten? Mad. Roſen. Ja, wenn du mir daraus recht huͤbſch vorleſen kannſt, ſo ſchenke ich dir aller⸗ ley ausgeſchnitzte Thiere. Wenn du mir aber auch erzaͤhlen kannſt, was du geleſen haſt, ſo ſchenke ich dir das Bild von einem guten Manne, und erzaͤhle dir, wer er iſt, und was er gethan hat. Ernſt. Behalt die Thiere, ich will den Mann haben. Mad. Roſen. So mußt du recht fleißig ſeyn. Ernſt. Darf ich im Garten leſen? Mad. Roſen. O ja! Ernſt läuft ſingend fort. Den guten Mann kriege ich, den guten Mann! Von der Gaſſenſeite her kommt Dienſtpflicht. iddfftert Aüfßkkikk. Der Juſtizrath Liſtar. Madam Roſen. Juſtizrath. Ihr Diener! Mad. Rofen. Wir haben Sie lange nicht geſehen, Herr Juſtizrath! Juſtizrath dverbengt ſich. Werden wir hier eine Weile allein reden koͤnnen? Mad. Roſen. O ja! Juſtizrath. Deßhalb komme ich ſo fruͤh. Sie ſind eine gute— gutmuͤthige Frau. Mad. Roſen. Ich thue was ich kann— Juſtizrath. Sie thun mehr als Sie koͤn— nen, und das iſt unrecht. Mad. Roſen. Wie meinen Sie das? Juſtizrath. Gut, wahrlich gut. Nehmen Sie es auch gut auf? Mad. Roſen. Von ganzer Seele. Juſtizrath. Nach einer Pauſe. Sie koͤnnen viel⸗ leicht nicht umhin die tauſend Thaler zu erſetzen, welche an dem Vermoͤgen von ihres Mannes Muͤn— deln fehlen. Ihr Eingebrachtes— Mad. Roſen. Ich weiß es, aber ich kann das Andenken meines Mannes nicht kraͤnken laſſen. Mein Vater hat meinem Bruder auch ſchon aufgetra⸗ Rrr RR 24 Dienſtpflicht. gen, auf eine ausgeſtellte Obligation, von uns dreyen unterſchrieben, das Kapital aufzunehmen, um gleich damit an den Sekretaͤr Falbring die Summe abzu— tragen. Juſtizrath. Ich habe zwoͤlf hundert Thaler Kapital. So viel koͤnnte ich Ihnen leihen. Wol— len Sie es von mir annehmen? Mad. Roſen. Herr Juſtizrath— Juſtizrath. Aber Sie muͤſſen zwoͤlf hundert Thaler nehmen. Ich vereinzelne das Kapital nicht. Ich will auch keine Unterſchrift als von Ihnen!— Mad, Roſen. Sie beſchaͤmen mich— Juſtizrath. Laſſen Sie Sich gefallen zwey und ein halb vom Hundert zu bezahlen. Mad, Roſen. Ich danke Ihnen auch dafuͤr. Juſtizrath. Erlauben Sie, daß ich das Geld dahin lege. Er legt ein paar Rollen Geld auf den Tiſch. Mad. Roſen. Womit verdiene ich dieſe zu— vorkommende Guͤte? Juſtizrath. Ehy, ich bin ja ein alter Freund vom Hauſe. Mad. Roſen. Bey Verlegenheiten ſcheiden ſonſt unſere Freunde. Juſtizrath. Dann ſind ſie nicht Freunde, Mad, Roſen. Oder ſetzen Preiſe auf ihre Freundſchaft— Juſtizrath. Die ſind Wucherer. Dienſtpflicht. Mad. Roſen. Wer ſo wie Sie— Juſtizrath. Machen Sie nicht mehr aus der Sache als ſie werth iſt. Ich kenne Sie; ich kenne Sie lange. Ich habe Pflichten gegen Sie. Mad. Roſen. Pflichten— lieber Herr Liſtar?— Juſtizrath. Sorgen Sie nicht— ich ver— lange nichts dagegen. Ich verehre Sie recht herzt lich— dabey befinde ich mich wohl, das iſt alles. Mad. Roſen. Ich verdiene dieſe Guͤte nicht, aber ich empfinde ſie. Juſtizrath. Meine Freundſchaft ſoll Sie nie in Verlegenheit ſetzen. Ich verlange nichts. Ich bitte nur um die Erlaubniß, um Ihr Wohl, Ihre Ruhe mich bekuͤmmern zu duͤrfen— darf ich das? Mad. Roſen. Ich kann Ihnen nicht ant— worten. Juſtizrath. Ich danke Ihnen— ich danke Ihnen.— Freymuͤthig alſo— Sie haben fuͤr Ihren Bruder ſchon vieles gethan. Heute werden Sie wohl noch einmal fuͤr ihn zahlen muͤſſen. Thun Sie es aber kuͤnftig nicht mehr. Sie ſind Mutter! Sie duͤrfen das nicht. Mad. Roſen. Verkennen Sie meinen Bru— der nicht. Er iſt zu aͤngſtlich erzogen, wurde mit ſo wenigem auf die Univerſitaͤt geſchickt, kam mit Schulden zuruͤck. Wenn der Vater wuͤßte, 3*— 26 Dienſtpflicht. daß mein Bruder Schulden hat, er wuͤrde ihm das nie verzeihen. Juſtizrath. Mit Recht. Mad. Roſen. Es wuͤrde den alten feſten Mann toͤdtlich kraͤnken. Sie kennen ihn ein Schritt vom Wege ab— oder hundert— eins duͤnkt ihm ſo ſtraͤflich wie das andere. Juſtizrath. Es iſt auch faſt eins! Mad. Roſen. Er würde— ach mein Herr— wir fuͤrchten ihn; aber wir lieben ihn noch mehr!— So ſind auf meines Bruders Seite uͤber ſeine Ausgaben Geheimniſſe entſtanden. Juſtizrath. Die nicht ſeyn ſollten. Mad. Roſen. Die Sorge, unſern guten Vater zu kraͤnken— Juſtizrath. Der Mann von Ehre haͤtte auch die Schweſter nicht gekraͤnkt. Ihr Bruder verdient nicht, was Sie fuͤr ihn gethan haben. Mad. Roſen. Dankbar iſt mein Bruder. Juſtizrath. Nein, Madam! Mad. Roſen. Wie er auch gefehlt haben mag— daukbar iſt er gewiß. Juſtizrath. Wer das Andenken ſeines Schwa— gers der Schande preis giebt, die Thraͤnen ſeiner Schweſter fuͤr den Preis mitgiebt, wie er, der iſt— nicht dankbar. Mad. Roſen. Sie glauben— Dienſtpflicht. 27 Juſtizrath. Ich fuͤrchte, daß die tauſend Thaler, die in Ihres Mannes Berechnung fehlen— Mad. Roſen. Reden Sie nicht— Juſtizrath. Ja, Madam, ich fuͤrchte— Mad. Roſen. Ich bitte, reden Sie nicht aus, Sie nimmt das Geld. auf dieſe Art kann ich Ihre Schuldnerin nicht werden— Herr Juſtiz⸗ Q 0 rath, nehmen Sie zuruͤck— und glauben Sie, Sie werden meinen Bruder beſſer kennen lernen. Juſtizrath. Der Handel unter uns iſt ja abgethan. Mad. Roſen. Fuͤr Huͤlfe und Nachſicht haͤtte ich den Schuldſchein mit dankbaren Thraͤnen unter⸗ ſchrieben. Huͤlfe und Kraͤnkung— kann ich ja nicht unterzeichnen. Sie geht ab und läßt im Gehen die zwey Geldrollen in den Huth gleiten, den Liſtar im Arme hält. Dreyzehnter Auftritt. Juſtizrath allein. Nach einer Pauſe. Wieder abgewieſen, und war doch gut gemeint. Warum gelingt mir doch gar nichts? Er nimmt die Rollen in die Haud, und wirft ſie unmuthig hin und her, wo⸗ durch die größere auf den Boden fällt. Hm, mein guter Wille iſt auch auf den Boden gefallen. Er ſpielt in * 2— —— D‚² IUUrrr— N N D ienſtpflicht. Gedanken mit dem Stock an der Rolle. Du haſt mir noch wenig Freude gemacht— dummer Goͤtze, den alles anbetet. Er hebt den Stock etwas, daß die Spitze auf das Geld hinfällt. Hier wirft man dich aus dem Hauſe und mich mit. Vierzebhnter Auftritt. Sekretaͤ r Falbr i ng tritt ein, und bleibt an der Thür ſtehen. Juſtizrath ſchlägt unwillkührlich das Geld noch einmal auf mit einem Seufzer ſagt er: Und mich mit! Falbring geht vor. Was— in aller Welt— Juſtizrath ohne überraſcht zu ſeyn. Nun?— Was giebts?— Falbring. In Unterredung mit— einem Geldhaͤufchen? Juſtizrath. Nun ja! Falbring. Das iſt, nehmen Sie mir es nicht uͤbel Er lcht. doch ſonderbar. Wollen Sie das Geld da liegen laſſen? Juſtizrath ſteckt die kleine Rolle ein, und hebt die andere vom Boden auf. Nein, denn es iſt nicht mein. Falbring. Nicht Ihre? und lag doch da? Hier im Hauſe iſt man doch nicht ſo reich, daß man das Geld auf dem Boden herum werfen koͤnnte! Dienſtpflicht. 29 Juſtizrath wichtig. Hier im Hauſe iſt man zum Theil ſehr reich. Falbring geheimnißvol. Was Sie ſagen! Iuſtizrath. Denn man iſt hier im Hauſe zum Theil ſehr arbeitſam. Falbring. Ja ſo! Haha! Sie meinen den gottſeligen Reichthum! damit kauft man wenig. Juſtizrath. Aber man erhaͤlt viel damit. Falbring. Ach ja! as Stuͤckchen Reich⸗ thum alſo, was da auf der Erde lag— Juſtizrath. Das kommt in Ihre Haͤnde. N q ei Haͤnde? Falbring. In meine Haͤnde? Juſtizrath. Nehmen Sie, es ſind die tau— ſend Thaler, die Ihren Muͤndeln gehoͤren. Madam Roſen hat mir ſie gegeben, und mir aufgetragen, ſie auszuzahlen. Schicken Sie ihr die Quittung. Da— nehmen Sie. Falbring nimmt das Geld. So ſo! Nun da haben Sie alſo vorhin etwa fo allerley Reflexionen uͤber das Geld, uͤber die Geſchichte mit dem Kapital gemacht? Geſtehen Sie— ich habe es errathen. Juſtizrath. Allerdings! Ich dachte— wenn ich Ihr Geld haͤtte— was ich gegen die gute Frau thun wuͤrde. Das dachte ich! Falbring. Und wie Sie an mich dachten, ſchlugen Sie das Geld— der Schlag galt alſo mir? Juſtizrath. Das weiß ich nicht. der Unmuth eines armen Mannes, daß ſein Geld⸗ Es war 30 Dienſtpflicht. beutel nicht mit dem Herzen gleichen Schritt hal— ten kann. Falbring. Sie wiſſen ja nicht, was ich noch thun kann? Erſt muß das Recht ausgefuͤhrt ſeyn, das Wayſenrecht; denn das iſt heilig. Nun das geſchehen iſt— nun— laͤßt ſich mehr reden. Madam Roſen iſt Wittve— ich bin ledig— Bedingungsweiſe— bin ich entſchloſſen. Juſtizrath. Sie zu heirathen? Falbring.— Ja, wenn ſie— Juſtizrath. Alſo Sie wollen die Wittwe heirathen? Falbring. Bedingungsweiſe. Juſtizrath. 2 ich Ihnen zuvor. e Wenn ich Vermoͤgen haͤtte, kaͤme Falbring. Auch ohne Vermoͤgen— wie Sie von Sich zu ſagen belieben wollen— wuͤrden Sie vielleicht mir vorgezogen. Ich will auf keine Weiſe Ihr Gluͤck ſtoͤren. Wenn Sie alſo— Juſtizrath. Meublen auf Verſteigerungen tritt man ſich wohl aus Hoͤflichkeit ab, Weiber nicht. Falbring. Sie ſind es ja, der mir ſeine Wuͤnſche abtreten will. Oder vielleicht haben Sie ſchon Rechte auf die Wittwe? Juſtizrath. Ganz und gar keine. Vom Gluͤck der guten Frau iſt die Rede. Die Verfſor— gung, die Sie anbieten koͤnnen, kann ich nieht Dienſtpflicht,. 31 eben. Meine Wuͤnſche— gehen Ihnen und der 9 hen Ih Wittwe nichts an. Ich opfre ſie dem Gluͤck der Frau und ihres Kindes. Aber— halten Sie Wort— machen Sie beide gluͤcklich. Leben Sie wohl! Gebt ab. Falbring. Was ſo ein altes Herz noch fuͤr Rumor machen kann! Ich wette, der weint noch ſein Thraͤnchen? Die Auszahlung— iſt mir indeß ſehr fatal. Da haben ſie mir die Kneipzange aus Ider Hand genommen. Ich muß alfo wohl mit der — Heirathspropoſition aus der Ferne anruͤcken, um dem alten Baͤren die Lieferungs Inquiſition aus den Haͤnden zu ruͤcken. Funfzehnter Auftritt. Sekretär Falbring. Madam Roſen. Falbring. Nun liebe Frau Hofraͤthin— mich gehorſamſt zu bedanken. Mad. Roſen. Wofuͤr? Falbring. Fuͤr die Auszahlung der tauſend Thaler. Mad. Roſen. Die Auszahlung— Falbring. Die mir Herr Liſtar in Ihrem Namen geleiſtet hat. Mad. Roſen. Hat er bezahlt?— iee ee Dienſtpflicht. Falbring zeigt die Rolke. Die Quittung ſoll gleich folgen. Mir iſt es leid, daß Sie den Verluſt haben. Ja, wenn ich den Taugenichts heraus— bringe, der Sie ſo martert— Mad. Roſen ſeufzt. Die Sache iſt ja nun abgethan. Falbring. Wenn ich ihn herausbringe, ſo ſoll es Ihnen an Genugthuung nicht fehlen.— ſeun— heute werden der Herr Vater auch wieder einen heißen Tag haben? Mad. Roſen. Wie ſo? Falbring. Da hat er etwas angefangen— was ich wollte, daß er nicht gethan haͤtte; was er haͤtte gehen laſſen ſollen, wie es geht. Mad. Roſen. Was iſt das? Falbring. In der Hauptlieferung fuͤr die Armee, welche der Becker Ehlers entrepreniert hat, haben jetzt vor der Kriegskanzley die Rechnungen abgehoͤrt, geſchloſſen— und die Reſte ausbezahlt werden ſollen. Da iſt er— er ganz allein auf⸗ geſtanden—*) und erklaͤrt die Entrepreneurs fuͤr Betruger.— Er hat allerley Zeugen abhoͤren laſ— ſen— mit Einem Wort, die Zahlung iſt aufgeſcho— ben. Nun verlangt er noch Unterſuchung und Be— ſtrafung— Mad. Roſen. Hat er darin Unrecht? skanzley für unehrlich erklärte, ſondern weil er die Sache erſt unterſucht und die Unterſchleife erfahren hatte. ) Nicht als ob er die Krieg ſt peflicht⸗ 38 Falbring. Das kann ich nicht wiſſen. Aber das weiß ich, daß bey der Lieferung ſehr bedeu— tende Leute intereſſiert ſind. Mad. Roſen. Bedeutende Leute ſollen auch bedeutend handeln. Falbring. Genug— ich kenne die Welt. Folgen Sie mir. Reden Sie ihm etn, daß er die Sache fahren laͤßt. Er kann ja doch nicht alle Huͤgel ebnen. Mad. Roſen. Ueber Geſchaͤfte redet er nicht mit mir. Falbring. Solche Sachen gehen oft weiter als man Anfangs denkt. Verhüten Sie nur Un⸗ gluͤck. Erſtens haben der Herr Vater kein Ver⸗ moͤgen— Mad. Roſen. Selbſtgefuͤhl! Dieß Vermoͤ— gen iſt unſchaͤtzbar, und wird nie Bankerott leiden. Falbring. Ganz recht— das ſind die Empfindungen einer ſchoͤnen Seele. Aber das menſchliche Leben— Maäd. Roſen. Iſt ohne dieſe Empfindung— der Rede nicht werth. Falbring. Ach Madam— das ſind ſchoͤne Gefuͤhle— denen ich gerne mein Gluͤck und Leben anvertrauen moͤchte. Ja, Madam— meine Hand, mein Vermoͤgen biete ich Ihnen an. Das liebe kleine Kind will ich zum Erben einſetzen. Mad Roſen. Mein Herr— Dienſtpflicht. 84 Diſenſtpflicht. Falbring. Das will ich. Aber eben deßhalb eifere ich gegen des Herrn Vaters Unternehmen. Denn bedenken Sie ſelbſt, wenn der Herr Vater Haͤndel anfangen, und ſich dadurch mit den erſten Haͤuſern entzweyen— und in Verdrießlichkeiten gerathen, darein ich als Schwiegerſohn mit ver—⸗ wickelt wuͤrde, ſo macht mir das natuͤrlich ein Be— denken. Ich bin ein ehrlicher Mann, und biete Ihnen an, was manche Menſchen Gluͤck nennen— bin ich Ihnen nicht zuwider, ſo bewirken Sie, daß der Herr Vater die Sache gehen laͤßt, die ohnehin ſchon eingeſchlafen war; alsdann— haben Sie uͤber meinen Antrag zu entſcheiden. Mad. Roſen. Auf meines Vaters Geſchaͤfte— kann ich nicht wirken. Falbring. Thun Sie was Ihnen rathſam duͤnkt— aber das ſage ich Ihnen— die Sache geht weit. Denken Sie an mich— Mad. Roſen. Ich bin ruhig und guten Muths bey allem was mein Vater unternimmt. Falbring. Auch wenn ihm ſein Betragen die fuͤrſtliche Ungnade zuziehen ſollte? Mad. Roſen. Unſer Fuͤrſt iſt ein gerechter Mann. Falbring. Er iſt allemal ein Menſch! Mad. Roſen. Dann bleiben uns Freunde— Falbring. O lieber Gott, fobald die fuͤrſt⸗ liche Ungnade deklariert wuͤrde, kein einziger. Dienſtpflicht. Mäad. Roſen lächelnd. Nun— Sie?— Sie blieben uns doch? Falbring verlegen. Wie befehlen Sie?— Mad. Roſen. Ich denke— Sie uͤberheben mich der Verlegenheit auf Ihren Heirathsantrag zu antworten. Sie empfiehlt ſich. Falbring geht an der andern Seite fort. Wir ſind noch nicht am Ende! RR —˖ ˖ Z3 wie hiteit Aufiug In des Sekretär Falbrings Hauſe. —— Err ſter Sekretär Falbring. Der Jude Baruch— Falbring vpackt Geldſäcke in einen Koffer. Ihr ſollt mir fort. Gehe es dann, wie es wolle; ſo iſt doch auf alle Faͤlle der Apfel fuͤr den Durſt gerettet. Baruch. Nu— da bin ich. Falbring. Ey, ey! Baruch Lieb— wie gehts? Baruch. Wie gehts? Hm! Wie die Zeit will; ich geh mit der Zeit. Falbring. Alſo mit der Welt? nun und wie geht die Welt mit Euch um? Baruch. Die Welt und ich ſind von einerley Farbe, changeant! Falbring. Changeant! So? Nun— ſpielt Ihr heut ins Dunkle oder ins Helle? — Dien pflicht. 37 ν Baruch. Aus dem Silbernen ins Goldene, und umgekehrt. Aber— was wollen Sie von mir? Es wird Mittag. Falbring. Nun fuͤrs bare Geld ißt Meiſter Baruch wohl auch einmal eine Stunde ſpaͤter? Baruch. Nein, keine Minute ſpaͤter. Falbring. Was der Teufel! Baruch ernſtlich. Nein, keine Minute! Fuͤrs Geld lauf' ich und renn' ich genug; aber alles hat ſeine Zeit. Wer beym Eſſen die Zeit ſparen will, der verliert zwanzig Procent am langen Leben. Uum zwoͤlf Uhr ſetz ich mein Kaͤppchen auf und eſſe; es mag kommen, was da will— ich eſſe. Falbring. tun habt ihr Schleſiſche Lein⸗ wand? Baruch. Warum nicht? Aber— was ſoll die Leinwand vorſtellen? Soll nicht etwa der Angel ſeyn, womit Sie den Baruch fangen wollen? So vahr mir Gott helfen ſoll, ich beiße nicht an den Angel! Falbring. Kurz und gut, wollt Ihr mir fuͤr 30 Louisdors einen wichtigen Dienſt leiſten? Baruch. Warum nicht? Was ſolls ſeyn? Falbring. Ihr kennt doch den Becker Ehlers? Baruch. Wer kennt nicht den reichen Becker Ehlers? Er wird aufgegriffen. Falbring. Wer? 38 Dienſtpflicht. Baruch. Becker Ehlers! Die Kriegskanzley laͤßt ihn aufgreifen. Heut noch. Falbring. Baruch, Ihr muͤßt einen Meit ſterſtreich machen. Der Kerl— Gott weiß wie— hat einmal einen Plan zu einer Lieferung von mir begehrt— er hat ihn von meiner Hand geſchrieben. Baruch. Einen Plan, wie man liefert? Ey! Einen Plan, wie man nicht liefert, werden Sie geſchrieben haben. Falbring. Nun laß das gut ſeyn! Das Papier haͤtte ich gern wieder in meine Haͤnde. Baruch. Au weh! Falbring. Er will mit es nicht geben. Baruch. Ich gaͤbs auch nicht. Falbring. Das Papier kann mir viel ſcha⸗ den, und dem Becker Ehlers hilft es nichts. Baruch. Nu— wer hat nicht gern Com⸗ panie? In Companie gewonnen— in Companie zerronnen. Falbring. Funfzig Louisdor, wenn du mir das Papier ſchaffen kannſt! Baruch. Man kanns ſchaffen— ja! der Ehlers iſt gar dumm. Falbring. Aber bald— Baruch. Gewiß bald. Wenn ſie den Ehlers aufgreifen, greifen ſie die Papiere ja mit. Nu— ich geh— Noch eins! das Ding geht Sie ja Dienſtpflicht. 39 näher an als mich. Dallner, der alte Dallner— fucht tauſend Thaler. Falbring. Nun nicht mehr! Baruch. Der Sohn war bey mir— da— da iſt die Verſchreibung. Falbring. Der Sohn?— Baruch. Das Geld iſt ja fuͤr Sie! Von wegen der Vormundſchaft? Falbring nachdenkend. Hm!— Das iſt des alten Dallners Hand. Der Sohn war— Baruch. War bey mir! Falbring. Ich will die taufend Thaler her— geben, zu vier Procent. Baruch. Da muß der Schuh druͤcken. Sonſt nehmen Sie nicht weniger als ſechs. Falbring. Aber da ich kein Geprahle will, ſo zahle Er es dem Sohne aus. Baruch. Dem Sohne? Wie kommen Sie mir vor? Waſſer in ein Sieb? Falbring bolt das Geld. Da ſind tauſend Tha⸗ ler. Wo iſt die Verſchreibung? Baruch giebt ſie. Falbring. Gebt das Geld dem Sohne. Er iſt wohl freytich leicht, aber ein Mann von Ehre, und wird es dem Vater zuſtellen. Nun aber gleich zu Ehlers. Barſuch. Herr Ehlers wird geſetzt, Sie wer— den ſehen. 40 Dii en ſt pfiliche t. Falbring. Güſetzt? Baruch. Ins Zuchthaus. Warum? Liefe⸗ rungen hat er gethan, daß den Soldaten die Haare ausgefallen, die Baͤuche aufgeſchwollen ſind— Ich krieg das Papier— Sie werden ſehn! Geht ab. Falbring. Dieſe Verſchreibung kann mir treffliche Dienſte leiſten. Zweyter Aufterictet,. Falbring. Bedienter, Bedienter. Vom Herrn geheimen Kriegs— rath Dofitz. Falbring. Iſt noch jemand da? Bedienter. Nein. Falbring. Gut. Bedienter geht ab. Falbring. Laß ſehen. Er lieſt.„Freund! der alte Dallner iſt durchgedrungen. Es iſt Arreſt auf den Becker Ehlers erkannt, und Wegnahme der Papiere. Eine Stunde kann ich dieſe noch aufhalten— Verfluchter Streich— Er ſchellt; der Bediente kommt wiedey. Bedienter. Befehlen Sie was? Falbring. Lauf dem Juden nach. Sag ihm, wenn ich das Bewußte in einer halben Dienſtpflicht. 4¹ Stunde aufs laͤngſte nicht haͤtte, ſo waͤre es zu Bedienter. Sehr wohl— Falbring. Haſt du verſtanden? In einet halben Stunde aufs laͤngſte. Bedienter. Sehr wohl! Gebt ab. Falbring lieſt:„Zwey Wege ſind uns nur noch offen. Entweder Sie wirken auf Da ſo viel, daß er nicht ſehen will, und vortheilh berichtet; oder wir bringen den alten Dallner aus dem Dienſt in Penſion. Der Weg iſt aber der letztez denn er iſt zwar entſcheidend, wenn er gluͤckt, aber unſicher bis dahin. Auf alle Faͤlle koͤnnte man auch den Becker in der Affaͤre ſtecken laſſen, und uns heraus ziehen, wenn der alte Dallner will. Wirken Sie ſchneli, und berichten Sie mirs den Erfolg. Doſitz.“— Was iſt da zu machen? Dritter Auftritt. Falbring. Becker Ehlers. Ehlers. Ich habs, Herr Sekretarius— ich habs! Falbring. Was, Herr Ehlers? Ehlers“ Die Dallners ſind gefangen. Wir haben ſie in Haͤnden. —⏑⏑ 8 E 42 Dienſtpeflichet. Falbring. Wie denn? Geſchwind! Ehlers. Mein Ludwig iſt ein huͤbſcher Bur⸗ ſche, wie Sie wiſſen— er weiß zu reden. Ein Stuͤck Atlas in Natura— ein Eheverſprechen in Worten— die Waldner hat alles gebeichtet. Falbring. Wahrhaftig! Die tauſend Thaler, welche fehlen— hat ſie Dallner? Ehlers. Hat ſie. Falbring. Bravol bravo! Ehlers. Einen Tag vor ſeinem Tode hat ſie der Hofrath Roſen an ihn geliehen, er hat allerley Schulden damit bezahlt. Die Obligation war noch nicht ausgefertiget. Nach dem Tode hat ſich der Sekretaͤr Dallner vor dem alten Kriegsvath gefuͤrch⸗ tet— hat gezaudert— und gezoͤgert— darauf kam die Aufforderung in der Zeitung, dann hat er gar das Herz nicht mehr gehabt zu ſagen, daß er der Schuldner waͤre. Falbring. Wie ich gleich gedacht habe, Wort fuͤr Wort— Ehlers. Und deßhalb geht er jetzt umher wie ein toller Hund— Falbring. Nun muß der Sohn den Vater fuͤr uns lenken, oder der Vater muß, um den Sohn zu retten, uns retten. Wir haben alles in Haͤnden. Ehlers. Aber wie gebrauchen wir es? Falbring. Das iſt meine Sorge⸗ F Dienſtpflicht. 43 Ehlers. Eilen Sie, eilen Sie. Es wird mir heiß bey der Sache. Falbring. Mir noch nicht. Ehbers. Der alte Kriegsrath ſpektakuliert— Falbring. Jetzt iſt die Reihe an uns— Ehlers. Auf dem großen Magazin hat man ſchlecht von uns beiden geſprochen. Die kleinen Lieferanten werden ſchon grob. In der Apotheke, wo ich ein Schnaͤpschen nahm, taumelte ein alter Soldat auf mich zu. Mit dem Glaſe in der Hand, ruft' er recht brutal—„Kriegsrath Dallner ſoll leben! Stoß an, verdammter Mehlwurm!“ Das that ich denn auch. Wer mir aber mein Glas aus der Hand ſchlug, ſeines austrank, uͤber den Kopf warf, und mich zum Teufel wuͤnſchte— das war der Soldatenkerl! Falbring. Nun— was ſoll das heißen? Ehlers. Daß man uns fuͤr vogelfrey haͤlt— Falbring. Pah! Ehlers. Sie, mein Herr Sekretarius— wenn es zum ſchlimmſten kommt— verlieren nur Geld. Falbring. Gehorſamer Diener! Ehlers. Aber ich? Ach du mein Gott! Wie hat der garſtige alte Kriegsrath von mir geſpro⸗ chen?— Man muͤßte mich— hat er geſagt— am Leibe anpacken. Denken Sie einmal, was das waͤre! 9rrre iſe nſt pof lichet⸗ Falbring? Wir wollen ihn an der Seele anpacken. Shlers. Was hilft das, wenn ſie mich ſchon beym Leibe haben? Ich ſage immer: es mag einem in der Welt paſſieren, was da will, wenn es nur nicht kneipt, ſtoͤßt und ſchneidet. Das uͤbrige alles geht denn doch uͤber die Haut weg. 1 Falbring. Jetzt nur ganz ruhig nach Hauſe gegangen, Herr Ehlers. Ehlers. Noch eins! Einen faͤlligen Wechſel habe ich an mich gekauft vom jungen Dallner. Falbring. Faͤllig? Ehlers. Auf heut. Damit koͤnnte man ſie guch zur Raͤſon zwicken. Falbring. Weiſen Sie— Ehlers zeigt ihm. Falbring. Schon zweymal prolongiert? Ge⸗ ſchwind hin, mit Arreſt gedroht— mit dem Vater— oder er ſoll verſprechen, den Vater zu gewinnen! den Wechſel nicht aus den Haͤnden ge—⸗ laſſen! Zwar— gehen Sie erſt ein Viertelſtuͤnd⸗ chen nach Hauſe— verſtehen Sie mich— erſt ein Viertelſtündchen nach Hauſe. Ehlers. Wefßhalb? Falbring. Daß man Sie nicht grade von hier ins Haus gehen ſieht, meine ich. Ehlers. Gott vergelte Ihnen die klugen Ge⸗ danken. Drum! drum! Wenn man ſtudiert hat, 45 man weiß ſich doch gleich zu helfen.— Mein Juͤng⸗ ſter, das Nikolaus chen, ſoll mir auch mit Gewalt ſtudieren. Rekommandiere mich beſtens. Geht ab. Fabbring. Wenn Baruch nur geſcheidt iſt— zwar das iſt er gewiß! Wenn er nur auch ſchnell genug iſt! Vierter Auftritt. Falbring. Ju tizrath Liſtar. Falbring. Sehe ich recht?— Nun die Ehre iſt mir noch nie wiederfahren Sie bey mir zu ſehen. Juſtizrath. Ich komme, Ihnen ein Ver⸗ guügen zu verſchaffen. Falbring. Ich bin in voraus dankbar. Juſtizrath. Sie koͤnnen Ihrem kuͤnftigen Schwiegervater, dem alten Kriegsrat ath, einen kind⸗ lichen Dienſt leiſten. Falbring. Recht gerne; wenn er auch nie⸗ mals mein Schwiegervater werden ſollte. Juſtizrath. Der geheime Kriegsrath Doſitz iſt Ihr Freund. Er handelt mit großer Bitterkeit gegen den alten Dallner. Ueberhaußt faͤngt man an dem Manne ſehr nahe zu treten. Doſitz hat Einfluß, weil er ein Mann von Kenntniß und Thaͤ⸗ tigkeit iſt. Der Fuͤrſt ſchaͤtzt ihn deßhalb und hoͤrt Neeeee 46 Dienſtpflicht. auf ihn. Zudem iſt er Referent in den Kriegs⸗ ſachen. Verwenden Sie Sich bey ihm, daß er unſerm Freunde Dallner nicht Unrecht geſchehen laſſe. Falbring. Ich finde, daß Sie das Beſte dabey thun koͤnnten, wenn Sie dem alten Manne zureden wollten, die Lieferungsſache liegen zu laſſen. Juſtizrath. Das werde ich nicht thun. Falbring. So muß man das Ende ruhig abwarten. Juſtizrath. Ruhig abwarten? Ich kenne jemand, der das nicht kann. Falbring. Um Vergebung, wer? Juſtizrath. Ein Erzdieb. Er iſt mir eben auf Ihrer Treppe begegnet. Der Becker Ehlers. Falbring. Ja ſo— der! Hm! Wie es den Kapitaliſten geht— ſie brauchen allerley Leute; ſo bin ich auch zu des Ehlers Bekannt— ſchaft gekommen. Er ſoll auch doch wirklich nichts taugen? Ey, ey! O da muß man recht auf ihn hinein gehen. Juſtizrath. Mit dieſem Becker Ehlers und ſeiner Compagnie geht die Sache ihren rechten Gang— deßhalb ſeyn Sie außer Sorgen. Falbring. Was ſoll ich denn nun dem Herrn geheimen Kriegsrath Doſitz eigentlich ſagen? Juſtizrath. Allenfalls— was ich Ihnen geſagt habe. Dienſtpflicht. 47 Falbring. Was ſoll er denn daraus nehmen? Juſtizrath. Das Beſte! Falbring. Ganz wohl— Ich muß Ihnen ſagen, ich liebe die Gerechtigkeit. Aber— Juſtizrath. Daß Sie das ſtrenge Recht lieben, haben Sie heut noch bewieſen, als Sie trotz Ihrer Liebe die tauſend Thaler eingetrieben haben. Falbring. Ach— das Wayſenrecht iſt heilig. Juſtizrath. Das Recht, was eine Armee, die Blut und Leben opfert, auf geſunde Nahrung hat, iſt heilig. Falbring. Gewiß!— Und dann mußten die tauſend Thaler deßhalb bezahlt ſeyn, weil eine Perſon, die ich liebe, keinen Vorwurf vor der Welt auf ſich ruhen laſſen darf. Juſtizrath. Gut!— Auch der Vater die⸗ ſer Perſon darf keinen Vorwurf auf ſich ruhen laſſen. Die Armee klagt laut, nach ſeinem Dienſt⸗ eide muß er hoͤren, wenn es auch moͤglich waͤre, die Stimme der Menſchheit nicht zu hoͤren. Falbring. Auch der Schwager dieſer Perſon darf keinen Vorwurf auf ſich ruhen laſſen. Juſtizrath. Nach einer Pauße. Wie meinen Sie das? Falbring. Es kann ſich entwickeln. Juſtizrath. In Gottes Namen! ——-——‚ flächet. 48 Dien ſtep Falbring. Drum meine ich, man ſoll nir—⸗ gend ſtreng richten. Juſtizrath. Im Privatleben, ja! In oͤffent⸗ lichen Sachen kenne ich weder Strenge noch Gelin— digkeit— nur Gerechtigkeit! Falbring. Es kann alles zur öffentlichen Sache werden! Juſtizrath. Wenn es noͤthig wird— wenn es unvermeidlich wird— Falbring. Wenn man ſich gezwungen fuͤhlt— Juſtizrath. Dann thue jeder was er ver⸗ antworten kann. Er empfiehlt ſich. Falbring. Soll ich alſo dem Herrn gehei— men Kriegsrath Doſitz ſagen— Juſtizrath. Alles was ich geſagt habe— alles! Leben Sie wohl! Geht ab. Falbring: Ich ſpiele großes Spiel— es hat nichts auf ſich. Ich muß gewinnen⸗ Dienſtpflicht. 42 Fiünfierrtk Miufztzeii st⸗ Falbring. Bedienter. Bedienter. Ich habe den Baruch noch ge— troffen. Falbring. Was ſagte er? Bedienter. Sie koͤnnten ſich auf ihn ver— laſſen. Er wollte nur erſt das Geld an Ort und Stelle bringen, dann ſollte alles gleich beforgt werden. Falbring. Setz den 5 mein Kabinet; ſchließ zu, und komm hernach zum g 101 eimen Kriegs— rath Doſitz. Bedienter. Sehr wohl! Er trägt den Koſſer mit Geld in das Seitenzimmer. Falbring oebt einigemal auf und nieder. Ich will mit Doſitz reden. Ihr ſollt alle daran denken, daß ich mit ihm geredet habe. Geht ab⸗ Diehſtpflicht. Dienſtpflicht. Sechster Auftritt. Es verwandelt ſich in des Kriegsrath Dallners, Haus. Madam Ro ſe n kommt mit Eynſt herein. Ernſt. Nun Mutter! Hab' ichs gut gemacht? Mad. Roſen. Recht ſehr, liebes Kind! Sie küßt ihn. Srnſt. Jetzt kriege ich den Mann und nicht das Thier. Mad. Roſen. Gleich will ich dir Wort hal—⸗ ten. Sie geht an den Tiſch und nimmt aus einem Portefeuille ein Kupfer. Da, mein Sohn, das iſt ein guter Mann— Ernſt. Wer iſt das Mad. Roſen. Das iſt der Fuͤrſt. Ernſt. uUnſer Fuͤrſt— der hier im Schloß wohnt? Mad. RNoſen. Ja! Weißt du? der reitet alle Morgen hier vor unſerm Hauſe vorbey. Ernſt. Im blauen Rock mie dem Stern? Mad. Roſen. Derſelbe. Ernſt. Großpapa nenut ihn ja auch den Landesvater. Mad. Roſen. Ja, mein Kind! le Dienſtpflicht, 8 1 Ernſt. Das iſt ein kurioſer Name. Was iſt denn ein Landesvater? Mad. Roſen. Er iſt— fuͤr uns alle, im ganzen Lande, was der Großpapa im ganzen Hauſe iſt. Ernſt. So muß er mir auch was geben, wenn ich fleißig bin? Mad. Roſen. Wenn du fleißig biſt und groß wirſt, giebt er dir einen Dienſt. Ernſt. Und muß mir helfen, wenn ich ihm was klage. Mad. Roſen. Wenn du Recht haſt, ja! Ernſt. Und wenn ich ungluͤcklich bin, muß er mich wieder gluͤcklich machen. Mad. Roſen. Wenn er kann, ja! Ernſt. Großpapa kann das immer! Mad. Roſen. Nein, nein! Ernſt. O ja! Mad. Roſen. Neulich, als dein Vater ge⸗ ſtorben war, und du weinteſt, und ich— und du wollteſt den Vater wieder haben— da konnte der Großpapa auch nicht helfen. Ernſt. Nein! wir weinten— ſie trugen den Papa doch fort— getroͤſtet hat uns aber der Großpapa— hat mir Geld geſchenkt— Mad. Roſen. Das thut der Fuͤrſt auch— er giebt mir alle Jahr Geld. ii r˖r˖r˖rrrrr Dienſtpflicht. Ernſt. Ich moͤchte auch Landesvater werden— und Großvater, dann ſollteſt du recht viel Geld haben, Mutter! Mad. Roſen umarmt ihn. Lieber, guter Junge! Siebenter Auftritt. Vorige. Kriegsrath Dallner. Mad. Roſen. Schon zuruͤck, mein Vater? Kriegsrath. Ja! Mad. Roſen. Um die Zeit? Das iſt unge— woͤhnlich— Kriegsrath, Es fuͤgt ſich manchmal ſo. Er ſetzt ſich. Ernſt. Ich war fleißig, Großpapa! Kriegsrath legt die Hand auf ſeinen Kopf. Recht ſo, Knabe! dann iſt dein Vaterland uͤberall, wo es Arbeit giebt und Frucht waͤchſt! du kannſt nach deinem Gewiſſen reden und handeln— und wenn man dich nicht hoͤren will— die Feder niederlegen und den Stab weiter ſetzen. Er ſteht auf und geht, jedoch gemeſſenen Schrittes, umher. Ernſt. Ich habe auch ein Bild geſchenkt gekriegt. Er hält es ihm hin. Kriegsrath mimmt es. Du armer Mann! Ernſt. Der Mann iſt reich— Dienſtpflicht. Kriegsrath. So mancher Unzufriedene klagt dich an— du kannſt nicht dafuͤr. Wenn ich aber daran denke, daß man dir flucht, weil Meineidige dich auspluͤndern— dich und dein V Er ſammelt ſich. Da, miein Kind! Geh deines und ſpiele— ſey luſtig, du biſt jung und unſchul— dig— genieße deine gluͤckliche Zeit. Er ſetzt Lauf hin, mein Sohn, und ſpiele! Ernſt geht ab. Mad. Roſen. Nach einer Pauſe. Mein guter Vater! Sie ſtellt ſich zu ihm. Kriegsrath vor ſich hin. Meine gute Tochter! Mad. Roſen ſtrocknet ſeine Stirne. Sie haben Hitze— Kriegsrath. Des Lebens Laſt und Hitze. Mad. Roſen. So unmuthig ſah ich Sie noch niemals. Kriegsrath. Das geht auch voruͤber.— Was iſt vorgefallen indeß? erzaͤhle mir. dad. Roſen. Der gute Juſtizrath Liſtar hat mir das Kapital von tauſend Thalern, das wir ſuchen, faſt aufgedrungen. Kriegsrath. Liſtar? Mad. Roſen. Und da ich ſie nicht nehmen wollte— in meiner Abweſenheit den Sekretaͤr Fal— bring in meinem Namen damit ausgezahlt. Kriegsrath. Der Ehrenmann! Mad. Roſen. Er will drittehalb Procent. 34 Dienſtpflicht. Kriegsrath. Er muß viere nehmen— das findet ſich. Dein Bruder muß mir nun gleich die Obligation zuruͤck geben. Ich werde ſie Liſtar zuſtellen. 8 Mad. Roſen. Falbring— denken Sie nur— hat um mich angehalten und— Kriegsrath. Kannſt du ihn lelden? Er ſteht auf. Mad. Roſen. Nein! Kriegsrath. Der unredliche Mann— er wagt es?— er hat das Herz?— Mad. Roſen. Ja, und unter der Bedin— gung, daß Sie die Lieferung ferner nicht unter— ſuchen, ſagte er. Kriegsrath. Nun werde ich dem Spitz— buben das Haus verbieten. Zwar— er iſt reich— ich bringe dein Kind um ein großes Vermoͤgen. Aber du— Mad. Roſen. Vermoͤgen, das den Fluch der Ungluͤcklichen ins Haus bringen wuͤrde, iſt kein Segen fuͤr meinen Sohn! Kriegsrath. Recht, meine Tochter! Brot und Waſſer— aber freyen Blick in jedes Men— ſchen Angeſicht— das ſey ſein Erbtheil, wenn er kein reicheres findet— Gott Lob, in meinem Hauſe finde ich immer Staͤrkung, wenn mich die Welt abgemattet hat. Mad. Roſen. Was hat— doch ich will nicht fragen. Dienſtpflicht. 55 Kriegsrath. Ich will dirs ſagen: Heute ſprach ich zu dir:„nichts ſoll mich von der gera— den Linie werfen!“ Ich habe mir nicht Wort ge⸗ haltene⸗ Mad. Roſen. Wie? Kriegsrath. Nicht was die Handlung anbe⸗ trifft, darin habe ich Wort gehalten. Aber was die Art und Weiſe anlangt. Mad. Roſen. Sie bekuͤmmern mich— Kriegsrath. Ich habe in der Kanzley fuͤr die Sache meines Vaterlandes geſprochen— ich habe fuͤr unſern Herrn geſprochen— fuͤr eine Armee, die eine Rotte betruͤgeriſcher Kerls mit ſchlechten verkuͤrzten Lebensmitteln hinſchlachtet— mehr als der Feind. Ich habe meine Worte nicht gewogen— denn ich habe meinen Eid— das Elend der Ermordeten habe ich vor Augen ge— habt— da haben ein paar Boͤſewichter mich aus— gelacht, und ich— ich bin aufgeſtanden, und habe ihnen ins Angeſicht geſagt, was der Fuͤrſt ihnen ſagen wuͤrde, wenn er Wahrheit und Elend kennte wie ich: naͤmlich daß ſie Meineidige waͤren! So bin ich aus der Kanzley gegangen. Mad. Roſen ängſtlich. Ach die Folgen? Kriegsrath. Hier iſt mein Schutz, Auf vas Herl deutend. und da oben! Sey ruhig! Geht ab. ———— Dienſtpflicht. .—— Aich teit Füfiktikt⸗ Madam Roſen allein. Ruhig?— Ja, ich will es werden. So viel Edelmuth kann nicht unbelohnt bleiben. Neunter Aüfti Madam Roſen. Sekretär Dallner. Dallner, Liebe Marie, wir haben das Geld, Falbring kann bezahlt werden. Mad., Roſen. Er iſt bezahlt. Liſtar hat das Kapital hergeliehen. Dallner. Er iſt bezahlt? Mad. Roſen. Vor kurzem. Dallner. Deſto beſſer, ſo geben wir dieß zuruͤck. Mad. Roſen. Und gleich. Der Vater er— wartet die Obligation zuruͤck, um ſie Liſtarn zu geben. Dallner. Mit Freuden! Ich will gleich zu Baruch gehen und das Geld zuruͤck geben. Weißt du, wer es hergeliehen hatte? Falbring. Dienſtpflicht. Mad. Roſen. Er ſelbſt? Dallner. Zu vier Procent. Mad. Roſen. So hat er mich um zwey Procent erkaufen wollen, denn er hat mir ſeine Hand angeboten. Dallner. Hat er das gethan? Mad, Roſen. Er wurde abgewieſen. Dallner. Das begreife ich. Nun will ich das Geld gleich— Zebhnter Auftritt. Vorige. Becker Ehlers. Ehlers. Unterthaͤnigſter Diener— Sie ſind Herr Sekretarius Dallner? Dallner. Der bin ich⸗ Ehlers. So, ſo!— Ich haͤtte wohl ein Woͤrt⸗ lein, wenn Sie erlauben wollten— inkognito— mit dem Herrn Sekretaͤr zu reden. Mad. Roſen. Ich will nicht ſtoͤren. Sie geht ab. Dienſtpflicht. Elfter Azuftrütet Sekretaͤr Dallner. Becker Ehlers. Ehlers. Da habe ich ein Wechſelchen an mich handeln muͤſſen, das Sie ausgeſtellt haben. Es iſt ſchon zweymal prolongiert— heute iſt der Ter— min— alſo— Dallner. Wer ſind Sie, mein Herr! Ehlers. Der Becker Ehlers, gehorſamſt auf— zuwarten. Dallner ſſeht den Wechſel an. Er iſt richtig der Wechfel. Ehlers. O gewiß. Auch faͤllig. Dallner Ja, er iſt faͤllig. Ehlers. Belieben Sie alſo— Dallner. Herr Ehlers, die Zahlung kommt etwas unvorgeſehen. Ehlers. Ey bey Leibe! Wenn eine Zahlung faͤllig iſt, das weiß man ja vorher; das weiß man. Dallner. Freylich wohl, unvermuthete Zufaͤlle— Ehlers. Ja, die koͤnnen wohl eintreten. Dallner. Ich bin ein ehrlicher Mann, ich werde Wort halten— geſtatten Sie nur, daß der Wechſel auf vier Wochen prolongiert werde. di ſie 0 el EAAn * ienſtpflicht. 59 8 Ehlers. Kann nicht ſeyn. Dallner. Auf vierzehn Tage— auf acht Tage. Ehlers. Nein! Ich kann nicht. Sehen Sie, die Zeiten ſind ſchlecht. Ein armer Hausvater muß ſich mit den lieben Seinigen kuͤmmerlich ernaͤhren. Heute muß der Wechſel bezahlt werden. Dallner. Ich kann nicht; ich kann nicht. Ehlers. Thut mir leid um Sie— ich empfehle mich gehorſamſt— Dallner. Was wollen Sie machen? Ehlers. Das Wechſelrecht anrufen. Dallner. Ich kanns nicht hindern. Ehlers. Und ich kanns nicht unterlaſſen— alſo— Er geht. Dallner. Eher alles, als daß ich das Geld angreife. Eher will ich— Ehlers kommt zurück. Zwar— noch eins iſt mir beygefallen.— Man hat denn doch ein Ge⸗ wiſſen. Sie ſind jung. Sie ſind in den hoch— fürſtlichen Dienſten. Ein Wechſelarreſt ſchadet auk die ganze Lebenszeit. Dallner. Gewiß! gewiß! Ehlers. Drum will ich das nicht. Dallner. O mein Herr, man ſieht, daß Sie Vater ſind. Ehlers. Richtig. Ich weiß, wie es mir ſeyn wuͤrde, wenn mein Sohn arretiert wuͤrde. 60 Dienſtpflicht. Drum will ich das nicht. Aber zu dem Herrn Vater— dem Herrn Kriegstath will ich gehen, Dallner. Wie, mein Herr? Ehlers. Welcher Vater wird ſein Kind nicht der Schande entziehen? Dallner. Er kann nicht. Ehlers. Er wird bezahlen. Dallner. Er kann nicht. Ehlers. Ich werde ihm dann eroͤffnen, wo ſein erſpartes Gut hingekommen iſt. Ich werde ihm von der Madam Waldner ein Wort ſagen— und das wird der redliche alte Mann mir Dank wiſſen. Ja, ja! das iſt beſſer, als Arreſt— das will ich— Dallner. Bleiben Sie! Ehlers. Wollen Sie auszahlen? Dallner. Ja! Ehlers. Nun was laſſen Sie mich denn Zeit und Worte verlieren? Dallner nimmt mit großem Kampfe die Rolle aus der Taſche. Ach Gott! Ehlers. Nun ſehen Sie einmal— da iſt ja Geld genug! Dallner fängt an zu zählen. Die Folgen dieſes Augenblicks kommen uͤber Ihre Seele! Ehlers. Ey, bey Leibe! Da verthut man erſt das Seinige, und hernach ſoll der Fluch uͤber ehr— liche Buͤrgersleute kommen. 2 mneenne ** Dienſtpflicht. 61 Dallner. Vier hundert Thaler— ſtreichen Sie ein. Ehlers geht an den Tiſch, indem er einſtreichen will: Ha ha ha— ſehen Sie einmal das blanke ſchoͤne Geld an— Hm! Er geht zu ihm. das koͤnnten Sie alle ſparen. Sie brauchten mich nicht auszuzahlen. Dallner hingeworfen. Wie ſo? Ehlers. Reden wir jetzt einmal als Maͤnner! Dallner. Reden Sie. Ehlers. Ich habe die große Lieferung— die Soldaten ſchreyen uͤber mich. Warum? Wenn das Volk ein Bißchen in den Feind hackt, meint es gleich, das waͤre etmas. Die Kerls verlangen, das Brot ſoll wie Fleiſch ſchmecken— das kann denn doch nicht moͤglich ſeyn. Was thut der Papa? Er heißt mich einen Spitzbuben, und nimmt die Partie der gemeinen Kerls. Er will mich ins Elend bringen— Machen Sie, daß er die Sache liegen laͤßt, verſtehen Sie mich? ſo iſt der Wechſel Ihre, und ich will nichts. Dallner. Pfui! Ehlers. Nun, nun— nur gemach!— Brauchen Sie noch ſo ein Wechſelchen, dem Papa den bruͤllenden Mund zu verkleben? Sie ſollens haben! Dallner. Nimm— ſtreich ein— ſchlechter Kerl! Geh hinaus, oder ich trete dich hinaus! Dienſtpflicht. Ehlers. Gehorſamer Diener! Er ſtreicht das Geld ein. Wenn ich ſchlecht bin, ſo habe ich Kol— legen. Vier hundert Thaler Beſtechung anbieten— iſt nicht ſchlechter, als geliehene tauſend Thaler ver— ſchweigen. Empfehle mich! Geht ab. Dallner wirft ſich auf einen Stubl und bedeckt das Geſicht. Großer Gott! Zah feee üfkritt Sekretaͤr Dallner. Kriegsrath Dallner. Kriegsrath kommt aus der Mitte. Mein Sohn, du mußt jetzt— Was ſoll das— was iſt das fuͤr eine Stellung? Dallner, der gleich aufgeſprungen iſt. Verzeihen Sie— Kriegsrath. Biſt du krank? Dallner. Nein! Kriegsrath. Nun ſo geberde dich auch wie andre Menſchen. Es iſt kein Muth und kein Leben in dir!— Gieb mir die ausgeſtellte Obligatien zuruͤck. Ich will ſie Liſtarn bringen, der das Geld hergeliehen hat. Dallner. Indeß hat Falbring das Geld an Baruch auf dieſe Obligation gegeben. „ Dienſtpflichet. 6 — Kriegsrath. Bring es dem Jäden wieder, auf der Stelle. Ich will ſo lange warten. Schaff mir gleich meine Obligation zuruͤck. Den Augenblick! Dallner. Ich gehe hin, mein Vater! Kriegsrath. So geh!— Was ſtehſt du da, und ſagſt— ich gehe— Sag' nichts— und geh.— ſoch eins! Der Baruch hat Muͤhe gehabt bey der Sache. Gieb ihm— da— gieb ihm einen Duka— ten. Er wird ihn nicht nehmen wollen, weil ich ihm neulich auf der Kanzley einen Dienſt geleiſtet habe. Er ſoll ihn nehmen— Hoͤrſt du?— Dallner. Ja! Er geht. Kriegsrath. Mein Sohn! Dallner. Was befehlen Sie? Er kommt zurück. Kriegsrath. Sieh mich an! Du haſt ja Thraͤnen im Auge? Was iſt denn das? Dallner kößt ſeine Hand. Kriegsrath. Du zitterſt— ſage mir, was fehlt dir? Dallner. Man hat ja manchmal traurige Launen. Kriegsrath. un ja, ſo reibt man die Stirn, man thut einem friſchen Athemzug— ſieht den Himmel an, baut auf Gott, und geht dann weiter dem Beruf nach— ſo verliert ſich das wieder. Aber wenn ein Mann weint, ſo hat er Unglück, oder er iſt ein Narr! Biſt du 64 Dienſtpflichet nun ein Narr— ſo ſchaͤme dich und geh! Biſt du aber ein Ungluͤcklicher— ſo rede. Dallner wirft ſich ihm in die Arme. Ich bin ein Ungluͤcklicher— Er reitzt ſich los. weil ich nicht reden kann. Geht ab. Kriegsrath ſieht ihm nach, Nun truͤbt mir auch der Menſch meinen haͤuslichen Frieden!— Ungluͤck kommt nie allein! Ich will mich ruͤſten, es allein zu tragen. Geht ab. iit Alftritt. Madam Roſen. Der Jude Baruch⸗ Baruch. Baruch bin ich, der Jude Baruch!— Sie muͤſſen mich doch ſchon geſehen haben? Mad. Roſen. O ja, mein Herr! Auch weiß ich, daß Sie auf unfere Wuͤnſche fuͤr das Anlehen von taufend Thalern ſich verwendet haben. Barltch. Sie haben doch das Geld bekommen? Mad. Röſen. Wir ſind dankbar fuͤr Ihre Bemuͤhung, aber wir haben anderwaͤrts Auskunft gefunden, und das Geld wird Ihnen zuruͤck bezahlt, wenn es noch nicht geſchehen ſeyn ſollte. Baruch. Zurück?— ich hab nichts zuruͤck gektiegt, nichts. Mad. Roſen. So wird mein Bruder Sie nicht gefunden haben. Baruch. Mag ſeyn; ich war aus. Sie brauchen es nicht das Geld? Beſſer iſt beſſer— Dienſtpflicht. 5 ie 66 Dienſtpflicht. Sobald ich das Geld habe, bekommen Sie gleich die Obtigation. Mad. Roſen. Sehr wohl, Herr Baruch! Baruch. Brave Leute, Sie und der Papa! Der Papa iſt ein Mann— hart und ganz, wie ein alter Thaler. Von den ſchweren alten Tha— kern— ſieht mer nich viel mehr. Wiſſen Sie, akkurat ſo iſt der Papa, akkurat. Mad. Roſen. Ich danke Ihnen fuͤr das Lob. Er verdient es. Baruch. Er verdient mehr als er gilt. Mad. Roſen. Wie ſo? Baruch. Er verliert im Kours gegen die leichte Weltmuͤnze— ich will ſagen— wiſſen Sie, was ich ſagen will? Der Papa ſoll ſein gut Herzensgeld nicht gegen die leichten Kopfſtuͤcker“) der andern geben. Mad. Roſen. Das verſtehe ich nicht! Baruch. Ich wills deutlich machen. Ich kenne die Leute— glauben Sie mir. Ich weiß alles was paſſiert. Ein Glatteis iſt die Welt. Man muß ſehr ſachte gehn. Der Papa iſt zu alt, um auf Schlittſchuhen zu laufen— Sie haben ihm ein Bein geſtellt. Er faͤllt! Denken Sie an mich! Er faͤllt, er muß fallen! Mad. Roſen. Reden Sie gerade heraus, ich mißbrauche es nicht. „) Eine Reichsmünze, dreyßig Kreuzer am Werth. ν Dienſtpflicht. 67 Baruch. Nun? Wer nicht fallen will, muß aufhoͤren zu laufen— ſagen Sie ihm das. Ich meins gut, ich meins gut. Wenn ich aber mehr ſagte— meinte ichs ſchlecht mit mir. 3 h HFFRFRR Vorige. Sekretär Falbring. Falbring. Nun, Madam! meine Vorſtel— lungen bey Ihnen haben nichts geholfen. Sie haben mich alſo abgewieſen? Ja, ja!— Der Herr Vater hat den Krieg mit der halben Stadt angefangen. Denn der Becker Ehlers iſt auf ſei⸗ nen Betrieb arretiert. Mad. Roſen. Davon weiß ich nichts. Baruch. Arretiert? Der reiche Ehlers? Got— tes Wunder! Falbring mit angenommener Heftigkeit. Daß der Eigenſinn eines— wunderlichen alten Mannes mein Gluͤck ſtoͤrt, und Ihres, daß ich um meine Hoffnung kommen ſoll— das iſt doch hart. Mad. Roſen. Ich bin beruhiget, ſeyn Sie es auch. Falbring. Denn Sie wiſſen, ich habe es als ein ehrlicher Mann vorher geſagt, es war meine Bedingung. In Unfrieden mag ich nicht leben⸗ 68 Dienſtpflicht. Wer ſich muthwillig in Haͤndel verwickelt, wie der alte Mann, der treibt ſeine Freunde gewaltſam von ſich. Mad. Roſen. Seine Kinder nicht! Alſo erlauben Sie, daß er mich nicht vermiſſe. Sie geht ab. Adien, Herr Baruch! r Rftritt. Falbring. Baruch, Falbring. Baruch, was treibt Ihr hier? Baruch. Handel und Wandel. Falbring. Ehlers iſt nun arretiert— habt Ihr das Papier? Baruch. Ja wohl! Falbring. Herzens Baruch! Er drückt ihm die Hand. Gebt her! Baruch. Es iſt zu Hauſe— ich bringe es zu Ihnen das Papier⸗ Falbring. Die funfzig Louisdor ſind parat. Nun bin ich geborgen. Nun ſoll der Teufel dem Alten hier den Hals brechen. Baruch ſieht ihm auf die Füße. Wo haben Sie den Pferdefuß? Falbring. Was ſoll das? . RRRRRRRRRRRRRRR R Dienſtpflicht. 69 Baruch. Sie ſind der Teufel, der dem alten Dallner den Hals bricht! Sie! Falbring. Schwaͤtzer! Aber wie habt Ihrs gekriegte Baruch. Ich habe geſagt—„Ehlers“ habe ich geſagt—„was thut Ihr? Der Falbrink laͤßt Euch ſtecken! Ihr habt da ein Papier vom Fal⸗ brink; wenn Eure Papiere zuſammen abgeholt wer— den, ſo prakticieren die Freunde vom Falbrink es weg. Warum? Der Falbrink wird ein Schwie⸗ gerſohn vom Dallner.“ Als ich das vom Schwie— gerſohn ſagte, ſind ſie erſchrocken.„Gebt mir das Papter— ich wills verſtecken, bis Ihrs braucht. Ich will ein Stuͤck Geld an Euch verdienen— Warum? Ich geh uͤberall aus und ein. Wunder— lich kann ich Euch helfen mit dem Papier.“ Da ſind die Kanzleyboten ſchon um das Haus gegan— gen, da iſt ihm die Galgenangſt angekommen, da hat ers hergegeben.— So iſt's. Falbring. Bringt mirs gleich, ich gehe gleich von hier nach Hauſe. Baruch. Ich bringe noch mehr.— Ihre tauſend Thaler bring ich wieder. Sie brauchen ſie nicht. Sie wollen ſie nicht, die Dallners. Falbring. Was gilt die Wette, Ihr bringt die tauſend Thaler nicht? Baruch. Reiche Leute wetten— ich wekte nicht. Will abgehen. ———— —— Dienſtpflicht. feriteteee Vorige.⸗ Sekretaͤr Dallner. Baruch, Gottes Wunder! Da ſind Sie ja! Nu? Sie brauchen mein Geld nicht, ſagt die Schweſter; da koͤnnen Sie es gleich an den rechten Mann bringen. Dallner. Ganz recht! Baruch. Machen Sie es aus mit einander. Ich empfehl mich! Geht ab. e. Falbring. Sekretär Dallner. Dallner. Ja, Herr Falbring! das Geld kann zuruͤck bezahlt werden. Aber ich habe Ihnen eine Propoſition zu thun. Falbring. Laſſen Sie hoͤren. Dallner. Nehmen Sie wohl ſechs hundert Thaler zuruͤck, geben mir die Obligation der Familie wieder, und erlaubten mir einen Schein von vier hundert Thalern auszuſtellen, gegen jaͤhrliche Abzah⸗ lung von fuͤnf und ſiebzig Thalern nebſt den Zinſen? Dienſtpflicht. 71 Falbring. Recht gern, wenn der Herr Vater dieſe vier hundert Thaler mit unterſchreiben wollen. Dallner. Dieſe Unterſchrift zu erbitten erlau— ben mit die Umſtaͤnde nicht. Falbring. Dann kann ich nicht helfen, ſo gern ich wollte. Dallner. Ich bitte Sie dringend. Falbring. Thut mir leid. Aber in der Lage, worin ich gegen Ihr Haus bin, erlaubt es mir das Gewiſſen und die Klugheit nicht, ohne Ihres Herrn Vaters Wiſſen, Ihnen Geld zu leihen. Dallner. Sie wollen es durchaus nicht? Falbring. Ich kann es nicht. Dallner. So muß ich es zu ſchaffen ſuchen, denn mein Vater verlangt die Obligation zurüͤck. Falbring. Wie Sie die tauſend Thaler brin— gen, bekommen Sie Ihr Papier wieder. Dallner ängſtlich. Ich bin in großer Verle— genheit— Falbring. Das ſehe ich. Dallner. Ich bin ein ehrlicher Mann! Falbring. Natuͤrlich! Dallner. Sonſt waͤre ich nicht in Verle— genheit. Falbring. Es iſt mir recht leid. Dallner. Sie ſind reich— ——........ Dienſtpflicht. Falbring. Wer einen ganzen Rock hat, wird gleich dafuͤr ausgeſchrieen. Dallner. Wenn ich an Ihrer Stelle waͤre— Falbring Sie wuͤrden es gerade ſo iachen. Dallner. Ich wuͤrde helfen, wenn ich Ju— f gendfehler— mit Verzweiflung kaͤmpfen faͤhe. Falbring. Die Religion ſchuͤtzt vor Ver⸗ zweiflung— Dallner. Durch gute Menſchen, die ſie in der Stunde der Noͤth dem Ungluͤcklichen ſendet. Falbring. O ja! Aber ich fuͤhle nicht, daß ich von dieſer hoͤchſten Stelle ein Kreditiv an Sie erhalten haben ſollte. Dallner. Sie haben Recht. Auf Ihrer Stirne ſteht nichts davon. Warum wendete ich mich an Sie?— Zahlen will ich, zahlen muß ich. Mit Geld— oder mit Blut? Er geht und ſtößt auf Liſtarn. ARRr Schster Auftite⸗ Vorige. Juſtizrath Liſtar, Juſtizrath. Was giebts hier? Er faßt ihn auf. Falbring. pauſe. Was giebts?— Jugend! Dallner. Thorheit, Herr Juſtizrath! Schuld, die Ihren Blick nicht aushaͤlt. Geht ab. —2— Dienſtpflicht. —— Siebenter Auftritt. Juſtizrath Liſtar. Falbring. Juſtizrath. Was wollte der Menſch?— Was hat er vor?— Falbring. Ey, er hat es Ihnen ja geſagt „Schuld, die Ihren Blick nicht aushaͤlt.“ Schuld alſo— Schuld! Nun— ich will die Geheimniſſe dieſes Hauſes nicht verrathen— ich nicht. Juſtizrath. Sie waren bey dem geheimen Kriegsrath Doſitz?— Was hat er Ihnen ver— ſprochen? Falbring. Die Sache iſt ja ſchon in voller Gäͤhrung. Juſtizrath. Gaͤhrung? Der Prozeß gegen die Betruͤger iſt im Gange. Nennen Sie die Ge— rechtigkeit eine Gaͤhrung? Falbring. Die Gerechtigkeit? Ha ha ha— du lieber Himmel, das weiß man ja auch, was das ſagen will— die Gerechtigkeit. Juſtizrath. Deſto beſſer. So wird man ehrlichen Maͤnnern nichts in den Weg legen. Falbring. Zu dem hat Herr Doſitz auch ſeine Ueberzeugungen, ſeine Grundſaͤtze, zuletzt fragte er mich:— was es mich anginge? 74 Dienſtpflicht. Juſtizrath. Was der Menſch den Menſchen anginge? Was der Schwiegerſohn den Schwieger— vater anginge? Falbring. Erlauben Sie, mit dem Schwie— gerſohn iſt es nichts mehr. Juſtizrath lebhaft. Warum nicht? Falbring. Unter den Umſtaͤnden— Juſtizrath. Sie haben um Madam Roſen angehalten? Falbring. Ja, bedingungsweiſe habe ich das gethan. Aber ich muͤßte meine Ruhe fuͤr nichts achten— wenn ich bey den Umſtaͤnden— Juſtizrath. Was Umſtaͤnde? Mannswort geht uͤber alle Umſtaͤnde! Falbring. O ja! Mann gegen Mann— allerdings. Juſtizrath. Mann gegen Weib— zehn— fach!— Wenn Sie ſich ſelbſt das Wort uͤber eine Sache geben, muͤſſen Sie es halten! Falbring. Nun Sie ſcheinen Sich das Wort gegeben zu haben, der Madam Ihr Gluͤck anzubieten? Jetzt koͤnnen Sie es ja halten, wenn Sie noch das Herz haben?— Juſtizrath. Ich werde das Herz haben. Falbring. Ja, wenn ich ſchriftlich, oder vor Zeugen, oder— Juſtizrath. Vor Zeugen— ohne Zeugen— geſchrieben— gedacht— geſprochen— gleichviel! Dienſtpflicht. 75 Wort iſt Wort! wer ſo was nicht haͤlt— nicht halten will— der— der ſtelle ſich unter den Galgen, blicke hinauf und ſpreche:—„Hier unten ſtehe ich— aber da oben gehoͤre ich hinan“— reſpektive! Falbring. Neſpektive? Nun ja— reſpektive! Ich hoffe, Sie wollen damit ſagen— Juſtizrath. Der Schuß ſitzt. Der Getrof— fene mag die Kugel ignorieren, oder herausſchnei— den— ich bekuͤmmere mich nicht um den Verband. Falbring. Wiſſen Sie, Herr Juſtizrath, daß mir der Diskurs nicht mehr anſtaͤndig iſt? Juſtizrath. So brechen Sie ihn ab. Falbring, Ich gehe. Juſtizrath. Ich gehe nicht. Falbring. Es ſoll mir lieb ſeyn, wenn man mich nicht bittet— wieder zu kommen.— Schließ⸗ lich will ich Ihnen nur noch eroͤffnen, daß derglei— chen Studentenmanieren, wie Sie an den Tag legen, in der civiliſierten Welt nicht mehr uͤblich ſind. Er geht. Juſtizrath bält ihn auf. Ein ſogenannter civit liſierter Burſche ſteht platt und unbeholfen da, wenn ein ehrlicher Kerl durch den jaͤmmerlichen Verhack der Fagçon gebrochen iſt, und das, was ſchlecht iſt, ſchlecht nennt, und es darnach behandelt. Wir werden noch mehr mit einander zu thun bekommen; alſo keine Worte mehr!— Handlung! Adieu! —.—...—. 76 Dienſtpflicht. Falbring. Handlung? Nun ja! Aber ſehen Sie— da galloppiert manchmal der ſtolze Reiter, laͤßt ſich weder warnen noch rathen. Auf einmal haͤlt er an ſo einer Handlung— da iſt nun der Schlagbaum zu. Was will er machen? Er muß huͤbſch hoͤflich herunter ſteigen, und bitten, daß man aufmache— Denken Sie an den Schlagbaum— und thun Sie gemach! Haben Sie mich verſtan⸗ den? Adieu, Herr Juſtizrath! Geht ab. Aſch ter Aüfttiet Juſtizrath Liſtar allein. Elender Menſch! Ich verſtehe dich. Das Ge— heimniß muß ins Klare. Leide dann, wer zu leiden verdient— nur der unſchuldige Theil nicht mit dem Schuldigen. Dienſtpflicht. Neuter Aufkti: Juſtizrath Liſtar. Sekretaͤr Dallner. Dallner dem man die ganze Laſt der Sorge, die ihn umher treibt, deutlich anſieht. Ach, Herr Juſtizrath, ſind Sie da? Ich— Im harten Kampfe mit ſich ſelbſt hält er inne. Juſtizrath. Sie ſuchen mich nicht, denke ich, aber ich will Sie finden. Dallner. O ja! o ja!— ich ſuche Sie. Juſtizrath. Ich will Sie treffen! Ohne Umſchweif— die tauſend Thaler, die hier im Hauſe ſo viele Unruhe gemacht haben— die Ihre gute Familie bezahlt hat— wovon niemand weiß, wohin ſie gekommen— die wiſſen Sie— die haben Sie! Antworten Sie nicht— Ihr Ge— ſicht— Ihre Geſtalt haben ſchon geſprochen. Ich weiß jetzt alles. Dallner die Hände in einander geſchlagen, den Blick zuf den Boden. Und was denken Sie nun von mir? Juſtizrath. Daruͤber bin ich noch nicht einig. Dallner. Bin ich Ihnen veraͤchtlich? Juſtizrath. Wenn Sie mich taͤuſchen. Dallner. Ich kann nichts mehr gut machen. e e ¶— 3+P mag, der mich in die Verlegenheit bringt, und 78 Dienſtpflicht. Juſtizrath. Aber noch ſehr viel verderben. Warum verheimlichten Sie dieſe tauſend Thaler? Dallner. Ich habe ſie nicht genommen. Mein Schwager, der mich ſehr liebte, hacte ſie mir geliehen, hatte einen Plan der Ruͤckzahlung feſtgeſetzt. Einen Tag vor ſeinem Tode, wo meine Lage am dringendſten war, zahlte er mir das Geld aus. Ich zahlte damit Schulden ab, die ich— Juſtizrath. Die Sie um eines elenden Weibes willen gemacht haben?— Hernach mehr von ihr!— Weiter! Dallner. Mein redlicher Schwager wollte dem dringendſten, druͤckendſten Theile meiner gehei— men Verlegenheiten damit ein Ende machen. Den Tag nach dem Empfang ſollte die Obligation aus— gefertigt werden. Ein Schlagfluß raffte ihn weg. Mein Vater iſt ſtreng redlich— ich fuͤrchtete die Entdeckung, fuͤrchtete ſie mehr um ſeines Kummers, ſeiner Geſundheit willen, als um meinetwillen. Er erkennt im Boͤſen und Guten keinen Mittelweg, nur Tugend oder Laſter. Um ſeiner Ruhe willen kaͤmpfte ich mit dem Geſtaͤndniß: du kannſt es ja der Schweſter kuͤnftig noch in eben der Art, wie es dein Schwager feſtgeſetzt hatte, erſetzen, dachte ich. Mein Vater unterſuchte die Papiere, ſuchte mit Unwillen, nahm mich dazu— ſagte zuletzt mit einer Thraͤne im Auge:„Kannſt denn auch du gar nicht vermuthen, wer der Boͤſewicht ſeyn 7 79 deine arme Schweſter?“ Nein, ſagte ich in der Betaͤubung— Nein, mußte ich nachher ſagen— Rein, mußte ich ſagen und dabey bleiben, als er ſogar einen Aufruf in die Zeitung ſetzen ließ, die Sache nun jedermanns Geſpraͤch ward und noch iſt. Nein, muß ich nun bis zum Tode ſagen— Er ergreift ſeine Hand. und wer kann voraus ſagen, was ich wegen dieſes unſeligen Nein noch thun muß? das iſt die Geſchichte! Juſtizrath. Kummer bereiten, um eine Ver— legenheit nicht zu verurſachen?— Schande— um dem Kummer zu entgehen? Dallner. Wer ſieht alle Folgen vorher? Die naͤchſte Folge ſchien mir die traurigſte! Juſtizrath. Die tauſend Thaler ſind nicht alle Ihre Schulden. Dallner. Nein! Geringere hat meine Schwe— ſter vorher bezahlt. Vier hundert Thaler war ich an Moſes Meyer ſchuldig. Der Becker Ehlers hat den Wechſel erhandelt, wollte ihn einklagen, mei— nen Vater darum mahnen— ich nahm das Geld von den tauſend Thalern, die Falbring durch Baruch meinem Vater hat leihen wollen, die er um Ihrer Großmuth willen nicht bedarf. Mein Vater erwar⸗ tet ſeine Obligation zuruͤck— und Falbring giebt ſie nicht her, da ich die tquſend Thaler nicht mehr beyſammen habe— Sie wiſſen nun alles. Juſtizrath. Alles? Durchaus alles? 80 Dallner. Bedurfte es mehr mich elend zu machen? Sie wiſſen alles. Juſtizrath. Die Obligation muß zuruͤck! Sie dürfen niemanden mehr ſchuldig ſeyn.“ Eher koͤnnen Sie weder Grundſaͤtze faſſen noch ausuͤben! Er denkt eine Weile nach, ſieht ſich um, erblickt Feder und Dinte, ſetzt ſich und ſchreibt. Nachdem er fertig iſt: Da— ſind zwey hundert Thaler bar. Hier iſt eine An— weiſung auf mein Quartal. Es iſt faͤllig— zah—⸗ len Sie Falbring, bringen Ihrem Vater die Obli⸗ gation, und geben Sie mir den Reſt vom Quartal heraus. Dallner unbeweglich. Herr Juſtizrath— Juſtizrath. Sie verdienen es nicht, was ich thue! Dallner. Nein! Juſtizrath. Aber Ihr Vater, Ihre Schwe— ſter; Sie ſind ein Schwaͤchling— einer von den eenſchen ohne Charakter, die geben um nicht klagen zu hoͤren; lieber uͤbermorgen zu Grunde gehen, als heute einen ernſthaften Schritt wagen. Ihre ſchlimmen Handlungen verdienen keine Ver— achtung; Ihre guten Handlungen keine Achtung. Man kann Sie bedauern, aber man kann ſich nicht an Sie anſchließen. Man kann nicht auf Sie rechnen. Sie ſind ein leidendes Weſen— Boͤſe⸗ wichter bauen nicht auf Sie, gute Menſchen ver— trauen Ihnen nicht genug. — Dienſtpflicht. 81 Dallner. Wenn Sie Recht haben— was habe ich denn auf der Welt noch zu thun? Juſtizrath. Sie muͤſſen Ihr Schickſal aus⸗ halten; das iſt der einzige Weg, auf dem Sie noch Achtung fuͤr ſich ſelbſt erhalten koͤnnen. Dallner. Wie aber, wenn mein Geheimniß entdeckt wird— und das iſt doch moͤglich— Juſtizrath. Das iſt ſogar wahrſcheinlich⸗ Falbring ahnet es, und hat boshaft darauf an⸗ geſpielt. Dallner. So bin ich verloren, jeder Weg in der Welt iſt mir verſchloſſen— Mißtrauen, allgemeiner Kleinglaube von mir, folgen mir, und kommen mir auf jedem Geſicht entgegen. Juſtizrath. Das muͤſſen Sie ertragen, bis eine Reihe von Jahren und Aufopferungen, Ihnen Selbſtgefuͤhl gegeben haben.“ Sie muͤſſen durchaus tragen, was Sie Sich thoͤricht bereitet haben.— An die Wittwe verwenden Sie doch nichts mehr? Dallner. Ich kann nicht. Ich kann kaum einem Bettler einen Heller geben. Ich habe ihr ſeit acht Wochen nichts gegeben. Juſtizrath. Begegnet Sie Ihnen ſeit den acht Wochen ſo gut wie vorher? Seyn Sie auf— richtig. Dallner. Sie iſt ungluͤcklich— Ungluͤck— liche haben Launen. Juſtizrath. Sie wird Sie verabſchieden. Dienſtpflicht. ———————————————————— Dienſtpflicht. en Dallner. Nein! nein! bey Gott nicht! Juſtizrath. Sie hat Sie verabſchiedet. Sie fuͤhlen es— aber Sie wollen es nicht wiſſen. Das iſt Ihr Kummer— Sie koͤnnen nicht mehr geben, das quaͤlt Sie. Dallner. Aber ich habe gegeben, Gluͤck, Ruhe, Frieden, Zukunft und Gegenwart!— Alles habe ich gegeben. — Juſtizrath. Sie koͤnnen nichts mehr geben, alſo werden Sie aufgeopfert. Dallner. Und wer kann das geben, was ich hingeopfert habe? Nein, nein! das erkennt ſie, das vergißt ſie nie. Juſtizrath. Faſſe dich, junger Menſch; ſie hat es vergeſſen. Dallner. Reden Sie wahr, ſo haben Sie mir jetzt mehr genommen, als Sie je geben koͤnnen— R Juſtizrath. Haben Sie auf der Welt keine Beſtimmung, als von der Waldner geliebt zu werden? Dallner. Keinen Glauben mehr an die Men— ſchen, wenn dieſe Frau mich betruͤgt. Juſtizrath. Sie betruͤgt Sie. Dallner. Koͤnnen Sie es beweiſen? Juſtizrath. Ich werde es koͤnnen. Dallner. So bedarf ich des Geldes nicht mehr. Gutmüthig. Nehmen Sie es zurück. Auf dem Punkte, wo ich nun ſtehe, darf ich keine Dienſtpflicht. 83 Schuld mehr machen. Ich bleibe genug ſchuldig. Ach! wer nur noch die letzte Schuld fuͤr die noth⸗ wendigſte Reiſe— Juſtizrath faßt ihn heftig. Wohin? Dallner. Wo es weder Betrug noch Schuld giebt. Wo man nichts mehr veklieren kann. Juſtizrath. Und nichts mehr erſetzen, noch gut machen. Dallner. Wo der, der dieſe Miſchung von Gefuͤhlen mir gab— um manches Guten willen, um mancher heimlichen Thraͤnen willen— mich nicht verſtoßen wird. Juſtizrath faßt ihn an die Schulter. Junger Menſch, ſchwaͤrme nicht— handle! Dällner. Wie die Menſchen, die dem gefal— lenen Bruder Steine auf das Herz werfen, daß er nie mehr aufkomme. Juſtizrath. Sieh, Ungluͤcklicher, das habe ich dir nicht gethan. Dallner, Nein, d nein! Juſtizrath. So empfinde es, daß niemand deine Vergehen geringer machen kann, als ſie ſind, ihre Folgen dir nicht verſchweigen darf, aber fuͤhle auch, daß im Fallen ein Bruder ſeine Hand dir darreicht.— Faſſe meine Hand! Dallner reicht ihm die Hand. Juſtizrath. Umarme mich! Dallner fält an ſeinen Buſen⸗ R N —....... 84 Dienſtpfilichet. Juſtizrath bebt ſein Geſicht. Erhebe dein Ge⸗ ſicht zum großen Vorſatz des Tragens und Dul⸗ dens.— Nun zieh deines Weges weiter— und handle wie ein Mann! Er macht ſich los, und wendet ſich von ihm. Dallner. Dank!— Dank dir in meiner Todesſtunde. Er geht und begegnet ſeiner Schweſterz er ſieht ſie an, umarmt ſie, führt ſie vor, und ſagt zu Liſtarn: Hier kann ich nie bezahlen— Marie! der Geiſt deiner Guͤte und Liebe ruht nie— er wirkt in andern fort! Reich wird deine Ernte werden— vergieb dem Armen, der nie abtragen kann. Geht ab. FSff Madam Roſen. Juſtizrath Liſtar. Juſtizrath. Ich bin zufrieden mit mir, liebe Madam, weil Sie es ſeyn werden. Ich habe Ihnen eine Sorge abgenommen. Mad. Roſen. Ich habe Ihnen noch nicht einmal danken koͤnnen fuͤr das, was Sie vor kur— zem erſt gethan haben. Juſtizrath. Haben Sie keine Sorge mehr um Ihren Bruder! Mad. Roſen. Ach, mein Herr, fagen Sie etwas ſehr troͤſtliches. Dienſtpflicht. 85 Juſtizrath. Wir wiſſen jetzt wie wir ſtehen. Ich bin ſein Vertrauter. ead. Roſen. Liſtar! Was fuͤr ein guter Mann' ſind Sie? Juſtizrath. Glauben Sie das?— Ja, Sie glauben es. Aber zum Theil muß ich dieſe gute Meinung doch wieder zerſtoͤren. Mad. Roſen. Das koͤnnen Sie nicht; das kann niemand. Juſtizrath. Ja, ja! Ich bin nicht ſo ganz uneigennuͤtzig, wie ich heute verſprochen habe zu ſeyn!— Ich bin wohl gar eigennuͤtzig. Mad. Roſen. Eigennuͤtzig? Sie! Fuͤrwahr, das iſt unmoͤglich. Juſtizrath. Sie haben Falbring abgewieſen. Mad. Roſen. Ach, es war nie die Rede von ihm. Juſtizrath. Nun meine ich— ich duͤrfte Ihnen einen andern Vorſchlag thun. Nach einer Pauſe. Sagen Sie mir— waͤre es Ihnen wohl moͤglich, mich zu heirathen?— Sie ſchweigen? Mad. Roſen. Sie uͤberraſchen mich— Juſtizrath. Das muß nicht ſeyn— Ueber⸗ legen Sie es. Ich bin vierzig Jahr alt. Mad. Roſen! Ihr Herz iſt in voller Jugendkraft. Juſtizrath. Ich bin kein Liebhaber. Lieb⸗ haber werde ich in der Ehe. Deßhalb haben mich n +⏑ *3— 86 Dienſtpflicht. alle Maͤdchen bisher abgewieſen. Alle dieſe Toilet— tenburſche, dieſe allerliebſten Luͤgner, werden in der Ehe grobe Geſellen. Aber die meiſten Weiber find nun ſo— Fuͤr die Vergoͤtterung eines V Vierteljahres verdingen ſie ſich auf die Galeere ihr Lebelang. Mad. Roſen. Das iſt nur zu wahr. Juſtizrath. Ich bin freylich ein Bißchen heftig— etwas empfindlich glaube ich. Mein Theil Eigenſinn mag ich auch haben; daran iſt aber der alte Junggeſellenſtand Schuld. Dennoch— darauf merken Sie nun— meine ich, es waͤre moͤglich, daß man mir wohl gut ſeyn koͤnnte, weil ich ein ehrlicher Mann bin. Lieben nicht; das meine ich nicht. Ich bin nicht angenehm. Aber gut bin ich wahrhaftig. Ueber dem Gutſeyn— mer weiß— faͤnde ſich wohl gar noch Liebe?— Jetzt habe ich alles geſagt. Mad. Roſen. Wenn ich eben ſo aufrichtig von mir reden follte— Juſtizrath. Laſſen Sie das. Ich kenne Ste beſſer, als Sie Sich ſelbſt. Wenn Sie wol— len, ſo habe ich das große Loos gezogen.— Nur eins bitte ich, halten Sie mich nicht auf— beſchei— den Sie mich nicht wieder her. Was Sie thun oder nicht thun wollen, wiſſen Sie doch— alſo ſagen Sie nun herzhaft— ja— oder nein! Mad, Roſen. Nach einer Pauſe. Ja!— Juſtizrath geruhrt. Wahrhaftig? ich habe doch recht gehoͤrt?— Seyn Sie ſo gut und ſagen Dienſtpflicht. Sie mir es klar und deutlich— Liſtar— ich gebe dir meine Hand. Mad. Roſen diebt ihm ihre Hand. Mein lieber Liſtar U Juſtizrath. Nuün Gott ſey Dank! Er kutzt ihre Hand herzlich. Verſprechen wollen wir einander nichts. Wir ſind ehrliche Leute, und wir werden gluͤcklich ſeyn. * Eftie nrffßE. Vorige. Kriegsrath Dallner, Juſtizrath. Lieber Dallner, was hat ſich da zugetragen? Mad. Roſen. Nicht Falbring— aber dieſer Mann bittet um Ihren Segen. Kriegsrath. Wie iſt das? Juſtizrath. Sie ſollen dieſen Segen Auf die Madam Roſen deutend. nicht aus Ihrem Hauſe zie— hen ſehen, Vater! aber daß Sie mich in Ihr Haus aufnehmen, mich zum Sohn aufnehmen, darum bitte ich. Kriegsrath. Sie wollen der Mann meiner 4 Tochter werden? Juſtizrath. Ja! Kriegsrath. Der Vater des guten kleinen Jungen? 88 Dienſtpflicht. Juſtizrath. Ja! Kriegsrath. Der Mann einer Frau die kein Vermoͤgen hat, und mit einer Heirath auch ihre zwey hundert Thaler Penſion verliert? 0 Juſtizrath. Ja! Kriegsrath. Sieh da! wie ſich das fuͤgen muß. Wenn ich den Mann habe handeln und wandeln ſehen, habe ich oft bey mir gedacht; wenn er doch an meiner guten Marie Seite ginge. Ich habe es keinen Hehl— das habe ich gedacht! Nun iſt es ſo gekommen? Deſto beſſer! Nun Kinder, bleibt ſo, wie Ihr jetzt ſeyd— ſo ſeyd Ihr geſegnet. Juſtizrath. Ich habe kein Vermoͤgen, aber es wird ſchon gehen. Kriegsrath. Die tauſend Thaler, Hert Liſtar— wo iſt doch mein Sohn? Mad. Roſen. Er iſt noch nicht zuruͤck— Juſtizrath. Ueber den Reichthum wollen wir hernach ſchon diſponieren. Kriegsrath. Ja, der Mann— den laſſe ich gelten; aber Falbring, das iſt eine garſtige Seele. Wenn ſo ein Mann wie Sie mir auf der Straße begegnet, ſo freue ich mich, und es wird mir wohl, wenn er mir einen guten Tag bietet. Mit dem andern— haͤtte man nicht fuͤglich aus⸗ gehen koͤnnen, als durch die Nebengaͤhchen. ienſtpflicht. 89 9 ie Vorige. Unterofficier Gruner. Kriegsrath. Nun, Herr Gruner, hat Er den Fuͤrſten geſprochen? Gruner. Nein! auf der Parade ſtanden ſo viele Herren um ihn und vor ihm— Kriegsrath. In der Bataille haben auch viele Herren vor ihm geſtanden. Wetter! Gruner. Ich folgte dem Fuͤrſten von ferne nach dem Schloße. Dort wandte ich mich an einige Herten. Aber die liefen alle durch einander, und ſahen mich an, als verſtaͤnden ſie mich nicht. Ein alter Kammerherr hoͤrte mich an, und ging hinein, meine Sache vorzutragen. Da kam aber der geheime Kriegsrath Doſitz vom Fuͤrſten heraus, mit einem feuerrothen Geſichte, ſchob mich in ein Gang⸗ fenſter und ſagte:„Ihr habt euern Beſcheid von mir ſchon gekriegt. Nun packt euch. Den Unruh⸗ ö ſtiftern iſt das Handwerk ſchon gelegt, das ſagt nur dem, der euch geſchickt hat. Marſch!— fort!“ Mad. Roſen. Unruhſtiftern? Gruner. Ich habe niemals gezittert, wenn es geheißen hat— Marſch!— Aber wie mir es der Mann heute geſagt hat— habe ich geheult— —— ———..... 0 90 ienſtpflicht. Kriegsrath faßt ſeine Hand. Nun iſts genug, Herr Gruner! Komme Er heute Abend um fuͤnf Uhr zu mir. Gruner. Soll ich denn auf der Landſtraße betteln und ſterben? Kriegsrath namuthig. Um fuͤnf Uhr habe ich geſagt. Gruner. Ganz wohl! Geht ab Dreyzehnter Auftritt. Vorige ohne Gruner. Juſtizrath. Sie ſcheinen einen Entſchluß gefaßt zu haben? Kriegsrath feſt. O ja! Mad. Roſen. Sie beunruhigen mich. Beirt üfe. Vorige. Kanzleybote Brand. Kriegsrath. Ah! Herr Brand— Brand. Ja, es hat Brand genug gegeben wo ich herkomme. Das war ein Laͤrmen, ein Geheul— n ſt pflichet. 91 Kriegsrath. Iſt der Becker Ehlers arretiert? Brand. Iſt arretiert. Mir hat es einmal nicht gefallen, einen wohlhabenden Mann ſo mir nichts dir nichts gefangen zu nehmen. Kliegsrath. Die Papiere ſind doch richtig an Ort und Stelle? Brand. Ey, ja doch!— Er übergiebt ihm ein Papier. An Sie, Herr Dallner! Kriegsrath. Uum fuͤnf Uhr frage Er wie— der nach. Brand. Sollte es noͤthig ſeyn? Kriegsrath. Wenn ich es Ihm heiße— ſo— Brand. Nun, nun!— ich frage nur. Geht ab. Funfzehnter Auftritt. Vorige ohne Brand. Kriegsrath. Mit dem großen Siegel?— Was iſt es denn?— Er lieſt für ſich. Juſtizrath. Nun, lieber Dallner? Kriegsrath. Gleich!— gleich! Er lieſt weiter. Mad. Roſen. Was iſt es, lieber Vater? Kriegsrath, wie er geleſen hat, nach einer Pauſe Weltlauf!— Ihr moͤgt es hoͤren. Er lieſt:„Wegen 9³ Dienſtpflicht. Alters und Unvermoͤgens wird der zeitherige wirk⸗ liche Kriegsrath Dallner hiermit von heute an ſei— ner Dienſte entlaſſen, und in Ruhe verſetzt; Dem— ſelben jedoch wegen vieljaͤhriger Dienſte ſeine ganze Beſoldung gelaſſen. Wobey ihm jedoch alles Ernſtes bedeutet wird, alles Redens uͤber die Geſchaͤfte und alles unruhigen Betragens ſich zu enthalten.“ Juſtizrath greift baſtig nach dem Papier. Wer hat das unterſchrieben? Kriegsrath. Der Fuͤrſt! Juſtizrath. Bey Gott!— Und er kann den Undank begehen— Er?— Kriegsrath. Halt! halt! Nicht mit dem Haufen geſchrieen! Wem ſoll er glauben, wenn er denen nicht glauben ſoll, die er mit Eid und Pflicht an die Spitze des Kollegiums geſtellt hat? Juſtizrath. Iſt Ihnen Eid und Pflicht min⸗ der heilig, als andern— muß er Sie nicht auch hoͤren? Kriegsrath. Gut; aber er kann mich nicht hoͤren, bis ich auch ſpreche! Juſtizrath. Wollen Sie ſprechen? Kriegsrath. Gewiß— das will ich. Juſtizrath. Recht, mein Vater, recht!— Kriegsrath. Ich bin alt, aber ich bin nicht unvermoͤgend. Juſtizrath. Das beweiſen Ihre Hand— lungen! 841 Dienſtpflicht. 93 Kriegsrath. Ich verlange Beſoldung fuͤr Dienſte— oder keinen Dienſt, und keine Beſol⸗ dung.— Ich bin kein Ruheſtoͤrer. Mäd. Roſen. Muͤſſen Sie aber nicht fuͤrch⸗ ten, daß man dann— Kriegsrath. Ich fuͤrchte nichts— ſo wahr Gott lebt, der mein Thun und Denken ſieht— ich fuͤrchte nichts. Juſtizrath. Was wollen Sie jetzt thun? Kriegsrath. Zu meinem Fuͤrſten hingehen— mit Vertrauen und gut em Gewiſſen— und reden— was zu reden iſt! Mad. Roſen. Und die Folgen? Kriegsrath. Gott empfehlen und ruhig ab— warten. Es mag ſeyn, daß die Dinge mich ange— griffen haben. Zudem es iſt drey Uhr!— meine gewoͤhnliche Ruhezeit, die kann ich nicht wohl uͤber⸗ gehen. Ich lege mich nieder, halb vier 32 will ich nach Hofe gehen. Halb vier Uhr wecke mich auf, meine Tochter! Madam Roſen umarmt ihn. Juſtizrath ergreift ſeine Hand. Vater! Kriegsrath. Was iſt— lieber Liſtar? Juſtizrath. So will ich leben— ſo will ich dienen— immer ſo zur Rechenſchaft bereit ſeyn. Kriegsrath. Dann lebſt du froh und ſtirbſt ſanft. Er drückt beiden die Hände. Alſo— halb vier Uhr! Geht ab. r—— ‚ 6 94 Dienſtpflicht⸗ Juſtizrath und Mad. Roſen ſehen ihm lat Juſtizrath. Ruhe fauft! dein Gewiſſen bettet dich gut. 7 Mad. Roſen. Heiter ſeh dein Erwachen in den Armen deiner Kinder! Sie umarmt ihn, und beide folgen. Vierter Aufzug. In des Sekretär Falbrings Hauſe. Eſt —— Sekret a* F albrin g kommt aus einem Seitenzim⸗ mer und ſchellt, worauf ein B ed i enter eintritt. Falbring. War der Jude noch nicht im Hauſe? Bedienter. ein! Falbring!. Geh zu ihm, ſag— ich war tete auf ihn, er ſoll kommen. Bedienter. Sehr wohl! Gehtad. Falbring. Der Jude zoͤgert, das wird mit verdaͤchtig. Dienſtpflicht. Z3iweyrtern mAüfteitt Falbring! Juſtizrath Liſtar. Juſtizrath. Nun, mein Herr— Ihr Gang zu Herrn Doſitz hat Wunder gewirkt, der Kriegs— rath Dallner iſt ſeiner Dienſte entlaſſen. Falbring. So ſagt man— ich kann es aber kaum glauben. Juſtizrath. Die Leute, die das veranlaßt haben, ſind drum nicht weiter und nicht ſicherer⸗ Er iſt nach Hofe, um an ein ehrwuͤrdiges gerechtes Tribunal zu appellieren, an das Herz des Fuͤrſten. Falbring. Daran thut er wahrhaftig wohl. Juſtizrath. Und Sie, mein Herr— Sie thun ſehr üͤbel, daß Sie der traurigen Situation nicht zuvorkommen, darein Sie gerathen muͤſſen. Falbring. Sie wollen doch eine ganz eigene Kenntniß meiner Situation beſitzen. Inſtizrath, Wollen Sie meinen ehrlichen Rath fuͤr Ihre ſchlimme Sache? Falbring. Den waͤre ich freylich begierig zu vernehmen. Juſtizrath. Sie ſind reich, ſehr reich. Wenden Sie Sich an die Gnade des Fuͤrſten mit Offenheit. Opfern Sie Ihren ungerechten Gewinn Dienſtpflicht. 92 dem Fond fuͤr arme Soldatenwittwen und Kin⸗ der— und bitten Sie um Erlaubniß, ſich von hier zu entfernen. Der Fuͤrſt iſt gutmuͤthig; ſo retten Sie Ihre Ehre und Ihr uͤbriges Vermoͤgen. Falbring. Wahrhaftig? Juſtizrath. Mein Rath mag unangenehm ſeyn; aber er iſt ſicher. Falbring. Mit Ihrer Erlaubniß wuͤßte ich fuͤr mich einen beſſern Rath. Und um Ihre Freund⸗ ſchaft zu erwiedern, will ich auch dem Herrn Dall⸗ ner einen Rath ertheilen: Er ſoll mich in Ruhe laſſen. Er ſoll die Sache liegen laſſen, die ihn doch nicht mehr angeht, da er entlaſſen iſt. Oder er ſoll gewiß ſeyn, daß auch ich meiner Seits keine Schonung in einer Sache brauche— in eindr Sache— die ſeinen Prunk auf die Gewiſſenhaf— tigkeit gewaltig niederſchlagen wird; das iſt mein Rath. Juſtizrath. Bey Ihren Handlungen kann nicht die Frage ſeyn, ob ſie gut ſind; ich bitte Sie alſo bloß zu uͤberlegen, ob die Handlung, die Sie da zu verſtehen geben, klug waͤre? Falbring. Ich ſollte es meinen. Die Herren Dallner muͤſſen mich bey Gelde laſſen, wenn ſie ſelbſt bey Ehre bleiben wollen, Juſtizrath. Der alte Mann iſt unbeſtechlich. Falbring. Und ich bin unerbittlich. Juſtizrath. Die Muͤhe— Sie zu erbltten, habe ich mit noch nicht genommen. Dienſtpfticht. ———— Falbring. Kurz und gut; der alte Dalltrer ſchweigt, oder ich rede. Juſtizrath. Was der Sohn gefehlt haben kann, hat der Vater ausgeglichen. Des Sohnes Fehler gehen nur den Vater an. Unterſtehen Sie Sich, dieſe vor das Publikum zu bringen, ſo haben Sie es mit mir zu thun. Falbring. Duelle ſind ja verboten, mein Herr Juſtizrath! Juſtizrath. Zuͤchtigung fuͤr Niedertraͤchtig⸗ keiten befiehlt das Geſetzbuch des ehrlichen Mannes. Geht ab. Falbring. Aha!— der laͤuft ohne Segel und Maſte, wird wieder in den Hafen muͤſſen. Meine Sachen ſtehen gut, denn ſie negozieren. iie eitt. Sekretär Dallner. Falbring. Dallner. Nach einem Kompliment— Hier, mein Herr— zwey Rollen, jede fuͤnf hundert Thaler in Gold— macht tauſend Thaler. Falbring nimmt ſie. Sehr wohl! Aus einer Brieftaſche giebt er ibm ein Papier. Da iſt auch Ihre Obligation. Dallner. Ich empfehle mich! Will gehen. Falbring. Wir ſind noch nicht fertig. * . Dienſtpflicht⸗ 99 Dallner. Wir haben nichts mehr zuſammen zu thun. Falbring. Ja, das waͤre wohl gut fuͤr uns beide. Aber die werthe Familie macht ſich mit mei— nem Untergang zu ſchaffen— und folglich ich mit abgedrungener Nothwehr. Dallner. Was ſoll das heißen? Falbring. Das will ich Ihnen kurz und buͤndig ſagen. Der Papa haben— als ſie noch in den Geſchaͤften waren— mancherley feindſelige Unterſuchungen verhaͤngt, und denen zu Folge mich auch beynahe verdaͤchtig zu machen gewußt. Dallner. Was kann ich dafuͤr. Falbring. Nichts! Dallner. Was habe ich alſo damit zu ſchaffen? Falbring. Viel— der Papa iſt nunmehr aus dieſen Geſchaͤften; draͤngt er ſich aber wieder dazu, und die Sache geht gegen mich wieder vor— waͤrts; ſo ſoll der Fuͤrſt, der Hof, die Stadt, alle Welt ſoll erfahren, daß Sie, mein Herr, die tau⸗ ſend Thaler von Ihrem Schwager empfangen und heimtuͤckiſch verſchwiegen haben, weßwegen ſo man— cher redliche Mann in falſchen Verdacht gekommen iſt und noch ſtehet.— Jetzt thun Sie was Ihnen klug duͤnkt— wir ſind fertig— ich empfehle mich! Dallner. Dieſe Beſchuldigung. 100 Dienſtpflicht, Falbring. Beſchuldigung. Er lacht. Kennen Sie die Hand? Er zeigt ihm ein Billet. Dallner lieſt:„An Monſieur Louis Ehlers“— Ja, ich kenne die Hand, das hat die Wittwe Wald⸗ ner geſchrieben. Er giebt es zurück. ö Falbring bätt ihm die inwendige Seite hin. Belie⸗ ben Sie mitzuleſen. Er lieſt:„Lieber Louis! Ich bitte dich, ſag doch niemanden, was ich dir wegen der tauſend Thaler von Dallner geſagt habe. Es iſt freylich wahr; du haſt mir aber verſprochen, den armen Narren nicht zu verrathen. Das mußt du halten. Nach ſieben Uhr kommt Dallner nicht mehr zu mir; alſo erwarte ich dich zwiſchen ſieben und acht Uhr.“— Brauche ich mehr als das?— wie? Dallner. Nein, nicht einmal ſo viel. Falbring. Wollen Sle nun meine Partie auf eine entſcheidende Weiſe nehmen— ſo ſind Sie geborgen. Wollen Sie? Dallner,. Nein! Falbring. So ſind Sie verloren. mrreerreer Dallner. Ja! Falbring. So thue nun jeder von uns das ſeine, und wehre ſich, ſo gut er kann. Dallner mit einem fürchterlichen Blick. Ich ver— liere— Sie gewinnen. Aber Ihr Gewinn iſt graͤßlich. Geht ab⸗ Dienſtpflicht. 10 ˖ Falbring. Entweder— oder— geſtuͤrzt oder herausgeriſſen. Dallners— oder ich. Vierter Auftiite, Falbring. Bedienter. Hernach Baruch. ring. Kommt der Jude? GSedienter. Er preſſierte nicht ſehr. Er wollte ſchon kommen, in ein paar Stunden, ſagte er. t Falbring. War er allein? 1 Bedienter. Allein. Falbring. Was macht er? Bedienter. Er las in Papieren. Falbring. Was fuͤr Papiere? Wie ſahen ſie aus?— Groß— klein— viele Bogen— ö oder Ein Bogen— ein Blatt— ein Zettel— was las er? Bedienter. Es mochten ein fünf— ſechs große Bogen ſeyn. Wie ich hinein kam, fuhr er damit in die Rocktaſche. Falbring. Geſchwind oder langſam? Bedienter. Sehr geſchwind. Falbring. Wie ſah er aus? Luſtig oder ö ernſthaft? C Bedienter. Luſtig, wie einer, der einen guten Handel gemacht hat. A 8 iieeeee Dienſtpflicht Falbring. Und— war er hoͤflich gegen dich? Bedienter. Gar nicht. Er hat mir keinen Stuhl geboten. Falbring. So? ** Bedienter. Hat auch den Huth nicht einmal geruͤckt. Falbring. So— In Gedanken. Baruch tritt ein. Falbring. Ah— Herr Baruch!— Zum Bedienten. Geh hinaus! Es wird niemand zu mir gelaſſen. Bedienter geht. Nun, Herr Baruch!— Hier ſind funfzig Louisdor. Wo iſt mein Papier? Baruch. Das Papier? Fragen Sie doch erſt, ob mirs feil iſt. Falbring wüthend. Baruch, ich werde Gewalt brauchen. Baruch. Gewalt?— Nu! Sie haben doch auch nur fuͤnf Finger an jeder Hand, als wie ich. Falbring verſchließt die Thür. Baruch. Was ſolls? Falbring. Ich ſehe, daß der ganze Jude hen vorguckt, und daß ich um mein Geld gebracht wer— den ſoll. Baruch. Der Jude iſt ein Menſch; es kann doch auch einmal beym Juden mit Gewalt der ganze Menſch hervorblicken. Falbring. Ich gebe achtzig Louisdor. Dienſtpflicht⸗ Bagrvuch. Beſſer! ünFabbring? Hundert. Ba ruüch. Beſſet! Falbring. Nein, keinen Heller mehr. Baruch. O weh! Hundekt und zwanzig zum erſten, zum zweyten— Nu! Noch nicht beſſer? Und zum— Falbring zieht eine Sgckpiſtole hervor. Hundert und zwanzig. Baruch ruhig. O— Spaß! Falbring. Ernſt, fuͤrchterlicher Eenſt. Baruch. Fuͤrchterlich? Warum?— Machen Sie mich todt, ſo werden Sie gehenkt. Wann Sie am Galgen haͤngen, was hilft Ihnen Ihr Geld 2. Treffen Sie mich nicht— ſo hats doch geknallt.— Da kommen Leute— ich bin frey— und Sie ſchieben den Karren. Was iſts mehr? Falbring außer ſich. Baruch! Baruch. Thun Sie das Ding weg! Falbring ſteckt die Piſtole ein. Wohl! Baruch. So, ja! So iſts recht. Falbring. Dein gehoͤrt Geld— mein das Papier; wir ſind Handels eins geworden. Baruch. Solche Waare, als das Papier— womit man das Brandmark abkaufen kann— die ſteigt von Minute zu Minute im Preiſe. Falbring. Betrtuͤger! ———————— 104 Dienſtpflicht. Baruch. Was fuͤr Reden! Wer bin ich doch, daß mich ſo ein gewaltig ehrlicher Mann einen Betruͤger heißt?— Nu! da Sie das Papier doch nicht bey mir laſſen wollen; ſo geb ich es einem dritten Mann aufzuheben. Ich bring es zu dem Liſtar. Falbring. Aha!— Solls da hinaus! Nach einer Pauſe macht er die Thür auf und kommt zurück. Fort auf der Stelle! Fort, trag das Papier zu Liſtar. Baruch. Warum nicht? Falbring. Gleich geh zu ihm, Wurm! du uͤberſiehſt mich nicht— ha ha ha! die Haare wirſt du dir noch ausreißen uͤber deiner Narvheit! Ich kann viel Geld verlieren, wenn Dallner das Papier braucht— Dallner aber— wenn er es braucht— ſo verliert er— Ha ha ha— geh!l— trage es hin! Baruch. Haman— haben Sie geleſen vom Haman? Wann Sie ſollten an Hamans Platz hinankommen, die ganze Armee kaͤme und kuckete zu. Geht ab. Falbring., Alles ſteht auf dem letzten Spiel, nun gerade darauf zugegangen. Die Dallner ſol— len mich retten. Retten— ohne meinen Dank, oder ſie ſollen fallen— ſo tief— tiefer als ich. Geht ab. Dienſtpflicht. .— , n* 4.* Fünfter Auftritt. 6 Es verwandelt ſich in des Kriegsrath Dallners Haus. n t FJuſtizrath Liſtar. Madam Roſen. 10 Juſtizrath. Ruhig, liebe Madam! 6 u Mad. Roſen. Ich kanns nicht ſeyn; ich kann 0 ſt nicht. 0 Juſtizrath. Es ſcheint uns ſo, als ob der 60 * Vater lange ausbliebe, weil wir ihn ſehnlich er⸗ 0 8 warten. e Mad. Roſen. Das Schloß iſt doch nahe genug! n Juſtißräth. Wer weiß auch, ob er beym b Fuͤrſten gleich vorgelaſſen iſt. Mad., Roſen. Ich kann die traurigen Ahn⸗ dungen nicht unterdruͤcken. Sie ſelbſt— Sie ſind ſehr ernſthaft. Däienſtpflicht. Schset eeez 8. Vorige. Unterofficier Gruner. Gruner. Herr Juſtizrath!— Herr Juſtiz⸗ rath! Juſtizrath. Was giebts? Gruner. Ein Wort allein;“ nehmens nicht uͤbel, Madam! Mad. Roſen. Was iſt geſchehen? Gtuner. Mancherley— Ein Wort allein, Herr Juſtizkath! Mad. Roſen geht ab. Siebenter Aufftritt, Juſtizrath Liſtar. Gruner. Gruner. Mir iſt nichts geſchehen. Mir nichts, dem alten Kriegsrath— ach Gott!— dem ſteht was bevor. Juſtizrath. Rede Er. Gruner. General Loͤber ſchickt mich her, der brave Mann. Juſtizrath. Und— Dienſtpflicht⸗ 107 Gruner. Wie die Soldaten gehoͤrt haben, daß nun der Lieferungsbetrug nicht mehr wuͤrde unterſucht werden— und daß der alte Herr Kriegs: rath entlaſſen waͤre— nun da hat maucher dumme Reden fallen laſſen, wie ſo einfaͤltige Leute ſind— Juſtizrath. Weiter, weiter! Gruner. Nun ja! Das hat man dem Herrn hinterbracht, man hats vergroͤßert, man hats ver— dreht, man hat geſagt, der alte Herr Kriegsrath hielte die Leute in der Unruhe— und er ge⸗ brauchte mich dazu. Juſtizrath. Die Betruͤger, die Betruͤger! Gruner. Wir ſollen beide weggebracht wert den— Juſtizrath. Weggebracht? Gruner. Der Herr Kriegsrath und ich— nach dem Schloſſe Marenſtein. Juſtizrath. Der alte Mann iſt ja im Schloſſe bey dem Fuͤrſten ſelbſt. Gruner. Ach Gott, nein! Am Markte ſteht er und redet mit dem alten Hofrath Berger. Juſtizrath. Ich will gleich zu ihm gehen. Der Madam Roſen ſage Er nichts. Kein Wort! ————— RR 2———.——.————— 108 Dienſtpflicht. Auift eirnn ſfieei. 8 Madam Roſen. Vorige. 82 — Mad. Roſen. Der Jude Baruch iſt draußen, und wuͤnſcht Sie zu ſprechen. Juſtizrath. Hernach. Mad. Roſen. Er iſt dringend. Es betrifft den Vater, ſagte er. Sprechen Sie ihn. Juſtizrath. Nun gut! Hetr Gruner— gehe Er hin und ſage Et dem Herrn Kriegsrath— ich ließe ihn bitten zu uns zu kommen. Gruner. Seht wohl! Juſtizrath. Hernach gehe Er nach Hauſe und halte Er ſich ruhig. Gruner. Sehr wohl! Geht ab. Mad. Roſen. Iſt mein Vater nicht bey demn Füuͤrſten? Juſtizrath. Schon zuruͤck. Mad. Roſen. Wo iſt er denn? Juſtizrath. Er wird nun gleich hier ſeyn. Feſt und ſtark, Marie!— Laſſen Sie uns unſers Vaters wuͤrdig ſeyn! Wir ſind es, wenn wir groͤßer ſind, als das Unrecht, das uns geſchiehet. Geht ab. DSienſtpflicht⸗ 1009 —— Neunter Auftritt. Madam Roſen allein. So geſchiehet ihm denn Unrecht?— So will man ſo viel Redlichkeit mißhandeln? O Vater— Vater! 3e büte:iüifti Madam Roſen. Sekretär Dallner. Dallner. Iſt es wahr, Marie?— Der Vater iſt entlaſſen? Mad. Roſen. Entlaſſen. Dallner. Nach vierzigjaͤhrigen Dienſten? Mad. Roſen. Als Ruheſtoͤrer verleumdet. Dallner. Haben ſie es dahin gebracht! Mad. Roſen. Er iſt nach Hofe gegangen, ſich zu rechtfertigen, Dienſte zu fordern, oder auch keine Beſoldung. Dallner. Ich bin ſein Ungluͤck. Nad. Roſen. Du? Dallner. Ja, Marie! Ich hindre es, daß mein Vater nicht in ſeiner ganzen Wuͤrde handeln— —............ 110 ierſchrockenen redlichen in der vollen Klarheit des u Mannes da ſtehen kann. Bey jedem Schritte, den er thun koͤnnte, bin ich ihm im Wege— das wiſſen⸗ ſie wohl, die Betruͤger. Mad. Roſen. Quaͤle dich nicht mit Vor— wuͤrfen— Dallner. Wenn doch alles auf mich allein fiele, was ich verdiene. Wenn ich doch alles buͤßen koͤnnte, was meine Albernheit angerichtet hat.— Denn— Bosheit hab ich nicht. Er reicht ihr die Hand. Bosheit wahrlich nicht, Marie! Mad. Roſen. Das weiß ich ja. Dallner. Und doch— doch wird man noch mit Verachtung auf mich fehen; das iſt hart. Mad. Roſen. Warum ſiehſt du doch alles ſo ſchwarz! Dallner. Fuͤr mich wird es nie mehr hell— nie, nie, nie! Wenn jedermann mit Fingern auf mich deutet, was ſoll da der arme Vater thun?— 3 Wuͤnſchen, daß ich nie geboren waͤre. Wenn du an meiner Seite gehſt— und mußt erroͤthen, wenn der Blick der Menſchen von mir auf dich faͤllt— mußt du nicht wuͤnſchen— Mad. Roſen. Bruder, hoͤr auf, du biſt ſchrecklich! Dallner. Ach nein— arm bin ich— ich kann nicht bezahlen; keine Forderung an mich; dich— gar nie, nie! Erlaß mir meine Schuld, Dienſtpflicht. 111 Schweſter! ſey gut mit mir— ſieh mich freund— lich an— gieb mir deine Hand. Mad. Roſen legt ihren Arm um ſeine Schulter und weint. Dallner. Weine nicht!— o weine nicht! Deine weinenden Augen ſind ja der Schuldbrief, der mich ſo ſchrecklich verfolgt. Kannſt du— ſo laͤchele noch einmal— ſieh mich zufrieden an— wie damals in der ſchoͤnen Zeit, als ich funfzehn Jahre alt war. Er reißt ſich los.— Als mein Vater mit Wohlgefallen auf mich ſah, und du von der ſchoͤnen Zukunft mit mir ſpracheſt, wie ich den guten Vater im Alter pflegen wuͤrde!— O Marie!— da hatten mich die Menſchen noch nicht betrogen— und ich— ich hatte euch noch nicht betrogen. Ver— gieb mir— druͤcke deinen Feind an deine Bruſt. Er umarmt ſie. Vergieb, was geſchehen iſt, und was— ead. Roſen. Warum haͤltſt du inne? Rede! Was geſchieht noch— was treibt, was ängſtet dich— was kann noch geſchehen? Ver— ſchweige mir nichts, rede! um meiner Liebe, mei⸗ ner Sorge willen— rede! wenn du mir Dank ſchuldig biſt, ſo trage ihn jetzt ab— rede, was kann dir bevorſtehen? Dallner mit ineinander geſchlagenen Händen. Ich weiß es nicht.— Es komme aber was da wolle— Fluche mir nicht! —. Elfet er Aiufttätt⸗ Vorige. Ernſt. Eruſt. Onkel! ich habe einen neuen Vater. Dallner. So? Mad. Roſen. Ja— Liſtar wird dein Schwager. Dallner. Wird er? Gott Lob! Er wird dir vieles— alles ſeyn!— Ich ſehe den Kleinen da gluͤcklich. O das iſt ſchoͤn, das iſt herrlich! Ernſt. Du biſt nicht mehr mein Vater. Dallner. Nein, mein Kind! Ernſt. Der neue Vater will oft bey mir ſeyn. Du biſt nicht oft bey mir geweſen. Dallner hebt das Kind auf und herzt es. Vergieb mir— vergieb mir und ſey gluͤcklich. Er ſetzt ihn auf den Arm, und geht einige Schritte von Madam Roſen. Ernſt— lieber Ernſt, mein guter, kleiner, lieber Junge! Ich habe dich doch lieb, wenn ich auch oft nicht bey dir war. Weun du aͤlter geworden biſt, wer weiß, wo ich bin— dann denke an mich— Er giebt ihm ſeine uhr. Sieh, dieſe Uhr iſt dein. Ernſt. Schenkſt du mir die Uhr? Dallner. Ich ſchenke dir was ich habe; Er umarnit ihn. gebrauche deine Stunden in der Welt gut. Sage nie eine Unwahrheit, nicht deiner Mut⸗ Dilenſtpflicht. 113 ter, nicht deinem Vater, nicht aus Liebe, nicht aus Furcht, nicht zum Scherz— niemals rede eine Unwahrheit. Wahrheit iſt Segen— Unwahrheit iſt Fluch! hoͤrſt du— Fluch. Willſt du daran denken, daß ich dir das geſagt habe? Ernſt. Ja, lieber Onkel! Dallner ſieht ihn eine kleine Weile ſtarr an. Gott ſey mit dir! Er ſetzt ihn hin und giebt ihn der Schweſter. Mad. Roſen. Dnu haſt deine Uhr verſchenkt? Dallner mit wehmüthigem Lächeln. Ich bedarf keine Uhr— meine Stunden ſtehen vor mir— Ernſt hält die uhr ans Ohr. Sie iſt ganz ſtill, ſie geht nicht. Dallner. Meine Uhr iſt abgelaufen. Ernſt. Da— zieh ſie auf, Onkel! Dallner. Nein, mein Kind, ich ziehe ſie nicht mehr auf, das wird dein Vater thun. 3wölfter Auftritt-. Vorige. Juſtizrath Liſtar. Ma d. Roſen geht Liſtarn entgegen. Liſtar— ſchaf⸗ fen Sie mir Ruhe uͤber dieſen Menſchen— bemaͤch⸗ tigen Sie ſich ſeiner. Ich weiß nichts— ich fuͤrchte alles. Sie ſtehen mir fuͤr ihn. Komm, Kleiner! Sie geht mit Ernſt ab. —— Dienſtpflicht. N ö eeele —.... Dienſtpflicht. Dreyzehnter Auftritt. Sekretaͤr Dallner. Juſtizrath Liſtar. Juſtizrath. Was machen Sie? Goͤnnen Sie doch der armen Frau eine ruhige Stunde. Dallner. Ich werde ihr Ruhe verſchaffen. Juſtizrath. Reden Sie deutlich. Dallner. Die Wittwe Waldner hat mich betrogen. Juſtizrath. Und verrathen. Dallner. Ich weiß alles. Juſtizrath. Schaͤndliche Kreatur! Dallner. Falbring weiß alles, alles! Mir— meinem Vater— Ihnen— ſtehen Hohngelaͤchter und Schande bevor; das uͤberlebe ich nicht, ſo wahr— Juſtizrath. Halt! Junger Menſch!— kei⸗ nen Schwur! Schwuͤre muß man halten. Dallner. Und ſein Wort. Ich kann nieman— den mehr Wort halten. Ein veraͤchtlicher Menſch kann weder arbeiten noch erwerben. Ich bin ver— loren. Juſtizrath. Fuͤr dieß Land. Er zieht die Schultern. Ja— — — Dienſtpflicht. 113 Dallner. Ohne Rettung. Juſtizrath. Fuͤr dieß Land— ja, aber es giebt Auswege. Daͤllner. Ich kenne nur einen! Juſtizrath. Welchen?— Reden Sie. Ich bin ein Mann, Ihr Bruder, reden Sie. Von Ihrem letzten Richter an dieſes Herz hingewieſen, ſrage ich Sie bey Ihrer ewigen Verantwortung— welchen Ausweg haben Sie? Dallner bedeckt verzweiflungsvoll ſein Geſicht. Juſtizrath geht nach einer Pauſe zu ihm, reißt ſeine Hände herab, ſieht ihn an: Menſch, du willſt dich ermorden! Dallner ſieht ſtarr vor ſich hin. Juſtizrath geht von ihm. Du biſt ein ſchlechter Kerl, wenn du das thuſt. Dallner. Kein Zugmittel wirket auf den hoff— nungsloſen Kranken mehr. Juſtizrath. Baruch, der ehrliche Jude, will ein Papier von Falbring ausliefern, wodurch wir ihn in Haͤnden haben. Sollte es dennoch aufs aͤußerſte kommen, ſo— Dallner. Es iſt ſchon dazu gekommen. Meh— rere wiſſen meine Schande— Juſtizrath. So leben Sie anderwaͤrts mit Ihrem Talent, ein neues Leben, ein beſſeres Leben. Gehen Sie von hier, ſonſt hindern Sie Ihren Vater zu handeln. RR· A ——2 * weeerre 116 Dienſtpflicht. Dallner. Ich bin ohne Kraft— ich bin vorbey. Niemand kann Leben und Ehre wieder geben. Mir iſt nicht mehr zu helfen, laſſen Sie ab von mir. Vierzehnter Auftritt. Vorige. Kriegsrath Dallner. Mad, Roſen. Mad. Roſen. Reißen Sie mich aus der Ungewißheit, lieber Vater, wie iſt es Ihnen ge— gangen? Kriegsrath geht auf ſeinen Sohn zu und ſieht ihn an. Juſtizrath. Wie war es, lieber Vater? Kriegsrath. Nicht gut. ead. Roſen. Nicht? Juſtizrath. Haben Sie den Fuͤrſten ge— ſprochen? Kriegsrath. Ich bin abgewieſen. Weß— halb haben Sie mich rufen laſſen, Herr Juſtizrath? Juſtizrath. Die Unruhe Ihrer guten Toch— ter— Kriegsrath. Meine gute Tochter? Ja wohl, ja wohl, das iſt ſie— meine arme Tochter! Nun— ſeyd ſo gut— laßt mich einen Augenblick mit dem da allein. Dienſtpflicht. 117 Juſtizrath geht einige Schritte; Madam Roſen bis an die Thür. Kriegsrath. Sag mir— iſt es wahr, iſt es moglich, haſt du wirklich die tauſend Thaler? Zu den andern. Geht doch, geht! Juſtizrath. Nein, lieber Vater, ich habe ein Recht Ihre Sorgen zu theilen. Ich gehe nicht. Mad. Roſen kommt zurück. Kriegsrath. Ich bitte Euch— geht! Juſtizrath. Ich darf nicht. Mad. Roſen. Mein Gott! Kriegsrath. Komm zu mir! daher! Dallner geht zu ihm. Kriegsrath. Sieh mir ins Auge. Dallner wirft einen Blick des Jammers auf ihn. Kriegsrath. Es iſt wahr!— Großer Gott— es iſt wahr! Er ſetzt ſich entkräftet. Mad. Roſen erſtarrt— halblaut, Liſtar! Juſtizrath winkt ihr zu ſchweigen. Kriegsrath ſteht auf. Geh hinaus, Boͤſewicht! Dallner geht; Juſtizrath hält ihn zurück. Mad. Roſen. Vater!— Lieber Vater! Bruder! Liſtar! was iſt das? Kriegsrath. Schande, meine Tochter! Dallner. Vater!— ich bin kein Boͤſewicht. Ich habe thoͤricht— ach— unbegreiflich habe ich gehandelt— aber ich bin kein Boͤſewicht! rrrr...PNPN 118 Dienſtpflicht. Kriegsrath. Ich bin ein ehrlicher Mann— und habe mit dir nichts mehr zu ſchaffen. Dallner. Mein Stab iſt gebrochen. Krie ger ath tritt bey ihm vorüber zu Liſtarn. Wiſſen Sie denn— Juſtizrath. Alles! Dallner. Haben Sie Mitleiden mit dem ungluͤcklichen Geſchoͤpfe, dem Sie das Daſeyn ge— geben haben! R ◻⏑ Kriegsrath. Das Daſeyn— ja, aber auch Grundſaͤtze von Ehre und Redlichkeit. Ich fluche dir nicht— meinen Segen fordere nicht. Unſere eigenen Handlungen ſind uns Segen oder Fluch. Dallner mit Wehmuth. Lebt wohl! Geht ab. Mad. Roſen folgt. Juſtizrath ruft ihr nach. Gehen Sie ihm nicht von der Seite. e Funfzehnter Auftritt. Juſtizrath Liſtar. Kriegsrath Dallner. Kriegsrath. Der Vater abgeſetzt, der Schwa— ger ein Luͤgner und Betruͤger!— Was fuͤr eine Heirath wollen Sie da ſchließen? Wollen Sie nach getragener Tageslaſt Troſt bey Ihrem Weibe Dienſtpflicht. 119 fuchen, ſo finden Sie Thraͤnen uͤber Vater und Bruder! Wollen Sie mit ihr ausgehen, ſo begeg— nen Sie dem Spott und Hohn auf vielen Ge— ſichterns die Heirath wird Ihr Ungluͤck, ſtehen Sie davon ab. Juſtizrath. Freude und Leid will ich mit Ihrer Tochter theilen, ich warte nicht auf Prieſter— ſegen, um das Wort meines Herzens zu heiligen. Kriegsrath. So laſſe Gott Ihr Wort nicht ſchwer auf Ihnen ruhen. Juſtizrath. Lieber Vater— Falbring weiß die Geſchichte mit Ihrem Sohn. Er wird Sie gebrauchen wollen, um Sie ſchweigen zu machen. Kriegsrath. Mein Herz koͤnnen die Unmen⸗ ſchen brechen— meine Pflicht und meinen Eid nicht. Juſtizrath. Eilen Sie nach Hofe, Ihnen droht Gefahr. Man hat Sie fuͤr gefaͤhrlich aus⸗ geſchrieen; fordern Sie die Entlaſſung Ihres Soh— nes. Er muß von hier fort. Dann koͤnnen Sie reden und handeln. Kriegsrath. Von hier fort? Ja, es iſt noͤthig. Und gleich. Juſtizrath. Eilen Sie, Ihnen droht per— ſoͤnliche Gefahr. Kriegsrath. Nun wohl, ich will mich noch einmal melden laſſen. Meinen Sohn will ich aber noch ſprechen. 120 Dienſtpflicht. Juſtizrath. Die Gefahr des Verzugs— Kriegsrath. Ey was!— Der Vater geht vor; ich war eher Menſch als Kriegsrath. Rufen Sie ihn her. 8 Juſtizrath gebt ab. Kriegsrath. Guter Gott!— gieb mir Kraft und Staͤrke— laß mich nicht ganz fallen! Sechzehnter Auftritt. Kriegsrath Dallner. Sekretär Falbring. Kriegsrath. Was wollen Sie hier? Falbring. Vor Ungluͤck warnen. Sie wol⸗ len mich ins Verderben bringen. Kriegsrath. Ihre Handlungen verderben Sie! Falbring. So wiſſen Sie denn, daß Ihr Sohn— Kriegsrath. Mein Sohn und mein Dienſt haben nichts mit einander zu ſchaffen. Falbring. Aber mein Gott, Sie ſind jetzt außer Dienſt— Kriegsrath. Der Fuͤrſt hat mich entlaſſen— die Menſchheit und die Tugend entlaſſen mich nie. —- —— Madam Roſen. Sekretär Dallner. Juſtizrath Liſtar. Vorige. Juſtizrath. Sie unterſtehen ſich hierher zu kommen? Falbring. Hoͤren Sie mich an, mein Herr— unſere Feinde reden oft mehr Wahrheit als— Kriegsrath. Rede, Feind!— ich hoͤre. Falbring. Wer auch etwa das Vergehen Ihres Sohnes vermuthen moͤchte— beweiſen kann es niemand, als ich. Laſſen Sie meine Sachen ruhen, ziehen Sie mich heraus, geben Sie mir ein gewiſſes Papier wieder— das Sie haben— oder bekommen werden, ſo zernichte ich die Beweiſe gegen Ihren Sohn; wo nicht, ſo iſt er fuͤr die Ehre verloren. Juſtizrath. Boͤſewicht, der ſeines Gleichen nicht hat! Kriegsrath. Mein Sohn!— ich bin ſchul⸗ dig mit meinem Tode dein Leben zu retten, das wuͤrde ich thun; deine Ehre kann ich nicht relten. Sieh, ich bin hingeſtellt von Gott und meinem Herrn, fuͤr das Recht gegen Unrecht zu kaͤmpfen. Ich weiß, wie viel hundert Menſchen in Todesnoth 1 Dienſtpflicht. ihren Fuͤrſten vor Gott angeklagt haben, ich habe das Angſtgeſchrey von Wittwen und Wayſen gehoͤrt, die von dieſem Uhmenſchen gepluͤndert ſind. Die Menſchheit fordert mich auf, mein Eid fordert mich auf, und ich ſollte ſchweigen— nur damit niemand erfahre, daß mein Sohn ſeinen Vater und ſeine Schweſter hintergangen hat?— Nein, trage die Folgen deiner Unredlichkeit, weinen will ich um dich, meinen letzten Heller mit dir theilenz aber Wahr— heit will ich reden, und wenn die Stunde, wo ich ſie ſagen werde— die letzte meines Lebens ſeyn ſollte. Dallner. Meines Vaters Erniedrigung waͤre meine ſchrecklichſte Strafe. Thun Sie Ihre Pflicht. Kriegsrath. Sie haben Ihre Antwort— Gehen Sie von hier, mein Herr! Falbring. Ich bin vielleicht verloren. Dieſer iſt es gewiß. Er geht. Mad. Roſen. Bleiben Sie!— Vater, um Gottes willen!— 0 Juſtizrath packt ihn am Hals. Genug haſt du gefrevelt! Kriegsrath reißt ihn zu ſich. Hierher, ehrlicher Mann! Er ſoll unverletzt von hier gehen— Mein Entſchluß iſt genommen, vollfuͤhre den deinigen. 6 090 Er deutet auf die Thür. Hinaus! Falbring geht ab. ——— — Dienſtpflichet, Achtzehnter Auftritt. —— Vorige ohne Falbring. Kriegsrath. Mein Sohn— was in dei— ner ungluͤcklichen Lage die Ehre und die Klugheit dir anrathen— mag ich dir nicht ſagen. Es faͤllt mir hart. Dallner beugt ſich über ſeine Hand. Kriegsrath. Berathe dich mit dieſem guten Manne, und handle. Was du zu thun haſt, das thue gleich. Was ich mein nennen kann, theile ich gern mit dir. Liſtar, da ſind die Schluͤſſel zu meinem Schreibtiſche; es iſt etwas Geld darin, auch ein guter Ring von ſeiner ſeligen Mutter— thun Sie alles, was Sie gut finden. Dallner knieet vor ihm. Vater, ich kann das nicht uͤberleben, ich kann nicht. Kriegsrath. Du haſt meine Vergebung, ermanne dich. Ein Boͤſewicht verzweifelt— ein ungluͤcklich Gefallner traͤgt die verdiente Laſt, und handelt. Steh auf!— meine Tochter— komm zu mir her. Kinder! Kinder!— dieß Leben iſt nur ein Athemzug.— In einer beſſern Welt wer⸗ den wir fortwirken.— Am großen Feyertage ſehen wir uns wieder.— Gebt mir alle Eure Haͤnde— 124 Dienſtpflicht. alle!— Wir wollen uns alle wiederſehen— alle!— Gott laſſe mich keinen von Euch vermiſſen! Alle weinen. Dallner ſchluchzt laut. — Kriegsrath. Ich gehe nun zu dem Fuͤrſten; lebt wohl! Adien, Liſtar! Er giebt aihm die Hand. Ver—⸗ treten Sie hier meine Stelle. Adienu, Marie!— Du biſt Mutter, faſſe dich! Er geht zu ſeinem Sohn, Leb wohl! Gott ſey mit dir! Leb wohl! Dallner ſtürzt vor ihm nieder, und umfaßt ſeine Kniee. Vater!— Vater! Kriegsrath. Daß ich einſt keinen vermiſſe— keinen— keinen! daß ich dich wieder finde! das ſey mein Segen. Er reißt ihn zu ſich hinauf, umarmt ihn, und ſagt mit Heftigkeit. Leb wohl! Er macht ſich los und geht. Juſtizrath faßt ihn in die Arme. Mad. Roſen ſtritt ju ihm. ————.— ee. Füflfleii Aüf zu§. Zimmer vor dem Wohnzimmer des Furſten. Exreſt eerr Auffetiit: Leiblaka y Wender kommt von der linken Seite, geht leiſe an die Mittelthür und horcht; von da geht er an der rechten Seite hinaus, kommt nach einer kleinen Pauſe + wieder herein, geht an die Thür linker Hand und winkt. Falbring tritt ein. Wender. Kommen Sie, kommen Sie her— ein. Bis jetzt geht alles noch gut, der Fuͤrſt hat ihn noch nicht geſprochen. Falbring. Den alten Dallner? Wender. Nein! vor zwey Stunden habe ich ihn abgewieſen. Falbring. Er kommt wieder, er kommt wieder! Wender. Er iſt ſchon da! Falbring. Wo denn? —............................. 126 Dienſtpflicht. Wender. Im großen Vorzimmer da draußen. Er deutet nach der rechten Seite. Sorgen Sie nicht; von den Bedienten laͤßt ihn niemand herein. Der Fuͤrſt will auf die Jagd. Die Chaiſe willsich preſ⸗ ſieren, daß ſie kommt, und er laͤßt ſie niemals lange waͤrten. EEEEECCCCCCC..·· Falbring« Da, lieber Wender, fuͤr Ihre Muͤhe! eEr giebt ihm Geld. Sie kommen doch heute Abend auf ein Glaͤschen? Wender. Ja! Wenn der Herr erſt auf die Jagd iſt, ſind Sie geborgen. Der Verhaftsbefehl wird gegeben, ſagt Herr Doſitz. Er kommt nach Marenſtein. e Falbring. So melden Sie mich doch ge— ſchwind, Herr Wender, geſchwind! Wender. Faſſen Sie Sich nur kurz. Er gebt in die Mitte ab. Falbring zupft an der Kleidung, trocknet die Stirn, ſtehet dann unbeweglich, alles ſehr ernſthaft. Wender kommt wieder. Er kommt! Falbring. Nun— heute Abend— Wender! Ich komme. Jetzt will ich dem Alten den Weg verrammeln. Er gebt rechts ab. RRr Dienſtpflicht. Zweyrtter Aufti Der Fürſt. Falbring⸗ Fuͤrſt. Was giebts, Herr Falbring? Falbring. Ihro Durchlaucht habe ich eine allerunterthaͤnigſte Eroͤffnung zu thun. Fuͤrſt. Nur zu! Falbring. Aus wahrer Liebe fuͤr das allge⸗ meine Beſte und Ihro Durchlaucht hoͤchſten Dienſt, habe ich an der Lieferung des Becker Chlers fuͤr die Armee Antheil genommen. Fürſt. Man iſt mit dieſer Lieferung ſehr unzufrieden. Falbring. So hoͤre ich mit Schrecken. Fuͤrſt. Warum mit Schrecken? Falbring. Ihro Durchlaucht Unzufrieden⸗ heit, und wenn jemals die braven Truppen ſollten verkuͤrzt worden ſeyn— ſo erheiſcht die Menſchen⸗ pflicht— und meine eigene Beruhigung— das auf alle moͤgliche Art gut zu machen. Fürſt. Allerdings, das iſt gut gedacht. Falbring. Ich koͤnnte ſonſt nicht ruhig ſeyn. Ob ſchon ich nur einen Theil der Anſchaffung hatte— und mit der Vertheilung nicht beſchaͤf— ——————————— —— 128 Dienſtpflichet. tiget war— auch fuͤr eine— allenfalls moͤgliche ſchlechte Auffuͤhrung der Unterbedienten nicht ſtehen kann, ſo— Fuͤrſt. Das mag moͤglich ſeyn. Aber der Kriegsrath Dallner— Falbring. Ach, Ihro Durchlaucht— Fuͤrſt. Was iſt? Falbring. Soll denn auch ich gegen den redlichen, ungluͤcklichen, heftigen Mann ſprechen? Fuͤrſt. Heftig iſt er, eigenſinnig und unruhig. Falbring zieht die Achſeln. Fuͤrſt. Sehr unruhig. Falbring. Er iſt alt. Fuͤrſt. Deßhalb ſchone ich ihn. Falbring. Er wird auch von Andern ge— mißbraucht. Fuͤrſt. Von wem? Falbring.— Angeben iſt meine Sache nicht. Fuͤrſt. Und ausfragen iſt nicht meine Sache— Warum nennen Sie ihn ungluͤcklich? Falbring. Ihro Durchlaucht Ungnade— Fuͤrſt. Die hat der alte Dallner nicht; ich will nur ſeinen widerwaͤrtigen Humor unſchaͤdlich machen. Falbring. Sehr huldreich! Seufzt. Aber dennoch— die Geſchichte mit den tauſend Thalern. Tuͤrſt. Er hat ſie bezahlen muͤſſen, das weiß ich⸗ SS„ RN th ei n1 2 ſc 12 Dienſtpflicht. 129 Falbring. Vermoͤgen hat er nicht, das hat ihm denn ſehr großen Groll gegen mich beyge— bracht. Nun die Geſchichte mit ſeinem Sohn dazu.— Fuͤrſt. Welche Geſchichte?— Falbring. Dieſe tauſend Thaler, wovon man 15 nicht wußte, wohin ſie gekommen waren— hat ſein Sohn der Sekretaͤr Dallner— Fuͤrſt. Genommen, entwendet? Falbring. Bewahre!— entlehnt und ver— ſchwiegen. 4 Fuͤrſt. Ey ſo dauert mich der Alte. Falbring. Alles dieß laͤßt ihn ſo leidenſchaft— lich gegen mich handeln, faſt wuͤthend macht es ihn, ſo— daß er die Gelegenheit mir zu ſchaden ſucht— erdichtet, ſo, daß Ihre Durchlaucht ich allerunter— thaͤnigſt bitten muß, in Verlauf der Sache darauf einige gnaͤdige Ruͤckſicht nehmen zu wollen. Fuͤrſt. Mein Herr Falbring, nicht Dallner, nicht ich— nicht Sie, koͤnnen und dürfen in der Lieferungsſache etwas fuͤr Sie oder gegen Sie thun. Die Unterſuchung muß den Mann bewaͤhren. Dieſe habe ich dem geheimen Kriegsrath Doſitz bereits aufgetragen. Falbring. Gott Lob! ſo wird meine ge— ſchmaͤlerte Ehre wieder hergeſtellt. Dienſtpflicht. rrrrrrrrrRNN Dienſtpflicht. Drit tee ifteätt*3 — Vorige. Wender. Wender. Der Wagen iſt da! Fuͤrſt. Haben Sie noch etwas zu ſagen? Falbring. Der hoͤchſten Gnade mich aller⸗ unterthaͤnigſt zu empfehlen. Fuͤrſt. Adieu, mein Herr Falbring! Er geht in die Mitte ab. VBi erzter uftritt. Falbring. Wender. Falbring giebt Wendern Geld. Eine recht gnaͤdige Audienz, ich bin ganz geruͤhrt. Wender. Noch eins!— Da iſt der alte Kammerherr von Falkenberg drin beym Fuͤrſten— Falbring. Wer iſt der?— Wender. So ein Landedelmann. Der Fuͤrſt hat ihn erſt zum Kammerherrn gemacht. Der geht nicht mit auf die Jagd, geht gewoͤhnlich vorher nach Hauſe und dadurch. Er deutet auf die rechte Seite. Ich kenne ihn weiter nicht, es macht niemand viel r⸗ ge lte Dienſtpflicht. 131 aus ihm, aber er iſt ein armer Herr— wenn Sie dem ſo en passant ein Doͤschen— ein Etuichen offerieren wollten, damit der nicht etwa noch meldet, was er ſo im Durchgehen ſiehet. Falbring. Sollte das angehen? Wender. Er iſt blutarm, ſage ich Ihnen. Fänfter Auftritt. Vorige. Kammerherr von Falkenberg. Wender. Da iſt er. Er geht in die Mitte ab. Falkenberg wil rechts hinaus gehen. Falbring. Gnaͤdiger Herr— Falkenberg. Wollen Sie dem Fuͤrſten ge⸗ meldet ſeyn? Falbring. Ich habe ſchon die Gnade gehabt Ihro Durchlaucht aufzuwarten, ich wollte nur fuͤr die Audienz meinen Dank abſtatten. Falkenberg. Wer ſind Sie? Falbring. Sekretaͤr Falbring, gehorſamſt aufzuwarten. Falkenberg. Aha— der Leiblakay hat Sie vorhin gemeldet. Empfehle mich! Falbring. Es iſt dennoch durch Dero Pro⸗ tektion geſchehen, daß ich die Gnade— 7 FRRR RRR, Dienſtpflicht. Falkenberg. Melden gehoͤrt zur Aufwar⸗ tung, iſt mein Dienſt, alſo Schuldigkeit und keine Protektion. Ja oder Nein ſagen— iſt des Fuͤr⸗ ſten Sache. 31 Falbring. Beruhigen Sie mich doch uͤber den guten, gnaͤdigen, lieben, lieben Fuͤrſten. Er ſieht ſo bleich aus. Aber die Sorgen, die Unru— hen!— Da hat ihm der alte unruhige Kriegs⸗ rath auch einen boͤſen Tag gemacht. Falkenberg. Das ſagt man. Falbring. Ach der Mann iſt ſich ſelbſt nicht hold. Falkenberg. Man hoͤrt hier nicht viel Gutes von ihm. Falbring. Er iſt heftig— verleumderiſch— ſpionierend— angebend. Was dthut ein ſolcher Menſch, als redliche Buͤrger kraͤnken, und dem guten Fuͤrſten das Leben ſauer machen.— Solche Leute ſollte man gar nicht vorlaſſen. Er bietet ihm Tabak. Darf ich wagen? Falkenberg wil eine Priſe nehmen. Solche Leute taugen freylich nicht. Falbring ſchiebt ihm die Doſe in die Hond. Bedie— nen Sie Sich— das waͤre zum Exempel fuͤr treue Diener eine Pflicht, Leute der Art lieber nicht zu melden, als den Herrn zu kraͤnken. Falkenberg giebt die Doſe zurück. Falbring. Sie iſt in den beſten Haͤnden. Diien ſtpflicht. 3 Falkenberg. Was? Falbring. Ein kleines Andenken fuͤr die gnaͤdige Audienz. Faltenberg. Haben Sie mich zum beſten? r Falbring. Mit Bitte— ſolche Brauskoͤpfe r nicht zu melden, daß der gute liebe Fuͤrſt ſeine 4 1 Regierung ohne Aerger fuͤhren moͤge. 8. Falkenberg. Was bilden Sie Sich ein? Ein Kammerherr muß den Weg offen halten, daß 6 jedermann mit ſeiner Noth an die Herzensthuͤre anklopfen kann. Das iſt ein Ehrenpoſten, und deß— ſ halb ſollten wir billig den Kammerſchluͤſſel auf den Herzen tragen. Sie aber wollen mich wegkaufen 8 und zur verlornen Schildwache machen. Falbring. Ach Gott, nein, Ihr Gnaden! 6 8 Falkenberg. Reich bin ich nicht. Aber 10 wenn ich mein Wappen aufdruͤcke, ſo denke ich— 1 offner Helm— offne Stirn— offne Augen— offne Rede und That. Er wirft die Doſe auf die Erde. 2 Packe Er ſich hinaus— Beutelſchneider! Falbring. Gerechter Gott! Er will links ab. Falkenberg. Die große Treppe hinunter! Dort hinaus! le⸗ ue Falbring geht rechts ab. zu Falkenberg. Daher kommt eben alles Un— heil, daß deines gleichen die geheime Treppe gehen. 134 Dienſtpflicht. Sechster Auüftritt. ——ů—ů— 81 Falkenberg. Kriegsrath Dallner. RI Kriegsrath. Laßt mich gehen! Hierher ge— hoͤre ich— Wer Sie ſeyn moͤgen, mein Herr, Kriegsrath Dallner bin ich, und bin zu alt, um der Hoflakayen Spott zu ſeyn, und zu gut— Falkenberg. Ich bin der Kammerherr von Falkenberg, Herr Dallner! Kriegsrath. Seyn Sie ſo gut, melden Sie mich dem Fuͤrſten. Falkenberg. Er faͤhrt jetzt auf die Jagd. Kriegsrath. Sagen Sie ihm, ich wuͤrde gejagt— ich baͤte Ihre Durchlaucht— hier bey dem alten muͤden Hirſch ſtehen zu bleiben. Falkenberg. Ich will Sie gleich melden. Aber— wiſſen Sie, daß Sie uͤbel angeſchrieben ſind? Kriegstath. Das weiß ich, ſehr uͤbel. Falkenberg. Fuͤhlen Sie Ihre Bruſt frey, 3 Herr Kriegsrath?— Kriegsrath. Ganz frey. Falkenberg. Ich melde Sie. Er geht in die Mitte. . Dienſtpflicht. Si ebeeet Aü Wender. Vorige. Wender. Was wollen Sie denn nun hier?— Wer hat Sie herein gelaſſen? Kriegsrath. Sey Er ſtill, armſeliger Menſch! Wender. Nun Sie werden ſchoͤn ankommen! Acht'er fe Vorige. Der Fuͤrſt. Zwey Jagd⸗ junker. Zwey Kavaliere. Falkenberg. Kriegsrath Dallner, Ihre Durchlaucht! Furſt im Gehen. Es bleibt bey meiner Verfuͤ— gung, Herr Dallner! Kriegsrath. Gewiß nicht, Ihrs Durch— laucht, gewiß nicht! Fuͤrſt bleibt ſtehen. Wie? Kriegsrath. Das werden Sie felbſt nicht wollen, gnaͤdigſter Herr! Fuͤrſt lebhaft. Warum nicht? nrr 136 Dienſtpflicht. Kriegsrath, Weil man Ihre Gerechtigkeit überraſcht hat. Fuͤrſt. Sie ſagen da viel! 2 Kriegsrath. Ich leide viel und unſchuldig. Fuͤrſt. Koͤnnen Sie das beweiſen, was Sie ſagen? Kriegsrath. Ja! Furſſt tritt zu ihm. Herr Kriegsrath, ich habe Helblaut. Sie ſchonend behandelt. Ich habe Ihr Alter geehrt— Kriegsrath. Ich bitte um keine Schonung, ſondern um Gerechtigkeit. Fuͤrſt tritt zurück. Reden Sie. Kriegsrath. Auf meine Worte kommt es hier nicht allein an, ſondern auf die Unterſuchung meiner Sache; dazu gehoͤrt Zeit. Fuͤrſt. Recht gerne! Morgen— wenn Sie wollen! Kriegsrath. Es betrifft mein Gluͤck oder Ungluͤck. Erſter Jagdjunker. Es iſt ſchon ſechs Uhr vorbey, Ihre Durchlaucht. Kriegsrath. Es betrifft das Wohl Ihrer Unterthanen. Fürſt ſieht nach der uhr. Keine Jagd fuͤr heute! Erſter Jagdjunker. Wie Ihre Durch— laucht befehlen. RR* — —— r 9/ Dienſtpflicht. 132 Fuͤrſt. Die Wagen koͤnnen zuruͤck fahren, be— ſtelle Er es, Wender! Wender geht ab. In mein Zim⸗ mer, Ihr Herren! 3 Alle gehen in die Mitte ab. Fürſt. Nun erwarte ich Wahrheit. Kriegsrath. Ich bin beeidigt. Fürſt. Kein Urtheil aus Leidenſchaft. Kriegsrath. Ich bin acht und ſechzig Jahr alt. Fuͤrſt. Reden Sie,. Kriegsrath⸗ Zuerſt— muß ich Ihre Durchlaucht um gnaͤdige Entlaſſung meines Soh— nes bitten. Fuͤrſt. Weßhalb? Kriegsrath. Ich— finde ihn nicht wuͤrdig Ihro Durchlaucht zu dienen. Füärſt. Das iſt hart fuͤr Sie. Kriegsrath. Dann bitte ich, mich in mei— ner Dienſtſtelle mit Arbeit zu laſſen. Ich bin nicht untauglich zur Arbeit. Fuͤrſt. Das weiß ich, aber unruhig ſind Sie. Sie haben einen meiner getreuen Raͤthe inſultiert. Kriegsrath. Keinen, als wer erkauft war. Fuͤrſt! Erkauft? Herr Dallner!— Herr Dallner!— Wer iſt erkauft, wer? Kriegsrath. Der Vorſteher, der geheime 9 0 8 Kriegsrath Doſitz. —................ 138 Dienſtpflicht. Fürſt heftig. Doſitz! Wiſſen Sie was Sie ſagen? Ich hoͤre keine Verleumder an. Kriegsrath. Mit Ihrem Wiſſen ſicher nicht: Fuͤrſt. Koͤnnen ſie das beweiſen, daß Doſitz erkauft iſt— Erkauft! von wem? Kriegsrath. Von denen, welche die Liefe— rung haben; Sekretaͤr Falbring und Becker Ehlers. Fuͤrſt. Womit beweiſen Sie es? Kriegsrath. Mit den Akten. Geruhen Sie ſelbſt Einſicht von dem Lieferungsprozeß zu nehmen, ſelbſt Referent aus dieſen ſchauderlichen Papieren zu werden; ſo werden Sie ſagen: Doſitz iſt erkauft, oder bloͤdſinnig. Fuͤrſt. Doſitz hat Kenntniſſe— Kriegsrath. Ausgebreitete Kenntniſſe. Fuͤrſt. Er iſt ein ſchneller, ein guter Arbeiter. Er ſieht den richtigen Standpunkt von jeder Sache im erſten Blick. Kriegsrath. Das iſt wahr! Fuͤrſt. Er thut in Einer Woche, was andre in einem Vierteljahre kaum thun. Kriegsrath. Das iſt wahr! Fürſt. Er iſt gewiß ein ehrlicher Mann. Kriegsrath. Nein, Ihre Durchlaucht! Fuͤrſt. Aber— Kriegsrath. Die Akten, gnaͤdigſter Fuͤrſt— ſehen Sie ſelbſt. Dienſtpflicht. 139 Fuͤrſt. Das will ich, aber Sie muͤſſen doch eingeſtehn, daß Sie die Sache gegen die Liefen ranten mit einer Hitze, mit einer Leidenſchaft be⸗ trieben haben— Kriegsrath. Wie ich ſie Ihnen und der Menſchheit und meinem Gewiſſen ſchuldig bin. Sie ſind gerecht, Sie ſind gut. Kann ich zuſe— hen, daß waͤhrend Sie alles geben, alles thun, ſich ſelbſt einſchraͤnken, um alles zu thun— eine Rotte von Betruͤgern das Mark Ihres Landes ein— ſaugt, Ihre braven fechtenden Truppen darben laͤßt, und Fluch und Thraͤnen, ſtatt Segen auf Ihr Haupt ladet? Fürſt. Das hat mir niemand noch geſagt; wo ich ſtand, fand ich die Truppen wohl ver— pflegt, die andern Generale— Kriegsrath. Einige ſcheuen den Freund des Fuͤrſten, haben mehr zu verlieren als ich. Mein Weg iſt gemacht. Zu verlieren habe ich nichts, als Gewiſſensruhe, die ich nicht verlieren moͤchte.— Ich ſtehe am Ende und rede Wahrheit. Füͤrſt. Thraͤnen?— Fluch?— Das ver— diene ich nicht. Kriegsrath. Bey Gott nicht! Fuͤrſt. Warum ſind Sie nicht gleich gekom— men? Warum haben Sie nicht geſprochen, gleich als Sie entlaſſen worden ſind? Kriegsrath. Ich war da, Ihre Durchlaucht! 4 ———ů i 140 Dienſtpflicht⸗ Fuͤrſt. Wann? Kriegsrath. Heute, halb vier Uhr. Ihre Durchlaucht, hieß es, wollten mich nicht ſehen. Fuͤrſt. Wen haben Sie geſprochen? Wer hat Ihnen das geſagt? Wer? Kriegsrath. Der Leiblakay Wender. Fuͤrſt geht nach der Mitte. Falkenberg!— Fal— kenberg! Neu ntter Auferiſzt t. Vorige. Falkenberg⸗ Fürſt. Schaffen Sie mir Wender— ſeyn Sie ſo gut— gleich— eh e Vori ge. Wender oon der linken Seite. Wender. Ihre Durchlaucht rufen meinen Namen— Fuͤrſt. Warum iſt mir halb vier Uhr der Kriegsrath Dallner nicht gemeldet? Wender. Weil— weil— jedermann von der Ungnade ſprach— Dienſtpflicht. 141 165 Fuͤrſt. Warum iſt dem Kriegsrath geſagt, ich wollte ihn nicht ſprechen?— Geh Er auf die Schloßwache in Arreſt. Wender. Ihre Durchlaucht— Furſt. Was? Wender. Meine langen Djenſte— Fütſt. Lange Dienſte ſind keine Entſchuldi— gung fuͤr ſchlechte Dienſte, Fort! Wender. Ich hatte auch— ich hatte einen Befehl, daß der Herr nicht vor ſollte. Fuͤrſt. Von wem? von wem? Wender. Vom Herrn geheimen Kriegsrath Doſitz. Fuͤrſt. Fort! in Arreſt! Wender geht ab.— Ihre Sache beunruhiget mich. Falkenberg. Und mir— mir wurde gar eine goldene Doſe geboten, wenn ich den Herrn da nicht melden wollte— Da liegt ſie wahrlich noch, wie ich ſie dem unredlichen Manne vor die Fuͤße geworfen habe. Fuͤrſt. Wer hat die geboten? Falkenberg. Der Sekretaͤr Falbring. Fuͤrſt. Ich will hell ſehen in der Sache— Laſſen Sie den Falbring her beſtellen. Auf der N Stelle— gleich! 11 Falkenberg geht rechts hinaus 2 i e R 142 Dienſtpflicht. Eitfßitder Auftritt. Der Fürſt. Kriegsrath Dallner. Fuͤrſt. Was haben Sie aber mit dem alten unruhigen Unterofficier Gruner? Kriegsrath. Seine Unruhe— iſt— Hun— ger und Wunden. Fuͤrſt. Es ſind wuͤrdigere da. Kriegsrath. Auf Eid und Ehre— nein! Fuͤrſt. Er macht die Soldaten ſchwuͤrig. Kriegsrath. Ja, mit dem Anblick ſeines Elends. Fuͤrſt. Ich will ihn ſehen. Kriegsrath. Auch er war da, und iſt nicht vorgelaſſen. Fuͤrſt. Guͤtiger Gott! was wollen die Leute aus mir machen? Ich will jedermatn ſehen, ich will jedermann hoͤren, ich will troͤſten wo ich nicht helfen kann, ich bin ſtolz auf das Vorrecht, der erſte Freund eines jeden meiner Unterthanen zu ſeyn— wenn ich nichts anders geben kann, ſo ſoll doch der Ungluͤckliche mein naſſes Auge ſehen. Um dief Vorrecht betruͤgt man mich. Was bleibt mir dann?— der Neid der Einfaͤltigen, der Haß der Schwaͤrmer, die Verfolgung der Boͤſewichter. Dienſtpflicht. 3wölftet Aufestik. Vorige. Falkenberg. Hernach Baruch⸗ Falkenberg. Der Jude Baruch bittet um die Gnade vorgelaſſen zu werden. Fürſt. Er ſoll kommen. Falken berg winkt hinaus. Baruch tritt ein. Baruch. Ihre Durchl. halten zu Gnaden— da habe ich etwas zu uͤberreichen, was ich einem reichen Diebe, dem Becker Ehlers, habe abfordern muͤſſen, um es dem Herrn Falbrink zu liefern gegen hundert und zwanzig Louisdors, die mir verſprochen ſind. Da ich aber das Geld nicht will— ſo bringe ich die Schrift Ihro Durchlaucht— belieben Sie nur den Punkt zu leſen— den da! Ers giebt es ihm. ſo werden Sie ſehen, was der alte Mann da fuͤr ein Recht hat, wenn er ſchreyt laut in den Himmel hinein um Rache! Fuͤrſt. Iſt Er nicht bey der Lieferung? Baruch. Mein Lebstag hab ich den Artikel vom Kinderfluch nicht gefuͤhrt. Fuüͤrſt im Leſen. Abſcheulich!— unerhoͤrt! ieſt weiter. Riedertraͤchtig! Lieſt weiter. Meine armen ——............... 144 Dienſtpflicht⸗ Soldaten!— eEr giebt es dem Kriegsrath. Hat Fal⸗ bring wirklich das geſchrieben? Kriegsrath. Ja, Ihre Durchlaucht! Baruch. So gewiß als er hundert nnd zwan— zig Louisdor geboten hat das da zu haben. Fürſt bat wieder geleſen. Das iſt ein foͤrmlicher Unterricht in der fuͤrchterlichen Kunſt meine Leute verhungern zu laſſen. Baruch. Ihre Durchlaucht muͤſſen nur die ganz geringen Leute fragen, dann kommen Sie recht dahinter. Fuͤrſt. Das werde ich.— Wie kommts aber, Herr Baruch, daß Er die hundert und zwanzig Louisdor verſchmerzt hat? Baruch. Wie kommts, Ihre Durchlaucht? Ein Liebhaber von Procenten bin ich, wie andre auch, ſo bald es im Handel und Wandel iſt. Bey dieſem Handel, den ehrlichen Mann da zu retten, ſind mir Hundert vom Hundert gelobt. Fuͤrſt. Wer zahlt die? wer? Baruch. Der großmaͤchtige Handelsherr da droben. Auf den Himmel deutend. Empfehle mich zur Gnade! Geht ab. Dienſtpflicht. eehyzehjier Rüfttitt Vorige ohne Baruch. Fuͤrſt. Dallner!— ich habe Ihnen Unrecht gethan. Es iſt mir leid, ich will alles gut machen. Kriegsrath greift nach deſſen Hand. Mein guter, gnaͤdiger Fuͤrſt!— Fuͤrſt. Nicht ſo! Er zieht die Hand zurück. Legen Sie Ihre Hand in meine. Wir ſind beide ehr— liche Maͤnner, und wollen recht gute Freunde ſeyn. Kriegsrath gerührt. Dieſe Gnade! Fuͤrſt. Ich habe eine Ungerechtigkeit an einem alten treuen Diener begangen. Meine Gnade kann das nicht gut machen, aber meine Freundſchaft, hoffe ich— Den Doſitz muß man rufen laſſen. Ich war ſein Freund, aber ihm ſoll nichts nachge— ſehen werden— Doſitz ſoll gerufen werden! Falkenberg geht ab. Kriegsrath. Lieber, guͤtiger Herr— Sie haben mein Herz geoͤffnet. Wollen Sie ein Wort von mir anhoͤren— wir ſind allein— nehmen Sie es zu Herzen, als den Segen eines ehrlichen alten Mannes fuͤr ihre kuͤnftigen Regierungsjahre, die er nicht mehr erleben wird! Darf ich reden? Fuͤrſt. Alles!— alles! Dienſtpflicht. AI 15 rr˖r˖rrreererrrreeee n 4 8 146 ienſtpflicht. Kriegsrath. Sie ſind gerecht— gut— aber feurig! Verurtheilen Sie nie wieder ſo ſchnell— als heute. Ihr Wort iſt ſchwer— es toͤdtet und heilt— iſt Lohn oder Strafe— laſſen Sie Sich es nie ſchnell entreißen. Hoͤren Sie den Angeklag⸗ ten— dann laſſen Sie Ihr Herz walten, und Gott wird Sie ſegnen und Ihr Volk. * Füͤrſt reicht ihm die Hand. Bey meiner Ehre, das will ich! Er ſchüttelt ihm die Hand. Ehrwuͤrdiger Mann, wenn die Stimme der Wahrheit mit Liebe zu einem Fuͤrſten ſpricht, ſo iſt dieß ein guter Engel, der auf ſeinem rauhen Pfade ihn ſegnet, und dem er Willkommen zurufen wird, wenn er ſelbſt ein guter Menſch iſt. Er umarmt ihn. Willkommen denn! Vierzehnter Auftritt. Vorige. Falkenberg. Falkenberg. Nach dem geheimen Kriegsrath iſt geſchickt. Fuͤrſt. Gut! Falkenberg. Etwas ganz beſonderes hat ſich zugetragen. Ein artiger kleiner Junge laͤuft im ganzen Schloſſe herum, und geht von Thuͤr zu Thuͤr. Bald ſteht er ſtill und weint, bald laͤuft er von Treppe zu Treppe. Wenn man ihn fragt, —— 2 + Dienſtyflicht. 142 15 zu wem er wolle, zeigt er das Porträt von Ihro Durchlaucht, und laͤuft weiter. 0 8 2 Fuͤrſt. Was mag das Kind wollen? weſſen ˖ iſt es 2 Kriegsrath. Ihre Durchlaucht halten zu d 9 3 Gnaden— ich denke, es mag mein Großſohn ſeyn. Fuͤrſt. Er ſoll kommen, er ſoll kommen. E— ö Falkenberg geht ab. 2 2 5 2 f Kriegsrath. Das Kind, ich weiß nicht was „ es will. Seine Mutter ſchenkte ihm heute das fi Bild.— Sollte es gehoͤrt haben— n 1 f K Funfzehnter Auftritt. Vorige, Falkenberg nit Ernſt an der 6 Hand, der ſich gleich los teißt, auf den Fürſten zuläuft, ſich feſt an ihn anhält, und laut ausruft: 14 Ernſt. Du biſts, du biſts, du biſts! 0 0 Kriegsrath. Ernſt! Ernſt! Was ſoll das? Ernſt läuft zu ihm. Er iſts, er muß der Mama helfen, und dir— h Kriegsrath. Was willſt du? W Ernſt aufs Kupfer deutend. Das biſt du— Seine 2 Hand nehmend. Und das biſt du! Aber du ſiehſt er beſſer aus, als das Bild. Er giebt es dem Kammerherrnt Behalte du es, alter Mann! ich hab ihn ſelbſt— r˖r..r.rrrrrprp— 148 Di Fuͤrſt. Was willſt du von mir, Klelner? Ernſt. Du biſt ja der Landesvater, hat die Mama geſagt, der muß allen Ungluͤcklichen helfen, hat ſie geſagt. Ach ſo hilf uns doch, der arme Onkel hat ſich durch den Kopf geſchoſſen. (Fuͤrſt. Was? Kriegsrath. Ernſt— Ernſt— was— Ernſt. Ja— Großvater, ſie haben ihn oben hinauf getragen. Er weint. Er iſt ſchon ganz todt! Kriegsrath. Herr! ſey ſeiner Seele— Er wird ſchwach. Falkenberg faßt ihn auf. Der Fürſt ſchiebt einen Stuhl hin. Ernſt. Großvater!— Großvater! Fürſt geht nach der Mitte. Hat niemand Salz bey ſich? Ein Jagdjunker bringt es. Der Fürſt nimmt es in der Thür ab. Der Jagdjunker geht zurück. Der Fürſt macht die Thüre zu. Falkenberg. Es bedarfs nicht. Er erholt ſich. ˖˖rr Kriegsrath ſchlägt die Augen auf. Fuͤrſt. Mein armer Dallner! Kriegsrath. Herr ſey ſeiner Seele gnaͤdig! Er ſteht mit Hülfe des Kammerherrn auf. Fürſt. Wo wollen Sie hin?— Kriegsrath. Zu meiner armen Tochter gehen.— Komm, Kleiner! Er zieht ibn an ſich— 5 Dienſtpflicht. 149 Ernſt zum Fürſten. Willſt du uns denn nicht helfen? f Fuͤrſt. Da kann nur Gott helfen. — N Kriegsrath. Das wird er mir bald durch ein ſeliges Ende. Er verſucht es ſich zu verbei Fäͤrſt. Hierher, mein Freund!— hierher! — Er führt ihn nach der Mitte. Falkenberg, gelelten Sie 622 3 f en ihn auf mein Ruhebette. Du geheſt mit ihm, ˖ Kleiner! Er geleitet ſie nach der Mitte, wo alle die i 0 Zimmer ſind, zu Hülfe kommen. 1 macht Der Fürſt geht nach der 1 en gehen will, begegnet ihm Sechzehnter Auftritt. ſt Juſtizrath Liſtar. Hernach Falken⸗ berg, die zwey Jagdjunker und die h. zwey Kavaliere. Fuͤrſt. Was giebts, Herr Juſtizrath?— Juſtizrath. Unerſetzliches Ungluͤck, der 56 01 Sekretaͤr Dallner— Fürſt. Ich weiß es. Iſt er todt? Todt! 150 Dienſtpflicht. Juſtizrath. Ehrgefuͤhl. Ich habe ihn genau beobachtet. Ein ungluͤcklicher Augenblick, in dem ich ſeiner ohnmaͤchtigen Schweſter beyſtand— war ſein Ende. Das fand man in ſeiner Taſche. Er giebt dem Fürſten ein Papier. Fuͤr ſt lieſt:„Ich bin entehrt— ich kann nicht mehr leben. Mitleid bitte ich fuͤr mein Andenken auf dieſer Welt.— Barmherzigkeit hoffe ich fuͤr die Fortdauer meines Weſens in einer audern Welt. Vergebung, Vergebung— ich kann nicht leben. Liſtar, nimm dich meines Vaters an— nimm dich meiner Schweſter an! Lebt wohl!“— Schrecklich! der Vater iſt bey mir. Juſtizrath. Ich weiß es— Fuͤrſt. Und verlaͤßt mich nicht mehr. Sieht ſein Haus nicht mehr wieder. Doch das gehoͤrt nicht hierher. Wo iſt ſeine Tochter?— Juſtizrath. In dem ungluͤcklichen Hauſe. Fuͤrſt. Hierher mit ihr! Juſtizrath. Ihre Durchlaucht, ich bitte— Fürſt. Hierher! Der Vater ſoll im Schloße wohnen, die ganze Familie. Sie ſollen nicht mehr zuruͤck. Nehmen Sie einen Wagen— ſchaffen Sie mir die arme Frau her— ſie muß mit dem Vater weinen. Juſtizrath verbeugt ſich und geht, Dienſtpflicht. 151 4 Fürſt. An der Nebentreppe— da Er deutet lnts, fahren Sie an. Gehen Sie auch dort hinaus. U 22 ufsizrath geht links ab. Der Fürſt geht nach der Mitte ab. Im Augenblick, als er drinnen iſt, kommen der Kammerherr von Falkenberg, die beiden Jagdjunker und die zwey Kavaliere heraus. U 83 5 Erſter Jagdjunker. Was es aber nur ſeyn n mag, Herr von Falkenberg? Falkenberg. Vaterſorgen und Angſt, meine 8 Herren! 8 Erſter Kavalier. Und daß unſer gnaͤdigſter 1 Herr ſolchen Antheil nimmt. 1 · Zweyter Jagdjunker. Was das bedeuten mag? Falkenberg. Menſchenherz und Furſten⸗ 4 pflicht. t t H Siebzehnter Auftritt. 6 Vorige. Sekretaͤr Falbring. Falbrin g verbeugt ſich. Er iſt ſehr ernſthaft. b Die Jagdjunker erwiedern es. Falkenberg ſieht ihn nicht an. ˖ Falbring. Nach einer Paufe. Ihre Durchlaucht haben befohlen, daß ich gehorſamſt aufwarten ſoll. Falkenberg ohne ihn anzuſehen. Ja! Pauſe, Dienſtpflicht. — ◻ Erſter Jagdjunker. Herr von Falkenberg— Falkenberg trtt zu ihm und redet leiſe mit ihm. Pauſe. Falbring. Werde ich Ihro Durchlaucht ge— meldet, gnaͤdiger Herr? Falkenberg. Nein! Falbring. Soll ich etwa zu einer andern Zeit wieder kommen, ſo will ich— Falkenberg. Sie bleiben da. Achtzehnter Auftritt. Vorige. Der Fürſt. Alle treten aus einander. Fürſt ſieht den Sekretär Falbring durchdringend an. Falbring. Ihre Durchlaucht— Fuͤrſt. Warum zittert Er? Falbring. Der ſtrenge Blick, den— Fürſt giebt ihm das Papier, das der Jude gebracht hak— Kennt Er das? Falbring. Ja, ich kenne es. Allein— Fäͤrſt. Iſt das Seine Hand? Hat Er das geſchrieben? Falbring. Ihro Durchlaucht, der Anſchein iſt wider mich— allein. in Dienſtpflicht. 153 Fürſt. Hat Er das nicht geſchrieben? So ſage Er nein! Falbring. Ich habe es zwar geſchrieben, aber nur in der Abſicht— Fuͤrſt. Nehmen Sie das Papier, Herr von Falkenberg! Falkenberg nimmt dem Falbring das Papier ab. Falbring. Sollte mein Ungluͤck wollen, daß ich bey dem beſten— Furſt. Er hat dem Herrn von Falkenberg eine goldene Doſe geboten, damit der Kriegsrath Dall⸗ ner mir nicht gemeldet wuͤrde. Warum hat Er das gethan? Falbring. Um— Ihro Durchlaucht eine Unruhe, einen Kummer zu erſparen, um— Fuͤrſt zu den Hoflenten. Ihr Herren— es iſt Euer Beruf dem Ungluͤcklichen den Weg zu mir zu zeigen und leicht zu machen. Es iſt mein Beruf gerecht zu ſeyn, jedermann zu hoͤren, der zu mir reden will; wer von Euch irgend jemand den Weg zu mir erſchweren wollte, der begeht ein Verbrechen an der Menſchheit, er hat eine fuͤrchterliche Verant⸗ wortung. Von wem ich ſo etwas erfahre, den will ich mit Entehrung ſtrafen, das ganze Volk ſoll es wiſſen, daß ich den fuͤr einen Meuchelmoͤrder halte, der mich um die Liebe meines Volks bringt. Die Saͤhle dieſes Schloſſes ſind groß; wenn Menſchen ſie ausfüllen, die mit Vertrauen zu mir kommen, 154 Dienſtpflicht. ſo iſt es große Galla, und mein Herz iſt nie zu enge fuͤr das Anliegen des Volkes. Ne unzehnitee Küfetite · Vovige. Juſtizrath Liſtar führt Ma dam —— Roſen in einem Mantel und Flork:ſie hat ein Tuch vor den Augen, und wankt an ſeiner Seite. 2 2 Fuͤrſt. Da hinein, Herr Juſtizrath! iiee Falbrin 9 fährt zuſammen. Fuͤrſt. Der Officier von der Schloßwache ſoll dieſen Boͤſewicht in das gemeine Gefangenhaus bringen laſſen. Falkenberg geht. Falbring. Ich bin zu Grunde gerichtet, wenn Ihro Durchlaucht Gnade nicht— Fuͤrſt. Keine Gnade, ſo wahr mir Gott gnaͤ— dig ſeyn wolle, vor dem ich Rechenſchaft ablegen foll— Gerechtigkeit wartet auf dich. Zum Jagdjunker. Oeffnen Sie die Thuͤr. Der Jagdjunker öffnet die Mittelthür. Man ſieht in der Ferne den Kriegsrath Dallner ſitzen, der Juſtizrath ſteht hinter ihm, hat ſeinen Arm unter ſeinem Kopfe. Ernſt ſteht an ſeinem Knie und hat ſeine Hand. Madam Roſen knieet vor ihm, und hat ihr Geſicht auf ſeine Hand gelegt. Fuͤrſt. Sieh hin— ſieh— das hat dein Geld— dein Raub— deine Beſtechung vermocht! E Falkenberg tritt ein. Fuͤrſt. Einen Theil dieſes Elends habe ich um deinetwillen veranlaßt. Er faßt ſich, winkt die Thür zuzumachen; es geſchieht. Er tritt vor und ſagt mit Würde: Ich will gut machen, was noch gut gemacht werden kann. Buͤße Er Sein Verbrechen. Fort!— Falbring geht ab. Falkenberg. Gunaͤdiger Herr— ſchonen 0 Sie Sich— es greift Sie zu ſtark an. Fuͤrſt. Die da drinnen ſind, o noch mehr!— Guten Abend, meine Herren! Kein Spiel, keine Tafel, keine Aufwartung fuͤr heute— Morgen fehen wir uns wieder. Alle gehen ab. Fuͤrſt. Herr von Falkenberg, ich danke Ihnen nicht dafuͤr, daß Sie ein ehrlicher Mann ſind— ſo was dankt ſich ſelbſt. Falkenberg. Ihre Durchlaucht! F Fürſt. Bleiben Sie, mein Freund! rPrrr...r.H. rſerrrr Z wia nzigſter Auftritt. Vorige. Kriegsrath Dallner. EEEEERCCC Fürſt. Ungluͤcklicher Vater! Kriegsrath ſeufzt. Ich habe noch eine Toch—⸗ ter, gnaͤdigſter Herr! Fuͤrſt. Gut! Sie haben Pflichten fuͤr dieſe Tochter, fuͤr mich, fuͤr Ihr Vaterland. iii Kriegsrath. O ja! Fuͤrſt. Erhalten Sie Sich fuͤr uns, und geben Sie dem Schmerze nicht nach. Kriegsrath ſeuftt. Fäͤrſt. Sie kehren nie mehr in Ihr Haus zurück. Sie wohnen mit Ihrer Familie im Schloſſe. Sie ſind nicht mehr Kriegsrath, Sie rathen mir ſelbſt. Sie ſagen mir Wahrheit, wenn ich ſie uͤber— ſehen ſollte. Es giebt keine hoͤhere, ehrwuͤrdigere Stelle in meinem Lande. Kriegsrath. Gott gebe mir Kraft dazu! Fuͤrſt. Einen Sohn haben Sie verloren, neh— men Sie einen ehrlichen Freund dafuͤr an. Eine Vaterſorge haben Sie weniger;— helfen Sie mir die meinige tragen, und ſtatt der Umarmungen Ihres Sohnes— nehmen Sie den Dank unſers Vaterlandes. —˖rrr Dienſtpflicht. 157 Kriegsrath. Zu Gott bete ich fuͤr die un— ſterbliche Seele meines Sohnes— den Leichnam werde ich nicht lange beweinen— Wahrheit gelobe ich Ihnen bis an mein Ende, und Fleiß. Fuͤrſt. Wahrheit!— nach dieſem großen Ziele gehen wir aus. Geſegnet iſt der Fuͤrſt, der in ſolchem Geleite der Menſchheit dient! Er nimmt ihre Hände. Nun laßt uns die Ungluͤcklichen troͤſten, die drinnen bey mir ſind, und Er geht mit ihnen, nach der Mitte. dann ſoll der Gerechtigkeit Genuͤge ge— leiſtet werden. BLB Karlsruhe 45 624711 031