1 1 Die Stützen der Geſellſchaft. Nordiſche Bibliothek herausgegeben Julius Hoffory. Band X. 0 henrit Ibſen: Die Stützen der Geſellſchaft. Berlin 1890. Verlag von S. Fiſcher, königl. ſchwed. Hofbuchhändler. Benrik Iblen. 2 * 10 Die Ftützen der Geſellſchaft. Schauſpiel in vier Aufzügen. 5 Deutſch 8 von C. Klingenfeld. vVom Verfaſſer autoriſierte deutſche Ausgabe BZweite Auflage. 9 8 8 Berlin 1890. Verlag von S. Fiſcher, Mönigl. ſchwed. Hofbuchhändler⸗ te vorbehalten. Den Bül 4 8 — 80 eript. gnen gegenüber Manuf Perſonen. Guſtav Bernick, Konſul. Frau Bernick, ſeine Gattin. Oskar, deſſen Sohn, 13 Jahre alt. Fräulein Bernick, des Konſuls Schweſter. Johann Tönnſen, Frau Bernicks jüngerer Bruder. Fräulein Heſſel, ihre ältere Halbſchweſter. Hilmar Tönnſen, Frau Bernicks Vetter. Oberlehrer Lundt. Großhändler Bummel. Kaufmann Wigland. Kaufmann Sandſtadt. Dina Torp, ein junges Mädchen im Hauſe des Konſuls. Prokuriſt Brapp. Schiffsbaumeiſter Auner. Frau Rummel. Frau Holt, die Poſtmeiſterin. Frau Lange, die Doktorin. Fräulein Bummel. Fräulein Holt. gürger der Ftadt. Fremde geeleute. Dampfſchiffs⸗ paſſagiere u. ſ. w. Ort der Handlung: Konſul Bernicks Haus in einer kleinen norwegiſchen Seeſtadt. Erſter Aufzug. (Ein geräumiger Gartenſaal in Konſul Bernicks Haus. Links im Vordergrund führt eine Thür in das Zimmer des Konſuls weiter zurück, an derſelben Wand, iſt eine ähnliche Thür. In der Mitte der entgegengeſetzten Wand iſt 155 größere Eingangs thür. Die Hinterwand beſteht faſt ganz aus Spiegelfenſtern; in der Mitte derſelben eine offene Thür, durch die man auf eine geräumige, mit einem Sonnenzelt überſpannte Terraſſe gelangt Von der Terraſſe führen drei bis vier Stufen in den Garten, der durch ein Gitter mit einem kleinen Eingangsthor abgegrenzt iſt. Außerhalb und längs des Gitters 5 eine Straße, die auf de gegenüberliegenden Seite mit kleinen, hell angeſtrichenen Häuſern bebaut iſt. Es iſt Sommer und warmer Sonnenſchein. Einzelne Leute gehen hie und da auf der Straße vorüber; man bleibt ſtehen und unterhält ſich, macht 1.100 in dem Kramladen an der Ecke u. ſ. w.) Erſter Auftritt. e Geſellſchaft von Damen. hrer Linker Frau Holt ulein Rumm nid und D nick, mme Lund 7 und Kleidunt fe und i 833 lehrer Lund Zuſchauer nur ei ſer 2 vor, doch ſo, daß die n läuft Oskar umher und U r Frau Vernich nickt i 55 hin und klopft Krapp, den Hut i er Hand und W Konſuls Zimmer.) Krapp. Na, ſind Sie's, der klopft? Auner. Der Herr Konſul hat nach mir geſchickt. Krapp. Allerdings, aber kann Sie nicht empfangen; hat mir aufgetragen— Auner. Ihnen? Ich möchte doch lieber— Krapp.— mir aufgetragen, mit Ihnen zu reden. Sie müſſen dieſe Samstags-Vorträge für die Arbeiter unterlaſſen. Auner. So? Ich dächte doch, ich müßte meine freie Zeit anwenden— Krapp. Sie müſſen ihre freie Zeit nicht dazu anwenden, die Leute für die Arbeitszeit unbrauchbar zu machen. Letzten Samstag ſprachen Sie über den Schaden, den man von unſern neuen Maſchinen und dem neuen Arbeitsverfahren auf dem Werft hätte. Warum? Auner. Um die Geſellſchaft zu ſtützen. Krapp. Sonderbar! Der Konſul ſagt, das löſe Geſellſchaft auf. Auner. Meine Geſellſchaft iſt nicht die Geſellſchaft des Konſuls, Herr Prokuriſt! Als Vorſtand des Ar— beitervereins muß ich— Krapp. Sie ſind vor allen Dingen Vormann auf Konſul Bernicks Werft. Sie haben zu allererſt ihre Schuldigkeit gegen Konſul Bernicks Firma zu thun; denn von dieſer leben wir insgeſamt.— So, nun wiſſen Sie, was der Konſul Ihnen zu ſagen hatte. Auner. Der Konſul würde es mir nicht auf dieſe Art geſagt haben, Herr Prokuriſt. Aber ich weiß ſch on, wem ich das zu danken habe— dem verdammten ameri⸗ kaniſchen Schiff! Die Leute wollen, daß die Arbeit gehen ſoll, wie ſie es da drüben gewohnt ſind, und das— Krapp. Schon gut! Ich kann mich nicht auf Weitläufigkeiten einlaſſen. Sie kennen jetzt des Konſuls Meinung und damit baſta! Wollen Sie jetzt wieder nach dem Werft gehen, das wird gewiß nöthig ſein; ich komme ſelbſt bald nach.— Um Vergebung, meine Damen! Er grüßt und geht durch den Garten und die Straße ab. Auner geht ſtill nach rechts ab. Oberlehrer Lundt, der während dieſer halblaut geführten Unter redung die Lektüre fortgeſetzt, iſt gleich darauf mit dem Buch fertig und klappt es zu.) di Sweiter Auftritt. Die Vorigen, ohne Auner und Krapp. Lundt. Und hiemit, meine lieben Zuhörerinnen, iſt es zu Ende. Frau Rummel. Ach, welch eine lehrreiche Er⸗ zählung! Frau Holt. Und ſo moraliſch! Frau Bernick. Ein ſolches Buch giebt wirklich viel zu denken. Lundt. O ja! Es bildet ein wohlthuendes Gegen⸗ ſtück zu dem, was wir leider täglich aus Zeitungen und Journalen erfah Pren können. Jene vergoldete und ge⸗ ſchminkte Außenſeite, die von der Geſellſchaft in großen Städten zur Schau getragen wird, was birgt ſie eigent⸗ lich? Hohlheit und Fäulnis, wenn ich ſo ſagen darf. Nirgends eine moraliſche Grundlage. Mit einem Wort, dieſe großſtädtiſche Geſellſchaft von heutzutage, ſie iſt ein getünchtes Grab. Frau Holt. Ja, nur allzuwahr. Frau Rummel. Wir brauchen nur auf die ameri kaniſche Schiffsmannſchaft zu blicken, die hier mit dem ſchadhaften Schiffe liegt. Lundt. Von ſolchem Auswurf der Menſchheit will ich gar nicht reden. Aber ſelbſt in höheren Kreiſen— wie ſteht es da? Uberall Zweifel und gährende Un⸗ ruhe, Geſinnungsſtreitigkeiten und Unſicherheit in allen Verhältniſſen— und wie iſt das Familienleben unter graben! Wie äußern ſich nicht freche Umſturzgelüſte gegenüber den ꝗ— Wahrheiten! Dina(ohne aufzuſehen). Doch geſch ehen nicht auch dort viele große Thaten? Lundt. Große Thaten—? Ich verſteh 8 nicht Frau Holt eerſtaun'h). Aber, mein Gott, Dina—! Frau Rummel au gleicher Zeit). Aber Dina! wie kannſt du nur— Lundt. Ich möcht' es auch nicht für zuträglich halten, wenn dieſe Art von Thaten bei uns Einlaß fände. Nein, da müſſen wir noch Gott danken, daß wir es ſo haben, wie wir es haben. Wohl wächſt leider auch hier Unkraut zwiſchen dem Weizen; doch wir be ſtreben uns, redlich es auszujäten, ſo gut wir vermögen. Ja, meine Damen! Es gilt, die Geſellſchaft rein und das Unerprobte fern zu halten, das eine ungeduldige Zeit uns aufdringen will. Frau Holt. Und davon findet ſich leider mehr als genug. Frau Rummel. Ja, voriges Jahr hing es nur an einem Faden, ſo hätten wir die Eiſenbahn nach unſerer Stadt bekommen. Frau Bernick. Nun, das hat doch mein Mann verhindert. Lundt. Die 81 0 Frau Bernick. Sie können überzeugt ſein, daß Ihr Gemahl das Werkzeug in einer höheren Hand war, 15 er ſich weigerte, dieſe Neuerung zu befürworten. Frau Bernick. Und dennoch mußt' er in den Zeitungen ſich ſo viel Schlimmes ſagen laſſen. Aber wir vergeſſen ganz, Ihnen zu danken, Herr Oberlehrer. Es iſt 8 klich mehr als freundlich von Ihnen, daß Sie uns ſo viel Zeit opfern. Hundt Nicht der Rede wert! Jetzt in den Ferien— Frau Bernick. Gewiß; aber es iſt dennoch ein Opfer. Lundt(uat ſeinen Stuhl näher). Bitte, ſprechen Sie nicht davon, verehrte Frau! Bringen Sie nicht insgeſamt ein Opfer um einer guten Sache willen? Und bringen Sie es nicht gern und freudig? Dieſe moraliſch Ver⸗ derbten, für deren Beſſerung wir arbeiten, gleichen ver⸗ wundeten Soldaten auf einem Schlachtfeld. Sie, meine Damen, ſind 01 Diakoniſſinnen, die barmherzigen Schweſtern, die Charpie für dieſe Verunglückten zupfen und deit Verband ſanft um die Wunden legen, ſie heilen und Frau Bernick. Das muß eine herrliche Gabe ſein, alles in ſo ſchönem icht zu ſehen. Lundt. Vieles iſt in dieſer Hinſicht angeboren, aber vieles kann W erworben werden. Es handelt ſich nur darum, die Dinge im Lichte einer ernſten Lebens⸗ aufgabe zu ſehen.— 8u Fräulein Bernig.) Nun was ſagen Sie, Frünlen Martha? Finden Sie nicht, daß Sie gleich⸗ ſam eine feſtere Grundlage gewonnen haben, ſeit Sie ſich dem Schulunterricht widmen? Fräulein Bernick. Ich weiß nicht, was ich ſagen ſoll. Oft, wenn ich in der engen Schulſtube bin, wünſch' ich, daß ich weit draußen auf dem wogenden Meer wäre. Lundt. Sehen Sie, liebes Fräulein, das ſind An⸗ fechtungen. Doch vor ſo Glahe unruhigen Gäſten gilt es die Thür zu verrammeln. Das wogende Meer— das meinen Sie natürlich nicht buchſtäblich; Sie meinen die große, wogende menſchliche Geſellſchaft, in der ſo Manche zugrunde gehn. Und ſchätzen Sie denn wirklich das Leben ſo hoch, das Sie dort außen ſummen und toben Wiig Werfen Sie nur einen Blick auf die Straße! Da gehen die Menſchen in der Sonnenhitze und ſchwitzen und hetzen ſich ab mit ihren kleinlichen Nein, da haben wir es wahrlich beſſer, die wir hier in der Kühle ſitzen und der Gegend den Rücken wenden, von der die Verwirrung kommt. Fräulein Bernick. Ach Gott! Sie haben gewiß vollkommen Recht— Lundt. Und in einem Haus, wie dieſes iſt, in einem guten reinen Heim, wo das Familienleben in ſeiner ſchönſten Geſtalt ſichtbar iſt— wo Friede und Ein⸗ tracht herrſchen— Gu Frau Vernic) Auf was horchen Sie, Frau Bernick? Fr au Bernick ggegen die erſte Thür links gewendet). Wie laut ſie drinnen ſprechen! RRERCECECCC U— 38— N Lundt. Giebt's was Beſondres? 6 Frau Bernick. Ich weiß nicht. Ich höre nur, 00 daß jemand bei meinem Mann iſt. 8 Dritter Auftritt. Die Vorigen. Hilmar Tönnſen die Cigarre im Mund kommt durch die Thür rechts; er bleibt ſtehen, wie er die Damen ſieht.) 0 Hilmar Tönnſen. O, um Vergebung— 8 Er will ſich zurückziehen.) ö Frau Bernick. Nein, Hilmar, komm' nur näher; 5 du ſtörſt nicht. Wollteſt Du etwas? Hilmar Tönnſen. Nein, ich wollte nur herein⸗ ſehen. Guten Tag, meine Damen! Zu Frau Vernic) Nun was iſt beſchloſſen? Frau Bernick. Worin?* lung zuſammengetrommelt. Frau Bernick. Sol Was giebt es denn eigentlich? Hilmar Tönnſen. Ach, es iſt ja wieder dieſe Eiſenbahngeſchichte. Frau Rummel. Nein, iſt's möglich! Frau Bernick. Armer Guſtav! Soll er noch mehr Unannehmlichkeiten haben? Lundt. Aber wie reimen wir das zuſammen, Herr Tönnſen? Konſul Bernick gab ja voriges Jahr ſo deutlich zu verſtehen, daß er keine Eiſenbahn wolle. Hilmar Tönnſen. Ja, ſo ſcheint mir auch; aber 9 ich traf Prokuriſt Krapp, und der erzählte mir, die Eiſenbahnangelegenheit ſei wieder aufgenommen, und Bernick habe eine Zuſammenkunft mit drei hieſigen Finanzgrößen. Frau Rummel. War mir doch, als hört' ich Rummels Stimme. Hilmar Tönnſen. Bernick hat ja eine Verſamm⸗ — 9.— Hilmar Tönnſen. Natürlich iſt Herr Rummel dabei, ferner Kaufmann Sandſtadt und 9 Richel Wigland — der„heilige Michel! wie ſie ihn nennen. Lundt. Hm! Hilmar Tönnſen. Entſchuldigen Sie, Herr Ober 0 lehrer! Frau Bernick. Es war doch hier ſo gut und friedlich. Hilmar T Tönnſen. Ich für meinen Teil hätte nichts dagegen, wenn ſie wieder anfingen, zu ſtreiten. Es wäre wenigſtens eine Zerſtreuung. Lundt. O, dieſe Art Zerſtreuung, mein' ich, kann man entbehren. Hilmar Tönnſen. Je nun, wie man eben an⸗ gelegt iſt. Gewiſſe Naturen bedürfen hie und da eines aufregenden Kampfes. Doch dergleichen hat das Klein⸗ ſtadtleben leider ſelten zu bieten, und nicht jedem iſt's gegeben— Er blättert im Buch des Oberlehrers)„Die Frau als Dienerin der Geſellſchaft.“ Was iſt das für Zeugs? . Frau Bernick. Gott! Hilmar, das mußt Du nicht ſagen. Du haſt gewiß das Buch nicht geleſen. Hilmar Tönnſen. Nein; und ich gedenk' es auch nicht zu le eſen. Frau Bernick. Du biſt heute ſchlechter Laune. Hilmar Tönnſen. Ja, das bin ich. Frau Bernick. Haſt Du vielleicht nicht gut ge— ſchlafen? Hilmar Tönnſen. Nein, ſehr ſchlecht. Ich machte geſtern Abend einen kleinen Spaziergang wegen meiner Krankheit; dann ging ich in den Klub und las einen Reiſebericht vom Nordpol. Es liegt etwas Stählendes 9 darin, den Menſchen in ihren Kampf mit den Elementen zu folgen. Frau Rummel. Und das bekam Ihnen nicht gut⸗ Hilmar Tönnſen. Nein, es bekam mir ſehr ſchlecht; ich Lag die ganze Nacht und wälzte mich im Halb⸗ ſchlummer, und träumte, ich würde von einem häßlichen Walroß verfolgt. RRRR —— ————— 3⏑ 10 Vierter Auftritt. Die Vorigen. Oskar. Oskar der die Gartentreppe heraufgekommen iſt) Du biſt von einem Walroß verfolgt worden, Onkel? Hilmar Tönnſen. Ich träumte das, Du Dumm kopf! Aber was ſpielſt Du noch mit der lächerlichen Armbruſt? Weshalb ſchaffſt Du Dir kein ordentliches Gewehr an? Oskar. Ja, das wollt' ich gern, aber— Hilmar Tönnſen. Mit einem ſolchen Gewehr weiß man doch, was man will. Es hat etwas Nerven ſpannendes, ſo einen Schuß abz zuß nern Oskar. Und dann bönnt ich B zären ſchießen, Onkel. Aber der Vater erlaubt es nicht. Frau Bernick cu Hilmar Tönnſen). Setz' ihm doch keine ſolchen Dinge in den Kopf. Hilmar Tönnſen. Hm. iſt das ein Geſchlecht das heutzutag' erzogen wird! Da ſpricht man von Ab⸗ härtung und körperlichen Ubungen— aber, Gott be— wahre! das iſt alles nur Spielerei; nie ein ernſtes Streben nach jener Abhärtung, die darin liegt, der Ge fahr männlich in's Auge zu ſehen.— Du Tölpel! Steh nicht da und richte die Armbruſt gegen mich! Sie könnte losgehen. Oskar. Aber Onkel, es iſt ja kein Bolzen drin. Hilmar Tönnſen. Das kannſt Du nicht wiſſen. Es könnte doch einer drin ſein.— Weg damit! Wa rum zum Kuckuck biſt Du nie mit einem von Deines Vaters Schiffen nach Amerika gereiſt? Da könnteſt Du eine Wäfe jagd oder einen Kampf mit den Rothhäuten zu ſehen kriegen. Frau Bernick. Aber Hilmar— Oskar. Ei, das wollt' ich gern! Dann könnt' ich vielleicht auch Onkel Johann und Tante Lona treffen. Hilmar Tönnſen. Hm— dummes Zeug! „ Nο R 11 Frau Bernick. Jetzt kannſt du wieder in den Garten gehen, Oskar. Oskar. Darf ich auch auf die Straße? Frau Bernick. Ja; aber bleib' nur nicht zu lang aus 6 r läuft durch das Gitterthor und die Straße hinunter.) Fünfter Auftritt. ie Vorigen, ohne Oskar. Lundt. Sie ſollten dem Kind keine ſolchen Ideen in den Kopf ſetzen, Herr Tönnſen. Hilmar Tönnſen. Natürlich; er ſoll hier bleiben und ein Stubenhocker werden, wie ſo mancher Andre! Lundt. Doch warum reiſen Sie nicht ſelbſt hinüber? Hilmar Tönnſen. Ich mit meiner Krankheit? Freilich, um die kümmert ſich hier Niemand. Aber trotz⸗ dem— man hat doch gewiſſe Verpflichtungen gegen die Geſellſchaft, der man angehört. Hier muß doch wenigſtens einer ſein, der die Fahne der Idee hochhält. Uf! Da ſchreit er wieder. Die Damen. Wer? Hilmar Tönnſen. Ach! Ich weiß es nicht. Sie ſprechen ſo laut da drinnen, und das macht mich nervös. Frau Rummel. Das wird mein Mann ſein, Herr Tönnſen. Aber, wiſſen Sie, er iſt eben ſo gewohnt, in großen Verſammlungen zu reden— Lundt. Die andern haben auch kein ſchwaches Organ, wie mir ſcheint. Hilmar Tönnſen. Nein, Gott bewahre! Wenn es gilt, den Geldbeutel zu verteidigen, dann—. Hier geht ja alles in kleinlichen materiellen Berechnungen auf. Uf! Frau Bernick. Jedenfalls beſſer als früher, da Alles in Vergnügungen aufging. CCCCCCr 1 Frau Lange. War es früher wirklich ſo ſchlimm bei Ihnen? Frau Rummel. Das dürfen Sie glauben, Frau Lange. Sie können ſich glücklich preiſen, daß Sie da⸗ mals nicht hier wohnten. Frau Holt. Es hat ſich freilich vieles geändert Wenn ich an meine Mädchentage zurückdenke— Frau Rummel. Ach, denken Sie bloß vierzehn, fünfzehn Jahre zurück! Gott ſteh' uns bei, was für ein Leben war das! Damals beſtand noch der Ball verein und der Muſikverein— Fräulein Bernick. Und der dramatiſche Verein. An den kann ich mich noch deutlich erinnern. Frau Rummel an Silmar Tönnſer). Richtig, wo Ihr Stück aufgeführt wurde! Hilmar Tönnſen geht nach dem Hintergrund). Ach was! Lundt. Ein Stück von Herrn Tönnſen? Frau Rummel. Ja, das war lang, ehe Sie hier⸗ herkamen, Herr Oberlehrer. Es ward übrigens nur einmal gegeben. Frau Lange u Frau Rumme). Das war wohl jenes Stück, von dem Sie mir erzählten, Sie hätten darin die Liebhaberin geſpielt? Frau Rummel(nach Lundt hinunterſchielend). Ichꝰ— Kann mich deſſen wirklich nicht entſinnen; aber ich er⸗ innere mich noch all' der lärmenden Geſelligkeit in den Familien. Frau Holt. Ich weiß noch die Häuſer, die jede Woche zwei große Diners gaben. Frau Lange. Und dann war ja hier auch eine durchreiſende Schauſpielertruppe, wie ich hörte? Frau Rummel. O, das war nun das Aller— ſchlimmſte! Fra U Holt(warnend zu Frau Rummel). H m, hm— Frau Rummel eetwas verleger). Wie? Schauſpieler? Ei, das weiß ich gar nicht mehr. Frau Lange. Freilich, die Leute ſollen ja ſo viele U ⸗ tolle Streiche gemacht haben. eigentlich? Frau Rummel. O, im Grunde nichts, Frau Lange. Frau Holt. Süße Dina, reich' mir die Leinwand dort. Frau Bernick au gleicher Zeit). Liebe Dina, ſieh nach, daß Katharina den Kaffee bringt. Fräulein Bernick. Ich gehe mit Dir, Dina. (Ab mit Dina.) Frau Bernick eerebt ſich. Und mich entſchuldigen Sie auch für einen Augenblick, meine Damen, ich denke, wir trinken den Kaffee draußen. Sie geht auf die Terraſſe und deckt einen Tiſch. Oberlehre der Thür und ſpricht mit ihr. Hilmar Tönnſen ſteht au Was thaten ſie denn Sechſter Auftritt. Die Vorigen ohne Dina und Fräulein Bernick. Frau Rummel(eiſe). Gott, Frau Lange, wie haben Sie mich erſchreckt! Frau Lange. Ich? Frau Holt. Ja, aber eigentlich, Frau Rummel, haben Sie doch ſelbſt angefangen. Frau Rummel. Ich? Nein, wie können Sie nur ſo ſagen, Frau Holt! Es kam ja kein Sterbenswörtchen über meinen Mund. Frau Lange. Aber was iſt's denn? Frau Rummel. Wie Sie nur davon anfangen konnten! Sahen Sie denn nicht, daß Dina zugegen ward Frau Lange. Dina? Aber um Gotteswillen, iſt denn etwas vorgefallen? Frau Holt. Und noch dazu hier im Hauſe! Wiſſen Sie denn nicht, daß Frau Bernicks Bruder—? Frau Lange. Wer?— Ich weiß von gar nichts; ich bin ja ganz neu— Frau Rummel. Haben Sie alſo nicht gehört, daß—? hm— Gnu ihrer Tochter) Du kannſt ein wenig in den Garten gehen, Hilda. Frau Holt. Du auch, Netta! Und ſeid lieb und freundlich mit der armen Dina, wenn ſie kommt. 85 Holt und Frl. Rommel gehen in den Garten.) Frau Lange. Alſo was gab es mit Frau Bernicks Bruder? Frau 8 Rummel. Wiſſen Sie nicht, daß er es war, mit dem ſich die garſtige Geſchichte zutrug? Frau L Lange(auf Hilmar Tönnſen zeigend). War Herr Tönnſen dort in eine garſtige Geſchichte verwickelt? 5 Rummel. Nein, du lieber Gott! Der iſt ja ihr 2 Vetter. Ich ſpreche vom Bruder— Frau Holt.— von dem verrufenen Tönnſen. Frau Rummel. Johann hieß er. Er ging fort nach Amerika. Frau Holt. Mußte fort, verſtehen Sie. Frau Lange. Und mit ihm gab es alſo die garſtige Geſchichte? Frau Rummel. Ja, es gab ſo etwas— wie ſoll ich's nennen?— Es gab etwas mit Dinas Mutter. Ich erinnere mich noch, als wär' es geſtern geweſen. Johann Tönnſen war damals auf dem Kontor bei der alten Frau Bernick; Guſtav Bernic war ſoeben von Paris heimgekommen, war noch nicht verlobt— Frau Lange. Nun, und die garſtige Geſchichte? Frau Rummel. Ja, ſehen Sie, jenen Winter war Nüllers Schauſpielertruppe hier— Frau Holt.— und bei der Truppe war Schau ſpieler Torp mit Frau. Alle die jungen Leute waren in ſie rein vernarrt. Frau Rummel. Gott weiß, wie man ſie ſch ön finden konnte. Da kommt nun Schauſpieler Torp eines ſpäten Abends heim— Frau Holt.— ganz unerwartet— 15— Frau Rummel.— und findet—; nein, das läßt ſich wirklich nicht erzählen! Frau Holt. Nein, Frau Rummel, er fand nichts; denn die Thür war von innen verriegelt. Frau Rummel. Das wollt' ich gerade ſagen; er fand die Thür verriegelt. Und denken Sie ſich nur! Er, der drinnen iſt, muß zum Fenſter hinausſpringen. Frau Holt. Von einem Dachfenſter herunteri Frau Lange. Und das war Frau Bernicks Bruder? Frau Rummel. Freilich! Frau Lange. Und darum reiſte er nach Amerika? Frau Holt. Ja, da mußt' er wohl fort, wie Sie ſich denken können. Frau Rummel. Und hinterher wurde etwas bei⸗ nahe ebenſo Schlimmes entdeckt. Denken Sie nur, er hatte ſich an der Kaſſe vergriffen! Frau Holt. Aber das weiß man ja nicht gewiß, Frau Rummel; vielleicht waren es nur Gerüchte. Frau Rummel. Ah, da muß ich bitten! War es nicht in der ganzen Stadt bekannt? War nicht die alte Frau Bernick durch dieſen Verluſt nah daran, zu fallieren? Das hab' ich ſogar von Rummel ſelbſt. Aber ich will nichts geſagt haben— Gott behüte! Frau Holt. Doch zu Frau Torp wanderte das Geld keinesfalls; denn ſie— Frau Lange. Was wurde denn ſpäter aus Dinas Eltern? Frau Rummel. Nun, Torp zog ſeines Weges und ließ Frau und Kind im Stich. Aber die Madame war, weiß Gott, ſo frech, noch ein ganzes Jahr hier zu bleiben. Auf dem Theater durfte ſie ſich freilich nicht mehr zeigen; aber ſie ernährte ſich mit Waſchen und Nähen— Frau Holt.— und verſuchte, eine Tanzſchule zu errichten. Frau Rummel. Das ging natürlich nicht. Welche Familie würde wohl ihre Kinder ſo einer anvertrauen? —— —.....9.9——.— — 16— — Aber es währte auch nicht mehr lange mit ihr; die feine Madame war nicht an dergleichen Arbeiten ge⸗ wöhnt. Sie ſpürte es auf der Bruſt und ſtarb. Frau Lange. Hu! Das iſt freilich eine garſtige Geſchichte. Frau Rummel. Sie können ſich denken, wie ſchwer das für Bernicks zu tragen war. Das iſt der dunkle Fleck in der Sonne ihres Glücks, wie Rummel ſich einmal ausdrückte. Sprechen Sie darum hier im Hauſe nie wieder von dieſen Dingen, Frau Lange. Frau Holt. Und, um Gotteswillen, ebenſowenig von der Halbſchweſter! Frau Lange. Frau Bernick hat alſo noch eine Halbſchweſter? Frau Rummel. Gehabt— glücklicherweiſe; denn nun iſt die Verwandtſchaft zwiſchen den Beiden aus. Ja, die hatte immer was Apartes! Werden Sie mir glauben— ſie ſchnitt ſich die Haare kurz und lief im Regenwetter mit Männerſtiefeln herum. Frau Holt. Und als der Halbbruder, das ver⸗ lorne Subjekt, das Land verlaſſen hatte, und natürlich die ganze Stadt über ihn aufgebracht war— wiſſen Sie, was ſie that? Sie reiſte ihm nach. Frau Rummel ceu Frau Hol). Ja, aber der Skandal, den ſie machte, eh' ſie reiſtel Frau Holt. Still! Nichts davon! Frau Lange. Wie? Machte die auch Skandal? Frau Rummel. Hören Sie nur: Bernick hatte ſich juſt mit Betty Tönnſen verlobt, und gerade wie er mit ihr am Arm zu ihrer Tante kommt, um es zu melden— Frau Holt. Tönnſens waren nämlich elternlos- Frau Rummel.— da erhebt Lona Heſſel ſich von ihrem Stuhl und giebt dem feinen, gebildeten Bernick eine Ohrfeige, daß es nur ſo ſchallt. Frau Lange. Nein, hat man je—! Frau Holt. Es iſt die volle Wahrheit. die ge⸗ tige wer nkle ſich luſe enig eine enn Uus. mir im ver⸗ lich ſſen dal, dal? atte Eer zu ſich eten 17 Frau Rummel. Dann packte ſie ihren Koffer und reiſte nach Amerika. Frau Lange. So hat ſie wohl ſelber ein Auge auf ihn gehabt? Frau Rummel. Ohne Zweifel. Sie bildete ſich ein, es ſollte ein Paar aus ihnen werden, nachdem er von Paris zurückgekommen war. Frau Holt. Denken Sie! Sich ſo was einzu⸗ bilden! Bernick— der junge, feine Weltmann,— ein vollkommener Kavalier,— der Liebling aller damen— Frau Rummel gu Frau Holt).— und trotzdem ſo anſtändig, ſo moraliſch. Frau Lange. Aber was treibt denn dieſes Fräu⸗ lein Heſſel in Amerika? Frau Rummel. Ja, ſehen Sie, darüber liegt, wie Rummel ſich einmal ausdrückte, ein Schleier, der kaum gehoben werden darf. Frau Lange. Wie ſo! Frau Rummel. Sie ſteht, wie Sie begreifen werden, mit der Familie nicht mehr in Verbindung; aber das weiß doch die ganze Stadt, daß ſie da drüben für Geld in den Wirtshäuſern geſungen hat— Frau Holt.— und Vorträge gehalten— Frau Rummel.— und ein verrücktes Buch herausgegeben hat. Frau Lange. Ei da ſeht! Frau Rummel. Ja, ja! Lona Heſſel iſt auch einer von den Sonnenflecken im Bernick'ſchen Familienglück. Jetzt wiſſen Sie Beſcheid, liebe Frau Lange. Ich habe bei Gott, nur deshalb geſprochen, damit Sie ſich in acht nehmen können. Frau Lange. Darüber können Sie ruhig ſein. Doch, die arme Dina Torp! Das thut mir wirklich leid um ſie. Frau Rummel. Ei, für ſie war es ja ein reines Glück! Denken Sie, wenn ſie in den Händen der Eltern geblieben wäre! Natürlich nahmen wir Alle uns ihrer 2 —— ———— 139 an und ermahnten ſie nach beſten Kräften. Später ſetzte Fräulein Bernick durch, daß ſie hier in's Haus kam. Frau Holt. Aber ein ſchwer zu behandelndes Kind war ſie ſtets. Leicht begreiflich— die ſchlechten Bei J ſpiele! Solche Kinder ſind ja nicht wie unſre eigenen; man muß Nachſicht mit ihr haben, Frau Lange. Frau Rummel. Still, da kommt ſie! Gaut) Ja, die Dina iſt wirklich ein geſchicktes Mädchen. Ei, biſt Du ſchon da, Dina? Wir legen gerade die Arbeit zu ſammen. 0 Frau Holt. Wie lieblich Dein Kaffee duftet, ſüße Dina! Eine ſolche Taſſe Kaffee— Frau Bernick(auf der Terraſſe). Darf ich bitten, meine Damen! em Dienſtmädchen geholfen, bringen.) nſich, freundlich mit Dina zu al und ſucht ihre Handarbeit. Dina, willſt Du (Fräulein Ber (Alle Damen nehmen f˖ reden. Nach einer kleinen W 9 Fr au Bern ick(außen am Kaffeetiſch). nicht auch—? Dina. Nein, danke! Frau Bernick und O be rlehrer Lund (Sie ſetzt ſich an ihre Näharbeit. in den Saal.) einen Augenblick ſpäter tritt + + 27 K 1 zu ſchaffen und ſagt leiſe) Ding! wechſeln einige Worte; Lundt(mnacht ſich etwas am Tiſche Dina. Herr Lundt. Jundt. Warum wollten Sie nicht bei der Geſell ſchaft bleiben? Dina. Wie ich mit dem Kaffee kam, merkt' ich an der fremden Dame, daß man über mich geſprochen hatte. Lundt. Und ſahen Sie nicht auch, wie freundlich ſie mit Ihnen war? Dina. Aber das duld' ich nicht! Lundt. Sie haben einen ſtörriſchen Sinn, Dina. Dina. Ja. Lundt. Doch warum? Dina. Ich kann nicht anders. Lundt. Könnten Sie nicht verſuchen, anders zu werden? Dina. Nein. ind Bei⸗ ten; Ja, biſt zu ſüße leine dina! eſell h an hatte. dlich Dina. Lundt. Und weshalb? Dina c(ſebt ihn ar). Ich gehöre ja zu den moraliſch Verderbten. Lundt. Pfui, Dina. Dina. Meine Mutter gehörte auch zu den moraliſch Verderbten. Lundt. Wer hat Ihnen ſolche Dinge geſagt? Dina. 5 man ſagt mir fitets Warum? Da gehen ſie ſo behutſam mit mir um, als ob ich 10 0 würde, wenn O, wie ich all d dieſe u keit haf G58 Lundt. Liebe Dina, ich verſtehe ſehr gut, daß S ſich hier gedrückt fühlen; aber— Dina. O könnt' ich nur weg, weit weg! Ich würde mich ſchon ſelber fortbringen, wenn ich nur nicht unter Menſchen lebte, die ſo— ſo— Lundt. Was ſod Dina. So anſtändig und mora liſch ſind. Lundt. Aber Dina, das meinen Sie nicht. Dina. Ach, Sie verſtehen ſchon, was ich meine. Jeden Tag kommen Hilda und Netta her, damit ich ſie mir zum Muſter nehmen ſoll. Ich kann nie ſo wohl anſtändig werden, wie ſie. Ich will nicht ſo werden. Ach, wär' ich weit weg, ich wollee ſchon brav werden! Lundt. Sie ſind ja brav, Dina. Dina. Was hilft mir das hier? Lundt. Alſo reiſen?— Denken Sie im Ernſt daran? Dina. Ich möchte keinen Tag länger hier bleiben, wenn nicht Sie wären. Lundt. 50590 Sie mir, Dina— warum ſind Sie eigentlich ſo gern bei mir? Dina. Weil Sie mich ſo viel Schönes lehren. Lundt. Schönes? Halten Sie das, was ich Sie 3 kann, für ſchön? Dina. Ja. Oder— eigentlich lehren Sie mich nichts; aber wenn ich Sie reden höre, dann kann ich ſo viel Schönes ſehen. Lundt. Und was verſtehen Sie denn unter etwas Schönem? Dina. Darüber hab' ich nie nachgedacht. Lundt. So denken Sie jetzt darüber nach! Was verſtehen Sie unter etwas Schönem? Dina. Schön iſt etwas, das groß iſt und weit weg. Lundt. Hm!— Teure Dina, ich bin ſo innig be kümmert um Sie. Dina. Nur das? Lundt. Sie wiſſen ſicher recht gut, wie unſäglich lieb Sie mir ſind. Dina. Wenn ich Hilda oder Netta wäre, würden Sie nicht bange ſein, es gegen Jemand merken zu laſſen. Lundt. Ach, Dina, Sie können ſo wenig die tauſenderlei Rückſichten beurteilen, die man zu nehmen hat. Wenn ein Mann dazu berufen iſt, eine moraliſche Stütze der Geſellſchaft, in welcher er lebt, zu werden, ſo— man kann nicht vorſichtig genug ſein. Wär' ich nur gewiß, daß man meine Beweggründe nicht falſch deutete;— doch gleichviel. Ihnen muß und ſoll ge holfen werden. Dina, verſprechen Sie mir, daß, wenn ich komme,— wenn die Verhältniſſe mir geſtatten, zu kommen,— und ich ſage:„Hier iſt meine Hand“ wollen Sie dieſelbe dann annehmen und meine Gattin werden? Verſprechen Sie mir das, Dinad Dina. Ja. Lundt. Dank, Dank! Denn auch für mich Ach, Dina, ich bin Ihnen doch ſo gut!— Still! Man kommt, Dina, um meinetwillen— gehen Sie hinaus zu den andern! (Sie geht hinaus an den Kaffeetiſch. Im ſelben Augenbli Rummel, Kaufmann Sandſtadt und von Konſul Bernick, der e ten Großhänd hür links, gefo re trägt.) igt was LVas und be lich den ſſen. die men iſche den, ich lſch ge enn zu ttin erzählen— 91— Siebenter Auftritt. Oberlehrer Lundt, Konſul Bernick, Rummel Sandſtadt, Wigland; Hilmar Tönnſen, Frau Bernick und die übrigen Damen am Kaffeetiſch. Bernick. Die Sache iſt alſo abgemacht? Vigland. In Gottes Namen! Mag es denn ſein. tummel. Abgemacht, Bernick! Du weißt, das Wort eines Norwegers ſteht feſt wie Klippen und Felſen. Bernick. Und Keiner weicht, Keiner fällt ab, welchem Widerſtand wir auch begegnen? Rummel. Wir ſtehen und fallen miteinander, Bernick! Hilmar Tönnſen auter der Gar Vergebung! Iſt's denn nicht die Ei Bernick. Im Gegenteil; ſie ſoll zu ſtande kommen. Rummel.— mit Dampf, Herr Tönnſen. Hilmar Tönnſen dahey. So? Oberlehrer Lundt. Wie? Frau Bernick aunter der Gartenthür). Aber, lieber Guſtav, wie verhält es ſich denn eigentlich? Bernick. Ach, liebe Betty, wie kann Dich das nur intereſſieren? Zu den drei Serren) Doch nun müſſen wir die Liſten ausfertigen; je eher, je beſſer. Es iſt ſelbſt⸗ verſtändlich, daß wir vier zuerſt unterzeichnen. Die Stellung, die wir in der Geſellſchaft einnehmen, macht es zur Pflicht, uns ſo weit wie möglich vorzuwagen. Sandſtadt. Verſteht ſich, Herr Konſul. Rummel. Es ſoll gehen, Bernick; das ſei ge ſchworen! Bernick. Ach ja! Mir iſt gar nicht bang um den Ausgang. Jeder von uns muß in ſeinem Kreis thätig ſein; und können wir erſt auf eine recht lebhafte Be⸗ teiligung hinweiſen, ſo folgt von ſelber, daß auch die Gemeinde das Ihrige beitragen muß. Frau Bernick. Aber Guſtav, Du mußt uns wirklich — 9 Fallen? Um ſenbahn, die fällt? Bernick. Liebe Bettyl Dies iſt etwas, das Damen 05996 nur ſchwer beurteilen können. Hilmar Tönnſen. Du willſt Dich alſo doch de 1 Eiſenbahn annehmen? Bernick. Natürlich. Lundt. Aber voriges Jahr, Herr Konſul—? Bernick. Voriges Jahr war es etwas ganz andres. Damals war die Rede von einer Küſtenlinie— Wigland.— die ganz überflüſſig war, Herr 4 Lundt; denn wir haben ja die Dampfſchiffe- 0 Sandſtadt.— und die ſo unſinnig koſtſpielie geweſen wäre 0 Bernick. Die Hauptſache war, daß ſie nicht einem weiteren Kreiſe zugute gekommen wäre. Deshalb war ich dagegen; und ſo wurde die Binnenlinie genehmigt. Hilmar Tönnſen. Aber die berührt ja die Städte dieſer Gegend nicht. Bernick. Sie wird unſre Stadt berühren, mein lieber Hilmar; denn wir werden eine Zweigbahn zu uns herunter anlegen. Hilmar Tönnſen. Aha! Alſo ein neuer Einfall? Rummel. Und nicht wahr? Ein köſtlicher Einfall! Lundt. Hm— Wigland. Es kann nicht geleugnet werden, daß die Vorſehung gleichſam das Terrain für eine Zweig „ bahn zurechtgelegt hat. Lundt. Iſt das Ihr Ernſt, Herr Wigland? Ja! Auch ich betrachte es als eine Fügung, daß ich voriges Jahr in Geſchäften hinaufzu reiſen hatte 115 ſo zufälliger Weiſe an eine Wal ldſchlucht kam, wo ich früher nie 90 veſen war. Es durchzuckte mich wie ein Blitz, hier müß 5 wir eine Zweigbahn Au uns herunter aulegen können. Ich ließ einen nn die Strecke befahren; hier hab' ich die bei⸗ läufigen Berechnungen und Koſ ech es ſteht nichts im Weg. ndres. Herr ſpielig einem b war hmigt. Städte + daß Zweig 7 8 eine taufzu ſchlucht chzuckte igbahn einen ie bei⸗ mſteht Frau Be* nick ommt mit den übrigen Damen näher). Aber lieber Guſtav, daß Du dies alles vor uns verborgen hielteſt! Bernick. Meine 15 Be 5 Ihr hättet doch den för hang nicht faſſen können. Ul brigens ſprach ich vor dem heutigen Tage zu keiner menſchlichen Seele davon. Doch nun iſt der entſcheidende Augenblick gekommen; nun ſoll offen und mit allen K räften gewirkt werden. Und ſollt' ich meine ganze Exiſtenz an das Unternehmen ſetzen— ich werd' es durchführen. Rummel. Wir mit Dir, Bernick; darauf kannſt bauen. Lundt. Verſprechen Sie ſich wirklich ſo viel von der Sache, meine Herren? Bernick. Das will ich meinen! Welcher Hebel wird das nicht für unſre ganze Geſellſchaft werden! Denken Sie nur an die großen Wüldunhenz die zu⸗ gänglich gemacht werden; denken Sie an alle die reich— haltigen Erzlager, die in Betrieb geſetzt werden können; denken Sie an den Fluß mit den zahlreichen Waſſer⸗ fällen. Wie viele Fabriken können da nicht Lundt. Und fürchten Sie nicht, daß 56 häufigere Verkehr mit einer berdeibten Außenwelt Bernick. Beruhigen Sie ſich, Herr Oberl ehrer! Unſer kleiner, ſtrebſamer Ort ruht R N Gott ſei's gedankt— auf einem geſunden, moraliſchen Boden. Wir Alle haben ja geholfen, ihn zu drainieren, wenn ich ſo ſagen darf; und das wollen wir auch 55 thun, jeder auf ſeine Weiſe. Sie, Herr Oberlehrer, ſetzen Ihre ſegensreiche Wirkſamkeit in Sch ule und Haus fort; wir, die Männer der praktiſchen Arbeit, ſtützen die Geſel lſchaft„indem wir den Wohlſtand 117 einen 8 weiten Kreis, wie möglich, verbreiten;— und unſre Damen,— ja, kommen Sie nur näher, meine Damen: Sie mögen es immerhin hören;— unſre Damen, ſag' ich, unſre Frauen und Töchter— nun, wirken Sie nur ungeſtört im Dienſte der Wohlthätigkeit fort; und 24 im Übrigen ſeien Sie Ihrer Familie ein Troſt und eine Hülfe, ſo wie meine teure Bettyh und Martha es mir und Oskar ſind.(er ſieht ſich um) Ja ſo! Wo iſt Oskar heute? N Bernick. Jetzt in den Ferien iſt es nicht mög lich, il yn daheim zu halten. Bernick. So er gewiß wieder hinunter an den Hafen gelaufen! Du wirſt ſehen, es giebt noch ein Unglück. Hilmar Tönnſen. Bah! Ein kleines Spiel mit den Naturkräften— Frau Rummel. Wie ſchön iſt es von Ihnen, daß Sie ſo viel! Familienſi inn haben, Herr Konſul! Bernick. Ni die Familie iſt ja doch der Kern der Geſellſchaft. Ein Wi Heim, geachtete und treue ein kleiner, geſchloſſener Kreis, in den keine ſtörenden Elemente ihren Schatten werfen— (Prokuriſt Krapp kommt mit Briefen und Ze eitungen von rechts.) Achter Auftritt. Die Vorigen. Proluriſt Krapp. Krapp. Die ausländiſche Poſt, Herr Konſul— und ein Telegramm aus New⸗York. Bernick aimmt vasſelbeß). Ah! von der Rhederei „Indian Girl“ betreffend. Rummel. Die Poſt iſt gekommen? Dann muß ich mich empfehlen. Wigland. Auch ich. Sandſtadt. Auf 0 Herr Konſul! l Bernick. Auf Wiederſehen, meine Herren! Ver⸗ geſſen Sie ja nicht unſere Zuf ammenkunft heute Abend. Die drei Herren. Verſteht ſich; gewiß nicht! (Sie gehen rechts ab.) — cht den ein ern eue me iuß Neunter Auftritt. Die Vorigen, ohne Rummel, Sandſtadt, Wigland. Bernick oer das Telegramm geleſen). Nein, das iſt wirklich echt amerikaniſch! Geradezu empörend— Frau Bernick. Gott, Guſtav, was iſt's? Bernick. Sehen Sie, Herr Krapp, leſen Sie! Bae ieſh.„Möglichſt wenig reparieren;„Indian Girl“ ſenden, ſobald ſegel fial9 gute Jahreszeit; Ladung hält das Schiff nötigenfalls über Waſſer.“ Nun, das muß ich geſtehen— Bernick.„Hält das Schiff über Waſſer“! Die Herren wiſſen recht gut, daß das ſchwer geladne Schiff untergeht wie ein Stein, wenn irgend etwas paſſieren ſollte. Lundt. Ja, da ſieht man, wie es ſteht um dieſe hochgeprieſene Geſellſchaft der großen Städte! Bernick. Sehr wahr! Kein Bedenken, Menſchen⸗ leben zu opfern, ſobald der Vorteil mit ins Spiel kommt. Su Krapp) Kann„Indian Girl“ in vier bis fünf Tagen in die See ſtechen? Krapp. Ja, wenn Kaufmann Wigland ſich dazu verſteht, daß wir unterdeſſen die Arbeit an der„Palme“ ausſetzen. Bernick. Hm, das thut er nicht. Nun, wollen Sie vielleicht die Poſt durchſehen. Sie haben wohl nicht Oskar am Hafendamm getroffen? Krapp. Nein, Herr Konſul. (Ab in das erſte Zimmer links.) 26 Zehnter Vuftritt. 4 0 A 8 D N 40 24 00 Die Vorigen, ohne Krapp; ſpäter Oskar. Bernick(ſeht wieder in das Telegramm). Achtzehn Men 8 ſchenleben ſcheuen die Herren ſich nicht, aufs Spiel zu ſetzen— Hilmar Tönnſen. Ei, das iſt der Beruf des vo Seemanns, den Elementen zu trotzen; es muß etwas K Nervenſpannendes haben, ſo auf einer dünnen Planke R und darunter der Abgrund— 0 Bernick. Ich möchte bei uns den Schiffsrheder ar 0 ſehen, der ſich dazu bequemen könnte! Nicht Einer, D nicht ein Einziger— er wird Ostar gewabr.) Nun, Gott ſei Dank! Er iſt wohlbehalten da. 10 Oskar, mit einer Angelſchnur in der Hand, iſt die Straße heraufgelaufen und kommt nun durch das Gartenthor.) R Oskar(aoch im Garten.) Onkel Hilmar, ich war unten, und habe das Dampfſchiff kommen ſehen. 2 Bernick. Warſt Du wieder am Landungsplatzs he Oskar. Nein, ich war nur in einem Boot. Aber denk' Dir, Onkel Hilmar, da kam eine ganze Kunſtreiter truppe mit Pferden und Hunden, und dann gab es ſo viele Paſſagiere! F 4 Frau Rummel. Wie? Kunſtreiter ſollen wir ſehen! Lundt. Wir? Das will ich doch nicht annehmen. Frau Rummel. Natürlich wir nicht, aber— Dina. Ich möchte gern die Kunſtreiter ſehen! f Oskar. Ja, ich auch. 1 Hilmar Tönnſen. Du biſt ein Tapps. Iſt ſin daran etwas zu ſehen? Lauter Dreſſur! Da iſt doch di etwas Andres, den Gaucho auf ſeinem ſchnaubenden ‚ Muſtang über die Pampas jagen zu ſehen! Doch hier in dieſem Neſt— Oskar Gupft Fräulein Bernic). Tante Martha, ſchau, zu ſchau— da kommen ſie! W Frau Holt. Ja, bei Gott, da ſind ſie! Frau Lange. Pfui, die häßlichen Menſchen! he ſt ch en er Elfter Auftritt. Die Vorigen. (Viele Paſſagiere und ein ganzer Haufe von Leuten aus der Stadt ziehen über die Straße.) Frau Rummel. Ja, ja! Das ſind ſchon Gaukler von der rechten Sorte. Sehen Sie die in dem grauen Kleid, Frau Holt; ſie trägt einen Ranzen auf dem Rücken. Frau Holt. Ja, und ſehen Sie nur, ſie trägt ihn am Sonnenſchirm! Das iſt natürlich die Frau des Direktors. Frau Rummel. Und dort haben wir den Direktor ſelbſt; den mit dem Bart. Er ſieht ja ganz wie ein Räuber aus. Sieh nicht nach ihm, Hilda! Frau Holt. Du auch nicht, Netta! Oskar. Mutter! Der Direktor grüßt zu uns heraufl Bernick. Was fällt Dir ein! Frau Bernick. Was ſagſt Du, Kind? Frau Rummel. Ja, bei Gott! Da grüßt das Frauenzimmer auch! Bernick. Nein, das iſt doch zu ſtark! F 1 6 ulein B ernick(mit einem unwillkürlichen Ausruf). Ah Frau Bernick. Was iſt Dir, Martha? Fräulein Bernick. O, nichts! Ich meinte bloß— Oskar cccreit vor Freude). Schau, ſchau! Da kommen die andern mit den Pferden und Hunden! Und dort ſind auch die Amerikaner— alle Matroſen von„In- dian Girl““! (Man hört das„Lankee Doodle“, begleitet von Klarinette und Trommel. Hilmar Tönnſen chätd ſich die Ohren zu). Uf, uf, uf! Lundt. Ich glaube, wir ſollten uns ein wenig zurückziehen, meine Damen; das iſt nichts für unſereinen. Wir wollen wieder an die Arbeit gehen. Frau Bernick. Sollen wir vielleicht die Vorhänge herunterlaſſen? Lundt. Das iſt's, was ich ſoeben vorſchlagen wollte. Sie 8 f en nehmen ihre Plätze am Tiſche wieder ein. Oberlehrer Lundt ſchließt zum Garten und läßt die Vorhänge an dieſer, ſowie an den Fenſtern herunter. Es wird halbdunkel im Saal.) Oskar cer hinausguckt). Mutter! Nun ſteht die Frau des Direktors am Brunnen und wäſcht ſich das Geſicht. Frau Bernick. Was! Mitten auf dem Markt? Frau Rummel. Und noch dazu am helllichten Tag! Hilmar Tönnſen. Nun, wenn ich eine Reiſe durch die Wüſte machte und auf eine Ciſterne ſtieße, ſo würd' ich mich auch nicht bedenken— Uf, die entfetzliche Klarinette! Lundt. Es wäre wirklich angezeigt, daß die Polizei einſchritte. Bernick. Ei was! Mit Ausländern muß man es nicht ſo ſtreng nehmen. Die Leute haben ja nicht dies feſtgewurzelte Schicklichkeitsgefühl, das uns in den rechten Schranken hält. Laßt ſie nur ausſchreiten— was geht das uns an? All das Unweſen, das ſich gegen Brauch und gute Sitte auflehnt, iſt mit unſrer Geſellſchaft gar nicht verwandt, wenn ich ſo ſagen darf. — Was ſoll das? die fremde Dame tritt raſch durch die Thür rechts ein.) hür Swölfter Auftritt. Vorige; die fremde Dame. Die Frauen eerſchrocken, aber leiſeö. Die Kunſtreiterin! Die Direktorsfrau! Frau Bernick. Gott, was heißt das! Fräulein Bernick pringt au). Ah—! Die fremde Dame. Guten Tag, liebe Betty! Guten Tag, Martha! Guten Tag, Schwager! G 8 m wi do ha od gen rau cht. ten eiſe ſo iche ES ies den ſich rer arf. in! tty! 29 Frau Bernick cnit einem Schrei). Lona! Bernick(weicht einen Schritt zurückh:). So wahr ich lebe—l Frau Holt. Gott ſteh' uns beiln Frau Rummel. Nacht möglich! Hilmar Tönnſen. Na! Ufl Frau Bernick. Lona! Biſt Di s wirklich? Fräulein Heſſel. Ob ich's bir— Ja, wahr⸗ haftig! Was das betrifft, könnt Ihr 11115 getroſt um den Hals fallen. AI0 Tönnſen. Uf, uf! Frau Bernick. Und nun kommſt Du hieher als—? Bernick.— und willſt wirklich auftreten? Fräulein Heſſel. Auftreten?— Wieſo auftreten? Bernick. Nun— bei den Kunſtreitern— FräuleinHeſſel. Habaha! Biſt Du toll, Schwager? Glaubſt Du, ich gehöre zu den Kunſtreitern? Nein! Zwar hab' ich mancherlei Künſte geübt und mich auf manche Art zum Narren gemacht— Frau Rummel. Hm— Fräulein Heſſel.— doch Kunſtſtücke auf dem Pferderücken hab' ich nie ausgeführt. Bernick. Alſo doch nicht— Frau Bernick. Gott ſei dank! Fräulein Heſſel. Nein, wir kommen, wahrhaftig wie andre anſtändige Leute— freilich als Deckpaſſagiere doch daran ſind wir gewöhnt. Frau 8 Wir, ſagſt Du? Bernick zritt näherj). Welche wir—? Frkülein Ich und das Kind, natürlich Die Fr Auen(mnit einem Schrei). 3 Kind! Hilmar Tönnſen. Was Lundt. Das iſt wirklich ſtark. Frau Bernick. Sprich, was meinſt Du, Lona? Fräulein Heſſel. Ich meine natürlich John; ich habe kein andres Kind als John, ſoviel ich weiß oder Johann, wie Ihr ihn nanntet. Frau Bernick. Johann—! — 30— Frau Rummel caeiſe zu Frau Lange). Der verrufene Bruder! Bernick 6ögernd). Johann iſt mitgekommen? Frönlein Heſſel. Jawohl, jawohl; ich reiſe ja nicht ohne ihn.— Doch Ihr ſeht ſo betrübt aus, und — Cie ſieht ſich um.)— da ſitzt Ihr hier im Halbdunkel und näht an etwas Weißem. Es iſt doch kein Todes fall in der Familie? Fundt. Mein Fräulein! Sie befinden ſich hier im 8 3 für die Ia Verderbten— Fräulein Heſſel chaublaut). Was ſagen Sie? Dieſe feinen, anſtändigen Damen wären— Frau Rummel. Nein, das geht doch zu weit! ile⸗ ein Heſſe el. Ach verſteh, verſtehe! Aber, potz Tauſend! Iſt das nicht Frau Rummel? Und da ſitzt ſa auch Frau Holt. Nun, wir drei ſind nicht jünger geworden, ſeit wir uns zuletzt ſahen. Doch hört, Ihr guten Leute, laßt nun die moraliſch Ver⸗ derbten einen Tag warten; ſie werden darum nicht ſchlimmer. Eine Freudenſtunde wie dieſe Lundt. Eine Heimkunft iſt nicht immer eine Freudenſtunde. Fräulein Heſſel. In der Bibel werden Sie das ſchwerlich geleſen haben, Herr Paſtor! Lundt. Ich bin nicht Paſtor. Fräulein Heſſel. Nun, dann werden Sie es noch. Aber pfui, pfui, pfui; dieſes moraliſche Leinen zeug riecht ſo verderbt— gerade wie ein Leichentuch. Ich bin die Luft auf den Prairien N Bernick(wiſcht ſich die Stirn). Ja,'s iſt wirklich etwas dumpf. E D Fräulein Heſſel. Warte! Wir wollen ſchon aus dieſem modrigen Grab herauskommen. 8ie zieht die Vor hänge auf.) Volles Tageslicht muß hier ſein, wenn mein Junge kommt! Da ſollt Ihr einen Burſchen ſehen, der ſich gewaſchen hat! Hilmar Wnſe Uf! ch ht 31 Frä ulein Heſſel öffnet Fenſter und Thüren). Das b heißt wenn er ſich e n hat— da oben im Hotel; denn vom D hiff ward er ſch mutzig wie ein Schwein. Hilmar 2 Tönnſen. Uf, uf! Fräulein Heſſel. Uf? Ja, wah rhaftig, iſt das 10 1—? Sie deutet auf Hilmar und fragt die übrigen:) Geht der och immer hier bummeln und ſagt uf? Hilmar Tönnſen. Ich bummle nicht; ich mache mir nur Motion wegen meiner Krankheit. Lundt. Hm, meine Damen, ich glaube nicht— Fräulein Heſſel ciie Sstar erblickt hat). Iſt das Deiner, Betty?— Komm, 1 eb mir die Ffote, Junge! Oder fürchteſt Du Dich vielleicht vor Deiner alten, häßlichen Tante? Lundt indem er ſein Buch unter den Arm nimmt). Meine Damen, ich glaube nicht, daß wir in der Stimmung ſind, unſre Arbeit heute fortzuſetzen. Doch morgen kommen wir ja wieder zuſammen? Frä ulein H eſſel während die Damen ſich erheben, um A ied nehmen). Ja, das wollen wir. Ich werde auf dem Fleck ſein. Lundt. Sie?— Mit Verlaub, Fräulein, was wollen Sie in unſerm Verein? * 8eu g ir* F 1 Fräulein Heſſel. Ich will auslüften, Herr Paſtor! ———— ⏑⏑E⏑ ———— 8— Zweiter Kufzug. (Der Gartenſaal in Konſul Bernicks Haus.) 1 Erſter Auftritt. (Frau Bernick ſitzt allein am Arbeitstiſch mit ihrem Nähzeug. Gleich darauf kommt Konſul Bernick, den Hut auf, mit Stock und Handſchuhen, von rechts herein.) Frau Bernick. Du kommſt ſchon heim? Bernick. Ja. Ich habe Jemand beſtellt. Frau Bernick enit einem Seufzer)p). Ach ja! Vermutlich kommt Johann wieder. Bernick. Jemand, ſag' ich.(er legt den Hut weg). Wo ſind denn die Damen heute? Frau Bernick. Frau Rummel und Hilda hatten keine Zeit. Bernick. So? Abſagen laſſen? 0 Frau Bernick. Ja! Sie hatten ſo viel zu Haus NI zu thun. 3 N Bernick. Verſteht ſich. Und die andern kommen 0 natürlicherweiſe auch nicht. 68600 Frau Bernick. Nein; ſie haben auch eine Ab⸗ haltung. Bernick. Das hätt' ich Dir vorausſagen können. — Wo iſt Oskar hin? Frau Bernick. Ich ließ ihn mit Dina gehen. Bernick. Hm; Dina, das unbeſonnene Ding! Daß ſie ſich gleich geſtern ſo viel mit Johann abgeben mußte! Frau Bernick. gar nicht— Bernick. Nun, dann ſollte Johann jedenfalls ſo viel Takt gehabt haben, ihr keine beſondre Aufmerkſam⸗ keit zu ſchenken. Ich ſah recht gut die Augen, die Kaufmann Wigland dazu machte. Frau Bernick adegt das Näbzeug in den Schoß Guſtav, kannſt Du begreifen, was ſie hier wollen? Bernick. Hm; er hat eine Farm drüben und mit der geht es wohl nicht ſonderlich; ſie ſpielte ja geſtern darauf an, daß ſie als Deckpaſſagiere reiſen mußten. Frau Bernick. Ja, leider muß es ſo was ſein! Aber daß ſie mit herüberkam! Sie! Nach der tödlichen Kränkung, die ſie Dir angethan. Bernick. Ach, denk' nicht an die alten Geſchichten! Frau Bernick. Wie kann ich gerade jetzt 5 etwas Aber, lieber Guſtav, Dina weiß ja Andres denken? Er iſt ja doch mein Bruder.— Ach, es iſt nicht meinetwegen; aber all die Unannehmlichkeiten, 5 welche Dir daraus erwachſen— Guſtav, mir iſt ſo ſchrecklich bange. 50 Bernick. Warum? 5 Frau Bernick. Können ſie ihn nicht feſtſetzen wegen des Geldes, das Deiner Mutter entwendet wurde? Bernick. Geſchwätz! Wer kann beweiſen, daß Geld entwendet wurde? 8 Frau Bernick. Ach Gott, das weiß 15 leider die ganze Stadt; und Du ſelbſt ſagteſt doch 10 Bernick. Ich habe nichts geſagt. Die Sine weiß nichts von jenen Geſchichten. Es waren ja nur loſe 10 Gerüchte. 38 Frau Bernick. O, 8 biſt f8 großmütig, Guſtav! Bernick. Laß das! Du weißt nicht, wie Du mich 8 peinigſt, indem Du dieſe Dinge wieder aufwühlſt. 8 geht im Zimmer auf und ab, dabei ſchleudert er den Stock von ſich. Daß I5 ſie auch gerade jetzt heimkommen ilßtelt jetzt, da ich K die gute Stimmung 05 Mitbürger und der Preſſe 5 für mich haben muß!— Da wird man Korreſpondenzen 3 ———— an die G5e der Nachbarſtädte ſchreiben. Ob ich ſie 9565 oder ſchlecht aufnehme, ſo wird es bekrittelt und 5 i8 Da wird Jedern nann in den alten Geſchich ten herumrühren— gerade wie Du. In einer Geſellſchaft wie 8 unſrige—(er wirft die Handſchuhe auf den Tiſch.) Und nicht einen Menſchen hab' ich, mit dem ich ſprechen könnte, an dem ich eine Stütze hätte Frau Bernick. Nicht Einen, Guſtav? Bernick. Wer ſollte das ſein?— Sie gerade jetzt auf dem Hals zu haben! Es iſt gar kein Zweifel, daß ſie auf die eine oder andre Weiſe Skandal anfangen, be ſonders Lona. Iſt's nicht ein Unglück, ſolche Menſche in der Familie zu haben! Frau Bernick. Ich kann nichts dafür, daß— Bernick. Wofür kannſt Du nichts? Daß Du mit ihnen verwandt biſt? Nein, das iſt ein wahres Wort. Frau Bernick. Und ich habe ſie auch nicht ge beten, heimzukommen. Bernick. Aha, da haben wir's! Ich habe ſie nicht gebeten, heimzukommen, ich 85 nicht nach ihnen ge ſchrieben; ich habe ſie nicht bei den Haaren hergezogen. O, ich kann die ganze Litanei ſchon auswendig! Frau Bernick cricht in Thränen aus). Du biſt aber auch ſo lieblos— Bernick. So iſt's recht! Weine nur noch, daß die Stadt auch darüber ſchwätzen kann! Laß die Albernheit, Betty! Setz' Dich hinaus; es könnte Jemand kommen. Soll man vielleicht Frau Bernick mit roten Augen ſehen? Das wäre nett, wenn es unter die Leute käme, daß—(es klopft.) Herein! (Frau Bernick geht mit ihrem Nähzeug auf die Terraſſe. Schiffsbau meiſter Auner kommt von rechts. He wi Ki ſte od al Ki At en er 5 ie d en ite Sweiter Auftritt. Konſul Bernick. Auner. Auner. Guten Tag, Herr Konſul! Bernick. Guten Tag! Nun, Sie können wohl erraten, was ich von Ihnen will? Auner. Prokuriſt Krapp ſagte mir geſtern, daß Sie mit mir nicht zufrieden ſeien. Bernick. Ich bin mit dem ganzen Werft unzu⸗ rieden, Auner. Sie kommen ja nicht vorwärts m den Schiffen. Die„Palme“ ſollte ſchon längſt Segel ſein. Kaufmann Wiglan id kommt jeden Tag und drängt mich; das iſt ein unbequemer Mann Mitrheder. Auner. Die„Palme“ kann übermorgen in See ſtechen. Bernick. Na, endlich! Aber der Ar 3 5 ter„In- dian Girl“, der hier ſeit fünf Wochen lie iegt Auner. Der Amerikaner? Ich glaubte zuerſt mit allen Kräften an Ihr eigenes Schif zehen. Bernick. Ich gab Ihnen keine Veranlaſſung, ſo zu glauben; auch mit dem Am erikaner hätten Sie ſich möglichſt beeilen ſollen; aber das geſchieht fich, Auner. Der Boden des Schiffs iſt vermorſcht Herr Konſul. Je mehr wir daran flicken, deſto ſch hlimn wird es. Bernick. Nicht das iſt die Urſache. Prokuriſt Krapp hat mir die volle Wahrheit geſagt. Sie ver ſtehen nicht mit den neuen Maſchinen zu arbeiten— oder richtiger, Sie wollen nicht damit arbeiten. Auner. Herr Konſul, ich bin über fünfzig Jahre alt und bin die alte Arbeitsweiſe ſchon ſeit meinem Knabenalter 88 hnt Bernick. Die können wir heutzutage nicht brauchen. Glauben Sie nicht, Auner, 15 es um des Vorteils willen iſt; deſſen bedarf ich glücklicherweiſe nicht; aber ich habe Rückſicht zu nehmen auf die Geſelſhaft, der 3² 30 ich angehöre, und auf das Geſchäft, dem ich vorſtehe. Von mir müſſen die Fortſchritte kommen, oder ſie kommen nie. Auner. Ich bin auch für den Fortſchritt, Herr Konſul. Bernick. Ja, für Ihren beſchränkten Kreis, den Arbeiterſtand. O, ich kenne Ihre Agitationen. Sie halten Reden und wiegeln die Leute auf; aber wenn ſich ein handgreiflicher Fortſchritt darbietet, wie jetzt mit unſern Maſchinen, dann wollen Sie nicht dabei ſein, dann wird Ihnen bang. Auner. Ja, mir wird wirklich bang, Herr Konſul; mir wird bang um die Vielen, denen die Maſchinen das Brot wegnehmen. Herr Konſul, Sie ſprechen ſo oft davon, daß man Rückſicht auf die Geſellſchaft nehmen müſſe; aber ich denke, die Geſellſchaft hat wohl auch ihre Pflichten. Wie dürfen die Wiſſenſchaft und das fcdofth ldie 10 ildanhi einführen, eh' die Geſellſchaft ein Geſchl yt herangebildet hat, das ſie 86510000 weiß? Bernick. Sie leſen und grübeln zu viel, Auner; daran thun Sie nicht gut; das iſt's, was Sie unzu frieden mit Ihrer Stellung macht. Auner. Das iſt's nicht, Herr Konſul; aber ich kann's nicht ertragen, einen braven Arbeiter nach dem andern verabſchiedet und wegen dieſer Maſchinen brot⸗ los gemacht zu ſehen. Bernick. Hm, wie die Buchdruckerkunſt erfunden war, wurden viele Schreiber brotlos. Auner. Und würden Sie, Herr Konſul, dieſe Kunſt auch ſo geprieſen haben, wenn Sie damals Schreiber geweſen wären? Bernick. Ich habe Sie nicht herbeſchieden, um zu ſtreiten. Ich habe Sie rufen laſſen, um Ihnen zu ſagen, daß der Amerikaner„Indian Girl“ bis über⸗ morgen ausgebeſſert und ſegelfertig ſein muß. Auner. Aber, Herr Konſul— den Sie enn jetzt abei ner; tzu ich dem rot⸗ den Bernick. Übermorgen, hören Sie! Gleichzeitig mit unſrem eignen Schiff; nicht eine Stunde ſpäter! Ich habe meine guten Gründe, die Sache zu beſchleu⸗ nigen. Haben Sie die heutige Zeitung geleſen? Nun, dann wiſſen Sie, daß die Amerikaner wieder Händel angefangen haben. Dies unnütze Pack richtet noch die Gnze Stadt zugrunde. Keine Nacht vergeht ohne eine Schlägerei in den Wirtshäuſern oder auf der Straße, von all den andern Widerwärtigkeiten gar nicht zu reden. Auner. Gewiß, es ſind ſchlimme Leute. Bernick Und wem wird das Unweſen zur Laſt gelegt? Mir! Ja, ich muß die Vorwürfe über mich ergehen laſſen. Dieſe Zeitungsſchreiber geben auf ver⸗ blümte Weiſe zu verſtehen, daß wir die ganze Arbeits⸗ kraft auf die„Palme“ verwenden. Ich, der ich die Aufgabe habe, durch die Macht des Beiſpiels auf meine Mitbürger zu wirken, muß mir dergleichen unter die Naſe reiben laſſen. Das duld' ich nicht! Mir iſt ſchlecht damit gedient, wenn mein Name ſo beſchmutzt wird. Auner. Der Name des Herrn Konſul iſt ſo gut, daß er dies und noch mehr ertragen kann. Jetzt nicht. Gerade in dieſer Zeit bedar ich die Ac chtung und das Wohlwollen meiner Mitbü 1970 doppelt. Ich habe, wie Sie vielleicht gehört haben, ein großes Unternehmen im Werke; glückt es aber bös— geſinnten Menſchen, das unbedingte Vertrauen zu meiner Perſon zu erſchüttern, ſo kann mir das die größten Schwierigkeiten verurſachen. Darum will ich um jeden Preis dieſen boshaften und verleumderiſchen Zeitungs⸗ ſchreibereien aus dem Wege gehen und darum hab' ich die Friſt auf übermorgen feſtgeſetzt. 05 Herr Konſul, Sie könnten ebenſo gut die Friſt auf heute Nack mittag feſtſetzen. Bernick. Sie meinen, daß ich Unmögliches ver lange? 38 Auner. Ja, mit dem Arbeitsſtock, den wir jetzt haben— Bernick. Gut, gut; ſo müſſen wir uns anderweitig umthun. Auner. Wollen Sie wirklich noch mehr von unſern alten Arbeitern verabſchieden? Bernick. Nein, das hab' ich nicht im Sinne. Auner. Es könnte auch böſes Blut machen, wenn Sie das thäten, nicht nur in der Stadt, auch in den Zeitungen. Bernick. Wohl möglich; darum laß' ich es Doch wenn„Indian Girl“ übermorgen nicht in die See ſtechen kann, ſo verabſchied' ich Sie. Auner praut zurüch). Mich?(er lacht. Sie ſcherzen, Herr Konſul. Bernick. Darauf dürften Sie ſich nicht verlaſſen Auner. Sie könnten daran denken, mich zu ver abſchiedend Mich, deſſen Vater und Großvater, gleich mir, all ihr Lebtag hier auf dem Werfte dienten— Bernick. Sie ſelbſt zwingen mich dazu. Auner. Sie verlangen unmögliche Dinge, Herr Konſul. Bernick. Bah, ein guter Wille kennt keine Unmög lichkeiten. Ja oder neind Antworten Sie mir beſtimmt, oder Sie haben Ihren Abſchied auf der Stelle. Auner eeinen Schritt näher). Herr Konſul, haben Sie auch bedacht, was es heißt, einem alten Arbeiter den Abſchied geben? Sie meinen, daß er ſich nach einem andern Platz umſchauen ſoll? O ja, das kann er! Aber i ſt es damit gethan?— Sie ſollten einmal im Haus eines ſolchen verabſchiedeten Arbeiters zugegen ſein, wenn er heimkommt und ſeine Kiſte mit Werkzeug zur Thür hineinſchiebt. Bernick. Glauben Sie, ich verabſchiede Sie mit Ient Herzen? War ich Ihnen nicht ſtets ein billiger Arbeitsherr? Auner. Um ſo ſchlimmer, Herr Konſul. Juſt * itig ern ög⸗ mt, den tem er! im gen ug mit ger uſt darum werden die Meinigen nicht Ihnen die Schuld geben; ſie werden nichts zu mir ſ fügert d denn das wagen ſie nicht; aber ſie werden mich anſehen, wenn ich's nicht merke, und denken: das wird wohl verdient ſein. Sehen Sie, das— das kann ich nicht ertragen! Ein ſo geringer Mann ich bin, ich war doch ſtets gewohnt, als der Erſte unter den Meinen zu gelten. Mein dürftiges Heim iſt auch eine kleine Geſellſchaft, Herr Konſul. Dieſe kleine Geſellſchaft hab' ich zu ſtützen und aufrecht zu erhalten vermocht, weil meine Frau an mich glaubte und weil meine Kinder an mich glaubten. Und nun ſoll das alles zuſammenſtürzen. Ja, wenn es einmal nicht anders ſein kann, ſo muß das Kleinere vor dem Größeren fallen; das Einze lne muß in Gottes Namen dem Allgemeinen geopfert werden. Anders weiß ich Ihnen nicht zu ant⸗ worten, und anders geht es auch nicht in der Aber Sie ſind ein hals ſtartiger Mann, Auner. widerſetzen ſich mir, nicht weil Sie nicht anders können, ſondern weil Sie nicht wollen, daß die Maſchinen über die Handarbeit aufkommen. Auner. Und Sie halten ſo feſt daran, Herr Konſul, weil Sie wiſſen, daß Sie der Preſſe wenigſtens Ihren guten Willen bewieſen haben, wenn Sie mich fortjagen. Bernick. Und wenn es ſo wäre? Sie hören ja, was es für mich gilt— entweder die Preſſe auf dem Hals zu haben oder ſie mir in einer n Auge nblick wohl⸗ geſinnt zu ſehen, wo ich für eine große Sache zum allgemeinen Beſten arbeite. Was nun? Kann ich anders handeln, als ich 1 Ich ſage Ihnen— die Frage iſt: entweder Ihr Heim zu erhalten, oder— wenn mein Plan mißlingt— hunderte von Heimſtätten or Wümbg lich zu machen, weil ſie nie gegründet werden können, nie einen rauchenden Schornf ſtein beſitzen werden. Nun kennen Sie den Grund, weshalb ich Ihnen die Wahl ließ. — 40— zu ſagen. aufrichtig leid, daß wir uns trennen müſſen. Auner. Wir trennen uns nicht, Herr Konſul. Bernick. Wie? Bernick. Hm,— mein lieber Auner, es thut mir Auner. Ein ſchlichter Mann hat auch etwas in der Welt zu wahren. Bernick. Ja wohl, ja wohl— und glauben Sie alſo verſprechen zu können—? Auner.„Indian Girl“ kann übermorgen auslaufen. (Er grüßt und geht rechts ab Bernick. Aha! So kam ich doch noch mit dem Trotzkopf. Das ſoll mir ein gutes ſein.— Hilmar Tönnſen, die Cigarre im Mund, kommt durch das Gartenthor Dritter Auftritt. Konſul Bernick, Hilmar Tönnſen, gleich darauf Frau Bernick. Hilmar Tönnſen(auf der Treppe). Guten Tag, Betty! Guten Tag, Bernick! Frau Bernick. Guten Tag. Hilmar Tönnſen. Nun, Du haſt geweint, wie ich ſehe; Du weißt alſod Frau Bernick. Was ſoll Hilmar Tönnſen. Daß Gang iſt. Uf! Bernick. Wieſo? Hilmar Tönnſen(ommt hereir). Ei, die zwei Ameri kaner gehen in der Stadt herum und zeigen ſich in Begleitung von Dina Torp. Frau Bernick(olgt ihn). Iſt's möglich—? ich wiſſen? der Skandal in vollem Auner. Wenn es ſo iſt, dann hab' ich nichts mehr —7 41— Hilmar Tönnſen. Leider die volle Wahrheit. Lona war ſogar taktlos genug, mir nachzurufen; aber natürlich— ich that, als hört' ich's nicht. Bernick. Und das Alles ging wahrſcheinlich nicht unbemerkt vor ſich? Hilmar Tönnſen. Nein, wie Du wohl denken kannſt. Die Leute blieben ſtehen und ſchauten ihnen nach. Es ſchien wie ein Lauffeuer durch die Stadt verbreitet— ungefähr wie ein Brand auf den Prairien. In allen Häuſern ſtanden Menſchen an den Fenſtern und warteten, bis der Zug vorbeikäme; Kopf an Kopf hinter den Gardinen— uf! Entſchuldige, Betty, ich ſage uf, das macht mich nervös;— ſollte das länger ſo fortgehen, dann muß ich daran denken, eine größere Reiſe zu machen Frau Bernick. Aber Du hätteſt doch mit ihm reden und ihm vorſtellen ſollen— Hilmar Tönnſen. Auf offener Straße? Nein, Du mußt wirkllich entſchuldigen.— Daß dieſer Menſch feh überhaupt auf der Straße zeigt! Nun wir wollen ſehen, ob ihm die Preſſe nicht einen Dämpfer aufſetzt Bernick. Die Preſſe? Haſt Du Andeutungen dieſer Art gehört? Hilmar Tönnſen. Je nun, es iſt nicht ganz ohne. Als ich mich geſtern von Euch verabſchiedete, ging ich hinauf in den Klub, wegen meiner Krankheit. Ich merkte gleich an der Stille, die eintrat, daß man die beiden Amerikaner aufs Tapet gebracht hatte. Kommt der unverſchämte Redakteur Hammer herein und gratu⸗ liert mir ganz laut zur Heimkehr meines reichen Vetters. Bernick. Reich—? Hilmar Tönnſen. Ja, ſo drückte er ſich aus. Ich maß ihn natürlich mit einem wohlverdienten Blick und gab ihm zu verſtehen, daß ich nichts von Johann Tönnſens Reichtum wüßte.„So?“ ſagte er,„das wäre rrr.. ———— 42 ſonderbar. In Amerika pflegt man ſich doch aufzu ſchwingen, wenn man etwas Kapital zum Beginn hat; und Ihr Vetter reiſte ja nicht mit leeren Händen hinüber.“ Bernick. Hm, thu' mir den einzigen Gefallen— Frau Bernick(erummert). Da ſiehſt Du, Guſtav— Hilmar Tönnſen. Der Menſch hat mir eine ſchlaf loſe Nacht t bereitet Und da geht er noch herum mit einem Geſicht, als wenn gar nichts paſſiert wäre. Warum konnt' er auch nicht auf immer verſchwinden! Es iſt doch unerträglich, was für ein zähes Leben manche Menſchen haben. Frau Bernick. Gott, Hilmar, was ſagſt Du da? Hi fie Tönnſen. Ach, ich ſage nichts. Aber da entrinnt er mit heiler Haut den Eiſenbahnunfällen, den liforniſe 5 Bären und den Schwarzfuß-Indianern nicht einmal ſkalpiert! Uf, da haben wir ihn! 1(ſie ht die Straße hinunter). Oskar iſt auch mit! Hilmar Tönnſen. Natürlich! Sie woller die Leute daran mahnen, daß ſie zur erſten Familie der Stadt ge⸗ hören. Sieh, ſieh, da kommen alle M küßiggänger aus der Apotheke 8 gaffen ihnen nach und machen ihre Bemerkungen. Das iſt wirklich nichts für meine Nerven; wie ein Mann unter dieſen Umſtänden die Fahne der Idee hochhalten ſoll— Bernick. Sie kommen hieher Höre, Betty, es iſt mein ausdrücklicher Wunſe ch, daß Du ihnen alle mögliche Freundl lichkeit erzeigſt. Frau Bernick. Du erlaubſt alſo—2 Bernick Gewiß, gewiß; und auch Du, Hilmar. Sie bleiben hoffentlich nicht 191 hier. Und wenn wir unter uns ſind— keine A lnſpielungen! Wir dürfen ſie d durchaus nicht verletzen. Frau Bernick. Gaftan Wie gr 0ß mütig Du biſt! Bernick. Nun, nun, laß gut ſein! Frau Bernick. Nein, laß mich Dir danken und 2 vergieb, daß ich vorhin ſo heftig werden konnte! 15 hatteſt ja alle Urſache— 3 5 Bernick. Sch on gut, ſchon gut! Hilmar Tönnſen. Ufl —— f— b— vlaf mit vierter Auftritt. )are. SNR 53 + Die Vorigen. Johann Tönnſen und Dina, ge eben folgt von Fräulein Heſſel und Oskar, kommen durch den Garten. da? FräuleinHeſſel. Guten Tag, Ihr lieben Menſchen! [ber Johann Tönnſen. Nun haben wir uns die alten ler Plee wieder beſchaut. rn Bernick. Viele Veränderungen; nicht wahr? Fräulein Heſſel. überall Konſul Bernicks große nit! und gute Thaten. Wir waren in den Anlagen, die Du ute der Stadt geſchenkt— ge⸗ Bernick. So, dort? Uts Fräulein Heſſel. Ri Bernicks Schenkung“ hre wie über dem, Eingang ſteht. Ja, Du biſt ſchon der en: Mann für das Ganze. der Johann Tönnſen. Auch prächtige Schiffe haſt Du. Ich traf den Kapitän der„Palme“, meinen alten iſt Schulkameraden—— che 350 ulein Heſſel. Ein neues Schulhaus haſt Di ja auch gebaut und die Waſſerleitung und Gasleitung verdankt man Dir, wie ich höre. ar Bernick. Nun, man muß doch für die Geſellſchaft nn wirken, in der man lebt. 0 en Fräulein Heſſel. Das iſt brav, ee aber es iſt auch eine Freude, zu ſehen, wie Dich die Leute 55 f anerkennen. Ich bin nicht eitel, ſoviel ich weiß; allein ü ich konnt' es doch nicht unterlaſſen, Den und Jenen, 10 mit dem wir ſprachen, daran zu mahnen, daß wir zur 8 Familie gehören. 44 Hilmar Tönnſen. Uf—! Fräulein Heſſel. Sagſt Du„uf“ dazu? Hilmar Tönnſen. Nein, ich ſagte hm Fräulein Heſſel. Nun, das ſoll Dir erlaubt ſein, armer Narr. Doch heute ſeid Ihr ja ganz allein? Frau Bernick. Ja, heute ſind wir allein. Fräulein Heſſel. Wir trafen, weiß Gott, ein paar von den Moraliſchen droben auf dem Markt; ſie ſchienen es ſehr eilig zu haben.— Aber wir haben ja noch gar nicht ordentlich miteinander geplaudert. Geſtern waren erſt die drei Bahngründer da, und dann hatten wir dieſen Paſtor Hilmar Tönnſen. Oberlehrer. Fräulein Heſſel. Ich nenn' ihn Paſtor. Aber was ſagt Ihr nun zu meinem Werk in dieſen fünfzehn Jahren? Iſt er nicht ein prächtiger Junge! Wer ſollte den Wildfang wieder erkennen, der vom Hauſe fortlief? Hilmar Johann zu viel! Fräulein Heſſel. Nein, darauf thu' ich mir wirklich was zugute. Herrgott! Das iſt ja das Ein zige, was ich in der Welt ausgerichtet habe; aber das giebt mir auch eine Art Recht, da zu ſein. Ja, Johann, wenn ich daran denke, wie wir Zwei dort drüben be⸗ gannen mit unſern vier leeren Fäuſten— Hilmar Tönnſen. Händen. Fräulein Heſſel. Ich ſage Fäuſte, denn ſchmutzig waren ſie— Hilmar Tönnſen. Ufl Fräulein Heſſel.— und leer waren ſie auch. Hilmar Tönnſen. Leer? Nein, da muß ich doch ſagen—! Fräulein Heſſel. Was mußt Du ſagen? Bernick. Hm! Töunſen. Hm—! 5 önnſen. Na, Lona, prahle nur nicht U ja tern tten ber zehn Wer auſe icht mir din das mn, be⸗ itzig doch Hilmar Tönnſen. Da muß i ch ſagen— uf! (Er geht auf die Terraſſe Fräulein Heſfel. Was hat denn der Menſch? Bernick. Ach, kümmre Dich nicht um ihn; er iſt augenblicklich etwas nervös. Doch willſt Du Dich nicht ein wenig im Garten umſehen? Da warſt Du ja noch gar nicht, und ich habe gerade ein Stündchen frei. Frau Bernick. Du wirſt ſehen, da ſind auch große Beränderungen vorgenommen worden. K onſul Berr e ſ in der Oskar(anter der Gar r Ortel 1Hil mar, weißt Du, was mich Onkel Johann fragte? Er fragte, ob ich mit ihm nach Amerika wolle. Hilmar Tönnſen. Du? So ein Knirps, ſo ein Mutterſöhnchen? Oskar. Das will ich nicht mehr ſein. Du wirſt ſehen, wenn ich groß bin— Hilmar Tönnſen. Bah, Wiſchwaſch! Du haſt keinen ernſten Drang nach der Abhärtung, die darin liegt— (Sie gehen zuſammen in den Garten Fünfter Auftritt. Johann Tönnſen. Dina. Johann Tönnſen cun Dina, die den Hut abgenon der Thür rechts ſteht und den Staub von ihrem ganz warm geworden von der Tour. Dina. Ja, es war ein ſchöner Spaziergang; einen o ſchönen hab' ich noch nie gemacht. Johann Tönnſen. Pflegen Sie nicht oft Vor— mittags auszugehend Dina. O ja; aber nur mit Oskar. Johann Tönnſen. Haben Sie vielleicht Luſt, in den Garten zu gehen, oder bleiben Sie lieber hier? Dina. Ich bleibe lieber hier. Johann Tönnſen. Ich auch. Alſo es gilt: wir machen jeden Morgen einen Spaziergang. Dina. Das ſollten Sie nicht thun. Johann Tönnſen. Warum? Sie verſprachen es ja. Dina. Allerdings! Doch wenn ich es recht be⸗ denke, dann—. Sie ſollten nicht mit mir ausgehen. Johann Tönnſen. Und warum nicht? Dina. Sie ſind fremd; Sie wiſſen das noch nicht; aber ich muß Ihnen ſagen— Johann Tönnſen. Nun? Dina. Nein, ich will doch lieber nichts ſagen. Johann Tönnſen. Sprechen Sie nur, Dina! Mir können Sie Alles ſagen. Dina. So wiſſen Sie denn: ich bin nicht wie die andern jungen Mädchen; es iſt ſo etwas— ſo etwas Abſonderliches mit mir. Deshalb ſollen Sie nicht mit mir gehen. Johann Tönnſen. Aber von alledem verſteh' ich kein Wort. Sie haben doch nichts Böſes gethan. Dina. Nein, ich nicht, aber— nein, nichts mehr davon! Sie erfahren es ſchon durch die Andern. Johann Tönnſen. Hm. Dina. Aber ich wollte Sie eigentlich um etwas fragen. Johann Tönnſen. Und das iſt? Dina. Es ſoll ja ſo leicht ſein, drüben in Amerika etwas Tüchtiges zu werden? Johann Tönnſen. Nun, ſo leicht iſt's gerade nicht immer; im Anfang muß man ſich oft gehörig plagen und ſtreng arbeiten. Dina. Das wollt' ich gerne— Johann Tönnſen. Sie? Dina. Ich kann ſchon arbeiten; ich bin geſund und kräftig, und Tante Martha hat mich Vieles gelehrt. 76081 1 7 2 2 wir be⸗ hen. icht; ina! edie twas mit twas erika erade hörig eſund zieles 47— Johann Tönnſen. Alle Wetter! So reiſen Sie mit uns! Dina. Ach, Sie ſcherzen nur! Das ſagten Sie auch zu Oskar. Aber ich m nöchte bloß eines wiſſen, ob die Menſchen drüben a80 ſo ſehr— ſo ſehr mora— liſch ſind. Johann Tönnſen. Moraliſch? Dina. Ja; ich meine, ob ſie ſo— anſtändig und geſittet ſind, wie hier. Johann Tönnſen. Nun jedenfalls ſind ſie nicht ſo ſchlimm, wie man hier glaubt. Davor braucht Ihnen nicht bang zu ſein. Dina. Sie verſtehen mich falſch. Ich wünſchte ſie gerade 1 nicht gar ſo anſtändig und moraliſch. Johann Tönnſen. Nicht? Wie ſollten ſie denn Dina. Sie ſollten natürli ch ſein. Johann Tönnſen. Ja, ja! Das ſind Sie viel⸗ leicht. Dina. Dann wär' es gut für mich, wenn ich hin⸗ überkommen könnte. Johann Tönnſen. Gewiß; und darum ſollen Sie mit uns reiſen. Dina. Nein, nicht mit Ihnen; ich möchte allein reiſen. O, ich wollt' es ſchon zu etwas bringen; ich wollte ſchon brav werden! B ern i ck(unterhalb der Gartentreppe mit den beiden Damen). Bleib', bleib', liebe Betty; ich hol' es Dir; Du könnteſt Dich erkälten. (Er kommt in den Saal hinein und ſucht Frau Bernicks Shawl.) Frau Bernick(außen im Garterö. Du mußt auch mitkommen, Johann; wir gehen in die Grotte. Bernick. Nein, laß Johann hier! Sieh, Dina! Bring meiner Frau den Shawl und geh' mit. Johann bleibt bei mir, liebe Betty. Ich muß doch etwas über die Verhältniſſe drüben hören. Frau Bernick. Gut! Aber komm bald nach; Du weißt ja, wo wir zu finden ſind. (Frau Bernick, Fräulein Heſſel und Dina gehen links hinunter in den Garten. Sechſter Auftritt. Konſul Bernick, Johann Tönnſen, ſpäter Pro— kuriſt Krapp. . 17 8 B ernick chlidkt ihnen einen Augenblick nach, ſchließ Thür links; da geht er zu Johann Tönnſen. faßt e Hände ſchüttelt und drückt ſie). Johann, endlich ſind wir allein; nun geſtatte mir, Dir zu danken. Johann Tönnſen. Laß nur! Bernick. Mein Haus und Heim, mein Familien— glück, meine ganze bürgerliche Stellung— das Alles verdank' ich Dir! Johann Tönnſen. Nun, es freut mich, lieber Guſtav. So kam doch etwas Gutes bei der tollen Geſchichte heraus. Bernick(ſchüttelt abermals Johanns Hände). Dank, Dank trotzdem. Nicht einer unter Tauſenden hätte gethan, was Du damals für mich thateſt. Johann Tönnſen. Mach' keine Worte! Waren wir nicht beide jung und unbeſonnen? Einer von uns mußte doch die Schuld auf ſich nehmen. Bernick. Aber wem kam das mehr zu als dem Schuldigen? Johann Tönnſen. Halt! Damals kam es dem Unſchuldigen eher zu. Ich war ja frank und frei, elternlos; es war ein reines Glück, dieſer Plackerei im Kontor zu entkommen. Du hingegen hatteſt Deine alte Mutter noch am Leben, und dazu hatteſt Du Dich gerade mit Betty heimlich verlobt, die Dich ſo ſehr liebte. Was würde aus ihr geworden ſein, hätte ſie erfahren— wi g0 ar 96 n1 in ◻ ber len ank an, ren ins ein em rei, im Ute jich ehr ſie 49 Bernick. Wahr, wahr; aber dennoch— Johann 1 War es nicht um Bettys willen, daß Du dies Poſſenſpiel mit Frau Torp auf⸗ gabſt? Gerade um mit ihr zu brechen, warſt Du ja an jenem Abend zu ihr gekommen Bernick. O, jener unglückſelige Abend, als der be— trunkene Menſch nach Hauſe kar n! Ja, Johann, es war um Bettys wi illen 105 immerhin— daß Du ſo groß⸗ mütig den chein auf Dich lenken und wegreiſen konnteſt— Johann Tönnſen. Keine Skrupel, lieber Guſtav. Wir wurden i0 Jüinig darüber, daß es ſo ſein ſollte. Gerettet mußteſt Du werden; Du warſt ja mein Freund Auf dieſe Freund ſchaft war ich wirklich eitel! Hier ſaß ich, wie an die Scholle gebunden, und plagte mich ab; und da kommſt Du, fein und vornehm, von Deiner Reiſe ins Ausland zurück— warſt in London und Paris geweſen und erwählſt mich Deinem Freund, obgleich ich vier Jahr jünger war als Du;— ja, das geſchah, weil Du Betty den Hof mach teſt, jetzt verſteh' ich's ſchon. Doch wie ſtolz war ich darauf! Und wer würde es nicht geweſen ſein? Wer würde ſich nicht gern für Dich geopfert haben, zumal da es ſich um nichts weiter handelte, aͤls um ein vorübergehendes Stadtgeſchwätz? Und überdies hatt' ich ja Gelegenheit, in die weite Welt zu laufen. Bernick. Hm, mein lieber Johann! Ich muß Dir aufrichtig ſagen, daß die Geſchichte noch nicht ſo ganz ve rgeſſen iſt. Johann Tönnſen. Nicht?— Nun, was kümmert das mich, wenn ich wieder drüben auf meiner Farm ſitz 2 Bernick Du reiſeſt alſo zurück? Johann Tönnſen. Verſtͤht ſich. Bernick. Aber doch nicht ſo bald, hoff' ich? Johann Tönnſen. So bald wie möglich. Ich kam ja nur mit herüber, um Lona nachzugeben. 4 —— ———— +%C—jP— 50 Bernick. Lona? Wieſo? Johann Tönnſen. Ja, ſiehſt Du, ſie iſt doch nicht mehr jung; und in letzterer Zeit überkam ſie die Sehnſucht nach der Heimat; aber ſie wollt' es nicht geſtehen.(er lächetb. Wie durfte ſie es wagen, mich leichtſinnigen Wicht allein zurückzulaſſen, mich, der ſchon mit neunzehn Jahren— Bernick. Nun alſo? Johann Tönnſen. Ja, Guſtav, nun komm' ich mit einer Beichte, deren ich mich ſchäme. Bernick. Du haſt ihr doch nicht Alles geſagt? Johann Tönnſen. Doch.— Es war unrecht von mir; aber ich konnte nicht anders. Du machſt Dir keine Vorſtellung, was Lona mir geweſen. Du konnteſt ſie nie leiden; aber mir war ſie eine Mutter. In den erſten Jahren, als es uns drüben ſo kärglich ging wie arbeitete ſie nicht! Und als ich lange Zeit krank lag, nichts 5 und ſie nicht daran hindern konnte, gab ſie ſich dazu her, in den Kaffeehäuſern zu ſingen, — Vorträge zu halten, über die ſich die Rülbſf luſtig machten, und ſchrieb ein Buch, über das ſie ſelbſt ſpäter lachte und wennir,— alles das, um mich am Leben zu erhalten Konnt' ich da zuſehen, wie ſie ſich in der letzten Geit aöhärne ſie, die für mich geſchafft und ſich abgepl 89545)hatte? Nein, das konnt' ich nicht! Und da Eete ich zu ihr:„Reiſe nur, Lona; um mich braucht Dir nicht bang zu ſein; ich bin nicht ſo leichtſinnig wie Du dentſt“ Und da— da bekam ſie es zu wiſſen. Bernick. Und wie nahm ſie es auf? Johann Tönnſen. Nun, ſie meinte ganz richtig, wenn ich mich unſch uldig wüßte, könnt' es mir nichts verſchlagen, auf einen 5 mit herüberzukommen. Aber Du kannſt ganz ruhig ſein! Lona verrät nichts; und ich werde meine Zunge ein zweites Mal hüten. Bernick. Ja, darauf bau' ich. Johann Tönnſen. Hier meine Hand! Und nun wollen wir nicht mehr von der alten Geſchichte reden. 60 ch die cht ich on 51 Zum Glück iſt es, ſo viel ich weiß, der einzige tolle Streich, den Einer von uns gemacht. Nun will ich die wenigen Tage, die ich hier bleibe, recht genießen. Du glaubſt nicht, was das für eine prächtige Tour dieſen Morgen war. Wer hätte geglaubt, das kleine Ding, das hier herumlief und die Engel auf dem Theater ſpielte—! Doch ſag' mir, wie ging es darnach mit ihren Eltern? Bernick. Ich weiß nicht mehr zu erzählen, als was ich Dir gleich nach Deiner Abreiſe ſchrieb. Du bekamſt doch meine beiden Brief Johann Tönnſen. Jawohl, jawohl; ich habe ſie beide. Der Trunkenbold lief alſo weg von ihr? Bernick. Und trank ſich ſeitdem ins Grab. Johann Tönnſen. Sie ſtarb ja auch bald darauf? Doch Du thateſt gewiß in der Stille für ſie, D2Du e? was Du konnteſt? Bernick. Sie war ſtolz; ſie verriet nichts und wollte nichts annehmen. Johann Tönnſen. Nun, es war jedenfalls recht von Dir, daß Du Dina ins Haus nahmſt. Bernick. Gewiß. Übrigens war es eigentlich Martha, die es durchſetzte. Johann Tönnſen. Wie, Martha? Aber wo iſt ſie denn heute? Bernick. O die— wenn ſie nicht Schule zu halten hat, ſo hat ſie ihre Kranken. Johann Tönnſen. Alſo Martha war's, die ſich Dinas annahm? Bernick. Ja, Martha hat ja von jeher eine gewiſſe Schwäche für das Erziehungsweſen gehabt. Darum hat ſie auch eine Stelle an der Volksſchule angenommen. Das war eine gewaltige Dummheit von ihr. Johann Tönnſen. Ja, ſie ſah geſtern wirklich ſehr angegriffen aus; ich fürchte gleichfalls für ihre Geſundheit. Bernick. O, was ihre Geſundheit anlangt, ſo könnte 7* 92 ſie immerhin Lehrerin bleiben. Aber es iſt unangenehm für mich; es ſieht aus, als ob ich, ihr Bruder, nicht geneigt wäre, zu unterhalten. Johann Tönnſen. Unterhalten? Ich glaubte ſie hätte ſo viel eigenes Vermögen, um— Bernick. Keinen Pf ſennig. Du entſinnſt Dich doch, wie knapp die Zeiten für meine Mutter waren, als Du gingſt. Sie trieb es noch eine Weile mit meinem Bei ſtand ſo fort; doch damit war mir natürlich nicht für die Länge gedient. Dann ließ ich mich in die Firma aufnehmen; aber auf dieſe Weiſe ging's wieder nicht. Ich mußte daher das Ganze übernehmen; und als wir Kaſſaſturz hielten, ſtellte ſich heraus, daß ſo gut wie nichts auf meiner Mutter Anteil kam. Und als die Mutter bald darauf ſtarb, ſtand natürlich auch Martha auf dem Trocknen. Johann Tönnſen. Die arme Martha! Bernick. Arm— warum? Du glaul bſt A nicht, daß ich ſie etwas vermiſſen laſſes O nein, ich kann wohl ſagen, daß ich ein guter Bruder bin. Sie 00 natürlich mit uns zuſammen und ißt an unſerm Tiſch; für ihren Gehalt als Le ehrerin kann ſie ſich reichlich lleiden— und was braucht ein einzelnes Frauenzimmer mehr? Johann Tönnſen. Hm; ſo denken wir nicht in Amerika. Bernick. Das begreift ſich von einer ſo aufge wiegelten Geſellſchaft, wie die amerikaniſche. Doch hier in unſerm kleinen Kreis, wo die Verderbnis bis jetzt — Gottlob— Einlaß erhalten, hier begnügen die Frauen ſich damit, eine angemeſſene, wenn auch be ſcheidne Shlliug e 5 iſt übrigens Mar— thas W5l. Schuld; ſie könnte längſt verſorgt ſein, wenn ſie gewollt hälte Johann Tönnſen. Du meinſt, ſie hätte ſich ver⸗ heiraten können? Bernick. Ja, und ſogar ſehr günſtig; es boten nn ynt 05 ich ler je ier tzt en E r⸗ ſich mehrere gute Partien. Eigentümlich genug! Ein mittelloſes Mädchen, nicht mehr jung und noch dazu ganz unbedeutend Johann Tönnſen. Unbedeutend? Bernick. Nun, ich leg es ihr nicht zur Laſt. Ich wünſche ſie überhaupt nicht anders. Du ſiehſt ein, in einem großen Haus, i das unſrige, iſt es immer gut, ſo ein ſchlichtes Geſchöpf zu haben, das man zu Allem verwenden kann. Johann Tönnſen. Doch ſie—2 Bernick. Sie? Wie meinſt Du?— Nun, ſie hat natürlich auch Etwas, für das ſie ſich intereſſiert; ſie hat ja mich und Betty und Oskar und mich. Die Menſchen müſſen nicht immer in erſter Reihe an ſi ſelber denken, und am allerwenigſten die Frauenzimme er. Wir haben ja doch Jeder eine größere oder kleinere Geſellſchaft 5 en und dafür zu wirken. So thue ich jedenfa t. von re 6575 oküriſt Krapp, der E 1 n Du 125.18 Beweis. Glaubſt Du, es ſeien Hier haſt meine eigenen Geſchäfte, die mich in Anſpruch nehmen? Keineswegs.(Raſch zu Krapp) Nun? Kra pp gdeiſe, indem er einen Stoß Papiere zeigt). Alle Kauf⸗ kontrakte in Ordnung. Bernick. Herrlich! Vortrefflich!— Nun, Schwager mußt Du 0 aber einſtweilen entſchuldigen WMit ge dämpfter Stimme, indem er ihm die Hand drückt Dank, Jo⸗ hann; und ſei überzeugt, Alles, womit ich Dir dienen kann nun Du verſtehſt mich ſchon.— Kor clet Sie, Herr Krapp. (Ab mit Krapp durch die erſte Thür links. Johann Tönnſen(ſeßt ihm eine Weile nach. Hm— (Er will in den Garten gehen; in demſelben Augenblick kommt Fräulein Bernick, mit einem kleinen Korb am Arm, von rechts.) 51 Siebenter Auftritt. Johann Tönnſen. Fräulein Bernick. Johann Tönnſen. Ei ſieh! Martha! Fräulein Bernick. Ah! Johann— biſt Du's? Johann T Lönnſen. Auch ſch on ſo früh heſchäftig? Fräulein Bernick. Ja. Warte hier; jetzt kommen gewiß die Andern gleich. (Sie will nach links abgehen.) Johann Tönnſen. Hör', Martha, haſt Du immer ſolche Eile? Fräulein Bernick. Ich? Johann Tö unſen. Geſtern gingſt D u mir gleich⸗ ſam aus dem Wege, ſo daß ich kein Wort mit Dir ſprechen konnte, und heute— Fräulein Bernick. Aber— Johann 2 T önnſen. Früher waren wir doch ſtets beiſammen— wir zwei alten Spielkameraden. Fräulein Bernick. Ach, Johann, das iſt viele, viele J 5505 her. Johann Tönnſen. Nun, lieber Gott, es ſind jetzt fünfzehn Jahre, weder mehr noch weniger. Findeſt Du vielleicht, daß ich mich ſo ſehr verändert habe? Fräulein Bernick. Du? Ach ja, Du auch, ob gleich— Johann Tönnſen. Was meinſt Dud Fräulein Bernick. O, nichts. Johann Tönnſen. Du ſcheinſt nicht ſehr erfreut, mich wiederzuſehen. Fräulein Bernick Ich habe ſo lange gewartet, 155 lange. Johann Tönnſen. Gewartet— daß ich komm würde? Fräulein Bernick. Ja. Johann Tönnſen. Und warum dachteſt Du, ich würde kommen? 323⸗880 87 g len ter tzt ¹ 55— Um zu ſühnen, was Du ver⸗ Fräulein Bernick. brochen. Johann Tönnſen. Ich? Fräulein Bernick. Haſt Du vergeſſen, daß eine Frau in Not und Schande um Deinetwillen ſtarbꝰ Haſt Du vergeſſen, daß um Deinetwillen die ſchönſten Fahre eines heranwachſenden Kindes verbittert wurden? Johann Tönnſen. Und das muß ich von Dir hören! Martha, ſo hat Dein Bruder nie— Fräulein Bernick. Was ſollt' er—? Johann Tönnſen. Hat er nie—; nun ich meine, hat er niemals auch nur ein entſchuldigendes Wort für mich gehabt? Fräulein Bernick. Ach, Johann, Du kennſt ja Guſtavs ſtrenge Grundſätze. Johann Tönnſen. Hm gewiß, gewiß; ich kenne die ſtrengen Grundſätze meines alten Freundes Guſtav ſehr gut. Aber das iſt doch—-! Nun!— Ich ſprach eben mit ihm. Er ſcheint ſich merklich ge⸗ ändert zu haben. Fräulein Bernick. Wie kannſt Du ſo ſprechen? Guftav war ſtets ein vortrefflicher Mann. Johann Tönnſen. So war's gerade nicht ge⸗ meint; doch laß nur! Hm, nun begreif' ich erſt, in welchem Lichte Du mich ſahſt: auf die Heimkunft des Verlornen haſt Du gewartet. Fräulein Bernick. Johann, ich will in welchem Lichte ich Dich ſah. Sie deutet in den Garten hinunter) Siehſt Du ſie, die dort im Graſe mit Oskar ſpielt? Es iſt Dina. Entſinnſt Du Dich des ver⸗ worrenen Briefes, den Du mir ſchriebſt, als Du weg⸗ reiſteſt?— Du ſchriebſt mir, ich ſollte an Dich glauben. Ich hab' an Dich geglaubt, Johann. All' das Böſe, 8 iß in der Ver⸗ tr ſagen, wovon ſpäter hier Gerüchte umliefen, mu r. wirrung, gedankenlos, ohne Überlegung geſchehen ſein— Johann Tönnſen. Was meinſt Du? Fräulein Bernick. O, Du verſtehſt mich wohl; U —2—— ———. ———— — kein Wort mehr davon! — ein neues Leben beginnen. Siehſt Du, Johann, ich war Dein Stellvertreter hier, ich, Dein alter Spiel⸗ kamerad. Die Pflichten, denen Du hier obzuliegen ver⸗ gaßeſt, oder nicht obliegen kon nteſt, hab' ich für Dich erfüllt. Ich ſag' es Dir, damit Du nicht auch dies noch Dir vorzuwerfen haſt. Dem armen, verlaſſenen Kind bin ich eine Mutter geweſen; ich hab' es auf gezogen, ſo gut ich vermochte Johann Tönnſen. Un vergeudet— Fräulein Bernick. Es war nicht vergeudet Aber Du kamſt ſpät, Johann. Johann Tönnſen. Martha könnt' ich Dir ſagen—! Nun, laß Dir jedenfalls für Deine treue Freundſchaft danken! Fräulein Bernick Cächelt wehmütic hätten wir uns denn ausgeſprochen. Still, es kommt Jemand! Leb' wohl! Ich kann jetzt nicht— (Sie geht durch die zweite Thür links. Fräulein Heſſel zefolgt von Bernick, kommt vom Garten.) Dein ganzes Leben damit Hm.— So Frau Achter Auftritt. Johann Tönnſen, FräuleinHeſſel, Frau Bernick. Frau Bernick aos im Garter. Um Lona, was fällt Dir ein! Fräulein Heſſel. Laß mich, ſag' ich! Ich will und muß mit ihm reden. Frau Bernick. Aber das wäre ja der größte Skandal! Ah, Johann, biſt Du noch hierd Fräulein Heſſel. Hinaus mit Dir, Junge! Hocke nicht immer in der Stubenluft! Geh' in den Garten und plaudre mit Dina! Gotteswillen Aber Du mußteſt ja fort, 1 57— Johann Tönnſen. Das hatt' ich eben im Sinn. Frau Bernick. Aber— Fräulein Heſſel. Hör', Johann, haſt Du Dina richtig angeſehen? Johann Tönnſen. Ich glaube wohl. Fräulein Heſſel. Du ſollteſt ſie Dir genau an⸗ ſehen, Junge! Das wäre etwas für Dich! Frau Bernick. Aber Lona—1 Johann Tönnſen. Etwas für mich? Fräulein Heſſel. Ja, zum Anſehen, mein' ich! Geh' nun! Johann Tönnſen. Ich geh' mehr als gerne. (Er geht in den Garten. Neunter Uuftritt. Fräulein Heſſel. Frau Bernick. Frau Bernick. Lona! Ich bin wie verſteinert über Dich. Das kann doch unmöglich Dein Ernſt ſein. Fräulein Heſſel. Doch, mein voller Ernſt! Iſt ſie nicht friſch und geſund und wahr? Das iſt juſt eine Frau für Johann; ſo eine, wie er ſie drüben braucht. Das wird etwas Andres ſein, als eine alte Halbſchweſter! Frau Bernick. Dina? Dina Torpl Bedenke doch—! Fräulein Heſſel. Ich bedenke vor allen Dingen das Glück des Fungen. Verhelfen muß ich ihm dazu; er ſelber hat kein Geſchick zu dergleichen; für die Frauen⸗ zimmer hat er niemals einen rechten Sinn gehabt. Frau Bernick Er? Johann? Nun, mir ſcheint doch, wir hätten traurige Beweiſe— Fräulein Heſſel. Ach, zum Kuckuck mit der dummen Geſchichte! Wo iſt Bernick hin? Ich muß ihn ſprechen. Frau Bernick Lona, Du thuſt es nicht, ſag' ich. Fräulein Heſſel. Ich thu's. Hat der Junge ſie gern und ſie ihn, ſo ſollen ſie auch einander haben! Bernick iſt ja ein kluger Mann; er muß einen Weg ausfindig machen— Frau Bernick. Und Du glaubſt, daß man dieſe amerikaniſchen Unziemlichkeiten hier dulden würde— Fräulein Heſſel. Schnickſchnackl Frau Bernick.— daß ein Mann, wie Guſtav, bei ſeinen ſtrengen moraliſchen Grundſätzen— Fräulein Heſſel. Ah bah! Die ſind wohl nicht ſo unſinnig ſtreng! Frau Bernick. Was unterfängſt Du Dich? Fräulein Heſſel. Ich unterfange mich zu ſagen, daß Bernick wohl auch nicht viel moraliſcher iſt, als andre Männer. Frau Bernick. So tief alſo ſitzt noch Dein Haß gegen ihn! Aber was willſt Du denn hier, wenn Du 4 nie vergeſſen konnteſt, daß—? Ich begreife nicht, wie Du ihm vor Augen treten mochteſt nach der ſchmäh⸗ lichen Beleidigung, die Du ihm damals zugefügt. Fräulein Heſſel. Ja, Betty, damals ließ ich mich hinreißen. Ich war zu derb. Frau Bernick. Und wie großmütig hat er Dir vergeben, er, der doch nie etwas verbrochen hatte! Denn er konnte doch nichts dafür, daß Du Dir Hoffnungen machteſt. Aber ſeit der Zeit haßteſt Du auch mich. Gie bricht in Thränen aus) Du haſt mir nie mein Glück ge gönnt. Und was kommſt Du her, um all das mir auf zubürden,— um der Stadt zu zeigen, in welche Fa— milie ich Guſtav gebracht. Ja, über mich wird es her⸗ gehen, und das iſt's, was Du willſt. O, das iſt ab ſcheulich von Dir! (Sie geht weinend ab durch die zweite Thür links.) Fräulein Heſſel(ur nachblicen). Arme Bettyl A 59— Zehnter Auftritt. Fräulein Heſſel. Konſul Bernick(kommt aus ſeinem Zimmer). Bernick(noch unter der Thür). J6, ja, e8 iſt gut, Herr Krapp, ausgezeichnet. Schicken Sie vierhundert Kronen zur Speiſung der Armen!«er wendet ſich gegen Fräulein Heſſel.) Lonal er tritt näheb. Biſt Du allein? Kommt Betty nicht? Fräulein Heſſel. Nein. Soll ich ſie vielleicht holen? Bernick. Nein, t laß nur! O Lona, Du weißt nicht, wie ich mich geſehnt h abe, offen mit Dir zu reden, — um Deine Verzeihung zu erfle ehen! Fräulein Heſſel. Hör' Guſtav, laß ſentimental werden; das ſteht uns nicht an. Bernick. Du mußt mich hören, Lona! Ich weiß, wie der Schein gegen mich ſpricht, jetzt, ächdenn Du meine Beziehungen zu Dinas Mutter erfahren. Aber ich ſchwöre Dir, es war nur eine kurze Verirrung; ich habe wirklich, wahr und aufrichtig für Dich empfunden. Fräulein Heſſel. Warum, meinſt Du, daß ich üieimen bin? Bernick. Was Du auch im Sinne haſt o fleh' ich Dich an, nichts vorzunehmen, eh' ich mich gerecht. facge Ich kann es, Lona; ich kann mich wenigſtens entſchuldigen. Fräulein Heſſel. für mich empfunden, uns nicht Nun. iſt Dir bang.— Du haſt ſaglt Du. Ja, das verſicherteſt Du mir oft genug in Deinen Briefen; und vielleicht ſo lang Du noch da war es gewiſſermaßen auch wahr, draußen in einer großen und freiſinnigen Welt lebteſt, die Dir Mut gab, ſelbſt frei und groß zu denken. Du Ki vielleicht an mir ein wenig mehr Charakter, Willen und Selbſtändigkeit, als be i den Meiſten hier. Und dann war es ja ein Geheimnis zwiſchen uns Beiden; Niemand konnte ſich über Deinen ſchlechten Geſchmack luſtig machen. 90 Bernick. Lona, wie kannſt Du glauben—! Fräulein Heſſel. Doch als Du wiederkehrteſt, als Du die ſpöttiſchen Gloſſen vernahmſt, die auf mich niederhagelten, das Gelächter über all das, was ſie hier meine Verkehrtheiten nannten- Bernick. Du warſt damals rückſichtslos. Fräulein Heſſel. Meiſtenteils um dieſe männ lichen und weiblichen Leiſetreter zu ärgern, die in der Stadt herumtrippelten.— Und als Du dann die junge, verführeriſche Schauſpielerin trafſt— Bernick. Das war ein thörichter Streich, nichts weiter; ich ſchwöre Dir, nicht der zehnte Teil der Ge rüchte, die damals in Umlauf kamen, iſt wahr geweſen. Fräulein Heſſel. Laß gut ſein! Doch als dann Betty heimkam, ſchön, blühend, von Allen vergöttert, und als bekannt wurde, daß ſie das ganze Vermögen der Tante erben, und ich nichts bekommen ſollte Bernick. Ja, nun ſind wir bei der Sache, Lona, und nun ſ Du Alles ohne Umſchweif hören. Ich liebtes Beith damals nicht; ich brach nicht mit Dir einer andern Neigung wegen. Ich will es Dir offen ſagen: es war um des Geldes willen. Ich war dazu ge zwungen; ich mußt' es mir ſichern. Fräulein Heſſel. Und das ſagſt Du mir ſo ge— rade ins Geſicht? Bernick. Ja. Höre mich, Lona— Fräulein Heſſel. Und doch ſchriebſt Du mir, eine unbezwingliche Liebe zu Betty hätte Dich erfaßt, riefſt meine Hochherzigkeit an, beſchworſt mich, um Bettys willen von dem zu ſchweigen, was zwiſchen uns be⸗ ſtand Bernick. Das 19 ich thun. Fräulein Heſſel. Nun, bei Gott, dann bereu' ich nicht, daß ich 55 damals vom Zorn Hinreißen ließ! Bernick. Laß Dir die damalige Lage kalt und ruhig auseinanderſetzen. Meine Mutter ſtand, wie Du KH We Au ich fa hi 9¹ 10 939ↄτσ 6 V — 61— Dich erinnerſt, an der Spitze des Geſchäfts; aber J war ganz und gar ohne Geſch äftsſinn. Ich ward eilig aus Paris zurückgerufen; die Zeiten waren kritiſch; ich ſollte die Sache wieder ins Geleis bringen. Was fand ich?— Ich fand, was ich als tiefſtes Geheimnis hüten mußte, ein ſo gut wie ruiniertes Haus. Ja, ſo gut wie ruiniert war dies alte Haus, das drei Gene hindurch geſtanden hatte. Was bl 115 mir, dem Sohn, dem einzigen Sohn, andres übrig, c 8 mich nach einem Rettungsmittel umzuſehen? Fräulein ĩHeſſel. Und ſo retteteſt Du das Haus Bernick auf Koſten eines Weibese Bernick. Du weißt recht gut, daß Betty mich liebte. Fräulein Heſſel. Doch ich? Bernick. Glaube mir, Lona, Du wörſt nie glücklich mit mir geworden. Fräulein Heſſe el. Alſo war es wohl Fürſorge um mein Glück. daß Du Dein Wort brachſt? Bernick. Du 0 vielleicht, daß ich aus eigen nützigen Beweggründen ſo gehandelt habe?— Wär' ich damals allein geſtanden. ich hätte mit friſchem Mut von vorn angefangen. Doch Du ſtellſt Dir nicht vor, wie ein Geſchäftsmann mit dem Ge ſchäft zuſammen⸗ wächſt, das ihm vererbt iſt. Weißt Du, wie das Wohl und Wehe von Hunderten, ja? Tauſenden von ihm ab⸗ hängt? Bedenkſt 811˖ nicht, daß die ganze Geſellſchaft, der Du ſowohl als ich von Juge nd auf angehbren. es in fühlbarſter W eiſe empfunden hätte, wenn das Haus Bernick geſtürzt 1 5 Fräulein Heſſel. War das auch wegen der Ge ſellſchaft, daß Du dieſe fünfzehn Jahre in der Lüge beharrſt? Bernick. In der Lüge? Fräulein Heſſel. Wie viel weiß Betty von dem was hinter ihrer Verbindung mit Dir ſteckt, und was vorausgegangen iſtꝰ 62 Bernick. Wozu ihr Dinge enthüllen, die ſie ohne Nutzen verwunden Awürden? Fräulein Heſſel. Ohne Nutzen, ſagſt Du? Ja, ja, Du biſt Geſchäftsmann; Du mußt Dich ja auf das Nützliche verſtehen.— Doch höre, Guſtav, jetzt will auch ich kalt und ruhig ſprechen. Sage mir— biſt Du nun auch wirklich glücklich? Bernick. In der Familie, meinſt Fräulein Heſſel. Ja wohl. Bernick. Das bin ich, Lona. Du warſt mir nicht umſonſt eine ſo aufopfernde Freundin! Ich darf ſagen, daß ich von Jahr zu Jahr glücklicher geworden bin. Betty iſt gut und fügſam Und wie ſie im Laufe der Jahre gelernt hat, ihr Weſen nach dem zu richten, was mir eigentümlich iſt— Fräulein Heſſel. Hm. Bernick. Früher hatte ſie zwar ein gut Teil über ſpannter Vorſtellungen von der Liebe; ſie konnte ſich nicht mit dem Gedanken ausſöhnen, daß dieſe nach und 0 in eine milde 5 übergehen ſollte— Fräulein Heſſel. Doch jetzt hat ſie ſich hinein gefunden? Bernick. Vollſtändig. Du kannſt Dir denken, daß der tägliche Umgang 8 mir nicht ohne erſprießlichen Einfl uß auf ſie war. Die Menſchen müſſen gegenſeitig ihre 0 0 herabſtimmen lernen, wenn ſie dem geſellſchaftlichen Kreiſe, dem ſie angehören, Genüge leiſten wollen. Das hat auch Betty nach und nach eingeſehen, und darum iſt unſer Haus jetzt ein Muſter für unſre Mitbürger. Fräulein Heſſel nichts von der Lüge? Bernick. Von der Lüge? Fräulein Heſſel. Ja, von der Lüge, worin nun fünfzehn Jahre beharrſt. Bernick. Und das nennſt Du—? Fräulein Heſſel. Die Lüge nenn' ich es— die Du? Und wiſſen dieſe Mitbürger D ¹ ————— dre Lüů -⸗- N 5 n ig m ge ch —— 63— dreifache Lüge. Erſt die Lüge gegen mich; dann die Lüge gegen Betty; dann die Lüge gegen Johann. Bernick. Betty hat nie gefordert, daß ich ſpreche. Fräulein Heſſel. Weil ſie nichts wußte. Bernick. Und Du wirſt es nicht fordern— aus Rückſicht für ſie. Fräulein Heſſel. O, ich werde die Sticheleien ſchon aushalten können, ich hab' eine dicke Haut. Bernick. Und Johann wird es auch nicht fordern; das hat er mir zugeſagt. Fräulein Heſſel. Aber Du felbſt, Guſtav? Iſt nicht etwas in Dir, das aus der Lüge herauszukommen verlangt. Bernick. Ich ſollte freiwillig mein Familienglück und meine Stellung in der Geſellſchaft opfern? Fräulein Heſſel. Welches Recht haſt Du, dieſe Stellung einzunehmen? Bernick. Fünfzehn Jahre lang hab' ich mir täglich ein bischen Recht erkauft— durch meinen Wandel, und durch das, was ich gewirkt und gefördert. Fräulein Heſſel. Ja, Du haſt Vieles gewirkt und gefördert für Dich ſelber, wie für Andre. Du biſt der reichſte und mächtigſte Mann der Stadt; unter Deinen Willen müſſen ſich alle beugen, weil ſie Dich ohne Fleck und Makel glauben; Dein Haus gilt als ein Muſterhaus, Dein Thun als Vorbild und Richt⸗ ſchnur. Doch all dieſe Herrlichkeit, und Du ſelbſt dazu, ſteht wie auf einem ſchwankenden Moorgrund. Ein Augenblick kann kommen, ein Wort kann ausgeſprochen werden— und Du und die ganze Herrlichkeit gehn zu Grunde, wenn Du Dich nicht bei Zeiten retteſt. Bernick. Lona— was willſt Du hier bei uns? Fräulein Heſſel. Ich will Dir zu feſtem Grunde unter den Füßen verhelfen. Bernick. Du willſt Dich rächen? Ich ahnt' es. Doch das gelingt Dir nicht! Hier iſt nur einer, der vollgültig zeugen kann, und der ſchweigt. Fräulein Heſſel. Johannd Bernick. Ja, Johann. Erhebt ein anderer Mund Klage gegen mich, ſo leugne ich alles; will man mich vernichten, ſo wehr' ich mich ums Leben. Aber das ſoll Dir nie gelingen. Er, der mich ſtürzen könnte ſchweigt— und er reiſt wieder ab. Elfter Auftritt. Die Vorigen. Großhändler Rummel und Kauf mann Wigland kommen von rechts. Rummel. Guten Tag, guten Tag, lieber Bernick! Du mußt mit uns in den Handelsverein. Wir haben Verſammlung wegen der Eiſenbahnangelegenheit; Du weißt ja! Bernick. Ich kann nicht— jetzt unmöglich. Wigland. Sie müſſen wirklich, Herr Konſul Rummel. Du mußt, Bernick! Es arbeiten uns Leute entgegen. Redakteur Hammer und die Andern, die für die Küſtenlinie waren, behaupten, es ſtecken Privatintereſſen hinter dem neuen Vorſchlag. Bernick. Nun, ſo erklär' ihnen— Wigland. Was wir erklären, Herr Konſul, das hilft nichts— Rummel. Nein, nein, Du mußt ſelbſt kommen; gegen Dich wagt natürlich Niemand einen ſolchen Ver⸗ dacht zu hegen. Fräulein Heſſel. Das wollt' ich meinen! Bernick. Ich kann nicht, ſag' ich; ich bin unwohl; oder— wartet wenigſtens, bis ich mich etwas erholt habe. hi 90 9 9 ich as te ns en Swölfter Auftritt. Die BIN Oberlehrer Lundt, ſpäter Hilmar Tönnſen und Frau Bernick. Lundt(onmt von rechts). Verzeihen Sie, Herr Konſul; Sie ſehen mich in der heftigſten Aufregung— Bernick. Was fehlt Ihnen denn? Lundt. Ich muß eine Frage an Sie richten. Ge⸗ ſchieht es mit Ihrer Einwilligung, wenn das junge Mädchen, welches unter ihrem Dach ein Aſyl gefunden, ſich auf offener Straße in Geſellſchaft eines Menſchen I1 5 der— Fräulein. Heſſel. Welches Menſchen, Herr Paſtor? Lundt. In Geſellſchaft des Menſchen, von dem man, unter allen Menſchen der Welt, ſie am fernſten halten ſollte. Fräulein Heſſel. Oho! Lundt. Geſchieht es mit Ihrer Einwilligung, Herr Konſul? Bernick coer Hut und Handſchuhe ſuche. Ich weiß von nichts. Entſchuldigen Sie, ich habe Eile; ich ſoll in den Handels⸗ verein. Hilm Ar Tönnſen(kommt aus dem Garten und geht nach der zweiten Thür lints)0. Betty, Betty, ſo hör“ doch! Frau Bernick anter der 3 5 Was giebt's? Hilmar Tönnſen. Du mußt in den Garten hinunter und den Liebeleien ein Ende machen, die eine gewiſſe Perſon mit dieſer Dina Torp treibt. Ich bin ganz nervös Seſte vom Zuhören. Fräulein Heſſel. So? Was hat denn die Perſon geſagt? Hilmar Aen O, nichts weiter, als daß er will, ſie ſolle ihm nach Amerika folgen. Ufl Lundt. Iſt das möglich! Frau Bernick. Was Du ſagſt! Fräulein Heſſel. Ei, das wäre ja prächtig! 5 — 66— Bernick. Unmöglich! Du haſt falſch gehört. Hilmar Tönnſen. Frag' ihn ſelbſt! Da kommt das Pärchen. Aber laß mich aus dem Spiele. Bernick(zu Rummel und Wigland). Ich komme nach — im Augenblick— Rummel und Wigland ab a ann Tönnſen und kommen vom Gar Dreizehnter Auftritt. Konſul Bernick, Frau Bernick, Fräulein Heſſ Oberlehrer Lundt, Hilmar Tönnſen, Johann und Dina, zuletzt Kaufmann Sandſtadt. Johann Tönnſen. Hurra, Lona! Sie zieht mit uns! Frau Bernick. Aber Johann— Du unbe ſonnener—! Lundt. Iſt's möglich! Solch ein ausgemachter Skandal! Durch welche Verführungskünſte gelang es Ihnen— Johann Tönnſen. Herr! Was nehmen Sie ſich heraus? Lundt. Antworten Sie mir, Dina!— Iſt dies Ihre Abſicht,— iſt es Ihr voller, freier Entſchluß? Dina. Ich muß fort von hier. Lundt. Aber mit ihm— mit ihm! Dina. Nennen Sie mir einen Andern, der den Mut hätte, mich mitzunehmen. Lundt. Nun, ſo erfahren Sie denn, wer er iſt! Johann Tönnſen(warnend). Reden Sie nicht! Bernick. Kein Wort mehr! Lundt. Da würde ich der Geſellſchaft, für deren Moral und Sitten ich zu wachen habe, einen ſchlechten M Il M He den ſt! deren chten 67— Dienſt erweiſen, und unverantwortlich würde ich dieſes junge Mädchen handeln, an deren Erziehung ich weſentlichen Anteil hatte, und die mir— Johann Tönnſen. Hüten Sie ſich vor dem, was Sie thun wollen! Lundt. Sie ſoll es wiſſen! Dina, dies iſt der Mann, der ſchuld war an dem Unglück und der Schande Ihrer Mutter. Bernick. Herr Lundt—! ina. Er?! Su Johann Tönnſen) Iſt das wahr? N N 251 5ohann Tönnſen. Guſtav, antworte Du! ernick. Kein Wort mehr! Schweigen wir davon! Dina. Alſo wahr! Lundt. Ja, wahr! Und mehr noch! Dieſer Menſch, dem Sie Zutrauen ſchenken, lief nick t Händen von hier weg;— die Kaſſe der Witwe Be der Konſul kann's bezeugen! Fräulein Heſſel. Lügner! Bernick. Ah—1 Frau Bernick. O Gott, o Gott! Joh ann Tön nſen(mit erhobenem Arm Und das yu agſt Du—! Fräulein Heſſel Johann! Schlag' ihn nicht. Lundt. Ja, vergreifen Sie ſich nur an mir! Doch die Wahrheit ſoll an den Tag; und dies iſt die Wahr⸗ heit; Konſul Bernick hat es ſelbſt geſagt, und die ganze Stadt weiß es. Jetzt, Dina, jetzt kennen Sie ihn. Gurze Pauſe.) Joh Ann T önnſen Gleiſe, indem er Bernick am Arm faßt). Guſtav, Guſtav, was haſt Du gethan! Frau Bernick ceiſe, unter Thräner). O Guſtav, daß ich dieſe Schande über Dich bringen mußte! Sa nd ſt adt(kommt raſch von rechts und ruft, die Hand noch auf der Thürklinteö. Jetzt müſſen Sie durchaus kommen, Herr Konſul! Die ganze Eiſenbahn hängt an einem Haar Bernick Geiſtesabweſend.. Was? Was ſoll ich—? 5 ————— ⁰ ——— 68 Fräulein Heſſel Ernſt und mit Nachdruc). Du ſollſt kommen, Schwager, und die Geſellſchaft ſtützen. Sandſtadt. Ig, kommen Sie! Wir brauchen Ihr ganzes moraliſches Übergewicht! Johann Tönnſen dich neben Vernich. Bernick wir zwei ſprechen uns morgen! Er geht ab durch den Garten: Konſul Bernick geht willenlos mit Kauf mann Sandſtadt rechts ab.) Dritter Aufzug. U — (Der Gartenſaal in Konſul Bernicks Haus.) Erſter Auftritt. (Konſul Bernick, ein ſpaniſches Rohr in der„ aus dem zweiten Zimmer links und läß ——— Bernick. So, nun ward endlich einmal Ernſt ge⸗ macht! Die Züchtigung, denk' ich, wird er ſich merken! In das Zimmer rufend) Was ſagſt Du?— Und ich ſage Du biſt eine unverſtändige Mutter. Du entſchuldigſt ihn, billigſt alle ſeine Schelmenſtreiche.— Keine Schel⸗ menſtreiche? Wie nennſt Du es denn? Sich Nachts aus dem Hauſe ſchleichen, mit einem Fiſcherboot ins Meer hinaus ſegeln, bis zum helllichten Tag ausbleiben und mich in tödliche Angſt verſetzen, mich, dem ſo vielerlei im Kopfe herumgeht! Und da wagt der Schlingel noch, damit zu drohen, daß er davon laufen wolle! Er ſoll's nur probieren!— Du? Ja, das glaub' ich gern; Du bekümmerſt Dich viel um ſein Wohl und Wehl Ich glaube, wenn er auch ſein Leben zuſetzte—! So?— Aber ich hab' eine Aufgabe zu hinterlaſſen; ö mir iſt's nicht gleichgültig, ob ich kinderlos bin oder nicht.— Keine Einwendungen, Betty! Es bleibt bei meinem Wort— er hat Hausarreſt. cer vorcht) Still! Laß Niemand etwas merken! 70 Sweiter Auftritt. Konſul Bernick. Prokuriſt Krapp kommt von rechts. Krapp. Haben Sie einen Augenblick Zeit, Herr Konſul? Bernick(uurft das Rohr wec). Jawohl, jawohl. Kommen Sie vom Werft? Krapp. Geradeswegs. Hm Bernick. Nun? Es hat doch mit der„Palme“ keinen Anſtand? Krapp. Die„Palme“ kann morgen abſegeln; aber— Bernick.„Indian Girl“ alſo? Ahnte mir doch daß der Trotzkopf—! Krapp.„Indian Girl“ kann auch morgen abſegeln; aber— ſie kommt gewiß nicht weit. Bernick. Wie meinen Sie das? Krapp. Entſchuldigen Sie, Herr Konſul; die Thür iſt angelehnt, und ich glaube, es iſt Jemand im Zimmer— Bernick chließt die Thür). So.— Doch was giebt es denn, wovon Niemand wiſſen darf? Krapp. Daß Baumeiſter Auner wahrſcheinlich im Sinne hat,„Indian Girl“ mit Mann und Maus unter gehen zu laſſen. Bernick. Aber, ums Himmelswillen, wie können Sie glauben— Krapp. Kann mir's nicht anders erklären, Herr Konſul. Bernick. So ſagen Sie mir doch in wenigen Worten— Krapp. Soll geſchehen. Sie wiſſen ſelbſt, wie ſaumſelig es auf dem Werft vorwärts geht, ſeit wir die neuen Maſchinen und die neuen, ungeübten Arbeiter haben. Bernick. Ja, ja. Krapp. Doch heute früh, als ich hinunterkam, merkte von err men im nter nnen Herr ligen wie wir zeiter nerkte 71 ich, daß die Reparatur des Amerikaners auffallend weit vorgeſchritten war; das große Loch im Boden— Si wiſſen, die vermorſchte Stelle— Bernick. Ja, ja, was iſt's mit der? Krapp. Vollſtändig repariert; das heißt dem An⸗ ſchein nach; verkleidet; ſah aus wie ganz neu. Hörte, daß Auner ſelbſt die ganze Nacht bei Licht unten ge⸗ arbeitet. Bernick. Ja, ja! Was weiter? Krapp. Ging mir im Kopf herum die Leute waren juſt beim Frühſtück, und ſo fand ich Gelegenheit, un⸗ bemerkt mir Alles von außen und innen anzuſehen. Ward mir ſchwer, im beladenen Schiff zu der ſchad haften Stelle zu gelangen; bekam aber die feſte Über⸗ zeugung. Gehen verdächt'ge Dinge vor, Herr Konſul. Bernick. Ich kann es nicht glauben, Herr Krapp. Ich kann und will nicht dergleichen von Auner glauben. Krapp. Thut mir leid— aber iſt die lautre Wahr⸗ heit. Verdächt'ge Dinge, ſag' ich! Kein neues Bauholz eingeſetzt, ſo weit ich beurteilen konnte. Nur mit Latten geflickt, mit Segeltuch überklebt, mit Platten belegt, geteert, und was weiß ich! Rein verpfuſcht!„Indian Girl“ erreicht New⸗York nie; geht unter wie ein zer⸗ ſprungener Topf. Bernick. Das iſt ja entſetzlich! Doch was meinen Sie, daß er damit beabſichtigt? Krapp. Will wahrſcheinlich die Maſchinen in Miß⸗ kredit bringen; will ſich rächen; will den alten Arbeits⸗ ſtock wieder in Gnaden angenommen haben. Bernick. Und ſo opfert er vielleicht all die vielen Menſchenleben. Krapp. Er ſagte kürzlich: es ſind keine Menſchen an Bord von„Indian Girl“— nur Beſtien. Bernick. Ja, ja, es mag ſo ſein; aber achtet er denn nicht das große Kapital, das verloren geht? Krapp. Auner blickt ſcheel auf das große Kapital, Herr Konſul. 72 Bernick. Wohl wahr; er iſt ein Aufwiegler und Unruhſtifter; doch eine ſo gewiſſenloſe Handlung—. Hören Sie, Herr Krapp; dieſe Sache muß zweimal unterſucht werden. Zu Niemand ein Wort davon! Unſer Werft iſt blamiert, wenn die Leute das erfahren. Krapp. Verſteht ſich; aber— Bernick. Während der Mittagsraſt müſſen Sie noch einmal hinunterzukommen ſuchen; ich muß volle Gewißheit haben. Krapp. Sollen Sie haben, Herr Konſul; doch, mit Verlaub, was wollen Sie dann thun? Bernick. Die Sache natürlich anzeigen. Wir können uns doch nicht zu Mitſchuldigen an einem offen I baren Verbrechen machen. Ich muß mein Gewiſſen unbelaſtet haben. Außerdem wird es, ſowohl auf die Preſſe wie im allgemeinen, einen guten Eindruck machen, wenn man ſieht, daß ich alle perſönlichen Intereſſen beiſeite ſchiebe und der Gerechtigkeit ihren Lauf laſſe Krapp. Sehr wahr, Herr Konſul. Bernick. Doch vor allen Dingen Gewißheit. Und reinen Mund halten— Krapp. Nicht ein Wort, Herr Konſul; und Gewiß⸗ heit, die ſollen ſie haben. (Er geht ab durch den Garten die Straße hinunter.) 8 Bernick Galblauüö. Empörend! Doch nein! Es iſt ja unmöglich,— undenkbar! (Indem er in ſein Zimmer gehen will, kommt Hilmar Tönnſen von rechts. Dritter Auftritt. Konſul Bernick, Hilmar Tönnſen, ſpäter Fräu lein Heſſel. Hilmar Tönnſen. Guten Tag, Bernick! Nun, ich gratuliere zum geſtrigen Sieg im Handelsverein! Bernick. O danke. Hilmar Tönnſen. Es war ja ein glänzender 2 iu Un, Sieg, wie ich höre; der Sieg intelligenten 5 bte ſinns über 11 9 und Vorurteil— ungefähr wie eine franzöſiſche Razzia gegen die Kabylen. daß Du 100 dem unangenehmen Auftritt hier— Bernick. Schon gut— laß das! Hilmar T 11 Aber die Hauptſchlacht iſt doch noch nicht geſchlagen. Bernick In der Eiſenbahnfrage, 51815 W Hilmar Tönnſen. Ja. Aber weißt ſchon, was Redakteur Hammer zuſammenbraut? Bernick geſpannt). Nun? Hilmar Tönnſen. Er klammert ſich an ein Ge⸗ rücht, das hier geht, und will daraus einen Zeitungs— artikel machen. Bernick. Welches Gerücht? Hilmar Tönnſen. Natürlich von dem großen Grunderwerb längs der Zweigbahn. Bernick. Wie? Geht ein ſolches Gerücht? Hilmar Tönnſen. Ja, es iſt in der ganzen Stadt verbreitet. Ich hört' es geſtern im Klub. Einer von den hieſigen Notaren ſoll einem Auftrag zufolge ganz in der Stille die ſämtlichen Waldungen, Erzlager und Waſſerfälle angekauft haben— Bernick. Und ſagt man nicht, für wen? Hilmar Tönnſen. Im Klub meinten ſie, es müſſe für ein auswärtiges Konſortium ſein, das von dem, was Du im Sinne haſt, Nachricht erhalten und ſich beeilt habe, eh' die Preiſe ſtiegen— iſt das nicht nieder⸗ trächtig— uf! Bernick. Niederträchtig? Hilmar Tönnſen. Ja, daß Fremde ſich ſo in Re Gebiet drängen, und daß ſogar einer von den hieſigen N ll ſich zu ſo etwas hergeben mag! Alſo Aus märtige ſollen den Vorteil haben! Bernick. Aber es iſt ja nur ein Gerücht. Hilmar Tönnſen. Das einſtweilen geglaubt wird, und morgen oder übermorgen wird Redakteur Hammer 4 -⏑⏑ ———— 74 e8 feſtnageln als ein M Im Klub herrſchte ſchon allgemeine Erbitterung. Ich hörte Mehrere ſagen, wenn das Gerücht ſich beſtätige, ſo würden ſie ſich aus den Liſten ſtreithen Bernick. e Hilmar Tönnſen. So? Warum glaubſt Du denn, daß d dieſe Krämerſeelen ſo willig waren, auf Dein Unternehmen einzugehen? Weil ſie es ſe lbſt darauf ab⸗ geſehen hatten— Bernick. Unmöglich, ſag' ich! So viel Bürgerſinn iſt doch noch hier— Hilmar Tönnſen. ein Optimiſt und beurteilſt die Andern nach Dir ſelbſt. Aber ich, der ich ein ziemlich e geübter Beobachter bin, ich ſage Dir, hier i iſt nicht Einer— wir natürlich aus ht Einer, der die der Idee hoch genommen il hält(Er geht in den Hintergrund). Ufl Da kommen ſie. Bernick. Wer? Hilmar Tönnſen. Die zwei Amerikaner. Er blickt rechts hinaus.) und mit wem gehen ſie? Ja, bei Gott, iſt das nicht der Kapitän von„Indian Girl“? Uf! Bernick. Was können ſie von dem 9ll enꝰ Hilmar ol Ei, das iſt ja eine recht paſſende Geſellſchaft. Er ſoll ja S Sklavenhändler oder Seeräuber geweſen ſein; und wer weiß, was die Andern in den fünfzehn Jahren 18805 85 Bernick. Ich ſage Dir, es iſt höchſt unrecht, ſo von ihnen zu d denken. Hilmar Tönnſen. Ja, Du biſt eben Optimiſt. Doch jetzt haben wir ſie natürlich wieder auf dem Hals; ich will darum bei Zeiten— (Er geht nach der zweiten Thür links.) Fre äulein Hef ſel ckommt von rechts). Nun, Bin ich's, die Dich verjagt? Hilmar 131 Durchaus nicht. Ich ſtand gerade hier und hatte Eile; ich hab' ein paar Worte mit Betty zu reden. (Ab durch die zweite Thür links.) Hier?— Ja, Du biſt eben Hilmar! er ind rte Auftritt. Vierter Konſul Bernick. Bernick(mach kurzer Pauſe) Fräulein Heſſel. Ja. Bernick. Wie ſteh' ich heute vor Fräulein Heſſel. Wie geſtern r weniger— Bernick. Du ſollſt Aufklärung haben. Wo blieb Johann? Fräulein Heſſel. Er kommt nach; er hat noch etwas zu beſprechen. Bernick. Nach dem, was Du geſtern hörteſt, wirſt Du begreifen, daß meine ganze Exiſtenz vernichtet iſt, wenn die Wahrheit an den Tag kommt. Fräulein Heſſel. Das begreif' ich. Bernick. Es verſteht ſich wohl von ſelbſt, daß ich uich des Verbrechens, von dem man hier munkelt, nicht ldig gemacht Fräulein Heſſel. Begreiflich. Doch wer war der Diel Bernick. Es war kein D eſtohlen; nicht ein Ff fennig iſ Fräulein Heſſel. Wie? Bernick. Nicht ein Jfennig. Fräulein Heſſel. Aber das Gerücht? Wie kam s ſchmähliche Gerücht Umlauf, daß Johann—? Bernick. Lona, mit Dir glaub' ich reden zu können, wie mit Niemand ſonſt; ich will Dir nichts verſchweigen. Ich habe Teil daran, daß jenes Gerücht ausgeſprengt wurde. Fräulein Heſſel. Du? Und das konnteſt Du ihm anthun, der Deinetwegen— Bernick. Verdamme nicht, ehe Du bedacht haſt, wie die Sachen damals ſtanden. Ich erzählt' es Dir ja geſtern. Ich kam nach Hauſe und fand meine Mutter in eine ganze Reihe unkluger Unternehmungen verwickelt; 8 Eine Lüge mehr * ieb; es wurde kein Geld t entwendet worden. 76— verſchiedene Unfälle kamen dazu; es war, als ob alles Böſe auf uns einſtürmte; unſer Haus war dem Ruin nah. Ich war halb leichtſinnig und halb verzweifelt. Lona, ich glaube, meiſt um die Gedanken zu betäuben, ließ ich mich in jene Verbindung ein, die Johanns Reiſe veranlaßte. Fräulein Heſſel. Hm— Bernick. Du kannſt Dir vorſtellen, wie allerlei Gerüchte auftauchten, als Ihr Beide fort war't. Man ſagte: das war nicht ſein erſter leichtſinniger Streich. Dann hieß es wieder, Torp hätte eine große Summe Geldes von Johann erhalten, um zu ſchweigen und ſeines Weges zu gehen; Andre behaupteten, daß ſie es erhalten hätte. Zugleich blieb nicht verborgen, daß unſer Haus ſeinen Verpflichtungen nur ſchwer nach⸗ kommen konnte. Was war natürlicher, als daß die Klatſchmäuler dieſe beiden Gerüchte miteinander in Ver⸗ bindung brachten? Da ſie hier blieb und in Dürftig⸗ keit lebte, ſo behauptete man, Johann habe das Geld nach Amerika mitgenommen, und das Gerücht machte die Summe fortwährend größer und größer. Fräulein Heſſel. Und Du, Guſtav— Bernick. Ich ergriff dies Gerücht als eine Rettungs⸗ planke. Fräulein Heſſel. Und haſt es weiterverbreitet? Bernick. Ich widerlegte es nicht. Die Gläubiger hatten begonnen, uns auf den Leib zu rücken; es galt für mich, ſie zu beruhigen. Es kam darauf an, daß man keinen Verdacht gegen die Solidität des Hauſes ſchöpfte; ein augenblicklicher Unfall hatte uns betroffen; man mußte nur nicht drängen, uns Zeit laſſen; Jeder ſollte das Seine erhalten. Fräulein Heſſel. Und erhielt auch Jeder das Seineꝰ Bernick. Ja, Lona. Dies Gerücht hat unſer Haus gerettet und mich zu dem Mann gemacht, der ich jetzt bin. * — 8 N; 8 18 ich 1— Fräulein Heſſel. Eine Lüge alſo hat Dich zu dem Manne gemacht, der Du jetzt biſt. Bernick. Wem hat ſie damals geſchadet?— Es war Johanns Vorſatz, nie wiederzukommen. Fräulein Heſſel. Du fragſt, wem es geſchadet? Schau in Dich! Dann ſage mir, ob nicht Du ſelbſt Schaden gelitten haſt. Bernick. Welcher Mann es auch ſei— ſchau ihm ins Herz, und bei Jedem findeſt Du wenigſtens einen dunklen Punkt, den er verdecken muß. Fräulein Heſſel. Und Ihr nennt Euch die Stützen der Geſellſchaft! Bernick. Die Geſellſchaft hat keine beſſern. Fräulein Heſſel. Und was liegt daran, ob eine ſolche Geſellſchaft geſtützt wird oder nicht. Was gilt hier? Schein und Lüge— nichts andres. Hier lebſt Du, der erſte Mann der Stadt, in Herrlichkeit und Freuden, in Macht und Ehre, Du, der einem Unſchul⸗ digen den Verbrecherſtempel aufdrückte. Bernick. Glaubſt Du nicht, daß ich mein Unrecht tief fühle? Glaubſt Du nicht, daß ich bereit bin, es wieder gut zu machend Fräulein Heſſel. Wodurch? Indem Du be⸗ kennſt? Bernick. Und das könnteſt Du fordern? Fräulein Heſſel. Was könnte ſonſt ein ſolches Unrecht gut machen? Bernick. Ich bin reich, Lona; Johann kann jede Forderung ſtellen— Fräulein Heſſel. Ja, biet' ihm Geld, und Du wirſt hören, was er antwortet. Bernick. Weißt Du, was er vor hat? Fräulein Heſſel. Nein. Seit geſtern war er ſtumm. Es iſt, als ob dies Alles ihn mit einem Mal zum gereiften Mann gemacht hätte. Bernick. Ich muß ihn ſprechen. Fräulein Heſſel. Hier iſt er. AE.UUUC U ————.——.—.9ꝙ.—————+7———————————— — 78 Fünfter Auftritt. * Die Vorigen. Johann Tönnſen kommt von recht tgegen). Johann Johann Tönnſen(bwehrend). Erſt ich. ib ich Dir mein Wort, zu ſchweigen. Bernick. Gewiß. Geſtern t Johann Tönnſen. Aber da wußt' ich noch nick Bernick. Johann, laß Dir nur mit zwei Wort den Zuſammenhang erklären. Johann Tönnſen. Nicht nötig; ich verſtehe Zuſammenhang ſehr wohl. Das Haus war damals einer ſchwierigen Lage; und weil ich fort war, und über Ruf und Namen eines Wehrloſen ſchalten konntef Nun, ich lege Dir das nicht ſo ſehr zur Laſt; wi waren in jenen Tagen jung und leichtſinnig. Aber jetzt hab' ich die Wahrheit nötig, und jetzt mußt ſprechen. Bernick. Und gerade jetzt hab' ich all mein more nich liſches Anſehen nötig, und darum kann ich jetzt ſprechen. Johann Tönnſen. Es kümmert mich wenig, was Du mir angedichtet; doch zu dem, was Du verſchuldet ſollſt Du Dich bekennen. Dina ſoll mein Weib werder und hier in der Stadt will ich mit ihr leben und mick anſäſſig machen. Fräulein Heſſel. Alſo das willſt Bernick. Mit Dina! Als ihr Gatt dieſer Stadt? Johann Tönnſen. Ja, gerade hier; ich will bleiben um all dieſen Lügnern und Verleumdern zu trotzen D wirklich? Aber damit ich Dina gewinnen kann, iſt es nötig, daß Du mich freimachſt. Bernick. Haſt D geſtehe, ich gleichzeitig das Andre auf mich nehme? Du wirſt ſagen, aus unſern Büchern könnt' ich beweiſen, daß keine Unredlichkeit ſtattgefunden. Allein das kann 5¹ e? Hier in Du bedacht, daß, wenn ich das Eine 5 70 ich 5 Unſre Bücher wurden damals nicht ſo genau geführt. Und ſelbſt wenn ich könnte— was wäre da mit ger vonnen? Würde ich nicht jedenfalls als ein Mann daſtehen, der ſich einſt durch eine Unwahrheit gerettet und fünfzehn Jahre lang dieſer Unwahrheit ge⸗ ſtattete, Wurzel zu faſſen, ohne einen Schritt dageger zu thun? Johann Tönnſen. Ich kann Dir nur ſagen, daß ich Frau Torps Tochter heiraten und hier mit leben will. B ernick(wiſcht ſich die Stirn). Hör' mich, o und auch Du, Lona! Es ſind keine gewöhnlichen hältniſſe, in denen ich mich gerade jetzt befinde. Ich ſtehe ſo, daß ich vernichtet bin, wenn dieſer Se gegen mich geführt wird. Und nicht nur ich bin nichtet, auch eine große und ſegensreiche Zukunft unſe Stadt, die Ihr ja doch Eure Heimat nennt, iſt immer dahin. Johann 7 Und führ' ich den 10 gegen Dich nicht, ſo vernichte ich mich ſelbſt und mein ganzes zulünftiges Glück. Fräulein Heſſel. Sprich weiter, Guſtav! Bernick. So hört denn! Was ich Euch zu ſagen habe, hängt mit der Eiſenbahnfrage zuſammen, die nicht ſo leicht abgemacht iſt, wie Ihr denkt. Ihr habt gewiß vernommen, daß es ſich hier voriges Jahr um eine Küſtenlinie handelte? Sie hatte viele und gewichtige Stimmen für ſich, in der Stadt, wie in der Umgegend und namentlich in der Preſſe; aber ich wuß te ſie zu verhindern, weil ſie dem Küſtenverkehr unſerer Dampf⸗ ſchiffe geſchadet haben würde. Fräulein Heſſel. Biſt Du ſelbſt bei dieſem Ver⸗ kehr beteiligt. Bernick. Ja. Aber Niemand wagte mich in dieſer Hinſicht zu 9 010 ich hatte meinen 9000 Namen als Schutz und Schirm über mir.— Übrigens hätt' ich den Verluſt auch ertragen können; doch die 80 andern Beteiligten konnten ihn nicht ertragen. So ward die Binnenlinie beſchloſſen. Nachdem dies ge⸗ ſchehen, überzeugte ich mich in aller Stille, ob ſich eine Zweigbahn zu uns herunter anlegen ließe. Fräulein Heſſel. Warum in aller Stille? Bernick. Habt Ihr von dem großen Ankauf von Waldungen, Gruben und Waſſerfällen gehört— Johann Tönnſen. Ja. Doch war das nicht ein auswärtiges Konſortium—? Bernick. Wie dieſe Grundſtücke liegen, ſind ſie ſo gut als wertlos für die verſtreuten Beſitzer. Sie wurden deshalb verhältnismäßig billig abgegeben. Hätte man gewartet, bis die Zweigbahn zur Sprache gekommen wäre, ſo würden die Herren unerhörte Preiſe gefordert haben. Fräulein Heſſel. Wohl, wohl; aber was nun? Bernick. Nun kommt das, was verſchieden gedeutet werden kann— das, was ein Mann aus unſerm Kreis nur dann bekennen darf, wenn er einen makelloſen Namen als Stütze hat. Fräulein Heſſel. Nun? Bernick. Ich war's, der Alles ankaufte. Fräulein Heſſel. Du? Johann Tönnſen. Und auf eigne Rechnung? Bernick. Auf eigene Rechnung. Kommt die Zweig bahn zu ſtande, ſo bin ich Millionär, wenn nicht— ruiniert. Fräulein Heſſel. Das war verwegen, Guſtav! Bernick. Mein ganzes Vermögen hab' ich daran gewagt. Fräulein Heſſel. Daran denk' ich nicht; doch wenn es an den Tag kommt, daß— Bernick. Ja, da ſitzt der Knoten. Mit dem makel⸗ loſen Namen, den ich bisher geführt, kann ich dies auf meinen Schultern weiter tragen, und zu meinen Mit⸗ bürgern ſprechen:„Seht, das hab' ich zum Beſten der Geſellſchaft gewagt!“ Fräulein Heſſel. Zum Beſten der Geſellſchaft? 81 —— ᷑ So Bernick. Ja; und nicht ein Einziger wird daran ge⸗ zweifeln. ine Fräulein Heſſel. Da giebt es doch Männer hier die offener gehandelt haben als Du, ohne Hintergedanken, ohne i in vbon Bernick. Und die wären! Fräulein Heſſel. Natürlich Rummel und Sand⸗— ein ſtadt und Wigland. Bernick. Um ſie zu gewinnen, war ich gezwungen, ſo ſie in die Sache einzuweihen. den Fräulein Heſſel. Nun—? nan Bernick. Sie haben ſich ein Fünftel vom Gewinn äre, als Anteil ausbedungen. ben. Fräulein Heſſel. O, dieſe Stützen der Geſellſchaft! un? Bernick. Und zwingt uns nicht die Geſellſchaft utet ſelbſt, Schleichwege zu gehen? Wie wär' es gekommen, reis hätt' ich nicht in der Stille gehandelt? Alle würden oſen ſich auf das Unternehmen geſtürzt, ſich entzweit, zer— ſplittert und das Ganze verdorben haben. Hier in der Stadt iſt außer mir nicht ein Mann, der ein ſo großes Geſchäft, wie dieſes werden wird, zu leiten verſteht. Darum ſpricht mein Gewiſſen mich in dieſem Punkte 7 frei. Nur in meinen Händen können jene Beſitztümer eig⸗ den Vielen, welchen ſie Brot verſchaffen werden, zum — dauernden Segen gereichen. Fräulein Heſſel. Darin magſt Du recht haben. Johann Tönnſen. Aber ich kenne dieſe Vielen 0l wan nicht; und mein Lebensglück ſteht auf dem Spiel. Bernick. Die Wohlfahrt Deiner Vaterſtadt ſteht doch auch auf dem Spiel. Kommen hier Dinge zu Tag, die einen Schatten auf mein früheres Thun werfen, ſo akel⸗ werden alle meine Gegner mit vereinter Macht über auf mich herfallen. Eine Jugendunbeſonnenheit läßt ſich in Mit⸗ unſrer Geſellſchaft nie wieder ausmerzen. Man wird der mein ganzes dazwiſchenliegendes Leben durchgehen, tau⸗ ſend kleine Umſtände hervorziehen und ſie in dem Lichte jaftꝰ dieſer Enthüllungen betrachten und deuten; man wird 6 82 mich unter der Wucht der Gerüchte und Verleumdungen erdrücken. Von dem Eiſenbahnunterneh jmen muß ich zurücktreten, und zieh' ich meine Hand davon ab, ſo fällt es, und ich bin zu gleicher Zeit ruiniert und bürgerlich tot. Fräulein Heſſel. Ichan Nach dem, was Du eben gehört haſt, mußt D Du reiſen und ſchweigen. Bernick. Ja, ja, Johann, das mußt Du! Johann Tönnſen. Gut; ich will reiſen und ſchweigen; aber ich komme wieder, und dann ſprech ich Bernick. Bleibe drüben, Johann; ſchweige, und ick bin bereit mit Dir zu teilen. Johann Tönnſen. Behalte Dein Geld, aber giel mir meinen Ruf, meinen Namen wieder. Bernick. Soll ich meinen eignen opfern? Johann Tönnſen. Du magſt Dich Geſellſchaft herauszuziehen Juchen. Ich ſoll, muß will Dina für mich gewinnen. Darum reiſ' ich noch morgen mit„Indian Girl“— Bernick. Mit„Indian Girl““? Johann Tönnſen. Ja. Der Kapitän hat ver ſprochen, mich mitzunehmen. Ich reiſe hinüber, verkaufe meine Farm und ordne meine Angelegenheiten. In zwei Monaten bin ich wieder hier. Bernick. Und dann willſt Du ſprechen? Johann Tönnſen. Dann ſoll der Schuldige ſelbſt die Schuld auf ſich nehmen. Bebltit Vergiſſeſt Du, daß ich dann auch das auf mich nehmen muß, woran ich nicht ſchuldig bin? Johann Tönnſen. Wer war r's, der vor fünf⸗ zehn Jahren das ſchmähliche Gerücht ſich zu Nutzen machte? Bernick. Du Aile mich zur Verzweiflung! Sprichſt Du, ſo leugne ich Alles! Ich ſage, es ſei ein Komplott gegen mich, es ſei Rach)e; Du ſeiſt herübergekommen Geld von mir zu erpreſſen. Fräulein Heſſe el. Schäme Dich, Guſtav! Doinon Deiner * Und igen ich ſo und einer ind Und noch ver ka ufe . II ſelbſt h das bin? fünf⸗ Nutzen prichſt mplott mmen 83 Bernick. Als ein 3 kämpf' ich ums Leben.— Ich leugne Alles, Alles! Johann Tönnſen. Ich habe Deine beiden Briefe. In meinem Koffer fand ich ſie unter andern Papieren. Heute früh las ich ſie durch; ſie ſind deutlich genug. Bernick. Und dle willſt Du Porkehene Johann Tönnſen. Wenn es not thut. Bernick. Und in zwei Monaten biſt Du wieder hier? Johann Tönnſen. So hoff' ich. De gut; in drei Wochen bin ich in New⸗Yor nicht Indian Girl“ untergeht. Bernick quth). Untergeht? Warum ſollte„Indi⸗ Girl“ untergehn? Johann Tönnſen. Nein, das denk' ich auch. Bernick kaum hörbar). Untergehn? Johann Tönnſen. Nun weißt Du, Bernick, was bevorſteht. Du magſt inzwiſchen mit Dir zu Rate gehen. Leb' wohl, Betty kannſt Du grüßen, obgteich ſie mich nicht ſchweſterlich aufgenommen hat. Aber Martha möcht' ich noch ſehen. Sie ſoll Dina ſagen— ſie ſoll mir verſprechen— Ab durch die zweite Thür links r Wind iſt k— falls Bernick cor ſich him 5 Girl“—? RGaſch) Lona! Das mußt Di werhnden. Fräulein Heſſel Du ſiehſt es ſelbſt, Guſtav— ich habe keine Macht mehr über ihn mer links.) Untergehn—2 (Sie geht Johann Tö Bernick(unruhig und Sechſter Auftritt. Konſul Bernick. Schiffsbaumeiſter Auner kommt von rechts. Auner. Mit Verlaub, iſt's dem Herrn Konſul ge⸗ nehm—? Bernick(wendet ſich beſtig zu ihm). Was wollen Sie? Auner. Bitten, ob ich an den Herrn Konſul eine Frage richten darf. Bernick. Wohlan, beeilen Sie fich? Was wollen Sie? Auner. Ich wollte fragen, ob es feſtſteht,— un erſchütterlich feſt,— daß ich meinen Abſchied vom Werft bekomme, wenn„Indian Girl“ morgen nicht ſegeln kann. Bernick. Was ſoll das? Das Schiff wird ja 1 ſegelfertig. Auner. Ja— es geht; doch wenn es noch nicht ginge— hätt' ich dann meinen Abſchied? Bernick. Wozu dieſe müßigen Fragen? Auner. Ich möcht' es ſo gerne wiſſen, Herr Konſul. Bitte, antworten Sie mir: hätt' ich dann meinen Ab ſchied? Bernick. Pfleg' ich mein Wort zu halten oder nicht? Auner. Ich hätte alſo morgen die Stellung ver⸗ loren, die ich in meinem Haus und bei meinen An⸗ gehörigen einnahm, meinen Einfluß im Kreis der Ar beiter verloren, jede Gelegenheit verloren, die niedrig Geſtellten zu heben. Bernick. Auner! Dieſer Punkt iſt erledigt. Auner. Gut!„Indian Girl“ kann abſegeln. (Kurze Pauſe.) Bernick. Hören Sie, Auner! Ich kann meine Augen nicht überall haben, kann nicht für Alles ver⸗ antwortlich ſein,— ich darf mich wohl verſichert halten, daß die Reparatur untadelhaft ausgeführt iſt? Auner. Sie ſetzten mir eine knappe Friſt, Herr Konſul. Bernick. Doch die Reparatur iſt zuverläſſig, ſagen Sie? Auner. Wir haben ja gutes Wetter und Som⸗ merszeit. (Wieder Pauſe.) ine len un bom jeln ia icht iſul. Ab⸗ oder ver⸗ An⸗ Ar edrig neine ver⸗ Aten, 85— Bernick. Haben Sie mir ſonſt noch etwas zu ſagen? Auner. Sonſt wüßte ich nichts, Herr Konſul. Bernick. Alſo—„Indian Girl“ ſegelt— Auner. Morgen? Bernick. Ja. Auner. Wohl. (Er grüßt ür wird von außen ge Krapp tritt ein.) Siebenter Auftritt. Konſul Bernick. Prokuriſt Krapp. Krapp cnit gedämpfter Stimme). Aha, er war hier? Hat er eingeſtanden? Bernick. Hm; haben Sie was entdeckt? Krapp. Wozu noch? Sahen Sie nicht, wie ihm das böſe Gewiſſen aus den Augen blickte? Bernick. Unſinn! So etwas ſieht man nicht. Haben Sie was entdeckt, frag' ich? Krapp. Konnte nicht dazukommen; war zu ſpät; ſie bugſierten das Schiff ſchon aus dem Dock. Allein gerade dieſe Eile beweiſt deutlich— Bernick. Beweiſt nichts. Die Beſichtigung hat alſo ſtattgefunden? Krapp. Verſteht ſich; aber— Bernick. Sehen Sie wohl! Und man fand natür⸗ lich nichts zu beanſtanden? Krapp. Herr Konſul, Sie wiſſen recht gut, wie ſolche Beſichtigun ngen vor ſich gehen, zumal auf einem Werft, das einen ſo guten Namen hat, wie das unſrige. Bernick. Gleichviel; wir ſind alſo außer Verant⸗ wortung. ..˖ç—˙ ⏑... U — E—-.———— ———— — 86— Krapp. Herr Konſul, bemerkten Sie wirklich nicht an Auner— Bernick. Auner hat mich vollſtändig beruhigt, ſag' ich Ihnen— Krapp. Und ich ſage, daß ich moraliſch überzeugt bin, Auner will— Bernick. Was ſoll das, Herr Krapp? Ich merke wohl, Sie können den Mann nicht leiden; aber wenn Sie ihm zu Leibe gehen wollen, ſo müſſen Sie einen andern Anlaß wählen. Sie wiſſen, wie erwünſcht es mir— oder richtiger geſagt, der Rhederei— ſein muß wenn„Indian Girl“ morgen unter Segel geht. Krapp. Wohl, es mag geſchehen; aber wann wir von dem Sch iffe wieder hören— hin! Achter Auftritt. Die Vorigen. Kaufmann Wigland kommt von rechts. Wigl land. Ergebenſter Diener, Herr Konſul. Haben Sie einen Augenblick Zeit? Bernick. Zu d dienen, Herr Wigland. Wigland. Ich wollte nur hören, ob Sie nicht auch dafür ſtimmen, daß d die„Palme“ morgen ſegelt? Bernick. Gewiß! Das iſt ja eine verabredete Sache. Wigland. Aber da kommt nun der Kapitän zu mir und meldet, daß Sturmſignale gegeben ſeien. Krapp. Das Barometer iſt ſeit heute früh ſtark gefallen. Bernick. So? Haben wir Sturm zu erwarten? Wigland. Eine ſcharfe Briſe allenfalls; aber keinen widrigen Wind; im Gegenteil— Bernick. Hm; was ſagen Sie dazu? Wigland. Ich ſage, was ich ſchon zum Kapitän icht ag ugt rke enn nen es uß, wir bon ben luch iche zu tark tenꝰ inen itän geſagt, daß die„Palme“ in der Hand der Vorſehung ſteht. Übrigens geht ſie ja fürs Erſte nur über die Nordſee; und in England ſtehen di Frachten jetzt ſo leidlich hoch, daß— Bernick. Ja, es brächte uns wahrſcheinlich Verluſt, falls wir warteten. Wigland. Das Schiff iſt ja auch ſolid und über⸗ dies voll aſſekuriert. Nein, da iſt's Währhaftie mehr gewagt mit„Indian Girl“ Bernick. Wie meinen Sie das? Wigland. Es ſegelt ja auch morgen. Bernick. Ja, die Rhederei hat ſo ſehr gedrängt und Wigland. Nun, kann der alte Kaſten ſich hinaus⸗ wagen, und obendrein mit ſolch einer Beſatzung, ſo wär' es eine Schande, wenn 1 nicht— Bernick. Jawohl. Sie haben vermutlich die Schiffs⸗ papiere bei ſich? Wigland. Hier ſind ſie. Bernick. Gut; wollen Sie nur mit Herrn Krapp hineingehen. Krapp. Haben Sie die Güte; ſoll gleich beſorgt werden. Wigland. Danke.— Und den Ausgang legen wir in die Hand der Vorſehung, Herr Konſul. Ab mit Prokuriſt Krapp durch die erſte Thür links Oberlehrer Lundt kommt vom Garten.) 05 Auftritt. Konſul Bernick. Oberlehrer Lundt. Lundt. Ahl Sie treff' ich um dieſe Tageszei zu Hauſe, Herr Konſul? Bernick en Gedanten. Wie Sie ſehen. Lundt. Eigentlich kam ich Ihrer Frau Gemahlin RF 88 wegen. Ich dachte mir, ſie könnte ein Wort des Troſtes bedürfen. Bernick. Das kann ſie gewiß. Aber auch ich möchte gern etwas mit Ihnen ſprechen. Lundt. Mit Vergnügen, Herr Konſul. Doch was fehlt Ihnen? Sie ſehen ganz bleich und verſtört aus Bernick. Wirklich? Ja, wie kann es auch anders ſein,— ſo vielerlei, was ſich in den letzten Tagen um mich auftürmt! Mein großes Geſchäft,— und dann die Eiſenbahn.— Hören Sie, Herr Oberlehrer, darf ich eine Frage an Sie richten? Lundt. Sehr gerne, Herr Konſul. Bernick. Es iſt mir ein Gedanke gekommen. Wenn man einem Unternehmen von ſolcher Tragweite gegen— überſteht, das die Wohlfahrt von Tauſenden zum Ziele hat— wie, wenn es nun ein einzelnes Opfer fordern ſollte? Lundt. Wie meinen Sie das? Bernick. Ein Mann will zum Beiſpiel eine große Fabrik anlegen. Er weiß mit Sicherheit— denn das hat die Erfahrung ihn gelehrt— daß früher oder ſpäter unter dem Betrieb dieſer Fabrik Menſchenleben zu Grunde gehen. Lundt. Ja, ſo etwas iſt nur allzu wahrſcheinlich Bernick. Oder Einer wirft ſich auf den Gruben⸗ betrieb. Er nimmt Familienväter, wie auch junge, lebens⸗ frohe Menſchen in ſeinen Dienſt. Läßt ſich nicht mit Gewißheit ſagen, daß ein Teil dieſer Leute dabei um kommen muß? Lundt. Leider iſt es ſo. Bernick. Nun. Ein ſolcher Mann weiß alſo voraus daß ſein Unternehmen unzweifelhaft einmal Menſchen⸗ leben koſten wird. Aber dieſes Unternehmen iſt ein ge meinnütziges; für jedes Menſchenleben, das es koſtet, wird es ebenſo die Wohlfahrt vieler Hunderte fördern. Lundt. Ich verſtehe! Sie denken an die Eiſen— ſtes vas IUs ers uUm unn ich enn zen⸗ ziele 'ern oße das äter inde lich hen⸗ ens⸗ mit um aus hen⸗ ge⸗ ſtet, pern. bahn,— an alle jene gefährlichen Ausgrabungen und Sprengungen und A0en Bernick. Jawohl, ich denke an die Eiſenbahn— und außerdem wird ja die Eiſenbahn Fabriken und Grubenbetrieb hervorrufen. Doch meinen Sie nicht trotzdem— Lundt. Lieber Herr Konſul, Sie ſind faſt allzu gewiſſenhaft. Ich meine, wenn Sie die Sache in die Hand der Vorſehung legen— Bernick. Ja gewiß; die Vorſehung— Lundt. ſo trifft Sie keine Verantwortung. Bauen Sie nur getroſt die Eiſenbahn. Bernick. Ja; doch nun ſetz' ich einen beſondern Fall. Geſetzt, ein Felſen ſoll an einer gefährlichen Stelle geſprengt werden, und ohne dieſe Sprengung kann die Eiſenbahn nicht zu ſtande kommen. Geſetzt, der Ingenieur weiß, daß es dem Arbeiter, der die Mine anzündet, das Leben koſten wird; aber angezündet muß ſie werden; und es iſt die Pflicht des Ingenieurs, einen Arbeiter hinzuſenden, der dies thut. Lundt. Hm— Bernick. Ich weiß, was Sie ſagen wollen; es wäre groß, wenn der Ingenieur ſelbſt die Lunte nähme und die Sprengung vollführte. Doch Derartiges thut man nicht. Er muß alſo einen Arbeiter opfern. Lundt. Das würde nie ein Ingenieur bei uns thun. Bernick. Kein Ingenieur im Auslande würde Be⸗ denk 61 tragen, dies zu thun. undt. Im Ausland?— Ja, das glaub' ich wohl. In üer verderbten und gewiſſenloſen Geſellſchaft— Bernick O, Manches iſt recht gut in jener Geſell⸗ ſchaft. Lundt. Und das ſagen Sie, Sie, der ſelbſt—? Bernick. Dort hat man doch Platz, ein nützliches Unternehmen zu fördern; dort hat man Mut, etwas für eine große Sache a1 Wilthei aber hier wird man ein⸗ geengt von allerlei kleinlichen Rückſichten und Bedenken. —.— 90— Lundt. Iſt ein Menſchenleben ein kleinliches Bedenken. Bernick. Wenn dies Menſchenleben der Wohlfahrt von Tauſenden drohend entgegenſteht— Lundt. Aber, Herr Konſul, Sie ſtellen ja rein undenkbare Fälle auf; ich verſtehe Sie heute gar nicht. Und dann weiſen Sie auf das Ausland hin. Ja, da draußen— was gilt da ein Menſchenleben! Aber wir, ſollt' ich meinen, ſtehen doch auf einem ganz andern Standpunkt. Vergleichen Sie nur— einerſeits unſere ehrenhaften Schiffsherren, andererſeits jene ausländiſchen Schurken, die um ſchnöden Gewinn ein ſeeuntüchtiges Schiff nach dem andern verfrachten— Bernick. Ich ſpreche nicht von ſeeuntüchtigen Schiffen. Lundt. Aber ich ſpreche davon, Herr Konſul. Bernick. Doch was ſoll das hier? Das gehört ja nicht zur Sache.— O dieſe kleinen, ängſtlichen Rückſichten! Wenn bei uns ein General ſeine Soldaten ins Feuer und zum ſichern Tode führen müßte, er hätte hinterher ſchlafloſe Nächte. So iſt es anderswo nicht. Sie ſollten hören, was er da drinnen erzählt. Lundt. Er? Wer? Der Amerikaner? Bernick. Jawohl. Sie ſollten hören, wie man in Amerika— Lundt. Er iſt drinnen? Und das ſagen Sie mir nicht? Ich will gleich— Bernick. Das nützt Ihnen nichts. Sie kommen nicht mit ihm zurecht. Lundt. Das wollen wir ſehen! Nun, da haben wir ihn. Johann Tönnſen kommt durch die zweite Thür links.) Sehnter Auftritt. Die Vorigen. Johann Tönnſen, ſpäter Fräulein Heſſel. Johan n Tön nſen(ſpricht zurück durch die offene Thür). Ja, ja, Dina, es iſt gut ſo; aber ich laſſe dennoch nicht von — 2+2=2 en. hrt ein cht. da vir, ern ſere hen ges fen. zört hen iten ätte icht. in mir men ihn. ein Ja, lN Ihnen. Ich komme wieder; und dann ſoll es klar zwiſchen uns werden. Lundt. Mit Verlaub, wohin zielen Sie mit dieſem Wort? Was wollen Sie? Johann Tönnſen. Ich will, daß das junge Mädchen, bei dem Sie mich geſtern verleumdet, meine Frau werde. Lundt. Ihre—? Und Sie können glauben— Johann Tönnſen. Ich will, daß ſie meine Frau werde. Lundt. Nun, dann ſollen Sie auch erfahren— Er geht nach der halboffenen Thür). Frau Bernick, Sie müſſen die Güte haben, Zeuge zu ſein.— Und Sie auch, Fräu⸗ lein Martha! Laſſen Sie auch Dina kommen. 81 Fräulein Heſſel, die ſich unter der Thür zeigt) Ah, Sie ſind auch hier? Fräulein Heſſel auter der Thür). Soll ich auch kommen? Lundt. Wer nur will; je mehr, deſto beſſer. Bernick. Was haben Sie vor? Elfter Auftritt. Die Vorigen. Fräulein Heſſel, Frau Bernick ονν„ 8—* 8 + Fräulein Bernick, Dina und Hilmar Tönnſen kommen aus dem zweiten Zimmer links. Frau Bernick. Herr Oberlehrer, ich konnt ihn mit dem beſten Willen nicht daran hindern— Lundt. Ich werde ihn daran hindern, Frau Bernick — Dina, Sie ſind ein unbedachtes Mädchen. Doch ich tadle Sie nicht zu ſehr. Sie entbehrten allzulange den moraliſchen Stützpunkt, der Sie aufrecht halten ſollte; ich tadle mich ſelbſt, daß ich Ihnen nicht früher dieſen Stützpunkt gegeben. 9 Dina. Jetzt nichts mehr davon! Frau Bernick. Was ſoll das heißen? Lundt. Gerade jetzt muß ich ſprechen, Dina, ob— gleich Ihr Betragen und heute mir dies zehn⸗ fach erſchwert hat. Doch Ihrer Rettung gegenüber müſſen alle andern Rück kſichten ſchweigen. Sie gedenken des Wortes, das ich Ihnen gab; Sie erinnern ſich, was Sie mir zu antworten verſprachen, wenn ich fände, daß die Zeit gekommen ſei. Jetzt darf ich mich nicht länger bedenken; und darum Gu Johann) Dieſes junge Mäd⸗ chen, dem ſie nachſtellen, iſt meine Braut! Frau Bernick. Wie? Bernick. Dina! Hilmar Tönnſen. Sie! Ihre—? Fräulein Bernick. Nein, nein, Dina! Fräulein Heſſel. Lüge! Johann Tönnſen. Dina, ſpricht dieſerMann wahr? Dina(nach kurzer Pauſe). Ja Lundt. Und hiemit ſind Voffe alle Verfüh rungskünſte zu nichte gemacht. Der Schritt, zu dem ich mich für Dinas Wohl entſchloſſen habe, mag immerhin 6 5 ganzen Geſellſchaft ndhegeden werden. Ich hege die 14 5 Hoffnung, daß er nicht falſch gedeutet wird.— Doch nun, Frau Bernick, ſcheint mir das Beſte, wir führen ſie hinweg und ſuchen wieder Ruh und Gleich gewicht in ihr Gemüt zu 8 ringen. Frau Bernick. Ja, komm! O Dina, welch ein Glück für Dich! (Sie führt Dina hinaus durch die zweite Thür links; Oberlehrer Lundt folgt ihnen.) Fräulein Bernick. Leb' wohl, Johann! —. 2 durch die zweite Thür links. Hilmar Tön nſen(in der Gartenthür). Hm,— das muß ich al lerdi ings geſtehen—1 Frä ulein He ſel(welche Dina mit den Augen folgte). Nicht den Mut verloren, Junge! Ich bleibe hier und geb' acht auf den Paſtor. (Sie geht rechts ab.) ob⸗ yn⸗ ber ken as aß ger äd⸗ hr? üh ich hin Ich itet das uh ein 93— Swölfter Auftritt. Konſul Bernick. Johann Tönnſen. Hilmar Tönnſen an der Gartenthür. Bernick. Johann, nun reiſeſt Du nicht mit„Indian Girle Johann Tönnſen. Gerade jetzt. Bernick. Aber Du kommſt doch nicht wieder? Johann Tönnſen. Ich komme wieder. Bernick. Nach alledem? Was willſt Du noch hier? Johann Tönnſen. Mich an Euch Allen rächen; ſo viele von Euch zermalmen, als ich nur kann! Ab nach rechts.) Dreizehnter Auftritt. Die Vorigen, ohne Johann Tönnſen. Kaufmann Wigland und Prokuriſt Krapp kommen durch die erſte Thür links. Wigland. So, nun ſind die Papiere in Ordnung, Herr Konſul. Bernick. Gut, gut. Krapp(mit gerämpfter Stimme). Und alſo bleibt's dabei, daß„Indian Girl“ morgen abſegelt? Bernick.„Indian Girl“ ſegelt ab. (Ab in das erſte Zimmer links. Wigland und Krapp ab nach rechts. Hil mar Tönnſen will ihnen folgen; gleichzeitig ſteckt Ostar den Kopf vorſichtig zur zweiten Thür links heraus.) vierzehnter Auftritt. Hilmar Tönnſen. Oskar. Oskar. Onkel! Onkel Hilmar! Hilmar Tönnſen. Ufl Biſt Du's? Warum bleibſt Du nicht droben? Du haſt ja Stubenarreſt. 909 Oskar geht ein paar Schritte vo'). St! Onkel Hilmar, weißt Du was Neues? Hilmar Tönnſen. Ja, ich weiß, daß Du heute Prügel bekommen haſt. Oskar Clickt mit drohender Geberde nach dem Zimmer des Vaters). Er ſoll mich nicht wieder ſchlagen! Aber weißt Du, daß Onkel Johann morgen mit den Amerikanern ſegelt? Hilmar Tönnſen. Was ſcheert das Dich? Mach', daß Du wieder hinaufkommſt! Oskar. Ich kann vielleicht auch einmal auf die Büffeljagd kommen, Onkel! Hilmar Tönnſen. Unſinn! So ein Knirps, wie Du— Oskar. Ja, wart' nur! Morgen erfährſt Du ſchon etwas. Hilmar Tönnſen. Dummkopf! (Ab durch den Garten. Oskar läuft wieder ins zweite Zimmer links und ſchließt die Thür, da er Prokuriſt Krapp von rechts kommen ſieht.) Fünfzehnter Auftritt. Prokuriſt Krapp geht nach der Thür des Konſuls und öffnet ſie halb. Krapp. Entſchuldigen Sie, daß ich noch einmal komme, Herr Konſul, aber ein gewaltiges Unwetter zieht herauf.(Er wartet einen Augenblick. Keine Antwort.) Soll„In- dian Girl“ dennoch ſegeln?— (Nach einer kurzen Pauſe antwortet) Bernick(drinnen im Zimmer). Indian Girl“ ſegelt dennoch. (Prokuriſt Krapp ſchließt die Thür und geht wieder rechts ab.) 9˙ON Pierter Aufug. Der Gartenſaal in Konſul Bernicks Haus. Der Arbei 55 ſt weggeräumt. Es iſt ſtürmiſcher Nachmittag und ſchon wie 15 4.—— merung, die während der folgenden Szenen mehr und mehr zu⸗ nimmt.) jon ließt Rummel 61 diener). Nur jede zweite Kerze an⸗ zünden! Es darf nicht gar zu feſtlich ausſehen; es ſoll uls ja überraſchend kommen. Und alle dieſe Blumen—? Na, laßt ſie nur da; man kann ja denken, ſie ſtänden täglich hier— nal(Konſul Bernick kommt durch die erſte Thür links.) eht Bernick auter der Thir). Was ſoll das? In- Rummel. O weh! Du ſchon hier? u den Dienſt boten.) Na, jetzt könnt Ihr gehen. (Der Diener und die Mädchen gehen ab durch die zweite Thür links. gelt Sweiter Auftritt. Großhändler Rummel, Konſul Bernick. Bernick(tommt näher). Aber Rummel, was bedeutet das? Rummel. Es bedeutet, daß Dein ſtolzeſter Augen⸗ 06 blick gekommen iſt. Die Stadt bringt ihrem erſten Mann heut Abend einen Fahnenzug. 10 Bernick. Wie? Rummel. Fahnenzug mit Muſik! Fackeln hätten wir auch gern gehabt; aber das durften wir bei dieſem ſtürmiſchen Wetter nicht wagen. Nun, illuminiert wird jedenfalls; und das klingt ja auch ganz gut, wenn es in den Zeitungen ſteht. Bernick. Laß das, Rummel. Ich will davon nichts wiſſen. Rummel. Ja, nun iſt es zu ſpät; in einer halben 6 Stunde haben wir ſie. 8 Bernick. Aber warum haſt Du mir das nicht früher 8 geſagt? 6 Rummel. Eben weil ich fürchtete, Du würdeſt Einwendungen machen. Da ſetzte ich mich in Verbin dung mit Deiner Frau; ſie geſtattete mir, etwas We⸗ niges zu arrangieren, und wird auch für Erfriſchungen 0 orgeik 3. Bernick gauſc). Was iſt das? Kommen ſie ſchon? 8 Mir ſcheint, ich höre Geſang. Rummel aaan der Gartenthür). Geſang? O, das ſind nur die Amerikaner; es iſt„Indian Girl“, das aus dem Hafen bugſiert wird. Bernick.„Indian Girl?“— Ja—:; nein, ich kann 8 nicht heut Abend; ich bin krank. 5 Rummel. Du ſiehſt wirklich erbärmlich aus. Aber 0 Du mußt Dich ermannen; zum Kuckuck, Du mußt Dich ermannen! Sowohl ich wie Sandſtadt und Wigland legen das größte Gewicht auf das Zuſtandekommen dieſer Feier. Unſere Gegner müſſen unter dem Gewicht einer möglichſt entſchiedenen Meinungsäußerung zu Bo— den gedrückt werden. Gerüchte bilden ſich in der Stadt; die Mitteilung vom Ankauf der Ländereien kann nicht länger zurückgehalten werden. Du mußt notwendig ſchon heut Abend unter Geſang und Reden und Becher⸗ klang, kurz unter einer rauſchenden Feſtſtimmung, kund — ten ſem ird es bon ben her deſt in Ve⸗ gen on? ind dem ann ber dich and nen icht Bo⸗ idt; icht idig her⸗ und thun, was Du zum Beſten der Geſellſchaft gewagt k Unter ſo einer rauſchenden Feſtſtimmung, wie ich ſoeben ausdrückte, läßt ſich viel bei uns richten. Aber die muß auch da ſein, ſonſt geht's Bernick. Ja, ja, ja— Rummel. Und beſonders wenn ſo ein delikater und heikler Punkt zur Sprache kommt. Nun, Bernick Du halt, Gott ſei Dank, einen Namen, der was ver⸗ Weseſß kann. Aber höre, wir ſollten doch eine kleine zerabredung treffen. Dein Vetter Hilmar hat ein Lied auf Dich geſchrieben. Es beginnt ſehr hübſch mit den Worten:„Hoch die Fahne der Idee.“ Und Oberlehrer Lundt iſt beauftragt, die Feſtrede zu halten. Auf die mußt Du natürlich antworten. Bernick. Heute kann ich nicht. Vielleicht, daß Rummel. Unnöglich, ſo gern ich auch wollte. Rede iſt ja, wie Du Dir denken kannſt, hauptſächlich an Dich gerichtet. Nun, vielleicht werden auch uns Andern ein paar Worte geſpendet. Ich ſprach mit Wi land und Sandſtadt darüber. Wir dachten, Du köntte mit einem Hoch auf das Gedeihen unſrer Stadt an worten; Sandſtadt will ein paar Worte über die Einig⸗ keit unter den verſchiedenen Geſellſchaftskreiſen ſprechen; Wigland wird dann fnlde 0nderſehenr wie wünſchens⸗ wert es ſei, daß das neue Unternehmen die moraliſche Grundlage, worauf wir ſtehen, nicht erſchüttern möge, und ich habe vor, in wenigen paſſenden Worten der Frauen zu deren beſcheideneres Wirken auch nicht ohne Bedeutung für die Geſellſchaft iſt. Aber Du hörſt ja nicht— Bernick Doch— gewiß. Aber ſprich, glaubſt Du wirklich, daß es auch auf der See ſo heftig ſtürmt? Rummel. Ah, Du biſt beſorgt um die„Palme“. Die iſt ja gut aſſekuriert. Bernick. Allerdings; aber— — 8 Rummel. Und in gutem Stand; und das iſt die Hauptſache. Bernick. Hm—. Wenn einem Fahrzeug etwas zuſtößt, ſo iſt ja damit noch nicht geſagt, daß Men⸗ ſchenleben zu Grunde gehen müſſen; Schiff und La⸗ dung können kaput ſein—; man kann Koffer und Pa—⸗ piere verlieren— Rummel. Zum Unei An Koffern und Papieren iſt doch nicht viel gelegen. Bernick. Das nicht!— Nein, nein, ich meinte bloß—. Still,— da ſingen ſie wieder. Rummel. Das iſt an Bord der„Palme“. (Wigland kommt von rechts. Dritter Auftritt. Die Vorigen. Wigland, ſpäter Kaufmann Sand⸗— ſtadt und Proturiſt Krapp. Wigland. Jal“ Die wird gleich abſegeln Bernick. Und Sie, 129 kundiger Mann, halten noch immer n da Wigland. Ich halte jeſt an der Vorſehung, Herr Konſul. Überdies war ich ſelbſt an Bord und teilte einige Traktätchen aus, von denen ich hoffe, ſie werden zum Segen gereichen. (Kaufmann Sandſtadt und Prokuriſt Krapp kommen von rechts Sandſtadt Ul unter der Thür). Wenn das gut ab⸗ läuft, dann geht Alles gut. Ah! Guten Abend, Herr Konſul! Bernick. Iſt etwas vorgefallen, Herr Krapp? Krapp. Ich ſage nichts, Herr Konſul. Sandſtadt. Die ganze Uenan 9595„Indian Girl“ iſt betrunken; ich will kein ehrlicher Mann ſein, wenn die Beſtien lebendig durchkommen. 55 5 ick 1 m ho in de he ge be V ge il 8 Vο Vierter Auftritt. Die Vorigen. Fräulein Heſſel kommt von rechts. Fräulein Heſſel au gonſul Bernich. So, jetzt kann ich Dir ſein Lebewohl bringen. Bernick Schor an Bord? Fräulein Heſſel. Bald jedenfalls. Wir trennten uns vor dem Hotel. Bernick. Und ſein V Fräulein He eſſe l. Fe Rummel Hintergrunde mit dieſen neuen Ei inrich hänge nicht herunter. Fräulein Heſſel. Sollen ſie herunter? Ich dachte im Gegenteil— Rummel. Zuerſt herunter, Fräulein. Sie wiſſen doch, was bevorſteht? Fräulein Heſſel. Freilich. Laſſen Sie mich helfen.(Sie zieht an der Schnur.) Ich will vor meinem Schwa⸗ ger den Vorhang fallen laſſen— obgleich ich ihn lie⸗ ber aufzöge. Rummel. Das können Sie auch, aber ſpäter. Wenn der Garten gefüllt iſt von der wogenden Menge, gehn die Vorhänge auf, und man ſieht hinei n zu einer überraſchten und frohen Familie;— das Heim eines Bürgers ſoll ſein wie ein Glasſe hrant Bernick(ſchein, w geht in das erſte nks). Rummel. och laßt uns nun die letzte B zeratung halten. Kommen Sie mit, WII Krapp! Sie müſſen uns mit ein paar faktiſchen Erl nachhelfen. (Alle Herren gehen in das erſte Zim 8. in Heſſ ie Vor⸗ hänge an den F rn herunter gel 1 a thüre thun, da ſp nen Plaid über orſatz ſteht feſt? f Fenſterm). Zum Henker tungen! Ich bringe die Vor⸗ S — 100— Fünfter Auftritt. Fräulein Heſſel, Oskar. Fräulein Heſſel. Ah!— Gott verzeih' Dir, Junge, wie haſt Du mich erſchreckt! Oskar cderbirgt das Bündel). Pft, Tante! Fräulein Heſſel. Du ſpringſt zum Fenſter hin— aus! Wo willſt Du hin? skar. Still, ſag' nichts! Ich will zu Onkel Jo hann;— nur zum Hafendamm hinunter, weißt Du; — ihm nur Adieu ſagen. Gute Nacht, Tante! (Er läuft hinaus d den Garten.) Fräulein Heſſel. Nein, bleib! Oskar— Oskar! Sechſter Auftritt. Fräulein Heſſel. Jo hann Tönnſer„ im Reiſeanzug, eine Taſche un chänge kommt vorſi chtig durch die Thür rechts; ſpäter Dina und Fräulein Bernick. Johann Tönnſen. Lona! Fräulein Heſſel(cwendet ſich get kommſt zurück? Johann Tönnſen. Es hat noch ein paar Mi⸗ nuten Zeit. Ich muß ſie noch einmal ſehen. Wir können nicht ſo ſcheiden. Fräule in Bernick und Dina, beide mit Thüre links; letztere hat einen kleir Dina. Zu ihm, zu ihm! Fräulein Bernick. Ja, Dina, Du ſollſt zu ihm kommen! Dina. Da iſt erl Johann Tönnſen. Dina! Dina. Nehmen Sie mich mit! Johann Tönnſen. Was hör' ich—! Fräulein Heſſel. Du willſt? Dina. Ja, nehmen Sie mich mit! Der Andere hat Wie! Du en durch die zweite der Hand ir mir geſchrieben, hat geſagt, daß Leuten offenkundig werden ſoll— Johann Tönnſen. Dina— Sie. nicht? 8 Dina. Ich habe dieſen Menſcher ſt ürze mich ii ich ſeine vie drückte er mich geſtern mit ſeinen ten nieder! Wie ließ er mich fühlen, ringe 5 Geſchöpf; zu ſich emporhebe! Ich w änger geringſe chätzen laſſen! Ich will rei mit Ihnen gehen? 18 Waſſer, eh' Johann Tönnſ ja und tauſendmal ja Dina. Ich will J nicht lange zur Laſt fallen Helfen Sie mir nur hinü helfen Sie mir dort nur im Anfang ein wenig zurecht. Johann Tönnſen. Hurra, Di as findet ſich Fräulein Heſſel ddeutet auf die erſte Thür lint Pſt! Leiſe, leiſe! Johann Tönnſen. Dina, ich will Sie auf den Här den tragei tl Dina. Das ſollen Si ie nicht. Ich wi ich ſelbſt fortbringen; und dort drüben kann ich das! Wenn ich nur von hier wegtomme! 9 dieſe“— Siee wiſſen das nicht die haben mir auch heute geſchrie ben. Sie haben mich erm mein Glück zu würdigen mir vorgehalten, welche Großmut er mir erwieſen. Mor⸗ gen und alle Tage werden ſie mir aufpaſſen, um z1 jehen, ob ich mich alles deſſen auch würdig Mir graut vor all dieſer Geſittetheit Johann Tönnſen. Sagen Sie mir, Dina, reiſen Sie nur deshalbs? Bin ich Ihnen nichts? Dina. Doch, Johanin Sie ſind mir mehr als alle andern Menſchen. Johann Tönnſen. O, Dina! Dina. Alle hier ſagen, ich müſſe Sie haſſen und verabſcheuen; das ſei meine 910 icht. Aber ich begreife dieſe Pflicht nicht; ich werde ſie nie begreifen lernen. — 1⁰⁰⁰/—f Fräulein Heſſel. Das ſollſt Du auch nicht, mein Find! Fräulein Bernick. Nein, das ſollſt Du nicht; und darum ſollſt Du ihm auch als 5 Gattin folgen. Johann T önnſe en. Ja, ja! Fräulein Heſſel. Wie? Nun muß ich Dich küſſen, Martha! Das hätt' ich nicht von Dir erwartet. Fräulein Bernick. Ich glaub' es wohl; ich hätt' es ſelbſt nicht erwartet. Aber einmal mußt' es in mir zum Ausbruch kommen. Ach, wie leiden wir hier unter kleinlichen Gewohnheiten und Gebräuchen! Lehn' Dich dagegen auf, Dina! Werde ſein Weib! Laß etwas ge ſchehen, das all dieſen Sitten und Bräuchen trotzt! Johann Tönnſen. Was antworten Sie, Dina? Dina. Ja, ich will die Ihre ſein. Johann Tönnſen. Dina! Dina. Doch erſt muß f1 arbeiten, ſeſber etwas werden— wie Sie. Ich will nicht eine Sache ſein, die ger enommen wird. Fräulein Heſſel. Recht; ſo ſoll es ſein! Johann Tönnſen. Gut denn; ich warte und hoffe— Fräulein Heſſel.— und gewinnſt, Junge! Doch jetzt an Bord! Johann Tönnſen. Ja, an Bord!— Ah, Lona, liebe Schweſter, auf ein Wort! Höre— (Er führt ſie in den grund und ht eifrig mit ihr.) Fräulein Bernick. Dina, Du Glückliche,— laß mich Dich anſchauen, Dich noch einmal küſſen— das letzte Mal! Dina. Nicht das letzte Mal; nein, teure, geliebte Tante, wir ſehn uns wieder! Fräulein Bernick. Niemals! Verſprich es mir, Dina, komm' nie zurück! ie faßt blick ſie an) Nun gehſt Du dem Glück entgegen, Du ge⸗ liebtes Kind— 1 Meer! O, wie oft k hab ich mich in der engen Schulſtube dort hinübergeſehnt! Da draußen )ina an beiden 838 und — +2 22. 22— 29222= 22 n in C⸗ n — 103— muß es ſchön ſein: ein weiterer Himmel; die Wolken ziehen höher als hier; eine freiere Luft umweht die Menſchen— Dina. O, Tante Martha, Du wirſt uns einmal nachkommen. Fräulein Bernick. Ich? Nein, nie! Hier hab' ich meinen kleinen Lebensberuf; und nun glaub' ich auch, daß ich voll und werden kann, was ich ſein ſoll. Dina. Von Dir ſcheiden zu müſſen!— ich nf es nicht faſſen! Fräulein Bernick. Ach, Dina, der Menſch kann von Vielem ſcheiden.(8i Ding.) Doch Du ſollſt es nie erproben, ſüßes Kind. Verſprich mir ihn glüctlich zu machen! Dina. Ich will nichts verſprechen; ich haſſe Ver— ſprechen. Alles muß kommen, wie es kommt. Fräulein Bernick. Ja, ſo mag es ſein; Du ſo 55 nur bleiben, wie Du biſt— wahr und treu gegen Dick ſe lbſt Dina. Das will ich, Tante. is dJeſſel(teat ei hann ben). Brav, brav, mein lieber Junge. Doch Papiere in die Taſche, die Joh ge nun hin weg! Johann Tönnſen. Ja, es iſt keine Zeit mehr zu verlieren. Leb wohl, Lona! Dank für all Deine Liebe! Leb wohl, Martha; hab Dank, auch Du, für Deine treue Freundſchaft! Fräulein Bernick. Leb wohl, Johann! Leb wohl, Dina! Und Gluͤck über Eure Tage! drängen Joha nun Tönnſen i hen raſch zieht den Vor 1 Fräulein Heſſ im Hint ſel ſchließt die Siebenter Auftritt. Fräulein Heſſel. Fräulein Bernick. Fräulein 0 Nun ſind wir allein, Martha. Du haſt ſie verloren und ich ihn. — 104 Fräulein Bernick. Du— ihn? Fräulein Heſſel. Ach, halb hatt' ich ihn ſchon drüben verloren. Der Junge ſehnte ſich, auf eignen Füßen zu ſtehen. Darum ſetzt ich ihm in den Kopf daß ich an Heimweh litte. Fräulein Bernick. Darum? O, jetzt verſteh ich weshalb Du kamſt. Doch er wird Dich zurückwünſchen, Lona. Fräulein Heſſel. Eine alte Halbſchweſter— was ſoll er jetzt mit der!?— Die Männer geben Vieles und Viele auf, um zum Glück zu gelangen. Fräulein Bernick. Das kommt zuweilen vor. Fräulein Heſſel. Aber wir wollen zuſammen halten, Martha Fräulein Bernick. Kann ich Dir etwas ſein? 15 Heſſel. Wem mehr? Wir zwei Pflege— mütter— haben wir nicht beide unſere Kinder verloren? Nun ſtehn wir allein. Fräulein Bernick. Ja, allein. Und darum ſollſt Du es auch wiſſen— ich hab' ihn mehr als Alles in der Welt geliebt. Fräulein Heſſel. Martha! 68Sie ſaßt Fräutein Vernia Iſt das Wahrheit? 5 ein Bernick. Der ganze 19 5 meines Le bens liegt in dieſen Worten. Ich hab' ihn geliebt und auf ihn gewartet. Jeden Sommer wartete ich auf ſein Kommen. Und er kam— aber er ſah mich nicht. Fräulein Heſſel. Ihn geliebt! Und Du ſelber varſt es, die ihm das Glück zuführte? Fräulein Bernick. Sollt' ich 5 W5 das Glück zuführen, wenn ich ihn liebte. Ja, ich aih hu geliebt! Mein ganzes Leben war ein Leben für ih ſchon ſeit er fortzog. Welchen Grund 10 hatte zu k 115 fragſt Du? O, ich glaube doch, ich hatte einigen Grund dazu! Doch als er heimkam—. war's, als ob Alles aus ſeiner Erinnrung verwiſcht ſei. Er ſah mich nicht. Fräulein Heſſel. Dina ſtand zwiſchen Euch. 105 Fräu lein Bernick. Wohl, d daß ſie es that! Als er reiſte, 0 70 wir gleichalter ig; als ich ihn — o, der entſetzlichen Stunde!— da fühlte ich, 5 ich nun zehn Jahr älter geworden als er. 51 Ber hatte er im warmen, zitternden Sonnenſchein gelebt, hatte Jugend und Friſche mit jedem Atem tzug geſogen; nd indeſſen ſaß ich hier wie die Verzauberte im Ber ge und ſpann und ſpann— Fräulein Heſſel. Den Faden ſeines Glückes Martha. Fräulein Bernick. Ja, Gold war es, was ick ſpann. Keine Bitterkeit! Nicht wahr, Lona, wir waren ihm zwei gute Schweſtern? Fräulein Heſſel(dumarmt ſie). Martha Achter Vuftritt. Die Vorigen. Konſul Berni erſte Thür links Bernick an ſein Zimmer ſprechend). Ja, ja, meine Herren ordnen Sie Alles, wie Sie wollen. Wenn die 1* U kommt, werd' ich ſchon—«er ſchließt die ſeid hier? Hör', Martha, Du mußt Dich ein bise umkleiden; und heiße Betty dasſelbe thun. Natürli ine Pracht; nur ein netter Hausanzug. Aber müßt euch beeilen. Fräulein Heſſel. Und ein glückliches, aufge räumtes Geſicht, Martha! heitere Augen müßt ihr machen. Bernick. Oskar ſoll auch herunterkommen: ich will ihn neben mir haben. Fräulein Heſſel. Hm; Oskar— Fräulein Bernick. Ich werde Betty Beſcheid ſager Sie geht durch die zw te Thür links ab — 106 Neunter Auftritt. Konſul Bernick. Fräulein Heſſel; ſpäter Hilmar Tönnſen. Fräulein Heſſel. Nun iſt alſo die große feier— liche Stunde angebrochen. B Jer nick(geht eſſel auf und ab). Ja. Fräulein Heſſel. In einer ſolchen Stunde muß ſich ein Mann wohl ſtolz und glücklich fühlen. Bernick c(ſeht ſie an). Hm! Heſſel. Die ganze Stadt wird ja illu— miniert, hör' ich. Bernick. Ja, ſie ſind auf ſo was verfallen. Fräulein Heſſel. Alle Vereine werden mit ihren Fahnen erſcheinen. Dein Name wird in Flammenſchrift prangen. Heute Nacht wird nach allen Richtungen tele— . h werden: Willes von ſeiner glücklichen Fa⸗ milie nahm Konſul Bernick die Huldigung ſeiner Mit⸗ bürger als eine Stütze der Geſellſchaft entgegen.“ Bernick. Das wird geſchehen; und draußen werden ſie„Hoch“ rufen, und eine Menge wird jubeln, bis ich vor die TWhüre trete; und ich werde genötigt ſein, mich zu verbeugen und zu danken. Fräulein Heſſel. Ah, dazu genötigt— Bernick. Glaubſt Du, ich fühle mich glücklich dieſer Stunde? Fräulein Heſſel. Nein, ich glaube nicht, daß Du Dich ſo vollkommen glücklich fühlen kannſt Bernick. Lona, Du verachteſt mich! Fräulein Heſſel. Noch nicht. Bernick. Du haſt auch kein Recht dazu, nein, keines, mich zu verachten!— Lona, Du kannſt es nicht faſſen, wie unſäglich einſam ich hier in dieſer eng⸗ herzigen, verkrüppelten Geſellſchaft ſtehe,— wie ich Jahr für Jahr meine Anſprüche auf eine befriedigende Lebensaufgabe herabſtimmen mußte. Was hab' ich zu⸗ ſtande gebracht, ſo mannigfaltig es auch ſcheinen mag? 107— Kleinliche Dinge— Stückwerk! Andres, Höheres, wird hier ja nicht 80 ldet! Würde ich der herrſchenden Stimmung nur einen Schritt vorar n, ſo wär' es aus mit meiner Macht. Weißt Du, was wir ſind, wir, die als Stützen der Geſellſchaft gelten? Wir ſind das Werkzeug der Geſellſchaft, nicht mehr und nicht weniger. Fräulein Heſſel. Warum wird Dir das erſt jetzt klar? Bernick. Weil ich in letzterer Zeit darüber viel nachdachte,— viel, ſeitdem Du gekommen,— und am meiſten dieſen Abend. O, Lona, warum kannt ich Dich nicht völlig— damals in den alten Tagen! Fräulein Heſſel. Was dann? Bernick. Dann hätt' ich Dich nie aufgegeben; un wärſt Du mein geworden, ſo ſtänd' ich nicht, wo ich jetzt ſtehe. Fräulein Heſſel. Und 5 Du nicht, ſie Dir hätte werden können, ſie, die Du ſtatt meine wählteſt? Bernick. Jedenfalls 1 weiß ich, daß ſie mir nichts von dem geworden iſt„deſſen ich bedurfte. Fräulein Heſſel. Weil Du nie die Aufgabe Deines Lebens mit ihr geteilt, weil Du ſie nie in ein freies, wahres Verhältnis zu Dir geſtellt haſt; weil Du ſie hinſiechen läſſeſt unter dem Vorwurf der Schande, die Du auf ihre nächſten Angehörigen gewälzt. Bernick. Ja, ja. Das Alles kommt von der Hohl⸗ heit, von der Lüge. Fräulein Heſſel. Nun denn— warum brichſt Du lücht mit all' dieſer Hohlheit und Lüge?— Bernick. Jetzt?— Jetzt, Lona, iſt es zu ſpät. Fräulein He 5 Sag mir, Guſtav, welche Be⸗ friedigung gewöhrt O Dir e Schein und Betrugß? Bernick. Keine. Ich muß zu Grunde gehen, wie 09 ganze verhudelte Geſell lſc zaft. Aber ein Geſchlecht vächſt nach uns auf: mein Sohn iſt's, für den ich ar⸗ bei ite; für ihn leg' ich eine Lebensaufgabe zurecht. Es wird eine Zeit kommen, in der ſich Wahrheit auf das Leben 01 Geſellſchaft niederſenkt, und auf dieſe ſoll er ein glücklicheres Daſein gründen, als das ſeines Va— ters war. Fräulein Heſſel. Mit einer Lüge als Unterlage? Bedenke, was Du De einem Sohne zum Erbe giebſt! Bernick en unterdrückter? 19 geb' ihm ein tauſendmal ſchlimmeres weißt. Aber der Fluch weichen. Und einmal muß d och— trotzden —( hend.) Wie konntet Ihr das meir Haupt bringen! Doch nun geſel muß ich vorwärts. Es ſoll Euch Richt nichten! Hilmar Tönnſen mit einem offenen Billet kommt eilig und vor 8). Das iſt ja doch—! Betty, Betty! Bernick. Was giebt's? Kommen ſie ſchon? Hilmar Tönnſen. Nein, nein; aber ich muß not wendig mit Jemand ſprechen— mich zu ver⸗ Er geht ab durch d Fräulein Heſſel. Guſtav, Du ſprichſt, als ob 8 wir wären, Dich zu vernichten. Laß Dir denn ſagen, aus welchem Metall er iſt, 155 verlorne Sohn, den eure moraliſche Geſellſchaft ſcheut wie einen 0 Peſtkra mken. Er kann Euch en beheeh denn jetzt iſt er fort. Bern ick. Doch er wollte wiederkommen— Fräulein He ſſel. Johann kommt niemals wieder. Er iſt fortgereiſt für immer, und Dina mit ihm. Bernick. Kommt nie wieder? Und Dina iſt mit ihm? Fräulein Heſſel. Ja, um ſein Weib zu werden. So ſchlagen die Beiden eurer tu gendgeſpreizten Geſell ſchaft ins Geſicht gerade wie ich— nal! Bernick. Fort— ſie auch— mit„Indian Girl“ Fräulein Heſſel. Nein, eine ſo theure Fracht durft' er der ruchlo ſen Bande nicht anvertrauen. Johann und Dina ſind an Bord der„Palme“ 10 ſo abſeg Krapp vor See, Herr Konſt Bernick ne Nutze n. oh läßt Dir ſagen, anvertraue, d den Du ihn ge und ich kann hier halt ich Bernie 1 Du— ſchon heut nenzug— Fräulein Heſſel. Ich kam nicht herüber, um Dich zu verraten, ſondern um Dich ſo aufzurütteln, das Du freiwillig ſprechen würdeſt. Das gelang mir nicht. So verharre denn in der Lüge! Sieh, hier 60 ich Deine beiden Briefe. Nimm die Stück in s gegen Dich; nun bi in ˖ zeugt nichts auch glücklich, Be rnick wenn — warum thateſ 1 iſt n nicht früher es zu t; nun iſt mei Leben verlore en; ich kann nach dieſem Tag nic leben. Fräulein Heſſel. Was iſt geſchehe Bernick. Frage mic ch nicht.— noch leben! Ich will leben— um ſoll Alles wieder aufrich ten, Alles f Fräulein Heſſel. Gu ſtav (Hilmar Tönnſen kommt e —ͤ—— U RRRR —————+ijif — 110— Sehnter Auftritt. Die Vorigen. Hilmar Tönnſen, dann nach einander Prokuriſt Krapp, Großhändler Rummel, mauf⸗ mann Sandſtadt und Wigland. Hilmar Tönnſen. Nirgends zu ſehen; wirklich fort; und Betty auch nicht zu finden! Bernick. Was giebts? Hilmar Tönnſen. Ich wag' es Dir nicht zu ſagen. Bernick. Was iſt's? Du mußt und ſollſt mir's ſagen! Hilmar Tönnſen. Wohlan, Oskar iſt fort mit „Indian Girl“. ö Bernick c(aumelt zurück.) Oskar— mit„Indian Girl“! Nein, neinl Fräulein Heſſel. Doch, das iſt er! Jetzt verſteh' ich's! Ich ſah, wie er aus dem Fenſter ſprang. Bernick ruft verzweifelnd in die erſte Thür links). Krapp, hal⸗ ten Sie„Indian Girl“ auf— um jeden Preis! Krap P(kommt heraus durch dieſelbe Thür). Unmöglich, Herr Konſul! Wie können Sie nur denken—? Bernick. Wir müſſen; Oskar iſt an Bord! Krapp. Was? R ummel(Eommt heraus durch die erſte Thür links). Oskar fort⸗ gelaufen? Nicht möglich! Sandſtadt(ommt ebenfaus). Er wird mit dem Lootſen zurückgeſchickt werden, Herr Konſul. Hilmar Tönnſen. Nein, nein; er hat mir ge⸗ ſchrieben.(er zeigt das Billet.) Er ſagt, er will ſich im Schiffsraum verbergen, bis ſie auf offener See ſind. Bernick. Ich ſeh' ihn niemals wieder! Rummel. Pah, Unſinn! Ein ſtarkes, gutes Schiff ſoeben repariert— Wigla nd,(der gleichfalls herausgekommen iſt).— von Ihrem eignen Werft, Herr Konſul! 2 kei mi ſch mi (Di Str nie Tec — 111— 7 Bernick. Ich ſeh' ihn niemals wieder! Ich hab' ihn verloren, Lona, und— jetzt erkenn' ich's— ich hab' ihn nie beſeſſen.(er vorcht) Was iſt das? Rummel. Muſik. Jetzt kommt der Fahnenzug. Bernick. Ich kann, ich will Niemand ſehen! Rummel. Was fällt Dir ein? Das geht un⸗ möglich. Sandſtadt. Unmöglich, Herr Konſul; bedenken Sie, was für Sie auf dem Spiele ſteht! Bernick. Was gilt mir nun das Alles? Wen hab' nun, für den ich arbeite? Rummel. Wie Du nur ſo fragen kannſt! Du haſt ja uns und die Geſellſchaft Wigland. Ein wahres Wort! Sandſtadt. Sie vergeſſen doch wohl nicht, Herr Konſul, daß wir— (Fräulein Bernick kommt durch die zweite Thür links. Man hört vor ferne Muſik. ick Elfter Auftritt. Die Vorigen. Fräulein Bernick. Fräulein Bernick. Jetzt kommt der Zug; aber Betty iſt nicht zu Hauſe. Ich begreife nicht, wo ſie— Bernick. Nicht zu Hauſe! Da ſiehſt Du's, Lona; keine Stütze weder in Freud' noch Leid! Rummel. Weg mii dens Vorhängen! Helfen Sie mir, Herr Krapp! Sie auch, Herr Sandſtadt! Jammer⸗ ſchade, daß die Familie gerade jetzt ſo zerſplittert ſein 5 1 Ganz gegen das Programm. Die Vorhänge an Fenſtern und Thü Straße illuminie zenüberliege mit der Inſchrift: lebe Konſul rnick, die e Bernick(weicht ſcheu zurück). Fort mit Alledem! Ich 1 will nichts ſehen! Löſcht die Lichter aus! Rummel. Mit Reſpekt zu fragen, biſt Du nicht recht bei Troſte? 9 ifgezogen. 1 ein Fräulein Bernick. Was fehlt ihm, Lona? Fräulein Heſſel. Still! Sie ſpricht leiſe mit ihr. Bernick. Weg mit dieſer höhnenden Inſchrift, ſag' ich! Seht ihr nicht, daß alle Lichter uns ſpöttiſch ent⸗ gegengrinſen? Rummel. Nein, das muß ich ſagen— Bernick. O, was verſteht ihr! Doch ich, ich—! All dieſe Lichter ſind Kerzen in einem Leichenzimmer. Krapp. Hm— Rummel. Aber Du läßt Dir's auch gar zu nah gehen. Sandſtadt. Der Knabe macht eine Tour über's Meer, und dann haben Sie ihn wieder. Wigland. Nur Vertrauen auf die Hand der Vor— ſehung, Herr Konſul! Rummel. Und auf das Schiff, Bernick; es iſt ſo viel ich weiß, nicht dem Verſinken nahe. Krapp. Hm— Rummel. Ja, wär' es einer von jenen ſchwim⸗ menden Särgen, wie man ſie da draußen im Aus lande— Bernick. Ich fühle, mein Haar ergraut in dieſer Stunde. Swölfter Auftritt. Die Vorigen. Frau Bernick, einen großen Shawl über dem Kopf, kommt durch die Gartenthür. Frau Bernick. Guſtav, Guſtav, weißt Du— Bernick. Ja, ich weiß! Doch Du,— Du, die nichts ſieht; Du, die kein Mutterauge für ihn hat— Frau Bernick. So hör' doch— Bernick. Warum wachteſt Du nicht über ihn? Nun hab' ich ihn verloren. Gieb ihn mir wieder, wenn Du kannſt! Frau Bernick. Bernick. Wie? Die Herren. Ahl Hilmar Tönnſen. Nun, dacht' ich's doch! Fräulein Bernick. Guſtav, Du haſt ihn wieder⸗ erhalten! Fräulein Heſſel. Und nun gewinn' ihn auch! Bernick. Du haſt ihn! Sprichſt Du wahr? Wo iſt er? Frau Bernick. ihm vergeben haſt. Bernick. Vergeben—! wie erfuhrſt Du— Frau Bernick Glaubſt Du, eine Mutter ſieht nicht? Ich war in Todesangſt, Du möchteſt etwas ver— nehmen. Ein paar Worte, die er geſtern fallen ließ, — und da ſein Zimmer leer war, der Plaid und die Kleider fort— eee Frau Bernick. Ich eilte zu Auner, traf ihn zu Hauſe; wir fuhren in ſeinem Boot hinaus; das ameri⸗ kaniſche Schiff war eben am Abſegeln. Gottlob, wir kamen noch zu rechter Zeit,— kamen an Bord,— durch⸗ ſuchten das Schiff,— fanden ihn! O, Guſtav, Du darfſt ihn nicht ſtrafen! Bernick. Betty! Frau Bernick. Und Auner auch nicht! Bernick. Auner? Was weißt Du von ihm? Iſt „Indian Girl“ wieder unter Segel? Frau Bernick. Nein; das iſt's ja gerade— Bernick. Sprich, ſprich! Frau Bernick. Auner war ebenſo erſchüttert, wie ich; das Suchen nahm Zeit weg; die Dunkelheit trat ein, ſo daß der Lootſe Schwierigkeiten machte; und ſo erkühnte Auner ſich— in Deinem Namen— Bernick. Nun? Ja, ich kann's! Ich hab' ihn! D — as erfährſt Du nicht, bis Du Ach, laß gut ſein! Doch 114 Frau Bernick. as Schiff bis morgen zurück zuhalten. Keahd Bernick. Welch ein ſt igliches Glück! Frau Bernick. Du biſt nicht böſe? Bernick. O Balth, el lch ein Ubermaß von Glück! Rummel. Du biſt auch gar Zu gewiſſenhaft. Hilmar Tönnſen. Sobald es einen kleinen Kampf mit den Elementen gilt, dann— ft Krapp dbei den Fenſtern). Jetzt kommt der Zug durch das Gartenthor, Herr Konſul. Bernick. Ja, jetzt mag er kommen! Rummel. Der ganze Garten füllt ſich mit Menſchen. 8 Bernick! Wirklich, ein zündender Augenblick! Wigland. Wollen wir es demütigen Sinnes ent— gegennehmen, Herr Rummel! Rummel. Alle Fahnen ſind draußen! Welch ein 8 Lundt an der Opit ze. Bernick. Laßt ſie kommen. Rummel. Poch höre; der aufgeregte Zuſtand worin Du Dich fefll Bernick. Was ſoll Rummel. Ich wäre nicht abgeneigt, das Wort ſtatt Deiner zu ergreif fen. Bernick. Ich danke! Heut Abend ſprech' ich ſelbſt. Rummel. Aber weißt Du auch, was Du ſager mußt? Bernick. Ja, ſei unbeſorgt;— Jetzt weiß ich, was ich ſagen muß. (Die Muſik hat mittlerweile aufgehört. Die Gartenthür wird von außen geöffnet. Sandſtadt. Die ganze Straße iſt gedrängt voll. Rummel. Die ganze Stadt iſt auf den Beinen, zug! Da haben wir das Feſtkomitee mit Oberlehrer Ich ma dri frie Fr. uns dar geſ. ged un lag Die ſich opf Un Sa dief wir von vor mil übe und von Aut aus auf Arb 115 Dreizehnter Auftritt. Die Vorigen. Oberlel hrer Lundt a o té tritt durch die t E Oberleh rer Lundt. Hochgeehrter Herr Konſul! Ich ſehe an der Überraſchung, die ſich in Ihren Zügen malt, daß als unerwartete Gäſte zu Ihnen ein⸗ dringen— in Ihren alücklichen Familienkreis, zu Ihrem friedlichen Herd, wo Sie von ehrenwerten und th jätigen Freunden und Mitbürgern umgeben ſind. Doch es war uns ein Drang des Herzens, Ihnen eine Huldiqung darzubringen. Es iſt nicht zum erſten Mal, daß ſolches geſchieht, aber doch zum erſten Mal nach einem ſo aus⸗ gedehnten Maßſtab. Schon oftmals haben wir Ihnen unſern Dank gebracht für die breite moraliſche Grund— lage, worauf Sie, ſozuſagen, unſre Geſellſchaft gebaut. Diesmal huldigen wir Ihnen namentlich als dem ein⸗ ſichtsvollen, unverdroſſenen, uneigennützigen, ja auf⸗ opfernden Mitbürger, der die Initiative zu einem Unternehmen ergriff, das, nach der(0 05 aller Sachverſtändigen, dem zeitlichen Wohl und Gedeihen dieſer Geſellſchaft einen mächtigen 0 geben wird. Stimmen unter der Menge. Bravo! bravo! Lundt. Herr Konſul! Sie gingen ſeit einer Reihe von Jahren unſrer Stadt mit leuchtendem Beiſpiel voran. Ich ſpreche nicht von Ihrem muſterhaften Fa⸗ milienleben noch 55 Ihrem reinen, moraliſchen Wandel überhaupt. Solche Dinge gehören in ſtille Kämmerlein und nicht in den peit kenden Feſtſaal. Aber ich ſpreche von Ihrem bürgerlichen Wirken, 10 wie es vor Aller Augen offen liegt. Wohlausgerüſtete Schiffe kommen aus Ihren Werften hervor und zeigen unſere Flagge auf den fernſten Meeren. Eine zahlreiche und glückliche Arbeiterſchaar ſieht zu Ihnen auf, wie zu einem Vater. RRFRR. U —..— ——— — 116 Durch neue Erwerbszweige haben Sie die Wohlfahrt vieler hundert Familien begründet. Mit andern Worten: Sie ſind in eminenter Bedeutung der Grundpfeiler dieſer Geſellſchaft. Stimmen. Hört, hört! Bravo! Lundt. Und gerade dieſer Schimmer von Uneigen nützigkeit, der über Ihrem ganzen Wandel ruht, iſt es, was ſo unſäglich wohlthuend wirkt, beſonders in dieſen Zeiten. Sie ſtehen jetzt im Begriff, uns eine— ja, ich trage kein Bedenken, das Wort proſaiſch und kurzweg auszuſprechen— eine Eiſenbahn zu verſchaffen. Viele Stimmen. Bravo! Bravo! Lundt. Doch dieſe Unternehmung ſcheint auf Schwierigkeiten zu ſtoßen, weſentlich diktiert von eng herzigen, ſelbſtiſchen Rückſichten. Stimmen. Hört, hört! Lundt. Es blieb nämlich nicht verborgen, daß ge— wiſſe Individuen, die nicht unſrer Gemeinde angehören, den ſtrebſamen Bürgern dieſer Stadt zuvorkamen und ſich in Beſitz gewiſſer Vorteile ſetzten, welche billigerweiſe unſrer eignen Stadt hätten zugut kommen ſollen. Stimmen. Ja, ja, hört! Lundt. Dieſe beklagenswerte Thatſache iſt natürlich auch zu Ihrer Kenntnis gelangt, Herr Konſul. Nichts deſtoweniger verfolgen Sie unerſchütterlich Ihr Vorhaben, wohl wiſſend, daß ein Staatsbürger nicht nur ſeine eigne Gemeinde vor Augen haben muß. Verſchiedene Stimmen. Hm! Nein, nein! Ja, ja! Lundt. Es iſt ſomit der Mann und der Staats bürger wie er ſein ſoll. dem wir in Ihnen heut Abend unſre Huldigung darbringen. Möchte Ihr Unternehmen uns Allen zum wahren und dauernden Heil gereichen! Die Eiſenbahn kann gewißlich ein Weg werden, auf dem verderbliche Elemente von außen hereindringen können, zugleich aber auch ein Weg, der uns raſch von ſolchen befreit. Und ſchlechte Elemente von außen können wir ja ſelbſt jetzt nicht von uns fernhalten. Aber daß fü rü mi uf g Je⸗ en, nd iſe ja ts nd ien en! auf zen on ien aß 117 wir gerade an dieſem feſtlichen Abend, wie das Gerücht meldet, glücklich und ſchneller, als man hoffen konnte, gewiſſe Elemente dieſer 1 losgeworden— Stimmen. Still, ſtill! Lundt.— das bekache ich als ein gutes Zeichen für das Unternehmen. Daß ich dieſen Punkt hi 191 be⸗ rühre, beweiſt, daß wir in einem Hauſe ſind, wo die moraliſche Forderung mehr gilt als Familienbande. Stimmen. Hört! Bravo! Bernick gu er Zeit). Geſtatten Sie mir— Lundt. Nur noch wenige Worte, Herr Konſul. Was Sie für dieſe Gemeinde gethan, thaten Sie gewiß nicht mit dem Gedanken, daß Ihnen irgendwelche hand⸗ greifliche Vorteile daraus erwachſen würden. Aber ein kleines Zeichen der Anerkennung Ihrer dankbaren Mi bürger dürfen Sie doch nicht zurückweiſen, am aller wenigſten in dieſer bedeutungsvollen Stunde, da wir, nach der Verſicherung praktiſcher Männer, vor dem Beginn einer neuen Zeit ſtehen. Viele Stimmen. Bravo! Hört, hört! Oberlehrer L 1Wink; näher. Mitglied olgendem beſprochenen Gegen präſentieren ſie.) Lundt. So überreichen wir 5900 denn Herr Konſul, ein ſilbernes Kaffee-Service. s ſchmücke J Ihren Tiſch, wenn wir in Zukunft, wie 10 oft bisher, die Freude haben, uns in dieſem gaſtlichen Haus zu ver⸗ ſammeln.—— Und auch Sie, meine Herren, die ſo bereit⸗ willig dem erſten Mann unſerer Geſellſchaft beigeſtanden, bitten wir, eine kleine Erinnerungs gabe anzunehmen. Dieſer ſilberne Pokal iſt für Sie beſtimmt, Herr Groß⸗ händler Rummel. Sie haben ſo häufig in beredten Worten, unter dem Klang der Pokale, die bürgerlichen Intereſſen dieſer Geſellſchaft verfochten; möchten Sie oft würdige Veranlaſſung finden, dieſen Pokal zu heben und zu leeren.— Ihnen, Herr Kaufmann Sandſtadt, überreich' ich dieſes Album mit Photographien Ihrer 118— Mitbürger. Ihrer bekannten und anerkannten Humanität verdanken Sie die Annehmlichkeit, Freunde unter allen Parteien der Geſellſchaft zu zählen. Und Ihne n, Herr Kaufmann Wigland, hab' ich, zum Schmuck Ihres Bet— ſtübchens, dieſe Hauspoſtille auf Velin und in Pracht einband darzubieten. Unter dem reifenden Einfluſſe des Alters ſind Sie zu einer ernſte en Lebensbetrachtung ge langt. Ihr Wirken unter des Tages Arbeit und Mühſal ward ſeit einer Reihe von Jahren geläutert und geadelt durch Gedanken an das Höhere und das Jenſeits. n die Menge). Und hiemit, meine Freunde, ein Hoch Herrn Konſul Bernick und ſeinen Mitkämpfern! Ein Hoch den Stützen unſrer Geſellſchaft! Die ganze Schar. Es lebe Konſul Bernick! Es leben die Stützen der Geſellſchaft! Hoch, hoch, hoch! Fräulein Heſſel. Ich gratul iere, Schwager! Erwartungsvolle Stil (Er we Bernick beginnt ernſt und langſam). 16 85 Mitbürger, Ihr Wortführer ſagte, daß wir heut Abend vor dem Beginn einer neuen Zeit ſtehen,— und ich hoffe, es wird der Fall ſein. Doch damit dieſe anbreche, müſſe wir uns die N11 zu eigen machen,— die Waſe heit, die bis heut Abend in dieſer Geſe lſchaft obdachlo geweſen iſt.(überraſchung der Umſtehenden Ich beginne, Iöent ich die Lobſprüche zurückweiſe, womit Sie, Herr Ober lehrer, nach Brauch und Sitte bei dergleichen Anläſſen, mich überhäuft haben. Ich verdiene ſie nicht; denn bis heute war ich kein uneigennütziger Mann. Hatt' ich auch nicht ſtets den Geldvorteil im Auge, ſo bin ich mir doch jetzt bewußt, daß ein Verlangen und Trachten nach Macht, Einfluß und Anſehen die Triebfeder meiner meiſten Handlungen war. Rummel alblauh). Was ſoll das? Bernick. Gegenüber meinen Mitbürgern mach' ich mir deshalb keine Vorwürfe; denn ich, glaube noch immer, daß ich mich hier in die erſte Reihe der Tüch— tigen ſtellen darf. —2 ei Viele Stimmen. Ja, ja, ja! Bernick. Doch was ich mir ſelbſt zur Laſt lege, iſt, daß ich oft ſchwach genug war, Schleichwege zu be⸗ treten; ich kannte und fürchtete ja den Hang unſrer Ge⸗ ſellſchaft, hinter Allem, was ein Mann unternimmt, unreine Beweggründe zu finden. Und nun komm' ich zu einem Punkt, der ſich hierauf bezieht. Rummel(auruhig). Hm— hm! Bernick. Es geht hier das Ge rücht von einem großen Grunderwerb droben im Lande. Die Beſitztümer hab' ich gekauft, alle, ich allein. Gedämpfte Stimmen. Was ſagt er? Der Konſul? Konſul Bernick? Bernick. Sie ſind vorläufig in meiner Hand. ürlich vertraut' ich mich meinen Mitarbeitern, den Herren Rummel, Wigland und Sandſtadt an, und wir ſind einig geworden Rummel. Das iſt nicht wahr! Beweiſe,— weiſe—1 Wiglat nd. Wir ſind über nichts einig geworden! Sandſtadt. Nein, da muß ich geſtehen—! Bernick. Ganz recht; noch ſind wir nicht einig geworden, über das, 8 ich beſprechen wollte. Doch hoff' ich ſicher, die drei Herren werden mit mir i über⸗ einſtimmen, wenn ich ſage, daß ich heut Abend mit mir ſelbſt einig 58 5 daß dieſer ganze Beſitz zur all⸗ gemeinen Aktienzeichn mung ausgeboten werde. Wer will, kann ſich daron 120 iligen. Viele Stimmen. Hurra! Es lebe Konſul Bernick! Rummel geiſe zu Vernich. Ein ſo ſchändlicher Verrat—! Sandſtadt cebenſo). Uns ſo zu hintergehen—! Wigland. Nun, da hol' der Teufel—! O weh, was ſag' ich da! Die Menge c(craußer). Hurra, hurra, hurral! Bernick. Still, meine Herren. Mir kommt dieſe Huldigung nicht zu; denn was ich heut Abend beſchloß, war nicht meine urſprüngliche Abſicht. Meine Abſicht Natü — N — 120 0% war, das Ganze ſelbſt zu behalten; und ich bin noch d der Meinung, daß dieſe Ländereien zur beſten Ver— 10 wendung kommen, wenn ſie in einer Hand bleiben. Doch man kann wählen. Wünſcht man es, ſo bin ich gerne bereit, ſie nach beſtem Ermeſſen zu verwalten. Stimmen. Ja, ja, ja! Bernick. Doch erſt müſſen meine Mitbürger mich von Grund aus kennen. Mag dann Jeder ſich ſelbſt ergründen, und halten wir feſt daran, daß wir mit dem 0 heutigen Abend eine neue Zeit beginnen. Die alte mit ihrer Schminke und Hohlheit, mit ihrer Tugendheuchelei und jämmerlichen Rückſichten, ſoll uns ein Muſeum werden— offen zur Belehrung. Und dieſem Muſeum ſchenken wir— nicht wahr, meine Herren?— ſowohl Kaffeeſervicſe als Pokal, Album und Hauspoſtille auf 1 Velin und in Prachteinband. U Rummel. Ja, natürlich. Wigland(uurmelt). Da Sie alles Andre ge nommen, ſo— Sandſtadt. Nehmen Sie es immerhin. Bernick. Doch nun die Hauptabrechnung mit der Geſellſchaft. Es wurde geſagt, daß ſchlechte Elemente 8 uns heut Abend verlaſſen hätten. Ich kann hinzufügen, was man noch nicht weiß: der Mann, auf welchen dieſe b Worte zielten, iſt nicht allein gereiſt; ihm folgte, um— ſein Weib zu werden— 0 Fräulein Heſſel daut. Dina Torp. K 4 Lundt. Wie! U Frau Bernick. Was hör' ich? (Große Bewegung.) 7 Lundt. Geflohen? Fortgelaufen— mit ihm? 0 Unmöglich! Bernick. Um ſein Weib zu werden, Herr Ober⸗ lehrer. Und ich füge noch mehr hinzu— Ceiſe) Betty, ̃ faſſe Dich, und trage, was jetzt kommt!(eaut) Ich f ſage: Achtung vor dem Mann! Denn er hat großmütig 1 * 8S— 2 121 die Schuld eines Andern auf ſich genommen. Meine Mitbürger! Ich will heraus aus der Unwahrheit; ſie war nah daran, jede Faſer in mir zu vergiften. Sie ſollen Alles wiſſen. Ich war vor fünfzehn Jahren de Schuldige! Frau Bernick eeise bend.. Guſtav! Fräulein Bernick cbenſo). Ah, Johann—! Fräulein Heſſel. Nun haſt Du Dich ſelbſt wieder— gewonnen! 55 6e7 (Maßloſes Erſtaunen un den Anweſenden Bernick. Ja, meine Mitbürger, ich war der Schul⸗ dige, und er reiſte. Die böſen und falſchen Gerüchte, die ſich nachher ien zu Id leg ſteht jetzt nicht mehr in menſchlicher Macht. Doch darf ich mich nicht darüber beklagen. Vor fünfzehn Jahren ſchr hwang ich mich empor auf dieſen Gerüchten; ob ich nun mit ihnen falle, daß mag Jeder bei ſich ſelbſt erwägen. Lundt. Welch ein Donnerſchlag! Der erſte Mann der Stadt!(mit gedämpfter Stimme.) O, wie ich Sie be⸗ dauere, Frau Bernick! Hilmar Tönnſen. Ein ſolches Geſtändnis! Nun, das muß ich bekennen—1 Bernick. Aber heut Abend keine Entſcheidung! Ich bitte Jeden, nach Hauſe zu gehen,— ſich zu ſammeln — in ſich ſelbſt zu blicken. Wenn das Gemüt ruhig geworden, wird ſich zeigen, ob ich verloren oder ge— wonnen habe, indem ich ſprach. Leben Sie wohl! Ich habe noch viel, viel zu bereuen. Doch das geht nur mein Gewiſſen an. Gute Nacht! Fort mit all dem Feſtgepränge! Wir fühlen Alle, daß dies hier nicht am Platz iſt. Lundt. Gewiß nicht.(Mit gedämpfter Stimme zu Frau Vernic.) Fortgelaufen! Alſo war ſie doch meiner voll⸗ ſtändig unwürdig!(dawlaut zum Feſtkomitee.) Nach alledem denk' ich, meine Herren, iſt es das Beſte, wir entfernen uns in aller Stille. — Hilmar Tönnſen. Wie man von nun an die Fahne der Idee hochhalten ſoll—. Ufl D Rede iſt inz Der Inhalt von Konſul Bernicks id zu Mu nd geg angen Vierzehnter Auftritt. Konſul Bernick, Frau Bernick, Fräulein Bernick Fräulein Heſſel und Prokuriſt Krapp ſind un Stillſchweigen im Saal zurückgeblieben. Bernick. Betty, haſt Du Verzeih hung für mich? Frau Bernick cſeeht ihn lächelnd anvj. We eißt Du, Guſtav, daß Du mir nun die fröhlichſte Ausſicht ſeit vielen Jahren eröffnet haſt? Bernick. Wieſo? Frau Bernick. Viele Jahre lang glaubt' ich, ic hätte Dich einſt Wseſſen und wieder verloren. Nu weiß ich, daß ich Dich nie beſaß. Aber ich werde Dich gewinnen. Bernick damarnmt ſieh. zetty, Du haſt mich ge— wonnen! Durch L Lona 85 ich Dich erſt recht kennen. Doch laß nun Oskar köniment Frau Bernick. Ja, nun ſollſt Du ihn haben!— Herr Krapp—! en nie Sie ſpricht im Hintergrund leiſe mit ihm. Er durch den Garten ab. Während des Folgenden werden Rach und nach alle Transparente und Lichter an elöſcht.) Jor 8 1 3. Bernick anit gedämpfter S Dank, Lonal Du retteteſt das Beſte in mir— und für mich. Fräulein Heſſel. Wollt' ich etwas Andres? Bernick. Ob Du wollteſt oder nicht; ich werde ücht klug aus Dir. Fräulein Heſſel. Hm— Bernick. Alſo nicht Haß, nicht Rache? Weshalb kamſt Du denn herüber? Fräulein Heſſel. Alte licht. Bernick. Lona! Fräulein Heſſel. Als mir Johann die Ge eſchichte ählte, da ſchwur ich mir zu: der Held Freundſchaft roſtet von der Lüge erz meiner Juger nd ſoll frei und 1 wahr daſtel Bernick. O, wie wenig hab' ich jämmerlicher Menſch das um Dich verdient! Fräulein Heſſel. Ja, Guſtav, wenn wir Frauen tach dem Verdienſt fragen wollten—1 1 Fünfzehnter Auftritt. Die Vorigen. Auner. Oskar. Oskar! 2 Bernick Dir ich Skar. Vater, ich verſpreche Dir, ich will nie mehr — ernick. Weglaufen? skar. Ja! Ich verſprech' es Dir. Bernick. Und ich verſpreche Dir, Du ſollſt nie Je Grund dazu haben. Von heut an ſollſt Du aufwachſen, nicht als Erbe meiner Lebensaufgabe, ſondern als Einer, der ſelbſt eine Lebensaufgabe zu vollbringen hat. Oskar. Und darf ich auch werden, was ich will? Bernick. Ja, das darfſt Du! Oskar. Danke! Dann will ich keine Stütze der Geſellſchaft werden. Bernick. So? Und warum nicht? Oskar. Ei, weil ich glaube, daß das recht lang— weilig iſt. 3 Bernick. Du ſollſt Du ſelber werden, Oskar; 8 + ——+⏑—Nn⏑⏑⏑un ——— 124— dann mag das Übrige gehen, wie es kann.— Und Sie, Auner— Auner. Ich weiß es, Herr Konſul; ich habe meinen Abſchied. Bernick. Wir bleiben beiſammen, Auner! Und verzeihen Sie mir— 8 Auner. Wie? Das Schiff ſegelt ja nicht heut Abend! Bernick. Es ſegelt auch morgen nicht. Ich gab Ihnen zu kurze Friſt. Wir müſſen es gründlicher aus⸗ beſſern. Auner. Soll geſchehen, Herr Konſul,— und mit den neuen Maſchinen! 5 Bernick. So ſei's. Doch gründlich und ehrlich! Es iſt Manches unter uns, das einer gründlichen und ehrlichen Reparatur bedarf. Nun, gute Nacht, Auner! Auner. Gute Nacht, Herr Konſul! Und Dank, Dank! Ab nach rechts.) Frau Bernick. Nun ſind ſie Alle fort. Bernick. Und wir ſind allein. Mein Name leuchtet nicht mehr in Flammenſchrift. Alle Lichter ſind aus⸗ RAöſchh;, Fräulein Heſſel. Wünſchteſt Du ſie wieder an gezündet? 951 Bernick. Um keinen Preis der Welt! Wie weit war es mit mir gekommen! Ihr werdet Euch entſetzen, wenn Ihr es erfahrt. Mir iſt, als ſei ich nach einer Vergiftung wieder zur Beſinnung gekommen. Doch, ich fühl's— ich kann wieder jung und geſund werden. O, kommt näher,— dichter heran zu mir! Komm, Betty! Komm, Oskar, mein Kind! Und Du, Martha — mir iſt, als hätt' ich Dich in all dieſen Jahren nicht geſehen. Fräulein Heſſel. Das glaub' ich wohl. Eure Geſellſchaft gleicht einer Geſellſchaft von Hageſtolzen; die Frau ſeht Ihr nicht. 125 Bernick. Wahr, wahr! Und eben darum— das ſteht feſt, Lona— bleibſt Du bei Betty und mir! Frau Bernick. Nein, Lona, Du darfſt nicht fort! Fräulein Heſſel. Ei, wie könnt' ich es auch ver⸗ antworten, Euch junge Leute zu verlaſſen, die erſt mit Ihrer Einrichtung wollen? Bin ich nicht Pflegemutter? Ich und Du, Martha, wir zwei alten Tanten—. Wonach ſiehſt Du? Fräulein Bernick. Wie der Wi ſich aufklärt! Wie es hell wird über dem Meer! Die„Palme“ iſt ein Glücksſchiff. Frä ulen Heſſel. Und hat das Glück an Bord. Bernick. Und wir— wir haben einen langen, ernſten Arbeitstag vor uns, ich am meiſten. Doch mag er kommen! Schart nur dicht um mich, Ihr wahren, treuen Frauen! Das hab' ich auch in dieſen Tagen gelernt: Ihr 3 ſeid die Stützen der Ge⸗ ſellſchaft. Fräulein Heſſel. Dann, Schwager, haſt Du eine ſchale Weis sheit gelernt.(Sie legt ernſt die Hand auf ſeine Schulter.) Nein! Der Geiſt der Wahrheit und der Freiheit— das ſind die Stützen der Geſellſchaft! 0 ⸗=- Vν Druck von Greßner& Schramm, Leipzig. Verlag on S. Fischer, Köpigl. schwed. Hofbuchhändler BHRILIIN W. Noderne Dr Moderne Dramen. Soeben erſchienen: Edvard Brandes, Ein Beſuch, Schauſpiel in von Julius Hoffory. Vom Verfaſſer autor. C 518 de Goncourt, Henriet el in drei Akten, überſetzt von Edmond un Schauf Henrik Ibſen, C omödie der Liebe, Comöd von M. v Borck zinzige vom Verfaf Ausgabe. Eleg. geh. M. 1.— — Die Frau vom Meere, Schauſpiel in vom Verfaſſer autor. deutſche Ausgabe Eleg. gel — Kaiſer und Galiläer, ein w 2 Theilen. Deutſch von Paul faſſer autor. deutſche Ausgabe. Skizze von Otto Brahm und (photographiſcher Lichtdruck). Eleg. geh. M. 3.—, eleg. geb. M. 4. Kronprätendenten, hiſtorif W3fb von Adolf Strodtmann. erfaſſer autor. deutſche Ausgabe. Eleg. geh. M. 1 — Rosmersholm, Schauſpiel in 4 Akten. Die 5 3 M. v. Borch. Eleg. geh. M. 1. 0 — Die Wildente. Deutſch von M. v. Borch. 2. Auflage. Einzige vom Verfaſſer autor. deutſche Ausgabe Eleg. geh. M. 1.—, eleg. geb. M. 1.75. — Der Bund der Jugend, Luſtſpiel in 5 Akten. Deutſch von Jus„ p Adolf Strodtmann. Eeleg. geh. M. 1.50, eleg. geb. M. 2.25. — Stützen der Geſellſchaft. Deutſch von 115 Klingenfeld. Eleg. geh. M. 1.— leg. geb. M. 1,75. ramen J(Comödie der Liebe„Bund der Jugend, Geſellſchaft). Eleg. geh. M. 3.—, eleg. geb. M. 4.—. — Moderne Dramen III(Wildente, Rosmersholm, Frau vom Meere). Eleg. geh. M. 3.—, eleg. 0 M. 4.—. Graf Leo Tolſtoi, Die Macht der Finſterniß. Drar natiſc e8 Sittenbild aus dem ruſſiſchen Volksleben in 5 Akten. D von Auguſt Scholz. Eleg. geh. M. 1.—, eleg. geb. M. — Moderne D Stützen der Verlag on S. Fischer, Königl BERTL.LIN W. g1. Schw Maoderne Romane, Movellen, Gedichte. enen: kteue Novellen. Autors Lars D illing, tte des Scholz. Ferdinand Groß, Li ſchichten. 2. Auflage. J. P. Jacobſen, Novell 0 Maurus Jokai, Dekam gabe v. Ludwig Wechs Alexander L. Kielland, Johe Sonle⸗ iſtrah G. Ramberg, C Hieronymus Ernſt Remin, Clara Lauc lich ehrenvoll erwähnt). Preisausſchreiben Lorm,(preisgekrö Prof. Carl Ed u8 7 m. Rudolph Schmidt, Novellen. Zwei Erzä von Auguſt Scholz. Traum. Deutſch Eleg. geh. Graf Leo Tolſtai. fahrt. Deutſch Emile Zola, Der 2. Auflage. Paul Block, Ott Edler, H. R. ckner, W. v. Wartenegg, Jenny Zink, R. Czerny Herausgegeben von G. Deutſch Eleg, geh. M. hlungen. r en. Eles Wladimir Korolenko, Sibi Klopfer. Der arme Makar Max Kretzer, Meiſter Timpe, Sozialer geh. M. eleg. geb. 7.— Eliſe zwei Erzählungen on der Hald Der 1.50 Eleg. geh. M Künſtler⸗Nov 3— Eleg. geh von M. v. 3.—, eleg. geb. M. 4.—. Albert. Eine Winter⸗ Eleg. geh. M. 1.—. Alfred Ru hemann berg. M. 3 3.— von N. 5.—, eleg. geb. M. 6.—. Aordiſche Bibliothek aus dem Verlage von Fischer, Köyigl. schwed. Hofbuchhändler, BERLIN W. 2 Soeben erſchienen: . I. Henrik Ibſen, Die Frau vom Meere, Schauſp. in 5 Akten. Deutſch von Julius Hoffory. Einzige v. Verfaſſer autor. deutſche Ausg. 4. Aufl. Berlin 1889. Geh. M. 1. 50, eleg. geb. M. 2.25. Bd. II. Rudolf Schmidt, Novellen. Deutſch von M. v. Borch. Einz. v. Verf. autor. Ausg. Eleg. geh. M. 3.—, eleg. geb. M. 4. Bd. III. Edvard Brandes, Ein Beſuch, Schauſpiel in 2 Akten. Deutſch von Julius Hoffory. Vom Verfaſſer autor. deutſche Ausgabe. Eleg. geh. M. 1.—, eleg. geb. M. 1.75. Bd. IV. Henrik Ibſen, Die Kronprätendenten, hiſtoriſches Schauſpiel in 5Akten. Vom Verfaſſer autor. deutſche Aus⸗ gabe. 2. Auflage. Eleg. geh. M. 1.50, eleg. geb. M. 2.25. Bd. V. Heurik Ibſen, Comödie der Liebe, Comödie in 3 Akten. Deutſch von M. v. Borch. Einzige vom Verfaſſer autor. deutſche Ausgabe. Eleg. geh. M. 1.—, eleg geb. M. 1.75. Bd. VI. Henrik Ibſen, Die Wildente. Deutſch von M. v. Borch 2. Auflage. Einzige vom Verfaſſer autor. deutſche Ausgabe Eleg. geh M. 1.„ eleg. geb. M. 1.75 Bd. VII. J. P. Jacobſen, Novellen. Deutſch von Marie§ feld. Eleg. geh. M. 1.50, eleg geb.? Bd. VIII. Alexander L. Kielland, Johannisfeſt, Roman. Deutſch v. Mary Otteſen. Eleg. geh. M. 2.—, eleg. geb. M. 3. Bd. IX. Heurik Ibſen, Bund der Jugend, Luſtſp. in 5 Akt. Deutſch von Adolf Strodtmann. Eleg. geh. M. 1.50, eleg. geb M 2.25. Bd. X. Henrik Ibſen, Stützen der Geſellſchaft. Deutſch von E. Klingenfeld. Eleg. geh. M. 1.50, eleg, geb. M. 2.25. Humoriſtiſche Novitäten. Soeben erſchienen: Fritz Brentano, Wuz, das Schwein. Ein vierfüßiges Epos mit 45 Illuſtrationen von E. Kneiß. Eleg. geh. M. 1. E. Kneiß und C. Nill, Die böſen Buben in der Berliner Kunſtausſtellung, Parodie in 28 Bildern. Eleg geh. M. 1.—. C. M. Seyppel, Rajadar und Hellmiſchu. Ein altaegypti ſcher Geſang in 20 Dollbildern. Orig. Ausſtattung in„aus gegrabener“ Manier Preis M. 2.—. Julius Stettenheim, Brodloſe Künſte, Blicke hinter d. Couliſſen der geſellſchaftlichen Comödie. Eleg. geh. M. 2.—, eleg. geb. M. 3.—. — Wippchen's Gedichte. Eleg. geh. M. 2.—, eleg. geb. M. 3.—. — Ein Kiſtchen Monopol-⸗Cigarren. 4. Auflage. Die Kunſt, eine Cigarre anzubieten. Jour-fixe bei Muckenich. Mit 17 Illuſtr. Originell ausgeſtattet M. 1.50. 8 — 22 2 — — — 2 — 38 05372 3 031