Die Sonnen⸗Jungfrau e in Schauſpiel in fuͤnf Aufzuͤgen von Auguſt von Kotzebue. Zum Erſtenmale aufgefuͤhrt auf dem Liebhabertheater zu Reval, am 8. December 1789. Mit Churfuͤrſtlich⸗ Saͤchſiſchem Pribilegio, Leipzig, bey Paul Gotthelf Kummer, 179x. Die Sonnen⸗Jungfrau ein Schauſpiel in fünf Aufzuͤgen. Perſonen. Ataliba, Koͤnig von Quito. Rath Albaum. Der Gberprieſter der Sonne. Secr. Gerber. Xaira, Sonnenprieſter. Nottbeck. Telasko, ein Greis aus der Familie der Yncas. Anwald Suek. Jorai, ſein Sohn. v. Schwengelen. Cora, ſeine Tochter, Sonnenjungfrau. Fr. v. Glehn. Bolla, vormals Feldherr. Secr. Rieſenkampff. Die Gberprieſterin der Sonne. Udme Suek. Idali ind 8 Sonnenjungfrauen. Amazili, Mdme Gom. Dom Alonzo Wolina. Secr. Arvelius. §r. v. Rotzebue. Dom Juan Velasquez, ſein Freund. v. Knorring. Diego, ſein Waffentraͤger. v. Kotzebue. Ein Kaͤmmerling des Koͤnigs. FIrd. Gom. Prieſter. Sonnenjungfrauen. Hoͤflinge. Sol⸗ daten. Volk. An die Frau Praͤſidentin von der Wenſe, gebohrne von Ahlefeld, in Celle. Man hat oft geſagt: Dichtkunſt habe das mit der Liebe gemein, daß ſie ſich nicht erzwingen laſſe. Man hat Unrecht, liebenswuͤrdige Freundinn, denn wenn Ihr Gedaͤchtniß Ihnen in Kleinigkeiten treu iſt; ſo werden Sie ſich erinnern, daß die⸗ ſes Schauſpiel einzig und allein ſeinen Ur⸗ ſprung Ihrem Befehl verdankt. An einem truͤben regnigten Abend in Pyrmont, der Ihnen nicht vergoͤnnte, die Reize der Natur zu genießen, mit wel⸗ A 3 chen chen Ihre ſchoͤne Seele ſo genau verſchwi⸗ ſtert iſt, fluͤchteten Sie in Thaliens Tem— pel, welchen eben damals eine gewiſſe Bſche Geſellſchaft entweihte. Man zerfleiſchte gerade an dieſem Abend, Nau⸗ manns Oper Cora. Das Einzige, was mir da geſiel, war: daß ich das Gluͤck hatte hinter Ihnen zu ſitzen, und daß Sie auch zuweilen ein Woͤrtgen mit Ihrem unterthaͤnigen Diener redeten. Damals ſagten Sie unter andern, als eben ein ge⸗ endigter Act uns einige Erhohlung ver⸗ goͤnnte:„dieſe Oper enthielte wohl auch „einen artigen Stoff zu einem Schau⸗ yſpiel.“ Ich fuͤhlte recht gut, daß ich dieſen Ge⸗ danken haͤtte haben ſollen, wenn es mir nicht zur Entſchuldigung gedient haͤtte, daß ich gerade hinter Ihnen ſaß; ich ergriff ihn indeſſen mit Begierde, und bat mir Ihre Befehle daruͤber aus. Die woll— ten Sie mir lange nicht geben; Sie klei⸗ deten das, wie Alles was Sie ſagen, in feine vi⸗ m⸗ iſſe an au⸗ das uͤck em 'als ge⸗ her⸗ uch au⸗ Ge⸗ mir daß griff mir voll⸗ klei⸗ in feine feine hoͤfliche Worte ein. Ich aber be⸗ ſtand auf einem ausdruͤcklichen Befehl. „Nun gut, ſo befehle ich es Ihnen!““ ſprachen Sie endlich mit der kleinen, Ihnen eigenen Lebhaftigkeit; ich machte eine tiefe Verbeugung, und ſiehe da, hier ſteht meine Sonnenjungfrau. Auf Ihren Befehl erſcheint das arme Maͤdgen zitternd in Ihrem Vorzimmer. Erlau⸗ ben Sie, daß ſie hereintrete, und an Ih⸗ rer Toilette mit niedergeſchlagenen Blicken harre, bis Sie ihr freundlich zuwinken: „Tritt naͤher kleines Ding! Du ſollſt „mir willkommen ſeyn um deines Va⸗ „ters willen, dem ich meine Freund⸗ „ſchaft ſchenkte, und dem ich ſie jezt „um ſo weniger entziehen darf, da er „gar wenig mehr auf der Welt zu ver⸗ „lieren hat. e Ach! da haben Sie wohl Recht, gute, liebenswuͤrdige Frau! ich beſaß ein Weib A 4 das das Ihnen glich, denn ſie war eine vor⸗ treffliche Gattinn und Mutter. Sie iſt nach Hauſe gegangen zu ihren Geſchwi⸗ ſtern den Engeln. Auch Sie haben mei⸗ nem Schickfal eine Thraͤne geweint; mein Herz dankt Ihnen dieſe Thraͤne, und mei⸗ ne Feder widmet Ihnen dieſes oͤffentliche Denkmal meiner Hochachtung. 5 A. v. Kotzebue. Erſter vor⸗ iſt hwi⸗ mei⸗ mein mei⸗ tliche e. Erſter Aufzug. Erſter Aufttitt. Die ganze Buͤhne iſt mit verwachſenem Geſtraͤuch beſetzt. Im Hintergrunde ſchimmert ein we⸗ nig von altem verfallenen Gemaͤuer durch, und noch weiter die Kuppel des Sonnen⸗ Tem⸗ pels. Im Vordergrunde rechter Hand eine Hoͤle— links ein Hugel, deſſen Gipfel aus dem Gebuͤſch hervorragt.— Abenddaͤmme⸗ rung. Rolla und der Gberprieſter awinden ſich durchs Geſtraͤuche. Gberprieſter. Das alſo, das iſt der Weg zu Rolla's Wohnung?— Ach! ſo wild, ſo unzugang⸗ bar, als der Weg zu Rolla's Herzen! A 5 Rolla. ——r;ði— 10—— Kolla. Schont meiner, Oheim! Ich bit⸗ te Euch: ſchoͤnt meiner und laßt mich!— Wenn Ihr mich verſtuͤndet— begriffet— Gberpr. Sollt' ich das nicht? Aber Dich verſtehen, heißt, Deinem Abgott huldigen; Dich begreifen, Deiner Leidenſchaft ſchmei⸗ cheln. Xolla. Ich Ungluͤcklicher!— Ich bin ein ungepaartes Weſen: ein Tropfen, der mit keinem andern Tropfen je zuſammenfließen ſoll; eine Stimme, die in der allbelebten Na⸗ tur keinen Wiederhall findet!—, Das Wuͤrm⸗ chen, das auf dieſem Blatte kriecht;— ſieh! ſchon kommt ein anderes Wuͤrmchen ihm ent⸗ gegen:— nur ich! nur ich!— O ihr Goͤt⸗ ter! iſt es euer ſtrenger Wille, im Gewim⸗ mel eurer Schoͤpfung mich, nur mich allein zu laſſen——(mit einem ungeduldigen Blick auf den Oberprieſter) nun dann, ihr Men⸗ ſchen; ſo laßt mich allein. Gberpr. Rolla! Rolla! Ich bin ein Greis; aber wenn nur Liebe— Liebe Deinem Her⸗ zen AS—— 1I zen mangelt: ſo findeſt Du ſie hier in dieſem treuen Buſen.— Juͤngling! Ich liebe Dich, wie ein Vater. RXolla. Wohlan! So ſey die Ruhbe Eures Sohnes Euch theuer! Laßt ihn nach eigenem Gefallen leben. In dieſer Hoͤle hier bin ich gluͤcklicher als Tauſende in prunkvollen Pal⸗ laͤſten. Sie ſey mein Grab!— Dann, Oheim, dann verſprecht mir dies Eine: Fuͤhrt an einem dunkeln truͤben Tage Cora an den Eingang dieſer Hoͤle, laßt ſie ſchauen Rollas Ueberreſt, wie er auf feuchtem, kal— ten Boden, ſein liebeſieches Leben ausge— haucht, wie auf ſeiner Lippe noch der Name der geliebten Moͤrderin ſchwebt, wie ſein letztes Laͤcheln ahnden laͤßt, daß er, Cora ſegnend, aus der Welt gieng. Dann wird vielleicht, geruͤhrt von dieſem Bilde, Cora neben meinem Leichname ſtehen, und eine Blume— oder— o entzuͤckender Gedanke! eine Thraͤne auf mich fallen lafſen, und dieſe Thraͤa ————6mP Ab-— 12 Thraͤne— ach, ſie wird mich von den Tod⸗ len erwecken! Gberpr. Schwaͤrmer! Rolla. Wie Ihr wollt! ich bin nun ein⸗ mal ſo. Fuͤr große Leidenſchaften ward die⸗ ſes Herz geboren; das alltaͤgliche Ameiſen⸗ Gewimmel war mir ſchon als Knabe zuwi⸗ der. Wenn meine Geſpielen rund um mich her luſtig und froͤlich waren— nun ja, ich ſpielte mit, aber ich hatte Langeweile, und wußte ſelbſt nicht, wo mirs fehlte. Aber wann am Horizont die Wolken ſich thuͤrmten; wenn um Mitternacht unſere Berge Feuer ſpieen, oder unterirrdiſches Getdſe ein Erd⸗ beben verkuͤndete: o dann wurde mir das Herz ſo leicht und groß, mein ſchmachtender Geiſt bekam Nahrung, die welkende Pflanze hob ihr Haupt empor. Als der Knabe nun zum Juͤnglinge ward, o da reizte kein entfeſſelter Buſen mein Auge, da ſah ich ſtarr und gie⸗ rig in den Sonnenglanz der Ehre, verblin⸗ dete fuͤr jede Schoͤnheit der Natüur; mein Herz, S e. +7 — 3232 + Tod⸗ zuwi⸗ mich ich und Aber mten; Feuer Erd⸗ r das tender flanze in zum eſſelter id gie⸗ erblin⸗ mein Herz, — + 3 Herz, mein pochendes Herz gluͤhte nach Tha⸗ ten und Ruhm, jeder erfochtene Sieg war kaum ein lindernder Tropfen, der die ziſchen⸗ de Flamme 135 noch Himmel an trieb.— Ach! da ſah ich Cora wieder! Gberpr. Und verloſchen war d ie Flamme, deren gewaltiges Auflodern ewige Dauer ver— ſprach, verloſchen, als ob ein Knabe eine Lampe ausblaͤßt Rolla. Nihral die Flamme blieb, nur ß ſie von anderer Nahrung zehrte. Es war eine wilde brennende Flamme, verwan⸗ delt in ſanftes, waͤrmendes Feuer. Die Ehre wich der Liebe. Gberpr. Sin ſanftes, waͤrmendes§euer! Wie ſchoͤn die Worte koͤnen. Aber wem leuch⸗ tet oder wen erwaͤrmet Dein Feuer? olla.(gleichgultig) Ich fuͤhle, was Ihr ſagen wollt. Gberpr. Du fuͤhlſt es, und Du erroͤtheſt nicht? Junger Mann, mit edler Thatkraft ausgeruͤſtet, vielleicht zum Beſten einer halben Welt, 14 Welt, Du zeichneſt Dir Deinen Wuͤrkungs⸗ kreis— in eine Soͤle?— Ynca! von Kin— dern der Sonne geboren, berechtigt des Thrones erſte Stuffen zu befeſtigen, Du fliehſt— in eine Boͤle:— Feldherr, von Deinem Vaterlande an die Spitze des Heeres berufen, und durch dies ehrenvolle Vertrauen ihm zu großen Thaten verſchuldet, Du be⸗ graͤbſt Dich— in eine Soͤle? Rolla. Wollt Ihr mich zu Pralereyen ver⸗ leiten? Als Ynca und als Feldherr hab' ich meine Pflicht geloͤßt, durch Siege und Wun⸗ den. Alle meine Schulden ſind bezahlt, be⸗ zahlt an jenem heißen Tage, als Ataliba's Thron, durch Hnascar's Macht erſchuͤttert, wankte, und Rolla's Schwerdt mit ſeiner Feinde Blut die Felder von Tumibamba duͤng⸗ te.(mit edler Hitze) Weißt Du die Geſchichte jenes Tages? mir flog ein Pfeil in meinen linken Arm, und wieder einer in den Buſen, ein Schwerdtſtreich ſpaltete mir die Wange, und ein Keulenſchlag betaͤubte mein Gehirn, ν * kungs n Kin⸗ t des Du von Heeres trauen Du be⸗ en ver⸗ ab' ich Wun⸗ t, be⸗ aliba's uͤttert, meinen Buſen, Vange, Jehirn, da —— 15 da ſeht die Wunden hier, und hier und hier — und ich wich doch nicht aus dem Treffen! —— Hab' ich meine Schulden abge⸗ zahlt?— Gberpr.(bewegt) Braver Juͤngling!— Doch der Segen Deines Vaterlandes, und des Koͤnigs Freundſchaft, und die Liebe und das Jauchzen Deines Heeres; war es Dei⸗ nem Herzen keine Belohnung? Xollg.(mit einem Seufzer) Es war! Gberpr. Und iſts nicht mehr? Bollg. Nein. Gberpr. So verdammet, ihr Goͤtter, dieſe nichtswuͤrdige Liebe! die in der Bruſt des Menſchen jeden großen Keim erſtickt. Rolla. Nicht ſo raſch mit Eurem Urtheil! Liebe iſt, gleich der Ehre, großer Thaten Nahrung:— aber ich— fuͤr wen ſoll ich fechten?— Wem wird es Freude machen, wenn ich noch laͤnger auf den Pfaden des Ruhms herumklimme?— Cora liebt mich nicht!—(bewegt) Und ich habe weder Va⸗ ter 16———— ter noch Mutter! weder Bruder noch Schwe⸗ * ſter!— Ich bin allein in der Welt!— Gberpr.(ſchließt ihn in ſeine Arme) Mein Sohn! mein Sohn! Rolla. Laßt mich Oheim! laßt mich! Ich kann das nicht erwidern. Ihr mit Euren grauen Haaren, im Prieſtergewande, ſo fey⸗ erlich und ehrwuͤrdig, Ihr koͤnnt nicht der Vertraute meines Herzens werden. Ich kann in Euch die Prieſterwuͤrde nicht vom Men⸗ ſchen ſcheiden.— Ach, daß ich noch eine Mutter haͤtte! Das Weib ſchuf Gott zu des Mannes Vertrauten. Kannſt Du Deinen Kummer nicht mit der Geliebten theilen, nun ſo theile ihn mit der Mutter.— Ich habe keine Geliebte!— Ich habe keine Mut⸗ ter!— Gberpr. So flieh zu den Goͤttern! Xolla. Die Goͤtter haſſen mich, weil ich ein Maͤdchen liebe, ihrem Dienſt geweiht; weil ich dies Maͤdchen mehr liebe, als die Goͤt⸗ chwo⸗ Mein Ich Euren ſo fey⸗ ht der h kann Men⸗ h eine zu des Deinen „nun h habe Mut⸗ weil ich weiht; als die Goͤt⸗ ——ů———— 17 Goͤtter!— Die Sonne geht auf, oder Cora erſcheint, beydes gilt meinen Sinnen gleich, und meinem Herzen— ach! dem gilt das leztere mehr! Gberpr. Dieſe Schwaͤrmerey verzeih'n Dir die Goͤtter. Rolla, es iſt ſo menſchlich gerade das mit brennendem Verlangen zu begehren, deſſen Waͤchter die Unmoͤglichkeit iſt. Cora, das Maͤdchen, hat Dir nur ge⸗ fallen, Cora, die Sonnenjungfrau, liebſt Du. Rolla.(auffahrend). Was 2—(er haͤlt an ſich und wirft einen veraͤchtlichen Blick auf den Oberprieſter). Gute Nacht Oheim!(er will in ſeine Hoͤle). Gberpr. Wohin, Juͤngling? Soll Dein Freund denn nichts, gar nichts uͤber Dich vermoͤgen?— Lebe, wie es Dir gut duͤnkt! Entferne Dich, wenn Du willſt, von den Menſchen, aber flieh nur aus dieſer Wuͤſte, wo ſich unwillkuͤhrlich in der Seele die Bil⸗ der eben ſo, wie vor den Sinnen dieſes wil⸗ B de — 18 de Geſtraͤuch verwirren. Komm in meine Wohnung; Du kennſt den einen Fluͤgel, der ſich am Seegeſtade herunter zieht, wie man da ſo heimlich und allein mitten im Gewim⸗ mel leben kann, und kein Ueberlaͤſtiger Dir ˖ liebgewordene Traͤumereyen raubt. Mir 0 ſelbſt ſey Deine Thuͤr verſchloſſen, Dir nicht die Meinige. 5 Kolla. Ich dank Euch Oheim! ich fuͤhls, Ihr meynt es gut mit mir, auch kenn' ich Eure Wohnung, ſie hat der ſtillen Reize vie⸗ 0 le; aber Rolla lebt und ſtirbt in dieſer Hoͤle! 8 Dort wo die Kuppel des Tempels uͤber den Baͤumen hervorragt, dort wohnt Cora— ft und Rolla lebt und ſtirbt in dieſer Hoͤle.— 8 Gute Nacht! b0 Gberpr. Halsſtarriger! Gedenke minde⸗ 8 ſtens am morgenden feyerlichen Tage Deiner 5 Pflicht. Das große Feſt der Sonne heiſcht Deine Gegenwart im Pallaſt des Koͤniges, und im Tempel. meine el, der ie man dewim⸗ er Dir Mir ir nicht fuͤhls, nn' ich ize vie⸗ Hoͤle! ber den ora— oͤle.— minde⸗ Deiner heiſcht oͤniges, 3333 19 Rolla. Entſchuldigt mich! Sagt dem Koͤ⸗ nige, was Ihr wollt; ſagt ihm, ich ſey ge⸗ ſtorben. Ich komme nie wieder unter Men⸗ ſchen. Doch den Goͤttern will ich morgen opfern.— Tempel oder Hoͤle, das gilt den Goͤttern gleich! Gute Nacht!— (ab in die Hoͤle). Zweyter Auftritt. Der Gberprieſter allein. O Juͤngling! Juͤngling! Du ahndeſt nicht, wie nahe dieſem Herzen Deine Ruhe iſt. Noch ſtrahlet von der goldnen Kuppel des Tempels die Abend-Sonne wider, und ſchon iſts hier im Geſtraͤuche Nacht. Kaum werd' ich den Schlangenpfad aus dieſer Wildnis fin⸗ den.—(indem er gehen will ſtoͤßt er auf Diego). Dritter Auftritt. he Der Gberprieſter. Diego. in ‚(Diego tappt durchs Geſtraͤuche und erſchrickt te maͤchtig, als er den Oberprieſter vor ſich g1 ſtehen ſieht). . K4 Gberprieſter. ſa Wo kommſt Du her? Wo willſt Du hin? ge Diego. Wohin der Zufall einen Spazier— do 7 gaͤnger fuͤhrt. da Gberpr. Gehſt Du hier auf ungebahnten K Pfaden luſiwandeln? lic Diego.(dummdreiſt) Ja. trl 5 Gberpr. Du haſt Dich vermuthlich ver—⸗ un irrt? 8 91⁰ Diego. So ſcheints beynahe, denn ich finde mich auf Euren Wegen. mi Gberpr. Biſt Du nicht Alonzo's Waffen⸗ traͤger? 8 9 R Diego. Ihr ſeyd der Wahrheit ziemlich 0 8 auf der Spur. f p ge Gberpr. rſchrickt vor ſich hin? pazier— ahnten ich ver⸗ eun ich Vaffen⸗ ziemlich berpr. 21 Gberpr. Wenn Du der Gegenden hier Du Dich immer tiefer in den Buſch verirren. Beglei⸗ herum nicht kundig biſt, ſo wirſt te mich, und Du biſt in wenig Augenblicken auf dem rechten Wege. Diego.(mit verſtellter Entruͤſtung) Wer ſagt Euch denn, ichsſey auf unrechtem We⸗ ge.— Herr Oberprieſter, Ihr ſollt wiſſen, daß in Caſtilien und Arragonien, in Grena⸗ da und Murcia, und wie die Laͤnder meines: Koͤnigs alle heißen, kein Mutterkind den ehr⸗ lichen Diego an Tapferkeit und Tugend uͤber⸗ trifft. (lächelnd) Ich glaub' es gerne; und was der Zuſicherung noch groͤßern Werth giebt, iſt Dein eigenes Bekenntniß. Diego. Das Ihr meiner Beſcheidenheit mit Gewalt entriſſen habt. Gberpr. Vergieb! doch loͤſe mir das Raͤthſel, wie ich Dich hier bey Nacht, in wildem Gebuͤſche, und doch auf rechtem We⸗, ge finde? Viſt Du allein? Iſt vielleicht auch B3 Dein — 22 83838. Dein Herr in der Naͤhe? Was machſt Du hier? Denn daß es auf einen bloßen Spa⸗ ziergang angeſehen ſey, wirſt Du mich nie uͤberreden. Diego.(ſtockend) Weil Ihr denn ſo in mich dringt— ſo— ſo muß ich Euch nur geſtehen— daß ich liebe. Gberpr.(laͤchelnd) Du liebſt? Diego.(mit Carrikatur) Ja ich liebe! und mit einer Eiferſucht! einer Verzweiflung! Bald trieb es mich auf die Spitzen der hoͤch⸗ ſten Berge, bald in die tiefſten Abgruͤnde des Meeres! bis ich denn endlich hier in dieſem zaͤrtlichen Gebuͤſche mich verloren habe, um einſam mit der Turteltaube zu girren. Gberpr. Scheint doch beynahe dieſer Buſch von den Goͤttern auserſehen, ver— liebte Thoren zu beherbergen! Diego. Hier will ich mein Leid den ſtillen Baͤumen klagen, und meine Seufzer hinauf zum keuſchen Monde ſenden. Gberpr. ba eit ch nie ſo in h nur und flung! hoͤch⸗ be des dieſem „um dieſer ver⸗ ſtillen hinauf SS. 23 Gberpr. Du biſt ein Geck!(er geht fort). Diego. Ein Geck?— Deſto ſchlimmer fuͤr Euch! ſo hat ein Geck dem Oberprieſter der Sonne eine Naſe gedreht. Es lebe der Witz! er gilt in der neuen Welt ſeinen Preis, wie in der alten.— Iſt er wuͤrklich fort?— Ich hoͤre nichts mehr.(ſich nach der andern Seite kehrend). St!— St! Vierter Auftritt. Dom Alonzo. Dom Inan(im Mantel ver⸗ huͤllt). Diego. Juan. Sind wir ſicher, Diego? Diego. Schoͤne Frage! So ſicher, als Menſchen ſeyn koͤnnen, die unter freyem Him⸗ mel, des Nachts, im Walde, auf einen Bu⸗ benſtreich ausgehn. Beym Sanct Barna⸗ bas! ich glaube wir ſind nicht ſicherer als ein Trunkenbold, der uͤber den Amazonen⸗ fluß auf einem Drate wandelt. B 4 Juan, 24 Juan. Haſt Du etwas geſehn? Diego. Ich ſehe wenig, wenns finſter iſt, aber gehoͤrt hab ich!— Alonzo. Was— was haſt Du gehoͤrt? Diego. Die leibhaftige Stimme des Ober⸗ prieſters. 2 3 Alonzo. Des Oberprieſters? was wollt' E er hier? ſe Diego. Mich auf den rechten Weg fuͤh— 1 7 ren; ſonſt nichts. Das iſt ſo unter allen b Voͤlkern, daß die Prieſter die rechten Wege 7 wiſſen. b 5 Alonzo. Aber was konnt' ihn in dieſe Wildnis fuͤhren? Velasquez, rede! Juan. Wozu das Reden? Das Schwerdt 9 blank, die Augen zugedruͤckt, und ſo in den 9 dickſten Haufen geſtuͤrzt; das iſt bey jeder d 5 Gefahr meine Maxime. Reden ſchwemmt 3 den Muth nur weg, wie ein Regenguß das 1 bischen Erde vom nakten Felſen. Da kann 3 keine gefahrvolle That mehr keimen.— Ja, 1 — wenn ich reden wollte, da waͤre viel zu reden. 6 Alonzʒo. ſter iſt, hoͤrt 2. Ober⸗ wolltꝰ dieſe verdt nuden ſemmt 6das kann FJa, reden. onxo. was? Und Diego. O redet Herr! ich bitt' Euch. Alonzo. Wenn's dunkel iſt, hoͤr' ich fuͤr mein Leben gern reden. Juan. Es ſey. Waͤr's auch nur, um eil — Dir Alonzo die Zeit zu vertreiben, bis Stern aufgeht. Bey einer verliebten Zu⸗ ſammenkunft iſt das Warten verzweifelt lang⸗ weilig. Alſo, ich will reden, bis Du mich bitteſt ſtillzuſchweigen. Und der Text— Freund! dies Abentheuer taugt nicht! glau⸗ be mir, es taugt den Teufel nicht! Diego. Er hat Recht. Alonzo. Eine fremde Sprache in Deinem Munde! Wann kehrte Dom Juan Velas⸗ quez einem gefaͤhrlichen Abentheuer den Ruͤ⸗ cken?— Juan. Da haben wirs!— Hoͤre, Menſch! wenn Du faͤhig waͤrſt, am meinem Muthe zu zweifeln, ich koͤnnte mit der naͤchſten Klap⸗ perſchlange anbinden, um Dir den zu bewei— ſen. Du kennſt meine Grundſaͤtze. Ich achte R B 5 mein 26— mein Leben nicht hoͤher, als einen frohen Augenblick, und froh iſt jeder Augenblick, den ich der Freundſchaft opfere. Alſo wenn. Du mich lieb haſt, nichts mehr davon! Mein Arm und Schwerdt gehoͤren Dir, ich folge Dir blind in die Finſternis; aber nur ſey es mir vergoͤnnt, indem ich Dir folge, zu den⸗ ken: es iſt doch albern, daß wir da herum tappen, indeſſen wir etwas beſſers thun koͤnnten. Alonzo. Etwas beſſeres? Laß hoͤren! Juan. Wer etwas ſchlechtes thut, kann etwas beſſers thun, und bey allen Rittern, de— ren Blut in meinen Adern fließt— oder nicht fließt— wir ſind auf ſchlechten vermaledey— ten Wegen. Ich ſchweige von dem Schwerd—⸗ te, das an einem Haare uͤber unſerm Schei⸗ tel haͤngt. Lieben geht vor Leben. Du liebſt Cora, ich liebe Dich, und Diego liebt uns beyde. Diegd. Ja, ja, aber— nehmt mirs nicht uͤbel!= Leben geht vor Lieben. Juan. ——— frohen Juan. Geſezt alſo, es koſtet uns dreyen blick, die paar unruhigen Jahre— ie nun, wer wenn froh gelebt hat, hat lange gelebt. Mein Diego. Verdammte Grundſaͤtze! folge Juan. Aber Alonzo, dieſes froh ſeyn— ſey es ſo was ich froh ſeyn nenne— dieſe Geſund⸗ den⸗ heit der Seele iſt von Rechtſchaffenheit und herum Tugend unzertrennlich. Die Hand aufs thun Herz! wie iſt Dir in Augenblicken der Nuͤch⸗ ternheit? Dom Alonzo Molina verließ die 1! wilden Schaaren des Pizarro, weil er ihre kann Grauſamkeiten verabſcheute, weil er in jedem „de⸗ Indianer einen Bruder liebte. Das war nicht brav! Ich will hingehen, ſprach er, der ledey⸗ Freund und Lehrer dieſes gutmuͤthigen Vol⸗ werd⸗ kes zu werden. Ich will ihren Geiſt bilden, ſchei⸗ ihnen nuͤtzliche Kuͤnſte mittheilen, ich will ihr liebſt Wohlthaͤter ſeyn.— Das war ſehr brav! uns Du giengeſt wirklich; der Koͤnig dieſes Lan⸗ des oͤfnete Dir ſeine Arme und ſein Herz; mirs Dich liebte das Volk; Dich ehrte die Familie der Yncas; in Dir ſahen ohne Reid die Großen auch ſeine Freuden, ſeine Schaͤtze; Du hoͤr⸗ teſt auf ein Fremdling zu ſeyn, und ohn Murren ſahen ſelbſt die Prieſter Dich 5 ihrem Goͤtterdienſt erſcheinen.— Was ge⸗ ſchieht? An einem dieſer feyerlichen Tage ſieht-mein edler Freund Alonzo im 1 eine Sonnenprieſterin, die dem Koͤnig d Opferbrod reicht. Sie iſt jung, ſie iſt ſchöͤn, Alonzo entbrenut, und ploͤtzlich ſegeln alle ſeine große Entwuͤrfe uͤber Hals und Kopf ins der Vergeſſenheit hinunter. Der Ritter fuͤr die Rechte der Menſchheit entſchlummert. Das ſchoͤne Sinnbild 8 ſeinem Schilde die verſchlungnen Haͤnde unter einem Kreuze von Sonnenſtrahlen umgeben, weicht einem brenuenden Herzen vom Liebespfeile durch⸗ bort. Will ich mit Alonzo wo muß ich ihn ſuchen? unter den Raͤthen des Koͤ— nigs? unter den Richtern des Volks? unter den Lehrern der Jugend?— Ja, da fand IN* K 1 ihres h bey as ge⸗ Tage empel 9 das ſchoͤn, e ſeine Neer er fuͤr umert. hilde: Treuze einem durch⸗ muß 1 Kö⸗ unter fand ich 29 ich ihn ſonſt, aber nun— nun ſchleicht er leiſe bey naͤchtlicher Weile um die Mauern, und hinter den Mauern, vergraͤbt ſeine Na⸗ ſe tief in den Mantel, verſteckt ſich vor ſei⸗ nem Gewiſſen, und geht mit ſeinen großen herrlichen Entwuͤrfen um, wie ein muthwil⸗ liger Knabe, der die Eyer der Bruthenne zer⸗ bricht. Alonzo.(unwillig) Velasquez! Juan. Weg! weg mit dem drohenden Blicke! Er ziemt Dir nicht, Sieh, nicht einmal boͤſe darf man werden, wenn das Ge⸗ wiſſen nicht rein iſt. Du wunderſt Dich, wie der luſtige Velasquez auf einmal zum Sittenprediger geworden? Merk es Dir: Velasquez iſt immer luſtig, immer guter Dinge, weil er immer ein ehrlicher Mann iſt.— Aber laß mich jezt fortpredigen, ich bin einmal im Zuge. Du, dem ſonſt jeder kleine Volksaberglaube heilig war, weil doch immer an jedem die Ruhe irgend eines ſchwa⸗ chen Meuſchen haͤngt, Du uͤberſpringſt ohne Ve⸗ ————— 30 Bedenken das heiligſte Geſetz einer Nation, + welche Dich gaſifrey in ihrem Schooße auf⸗ 5 nahm; Du verfuͤhrſt ein keuſches Maͤdchen, dem Dienſt ihrer Goͤtter geweiht. Die em⸗ 9 poͤrte Natur ſelbſt muß Dir zu Huͤlfe kom⸗ men, ein Erdbeben muß dieſe unzugangba⸗ 1 ren Mauern erſchuͤttern, um Dir kuͤhnen + Frevler einen Weg in Cora's Arme zu bah— 0 5 nen, und mitten unter dieſem Kampf der 4 Elemente ermordeſt Du eine Unſchuld. Alonzo. Du biſt unbarmherzig. Glaube mir, mein Gewiſſen ſchlaͤft nicht.— f Juan. Nun ſo iſt es taub, und man 3 muß ihm zudonnern: Ataliba iſt Dein Wohl— 8 thaͤter! dies liebenswuͤrdige Volk hat Dich t aufgenommen, als einen Bruder, und Du — Du bohrſt ihm einen Dolch in den Ruͤ⸗ 7 0 cken. Alonzo. Hoͤr' auf, Velasquez! ich erken⸗ 9 5 ne die Stimme des Freundes, ich danke Dir! Aber was verlangſt Du von mir? 6 Juan. Nation, ße auf⸗ aͤdchen, die em⸗ fe kom⸗ zangba⸗ kuͤhnen zu bah⸗ upf der Glaube d man Wohl⸗ it Dich nd Du n Ruͤ⸗ herken⸗ e Dir! —— 31 Juan. Nun Gott ſey Dank! endlich faͤngt er an zu erwachen. Ich verlange, daß Du dieſem gefaͤhrlichen, verbrecheriſchen Umgan⸗ ge entſageſt. Alonzo. Ich will mit Cora reden. Juan. Vortrefflich! Cora iſt guͤltige Rich⸗ terin in dieſer Sache!(hoͤhniſch) O ich ſehe, es iſt Dir Ernſt. Alonzo. Nein, wahrlich! ich will ihr al⸗ les vorſtellen, alles, was aͤngſtliche Liebe mir eingiebt: den Zorn des Koͤnigs, die Wuth des Volks, meine Gefahr— 3———— 315— Juan. Deine Gefahr? Vergieb mir Freund! Du koͤmmſt hier wenig in Betrach⸗ tung. Deine Gefahr gegen die ihrige, iſt eine Flaumfeder gegen eine Goldſtange. Du wagſt nur Dein Leben— Diego. Zum Henker! iſt das noch nicht genug? Juan.(fortfahrend) Sie hingegen, ſie wagt ihre Ehre, ihre Ruhe, den Segen ih⸗ res Vaters, die Liebe ihrer Familie, ihre Aus⸗ 22 32 Ausſichten auf Seligkeit! Und endlich! welch ein ſchrecklicher Tod iſt ihr Loos, wenn Du n vielleicht einem Geſchoͤpfe das Daſeyn gabſt, das an eurer Liebe zum Verraͤther wird. U Alonzo. O Nein! nein! das iſt nicht. 0 Juan. Dem Himmel ſey Dank, wenn es ſ noch nicht iſt! Aber wer ſteht Dir dafuͤr, daß es nie ſeyn wird? Und dann— wel⸗ 1 — chen grenzenloſen Jammer bereiteſt Du ihr 8 n und Dir! Sie muß ſterben!— O das waͤ⸗ f 5 re wenig, aber wie muß ſie ſterben? Leben⸗ 7 dig in ein unterirrdiſches Gewoͤlbe verſperrt, ˖ deſſen Oeffnung uͤber ihr verſchuͤttet wird; 8 da ſitzt ſie bey einem Laͤmpchen und einem Brodte und ſchnappt nach Luft— pfui! 0 mir ſchaudert die Haut. Ich bin dem To⸗ — de in tauſend Geſtalten begegnet, aber ſo 8 halt' ich ſeinen Anblick nicht aus. Alonzo.(an ſeinem Halſe) Ich will Cora — nie wieder ſehen.— i Juan. Wohlan! ſo iſts recht— laß uns eilen. Cer will ihn mit ſich fortziehn) Alon⸗ h! welch venn Du yn gabſt, d. nicht. wenn es ir dafuͤr, — wel⸗ Du ihr das waͤ⸗ 2 Leben⸗ erſperrt, et wird; id einem — pfuia dem To⸗ aber ſo vill Cora laß uns Alon⸗ 33 Alonzo. Nur noch Abſchied von ihr neh— mien. Juan. Schreib ihr ein Briefchen, das werfen wir uͤber die Mauer. Du ſchwankſt2 o, es iſt Dir nicht Ernſt mit Deinem Ent⸗ ſchluſſe.— Hu! ich ſehe die arme Cora ſchon in der ſchrecklichen Grube, von Leibes⸗ und Scelenangſt zermalmt, wie ſie ſich das Fleiſch vor den Armen nagt— Gotteslaͤ⸗ ſterungen ausſtoͤßt, und in Raſerey ihre von Dir vergiftete Seele aushaucht.— Wenn ſie dann dort oben ſteht, vor dem, der den Peruaner wie den Spanier richten wird! Dich anklagt, daß Du eine Kindermoͤrderin aus ihr gemacht haſt—— Alonzo. Cihn raſch fortziehend) Komm, komm, laß uns fliehen. Juan. Von Herzen gern! Cindem ſie alle drey gehen wollen, hoͤrt man hinter der Mauer in die Haͤnde klatſchen) Alonzo.(kehrt ploͤtzlich um) Ach Velas⸗ quez! das iſt das Zeichen. Meine Cora! C mei⸗ 34 meine Cora!—(er laͤßt ſeinen Freund ſte⸗ hen und klettert haſtig über die Mauer) Fuͤnfter Auftritt. Dom Inan. Diego. 8 Juan.(ſieht Alonzo ſtaunend und unwillig nach) Diego.(nach einer Pauſe) Nun ſage mir einer mehr, es gebe einen leeren Schall in 9 7 der Welt. Da hat der Wohlehrwuͤrdige Dom Velasquez eine Predigt gehalten, wie man ſie nicht alle Tage von den Kanzeln in Sala⸗ 8 manca hoͤrt, und kaum machen ein paar heid⸗ niſche kleine Haͤnde Patſch! Patſch!— ſo fuͤhrt der Boͤſe die ganze ſchöͤne Wirkung davon in die Luͤfte. Juan.(ein wenig bitter) Fahre wohl, gu⸗ 8 0 ter Freund! ich waſche meine Haͤnde.— 1 Verdammter Brauskopf! wo andere ſich f˖ — waͤrmen, da brennt er! wo andere gemaͤch⸗ ˖ lich einher ſchreiten, da fliegt er!— Nun, 93 nun, zund ſle⸗ unwillig ſage mir chall in ge Dom bie man n Sala⸗ ar heid⸗ ſch!— Virkung re ſich jemaͤch⸗ Nun, nun, 35 nun, wenns nur gut geht! Die Freundſchaft hat ſich ihrer Pflicht eutladen; geht es ſchief, ſo kann ſie nichts als mit dem Freunde lei— den. Bis dahin luſtig, Diego! Wie befin⸗ deſt Du Dich? Diego. Wie ein Fiſch auf trocknem Lande. Juan. Du luͤgſt. Wo dumme Streiche gemacht werden, da iſt jeder Narr in ſeinem Elemente, und beym heiligen Ritter Georg! wir machen hier dumme Streiche. Diego. Nur mit dem Unterſchiede, daß ich muß, wie Ihr wollt, und Ihr nicht wollt, wie Ihr doch von Gott und Rechts⸗ wegen muͤſtet. Juan. So? laß Deine Weisheit hoͤren! Diego. Waͤr' ich an der Stelle des ta⸗ pfern Ritters Dom Juan Velasquez, ſo wuͤr⸗ de ich fuͤrs erſte eine Predigt halten, ohnge— fehr wie die Eurige, und wenn das nicht hel⸗ ſen wollte, ſo wuͤrde ich ſprechen: mein lie⸗ ber Freund Alonzo, oder Dom Alonzo, du C2 wirſt 36 wirſt nicht begehren, daß ich deinetwegen mich lebendig braten laſſe. Gehab Dich wohl! ich gehe nach Hauſe und nehme unſern lieben Diego mit; wir wollen einen Roſen⸗ kranz fuͤr Dich beten. Juan. Das koͤnnen wir auch hier thun.— Diego. Hier? auf heidniſchem Grund und Boden? im Angeſicht eines Heiden— tempels? Juan. Dummkopf! unſer Gott iſt uͤber⸗ all! aber durch heilige, bruͤderliche Freund⸗ ſchaft dient man ihm beſſer, als durch Ro⸗ ſenkraͤnze; und darum will ich jezt keinen Roſenkranz beten. Ich bin hier als der Waͤchter meines verirrten Freundes. Diego. So? und was bin ich denn? Juan. Sein Waffentraͤger. Diego. Nun ſo bin ich hier uͤberfluͤſſig, denn ich bin offenbar nicht hier, als ſein Waffentraͤger. Juan. Dir ziemts zu gehorchen. Fort Burſche! nimm dieſe Pfeife, ſchleich Dich links 622 tetwegen ib Dich 'e unſern Roſen⸗ thun.— Grund Heiden⸗ iſt uͤber⸗ Freund⸗ rch Ro⸗ t keinen als der nn? erfluͤſſig, als ſein . Fort ch Dich links 7—+7C—j2 37 links um die Ringmauern des Tempels, ich thue das nehmliche rechts, jenſeit treffen wir zuſammen. Stoͤßt Dir unterwegens et⸗ was verdaͤchtiges auf, ſo pfeife. Da nimm!— Diego.(nimmt zitternd die Pfeife) Links herum, ſagt Ihr? Inan. Links herum!— Diego. Ganz allein? Juan. Ganz allein. Diego. Ich verirre mich in dem Ge⸗ ſtraͤuche. Juan. Narr, kannſt Du die Mauer nicht ſehn? und die Kuppel des Tempels?— Diego. Bin ich denn eine Nachteule? Juan. Scheint der Mond Dir nicht hell genug? Diego. Nein. Juan. Nein?— Aha!— Ich merke, Sennor Diego iſt furchtſam. Diego. Ich will Euch nur geſtehen, Herr; die Nacht iſt zur Ruhe beſtimmt, und wenn C 3 der der Menſch nicht ſchlaͤft, ſo ſchlafen doch ſeine innern Kraͤfte. Meine Herzhaftigkeit geht mit Sonnenuntergang zu Bette. Juan.(ernſthaft auf ihn zugehend) Freund Diego, wir werden ſie mit Fauſtſchlaͤgen wecken. Diego.(ſich zuruͤckziehend) O ſie ſchlaͤft leiſe; ſie iſt ſchon erwacht. Juan. Fort dann, Du Narr! Cer ſtoͤßt ihn nach einer Seite und geht ſelbſt auf der gn⸗ dern ab.) Sechſter Auftritt. (Alonzo ſpringt uͤller die eingefallene Mauer, und reicht Cora welche ihm folgt, die Hand.) Alonzo. Nur ein kleiner Sprung, liebe Cora! Wirf Dich kuͤhn in meine Arme!(indem er ſie her⸗ vorfuͤhrt) Hier findeſt Du ein ſtilles, heimli⸗ ches Plaͤtzchen, geſchaffen fuͤr die Liebe und von O w 11 te ih Cc) id ſe n doch ftigkeit Freund chlaͤgen ſchlaͤt er ſtoͤßt der an⸗ Mauer, t, die Wirf ſie her⸗ heimli⸗ be und von 3 39 von Freunden bewacht. Hier iſt es nicht ſo weit und groß und oͤde, als in euren ſchat⸗ tenleeren Gaͤrten, wo der verraͤtheriſche Mond uͤberall hindringt und jede Geſtalt ver⸗ doppelt.(er drückt ſie an ſein Herz) Endlich hab ich Dich wieder!— Cora.(ſeine Umarmung erwiedernd) End⸗ lich hab ich Dich wieder!— Alonzo. Ach! das waren drey ewig lan⸗ ge Wochen! Cora. Drey Wochen nur? Alonzo. Monden fuͤr die Liebe. Cora. Jahre fuͤr mein Herz. Alonzo. Jeden Abend mit der Daͤmme⸗ rung war der arme Alonzo hier, und war⸗ tete auf das Zeichen, und lauſchte, ob Du ihn nicht endlich einmal zu den heimlichen Freuden einer ſeligen Nacht riefeſt. Cora. Jeden Abend hab ich geweint, daß ich nicht kommen durfte. Alonzo. Du biſt doch nicht krank gewe⸗ ſen? C 4 Cora. 40 Cora. Ach, ich bin immer krank, wenn ich nicht bey Dir bin. Alonso. Sprich! was hielt Dich ab? Du verſprachſt ja weit eher— Cora. Ich verſprach; das war unrecht von mir. Ich konnte doch nur hoffen. Im⸗ mer leiht die Liebe der Hoffnung ihre Wuͤn⸗ ſche, und macht zu fruͤh ſie zur Gewißheit. Mich trifft nur ſelten die Reihe, dem naͤcht⸗ lichen Dienſt im Tempel zu verwalten; aber⸗ ich baute auf die Krankheit einer meiner Ge⸗ ſpielinnen deren Stelle ich vertreten wollte. Sie ward geſund und dankte mir fuͤr meinen guten Willen. Die arme Cora war ſo trau⸗ rig und die ſchlummerloſen Naͤchte wurden ihr ſo lang. Alonzo. Auch mich floh die Ruhe. Der Morgenthau fand mich unter dieſen Baͤumen, wenn meine Kleider noch feucht von dem Thau des entwichnen Abends waren, mein Koͤrper von der Kaͤlte der Mitternacht noch ſchauderte.— Sieh, unter jener Palme ſtand ſta na We me we ne al te g0 g0 U. EA W 9 8 wenn ab? 9 2 nrecht n Ima: Wün⸗ Ghei Ißheit. naͤcht⸗ aber er Ge⸗ wollte. teinen trau⸗ burden Der dumen, idem mein noch Palme ſtand ——— 41 ſtand ich Nacht fuͤr Nacht, und ſchielte hin nach Eurem Tempel. Da ſah ich denn zu⸗ weilen dort, wo das ewige Laͤmpchen flim⸗ mert, im Schatten eine Geſtalt hin und her wandeln, und das duͤnkte mich immer Dei⸗ ne Geſtalt zu ſeyn. Cora. Mich Einſame, mich konnte kein Schatten taͤuſchen; aber doch ſah ich uͤber— all Deine Geſtalt; ich lief mit langen Schrit⸗ ten auf und nieder, es trieb mich ſo raſtlos aus einem Winkel in den andern.— O ſa⸗ ge mir, iſt das immer ſo, daß man ſo un⸗ geduldig wird, weun man eines Mannes Bild im Herzen traͤgt? Ehemals war ich ſanft und ſtill; ich konnt' es wohl ertragen, wenn dieſer oder jene kleine Wunſch mir fehlſchlug, wenn ein Regenguß mir einen Spatziergang verdarb, oder der Wind mir eine ſelbſtgezo⸗ gene Blume brach. Nun iſt das alles ganz anders, ich bin nicht mehr dieſelbe. Jezt, wenn ich bey meinem Tagewerke ſitze und C 5 ſpin⸗ ———— 4 2 D———— ſpinne oder webe, und es reißt mir nur ein⸗ mal der Faden; o da kann ich gleich ſo aͤr⸗ gerlich werden, daß ich zuweilen uͤber mich ſelbſt erſchrecke.(ſich an ihn ſchmiegend) Alon⸗ zo, macht die Liebe beſſer oder ſchlechter? Alonzo. Wahre Liebe beſſert. Cora. Ach nein! nein! In meinem Her⸗ zen wohnt wahre Liebe, und doch bin ich ſchlechter, als ich war. Alonzo. Nicht doch! Dein Blut laͤuft nur ein wenig ſchneller. Cora. Oder bin ich krank? Ja, lieber Alonzo— ich bin jezt oft krank. Alonzo. Im Ernſt? Cora. Im Ernſt! ich bin recht oft krank! Aber das muß ſo ſeyn, denn bald, bald werd' ich nicht Dich allein mehr lieben. Alonzo.(betreten) Nicht mich allein? Cora.(lächelnd) Nicht Dich allein. Alonzo. Deine Worte enthalten ein Raͤth⸗ ſel, oder ein Verbrechen.— Cora! Liebe iſt allumfaſſend und doch untheilbar, Nicht mich mie rul em me te K ur ein⸗ 0 aͤr⸗ mich Alon⸗ n Her⸗ in ich uft nur lieber krank! bald 2— 43 mich allein?—(er ſieht ſie ſtarr an) Nein, es iſt nicht moͤglich! Du blickſt mir ja ſo ruhig ins Auge. Cora. Nun ja, warum nicht? Was ich empfinde iſt ſuͤß; kann es denn ſtrafbar ſeyn? — Eine unbekaunte Wehmuth iſt Meiſterin meines Herzens geworden, ein nie gefuͤhltes Streben— Als ich juͤngſt am Feſt der Sonnenwende die Halle mit Blumen ſchmuͤck⸗ te, da ſah ich auf den Stufen des Tempels ein junges Weib ſanft entſchlafen; an ihrer Bruſt lag ein kleiner laͤchelnder Engel. Mir ward ſo warm und weich ums Herz: unwill⸗ kuͤhrlich ſtreckt' ich meine Arme nach dem Kinde aus, wollt' es leiſe der Mutter neh⸗ men, und es an meinen Buſen druͤcken. Aber was iſt leiſer, als der Schlummer einer zaͤrt— lichen Mutter? Kaum hatt' ich das Kind be⸗ ruͤhrt, ſo fuhr ſie aͤngſtlich auf, druͤckt' ihr Kleinod feſt an ihr Herz, und ſah mir miß⸗ trauiſch ins Auge. Nicht wahr, Alonzo; eine ———ů—————ðÜ—E— 44 eine Mutter iſt doch ein ehrwuͤrdiges Ge— we ſchopf?— we Alonzo.(befremdet) Wie köͤmmſt Du dar⸗ N auf? ter Cora. Ahndeſt Du noch nichts?(mit der be reinſten ſchuldloſeſten Freude) Ja, ich werde au Mutter ſeyn! 4 3 Alonzo.(ganz betaͤubt) Großer Gott! 21 Cora. Was iſt Dir? Fuͤrchte nichts! ich liebe Dich, wie immer.— Sieh, ich glaub⸗ 0* 0 5 te ehmals, man koͤnnte nicht feuriger lieben; ſo 5 8 be auch hatt' ich wohl recht; denn ich ſah in 8 ol — Dir, Alonzo, den ſchoͤnſten Jaͤngling. Du he Zauberer haſt indeſſen in einer neuen Geſtalt Dich in mein Herz geſtohlen, ich ſehe heute in Dir den Vater meines Kindes. iſt Alonzo. Cora! Cora! mir ſtraͤubt ſich das ge Haar gen Himmel! Und Du ſo ruhig?— en Cora. Was fuͤrchteſt Du? Iſt Mutter T werden ein Verbrechen? Gewiß nicht! Mein S alter Väter hat mich immer gelehrt: wer ſet ein Verbrechen begeht, dem iſt nicht 88 wohl es Ge⸗ Du dar⸗ mit der werde yts! ich glaͤub⸗ lieben; ſah in 3. Du Geſtalt e heute ſich das 8 Mutter Mein : wer nicht wohl 45 wohl zu Muthe! Und mir— mir iſt wohl! Alonzo. Wie! kennſt Du nicht die Pflich⸗ ten Deines Standes? 192 Geſetze haſt Du beſchworen, als man dies Bild der Sonne auf Dein Gewand heftete? Cora. Die Geſetze unſers Tempels. Alonzo. Und was geboten ſie Dir? Corg. Datz weiß ich nicht. Mein Vater ſpricht: Wem die Tugend heilig iſt, der bedarf keines Geſetzes, er erfuͤllt ein jedes, ohne es zu wiſſen.— Mir iſt die Tugend heilig. Alonzo. Weißt Du auch, was Tugend iſt? Ach, Du kennſt noch nicht den trauri⸗ gen Unterſchied zwiſchen Tugend, in den ewigen Geſetzen der Natur gegruͤndet, und Tugend, die nach ſeinem Gefallen irgend ein Schwaͤrmer dazu erhob:—(er ſaßt ſie in ſeine Arme) Cora, was haben wir gethan! — In jedem Siande ſiſt Liebe und Freude der 46—— der Lohn fuͤr die Schmerzen der Gebaͤhrerin; nur in dem eurigen der Tod! Cora.(erſchrocken) Der Tod? N Alonzo.(verzweifelnd) Und ich— ich bin M Dein Moͤrder! Cora.(beruhigt) Wie Du doch ſo um 825 4 nichts Dich martern kannſt! Wunderlicher ich Menſch! wer wird mich toͤdten? Und war⸗ che iſt. 8 um 2 4 Alonzo. Du haſt— ſo ſprechen Eure for Prieſter— Du haſt die Goͤtter beleidigt. pet Cora. Ich die Goͤtter? Nein wahrlich! ſc 45 ich liebe die Goͤtter! Alonzo. Sey es, Cora! Ach Du wirſt 8 85 dennoch des alten Aberglaubens Opfer wer— 5 den. Uns bleibt nur Rettung in der Flucht. 8 — Aber Flucht— Gott! wohin in einem —5 fremden Lande? he tei Cora. Lieber aͤngſtlicher Schwaͤrmer! ich falle auf ein Mittel, Dich zu beruhigen, 20 Alonzo. So hat es Dir Gott offen⸗ * bart! Cors, ihrerin; ich bin ſo um derlicher id war⸗ in Eure ahrlich! u wirſt er wer⸗ Flucht. einem ner! ich 15 offen⸗ Cors, ——— 427 Cora. Es iſt einfach und ſicher. Ob mein inneres Gefuͤhl mich truͤgt, ob die Goͤtter auf mich 1 75 das ſoll der kommende Morgen entſcheiden. Unſere naͤchtliche, ver⸗ ſtohlne Liebe 155 bis auf dieſen Augenblick nur der Mond und die Sterne; wohlan! ich mache den groͤßten der Goͤtter, ich ma⸗ che die Sonne zu ihrem Zengen!— Noch iſts Nacht, ich darf hier nicht laͤnger weilen; fort zum Dienſt der ewigen Lampe des Tem⸗ pels! Du, mein Alonzo, bleib hier und ſchlummre unter dieſen Baͤumen. So bald die Morgendaͤmmerung den oͤſtlichen Hori⸗ zont faͤrbt— bin ich wieder bey Dir, und wir ſteigen auf dieſen Huͤgel. Dann kehren wir unſer Antlitz gegen Oſten, Kchlängen Arm in Arm— heften Lippe eippe, und ſte⸗ hen ſo da, der Sonne Aufgang kuͤhn erwar⸗ tend. Verſtehſt Du mich 2— Alonzo. Nur halb. ——K—— 48 Cora. uͤbel getban; ſo wird die Sonne ſich verhuͤl⸗ Begreifſt Du nicht? Hat Cora len, oder ihr erſter Strahl, der herab auf Cora faͤllt, wird die Verbrecherin vernichten. — Wenn aber— o Alonzo! wenn er hei⸗ ter heraufſteigt, mein Vater und mein Gott! enn er einen laͤchelnden Blick auf das lie⸗ Paar wirft, und uns wohl dabey zu 1 0 w bende Muthe iſt, dann ſey ruhig und unbeſorgt, lieber Juͤngling! dann wird kein Haar mir gekruͤmmt; wir ſind ſchuldlos vor dem An⸗ tlitz der Sonne; weſſen Antlitz darf Cora ſcheuen? Alenzo. Gutes Maͤdchen! Ruͤhrende Ein⸗ falt! Cora. Noch mehr! noch mehr! Morgen iſt das große Feſt der Sonne; morgen iſt der Tag, der, wenn ſie unverſchleyert in ihrer Majeſtaͤt am Horizont heraufſteigt, uns al⸗ len ein frohes Zeichen iſt, daß die Goͤtter dem ſat Cora verhuͤl⸗ erab auf ernichten. n er hei⸗ ein Gott! das lie⸗ dabey zu unbeſorgt, Haar mir dem An⸗ darf Cora rende Ein⸗ 1 Morgen gen iſt der rt in ihrer uns al⸗ 8 49 dem Lande gnaͤdig ſind. Hinauf Alonzo, Deinen Blick gen Himmel! Sieh, noch flim⸗ mern die Sterne; rings umher iſts blau, kein Woͤlkchen droht, kein Luͤftchen weht, wir werden einen ſchoͤnen Morgen haben!— Kuͤſſe mich!— Lebwohl!— Hier unter dieſem Baume wird Dich Cora ſchlummernd wieder finden, und mit einem Kuſſe den ſuͤ⸗ ßen Schlaͤfer wecken,(ſie eilt zuruͤck über die Mauer) Alonzo.(der alles was Cora ihm geſagt, nut halb gehoͤrt und deſſen Geiſt in ſtaunendes Ent⸗ ſetzen verſunken iſt) Armes gutherziges Ge⸗ ſchoͤpf!— O ich bin ein arger, arger Boͤs ſewicht!— Rette ſie, rette ſie!— ehe die Flamme uͤber ihr zuſammen ſchlaͤgt.— Ach! zu ſpaͤt!— Ich kann nur mit ihr ſterben! Sie iſt verloren!—(er lehnt ſich beyde Haͤnde vor die Stirn geſchlagen, mit der Stirn an einen Baum.) D Sie⸗ 50 Siebenter Auftritt. Alonzo. Dom Juan. Diego. (Diego ſchleicht ſich zitternd von der rechten Seite herbey, und als er Alonzo's Geſtalt erblickt, pfeift er aus Leibeskraͤften.) Alonzo.(ſich wild umkehrend und nach dem Schwerdte greifend) Was giebts? Dom Juan.(von der andern Seite herzu ſpringend) Was giebts? Diego. Seyd Ihr es, Dom Alonzo? Warum fagt Ihr nicht gleich, daß Ihr es ſeyd?— Juan.(ihn auf die Schulter klopfend) Laß einen gefluͤgelten Haſen auf Dein Schild mah⸗ len. Diego. Beſſer als einen blinden Löͤwen. Die Herren Ritter halten es fuͤr Ritterpflicht, die Vorſicht Furchtſamkeit zu ſchelten; ſo wie wir andern, die wir nicht ſchreiben koͤn⸗ nen, die Gelehrten ſpottweiſe Federhelden 5 6 5 nennen. Habt Ihr mir nicht ſelbſt befohlen zu Nn all echten Beſtalt ch dem herzu onzo? hr es Laß mah⸗ öwen. flicht, ſo koͤn⸗ elden ohlen zu 7 zu pfeifen, ſo bald ich etwas Verdaͤchtiges erblicken wuͤrde? Juan. Narr! ſeit wann iſt Dein eigner Herr Dir verdaͤchtig? Diego. Euch die Wahrheit zu geſtehen, Dom Velasquez, er iſt mir ſehr verdaͤchtig. Seht ihn nur an, wie er da ſteht.(auf Alonzo zeigend, der ſeine vorige Stellung wie⸗ der angenommen) Juan.(Alonzo beym Arm ſchuͤttelnd) Gu⸗ ter Freund! war das Lebewohl ſo herzbre⸗ chend? Alonzo.(an ſeinem Halſe) Ach, Velas⸗ quez! Deine Warnung kam zu ſpaͤt! Juan.(ihn von ſich haltend) Nimmermehr! Was? Sie iſt— Alonzo. Sie iſt Mutter!— Juan.(ihn fortſtoßend) Nun ſo ſind wir alle dem Himmelreich naͤher als dem mor⸗ genden Tage.—— Alon⸗ * Alonzo.(Dom Juan die Hand reichend) Verlaß mich nicht, mein Gefaͤhrte! mein Freund! mein Waffenbruder! Juan.(ihm die Hand ſchüttelnd) Alonzo! es iſt meine Art nicht, dem Knaben, der im Waſſer liegt, zuzurufen: Du haͤtteſt nicht hinein fallen ſollen. Ich zieh ihn lieber heraus, wenn ich kann.— Aber beym Teufel! hier kann ich nicht! Haͤtten wir ein Schiff, oder einen Zaubermantel, der uns durch die Luft fuͤhrte; dann waͤre Velasquez unter den Fliehenden nicht der lezte. So aber,(indem er eine ſeſte Stellung annimmt) waffnet ſich Velasquez mit Muth, weil er muß, huͤllt ſich in ſeinen Mantel bis an die Zaͤhne, und laͤßt es um ſich her donnern und blitzen. Alonzo.(die Haͤnde ringend) Alles verlo⸗ ren? gar kein Mittel mehr uͤbrig? Juan. Nun, nun; alles iſt nie verloren, ſo lange man den Verſtand nicht verliert. Laß uns gehn eſſen, trinken und ſchlafen. Mor⸗ in mi Ke de! de B M. end) nein nzo! der licht eber eym ein reu, fen. 3 53 Morgen fruͤh haben Geiſt und Körper neue Kraͤfte; morgen fruͤh, daun ein Mehrers! Diego. Eine Blume der Ritterſchaft! Alonzo. Bleib!— Sie koͤmmt zuruͤck— in der Morgendaͤmmerung verſprach ſie mir— Jugn.(umkehrend) So?— ey!— Kein unbequemeres Amt auf der Welt, als der Vertraute von Verliebten. Und daran denken ſie gar uicht, daß man menſchliche Beduͤrfniſſe hat, daß man ſchlafen muß— Diego. Daß man eſſen muß— daß man trinken muß— Alonzo. Vergieb mir! Juan. Ja, ja, ich vergebe Dir, aber ſchreib mirs an in Deinem Herzen, denn beym Himmiel! ich ſchlage mich lieber ein⸗ mal herum, als daß ich meine naͤchtliche Ruhe miſſe.(indem er ſeinen Mantel unter ei⸗ nen Baum breitet und ſich darauf legt) Doch Noth muß fuͤr Tugend gelten. Muͤdigkeit 2 iſt das beſte Hauptkiſſen. Gute Nacht, DO 3 Alon⸗ 54—— Alonzo! Wer ein reines Gewiſſen hat, der ſchlaͤft auch auf einem Banmſtrunk mit den Siebenſchlaͤfern in die Wette.(er ſchließt die Augen.) Diego.(der ſich auch eine Lagerſtaͤte berei⸗ tet.) Wenn es nur hier herum keine Klapper⸗ ſchlangen giebt. Oder keinen Tyger, der ſo hungrig iſt, ais ich. Halt! da faͤllt mir was bey.(er zieht einen Roſenkranz hervor, den er an den naͤchſten Baum haͤngt) So, nun 817 ſind wir ſicher. Cer legt ſich nieder) Ach! wenn ich diesmal ſchlafe— ſo ſchlaf' ich ein E Meiſterſtuͤck— denn mein Kopf iſt voll Ge⸗ mie danken— mein Herz voll Furcht, und bla mein Magen leer. Cer entſchlummert.) her Alonzo. C(auf beyde herabblickend, nach eiz Ve ner Pauſe) Gluͤckliche Menſchen! Cer lehnt ſen ſich ſorgenvoll an einen Baum.) ver Ende des erſten Akts. den die ein Be⸗ ind eiz hut RRRRR Zweyter Aufzug. Erſter Auftritt. (Dom Juan und Diego noch immer ſchlafend, Alonzo ſchleicht unter den Baͤumen her⸗ um.) 8 Alonzo. Eſie ewig lange Nacht! Die Sterne flim⸗ mern noch ſo hell und der Mond wird nicht blaͤſſer.— Alles finſter und ſtill um mich her!— Laͤrm und Geraͤuſch ſind fuͤr den Verbrecher Wohlthat, ſie dienen ſein Gewiſ⸗ ſen zu uͤbertaͤuben.— Wie ſagte neulich der Narr Diego?—„Mit dem Gewiſſen „iſts wie mit dem Magen; ſo bald Du ſein „Daſeyn fuͤhlſt, biſt Du nicht mehr geſund.“ — Der Narr ſprach Wahrheit.— Meine gute Mutter! Deine goldenen Lehren ſollten D 4 mich mich einſt in eine beſſere Welt fuͤhren, ach! nicht einmal in einen andern Welttheil haben ſie mich begleitet.— Du liegſt vielleicht in dieſem Augenblick auf Deinen Knieen und beteſt fuͤr Deinen gefallenen Sohn.— Be⸗ te! bete! er bedarf der Fuͤrbitte einer Heili— gen.— Ach! weg! weg! es kann noch al⸗ les anders werden. Auf Nacht folgt Daͤm⸗ merung— auf Daͤmmerung der erſte Strahl der Sonne.(gegen Morgen deutend) Sieh da das Bild der wieberkehrenden Freude! Schon ein Purpurſtreif in Oſten, und nur die großen Sterne noch ſichtbar.— Horch! dort in der Ferne zwitſchert auch ſchon ein Vogel. Der Augenblick iſt nahe, der mir Cora zuruͤck bringt. So lange ich ſie in meinen Armen halte, iſt das Gewiſſen taub und die Gefahr ein Scherz.— Ich will die Schlaͤfer wecken. Cer ruͤttelt Diego) Diego! erwache! es wird ſchon Tag. Diego. Lreibt ſich die Augen) He!—Ach, Ihr ſcherzt: es iſt ja noch finſter. ö Alon⸗ 0 — gega erſt die ſtaͤnd nich abge Vel Ja. Moe Mi wie kor ſie ach! aben t in und Be⸗ eili⸗ al⸗ aͤm⸗ rrahl Sieh ude! nut rch! mein mir ein taub die ego! Ach, lon⸗ ——— 4 — 2 2 8 — S — SD — 2 — 2 83 — — S 2 8 * gegangen, die Sterne verſchwin Diego.(gaͤhnend) Gebt acht!“ dann wirds 80 erſt recht finſter werden. Cere 1 aͤlzt ſich auf ge uUnver⸗ die andre Seite, murmelt noch eit ſtaͤndliche Worte und ſchlaͤt wieder ein) Alonzo. Wenn das nicht 5 afen, und nicht den Wannſt voll hat, ſo iſt das ein abgelaufene Uhr.(er ruͤttelt Dom 10— Velasquez! der Tag bricht an! Juan.(ſich ermunternd und umherſchauend) Jg. Und was weiter? Anlonzo. Willſt Du nicht des ſchoͤnen Morgens genießen? Juan. Mache Du ein Gedicht auf den Morgen, und mich laß ſchlafen. Cer will ſich wieder niederlegen) Alonzo. Haſt Du vergeſſen, daß Cora kommt? Juan. Was geht das mich an? Kommt ſie zu mir? Alon⸗ E 0¹ Alonzo. Und den Engel zu ſehn, duͤnkt Dich nicht der Muͤhe werth, die Augen ein paar Minuten fruͤher aufzuriegeln? Juan.(entſchlummernd) Ich will von ihr traͤumen. ſter verd Alonzo. Da liegen ſie und ſchlafen, mei⸗ gen 5 nem unruhigen Herzen zum Hohne. Ihr nen 8 Geiſt erholt ſich vom Nichts thun.— Ach! tert ich finde, der Menſch iſt um ſo gluͤcklicher, Du je mehr er Thieriſches an ſich hat. Gluͤckli⸗ um cher— wenn auch nicht in den Augen des 30 Weiſen; doch in ſeinen eigenen; und was als bedarfs mehr?(man hoͤrt hinter der Mauer in die Haͤnde klatſchen) Centzuͤckt) Sie kommt! red —CEs iſt falſch, was ich da plauderte. Ein Co 8 Augenblick, wo das Herz genießt, wiegt Ab 5 Stunden auf, wo nur der Koͤrper ſchwelgte! R (er eilte ihr entgegen) G ſei f ka Zwey⸗ duͤnkt gen ein von ihr , mei⸗ Ihr —Ach!l klicher, luͤck li⸗ en des d was auer in ommt! Ein wiegt velgte! zwey⸗ EE·˖·.. Zweyter Auftritt. Cora. Vorige. Cora. (in ſeine Arme hüpfend) Da bin ich, Lieb⸗ ſter!— Aber Du haſt Cora eine Freude verdorben. Ich wollte Dich in ſuͤßem Mor⸗ genſchlummer begraben finden und hinter ei⸗ nem Baume mich verſtecken, Dich mit Blaͤt⸗ tern werfen, Dich traͤge ſchelten— hoͤrſt Du? oder traͤumſt Du wachend? Den Arm um meinen Nacken geſchlungen, kann Alon— zo mit ſtierem Auge etwas anders denken, als ſeine Cora?— Alonzo. Holde Seele! thu mir nicht Un⸗ recht! In meinem Herzen herrſcht nur eine Cora, wie am Himmel nur eine Sonne.— Aber die Entdeckung dieſer Nacht— meine Ruhe! meine Ruhe iſt verloren!— Angſt, Gewiſſen, Schreckenbilder— Der Tod in ſeiner graͤßlichſten Geſtalt, mit ausgeſtreckter kalter Hand mir Cora vom Herzen reißend— Cora. 60 Cora.(ihm die Hand auf den Mund legend) Schweig, und vertraue den Goͤttern! ſieh hinguf! o mein Herz iſt voll Jubels! wie 1100 hell und blau! wie blau und hell rings um⸗ her! Bald wird die Sonne heraufſteigen. Geſchwind! geſchwind mir nach auf den Huͤt gel!(ſie klettert eilig den Huͤgel hinauf— Alonzo folgt ihr) Sieh da, noch eine Minute 5 und wir waͤren zu ſpaͤt gekommen. Siehſt Du den goldnen, flimmernden Rand?(mit — erhabnem Gefuͤhl) Blick um Dich, wie die Berge und Waͤlder aus der Daͤmmerung her⸗ F vorgehn! Blick um Dich, wie ſchoͤn und groß das iſt! Sieh, wie tauſend Thautro⸗ pfen funkeln! Hoͤre, wie tauſend Kehlen zwitſchern!— O Alonzo! mein Gott iſt groß— meine Bruſt iſt eng und voll— 4 herauf, ihr Thraͤnen in mein Auge! herauf, ihr wolluͤſtigen Thraͤnen!— O'freue Dich, 8 freue Dich Alonzo! kein Woͤlkchen truͤbt mei⸗ nes Gottes Antlitz! Er zuͤrnet nicht!—(ſie 5 kniet nieder): Vater, deſſen Dienſt ich mich weih⸗ weih nem wirf mich ſem was flan len! Dir hera brun ein (nac er a nend im kom iſt tet wer voll mir d legend) ls! wie ngs um⸗ ifſteigen. wie die ing her⸗ oͤn und Thautro⸗ Kehlen Gott iſt voll— herauf, ie Dich, uͤbt mei⸗ ch mich weih⸗ weihte! Vater, deſſen Bild ich hier an mei⸗ nem Buſen und in meinem Herzen trage! wirf Eines von Deinen tauſend Augen auf mich herab! Sey Zeuge meiner Liebe zu die⸗ ſem Juͤnglinge, ſey mein Richter!— Iſt, was ich fuͤhle ein Verbrechen, ſo laß Deine flammende Stirn ſich in Finſterniß huͤl⸗ len! oder gebeut den Wetterwolken, ſich vor Dir und ſende einen Blitz herab, den Diener Deiner Rache!(mit Inn⸗ brunſt) Gieb mir ein Zeichen, mein Vater! ein Zeichen Deines Zorns oder Deiner Liebe! (nach eii gauf mich niederhti Hril. 6 er auf mich niederblickt! Wie mild und ſeg⸗ Pauſe) O wie freundlich und warm * nend!(ſie ſteht auf) Wohlan, ich wag' es! im Angeſichte meines Gottes— Alonzo komm in meine Arme!(ſie umarmen ſich) Es iſt geſchehen! nun bin ich ruhig. Vernich⸗ tet haͤtt' er uns beyde in dieſer Umarmung, wenn ſie ſtrafbar waͤre.— O mein Herz iſt voll Dank und Freude!— Komm, kniee neben mir nieder! Laß uns anbeten und danken. 62———— Alonzd. Ich anbeten?— Liebe Cora, die Sonne iſt nicht mein Gott. Cora. O ja! ja! ſie iſt auch Dein Gott! IN ſie ſcheint uͤber uns alle! Sie giebt uns Nah⸗ rung und Licht und Waͤrme.— Ich bitte Dich, kniee nieder an meiner Seite! Alonzo,(ſich ſtraͤubend) Liebe Coral— find Cora. Undankbarer! wer gab Dir Cora? eine 20— Soll ich im Angeſichte meines Gottes fen mich Deiner ſchaͤmen?— Guter Alonzo! 5 wenn Du mich liebſt—(ſie knieet nieder Fre und zieht ihn bey der Hand nach ſich) ohr — Alonzo. Wer mag der ſuͤßen Schwaͤrme⸗ Na rin widerſtehen? Cer kniet neben ſie) cke Cora. Stiller Dank! ſtilles Opfer unſrer ler Herzen! Alonzo. Das bring' ich Dir, Gott aller 4 Goͤtter!—(beyde in ſchweigender Anbetung 15 verſunken.) ſe Cora, in Gott! us Nah⸗ ch bitte ora!— ir Cora 2 Gottes Alonzo! t nieder waͤrme⸗ er unſrer ott aller Inbetung Dritter Auftritt. Rolla tritt aus der Hoͤhle. Vorige. Bolla. Noch ſo fruͤhe? Kaum iſt es Tag gewor⸗ den. Die Sonne geht auf und unter und findet mich immer wach. Geduld! es wird eine Zeit kommen, wo ſie mich immer ſchla— fend finden wird.—(er erblickt dom Juan und Diego) Was iſt das? Zwey von den Fremdlingen, die unter uns leben? Verirrte ohne Zweifel, die hier im Gebuͤſch von der Kacht uͤberfallen worden. Ich will ſie we⸗ cken und mit Speiſe erquicken. Doch vor⸗ her mein Morgengebet zu Dir, mein Vater! —(er kehrt ſich nach Oſten und indem er Haͤn⸗ de und Augen gen Himmel hebt, erblickt er die beyden Liebenden auf dem Huͤgel! Ihm entfaͤbrt ein Austuf des Entſetzens. Er bleibt eingewur⸗ zelt, als wenn er einen Geiſt geſehen haͤtke und an den Platz gebännt waͤre, auf dem er ſteht.) (Cors 64 (Cora und Alonzo, erheben ſich laugſam im⸗ die Sonne gekehrt, und ſinken in ei⸗ ne ſtumme Umarmung) (Rolla, von Schmerz und Wuth uͤberwaͤl⸗ tigt mit erſtickter Stimme) Cora! (die Liebenden fahren ſchrecklich zuſammen, wenden ſich und blicken herab. Cora ſinkt mit einem Schrey am Abhang des Huͤ⸗ gels ohumaͤchtig nieder.) (Alonzo, einen Augenblick ſchwankend ob er herunterſtuͤrzen oder Cora zu Huͤlfe eilen 155 wird von der Liebe fuͤr das leztre beſtimmt und knieet nieder neben Cora, welche er zu erwecken ſucht). Nolla heftig zitternd, doch ohne Platz oder Stellung zu verlaſſen, blickt mit ſtarrem Auge hin nach dieſer Gruppe). Alonzo.(der die ohnmaͤchtige Cora nicht ver⸗ laſſen will, ſchreit). Velasquez! Diego! zu den Waffen! zu den Waffen! Juan und Diego.(ſchlaftrunken aufſprin⸗ gend) Was giebts? was giebts? Alonxo. ihre rat we die ———————: am im⸗ Alonzo. Haut ihn nieder! nin ei⸗ Jugn und Diego.(noch herumtaumelnd und ihre Schwerdter ziehend) Wen? wo?— berwaͤl⸗ 5 wäl Alonzo. Haut zu! ehe er Euch entwiſcht! Juan.(ſich begreiſend und auf Rolla zei⸗ mee gend) Dieſen einzelnen Mann? ra ſinkt 3 Diego.(ſein Schwerdt ſchwingend) Zwey es Huͤ⸗ uaͤber Einen? ich bin dabey. 3—— Alonzo. Nieder mit ihm! wir ſind ver⸗ ud, ob Ithen! len ſoll, rathen! — Juan.(ganz kalt) Dieſen einzelnen unbe⸗ mt und wehrten Mann?(er ſteckt ſein Schwerdt in erwecken die Scheide). atz oder Alonzd.(überlaͤßt die noch immer ohnmaͤch⸗ tige Cora ihrem Schickſal, zieht ſein Schwerdt und ſtürzt vom Huͤgel herab, auf Rolla zu, der unablaͤßig ſein ſtieres Auge auf Cora heftet). So m Auge icht ver⸗ 8 muß ich denn ſelbſt— Juan.(ihm in den Arm fallend) Halt Freund!— oder Seind wenn Du noch einen ufſprin⸗ Schritt thuſt. go! zu 4 E Alonꝛo. Alonzo. 66 5— Alonzo. Mein Gott, Velasquez, wo haſt Du Deine Sinne? wir ſind verrathen! Es gilt Cora's Leben!—(er will ſich losreißen). Juan.(ihn heftig zuruͤckſtoßend) Zaum und Gebiß fuͤr Deine Tollheit, junger Menſch! (auf Rolla zugehend) Mich duͤnkt, ich ſah Dich ſchon oͤfter. Biſt Du nvicht Rolla? Rolla.(zu ſich kommend) Ich?— wer ich bin?— Ja, ſo nennt man mich. Juan, Der Feldherr Rolls! richtig, Du biſts.(ihm die Hand reichend) Und ſo gruͤß ich in Dir einen der edelſten, der tapferſten Maͤnner dieſes Landes. Roila. Wie iſt mir? es iſt noch ſehr fruͤ— he—(ſich den Kopf haltend) Hab' ich ge⸗ traͤumt?(nach einer Pauſe wieder ſtarr auf Cora blickend) Nein bey den Goͤttern! ich habe nicht getraͤumt. Juan. Kein Traum, wenn ich gleich ein ſtrenges Urtheil in Deinem Auge leſe, wenn gleich die Wahrheit Dich ein Greuel duͤnkt. Vermuthlich erkennſt Du jenes Maͤdchen, an dem del ſch wo haſt eißen). um und Nenſch! ich ſah arr auf n! ich eich ein „wenn duͤnkt. en, an dem dem Bilde Eurer Gottheit, das ihren Buſen ſchmuͤckt. Sie iſt eine Sonnenjungfrau. Rolla. Ja— ſie heißt Cora. Juan. Und dieſer Fremdling, der Liebling s Koͤnigs, der einſt bey Cannara ihm das Leben rettete, indeſſen Du fuͤr ſeinen Thron unter den Mauern von Cuzko ſtritteſt; erkennſt Du auch ihn? Rolla.(Alonzo die Hand reichend) Er iſt Alonzo. Juan. Nun, Rolla, biſt Du der Mann, fuͤr den ich Dich halte, ſo wirſt Du anders denken und fuͤhlen, als Eure Prieſter, die nur immer in die Sonne ſtarren, und wenn ſie einmal herniederblicken, alles flimmern und flammen ſehn, daß ſie nicht wiſſen, wie ihnen iſt. Du kennſt die Welt, Du keunſt den Menſchen, wie das in ſeinem Herzen ewig auf und nieder wogt, und hundert Lei⸗ denſchaften um die Herrſchaft kaͤmpfen. Un⸗ ter allen iſt die trotzigſte die Liebe! Ihr wi⸗ derſteht nur der, den ſie nie des Kampfes E 2 wuͤr⸗ 68 wuͤrdigte.— Sieh dieſe Jungfrau— ſie Kolla. Wem ſagſt Du das? Juan. Sieh dieſen Juͤngling; er iſt feu⸗ rig. Daß er ſie fah— daß er ſie liebte, iſt ſein Verbrechen. Rolla. Iſt kein Verbrechen. Juan. So hab ich mich nicht in Rolla geirrt. Alonzo. Und Du willſt ſchweigen? willſt namenloſen Jammer von der armen Cora abwenden? Rolla. Ich Cora verrathen?— Wiſſe Juͤngling! ſchon ſind es Jahre daß ich ſie liebe! daß ich ſie vergoͤttere! Alonzo und Inan.(zugleich hoͤchſt erſtaunt) Du? Kolla. O der albernen Worte! Nicht in meiner Sprache, nicht in Eurer Sprache, nicht in den Sprachen der ganzen Welt kann ich Euch mittheilen, was ich fuͤr Cora fuͤh⸗ le Rolla 2 willſt n Corga Wiſſe rſtaunt) Nicht in 5prache, elt kann ora fuͤh⸗ le! — 69 le! Sie war noch halbes Kind, als ich zum 8 rſtenmale gegen die empoͤrten Voͤlker zog, die — — die Gefilde am Fuße des Sangai bewohnen⸗ Damals weinte ſie als wir uns trennten, und ſeit jenem—— kenne ich keine andre Freude, als den Gedanken an dieſe Thraͤnen. Ich kam 5 ach! da war alles anders geworden. Nicht mehr das liebe unbefan⸗ gene Maͤdchen, eine Vertraute der Goͤtter fand ich wieder. Ich wollte ſie zu meinem Weibe machen. Sie ſah das reine Feuer, die Innbrunſt meiner Liebe, aber ſie ſchwaͤrm⸗ te, naunte die Sonne ihren Gemahl, und blickte fchudde auf mich hernieder. Bald kam der Tag, an dem ein feyerlicher Schwur ſie auf ewig zur Prieſterin der Sonne, und mich zum Schlachtopfer des Elends machte. — Da hab ich noch ein paar Jahre mich herumgeſchleppt, habe mir da und dort den Ruhm der Tapferkeit erſiegt, weil ich den Tod ſuchte; und nun ſeit wenig Wochen iſt dieſe Höle meine Wohnung; dieſe Hoͤle, die 2 E 3 mich mich vor der Sonne verbirgt, welche mit Cora raubte. Alonzo.(der waͤhrend dieſer Erzaͤhlung der ohpmaͤchtigen Cora aufs neue aber vergebens zu Huͤlfe geeilt, geht jezt auf Rolla zu und faßt ihn bey der Hand)— Glaube mir, Du dauerſt mich von Herzen. Aber wie darf ich Dir trauen, Dit meinem Nebenbuhler? Schwoͤ⸗ re mir! Rolla. Ich Dir ſchwoͤren? und was? Alonzo. Daß der Zorn der Goͤtter uͤber Oich komme, wenn Deine Zunge zum Vey⸗ raͤther an dem Geheimniß wird, das Dir heut der Zufall entdeckt hat. Xolla. Ich ſchwoͤre nicht. Alonzo. Nicht? und Du liebſt Cora? Rolla. Eben weil ich ſie liebe. Was be⸗ darf es des Schwurs? Alonzo. Um meiner Ruhe willen! Rolla. Was geht mich Deine Ruhe an? Alonzo. Ich bitte Dich! willſt Du mich mit ewigen Quaalen foltern? willſt Du mich zum Zut gie mi ſie un ich ick )e mis ing der ens zu aßt ihn dauerſt h Dir Schwoͤ⸗ ra? zas be⸗ he an? u mich u mich zum zum Verbrecher machen? Denn ſieh, es giebt Faͤlle, wo Verbrechen Tugend wird. Rolla.(ſpoöttiſch) Wuͤrklich? Alonzo. So lange der leiſeſte Verdacht mir zuliſpelt, Du koͤnneſt Cora verrathen— ſieh, Rolla, ich ehre Dich; aber bey meinem und Deinem Gott! ich haue Dich nieder!— RBolla. Ich ſchwoͤre nicht.— Alonzo. Ich bitte Dich, Rolla! Was ſoll ich von dieſer Weigerung denken? Sieh, wie ich durch und durch erſchuͤttert bin, wie ich bebe, wie meine Adern ſchwellen, wie ich vor Angſt kaum mehr athme. Aus Barmher⸗ zigkeit ſchwoͤre mir! Kolla. Ich ſchwoͤre nicht— Alonzo.(wüthend ſein Schwerdt ziehend und auf Rolla eindringend) Nun ſo ſtirb dann! Juan.(ihm in die Arme fallend) Schon wieder die Vernunft aus dem Gleiſe? Zuk ruͤck! zuruͤck! biſt Du ein Ritter? E 4 Alonzo, Alonzo. Laß mich, oder ich durchbore rat auch Dich!(er kaͤmpft ſich loszureißen— Rollg tre ſteht ruhig auf ſeinem Platze). ha Juan. Der Wuͤthende wird mir zu maͤch⸗ ſie tig—(er hat inzwiſchen einen Augenblick Zeit gefunden, ſein Schwerdt von der Seite zu reif⸗ ſen, welches er Rolla hinwirft) Rolla! nimm! ich halt' ihn nicht laͤnger! vertheidige Dich S 5 ſelbſt. Rolla. Laß ihn! Ich ſterbe gern fuͤr Cora. A Cora.(iſt waͤhrend dieſes Tumults erwacht, 8 ihr erſter Blick faͤllt auf die Kaͤmpfenden und geigt ihr die Gefahr. Sie raft mit wilder Angſt ic 5 ſich auf— eilt herab und ſtuͤrzt ſich gerade in 6 5 Rolla's Arme). Alonzo! was willſt Du ſc thun!— 8 h Alonzo,(laͤßt ſein Schwerdt finken) Wie! i0 Du ſelbſt, Du ſelbſt?— um Deinetwil⸗ 8 len— Wenn er Dich verraͤth biſt Du ver⸗ e 5 loren!— — Cors.(mit unſchuldigem Zutrauen) Er mich 1 verrathen? Rolla, mein Freund, mich ver⸗ 8 3 rathen! rchbore —Rolla 1maͤch⸗ lick Zeit zu reif⸗ nimm! e Dich r Cora,. erwacht, en und r Angſt rade in ſt Du Wie! netwil⸗ u ver⸗ Fr mich h ver⸗ athen! rathen! Er mein Vertheidiger, mein Ver⸗ treter, da ich noch Kind war!— Wie oft hat er, wenn meine Mutter auf mich zuͤrnte, ſie beſaͤnftigt!— Weißt Du noch, Rolla?— Rolla.(ſehr bewegt) O ja! Cora. Und er, er mich verrathen? Alonzo. Aber warum verſagt er mir den Schwur, den ich fodre? Cora. Wozu ein Schwur 2 Sieh in ſein Auge, da ſtehts geſchrieben, daß er unſer Freundzzi. olla.(drüuͤckt ſie an ſein Herz) Jetzt möcht' ich ſterben!— O in dieſem Augenblicke, ihr Goͤtter laßt mich ſterben! er iſt ſo gluͤcklich! ſo ſelig! Cora hat Zutrauen zu mir.— Ich halte Dich in meinen Armen, ich rede zu Dir, ich hoͤre Deine liebe Stimme wieder, Fuͤnf Jahre ſind es nun ſeit ich Dich nur von fern erblickte. Cora.(mit Herzlichkeit) Gewiß, ich freue mich auch, Dir wieder ſo nahe zu ſeyn; alle die frohen Tage meiner Jugend flattern in E 5 Dei⸗ 2— 7³ Deiner Gegenwart wieder vor mir vors viſt uͤber— ach! in ſo lieblichen Bildern!—„Wi Alonzo,(auf ſein Schwerdt geſtüzt mit einer war eiferſuͤchtigen Bewegung) Cora! Du beunru⸗ heil higſt mich. Er Cora. Wodurch? o Du weißt nicht, wie mei 9 gut ich dieſem Manne bin. Er liebte mich nac 8 ſchon als Juͤngling. Wir waren fuͤr einan⸗ ver * der beſtimmt. Nicht wahr, Rolla? Kolla.(ſehr bewegt und verwirrt) Ja, ja lich — wir waren— denn Deine rechtſchaffne Mutter— ach! waͤre ſie nicht ſo fruͤh ge⸗ Ve * ſtorben— wer weiß— Ju Cora. Und ſieh, Alonzo, damals hab ich M ſeiner oft geſpottet, weil ich noch nicht wuß⸗ mi te, was lieben heißt. Vergieb mir das, gu⸗ get ‚ ter Rolla! Jezt weiß ichs beſſer. Gewiß tet 0 hab' ich Dich oft bitter gekraͤnkt! fuͤ —5 Rolla. Vitter! bitter! aber es ſey versn de geſſen! denn dieſer Augenblick iſt ſo ſelig! au 4 Cora.(zu Alonzo) Hoͤre, wie gut er iſt! ſat O meine Mutter ſagte mir's immer:„Rolla⸗ zu viſt vors it einer eunru⸗ t, wie mich einan⸗ Ja, ja haffne üh ge⸗ hab ich wuß⸗ „gu⸗ Gewiß y ver⸗ 4 er iſt! „Rolla. viſt „iſt gut; liebe ihn, werde ſein Weib und ich „will ruhig ſterben.“— Aber als ſie ſtarb, war Rolla in den Krieg gezogen, und ein heiligers Feuer loderte in meinem Herzen auf, Er kam zuruͤck, ich konnte ihn nitht liebem mein Herz gehoͤrte den Gdttern, ich ſeufzte nach dem Tage, an welchem ich der Sonne vermaͤhlt wurde. Xolla. Und dieſe Schwaͤrmerey wich end⸗ lich der Natur? Du liebſt? Cora. Ich liebe! Ja Rolla, ſey Du mein Vertrauter!— Ich liebe dieſen ſchoͤnen Juͤngling! Im Tempel ſah ich ihn zum erſten Male an des Koͤnigs Seite, und faſt waͤre mir die Opferſchaale aus der zitternden Hand gefallen. Sein gluͤhender, auf mich gehef⸗ teter Blick, verrieth mir bald, was auch er fuͤr mich fuͤhlte. Doch ich, verſchloſſen in dem Bezirk des Sonnentempels, und er, von außen um die Mauer ſchleichend; wir ent⸗ ſagten beyde hoffnungslos dem Gluͤck uns je zu umarmen. Das ſahen die Goͤtter und hat⸗ 76— hatten Mitleiden mit uns. Erinnerſt Du Dich jenes fuͤrchterlichen Tages, als vor Wa wenig Monden die Gebuͤrge umher Feuer ſpieen, und das Meer kochte, und die Erde Wer N bebte? Maucher Pallaſt wurde zum Schutt⸗ ſag haufen, ſelbſt das heilige Gebaͤude des Son⸗ nentempels borſt an zwey Stellen, die Ring⸗ ber mauer drohte den Einſturz. Wir armen, wimmernden Geſchoͤpfe rannten hin und wie⸗ bef 4 der, eine gegen die andre: Tod war in un⸗ in 5 ſern Zellen; Tod unter freyem Himmel. Wir unt miſchten unſer Gekreiſch in das Heulen der flie * empoͤrten Natur. Da erlauſchte der kuͤhne Alonzo hier im dickſten Gebuͤſch einen Riß in der Mauer, wagte ſich hinauf, ein Stein um den andern ſchoß unter ſeinen Fuͤßen her⸗ We ab, hier oͤfnet ſich die Erde, und dort mein hie 5 Arm, ihn zuenpfangen. Der Schleier unſrer Liebe war die Finſterniß, wir blieben unbe⸗ bit merkt. Und ſeit jenem Abend hat mein Alon⸗ 9 8 zo dfter den Weg uͤber dieſe Truͤmmer ge⸗ — funden; S Rolla. Feuer ie Erde Schutt⸗ 's Son⸗ e Ring⸗ armen, ud wie⸗ rein un⸗ l. Wir ulen der rkuͤhne ten Riß in Stein ßen her⸗ ort mein r unſrer n unbe⸗ in Alon⸗ mer ge⸗ Rolla. ——— A + Kolla. Ich zittre Cora! welch ein kuͤhnes Wageſcuͤck! Alonzo. Sag ihm alles! die Folgen Dei⸗ ner Schwachheit— meines Verbrechens— ſag ihm—— ora.(ſehr unſchuldig zu Rolla) Ja, lie⸗ 85 ber Rolla— Rolla.(mit Entſetzen) Was? was? Un⸗ beſonnene!(zu Alonzo) Und Du Fremdling in unſern Sitten und Gebraͤnchen, war Dirs unbekannt, daß— o ihr Goͤtter! Ihr muͤßt fliehen! Ihr muͤßt fliehen! Juan. Aber wohin? Alonzo. Ach Rolla, rette ſie! Cora.(erſchrocken) So iſts denn doch wahr 2 Die Goͤtter da oben zuͤrnen nicht, und hienieden iſts ein Verbrechen? Rolla. Wie mich das erſchuͤttert hat! Ich bin meiner Beſinnung noch nicht maͤchtig.— Hoͤre Cora, liebſt Du ihn 2 Corg. Wie meine Seele.⸗ 4 + Rollg. 0——— 78 ö Rolla. Wuͤrllich? Fuͤhlſt Du, daß in einen Armen Dich keine Reue nagen wird? Willſt Du als ſein Weib Dein Leben en⸗ Cora. Ich will. Rolla.(zu Alonzo) Und Du— fuͤhlſt Du den Werth des Opfers, das ſie Dir bringt? Alonzo. Ich fuͤhl' ihn. 2 Kolla, Nun wohlan! Ich will Euch ret⸗ ten!—(er tritt zwiſchen ſie) Kommt her! nehmt mich zu Eurem Bruder an! Cora, mei⸗ ne liebe Schweſter!(er legt ihre Hand in Aloͤn⸗ zo's Hand) Ich vermaͤhle Dich mit dieſem Manne. Der Schatten Deiner Mutter um⸗ ſchweb' uns in dieſem Augenblicke! ihr Se⸗ gen folge Dir! biſt Du gluͤcklich, ſo bin ich 8 es.(er wendet ſich und wiſcht ſich eine Thraͤne 0 aus dem Ange). Alonßo und Cors.(an ihm haͤngend) Un⸗ ſer Bruder! Rolla.(ſie beyde in ſeine Arme ſchließend) Euer Bruder! ich will mit Euch ziehen. Ich habe hab ſeit. iſt( Unt er Kri ſchr hoff 98 ohn jene nich ſoll⸗ neh Eut gen wei bruͤ hin⸗ dor daß in en wird? zeben en⸗ fuͤhlſt Du r bringt? Euch ret⸗ mit her! ora, mei⸗ id in Aloͤn⸗ lit dieſem utter um⸗ ihr Se— ſo bin ich C ne Thraͤne gend) Un⸗ ſchließend) ſen. Ich habe 8— 79 habe da in einer wuͤſten Gegend, noch jen⸗ ſeits der blauen Gebuͤrge, einen Freund, er iſt Cazique uͤber ein ſanftes, gutes Voͤlkchen, Unterthan des Beherrſchers von Cuzko, dem er mit ſeinen ſtreitbaren Maͤnnern im lezten Kriege folgte. Damals nahm ich ſeinen ſchwer verwundeten Sohn gefangen, einen hoffnungsvollen Juͤngling. Unter meiner Pflege ward er geheilt, und ich ſandt' ihn ohne Loͤſegeld dem Vater zuruͤck,— Seit jenem Augenblicke wiſſen die guten Menſchen nicht, wie ſie mir ihre Dankbarkeit bezeugen ſollen. Mit Entzuͤcken wird man uns auf⸗ nehmen und in ihren fernen Waͤldern findet Eure Liebe eine ſichere Freyſtatt. Dort will ich unter Euch wohnen, Eure Kinder pfle⸗ gen und erziehen, froh und gluͤcklich ſeyn, weil Cora gluͤcklich iſt, und einſt von Euch, bruͤderlich und ſchweſterlich beweint, heiter hinauf zu unſerm Vater gehen. Cora. Mein guter Rolla! wie wird Dir dort meine Mutter danken! Alonʒo. —rrörör— 8⁵ Alomo. Kaum wag' ichs, edler, großer Mann! Dir ins Auge zu ſehen. Juan.(halb fuͤr ſich, indem er eine Thraͤne verbergen will) Bey allen Heiligen! iſt der kein Chriſt, ſo bin auch ich ein Heide. 3¹ Kolla. Jezt laßt uns unſre Sinne zuſam⸗ men nehmen. Die Flucht iſt beſchloſſen, aber wie? und wann? Da bleibt noch ſo 2 manches zu uͤberlegen. hal 7 Diego.(der waͤhrend dieſer ganzen Scene Go meiſtens im Hintergrunde gelauert hat, ob auch ſen alles ſicher ſey, koͤmmt aͤngſtlich hervor). Ich Wie 3 höre raſcheln, ich hdrelhinter der Mauer ein zie paar weibliche Stimmen ziſcheln. Rolla. Fort, fort in meine Hoͤle!(indem ein ſie gehn wollen ſind Idali und Amazili ſchon tra durch den Riß in der Mauer gekrochen und lau⸗ Sc ſchen neugierig) — großer Vierter Auftritt. Idali. Amazili. Vorige, Thraͤne iſt der Alonzo. 5 Zu ſpaͤt! da ſind ſie ſchon. zuſam⸗ Idali.(ruft) Cora! wir ſuchen Dich! hloſſen, Corg. Ich komme! 4 uoch ſo Rolla. Halt! noch einen Augenblick! ſie haben uns geſehn und gehoͤrt, laßt um aller n Scene Goͤtter willen ſie ſo nicht laufen! Wir muͤſ⸗ ob auch ſen ihre ſcheue Baugigkeit in den Schlummer 5 ). Ich wiegen, wir muͤſſen fie auf unſere Seite 5 auer ein ziehen. Juan. Das waͤr' ein Meiſterſtuͤck fuͤr (indem einen Staatsminiſter. Fuͤhrt ers aus, ſo li ſchon traue ich ihm zu, daß er Provinzen ohne und lau⸗ Schwerdtſtreich erobert. 8 4 Xolla. Nichts leichter. Schmeichelt ih⸗ nen; ſie ſind Weiber. Juan. Wollt Ihr nicht naͤher kommen, ſchoͤne Kinder? Idali. E Vier⸗ ——— Idali.(zu Amazili) Ich glaube, er meine uns. Amaz. Sieh nur, wie er uns anſtarrt. Laß uns fliehen! Idali. Cora komm! uns ſchickt die Ober⸗ prieſterin Dich zu ſuchen.— Alonzo.(bittend) Tretet naͤher fromme Jungfrauen! Inan. Laßt uns Euren Reizen huldigen. Idali.(in Amazili) Sollen wir weglau⸗ ſen? Amaz. Ja, laß uns fliehen!(ſis gehn beyde nicht von der Stelle). Cora. Ich gehe gleich mit Euch. War⸗ um verſteckt Ihr Euch ſo ſcheu dort hinter die Baͤume? Hieher liebe Schweſtern! Idali. Ey nicht doch. Du ſtehſt ja mit⸗ ten unter Maͤnnern. Juan. Wir waͤren Maͤnner? wofuͤr haͤltſt Du uns ſchoͤnes Maͤdchen? Wir drey ſind Spanier. Der eine dort thut uns wohl den Gefallen, und geht, wenn Ihr Euch vor ſeiner ſeit Wi kuͤe im let fol he meine nſtarrt. 'e Ober⸗ fromme ldigen. weglau⸗ ſis gehn War⸗ nter die ja mit⸗ uͤr haͤltft rey ſind vohl den uch vor ſeiner S——, /Qr‚— 83 feiner Gegenwart ſcheuet. Cer giebt Rolla einen Wink). Kolla. Von Herzen gern. Ler ziebt ſich zu⸗ ruͤck in den Eingang ſeiner Hoͤle). Juan. Nun Ihr lieblichen Maͤdchen, noch immer furchtſam? Amaz.(zu Idali) Was meynſt Du? ſol⸗ len wir naͤher gehen? Idali. Thu Du den erſten Schritt, ich folge Dir. Amaz. Nein, Du biſt aͤlter, als ich. Idali. Aber Du biſt zuerſt durch die Mauer gekrochen. Amaʒ. Aber Du haſt den Riß in der Mauer zuerſt geſehn. Juan. Der Streit iſt bald entſchieden.(er laͤuft zwiſchen ſie und ziebt ſie beyde nach ſich) —Nun koͤnnt Ihr ſchwoͤren, daß keine von beyden den erſten Schriet that. Amaz.(cganz erſchrocken) Ach Idali! er hat mich angefaßt. Idali. Mich auch. F 2 Juan. Itian. Ruhig, ruhig, ihr allerliebſten Kinder, Euch ſoll kein Leid geſchehen.(Idali unters Kinn faſſend) Du bluͤheſt wie eine Ro⸗ ſe—(ſich zu Amazili wendend) und Du— wie— wie—(er iſt um ein Gleichniß ver⸗ legen). Diego.(mit vieler Galauterie) Wie eine Sonnenblume. Juan.(zu Idali) Deine Augen ſind ſo ſanft und blau. Diego.(in Amazilt) Deine Blicke ſind fo ſchalkhaft. Juan. Das Laͤcheln Deines Mundes iſt ſo ſuͤß. Diego. Deine Purpurlippen ſind ſo an⸗ lockend. Juan.(Idali bey der Hand faſſend) Und dieſe Hand, wie warm und weich! Diego.(Amazili um den Leib faſſend) Und dieſer Wuchs, ach wie ſchlank! Amaz,(Eiu Idali)) Sollen wir wez⸗ laufen? Idali. wen nich wer mel Si ſeir Me cke Oe liebſten (Idali ine Ro⸗ Du— niß ver⸗ Zie eine ſo an⸗ d) Und d) Und weg⸗ Idali. Idali. Ich denke, wir bleiben noch ein wenig. Amaz. Aber iſt es auch gewiß, daß Ihr nicht Maͤnner ſeyd. Wir muͤſſen ſterben, wenn Ihr uns hintergeht. Juan. Seyd unbeſorgt. In unſern Ar⸗ men wohnt die Freude. Diego. In unſerm Herzen die Liebe. Idali.(mit Dom Juan's Haar ſpielend) Sieh, ſein lockiges Haar. Amaz.(Diego die Backen ſtreichelnd) Und ſeine friſche Wange. Juan und Diego.(seben ein jeder ſeinem Maͤdchen einen Kuß). Idali und Amazili.(uu gleicher Zeit erſchro⸗ cken auffahrend) Ach was war das?— Idali. Ctief Athemholend) Ach ich kann kaum zu Athem kommen. Amaz.(eben ſo) Mir drang es bis in die Fingerſpitzen. Cora. Schweſtern kommt! man wird uns vermiſſen. 8§3 Idali. 86 33 4 Idali. Und die Oberprieſterin wird ſchelten. Amaz. Und wir ſollen uns zu dem heuti⸗ rer 4 gen Feſte ſchmuͤckeñ. ten 1 Idali. Und niemand iſt im Tempel; die N 11— 1 A 8 1 heilige Flamme wird verloͤſchen. ni Diego. Laßt ſie immer verloͤſchen.— Ihr da koͤnnt ſie an Euren ſchoͤnen Augen wieder an⸗ bi zuͤnden. N Cora. Sage mir Idali, was trug Euch 1 4 die Oberprieſterin auf? 47 Idali. Ey wir kamen dieſen Morgen in li 7*2 den Tempel herunter, um Dich abzuloſen, und da fanden wir Dich nicht, und da gien⸗ gen wir zur Oberprieſterin, ihr das zu mel⸗ den, und da ſagte ſie, wir ſollten Dich im Garten ſuchen. Cora. Weiter nichts? 8 Amaz. Und wenn wir Dich gefunden, ſoll⸗ ten wir Dich zu ihr bringen. Juan. Wenn ſie Euch nun fragt? wo Ihr Cora getroffen? was denkt Ihr zu aut⸗ worten? Idali. helten. heuti⸗ z die der an⸗ 9 Euch rgen in zulöſen, a gien⸗ zu mel⸗ dich im en, ſoll⸗ wo Ihr zu aut⸗ Idali. Idali. Wir werden ihr erzaͤhlen von Eu⸗ ten weichen Locken und Euren ſuͤßen Wor⸗ ten— Juan. Ums Himmelswillen! thut das yt! ſchoͤne Kinder! Sie moͤchte zuͤrnen, daß Ihr ſo lange weggeblieben und Euch ver⸗ bieten uns wieder zu ſehn.(üihr liebkoſend) nic Wollt Ihr nicht gein zuweilen ein wenig mit uns plaudern?— Diego. Czu Amazili eben ſo) Ich habe Dich lieb gewonnen, Du kleine Schalkhafte! Willſt Du nicht wiederkommen? Amaz.(iu Idali) Was meynſt Du Idali? Idali. Wir wollen ſehn. Juan. Sprecht lieber, Cora habe in einem Winkel des Tempels geſchlafen, und in der erſten Morgendaͤmmerung habe der Schatten eines Pfeilers ſie Euren Blicken entzogen. Diego. Oder der Schatten einer Palme im Vorhof des Tempels. Amaz. O ſchoͤn! Idali. Ein guter Einfall! F 4 Cora. Cors. So laßt uns eilen! Idali.(zu Amatili) komm fort! Amaz. Komm!(beyde gehen nicht von der Stelle). Juan. Geh, ſuͤßes Maͤdchen! H Diego. Geh, geh, kleine Loſe! Idali.(zaudernd) Ich gehe ſchon— aber kannſt Du nicht machen— daß mir noch einmal ſo wunderlich———. wird, wie f vorhin? gef 5 Amaß.(zu Diego) Verſuch es doch, ob ler ich wieder ſo erſchrecke? (Juan und Diego kuͤſſen ſie) Wẽ᷑ Idali und Amaz,(ſchreien) Ach!(mit ſer einem tiefen Seufzer) Nun lebt wohl! lebk wohl!(ſie trippeln fort). un Cora.(Alomo umarmend) Lebe wohl, Ge⸗ 5 liebter! m Alonzo, Bald mein Weib! be (ſie trennen fich). ei w — ni Fuͤnf⸗ von der aber noch „ wie h, ob (mit lebk „Ge⸗ ——————— 8 — Fuͤnfter Auftritt. Alonzo. D. Juan. Diego. Volla. Volla(hervortretend). Habt Ihr ſie kirre gemacht? Diego. Um einen Finger zu wickeln. Inan. Rolla kennt ihr Geſchlecht. Rolla. Vom Horenſagen. Diego. Das Abentheuer faͤngt an mir zu gefallen. Das kleine Geſchoͤpfchen war al⸗ lerliebſt. Juan. Doch ſcheint die donnerſchwangre Wolke immer tiefer und drohender uͤber un⸗ ſern Haͤuptern zu ſchweben. Alonzo.(Rolla bey der Hand faſſend) Du unſer Bruder, eile, eile uns zu retten. Kolla. Seyd ruhig! wir wollen das ge⸗ meinſchaftlich uͤberlegen. O in meine Ge⸗ beine iſt neue Lebenskraft gegoſſen! Ich bin ein anderer Menſch geworden! ich wuͤrke wieder! haͤnge wieder an der Welt! mir iſt nicht mehr alles gleich! ich begehre und ver⸗ F 5 werfe ——— 8 werfe wieder!— Dank Dir, Cora!, fuͤr den milden Regen, der die duͤrre Pflanze er⸗ quickte.(voll edler Hitze). Ja wir wollen flieben! Gefaͤhrlich iſt die Flucht, aber deſio beſſer! Wenn die Verfolgenden uns auf den Ferſen ſitzen, und ihr Geſchrey in unſre Oh⸗ ren toͤnt, und die Pfeile um uns ſchwir⸗ ren— ha! das wird ein Leben ſeyn!(im⸗ mer ſeuriger) Fuͤr Cora fechten! das Schwerdt fuͤr Cora ſchwingen!— dann ſollt Ihr ſehen, was Rolla vermag! Ihr nanntet mich tapfer unter den Mauern von Cuzko? auf den Gefilden von Tumibamba?— Poſſen! ich habe noch nie fuͤr Cora geſtritten! fuͤr ſie und unter ihren Augen— Ha! ich werde ein Gott ſeyn! Alonzo.(an ſeinem Halſe) Großer Maun! o ſieh mir freundlich ins Auge! daß ich ge⸗ wiß ſey, Du habeſt dem tollen Juͤngling verziehen. Xolla. Nein, Alonzo, ſchreib nicht mehr auf meiner Rechnung mir zu gute, als dar⸗ auf au ga⸗ Co ler ich ho bi he ˖ 2 1.fuͤr nze er⸗ wollen r deſto uf den re Oh⸗ ſchwir⸗ (im⸗ hwerdt t Ihr et mich 2 auf poſſen! fuͤr ſie werde Mann! ich ge⸗ ingling t mehr ls dar⸗ auf auf gohoͤrt. Alles fuͤr Cora! nichts fuͤr Dich! gar nichts fuͤr Dich!— Aber ſieh, wenn Cora eine verwelkte Blume ins Waſſer fal⸗ len ließe, und ſpraͤche:„die Blume moöcht ich wieder haben,“ ſo ſpraͤng' ich nach und holte ſie ihr mit Gefahr meines Lebens. Alſo bin ich vor der Hand Dein Freund, und alſo hab ich Dir verziehen. Alonzo. Laß mir dann mindeſtens die Hofnung, Du werdeſt einſt um meinetwillen mich Deiner Freundſchaft werth finden. Rolla. Dich liebt Cora! was brauchſt Du mehr?— O wenn mich Cora liebte! Göt⸗ ter muͤßten meine Freundſchaft ſuchen.— Doch da plaudern wir und plaudern und ſollten bandeln. Kommt herein, in meine Hoͤle, dort ſind wir vor jedem Horcher ſicher. —— Laßt uns das wie und wo und wann beſtimmen, und dann eins mit einan⸗ der zechen, denn heute will ich trinken, mich berauſchen,— o ich bin ſchon trunken! Freudetrunken! von der Scheitel bis zur Fuß⸗ —————— 92—r—— Fußzeh wirbelts auf und nieder! alle meine Kraͤfte ſind geſpannt wie ein ſtarker Bogen! Heute wollt' ich die Welt regieren!—(er ergreift Alonzo bey der Hand und geht mit ihm in die Hoͤle). Jugn.(indem er ihnen folgt) Wohl dem Koͤnige von Quito daß dieſer Mann verliebt iſt. Lieben oder ihn vom Throne ſtuͤrzen iſt die Beſtimmung dieſes Helden.(ab). Diego. Trinken?— uns berauſchen?— ich bin dabey. Wir wollen ſehen, wer ſei⸗ nem Maͤdchen zu Ehren die Becher am fleißig⸗ ſten leert.(ab). Ende des zweyten Aets. meine Bogen! —(er dit ihm hl dem verliebt ſtuͤrzen ). ſen? ver ſei⸗ fleißig⸗ Drit⸗ Dritter Aufzug. Erſter Auftritt. Zimmer der Oberprieſterin in dem ſogenannten Hauſe der Sterne. Verſchiedene Kaͤfigte mit Turteltauben, Papageyen, und andern zah⸗ men Voͤgeln, haͤngen oder ſtehen an den Waͤn⸗ den. Die Oberprieſterin iſt ſehr beſchaͤftigt, dieſe Thiere nach der Reihe zu fuͤttern. D. haſt du, kleine Bibi, nimm! nimm! nimm! du Schalk haſt alles aufgefreſſen.—— Die Maͤdchen bleiben lange. Das ſteht ge⸗ wiß einmal wieder in einem Winkel beyſam⸗ men und plappert, und weiß ſelbſt nicht was.— Ja, ja, Lulu! warte, warte, du wirſt auch bekommen. Da, da,— Moͤch⸗ te man nicht ungeduldig werden uͤber die fau⸗ len 94 len Geſchoͤpfe! der Himmel weiß, wo ſie nun herumwatſcheln moͤgen. Dumm ſind ſie wie die Auſtern, und langſam wie die Schildkroͤ⸗ ten.— Komm her kleiner Dudu, komm her! komm her!(ſie ſchnalzt und klatſcht mit dem Munde) Da nimm und gieb deinem Weibchen auch etwas davon.(die Hand ſchuell zuruͤckziehend) Ach, du Schelm! kannſt du auch beißen?— Nein, das iſt zu arg. Sie Sonne iſt ſchon hinter dem Berge her⸗ auf.— Die heilloſen Dirnen verlaſſen ſich auf mein ſanftes, gutes Herz.— Nicht wahr, Bibi? ich ſehe ihnen zu viel durch die Finger.— Nicht wahr, Lulu?— Einſper⸗ ren und hungern laſſen, das macht zahm und geſchmeidig. Nicht wahr, Dudu?— B wi ſie nun ſie wie hildkröͤ⸗ komm ſcht mit deinem Hand kannſt zu arg. ge her⸗ en ſich Nicht irch die inſper⸗ m und Zweyter Auftritt— Idali und Amazili.(balb athemlos herejn⸗ ſtuͤneend, deyde zugleich) Die Gberprie⸗ ſterin. Idali und Amazili. Da ſind wir ſchon!— Gberpr. Gemach, gemach Jungfern!— Biſt du erſchrocken arme Bibi?— Alſo wirklich, ſeyd Ihr ſchon da. Idali. Ja wir find recht gelaufen. Gberpr. Wo kommt ihr denn her? Idali. Aus dem Garten) Amaz. Aus dem Tempel 6 Gberpr. Eine von Euch beyden luͤgt. Idali und Amaz.(zugleich erſchrocken) Ich habe gelogen. Gberpr. Ey, ey! eine von Euch beyden hat ſchon wieder gelogen. Was ſteckt mir denn dahinter? Idali, ſtell Du Dich da in die Ecke. So— Amazili, komm her,(ſie fuͤhrt ſie auf die andre Seite der Buͤhne: beim⸗ lich) ——— lich) Sage mir aufrichtig, kommt ihr wirk⸗ 0 lich aus dem Tempel? der Amaz. Ja. Bod Gberpr. Nun bleib hier ſtehn.(ſie geht zu fund ̃ Idali) Ich kanns noch nicht glauben. Ama⸗ zili behauptet ſteif und feſt, ihr kaͤmt aus dem Garten. Du wirſt mir die Wahrheit ſagen. Idali. Ja wir kommen aus dem Garten. Ten 0 Hberpr. Ey, ey! ihr ſcheint mir beyde war A ein paar große Spitzbuͤbinnen.— Ich muß zwa 5 doch horchen, wo das hinaus will.— ſie; Bleibt mir fein in Euren Winkeln.— Was ſoll das Zuwinken mit den Augen bedeuten? her wozu das Kopfſchuͤtteln und Kopfnicken?— nen Verdreht die Haͤlſe nicht! Seht vor Euch Du nieder auf die Erde. So.(ſie geht zu Ama⸗ des zili) Habt ihr Cora gefunden? und 255 Amaz. Ja. Sc Gberpr. Wo traft ihr ſie an? — Amaz. Im Schatten der dicken Palme, legt die vor der Pforte des Tempels ſteht; da war ſie eingeſchlafen, hal Gberpr, wirk⸗ eht zu Ama⸗ dem gen. arten. beyde muß 0 8 Was uten? 2— Euch Ama⸗ alme, war erpr, —— 97 Gberpr. So. Nun ruͤhre Dich nicht von der Stelle, und nagle Dein Auge an den Boden.(ſie geht zu Idali) Habt ihr Cora ge⸗ funden? Idali. Ja. Gberpr. Wo traft ihr ſie an? Idali. Im Schatten einer Saͤule des Tempels, da hatte ſie ſich hingekauert und war entſchlummert. Wir waren wohl ſchon zwanzigmal an ihr voruͤber gelaufen, ohne ſie zu ſehen. Gberpr. Ey, ey!— Kommt beyde hie⸗ her!(ſie faßt ſie bey den Haͤnden und ſiebt ih⸗ nen wechſelsweiſe ſtarr ins Geſicht) Ihr luͤgt. Du ſagſt, ſie habe geſchlummert im Innern des Tempels, im Schatten einer Saͤule; und Du: vor den Pforten des Tempels im Schatten einer Palme. Idali und Amaz.(ſehr erſchrocken und ver⸗ legen, huften und raͤuſpern ſich) Gberpr. He?— Werd ich Antwort er⸗ halten? Idali.(iu Amazili) Einfaͤltigs Ding! Du haſt auch alles vergeſſen. be v „ Amaz. Nein Du! 5 ſen Idali. Nein Du! Amaz. Ich weiß recht gut, daß meiner fagte: im Schatten einer Palme, ſollt ich 8 ſprechen. Idali. Du luͤgſt. Meiner gab den gu⸗ 8 ten Rath: im Schatten einer Saͤule. Sp Gberpr. Deiner und Deiner? was will nle das ſagen? W. (Idali und Amaz, ſtocken.) Gberpr. Wollt ihr nicht im Guten beken⸗ nen; ſo hab ich Mittel Euch die Zungen zu Ler löͤſen. brä Idali.(zu Amazili) Da haben wirs! das iſt Deine Schuld. ſch 8 Amaz. Nein, Deine. Bli Idali. Seht doch! ich haͤtte ſeiner gewiß 4 nicht zuerſt erwaͤhnt. ſte. ö Gberpr. Seiner?— Weſſen? weſſen? ihr gottloſen Kinder!— Moͤgen uns die ge Goͤtter Ding! meiner llt ich en gu⸗ will beken⸗ zen zu das gewiß eſſen? s die Joͤtter Goͤtter vor allem Greuel bewahren! Ich glau⸗ be wahrhaftig ihr ſeyd unter Maͤnnern gewe⸗ ſen! Idali und Amaz,(izugleich) O nein! ⸗ nein!— Idali. Maͤnner waren es nicht. Amaz. Nur Spanier. Gberpr.(außer ſich) Spanier? was 2 Spanier?(uyloͤtzich ſebr gelaſſen) Alſo Spa⸗ nier nur? Nun, das mag noch hingehn. Waren ihrer viele? Amaz.(ſehr vergnuͤgt und geſchwaͤtzig) Drei — einer fuͤr Cera, einer fuͤr Idali und ei⸗ ner fuͤr wich. Der meinige hatte ſchoͤnes braͤunliches Haar und eben ſolche Augen. Idali. Der Meinige hatte ſo lockigtes ſchwarzes Haar und einen ſo freundlichen Blick. Amaz. Der Meinige war doch der ſchön⸗ ſte. Idali. Das iſt nicht wahr. Der Meini⸗ ge war ſchoͤnet. G 2 Gberpr. τ — 100„„R Gberpr. Ruhig! ruhig, Kinder! wir wollen das auf ein andres Mal entſcheiden. Jezt ſagt mir, durch welche Zauberey ſind die Spanier bis in den Tempel gedrungen? Idsli. Im Tempel waren ſie nicht. Gberpr. So waren ſie uͤber die hohen Mauern des Gartens hinuͤber geflogen? Idali. Im Garten waren ſie auch nicht. Amaz.(vorlaut) Aber ſie haͤtten wohl im Garten ſeyn koͤnnen, ſo gut als wir außer⸗ halb des Gartens waren. Gberpr. Ihr außerhalb des Gartens? Ey, ey! laßt doch hoͤren! wie fingt ihr das an? Idali. Wir gingen und ſuchten Cora, wie Ihr uns befohlen, und rannten hin und her, und riefen ihren Namen; aber immer verge— bens. Als wir nun ſo lauſchten und horch⸗ ten, und die Ohren jedem kleinen Geraͤuſch entgegen hielten, da kam es uns ploͤtzlich vor, als hoͤrten wir jenſeits der Mauer aller⸗ ley Stimmen. Es war nicht weit von da, wo wo im le, ver un ρ⏑ 181 wo die Laube ſteht, und der kleine Bach ſich wir heiden. im Geböuͤſch verliert. Wir folgten dem Schal⸗ Y ſind le, wit krochen gebuͤckt und leiſe durch das en? verwachſene Geſtraͤuch, die Zweige ſchlugen t. um Naſ' und Ohren; ploͤtzlich ſtanden wir hohen vor einem großen, großen Riß in der Mau⸗ 2 er, eine Spalte von oben bis unten ſo breit hnicht. und bequem, daß Amazili und ich nur uͤber bohl im die paar Steine huͤpfen durften, um drau⸗ 5 außer⸗ ßen zu ſeyn. Gberpr. Ey, ey! und da huͤpftet ihr 5 artens? denn auch druͤber? ihr das Amaz. Wir mußten ja wohl, wenn wir Cora finden wollten. a, wie Gberpr. Ja freylich. Und da fandet ihr ind her, Cora? Idali. Mitten unter den dreyen Spaniern. Wir glaubten anfangs es waͤren Maͤnner und Als wir ſie aber ein we⸗ verge⸗ horch⸗ wollten weglaufen. zeraͤuſch plöͤtzlich nig naͤher betrachteten und hoͤrten daß ſie nur ließen wir uns uͤberre⸗ Spanier waͤren, ſo mit ihnen zu ſchwatzen und zu taͤndeln. wo G 3 Amsz. er aller⸗ don da, den, 182 Amaz. Wir mußten auch verſprechen wie⸗ der zu kommen. Gberpr. So? Und verſpracht Ihr das wirklich? Idali. So halb und halb. Gberpr. Nun Ihr werdet doch Wort halten? Amaz. Was meinſt Du, Idali? Idali. Vielleicht. Wenn Ihr es ger⸗ ne ſeht. Gberpr. O warum das nicht? Geht, geht, ruft mir Cora hieher. Ihr ſchmuͤckt Euch unterdeſſen, brecht das Opferbrod, und fuͤllt es in die Koͤrbe!— Idali.(Amazili bey der Hand faſſend) Komm Schweſterchen, ich habe Luſt zu tanzen. Amaz, Und ich zu lachen und zu ſingen, (beyde ab.) Gberpr, Tanzt nur— lacht nur— ſingt nur! Euch ſchuͤtzt vor meinem Zorn eure Einfalt. Aber den Riß in der Maner ſollt ihr nicht wieder finden.— Doch Co⸗ 1298 en wie⸗ hr das Geht, hmuͤckt erbrod, Komm 4 ſingen. ur— Zorn Mauer ch Co⸗ ra gedankenlos, zerſtreut, U. 103 ra— ſollte das freche Geſchoͤpf Umgang mit Maͤnnern haben? Keuſche Oello! ſey uns gnaͤdig!— Schon lange hab ich be⸗ merkt, daß ſie das Koͤpfchen haͤngt; daß ſie nie ſieht, mit wem ſie ſpricht, nie hoͤrt, wovon man redet; daß ihre rothen Wangen bleichen— ey! ey! das hat nichts gutes zu bedeuten! Nicht wahr Dudu?—— Dritter Auftritt. Cora. Die Gberprieſterin. Gberpr. Wagſt Du, Unverſchaͤmte, vor meinem An⸗ tlitz zu erſcheinen? Cora. Cruhig) Ich korame aus dem An⸗ tlitz unſers Gottes. Gberpr. So dank ihm, Donner nicht meinen Haͤnden anvertrante. Cora. Was wollt Ihr von mix? warum daß er ſeinen zuͤrnt Ihr auf mich? 9„ * 0 104 Gberpr. Meynſt Du, Dein zuͤgelloſes Leben ſey verborgen? man wiſſe nicht, wie n Cora dieſe heiligen Mauern, ihre Ehre und c die Ehre ihrer Schweſtern ſchaͤndet? Cora. Ich habe nichts Boͤſes gethan. Gberpr. Aug' in Auge! Du haſt Um⸗ t gang mit Maͤnnern. Cora. Ich habe die Goͤtter nicht be⸗ 2 leidigt. Gberpr. Sieh mich an, Cora! Du kennſt einen Spanier. Cora. Ich bin unſchuldig. Gberpr. Noch dieſen Morgen haſt Du ihn geſehen und geſprochen? Cora. Die Sonne war Zeuge meiner Handlungen. Gberpr. Bekenne Dein Verbrechen! 5 Cora. Ich verbrach nichts. Gberpr. Verblendete!— Verirrte! Cora. Der Weg auf dem ich wandle, iſt 1 der Weg der Natur und Unſchuld. Gberpr. zelloſes „wie re und an. t Um⸗ ht be⸗ kennſt ueiner er iſt erpr, RRRRZ—— 105 Gberpr. Hartuaͤckige! Du biſt eine Son⸗ nenprieſterin, zittre vor den Martern, wel⸗ che Dir unſre ſtrengen Geſetze beſtimmen. Cora. So leid' ich ſie unverdient. Gberpr. Du haſt mir nichts zu ver⸗ trauen! Cora. Nein. Gberpr. Willſt nicht bekennen? Cora. Nein. Gberpr. Zurmn leztenmale, Cora, ich war⸗ ne Dich! noch ſind wenig Augenblicke Dein; nutze ſie! Ich bin unterrichtet. Ich weiß alles. Ich verſammle die Jungfrauen im Tempel. Ich fodre die Schaar der Prieſter 1* 2 auf. Sie werden Dich richten, und ſtren⸗ ge richten! Tod iſt Dein Loos! und mehr als Tod: lein.— Beharrſt Du auf Deinem Schw i⸗ Schande!— Jezt ſind wir al⸗ gen? Cors. Ja. Gberpr.(den Ton aͤnderud) Nicht doch; ſo weit wird Cora es nicht kommen laſſen. G 5 Ich 105 R— Ich kaunte Deine Mutter, als Du noch ein kleines Maͤdchen warſt, ich habe vielen Um⸗ gang mit ihr gehabt. Meine Cora, ſprach ſie oft, hat ein gutes, biegſames Herz; dar⸗ um hab ich ſie ſo lieb. Cora. Sprach ſie das? oes war eine gu⸗ te Mutter! Sie nahm die Freuden meines Lebens mit ſich ins Grab. Gberp. Gewiß iſt Dir ihr Andenken noch heilig? Cora. Das fragt Ihr? Ach! ihr fließt ſo manche ſtille Thraͤne. Gberpr. Und Du wollteſt noch im Grabe Deine Mutter Luͤgen ſtrafen?„Ein gutes, biegſames Herz“ ſprach das blinde Mutter⸗ liebe? oder iſts Wahrheit? Cora. Gewiß, es iſt Wahrheit. Gberpr. So beweiſe es mir! der Mutter Freundin hat ein Recht auf das Zutrauen der Tochter. Cora. Ach!— Li w D m ch ein Um⸗ prach dar⸗ egu⸗ eines noch ßt ſo rabe ites, tter⸗ itter inen SRPR ⏑.. 102 Gberpr. Noch hoͤr' ich von ihren blaſſen Lippen die lezten Worte toͤnen:„meine Cora iſt jung und unerfahren, wenn es ihr zu— weilen an muͤtterlichem Rathe fehlt, ſo nimm Dich ihrer an.“ So ſagte ſie und druͤckte mit ihrer kalten Hand die meinige. (Cora iſt entſchloſſen und kaͤmpft mit ſich ſelbſt.) Gberpr.(nach einer Pauſe) Und Dein al⸗ ter, wuͤrdiger Vater, als er Dich meinen Haͤnden uͤbergab; da ſprach er,„nehmt ſie hin! ſie iſt ein wackres Maͤdchen; ſie wird Euch keinen Kummer machen.“: Und als er den letzten Kuß auf Deine Stirne druͤckte, und eine Thraͤne uͤber ſeinen grauen Augen⸗ wimpern zitterte, erinnerſt Du Dich ſeiner Worte?„Ehre ſie als Deine Mutter!“ Cora.(in ihren Fuͤßen) Ich liebe! Gberpr.(mit Entſetzen) Du liebſt? Cora. Ich will nicht laͤnger Sonnenprie⸗ ſterin ſeyn. —— 108——— Gberpr. Nicht laͤnger Sonnenprieſte⸗ rin? il Cora. Ich will mich vermaͤhlen. Gberpr. Dich vermaͤhlen? 8 N Cora. Die Gotter gaben mir ein Herz! — Gberpr. Um es den Göttern zu weihen. 0 Cora. Ich ward fuͤr einen Mann ge⸗ boren. 0 Gberpr. Die Sonne iſt Dein Ge⸗ AI - mahl. Cora. Ihr mein Gebet! meinen Dank! Dem Manne meine Liebe! mein Herz! Gberpr. Cora, beſinne Dich! Steh auf. Komm zu Dir; Du biſt berauſcht. 5 Cora. Ich hab es von meinem Herzen her— ab gewaͤlzt; und nun— wenn Ihr die Mutter noch in der Tochter liebt, ſteht mir 2 bey! Gberpr. Ein Spanier alſo? Cora. Ein Spanier. Gberpr. Sein Nahme? Cora. Alonzo. Gberpr. Herz! weihen. ann ge⸗ in Ge⸗ uDank! U Steh auf. rzen her⸗ Ihr die ſteht mir Gberpr. ——— 109 Gberpr. Wie, wo und wann ſahſt Du um erſtenmale? ihn z Cora. Im Tempel an des Koͤnigs Seite. Gberpr. Und welches Wunder fuͤhrte Euch Cora. Das Wunder der Natur, das den Tempel erſchuͤtterte und ſeine Ringmauern zerriß. Gberpr. Wohl! ich mag nichts weiter wiſſen. Was geſchehen iſt, ſey auf ewig vergeſſen. Du ſiehſt, daß die lezte Bitte Deiner ſterbenden Mutter mir heilig iſt. Ich ſchweige, und den Zorn der Goͤtter wirſt Du durch ſtrenge Buße verſöͤhnen. Tilge ſein Bild aus Deinem Herzeu, vergiß ſeine, glat⸗ ten Worte, vermeide an ihn zu denken, bete und arbeite. Cora. Ihr habt gewiß nie geliebt? Gberpr. Dank ſey es den Goͤttern! Cora. Nun ſo laßt Euch ſagen, daß al⸗ les, was Ihr mir da vorſchreibt, nicht mehr mehr in meiner Macht ſteht. Sein Bild aus meinem Herzen tilgen? nicht an ihn denken? Gute Mutter Ihr habt nie geliebt! Wenn ich erwache, ſo iſt er mein erſter Gedanke; wenn ich im Tempel niederkniee, ſo unter⸗ bricht ſein Name mein Gebet; wenn ich in das Bild der Sonne ſehe, ſo ſehe ich ihn! wenn ich an Gott denke, ſo denk' ich an ihn! Gberpr. Schwere Verbrechen, Cora!— bete! faſte! buͤße! Cora. Ich kann nicht beten, als mir ſei⸗ nen Beſitz zu erflehen.— Ach es iſt ein ſo ſanftes, ſo herzinniges Gefuͤhl, die Liebe; meint Ihr denn in der That, ſie ſey ſtraf⸗ bar? Gberpr. Strafbar, meine Tochter! Ver⸗ abſcheuungswuͤrdig! Cora. Seyd denn Ihr ſo ganz frey von Liebe? Gberpr.(fromm) Ich habe mich ganz den Goͤttern geweiht, Cors. ild aus enken? Wenn danke; unter⸗ ich in h ihn! ich an ra!— nir ſei⸗ ein ſo Liebe; ſtraf⸗ 1Ver⸗ ey von inz den Cors. Cora. Ihr betruͤgt mich oder Euch ſelbſt. Hab ich nicht oft geſehn, wie Ihr dieſe Voͤ⸗ gel bier zaͤrtlich fuͤttert? bald dieſen, bald jeuen aus ſeinem Kaͤficht lockt, ihn auf die Hand nehmt, ſtreichelt, mit ihm ſchwatzt, ihn kuͤßt? Gberpr. Ach die armen Geſchoͤpfchen! Eine ſo unſchuldige Neigung— Cora. Unſchuldig iſt auch meine Liebe. Gberpr. Liebe zu einem Manne? Cora. Iſt das nicht eins? Lieben muß das Herz. Euch genuͤgt an einer Taube. Iſts meine Schuld, wenn ich winder genuͤg⸗ ſam bin?— Gberpr. Taͤuſche Dich nicht, Cora! Iſt gleichviel, ob Du die Flamme brauchſt, zu opfern, oder den Tempel in Flammen zu ſetzen? Cora. Ich verſtehe mich nicht auf Eure Gleichniſſe, mein Herz ſpricht einfach und deutlich: Liebe! Du darfſt lieben! Liebe iſt den Goͤttern wohlgefaͤllig. Und der Erfolg rechte 2 2 ——UÜ—ͤ—— 112 rechtfertigt den Ausſpruch meines Herzens. Wenn Cora im e dient, iſt es je truͤbe? 8 verbirgt ſich die Sonne hinter Wolken? 10 Gbarpr. Wil Du nur im Finſtern ſuͤn⸗ 1 digteſt; weil die Strahlen des großen Lichts N nie Zeugen Deiner Verbrechen waren. b „ Cora. Doch, doch; ſie waren. Noch 4 dieſen Morgen hab ich meinen Alonzo im An⸗ geſicht der Sonne feyerlich umarmt. Gberpr.(mit Entſetzen) Un armt2 5 Cors. Meine Lippen auf die ſeinigen ge⸗ druͤckt. Gberpr. Deine Lippen 2 Cora. Meine Bruſt an die ſeinige. Gberpr. Deine Bruſt? Cora. Und unſer Gott laͤchelte. Gberpr. Schweig Elende! Geh und ver⸗ birg Dich, ehe es mich reut, Dir Verſchwie⸗ genheit gelobt zu haben. Nun iſt es nicht 5 mehr Deine Ehre, die ich ſchone; es iſt die Ehre unſers Ordens. Geh! und moögꝰ es Dir W9 ankommen oder leicht, ihn zu ver⸗ geſſen, herzens. truͤbe? 2 ern ſuͤn⸗ n Lichts N och im An⸗ nigen ge⸗ e. und ver⸗ erſchwie⸗ es nicht s iſt die moögꝰ es n zu ver⸗ geſſen, SR— 118 geſſen, daruͤber vergleiche Dich mit Dir ſel⸗ ber. Du ſiehſt ihn nie wieder. Cora.(ſtandhaft) Ich will nicht mehr Son⸗ nenprieſterin ſeyn. Gberpr. Du mußt! Von ihrem Dienſt befreyt Dich nur der Tod. Cora. Aber Ihr ſagt, ich ſey eine Ver⸗ brecherin: wie mag ich denn noch laͤnger der Sonne dienen? Wenn ich nun an meiner Stelle ihr ein ſchuldloſes Geſchoͤpf weihe, rein und ohne Suͤnde; wuͤrde das der Son⸗ ne nicht wohlgefaͤllig und ich nicht meines Schwurs, meiner Pflicht entbunden ſeyn? Gberpr. Ich verſtehe Dich nicht. Cora. Ich will ihr die Unſchuld opſern, die ich unter meinem Herzen trage. Gberpr.(bebt zuruͤck— ſie will ſprechen und kann nicht— ſie zittert und haͤlt ſich an einen Seſſel) Cora. Was fehlt Euch? Habt Ihr mich verſtanden? Ich will der Sonne die Unſchuld opfern, die ich unter meinem Herzen trage. H Gberpr, ——————— 114 Gberpr.(ſinnlos umherlaufend) Idali! 4 Runa! Amazili! herbey! herbey, ihr Toͤch⸗ ˖ ter der Sonne!— Ach, ich kann nicht mehr! ich vergehe!—(ſie ſinkt auf einen f Seſel) ˖ Vierter Auftritt. Idali. Amazili. Mehrere Sonnenjungfrauen 2 von verſchiedenen Seiten. Alle(auf einmal ſchnattern durch einander) Was giebts hier?— Was iſt vorgefallen? Sie iſt ohnmaͤchtig.— Cora erklaͤre uns, was will ſie? warum tobt ſie? Cora.(ſo ruhig als zuvor) Ich weiß es 6 nicht. Gberpr.(ſich erholend) Auf, ihr Toͤchter 0 der Sonne! ſperrt dies verworfene Ge⸗ ſchoͤpf in den finſterſten Kerker, daß ihr 0 ſcheußlicher Anblick die Strahlen unſeres U — Gottes nicht entheilige? Du, Odila und Runa, Ihr ſteht mit Eurem Leben fuͤr die d) Idali! „ihr Toͤch⸗ kann nicht kt auf einen nenjungfrauen . urch einander) vorgefallen? re uns, was Ich weiß es „ihr Toͤchter vorfene Ge⸗ r, daß ihr hlen unſeres Odila und zeben fuͤr die 115 Gefangene, bis zum Augenblick des Ge—⸗ richts. Ihr andern mit Euren Schweſtern, huͤllt Euch tief in Trauer und folgt mir in den Pallaſt des Koͤnigs! Die Sonne zuͤrnt! die Goͤtter ſind ergrimmt! Suͤnde ruht auf uns, Fluch auf Peru, Gottes raͤchender Arm wird uns heimſuchen! Auf! loͤſcht die Lichter im Tempel aus! zerreißt die Blumen⸗ kraͤnze! Heute wird kein Feſt gefeyert; heute iſt ein Tag der Trauer! Fort zu den Stufen des Throues! Rache! Rache uͤber die Ver⸗ brecherin!(ſie ſtuͤrtt binaus) (verwirrtes Getoͤſe) (Alle durch einander) Was haſt Du gethan, Cora?— Erzaͤhle! erzaͤhle! Cora. Ich habe nichts Boͤſes gethan. (ruhig ab) Alle.(durch einander, indem ſie ihr folgen) Gebt wohl auf ſie acht. Es gilt Euer Le⸗ ben, Fort! Fort!—(alle ab) ** ——— 116 Fuͤnfter Auftritt. (Die Buͤhne verwandelt ſich in einen Saal des koͤniglichen Pallaſts, mit einer Prunk⸗ wache verſehn.) Nach einigen Augeubli⸗ cken erſcheint ein Kaͤmmerling des Koͤ⸗ nigs. (jur Wache) Oeffnet die Thore! Laßt alle herein treten, die am heutigen Feſte den Sohn der Sonne zu gruͤßen, und ihn in den Tempel zu begleiten, kommen. So bald der Pnca ſeinen koͤniglichen Schmuck ange⸗ legt, wird er ſelbſt erſcheinen. Cer giebt einen Wink— die Wache oͤffnet die Thore— es treten nach und nach herein) iuen Saal ner Prunk⸗ Augeubli⸗ des Koͤ⸗ Laßt alle Feſte den ihn in den So bald muck ange⸗ giebt einen Thore— es Sech⸗ 117 Sechſter Auftritt. Der Göberprieſter. Xaira. Alonzo. Dom Jugn. Mehrere Hofleute und Prieſter. (ſtumme Complimente werden gewechſelt. Man fluͤſtert leiſe mit einander— man geht auf und nieder. Verſchiedene Hoͤflinge verſammeln ſich um den Kaͤmmerling) Raira.(zum Oberprieſter) Was wollen die Fremdlinge hier?— Gberpr. Vermuthlich den Koͤnig beglei⸗ ten, wenn er zu opfern geht. Kgirg. Verdammt! Es iſt nicht recht, daß man Fremdlingen geſtattet, Zuſchauer unſrer heiligen Gebraͤuche zu ſeyn, vielleicht gar unſers Goͤtterdienſtes zu ſpotten. Gberpr. Zu ſpotten? Das waͤre Albern⸗ heit, und ich traue jenem braven Juͤnglinge keine Albernheit zu. Haſt Du vergeſſen, daß unſer Koͤnig ihm ſein Leben verdankt? Daß er die Voͤlker von Quito zum Schrecken ih⸗ H 3 rer ο + 118 rer Feinde machte, indem er ſie in geſchloſ⸗ ſenen Gliedern fechten lehrte? daß er uns auch in mancher nuͤtzlichen Kunſt des Friedens un⸗ terwieſen hat?— Xaira. Poſſen! er hat unſre Beduͤrfniſſe vermehrt; wir waren gluͤcklicher ohne ihn. Gberpr. Rauher Mann!— Kaͤmmerling. Wiſſen denn die Herren kei⸗ ne Neuigkeit zu des Koͤnigs Unterhal⸗ tung?— Ein Soͤfling. Nichts, als daß der alte Telasko geſtern Abends aus ſeiner Provinz hier angekommen iſt. Ein Anderer. Er hat ſeinen Sohn Zorai bey ſich, um ihn dem Puca vorzuſtellen. Kämmerl. Wie lange iſts doch, ſeit wir den wuͤrdigen Greis hier zum leztenmal ſa⸗ hen?— Erſter Boͤfling. Zwey Jahre ſind es, als er ſeine Tochter Cora in das Haus der Sterne brachte⸗ 1L0 ˖ eſchloſ⸗ us auch nus un⸗ uͤrfniſſe hn. ren keis terhal⸗ er alte Drovinz n Zorai 1. ſeit wir nal ſa⸗ nd es, aus der 119 Alonzo.(faͤhrt zuſammen) Hoͤrſt Du? Ve⸗ lasquez! Cora's Vater iſt hier!— Juan. Ich hoͤre. Alonzo. Auch ihr Bruder. Juan. Ich hore. Alonzo. Das fehlte noch! wie wird ihr unbedeutendſter Blick mein Gewiſſen fol⸗ tern. (man hoͤrt hinter der Scene einen kurzen Marſch von kriegeriſchen Inſtrumenten) Die ſaͤmmtlichen Soͤflinge. Der Koͤnig kommt!— Siebenter Auftritt. Ataliba mit Gefolge. Vorige. (Alle bezeigen dem Koͤnige ihre Ehrerbietung.) Ataliba.(ſich zuerſt an den Oberprieſter wen⸗ dend) Ich freue mich, mein guter Alter, zu ſehen, wie eure Kraͤfte der Laſt der Jahre ſpotten. H 4 ——— Gberpr. Unter einem ſolchen Beherrſcher verjuͤngt man ſich. Ataliba. Was ich bin, bin ich durch Euch; das werd ich nie vergeſſen.—(iu Kaira) Wir haben einen ſchoͤnen Tag, Kaira, die Goͤtter ſind uns gnaͤdig. Raira.(bedenklich) Doch haben traurige Vorbedeutungen mein Herz beunruhigt. Atal. Wie ſo? Naira. Das Lamm, das ich um Mitter⸗ nacht den Göttern apfern wollte, ſtraͤubte ſich unter dem Opfermeſſer. Atal. Sehr natuͤrlich. Xaira. Und die herausgerißne Lunge, die, wenn ſie noch ein wenig zuckt und bebt, uns Freude und Wohlſtand fuͤr das kommende Jahr verkuͤndigt, lag ſtill und ohne Bewe⸗ gung. Atal. Ich danke Dir fuͤr den Bericht, doch ſireu ihn nicht unter das Volk aus, hoͤrſt Du?(zum Oberprieſter laͤchelnd und halb leiſe) Wir haben Tyger genug, die uns be⸗ unru⸗ 2 0 herrſcher ch Euch; Kaira) ira, die traurige t⸗ Mitter⸗ ſtraͤubte nge, die, bt, uns ommende ie Bewe⸗ Bericht, ſolk aus, und halb e uns be⸗ unru⸗ 12E unruhigen, warum ſollen wir auch noch vor Laͤmmern zittern? Gberpr. Den Volke iſt ein ſolches Lamm furchtbarer, als ein Tyger, und der Koͤnig iſt dem Volksglauben Achtung ſchuldig. Ataliba. Recht, guter Alter. Auf ihn gruͤndete Manco Capac ſeine Herrſchuft. (ſich zu Alonzo wendend) Nun, mein lieber Alonzo, biſt Du noch immer gern unter uns?— Alonzo. So lange Du mich gerne hier ſiehſt, Nnca. Ataliba. Das heißt, ſo lange ich meine Freunde liebe.(iu Velasques) Wie ſteht es, Dom Juan2 wie laͤßt die Schaar ſich an, die Du in den Waffen uͤbſt?— Juan. Brave Maͤnner! Arme von Eiſen und Herzen von Wachs. Ataliba. Moͤchte doch ein ewiger Frikde mir vergoͤnnen, ihre ſtarken Arme nur dem Feldbau zu widmen.(ſich zum Oberprieſter H 5 wen⸗ 122 wendend) Ich denke es wird Zeit uns in den Tempel zu begeben. Gberpr. Wir ſind bereit. Kaͤmmerl.(welcher waͤhrend dieſer Seene von der Wache abgerufen wurde, und nun zu⸗ rückkehrt) Herr, der alte Telasko, der Statt— halter der Gebuͤrge Antis iſt angekommen, und wuͤnſcht den erſtgebohrnen Sohn der Sonne zu gruͤßen. Atal. Mein alter ehrlicher Telasko? Laß ihn kommen! Alonzo.(iu Juan) Ach Freund! Mein Herz— mein Herz— Juan. Verrathe Dich nicht. (auf den Wink des Kaͤmmerlings oͤffnet die Wache die Thuͤre) Achter Auftritt. Telasko. Forai. Vorige. Ataliba.(ihm entgegen gehend und ihn um⸗ armend) Willkommen, wuͤrdiger Greis! was fuͤhrt U ſa ſte de 2 in den r Scene nun zu⸗ »Statt⸗ ommen, öhn der o? Laß Mein oͤffnet ihn um⸗ was fuͤhrt 123 fuͤhrt Dich aus Deiner neidenswerthen Ein⸗ ſamkeit in das Getuͤmmel des Hofes? Einen Seſſel fuͤr den Alten! Telasko. Laß mich, guter Ynca, laß mich ſtehen! So ziemt es dem Bittenden. Ataliba. Haſt Du etwas zu bitten? Re⸗ de!— Telasko. Vor zwey Jahren war ich hier mit meiner Tochter Cora. Ich weihte ſie dem Dienſt der Goͤtter, weil ſie es ſelbſt ſo wollte. Es fiel mir ſchwer, ich kann es nicht leugnen. Ich hatte mich an ihren Um⸗ gang ſo gewoͤhnt. Seit meines Weibes To⸗ de bin ich ſchwach und kraͤnklich; ſie war denn immer um mich her und pflegte meiner, und da ging es freylich nicht ohne Thraͤnen ab, als wir uns trennten. Dieſer Juͤng⸗ ling blieb nun mein ganzer Reichthum. Er iſt zum Mann herangewachſen; ſeine Schwe— ſter dient den Goͤttern, ihn weih ich dem Vaterlande. Dir, Pnca, uͤbergeb ich ihn. Meine wenigen Jahre ſind gezaͤhlt. Sey Du ν 4 20%0 124 Du ſein Vater wenn ich ſterbe! Der Juͤng⸗ ling wird ſich brav halten, daß weiß ich. Er wird es nie vergeſſen, das das Blut der Pnca's in ſeinen Adern fließt. Nimm mein Geſchenk gnaͤdig auf! ich bringe Dir das Koſtbarſte was ich habe— bringe Dir Al⸗ les. Ataliba. Er ſey mein eigner Sohn.— Tritt naͤher, Juͤngling!(Zorai kniet vor ihm nieder) Erbe Deines Vaters Tugend, und Du ſollſt Deines Vaters Wuͤrden erben. Forai. Vergieb mir, wenn ich nicht re⸗ de! Nur die Zeit muß es lehren, ob ich werth war, dieſen Augenblick zu erleben. Ataliba. Steh auf! Ich zaͤhle Dich zu meiner Leibwache und uͤbergebe ihn, Alonzo, Deiner Sorgfalt. Lehre Du ihn an Deiner Seite fechten und ſiegen. Alonzo.(verwirrt) Koͤnig! ich werde mich bemuͤhen, ſein Zutrauen zu gewinnen. Telasko.(zu Alonzo) Alſo biſt Du der Mann, in dem die Voͤlker von Quito den Ret⸗ n Gα 7 1 r Juͤng⸗ weiß ich. Blut der mim mein Dir das das Dir Al⸗ Sohn.— et vor ihm nd, und ben. h nicht re⸗ ich werth e Dich zu „Alonzo, an Deiner werde mich en. ſt Du der Quito den Ret⸗ Retter ihres Koͤnigs ſegnen? Vergoͤnne, daß dieſe alten Arme Dich umfaſſen!(er umarmt ihn) Dein Ruhm wohnt unter uns in den fer⸗ nen Gebuͤrgen; Deinen Namen lallen unſre Kindeskinder. Heil meinem Sohne, daß Du ſein Fuͤhrer biſt! Alonzo.(ſehr verwirrt und geruͤhrt) Er ſoll mein Bruder ſeyn. Telasko.(zum Koͤnige) Du haſt mir eine ſanfte Todesſtunde zubereitet. Ich danke Dir(man hoͤrt abermals den Marſch hinter der Seene) Ataliba. Nun meine Kinder! Fort in den Tempel!— Komm, Telasko, geh zu mei⸗ ner Rechten, und wenn Dir das Gehen be— ſchwerlich wird, ſo ſtuͤtze Dich auf mich. Habe doch ich mich oft auf Dich geſtuͤtzt. Telasko. Segen uͤber Dich, guter Ynca! (ſie wollen gehen, als ploͤtzlich die Muſik mitten im Takte verſtummt) Ataliba.(ſtult) Was iſt das? 411. Ruͤm⸗ ——rðrð— S— 126 Kaͤmmerling.(ſtuͤrzt herein, zitternd und außer Athem) Herr, die Oberprieſterin der Sonne naͤhert ſich mit einem langen Gefolge, ſeufzend und gehuͤllt in Trauerſchleyer. Ih⸗ re Wehklagen dringen durch Mark und Bein. Stumm und bebend zieht das Volk hinter ihr her und ahndet ein großes Ungluͤck. (die ganze Verſammlung iſt in Beſtuͤrzung. Der Koͤnig allein bleibt ruhig) Ataliba.(zum Kaͤmmerling) Fuͤhre ſie her zu mir!— Alonzo.(zu Juau) Gott!— Velasquez, was iſt das? Juan. Pfui! ich glaube Du zitterſt? Sey ein Mann! Neun⸗ zu r1 n L ternd und erin der Gefolge, ſer. Ih⸗ nd Bein. lk hinter 5 eſtuͤrzung. re ſie her elasquez, zitterſt? Neun⸗ Neunter Auftritt. (Die Thore oͤffnen ſich) Die Gberprieſterin an der Spitze der Son⸗ nenjungfrauen, alle in Schleyer verhuͤllt und gebuͤckt, treten langſam feyerlich her⸗ ein. Waͤhrend ſie ſich dem Koͤnige nahen, lauſcht alles in aͤngſtlicher ſtummer Erwar⸗ tung. Die Vorigen. Die Gberpr.(nachdem ſie ihren Schleyer zuruͤckgeſchlagen) Wehe! Wehe! Wehe!— Ataliba. Cetwas erſchuͤttert) Ueber wen rufſt Du Wehe? Die Gberpr. Der Tempel iſt verunrei⸗ nigt! die Altaͤre ſind geſchaͤndet! die heilige Lampe iſt verloſchen! Wehe!l Wehe!— Ataliba. Nenne die Verbrecher, daß der Goͤtter Rache meine Rache werde! Die Gberpr. Sohn der Sonne! laß den feſtlichen Geſang, laß das Saitenſpiel ver— ſtummen. Laß den Tempel ſeines Schmucks berauben und die Opferthiere ihrer Blumen⸗ kraͤnze, 2 W 34 0 —5 128 S kraͤnze, denn heute wird kein Feſt gefeyert! Klage ſey unſer Geſang und Trauerkleider unſer Schmuck! Eine Natter hat mit ihrem 1 Gifte das Haus der Sterne verunreinigt! ei⸗ ne Sonnenjungfrau hat das Geluͤbde der V Keuſchheit gebrochen.(ſie haͤlt inne—— J Alles ſchaudert— Alonzo iſt niedergedonnert. 0 e Sie ſaͤhrt fort) Wehe! wehe uͤber Cora!— (dem Koͤnige entfaͤhrt bey dieſem Namen ein Ausruf des Schmerzes. Der alte Telasko haͤlt ſich zitternd an ſeinem Stabe. Zorai verbirgt ſchaamvoll ſein Geſicht. 5 Alonzo will in die Knie ſinken und wird von Dom Inan unterſtuͤtzt. Verwirrtes Getuͤmmel unter der uͤbrigen Verſamm⸗ lung.) Die Gberpr. Rache! Rache an dem Tu⸗ 8 gendmoͤrder! an dem Frevler der das Gaſt⸗ recht eines friedlichen Volkes mißbrauchte, und die heilige Freyſtadt der Gemahlinnen I0 der Sonne verletzte! Wehe! Wehe! uͤber Alonzo— gefeyert! uerkleider nit ihrem inigt! ei⸗ uͤbde der ne—— rgedonnert. ra!— m Namen Der alte ſem Stabe. n Geſicht. und wird Verwirrtes Verſamm⸗ n dem Tu⸗ das Gaſt⸗ ißbrauchte, mahlinnen ehe! uͤber (der 129 (der Koͤnig erſchrickt noch heftiger. Alon⸗ zo ſteht mit todtenblaſſer Wange und nie⸗ dergeſchlagenem Auge. Aller Blicke ſind auf ihn gerichtet. Der alte zitternde Te⸗ lasko ſieht mit ſtarren nichtsbedeutenden Blicken um ſich herum). Die Gberpr. Erſtgebohrner Sohn der Sonne! Bild unſers Gottes auf Erden! Hier ſteh ich, und fordre von Dir blutige Gerechtigkeit. Ataliba.(finſter) Sie ſoll Dir werden. Die Gberpr. Tod und Schande uͤber die Verbrecher! Tod und Schande uͤber Cora's Geſchlecht! (der alte Telasko knirſcht das Wort „Schande“ zwiſchen den Zaͤhnen und faͤlt um. Zorai wirft ſich uͤber ibn her) Ataliba. Barmherzige Goͤtter! Kommt dem armen alten Mann zu Huͤlfe!(die Höf— linge richten Telasko auf— die Oberprieſterin will fortfahren, der Koͤnig winkt ihr zu ſchwei⸗ gen) Genug, ihr frommen Weiber! ich ken⸗ 3 ne 130 ne meine Pflichten und werde thun, was Alonzo frag' ich nicht, ob es Wahrheit ſey, was dieſe wider Dich zeugen; Dein Bekennt⸗ niß ſteht auf Deiner todtbleichen Wange.— Du biſt verloren! ich kann Dich nicht ret— ten!— Haͤtteſt Du meine Provinzen auf— gewiegelt, mir mein halbes Reich mit dem Schwerdt entriſſen, ich wollte die Hand? gereicht und geſagt haben: Du haſt mir einſt das Leben gerettet, ich theile gerne mit Dir — aber— hier hoͤr' ich auf Koͤnig zu ſeyn, und der Freund muß ſchweigen.— Du biſt verloren! ich kann Dich nicht retten!— (ſchmerzvoll) Alonzo, was haſt Du ge⸗ than?— Alonzo. Laß mich ſterben!— ich habe ſo viel Gutes in Deinem Reiche genoſſen— und hab' es Dir mit Undauk vergolten— rzend) Aber rette Cora! Sie iſt unſchuldig! Nur ich der laß mich ſterben!(auf die Knie ftuͤ Verfuͤhrer bin ſchuldig. Ata⸗ Au pfe m ſel er w n, was — Dich rheit ſey, Bekennt⸗ ſange.— licht ret⸗ izen auf⸗ mit dem Hand Dir mir einſt mit Dir zu ſeyn, Du biſt tten!— ich habe noſſen— golten— nd) Aber ur ich der Ata⸗ U 4X—ů—ů*⁵ð;ed— SRRR 131 Ataliba. Steh auf! meine Macht hat Schranken, am engſten auf der Seite, wo ſie mit der Religion graͤnzt. Ler ſteht einen Augenblick finſter in ſich gekehrt, mit ſich kaͤm⸗ pfend, dann mit weggewandtem Geſicht) Wa⸗ che! feſſelt ihn!(jum Oberprieſter) Verſamm⸗ le Du Deine Prieſter im Vorhof des Tem— pels, und richte die Verbrecher nach unſern heiligen Geſetzen und Gebraͤuchen. Noch ehe ſich die Sonne ins Meer taucht, rufe man mich in den Tempel, dem Urtheil ſeine Kraft zu geben.—(er will ſich entfer⸗ nen) Xaira. Herr, es wird noͤthig ſeyn, daß man auch den Vater und den Bruder in Feſ⸗ ſeln ſchlage. Ataliba. Den armen alten Mann? Ach, er wird euch nicht entlaufen. Xaira. Den Bruder wenigſtens. Ataliba. Sey es, weil es ſeyn muß!— O wie traurig iſt es, Koͤnig zu ſeyn, wenn man ſtrafen ſoll!—(geht ab) 2(Kaira 2 132 (Kaira laͤßt Zorai feſſeln). Die Gberpr.(ium Oberprieſter) Auf! Du unſers Gottes erſter Diener! befluͤgle die I Rache, daß noch an dieſem Abend der Son⸗ 6 I ne letzte Strahlen auf das Grab niederblicken, vas Cora verſchlungen hat! Fort, ihr Toͤch⸗ 1 ter der Sonne! kruͤmmt euch im Gebet, f waſcht den Altar mit euren Thraͤnen, und n verbergt eure ſchaamrothen Wangen in ſie⸗ 5 benfache Schleyer, bis die Schande getilgt 1 iſt, womit jener ruchloſe Fremdling unſern Orden brandmarkte. Cab mit den Sonnen⸗ iungfrauen). Der Gberpr.(fuͤr ſich) Armer Rolla!(ab). Raira.(zu einigen andern Prieſtern) Be— gebt euch durch das Thor gegen Norden, bis ihr jenſeits der Mauer den wuͤſten, un⸗ fruchtbaren Platz findet, den mancher Stein⸗ —* haufen bezeichnet. Dort bereitet ein Grab. Telasko. Und mich legt zuerſt hinein. (die Prieſter gehen ab) (Diego Auf! Du fluͤgle die der Son⸗ derblicken, ihr Toöch⸗ m Gebet, inen, und en in ſie⸗ e getilgt ing unſern Sonnen⸗ olla!(ab). ſtern) Be⸗ Norden, uͤſten, un⸗ her Stein⸗ n Grab. hinein. hen ab) (Diego ——— 133 (Diego hat ſich gleich zu Anfang dieſer Seene entferut) Raira.(iur Wache) Fuͤhrt die Gefangnen hinweg! Alonzo.(iu Dom Juan) Lebe wohl, Ve⸗ lasquez! Wenn Du in unſer Vaterland kehrſt, ſo gruͤße meine Mutter— und verſchweig ihr meine Geſchichte. Telasko.(von der Wache ergriffen) Wo wollt ihr hin mit mir armen alten Manne? Alonzo. Ach! dieſer Greis, Velasquez — dieſer ungluͤckliche Greis— Telasko. Gebt mir meine Tochter, meine Tochter wieder! Kgira. Fort mit ihnen allen. Telasko.(indem er abgeführt wird) Gebt mir meine Tochter, meine Tochter wieder! Ende des dritten Akts. Æ—◻ 3 U Vierter Aufzug. (Ein wuͤſter Platz außerhalb den Mauern des Tempels) Erſter Auftritt. Vier Prieſter graben ein Grab. Waͤhrend ſie die erſte Strophe ſingen, erſcheint auch Rolla auf der Buͤhne. Chor der Prieſter.(langſam und feyerlich), 2 Gaben mit fleißigen Haͤnden! Grabet um von uns zu wenden Tod und Verderben! Laßt die Verbrecherin ſterben! Rolla.(ſtutzt) Was iſt das?— He! was iſt das! Chor 3* n Mauern Waͤhrend ſcheint auch ˙feyerlich), * He! was Chor Chor der Prieſter. Grabet die Gotter zu raͤchen, Grabet daß Cora's Verbrechen, Tief in die Erde Verſcharret werde. Rolla. Cora's Verbrechen!— Redet! Gebt Antwort! Ein Prieſter. Hinweg von dieſem Platze! Er iſt verflucht um Cora's willen. Rolla. Fluch uͤber Dich ſelbſt! vermale⸗ deyter Schwaͤtzer! was thuſt Du hier? rede! was bedeutet dies Grab? Chor der Prieſter. Auf Bruͤder! das Grab iſt bereitet! Auf! fuͤhret Cora herbey! Daß Sterben im Schooße der Erde Der Suͤnde Suͤhnopfer ſey! Xolla. Ihr Goͤtter! mir faͤllt ein Berg auf die Bruſt.(die Prieſter ſammeln ihrk Werkzeuge und ſch hartherzige Menſchen! redet! redet! es iſt 3J 4 Rolla, icken ſich an wegzugehn) Redet 136 Rolla, der euch bittet!— Rolla bittet! ſo gut iſts euch noch nie geworden. Was giebts hier? was iſt vorgefallen? was bedeutet dies Grab und euer Rabengeſang?—(die Prieſter wollen gehn) Cmit dem Fufte ſtampfend) Bleibt und redet, oder ich vergreife mich an euch! (die Prieſter gehn ab.— Er will ihnen nach, und ſtoͤßt auf den ſchluchzenden Diego) Zweyter Auftritt. Rolla. Diego. Rolla. Ha Du! ich kenne Dich. Du warſt auch dabey.— Was iſt vorgefallen, ſeit Dein Herr mich verließ? Rede! rede!— Diego. Seht, ich zittre an allen Gliedern. Mein armer, ungluͤcklicher Herr— ach! er ſchmachtet in Ketten. Bolla. Und Cora? Cora? ſal Wa Fo ih: ih ko A id t! ſo giebts deutet (die pfend) ich an ihnen zenden auch Dein dern. ach! 137 Diego. Wahrſcheinlich theilt ſie ſein Schick⸗ ſal.— Dom Juan muß mehr wiſſen, der war zugegen, und blieb— Kolla. Dom Juan?— Dank Dir, daß Du ihn nannteſt! Wo iſt er?— Fort! Fort! Such ihn dieſen Augenblick! Fuͤhre ihn zu mir! Auf dieſem Platz hier will ich ihn treffen. Fort! Fort! Die Minuten ſind koſtbar.(Diego gebt) Ich brenne Alles zu wiſſen— und zittre Alles zu wiſſen! Die Angſt raubt mir den Athem!— Wo find ich nun meinen Oheim?(er will fort). Dritter Auftritt. Kolla indem er abgehen will, ſtoͤßt auf den Oberprieſter. Rolla. Hal da iſt er!— Ja oder Nein? Wahr⸗ heit oder Luͤge?— Gber⸗ * 60 Gberpr. Deine Worte verſteh ich nicht, wohl aber Deine wilden Blicke. Emit einem Seufzer) Akles wahr! Rolla.(auf das Grab zeigend) Und hier?— Gberpr.(ſein Geſicht abwendend) Ach Rolla. Nun ſo ſchaudere Erde, und ver⸗ ſchlinge Deine ganze Oberflaͤche! murret ihr Gebuͤrge rings umher! Feuer! Feuer aus eu⸗ ren Eingeweiden in die Thaͤler! daß Alles untergehe! kein Gras mehr wachſe! und die — Auf, ihr Schrecken der Natur! Don⸗ nergebruͤll und Sturmgeheul! umgebt mich, Welt ausſehe, wie eine große Brandſtaͤte! daß ich freyer athme! daß meine Stimme mit der eurigen kaͤmpfe, und mein Arm ſchnel⸗ ler morde als eure Blitze!— Gberpr. Um aller Goͤtter willen!— Rolla!— Rolla.(nach einer Pauſe) Nein ſie wird nicht ſterben! ehe ſoll der Tempel zur Ein⸗ oͤde werden, und die ewige Lampe verld⸗ ſchen! nicht, einem Und mich, timme ſchnel⸗ n!— wird Ein⸗ verlö⸗ ſchen! — mAäůU— 1 83 + ſchen!— Glaube mir Oheim, ſie wi nicht ſterben!— Du moͤchteſt ſagen, das ν Grab da ſey ſchon fertig? Hahaha! Da Grab iſt fertig, aber Rolla lebt noch! Gberpr. Du biſt fuͤrchterlich! Xolla. Erſt Rolla's Grab! erſt ihn auf den Boden geſtreckt, daß er kein Glied mehr ruͤhre, daß keine Muskel mehr zucke. Und unterſucht es wohl, ob er auch wirklich tod iſt? Denn wiſſe Oheim! ſo lange noch ein Le⸗ bensfunken in mir iſt, ſo lang' ich dieſe Hand noch zur Fauſt ballen kann:— wer wagt es Cora anzutaſten? Ich ermorde die Prieſter! und Dich! und den Koͤnig! und wer mir in den Weg tritt! Gberpr. Unſinniger! wuͤte nur! wagt es Deine Raſerey mit den Goͤttern aufzu⸗ nehmen? Kolla. Mit den Goͤttern? o nein! die Goͤtter denken wie ich; ihr Blitz iſt in meiner Hand, ihr Schild vor meiner Bruſt.— Kurzſichtige Sterbliche! die Liebe iſt der hell⸗ ſte, 140 8 ſte, waͤrmſte Strahl unſers Gottes; er ent⸗ faltet die Roſenknoſpe und das Herz des Menſchen. Wehe dem, der in einem kalten feuchten Winkel ein Auſterleben fuͤhrt und nie ſich dieſem Strahle oͤffuet!— Cora iſt beſ⸗ ſer noch ſeit ſie liebt. Sie mußte lieben, denn konnten die Goͤtter ihr Meiſterſtuͤck un⸗ vollendet laſſen? Und ein Menſch ohne Liebe, was iſt er? Eine Lampe ohne Licht. Ein Auge ohne Sehkraft.— Aber, freylich, gu⸗ ter Oheim, das verſteht Ihr nicht. Gberpr. Du thuſt mir Unrecht, Rolla. Rolla. Unrecht? Ihr haͤttet Sinn fuͤr das himmliſche goͤttliche Gefuͤhl der Liebe? Und Euer Mund verdammt Cora? Gberpr. Mein Mund verdammt Cora⸗ Rolla. Nicht Euer Herz? Gberpr. Nicht mein Herz. Rolla. O ſo kommt in meine Arme! Ich wuͤnſch Euch Gluͤck! Ihr ſeyd ein Menſch. — Aber was ſteht Ihr da ſo kalt und ſo unthaͤtig? Rettet ſie! Gberpr. ent⸗ des kalten id nie t beſ⸗ ieben, k un⸗ Liebe, Ein gu⸗ olla. uͤr das Und Cora. Ich zenſch. und ſo Gberpr. Ich kann nicht. Rolla. Muth, lieber Oheim! Muth! Euer graues Haar, Eure ſanfte Beredſam⸗ keit, mein Schwerdt, und Gottes Huͤlfe! gewiß, wir retten ſie! Gberpr. Ach Juͤngling! Dein Eifer macht Dich blind gegen die ſteilen Felſen, die vor uns liegen. Rolla. Ich fuͤhle Kraft in mir, ſie zu er⸗ klimmen. Gberpr. Uralter Volkswahn— hundert⸗ jaͤhrige Gebraͤuche— Xolla. Die Natur iſt cͤlter! Gberpr. Aber nicht maͤchtiger. olla. Ausfluͤchte! Gberpr. Wenn ich durch die Handvoll Jahre, die mir noch uͤbrig iſt, Cora's Le⸗ ben erkaufen koͤnnte: feſten Tritts wollt' ich in dieſe Grube hinunter ſteigen. Xolla. Geſchwaͤtz! Gberpr. Iſt dieſe Thraͤne auch Ge⸗ ſchwaͤtz? Rol⸗ — rÄr*—&I2—ä—ẽ, Kolla. Heucheley. Plaudrenicht, hand⸗ Gberpr. Was kann ich fuͤr ſie thun? Kolla.(die Haͤnde gen Himmel) Nun ſo rette Du ſie, mein Vater! Dulde nicht, daß t werde, worauf das Vollkommenſte vertil Deine 0 10 hienieden blicken! kette Du ſie, dieſen 2 Prieſtern zum Spotte! — Was ſuch ich auch in einer ſolchen Schaa⸗ le ein 51 2 Es darf ja nicht unter dieſem Gewande ſchlagen. Das hat nur Sinn fuͤr eitle, hirnloſe Gebraͤuche; luͤgt ſich zum Gotte, und iſt blutduͤrſtig wie ein Ty⸗ ger. Gberpr. Ach Rolla! Rolla! Du verſuͤn⸗ digſt Dich an mir. Kolla. Eure Vaͤter und—— haben Euch ſorgfaͤltig gelehrt, jede me, die um Euch her wuchs, zu zerrupf fen, 9 0 Vo⸗ gel, der in Eure Haͤnde fiel, den Hals um⸗ zudrehen, und wer denn das am beſten konn⸗ 0 te, te, bor hand⸗ 12 un ſo 7 daß vorauf te Du potte! Schaa⸗ dieſem un fuͤr h zum — * 7 U Y verſuͤn⸗ haben die um m Vo⸗ lls um⸗ n konn⸗ te, 33 143 te, in dem lag ein kuͤnftiger Oberprieſter ver⸗ borgen. Gberpr. Rolla das aus Deinem Munde? Kolla. Der ganze Reichthum ihres Her⸗ zens iſt Ihr eigenes feiſtes Ich. Schoͤnheit iſt fuͤr ſie ein ſtumpfer Pfeil und Liebe ein ungereimtes Maͤhrchen. Fuͤr die Leiden ih⸗ rer Bruͤder haben ſie ein Achſelzucken. Frey⸗ willig wuͤrde nie ihr Auge ſteigen, ſie muͤſſen ſie herauf pum⸗ pen. Ihrenthalben mag die Welt unterge⸗ hen, wenn nur ſie leben, und ſich maͤſten und ſich wohl befinden!— Gberpr. Juͤngling! Du brichſt mir den Mund auf.— Ich werde reden und Du Dich ſchaͤmen. Rolla. Ja reden, reden! das verſtehn ſie— und auch das nicht immer. Gberpr. Lerne ſchweigen, wenn ein Greis ſpricht! und willſt Du nicht mein Alter eh⸗ ren, ſo ehre mein Uuägluͤck!— Daß ich Prie⸗ 144 Prieſter bin, war es freye Wahl? iſt des Köͤnigs, naͤchſter Blutsverwandte nicht ge⸗ borner Oberprieſter? Haͤtteſt du vor funfzig Jahren mich gekannt— ich war ein ruͤſtiger Juͤngling, begieriger ein Schwerdt zu ſchwingen, als ein Opfermeſſer.— Iſt es meine Schuld, daß mich die Laune des Zufalls an die Altaͤre der Sonne ſtellte, Tauben zu ſchlachten, aus Eingeweiden der Laͤmmer zu wahrſagen und Traͤume zu deu⸗ ten? O glaube mir, es ſtehen wenig Men⸗ ſchen an ihrem Platze, am wenigſten da, wo die Geburt den Platz beſtimmt. Kolla.(kalt und gezwungen) That ich Euch zu viel, ſo verzeiht mir. Ich kenne mich nicht vor Schmerz und Wuth. Gberpr. Dieſe Wuͤrde, die Du mir zum Worwurf machſt.— Tauſendmal haͤtt' ich ſie von mir werfen moͤgen, wie ein preſſen⸗ des Gewand, denn ſie war die Quelle vier⸗ zigiaͤhriger Leiden!— Wahrlich, Juͤngling! ich iſt des ht ge⸗ funfzig ruͤſtiger rdt zu Iſt es me des ſtellte, iden der zu deu⸗ g Men⸗ da, wo ich Euch üch nicht mir zum haͤtt ich preſſen⸗ elle vier⸗ zuͤngling! ich 145 ich dulde nicht laͤnger dieſe froſtige Falte auf Deiner Stirn, dieſe kalte Verachtung in Deinem Blicke. Du Einziger, an dem noch mein Herz haͤngt! Du Einziger, nach deſſen Liebe ich ringe! Hoͤre, hoͤre meine traurige Geſchichte!— Ach! ſie iſt der Deinigen ſo aͤhnlich.— Auch mein Kummer iſt Kums mer des Herzens! auch meine Leiden ſind Leiden hoffnungsloſer Liebe! auch ich liebte einſt eine Sonnenjungfrau! Rolla.(erſtaunt) Wie?— Gberpr. Als Oberprieſter war es mir ge⸗ ſtattet, im Hauſe der Sterne nach Gefallen ein⸗ und aus zu gehen. Taͤglich weilte mein Auge auf dieſer Blumenflur, wo heute hier, morgen da ſich eine Knoſpe entfaltete. Lange blieb dies Spiel eine Beluſtigung meiner Sinne; das Herz nahm keinen Theil daran, bis endlich unter ihren Schweſtern Zulma hervorſtrahlte, ein Bild des Gottes, dem ſie diente. Ich ſah ſie oft und gern, und wußte nicht warum, Ich warf einen Blick K in in mein Herz und erſchrack. Auch ſie mochte darinn geleſen haben; denn ſie fieng an mich zu vermeiden; aber ich ſah, daß es ihr ſchwer ward. Ich wollte ihrer Tugend den Kampf erleichtern, und vermied auch ſie. Da ſchli— chen wir beyde von Kummer und Liebe gefol⸗ tert, Mondenlang ſchweigend umher, unſre Wangen bleichten, in unſern hohlen matten Augen wohnte der Gram, ihr ſchwaͤcherer Koͤrperbau unterlag, ſie ward krank, rang mit dem Tode und ich—— Du biſt ge⸗ ruͤhrt?— olla.(ihm mit weggewandtem Geſicht die Hand reichend) Ich that Euch Unrecht, ich ſchaͤme mich. Sprecht weiter Oheim!— Sie ſtarb? Gberpr. Ich eilte zu ihrer Huͤlfe, kletterte Tag und Nacht auf ſchroffen Felſen umher, ſuchte heilſame Kraͤuter in Hoͤlen und Waͤl⸗ dern, ließ die aͤlteſten Prieſter im Reiche auf⸗ bieten, die durch ihre Kraͤuterkunde beruͤhmt waren, und— Zulma ward gerettet. Dank⸗ bar ni te ſo er. te uͤb ur m Le e mochte an mich r ſchwer Kampf da ſchli⸗ be gefol⸗ „äunſre matten vaͤcherer „ rang biſt ge⸗ eſicht die cht, ich eim!— kletterte umher, d Waͤls che auf⸗ heruͤhmt Dank⸗ bar ————— 147 bar ſank ſie in meine Arme, wir ſprachen nicht, aber wir verſtanden uns, wir wein⸗ ten beyde.—(ſehr bewegt) Sieh, ich bin ſo alt geworden, und wie mich das noch heut erſchuͤttert!— Kollg.(ihn umarmend) Guter, lieber, beſter Oheim! Gberpr. Hore das Ende meiner Geſchich⸗ te! Der Liebe lange verſchloßnes Feuer lo⸗ derte nun in wilden Flammen auf, ſpottete uͤber Vernunft und Pflicht! Wir vergaßen uns— Zulma ward Mutter— und gebahr mir— Dich!—(Rolla bebt zuruͤck und fleht den Oberprieſter ſtarr an). (Oberprieſter breitet die Arme aus). Du biſt mein Sohn! Rolla.(in großer Bewegung) Alter Mann! Ihr ſpottet meiner! Gberpr. Du biſt mein Sohn! Kolla.(ſtuͤrzt ſich ſprachlos in ſeine Arme — Pauſe: ſich ploͤtzlich losreiſſend— haſtig) Lebt meine Mutter noch? K 2 Gberpr. ———— 148 —— Gberpr.(gen Himmel blickend) Sie ſieht W. von dort auf uns nieder. Il Rolla.(laͤßt Haupt und Arme ſinken und n ö heftet ſein naſſes Auge an den Boden) Gberpr. Fuͤhle nun, wie weh es meinem ge Vaterherzen that, wenn Du es durch Bitter⸗ keiten kraͤnkteſt! Erklaͤre Dir nun, wari un ke 5 ich immer ſo an Dir hing, Dir uͤberal folgte, N mich zu Dir draͤngte, oft Mißhandlun⸗ gen von Dir erduldete. Entraͤthſele Dir je nun meine Angſt, meinen Kummer, wenn m Du in den Krieg zogſt; meine Freude, wenn ei 22 Du als Sieger zuruͤck kehrteſt. i0 Rolla. Lihn an ſein Herz druͤckend) Alſo E6 4 hat doch jemand, Freude an mir gehabt!— d0 Mein Vater!— mir iſt dieſer Name noch 9 ſo neu— und die Empfindung noch ſo neuüun ſe 4— Oft, wenn ich an der Spitze des Heeres 9 f euren prieſterlichen Segen empfing, und eure d 7J45 Hand auf meinem Haupte fuͤhlte, wie ſie 9 0 zitterte— o haͤtt' ich gewußt, warum ſie 1 3— gewußt, es ſey der Segen eines 1 Va⸗ ie ſieht ken und meinem andlun⸗ le Dir wenn „wenn ) Alſo ibt!— ne noch ſo neu Heeres nd eure wie ſie um ſie neines Va⸗ 149 Paters.— Mein Vater! warum verbargt Ihr Euch ſo lange einem Herzen, wie das meinige, das an jeder Freude Mangel litt?— Gberpr. Wer konnte Deinem wilden Ju⸗ gendfeuer trauen? Rolla. Aber— voch iſt alles mir ſo dun⸗ kel; reißt den Schleyer ganz von meinen Augen. Gberpr. Was keinem moͤglich iſt, noch je ſeyn wird, ward mir, dem Oberprieſter, moͤglich. Die Geſchichte Deiner Mutter blieb ein Geheimniß. Dich Neugebohrnen ſandt' ich an die Greuze des Reichs, unter die Voͤl⸗ ker von Ibara, deren Statthalter mein Bru⸗ der war. Du wurdeſt als ſein Sohn erzo⸗ gen, Du warſt ein junger Knabe als er ſtarb, ſein Tod lieh mir einen Vorwand Dich ohne Aufſehn von jenen⸗rohen Voͤlkern weg, an den Hof von Quito unter die Obhut Deiner Verwandten zu bringen. So viel ohne Arg⸗ wohn zu erregen moͤglich war, nahm ich ſelbſt mich Deiner Erziehung an. Deine Mutter K 3 gieng 150 833 gieng ein Jahr vorher an den Ort der Ruhe. Ich— ich ſchleppe noch immer mein graues Haupt, und imein freudenleeres Daſeyn mit mir herum. Kolla. Freudenleer?— Und Ihr habt einen Sohn?— Bis jetzt hielt ich mich fuͤr elend; aber ſcheltet mich einen Nichtswuͤrdi⸗ gen, wenn ich je wieder murre; denn ich habe einen Vater! Ja, ich bin wieder ausgeſoͤhnt mit der Welt. Ihr und ich, ganz gluͤcklich koͤnnen wir nie werden; doch ein ertraͤgliches Leben, ſelbſt von mancher ſuͤßen Stunde ge⸗ wuͤrzt, das verſprech' ich Euch. Hoͤrt, wie meine Phantaſie ſich das frohe Bild traͤumt. Cora und Alonzo fliehen; wir begleiten ſie; ich bring' euch ferne von hier zu einem Freun⸗ de, der um meinetwillen euer aller Freund ſeyn wird. Dort leben wir ruhig und ver⸗ gnuͤgt, einen Tag wie den andern, in ſorg⸗ loſer Heiterkeit, und wenn auch dann und wann einmal Cora's Liebkoſungen, Alonzo's Gluͤck, meinem Herzen wehe thun, daß ich nicht r Ruhe. graues eyn mit hr habt nich fuͤr swuͤrdi⸗ ich habe geſoͤhnt luͤcklich aͤgliches nde ge⸗ rt, wie traͤumt. ten ſie; Freun⸗ Freund nd ver⸗ n ſorg⸗ nn und lonzo's daß ich nicht 151 nicht laͤnger hinzuſehn vermag; ſo wink ich euch; wir laſſen die Liebenden allein, ſetzen uns draußen vor die Huͤtte, und ihr erzaͤhlt mir von meiner Mutter. Gberpr. Du bedenkſt nicht, Rolla— fliehen iſt unmdͤglich!— beyde in Feſſeln, beyde von tauſend Augen bewacht! und in wenig Stunden ſprechen die verſammleten Prieſter ihr Urtheil— ach! taͤuſche Dich nicht.— Cora iſt ohne Rettung verlohren! Rolla. Nein, Vater, nein! Ihr muͤßt ſie retten! wahrlich Ihr muͤßt!— Seyd Ihr nicht Oberprieſter, der Erſte unter ihren Rich⸗ ternꝰ Gberpr. Was bin ich Einzelner gegen die empoͤrte Menge?— ich hoͤre ſchon den Eiferer Kaira brauſen. Schrei Dich in den Sturmwind heiſer, Du wirſt ihn nicht hin⸗ dern den jungen Baum mit ſeiner Wurzel auszureiſſen. Xolla. So habt Ihr doch das Eurige ge⸗ than, und Gott und meinem Schwerdte uͤber⸗ K 4 laßt 152 laßt das uͤbrige. Denkt, Vater, wenn die ermordete Cora dort oben meine Mutter traͤ⸗ E fe, und ſpraͤche zu ihr: ich bin eine Son⸗ nenjungfrau, zum Tode verurtheilt, tseil 0 ich liebte, durch den Oberprieſter und ſeine Schaar— 0 9 Gberpr. Warum mich martern, mein Sohn? Ich will ja gerne thun, was ich kann; ich will reden, bitten, alles Lerſu⸗ chen, was in der Ohnmacht eines Greiſes 404 ſteht.(mit einem Seufzer) Sie naht heran, die Stunde des Gerichts. Kolla. So eilt! haltet Wort! thut, was Ihr koͤnnt! mein Leben haͤngt an Cora's Le⸗ ben! Iſt aber alles vergebens, nun ſo ſollt Ihr finden, daß ich indeſfen nicht muͤßig war. Geht! Gberpr. Cihm traurig die Hand reichend) Moͤchten wir uns freudiger wiederſehn! Leb wohl!(ab) Vier⸗ —————— nn die Vierter Auftritt. er traͤ⸗ Rolla allein.(nach einer Pauſe) weil Du weißt nicht was hier bruͤtet, guter Al⸗ ter! Deiner Rednergabe traue ich wenig— Gewalt! Gewalt! das iſt die wahre Ueberre⸗ dung.— Wo bleibt Velasquez 2 daß er ſeine Hand in die meinige ſchlage, und meine Glut in ſeine Bruſt uͤbergehe.— Ha! ich will ſie retten! ich muß ſie retten!—— Meine heran, Mutter war eine Sonnenjungfrau?— ich darf ihren Namen nicht laut nennen.— Cora's Rettung iſt meiner geopferten Mutter t, was a's Le⸗ Rache!—— Dank euch, ihr Gotter! ſo ſollt wie weiſe habt ihr die Zuͤgel des Schickſals 3 muͤßig gelenkt! Eure Schuld iſt es nicht, wenn Rolla arm an Heldenthaten bleibt. Freyheit ichend) der Geliebten, ein Todtenopfer der Mutter: Leb wen das nicht in Flammen jagt, der iſt aus ab) dem ewigen Schnee zuſammengeknetet, der auf der Spitze der Cordilleras ruht. Vier⸗ K 5 Funf⸗ 154 S—— Fuͤnfter Auftritt. Rolla. Dom Juan. Rolla. Willkommen! ich warte auf Dich, brauche Dich. Juan. Hier bin ich. Was willſt Du? Rolla. Haſt Du Muth Deiꝛ Leben fuͤr ei⸗ nen Freund zu wagen? Juan. Wenns frommt, warum nicht? Rolla. Gieb mir Deine Hand. Juan. Hier iſt ſie, Kolla. Cora und Alonzo ſind verlohren. Juan. Leider!— Rolla. Wir muͤſſen helfen. Juan. Wenn wir koͤnnen. Rolla. Ein kuͤhner Streich.— Ein tolles Wagſtuͤck— Juan. Sey es! Nur kein Verbrechen. Xolla.(betroffen) Verbrechen? Pfui, da ſchlaͤgſt Du mich auf einmal nieder.— Ja es iſt ſo ein Stuͤck von einem Verbrechen. Juan. brauche Du2 fuͤr ei⸗ nicht? hren. n tolles hen. fui, da — Ja Juan. Rolla. 333 155 Dann ſuche Dir einen andern. Oder— wie man das nimmt. Sprich! welches Verbtechen iſt groͤßer: ein heben⸗ Juan. Rolla. Juan. unmenſchliches Geſetz geben oder es auf⸗ Das letztre iſt eine Tugend. Die wir uͤben wollen. Wir?— Haben wir Recht dazu? Dieſe Tugend zu uͤben ſteht nur in der Macht des Koͤuigs. Xolla. Juan. Rolla. Juan. Rolla. Wir wollen dem Koͤnige rathen. Das wollen wir. Mit gewaffneter Hand. So ein Rath waͤre Aufruhr⸗ Was liegt am Namen? Wenn nur das Gute bewuͤrkt wird. Juan. Nicht alſo! Ataliba hat mich gaft⸗ frey aufgenommen, er iſt mein Wohlthaͤter. Kolla. Dein Freund ſchwebt in Gefahr. Juan. Ich begehe kein Verbrechen zu fei⸗ ner Rettung. Rolla. 15 6———— 5—— Rolla. Aber wenn ich Dir verſpreche, daß weder dem Koͤnige, noch irgend einem ſeiner Diener ein Haar gekruͤmmet werden ſoll? daß wir nur durch Furcht fiegen wollen?— Du weißt, ich war Feldherr; noch liebt mich das Heer, denn es hat oft unter mir geſiegt, und im Felde war der geringſte unter ihnen mein Bruder. Auch Dir vertraute der Koͤ⸗ nig eine tapfre Schaar. Ein Wink, ſo ſam⸗ melt alles, was die Waffen traͤgt, ſich um uns her. Wir fordern nichts fuͤr uns; der Thron iſt uns heilig; Leben und Eigenthum eines jeden einzelnen ſind uns heilig; nur Freyheit fordern wir; Freyheit fuͤr Cora und Alonzo!— Juan. Ebdler Rolla! Dich blendet die Lie⸗ be. Greif in Deinen Buſen Du wirſt Dich vielleicht zum erſtenmale in Deinem Leben auf einem boͤſen Willen ertappen. Rolla. Ich habe keine Ohren fuͤr Oein Ge⸗ ſchwaͤtz.— Tugend iſt Spielwerk, wenn keine Leidenſchaft dabey ins Gedraͤnge kommt. Juan. 10 mich geſiegt, ihnen er Kd⸗ ſo ſami⸗ ſich um ; der enthum ;nur ra und die Lie⸗ ſt Dich hen auf ein Ge⸗ n keine Juan. 157 Juan. Wohlan! je ſchwerer der Sieg, Rolla. Nein! nein! nein! ich will nichts fuͤhlen, als Cora's Gefahr! ich will nichts hören, als Cora's huͤlferufende Stimme!— Sieh! dort iſt Cora's Grab!—— Kalter Menſch! ſieh, dort iſt Cora's Grab!—— Doch, was geht Dich Cora an?— Ler er⸗ greift ihn haſtig bey der Hand)— Komm fort! komm fort! zum Scheiterhau ufe n, den man fuͤr Deinen Freund bereitet. Wenn auch dort dein Herz Deinem Kopfe Zeit laͤßt, zu vernuͤufteln; wenn auch dort meine Angſt, meine Wuth Dich nicht anſtecken; nun ſo laß ich Dich ſtehen, und ſuche das Grab meiner Mutter. Und beym erſten Blick darauf, wenn ich ſehe, wie der Wind das Gras be⸗ wegt, ſchwinden alle Deine Plaudereyen aus meiner Seele. Komm fort! fort!— (er zieht idn nach ſich). Sech⸗ 158 ä Sechſter Auftritt. (Der Vorhof des Tempels) Xaira mit andern Prieſtern im Geſpraͤch be⸗ ˖ griffen. Kaira. Er bleibt lange. 0 0 * Ein Prieſter. Sehr lange. . Ein Anderer. Die Zeit verſtreicht. 3 Ein Dritter. Der Mittag iſt voruͤber. Xairg. Was kann der Koͤnig von ihm wollen?— Ein Prieſter. Der Bote wußte nichts zu ſagen. Ein Anderer. Als daß Er mit dem Ober⸗ prieſter zu reden verlange, noch ehe das Ur⸗ theil uͤber Cora geſprochen werde, — Kaira. Sonderbar. Ein Prieſter. Der Bote war ſehr eilfer⸗ N tig. Xgira. praͤch be⸗ t. uͤber. bon ihm ichts zu m Ober⸗ das Ur⸗ r eilfer⸗ Xgira. ——— 159 Xaira. Alſo wohl gar ein Geſpraͤch uͤber dies Urtheil? Alſo wohl gar Theilnahme an dem Verbrechen?— Ach Freundel ich fuͤrch⸗ te, dieſer Ynca iſt lau bey der Rache der Goͤt⸗ ter. Schon diefen Morgen— wie ſauer ihm der Befehl ankam, den jungen Zorai zu feſſeln; wie mitleidig er auf den gottloſen Fremdling blickte, ſich ſogar herabließ mit ihm zu reden. O ſein Vater war ein andrer Mann! Ein Prieſter. Das war er. Ein Anderer. Verſaͤumte kein Opfer.“ Ein Dritter. Zitterte, wenn er in den Tempel trat. Xairs. Und ehrte unſre Weisheit. Ein Prieſter. Unſern naͤhern Umgang mit den Goͤttern. Xairg. Schlug furchtſam die Augen nis⸗ der, wo ſein Sohn unbefangen laͤchelt. Aber wer iſt Schuld daran? ſein Lehrer, ſein Er⸗ zieher, kurz: unſer Oberprieſter! Ich will nicht reden, es iſt hier weder Ort noch Zeit, aber 160—.— A aber ich kenne ſeine Grundſaͤtze. Gebt acht, gebt acht— Ein Prieſter.(ihn uunterbrechend) Er koͤmmt.— Kaira. Endlich. 0 Siebenter Auftritt,. Der Gberprieſter. Vorige. 8 Kaira.(ihm eutgegen) Wir erwarten Dich mit Verlaugen. Gberpr. Der Vnca ließ mich rufen. Rairg. Iſt Euer Geſpraͤch kein Geheim⸗ niß fuͤr uns?— Gberpr. O nein. Des Koͤuigs Wille heiſcht von Cora's und Alonzo's— eine ſtrenge Unterſuchung: ob der Juͤngling und das Maͤdchen beyde gleich ſchuldig ſind, ob nicht Eines das Andere gereizt, verfuͤhrt, im Tanmel mit ſich fort geriſſen?— zebt acht, d) Er t. ufen. Geheim⸗ gs Wille htern eine zling und ſind, ob uͤhrt, im Kaira. 161 Faira.(ihm ungeduldig ins Wort fallend) Nun? und geſezt, daß es ſo waͤre? Gberpr. So ſoll man den fen und des Verirrten verſchonen. Kgira. Darf ich meinen Ohren trauen? hat der Koͤnig ſo geſprochen? und wagt der Oberprieſter der Sonne, ſo ihm nachzuſpre⸗ chen? Gberpr. Warum nicht? Raira. Die Uebertreter des Geſetzes ſollen 2 Verbrecher ſtra⸗ beyde ſterben! So ſpricht Gott! Gberpr. Haſt Du Gott ſprechen hoͤren? oder war es nicht der erſte Vnca, durch deſ⸗ ſen Mund er ſprach? Kaira. Gleichviel. Gberpr. Du haſt Recht. Der Pnca iſt der Gottheit Bild auf Erden. Doch der lez⸗ te Jnca ſo gut als der Erſte. Und wo der Ahnherr unter rohen Voͤlkern Strenge noͤthig fand, da mag der Enkel doch wenigſtens mil⸗ dern? 2 Kaira; Kaira.(ſpoͤttiſch) Warum nicht gaͤnzlich losſprechen? Gberpr. Ich geſtehe Dir, ich fand den Koͤnig ſehr geneigt dazu. Doch, er iſt der Ruhe des Volks ein Beyſpiel ſchuldig. KXaira. Eines nur? und welches?„der Schuldige ſoll ſterben“ welche irrdiſche Weisheit vermag das zu ergruͤnden? werden ſie nicht beyde von ihrer Unſchuld ſchwatzen? immer einer auf den andern den erſten Fehl⸗ tritt waͤlzen. Gberpr.(die Achſeln zuckend) Sehr moͤg⸗ lich. RKaira. Und unſer Urtheil dann? Gberpr. Davon hernach. Fuͤr jezt heiſcht unſre Pflicht dem Ynca zu gehorchen. Man fuͤhre Cora und Alonzo herbey. (Ein Prieſter ab). Kaira. Nein, ich will mein Gewiſſen nicht beflecken, auch nicht dem Ynca zu Gefallen. Sie ſind des Todes ſchuldig! Beyde! ver⸗ fuͤhrt oder nicht, das gilt hier gleich. Ich will ich we ter ter au un nu aͤnzlich ind den iſt der 2„der rrdiſche werden vatzen? n Fehl⸗ r möͤg⸗ t heiſcht Man ib). en nicht efallen. ver⸗ will will es dem Koͤnige unter die Augen ſagen, ich will es dem Volke ins Ohr raunen, und wenn Ataliba nicht mehr vor den Goͤttern zit⸗ tert, ſo mag er vor ſeinen Unterthanen zit⸗ tern! Gberpr. Das Gewiſſen iſt ſein Geſetz und auch das Deinige. Wir werden uͤber Cora und Alonzo richten, doch vergiß nicht, daß Gott einſt uͤber uns richten wird.— Ge⸗ nug, nehmt eure Plaͤtze. (Der Oberprieſter ſtebt in der Mitte, Kaira zu ſeiner Rechten, die uͤbrigen Prieſter zu beyden Seiten) α ** 164 Achter Au ftritt. Eine Wache fuͤhrt von verſchied N und Alonzo gefeſſelt herbey.— Cora Sonne auf ihrer Bruſt und des ſeuerfe 10 Guͤrtels beraubt. Cora. (als ſie 1u0 erblickt, liebevoll und unbe⸗ 5— 5 3 Mein Alonzo!— 4109 Alonzo. Gott! auch Du in Feſſeln!— Cora. Traure nicht. Du und ich— wir werden zuſammen fterben. Alonzo. Und ich— Dein Moͤrder! Raira. Schweigt!— Gberpr.(ernſt oder ſanft) Wir, die Knechte der Gottheit, ihres heiligen Willens 0 Vollſtrecker, ſind hier verſammelt zu richten, uͤber Cora, die Tochter Telasko's, und uͤber 5 Alonzo, den Fremdling. Sende deine Strah⸗ IJ35 len hinab in unſer Herz, du unſer Vater! N der du die Welt mit einem Blick uͤberſchauſt! Du 6 ſeln!— id ich— der! Vir, die Willens zu richten, und uͤber ne Strah⸗ er Vater! erſchauſt! FN D 165 Du haſt uns zu Richtern geſezt uͤber Leben d Tod, uͤber Ehre und Schande! Ergruͤn⸗ de unſer Inneres, daß nicht Partheylichkeit uns leite, nicht Eigennutz oder Rache!(er knieet nieder, mit ihm alle Prieſter) Wir ſchwoͤren gerecht zu richten nach deinem Ge⸗ ſetz, o Sonne! das Manco Capac uns ver⸗ kuͤndigt hat! Wir ſchwoͤren gnaͤdig zu rich⸗ ten, wenn deines Tempels Entweihung Gna⸗ de zu uͤben verſtattet! Rufe heute oder mor⸗ gen deine Knechte zu dir, ſo ſchwoͤren wir, dir Rechnung abzulegen von dieſer feyerlichen Stunde!— Alle Prieſter. Wir ſchworen! (ſie ſtehn auf). Gberpr. Haſt Du, Cora, Dein Geluͤbde gebrochen? Cova. Ja. Gberpr. Kennſt Du dieſen Juͤngling? Cora. Er iſt mein Gemahl. Gberpr. Kennſt Du, Alonzo, dieſes Maͤdchen? L3 Alonʒo. 166 88——— Alonzo. Sie iſt mein Weib. Xaira. Ihr ſeyd des Todes ſchuldig. Gberpr. Ehe wir das Bluturtheil ſpre⸗ cheu, liegt noch eine ſuͤße Pflicht mir ob: in unſers Koͤnigs Namen demjenigen Gnade zu verkuͤndigen, der ein Opfer der Verfuͤhrung ward. Ataliba der Sohn der Sonne, un⸗ ter deſſen Herrſchaft das Reich von Quito 75 bluͤht, verlangt von Euch ein freyes, ehrli⸗ ches Bekenntniß: wer unter euch iſt der Ver⸗ 1 fuͤhrer? wer der Verfuͤhrte? N Cora. Ich habe ihn verfuͤhrt. „ uagleich. Alonzo. Ich habe ſie verfuͤhrt. Cora.(aͤngſtlich, haſtig) Glaubt ihm nicht, er luͤgt. Alonzo. C(eben ſo— immer ſehr ſchnell auf einander) Glaubt ihr nicht, ſie hintergeht euch. Cora. Ich, ich allein trage die Schuld. 9 Alonzo. Mich, mich verdammt zum Tode. Cora. Laßt ihn los! Sprecht ihn frey! Alonzo. 7 1* dig. eil ſpre⸗ ob: in nade zu fuͤhrung ne, un⸗ n Quito „ehrli⸗ der Ver⸗ ugleich. hmnicht, chnell auf intergeht Schuld. nt zum i frey! Alonzo. 167 Alonzo. Habt Mitleid mit dem ſchwachen Weibe! laßt den Mann buͤßen. Cora. Nein! nein! nein! (Oberprieſter wendet ſich geruͤhrt weg) Raira. Schweigt! wer kann in dieſem Gewirre die Wahrheit ergruͤnden? Legt Euer Bekenntniß einzeln ab! Gberpr. Schweig, Alonzo! Rede, Cora! Cora. Als ich dieſen Juͤngling zum erſten⸗ mal im Tempel ſah, verweilte ich immer am laͤngſten, da wo er ſtand, machte mir im⸗ mer etwas um ihn her zu ſchaffen; verſchob meinen Schleyer, ſo oft ich an ihm voruͤber ging, und meine brennenden Blicke forderten ſein Herz auf. Alonzo.(haftig einfallend) Falſch! Falſch! Du ſchlugſt die Augen nieder. Rairg. Schweig, Fremdling! bis die Reihe zu reden Dich trifft. Corg. Meine gluͤhende Wauge— mein Liebe bekennender Blick reizten ihn zur Kuͤhn⸗ heit. Er uͤberſprang unſere heilige Mauern; L 4 doch 168—— doch erſchreckend vor der That, als ſie kaum begangen war, wollt' er wieder umkehren, ohne mich geſehn zu haben. Ich erblickte ihn von ferne; ich haͤtte fliehen ſollen; mir war ja der Umgang mit ihm verboten, nicht ihm der Umgang mit mir. Aber ich floh nicht, ich rief, ich winkte, er blieb ſchuͤchtern und unentſchloſſen ſtehen, bis ich auf ihn zu⸗ lang, meine Lippen auf die ſeinigen druͤckte. Er eilte, meine Arme um ſeinen Hals ſch wollte fort, ich hielt ihn; er wollte nie wie⸗ derkommen, ich bat ihn; er mahlte mir die Gefahren, ich beruhigte ihn. Mich, mich berdammt, ihr gerechten Richter! ich habe dieſen Juͤngling verfuͤhrt!— Alonzo. Die Natur ſtraft Dich Luͤgen. Schaamhaftigkeit iſt die Schweſter der Schoͤn⸗ heit. Der Mann bekennt Liebe, das Weib erwiedert Liebe. War ich es nicht, der zu⸗ erſt ſein freches Auge im Tempel auf Dich warf? war ich es nicht, deſſen buhleriſcher Blick Feuer auf Deine Wangen jagte, und Dei⸗ 10 22 mir „ nicht ch floh uͤchtern ihn zu⸗ ſchlang, ſie wie⸗ mir die „mich 0 habe Luͤgen. Schoͤn⸗ Weib der zu⸗ Dich eriſcher und Dei⸗ S——— Deinen Frieden, Deine Rühe ſtötté? Wer erſtieg ohne Schen vor Goͤttetn und Meu⸗ ſchen eure heilige Mauern? hatteſt Du mich eingeladen? wußteſt Du um das bebteſt Du nicht zuruͤck, als Du mich erblick⸗ 5 teſt? lag ich nicht zu Deinen Fuͤßen und hielt Dich feſt beym Saum Deines Gewandes 2 o was red' ich viel? ihr Richter keunt den Menſchen; es verſteht ſich ja von ſelbſt, daß ich, ich der Verfuͤhrer war. Cora. Schont ſeiner! er hat dem YInca das Leden gerettet! Und er iſt unſchuldig. Alonzo. Sie weiß nicht, was ſie ſpricht. Ich bin ſchuldig. Cora. Wollt Ihr einen Beweis, daß ich allein die Schuldige bin? Wohl! hier iſt er. Ihm iſt ſein Verbrechen leid, mir nicht; ich bereue es nicht; mir iſt meine Schuld lieb geworden, und hier— in Gegenwart der Goͤtter— in Eurer aller Gegenwart— (ſie ſtiegt auf Alomo zu) umarme ich ihn als meinen Gemahl.— Seht dieſes Schrecken! L 5 Es 170 Es zeugt gegen ihn, er windet ſich von mir 10 los— ich bin es, die ihn umſchlingt— Alonzo. Cora, was thuſt Du? Cora. Hoͤrt, wie er mich zuruͤckweißt, wie er mich warnt! So hat ers immer gemacht; aber ich folgte ihm nicht— gehorchte ihm — 5 nicht, ich zog ihn mit mir in den Abgrund. Raira. Verwegne! reißt ſie weg von ihm! — Cora.(geht wieder auf ihren Platz— ru⸗ big und gelaſſen) Sprecht nun das Urtheil! 85 Kaira. Ich ſchaudere! Gberpr. Fuͤhrt ſie fort! 4 Alonzo.(breitet ſeine Arme nach Corg aus) Leb wohl, Cora.(laͤchelnd) Bald, bald ſehn wir uns wieder. Kaira. In der Stunde des Todes! Cora. Deſto beſſer! An die lezte Stunde 5 hienieden knuͤpfte eine hoͤhere Macht die erſte eines beſſern Lebens. Kaira. Fuͤhrt ſie fort! Alonzo, Leb wohl! hon mir ißt, wie emacht; te ihm und. on ihm! — ru⸗ eil! 1 rg aus) wir uns 1 Stunde iie erſte Cora.(webmuͤthig freundlich) Mit einer Thraͤne ſcheiden wir, mit einem Laͤcheln ſehn wir dort uns wieder!(beyde ab). Xaira. Bedarf es noch mehr? mein Spruch iſt Tod!— Tod uͤber beyde! Gberpr.(traurig) Folgt mir in das In⸗ nere des Tempels! Opfert den Goͤttern, und bewegt in euren Herzen, was ihr geſehn und gehoͤrt habt. Dann laßt uns als Wenſchen uͤber Meuſchen ein Urtheil ſprechen. Ende des vierten Aets. Fünfter Aufzug. des Sonnentempels.— Im Hiu⸗ te das Bild der Sonne auf einem Al⸗ tar zu welchem einige Stufen fuͤhren. Erſter Auftritt. Der Gberprieſter. Xaira. Berſchiede⸗ ne andete Prieſter.(welche leztere im Hintergrunde raͤuchern und opfern). Gberprieſter(Kaira vorfuͤhrend). Noch ein Wort, Kaira, ehe wir durch einen — raſchen Spruch den heiligen Namen entweihen, den wir tragen. Sind wir nicht die Die—⸗ N ner der goͤttlichen Gnade? N KXairg. Und der goͤttlichen Rache! 3 Gberpes nt Hiu⸗ inem Al⸗ erſchiede⸗ tere im „ ). ch einen tweihen, die Die⸗ —————————— 2 173 er. Gberpr. Nicht doch! laß das den Pöbe glauben. Nur der Be leidigte kann ſich raͤ⸗ chen, und Gott kann nie der Beleidigte ſeyn.— Wir, in die Geheimniſſe einer rei⸗ nen Lehre eingeweiht; wir, die wir unſre Kniee vor dem unſichtbaren Gott beugen, wir duͤrfen ſchon ein Wort im Vertrauen reden. Raira. Wozu? warum in dieſer Stunde? Gberpr. Weil dieſe Stunde ſich einſt dort fuͤr uns in kummervolle Jahre ausdehnen Foͤnnte. Kaira. Meine Richtſchnur iſt meine Ueber⸗ zeugung. Gberpr. Das iſt nicht; das kann nicht ſeyn. Schwach und gebrechlich ſchuf Gott den Menſchen: ſiehe da Deine und meine Ueberzeugung! Unvollkommen iſt dieſe Erde, und alles was darauf lebt und webt. So ſolll' es ſeyn. Der Gott, der den Tyger duldet, wenn er ein Lamm zerreißt; ſollte der nicht auch den ſchwachen Menſchen dul⸗ den, 174 83 den, wenn er der Stimme der Natur ge⸗ horcht?— Raira. Aber wir, wir Menſchen toͤdten 1 den Tyger, und wir thun Recht daran; wir ſtrafen den ſchwachen Menſchen, und wir A thun Recht daran. Gberpr. Wenn ſeine Schwachheit den I Staat zerruͤttet: dann— —*— Raira. Und iſt das hier nicht der Fall? Gberpr. Nein. Ratra. Nicht? Gberpr. Nein! nein! Du ſelbſt ſprachſt ja nur von Rache der Goͤtter?— 25 FPaira. Und Du koͤnnteſt das Wort dem 9 zuͤgelloſen Leben reden, deſſen Quelle unſre Nachſicht ſeyn wuͤrde?— Gberpr. AmUrſprung einer reinen Quel⸗ le denkt man wenig an den Schlamm, den ſie 4 einſt mit ſich fuͤhren mag.— Ich bitte Dich, 0 laß uns unſerm Berufe treu ſeyn! Laß uns 19 dem Gotte gleichen dem wir dienen, deſſen Strahlen Leben und Waͤrme uͤberall verbrei⸗ ten! ter me wi un W. gu ge⸗ oͤdten wir wir den all? achſt dem unſre Quel⸗ en ſie Dich, uns eſſen brei⸗ ten! 9 —ů—————⁵⸗—— 3 175 ten! laß uns Cora freyſprechen! Der Koͤnig mag dann thun was ihm gut duͤnkt. Ver⸗ wirft er unſer Urtheil, nun ſo haben wir das unſrige gethan, und die armen Schlachtopfer werden mit ihrem lezten Seufzer uns unſern guten Willen danken. Kaira. Was willſt Du von mir? Du ſprichſt, als beruhe die Entſcheidung allein auf mir. Biſt Du nicht Oberprieſter? Heiſcht nicht Dein Amt der ganzen Prieſterverſamm⸗ lung den Gegenſtand des Urtheils vorzutra⸗ gen? Ich habe dann nur eine Stimme. Gberpr. Ach! Du weißt zu gut, daß mir das Geſetz verbietet, meinen Vortrag zu ſchmuͤcken. Einfach und ungekuͤnſtelt muß er ſeyn. Wahr iſts, Du haſt nur eine Stim⸗ me: aber Du biſt der aͤlteſte, biſt nach mir Oberprieſter, wann ich ſterbe; auf Dich ſehen die juͤngern Prieſter alle, und neigen ſich wohin Du Dich neigſt. Faira. ———— 176—— Raira. Mag ſeyn! Doch nicht ſo der Nu⸗ ca. In ſeiner Macht ſtehts dann noch im⸗ pr N mer, zu begnadigen. de Gberpr. Du ſpotteſt. Seit Jahrhun⸗ 0 derten hat jeder Huca vom Vater zum Soh⸗ ne den prieſterlichen Spruch beſtaͤtigt. Wird 1 Ataliba nicht nach ſeiner Vaͤter Weiſe han⸗ fl deln 2 Raira. Genug!— Es laͤuft wider Dei⸗ ne Pflicht mir mein Urtheil abzudringen; 1 2— 81.— 709 es laͤuft wider meine Pflicht, Dich laͤnger 8 i0 zu hören. Cer will ihn verlaſſen) Gberpr.(hitzig) Nun wohlan! ihr Blut komme uͤber Dich! ö Kairg.(kalt) Ihr Blut komme uͤber mich! ö Gberpr. Herbey ihr Prieſter!(die Prie ſter ſammeln ſich um ihn—(fuͤr ſich) O ich leſe ihr Urtheil ſchon in ihren Mienen. Cer 10 ſucht ſich zu faſſen. Nach einer Pauſe) Ihr · 18 kennt die Verbrecher und das Verbrechen. Entſcheidet!— Xgirs. der Nu⸗ och im⸗ ährhun⸗ m Soh⸗ Wird iſe han⸗ der Dei⸗ ringen; laͤnger hr Blut ne uͤber die Prie O ich n. Cer )Ihr brechen. Xgira. 177 Kaira. Wie ſpricht das Geſetz?—(Ober⸗ prieſter ſchweigt) Ich frage Dich: wie ſpricht das Geſetz? Gberpr.(nach einigem Kampfe mit leiſer Stimme) Tod! Xaira.(laut und ſeierlich) Das Geſetz ſpricht Tod uͤber Cora und Alonzo!— Alle. Tod! Gberpr.(nach einer Pauſe, entſchloſſen) Ich willige nicht in dieſes Bluturtheil! meine Stimme ruft Gnade! denn ich fuͤhle, daß ich ein Menſch bin, wie jene. Greift in Euren Buſen, Bruͤder! pruͤft Euer Herz! und ruft Euch das leiſe, leiſe Gnade zu; ſo ruft laut mit mir Gnade!— Xaira.(kalt) Wie ſpricht das Geſetz? Tod uͤber Cora und Alonzo! Alle. Tod! Gberpr. Nun wie Ihr wollt. Du ſiehſt mich unbekannter Gott! meine Hand befleckt kein Tropfen dieſes Blutes!— Fuͤhrt ſie her, die ungluͤcklichen Opfer Eures blinden M Eifers. 178 Eifers.(zwey Prieſter auf verſchiedenen Sei⸗ ten ab) Ihr andern legt das Schwerdt, und einen friſch gebrochnen Palmenzweig auf den Altar.—(es geſchieht) Du Kaira, folge mir zum Koͤnige.(ab mit Xaira). Zweyter Auftritt. Cora und Alonzo von verſchiedenen Sei ten. Die Prieſter gehen waͤhrend dieſer und der folgenden Seene ab und zu, und ſind im Hintergrunde um den Altar be⸗ ſchaͤftigt. Alonzo. (der einige Augenblicke fruͤher erſcheint als Cora) Ich ſchaudere!— Iſt es doch nur ein Goͤ⸗ tzen-Tempel— aber Gott wohnt uͤberall! guch hier, wo unter dem Bilde der Sonne das Geſchoͤpf den Schoͤpfer anbetet. Und dieſen Tempel hab ich entweiht! Cora's Moͤr⸗ der! der Moͤrder eines ehrwuͤrdigen Greiſes, der S 199 2 22 7 270 uSei⸗ und uf den folge n Sei dieſer uund tar be⸗ Cora) in Goͤ⸗ berall! Sonne Und Moͤr⸗ reiſes, der — 179 der mich nie beleidigte! der Friedensſtöͤrer eines guten Volks, das mich freundlich auf⸗ nahm!—— O verſchlinge Erde das Un⸗ geheuer mit allen ſeinen Schandthaten! Auf meinem Grabe wachſe kein Gras! nicht der Thau des Himmels befeuchte es, kein Wan⸗ derer muͤſſe da ausruhen und kein Kind dar⸗ auf ſpielen.(Cora tritt herein) Ach Cora! wie war mir ſonſt ſo wohl, wenn ich Dich ſah— wie iſt mir jezt ſo weh!— Cora. Wie Alonzo? Du ſprichſt nicht ſo wie Du denkſt. Hab' ich nicht oft Dich ſa⸗ gen hoͤren: wenn ich mit Cora nicht leben ſoll, ſo will ich mit Cora ſterben? Auch Co⸗ ra dachte ſo— denkt noch immer ſo. Mit Dir leben, mit Dir ſterben, um dort mit Dir zu leben. Alonzo. Das iſt die Ruhe der Unſchuld. Du wußteſt nicht was Du thatſt; aber mich — mich begleitet ein boͤſes Gewiſſen zum Tode. N 2 Cors. 22———— 180 Cora. Nicht doch. Wir haben beyde nichts Boͤſes gethan. Wir liebten und wir ſ mußten ja lieben, nicht wahr?— Stand 9 VI es in deiner Macht, mich nicht zu lieben?— 10 in der meinigen ſtand es nicht. Wer traͤgt V denn die Schuld?— Der Zufall der uns zuſammen fuͤhrte— oder die Gottheit, die uns zuſammen fuͤhrte!— Nein, es iſt alles gut ſo. Ich bin mit meinem Schickſal zu⸗ frieden. Auch die Menſchen ſind gut. Sie wollen uns mit einander vereinigen. Als N Sonnenjungfrau darf ich mich nicht mit Dir vermaͤhlen— aber der Tod, der Tod ver—⸗ maͤhlt uns.— Sey gutes Muths, lieber Alonzo! wie oft bin ich mit Dir uͤber die FEeee rauhen Steine geſprungen, dort bey der ein—⸗ geſtuͤrzten Mauer. Nun, der Tod iſt ja auch nur ein Sprung uͤber ein paar rauhe Steine. Iſt man hinuͤber, ſo iſts vor⸗ bey, und Lieb' und Freyheit huͤpfen uns dort NN eutgegen. Alonzʒo,. beyde id wir Stand n?— traͤgt runs t, die ſt alles ſal zu⸗ Sie Als lit Dir 'd ver⸗ lieber ber die er ein⸗ iſt ja rauhe vor⸗ ER llonzo. 181 Alonßo. Suͤßes Geſchoͤpf! mit Deiner ſchuldloſen Seele blickt man ruhig in Ver⸗ gangenheit und Zukunft. Aber ich!— Cora. Und wenn ich Dir nun beweiſe, daß gerade Du ruhiger als Cora in die Zu⸗ kunft blicken darfſt? Deine Mutter iſt weit, weit von hier, und wenn ſie nichts mehr von Dir hoͤrt, ſo wird ſie glauben, Du ſeyſt durch Schiffbruch, durch Kraukheit, ſo oder ſo aus der Welt gegangen, und wird ſich troͤſten, und ihre geſchaͤftige Mutterphanta⸗ ſie wird ihr alles Schdne und Gute vormah⸗ len, was Du ſchon gethan und noch haͤtteſt thun koͤnnen; aber ich— ich hab' einen Va⸗ ter— zwar fern von hier in einer entlegenen Provinz; aber doch muß ers bald erfah⸗ ren, wie und warum ich ſterben muͤſſen. Ach! das allein macht der armen Cora den Tod ſchwer! Der alte Mann hat mich ſo lieb— und iſt ein ſo guter alter Mann— waͤr' er hier, ſein Herz wuͤrd' ihm brechen. M3 Alonßo. 182„„5 RRR Alonzo.(beyſeite) Himmel! ſie weiß nicht— Cora. Ich habe in dieſer letzten Stunde auf meinen Knieen gelegen, und inbruͤnſtig . fuͤr meinen Vater gebetet, daß ein ſanfter — Tod ihn der Welt entruͤcke, ehe ſeiner Toch— ter Schickſal bis zu ſeinen Ohren dringt. 5 F Ploͤtzlich, Alonzo, verbreitete ſich in meiner— N Seele eine Heiterkeit, als ob der Morgen 8 anbraͤche, und ich hoffe, ich ward erhoͤrt! ˖ — Nun iſt mein lezter Wunſch, daß was ö mit mir geſchehen ſoll, nur bald geſchehe! nur bald und raſch! Fort aus der Welt, daß nicht die feierlichen Anſtallen meine Sinne empören und meinen Muth erſchuͤttern. Alonzo. Ach! alles was Du gelitten haſt —— und Alles was Du noch leiden wirſt, liegt ſchwer auf meiner Seele!— Cora. Ich ſage Dir, ich werde nicht mehr leiden.— weiß tunde uͤnſtig anfter Toch⸗ ringt. neiner orgen rhoͤrt! was chehe 1 daß Sinne nha ſt wirſt, mehr rit⸗ Dritter Auftritt. Der alte Telasko und der gefeſſelte Zorai, treten herein. Die Vorigen. Cora.(ſchreyt laut und nittert). Ach!— ich bin erhoͤtt— dieſer Geiſt — das iſt meines Vaters Geiſt— aber — ſein Blick iſt unwillig—(ihr Geſicht verbergend) ſein Blick iſt furchterlich!— Alonzo hilf mir aus dieſem Traume—— Alonzo. Wollte Gott, es waͤre nur Dei⸗ nes Vaters Schatten! Er iſt es ſelbſt! O der bittern Stunde!— Cora.(ſchuͤchtern nach Telasko blickend) Mein Vater?— Telasko.(iu Zorai) Warum fuͤhrt man mich hieher? gerade bieher?— Ich diente doch dem Vaterlande ſo lange; bin ich denn gar keiner Schonung werth?— Geh, fra⸗ ge die Prieſter, ob das ſo ſeyn muß, daß M 4 ich 2⁷ 23 ich hier mit ibr zuſammen komme?— Geh! 0 geh! ich will mich indeſſen an dieſen Pfeiler halten. 5 10 Cora.(ſich ihm ſchuͤchtern nahend) Mein Pater— Telasko.(aͤngſtlich) Rette mich, Zorai! „ rette mich! Jorai.(ſtoͤßt ſie weg) Fort, Schlange! Schone des alten Mannes wenigſtens in ſei— * nen lezten Augenblicken. (Telasko wendet ſein Geſicht ab). N Cora.(faͤllt auf die Kniee und hebt ihre Haͤn⸗ de bittend empor) Bruder! N Forai. Ich Dein Bruder?— doch ja; dieſe Feſſeln ſagen mir, daß ich Dein Bru⸗ der bin. Cora. Vater! N Telasko.(abgewendet) Wer ruft mich? ich 1 kenne Deine Stimme nicht. WN Cora. Bruder! Vater!— Ach! das N iſt mehr als Todesangſt!—(die Haͤnde 646 ningend). Telasko. Geh! Pfeiler Mein Zorai! lange! in ſei⸗ ). re Haͤn⸗ ch ja; Bru⸗ 2 ich das Haͤnde ——— 1985 5 C0 Telasko. Ach Zorai! mein Vaterherz bricht! es iſt die Stimme ihrer Mutter— (einen Blick auf ſie werfend) und die Geſtalt ihrer Mutter.— Cora! Cora! ich bin mit Ehren grau geworden, und Du deckſt mein Grab mit Schande!— Wenn das Deine Mutter wuͤßte!— Wohl ihr, daß ſie die⸗ ſen Tag nicht erlebt hat! Fort von mir! zaͤhle nicht auf Barmherzigkeit! Haſt Du ſie um mich verdient? Hab' ich Dich geßwungen, Deine Jugendtage dem Dienſt der Sonne zu weihen? Hab' ich Dir nicht oft geſagt: Tochter! Tochter! beſinne Dich wohl, was Du thuſt! es giebt Freuden die Du noch nicht keunſt, die Du vielleicht einſt ahnden wirſt, und ſchon dieſes Ahnden wird ein Ver— brechen„ das Entbehren Dein Ungluͤck ſeyn. Noch am letzten Abend, ehe die Goͤtter den unwiederruflichen Schwur hoͤrten, noch am letzten Abend bat ich Dich— und Gott weiß wie mir dabey zu Muthe war!— Ich bat Dich: Liebe, liebe Tochter! noch iſt es Zeit, M 5 um umzukehren! Die Zukunft ſchwebte damals truͤbe vor meiner Seele, wie das Meer an ei⸗ nem neblichten Tage. Auch Du— Du einteſt, Dein Herz war Dir ſo voll, Du wuſteſt nicht warum, Dich warnte Dein Schutzgeiſt: aber Du beharrteſt in Deiner Schwaͤrmerey, traͤumteſt naͤhern Umgang mit den Goͤttern.— Nun ſtehen wir hier, ich alter Mann mit meinen grauen Haaren, zu Boden geſchlagen die Ehre meines Hauſes! Dieſer Juͤngling voll Kraft und Vaterlands⸗ liebe, ſchuldlos in Dein unſeliges Verhaͤng⸗ niß verwickelt! Gemordet beyde durch die Hand der Tochter! der Schweſter!— Und der Gefaͤhrte unſers Todes iſt Schande! Ach! daß ich dieſen Tag erleben mußte! Se⸗ lig! ſelig Deine Mutter, daß ſie ſtarb, ahe dieſer Morgen anbrach. (Cora, zetmalmt durch ihres Vaters Vorwuͤr⸗ fe, ſfiukt mit einem ſchwachen Seufzer zu Boden.) damals r an ei⸗ — Du ll, Du e Dein Deiner ang mit en, zu hauſes! rlands⸗ rhaͤng⸗ ch die Und hande! Se⸗ „ahe orwuͤr⸗ fzer zu Te⸗ 5S 187 Telasko.(mit einer Bewegung von Zaͤrt⸗ lichkeit) Ach Zorai! ſteh ihr bey! Zorai. Crichtet ſeine Schweſter auf— auch Alonzo will ihr zu Huͤlfe kommen.— Zorat ſtöst ihn weg) Fort mit Dir, Tugendmoͤrder! — O wie werden doch die Helden ſo klein, wenn man ſie in der Naͤhe erblickt! wie liebt' ich in der Ferne dieſen Mann, als ich ſo viel Gutes von ihm hoͤrte! wie wallte mein jun⸗ ges Herz! wie oft wuͤnſcht' ich mich an ſeine Stelle! Ich Thor! ſeine Thaten waren Wer⸗ ke des Zufalls; er iſt ein ſchwacher Menſch, wie wir alle. Sieh her, und weide Dich an dieſem Schauſpiel; es iſt Dein Werk!— Ha! dank' es dieſen Feſſeln, daß ich nicht ſelbſt im Tempel unſers Gottes blutige Rache an Dir nehme. Alonzo. Wuͤßtet ihr, wie mein Herz zer⸗ fleiſcht iſt, wie unnennbar ich leide, ihr wuͤrdet mich bedauern!— Telasko. Laß ihn, Sohn! Er iſt elender, als wir. Wir haben noch einen Schatz, den wir DDrr—— 188 wir mit hinuͤber nehmen: unſer Gewiſſen. 9 Er iſt aͤrmer als wir; er hat alles verlohren. + Cora. Ach Vater! laß mich nicht in Ver⸗ 2 zweiflung ſterben! Kannſt Du Deinen Segen 0 mir in der Todesſtunde verſagen?(ſie faͤllt 8 ihm zu Fuͤßen) Ich will Deine Kniee umklam⸗ 0 mern, meine Angſt muß Dich ruͤhren! Erbar⸗ d me Dich! erbarme Dich! Segne mich, mein l Vater! vergieb mir, mein Bruder!— 4—(Telasko und Zorai ſind bewegt) 6 0 Cora. Seht, ich winde mich wie ein N Wurm— ich leide unausſprechliche Pein —*— Erbarmen! ach! ich kann nicht mehr— Telasko.(ſehr bewegt) Sohn! Sohn! Laß uns ihr den Tod nicht ſchwerer machen — einem Ungluͤcklichen verzeiht man ſo leicht — hebe ſie auf in meine Arme!(Zorai ge⸗ horcht) Telasko.(druͤckt Cora an ſein Herz) Stirb ruhig!— ich verzeihe Dir! i Corg.(ſehr ſchwach) Mein Bruder— Te⸗ wiſſen. hren. n Ver⸗ Segen e faͤllt iklam⸗ Erbar⸗ mein ie ein Pein Sohn! achen leicht ai ge⸗ Stirb 189 Telasko. Auch er, auch er!— komm, komm Zorai! keinen Groll!— vergieb der Buͤßenden!— Nenne ſie Schweſter!— Jorai.(Cora umarmend) Ungluͤckliche— Schweſter! Cora.(noch immer ſehr ſchwach)— Dank den Goͤttern! die Bitterkeit des Todes iſt vor⸗ uͤber. Alonzo. Eure Herzen ſind erweicht— ach!— darf Alonzo wagen— Euer Mit⸗ leid anzuflehen?— Du nannteſt mich einen ſchwachen Menſchen Zorai. Schwach bin ich— aber kein Böſewicht!— Das Elend knuͤpft ja ſonſt die Menſchen ſo leicht an ein⸗ ander.— Laßt uns verſoͤhnt zum Tode gehn! Telasko. Fremdling, ich hege keinen Groll gegen Dich. Wie koͤnnt' ich ſchoͤner aus der Welt gehn, als indem ich meinem Belei⸗ diger verzeihe.— Haſt Du auch noch El⸗ tern? „—————— 190 Alonzo. Ich habe noch eine alte Mut⸗ 1 ter. Telasko. Nun— um Deiner alten Mutter willen— komm her, daß ich an ih— 3 0 rer Statt Dich ſegne!(Cer ſchließt ihn in ſeine 2 Arme) „ Alonzo. O eine ſchwere Laſt gleitet von meinem Herzen. Auch Du, Zorai?— 2 9(ihm die Hand bietend) Jorai. Laß mich! Ich bewundre meinen 0 Vater, aber ſeinem Beyſpiele folget— das N kann ich nicht. 8 2 Alonzo. Gieb einem Sterbenden die Ruhe! Jorgi. Ich kann nicht. Soll ich Dir Verſoͤhnung heucheln? Du liſt mir verhaßt. — Laß mich! ich will verſuchen, ob ich dies 9 bittre Gefuͤhl das gegen Dich ſpricht, bekaͤm—⸗ k. N pfen kann, und gelingts mir, nun ſo will b —* 400 ich, indem wir zum Tode gehn, Dir die 1 4 Hand reichen, und Du weißt dann was das 8 bedeutet. Mut⸗ alten an ih⸗ in ſeine et von 2— neinen — das 1die Dir haßt. dies kaͤm⸗ will die das lon⸗ 19t Alonzo. Habe Dank auch fuͤr dieſes Wol⸗ len! es iſt ſchon mehr als ich werth bin. Cora.(hat ſich waͤhrend des letztern Dialogs an einen Pfeiler gelehnt um ſich zu erholen.) Vierter Auftritt. Der Gberprieſter. Xaira. Mehrere Prie⸗ ſter. Gleich darauf der Koͤnig mit ſei⸗ nem Gefolge. Xairg. Der Koͤnig kommt! (Die Prieſter ſammeln ſich an den Stufen des Altars.— Cora, Telasko und Zorat bleiben im Vordergrunde an einer Seite. — Alonzo an der anderu.) Ataliba.(tritt langſam und finſter herein, knieet nieder vor dem Bilde der Sonne, und bleibt einige Augenblicke in einer betenden Stel⸗ lung.— Alles iſt ſtill.— Er wendet ſich darauf zu Alonzo— halb leiſe und haſtig) Rette Dich, Alonzo! ſprich, du ſeyſt ein Fremd⸗ —— 192 Fremdling— habeſt nicht gewußt,— Dir ſey Geſetz und Strafe unbekannt geweſen Berufe Dich auf Deine Verdienſte um den Staat, um mich, um das Volk— rede, was die Gefahr Dir eingiebt— Dein Freund iſt Dein Richter. Mach es mir nur moͤg⸗ lich Dich zu retten, ohne den Verdacht der Partheylichkeit auf mich zu laden. (Alouzo buͤckt ſich ſchweigend, den Aus⸗ 9 druck des Dankes im Geſicht) 9 Ataliba.(iu Telasko) Du Greis mit Dei⸗ nen Silberlocken biſt frey. Wer tauſend⸗ mal ſein Leben dem Vaterlande opferte, der hat es ſchon den Goͤttern geopfert; ich wag es nicht, mich an Dir zu vergreifen. Telasko. Wie, PYnca, Du koͤnnteſt ſo grauſam ſeyn, dem alten Stamme ſeine Bluͤ⸗ then zu rauben, und ihn nicht ſelbſt mit ab⸗ 1 zuhauen. Ataliba.(iu Zorai) Auch Du, Juͤngling, biſt frey. — Dir eweſen m den rede, Freund moͤg⸗ cht der n Aus⸗ it Dei⸗ zuſend⸗ e, der wag' iteſt ſo E Bluͤ⸗ nit ab⸗ igling/ (Ge⸗ 19 2 (Gemurmel unter den Prleſtern; der K nig hoͤrt es und ſpricht laut iudem er ſcharf nach hnen hinſieht) Denn es iſt der Wille meines Vaters, der Sonne, daß hinfott nur der Schuldige leide. Troͤſte Deinen alten Vater, Zorai, pflege ſein bis er hinuͤbergeht; dann komm zu mir, zu Deinem aͤltern Bruder!(Zorai will ſich ihm zu Fuͤßen werſen. Er verhindert es und wendet ſich zu Cora) Fuͤr Dich Cora——- kann ich nichts thun— Cora.(mit warmer Dankbarkeit) Ach Du haſt eben ſo viel fuͤr mich gethan. Ataliba.(theilnehmend) Du ſtehſt unmit⸗ telbar unter dem Geſetz— und auch der Ko⸗ nig iſt dem Geſetz unterworfen.(er wendet ſich— beſtelgt die Stufen des Altars— bleibt auf der oderſten ſtebn— neigt ſich noch⸗ mals gegen das Bild der Sonne und kehrt ſich dann gegen die Verſammlung) Oberprieſter! zerwalte Dein Amt! N Gberpr. * — 60 194———r—————— Gberpr. Vergieb mir, Yuca— ſchone meines Alters— meiner ſchwaͤchlichen Ge⸗ ſundheit— meines beklemmten Herzens— erlaube— daß heut Kaira an meiner Statt— Ataliba. Es ſey! Kaira.(naͤhert ſich feyerlich) Erſtgebohr⸗ ner Sohn der Sonne! Eine Jungfrau den Goͤttern geweiht, hat ihr heiliges Geluͤbde gebrochen.— Cora! tritt hervor!— Ein Fremdling auf dieſer Kuͤſte iſt Mitſchuldiger der Verbrecherin— Alonzo! tritt hervor! — Wir Prieſter des erzuͤrnten Gottes, wir Diener des entweihten Tempels, getren den Geſetzen Deiner Ahnherrn, haben Urtheil und Recht uͤber beyde geſprochen, und unſer Spruch iſt Tod! Ataliba.(nach einer Pauſe) Könnt Ihr Euch vertheidigen? (Cora und Alonzo ſchweigen) Ich rede zu Euch, Cora und Alonzo. Koͤnnt Ihr Euch vertheidigen? Cora. ſchone en Ge⸗ ens— meiner gebohr⸗ au den Zeluͤbde — Ein uldiger hervor! 5„, wir ren den Urtheil d unſer nt Ihr Koͤnnt Cora. 8———— + Wun Cora. Nein. Alonzo. Nein. Ataliba.(beſtuͤtzt) Wie, Alonzo? Du weißt nichts zu Deiner Entſchuldigung vor— zubringen? Alonzo. Nichts. Ataliba. Beſinne Dich! ich gebe Dir Be⸗ deukzeit— beſinne Dich, Fremdling!— Alonzo. Ich habe den Tod verdient und ich leide ihn willig. Ataliba.(ſehr unrubig) Bedenke, was Du thuſt— nur noch wenig Augenblicke ſind Dein!— Ihr um mich Verſammleten! ich halte hier Gelindigkeit fuͤr Pflicht, denn er iſt ein Fremdling, ihm ward nicht als Knabe ſchon der heilige Schauer vor den Goͤttern eingepraͤgt, den die Lehren unſerer Prieſter in die Bruſt der Peruaner pflanzen. Er wußte nicht— er kannte nicht— er ſah nicht mit unſern Augen—— noch ein⸗ mal Alonzo! rede, ſprich ein Wort! die Goͤt⸗ N 2 ter ter ſind gerecht— und billig— und gnaͤ⸗ dig— Alonzo. Ich habe den Tod verdient. Ataliba.(nach elner Pauſe) Iſt das Dein 0 leztes Wort? Alonzo. Mein leztes. Ataliba.(ſtuͤtzt ſich mit dem Ellbogen auf den Altar und verbirgt ſein Geſicht in der Hand. Nach einigen Augenblicken ſich ermannend) Prie⸗ ſter! thut Eure Pflicht! (zwey Prieſter naͤhern ſich langſam feyer⸗ lich dem Altare— ſteigen zu beyden Sei⸗ ten des Koͤnigs hinauf, nehmen der Elne das Schwerdt/ der Andere den Palmen⸗ zweig vom Altare, ſteigen eben ſo wieder herunter, und ſtellen ſich neben Xalra) Kaira.(uͤberreicht dem Koͤnige das Schwerdt) Sohn der Sonne! nimm aus meinen Haͤn⸗ den das Sinnbild der Gerechtigkeit!(er macht 0 es eben ſo mit dem Palmenzweig) Sohn der Sonne! nimm aus meinen Haͤnden das Sinn⸗ 8 bild gnaͤ⸗ it. s Dein gen auf Hand. Prie⸗ feyer⸗ n Sei⸗ er Elne Jalmen⸗ wieder a hwerdt) Haͤn⸗ r macht yn der Sinn⸗ bild 197 bild der Gnade!— Die Götter leiten Dein Urtheil! Ataliba.(knieet nleder) Gott! Du ſiehſt mein Herz! es blutet in dieſer Stunde! o laß mich nie wieder eine ſo traurige Koͤnigs⸗ pflicht erfuͤllen!— Ihr Geiſter meiner Vor⸗ eltern! Eurt Weisheit ſchwebe auf mich her⸗ ab! und hab' ich meine Pflicht vollbracht— ſo laßt in dem Gedanken— mich Ruhe finden!(er ſtebt auf.— Cora und Alonzo, Telasko und Zorai knieen nieder mit geſenkten Haͤuptern.) (Ataliba ſteht einige Augenblicke im Kampfe mit ſich ſelbſt; bebt dann das Schwerdt auf und iſt im Begriff zu reden, als ploͤtzlich 198—— Fuͤnfter Auftritt. der Kaͤmmerling haſtig und erſchrocken her⸗ einſtuͤtzt) Vorige. Kaͤmmerling. Vergieb mir, Puca, ich bringe ſchlimme Bothſchaft. Die Flamme des Aufruhrs wuͤ⸗ tet. Das Volk tobt die Straßen auf und nieder. Mit Kriegsgeſchrey ſammelt ſich das Heer von allen Seiten, Trommeln und Hoͤr⸗ ner toͤnen, Waffen klirren, ein Wald von Lanzen zieht herauf, Alles laͤuft und ſchreyt durch einander: keine Antwort auf tauſend Fragen; nur den Namen Rolla tragen zehn⸗ tauſend Stimmen gen Himmel! Der Fremd— ling Velasquez mit ſeiner Schaar hielt ſeit⸗ waͤrts auf der Wieſe, ich ſah ihn, wie er von einem zum andern lief, aus ſeinen Geberden ſchloß ich, daß er bat und drohte, um das Haͤuflein zuſammen zu halten, aber verge⸗ bens! Einer nach dem andern ging zu Rolla uͤber. (die imme wuͤ⸗ und das Hoͤr⸗ von hreyt uſend zehn⸗ emd⸗ ſeit⸗ von rden das rge⸗ dolla (die ..—¼ 199 (die ganze Verſammlung, der Koͤnig ausge⸗ nommen, zeigt Beſtuͤrzung und Unruhe) Ataliba. Was iſt das?— weiß mir nie⸗ mand zu ſagen was das bedeutet?(Alles ſchweigt)(zum Kaͤmmerling) Rolla ſagſt Du an der Spitze des Heeres? Das kann nicht Aufruhr ſeyn. Xolla und Aufruhr! nein, Du irrſt. Haſt D u ihn ſelbſt geſehn? Rämmerl. Nur von ferne. Die Anfuͤh⸗ rer der kleinen Haufen hatten einen Kreis um ihn geſchloſſen. Er redete laut und eifrig, ſein Geſicht gluͤhte, ſein Feuer zuͤndete rings umher, ſtuͤrmiſches 3 Zujauchzen unterbrach ſeine Worte. Sie ſchwangen' die Schwerdter uͤber den Haͤuptern und ſchuͤttelten die Lan⸗ zen. Drauf bewegte ſich der ganze unabſeh⸗ bare Haufe und fing an ſich nach dem Tem⸗ pel zuzuwaͤlzen. Ich eilte ihm zuvor zu kommen. 8 Ataliba.(ohne ſeine Miene zu veraͤndern) Nun ſo wird ſich ja das Raͤthſel bald löſen. (er ſieht umher) Ich leſe Furcht auf euren Ge⸗ N 4 ſich⸗ 406 2 ſichtern: warum zagt ihr? Wer ſeinem Vol⸗ ke Gutes that, darf ſein Volk nicht ſcheuen, Meine Ruhe iſt in meinem Herzen. Sie moͤgen kommen! (Getoͤſe hinter der Seene— Verwirrtes Rufen auf der Buͤhne) „Sie kommen! da ſind ſie ſchon!“ * echſter Auftritt. Kolla fluͤnt herein, ein entbloͤftes Schwerde in ſeiner Rechten, einen Wurfſpietz in ſeiner Linken— Koͤcher und Bogen um den Na⸗ cken. Hinter ihm noch mehrere Anfuͤhrer der Truppen. Die Vorigen. 5 Rolla. Nur mir nach, Freunde! Xaira.(laut rufend) Entweihung des Tempels! Kolla. Den habt Ihr durch Bluturtheil entweiht, Xsgira. n Vol⸗ heuen, Sie wirrtes chwerde ſeiner nNa⸗ ifuͤbrer des irtheil girs. 201 Kairä. Rache, ihr Goͤtter!(Verwirrtes Hetoͤſe) Ataliba.(tuft Laira u) Schweig!— und macht eine Bewegung mit der Hand gegen die verfammelte Menge, daß er reden will= piotzlich witd alles ftill)(zu Nolla) Wer biſt Dau? Kolla. Kennſt Du mich vicht? Ataliba. Ich batte einſt einen Feldherrn, der Dir aͤhnlich ſah. Er hieß Rolla, und war ein edler Mann.— Aber wer biſt Du? Rolla. Keinen Spote, PYuca! um Got⸗ teswillen keinen Spott!— Doch Du magſt ſtecht haben, ich bin nicht mehr Rolla— ich kenne mich ſelbſt nicht mehr— ein Sturm jagt mich— ein Strom reißt mich fort! Habe Mitleiden mit mir! Ich ehre Dich, PYnca, ich ehre und liebe Dich— Ataliba. Du mich? Vormals traͤumt ich ſo etwas.— Rolla dacht ich immer⸗ mein Wetter Rolla— ſo lange ich den noch habe, mag der Beherrſcher von Cusko toben, moͤ⸗ N 5 gen S — 202 gen aufruͤhreriſche Provinzen freveln; ſein 1 7 Heldenmuth iſt ein Baum, in deſſen Schat⸗ 1 ten ich ruhig ſchlummre. f· Rolla. Aber ich bitte Dich, was kann der Baum dafuͤr, in deſſen Schatten Du ſchlum⸗ ˖ 8 wenn ein Wirbelwind ihn mit der 8 Wurzel ausreißt, und uͤber Dich her— wirft?— Ataliba. Welcher Wirbelwind hat Dich ergriffen? was willſt Du? rede! und dank' es dem, was Du vormals fuͤr mich gethan,„ daß Du ſo zu mir reden darfſt. Ich habe Deine Heldenthaten nie nach Wuͤrden belohnt; ich thu es in dieſem Augenblick— ich erlau⸗ be Dir zu reden. Rolla. Ich habe nur ein Wort zu meiner Vertheidigung. Laß es gelten, Ynca, wenn Du mehr Menſch als Goͤtterſohn biſt!— 8 Ich liebe! Als ich noch ein Knabe war, ſchlich ſich das ſchon in mein Herz, ſo freundlich, ſo behaglich, ſo ohne alle Unruh, daß ichs mit Wohlgefallen hegte unds pflegte. Da mals inn der chlum⸗ it der her⸗ 2 ich dank' ethan, habe oh— ohnt; erlau⸗ neiner wenn 15— chlich dlich, ichs Da⸗ s mals ——v—u—— S———— 8 203 mals war die Liebe ein heiterer Tag in mei— ner Seele, bis das Juͤnglingsalter dazwi⸗ ſchen ſtuͤrmte. Da ſollte alles biegen oder brechen! Da ſollte alles nach meinem brau⸗ ſenden Kopf gehn! Liebe war da mein gan⸗ zes Streben! und Gegenliebe, und ſuͤße Trun⸗ kenheit und Schwelgerey in Cora's Armen, ohne Gedanken an Vaterland und Ehre, an den edlen Stamm der Muca's, von dem auch ich ein Zweig bin. Mein guter Oheim woll⸗ te den Strom daͤmmen, oder in ein anderes Bett leiten, da ſandt' er mich in den Krieg, da ſollt' ich austoben, auf der Leiter der Eh⸗ re emporklimmen, und auf die Liebe herun⸗ terblicken. Vergebens! die Liebe wars, die mit mir emporklimmte; die Liebe wars, die mir Heldenmuth gab! Alles Große und Gu⸗ te, was ich fuͤr Dich gethan haben mag, das hat durch mich die Liebe gethan. Sie war meine Gefaͤhrtin auf jedem Schlachtfel⸗ de. Wenn hier und da und dort, der Tod mir die Zaͤhne wies, ach! ich dachte nie an Dich, Dich, Pnea, nie Deinen Thron, nie die Wohlfahrt des Vaterlandes, ich dachte nur Cora! Cora ſollte mich bewundern! Mir biſt Du nichts, alles der Liebe fuͤr Cora ſchuldig. ind dieſer Liebe ſollſt Du heute verzeihen! Sieh, ich bin ein Mann geworden, aber in meinem Herzen iſt noch Alles wie es war: der Sturm der Juͤnglingsjahre, der ſchoͤne Traum des Knabenalters! und ſo iſt das ein Baum geworden, deſſen Wurzeln ſo in⸗ nig mit meinem Leben verwachſen ſind, daß Du ihn nicht ausreißen kannſt, ohne mich zu vernichten. Sey gnaͤdig, Ynca! ſey menſchlich! ich bitte knieend um ihr Leben! (er knieet nieder) Seit Cora den verlaßnen Rolla Bruder nannte, iſt Rolla ſtolz gewor⸗ den; aber doch bitt' ich kmieend um meiner Schweſter Leben! Ataliba.(der ſo viel ihm moͤglich war ſeine Ruͤhrung verbarg und ſeine Wuͤrde behauptete) Steh auf!— Rolla. Gnade!— nie die hte nur Vir biſt chuldig. zeihen! aber in 5 war: ſchoͤne iſt das ſo in⸗ d, daß ie mich a! ſey Leben! klaßnen gewor⸗ meiner ſar ſeine zuptete) * 205 Ataliba. Steh auf! Lege Deine Waffen hier zu meinen Fuͤßen nieder! laß das Heer aus einander gehn, und dann erwarte ſtill und unterwuͤrfig Deines Koͤnigs Urtheil! Kolla. Gnade!— Oheim!— Schwe⸗ ſter! helft mir bitten! Ich habe in meinem Leben ſo wenig gebeten, ich verſteh es nicht recht. Ataliba. Ein Bittender in Waffen? Willſt Du Deines Koͤnigs ſpotten? Kolla.(aufſtehend) Wahrlich nein! aber Du begehrſt Unmoͤglichkeiten— Schlum⸗ mer von einem Fieberkranken. Cora in Feſ⸗ ſeln! und Rolla ohne Schwerdt, ohne Lan⸗ ze!— nein, beym Himmel! das geht nicht! Ataliba. Ich befehl es Dir! lege die Waf⸗ fen nieder! Kolla. Befreye ſie, Ynca! Sprich ſie los von dem verhaßten Geluͤbde, und meine Waffen und mein Leben liegen zu Deinen Fuͤßen. Ata⸗ — ——— 206 55 Ataliba. Ohne Bedingung! Nieder die Waffen! Rolla. Ich kann nicht! Komm in meine Arme, Cora! meine Bruſt ſey Dein Schild! mein Schwerdt ſoll Deine Ketten zerhauen!— Ataliba. Auftuͤhrer! Thu, was Dir ge⸗ faͤllt und die Goͤtter geſtatten; aber wiſſe daß Ataliba nicht eher ein Urtheil ſpricht, bis er knieend und unbewaffnet Dich zu ſeinen Fuͤ— ßen ſieht. Du ſollſt nicht ſagen, Du ha⸗ beſt dem Koͤnig ſeine Gnade abgetrotzt.— (mit Pathos) Ihr Voͤlker von Quito! Hoͤrt eures Herrſchers Stimme! Hoͤrt ſie vielleicht zum leztenmale! denn in dieſem Augenblicke leg' ich den Scepter nieder, und mein Vater moͤg' euch richten!— Seit ſieben Jahren war ich euer Koͤnig— ich ſtehe hier im Tempel; mich ſieht Gott!— Wer mag mich einer wiſſentlichen Ungerechtigkeit zei— hen? der trete auf!— Wer gieng huͤflos von meinem Throne, wo ich helfen konnte? — der trete auf!— Ich habe Laͤnder er— obert ieder die in meine Schild! muen!— Dir ge⸗ viſſe daß bis er nen Fuͤ⸗ Du ha⸗ n Vater Jahren hier im rmag eit zei⸗ huͤflos onnte? der er⸗ obert ——— 207 obert und Koͤnige beſiegt! Doch das iſt we⸗ nig— ich habe meine gefuͤllten Scheuren geoͤffnet, als vor wenig Jahren der Zorn der Goͤtter das Land mit Unfruchtbarkeit ſchlug; ich habe den Hungrigen geſpeißt, und den Kranken erquickt; manche Nacht mich ſchlummerlos auf meinem Lager gewaͤlzt, weil euer Elend an meinem Herzen nagte, und ich nicht allen helfen konnte.— Ihr Voͤlker von Quito! ich habe das nicht um Euch verdient. — Greift ihn! feſſelt ihn! oder ich lege den Scepter nieder. (Verwirrtes Gemutmel) Xolla.(ſich zu den Seinigen wendend) Ihr mich greifen? Ihr mich feſſeln? welcher un⸗ ter Euch? Ha Du vielleicht? mein alter Kriegsgefaͤhrte, mit dem ich einſt meinen lez⸗ ten Biſſen theilte, als uns Alles mangelte.— Oder Du, dem ich in der Schlacht von Tu⸗ mibamba das Leben rettete? oder Du, deſ— ſen Sohn ich befreyte, als eben die Feinde ihn 208 ihn niederhauen wollten? Welcher unter Euch will ntich greifen? Sprecht! Gberpr.(mit Wehmuth) Rolla! mein Pflegeſohn! wie Du mich beugſt! willſt Du mich alten Mann zu Deinen Fuͤßen ſehen? Kolla. Ich ehre in Euch den Vater, aber breitet Eure Arme nicht in den Sturm aus, Es iſt vergebens.(der Oberprieſter will bit⸗ tend fort ahren)(Rolla koͤmmt ihm ungedul⸗ dig zuvor) Laßt mich, Oheim! das Loos iſt geworfen! Es gehe, wie es gehe! ich will Cora retten oder mit ihr ſterben!— Cora.(geht auf Rolla zu und ſchlingt ihren Arm um feinen Hals) Dieſe Thraͤne dankt Dir Deine Liebe zu mir, Bruder! nimm dieſen Kuß Deiner Schweſter.(ſie kuͤßt ihn) Du biſt ein großer Mann! erſt ſeit heute kenn' ich Dich. Aber ein ſo großer, ein ſo guter Mann muß auch ſeines Koͤnigs Freund ſeyn. Cora hat ein Verbrechen begangen, und Du, um Cora zu retten willſt ein neues Verbre⸗ chen begehen? Das laͤme denn auch auf mein Ge⸗ ter Euch mein villſt Du hen? ter, aber irm aus. will bit⸗ ungedul⸗ Loos iſt ich will ingt ihren ankt Dir m dieſen ihn) Du kenn' ich ſo guter und ſeyn. und Du, Verbre— auf mein Ge⸗ ——— 209 Gewiſſen, und mein Gewiſſen iſt ſchon bela⸗ ſtet genug.(ſuͤb und ſchmeichelnd) Nein, Rolla, thu das nicht! reiße nicht den Goͤt⸗ tern die Zuͤgel aus der Hand, die gewiß mein Schickſal lenkten. Laß mich ſterben! mein Vater und mein Bruder haben mir verziehen, und mit mir ſtirbt Alonzo: ich ſterbe gerne. — Unſere Seelen werden um Dich ſchweben, werden ſich an Dir“ergoͤtzen, wenn Du Dei⸗ nem Koͤnig treu, dem Vaterlande Deine Kraͤfte weihſt. Trage das bischen Leben bh⸗ ne mich!— willſt Du, lieber Rolla? Lie⸗ ber, guter Rolla! wenn Dich meine Bitten ruͤhren; ſieh, ſo geh ich noch mit einer gu⸗ ten That aus der Welt, und auch das ver⸗ dank' ich dann Dir.— O ja, ich ſeh es, Deine Stirn entwoͤlkt ſich!“(Dein Auge wird feucht— ſchlucke ſie nicht nieder, dieſe Thraͤne, ſie macht dem Krieger keine Schan⸗ de.— Gieb mir, Dein Schwerdt— mir Deinen Wurfſpieß.(ſie windet ihm ſauft Schwerdt und Lame aus der Hand und giebt 0 210—— ſie weg) Da fteht, der Held! und mit der Thraͤne, die ihm da uͤber die Wange zzi tert, hat ex den Flecken von ſeinem Ruhme und ſeiner Tugend hinweggewaſchen. Ich danke Din, Rolla. Ich bin ſtolz auf Deine Liebe. — Und nun zu unſersguten Konigs Fuͤßen! komm!ſo komm!l. 8 Dein Triumph der Tu⸗ gend nicht halb gefeyert werde.(ſie zieht ihn ſauft nach ſich bis vor 0 Koͤnig, daketh nieder und Rolla neben ſie), Ich bringe Dir Deinen Helden zurüͤck. Verzeih ihm! Er verdient es, daß Du ihm verzeiheſt.(ſie ſteht auf und begiebt ſich auf ihren Platz; Nun, Ynca, ſprich Alſez Urtheil! — K „(Rolla bleibt knieend vor dem Koͤnige) Telasko.(Cora umartnend) Meine Toch⸗ ter! ouun moöͤgt ihr/ esꝛalle hoͤren! nun darf ichs ſie wieder vhue Schaam meine⸗ Tochtet nennen. Alalibs, Rolla umefmſ ſich ſeen Königte Rolla. mit der gelzittert, ihme und Ichadante ine z 2 Liebe. 5.FJuͤßen! der Tu⸗ zieht ihn eet. nieder Deinen hteauf und a, ſprich e) iue Toch⸗ nun darf Tochtet ſeinem Rolla. —— Xolla. Ich unterwerfe mich. Ataliba. Du haſt das Leben verwuͤrkt. Rolla. Ich weiß es. Ataliba, Ich verzeihe Dir Kolla.(raſch aufblickend) Und Cora— 2 Ataliba. Ich verzeihe Dir! olla.(laͤßt das Haupt wieder ſinken) Ach!— Altaliba. Steh auf! Xolla. Laß mich knieend Cora's Urtheil böten; Du ſprichſt dann auch das Mei⸗ nige. Ataliba. Wohlan! Cer ergreift von neuent das Schwerdt und den Palmenzweig welches beydes er als das Getuͤmmel entſtand wieder auf den Altar gelegt hatte) Gberpr.(wirſt ſich ihm ploͤtzlich zu Fuͤßen) Vergieb ihnen! Ataliba.(iu ihm herabſteigend und ihn gů⸗ tig aufhebend) Auch Du mein Vater? ward Dir der Goͤtter Wille offenbart? O Gber⸗ — 212 Gberpr. Gnade! iſt der Goͤtter Wille, Jene Zeiten als Dein erlauchter Ahnherr den Dienſt der Sonne ſtiftete, jene rohe Zei⸗ ten ſind nicht mehr. Unbekleidet, gleich den Thieren des Waldes, wohnten einſt die Menſchen unter dem Dach des Himmels., Ihre Weiber behandelten ſie, wie die Frucht der Palme, die jeder brechen durfte, und ſo lebte das wilde Volk immer nur den heutigen Tag, ohne Religion, ohne Eigenthum und Geſetz. Da erſchien Manco Capac, mit al⸗ len Gaben eines Goͤtterſohnes ausgeruͤſtet. Was er ſagte, was er that, iſt in unſte Her—⸗ zen geſchrieben. Er baute der Sonne einen Tempel, und weihte Jungfrauen ihrem Dienſt. Er ſchuf das Geſetz der Keuſchheit, denn damals, da nur noch Sinnlichkeit herrſchte, und die Vernunft ein Kind war, waͤre ohne dieſes Geſetz der Tempel an feſtli⸗ chen Tagen ein Tummelplatz der Wolluͤſte ge⸗ worden. So zwang ihn die Noth, der Natur in ihr großes Rad zu greifen. Aber eine er Wille,. Ahnherr rohe Zei⸗ gleich einſt die Himmels. ie Frucht „und ſo heutigen hum and „mit al⸗ Sgeruͤſtet. uſre Her⸗ une einen n ihrem zeuſchheit, innlichkeit Lind war, an feſtli⸗ lluͤſte ge⸗ oth, der n. Aber eine 213 eine lange lange Reihe von Jahren hat das Geſetz des Schicklichen in das Gefuͤhl des Schicklichen verwandelt. Wo dieſes herrſcht, iſt jenes nicht mehr noͤthig. Drum, Puca, ſtehe ich hier, im Namen der Goͤtter, und rufe Dich auf, Dich Wohlthaͤter meines Volkes! kroͤne Deine ſchoͤne Thaten durch das Opfer, welches Du der Vernunft, und in ihr der Gottheit bringſt.— Wanke nicht!— Thue raſch das Gute! und wo noch etwas Deiner Ueberzeugung mangelt, da laß das Flehen eines Greiſes Dich ruͤh⸗ ren— der Dich erzog— der Dich als ſeinen eignen Sohn liebte— der unermuͤdet Sorgenvoll an Deinem Lager wachte, wenn Du kindiſch ſuͤß entſchlummert warſt— be⸗ lohne mir heut alle meine Sorgen!—(er wirft die Stirnbinde herunter und zeigt ihm ſein graues Haupt) Um meiner grauen Haare wil— len! in Deinem Dienſt grau geworden. Ataliba. Genug!— Tritt naͤher, Co⸗ ra! auch Du, Alonzo! O3 Gber⸗ 414 Gberpr. O ihr Gotter! lenkt ſein großes Herz! (Cora und Alonzo, wanken vor den König) Telasko.(zu Zordi) Halte mich, mein Sohn! halte mich!— Alles ſtehtzin banger Erwartung) Ataliba.(nach einer Pauſe indem er das Schwerdt mit der rechten Hand gegen die Erde 0 ſtaucht, daß es zerbricht, und mit der linken 909 Cora die Palme reicht) Vernichtet ſey das Ge⸗ ſetz! Cora frey! 10(Cora ſinkt in Ohnmacht) 0(Alonzo wirft ſich neben ihr niedet) (Rolla ſpringt auf und drückt den König wild an ſein Herz) “(berprieſter ſtreckt ſeine Haͤnde dankbar gen Himmel) 1U(Telasko wankt auf Zorai geſtuͤtzt ſeiner Tochter zu) 4(Das Volk ruft zu wiederholteumglen) Es 5 lebe der Puea! En dee. in großes König) ch, mein 0 n er das die Erde er linken das Ge⸗ 19) on Koͤnig dankbar et ſeiner n) Es K 00 A+ ι 00