Der Traum ein Leben Dramatiſches Märchen in vier Aufzügen von Franz Grillparzer I. Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig Soc/sονν Reclam⸗Druck Printed in Germany 1939 Perſonen Maſſud, ein reicher Landmann Mirza, ſeine Tochter Ruſtan, ſein Neffe Zanga, Negerſklave Der König von Samarkand Gülnare, ſeine Tochter Der alte Kaleb(ſtumm) Karkhaͤn Der Mann vom Felſen Ein altes Weib Ein königlicher Kämmerer Ein Hauptmann Erſter Zweiter Eine Dienerin Gülnarens Gefolge und Kämmerlinge des Königs Frauen und Dienerinnen Gülnarens Zwei Verwandte Karkhans Zwei Knaben. Diener. Krieger Volk beiderlei Geſchlechts Anführer CK22⏑⏑— FCESEeeerrennenne22. Erſter Aufzug Ländliche Gegend mit Felſen und Bäumen. Links im Vordergrunde eine§ Sommerabend. Hornertör e erſchallen aus Mirza kommt aus der Hütte. e. Neben der— r eine 5 Mirza. Horch! War das nicht Hörnerſchall? Ja, er iſt's! Er kommt, er naht! Doch ſo ſpät erſt! Warte, Wilder, u ſollſt mir's fürwahr entgelten! Unerbi ttlich will ich ſein; Schmollen will ich, zürnen, ſchelten Und nur ſpät— recht ſpät verzeihn Ja, verzeihn! Das iſt es eben! Darin liegt das Maß des Unglücks Oh, man ſollte grollen können, Grollen, ſo wie andre fehlen, und unabänderlich; Daß Verzeihung Preis der Beßrung, Und nicht Lohn des Fehlers ſchiene; Denn es iſt fürwahr nicht billig, Daß die Strafe der Beleid'gung Nicht einmal 98 lange währe, Ach, als der Beleid'gung Schmerz. B ich trotzig ſein, wie er, Oh, ich weiß, er wäre milder. Doch, wo bleibt er? Dort herüber Schien des Hornes Ton zu kommen. (Zurücktretend und nach allen Seiten blickend.) Dort vom Hügel ſteigt ein Mann, Mit des Weidwerks Raub beladen. 1. Aufzug Ob er's iſt?— Die Sonne blendet. Scheidend an der Berge Saum, Schüttet ſie, in Glut verſunken, Ihres Brandes letzte Funken Durch die abendliche Flur Auf des ſpäten Wandrers Spur. Jetzo wendet er das Antlitz! Ruſtan!?—— Armes, oftgetäuſchtes Herz! Wohl ein Jäger ſchreitet her, Raſch beflügelnd ſeine Schritte In der lauten Doggen Mitte, Wohl ein Jäger, doch nicht er.— Trage, wunder Buſen, trage, Biſt des Tragens ja gewohnt!(Setzt ſich.) Abend iſt's, die Schöpfung feiert, Und die Vögel aus den Zweigen, Wie beſchwingte Silberglöckchen, Läuten ein den Feierabend, Schon bereit, ihr ſüß Gebot, Ruhend, ſelber zu erfüllen. Alles folget ihrem Rufe, Alle Augen fallen zu; Zu den Hürden zieht die Herde, Und die Blume ſenkt in Ruh' Schlummerſchwer das Haupt zur Erde. Ferneher, vom düſtern Oſten, Steigt empor die ſtille Nacht, Ausgelöſcht des Tages Kerzen, Breitet ſie den dunkeln Vorhang Um die Häupter ihrer Lieben Und ſummt ſäuſelnd ſie in Schlaf. Alles ruht, nur er allein Streift noch durch den ſtillen Hain, Um in Berges dunklen Schlünden, Was er hier vermißt, zu finden. Und mich martert hier die Sorge, Und mich tötet hier die Angſt.— M W Un A Il E 2 —jf 1. Aufzug Jener Jäger, Kaleb iſt's. Sieh, ſein Weib kommt ihm entgegen Mit dem Kleinen an der Bruſt. Wie er eilt, ſie zu erreichen! Und der Knabe ſtreckt die Hände Jauchzend nach dem Vater aus. Ihr ſeid glücklich!— Ja, ihr ſeid's! (Sie verſinkt in Nachdenken.) Maſſud kommt aus der Hütte. Maſſud. Mirza! Mirza(emporfahrend). Ruſtan! Maſſud. Ich bin's, Mirza! Mädchen, läſſeſt du den Vater In der Dämmrung ſo allein? Mirza. Ach, verzeiht! ich wollte ſehen Muſſud. Ob er komme? Mirza. Ach, jawohl. Maſſud. Nun, und—? Mirza. Keine Spur. Maſſud.'s iſt ſpät. Mirza. Nacht beinahe. Alle Jäger Ringsum aus der ganzen Gegend Sind zurück ſchon von den Bergen; Glaubt mir, denn ich kenne alle, Die in jenen Bergen jagen; Muß ich ſie nicht täglich zählen, Wenn den letzten ich erwarte? Alle Jäger ſind zurück, Er allein ſtreift noch im Dunkeln. Maſſud. Ja, fürwahr, ein wilder Geiſt Wohnt in ſeinem düſtern Buſen, Herrſcht in ſeinem ganzen Tun Und läßt nimmerdar ihn ruhn. Nur von Kämpfen und von Schlachten, Nur von Kronen und Triumphen, Von des Kriegs, der Herrſchaft Zeichen Hört man ſein Geſpräch ertönen; Ja, des Nachts, entſchlummert kaum, Spricht von Kämpfen ſelbſt ſein Traum. — 1. Aufzug Während wir des Feldes Müh'n Und des Hauſes Sorge teilen, Sieht man ihn bei Morgens Glüh'n Schon nach jenen Bergen eilen. Dort, nur dort im düſtern Wald Iſt des Rauhen Aufenthalt; Du biſt, alles iſt vergeſſen, Und es ſcheint ihm hohe Luſt, mal die Wildheit ſeiner Bruſt An des Waldes Wild zu meſſen.— Das iſt ein unſelig Treiben! Ich beklage dich, mein Kind. Mirza. Scheltet drum ihn nicht, mein Vater! War er doch nicht immer ſo. Oh, ich weiß wohl eine Zeit, Wo er ſanft war, fromm und mild. Wo er ſtundenlange ſaß Auf dem Grund zu meinen Füßen, Bald des Hauſes Arbeit teilend, Bald ein Märchen mir erzählend, Bald— oh, glaubt mir, lieber Vater! Er war damals ſanft und gut. Hat er ſeither ſich verändert, Ei, er kann ſich wieder ändern; Und er wird's, gewiß, er wird's! Maſſud. Wähnſt du, mich zu überzeugen, Und kannſt es dich ſelber nicht? Mirza. Glaubt, mein Vater, dieſer Sklave, Zanga, er trägt alle Schuld. Seit er trat in unſre Hütte, Seit erklang ſein Schmeichelwort, Floh die Ruh' aus unſrer Mitte Und aus Ruſtans Buſen fort.— Ruſtan, wahr iſt's, ſchon als Knabe Horcht' er gerne großen Taten, Übt' er gerne Ungewohntes, Wollt' er gerne, was er kann. Wär' das ſchlimm? Er iſt ein Mann. Stets doch hielt er die Gedanken In des Hauſes frommen Schranken Und gebot dem raſchen Mut.— 2 22 22 — 2 2? 22—2 3 — 2833222 22 1. Aufzug Zanga kam. Sein Hauch, verſtohlen, Blies die Aſche von den Kohlen Und entflammte hoch die Glut. Oh, ich habe ſie belauſcht Oft, 1 wenn Ruſtan mir verſprochen, Nicht zu gehen nach den Bergen, Und er ſtill und ruhig ſaß, Da trat Zanga vor ihn hin, Und von Schlachten hört' ich's tönen Und von Kämpfen und von Siegen. Hoch empor und 55 höher Stieg die Glut in Ruſtans Wangen, Jede ſeiner Fibern zuckte, Und die Hände ballten ſich; Aus den tiefgezognen Brauen Schoſſen Blitze wilden Feuers, Und zuletzt- da ſprang er auf, Langte von der Wand den Bogen, Warf den Köcher um den Nacken, Und hinaus— hinaus zum Walde! Maſſud. Armes Kind! und achtet nicht, Hart und ſorglos— der Verkehrte!— Deines Kummers, deiner Angſt. Mirza. Angſt? warum denn Angſt, mein Vater? 0. Oh, ich weiß, der ſtarke Ruſtan Kennt nicht Furcht und nicht Gefahr. Dann iſt Zanga ja mit ihm. Maſſud. Doch nur zwei. Mirza. Er zählt für viele. Maſſud. In der Nacht— Mirza. Er kennt den Pfad! Maſſud. Wie ſo leicht ein wildes Tier Mirza. Oh, es flieht das Wild den Jäger. Maſſud. Oder gar— Mirza. Was, Vater, was? Sprecht es aus und tötet mich! Maſſud. Armes Kind, das iſt dein Los, Wenn dich, wie ich ſonſt wohl dachte, Einſt an ihn ein feſtres Band— 1. Aufzug Mirza. Vater, es wird kühl; wir wollen In die Hütte doch zurück. Eh wir's denken, kommt auch er. Maſſud. Nun, ſo ſei's denn, wie es iſt! Die dort oben mögen walten. 3οο Was ihn heut zurücke hält, W Denk' ich wohl beinah' zu wiſſen. Pꝛu Mirza. Wie? Ihr wißt?— Oh, ſprecht! Ur Maſſud. Dein Derwiſch, Ke Der beſorgte, fromme Mann, Der dort hauſt in jenem Walde, Sandte kaum nur ſchnelle Botſchaft, 31 Mir zu melden, daß man ſage, Ruſtan habe Streit erhoben Auf der Jagd mit einem Weidmann.— Mirza. Streit?— Mit wem? M Maſſud. Mit Osmin, heißt es, Wẽ̃ Unſers Emirs ältſtem Sohn, Wẽ᷑ Der am Hof zu Samarkand Di In des Königs Kammer dienet D Und, mit Urlaub bei dem Vater, S. Sich den Jägern beigeſellt. Et Ruſtan ſchlug nach ihm, und— D Mirza. Mehr noch? E⸗ Maſſud. Und ſie griffen zu den Waffen. S Mirza. Waffen? Maſſud. Doch man ſchied ſie ſchnell, S Und der Streit ward ausgetragen. N Mirza. Doch vielleicht— W Maſſud. Sei ruhig, Kind! Ki Osmin iſt ſchon heimgekehrt N Und nichts weiter zu beſorgen. Di Aber Ruſtan ahnet wohl, M Daß mir Kunde ſeiner Raſchheit, K Und er ſcheut, mir zu begegnen. S Kaum wird's vollends Nacht, ſo ſchleicht er, E Seines Oheims Blick vermeidend, A Leiſe wohl in ſein Gemach. U Darum, Mirza, laß uns gehn; B Unſre Gegenwart, bedünkt mich, Hielt ihn wohl ſo lange fern. 1. Aufzug Mirza. Und Ihr zürnt ibr Maſſud. Sollt' ich nicht Siehſt du mich ſchon 1 3.5 an? Oh, ich weiß wohl, jedes Wort, Tadelnd, rauh zu ihm geſprochen Wie ein Pfeil aus ſchwachen Händen, Prallt von ſeinem ſtarren Buſen Und dringt in dein weiches Herz. Komm nur, komm! Ich will nicht ſchelten. (Beide in die Hütte ab.) iſe. Dann ſchleicht Zanga, nach allen Seiten umherſpähend, herein Zanga. Kommt nur, Herrl die Luft iſt rein! Ruſtan tritt auf mit Bogen und Köcher. Munter, Herr! Was ſoll das heißen? Warum' düſt er und beklommen? Was iſt Arges denn geſchehn? Daß Ihr einem platten Jungen, Der recht unverſtändig prahlte, Euch zu höhnen ſich l Etwas unſanft mitgeſpielt, Das iſt alles. Und was weiter? Euer Oheim wird wohl ſchelten; Sei es drum! Gönnt ihm die Luſt. Ruſtan. Glaubſt du, daß ich ſeine Worte, Seines Tadels Ausbruch ſcheue? Nimmer brauch' ich zu erröten, Was ich tat, kann ich vertreten; Könnt' ich's nicht, ich wär' nicht hier. Nicht der Schmerz, den mir ſein Zürnen, Der, den es ihm ſelber koſtet, Macht mich ſeinen Anblick fliehn. Könnt' er all doch ſeine Sorge, Seine Angſt um mich, mit einem, Einem Feuerguſſe ſtrömen Auf dies unverwahrte Herz Und dann kalt und ruhig bleiben Bei des Wilden Tun und Treiben, Hier! er kühle ſeinen Schmerz. Aber, daß ich ſehen muß, 1. Aufzug Wie der Nahverwandten Wünſche, Gleich entzügelt wilden Pferden, Nord⸗ und ſüdenwärts geſpannt, An dem Leichnam unſers Friedens, Raſch geſpornt, zerfleiſchend reißen; Daß ich ſehe, wie wir beide, Bürgern gleich aus fremden Zonen, Bang uns gegenüber ſtehn, Sprechen, und uns nicht begreifen, Einer mit dem andern zürnend, Ob gleich Lieb' in beider Herzen, Weil, was Brot in einer Sprache, Gift heißt in des andern Zunge, Und der Gruß der frommen Lippe Fluch ſcheint in dem fremden Ohr: Das ruft dieſen Schmerz empor. Zanga. Nun, ſo lernt denn ſeine Sprache, Er wird Eure nimmer lernen! Und wer weiß? An Lektionen Läßt's der alte Herr nicht fehlen. Bleibt im Land und nährt Euch redlich! Auch die Ruhe hat ihr Schönes. Ruſtan. Spotte nicht! Denk' an Osmin! Gleicher Lohn harrt gleicher Frechheit. Ha, bei Gott! Es ſoll kein Prahler Trotzig vor mich hin ſich ſtellen Und mich mit den Augen meſſen, Den verſchämten, keuſchen Degen Wiegend auf den glatten Schenkeln; Er ſoll's nicht, wenn nicht ſein Kopf Härter iſt als Osmins Schädel, Tücht'ger iſt als dieſe Fauſt. Bin ich nichts, ich kann noch werden, Raſch und hoch iſt Heldenbrauch; Was ein andrer kann auf Erden, Ei, bei Gott! das kann ich auch. Zanga. Herr, Ihr ſprecht nach meinem Herzen. Ruſtan. Wie ſo ſchal dünkt mich dies Leben, Wie ſo ſchal und jämmerlich! Stets das Heute nur des Geſtern Und des Morgen flaches Bild; D U 2 2 — — Freude, die mich nicht Leide michen licht Und der Tag, der, ſte Nichts doch als ſich ſ Oh, wie anders da In entſchwundne Zanga. ds iſt Nur Geduld! es Zeit tut all Jene 5 Fürſt pon Den Osmin als 5 War, wie Ihr, des Irb von Macht und, Gle * n, 1 nuß ich ſagen. imen. Zeit und Samarkand, N us den Gläck die Männe Für den Purpur, für Ruſtan. Oh, es mag wol So zu ſtehen in der Welt An llter„lichter Hüc, er Lorbeerhaine, ſhön, aus deren Zweigen, on»Wundervögeln, Renlied r tönen, Rich die weite Ebne, ichtbeſtrahlt und e zu winken ſcheint, zu rufer Starker, nimm dich an der Sch 585 nl Kühner, wage! Wagen ſiegt! Was du nimmſt, iſt dir gegeben! Sich hinabzuſtürzen dann In das rege, wirre Leben, An die volle Bruſt es drücken, An ſich und doch unter ſich: Wie ein Gott, an leiſen Fäden Trotzende Gewalten lenken, Rings zu ſar mmeln alle Quellen, Die, vergeſſen, einſam murmeln, Und in ſtolzer Einigung, Bald beglückend, bald zerſtörend, Brauſend durch die Fluren wälzen. Neidenswertes Glück der Größe! l herrlich ſein, 1. Aufzug Welle kommt und Welle geht, Doch der Strom allein beſteht. Zanga. Recht! Der Strom allein beſteht. Ruſtan. Sch Meines Vaters Vater auch, Und ſo fort durch alle Grade. Ihr Blut pocht in dieſen Adern, Ihre Kraft ſtählt dieſe Fauſt, Und ich ſoll hier müßig träumen, Schauen, wie ſich jedermann Lorbeern pflückt vom Feld der Ehre, Früchte bricht vom Lebensbaum, Und mich ſelbſt zur Ruh' verdammen? Zanga. Ihr ſollt nicht! beim Himmel, nicht! Wenn Ihr wollt, ei Herr, ſo handelt! Ja, wenn die da drin nicht wären! Dieſer Oheim, dieſe Muhme Hängen Euch wie ſchwere Feſſeln— Ruſtan. Laß uns von was anderm ſprechen! Von was anderm, Zanga! Zanga. Seht Ihr? Da kommt Euer weiches Herz, Und der Vorſatz iſt zum Henker. Oh, daß ich Euch draußen hätte, Draußen aus dem dumpfen Tale, Auf den Höhen, auf den Gipfeln, In der unermeßnen Welt!l Herr, Ihr ſolltet anders ſprechen! Seht nur erſt ein Schlachtgefild, Hört nur erſt Trompeten klingen, Und es ſoll Euch Kraft durchdringen, Wie ſie dieſe Adern füllt. Herr, ich war mal auch ſo wählig, Als ich, freilich jung genug, Meine erſten Waffen trug, Ging im Kopf mir hin und her, War das Herz mir zentnerſchwerz Als es hieß: dem Feind entgegen! Schlug's da drin mit harten Schlägen, Und die Nacht Vor der Schlacht on mein Vater war ein Krieger, We Do We Ha Za St W̃ Di S. Di Ve Ur 80 D N Je Ni Uu Be 2 σ S2 69 e dιοοασ 29324 0 —22399 2 1. Auftzug Ward gar bange zugebracht. Doch beim erſten Son tenſtrahl Ward mir's klar mit einemmal. Ha! da ſtanden beide Heer Zahllos, wie der Sand am 0888 Still und ſtumm it hinum, ter, wie das Nebelgrauen noch lag auf Feld und Ar ien. ch den Buftqualm ſah man's blitzen Von dem Strahl der Eiſenſpitzen; Und als jetzt der Nebel wich, Ze 8 eigte Roß und Reiter ſich. a fühlt' ich mein Herz ſich wandeln Jeder Zweifel war beſiegt; Klar ward's, daß im Tun 115 d Nicht im Grübeln's Leb liegt. Und als nun erſchallt das s Zeichen, Beide Heere ſich erreichen, Bruſt an Bruſt, Götterluſt! Herüber, hinüber, Jetzt Feinde, jetzt Brüder, Streckt der Mordſtahl nieder; e und geben Den Tod und das Leben Im wechſelnden Tauſch, Wild taumelnd im Rauſch. Die Lüfte erſchüttert, Die Erde zittert Von Pferdegeſtampf, Laut toſet der Kampf, Die Gegner, ſie wanken, Die Gegner, ſie weichen, Wir, mutig und jach, Den Fliehenden nach, Über Freundes und Feindes Leichen. Jetzt auf weitem Feld Der Würger hält, 15 16 1. Aufzug Überſchaut die gefallenen Ahren, Doch kann er der Freude nicht wehren. Sieg! rufet es: Sieg! Herr, das heißt Leben! Es lebe der Krieg! Ruſtan. Oh, halt ein! Du töteſt mich. Zanga. Wenn ſo ein Gefangener, Ein Verkaufter ſpricht, ein Sklave, Was muß erſt— Doch ſtill! Genug.(Er sieht ſich zurück.) Mirza kommt aus der Hütte. Mirza. Ruſtan—2 Ruſtan. Ha, man kommt! Mirza. Du biſt es? Konnteſt du ſo lange weilen? Oh, wir zitterten um dich. Ruftan. Iſt es denn ſo ungewöhnlich? Mirza. Ungewöhnlich? Das wohl nicht; Aber ſchmerzlich drum nicht minder. Sag' ich mir gleich jeden Morgen: Spät erſt wird er wiederkehren, Hoff' ich dich doch immer früh; Und der Wunſch und die Erwartung Sind gar reich an Möglichkeiten. Weil du ruhig biſt und ſorglos, Glaubſt du denn, wir wären's auch! Immer fließen meine Tränen, Was auch die Erfahrung ſpricht; Für den Mut gibt's ein Gewöhnen, Aber für die Sorge nicht.— Warum wendeſt du dich ab? Ruſtan. Horch! Mich dünkt, der Vater ruft. Mirza. Ich ſoll gehn? Oh, komm du mit! Du biſt heiß, die Nachtluft kühl, Und der müde Fuß will Ruhe. Ruſtan. Laß nur! Hier— Mirza. Nicht doch! Du ſollſt! In der Hütte ruht ſich's beſſer, Und das Abendeſſen wartet. Komm! Der Vater zürnt nicht mehr. Alles iſt vergeſſen.— Komm!(Mit Ruſtan in die Hütte ab.) Im Mi Licht,. Hinterg 9 Seh Wo Ja, Sin Bri Bre Nut Kür Sie Set ſich zw Ick Ich Sel Zanga. Deut' mir eins Liebe Werke, Ob Verluſt ſie, ob Gewinn Gibt dem Weibe Männerſtärke Und dem Manne— Weiberſinn Sei's! Man muß nicht gleich verzweifeln. (Er folgt ihnen.) urlück.) Das Innere der Hütte. it den Reſten einer Ab Maſſud nachdenklich Mirza führt Ruſtan her ihnen Zanga. Mirza. Hier iſt Ruſtan, lieber Vater! Seht, er hatte ſich verirrt. Wo?— Ei, gleichviel! er iſt hier. Ja, die Wege dort im Walde Sind verworren und verſchlungen; Bricht der Abend noch herein, Braucht es Glück, den Pfad zu finden. er fand ihn; Dank dem Himmel! künftig eilt er wohl ein wenig, Sieht er ſich die Sonne neigen. runde ein T ſſen einem de, ein Ruheb Setze dich!l(da Ruſtan neben dem Alten niederſitzen ſich zwiſchen beide drängend.) Nicht hier! Nein, dorthin! Ich muß bei dem Vater ſitzen. Seht doch:'s iſt mein Ehrenplatz. (Ruſtan ſetzt ſich an das andere Ende des Tiſches Maſſud(ſanft, doch ernſt). Ruſtan! Mirza(raſch einfallend). Vater, könnt Ihr's g Racha, unſre Magd, will wiſſen— Maſſud. Liebe Tochter!— Mirza. Wollt Ihr Wein? Maſſud. Gönne mir ein Wort mit ihm! Nur ein Tor verhehlt den Brand; Wir, mein Kind, wir wollen löſchen! Mirza. Ihr verſpracht mir— Maſſud. Fürchte nichts Doch es muß einmal zur Sprache Sohn, ſeit lange ſchon bemerk' ich, tte ab.) Daß du unſern Anblick meideſt; U Grillparzer, Der Traum ein Leben 1. Aufzug Die Bewohner dieſes Hauſes Und ihr ſtilles Tun und Treiben Scheint dir nicht mehr zu gefallen. Auf den Bergen iſt dein Lager, In den Wäldern deine Wohnung, Und das Heulen wilder Tiere, Sturmbewegter Bäume Dröhnen Scheint dir lieblicher zu tönen, Als der Nahverwandten Wort! Rauh und düſter iſt dein Weſen, Zank und Hader dein Geſchäft, Heute nur, ich hab's vernommen, Daß du mit Osmin im Walde Streit erregt— Zanga(der ſich um den Tiſch beſchäftigt hat, einfallend) Erregt? Mit Gunſt, Das kann ich Euch beſſer ſagen. Maſſud. Du! Zanga. Ich hab's mit angeſehn. Maſſud. Hüte dich! Zanga. Ei, wahr iſt wahr! Und erlaubt Ihr, ſo erzähl' ich's. Mirza. Hört ihn, Vater, mir zulieb! Zanga. Mittag war es, und die Jäger, Von der Arbeit Laſt zu ruhn, Kamen alle, wie ſie pflegen, Auf dem Wieſengrund zuſammen, Und am Rand der klaren Quelle Mit des Weidſacks kargem Vorrat Und Geſpräch ſich zu erlaben. Unter ihnen war Osmin, Ein verwöhnter trotz'ger Junge, Der von Ol und Salben duftet, Wie'nes Blumenhändlers Laden. Der tat denn gar breit und vornehm, Sprach von ſeinen Heldentaten, Seinem Glücke bei den Weibern, Wie des Königs Tochter ſelber Bei der Tafel nach ihm ſchiele, Und was denn des Zeugs noch mehr. Und Mu Str Drül 1. Aufzug Meinem Herrn dort ſtieg die Röte Ungeduldig ins Geſicht, Doch, ob kochend, dennoch ſchwieg er. Aber als Osmin nun fortfuhr: Daß der Fürſt von Samarkand, Hart bedrängt von Feindeshand Seine Tochter und ihr Erbe, Seines weiten Reiches Krone Gerne gönnte dem zum Lohne, Der ihn rette aus der Not, Ind mein Herr, von Glut ergriffen lngeregt von dem Gedanken Solcher Tat und ſolchen Lohns, Aufſprang und voll Eifer fragte: Wo der Weg nach Samarkand? Da ſo hlug Osmin auf ein Lachen, Und vor Ruft tan hin 15 ſtellend, Rief er aus:„Ei, welch ein Helfer! Heil dir, Fürſt von S0r0 Guter Freund, bleibt fein zu Hauſe, Hünterm Pfluge zeigt die Kraft!“ Da— Ruſtan(aufſpringend). Bei Gott! ich mag's nicht denken, Daß der lebt, der das geſagt! Maſſud. Sohn, nur ruhig! Ruſtan. Ruhig?“ Ich? Und fürwahr, hat er nicht recht? Was hab' ich getan noch, um mich Solchen Werks zu unterwinden? Er hat e hat heute recht; Morgen nicht mehr, leb' ich noch. Oheim, ſehe inde Urlaub! Maffud. Wie? Ruſtan. Seht, mich duldet's hier nicht länger. Dieſe Ruhe, dieſe Stille, Laſtend drückt ſie meine Bruſt. Ich muß fort, ich muß hinaus, Muß die Flammen, die hier toben, in den freien Ather, Drücken dieſen heißen Buſen An des Feindes heiße Bruſt, 2 2 1. Aufzug Daß er in gewalt'gem Anſtoß Breche, oder ſich entlade; Muß der aufgeregten Kraft Einen würd'gen Gegner ſuchen, Eh ſie gen mich ſelbſt ſich kehrt Und den eignen Herrn verzehrt.— Seht Ihr mich verwundert an? „Nur ein Tor verhehlt den Brand“, Spracht Ihr ſelber; laßt mich löſchen. Gebt mir Urlaub und entlaßt mich! Maſſud. Wie, du wollteſt—2 Ruſtan. Was ich muß! Maſſud. Und denkſt nicht—? Ruſtan. Es iſt bedacht! Maſſud. So vergiltſt du unſre Liebe? Ruſtan. Nimmer ſie hinfür mißbrauchen, Das iſt alles, was ich kann. Maſſud. Rauh und dornicht iſt der Pfad. Ruſtan. Sei es! führt er nur zum Ziele. Maſſud. Und das Ziel, es iſt verderblich. Ruſtan. Alſo ſagt man. Ich will's kennen. Was man weiß, befriedigt nur. Maſſud. Dieſe, mich willſt du verlaſſen? Ruſtan. Lange nicht, kehr' ich zurück In der Teuern liebe Mitte, Teile wieder Eure Hütte, Oder ihr mit mir mein Glück. Mirza. Ruſtan! Ruſtan. Mirza! Ich verſtehe; Doch wir ſehen uns ja wieder Doppelt glücklich, doppelt froh. Maſſud. Magſt du ihre Tränen ſchauen Und dich kalt— Ruſtan. Ich kann nicht anders. Maſſud. Wiſſe denn nun auch das Letzte: Dieſe hier, ſie liebt dich. Ruſtan. Mirza! Hier auch.— Doch, es iſt beſchloſſen! Niemals, oder deiner wert! Mirza. Ruſtan! Maſſud. Halt! So meint' ich's nicht! N 8 7 8 8 Y‚οο ινWεW — — ⁴³•9 2=— 2=2=723 2 2 2 Kann er deiner, Kind, entraten; Maſſuds Tochter bettelt nicht. Zieh denn hin, Verblendeter, Ziehe hin! und mögeſt du Nie der jetz'gen Stunde fluchen. Ruſtan. Heute noch? Maſſud(ſich abm nd). Sobald du willſt. Ruſtan. Zanga, nach den Pferden. Zanga. Gern! Maſſud. Wozu dieſe haſt'ge Eile? Halt! Es iſt jetzt dunkle Nacht; Ungebahnet ſind die Pfade Und gefahrvoll jeder Schritt. Davor wahr' ich dich zum mindſten. Schlaf noch einmal hier im Hauſe, Denk noch einmal, was du willſt: Trifft der Tag dich gleichen Sinnes, Nun, wohlan, ſo ziehe hin! Mirza, komm! wir laſſen ihn Mirza. Vater! Nur dies einz'ge Wort. Ruſtan! jener alte Derwiſch, Der dort wohnt in nahen Bergen, Und den du, ich weiß, nicht liebſt, Ja, kaum einmal wollteſt ſehen, Während er beſorgt um dich; Er verſprach mir, heut zu kommen, Und nur erſt glaubt' ich zu hören Seines Saitenſpieles Ton, Das er führt auf allen Wegen. Oh, verſprich mir, eh du ſcheideſt, Ihn zu hören, ihn zu ſprechen; Erſt, wenn fruchtlos, zieh mit Gott. Ruſtan. Und wozu? Mirza. Die letzte Bitte! Ruſtan. Kommt er morgen früh genug, Mag er wie die andern ſprechen. Maſſud. Nun zur Ruh'l Laß ihn ſich ſelbſt. Jedem Sprecher fehlt die Sprache, Fehlt dem Hörenden das Ohr. Gute Nacht denn.(Er gebt mit Mirza.) Mirza. Ruſtan! 1. Aufzug Ruſtan. Zanga! Morgen früh die Pferde! Zanga. Wohl!(Er folgt den beiden. Alle drei ab.) Ruſtan. Sie ſind fort.— Es pocht doch ängſtlich! Sie iſt gar zu lieb und gut! Ob auch— Fort!— Ich bin erhört! Und was lang als Wunſch geſchlummert, Tritt nun wachend vor mich hin. Seid gegrüßt, ihr holden Bilder, Seid mit Jubel mir gegrüßt!— Ich bin müd'— die Stirne drückt, Mattigkeit beſchleicht die Glieder. Mach dem Lager blickend.) Nun, wohlan! Noch einmal ruhn In dem dumpfen Raum der Hütte, Kräfte ſammeln künft'gen Taten, Dann befreit auf immerdar. EEr ſitzt auf dem Ruhebette, Harfentöne erklingen von außen.) Horch!— Was iſt das?— Harfentöne? Wohl der alte Klimprer nah'! (In halb liegender Stellung, mit dem Oberleibe aufgerichtet. Er ſpricht die Worte des Geſanges nach, die ſich jetzt mit den Harfen⸗ tönen verbinden.) „Schatten ſind des Lebens Güter, Schatten ſeiner Freuden Schar, Schatten Worte, Wünſche, Taten, Die Gedanken nur ſind wahr Und die Liebe, die du fühleſt, Und das Gute, das du tuſt; Und kein Wachen, als im Schlafe, Wenn du einſt im Grabe ruhſt.“ Poſſen! Poſſen! Andre Bilder Werden hier im Innern wach! Er ſinkt zurück. Die Harfentöne währen fort.) König!— Zanga!— Waffen! Waffen! (Mehrſtimmige leiſe Muſik greift in die Harfentöne ein.— Zu des Bettes Häupten und Füßen tauchen zwei Knaben auf. Der eine, bunt gekleidet, mit verlöſchter Fackel; der zweite in braunem Gewande, mit brennender. Über Ruſtans Bette hin nähern ſie einander die Fackeln. Die des Buntgekleideten entzündet ſich, der Dunkle verlöſcht die ſeine gegen die Erde.— Da öffnet ſich die Wand des Hintergrundes. Wolten verhüllen die Ausſicht. Sie heben ſich. Die Gegend, in der der zu dieſe Neben Ringe Blätte Im§ͤ verbin deſſen von veiter. Die Palmbaume Schlange, bi nach empor. Jim Schlafe.) Schl eiern bedeckt. Auch Rine en eine große, goldglän, Blättern hinanſtrebend, Zweiter Aufzug Waldgegend. Im Hi grunde Felſen, verbindet. Rechts im Vo deſſen nach vorn gekehrter Moosbank. Gegenüber, li rgſtrom trennt ur vereinzelt ſtehe ing und „eine einzelne Palme. eben eine Ruſtan und Zanga kommen. Ruſtan. Freiheit! Ha, mit langen Zügen Schlürf' ich deinen Ather ein! In des Morgens Purpurſchein Seh' ich deine Banner fliegen, Die auf Höh'n, am Himmelszelt, Weit umher du aufgeſtellt Allen Lebenden ein Zeichen In der Schöpfung weiten Reichen. Freiheit! Atem der 12 Zeiger an der Weltenuhr Alles Großen Wieg' und Thron, Nimm ihn auf, den neuen Sohn! Laß mein Stammeln dir gefallen, Die du Mutter biſt von allen! Zanga. Herr, und jetzt genug geſchwärmt; Nun laßt uns von Nöt'germ ſprechen. Ruſtan. Nötig? Nöt'germ? Oh, nicht denken, Laß mich fühlen jetzo noch! Nicht mehr in dem Qualm der Hütte, Eingeengt durch Wort und Sorge, Durch Gebote, durch Verbote; Frei, mein eigner Herr und König! Wie der Vogel aus dem Neſte, Nun zum erſtenmal verſuchend Die noch ungeprüften Flügel. ——ͤ—— 2. Aufzug Schaudernd ſteht er ob dem Abgrund, Der ihn angähnt. Wagt er's? Soll er? Er verſucht's, er ſchlägt die Schwingen Und es trägt ihn, und es hebt ihn. Weich ſchwimmt er in lauen Lüften, Steigt empor, erhebt die Stimme, Hört ſich ſelbſt mit eignen Ohren Und iſt nun erſt, nun geboren. Alſo fühl' ich mich im Raume; MWöcht' auf alle Berge ſteigen, Möcht' aus allen Quellen trinken, Laub und Bäume möcht' ich grüßen, Bin ein Menſch erſt und ein Mann! Zanga. Sprecht nur zu,'s hat keine Eile, Ich erfriſche mich derweile.(Er ſetzt ſich.) Ruſtan. Zanga, nein! Nicht ruhn, nicht raſten, Bis begonnen unſer Werk. Zanga. Unſer Werk? So wollt Ihr alſo Handeln, prüfen, denken, trachten?(er ſteht auf.) Nun, da bin ich Euch zu Dienſt. Ruſtan. Fort, und auf nach Samarkand! Oben nur von jenen Hügeln Sah in ſeiner Türme Brand Ich die Sonne ſtrahlend ſpiegeln, Wir ſind dort, eh ſie entſchwand. Zanga. Nur ſo zu und auf gut Glück? Herr, um ſelig einſt zu ſterben, Denkt bei allem mir ans Ende! Doch, wollt Ihr, ein Tücht'ger, leben, So erwägt und prüft den Anfang, Denn das Ende kommt von ſelber. Tretet ein bei Unbekannten, Herr, und ſtrauchelt auf der Schwelle, Bleibt Ihr Meiſter Ungeſchickt, Sprächt Ihr, wie die ſieben Weiſen; Freunde, die's beim Becher wurden, Lachen auf aus voller Kehle, Sehn ſie ſich nach Jahren wieder; Und die Braut, gefreit in Tränen, Folgt mit Seufzern Euch durchs Leben. — 2 Unſre Neigungen, Gedanken, Scheinen gleich ſie ohne Schranken, Gehn doch, wie die Rinder rherde, Eines in des andern Tritt. Drum, bei allem, was Ihr macht, Sei der Anfang reif bedacht. Ihr geht nun nach Samarkand: Da iſt denn vor allem nötig, Daß Ihr gleich als der erſcheinet, Der Ihr ſpäter denkt zu werden. Euern Vater, lobeſan, Adeln wir nur gleich im Grabe, Machen ihm zum Khan, zum Emir Aus— Gruſinien— aus dem Monde. So was hilft beim erſten Eintritt, Und erreicht Ihr Eure Wünſche, Deckt das andre der Erfolg. Ruſtan. Gut! Zanga. Ei, gut? Nun, das geht beſſer, Als ich glaubte, als ich hoffte. Euer Oheim, ſeine Hütte— Ruſtan. Arme Mirza! Zanga. Ja, weil arm, Hindert ſie ein reiches Wollen. Ahmt mir nur nicht jene nach, Die das nahe Gut verſchmähen, Aber, unerhört, getrennt, Lichterloh, wie Wolle brennt, Heiß in Liebesglut vergehen. Laßt das jetzt und ſeid ein Mann! Jener Fürſt aus Samarkand Iſt gedrängt von ſeinem Feinde, Von dem mächt'gen Khan aus Tiflis, Der um ſeine Tochter freite: Ein verwöhntes, einz'ges Kind, Das, gar ſtolz und hochgeſinnt, Selbſt den Gatten wählen möchte. Ein geziertes äff'ges Weſen, Tat ſo was in Dichtern leſen. Ich war erſt in wirren Zweifeln, ———-— 2. Aufzug Ob dem Stärkern, ob dem Schwachen Zu vertrauen unſre Sachen; Doch der Starke gnügt ſich ſelbſt, Und das Unglück macht erkenntlich. Darum geht nach Samarkand, Suchet Dienſt in ſeinem Heere, Und wenn an Entſcheidungstagen Ich Euch ſage: losgeſchlagen! Stürzt dann in den Feind mit Macht, Tief ins Herz der wilden Schlacht; Augen zu! und links und rechts Kreuzt die Blitze des Gefechts. Fallt Ihr, war's Euch ſo beſtimmt; Siegt Ihr, ſprechen wir vom Lohne: Mancher fand ſo eine Krone. Ruſtan. Alſo ſei es! Und ſo komm! Zanga. Herr, nur noch ein kleines Weilchen! Auch der Körper will ſein Recht. Hier in meines Ränzels Weite Führ' ich Koſt für mäß'ge Leute; Erſt getafelt, eins gezecht, Dann hervor die beſten Kleider, Euch als Junker angetan. So was hilft und fördert, leider! Drauf als wackrer Edelmann Hin zur Stadt, dem Glücke nach; Komme dann, was kommen mag! Eine Stimme(hinter der Bühne). Hilfe! Hilfe! Zanga. Horch, welch Rufen? Stimme. Hilfe! Hilfe! Zanga. Näher kommt's. Das beginnt mit Weh und Ach! Abenteuer, ſeid ihr wach? Ein reichgekleideter Mann erſcheint im Hintergrunde auf der Brücke. Er wird von einer nur je und dann auf Augenblicke ſichtbaren Schlange verfolgt. König. Keine Rettung! Hilft denn niemand!(er flieht über die Brücke und verſchwindek auf der linken Seite des Hintergrundes.) Zanga. Herr, den Speer nun angefaßt! Raſch zum Wurf mit kluger Haſt. Der König(tritt fliehend, vom Hintergrunde her, lints auf.( Mittel Go demn Br Ick (Im L Währe und 9 daſelb — 1 2 8 De 0 cke. ren 2. Aufzug 27 auf. Er eilt nach vorn, während Ruſtan rechts, Zanga links im Mittelgrunde ſich geſtellt haben). Götter! Götter! Kein Erbarmen? (Er ſinkt beſinnungs am Felſenſitze nieder.) Zanga. Werft und trefft!(Ruſtan wirft den Speer nach dem noch nicht ſichtbar gewordenen Untier.) Verfehlt! Nun, Herr, Braucht die Beine, nehmt Euch Raum; Ich erklettr' indes den Baum. (Im Begriff, die auf der linken Seite ſtehende Palme zu erklettern.) Während die Schlange links im Hintergrunde zum T chtbar wird und Ruſtan nach dem Vorgrunde rechts flieht, erſcheint auf dem daſelbſt vorſpringenden Felſen ein Mann, in einen braunen Mantel gehüllt, mit gehobenem Wurfſpieß. Der Mann auf dem Felſen. Schlechte Schützen! (Er wirft und heftet, durchbohrend, die Schlange an den Boden.) Topp!(Herablachend.) Haha! Schlechte Schützen! Lernt erſt treffen. (Verſchwindet von der Höhe.) Zanga(vom Baume herabſteigend). Was war das?— He, liegt die Schlange? Ruſtan. Nicht durch mich. Zanga. Nun, deſto ſchlimmer! Und doch gut, daß ſie nur liegt. (Zu dem Hingeſunkenen tretend.) Herr, das iſt ein reicher Mann! Wohl ein Fürſt, vielleicht ein König. Zieltet beſſer Ihr ein wenig, Zahlten Ehren Euch und Gold. Ruſtan. Wirſt du, Glück, mir nimmer hold? Zanga. Seht die Perlen, das Geſchmeide! Herr, und ſeid Ihr ſicher auch, Daß nicht Ihr, daß jener andre Hingeſtreckt das grimme Tier? Eure Lanze traf. Ruſtan. Nicht meine. Zanga. Und wo iſt er, dieſer andre? Warum ſteigt er nicht hernieder, Pflückt die Früchte ſeiner Tat? (Gegen den Felſen emporrufend.) Mann vom Felſen, Mann vom Berge! Komm herunter, ſprich mit uns!— 28 2. Aufzug Seht, er kommt nicht, war wohl nie. Wo auch ſollt' er ſein und weilen? Ringsherum auf viele Meilen Kein Lebendiger als wir.(Vei dem am Voden Liegenden.) Hu, am Turban, ſeht, die Krone! Ich verwette Hals und Hand, 's iſt der Fürſt von Samarkand. Täuſchung, Augentrug das Ganze! Herr, ich ſah es, Eure Lanze Streckte jenes Tier in Sand. Ruſtan. Der war's, der am Felſen ſtand. Zanga. Nun, zum Henker! Noch einmal: Mann vom Berge, komm herunter! Zeige dich zu dieſer Friſt; Sonſt negier' ich friſch und munter, Leugne, daß du warſt und biſt. Seht, er kommt nicht, ſeht, er war nie. Schaut umher doch in der Runde, Niemand kann ſich da verbergen; Rings der Felſen abgeſchnitten, Auf dem Felſen ſelber niemand. Ruſtan. Doch ich ſah ihn. Zanga. Saht und ſeht! Herr, Ihr hattet Furcht, geſteht! Und der Schrecken, wild und wilder, Zeigt gar ſonderbare Bilder. Hier ein Mann im Fürſtenſchmuck, Leichenblaß in Sand gebettet, Und Ihr ſeid's, der ihn gerettet. Nehmt die Gabe des Geſchickes Und glaubt nur, der heut'ge Tag Iſt der Anfang unſers Glückes.(Soͤrnerklang in der Ferne.) Hört Ihr fernen Hörnerklang? Zweifelt nur nicht ewig lang! Ihr erlegtet jenes Tier; Schoß ein andrer, ſchoßt auch Ihr. Wir ſind zwei hier gegen einen; Wag' er nur, es zu verneinen! Der Gerettete(ſich emporrichtend). Hörnerſchall?— Ha, und wo bin ich? ne.) Zanga Gu i Ha, nun gilt' 81 Zun n.) Herr! unter Freunden. Edler Fürſt! icht wohl mehr noch? Hochgeehrt nach Rang und Stande. Der Fremde(der aufgeſtanden iſt). Ich bin König dieſer Lande. Zanga Eniend Herr, dein Knecht (Ruſtan läßt ſich in einiger Entfernung aufs Knie nieder.) König. Und jenes Tier?— Blutig, tot liegt's dort am Boden. Meine Retter! Zu a.) Du?(Auf Ruſtan zugehend.) Nein, dul Zanga. Herr, Ihr habt es gut Iſtan igend Jener war's. Ein tücht'ger Wurf, tracks hinein durch Herz und Lungen, Ind es hatte ausgerungen. Ruſtan. Herr, verzeiht Zanga.'s iſt wohl verziehn! Ruſtan. Wenn noch Zweifel— Zanga. Ob wir leben? Ob dort jenes tot genug?(eiſe.) Nun, zum Henker, ſeid doch klug! (Wiederholter Hörnerſchall.) König. Ha, ſie rufen, meine Lieben, Suchend, wo ihr Hort geblieben. Hier, Getreue, hier der Ort! (Er geht in die Mitte der Bühne zurück, wo er, antwortend, in ein an ſeiner Hüfte hängendes Jagdhorn ſtößt.) Ruſtan. Zanga, komm, und laß uns fort. Zanga. Nach dem allen, Herr, und fliehn? Jetzt, da W515 Saaten blühn? Ruſtan.“ Nimmer Jollſt du mich berücken, Mich mit fremder Tat zu ſchmücken. Und doch könnt' ich's auch nicht ſehn, Erſt geprieſen, erſt gehuldigt, Zager Feigheit dann beſchuldigt, Einem andern nachzuſtehn. Zanga. Laß, was ſoll und muß, geſchehn! U ————œœ ⁊ 30 2. Aufzug Nach wiederholtem Hörnerruf kommt nun das Gefolge des Fürſten. Gülnare, ſeine Tochter, an der Spitze. Gülnare. Vater! Vater! König. Oh, mein Kind!(Sie ſtürzen ſich in die Arme.) Zanga(zu Ruſtan). Schaut nur, ſchaut! Seht halb Euch blind! Gold und Spangen, Perlen, Kleider. Seht der Hoheit Vollgewalt! Ruſtan. Zanga, jene Lichtgeſtalt, Sich um ſeinen Nacken ſchmiegend, Weich in Vaterarmen liegend: Wie ſie atmet, wie ſie glüht, Jede Fiber wogt und blüht!— Nun weiſt her auf mich ſein Blick, Danket mir der Rettung Glück. Zanga, nun nicht mehr zurück! Wär's am Rand mit meinen Tagen; Ich hab' jenes Tier erſchlagen! König. Ja, mein Kind, ein Raub des Todes, Wenn nicht dieſer Jüngling war. Sieh, ſo nahe die Gefahr. Guf das erlegte Tier weiſend.) Gülnare(mit der Hand die Augen bedeckend). Ah! König. Entfernt dies Schreckbild! Gülnare. Nein, Stark, entſchloſſen will ich ſein. Nach vorn rommendh) Glaub nur nicht, mein edler Fremdling, Daß, ein ſchwach erbärmlich Weib, Hinter dir ſo fern ich bleib'. Oft hat man mich wohl geſehen Männlich die Gefahr beſtehen, Eine Gleiche ſtand ich ihr; Doch das Widrige, den Grauen So verwirklicht anzuſchauen, Nimmt entfremdend mich von mir. Und doch ſchafft's nicht fort, es bleibe, Selbſt bezwingen will ich mich. Nun zu dir, mein edler Retter, Der mit ſeines Armes Walten Alles, alles mir erhalten, Was der Schwachen übrigblieb. me.) Rings von Feindesmacht u Von verſchmäht er Liebe War mir dieſes Greiſe Einz'ge Stütze, all mein Und der Drache bleckt d Und es war um ihn geſch Da— oh, lohn' es dieſe Träne! Hebt ſich eines Armes Sehne, And das Untier muß vergehn. zater, ſchau, ſo ſehen Helde n V0 ater, ſchau, ſo blickt ein Mann! 8 uns alte Lieder melden, au es hier verwirklicht an! Ruſtan(leiſe). Kohlen, Zanga, glühnde Kohlen! 1 Zanga lebenſo). Laßt die Furcht den Henker holen! Gülnare. Doch, du ſprichſt nicht? Doch, du ſchweigeſt? Ruſtan(a zuf die Knie ſtürsend). Herrin, oh, ich bin vernichtet! König l(entſchuldigend zu Gülnar Wohl das Neue unſers Anblicks.— Gülnare. Laß ihn, Vater! Es erquickt mich, Einen Mann verſchämt zu ſehn! Oh, ich ſah ſie brüſtend gehn Mit gedunſnen Worten prahlend, Mit Verſprechen Taten zahlend; Doch, kam der 3 Zeit, Wie war Held und Tat ſo weit! Dieſer kommt uns, als von oben, In der Stunde der Gefahr, Tut, was ſeiner würdig war, Und verſtummt, wenn t wir ihn loben. Vater, ſag es ſelbſt! fürwahr, Stellt er nicht die geit dir dar, Nicht die Zeit, die einſt geweſen, Und von der wir ſtaunend leſen, Wo noch Helden höhern Stammes, Wo ein Ruſtan, weitbekannt In der Parſen Fabelland—2. Zanga. Ruſtan iſt auch er genannt. Gülnare. Ruſtan! Hörſt du, Vater?— Ruſtan! Oh, die Zeiten ſind noch immer, 2. Aufzug Wo, wenn Menſche nkräfte enden, Götter ihre Hilfe ſenden. Er kommt uns von ihrer Hand.(Zu ihrem Und ſo wird gefaßt dich finden, Was ſoeben Boten künden: Jener blut'ge Khan von Tiflis, Mein Bewerber und mein Feind, Hat in mächt'gen Heeres Mitten Unſre Grenzen überſchritten, Hundert Völker ſtolz vereint, Weil er hilflos uns vermeint. Hier die Hilfe! Hier der Hort! Stell ihn an der Treuen Spitze, Laß ihn tragen deine Blitzel Mut ſein Atem, Tat ſein Wort; Und die Deinen, neu ermutet, Sehn mit Neid, wenn einer blutet, Und ſein Beiſpiel reißt ſie fort.(Zu Ruſtan.) Sei mein Schützer, ſei mein Retter, Banne dieſe dunklen Wetter, (nach und nach langſamer ſprechend) Und der glänzend neue Tag Bringt dir dar, was er vermag. König(halblaut). Sprichſt du doch, als hätteſt du Sie vernommen, die Gelübde, Die ich tat in der Gefahr: Dem Erretter, käme Rettung, Schwur ich, nichts, ich nichts zu weigern, Und wenn es das Höchſte war.— Du erröteſt?— Du verſtehſt mich? Gülnare. Vater, komm und laß uns gehn! König. Nun ſo karg, und erſt ſo warm? Warſt du hier an meiner Stelle, Dünkte jeder Lohn dir arm. Gülnare(nach rückwärts gewendet, wie ablenkend). Und wo iſt— wo iſt die Stelle, Die ſo vieles mir gedroht? König. Dort kam ich und floh den Tod, Jene Schlange mein Gefolg', Keine Wehr als meinen Dolch. Vater.) Auf Ruſtan zeigend.) Zanga. Seht, Reich beſetzt mit edler Er hebt den Dolch auf und gi Könige Überr König(mit ablehnend Zäh 1 was mein iſt, zu dem Deinen! ahlt' ich mit ſo armen Steinen 0 begl ückenden Er folg? ort kam ich, und dort die Sck ieſer Mann— Auf 9 d.) Zanga(am Voden den Platz bezeichnend). Hier ſtand er, hier König. Nein, du irrſt; er ſtand dort oben, Eingehüllt im braunen Mantel. Ruſtan. Zanga! Zanga! Zanga. Heißer Tag! König(auf Za Erſt warfſt du, allein du fehlteſt, Dann ſchoß er, die Schlange lag! In der Sinnenkraft Vergehen Hab', wie träumend, ich's geſehen. Du ſtandſt hier, und er ſtand dort Und war bleich und ſchien viel kleiner: Wohl gebückt zum Wurf ſich neigend Wo auch blieb der braune Mantel? du Zanga. Irgend dort wohl in den Sträuchen. Ruſtan(leiſe). Zanga, Zanga! Zanga. Mut! nur Mut! König. Nun genug, und damit gut! Dort auf jener Klipfe Zinnen Soll ein Tempelbau beginnen Dem, der waltend niederblickt, In der Not den Retter ſchickt. Tochter, komm. Gülnare(zu Ruſtan) Du folg uns bald! (Gehend und vor der getöteten Schlange zurückſchaudernd.) Oh, des Anblicks Nachtgewalt Übt von neuem ſeine Mächte. Oh, verzeih es dem Geſchlechte Das der 755 Kraft bezwingt, Kindiſch che Schauer bringt. König. Reich den Arm ihr, gib die Rechte. Grillparzer, Der Traum ein Leben hier liegt er noch am Bo inen. ihn ſeinem Herrn, der ihn dem eicht.) er Gebärde). ange, 2882 ſtan zei 2. Aufzug Gülnare. Vor dem Toten ſchütze mich; Lebt' es noch, ich zagte nicht. (Sie ſtützt ſich auf Ruſtans Arm. Alle bis auf Zanga ab.) Zanga(ihnen nachſchauend). Das geht gut, bei meiner Treu! Das Prinzeßchen hat gefangen. Tat zwar noch ein bißchen ſcheu, Kämpft noch Stolz mit dem Verlangen.— Wie ſie feſt an ihm ſich hält. Nun ein Graben.— Huppl geſprungen!— Ha, ſie gleitet, ſtrauchelt!— fällt?— Nein, er hat ſie raſch umſchlungen. Nichts ſo köſtlich in der Welt, Als wenn eins das andre hält. Ruſtan(zurückommend). Zanga, Zanga! ich bin ſelig! Zanga. Ei, es geht? nicht wahr? es geht! Ruſtan. Und nun komm! Dort deinen Bündel Wirf ihn in den nächſten Fluß. Nichts laß unſern Stand verraten, Wir ſind Kinder unſrer Taten, Und nach aufwärts ſtrebt der Fuß. Komm nur, komm! Zanga. Doch früher, Herr, Laßt die Gegend uns durchſpüren, Ob nicht jener Mann vom Felſen— Ruſtan. Zanga, ich hab's überdacht: Jener Mann war kein Lebend'ger; Bote einer höhern Macht, Kam er in des Schreckens Nöten, Um zu treffen, um zu töten, Und entſchwand, da er's vollbracht. Zanga. Nun, der Dank wär' abgemacht. Ruſtan. Laß ihn Menſch auch ſein, wie wir Kommen und ſich ſtellen mir; Will mit Gold ihn überhäufen, Fülle auf ihn niederträufen, Groß ihn machen, groß und reich, Wenn auch nicht dem Geber gleich; Stellen auf des Glückes Zinne. Und wer wirft mir Unrecht vor? „ Bi Mi Ur Un Gl Ur He Der 2 hervo hüller in ku (Der! auf d ſelig! 2. Aufzug Zanga, denn was ich gewinne Iſt nicht das, was er verlor. 31 ihn k— jene Tat, Bittend dann nach Lohn ſich wenden: Man gibt Gold mit ſp en Händen, Und er geht, wie er genaht; Doch bei mir, n ni mir Wars anders: Unerklärt ein dunkles Etwas Zog des Vaters, 55 der Tocht ter— Oh, des Weibs voll Sinn!— Beider Blicke nach mir hin. Gleich gilt nicht von gleichem Scheine, Und ich nehme nur das Meine. Komm und fort, dem Glücke nach! Heut ums Jahr iſt auch ein Tag. Zanga. Herr, ach Herr! Ruſtan. Was iſt? Zanga. Oh, ſchaut! e Mann, deſſen Wurf die Schlange getötet, iſt hinter dem Felſen hervor und in den Vorgrund rechts getreten. Er hat den ihn um⸗ hüllenden braunen Mantel auf die Moosbank gelegt und ſteht nun in kurzem, ſchwarzem Leibrocke, nackten 16 und inen, mit ſchwarzem Bart und Haar, das Antlitz leichenblaß, da. Ruſtan. Ha! wie mir's im tiefſten graut! Zanga. 8 iſt derſelbe, deſſen Speer Jenes Tier, vom Felſen her— Ruſtan. Unheil! nie dein Köcher leer? (Der Mann vom Felſen iſt einige Zeit, unbeweglich vor r ſich hinſchauend, auf der Moosbank geſeſſen, jetzt neigt er ſich zur Quelle und trinkt.) Zanga. Herr! er lebt, iſt leibhaft, trinkt! Ruſtan. Meines Traums Gebäude ſinkt! Zanga!— Zanga. Herr! Ruſtan(die Hand am Dolche). Iſt's nicht Osmin, Der Verweichlichte 00 Der mich füngſt beim“ Jagen höhnte? Zanga. Seht doch nur den Bart, das Haar. Ruftan. Du haſt recht, und es iſt wahr. Aber nur glich er ihm. Jeder Blick, mit neuer Süge, Zeigt mir anders ſeine Züge. 2. Aufzug Was je greulich und verhaßt, All in ſich ſein Anſchaun faßt. (Der Mann richtet ſich empor, legt den zuſammengefalteten Mantel über den Arm und macht ſich gefaßt, quer nach dem Hintergrunde zu, fortzugehen.) Zanga. Schaut, er geht. Ruſtan. Nicht ſol Und halt! Steht mir Rede! Wohin geht Ihr? Der Mann vom Felſen(mit klangloſer Stimme). Hin nach Hofe, vor den Thron. Ruſtan. Was dort ſuchend? Der Mann vom Felſen. Meinen Lohn. Ruſtan. Lohn? Wofür? Der Mann vom Felſen(auf das erlegte Tier zeigend). Für meine Tat. Ruſtan. Deine!— Meinel— Unſre Tat! Der Mann vom Felſen. Arme Schützen! Hahaha! Lernt erſt treffen! Arme Schützen! GZum Fortgehen gewendet.) Ruſtan. Halt, noch einmal! Er, der König, Dankbar dir, für dein Bemühn, (den Dolch des Königs aus dem Gürtel ziehend) Sendet dir dies edle Kleinod, Dieſen reichbeſetzten Dolch, Wo des Demants klares Scheinen— Der Mann v. Felſen. Zahlt Ihr mit ſo armen Steinen So beglückenden Erfolg? Ruſtan. Nun, der Dolch hat eine Spitze, Sie auch zahlt. Der Mann vom Felſen. Ei ja! Ja dochl Ruſtan. Scheuſall Teufel! Greulich Untier! Zieh nicht deine grimmen Fratzen, Denn der Dolch in meinen Händen Zuckt und mahnt mich, raſch zu enden. Zangal! Zanga. Herr? Ruſtan. Sieh hin! nur hin! Gleicht er wieder nicht Osmin? Wenn er grinſet, wenn er lacht. Zanga. Faſſung, Herr! und kühl bedacht! Ruſtan. Nun, es ſeil ich will mich faſſen. Tr Wi Gl Ri (Er g Er Za In Se Se Ne (Der Ur Di Al Se Un (Er gend). hahal zinen Menſch, was willſt du? was be gchrſt du? Geizeſt du nach Reichtum, Schätzen? Will dich in ein Goldmeer ſetze Gießen aus ob deinem G4551 Las die Welt das Höchſte glaubt, All dein Wünſchen, dein Verlangen, Eh's zu keimen angefar ige Soll's verwirklicht vor dir ſtehn, Sollſt du's reif in Garben ſehn. Der Mann v. Felſen. Langes Rinnen trübt die Welle; Ich trink' gerne aus der Quelle. Ruſtan(vor ihm niederſtürzer Sieh mich denn zu d Sieh ein flehendes Geſch Heut zu allen künft'gen Tagen Hat des Glückes Stund' geſchlagen; Geh und ſchreite über mich, Tritt ein Daſein unter dich! Der Mann v. Felſen. Willſt mit andrer Taten prahlen? Willſt mit fremdem Golde zahlen? Glück und Unrecht? Luft'ger Wahn! Rühm dich des, was du getan. unde, indem er den Mantel wieder um S ter wirft.) Ruſtan(nach vorn kommend). Er hat recht, und ich will fort. Zanga! komm! wir kehren heim. In der Nahverwandten Mitte Sei das Glück der erſten Schritte, Sei die Schmach— Und dennoch!— Nein! Nein, es darf, es ſoll nicht ſein! Der Unbekannte iſt den Steig, der zur Brücke führt, hinaufgeſchritten. Ruſtan folgt ihm.) Unmenſch, halt! Nicht von der Stelle! Dieſe Brläcke wölbet ſich Als des Glücks, der Hoheit Schwelle, Sei es dir, ſei es für mich. Unmenſch, halt! 818 hat den Mantel des vor ihm Hinſchreitenden angefaßt.) er Mann.'s iſt nur mein Kleid. (Er geht nach dem Hintergr die S 2. Aufzug Ruſtan. Nun, der Herr iſt auch nicht weit. Halt! Ich oder du!(Er faßt ihn an.) Der Mann. Nicht ich!(Ste ringen auf der Brülcke.) Ruſtan. Sein Berühren iſt Entmannen. Zanga, Zanga, rette mich! (Der Fremde drängt Ruſtan bis hart an den Rand der Brücke, im Begriff, ihn hinabzuſtürzen.) Ruſtan. Ich erliege! Zanga. Braucht den Dolch! Braucht den Dolch! Ihr ſeid bewaffnet. Der Fremde. Ganz nun mein! Ruſtan. Noch nicht! noch nicht! (Er hat den Dolch gezogen und ſtößt ihn nun dem die Bruſt.) Der Fremde(auf der Brücke niederſinkend). Blutig! Blutig! Schwarzer Tagl! Ruſtan(von der Höhe herabkommend). Zanga! Zanga! Lebt er? bin ich? Zanga. Herr, Ihr ſeid! Und ſeht, er blutet. Ruſtan. Oh, daß ich's getan! Entſetzen! Der Fremde(halb emporgerichtet) Kinderjahrel Kinderjahre! Folgt der Unſchuld Leichenbahre! Gurückſintend.) Ruſtan, Ruſtan! Mirza, Ruſtan! Ruſtan. Zanga, ſchnell! Sieh, ob noch Rettung, Ob noch Hilfe möglich. Eilel (Der Fremde, der ſich im Todeskampfe auf der Brücke gewälzt, ſtürzt jetzt in die Flut.) Zanga. Herr, zu ſpät! Ihn hat die Flut. (Zu Ruſtan, der, die Hände vors Geſicht geſchlagen, daſteht.) Schlimm genug und dennoch gut; Wenn nicht er, wart Ihr verloren. Ruſtan. Oh, und wär' ich nie geboren!(Hörnerſchall.) Zanga. Herr, nur Faſſung! Faſſung! Mut! Fall der Notwehr.— Hört, man ruft uns. Seht, man kommt! Nun ausgehalten! (Ein Kämmerer kommt von der linken Seite.) Kämmerer. Herr, des Königs hohe Gnaden Laſſen Euch zur Heimkehr laden Und zum Heereszug demnächſt. Dort ſie ſelbſt. Fremden in Der K Ni Ai Inde Die e deren angeb herabl Der K führer außer gange Pl Nu Un Tr Un Ri Ni Hi Vü Di Un Un den in 9/ ſtürzt t.) chall.) 3. Aufzug 39 Der König und Gülnare erſch mim Hintergrunde auf der Anhöhe, rechts an der Brücke. König. Nun, Ruſtan? Folgt Ihr? Ruſtan. Hoher Herr, ich bin bereit.(Zu Zanga.) Nun gilt's fallen oder ſiegen; Ausgedauert und— geſchwiegen! Endem er ſich zum Gehen wendet und die Hörner von neuem er⸗ tönen, fällt der Vorhang.) Dritter Aufzug Offener Platz in Samarkand. ie erſten Kuliſſen des Vo 8 bilden eine z en hintere Vorhänge o id. Rechts iſt ein angebracht, nach oben mit ei Baldachin, nacher herabhängenden Draperie geziert. Daneben ein T en. Gegenüber auf der linken Seite, ein größerer Tiſch, dunkelrot behangen. Der Platz von außen iſt mit Volk, beiderlei Geſchl Jubelruf, kriegeriſche Muſik, Truppenaufzüge. Volk. Heil dem Sieger!— Heil dem König! Ruſtan! Ruſtan!— Hoch Gülnare! Der König kommt, zu beiden Seiten Ruſtan und Gülnare an der Hand führend. Reichgekleidete Große hinter ihm. Sie gehen in dem Raume außer dem Zelte quer über die Bühne und auf der linken Seite ab. Zanga(durch das Volk kommend, zu denen, die am Ein⸗ gange des Zeltes ſtehen). Platz dal Platz! Ich bin vom Hauſe.(Er kommt nach vorn.) Nun, bei Gott! Das geht vortrefflich! Unſer Ruſtan wirkte Wunder. Tritt hervor aus jenem Wald, Und der Ruf der Tat durchſchallt Rings das Land nach allen Seiten. Nieder von den Bergen ſchreiten Hirten, jetzt zum erſtenmal, Völker ohne Maß und Zahl, Die ſich ſammeln, die ſich ſcharen Um den Retter in Gefahren. Und der Feind er ſteht verbl „ beſetzt. üfft; 3. Aufzug Ihm, der kam zu leichtem Krieg, Dünkt der Rückzug jetzt ſchon Sieg. Raſch wir nach, und weit und weiter! Schon ſind handgemein die Streiter. Da ſieht Ruſtan jenen Khan, Der ſo überſtolz getan, Sprengt auf ihn— zwar, wie mich dünkt, Iſt das juſt der Punkt, der hinkt:— Ruſtan ſtürzt. Allein, was tut's! Unſre Völker, hohen Muts, Sehen bange Zweifel ſchweben Ob des Führers teurem Leben, Dringen nach und— ſahſt du's nicht! Bald kein Feind mehr im Geſicht. Alſo ſich's begeben hat; Ich bin ſelbſt das Zeitungsblatt, Schwarz gekommen ſchon zur Erden, Darf's nicht erſt durch Lügen werden. Da kommt Ruſtan mit dem König, Tut ſchon vornehm, blickt ſchon ſtolz. Ei, umgüldet's nur ein wenig, Dünkt ſich Edelſtein das Holz. Der König und Ruſtan kommen— König. Hörteſt du? vernahmſt du? ſahſt du? Ihres Mundes freundlich Lächeln, Ihrer Rede Sommerfächeln; Fühlteſt du den Druck der Hand? Ja, Gülnare, meine Tochter, Sinnt nicht länger Widerſtand. Freude, Wonne, ſondergleichen! Ihre Hand will ſie dir reichen; Und was an des Todes Toren Ich mir ſelber zugeſchworen Und was Nacht bisher verhüllt, Glänzend, herrlich wird's erfüllt. Du, an meiner Tochter Seite, Sitzeſt auf der Väter Thron, Breiteſt aus in alle Weite Mit der Kriegsdrommete Ton Dieſes Landes Macht und Ruhm, No St Un Vo Un Ho Si Si Si Oh Do Id Se Al Tu Un He Gang 3. Aufzug Noch vor wenig kurzen 8 Stolzer Nachbarn Eige ntum. Und ſie zittern und ſie beben Vor dem Dräun der ſtarken Hand, Und des Ruhmes Säulen heben Hoch den Thron von Samarkand. Sieh dies Land, das deine, Sieh mein 1 Selbſt, 8 folgt dem Land; Oh, des ſel gen Abends Scheine, Da ich dich, den Retter, fand!(Er ſetzt ſick Ich bin müͤd bringt mir zu trinken; Lelb lbſt die Freude f ſchwächt die Kraft. Alles ſcheint mir Ailtt gueft Tu, was neu das Alte ſchafft! Gebt mir Wein, die Zunge lechzet, Und verſchließt des Zelte⸗ Hüllen; Freuden, wie ſie mich erfüllen, Hegt man gern bei ſich allein. (Zanga gibt den Auftrag. Man geht um Wein. Die Vorhänge Zeltes fallen herab.) Ruſtan. Wenn auch das, was ich getan, Voll und wirklich Lohn erheiſchet, Doch ſo übermäß'ge Gunſt— König(aufſtehend). Laß du über dem Geſchick, Auszugleichen Wert und Glück! Wär's Verdienſt denn, wenn der Regen Niederträuft auf unſre Flur? Iſt Verdienſt es, wenn der Leu, Reich begabt und ſtark und frei, Hin eilt auf des Wildes Spur; Wenn die kreißende Natur Aus der Gaben Reichtum ſpendet, Achtlos, wer ihn zu ſich wendet? Auch der Zufall will ſein Spiel. 3⁊18 was dein; und ſcheint's zuviel, Dieſes als zri m5 Erkennen Macht dich wert, es dein zu nennen. Eins nur iſt noch zu bericht'gen: Ruſtan, alle, die ich fragte Ringsum aus der ganzen Gegend 3. Aufzug Nach den Eltern, die du nannteſt, W f + Nach den Deinen, deiner Abkunft, Ne ** Niemand will die Namen kennen Und den Stamm, das Volk, den Ort. Zanga. Iſt's doch auch ein kleines Völkchen, Di Seiner Herden Zucht ergeben, St Und da ſie nomadiſch leben, Se Kommt's heut an, zieht morgen fort. W Ruſtan. Dann, o Herr, wenn erſt das Was Di Des Geſchehnen klar und deutlich, Forſcht man viel noch hinterher Um das Wie und um das Wer? König. Du haſt rechtl und wer auch immer: U. Biſt du immer doch derſelbe, At Der mein Land, mein Volk befreit, Ei Der an jenem grauſen Morgen Ui Meiner Tage Reſt geborgen, Deſſen Mute, deſſen Schlag S6 Jenes Untiers Grimm erlag. Di Biſt derſelbe und biſt's nicht; Und wenn nicht, mir ſo viel teurer, Hi Als mir teurer dies dein Selbſt. W N Wenn ich dich ſo vor mir ſehe, Li Hoch gewachſen, ſtark und kühn, De Mit der hellen, klaren Stimme, W̃ Freu' ich doppelt mich und dreifach, Ki Daß du anders, als ich damals, De In der Sinne wirrem Wanken, Se Mehr ein Wahnbild der Gedanken, Hi Meines Retters Bild geſehn. Un Du ſchienſt damals klein und bleich, Lc Eingehüllt in braunem Mantel, Ht Und die Stimme ſcharf und ſchneidend— Es (Man hört aus der Ferne Gemurmel von Stimmen, dazwiſchen Di klagend ausgeſtoßene Laute.) Je Welch Geräuſch? Seht zu, was iſt.(Es geht jemand.) Se Widerlich ſtört's meine Rede, Si Und dazwiſchen Klagetöne, Indet Faſt wie jene—Zu Ruſtan.) Warſt du damals Knie Auch mit dieſem ganz allein?(Auf Zanga weiſend.) iſchen 3. Aufzug War kein dritter, war kein andrer Neben dir? Ruſtan. Nur er und ich. Küönig. Eine Stimme, dumpf und ſchaurig, Die ich früher ſchon gehört, Sonſt im Leben ſchon vernommen, Sch hien da in mein Ohr zu kommen, Vie ich lag von Angſt betört. Du ſtandſt damal Ruſtan. Herr, am Felſen. Zanga. Oben, oben auf dem Felſen. König. Oben, recht! Je mehr ich ſinne, Um ſo widerlicher wird's. Auf dem Felſen, klein und bleich, Eingehüllt in braunem Mantel, Und die Stimme— ie vorigen Klagelaute wiederholen ſich.) i, des Lauts! baff ſie fort, die ekle Stimme, Erin inerung mit ihr. (Zanga geht ab. Ein Diener hat Wein gebracht.) Hier iſt Wein. Komm, laß uns trinken! Weg es waſchen, dieſes Bild! Was ich dumpf geträumt, Lieblich hat's Platz geräumt Dem Erfrer 197 5 0 dem Wahren. Wo ſich Götte off fenbaren Kündigt ſie n Schauder an, Daß, wenn ein die Mächt'gen fahren, Schon die Pforten aufgetan Hier iſt Wein. Komm, laß uns trinken! Und noch dieſen Abend ſollen Laute Zimbeln und Drommeten Hoch von dieſer Feſte Türmen Es in alle Lüfte ſtürmen, Daß du Erbe mir und Sohn. Ja, du Edler, ja, du Guter, Schutzgeiſt, Lebensretter du Sieh, dein Vater trinkt dir's zu! Indem er den Becher emporhebt und Ruſtan ſich vor ihm auf ein Knie niederläßt, kommt Zanga eilig zurück; hart hinter ihm ein Kämmerling. / 75 3. Aufzug König(einbaltend). Was begab ſich? Zanga(u Ruſtan leiſe). Herr, nur Mut! 88 König. Soll ich länger noch erwarten—? Kämmerling. Herr, die Stadt beinah in Aufruhr. 9 König(den Vecher abgebend). Nick Aufruhr? Torheit! Und warum? Alle Kämmerling. Herr, die Wellen des Tſchihun, Kon Die an unſern Mauern nagen, Stu Haben auf den flachen Sand Und Eines Mannes Leib getragen, Ode Der durch Mord ſein Ende fand. 3 König. Laßt ſie das dem Richter klagen. 5 1 2 Bart 1 Kämmerling. Und der Mann, er ward erkannt haltend Als derſelbige mit jenem, Den, aus deiner Kämmrer Scharen— Nie hat man den Grund erfahren— Du vorlängſt vom Hof verbannt. König. Wohl, ich weiß.— Doch dieſe Laute, 5 Schaurig, widrig, wirren Klanges—2 5 Kämmerling. Herr, es iſt ſein alter Vater, Gle Den du kennſt, der ſtumme Mann; 9 Eine Schrift in ſeinen Händen, 5 Laf Fleht er um Gericht dich an. König. Wohl, es ſei ihm, doch er ſchweige! Ruſtan! Zor Ruſtan. Herr? Bif 5 Bij König. Du kannteſt nie 0 Jenen Mann, der nun getötet? 8 Ruſtan. Herr, ſo meinſt du— 8 König. Nun, nur Gutes Je⸗ Doch die Stimme, deren Klang Fa Damals mir zu Ohren drang, Eis Als du mich befreit beim Jagen, Un Schien des Manns, der nun erſchlagen. Es kommt näher, wächſt im Raum, Wie ein halbvergeßner Traum. Und wen klagt man an als Täter? 1f Kämmerling. Herr— D. König. Du zögerſt? 5 Kämmerling. Wag' ich's? g. Aufzu Aufzug König. Sprich! Wen zeiht man des Mordes? Kämmerling. Dich! König. Mich? Ha, Torheit und Verrat! Nicht nur ein Sinn fehlt dem Alten, Alle fehlen in der Tat.(Die Vorhänge auseinanderſchlagend.) ihr. Komm herein, du Mann der Torheit, Stumm an Zunge, Verſtand! Ind beweiſe deine Klagen der ſtirb von meiner Hand! Der alte Kaleb, grau gekleidet mit ſchwarzem überwurf, weißem Bart und Haar, tritt, von Karkhan geleitet, eine Schrift empor⸗ irft ſich vor dem Kö nieder, wobei er, nach Art der immen, unartikuli König. Nicht berühre meine Kleider, Bis du Widerruf getan. Zanga(leiſe). Herr, was dünkt Euch? Ruſtan. Harr und ſchweig! Zanga. Dieſen Mann ſah ich ſchon früher. Gleicht er nicht—? Ruſtan. Ob auch! Wem immerl! Laß uns hören, was er bringt. König(dem der Alte eine Schrift emporgereicht hat). Was ſoll ich mit dieſen Zeilen? Zorn quillt mir im Auge heiß. Zu dem Fübrer des Greiſen.) Biſt du einer, der da weiß—? Karkhahn. Seinem Hauſe nah verwandt. König. Nun, ſo ſprich, was dir bekannt. Karkhan. Was man ſagt, nicht, was ich meine. Jenen Toten, dir bewußt, Fanden wir im Abendſcheine, Einen Dolch in ſeiner Bruſt; Und der Dolch— er war der deine. König. Mein Dolch? Wie? Seinen Dolch halb ziehend.) Hier iſt mein Dolch. Karkhan. Jenen Dolch, den du beim Jagen Pflegteſt in dem Gurt zu tragen Und auch trugſt zu jener Zeit, Da ein Wunder dich befreit. König(zu Ruſtan tretend). Ruſtan, dir gab ich den Dolch, haltend, ein und 1 Laute ausſtößt 46 3. Aufzug Der im Wahnwitz der Gefahr Meiner Hand entfallen war. Bring ihn her! Gib mir ihn wieder!— Du entfärbſt dich?— Ruſtan! Ruſtan! Jener Mann, der ſie beſchrieben, Ward durch mich vom Hof vertrieben, Weil ſein Trachten, frech geſinnt, Sich erhob zu meinem Kind. Alſo denn dein Nebenbuhler! Ruſtan! Ruſtan!— Und die Stimme, Die von jenem Felſen ſprach, Und nun auftaucht, hell und wach, Acdk Sie glich jenes Mannes Stimme, Fa Der nur jetzt des Mörders Grimme, We Unbekanntem Tod erlag. Fö Ruſtan, gib den Stahl mir wieder.(Laut.) Et War's ein Dolch mit grünen Steinen? Ei Karkhan. Mit Smaragden reich beſetzt; Lä Tief im Buſen eingetrieben, M Wo er graß zuſammenhielt Al Den durchnäßten braunen Mantel. Ar König. Braunen Mantel?— Stand am Felſen— W̃ Bleich und hager— du ſtandſt ſeitwärts, M Oben er und ſchoß.— Wer traf?— Je Ruſtan, Ruſtan!— Sprich nicht jetzt! Se Nicht ein Wort, das dich gereuet. At Ich will hin, den Toten ſehn, D Du magſt nach dem Dolche gehn. Il Alter, folg! und folget ihr! Zu Ruſtan tretend.) N Auf! zerſtreue dieſe Wolke; N Denn Rechtfert'gung ſchulden wir: 5 Ich, der Fürſt, dem ganzen Volke, N Du, der Sohn und Bürger, mir. 8 (Er geht, von Kaleb und ſeinem Gefolge begleitet, ab.) 8 Zanga. Herr, was nun? F Ruftan. Das fragſt du mich? Y Du? der ſonſt ſo überreichlich N Mittel wußte, Kniffe, Ränke; U Der mich bis hierher geleitet, 9 Losgeriſſen von der Heimat, Mich die Würfel hieß er Glückes falſchem Zu d Deſſen Zu unge 5 15 ellaut Ich, ein Törichter, vertraut n Der mit Lüger und mit Ler Mich verlockt, mir anzi Was ein anderer getan; Abgelockt mich von Bahn, Von der ebenen, gerade Von des Ruhmes goldnen Pfaden? Zanga. Ebnen Maden? Schöner Wahn Ach, verzeiht zu hohen Gnaden, Faſt kommt mir ein en an. Wackre Fauſt und ſchlichter Geiſt Fördern auch und bringen weiter, Etwa zu'ner Fahne Reiter, Einer Hauptmannsſtell' zumeiſt, Läßt mit halbzerſchoßnen Knochen Ma Gnadenſuppen kochen; Aber wen es höher treibt, Auf zu Glückes reichern Spenden, Wenn auch der im Fußweg bleibt, nur die Schritte wenden.— Euch mit einem Ruck, Guten, ſei's im Schlimmen, Auf des Berges höchſten Hang, Deſſen Mitte zu erklimmen Ihr gebraucht ein 185 Ruſtan. Und nun gäh der Untergang! Zanga. Pah! Und was iſt t auch verloren? W̃ enn, Ihr nicht die Fnlen nge ſchlugt, Habt Ihr doch den Feind geſchlagen, Allen künft'gen l Heil gebracht t und Sicherhei Habt Ihr nicht das Heer für Euch? Wiseh et Euch in ihre Reihen, Die Euch kühn gefolgt im Streit; M kag dann dieſer König dräuen, Und wer weiß? wer noch gebeut. Herr, nur Mut! Dort ſeh' ich zwei Von den Führern ünſers Heeres. 48 3. Aufzug Wie ſie lauern! wie ſie ſpähn! V Bleibt nur hier und harrt der Dinge, K Ich will mal ſie prüfen gehn. (Er geht nach dem Hintergrunde auf den Halbkreis von Menſchen zu, die dort zurückgeblieben ſind.) Ruſtan. Folg' ich ihm?— benutz' ich eilend E Die Gelegenheit der Flucht? R Schändlich! Niedrig! Greulich! Greulich! 8 Nicht, daß ich den Mann erſchlug! Hab' ich ihm den Tod gegeben, War's verteidigend mein Leben, War's, weil jener Brücke Pfad, Schmal und gleitend wohl genug, Einen nur von beiden trug; 8 War's, weil er mit gift'gem Hohn 1¹ Lauernd ſeine Tat verſteckte U Und die Hand erſt nach dem Lohn, D Dem bereits gegebnen, ſtreckte; N War es, weil— muß ich's denn ſagen— Er und ich zwei Häupter tragen Und dies Land nur eine Kron'. E Es geſchah. Allein, wenn nicht, U Ständ', genüber ſeiner Tücke, S Jetzt ich auf der Schauerbrücke, In Es geſchähe jetzt wie da. Doch, daß nach durchfochtnem K rieg, Da mein Stern zum Scheitel ſtieg, Ich, verklagt, ſoll Antwort geben Über ein ſo niedrig Leben, Dafür tröſtet mich kein Sieg. Oh, hätt' ich— o hätt' ich nimmer Dich verlaſſen, heimiſch Dach, 8 Und den Taumelpfad betreten, Dem ſich Sorgen winden nach! Hätt' ich nie des Außern Schimmer 2 8 Zank Mit des Innern Wert bezahlt E Und das Gaukelbild der Hoffnung 9 Fern auf Nebelgrund gemalt! Wär' ich heimiſch dort geblieben, 9 Wo ein Richter noch das Herz, Wo kein Trachten ohne Kein Verſagen ohne Schmerz! Ha, und doch! Zurück es 5 mir anbeut das Geſchick? ſe Stadt mit lauten Gaſſen, Eines Reiches fürf ſtlich Glü Wonach heiß mein Wunſch ge trachtet, Leibhaft, wirklich ſchau' ich's an, Und beim Griff der Hand umnachtet Mich ein gaukelhafter Standen nicht der Vo 0 Oft auf gleicher Zweifelbahn? „Tu's!“ ließ Geiſt und Mut ſich hören; „Tu's nicht!“ rief das Herz ſie an. Und ſie ließen ſich betören Um den Zaudrer war's getan; Oder 1 und wir ſchwören Nun bei dem, was ſie getan. iſchen zu N, f N Ich will harren, ich will bleiben, Gähnte weit des Todes Schlund; Und wer's wagt, mich zu vertreiben, Stehe feſt auf ſeinem Grund! ung des Halbkreiſes, den die in der Ferne ſtehenden Menſchen bilden, wird Zanga ſichtbar.) Zanga! Zanga! Zanga kommt nach vorn, von einem graugekleideten alten Weibe gefolgt, das einen Becher trägt. Zanga. Fort, du Hexe! Die Alte, Zanga, komm! gib's deinem Herrn! Zanga. Laß mich, laß mich! Die Alte. Böſer Diener! Sorgſt du nicht um deinen Herrn? Ruſtan. Was iſt das? Zanga. Weiß ich es ſelber? Sie verfolgt mich mit dem Becher, Nennt's ein Mittel, nennt's Arznei. Die Alte. Wohl Arznei! Du böſer Diener! Nimm es nur, gib's deinem Herrn. Zanga. Laß mich, laß! 4 Grillparzer, Der Traum ein Leben (In einer Of Ruſtan. Wer ſendet ſie? Die Alte. Ich mich ſelbſt, mein ſchöner Herr. Du biſt krank; ſieh, das erfuhr ich. Ruſtan. Krank? Die Alte. Ei, Sohn, bedenklich krank! Wie glimmt wild dein dunkles Auge, Wie zuckt gichteriſch der Mund! Gib die Hand mir, reich den Arm, Und ich deute dir dein Fieber. Ruſtan. Laß! Die Alte. Wohl krank, anſteckend krank! Einer ſtarb ſchon, der dir nahte, Draußen liegt er auf dem Sand. Und der König fürchtet auch wohl Daß dein übel ihn ergreife; Darum harrt er, weilt mit Vorſatz, Will dir Zeit, mein Söhnlein, geben, Zu entweichen, zu entfliehn. Ruſtan. Zanga! Die Alte. Nun! Nur nicht verzagt! Sieh, mein Sohn, hier iſt ein Mittel, Sieh den glimmernd ſchäum'gen Saft: Kaum benetzt er deine Lippen, Sinkt die Brandung ebbend nieder, Löſen ſich die müden Glieder, Schweigt der Schmerz, erliſcht der Tag, Zürne dann, wer zürnen mag! Ruſtan. Greulich! Greulichl Die Alte. Ei, ich ſeh' wohl, Dich erſchreckt des Trankes Anblick, Weil er gar ſo brauſend ziſcht. Ei, das gibt ſich, ei, das legt ſich, Wie Begeiſterung der Jugend. Auch, mein Sohn, in Wein gegoſſen, Wirkt ein Tropfen wie das Ganze. Hier ſteht Wein. Ha, und der Becher, Sieh! wie gleicht er hier dem meinen. Nun, ich miſche dir den Trank. / (Sie nähert ſich dem Tiſchchen neben dem Ruhebette, auf dem de Königs Becher ſteht.) 8 geſta H N (Er 2299 2 7228222 des Aufzug Ruſtan(ſie anfaſſend) Halt!— Und Zanga!— laß den Vorhang— Laß des Zeltes Vorhang nieder! (Zanga zieht d g, er ſchließt ſich.) Die Alte. Hihihil Warum den Vorhang? Warum Decken denn und Hüllen, Wenn wir Rechtes nur erfülle n7 Ei, du möchteſt wohl den Trank, Aber auch, daß man dich zwänge! Ei, ich zwinge niemand, Sohn! Bietend reich' ich meine Gaben Wer ſie nimmt, der mag ſie haben. Und ſo ſtell' ich hin den Becher, Der dich reizt und der dich ſchreckt; Wird dein Übel, Söhnlein, ſchlimmer, Weißt du, was dir Heilung weckt. Doch nicht bloß an dich gebunden, Andern auch hilft dieſer Trank, ae die Kranken ſchn ell geſunden, Die Geſunden freilich Katt (Sie hat den Becher auf den links ſtehenden Tiſch geſtellt.) Nun, mein Söhnlein, Gott befohlen! Ohne Abſchied, ohne Dank! Ruſtan(der mit geſenktem Haupte ſinnend im Vorgrunde geſtanden, fährt jetzt empor und faßt die Alte an). Halt! und nimm zurück den Becher, Nimm zurück ihn, deinen Trank! (Er ergreift den auf dem Tiſchchen rechts ſtehenden Becher und drückt ihn der Alten in die Hand.) Die Alte. Hihihi! Haſt dich vergriffen! Dort ſteht er, der edle Trank; Das hier iſt ia Saft der Trauben. 8Sie trinkt.) Wie das labt!— wie das erquickt!(Den Becher umwendend.) Leer und aus!— Nun, dir zum Heile! Und den Becher mir zum Lohn. (Sie ſteckt den Becher in ihr Gewand.) Wohlgemut, mein teurer Sohn! Nicht die Hand vors Aug' geſchlagen! Was dir kommt, das mußt du tragen, Eine Leiche, auf dem Thron. Biſt nun deines Schickſals Meiſter, en Vorb 4* 3. Aufzug Sprichſt ein Wort im Rat der Geiſter, Trägſt dein eigen Los davon. De Horch'! man kommt! Nun, ich will gehen Unbeſorgt! Sie ſehn mich nicht. Ob gleich alle zu mir flehen, Ui Scheut duch jeder mein Geſicht. W Sieh dort offen eine Spalte A In des Zeltes dünner Wand; Raums genug für eine Alte. Nun, mein Sohn, die Zukunft walte! Glück, Entſchloſſenheit, Verſtandt F (Sie hinkt nach der rechten Seite des Zeltes und zieht ſich hinter die Umhänge des dort ſtehenden Ruhebe ttes zurück; blickt noch einm die Vorhänge aufhebend, hervor und wird dann nicht 38 8 geſehen. IJ. Ruſtan. Siehl wo kam ſie hin, die Alte? Zanga. Herr, ich weiß nicht. Sie entſchwand. War's dort durch des Umhangs Spalte, W War's— mir bleibt es unerkannt. Ruſtan. Schweig und gib das Tuch. Guf ein dunkelrotes Tuch zeigend, das Zanga loſe um den Hals 2 S geſchlungen trägt.) Zanga. Das Tuch? S Ruſtan. Wohl, das Tuch.— So! und nun ſtillel D (Er hat das dunkelrote Tuch über den gleichbehangenen Tiſch links und den darauf ſtehenden Becher gebreitet und ſteht in banger Er⸗ E wartung.) Die Vorhänge des Zeltes tun ſich auf. Der König tritt ein, hinter U ihm Kaleb, Karkhan und zwei Begleiter. 3 König. Du noch hier? K Ruſtan. Wo ſonſt, mein König? König. Nun, ich dachte dich entfernt. Geht, ihr andernf(Zu Kaleb.) Du nur bleib. Das Gefolge entfernt ſich, die Vorhänge des Zeltes werden geſchloſſen.) König(Der einem der Abgehenden den braunen Mantel und den Dolch abgenommen hat, die dieſer trug, den Mantel 65 den Boden hinwerfend). Ruſtan, A du dieſen Mantel? Dieſen Mantel, dieſen Dolch? Ruſtan. Schlecht verſteh' ich mich auf Kleider; Doch auf Waffen gut, du weißt's. 9 ο 9 εο. ³9 Deο ε⁴˙ ˙˙ ³˙ eee eeeeen hen.) Hals nter en.) und den Aufzug König. Nun denn: kennſt du dieſe Waffe? Ruſtan. Wohl; es iſt derſelbe Dolch, Den du einſt verlorſt beim Jagen. König. Ich verlor? Den ich dir gab. Ruſtan. Ja, nachdem du ihn verloren, Und ich ihn gefunden, Herr; Wie ihn wohl ein andrer fand, Als ich ſelbſt ihn drauf verloren. König. Du verlorſt ihn? Ruſtan. Wohl. König. Ein andrer Fand ihn? Ruſtan. Alſo ſcheint's. König. Und tat Jener andre das Verbrechen, Das laut aufmahnt, es zu rächen? Ruſtan. Laß mich, Herr, von dem nur ſprechen, Was ich ſelber tat und weiß. König. Und der Mantel? 985555 Herr, ich ſagt' es: Schlecht verſteh' ich mich auf Kleider. König. Doch die Züge jenes Toten, Sie ſind auch des Mannes Züge, Der mich Jauf d der Jagd befreit. Ruſtan. Du warſt damals kaum bei Sinnen, Erſt nur haſt du's ſelbſt bekannt. König(die Schrift emporhaltend, die ihm der alte Kaleb gab). Und die Schrift hier ſagt ſo vieles; Zeigt, wie dem ſo graß Verblichnen Hohes Unrecht ich getan. Ruſtan. Tatſt du dem Verblichnen unrecht, mnicht Gleiches dem Lebend'gen. as ſoll mir die tote Schrift? aß dir meine Taten ſprechen! Wer ſchlug jene blut'ge Schlacht, Die dir Heil und Sieg gebracht? Wer befeſtigte die Krone, Halb von einem Feind geraubt, Wieder dir auf deinem Haupt? Dankſt du's nicht, wenn du noch dräuſt, Dem Bedrohten, mir, zumeiſt? 3 82². 2 8 D 85 3. Aufzug Ha, ich find' es wohl bequem, Guſt. Dadurch ſich den Dank zu ſparen, 8 Daß dem Retter, daß wir dem, Durch den Heil uns widerfahren, N Häufen auf des Vorwurfs Laſt, Ac Den Berechtigten, mit Lachen, 5 Zum Verpflichteten uns machen. 8⁰ König, mir gib erſt mein Recht! Was geſchehn an jenem Knecht, e Laß uns künftig ſehn und rächen; Ac 8 7 Jetzt erſt halte dein Verſprechen, D5 Gib, was du mir zugeſagt!l 1 König. Halt! Was damals ich verſprach, 11 Zogen andre Gründe nach! B Wer mein Höchſtes ſein will ſehn,(Er! Muß, ein Reiner, vor mir ſtehn. Beche Reine dich vor meiner Macht! Noch hat niemand es erfahren, Was dich drücket für Verdacht. Zeit geb' ich dir dieſe Nacht, Mit dir ſelbſt zu Rat zu ſitzen, D Was dir frommen mag und nützen. Al Aber bricht der Morgen an, U Ohne daß du's dargetan, N Samml' ich einen andern Rat Aus den Beſten meines Heeres: W Der ſoll ſitzen und entſcheiden, Wer im Recht iſt von uns beiden. J (Er wendet ſich von ihm; zu Kaleb.) W Alter, komm! ich will nun leſen U Deine Schrift, ſo weit ſie geht; D Was dein armer Sohn geweſen, V Zeigt ſie deutlich— nur zu ſpät.(Am Sofa rechts ſtehend.) W Doch erſt geh nach Licht und Wein, Es wird dunkel, und mich dürſtet. 7 1(8 Hier ließ ich, da erſt ich ging, Stehen einen vollen Becher, Einen Becher Freudenwein;—* Sog ihn denn der Boden ein? 8 Zwar die Freude iſt vergangen, S Und verging denn auch der Wein? 9 r, auf dem Tiſche ggeriſſen.) (Ruſtan hat ergrimmt das über den ausgebreitete Tuch hinw Doch, dort ſteht er! Wie er blinkt, Freundlich mir entgegenn 150 kt! Ach, was iſt ſeitdem vergangen, Seit mein Mund an 517 zehang Zanga, geh nach Licht. Gan⸗ Bring mir her dort jenen Jenen frohen, holden Wein! Ach, vielleicht, daß von dem Glück, Das in mir, als ich getrunken, In den Kelch ein Hauch geſunken, Und er gibt ihn nun zurück. Bring den Becher! bring den Wein! (Er hat ſich auf das Sofa geſtreckt. Der alte Kaleb Becher auf dem Tiſch links. Da er ihn bereits ergr Ruſtan in den Arm.) Ruſtan. König, trink⸗ licht! König. Und warum Ruſtan. Nicht aus diedes Mannes Hand, Der durch ſchlau erdachte Lügen Ab mir deine Gunſt gewandt, Und der töten kann wie lügen Nicht aus dieſes Mannes Hand. König. Ruhig ſei du nur zur Stund'! Was er ſprach—(die Schrift in ſeiner Hand haltend) 8 hier geſchrieben, Iſt dem Wahren treu geblieben Wahrheit ſprach ſein ſtummer Mund. Und ſo nehm' ich mit Vertrauen Das Gefäß aus ſeiner Hand. Wer wird allen denn mißtrauen, d. Weil ein einz'ger nicht beſtand Ruſtan. Wohl denn! ſei's zum Glück gewandt! (Er läßt den Alten los, der den Becher dem Könige bringt.) König. Ruſtan, ſieh hier dieſen Becher, Den ich erſt dir zugetrunken, Erſt als Erben 55 als Sohn; Sieh, ich halt' ihn jetzt noch immer Mit PrAünitem Gemüt. ab.) Du, Alter, jt nach dem n, fällt ihm 3. Aufzug Dünkt es gut dir, aufzuklären, Was geſchehn, was du getan;— Zwar nicht mehr als Sohn und Erbe, Da reicht Höh'res nur hinan,— Doch mit Zeichen meiner Gnade, Mit Geſchenken reich geſchmückt, Sollſt du ziehen deine Pfade, Wie kein Sterblicher beglückt. Laß den Frieden uns erneuen!(Den Vecher emporhaltend.) Ruſtan! Allen, die bereuen! Ruſtan(vor ſich hin). Proſit!— wen's zuerſt gereut!(Er wendet ſich ab.) Da der König im Begriff iſt, zu trinken, öffnen ſich die Vorhänge des Zeltes, und Zanga tritt ein; hinter ihm Diener mit Lichtern und Wein. König. Setzt die Lichter auf den Tiſch Und geht hin zu meiner Tochter. Ich will hier des Abends Kühle Noch ein Stündchen mir genießen; Erſt zu Nacht erwartet mich! Aber fort mit den Gefäßen! Hier ja ſteht mein Freudenwein.(er trinkt.) Nie ja trank ich ſo gewürzten, Feurig⸗ſtarken, ſchäum'gen, dunkeln; Jugendähnlich gleitet er Durch die abgeſpannten Fibern, Und die Luft im Raum erzittert Von dem ſprühend geiſt'gen Duft! Köſtlich! labend!(er trinkt.) Zanga(eiſe). Herr, o ſieh! Ruſtan. Schweig! Zanga. Die Führer auch des Heeres Sind gewonnen, Euch zu Dienſte; Über Undank murren ſie, Harren Eurer. Ruſtan. Nun, ich komme. König. Geht, ihr andern! Kaleb, bleib! (Die Diener gehen.) Laß uns ſehen dieſe Schrift, Die zerſtreuten einzlen Blätter, eeAens (Ru kom rück Kal Tiſ. Die Er Hü Kle im iſt, Die dein Nebſt der Schrieb dem tiefgekränk dier ſtehn Namen, d Ho echl und— ſchu 100 Doch du ſchweigſt ja Verbannung die wir laſen n Vater. kenne. agt' ich beinah, und immer. (9 in iſt, den übrigen fols tend) ko umen, dort bleibt er ſ 8 rück. Der König liegt Kaleb, auf den Knien Tiſche erhellen die Gri ofa, an de zuhört. Die L Teil der Bühne iſt dunkel.) Der König(lieſt). +.—„An den Quellen des Wahia l Leb' ich einſam, ein Verbannter, 0 Nah des alten Maſſi 1d Hauſe. Alſo ſchreibt dein armer Sohn In dem erſten ſeiner Blätter: Sah dort Mir rza, ſeine Tochter, Sie, die einz'ge, die vergleichbar, Nahe mi indſtens kommt Gülnaren, Meines Herrn erlauchter Tochter.“ Wohl erlaucht! Hättſt du's bedacht Dein Geſchick wär' leicht und milde.(W „Ruſtan, Ruſtan, wilder Jäger! Warum quälſt du deine Liebe, Suchſt auf unbetretnen Pfaden Ein noch zweifelhaft Geſchick?“ leſend.) Die hinteren Vorhänge werden durchſichtig und zeigen in heller Erleuchtung Mirza, mit in dem Schoß liegenden Händen vor der Hütte ihres Vaters ſitzend. Vor ihr ſteht ein Greis in Geſtalt und Kleidung ganz dem alten Kaleb ähnlich. Er hält eine kleine Harfe im Arm. Ruſtan, der zuſammenfahrend einige Schritte zurückgewichen iſt, macht, mit beiden Händen auf die beiden Greiſe zeigend, ihre Ahnlichkeit bemerkbar. König(eſend). „Schau, ſie kommt dir ja entgegen, Sorgt um dich mit frommem Blick, (Mirzas Geſtalt erhebt ſich.) Kehr zurück auf deinen Wegen, Wenn nicht hier, wo iſt das Glück?“ Aufzug Ruſtan. Mirza! Mirza! K (Die Erſcheinung verſchwindet.) König. Wer iſt hier? Ruſtan(vortretend). Wa Ich, mein Fürſt. König. Und was führt her dich? 9 Ruſtan. Nennen hört' ich meinen Namen Iſt. Ind ich glaubte, Herr, du riefſt. Uni König. Nicht nach dir; doch rief ich Ruſtan; Kor War's ein andrer gleich, der fern wohnt Im An den Quellen des Wahia. Sie Doch, da hier, magſt du nur bleiben; Ga Manches ſteht wohl hier geſchrieben, 575 Das du deuten kannſt und ſollſt. 8 (Ruſtan zieht ſich zurück. Der König lieſt weiter.) 85 „Ruſtan, Ruſtan! wilder Jäger“—(Einhaltend.)— Wird's mir dunkel doch und wirr; 999 Alter, rück' die Leuchte näher! Her Schlummer, ſcheint's, trübt meinen Blick. Ves Noch ein Schluck.(er trinkt.) Nun, ſo ſcheint's beſſer. N.. Er lieſt.)„Ruſtan, Ruſtan, wilder Jäger, 88 Kehr zurück auf deinen Pfaden!— Was iſt Ruhm, der Größe Glück? II. Sieh auf mich! Weil 55 getrachtet F5. Nach zu Hohem, nach Verbotnem, 8 Irr' ich hier in dieſer Wüſte, He— Freigeſtellt das nackte Leben 5 Jedes Meuchelmörders Dolch.“ U51 0 Die Wand des Zeltes wird von neuem durchſcheinend. Es zeigt ſich, her de hell beleuchtet, der Mann vom Felſen. Der braune Mantel hängt nachſchleppend über die rechte Schulter. An der linken entblößten Bruſt nagt eine Natter, die er in der Hand hält. König dieſt). „Und wenn ich ihn auch zermalme, Wie der Hirt die Schlange tritt, Bin ich minder tot?“ Muſta (Der Mann vom Felſen macht eine Bewegung mit der Hand, als wollte er die Schlange nach Ruſtan ſchleudern.) Ruſtan(niederſtürzend). Entſetzen! Di (Die Erſcheinung verſchwindet.) 3. Aufszug König. Was iſt hier? (Die Umhänge des Ruhebettes zurückſchlagend.) Ruſtan am Boden? Was geſchah? Sieh, Alter, hin! (Der alte Kaleb nähert ſich dem Hingeſunkenen.) Ruſtan(ſich em 3 tend). Iſt er fort? Ha, Zauberkünſte! Und doch nur der Sinne Traum.(Nach rückr Kommſt du immer, wenn's zu ſpät? Immer, wenn's bereits geſchehen? Sieh den Becher halb geleert, Ganz erfüllt ſchon mein Geſchick. König. Mir wird ſchwül, mein Innres brennt! Aufwärts bäumen ſich die Fluten, Alle Tropfen meines Blutes. Böſer Trank!— Was war im Becher? Ruſtan! Ruſtan! Was im Becher? Ruſtan(bebend). Herr, weiß ich's? König. Und das Gefäß! Was nur trübte meine Augen?— Das iſt nicht derſelbe Becher; Fremde Zeichen ſtehen drauf, Sinnlos wilde, wirre Zeichen. Wo mein Becher? Ruſtan! Ruſtan! Ruſtan(in die Knie ſinkend). Herr, weiß ich's? Die Alte(kommt hinter den Umhängen des Ruhebettes her⸗ vor. Sie rollt den mitgenommenen Becher mit dem Fuße vor ſich ſich, her dem Vorgrunde zu). 105 Hihihi! Lauf, mein Rädchen, Spinn dein Fädchen! Nun und niel! Hihi! (Sie verſchwindet hinter den Vorhängen.) (Ruſtan hat ſich bemüht, den rollenden Becher aufzuhalten und unter den am Boden liegenden Mantel zu verbergen.) König. Welch Geräuſch?— Das iſt mein Becher; Dieſer hier ein unterſchobner.(Er iſt vom Bette aufgeſtanden). Ruſtan, Ruſtan!— Heil'ge Götter! 3. Aufzug Iſt denn niemand hier? Kein Helfer? Alter, komm, ſei du mir Stütze! Gu Ruſtan, der noch immer mit d He, umſonſt verhüllſt du es, Ewig ſichtbar dein Verbrechen! em Becher beſchäftigt iſt.) Alter hilfl Ach, ich vergehe! Hört denn niemand? Eilt nach Arzten! Rettung! Beiſtand! Rache! Hilfe! (Er ſinkt am Eingange des Zeltes den dort entgegen Kommenden in die Arme. Die Vorhänge ſchließen ſich über der Gruppe.) Ruſtan(nachdem er einigemal nach dem vor ihm liegenden Becher gegriffen hat, ihn endlich faſſend). Endlich! Endlich!— Ha, und dortl (Er hebt auch den zweiten, neben dem Ruhebette liegenden Becher auf. Die Becher in beiden Händen wechſelweiſe betrachtend.) Eins und eins!(Mit den Augen am Boden ſuchend.) Wo iſt der zweite? Eins und eins! Der zweite, wo? Wo der andre, andre Becher? (Er ſinkt erſchöpft mit dem Haupt gegen das Ruhebett.) Zanga kommt. Zanga. Herr!lach, alles iſt verloren!(Ruſtan fährt empor!) In den Armen drauß der Seinen Liegt der alte Fürſt, vergehend; Seine Lippen ſtammeln Worte, Er enthüllt wohl, was geſchehen, Was hier vorging, ſpricht er aus. Ruſtan Sen Tiſch neben dem Sofa von der Stelle rückend). Fort den Tiſch hier und das Bettel Dort hinaus entkam die Alte; Da hinaus entflieh' auch ich. Zanga. Fruchtlos, denn hier grenzt die Halle An des Schloſſes innre Räume, Hier im Wege feſte Mauern, Dort verwehrt's ein tobend Volk. Ruſtan. Hier hinaus! Mit meinen Zähnen Will ich an der Mauer brechen, Hier mit dieſen meinen Armen Einen Rettungsweg zur Flucht. Sπάνν ο e enn, horchl man kommt. bereit dein venn ſie mich greifen, 5 Zanga. All umſonſt! Ruſtan. Nun, ſo hal z von rückwärts t du wohl? ſich von beid Volk erfüllt den den in U Gülnare, von ihren Fra II Gülnare. Hier iſt der, den ich genannt! Ruſtan. Zanga! Deinen Dolch! Gib Waffen! Gülnare. Herr, zu dir gehn meine Schritte. Wer Tot im Staube liegt mein Vater, Und die wutentbrannten Mörder Ruſtan. Wer? Wer ſah's? Wer weiß? Weiß ich's? Gülnare(fe end Jener greiſe, ſtumr me Mann, Der, den Tod des nes rächend Ausgeſtreckt die frevle Hand Nach des edlen Fürſten Leben, por.) Seine Helfer und Genoſſen Ruhen nicht, bis ſie dem Vater Mich, die Tochter, nachgeſandt. Zwar der Frevler iſt gefangen, Bber mächt 10 ſind die Seinen; Man befreit ihn, er kehrt wieder end). Und vollendet ſein Geſchäft. Ruſtan. Zanga! Zangal Spricht ſie? Hör' ich? Gülnare(kniend). Herr, o ſtoß mich nicht zurück! Deinen Namen auf den Lippen, Starb der gute, alt Vater Gleich, als wollt' er ſeine Liebe, Sein Vertraun auf deinen Beiſt land Noch im Abſchied von dem Leben Mir als letzte Erbſchaft geben: „Ruſtan“, ſprach er und verſchied Und ſo fleh' ich denn im Staube: 62 3. Aufzug Nimm die Einſame, Verlaßne, Einſt beſtimmt zu nähern Banden, Nimm ſie auf in deinen Schutz! Trompeten. Gülnare aufſtehend.) Hörſt du? Auch das Heer in Aufruhr! Es rückt an auf dieſe Mauern: Deinen Namen nennen ſie, Ihren Führer, dich, das Heer. Und das Volk ſchart ſich zu ihnen, Alle gegen mich gerichtet, Ohne deinen, deinen Schutz! waffnete den alten Kaleb. Siehſt du dort den grauen Mörder? Wie er funkelt, wie er glüht! Weh'! Zanga(die Hand an den Säbel gelegt). Auf ihn! Haut ihn in Stückel GVon der rechten Seite aus dem Hintergrunde ziehen in Reihen be⸗ waffnete Krieger und ſchwenken ſich, gegen die Mitte zu, halb auf.) Gülnare. Dort das Heer! Ich bin verloren! Ruſtan(gegen Zanga und die Bewaffneten, die den alten Kaleb bedrohen). Halt!(Gegen die Reihen der Krieger.) Und ihr!(Auf Kaleb.) Was er verbrochen, Ob er ſchuldig, ob er's nicht; Übergebt ihn meiner Obhut Und beſtellet ein Gerichtl(Gegen das Heer.) Und ihr andern, wackre Krieger, Aber ſchuldig jetzt— gleich mir!— (Er wirft ſich vor Gülnaren nieder.) Werft, gleich mir, euch hin im Staube, Eure Herrſcherin ſteht hier! (Die vorderſten des Heeres knien, die übrigen ſenken die Lanzen.) Gülnare. Habe Dankl— Euch ſei verziehen! Allzu glücklich, als Empörer, Daß, was ihr mit Trotz begehrt, Eure Fürſtin frei gewährt. (Man hat den Turban des Königs gebracht und die Krone davon abgelöſt.) Von der linken Seite, außer den Vorhängen, bringen einige Ge⸗ Links eingan Ruſta⸗ haſtig Zange den N Tür z nen 9 W̃ Je Kö Wẽ̃ Er N Je Je ge Ge en be auf.) alten aleb.) ſchen, nzen.) havon Dieſes Landes Herrſcherſchmuck, Er bleibt mein, ich geb' ihn niemand, Sollte Tod mich übereilen! Niemand, keinem, auch nicht dir! Geben nie— wohl aber teilen. (Sie hebt die Krone in de n hoch empor, während Ruſte den Zeick der Verzwe die Stirne mden Boden d Das Volk. Hoch Gülnare, unſre Fürſtin! Hoch Gülnare! Ruſtan! Ruſtan! mit Vierter Aufzug Saal im königlichen Schloſſe. Links und rechts Seitentüren. Im Hintergrunde links „daneben ein alkovenartiger R„ durch einen V Tiſch und Stuhl. einge goldenen Reif im Haar, kommt ang. In demſelben Augenblicke tritt Zanga durch die S r links ein. Ruſtan bedeutet ihm mit auf den Mund gelegtem Finger, umzukehren. Zanga zieht ſich durch die Tür zurück. Ruſtan ſelbſt tritt in den durch den Vorhang abgeſchloſſe⸗ nen Raum. Karkhan und zei ſeiner Verwandten kommen durch den Haupteinga Ruſtan, koſtbar gek haſtig durch den 9. Karkhan. Hierher kommt und folgt mir, Freunde! Was ich längſt bei mir beſchloſſen, Jetzt und jetzo führ' ich's aus. Könnt ihr länger es mit anſehn, Wie der eingedrungne Fremde Euer und der Euren ſpottet? Jeden Tag an Kühnheit wachſend, Jede Stunde an Gewalt. Schwinden täglich nicht die Beſten, Denen ſeine Furcht mißtrauet, Unbemerkt aus unſrer Mitte? Wie? Wohin? Wer kann es wiſſen? Und ſein Helfer, jener Schwarze, Den der Abgrund ausgeſpien, Stachelt tückiſch ſeine Kühnheit Bis zu ſelbſtvergeßner Wut. Wo iſt Recht noch und Gericht? Schmachtet nicht mein alter Ohm Er, der ſprachlos Unglückſel'ge, Schwarzer Frevel falſch beſchuldigt, Ungehört und unvernommen, Rechtlos hinter ſchwarzen Mauern, Überwieſen, weil verklagt? Oh, daß ein gerechter Richter Mit den Augen, ſtatt den Ohren, Hörte ſeine ſtumme Sprache Die er ſpricht, der Unglückſel'ge, Statt mit Lippen, mit der Hand, Manche Zweifel würden ſchwinden, Manche Rätſel würden klar; Die jetzt, richtend, andre binden, Stellten ſelbſt ſich ſchuldig dar. E Ha, ihr ſchweigt? Blickt auf den Boden? Seid ihr Männer, wagt's zu ſein! Folgt mir! Hier der Fürſtin Zimmer, Wir zu drei, wir treten ein: Klagen ihr des Landes Nöten, Klagen ihr die eigne Not, Zeigen ihrem Schamerröten, Wie ſo machtlos ihr Gebot. Oh, ich weiß ſie ſeufzet ſelber Unter jener Ketten Laſt, Die der Fremde um ſie her ſchlingt, Wie um eine Sklavin faſt. Laßt uns auf die Hohe richten, Meinem Oheim werde Recht; Frei und laut vor allem Volke Tue ſich Verborgnes kund, Und wer ſchuldig und wer ſchuldlos, Richte weiſer Richter Mund. Einen Schritt ſchon tat ich ſelber, Einen ſchon hab' ich gewagt— Doch ein Tor, der früher ſagt, Was, getan erſt, nützt und frommt. Kommt und folget mir zur Fürſtin: Dort allein iſt Schutz und Halt; —— — —————.9— 59 C 0 2 igner Me (Sie gehen a „Ruſtan(der 1 orgetreten Hal t noch erſt, Karkhan. We Ruſtan. Hochverre ga! Wachen! Wache ag, er ſei ingedrut S Za 3 * Zieht nur aus d Nicht ein Heer von Fürcht' ich, einzeln, Aus der Seitentüre links Hauptmann Schafft ſie fort, die Hochverräter! Karkhan. Hochverrät i Ruſtan. Ihr leugnet's! Blinkt nicht noch in euren Händen er Empörur ig 3 Stahl? Oh, ich kenne euer Treibe nl In dem Innern eurer Häuſer Lauern meine wachen Späher, Was ihr noch ſo leis geſprochen, Reicht von fern bis an mein Ohr. Fort mit ihnen, ohne Zaudern! Ich will dieſes s Land 11 Wie ein reinr 5 Ge witter, Zanga, durch die git Soldaten. 8 8 Niederſchmettern ſeine Stämme, 4 Aus dem Grund die Wurzel haun Und dem Boden, wenn ge reutet, Neue Samen anvertrau Fort mit ihnen! 4(Der Hauptmann hat ſich Karkhan genähert, der, mit einer bitten⸗ den, ſtummen Gebärde auf die Tür der Königin zeigend, ihn ein⸗ zuhalten bittet.) Ruftan(zu Zanga im Vorgrunde leiſe). Aber du Geh zum Kerker jenes Alten, Den ich ſelbſt dem Licht erh alt en; Die Notwendigkeit gebeut Schaff ihn fort! 5 Grillparser, Der Traum ein Leben —— 66 4. Aufzug Zanga. Wohl, Herr! Doch wie? Ein Kämmerer kommt aus der Seitentür rechts. Kämmerer. Herr, die Königin läßt fragen, Welch Geräuſch in ihren Zimmern?— Ruſtan. Früh genug ſoll ſie's erfahren, 9 Wenn getan, was not, zu tun. 1 (Der Kämmerer geht wieder ab. Ruſtan zu Zanga leiſe.) Schaff ihn fort aus dieſen Mauern! Laß mit vorgehaltnem Dolch 0 Ihn geloben teure Eide; ‚ Aber, von Gefahr bedrängt, Beſſer er, als— merk:— wir beidel Ganga zieht ſich zurück; während des Folgenden geht er leiſe fort. 0 Ruſtan die Gefangenen erblickend.) Ihr noch hier? Fort mit den Frevlern! Hauptmann. Herr, die Königin naht ſelber. (Er zieht ſich zurück.) Zwei Kämmerlinge haben die Seitentüre geöffnet. Gülnare tritt heraus mit Begleitung. Gülnare. Man verweigert die Erklärung Dem von mir geſandten Diener. Hier bin ich, mein eigner Bote, Um zu fragen, was geſchah? Ruſtan(auf Karthan zeigend). Führt ſie fortl Gülnare. Wer ſind die Leute? Ruſtan. Hochverräter. Karkhan. Unterdrückte, Die zu deinen Füßen flehn!(Die drei knien.) Gülnare. Laßt ſie ſprechen! Ruſtan. Einverſtanden. Mit dem alten grauen Frevler, Der nur allzuleicht gebüßt. Karkhan. Einverſtanden, wenn er ſchuldlos, Doch ſein Feind, wenn er der deine. Nicht Verzeihung und nicht Schonung, Nur Gehör bitt' ich für ihn; Was Verbrechern ſelbſt zuteil wird: Eines Richters Aug und Ohr. Gülnare. Billig ſcheint, was ſie begehren. Ruſtan. Wär' es ſo, würd' ich's gewähren. n ſelber wünſche? Gülnare. Und wenn ich's Ruſtan. Wünſchel Wünſche! Gülnare. Und b 38 Ließe gl Noch entgegnen die er ein Wunſch und „gefällis ich gern ſchon ſandt' i r den vielbeſ Hin vor ſein Karkhan. nde ſelbſt nach ſei Leih ihm ſelbſt ein Gülnare(zum s Geh denn hin unk Ruſtan. Halt!(2 tritt Gülnare. Ich b (Der K rer geht ab.) Ruſtan. Nun wohl, ich ſehe, Was ein W58901 mir ſchien der Kleinen Und ein Anſchlag in 8 Iſt ein offen ban Bündnis Zwiſchen Hohe 5 Niedern, Gift von Schlange und Inſekten Auf des Le. uen Ai0 Und auf nichts Geringres zielt man, Als, den überläſt'gen Vormund, Der mit ſeines Armes Walten Weiberhafter Launen Willkür Fern von Reich gehalten Einzuſchüchtern, wenn nicht mehr. Gülnare. Was es ſei, es wird ſich zeigen Bringt man erſt den Alten her. „Ruſtan. Eines nur haſt du vergeſſen: Daß des weiten Landes Beſte Meinem Arm ihr Heil vertraun. Meinem Rufe folgt dein Krieger Und dein Höfling meinem Wort; G5e voll der ſtille 05 Sieht nach mir, als ſeinem Hort. ucherlei Spruche, verloren. ihn vor. merer den Weg vertretend.) 68 4. Aufzug Ja, der Diener, den du ſandteſt, Jenen Alten zu befrein, Kehrt erfolglos von der Pforte, Läßt nicht mein Geheiß ihn ein. Denn des feſten Turmes Wache Steht in 2ne Fahnen Eid Mit dem Kopf bezahlt der S ch· vache, Der ihn ohne mich befreit. Längſt ſchon dieſes Tags gewärtig, Sah ich ſo mich weiſe vor: Wer von Gnade lebt, iſt zaghaft, Wer auf Dank zählt, iſt ein Tor. Gülnare. Wie nur alzuſchreel! enthüllſt du, Was die Ahnung längſt befürchtet. Vater, Vater! welchem Schützer Gabſt dein E051 du in Haft!l Ruſtan. Er wohl wußte, wen zu trauen: Nicht der blöden Scheu, der raft Karkhan. Fürſtin, ſei du nicht beklommen; Noch iſt alles nicht verloren, M ancher Helfer bleibt dir noch. Meine Freunde ſtehn in Waffen, Und was lange ſtill beſchloſſen, Frei und offen künd' ich's nun Während hier zu dir ich ſpreche, Sprechen ſie zu deinem Volke, Schütteln ab das feige Joch. 5 ſchon dünkt mich hat's begonnen, Denn der Helfer ſeiner Taten, Sieh, verſchüchtert, ſtumm, bekl ommen, Wie nach ſchlecht vollbrachtem Auftrag, Kehrt er wieder, iſt er da. Ganga iſt mit allen Zeichen der Verwirrung eingetreten und hat ſich in Ruſtans Nähe geſtellt.) Und herauf die weiten Stiegen Dringt ein buntnerworrnes Rauſchen, Wie von Tritten, wie von Stimmen. Ja, dein Volt führt deine Sache, Und es kam der Tag der Rache.— Siehſt du dort?— Mein Ohm iſt freil Der alte Kaleb erſcheint an der Tür. Bewaffnetes Geleite hinter ihm. ind hat ter ihm. Der alte Kaleb iſt ein und Schurke! Ruſtan(31 Zanga. Iſt der S cht Gewalt! Ruſtan er „will er wieder Gülnare. Bleib Ich bin hier zu deinen Ja, man braucht dein einſe 10 Über einen wich jt'gen Pu Den 185 hebel dicht Und nur di Weld uns Ruſtan. E Er, der ſelbſt Überwieſen wohl ſog er in jener grauſen Stunde Schuldig hieß in jedem Mund 10 0185 allen: Tod. 151015 il dächtig, Stellt ſich jetzt, ein 8„dar? Gülnare. Der Ve yt der erſten Stunde Iſt darum nicht immer wahr. Wohl hab' ich ſeitdem vernommen, daß der König, als er hingin 9 In den letzten, tiefen Schlaf, Dieſen hier Freund umfangen, Jhr n vertraut die letzten Worte, Und er wußte, wer ihn traf. er alte Kaleb iſt auf die ie geſunken und ſtreckt flehend die e empor.) Ruſtan. Ha, vortrefflich ausgeſonnen! Nur nicht auch ſo leicht vollbracht. Du vergißt, daß hier dein Zeuge, haß er lautlos wie die Nacht. nd 191 10 Blicken und mit Mienen, Die r ſchl au ihm beigebracht, Aii 055 Kindern er beſtehen, Nicht vor der Geſetze Macht. Gülnare. Und du ſelber haſt vergeſſen Daß der Menſch in ſeiner Weisheit Längſt ein Mittel ausgedacht, Zu verkörpern ſeine Laute. Feſtzuhalten, was gedacht. 25 νο 88 4. Aufzug Dort ein Tiſch, Papier und Feder, Mit zwei Zügen iſt's vollbracht, Und ein ärmlich Blatt erhellet Des Geſchehnen dunkle Nacht. Setzt ihn hin und laßt ihn ſchreiben, Ihn beſchützet meine Macht (Der Alte iſt von ſeinen Verwandten an das Tiſchchen Vorgrunde geſetzt worden. Man hat ihm Schreibgeräte gegeben.) Ruſtan. Mag er ſchreiben, mag er lügen, Gleichviel, wen, ob mich es trifft; (den Säbel in der Scheide emporhaltend) Meine Feder birgt die Scheide, Blut'ge Wunden meine Schrift. Geifre, Wurm! Ich geh', zu ordnen, Was unſchädlich macht dein Gift. (Er geht nach dem Hintergrunde zu, bleibt aber in der Mitte, halb gegen den Alten gewendet, erwartend ſtehen.) Karkhan(zu dem Alten). Zittre nicht, ſei nicht beklommen; Iſt es doch ſchon halb vollbracht! Silben bilden ſich und Worte.(Leſend.) „Eures Königs Mörder“ Ruſtan(mit heftiger Bewegung den Säl Scheide gezogen). Halt! (Der Alte fährt erſchreckt empor und hält ſich feſt, die Feder entſinkt ſ des Tiſches zur Erde nieder.) Ich verbiete, daß er ſchreibe! Gülnare. Ich befehle, daß er's ſoll! Ruſtan. Stellt ihn mir! Mir feſt ins Auge Mag er ſchauen und vergehn! Oder ihr, die ihr ſo eifrig Seine Meuterkünſte fördert, Iſt hier Landes denn nicht Sitte, Daß in Fällen dunklen Rechts, Wo's an Licht fehlt und Beweiſen, Beide Teile ſich zum Zweikampf Stellen mit geſchärften Eiſen? Auf! Wer ficht für dieſen Alten? Ich will Gegenpart ihm halten. zitternd am einer Hand und fällt auf der rechten rechts im (Er zöge 550 f1 181 wer ſtärker, wer im Recht, nſicht, ſtatt Gefecht! Schreib du nur! Wo iſt die Fede Er verlor ſie, br i eu Zanga(der Ue Herrn entfer es gekommen iſt gut, doch (Er hebt die Hier die Feder. in rec ter liegende Feder auf.) (Raſch nach dem Eingange bl nahte den ſeinigen und wenden ſich (Die Blicke der Nächſt Zanga. Alter, l hier! icht ihm die Feder mi nach greift, fä lch verborgen h inken Hand. nit der R egen und ve Doch ſieh dich vor! Alte ſinkt mit einem unartikulierten Schme zurück, die verwi e Rechte mit der ein iche bedeckend.) Gülnare(nach dem Alten blickend). Ha, was iſt? Du biſt verwundet? Ganga hat die Hand, in der er den Dolch hielt Rücken gelegt und ſucht den Hintergrund und die wo ſein Herr ſteht.) den mit raſch auf den ite zu gewinnen, Gülnare. Wo der Täter? Schließt die Türen! Karkhan. Dieſer Aler Seht ihr das Blut? Seht den Dolch in ſeinen Händen! Greift ihn! Zanga. Herr, errett, beſchütze! Gülnare. Schütz ihn, ja, und hab's nicht Hehl! War die Tat doch dein Befehl! Ruſtan. Mein Befehl? Der ich vor allem Wünſchen muß, daß dieſer Mann, Der allein den giit genn Argwohn Mir vom Haupt entfernen kann, Daß er lebe, daß er fähig— Mit der Hand, wenn ſtumm ſein Mund- Auszuſagen, was ihm kund; Und ich ſollt' ihn ſelbſt verletzen, 776 72 4. Aufzug Selbſt Unmöglichkeit mir ſetzen, Mich zu reinen hier zur Stund'? Hat ihn dieſer hier verwundet, Steh' dafür er ſelber ein; Wer des Zeugen Worte ſcheuet, Fühlt am mindeſten ſich rein: War denn er nicht auch zugegen, Als der alte Fürſt erblich? Warum einen nur beſchuld'gen, Teilt der Schein in viele ſich? Hat ſein Arm es nicht vollzogen, Tat's vielleicht ſein Wort, ſein Rat; Oh, es gibt der Arten viele, Zu begehen eine Tat. Und ſo kehr' ich ihm den Rücken, Wende ab von ihm den Blick; Iſt er ſchuldlos, ſei's zum Glück, Schuldig, hab' ihn ſein Geſchick! Zanga. Herr!— Ruſtan. Umſonſt! Der Alte zeugte. Zanga. Das mein Dank! Ruſtan. Verräter! Dank? Warſt nicht du's, der mich verleitet Aus der Heimat mich geriſſen, Mich umgarnt, umſponnen mich? 7 Zanga, Wohl! Nur eins dient dir zu wiſſen: Stumm der Alte, doch nicht ichl Sammelt Euch! Ich will verkünden, Wie man Reich und Krone finden, Heben kann vom Staube ſich. Ruſtan. Zangal! Zanga. Nun? Ruſtan. Du wollteſt—? Zanga. Will! Ruſtan. Du haſt recht! und wir ſind töricht, Uns dem dunklen Werk der Lügen, Unſrer Feinde Trug zu fügen, Nun, da ihre Liſt zerſtört, Jener Zeuge, dem ſie trauten, All ihr Treiben auf ihn bauten, Ihres Hoffens einzig Pfand, mi ſta Stumm an Zunge, tot die Hand. Bleib bei mir! ich will dich ſchützen Ewig ſei der Tre Fürſtin, iſt dir ſonſt ein Mittel, Muß zum letztenmal ich fragen, Zu beweiſen deine 19 Noch ein Zeuge? Bring ihn her. Gülnare. Niemand, nein, als Gott und er. Ruſtan. Gott iſt endlich 1 über allen; Aber nicht nur, was begangen Sieht das Wie auch, das Warum. Nein, dein Zeuge hier vor Menſchen uge jetzt zum letztenmal, Schweige dann auf immerdar. (Er iſt zum Tiſch getreten und hat den darauf li griffen, ſich damit vor den Alten hinſte „Eures Königs Mörder“— Wer? Warſt du's ſelbſt? Du wirſt's nicht ſagen; War es jener dort, dein Neffe? Er, ein Heuchler und mein Feind? War's des Königs eigner Mundſchenk? Oder ſie, des Fürſten Tochter, Die, nach Reich und Krone lüſtern, Vorgriff ſeinem trägen Ende?— Nicht mit Winken und Gebärden, Deutlich Vöeug vor dem Geſetz!l(Wit ſteigend er Schnelligkeit.) War's mein Diener, den ich ſelber Ar igeklagt im Taumel wahn? War's ein Zufall? war's natürlich? Waren's Krieger, waren's Bürger? (Einzelne mit dem Finger bezeichnend.) Jener? Der dort? Dieſer? Der Alte(der ſich während des Vorigen emporgerichtet und mit blitzenden Augen und hocharbeitender Bruſt dageſtanden hat, ſtammelt jetzt in höchſter Anſtrengung nach einigen unartikulierten Lauten). D-Ul Gülnare. Spricht er? Ruſtan. Torheit! Aberwitz! 0 Abgebrochne Schmerzenslaute Formt ihr euch zu Sinn und Worten? 4. Aufzug Kannſt du zeugen, wohl, ſo b1 ige! Breche dann der Himmel eir Gib den Namen und voll 55(Den Zettel hinhaltend.) „Eures Königs Mörder“—? Der Alte(nach einigen heftigen Bewegungen plötzlich die verwundete rechte Hand aus der ſie haltenden Linken loslaſſend und mit gebrochenen Gliedern in die Arme der Umſtehenden ſinkend, leiſe, aber ſchnell). Ruſtan! Karkhan. Gott, er ſtirbt! Gülnare. Oh, ew'ge Vorſicht! (Alle um den Alten beſchäftigt. Pauſe.) Ruſtan. Zanga! Zanga. Wr Ruſtan. Haſt du vernommen? Zanga. Wohl. Ruſtan. Es iſt nichts Wirklichs, ſag' ich. Truggeſtalten, Nachtgebilde; Krankenwahnwitz, willſt du lieber, Und wir ſehen's, weil im Fieber.(Es ſchlägt die Uhr.) Horch! es ſchlägt!— Drei Uhr vor Tage. Kurze Zeit, ſo iſt's vorüber! Und ich dehne mich und ſchüttle Morgenluft weht um die Stirne. Kommt der Tag, iſt alles klar, Und ich bin dann kein Verbrecher, Nein, bin wieder, der ich war. (Eine Dienerin der Königin, die ſich früher entfernt, kommt mit einem Fläſchchen zum Beiſtande des Verwundeten zurück.) Siehl Iſt das nicht Muhme Mirza?— Auch ein Nachtgebild, wie jene, Die dort um den Alten ſtehn. Sieh, ich hauche: ſie vergehn. Wie, ſie bleiben? nahen? dräuen? Eingetaucht denn nur von neuen, Laß uns nach dem Weitern ſehn. Gülnare(ſich von dem Alten emporrichtend). All umſonſt! Die Pulſe ſtocken; ſtur zu ſicher er verging.(Ruſtan erblickend.) Du noch hier? noch immer trotzend? ͤ hier wirklich, zieviel mir dran Laß uns rechnen, laß ch die Mir, was mein, dir, Manchen Dienſt biſt du mir ſchuldig, Manches Gute di in Land, Und doch ſchenk' ich dir's* Stunde, Laſſe los all, was dich band Wähle von den reichſten Schätzen, 119 die köſt 56 en Provinzen, Kleinod, Perle Edelſtein; Mi laß eine 38 Wüſte, Wo Berl angen buhlt mit Armut, Wo kein Gold als Sonnenſchein Doch die Herrſchaft, ſie ſei mein. Gülnare. Dir die Herrſchaft? Herrſch in Ketten! Nehmt gefangen ihn! Ruſtan. Bedenk! (Der Hintergründ hat ſich nach und nach mit Soldaten gefüllt.) Ruſtan. Fürſtin, halt! und ohne Haſt! f Nur ein Wort, und dieſe Krieger, Deren Abgott ich in Schlachten- Gülnare. Für mich, doch nicht gegen mich. Schaul ſie fliehe en deine eReihen, Kommt zu mir her, meine Trei uen! (Die Krieger, die auf Ruſtans Seite geſtanden haben, ſchließen ſich, it mit einer nach dem andern, ſamt den Anführern, der gegenüberſtehenden U Reihe an.) Ruſtan(ihnen zurufend). Halt! Gülnare. Verlaßt ihn, der mein Feind! (Alle, bis auf einige wenige, ſind übergetreten.) Ruſtan(den Säbel ziehend). Nun, wohlan, ſo gilts 8, zu fechten! Hier mein Säbel: Zanga, bind ihn Bind ihn feſt mit ehrnen Ketten; Will den Kampfplatz denn betreten Erſt im Tod laſſ' ich den Stahl. Zanga wor ſich bin). Hier wird's heiß nun allzumal. (Er entfernt ſich hinter Ruſtans Rücken 950 die Seitentür links, die offen ſtehen bleibt.) 4. Aufzug 8 1 Ruſtan(in Fechterſtellung), Kommt nur an Ihralle alle! Gülnare(ihm er itgegentretend). Dieſe nicht; ſie ſind nur Diener; Triff mich ſelber, haſt du Mut! Ruſtan(zurückweich end). Alle, nur nicht dich! Gülnare. Ei, Kühner! Trafſt den Vater; ſcheuſt du Blut? Ruſtan(ſich vor ihr zurückziehend). Zanga! Zanga Gülnare. Nun mag's gelten Nun an euch! Nun nehmt ihn feſt! (Sie tritt nach der rechten Seite des Vorgrundes. Die dort 2 geſtellten, Karkhan an ihrer S wenden ſich nach dem Hinter⸗ grunde. Gefecht.) Ruſtans Stimme. Zanga! Zangal meine Pferde! Eine Dienerin. Fürſtin! ſchau dort durch die Zimmer Wo der Schwarze kaum entwich, Sieh mit 11 lammter Fackel dod das weite Schloß durcheilen, Und ich ſorg', er ſteckt's in Brand. Gülnare. Mag das Schloß, ich ſelbſt vergehen, Fällt nur er von ihrer Hand! (Sie eilt mit ihren Dienerinnen durch die Alte iſt ſchon früher weggebracht worden. Tür des Hintergrundes hinausgedrängt. Waffenl Dann ertönen aus der Tür einige Harfenakkorde, daz Stimmen, die wiederholt„Zanga!“ ruft. Die Szene ſchließt.) tze, f hts ab. cht hat ſich t. Kurze P wiſchen ſtans D Kurzes, längliches Zimmer, mit einer Tür im Hintergrunde und einer Seitentür rechts. Dichtes Dunkel. Mirza tritt mit einer Lampe, vom Hintergrunde her, auf. Mirza. Horchl war das nicht ſeine Stimme? Ub'rall, dünkt mich, hör' ich ihn, Hilf eflehend, Beiſtand rufend, R Wie in tödlicher Gefahr.(An der Türe links horchend.) ˖ Und ich bin allein, und niemand Hört mich an und tröſtet mich, Schilt mich töricht, nennt ihn, ſich er Wahrhaft nichts als meinen Schmer z. d.) ich kann es nich hes Weſen ſuchen Zu erleichtern d Vater, kannſt d Denkſt nicht mein und Maſſuds Stimme Mirza. Ich bin Wachſt du, ſo mKummer? Biſt beſorgt um i gleich mir? Maſſud(von innen). Iſt's ſchon ſpät? Mirza. n Mirza, du? ſelber. Uhr vor Tage. Maſſud. Tritt nur ein. Mirza. Zu dir? Maſſud. Jawohl! Gehn zuſammen dann hinüber. Mirza. Wirklich?— Oh, mein guter Vater! Sieh, ich komme!— Und ihr Götter, Euch ſei er indes vertraut! Während ich auf andres denke, Während ich von andrem ſpreche Schützet ihr den teuern Mann! Nicht vor Leiden nur und Nöten, Auch vor Wünſchen und Gedanken, Daß 85 Unheil mir ihn anficht, Bis mein Innres wieder bei ihm, Und ich wieder beten kann. Maſſuds Stimme. Kommſt duenn licht? Mirza. Sieh nur, hier bin ich.(Die Tür Schon vom Lager? Schon gekleidet? Oh, mein Vater! Oh, wie gut.(Sie geht binein.) end.) Waldgegend. Rechts im Vorgrunde der hereinſpringende Fels, im Hir die Brücke, wie zu Anfang des zweiten Aufzuge Dunkel. Ferner Schlachtlärm, der ſich allmählich verliert. Dann kommt Ruſtan, verwundet, auf Zanga g geſtützt. Ruſtan. Zanga, ſchau, wie ſteht das A11 n? Zanga. Treffen? Sag vielmehr: die Flucht! Rings verlaſſen dich die Deinen, ergrunde 4. Aufzug Und der Reſt, liegt W Unter Feindes Schwert er Wucht. Ruſtan. Dahin kam es? Das das Ende? Zanga. Ei, verklage deine Händel Wie man ſchlägt, ſo fliegt der Ball. Hätteſt du, ſo wie ich wollte, Als der Feind uns hart bedrängte In der buntverworrnen Stadt, Wenn du damals mir vergönnteſt, Wie ich wohl im Schloſſe tat Feuerbrände einzuſchl eudern' In die ſchreckgeleerten Gaſſen, In der Häuſerreihe Hable Hätten uns wohl ziehen laſſen, Stände beſſer allzumal. Ruſtan. Ui Heheuerk So viel Leben!— Und wer weif. ob es gelang? Zanga. Ob 8 gelang? Da ſitzt der Knoten: Nicht, weil's Frevel, weil's gefährlich, Macht's der frommen Seele bang? Und mit alſo ikem Gang, Mit ſo ärmlich halbem Mute Wollteſt du der Herrſch haft Sproſſen, Du den ſteilen Weg zum Großen, Du erklimmen Macht und Rang? Bunt gemengt aus manchen Stoffen Iſt das Roherz der Gewalt, Kaum der Brand von zehen Reichen G'nügt, die Miſchung auszugleichen, Die im Tiegel kocht und wallt: Doch ein Säkul erſt im Nacken, Dem Vergangnen iſt man hold, Feuer reint Metall von Schlacken, Und der König glänzt wie Gold Doch du konnteſt's nicht ertragen, Eng der Sinn, das Aug' nur weit; Willſt du ſiegen, mußt du wagen; Kehre denn zur Niedrigkeitl! Ruſtan. Das zu hören von dem Diener, Von der Frevel Stifter, Helfer! Zanga. Helfer? Stifter? Das vielleicht!l 3 SUDDDe tel A Laß mich lachen! Weſſen Diener? W̃ 8 Biſt du nicht 0 Nicht ge fallen von Die mein Fi iger dir Weil dem mächt'gen Fehlte Mut zur kühr Gleich umfängt uns Gleich an Ar 105 11 1 Un wie 315 Mut Schaut als gl kichel uns die Ruſtan. Nun, 1355 Sinn auf Mittel, ſteh Denn welch Ausweg Der gewußt um ſolche Zanga. Welcher Ausw Oder glaubſt du, kleinen Zahlt man dem, der aus Ei, dein Kopf iſt eitel Gold. Ruſtan(einen Hieb nach ihm führend). Teufel! Ungehe Zanga(mit dem„das er entblößt unter dem N tel getragen, den Streie fangend und ihm den Säbel aus Hand ſchlagend). Halt! +. der Darauf war ich vorbereitet. Vorſicht übt man mit euch Herrn, Die Verzweiflung ſchlägt gar gern. Und was hält mich nun noch ab, Dir den langgedehnten Stahl Gradaus in die Bruſt zu ſtoßen, Übend ſo die eigne Rache, Des zertretnen Landes Sache Eines Streichs mit einemmal? Und doch nein; ſchrick nicht zurückl Warſt du g leich ein ſchwacher Schüler, Warſt mein Schüler immer doch; Das Gebilde meiner Hände Ehr' ich ſelbſt zerſchlagen noch. Fliehe dul ich bleibe hier; Sammle deines Glückes Trümmer, Sonne mich in neuem Schimmer; Du giltſt tot, der Lohn wird mir. 4. Aufzug (Nach dem Hintergrunde zeigend.) Dort ein Weg! Nach dorthin flieh. Ruſtan. Zanga, noch zum letzten Male! Geh mit mir! Denk, was ich war; Wie die Menſchen mir Ghal digt; Denk der Gnaden, die ich häufte Auch auf dich, ob deinem Zanga. Als du mich des Mords beſchul Weil du hilflos mich geglaubt? Ruſtan. Eins und alles ſei vergeſſen! Bin verwundet, ſteh mir beil! Nicht des Pfads, der Gegend kundig. Zanga. Nicht der Gegend? Hahaha! 13 Sieh um dich, es iſt dieſelbe, 9 Wo den König du gerettet, Du und einer noch zumal; Wo du jenen andern trafſt. en Siehſt du dort die dunkle Brücke?—7 Sie, der erſte Weg zum Glücke, 2322002 S Sei nun auch des Unheils Pf ab. 0 Auf, entfliehl Die Rache naht! Ruſtan. Weh mir, weh! Zanga(auf die Brücke zeigend). Nach dorthin flieh!l Ruſtan. Nimmermehr betret' ich ſie! Dort hinaus! Nach der rechten Seite gewendet.) Zanga. Ei ja, ei jal ſcho * 1 U 0 Doch bemerk nur erſt die Flämmchen, Die die Gegend rings durchziehn. Sind nicht Geiſter der Erſchlagnen, Krieger ſind's, die Fackeln tragen, Suchend dich! Ruſtan(nach links getehrt). Nun denn, zurückl 'rück den Weg, auf dem wir kamen. (Entfernte Trompetenklänge von der linken Seite.) Zanga. Horch!l Was dünkt dir von dem Klang? Die Verfolger auch im Rücken. Auf Eingeengt biſt du, umgarnt. Trauſt du noch nicht dem, der warnt? Dort dein Weg! 105 Fühlſt j erſt, da's zu ſpät? Ruſtan. Oh, mir ſchwindelt, o mir graut! Licht zuckt d die Gegend, raſen im Nicht zu faſſen, ni rehen ſich im Wir eind, Verſucher! Vohin ſchwandſt Vanpi(der in ganz ſchwarzer Kl Mir iſt warm, und ich bin ſchwarz Ruſtan Schlangen ſcheine Zanga(zwei e S Aus den H inder, Bänder, 8 Bänder! Ruſtan. Und das Kleid auf deinem Rücken Dehnt ſich aus zu ſchwarzen Flügeln. Zanga. Böſe Falten, und doch gut auch. So trägt man's bei uns zu Lande Ruſtan. Und ü deinen Mörder Leuchtet's fahl mit düſterm Gl lans. Zanga(einen geſtielten 1 ſchon früher am Boden lag, Faules Holz und M oderſchwamm; Doch zu brauchen, dient als Leuchte. (Den Körper em porhalt end, der ein ſtärkeres Licht gibt.) Leuchtet dir hinab zum Abgrund. Dort hinauf, dort nur iſt Rettung, Biſt umſponnen, ſiehſt du? Feinde! Auf der rechten Seite des Vorgrundes treten Gewaffnete auf. Anſührer. Ja, er iſt's! Gib dich gefangen! Ruſtan. Weh! Zanga. Hinauf! Auf der linken Seite, hinter Zangas Rücken, erſcheinen Krieger. Anführer. Hier iſt der Frevler! Zanga. Nur hinaufl (Ruſtan eilt den Weg zur Brücke hinauf.) 8 yt umſchlin obend der end, der anfängt) kolben n Körper r erſt jetzt zu le 6 Grillpvarser, Der Traum ein Leben 82 4. Aufzug Anführer(der auf der linken Seite ſtehenden Krieger). Verrennt den Weg ihm! (Einige folgen ihm.) Ruſtan lerſcheint neben der Brücke). Zanga! Zanga. Nur die Brücke frei noch! (Ruſtan hat die Brücke betreten.) Auf der rechten Seite der Anhöhe erſcheint Gülnare mit Gefolge und Fackeln. 13 II. 47 0 Gülnare. Halt! Du Blut'ger! Zanga. Willſt du fallen Von des Henkers Hand, ein Feiger? Nun ſtehſt du am rechten Platze! Stürz hinab dich in die Fluten, Stirb als Krieger, fall als Held! Gülnare. Gib dich! gib dich! (Von allen Seiten ſind Krieger mit Fackeln aufgetreten. Die Ge waffneten dringen näher.) Zanga. Mir! Verloren! (Eine Ruſtan ähnliche Geſtalt ſtürzt ſich in den Strom. In demſelben(C Augenblicke bricht der Fels rechts im Vorgrunde zuſammen. auf ſeinem Bette liegend, wird ſichtbar. Die beiden Knaben, wie am Schluſſe des erſten Aufzuges, ihm zur Seite. Ein Schleier zieht ſich über die Gegend, ein zweiter, ein dritter. Die Geſtalten werden un deutlich. Zanga verſinkt. Wolken bedecken das Ganze.) Ruſtan(ſich im Schlafe bewegend). Weh mir, wehl ich bin verloren! (Der zu Füßen des Bettes ſtehende, dunkel gekleidete Knabe zündet ſeine Fackel an der brennenden des zu Häupten ſtehenden bunt⸗ gekleideten an, der dafür die ſeine gegen den Boden auslöſcht. Ruſtan erwacht. Die Knaben verſinken. Die Wolken rückwärts ver⸗ ziehen ſich. Das Innere der Hütte erſcheint wie im erſten Aufzuge.) Ruſtan, 9r Ruſtan(emporfahrend und ſeine Arme befühlend). Leb' ich noch?— Bin ich gefangen? So verſchlang mich nicht der Strom? Zanga! Zanga! O mein Elend! Zanga(in ſeiner Haustracht, wie im erſten Aufzuge, tritt ein mit einer Lampe, die er hinſetzt). Endlich wach, der Morgen graut, Und die Pferde ſtehn bereitet. Ruſtan. Unhold! Mörder! Schlangel Teufell Kommſt du her, um mein zu ſpotten? t Gefolge und Haare, terne Blitz in d r Hand, Sterblicher, Verlockter, ühlen 31 Rache, der Dolch hier ſoll verſäche n, dein Leib von gleichem Erz, die Stirn, der Grimm, das§ hat den Dolch ergri — ein 2 Zanga. Hilfe Mirza! Maſſud von Sinnen! denn niemand? ht.) Ruſtan. Er Ich bin nicht ma Seine Macht nicht unbezwinglich! Und nun fort aus dieſen Räumen, Rings umſtellt mit Todesgrauen! en Die Nur noch erſt verlöſcht das Licht, Das mich kund gibt meinen Feinden demſelben(Er bläſt die Lampe e ch das breite enfen das die Ruſtan, größere Hälfte des Hintergrun einnimmt, ſieht man dorizont wie am mit den erſten Zeichen des anbrechenden Tages be zieht ſich nabe zündet enden bunt slöſcht. ver⸗ n Aufzuge.) end). tritt ein mit gen graut, ell 6* Maſſud und Mirza Wo die Türe? Iſt kein Ausgang Aus den Schrecken dieſer Muß ich hier denn untergehn? Horch, man kommt! So will ich teuer Nur verkaufen dies mein 55 95 Tod empfangen, doch erſt gebe (Er ergreift den neb ſein 155 ſtehenden Säbel.) Letztere trägt eine hellbrennende te in der Hand. Ha, der König ur f5 Gülnar Nicht der Kön tig! Wär' es möglichs Du ſcheinſt Maſſud.— Mirza, Mirza! G10 ihr tot, und bin ich's auch? Wie kam ich in eure Mitte? Sehe wieder dieſe Hütte? Oh, verſchwende nicht dein Anſchaun, Dieſe liebevollen Blicke An den Dunkeln, den Gefallnen! 2 4. Aufzug Denn was mir die Liebe gibt, Zahl' ich krück mit blut'gem Haſſe. Und doch nein, dich haſſ' ich nicht! Nein, ich fühl's, dich nicht. Und dich nicht.- Haß? Oh, mit welch warmem Regen Kommt mein Innres mir entgegen? Haſſe euch nicht! Haſſ 1d! e niemand! Möchte aller Welt vergeben, ſo wie ehmals, Und mit Tränen, In der Unſchuld frommen Tagen, Fühl' ich neu mein Aug' ſich tragen. Mirza. Ruſtan! Ruſtan. Nein, bleib fern von mirl ißteſt all du, was geſchehn, Seit wir uns zuletzt geſehn. Mirza. Uns geſehn? Ruſtan. Den Tagen, Mirza. Wochen, Tager 2 Ruſtan. Weiß ich's? Furchtbar iſt der Zeiten N Mirza. War's denn mehr als eine Nacht? Zanga(in der Tür erſchei Herr, befiehlſt du nun die⸗ Mirza. Ach, erinnre dich doch nur! Geſtern abends— ſag ihm's, Vater, Mir wird gar zu ſchwer dabei. Maſſud. Geſtern abends, weißt du nicht? Wollteſt du von uns dich trennen, Du befahlſt für heut die Pferde. Ruſtan. Geſtern abend—. Maſſud. Wann nur ſon Ruſtan. Geſtern abends?— Und das alles, Was geſehen ich, erlebt, All die Größe, all die Greuel, Blut und Tod, und Sieg und Schlacht—2 Maſſud. War vielleicht die dunkle Warnung Einer unbekannten Macht, Der die Stunden ſind wie Jahre Und das Jahr wie eine Nacht, Wollend, daß ſich offenbare, Drohend ſei, was du gedacht, Wochen— 33 Pferde? 2 85 2 28828 1 01 Ne S Lebe 55 Maſſud. „die in Strahl det Nebel ſtr 1 er auch it en 1 5 Siegend ob der Dunkelhei verworren wird helle, geheim, iſt's fürder nicht; ie Erleuchtung wird zur Wärme, nd die Wärme, ſie iſt Licht. 8 Dank dir, Dankl daß jene Schrecken, Die die Hand mit Blut beſäumt, ö aß ſie Warnung nur, nicht Wahrheit, icht geſchehen, nur geträum 51 z dein Strahl in ſeiner Klarheit, Erleuchterin der Welt, icht auf mich, den blut' gen Frevler, ein, auf mich, den Reinen, fällt. icht Daß U Breit es aus mit deinen Strahlen, enk es tief in jede Bruſt: 4. Aufzug Eines nur iſt Glück hienieden, Eins: des Innern ſtiller Frieden N Und die ſchuldbefreite Bruſt! 6 01 Und die Größe iſt gefährlich. Und der Ruhm ein leeres Spiel; Was er gibt, ſind nicht'ge Schatten, Was er nimmt, es iſt ſo viel! So denn ſag' ich mich auf immer Los von ſeiner Schmeichelei, Und von dir, noch auf den Knien, Fleh' ich, Ohm, der Gaben drei:— Mirza. Ruſtan!— Vater! Ruſtan. Erſt verzeih! Nimm, geneigt der heißen Bitte, Wieder auf in deine Hütte Den Verirrten, ſeine Reu'! Mirza. Hörſt du, Vater? Maſſud. Oh, wie gerne! Ruſtan. Dann gib dem Verſucher dort, Ihm, vor dem gewarnt die Sterne, Gib die Freiheit ihm, gib Gold, Laß ihn ziehn in alle Ferne! Zanga. Herr! Ruſtan(äzu Zanga). Ich will's Ich bitte, Vater! Maſſud. Du begegneſt meinen Wünſchen. Zu Zanga.) Ziehe hin, denn du biſt freil Nimm dir eins der beiden Pferde. Was des Säckels Inhalt faßt, Den ich gab als Reiſezehrung, Es ſei dein, nun aber ſcheide! Zanga. Wirklich frei?(Za Maſſud. Du biſt's! b Zanga(gegen Ruſtan). Was ſag' ich? Ruſtan. Zeig den Dank, indem du gehſt. 8 Zanga. Ich benütz' die erſte Freude. Lebt denn wohl, ihr Guten beide! Schöne Jungfrau, ſeid bedankt, Und nun fort durch Buſch und Heidel 8 0 (Mit einem Sprung zur Tür hinaus.) 8 und der alte Der te ſpielt die Ruſtan(der aufgeſtanden i Nun zur letzten meiner Bit en! Geſtern abend, noch beim Scheiden, Ließeſt du mich hoffen, glauben, Daß hier dieſe, deine Tochter Maſſud. Davon ſchweig und ſprich nicht weiter! mein Haus und jede Gabe eil' ich mit dem Reu'gen gernz och, was mehr als Haus und Habe, Meines Lebens tiefſten Kern, amit laß für jetzt mich ſparen, is die Zeiten offenbaren, b, was floh, auf immer fern Ruſtan. Oheim, wie? und du kannſt zweifeln? Maſſud. Nicht, daß jetzo du ſo fühlſt; och vergiß es nicht: die Träume ie erſchaffene1 nicht die Wünſche ie vorhandnen wecken ſie; Und was jetzt verſcheucht der Morgen, Lag als Keim in dir verborgen; Hüte dich, ſo will auch ich. Ruſtan. Oheim, höre! Mirza. Hör ihn, Vater! Maſſud. Du auch trittſt auf ſeine Seite? Mirza. Iſt er doch ſo mild und gut. (Leiſe Klänge laſſen ſich hören.) Maſſud. Horch! Mirza. Mein Vater! Maſſud. Leiſe Töne! Mirza. 81985 ein Wort! Maſſud. Sie kommen näher. 32 D3 2 2ν 2. N D ſch gehen außen am enſter vorüber. „Zanga bläſt auf der Flöte dazu. Es iſt die am Ende des erſten Aufzuges gehörte Melodie.) Iſt das Zanga nicht, der Schwarze? Und der Greis an ſeiner Seite— Ruſtan. Wehl Entſetzen! Mirza. Und warum? Iſt es doch der güt'ge Derwiſch, Er, der wundertät'ge Mann, 4. Aufzug Der mit Raten und mit Lehren Vatergleich an mir getan. Ruſtan. Nun, hinab, ihr dunkeln Träume! Vater, ſprich ein gütig Wort! Maſſud. Schau, ſie nahen, ſchau, ſie kommen! Neigen nun ſich vor der Sonnen. Mirza. Vater, ſprichſt du nicht? Maſſud(leiſe). Ei, ſpäter! Laß uns horchen jetzt; nur leis! Ruſtan lebenſo). Aber dann—? Mirza(ebenſo). Verſprich es! U Maſſud. Stille! Ruſtan und Mirza(ſich umfaſſend). Vater! Oheim! Maſſud(noch immer nach außen hinhorchend, mit der linken Hand das Zeichen der Einwilligung gebend, leiſe). Ja doch, ſei's! (Die beiden ſinken, ihn und ſich umfaſſend, auf die Knie. Die Töne klingen noch immer fort.) 75 JAHRE RECLAMS UNIVERSAL-BIBLIOTHERK SSScSccccccccccc In der Jubiläums⸗Serie Frühjahr 1942 erſchienen: HERDER-GOETHE Von Deutſcher Art und Kunft Herausgegeben von Prof. Dr. H. Kindermann. Nr. 7497/98 CHRISTIAN DIETRICH GRABRBE Die Hermannsſchlacht Drama. Herausgegeben von A. Bergmann. Nr. 7499 FRIE DRICHH&LDERLIN Empedokles Ein Trauerſpiel. Herausgeg. von Friedrich Seebaß. Nr. 7500 IACOBGRIMM Deutſche Mythologie Herausgegeben von Edwin Redslob. Nr— 7501— ERWIN GUIDO KOLBENHETER Die Wiedergeburt des alten Daringer — Erzählung. Nr. 7504 PETER DGRFLER Zuſann und der Trompeter Erzählung. Mit 17 Holzſtichen von Paul Dietrich. Nr. 7503 FRANK THIESS Der Tenor von Trapani. Eine Caruſo-Nobelle. Nr. 7506 E Ubert 7500 7505 7506 Samurai eldengeſchichte. Nr. 7507 8— Margreth und der Fremde. Erzählung. Nr. 7508 WALTER BAUER Die zweite Mutter. Erzählung. Nr. 7509 IOSEF WI SALLA Niemands L Erzählung. Nr. 751 BERIT SPONG ube. Erzählungen Die Fuck Übertragung und Nachwort von Günther Thaer. Nr. 7511 NICHARD BENZ Goethe und Beethoven. Nr.7312 HE RBERT CIYSARZ Das Deutſche Schickſal im Deutſchen Schrifttum Ein Jahrtauſend Geiſteskampf um Volk und Reich. Nr. 7513 LUDWICG KLAGES Urſprünge der Seelenforſchung. Nr. 7514 WILHELM FURTWXNGLER Bruckner und Brahms Mit einem Nachwort von Prof. W. Riezler Geſamtberzeichnis von Rerlams Univerſal-Bibliothek liefert jede Buchhandlung oder der Verlag koſtenlos S· luluſtrierte Bãndchen aus Reclams Univerſal Bibliothek Wilhelm Buſch: D ie Kirmes und andere Bildergeſchich 7 ten. Nr. 7330 Erneſt Claes: Die Dorfmuſik Erzählung miſchen übertragen von Peter Mertens Mit Holzſchnitten von Paul Dietrich. Nr. 7427 Aus dem Ernſt Eckſtein: Der Beſuch im Karzer. Humoreske. Mit 7 Original⸗Illuſtrationen von G. Sundblad. Nr. 2340 Kurt Arnold Find deiſen: Der Siebenpunkt oder Die Reiſe ins S 500ſteinebmg Kleiner Roman eines heiteren 2 ges. Mit Zeichnungen von Franz Gaudeck. Menſchen Sohn. Erzäh Nr7 Nr. 7428 Gertrud Fuſſenegger: Eines lung. Mit Holzſchnitten von Fritz Richter. Brüder Grimm: Fünfzig Kinder- und Hausmärchen. Mit zwölf Bildern von Ludwig Richter. Nr. 3179-80a Soen Hedin: Im verbotenen Land. Aus dem Schwediſchen übertragen von Dr. Theodor Flade. Mit zahlreichen Zeich Nr. 7370/7 Nr. 7370/71 nungen vom Verfaſſer. 3 — Wildes, heiliges Tibet. Aus dem Schwediſchen übertragen — von Dr. Theodor Flade. Mit zahlreichen Zeichnungen vom Verfaſſer. Nr. 7334 Erwin H. Rainalter: Die ſchnitten von Fritz Stein Nr. 7366 Botin. Erzählung. Mit Holz Nuth Schaumann: Ave von Rebenhagen. Märchenerzäh lung. Mit zehn Originalzeichnungen von der Verfaſſerin. Nr. 72 Margarete S Ehe. Novelle. Mit Holzſchnitten von Adolf Finſterer. Schieſtl Bentlage: Bernats Heimkehr und Nr. 7391 Stijn Streuvels: Martje Maartens und der verruchte Totengräber. Nobs 1 Anna Valeton. Mit Federzeichnunggg bon FzitFiſcher. LendlosbIblioh,t• ebe, eeee. 2——— nerzäh faſſerin ehr und inſterer BLB Karlsruhe AEIN U 2105585 1031 84905585 9034