———— ——— —— 8 ———— Dea Ulrere⸗ und der Liehe Wellen. Trauerſpiel in fünf Aufzügen von Franz Grillparzer. TJeipzig. Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. 7 +. keng 8, G. K. ebe Ha. 95. g 70 Des Mteres und der Liebe Wellen. Perſonen. Hero. f, Ee llge E. Der Oberprieſter, ihr Oheim. Heun Ele Leander.„Ceraal. Naukleros.„ F Janthe. Frl, Nu- Der Hüter des Tempels. Hlere, Sesjle Heros Eltern. 2 Cineng, F. Lil, Diener. Fiſcher. Volk. eEe. A Han- ell. Vorhof im Tempel der Aphrodite zu Seſtos. Den Mittelgrund bilden Säulen mit weiten Zwiſchenräumen, das Periſtyl bezeichnend. Im Hintergrunde der Tempel, zu dem mehrere Stufen emporführen. Nach vorne, rechts, die Statue Amors, links Hymenäus' Bildſäule. Früher Morgen. Hero, ein Körbchen mit Blumen im Arme haltend, tritt aus dem Tempel und ſteigt die Stufen herab. Hero. Nun, ſo weit wär's getan! Geſchmückt der Tempel; Mit Myrt' und Roſen iſt er rings beſtreut Und harret auf das kommende, das Feſt. Und ich bin dieſes Feſtes Gegenſtand! Mir wird vergönnt, die unbemerkten Tage, Die fernhin rollen ohne Richt und Ziel, Dem Dienſt der hohen Himmliſchen zu weihn, Die einzelnen, die, Wieſenblümchen gleich, Der Fuß des Wanderers zertritt und knickt, Zum Kranz gewunden um der Göttin Haupt, Zu weihen und verklären; ſie und mich. Wie bin ich glücklich, daß nun heut' der Tag, Und daß der Tag ſo ſchön, ſo ſtill, ſo lieblich! Kein Wölkchen trübt das blaue Firmament, Und Phöbus blickt, dem hellen Meer entſtiegen, Schon über jene Zinnen ſegnend her. Schauſt du mich ſchon als eine von den Eurend Ward es dir kund, daß jene muntre Hero, Die du wohl ſpielen ſahſt an Tempels Stufen, Daß ſie, ergreifend ihrer Ahnen Recht, Die Prieſter gaben von Urväterzeit Dem hehren Heiligtum— daß ſie's ergreifend Das ſchöne Vorrecht, Prieſterin nun ſelbſt; 6 Des Meeres und der Liebe Weller Und heute, heut', an dieſem, dieſem Tage. De Auf jenen Stufen wird das Volk ſie ſehn, Den Himmliſchen der Opfer Gaben ſpendend, Von jeder Lippe ringt ſich Jubel los, De Und in dem Glanz, der Göttin dargebracht, Strähk. auf der Prieſtrin Haupt— Allein, wie nurd Al Beginn' ich mit Verſäumen meinen Dienſte K0 Hier ſind noch Kränze, Blumen hab' ich noch, D Und jene Bilder ſtehen ungeſchmückt. G Hier, Hymenäus, der die Menſchen bindet, B Nimm dieſen Kranz von einer, die gern frei. Die Seelen tauſcheſt du? Ei, gute Götter! Ut Ich will die meine nur für mich behalten, f Wer weiß, ob eine andre mir ſo nütz'? D A Dir, Amor, ſei der zweite meiner Kränze!. Biſt dit der Göttin Sohn und ich ihr Kind, Sind wir verwandt; und redliche Geſchwiſter D Beſchädigen ſich nicht und halten Ruh'. So ſei's mit uns, und ehren will ich dich, Wie man verehrt, was man auch nicht erkennt. Nun noch die Blumen auf den Eſtrich.— Doch, Wie liegt nur das Geräte rings am Boden? Der es10 und der Wedel, Baſt und Binden. 6 Saumſel'ge Dienerinnen dieſes Hauſes, 8 Euch ſtand es zu. Übt ſo ihr eure Pflicht? Lieg' immer denn und gib ein Aundhar Zeugnis!- Und doch, es martert mein erglühend Auge. 0 Fort, Niedriges! und laß mich nicht dich ſchaun! (Sich mit Zurechtſtellen beſchäftigend.) Dort kommt der Schwarm, von lautem Spiel erhitzt, 8 Nunmehr zu tun, was ohne ſie vollendet. 0 Janthe und mehrere Dienerinnen kommen. 2 Janthe. Ei, ſchöne Hero, ſchon ſo früh beſchäftigt?* Hero. So früh, weil's andre nicht, wenn's noch ſo ſpät. 7 (Die Dienerinnen ſtellen das übrige zurecht.) Janthe. Ei ſeht! ſie tadelt uns, weil wir die Kanne, f ſpät. Des Meeres und der Liebe Wellen. Das wenige Gerät nicht weggeſchafft. Hero. Viel oder wenig, du haſt's nicht getan. Janthe. Wir waren früh am Werk und ſprengten, fegten; Da kam die Luſt, im Grünen uns zu jagen. Hero. Drauf gingt ihr hin und— nun, Himmel! Als du den leichten Fuß erhobſt und ſenkteſt, Kam dir der Vorhof deiner Göttin nicht, Dein unvollendet Werk dir nicht vors Auge? Genug, ich fafſ' euch nicht. Wir wollen ſchweigen. Jankthe. Weil du ſo grämlich biſt und einſam ſchmollſt, Beneideſt du dem Frohen jede Luſt. Hero. Ich bin nicht grämlich; froher leicht als ihr; Und oft hab' ich zur Abendzeit beklagt, Wo Spiel vergönnt, daß ihr des Spielens müde; Doch nehm' ich nicht dem Ernſte ſeine Luſt, Indem ich mit des Scherzes Luſt ſie menge. Jantht. Verzeih, wir ſind gemeines, niedres Volk, Du freilich, aus der Prieſter Stamm entſproſſen— Hero. Du ſagſt es. Janthe. Und zu Höherem beſtimmt— Hero. Mit Stolz entgegn' ich: Jal Janthe. Ganz andre Freuden, Erhabnere Genüſſe ſind für dich. Hero. Du weißt, ich kann nicht ſpotten. Spotte nur! Janthe. Und doch, gingſt du mit uns und ſahſt die beiden, Die fremden Jünglinge am Gittertor— Hero. Nun ſchweig! Janthe. Was gilt's? Du blinzelteſt wohl ſelber Ein wenig durch die Stäbe. Hero. Schweige! ſag' ich. Ich habe dei beim hohen iner Torheit Raum gegeben, Leichtfertigem verſchließt ſich dieſes Ohr. Sprich nicht und reg' dich nicht! denn, bei den Göttern! Dem Prieſter, meinem Oheim, ſag' ich's an, Und er beſtraft dich, wie du's wohl verdienſt. Ich bin mir gram, daß mich der Zorn bemeiſtert, Und doch kann ich nicht anders, hör' ich dies. Du ſollſt nicht reden, ſag' ich! Nicht ein Wort! 8 Des Meeres und der Liebe Wellen. Der Prieſter, von dem Tempelhüter begleitet, iſt von der rechten Seite her aufgetreten. Hero(ihm entgegen). O wohl mir, daß du kommſt, mein edler Ohm! Dein Kind war im Begriff, zu zürnen, heut', Am Morgen dieſes feierlichen Tags, Der ſie auf immer— o, verzeih, mein Ohm! Prieſter. Was aber war der heißen Regung Grund?ꝰ Hero. Die argen Worte dieſer Leichtgeſinnten, Der frevle Hohn, der, was er ſelbſt nicht achtet, So gern als unwert aller Achtung malte. O, daß die Weisheit halb ſo eifrig wäre Nach Schülern und Bekehrten, als der Spott! Prieſter. Und welche war's, die, vor den andern kühn, Die Sitte unſres Hauſes ſo verletztꝰ Hero(nach einer Pauſe). Genau beſehn, will ich ſie dir nicht nennen, Ob ihr die Rüge gleich gar wohl verdient. Schilt ſie nur alle, Herr, und heiß ſie gehn; Die Schuld'ge nimmt ſich ſelbſt wohl ihren Teil. Gum Tempelhilter.) Du aber ſieh zum äußern Gittertor, Damit nicht Fremde— Prieſter. Hätte denn—? Hero. Ich bitte. Prieſter. So geh!— Und ihr! Und meidet zu begegnen Dem Zorne, der ſein Recht und ſeine Mittel kennt. (Der Tempelhüter nach der linken, die Mäbdchen nach der rechten Selte ab.) Hero. Nun iſt mir leicht! Ich könnte ſie bedauern, Wenn ihre Torheit an ſich ſelber zehrte, Nicht um Genoſſen würb' und Billigung. Prieſter. So ſehr mich freut, daß du den Schwarm ver⸗ meideſt Und aus der Menge nicht die Freundin wählſt So ſehr befremdet mich, ja, ich beklag' es, Daß dich zu keiner unter deinesgleichen Des Herzens Zug, ein ſtill Bedürfnis führte. Ein einſam Leben harrt der Prieſterin, Zu zweien trägt und wirkt ſich's noch ſo leicht. „ Wa Da Wa Vor Aue Vor Vor Wa Dar Der Und Zu Wo Zur J 9 Was Laß 71 60 Behe Wes Und Ich Wen Viel Nur Wo Vom Und, In So! Hier Mein Aus Bin Im Seite Des Meeres und der Liebe Wellen. 9 Hero. Ich kann nicht finden, daß Geſellſchaft fördert: Was einem obliegt, muß man ſelber tun. Dann, nennſt du einſam einer Prieſtrin Leben? Wann war es einſam hier im Tempel je? Vom frühen Morgen drängt die laute Menge, Aus Oſt und Weſten ſtrömt herbei das Volk, Von Weihgeſchenken und von Opfergaben, Von Feſteszügen, fremden Beterſcharen War nimmer dieſes Hauſes Schwelle leer. Dann fehlt's ja nicht an mancherlei zu tun: Der Waſſerkrug, der Opferherd, die Kränze, Und Säul' und Sockel, Eſtrich und Altar Zu reinigen, zu ſchmücken, zu bewahren. Wo bliebe da zum Schwätzen wohl die Zeit, Zum Koſen mit der Freundin, wie du meinſt? Prieſter. Du haſt mich nicht gefaßt. Hero. Wohl denn, es ſei! Was man nicht faßt, erregt auch kein Verlangen. Laß mich, ſo wie ich bin, ich bin es gern. Prieſter. Doch kommt die Zeit und ändert Wunſch und Neigung. Hero. Man klagt ja täglich, daß der Unverſtänd'ge Beharrt und bleibt, man tadl' ihn, wie man will; Weshalb nun den Verſtänd'gen unverſtänd'ger Und unbeſtänd'ger glauben als den Tor? Ich weiß ja, was ich will und was wir wählten, Wenn wählen heißen kann, wo keine Wahl. Vielmehr ein glücklich Ungefähr hat mich, Nur halb bewußt, an dieſen Ort gebracht, Wo— wie der Menſch, der, müd' am Sommerabend, Vom Ufer ſteigt ins weiche Wellenbad Und, von dem lauen Strome rings umfangen, In gleicher Wärme ſeine Glieder breitet, So daß er, prüfend, kaum vermag zu ſagen: Hier fühl' ich mich, und hier fühl, ich ein Fremdes— Mein Weſen ſich hintangibt und beſitzt. Aus langer Kindheit träumeriſchem Staunen Bin hier ich zum Bewußtſein erſt erwacht. Im Tempel, an der Göttin Fußgeſtelle, 10 Des Meeres und ber Liebe Wellen. Ward mir ein Daſein erſt, ein Ziel, ein Zweck. Wer, wenn er mühſam nur das Land Sehnt ſich ins Meer zurück, wo's wüſt und ſchwindelnd? Ja, dieſe Bilder, dieſe Säulengänge, Sie ſind ein A lußeres mir nicht, ein Totes; Mein Weſen rankt ſich auf an dieſen Stützen, Getrennt von ihnen, wär' ich tot wie ſie. Prieſter. Nur hüte dich, daß ſo beſchränktes Ein Billiger nicht möge ſe loſtich nennen. Es hält der Menſch mit Recht von ſeinem Weſen Jegliche Störung fern; allein ſein Leben, Ablehnend alles andre, nur f ſich, Des eignen Sinns Bewahrung zu beſchränken, Scheint widrig, unerlaubt, ja ungeheuer, Und doch auch wieder eng und ſchwach und klein. Du weißt, es war ſeit undenkbaren Zeiten Begnadet von den Göttern unſer Stamm Mit Prieſterehren, Zeichen und Orakeln, Zu ſprechen liebten ſie durch unſern Mund: Lockt's dich nun nicht, zurück es zu gewinnen, Das ſchöne Vorrecht; dir zum höchſten Ruhm Und allem Volk zum ſegensreichen Frommen? Ich riet dir oft in ſtill verborgner Nacht Zu nahen unſrer Göttin Heiligtum Und dort zu lauſchen auf die leiſen Stimmen, Mit denen wohl das Überird'ſche ſpricht. Hero. Verſchiednes geben Götter an verſchiedne; Mich haben ſie zur Sehrin nicht beſtimmt. Auch iſt die Nacht, zu ruhn, der Tag, zu wirken; Ich kann mich freuen nur am Strahl des Lichts. Prieſter. Vor allem ſollte heut'— Hero. Ich war ja dort, Noch eh' die Sonne kam, in unſerm Tempel, Und ſetzte mich bei meiner Göttin Thron Und ſann; doch keine Stimme kam von oben. Da griff ich zu den Blumen, die du ſiehſt, Und wand ihr Kränze, meiner hohen Herrin: Erſt ihr, dann jenen beiden Himmliſchen Und war vergnügt. gewonnen, S reben 1 UIr M n M B5 Al En D V C 8 Des Meeres und der Liebe Wellen. 11 Prieſter. Und dachteſt—9 Hero. An mein Werk. Prieſter. An andres nicht? Hero. Was ſonſt? Prieſter. An deine Eltern. Hero. Was nützt es auch? Sie denken nicht an mich. Prieſter. Sie denken dein und ſehnen ſich nach dir. Hero. Ich weiß das anders, doch du glaubſt es nicht. War ihnen ich doch immer eine Laſt, Und fort und fort ging Sturm in ihrem Hauſe. Mein Vater wollte, was kein andres wollte, Und drängte mich und zürnte ohne Grund.“ Die Mutter duldete und ſchwieg. Mein Bruder— von den Menſchen all, die leben, Bin ich nur einem gram— es iſt mein Bruder. Als älterer, und weil ich nur ein Weib, Erſah er mich zum Spielwerk ſeiner Launen; Doch hielt ich gut und grollte ſtill und tief. Prieſter. So zürnſt du deinen Eltern? Hero. Zürnen? Ol Vergaß ich ſie, geſchah's, um ſie zu lieben. Auch iſt mein Weſen umgekehrt und eben, Seit mich die Göttin nahm in ihren Schutz. Prieſter. Wenn ſie nun kämen? Hero. Ach, ſie werden's nicht. Prieſter. Dich heim zu holen? Hero. Mich? Von hier? Vergebens. Prieſter. Die Mutter mit dem Bräut'gam an der Hand. Hero(zum Gehen gewendet). Du ſcherzeſt, Herr, 8 ich, ich ſche herzte nicht. Prieſter. Bleib nur! auch iſt es Scherz. Doch deine Eltern Sind hier. Hero. Nein. Hier? Prieſter. Seit geſtern abends. Hero. O! Und du verhehlteſt mir's! Prieſter. Sie wollten's ſelbſt, Die Weihe nicht zu ſtören dieſer Nacht, Die dir ein Morgen iſt für viele Tage. 12 Des Meeres und der Liebe Wellen Doch biſt du ſtark und mögen ſie denn nahn. Sieh dort den Kommenden. Er wandelt— ſteht— Holt tiefen Atem— nähert ſich. Hero. Mein Vater? Prieſter. Er ſelber, ja. Hero. Und iſt der Mann ſo alt? Prieſter. Die Frau an ſeiner Seite— Hero. Mutter! Mutter! Prieſter. Erbleichſt du? Eilſt den Lieben nicht entgegen In froher Haſt? Hero. O, laß mich ſie betrachten! Hab' ich ſie doch ſo lange nicht geſehn. Heros Eltern kommen. Vater. Mein Kind! Hero, mein Kind! Hero(auf ihre Mutter zueilend). O meine Mutter! Vater. Sieh nur, wir kommen her, den weiten Weg— Mein Atem wird ſchon kurz— ſo fern vom Hauſe, Als Zeugen deines götternahen Glücks, Zu ſchauen, wie du in der Ahnen Spur Antrittſt das Recht, um das ſie uns beneiden, Die andern alle ringsumher im Land, Wie um das Amt, mit dem ſeit manchem Jahr Bekleidet das Vertraun mich unſrer Stadt, Und das— die böſe Bruſt!— Was wollt' ich ſagen?— Nun, eben deshalb kamen wir hierher!— Ei, guten Morgen, Bruder! Hero. Meine Mutter! Vater. Sie auch! Auch ſie! Ob kränkelnd ſchon und ſchwach Es duldete ſie nicht im leeren Hauſe; Teilnehmen wollte ſie an deinem Glück. Der Wagen faßt wohl zwei, ſo kam ſie mit, Erfreuten Sinns. Und wer, wenn noch ſo ſtumpf, Erfreute ſich an ſeinem Kinde nicht, Wenn es einhergeht auf der Hoheit Spuren? Wer horchte da auf kleinlich dunkle Zweifelꝰ Auf— was weiß ich? Nu, wie geſagt, erfreut. Hero. Allein, ſie ſpricht nicht. Vater. Nicht? Frag' ſie: warum? 7 (Er Ah Wi Du Reeheereeeeee Nu Ich Den Da Die Und Aue en ach, Des Meeres und der Liebe Wellen. Sie ſpricht wohl ſonſt, wenn's auch nicht an der Zeit Im Haus, den langen Tag. Frag' ſie: warum? Und wieder iſt's auch beſſer, ſpricht ſie nicht; Wer Förderliches nicht vermag zu ſagen, Tut klüger, ſchweigt er völlig. Bruder, nicht? Hero. O, guter Ohm, heiß deinen Bruder ſchweigen, Daß meine Mutter rede. Prieſter. Bruder, laß ſie! Vater. So ſprich! Allein— Hero. Nicht ſol Nach ihrem Herzen. Wie's ihr gefällt. MAutter(halblaut). Mein gutes Kind! Hero. Hörſt du? Sie ſprach. O, ſüßer, ſüßer Klang! So lange nicht gehört! O meine Mutter! Prieſter(in den Hintergrund tretend, zu einem Diener). Komm hier! Vater. Nun weint ſie gar! Daß doch!— Was ſchaffſt du, Bruder? Er geht nach rückwärts, die Hand dem gleichfalls dort ſtehenden Tem⸗ pelhüter auf die Schulter legend.) Ah, du mein Ehrenmann! Was ſchafft ihr da? Prieſter. Ein Ringeltauber flog in dieſen Buſch, Wohl gar zu Neſt. Das darf nicht ſein. He, Sklave! Durchforſche du das Laub und nimm es aus! Vater. Wie nur? Warum? Prieſter. So will's des Tempels lbung Vater. Doch jene— Prieſter. Laß ſie nur! Vater. Sie reden. Prieſter. Laß ſie. Hero(mit ihrer Mutter im Vordergrunde rechts). Nun aber, Mutter, hemme deine Tränen! Vielmehr ſag' deutlich, was du fühlſt und denkſt. Ich höre dich und folge leicht und gern; Denn nicht mehr jenes wilde Mädchen bin ich, Das du gekannt in deines Gatten Hauſe: Die Göttin hat das Herz mir umgewandelt, Au ruhig kann ich denken nun und ſchaun. uch— 14 Des Meeres und der Liebe Wellen. Mutter. Kind! Hero. Was iſt? Mutter. Sie ſehn nach uns. Hero. Ei, immer! Im Tempel hier hat auch die Frau ein Recht, Und die Gekränkten haben freie Sprache. Doch ängſtet dich ihr Aug', wohlan, ſo tret' ich Hin zwiſchen dich und ſie. Kein Blick erreicht dich. Nun aber ſag', ob ich dich recht erriet: Nicht gleichen Sinns mit deinem Gatten kamſt du, Und wäre dir der freie Wunſch gewährt, Du führteſt gar die Tochter mit dir heim Aus ihres Glückes ſturmbeſchützter Ruh' In deiner dunkeln Sorgen niedre Hütte? Iſt's alſo? Iſt es wahr? Sprich nein, o Mutter! Mutter. Kind, ich bin alt und bin allein. Hero. Allein? Dir iſt dein Gatte ja! zwar er—! Ein reiches Haus, Sind Dienerinnen, die dein ſorglich warten. Dann— gute Götter!— ſo vergaß ich denn Das beſte bis zuletzt! Dir iſt mein Bruder; Der bringt die Braut ins Haus und dehnt ſich breit Und gibt dir Enkel mit der Väter Namen. Mutter. Dein Bruder, Kind— Vater(im Hintergrunde zum Sklaven). Greif' herzhaft immer zul Mutter. Dein Bruder, Kind, iſt nicht mehr unter uns. Hero. Wie? Nicht? Mutter. Nach manchem herben Leid, Den Eltern doppelt ſchwer, verließ er uns, Verließ die Braut, die ſein in Tränen dachte, Und zog dahin mit gleichgeſinnten Männern Auf kühne Wagnis in entferntes Land. Zu Schiff, zu Roß? Wer weiß? wer kann es wiſſen? Hero. So iſt er nicht mehr da? Nun doppelt gerne Kehrt' ich mit dir nach Haus, ſeit kund mir ſolches! Doch iſt nicht er, ſind da noch hundert andre Von gleichem Sinn und ſtörriſch wildem Weſen; Das ehrne Band der Roheit um die Stirn, Je minder denkend, um ſo heft'ger wollend; Gew Ins Wo Am Hine Hier Mit Und Viell M Das He Wie! Des Muf Ob Und Do Die Sie Des Meeres und der Liebe Wellen. Gewohnt, zu greifen mit der ſtarren Hand Ins ſtille Reich geordneter Gedanken, Wo die Entſchlüſſe keimen, wachſen, reifen Am milden Strahl des gottentſprungnen Lichts, Hinein zu greifen da und zu zerſtören, Hier zu entwurzeln, dort zu treiben, fördern Mit blindem Sinn und ungeſchlachter Hand. Und unter ſolchen wünſcheſt du dein Kind? Vielleicht wohl gar—? Mutter. Was ſoll ich dir's verhehlen! Das Weib iſt glücklich nur an Gattenhand. Hero. Das darfſt du ſagen, ohne zu erröten?d Wie? und mußt hüten jenes Mannes Blick, Des Herren, deines Gatten? darfſt nicht reden, Mußt ſchweigen, flüſtern, ob du gleich im Recht? Ob du die Weiſre gleich, ſtillwaltend Beſſre? Und wagſt, zu ſprechen mir ein ſolches Wort? Later(im Hintergrunde). Die Mutter flattert auf! Mutter. O wehe, weh'! Sie haben mir mein frommes Kind entwendet, Ihr Herz geraubt mit ſelbſtiſch eitlen Lehren, Daß, meiner nicht mehr denkend, harten Sinns, Sie achtlos hört der Nahverwandten Worte! Hero(von ihr wegtretend). Ich aber will mit heiterm Sinne wandeln Hier an der Göttin Altar, meiner Frau; Das Rechte tun, nicht, weil man mir's befahl, Nein, weil es recht, weil ich es ſo erkannt; Und niemand ſoll mir's rauben und entziehn— (mit ſtarker Betonung) Wahrhaftig! Der Sklave(der im Hintergrunde, auf einem Schemel ſtehend, den Buſch durchſucht, ſtrauchelnd). Ah! Hero(umſchauend). Was iſt? Mutter. So ſiehſt du nicht? Unſchuldig fromme Vögel ſtören ſie Und nehmen aus ihr Neſt. So reißen ſie Das Kind auch von der Mutter, Herz von Herzen, 1 Und haben des ihr Spiel. 6 Des Meeres und der Liebe Wellen. O, weh' mir, weh'! Hero. Du zitterſt, du biſt bleich. Mutter. O, ſeh' ich doch Mein eignes Los. Prieſter(zu dem Diener, der das Neſt in ein Körbchen gelegt, auf den oben die brütende Taube ſichtbar iſth). Geh nur und trag' es fort. (Der Diener geht.) Hero. Halt' du und ſetz' es ab, wenn's jene kränkt. Gib, ſag' ich!(Sie hat dem Diener das Körbchen abgenommen.) Armes Tier, was zitterſt du? Sieh, Mutter, es iſt heil.(Die Taube ſtreichelnd.) Eie ſetzt ſich auf den Stufen der Bildſäule links im Vorgrunde nieder, das Körbchen in den Händen, indem ſie bald durch Emporheben die Taube zum Fortfliegen anlockt, bald betrachtend und unterſuchend ſick mit ihr beſchäftigt.) Prieſter(zum Diener). Biſt du erſchrocken? Was iſt? Befahl ich nicht—? (Der Diener weiſt entſchuldigend auf Hero.) Prieſter(zu ihr tretend). Biſt du ſo neu im Dienſt, Daß du nicht weißt, was Brauches hier und Sitte? Mutter(rechts im Vorgrunde ſtehend). Mein Herz vergeht! O jammervoller Anblick! Prieſter(zu ihr hinüberſprechend). Nun alſo denn zu dir! Schwachmütig Weib, Was kamſt du her, zu ſtören dieſe Stunde? Und ſtaunſt ob dem, was du doch längſt gewußt, Der heil'gen Ordnung dieſes Götterhauſes? Kein Vogel baut beim Tempel hier ſein Neſt, Nicht girren ungeſtraft im Hain die Tauben; Die Rebe kriecht um Ulmen nicht hinan, All, was ſich paart, bleibt ferne dieſem Hauſe, Und jene dort fügt heut' ſich gleichem Los. Hero(die Taube ſtreichelnd). Du armes Tier, wie ſtreiten ſie um uns! Prieſter. Scheint dir das ſchwer, und zitterſt du darob? Was willſt du? ſoll ſie heim? Was braucht die Göttin dein und deines Kinds? Nicht ehrt man hier die ird'ſche Aphrodite, Komm hier und nimm ſie gelegt, auf den trag' es fort. e kränkt. bgenommen.) orgrunde nieder, Emporheben die unterſuchend ſich o.) dienſt, Sitteꝰ t du darob? ind nimm ſie dsꝰ Des Meeres und der Liebe W Die Menſch an Menſchen knüpft wie Tier an Tier; Die Himmliſche, dem Meeresſchaum entſtiegen, Einend den Sinn, allein die Sinne nicht, Der Eintracht alles Weſens hohe Mutter, Geſchlechtlos, weil 18 ſelber das Geſchl echt, Und himmliſch, weil ſie ſtammt vom Himmel oben. Vas braucht die Göttin dein und deines Kinds? Seh hin und bette ſie in Niedrigkeit, In der du ſelbſt, dir ſelbſt zur Qual, dich abmühſt; Sie ſei die Magd des Knechtes, der ſie freit, Statt hier auf lichter Bahn, nach eignem Ziel, Die einz'ge ſie des dürftigen Geſchl echts, Ein Selbſt zu ſein, ein Weſen, eine Welt. Allein du willſt es, ſie iſt frei, hier nimm ſiel Biſt du die Mutter doch. Du, Hero folge Die Torheit ruft: folg' ihr als 9 Menſch, als Weib. Hero(aufſtehend, zur Taube). Da gilt es denn zu reden, kleines Ding! (Das Körbchen dem Diener gebend.) Du nimm's und trag' es hin und gib ihm Freiheit, Die Freiheit, wie das Tier ſie kennt und wünſcht. (Diener ab.) Du aber, Ohm, ſchilt meine Mutter nicht, Denn 10 iſt ihre Meinung, und ſie liebt mich. Ins andre laß nur ſchweigen, Stille, Gute! Hat er doch recht und tat was ihm Pflicht. Ich ſoll mit dir? Bleib du bei mir! O, Mutter, Wenn dich die Deinen quälen, komm zu mir. Hier iſt kein Krieg, hier ſchlägt man keine Wunden, Die Göttin grollet nicht, und dieſer Tempel Sieht immerdar mich an mit gleichem Blick. kennſt du das Glück des ſtillen Selbſtbeſitzes? Du haſt es nie gekannt; drum ſei nicht neidiſch. ſtein, frohen Mutes folge mir zum Feſt. deut, ſtolz im Siegerſchritt, und kommt der Morgen, Linförmig ſtill, den Waſſerkrug zur Hand, Beſchäftigt, wie bisher, an den Altären, Ind fort ſo, Tag um Tag. Willſt du, ſo komm! Sieh nur, ſonſt trag' ich dich, denn ich bin 188R 18 Des Meeres und der Liebe Wellen. Allein ſie weicht.— Sie lächelt.— Siehſt du, Ohm? Galblaut.) Gib nur das Zeichen nun! Du aber folge, Die Zeit verrinnt, man rüſtet ſchon das Feſt. (Im Gehen, tändelnd.) Und ſiehſt du erſt den Schmuck, die reichen Kleider, Und was man all mir Herrliches bereitet, Du ſollſt wohl ſelbſt— (ein paar Schritte voraus und dann zurückkehrend) Und eile mir ein wenig! (Beide nach der rechten Seite ab.) vater. Nun, Bruder, aber raſch— Prieſter. Raſch? und warum? Was lange dauern ſoll, ſei lang erwogen; Wüßt' ich ſie ſchwach, noch jetzt entließ' ich ſie. vater. Allein bedenk'—! Prieſter. Zugleich bedenk' ich wirklich, Daß heilſam feſte Nötigung der Abſchluß Von jedem irdiſch wanken, wirren Tun. Du wählteſt 015 unter Möglichkeiten, Wär' nicht die Wirklichkeit als Grenzſtein hingeſetzt. Die freie Wahl iſt ſchwacher Toren Spielzeug; Der Tücht'ge ſieht in jedem Soll ein Muß, Und Zwang, als erſte Pflicht, iſt ihm die Wahrheit. Gu den Dienern gewendet.) Das Feſt beginnt. maukleros' Stimme(hinter der Scene). Hierher, nur hier, Leander! Prieſter. Was iſt? Tempelhüter. Zwei Fremdlinge, des langen Harrens müde Sie bahnen ſelbſt durch Büſche ſich den Weg.— Kehrt ihr zurück?— Dieſelben ſind es, Herr, Die heute morgens ſchon am Gittertor— Auch dort von rückwärts wächſt des Volkes Drang, Das murrend nur erträgt die Zögerung. Prieſter. Weis jene dort zurück. (Der Tempelhilter nach der linken Seite ab.) Ihr andern öffnet ι e e? e ◻= N Ur Un Um (Er etzt. heit. rrens müdt ang, ) öffnet Des Meeres und der Liebe Wellen. 19 6zu mehreren Dienern, die nach und nach vom getreten ſind) Die äußern Pforten nach dem Weg zur Stadt. Gu ſeinem Bruder.) Gönn' nur indes ein Wort des Danks den Göttern, Die Nachruhm dir in deinem Kind erweckt. (Der Alte ſteht an ſeinem Stabe gegen den Tempel geneigt.) Laßt ein das Volk und haltet Ordnung, hört ihr? Daß Roheit nicht die ſchöne Feier ſtöre. Auch über euch wacht ſorglich, eben heut'; Die Luſt hat ihren Tag, ſo wie die Sonne, Doch auch wie jene einen Abend: Reue. Tempelhüter(hinter der Scene). Nein, ſag' ich, nein! Uaukleros(ebenſo). So hört doch, lieber Herr! Prieſter. Tut eure Pflicht, du Bruder aber, komm! (Beide nach der rechten Seite ab.) Der Tempelhüter(auftretend). Hier ſteh' ich, hier! Und wagſt du's, kühner Knabe, Und ſetzeſt über mich hin deinen Fuß? Maulleros(der gleichfalls ſichtbar geworden iſt). Nicht über Euch, doch, ſeht Ihr, neben Euch. Und alſo bin ich hier. Leander, komm! Hintergrunde her auf⸗ Leander tritt auf. Cempelhüter. O Jugendübermut! Ward euch nicht kund—2 Uaufleros. Nichts ward uns kund, denn Fremde ſind wir, Herr, Und kommen von Abydos' naher Küſte Nach Seſtos her, um euer Feſt zu ſchaun. Tempelhüter. Doch lehrt man Sittſamkeit nicht auch bei euchꝰ Uaufleros. Wohl lehrt man ſie, zugleich mit andern Sprüchen, Als:„Sei nicht blöd', ſonſt kehrſt du hungrig heim.“ Tempelhüter. Ich aber— Hauhleros. Seht, indes Ihr hier Euch abmüht Um uns, die zwei, ſtrömt dort das Volk in Haufen. Tempelhüter. Zurück da! Hört ihr wohl?ꝰ Er wendet ſich nach dem Hintergrunde und ordnet das Volk, das von 8, hgereindringt.) 2*³* der linken Seite, nahe den Stufen des Tempel 20 Des Meeres und der Liebe Wellen. Kaukleros(zu Leander). Was zerrſt du michꝰ Wir ſind nun einmal da. Wer wagt, gewinnt. Hier iſt der beſte Platz. Feſt auf den Sockel Setz' ich den Fuß; laß ſehn, wer mich vertreibt. Und ſieh mir nur nach all der Herrlichkeitl Das Gotteshäuslein dort, das Tor, die Säulen, So was erblickſt du nimmermehr daheim. Schau', einen Altar ſetzt man in die Mitte, Wohl um zu opfern drauf. Doch, wonach ſchauſt duꝰ Blickt er zu Boden nicht? Nun bei den Göttern! Befällt er hier dich auch, der alte Trübſinn? Ich aber ſage dir— (Das Volk hat ſich nach und nach, der linken Sette entlang, geordnet bis dahin wo die beiden Freunde ſtehen.) Naukleros(umſchauend). Nu, guter Freund, Ihr drängt gar ſcharf.(Zu Leander.) Hörſt du? ich ſage dir, Weißt du nicht heute abend klein und groß Mir zu erzählen, was ſich hier begab, Und trinkſt nicht einen großen Becher Wein Lautjubelnd drauf, ſind wir geſchiedne Leute. Denn all der düſtre Sinn— Allein, ſieh dort! Die beiden Mädchen! Schau', es ſind dieſelben, Die heute früh wir ſahn am Gittertor. Sie blinzeln her. Gefällt dir eine? Sprich! Janthe und eine zweite Dienerin haben einen tragbaren Altar gebracht und ſtellen ihn rechts im Vorgrunde vor die Bildſäule Amors nieder. Janthe(während des Zurechtſtellens ihrer Gefährtin zuflüſternd). Dort ſind ſie. Rechts der Blonde, Größere. Der Braune ſcheint betrübt. Was fehlt ihm nur? Uaukleros. Abſichtlich zögern ſie. Hui, welch ein Blick! Der Tempelhüter(nach vorn kommend, zu den Mäbchen). Ei ja, und nun auch ihr! Das findet ſich. (Die Mädchen gehen. Zu den Jünglingen.) Ihr ſcheint mir raſch zu allem, was verwehrt. Raußleros. Je, wie's nun kommt. Wer zweifelt, der verliert. (Man hat einen zweiten Altar gebracht, der links vor Hymenäus' Bilb⸗ ſäule hingeſtellt wird. Ein dritter ſtand ſchon früher an den Stufen in der Mitte.) Cempelhüter. Ihr gebt nur Raum!l Der Altar ſoll dort hin. onet bis ge dir, gebracht nieder. ernd). lick! erliert. 3˙ Bild⸗ Stufen ort hin. — s Meeres und der Liebe Wellen. Aaukleros. Hab' ich erſt Raum, ſo teil' ich gerne mit. Tempelhüter. Und ſeid nur ſittig und vermeßt euch nichts. Muſik von Flöten beginnt.) Der Zug beginnt. Zurück! Laßt frei die Mitte! (Das Volk ordnend, das auf der linken Seite ſich in Reihen ſtellt.) maukleros. Sie kommen. Schau'! Betrachte mir's mit Fleiß! Und naht die Prieſterin, ſtreif' an ihr Kleid, Das ſoll den Trübſinn heilen, ſagt man. Hörſt du? Unter Muſik von Flöten kommt der Zug von der rechten Seite her auf die Bühne. Opferknaben mit Gefäßen. Die Oberhäupter von Seſtos. Tempeldienerinnen, darunter Janthe. Prieſter. Hero, mit Mantel und Kopfbinde, an der Seite ihres Oheims. Ihre Eltern folgen. Geſang. Mutter der Sterblichen, Himmelsbewohnerin, Neig' uns ein günſtiges, Schirmendes Aug'! (Die Begleiter des Zuges ſtellen ſich zur rechten Seite auf, den Reihen des Volkes gegenüber. Der mittlere Teil der Bühne iſt leer.) Die Prieſter(indem ſie ſich aufſtellen). Den Göttern Ehrfurcht! Das Volk(antwortend). Glück mit uns! Uaukleros. Dort kommt die Prieſterin. Ein ſchönes Weib! Komm, laß uns knien. Doch nein, vorher noch ſchau' mir Querüber hier dem Fußgeſtell nach rückwärts, Wie ſie die Weihen üben, was ſie tun. Hero(im Hintergrunde bei dem dort ſtehenden tragbaren Altare ſtehend. Vor ihr knieen zwei Opferknaben, Rauchwerk in reichen Gefäßen haltend). Ein neuer Sprößling deines alten Hauſes! Sei ihm geneigt, und mehr, als er verdient. (Sie gießt Rauchwerk in die Flamme und geht dann nach vorn. Der Prieſter zu ihrer Linken, hinter ihr die Eltern. Der Tempelhüter in einiger Entfernung.) Die Prieſter. Den Göttern Ehrfurcht! Das Volk. Glück mit uns! Uaukleros. Sie kommen näher. Nun, Leander, knie'! (Sie knieen. Leander hart an der Bildſäule des Hymenäus, Naukleros etwas zurück. Auch das übrige Volk kniet.) Hero(iſt zu Amors Bildſäule gekommen und gießt Rauchwerk in die Flamme des danebenſtehenden Altares, der Prieſter ihr zur Seite). Der du die Liebe gibſt, nimm all die meine. D es Meeres und der Liebe Wellen. Dich grüßend, nehm' ich Abſchied auch von dir. (Sie entfernt ſich.) Die Prieſter. Den Göttern Ehrfurcht! Das volk. Glück mit uns! Hero(an der Bildſäule des Hymenäus ſtehend). Dein Bruder ſendet mich— Uauhleros(leiſe zu Leander). Siehſt du nicht auf? Leander, der gerade vor ſich hin auf den Boden geſehen hat, hebt jetzt das Haupt empor.) 2222888889928 Prieſter. Was iſt? Du ſtockſt? 1 Hero. Herr, ich vergaß die Zange. A Prieſter. Du hältſt ſie in der Hand. U Hero. Der du die Liebe— 3 N Prieſter. So hieß der erſte Spruch. Laß nur! Zum Opfer! Gero gießt Rauchwerk ins Feuer. Eine lebhaftere Flamme zuckt empor.) Y Zu viel!— Doch gut!— Nun noch zum Tempel. Komm! N (Sie entfernen ſich. In dle Mitte der Bühne gekommen, ſieht Hero, als N nach etwas Fehlendem an ihrem Schuh, über die rechte Schulter zurück. Ihr Blick trifft dabei auf die beiden Jünglinge. Die Eltern kommen 2 ihr entgegen. Die Muſik ertönt von neuem.) S N Zweiter Außug. D —— V. S Tempelhain zu Seſtos. Ei Auf der linken Seite nach rückwärts eine Ruhebank, von Gebilſch um⸗ 1 geben. Naulleros von der linken Seite auftretend. Uaukleros. Leander, komm! und eile mir doch nur! 9* Leander, der von derſelben Seite ſichtbar wird. 15 Eeander. Hier bin ich, ſieh! He Uaußleros. So raſch? Ei doch! Man denkel Un Wie lange noch, ſag' an, führ' ich, zur Strafe De Für ein Vergehn, derzeit noch unbekannt Te Und unbegangen auch, dem Knaben gleich, Lie Der ſeinen blinden Herrn die Straße leitet, In Ringsum dich durch der Menſchen laute Städte, t jetzt pfer! por.) mm! o, als urück. mmen Um⸗ Des Meeres und der Liebe Wellen. 23 Von Feſt zu Feſt, vom Markte zum Altar, Den Ort ausforſchend, der dir Frohſinn brächte? Wie lang ſitz' ich, von Sprechen müd', dir gegenüber Und forſch' in deinem Aug', dem leid'gen Blick, Ob's angeglommen, ob erwacht die Luſt? Und leſ' ein ewig neues Nein, Nein, Nein! Wenn deine Mutter ſtarb, wer kann da helfen? War's gut und recht, daß du, ein wackrer Sohn, Solang die Teure lebte, fromm bemüht Und ihr, der tiefbekümmerten, zu Willen, Am Strand des Meeres wohnteſt, fern der Stadt Und Menſchen fern, nur Kindespflichten übend; Nun, da ſie tot, was hält dich länger ab, Den gleichen als ein gleicher zu gehören, Mitfühlend ihre Sorgen, ihre Luſt d Wein' um die Gute, rauf' dein braunes Haar, Allein dann kehre zu den Freuden wieder, Die ſie dir gönnt, die du ihr länger gönnteſt. Sag' ich nicht recht? und was iſt deine Meinung? tun? Ceander. Ich bin müd'. Uaukleros. Ei ja, der großen Plage! Den ganzen Tag, am fremden Ort, umgeben Von fremden Menſchen, fröhlichen Geſichtern, Sich durchzuhelfen und zu ſchaun, zu hören, Einmal zu ſprechen gar. Ei, gute Götter! Wer hielte das wohl ausd Leander(der ſich geſetzt hat). Und krank dazu. Mankleros. Krank? Sei du unbeſorgt! Das gibt ſich wohl. Sei du erſt heim in deiner dumpfen Hütte, Vom Meer beſpült, wo rings nur Sand und Wellen Und trübe Wolken, die mit Regen dräun; Hab' erſt das gute Kleid da von den Schultern Und umgehüllt dein derbes Schifferwams, Dann ſitz' am Strand, den langen Tag verangelnd, Tauch' dich ins Meer, der Fiſche Neid im Schwimmen; Lieg' abends erſt— ſo fand ich dich ja einſt— Im Ruderkahn, das Antlitz über dir, Des Körpers Laſt vertraut den breiten Schultern, 2⁴ Des Meeres und der Liebe Wellen. Indes das Fahrzeug auf den Wellen ſchaukelt: So lieg' geſtreckt und ſchau' mir nach den Sternen, Und denk'— an deine Mutter, die noch eben Zur rechten Zeit dich, ſterbend, frei gemacht, An ſie, an Geiſter, die dort oben wohnen, An— denk' ans Denken; denk' vielmehr an nichts! Sei nur erſt dort, und, Freund, was gilt die Wetted Du fühlſt dich wohl, fühlſt wieder dich geſund. Nun aber komm; denn fernab liegt die Heimat, Die Zeit verrinnt, die Freunde kehren heim. Ceander. Es iſt ſo ſchattig hier! Laß uns noch weilen; Leicht findet ſich ein Kahn. Ich rudre dich. Uaußleros. Ei, rudern, ja! Wie glänzt ihm da das Auge! Am Steuer ſitzend, ausgeſtreckt die Hand, Die prallen Arme vor⸗ und rückwärts führend, Jetzt ſo, dann ſo, und fort auf feuchtem Pfad! Da fühlſt du dich ein Held, ein Gott, ein Mann; Für andres mag man einen andern ſuchen. Doch, ſchöner Freund, nicht nur ums Rudern bloß, Hier fragt es ſich um andre, ernſtre Dinge. Wir ſtehen, wiſſ' es, auf verbotnem Grund, Im Tempelhain, der jedem ſich verſchließt, Als nur am Tag des Feſts, von dem wir kehren: Sonſt ſtreifen Wächter durch die grünen Büſche. Die fahen jeden, den ihr Auge trifft, Und ſtellen ihn dem Prieſter ihres Tempels, Der ihn beſtraft, leicht mit dem Außerſten. Sprichſt du? Ceander. Ich ſagte nichts. Aaukleros. Drum alſo komm! Um Mittag endet ſie, des Feſtes Freiheit, Und faſt ſchon ſenkrecht trifft der Sonne Pfeil. Mich lüſtet nicht, ob deines trägen Zauderns, Den Kerkern einzuwohnen dieſer Stadt. Hörſt du?— Noch immer nicht?— Nun, gute Götter, Kehrt euch von ihm, wie er von euch ſich wendet! Da lehnt er, weich, mit mattgeſenkten Gliedern, Ein Junge, ſchön, wenn gleich nicht groß, und braun. SEi 2 σ 8ES88S886982 en; Auge! Des Meeres und der Liebe Wellen. Die finſtern Locken ringeln um die Stirn; Das Auge, wenn's die Wimper nicht verwehrt, Sprüht heiß wie Kohle, friſch nur angefacht: Wie⸗ Schultern weit, die Arme derb und tüchtig, Von prallen Musleln ründlich überragt, Kein Amor mehr, doch Hymens treues Bild. Die Mädchen ſehn nach ihm, doch er— ihr Götter! Wo blieb die Seele für ſo art'gen Leib? Er iſt— wie nenn' ich's— furchtſam, töricht, blöd. Ich bin doch auch ein rüſtiger Geſell! Mein gelbes Haar gilt mehr als noch ſo dunkles, Und, ſtatt der Inderfarbe, die ihn bräunt, Lacht helles Weiß um dieſe derben Knochen; Bin größer, wie's dem Meiſter wohl geziemt: Und doch, gehn wir zuſammen unters Voll, In Mädchenkreis, beim Feſt, bei Spiel, bei Tanz; Mich trifft kein Aug', und ihn verſchlingen ſie: Das winkt, das nickt, das lacht, das ſchilt, das kichert. Und ihm gilt's, ihm. Sie ſind nun mal vernarrt In derlei dumpfe Träumer, blöde Schlucker. Er aber— ei, er merkt nun eben nichts. Und merkt er's endlich, hei, was wird er rot! Sag', guter Freund, iſt das nur Zufall bloß, Wie? oder weißt du, daß du z 5 zehnmal hübſcher Mit ſolcher Erdbeerfarbe auf den Wangen? Nur heut', im Tempel. Gute Götter! war's nicht, Als ob die Erde aller Weſen Fülle Zurückgeſchlungen in den reichen Schoß Und Mädchen draus gebildet, nichts als Mädchen? Aus Thrazien, dem reichen Hellespont Vermengten ſich die Scharen; bunte Blumen, So Roſ' als Nelke, Tulpe, Veilchen, Lilie— Ein Gänſeblümchen auch wohl ab und zu— Im ganzen ein begeiſternd froher Anblick, Ein wallend Meer, mit weißen Schultern Und runden Hüften an der Wellen Statt. Nun frag' ihn aber einer, was er ſah? Ob's Mädchen waren oder wilde Schwäne? Er weiß es nicht, er ging nur eben hin. 26 Des Meeres und der Liebe Wellen. Und doch war er's, nach dem ſie alle blickten. Die Prieſtrin ſelbſt; ein herrlich prangend Weib! Die beſſer tat, am heut'gen frohen Tag Der Liebe Treu' zu ſchwören ewiglich, Als ihr ſich zu entziehn, ſo arm als karg; Der Anmut holder Zögling und der Hoheit, Des Adlers Aug', der Taube ſüßes Girren, Die Stirn ſo ernſt, der Mund ein holdes Lächeln, Faſt anzuſchauen wie ein fürſtlich Kind, Dem man die Krone aufgeſetzt noch in der Wiege. Und dann! Was Schönheit ſei, das frag' du mich! Was weißt du von des Nackens ſtolzem Bau, Der breit ſich anſchließt reichgewundnen Flechten, Den Schultern, die, beſchämt nach rückwärts ſinkend, Platz räumen den begabtern reichen Schweſtern, Den feinen Knöcheln und dem leichten Fuß Und all den Schätzen ſo beglückten Leibes? Was weißt du? ſag' ich, und du ſahſt es nicht. Doch ſie ſah dich. Ich hab' es wohl bemerkt! Wie wir da knieten, rückwärts ich, du vorn Am Standbild Hymens, des gewalt'gen Gottes, Und ſie nun kam, des Opferrauchs zu ſtreun: Da ſtockte ſie, die Hand hing in der Luft; Nach dir hin ſchauend, ſtand ſie zögernd da, Ein, zwei, drei kurze, ew'ge Augenblicke Zuletzt vollbrachte ſie ihr heilig Werk, Allein noch ſcheidend ſprach ein tiefer Blick, Im herben Widerſpruch des froſt'gen Tages, Der ſie auf ewiglich verſchließt der Liebe: „Es iſt doch ſchad'!“ und:„Den da möcht' ich wohl!“ Gelt, lächelſt doch? und ſchmeichelt dir, du Schlucker? Verbirgſt du dein Geſicht? Fort mit den Fingern! Und heuchle nicht und ſag' nur ja. (Er hat ihm die Hand von den Augen weggezogen.) Doch, Götter! Das ſind ja Tränen. Wie? Leander! weinſt? Leander(der aufgeſtanden iſt). Laß mich und quäl' mich nicht! Und ſprich nicht ohne Achtung Von ihrem Hals und Wuchs. O, ich bin dreifach elend! Wer Zule htung nd! Des Meeres und der Liebe Wellen. Haukleros. Leander! elend?— Glücklich!— Biſt verliebt. Ceander. Was ſprachſt du? Ich bin krank. Es ſchmerzt die Bruſt. Nicht etwa innerlich; von außen, hier, Hart an den Knochen. Ich bin krank, zum Tod. Aaukleros. Ein Tor biſt du, doch ein beglückter Tor. Nun, Götter, Dank, daß ihr ihn heimgeſucht, Nun ſchont ihn nicht mit euern heißen Pfeilen, Bis er mir ruft:„Halt' ein, es iſt genug, Ich will erdulden, was die Menſchen leiden!“ Nun, Freund, gib mir die Hand! Nun erſt mein Freund, Zu ſpät bekehrt durch allzu füße Wonnen. Du Neugeborner, Glücklicher!— Doch halt! Ein garſt'ger Fleck auf unſers Jubels Kleide.— Komm mit zurück zur Stadt; dort ſind die Mädchen, Die wir beim Feſt geſehn, noch all verſammelt, Dort ſieh dich um, verlieb' dich, wie du magſt; Denn, Freund, die Jungfrau, die dich jetzt erfüllt, Iſt Prieſterin und hat an dieſem Tag Gelobt, dem Manne ſich auf ewig zu entziehn; Und ſtreng iſt, was ihr droht, wenn ſie's vergaß, Und was dem Manne, der's mit ihr vergeſſen. Leander. Ich wußt' es ja. Komm, Nacht! Und ſo iſt's aus. Aaukleros. Aus? wieder aus? Und eh' es noch begann? Warum und wie? Friedfertiger Geſell, Wagſt du ſo wenig an die höchſte Wonne? Und ſagſt mir das mit zuckend fahlen Wangen Und ſchlotterndem Gebein und meinſt, ich glaub's? Nun ſollſt du bleiben. Hier! Und ſollſt ſie ſprechen. Wer weiß, iſt ihr Gelübd' ſo eng und feſt Und läßt ſich löſen, folgt alsbald die Reue. Wer weiß, iſt deine Liebe ſelbſt ſo heiß, Als jetzt ſie ſcheint? Doch, was es immer ſei: Du ſollſt nicht zagen, wo zu handeln not. Zum mindſten kenne dein Geſchick und trag's Und lerne ſcheiden von den Knabenjahren. Wir ſind hier fremd. Komm mit! Wer darf uns tadeln, Wenn wir des Wegs verfehlen, fragen, gehn? Zuletzt gelangen wir ins Haus, zum Tempel 28 Des Meeres und der Liebe Wellen. Und ſtehn vor ihr und hören, was ſie ſpricht. Dort kommt ein Mädchen mit dem Waſſerkrug In ein und andrer Hand. Die laß uns fragen. Sie weiß wohl—(er geht.) Doch, Leander! Sohn des Glücks! Was zerrſt du mich? Bleib hier! Sie ſelber iſt's, Die Jungfrau, ſie, die neue Prieſterin; Nach Waſſer geht ſie aus der heil'gen Quelle, Das liegt ihr ob. Ergreif den Augenblick Und ſprich, nicht allzu kühn, nicht furchtſam. Hörſt du? Ich will indes rings forſchen durch die Büſche, Ob alles ruhig und kein Lauſcher nah! Komm bier! und ſag' ich: jetzt! ſo tritt hervor Und ſprich— Doch nun vor allem ſtill!— Komm hier! (Sie ziehen ſich zurück.) Hero ohne Mantel, ungefähr wie zu Anfang des erſten Aufzuges ge⸗ kleidet, kommt mit zwei leeren Waſſerkrügen von der linken Seite des Vorgrundes. Sie geht quer über die Bühne. Hero(ſingt). Da ſprach der Gott: Komm her zu mir In meine Wolken, Neben mir. Geander iſt, von Naukleros leicht angeſtoßen, einige Schritte vor⸗ getreten. Dort bleibt er geſenkten Hauptes ſtehen. Hero geht auf der rechten Seite des Vorgrundes ab.) Uaukleros(nach vorn kommend). Nun denn, es ſei! Du haſt es ſelbſt gewollt. Kannſt du das Glück nicht faſſen und erringen, So lern' entbehren es. Und beſſer iſt's. Heißt ſie nicht gottgeweiht, und ihr zu nahn Droht Untergang? Auch war's halb Scherz nur, Daß ich dir riet, ein Außerſtes zu tun: Doch macht mich's toll, den Menſchen anzuſehn, Der wünſcht und hofft, und dem nicht Muts genug, Die Hand zu ſtrecken nach des Sieges Krone. Doch iſt es beſſer ſo. Glück auf, mein Freund! Dein zaghaft Herz, es führte diesmal ſichrer Als Neſtors Klugheit und Achillens Mut. Nun aber komm und laß uns heim. Doch niemals 2 LIAIEEÆOYYEO9 LILIAI duꝰ mhier! zuges ge⸗ Seite des ritte vor⸗ geht auf s Meeres und der Liebe Wellen. 29 Vermiß dich mehr—! Feander. Sie kehrt zurück! Kaukleros. Ei doch! Folg' du! Ekander. Ich nichtl Raußkleros. Was ſonſt? Feander. Ihr nahen. Sprechen. O! (Sie treten wieder zurück.) Hero kommt zurück, einen Krug auf dem Kopfe tragend, den zweiten am Henkel in der herabhängenden rechten Hand. Hero(ſingt). Sie aber ſtreichelt Den weichen Flaum— Stehen bleibend und ſprechend.) Mein Oheim meint, ich ſoll das Lied nicht ſingen Von Leda und dem Schwan. GWeiter gehend.) Was ſchadet's nur? (Wie ſie in die Mitte der Bühne gekommen, ſtürzt Leander plötzlich her⸗ vor, ſich geſenkten Hauptes vor ihren Füßen niederwerfend.) Ihr Götter, was iſt das? Bin ich erſchrocken! Die Kniee beben, kaum halt' ich den Krug. (Sie ſetzt die Krüge ab.) Ein Mann! Ein zweiterl Fremdlinge, was wollt ihr Von mir, der Prieſtrin, in der Göttin Hainꝰ Nicht unbewacht bin ich und unbeſchützt; Erheb' ich meine Stimme, nahen Wächter Und laſſen euch den Übermut bereun. So geht, weil es noch Zeit, und nehmt als Strafe Des Fehls Bewußtſein mit, und daß es euch mißlang. Uaußleros. O Jungfrau, nicht zu ſchäd'gen kamen wir, Vielmehr um Heilung tiefverborgnen Schadens, Der mir den Freund ergriff, ihn, den du ſiehſt. Der Mann iſt krank. Hero. Was ſagſt du mir's? Geht zu den Prieſtern in Apollens Tempel, Die heilen Kranke. Raukleros. Solche Krankheit nicht. Denn wie ſie ihn beſiel, beim Feſt, in eurem Tempel, Verläßt ſie ihn auch nur am ſelben Ort. Hero. Beim heut'gen Feſt? Des Meeres und der Liebe Welley Aaukleros. Beim Feſt. Aus deinen Augen. Hero. Meint ihr es alſo? und erkühnt euch des? Doch wußt' ich's ja: frech iſt der Menge Sinn Und ehrfurchtslos und ohne Scheu und Sitte. Ich geh', und dienſtbar nahe Männer ſend' ich Nach meinen Krügen dort, die, weilt ihr noch, Euch ſagen werden, daß ihr euch vergingt. Uaukleros. Nicht alſo geh! Betracht' ihn erſt, den Jüngling, Den du ſo ſchwer mit harten Worten ſchiltſt. Eeander(zu ihr emporblickend). O, bleib! Hero. Du biſt derſelbe, ſeh' ich wohl, Der heut' beim Feſt an Hymens Altar kniete. Doch ſchienſt du damals fittig mir und fromm; Mir tut es leid, daß ich dich anders finde. Ceander(der aufgeſtanden iſt, mit abhaltender Gebärde). O, anders nicht! O, bleib! Hero(zu Naukleros). Was will er denn? Kaukleros. Ich ſagt' es ja, er hängt an deinem Blick, Und Tod und Leben ſind ihm deine Worte. Hero. Du haſt dich ſchlimm beraten, guter Jüngling, Und nicht die richt'gen Pfade ging dein Herz; Denn deut' ich deine Meinung noch ſo mild, So ſcheint es, daß du mein mit Neigung denkſt: Ich aber bin der Göttin Prieſterin, Und, ehelos zu ſein, heißt mein Gelübd'. Auch nicht gefahrlos iſt's, um mich zu frein; Dem drohet Tod, der des ſich unterwunden. Drum laßt mir meinen Krug und geht nur fort; Mich ſollt' es reun, wenn Übles ihr erführt. (Sie greift nach den Krügen.) Leander. Nun denn, ſo ſenkt in Meergrund mich hinab! Hero. Du armer Mann, du dauerſt mich, wie ſehr! Aaukleros. Bei Mitleid nicht, o Prieſtrin, bleibe ſtehn! Sei hilfreich ihm, dem Jüngling, der dich liebt. Hero. Was kann ich tun? Du weißt ja alles nun. Haußleros. So gib ein Wort ihm mindſtens, das ihn heilt. Komm hier! Die Büſche halten ab des Spähers Auge. Ich ſetze dir in Schatten deinen Krug, FFePee HCeDSRDEO 600 — —⏑ HHD Des Meeres und der Liebe Wellen. Und ſo komm her und gönn' uns nur ein Wort. Willſt du nicht ſitzen hier? Hero. Es ziemt ſich nicht. Raußleros. Tu's aus Erbarmen mit des Jünglings Leiden! Hero(zu Leander). So ſetz' dich auch. Raukleros. Ja, hier. Und du zur Seite. ngling, Ceander ſitzt in der Mitte, den Leib an einen Baumſtamm zurückgelehnt, die Hände im Schoß, gerade vor ſich niederſehend. Hero und Naukleros zu beiden Seiten, etwas vorgerückt, ſo, daß ſie ſich wechſelſeitig im Auge haben.) Hero(zu Naukleros). Ich ſagt' es ſchon und wiederhol' es nun: Niemand, der lebt, begehr', um mich zu werben, Denn, gattenlos zu ſein, heißt mich mein Dienſt. Noch geſtern, wenn ihr kamt, da war ich frei; Doch heut' verſprach ich's, und ich halt' es auch.(Zu Leander.) Birg nicht das Aug' in deine Hand, o Jüngling! Nein, friſchen Mutes geh aus dieſem Hain; ick, Gönn' einem andern Weibe deinen Blick Und freu' dich deſſen, was uns hier verſagt. ig, Leander(aufſpringend). So möge denn die Erde mich verſchlingen, Sich mir verſchließen all, was ſchön und gut, Wenn je ein andres Weib und ihre Liebe—1 Hero(die auch aufgeſtanden iſt, zu Naukleros). Sag' ihm, er ſoll es nicht. Was nützt es ihm? Was nützt es mir? Wer mag ſich ſelber quälen? Er iſt ſo ſchön, ſo jugendlich, ſo gut, Ich gönn' ihm jede Freude, jedes Glück; Er kehre heim— Leander. Ich heim? Hier will ich wurzeln, inab! Mit dieſen Bäumen ſtehen Tag und Nacht Und immer ſchaun nach jenes Tempels Zinnen. yn! Hero. Des Ortes Wächter fangen, ſchäd'gen ihn; Sag' ihm's!(Zu Leander.) Und, guker Jüngling, kehrſt du heim, So laß des Lebens Müh' und buntes Treiben heilt. So viel verwiſchen dir, als allzu viel, e. Das andere bewahr'! So will ich auch. Und kehrt ums Jahr und jedes nächſte Jahr 32 Des Meeres und der Liebe Wellen. Zurück das heut'ge Feſt, ſo komm du wieder, Stell' dich im Tempel, daß ich dich mag ſehn; Mich ſoll es freun, wenn ich dich ruhig finde. Ceander(zu ihren Füßen ſtürzend). O himmliſch Weib! Hero. Nicht ſo! Das ziemt uns nicht. Und ſieh! Mein Oheim kommt. Er wird mich ſchelten, Und zwar mit Recht, warum gab ich euch nachd Uaukleros. Nimm deinen Krug und laß daraus mich trinken, Am beſten deutet ſo ſich unſer Tun. Eeander(ihn wegſtoßend). Nicht du! Ich, ich! Hero(ihm den Krug hinhaltend, aus dem er knieend trinkt). So trinkl und jeder Tropfen Sei Troſt, und all dies Naß bedeute Glück. Der Prieſter kommt. Prieſter. Was ſchaffſt du dort? Hero. Sieh nur! ein kranker Mann. Prieſter. Nicht deines Amtes iſt der Kranken Heilung. Sie mögen gehen in Apollens Tempel, Dort heilt der Prieſter Schar. Hero. So ſagt' ich auch. Prieſter. Allein vor allem, ob nun krank, geſund: Der Göttin Hain, der Prieſterwohnung Nähe Betritt kein Mann, kein Fremder ungeſtraft. Entlaſſ' ich euch, verdankt es meiner Huld; Ein zweites Mal verfielt ihr dem Geſetz. Haukleros. Doch ſah ich erſt nur viele dort verſammelt, Im Tempel und im Hain, ſo Mann als Frauen. Prieſter. Die Zeit des Feſts gibt ſolchem Einlaß Raum, Vom Morgen bis zum Mittag währt die Freiheit. Uaukleros. Nun denn, die Sonne ſteht noch nicht ſo hoch, Sie brennt und blitzt, doch lange nicht im Scheitel. Prieſter. Des ſei du froh und nütze dieſe Friſt; Denn wenn die Sonn' auf ihres Wandels Zinne Mit durſt'gen Zügen auf die Schatten trinkt, Dann tönen her vom Tempel krumme Hörner, Dem Feſte Schluß, dir kündigend Gefahr. DKeee 2 2222 2 22 νσο ο S? οο Aten, trinken, ing. melt, Raum, o hoch, Des Meeres und der Liebe Wellen. 33 Auch ſeid ihr aus Abydos, ſagt man mir, Und wenig wohlgeſinnt das Volk uns jener Stadt. Beim Fiſchzug und wo irgend ſonſt im Meer Erhebt es Streit mit Seſtos' frommen Bürgern. Auch das bedenkt und daß der oft Gekränkte Sich doppelt rächt, wenn lang er es verſchob. Raukleros. Ich aber denke: Mann, Herr, gegen Mann, So hielt ich's gegen Seſtos' frommes Volk. Auch ſtellen ſie uns nach auf dieſen Küſten, Wir zahlen's ihnen jenſeits, dort bei uns. Prieſter. Nicht ziemt es mir, dir Wort zu ſtehn und Rede. Was not tut, ward geſagt, von andrem ſchweig! Gu Hero.) Du aber nimm den Krug und komm! (Da die Jünglinge ihr helfen wollen.) Laß nur! Dort gehen Dienerinnen.(er winkt nach links in die Szene.) Und ſo folg'. Im Tempel harrt noch mancherlei zu tun. (Hero an der Hand führend nach der linken Seite ab.) Janthe, die indeſſen gekommen iſt. Janthe. Was habt ihr angerichtet, ſchöne Fremde? Ich ſah euch wohl von fern. Nun aber eiltl Wer hieß euch auch mit eurem raſchen Werben Der Prieſtrin nahn, die ſchon dem Dienſt geweiht? Wär' ich ein Mann, ich ſuchte gleich für gleich. (Mit den Krügen ab.) Uaußkleros(dem Prieſter nachſprechend). Selbſtſücht'ger, Eigenmächt'ger, Strenger, Herber! So ſchließeſt du die holde Schönheit ein, Entziehſt der Welt das Glück der warmen Strahlen Und ſchmückſt mit heil'gem Vorwand deine Tat? Seit wann ſind Götter neidiſch, mißgeſinnt? Daheim auch ehrt man Himmliſche bei uns; Doch heiter tritt Zeus' Prieſter unters Volk, Umgeben von der Seinen frohen Scharen, Und ſegnet andre, ein Geſegneter. Ihr aber habt's ererbt vom Morgen her, Den ſchnöden Dienſt mißgünſt'ger Indusknechte, 34 Des Meeres und der Liebe Wellen. Und hüllet euch in Greuel und in Nacht. Doch iſt's nun ſo. Drum komm, Unglücklicher! Leander. Unglücklich? Meinſt du mich? Uaukleros. Wen ſonſt? Nun, mindſtens Genügſam denn! Komm mit! Eeander. Hier bin ich. Raukleros. Wie? A Betrachteſt dir nicht einmal noch den Ort, de Von dem du nun auf immer—2 fü Ceander. Immer? 9 Uaukleros. Nicht? A So wollteſt du—? Wie meinſt du das? Sag' an! 3 Keander. Horch'! Tönt das Zeichen nichtꝰ Wir müſſen 95 fort! ei Uaukleros. Rückhält'ger, was verbirgſt du deinen Sinn? 1 Du willſt doch nicht an dieſen Ort zurück, Wo Kerker, Unheil, Tod—2 Ceander. Fürwahr! Das Zeichen. D Die Freunde kehren heim. Komm, laß uns mit! V Mein Leben ſei nur ärmlich, ſprachſt du ſelbſt. Wenn's nun ſo wenig, gäb' ich's nicht um viel? H Was noch geſchieht? Wer weiß es?— Und wer ſagt's? (Schnell ab.) Uaukleros. Leander! Höre doch!— Befaſſe ſich nur eins Mit derlei froſt'gen Jungen! Froſtig? Ei, Das Beiſpiel lehrt's. Doch will ich dich wohl hüten. Und kehrſt du mir zurück, eh' ich's gebilligt, Soll man— So warte doch!— Hörſt du? Leander! (Unter Händewinken und Gebärden des Zurückhaltens ihm folgend.) S OOGEOSS222 11 müſſen Sinnꝰ gt's? ir eins er! lgend.) Des Meeres und der Liebe Wellen. 30 Dritter Außug. Gemach im Innern von Heros Turm. Auf der rechten Seite des Hintergrundes, in einer weiten Brilſtung, das hoch angebrachte Bogenfenſter, zu dem einige breite Stufen empor⸗ führen. Daneben ein hohes Lampengeſtell. Gegen die linke Seite des Hintergrundes die ſchmale Tür des Haupteinganges. Eine zweite, durch einen Vorhang geſchloſſene Tür auf der rechten Seite des Mittelgrundes. Auf derſelben Seite, nach vorn, ein Tiſch, daneben ein Stuhl mit nie⸗ derer Rülcklehne. Nach dem Aufziehen des Vorhanges kommt ein Diener, hoch in der Hand eine Lampe tragend, die er auf den Kandelaber ſtellt und dann geht. Unmittelbar hinter ihm der Oberprieſter mit Hero. Sie hat den Mantel um die Schultern, wie zu Ende des erſten Aufzuges. Prieſter. Des Dienſtes heil'ge Pflichten ſind vollbracht, Der Abend ſinkt, ſo komm denn in dein Haus, Von heut' an dein, der Prieſtrin ſtille Wohnung. Hero(um ſich blickend). Hier alſo, hier! Prieſter. So iſt's. Und wie der Turm, In deſſen Innern ſich dein Wohnſitz wölbt, Am Ufer ſteht des Meers, getrennt, allein, Durch Gänge nur mit unſerm Haus verbunden— Auf feſten Mauern ſenkt er ſich hinab, Bis wo die See an ſeinen Füßen brandet, Indes ſein Haupt die Wolken Nachbar nennt, Weitſchauend über Meer und Luft und Land— So wirſt du fürder ſtehn, getrennt, vereint, Den Menſchen wie den Himmliſchen verbündet, Dein ſelber Herr und ſomit auch der andern, Ein doppellebend, auserkornes Weſen, Und glücklich ſein. Hero. Hier alſo, hier! Prieſter. Sie haben, Ich ſeh' es, die Geräte dir verſammelt, Mit denen man der Prieſter Wohnung ſchmückt. Hier Rollen, reich mit weiſem Wort beſchrieben, 3¹¹ 0 36 Des Meeres und der Liebe Wellen. Dort Brett und Griffel, haltend Selbſtgedachtes. Dies Saitenſpiel ſogar, ein altes Erbſtück Von deines Vaters Schweſter und der meinen: Einſt Prieſterin wie du an dieſem Ort. An Blumen fehlt es nicht. Hier liegt der Kranz, Den du getragen bei der heut'gen Weihe. Du findeſt alles, was den Sinn erhebt, Nicht Wünſche weckt und Wünſche doch befriedigt, Den Göttern dienend, ihnen ähnlich macht. (Auf die Seitentür zeigend.) Dies andere Gemach, es birgt dein Lager, Dasſelbe, das die Kommende empfing Am erſten Tag vor ſieben langen Jahren, Das wachſen dich gefehn und reifen, blühn Und weiſe werden, ſtill und fromm und gut, Dasſelbe, das um rotgeſchlafne Wangen Die Träume ſpielen ſah von einem Glück, Das nun verwirklicht.— Doch du träumſt auch jetzt. Hero. Ich höre, guter Ohm. Prieſter. Geſteh' ich dir's? Ich dachte dich erfreuter mir am Abend Des ſel'gen Tags, der unſer Wünſchen krönt. Was wir geſtrebt, gehofft, du haſt, du biſt es; Und ſtatt entzückt, find' ich dich ſtumm und kalt. Hero. Du weißt, mein Ohm, wir ſind nicht immer Herr Von Stimmungen, die kommen, wandeln, gehn, Sich ſelbſt erzeugend und von nichts gefolgt. Das Höchſte, Schönſte, wenn es nun erſcheint, Indem es anders kommt, als wir's gedacht, Erſchreckt beinah', wie alles Große ſchreckt. Doch gönne mir nur eine Nacht der Ruh', Des Sinnens, der Erholung, und, mein Ohm, Du wirſt mich finden, die du ſonſt gekannt. Der Ort iſt ſtill, die Lüfte atmen kaum; Hier ebben leichter der Gedanken Wogen, Der Störung Kreiſe fliehn dem Ufer zu, Und Sammlung wird mir werden, glaube mir. Prieſier. Saalmlung? Mein Kind, ſprach das der Zufall bloß? Wie⸗ Das Du Der Und Des Des Die Und Spr Dan Des Und Im Farb Doch Und Die Ihm Geſte Der Und Und He Erhe! Allei Gede Yr Beim So k Doch Bei Den Ins Er n Je he Doch Vo e Der Herr zufall Des Meeres und der Liebe Wellen. Wie, oder fühlteſt du des Wortes Inhalt, Das du geſprochen, Wonne meinem Ohr? Du haſt genannt den mächt'gen Weltenhebel, Der alles Große tauſendfach erhöht Und ſelbſt das Kleine näher rückt den Sternen. Des Helden Tat, des Sängers heilig Lied, Des Sehers Schaun, der Gottheit Spur und Walten, Die Sammlung hat's getan und hat's erkannt, Und die Zerſtreuung nur verkennt's und ſpottet. Spricht's ſo in dir? Dann, Kind, Glück auf! Dann wirſt du wandeln hier, ein ſelig Weſen, Des Staubes Wünſche weichen ſcheu zurück; Und wie der Mann, der abends blickt gen Himmel, Im Zwielicht noch, und nichts erſieht als Grau, Farbloſes Grau, nicht Nacht und nicht erleuchtet, Doch ſchauend unverwandt, blinkt dort ein Stern, Und dort ein zweiter, dritter, hundert, tauſend, Die Ahnung einer reichen, gotterhellten Nacht, Ihm nieder in die feuchten, ſel'gen Augen. Geſtalten bilden ſich, und Nebel ſchwinden, Der Hintergrund der Weſen tut ſich auf, Und Götterſtimmen, halb aus eigner Bruſt Und halb aus Höhn, die noch kein Blick ermaß— Hero. Du weißt, mein Ohm, nicht alſo kühnen Flugs Erhebt ſich mir der Geiſt; ſo viel nicht hoffel Allein, was not, und was mir auferlegt, Gedenk' ich wohl zu tun, des ſei gewiß. Prieſter. Wohlan, auch das. Iſt's gleich nicht gut und recht, Beim Anfang einer Bahn das Ziel ſo nah, So ärmlich nahe ſich das Ziel zu ſetzen; Doch ſei's für jetzt. Nur noch dies eine merk': Bei allem, was dir bringt die Flucht der Tage, Den erſten Anlaß meid'! Wer tatenkräftig Ins rege Leben ſtürzt, wo Menſch den Menſchen drängt, Er mag Gefahr mit blankem Schwerte ſuchen, Je härtrer Kampf, ſo rühmlicher der Sieg; Doch weſſen Streben auf das Innre führt, Wo Ganzheit nur des Wirkens Fülle fördert, Der halte fern vom Streite ſeinen Sinn, 38 Des Meeres und der Liebe Wellen. Denn ohne Wunde kehrt man nicht zurück, Die noch als Narbe mahnt in trüben Tagen. Der Strom, der Schiffe trägt und Wieſen wäſſert, Er mag durch Felſen ſich und Klippen drängen, Vermiſchen ſich mit ſeiner Ufer Grund, Er fördert, nützt, ob klar, ob trüb verbreitet; Allein der Quell, der Mond und Sterne ſpiegelt, Zu dem der Pilger naht mit durſt'gem Mund, Die Prieſterin, zu ſprengen am Altar, Der wahre rein die ewig lautern Wellen, Und nur bewegt, iſt ihm auch ſchon getrübt. Und ſo ſchlaf' wohl! Bedarfſt du irgend Rat, Such' ihn bei mir, bei deinem zweiten Vater; Doch ſtießeſt du des Freundes Rat zurück, Du fändeſt auch in mir den Mann, der willig Das eigne Blut aus dieſen Adern göſſe,(nit ausgeſtrecktem Arm) Wüßt' er nur einen Tropfen in der Miſchung, Der Unrecht birgt und Unerlaubtes hegt. (Er geht nach der Mitteltür.) Hero(nach einer Pauſe). Ich merke wohl, der Vorfall in dem Hain Mit jenen Fremden hat mir ihn verſtimmt. Und wahrlich, er hat recht. Geſteh' ich's nur! Wenn ich nicht Hero war, nicht Prieſterin, Den Himmliſchen zu frommem Dienſt geweiht, Der Jüngere, der Braungelockte, Kleinre, Vielleicht gefiel er mir.— Vielleicht?— Je nun! Ich weiß nunmehr, daß, was ſie Neigung nennen, Ein Wirkliches, ein zu Vermeidendes, Und meiden will ich's wohl.— Ihr guten Götter! Wie vieles lehrt ein Tag, und ach, wie wenig Gibt und vergißt ein Jahr.— Nun, er iſt fern, Im ganzen Leben ſeh' ich kaum ihn wieder, Und ſo iſt's abgetan.— Wohl gut! SSie nimmt den Mantel ab.)— Hier liege dul Mit wie verſchiednem Sinn Nahm morgens ich, leg' ich dich abends hin. Ein Leben hüllſt du ein in deine Falten! Bewahre, was du weißt, ich leg' es ab mit dir. Da⸗ Nie Kein Die Aue Ich Ich Unt In 2 — Des Meeres und der Liebe Wellen. Doch, was beginnen nun? Ich kann nicht ſchlafen. (Die Lampe ergreifend und in die Höhe haltend.) Beſeh' ich mir den Ort?— Wie weit!l— wie leer!— Genug werd' ich dich ſchaun manch langes Jahr; Gern ſpar' ich, was du beutſt, für künft'ge Neugier. Horch'!— Es war nichts.— Allein, allein, allein! (Sie hat die Lampe ſeitwärts aufs Fenſter geſtellt und ſteht dabei.) Wie ruhig iſt die Nacht! Der Hellespont Läßt, Kindern gleich, die frommen Wellen ſpielen. Sie flüſtern kaum, ſo ſtill ſind ſie vergnügt. Kein Laut, kein Schimmer rings; nur meine Lampe — Wirft bleiche Lichter durch die dunkle Luft. Laß mich dich rücken hier an dieſe Stäbe! Der ſpäte Wanderer erquicke ſich An dem Gedanken, daß noch jemand wacht, Und bis zu fernen Ufern jenſeits hin Arm) Sei du ein Stern und ſtrahle durch die Nacht. Doch würdeſt du bemerkt; drum komm nur ſchlafen, Du bleiche Freundin mit dem ſtillen Licht.(Sie trägt die Lampe.) Und wie ich löſche deinen ſanften Strahl, So möge löſchen auch, was hier noch flimmert, Und nie mehr zünd' es neu ein neuer Abend an. (Sie hat die Lampe auf den Tiſch geſetzt.) So ſpät noch wach?— Ei, Mutter, bitte, bitte!— Nein, Kinder ſchlafen früh!— Nun denn, es ſeil (Sie nimmt das Geſchmeide aus dem Haar und ſingt dabei mit halber Stimme.) Und Leda ſtreichelt Den weichen Flaum. Das ew'ge Lied! wie kommt's mir nur in Sinn? Nicht Götter ſteigen mehr zu wüſten Türmen, Kein Schwan, kein Adler bringt Verlaſſnen Troſt, Die Einſamkeit bleibt einſam und ſie ſelbſt.(Sie hat ſich geſetzt.) Auch eine Leier legten ſie hierher. Ich habe nie gelernt, darauf zu ſpielen; Ich wollte wohl, ich hätt's!— Gedanken, bunt Und wirr, durchkreuzen meinen Sinn, In Tönen löſten leichter ſie ſich auf. el ab.) 40 Des Meeres und der Liebe Wellen. Ja denn, du ſchöner Jüngling, ſtill und fromm, Ich denke dein in dieſer ſpäten Stunde Und mit ſo glatt verbreitetem Gefühl, Daß kein Vergehn ſich birgt in ſeine Falten. Ich will dir wohl, erfreut doch, daß du fern; Und reichte meine Stimme bis zu dir, Ich riefe grüßend: gute Nacht!l Leander, im Hintergrunde von außen am Fenſter erſchelnend. Ceander. Gut' Nacht! Hero. Ha, was iſt das? Biſt, Echo, du's, die ſpricht? Suchſt du mich heim in meiner Einſamkeit? Sei mir gegrüßt, o ſchöne Nymphel Keander. Nymphe, Sei mir gegrüßt! Hero. Das iſt kein Widerhall! Ein Haupt!— Zwei Arme!— Ha, ein Mann im Fenſter! Er hebt ſich, kommt!— Schon kniet er in der Brüſtung. Zurück! Du biſt verloren, wenn ich rufe. Leander. Nur einen Augenblick vergönne mir! Die Steine bröckeln unter meinen Füßen; Erlaubſt du nicht, ſo ſtürz' ich wohl hinab. Ein Weilchen nur, dann klimm' ich gern zurück. (Er läßt ſich ins Gemach herein.) Hero. Dort ſteh und reg' dich nicht!— Unſeliger, Was führte dich hierher? Feander(im Hintergrunde, nahe beim Eingange, ſtehen bleibend). Ich ſah dein Licht Mit hellem Glanze ſtrahlen durch die Nacht. Auch hier war's Nacht und ſehnte ſich nach Licht, Da klomm ich denn herauf. Hero. Wer dein Genoſſe? Wer hielt die Leiter dir? bot Arm und Hilfe? eander. Nicht Leiter führte mich, noch äußre Hilfe. Den Fuß ſetzt' ich in lockrer Steine Fugen, An Ginſt und Efeu hielt ſich meine Hand; So kam ich her. Hero. Und wenn du, gleitend, ſtürzteſt? Keander. So war mir wohl. Ein Zu Umzi Das ſter! ig. Meeres Des und der Liebe Wellen. Hero. Und wenn man dich erblickt? Keander. Man hat wohl nicht. Hero. Des heil'gen Ortes Hüter, Die Wache gehen ſie zu dieſer Zeit. Unſeliger! Ward dir denn nicht geboten, Bat ich nicht ſelbſt, du ſollteſt kehren heim? Leander. Ich war daheim, doch ließ mir's keine Ruh'; Da warf ich mich ins Meer und ſchwamm herüber. Hero. Wie? Von Abydos' weitentlegner Küſte? Zwei Ruderer ermüdeten der Fahrt. Ceander. Du ſiehſt, ich hab's vermocht. Und wenn ich ſtarb Der erſten Welle Raub erliegend, ſank, War's eine Spanne näher doch bei dir, Und alſo ſüßrer Tod. Hero. Dein Haar iſt naß, Und naß iſt dein Gewand. Du zitterſt auch. Leander. Doch zittr' ich nicht vor Froſt; mich ſchüttert Glut. Im Begriff, immer im Hintergrunde bleibend, ſich auf ein Knie nieder zu laſſen.) Hero. Laß das und bleib! Ruh' dich ein Weilchen aus, Denn bald, und du mußt fort. So war's mein Licht, Die Lampe, die dir Richtung gab und Ziel? Du mahnſt mich recht, ſie künftig zu verbergen. Ceander. O, tu' es nicht! O, Herrin, tu' es nicht! Ich will ja nicht mehr kommen, wenn du zürnſt, Doch dieſer Lampe Schein verſag' mir nichtl . Als dieſe Nacht ich ſchlaflos ſtieg vom Lager Und, öffnend meiner Hütte niedre Tür, Aus jenem Dunkel trat in neues Dunkel, Da lag das Meer vor mir mit ſeinen Küſten, Ein ſchwarzer Teppich, ungeteilt, zu ſchaun, Wie eingehüllt in Trauer und in Gram. Schon gab ich mich dem wilden Zuge hin; Da, am Geſichtskreis, flackert hell empor Ein kleiner Stern, wie eine letzte Hoffnung. Zu goldnen Fäden tauſendfach geſponnen, Umzog der Schein, ein Netz, die trübe Welt. Das war dein Licht, war dieſes Turmes Lampe. 42 Des Meeres und der Liebe Wellen. In mächt'gen Schlägen ſchwoll empor mein Herz, Nicht halten wollt' es mehr in ſeinen Banden; Ans Ufer eilt' ich, ſtürzte mich ins Meer, Als Leitſtern jenen Schimmer ſtets im Auge. So kam ich her, erreichte dieſe Küſte. Ich will nicht wieder kommen, wenn du zürnſt, Doch raube nicht den Stern mir meiner Hoffnung, Verhülle nicht den Troſt mir dieſes Lichts. Hero. Du guter Jüngling, halt' mich nicht für hart, Weil ich nur ſchwach erwidre deine Meinung; Doch kann's nicht ſein, ich ſagt' es dir ja ſchon, Ich bin verlobt zu einem ſtrengen Dienſt, Und liebeleer heiſcht man die Prieſterin. Ehgeſtern, wenn du kamſt, war ich noch frei; Nun iſt's zu ſpät. Drum geh und kehr' nicht wieder. Leander. Man nennt ja mild die Sitten deines Volks, Sind ſie ſo ſtreng und drohen ſie ſo viel? Hero. Die Meder und die Baktrer fern im Oſten, Sie töten jene, die, der Sonne Prieſterin, Das Aug' auf den geliebten Jüngling warf; Mein Volk, nicht alſo mordbegier'gen Sinns, Es ſchonet zwar das Leben der Verirrten, Allein ſtößt aus ſie und verachtet ſie, Zugleich ihr ganzes Haus und all die Ihren. Das kann nicht ſein mit Hero, fühlſt du wohl, Drum alſo geh und trage, was du mußt. Ceander. So ſoll ich fort? Hero. Du ſollſt; doch nicht denſelben Pfad, Der dich hierber geführt, er ſcheint gefährlich. Durch jene Pforte geh und folg' dem Gang, Der dich ins Freie führt. (Mit erregter Aufmerkſamkeit einen Augenblick inne haltend.) Doch hab' mir acht, Denn— Horch! Bei aller Götter Namen! Ich höre Tritte hierwärts durch den Gang. Man kommt! Sie nahn! Unſel'ge Stunde! Weh'! Leander. Iſt hier kein Ort, der ſchützend mich verbirgt? Ha, dort hinein!(Auf vie Seitentüre zugehend.) Hero. Beträtſt du mein Gemach? Des Meeres und der Liebe Wellen. 43 Hier bleib! Haſt du's gewagt, laß ſie dich finden, ſtirb! Ich ſelber will hinein. Leander. Sie nahen. Hero(nach der Seitentür hin zeigend). Hier! Geh nur hinein! Und nimm die Lampe mit! Laß es hier dunkel ſein! Hörſt du? Nur ſchnelll Allein, nicht vorwärts dring, bleib nah der Tür! Schnell, ſag' ich, ſchnell! Ceander. Du aber—? Hero. Still und fort! (Leander hat die Lampe ergriffen und geht durch die Seitentüre ab. Das Gemach iſt dunkel.) Nun! Götter, waltet ihr in eurer Milde! (Sie ſenkt ſich in den Stuhl, mit halbem Leibe ſitzend, ſo, daß das linke herabgeſenkte Knie beinahe den Boden berührt, die Augen mit der Hand verhüllt, die Stirne gegen den Tiſch gelehnt.) Des Tempelwächters Stimme von außen. wächter. Iſt hier noch jemand wach? Janthe ebenſo. Janthe. Du ſiehſt ja, alles dunkel. (Die Türe wird halb geöffnet.) wächter. Doch ſah ich Licht. Janthe. Das ſchien dir wohl nur ſo. Auch wohnt die Prieſtrin hier, du weißt es ſelbſt. Wächter. Doch, was ich ſah, laſſ' ich mir nicht beſtreiten. (Die Türe ſchließt ſich.) Und kommt der Tag, ſoll es ſich weiſen, ob— (Die Worte verhallen, die Tritte entfernen ſich.) Hero. O Scham und Schmach! Leander, aus der Seitentür tretend. Feander. So ſind ſie fort?— Wo weilſt du? Biſt, Jungfrau, du noch hier?(er berührt ſuchend ihre Schulter.) Hero(emporfahrend). Wo iſt das Licht? Die Lampe, wo? Bring erſt die Lampe, ſag' ich! (Leander geht zurück.) O, alles Unheil auf mein ſchuldig Haupt! Peander(der mit der Lampe zurückkommt). Hier iſt dein Licht.(Er ſetzt es hin.) Und dank' mit mir den Göttern!— 44 Des Meeres und der Liebe Wellen. Hero(raſch aufſtehend). Dank, ſagſt du? Dank? Wofür? Daß du noch lebſt? Das all dein Glück? Entſetzlicher! Verruchter! Was kamſt du ber? nichts denkend, als dich ſelbſt, Und ſtörſt den Frieden meiner ſtillen Tage, Vergifteſt mir den Einklang dieſer Bruſt? O, hätte doch verſchlungen dich das Meer, Als du den Leib in ſeine Wogen ſenkteſt! Wär', abgelöſt, entglitten dir der Stein, An dem du dich, den Turm erklimmend, hieltſt, Und du— entſetzlich Bild!— Leander, o—! Erander. Was iſt? Was ſchiltſt du nicht? Hero. Leander, hörſt du? Kehr' nicht den Weg zurück, auf dem du kamſt, Gefahrvoll iſt der Pfad.— Entſetzlich, greulich! Was iſt es, das den Menſchen ſo umnachtet Und ihn entfremdet ſich, dem eignen Selbſt, Und fremdem dienſtbar macht?— Als ſie nun kamen, Drei Schritte fern, und nun mich fanden, ſahn— Ich zitterte— doch nicht um mich!— Verkehrtheit!l Ich zitterte für ihn! Leander. Und darf ich's glauben? Hero. Laß das! Berühr' mich nicht!— Das iſt nicht gut, Was ſo verkehrt die innerſte Natur, Auslöſcht das Licht, das uns die Götter gaben, Daß es uns leite, wie der Stern des Pols Den Schiffer führt. Leander. Das nennſt du ſchlimm? Und alle Menſchen preiſen's hochbeglückt,(er kniet vor ihr) Und Liebe nennen ſie's. Hero. Du armer Jüngling! So kam denn bis zu dir das bunte Wort, Und du, du ſprichſt es nach und nennſt dich glücklich? Sein Haupt berührend.) Und mußt doch ſchwimmen durch das wilde Meer, Wo jede Spanne Tod; und kommſt du an, Erwarten Späher dich und wilde Mörder— (Mit einem Blick nach rückwärts, zufammenfahrend.) es Meeres und der Liebe Wellen. Eeander(der aufſpringt). Was iſt?ꝰ Hero. O, jeder Laut dünkt mich ein Häſchertritt! Die Kniee zittern. Ceander. Hero, Hero, Hero! Hero. Laß das! Berühr' mich nicht! Du mußt nun fort. Ich ſelber leite dich den ſichern Pfad; Denn wenn ſie kämen, dich hier fänden, fingen— Sich an der Lehne des Stuhles feſthaltend.) Leander(nach einer kleinen Pauſe). Und darf ich, Jungfrau, wiederkommen? Hero. Dul? Leander. So meinſt du: nie?— in aller Zukunft nied Kennſt du das Wort und ſeinen grauſen Umfangs? Dann auch: du warſt um mich beſorgt. Weißt du? Ich muß zurück durchs brandend wilde Meer; Wirſt du nicht glauben, daß ich ſank und ſtarb, Bleibt kundlos dir mein Weg? Hero. Send' einen Boten mir. Ceander. Ich habe keinen Boten, als mich ſelbſt. Hero. Nun denn, du holder Bote, komm denn, komm! Allein nicht hier, an dieſen Todesort. Am Ufer Streckt eine Zunge ſandig ſich ins Meer: gut, Dort komm nur hin, verbirg dich in den Büſchen; Vorübergehend hör' ich, was du ſprichſt. Leander. Die Lampe aber hier, laß ſie mir leuchten, Die Wege ſie mir zeigen meines Glücks. Wann aber komm' ich wieder? Jungfrau, ſprich! Hero. Am Tag des nächſten Feſts. LCeander. Du ſcherzeſt wohl! Sag', wann? Hero. Wenn neu der Mond ſich füllt. Leander. Bis dahin ſchleichen zehen lange Tage! Trägſt du die Ungewißheit bis dahin? Ich nichtl Ich werde fürchten, daß man uns bemerkt, Du wirſt mich tot in deinem Sinne ſchaun, Und zwar mit Recht! Denn raubt mich nicht das Meer, So tötet Sorge mich, die Angſt, der Schmerz. Sag': übermorgen; ſag': nach dreien Tagen, 46 Des Meeres und der Liebe Wellen. Die nächſte Woche ſag'. Hero. Komm morgen denn. Eeander. O Seligkeit! O Glückl Hero. Und kehrſt du heim, Leander, Das Meer durchſchwimmend, nächtig, wie du kamſt, So wahre dieſes Haupt und dieſen Mund Und dieſe meine Augen. Hörſt du wohl? Verſprich es mir!(Da er ſie umfaſſen will, zurücktretend.) Nein, nein!— Nun aber folgel Ich leite dich. Sie geht nach dem Tiſche, die Lampe zu holen.) Leander(ihr mit den Augen folgend). O herrlich, himmliſch Weib! Hero. Was kommſt du nichtꝰ Keander. Und ſoll ich alſo darbend Verlaſſen dieſen ſel'gen Götterort? Kein Zeichen deiner Huld, kein armes Pfand Fort mit mir tragen, meiner Sehnſucht Labung? Hero. Wie meinſt du das? Leander. Nicht mindeſtens die Hand?— Und dann— ſie legen Lipp' an Lippe— Ich ſah es wohl— und flüſtern ſo ſich zu, Was zu geheim für die geſchwätz'ge Luft. Mein Mund ſei Mund, der deine ſei dein Ohrl Leih mir dein Ohr für meine ſtumme Sprachel Hero. Das ſoll nicht ſein. Leander. Muß ich ſo viel, du nichts? Ich in Gefahr und Tod, du immer weigernd? (Kindiſch trotzend.) Ich werde ſinken, kehr' ich trauernd heim. Hero. Du, frevle nicht! Frander. Und du, gewähr'! Hero. Wenn du dann gehſt. Keander(auf ein Knie niederſinkend). Gewiß! Hero. Und mir nicht ſtreiteſt, Daß ich zu leicht die Wange dir berührt; Nein, dankbar biſt vielmehr und fromm dich fügſt. Ceander. Du zögerſt noch? Hero. Die Arme falte rückwärts, Wie ein Gefangener, der Liebe, mein Gefangner. Pec Her Pee Her So f Soen Pece Hero! Her Lec Verw Es ſi Leis Im Hi Turm, ſchmale Ufer ei laufen nend. Nach d Ten Her⸗ War's Ihn Ein 6 Des Meeres und der Liebe Wellen. Ceander. Sieh, es geſchah.* Hero(das Licht auf den Boden ſtellend). Die Lampe ſoll's nicht ſehn. Ceander. Du kommſt ja nicht. Hero. Biſt du ſo ungeduldig? So ſoll auch nie— und doch, wenn's dich beglückt— So nimm und gib! Sie kußt ihn raſch.) Nun aber mußt du fort! Lcander(aufſpringend). Hero! Hero. Nein, Nein! Gur Tülr hinauseilend.) Ceander. Wenn ich dir flehe, Hero! Verwünſcht! neidiſches Glückl(An der Tür horchend.) Doch hör' ich Tritte, Es ſind die ihren, nähern ſich der Tür, Leis auf den Zehn— So kommt ſie wieder?— Götter! 47 Vierter Außug. Offener Platz. Im Hintergrunde das Meer. Rilckwärts, auf der linken Seite, Heros Turm, mit einem halb gegen das Meer gerichteten Fenſter und einem ſchmalen Eingange, zu dem einige Stufen emporführen. Daneben am Ufer einige hochgewachſene Sträucher. Nach vorn, auf derſelben Seite, laufen Schwibbogen und Säulen, die Nähe von Wohnungen bezeich⸗ nend. Die rechte Seite frei mit Bäumen. Quer in die Bühne hinein⸗ ſtehend eine ſteinerne Ruhebank. Nach dem Aufziehen des Vorhanges hört man hinter der Szene die Stimme des Tempelhüters. Tempelhüter. Hierher, hierher, ihr Diener dieſes Hauſes! Dann tritt Hero ganz vorne rechts auf. Hero. Er iſt hinüber! Allen Göttern Dank! War's doch, als hätte ſich das All verſchworen, Ihn hier zu halten bis zum lichten Tag! Ein Gehen war und Kommen ohne Ruh', 48 Des Meeres und der Liebe Wellen. Und eer ſtand da, im Winkel ſtill geduckt; Da endlich kam der günſt ge Augenblick.— Nun, er iſt fort, und ich in wieder ruhig. Auf derſelben Seite, mehr nach rückwärts, kommt der Tempelhüter, ein Horn am Bande um den Leib und einen Spieß auf der linken Schul⸗ ter, ihr bei jeder Bewegung folgend. Cempelhüter. Du ſahſt ihn wohl. Hero. Wen doch? Tempelhüter. Den fremden Mann. Er ſprang nur jetzt ins Meer. Hero. Nur jetzt? So raſchꝰ Cempelhüter. Drei Schritte kaum von dir. Hero. Und ſah ihn nicht? Sie geht auf den Turm zu.) Cempelhüter. Wohl ſahſt du ihn und mußteſt wohl ihn ſehn. Hero(weitergehend). Muß ich? Bin ich denn Wächter ſo wie du? Tempelhüter. Nicht Wächter.— Zwar, wenn Wächter iſt, wer wacht— Du wachteſt ziemlich lang bei deiner Lampe. Hero. Ei, daß du alles ſiehſt! Cempelhüter. Wohl ſeh' ich, wohl! Der Prieſter kommt von der linken Seite. Prieſter. Find' ich hier Streitꝰ Hero(auf den Stufen des Turmes), Der Mann da iſt nicht klug. Eempelhüter. Wollt' ich nur reden, eil Hero. Er ſpricht und ſpricht. Ich geh'. Prieſter. Wohin? Hero. In Turm. Prieſter. Was dort? Hero. Zu ſchlafen.(Ab in den Turm.) Cempelhüter. Zu ſchlafen, ja; nachdem ſie lang gewacht. Prieſter. Was war denn hier? Tempelhüter(Heron nachſprechend). Und nennſt du mich nichtklug, Weil ich ein Diener nur, ihr hohen Stamms? Meinſt du, die Klugheit erbe eben fort Bom Vater auf den Sohn, wie Geld und Gutꝰ Pr Ce Pri Te Die Pr Doch Dure Den Mit Drur Te Sie Das Ir Ce Und Ein Die Im Wie Die Und Das Die Ein Und Und Woh Nun r, ein Schul⸗ ſehn. er iſt, t klug. wacht. cht klug, des Meeres und der Liebe Wellen. 49 Ei, klug genug und ſchlau genug und wachſam. (Er ſtößt den Spieß in den Boden.) Prieſter. Soll ich erfahren denn—? Tempelhüter(noch immer Heron nachſprechend). Ei ja, ja dochl Prieſter(zum Gehen gewendet). Du leiſteſt, merk' ich, ſelber dir Geſellſchaftl Ich gönne ſie und überlaſſ' dich ihr. Tempelhüter. Herr! Eben ſprang ein Mann vom Ufer in die Flut. Prieſter. Das alſo war's? Tempelhüter. Und Hero ſtand nicht fern. Prieſter. Er ſprang wohl auch, ſtand ich in ſeiner Nähe. Tempelhüter. Und dort in jenem Turme brannte Licht Die ganze Nacht. Prieſter. Das ſollte freilich nicht. Doch Hero weiß wohl kaum, daß wir vermeiden, Durch Licht und Flamme Bösgeſinnten, Feinden Den Weg zu zeigen ſelber durch die Klippen, Mit denen ſich die Küſte gürtend ſchützt. Drum warne ſie. Tempelhüter. Ei, daß ſie meiner ſpottet? Sie wußt' es wohl, und dennoch brannte Licht. Das macht: ſie wachte, Herr! Prieſter. Soꝰ Tempelhüter. Bis zum Morgen. Und oben war's ſo laut, und doch ſo heimlich, Ein Flüſtern und ein Rauſchen hier und dort. Die ganze Gegend ſchien erwacht, bewegt: Im dichtſten Laub ein ſonderbares Regen, Wie Windeswehn, und wehte doch kein Wind; Die Luft gab Schall, der Boden tönte wieder, Und was getönt und wiederklang, war nichts. Das Meer ſtieg rauſchend höher an die Ufer, Die Sterne blinkten, wie mit Augen winkend, Ein halb enthüllt Geheimnis ſchien die Nacht. Und dieſer Turm war all des dumpfen Treibens Und leiſen Regens Mittelpunkt und Ziel. Wohl zwanzigmal eilt' ich an ſeinen Fuß, Nun meinend, jetzt das Rätſel zu enthüllen, 4 50 Des Meeres und der Liebe Wellen. Und ſah hinan, nichts ſchaut' ich als das Licht, Das fort und fort aus Heros Fenſter ſchien. Ein einzig Mal lief wie ein Mannesſchatten Vom Meeresufer nach dem Turme zu. Ich folg', und angelangt, war wieder nichts, Nur Rauſchen rings und Regen, wie zuvor. Prieſter. Scheint's doch, des ganzen Wunders voller Inhalt, Mit Urſach' und mit Wirkung, lag in dir. Tempelhüter. Ei, Herr! und warum brannte denn das Licht Die ganze Nacht bis kurz, wie ich berichtet? Als mich der Spuk zum Raſen halb gebracht, Trat ich ins Innre des Gebäudes, jenſeits, Wo an den Turm der Diener Wohnung ſchließt: Da fällt Janthe mir zuerſt ins Auge, Gekleidet und geſchmückt, als wär's am Tag. Prieſter. Des Rätſels Löſung bietet ſich von ſelbſt. Frag' du das Mädchen. Ruf' ſie her. Du kennſt ſie Und weißt, wie oft ſie Störung ſchon gebracht. Tempelhüter. So dacht' ich auch und ſchalt ſie tüchtig aus; Allein das Licht, an jenem, jenem Fenſter! Und dann: als kurz ich vor im Haine ging, Springt, hup! ein Mann ins brauſend ſchäum'ge Meer, Und in demſelben Augenblick tritt Hero, Drei Schritte kaum entfernt, aus dem Gebüſch. Prieſter. Wenn du vermuten willſt, ſuch' andern Stützpunkt; Nur was dir ähnlich, treffe dein Verdacht! Tempelhüter. Nur was mir ähnlich? Ei, ich ſeh' es kommen! Dem Diener ſei nicht Urteil noch Verſtand. Prieſter. Ruf' mir Witeb Cempelhüter. Aber, Herr, das Licht!— Prieſter. Janthen, ſag' ich dir! Cempelhüter. Und jener Mann, Der ſprang ins Meer und gen Abydos ſchwamm? Prieſter. Wie ſagſt du?— gen Abydos? Tempelhüter. Wohl. Prieſter. Abydos! Ruf' mir Janthen. Tempelhüter. Wohl! 8 N SCDSSSOeSSS29287283 — 29 8. 9 ν Inhalt, i's Licht g aus; eer, zpunkt; ſeh' es und der Liebe Wellen. Prieſter. Und Heron ſage—! (Eine Rolle aus dem Buſen ziehend.) Gib ihr dies Schreiben, das von ihren Eltern Nur eben kam und das— Vielmehr, laß nur— Sag' ihr, daß ich die Dienerin beſchied. (Der Tempelhüter ab in den Turm.) Abydos! Was iſt's, daß dieſer Name mich durchfährt? War aus Abydos nicht das Fremdenpaar, Das jüngſt im Hain—? Wahnſinn, es nur zu denken! Und doch! Iſt nicht das Jünglingsalter kühn Und bleibt nicht gern auf halbem Wege ſtehn, Vor allem, wo Verbotnes lockt? Wenn ſie Verſucht, das Abenteuer zu beſtehn, Das mein Dazwiſchentritt geſtört?— und Hero, Unwiſſend trüge ſie des Wiſſens Schuld. Nebſtdem, daß ſie noch jung und neu im Leben, Noch unbelehrt, zu meiden die Gefahr, Ja, zu erkennen ſie.— Genug, genug! In meinem Innern reget ſich ein Gott Und warnt mich, zu verhüten, eh's zu ſpät. (Der Tempelhüter iſt zurückgekommen.) Nun d Tempelhüter. Hero hält Janthen noch bei ſich. Die Prieſtrin ruht, gelehnt auf weichen Pfühl, Das Mädchen kniet vor ihr und ſpricht und tändelt. Man läßt dich bitten, Herr— Prieſter. Sie zögern? Wie? Heiß du Janthen augenblicks mir nahn! Tempelhüter(ſich nach rückwärts bewegend). Nur aber— Prieſter. Und wenn ſtill auch ſonſt und klug, Der Wahnſinn, der das kluge Weib befällt, Tobt heft'ger als der Torheit wildſtes Raſen. Janthe kommt. Tempelhüter. Ei, komm nur immer, komm nur, du Ge⸗ ſchmückte! Hier fragt man dich, warum ſo ſpät du wachſt? es und der Liebe Wellen. Prieſter. Von allem, was ſich Schlimmes je begab In dieſem Haus, fand ich dich immer wiſſend, Belehrt durch Mitſchnd, oder Neugier mindſtens. Nun meldet man, daß ſich in dieſer Nacht Verdächtig Treiben 115 am Turm geregt; Auch fand dich dieſer Mann, da alles ſchlief, Noch wachend und gekleidet in den Gängen. Drum ſteh ihm Red' und ſage, was du weißt. Er entfernt ſich.) Janthe. Bei allen Göttern, Herr—! Prieſter, Gurückſprechend). Laß du die Götter Und ſorg' erſt, wie den Menſchen du genügſt Zanthe. Nichts weiß ich ja! Ich hörte nur Bewegung, Ein Kommen und ein Gehn. Die Nacht war ſchwül, Da lauſcht' ich vor der Tür und ging dann ſchlafen. Tempelhüter. So nennſt du: vor der Tür, zwei Treppen hoch? Ich fand dich in dem Gang vor Heros Kammer. Janthe. Ich war ſo bang, allein; da wollt' ich Hero fragen, Ob ſie gehört, und ob ihr bang wie mir. Prieſter(ſich wiever nähernd). Ich aber ſage dir: du ſollſt geſtehn; Denn daß du weißt, zeigt mir dein ängſtlich Zagen. Hero kommt. Hero. Was iſt denn nur? Warum berief man uns? Prieſter. Hier iſt Janthe, die du kennſt gleich mir. Sie wird beſchuldigt, daß bei nächt'gem Dunkel— Hero. Man tut ihr wohl zu viel. Prieſter. So weißt du—“ Hero. Herr! Ich weiß nur, daß der Menſch gar gern beſchuldigt, Und vollends dieſer Mann iſt wirren Sinns. Prieſter. Doch iſt's gewiß: ein Fremder war am Turm. Hero(nach einer Pauſe). Nun, Herr, vielleicht der Überird'ſchen einer! Du ſprachſi ja ſelbſt: in altergrauer Zeit 10 oft ein Gott zu ſel'gen Menſchen nieder. Zu Leda kam, zum fürſtlichen Admet, Zur ſtrengverwahrten Dange ein Gott; 9 2 2 780 * „ ochꝰ gen, Tm. der Liebe Wellen. 53 Des Meeres und Warum nicht heut'? zu ihr? zu uns? Zu wem du willſt? (Sie geht auf die Ruhebank zu.) Prieſter. Sprach das der Spott? und dünkt das Heil'ge dir—2 u Janthen.) Nun, Törin oder Schuldige, geſteh! Janthe. Frag' doch nur Hero ſelbſt. Sie wohnt im Turm; War dort Geräuſch, vernahm ſie es wohl auch. Prieſter(ſich Heron nähernd). Hörſt du? Hero(die ſich geſetzt hat, halb ſingend, den Kopf in die Hand geſtützt). Sie war ſo ſchön, Ein Königskind.(Sprechend.) Nun, lichter Schwan, flogſt du zu lichten Sternen? Prieſter. Hero! Hero(emporfahrend). Was iſt? Wer faßt mich an? Was willſt du? Prieſter. Haſt du vergeſſen ſchon? Hero. Nicht doch! Ich weiß, Wes man beſchuldigt jene, ohne Grund. Sei du nicht bang, Janthe, frohen Muts! Wenn alle dich verließen, alle ſie, In meiner Bruſt lebt dir ein warmer Anwalt. (Sie wiederholt küſſend.) Wenn ſie dich quälen, Gute, komm zu mir; Nun aber geh; ſie ſpotten dein und meiner. Prieſter. Bleib noch! (Janthe zieht ſich zurück.) Gu Hero.) Du liebteſt nie das Mädchen ſonſt; Woher der Anteil nun? Hero(die aufgeſtanden iſt). Was fragſt du mich? Sie iſt gekränkt; braucht's da noch andern Grund? Prieſter. Doch wem galt jene nächtlich dunkle Störung? Hero. Warum denn ihr? Prieſter. Wem ſonſt? Hero. Die Lüfte wiſſen's; Doch ſie verſchweigen's auch. Prieſter. Nun denn, zu dir! Man ſah 54 Des Meeres und der Liebe Wellen. In deinem Turme Licht die ganze Nacht. Tu' das nicht mehr. Hero. Wir haben Ol genug. Prieſter. Doch ſieht's das Volk und deutet's, wie es mag. Hero. Mag's denn. Prieſter. Nuch riet ich dir, den Schein zu meiden, Den Schein ſogar!— viel mehr noch wahren Anlaß. Hero. Wir meiden ihn, doch meidet er auch uns? Prieſter. Sprichſt aus Erfahrung du? Hero. Was iſt die Zeit? Wie lang iſt noch bis Abend? Prieſter. Und warum? Hero. Geſteh' ich's! Ich bin müd. Prieſter. Weil du gewacht? Hero. So iſt's. Der Wind kommt uns von Oſten, denk' ich, Und ruhig iſt die See. Nun, gute Nacht! Prieſter. Am hohen Tage? Hero, Hero, Herol Hero. Was willſt du, Ohm? Prieſter. Hab' Mitleid mit dir ſelbſt! Hero. Ich ſehe wohl, um mich geht manches vor, Das mich betrifft, und nah vielleicht und nächſt, Doch faſſ' ich's nicht, und düſter iſt mein Sinn. Ich will darüber denken. Prieſter. Halt vorerſt! Du kannſt noch nicht zurück in deine Wohnung;— Erſt harrt noch ein und anderes Geſchäft. Hero. Geſchäft? Prieſter(ſtreng). Geſchäft!(Gemilbert.) Des neuen Amtes Bürde. Im Tempel iſt und dann— vergaß ich's denn?— Von deinen Eltern kam ein Brief— Vielmehr: — Man meldet mir— ein Bote deiner Eltern, Von ihnen, ſcheidend, noch zu uns geſendet, Sei angelangt am öſtlich äußern Tor, Das abſchließt unſern heiligen Bezirk;— Allein die Fiſcher, die am Meere wohnen, Mißtrauiſch jedem Fremden und vielleicht Der Störungen ſchon kundig dieſer Nacht, Sie wehren ihm den Eintritt bis zu uns. ich, Meeres und der Liebe Wellen. Ich gönne dir die Freude, geh du hin Und ſprich den Mann und höre, was er bringt. Hero. So muß ich ſelbſt—? Prieſter. Treibt dich Verlangen nicht? Botſchaft von deinen Eltern— dann— Hero. Ich gehe. Prieſter. Du findeſt wohl den Mann bei jenen Hütten, Doch wär' es nicht, und hätt' er ſich entfernt, So wirſt du mir ſchon weiter wandeln müſſen, Bis du— Hero. Es ſoll geſchehn. Prieſter. Tritt nur indes Bei unſers Hauſes wackerm Schaffer ein, Von dort aus ſende Diener, die ihn ſuchen. Und, einmal da: laß dir den Vorrat zeigen, Den man dort ſammelt für der Göttin Dienſt. Das letzte Feſt ließ unſre Tempel nackt. Es fehlt an Weihrauch, Opfergerſte, Linnen, Kannſt du davon mir bringen, dank' ich dir's. Hero. Dann aber kehr' ich heim. Prieſter. Gewiß, wenn du Der Pilgerruh' erſt einen Blick gegönnt, Die dort ganz nah auf ſchlanken Säulen ſteht. Vielleicht birgt unſer Mann ſich dort zumeiſt. Auch haben Waller ſich, ſo heißt's, verſammelt, Die ferneher zu unſerm Tempel ziehn. Tritt unter ſie und ſprich ein nützlich Wort, Den Opfern, die ſie bringen, wohne bei; Und haſt du ſo dein heilig Amt vollbracht— Es wäre denn, der Rückweg gönnte Zeit— Hero. Genug, o Herrl beinah' ſagt' ich: zu viel Einſchmeichelnd.) Geſteh' ich dir's, ich bliebe lieber hier. Prieſter(ruhig). Doch muß es ſein. Hero. Muß es? Nun ſo geſcheh's. Prieſter. Nimm dir die neue Freundin mit, Janthen, Die dir ſo ſehr gefällt, das kürzt den Weg. Hero. Haſt du doch recht, und alſo will ich tun. Des Meeres und der Liebe Wellen. 56 Janthe, komm und leite mich den Pfad! Bis Dein froh Geſpräch laß uns den Weg verkürzen, Gel Und werd' ich müd', ſo leih' mir deinen Arm.(Der For Du aber, ſtille Wohnung, lebe wohl! Al 7 3 1 f Der Eh' noch der Abend graut, ſeh' ich dich wieder. Wo biſt du?— Ah!— Sei heute Hero du Und denke, ſprich für mich. Ein andermal Bin ich Janthe gern— und ſei nicht grämlich, hörſt du? Rech (Janthens Nacken umſchlingend, ab.) Prieſter. Zähm' ich den Grimm in meiner tiefſten Bruſt? Nau Kein Zweifel mehr, die Zeichen treffen ein. Ein Mann dem Tempel nah, und Hero weiß es. 1 Und einer war's von jenen Jünglingen, Leander und Naukleros hießen ſie, Die, aus Abydos, ich im Haine traf; Ich Ob aber ſchon ſeit lang mit Heuchlerkunſt Und Sie mir's verbirgt, ob nun erſt heute, jetzt erſt— Sich Naukleros und Leander. Welcher war's? (Die flachen Hände vor ſich hingeſtreckt.) VN In gleichen Schalen wäg' ich euer Los. Hat Die Namen beide ähnlichen Gehalts, Verge Die Zahl der Laute gleich in ein und anderm, Und Desſelben Anſpruchs jeder auf das Glück: Lang Indes der eine doch ein Lebender, Beſeelter, Mace Sein Freund ein Toter iſt, ſchon jetzo tot; Denn, weil ſie fern, leg' ich die Schlingen aus, M Die ihn verderben, kehrt der Kühne wieder. Unſeliger! Was ſtreckteſt du die Hand Nach meinem Kind, nach meiner Götter Eigen? Le (Nach rückwärts gewendet.)— Na Ha, Alter, du noch hier? Laß uns hinauf! Le Erforſchen jedes Zeichen, das der Tat, Erſch Der noch verhüllten, dunkeln Fußtritt zeigt.(Er tr Kommt dann die Nacht und ſiehſt du wieder Licht— 1 a Und doch, wer weiß, ob wir uns nicht getäuſcht? Geni Iſt Zutraun blind, ſieht Argwohn leicht zuviel. Und Zum mindeſten befehl' ich dir, zu zweifeln, Verli duꝰ ruſtꝰ Des Meeres und der Liebe Wellen. * Bis ich dir ſage: Glaub's! Erſchrick nicht, Alter! Geh nur voran und öffne jene Tür. Oer Alte geht dem Turme zu. Der Prieſter im Begriff, ihm zu folgen.) Fortan ſei Ruh'. Der Torheit Werk vergeh'!l Der Morgen find' es nicht. Es ſei geweſen. (Mit dem Diener in den Turm ab.) Kurze Gegend. Rechts im Vorgrunde Leanders Hütte. Daneben ein Baum mit einem Votivbilde, Naukleros kommt und bleibt vor der Hütte ſtehen, mit dem Fuß auf den Boden ſtampfend. Kaußleros. Leander, hör'! Machſt du nicht auf?— Leander! Bis jetzt hat meine Sorgfalt ihn bewahrt. Ich ließ ihn geſtern abends in der Hütte, Und heute tat, die Nachbarn ſagen's, Sich noch nicht auf die feſtverſchloſſne Tür. Doch gilt's, zu wachen noch, zu hüten, ſorgen. Was aber zögert er? es iſt ſchon ſpät. Hat allzugroßer Schmerz—? Wie, oder garꝰ Vergaß vielleicht den Gram und ſeine Leiden Und träumt nun langgeſtreckt? Leander, ho! Langſchläfer, Ohneſorg! Beim Sonnengott, Machſt du nicht auf, ſo ſpreng' ich dir die Tür. Mit alledem dünkt's mich doch ſonderbar— Er ſieht durch die Spalte.) Leander tritt links im Hintergrunde auf. Ceander. Huhup!(er zieht ſich wieder zurück.) Maukleros(raſch umgewendet). Wer da? Freund oder Feindꝰ Teander(vortretend). Ha! Hal! Erſchreckt? (Er trägt einen Stab in der Hand und unter dem Arme ein Schleiertuch, deſſen eines Ende er während des folgenden in eine Schleife bindet.) Uaukleros. Du ſelbſt? Und alſo ſpöttiſch Genüber deinem Meiſter, deinem Herrn? Und dann— Was dünkt mir denn?— Wo kommſt du her? Verließ ich dich nicht abends in der Hütted 58 Des Meeres und der Liebe Wellen. Und heute— ſieh, ich weiß, die Nachbarn ſagen's— Ging noch nicht auf die feſtverſchloſſne Tür. Wo kommſt du her und wie? (Er greift mit der Hand hin, um Leanders Beſchäftigung zu unterbrechen.) Eeander(zurückkehrend). Mein Stab, mein Wimpel, ei! Haukleros. Dein Haar iſt feucht, die ſchweren Kleider kleben. Du warſt im Meer. Leander. Wie bündig ſchließt der Mann! (Er geht während des folgenden nach rückwärts zum Baume und legt Stab und Schleier auf einer Erderhöhung unter dem Götterbilde nieder.) Raukleros(ſeinen Bewegungen folgend). Im Meer? Weshalb? Du warſt doch nicht—2 Leander!l Weißt du? Sie ſenden Späher aus von Seſtos, An unſerm Ufer hat man ihrer ſchon geſehn. Wenn nun ſoweit, bis über Meeresgrenze Ihr Argwohn reicht, um wie viel ſtrenger denkſt du Das Jenſeits dir bewacht, uns feind von je? Der wär' ein Tor, der irgend es verſuchte, Zu ſtürzen ſich ins aufgeſpannte Netz. Dann aber: wie? Ceander(der wieder zurückgekommen iſt, nach rückwärts ſprechend). Bewahre mir's, du Gott! maukleros. Noch einmal: wie? Du weißt, ich brach das Steuer Von deinem Kahn, und alle Nachbarn hielten Auf mein Geſuch die Nachen unterm Schloß. Wenn nun zu Schiffe nicht, wie ſonſt? Denn ſchwimmend, Leander, ſchwimmend—! Kennſt du auch den Raum, Der trennt Abydos' Strand von Seſtos' Küſte? Kein Lebender kömmt lebend drüben an: Denn hielte auch die Kraft, ſo ſtarren Klippen, Die reichen rings, ſo weit das Ufer reicht, Kein Ruheplatz, noch Anfurt, keine Stelle, Die ſichre Landung beut. FCeander. Sieh nurl So ſchroff? Haukleros. Nun ja: Ein Ort iſt zwiſchen ſcharfen Klippen, Dort mag ein Glückskind, das ihn nicht verfehlt, In finſtrer Nacht, dort mag dem Land er nahn. Ein Turm ſteht da, voreinſt zum Schutz gebaut: Jetzter Im H Birg Nur Fandſt Und ſt Liebäu Sahſt Beglüc Im u Eear Uauß Du ſa Geöffn Leqn Fühlſt Uau Lean Naukle 9182 Die P Du kü Ich we Wohla Ein E Diesm Damit, Ich mi Der tr Ihm ſ Selbſt Leande Lean 82 er f Zum 1 Das a Des Meeres und der Liebe Wellen. Jetzt wohnt die Prieſterjungfrau drin, die einſt wir Im Haine ſahn. Du wohl ſeitdem— Leander! Birg nicht dein Aug'! zu ſpät! Denn es geſtand. chen. 1V‚ Nun du warſt dort heut' nacht, ſtatt hier zu ruhn, eben. Fandſt glücklich aus den einz'gen Platz der Landung Und ſtandſt am Turm, den feuchten Blick empor, Liebäugelnd mit dem Licht in ihrer Kammer; b legt Sahſt ihre Schatten an den Wänden fliehn, ieder.) Beglückt, um höhern Preis nicht, als den Tod, Im Übermaß von ſo viel Glück zu ſchwelgen. inder! Eeander. Armſeliger! Uaußkleros. Auch das! Die Schildrung war zu ſchwach. Du ſahſt ſie, ſprachſt mit ihr, fandſt Haus und Pforte Geöffnet, unbewacht, tratſt ein—? Ceander(ſich in ſeine Arme werfend). Naukleros! Fühlſt du den Kuß? Und weißt du, wer ihn gab? Uaukleros. Laß ab! Dein Kuß iſt Tod! FLeander. So furchtſam? Naukleros feig? chend). Uaukleros. Nun ja, ich ſeh' es wohl, wir haben, Die Plätze haben wir getauſcht. Ich furchtſam, ch das Du kühn; Leander frohen Muts, Naukleros— Ich werde doch nicht gar noch weinen ſollen? Wohlan, geh in den Tod! Nur eines, Ein Einziges verſprich mir: dieſes Mal, imend, Diesmal ſuch' nur ihn nicht; bleib fern von Seſtos! u, Damit, wenn du nun daliegſt, bleich und kalt, Ich mir nicht ſagen müſſe: Du warſt's, du, Der treulos ſeine Freundespflicht verſäumt, Ihm ſelber wies die todgeſchwellten Früchte, Selbſt wob das Netz, das klammernd ihn umfing. Ein Knie zur Erde gebeugt.) Leander! LCeander. Biſt du krank? Was kommt dir an? lippen, KRaunleros. Haſt du doch recht, und fürder auch kein Wort! Wer ſpräch' auch wohl zum brandend tauben Meer, Zum lauten Sturm, dem wilden Tier der Wüſte, Das achtlos folgt der angebornen Gier? 60 Des Meeres und der Liebe Wellen. Darum kein Wort! Nur, denkſt du irgend noch Der Freundſchaft, die uns einſt—? Erander. Naukleros! einſt? Raukleros. Laß das! Es ſpricht die Tat. Schein' ich dir irgend Noch eines kleinen, armen Dienſtes wert, Tu' mir die Lieb' und öffne jene Tür. Leander. Wozu? Raukleros. Ich bitte dich. Leander. Der Schlüſſel, weißt du, Liegt unterm Stein. Raukleros. Tu's ſelbſt. Feander(ver die Tur der Hütte gebffnet hat). Es iſt geſchehn. Raußleros. Wohlan! und daß ich dankbar mich erweiſe: Geh dort hinein! Eeander. Ich nicht. maußleros. Du ſollſt! Du mußt! Der Stärkre war ich ſtets, der Altre bin ich, Und jetzt ſtählt Sorge dreifach meinen Arm.(Leander anfaſſend.) So faff' ich dich, ſo halt' ich dich, ſo drück' ich Dich an den Grund. Gehorchſt du wohl? Seander(mit gebrochenen Knieen). Halt ein! Nauhleros(ihn loslaſſend). Armſeliger!l von Lieb' und Wellen mattl Und nun hinein! Feander(urückweichend). Fürwahr, ich werde nicht! Rmankleros eihn anfaſſend und zurückdrängend). Du wirſt, du ſollſt, du mußt! Leander. Laß ab! Uaußleros. Vergebens! (Er hat ihn in die Tür gedrängt, die er jetzt raſch an ſich zieht.) Nun zu die Tür!(er drebt den Schlüſſel.) Und ſchwimm du künftig wieder! Ich will als Schließer ſelbſt dir Nahrung bringen; Doch daß du nicht entkommſt, bin ich dir gut. Ekander(von innen). Naukleros! Uaukleros. Nein! Ceander. Ein Wörtchen nur! Rau Eeat Daß d Uau FEean Mein Nau Lean den Sch Komm Noch 1 Und 2 Tor Den a Was Kein Ihr Durch Der d. Den 2 Zeus, Und L Den k. Die U Steht (Aufſteh Dru Mit ih 3 Stürz' Schnell knüpfte Und di Schwin Es we Und lä ſchehn. weiſe: nfaſſend.) zieht.) Des Meeres und der Liebe Wellen. Kaukleros. Nicht eins! Keander. Doch wenn mein Heil, mein Leben dran geknüpft, Daß du mich hörſt? Uaukleros. Was alſo wär' es denn? Leander. Nur eine Spanne weit mach' auf die Tür! Mein Daſein iſt bedroht, wenn du's verweigerſt. Haukleros. Nun, handbreit öffn' ich denn Gurückprallenb.) Ha, was iſt das? Leander(ſtürzt aus der Hütte, das Haupt mit einem Helme bedeckt, den Schild am Arme, ein bloßes Schwert in der Hand). Komm an! komm an! Warum nicht hältſt du michd Noch iſt mir meines Vaters Helm und Schwert, Und Tod dräut jedem, der ſich widerſetzt! Tor, der du biſt! und denkſt du, den zu halten Den alle Götter ſchützen, leitet ihre Macht? Was mir beſtimmt, ich will's, ich werd's erfüllen; Kein Sterblicher hält Götterwalten auf. Ihr aber, die ihr rettend mich beſchirmt Durch Wellennacht:(er kniet) Poſeidon, mächt'ger Gott! Der du die Waſſer legteſt an die Zügel, Den Tod mir ſcheuchteſt von dem feuchten Mund! Zeus, mächtig über allen, hehr und groß! Und Liebesgöttin du, die mich berief, Den kundlos Neuen, lernend zu belehren Die Unberichteten, was dein Gebot, Steht ihr mir bei und leitet wie bisherl (Aufſtehend und Schild und Schwert von ſich werfend, den Helm noch immer auf dem Haupte.) Drum keine Waffen! Euer Schutz genügt. Mit ihm geharniſcht wie mit ehrner Wehr, Stürz' ich mich kühn in Mitte der Gefahren. (Schnell den Stab mit dem Schleiertuche aufnehmend und die darin ge⸗ knüpfte Schleife an die Spitze des Stabes befeſtigend, indes er das andere Ende mit der Hand daran feſthält.) Und dieſes Tuch, geraubt von heil'ger Stelle, Schwing' ich als Wimpel in vermeſſner Hand; Es weiſt den Weg mir durch die Waſſerwüſte! Und läßt ein Gott erreichen mich die Küſte, U Des Meeres und der Liebe Wellen. Pflanz' ich, ein Sieger, es auf den erſtiegnen Strand. Erlieg' ich, ſei's durch euch! Und alſo fort! Das Tuch flaggenartig ſchwingend.) Amor und Hymen, ziehet ihr voran, Ich komm', ich folg', und wäre Tod der drittel(er eilt fort.) Haußleros. Er iſt von Sinnen! Hörſt du nicht? Leander! (Die Waffen aufnehmend.) Noch geb' ich ihn nicht auf. Die Freunde ſamml' ich, Wir halten ihn, und wär' es mit Gewalt. Dort ſchleicht ein Mann, gehüllt in dunkeln Mantel, Ein Späher jenes Tempels ſchon vielleicht. Ich meid' ihn, folge jenem. O, mein Freund! (Er zieht ſich, ausweichend, nach der entgegengeſetzten Seite zurück.) Platz vor Heros Turm, wie zu Anfang dieſes Aufzuges. Hero kommt, die Hand auf Janthens Schulter gelegt. Diener mit Ge⸗ fäßen folgen. Hero. Tragt die Gefäße nur hinauf zu meinem Ohm; Sagt ihm— Ihr wißt ja ſelbſt.— Ich bleibe hier. (Sie ſetzt ſich.) War dieſer Mann doch, meiner Eltern Bote, Wie Hoffnung, wie das Glück: man ſucht's, es flieht Und läßt uns ſo zurück. Janthe. Du gingſt ſo raſch. Hero. Nun, ich bin wieder da. Janthe. Willſt du nicht lieber Hinauf in dein Gemach? Hero. Nein, nein, nur hier. Iſt's noch nicht Abend? Janthe. Kaum. Hero(den Kopf in die Hand geſtützt). Nu, nu! Ei nul Der Tempelhüter kommt von der linken Seite. Tempelhüter. So biſt du hier? Wir harrten deiner längſt. Hero. Längſt alſo? längſt? Ich glaub', ihr ſpottet mein! Ging ich nicht unverweilt, den Boten ſuchend, Der ewig mir entſchwand, jetzt hier, nun dort. Mit Abſicht tatet ihr's. Weiß ich, warum? Gief Und Und Da Und War Mei Des Die Das Und Er k Dan Und Meeres und der Liebe Wellen. 5 Tempelhüter. Der Bote kam auf andern Wegen her, Du warſt kaum fort. Er iſt bei deinem Ohm. Hero. Und ihr ließt unberichtet mich? Doch immerl Ein andermal will ich wohl klüger ſein. lt fort.) Tempelhüter. Dein Oheim harrt im Tempel. anderl Hero. Sol Er wird noch harren, denn ich bleibe hier. ch, Tempelhüter. Doch er befahl— Hero. Befahl er dir, ſo tu's; Ich denke, künftig ſelbſt mir zu gebieten. el, Geh nur! Zu Janthen.) Du immer auch. Janthe. Befiehlſt du irgend ſonſt— Hero. Ich nicht.— Und doch! Wenn's ſelber dir gefällt. 15 Geh nur hinauf, bereite mir die Lampe, Gieß Ol noch zu, genug für viele Zeit. 3 Und kommt die Nacht— allein, das tu' ich ſelbſt. mit Ge⸗(Die beiden gehen.) Und kommt die Nacht— Sie bricht ja wirklich ein. hm; Da iſt mein Turm, dort flüſtern leiſe Wellen, Und geſtern war er da, und heut' verſprach er— War's geſtern auch? Mich deucht, es wär' ſo lang, Mein Haupt iſt ſchwer, die wirren Bilder ſchwimmen. t Des Tages Glut, die Sorge jener Nacht, Die keine Nacht, ein Tag in Angſt und Wachen— Das liegt wie Blei auf meinem trüben Sinn. Und doch ein lichter Punkt in all dem Dunkel: Er kommt. Gewiß? Nur noch dies eine Mal, Dann bleibt er fern.— Wer weiß?— Auf lange Zeit. Und ſpät erſt, ſpät— ich muß nur wachſam ſein! (Den Kopf in die Hand lehnend.) Der Prieſter kommt mit dem Tempelhüter. 1 Prieſter. So kommt ſie nicht? (Der Tempelhüter zeigt ſchweigend auf die Ruhende. Prieſter zu ihr längſt. tretend.) t mein! Hero! Hero(aufſchreckend). Biſt du's, mein Freund? Prieſter. Ich bin's, und bin dein Freund. Hero(aufſtehend). Sei mir gegrüßt! 64 Des Meeres und der Liebe Wellen. du im Irren gingſt: 1 wohl—? Prieſter. Mir tut es leid, daß ßt d Der Bote deiner Eltern, wei Hero. Ich weiß. Prieſter. Er brachte Briefe mit, ſie liegen In deinem Turmgemach.— Holſt du ſie nicht? Hero. Auf morgen leſ' ich ſie. Prieſter. Nicht heut' Hero. Nicht jetzt. Prieſter. Zu wiſſen, wie ſie leben, reizt dich nicht? Hero. Nur kurz iſt's, daß ſie ſchieden; ſie ſind wohl. Prieſter. Biſt du ſo ſicher des? Hero. Ich bin es, Herr! Aufs Zeugnis einer ſeligen Empfindung, Die mich durchſtrömt, mein Weſen ſtill verklärt, Daß alle, die mir teuer, froh und wohl. Prieſter. Wie oft täuſcht ein Gefühl. Hero. Was täuſchte nie? Bleibt mir die Wahl, wähl' ich die ſüßre Täuſchung. Pricſter. Wo iſt Janthe? Hero. Eben ging ſie hin. Prieſter. Nach den Ereigniſſen der letzten Zeit Kann ſie nicht weilen mehr in unſrem Hauſe. Hero. Ich ſagte dir, du tuſt dem Mädchen unrecht. Prieſter. Doch wie erweiſeſt du's? Hero. Ich glaub' es ſo. Prieſter. Auf ein Gefühl auch? Hero. Auch auf ein Gefühl. Prieſter. Doch ich will Klarheit, und Janthe ſcheide Hero. Verzeih! Du weißt, das kann nicht ohne mich. Die Mädchen ſind der Prieſterin befohlen, Und meine Rechte kenn' ich ſo wie meine— Ich kenne, Herr, mein Recht. Pritſter. Wie meine Pflichten; Du wollteſt ſagen ſo? Hero. Ich wollte, Herr, Und ſag' es jetzt: auch meine Pflichten kenn' ich; Wenn Pflcht das alles, was ein ruhig Herz, Im Einklang mit ſich ſelbſt und mit der Welt, Dem Recht genüber ſtellt der andern Menſchen. Dan P. So Und Blid Und Gön Auf und der Liebe Wellen. 65 Prieſter. Dem Recht der Götter nicht? Hero. Laß uns nicht klügeln! Gib deinem Bruder und dir ſelbſt ſein Teil; Die Götter ſind zu hoch für unſre Rechte. Prieſter. Du biſt gereift. Hero. Nun, Herr, die Sonne ſcheint, Und auch 5 Mond läßt wachſen Gras und Kraut. prleſter. Da du ſo ſtreng ob deinen Rechten hältſt, So muß ich bitten dich, mir zu verzeihn, Daß ich erbrochen deiner Mu hreiben. Hero. Was mein iſt, iſt aue it er. Ich wollte wohl, Du läſeſt dieſen Brief, ob einer Warnung, Die er enthält. Hero. Gewiß, ich werde. Morgen. Prieſter. Nein, heut'! Wär's nicht zu viel, ich bäte dich, Ihn jetzt zu holen, gleich. Hero. Du quälſt mich, Ohm. Allein, damit du ſiehſt— Iſt's noch nicht Abend? Prieſter. Beinah. Hero. Ich hole denn das Schreiben, (mit verbindlichem Ausdruck) Damit du ſiehſt, wie ſehr ich dir zu Dienſt.(Ab in den Turm.) Prieſter. Mein Innerſtes bewegt ſich, ſchau' ich ſiel So ſtill, ſo klug, ſo Ebenmaß in jedem, Und immer deucht es mir, ich müßt' ihr ſagen: Blick' auf! Das Unheil gähnt, ein Abgrund, neben dir! . Und doch iſt ſie zu ſicher und zu feſt. Gönn' ich ihr Zeit, und taucht ihr heller Sinn Auf aus den Fluten, die ihn jetzt umnachten, Denkt ſie auf Mittel nur, ihn zu erretten, Entzieht den Strafbarn unfrer Schlingen Haft Und iſt ſo mehr und ſichrer dann verloren. Zwar, muß ſie ſchuldig ſein? Wenn ein Verwegner Das— 6 1 tollkühn unternahm— Sei's auch, daß ſie berührt nach Jugendart— Muß im ö ſie ihm ſelbſt die Zeichen, Die Mittel ſelbſt ihm bieten ſeiner Tat? 66 Des Meeres und der Liebe Wellen. (Am Fenſter des T es erſcheint die Lampe.) Was dort? Die Lampe ſtrahlt. Unſelig Mädchen, Sie leuchtet deiner Strafe, deiner Schuld. Der Tempelhüter kommt. Tempelhüter. Siehſt du das Acht 7 Prieſter. Ich ſeh's. Sprachſt du die Fiſcher? Tempelhüter. Ja, Herr. Sie rudern nicht, wie du befahlſt, Heut' nacht ins Meer, das hoch geht ohnehin. Pri eſter. So beſſer denn! Du folge nun, ſie kommt. (Sie entfernen ſich nach der linken Seite.) Hero kommt zurück mit einer Rolle. Hero. Hier iſt dein Brief. Nimmſt du ihn nicht?— Ei jal— Wo ging er mir nur hin?— Er kommt wohl wieder. Ste ſteckt den Brief in den Gürtel.) Wie ſchön du brennſt, o Lampe, meine Freundin! Noch iſt's nicht Nacht, und doch geht alles Licht, Das ringsumher die laute Well erleuchtet, Von dir aus, dir, du Sonne meiner Nacht. Wie an der Mutter Bruſt hängt alles Weſen An deinem Umkreis, ſaugend deinen Strahl. Hier will ich ſitzen, will dein Licht bewahren, Daß es der Wind nicht neidiſch mir verlöſcht. Hier iſt es kühl, im Turme ſchwül und ſchläfrig, Die dumpfe Luft drückt dort die Augen zu; Das aber ſoll nicht ſein, es gilt, zu wachen.(Sie ſitzt.) Sie haben mich geplagt den la 9 Mit Kommen und mit Gehn. Nicht abſichtlos! Allein weshalb? Warum? Ich weiß es nicht. (Den Kopf in die Hand geſenkt.) Doch immerhin! Drückt erſt nicht mehr die Stirn, Erkenn' ich's wohl. Und dann— ſoll auch-—wenn nur— (Emporfahrend.) Was iſt? Wer kommt?— Ich bin allein. Der Wind nur Weht ſchärfer von der See.— So beſſer denn Treibſt du den Holden früher ans Geſtade. Kom Ich Die Nier Bew Es Hier (A Wie Und Kom Und Wie Brei Um Umf Und Ei ja! wieder. din! 1 „ un nur— Wind nur ie Lampe brennt noch hell. ellauf und friſch! Der Liebe f (Den Kopf wieder Genau beſehn, wollt' ich, Ihr Argwohn iſt geweckt, Di H Allein, er wünſcht's, er fe ehte, bat. Komm immer denn, du guter Jüngling, komm! Ich will dich hüten, wie der Jungen Schar Die Glucke ſchützt, und niemand ſoll dir na ahn, Niemand, als ich allein, und nicht zu ſchäd'gen; Bewahr'! bewahr'!— Ich bin doch m üͤd'. Es ſchmerzt der Fuß. Löſt niemand mir di (Sie zieht einen Fuß auf die Ruhebank.) Hier drückt es, hier. Hat mich ein Stein verletzt? (Auch den zweiten Fuß an ſich zieh end, in halbliegender Stellung.) Wie ſüß, wie wohl!l— Komm, Wind der Nacht, D Und kühle mir das Aug', die heißen Wangen! Kommſt du doch übers n5 5 von ihm Und, o, dein Rauſchen und der Blät ter Liſpeln, Wie Worte klingt es mir: 10n ihm wir, ihm, von ihm Breit' aus die wingen, hüll e ſie um mich, Um Stirn und Haupt, den Hals die müden Arme, Umfaß, umfang'! Ich öffne dir die Bruſt— Und kommt er, ſag' es an— Leand der— du? Der Tempelhülter kommt lauſchend auf den Zehen, hinter ihm der Prieſter, der am Eingange des Turmes ſtehen bleibt. Cempelhüter(ſich der Ruhebank nähernd, mit gedämpfter Stimme). Hero!— Sie ſchläft prieſter. Vom Turme ſtrahlt das Lich Der Götter Sturm verlöſche deine (Er geht in den Turm.) Cempelhüter. Was ſinnt er nur? Mir wird ſo bang und ſchwer. Wenn ich nicht ſprach— und doch, wie konnt' ich anders? Dort gehen Männer mit des Fiſchzugs Net ben. 68 Des Meeres und der Liebe Wellen. (Sich der rechten Seite r Was ſchafft ihr dort? Ward euch denn nicht geboten, Zu bleiben heute nacht dem Meere fern In eurer Hütten feſtverſchl oſſnen Räun en? Gurückkommend.) Sie meinen, es gibt Stum. Nun ter, waltet! Gum Turm emporb Die Lampe wird bewegt. Er ſelbſt!— Unſelig Mädchen, Erwacht ſie? Nein. So warnet dich kein Traum? (Hero macht aufatmend eine Be Das Haupt gleitet aus d e arme, indes der unte Mich ſchaudert. und ſinkt dann tiefer in Schlaf. en Hand und ruht auf dem Ober⸗ f hinabhängt. Es iſt dunkel geworden.) Hätt' ich mein Oberkleid! Der Prieſter kommt zurück. Prieſter. Wer ſpricht? Biſt du's?— Komm mit! Es ſinkt die Nacht Und brütet über ungeſchehne Dinge.(Zu Hero hintretend.) Nun, Himmliſche, nun waltet eures Amts! Die Schuldigen hält Meer und Schlaf gebunden; Und ſo iſt eures Prieſters Werk vollbracht. Das Holz z geſchichtet und das Beil gezückt, Wend' ich mich ab. Trefft, Götter, ſelbſt das Opfer! Indem er ſich zum Fortgehen wendet, fällt der Vorhang.) —92 IJ. Fünfter Außug. Platz vor Heros Turm, wie zum Schluß des vorigen Auf⸗ zuges. Es iſt Morgen. Beim Aufziehen des Vorhanges ſteht Hero in der Mitte der Bühne, den herabgeſunkenen Kopf in die Hand geſtützt, vor ſich hinſtarrend. Janthe kommt. Janthe. Stehſt du noch immer da, gleich unbewegt, Und ſtarrſt auf einen Punkt? Komm mit ins Wäldchen! Die Luft hat ausgetobt, die See geht ruhig. Doch hörteſt du den Aufruhr heute nacht? Hero. Ob ich gehört? Un Si Un Ick Ar Ur Ur es Meeres und der Liebe Wellen. 69 ten, Du warſt ſo lang hier außen endlich hört' ich Tritte über mir; e kein Licht aus deiner Kammer. Kein Licht! kein Licht! nthe. Dich martert ein Geb 1 du's vertrauteſt, leichter trügeſt du's. Errietſt du's etwa ſchon und fragſt mich doch? 93— wachen hier, doch ſchlief ich ein. 1 Nacht, da weckte mich der Sturm; es um mich 0 verlöſcht die Lampe. ind n icht Troſt und Hilfe. and mich der Tag.— om Haar m K log ich hina n. 8 Lautjammernd, auf den Und doch, und dennoch— Janthe. Arme Freundin! Hero. Arm? Und dennoch! Sieh! Die Götter ſind ſo gut! Ich ſchlief kaum ein, da löſchten ſie das Licht. fc 5 Beim erſten Strahl des Tags hab' ich's beſehn, 571 Mit heißem, trocknem Aug' durchforſcht die Lampe: 4 dos O ndertteil des Oles war ver rbrannt, cht nur kaum geſchwärzt. Klar war es, klar: Kaum ſchlief ie verlöſchte ſchon das Licht. Die Götter ſind ſo gut! Geſchah es ſpäter, (von ihr wegtretend, vor ſich hin) So gab der Freund ſich hin dem wilden Meer, Der Sturm ereilte ihn, und er war tot. en Auf⸗ So aber blieb er heim/ gelockt von keinem Zeichen, Und iſt gerettet, lebtl Janthe. Du ſcheinſt ſo ſicher. Hero. Ich bin es, denn ich bin. Die Götter ſind ſo gut! Und was wir fehlten, ob wir uns verſehn, Sie löſchen es mit feuchtem Finger aus ng.) 9 Und wehren dem 1 115 n ſeine Freude. zäldchen! Ich aber will, 0 jetzt als künft'ge Zeit, Auch ihnen kindlich Hantber ſein dafür, Und manches, was nicht recht vielleicht und gut Und ihnen nicht genehm, es ſei verbeſſert, Zum mindeſten entſchieden; denn die Götter Sie ſind dem ſchiednen hold. Nun aber, Mädchen, tritt dort an die Anfurt! Sieh, ob dein Aug' die Küſte mir erreicdt Das ſel'ge Jenſeits, wo— ſchau' gen Abydos! Ich hab's aus meinem Turm nur erſt verſucht, Doch lagen Nebel drauf. Nun iſt's wohl hell. Willſt du? ie ſetzt ſich.) Janthe(nach dem Hintergrunde gehend). Doch ſieh! Es brach der Sturm den Strauch, Der dort am Fuße wächſt des Turms, und liegen Verwehren ſeine Zweige mir den Tritt. A5 75 die Zweige nur! Biſt du ſo träg? Noch Tropfen hängen dran. (Mit dem Fuße am Boden hinſtreiſend.) 111 Tang und Meergras Ei, Muſcheln, buntes Spielzeug! ie Trümmer eines Zorns Hierher zu ſtreun. Das Ende eines Tuchs! Es iſt ſo ſchwer. Ein Laſtendes von rückwärts Hält es am Boden feſt,— Fürwahr, ein Schleier! Faſt gleicht es jenen, die du ſelber trägſt; Zu Schleifen eingebunden beide Enden, Nach Wimpelart. Sieh zu! vielleicht erkennſt du's. Doch iſt es feucht, ſonſt würf' ich dir's als Ball. Hero. Laß das Getändel, laß! Erheb die Zweige. Janthe. Sie ſind ſo ſchwer. O weh, mein gutes Kleid! n, denk' ich, halt' 09 ſie. Ei ja! ſie weichen. itt ſelber nur herzu. Ich halte. Schau'! (Ste hat die auf den Boden herabhängenden Zweige zuſammengefaßt und emporgehoben. Leander liegt tot auf der Anfurt.) Hero(aufſtehend). Ich komme denn. Ein Mann!— Leander!— Weh'! (Nach vorn 1 5* Betrogne und Betrüger meine Augen! Iſt's wirklich? wahr? Janthe(bie mit Mühe über die Zweige nach rückwärts gebllckt) O mitleidvolle Götter! W N 2 B 0ο trauch, eergras eugl Kleid! engefaßt ö ckt) Luf ftꝰ 90ß los die Zweige, laß! Janthe läßt die Zweige fall die Leiche iſt bed entgegen und bemüht, ihm die Ausſicht nach Mein Oheim, du? früh im Freien? Doch der Tag iſi ſchön. Vir wollten eben beide— freudig— froh— (Sie ſinkt, von Janthen unter„zu Boden.) prieſter. Was war, was iſt geſchehn? Jantht(mit Hero beſchäftigt, nach dem Strauche O, H kt. Hero, dem Prieſte ckwärts zu benehmen.) zeigend). r mein Herr Schnelli Es geſchieht.) Gerechte Götter! Ihr nahmt ihn an. Er fiel von eurer Hand! Janthe(noch immer die Zweige haltend). Erbarmt ſich niemand? Nirgends Beiſtand, Hilfe? Prieſter. Laß das und kom(Indem er ſie anfaßt.) Hörſt du? und ſchweigl Entf Ein einzig Wort von dem, was du vernahmſt— ich von ihr entfernend, laut.) Ein Fremder iſt der Mann, ein Unbekannter, Den aus das Meer an dieſe Küſte warfl Und jene Prieſtrin ſank bei ſeiner Leiche, Weil es ein Menſch, und weil ein Menſch erblich. prieſter. Erheb die Zweige! ge⸗ Der Tempelhüter und mehrere Diener ſind von der rechten Seite 0 1 0 ommen. Am Strande liegt ein Toter. Geht, erhebt ihn, Daß ſeine Freunde kommen und ihn ſehn. (Diener gehen auf den Strauch zu.) Nicht hier. Den Turm herum. Rechts an der Anfurt. (Diener auf ber linken Seite ab. In der Folge ſieht man durch die Blätter Anzeichen ihrer Beſchäftigung. Endlich wird der Strauch empor⸗ gehoben und befeſtigt; wo dann der Platz leer erſcheint.) Tempelhüter elſe So iſt's denn— Prieſter. Schweigl 72 Des Meeres und der Li de Wellen Tempelhüter. Nur, Herr, um dir zu melden: Der ältre jener beiden Jünglinge, Die du wohl kennſt, wir fanden ihn am Strand, Troſtloſen Jammers, ſuchend ſeinen Freund. Die Diener halten ihn. Prieſter. Führt ihn herbei. Hat er die Freiheit gleich verwirkt und mehr, Sei's ihm erlaſſen, bringt er jenen heim. (Tempelhüter nach der rechte i Gu Hero, die ſich mit Janthens Hilfe auf Hero! Hero. Wer ruft? Prieſter. Ich bin's. Du höre mich! Hero(ſcheu nach rückwärts blickend, zu Janthe). Wo iſt er hin? Janthe, wo? Janthe. O mir! Prieſter. Da's nun geſchehn— Hero. Geſchehen? Nein! Prieſter. Es iſtl Die Götter laut das blut'ge Zeugnis gaben, Wie ſehr ſie zürnen und wie groß dein Fehl, So laß in Demut uns die Strafe nehmen; Das Heiligtum, es teile nicht die Makel, Und Und ew'ges Schweigen decke, was geſchehn. Doc Hero. Verſchweigen ich, mein Glück und mein Verderben, Von Und frevelnd unter Frevlern mich ergehn? Ausſchreien will ich's durch die weite Welt, Was ich erlitt, was ich befaß, verloren, Bis Was mir geſchehn und wie ſie mich betrübt. So Verwünſchen dich, daß es die Winde hören So Und hin es tragen vor der Götter Thron. Du warſt's, du legteſt tückiſch ihm das Netz, 6 Ich zog es zu, und da war er verloren! Es Wo brachtet ihr ihn hin?— ich will zu ihm! Seit Der Tempelhüter und mehrere Diener führen Naukleros herbei. Der Seit Wächter geht gleich darauf nach der linken Seite ab. Sein Ha, du, o Jüngling! Suchſt du deinen Freund? Des Dort lag er, tot! Sie tragen ihn von dannen. Da rben, De der Meeres und iebe Wellen. Raukleros. O Schmerzl Hero. Ringſt du die Hände, da's zu ſpät? Du ſtaunſt? Du klagſt? Ja, läſſ'ger Freund! Er gab ſich hin dem wildbewe Meer, Beſchützt von keinem Helfer, keinem Gott, Und tot fand ich ihn dort am Strande liegen. Und fragſt du, wer's getan? Sieh! Dieſer hier, Und ich, die Prieſterin, die Jungfrau— So?— Menanders Hero, ich, wir beide taten's. Mit ſchlauen Künſten ließ er mich nicht ruhn Verſagte mir Beſinnen und Erholung; Ich aber trat in Bund mit ihm und ſchlief. Da kam der Sturm, die Lampe löſcht' er aus, Das Meer erregt' er wild in ſeinen Tiefen, Da jener ſchwamm, von keinem Licht geleitet: ie ſchwarzen Wolken hingen in die See, as Meer erklomm, des Schadens froh, die Wolken, Die Sterne löſchten aus, ringsum die Nacht. Und jener dort, der Schwimmer ſel'ger Liebe, Nicht Liebe fand er, Mitleid nicht im All. Die Augen hob er zu den Göttern auf, Umſonſt! Sie hörten nicht, wie?— oder ſchliefen? Da ſank er, ſank! Noch einmal ob den Wogen, Und noch einmal, ſo ſtark war ſeine Glut, Doch allzumächtig gegen ihn der Bund Von Feind und Freund, von Haſſern und Geliebten: Das Meer tat auf den Schlund, da war er tot! O, ich will weinen, weinen, mir die Adern öffnen, Bis Tränen mich und Blut, ein Meer, umgeben, So tief wie ſeins, ſo grauenhaft wie ſeins, So tödlich wie das Meer, das ihn verſchlungen! Aankleros. Leander! o mein mildgeſinnter Freund! Hero. Sag': er war alles! Was noch übrigblieb, Es ſind nur Schatten; es zerfällt, ein Nichts. Sein Atem war die Luft, ſein Aug' die Sonne, Sein Leib die Kraft der ſproſſenden Natur; Sein Leben war das Leben: deines, meins, Des Weltalls Leben. Als wir's ließen ſterben, Da ſtarben wir mit ihm. Komm, läſſ'ger Freund, „ 288 Des Meeres und der Liebe Wellen. * Komm, laß uns gehnen Du haſt zwei Kleider, un Gib mir dein Kleid, wir woll kleros nimmt ſeinen U Nur einmal noch berühren ſeinen Leib, Den edlen Leib, ſo voll von warmem Leber Von ſeinem Munde ſaugen Rat und Troſt, Dann— Ja, was dann?— Zu ihml! (Zum Tempelhlülter, der zurückg eund hat leins, ihn beſtatten. rf ab, Janthe empfängt ihn.) Vert eigerſ, du's? Ich will zu meinem Freund! Wer hindert's? Du? (Sie macht eine heftige Bewegung, dann finken Haupt und Arme kraft⸗ los herab. Janthe will ihr betſtehn.) Laß mich! Der Mord iſt ſtark, und ich hab' ihn getötet. (Ab nach der linken Seite.) Prieſte er Czu Janthen). Janthe geht. Zu Naukleros.) Du bleib! Dein Leben iſt verwirkt, Doch ſchenk' ich dir's, bringſt heim du jenen Toten Und ſchweigſt dein Leben Haug. Kamſt du allein? Uaukleros. Mir folgten Freunde von der Küſte jenſeits. Prieſter. Halt' ſie bereit.— Wo brachtet ihr ihn hin? Tempelhüter. Zum Tempel, Herr. Prieſter. Warum zum Tempel? ſprich! Tempelhüter. So will's der Brauch. Prieſter. Will's ſo der Brauch, wohlan! Die Bräuche muß man halten, ſie ſind e gut. Und nun zu ihr! En Stl tfernt die Störung erſt, Legt mild die Zeit den Balſam auf die Wunde. Ja, dies Gef ühl, im erſten Keim erſtickt, Bewahrt vor jedem zweiten die Verlockte, Und heilig fürderhin— Komm mit! Ihr folgt. (Alle ab.) IN. und der Meeres Das Inner Der Mittelgrund durch ei geſchloſſen. Auf der en Amors, an deren Mädchen kommen, mit Zurec von Blumengewinden beſchö Janthe(kommt). O, laßt ſie, laßt! gönnt ihr di Wie mag ſie trauern um den Ter Sie fand den Ort, wo man ihn h Blindfühlend aus, von niemanden belehrt, irze uern, Guten. in cht igeb racht, Und ſtürzte auf die Knie und weinte laut, ztet Mit ihres Atems Wehn, mit ihre nen Zum Leben ihn zu rufen ohne Furcht bemüht. Doch als er des nicht ſachtet veil er tot, Da warf ſie ſich auf den Er blaßten hin, Die teure Bruſt mit ihrer Bruſt bedecker nd, Den Mund auf ſeinen Mund, die Hand in ihrer. Seitdem nun iſt ihr Klagelaut verſtummt; Doch, fürcht' ich, ſammelt ſie nur neue Kraft Zu tiefrem Jammer.— Nun ich will auch nimmer ſeits. Ein Lieb mir wünſchen, weder jetzt noch ſonſt; hin? Beſitzen iſt wohl ſchön, allein verlieren—! Der Prieſter kommt mit dem Tempelhüter und Naukleros, dem mehrere Freunde folgen, von der rechten Seite. Prieſter. Wo iſt ſie? Janthe. Dort. Prieſter. Zieht auf den Vorhang! Janthe. Herr! Prieſter. Auf, ſag' ich, auf! Und haltet fern das Volk. Der Vorhang wird aufgezogen. Dtie Cella erſcheint, zu der viele breite Stufen emporführen. Leander liegt querüber auf einem niedern Tragbette. ero in einiger Entfernung auf den Stufen, halb liegend auf den rechten Arm geſtültzt, wie neugierig nach dem Toten hinblickend. Prieſter. Hero! Hert⸗ Wer ruft? 76 Des Meeres und der Ltebe Wellen. Prieſter. Ich bin's. Komm, hier! Hero. Warum? (Sie ſteht auf und tritt zu den Füßen der Tragbahre, den Toten immerfort betrachtend.) Prieſter. Genuß 100 nun geklagt ob jenem Fremden! Was ſchaffſt du d dort Ichf ſinne, Herr! prleſter. Du ſinnſt? Hero(nach vorn kommend). Was nur das Leben ſeil Er war ſo jugendlich, ſo ſchön, 6. So überſtrömend von des Daſeins Fülle, Nun liegt er kalt und tot. Ich hab's verſucht, — legte ſeine Hand an meine Bruſt, Da fühlt ich Kälte ſtrömen bis zum Sitz des Lebens, Im ſtarren Auge glühte keine Sehe. Mich ſchaudert. Weh! prieſer. Mein ſtarkes, wackres Mädchen. So wieder du mein Kind! Su Naukleros.) Du tritt hinzul Erkennſt du deinen Freund? 9 Er iſt's, er war's. Prieſter. Nun komm. Hero. Warum? 5 eſter. Sie tragen ihn nun fort. Hero. Schon etzt? Prieſtr. So iſt's. Hero. Wohin? Prieſter. Nach ſeiner Heimat. Hero. Gebt einen Mantel mir. Prieſter. 3 Hero. Ihm folgen.— Fl er gleich tot, ſo war er doch mein Freund Am Strande wil ich wohnen, wo er ruht. A Prieſter. Unmögli ich! Du bleibſt hier! 6 Hero. Hier? Prieſter. Prieſtrin, hier! Hero. So laßt an unſerm Ufer ihn begraben, Wo0 er erblich, wo er, ein Toter, lag, Am Fuße meines Turms. Und Roſen ſollen Unk Au⸗ Dre Die Nel Ich Doe Als Nin Und All, Nin Und 6 Meeres Und weiße Lilien, von Tau befeuchtet Aufſproſſen, wo er liegt. Prieſter. Auch das ſoll nicht. Hero. Wie? Nicht? Prieſter. Es darf nicht ſein. Hero. Es darf nicht? Prieſter(ſtarh). Nein! Hero. Nun denn, ich hab' Helertt Gew Die Götter wollten's nicht, da rächten Nehmt ihn denn hin! Lebwohl, du ſchöner Jüngling! Ich möchte gern noch faſſ ſen deine Recht te, Doch wag' ich's nicht, du biſt ſo eiſeskalt. 3ihen mich fügen. Als Zeichen nur, als Pfand beim letzten Scheiden, Nimm dieſen Kranz, den Gürtel löſ' ich ab Und leg' ihn dir ins Grab. Du ſchönes Bild, All, was ich war, was ich beſaß, du haſt es, Nimm auch das Zeichen, da das We eſen dein. Und ſo geſchmückt, lebwohl! Einige nähern ſich der Leiche.) Und dennoch, halt! d ihr ſo raſch?— Und dennoch, dennoch nicht! (Zur Bahre tretend.) Nie wieder dich zu ſehn, im Leben niel Der du einhe ergingſt im Gewand der Nacht Und Licht mir 15 9 in die dunkle Seele, Aufblühen machteſt all, was hold und gut, Du fort von hier an einſam 5 lin Ort Und nimmer ſieht mein lechzend Aug' die ch wieber Der Tag wird kommen und die ſtille Nacht, Der Lenz, der Herbſt, des langen Sommers Freuden, Du aber nie, Leander, hörſt du?— niel Nie, nimmer, nimmer, niel (Sich an der Bahre niederwerfend und das Haupt in die Kiſſen ve bergend.) Uaußleros. Hab' Mitleid, Herr! Prieſter. Ich habe Mitleid, Deshalb errett' ich ſie.(Zu Hero tretend.) Es iſt genug. Hero(nit Beiſtand ſich aufrichtend). Genug 7 Meinſt du? genug!l— Was aber ſoll ich tun ꝰ Er bleibt nicht hier, ich ſoll nicht mit. Ich will mit meiner Göttin mich beraten. Janthe, leite mich zu ihrem Thron; So lang berührt ihn nicht. Zu Naukleros.) Verſprich es mir! Gib mir die Hand darauf.— Ha, zuckſt du? Gelt! Das tat mir der, dein Freund!— Du biſt ſo warm. Wie wohl, wie gut!— Zu leben iſt doch ſüß! Nun aber laß!— Wer wärmt mir meine Handꝰ Janthe, komm!— Doch erſt zieh mir den Schleier 6 Hinweg vom Aug'. Janihe. Kein Schleier deckt dein Haupt. Hero. Ja ſo!— Komm denn! Und ihr, berührt ihn nichtl Janthe(die Hero angefaßt hat, zum Prleſter). O, Herr, der Froſt des Todes iſt mit ihr. „ Prieſter. Ob Tod, ob Leben, weiß der Arzt allein. Janthe Sieh hi (Heron leitend). 1.— Heb nur den Fuß!— Du wanlſt.— Nur hier! (Hero beſteigt, von Janthen geführt, die Stufen. Ein Teil der Jung⸗ frauen folgt ihr, ſich in einer herablaufenden Reihe auf der rechten Sette aufſtellend, die übrigen treten unten auf die linke Seite, ſo daß die Tragbahre von ihnen verdeckt wird.) Prieſter Galblaut). Ihr bringt indes ihn fortl Raußleros. Bedenk'! Prieſter. Es muß. Kehrt ſie zurück, ſei jede Spur verſchwunden. Dein Leben gilt's. Naukleros. Wohlan! (Seine Begleiter gehen von hinten herum und faſſen die Tragbahre.) Hero(die, von Janthen unterſtützt, bereits die oberen Stufen erſtie⸗ gen, ruft in demſelben Augenblicke, das Geſicht noch immer gegen die Cella gerichtet). Leander! 7 (Raſch umgewendet, Haupt und Arme in die Luft geworfen.) Leander! Janthe(ſie umfaſſend, zu den Trägern), Halt! Prieſter. Nur fort! Scho Von Die Sie Sie Gero, Hero Pri Sie Bald Ja Es b Zunt So ſ Pri Ja Vorſi Pri Um 1 Jat Drau Zwei Nun, Bleib nichtl r Jung⸗ rechten ſo daß bahre.) en erſtie⸗ gegen die en.) — In Doppelſchlägen pocht ihr H er Des Herzens Schlag iſt Leben, Doppelſchlag tragt ihn f fortl endrohung ſcheit. Leb ben denn n Arzt, der in hat die Leiche zu der Pforte hinausgetrag anthe(bei Hero auf den Stufen kni t hier nicht Hilfe, Rett S 5 en — §chon nim 8 jer fe Die Sie Fackelgla mz. uns, 8 donnert zu. Der 9 ch in Dunkel. Sie haben, halten ihn. Er kommt nicht wieder. GHero, die bisher halb ſitzend an Janthes Knie gelehnt, gleitet jetzt herab liegt auf den Stufen.) Wer ſteht der Armſten bei? Hero! O Prieſter Curück Sie fü ihren ich, ſie rudern fort. Bald trennt das Meer die unheilvoll Vereinten. Janthe(nach einer Pau ſe aufſtehend und herabkommend). ES braucht kein Meer, der Tod hat gleiche Macht, Zu trennen, zu vereinen. Komm und ſchau'! So ſehn die Toten aus in dieſen Landen. Prieſter. Spricht das der Wahnſinn? Janthe. Nein, er hört's. Borſicht'ger Tor, ſieh deiner Klugheit Werkel rieſter. Und gält's ihr Leben! Gäb' ich doch auch meins, Um Unrecht abzuhalten. Doch es iſt nicht. Er eilt die Stufen hinauf, vor der Hingeſunkenen knieend.) Janthe. Heißt nur die Männer, die den Jüngling tragen, Drauß harren, es bedarf noch ihres Amts. Zwei Leichen und ein Grab. O, gönnt es ihnen! Gum Prieſter, der die Stufen herabkommt.) Nun, Mann, du gehſt? So gibſt du ſie denn aufd Bleib! Eine Dienerin begehrt der Freiheit; 3 Meere s Meeres Ich kehre heim zu meiner Eltern Herd. (Der Prieſter geht, ſich verhüllend, ab.) Du gehſt und ſchweigſt? Sei Strafe dir dies Schweige! Ihr ſorgt für ſie, wie ſonſt ich ſelbſt getan; Mich duͤldet's länger nicht in eurem Hauſe. (Sie nimmt den Kranz von Amors Bildſäule.) Hier dieſen Kranz tragt mit der Leiche fort. (Den Kranz nach der um Hero beſchäftigten Gruppe hinwerfend ge⸗ die Bildſäule ſprechend.) Verſprichſt du viel und hältſt du alſo Wort?ꝰ ) erfend geg 27 00033e