PVſennig.— 0.24 K.-B. 85 N7 AIn h — ö König Oltokars Glück und Ende. Trauerſpiel in fünf Aufzügen Franz Grillparzer. Teipzig. Verlag von Philipp Reelam jun. Roedder Aus Phi Ny. 4199. orquato Nr. 4665. Berders Cid. Nr. 3946. Leſſings Smilig Galotti. Nr. 4057. Leſſings Minna von Barnhelm. Nr. 3676. Leſſings Nathan der Weiſe. Nr. Schillers Braut von Meſſina. Nr. Schillers Jungfrau von Grleaus. Schillers Maria Stuart. Nr. 4115 Schillers Wallenſtein. Nr. 43 I. Wallenſteins Lage II. Die Piccolomini. III. Wallenſteins Tod. Schillers Wwilhelm Tell. Nr. 3788. Wielands Gberon. Nr. 4034. Schillers Balladen. Für den ul⸗ und Privat auch heraus⸗ gegeben und mit alphabetiſch geordneten Erläuter! n verſehen von Adolf Ey. Nr. 1710. Goethe und Schiller. Bei von K. Heinrich von S Ein Kommentar zu Go Hialmar Hiortl Boyeſen, f 5 ˖ itur an der Cornell⸗ Univerſität zu Erläuterungen zu Meisterwerken der Tonkunst von Max Chop. Richard Wagners Fliegender Bolländer. Nr. 4700. Richard Wagners Tannhäuſer. Nr. 4725. Richard Wagners Lohengrin. Nr. 4750. Richard Wagners Triſtan und Iſolde. Nr. 4768. Richard Wagners King des Nibelungen. Vorabend: Das Rheingold.(Nr. 47895 1. Tag: Die Walküre.(Nr. 4790.) 2. Tag: Siegfried.(Nr.4808.) 3. Tag: Götterdämmerung.(Nr.4804) Richard Wagners Parſifal. Nr. 4805. Wagner: Die Meiſterſinger v. Nürnberg. r. 4846. Seorges Bizet: Carmen. Nr. 4886. Hönig Ottakars Glilck und Ende. Trauerſpiel in fünf Aufzügen von Franz Grillparzer. Leipzig. Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. kRoedder Primisle Margare Gem Beneſch Milota Zawiſch Berta, 2 Braun v Bela, Ki Kunigun Rudolf! Albrecht Rudolf Friedrich Heinrich Bertold Der alte Seyfried Friedrich Herbott Ortolf v Merenbe Paltram Der Biin Ein kaif Der Küf Der Kar Eliſabett Ein Kar Abgeord Böhmiſck König Ottokars Glück Perſonen. Primislaus Ottokar, König von Böhmen. und Ende. Margarete von Sſterreich, Witwe Heinrichs von Hohenſtaufen, ſeine Gemahlin. Beneſch von Dieditz Milota die Roſenberge. Zawiſch Berta, Beneſchs Tochter. Braun von Olmütz, des Königs Kanzler. Bela, König von Ungarn. Kunigunde von Maſſovien, ſeine Enkelin. Rudolf von Habsburg. Albrecht Rudolf Friedrich Zollern, Burggraf von Nürnberg. Heinrich von Liechtenſtein Bertold Schenk von Emerberg J Der alte Merenberg Seyfried Merenberg Friedrich Pettauer Herbott von Füllenſtein. Ortolf von Windiſchgrätz. Merenbergs Frau. Paltram Vatzo, Bürgermeiſter von Wien. Der Bürgermeiſter von Prag. Ein kaiſerlicher Herold. Der Küſter von Götzendorf. Der Kanzler des Erzbiſchofs von Mainz. Eliſabeth, Margaretens Kammerfrau. Ein Kammerfräulein Kunigundens. Abgeordnete der deutſchen Wahlverſammlung. ſeine Söhne. öſterreichiſche Ritter. ſteieriſche Ritter. Böhmiſche, öſterreichiſche, ſteieriſche, kärntneriſche Landesherren und Kriegsleute. Vorzimn Vor der tiſane ge Eliſa Die Ki Eliſa O ung Mer Eliſa Dochet Mert Eliſa O, daf Mert Seyft Ihr, V Mere Seyft Mere Seyft Mert Seyft Daß ie zu den in he haltend, S Frau Eliſabetl dem 8 8 auf ſeine Par⸗ rau tritt aus Eliſabeth. Lauf, Barbara! lauf ſchnell nach Meiſter Niklas! Die Königin ſcheint wohl, doch trau' ich nicht. e Ein Diener iſt gekommen. Eliſabeth. Haſt du den Balſam? Gut, gib her, mein Freund! O unglückſel'ger Tag! O arme Frau! Der alte Merenberg kommt. Merenberg. Wie geht's der Königind Eliſabeth. Verwunderlich! Doch tut ſie ſich Gewalt, das ſieht man wohl. Merenberg. Wer iſt bei ihr? Eliſabeth. Der Graf von Habsburg, Herr. O, daß ich das erleben müſſen! Merenberg. Sohn! Seyfried(der gedankenvoll, auf ſeine Hallbarte geſtützt, dageſtanden hat). Ihr, Vater? Merenberg. Haſt du ſchon gehört? Seyfried. Jawohl! Merenberg. Und ſagſt dazu? Seyfried. Ich glaub's nicht, Vater! Merenberg. Wie? Seyfried. Nein, Vater! Und bin ſo ergrimmt darob, aß ich den Lügnern mit der Hallbart hier Den Kopf einſchlagen möchte, allgeſamt. (Ab ins Zimmer der Königin.) 5 9 D 2 König Ottokars Glück und Ende. Merenberg Gurücktretend). O weh', mein Sohn, ſchlag deinen Vater nichtl Denn ich glaub's auch. Seyfried. Ihr auch? Merenberg. Ich weiß, mein Sohn! Seyfried. Wie“ ſo ein Herr, ein Ritter, ſo ein König, Und täte ſchlimm an ſeinem eignen Wort, Die Frau verlaſſend, die ihm angetraut? Hab' ich nicht knabenweis bei ihm gedient, Und war er mir ein Muſter, Vorbild nicht Von jedem hohen Tun? Merenberg.'s wird keiner bös, Der nicht, bevor er's ward, erſt gut geweſen! Seyfried. Und was ich Löblichs tat und Gutes dachte, An ihn hielt ich's und an ſein adlig Walten, Gar tief beſchämt, ob des zu großen Abſtands. Er hat die letzte Zeit mich ſchwer gekränkt; Ich durft' nicht mit ihm in die Ungarſchlacht!— Denn ſeht, er denkt wohl, daß ein alt Gefühl Für Berta noch von Roſenberg; Ihr wißt ja!— O, hätt' ich das aus ſeinem Leben fort, Den einz'gen Fleck, im andern ſteht er rein!— Doch glaubt, ſie haben ihn dazu verleitet! Die Roſenberg! Der Vater— pfui, des Kupplers! Merenberg. Denk', was du willſt, nur eines halt für wahr: Die Königin muß fort, und ſie und ihre Diener, Das Argſte haben ſie, das Außerſte zu ſcheun. Ich geh' noch heute heim nach Merenberg, Auf meiner Väter Schloß, auch du mußt fortl Seyfried. Wie, Vater? Merenberg. Du! dies törichte Vertraun Soll dich nicht ſelber an das Meſſer liefern. Du folgſt mir nach, zum Schein; allein in Bruck Harrt dein ein treuer Knecht mit friſchen Pferden, Und während man dich bei dem Vater glaubt, Eilſt du nach Deutſchland auf verborgnen Pfaden. Die Königin will ſich ans Reich nicht wenden Mit ihrer Not; ich aber will's, hilft Gott! Ich will nicht ſehn die Tochter meines Herrn Von K Du ge Dem e Wir ſi Ein 2 Bent Seyf Bent Milt Bent Heiß' Im ge Und e Doch Ich w Bis in Bent Was Bert Sie ei Entſetz Sagt, Ben Geh f̃ Bert Ihr, Vor a Ich he Doch Sagt, Sey n König, 8 dachte, lers! alt für wahr: Er, uck en, den. König Ottokars Glück und Ende. Von Haus und Land vertrieben, ohne Schutz. Du gehſt nach Frankfurt, und dies Schreiben gibſt du (Er öffnet das Koller, in dem der Brief ſteckt.) Dem Erzbiſchof von Mainz. Allein man kommt, Wir ſind bewacht. Indem er ſich von ihm entfernt.) Verſchwiegenheit und Eile! Ein Tag zu viel iſt dreißig Jahr zu wenig! Beneſch von Dieditz und Milota kommen. Beneſch. War nicht Herr Zawiſch hier? Seyfried 6435 5 ſic abwendet). Ich ſah ihn nicht! Beneſch. Er doch nur ins Schloß! Milota. Sei Pili Bruder! Beneſch. Was ruhig? Sieh, ich bin's! Der König wagt's nicht! Heiß' ich nicht Roſenberg? Iſt unſer Haus Im ganzen Lande nicht das mächtigſte? Und er ſollt's wagen? 10 Schimpf? Ha, Poſſen! Doch ſoll's heraus, wer das Gerücht erſann; Ich will ihn treffen, ſo— und ſo— und ſol Bis in das vierte Glied! Berta von Dieditz kommt. Beneſch. Ha, Närrin, du? Was willſt du hier? Geh fort, auf dein Gemach! Berta. Ich kann nicht bleiben, raſtlos treibt's mich um. Sie eilen durch das Schloß und flüſtern ſich Entſetzliches mit ſcheuen Blicken zu. Sagt, Vater, iſt es wahr? Beneſch. Das fragſt du mich? Geh fort! von hier! Berta. O Gott, wo find' ich Menſchen? (Indem ſie auf Seyfried losgeht, zurückfahrend.) Ihr, Merenberg! Euch ſollt' ich eher meiden, Vor allen Euch; und doch, Ihr ſeid ein M enſch! 805 hab' Euch ſchwer beleidigt, Merenberg, Doch rächt Euch jetzt nicht, jetzt nicht! Seht mich knien. (Sie kniet.) Sagt, iſt es wahr? Seyfried. Was, Berta? König Ottokars Gli und Ende Berta. Iſt es wahr? Des Königs Eh' getrennt! Seyfried. Der Vater ſagt's. Berta. Die andern ſagen's auch!— Und er vermählt— Zu ſpäte Scham— iſt jetzo Zeit, zu ſchämen? Vermählt von neuem ſich mit— Seyfried(mitleidig). Nicht mit Berta Von Roſenberg! (Sie drückt mit einem Aus ruf ihr Geſicht an den Boden.) Beneſch(zu Seyfried). Wer ſagt's Euch?— Her zu mir! Milota(auf ſie zugehend). Kommt, Nichte, kommt! hier iſt kein Platz für Euch! Berta. O Seyfried, ſchütze mich! Seyfried. Mit t'Gunſt, Herr Milota! Wenn Ihr es wagt, die Hand an ſie zu legen, So ſtoß' ich Euch die Partiſan in Leib. (Die Hallbarte geſenkt.) Beneſch. Und wenn ich ſelbſt—l Seyfried. Mie gleich! Beneſch. Verweigerſt du dem Vater Sein Kindꝰ? Seyfried. O, hättet Ihr ſie doch 15 5 Sie 405 jetzt nicht ſtöh hnend vor uns da, Daß mir das Herz im Innern um ſich wendet! Beneſch. Wir hätten ſie wohl dir vermählen ſollen? Seyfried.'s war beſſer, Herr, als jetzo ſolche Schmach! Beneſch. Mein Kind! Seyfried. Zurück! Mir hat ſie ſich vertraut, Und ich weiß Anvertrautes zu bewahren! Beneſch. So ſoll mein Schwertl Seyfried. Laßt ſein! Du aber fürcht' dich nicht! Zawiſch tritt ein und bleibt beim Eingange, laut lachend, ſtehen. Zawiſch. Ha, ha, ha, ha! Beneſch(der ſich 75 Iipigeidende⸗ hat, ba er Zawiſch erblickt). Biſt du's? Dich ſendet Gott! Zawiſch. Was kämpft ihr denn, ihr hochgeſinnten Jäger, So wutentzündet um des Bären Fellꝰ Herr Petz trabt wohlgemut durch Berg und Tal Und w Schön Hebt 6 Ich bin Bene Milo Jawi Bene Jawi Bei Kr Bene Bawi Beneh Zawi Bene Zawi Bene Jawi Bene Jawi Die Kö Von de Benef Regſt Zawi Mit we Ei, mi: Mit Et Erſt fü Geſchm Dann l Mit Er Die Kö Zuletzt Kurz, e vermählt— goden.) r zu mir! Euch! ht! end, ſtehen. erblickt). ſendet Gott! nten Jäger, König Ottokars Glück und Ende. Und weiſt euch ſe einerzeit wohl noch die Pranken. Schön Mühmchen, grüß' Euch Gott!(Zu Seyf Und Ihr, Herr 2 Hebt Eure Feder und ſeht nicht ſo kraus; Ich bin kein Wild für Euch! Beneſch. Nun ſag', erzähle! Milota. Ja, Neffe, ſprich! Zawiſch. Erzähle! Sprich! Ei, was denn? Beneſch. Der König Zawiſch. Hat die Ungarn derb geſchlagen Bei Kroiſſenbrunn;(Gegen Milota.) Ihr, Ohm, wart ja dabei! Beneſch. Wer fragt um das? Zawiſch. Der Friede iſt gemacht: Auf Oſterreich— Beneſch. Nicht doch! Zawiſch. Auf Steiermark— Beneſch. Willſt du mein ſpotten? Zawiſch. Nu, was wollt Ihr dennd Beneſch. Des Königs Ehe— Zawiſch. Ei, die iſt getrennt! Beneſch. Die Handfeſt ausgefertigt? 3 h. Und beſtegelt. Beidmann, Zawi Die Königin geht heute noch nach Wien, Von da— Beneſch. Und ſpricht man nicht?— Verdammt!— Mit wem— (Gegen Berta hin.) Regſt du dich fioche— Mit wem der König— Zawiſch. Ah! Mit wem er ſich zum zweitenmal vermählt? Ei, mit wem anders denn, als dort mit jener, Mit Eurer Tochter? Ihr habt's ſchlau gekartet! Erſt führtet Ihr das Mädchen ſtill ihm vor, Geſchmücktl man konnte kaum was Schöners ſehn! Dann halft der Armen Mangel Ihr an Witz Mit Euerm eignen nach. Was ſie da Reden führte! Die Königin von Saba kann nicht beſſer! Zuletzt— nu, was weiß ich, was alles noch! Kurz, er iſt ganz berückt, und gebt nur acht, 10 König Ottokars Glück und Ende. Er kommt zur Stund' und freit um ihre Hand. Berta(aufſpringend). Zu ihr, zu ihr! zu ihren Füßen ſterben! Ab in der Königin Gemach.) Jawiſch. Ha, ha, ha, ha! Merenburg. Herr Zawiſch! Zawiſch. Luſtig! luſtig! Wir wollen auf des Königs Hochzeit tanzen! Zu Seyfried.) Ihr habt ja auch vordem um ſie gefreit? Weiß Gott! ich glaub', einmal zu Nacht, bei Wein, Gefiel mir ſelbſt ihr rot und weiß Geſicht! Nu, gebt mir Eure Hand, Herr Bundesbruder! (Seyfried wendet ſich ab.) Milota. Wozu das tolle Weſen? Grad und kurz: Mit wem vermählt der König ſich? Zawiſch. So kurz Als Eure Frage ſoll die Antwort ſein! Mit Kunigunde von Maſſovien, Des Ungarkönigs Nichte. Beneſch. Gift und Peſt! Zawiſch. Ihr wolltet ſelbſt des Königs Eh' getiennt, Habt jahrelang Euch weidlich drum bemüht: Sie iſt getrennt— und er freit Belas Nichte. Beneſch(mit der Hand vor der Stirn). Verraten, hintergangen! Schändlich, ſchändlich! Zawiſch. Pocht nicht ſo hart an der Gedanken Tor! Wenn's früher ſchloß, macht jetzo doch nicht aufl Beneſch. Jetzt ſpotteſt du, und haſt es ſelbſt gebilligtl Zawiſch. Gebilligt, ich? den Unſinn, die Verrücktheit? Beneſch. Ja, du, und du! Milota. Weil du Gewißheit vorgabſt!— Beneſch. Bringt mir ſie her, das Mädchen bringt mir her! Sie ſoll nicht leben! Sie und ich! O!— O!— Seyfried(herüberrufend). Schmäht Ihr das Mädchen? Schmähet auf Euch ſelbſt! Wer hieß Euch glauben, daß für Eure Tochter Des Königs, ihres eignen Königs Hand— Zawiſch. Das ließ ſich allenfalls noch glauben, Herr! Ein Merenberg wär' toll, dächt' er an ſo was; Doch Von Und, Auf d Wir Und Dem Auch Mi Zat Und Und! Der! Ber Mi Ich ſ Jat Ei ja Bei Biſt Mi Bat Beim Und Und Bel Mein Mi Bei f Zat Das Drun Zu Seyfried.) Wein, rI d kurz: getkennt, h1 en Tor! uf! gebilligt! rrücktheit? ringt mir her! O1 Euch ſelbſt! er ſen, Herr! 83 König Ottokars Glück und Ende. Doch die aus der Weltſtadt Roma ſtammen Von den Patriciern, die den Erdkreis beugten Und, als Urſini, noch dem Throne ſtehn zunächſt, Auf dem Sankt Peters Macht ob Herrſchern herrſchet, Wir mögen wohl nach Fürſt tenkronen trachten, Und eine Roſenberg mag kühn und frei Dem Beſten ſich vermählen dieſer Erde Auch— ha, ha, ha, ha, ha! Milota(der ſich geſetzt hat). Verdammt ſein Lachen! Zawiſch. Die Tochter raſt, der Vater rauft ſein Haar, Und wir 15 unſern alten Adel! Und wär' er älte 5 der Engel Fall, Der König winkt, und knall! liegt er am Boden. Beneſch. Doch eh' ich falle, Rache! Milota anfaſſend.) Rache, Bruder! Milota(der aufſteht). Ich ſann ſoeben und gedenk', zu handeln! Zawiſch. Regſt du dich auch, vierſchröt'ger Milota? Ei ja, da muß der König nun wohl zittern! Beneſch. Wenn du— wenn du dich unſrer Sach' entziehſt, Biſt du kein Roſenberg; ein Schurk! Nicht wahr? Milota. So iſt's! Zawiſch. Ei ja! Wie führen wir's denn aus? Beim nächſten Kirchgang drück' dich an den König Und tritt ihm auf den Fuß; das ſchmerzt verzweifelt, Und ſo biſt du gerächt! Beneſch. Er ſpottet unſer? Mein Kopf! Mein Kopf!— Er iſt kein Roſenberg! Milota. Komm, Bruder, laß uns gehn! Wer lachen kann Bei ſeines Hauſes. Schmach, verdient— Zawiſch. Halt, Freund! Wer ſeid ihr denn, ihr beide, daß ihr ſchmäht? Die ihr auf offner Straße Racheplane Zu tauben Wänden ſchreit und— offnen Ohren! Verſchwört euch auf dem Markt und treibt im Zimmer Aufruhr. Herr Merenberg, nicht wahr, das nenn' ich Leute? Der Rauſch des Zorns iſt wie ein andrer Rauſch: Das beſte Mittel iſt die friſche Luft. Drum fort ins Freie, meine werten Herrn! 12 König Ottokars Glück und Ende. Brennt unſer Haus, und können wir nicht löſchen, So laßt uns wenigſtens die Hände wärmen. Der König iſt mein Herr, und damit holla! Milota(ihm näher tretend). Faſt glaub' ich, Freund, du denkſt mehr, als du ſprichſt Sag', wofür hält tſt du uns? Jawiſch(laut). Für wackre Leute: Was man ver ſchweigt, erratet ihr auch nicht; Errietet ihr's, ihr könntet's nicht verſchweigen. Es öffnet ſich die Tür der Königin, Sie kommt, mit ihr der Großalmoſenier, Der Graf von Habsburg. Laßt uns gehn, Wir wollen ſie nicht in der Hora ſtören. Giehen ſich zurück.) Die Königin tritt aus ihrem Zimmer mit Rudolf von Habsburg. Hinter ihr zwei Diener, die Bertain ohnmächtig in einem Lehnſtuhl heraus tragen. Daneben Frau Eliſabeth, die ſie unterſtützt. Margareta(im Auftreten gegen die zurückweichenden Roſenberge). Da gehn ſie hin, wie dunkle Wetterwolken, Die, wenn ſie ſich entleert, nach Aufgang ziehn. (Gegen Berta gewendet.) Bringt ſie in ihr Gemach und ſorgt für ſie, Nach wenig Augenblicken komm' ich ſelbſt Undolf. Beinah zu viele Sorgfalt, gnäd'ge Fr (Berta, von ihren V wandten umgeben, u M auch beide kerenberge entfernen Margareta. Sie ſelbſt iſt kaum ſo ſchlimm, nur ſchwachen Geiſtes Und töricht eitel, das hat ſie verführt. Doch ihre Vettern, 1613 Anverwandten, Der ſtarre Milota, der Geifrer Beneſch, Und Zawiſch, jener ſchlimmſte wohl von allen, Mit Reichtum, Macht und Hoffnung auf den Thron— Ja, ſo weit ging der Übermüt' t'gen St tolz— Verlockten ſie das leichtbetörte Kind. Seit lange ſah ich ſie, die böſen Engel Des Königs, meines Herrn, verſtohlen reißen An den nur allzuſchwachen Banden, die Kaum Ottokarn noch feſſelten an mich. Ich hör Ein W Doch n Sie we Mit ur Und oh Denn Zu ſetz Da fül Und ne Ihr mi O Ott. Rudo Der eiz Mar Fern ſe Er han Und ſa Bin ick Hat G Er ſah Vermif Wer hi Bei den Zum 6 Seitder Im gr Den ri hen, u ſprichſt. bsburg. Hinter hnſtuhl heraus erſtützt. iRoſenberge). t. rau! acht, auch beide nur ſchwachen Thron— König Ottokars Glück und Ende. Ich hörte, wie ſie ſeinen Wunſch nach Erben, Nach angebornen Folgern ſeines rons, Mit heuchleriſchem Mitleid liſtig nährten. Ein Wunſch, gar wohl verzeihlich einem König! Doch was ſoll Erbrecht, das aus Unrecht ſtammt? Sie waren es, die dieſer Ehe Trennung Mit unermüdlicher Geſchäftigkeit Und ohne Auftrag faſt des König Denn eine ihres Hauſes hofften ſie Zu ſetzen auf der ien Herrſcherthron: Die Arme, die jetzt mit dem Wahnſinn ringt! Wie oft war ſie an Feſten mir genüber, Mit Schmuck bedeckt, des Hofes Schwall um ſie— Indes ich einſam ſaß mit meinem Gram. Der König Auge nur für ihren Reiz Und Ohr für ihren Wunſch; des Mundes Dräun Zur Schmeichelei herabgeſtimmt für ſie: Sie aber froh und ſtolz und überſelig, Wohl gar verächtlich blickend hin auf mich. Da fühlt' ich Mitleid mit dem armen Opfer Und nahm mir vor, am Tage ihres Falls Ihr mild zu ſein und hilfreich ihrem Unglück. O Ottokar, wie viel nimmſt du auf dich! Rudolf. Vergeßt nicht ob der Unbild an der Fremden Der eignen, größern Unbild, gnäd'ge Frau! Margareta. O, glaubt nicht, daß den König ich entſchuld'ge, Fern ſei von mir, daß ich je Böſes lobe! Er handelt unrecht, unerlaubt an mir, Und ſagen will ich's ihm, tret' ich vor ihn. Bin ich nicht jung— ich hab' es nie verhehlt. Hat Gram der Züge Reiz mir ausgelöſcht— Er ſah mich ja, bevor er um mich warb! Vermißt er Munterkeit an mir und Scherz— Wer hieß den Muntern denn zur Freite gehn Bei der unſel'gen Königin der Tränen, Zum Grab gebeugt durch all der Ihren Tod? Seitdem mit dieſen Augen ich geſehn Im grauſen Kerker von Apulien Den röm'ſchen König Heinrich, meinen Gatten, trieben; 14 König Ottokars Glück und Ende. Des harten Friedrich allzuweichen Sohn, Ichen Von nahverwandten Händen liegen tot, Doch Und tot die beiden hoffnungsvollen Kleinen, Befle⸗ Die ihm mein Schoß, ſeitdem verſchloſſen, trug: Und War Luſt ein Fremdling dieſer öden Bruſt, Zum Und Lächeln floh entſetzt vor meinen Lippen, Ich h Die Gram und Schmerz mit ſeinem Siegel ſchloß. Auf s Beine Was gibt man an als unſrer Trennung Grund? Denn Den erſten weiß ich: ich bin kinderlos Der! Und ohne Hoffnung, je ein Kind zu ſäugen; Sie k Weil ich nicht will, weit mehr noch, als nicht kann! Verde Das wußte Ottokar, als er mich freite, Da te Ich ſagt' ihm's, und er nahm es für genehm; Wie Denn auf mein reiches Erb' von Oſterreich Und? War da ſein Sinn geſtellt und ſeines Vaters, Von Des länderſücht'gen Königs Wenzeslav. Konſt⸗e Was will der König alſo? Kinder, Erben? Die Ein Bettlerkind ſäß' beſſer auf dem Thron, Der d Als Königsſöhne, die das Unrecht zeugte! Der 4 Was gibt man weiter an, als fernern Grund? Mits Rudolf. Verwandt ſeid Ihr in unerlaubtem Grad. Bis ſ Margareta. Man hat in meiner Jugend mir erzählt Der 9 Von einem Bela wohl und einem Geyſa, Der Die Brüder waren, Töchter hatten und Durch Nach Oſterreich und Böhmen ſie vermählten, Da tr In Väter Väterszeit. Der König ſpottet! Die Es ſind die Fürſtenhäuſer alle ſich verwandt, Ein 9 Und ſolchen Grads Erlaſſung fällt nicht ſchwer. Des Auch hat man anfangs deſſen nicht erwähnt! Durch Rudolf. Erinnrung kam mit der gelegnen Zeit! Mit 9 Margareta. Glaubt nicht, daß mich bekümmert, fortzugehn, Ich ſe Daß es mir leid tut um des Hofes Ehren! Der 1 O, könnt' ich jetzt, in dieſem Augenblick, Da fi Weit hinter mir der Krone Glanz und Pracht, Und z Nach Haimburg hin, in meiner Väter Schloß, Die 8 Allwo ich ſaß nach meines Gatten Tod Von Und ſein und meiner Kinder Fall beweinte! Sah i Der König ſende heute noch mich fort, Zu m rug: ſchloß. Grundꝰ ht kann! ndꝰ m Grad. mir erzählt „ t, wer. t! Zeit! mert, fortzugehn, icht, loß, König Ottokars Glück und Ende. Ich will ihm danken, wie ich nie gedankt! Doch ſoll er mir die Ehre nicht betaſten, Beflecken nicht das Band, das uns vereint, Und ſo der jüngſtverfloſſnen Jahre Lauf Zum Greuel machen und zum Argernis! Ich habe dieſe Krone nicht geſucht! Auf Haimburg ſaß ich, meines Grams gedenkend, Beinah dem allgemeinen Elend taub: Denn Brand und Raub verwüſtete mein Land; Der Ungar hier, der Bayer dort, der Böhme, Sie hauſten mit dem Schwert in Oſterreich, Verderbend meiner Väter ſchönes Erbe. Da tagten ſie, die Herrn, zu Triebenſee, Wie ſie dem Weſen einen Vogt gewännen, Und Boten ſandten ſie ins Meißnerland, Von dorther einen Fürſten ſich zu holen, Konſtanzias, der Babenbergrin, Sohn. Die Boten aber fing der König auf, Der damals herrſcht' in Böhmen, Wenzeslav, Der Liſtige; und ließ nicht eher ab Mit Bitten, Drohn, Verſprechen und Geſchenken, Bis ſeinem Sohn, bis dieſem Ottokar Der Herren Wahl, des Landes Herrſchaft wurde. Der wollte, jener nicht; und neuer Krieg Durchflammte glühnder meines Landes Fluren. Da traten zu mir hin, auf Haimburgs Schloß, Die Landesherrn und klagten ihre Not. Ein Mittel, als das einz'ge, nannten ſie: 85 Des Stärkſten Recht durch meines zu verſtärken, Durch Ottokars Vermählung und die meine Mit Böhmen zu vereinen Oſterreich. Ich ſagte: Nein!— gedenkend meines Gatten, Der meine Treue mit ſich nahm ins Grab. Da führten ſie mich auf des Schloſſes Söller Und zeigten mir das glutverſengte Land, Die Felder nackt, die Hütten leer, die Menſchen tot. Von Weibern, Kindern, Blutenden, Verletzten Sah ich mit Schaudern, heulend, mich umgeben, Zu mir um Rettung flehend, die's vermochte. z Glück und Ende. 16 König Ott Da wollt' ich alles und verſprach es ihnen. Sie aber brachten Ottokarn zu mir, Mir ihn bezeichnend als den künft'gen Gatten. Mit ſchwarzem Aug' aus ſchwarzen Brauen blickend, Stand er in ſcheuer Ferne ſinnend da Und maß, der Jüngling, mich, die Alternde. Allein des Landes Not bei mir gedenkend, Trat ich zu ihm und ſprach ihn freundlich an: Und ſo ward ich ſein Weib. Ich hab' ihn nie geliebt; Ich dachte nie, ob ich ihn lieben könnte: Doch ſorgt' ich ſtill für ihn, und wie ich ſorgte, Fand ein Gefühl ſich mir im Innern ein, Das allen Schmerz der Liebe kennt, wenn auch Nichts von der Liebe Glück. So war's mit uns. Nun urteilt, ob Entfernung mich erſchreckt. Ja, ich will gehn, doch bleibt die Ehe feſt, Nichts ward verletzt, was ihren Bruch begehrte. iudolf. Von einem ſpricht man noch: daß J Nach Eures Gatten, König Heinrichs, Tod Nicht mehr Euch zu vermählen feierlich gelobt. Doch iſt's Erdichtung wohll argareta. Nein, das iſt wahr! Es war kein feierlich Gelübd', kein ſole Das andre Bande kirchlich brechen könnte; Doch hab' ich es gelobt— und hätt' es halten ſollen!— Zu Trier lag ich im Gebet vor e Und ew'ge Treu' und ew'gen Witwenſtand Gelobt' ich meinem Gatten, König Heinrich. Nicht Manneshände ſollten je berühren Den kleinſten Finger mir, des Kleides Saum, Und ſelbſt ein Weib nicht meine Lippen küſſen, Die einſt an Heinrichs teurem Mund geruht. Ja, ich gelobt's, und alles Unheil rief ich, Wenn ich's je bräche, nieder auf mein Haupt. Das Unheil, merk' ich, tut, was ſeines Amtes. Nochmal, es war kein feierlich Gelübd'! Ich tat's nur mir und meines Heinrichs Schatten! Doch war's Gelübd', ich hätt' es halten ſollen! Rudolf. Was, gnäd'ge Frau, ſoll ich dem König melden? zu Trier t Ott, Mar Was ſe Sagt 0 Das C Was e Rude Mar Rude Mar dude Der C Mar Rnd Daß j Dem;! Mar Sagt Er ſol Denn Mer Ma Zu ſte (Sie er Der Tl Krieger miſche“ ſich teil grunde der S All n. blickend, N: lie geliebt; gte, uch uns. Ihr zu Trier ten ſollen!— pt. eS. chatten! en! König melden? Köntg Ottokars Glück und Ende. 17 Margareta. Wie raſch wir ſind, an andern das zu tadeln, Was ſelber wir, wenn minder gleich, verübt! Sagt König Ottokar, Herr Graf von Habsburg: Das Ganze legt' ich ihm auf ſein Gewiſſen, Was er entſcheide, das ſei mir genehm. Rudolf. Ihr willigt ein? argareta. Ich widerſpreche nicht. Audolf. Doch man verlangt zugleich, daß ab Ihr tretet Das Land von Oſterreich und das von Steier, Der Babenberger Gut. Margareta. Ich hab's getan. audolf. Doch war es Schenkung um der Ehe wegen, Der Ehe Trennung hebt die Schenkung auf. Margareta. Ich will ſie wiederholen. Undolf. Auch bedenkt, Daß jene Lande Reicheslehen ſind, Dem Reich erledigt und nicht Euch gehörig. Margareta. So weit mein Recht geht, geb' ich es dahin. Sagt das dem König und zugleich: Er ſoll vor Unrecht forglich ſich bewahren; Denn auch das kleinſte rächt ſich. So lebt wohl! (Trompeten und Lärm auf der Straße.) Der alte Merenberg tritt ein. Merenberg. Der König kommt. Aargareta. Gerechter Gott!— Ich will Zu ſtärken mich verſuchen durch Gebet. (Sie entläßt die beiden durch eine Handbewegung und geht in ihr Ge⸗ mach. Die andern auf der entgegengeſetzten Seite ab.) Thronſaal mit gotiſchen Bogen und Der Thron an der zweiten Couliſſe rechts. Im Vorgrunde zu beiden Seiten ein reichbedeckter Tiſch mit einem Armſtuhl. Kriegeriſche Muſik, Trompetenſignale und Volkszuruf von außen. Böh⸗ miſche Große und Krieger treten, vom Hintergrunde her, auf und ſtellen ſich teils neben dem Throne, teils gegenüber in Reihen. Links im Vor grunde eine Deputation der Stadt Prag, mit dem Bürgermeiſter an der Spitze. Die Mitte des Hintergrundes nimmt eine tatariſche Ge⸗ ſandtſchaft ein. Der Kanzler(tritt auf). er König kommt! Alle. Hoch lebe Ottokar! D 1 18 König Ottokars Glück und Ende. Ottokar(tritt ganz gerüſtet, jedoch ohne Helm, vom Hintergrunde her raſch auf). Habt Dank, ihr Herrn! (Er bleibt vor den tatariſchen Geſandten ſtehen, die auf die Kniee nieder⸗ gefallen ſind.) Wer ſind die Leute da? Kanzler. Geſandte, Herr, des Chanes der Tataren. Sie bringen Gruß und biete n Freundſchafts sbund. Ottokar. Heißt ſie nur aufſtehn!— Hört ihr? Auf vom Boden! Ein ſonderbares Volk und ſonderbar bewaffnet! Weiſt her den Säbel!(ær wiegt ihn in der Hand.) Viel zu krumm gebogen! (Er tut einen Hieb in die Luft.) Das nimmt dem Hieb die Kraft. Das müßt ihr ändern! Ein krummes Schwert mag angehn, doch der Kraftpunkt Soll mehr nach oben. Einer meiner Reiter Jagt euer zehn mit ſeinem breiten Schwert! (Er gibt den Säbel zurück.) Und ſonſt die Rüſtung? Wozu ſoll der Haarſchopf oben auf dem Scheitel? Für den Feind wohl? Der faßt ſich ſeinen Mann, zieht ihn vom Pferde Und würgt ihn, wie er mag. Wär' ich ihr König, In einer Nacht ließ ich ſie alle ſcheren! Sie ſollen gehn und morgen wieder kommen! (Die Tataren ab.) Ottokar(im Vortreten). Nun, haben wir's euch recht Banßi ihr Herrnꝰ Ungarn mögt ihr künftig ruhig ſchlafenz Wir haben ſie gejagt.— Was gibt es ſonſt? (Die Deputation der Stadt Prag iſt vorgetreten.) Wer ſeid ihr? gürgermeiſter. Rat und Bürgermeiſter, Herr, Von Eurer vielgetreuen Pragerſtadt. Ottokar. Was wollt ihr?— Ah!— Nur immer zu, ihr Herrn! Ich bin ermüdet, nehmt mir meine Waffen! (Er wirft ſich in einen Lehnſtuhl links im Vorgrunde, zwei Diener ſind beſchäftigt, ihn zu entwaffnen.) Bürgermeiſter. Großmächtigſter! Unüberwindlichſter! Es dre Und— Otto Füll. Otto Füll Otto Glaub Ich m Der g Füll Weil Otte Die ic March Von d Und u Der ſ de. vom Hintergrunde f die Kniee nieder⸗ daꝰ — Tataren. bund. ihr? Auf vom 1 et! d.) jen! zt ihr ändern! r Kraftpunkt rſchopf rrnꝰ ö ö reten.) Er, er zu, ihr Herrn! zwei Diener ſind udlichſter! Köntig Ottokars Glück und Ende. Es drang zu uns die Fama deines Sie Und— Ottokar. Füllenſtein! Füllenſtein. Hier bin ich, gnäd'ger Herr! rritt vor.) Ottokar. Wie hieß der Platz, wo wir die Ungarn jagten? Füllenſtein. Bei Kroiſſenbrunn. Ottokar. Hans Narr, da war das Lager! Glaubſt du, ich weiß den Ort nicht, wo ich ſtand? Ich mein' den Platz des letzten Reiterangriffs, Der ganz entſchied. Füllenſtein. Man nennt den Ort Marchegg, Weil in die Ecke dort die March ſich wendet. Ottokar. Marchegg, ſo ſoll man mir die Stadt auch nennen, Die ich dort baun will zu des Siegs Gedächtnis! Marchegg ſoll ſein der Markſtein meines Glücks, Von dort aus weiter; denn wer hielte mich? Und wer dort geht, noch in den fernſten Tagen, Der ſoll von Ottokar und ſeinem Streiten ſagen! (Er iſt aufgeſtanden; zu den Dienern.) Was zögert ihr?— Ja ſo, du willſt das Bein? (Er ſetzt ſich wieder.) Herr Bürgermeiſter, zieht dort an der Schiene! So geht's nicht! Fortl Wer wird ſo lange zögern? (Er reißt ſelbſt gewaltſam die Schiene ab und wirft ſie mitten in den Saal.) Juſt in der Ecke dort der March, am Hügel jenſeits, Saß König Bela hoch auf ſeinem Stuhl, Und Heinrich Preußel ſtand dabei, ich ſah's wohl, Der legt' ihm, wie der Knab' im Puppenſpiel, Die Gegend aus, und was ſich drin begab, Und wer die Kämpfer waren, und ſo weiter. Zum Anfang ging's noch gut, doch als der Habsburg Auf eins hervorbrach mit den ſchweren Reitern Und alles floh, was ungriſch fluchen kann, Und in die March, daß ihre Zottelbärte Wie Schilfgras aus gedämmtem Waſſer ragten— Wo iſt der Habsburg? Heil! beim reichen Gott, Er hielt ſich wohl! Sonſt ein gar ſtiller Mann, Doch wenn er angreift, wie der böſe Teufel. * König Ottokars Glück und Ende, Wo iſt Graf Habsburg? Diener. Sollen wir ihn rufen? Ottokar. Laßt nur!— Als das der Ungarkönig ſah, Da braucht' er keines Dolmetſch weiter mehr. Mit beiden Händen fuhr er bh ins Haar Und zog ſich feindlich. Ei, dacht' ich mir, Herr, Spart euch die Müh', wir können das viel beſſer. Doch iſt er Freund uns jetzt und Bunds sgenoß, Da muß man Gutes nur und Liebes ſprechen. Nun, ſeid ihr endlich fertig?(er ſteht auf.) Hut und Mantel!l Und wie ſteht's hier bei Euch, Herr Bürgermeiſter? Habt Ihr indes geträumt? Der Hut da drückt. Da der Diener zögert.) Zum Teufel! einen andern Hut!— Wie alſo? Die Mauer auf dem Wiſchehrad iſt fertig? Bürgermeiſter. Ja, gnäd'ger Herr! Ottokar. Die Moldaubrücke auch? Bürgermeiſter. Nur geſtern ward der letzte Stein gefügt. Ottokar. Ja, weil Ihr wußtet, daß ich heute kam! Den Deutſchen, die ich ſandte, Sachſen, Bayern, Ward ſchon die 3 Vorſtadt eingeräumt? Bürgermeiſter. Verzeihet— Ottokar. Iſt's geſchehn? Bürgermeiſter. Eur' Hoheit— Ottokar. Jaꝰ Bürgermeiſter. Noch nicht. Ottokar. 10 nicht? Gottes Feu'r! Warum nichtl Bürgermeiſter. Wir wollten noch einmal Eur' Hoheit angehn, Eh' wir vertrieben ſo viel treue Böhmen— Ottokar. Vertrieben! Was vertreiben! Wollt' ich das? Sie ſollten nach Chrudim, dort waren Acker Und Baugrund ihnen hifech angewieſen, Und dreifach alle Koſten der Verſetzung; Doch aus der Vorſtadt ſollen ſie heraus, Sie ſollen, müſſen! Müſſen, Gottes Donner! Ich weiß wohl, was ihr mögt, ihr alten Böhmen! Gekauert ſitzen in verjährtem Wuſt, 955 la Und er Der ſo Aus et Wie ei Da eu Und ei Ich bi Das Könn Ihr ſo Mit K Soll e Die L Ich he Der 1 Und L Und 9 Ich he In ab Aus 0 Wie 1 Euch Für u Doch Hin a Unden Der N 0 t˖ Daß 1 könig ſah, err, beſſer. oß, n. it und Mantell neiſter? ickt. ſoꝰ Stein gefügt. tte kam! ern, Warum nicht! Hoheit angehn, Vollt' ich das? r hmen! König Ottokars Glück und Ende. Wo kaum das Licht durch blinde Scheiben dringt; Verzehren, was der vor'ge Tag Boh Und ernten, was der nächſte ſoll verzehren; Am Sonntag Schmaus, an Kirchmeß plumpen T Für alles andre taub und blind; So möchtet ihr: ich aber mag nicht ſo! Wie den Ertrinkenden man faßt am Haar, Will ich euch faſſen, wo's am meiſten ſchmerzt: Den Deutſchen will ich ſetzen euch in Pelz, Der ſoll euch kneipen, bis euch Schmerz und Arger Aus eurer Dumpfheit wecken und ihr ausſchlagt Wie ein geſporntes Pferd. Ihr denkt der Zeit, Da eure Fürſten faßen an dem Herd Und einen Keſſel führten in dem ſchnöden Wappen; Ich bin kein ſolcher, ſtraf'“ mich Gott! (Man hat ihm den Mantel umgegeben.) Seht her, Der Mantel-ward in Augsburg Ait Das Gold, der Samt, die Stickerei, das Ganze, Könnt ihr das machen hier in eurem Land? Ihr ſollt! bei Gott, ihr ſollt! Ich will euch's Mit Köln und Wien, mit Lunden und Paris Soll euer Prag hier ſtehn in einer Reihel Die Länder, die euch herriſch ſonſt gehöhnt, Ich habe ſie mit dem Schwert: Der Ungar flieht d Bayerfürſt hält Ruh', Und Oſterreich, die wackre S Steiermark Und Portenau und Krain und Deutſchlands Eger, Ich habe ſie vereinigt meinem Reich. In alle Fernen trug ich Böhmens Namen, Aus allen Fernen tönt zurück ſein Ruhm. Wie meine Väter konnt' ich ruhig ſchlafen, Euch laſſen ſchlafen, ſo wie eure Väter; Für wen hab' ich's getane Für euch! Doch ſollt ihr nach, des geb' ich euch mein Wort!l Hin auf des Ber rges Mitte ſtellt' ich euch, Und nun klimmt weiter, oder brecht den Hals! Indem er ſich abwendet.) Daß mir die Deutſchen in die Vorſtadt anz, lehren! kommen! König Ottok Glück und Ende. Kauzler tritt ein und nähert ſich dem Könige. Ottokar. Was iſtꝰ Kanzler. Die Königin, wie Ihr befahlt. Ottokar(wieder 10 den Bürgern gewendet). Auch das noch, das noch, ſeht, um euretwillen! Was einem 1985 Mann das Teuerſte, Die Ruh' im eignen Haus, hab' ich geſtört Um eure Ruh', um eurer Kinder Ruhe. Damit nach meinem Tod mein Reich nicht erblos, Mein Werk das Spiel nicht werde innern Zwiſts, Hab' ich von Margareten mich getrennt, Die keines Erben Hoffnung mehr gewährt, Und neuer Bande Wechſel mich gefügt. Gur ganzen Verſammlung gewendet.) Ja, ja, ihr Herrn, damit ihr's alle wißt: Zur Feſtigung des nun geſchloſſnen Friedens Hat König Bila mir die Hand geboten Von Kunigunden, 13 n Enkelkind, Des Herzogs von Maſſovien einz' gen Tochter Da nun ſeit lang die Biſchöfe des Reichs Mich warnten meiner Eh' mit Margareten; 50 denn auch manches ſonſt dagegen ſpricht Denn erſtens iſt ſie alt und unfruchtbar, Kein Erbe läßt ſich mehr von ihr erwarten; Dann iſt ſie 30 verwandt in— was weiß ich?— In welchem und Riaſteein Grad, und endlich— Allein wozu noch lange eins und zwei; Denn erſtens, zweitens, drittens,'s bleibt dabei! Die Königin wird kommen, Handfeſt unterzeichnen, Die Schenkung wiederholen ihrer Lande, Und des zu Zeugen ſeid ihr hier verſammelt. (Er beſteigt den Thron.) Der Kanzler Ger ſeine Papiere auf demſelben Tiſche ausgebreitet hat, an dem vorher der König ſaß, tritt nun, mit einer Urkunde in der Hand, in die Mitte des Saales). Nun Ruh' in Ehrfurcht iſt des Königs Wille! Margare dem Hau Kanz Von L Des w Derzeit Wer fi Mar 96 Allein Und re Kanz Mat Ran; Es ha Im V Des 2 Zu R Das 0 Und i Durch Als le Gedacdk In w Daß Des Euch Zu T Ma Ott. Fahrt Kar Ott Ein Von Den Ott de. könige. illen! erblos, Zwiſts, ich?— lich— abei! eichnen, lt. Tiſche ausgebreitet iner Urkunde in der le! König Ottokars Glück und Ende. Margarete, in einen nachſchleppenden Mantel gekleidet, die Krone auf dem Haupte, tritt, von Habsburg und Merenberg begleitet, von Frauen gefolgt, ganz im Vorgrunde links auf. Kanzler. Erlauchte Frau und Königin Margrete, Von Oſtreich Herzogin und Steiermark, Des weiland röm'ſchen Königs Heinrich Witwe, Derzeit vermählt mit Böhmens hohem Herrn; Wer führt das Wort in Eurer Gnaden Sache? Margareta. Ich ſelbſt! (Ablehnend zu Merenb der vorgetreten iſt.) Laßt nur, Herr Merenberg!— Ich ſelbſt! Allein will ich des Zornes Makel tragen Und reden, ſo wie leiden, ich allein! Kanzler. Iſt Euch bekannt—7 Margareta. Ich weiß! Kanzler. Nun denn, mit Gott; Es hat ein heil'ger Send, zu Wien verſammelt, Im Vorſitz Guido, Kardinal⸗Legat, Des Titels von Sankt Laurenz in Lueina, Zu Recht geſprochen ob dem Eheband, Das Euch verbunden unſerm gnäd'gen Herrn; Und in Betracht, daß Ihr im vierten Grad, Durch Bela, Ungarns König, und durch Geyſa, Als leiblich naher Brüder Kindeskinder, Gedachten unſerm gnäd'gen Herrn verwandt; In weiterm Anbetracht, wie vorgekommen, Daß Ihr nach Eures erſten Herren Tod, Des hochbelobten röm'ſchen Königs Heinrich, Euch nicht mehr zu vermählen ein Gelübd' Zu Trier getan, im Katarinenſtift— Margareka. Es war kein feierlich Gelübd'! Ottokar. Hier ſteht's! Fahrt fort! Kanzler. Als hat— (Trompeten von außen.) Ottokar. Was iſt? Ein Diener. Die Stände, Herr, Von Oſterreich ſind in die Burg gezogen, Den Fürſtenhut des Landes bringen ſie. ttokar. Hierher! Sie kommen als gelegne Zeugen! 24 König Ottokars Glück und Ende. Die Stände von Oſterreich, den Herzogshut auf einem Kiſſen vor ſich hertragend, treten ein. Heinrich von Liechtenſtein(als Wortführer). Es hat dein tapfres Schwert, erhabner Fürſt, Entſchieden in dem Streit mit Ungarns König, Wer Herr ſoll ſein in unſerm ſchönen Land. Geendet iſt der blutig ſchwere Zwiſt, Und leichten Herzens wiederholen wir Die Huld'gung, die erſt jetzt in voller Kraft. Zu Margareten gewendet.) 8 allem aber dir, erlauchte Frau, Dem edlen Sproß des alten Heldeuſtamn nes, Der ruhmvoll laug ob Oſterreich gebot Ottokar. Laßt das nur ſein und ſtellt euch ruhig hin! Statt neuer Huld'gung, denkt auf alte Treu' Und haltet's einmal, ſtatt es zweimal zu verſprechen! (Zum Kanzler.) Fahrt fort! Kanzler. Als haben ſie zu Recht erkannt, aß ſolches Bündnis länger nicht beſtehe, Erklären es für null und aufgehoben. Die Schenkung, die Ihr früher habt gemacht An Euern Herrn mit Euers Stammes Erbe, Sie bleibt in Kraft, und Ihr ſeid aufgefordert, Sie noch einmal, der Form nach zu beſtät'gen. Euch angewieſen wird, als Leibgeding, Die Stadt von Krems, das Polan rings um Horn, Und Grevenberg von unſers Herren Gnade Margareta. Habt Ihr geendet? Kanzler. Ja, erlauchte Frau! Margareta. Ich könnte manches Euch entgegen ſetzen! Ottokar. Wozu? Es bleibt der Spruch in Kraft. Margareta. Doch unterwerf' ich mich. Ottokar(vom Throne ſteigend). Nun gut, was mehr? 8 2 Margareta. Und geh⸗ von hinnen, wie man es begehrt. Ottokar(auf ſie zugehend). Mich freut, daß ich Euch klug und billig finde; So hab' ich Margareten ſtets gekannt Und ſte Es iſt Der gã Was m Das in So hoc So hoe In B6 Zu— f Meins Im na Die G Es wil Wie ſti Vom L Vom 8 Iſt nie Es hat Kein 9 Ja, Ke Sie di Nur e Der E Den 6 Margr Mar Auch 1 Was Gelieb Otto Iſt O Die hi Mat Das i Die L Sie u em Kiſſen vor ſich lig, ruhig hin! n Horn, zegen ſetzen! 1 Kraft. s mehr? in es begehrt. ide; König Ottokars Glück und Ende. 2⁵ Und ſtets geachtet Euch als eine ſolche. Eð iſt ja nicht der Jugend Kitzel, Der gärend feur'ge Drang nach Neuerung, Wus mich Euch meiden heißt es iſt mein Land, Das in mir Ehen ſchließt und Ehen ſcheidet. S8 hoch ein Menſch mag ſeine Größe ſetzen, So hoch hat Ottokar geſetzt die ſeine. In Böhmen herrſch' ich, bin in Mähren mächtig; Zu O ſtreich hab' ich Steier mir erkämpft, Mein Oheim ſiecht, der Kärnten nach mir läßt. (Vertraulich und leiſer.) Im nahen Ungarn hab' ich meine Hand, Die Großen ſehn auf mich, die Mißvergnügten; Es will mir Schleſien n woll, und Polen ſchwankt, Wie ſturmgepeitſcht ein Schiff, in meinen Hafen. (Wieder lauter.) Vom Belt bis fern zum Adriat'ſchen Golf, Vom Inn bis zu der Weichſel kaltem Strand Iſt niemand, der nicht Ottokarn gehorcht; Es hat die Welt„ſeit Karol Magnus' Zeiten, Kein Reich noch wie das meinige geſehn. Ja, Karol Magnus' Krone ſelbſt, Sie dünkt mich nicht für dieſes Haupt zu hoch. Nur eines fe hlte noch; nur eins und— alles: Der Erbe, der's empfängt aus meiner Hand. Den Giebel ſetz' ich auf an meinen Bau; Margrete, weiß ich, wird mir's nicht mißgönnen. Margareta. Ich gönn' Euch alles, gönn' Euch mehr als mir! Auch iſt's mein Vorteil nicht, es iſt der Eure, Was mich noch einmal warnend ſprechen heißt. Geliebt es Euch, ſo folgt mir nebenan— t Olint Sprächt immer hier; nur unter Königen t Ottokar der König nicht allein! Die hier gehorchen. Margareta(ſchne). Doch wie lange, Herr? Das iſt's, woran ich warnend mahnen wollte! (Näher zu ihm tretend.) das Erbe meines Hauſes, ch durch Margaretens Hand. Die Länder all, Sie wurden Eu 26 König Ottokars Glück und Ende. Weiß Gott, ich ſcheide gern! Doch wie ich ſcheide, Schwingt wieder Aufruhr ziſchend ſeine Fackel, Und gegen Euch Ottokar. Seid Ihr'ne Bäckersfrau, Die ihren Altknecht freit auf ihr Gewerb', Und fürcht et Ihr, ſie kommen von der Stadt Und nehmen mir's, ſobald die Herrin fort? (Halb gegen die Stände gewendet.) Ich halte ſie, ſeht Ihr? mit dieſer Hand; Sie ſollen ſich nur regen, wenn ſie's wagen! Margareta. Umringt ſeid Ihr mit Argen und Verrätern! Ottokar. Lehrt Ihr den Ottokar die Seinen kennen? Ich gehe meinen Gang, was hindert, fällt. Margareta. Schlagt meine Warnung ſo nicht in den Wind! Ihr ſteht am Abgrund, glaubt mir, Ottokar! (Wiederholte Trompeter Die Landesherrn von Steiermark ſind unten Und bitten, daß du gnädiglich ſie hörſt. Ottokar. Laßt ſie herein!— Ihr ſeht wohl, Margareta Die Unglücksprophezelung trifft nicht ein! Die Stünde von Steiermark treten ein, den Herzogshut vor ſich her auf einem Kiſſen. Der Wortführer(ndem er vor Margareten das Knie beugt). Erlauchte Frau! Margareta(ablehnend). Nicht mir! Ottokar. Zu mir, mit Gunſt! Der König iſt, der Königinnen macht! Schweigt immerhin, ich weiß ſchon, was ihr wollt. Ich hab' eu'r Land den Ungarn abgeſtritten Und werd' es wahren gegen Kerr nann; Auch gegen euch, wenn's irgend etwa not. Stellt euch nur hin und wartet ruhig ab! Im übrigen betrachtet mich genau, Damit ein andermal ihr gleich beim Eingang wißt, Vor wem ihr habt zu knien. (Dle Ste Otto Liegt f Otto Mar Den 6 Bei m Bei m Beim Man Erlaul Otte Dien Ach, 9 Gtie Die 9 Otte Ma Ott, Noch Die Von Ott Wo⸗ Ott KRät Und! nde. ſcheide, ckel, idt 9 n! mund Verrätern! ien kennen? icht in den Windl rl n ohl, Margareta, zhut vor ſich her auf Knie beugt). hr wollt. n ang wißt, König Ottokars Glück und Ende. 27 (Dle Steirer ſtellen ſich in eine Linie mit den Sſterreichern, dem Throne gegenüber, die Träger der Kronen voran.) Ottokar. Nun noch zum letzten! Habt Ihr die Handfeſt hier, Herr Kanzellar, Die Schenkungsurkund' von der Fürſtin Landenꝰ Kanzler. Ich nicht; die gnäd'ge Frau— Ottokar. Habt Ihr ſie, Margarete? Margareta. Im Schrein verſchloſſen meiner Hauskapelle Liegt ſie verwahrt. Ottokar. Nun gut, ich ſende drum! Margareta. Noch hat kein menſchlich Aug' des Schreines Inhalt, Den Schatz geſehn, den mir ſein Schloß bewahrt. Bei meines Heinrich teurem Abbild liegt ſie, Bei meiner beiden Kinder Totenhemd, Beim Schreckenspfeil, den an der Leitha Strand Man blutig zog aus meines Bruders Herzen. Erlaubt Ihr, geh' ich ſelbſt! Ottokar. Wie's Euch gefällt. (Trompeten und Jubelgeſchrei von außen.) Diener(kommt). Ach, gnäd'ger Herr! Ottokar. Was iſt? Die Landesherren von Kärnten, Ritter und Bauern bunt gemengt, treten auf, den Herzogshut vor ſich auf dem Kiſſen. Ottokar. Wer ſind die? Margareta. Soll ich? Ottokar. Ich bitt' Euch drum!— Ihr ſeht, ich bin beſchäftigtl Noch mehr der Kronen? (Margareta geht ab.) Diener. Gnäd'ger Herr, der König Von Ungarn reitet ein— Ottokar(auf den Kronenträger zugehend). Wer ſeid ihr, Leute? Wortführer der Kärntner. Der Herzog Kärntens, Euer Gnaden Oheim— Ottokar. Iſt er geſtorben? f Kärntner. Ja, erlauchter Herr, Und kraft des Erbvertrags mit Euer Gnaden 28 König Ottokars Glück und Ende Fällt Euch das Land, die Herzogskrone zu. Ottokar. Betrauern mag ihn, wer ſein Land nicht erbt!l Seid mir willkommen, meine wackern Kärntner! Fügt Eure Krone dort zu jenen beiden Und laßt mich freun des königlichen Anblicks. (Die Kürntner ſt Ottokar. Man lärmt ja noch! Was iſt? Diener. Ich ſagt' es jal Der König 58 Herr, iſt eingeritten Mit ihm Geſandte von dem Reichsvereine, Den Doppeladler vor ſich her, Und alles ruft— Stimmen(von außen). Heil Ottokar, dem deuſchen Kaiſerl Die im Saal. Heil Ottokar, dem deutſchen Kaiſer, Heil! Ottokar(im Vorgrunde). Nun, Erde, ſteh mir feſt; Du haſt noch keinen Größeren getragen! (Er eilt in den Hintergrund, dem Ungarkönig ent Indes tritt der alte Merenberg zum Schenk von Vorgrunde links, der äußerſte unter den öſterrei Merenberg(eiſe). In dieſes Tuch gewickelt iſt ein Brief. Gib ihn an meinen Sohn, er weiß darum. Ich geh' nach Merenberg. Und heiß ihn eilen! (Er läßt das Tuch mit dem Briefe fallen und entfernt ſich. Emerberg hebt es auf.) tellen ſich in die Reihe der andern Stände.) gegen.) der ganz im iſchen Ständen, ſteht.) Der König von Ungarn tritt auf mit Gefolge. Ottokar(ihm entgegen). Erlauchter Herr und Vater, will es Gott! Bela(zurücktretend). Bevor ich rede, laßt erſt dieſe ſprechen! Die Geſandtſchaft des Reichstages tritt vor. Erſter Abgeſandter. Des heil'gen röm'ſchen Reichs gemeine“ Fürſten, Zu Frankfurt auf der Kaiſerwahl verſammelt, Sie ſenden uns an dich, o Fürſt von Böhmen. Die Augen haben ſie nach dir gewendet, Die einen Kaiſer ſuchen für das Reich. Doch zie Der un Drum f Ob, we Dem R Verweig Des Re Im Ne (Er ergre Nimm Und ſch Ottok Das iſt Der Löt Rudol grunde g Der Se Ein z Rudol Bweit Rudol Ottok Bis mo Nun ri Bela. Hier Lo Und hie Ottok Der Er Bela. Man n Kunie Die Er Nehmt (Sie wir and nicht erbtl itner! dern Stände.) 85⁰ ö deuſchen Kaiſerl Kaiſer, Heill g entgegen.) terb der ganz im hen inden, ſteht.) ilen! rnt ſich. Emerberg Gefolge. tt vor. Reichs gemeine ten, elt, men. König Ottokars Glück und Ende. Doch ziemt uns nicht, als Herren den zu wählen, Der unſre Wahl wohl gar zurückeweiſt; Drum ſollen wir dich fragen, hoher Herr, Ob, wenn der Wahltag dir die Krone beut, Dem Reiche du dich unterziehen werdeſt? Verweigr' es nichtl es geht ein alter Spruch: Des Reiches Adler werde Ruh' erſt finden Im Neſt des Löwen; wohl, großmüt'ger Löwe, Er ergreift ein Schild mit dem Sinnbild des Löwen, das an den Stufen des Thrones lehnt, und hebt es in die Höhe.) Nimm auf den Adler, der verloren fleugt, Und ſchirm' ihn ſtark gen alle ſeine Feindel Ottokar. Ha, was iſt das? Wer hat mir das getan? Das iſt der weiße Löwe nicht von Böhmen! Der Löw' iſt rot! Rndolf von Habsburg(der zur Seite des Thrones rechts im Vor⸗ grunde geſtanden hat, vortretend).'s iſt Habsburgs Löwe, Herr! Der Schild iſt mein! Ich legt' ihn, kommend, ab. Ein zweiter der Abgeſandten. Ihr ſeid der Graf von Habs⸗ burgꝰ Rudolf. Ja, der bin ich! Zweiter Abgeſandter. In Böhmen hier? Rudolf. Vom Kreuzzug kehr' ich heim. Ottokar. Genug!— Ihr harret, mein Herr Abgeſandter, Bis man Euch wieder ruft! Zum König Bela gewandt.) Mein edler Fürſt, Nun ruft die Pflicht mich doppelt her zu Euch! Bela. Zuerſt ſtell' ich Euch meine Kinder vor. Hier Ladislaus, der Erbe meines Throns; Und hier ein anderer. Ottokar. Hat König Bela Der Enkelſöhne mehr? Bela. Ihr argwohnt nicht? Man weiſet dich zurück! Kunigunde. Und doch war ich's, Die Euch am meiſten wünſchte zu gefallen! Nehmt Ihr mich unter Eure Krieger auf? (Ste wirft den Reitermantel und ungariſchen Kalpak weg und ſteht als Weib gekleidet da.) Köndig Ottokars Glück und Ende. Zawiſch(der auf der linken Seite des Saales nicht weit von iht Als fre ſteht, laut). Um Lol O ſchöner Kriegerl Ich bin Kunigunde(umgewendet). Ha, wer ſpricht? Ottok Ottokar(zornig). er ſprach? Bis de Zawiſch(gleichfalls ehend). I Von dorther ſchien's, vom Winkel her zu tönen! S wil Kunigunde(raſch). Der Ko Ihr wart's— Von ih wohl nicht. Ihr würdet nicht ſo frech, DSamit Da ich ſo nahe ſtand, mir ſonſt es leugnen! Elbenn Mein König, Ihr verzeiht die Überraſchung. ando Sie wollten erſt mich vor den Toren laſſen, ZBweit Doch trieb's mich, hier zu ſein, und alſo kam ich. Rudolf(der ſich wieder in den Vorgrund rechts geſtellt hat). Dem Der rückſichtsloſen, rohen Übereilung! 33 Zu ein Vom u Das ei + * Die Königin Margarete kommt mit Schriften. 1 55(nit einer Bewegung gegen ſie hin). Rudo etzt iſt nicht Zeit! Abge gtie(ſich am Seſſel Den E O Gott! Wer bringt mich fort? Durch Merenberg(wortretend). N 8 8 Der Königin zu Hilf'! 5 6 B Ottokar. Wer rief Euch, Herr? 15 o Wer hieß Euch weichen dort von Eurem Platz? Bei Ihr habt Euch einmal unnütz ſchon gemacht!* Rndo Dorthin! 185 Merenberg tritt zurülck.) Abge Margareta(ſchwachh. Nur fort!— Nimmt ſich denn nie Bes ehr' mand an?ꝰ 4b E Rudolf von Habsburg. Hier iſt mein Arm, erlauchte Königin Wir W0 Stets war bei Habsburg der Gekränkten Schirm. Im No Ottokar. Und wer hat's Euch geheißen? Gebt 9 Rudolf. Kennt ein Heißen, Wer kein Verbieten kennt? Gttoß Ottokar. Ihr ſeid, vergeßt's nicht, 11 In meinem Land! Rudolf. Nicht länger, als ich willl nde. König Ottokars Glück und Ende. 31 nicht weit von ih Als freier Krieger 5 ich Eure Schlachten, Um Lohn nicht, und den Dank ſelbſt ſchenk' ich Euch! Ich bin nicht Euer Mann. Ottokar, Nicht von der Stelle! Bis der entſchieden, dem Entſcheidung ziemt. * Der zweite der Abgeſandten(tritt vor). ten! So will denn ich hier dieſe Fürſtin ſchirmen, Der Kanzler ich des Erzbiſchofs von 91 Von ihm der Wahl lgeſ ſandtſchaft beigeſellt nicht ſo frech, Damit ich höre, wo die andern reden. 1 5— + 5 8 0 12 Erkennt Ihr mich, Graf Habsburg? 9. andolf. Nein, fürwahr! 1„ 8 Zweiter Abgeſandter. Gabt Ihr nicht einſt im Walde, nah kam ich. f ˖ bei Baſel, geſtellt hat). em Prieſter, der das Allerheil'ge trug Zu eines Kranken Troſt und, aufgehalten Schriften. Vom wüt'gen Strom der Aar, am Ufer irrte, Das eigne Pferd, die Flut drauf zu durchſetzen? Rudolf. Und dieſer Prieſter—? Abgeſandter. Habt nicht ſpäter dann kDen Erdzbiſchof von Mainz Ihr treu geleitet gt mich fort? Surch feindlich Land, durch Krieg und Brand und Tod, . er nach Rom zog zu dem heil'gen Vater? es Biſchofs Sekretar, auf a Geheiß, War oft Euch nah und prüft' Euch im Geſpräch; Vermöchtet Ihr ihn nicht mehr zu erkennen? Rudolf. Seid Ihr's? Abgeſandter(zur Verſammlung gewendet). Für dieſe Frau, als Reichesfürſtin unt ſich denn nie Setehr, ich frei und 6 185 Gelel 5 nd an? 1, Herr Graf von Habsburg, gebt Ihr Euren Arm, erlauchte Königin Wir wollen ſie zur ſichern Ruhſtatt führen! Schirm. Im Namen denn des heil'gen röm'ſchen Reichs, ö Gebt Raum der Herzogin von Oſterreich! (Führt mit Rudolfen die Königin Margarete ab.) Ottokar. Bin ich eu'r Kaiſer, ſollt ihr anders ſprechen! Der erſte der Geſandtſchaft. Geliebt's Euch, Herr, uns Ant⸗ wort zu erteilen? Glück und Ende. 32 König Ottokars Zawiſch(ſich vordrängend). Raubt ihr uns unſern König, unſern Herrn? Iſtded nicht men was bedarf er euer? Wie Gott im Himmel, herrſchet er auf Erden; Nur Sarhen u10 nicht Nutzen ſchafft das Reich. Laßt ihn und bietet Deutſchen eure Gaben! Ihr gebt nur, weil ihr braucht! Laßt unſern Herrn!— Ottokar. Er ſpricht zun Teil ganz'gut, Herr Abgeſandtet geſchloff Gar viel iſt abz özuſtellen n in dem Reich, terraſſen Gar mancher Trotz zu beugen und zu ſtrafen; daneben Ich ſeh' wohl, euer Herr war euer Anecht. Ich bin ein reicher Fürſt von Böhmen, Gott verhüte, Daß ich ein armer Kaiſer wollte ſein. Zawi Doch mögt ihr harren, ob es uns gefällt, Ihr Le Vielleicht euch günſt'gre Antwort zu erteilen. Wie ſi, Zu Kunigunden gewendet.) Die ſte Nun bin ich Euer, ganz mit Seel' und Leib. Und ſe Zawiſch. Es lebe Ottokar! Ein ad (Unter Trompetengetön.) Den 2 Zuruf von allen Seiten. Von Böhmen Königl— Herzog von Oſtreich! Auch Steier! Die O Seit J Der ei Nach 8 Sie le Daß n Milc Nur h Baw Gewaffi Kärnten! Krain! Der Deutſchen Kaiſer! lebe Ottokar! Milo Baw Sieh d Milo Mit di Von 2 Seyf Eüde⸗ König Ottokars Glück und Ende. 83 rrnꝰ ) 2 8 — Zweiter Außug. Erden; 80 Reich. 5 511 Offener Gartenſaal, iHert Ab 1 d gegen den Hintergrund zu mit einem halbmannshohen Marmorgeländer Herr Abgeſandter geſchloſſen. Es wird angenommen, daß hinter demſelben der Garten terraſſenförmig abwärts geht. Im Vorgrunde zu beiden Seiten Türen, afen; daneben Bildſäulen. Der Haupteingang iſt zwiſchen den Säulen links t. an der Baluſtrade. Bott verhüte, Zawiſch tritt lachend auf. Zawiſch. Ich bin verliebt! O weh, mein Herz iſt fort! „ Ihr Leute, kommt zu Hilfe! Ha, ha, hal len. Wie ſie mich anſah mit dem ſchwarzen Blick, 55 Die ſtolze Ungarin! Hilft alles nichts!- Leib. Und ſchön iſt ſie, beim wunderbaren Gott! Ein adlig, wildes, reiterſcheues Füllen, znigl Den Zaum anſchnaubend, der es bänd'gen ſoll. 0 9 Auch ſonſt geht alles, wie es Gott gefällt! Die Oſterreicher reißen tüchtig aus, Seit Margareta fort, die Königin; Krain! Der eine rechts, der andre links, doch alle Nach Frankfurt auf die Kaiſerwahl. Nu! nu! Sie legen dort wohl die Geſuche nieder, Daß man doch ja Herrn Ottokar erwählel Milota(von innen). Nur hier herein indes! Zawiſch. Wen bringt man da? Gewaffnete bringen Sehfried von Merenberg gefangen, Milota, ganz gerüſtet, folgt, einen verſiegelten Brief in der Hand. Milota. Der König iſt noch beim Turnier? 50 805 Jawohl! Sieh da, Herr Merenberg! und ſo begleitet? Milota. Sein Vater, der Verräter, ſandt' ihn fort Mit dieſem Schreiben an den Erzbiſchof Von Mainz. Er hatt' ihm Eile wohl geboten— Seyfried. Ob er's gebot! 3 Glück und Ende. König Ottokars Milota. Allein der junge Herr, Da ihn ſein Weg am Schloß vorüberführte, Wo Bruder Beneſch hauſt mit ſeiner Tochter, Wollt' er noch einmal ſehn ſein altes Lieb; Doch fing man ihn und ſendet ihn hierher. Zawiſch. So? bei ſchön Mühmchen? Ei, bei Fräulein Bertg⸗ Seyfried. Im heißen Fieber liege ſie und raſe, Ward mir geſagt. Ich wollte ſie nur ſehn, Nur wiſſen, ob ſie lebt; und ſo gab ich s Vaters Haupt und meins in ihre Hand. der ich war— verruchter, blinder Tor! Milota. Hier iſt der Brief, die Aufſchrift an den Mainzet Seyfried. Herr Zawiſch, ſeht, ich hab' Euch nie geliebtl Für doppelſinnig hielt ich Euch und falſch; Doch ſagt mein Vater, Menſchen kennt' ich nicht: O, zeigt mir, Herr, daß ich Euch nicht gekannt! Gebt mir den Brief, laßt ihn uns hier vernichten, Mit mir könnt Ihr beginnen, was Ihr wollt. Ich hab' Euch ſonſt wohl duch ſchon Liebs getan: Als Ihr mit Euren Sippen d da und Freunden, Wißt Ihr? im Vorgemach der Königin Gar ſonderbare Reden einſt geführt; Ich ging nicht hin und ſagt's dem König an, Wie ich gekonnt, vielleicht wohl gar geſollt; Denn damals ehrt' und liebt' ich noch den König, Als meiner angebornen Fürſtin Gatten Und meinen wahren, rechtgeſinnten Herrn. Zawiſch. Hörſt du, Freund Milota? Milota. Wer achtet ſein? Zawiſch. Der Brief iſt richtig:(Er lieſt.)„An den Erzbiſche Von Mainz.“ Du biſt verloren, guter Freund, 8 Wenn dieſer Brief dem König kommt zur Hand. Seyfried. Herr, rettet mich! Zawiſch. Schon gut! ſchon gut! 8 Die Leute ſnd ver Rautte(Auf die Wache zeigend.) Milota. O ja. Warum? Zawiſch(den Brief in der Hand wiegend). Der Brief kann viel enthalten— oder wenig. Ein Tröpflein Gift vielleicht— Geht ih Milot Zawi Was g Seyft Zawi Kannſt Milo Zawi Hier he (E Milo Zaw Milce Zaw Nun,! Ich we Zu ſei Und d Ha, he Bei de Du ge Drum Mil Zan Der J Pocht Ich ſe Begkei Nun (Zu ein König Ottokars Glück und Ende— 35 Ende. Die Hand mit dem Briefe ſchnell auf den Rilcken ge te, Ein Meer von Argwohn! hter, 2 Zur Wache gekehrt.) bz Geht ihr nach Haus und grüßet Vetter Beneſch. T. Milota. Was tuſt du? Zawiſch. Geht ihr nur! id raſe, ab.) n, Und du, mein Freund! Was gibſt du mir, 95 ich dich diesmal rette? and. Seyfried. Mein Leben— Tor! Jaiſch Ei, behalt das nur für dich! t an den Mainzet Kannſt du auch ſpringenꝰ Luch nie geliebtl Milota. Zawiſchl 53 8 Zawiſch. Nun, ſo komm! ch nicht: Hier haſt du deinen Brief, ſo, und nun ſpring! ekannt!(Er hat ihn ans Geländer geführt, S 117 ſpringt hinab.) ernichten, Milota. Wahnſinniger! Jawiſch. Hei! was der Junge läuft! ei Fräulein Bertal vollt. 8 getan: Ailgia. Ihm nach! 5 inden, Zawiſch. Zurückl Haſt du dich mir vertraut? Nun, haſt du es getan, ſo traue mir! Ich weiß am beſten, was ſich fügt, was nicht, an, Zu ſeiner Zeit wird ſich's dir offenbaren. t: Und dann— das junge Blut, mein gutes Herz! döni Ha, ha!— Sprich nicht und geh, es kommen Dinge, 'n König 95 Bei denen ich nach Zeigen nicht W8 Du gabſt dein Wort, daß du mich läßt gewähren: Drum geh! Milota(kehrt am Ausgange um). „An den Erzbiſchg Folgſ du 545 nicht mehr zum Turnier? ſreund, Zawiſch. Die Waffen hab' ich ſchon von mir gelegt; Hand. Der Preis iſt mein! Geh jetztl der Augenblick 5 Pocht wie ein Gläubiger und will, was ſein. Milota ab.) Ich ſehe ſie den Gang herunterkommen, iaenb) 8 Jegtetel n nur von einer Kämmerin. Nun raſch ans Werk! enig.(Zu einer Bildſäule der Liebe esgöttin gewendet, die im Vorgrunde links ſteht). Du keuſche eene 3* 3³ 36 König Ottokars Glück und Ende. Hetreue Gattin deines holden Gatten, Kön Dich fleh' ich an: verleih mir deinen Schutzl! Unden Er zieht ein Blatt hervor und ſteckt es, zur Bildſäule auf einer Was des Unterſat Mienſi⸗ unter den halbgehobenen Fuß der Göttin) Zau Bewahre mir dies Blatt hier und beſtell' es! Hön Man kommt!— Ich muß 1610 etwas zögern!— Jetzt!l Bau Er ſpringt herab und eilt, wie betroffen, fort.) Kön Die Königin tritt in demſelben Augenblicke mit ihrem Kammerfräulei 5 Unts im Hintergrunde auf. Was Kunigunde. War das nicht Roſenberg?— Der Unverſchämtel Zan Ruf ihn zurückl Kön Fräulein(in die Scene rufend). Herr Zawiſch! Kommt hierherl Jau Die Königin befiehlt es! Hier! Ihr ſollt! Kön it das Barett in der Hand dre ehend.) Zan Gawiſch kommt zurück, verſ b k Herr, bin ich nicht voll bei Sinnen, Ich ka Königin. Ich weiß nicht, War ich im Fiebertraum d die Tage her,.Kön Wie, oder ſeid Ihr ganz ſo unverſchämt, Ich b So raſend— Nein! Die Sprache hat kein Wort! Sind Verrückung möcht' am erſten es bezeichnen Ich 1 So unverſchämt⸗ verrückt, als Ihr Euch zeigtꝰ Als Bei meiner Ankunft ſchrie't Ihr gellend auf— an Ihr wart's! Ich ſtand drei Schritte fern und weiß esl Dann Seitdem verfolgt Ihr raſtlos mich mit Blicken, Kön Mit Blicken, die ich näher nicht bezeichne; Sar Doch regt ſich mir der Ingrimm, denk' ich dran. Die 2 (Näher zu ihm tretend.) Kön Nur erſt, beim Tanz, als ich die Hand Euch reichte, Zeig Ja, Frecher, ja! Ihr drücktet mir die Hand! Wer bin ich, Herr? und wer ſeid Ihr? 1 Zawiſch. Verzeiht! Nimn Königin. Behandelt ſo hier Lands man Königinnen? Und Wär' ich zu ſtolz nicht, meines Gatten Zorn So ſe In meiner eignen Sache aufzurufen, Zar Wär's hier in Böhmen wie bei uns daheim, 1 1 Wo auch die Frau ein Recht hat, eine Stimme Nun Und Macht t, um zu vol lführen, was ſie denkt, Schon Wo eine Königin nicht bloß des Königs Gattin, In di Wo ſie Gebietrin iſt: es ſollt' Euch reun! Verlo Jawiſch. Verzeiht! 37 8 Ende. König Ottokars Glück und Ende. Königin. Und nun: verzeiht! Erſt frech und kühn, utzl Und nün ſo knechtiſch, daß es an mich ekeltl ſäule auf einer Stuft Was ſtecktet Ihr an jene Säule hin? zenen Fuß der Göttin. Zawiſch. An jene Säule?— ſteckt was dort? es! Königin. Ein Zettel. ern!— Jetzt! Zawiſch. Ein Zettel? In der Tat! n, fort.) Königin(zum Kammerfräulein). Nimm ihn herab! (Es geſchieht.) Was ſteht auf dem Papier? Der Unverſchämtel! Zawiſch. Ich weiß es nicht! Königin. Ihr ſtecktet's doch hinauf. h!1 Kommt hierherl Zawiſch. Ich? Wahrlich nicht! 3 Königin. Nur erſt, ſo wie ich kam. der Hand drehend.)„ Jamiſch. Ich war nicht hier, ht voll bei Sinnen, Ich kam von jener Seite. Königin. Nun, beim Himmel! Ich bin verrückt, der Kopf dreht ſich im Wirbel! Sind das hier Bäume? Iſt das Luft und Erded Ich ſah es ja, ich ſtand drei Schritte fern, fe hrem Kammerfrüulein ein Wort! 1— 0 igte Als Ihr den Zettel an die Säule ſtecktetl uf— Zawiſch. Wenn Ihr es ſaht, 0 hocherhabne Frau, mund weiß es! Dann muß es ſein, und wär' es nie geweſen! licken Königin. Und was enthält der Zettel? Zawiſch. Phantaſien! h dran. Die Ausgeburt von dichteriſcher Glut. Königin(zum Kammerfräulein). Zeig' her!(Sie entwickelt den Zettel und lieſt die Aufſchrift.) uch reichte 8„Der Schönſten!“ Hand! 8 Ha, Verwegner! Nimm hin das Zeugnis deiner frechen Torheit! DS(Sie wirft ihm die Zettel vor die Füße.) n. Und wagſt du's noch einmal, dich mir zu nahn, So ſoll der König deinen Frevel ſtrafen! im Zawiſch chebt den Zettel auf und kniet damit vor dem Kammerfräu⸗ 24 lein nieder) Itimme Nun denn, ſo wißt, daß ich Euch dienend folge, ult, Schon lang brennt das Geheimnis meine Bruſt. Hattin, In dieſen Zeilen wagt' ich's zu geſtehen, Verloren bin ich, Herrin, wenn Ihr zürnt. „5 ‚ (Er ſteht auf und geht.) 38 König Ottokars Glück und Ende. 8 V Königin. Ha, lachen muß ich wahrlich des Verrückten! Kammerfräulein. Seht, gnäd'ge Frau, ſo komm ich, Hand kehr' um, Zu einem Ritter und zu Minnedienſt. Königin. Und glaubſt du wirklich, dich hab' er gemeint! Nach mir blickt er, der Übermüt'ge, Freche! Kammerfräulein. Ei, gnäd'ge Frau, was tut's? Der Wahñn ſchon ſchmeichelt Von ſolcher Werbung und von ſolchem Ritter. Königin. Von ſolchem Ritter? Lachen machſt du mich! Kammerfräulein. Ja, gnäd'ge Frau, im ganzen Böhmerland Iſt keiner, der dem Zawiſch ſich vergleicht Von Roſenberg. Den edlen Gang, die Haltung, Des Körpers mannigfache, edle Gaben, Ihr ſaht ſie, Königin, ſo gut als ich; Doch auch an Heldenmut, an Tapferkeit Steht er vor allen, die ſich Ritter nennen. In Padua hat er jahrelang ſtudiert, Auch macht er Reim' und ſingt ſie zu der Zither. Königin. So ſchlimmer denn! KAammerfräulein. So ſchlimmer, gnäd'ge Frau? Königin. Bei uns daheim lohnt man die Zitherſpieler Mit Geld und mit Verachtung. Kammerfränlein. So bei uns nicht! Manch Edler eifert mit den Troubadours, Und dieſer Zawiſch hat ſich manches Herz Erſungen bei den Klängen ſeiner Zither. (Den Zettel entfaltend.) Ihr ſollt gleich ſehn! Königin(hat ſich geſetzt). Er ſoll mir's wahrlich büßen! Kammerfräulein(lieſt). „Der Schönſten!“— Nun, ich nehm' es dankbar hin! „O Hand von Schnee“— Königin. O Hand von Schnee, was heißt das? Aammerfräulein. Weiß wie Schnee. Königin(den Handſchuh abziehend und ihre Hand betrachtend). Ich denk, er hat die Hand noch nie geſehn, Den Handſchuh höchſtens! KRami Kami Könie Ich wo Kam Köni Ich wo Kam: Köni Kam Köni Ram Köni O, wã In Ur Da ga Dorthi Mein Zu D Und u Und L Da rit Ein K Verme Den's Nach de. Verrückten! komm ich, Hand um, ſab' er gemeint! it's? Der Wahn ſchmeichelt ter. achſt du michl nzen Böhmerland ltung, Zither. * Frauꝰ e Zitherſpieler hrlich büßen! dankbar hin! and betrachtend). n, König Ottokars Glück und Ende. 39 Kammerfräulein(leſend). „O Hand von Schnee, Und doch ſo heiß.“ (Die Königin ſtampft mit dem Fuße.) Kammerfräulein. Beliebt Euch, gnäd'ge Frau? Königin. Lies weiter nur! Ich wollte ſagen: tu', was dir gefällt! Kammerfräulein.„O Hand von Schnee, Und doch ſo heiß; O Blick, ſo feutig, U1. dennoch E 81“ Königin. Ich woll 15 er wäre Glut und träfe d Ich wollt' ihn marterr„bis ich voll gerächt. Kammerfräulein. Der Mund, ſo ſüße, Spricht herber Art; Die Bruſt, ob wogend, Nicht minder hart.“ Schweig ſtilll „O Blick, O Bruſt, dichl Königin. Kammerfräulein. erwarme, erweich'! O Hand—“ Königin. ſage dir, du Kammerfräulein. So laßt Ihr ſollſt verſtummen mich nicht meines Sieges freunꝰ Ich glaube bald, die Törin nimmt's auf ſich! (Sie ſteht auf.) O, wär' ich wieder fort aus dieſem Land, Ju Ungarn, bei den Meinigen daheim! Da galt ich noch! Frei ſtreift' ich in die Ferne, Dorthin, dahin, wohin der Wunſch mich rief. Mein alter Vater war mir gern zu Dienſt, Zu Dienſt die Fürſten, ſeine Sippen alle, Und was nur Mann hieß i in dem weiten Reich; Und Leben war und Feuer, Glut und Mut! Da riefen ſie zum fernen Prag. mich hin: Ein König, ſagten ſie, regiere dort, Vermählt in ſeiner Kraft der ältern Frau, Den's dürſte nach der feurigen Genoſſin, Nach gleichem Mut in gleichgeſchwellter Bruſt. Ich Königin. 40 König Ottokars Glück und Ende. Ich komm' und finde— einen Greis. Ja, Greis! Denn ſpielt ihm nicht ſchon graulich Bart und Haar? Sie ſagen: von des Krieges Arbeit; gleichviel! Und iſt er denn nicht mürriſch wie ein Greis? Rechthabriſch, ungeſtüm? Beim reichen Gott, Zum Schweigen und Gehorchen kam ich nicht! Die andern aber ſchmeicheln, betteln, kriechen, Sind trägen Bluts und weißen, kalten Herzens. Nur dieſer Roſenberg; bei uns in Ungarn Trüg' er ſein Haupt keck unter Gottes Himmel, Wie jener kühne Führer der Kumanen, Dem er auch ähnlich ſieht an Haupt und Bruſt, Dem Beſten unter Ungarns ſtarken Mannen. Doch jener war ein freudig kühner Held, Gerad' in ſeinem Wollen, ſeinem Handeln; Indes der Böhme feig und niedrig kriecht Und ſeinen Wert und al beſudelt. 10 Was iſt? Kammerfräulein. Geendet iſt wohl das Turnier, Und man erteilt den Siegenden die Preiſe. Euch, Königin, gebühret das Geſchäft. Königin. Man wird uns rufen.— Gib doch das Geſchreibe Man merkt beim erſten Leſen kaum den Sinn. (Sie nimmt den Zettel.) Kammerfräulein. Ach, gnäd'ge Frau, des Königs Hoheit naht, Der ganze Zug; ſie kommen vom Turnier! Ottokar kommt mit Milota und Füllenſtein. Hinter ihm Herren und Damen vom Turnier. Ottokar(zu denen, die ihm folgen). Wenn er darauf beſteht, ſo bringt ihn her! (Im Vortreten zu Kunigunde.) Es will der Sieger des Turnieres nur Aus deiner Hand den Preis empfangen. Nu, Kunthe, nu wie geht's? Er will ſie am Kinne faſſen, ſie tritt zurück.) Königin. Ganz gut. Ottokar. Potz Blitz! Wohl übel gar gelaunt? (Er Der ju Milc Ottol Mile Gerühn Ottol Mil. Otto Milt Seitde Sind Otto Unden Nun e Und a Pfui, Lockſt Man he Otto Ich he Geh h He, Füll Otto Beſetze Wenn Verha Und h Dem Der g Füll Olte (Er ziel ſpricht! Augen Ende. König Ottokars Glück und Ende. a, Greis! He, Milota! und Haar?(Er tritt mit Milota auf die andere Seite des Vordergrundes.) viel! Der junge Merenberg entſprang? reisꝰ Milota. Ja, Herr. öott, Ottokar. Verwünſcht! Doch woher weiß man's von dem nicht! Briefꝰ hen, Milota. Nach junger Leute Art hat er ſich deſſen erzens. Gerühmt, man hat den Brief Jogar geſehn. Ottokar. Die Aufſchrift an den Erzbiſchof von Mainz? immel, Milota. Derſelbe, ja. 4 Ottokar. Auch Wolkersdorf iſt fort? Bruſt, Milota. Und Hartneid Wildon. Alle Oſterreicher, ten. Seitdem die Königin Margrete fern, Sind übeln Sinns und ſchleichen fort vom Hof. 15 Ottokar. Hätt' ich den Brief, ſo kennt' ich die Verräter, Und meine Ferſe ſetzt' ich auf die Brut: idelt. Nun aber wird ein jeder mir verdächtig, Und alle muß ich hüten, alle, alle! 81 Pfui, Argwohn, Spürhund von des Teufels Meute! Lockſt du auch Könige zu deiner Jagd? 5 Man hat indes Zawiſch von Roſenberg, als Si im Turnier, herein⸗ gebracht, er ſteht vor den Ottokar. Was iſt?— Ja, du biſt Sieger im Turnier! Ich habe ſtets als wacker dich gekannt, Geh hin zur Königin und nimm den Preis! He, Füllenſtein! Füllenſtein. Mein gnädiger Gebieter! inter ihm Herren und Gttokar. Du nimmſt Gewappnete, und alle Pforten Beſetzeſt du, die aus dem Schloſſe 4 Wenn nach dem Feſt die Gäſte heimwärts ziehn, 1I Verhafteſt du, die ich bezeichnen werde, 0 Und hältſt als ſie in enger Haft. Dem dort! dem trau' ich nicht.— Auch Liechtenſtein, Der glatte Ulrich— Füllenſtein. Herr, doch Heinrich auch? t zurück.) Ottokar. Was ſchreiſt du ſo! Komm her und höre ſchweigend! (Er zieht ſich mit Füllenſtein etwas mehr gegen den Hintergrund und ſpricht leiſe. So oft er dem, was jener erwidert, zuhört, wendet er die Augen nach der andern Seite, wo Zawiſch und ſeine Gemahlin ſprechen.) doch das Geſchreibe Sinn. Rönigs Hoheit naht, erl Ende. König Ottokars Glück und die ſitzt und Ged* Ült, die ſitzt und in Gedanken Will fl Gawiſch hat ſich vor die Königin hingeſte vor ſich hinſtarrt.) Und E Kammerfräulein(die Königin aufmerkſam machend). Berti Erlauchte Frau! Verkün Für E ſtehen ſieht). 8 wie, auch hier? Wa die igt 0 2 Kammerfräulein(auf die reichgeſt ickte Schärpe zeigend, die ein Pagh S auf einem Kiſſen trägt). G Der Dankl Ottol (Die Königin nimmt die Sch das Kiſſen bei ihre⸗ Königin(da ſie Zawiſch vor ſich Wreh üer ie ſo ehört Zaw Zawiſch(zum Kammerfräulein). Dies 5 Ei, Fräulein, gebt mir doch den Zettel, Otto Den ich vor 1 nur Euch überreicht. Zaw Er kam nicht in die rechte Hand! Köni Die hü Kammerfräulein. Mein Herr!— Bawiſch. Gebt ihn!(Er hält die Hand hin.) Verwe, Kammerfräulein. Verzeiht! Hieren Zawiſch( id). Er ſoll für jemand anders(Sie hü umer die Hand Kammerfräulein. Ich— hab' ihn nicht mehr! Zawiſch Zawiſch. Wie? Ihr habt ihn nicht mehr?— Dann wahrlich iſt er in der 9 en Hand! Köni (Er wirft ſich vor der Königin auf das Kiſſen nieder, feurig.) O Königin, habt tauſend, tauſend Dank— Cangſam.) Zaw Im voraus für den Preis, den Ihr mir reichet. Ottokar(ſein Geſprach unterbrechend). Otto Warum gebt Ihr den Preis nicht, Kuni igunde Gauſe, Königin Oeleddigd. Aün Ich wollte früher ſchon, eh' Ihr befahlt! 15 (Mit der Schärpe nahend.) Auch Herr Ritter! 58 Zawiſch. Wie beglückt Ihr mich, Gebietrin! 5 5 In Demut beugt ſich Euch mein dienſtbar Hauptl(eiſe“ iit O 115 von Schnee, Die 8 lind doch ſo heiß!“ Git Königin(leiſeh. en Wenn Ihr nicht ſchweigt— bildet, Bawiſch Gaut). Mit dieſem teuren Pfand Statt Harniſch angetan, ſtatt aller Waffen, Otto nde. zt und in Gedanken end). r7 zeigend, die ein Pag das Kiſſen bei ihres den Zettel, ür jemand anders mehr! 12 1 nieder, feurig.) —(Langſam.) reichet. unde? trin! ir Haupt! Ceiſe.) König Ottokars Glück und Ende. 43 Will fahrend ich die weite Welt durchziehn Und Euren Ruhm und meines Königs Ruhm Verkünden und verfechten überall, Für Euch und ihn mein Leben! (Da die Königin ſich mit der Schärpe zu ihm neigt, leiſe und ſchnell.) Ü[[te Männer, ie ſollten alte Weiber freien. Jugend ehört für Jugend! (Die Königin wirft die Schärpe it den Boden.) Ottokar cherüberrufend). Nun, noch nicht zu Ende? Zawiſch(eiſe). ies Haupt dem Honler, wenn Ihr ſo es wollt! Ottokar. Was iſt? Zawiſch. Die Schärpe fiel. Königin(zum Kammerfräulein). Reich' mir die Schärpel Die höchſte Langmut findet doch ihr Ziel, Verf wegenheit mag es denn gleichfal ls finden! Hier nehmt die Schärpe und gehabt Euch wohl! Sie hängt ihm die Schärpe um. Wie ſie ſich über ihn beugt, faßt Zawiſch die Schleife an ihrem die Schleife fällt. Zawiſch bückt ſich raſch und hebt ſie auf.) Königin. Ha, mein Gemahl! (Ottokar wendet ſich nach ihr.) Zawiſch(wer aufgeſtanden iſt und ſich gegen die Mitte zurlücktzieht). Die Königin, mein König! Ottokar. Was iſt? Was willſt du, Kunigunde? (Pauſe, während welcher die Königin Zawiſch anſieht, der ruhig vor ſich hinblickend daſteht. Sie blickt noch einmal hin, dann:) Königin. Geht Ihr noch heut' nach Ribnik auf die Jagd? Ottokar. Wie kommt Ihr auf die Frage? Heute, ja! Auch biſt du ganz verſtört. Was war denn hier? Das Dankerteilen macht dir ſo viel Müh', Daß ich in Zukunft dir's erſparen werde!(Er wendet ſich von ihr.) I.Wöigin(um Kammerfräulein leiſe). Die Schleife ſoll er geben; geh und ſag' ihm's! (Ottokar iſt in die Mitte des Saales getreten; die Verſammelten bilden einen Halbzirkel, deſſen linkes Ende die Königin, das rechte Zawiſch bildet, der, dem Kammerfräulein ausweichend, bis in den Vorgrund kommt.) Ottokar. Ihr Herrn, wer iſt von euch, der einer Sorge, S G 44 König Ottokars Glück und Ende. Und einer drückender„mich ledig machtꝰ Kammn Der alte Merenberg im Lande Steier Die Kö lte N 3 5„‚ Kön An mir iſt zum Verräter er geworden, Der Kö An mir und ſeinem Land, von dem ich Herr. Ottoke Mit Briefen an den Erzbiſchof von Mainz Zawiſ Hat er den Sohn nach Frankfurt hingeſandt; Nichts, Wahrſcheinlich, unſre Wahl zu hintertreiben, Ottoke Der man dort pflegt, zum Kaiſerthron der Deutſchen Zawiſ 7 485 13 8 f Und Unruh' anzuſtiften, Meuterei. Die ma Der Sohn iſt zwar entwiſcht allein der Vater, Ottoka E* 5 11. Er ſoll der Strafe nimmermehr entgehn, Jawiſ⸗ Noch der Enthüllung ſeine Spießgeſellen. Ottoke Der Frevler hat ſich auf ſein Schloß gezogen Wer hat 45 U ogen, 2 Das wohl bewahrt iſt gegen jeden Angriff; Kamm Wer mir ihn bringt, wer mir ihn lebend bringt, Ottola Was er ob Hochverrat verwirkt, die Lehen, Daß ein Sein ganzes Gut, ſei des Ergreifers Lohn! Indes d Ortolf von Windiſchgrätz, du ſcheinſt bereit? Kamm iten mich ſein, gnäd'ger Herr Zawiſt Füllenſtein. So laßt den zwe Man m Ottokar. Von meinen Leuten geb' ich euch die beſten; Den hier— und den Ottoka Im Hintergrunde einzelne Wappner bezeichnend.) Wenn d Kammerfräulein(die von hinten herumgegangen iſt, zu Zawiſe Allein b tretend). Die gnäd'ge Fürſtin zürnt. Dem ab Ihr ſollt die Schleife geben, läßt ſie ſagen. Zawiſch. Die Schleife? Nun und nimmermehr, mein Kind Im Nar Denn K Ich habe ſie erobert, und mein Leben, Den Kopf hier laſſ' ich, doch die Schleife nichtl Doch Bi (Er zieht die Schleife hervor.) Bitt ich Sieh her, wie ſchön! Rot, wie dein holder Mund, Und—1 Und weiß, wie dieſes Nackens reines Silber. P54965 Königi (Er berührt mit dem Finger ihre Schulter.) Nein, die behalt' ich, und auf meinem Sarge Soll neben Schild und Helm ſie prangend ruhn. Denn w Setzt' ich mein Blut nicht ein, um ſie zu haben? Indem 1 Du blutigrote Schleife, du bleibſt mein! Und iſt (Er hält ſie vor ſich hin in die Luft.) Auch mi Königin(auf der andern Seite des Theaters). Zu ſcher Wahnſinnig iſt er! Himmel, wenn der König—1 Als Sch Er möge ide. König Ottokars Glück und Ende. 45 Kammerfräulein(zu Zawiſch). Die Königin macht Zeichen, ſteckt ſie ein! Der König naht. rr. Ottokar Gurückkommend). Was habt Ihr, Roſenberg? Zawiſch(hat die Schleife in den Buſen geſteckt). t; Nichts, gnäd'ger Herr! Ottokar. Wie? Nichts? Deutſchen Zawiſch. Herr, es gibt Dinge, Die man mit Recht dem König ſelbſt verbirgt! ater, Ottokar. Ein Liebespfand? Zawiſch. Ein Pfand, Herr, das man liebt. Ottokar(nach einer Pauſe der Beobachtung). en, Wer hat die Königin heut' angekleidet? KHammerfräulein. Ich, gnäd'ger Herr. bringt, Ottokar. Seid Ihr ſo ſorglos, Dirne, Daß einen Arm Ihr nur mit Schleifen ziert, Indes der andre leer? 7 Kammerfräulein. Gewiß verloren! n, gnäd'ger Herr Jawiſch(zum Suchen gebückt) ch die beſten; Man muß ſie ſuchen. 8 Ottokar. Laßt das nur, Herr Zawiſch! eichnend.) Wenn die Verſammlung fort iſt, macht ſich's leichter; gen iſt, zu Zawiſe Allein bis Abend hoff' ich ſie zu ſehn. rſtin zürnt. Dem aber, der ſie fand, gebt dieſen Ring, .(Er zieht ihn vom Finger und gibt ihn Roſenberg.) mehr, mein KindIm Namen meiner Gattin, ſeiner Frau; Denn Königinnen ſchenken Diamanten, nicht! Doch Buſenſchleifen nicht.— Euch, Königin, Bitt' ich, in Zukunft Euren Anzug mehr r Mund, Und— meiner Würde mehr in acht zu nehmen!(Zu Zawiſch.) er. Vergeßt es nicht und richtet's aus dem Finder! hulter.) Kbönigin. In meinem Namen, Ritter, aber ſagt ihm: arge Er möge das behalten, was er fand: d ruhn. Denn was ich ſchenke, Schleife, Diamant, haben? Indem ich's ſchenke, ändert's die Natur Und iſt nur noch der Königin Geſchenk. uft) Auch mög' er ſehen, daß ich Herrin bin, Zu ſchenken, was ich will, und wenn es mehr könig—1 Als Schleife wäre, mehr als Diamant!(Sie geht ab.) 46 König Ottokars Glück und Ende. Ottokar(geht einigemal auf und nieder, dann bleibt er vor Roſenberg Der ſe ehen). Vas war hier, Roſenberg? Ottok Zawiſch(auf ein Knie niedergelaſſen). Zürnt mir mein König! Abge⸗ Ottokar(ihn betrachtend). Für me Du ſollteſt töricht gnug ſein, meinen Zorn, Des hei Den Zorn des Ottokar auf dich zu rufen Ottok Um einer Laune, eines leeren Nichts? Die Ar Wer biſt du denn, daß du es wagen ſollteſtꝰ Ich bin 2 Ich hauche— und wo war dann Roſenberg? Zu viel Ich aber kenne dich als klug— Steh' auf! Nun ſo Zawiſch. Nicht, wenn Ihr zürnt. Für no Ottokar. Ich' ſage dir: ſteh' auf! Mitſorg (Zawiſch ſteht auf.) Ich bin Ihr aber geht zu meiner Frau und ſagt ihr, So gilt Nicht ſtören möge ſie der Gäſte Frohſinn Und we Durch längeres Enutbehren unſrer Wirtin! Die Zö Was n ier ab.) Ot Ihr, Ortolf, alſo richtet mir ins Werk, Im lar Was Ihr verſpracht; den Lohn verbürg' ich Euch. Mit rä Ich will ſie lehren, an das Reich ſich wenden! Soll icd (Auf die Bruſt ſchlagend.) Nun ſe Hier iſt das Reich! Euch H Diener(kommt zurück). Die Königin iſt unpaß. Zu helf Ottokar. Ei, derlei Krankheit iſt nicht ſchwer zu heilen! Doch n Geh noch einmal und bitte ſie, u kommen. Und ein (Diener geht.) Als ſell Und nun, ihr Herrn, hinauf zum Ritterſaall Indes Vielleid Und laßt den Tanz, laßt ſich das Feſt erneun, ich die Luſt! Zu Füllenſtein.) Auf Ka Bis an den Morgen rege f Vergiß nicht, was ich dir gebot! Zu ſitz Füllenſtein. Sorgt nicht! Doch ſe (Diener kommt zurück.) Und let Ottokar. Nun, kommt die Königin? Bevor Ich hal Diener. Sie will nicht, Herr! 3 Ottokar. Sie will nicht? will nicht; wenn ich es gebietderrn Sag' ihr!l— Doch laß!l Sie wird ſich ſelbſt beſinnen. Ind ſel Mit Weiberlaunen hat man billig Nachſicht! Nur fort, ihr Herrn! Wird v nde. ibt er vor Roſenberg mir mein Königt ich Euch. nden! mpaß. König Ottokars Glück und Ende. Der erſte der Reichstagsabgeſandten(die ſich auch unter der Menge befinden). Mein gnäd'ger Herr und König! Ottokar. Wie, mein Herr Abgeſandter, Ihr noch hier? Abgeſandter. Noch immer harrend einer gnäd'gen Antwort Für meine Kommittenten, für die Wahlherrn Des heil'gen röm'ſchen Reichs. Ottokar. Mein Herr Geſandter, Die Antwort iſt denn auch nicht gar ſo leicht. Ich bin ein König über viele Länder, Zu viel beinah' für eines Menſchen Kraft. Nun ſoll ich mit der Sorge mich belaſten Für noch ein Land, und für ein Land, das ſelber Mitſorgen will und ſitzen mit im Rat. Ich bin gewohnt, wenn ich mal ſage: Ja, So gilt's den Kopf, wenn jemand ſpräche: Nein! Und was könnt ihr denn eurem Fürſten bieten? ſie Zölle ſind verſetzt und die Gefälle; Was nur des Kaiſers war, es 1 haben Im langen Zwiſchenreich ſi ſich die und der Mit räuberiſchen Händen drein geteilt. Soll ich das Mark von meinem reichen Erbland Nun ſetzen auf ſo trügeriſches Spiel? Euch Herrn gefiele wohl, mit meiner Habe Zu helfen eurer dringend bittern Not; ſchwer zu heilen! Doch will ich lieber hier in Böhmen ſitzen ten. ſaal! rneun, u Füllenſtein.) Und eines armen deutſchen Kaiſers lachen, Als ſelbſt ein armer deutſcher Kaiſer ſein. Indes verſchmäh' ich nicht, die höchſte Macht Vielleicht zu krönen mit der höchſten Würde, Auf Karls des Großen Thron, ein zweiter Karl, Zu ſitzen in des Reiches Vollgewalt: Doch foll man mir die Kron' erſt ſelber bringen Und legen auf dem Kiſſen dort vor mir, Bevor ich mich entſcheide, was geſchieht. Ich habe meinen Kanzler hingeſandt, wenn ich es gebietderrn Braun von Olmütz ſelbſt beſinnen. ſichtl Ind ſeht, er ſchreibt mir,(er zieht den Brief hervor) daß die Wahl des nächſten Dem Pfalzgraf bei dem Rhein Wird vor ſich gehn. 6, auf den Tag nach Frankfurt, 48 König Ottokars Glück und Ende. Trug man den Ausſpruch auf im Kompromiß. Er iſt zwar nicht mein Freund; er und der Mainzer, Sie ſchmieden Ränke, wie mein Kanzler ſchreibt; Allein die deutſchen Fürſten wagen's nicht, Dem Stirnenrunzeln Ottokars zu ſtehn. Die Kron' iſt mein! das heißt, wenn ich ſie mag. Doch laßt ſie hier erſt ſein, dann will ich ſprechen. Diener(ommt). Der Kanzler, Euer Hoheit, Braun von Olmütz. Ottokar. Seht Ihr? er kommt zurück. Diener. Mit ihm ein Ritter In lichter Rüſtung, Fürſten gleich geziert, Und zwei Herolde in des Reiches Farben, Den Adler vor der Bruſt, die laut trompeten. (Trompeten von außen.) Bawiſch. Erlaube, königlicher Herr und Kaiſer, Daß wir die erſten deiner neuen Diener (Die ganze Verſammlung macht eine Bewegung nach vorn.) Ottokar. Zurück! Wollt ihr dem Reichstagboten zeigen. Daß unverhoffte Freud' er überbringt? Auch wißt ihr nicht, ob ich die Wahl genehm'gel Gu den Geſandten, die ſich zurückgezogen haben.) Wo geht ihr hin? Ich hab' euch nicht entlaſſen! Nichts iſt geſchehn, was Störung bringen kann. Der Mainzer alſo, ſagt ihm's, mag ſich hüten! Denn komm' ich an den Rhein, und das ſoll bald, Zum Dank für all die frechen Winkelzüge Treib' ich ihn aus von ſeinem Biſchofſitz. Der Kanzler iſt indeſſen eingetreten. Alle umringen ihn mit fragend Gebärden; er bleibt im Hintergrunde, die Hände ringend. Ottokar(im Vorgrunde fortfahrend). Der Pfalzgraf auch bei Rhein ſteht mir nicht an, Ich werde ſeine Kur dem Bayer geben. Noch allerlei will ich in eurem Land, Und alle, die mir dieſes Schreiben nennt— Zawiſch(im Hintergrunde losbrechend, doch halblaut). Die Wahl des Reichs fiel nicht auf Ottokar? (Der Kanzler ſchüttelt mit gefalteten Händen das Haupt.) Auf wen denn ſonſte Kanzle Ottoka Finger eit Die mü (Bei der e bend, nac Habsburg den Bri (Die Hank noch eine Zawiſe Kanzle Zawiſc Kanzle Die mei Da kom Des Erz Mit ihm Und Ha⸗ Die klag Ottoka Sagt me Ich will Kanzlet Ach, gno Ottoka Vor kur; Kanzle Ottokaf Kanzle. Ottoka (Wirft ihn Von Rei Kanzlen de. 1 Mainzer, eibt; mag. prechen. nütz ten. Faiſer, ng nach vorn.) tagboten zeigen. hm'gel n haben.) tlaſſen! kann. üten! ſoll bald, en ihn mit fragend Hände ringend. icht an, alblaut). karꝰ en das Haupt.) König Ottokars Glück und Ende. 19 Kanzler. Auf Rudolf, Graf von Habsburg. Ottokar chat unterdeſſen dem Geſandten den Brief gewieſen, mit dem Finger einzelne Stellen bezeichnend). Die müſſen fort— ſeht, der! (Bei der erſten Rede des Kanzl horcht er, in derſelben Stellung blei⸗ bend, nach hinten hin in höc Spannung. Als jener den Namen Habsburg nennt, fährt Ottokar zuſammen; die Hand, mit der er auf den Brief zeigt, beginnt zu zittern; er ſtottert noch einige Worte:) und der— muß fort! (Die Hand mit dem Briefe ſinkt hinab; mit gebrochenen Knieen ſteht er noch eine Sekunde, ſtarr vor ſich hinſehend, dann rafft er ſich empor und geht ſtarken Schrittes in ſein Zimmer.) Zawiſch. Herr Kanzler, ſagt, iſt es denn wirklich wahr? Kanzler. Nur allzuwahr: der Habsburg Deutſchlands Kaiſer. Zawiſch. Allein wie kam's? Kanzler. ging noch alles gut, Die meiſten Fürſten ſtimmten für den Herrn; Da kommt mit einem Mal der Kanzellar Des Erzbiſchofs von Mainz— der hier geweſen— Mit ihm ein Wolkersdorf aus Oſterreich Und Hartneid Wildon aus dem Lande Stei'r, Die klagten— Still! der König kömmt zurück! Ottokar(kommt aus ſeinem Gemach). Sagt meiner Frau, ſie ſoll bereit ſich halten, Ich will noch heut' vor Abend auf die Jagd. (Er geht mit ſtarken Schritten auf und nieder.) Kanzler(nach einer Pauſe). Ach, gnäd'ger Herr! Ottokar. Was iſt?(Zuſammenfahrend.) Ihr?— Wart Ihr hier? Vor kurzem hier? Kanzler. Ach ja! Ottokar. Und habt geſprochen? Kanzler. Ja, gnäd'ger Herr! Ottokar. Verdammt! (Wirft ihm den Handſchuh ins Geſicht; dann, ihn an der Hand in den Vorgrund führend.) Was ſchwatztet Ihr Von Reichstag und von Wahl? Kanzler. Hier hört es ſelbſt! 50 König Ottolars Glück und Ende. Der Burggraf von Nürnberg, mit zwei Herolden voraus, und mehreren Begleitern hinter ſich, tritt ein. Ottokar(geht ihm mit ſtarken Schritten bis in die Mitte des Saales entgegen). Wer ſeid Ihr, Herr? Burggraf. Friedrich von Zollern bin ich, Burggraf von Nürnberg, abgeſandt vom Reich. Oklokar. Glück zu! Er kehrt ihm den Rücken und geht wieder in den Vorgrund.) Burggraf. Rudolf, von Gottes Gnaden Kaiſer— Ottokar. Ich glaube, Herr, das Reich will meiner ſpottenk Hier ſtehn noch die Geſandten, die die Krone Mir anzubieten kamen, und ihr wählt, Eh' ich entſchieden, einen andernꝰ Burggraf. Herr, Der Kanzellar des Erzbiſchofs von Mainz, Er hat gemeldet, wie mit ſchnöden Worten Von Euch gewieſen Ihr ſo Kron' als Reich. Ottokar. Ha, frecher Treubruch deutſcher Reichsbarone! Burggraf. Beſchuldigt Ihr des Treubruchs Deutſchland Fürſten? So wißt denn, was die Wahl von Euch gewandt! Wir ſuchten einen Herrn, gerecht und gnädig, Als einem ſolchen bot man Euch den Thron. Da kam der Ruf, da kamen ſelber Zeugen, Die laut es riefen in der Fürſten Ohr, Wie Ihr getan an Königin Margreten, Die Eure Gattin war, die Ihr verſtießt; Wie Ihr die Rechte ſchmälert jener Lande, Die rechtlos vorenthaltet Ihr dem Reich; Wie Eure Ungnad' ſchon ein Halsverbrechen Und Strafe trifft, wo noch kein Urteil traf. Das ſind wir nicht gewohnt in Schwaben und beim Rhei, Wir müſſen einen gnäd'gen Fürſten haben, Vor allem aber ſoll er ſein gerecht. Dies überlegend, ſchritten ſie zur Wahl— Heinrich von Liechtenſtein(hinter der Seene). Verräterei! Ott Ger Hei Wer Am 2 Dienf Fül Gebt Ott. 9 Chol Ihr g Liet Otte Send' Euch Wie 9 Und 9 Sobal Soll Und v Unden Bur, Waru Unden Rudol Entbie Daß d Wie's Sonſt Von 2 Otto Bure Nebſt“ Stellſt Als bö ude. raus, und mehreren ie Mitte des Saales eich. den Vorgrund.) N ö lmeiner ſpottenſ ne ch. Reichsbarone! ichs Deutſchland ſten? gewandt!l dig, ron. n, 7 hen af. mund beim Rheiß n, König Ottokars Glück und Ende. Ottokar. Wer ruft? Gemurmel(unter den Anweſenden). Der Liechtenſtein! Heinrich von Liechtenſtein(tritt vor). Wer Oſterreicher iſt, der ſei gewarnt! Am Ausgang ſtehn des Schloſſes He cherrotten, Die fangen jeden, der nicht böhmiſch iſt. Füllenſtein(ommt hinter ihm mit gezogenem Schwert). Gebt Euch gefangen! Ottokar(vortretend). Eure Wehre, Heinrich! hr, Ulrich Liechtenſtein, Graf Bernhard Pfannberg, Chol Seldenhoven, Wulfig Stubenberg, hr gebt die Schwerter, und euch ſelbſt in Haft! Liechtenſtein. Was taten wir? Ottokar. Damit Ihr, Freund, nichts tut, Send' ich Euch in die Haft. Damit Ihr nicht Euch flüchtet zu der neuen Majeſtät, Wie Wolkersdorf und Wildon, die Verräter, Und Merenberg— it dem Fuße ſtampfend.) er ſchafft mir Merenbergꝰ Sobald der hier aus ſeinem Felſenneſt, Soll euch der Richter gegenüberſtellen, Und wohl dann dem, der ſich nicht ſchuldig fühlt! (Zu Zollern gewendet.) Und nun nur weiter fort in unfrer Sachel (Die Geiſeln werden fortgeführt.) Burggraf. Der Auftritt hier erſpart mir die Erklärung, Warum die Fürſten, Herr, nicht Euch gewählt. Und nun zu meiner Botſchaft, Böhmens König! Rudolf, von Gottes Gnaden römiſch deutſcher Kaiſer, Entbietet dich auf einen Tag nach Nürnberg, Daß du dort walteſt deines Schenkenamts, Wie's dir als Kurfürſt ziemt des deutſchen Reichs; Sonſt auch nach Recht die Lehen dort empfangeſt Von Böhmen und von Mähren, die dir zuſtehn. Ottokar. Wie das? Nicht mehr? Und Oſterreich und Steier? Burggraf. Und Sſterreich und Steier, Krain und Kärnten, Nebſt Eger, Portenau, der wind'ſchen Mark, Stellſt du zurück zu Handen unſers Kaiſers, Als böslich vorenthalten von dem Reich. 22 4* 52 König Ottokars Glück und Ende. Ottokar. Ha, ha, ha, ha!'ne luſt'ge Mär fürwahrl Und ſonſt begehrt der neue Kaiſer nichtsꝰ Burggraf. Nur was des Reichs! Ottokar. Herr, es iſt aber mein! Den Ungarn hab' ich Steier abgewonnen Mit meinem Blut, mit meiner Böhmen Blut. Vererbt ward Kärnten mir von meinem Ohm Durch gleicher Erbverträge Wechſeltauſch, Und Sſtreich brachte mir zur Morgengabe Die Königin Margrete, meine Gattin. Burggraf. Wo iſt Margrete nunꝰ Ottokar. Wenn auch getrennt, Beſtätigt hat ſie ihrer Lande Schenkung, Und mein iſt alles, was ſonſt ihre war. Burggraf. Die Lande Oſterreich und Steier fallen, Vermög' dem Majeſtätsbrief Kaiſer Friedrichs, Wohl an des letzten Lehnbeſitzers Töchter, An ſeine Schweſtern nicht; und Margarete Iſt nur des letzten Babenbergers Schweſter, Des Herzogs Friedrich, der den Mannsſtamm ſchloß. Des Reiches Lehn vererben nicht, Durch keine Heirat mag man ſie erwerben: Und ſo gib wieder, was dem Reich gehört. Ottokar. Ich glaube gern, daß es ihm wohlgefiele, Dem neuen Herrn, wenn ich die reichen Lande Ihm ſendete nach Schwaben, ſeinen Säckel Zu beſſern und die dürftig leere Hand; Allein nicht ſo! Ich bin nun alt genug, Um auf Verluſt mich zu verſtehn und auf Gewinn. Geht nur zurück und ſagt dem deutſchen Reich- Denn einen deutſchen Kaiſer kenn' ich nicht— Manch Geier ſoll noch Aaſes werden ſatt, Bis ſie gewinnen, was des Böhmen iſt! Er ladet mich zu ſich? nun wohl, ich komme; Doch will ich Gäſte führen mit zum Tanz, Daß von der Füße Stampfen weit umhin Die Erde ſoll erzittern bis zum Rhein. Gehabt Euch wohl und ſagt das Euerm Herrn! Jawiſch. Wir aber wollen zu den Waffen greifen. Mit E Ottoh Im La Als we Will ie Und Nicht e Auf Ri Ihr all Bringt Und ſo (Es wirt KHamn So, ſie fönig Was iſt KHamn Horch'! Es iſt 9 Soll ich König Es hört e. ürwahr! N r fallen, n ſchloß. hlgefiele, ide Hewinn. ich ie; errn! greifen. König Ottolars Glück und Ende. 5² Mit Gut und Blut für unſern großen König! Er geht, mehrer ollen folgen. Ottokar. Halt da! Wozu? Für wen? und gegen wenꝰ? Im Lande ſoll man handeln und verkehren, f S2 Als wär' der tiefſte Fried'. der Zeit, Will ich ſchon des Beſuches Und nun mit mir! Der neue Bettelkönig, Nicht einem Reh ſoll er das Leben retten! Auf Ribnik iſt für morgen große Jagd; Ihr alle ſeid geladen! Luſt und Freude! Bringt Lichter, es wird dunkel. Fackeln her! Und ſo mit mir! Auf Weidwerkl In den Wald! (Ab, die übrigen folgen ihm tumultuariſch nach.) (Es wird dunkler. Kurze Pauſe, dann hört man in der Ferne auf einer Zith ielen.) Kammerfräulein(tritt aus der Türe ber Königin). So, ſie ſind fort! Wer ſpielt da auf der Zither? Königin(kommt). Was iſt? Wer ſpielt? Kammerfräulein(an der Baluſtrabe). Ich weiß nicht, gnäd'ge Frau. Horch'! Worted„Hand wie Schnee, und doch ſo heiß!“ Es iſt Herr Zawiſch Roſenberg. Er ſingt. Soll ich ihn gehen heißen? Königin(hat ſich geſetztz. Laß ihn nur, Es hört ſich gut zu in der Abendkühle. 0 Gie ſtützt ihr Haupt gedankenvoll in die Hand.) 54 König Ottokars Glück und Ende. Vielleick Nustlor A Das hi Dritter Außug. Nas bit Verſchlö 5 Ob frei N Gemach in Merenbergs Schloſſe. Zu Vor Doch ſi, Fenſter, die Mütze zwiſchen den Herbott Der alte Merenberg ſteht am offenen gefalteten Händen. W10 3 2 Merenber Aerenberg. Die Sonne ſteigt empor. Hab' Dank, o Gott, Des Greiſen Dank, für dieſen neuen Tag! Mere Und für den Tag, den du geſchenkt dem Lande, Da du hervorriefſt aus des Dunkels Schoß uchtendes Geſtirn, Was fü Mildglänzend Habsburgs le Das wieder grün macht die zerſtampften Auen Setzt er Und wieder lau die froſtdurchſchnittne Luft. So iſt O, gib, daß wir, der Deutſchen Außerſte, Teilnehmen an dem. Heil, das dort entſtand; Beliebt' Daß alle, die wir Oſterreicher ſind, iden harter Zucht, Verbiete Entnommen aus des Fren Wie Brüder kehren in der Eltern Haus, Ihr zieh Von eines Vaters Auge fromm bewacht. Des Köt Amen, ſo ſoll's geſchehn! Seitwär Wer klopft? Am link Frau(von außen). Ich, Alter! Und Kai Am rech Merenberg. Ei, nur herein! Frau(tritt ein mit einer Schüſſel und Wein). Den Fli Ich bringe dir das Frühſtüch Allein il Atrenberg. Setz' immer hin! Wer ſpricht im Schloßhe geide unten? Wir eſſe Frau. Zwei Reiter, die nach dir verlangten. meren Merenberg. Nun? Füllen, Warum brlingt man ſie nichtꝰ Viſter öfft Frau. Ich dachte— Erkennſt RMerenberg. Was denn? Meren Bin ich in Fehde denn mit meinen Nachbarnd 8 Liebt man den Merenberg nicht rings im Land, Ortolf v Daß vor zwei Reitern ich mich ſcheuen ſollte? Ortolf vo Wer weiß, was Wicht'ges ſie zu melden kommen? Füllenf ſe. Rütze zwiſchen den Dank, o Gott, ude, l, uen dir das Frühſtüc icht im Schloßhe nꝰ gten. barnd Land, lte? kommen? 1 * König Ottokars Glück und Ende. Vielleicht von meinem Sohn! Führ' ſie herauf! (Frau ab.) Das hieße ſich noch gar verdächtig machen, Verſchlöſſ' ich mich vor Botſchaft und Beſuch. Ob freilich zwar der böſe Zeitenlauf Zu Vorſicht rät und leicht wohl gar zu Mißtraun; Doch ſind mir zwanzig Knechte ja im Schloß. Herbott von Füllenſtein und Ortolf von Windiſchgrütz treten, von Merenbergs Frau geführt, ein. Beide ganz gerüſtet und mit geſchloſſenem Viſier. MRerenberg. Ei, Gott zum Gruß, ihr Herrn! Frau, bring noch Wein! 83 Frau ab.) Was führt euch her zu mir? Zwar eh' ihr ſprecht, Setzt euch an Tiſch und nehmt mit mir vorlieb; So iſt es Sitt' in unſerm Steierland. Gie ſetzen ſich.) Beliebt's euch nicht, den Helm vom Haupt zu nehmen? Geide ſchütteln verneinend die Häupter.) Verbietet's ein Gelübd'?— Doch wie ihr wollt! Ihr zieht dem Heer des Königes wohl zu? Des Königs Ottokar?— Er lagert an der Donau, Seitwärts Korneuburg, weit bis Tuln hinab, Am linken Ufer, ward mir angeſagt. Und Kaiſer Rudolf— nu, den Habsburg mein' ich— Am rechten Ufer hält er Wien belagert. Den Fluß zu überſetzen ſcheuen beide. Allein ihr ſprecht nicht, und ihr eßt auch nicht? Beide(aufſtehend). Wir eſſen mit Verrätern nicht! Alerenberg(ſpringt aufö. Daß Gottl Füllenſtein(der das Schwert zieht und ſich vor die Türe ſtellt, das Viſier öffnend). Erkennſt du michd Rerenberg. Herbott von Füllenſtein. (Der andere hat auch das Viſier aufgeſchlagen.) Ortolf von Windiſchgrätz!— Was tut ihr, Herren? (Ortolf von Windiſchgrätz iſt ans Fenſter getreten und ſtößt ins Horn.) Füllenſtein. Im Namen unſers Königs Ottokar z Glück und Ende. 56 König Ottoke Merei Nehm' ich dich in Verhaft als Hochverräter. Mein& Merenberg. Warum? Füllenſtein. Haſt du nicht deinen Sohn geſandt Was lie Mit Klagen an die Fürſten und das Reich? Merenberg. Der Unvorſichtige!— Mit Klagen nicht, Mit Bitten nur für Königin Margrete ind ihres angeſtammten Rechtes Schutz. Zelt des! Füllenſtein. Dient nicht dein Sohn fetzt in des Kaiſer 5 Heer?d Ottok Merenberg. Ich bin verloren! Füllenſtein. Ja, das biſt dul Folge! Iſt er Merenberg. Wohin? Man he Füllenſtein. Dahin, wo man dich preſſen wird, Ein Fe Bis deiner Ränke letzter dir entgeht. Stimme(von außen). Verfolg Macht auf! macht auf! Kanzl Fülllenſtein. Ortolf, bewach' die Tür! Bis Ih Stimme(von außen). Herr, e Um Gottes willen, öffnetl Oltok Ortolf.'s iſt dein Knecht, Kanzl Der Duper, Füllenſtein! Die Kr Füllenſtein. Was will denn der? Ottoh Dochen Windiſchgrätz öffnet die Tür, Knecht tritt ein. Und ve Anecht. Herr, Kaiſerliche ſtreifen in der Nähel Hat me Füllenſtein. Verdammt! Ich hu Anecht. Sie haben, heißt es, Gräz genommen, Kanz Des Königs Hauptmann Milota gefangen Und m Und wenden alles Land dem Kaiſer zu. Ottoß Füllenſtein. Wie mag das ſein? So ſch Anecht. Ja, Meinhard Graf von Görz Kanz Soll beigetreten ſein der Deutſchen Sache, Hier n Und der hauſt alſo übel hier im Land. Ottol RMerenberg. Nun, Gott ſei Dankl Kanz Füllenſtein. Euch ſoll's nicht helfen, Herr! Allnäck Nur fort mit ihm! Ihr wendet eure Schwerter J59. Ich wi Auf ſeine Bruſt, und wagen's die im Schloßhof, 8 Sich nur zu regen, ſtoßt ihr ſtracks ihn nieder. 5 n Die Pfade kenn ich hier herum, ich leit' euch. Daß d Ende. r. geſandt 92 Klagen nicht, zt in des Kaiſer 12 i wird, tritt ein. Nähel ommen, N öͤchwerter ochloßhof, nieder. euch. König Ottokars Glück und Ende. 57 Merenberg(der abgeführt wird). Mein Sohn iſt frei, die Königin geborgen; Was liegt an mir? da wird der Himmel ſorgen. (Alle ab.) Böhmiſches Lager am linken Donauufer. Zelt des Königs. Ein Tiſch mit einem Aufriß der Gegend im Vorgrunde. Ottokar tritt auf, der Kanzler und Mehrere hinter ihm. Ottokar(im Auftreten zu ſeinen Begleitern). Iſt er geflohn, ſo laßt den Schurken hängen! Man hängt ja täglich Diebe; Gottes Donner! Ein Feiger dünkt mich ſchlechter als ein Dieb! (Er kommt in den Vorgrund, der Kanzler folgt ihm.) Verfolgt Ihr mich denn übrall hin, Herr Kanzler? Kanzler. Ja, überall, mein König und mein Herr, Bis Ihr mich anhört und mir Antwort gönnt. Herr, es ſteht ſchlimm! Ottokar(auf und nieder gehend). Es ſteht ſehr gut! Kanzler. O Gott! Die Krankheit herrſcht, der Mangel herrſcht im Lager. Ottokar. Die Krankheit: Furcht, und Mangel wohl an Mut; Doch nur bei wenigen, ſo will ich hoffen, Und von den wenigen hängt einer drauß! Hat man jetzt Zeit, um krank zu ſein? Und Hunger? Ich hungre nur nach einem: nach dem Sieg! Kanzler. Aus Böhmen ſeit fünf Tagen keine Nachricht, Und man beſorgt— Ottokar. Wahrſcheinlich bin ich dort So ſchlecht bedient als hier! Kanzler. Hier ſeid Ihr gut,(auf ſeine Bruſt ſchlagend) Hier mindſtens ſeid Ihr gut bedient, mein König! Ottokar. Mag ſein! mag ſein! Kanzler. Von Oſtreich die, von Steier, Allnächtlich fliehn ſie haufenweis zum Feind. Ottokar(ſtehen bleibend). Ich will ſie treffen!— All dies weite Land, Zur menſchenleeren Wüſte will ich's machen, Daß drin die Füchſe hauſen und die Wölfe, 58 König Ottotars Glück und Ende. Und nach Jahrhunderten der müß'ge Wandrer Er iſt der Sich ſtreiten ſoll, wo Neuburg ſtand und Wien. Ottokar. Kanzler. Am linken Ufer ſchon, auf unſrer Seite, Ein Kriege Will Feinde man ſogar geſehen haben. Kanzler. Ottoßkar. Beinahe glaub' ich, daß es mancher wollte; Doch hat Doch iſt's nicht wahr! In Aachen Kanzler. Allein die Wachen ſahn's. Und ſich k Ottokar. Schickt einen Mutigen, der ſieht wohl nichts! Da trat e Kanzler. Bei Wolkersdorf— 85 Ein Kruzi Ottokar. Ich ſag' Euch: Nein! Ich weiß! Ottokar. Die Mährer ſind's, wenn ſich dort Haufen zeigen! Wer geber (Er ſteht am Tiſch bei der Karte.) Zum Neh So war's im Plan! Die Mährer dort von oben, ganzler. Im Rücken Milota aus Steiermark, Die Näul Und wir, wie Schleien durch die Donau und Durch klu Wie Löwen jenſeits'raus; und dann— Die Fürft (Mit der Hand in den Tiſch ſchlagend.) Der Papf „Schlag tot! Ihn preiß Ich habe ſie!(er geht wieder auf und nieder.) Als auf Kanzler. Du allgerechter Gott! Nach Wi Ich ſinne nach, wie wir uns retten möchten, Da tönte Und Ihr ſprecht nur von Sieg!— Aus Steiermark Von beid Hört ab und zu man wunderbare Dinge. 5 Der Mer Ottokar. Ei, wundert Euch, ſoviel Ihr wollt, Herr Kanzlet Wie ſie Dort iſt der Milota, ein tücht'ger Mann; Am Vor Kein Kopf, doch eine Fauſt von Stein und Stahl. Und freu Der ſchlägt Euch zwanzigmal auf einen Fleck Herr, ne⸗ Und frägt nicht, wie's getan. Ottoka Kanzler. Nun denn, ſo ſei's! Kanzle Ich habe mich verwahrt! Als ich Euch ſagte: Hab' ich Herr, traut dem Bayer nicht! Ihr trautet doch; Doch, de Und nun ließ er den Kaiſer durch ſein Land. Sich geg Ottokar. Furcht hat'ne feine Naſe für die Furcht; Ein Wo Den Bayer habt Ihr trefflich ausgewittertl Ja, Her Kanzler. Der Grafenbund in Schwaben iſt zerſtreut. Und mö Ottokar. Der hielt wohl niemals allzufeſt beiſammen! Der Ka Kanzler. Mit einem Wort: Der Kaiſer Rudolf, Herr— Und läd Ottokar. Was Kaiſer! Ottoße Kanzler. Nu, der Habsburg alſo denn! Kanzl nde. 33— König Ottokars Glück und E nde. 59 Bien. Er iſt der Mann nicht, den wir ſonſt ihn glaubten. Seite Oltokar. Mir ſollte leid tun, wenn er ſchlimmer wäre: 238 Ein Krieger, und ein Mann vielleicht; kein König. cer wollte; Ikaniler. So dachte mancher, der ihn wählen half; Doocch hat ſich's anders, unverhofft bewährt. In Aachen ſchon, als man die Lehen gab wohl nichtsl Und ſich kein Scepter fand— man wollt' ihn ſtören!— 1 Da trat er hin und nahm vom Hochaltar Ein Kruzifir— * 21 N Ottokar. Und gab die Lehn damit? l Wer geben will, der findet leicht ein Werkzeug; helr Zum Nehmen rüſt er kräftiger ſich aus! Kanzler. Die Ruh' iſt hergeſtellt im weiten Deutſchland, 15 Die Räuber ſind beſtraft, die Fehden ruhn; Durch kluge Heirat und durch kräft'ges Wort 15.) Die Fürſten einig und ihm eng verbunden; Schlag tot! Der Papſt für ihn; im Land nur eine Stimme, 8 Ihn preiſend, benedeiend als den Retter. Als auf der Donau nur allſamt dem Heer Nach Wien er niederfuhr mit lautem Schall, n 8 3 8 5eterinart Da tönte Glockenklang von beiden Ufern, ar Von beiden Ufern tönte Jubelruf llt. Herr Kanzlel Der Menge, die dort kam und ſtaunt und kniete, „Herr Kanzler Wie ſie den Kaiſer ſahn im grauen Röcklein Stahl Am Vorderteil des Schiffes ſtehn allein Und freundlich grüßend mit des Hauptes Neigen. 5 Herr, nennt ihn Kaiſer, denn fürwahr, er iſt's! Oitokar. Sprichſt du ſo warm für ihn? Kanzler. Für Euch wohl wärmer; b5f5 Hab' ich ihm denn geſchworen, ſo wie Euch? 5. 05 Doch, daß zwei Herrn, ſo hoch, ſo würdevoll, 18 Furchtz Sich gegenüber ſtehn, da's nur ein Wort, R Ein Wort nur brauchte, um ſie auszuſöhnen— iſt Ferſtrel Ja, Herr, es iſt geſagtl Es ſei geſagt! zerſtreut. Und mögt Ihr zürnen, melden muß ich's Euch: R Der Kaiſer hat geſendet einen Herold tudolf, Herr— Und lädt Euch ein zu gütlichem Geſpräch. Ottokar. Schweig ſtill! Kanzler. Die Inſel Kaumberg ward erſehn, 60 König Ottokars Glück und Ende. Von beiden Teilen werde ſie beſetzt; Jawiſch. Nicht Ihr zu ihm, nicht er zu Euch, Ottokar. Auf gleichgeteilten Boden ſollt Ihr kommen der einz'g Und dort verhandeln, was uns allen nützt. ſt, daß e Ottokar. Bei meinem Zorn— Er tritt a Kanzler. Herr, ſelbſt bei Eurem Zorn! Nicht ſchweig' ich da, wo Reden meine Pflicht! Jawiſch. Kanzler. Zawiſch von Roſenberg kommt. hr ſchlag Ottokar. Du kommſt zurecht; beſchwicht'ge dieſen Rabckommt el Zawiſch. Was will er denn? die Lande Ottokar. Er ſpricht mir von Vergleich. Bereit zu Zawiſch. Wie? von Vergleich? der kindiſch ſchwache Gretie rufen Nur eben hat ſich eine Schar Kumanen Ind ſtirbt Durch eine Furt dem Lager angenaht; Lin andre Allein ich ging hinaus mit meinen Böhmen, Ind ewig Und, wie ſie flohn, den Rückweg fand wohl keiner Zawiſch. Ottokar(zum Kanzler). Kanzler. Seht Ihrꝰ Das Unht Kanzler. Ein einzler Fall entſcheidet nichtl die Saat Zawiſch. Doch viele Fälle fällen doch zuletzt! die Men. Die Axt iſt an der Wurzel, losgeſchlagen!(Zum Kanzler.) Schämt 0 Habt Ihr ein Heer wie unſers je geſehn? Zat daru Voll Kraft und Mut und Zuverſicht und Stolz Haran ge Auf ſich und auf den Führer, der es leitet. 2s geht 1 der Spin Kanzler. Ihr wißt wohl, Zawiſch, daß es anders iſt ind ſoll (fortfahrend). 56 11 Und Ihr könnt von Vergleich und Frieden ſprechen? d8 all i zi geht, Sind ihrer viel; wir ſind wohl gleicher Zahl! 3 3 ſind wütl gleiche Zaß der Köni Sind tapfer ſie; wer nimmt es auf mit uns? Führt ſie ein Kaiſer; hier ſteht Deutſchlands Kaiſer! Otkokar Noch dieſe Schlacht, und, Kanzler, glaubt, er iſt's! 1 Gri Aanzler. O Roſenberg, Ihr ſpielt ein falſches Spiel; famler Ich glaub', Ihr ſeid nicht wahrhaft, Roſenberg! Ottokar Ein altes Unrecht, Eurem Haus getan Kattz Von unſerm ſonſt gerechten, gnäd'gen Herrn, anzler Ich fürcht', es wurzelt tief in Eurem Herzen f überle Und läßt Euch alſo ſprechen, wie Ihr ſprecht. Ottokar Glaubt mir, mein gnäd'ger Herr, ich mein' es redlich. err Kan König Ottokars Glück und Ende. Zawiſch. Die Feinde ſind im Nachteil, das iſt klar! Oltokar. Das iſt nicht klarͤ! Die Wage ſteht für ſie. ien der einz'ge Vorteil— doch der ſoll entſcheiden!— zt. zſt, daß euch Ottokar, und jene Habsburg führt. Er tritt an den Tiſch, und mit der rechten Hand darauf geſtemmt, betrachtet er die vor ſich liegende Karte.) öflichtl Zawiſch. Der Sieg iſt unſer, glaubt mir das, Herr Kanzler! Kanzler. Und wenn auch! was iſt noch damit gewonnen? nt. Ihr ſchlagt den Kaiſer heut', und übers Jahr ſt'ge dieſen Rabekommt er herab mit einem neuen Heer. die Lande ſind nun einmal mißvergnügt, Bereit zu Aufſtand und zu Meuterei, iſch ſchwache Gresie rufen Euch die Deutſchen, eh' Ihr's denkt. ind ſtirbt auch Rudolf, fällt er in der Schlacht; Lin andrer Kaiſer fordert Euch dasſelbe, ind ewig währt der Unfried' mit dem Reich. nen ohl keinerl Zawiſch. Was mehr? Kanzler. Was mehr?— Und rechnet Ihr für nichts das Unheil und die Greuel in dem Land? icht! die Saat zerſtampft, die Wohnungen verbrannt, uletztl die Menſchen hingeſchlachtet wie— daß Gott! schämt Euch, Herr Roſenberg, daß Ihr ſo ſprecht! 7 hat darum unſer König Gold und Gut d Stolz Daran geſetzt, ſein Böhmen aufzubringen? tet. 2s geht der Pflug, der Weber ſitzt am Werk, der Spinner dreht, der Berg gibt ſeinen Schatz; ind ſoll er nun mit eigner Fürſtenhand das all zerſtören, was er ſelbſt gebaut? ü geht, Ihr wißt nicht, was Ihr ſprecht, Herr Zawiſch! der König kennt das beſſer, als Ihr glaubt! Ottokar(vor ſich hin). t, er iſt's! m Grunde waren ſie's, die mir den Antrag taten! falſches Spiel; Kanzler. Wohl waren ſie's! enbergl Ottokar(wieder auf und nieder gehend). 5 Iſt Schmach dabei, trifft ſie's errn, Kanzler(mit dankend gefalteten Händen). rzen r überlegt! recht. Ottokar. Die Schwäche macht verſöhnlich! 'ein' es redlich. err Kanzler, um das Kaiſertum der Welt (Zum Kanzler.) 2 es anders iſt en ſprechenꝰ? Zahl! unsꝰ nds Kaiſer! 62 König Ottokars Glück und Ende. Hätt' ich ihm nicht das erſte Wort gegönnt! Kanzler. Die Ehre bleibt; verdoppelt wird der Ruhm. Ottokar. Dem Feind verzeihen; gut! Doch na ch der Sti Lager der K ei Die Schwäche macht verſöhnlich! Kanzler. Gnäd'ger Herr— ben 0. Ottokar. Und wahrlich, Zawiſch, ſehen möcht' ich ihn, 0 Wie er ſich nimmt, dem Ottokar genüber, Hauptme Der arme Habsburg in dem Kaiſerkleid? Was er entgegnet, wenn im ſelben Ton, 5 Erſter 6 Mit dem ich ihm bei Kroiſſenbrunn befahl: Hier iſt 9 „Herr Graf, greift an!“— ich Oſtreich nun und Steit⸗ 5 3 f 5 Und all die Lehen von dem Reich begehre? 8 Das hieße ſiegen, ohne Heer, allein! Aran( Zawiſch. Dagegen aber, wenn er ſchlau und liſtig— Halt dich Ottokar. Topp, Kanzler, Euren Vorſchlag nehm' ich g. Schweize Kanzler. O tauſend Dankl Ottokar. Ei, dankt nicht allzufrüh! Und hab' Nicht ganz in Eurem Sinn iſts, daß ich gehel Hauptme W. ſte Worten ſ Wenn er ſo daſteht und nach Worten ſucht Das gelt ö Und ich ihm ſage: Euren Kaiſermantel einem Feldt Begehr' ich nicht, Ihr mögt ihn ruhig tragen! Hammer di Doch an mein Land ſollt Ihr mir, Herr, nicht rühren; Und' ſo gehabt Euch wohl und zieht in Frieden! Audolf. Aufs höchſte gibt man ihm ein Fleckchen Grund, Daß er daheim ſich brüſten mag und ſagen: Schon Len Das haben wir erobert für das Reich! Die Freude gönn' ich ihm. Glück auf, Herr Kanzler! Erſter 8 Wir ziehen aus auf Frieden und Vergleich; Gevatter Da ſeid Ihr Führer, wir gehorchen Euch! Den Ham Und was ſich regt im Lager, groß und klein— Zweiter (Gegen den Eingang gewendet. Einige treten herein.) Das ſei bereit und rüſte ſich in Pracht. Seyfried Von Gold und Silber laßt die Rüſtung ſtarren; Erlauchter Und weh' dem Edelknecht, des Wams und Mantel ündolf, Nicht hundertmal den deutſchen Kaiſer ausſticht. Seid ruhi (Ab, die andern folgen ihm.) Des geb' dat Gott So wird' Ende. ntl ird der Ruhm. hunach der Stn möcht' ich ihn, 51: nun und Steie + 1wund liſtig— lag nehm' ich 9. gehel icht ragen! „nicht rühren; Frieden! Grund, gen: Herr Kanzler! ich; 91 klein— treten herein.) ſtarren; ind Mantel ausſticht. m.) König Ottokars Glück und Ende. 63 Inſel Kaumberg in der Donau. rlichen. koſtbares Lager der K ein Im Hintergrunde, auf einigen Stufen erhöht, Zelt, mit dem Reichsadler geſchmilckt. Ein Hauptmann tritt auf, hinter ihm mehrere Wappner, die mit ge⸗ kreuzten Hallbarten das nachdringende Volk abzuhalten bemüht ſind. Hauptmann. Laßt ſie nur ein, der Kaiſer hat's befohlen! (Volk ſtrömt herein.) Erſter Bürger(der ſich mit ſeinem Nachbar durch die Menge in den Vorgrund gearbeitet hat). Hier iſt ein guter Platz, hier laßt uns bleiben! Zweiter Bürger. Wenn er nur vorkommt, daß wir ihn auch ſehn. Frau(zu ihrem Kinde). Halt dich zu mir und nimm da deine Blumen! Schweizerſoldat. Wo iſt der Rudi? Herr, ich bin ſein Lands⸗ mann Und hab' was anzubringen bei dem Kaiſer! Hauptmann. Geduldet Euch! Doch ſeht, man öffnet ſchon. Das Zelt öffnet ſich. Kaiſer Rudolf ſitzt im ledernen Unterkleide an einem Feldtiſche. Er hat einen Helm vor ſich, an dem er mit einem Hammer die Beulen ausklopft. Vollendend und zufrieden ſeine Arbeit beſchauend. KRudolf. Nun hält das lange wieder, ab und zu. Er ſieht ſich um.) Schon Leute da!— He, Georg, hilf einmal! (Ein Diener hilft ihm, er zieht den Rock an.) Erſter Bürger eim Vorgrunde). Gevatter Grobſchmied, ſaht Ihr wohl? Der Kaiſer, Den Hammer in der Hand! Vivat Rudolphus! Zweiter Zürger. Sei ſtill, ſei ſtill! Er tritt ſchon auf uns zu! (Der Kaiſer kommt die Stufen herab.) Seyfried von MRerenberg(tut einen Fußfall). Erlauchter Herr! Rudolf. Ei, Merenberg? Nicht wahr? Seid ruhig, Euer Vater wird befreit, Des geb' ich Euch mein Wort. Im weiten Reich Hat Gottes Hilfe hergeſtellt die Ruh', So wird's auch hier in Eurem Oſterland. 6⁴ König Ottokars Glück und Ende. Der Fürſt von Böhmen kommt heut' zum Geſpräch; Schwe Bor allem will ich Eurer da gedenken. Das hat (Merenberg tritt zurülck.)— Und (Ein Kind mit einem Blumenſtrauß läuft auf den Kaiſer zu.) Rudolf. Wem iſt das Kind? Wie heißt du? Und dar f Und iſt Eine Frau. Katarina! Katrina Fröhlich, Bürgerskind aus Wien. Nu, Hen Kudolf. Fall nicht, Katrina! Ei, was iſt ſie hübſch! Indeſſer Wie fromm ſie aus den braunen Augen blickt, Rudol Und ſchelmiſch doch. Zierſt du dich auch ſchon, Kröte? Doch w Was wollt Ihr, gute Frau? Und mi Frau. Ach Gott, Eur' Hoheit! Der hän Die Böhmen haben unſer Haus verbrannt, Schwe Mein Mann liegt krank vor Kummer und Verdruß. Iſt woh Budolf Czu einem ſeiner Begleiter). Wir wo Schreibt Euch den Namen auf und ſehet zu! Zur Frau.) Wuleß zudoh Worin zu helfen iſt, da wird man helfen! Schweizerſoldat(tritt vor, hinter ihm noch drei oder vier andereh Und gri ädiger Herr Landsmann! Mit Gunſt und Urlaub, g Rudolf. Ei, Walter Stüſſi aus Luzern? Was willſt d'. Ottoße (Zum Kinde.) Erlauch Geh nur zu deiner Mutter, Katarina; Rudol Dem Vater wird geholfen, ſag' ihr das! Horne (Das Kind läuft zur Mutter.) Des edl Schweizer. Ich und die andern da vom Lande Schweiz Den Ki Wir kommen her, ob Ihr die Gutheit hättet Ohn' R Und gäbt uns etwas Geld. O, nehr Rudolf. Ja, Geld, mein Freund, Es iſt e Geld iſt ein gutes Ding, wenn man nur hat. Wohl u Schweizer. So habt Ihr keins? Ja ſol Und fil Wo hab doch Krieg? Schaut Rudolf. Sieh, Freund, du weißt wohl noch vom Hauſe hCacht's Gar manchmal hat ein Landwirt aufgeſpeichert Mit hel An Frucht und Futter für den Winter gnug, Von Le Bis voll zur Frühlingszeit. Allein der Frühling, Von B Anſtatt im Märzen, kommt er erſt im Mai, Schweiß Und Schnee liegt dort, wo ſonſt wohl Saaten ſtanden; Ein vol Wenn da der Vorrat aufgeht, ſchmähſt du ihn Vom S Als einen ſchlechten Wirt? Hebt ſie Ende. 1 Geſpräch; den K du? aiſer zu.) iſt ſie hübſch! blickt, ſchon, Kröte? nt, nd Verdruß. zu! Gur Frau.) rel oder vier andere) Landsmann! 7 Was willſt di r.) m Lande Schweiz zättet ir hat. ſo!— Und fül och Krieg?ꝰ noch vom Hau ſpeichert gnug, Frühling, Mai, Saaten ſtanden; du ihn ſe König Ottokars Glück und Ende. 65 Schweizer. Behüte Gott! Das hat wohl mancher ſchon an ſich erfahren! — Und Ihrꝰ Ja ſo! Su ſeinen Landsleuten.) Seht nur, er iſt der Landwirt, Und dau'rt der Winter— heißt: der Krieg— ſo lang, Und iſt die Brotfrucht aufgezehrt das Geld. Nu, Herr, wir warten ſchon noch etwas zu! Indeſſen holt man aus des Landmanns Kaſten. Rudolf. Wenn Ihr nicht bleiben wollt, ſo geht! Doch wer ſich nicht begnügt mit Lagerzehrung Und mir die Hand legt an des Landmanns Gut, Der hängt, und wär's der Beſte! Schweizer. Nu,'ne Frage wohl erlaubt. Es iſt nur, ir wollen zuſehn noch ein T elleicht wird's beffer bi Amolf Das tut! Und grüßt mir Rat und Bürger von Luzern. (Der Kaiſer wendet ſich zu gehen.) Ottokar von Horneck(im Vorgrunde tritt aus der Menge) daß man's weiß. age vier, dahin. Iſt v Wi 9 8 N Ji 8 VI. Erlauchter Herr und Kaiſer, hört auch mich! Kudolf. Wer ſeid Ihr 7 Horneck. Ottokar von Horneck, Dienſtmann Des edlen Ritters Ott von Liechtenſtein, Den König Ottokar, ſamt andern Landherrn, Ohn' Recht und Urt al hält in enger Haft. O, nehmt Euch ſein, nehmt Euch des Landes an! Es iſt ein guter Herr, es iſt ein gutes Land, Woht wert, daß ſich ein Fürſt ſein unterwinde! [Wo habt Ihr deſſengleichen ſchon geſehn? Schaut ringsumher, wohin der Blick ſich wendet, acht's wie dem Bräutigam die Braut entgegen. Mit hellem Wieſengrün und Saatengold, Von Lein und Safran gelb und blau geſtickt, Von Blumen ſüß durchwürzt und edlem Kraut, Schweift es in breitgeſtreckten Tälern hin— Ein voller Blumenſtrauß, ſo weit es reicht, Vom Silberband der Donau rings umwunden— Hebt ſich's empor zu Hügeln voller Wein, 0 66 König Ottokars Glück und Ende. Wo auf und auf die goldne Traube hängt Und ſchwellend reift in Gottes Sonnenglanze; Der dunkle Wald voll Jagdluſt krönt das Ganze. Und Gottes lauer Hauch ſchwebt drüber hin Und wärmt und reift und macht die Pulſe ſchlagen, Wie nie ein Puls auf kalten Steppen ſchlägt. Drum iſt der Oſterreicher froh und frank, Trägt ſeinen Fehl, trägt offen ſeine Freuden, Beneidet nicht, läßt lieber ſich beneiden! Und was er tut, iſt frohen Muts getan. 's iſt möglich, daß in Sachſen und beim Rhein Es Leute gibt, die mehr in Büchern laſen; Allein, was not tut und was Gott gefällt, Der klare Blick, der offne, richt ge Sinn, Da tritt der Oſterreicher hin vor jeden, Denkt ſich ſein Teil und läßt die andern reden! O gutes Land! o Vaterland! Inmitten Dem Kind Italien und dem Manne Deutſchland Liegſt du, der wangenrote Jüngling, da; Erhalte Gott dir deinen Jugendſinn Und mache gut, was andere verdarben! Rudolf. Ein wackrer Mann! Erſter Bürger. Ja, Herr, und ein Gelehrter! Er ſchreibt'ne Reimchronik, und Ihr, Herr Kaiſer, Kommt auch drin vor! Rudolf. In gutem, will ich hoffen! Dein Herr, vertrau', er ſoll die Freiheit haben; Und du— zum Angedenken dieſer Stunde— nimm Die Kette da und ſchmücke dich damit! Dem Wiſſen ſei ſein Lohn und dem Vollbringen! nHalſe und hängt ſie Hornecken um, Zu einem der Nebenſtehenden.) (Er nimmt eine Kette von der ni⸗ dergekniet iſt. Euch, Ritter, ſcheint die Gunſt wohl allzu hoch? Wenn dieſen Mann ich mit dem Schwert berühre, So ſteht er auf als Ritter, wie ſo mancher: Doch manchen wüßt' ich nicht, womit berühren, Sollt er ein Reimwerk ſchreiben, ſo wie der. Doch davon nichts in deine Chronik, Freund! Das hieße ſonſt in dir mich ſelber loben. Hauz Der K Rude Vollen (Nan he König L die Ferſ 0 Ottol Ich ſu⸗ Wo ha Ihr Ich der Nun, I Audo Warun Kommt S◻ So ma Iſt er Doch ke Der Bi Dann Wie ge Ottok Zur— Andol Ich däc Zur Se Daß Il Ich ließ Nach N Daß Il Allein“ Erſchien Doch de ze; Hanze. ſchlagen, gt. n, chein reden! ſchland rter! rr Kaiſer, haben; de— nimm bringen! dornecken um, der nit tehenden.) hoch ꝰ t berühre, her; ſerühren, der. und! König Ottokars Glück und Ende. 67 Hauptmann(kommt). Der König naht von Böhmen, gnäd'ger Herr! Audolf. Nun, großer Gott, du haſt mich hergeführt; Vollende nun, was ich mit dir begonnen! (Nan hat rechts im Vorgrunde einen Feldſtuhl geſetzt. Der Kaiſer ſetzt ſich, ſein Gefolge ſteht um ihn.) König Ottokar kommt in glänzender Rüſtung, darüber einen, bis auf die Ferſen gehenden, reichgeſtickten Mantel; ſtatt des Helmes die Krone auf dem Haupte. Hinter ihm der Kanzler und Gefolge. Ottokar(vom Hintergrunde her auftretend). Ich ſuche nun ſchon lange rechts und links; Wo habt ihr euern Kaiſer, edle Herrn? Ihr da, Herr Merenberg? t man Euch hier? Ich denk' Euch ſchon noch anderswo zu treffen! Nun, wo iſt Rudolf? Ah!(ær erblickt ihn und geht auf ihn zu.) Gott grüß' Euch, Habsburg! Rudolf(der aufſteht, zu denen, die um ihn ſtehen). Warum ſteht ihr entblößten Hauptes da? Kommt Ottokar zu Habsburg, Menſch zum Menſchen, So mag auch Hinz und Kunz ſein Haupt bedecken, Iſt er doch ihresgleichen: Menſch.— Bedeckt euch! Doch kommt der Lehensmann zum Lehensherrn, Der Böhmen pflicht'ger Fürſt zu Deutſchlands Kaiſer, (unter ſie tretend) Dann weh' dem, der die Ehrfurcht mir verletztl Mit ſtarken Schritten auf ihn losgehend.) Wie geht's Euch, Ottokar? was führt Euch her? Ottokar(der betroffen einen Schritt zurückgetreten iſt). Zur— Unterredung hat man mich geladen! Audolf. Ja ſo, Ihr kommt, zu reden in Geſchäften? Ich dächt', es wär' ein freundlicher Beſuch! Zur Sache denn! Wie kommt's, mein Fürſt von Böhmen, Daß Ihr erſt jetzt auf meinen Ruf erſcheintd Ich ließ Euch laden ſchon zu dreien Malen, Nach Nürnberg, dann nach Würzburg und nach Augsburg, Daß Ihr die Lehen nähmt von Eurem Land; Allein Ihr kamt nicht. Nur das letzte Mal Erſchien ſtatt Euch der würd'ge Herr von Seckau, Doch der nicht allzu würdig ſich benahm. 5* 68 König Ottokars Glück und Ende. Ottokar. Die Lehn von Böhmen gab mir König Richardl Rudolf. Ja, der von Kornwall. Ei, es gab'ne Zeit, Deutſchland für ſein bares Geld konnt', als Lehn und Land! Ich hab's geſchworen, gnäd'gen Gott, d Gerechtigkeit 's ſein und bleiben! Herr von Böhmen, Wo man in Noch mehr erhalten Doch damit iſt's vorbei! Geſchworen meinem großen, Daß Recht ſoll herrſchen un Im deutſchen Land; und ſo ſoll Ihr habt Euch ſchlecht benommen, Als Reichsfürſt gegen Kaiſer und das Reich! Dem Erzbiſchof von Salzburg ſeid Ihr feindlich Mit Raub und Mord gefallen in ſein Land, Und Eure Völker haben drin gehauſt, Daß Heiden ſich der Greuel ſcheuen würden. Ottokar. Die Fehde ward ihm ehrlich angeſagt. Rudolf. Hier aber gilt's nicht Fehde: Ruhe, Herr! Die Lande Oſterreich und Steiermark, Mit Kärnten und mit Krain, der wind'ſchen Als ungerecht dem Reiche vorenthalten, Gebt wieder Ihr zurück in meine Hand! Iſt hier nicht Feder und Papier? wir wollen Die Handfeſt gleich in Ordnung bringen laſſen! Ottokar. Ha, beim allmächt'gen Gott! wer bin ich denn? Iſt das nicht Ottokar⸗ nicht das ſein Schwert? Daß man in ſolchem Ton zu ſprechen wagt! Wie aber dann, Herr, wenn, ſtatt aller Antwort, Der Donau breiten Pfad zurück ich meſſe Und weiter frag' an meines Heeres Spitze? Budolf. Noch vor zwölf Monden kamt Ihr mir zurecht, Wenn Ihr der Waffen blut'gen Ausſpruch wähltet! Ihr ſeid ein kriegserfahrner Fürſt, wer zweifelt? Und Euer Heer, es iſt gewohnt, zu ſiegen, Von Gold und Silber ſtarret Euer Schatz: Mir fehlt's an manchem, fehlt's an vielem wohll Und doch, Herr, ſeht! bin ich ſo feſten Muts: Wenn dieſe mich verließen alle hier, Der letzte Knecht aus meinem Lager wiche; Die Krone auf dem Haupt, den Scepter in Ging' ich allein in Euer trotzend Lager Mark. der Hand, Und Ich b Nicht In di Und Was Und! Als m Als n Der 5 Mit e Als n Da w Und b Kein Und j Die 8 Ich ke Fünf Setzt' Der 2 Mit n Das L Aus 0 Und L Geſchn Beim Nicht Sollſt Und ſe Vor di Ottol Rude Ottol Rude Ottol Sie ga Rudo Als R e. könig Richard! e'ne Zeit, nd! en, eiben! Böhmen, dlich eſagt. he, Herrl 1 Mark. en ſſen! er bin ich denn bertꝰ t! Antwort, 7 7 ühr mir zurecht, wähltet! eifelt? * 1 wohll uts: 5 8 in der Hand, König Ottokars Glück und Ende. 69 Und rief' Euch zu: Herr, gebet, was des Reichs! Ich bin nicht der, den Ihr voreinſt gekannt! Nicht Habsburg bin ich, ſelber Rudolf nicht; In dieſen Adern rollet Deutſchlands Blut, Und Deutſchlands Pulsſchlag klopft in dieſem Herzen. Was ſterblich war, ich hab' es ausgezogen Und bin der Kaiſer nur, der niemals ſtirbt. Als mich die Stimme der Erhöhung traf, Als mir, dem nie von ſolchem Glück geträumt, Der Herr der Welten auf mein niedrig Haupt Mit eins geſetzt die Krone ſeines Reichs, Als mir das Salböl von der Stirne troff, Da ward ich tief des Wunders mir bewußt Und hab' gelernt, auf Wunder zu vertraun! Kein Fürſt des Reichs, der mächt'ger nicht als ich; Und jetzt gehorchen mir des Reiches Fürſten! Die Friedensſtörer wichen meiner Stimme; Ich konnt' es nicht, doch Gott erſchreckte ſiel Fünf Schilling leichtes Geld in meinem Setzt' ich in ÜUlm zur Heerfahrt mich ins Schiff: Der Bayerherzog trotzte, er erlag; Mit wenig Kriegern kam ich her ins Land, Das Land, es ſandte ſelbſt mir ſeine Krieger, Aus Euren Reihen traten ſie zu mir, Und Oſterreich bezwingt mir Sſterreich. Geſchworen hab' ich: Ruh' und Recht zu ſchirmen; Beim alles ſehenden, dreiein'gen Gott! Nicht ſo viel, ſieh! nicht eines Haares Breite Sollſt du von dem behalten, was nicht dein! Und ſo tret' ich im Angeſicht des Himmels Vor dich hin, rufend: Gib, was dir vom Reich! Ottokar. Die Lande hier ſind mein! Kndolf. Sie waren's niel Ottokar. Mein Weib, Margrete, brachte ſie mir zu. Rudolf. Wo iſt Margrete nun? Ottokar. Wo immer, gleichviell Sie gab mir dies ihr Land. Audolf. Soll ich ſie ſelber Als Richtrin ſtellen zwiſchen uns?— Sie iſt im Lager! 70 König Ottokars Glück und Ende. Ottoßar. Im Lager, hier? Audolf(mit geändertem Tone). Die Ihr ſo ſchwer beleidigt, An Rechten und an Freuden hart beraubt, Heut' morgens kam ſie, milden Sinnes bittend Um Schonung für den Mann, der ihrer nie geſchont! Ottokar. Die Mühe konnte ſich die Frau erſparen! Wo Ottokar, da braucht's der Bitten nicht! Rudolf(ſtark). Wohl braucht's der Bitten, mein Herr Fürſt von Böhmen, Denn ſprech' ich nur ein Wort, ſeid Ihr verloren! Ottokar. Verloren? Rudolf. Jal von Böhmen abgeſchnitten. Ottokar. Indes Ihr Wien belagert, mach' ich's frei! Andolf. Herr, Wien iſt über! Ottokar. Nein! Rudolf Chinter ſich gewendet). Herr Paltram Vatzol Wo iſt er? Er begehrte, mich zu ſprechen, Der Bürgermeiſter ſamt dem Rat von Wien. mit einigen Ratsgliedern Paltram Vatzo, Bürgermeiſter von Wien, inem Kiſſen tragend. kommt, die Schlüſſel der Stadt auf e Paltram. In Unterwürfigkeit, mein Herr und Kaiſer, Bring' ich die Schlüſſel Euch der Stadt von Wien; Euch bittend, daß Ihr mir nicht zürnt darob, Weil ich, dem König treu, dem ich geſchworen, Die Stadt gehalten bis auf dieſen Tag; Sie auch, verzeiht! vielleicht noch länger hielt, Wenn nicht das Volk die Übergab' erzwungen, Der langen Sperrung müd' und der Entbehrung. (Er legt die Schlüſſel zu des Kaiſers Füßen.) Mein Amt, ich leg' es mit den Schlüſſeln ab, Doch ſollt als treuen Bürger Des Landes Herr iſt Paltram Vatzos Herr, Zugleich mit meinem Land ergeb' ich mich! Gttokar. Verdammt! O Wiener! Leichtbeweglich Volkl Haſt du für deinen leckern Gaum gezittert? Doch ſoll's dich reun! Die Zufuhr ſperr' ich dir Aus Kloſterneuburg, meiner ſtarken Feſtel Rudolf. Auch Kloſterneuburg iſt in meiner Hand, Ihr mich finden. Gufſtehend (Er tritt zurüch Unden Herr 7 Fi Ottol So ga Petkta Ein ra Ottol Doch t Aus S Mit M Im Ri Indes, Von ve Und kei Rudo Ottoh Rudo Ottoh In Wa Kudol Du gib Oktok⸗ Rndol Ob du Rudol In Kett Nehmt Von St Landesh Andol Stehten Schaut Und klan Wenn L wer beleidigt, nd geſchont! erſparen! ſt von Böhmen, rloren! ich's freil Vatzol en. nigen Ratsgliedern iſſen tragend. und Kaiſer, on Wien; rob, oren, ielt, igen, behrung. Füßen.) ab, nden.(Gufſtehend 91(Er tritt zurück tbeweglich Volkl tꝰ ich dir iner Hand, König Ottokars Glück und Ende. 71 Und nichts mehr dein am rechten Donauufer! Herr Friedrich Pettau, kommt! Friedrich Pettauer tritt vor, mit niedergeſchlagenen Augen. Ottokar. Ha, ſchändlicher Verräter! So gabſt du meine Burg? Pettauer. Nicht ich, o Herr! Ein raſcher Uberfall, ſpät geſtern abends Ottokar. Genug! Ich weiß, daß ich verraten bin! Doch triumphiere nicht! Doch ſpott' ich dein! Aus Steiermark naht mir ein ſtattlich Heer Mit Milota, dem treuerprobten Führer; Im Rücken faßt er deine Mietlingsſchar, Indes, wie Donnerwolken, Ottokar Von vorneher die ſchwachen Halme knickt, Und kein Entrinnen bleibt, als in die Donau! Rudolf. O, ſprich nicht weiter, allzuraſcher Fürſt! Ottokar. Erkennſt du nun, wie weit du noch vom Ziel? Kudolf. Auf Milota bau' deine Hoffnung nicht! Ottokar. Mein Grund ſteht feſt; an dir iſt's wohl, zu zittern! In Waffen ſehn wir uns. Lebwohl! Rudolf. Du gehſt? Du gibſt die Lande nicht? Ottokar(zum Abgehen gewendet). Ob ich ſie gebe? Rudolf. Nun wohl, ſo ſprich denn ſelbſt mit Milota, Ob du mit Grund ihm ſo viel magſt vertraun! Milota tritt auf in Ketten. Audolf. So brachten mir die Herren ihn von Steier, In Ketten, weil er grimmig ſie gedrückt. Nehmt ihm die Feſſeln ab!— Hier iſt das Banner Von Steiermark, und hier iſt Oſtreichs Banner! Landesherren von Sſterreich und Steiermark treten auf des Kaiſers Seite vor, mit Banner und Farben ihres Landes. Andolf. Sie gaben ſelbſt ſich in des Reiches Schutz. Steht nicht ſo traurig da, mein Fürſt von Böhmen! Schaut um Euch her! Die Wolken ſind entflohn, Und klar ſeht Ihr nun alles, wie es iſt. Wenn Oſterreich verloren— 72 König Ottokars Glück und Ende. Ottokar. Ha, noch nicht! Rudolf. Täuſcht Euch nicht ſelbſt! J Innern, Daß es verloren iſt; und zwar auf immer! Ihr wart ein mächt'ger Fürſt, ein großer König, Eh' die Gelegenheit des Mehrbeſitzes In Euch entzündet auch den Wunſch dazu; Ihr werdet's bleiben, mächtig, reich und groß, Wenn auch verloren, was nicht halten konnte. Denn Gott verhüte, daß ich einen Finger Ausſtreckte nach dem Gut, das Euch gehört. Auch koönnt' ich's nicht! Euch bleibt ein mächtig Heer, Zu aller Art des Streites wohlgerüſtet, Und zweifelhaft iſt aller Schlachten Glück. Allein, tut's nicht! Verkennt nicht Gottes Hand, Die Euch gewieſen, was ſein heil'ger Wille. Mich hat, wie Euch, der eitle Drang der Ehre Mit ſich geführt in meiner erſten Zeit; An Fremden und Verwandten, Freund und Feind Übt' ich der raſchen Tatkraft jungen Arm, Als wär' die Welt ein weiter Schauplatz nur Für Rudolf und ſein Schwert. In Bann gefallen, Zog ich mit Euch in Preußens Heidenkrieg, Focht ich die Ungarſchlacht an Eurer Seite; Doch murrt' ich innerlich ob jener Schranken, Die Reich und Kirche allzu ängſtlich ſetzen Dem raſchen Mut, der größern Spielraums wert. Da nahm mich Gott mit ſeiner ſtarken Hand Und ſetzte mich auf jene Thronesſtufen, Die aufgerichtet ſtehn ob einer Welt! Und gleich dem Waller, der den Berg erklommen Und nun hinabſieht in die weite Gegend Und auf die Mauern, die ihn ſonſt gedrückt: So fiel's wie Schuppen ab von meinen Augen, Und all mein Ehrgeiz war mit eins geheilt. Die Welt iſt da, damit wir alle leben, Und groß iſt nur der ein' allein'ge Gott! Der Jugendtraum der Erde iſt geträumt, hr fühlt's in Eurem Unden Der§ Nicht Auf N Unden Wir ſt Der Es rül Gewer In Se Und re Nach Ihr he Gönnt O L Als wi Im S Von ki Bei ur Wollt Ottol Rudo Der ſa Die ra Und tr Mit ih Ihr ſei Wollt Ottol Rudo Ottoß Rndo Ottoß Was n Ich hal Der M Rudo Ottoh de. ihlt's in Eurem n, König, ächtig Heer, Hand, Ehre d Feind nur gefallen, g. Ez ken, ns wert. and klommen ickt: Augen, ilt. König Ottokars Glück und Ende.(3 Rieſen, mit den Drachen Der Helden, der 8 Zeit dahin. Nicht Völker ſtürzen ſich wie Berglawinen Auf Völker mehr, die Gärung ſcheidet ſich, Und nach den Zeichen ſollt' es faſt mich dünken, Wir ſtehn am Eingang einer neuen Zeit. Der Bauer folgt in Frieden ſeinem Pflug, Es rührt ſich in der Stadt der fleiß'ge Bürger, Gewerb' und Innung hebt das Haupt empor, In Schr 50 8 in der Schweiz denkt man auf Bünde, Und raſchen Schiffes ſtrebt die muntre Hanſa Nach Nord und Oſt um Handel und Gewinn. Ihr habt der Euern Vorteil ſtets gewollt: Gönnt ihnen Ruh', Ihr könnt nichts Beffres geben! Und mit den O Ottokar, es war ne ſchöne Zeit, Als wir, aus Preußen rückgekommen, ſaßen Im Söller Eures Schloſſes am Hradſchin, Von künft' gen Tagen, künft'gen Taten ſprachen! Bei uns ſaß damals Königin Margrete— Wollt Ihr ſie ſehn? Margrete ſehen? Ottokar. Herr! Rudolf. Daß Ihr den Friedensengel von Euch ſtießt, Der ſanft verſöhnend ob Euch waltete Die raſche Glut mit Segenswort beſprach Und treulich, eine liebe Schweſter, ſorgte! Mit ihr habt Ihr das Glück von Euch verbannt.— Ihr ſeid in Eurem Haus nicht 1 Ottokar!— Wollt Ihr Margreten ſehn? ſie iſt im Lager! Ottokar. Nein, Herr! Allein die Lehen will ich nehmen. Rndolf. Von Böhmen und von Mähren? Ottokar. Ja, Herr Kaiſer! Undolf. Dem Rei ch erſtatten—? Ottokar. Oſtreich, Steiermark, Was mir vom Neichz was f von mir getrennt. Ich habe viel für ſie getan! Der Undank, Der Menſchen Schlechtheit ckelt't tief mich an. Audolf. So kommt ins Zelt! Ottokar. Warum nicht hier? 74 König Ottokars Glück und Ende. Rudolf. Es werden Den L Des Reiches Lehen knieend nur genommen. Ihr fol Ottokar. Ich knien? Rudolf. Das Zelt verbirgt uns jedem Auge. Nun, i Dort ſollt Ihr knien vor Gott und vor dem Reich, Ihr, ſch Vor keinem, der ein Sterblicher, wie wir. Dem b Ottokar. Wohlan! Rudolf. Ihr wollt? Geſegnet ſei die Stundel Geht Ihr voran, ich folg' Euch freudig nach; Eehfried Wir beide feiern einen großen Sieg! (Sie gehen ins Zelt, die Vorhänge fallen zu.) Milota(der zu den Seinigen hinüber geht). Kere Nun, Gott ſei Dankl Das macht mich wieder frei! en Der letzten Zeit will ich mein Tage denken. 9 11855 Zawiſch von Roſenberg kommt. fort, aus Bawiſch. Wo iſt der König? Milota. In des Kaiſers Zelt; Er nimmt die Lehn! Zawiſch. Ho! Hol und ſo verborgen? Das müſſen alle ſehn, die treuen Herzens ſind. (Er haut mit dem Schwert die Zeltſchnüre ab, die Vorhänge fallen, unz man ſieht Ottokarn vor Rudolf knieen, der ihm eben mit dem Schwerk die Lehen von Böhmen erteilt hat.) Zawiſch. Der König kniet! Die Böhmen(unter ſich). Der König kniet!l Ottokar. Ha, Schmach! Er ſpringt auf und eilt in den Vorgrund! inanfübr Rudolf(der ihm folgt, mit der Fahne von Mähren in der Hand). Pförtners Wollt Ihr die Lehn nicht auch auf Mähren nehmen? (Ottokar läßt ſich auf ein Knie nieder.) Rudolf(indem er ihm die Fahne von Mähren gibt). 8 So leih' ich Euch die Markgrafſchaft von Mähren Ailote Und nehm' Euch in des Reiches Eid und Pflicht, Tüllen, Im Namen Gottes und durch meine Macht. Aalen Steht auf, Herr König, und mit dieſem Kuß Ein einz Und irrt Begrüß' ich Euch als Lehnsmann und als Bruder. Ihr aber, die Ihr Oſtreich angehört In Krali Und Lehen tragt von ſeines Landes Fürſten, Zuletzt il Kommt' mit nach Wien, um dort den Eid der Treue, Da, wo de. 96„ 1Reich, indel h; en zu.) eder freil l. ſind. Borhänge fallen, und en mit dem Schwerk it.) ilt in den Vorgrund zren in der Hand). n nehmen? der.) gibt). Mähren Pflicht, cht. Kuß 8 Bruder. en, d der Treue, König Ottokars Glück und Ende. 9 Den Lehenseid in unſre Hand zu leiſten! Ihr folgt uns doch, geehrter Herr und König?ꝰ (Ottokar neigt ſich.) Nun, ich erwart' Euch, wenn's Euch wohlgefällt Ihr, ſchwingt die Fahnen, laßt den Jubel tönen Dem blutlos ſchönen Sieg der holden Eintracht. (Ab mit den Seinigen.) (Ottokar ſteht noch immer mit geſenktem Haupte da.) Sehfried von Merenberg, der zurückgeblieben iſt, tritt, nach einigem Zögern, ihn an, mit bittenden Gebärden. Alerenberg. Erlauchter Herr, ich wollt' Euch bitten. Ottokar(fährt empor und ſieht ihn mit einem grimmigen Blicke an, dann zerreißt er mit einer Hand die Spange des Mantels, daß er fällt; mit der andern reißt er von hinten die Krone vom Haupte und ſtürzt fort, ausrufend). Fort! ndem alle ihm folgen, fällt der Vorhang.) Vierter Außug. Vor der Burg zu Prag. Ein großes Tor mit Fallgattern, in der Mitte des Hintergrundes, führt hinein. Daneben ein kleines Ausfallpförtchen, zu dem einige Stufen hinanführen, das aber verſchloſſen iſt. Rechts im Mittelgrunde des Pförtners Wohnung, mit einem ſteinernen Tiſche und einer Bank. Davor ein Beet mit Blumen. Milota und Füllenſtein von verſchiedenen Seiten. Ailota. Traft Ihr den König ꝰ Füllenſtein. Nein. Milota. Ich fand ihn auch nicht. Füllenſtein. In Znaim verlor er ſich von dem Gefolge, in einz'ger Knecht, den man vermißt, mit ihm, Und irrt ſeitdem im Land herum von Mähren. In Kraliz ſah man ihn, in Hradiſch, Lukow; Zuletzt in Koſtelez, hartbei an Stip, Da, wo die kleine Wunderquelle fließt, 76 König Ottokars Glück und Ende. t umher ſich wenden. Zu der die Pilger wei ſteht dort in der Tiefe, Ein ärmlich Badhaus Von Menſchen abgeſondert und Verkehr, Da hielt er vierzehn Tage ſich verborgen; Ein Ort, zum Sterben mehr, als um zu leben! Und wie die Pilger pflegen dort herum, Die, eines Wunſches, der ſie drückt, gedenkend, Ein Kreuz von Reiſig in den Brunnen werfen Und aus dem Sinken oder Schwimmen prophezein, So tat er tagelang und ſchien betrübt. Zuletzt erfuhr's der Magiſtrat von Hradiſch Und ging hinaus, den König einzuholen; Doch der war nicht mehr da und ſchon im Weiten. Allilota. Und wo er jetzt iſt, habt Ihr nicht erfahren? Füllenſtein. Man will ihn auf dem Weg geſehen haben Nach Prag. Atilota. Hierher?— Ich hoff', er wird jetzt ruhn! ie ſtolzen Flügel ſind in was gepflückt; Das Land, das ewig ihn nach außen lockte, Er hat's zurückgegeben feierlich. Will er nach Väterweiſe herrſchen hier, Die Deutſchen heißen gehn aus ſeinem Reich Und unterm Beiſtand böhmiſcher Wladiken Bedenken ſeines Volkes wahres Glück: Vielleicht, daß ich vergeſſe, was er tat An mir und meinem Haus.— Geht Ihr zum Kanzler?ꝰ So meldet ihm, ein kaiſerlicher Herold, Vollziehung fordernd des geſchloſſnen Friedens, Vor allem die Befreiung jener Geiſel, Die noch aus Oſterreich und Steiermark Gefangen liegen rings im Land umher, Iſt eingeritten in das Tor von Prag. Er möge ſchleunig tun, was man begehrt, Bevor der König kommt und manches hindert. Füllenſtein. Doch wenn der König— Ailota. Tut, was ich Euch ſagel (Füllenſtein ab.) Alilota. Wär' nicht das ganze Land Ich wollte lachen, wie erſt Zawiſch lachte. D 1 d mit ihm beſchimdder König Den Eid Schnell Dann he Kurze Par Diener Ottokar ko Den Kar Beliebt Zwei Ta Geſchlafen Laßt Euc Ich gehe „(Otlokar ie Schn Als ich ii Zu dir h Erſtrittne Da macht Und mein Für Helde Und kein Hier will Und Scha Eer ſetzt ſie Der 1 ürgerm Ein Herol Iſt angela Denn Böh 2 den! d, phezein, Weiten. ht erfahren? geſehen haben etzt ruhn! ich danzler? zum Kanzler! dens, it ihm König Ottokars Glück und Ende. 77 Schnell alles angeordnet, eh' er kommt, Dann hat er zu beſtät'gen und— zu ſchlafen! (Er geht ins Schloß.) Kurze Pauſe, dann kommt ein Knappe d er ruft in die ſtönigs, ringsumherſpähend, ie. Diener. So, jetzt iſt niemand hier, mein gnäd'ger Herr! Ottokar kommt, in einen dunkeln Mantel ge mit ſchwarzen Federn tief in die Den Kanzler ſoll ich holen? illt, ein ſchwarzes Barett Augen gedrülckt. Gnäd'ger Herr, Beliebt Euch lieber nicht ins Schloß zu tretend (Ottokar ſchüttelt das Haupt.) Zwei Tage habt Ihr nicht gegeſſen, nicht Geſchlafen; denkt an Euer teures Leben! (Der König lacht höhniſch auf.) Laßt Euch erbitten, geht ins Schloß, mein König! SOttokar ſtampft ungeduldig mit dem Fuße.) Ich gehe denn, doch laßt Euch nieder, Herr! (Geht ab ins Schloß.) Ottokar. Ich ſollte dich betreten, Schloß der Väter? Die Schwelle dir entweihn mit meinem Fuß?ꝰ Als ich im Sieg, im jubelnden Triumph Zu dir heranzog durch die lauten Gaſſen, Erſtrittne Fahnen dir entgegen hielt; Da machteſt du mir deine Pforten auf, Und meine Väter ſahn von deinen Zinnen. Für Helden ward gewölbt dein hoher Bau, Und kein Entehrter hat ihn noch betreten! Hier will ich ſitzen, als mein eigner Pförtner, Und Schande wehren ab von meinem Haus. Er ſetzt ſich auf die Stufen am Ausfalltor und verhüllt ſein Haupt,) Der Bürgermeiſter von Prag und einige Bürger kommen Fürgermeiſter. Ei, laßt mich, ich muß eilen in den Rat. Ein Herold von des Kaiſers Majeſtät Itt angelangt, da darf man ſich nicht ſäumen; Denn Böhmen iſt nun wieder an dem Reich. beſchinsder 8 hat es feierlich gelobt, u Eid der Treue knieend übernommen. ars Glück und Ende. 78 König Ottotk Bürger. Wie, knieend? Wohl! im kaiſerlichen Lager! Bürgermeiſter. Er lag auf ſeinen Knien, der Kaiſer ſaß; Das ganze Heer hat's ſtaunend angeſehen. Was regt ſich dort? Bürger. Ein Mann ſitzt auf den Stufen. gürgermeiſter. Ja, Hochmut kommt zu Fall, ich ſagt' es oftl Seht doch mal hin, wer dort am Tore ſitzt? Verdächtig Volk ſtreift jetzo durch das Land, Die abgedankten Söldner ſind zu ſcheuen. Bürger(kommt zurück). Ach, Herr! Bürgermeiſter. Du zitterſt jal Zürger. Es iſt der König! gürgermeiſter. Der Mann dort auf den Stufen? biſt di töricht? Bürger. Er ſah mir ins Geſicht. Schaut nur! gürgermeiſter. Er iſt's! Wenn er vernommen, was wir hier geſprochen! Soll ich ihm einen Fußfall tun?— Das beſte, Wir ziehen uns zurück. Er ſcheint zu ſinnen. Gie ziehen ſich rechts gegen den Vorgrund.) Beneſch von Dieditz und ſeine Tochter treten rechts im Hintergrunde au Beneſch(am Stabe, führt Berta'n). Ei ſieh nur, wie die liebe Sonne ſcheint! Du mußt einmal ins Freie! Berta, komm! Die dumpfe Stubenluft iſt ungeſund. Und tu' mir's auch zulieb und ſprich einmal! Sprich, Berta, ſprich! und wär's ein einzig Wortl Als: Ja, und Nein. Tu's deinem alten Vater! Sieh, auf Johanni wird's— ich weiß nicht recht Wie lang, ſeit du ſo vor dich ſiehſt und ſchweigſt. Das iſt recht kläglich! Willſt nicht reden, Berta? Ich hörte lieber dich im Fieber raſen, Als jetzt den langen Tag kein einzig Wort. Ei, was vergangen iſt, das iſt vergangen! Wir denken nicht mehr dran, und ſo iſt's gut. gürgermeiſter. Still! Bene Herr, Bürg Dort f Beneſ Bürge Beneſ Der dir Ei, ſpri Sag': 2 Du haft GBerta he Ja, wir Wirf, X Doch G Gekniet Vor ein⸗ In Ang Ei rütl Iſt doch Mach' el Dann la Klüönigit Hab' ich heneſch Nun, Be Hänigin Wir ſin Wol Und groß Sieh h Dem fen Da ſitzt e Und holt Der Man ich ſagt' es oftl 5 Stufen? biſt di 72 nur! chen! beſte, en. rund.) m Hintergrunde al n! 1al! 9 Wort! Vater! cht recht chweigſt. Bertaꝰ rt. gut. König Ottokars Glück und Ende. 79 Geneſch. Nun, ſie ſchweigt ja leider ohnehin! Herr, Tag für Tag, und öffnet nicht den Mund! Bürgermeiſter(leiſe). Dort ſitzt der König! Beneſch. Wo? Bürgermeiſter. Dort auf den Stufen! beneſch. Ei, Berta, ſieh, dort ſitzt der böſe König, Der dir ſo weh getan, du armes Kind! Ei, ſprich einmal und ſchmäl' ihn tüchtig aus. Sag': Armer Mann, ich freu' mich deines Leids, Du haſt's um mich verdient und meinen Vater. (Berta hebt eine Handvoll Erde auf und wirft damit, wie Kinder pflegen gerade vor ſich hin, ohne zu treffen.) Ja, wirf ihn nur! o, daß es Dolche wären! Wirf, Berta, wirf! den argen, böſen Mann. Doch Gott hat unſre Rach' auf ſich genommen: Gekniet hat er vor ſeinem ärgſten Feind! Vor einem Mann, den er ſonſt wohl verachtet; Im Angeſicht des Heers hat er gekniet. Ei, rüttle dich, ich fürchte mich nicht mehr! It doch ein Höherer, der dich bezwingt. Mach' erſt, daß mir mein Kind da wieder ſpricht; Dann laß mich töten, mich bekümmert's wenig. Die Königin kommt mit Zawiſch und Dienern. Königin. Wer ließ den Aberwitz da vor die Tür? Hab' ich Euch nicht geſagt, Ihr ſollt ſie hüten? Geneſch(der fortgeführt wird). Run, Berta, komm; er hat doch auch ſein Teil.(Ab.) Königin. Ihr auch fort, alles fort, was Augen hat! (Alle gehen, bis auf ſie und Zawiſch.) Wir ſind allein! allein mit unſrer Schande: Wollt Ihr Euch nicht erheben, großer König, Und große Worte geben, wie Ihr pflagtꝰ Sieh hin, da ſitzt der Stolze, Übermächt'ge, Dem fonſt die Welt zu klein für ſeine Größe; Da ſitzt er wie ein Bettler vor der Tür Und holt ein: helf' Euch Gottl ſich und Verachtung. Der Mann, der Kronen trug, als wären's Kränze, Glück und Ende. König Ottokars 80 neue flocht die eine welk ward, Gärten. Und, wenn Aus friſch geſchnittnen Blumen fremder Das Leben Tauſender in ſeiner Hand, Es hinſetzt', wie zum fröhlich leichten Brettſpiel, Auf das von Blut und Staub geteilte Feld Und ausrief: Schach! als wenn es Steine wären, Vom Künſtler plump geformt aus totem Stoff, Und Roß und Reiter zubenannt zum Scherz. Der ſelbſt mit der Natur im Streite lag; Und wenn er morgens ausritt auf die Jagd Und ſah den Himmel überdeckt mit Wolten, So ſprach er: Wart'! rief nach dem Meiſter Maurer Und hieß ihn, mit dem neuen Kirchenbau In Güldenkron nicht allzuſehr zu eilen. Da ſitzt er und ſtarrt leblos auf den Grund, Den er zuvor geſtampft mit ſtolzen Füßen! Zawiſch. Ei, gnäd'ge Frau, das Glück iſt eben rund! Königin. Was andre bindet, das war ihm ein Spiel: Sein Weib Margrete ſtieß er fort von ſich Weiß Gott, ſie war für ihn, die Alternde, Die Königin des Jammers ſtand ihm wohll— Ungarn holt er e Und fern aus in Gemahl, Was kümmert's ihn, ob ſie vielleicht ſchon längſt Nach einem andern hingewandt den Blickl Ob grade damals ein Geringerer, Und doch viel Größrer warb um ihr Ein unbezwungner Führer der Kumanen Wiegt einen dienſtbarn Böhmenkönig auf!— Was kümmert's ihn! er will ein Weib und Erben, Mag brechen, was da bricht; und damit gut! Ein kräftig freies Weſen kam ich her, um Gemahl, e Hand!— Gar würdig wohl des Jünglings 3 Und fand— ei nun, den König Ottokarl kläglich, als er jetzt dort brütet, Nicht ganz ſo Doch nicht viel beffer, weiß der große Gott! Von Rat und Meinung hielt er mich entfernt, Wie eine Magd viel mehr, als eine Fürſtin; Er nur allein, er wollte Herrſcher ſein. Zawiſch. Ei, gnäd'ge Fürſtin, herrſchen iſt gar ſüß So ft RHöt Wie Un! Von Was In ſe Vom Wie e Nicht Gab ee Und u Des K Kein s Auf u Wenn So re⸗ Die E Doch 1 Und lä So faf Mit gt Die ha Von P Vermiſ Und O Doch Da feh In ſein Zawi, Rönig Vor Fr Um So Jawiſ König Zawiſ König Vor jen Der ein Maurer eben rund! wein Spiel: längſt 962— dJ id Erben, zutl emahl, ütet, ott! tfernt, ſtin; iſt gar füß; König Ottokars Glück und Ende. 81 Königin. Er hat geherrſcht; fürwahr, er hat geherrſcht! Wie eine Seifenblaſe iſt's zerronnen. Und reden konnt' er, groß und fürſtlich reden! Von ſeinen eignen Taten ſprach er laut; Was nicht geweſen noch und niemals wurde, In ſeinem Munde war's! Als der von Nürnberg Vom Kaiſer ihm die erſte Botſchaft brachte: Wie er da ſprach, wie er ſich fürſtlich nahm! Nicht eine Stadt, kein Haus, nicht eine Scholle Gab er dahin von Oſtreichs weitem Grund; Und wenn's die Arzte hundertmal geſchworen, Des Kaiſers hohes Leben hinge dran, Kein Blättchen Safran, den ſie dort gewinnen! Auf unſern Steppen iſt ein Tier, heißt Maultier, Wenn das den Wolf von weitem kommen ſieht, So rert es laut, ſchlägt aus nach allen Seiten, Die Erde wirft's in wilden Wirbeln auf; Doch naht der Wolf, da bleibt es zitternd ſtehn Und läßt ſich ohne Widerſtand erwürgen: So faſt hat diefer König auch getan! Mit großen Worten zog er aus ins Feld, Die halbe Welt in ſeinem Heer verſammelt; Von Polen, Valben, Tatarn, Deutſchen, Böhmen Vermiſchten ſich die Stimmen in dem Lager, Und Sſtreich war zu klein für ihre Zahl. Doch als des Streites ernſte Stunde kam, Da fehlte Herz für ſo viel rüſt'ge Arme; In ſeines Feindes Lager— Roſenberg! Zawiſch. Erlauchte Frau! Königin. Habt Ihr ſchon je gekniet? Vor Frauen nicht— vor Männern ſchon gekniet? Um Sold, um Lohn, aus Furcht, vor Euresgleichen? Zawiſch. Ich nicht. Königin. Und würdet's nie? Zawiſch. In meinem Leben! Königin. Er aber hat's getan! vor ſeinem Feinde, Vor jenem Mann gekniet, den er verachtet, Der einſt ihm dienſtlich war, und wenn er ſprach: 6 So ſüß faſt als gehorchen, und man teilt's nicht! 8² König Ottokars Glück und Ende. Komm herl ſo kam er, und ſprach er: geh hin! Ein So ging er und beeilte ſich gar ſehr! befre Zawiſch. Erlauchte Königin, es war nur Scherzl Scherz unter guten Freunden. Seht, der Kaiſer, f Er wollte ſeine Macht den Leuten zeigen; 9. Da bat er unſern König, und der tat's. Arti Königin. Ich aber will nicht heißen: Knechtes⸗Frau! Beſa Nicht eines ſchnöden Dienſtmanns Bette teilen; Und Will nicht, wenn Euch der Kaiſer heiſcht nach Wien, Spr. Die Schleppe tragen ſeiner Gräfin Hausfrau; Aus Will nicht vor Rudolf knien, wie Ihr getan. Des Zugl (Der König ſpringt auf.) O, ſpringt nur auf; ich fürcht' Euch wahrlich nichtl Hes Noch Soll ich die einz'ge ſein von Mann und Frau, Die noch vor Ottokar, dem König, zittert? Im Gebt mir Geleit, ich will nach Ungarn heim, Auch Dort wahrt man eines Königs Ehre beſſer. Hauf Ihr, Roſenberg, den Arm! und nichts mehr weiter Still Von jener Schmach, die Ihr mit angeſehn! Das Zawiſch(ndem er ſie abführt). Es a Es war nur Scherz! Wir fanden's alle luſtig, fla Nicht bloß der Kaiſer; freilich der am meiſten! Her Und gut ſah es ſich an, man muß geſtehn! Derle e gehen ab.) Kat Ottokar. Zawiſch! In a Bawiſch(zurückkommend). Was wollt Ihr, Herrꝰ In N Ottokar. Dein Schwert! Her Zawiſch(indem er es gibt). Hier iſt es fHlar Ottokar(zum Stoß ausholend). Her Verräter! Kan Königin(ruft inner dem Schloßtore). Roſenberg! Her Ottoßar. Hier, nimm dein Schwert und geh! Kan Zawiſch. Ei, ſchönen Dankl hier iſt nicht gut zu weilen. Der 6 (Ab, der Königin nach.) Kann Ottokar(nachdem er eine Weile ſtarr auf den Boden geſehn hat). Hert Iſt das mein Schatten?— Nun, zwei Königel r iſt (Trompeten von innen). Man kommt, man naht! Wohin verberg' ich michꝰ U aß f (Er hüllt ſich in ſeinen Mantel und zieht ſich zurück.) — Ä 8⸗Frau! Wien, nichtl u, weiter ig, nl errꝰ rg! geh! t gut zu weilen, oden geſehn hat). nigel ich michꝰ ſich zurück.) Köntig Ottokars Glück und Ende. 83 Ein katſerlicher Herold kommt mit zwei Trompetern. Hinter ihm die befreiten öſterreichiſchen Geiſel, worunter der alte Merenberg. Volk dringt nach. Der Kanzler im Wortwechſel mit dem Herold. Kanzler. Ich proteſtier' im Namen meines Königs. Herold(die urkunde in der Hand). Artikel drei des fei'rlichen Vertrags Beſagt: die Geiſel werden freigegeben! Und ſo, in Vollmacht kaiſerlicher Hoheit, S ich die Freiheit dieſer Männer an s Oſtreich und aus Steier, Untertanen Des Kaiſers und des Reichs zu dieſer Friſt. Zugleich begehr' ich gänzliche Vollziehung Des Friedens, der bis jetzt nur halb erfüllt. Noch immer lieget böhmiſche Beſatzung Im Lande hie und dort von! ſterreich; Auch Heinrich Kuenring, Eurer Sache treu, Hauſt übel in dem Land jenſeits der Donau, Still unterſtützt vom nachbarlichen Mähren. Das ſoll nicht ſein, befiehlt mein Herr und Kaiſer! Es abzuſtellen, komm ich her nach Prag. Kanzler. Man wird dem König erſt es melden müſſen. Herold. Wozu? Iſt nicht der Kaiſer Lehensherr? Derlei iſt im Vaſalleneid bedungen. Kanzler. Der Kaiſer, ſeinerſeits, hat auch noch nicht In allem dem Vertrag genug getan! In Mähren ſtehn noch kaiſerliche Völker. Herold. Sie werden abziehn, wenn Ihr Euch gefügt. Aanzler. Warum ſoll Böhmen denn zuerſt erfüllenꝰ Herold. Beglückt, wer hat; das iſt ein alt Geſetz. Kanzler. So nennt Ihr das Geſetz? Das iſt Gewalt. Herold. Nennt's, wie Ihr wollt, nur handelt, wie Ihr müßt. Kanzler. Ich kann Euch nichts verſagen, nichts gewähren. Der König, ſagt man, iſt in Prag, er ſelbſt Kann nur ob Eurer Forderung entſcheiden. Herold. So führt mich denn zu ihm! Kanzler. Auch das nicht jetzt! Er iſt in Prag, doch Nähres weiß man nicht. Herold. Nun wohl, ſo ſtoßt denn ihr in die Trompeten, Daß ſich der Hall verbreite durch die Stadt 6*⸗ 8⁴4 König Ottolars Glück und Ende. Und König Ottokarn verkündet werde, Daß Boten da von ſeinem Lehensherrn. Ottokar tritt aus dem Volke, er hat den Mantel weggeworſen Ottokar. Hier iſt der König Herold. Herr! Man weigert mir die Freiheit dieſer Männer. Ottokar. Wer weigert? Herold(auf den Kanzler zeige Was verlangt Ihr? nd). Hier! Kanzler. Nur, Herr, bis du genehmigt. Ottoßar. Sie bürgten mür für ihres Landes Schuld; Der Schuldbrief iſt erlaſſen, nehmt das Pfand! ich ein Angeſicht, das faſt achen könnte ſolch ein Wort: biſt kein Geiſel, Zwar dort ſeh' Mich reuen me Verbirg dich, Merenberg! du Ein überwieſener Verräter biſt du, Der erſte, der voranging mit Verbrechen. Verbirg dich! denn im Innern kocht es auf Und lechzt, zu kühlen ſich in deinem Blut! (Merenberg zieht ſich hinter zwei andere Geiſeln zurück.) Ottokar. Was ſonſt? Herold. Die Räumung Oſtreichs wird begehrt. Ottokar. Es iſt geräumt! Herold. Nicht ganz. Ottokar. Es ſoll geſchehn! Bedungen ward's im Frieden, Herold(ausrufend). Wer ſonſt noch Fordrung hat an Böhmens Krone, Ein vorenthaltnes Recht, erwieſner Schade, Wer Lehn zu nehmen hat vom deutſchen Reich; Ich lad' ihn auf das Rathaus, wo der Pfalzgraf Zu Recht wird ſitzen und die Lehn erteilen. Vivat Rudolphus, römiſch⸗deutſcher Kaiſer! (Herold ab. Das Volk tumultuariſch ihm nach. Nur der Kanzler bleibt.) Ottokar. Sie folgen alle! Laſſen mich allein!(Zum Kanzler.) Biſt du mein ganzer Hof?— Ha, Ottokar! Verachtet von dem letzten meiner Diener, Verhöhnt von meinem Weib, mit Recht verhöhnt, Wie Wild gehetzt, von Haus und Bett vertrieben! und ſo ſei's! —— Ich Hin— Ein Und Die Horc (Man Ot Ruf' a Ott War' Der Sie l Ein d Ich h Komn Mi Und ſ Von d Wie fi Wie d Den l. Mich Das 2 Der Hero Ottol Als in In me Herol Ottok Dann Man en er He Heroll Doch ſt worfen 3 chuld; zurück.) rone, E raf Kanzler bleibt.) (Zum Kanzler.) öhnt, eben! Köntg Ottokars Glück und Enbe. 85 Ich kann's nicht tragen, kann nicht leben ſo! Hinausgeſtrichen aus der Fürſten Zahl, Ein Dienſtmann deſſen, der mir ſoͤnſt ein Spott; Und ungeſtraft, mein lachend, ziehn die Frechen, Die mich verraten, fort aus meiner Haft. Horch! (Man hört in der Entfernung den Herold ſeinen Ausruf wiederholen.) Ottokar. Vivat Rudolphus? In der Hölle leb' erl Ruf' mir den Herold! Kanzler. Ach, mein gnäd'ger König! Ottokar. Ruf' mir den Herold oder zittre, Knecht! GKanzler ab.) War's beſſer nicht, zu fallen in der Schlacht, Der letzte meiner Krieger neben mirs Sie haben mich verraten, überraſcht. Ein dunkler Nebel ſchwindet von der Stirn; Ich hab' geträumt: wie kühle Morgenluft Kommt mir Erinnerung und läßt mich wachen! Mit einem Heer zog ich an Donauſtrand Und ſchlug ein Lager, ſo weit reicht die Denkkraft; Von da an Nacht! Was weiter dann geſchehn, Wie ſie mich lockten in des Kaiſers Zelt, Wie dort— Ha, Tod und Teufel! köten will ich Den letzten, der's mit angeſehn! Mich ſelber, wenn ich nicht verlöſchen kann Das Angedenken jener blut'gen Schmach! Der Herold mit den Geiſeln kommt zurück. Hinter ihnen Milota. Herold. Ihr ließt mich wieder rufen, gnäd'ger Herr! Ottokar. Für's erſte merket, daß in niemands Namen, Als in dem meinigen, man Ausruf tut In meiner Pragerſtadt! Herold. Allein— Ottokar. Genug! Dann laßt die Geiſel ſich in Reihe ſtellen, Man muß erſt unterſuchen, ob kein andrer, Der Haft Entſprungner ſich mit ihnen rettet. Herold. Dagegen bürgt des Reiches Würde zwar: Doch ſtellt euch in die Reihe, wenn's beliebt. 86 König Ott okars Gl Ottokar(die Rethe hinaufgehend). Du magſt nur gehn u Herr Ulrich Liechtenſtei Weil du nun ledig? Du haſt mich nicht ge Das macht uns wett. Doch da iſt einer, Gott grüß dich, Me Kanzler. Wenn er! Ottokar. Wie geht's der ſchlägt nicht von Art! r rechten Zeit gerettet, Ein wackrer Junge, Du haſt ihn noch zu Da es mit Ottokar ſ Wie wär's, nd du!— ück und Ende. Biſt du ſo ſchmuck, n'? Du freuſt dich wohl, Nu, ich gönn' es dir. liebt, je, Zieh im den ich ſprechen muß. renberg, du Schurk' iur ſchweigt, nur denn deinem ich dich auch nicht! mer hin! und du Verräter! nimmer widerſprichtl Sah 4 Diauſt des Sohn im Dienſt des Kaiſers? chon abwärts ging. Der alte Schurk', dein Vater, iſt ein Hochverräter andern dort nicht gehn! Das iſt kein Geiſel, Und kann mit jenen Herold. Gerade den befahl Ottokar. Gerade den befieh Zu Merenberg.) Du warſt der erſte, du haſt ar Das Beiſpiel du ge Nach Frankfurt ſchr Da wählten ſie den Antrenberg. Beſchwerden nichtl Otlokar. Nu, Lob doch auch Als erſt dein Sohn in mein Da folgten ihm vo Und haben an Mich preisgegeben, Weißt du, wo d Es war bei Tuln geben von iebſt du Als ich das letzte Mal ihn ſah, verſprach ich Ihm Kunde bald von mir und wenn ich ihm jetzt lebt nicht mehr! Gum Herold.) auch von dir; ein Briefchen ſchriebe: mein Herr, der Kaiſer— lt ſein Herr, der König— agefangen, Verrat. Klagen und Beſchwerden, Habsburg, meinen Feind! h micht, Bruder! es Gegners Heer, n Oſterreich die andern der Donau mich verraten, ihren rechten Herrn! einen Sohn ich ſah zuletzt? im kaiſerlichen Lager, Wo König Ottokar— Tod — in Knechtesart— im Staub— Vor ſeinem Feind Löſch' aus, Erinnerung, in Senk, Wahnſinn, dich hera und Verdammnis!— meinem Haupt, b auf meine Stirn Und e1 Wo 5 Was Und d Undel Di Mer Here Otto Daß, Doch Noch! Mer Otto Er wa Als m Werft Der N Herol Gttol Er ſoll Was ie Obgleic Ich hal Doch ſe Der im Des Kö Steht 1 Man he Verſuch Das ſas Der Fr Die Ge Doch m Ein We Sich ein Sonſt n Er mög Mit ein⸗ ick, Verräter! iderſprichtl Dienſt des riebe: Zum Herold.) aiſer— König— erden, 4 Staub— N ——— König Ottokars Glück und Ende. 87 Und hüll' in deine Wogen, was geſchehn! Wo König Ottokar— warum nicht ſagen, Was alle Welt geſehn?— vor ſeinem Feind gekniet. Und dieſes Mannes Sohn, er ſtand dabei Und lachte!— Darum mußt du ſterben, Mann! —Die andern mögen gehn, der eine bleibtl Merenberg. Gerechter Gott! Herold. Bedenket, gnäd'ger Herr! Ottokar. Bedenket lieber Ihr, vorlauter Herr, Daß, wenn Ihr nicht in dieſem Augenblick— Doch zieht in Frieden und laßt mich gewähren, Noch bin ich Herr in dieſem meinem Landl Merenberg. Die Steiermark gehorcht nunmehr dem Reich! Ottokar(zum Herold). 8 Er war mein Untertan, als er an mir gefrevelt, Als meinen Untertan beſtraf' ich ihn! Verft ihn in tiefſten Turm, und wer mir meldet: Der Merenberg iſt tot, der ſei willkommen! Herold. Der Kaiſer aber— Ottokar. Herr, ſagt Eurem Kaiſer, Er ſoll in Deutſchland herrſchen nach Geluſt. Was ich verſprach, ich hab' es ihm gehalten; Ohgleich verraten, überliſtet, hintergangen, Ich hab's gehalten, weil ich es verſprach: Doch ſagt ihm, hier im Buſen poch' ein Mahner, Der immer zuruft: Nimm, was man dir ſtahl! Des Königs Ehre rett'! Die Ehre eines Königs Steht nicht um tauſend Menſchenleben feil. Man hat dich an der Donau überliſtet, Verſuch', ob in Gewalt er auch obſiegt! Das ſagt ihm, Herr, und weiter ſagt ihm noch: Der Friede iſt erfüllt, er hat das Land, Die Geiſel ſend' ich ihm, er iſt befriedigt; Doch mög' er hüten ſich, in Böhmen mir Ein Wort zu reden, das mir nicht gefällt, Sich einzumengen hier in mein Geſchäft; Sonſt wollt' ich ihm— allein ſagt ihm doch lieber: Er mög' es tun, er möge Trutz mir bieten, Mit einem Heer mir fallen in das Land; 88 König Ottokars Glück und Ende. Daß ich den Haß, den heißen Grimm mag kühlen Im Blut, das meinem Herzen fließt zunächſt! Lügt mir zulieb, ich hätt' auf ihn geſchmäht, Genannt ihn einen eingedrungnen Herrſcher, Der mir geſtohlen, was mein eigen war, Gelacht des Herolds, den er mir geſandt, Den Mann, den er beſchützt, zum Tod verdammt— Herold. Das könnt Ihr nicht! Ottokar. Ich kann es, denn es iſt! Herold. Kraft dieſes Briefs— Ottokar. Verdammt ſei dieſer Brief! Willſt du mit Briefen mich und Worten meiſtern? Noch hab' ich Schwerter, noch iſt mir ein Heer, Das unbeſiegt, du ſiegteſt nur mit Ränken! Und reißen will ich dieſe Ränke, wie ich Den Brief zerreiße, den du dir erſchlichſt. (Er hat dem Herold den Brief entriſſen.) Sieh her! (Im Begriff, die Urkunde zu zerreißen, hält er plötzlich inne.) Kanzler. O Gott, was ſinnt er? Teurer, gnäd'ger Herr! Ottokar. Ruft mir mein Weib, die Königin! (Diener ab.) Vor aller Welt ward Ottokar beſchimpft, Vor aller Welt muß er auch rein ſich waſchen! Sie hat den gift'gen Stachel mir geſenkt In meine Bruſt, ſie mag zugegen ſein, Wenn ich ihn auszieh', oder im Bemühn Ihn drücke in das Innerſte des Lebens! Die Königin kommt. Hönigin. Was iſt? Ottokar. Ihr habt mich, kurz erſt, hart geſcholten, Daß ich, um Blut zu ſchonen, nachgegeben Und eingeräumt dem Kaiſer Gut und Land. Königin. Ich ſchelt' Euch noch! Ottokar. Seht hier in meiner Hand Den Brief, der an den Kaiſer mich gebunden. Zerreiß' ich ihn, iſt auch das Band zerriſſen, Das jetzt mich hält; frei bin ich wie zuvor. Zerr. lõ Ot Aufs Und Brin flö Als Ot Ro Betr Ot Die Was Gott Geh Sch Das C Sag Mit inne.) ger Herr! König Ottokars Glück und Ende. 89 Zerreiß' ich ihn? Hönigin. Kein Mut'ger zweifelt da! Ottokar. Doch hör'!' Aufs neue raſt der Teufel Krieg; Aufs neue dampft das Land von Rauch und Blut. Und eines Morgens, leicht kann es geſchehn, Bringt man Euͤch auf der Bahre den Gemahl. Königin. An Eurem Sarge will ich lieber ſtehn, Als mit Euch liegen zugedeckt von Schande! Ottokar. So ſtark? Ein Tröpflein Milde täte wohl! Königin. Solang Ihr Euch nicht von der Schmach gereinigt, Betretet nicht als Gatte mein Gemach. (Zum Abgehen gewendet.) Ottokar. Bleibt noch: ſeht her! Der Brief, er iſt zerriſſen! (Er zerreißt den Brief.) Die Ehre ganz, und auf der Zukunft Tor; Was draus erfolgt, wir wollen's beide tragen! Gott gönn' Euch was von dem, was hier erwacht, (auf ſeine Bruſt zeigend) Und gebe mir die Kraft, die Ihr bewieſen! Königin. Nun erſt willkomm' ich Euch! Ottokar. So nicht! ſo nicht!l Ich ſehe Blut an deinen weißen Fingern, Zukünft'ges Blut! Ich ſag': berühr' mich nicht. Gott hat das Weib aus weichem Ton gemacht Und: Milde zugenannt; was biſt denn du? Wird mein Gedächtnis wach erſt und erzählt, Wie du den König, da er kam, empfingſt, Den Gatten, da er rückgekehrt nach Haus— Geh fort! Ich fühle, daß ſich mir die Sehkraft ſchwächt, Das iſt ein Zeichen, daß es Zeit, zu gehn. Geh fort! Fort, ſag' ich! Fort!l (Die Königin geht ab.) (Zum Kanzler, den er angefaßt hatte.) Schein' ich dir hart? Sie war mir auch nicht gütig! Das geht ſo her und hin; Gott zieht die Rechnung! Euch, Herold, halt' ich nun nicht länger mehr! Sagt Eurem Herrn, was Ihr mit angeſehn! (Gegen Merenberg.) Mit dem in Turm! Was ſchützte vor Verrat, 90 König Ottokars Glück und Ende. Als die Beſtrafung früherer Verräter? Wer bauen will, der reutet ſeinen Grund, Drum fort, du böſes Schlingkraut, gift'ge Ranke! Merenberg. Zu raſcher König, mich ſchilt nicht Verräterl Die ſind's, die deinem Throne ſtehn zunächſt, Die Roſenberg, die— Ottokar. Kannſt du auch verleumden? Merenberg. Ach, der mich hält und mich zum Kerker führt, Er iſt des Kerkers würdiger als ich! Ottokar. Kein Böhme hat noch ſeinen Herrn verraten! Jetzt bin ich deines Frevels erſt gewiß! In Turm den Läſterer! Merenberg(der abgeführt wird), Zu ſpät wirſt du bereun! Ottokar. In Turm! Milota. Und ſchweigt er nicht, ſtopft hm den Mund. (Merenberg wird abgeführt; Herold folgt.) Ottokar(unter die Seinen tretend). Kein Böhme hat noch ſeinen Herrn verraten; Was auch der Läſtrer ſpricht, ich bin gewiß! Nun im Begriff, zu gehn in einen Krieg Für unſers Landes Ruhm und ſeine Macht, Vertrau' ich euch, wie ich mir ſelbſt vertraue. Wer mißgeſinnt iſt, wer mein Tun nicht billigt, Der ſchließe frei ſich aus von unſerm Zug, Kein Nachteil ſoll ihn treffen oder Vorwurf. Wer aber gern mir folgt und denkt wie ich, Den drück ich an mein Herz und nenn' ihn Bruder. Den Eid, den ich am Königstage ſchwur Bei meines Vaters Sarg, ich wiederhol' ihn: Treu bis zum Tod! Tut ihr dasſelbe! Die Welt iſt voll von Böſen und von Argen; Erneut den Schwur auf eures Königs Schwert. (Er hat von einem der Umſtehenden das Schwert genommen, die Vor⸗ derſten knieen nieder.) Kniet nicht! Steht auf! Ich kann nicht knieen ſehn!— Und ſchwört auch nicht!— Denn man kann knien und ſchwören, Und doch das Wort nicht halten, das man gab Ich will euch ſo vertrauen, ohne Schwur!— Un Nach Du l. Du g Von Spric Ihr ſ Wir! Daß Ich b Ihr a Was Was Ich g Den! Auch Nehm Nehm Wir 1 Dir, Du b Ottt Ich de Ihr ſe Auf d Zau Der a Otte Der h Du, 9 Ich gl Betrüt Herr! KHan Otto Wiren t Verräter! erker führt, erraten! t bereun! Mund. nen, die Vor⸗ ſehn!— knien und König Ottokars Glück und Ende. 91 Und nun ans Werkl Du gehſt zu Herzog Heinrich Nach Breslau! ihn und Prinik, den von Glogau, Du ladeſt ſie zur Heerfahrt hier nach Prag! Du gehſt nach Deutſchland, und aus Meißen, Sachſen, Von Magdeburg, dem Markgraf mit dem Pfeil, Sprichſt du den Beiſtand an, den ſie mir gönnen. Gum Kanzler.) Ihr ſchreibt mir an die andern Herrn und Fürſten! Wir wollen eine Schar zuſammenleſen, Daß ſich der Kaiſer drob verwundern ſoll! Ich bin noch Ottokar, man ſoll ſchon ſehn! Ihr alle leiht mir euren kräft'gen Arm! Was ihr verlort an Gütern und an Schlöſſern, Was ich euch abnahm und zur Krone ſchlug, Ich geb' es wieder, geb' euch mehr dazu. Den Roſenbergen ſei ihr Frauenberg, Auch Auſſig, Falkenſtein; dir, Neuhaus, Lar; Nehmt Laun, Ihr Zierotin; Dub, Kruſchina! Nehmt eure Güter wieder und ſeid fröhlich! Wir wollen eins ſein, redlich halten aus. Dir, Milota, vertrau' ich Mähren an, Du biſt ein wackrer Krieger, du bewahrſt mir's. Zawiſch von Roſenberg kommt. Ottokar. Sieh da, Herr Roſenberg! Ei, Gott zum Gruß! Ich denk', Ihr folgt uns doch wohl auch ins Feldd Ihr ſeid der Erſten einer meines Reichs, Auf den ich vor gar vielen andern zähle. Zawiſch. Was meine Brüder tun, das tu' ich auch! Der allgemeinen Not werd' ich mich nicht entziehn.(Er geht⸗) Ottokar(der ihm nachgeſehn hat, mit Gebärde). Der hat's hier hinterm Ohr, dem trau' ich nicht!l Du, Milota, du biſt mein Mann: ſchroff, grad! Ich glaube wohl, daß du auch haſſen kannſt, Betrügen nicht. Dir will ich mich vertraun! Herr Kanzler, ſeid Ihr fertigd Kanzler(der ſich zum Schreiben geſetzt hat). Ja, mein König! Ottokar. Wir haben viel durch Raſchheit eingebüßt, Wir müſſen uns durch Vorſicht wieder helfen. 92 König Ottokars Glück und Ende. Nicht wahr, ſo iſt's dir recht, mein alter Kauzꝰ Kanzler. O König, ſcheltet mich, wie ſonſt, mit Raſchheit, Mir tät' es wohler, als die Milde jetzt. Ottokar. Schreib an den Hauptmann du der Stadt von Znaim, Er ſoll mir tauſend Mann— doch nein, zu viel! Die Feſte bleibt indeſſen mir entblößt. Nein, mit fünfhundert Mann ſoll er die Grenze— Allein fünfhundert ſind zu wenig.(Auf Milota.) Nicht wahr? Schreib lieber, daß von Iglau— Wieder nichts! Mein Kopf iſt wüſt; zwei Nächte nicht geruht, Gegeſſen auch nicht.— B Leih mir deine Bank, Ich will verſuchen, hier zu ruhn. Kanzler. Mein König, Gefällt's Euch nicht, ins Schloß—7 Ottokar. Nein, nein, nein, nein! Doch holt mir meine Frauz ſie ging im Zorn. Sie ſoll zu mir ſich ſetzen, ſoll mir ſprechen, Bis ſich der Schlaf auf meine Wimpern ſenkt. Mein Freund, tu' mir die Lieb' und geh nach ihr! (Diener ab.) Wie wohl es tut, die Glieder auszuſtrecken, Iſt einer müd'! Seht mal nach Merenberg! Der alte Mann mag hart im Kerker ruhn! Iſt er ein Schurk⸗ auch, ſoll man ihn nicht quälen Und ſoll ihm geben ritterliche Haft. (Füllenſtein ab.) Diener kommt. Ottokar. Nun, kommt die Königin? ö Diener. Sie kommt nicht, Herr! Ottokar. So laß ſie gehn! Komm du her, alter Kanzler, Und leih zum Ausruhn heut' mir deinen Schoß. Hab' ich geruht— dann ſollt Ihr ſehn— Ob ich der alte Ottokar noch bin.(er ſchläft.) Füllenſtein kommt zurück. Kanzler. Der König ſchläftl Füllenſtein. Nun, Merenberg bald auch! Als e Stieß Er w Ott He, N Ran Ottt (Der Drei Vi Vorpoſte Ottokar Hände u Vorgrun anb Bote. Milo Bote Und Un Die M. Bei Dr Soll ich Milot Der Köz Auch ſte Die wer Bote. Milot Füllen Das ew t Raſchheit, Stadt von l kicht wahr? uälen alter Kanzler, oß. Rönig Ottokars Glück und Ende. 93 Als er nicht ſchwieg und alle Welt verklagte, Stieß ihn ein Skupan hart den Turm hinab; Er wird's nicht überleben, glaubt man faſt! Ottokar(ſich emporrichtend). He, Merenberg, biſt du's? Kanzler. Er iſt nicht hier! Ottokar. Mir war, als ſtünd' er da! Nu, ſchlafen! ſchlafen! (Er ſinkt wieder zurück und ſchläft.) (Der Kanzler legt, Schweigen gebietend, den Finger auf den Mund.) Nünfter Außug. Kirchhof von Götzendorf. Drei Vierteile des Mittelgrundes durch das hereinragende Haus des Kilſters geſchloſſen, mit einem Glockenturm daran. Vorpoſten des böhmiſchen Heeres. Ein Wachfeuer, Krieger herumgelagert. Ottokar ſitzt hinter demſelben auf einer rhöhung, das Kinn auf beide Hände und dieſe auf den Knopf ſeines Schwertes geſtützt. Rechts im Vorgrunde Milota und Füllenſtein am Boden liegend. Vor Tages⸗ anbruch. Dunkel. Ein Bote tritt rechts im Vorgrunde auf. Bote. Iſt hier der Königꝰ Milota. Ja, was gibt's ꝰ Bote(halblaut). Kumanen Und Ungarn von des Kaiſers Heere ſtreifen, Die March hinauf, im Rücken unſrer Stellung: Bei Dröſing hat man ihrer ſchon geſehn. Soll ich's dem König melden? Milota. Laß nur ſein! Der König iſt ſchon übellaunig ſonſt: Auch ſtehn die Ruſſen dort und meine Leute, Die werden ſie den Rückweg ſuchen lehren. Bote. Nun, wenn Ihr meint— Milota. Geht nur, gleich komm' ich ſelbſt. GBote ab.) Füllenſtein(halblaut). Das ewige Zaudern, ewige Bedenken! Glück und Ende. 94 König Ottokars Und immer rückwärts! Ei, verdamm' es Gott! Jetzt Der König hat ſein Weſen ausgezogen: Otte Schon früher ging nicht alles, wie es ſollte, Diel Die Flucht der Königin gab ihm den Reſt. Otte Kriegeshandwerk, Wir f Und wär's nicht, daß mich freut das Ich wäre längſt gewichen von dem Heer. Wie h Erſt ſtürmt er vierzehn Tage Droſendorf ˖ Dier Zei e Macht zu ſammeln; Otto Und läßt dem Kaiſer Zeit, di Und als man endlich denkt, jetzt ſchlägt er los, Dien Als wir gerüſtet ſtehn und fertig vor Marchegg, j Otto Da heißt's: zurückl und Weiden, Weikendorf Dien Und Anger, Stillfried, alle Stellungen Jetzt li Am Haſenberg, am Weidenbach und an der Sulz Otto Läßt er dem Feind, beinah' ohn' einen Schwertſchlag. Dien Milota. Bald muß es ſich entſcheiden; ſei getroſt. Ottof Füllenſtein. Er nennt das Vorſicht; Zagheit nenn' ich's Ich hal eher! Mit ve Sonſt war das anders, ei, da galt noch Fechten! Dringt Jetzt ſind wir Memmen! Die Fl Milota. Schweig! Der König regt ſich! Ich 01 Füllenſtein. Zeit wär' es!(Er 3 Ottokar(am Feuer). Geſtern war ein ſchlimmer Tag.—5 Der Feind gewinnet Boden. Doch was tut's? Ich habe Droſendorf, der Rücken iſt geſichert. Füllenſtein(laut). 8 iſt ka Vor St Beinah' der Rücken ſichrer als die Bruſt! 3 Ottoßar. Dir tu' ich nicht zu Danke, Füllenſtein? 1 85 8 nicht leugnen. Sonft ld ſch. Der Wi Ji 7 7 Die Zei Hat ma⸗ Füllenſtein. Nein, Herr! ich kann' war's anders. Ottokar. Du hätteſt bei Marchegg ſchon losgeſchlagen? Füllenſtein. So tat ich, Herr; und Ihr, Ihr tatet's auch Eich bi Noch vor zwei Jahren. In der Ungerſchlacht, ich hin Am ſelben Ort habt Ihr nicht lang gezweifelt. Diener Ei, Schwert heraus und in den Feind! Da ging's. Ottoka Ottokar. Es ging, weil es der Zufall günſtig meinte. Diener Ei, damals war ich ein verwegner Tor, Ottokat Wie du noch jetzt biſt. Reife bringt die Zeit. e n ener. Füllenſtein. Herr, als noch bei Marchegg der Kaiſer ſtand„ Bginnt'e Da zählt' er tauſend Streiter, und nicht mehr; ndwerk, neln; 9. Sulz rtſchlag. oßt etroſt. it nenn' ich's ten! ner Tag. 87 enſteinꝰ 95 Sonſt anders. osgeſchlagen? Ihr tatet's auch ht, elt. a ging's. uſtig meinte. it der Kaiſer ſtand iehr; König Ottotars Glilck und Ende. 95 Jetzt iſt er an die dreißigtauſend ſtark. Ottokar. Allwiſſend iſt nur Gott!— Was iſt die Uhr? Diener. Drei Uhr nach Mitternacht. Ottokar. Die Schlacht iſt unvermeidlich! Wir ſind am Feind. Der heut'ge Tag entſcheidet. Wie heißt der Ort hier? Diener. Götzendorf, mein König. Ottokar. Der Bach? Diener. Die Sulz. Ottokar. Ich dacht', ich wär' in Stillfried. Diener. Wir ritten geſtern durch in dunkler Nacht. Jetzt liegt der Kaiſer drinnen. Ottokar. Nun, Gott walt's! Diener. Ihr ſolltet dort ins Haus gehn, gnäd'ger Herr! Ottokar. Und daß mir niemand angreift, bis ich's ſage! Ich hab' ihn hergelockt in dieſe Berge Wit vorgeſpiegelter, verſtellter Flucht. Dringt er nun vor: die Mitte weicht zurück, Die Flügel ſchließen ſich— dann gute Nacht, Herr Kaiſer! Ich hab' ihn, wie die Maus im Loch! Ha! ha! Er bricht in ein heiſeres Lachen aus, das ſich in ein Huſten verliert. Er reibt die Hände.) 9iſt kalt! Hat niemand einen Mantel ꝰ Vor Sonnenaufgang weht die Luft am ſchärfſten. (Man gibt ihm einen Mantel.) Iſt das'ne Sommernacht? Noch ſtehn die Stoppeln, Und ſchon ſo kalt! Sonſt war der Sommer warm, Der Winter Froſt; jetzt tauſchen ſie das Amt; Die Zeit hat ſich verkehrt und wir mit ihrl! Hat man nicht Nachricht, wo die Königin Sich hingewandt?ꝰ Diener. Man weiß es nicht, mein König! Ottokar. Und Zawiſch iſt bei ihrꝰ Diener. Ja, gnäd'ger Herr! Ottokar. Ich denke, ſie zu ſeiner Zeit zu treffen! ill's noch nicht tagenꝰ Diener. Überhin der March eginnt's zu graun; der Tag bricht an. de. 96 König Ottokars Glück und En Ottokar(iſt aufgeſprungen). Ich grüße dich, verhängnisvolle Sonnel Eh' du zu Rüſte gehſt, hat ſich's entſchieden, Ob Fried' in Waffen, ob im Grabe Frieden. (Er wirft den Mantel weg.) Löſcht aus die Feuer, laßt die Hörner tönen! Bereitet euch zum Kampf, es gilt das Letzte! Bote(kommt). Herr, Dröſing brenntl Ottokar. Im Rücken meines Heers? Dort ſtehen Eure Leute, Milota! Milota. Verſprengte Haufen von Auch glaub' ich's nichtl Ottokar. Iſt hier herum kein Hügel? Daß man des Feuers Richtung könnte ſehn. Diener. Der Glockenturm. Ottokar. Steig' einer ſchnell hinauf. Es pochen einige ans T Ottokar. Wie kommen Ungarn mir nach Dröſing? Gottes Feuer! Wird's bald? 1Kumanen, Herr. 81 or.) Wer des die Schuld trägt, hängtl Diener. Herr König, Man weigert uns den Eintrittl Ottokar. Weigert? Wer? Diener.'s ſind Damen drin im Haus. Ottokar. Was, Damen! Poſſen! Küſter(der aus dem Hauſe getreten iſt). Herr, das Gefolg' der Königin von Böhmen. Ottokar(ihn anfaſſend). Der Königin von Böhmen? Das Gefolg'? Wohl auch ſie ſelbſt?— Ha, Schurk'!— Und Zawiſch auch? Es ſoll mir wohl tun, meinen Zorn zu kühlen! Küſter. Bedenk' Eur' Hoheit! Ottokar. Fort! Küſter. Ach, Herr! Ottokar. Hinein!(er dringt ins Haus, der Küſter ihm nach.) Milota. Wenn er den Zawiſch trifft, iſt der verloren!— Ich muß ihn retten, gält's das Nußerſte! — Zie So d Der durch e Ot Otto Eliſ⸗ Otto Lieb 2 Auf ein Königin Ottol Das if Eliſa Ottoh Mein? Und dr — Got Eliſal Ottok Eliſal Ottoßk Eliſal Vertriel Hat nae Da übe Ottoke Eliſab Doch, d Ottoka Eliſab Denn w Herr. ſing? Gottes baldꝰ — ———ů Zawiſch auch! en! ſter ihm nach.) er verloren!— König Ottokars Glück und Ende— 9 Zieht euch zurück, und ruf' ich aus dem Fenſter, So dringt ins Haus und tut, was ich euch ſage; Der König iſt ſein ſelbſt nicht Herr im Zorn! (Er geht ins Haus, die andern ziehen ſich zurülck.) Kurzes Zimmer, durch einen gotiſchen Bogen geſchloſſen, vor dem ein dunkler Vorhang bis zur Erde herahhängt. Ottokar, dem Frau Eliſabeth in den Weg tritt, ſtürzt herein. Ottoßar. Fort, Kupplerin! wo haſt du deine Kunden? Eliſabeth. Ach, gnäd'ger Herr, gönnt ihr doch jetzt die Ruh'! Ottokar. Der Vorhang dort, er deckt wohl das Geheimnis? Lieb Täubchen, komm! Auf, Decke! Vorhang auf! (Er reißt den Vorhang auf und prallt zurück.) Auf einer ſchwarz bedeckten Erhöhung, von Lichtern umſtellt, liegt Königin Margarete tot im Sarg Das Wappen von Oſterreich zu ihren Füßen. Ottokar eim Vorgrunde dumpf). Das iſt die Königin von Böhmen nicht! Eliſabeth. Sie war's! Ottokar. Margrete iſt's von Oſterreich, Mein Weib einſt, doch verwandt im vierten Grad Und drum geſchieden nach der Kirche Recht. — Gott geb' ihr ew'ge Ruh'! Eliſabeth. Ach, Amen! Amen! Ottokar. Wann ſtarb ſie? Eliſabeth. Geſtern morgens, gnäd'ger Herr! Ottokar. Wie kommt ſie hierher? Eliſabeth. Aus dem Sitz zu Krems Vertrieben von den Streifern Eures Heers, Hat nach Marchegg zum Kaiſer ſie gewollt, Da übereilte ſie der Tod. Ottokar. Warum zum Kaiſer? Eliſabeth. Herr, ſie ſagt' es nichtl Doch, denk' ich, war es, Frieden zu vermitteln— Ottokar. Sie war Vermittlerin!— und woran ſtarb ſie? Eliſabeth. Man pflegt's zu nennen: am gebrochnen Herzen; Denn weinend Tag und Nacht— 7 98 König Ottokars Glück und Ende. Ottokar. Genug, genug! Wo aber wollt Ihr hin? Eliſabeth. Wir wollen warten, Bis ſich der Krieg ſo oder ſo entſchieden— Ottokar. So oder ſo! Eliſabeth. Und dann nach Lilienfeld, Sie zu begraben in der Ahnengruft, Wo Herzog Leupold ruht, der Sel'gen Vater, Und, der der Babenberger Mannſtamm ſchloß, Ihr Bruder Friedrich, den ſie ſtreitbar nennen. Ottokar. Das tu'!— Und dieſen Ring— Milota(kommt). Der Feind rückt an! 9 Ottokar. Ich komme gleich. Geht nur. Milota ab.) Ottokar. Und dieſen Ring Leg' du von mir der Sel'gen in das Grab. Eliſabeth. Ach, Herr!— Ottokar. Und wenn der Krieg ſich hat entſchieden, Und ich es überleb', ſo komm nach Prag, Daß ich die Treu' dir lohn' an deiner Frau. Jetzt muß ich fort!(Er geht auf die Türe zu.) Eliſabeth(die ſie ihm öffnet). Gott ſegn' Euch! Ottokar(bleibt an der Tür ſtehen). Margarete, So biſt du tot und haſt mir nicht verziehn! Er kommt zurück Biſt hingegangen, treue, fromme Seele, Mit dem Gefühl des Unrechts in der Bruſt Und ſtehſt wohl jetzt vor Gottes Richterſtuhl Und klagſt mich an, rufſt Rache wider mich! 4 O, tu's nicht, Margareta, tu' es nichtl Du biſt gerächt. Um was ich dich und alles gab, Gefallen iſt's von mir, wie Laub im Herbſt; Was ich geſammelt, iſt im Wind zerſtoben, Der Segen fort, der fruchtend kommt von oben, Und einſam ſteh' ich da, von Leid gebeugt, Und niemand tröſtet mich, und niemand hört mich! (Er tritt näher.) Sie haben ſchlimm an mir getan, Margrete! Der Undank hob ſein Haupt auf gegen mich. Die mir die nächſten, haben mich verraten, Die Das Sie Die Und Goß Mit Daß Das Du Stre Den Der Dru El Verz Für Er k Sieh Stf El. Sie Dazu Die Scho (Neuer Pl Milote hieden, Er kommt zurück) gab, ben, t mich! König Ottokars Glück und Ende. Die ich gehoben, haben mich geſtürzt. Das Weib, um das ich hingab deinen Wert, Sie hat das Herz im Buſen mir zerſpalten, Die Ehre mein verkauft an meinen Knecht, Und als ich blutend heimkam aus der Schlacht, Goß ſie mir Gift, ſtatt Balſam, in die Wunden. Mit Hohn und Spott hat ſie mich aufgeſtachelt, Daß blind ich rannte in das Todesnetz, Das nun zuſammenſchlägt ob meinem Scheitel. (Er kniet am Sarge.) Du haſt mich oft getröſtet; tröſte nun! Streck' aus die kalte Hand und ſegne mich. Denn eines fühl' ich wohl: es kommt zu ſterben. Der heut'ge Tag kann Ottokar verderben; Drum ſegne mich, wie du geſegnet biſt! (EEr legt ſein Haupt auf die Kiſſen.) Eliſabeth. Er betet, glaub' ich. Nun, du guter Gott, Verzeih ihm auch! Und ach, der großen Freude Für die hochſel'ge Frau! Sagt' ich's nicht immer: Er kehrt zurück? Nun ſeid ihr doch beiſammen, Siehſt du?(Gegen Himmel blickend.) Stimme(von außen). Iſt hier der König? Eliſabeth(zur Türe hinausſprechend). Ei, er will allein ſein! Sie ſollen ihn nicht ſtören!(Sie läßt die Vorhänge herab.) Streit und Hader, Dazu find't ſo ein Herr wohl immer Zeit, Die Zeit zum Beten aber kommt nicht immer. Schon wieder Lärm? Ei, daß euch Gott, ihr Heiden! Reuer Lärm von außen. Sie geht, mit dem Finger auf dem Mund Stillſchweigen gebietend, leiſe zur Türe hinaus.) Platz vor dem Hauſe, wie zu Anfang des Aufzuges. Milota führt einen Knappen vor. Die anderen im Hintergrunde. In Zwiſchenräumen Trompeten und Lärm von außen. Ailota. Wie? Zawiſch Roſenberg, er ſendet dich? Anappe. Ja, Herr! Milota. Er iſt im kaiſerlichen Lagerd Anappe. Wohl. Milota. Wo iſt ſein Brief? 100 Köntig Ottokars Glück und Ende. Anappe. Ich habe keinen Brief, Er hieß mich nur— es klingt faſt lächerlich— Er hieß mich an das Liedchen Euch erinnern: „Der Winter kehrt zurück, die Roſen welken!“ Ailota. Was will er damit?— Roſen— Roſenberg? Sag' ihm, die Roſen mögen immer blühn, Der Schnee zergeht; der Winter kehrt nicht wieder! (Knecht ab.) Füllenſtein(kommt). Wo iſt der König? Milota. Oben. Füllenſtein. Teufel auch! Es geht ſchon hitzig her! Ein Ritter(tritt eilig auf). Iſt hier der König? Die Vorhut wird zurückgedrängt. Schickt Hilfe! Milota. Er ſäumt noch immer! Füllenſtein. Siehe da, er kommt! Ottokar kommt mit dem Küſter aus dem Hauſe. Frau Eliſabeth folgt. Ottokar(zum Küſter). Man wird Eu'r Haus verſchonen, wie nur möglich. Gehabt Euch wohl und ſchließt mich ins Gebet. Herbott, wie ſteht's? Füllenſtein. Sie ſind ſchon handgemein. Ottokar. Gebt mir den Helm! Füllenſtein. Der Gaul von einem Dienſtmann Des Erzbiſchofs von Salzburg wurde ſcheu Und riß ihn fort, die andern ſprengten nach. Ottokar(Hat den Helm auf und zieht das Schwert). Nun denn, mit Gott! Küſter. Er ſegn' Euch, gnäd'ger Herr! Eliſabeth. Zu tauſendmal! Und führ' Euch glücklich heim. Ottokar. Wir wollen hoffen! (Trompeten von außen). Nun, wir kommen ſchon. Wo ſind die Pferde? Füllenſtein. Dort am Gittertor! Ottokar(gehend). Voran! Kaiſer Rut Es w Zum Sieh Das Ein 6 Doch Und d Dort Liegt? Von v Dort 1 Doch 0 Die R Mir vi Dein j Du ble Ihr, Und wi Trefft k Dir, Ke Vertrau Das du Ihr blei Und wa Ha, wol Da, wol Für dies Als eine Roſenberg? der! Eliſabeth folgt. glich. 5 lücklich heim. men ſchon. König Ottokars Glück und Ende. 101 Eliſabeth. Gott ſegn' Eur' Hoheit. Gugleich mit dem Küſter). Glück und Heill (Alle ab.) Freie Gegend an der March. Es iſt heller Tag. Kaiſer Rudolf mit ſeinen Süöhnen, in Begleitung öſterreichiſcher und anderer Ritter mit Fahnen, tritt auf. Rudolf. Die Sonne ſteigt aus Nebeln herrlich auf: Es wird ein ſchöner Tag! Mein Sohn, du trittſt Zum erſtenmal auf öſterreich'ſchen Boden. Sieh um dich her, du ſtehſt in deinem Land! Das Feld, das rings ſich breitet, heißet Marchfeld, Ein Schlachtfeld, wie ſich leicht kein zweites findet, Doch auch ein Erntefeld, Gott ſei gedankt! Und dafür ſoll es immerdar dir gelten! Dort fließt die March; dort, wo noch Nebel ringt, Liegt Wien, die Stadt; die Donau blinkt daneben, Von vielen Inſeln mannigfach geteilt. Dort wirſt du wohnen, gibt uns Gott den Sieg. Doch gilt's zu kämpfen erſt, das ſollſt du auch. Die Rennfahn' geb' ich dir, die ſollſt du führen, Mir vor ſie tragen glorreich durch die Schlacht. (Er gibt ihm die Fahne.— Zu ſeinem jüngern Sohne.) Dein junger Arm führt noch zu ſchwach den Stahl, Du bleibſt bei mir, in deines Vaters Hut. Ihr, Markgraf Hochberg, führt des Reiches Adler; Und wie der Adler lebend Wild nur beutet, Trefft den, der kämpft, und ſchonet des, der flieht. (Er gibt ihn.) Dir, Konrad Haslau, ob ſchon altergrau, Vertrau ich Sſtreichs flatterndes Panier, Das du in zwanzig Schlachten rühmlich trugſt. Ihr bleibt ihm nah, Herr Heinrich Liechtenſtein, Und wahrt des Manns, und deſſen, was er trägt. Ha, wohl verwahrt! Sucht' ich nach einem Schützer Für dies mein Haupt, ich wüßte keinen beſſern, Als einen Liechtenſtein! Wohlan, ihr Herrn, 102 König Ottokars Glück und Ende. Nehmt das Panier und tragt es allen vor, Den edlen weißen Strich von Oſterreich; Und wie er glänzend geht durchs rote Feld, So will ich ſehen Oſtreichs weiße Zeichen Die Gaſſe ziehn durch blutgefärbte Leichen. Nun vor, mit Gott! und Chriſtus ſei der Schlachtruf! So wie er ſtarb für uns am blut'gen Holz, So wollen wir auch ſterben für das Recht, Sbauch das Unrecht Güter böt' und Leben. Ehrwürd'ger Herr von Baſel, geht voran, Stimmt uns das Schlachtlied an: Maria, reine Maid! Diener(kommt). Die Königin von Böhmen, gnäd'ger Herrl Rudolf. Wie kommt ſie her zu mir? Die Königin mit Zawiſch auftretend, hinter ihnen wird Berta geführt, mit Begleitern, die zurückbleiben. Königin. Hier bin ich ſelbſt! Um Schutz zu flehn, komm ich in Euer Lager. Rudolf. Schutz, edle Frau, bei Eures Gatten Feind? Königin. Weil mir der Feinde grimmigſter mein Gatte. Er raſt, zumeiſt gen die, ſo ihm am nächſten, Und fliehend nur erhielt ich faſt, mein Leben. Rudolf. Gar viel Vertraun ſchenkt Ihr mir, Königin! Denn Frauen kenn' ich, ſonſt wohl hohen Muts, Die aber lieber tot von Gattenhand, Als daß ſie flöh'n zu denen, die ihn töten. Doch mögt Ihr immer dort in meinen Zelten Des Ausgangs harren, der Euch wohl verſöhnt. Zu einem Begleiter.) Bringt die erlauchte Frau in Sicherheitl Königin. Ich dank Eu'r Hoheit— Zawiſch, kommt mit mir.(Ab.) Rudolf. Ihr, Herr, ſteht nicht bei Eures Königs Fahnen? Zawiſch. Der König hat mich hoch und ſchwer beleidigt. RAudolf. Beleidigt, Herr? und des gedenkt Ihr jetzt, Wo er vielleicht dem Tod entgegengeht? Dankt Gott, Herr, daß Ihr nicht mein Untertan, Ich! Folgt Noch Daß Zu 8 Dem Vor Ein Und Den Und An K Den Habt Kri Rud Wir! Ein e Füll Wo iſ Rud Füll Rud Das 7 Komm Füll ſchlachtruf! e Maidl »Berta geführt, nFeind? mein Gatte. Königinl! its, h, kommt mit lb.) önigs Fahnend wer beleidigt. Ihr jetzt, rtan, König Ottokars Glück und Ende. Ich wollt' Euch das Kapitel ſonſt erklären! Folgt Eurer Königin, die Euch ſtatt eines Königs. Gawiſch ab.) Noch eins, eh' wir zur Schlacht. Ich hab' erfahren, Daß unter denen, die ich geſtern abends Zu Rittern ſchlug und die ob einer Unbild Dem Böhmenkönig abhold, oder ſonſt, Vor allen aus den öſterreich'ſchen Landen, Ein Bund beſteht, ihn in der Schlacht zu ſuchen, Und daß ihn jener töte, der ihn fand. Den Bund vernicht' ich hier, als euer Kaiſer, Und jedem unterſag' ich, Hand zu legen An König Ottokar zu dieſer Friſt; Den einz'gen Fall der Notwehr ausgenommen. Gu Seyfried Merenberg, der neben ihm ſteht.) Habt Ihr verſtanden, Herr? und ſo mit Gott! Es ſtürzt Einer herein. Krieger. Die Böhmen nahn! Rudolf. Die Oſterreicher ſind ſchon dal Wir werden uns doch wohl nicht fürchten ſollenꝰ Ein einzler Haufe; ſchließt euch an, ihr Herrn! Herbott von Füllenſtein mit einem Haufen. Füllenſtein Ghereinſtürzend). Wo iſt der Kaiſer? Nur den Kaiſer ſuch' ich! Rudolf. Hier iſt er, Freund! Füllenſtein. Bald heißt es wohl: er war! Rudolf. Das frägt ſich noch! Ei laßt ihn nur, ihr Herrn Das Fechten möcht' ich doch nicht ganz verlernen. Komm an, mein Freund! Füllenſtein. Ihr folgt und ſchlagt ſie tot! (Gefecht. Alle ab.) 104 König Ottokars Glück und Ende. Und Ein anderer Teil des Schlachtfeldes. Der Links im Vorgrunde das Ende eines Hügels, auf die Bühne herein⸗ 8 laufend, daneben ſteht ein Baum. Ic Ottokar kommt, auf einen Knecht geſtützt, zwei andere und Milota Du folgen. Bin 8 8 3 23 Du Ottokar. Herr Milota, Eu'r Haufe greift nicht an! Denr Wo bleiben Eure Mährer? Tod und Teufel! Und Ich fürcht', Ihr ſeid ein Schurk, Herr Milota! Wer Und ſeid Ihr es, Herr, weil ich Euch vertraut, Den Seid Ihr es zehn⸗ und hundertfach! Dure * Sie haben mir das Pferd erſtochen unterm Leib; De Das Bein ſchmerzt noch vom unverſehnen Sturz. Ein Geh hin und ſuch' ein Pferd; ich weile hier. Geba (Einer ab.) Mit Ihr, Milota, jagt hin zu Euren Mährern— Gekle Doch nein! Bleibt da! Geh du und ſag' der Nachhut: Das Sie ſollen auf den Feind, ſonſt will ich, Peſt auf ſiel Und (Der zweite ab.) Er hi Seht mir ins Antlitz, Milotal Daß Gott! Die Ihr ſchaut mit Grimm. Ich hoff', das gilt dem Feind; Da ti Denn gält es mir, auf Eurem Todbett, Herr, Und Würd' Euch ein Milota genüberſtehn Und; Und alſo ſchaun in Euer brechend Aug'. Mag Ich a Steigt dort auf jenen Hügel, Herr, und forſcht Um e Nach Füllenſtein, und wie das Treffen geht. Wie 1 (Milota ab.) 1 Und 1 Du, leite mich zu jenem Baume hin, Den f Daß ich mich halte, bis ein Pferd zur Hand. Mit 4 Und ſieh dich um und ſag's, wenn Feinde nahn. Der L (Er ſteht am Baum und hält ſich mit der Hand an einem niedrigen Und c dürren Zweige.) Wenn Die Böhmen fechten matt, wie man wohl ficht f Da li Für einen Ungeliebten, notgedrungen. Und f Die Oſtreichsmänner und die Steirer aber, und Die ſonſt nur träg mir ihren Dienſt erwieſen, Ich al In Todesengel ſcheinen ſie verwandelt, Und ſt 8. Bühne herein⸗ und Milota t an! eib; Dz. Nachhut: iuf ſie! m Feind; cht n. inem niedrigen König Ottokars Glück und Ende. 105⁵ Und jeder iſt ein Held nun wider mich, Der Zahltag iſt erſchienen, und ſie zahlen! Ich hab' nicht gut in deiner Welt gehauſt, Du großer Gott! Wie Sturm und Ungewitter Bin ich gezogen über deine Fluren; Du aber biſt's allein, der ſtürmen kann, Denn du allein kannſt heilen, großer Gott. Und hab' ich auch das Schlimme nicht gewollt, Wer war ich, Wurm? daß ich mich unterwand, Den Herrn der Welten frevelnd nachzuſpielen, Durchs Böſe ſuchend einen Weg zum Guten! Den Menſchen, den du hingeſetzt zur Luſt, Ein Zweck, ein Selbſt, im Weltall eine Welt— Gebaut haſt du ihn als ein Wunderwerk, Mit hoher Stirn und aufgericht'tem Nacken, Gekleidet in der Schönheit Feierkleid, Das Bild der Welt gelegt ihm in das Auge Und wunderbar mit Wundern ihn umringt, Er hört und ſieht und fühlt und freut ſich. Die Speiſe nimmt er auf in ſeinen Leib; Da treten wirkende Gewalten auf Und weben fort und fort mit Faſern und Gefäß, Und zimmern ihm ſein Haus; kein Königsſchloß Mag ſich vergleichen mit dem Menſchenleib! Ich aber hab' ſie hin zu Tauſenden geworfen Um einer Torheit, eines Einfalls willen, Wie man den Kehricht ſchüttet vor die Tür. Und keiner war von den Gebliebnen allen, Den ſeine Mutter nicht, als ſie mit Schmerz geboren, Mit Luſt gedrückt an ihre Nährerbruſt, Der Vater nicht als ſeinen Stolz geſegnet Und aufgezogen, jahrelang gehütet; Wenn er am Finger ſich verletzt die Haut, Da liefen ſie herbei und banden's ein Und ſahen zu, bis endlich es geheilt: Und's war ein Finger nur, die Haut am Finger! Ich aber hab' ſie ſchockweis hingeſchleudert Und ſtarrem Eiſen einen Weg gebahnt 106 König Ottokars Glück und Ende. In ihren warmen Leib.— Haſt du beſchloſſen Zu gehen ins Gericht mit Ottokar, So triff mich, aber ſchone meines Volks! Geblendet war ich, ſo hab' ich gefehltl Mit Willen hab' ich Unrecht nicht getan! Doch, einmal, jal— und noch einmall O Gott, Ich hab' mit Willen Unrecht auch getan! Es iſt nicht Todesfurcht, was ſo mich reden läßt. Der du die Herzen aller kennſt, Du weißt, ob dieſes Herz die Furcht bewegt! Doch wenn dich eines Mannes Reu' erfreut, Den nicht die Strafe, den ſein Unrecht ſchreckt: So ſieh mich hier vor deinem Antlitz knien(Er kniet.) Und hör' mich beten, wie ich jetzo bete: Geh als ein Gott der Gnade zu Gerichtl(er ſenkt ſein Haupt.) Seyfried von Merenberg tritt, ganz gerüſtet, im Hintergrunde auf. Seyfried. Ottokar! Ottokar. Wer ruft? Seyfried(hinten ſtehen bleibend). Wo haſt du meinen Vater? Ottokar(ſteht auf). Wer biſt du?— Merenberg! Seyfried. Wo haſt du meinen Vater? Oklokar(dumpf vor ſich hin). Als Gott den Kain fragte, ſagte der: Mir haſt du ihn zu hüten nicht gegeben! Seyfried. Ich gab ihn dir, ich ſelbſt, mein eigner Unſinn! Und jetzt ſteh' ich vor dir, in Stahl gekleidet, Und fordr' ihn wieder: gib mir meinen Vater! Ottokar. Du weißt wohl, wo er iſt. Seyfried. Wohl weiß ich's: tot! Ottokar. Er büßte, wie Verräter! Seyfried. Er, Verräter? Er war dir nur zu treu, dir, mir, der ganzen Welt. Um meinen Dienſt beim Kaiſer wußt' er nicht; Der Brief, den er mir gab, enthielt nur Bitten Für dein verſtoßnes Weib. * *³ + Ottol Seyf Eme Seyf Der K Mit Verſuch Sieh h Der H Ottol Seyft Du we Ich ha Der E Der E Gib de Den Ich ſel Siehen Komm, Ottol Seyft Hei, ta Anech Seyft Halt de Daß ie Ich ſch Den F Knech Emer et.) ein Haupt.) unde auf. n Vater? r Unſinn! * S˖·· ˙·ů⸗..··ů König Ottokars Glück und Ende. 107 Ottokar. So hat ihn Gott! Seyfried. Er hat ihn, ja! Empfiehl ihm deine Seelel (Stürzt mit dem Schwerte auf ihn los.) Emerberg tritt auf. Emerberg. Seyfried, was tuſt du? Seyfried. Sieh, er mahnt mit Recht! Der Kaiſer hat verboten, dich zu töten Mit Waffen; doch ich will, ein Baſilisk, Verſuchen, mit den Augen dich zu töten. Sieh her nach mir und höre: Merenberg! Der Hölle Ruf dereinſtens: Merenberg! Ottokar. Gebt Raum, ich muß zu meinem Heer! Seyfried. Du bleibſt! Du warſt mir Lehrer, warſt mir Muſter, Beiſpiel, Ich habe dich geehrt wie niemand ſonſt; Der Erde Ruhm ging mir in dir zu Grabe, Der Erde Glück in meines Vaters Haupt. Gib das Vertrauen mir auf Menſchen wieder, Den Vater wieder, den ich ſelbſt geliefert, Ich ſelbſt in deine Hand. Vorſchneller Würger, Sieh mir ins Antlitz; es iſt Merenbergs. Komm, töt' ihn noch einmal in ſeinen Zügen! Ottokar. Schließ deinen Helm, dann ſei des Kampfs ge— währt. Seyfried. Nicht alſo! Nein! Ficht, König, mit den Toten! Hei, tapfrer Ottokar, mit eins ſo feig! Ottokars Knecht kommt zurück. KAnecht. Herr Milota, zu Hilfe! Feinde! Feinde! Seyfried(zu Emerberg). Halt den zurück! Er muß ſich mein erwehren! Daß ich dem Kaiſer ſagen möge: Herr, Ich ſchlug ihn nicht, er ſelber fiel mich an; Den Fall der Notwehr habt Ihr ausgenommen! (Emerberg ficht mit dem Knecht.) Unecht. Herr Milota! Emerberg. Entweich! 108 König Ottokars Glück und Ende. Anecht. Ach Gott! ach Gott! (Er fällt getroffen zu des Königs Füßen.) Ottokar(ſein Schwert aufnehmend, das er am Baum niedergelegt)“ So ſei's! Milota kommt. Ottokar. He, Milota, hilf deinem König! Seyfried. Freund oder Feind? Milota. Nicht euer Feind, ihr Herren! Geht hier der Weg nach Mähren? Ottokar. Milota! Milota. Mein Bruder, Beneſch Dieditz, läßt Euch grüßen; Er iſt geſtorben als ein Sinnberaubter, Und Muhme Berta raſt an ſeinem Sarg. Gebt Raum, ihr Herrn! Glück auf! ich ſtör' euch nicht. (Geht, in ſeinen Mantel gehüllt, vorüber und ab.“) Ottokar. Verläßt du mich, und kann ich dich nicht ſchelten? Und doch war ich dein Herr, drum Schurke du, auf ewig! Seyfried. Gib dich! Ottokar. Vermeinſt du, Ottokarn zu fangen? Es gilt, zu fechten!—(eær tritt hart auf den verletzten Fuß.) Trage, Fuß! Jetzt iſt nicht Zeit zu ſchmerzen! ihr, gebt Raum! Emerberg. Du biſt verloren, ſieh, die Deinen fliehen! (Fliehende Böhmen bedecken den Hintergrund.) Ottokar. Du lügſt, kein Böhme flieht! Zu ihnen! Fort!l Beide(mit vorgehaltenen Schwertern). Du bleibſt! Heinrich von Liechtenſtein tritt mit einer Schar, verfolgend, im Mittel⸗ grunde auf und eilt nach 5 105 Banner von Oſterreich in der Hand. Liechtenſtein. Die Feinde fliehn! Hoch Oſterreich! Ottokar. Steht, Memmen, ſteht! Und ihr gebt Raum! Seyfried. Im Grabel Sonſt nicht! Ottokar(einen Hieb führend). Hier Böhmen! Seyfried(ebenſo). Und hier Oſterreich! Ottokar(mit einem neuen Hieb). Hier Ottokarl Sey, (Ottoka S Eme 0 Hein Sieg! Rude Was i Ha, O Du ha Und la 13 Die B Für de Eliſa Rudo Eliſa Und gö Ach, ſch Rudol Wer bi Eliſal Von O Und die Vier 2 Rudol + Eliſab So ſtar Du arn So lieg ‚(Der Sie pli itedergelegt)' ch grüßen; nicht. .9 ht ſchelten? auf ewig! n Fuß.) liehen! en! Fort! „im Mittel⸗ reich in der ch! Raum! * * König Ottokars Glück und Ende— 109 Seyfried. Hier Merenberg und Gott!(Er haut ihn nieder.) Ottokar ſtürzt nieder, rafft ſich ſchnell wieber auf, taumelt einige Schritte und fällt dann tot neben der Hülgelerhöhung hin.) Emerberg. Was tatſt du? Das Gebot verletzt des Kaiſers! Merenberg ſteht, die Hände hinabgeſunken, unbeweglich da.) Heinrich von Kiechtenſtein(kommt zurlülch. 8 Sieg! Sieg! Die Feinde fliehn! Hoch, Oſterreich! Rudolf tritt auf mit Gefolge. Rudolf. Halt ein mit Töten! Schont der Überwundnen! Was iſt hier? Was hat dich zu Eis verwandelt? Ha, Ottokar! am Boden, blutend, tot! Du haſt's getan! Flieh, wie der erſte Mörder, Und laß dich nimmer ſehn vor meinem Blickl (Merenberg entflieht.) Die Böhmen ſollen heimwärts ziehn, Für den ſie ſtritten, ruft es aus, iſt tot. Frau Eliſabeth hinter der Scene. Eliſabeth. Gewalt! Gewalt! Audolf. Wer ruft? Eliſabeth(kommt und wirft ſich dem Kaiſer zu Filßen). Ach, gnäd'ger Kaiſer! Sie plündern drin im Haus, ſie zünden an Und gönnen ſelbſt den Toten nicht die Ruh'! Ach, ſchützt uns, Herr! Rudolf. Man ſoll zu Hilfe ſehn! Wer biſt du? Eliſabeth. Ach, der Königin Margrete Von Oſterreich getreue Kämmerin, Und die dort tragen meiner Frauen Leiche. Vier Männer, von ſchwarzgekleideten Frauen begleitet, tragen den Sarg herein. Audolf. Sieh dort die Leiche deines Herrn! Eliſabeth. Ach Gott! So ſtarb er! Grade da er ſanft geworden! Du armer Herr! Setzt hin dort unſre Leiche, So liegen ſie im Tode doch vereint. (Der Sarg wird auf eine Erhöhung zu Ottokars Haupt geſetzt.) König Ottokars Glück und Ende. Die Königin kommt, hinter ihr Zawiſch und Berta. Daß es P 8 8 8 d He Königin. Der König iſt gefangen, wird geſagt. 31 ſte Audolf. Hier, Weib, hier liegt dein Mann! Doch ſo (Die Königin ſinkt, mit einem Ausruf, bebend in die Kniee. Zawiſch Mit S eht mit geſenktem& Mit St ſteht mit geſenktem Haupte.) 2 So den Rudolf(Fortfahrend). Zu ſeines Weibes Füßen! Her jet Denn daß ſie's blieb, hat ſie im Tod erprobt. An Ott Berta(iſt hinter dem Sarge auf die Erhöhung getreten und lehnt mit 4 A., 2 dem Ellbogen darauf, jetzt pocht ſie an den Sarg und ſagt). Steh a. Mach' auf, Margrete, ſieh, dein Mann iſt da! 1 5 n Mit mehreren Gefangenen iſt der Kanzler hereingebracht worden, er Daß 10 eilt hin. Dem er Kanzler. O Herrl du mein verirrter, wackrer Herr! Alle. (Er nimmt Ottokars Haupt in ſeinen Schoß.) Rudolf. So liegſt du nackt und ſchmucklos, großer König, Das Haupt gelegt in deines Dieners Schoß; Gudem Und iſt von deinem Prunk und Reichtum allen Nicht eine arme Decke dir geblieben, Als' Leichentuch zu hüllen deinen Leib. Den Kaiſermantel, dem du nachgeſtrebt, Ich nehm' ihn ab und breit' ihn über dich,(er tut es) Daß als ein Kaiſer du begraben werdeſt, Der du geſtorben wie ein Bettler biſt. Bringt ihn nach Laa und ſtellt ihn fürſtlich aus, Bis man ihn holt zur Ruhſtatt ſeiner Ahnen. Und Gott ſei ihm und ſei uns allen gnädig! (Er entblößt das Haupt und betet ſtill, die andern tun dasſelbe. Kunigunde verhüllt ſich, Zawiſch blickt ſtarr vor ſich. Pauſe.) Berta(noch immer auf den Sargdeckel gelehnt). Und vergib uns, als auch wir vergeben! Und führ' uns nicht in Verſuchung! Rudolf. Nicht führ' uns in Verſuchung, großer Gott! Und nun, mein Sohn, im Angeſicht der Leiche, Vor dieſem Toten, der ein König war, Belehn' ich dich mit Oſtreichs weitem Erbe. (Auf ſeinen Wink knieen ſeine beiden Söhne nieder. Er ſpricht immer vorzugsweiſe zu dem älteren.) 8 Sei groß und ſtark, vermehre dein Geſchlecht, *E 2 22 König Ottokars Glück und Ende. 111 Daß es ſich breite in der Erde Fernen Und Habsburgs Name glänze bei den Sternen! Du! ſteh in allem deinem Bruder bei! Doch ſolltet ihr je übermütig werden, Mit Stolz erheben euren Herrſcherblick, So denkt an den Gewaltigen zurück, Der jetzt nur fiel in Gottes ſtrenge Hände, An Ottokar, ſein Glück und an ſein Ende! Steh auf! und du! Und niemals kniee wieder! Ich grüße dich als dieſes Landes Herrn. Und ihr auch grüßt ihn, laßt es laut erſchallen, Daß weit es ſich verbreite donnergleich: Dem erſten Habsburg Heil in Eſterreich! erta. niee. Zawiſch und lehnt mit agt). cht worden, er Herrl! Alle. Heil! Heil! 8 .9 Hoch Oſterreich! roßer König, Habsburg für immer! GZudem alle unter Trompeten und Jubelgeſchrei niederknieen, um die ˖ Huldigung zu leiſten, fällt der Vorhang.) rtut es) Ende. 18, tun dasſelbe. ich. Pauſe.) ber Gott! Karteru Er ſpricht immer* * 1 1 Ein Die Das gol kars Gli Diener! Des 2 — Der 2 ſina.— buſſa.— burg.— E Verlag von Philipp Reclam jun. in Leipzig. rausgegeben von Dr. Albert Fipper. Mit drei Bildniſſen des Srthalt: Erſter Band. 0 vierter Band. Einführung.— Gedichte. Dramatiſche Fragmente und Zweiter Band. 5 Hannibal. 5 Alfred de Die Ahnfrau.— Sappho.— oldene Vließ.— König Otto⸗ zlückund Ende.— Ein treuer; Diener ſeines Herrn. 5 5 Dritter Band. 5 Des Meeres und der Liebe Wellen Fünfter Band. — Der Traum, ein Leben.— Meln⸗) Vovellen.— Selbſibiographie.— ſina.— Weh' dem, der lügt!— Li⸗ Italieniſche Reiſe.-Erinnerungen. *„ gt! buſſa.— Ein Bruderzwiſt in Habs⸗ ö Sechſter Band. burg.— Die Jüdin von Toledo. Vermiſchte Schriften. — ** ο PDreis: komplett geheftet 4 Mark. In 3 hocheleg. Ganzleinenbänden 5 Mark 50 Pf. Hbonnieren Sie qui Reclams Aluitrierte Wochenſchrift mit aktueller Weltrundichau Zährlich 52 Hefte d 30 Djiennig. Im Ubonnement: 3 27 Pf. à 0.32 K.-W. à 37 Etmsff