3 * 85 Ein Luſtſpiel in fünf Aufzuͤgen. von Auguſt Wilhelm Iffland. Leipzig, bey Georg Joachim Goͤſchen, 1799 2—— r·CCCC....cc... Ein Luſtſpiel in fünf Aufzuͤgen. Perſonen. Selbert, Beſitzer eines Landhofes, Fritz, Peter, ſeine Kinder. Marie, Erneſtine, Frau Saaler, ſeine Schwiegermutter— Licenziat Wanner. Amalie Ferſen, ſeine Nichte. — Herr von Lechner. Andreas, Selberts Bedienter. — Er ſter Auf z n g. Erſter Auftritt. Andreas. Er kommt zornig herein und reißt ſeine bgiyree herunter. Zu Tode arbeiten und noch Aergerniß dazu!— Meint ihr? Er wirft den Rock hin. Da lieg! So haben wir nicht gewettet, Frau Saaler— ſo nicht! Da lieg— und wer dich wieder aufhebt, wer dich wieder aufhebt— der ſoll— 3Zwehter Auftritt. Andreas. Selbert. Selbert. Andres! Andreas derlegen. Herr Selbert— Selbert ſieht den Rock und ihn an. Nehme Er doch Seinen Rock da weg, Andres. Er giebt ihm den Rock. 8 EEEEEEEE.TC.CCCCCC 4 Herbſttag. Andreas. Ja— wenn Sie mir ihn nicht gegeben haͤtten, wenn—— Sieht den Rock an. Livree und die Suͤnde— wer ſie einmahl hat— wird ſie nicht wieder los! Er zieht ſich an. Die Schwiegermut— ter die ſollte weg, dann waͤr' es gut. Sebbskt? Alſs dI lag dir am Helzen Andreas. Und darum lag der Rock auf der Erde. Selbertt! Im Zörn— Andreas. Daß ich ihr nie genug thun kann. Selbert. Meine Schwiegermutter thut viel— Andreas. Und ich nicht wenig Selbert, Er iſt langſam.⸗ 9 ndreas. Aber treu. Selbert. Das erkennt ſie. Andreas. Als'ſie ſagte, daß ich ein Schlin: gel waͤre, den der ſelige Herr Saaler, ihr Mann Gott troͤſte ihn, wenn er noch lebte, in den Thurm ſetzen ließe; der nicht- Selbert. Als ſie Ihn in Seiner Krankheit ſelbſt pflegte und wartete, hat ſie es bedacht ⸗ Andreas, Dafüͤr gebe ihr Gott einen ſchoͤnen Platz im Himmel! Wenn ich aber jemand kurieren laſſe, um ihn hernach lahm zu aͤrgern— wie iſt denn das? Selbert. Wie alt iſt Er? Andregs. Zwey und dreyßig— le FPP... 3.—ꝗ—. er ſb ſt et a g. 9 hn nicht Selbert. Meine Schtpiegermutter ſiebzig?— . Livree Laſſe Er die alte Frau gewaͤhren; Er ſieht wohl.— wird ſie ihre Hand. bringt Segen allem was ſie leitet. egermut— Andreas. Unrecht behaͤlt man, das weiß ich! Selhert. Er hat doch Seinen Rock gern wie⸗ 12 der angezogen? 8 auf der Andr eas. Weiß der Himmel, ich wüͤnſche mirs nicht beſſer— Man wird gehalten wie ein Menſch— ſeinen Nothpfennig ſ kann man auch vor n kann. ſich, bringen— wenn man nur einmal des Jahres Recht behielte! 15 5 —— Selbert. Es ſchickt n ſchon eiumel, 6015 wir beide etwas zuſammen haben. Andreas. Es iſt eine Schande vor den Loꝛut⸗ ten, daß ein Kerl von zwey und dreyßig Jahren . niemals Recht haben ſoll; beſonders heut e, wo we⸗ Schlin⸗ gen des Herbſttages ſchon ſo viele Leute im HBauſe Mantt ſind. 5 n Thurm Selbert. Ich bekoimene noch mehrere Gaße 8 Andreas. Thut nichts— ich habe im großen kheit ſelbſt Saale gedeckt.— Aber, daß Frau Saaler— Selbert!. Gut! n ſchoͤnen Andreas. Und zwiſchen jedem Gedeck iſt noch d kurieren viel Platz.— Aber daß Frau Saaler— — wie iſt Selbert. Gut. Andreas. Ich weiß, Sie haben es gern ſo. Auch habe ich das ſchoͤne damaſtene Tiſchzeug aufbes legt, wo Abraham und Iſaak— 6 Herbſttag. Selbert. Das Zimmer fuͤr meinen Sohn— Andreas. Es fehlt nichts. Wie ich mich freue, den jungen Herrn zu ſehen!— Drey Jahre iſt er jetzt weg? Selbert. Ja! So wie Er einen Wagen ſieht— ſo— Andreas. Springe ich gleich zu Ihnen— Wegen des jungen Herrn habe ich eigentlich das Tiſchzeug mit Abtaham und Iſaak aufgelegt— er hat es immer ſo gern geſehen und oft abgezeichnet— — Aber daß Frau Saaler das Tiſchzeug gebro— chen hat, daruͤber ging der Handel an. Selbert. Sie denkt bey dieſen Sitten ihrer Zeiten und iſt froh—— dann vermißt ſie um ſo weniger ihre Tochter— mein liebes Weib! Andreas. Meinetwegen. Wenn der junge Herr aber ſich daruͤber aufhaͤlt, daß Araham und Iſaak ſo geradebrecht ſind, daß es dann nur nicht auf mich kommt. ab. Drittet A neift iet. Selbert. Erneſtine. Erneſtine. In der Scheuer habe ich den Tiſch fuͤr unſre Leute beſorgen laſſen; moͤchten Sie es nicht anſehen? li ———— PPWPPCECECECECCCCCCCTCCCECC HWerb ſt trangex 7 Sohn— Selbert. Erſt muß ich mit deiner Großmut— ter reden— hernach— ich mich h Jahre Erneſtine. Hernach erſt?— Ach— dann kommt Bruder Fritz— und dazu moͤchte ich mich nicht gern rufen laſſen— ſieht— 3 5 4 Selbert. Freuſt du dich auf deinen Bruder? hnen— Erneſtine. Vater— ich habe die ganze Nacht lich das nicht recht geſchlafen, habe einmal den Mond fuͤr gt— er die Sonne gehalten— bin im Schreck ans Fenſter ichnet— gefahren, und habe mich betruͤbt, daß es nicht die gebro⸗ Sonne war. Jedes Rad halte ich fuͤr ſeinen Wa— gen, jede Stimme fuͤr ſeine. Wo etwas leiſe geht, nihret denk' ich, er will mich uͤberraſchen— Eben ſchlich e um ſo ich mit offenen Armen und klopfendem Herzen, und, denken Sie nur— da haͤtte ich beynahe den Andres umarmt. r jun 86 Selbert. Es freut mich, daß Fritz dir ſo am und 85 lieb iſt. ur nicht Erneſtine. Er hatte mich immer recht lieb. Selbert. Euch alle. 38 Erneſtine. Ja alle. Aber mich doch recht lieb. Wiſſen Sie— manchmal trug er mich uͤber das Waſſer im Garten, und fagte er wollte mich fallen laſſen— da brach endlich der kleine Steg, ich fiel hinein und wurde krank darauf— wie er da gar nicht von meinem Bette wegkam! Selbert!. Der gute Kuabe! Nachher ſchrieb er heimlich ſo lange fuͤr andere— ich den jten Sie Heer bſtta g. Erneſtine. Bis er ſo viel erſpart hatte, daß er mir das weiße Kleid ſchenken konnte. Und da war er ſo gut dabey— ſo gut! Ach er wird doch noch ſo ſeyn? Selbert. Ich hoffe es. Erneſtine. Er hat mir lange nicht geſchrieben. Selbert. Er hat dich gruͤßen laſſen. Erneſtine. Aber nicht ſelbſt geſchrieben— Ach wenn er anders iſt— Selbert. So wird er doch gut ſeyn— das iſt die Hauptſache. Ich laſſe euch alle gehen wie ihr wollt— ich verlange nur daß ihr gut bleibt.— Lauf hin, Kind— ich komme bald. Erneſtine geht ab. i Aüßt Fr a u Saale r. Selbert. Frau Saaler. Ey, ey, Herr Sohn, es iſt ſchon acht Uhr, und der Fritz iſt noch nicht da! Selbert. Er koͤnnte da ſeyn. Frau Saaler. Er muͤßte da ſeyn, weil er uns ſo geſchrieben hat. Den 1ßften uͤbernachtete er in— hin— wie heißt es— da— in Heſſen? den 1öten bey der Tante— den 17ten früh hier.— Ja, die heutige Jugend! Da iſt keine Akurateſſe! 10. —— 1—i⏑⏑⏑ 2ee2 —— te, daß Und da ird doch chrieben. eben— — das hen wie eibt.— ert. es iſt da! weil er chtete er en? den —Ja, 1 8 CEEEE ...— Her bſttag. 9 Selbert. Wer weiß, was ihm— Frau Saaler. Wer weiß— eben darum. Selbert. Sorgen Sie nicht. Auf dem kur— zen Wege— Frau Saaler. Ach— die Welt iſt nicht wie ſie war! Ich, wenn ich noch ſo viel Kinder haͤtte, kein einziges ließe ich in die Welt hinaus. Selbert. Liebe Mutter, was ſollte denn aus ihnen werden? Frau Saaler. Was aus den Voͤgelein im Walde wird. Es verhungert kein lebendiges Geſchoͤpf. Selbert. Eben die Voͤgelein im Walde, die fliegen weiter. Frau Saaler. Dann werden ſie auch gefan⸗ gen, und die gottloſen Buben lernen ihnen gezwun⸗ gene Stuͤckchen. Weiß der Himmel, was ſie in der Welt dem Fritz vorgeorgelt haben! was der— gleichnißweiſe zu reden— ſagte immer mein lieber ſeliger Herr— was der fuͤr wilde Trompeterſtuͤckchen pfeifen wird! Selbert. Seyn Sie ruhig. Frau Saaler. Ich bins nicht, Herr Sohn, ich bins nicht. Die Kinder haben immer gethan, was ſie wollten— Selbert. Nur gut mußten ſie bleiben. Sie ſind in jedem Sinn ohne Schnuͤrbruſt aufgewachſen. Frau Saaler. Nun wir wollen ſehen 1.5 10 Herbſttag. Selbert. Verſtellen wird ſich keins meiner Kinder; alſo kann ich immer wieder einlenken— Frau Saaler. Herr Sohn— Ihr Wort in Ehren, aber Marien traue ich nicht uͤber den Weg! Die ſeufzt, weint— fragt man— ſo weiß ſie nicht, warum ſie es'thut. Selbert. Das glaube ich auch. Fran Saaler. So hat ſie— Gott verzeih' mirs— einen Anſatz zur Narrheit. Selbert. Wer Hang zur Schwermuth hat— Frau Saaler. Hat Urſachen— Ich will ſie ſchon erfahren.— Hm— es iſt ein Ungluͤck, daß Sie Ihren Kindern taͤglich ſagen, wie lieb Sie ſie haben. Selbert. Sollte ich das nicht? Frau Saaler. Meiner Tochter— der Him— mel troͤſte ſie— habe ich niemals geſagt, daß ich ſie lieb hatte, bis ſie an Ihrem Arme aus meinem Hauſe wegging; da bin ich losgebrochen, und habe es ihr geſagt, daß ich ſie gar herzlich lieb haͤtte; da ging es an— denn da kam die Regierung an einen andern.— Der Licenziat Wanner kommt alſo heute? Selbert. Ja. Frau Saaler. Das iſt der, der ſeit neun und zwanzig Jahren alle Wochen geſchrieben hat, daß er kommen wollte? meiner n— Bort in Weg!! e nicht, verzeih' hat— will ſie ck, daß Sie ſie er Him⸗ daß ich meinem 1d habe tte; da ung an kommt it neun en hat, Her bſteta g3 1 Selbert. Derſelbe, mein alter Univerſitaͤts— freund. Frau Saaler. Der macht ja einen argen Laͤrmen von Fritz. Selbert, Er iſt ganz von ihm eingenommen. Frau Saaler. Das will mir nicht gefallen— Der Peter— Herr Sohn— der Peter gefaͤllt mir gar nicht. So ein tolldreiſter Menſch— gerade wie meines lieben ſeligen Saalers Bruder— der Sekre—⸗ taͤr, Gott troͤſte ihn, mit der krummen Naſe und den ſchwarzen Augbraunen— der war auch ſo. Selbert. Frau Mutter— Frau Saaler. So was iſt erblich. Selbert. Mit Peter gehe ich am allerſicherſten. Frau Saaler. Am ſicherſten?— Gott be— wahre uns, daß der nicht ein Geſicht ſieht, das ihm gefaͤllt— der wird— Selbert. Sehr leidenſchaftlich lieben? Das weiß ich. Ich habe nie geglaubt, daß meine Kin⸗ der frey von Leidenſchaften bleiben wuͤrden— aber ich bin gewiß, ihre Guͤte, ihr Charakter, wird minder erſchuͤttert werden, als andre; ſie werden zurückkehren Mehr darf der Menſch von Menſchen nicht verlangen. Frau Saaler. Nun— wir wollen ſehen! Selbert! Sie kennen alles Gute— ich habe⸗ ihnen das Gute liebenswuͤrdig gezeigt— Sie begrei—⸗ fen den Werth des Selbſtgefuͤhls— ich habe ſie 12 erribſteteag. uͤberall auf die natuͤrlichen uͤblen Folgen unſerer Feh⸗ ler aufmerkſam gemacht— Ich lebe ſorgfaͤltig, ſie thun es— Das reicht hin! Gepredigt habe ich ihnen nicht, und werde es nie thun— Frau Saaler. Es klingt gut— aber— Nun wir wollen ſehen!— Die Heirath, die Marie mit dem braven jungen Geiſer ſchließen follte, iſt ſo gut ausgedacht, ſo gut— Selbert. Sie ſchlaͤgt ihn nicht aus. Frau Saaler. Antwortet gar nichts.— Da⸗ hinter ſteckt etwas— eine geheime Liebſchaft— Selbert. Ein ſo gutes M aͤdchen! Frau Saaler. Ein ſchoͤnes rothes Aepfel⸗ chen— gleichnißweiſe zu teden— kann doch einen Wurm am Herzen tragen.— Sie gefaͤllt mir nicht. Selbert. Ich will in ſie dringen. r Frau Saaler. Mit Ernſt, Herr Sohn, mit Ernſt. Selbert. Mit Waͤrme. Frau Saaler. Nun— wie Sie, wollen, oder— wie Sie koͤnnen. Sie— ſind nun fo. Ich weiß es wohl. Wir ſollten ſo ſeyn, wir Wei⸗ ber, und die Maͤnner anders; es iſt aber umge⸗ kehrt.— Die Wahrheit zu ſagen, was mir noch am befen gefäaͤllt in unſerer heutigen Welt— ſind die jungen verhelratheten Weiber. Die denken, die arbeiten— die haben doch noch die Augen auf der, Eide!⸗Abor die Maͤnnerchen? Lieber Gott— das ſerer Feh⸗ aͤltig, ſie habe ich r Nun Narie mit te, iſt ſo 6.— Da⸗ 1835 Aepfel⸗ hocheinen nir nicht. dohn, mit wollen, nun ſo. wir Wei⸗ er umge⸗ mir noch t— ſind nken, die n auf der t— das Herrb ſtet ag⸗ 1 ſchwatzt, das will Gold machen und ſchafft kein Brot, das weint und thut nichts, ſchreibt und kann 838— abſchreiben. ertt iiſfieesti. Vorige. Andreas, f Andreas. An Sie, Herr Sel bert— Ein Reitender bringt es⸗. Selb ert befteht den Brief, Von Uern von Lech⸗ ner. Er macht ihn auf. And reas. Das Pferd iſt ſehr mitgenommen; es muß etwas zu bedeuten haben. Selbert. Hahaha. Herr von Lechner will heute mit uns zu Mittag eſſen. Frau Sagler. Allein? Selbert! Ja. Er geht eine halbe Stunde von hier auf die Jagd, die andern Herren gehen zuruͤck, er von hiet auf die Guͤter.—„Wenn der Brief ankommt“— ſchreibt er—„werde ich ſchon in Ihrer Gegend ſeyn.“— Das iſt gut— Ich hoffe, er ſoll meinen Wieſenpacht erneuern. Daran liegt mir viel. Frau Saaler. Ja wohl. Aber nun muß ich alles andern, nun iſt dieß zu wenig— das zu ſchlecht— 14 Heer b ſtet a g. Selbert. Sie aͤndern nichts. Frau Saaler. Herr von Lechner iſt doch Ihr Pachtherr? Selbert. Drum theile er mein laͤndliches Mahl am Herbſtfeſte. Er kommt um froh zu ſeyn mit guten Buͤrgern— drum laßt uns Buͤr⸗ ger bleiben. Frau Saaler. Nun— Sie muͤſſen es ver— ſtehen. Ehedem freylich, hatte man nicht das Herz Athem zu holen, wenn ſo ein Herr jemanden die Gnade anthat.— Wenn uns der Herr Oberamt— mann von Steinfeld beſuchten— ſo hat mein lieber ſeliger Mann immer das Podagra aͤrger darauf ge⸗ kriegt— weil er beſtaͤndig neben ihm ſtehen mußte.— Heut zu Tage wird das nicht gefordert— Selbert. Und nicht gethan. Andres— ſorge Er fuͤr Mann und Pferd— Andreas. Wohl. Geht. Selbert. Und ſchicke Er mir Marien— Andreas komunt wieder zurück. Beides zugleich geht nicht— Wollen Sie erſt das Pferd beſorgt haben, oder Jungfer Marien? Selbert. Erſt das Pferd! Andreas. Recht ſo! Denn das mag nicht ſo gute Tage haben als die Jungfer. ab. Her bſtta g⸗ 15 iſt doch Sterch ste tufetirii kn⸗ laͤndliches 8 1froh zu Selbert! Frau Saaler. uns Buͤr⸗ 883 Frau Saaler. Ich will nicht hinauf zu Tiſche en es ver⸗ kommen— Herr Sohn— das Herz Selbert. Wollen Sie Herrn von Lechner die anden die Ehrenſtelle neben Ihnen verſagen? Oberamt⸗ Frau Saaler. So ein junger Herr, was ꝛein lieber ſoll er neben einer uralten Frau? darauf ges Selbert. Empfinden was uns unſre gute mußte.— Mutter iſt. Frau Saaler. Ich ſage es ja, ich ſage es — ſorge ja— Da komme ich alle Morgen, von Haus und Kindern mit Ihnen zu reden, an meiner Tochter Statt— da genieße ich immer die Herzensliebe, die n— ſie mir vermacht hat, dann denke ich an meine Toch⸗ zugleich ter und vergeſſe alles.— Ja— hin iſt hin! d beſorgt Selbert mmit tiefem Gram. Iſt hin! Er reicht ihr die Hand. Frau Saaler, Es iſt ſelten, daß man einer Frau ſo gedenkt— es iſt ſelten, Herr Sohn. Selbert läßt ihr die Hand, wendet ſich ab, und weint. Sie war ſelten. g nicht ſo Frau Saaler. Es giebt wenige, die einer alten Schwiegermutter ſo begegnen werden. We— nige!— Aber Segen bringt es, Herr Sohn— 16 Hebbſttag. es bringt Segen! Sie geht. Was habe ich doch gewollt? Sie kommt wieder zurück. Ja— daß der Fritz nicht da iſt— Peter in Acht nehmen, daß er kein huͤbſch Geſicht ſieht— und wegen Marien 55 Ich will denn doch mein Stoffkleid anziehen. Geht ab. Selbert. Wegen Marien?— Es iſt nichts. Sie war in der Stadt, hat dort Freuden kennen lernen, die das Land nicht hat: einige Zeit hier, und dieſe Eindruͤcke werden ſich verlieren— Da iſt ſie ja. Siebeüter Auft Selbert. Marie. Marie. Sie haben befohlen, Papa— Va⸗ ter woll— Selbert. Ja, Marie, Vater! Das hoͤr' ich lieber. Maärie. Waͤhrend ich in— Selbert. Keine Entſchuldigung.— Wie geht es dir? Marie. Gut. Selbert. Ich glaube nicht. Maärie. Doch, Vater, mir fehlt nichts. Ich bin zufrieden mit meinem Zuſtande— Selbert. Zuſtand? Was iſt dein Zuſtand? 7 Her baſtat;as gy 12 ich doch Marie. Daß ich nicht ſo heiter bin— als die 6 der Fritz Uebrigen hier. iß er kein Selbert. Heiter biſt du nicht? 93 Marie. Nein. — Selbert. Das iſt aufrichtig. Warum ſchlaͤgſt iſt nichts. du die Augen dazu nieder? i0 Marie. Weil jedermann mir dieſe Stimmung, Zeit hier, um Vorwurf macht. en— Da 5 f Selbert. Ich nicht. darie. Sie kennen das Herz. Selbert. Die Uebrigen wuͤnſchen dich olüce 5 tet. licher, und ich auch. Marie. So bin ich gluͤcklich. Selbert. Ich weiß, es giebt eine Zeit im Leben, wo man eine Sehnſucht empfindet— Marie. Alles erregt ſie— und nichts kann ſie befriedigen. Wo ein Laut die Melodie unſeres Schmerzens wird— wo eine hinabwallende Flur unſer Herz klopfen— und der voruͤber gleitende Strom— Thraͤnen fließen machen kann, Thraͤ⸗ — nen— die das gepreßte Herz erleichtern— aber die. Wie geht Sehnſucht nicht aus unſerm Buſen nehmen koͤnnen! Selbert. Ich kenne dieſen Zuſtand. Iſt es nicht der naͤmliche, in dem auch der gute Geiſer ſeine Tage unter uns zubringt? ba— Va⸗ as hoͤr' ich ichts. Ich Marie gerührt. Wenn Geiſer nicht gluͤcklich waͤre zuſtand? Selbert. Ginge dir das nahe? Herbſttag. 73 — 18 Heerbeſttag⸗ tarie. Ja, recht ſehr. Geiſer iſt gut. 0 Selbert. Fuͤhlſt du das? d. Marie tief. Ach ja— ke Selbert. Du weißt was ich wuͤnſche— Marie. Ja. Selbert. Daß dieſer Wunſch das Gluͤck mei⸗ nes Lebens ausmacht? Marie enſchüttert. Das Gluͤck Ihres Lebens? Selbert. Das— nicht reich an Gluͤck iſt! Marie. Mein Vater!— Sie— den ich uͤber alles liche— das weiß Gott, der mein Herz li kennt— ni Selbert. So bin ich ſehr gluͤcklich!— Geiſer di liebt dich. Marie. Ja. 10 Selbert. Du liebſt ihn— dri Marie. Ich achte ihn ſehr. del Selbert. Deſto beſſer. Heirathe ohne den G Zauber der Leidenſchaft, dann wird dein Gluͤck mit jedem Tage neu. Geiſer iſt gut— ſeine Lebhaftig 9 keit, ſein Feuer wuͤrde deine Seele verſtehen. Ueber— 85 raſchen will ich dich nicht— ich gehe zu deiner 0 l; mi Schweſter, wenn ich wieder komme, ſag' mir deine D Meinung. da Marie. Ja, Vater! W Selbert. Darf ich bald wieber kommen? ſen Marie umarmt ihn. gu ——— — zut. e— bluͤck mei⸗ Lebens? ͤck iſt! den ich mein Herz — Geiſer ohne den Gluͤck mit Lebhaftig⸗ en. Ueber⸗ zu deiner 'mir deine nmen? Herbſttag. 19 Selbert. Ueberlege es. Fritz kommt wie⸗ der— Wenn du mir heute noch einen Sohn ſchen⸗ ken wollteſt— Ueberlege es. Geht ab. SSS.. ————— Marie alein. Ja— ich will. Ich muß— und will! Geiſet liebt mich; er iſt gut, edel. Warum ſollten wir nicht gluͤcklich ſeyn?— Dieß Leben voll Angſt— dieſe heimliche Leidenſchaft im Buſen— niemand zum Freunde, dem ich es klagen kann, was ich leide— ertrage ich nicht laͤnger. Alles iſt mir Vor⸗ wurf, die Liebkoſungen meiner Schweſter ſind mir druͤckend, meines Bruders Sorgfalt quaͤlt mich— der andre kommt, und ich freue mich nicht— mei— nen Väter hintergehe ich— Geiſer graͤmt ſich— Geiſer! den ich einſt liebte! Sie ſetzt ſich. Karl, ich muß dich vergeſſen! Sie ſeufzt. Weg mit dieſem Namen. Karl— iſt der Wohllaut der Gleich⸗ heit— Der Freyherr von Lechner! das will ich mir ſagen, wenn ich Karln nicht vergeſſen kann. Der Freyherr von Lechner. Gedachte er doch daran, und vergaß ſo das buͤrgerliche Maͤdchen! Warum ſollte mir es nicht genug ſeyn, mein Gewiſ⸗ ſen zu retten? Geiſer— ich bin dein, werde ein gutes Weib, eine gute Tochter, fuͤhle wieder das 20 Heer beſtetag⸗ Gluͤck der Liebkoſungen von Schweſter, Wuuteren, Vater und Mutter!“ S elbert kommt wieder. Marie geht auf ihn zu. Vater! Relitnk t Aüekk. —— Selbert. Marie. Selbert. Die Freude glaͤnzt aus deinen Augen! Marie. Moͤchten Sie in meiner Seele leſen! Selbert. Geiſer? Marie. Iſt Ihr Sohn. Selbert umarmt ſie. Marie! Marie küßtzt ſeine Hand. Ihre gehorſame Tochter. Selbert. Nur aus Gehorſam? Nein! Marie. Ihre gluͤckliche Tochter. Selbert. So iſt mein Zweck erreicht! Marie. Mein Herz iſt ſehr beruhigt. Selbert. Soll ich Geiſern rufen?“ Narie. Schon? Selbert. Ihm dieſen Troſt 8 Marie. Troſt— Troſt? Kann ich Geiſern Troſt geben? 1ut 11· Selbert. Ja, liebe Tochter. 2 5 „Bruͤdern, kk. inen Augen! Seele leſen! ame Tochter. Nein! icht! bigt. 355 ich waken 707 Henr b'ſtet a g⸗ 2 Marie. Das iſt ein ſchoͤner Gedanke. Selbert. Haſt du nicht geſehen, wie er ſich äbhaͤrmte? Marie. Meinetwegen? Selbert. Wie ihm nichts mehr Freude machte Marie. Armer, guter Geiſer! Selbert. Wie das Leben ſelbſt ihm gleichguͤl— tig, und ſeine Schweſter, ſeine Bruͤder, ſein alter Vater ihm nicht mehr waren, was ſie ehe— Marie. Ja! Rufen Sie ihn. Ich bin eine undank— Laſſen Sie mich ſeinen Kummer gut machen. Laſſen Sie mich gut machen— ich bitte Sie. Selbert. Tochter! liebes, natürliches Maͤd⸗ chen!— Wie ſchoͤn iſt dieſe 85—.— deines unver⸗ dorbenen Herzens! Marie. Eilen Sie— Ein Hellhde⸗ Engel legt die Hand auf mein Herz— da ich 55 0 und gut machen kann! Selbert. Ein heilender Engele Und doch haſt du Geiſern nur geachtet? carie. Gewiß ich werde ihn gluͤcklich nnhent Selbert. War dein Herz verwundet, Marie? Marie. Laſſen Sie dem kranken Herzen ſeine Traͤume. Ich will Geiſern gluͤcklich machen. Selbert. Ich darf ihn holen? Marie. Ja. Bitt u 22 Her beſttag⸗ Selbert. Feitz koͤnnte indeß— Hm— es iſt ˖l ja nur ein Schritt hinuͤber— und man ſieht ja von v dort die Straße hinunter. Wird dein Bruder nicht Freude haben, wenn ich ihm ſeinen Jugendfreund als Bruder vorſtellen kann! Habe Dank, Maͤdchen, le fuͤr dein Geſchenk. Er umarmt ſie und geht. Da er an der S Thür iſt: Vergaß ich beynahe— Da, ein Brief an ni dich.— Er geht. Marie. Da er an der Thür iſt, ſieht ſie den Brief an. T Mein Gott! Selbert. Rufſt du mich? Marie. Dieſer Brief— Selbert. Nun? Marie. Wenn Sie ihn leſen wollten— F Selbert. Wozu das? Marie. Vielleicht— Ich ſcheue mich— Selbert. So lies ihn hernach. In dem gleich⸗ guͤltigſten Briefe giebt es Wendungen— die Freun— din legt der Freundin ihre Seele, die Gemuͤthslage des Augenblicks ſo hin— mit Einem Worte— ſa Briefe muß niemand leſen, als der, für den ſie geſchrieben ſind.— Zu Geiſern. Er geht ab. da Zehnter Auftritt⸗ Marie allein. Welch ein Vater!— Ich kann meine Augen nicht öffnen— ich kann mich ſelbſt nicht ſehen— Wenn n es iſt ieht ja von vuder nicht gendfreund Muaͤdchen, Da er an der n Brief an den Brief an⸗ lich— dem gleich⸗ -die Freun— zemuͤthslage Worte— fuͤr den ſie b. itet. Augen nicht en— Wenn Heer biſtet zage 23 dieſe Hand die andere beruͤhrt— ſo erſchrecke ich vor mir ſelbſt! Karl— es iſt von dit— deine Hand iſt es nicht, aber es iſt von dir— vom Frey⸗ herrn von Lechner! Geiſers Weib darf dieß nicht leſen, und Marie— ſoll ihres Vaters werth ſeyn! Sie zerreißt den Brief langſam in kleine Stücke. Es iſt nicht Zorn— nicht Zwang— es iſt Tugend. Eine Thraͤne darf die Tugend koſten. Geiſer— dieſe Thraͤne iſt eine koſtbare Mitgift. Efreik. Fritz von Petern und Erneſtinen gefüͤhet. Marie. Fritz lebhaft. Ah.— meine Schweſter Marie! Marie mit Feuer. Fritz! Erneſtine. Ich war doch die erſte, die ihn ſah— ich war doch die erſte! Peter. Groß biſt du geworden— und ich darf wohl ſagen— recht huͤbſch. Fritz. Es freut mich, wenn ich euch gefalle. Erneſtine. Gefallen—o das iſt nicht— Peter. Laß ihn nur zu ſich kommen. Marie. Fritz— biſt du es— Fritz? Fritz nimmt ihre Hand. Freylich! Marie. Hat dich der Vater ſchon geſehen? 24 Hheer beſtet a g. Fritz. Nein.— Ich bin hinten am Garten abgeſtiegen. Peter. Wo iſt der Vater? 33 e. Er iſt nirgend zu finden. Peter. Und die Großmutter— Erneſtine. Ach die Großmutter! Komm zu ihr. Fritz. Ich will wohl. Aber gleich? Ich moͤchte vor Tiſche noch die Jagd mit machen. Marie. Die Jagd— welche Jagd? Erneſtine. Eine große Geſellſchaft— Herr von Lechner jagt hier— Marie. Lechner?⸗ Peter. Ja doch.— Er wird hier zu Mittag eſſen⸗ Erneſtine. Weißt du es nicht? Marie. Ach Gott, nein! Man hört eine Fanfare aus der Ferne. Fritz. Hoͤrſt du? Sie ſind nahe. Zew ölfit ee: müßft Vorige, Frau Saaler⸗ Frau Sagaler. Da hoͤre ich— der Fritz waͤre— Da, da iſt er leibhaftig! Nun ſo komm, du lieber— lieber: Sie reicht ihre Arme ihm hin. Fritz ſchlägt ihre Hände in ſeine. Bonjour, ma chere 19 Ut te ne m * u Garten 1. mm zu ihr. Ich moͤchte 2 t— Herr zittag eſſen⸗ i. t. r. — der Flitz nſo komm, ſour, ma Herr beſt ag 25 Frau Saaler. Was? Sie zieht ihre Hände zurück. Bonjour? Kommſt du uns ſo ins Haus? Bonjour?— So?— Adien Ehrlichkeit! Bonjour Eintauſend ſiebenhundert und neun und neunzig! Sie gebt. Daß Gott erbarme! ab. 3.— Großmutter! Erneſtine. Liebe— Peter. Hoͤren Sie— Sie gehen alle drey ihr nach, ab. Dreyzehnter Auftritt. Marie alein. Sie bleibt eine Weile uͤnentſchloſſen ſtehen, dann' will ſie folgen. Ach!— Indem hört man die Fanfare noch ſchwächer!⸗ Das ſind ſie— das iſt er!— Auch ſein Ton iſt unter dieſen!— Das— das war er, dieſer hal—⸗ tende Ton— der Ruf der Liebe!l— Nein— ach nein!—Es iſt das Jauchzen der ſorgenfreyen Bruſt! Laut ruft ſie durch den Forſt:— Ich bin frey, ſie mag leiden! Der Refrain der Fanfare wird raſcher, der Vorhang fällt. SHheyter Aufzzünzß Erſter Auftritt. Selbert. Dann Andreas. Selbert. Das gefaͤllt mir nicht.— Andres Andreas. Sie haben gerufen? 7—— Selbert. Welches Pferd reitet mein Sohn? Andreas. Den Falben; die andern ſind ihm zu zahm. Selbert. Sag' ihm, er moͤchte noch einen Augenblick herauf kommen. Hurtig! Andreas. Wohl. ab. Selbert. So kalt gegen uns— und nicht kalt fuͤr das Vergnuͤgen!——— Zwar, es koͤn⸗ nen nur angenommene Sitten ſeyn. Ein Menſch, der nicht in einer Familie lebt— verwildert ſo leicht. Dabey kann das Herz ſich doch erhalten, und wenn das iſt, bin ich zufrieden. T—PE·· ·· Heer b ſtet a g. 27 — 3üW hieeeAftiie 35— Selbert. Fritz. Fritz. Wollen Sie mit auf die Jagd? Selbert. Nein, mein Sohn. Fritz. Es wuͤrde den Herrn von Lechner erfreuen.—ç— as. Selbert. Du kennſt ihn? Andte Fritz. Obenhin. Selbert. Liebſt du die Jagd? in Sohn? Fritz. Sehr. ſind ihm 3 So wird es Zeit ſeyn, daß du gehſt— Fritz. Befehlen Sie, daß ich hier bleibe? Selbert. Befehlen? Fritz— Fritz, kennſt du mich nicht mehr?— Ich ſtoͤre nie eure Freuden— Reit hin. Nur empfehle ich Vorſicht. „n⸗ Fritz. Sie koͤnnen Sich auf mich verlaſſen. in Menſch, Haben Sie ſonſt noch— rt ſo leicht. Selbert. Hm— nein. Ich habe dich rufen und wenn laſſen, um— um dich noch einmal zu ſehen. Es iſt lange, daß ich dich nicht geſehen habe. Fritz. Drey Jahre. Ich habe ſie angewendet, Selbert. Du biſt ſehr geaͤndert.— noch einen und nicht —— 28 Heeer beſtst gang5. Fritz. Ich hoffe es. A Selbert. Du haſt eine gewiſſe Kuͤrze— h. Fritz. Die ſoll mir Zeit gewinnen. h Selbert. Das iſt allerdings der groͤßte Ge— winn— und ſo will ich dich nicht aufhalten. Du reiteſt den Falben— riskiere nicht— Fritz. Nicht mehr als Sie. Selbert. Ich reite ihn nicht. Fritz. Warum ſteht er denn noch im Stalle? Selbert. Er iſt ſchoͤn und— 8 Fritz. Unnuͤtz? Selbert. Es iſt wahr— abet du weißt, Pferde— Fritz. Sind Ihre Leidenſchaft. Selber t. Welches iſt deine? Fritz. Keine. Selbert. Gar keine? Fritz. Meines Wiſſens. Doch das werden S Sie am beſten ſehen.— Finden Sie eine an mir— ſie 89 55 weg.— Adien Vater. Er geht ab. ke Seibert. Er iſt nicht der, den ich fortſchickte— N N er iſt ein anderer. Ob ich damit zufrieden ſeyn W ſoll— muß die Folge lehren. Wenn dieſe Offen⸗ 5 heit ſt ſich gleich bleibt— dieſe Dreiſtigkeit nicht f Trotz— dieſer Stolz nicht Hochmuth wird— ſo iſt es ein bedeutender Menſch! Wie? Am Fenſter. Er ſitzt gut zu Pferde! Schoͤn reitet er— ſchoͤn!— ſe Herbſte9. 29 Aber— mein Gott!— ſchon ſprengt er mit ver— rze— haͤngtem Zuͤgel— wie raſch! Gott im—— halt halt— Ach er rafft das Pferd noch zuſammen! Da geht es wieder fort— Das Pferd wird ſteigen—— roͤßte Ge⸗ Es ſteigt! Mein Gott!— er ſtürit ab, lten. Du ZVW. Stalle? Frau Saaler. Dann Andreas. 8 5 7 bü⸗ weißt, Frau Saaler. Herr Sohn— Herr Sohn! Iſt denn kein Menſch da? Andres— Andreas kommt. Frau Saaler. Seht, dort reitet ein Menſch— Andreas. Er iſt ſchon fort. Frau Saaler. Der den Hals bricht. Eile, il 3R berden Sie 6 8 mit— ſie Andreas, Eilen nuͤtzt nicht mehr, helſen kann ich nicht. Ii Frau Saaler. Ach ich zittre an Arm und : Beinen. ieden ſeyn 8 S 23 28 ieſe Offen⸗ Andreas. Entweder hat er den Hals gebro— gkeit nicht chen, oder er ſitzt wieder auf dem Pferde— ich d— ſo iſt komme auf allen Fall zu ſpaͤt. Fenſter. Er Frau Saaler am Fenſter. Ich kann nicht ſchöͤn ·— ſehen— iſt er fort? 2 30 He eb ſt et a 9. Andreas. Wegen der Mauer ſieht mans nicht— Herr Selbert aber ſteht ruhig und ſtellt die Arme in die Seite. Frau Saaler. Gott Lob! Mein Herr Sohn ſchlaͤgt die Arme nicht unter, wo ein Menſch in Noth iſt— ſo iſt die Gefahr voruͤber! Sie kommt vor. Das raſende Reiten! Andreas. Herr Selbert kommt wieder.— Hu, jetzt zieht er aus— galopp, galopp, galopp— fort ſa iſt er und der Staub hinter ihm her! u Feau Saaler. So ein Menſch denkt nicht an Vater und Mutter, noch an die liebe Ewigkeit— Wenn er nun den Hals gebrochen haͤtte Andreas faältet die Hände. Freylich, ſo reitet man da nicht in den Himmel⸗ Frau Saaler. Wer iſt es denn? 5 Andreas. Das wiſſen Sie nicht? Frau Saaler. Nein! Andreas. Der Fritz. Frau Saaler. Unſer Fritz? Fe Andreas. Freylich! be Frau Saaler. Der dort reitet? eiun Andreas. Der dort reitet. Er geht auf die Jagd. 8 N Frau Saaler. Ach ſteh mir bey! Sie ſeßt ſich. Das iſt eine feine Beſcherung! U —— Heer bſtet a g. 3· ſieht mans FSFEC.... Herr Sohn„„ Menſch in Bie kommt vor. Vorige. Selbert. Selbert. Der Kutſcher ſoll den Schimmel ſatteln und meinem Sohn nachreiten— ihm den Ueberrock nachzubringen; es umzieht ſich. Aber denkt nicht nicht von der Seite ſoll er ihm gehen. Geſchwind! Ewigkeit— Andreas geht ab. Frau Saaler. Herr Sohn, Herr Sohn, das iſt ein gottloſes Kind! Selbert. Der Fritz? Frau Saaler. An dem erleben wir nichts „ Gutes. Selbert. Alle jungen Leute reiten gern raſch. Das Pferd wurde ſcheu. Gott Lob, daß es nichts auf ſich hatte! Er reitet trefflich. Wenn er in allen Faͤllen— die Gegenwart, die Feſtigkeit, den Muth beweiſet— es war wirklich gefaͤhrlich— ſo bin ich ziufrieden mit ihm. eder.— Hu, lopp— fort ſo reitet man geht auf die Frau Saaler. Herr Sohn, es iſt derſelbe Menſch nicht mehr. 1.Sie ſetzt ſich. Selbert. Das iſt wahr. Frau Saaler. Es iſt derſelbe Menſch nicht mehr. 32„Henbſttt a g; Selbert. Deßhalb moͤchte ich doch noch nicht uͤber ihn urtheilen. Frau Saaler. Da ſpringt vorhin jemand uͤber die Hecke, in den Garten— rennt ins Haus— wird das ein Geſchrey, laͤuft alles zuſammen— ich nach— frage— keine Antwort! Der Fritz, der Fritz, rufen alle Stimmen— der Fritz iſt da!— Faͤhrt mirs in alle Glieder. Ich laufe den Leuten nach, von Treppe zu Treppe, auf und ab— Stehl er endlich hier vor mir— du lieber Himmel!— wit ſeine Mutter, wie ſeine Mutter! Ich reiche meint Arme nach ihm— ach— als reichte ich ſie ihr il die Ewigkeit hinein!— Bonjgur; ſagt mir da⸗ Ungluͤckskind— bonjour! Selbert. Ob darum ſein Herz geaͤndert iſt— „Frau Saaler. Was? Vtele hundertmal haben ihn dieſe Arme getragen; das haͤtte mir e⸗ wohl erwerben koͤnnen, daß er ſie an ſein Herz ge⸗ legt haͤtte! Wie lange wird es denn noch waͤhren— ſo kann er mich nicht mehr bewillkommen!— Und nichts als bonjour? Selbert. Es aͤrgert mich, es kraͤnkt mich— Frau Saaler. Ich aͤrgerte mich auch, 900 in meine Stube— er mir nach— huͤpft, ſpringt herum— hebt alles von einer Stelle auf die andere= blättert in meinem heotzen Predigtbuche— daß all Zettel heraus fallen— reißt mir mit dem Knopft mein Strickzeug herunter— endlich bleibt er vol dem Portraͤt des Herrn Saalers ſelig ſtehen, und wir ma ein leg —— ch noch nicht rhin jemand ins Haus— mmen— ich r Fritz, der itz iſt da!— fe den Leuten ab— Steht nmel!— wie reiche meint ich ſie ihr in agt mir da⸗ aͤndert iſt= hundertmal haͤtte mir ez ſein Herz ge⸗ ch waͤhren nen!— Und nkt mich— hauch, ging aͤpft, ſpringt die andere ⸗ — daß all⸗ dem Knopft bleibt er vol ſtehen, und Her bſttag⸗ wird ganz ſtill! Nun, denke ich, ſo kommt doch ein— mal ein guter erbaulicher Gedanke!— Ich habe denn ein Paͤcktchen mit Schauſtuͤcken fuͤr ihn zurecht ge— legt— drehe mich um— will darnach langen; ſo lacht er, wie albern: warum? daß mein lieber ſeli— ger Herr den Zipfel von ſeinem Maͤutel in der Hand vor ſich hinhaͤlt; wirft ſich im Lachen auf den Stuhl, daß gleich eines von den ſchoͤnen gefirnißten Rehfuͤßchen abbricht— faͤllt um— mit einem Ge— krache, daß zwey von den Pagodelchen auf meinem Schranke in Stuͤcken brechen.— Die Pagodelchen ſind noch von meinem ſeligen⸗ Vater, der ſie viele hundertmal fuͤr uns Kinder mit dem Kopfe hat wackeln und die Augen verdrehen laſſen— Gott troͤſte ihn!— Da habe ich denn ſo aus allem gleich geſehen, daß Hopfen und Malz an dem Menſchen verloren iſt. Selbert. Zu etwas Angenehmen— Marie will Geiſern heirathen. Frau Saaler. Im Ernſt? Selbert. Ich ſollte ihm gleich die gute Nach⸗ richt bringen; er iſt aber nicht hier, und kommt erſt gegen Abend zuruͤck, Frau Saaler. 33 Nun, das iſt etwas. —— Herbſttag. 34 Herub ſtietrag; eft i, Vorige. Erneſtine Erneſtine. Lieber Vater— Fritz moͤchte gern die rothe Stube bewahnkn; darf ich ſie fuͤr iht einrichten? 68¹̊ 3. 20 Selbert. Hat er ſie gefordert? Erneſtine. Die Ausſicht gefaͤllt ihm dot beſſer— Selbert. Ja? Frau Saaler. Die beſte Stube im Hauſe— —— meiner ſeligen Tochter Putzſtube?— Wo wil das hinaus, Herr Sohn? Selbert. pauſe. Wollen ſehen. Frau Saaler. Wollen Sie ihm die Stub⸗ geben? Selbert nach einer Pauſe. Ja. Frau Saaler. Und Pferde und einen G1 dienten— die er ſchon mitbringt, und Geld di Huͤlle und die Fuͤlle!— Vaterſohn, Bettelſtal Ach und Weh— ſo faͤngt es an— Ich waſch meine Haͤnde. Will gehen. Selbert. Seyn Sie ruhig. Erſt muß i die Krankheit kennen— tel der nel r„it t z moͤchte gern ch ſie fuͤr ihn * ällt ihm del im Hauſe — Wo wil ym die Stul U nd einen Bl und Geld di „ Bettelſtal — Ich waſch Erſt muß id Heer b ſtet a g. 85 Frau Saaler. Die Krankheit? Mit Man⸗ telfack und Stiefeln und Spornen in die Putzſtube— der Sohn dem Vater das Lelkes Zimmer im Hauſo nehmen? Hochmuth iſt die Krankheit. Selbert. Und wenn das nun waͤre— Frau Saaler. So geht er immer weitet— Selbert. Oder kehtt um, wenn et mich ſo gut findet, wie ich ſonſt war. Mutter, laſſen Sie mich ſein Herz—392— 3 Sicherheit giebt es nicht. Frau Saaler. Haben Siee 5 noch? 33 Ich denke.— Fran Saaler. Mit dieſer ewigen Gutheirl Da ſpielen Sie, gleichnißweiſe zuſreden, den Lieb⸗ haber bey Ihren Kindern, nehmen⸗ Sich Ehre und Wuͤrde, und geben ſie ihnen. Da iſt kein Anſehen, und wo kein Anfehen iſt, f. kein Gluͤck. Selbert! Mutter— wer in den Stutim ge⸗ rathen iſt, wird nicht willig umkehren, wenn er weiß, daß er am Ufer gemißhandelt wird. Sieht er aber die Arme des Vaters, des Freundes, liebe— voll zu ſeinet Rettung bereit— Frau Saaler. Dann taßt er ſich retten, und— Selbert. Iſt dankbar. Frau Saaler. Bis er wieder faͤllt. Selbert. Wuͤrden Sie Ihre Hand dem nicht wieder reichen, der zum zweytenmale faͤllt? 36 Herrlbiſt tang⸗ Ftau Sacaler“ Hett Sohn— jeder von unt⸗ weiß, was er in dem Falle zu thun hat. Dat Ganze aber, was Sie mit dem Menſchen vorhaben, iſt mir zu hoch. Unſere alte Erziehung mochte eil weitfaltiger Rock ſeyn— aber er paßte eben deß⸗ wegen mehreren— und hielt ſeinen Mann doch warm. Eure heutige Erziehung— gleichnißweiſ zu reden, wo ſie die Falten aus dem alten Rock heraus genomimen haben— iſt ein enges kurzei Weſtchen. Den ſpannt es auf der Bruſt— den ſehen die Arme halbe Ellen lang hervor, und dl Leute ſind froſtig damit gekleidet. Wenn ihr eil mal dahinter kommt, daß dieß die rechte Kleidun, nicht iſt/ dann koͤnnt ihr nichts mehr wegſchneiden— ihr muͤßt anſetzen. Geſtuͤckelter Rock— verzwickte Menſch: ſo ſind eure jetzigen Kinder. Gleich nat der Wiege— Weisheit und Amtmannsgeſicht— in den Mannsjahren— Schulknabenweſen un Ungezogenheit! Ich waſche meine Haͤnde.— Sie geht ab. Sechster Auftitt. Selbertedd; Selb ert. Wie eſlgt ſie iſt, die gute Frat Sie liebt euch ſehr, erkennt es nur immer.— Fritz die rothe Stube zurecht machen. Le. gek CCC.... ſeder von untz nhat. Daz jen vorhaben, 9 mochte ein zte eben deß Mann doch gleichnißweiſ malten Rock enges kurzel Bruſt— den vor, und di Venn ihr eii chte Kleiduß egſchneiden⸗ — verzwickte Gleich nat⸗ innsgeſicht ⸗ zenweſen un nde.— ib. 1555 ie gute Fral mmer.— er b ſt t a g. 82 Erneſtine! Den Augenblick. Sie geht. Selbert. Hoͤre, Erneſtine!— Laß dir ſilberne Leuchter geben, und ſtell ſie al Zimmer.“ Erneſtine Ja. Selbert. Wachslichter. Das gon⸗ in Silber. Erneſtine Ich will alles beſorgen. Selbert. Ferner gehſt du nie auf deines Bru⸗ ders Zimmer, ohne vorher zu haben. Erneſtine. Selbert! Du klopfft an, und bitteſt um Et⸗ laubniß— Ich befehle dit das ernſtlich. Erneſtine. Ach! Selbert. Was haſt du? Erneſtine. Ehe der Bruder wegging, war das nicht ſo— Wir frůhſtückten zuſammen, und ich ging zu ihm wenn ich wollte. Er ſah mich immer gern. Selbert. Es wird wohl 100 ſo werden. Erneſtine. Hat uns denn Fritz nicht mehr gern? S elbert wendet ſich weg. Erneſtine. Ja— ich merkte es 31 8 5 wie er kam. Selbert! Woran? Erneſtine. gekoſtet! Es hat mir ſchon viel Thränen 38 Her d ſt t a g. Selbert. Was, mein Kind? Erneſtine. Ich habe Manſchetten fuͤr ihh genaͤhet, die gab ich ihm mit tauſend Freuden. Da ich ſie ihm brachte— ach es ſchmerzt mich gar zu ſehr! Selbert. Was iſt es? Erneſtine, Er lachte und ſagte: Es waͤren Sonne, Mond und Sterne darin. Selbert. Nahſm er ſie?— dankte er dir? Erneſtine. Ich legte ſie vor ihm hin— eſ war, als faͤhe er ſie nicht, er ſprach mit Marien Ich ſchaͤmte mich, daß ſie nicht, beſſer Wulen, u habe ſie wieder mit genommen. Selbert. Hole ſie her— Erneſtine. Hier. Siebt ſie ihm. Selbert. Recht fleißig gearbeitet— recht fleißig! Etwas groß iſt die Stickerey— Erneſtine. Das macht, weil mich es di⸗ Großmutter gelehrt hat. Zu ihren Zeiten mocht das wohl Mode ſehn. Sehen Sie— hier die fel nen Stiche, die kann ich noch nicht machen; diſ hat alle die Großmutter gemacht. Selbert gerührt. Die Großmutter? Erneſtine. Ja, bis ſpaͤt in die Nacht arbel tete ſie daran. Darum hatte ſie vorige Woche ſu Augenweh— ich durfte es nur nicht ſagen.“ Selbert kußt ſie herzlich“ Beſorge die rotht Stube, Kind! *e haͤtt. nicht gebel will E meht gar einig Gro freut Augt Stu S auf Hoff hahs S Herrzbiſtat an ge⸗ 39 Erneſtine bleibt noch ſtehen. tten für ihh Selbert. Hoͤrſt du? end Freuden. Erneſtine. Ja, Vater. chmerzt mich Selbert. Du weinſt? Sieh— dein Bruder haͤtte dieß beſſer aufgenommen, haͤtteſt du ihm es nicht in den erſten Augenblicken ſeiner Ankunft ge⸗ Es waͤreh geben. Man iſt dann unruhig— zerſtreut. W ö will ich ſie ihm zu einer Zeit geben. kte er dir? Erneſtine. Nein, dieſe geben Sie ihm ichb, mehr. Er koͤnnte wieder lachen, und das thut mir gar zu weh. Ich weiß freylich wohl— es ſind einige falſche Stiche darin; wenn ich aber mit der Großmutter von ihm ſprach, und wir uns beide ſo freuten, kamen mir manchmal Thraͤnen in die Augen, dann ſtach ich daneben.— Ich will die rothe Stube beſorgen, Vater. Geht ſchnell ab.— tet— rech Selbert. Das thut mir weh! Wenn ich ihn auf dieſer Seite verderbt finde, ſo muß ich viel mich es dit Hoffnungen aufgeben!⸗ zeiten mochtt hier die fel mächen; dl' Siebenter Auffritt. ym. hin— e mit Marien, waren, und —— 7 Nacht arbet Selbert. Andreas. ge Woche ſe gen.“ Andreas. Hahahaha!— So was— hahaha— hab' ich in meinem Leben nicht geſehen. e die rotht Selbert. Was denn? 40 Herr beſt et a g. Andreas. Hahaha! Sie koͤnnen denken, daß es arg ſeyn muß, denn unſre alte Lieſe lacht. Selbert. Lacht? Andreas. So daß ſie faſt am Brotſchrant umgefallen waͤre. Jungfer Marie ſtreicht ſie an.— Selbert. Ich will alleufalls auch 3 5 went ich es erfahren ſoll. Andreas. Wir ſtehen unten, d de blt Kuchen und Bratenſchlüſſeln mit Blumen— ſo faͤhr eine ſchöne Kutſche mit vier Pferden— Eptrapoſt auf ebner Straße, im Schritt. Wir denken, e⸗ ſind Kranke darin, und Lieſe hatte denn ſchon ihſ⸗ Haͤnde gefaltet, ihnen einen Stoßſeufzer mit geben auf den Wog— Mit einmal haͤlt die Kutſche ⸗ guckt ein alter Herr heraus, in einer Nachtmuͤtze ⸗ mit Falkenaugen und einer brandrothen Naſez nebeſ ihm—ſitzt ein galantes, junges Madamchen— und die— hahaha— 2999170 Selbert. Nun denn? Andreas. Darum lacht eben die Lieſe, ſo wi naͤrriſch— Die hat einen Peruͤckenſtock, mit eine weißgepudetten Peruͤcke in der Hand. So— ken zengerade vor ſich— und der alte Herr, hahaha— hat einen Korb mit roſenfarbnen Schleifchen auf dem Schvoße vor ſich ſtehen— da guckt eine groß maͤchtige Katze heraus. Selbert. Nun und dieſe Leute— Andreas. Denken Sie nur, hahaha— wenl nun die Lieſe das Krankengebet verrichtet haͤtte= un ſeit hat Tr ſer Au⸗ del — denken, daß e lacht. 1 Brotſchrant icht ſie an.— laͤchen, went und zieren die nen— ſo faͤhr Extrapoſt ir denken, e⸗ nn ſchon ihſ⸗ ufzer mit/ die Kutſche ⸗ Nachtmuͤtze ⸗ Naſez nebeß dadamchen— ie Lieſe, ſo wi⸗ ck, mit eine So— ket rhahaha chleifchen au uckt eine groß haha— wei htet haͤtte Herreb ſtet a ge 41 Selbert. Wo ſind ſie denn? Andreas. Vor der Thuͤr. 9 Selbert. Vor unſerer Thuͤr? Andreas. Ja doch. Die Katze guckt 185 impertinent ins Haus herein, das kann ich Ihnen ſagen. Selbert. Und wer iſt es denn?“ Andreas', Er ſagt, er waͤre ein Licenziat Wanner. Selbert. Wanner! Mein alter Freund!— Geſchwind!— Er geht. And rea 8 aus alldn Kräften. Halt, halt— Selbert. Was iſts— Andreas. Er will herauf kommen; aber nur unter der Bedingung, daß. kein Frauenzimmer auf ſeinem Wege ſichtbar iſt, bis zur Tiſchzeit. Selbert geht. Andreas. Halk, halt! Wenn Sie an den Wagen herunter kaͤmen,—— er ſagt er. Er hat dazu geflucht— Selbert fröblich. Nun denn— alles von der Treppe weg— fuͤhre ihn herauf. Andreas geht ab. Selbert. Nun denn! Willkommen— tau⸗ ſend⸗ und tauſendmal willkommen! Er trocknet ſich die Augen. Mein altet Univerſitaͤtsfreund! Wird mirs denn endlich ſo wohl, dich zu ſehen? Er trippelt hertm⸗ 42 Hbearbaſt'ta g. Entgegen darf ich nicht— und moͤchte doch— Ach— da hoͤre ich— Erſchrocken. Ach Gott— daz geht langſam, langſam! Biſt du ſo hinfaͤllig? Seine Stimme?— Hinaus— ich muß ihm entgegen. Et geht hinaus. Wanner bon außen. He da— da kommt eiy Menſch.— Bediente, treibt den in ſeinen Wehnkaſen! Selbert läuft herein. Ich fuͤhle einen Freund in der Naͤhe, und ſehne mich ihm entgegen. Alſchtterr Aufteitt! Selbert. Wanner in einet ſeidnen Chenille, Nachtmütze mit brauner Schleife, wollenen weiten Halbſtiefeln über den Schuhen. An d re 4 8. Wanner öffnet im Hereintreten ſeine Arme und ſingt; Gaudeamus igitur Selbert ſprichts Amici dum sumus! Eilt in ſeine Umarmung. Wanner weiſet ihn ab. Nichts da, nichts! Die rechte Parole, Bruder! Er ſingt: Gaudéamus igitur— Selbert t im Feuer. Immerhin! Syricht: Juvenes dum sumus! Will ihnumarmen. He r ͤb ſt ta g 43 chte doch— Gott— das aͤllig? Seine 5 55 [Selbert ſingt?? Jubenés dum sumus m entgegen. Sie umarmen ſich herzlich. Wanner. Geſungen, Herr Bruder—tgeſun⸗ gen! Singt: Gaudéèamus igitur- 5(Wan ner fält ein.—— dum sumus! So à kommt ein —— recht! Er ſchlägt ihm in die Hand. Juvenes dum su- hen in ſeinen mus!. Jung ſind wir, Herr Bruder, ſo lange wir leben. Jung iſt, wer jung ſeyn will— jung ver⸗ en Freund in tieß ich dich, jung ſehe ich dich wieder— jung n. ſcheiden wir, jung ſterben wir— zur ewigen Jugend erwachen wir— Gaudeamus igitur! Selbert umarmt⸗ihn. Von Herzen!— She wir uns denn endlich? Wanner ſchüttelt ſeine Hand, Endlich!— Rech neun und zwanzig Jahren!— Burſche— ihr ſeyd ibften Ehenttt noch flink.— Iſt das dein Bedienter? ten Halbſtiefeln S elbert. Ja. j 8. Wanner. Schicke ihn fort. Andreas geht ab. zenüe und ſust, Wanner. Gieb mir einen Stuhl— Du! Ich habe dich reiten gelehrt!— Ehre deinen Meiſter! us! Eilt in Selbert. Mann, wie wird mir, wenn ich dich ſo anſehel— N eun und zwanzig Jahre liegen nichts! Die zwiſchen uns? Caudeamu. Wanner. So iſt es.— Setz dich doch. Selbert! Nein, dazu habe ich, nicht Ruhe cht: Juvenes genug.“ Die alte Zeit ſteht wieder vor mir— die ſchoͤne Zeit— 44 Herribᷓſt t a g. Wanner. Wo der Vogel frey war, flog wi er wollte, und ſchmetterte ſein Lied uͤber Berg und Thal— Frey bin ich noch, Gott Lob! Aber wa⸗ hilfts— das Pedal—— Selbert. Ahal- 55 Wanner darauf deutend. Ein verlorner Prozeſ kann nicht ehr in integrum reſtituiert werden Der Geiſt iſt friſcher, muß aber das Pedal flattil ren, wie ein junger Mann eine alte Frau/ alf dem Gelbe ſchlaͤft. Setz dich. 15 Selbert ſetzt ſich. Wan ner ſteht Selberten an. Ja— neun und zwöit, zig Jahre ſinds, daß wir von der Univerſitht wä ſind!—— Habe ich dir nicht alle Quartal einen Bi ticht von zwey Bogen geſchickt? Selbert. Richtig! Gott lohne dirs! Wanner. Neun und zwanzig Jahrel Er ſuf Pauſe. Selbert. Und in dieſen neun und zwanzi Jahren— ach Wanner! Freund— ach Btuder! Wanner ernſt. Indeß haſt du ein Weib vel toren— und hübſche, liebe Kinder behalten. I habe nichts verloren— bdent ich hatte nichts zu vet lieren! Das iſt das geſcheidteſte, auf der Leben reiſe— wenig Gepaͤcke— ſo habe ich mich gehal ten.— Nun trabe ich meinen Weg fort— bis de oben det große Kommerz angeht.— Da ſtehen wü beide gut angeſchrieben.— Er ſteht auf. Hiermi Ni gel ger di. au du kit war, flog w ber Berg und b!. Aber wa⸗ ſorner Prozeſ uiert werden Pedal flattit Fraäu, die au eun und zwin⸗ niverſität wi tal einen Be dirs! ahre! er ſeußt und zwanzi „Btuder! in Weib vel ehalten. Id⸗ nichts zu vel der Leben h mich gehal ort— bis d⸗ Da ſtehen wil auf. Hiermi Her b ſt ia g. 45 Pünktum von allem ernſthäften Weſen.— Hoͤre— ich habe ein Stuͤck Nichte beh mir— Selbert. Wanner. Immer noch der galante Burſche, der der huͤbſchen PoſamentiersFrau beſſer gefiel als ich! Nun— diefe Nichte und reſpektive Mün⸗ del, und Muͤndel und reſpektive Nichte— iſt unten bey deinen Weibern abgeſetzt; ſintemalen ich den Eingang nicht alſo machen wollte; alldieweilen und wasmaßen deine Toͤchter nicht guf die weiblichen Rechte Verzicht geleiſtet haben— daß eine Manns⸗ ſigur ihre erſte Viſite wohl geputzt mache.— Hoͤre— ſo ſchreibe ich nicht. Selbert. Das glaube ich dir. Wanner. Nun, weißt du warum ich dieſe Nichte bringe? 12 Selbett. Nein! Wanner. Deinem Fritz ſollſt du ſie zur Frau geben, darüm komme ich. Wo?— Ich will gleich— Selbert. Fritz gefaͤllt dit? Wanner. Ganz und gar. Er will jeden Au— genblick brauchen, erwerben und genießen. Selbett. Kennt er deine Nichte? Wanner. So ſo. Sie gefaͤllt ihm. Burſche, die Kinder der Leute muͤſſen noch bey unſerm Leben auf den alten Gleichen, wo unſere Namen— weißt du noch— beym Abſchiede, in die Burgmauern eingegraben twurden— fingen: Gäudeamus.— 46 Her b ſtyt a g. Indeß, zieh mir einmal den Pelzſchuh ab— Ihr hall euch ſonſt immer uͤber meinen huͤbſchen Fuß geaͤn gert.— Das hat ein Ende!— Bruder, ich bih verdammt haͤßlich geworden. 5 Selbert. Gewiß nicht. Denn— Wanner. Keine Schmeicheley, oder ich fordt dich. Ich habe eine meſchante rothe Naſe. Selbert. Hahaha! Deine alte Paſſion. De⸗ Hochheimer?, 1 Wanner. Und guter Freunde Wohlergehen Sieh— hier glaͤnzt deine Geſundheit auch. Nuß mach— daß ich zu meiner Peruͤcke komme— N der Perücke habe ich noch ein ziemlich ehrenfeſtt Weſen.— Wie iſt es denn— es iſt eine Groß mama hier im Hauſe; darf man ihre Geſundhei trinken?— Aufrichtig! Selbert. O ja. Wenns ein Bißchen feierlich dabey zugeht. Wanner. Seelen macht der Wei immer feierlich. Bruder— der Wein iſt ein Engel fittis—er hebt uns über uns ſelbſt! Selbert. Es iſt zu viel Erde in buse— Wanner. Jetzt komm, fuͤhre mich zu meine⸗ Katze. Selbert. Das ganze Haus iſt in lachendt⸗ Verzuͤckung uͤber dieſe Katze. Wanner⸗ Hahaha! Sind ſie?, Freund, die Thiere ſind gleichmuͤthig. Wer viel betrogen iſ haͤ es thi ib— Ihr habt hen Fuß geaͤn uder, ich bih oder ich fordt Naſe. Paſſion. Der Wohlergehen t auch. Nuß komme— A ich ehtenfeſit ſt eine Groß re Geſundhel ißchen feierlich cht der Wel iſt ein Engel uns— jich zu meine in lachendt Freund, die⸗ betrogen iſt, Heer b ſtet a g. haͤngt ſich an ſo etwas. Es lebt, es bedarf unſer, es macht ſeine Kapriolen zur Dankbarkeit— So viel thun die Menſchen nicht. Selbert. werden— + 2 Deine Kabe ſoll hier Peſbektiet Wanner. Und meine Richte verheirathet?— Gut! ſo bin ich mit Nutzen gereiſet. Selbert. Wanner. Hernach. Dann aber— Ja oder Nein. Kurz. Mein Antrag iſt ehrlich— moͤglich— Davon— Steht Unmöͤglichkeit entgegen— Saun—.— Außer⸗ dem Ja! Selbert! So ſollſt du mich finden. Wanner. Brav! Zeit iſt ein theures Kapital; wenige verſtehen es anzulegen. Daher— außer guten Tag und guten— 8 von menten. Selberte Es macht ſie hier teiner. Wanner. Iſt vernuͤnftig.— Weißt du wie meine Katze heißt? Selbert. Nein. Wanner. Jupiter. Selbert. Viel Stolz! Wanner. Den hat ſie.“ feyn, was mir gefallen ſoll. Selbert. Sohn? Stolz muß alles Haha!— Und dir gefaͤllt mein 48 Herbeſttag. Wanner drohend. Wenn er dir nicht gefiele— Selbert ſchiebt ihn weg. Nun, komm nur jeh zu deinem Jupiter. Wanner. Halt!— Wart, daß ich in Gah komme. Selbert. Steht es ſo? O weh! Wanner. Freylich— o weh! Er geht ein Schritt, bleibt ſtehen, und kehrt unn. Mit alle dem kan ich doch ſagen— niemals habe ich den Franzoͤſiſche bleichen, ſchaͤumenden Revoluzionswein getrunke Nie habe ich einen Tropfen Hochheimer uͤber meiß f Lippen gebracht— wenn mir nicht vorher, k irgend eine gute Handlung, das Herz hoch an d Bruſt ſchlug. Somit gilt dieſe rothe Naſe ft ein Ehrenzeichen! Selbert. Dazu⸗ kenne ich dich! Wanner. Ich habe manchem boshaften Tel fel das Schaf der Armuth aus dem Rachen geriſſel manche Betſchweſter chriſtlich handeln machen. J. jedem Federſtriche, den ich gegen Abſichten, Fam lienbund und Richterkomplott geführt habe, WI Segen. Denn in meiner Feder war immer eil Herz, das nur den fuͤrchtet— der ihm We kann: Schlag nicht mehr! Dann gings auch dutt und durch!— Dabey bin ich nicht reich geworden⸗ aber zufrieden— nicht geliebt, aber hie und d geſegnet.——— Selbert. Das gleicht dir alles— alles! licht geftele— omm nur jet ß ich in Gah 4 Er geht ein⸗ talle dem kan Franzoͤſiſche⸗ bein getrunke jer uͤber meiß yt vorher, K rz hoch an d 'othe Naſe fl 1. boshaften Tel tachen geriſſel machen. J ſichten, Fam⸗ rt habe, wa ar immer el ähm gebiett ngs auch dutt ch geworden⸗ er hie und di — alles! RRRRREEEECECECECCE Herbſttag. 49 Wanner. Herz und Muth ſind noch beyſam— men— aber die Maſchine laͤßt nach— alſo den Hahn in die Ruhe! Ich hoͤre auf zu arbeiten, und ſuche Freundesarm. Selbert. Da! Wanner. Gut. Selbert. Und Herz, Haus und Hof dazu! Wanner. Gut. Ich bin nicht graͤmlich. Wenn ich einmal aufhoͤre, braucht euch nicht unheimlich dabey zu werden. Einige fromme Augenverdreher werden freylich ſagen:—„Der boͤſe Feind hat ihn geholt!“— Ich aber werde ein Bund von meinen ſtumpf geſchriebnen Federn unter mein Kopfkuͤſſen legen, und, glaub mir, darauf ſchlummere ich ſanft hinuͤber. Selbert weich. Hm. wie ruͤhrſt du mich!— Wanner. Was giebts?— Thraͤnen! Manns⸗ thraͤnen— mir? Selbert ſanft, ſeine Hand nehmend. Gaudèeamus igitur! Syricht es. Wanner— gute Seele, Post Sie ſind indeß Arm in Arm gegangen. post molestam senectutem, nos habe-⸗ bit tumulus! Das letztere war ſchon draußen geſungen. Wanner ſingt: Juyenes dum sumus! jucundam juventutem, Herbſttag. Heer eb ſtytag. ſt Uen ters Aülfteltte Amalie Ferſen. Marie. Erneſtih Peter voraus. Peter der die perücke trägt. Der Vater und He Wanner ſind ſchon weg. Sehen Sie. Amalie. Geben Sie mir die Peruͤcke 1. wieder. Ich laſſe mir nicht in mein Amt greiſt Des Onkels Peruͤcke iſt mein Werk. Peter. So laſſen Sie mich huͤbſch Sorgft fuͤr Ihr Werk tragen. Amalie. Zudem braucht ſie der Onkel— Ern eſtine nimmt ſie Petern weg. Gieb. So ſe0 ich die Katze. Geht damit fort. darie. Liebt der Onkel Sie ſo ſehr, als E ihn lieben? Amalie. Ja. Meine Aeltern, die ſchon lah todt ſind— hat er mich nicht vermiſſen laſſen. 6 iſt ein ſehr guͤtiger Freund, auch habe ich kein G heimniß vor ihm. Leider hatte ich einſt eine Leidl ſchaft, von der er mich fruͤher geheilt haben wuͤrde⸗ die habe ich damals verſchwiegen. Sonſt habe f mir nichts vorzuwerfen. Peter. Das gefaͤllt mir; wie Sie mir übl haupt gefallen. Püttk Erneſtih Vater und He ie. Peruͤcke u in Amt greift huͤbſch Sorgt Onkel— Gieb. So ſi oſehr, als& die ſchon laſ ſſen laſſen. ibe ich kein G inſt eine Leidt haben wuͤrde⸗ Sonſt habe Sie mir uͤbl He er ſb ſtet a g. Amalie höflich. Herr Selbert— Peter. Wenn ich das nicht glaubte, würde es nicht uͤber meine Zunge gehen. Ich glaube es aber ſo— darum ſage ich es. Nehmen Sie es nicht uͤbel. Ern eſtine kommt wieder. Peter. Manches junge Frauenzimmer wuͤrde vor Kummer vergehen, wenn ſie mit eines Onkels Peruͤcke in der Hand in ein fremdes Haus gehen ſollte. Wie Sie ausſtiegen, habe ich auch daruͤber gelacht— aber als ich Sie mit ſo netten Schrit ten— die Augen immer ſorgfaͤltig auf die Perücke geheftet, auf das Haus zugehen ſah— hat mir das gleich ſehr wohl gefallen. Amalie. Das freut mich⸗ Petet. Wahrhaftig, es hat mir gefallen; denn ich ſah gleich, daß Sie den alten Mann lieb haben muͤßten, weil Sie es von Herzen gern thaten. Marie. Auch ſind wir gleich ſo vertraulich zuſammen geweſen. Obſchon wir Briefe gewechſelt haben, wuͤrde das doch nicht ſeyn, waͤre nicht etwas in Ihrem Weſen, darum man Ihnen von Herzen gut ſeyn muß. Erneſtine. Gedacht habe ich das auch, aber ich wußte nicht, wie ich es ſagen ſollte. Amalie. Liebe Maͤdchen— liebe Freundin⸗ nen— Sie umarmt beide. Peter. Da haben Sie Recht. Seyn Sie Freundin von den Maͤdchen. Meine Schweſtern 31 5 2 Herbſttag. ſind recht gut.— iemen Sie ſie immer no⸗ einmal. Amalie umarmt ſie. Von Herzen. Peter. So. Das iſt huͤbſch. Wenn abh meine Schweſtern nun geſagt haͤtten—„ich wäl auch ſo uͤbel nicht;“ das waͤre vernuͤnftig. S haͤtten denn vielleicht geſagt—„Das glaub' ich oder ſo etwas; dann haͤtte ich Ihre Hand kuͤſſe duͤrfen.— Ama lie verlegen. Lieber Herr Selbert— Pieter. Nennen Sie mich nicht—„Lielt Herr,! denn ich nehme alle Menſchen beym Wot und noch kann ich Ihnen nicht lieb ſeyn. Amalie. Da haben die guten Leute nun aal eine vortheilhafte Meinung von mir. Wie welh ich die ebhalten koͤnnen? Peter. Ja! Sie werdens. Ich ſtehe dafl Ich wette unſern beſten Acker— Sie ſind ſo, in Sie ſcheinen. Sie haben etwas gar Ehrlichl in den Augen; denn alle Ihre Blicke gehen geradt wo ſie die Seele hinſchickt.— Es ſind weder hal, noch Viertelsblicke, die ſchoͤn laſſen ſollen. E ſteht allemal darin— ſo meine ich es. S. haben auch ein recht huͤbſches Auge. Fuͤrwah man wird recht gut geſinnt, wenn man th lang darin beſieht. Amalie. Liebe Marie, ich muß Ihnen ſihe daß ich das mit Freuden—5 ſag der ie immer not Wenn ab n—„.ich waͤll nuͤnftig. S. as glaub' ich/ e Hand kuͤſſe delbert— cht—„Lielt n beym Wotz ſeyn. Leute nun al r. Wie welh ch ſtehe dafll ſind ſo, w gar Ehrlichl gehen geradl d weder hall nſollen. ich es. S e. Fuͤrwah⸗ man ſich lan Ihnen ſahe He r b ſtetea g⸗ 53 Peter. Siehſt du, Schweſter, wie gut! Da haͤtte nun manche die Augen feſt zugedruͤckt und von der letzten Redoute, oder ſo etwas geſprochen. Es freut mich, daß Sie es gern hoͤren, was ich ſage. Man ſoll immer mehr ſagen als man denkt— das iſt Suͤnde— aber die Welt will betro⸗ gen ſeyn, ſagt unfre Großmutter. Amalie. Gehen wir nicht zu ihr? Marie. Jetzt zieht ſie ſich an. Erneſtine. Und da duͤrfen auch wir nicht zu ihr. Peter. Sie iſt eine gute alte Frau— aber auf mich haͤlt ſie nicht viel. Amalie. Warum das nicht? Peter. Ich ſoll ihrem Schwager gleich ſehen, den hat ſie nicht leiden koͤnnen. Marie. Bey ihr ſpricht er nicht viel.— das mißfaͤllt ihr— ſie iſt lebhaft. Peter. Wovon ſoll ich mit ihr reden? Die alten Zeiten habe ich nicht gekannt; gute Lehren— nehme ich hin, und damit gut. Erneſtine. Wenn du nur halb ſo artig mit ihr ſpraͤcheſt, als mit Mamſell!— Da kannſt du doch reden. Peter. Ey— die Mamſell iſt auch keine Großmutter. Amalie. Dem Dinge viel Gutes. Sie wer⸗ den mich auch oft von alten Zeiten ſprechen hoͤren. 54 Hevbſttag. Peter. Thut nichts— Sie ſind neu. Wifß der Himmel, Sie ſind allerliebſt. Wie ſchoͤn muͤßtyh12 Sie nicht erſt ſeyn, wenn Sie ſo ſchlichtweg ang 8 zogen wären, wie meine Schweſtern! 9 Erneſtine. Dann haͤtte ich noch mehr Mul das mit Ihnen zu reden. Hoͤr Amalie. Dieſe Moden, mein Kind, ſill du ein Fuͤrwort für unſre Figur, und wenn man ſiz dich bewußt iſt, es zu beduͤrfen- Peter. Nein, nein! Ihr liebes Auge da 138 braucht die Thuͤrme und Fahnen nicht uͤber ſich.“ 85 Amalie. Wir wollen ſehen— auf den Abend⸗ wenn Marie mir einen Anzug leihen will.— 2 Marie. Das wlll ich— und dann werden& But die Führerin unſerer Freuden am Herbſtfeſte. 9 Erneſtine. Ach ja! muß hat Marie. Sie erzeigen mir damit eine Freut 181— eine Wohlthat— Ich fuͤhle mich nit 105 azu— Amalie. Haben Sie Kummer? Marie drückt bedeutend ihre Hand. Peter. Der Himmel weiß, was es iſt! G dauert mich. Sonſt— ehe ſie in der Stadt wi ſprang ſie uͤber Bach und Buſch— ſeitdem aber⸗ —— Diort haben ſie ihr Buͤcher gegeben; i 0 lieſt ſie, und weint; ſie geht nicht mehr, ſie ſchleih ihre Roſenwangen ſind weg— ihre Haͤnde ſind kal 110 ic0 und wenn man ſie anſieht, weint ſie. PPCCCCCCCCCCCCC00C· Heeer bſttang⸗ 55 ud neu. Wiß Erneſtine. Ja, ja— der Bruder hat Recht. e ſchoͤn muͤßtyh Amalie iu Marien. Hat er? lichtweg angt Marie umaemt ſie und weint. Peter. Sehen Sie, ſo iſt ſie immer. Wenn ch mehr Mul das ſo fortgeht, muß ſie, weiß Gott, ſterben. Hoͤre Marie— ſieh mich an— ich weiß wohl, daß Kind, ſi du weinſt— aber ſieh darum nur her. Vertraue dich der Jungfer an. Wenn du ihr ins Auge ſiehſt— mußt du aufrichtig ſeyn— denn ſie iſt gut. Helfen Sie ihr, liebe Jungfer; meine Schweſter iſt herzens⸗ gut, und ich habe ſie gar lieb.— Ich will gehen— Darf ich wohl Ihre liebe Hand kuͤſſen? wenn man ſi es Auge da⸗ t uͤber ſich. if den Abend⸗ f Amalie reicht ihre Hand ihm zum Einſchlagen hin. will.— „ 1 inn weiden Guter Bruder! bſtfeſte. Peter küßt ſie. Nun reden Sie mit ihr. Ich muß gehen, dem Geſinde nachſehen.— Der Vater hat gar einen großen Haushalt. Darf ich Ihre Hand— Ja ſo— ich habe ſie ſchon gekuͤßt. Nun reden Sie mit ihr. Komm, Erneſtine. Sie gehen ab. it eine Freuſh ühle mich nit 2 * Zehnter Rürfteitt. bas es iſt! G der Stadt wi 8 ſeitdem aber⸗ Marie. Amalie. gegeben; ni hr, ſie ſchleihl Marie. Ja— ich wuͤnſche mich Ihnen anzu— Häͤnde ſind ln vertrauen. Ich ſehne mich nach einer Seele, die mich leiten und troͤſten kann. 56 Heer beſtta g. Amalie. Freundin— laſſen Sie Scelengleit heit den Mangel der vieljaͤhrigen Freundſchaft g ſetzen.— Sie haben den Zug des tiefen Leidens— Marie. Ich leide— Amalie. Verborgen? Marie. Ja! Wem ſollte ich mich hier el decken?— Wenn meine Leidenſchaft nicht ſtrafl. iſt— ſo iſt ſie thoͤricht. Amalie. Sie lieben? Marie. Ich ſtehe am Abgrunde, retten& mich. Kein Augenblick iſt zu verlieren. Ich f einem andern meine Hand geben. Amalie. Sollen? Armes Kind! Marie. Ich will— mein Gewiſſen rell und mein Herz zerreißen! Ich will mich opfen um meine Thorheit, mein Unrecht gut zu macht Nur daß ich den Muth behalte— daß— ich in opfre, daß ich nicht zuruͤck falle— nur dahin lelſ Sie mich. Staͤrken Sie mich, zeigen Sie n meine Pflicht, ihren Lohn.— Laſſen Sie mich ell ſeyn— ſterben, nur erhalten Sie mir die Wuͤl der guten Tochter! Freundin— Schweſter— kl mich vor meiner Schwaͤche. Ich ſehe auf dein Geſichte, daß auch du gelitten haſt, und Rettll fandeſt, ich ſehe, daß du mich begreifſt, duldeſt. Mein Herz iſt leichter, da ich an dem deinen al weinen kann. Amalie. Ich will, was eine Schweſter verm Wen lieben Sie?— ind E; ie Seelengleit Freundſchaft g⸗ en Leidens— mich hier en t nicht ſtrafhe nde, retten& ieren. Ich f Lind! Gewiſſen rel ll mich opfeyz⸗ zut zu macht daß— ich i nur dahin lelſ zeigen Sie u Sie mich ell⸗ mir die Wuͤh hweſter— t ſehe auf deinſ t, und Rettll ifſt, duldeſt. )em deinen al hweſter vermn Heer b ſtot a g. 57 Marie, Den Freyherrn von Lechner Amalie betroffen. Von Lechner? Marie. Er liebt mich uͤber alles, iſt— Amalie. Von Lechner? Marie. Iſt hier auf der Jagd. Amalie. Iſt hier? Marie,. Und wird heute Mittag hier ſeyn, indem ich— Amalie. Sammeln Sie Sich. Dieſer Lechner— Marie. Indem ich einem andern meine Hand geben ſoll! 8 Amalie. Dieſer— naͤmliche Lechner hat mir einſt meine Ruhe, faſt das Leben gekoſtet. Er iſt ſo ſehr— Elfer käfkzitt —— Erneſtine. dernoch Andreas and Peter. Die Vorigen. Erneſtine⸗ Schweſter, die Jagd kommt— Andreas. Die Jungfer moͤchte herunter kom⸗ men. Er geht ab. Peter. Mein Vater kommt— Marie. Ach Gott, nur jetzt laß mich ihn nicht ſehen— Meine Thraͤnen erſticken mich. * ——AKAAKA— 5 8 Her bſttag. Amalie. Kommen Sie, Kleine— ſtellg 9 Sie mich Ihrem Vater vor.— Bleiben Sie noth zehr Herr Selbert.— Marie— Ihr Engel hat miſ We geſendet! Sie geht mit Erneſtinen ab. freu Peter. Wie iſt dir? Weine nicht.—— Dl arm Jagd kommt— du mußt hinunter; laß nicht ſehe Auge daß du geweint haſt. Vyrk Marie. Bruder! Sie unfaßt ihn vol Wehmuth. Peter. Ich will auf mein Tuch hauchen— halt es an deine Augen. Er thut es. Marie trocknet damit ihre Augen ab. Ich danke di Peter. Lieber Gott! koͤnnte ich nur dit Seele ſo erfriſchen wie deine Augen! Marie. O das thuſt du. Man hört nahe Fanfare blaſen. Peter. Hoͤrſt du? Sie ſind es— Marie. Ich hoͤre— Ewig werde ich di hoͤren! Peter. Da ſind ſie.— Sieh— Fritz un Herr von Lechner zuſammen. Fritz gefaͤllt mir del beſſer. Weine nicht— es entſtellt dich. Ich moͤchl daß du aller Welt gefieleſt. ˖ Marie. Ich will niemand mehr gefallen. Peter. Sie ſind doch wohl gluͤcklich geweſen⸗ ſie blaſen die Todtenfanfare. Marie. O daß ihr Schall uͤber mein Gll wegginge!— Dann waͤre ich gluͤcklich, und 6 10 alle. Sie geht ab. Heeebd ſt g 59 kine— ſtelß Peter alein. Es iſt etwas in ihrem Herzen, das —ç Sie noh zehrt ſie ab— und ſie wird wohl daran ſterben! Engel hat nit Wenn du zu der Mutter gehſt, Mariechen, dann freuet mich das Leben auch nicht mehr.— Ach mein icht.—— Dl armes Mariechen! eEr wiſcht ſich eine Thräne aus dem laß nicht ſeheſ Auge, und geht ab. Die tiefen Töne der Fanfare ſchließen. Der Vorhang fällt. voll Wehmuth, ich hauchen Ich danke di ich nur dil en. — werde ich d — Fritz un gefaͤllt mir del ch. Ich moͤchl r gefallen. cklich geweſen⸗ ber mein Gil cklich, und i —:çFA—-- ————— Dritter Aufz ugte went ſchlie 8 Him Erſter Auftritt. ſchor weit N Wanner. Frau Saale Tode allen Wanner. Kommen Sie voraus, mit in an Garten, da will 4 Ihnen alle meine Proß zwey erzaͤhlen- Inbr⸗ Frau Saaler. Davon mir das ſehr liel fruͤh wenn Sie hier bleiben wollen.— Sehen Sie, 8 hier ſollte Ihr Wohnzimmer ſeyn. laſſet Wanner. Schoͤne Ausſicht! Hier das Klder? feld— die kleine Anhoͤhe mit Buſchwerk im Gi de— die Landſtraße unter dem Fenſter! ſo li Frau Saaler. Landſtraßen ſehe ich ſehr gell Tode Wanner. Sie ſind unterhaltend. ſo he Frau Saaler. Und erbaulich. ſer ſt Wanner. Erbaulich? Gebrechliche Landſten gelbe kenne ich genug, erbauliche wenig. und Hierr b ſtet a ge 61 Frau Saaler, So meine ich es nicht. Wenn ich ein großes Stuͤck Landſtraße vor mir ſehe— faͤllt mir allemal der Lebensweg dabey ein. Wanner. Hahaha— ah— ſo— ſo! f z u Frau Saaler. Da wird mir es wohl, wenn ich auf das Zuruͤckgelegte noch einmal hinſehe— wenn mir dann vorwaͤkts eine Hoͤhe den Blick ver⸗ ſchließt, daß ich nichts mehr ſehe, als Frucht und Himmel— ſo gedenke ich dabey der Lieben, die ſchon hinuͤber ſind, und freue mich, daß es nicht ſo weit mehr iſt. ikk. Wanner. Aha!— Sie ſcharmieren mit dem Sa ale Tode? Das kann ich nicht. Mir iſt und bleibt er allemal eine extra unhoͤfliche Erſcheinung. Da wird man weggerufen— oft ſo vom erſten Glaſe, der zweyten Bouteille— und ich— unter uns, fuͤr morgen Mittag geſagt— bin kein Freund von allzu das ſehr liel fruͤhem Tiſchaufheben. Sehen Sie, aus, mit in meine Pro Frau Saaler freundlich. Will mirs geſagt ſeyn laſſen. Bedenklich. Aber der Tod, Herr Lieenziat— Hier das Kder Tod—— ſchwerk im G⸗ ſter! Wanner. Ey um alle Welt, wie moͤchte ich ſo lieben alten Wein im Keller haben, und vom he ich ſehr geh Tode ſprechen! Wenn die Sonne noch ſo hell und end. ſo hoch am Himmel ſteht, und in die gefuͤllten Glaͤ—⸗ ich. ſer ſo neidiſch hinein ſticht— als wollte ſie dem gold⸗ hliche Landſten gelben Wein wieder nehmen, was ſie ihm vor vier und vierzig Jahren geſchenkt hat— 62 Heerb ſtet a g. Frau Saaler. In unſern Jahren, Hert Licenziat— Wanner. Muß man ſich vor dem Tode i! Acht nehmen. Kommt der letzte Termin, und der grießgrame Kerl will mir keine Friſt mehr dekretie ren—— nun, ſo bin ich auch da. Daß ich ihm aber vorher die Cour machen ſollte— daraus wird nichts.— Weil wir aber doch von Landſtraßen rede⸗ ten— ſo muß ich Ihnen ſagen— ich bin dankbar, wohlwollend— alles was ein Kerl ſeyn muß, der den Ted nicht fuͤrchten will, wenn ich auf der Lebensſtraße ſolche Menſchen finde, wie ihr ſehh. Her und— Frau Saaler. Freut mich, Herr Wanne⸗ freut— Wanner. Und ſolche Kuͤchen, wie Sie beſtel len. Nun mag Selbert mit meiner Nichte plal dern— kommen Sie in den Garten. Lieber geh⸗ ich Ihnen den Arm, als manchem Maͤdchen vol Her ſechzehn Jahren— Frau Saaler. Hm!— Vielleicht gehen Si ungern in den Garten— 9 Wanner im Geben. Sehr gern, ſo lange dl Sonne ſcheint, und Sie nicht vom Tode ſpreche wollen. Sie gehen ab. 2 8 2 8 72 ˙ ⏑⏑ 152 72 2 28 PWWGGGGWW Heſr: bſt t.a g· 63 zren, Hert 3 Weihhtee äfü( m Tode iß u, und det hr dekretie⸗ Jaß ich ihm araus wird Von Lechner. Bleiben Sie traßen rede⸗ in dankbar, muß, der Von Lechner. Nur einen Augenblick.— ch auf de:' Matie. Mein Vater will uns dahin folgen, e ihr ſehh. Herr von Lechner. 1.— Marie. Herr von Lechner. Marie will weiter. In den Garten— Von Lechner. Herr von Lechner? er Wanne Marie. Mein Vater folgt uns. Von Lechner ſanſt. Nicht mehr Ihr Karl? Si i Sie beſte Marie feſt. Nein! ichte plal Lieber geh⸗ Von Lechner. Karl— der Ihr Bild auf dem aͤdchen vi Herzen traͤgt, ſo wie er Sie— Marie. Geben Sie mir es zuruͤck. t gehen Si Von Lechner. Fuͤr wen? Marie. Ich bin Geiſers Verlobte. ſo lange dit Von Lechner. Meineidige! ode ſprechel Marie. Meineid gegen Sie— iſt Tugend. Von Lechner. Marie! Marie. Wohl mir, daß ich das weiß!— Meineid gegen Sie, iſt Tugend. Von Lechner. Wer ſugt das? 64 Her beſttag. arie. Eine Betrogne. Von Lechner⸗ Sie ſagen es nicht? Marie. Fuͤhlen Sie Sich? Pauſe. Von Lechner. Ja, Mariens und meine werth. Marie. Wodurch? Von Lechner. Durch Schweigen. Pauſe. Sind Sie mit Geiſern verlobt? Karie. Vor wenig Stunden durch mein Wort— ſeit kurzem durch mein Herz! Von Lechner⸗ Nicht in der Form— ſo ſd Sie noch zu retten! Marie. Wovon? Von Lechner. Von einem unverſohnlichen Feinde. Marie. Ich kenne keinen, als— Von Lechner. Sich ſelbſt. Marie. Warum dieſe Wendungen, da ich Sie kenne— Von Lechner. Seit kurzem— Marie. Ja. Von Lechner. Ich kann das reimen. Amalie Ferſen— Marie. Kann diefſer Name ohne Erroͤthen uͤber Ihre Lippen gehen? Konnten Sie ihren Blich ertragen? Nun— nachdem Sie ihn genannt habeh, nach da ie haben Laſte noch trage Tuge zwin, frech. wage aͤchtli V M V Ihre M V M V. Liebe. mir k viel macht Ihr? M Wart ſtande VI klager Herb Ker beſt t a 3 65 nachdem ich ihn genannt habe— Amalie Ferſen— 7 da ich weiß, wie Sie dieß gute Maͤdchen getaͤuſcht haben, wie nur die Staͤrke ihrer Seele ſie vor— Laſter und Verderben retten konnte— ſind Sie noch im Stande, den Blick eines Maͤdchens zu er⸗ d. meiner tragen, deſſen⸗ Liebe Sie nie verdienten, und deſſen Tugend Sie demuͤthigen muß?— Ich ſehe, Sie zwingen den Blieck auf mich— aber er iſt ſtarr und üuſt“ Sind frech. Den Seelenadel der Unſchuld kenne ich. Sie wagen ihn nachzumachen— und ſind mir ver⸗ aͤchtlich! Geht. Von Lechner. Marie— Marie. Fort— 8 urch mein — ſo ſind Von Lechner. Gleich!— Kommien Sie zu Ihrem Vater. Marie ſtutzt. Zu meinem Vater? rſoͤhnlichen Von Lech ner. Ja⸗ Marie. Zu meinem Vater? Von Lechner. Ich habe ſo viel Ehre als Liebe. Sie muͤſſen erfahren, ob die Liebe, die Sie n, da ich mir bisher geſchenkt haben— und die— nür zu viel fuͤr meine Ruhe, das Gluͤck meines Lebens machte— einem Manne von Ehre widerfuhr— Ihr Vater entſcheide. n. Amall Marie. Sie wiſſen, daß ich das nicht kann. Warum ſoll ich laͤnger die Wendungen Ihres Ver⸗ Ertöͤthn ſtandes auf Koſten Ihres Beczehs bewundern 7 ihren Bli Von Lechner. Sie koͤnnen. Geſtehen Sie— klagen Sie mich an— Sie haben ja Verdiauſß Herbſttag. 5 innt haben, 65 Herbſttag. wenn Sie auf meine Entfernung dringen. Behlt ren Sie auf der Verbindung mit Geiſern, Grau, ſame!— nur laſſen Sie mich als Mann von Ehn vor Sich ſtehen! Iſt es Troſt, den zu verachteſ, den man nicht mehr lieben will, und haben Sit mit der Liebe zu mir, auch dem Edelmuth Ihlſ Seele entſagt? Marie. Herr von Lechner— Von Lechner. Ach, Marie, Sie, die ich— Doch, was ich aus der Fuͤlle meines Herzens ſagen moͤchte— wollen Sie nicht mehr hoͤren! Sd laſſt Sie mich denn kalt fragen— Was beſchließen S über meine Ehre? Pauſe. Narie. Koͤnnten Sie Sich gegen Amali rechtfertigen? Von Lechner. So wuͤnſchen Sie doch mes⸗ Rechtfertigung? Marie. Sie beantworten meine Frage nicht⸗ Von Lechner. Ob ich mich vor Amalien rei fertigen kann?— Ich will mich rechtfertigen. Marie. Das wollten Sie? Von Lechner. Ja. Was bin ich Ihll dann? Marie tieſſinnig. Lechner! Von Lechner. Wenn ich mich gerechtfertl. habe— was ſind Sie mir dann ſchuldig, Mariel Marie. Sie— oder Amalie— eines taͤuſt mich— N V ſuche Gelie M V ich J mich ich w zu A M und V Schn zu ſck M V nichte mir M 5 konnt Sie dieſe Dieſe macht gegen Her b ſt' t' a 9 67 u. Behal, Von Lechner. Wer? rn, Grau Marie. Herr von Lechner! nvon Eh Von Lechner. Wollen Sie es nicht unter— verachtel, fuchen— ſo ſind Sie eine waͤrmere Freundin als haben St. Geliebte! Ahr muth Ihil Marie. Ich bin Geiſers Verlobte. Von Lechner. Sie ſind es— und noch machte ich Ihnen keinen Vorwurf. Sie ſollen nie durch die ich— mich leiden. Ich will Sie nur uͤberfuͤhren, daß erzens ſagen ich werth bin, um Sie zu leiden— Kommen Sie 8 0 zu Amalien. Marie. Das koͤnnten Sie— das wollten Sie, unnd ertrugen meine Vorwuͤrfe? en Amali Von Lechner. Mit Schmerz!: Und den e doch mel Schmerz ertrug ich maͤnnlich— um Weiblichkeit zu ſchonen! Marie. Weſſen Weiblichkeit— Von Lechner. Amaliens. Doch nun bleibt nichts mehr uͤbrig, mich zu retten; alſo— was es mir auch koſtet— kommen Sie zu Amalien. Marie. Pauſe. Amalie liebte Sie? ich Ihi Von Lechner. Mehr, als ich erwiedern konnte.— Sie reißen dieß Geſtaͤndniß aus mir. Sie iſt ein vortreffliches Geſchoͤpf, warum muß gerechtferll dieſe Leidenſchaft ſie uneins mit ſich ſelbſt machen! ig, Matiel Dieſe Eiferſucht, die jeden andern begluͤcken muͤßte— eines taͤuſ macht das Ungluͤck meines Lebens, da ſie Marien gegen mich erbittert hat. rage nicht⸗ malien reih rtigen. 68 Heer beſttag- Marie. Wenn Amalie mich hintergangen hot — wenn Sie unſchuldig ſind— 105 Von Lechner. Soll ich Sie uͤberzeugen? Angt Marie. So liebt ſie ungluůͤcklich, und ich wil legen ſie nicht demuͤthigen. daß f Von Lechner. Das iſt gerecht und edel.—Wu ſoll a Marie das auch gegen mich, als ſie ſich mit Geiſen in de verlobte— da ſie mich noch fuͤr ſchuldlos hielt? geber Marie. Karl! n V Von Lechner. Du liebſt mich! Marie. Grauſamer— V Von Lechner- Willſt du um deine Jugei M dich betrügen— um alle Lebensfreuden? V Marie. Mir bluͤhen keine mehr! M Von Lechner⸗ Willſt du geloben, was hHeili nicht halten kannſt? gehſt Marie. Was kann ich, was ſoll ich— V Von Lechner. Deinem Herzen folgen. reden Marte. Und— M Von Lechner. Mich glücklich machen! 115 Marie. Karl! Ich ſtehe zwiſchen Tod ul bis ie 1 5 Leben— betruͤge mich nicht! tigt h Von Lechner. Marie— 5 M Marie. Bekenne dich meinem Vater!“ Von Lechner. Zur feurigſten Liebe— mich, Marie. Zu meinem kuͤnftigen Gatten bekenl M dich. Wenn du das gethan haſt— dann will(. P. 7. gangen hat zeugen? ind ich will del.— Wet nit Geifern s hielt? ine Jugei 7 n, was ſ. ch Agen.“ ichen! n Tod uſ ter! tten bekenſſ ann will ih Her ſb ſtetea g⸗ 69 hingehen, und ſein ernſtes Auge erdulden, ſeinem naſſen Auge will ich mich entgegen ſtellen! Die Angſt, die Zweifel, womit er meine Hand in deine legen wird— will ich uͤberſtehen. Die Thraͤne, daß ſein liebes Maͤdchen ihn hintergehen konnte— ſoll auf meinen Scheidel fallen— und doch will ich in deine Arme eilen— Mehr habe ich dir nicht zu geben— das will ich dir opfern, nimm es Von Lechner. Auf meinen Knieen— Marie. Und ſchaͤtze es- Von Lechner. Ewig! Marie. Sonſt haſt du mich gemordet. Von Lechner. Marie! Marie. Denn das beſchwoͤr' ich dir, bey dem Heiligthum meiner Tugend— wenn du mich hinter— gehſt— ſo will ich nicht mehr leben. Von Lechner. Ich will mit deinem Vater reden. Marie. Wann2 20 Von Lechner. Heute noch. Nur— der Voll— zug unſerer Verbindung wird noch anſtehen muͤſſen, bis ich mit meinen Verwandten einige Dinge berich⸗ tigt habe. Marie. Berichtige ſie. Von Lechner. Endlich gluͤcklich!— Umarme mich, Marie— Marie weiſet ihn zurück. Nicht ſo— Von Lechner. Wie? Noch immer— 70 Heer boſtet a⸗g, Marie. Der Zuſtand zwiſchen Tod und Leben! Biſt du edel— ſo ruft mich deine Hand ins Leben. Kannſt du mich betruͤgen— ſo— merke dir es— bey dem Heiligthum meiner Tugend— hoͤre es jetzt und immer— in der letzten Stunde deines Lebens, wie du es in der erſten Stunde deines Gerichts hoͤren wirſt— kannſt du mich betruͤgen, ſo will ich nicht mehr leben! Auf Wiederſehen, Karl. Von Lechner. Wann? Marie. Vor dem Altare, oder in der Ewigkeit! Sie geht ab. Diitee füiferſttt. Von Lechner alein. Was hab' ich da gemacht?— Fuͤr eine Avantlll wird das zu ernſthaft. So kanns nicht bleiben und anders?— Nein wahrhaftig! dazu iſt da⸗ Maͤdchen zu gut. Ehrlich kann ich nicht handell. dagegen ſchreyen Konvenienz, Plan und Ausſicl meines Lebens. Und ſchlecht?— Das wird mit doch ſauer gegen Sie.— Wie komm' ich da m Ehren durch? Wie ſpiel ich den Roman zu Ende, ohne ſie offenbar zu beleidigen? Wenn ich bey den Bruder ſelbſt den Roman untergruͤhe—— Ja, jal! Da verloͤr' ich nicht in ihren Augen, und handellt zugleich halb und halb ehrlich.— Freylich, den Vaten beym men l ich ha der. Ve von n Fr Ve Herr; ern— Amtn wenn nehme Fr Vo machte Ritt z in unf Fr nd Leben! ns Leben. dir es— re es jetzt 's Lebens, Gerichts o will ich Ewigteit! t t. Avantuüͤt t, bleiben zu iſt da⸗ t handell, d Ausſigt wird mit ch da mi zu Ende, ch bey den 3 Ja, jal d handeltt hlich den R He erbeſtteargn 7 Vater anſprechen; das geht nicht. Er koͤnnte mich beym Wort nehmen, und kann ich mich dabey neh— men laſſen?— Unmoͤglich! Alſo ſie muß glauben, ich habe Wort gehalten— indeß— Ah, der Bru⸗ der. Wie gerufen! Viettenr Rüfteire Fritz. Von Lechner. Fritz. Man hat Sie allein gelaſſen— Von Lechner. Mamſell Marie ging eben von mir. Fritz. Sie muͤſſen die Zeit lang finden. Von Lechner. Nicht im geringſten. Ihr Herr Vater wuͤnſcht ſehr den Wieſenpacht zu erneu⸗ ern— Ich erwarte hier noch den Bericht meines Amtmanns, und es ſoll mich wahrhaft erfreuen, wenn ich den redlichen Mann verbinden kann. Ich nehme ſehr viel Theil an— Fritz! Ich bin— Von Lechner. Kein Kompliment.— Warum machten Sie nicht einmal von der Univerſitaͤt einen Ritt zu mir heruͤber— ohnehin, da Mamſell Marie in unſerer Stadt war? Fritz. Ich mochte die Zeit nicht— Von Lechner! Pſt— die huͤbſche Wimtet mannstochter— ich weiß davon. Fritz. So bitte ich Sie— hier nicht davon— Von Lechner. Verſteht ſich. Dergkeichen Scherze ſind allemal uͤbel angebracht.— Es iſt abet ein vortreffliches Maͤdchen— und ſehr geſcheidt. Fritz. Brechen wir davon ab— Von Lechner. Auf dem naͤmlichen Wege, Ihre Schweſtern ſind allerliebſte Maͤdchen. Fritz. Sehr gewoͤhnliche— Von Lechner. Die aͤlteſte— hat ein feinet, raſches Gefuͤhl. Frätz. Sie haben ſie kennen gelernt, als„ dort Von Lechner. Ja. Ich war ſo gluͤcklich damals etwas bey ihr zu gelten.— Ich dachte, ſe haͤtte das laͤngſt vergeſſen— Fritz. Einen Mann, wie Sie, vergißt— Von Lechner. Kein Kompliment.— Ja— ich war wirklich frappiert, ſie noch ſo wütg ff mich zu finden. Fritz. Doch nicht unangenehm frappiert? Von Lechner. Hm— das beantworte ihe Schoͤnheit— ihr Feuer— ihr Verſtand. Ich ge⸗ ſtehe, Herr Selbert, waͤren die ungluͤcklichen Vor uͤrtheile nicht— ſtaͤnde nicht hier und da Verluſt der Revenuͤen darauf— ſo eine 55 wuͤnſcht ich mir zur Gattin— * Ehe Ver 8 2 meit mit Gluͤ leich fuͤr in il 8 Hetbſit 73 eZimmet,—Fritz. Das begreife ich. Von Lechner. Es muͤßte eine paradieſiſche t davon= Ehe werden. Aber der Weiſeſte muß hiet und da Dergleichel Verhaͤltniſſe ehren.— die, die— Es iſt abel Fritz. Natürlich— natuüͤrlich! zeſcheidt. Von Lechner. Wirklich muß daher ein Mann meines Standes doppelt behutſam in der Sprache hen Wege⸗ mit jungen Buͤrgermaͤdchen ſeyn. Hat man das n. Gluͤck— ungefaͤhr— zu gefallen— ſo nimmt ſehr leicht ein junges Maͤdchen allgemeine Artigkeiten ein feineſ fuͤr Erklaͤrungen— iſt im Stande, eine Leidenſchaft in ihrem Herzen zu faſſen— die— die— 0 nt, als ſ Fritz. Wollen Sie mir damit etwas— Von Lechner. Herr Selbert, Sie ſind ein o gluͤcklich vernuͤnftiger Mann— bdachte, 0 Fritz. Genüg!— Meine Schweſter— 15 Von Lechner. Wirklich hat das gute Kind rgißt— 2 2 eeine Leidenſchaft fuͤr mich— hegt gewiſſe Ideen— i „gZütig fit Fritz. Herr Baron, geben Sie mir die Ladung 8 5 auf Einmal— piert? Von Lechner. Es iſt begreiflich, daß ich ihre worte ihte Nelgung mit Artigkeit, mit Dankbarkeit aufnahm.— Ich 9e. Daraus entſtand— wie ich hier und da merke— lichen Vol, in iht die Erwartung einer Verbindung.— Sie ba Berluſt verfaͤhtt mit moͤglichſtem Anſtand dabey.— Da aber n wünſcht die Sache nicht wohl Statt haben kann— Fritz. Verſteht ſich— 74 Herbſttag. Von Lechner. So halte ich es fuͤr Pflicht— ihr Gluck nicht zu ſtoͤren, Ihnen einen kleinen Fin⸗ gerzeig davon zu geben. Fritz. Den ich nützen will— Von Lechner. Sie werden ohne meine Erin— nerung die Delikateſſe haben, mich aus dem Spiel zu laſſen, und alles fuͤr eigne Bemerkung ausge⸗ ben; wie es Ihnen denn nicht entgehen kann, wenn Sie Acht geben wollen. Am beſten iſt es, Sie reden von weitem mit ihr— uͤber das Elend unglei⸗ cher Verbindungen— Fritz. Dieß Kapitel liegt mir ſo nahe—— Ich danke Ihnen, Herr Baron, ich danke Ihner herzlich. Von Lechner. Sie verſprechen mir, den Herrn Vater nichts davon zu ſagen? Fritz. Wenn meine Schweſter ſich. betraͤgt.* Von Lechner. Ihr ſelbſt— wenigſtens Heul nichts. Fritz. Das verſpreche ich nicht. Von Lechner. Ich werde heute Abend noch wegreiſen, und Sie werden— das Vertrauen ſetzk ich in Ihre gute Lebensart, mich— als einen jun⸗ gen Mann— nicht ſo gegen Ihrer Schweſter uͤbet ſtehen laſſen wollen. 458 Fritz. Nun— ſeyn Sie ruhi. Pflicht einen Fin⸗ eine Erin dem Spiel ing ausge⸗ ann, wenn tes, Sie ind unglei⸗ ahe—— ike Ihnen mir, den h darnach ſtens heutk bend noch rauen ſeßzt einen jun veſter uͤbern Her bſttag. 73 Von Lechner. Ferner begreifen Sie, daß ich die gewoͤhnlichen Hoͤflichkeiten— und Abends vor Abſchied noch einen Beſuch bey ihr machen muß: denn— Fritz. Ja doch. Von Lechner. So verlaſſe ich mich alſo auf Ihre vernuͤnftige Conduite. Fünftterr Auftritt Vorige. Wanner. Wanner. Kurioſe Menſchen ſeyd ihr. Da gehe ich mit der Großmama im Garten herum— ſo lange— daß ich alle Kraͤuter auswendig weiß, und wozu ſie dienen, und wem ſie ſchon gedient haben— alles das weiß ich auswendig, und kommt doch nicht. Von Lechner. Laſſen Sie uns hinunter zum Kaffee gehen, Herr Selbert— Wanner. Um ihn böftch warm zu erhalten, hat ihm die alte Dame ein geſticktes Nachthaͤubchen aufgeſetzt, in Geſtalt eines Babyloniſchen Thuͤrm⸗ chens. Nun ſo cgeht ihr Menſchenkinder— ich habe meine Kompetenz. Fritz und Lechner gehen ab. Wanner. He da— Er klingett. Hkotabsſtzttangs Sechster Auftriet. Wanner. Andreas. Wanner. Freund, rufe Er Seinen Herrn. Andreas. Ganz wohl. Sonſt wollte ich nut ſagen— wer mich verlangt, muß dreymal ſchellen. Er geht ab. Wanner. Ein Zeichen, daß du der Langſamſt⸗ biſt!— Alſo eine Heirath will ich ſtiften?— Hü — ich bin ſo leicht hergefahren— und nun— wih mir es doch warm ums Herz! Warum?— Ich halt Unrecht.— Ich meine es gut, ich ſehe es als git an— damit holla! Das Kluͤgeln macht nicht gluͤch lich. Iſt es gut— ſo gieb dein Gedeihen— du= der du deine Menſchen gern froh und gluͤcklich ſiehf Iſt es nicht gut— ſo laß mir kein einzig Wort g rathen, was uͤber meine Zunge kommt. Sel 6 i t t. Herrn. llte ich nut ial ſchellen. Langſamſt⸗ n?— H un— wi Ich hal es als gil nicht gluͤch 1 dus cklich ſiehf. 9 Wort ge⸗ Heer ſb ſt et'i a g Seieenkfetkn Wanner,. Selbert. Amalie. Peter. Erneſtine. Selbert. Du haſt mich verlangt— Wanner. Dich, die andern nicht. Packt euch in den Garten. Peter. Das hat der Outel ech ſo geſagt, wie ich es wohl mag! Kommen Sie. Er fubrt Amalien, die mit Erneſtinen an der Hand ge eht, ab. Aſchiter Aüftritt. Selbert. Wanner. Hernach Andreas. Selbert. Ein liebes Maͤdchen, deine Nichte, ein allerliebſtes Maͤdchen. Wanner. Das weiß ich wohl. Selbert. Ein vernuͤnftiges Maͤdchen. Wanner. Das weiß ich. Selbert. Haͤtteſt du mich nicht rufen laſſen, wir plauderten noch zuſammen. Sie iſt eine gar gute Seele. 78 Herrſt ta g. 4 Wanner. Das weiß ich.— Nun— das Maͤd— chen hat mir einen Dienſt gethan, daß ſie dir zu gefal⸗ len gewußt hat. Damit hat ſie die Vorrede zu mel, nem Heirathskapitel gemacht. ſey Selbert. Wenn ſie meinem Sohn gefaͤllt und. bis fernnhrrttternnn ihr mein Sohn— ſo iſt das ganze Heirathskapittl 0 bey mir abgethan. 15 Wanner. Das Maͤdchen hat keine Leiden⸗ 1 ſchaft— und er hat ihr gefallen. Noch ehe wit Ehe ausſtiegen, habe ich ſie gefragt— ihr iſt es recht. kein Selbert. Wenn mein Sohn— mat Wanner. Er hat 8 bey ſeiner Tante geſehen den — und gern geſehen. Sie hat Geld— er wil 6 hinauf.— Heut kommt alles zu Stande, und dabhh 2 habe ich Papa's Anſehen. ö n Selbert. Du ſiehſt gern wenn es raſch geht⸗ Wanner. Freylich! Das Leben geht raſch zu Ende, man muß ſich ruͤhren, wenn man alles mil nehmen will, was einem Gutes aufſtoͤßt. Selbert. Willſt du, ſo laſſe ich meinen Sohn rufen? Wanner. Ich will. 9 Selbert ſchellt dreymal. dich Wanner. Wie kannſt du die alte das um dich dulden?— 8 Selbert. Sie ſtreckt doch ihre Hoͤrner, wenn 2 es gilt. Andregs kommt. das Maͤd⸗ ir zu gefal⸗ ede zu mei⸗ gefaͤllt und athskapitel ne Leiden⸗ ch ehe wir es recht. nte geſeheh — er wil und dabh ſch geht ⸗ ht raſch zu alles mil/ inen Soht e Schnecke rner, wenn ſtanden, mein Sohn, wenn er dir gefaͤllt. Herb ſtet a g. 79 Selbert. Fritz iſt im Garten, rufe Er ihn. Andreas geht ab. Wanner. Nun laß mich die Fragen machen, ſey kurz in Einwuͤrfen— Hauptſtrupel— heb' auf bis wir allein ſind. Selbert. Ey du wirſt doch nicht uͤberreden wollen— Wanner. Nachdem es faͤllt. Freund, der Eheſtand iſt ein reſpektabler Dienſt: weil aber darin keine Kapitulation Statt findet, ſo koſtet es doch manchmal Muͤhe, bis man einem jungen Rekruten den Hut auf den Kopf bringt. Selbert. Immer launig! Gluͤcklicher Mann! Wanner. Habe ich dir nicht vorher geſagt— ſo wuͤrde ich bleiben? Neufter Anfkrit, Vorige, Fritz Wanner. Burſche— tritt hervor. Richte dich!— Hm— du biſt ein huͤbſcher Kerl— haſt das Maß; geh in den heiligen Eheſtand. Fritz. Meinen Sie— Wanner. Im ganzen Ernſt. Selbert. Ich bin mit dem Antrage einver 80 Heer beſttag. Fritz. Und zu welcher Fahne ſoll ich ſchwoͤren? Wanner. Amalie Ferſen. Fritz. Ah— eine huͤbſche Uniform! Das engagiert. Wanner. Und 18000 Wne Fvitzt.. Vater? Selbert. Ich will dich hoͤren. Fritz!. Der Werbung—.— ich ob ich dem Regiment gefalle— Wanner. Du geflͤllſt. Fritz. Das muß ich ſelb f0 unterſuchen. Wanner⸗ Soll ſt. du. Dann aber Fritz⸗ Bin ichs lafitden. Wanner. Gut. Indeß nimm dieß von, mir— Will ihm ſeinen Ring geben. Fritz. Rekrut nimmt nichts als nach erprobten Dienſtjahren. Wanner. Zugeſtanden. Rechts um— ab. Fritz geht ab. e buͤtenr Aufftritt⸗ Wanner. Selbert, Wanner. Execellent iſt der Kerl! 1 Bruder!— Haͤtte mir irgend eine Zigeunerin ſo einen Jungen prophezeiht— in meinem Leben R ich mich nicht um Jupiter bekümmert. — S zu 2 N S viel I das viel frage mein S Pete haus dige Geld W᷑ S Bedr der k⸗ ben l Man chen Wẽ̃ Univ. er ein S W hĩ— Herb He reb ſtta g. 81 Selbert. Aber wie ſchnell geht der Menſch zu Werke! Ach Wanner— Wanner. Wer ſchnell geht, kommt weit. Selbert. Wer weit kommt, hat oft nicht ſo viel als er braucht— ſchwoͤren? rm! Das dgeld. Wanner. Die wenigſten Menſchen brauchen das was ſie haben.— Nun ein ander Wort. Wie obzich dem viel wird einſt jedes deiner Kinder bekommen? Ich frage wegen der Vormundſchaftspflicht. Wäre ſie meine Tochter— ich fragte nicht. — Selbert. Feitz hat ſtudiert— koſtet ſehr viel; Peter ſehr wenig. Alſo bekommt Peter den Land— haushalt, wie er da iſt, Fritz noch eine vollſtaͤn⸗ 11 2 dige Einrichtung— meine beiden Toͤchter das baare on, mir= Geld. — 9 Wanner. Das gefaͤllt mir nicht. Selbert. Ueberlege es— Es iſt gerecht, dem Beduͤrfniß unſerer Zeiten angemeſſen. Ein Knabe, — ab. der keine Erbſchaft vor ſich ſieht, weiß, daß er erwer—⸗ ben lernen muß— und wird dann ein gemachter Mann. Ein Maͤdchen ohne Vermoͤgen— ein Maͤd⸗ chen unſres Standes, hat traurige Ausſichten. Wanner. So war er, ſo iſt er noch! Auf der AUniverſitaͤt ging er Chapeaubas; als Vater— macht ercellent. er ein galantes Teſtament. unerin ſo Selbert. Sey nicht ungerecht— eben haͤtk Wanner. Davon iſt die Rede. Ein Weib— hin— ein Weib iſt doch nur—'hm— Herbſttag. 8 2 Herbſt ta g. S elbert faßt ihm af die Schulter. Was Wanner. Der Mann kann doch rathen Ußd reiten! Was kann das Weib?— Kochen⸗ Selbert. Freund— das Weib vermag viel— leidet viel— thut viel. Wanner. Nun gut. Dafuͤr behandeln wß ſie auch wie andre Menſchen. S elbert. Wanner— haͤtteſt du je den Troß der Weiblichkeit gekannt empfaͤndeſt du die W Wonn die ich empfinde, wenn im Gefuͤhl ihrer Pflichten, i der Gewißheit, daß es als Vorrecht dem Weih gegeben ward, Maͤnnerleiden zu mildern— mell alte Mutter geſchaͤftig um mich iſt—— ſieh, würdeſt weinen, daß du keine Freuden haſt, als Kapriolen deines Jupiters!— Wanner. Das war grob!— Selbert!. Wanner— Wanner. Denn es mag wahr ſeyn— Selbert. Ehrlicher, trefflicher Mann! 93 Pauſe. Wanuer! Das Mitgabe Weſen iſt Syſtes bey dir!? 8 Selbert⸗ Syſtem. Wanner. Ein geſcheidter Kerl aͤndert kel, Syſtem.— Haſt Recht. Ein ehrlicher Mann Re0l nicht von ſeiner Pflicht. Habe ich Recht? Selbert. Ja. W̃ Muͤ n S W und de W.I guter Grillet Se He rib ͤſtet a 9 83 167 Wanner. Consequenter darf ich dem meine rathen un Muͤndel nicht geben— der nichts hat. n. Selbert. Dem darf ich nicht widerſprechen. mag Wanner.— Es iſt aͤrgerlich! Selbert. Wir haben beide Recht. Wanner. Es iſt dumm! Geht. Selbert. Wo willſt du hin? je den Troß die Wonſ Wanner. Mich aͤrgern. Pflichten, Selbert. Wanner— ich bin betruͤbt. ſem Weiſ en— imei⸗ 8 8— — ſieh, Selbert. Es beweiſt meinen innern Kampf— 0 ‚ 6 dei eißverans it haſt, als h und daß dein Mißvergnuͤgen mir nahe geht. ſandeln wi Wanner. Das hilft mir nichts. Wanner giebt ihm abwärts die Hand. Biſt ein guter Kerl—— 3 Selbert gerührt. Bruder— 38— Wanner. Hab' dich doch lieb. eann!“ Selbert. Gott lohne dirs! Wanner, Haſt aber ein Narrenſyſtem— iſt Syſn Selbert. Bedenke— Wanner. Und kriegſt meine Mündel nicht. Geht. aͤndert kbl S elbert. Wo gehſt du hin? Mann 00 Wanner bald gedreht. Meine Alte ſoll mir die ht2.CGErillen vertreiben. Selbert. Deine Alte 2. 3⁴ Herbſttag.⸗ Wanne r nüffahrend. Jupitet! Er geht ab. Selbert. Gutet— lieber Mann'!—Es ſchin ſo ganz dein Lieblingswunſch zu ſeyn! El f tet A üftritt. Selbert. Fris. Fritz⸗ Wanner iſt weg, ich we zu reden, mein Vater. Selbert. Du wuͤnſcheſt es Pat. Fritz! Vorher hatte ich nichts zu ſagen. Selbert. Du biſt nicht mit Vergnuͤgen zulll gekommen. Fritz. Und ich wollte um Verzeihung bitte daß ich Anfangs faſt kindiſch war, ſo hat mich all erfreut. Vielleicht beſteht der froͤhliche Rauſch eil, andern in Thränen; meiner in Lachen. Selbert! Haſſeſt du Thranen?“ Fritz. An andern nicht. Selbert. Deine Thraͤnen—* Fritz. Meine— fuͤrchte ich. Selbert. Deine Großmutter W du einem Bonjour bewillkommt- Fritz ſchlägt ſich an die Stirne. Das war f ſchmackt; verzeihen Sie mir es.— 0 N 4 S ten ge Fr finde S Fr kann keit? gen we Fr⸗ Se will, Fr Se er verf t ab. Es ſchien 4428 e mit Ihn agen. nuͤgen zurh hung bitte aͤt mich al. Nauſch eil haſt du m war abhl Hae or bſt odt ag 85 Selbert. Deine Schweſter hat dir Manſchet⸗ ten genaͤht— Fritz. Ich bin ſehr Wipezeren damit. Ich finde das Kind ſehr zuruͤck in ſeinen Arbeiten. Selbert: Du biſt fremd gegen Petern— Fritz. Fremd 2— Ichliebe ihn. Aber was kann man viel mit ihm reden? f Selbert. Marie— Fritz. M arie gefaͤllt mir nicht. Sie iſt unleid⸗ lich empfindſam. 5 Selbert. Siehſt du Denn nur die Fehler Alis ner Geſchwiſter? 5 23 Fritz. Ihr Gutes kenne ich le ange. Es iſt bil⸗ lig, daß. ich ſie auf ihre Fehler aufmerkſam mache. Selbert. Das haſt du nun gethan. Fritz. Finden Sie das nicht billig? Selbert. Im erſten Augenblicke— Fritz. Ich ſchiebe nichts auf..— Selbert. Erſchwert das Richt die Billig⸗ keit?— Zu dem— ſo ganz ſtrenge Billigkeit ertra⸗ gen wenig Menſchen. Fritz. Deſto ſchlimmer!“ 2 Selbert. Wer alles Mfechare genau 490 will, wird leicht, üt... 7 Fritz. Je kaͤlter, je wahrerk 8 88 55 Selbert. Wer kalt iſtyden beleidigt Wärme— er verſpottet endlich, was er nicht hate Reees 11144 36 Herb ſtet a g⸗ Fritz. Ich bin nicht eigenliebig, Selbert. Deiner bewußt— Fritz. Muüß ich ſeyn. Selbert. Dieſe Graͤnzen verlieren ſich in eill ander. Sieh, dein Syſtem iſt in Feuer geſchafß fen.— Iſt das verraucht— ſo tritt Eigenſinn at ſeine Stelle— Feſtigkeit wird Haͤrte. Fritz— dei⸗ Weg gefaͤllt mir nicht: werde ſanfter. Wenn di auch einmal weich wirſt— du biſt kein Staat, mann, dem es Gefahr bringen koͤnnte— die Deh⸗ nen haͤngen um ſo feſter an dir! Gieb nach— ma⸗ muß nachgeben. Fritz. Niemals, niemals! Selbert. Fritz! Fritz. Wenn man vorher uͤberzeugt iſt. Selbert. Nun— dein Syſtem kann Gutl⸗ haben— aber— 4 Fritz. Gutes! Das iſt genug. An das Aber⸗ was nach dem Guten kommt, muß man nich denken. 239 Selbert. Bey dieſen ommſe en— l willſt du werden? Fritz. Je mehr, je lieber. Selbert. So ſtolz 2 Fritz. Ich kann viel; warum ſoll ich 10 viel wollen? Selbert. Wie:; denkſt. du das zu derrdher Fritz. Dazu leite mich Ihre Erfahrung— den S wore 5 in di 8 heit. 8 und Mer erwe mert S tig laſſe ſich in ein uer geſchaf, igenſinn aß Fritz— deil Wenn 01 in Staatl — die Do⸗ ach— mat t iſt. kann Gult⸗ 1 das Aber⸗ man nit 6en— fl ſoll ich nich erreichen? hrung— Heſr bſſtet a g. Selbert. Davon hernach. Fritz. Bald— Selbert. Du biſt ſchnell. Fritz. Geradſinn ſteht auf den erſten Blick, wie die Sache liegt. Das ewige Abwägen entnervt Entſchluß und That.—220123 Selbert. Liebſt du Amalien? Fritz. Nein. Aber ſie gefaͤllt mir; i05 Ruf iſt gut, ſie iſt meines Standes, hat Vermoͤgen, Ver⸗ and— und je frůher ich mich beſtimme, um ſo weniger Thorheit kann ich begehen. Selbert. Du weißt, Kapitale erbſt du nicht— Fritz. Laſfen Sie uns auf einen Sienſt denken, den ich ihr entgegen bringen kann. Selbert. Denken!— Bekommt man alles, woran man denkt und wonach man ſtrebt? „Fritz. Vieles davon. viel werden in dieſem Lande— Selbert. Du ſrigt d davon mit einer Sicher heit, die— Ftitz. Ich habe den Muth, das zu wollen und zu verlangen, was ich vermag: die meiſten Menſchen erſchrecken vor dem, was ſie in ſich finden, erwerben nur, wo ſie herrſchen koͤnnten ſchlum⸗ mern, bis ſie ganz einſchlafen. Pfui!⸗ Selbert. Fritz, bin ich dir dadurch gleichguͤl⸗ tig geworden weil ich dich keine Kapitale erben laſſe? 88 Her beſtet a g. Fritz kußt ſeine Hand. Das war weiſe und väͤter, lich von Ihnen gehandelt; daher kommt es, daß ich gearbeitet habe. Selbert. Liebſt du mich? Fritz. Ja. 110 Selbert. Ja— nur r Jar Ac0 Fritz— Fritz. Ich halte etwas auf mein Ja. Selbert. Ich halte ſo viel auf dich— Fri itz. Sie ſind ein zaͤrtlicher Vater. Selbert. Wenn nun mein Grundſatz— dic um Amalien bringen ſoll— wie dann? Fritz. Schickſal! Ihr Grundſatz bleibt gut. Selbert⸗ Damit biſt du beruhigt? Fritz'! Ja. Selbert. Gut— trefflich! Manches= vieles an dir freut mich. Nur—— Dech⸗ waͤre muf etwas mehr Liebe fuͤr uns in dir! Fritz. Ich furchte die Genächebenehuhheſ, Selbert. Haͤtteſt du von deiner Geburt 1¹ mir deren keine gekoſtet, oder haͤtte ich ſie geſcheut! Fritz. Darum koͤnnen Sie Dankbarkeit fot dern, und ſind ihrer gewiß, weil ich bin. Liebe widme ich Ihnen perſoͤnlich. Selbert! Mir perſonlich— und nut mir? Jetzt habe ich dich— oder eigentlicher, jehl weiß ich, warum ich meinen Sohn nicht hale⸗ Her 7680 ο weg wen wer ſie gen Hheer b ſtet a 9. 89 und vaͤter, Es iſt etwas in dir— woruͤber dein Kopf und dein t es, daß Herz im Streite ſind— Fritz ſeufzt( Es war Selbert. Deine Plane 8 zu 3510— deine Familie zu klein. Darum entwirfſt du gleich einen it⸗— Weg, auf dem die Familie dir nicht laͤſtig werden kann. 2 Fritz! Mein Vater! Selbert. Ich habe keines meiner Kinder vor- gezogen— keines meiner Kinder ſoll mich ſeinen atz— dic Geſchwiſteen vorziehn. eibt gut. 8 3 w lfter Aufethe Tauches Viorige. Peter. waͤre nut Selbert. Was willſt du, Peter? Peter. Mit dem Vater reden, wenn Fritz weg iſt. Selbert. Sieh Fritz— ſo ſcheuchſt du alle Geburt weg, weil nichts Vertrauliches in dir iſt. geſcheut! Fritz. Gut bin ich; wie kann ich gerecht ſeyn, harkeit fol wenn jeder meine Empfindungen 85 laſſen kann, gerecht bin wer nur will? Selbert. Du entbehrſt viel Gutes. und nut Fritz. Bis ich gekaunt bin— dann werden licher, jttt ſie alle ihre Leiden, Zweifel, Freuden und Hoffnun⸗ zicht habl, gen bey mir niederlegen. 90 Hieerbſſtet a.g. Selbert. Das iſt Herrſchſucht. Fritz. Charakter. Meine Lebensruhe kann, nie ich nicht dem wohlthaͤtigen Spiel“ ſchoͤner Augen⸗ ſol blicke opfern. ö Selbert! Und doch konnteſt du ſchöne Augen. ha blicke dem Vergnuͤgen opfern? unſer erſtes Wieder— ſehen der Jagd?— Du verſtehſt mich nicht. Aber, dir wenn du einſt Vater ſeyn, und aus dem Lallen dei— ich nes Kindes eine Sprache. der Liebe zufammen ſuchen kuͤl willſt— dann wirſt du begreifen, daß der ſich an der Natur verſuͤndigt, der die ſuͤßen Spiele des Herzens wegkluͤgeln will— und wirſt dieſer Unter, redung denken.— Laß uns. 1 Fbitz geht ab Dreyziehnter Auftritt. Di feh GSelterk Peter⸗ Peter⸗ Vater— Bruder Fritzens Pfßrrd geht 8 einen ſtolzen Schritt. Da kann ich nicht mit aus kommenz; ich laſſe meinen Gaul gehen wie er kann. alf Selbert. Wir empfinden nicht alle gleich— Peter. Weiß wohl! Er iſt ein anderer Kel geworden als ich. Wenn er mich darum nur gern behalten will! ‚ Selbert. Er liebt dich. ühe kann er Augen⸗ ne Augen⸗ . Wieder⸗ ht. Aber, Lallen dei⸗ nen ſuchen der ſich an Spiele des eſer Unter⸗ Eitet⸗ Pferd geht t mit aus er kann. e gleich— derer Kerl“ n nur gern —— Heerab ſtet ſa g. 9¹ Peter Ich mwuͤßte auch nicht, warum er das nicht wollte.— Nun, Vater, ſag einmal, was ſoll aus mir werden? 1938 Selbert. Aus dir? Willſt du nicht den Land⸗ haushalt fortfuͤhren, wie ich? Peter! Wahrlich, das will ich, und danke dir, daß du mich ſo geſtellt haſt. Dann gewinne ich mein Brot der Erde ab, und bedarf keine Welt⸗ kuͤnſte dazu. Selbert. Du biſt alſo zufrieden? Petexr. Zufrieden.— aber nicht vergnuͤgt. Selbert. Warum? Peter. Weil ich allein vergnuͤgt ſeyn muße Selbert. Allein?— Bin ich, ſind wir alle dir— Peter. Ja— du haſt mich und uns alle. Doch biſt du allein, denn meine gute Muͤtter fehlt dir.. Selbert. O mein Sohnl Peter. Nimms nicht uͤbel, daß ich dich jetzt darauf bringe. Allein— Selbett. Nicht doch. Du Sne dich alſo zu verheirathen?: Peter. Ja! Jetzt wuͤßte ich eine gue— heit, wenn dir es recht waͤre. Selbert. So? Peter. Eine Frau, die ſich auch fuͤr den Vater zur Geſellſchaft ſchickte; denn darauf habe ich immer 92 Herrſbeſttag⸗ gedacht. Hier iſt ſo keine. Einmal meinte ich wohl, Sophie Gruner— aber das iſt doch nichts. Selbert. Warum? Die waͤre— Peter! Nein, Vater, die iſt nicht einmal ſo ih geſcheidt wie ich. Beh der wuͤrde ich mir am Ende was heraus genommen haben.— Des alten Hekrn ſeine Nichte gefaͤllt mir wohl. Selbert. Amalie? li0 Peter. Sie iſt viel mehr als ich. Aber ſie ſie haͤtte ja wohl Geduld mit mir“, weil ichs gut meine. 10 Die kann dir in den Winterabenden vorleſen, der Großmutter— wuͤrde ſie Sorgen abnehmen, und ſl wenn du Kopfweh haſt, wurde ſie neben deinem Sorgeſtuhl bleiben, und ihre liebe Hand auf deim 5 heiße Stirne legen.— 25 Selbert. Guter Junge— Amalie gefaͤllt dir! Peter. Es iſt wohl viel mehr als Gefallen. Ich weiß nicht, wie ich es nennen ſoll. Wenn ich 23 bey ihr bin, kann ich viel reden— und wenn ich ſie nicht ſehe, iſt mir die Bruſt— wie zu. do Selbert. Haſt du ihr geſagt— Peteér: Richts. Michts auf der Welt. Aber ich meine, ich waͤre ihr nicht zuwider.* f Seibert. Haſt du ihrem Onkel etwas geſagt? we Peter. Nein. Ich moͤchte ihm Wohl gefallen er ö ni ich rede drum allerley mit ihm; aber er ſieht mich nicht an, und nennt mich Er! Nun— was ien du von mit und Amalien? 799 ni ich wohl, 8. einmal ſo am Ende ten Herrn Aber ſie ut meine. eſen, der nen, und n deinem auf dein efaͤllt dir⸗ Gefa llen. Wenn ich wenn ich „ lt. Aber s geſagt? gefallen, ieht mich as meinſt — heurib ſt te a g. Selbert. Erſtens iſt Amalie reich— Peter. Daß Gott erbarme— Selbert. Und du biſt es nicht. Dün hot ihr Onkel ſie fuͤr Fritzen beſtimmt. 51894 eter! Hat Fritz ſie ſo lieb als ich!? Selbert. Vielleicht nicht. Allein— Reies, Nun, dann kommt es noch auf Ama⸗ lien an.— 4 ſie mich lieber hat als ihh, ſo ſagt le es gewiß. Selbert. Wollteſt du deines Brüders Gluͤck ſtoͤren?? G Peter. Dem Bruder macht das nichts, der will ja ſo nichts lieb habenz dem iſt das, als wenn er eine Spaozierfahrt abbeſtellte. Selbert. Und der Onkel, der ſie ihm— Peter. Der Bruder iſt ja nicht reicher als ich. elbert. Darum will ſie auch der Onkel dem Bruder nicht geben. Es thut mir leid, guter Peter, daraus kann wohl nichts werden. Sag daher weder dem Onkel, noch Amalien was davon.— Du weinſt, armer Junge— Peter weinend. Nimms nicht uͤbel. Ich kanns nicht laſſen. Alle Leute begegnen mir nicht gut, weil ich nicht ſo geſchickt bin wie Fritz. Die iſt die erſte, die geſagt hat, ich waͤre gut, wenn ich auch nicht Fritz waͤre. Selbert. Nun wir wollen ſehen— aber ſage niemand etwas davon. * 94 Heer b ſt tea gi Peter ſich die Augen trocknend. Hoͤre, ich will auch den Onkel fangen. Selbert. Wie denn? Peter. Die beſte Milch, und den Kuchen, den mir die Kranzjungfern geſchenkt haben— will ich ſeinem Jupiter bringen— der doch eigentlich ein recht argliſtiges Thier iſt. Selbert lächelt. Das kann nicht ſchaden. bit P eter. Soll mir es nicht helfen— ie nun— die wer weiß— ſo hilft es doch meinem Bruder wohl un zu einem freundlichen Geſichte. Er win geben. mi Vierze huter Auftritt, 49775 gen —— K0 Vorige. Frau Saaler⸗ 15 it Frau Saaler. Bleib da, Peter. Helt Sohn, da iſt mir heute ſo dieß und das in die waͤ Augen gefallen— 8 Peter grämlich. Mir auch. Frau Saaler. Was Sie nicht vermuthen werden. 3 oo „ ich will r16U 1 Fulfzehnter Aufttitt. nKuchen, en— will 0 Votige. Erneſtine, zentlich ein Erneſtine. Mamſell Amalie laͤßt den Vater aden. bitten, herunter zu kommen. Sie meint nicht, daß ie nun— die Leute in der Scheuer tanz zen ſollten, der Platz uder wohl unter der Linde, ſagt ſie, waͤre beſſer. Sie moͤchte hen. mit ihm davon reden— Sie iſt gar zu gut. Peter“ Ja wohl. 575 tet Erneſtine. Und alles verſteht ſie, wie es gemacht wird: Flachs— Ausſaat, Einmachen, Kochen— Selbert. Da ſie in der Stadt erzogen iſt, ſo iiſt dieß— er. Herr Peter. Als wenns wohl ſo gemeint geweſen das in die waͤre, daß ſie es einmal auf dem Lande brauchen Ekoͤnnte. Frau Saaler nimmt Selberten auf die Seite. Herr Sohn— Sie merken doch, wo das Ungluͤckskind hinaus will? Selbert. Er hat mir-— Peter. Ja, verklage mich nicht. Der Vater weiß ſchon alles. Selbert. Seyn Sie ruhig. Es wird ſich ge⸗ ben. Peter— ich kann mich auf dich verlaſſen? vermuthen 96 Hevb ſtet a 9. Peter. In Noth und Tod— aber wegen iht — nun— ich ſoll ſie wohl nicht nennen, wegen der Großmutter— da muthe mir nicht zu viel zu. Was ich nicht tragen kann, laſſe ich fallen. Selbert. Keinen Schritt ohne mich. Er 300 mit Erneſtinen ab. Sechze bnte Anftrit t. Frau Saaler. Peter⸗ Frau Saaler. Höre, mein lieber Peter, ſh du ſo gut, und ſieh der fremden Mamſell nicht mehr ſo in die Augen. Es möchte dir ſonſt zu viel werden. 8 Peter. Du haſt Recht, Großmutter, denn ich habe ſchon genug. 5 Frau Sagler. So? Nun, damit du keil Aergerniß nimmſt— ſo komm auf meine Stubt, und hilf mir die Ausgaben von heute Morgen zu ſammen rechnen. Peter. Willſt dusdie Mamſell dazu nehmen ſo wirſt du ſehen, daßes gleich geſchwinder geht. Frau Saaler ſchlägt die Hände zuſamhen. Daz fehlte mir noch! Peter geht anl die Seike⸗ ſtolz. der ſiebe fort. P nur neun und zigen Er ge wegen iht n, wegen zu viel zu. n. ch. Er giht 4 Peter, ſh mſell nicht onſt zu viel tter, denn! lit du keib ine Stube, Norgen zu zu nehmeh, der geht. imen. Daz Herbſttag. 97 Frau Saaler. Drey und zwanzig Jahre iſt der Menſch alt, und— Du Unchriſt! Für ſich. Ich glaube, der kann das Einmal Eins nicht mehr. Raſch zu ihm: Wie viel iſt zweymal drey und zwanzig? Peter der in Gedanken war. Amalie!— Frau Saaler. Da haben wirs!— Der eine ſtolziert ſich albern, die andere heult ſich dumm— der dritte gafft ſich unklug! Warum? Ein tauſend ſieben hundert und neun und neunzig! Sie brummt fort. Peter lächelt in ſich. Das ſagt die Großmutter nur ſo! Ein tauſend ſechs hundert und neun und neunzig haben ſie ſich auch in die Augen geſehen, und Ein tauſend acht hundert und neun und neun— zig werden ſie es wohl auch nicht abkommen laſſen. Er geht mit einem behaglichen, aber nicht lauten Lächeln ab. Herbſttag. Vii euntteer Alurf z uig — Erſter Auftritt. iteer. Peter. Haͤtteſt du mir das fruͤher geſagt!— Marie. Du konnteſt mir doch nicht helfen— Peter. Amalie— Marie. Folgt mir uͤberall, fragt mich, liß mir keine Ruhe. Peter. Weil ſie es gut meint. Marie. Und taͤuſchte mich doch! Peter. Unter den beiden gleicht Herr vol Lechner eher einem Luͤgner, als Amalie. Marie. Da er bey dem Vater um mich anhil ten will— kann ich noch zweifeln? Peter. Mir gefaͤllt er doch nicht— Marie. ——— Bruder! 9 auf 9 9 geſa aber nicht N J uͤbel geſa⸗ ſo gi werd P N unſer P der v hat, ich il M P er m du ſo u g. vV. geſagt!— t helfen ⸗ mich, liſß Herr voh mich anhal Herbſttag. 99 Peter. Und ich freue mich nicht ein Bißchen auf einen gnaͤdigen Schwager. Marie. Auch du biſt gegen mich? Auch du? Peter. Wenn du nur dem Vater was davon geſagt haͤtteſt!— Verrathen will ich dich nicht— aber nun ich es weiß, kann ich doch dem Vater nicht recht ins Geſicht ſehen. Marie. Du demuͤthigſt mich ſehr tief! Peter. Das will ich nicht, denn es geht dir uͤbel; ſonſt haͤtte ich dir auch laͤngſt die Meinung geſagt. Aber jetzt dauerſt du mich. Marie. Habe Dank. Ach! du warſt jg immer ſo gut mit mir. Gott laſſe dich doch recht gluͤcklich werden! Peter. Je nun, es wird ſchon kommen. Marie. Ach— wenn ich der Zeiten denke, in unſerer Kindheit— wo wir ſo gluͤcklich waren! Peter. Ich bins noch, und du kannſt es wie⸗ der werden. Wenn dich aber der Kerl zum beſten hat, und dem Vater Verdruß macht— ſo breche ich ihm die Arme entzwey. Marie. Bruder— um Gottes willen— Peter. Ich kanns— ich bin ſtark. Dann ſoll er mir nur nicht etwa mit ſeinem Degen kommen; du ſollſt ſehen, daß ich ihn in Stuͤcken breche. Herbſttag. ic 3«ͤ ⸗‚Auf,ß 80 iht Vorige. Amalie. 0 Amalie. Sie weichen mir vergebens aus. Eß S betrifft Ihr Gluͤck, und ich bin entſchloſſen, deutlicht all Antwort von Ihnen zu haben. erz Peter. Ja, rede— Amalie. Er muß Ihnen etwas Nachtheiliges 0¹ von mir geſagt haben. Nicht? zu Peter. Ich glaube, ja. Vo Amalie. Seyn Sie aufrichtig. Ihr Schickſil ihn geht mir zu Herzen. Marie. Er——Nein,. nur das fot 5 dern Sie nicht von mir. Si Amalie. Wie Sie mich vorhin halb ahnde che ließen— mag er geſagt haben— meine Leidel He ſchaft habe ihn verfolgt?— Sie ſchweigen? Alſ⸗ Se das war es? Abſcheulich! nich Marie. Und er wollte vor Ihnen ſich 6200 ein fertigen— wei Amalie. Haͤtten Sie ihn gebracht! Zwar— 8 was wagt ein Boͤſewicht der Art nicht? Mein Onkel weiß nicht, daß ich jemals Leidenſchaft fuͤr ihl hatte— je aͤlter dieß Geheimniß wird, je meht fen wuͤnſche ich ihn in dem Traume zu erhalten, daß * is aus. Ez n, deutlicht achtheiligez r Schickfi ur das for/ alb ahnden ne Leiden igen? Alſt ſich rechl 1Zwar Mein Onkll ft fuͤr ihn „je meht halten, daß Herbſttag. 101 ich vor ihm nie Geheimniß hatte. Darauf wuͤrde er getrotzt haben, und wer weiß, was er im Stande geweſen ſeyn wuͤrde, mir vor Ihnen zu ſagen! Peter. Es iſt alſo kein gut Haar an ihm; laß ihn laufen. Amalie. Ich kenne Ungluͤckliche, denen er Jahte lang alle Aufmerkſamkeit des Liebhabers, und alle Herzlichkeiten des verſprochenen Braäutigams erzeigt hat— die endlich in Verzweiflung geriethen, und— Peter. Schweſter, laß mich hin. Du liebſt ihn nun einmal, er hat verſprochen, dich zur Frau zu fordern; ich will ihn fragen, ob er mit zum Vater gehen will. Thut er's nicht— ſo werfe ich ihn gleich zum Fenſter hinaus! Marie. Du qguaͤlſt mich, lieber Bruder— Peter. Und du wirſt den Vater quaͤlen! Sehen Sie— daran ſind die Buͤcher Schuld, wo die Maͤd⸗ chen immer Huldgoͤttinnen darin genannt werden. Hernach iſt ihnen ein ſchlichter Kerl, der an einem Sonntag Nachmittage gebuͤhrend um ſie anhaͤlt, nicht genug. Da ſoll es erſt Ungluͤck geben, und ein paar Fieber, und der Vater ſoll ſich erſt zu Tode weinen— und ſich am Ende noch bedanken. Amalie umarmt Marien. Schonen Sie Ihre Schweſter. Peter. Daß ſie ihn lieb hat, kann ich begrei— fen. Huͤbſch iſt er, Kleider thun auch viel, die zierlichen Worte fehlen ihm nicht, und krank und 10 Herb ſtet a g. toll geberdet, wie es die Maͤdchen gerne haben— wird er ſich auch genug haben. Aber gleich wie ſie aus der Stadt hierher gekommen iſt, haͤtte ſie ſagen ſollen—„Vater, da habe ich den Herrn von Lechner geſehen, der gefaͤlt mir, ich ihm— wie! ſtellen wir es an, daß das in Ordnung kommt?“ Daß ſie das nicht gethan hat, das iſt abſcheulich von ihr. Amalie. Herr Selbert, ſehen Sie doch, ſie iſt— Peter. Der Vater hat uns immer alles geſagt was er thut, und warum er es thut; er hat wenig Freuden gehabt, uns hat er aber alles gegeben, Denken Sie nur— da wir noch ganz klein waren, ſind wir oft mit ihm gegangen, und haben Vogell neſter geſucht, davon wir die Jungen aufzogen, Da hat ſie einmal eins gefordert— das war hoch oben im Baume. Sie iſt immer um den Baun gehuͤpft, und hat eine rechte Sehnſucht darnach 90 8 habt. Der Vater ſah lange hinan— endlich ſtith er hinauf— hoch, daß er ganz klein wurde. Wit er oben war— brach unter ihm ein Aſt— 4 rutſchte— ach Gott!— Zur Erde warf ich mich— die Augen zu— heulte in den Boden, und gruß in der Angſt meine Finger tief in die Erde— ſle winſelte erbaͤrmlich. Da war er aber haͤngen geblie⸗ ben, und kam noch gluͤcklich herunter. Er brachte ihr das Vogelneſt; ganz blutig war er am Backen— die Narbe hat er noch auf der linken Seite.„Toch' ter,“ ſprach er—„Peter“— und nahm uns an ——— ſein ich imn an faßt er g Vat ſage das haſt 2 kan iſt jehe meh 9 2 Gat Ihr der die wirk vert 9 Me den ſchr 7 8 dir haben— gleich wit haͤtte ſie Herrn von ym— wie kommt?“ abſcheulich doch, ſie les geſagt hat weniz s gegeben.“ ein waren, ben Vogel aufzogen, 5 war hoch den Baun darnach gey ndlich ſtieh rde. Wie Aſt— ek ich mich⸗ und gruh Erde— ſi igen geblie⸗ Er brachte Backen te.„Toch“ m uns an Hieer bſtet age⸗ 0 ſeine Bruſt—„Kinder, ich will immmer thun, was ich kann, eure Wuͤnſche zu befriedigen— ſeyd nur⸗ immer vertraulich und aufrichtig!“ Da hingen wir an ihm und verſprachen es, und ſchluchzten, um⸗ faßten ſeine Kniee ſo feſt, und dankten Gott, daß er ganz herab gekommen war. Ich habe auch dem Vater von jeher alles geſagt, und wuͤrde es ihm ſagen, wenn ich auch einen Mord begangen haͤtte, das wuͤrde ich! Du haſt es auch gewollt— ja du haſt ſchoͤn Wort gehalten!. Marie. Laſſen Sie ihn, er hat Necht! Ich kann nicht mehr gluͤcklich werden. Mein Vater iſt— ach Sie kennen ihn noch nicht, was er von jeher fuͤr uns gethan hat! Nein, ich kann nicht mehr gluͤcklich werden! Peter. Das will ich nicht ſagen— Amalie. Liebes Maͤdchen, wenn Lechner Ihr Gatte werden will, wenn die Unſchuld Ihrer Seele, Ihr edles Herz ihn geruͤhrt, gebeſſert haben, wenn der Entſchluß, Ihre Hand vom Vater zu begehren, die erſte That dieſer Beſſerung ſeyn ſollte— ſo wird er gern eilen, dieſe That zu vollenden. Dazu vermoͤgen Sie ihn— Peter. So ſehen wir, ob er ein rechtſchaffener Menſch iſt, und dann will ich ihm auch gut wer⸗ den. Geh hin, thu das! Marie umavint ihn. Geh— ſchreib ihm— oder ſag' es! Maxie. Bruder! Peter. Was iſt dir? Die Thraͤnen ſtoßen dir das Herz ab— 1044 Herbſttag⸗ Marie. Daß ich die Narbe unſers Vatets Sit vergeſſen konnte!— Wenn alle mich verachten, das bleibe du mir nur. 0 Peter gerührt. Ja doch, ja— gebe Marie. Es koͤnnte ſeyn— wir ſaͤhen uns nicht lange mehr. Sie geht ab. Seiee 2 Amalie. Peter. wor Peter. Sehen Sie, das kommt von den Buͤchern. Statt daß man gut machen ſollte, will 8 man aus Hochmuth lieber ſterben als gut machen! 9 Die Großmutter hat wahrlich Recht. 2 Amalie. Wie ſo? K Peter. So wie ſo ein Thraͤnenbuch ins Haus kommt, ſteckt ſie es unter den Gemuͤſetopf, und ſagt:— Da, das iſt die einzige Art, wie du nutzet 9 kannſt. 2 Amalie. Lieber Herr Selbert— 2 Peter. Das iſt nun ſchon das zweytemal, daß aber Sie mich ſo nennen— es muß alſo doch wohl ſo ſeyn. 9 Gott lohne es Ihnen! Amalie. Da ich Sie ſo reden hoͤre— denke ich eben, daß man ſich Unſchuld der Seele und der rs Vatets verachten, uns nicht tt. von den ſollte, will it machen! ins Haus etopf, und edu nutzen temal, daß ohl ſo ſeyn. U de— denke le und der Her bſtta g⸗ 105 Sitten bis in das hohe Alter erhalten kann, und das wuͤnſche ich Ihnen. Peter. Ich danke Ihnen. Küßt ihre Hand. Gott gebe es! Viite vet ent(Ausfit iſtit. Vorige. Wanner. Wanner. Pſt! Hm— du! Chevalier, was war das? Peter. Was? Wanner. Das! Er küßt ſelbſt ſeine Hand. Peter. Wars nicht recht? Wanner. So was geſchieht in Staͤdten beym Kommen und Gehen. Aber— Peter. Nun, ich komme. Wanner. Eben? Peter zu Amalien. Wars ſchon lange? Amalie. Ich daͤchte nicht. Wanner. Freund, du biſt lebendig geworden, aber die Augen hier haben fuͤr dich Fenſterladen. Peter. Haha. Sie ſind aber offen— Wanner. So?— Wie iſt das, Nichte?— Amalie. Herr Selbert mag ſich ſelbſt ver— theidigen. 10 4 Wanner. Pack dich, Ritter!— Peter. Warum? Ich koͤnnte Ihnen auch 5 mancherley erzaͤhlen. Wäbü Wanner. Du?— Ja— vom Pfluͤgen, Egen, P Heumachen, Pflanzen— W Peter. Nun ja. Und wenn Sie dafuͤr keinen getha Reſpekt haͤtten, ſo muͤßte ich mich in Ihrem Ge⸗ P ſichte irren, das ſehr verſtaͤndig und ſehr gut ausſieht, W Wanner ſieht hoch auf. So? Menſch, du ſieht P mir aus, als haͤtteſt du Herz? W Peter. Hahahaha. Das war eine kurioſe P Frage— 1 Wanner. Warum kurios? 2 ihn au Peter. Weil ſie gar nicht aus dem ſolgt, was, nen ich geſagt habe. P Wanner. Lieſt du viel, Burſche? dem K Peter. Wenig: aber ich frage viel! De ſtehe⸗ Vater fagt:„Erfahrung waͤre das beſte Buch, fen! daraus ſpraͤche der gemeinſte Menſch, was man ill wenig Büchern faͤnde;“ und ich denke, der Valt hat Recht. Wanner. Gieb mir deine Hand. Peter. Recht gern. Giebt ſie ihm. Gott erhalte Sie— Wanner. Ich danke. W Peter. Lange! A Wanner. Hm. nen auch en, Egen, fuͤr keinen hrem Ge⸗ t ausſieht. du ſieht ie kurioſe 8 U folgt, was el. U ſte Buch s man il. der Valet ott erhalte einb ſti ttea g 1407 Peter. Und froh! Wanner. Das war ein Wort! Weißt du warum ich dir die Hand gebe??— Peter. Ich weiß nicht, aber es freut mich⸗ Wanner ſchüttelt ſie. Ich habe dir Unrecht gethan. Peter. So? Wanner. Ich hielt dich fuͤr einen Dummkopf. Peter. Das paſſiert mehr Leuten. Wanner. Du biſt kein Dummkopf— Peter. Nicht wahr, es geht noch an? Wanner. Und ein ſeelenguter Kerl. Schlägt ihn auf die Schulter. Jetzt marſchiere— hole mir dei⸗ nen Bruder. Peter. Alſo gefalle ich Ihnen? Wanner nickt mit dem Kopfe. Viktoria! Herr Onkel, meine Vierzehn ſtehen. Laſſen Sie mich den Bruder nicht abwer— fen! Er geht fröhlich ab. iie fiikr Amalie. Wanner. Wanner. Ein artiger Burſche— Amalie. Er iſt gut— Wanner. Häbſch! 108 Herbſttag. Amalie. Er hat viel natuͤrlichen Verſtand— 9 Wanner. Wie gefaͤllt dir Fritz? nich Amalie. Er weiß viel. Maͤß Wanner. Hat Welt. ich Amalie. Er redet gut. 2 Wanner. Er iſt ein gemachter Mann⸗ 2 A malie ſeufßt. Ach ja. 2 Wanner. Du kriegſt ihn doch nicht. Er hit 2 nichts, alſo darf ich nicht zuſchlagen. Amalie. Das ſollte nicht gegen ihn entſchel 10 den. Aber ſonſt= bier Wanner. Steht er dir an? 2 Amalie. Es iſt ein artiger Mann. Ich fol lge das Ihnen, da ich uͤberzeugt bin, daß eine Heirath ohne Leidenſchaft— Wanner. Und ſo weiter. Du 15 deſt Haupt, Lilie? Amalie. Da Ihnen eine Verbindung mit„ Sohne Ihres alten Freundes ſo ſehr am Herith liegt: ſo betruͤbt es mich, daß— 1 Wanner⸗ Und ſo weiter. Morgen fruͤh liehn wir wieder ab. 8 8 jung Amaliſe erſchrocken. Morgen ſchon? Fgiebt Wanner. Es iſt ja alles aus. als Amalie verlegen Viel—— hm Achſe Wanner ſchnel. Was? 6 Amalie. Haben Sie mich nicht erſchreckt! zerſtand— ann⸗ t. Er hat yn entſchel N N. Ich fulgt ie Heirath „ haͤngſt deſt ng mit den am Herzet früh zihn ſchreckt! Heer b ſt teag⸗ 109 Wanner. Nun? Warum will die andre Sylbe nicht heraus? Viel— nun— leicht? Vielleicht? Maͤdchen, es iſt ein Viendicht in deiner Seele, und ich habe es ausgekundſchaftet! Amalie. Was meinen Sie? Wanner. Das— bis zum nächſten Verhoͤr. Amalie. Aber wie köͤnnen— Wanner. Das erfahren? Kind, wenn die Voruͤbergehenden nicht ſehen ſollen, was in deinem Zimmer vorgeht, fährt mit der Hand über 10%½ Augen. ſo mache huͤbſch die Fenſterladen zu. Inquiſttin wird hiermit die Defenſion abgeſprochen. Amalie. Onkel— deſto großmuͤthiger wird das Urtheil fallen! Sie geht ab. Sechster Auftritt. Fritz. Wanner. Fritz. Sie gehen, wegen— Wanner. Boͤſen Gewiſſens.— Hoͤren Sie, junger Mann, wegen der Werbung.— Ihr Vater giebt nichts zu kleiner Montirung; alſo ſieht es aus, als ob aus dem Handel nichts wuͤrde.— Fritz zuckt die Achſeln. Ueber den Vater? Fritz. Behuͤte! Wanner. Uebers Schickſal? 110 Herrbſtta g. F vitz. Ja. 2 Wanner. So geht mirs juſt auch.— Mir liegt 8 die Sache gewaltſam am Herzen. Ihnen? 9 Fritz. Ich wuͤnſche ſie. 8 Wanner. Aufrichtig?“ 5 Fritz. Ich ſpreche nie anders, als ich denke. 8 Wanner. Und Flammenroͤthe zu der Ver ſicht— 1 rung? Brav, Fritz— brav! Alſo ohne Leiden, keit, ſchaft? Gut— ſo wuͤnſche ich Sie. 2 Fritz. Ich bin nicht ohne Leidenſchaft. 5 Wanner. Aber doch ohne Liebe? 2 Fritz. Ich hoffe. 5 Wanner. Kann man nichts Zuverlaͤſſigeres 5 erfahren? Fritz⸗ Ich habe geliebt, und arbeite darah K5 das zu vergeſſen. 5 Wanner. Pſt— halt, Freund! Da kaͤnk“ ſeher meine Nichte denn doch wohl uͤbel an! 9 Fritz. Wenn ich auf die Frage, ob ich Freu in d und Leid mit Amalien theilen will, mein Ja gebl liche ſo giebt es ein Mann. nich Wanner. Alſo— Amalie gefaͤllt Ihnen? 8 Fritz. Ganz! 8 Wanner. Wen lieben Sie— oder wen habel! Am Sie geliebt? Erz Fritz. Eine Zimmermannstochter auf der Unii] gut ſtan verſitaͤt. Henb ſt t a 9. 111 Wanner. Was Guckuck!— wirklich geliebt? Mir liegt Fritz bewegt. Herzlich! r Wanner. Hatte dieſe Liebe Folgen? Fritz.— Meine Bildung. Wanner. Eine Zimmermannstochter? ich denke. Fritz. So frügten mehrere— andere lachten er Verſicht— beßre riethen ab— Dieß erzeugte Aufmerkſam⸗ ne Leiden keit, Nachdenken— Entſchluß! Wanner. Vernünftig! Wer brach ab? ft. Fritz. Ich. Wanner. Vermochten Sie es? Fritz. Mit Muͤhe. Wanner. Schwierigkeiten reitzen— Fritz. Und lohnen. Wanner. Ich bin mithin ſicher, daß Sie ſie aus keiner Laune verlaſſen haben? Fritz. Sicher. Am ſicherſten, wenn Sie ſie Da kaͤne“ ſehen. Giebt ihm das Porträt. erlaͤſſigeres heite daran Wanner. Schoͤn!— Die freye Stirne— ich Freid in den Augenbraunen liegt viel Charakter— ein nied—⸗ n Ja geb licher kleiner Mund— und Augen— Sind ſie nicht geſchmeichelt? Fritz. Ach nein! Wanner. So iſt ſie huͤbſcher als Amalie. Fritz. Ja, und eben fo gut und natuͤrlich. wen habeh Amalie hat das vor ihr voraus— daß ſie eine Erziehung auf großen Fuß gehabt, und dennoch uf der n gut und natuͤrlich geblieben iſt. Amaliens Ver— ſtand kann ſchlafende Kraͤfte erwecken. Ihnen? 112 Herbſttag. Wanner. Das iſt wahr. 15106 Fritz. Und ſelten. ſchw Wanner giebt ihm das Porträt. Es iſt viel, da, oder Sie ſie verlaſſen haben. das Fritz. Es hat gekoſtet. Aber es haͤtte mit dein Bahn, Gluͤck und Moͤglichkeit zu handeln verſchloß F ſen.— Ich fuͤhlte das— ſie fuͤhlte es— und wit N ſetzten durch! merr Wanner. Wie troſtet ſie ſich? F Fritz. Daran mag ich nicht denken. E Wanner. Aber wenn Sie nun daran 0 F Fritz. Daß das groͤßere Gute das geringit⸗ mein Uebel fordert.(reeder Wanner. Noch eine Frage— W Fritz. Recht. Setzen Sie Ihre Richte ſichek, F. Wanner. Was iſt Ihnen das groͤßere Gulel W Wird es Sie auch immer erwaͤrmen und lohnen? F. das P Fritz. Wirkſamkeit! Wirkſamkeit im großel“ Kreiſe, wo alles ſchlaͤft, wo noch viel geſchehn kann— wo ich viel thun will. Daran hindert ell gewoͤhnliches Weib: ſie reißt den Mann herab in ihren geringern Ideengang; und der Mann, dek ſich zu etwas beſonders beſtimmt fuͤhlt, muß ſih nicht und durch nichts daran hindern laſſen. Opfer ſeiner Leidenſchaft iſt die Urkunde ſeiner Selbſtſtaͤn digkeit. W Wanner. Das iſt mein Glaube. Ich bin mit] der? dir zufrieden, Sohn! Sohn mußt du mir werdenz. Sipp Herb Heer ſb ſtet a g 118 wie du es wirſt, weiß ich noch nicht. Ob ich ſchwach genug bin, durch Bitten bey deinem Vater— viel, daß oder Negotiieren bey des Maͤdchens Anverwandten— das wollen wir ſehen; aber werden muß es.— Weiß in Vater haͤtte mit dein Vater von der n verſchloſ Fritz. Nein, und ich— — und wit Wanner. Gut, gut. Wir geben der Zim⸗ mermannstochter ein Kapitaͤlchen— 5 Fritz. Sie iſt nicht von der Art. Wanner, So ſorgt die Vorſicht fuͤr ihr Herz. an denken! Fritz. Das hoffe ich. Seufzt. Sagen Sie nur s geringttef meinem Vater nichts. Er würde mit mir davon ereden— Wanner. Fuͤrchteſt du zu reden? ichte ſichtt Fritz. Nein, aber meines Vaters Kummer— ßere Gulesd Wanner gerührt. So iſts recht! lohnen? Fritz. Und Recht— bringt Segen. Giebt ihm im großeh—das Porträt, Dieß— gehoͤrt kuͤnftig Amalien. geſchehn Er geht ab. hindert ein n herahu Siebenter Auftritt. Mann, del muß ſich en. Opfet Sabſtn Selbert. Wanner. Dann Erneſtine. Se 8 Wanner. Sieh da, erſt der Sohn— dann Ich bin mit der Vater! Ich gehe von Hand zu Hand in der üir werden; Sippſchaft.— Aber ich habe heut viel geſprochen— Herbſttag. 8 114 Her bſttag.⸗ zu trinken, Freund! Selbert klingelt einmal. Er ſegzt ſich, Da ich von dir gegangen war, dachte ich nach, wie dem Dinge mit den Kindern abzuhelfen waͤre— fand nichts, aͤrgerte mich— uͤber mich und dich; ſah vor mich hinaus ins Feld— auf den Bodeh, kriegte kleine Augen, ſchlief ein; Erneſtine kommt, Sl bert redet leiſe mit ihr, ſie geht ab. wachte auf— ſoß ſtoͤrriſch auf alle Fliegen an der Wand; marſchien⸗ mit den Augen nach, ſprang auf und dachte!— „Sollen ich und mein alter Freund uns Geſichtt machen, weil ein Projekt nicht geht wie es ſoll A Denn— unter uns, die meiſten graͤmlichen Geſich ter entſtehen aus der Unentſchloſſenhelt, ob mi Rechts und Wohlſtands wegen gramliche Geſichtl machen ſoll oder nicht.—„Nein,“ ſpringt auf, ſprat ich, ſo laut, daß Jupiter erſchrak, aufſtand un ſehr grazios einen beliebten Katzenbuckel machte.— Dieſer Katzenbuckel gab mir das Bild: Schicke in die Umſtaͤnde. Kannſt du mit Selberten nil vom Heirathen reden, ſo rede von etwas andeit aber rede mit ihm.— Dazu bin ich nun hil, Erneſtine bringt Wein, zwey Gläſer, und ſetzt es auf ein Af. chen zwiſchen beide“ Setz dich, alter Knabe! Setzt ſchh Selbert gleichfaus. Mit einem traurigen G⸗ fuͤhle, weil aus der Sache nichts— Wanner ſchenkt beiden ein, nachher: Wir thült unſre Pflicht— Urſache genug luſtig zu ſeyn.— Sieh da— da habe ich mein altes Stammbuſ mitgebracht. erg dar ſchl Fre gut Selb auf du⸗ die Freu ten blies feuri her ſtand und Thre der? W und vale durch Abſck ſcheit . Er ſetzt ſich. h nach, wie en waͤre— hund dichz den Bodeh kommt, Sel auf— ſoß marſchien dachte: ns Geſichtt es ſoll 2 ichen Geſich üt, ob maſ che Geſichtl t auf, ſprach ufſtand un machte. Schicke diß lberten nit was andeit h nun hil 8 auf ein Aft. e! Seßzt ſſh. aurigen G. Wir thuuf zu ſeyn.— Stammbut Herbſttag 115 Selbert. Gieb! Nimmt es. Ah— ſonderbar ergreift mich der Anblick! Wanner. Nicht wahr?— Da ſind manche darin, die uns uͤberlaufen haben, manche ſind ent— ſchlafen— keinem ſteht unſer beider Herz und Freundſchaft nach. Selbert hält das Buch ans Herz. Keinem! Wann er. Du haſt Waſſer im Auge— gut, gut—— das iſt die Ahnenprobe unſrer Freundſchaft! Selbert blättert darin. Hier und da iſt wohl eine Thraͤne auf ehrlicher Burſche Symbolum gefallen— Weißt du— beym Abſchied, wenn die Collegia gepackt— die Laus Deo bezahlt waren, und ſo ein Trupp Freunde den Koffer zudruͤckten, die andern einſchenk⸗ ten— der Schwager vor der Thuͤr zum Abſchied blies— alles ſtill wurde— ſich anſah— das Blut feuriger zum Herzen trieb— die Glaͤſer hin und her wankten— auf jedem Geſichte geſchrieben ſtand—„Werden wir ihn auch wieder ſehen?“— und dem die Wangen hoͤher gluͤhten— dem eine Thraͤne in den Wein ſiel— bis, Herz an Herz— der Abſchied in das laute Leben rief! Selbert. So war auch unſer Abſchied— Wanner. Wenn es dann fortging, zu Roß und Wagen— wo alles aus den Fenſtern vale, vale nachrief— nachſah, nachwinkte— und wir durch Feld und Wald noch jubelten, bis der letzte Abſchied kam— wo jeder ſich halste, und dem ſcheidenden Bruder— ein„Geh dirs gut!“— in + 116 Her bſttag. die muͤhſelige Welt nachſchickte!— Wenn dann endlich der Wagen mit dem blauen Gebuͤſche und der Abendluft in Eins ſchwand— fort war— wit ſo ſtumm daſtanden— ſo rief einer nach dem anderg ſeine kuͤnftigen Freuden und Hoffnungen hervor— Leben kehrte zuruͤck, und wir gingen froͤhlich wiedeſ heim!— Selbert, ſo geht es bey unſerm Abſchied nicht.— Wir ſind auf der Welt herumgehudelt, doz Alter iſt da, die Zeit der Hoffnung iſt voruͤber— fuͤr uns iſt nichts, als der gegenwaͤrtige Augenblick.— Drum gieb mir deine Hand— feſt— daß= 10 fuüͤhle— das Herz ſchlagt noch fuͤr mich!, Selleh reicht ſie ihm. So— nun bin ich, ruhig. Schoͤn, d ˖ du noch lebſt, alter Burſche⸗— ſchoͤn, daß wir einander ſitzen!— Habe ich Gutes in der Well 0 than— ſo bin ich jetzt belohnt.— Guter Gott!— habe mehr von dir empfangen, als ich verdiene— und bin zufrieden! Zufrieden, ſteht auf, das iſt 4 beſte Dank, den du von deinem Geſchoͤpfe verlangfl Setzt ſich. Suche uns ein paar der beſten Jungen ⸗ die es werth ſind, daß wir jetzt an ſie dento Such, Alter! Selbert blättert darin. Hier hat das g0 ſchon manches Blatt heraus geriſſen! Wanner. Ja hi— Genug, b l da ſind. 1 1 Selbert leſt:„Groß iſt, wer das kann was er will, wer das will was er kann, iſt weiſe! A0 Lingen.“— Ach mein ehrlicher Lingen!—— Bre er v gute 9 8 2 Er Ged abſel wer 6 2 Frer Ew ben We 6 Vert la 1 2 Leot R2 cher chel jede ma⸗ Pel Wenn dann ebuͤſche und war— wit dem anderhy hervor— hlich wieder rm Abſchied ehudelt, da⸗ voruͤber— ügenblick. daß i0 lich! Sellef Schöͤn, dß daß wir, b0 der Well 90 er Gott!e 5 verdiene das iſt l fe verlangſ Jungen ⸗ ſie denktl zas Schiefl 1 daß wſ, s kann was weiſe! Von 117 Wanner. Ein braver Kerl! Selbert. Er iſt geſtorben, als er bey dem Brande des Hoſpitals die Kranken mit heraus trug— er verbrannte. Ach mein Lingen— mein ſanfter, guter Lingen!— Wanner ſteht auf. Selbert! Selbert ſteht auf. Was? Wanner. Nimm ein Glas! Selbert nimmt es. Er iſt im Dienſt der Menſchheit geſtorben— ſein Gedaͤchtniß! einkt einige Tropfen. Genug! Läßt Selbert abſetzen.“ Es kommen noch zwey oder drey, die es werth ſind, und uͤber ein Glas geh' ich nicht. Selbert. Wohl. Setzt ſich. Wanner ſteht noch. Dieſe wenigen Tropfen Freudengeber— ſind Bluͤthen in das Meer der Ewigkeit— eine leichte Welle wallt ſie unſern Lie⸗ ben hinuͤber— bis 30 uns ſelbſt 55 Setzt ſich. Weiter— Selbert trocknet ſich dle 9en, lieſt: la Vertu, o' est toujours ma maxime,; voeEs vous la raison pourquoi Wanner. Ein rechter Spitzbube! Das iſt Leonard! Ein Erzſpitzbube! Auf der Univerſttaͤt Rapporteur, Memme und Praler, ein Erzſchlei⸗ cher!— Jetzt— Blutſauger der Bauern, Meu— chelmoͤrder ehrlicher RNamen, bezahlter Buͤttel eines jeden, der ihn mit Titel und Couvert bezahlen mag— Lakayen Talent, Figur und Manier!— Peréeat! 118 Her bſtta g. Selbert. Er taugt nicht. Lebt er noch? Wanner. Ein zwanzigjaͤhriger Huſten befbͤt⸗ dert den Tieger noch nicht hinab— Pereat die Kanaille, pereat! Selbert.„In vino veritas! Ferſen.“ a gute Ferſen!*3 Wanner. Der Vater meiner Amalie— dd dritte Blatt unſeres Kleeblatts, der Vater meiner Amalie, die— Fuͤhrt mich mein Herz noch einmil auf das Heirathskapitel— weg damit.— Da ſt ja Dinte und Feder— hoͤr, du ſollſt deine erneuern! Selbert. Das will ich— mit einem ſchmerz lich angenehmen Gefuͤhl. Nimmt Winte und Feder. Wanner. Ferſens Gedaͤchtniß! Selbert. Sein Gedaͤchtniß! Sie trinken. Wanner. Hoͤre— weiche von deinem e ſtem— nur etwas— zu unſers Ferſen Gedaͤchtniß Kannſt du nicht?— Nicht?— Nun, ſo ſollſt u auch das Nein nicht uͤber deine Lippen bringen.—Nun erneuere— Nimmt ihm das Buch. Sieh— da ſtihlt du. Wie oft habe ich das Blatt geleſen!— hahl in meiner Krankheit von dem Blatte Abſchied gé nommen; habe, wenn Unmuth in meinem Herzen war, das Blatt geleſen, und dann an dich geſchtie ben; habe dich immer treu gefunden— Dich, Freund meiner Jugend! habe dich in meinen A— men!— Nach neun und zwanzig Jahren ſind wir no, gel ner nid thi⸗ ged alle Bu ſind der St den lau noch? ſten befbr⸗ Pereat die rſen.“ Da zalie— das ater meinet noch einmal — Da it ne Inſchriſt lem ſchmery d Feder. deinem Sy Gedaͤchtnißl ſo ſolſt u. igen.— NIl — da ſtehſt en!— hobt Abſchied gy inem Herzen dich geſchtie n— Dich, meinen Atr⸗ yren ſind wik Heer b ſt t a g 119 noch einander werth, unſre Seelen ſind ſich treu geblieben!— Gaudéamus igitur. Fältt in ſeine Arme. Selbert. Wir duͤrfen uns nicht mehr tren— nen.— Sinne nach— trennen duͤrfen wir uns nicht mehr! Wanner. Schreibe— Selbert ſchreibt. Feierlich— gut und wehmuͤ⸗ thig wird mir dabey. Nimm es— giebt es ihm. und gedenke meiner! Wanner. Alle Jahre geh' ich einmal ganz allein in ein einſames Zimmer, und durchleſe dieß Buch; da ſetze ich denen ein Kreuz, die voran ſind, trinke auf ihr Gedaͤchtniß, und das Wohl der Lebenden.— Selbert, das iſt eine ſchoͤne Stunde, eine lehrreiche Stunde! Da vergleiche ich den Wahlſpruch eines jeden mit ſeinem Lebens⸗ lauf— ſehe alle die Menſchen— was ſie thaten, wollten, erreichten, nicht erreichten— und fuͤhle lebendig: Alles, warum wir uns herum tummeln— iſt nicht der Muͤhe werth, daß man graͤmlich wuͤrde, wenn es nicht gelingen will! Gaudéamus igitur, denke ich.— Wenn wir fort ſind, iſt alles fort— nur das Gute nicht, das wir gethan haben— das lebt lange nach uns. So iſt dieß Buch eine Wan⸗ derung auf die Graͤber meiner Freunde fuͤr mich. Was ich wuͤnſche— daß du meinem Namen ein Kreuz ſetzeſt— nicht ich deinem. Jetzt mag ich reiſen wenn ich will!— Das war der Abſchied— und nun weiter keinen! 120 Herbſttag. Selbert. Du reiſeſt doch nicht?— Wanner. Bſt, bſt!— Deine Kinder ſind ſcharmante Leute.— Peter iſt geſund an Leib und Seele. Fritz— Selbert. Koͤnnte mich beunruhigen— R Wanner. Wenn er nicht ſo geſcheidt waͤre. Selbert. Er iſt ſo kalt. Wanner. Er moͤchte es ſeyn wollen, und ſcheint es. Selbert. Fuͤhlt nicht fuͤr ſeine Familie— Wanner. Sag' das nicht. Nur— mehr obdel minder— und um das Mehr oder Minder ſtreitt und graͤmt ſich kein vernünftiger Menſch! Abek warum haͤngen Mariens Bluͤthen? Selbert. Bruder— ich weiß es nicht. Sie ſagt nichts, und doch iſt ſie aufrichtig, wie alle meine Kinder. Wanner. Es gefaͤllt mir nicht. Wenn abtt dieſer Baum leidet— ſo ſollteſt du ihn doch voh. 4 wegruͤcken. kot ha Me nie —— He r beſtet a g9. Kinder ſind an Leib und Archter Nufteitt ꝛ»ͤꝛ— Vorige. Marie. idt waͤre. Marie. Herr von Lechner— laͤßt— bitten, bollen, und ob der Vater auf einen Augenblick auf ſein Zimmer kommen wollte. milie Selbert. Gleich.— Geiſer iſt da geweſen; —mehr oden haſt du mit ihm geſprochen? nder ſtreittl Marie. Ja. enſch! Abet“ Selbert. Ihm ſein Gluͤck verkuͤndigt?— Wanner. Welches Gluͤck? nicht. Sie Selbert. Er wird ihr Mann.— Weiß er es? „ wie all. Marie verneint es. Nicht? Marie küßt ſeine Hand. Warum nicht? Wenn abtt Marie. Wenn Sie jetzt zuruͤck kommen— n doch viß Selbert. Du wollteſt ja— haſt dich erklaͤrt— Marie. Wenn Sie zuruͤck kommen— Selbert. Marie— du verfaͤhrſt nicht gut mit mir— ſey billiger. Er geht ab. Marie will ihm nach. Wanner hält ſie zurück. Mamſell! Her bſttag. Neunnter Aufteöttk. Wanner. Marie. — —— Wanner. Marie— liebe Marie! Das klingt vaͤterlicher. Ich habe die Jahre zum Vater, Bru⸗ derliebe zu Ihrem Vater. Seyn Sie offen. Nicht wahr, Sie wollen den— Geiſer heißt er— nicht gern zum Manne? Marie. Ich liebte ihn einſt— Wanner. Wen lieben Sie jetzt? Marie. Ach! Wanner. Deutlich. Noch iſt es Zeit. Sonſt gehen Sie zu Grunde, Ihr Vater und Geiſer. Marie. Ach mein Herr— ach— Wanner. Geſchwind, wir koͤnnten uͤberraſcht werden. Marie. Ich denke jetzt weniger an die Zu kunft, nicht an mich und mein Gluͤck— aber ich habe meinem Vater viel Kummer gemacht. Wanner. Dann haben Sie Recht, wenn Sie es tief fuͤhlen.— Welchen Kummer haben Sie ihm gemacht? Marie. Heimliche Liebe. Wanner. Tochter! Das war nicht recht.— Wer iſt es? m. de fi Heerr bſttag. Marie. Mein Vater— iſt bey ihm. ttk Wanner. Jetzt? Marie. Ja. Wanner. Alſo— Herr von Lechner? Marie. Ja. Das klingt Wanner. Lechner iſt es, den Sie lieben? iter, Bruß Marie. Wie viel leide ich nicht ſchon um ihn! Sie offen, Wanner. Er iſt ein Taugenichts. heißt er— Marie. Auch Sie ſagen das?— Wanner. Vergeſſen Sie ihn. Marie. Ach— da er— Wanner. Seyn Sie ſtark; man iſt es, wenn man ſich nichts vorzuwerfen hat. Sie werden lei⸗ ſeit. Sonſt den— aber das Selbſtgefuͤhl erhebt. Geiſer. Marie. Dieſen Augenblick begehrt er meine Hand— uͤberraſht Wanner. Das iſt ein andres. Marie. Ach mein Vater— in die Zu Wanner. Dann rathe ich Ihnen Geduld. — aber ich Marie. Geduld? t. Wanner. Wenn Sie einſt Ihren Irrthum wenn Se. fuͤhlen. Troſt und Beruhigung gebe Ihnen die n Sie ihm Ausüuͤbung Ihrer Pflichten. t recht. 124 Heer beſttag⸗ — 3ehnter Anet Vorige. Frau Saaler. Frau Sesl Sag mir um alles in det Welt, Marie——— Ja ſo— der Herr iſt hier— Hm— eben recht. Haͤlt deine Vertheidt gung vor ihm nicht Probe, ſo biſt du auch keinet Schonung werth. Zweymal habe ich den Hertg, von Lechner auf dein Zimmer gehen fehen— Wanner. Nun— er mag Urſache haben— Frau Saaler. Dann biſt du allein an ſein Zimmer gegangen— haſt die Haͤnde gerungen, die Augen getrocknet— die Thuͤr aufmachen wollen, biſt zuruͤck gefahren— beide Haͤnde vors Geſicht ge⸗ halten— und biſt mit lautem Schluchzen in dein Zimmer gelaufen! Marie zitternd. Ach Herr Wanner! Wanner. Hoͤren Sie, liebe Frau, manchmal kommt es anders, als wir wollen— Was thut das! Die beiden Leute lieben ſich. Erſchrecken Sie nicht— jetzt eben begehrt ſie Lechner vom Vater zur Gemahlin. Frau Saaler. Marie— Marie, gieb Ant— wort! Kannſt du das nicht? Gott was ſoll ich erleben! 8 die we at 6E 111 uft ritet. 43985— Seribe. heter, lles in det 130 r Herr iſt Peter kommt raſch zu Mürien, Se 51 er mit Vertheidl N Vater geſprochen? 2 zuch keing Mavie. Bruder, um Gottes willen/ was den Hertth iſt dir? 6 18— Peter. Hat er mit ihm geſprochen? haben S Wanner⸗ Sie ſind außer Sich! — ſein Marie. Jetzt, in dieſem Augen— ungen, die en wollen, Peter. Was? Geſicht ge⸗ Frau Saaler. Peter, was haſt du vor? zen in dein Marie. Er ſpricht— Peter. Und beſtellt doch bie Pferde vors Haus. Wanner. Lechner? manchmal Peter. Will doch fort. thut das! Marie. O mein Gott! ecken Sie Peter. Schickt einmal uͤber das andre den Be⸗ Vater zut dienten in den Stall, ob noch nicht geſattelt iſt. Marie. Will fort? gieb Ant⸗ 8 lich Peter. Treibt, daß die Pferde vorgefuͤhrt is ſo werden— * Wanner. Das dachte ich. 126 Hezr beſtetaayg⸗ 45 Peter. Ich auch: aber auch gleich dazu, daß ich ihm dafuͤr den Hals brechen wollte. Will gehen. Wi Wanner. Halten Sie ni 85 Bruder! Frau Saaler. Sagt mir— was iſt nur das?— Peter. Ein W5 M 08 Frau Sdaler. Marie! Haͤtte 5 Sduchl Peter. Mutter, ſag' ihr nichts.— Sieh wie ſie ausſieht— es mag ihr ſchrecklich genug 1 Muthe ſeyn! ſch me nie Zzw d üfdenr Aüftiitt t ſetz Vorige. Fritz. Peter. Aber der Kerl kommt nicht ſo weg! Fritz. Wer?— Peter, Lechner! Fritz. Weißt du davon?— Peter. Ich laſſe kein Pferd aus bem Stall⸗ Fritz. Was willſt du von ihme 1 S Peter. Bleiben ſoll er! Fritz. Wozu? Was ſoll er— Peter. Gut machen. Fritz. Was— 8 h dazu, daß Will gehen. vas iſt nut h gedacht= —Sieh wſt genug g tt t ſo weg!l em Stalle. mehr 1 Her b ſtet a g⸗ 127 Peter. Sieh deine Schweſter an— faſſe her, wie mein Herz ſchlaͤgt, ſieh dort Thraͤnen und frage nicht mehr! Fritz. Du weißt nichts; rette ihre Ehre und ſchweig! Peter. Schweigen?— Und wenn ich zehn⸗ mal in einem Augenblicke ſterben ſollte, wollte ich nicht ſchweigen! Will fort. 8 Fritz. Bleib, raſender Menſch! Peter. Seine Pferde ſollen— Fritz. Fort! Peter. Bleiben! Fritz. Fort ſollen ſie! Peter. Bruder— Fritz. Du kennſt die Naͤrrin nicht— Marie ſetzt ſich, weint und bedeckt das Geſicht. Peter. Bruder! ſag' der Schweſter kein Wort! es thut nicht gut mit uns! Fritz. Du biſt mit ihr einverſtanden? Peter. Von Jugend auf— Fritz. Jetzt, da ſie— Peter. Leidet, will ich ihr helfen. Fritz. Wenn du redeſt, hilfſt du zu ihrer Schande. Sie hat ſich ihm aufgedrungen. ‚ Peter. Fritz, ſag' das nicht noch einmal! Frau Saaler. Kinder— ach Kinder! Wanner titt zwiſchen ein. Ich kenne euch nicht 128 Herbſttag. Peter. Fuͤrwahr ich kenne den Bruder nicht mehr. Sieh— das Maͤdchen iſt ungluͤcklich, wir ſind ihre gebornen Freunde: kannſt du das vergef ſen, ſo reiche mir deine kalte Hand im Leben nie wieder. Fritz. Sie iſt nicht zu vertheidigenn. Wanner. Maͤßigung, Freund— —— rie. Ach ich verdiene alles! Peter. Zuͤgel und Zeug zerreiße ich! Er ſil nicht fort; und ſollte ich mich den Pferden vor die Fuͤße werfen, fort kommt er nicht! Laßt mich!— Ruͤhren Sie mich nicht an— ich mache mich Jede Thraͤne, die dem Maͤdchen da auf das Tuch faͤllt— und ihre Angſt— ſeht hin, ſie kann nicht ſprechen— macht mich ſtaͤtker, als ihr alle ſeyd! Geht. Frau Saaler umfaßt ihn. Wo denkſt du hin! Er iſt— Peter. Hochgeboren, und ich brav geboren das ſoll er fuͤhlen. Macht ſich los und geht ab. F vitz will nach. Wanner. Halt! Sie.— Er U Recht.“ Fritz. Recht? da ſie ſch ihm aufgedrungen hat? Füͤhlſt du nicht, daß ich dich liebe, da ich dit nicht mehr ſage? Frau Saaler. Legen Sie die Sache beh; ſie koſtet dem armen Vater das Leben! un ſeß ein Her b ſt et a g 129 5ruder nicht Wanner. Darum bleibe ich. Sonſt waͤre ich uͤcklich, wir laͤngſt draußen. Erſt muͤſſen wir Selberten hoͤren. das vergef, Gehen Sie nicht— laſſen Sie Ihren Bruder wal⸗ n Leben nie ten— auf mein Wort. Frau Saaler. Ach Gott nein— Wanner. Aber ſtellen Sie Sich ans Fenſter; und wenn Lechner wirklich geht— und es ſollte was ſetzen— Ihrem Bruder zu viel werden— dann ein Zeichen— ich! Er ſol rden vor dit ßt mich!!— Dreyzehnter Auftritt. he mich los uf das Tuch kann nicht Vorige. Selbert. r alle ſeyd! Selbert. Gott Lob— wieder ein Geſchaͤft gluͤcklich zu Stande gebracht! Marie. Gluͤcklich, gluͤcklich? Wanner mimmt ſeine Hand. Das freut mich. kſt du hin!“ geboren 0 Frau Saaler. Wirklich gluͤcklich, Herr Sohn? Selbert. Ja— es iſt alles abgeſchloſſen! — Er het Wanner. Nun, wieder eine Sorge minder! Habe ich nun Recht, Großmutter— es giebt Freu⸗ den genug im Leben: wer ſie nicht oben auf ſeyn laͤßt— iſt ein Thor. Marie. So darf ich mich freuen, Vater? Selbert. Ja, meine gute Marie! Aber nun hoffe ich auch von dir— Herbſttag. ufgedrunge „da ich dit Sache beh; 130 Herbeſttag⸗ Marie. Alles!— Ach darf ich jetzt ſchon Verſprechungen wagen— 6 Frau Saaler. Alſo alles iſt abgethan? Selbert. Alles! 1 Frau Saaler. Gott Lob! Das iſt ein L. Gluͤck, wie— Selbert. Ja, auch bin ich recht froh daruͤbet, di und danke euch fuͤr eure Theilnahme.— Fritz— warum ſo kalt bey meiner Freude? Fritz geſpannt nach dem Fenſter ſehend. Nicht kalt⸗ aber ich begreife Sie nicht. Selbert. Iſt dir denn alles Kleinigkeit? Nul Marie— ſo freue du dich mit mir. Marie. Ihr Zorn wuͤrde mich nicht ſo hal bir ſtrafen, als dieſe Guͤte— und Strafe verdiene ich. Selbert. Mein Zorn? Strafe? Was willf ſol du, meine Tochter? we Marie. Koͤnnen Sie mein Unrecht ſo vik ſchmerzen? Selbert. Dein Unrecht? fua Marie. Was ich mir nicht vergeben, und doch begehen konnte! 00 Selbert. Du? Marie. Baueten Sie nicht ganz auf mich?“ ha Selbert. Darf ich denn das nicht mehr?—IJht ſtarrt mich an— ihr ſeht vor euch nieder— Sagl, was habe ich zu erwarten— welches Unrecht? jetzt ſchon ethan? as iſt eil roh daruͤbeß, — Fritz Nicht kalt gkeit? Bun nicht ſo hatt erdiene ich. Was will recht ſo vn rgeben, und auf mich! iehr?—Iht der— Sagl, urecht? EEEEEEEEEEEEEGEGEGEA Her bſtetea g 131 Wanner titt zu ihm. Freund! welches Geſchaͤft haſt du mit Lechnern jetzt vollendet? Selbert. Etwas, das zweifelhaft war, und mir wichtig iſt: den Pachtkontrakt uͤber ſeine hieſigen Laͤndereyen haben wir auf zehn Jahre erneuert. Wanner. Hm!— Hat er ſonſt nichts mit dir geredet? Selbert. Nein! Marie. Sonſt nichts? Selbert. Sonſt nichts! Marie. Ach Amalie— Amalie, Amalie! Fritz ſieht von hier an mit immer ſteigender Untuhe hinaus. Selbert. Und was haͤtte er mir noch ſagen ſollen? Pauſe. Ihr weicht zuruͤck— meine Mutter weint— F ri tz redet leiſe mit Wannern und eilt wieder ans Fenſter. Selbert. Marie— was haͤtte er mir noch ſagen follen? Marie in Verzweiflung. Daß ich ihn liebe! Selbert erſchrocken. Tochter! Marie. Seit ich in der Stadt war, geliebt habe— Selbert. Nein, nein! Marie. Daß ich Sie hintergangen— Selbert. Marie— 132 Herbſttag. Marie. Ihr Leben vergiftet habe; daß et mein Ungluͤck gefuͤhlt, mir neue Liebe gelobt hat; daß er mein Gatte werden wollte. Selbert. Nimmermehr! Fritz ſtürzt hinaus. Vierzehnter Auftritt, —— Vorige. Erneſtine. Erneſtine. Ach helft doch, helft um Gol m willen! Saaler. Was iſts? K Selbert. Rede! Erneſtine. Herr von Lechner will fort, Petn ſiel ſeinem Pferde in den Zuͤgel— ic Selbert. Mein Sohn— ach mein Sohll( Er geht ab. 8 V Erneſtine. Herr von Lechner hat auf ihl gezogen— 3 Marie wird ſchwach, ſie ſitzt, man hört einen ſchmetl fö lichen Schrey von ihr. di Wanner. Helfen Sie dort— Mutter! Er aiht be; daß et gelobt hat; t t um Gottel ll fort, Pehl mein Sohnl hat auf ihl eeinen ſchmenl tter! Er git Herbſttag⸗ Funfzebnter Auftritt. Vorige. Amalie. Amalie. Peter liegt unter den Pferden— Wanner. Gerechter Gott! Amalie. Ich habe ihn fallen ſehen; retten Sie, eh' es zu ſpaͤt iſt. Sie geht mit Wannern ab. Erneſtine ringt die Hände. Ach, mein Bruder, mein Bruder! Frau Saaler. Wit wird mir— meine Kniee— Erneſtine läuft auf ſie zu. Großmutter— Frau Saaler. Gott wird mir Kraft geben— ich ſtehe an deiner ſeligen Mutter Stelle! Sie führt Erneſtinen zu Marten. Sieh— ſieh deine Schweſter recht an— So leidet eine Tochter, die ihres guten Vaters Vertrauen mißbraucht! So richtet ein ſchwel— gender Boͤſewicht eine ganze Familie zu Grunde! Sie giebt ihr das Salz. Sorge fuͤr ſie. Ich will beten, fuͤr Vater und Kinder! Sie ſtellt ſich einige Schritte an die Seite, ihre bey den letzten Worten gefalteten Hände hän⸗ gen herab, ihr Blick iſt an den Boden geſenkt, ihre Lippen ſind feſt geſchloſſen, Erneſtine unterſtützt ihre Schweſter. Der Vorhang fällt. Fuͤnfter Aufzug. Erſter Auftritt. Von Lechner. Fritz Fritz hat Lechnern an der Hand, der ſehr erhitzt ausſieht, f Von Lechner. Da bin ich— was wollen Sit noch? iht Fritz. Daß Sie dort hinein gehen— die Treppe hinauf, dann links die erſte Thuͤr, ſchließen Sie ab: ſo ſind Sie ſicher vor dem Poͤbel, dem ich Sie mit Muͤhe entriſſen habe. Von Le chner. Das war Ihre Schuldigkeit= da Fritz. Gaſtrechtsſchuldigkeit, von meiner Bru⸗ oh derſchuldigkeit hernach.— Der Tumult nimmt zu- th entfernen Sie Sich. Wir ſind geliebt— man hat un meinen Bruder unter den Pferden, und Sie auf tri ihn ziehen ſehen— die Leute koͤnnten— Von Lechner. Ich weiche der Uebermacht. Die Achtung, womit Sie mir begegnen, ſoll die ab ug. i tz. rhitzt ausſieht. ö wollen Sit hen— die e„ ſchließen hel, dem ich uldigkeit ⸗ meiner Bru⸗ immt zu= — man hat nd Sie auf Uebermacht— en, ſoll die Her b ſtet a g 135 Unanſtaͤndigkeiten der uͤbrigen Familie gut gemacht haben. Er geht ab. Fritz. Fort. Man kommt. Schliet außen ab. 3Zweyter Auftritt⸗ Peter. Fritz. Peter. War er das? Fritz: Ja. 1122 Peter will hinein. Auf! Fritz. Wohin? Peter. Zu ihm!— An ihn, in ihn, durch ihn hindurch— laß mich! Fritz. Du kannſt nicht hin. Peter. Bruder! Fritz. Geh zuruͤck! Peter- Lies! Giebt ihm einen Brief. Und wenn das dich nicht wuͤthend macht, ſo biſt du ein Menſch ohne Ehre und Liebe, der fuͤr ſeine Schweſter nicht thun will, was jeder Bauer thut, dem das Herz unter der Jacke ſchlaͤgt, wenn er ein Maͤdchen be⸗ truͤgen ſieht! Fritz lieſt. Peter. Das Gewiſſen ſchlug ihr, ſie wollte abbrechen, da bat er ſie wieder.— Da lies—„Der 136 Herbſttag⸗ mit der feurigſten Liebe den feſten Entſchluß, Si⸗ durch des Vaters Einwilligung zu begluͤcken, ver, bindet!“ Und da ich ihm das vorhielt— Himmel und Erde— todt waͤre er, haͤtte ihn meine Fauſt getroffen— ſagte er mit einem Lachen— ja er haͤtte ſie begluͤcken wollen— und das koͤnnte geſchehen!— Unſere Schweſter— Marie— unſets Vaters ehrliche Tochter! Fritz ſchlägt den Brief zuſammen. Er iſt ein Schurkel Peter. So iſts recht. Fort— hin.— Auf und ab zuckts in mirt! Fritz. Auch in mir! Aber hoͤre— Peter. Was willſt du? Fritz. Genugthuung! Peter. Laß die Thuͤr in Stuͤl ken brechen— Fritz. Geduld! Du kannſt den Degen nich fuͤhren? Peter. Nein. Fritz. Ich kanns— uͤberlaß mir. Sih ruhig. Peter. Das kann ich nicht, und 10010 bh ich nicht, Ee⸗een ſchluß, Sit luͤcken, ver⸗ — Himmel meine Fauſt hen— ja et koͤnnte noch rie— unſers ein Schurkel hin.— Auf zuſend Stül Degen nicht mir. Seh id ruhig bih Herb ſtet a g⸗. Derüt't errr Ausfitrit t. Vorige. Wanner⸗ Wanner. Euer Vater kann das Volk nicht beruhigen— Wo iſt die Alte? P eter. Ich weiß nicht. vitz⸗ 0 Marien— Wanner⸗ Er redet dem Volke zu, wehrt ab— ſie wollen nicht fort— ſie wollen Lechnern mit Gewalt unter ſich haben. Redet ihr es ihnen aus, geht. Vierter Auftreits. Vorige. Amalie. Amalie! Sie ſind wieder in den Hof ge— drungen, ſie haben Herrn von Lechner oben am Fenſter geſehen, ſie wollen 15 durchaus unter ſich haben. Fän⸗fetiert Aufetir, i tet. Vorige. Erneſtine⸗ Erneſtine. Sie werfen Steine nach den fremden Herrn ans Fenſter herauf.— Der Vattt kann faſt nicht mehr reden. Er hat das Haut zugeſchloſſen. Peter aus dem Fenſter rufend. He— ihr Leute— he! Ich bin wohl, ſeht— ganz wohl! ganz! Wit ſind alle wohl. Mir iſt nichts geſchehen. Volk von außen. Werft ihn herab— er ſoll herabl Wanner. Kinder, das wird ſchrecklich! Peter! Wir kommen herab! Volk. Alle— alle und er. Herab mit ihm! Peter. Seyd ruhig— ſeyd tuhig, wir i Volk. Gut— gut! Fritz. Er will gewaltthaͤtig mit ihm verfihren Peter. Er will ihn auf den Degen fordern. Wanner. Was Fritz thut, iſt recht!!“ Peter. Abſcheulich iſt es! Amalie zu petern. Lieber Selbert— Erneſtine zu Friten. Um Gottes willen, thü das nicht. de 9 i tr. * e nach demn Der Vater t das Hautz ihr Leute— ganz! Wit n. F er ſoll herabl cklich! bmit ihml vir kommen! n verfahren. fordern. 91 28 W willen, thu He beſtet a 9. 139 Sechster Auftritt. Vorige. Frau Saaler. Frau Saaler. Kinder, das iſt mein letzter Tag. Wanner. Hört mich— laßt die Muſik anfangen— Fritz. Das iſt gut— p Ja.—— Frau Saaler. Ach ja— ſo zerſtreuen ſich die Leute— Wanner. Lauf, Kleine— die Muſik ſoll gleich anfangen, dicht neben den Leuten! Gleich. Erneſtine geht ab. Sie Mutter— geben gleich Wein her— Fritz. Thun Sie das, Mutter! Frau Saaler. Gern, komm nur mit mir. Sie geht ab. Wanner. Jeh ſtifte Ordnung hier unter den beiden. Amalie. Ach Onkel— ja, thun Sie das! Wanner. Hoͤrt— der Laͤrm wird aͤrger.— Hinunter, Frau, trinken Sie es dem Aelteſten zu.— Amalie— geh, fordre den Juͤngſten zum Tanz auf. 140 Herbſttag. Amalie. Ach Gott! Wanner. Fort, daß Selbert Ruhe bekommt, 9 Hinab, bringt ſie in Tanz und Froͤhlichkeit, daß ſie die Sache vergeſſen! Die Muſik geht in der Ferne ah, Die Muſik geht an.— Sol! bringt ſie nach dee Linde hin.— Ich verlaſſe mich auf euch! Frau Saal er mit zitternden Knieen. Amalie. Onkel— hier 8 das Unglle te E4 unter dieſen beiden!n! iſ Frau Saaler. Welch ein Ungluͤckstag! h˙ Ich verlaſſe mich auf Sie. Sie gehen ab. m Siebenter Auftritt, m Wanner. Peter. Fritz⸗ de Wanner. Jetzt— keine Worte— Entſchlufl 8 Was ſoll's geben mit dem Kerl und euch? m Peter. Er ſoll merken, daß Marie einel 9 Bruder hat. 5 Wanner. In der Ordnung, hoffe ich? Fritz. Verſteht ſich., 5 Peter. Was— mit dem Degen?— 36 (Fritz. Natürlich! i 2 (Wanner. Wie anders? Her b ſtt. a g. 141 Peter. Alſo dafuͤr, daß ſo ein Menſch ein ihe bekommt gutes Maͤdchen ungluͤcklich machen will, darf er noch lichkeit, daß die Wahl haben, ihren Bruder zu erſtechen? n der Fernt aß. Wanner. Freund, das iſt— ſe nach da Peter. Unvernuͤnftig, wenns auch ſittlich iſt. 54 Fritz. Bruder hoͤre mich an. Peter. Das will ich bleiben iaſſen; du koͤnn⸗ teſt mich uͤberreden. Ich habe dich aber lieb; es⸗ iſt nicht recht, der Kerl ſoll ſein Eiſen nicht in dich ickstag! hinein rennen. das Ungluͤck d̃ie. Fritz. Hoͤre doch nur——— Peter. Nichts. Es iſt unvernuͤnftig, wenn man ein Ungluͤck mit einem zweyten Ungluͤck gut rit machen will. Wanner. Das iſt gut. Sie muͤſſen bedenken— Peter. Daß ich ein Herz habe und fuͤnf Sinne, itz. daß du mir lieb biſt, daß du was gelernt haſt, der Welt Nutzen und dem Vater Freude machen kannſt! —Entſchlull. Sie ſind ein alter Mann, und moͤgen doch wohl 92 manchen Puff in der Welt uͤberſtanden haben; wie Marie eine. koͤnnen Sie nur das Wort dazu reden, wenn ſo ein Fratze wie Lechner, der auf Raub ausgeht, erwiſcht 2 chs wird, daß er noch einen braven Kerl verſtuͤmmeln oder niederſtoßen darf, und hernach unter ſeines Gleichen herum ſtolzieren und ſagen ſoll, den Buͤr⸗ 8 gerskerl habe ich recht niedergeſetzt? Unterdeß wei— nen wir hier um Bruder Fritz, und— der alte Vater geht zu Grunde. Nun, Fritz— thu es nicht. 142 Herbſttag. Herz habe ich— wenn du aber dein Leben auf das verfluchte Spiel ſetzen willſt— ſo werde ich zaghaft, Nun, Bruder— ſeylgut. Wir ſind Ein Blut, laß dirs zu Herzen gehen, daß ich bange fuͤr dich bin. Fritz umarmt ihn. Zu Herzen geht mirs. Wanner. Mir auch. Peter. Gott Lob! ſo werden ſie ja wohl beide vernuͤnftig ſeyn! 98 Fritz. Haſt du mich ſo lieb— f0 Peter. Ja wohl. th Fritz. So habe ich deine Briefe zu kalt geleſeh. Peter. Sey nur jetzt nicht kalt. Laß dat Degenſpiel weg, bleib leben. Ich will ihm deſ G Weg weiſen. Wanner. Wie? Peter. Das finde ich, wenn ich vor ihm ſtehe, Fritz. Ohne Vertheidigung? Peter. Was? Zeigt ſeine Hände. Da! Die ſiſh feſt und gut, vom Vater aus. Fuͤr jemand, den ich liebe, brechen ſie Eiſen. Fritz mimmt ſeine Hand, gutmüthig. Das iſt Ueberfil. Wanner eben ſo. Gaſtrechtsbruch! Fritz. Er iſt in unſerm Hauſe— Wanner. Die Mehrheit iſt gegen ihn— Peter. Gaſtrecht— das iſt wahr! 0 Wanner. Das muͤßt ihr beide ehren.— Verſprecht mir es. 9 iſt eben auf das e ich zaghaft, in Blut, laß ir dich bin. lirs. qa wohl beide 18 kalt geleſel. t.“ Laß des vill ihm deſ or ihm ſtehe⸗ ha! Die ſiih jemand, del iſt Ueberfl. n ihn 1 ſe ehren.— Hler b ſtet a g. Peter. Wie lange? Wanner. Bis er aus dem Haufe iſt. Peter zu Fritzen. Willſt du? Fritz. So lange— ja. Wanner. Verſprecht mirs— Peter. Wahrhaftig! 5 ritz. Ich verſpreche es! Sie geben ihm die Hände. Wanner: Gleichwohl darf er ſo nicht weg— kommen— alſo verſpreche ich euch, auf Genug⸗ thuung fuͤr euch indeß zu denken. Peter. Verſprechen Sie es? Wanner. So ſoll er nicht wegkommen.— Giebt beiden die Hand. Auf Ehre! Peter. Gut. Sie ſind ein ehrlicher Mann. Ich bin ruhig.— Jetzt laß uns den Vater— Da iſt er l Achter Auftritt. Vorige. Selbert. Peter. Vater, wie iſt dir? Wanner bolt einen Stuhl. Setz dich, Freund! Fritz. Armer Vater! Wanner. Setz dich— ruhe!— Ja— das iſt nun ſo— ſobald man Vater iſt— 144 Heer b ſtet a g. Selbert. Vater— in dem Worte liegt meain Troſt— mein Muth, mein Lohn! Matt bin ich— aber das geht uͤber— Peter. Koͤnnen wir was thun? Selbert. Hinunter gehen— daß die Leutt im Tanz bleiben. Wer hatte den geſcheidten Ein, fall mit der Muſik? Fritz. Herr Wanner— 1 Selbert. Das gleicht dir.— Es war Zeit- Fritz. Wollen Sie nichts nehmen? Selbert. Nein. ˖ Peter. Du ſiehſt uͤbel aus. Wanner. Beruhige uns, wie iſt dir? Selbert. Matt— aber ſonſt nicht krank.— r Laßt mich nur ein wenig ſo ruhen— Wanner. Ruhe! denn dieſe ruhen auch— d Selbert. Wie ſo? Wanner. Der wollte den Degen gegen Lecht nern ziehen— D er ihm die Fauſt aufs Herz ſetzen, Selbert ſteht auf. Kinder! Wanner. Ruhig— Sie haben gelobt, die Genugthuung zu waͤhlen, die ich ihnen verſchaf⸗ fen werde. Selbert. Dank, Bruder!— Du kamſt zut Stunde, wo ein Bruder noͤthig war. Wanner meicht ihm die Hand. Sollſt mich auh ſo finden. te liegt mein tt bin ich= aß die Leutt heidten Ein, war Zeit- 2 dir? cht krank.— ihen auch— n gegen Lech s Herz ſetzen, ngelobt, die nen verſchaf Du kamſt zut ſt mich auh Her bſtta g. 145 Peter. Ich weiß nicht, ob ich dem Bruder noͤthig war— aber er war mir indeß recht gut, Vater! Fritz. Er hat mir einen ſchoͤnen Augenblick gegeben. Selbert, Fuͤhlſt du das, Fritz? Fritz. Ja! Selbert. Das iſt eine gute Nachricht. Kommt, kommt, meine Soͤhne— liebt euch immer— ſeyd euch immer noͤthig— immer gut— ſo lebt ihr ſchoͤne Augenblicke. Fritz und peter umarmen ſich. Sieh da— ich bin Vater dieſer beiden! So liegt Troſt, Muth und Lohn in dem Worte!— Marien will ich ſprechen, wenn ſie kommt.— Daß niemand ſie rufe. Peter. Du biſt ſo gut, Vater! Gott gebe dir doch viele frohe Tage unter uns! Selbert. Wenn es euch nuͤtzt. hinunter. Peter. Das will ich, denn du biſt jetzt ruhig, und haſt einen Freund um dich, der es gut meint, und mehr verſteht als ich. Er geht ab. Selbert. Fritz— es hat meinem Herzen wohl gethan, daß du gut mit Petern biſt! Ich danke— geh jetzt. Fritz umarmt ihn glühend, dann ab. Geh jetzt Heybſttag. 146 Herbſttag⸗ —— Neunter Auftritt. Wanner. Selbert. Wanner. Was willſt du mit Marien? Selbert. Erſt ſehen, was ſie will; dang väterlich richten— aber gerecht! Wanner. Sie hat dich beleidigt— Selbert. Gekraͤnkt! Wanner. Wie kannſt du denn dir einbilden— du wuͤrdeſt gerecht gegen ſie ſeyn? Sey billig. Umd was ſoll aus Lechnern werden? Selbert. Hm! Wanner. Wie? Selbert. Wenn ich nicht Vater waͤre— i wuͤrde hart mit ihm verfahren. Wanner ſchlägt ein. Recht ſo! Kälter. Aber di biſt Vater! Selbert. Gleichwohl, wenn der Vater be denkt, wie er die Pflanze vertaͤndelt hat, die ich ſe ſorgſam gewartet habe— wenn ich an das Elend ſo mancher Vaͤter denke, das dieſe Wolluͤſtlinge taͤh⸗ lich unter unſern Augen anrichten! Wenn ich daral denke, daß er noch des Maͤdchens und des Vatets lachen kann, daß ſeine Geſellſchafter der Buͤrgekl familie lachen, daß manche Dame der Einfalt — . k * arien? will; dang einbilden billig. Umd r waͤre— ich ter. Aber dl Vater be⸗ at, die ich ſi n das Elend lluͤſtlinge taͤh enn ich daral d des Vaters der Buͤrgett der Einfalt er beſttei 9 147 des guten Kindes ſpotten wird, das in die Falle ging, und uͤber ihren Faͤcher herab den Witz bewun⸗ dern wird, womit die Falle gelegt wurde— ſo koͤnnte ich alles vergeſſen, meine Piſtolen laden und— Wanner. Recht ſo! recht ſo, Bruder! umarmt ihn. Aber, geht zurück, du biſt Vater! Selbert. Drum! Was mache ich mit dem Menſchen? Wanner. Laß ſehen. Seine Laͤndereyen— Selbert. Will ich nicht mehr. Wanner. Du bieteſt ihm den Pachtkontrakt zuruͤck? Selbert. Zuruͤck. Wanner. Hm— ſo laß mich mit ihm reden. Selbert. Wohl. Wanner. Ihn fortſchaffen— Selbert. Heimlich— Wanner. Verſteht ſich!— Hoͤre— mir faͤllt bey— wenn dein Sohn ein Jahr wartet, Amalie iſt dann muͤndig, die Verwandten haben mir dann nichts vorzuwerfen; ſo könnte ſie doch deinen Fritz heirathen. Selbert. Hernach davon— hernach. Wanner. Daß du mir nicht vergiſſeſt, daß dieß mein liebſter Wunſch iſt— ——— 148 Herbſttag.⸗ —— Zehnter Auftritt. Vorige. Frau Saaler. Frau Saaler. Ja, lieben Leute, das iſt ein Ungluͤck— Wanner. Ungluͤck? Glüuͤck iſt es! Frau Saaler. Gluͤck? Herr Licenziat, Sie— Wanner. Glüuͤck! Ja Frau, ich ſehe nur Gluͤt in der Sache!— Man kennt die Krankheit jetzt⸗ Frau Saaler. Iſt eine Krankheit dann auh geheilt? Wanner. Ja, wenn der Patient noch was nutz iſt. Frau Saaler. Und wenn der denn nicht nutz waͤre? 117 Wanner. Thut man das Seine, und beſiehl das uͤbrige Gott. Da ſtehen wir mit Marien— und das mag der Vater unterſuchen. Selbert. Das will ich. Fra u Saaler. Ach was muß ich erleben! Wanner! Frau, haͤngen Sie nicht noch Ihll Wehklagen an des Vaters ſchweres Herz. Biß meiner Seele, Sie ſind dazu zu geſcheidt. Friſh auf— ruͤhren Sie Sich. So lange der Menſch 1K 3 ite, das iſt iziat, Sie= he nur Gluͤt ikheit jetz= it dann auh nt noch wa⸗ denn nicht „und beſiehl tt Marien— ch erleben! cht noch Ihil Herz. Beh heidt. Friſh der Menſch Her bſttag. 149 athmet, kann er jung ſeyn. Fuͤr Großmutter— handeln Sie wie eine brave Hausfrau, die dem Manne die Laſt leichter macht. Werfen Sie ſo ein funfzig Jahre hinter Sich; ich wills eben ſo machen; dann geht alles, wie es muß. Er geht ab. EfteAAüftkikites Frau Saaler. Selbert. Frau Saaler. Die Hausfrau— meine gute Tochter— ja— die fehlt eben. Selbert. In dieſem Falle— wohl ihr! Frau Saaler. Und wenn ich meiner Toch⸗ ter Stelle vertreten will, wenn ich ſie gewiſſenhaft vertreten will— ſo muß ich nicht klagen; ſo muß ich freylich nicht daran denken, wie die Maͤdchen zu meinen Zeiten waren. Die Welt wird alle Tage anders—— Aber wie geſagt, Herr Wanner hat Recht: wenn ich meiner lieben ſeligen Tochter Stelle vertreten will, ſo muß ich das vergeſſen. Hm— zu meinen Zeiten freylich— wenn damals ſo ein Maͤdchen in einen Edelmann ſich vergafft, Briefe gewechſelt, Geheimniſſe gehabt haͤtte, da— Aber Wanner hat Recht.— Ich will ſo ein funfzig Jahre hinter mich werfen, und es vergeſſen. Selbert. Liebe, gute Mutter! 156 Herbſttag. Frau Saaler. Ach ich weiß wohl, wenn meine Tochter, Gott troͤſte ſie— jetzt hier zwiſchen uns beiden ſtehen koͤnnte— ſo wuͤrde ſie an Ihrem Halſe haͤngen, Sie wehmuͤthig anſehen und bitten, daß Sie Mariechen vergeben moͤchten. Dann duͤrfte ich Ihnen ſagen, Herr Sohn, daß Ihre Erziehung nichts getaugt hat, daß man das ſonſt beſſer vet⸗ ſtanden hat, daß Sie Ihre Kinder zu Herren ges macht haben: und das muͤßte ich ſagen, denn es iſt wahr. Da aber meine Tochter in die Ewigkeit iſt— Selbert. Mutter! Frau Saaler. Und ihre Thraͤnen fuͤr Marieſ nichts mehr gut machen koͤnnen— ſo will ich denn ein funfzig Jahre hinter mich werfen, und ſingen ein ander Lied.— Vergeben Sie ihr in Gottes Namen. Selbert. Das iſt die Mutter meiner verewig ten Luiſe; ich fehe ſie, ich hoͤre ſie wieder— Marien Fuͤrſprecherin! Frau Saaler. Ich koͤnnte nicht ruhig ſtel“ ben, wenn die Kinder nicht eine gute Mutter an mir haͤtten— Vergeben Sie alſo Mariechen, und recht von Herzen! Selbert. Von Herzen! Frau Saaler. Unrecht bleibt es freylich. Wer ſo einen Vater hat, ſollte— Aber— wenn eine Mutter ſo von ihren Kindern gehen muß, es iſt gar zu hart! Wem ſie denn ſo auf Erden das Mutterrecht nachlaͤßt, hat ſich wohl vorzuſehen, daß k. 0 ohl, wenn ier zwiſchen an Ihrem und bitten, Dann duͤrfte e Erziehung beſſer ver⸗ Herren ge⸗ denn es iſt vigkeit iſt fuͤr Marien ill ich den und ſingen in Gottes ner verewig — Marients ruhig ſtel Mutter an riechen, und es freylich. ber— wenn )en muß, es if Erden das rzuſehen, daß 1 Herb ſtet a g. 151 er nicht zu viel thut. Herr Sohn— ich ſehe meine Tochter noch, als ihr die Kinder das letztemal vor⸗ gefuͤhrt wurden. Wie ſie nun fortgebracht wurden, da richtete meine ſelige Luiſe ſich noch einmal auf— ſah ihnen nach, ſtreckte ihre kalten Arme ihnen nach. Das letzte war Mariechen, die ſah ſich in der Thuͤr noch einmal klaͤglich um—„Ach Mariechen behielte mich ſo gern!“ ſprach der liebe Engel, und ſank wieder auf ſein Todeslager nieder.—„Du willſt mich, Vater! ſo leite ſie und laß gute Menſchen Ge— duld mit ihr haben!“ Ja Luiſe, ich habe Geduld! Selbert. Auch ich! Frau Saaler. So, Herr Sohn— wir wol⸗ len Geduld haben, ſo halten wir ihr unſer Wort, wie Sie ihr denn immer Wort gehalten haben. * Zebftee rite Vorige. Marie. Frau Saaler. Komm, komm her! Marie kommt zwiſchen ſie. Zittre nicht, Unge— wir wollen Geduld haben. Marie ſchluchzt. Selbert. Um der Thraͤnen willen, die heiß über deine Wangen laufen, und weil ich nicht begrei⸗ fen kann, daß du boͤs ſeyn ſollteſt— will ich Ge⸗ duld haben. 152 Her bſttag. Frau Saaler. Ja wir wollen Gutes von dir hoffen, um deiner ſeligen Mutter willen. ge Selbert. Ich vergebe dir. an Marie. Vater! umfaßt ſeine Kniee, reicht die andert Hand der Mutter. Mutter! 2 Frau Saaler. Steh auf— Marie. Mein Erroͤthen, mein Gram— meine Liebe, mein Wille hier Gutes zu geloben, wirſt mich nieder— denn wie koͤnnte ich an Ihrem Buſen ſeyn, wie koͤnnte ich die Narbe anſehen— die Sie einſt aus Liebe fuͤr mich empfingen— meine Thräͤ nen werden ſie brennen machen—— hier moͤgen hi ſie in den Staub fallen, und von niemand geachtet“ ar ſeyn. Vater, Sie ſind ſo gut— ſehen Sie mich ni haͤrter an, ich bitte Sie. K Frau Saaler bebt ſie auf. Sag mir auf deit d ehrliches Gewiſſen, haſt du Gutes vor? N Marie. Ach ja!. Selbert. Kannſt du Lechnern vergeſſen? 8 Marie. Ja, denn ich muß ihn verachten. E Selbert. Gewiß? Marie. Bey dem Andenken meiner Mutter, 1U es iſt wahr. L Selbert. So bin ich ganz mit dir zufrieden, 8 Umarme mich— i Marie. O wie wohl, wie frey, wie ſelig ruhe ich an Ihrem Herzen, da ich vor Ihnen kein Geheimniß mehr habe! Bin ich Ihnen auch wieder lieb, Mutter! Sutes von llen. icht die andert im— meine ben, wirſt yrem Buſen — die Sit neine Thraͤ hier moͤgen and geachtet n Sie mich tir auf deit 4 rgeſſen? 'erachten. iner Muttek, zir zufrieden⸗ ſelig ruhe ich n Geheimniß ieb, Mutter! Herbeſtta g. 153 Frau Saaler. Du haſt recht ungehorſam gehandelt, recht! Aber wegen— nun— Zieht ſie an ſich, und Marie küßt ſie. Marie. Mutter, ich wills verdienen— Ach mein Vater, eine Bitte— Selbert. Rede, mein Kind— Marie. SEtwas, das mir Staͤrke und Muth geben wird— nennen Sie mich bald einmal wieder Ihre liebe Marie— Selbert. Mei— Frau Saaler. Nein, Herr Sohn, das ge— hoͤrt ihr noch nicht. Wir wollen ſehen, wie ſie ſich anlaſſen wird. Du haſt geweint.— So kannſt du nicht unter die Leute gehen, trockne deine Augen. Kommen Sie auf mein Zimmer— Dort, unter dem Bilde meiner Luiſe, wollen wir ihr noch gute Lehren geben, daß ich auch meine Schuldigkeit ganz thue, und mein Gewiſſen bewahre. Geh voraus dahin, Marie. Marie geht ab. Eine gute Seele! Waͤren die Buͤcher und die Frau Muhme in der Stadt nicht geweſen— Selbert. Da ſie ihn nicht mehr achten kann, liebt ſie ihn auch nicht mehr. Sehen Sie nun— Liebe zu uns, und gute Grundſaͤtze, laſſen doch ein Kind nie ganz fallen.— In der Hauptſache habe ich an meinen Kindern doch reiche Ernte! Frau Saaler. Beyſpiel— Beyſpiel, Herr Sohn, das iſt die Hauptſache, und das iſt der Segen, der auf Ihrem Haupte ruht! 154 Herbſttag. 4 Selbert. Den Sie in mein Haus gebracht haben! Frau Saaler. Der mir in Ihnen ſo viel Gutes giebt, daß ich ein heiteres Alter habe! Gol Lob. Nun kommen Sie. Nun ſind mir die funffiz Jahre wieder gekommen, und ich will ihr heilſame Lehren fuͤr die Zukunft geben. Geht. Kommen Sit, Herr Sohn. Sie gehen ab. * 92 Dreyzehnter Auftritt⸗ —— Wanner. Fritz. Wanner. Jetzt machen Sie, daß Ihr Vatz mir den Pachtkontrakt ſchickt. Fritz. Und wenn Lechner geht— Wanner. Sage ich es Ihnen. Fritz. Mein Pferd iſt geſattelt; auf der Granſt werde ich— Wanner. Gut— gut. „ K Haus gebracht Ihnen ſo vic r habe! Golt nir die funffiz lihr heilſame Kommen Sit, AKLitte 5 aß Ihr Vatz zuf der Graͤnſt Her bſttag⸗ Vierzehnter Auftritt. .— Vorige. Amalie. Wanner. Geh jetzt, daß dein Vater mich in Ruhe laͤßt— Fritz. So wie er geht— darauf rechne ich! Wanner. Ja doch! Fritz. Denn— Wanner. Ja doch— geh!— Fritz gebt ab. Wanner. Amalie, ich habe dich rufen laſſen— Amalie. Sie ſind ſo ernſt— Wanner. Die Unruhen im Hauſe haben mich ernſt gemacht. Von Mariens uͤbler Lage— komme ich auf deine beßre Lage. Du biſt verſorgt. Hei⸗ rathe— ſo bald du muͤndig biſt. Fritz iſt der Mann fuͤr dich. Amalie. Wer weiß— Wanner. Ich.“ Amalie ſchweigt. Wanner. Wie? Das Spiel der niederge— ſchlagnen Augen iſt nicht fuͤr jemand, der ſeine 156 Heer b ſtet a g. Augen bald ganz ſchließt. Haſt du dagegen?— Ja oder Nein? Amalie. Sie ſind ſo— ernſt und geruͤhrt— Wanner. Das iſt meine Sache.— Nun— Ja oder Nein? Amalie. Dagegen habe ich nicht— Wanner. Gut. Küßt ſie. Sey geſcheidt! Strel chelt ihre Wangen. Habe mein Andenken lieb, und vei⸗ pflege meinen Jupiter. Jetzt geh— Amalie. Lieber Onkel— Sie tuͤhten mib(9 unbeſchreiblich! Wanner. Das iſt gut! ‚ Amalie. Sie ſind ſonſt— Wanner. Nicht ſo feierlich?— Hm— dagek gen werde ich an dem Tage, wo du heiratheſt— nicht feierlich ſeyn, und ſo iſts egale Rechnung Geh zu Marien, ſie leidet und bedarf deiner! Giß hin, Kind! Amalie geht ab. Wanner. Gott mit dir!— Wir ſind fertig. dagegen?— id geruͤhrt= — Nun— ſcheidt! Stuel ieb, und ver, 1 ruͤhren mich Hm— dage⸗ heiratheſt= le Rechnung deiner! Geh ir ſind fertig. Her bſttag⸗ —— Funfzebhnter Auftritt⸗ Erneſtine. Wanner. Erneſtine⸗ Da ſchickt der Vater Papiere. Wanner. Gut. Erneſtine. Bruder Peter wird auch gleich hier ſeyn. Wanner. Gut. Küßt ſie. Kind— koſte ja dei— nem Vater keine Thraͤnen.— Lauf hin. Erneſtine geht ab. Sechzehnter Auftritt. Wanner. Peter⸗ Wanner. Wie ſind die Leute unten— ruhig? Peter. Alle ruhig, tanzen alle, da ſie mich wohl geſehen haben— Wanner. Iſt keiner mehr am Hauſe herum? Peter. Sie tanzen alle. Wanner. Deſto beſſer. Ich wollte wohl, du gingeſt hin, und gaͤbeſt Acht, daß Marien nicht zu viel geſchieht— 158 Herbſttag. Peter lebhaft. Gewiß, das leide ich nicht. Wanner. Ich bin dir recht gut. Peter. Das iſt ſchoͤn. Wanner. Trag den Ring von mir— Peter. Als was? Wanner. Als Ring. Peter. Noch habe ich keinen getragen, 106 der iſt auch der rechte nicht. Wanner. Warum? Peter. Ach ich moͤchte nur einen kleinen ſchlih 6 ten goldnen Ring haben— Wanner. So? Peter. Inwendig mit Buchſtaben. 1¹ Wanner. Aha!— Weißt du ſchon, welcht Buchſtaben? 0 Peter. Ach ja! A. F. 3 Wanner. Wie— wer iſt das? A— A? E Peter.— m! Wanner. Und noch einmal a? Peter. Hetnach—— Wanner. Amal— 2 Peter.— ia Ferſen! Ach wenn es Gott ſu gut mit mir vorhaͤtte! Wanner. Hm! Peter. Dann wollte ich eine eigne„Wieſ⸗ ſir. eine eigne Kuh, von der Ihr Jupiter allein die Milch haben ſollte— wollte ich halten. ch nicht. nir— tragen, abn⸗ kleinen ſchlih en. hon, welcht A— A? n es Gott ſo gne Wieſe fit ter allein die . Herb ſtetang. 139 Wanner. Guter Junge— das kann wohl nicht ſeyn— Aber dir wird es doch gut gehen. Denk daß ich dir es hier geſagt habe. Geh; den Ring behalte. Peter. Wozu? Wanner, Zu meinem Gedaͤchtniß. Peter- An Sie denke ich, wo ich einen guten Menſchen ſehe! Wanner. Geh jetzt. Peter. Und wenn ich auch Amalien nicht haben ſoll! Wanner. Du biſt ein braver Kerl— Peter. Ach es hilft mir ja doch nichts! Er geht ab. Wanner. Es iſt doch gut, wenn man keine Familie hat.— Kaum gehoͤre ich eine Viertelſtunde zu dieſer, und ſchon gebundne Haͤnde bey jedem Schritt! Schließt die Thür auf, die zu Lechnern führt, und ruft hinein: Herr von Lechner— Herr von Lechner! Von Lechner von innen. Ich komme! Wannet geht zurück. 160 Herbſttag⸗ —— Siebzehnter Auftritt. Wanner. V. Lechner. Denn Andreas Hernach P eter von außen. U Von Lechner. Man betraͤgt ſich ſehr abg⸗ ſchmackt gegen 5 Wanner. Man haͤtte kuͤrzer verfahren ſollen Von Lechner. Kann ich fort— Wanner. Gleich. Dieß Papier gehoͤrt Ihnen⸗ ſ. Von Lechner. Der Pachtkontrakt.— Wanner. Und Selberts Unterſchrift with d zuruͤck begehrt. Von Lechner lacht. Gut, gut. 6 Wanner. Sie haͤtten den Dank fuͤr den Sihn 8 mitfeiern koͤnnen, der auf Ihren Feldern gedieh⸗ f. ſtatt, daß dieſe Familie nun Sie bittet von hier ſ 8 a gehen, um ihr Gluͤck nicht zu ſtöͤren. Von Lechner. Hat Ihr alter Freund Sie 1 mich abgeſchickt, mir eine Predigt zu halten? Wohl n reden Sie; ich will hoͤren und dann gehen.— ſt Nun— thun Sie Ihre Schuldigkeit. Wanner. Ich thue ſie. Wir ſchießen uns. Von Lechner. Alter! 9 Wanner. Mit jungem Herzen. Nimmt ſoh 8 Piſtolen hersus. Undreas h ſehr abhge⸗ ahren ſolleh. oͤrt Ihnen⸗ kt.— ſchrift wich ir den Segeh rn gedieh von hier eund Sie au ilten? Woh, n gehen.— ießen uns. Nimmt jweh Von Lechner. Sie wollen— Wanner. Sie ſind gleich geladen— Waͤhlen Sie— und fort!— Von Lechner. Bedenken Sie, Sie ſind— Wanner. Alt! So ſchone ich Vater und Sohn— Von Lechner. Vater und Sohn— Wanner. Die Sie fordern wollen. Von Lechner. Sie nehmen da den Antheil— Wanner Eines Freundes! Daß Sie keinen ſolchen haben, begreife ich. Von Lechner. Einen Don Quixot nicht, der— Wanner beſtig.— Das Wort iſt hart— äber Sie reitzen mich nicht— denn ich bin gefaßt. Kalt. Ich habe es uͤberlegt, ich will es. Dieſe Geſchichte ſoll in Ihrer und Ihres Gleichen Lebensart einen Stillſtand machen— ſey es durch meinen Tod— aber Sie haben gefrevelt und ſollen buͤßen! Von Lechner!. Ich habe Herz— Aber, ver⸗ nuͤnftig geſprochen— wie kann eine Galanterie Sie ſo aufbringen? Wanner. Weil es Galanterie war; weil Sie um Galanterie, Vater, Tochter, Bruder— eine ganze Familie opfern wollten; weil Sie uͤber den Kummer lachen, den Sie angerichtet haben; weil Herbſttag. 11 162 Her bſttag. ich in Ihnen die ganze frivole Race zuͤchtigen will. Leben iſt mir nichts— fuͤr wehrloſe Tugend 0 ben— alles! Genug— fort! Von Lechner nimmt die Piſtole. Her! allons!— Wohin? Wanner. In das Waͤldchen dort auf der Hoͤhe. Von Lechner. Gut. Sie gehen. Noch eine Frage. Sie ſtehen an der Thür. Daunn ſchieße ich mich, wenn Sie wollen. Wanner. Gefragt! Von Lechner. Auf Ehre, inſultieren ſol“ die Frage nicht!— Sie gehen vor. Was iſt mein Vergehen? Wanner. Sie haben Sich um Marien beworben? Von Lechner. Ja. Wanner. Auf eine Art, die ihr eine Veß bindung hoffen ließ? Von Lechner. Auf gewiſſe Weiſe— ja. Wanner. Um von der Hoͤhe ihrer Tugend ſie fallen zu machen? Lechner zuckt die Achſeln. Sie geſte“ hen das? Von Lechner. Ich habe geſchwiegen— Wanner. Jetzt kommen Sie. htigen will. Tugend ſter⸗ allons! ört auf der Noch eine ze ich mich, ultieren ſol“ as iſt mein m Manrien reine Veß e— ja. Tugend ſie Sie geſte“ gen. Hernbſtta g⸗ 168 Von Lechner. Gleich!— Ich weiß, daß der aͤlteſte Sohn vom Hauſe auf der Univerſitaͤt einer Zimmermannstochter die Cour machte— Wanner. In ernſter Abſicht. Von Lechner. Wie ernſt mochte die ſeyn, da er ſie verlaſſen konnte? Wanner. Er kann ſie nicht heirathen— Von Lechner. Ich kann Marien nicht heirathen. Wanner. Jenes Maͤdchens Ehre iſt unge⸗ kraͤnkt. Von Lechner. Ich ſchieße mich fuͤr Mariens Ehre. Wanner. Seine Abſichten waren rein. Von Lechner. Deſto ſchlimmer.— Ich— gehe wahrſcheinlich ohne Mariens Achtung von hier. Er— ſteht wie der Held, der Ehre und Pflicht ſein Liebſtes opfert— ein liebenswuͤrdi ges Weſen— ſo ſteht er vor der Zimmermanns— tochter! 4 Wanner. Hml. Von Lechner. Marie iſt von ihrer Liebe geheilt— oder kann es werden. Die Zinimer⸗ mannstochter graͤmt ſich— liebt keinen andern— indeß der Oheim Wanner ganz ruhig die Hand des Geliebten ſeiner Nichte giebt, und dann doch 164 Herr b ſtetialg wieder mit mir uͤber das ſich ſchießen will, was er dott güt heißt! Wie— was 90 Ihnen Herz und Gewiſſen? Wanner: Palſe. Aehnlich iſt der Fall— abe nicht gleich⸗ Von Lechner. Gleich. Der angeſehene Pil vatmann— die Handwerksmannstochter. Der Edelmann— die Privatmannctochter. Ich opfte die edle Liebe eines guten Maͤdchens der Galah, terie— er der Ambition. Eines iſt etwas beſfen recht iſt keines. De Wanner. Ihre Rechnung iſt ſehr ungleich— Von Lechner. Leichter kann der Buͤrgt der minderen Buͤrgerin Wort halten, als dei Edelmann. Strafbarer iſt in dieſem Fall da Buütger—— und— mein Herr Licenziat, de Oleger)“ det der minderen Burgerin ſich ſchaͤm iſt ſtolßer als der Edelmann.— Wollen wi uns nun noch ſchießen— ſo thun Sie es für das, was Marie haͤtte riskieren— koͤnnen— ich füͤr die Zimmermannstochter, die ſchon du geopfert iſt!— Wer ſchießt dann mit dem beſtel Gewiſſen?, 33 Wa nner geht einen Aumsendte bey Seite, nimmt 1 dann die Piſtole. Keiner! Eine kalte Berbeugung. Gluͤtl. liche Reiſe! Klingelt dreymal. Von Lechner⸗ Uebtihens— U vill, was er U en Herz und Fall— aber zeſehene Pil chter. Der Ich opfte der Galah⸗ etwas beſſeß 570 r ungleich= der Buͤrge⸗ en, ſem Fall det icenziat, del ſich ſchaͤm Wollen wi⸗ Sie es fil —tönnen 'e ſchon auf! t dem beſten ite„nimmt ihn Gluͤd ugung. als det U Heer b'ſtet a g⸗ 165 Wanner. Nichts mehr!— Wenn Sie uͤber die Familie lachen— finden wir uns. Von Lechner. Ich fuͤhle Achtung fuͤr Sie, Wanner verbeugt ſich. Andreas. Befehlen?— Wanner. Gieb mir das Billet, was ich dir vorhin fuͤr deinen Herrn gab— Andreas. Er hats ſchon— eben habe ich es.— Wanner. In einer Stünde, ſagte ich dir Andreas. Ich haͤtte es vergeſſen moͤgen, 8 Wanner. Nun gleich viel. Beſorge den Herrn und ſeine Pferde und Leute heimlich von hier weg— Andreas. Sleich. eEr geht ab. Von Lechner. Ich moͤchte Ihnen and⸗ gen machen— wie aber?— Bekehrung— in mei— ner Jugend— hat nicht— Wanner. Man kommt— Von Lechner. Behutſamkeit wenigſtens— Peter von außen. Auf!— Die Thuͤr auf!— Wanner. Gleich!— Wenn Sie gluͤcklich auf der Hoͤhe ſind— Peter. Wanner. fuͤr uns- Herr Wanner— leben Sie? Ja doch!— Dann ein Zeichen 166 Herbſttag. Von Lechner. Mein Jaͤger ſoll— Peter ſprengt die Thür ein. Von Lechner. Adien! er geht ſchnell ab. Achtzehnter Auftritt. —— Wanner. Peter. Dann Selbert. Ama⸗ lie und Er neſtine. Peter ſtürzt auf ihn zu. Was haben Sie ge wacht umarmt ihn. Selbert den Brief in der Hand. Freund, um Got⸗ tes willen, was thuſt du? umarmt ihn. Amalie umfaßt ihn von hinten zu. Onkel! Ern eſtin e nimmt an Peters Seite ſeine Hand, weinend, Ach lieber Herr Wanner— Wanner. Was iſts? Was faͤhrt euch allen in die Koͤpfe? Amalie. So— wollten Sie mich wegſchicken? Selbert. Dein Leben opfern? Wanner. Es iſt ja nichts draus geworden. Da— ſeht! Mein Kopf iſt noch ſo ganz mein, als der Kopf eines Advokaten ſeyn kann, und der Puk, pur meiner Naſe iſt nicht erblaßt! Uab. t. Am g⸗ * n Sie gey d, um Got⸗ el! and, weinend, euch allen vegſchicken? geworden. z mein, als id der Put' Herbſttag⸗ 167 Peter. Scherzen Sie nicht. Mir zittern die Kniee noch, und mir iſt ſo zu Muthe, daß ich laut weinen moͤchte. Selbert. Sieh, wie mir die Thraͤnen herab— rollen— beſſern Lohn habe ich nicht. Peter. Iſt das die Genugthnung, die Sie uns— Wanner. Erhebt ihr nicht ein Geſchrey, wenn ein alter Invalide findet, daß er ausgedient hat, und daß es beſſer iſt, junge Burſche bleiben auf den Poſten, als er! Was haͤtte es denn geben koͤnnen?— Krankenbeſuche und Mediein haͤtte ich erſpart. Hm— habe ich doch weiland auf der Univerſitaͤt fuͤr manchen Landsmann, der kein Herz hatte, mehr gewagt, als ich hier fuͤr meinen beſten Freund wagen wollte! Wollte! Geſchehen iſt nichts. Da liegen beide noch geladen? alſo komplimentiert mich weder mit Worten, noch mit Thraͤnen.— Ah die Großmutter! Heer beſttag⸗ Neunzehnter Auftritt⸗ Die Vorigen. Frau Saaler den Fritz geführt. Frau Saaler. Lebt er denn noch? Alte. Ja, Gott Lob! Fritz. Haben Sie ſo Wort gehalten? Wanner. Meinem Herzen! Frau Saaler. Ein feiner Mann! Setzt ſic. Mir zittern alle Glieder. Wirft funfzig Jahte hinter ſich— Wanner. Nun— Frau Saaler. Und die geſunde Vernunſt mit! Schießen? Iſt das chriſtlich? Wanner. Liebe, alte Freundin! Frau Saaler. In Ihren Jahren noch ſo toll? 5 Wanner. Der erſte Wurf iſt der beſte. Uebrl gens unterwerfe ich mich dem Gericht nicht; denn wenn uͤber ein Duell Großmüͤtter zu Gericht fah ren— ſo iſt kein Erbarmen; und ich moͤchte doch noch bey euch bleiben. Friede, Muͤtterchen!— ritt⸗ aler oen E lten? in! Setzt ſich. ufzig Jahte de Vernunſt hren noch ſo beſte. Uebri— tnicht; denn Gericht fah— moͤchte doch uͤtterchen!- He rab ſt ta g⸗ 169 Gnade dem alten Suͤnder! Sein Herz hat's gut gemeint! Fritz umarmt ihn. O wie fuͤhle ich das! Wanner macht ſich los. Weg, Burſche— Du haſt den Handel verderbt. Fritz. Ich? (Selbert. Was hat mein Sohn— eter. Bruder Fritz? Wanner. Wenn eine Partie boͤſe Sache hat— ſinkt mir der Arm. Fritz. Was habe ich gethan? Wanner. Hoͤrt ihr Leute— Der Menſch iſt in eine Zimmermannstochter ernſtlich verliebt— Fritz tritt einen Schritt mit gefalteter Stirn zurück. Alle ſehen auf ihn, hat nicht das Herz ſie zu heirathen, weil er hoͤher will. Da wir eben am Schuß waren, fragt mich Lechner: Ob ich Recht haͤtte, ſeine Hei— rath zu ſtiften, da das Maͤdchen vor Gram des Todes ſeyn koͤnnte? Pauſe. Frau Sagler ſteht auf. Da iſt die Sache— Richtet! Paufe. Fritz ſchlägt die unter, ſieht auf den Boden. Selbert. Fritz! Frau Saaler geht ganz vo und ſieht ihn an. Eine Zimmermannstochter? Fritz hält die Hand vor die Stirne. Wanner. Iſt ſie euch zu wenig? 170 Herbſttag⸗ Frau Saaler. Fritz— eine Zimmermanns tochter? Fritz wirft ſich in einen Seſſel. Wanner. Lieber die Zimmermannstochter fuͤr den Buͤrger als ein Fraͤulein! Sie bringt ihm eine Axt ins Haus. Gut, die ſteht hinter det Thuͤr und ſchadet niemand. Wo aber ein Perga— ment mit einer Kapſel in ein Buͤrgerhaus mitz gekommen iſt— das moͤgt ihr unter noch ſo viel Schloͤſſer legen, es bruͤtet euch Unheil und Thorheit. Fritz ſteht auf. Ich liebe ſie. Amalie. Das— giebt Selberten das Porträt. iſt ſie.— Selbert. Ein gutes Geſicht! Peter. Vater, laß mich auch ſehen, wer den Bruder zahm gemacht hat. Wanner. Was meint ihr? Soll ſein Ehn geitz die weiße Fahne ausſtecken? Peter. Du ſchaͤmſt dich, weil es eine Zim⸗ mermannstochter iſt? Und ſie hat ein ſo ehrlich Geſicht, und ein ſo ſchoͤn Geſicht— daß ich ihr recht gut bin. Selbert. Iſt das deine Billigkeit? Fritz wendet ſich ab. Selbert. Deine ſtrenge Gerechtigkeite Fritz weint und verbirgt es. 40 nmermanns— nstochter fuͤt bringt ihm hinter det rein Pergat haus mitz noch ſo viel Unheil und 's Porträt. iſt n, wer den ſein Ehr s eine Zin n ſo ehrlich daß ich iht Henb ſtt: a 9 171¹ Selbert. Du haſt gegen dein Herz gearbei— tet— und biſt dir— uns— und wir dir fremd geworden!— Fritz ſchluchzt laut und geht ab. Wanner. Laßt ihn; ſein Herz bricht, der Verſtand ſchaͤmt ſich. Wenn die Kinder roth wer— den, ſind ihre Thraͤnen nahe. Amalie. Ich will ſie fließen machen, dieſe Thränen. Sie folgt Fritzen. Frau Saaler. Eine aͤchte, rechte Liebſchaft? Wanner. Ja. Frau Saaler. Und da hat wieder der Vater nichts gewußt? Wieder Ein tauſend ſieben hundert und neun und neunzig! Wanner. Sie haͤtte ihn gebildet, ſagt er. Selbert. Das wußteſt du?— Wanner haält die Hand vor die Augen. Freylich. Selbert. Wollteſt das Maͤdchen opfern? Wanner. Ich wollte hoch hinaus mit ihm und Amalien. Duͤnkel! Selbert. Und dieß Maͤdchen, er giebt der Frau Saaler das Porträt. die ein ſehr edles Geſicht hat, hintergehen? Wanner. So fragte Lechner mich auch, und darum ſtand ich wie ein alter dummer Junge gegen ihm uͤber. Er brachte meine Hand aufs Herz— 172 Henribſt ta g. 3 ich den Hahn in die Ruhe, die Piſtelen guf den Tiſch— will nun Heirathen ſtiften, dann auf meint Stube gehen und mich aͤrgern, daß die Jahre von uͤber ſind, wo man erſt ſchießt und dann fragt.— Kreuze nicht mit den Augen gegen mich, Muͤtter, chen. Ich haͤtte den Menſchen nicht ermordet, und mein Tod waͤre ein glorreicher Tod geweſen, füͤ die Tugend, meinen alten Freund und ſeine Kin der.— Manche alte Burſchet— von denen, die noch hier und da auf Amthauſern vorhanden ſind— haͤtten ihr Pfeifchen ausgeklopft und ge⸗ rufen:—— Unſer Wanner iſt doch fidel geſtüh ben!— Das iſt der Text, den ich zu meiner Lel chenpredigt wuͤnſche. Peter. Wenn ich nun waͤre wie Sie— f. lebte ich fidel.— Ich ſprache; Amalie, du ſolſ dem Zimmermannsmaͤdchen das Herz nicht zerrel ßen— und dem Peter auch nicht. Geh hin= gieb deine niedliche Hand an Petern. Er iſt ein ehrlicher Kerl.— Er wird fuͤr dich, mich, Vatt und Großmutter thun, was er weiß und kann— Wir wollen zuſammen fidel ſeyn.— Wanner. Du— Landmann!— Wenn Alig lie dich will Peter ſpringt auf Ein Wort? Wanner. Topp! Peter. Vater?— Selbert lächelt. Vater laͤchelt! Victöria!— Gott Löb! Der Peter iſt Braͤutigaml Er iſt in fröhlichen Springen hinaus. olen qauf den un auf meine ie Jahre von ann fragt.— ich, Muͤtter⸗ rmordet, und geweſen, füͤ ide ſeine Kin/ n denen, die n vorhanden lopft und ge⸗ fidel geſtoh u meiner Lel bie Sie— f tlie, du ſolſl nicht zertel Geh hin= Er iſt en mich, Vatt und kann ⸗ — Wenn Ain Vater laͤchelt! t Braͤutigam! Heer'b ſtetea ge 175 Wanner. In einem Jahre iſt ſie muͤndig— dann hoͤrt meine Verantwortung auf— So lange wartet:.. Frau Saaler. Ja— dann laͤßt ſich freylich auch eine Einrichtung machen 1. Ziw annzigſter Auftritt Vorige. Marie- Marie küßt Wanners Hand. Ich bin es nicht werth. Man hört in der Ferne blaſen. Wanner. Lechner iſt in Sicherheit. 3 Saaler! Iſt er fort? Selbert. Gut.— Wanner. Marie— wie iſt Ihnen, wenn wir von Lechnern ſprechen? Marie, Leicht— wie nach einem ſchweren Gewitter. Wanner. Trefflich! Braves Maͤdchen 1 PPPUEPPU ˙000 Her bſttag. —— Ein und zwanzigſter Auftritt, Vorige. Peter und Amalie. Peter der Amalien im Scherz herein zieht. Sie will, ſie will, ſie will! Amalie. Onkel? Wanner. Da— Er giebt ſie Petern. Habt Euchl Er bringt ſie zu Selberten. Selbert umarmt ſte. Seyd gluͤcklich! Peter führt ſie zur Frau Saaler. Da iſt eine Tocht ter, die ſo gut wird als meine Mutter. Sie weiß, daß ich dich lieb habe, und wird herzlich gut gegen dich ſeyn. Lege deine liebe Hand auf ſie— das ſſt eine gute Vorbedeutung. f Frau Saaler ſteht auf und ſteckt ihr einen Ring an, Sey wie meine Luiſe— und lebe laͤnger! Selbert. Liebt euch, wie wir uns liebten. Wanner. Und mich laßt nicht allein! Peter geht zu Wannern. Amalie zu Selbetten. Herbſttag. lẽuftritt. Zwey und zwanzigſter Auftritt. alie. Vorige. Fritz. t. Sie wil, Fritz. Vater— Selbert. Wir ſind hier ſehr gluͤcklich— Fritz mit unterdrückter Bewegung. Ich habe einen Reitenden weggeſchickt— ich hoffe ſie wird kommen— Selbert. Ich bin mit dir zufrieden— Fritz. Damit Sie ſie ſehen— iſt eine Toch Selbert. Und dann— Sie weiß, Fritz. Wenn ſie Ihnen gefaͤllt— ich gut gegen Selbert. Ich denke ſie wird mir gefallen. ſie— das ſt Fritz. Halte ich es fuͤr meine Schuldigkeit ſie zu heirathen. e Selbert. Schuldigkeit nur? 2. Fritz. Und Gluͤck, Wonne, Segen meines s liebten— Lebens, den— Selbert. Recht.— Komm, laß dein Herz an dem meinen ſchlagen, unſre Thraͤnen ſollen zuſam⸗ men fließen. Du folgſt dem Herzen, und es wird dich lohnen.— Sohn— wehe dem Lande, deſſen Richter nie weinen will— er weiſet den Schutz⸗ engel der Unterthanen ab! Wanner geht hinten auf und ab. Habt Euchl h! lein! 176 Herbſttag. 7 Frau Saaler. Komm, Fritz— komm her. Fritz geht zu ihr. Frau Saaler. Du ehrſt deinen Vater, wie es ſich gebuͤhrt.— Sie hat ein Kreuz um den Hals gebunden. 1 Gieb das deiner Braut, wenn ſie ankommt; es iſt ein Kreuz von ſchoͤnen Roſetten; mein ſeliger Hert ſchenkte mir es an meinem Geburtstage. Das be⸗ deute dir: Wer hier Kreuz traͤgt— glaͤnzt oben. Fri 6. Dank Mutter— aus vollem Herzen. 1 Wanner kommt vor. Hoͤre— ich will dir auh ein Kreuz ſchenken— meine Praxis in der Stadt Die Thraͤne der geretteten Unſchuld glaͤnzt auch ſchoͤn! Selbert. Zuſammen leben wir— Wanner. Bey einander ſterben wir— G deamius igitur! Rüftkaus dem Fenſter. Hoͤrt ihr du unten, ihr Taͤnzer und Springer— Gaudeamus igitur! Bringt euern Herbſtkranz her— eure Muſh eure huͤbſchen Maͤdchen— herauf, herauf! Frau Saaler. Die Schwiegertochter wird mir eher guten Tag geben, als bonjour. Erneſtine. Ich darf deiner Braut doch ein Tuch naͤhen? Fritz. Es ſoll ihr beſter Schmuck ſeyn. Selbert. Fritz, du machſt alles, wie 0 eõ wuͤnſche. Peter. Und Peter 1 auch nicht abel! komm her. Vater, wie Hals gebunden. umt; es iſt ſeliger Hert e. Das bi izt oben. m Herzen. bill dir auch der Stadt, glaͤnzt auch vir— Gau. Hoͤrt ihr dd Gaudeam -eure Muſſh auf! rtochter wii 5 aut doch ein ſeyn. „wie ich es uͤbel! Herbſttag⸗ 177 Amalie. Peter iſt gut. Wanner. Da laſſe ich das Maͤdchen Ita— liaͤniſch lernen, Engliſch, Singen— Mahlen— und nun will ſie Sallat ſetzen, Heu machen— bleichen— Peter. Das lerne ich ihr; ſie mir das andre. Gute Nachbarn tauſchen— Küßt ſie. Tauſche! Frau Saaler. Petek! Es iſt doch ein ungezogner— Wanner. Braͤutigam! Die Leute haben ſo ihre eigne Etikette. Erneſtinen laßt mir ſtatt der Nichte. Jupiters erſte Hofdame. Herbſttag⸗ 12 178 Her beſtta g. — Drey und zwanzigſter Auftritt. Andreas mit einem M aͤ d chen am Arnz, Vorige. Andreas. Iſts wahr— wir ſollen kommelk“ Selbert., Herein! Peter. Alle! WAmalie. Herein! Eritz⸗ Ja doch! Andreas. Kommt herein— alle— kommt: die Muſik auch, nur herein! Heer b'ſtet a g 179 ——— ftritt. Vier und zwanzigſter Auftritt. Einige Maͤdchen. Landmuſikanten. am Arme.“ 5 Ländliche Muſik. Die Vorigen. Selbert. Freund— trage den Kranz, den du uns gewunden haſt!— Wanner. Nein! Und haͤtteſt du mir ihn lieber nicht gezeigt— er hat meine Heiterkeit verjagt. 85 81 Selbert. Weßwegen? Wanner. Herbſttag!— Dieſer Kranz iſt — kommt- Segen eures Herbſtes— des deinen! Werde ich doch faſt unmuthig— indem ich deinen Segen betrachte, und mein duͤrres Feld! 2 Selbert. Wanner! Wannek. Laſt des Lebens habe ich getragen— und doch fuͤhle ich mich leer— denn ich habe dem Staate keine Kinder gezogen. Onkel! Peter. Vater! Wanner. Gut, gut!— Antheil habe ich— das iſt ſchoͤn!— Wenn ihr nun aber nicht ſo gut waͤret— wie dann? Freund, du haſt ſehr Recht— Hm! da wandelt man herum— ſpielt die ſchoͤne en kommen!? 186 Herr b ſtet a g⸗ Figur— wird alt und älbern— und— ein Hund, eine Katze, ein Papagey, kareſſieren den Stroh— mann, an dem nichts und der an nichts haͤngt! Selbert. Wir haͤngen alle an dir. Wanner. Dein Herbſttag iſt ſo geſegnet da ſtehen die Fruͤchte gluͤcklich eingebracht, Der Wind fuhr wohl uͤber die Aehren, nimmt Fritzen und Marien an der Hand. er bog ſie— aber er zerknickt ſie nicht. 225 Selbert. Dafuͤr danke ich Gott! Peter. Und die ſchoͤnſte Wieſe, fuͤr eine eignt Kuh— und die beſte Milch foll Jupiter haben.— O ich halte Wort! Wanner. Wort halten? Danach ſiehſt du aus— und das macht mich friſch. Mutter!— von Ihrem Beyſpiel kam die gute Ehe— von Beyfpiel alles Gute, was auch mit auf mich faͤllt— Mutter!— trage dieſen Kranz— dieſt Krone, die mir heute ſo viel ehrwuͤrdiger geworden iſt, als eine in der Welt— die Krone haͤuslichen Segens!— Giebt ſis ihr, faßt ihren Arm. Selbert, fuͤhre deine Mutter— Selbert thut es. Wanner. Zeige deinen Bruder den frohen Landleuten— Mutter— zeigen Sie mich als Ihren Sohn— der doch fremde Freuden getn anbauet— wenn auch ſeine brach liegen.— Faßt jedes ein Band von dieſem Segenskranze, ihr jungen Leute. —ein Hund, den Stroh haͤngt! „ * geſegnet racht. Der imt Fritzen und er zerknickte uͤr eine eigee er haben.— ich ſiehſt duf Mutter!—- Ehe.— von it auf mich anz— dieſt zer geworden e haͤuslichen Selbert, fuͤhte den frohen ie mich als Freuden gern gen.— Faft skranze, iht Herbſttag. 181 Fritz und Marie, Peter und Amalie nehmen jedes eines zu beiden Seiten. Erneſtine voraus. Wanner. Wir machen die jungen Paare be⸗ kannt— der Becher geht herum, und die Mutter und ich fuͤhren den Ehrentanz auf— dann ſetzen wir den Herbſtkranz in die Mitte, und ich lerne jedem— Gaudeamus igitur!— Wer es nicht ver⸗ ſteht— ſieht mirs aus Herz und Auge leuchten, und fühlt es— Gaudeéeamus igitur! Muſik voraus.— Sie nach.— Bauern ſchließen.— Der Vorhang fällt. Geri m ma, gedruckt bey Georg Joachim Goͤſchen.