E E A E E E >;: E SEAE ES NS GS Ś= y vi— á á É dg Èz z k É s Sit f N 5` E A oS} IA onite DEER ax eO E EO E RE L EEG O OO TSG O OO GREM FOO Eag$>——ꝛ— s G- r K i A b> BAUDE Gig g EAA EVIUS D DODOL ne OOO 4 RLI y — N, y HHANDLUNG: ~ kad GR VON TEV Z CARLSRUHF vxo BADE R. RLAG DER D. DEEN SU À £ — $ ENA RRAUD:!I BL x i ND- G EN 0 I f A N I O OEE E OEE A i y s 23 y IN $ z LN, i ICHNUNG SCH UND ? HOH T Gt BAD F11 È ; AF IHRE MAR 5 * MI x — VE DER FRAU MARR a Q z ea T J o e A s a bd — res — © N 0 — EH SD] a S TOTOE OAU ONU OCEA < OPOE E AE h LDA A A A a Ny N f Ri J 4 A ; fi A L| A s i maA Sr E T$ A SAO E A EE —— — — — Saes iiei n ae S a a aM ENNER——— —...........—...——.— Í Da $ | A t H a S f i STADT- GARTEN-v LANDGEBÄUDE IHRER HOHEIT DER FRAU MARKGRÄFIN CHRISTIANE LOUISE VON BADEN ENTWORFEN UND AUSGEFÜHRT VON FRIEDRICH WEINBRENNER, CROSHERZOGLICH BADISCHEM OBERBAUDIREKTOR ERSTES HEEL TALAL LUTT LTT na NT R R T aT a a i a i< GARTEN-GEBAUDE. p a a ie a a d i i iii i MIT VII ZEICHNUNGEN ; AUF STEIN. CARLSRUHE unb BADEN, VERLAG DER D. R. MARX’SCHEN BUCHHANDLUNG., i82 ċ Ta oer A e aere—·T— ar q ——„—ñ Ea — XUSGEFUHRTE UNxD PROIECTIRTE VON FRIEDRICH WEINBRENNER, GROSHERZOGLICH BADISCHEM OBERBAUDIREKTOR. ERSTES HEEFT. STADT-, GARTEN- un» LAND- GEBÄUDE IHRER HOHEIT DER FRAU MARKGRAFIN CHRISTIANE LOUISE VON BADEN. MIT VII ZEICHNUNGEN AUF STEIN, — ¶¶ů CARLSRUHE unb BADEN, VERLAG DER D: R. MARX’SCHEN BUCHHANDLUNG: 18 2 2 IRER HORHEIT DER VERWITTWETEN FRAU MARKGRAFIN ZU BADEN R ee GEBORNEN PRINZESSIN ZU Nassau~- USINGEN IN ALLER ÜNTERTHANIGKEIT GEWIDMET VERFASSER. — e n aa a E S S AEE S A SOT aa aaa a a a a a TE PE ˖ Durchlauchtigete Markgräfin, Gnädigste Fürstin und Frau! Poa Hoheit wage ich, in tiefster Verehrung, eine: Ar- beit zuzueignen, die ihr Daseyn nur allein hochst Ihrem bewahrten Kunstsinne zu verdanken hat. ' Nicht jedem Verehreřt der Kunst und Beschauer jener freundlichen Anlagen, welche Hochstdieselben durch mich entwerfen und ausfuhren zu lassen die Gnade hat- ten 2 kann der erhabene Zweck und der zarte Sinn be- kannt seyn, der Eure Hoheit bey- Stiftung und Voll- führung derselben so groſsmüthig geleitet hat. Erlauben daher Eure Hoheit mir, durch diese historisch- artisti- sche Darstellung, dem grofsern Publikum von den schonen Absichten, die dieser Furstlichen Schõöpfung zum Grunde liegen, nahere Kunde geben, und zugleich damit Eurer Hoheit meinen unterthanigsten, geruhrtesten Dank dar- bringen zu dūrfen für das— bey deren Ausfuhrung eben so huld- als nachsichtsvoll in meine geringen Kenntnisse — gesetzte Zutrauen— das ich durch möéglichste Auffassung dert so gemūthlich und’ vielseitig angeregten hohen Zwecke zu verdienen stets bemuht war und seyn werde Eurer. Hoheit| Karlsruhe, den 30ta August 1822, unterthänigst gehorsamster Friedrich Weinbrenner. .˖ +—.......%˖i⅜q........Äͤ i VORERINNERLUNG. Moe Kunstfreunde und Künstler, welche die seit ohngefähi-20 Jahren in Karlsruhe aufge⸗ führten öffentlichen und Privat- Gebäude sahen, haben sehon öfters die Herausgabe dieser Baú- pläne gewünscht, und ich war auch schon selbst genöthiget, von verschiedenen derselben Copien fertigen zu lassen, was dann immer mit Umständen und einem Kostenaufwand verbunden war; den nicht ein jeder zu bestreiten vermag. In der That müssen auch neue Gebäude, welche das Gepräge des Zeitgeistes der Kunst, wenn gleich nicht im Allgemeinen, doch wenigstens aus dem Lande, in welchem sie entstanden sind, an sich tragen, dem Künstler sowohl als auch dem Kunstfreuñd anderer Länder, wenn er auch die Ausführung derselben nicht gesehen hat, dennoch ein besonderes Ïnteresse gewähren, und so rechtfertigt sich mein Vorhaben, die vorzüglichsten der von mir, während meiner hiesigen Anstellung, ausgeführten Gebäude lithographiren zu las= sen uhd herauszugeben, Ob ich gleich’ während meiner ogjährigen hiesigen Anstellung, seit ich aus Italien zurück bin; in der so traurigen französischen Revolutions-Periode, wo der Krieg die Hauptrevenüen meines cheuren Vaterlandes verschlang, nur mit sparsamen Geldern zü bauen hatte, und daher bey n nen Entwürfen oft vielfach beschränkt war, und nür sèėlten an einé königliche Pracht denken durfte, so hatte ich als Baumeister doch, vor vieleń anhdeïn; den Vorthėil, unter kenntniſvollen Fürsten, wie der Höchstseelige Grofsherzog Karl Friedrich und dessen erhabene Nachfolger, Werke der verschiedensten Art, als Kirchen, Palläste; Theater; Kasernen und andere öffentlichë Stadt- und Landgebäude auszuführen, wozù eine eben erst im Seegen des Himmels aufblühende Residenz wie Karlsruhe, die seltne Gelegenhėëit bot, und dies in einer Zeit, da mehrere anderë Städte vernichtet wurden, und in den Bedrängnissen langer, verheerender Kriege, andere Baus meister ihre Kenntnisse und Talente nicht geltend machen konnten: Bey meiner Rückkehr nach Karlsruhe sah ich mich indessen ganz isolirt, von Künstlern und ge- schickten Bauhandwerksleuten entfernt, und mufste mir daher bey der Ausführung meiner Gebäude 1 i; i e— SES Eaa EE A EASON E CEES O SEREAS EE 2 erst nach und nach die nëöthigen Gehülfen bilden und herbeyzuschaffen suchen,` Die Ausübung meiner Kunst ist daher der Anpfanzung eines noch nicht urbaren Feldes zu vergleichen, dessen Bearbeitung zwar mehr Mühe und Arbeit als ein anderes kostet, welches aber auch für die Kultur um so empfänglicher iste Ich mufste dieses bemerken, damit meine künstlerischen Bestre- bungen nicht etwa da und dort ein einseitiges Urtheil erfahren. Bey beschränkten Mitteln und der oft vielfach hemmenden Abhängigkeit von Bauherren und andern Verhältnissen läfst sich nichts Ausserordentliches leisten, und indem ich meine, theils wirklich aufgeführten, theils blos projektirten Gebäude dem kundigen Publikum vorlege, mufs ich recht sehr wünschen, jene Umstände nicht aufser Augen zu lassen. Wenn man indessen in der Anordnung meiner Gebäude— sey's im Ganzen oder in einzel- hen Theilen— Abweichungen von den gewöhnlichen Vorschriften anderer Architekten und manches mir Eigenthümliche finden sollte, was nicht gehörig begründet scheinen könnte, so muls ich, in dieser Hinsicht, auf mein architektcnisches Lehrbuch verweisen, wo die nöthigen Auf- schlüsse gegeben sind. Uebrigens bitte ich, die Folgereihe von Gebäuden, dìe ich in dieser Sammlung mittheile, als das Resultat meiner langjährigen. Studien alter und neuer Bauwerke, so- wie der verschiedener Theoreme dieser Kunst, anzusehen. Der ausübende Baukünstler, wenn er nicht bloser Copist ist, wird seinen Produktionen mehe oder weniger das Gepräge individueller Ideen und Ansichten aufdrücken, und dadurch kund thun, in wie fern ihm der Geist der Architektur offenbar geworden. In dieser Beziehung eig- nen sich wohl auch solche Darstellungen besonders für junge Künstler, indem ihre Erfindungs- Kraft mannichfach angeregt und ihrem Nachdenken ein gröfserer. Spielraum geöfinet wird. In diesem ersten und zweyten Heft, welche gleich nachėinander erscheinen, und wovon ein jedes ohngefähr 7 lithographische Blätter enthalten soll, theile ich die Gebäude Ihrer Hoheit der verwittweten Frau Markgräfin Christiane Louise von Baden mit, welche ich zum Theil bey Lebzeiten Sr. Hoheit des Höchstseeligen Markgrafen Friedrich, zum Theil aber erst jetzt nach dessen Ableben ausgeführt habe. Hierauf werde ich, in unbestimmten Zeitfristen, wie es mir meine Berufsgeschäfte erlauben, die übrigen Hefte nach einander folgen lassen, so dafs ich glaube, in einigen Jahren den gröfs- ten und interessantesten Theil dieser Gebäude liefern zu können. TO a L ———- ——— am -p D g ERSTES CEBLAU IPE Dåàs Garten- Palais Ihrer Hoheit der Frau Markgräfin Friedrich, mit seinen übrigen Umgebungen, gehört wohl zu den schönsten und interessańtesten Anńlagen der Residenzstadt Karlsruhe, Die Entstehung, dieses nunmehr so besuchten Garteńs, ist ein schönes Zeugniſs von dem-edlen Sinn und zarten Gefühl der erhabenen Fürstin, welche durch diese Anlage, eine Lieblingsidee ihres verstorbenen Gemahls ausführen, und zugleich in einer harten Zeit, den Dürftgen Arbeit und Lohn zuweisen wollte. Se. Hoheit der Höchstseelige Markgraf Friedrich, hatte schon mehrere Jahre vor seinem Ableben die Gnade gehabt; mit mir öfters über die Anlegung eines Gartens auf einem inner- halb der Stadt gelegenen ohngefähr 12 Morgen grofsen Terrain zu sprechen. Auch liefs et einige Plane von‘anderen Künstlern dázu fertigen, welche'aber niemals Höchst seinen Beyfall erhielten. Aus Mangel eines annehmlichen Plans, noch mehr aber, weil der edle Fürst die hiezu bestimmten Gelder für wohlthätige Zwecke verwenden, und der Armuth Hülfe bieten woll- te, unterblieb die Ausführung, bis endlich im Mai 1817 der Tod den allgeliebten und hoch= sinnigen Fürsten von dieser Welt abforderte und seinem stillen, frommen Wirken entzog. Im tiefen Gefühl dieses Verlustes nahm sich die Gemahlin des Verewigten nun vor, seine Lieblingsidee zu realisiren, und ihm dadurch ein anziehendes Denkmal zu errichten. Noch in demselben Jahr, welches uns den trefflichen Prinzen entrifs, legte Sie den Grundstein zu dem Palais; es war eine harte Zeit der Noth und der Theurung, und so wurde dał Unternehmen zugleich wohlthätig und seegenvoll für viele, Nachdem ich Anfangs Augusts 1817 von meiner Reise von Leipzig, wohin ich wegen des dortigen Theaterbavw’s auf einige Monate gereist war. zurückkam, geruhten Ihro Hoheit die Frau Markgräfin Frie drich, einen vollständigen Bauplan für die ganze Anlage von mir zü verlangen. Ich suchte darin die Wünsche und Ansichten der erhabenen Fürstin mit der Haupt- idee des Ganzen in Einklang zu bringen, der Plan erhielt Ihre Genehmigung, und es wurdë 4 am 20ten August 1817 als dem Geburtstag des Höchstseeligen, dessen theurem Andenken die ganze Anlage gewidmet seyn sollte, der Grundstein gelegt, Herr Hofrath Alois- Schreiber hielt bey dieser Gelegenheit eime sehr schöne Rede, welche ich hier Buchstäblich einrücke,'in- dem sie die edle Absicht dieser Anlage ganz umfassend ausspricht. REDE AM 20. AUGUST 181% Der Tag, an welchem der Grundstein zu diese neuen Anlage gelegt wird, mufs in jedem gefühlvollen Herzen heilige Erinnerungen erwecken., Es ist der Geburtstag des edlen Fürsten, dessen schönes Leben dem Wohlthun geweiht war, und der, in einem tiefgesunke- nen Zeitalter, das Beyspiel einer reinen'unwandelbaren Tugend gab. -Wer unter uns nennt nicht mit dankbarer-Rührung-den Namen-des zu früh von uns * genommenen Markgrafen Friedrich! Fin herrliches Denkmal. hat sèr'siċh“selbst iù unserm Herzen errichtet, und ein sinni- ges Denkmal will ihm an dieser Stelle die ʻedle Gefäbrtin seines Lebens‘stiften, in einer Be- zięhung, wie nur das zārteste Gemüth-sie“4uffassen kann. Seit vielen Jahren hatte der‘edle Fürst dieseħ Platz zù einer‘Garten- Anlage bestimmt, denn er trug gern bey zur Verschönerung semer geliebten: Vaterstadt, und lebte gerne wie alle Menschen, die Frieden in- sich-selbst haben, im Erieden der Natur. Nie trennte. er sich: von diesem freundlichen Gedanken, aaber nie auch konnteé er sich zur- Ausführung ent- schliefsen, weil er gewöhnt war, sein Vergnügen jeden:-Augenblick einem edlern Gefühl- zu opfern. Die Stimmen der Noth.,‘die Seufzer des Elends, drangen von allen Seiten, zu sei- 7 7 g: nem Ohr und zu seinem Herzen, und für ihn gab es keinen Lieblingswunsch mehr, so bald er Thränen zu trocknen wufste. Keinem von uns kann unbekannt seyn, wie unermüdlich der Verewägte im Wohlthun gewesen, aber die schönsten seiner'Thaten blieben den Augen der Menschen verborgen, und nur sein Schutzgeist hat sie‘aufgezeichnet und wird sie einst geltend matchen, dort, wo von allen Herrlichkeiten des Menschen nichts in die Wagschale gelegt werden darf, als das Herz. Auch die Summen, welche der Markgraf zù Anlegung dieses Parks" bestimmt hatte, wurden von ihm für Unterstützung der Nothleidenden verwendet, und der Himmel schien die lang- sam glimmende Lebensfackel des edlen Fürsteù nur darum noch zu erhalten, damit in einer bedrängten, trostlosen Zeit, dem Elend eine Zuflucht bliebe und dem zweifelnden Gemüth der heilige. Glaube an Menschénwerth und Vorsehung. Jetzt, da die Tage der Noth vorüber sind, hat die erhabene Gemahlin des Verstorbenen, die treue, liebreiche Gefährtn auf sei- nem. stillen Lebenspfad, die edle Ausspenderin seiner Wohlthaten, es als eine theure Pflicht angesehen, den Lieblingswunsch des Verewigten zu erfüllen und ihm dadurch ein sinnvolles Denkmal zu setzen. S — ͤ p— 3 4 i f „men Vertrauens, der unerschütterlichen Rechtlichkeit, 5 Unserm Oberbaudirekter Weinbrenner wurde der eħrenvolle Auftrag, den Plan zu ent- Merien damit das Werk würdig sey des Namens, der es schmücken soll. Der Durchlauchtigsten Fürstin treue Diener werden die Ausführung fördern helfen mit Einsicht und anerkanntem redlichen Willen, und sò wird bald unsere Stadt durch einen ländlichen Ruhésitz verschönert seyn, welcher die theuersten Erinnerungen in sich bewahrt. Auch soll er allen guten Menschen offen stehen, denn hoch hervor leuchtet Menschenfreundlichkeit unter den Tugenden des erhabenen Fürstenpaars, dem wir diese Anlage verdanken, und in welcher sich die bildende Kunst liebend an die Architektur anschlieen wird. Ibr, die ihr hier versammelt seyd, wenn ihr nun bald wandelt in den Schatten, unter den Blüthen und Blumen des Bodens, der jetzt noch öde da liegt, o, so ehrt in eurem Herzen das Gedächtnis eines Fürsten, der uns ein Beyspiel war der Einfachheit„der Mäſsigung, des from- eines Fürsten, der, wie die freundliche Natur, sein‘Daseyn nur in wohlthätigen Wirkungen offenbar machte, dessen milder reiner Blick vohl das Laster zurückschreckte, aber nicht das schüchterne Verdienst und die zagende Armuth; der ein Herz‘hatte für die Leiden seiner- Mitmenschen, aber keines für die Einflüsterungen-des Ehrgeizes, der Habsucht, des Dünkels oder irgend einer niedrigen Leidenschaft; der der Noth half, aber nicht der Ruchlosigkeit, Geist des edlen: Hingeschiedenen, gewifs blickest du herab in dieser feyerlichen Stunde auf die, welche deine Liebe besafsen und dein Wohlwollen!= O! sieh die Thränen des Dankes-in unsern Augen zittern, und vernimm gern aus unserm Munde deinen gefeyerten Namen, hier an der Stelle, die du dir erkohren hattest. Und Du, edle Fürstin, die ihn verstanden in seinem Thun und Wollen, die in-dèn heitern, wie in den dunkelsten Tagen seiner- irdischen Pilgrimschaft mit schöner Hingebung an ihm fest- Sehalten, empfange, in diesem feyerlichen Augenblick, das Gelübde-unsrer Herzen! und mö- ge der Seegen, den Du um dich verbreitest, möge er tausendfach zurückströmen in Dein eignes Leben! Möge es lange, recht lange freudig blühen, wie der Garten, welchen Deia Winkhier hervorgehen: heifst,- und in‘dessen einsamen Schatten, das Bild des theuren Hingegangenen, wie ein freundlicher Genius Dich. umschweben wird.— Auf die in den Grundstein gelegte Kupferplatte war folgendes eingegraben: AM 90:3 AUcCUsT[SIZ DEM GEBURTSTAG DES MARKGRAFEN FRIEDRICH VON BADEN, DEM: ERSTEN, WELCHEN. ER. NIĊHT MEHR ERLEBTE, LEGTE DIESEN GRUNDSTEIN SEINE WITIWE CHRISTIANE LOUISE VON NAssau- USINGEN. „Er wollte hier einen ländlichen Ruhesitz schaſfen zur Erholung im Frieden der Natur, versagte sich aber den freundlichen Wunsch, weil. ihn die Noth der Zeit rührte, und der Thränen gar viele zu trocknen waren. Darum sey dieser Garten ein Mahl der Erinnerung an den edlen Hingeschiedenen und offen allen guten Menschen, wie sein Herz ihnen offen war. Dem ahnenden Gemüth wird Er fortan als der Schutzgeist des Orts erscheinen,ść BESCHREIBUNG DER ANLAGE. Das Terrain, worauf Jhro Hoheit die Frau Markgräfin diese Anlage ausführen liefen, liegt wie es der Situationsplan Tab. J. näher anzeigt, auf der südlichen. Seite der Stadt, zu- nächst dem Karlsthor. Auf der westlichen Seite-bildet die Grenze des Gartens a g f, ein Alignement der Stadt, die südliche Seite d e f ist zugleich Stadtgrenze und die übrigen beyden Seiten stofsen an nachbarliches Eigenthum. Von Außen der Stadt trennt eine Strafe( Kriegs- strafse) den nahe dabey gelegenen Gemüfgarten, dessen Einfassungs- Mauern jedoch in Vertie- fungen stehen, so dafs man von einem Garten in den andern sieht und dieselben für un- mittelbar an einander angränzend hält. EERSTENS. Däs Hauptgebäude Tab. II. III. IV und V. Fig 11., welches, aufer den unentbehrlichs- ten Pieçen für die Wohnung einer Fürstin, aus einem Speise- und Gesellschafts- Saale und den erforderlichen, jedoch zweckmäſsig beschränkten Wohnungen für die Dienerschaft besteht, und um daselbst die Frühlings- und Herbstzeit mit einem kleinen Personale gleichsam als auf dem Lande, zubringen zu können, auch noch eine Küche, Vorrathskammer und einen Keller enthält. Ich suchte dieses Gebäude auf einem Hügel, von welchem man die nahe Schwarzwaldsgebirge mit den jenseits des Rheins gelegenen Vogesen übersehen kann, zu placieren. Da das hiesige Terrain durchaus eben ist, so kann man, von dieser Höhe, die aufserhalb der Anlage promeni- renden Personen sehen, ohne dafs diese einen gleich freyen Blick in den Garten haben, und so schirmt dieser Hügel den Garten, und die, welche darin lustwandeln, indem er die vor- dere Seite desselben gegen die Stadt bedeckt, und der ganzen Anlage eine reichhaltige Man- nichfaltigkeit giebt, welche in mehr dls einer Hinsicht überrascht und dem Auge die schönsten Bilder darstellte Auf der nördlichen Seite steht das Palais vor dem Hügel, und auf der west- lichen auf demselben; die Ebenen des Gartens sind, zu beyden Seiten, mit einer Durchfahrt, durch das ganze Gebäude, in welche man von vorn durch ein Portal und von der hintern Seite des Hügels durch eine Grotte von Felsẹn hinein tritt, verbunden, so, dafs man vọn unten a meS an R e Aa aani aai aiiai J aaa a n a E E S O 2 i sT a a SSS ai 7 dürch das Gebäude fahren urid im Trocknen aussteigen kann. Wie von Auſsen die nördliche tiefe Seite des Gebäudes, und die entgegengesetzte Hauptfronte auf dem Berg, durch Fahr- und andere Wege mit einànder zusammenhängen, so verbinden im Įnnern wieder die beyden Haupt treppen das Ganze mit den verschiedenen SrokWerkEn: Auf der östlichen Seite ist ein, bis auf das Horizontalwasser, ausgegrabener Weiher, für Fische, Enten, Schwanen u. se w, von der ausgegrabenen Erde wurde der Berghügel auf det östlichen, südlichen und westlichen Seite gebildet. Besonders gut nimmt sich die östliche Seite aus, mit dem Weiher in der Tiefe, und einem kleinen Wasserfall,(der mittelst eines Brunnens aus der Küche, in dem Hauptgebäude mit Wasser versehen werden kann, und überhaupt alles Wasser durch denselben abzieht). Neben dem. Wasserfall sieht man eine Felsengrotte, unter der man durchgehen und oben auf den Hügel kommen kann, Diese Seite zunächst des Weihers wird dann ferner durch vier. Schwibbögen, über welche ein Weg, von dem Haupt- gebäude auf den Hügel, bis zu dem, an der südöstlichen Ecke ganz nahe dabey gelegenen Pavillon. führt, geschlossen, und gewährt ein reichhaltiges Bild,. das sich in dem Weiher, nachdem man einen Standpunkt wählt, mehr oder minder wieder- abspiegelt. Die. Uebrigen beyden Seiten des Hügels, sind bis auf den in der Mitte des Gebäudes durchgehenden Fahr- weg abwechselnd mit Rasenstücken, Bäumen und Gesträuchen angepflanzt, dabey geben sie; mit dem oben stehenden Hauptgebäude, das man allerthalben in Verbindung sieht, mehə rere schöne Bilder, die man- oft vergebens in weit gröſsern Anlagen sucht. Oben auf dem Gebäude um das Kuppeldach herum(Belvedere) geniefst man, eine der schönsten Aussichten in das Rheinthal, und auf die angrenzenden, nah gelegenen Gärten, Felder. und. Waldungen. Besonders erfreulich ist, an einem schönen Sommerabend, der An- blick der. scheidenden Sonne, die hinter die Vogesen sich verbirgt, während die Bergformen in dem goldenen Abendroth sich dunkel abbilden und die letzten Lichtstrahlen des Tags noch die heimischen Bergspitzen des Schwarzwalds- beleuchten. Die besonderen Details der Pläne bedürfen keiner nähern Beschreibung, indem die Zeichə nungen dieselbe schon zum Theil angeben und zugleich auch die nöthigen Erklärungen ent- halten. Ich bemerke daher nur noch, dafs dieses Gebäude auf der vordern Seite über de Portikus auf dem Architrav die‘Aufschrift hat: DER ERINNERUNG ĦEILIG 1817 Und daſs die vier Frontons mit analogen Basreliefs ausgeschmückt werden sollen, wel- che die Entstehung und den Zweck des Gebäudes näher angeben. So soll auf dem vor⸗ dern Fronton über dem- Portikus der Apoll mit den Musen, auf der entgegengesetzten Seite gegen die Orangerie die schöne antike Vorstellung, wie die Mutter Natur den Thieren aus ihrem Schoos Futter darreicht, und, wie ich in weitern Vorschlag brachte, auf den beyden übrigen Seiten, die des seeligen Fürsten, wie den Armen in den Hunger- jahren 1810 und 1817 Brod ausgetheilt wird, auf einer, und der andern Seite, wje sich deř ma anann man E E S S aa g Fürst und~ die Fürstin den Wissenschaften und der Erziehung der Jugend widmen), vorge- stellt werden. AWwWEYEENGS Der an` der östlichen` Grenze des- Gartens befindliche Pavillon oder Speisesaal Tab. VI. Fig, 1% ist nach Art der Alten, zu einem von dem Hauptgebäude etwas entfernt gelegenen kleinen Gesellschafts- oder Speisesaal bestimmt, in so fern man sich‘:des zu grofsen. Gesell- schaften bestimmten Hauptsaals im Palais selbst nicht bedienen will. Der Vorsaal dieses Ge- bäudes, welcher in gleicher Ebene mit dem Hügel und dessen Communications- Weg(auf den vier Arkaden), gelegen ist, hat vorn‘ gegen‘die`äufsere Seite der Straſse, Wo auſser der Stadt eine sehr belebte Promenade vorbeyzieht, einen Balkon, und der darneben. liegende ' Speisesaal'ist, gleich einem Gewächshause, mit vielen Fenstern versehen, und kann. darum mit Blumen und Pflanzen aller Art belebt und verschönert werden. An diesen Saal stöfst: eine kleine Wohnung für eine Gesellsckhafisdame, die mit dem Vorsaal ein symmetrisches Gebäude förmirt: In dem untera Stock, von wo'aus man durch eine Thüre aus dem Garten und der Stadt tritt, siad Stallungen-für verschiedenes Gellügel, als Pfauen, Schwäne, Enten etc., die sich gerne in der Nähe des angrenzenden Teiches aufhalten, und diesen Theil des Gartens auf‘eine angénehme Weise beleben. Auf der andėrn südwestlichen: Ecke des Gartens, Welche mit‘diesem Pavillon in gera- der Linie, mit einem Haha oder mit einer in einem Graben stehenden Mauer, welchè zu- ` gleich die' Stadt schliefst,` verbunden ist. Der gedachte: Hahd` gewährt die freye Aus- und Einsiĉht in deù Garten,‘so dafs dieser,'von mehreren Punkten aus, mit dem Spaziergange auſserhalb, mit dem daran stoſsenden Gemüſsgarten und den umliegenden Feldern und Wald- Parthien, ein Ganzes zu bilden scheint, liegt ein jonischer kleiner Tempel(Prostylos) Tab. VII Fig. 15, in welchem die Büste des seelig verstorbenen Herrn Markgrafen Friedrich Aus cararischem Marmor, von dem berühmteń Bildhauer- Herrn Onmacht stehet. DRITT TENS Die Orangerie, das warme und kalte Haus Tab,.: Fig. 15. und` 10. Dieses Gebäudė stehet dem Hauptgebäude gegenüber auf der nördlichen Seite des Gartens, so, dafs die Sonne zu Mittag beynahe íin einem rechten Winkel darauf fällt Das in der Mitte befindliche Oran- gerie- Gebäude kann'im Sommer, wenn die Orangen- Bäume herausgenommen şind, auch *) Ihre Hoheit die Frau Markgräfin stifteten ein weibliches Erziehungs- Institut für arme Mädchen, welche von t0 bis 14 Jahren alť in demselben aufgenommen werden, und einen zweckmäfsigen Unterricht für alle weibliche Arbeiten " erhalten, — aans aaa a T E E ES E n E A ainda in 9 zugleich als Gartensaal dienen, welcher um so reizender aussieht, da die für die exotischen Planzen bestimmten Gebäude zu beyden Seiten nur durch eine Glaswand getrennt sind, und die Pflanzen von dem Saal aus gesehen werden können. Unter diesem ganzen Gebäude im Souterrain bėfindet sich ein Winter- Gemüfsgarten, worin die Gemüfse für die ganze Hofhal- tung Ihro Hoheit der Frau Markgräfin überwintert werden können. Da die Gemüfse, nach der in deńm Rifs angezeichneten Construction mit der auſsern Atmosphäre in Verbindung gesetzt sind, ohne dafs die äußere Kälte auf sie eindringt, so gedeihen sie in diesem Garten noch selbst zu gröfserer Vollkommenheit, im Fall sie unreif und unverletzt dahin gebracht werden. NVLERTEN< Die Wohnung des Gärtners beym Eingang des Hauptthors, innerhalb der Stadt, auf der nordwestlichen. Ecke des Gartens Tab. VII. Fig. 14. Dieses Gebäude, welches die angren- zenden Stadtgebäude schließt, den Anfang des Gartens auf eine schickliche Weise bezeichnet, und den Vorübergehenden‘auf denselben aufmerksam macht, sollte anfänglich blos zur Wohnung des Gärtners dienen, und aufserdem eine Scheuer, Remise für Kohlen, und Stal- lungen mit einem Hof für Brennholz in sich fassen, welche Localitäten dem Stadtpalais Ihrer Hoheit der Frau Markgräfin abgehen; allein es wurde nachher „ im zweyten Stock zur Wohnung für den Oberhoſmeister der Frau Markgräfin eingerichtet. EUNETENS Das neben der Gärtner- Wohnung stehende Haupteingangsthor schliefst quer die lange Amalien-Straſse, welche wegen eines neben dem Garten der Frau Markgräfin Friedrich lie- genden andern PrivatGartens, nicht hat zu Stadtgebäuden durchgeführt werden können. Die auf dieses Thor stofsende, mit Lindenbäumen besetzte Allee(Siehe Tab,.) ist jedoch, so weit es das Terrain der Frau Markgräfin erlaubte, in gleichem Strafen- Alignement fortgesetzt, und das Hauptthor so angeordnet, dafs man das fortgesetzte Alignement im Garten wohl bemerken kann, ohne dafs dadurch der Stadtplan etwas litte. Zur Verzierung des Thors selbst, haben sich die rechts und links auf demfelben aufgestellten zwey cclossalen Gruppen(Thaten des Herkules), vorgefunden, und Ihro Hoheit die Frau Markgräfin haben solche angekauft. Ob sie gleich nicht als ganz schöne und vollkommene Kunstwerke zu betrachten sind, so haben sie doch immer einen artistischen Werth. Sie stammen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts her von einem vaterländi- schen Künstler, Namens Längenlacher, und zieren nun den Eingang des Gartens eben so wohl als die Strafe, auf eine sehr geschmackvolle Art. Ñ x.. Neben dem Thor, als Uebergang von den Bauwerken zu der einfachen Einfassungsniauer des Gartens, ist in der Form einer dorischen Halle Tab. VII, Fig. 0. eine bedeckte Sitzbank> auf welcher die Diener ihre im Garten promenirenden Herrschaften erwarten können. 5 10 .ECHSTENS. Gegen über, dem Hauptthor schliefst die Grillage Fig. 10, Tab. VII. die Grenze der Lin- den- Allee, und verbirgt dem Eintretenden, die unansehmliche nachbarliche Grenzscheide. Von Jjesem überwachsenen Gitterwerk aus sieht man die Amalienstrafse und die am Hauptthor des Gartens vorbeygehenden Personen, wohne selbst bemerkt zu werden SIEBENTENS: Von den Gebäuden im Gemüſsgarten, welche, wie der Situationsplan'Tab. I, zeigt, aufser- halb der Stadt, jenseits des öffentlichen Promenadewegs und der Kriegsstrafse liegen, ist Fig. 30. Tab. VII. ein im Centrum des Gartens situirtes und mit Stroh bedecktes achteckigtes Garten- häuschen, welches zugleich ein Obdach und eine einfache ländliche Verzierung gew ähren soll. Tab. VII: Fig. 20. sind die auf den vier Ecken befindlichen Eingänge, von welchen auf der nördlichen und südlichen Seite gegen die Strafse, zwey vermittelst eines Haha zusammen, hän- gen.` Unter denselben befinden sich ein'Geschirrbehälter mit cimem Abtritt und oben auf den- selben sind Plattformén: zum Trocknen der Sämereyen. Ich übergehe die weitern Details der Ge- bäude, welche gröfstentheils aus den Plänen zu entnehmen sind, und will nurt noch anführen, dafs sich unter dem Hügel, der. das Hauptgebäude trägt, auch eine Eisgrubė befindet, die man im Winter mit dem Eis, welches. sich in dem darneben gelegenen Weiher erzeugt, anfüllen` kann, und dafs überhaupt bey der Garten- Anlage die Bepflanzungen und Wege mit den schon bestandenen Umgebungen, so viel als möglich analog und zum Gewinn schöner Aussichten an- geordnet wurden. So hat man z. B. von einer. der Lindenalleen eine vortrefliche Ansicht der neuen katholischen Kirche, und von dem Orangerie- Saal aus, unten durch die Mittè des Haupt- gebäùdes, einen Prospekt auf den Kirchthurm des eine halbe Stunde von der Stadt gelegenen Dorfs Beyertheim, welche Ansichten dieser Anlage eine besondere Reichhaltigkeit geben, und gewissermafsen als Parthien derselben erscheinen. e —— —— f Landesbibliothek Karlsruse $ — Tab 4. j ) y l 2 P a a A PESEE—— i -P oko g oov ot A$.-sot vetuonnotgzIg erropa KAA të ogrrbe opaa f 6 TOJI YIP ATD g} Z, EC IL H, pyportuap PYPPILOp A U AER RIY atO OR g2 f P. e 27 UA kaik a 2t2f F Df? / IJILU Ee sebenerna j7 7 BE 2 PITALI fz- UF 2- y 5 PODAC AER IOBAG UP AISSE EIEII PAR PASA ORAINO JRI afonag Zo gonvurgburih A ayp SLOP UIIG raya, DI GE Pg roggpeanjy par vu RAA HAEN. 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