WN ον 2 eil RC e rrrr —1 Grobherzog Friedrich von Vaden f * 14 Fr. Häniglichen U0 heit 8 dem zu Alexhüchtteinem 25 fährigen Begferungs-Juhiläum amn 24. April 1877 ehrfurchtsvoll überreicht dem Verleger. —..+„++“ZT0b.g338..++w2?·d˖ Laſonlaine's Fabeln Aeberſehzl von Ernſt Dohm. Illuſtrirt von Guſtav Doré— Zweiter Band. Berlin. W. Moeſer hofbuchhandlung. Hiebenles Buch. Siebentes Buch. N. Rontelpan. Ulie Fabeldichlung ward vom Himmel uns verliehn; 85 And wenn ein Okerblicher es wäre, Der ſie uns gab, fürwaht, wit Alle müßlen ihn Göltlich verehren, ihm Alläre Errichten überall im Land, Dem grohen Veiſen, der die ſchöne Kunſt etfand. An ihren Neizen muß die Seel' andächlig hangen, Noch meht: ſie nehmen ſie gefangen, Ans feſſelnd, ſo daß allermeiſt Vir ihr, wohin ſie will, folgen mil Herz und Geill. Du gleichft, Olumpia, ihr. War an der Goͤller Tiſchen 0³ Siebentes Buch. Alauchmal ein Vlatz vergönnk der Aluſe meiner Kunfl: Auf ihre Gaben wirf ein Auge Du voll Gunſl. Auf jene Spiele heul, die meinen Geiſl erfriſchen. Die Allvernichlerin Zeit— verehtend Dein Gebol, Enlzieht ſie dieqſes Wetk ihrem Zerſlörungsgrimme; Der Dichlet, welcher gern forkleble nach dem Tod, Berben muß er um Deine Stimme. Du biſl's, die meinem Dang all' ſeinen Verlh verleihl; Vas ſchön darin, wird nur geweihl, Indem Du es erkennſt bis auf die feinflen Töne. Ach! Ver kennk ſo wie Du die Grazien und die Schöne? Alles iſt Neiz an Dir: Blick, Worl; und feſlgebannk Alöchl' bei ſo holdem Gegenſland Gern länget meine Aluſe weilen. Doch Andern aufbewahrk ſei dieſer Hochgewinn, And gröhrem Aleiſler, als ich bin, Wirſt Du des Lobes Vreis erkheilen. Genug, Olumpia, dah) Dein Name dieſen Zeilen And meinem letzten Verk diene zu Schutz und Ttuh. Verleih' dem Tieblingsbuch in Zukunfl Deinen Schutz, Lah mich die Hoffnung auf ein zweikes Leben wagen. Dies Verk— durch Deine Gunſt allein Vird's, krotz dem Neid, in kiünfl'gen Tagen Des Lobes werth befunden ſein. Ich bin ſo grohet Gunft nicht werlh, drum mag in Siklen Die Fabel ſelber ſie erbillen; Siebentes Buch. 3 Denn dieſer Lüge Alachk kennſl Du, ihr will ich lrau'n. Schafft meinen Vetſen ſie das Glück, Dir zu geſallen, Glaubk' einen Tempel ich zu ſchulden iht vot Allen. Doch nein; denn Tempel will allein ich Dit erbau'n. 135 Siebentes Buch. Erſte Fabel. Nrste Pabel. Thiere. Hie geflkranken Nin Anheil, alles Schreckens Vorn, Vdo⸗ einfl der Himmel ſchuf im Zorn Als Nach' und Blraſe für der Erde Nliſſethalen, Die Veſt— da man ſie doch bei Namen nennen muß Die wohl an einem Tag anfülll den flug'ſchen Fluh, Bectriegle einſt der Thiere Dlaaken. Nicht Alle flarben, doch blieb Keiner ganz verſchont: Aicht Einen ſah man, dem es lohnl, 9 IV 0 N ranken Thiere. e peſtl Ot 7 Siebentes Buch. Erſte Fabel. Ein ſchleichend Leben noch zu ftiſten; keine Speiſe Beckil' ihr Gelüſt in aller Weiſe: Nicht Volf noch Fuchs etſpähken mehr Die ſanfle unſchuldsvolle Beule Die Turkelläubchen flohn umhet, Da Liebe nimmer ſie erfteuke. Der Leu hiell Nath und ſprach:„Ich glaub', iht Fteunde, dies Verderbenſchwangre Anheil ließ⸗ Det Himmel zu ob unſter Bünden. Der Schuldigfle von uns nun ſoll Dich opfern dem Geſchich und der Himmliſchen Groll; Vielleicht da) Alle wir dadurch Geneſung finden. Lehrk die Geſchichk' uns doch, daß ſolcher Opfer Ktaft In gleichem Falle Relkung ſchafft. Verhehlen wir uns nichts, dab rückſichlslos man ſehe, Wie's mik unſtem Gewiſſen ſlehe! Vas mich belriffl, ſo hab' ich aus Geſtäbiglkeit Alanch armes Schaf dem Tod geweihl. Vas halklen ſie füt Schuld? Gat keine; Alanchmal— geſteh' ich— ward gefreſſen unbeirtt Auch der Hitl. Ich will mich opfern, wenn's ſein muß); jedoch ich meine, Guk wär's, wenn Jeder ſich anklagen wolll' gleich mit. Scheint es doch wünſchenswetkh, daß ſich nach Fug und Nechle Der Schuldigſle zum Opfer brächle.“— „„Dite““— ſptach der Fuchs—„„ein gat zu guler Fürſl ſeid Ihr; — Siebentes Buch. Erſte Fabel. Ihr zeigk ein Ehrgefühl, das nur zu zark und ſein iſtl. Ochafe freſſen, dies Vack, das dumm und ſo gemein iſt, Heißk Sünde das? Nein, nein! Daß Ihr ſie würglel, war, Für ſie'ne Ehte noch ſogar. Vom Hirken, den Eu'r Hoheil frahen, Dag' ich nut: Es geſchah ihm rechl; Er zählt zu Jenen, die ein eingebildet Nechl Aeber die Thiere ſich anmahen.““ Do ſprach der Fuchs; es fauchzl' ihm zu der Schmeichler Schaat. Von nun an dutfle Keiner gat Dem Tiger wie dem Vär und andern Gtohen wagen Das mind'fle Antechk nachzuſagen. Das ganze biſſ'ge Vollt bis auf den Ileiſchethund, Die thaten Alle ſich als kleine Heil'ge kund. Nun kam der Eſel dran und ſprach:„Als meine Olrahpe ne Kloſlerwieſe einſt berühtk, Hal Hunger, ftiſches Gtas und, wie ich wohl mulhmahe, Irgend ein Teufel mich verfühtk: Ich fraß die Wieſe ab, ſoweil die Zunge reichle; Ich hall' kein Necht dazu, wenn ich ſoll ehtlich ſein.“ Da ſtürmlen mik Hallo ſie auf das Langohr ein; Ein redelift ger Volf bewies, nach dieſer Veichle Dei's klar gebolen, dah man ihn zum Gpfer nähm' Den rändgen Lump, von dem das ganze Außeil käm'! Zum Tod ward er verdamml ob ſeiner kleinen Schwächen. Zu ſteſſen frendes Gras! Velch ſchmnähliches Verbtechen! Siebentes Buch. Erſte Fabel. 9 Der Tod allein vermag's zu rächen! Do klang das Arlheil; ſlteng an ihm vollzogen ward's. Biſt flark du oder ſchwach? Das iſl die Frag'; es ſprechen Die Herten Vichker dich danach weißß oder ſchwarz. 1455 0 10 Siebentes Buch. Zweite Fabel. E Fulbel. Ver unglücklich Vernählte 0 0 M I Gules immer nur geſellk dem Schönen wär', 9— Volll' morgen gleich ein Veih ich wählen. Doch daß ſie meifl gelrennl, iſt uns nichls eues mehr, And ſchöne Körper ſind, bewohnt von ſchönen Beelen, Der allerſellenſle Verein; Darum— ſchellel mich nicht— lah' ich das Vählen ſein. Siebentes Buch. Zweite Fabel. 11 Viel Ehen ſah ich, doch konnk' kieine mich verfühten. Indeh vier Fünflel ſind der Nlenſchen kühn geuug, Im größlen Zufallsſpiel zu wagen dieſen Zug; Auch ſollen Neue die viet Fünflel alle ſpüren. Ich zeig' euch Einen, det's bereuk', und dem ſogat Kein andet Alillel übrig war Als, ſeine Frau, die voll von Tücken, Geiz, Eiſerſucht— zurückzuſchicken. Nie war zufrieden ſie, nichls ſchien iht fein und nell: Alan ſland zu ſpäk ihr auf, zu früh ging man zu V Bel Bald will ſie weißh, bald ſchwarz, bald anders. Das Gezelet Alachl wild die Dieuerſchaſt, dem Alann verhaht das Haus: „Der Herr ſorgt auch für nichts! Der Hert gibk zu viel aus! Er läuft zu ſchnell! Zu langſam gehk er!“— And alſo kreibt ſie's, bis der Hetr zulehl, Von ſolchem Salan mall gehetkt, Zu ihren Rellern auf dem Lande Zurück ſie ſchickl. Dotk lebt als Frau von Slande Alit mancher Phyllis, die die Gänſ' und andres Vieh Hükel, und mik Sauhirken ſie. Nachdem zut Beſſerung ihr ein'ge Itiſt geblieben, Holk ſie der Alann zurück:„Nun, Kind, wie geht es dit? Wie haft du dir die Zeil verlrieben? And wie ſchien das Idyll ländlicher Anſchuld dir?“— „„Ganz guk““— ſagt ſie—„„allein verdroſſen Hal's mich, daß dork das Volk noch fauler ifl als hier, Siebentes Buch. Zweite Kabel. And ſich ums Vieh nicht kümmerk. Vit Olanden nichl guk: auf mich hal ſich ihr Haß ergoſſen; Ich ſchall das Vollk, weil's ſorglos iſt.“ „Nun wohl!“— erwiderk drauf der Nlaun mit höhn'ſchem Nlunde— „Da ſiehſt du, wie du zänkiſch biſt! Wenn CLeuke, die kaum eine Blunde Des Tages um dich ſind und dich nut Abends ſehn, Nichl fähig ſind dich auszuſlehn: Wie ſoll die Dienerſchafl in all' den langen Tagen Dein wülhend Toben wohl erlragen? And machſt du einen Alann nichl loll, Der Tag und Nacht— du willfl's— bei dit aushalten ſoll? Geh' wiedet nur aufs Land! Leb' wohl! Sollk' mit im Teben Nach deinet Vückliehr ſich ein Wunſch erheben, Im Jenſeils ſollen dann, zu ſtrafen mein Vergehn, Zwei Veiber ſo wie du mir ſlels zur Seile flehn!“ Siebentes Buch. Dritte Fabel. latte, die ſich vun der 5 2 Meli zurückgezogen. 1 Alas Alorgenland ſeennk eine Bage Von einer Valle, die, von Borgen abgeſpannt, Enkfernt von aller Erdenplage, Zuflucht in einem Käſe fand; Dork wohnke einſam und in Itieden Die, tings von aller Vell geſchieden. Der neue Eremik wühll ſich mik Fuß und Zahn Hinein und brichl geſchickl ſich Vahn, Do daß ganz kurze Zeik, nachdem er angefangen, Er Speiſ' und Obdach hal— was kann man mehr verlangen? 13 14 Siebentes Buch. Dritte Fabel. Er wurde dick und fell; teichen Segen verleihl Gott Denen, die ſich ihm geweiht. Einſt ward der Heil'ge angegangen Durch Boten aus der Vallenſladl, Die kamen, um ein klein Almoſen zu etflehen; Die mußten in die Fremde gehen, Da mit dem Katzenvoll ſich Krieg enkſponnen hal. Naktopolis war eingeſchloſſen; Die reiſten ohne Geld, der angegriffne Staak Litt Nlangel und wuhl' ſich nichl Nalh, Da ſpätlich ſeine Nlittel floſſen. Sie balen wenig nur, da Hilfe, wie man wuhl', In vier, fünf Tagen kommen muhl' „Freunde“— ſagl der Einſiedler ihnen— „Die ird'ſchen Dinge gehn ſchon längſt mich nichts meht an! Ein armer Klausner, ſagt, wie kann Der euch beiflehn? womil euch dienen Als durch Gebet, dah Goll euch Hilſe mag verleihn? Ich hoffe ſicherlich, er wird euch gnädig ſein.“— And eiligſt ſchloß nach dieſem Vorle Der neue Heil'ge ſeine Pfotte. And dieſe Nakle ohne Spur Von Herz— wer ſaß wohl zu dem Vilde? Ein Alönch? O nein, ein Derwiſch nur; Ein Alouch iſt, mein' ich, ſlets voll Nlenſchenlieb' und Nlilde. Siebentes Buch. Vierte Kabel. 15 Ver Reiher. R flangen Beinen ging einſt— wo, weih ich nichl mehr Nlil langem Schnabel an noch längtem Hals, einher An Afers Nand enklang ein Neiher. Es war ein ſchönet Tag, das Paſſer klar und hell, And Veller Karpfen ſchwamm, forlplälſchernd Well' auf Well', Amher mil Veller Hechl im Veiher. Der Veiher häkke leicht dork einen Naub vollführk: Ans Afer kamen All', er brauchl nur zuzuſchnappen; Doch ſpark er lieber ſich die Happen, Vis er ein wenig Hunger ſpürk— 16 Siebentes Buch. Vierte Fabel. Vünlitlich lebt er und ſpeiſt nur zu beſlimmter BSlunde. Nach ein'ger Zeil üam ihm der Hunger, und als nah Er an das Afer hinktal, ſah Er Schleie, die gerad' auflauchlen aus dem Grunde. Die Speiſe lockk ihn nichl, et harrk auf beſſern Fiſch; Dein Gaumen war ſo wähleriſch Wie von weiland Natle. „Ich, Schleie?“— ſagk er—„Ich, ein Neiher, dieſe mall Elende Koſl! Vofür hält man mich?“— Da 00 Der Schleie Schaat, es kam det Gründling an den Oltand. „Gründling'! Ilt das ein Nlahl wohl für des Neihers Bland? Den Schnabel öffn' ich nichk, bei Goll, für ſolche Beule!“— Er that's wohlfeiler noch: als wäten ſie gebannl, Kam nichl ein Fiſchlein 13 ans Land. Jetzl packt dee Hunger ihn— ach, wie er da ſich freule Glücklich, dah er ein Och W fand! Lahßl uns nicht gar zu peinlich wählen; Ber ſich zu ſchicken weih, dem wird's ſo leichk nicht ſehlen. Denlil, daß, wer Alles will, leichk in Verluſt geräth; Drum ſorget, daß ihr nichls verſchmähl, Hobald nur ungefähr iht eure Nechnung findel Das merke Mlancher ſich! Zu Neihern ſprech' ich nicht, nne andre Aläre ſei euch Mlenſchen jetzl verklündek: Ihr ſehl, von euch nehm' ich den Sloff zu dem Gedichl. Das Mädchen. Siebentes Buch. Künfte Kabel. 270 Mn Alädchen, die ſlels hoch gekragen Ihr Näschen, wünſchle ſich'nuen Nlann, Jung, wohlgewachſen, ſchön, angenehm von Vekltagen, Vichl eiferſüchkig und nichl kalt— dies merkk euch an! Dazu verlaugt das Alädchen dann Noch, daßh Gebutk er und Vermögen And Geilt, kutz Alles hab'. Doch wo iſt das vereinl? Das Schickſal hat mik ihr es witklich gul gemeink: N N 5 Siebentes Zuch. Künfte Cabel. Es kam ein reicher Freierſegen. Doch unſre Schöne fand ſie Alle jämmerlich: „Vas? Ich, dies Vollt? Es iſt wohl nut des Spahes wegen, Dah man ſie mit votſchlägt! Fütwahr, ſie jammern mich! Sehl ſie nur an, von welchem Schlage!“— Der hat zu wenig Geifl und Vildung ohne Ftage; Die Naſ' iſl's, die bei Dem noch viel zu wünſchen lieh! Der halle das, Der halle dies; Denn ſlolze Zungen, ſpitz wie Nadeln, Finden an Jedem was zu ladeln. Nachdem die Veßlen ſie verſcheuchk im Aebermulh, Kam an die Veih' das Wiillelguk. Die ſpollele:„Ich bin doch wahtlich gut von Herzen, Die anzunehmen! Ha! ſie meinen wohl, es machl Die Eheloſigkeil mir Schmerzen? Goll Lob, mir iſt bishet die Nachl Einſam, doch ohne Harm vergangen!“— Von ſolchen Negungen wußl' ſich die Schöne ſtei. Das Aller nahl', und mik den Fteiern wat's vorbei. Ein Jahr vergeht, auch zwei, in Langen und in Vangen: Der Gram ſolgl; käglich mehr fühlt ſie, wie, krüb geſlimmk, Der Jugend Tächelreiz, ſelbll Amor Abſchied nimml. Da ſich der Wangen Noſen mindern, Greifl ſie zur Schminſte; doch auch dieſe kann's nichk hindern, Dah ſie der Zeik verfällk und ihtem rauhen Vann. Die Trümmer eines Hauſes lann Siebentes Buch. Künfte Fabel. 19 Alan neu etbau'n; warum darf dieſe Hoffnung nimmer Ans blühn für unſrer Schönheik Trümmer? Nun führk wohl andre Sptach' ihr Dlolz; es ptedigk immet Aufs Neu' der Bpiegel ihr:„Nimm ſchnell dir einen Nlann!“ Ein Sehnen eigner Art erfülll ſie dann und wann; HSehnſucht— bisweilen iſt auch Slolzen ſie beſchieden. Dies Alädchen wählt— man häll's unglaublich ſchier genannt— And fühll' am Ende ſich ganz glücklich und zuftieden, Dabß ſie'nen allen Krüppel ſand. 20 Siebentes Buch. Sechſte Fabel. 6 40 U *+ An Indien gibl's Kobolde, die Dem Alenſchen dienſlhar ſind, da ſie Das Haus tein hallen und die Virlhſchaft ſorglich hegen, Bisweilen auch den Gatlen pflegen. Doch ſlörk man ſie auf ihten Vegen, Il Alles aus. Im Dienſt'nes biedern Wirlhes ſland Ein ſolcher Kobold einſt, nah an des Ganges Olrand. Er ſchafſleͤſlill, indem gewandl den Dienfl er übte. Den Herrn und ſeine Hertin liebke, Den Garlen doch zumeiſl. Waren's Zephute nun, Siebentes Buch. Sechſte Fabel. Der Geifler Freunde, die ſein Tagwetk mil verrichket: Genug, der Kobold hal zu freud'gem Dank verpflichlet Die Hetrſchaft dutch ſein tafllos Thun. Am ſeinen Eiſer recht zu zeigen, Hiell' bei den Leulen er gern aus füt alle Zeil Ttotz Leichlſiun und Vemweglichkeeit, Vie Geiſtern ſeinet Ark ſie eigen; Doch ihm zum Ceid bewirklen jetl Deine Collegen, dah) das Haupk des Geiſlerflaates Aus Laun' oder aus klugen Nalhes Rückſicht ihn weil von dork vetſetkl. Befehl erhielk er, lief nach Morwegen zu gehen And in ein Haus, das Tag und Nachk Bedeckk von ew'gen Ychnee's Vehen; Aus einem Hindu ward zum Lappen er gemachl. Vorm Abſchied hub er an zut Hertſchaft ſo zu ſprechen: „Ihr Gulen, ich muß von euch forl; Zwar weih ich nichl, für welch Verbrechen, Allein ich muſ). Nicht lang' mehr bleib' ich hiet am Ott, Höchſtens'nen Alonat noch, vielleichl nur wen'ge Tage. Venutzl die Zeit: ſinnl auf drei Wünſche, da ich dann Drei Wünſche euch erfüllen kaun; Nichk mehr als drei.“— Wünſchen ſoll grade keine Vlage Den Alenſchen und nichls Neues ſein. Reichlhum war's, was die Zwei als erflen Wunſch erfaßlen; In Hüll' und Fülle flrömk hinein 22 Siebentes Buch. Sechſte Fabel. Des Goldes Glanz in ihre Kaflen, Korn in die Scheuern, in die Keller edler Wein. Doch dieſe Maſſen all' zu ordnen, welche Laſlen! Vuchhallen, wie viel Zeik! Verwallen, welche Nlüh'! Oo waren niemals ſie abgehetzt ſpät und ftüh. Die Diebe machlen ihnen Sotgen, Die grohen Herrn kamen zu borgen, Der Fürfl beſteuerk ſie. Anglücklich iſt das Naar Des übergroßen Neichthums wegen. „Beſtei' vom Aeberſlub uns, von dem läll'gen Begen!“— Niefen die Zwei—„Glücklich die Dürfligen fürwahr! Armuth iſl beſſer noch als ſolchen Neichkhums Fülle. Fork, Schätze, weg mik euch! And du, der Goll, der ſflille Ochützer geſunden Sinns, des innern Friedens Hork, Du goldner Alillelſtand, keht' wieder!“— Vei dem Vork Kam er und ward dem Vaar zum zweilen Alal beſchieden, And wieder wurden ſie zuſtieden. Nach dieſem zweilen Wunſch waren ſo glücklich ſie Wie vother, und wie alle Die Dind, die mik Vünſchen nur und eillen Phankaſieen Die Zeil vergeuden, die ſie ernſlem Thun enlziehen. Der Kobold lächelk über ſie. Damil's doch Elwas von ihm habe, Eh' in die Fern' er ſich empor zum Fluge ſchwingl, Erfleht das Vaar der Veisheit Gabe; Das iſt ein Schatz, der nimmer Sotge btiugl. Siebentes Zuch. Siebente Kabel. 20 0 Leuen Alajeſtät wolll' gern die Völler kennen, 85 51 deten Hertſcher ihn der Himmel mochk' ernennen; Drum lud durch Abgeſandte er Von jeder Gallung die Vaſallen, And ein Nundſchteiben ſchickt' umhet Alil ſeinem Siegel et zu Allen. Siebentes Zuch. Siebente Kabel. Die Schrift ſagt':„Einen Alonal lang Vird der Nlonarch mil Sang und Klang Hof hallen in des Schloſſes Hallen. Den Anſaug machl ein groh Gelag, Dem ein Hanswurſtſpiel ſolgen mag.“— Der Fürſt meint, ſolche Vrachlenlfallung Dei für den Ankerkhan zugleich'ne Alachlenlfallung. Er nölhigk ſie zum Schloß hinein. Velch Ochloh)! Ein Fleiſchhaus nur! Allen durch Nlark und Bein Drang der Geruch. Der Bär hielk ſich, um ſich zu faſſen, Die Naſe zu; er häll's wohl beſſer bleiben laſſen. Der König hat's bemerkk und ſchickt, in Wulh verſehl, Zur Anlerwelk ihn: dott ſpiel' er den Ellen jetzk! Der Afſe billigte die Slreng' und lobk zuletzt— Ein Schmeichler, wie er war— des Fürſlen Zorn und Kralle; Er lobt die Höhle auch: denn gegen dieſe Tufl Väten Ambra und Blumenduft Nut Kinnoblauch an Geruch!— Die Schmeichelreden alle Halfen ihm wenig, und auch er kam bald zu Falle. Alajeſlat Löwe ſchienen nah Verwandl wohl mik Caligula. Der Fuchs ſland dichl dabei.„Nun?“— ſragt ihn wohlgewogen Der Fürfl—„Vas riechſl denn du? Sag's mit nut ſrant und ftei“— Doch Der enlſchuldigl ſich: er ſei Heflig verſchnupft, und nichls töch' er, nichts, ungelogen! Er hal ſich gut herausgezogen. Siebentes Buch. Siebente Kabel. Lernk hieraus, wenn geſcheidl ihr ſeid: Volll ihr bei Hof euch Gunſl erwetben— das iſt wichlig— Nichl ſade Schmeichler ſeid, noch ſprechl gat zu auftichlig; Gebt meiſl ausweichend und zweideulig nur Veſcheid. — Siebentes Buch. Achte Fabel. Aars ſliftel' Aufruhr einſt in Lüflen droben. Ein Oltel hal bei den Vögeln ſich erhoben— Bei denen nicht, die uns der Flühling bringk, And deren Veiſpiel unlerm Blällerdache Dowie der Hang, der ihrer Kehl enlkelingl, Bewitltl, da) Venus neu in uns erwache; Noch die an ihren Vagen ſpannt als Vaar Amots Gebärerin— der Geiet Ochaar I , 75 Tauben. die heier und Die 6 Siebentes Guch. Achte Fabel. Alit ſtummen Schnäbeln und mik ſcharfen Ktallen Var um'nen kodlen Hund in Blrteik verfallen. Es regnel Vlul— ich überkreibe nichl; Volll' Zug um Zug ich Alles im Gedicht Ochildern, möchl' wohl det Alhem mir vergehen. Alanch Heldenhaupl erlilt den blul'gen Tod; Geſchmiedet an den Fels, hoffk ſeiner Nolh Prometheus jetzt ein Ende bald zu ſehen. Es war'ne Luſt, das Ringen anzuſchau'n; Ein Jammer war's, zu ſehn das Todesgtau'n. Alik Kraft, Gewandlheik, Liſt und Kriegesäniffen Vard hier gekämpfl. Von grimmer Wulh ergriffen, Haben die beiden Heere nichls geſpark, Bevöllietung zu ſchaffen füt die Lüfke, Velche die Schaklen alhmen; dicht geſchaarl Erfüllken ſie das öde Neich det Grüfke. Des Orteiles blinde Wulh rief allgemach Das Alilleid eines andern Volkes wach Alil bunlem Hals und zätklich kreuem Herzen, Durch ſeine Willlerſchaft dem Angemach Ein Ziel zu ſetzen und des Kampfes Schmerzen. Geſandte ſchickt das Volk der Tauben nach Dem Feld, die krefflich ihre Sache machlen: Die Geier hörlen auf ſich abzuſchlachlen; Die ſchloſſen Waffenflillſtand, Frieden dann— Doch, weh! zum Schaden jener Anſchuldsvollen, 27 Siebentes uch. Achte Fabel. Denen ſie danäbar hälken huld'gen ſollen. Anler den guken Tauben nun begann Das Väuberpack ein Blulbad anzurichlen, Es roklele ſie aus in Stadk und Land. Die Rermflen zeigken nichk ſeht viel Verfland, Eines ſo wilden Volles Zwill zu ſchlichken. Die Vöſen krenne; das nur iſt im Sland, Zur Sicherheil der Aebrigen zu dienen. Zwiekracht ſä' unler ſie, da ſonſt mik ihnen Dich nie und nitgend Ftiede halken lähl. Dies nur beiläuſig; Schweigen iſt der Neſl. Siebentes Zuch. Nennte Fabel. 29 Kuß ſteilem Weg bergan zogen durch kiefen Sand SHechs ſlarkke Gäule bei der Sonne glüh'ndem Vtand 'ne Landkulſche mil viel Veſchwerden. Veib, Alönch und Greis flieg aus an dieſem ſchwier'gen Grk, Das ſchwitzende Geſpann kann keuchend kaum noch forl. Da kommk'ne Fliege an, ſie nähetk ſich den Pferden And glaubl, ſie munlere ſie auf durch iht Geſumm, 3 Olichl dies, ſlicht jenes, und meink wirklich— o wie dumm! 30 Siebentes Buch. Ueunte Cabel. Hie bring' vom Fleck die ſchwere Kulſche, Bihl auf der Deichſel, auf des Kulſchets Naſe dann; And wie ſie ſieht, die Katte tulſche, Die Leule gehn zu Fuß votan, Iſt ſie ſo frech, den Nuhm ſich einzig zuzuſchteiben. Geſchäflig geht und komml ſie, grad' als wär' ſie ein Feldwebel, der bald hiet, bald wieder dork muß ſein, Am ſeine Compagnie votwärks zum Dieg zu kreiben. Auf ihr allein— ſo klagt ſie noch Nuh' aller Atbeit und der Sorge ganzes Joch, And Niemand ſei bereit, ihr hilfteich beizultelen: Der Alönch mühl' ſein Brevier herbelen; Der Augenblick ſei gul gewähll!— Ein Viibchen ſang; Jetzl ſei wohl grade Zeil zu lufl'get Lieder Klang! Frau Fliege fängk nun an, iht in das Ohr zu ſingen, And was noch mehr an dummen Dingen. Nach ſchwerer Arbeil langl die Kulſche oben an. „Erholen wir uns nun!“— verſetzl die Fliege dann— „Alir dankk ihr's, Leukchen, dah iht noch ankaml ſo ſrühe And iht Herrn Gäule, jetzt bezahll mit meine Alühe!“ Gewiſſe Leule khun geſchäflig; hier und dotk Dtängen ſie dreiſl ſich ein beſländig. Die khun, als wären ſie nolhwendig, And ſind nur läſtig; dtum iſl's gul, man ſagl ſie fott. W S DRYN RRN DRR 0 Siebentes Buch. Zehnte Fabel. 31 Auf einem Kiſſen auf dem Kiopf; Die hoffk, ohn' Hinderniß glücklich zur Oladl zu eilen. Ganz leichk und kurz geſchützl, gehl ſchnellen Schrills ſie zu; An Kleidung krug ſie heul, um ſich nichk zu verweilen, Nur einen Vock und flache Schuh'. 555 Schon zählt das Beihchen mit dem ſchlantien And dtallen Nlieder in Gedanen Siebentes Buch. Zehnte Fabel. Den Preis für ihre Alilch; ſchon legk das Geld ſie an, Kauft hunderl Eiet ein zum Brülen, und nach Franlien Nechnel ſie den Gewinn, den ſie draus ziehen kann. „Leicht wird es mir“— ſagk ſie mit Lachen— „Zu Hauſe aufzuziehn die Küchlein, zatk und klein; Hehr ſchlau müßl' Aleifler Fuchs es machen, Ließh' er mir nichl geuug zum Anſiauf füt ein Schwein! Ein Ferkel mäſten, das kann auch ſo ſchlimm nichl ſein; Fell ſoll's ſchon werden, hab' ich's erft, in jedem Falle! Verktauf' ich's dann, bringl's mit ein tundes Sümmchen ein. Ver will mich hindern, dah, als ſchönſles Vaat im Stalle, ne Kuh, ein Kälbchen auch ich für den Preis erfleh' Das in der Heerde dann ich luflig hüpfen ſeh'?“— Vertelke hüpft dabei vot Iteude. Jähen Falles Blürzl hin die Alilch: Kuh, Kalb, Ochwein, Küchlein— hin iſt Alles. Die Hetrin all' des Guts ſah nun belrüblen Vlicks In Trümmern ihre Schätze liegen And fütchlel, ob des Alibgeſchicks Prügel von ihrem Alann zu kriegen. Zur Voſſe ward der Scherz gemacht: „Der Alilchlopf“ wurde viel belachl. Ber liebt zu ſchweiſen nicht im Vlauen, And wer Tuflſchlöſſer nichk zu bauen? Vicrocholus, Nurrhus, das Alilchweib— Jedet fälll, Der Narr dem Veiſen glechgeſtellf Siebentes Buch. Zehnte Fabel. Dem wachen Traum anheim, der uns gefangen häll; Ein ſchmeichelnd Trugbild, mil des Geiſles Aug' zu ſchauen, Zeigk: uns gehörk die ganze Vell, Aus alle Ehren, alle Frauen. Bin ich allein, trek' ich dem Tapferflen zu nah'; Ich ſchwärme weiler, ich enklhrone Verſiens Schah; Ein König, fleh' auf hoher Zinne Der Alachk ich, auf mein Haupk regnel ein Kronenflor. Ein Zufall witkl, daß ich mich auf mich ſelbſt beſinne; Dieh da: Hans bin ich wie zuvor. 9 Das Mlilchweib und der Milchtopf. J1 06 46 34 Siebentes Buch. Elfte Kabel. Allte Fubel. Ver Plarrer und der Tudke, Dlil ſuhr und ernſt ein Todter hin, Dder letzlen Nuheſlalt enlgegen; Ein Päarter eill mik heikrem Sinn, Ihn möglichſl ſchnell ins Grab zu legen. Der Delige erhiell zu Vagen das Geleik Gehötig in ein lang und bteil. 5 Siebentes Zuch. Elfte Fabel. Ein ſchwatz Gewand gefleckl—'s wird, ach! der Sarg geheihen, Ein Vinlerkileid, ein Sommerlleid, Das ktaum die Todklen je zerreißen. Der Vallor ſaß an ſeiner Seil', And, um' nach Vorſchtift auszuführen, Bagle manch ſromm Gehellein er, Alanch Slücklein aus der Vihellehr', Yſalmen und Neſponſorien her: „Hert Todler, laßl's Euch nichl berühren! Wir geben Euch nach Brauch alle kirchliche Ehr'; Es iſt ja nur um die Gebühten!“— Hochwürden wenden von dem Todken keinen Blick, Als ſchützt' er dieſen Schatz vot Diebllahls Alihgeſchick, Als ſagk' er ihm in ſeinem Herzen: „Von Euch, Herr Todker, ätieg' ich doch Do viel an Geld, ſo viel an Herzen, Do viel an andern Spotleln noch.“ Zu kaufen dachl' dafür ein Fäßchen er im Blädlchen Vom Allerbehten weil und breil; Ein niedlich Nichlchen und auch Grelchen, Dein allerliebſles Blubenmädchen, Die brauchken Jed' ein neues Kleid. Do technuek er mil Vohlbehagen—— Ein Dloß! Der Vagen brichl enlzwei; Hochwürden liegen nebenbei, Des Todlen Fall hat ihm den Schädel eingeſchlagen, 36 Siebentes Buch. Elfte Fabel. Das Pfattkind zieht im Sarg den Pfarrer nach; nichl gern Folgt der Vaſlot dem Nuf des Hertn, And Veide gehn veteinl von hinnen. All' unſer Leben, unſer Sinnen, Dem Vhſarter gleichl's, der zählk' auf ſeines Todlen Kopf, And jenem Alilchweih mik dem Topf. 0 00 16 4 Siebentes Buch. Zwölfte Kabel. — 5 7 —„ —— A . —————————— Awüllte Pubel. SD hlück nachläuft, und Der. Rensch, der dem( welcher es in leinem Peit erwarfel. Iher mochte nicht dem Glück nachlaufen Vihjl ich nur einen Ork, wo in bequemer Naſt Ich ſchauen könnl' den närt'ſchen Hauſen All' Derer, die in eiller Hafl Dem Kind des Schickſals ſtels nachjagen ohn' Ermallen, Ein kreu Geſolg' im Dienſl von einem flücht'gen Schakken! And haben ſie's beinah erfaht, 10 1 10 Wö WMN W 38 Siebentes Buch. Bwölfte Fabel. Gleich fliehl es kreulos ſork, kein Wunſch iſl Vahtheik worden. Die Zermſlen dauern mich; wenn man die Thoren ſchaul, Witd Alilleid meht als Nerger laut. „Der Alenſch dork“— ſagen ſie—„hal ſlels nut Kohl gebaul, And ſeht, nun ill er Vapft geworden! Dind wen'ger wir als er?“— Ihr ſeid hunderkmal mehr; Allein was hilfk Verdienſl im Leben? Var blind das Glück nichk von je het? And ifl die Tiara werlh das, was man aufgegeben, Die Nuhe, dieſen Schatz, der Blerblichen Begeht, Den als der Göller Etb' einſt pties der Dichtet Heer? Da wo Fortuna weill, enlweichl die Nuh' fafl immer. Drum ſuche dieſe Göktin nimmer; Die ſuchl dich ſelber ſchon— ſo will es iht Geſchlechl. Zwei Freund' in einer Bladt beſahen, ſchlechk und rechl, Ein klein Vermögen. Nun, der Eine ſeuſzle immer Nach Glück.„Venn wir“— ſprach er zum Andern einſtl „Auswanderken? Bag', was du meinfl! Du weißlk, es gill im Valerlande Nichls der Vrophel; vielleichk blüht anderswo uns Glückt.“ „„Huch' dul““— ſpticht Jener—„„Ich, begnügl mik meinem Slande Alit Land und Leulen, bleib' zurück. Folg' deinem Trieb; ich weil, du biff gat bald zu Nande And kehrft dann heim; doch ich gelobe dit voterll, Zu ſchlafen, bis du wiedetkiehtfl.““ Siebentes Zuch. Zwölfte Fabel. 39 Von Ehrgeiz oder, wenn man will, vom Geize Gektieben, krill die Neiſ' er an And kommt am nächſlen Tage dann An einen Ork, der für die laun'ſche Göllin Neize Alehr als ein andter hal: der Hof iſt dieſer Otl. Dork bleibt er ein'ge Zeik: er flelll ſich fork und ſork Abends und Alorgens ein, voll von des Glückes Ttäumen, Nicht eine Blunde zu verſäumen; Kurz, immer iſt er da, und doch komml er zu nichls. „Suchen wir anderswo!“— ſpricht er—„Voran gebrichl's? Forkuna, weih ich wohl, wohnk doch in dieſen Näumen, Täglich kehrt ſie, ich ſeh's, bei Dem und Jenem ein; Wie liommk es, daß bei mir allein Das lauenhafte Veib ſich weigerk einzucehren? Bohl hat man mit geſagt, es wär' an dieſem Orl Nichl angebracht, zu viel der Ehren zu begehren? Lebk wohl, ihr Herrn vom Hof, lebl wohl, ich gehe fort. Jagk einem Trugbild nach in bunkem Flikkerflaake! Forkuna, ſagt man mit, hal Tempel in Zutale; Gehn wir dorlhin!“— Geſagl, gelhan: er ſchiffl ſich ein. Heelen von Etz! Der krug'nen Vanzer von Demanlen Gewiß, der dieſen Pfad einſchlug und unbeliannken Abgründen krotzle, er zuerſt und ganz allein! Zur Heimak wandle ofl die Vlicke Jetzl unſer Freund, der die Geſchicke Der Neiſ' und die Gefahren wohl begriff: Siebentes Guch. Zwölfte Kabel. Beeräuber, Slurm, Windſlill' und lück'ſches Felſenriff Diener des Todes, den oft weil vom Valetlande Alil gtoßer Vlag' und Qual man ſucht an fernem Olrande, Indeſ) man bald genug daheim ihn finden kann. Nach Indien kommk et; dork ſagt man ihm, in Japan Veile Forluna juft mil ihrem Gnadenſegen. Nun kragen dorkhin ihn die krägen Fluten, und Alles was er fand Als Fruchl von ſeinen langen Neiſen, Die Lehte war's, die uns die Wilden ſchon beweiſen: „Letrne von der Nakur und bleib' im Valerland.“ Auch in Japan fand er bein beſſetes Gelingen, Als ihm Indien geſchehn; Dies mußt' ihn zur Erkienulniß bringen, Die unrecht er gelhan, von Hauſe forkzugehn. Des Vanderus ftuchlloſer Veſchwerde Enkſagend, ſehrt er heim, und, nah dem kraulen Herde, Weink er vor Freud' und ſptichl:„Heil, wer daheim nur lebt, Der Wünſche Leidenſchafl zu bändigen beſltebl! Er weib) ja nur vom Hörenſagen, Vas Hof, was Aleer ift, und wie ſchwer dein Joch zu kragen, Forluna! Anſtem Vlick laſſeſt vorübergehn Du Würden, Geld und Gul, denen mik Hafl und Vangen Alan nachjagt, ohne das Vetheihne zu erlangen. Ich bleib', und hunderlmal beſſer werd' ich mich flehn.“— And noch indem et dieſe Votle Siebentes Buch. Zwölfte Fabel. Sprach und ſo klugen Nalh gegen Forkuna pllag, Fand er ſie ſitzend an der Bforke Des Freundes, der ganz ſeſt in lieſem Schlummer lag. II. +I Siebentes Buch. Dreizehnte Kabel. * Uwei Hähne lebten flill; ne Henne kam dazu, W E And gleich hak ſich ein Ktieg enlſponnen. Amor, du lrägll die Schuld: Troja zerſlörkeſt du, Am dich hal jener Stteik begonnen, Der den Xankhus geſärbl ſelbft mil der Gökket Vlul. Lang' dauerl' aus im Kampf det beiden Hähne Wuth. Bald ward es rings bellannl; hethei zum Schauſpiel eille Das kammgeſchmückle Volk, und manche Helena Alil prächligem Gefieder lheille Die beiden Hähne. Siebentes Zuch. Dreizehnte Fabel. 43 Als Preis man Jenem zu, den man als Dieger ſah. Der Andre ſchlich davon, in Einſamſeil zu klagen Verlorne Ehr' und Datan der Gegner ſich, flolz daß et ihn geſchlagen, Vor ſeinen Augen fteul. Täglich von Neuem muhl' Der Anblick ſeinen Hah und ſeinen Nlulh enkflammen; Et wetzl den Schnabel, und mil ſeinen Flügeln ſchlägt Die Luſt uer und rafft wuthetregl Zu neuem Kampfe ſich zuſammen. Er hal's nichk noͤlhig mehr. Frech auf die Dächer ſetzl Der Dieger ſich, im Nuhme ſich zu ſonnen. Ein Geier nahm ihn wahr, und jetzl Fahrl, Ehte, wohl und Liebeswonnen! Des Geiers Kralle ſetzt ein Ziel dem kecken Thun. Des Schickſals Tücke wollle nun Jenen nochmals der Henne paaren, And wieder macht' er ihr den Hof Für das Gelllälſch, denktt, welch ein Stoff! Denn Veiber hakl' er ganze Schaaren. Ho ſpiell das Schickſal gern mik uns im Aebermulh: Alit Hochmulh hak ſchon ofk des Siegers Fall begonnen. Alißͤltauen wir dem Glück, und ſei'n wir auf der Hul, Nachdem wit eine Schlacht gewonnen! Siebentes Buch. Vierzehnte Kabel. 85 — E 12 — Uin großer Handelsherr ward reich et halke Glück: Die 2 Vinde dienken ihm auf mehr als einer Neiſe, Aichl Strudel nahm noch Niff, wie's ſonſt wohl ihre Weiſe, Von ſeiner Waar' als Zoll auch nut ein einzig Slück Nepkun und Aktopos— an ſeinen Kameraden Aebten ihr Nechk ſie aus, inde) Fortuna's Gnaden Olels ſicher ihten Iteund geführk zum ſichern Votl. R———— S—S—————————————— ————————— 222......·————— 888——ů————ů——————————˖—— ———.ßt.ß.ßt——.— Siebentes Buch. Vierzehnte Fabel. 45 Treu ward bedient er von Vuchhallern und Collegen; Tabalt. Zucker und Zimmk, des fernen Indiens Segen, Auch Torzellan verkaufl' er gleich an Vord; Luxus und Alode ſchwellt den Schatz ihm fott und fork And ſeine Taſchen goldner Negen. Doppelducaten nur waren ſein kleines Geld; Prachllulſchen hiell et, Bferd' und Hund' in ſeinem Hauſe, Hein Faſlen glich'nem Hochzeilsſchmauſe. Ein Freund, der ſah, wie reich ſein üppig Alahl beſlelll, Fragt ihn:„Voher komml all' die Vrachk, die hier ich ſehe?“— „„Bohet denn ſonſt, als weil ich mein Geſchäfl verſlehe? Nur mir danl' ich's, dem Alulh, der Klugheil und dem Fleih, Vomil mein Geld ich flels guk anzulegen weih.““— Es war ihm gar zu wohl, daß immer er gewonnen, Von Nenem wagk er jetzl den früheren Gewinn; Doch nun kam's anders: nichls ging ihm nach Vunſch und Sinn. Vatum? Veil er zu uubeſonnen: Ein ſchlecht befrachlet Schiff ſcheilett auf flürm'ſchem Nleer; Ein andtes halle nicht genug Waffen und Teule And fiel Seeräubern heim als Veule; Ein driktes kehtle heim, noch ſchwer Beladen, da es nichls verkauft hal— nichl geblieben Var Nlod' und Luxus wie vother. Auch haklen ſeine Leuk' ihn ſehr Beltogen, und er ſelbft, der's gar zu atg gelrieben And viel verbauk und mil leichlſinn'ger Fteunde Schwarm 12 46 Siebentes Buch. Vierzehnte Kabel. Verpraßl, ward nun auf einmal arm. Oein Freund, der ſo verarmk ihn ſah, ftagt jetzl ihn leiſe: „Voher ſtomml Dieſes?“—„„Ach, das Schickſal hal's gewolll!““— Drauf Jener:„Tröſle dich; und ift es dir nichk 4 And biſl du glücklich nicht, ſo ſei zum mind'ſlen weiſe.“ Veib nicht, ob er den Valh bedachl; Doch weil) ich: Jeder witd, was glücklich er vollbrachl, Auf Nechnung ſeiner Klugheil ſchreiben; And folgl ein Mückſchlag dann auf unſer lhörichk Tteiben, Ochelten wit das lteuloſe Glück. Ho ifl die allgemeine Blimme: Das Gule lhaten wir, das Schickſal nur das Schlimme; Dlels haben Necht wit, flels hal Aurechl das Geſchick. Siebentes Buch. Künffehnte Kabel. 47 ſthak der Zufall an des Voltes Aleinung Cheil, And den Erfolg beſtimml die öffenlliche Aleinung. Alan kriſſt die kraurige Erſcheinung In jedem Nang und Bland: überall Voturtheil, Cabal' und Eigenſinn, faft nie Nechk und Gewiſſen. Es ill ein Slrom. Was khun? Nlan laſſ' ihm ſeinen Lauf! „ Do war', und ſo hötl's nimmet auf Ein Veib war in Varis, des Vahrſagens befliſſen. Die Wahrſagerinnen. 48 Siebentes Buch. Fünfzehnte Kabel. Jeder beſuchte ſie und ging um Nalh ſie an: Verlor'nen Lumpen, hakk' einen Liebhaber man, Der Galle, der ſein Veib liebk gat zu kreu und lüchlig, Die böſe Alukter wie die Frau, die eiſerſüchlig— Alles lief zur Vahrſagerin, Hören wolll' Jeder was nach ſeinem Vunſch und Sinn. Durch ſchlaue Liſt lockl ſie die Aleiſlen: Ein Vaar Runflausdtücke, ein üeck und ftech Erdreiſten, Ein günſl'ger Zufall oft— dies reichle füglich hin, And Alles ſchrie:„Velch ein Wliraliel!“ Anwiſſend wie ſie war, iht Hirn ein leeres Fach, Gall ſie doch bald für ein Orabel. Die Puthia bewohnt' ein Slübchen auf dem Dach; Dotk fülll aus dieſer einz'gen Quelle Das Veih in allergrößler Schnelle Do ihten Beulel, dah ein Amk ſie ihrem Alann And ſich ein ſlalllich Haus dafür erſlehen kann. In das Dachllübchen zog ſodann ne andte Alielhetin, zu der in Hüll' und Fülle Frauu, Aladchen, Diener, Herru, Jung, All, kurz Alles kam And ihte Künfle, wie vordem, in Anſpruch nahm; Das üleine Blübchen wat die Höhle der Bibulle. Das vot'ge Veib halle den Ork in Nuf gebrachl. Die Jetz ge mochle lhun und reden, was ſie wollle: „Vahrſagen, ich? Ihr ſpaßl! Als wenn ich leſen ſollle! Ich lerule nüt, wie vorm Herrgoll ein Kirenz man machl!“ Siebentes Buch. Künffehnte Kabel. 49 Alles umſonſl: ſie mußt' wahrſagen, und es rollle— Zwar mochl' ſies nicht— manch Goldllücklein Ihr zu; mehr nahm ſie als zwei Advocalen ein. Der ganze Hausralh kam der Bache ſehr zu Slallen: Vier lahme Beſſel und ein aller Beſenſliel Erſchienen unheimlich geheimnißvolle Schallen. Häkle dies Weib auch noch ſo viel Vahres geſagl in ſchmuckem Zimmer, Alan hälle ſie verlachl: zum Dachllübchen ging immer Der Zug, es halle ſich in Gunſt geſehl. Die Andre hak das Nachſehn jetzt. Das Aushängſchild nut ſchafſk die Kunden. lanch ſchlechker Neduer ward als Aleiſler ſchon beſunden Vom Vollt; in reich bezahllen Slunden Hat er ein großhes Audilorium Am ſich verſammell. Fragk mich mal, warum! 2 — 1 13 50 Siebentes Guch. Sechzehnte Fabel. In des Kaninchens Wohnung ſchlich Das Vieſel eines Alorgens ſich Hinein— das hal's hinler den Ohten. Der Witlh war ſort, drum hal's die Blunde ſich erkoten And richket häuslich gleich ſich ein in ſeinem Vau, Indeß) bei Blumendufl und ſtiſchem Nlorgenlhau Er ſelber draußen grühk Auroren. Nachdem genug der Speiſ' und Ftühluſt er genoh, Huchl Hänschen wiedet auf ſein unlerirdiſch Schloh, Siebentes Guch. Sechzehnte Fabel. 51¹ Das Wieſel ſleckle juſt die Naſe aus dem Fenſlet. „Barmherz'ge Gölker! Was ifl das? Seh' ich Geſpenfler?“— Do rief das Thier, jetzt von der Väker Sitz verjagt „Holla, mein Wieſel! Auf der Skelle Alach' dich davon in allet Schnelle, Sonſl wird's den Vallen all' im Land umher geſagl!“— Spihnäschen meinle, Dem gehöte doch die Erde, Der in Beſitz zuerſl ſie nahm. Ein ſchöner Grund zur Ktiegsbeſchwerde: Ein Häuschen, wohinein es ſelbſt nur kriechend kam! „And wär's ein Königteich, der Väler Erblheil, ſo flrag' ich, welch Geſetz auf ew'ge Zeil Eher Herrn Hans den Thron verleihl, Dem Veſſen oder Sohn von Vilhelm oder Veler, Als Vaul, als meiner Weniglkeil!“— Katnickel ſprach:„' iſt ſo mal Brauch und Sill' im Leben. Dutch ihr Geſetz geſchützt und drauf geflützk, bewohn' Dies Haus als Herr ich und Gebieler lange ſchon; Denn immer ward's veretbt vom Vaker auf den Sohn. Bolll' die Eroberung ein beſſres Nechk wohl geben?“— Das Wieſel drauf:„Slill! Laß uns eben Den Ilteik etledigen vor Heuchelgeilchens Thton.“— Dies war ein Kaler, der am lief verborgenen Platze Einſiedell, recht'ne falſche Katze, Ein Kagkenheil'get, wohl gefüllerk, feiſt und all, Der füt'nen klugen Nichker gall. Siebentes Zuch. Sechzehnte Fabel. Karnichel hal es angenommen; Vot Deiner lück'ſchen Alafefläl Sind bald die Veiden angekommen. Grapſchpfökchen ſprach:„Necht nah, ganz nah zu mir! Denn, ſehl, Taub bin ich, Kinderchen; das komml ſo von den Jahren.“ Die Beiden nahlen ihm, ohn' Arges zu befahten. Allein kaum ſieht er ſie in ſeines Arms Bereich, Da witfl det Heil'ge ſtomm und bieder, Die grimmen Ktallen aus nach rechts und links zugleich; Vetſöhnend die Varlei'n, würgk er ſie Beide nieder. Dies gleicht den Zwiflen wohl, zu deren Schlichlung gern Der Köön'ge Schiedsgericht anrufen kleine Hetru. Siebentes Buch. Siebzehnte Kabel. 3 1 O Iwei Gliedet am Leib der Ochlange J Nachen uns, den Alenſchen, bange: Kopf und Schwanz; und alle Zwei Olehn den grauſen Vatzen bei; Die ſich baß an ihnen weiden, Obzwat unker dieſen Beiden Einſt ein großer Olteil enlſprang Am den Gang. II. 14 54 Siebentes Buch. Siebzehnte Kabel. Der Kopf ging immer vor dem hinlern Körperkheile, Vebhalb der Schwanz zum Himmel klagl And ihm ſagk: „Schau, ich mache Aleil' auf Aleile, Ganz wie Jener haben will. Glaubk er, dah immer ich dies dulde ftomm und ſtill? Vas als Diener denn gewinn' ich? Vin ich doch, wie Goll es will, Nicht ſein Knechl, ſein Bruder bin ich. BVeide aus demſelben Vlul, Gib mit ihm mit gleiche Rechle; Trag' ich doch ein Gifl, ich dächte, Olark wie ſeines, ſchnell und gut! Höte drum, was ich etflehe: Ordne— denn du kannſt es— an, Daß der Neihe nach voran Aleinem Bruder Kopf ich gehe. Glaub', ich füht' ihn guk und glall, Dah Jer nicht zu klagen hal.“ Der Himmel war grauſam genug und lieh ſich rühten. Ach, ſeine Güle bringk zu ofl nur billre Vein; Er ſollle liebet kaub für blinde Wünſche ſein. Hier war er's nicht: Der jetzt ernannk, den Nlarſch zu führen, Hah bei hellem Tage doch Alehr nichl als im Ofenloch, Nannle blind durch alle Näume, Siebentes uch. Siebzehnte Fabel. Gegen Alenſchen, Blein' und Väume, And grades Wegs zum Olux, dem Sttom der Anletwell. Beh jedem Slaale, der gleichem Irrlhum verfälll! Siebentes Buch. Achtzehnte Cabel. enn wir von einem Weiſen hören, Dapß ihrer Sinne Trug die Alenſchen ſlels belog, Vird gleich ein andter Weiſer ſchwöten, Dab nimmermehr ein Sinn uns trog. Die haben Veide Vecht: mik vollem Grund bezichligt Cäuſchenden Truges die Vhiloſophie den Dinn, Soweik der Alenſch urkheilk auf deſſen Zeugniß hin; Allein wird wiederum berichligl Siebentes Buch. Achtrehnte Label. 57 Des Gegenſlandes Vild nach der Enlfernung und Den Aledien, die darum ſich fügen, And nach des Inſtruments Befund, Do werden nie die Dinn' uns krügen. Beiſe ſchuf die Nalur Alles nach Folg' und Grund— Ich thu' ein andet Alal euch dies ausfühtlich kund. Die Donne ſeh' ich. Wie etſcheinl ſie mit? Als ſlelllen Ihr ganzes Nlaß mit dat drei Fuß im Amfang nut; Doch könnk' dork oben ich wandeln auf ihrer Zpur, Vie würd' mein Auge ſchau'n das große Aug' der Vellen? Ihre Enlfernung zeigk mir ihte Größe, und Durch Wintkelmeſſung kann genau ich ſie datlegen. Das Vollt meint, ſie ſei flach, ich weich ſie kugelrund; Ich laſſ' ſie flillſtehn und die Erde ſich bewegen; Kurz, was mein Auge ſchaul, weiß) ich zu widerlegen, And dieſes Sinnes Trug käuſchl mich in keinem Fall. Alein Geiſl, er findek überall Die Vahrheit, unkerm Schein vetborgen, durch Erkkennlnibß); Gar nicht bin ich im Einverſländniß⸗ Alit meinem Auge, das zu ſchnell ofk vorwärks dringl, Noch mil dem Ohr, das mit den Schall nur langſam bringt. Krümmt Vaſſer einen Slab, Vernunft muß grad' ihn richlen; Vernunft muß) herrſchend Alles ſchlichten. Danl ihter Alacht und Herrſchaft, krügl Alein Auge nimmer mich, obwohl es immer lügl. Schenlek' ich ihm Glauben, nun, da müßl', wie Viele meinen, 58 Siebentes Guch. Achtzehnte Fabel. Alilten im Alonde mir ein Weiberkopf erſcheinen. Kann einer drin ſein? Nein. Vas iſt des Pudels Kern? Nur ein Vaar Tinien ſind's, die wirken ſo von fern. Des Alondes Fläche kann ein glattes Bild nichl geben: Gebirgig ifl ſie hier, dorl iſt ſie wieder eben; And, zeigl ſie uns ofl durch Schaklen und durch Lichl Ein Thier, ein menſchliches Geſichl. Alußl' England doch noch jüngſt was Aehnliches erleben! Durchs Fernrohr ſah man nach dem Alonde, da erſchien Ein neues Thier, und Alle ſchtie'n, Es hab' ein Wunder ſich begeben, Ein Vechſel ſei geſchehn dotk oben neu'ſlet Zeil, Der zweifellos ein groß Ereigniß ptophezeil. Ver weib, ob nicht daher der Krieg der Völlerſchaflen Enkſlammk? Der König kam herbei— gar hoch geneigl It er als weiſer Fürfl den höhern Wiſſenſchaften Das Angelhüm im Nlond hak ſich auch ihm gezeigt. Ein Aläuschen war's, das in dem Glaſe ſich verborgen, Im Fernrohr ſelber war der Quell der Krriegesſorgen. Alan lachle. Glücklich Volk! Vann endlich komml der Tag, Da Frankreich ſolchem Thun wie du ſich widmen mag? Alars überſchüllet uns mik reichen Nuhmesgaben: Nut unſre Feinde ſcheu'n den Kampf, wit ſuchen ihn, Gewiß, Vickotia wird, die Göllin, hoch erhaben, Ludwigs Gelieble, ſels mik ihm zu Felde ziehn. Hein Lorbeet— Klio ſelbſt hat ihn in Etz gegraben. Siebentes Buch. Achtzehnte Fabel. 59 Auch Alnemoſyne's Töchler haben Ans nichl verlaſſen, hell ſtrahlt uns der Freude Lichk; Der Fried' iſt unſer Wunſch, doch unſer Behnen nichl. Katl ſteut ſich ſein; doch würd' er wohl, gäll' es zu ſlreilen, Beweiſen ſeine Nlachk und England ſicher leilen Zu jenen Spielen, die in Nuh' es heuk geniehl. Indeb, geläng' es ihm, den Frieden zu erſtreben, Velch edler Veihrauch! Oh ein beſſter wohl ihm ſprießl? Holll' etwa minder ſchön eines Auguflus Leben Als Caeſats Kriegestuhm und Heldenlorbheer ſein? O glücklich Volk! Wann witd der Itiede uns gegeben, Daß wieder wir, wie du, uns ganz den Künflen weih'n? Ende des ſiebenten Buchs— Ein Thier im Monde. Achles Vuch. Achtes Buch. Erſte Fabel. AJem Veiſen macht der Tod nichk bange,; W In ſcheiden iſt er flets bereil, Olels iſt gewärlig er der Zeil, s ſich zu rüflen gill zu jenem letzlen Gange. And dieſe Zeik umfabt, ach! alle Friſt, Die eingelheill in Tag, Blund' und Alinulen ill; Kein Augenblick, der nicht vetfallen Ihrem Verhängniß) wär', denn ſie gebielel allen. Die allererſte Stund', in der ein Königsſohn Dem Lichl auflhul die Augenlider, N Da 64 Achtes Buch. Erſte Kabel. Iſl ofl auch ſeine letzle ſchon Aund 5 ieht ſie ihm auf ewig wieder. Vas helſen Gröhe, Ehr' und Treu', Ochonheil und 59 dit, was Tugend dit und Glaube? Der Tod rafft Alles ohne Ocheu Dahin, und einft wird ihm die ganze Velk zum Naube. Nichts iſt uns minder unbekannl, And Nichks, obwohl's noch nimmer ſehlle, Das minder uns gerüſflel fand. Ein Olerbender, der mehr als hunderk Jahre zählle, Vellagle ſich Tod, dab er mik ſolchet Hafl Ihn zwingen wolll', ſogleich das Gw'ge zu ererben, Eh' er enn Teſtamenl verfabl, Ohn' alle Alahnung ſelbſl.„Iſl's“— ſprach er—„rechk, zu flerben Ho flüchl'gen Fußes? Vatl' doch noch ein Weilchen nun; Alein Weib will, nur mil ihr ſoll ich den Himmel ſchauen, Auch möcht' ich Alanches noch für meinen Neſſen lhun; Lab mich doch an mein Haus noch einen Flügel bauen. Vas bift du eilig doch, du Goll voll 1. Schrech und Grauen!“ Der Tod drauf:„Aller, du nennfl Aeberraſchung dies? Alil Anrechl wagſl du mir ob meiner Hafl zu fluchen. Zählſt du nicht hunderk Jahr? Du ſolllt mir in Varis Zwei, die ſo all wie du, zehn in ganz Frankreich ſuchen! 'ne Alahnung ſorderſl du von mir, die hin dich wies Zur Vorbereikung auf das Ende: Achtes Buch. Erſte Fabel. 65 8 Dann häll' dein Teflamenk ich noch geſchaul, Verorgl dein Neffen und dein Haus ganz ausgebaul. Var es dir Alahnung nichl genug, als dit die Hände And Fühe ſchlollerken, die Olirn Dich tunzelke und Herz und Hirn Ochwach ward, als dit Geſchmack und Sehn und Höten ſchwanden And deine Hinne kaum noch irgend was empfanden? Bergebens ſlrahlt ſein Lichl des Tags Gellirn dir her; Das Glück, um das du klagll, iſt längſt füt dich nichk mehr. Die Freunde ſahfl du all' mik Vangen Im Tode dir voraugegangen. Iſl all' dies Alahnung nichl genug? Ich häll's gedachl! Drum ſork jetzt, Aller, ohne Wimmern! Der Blaal wird wenig ſich drum kümmern, Ob du dein Teſlamenl gemachl.“ Det Tod hal Nechk: mit ſcheinl, man ſolll' in hohen Jahren Vom CLeben gehn, wie ſich's bei einem Alahl gebührl, Dem Wirlhe danliend, und das Vündel ſlels geſchnütk. Wie lange meink man denn die Neiſe aufzuſparen? Du, Aller, murtſt? Schau, wie die Jugend unverweill Dotl einem Tod enkgegeneilk, Ochön und erhaben zwat, ruhmteich und heldenmulhig, Doch ſicher fafl, und oft, ach! grauenvoll und blulig! Ich pred'ge dir umſonſt, mein Eiſer iſl belhörk: Am mindſlen gern flirbt, wer dem Tod ſchon angehörk. 5 Achtes Zuch. Zweite Kabel. 66 Uin heilrer Ochuſler ſang vom Alorgen bis zur Nachl; 5 Ihn anzuſehn war eine Vrachl, nne Trachl, zu höten ihn; er ſang ſo luſt'ge Veiſen, Zufriednet als die ſieben Veiſen. Sein Nachbar, der im Gold ſich wälzl, war minder ftoh, Da Bang und Schlaf ihn ewig floh— Ein Bänſter war's, det lieh und borgle. Der Schuhflicker und der Reiche. 2232 Achtes Buch. Zweite Fabel. 67 Wann Alorgens früh ſein Aug' ein leichler Schlummer deck, ward vom lufl'gen Bang des Schullers er Dann fluchl' er wohl, aufs Bekt geſtreck Dem Himmel, der nichk dafür ſorgke, Daß man ſich auf dem Alarkk den Schlaf auch kaufen kann Vie Tranli und Speiſe für den Alagen. Einft rief zu ſich der reiche Nlann Den Sänger und ſtagl' ihn:„Könnkt, Aleiſter, Ihr mir ſagen, Vas Ihr verdienl im Jaht?“—„„Im Jahr, ich? Aleinet Treu““— Erwiderk lächelnd ohne Schen Der luſft'ge Schuftet—„„Hett, es iſt nichl meine Sache, Alſo zu rechnen, üaum daß ich'nen Abſchluß mache Von Tag zu Tag; ich hab' nicht Noth, And ſehe, wenn das Jahr vorüber, Ich halte flets mein käglich Brol.““— „Do ſagk mir, was verdienk Ihr wohl den Tag, mein Tieber?“— „„mal mehr, mal weniger. Das Schlimmſle ſind fütwaht (And ohne das könnk' ich um den Verdienfl nichk klagen) Das Schlimmſle ſind füt uns die Fefle all' im Jahr; Glanbl mir, man machk uns lodk mik Feierlagen: Eins jagk das andere, und der Herr Pfatter machl In jeder Vredigk uns bekannl mil neuen Heil'gen.““— Der Neiche ſagt, indem er dieſer Einfalk lacht: „An einem großen Glück will ich Euch heut belheil gen. Nehmt hunderl Thaler hier, doch nehmel mik Bedachl Hie als Nolhpfennig wohl in Achl.“— 68 Achtes Buch. Zweite Kabel. Dem Schufler iſt, als ſäh' er alles Golds Gefunkeel, Das ſeit Jahrhunderlen die Erd' An Schätken dieſer Velk beſcheerl. Heim kehrk er und vetgtäbl in ſeines Kellers Dunkeel Bein Geld, mik ihm auch ſeine Tufl. Kein Dang enkquoll mehr ſeiner Btufl, Heil er beſab, womik die Sorgen flels anfangen; Bein Lager floh der Schlummer, und Otall ſeiner kamen Rummer und Atgwohn und eilel Angſl und Vangen. Bei Tag wat ſlels er auf der Tauer, und bei Vachl, Venn ein Geräuſch'ne Katze machl, Vat's um ſein Geld geſchehn! Zuletzl lief er voll Kummer Zu Dem, dem er nicht mehr geflötl des Schlafes Glück: „Gebl wieder“— ſprach et—„mir mein Tied und meinen Ochlummer, And nehmek Euer Geld zurück!“ Der Löwe, der Wolf und der Fuchs. —. Achtes Zuch. Dritte Kabel. 69 Pritte Fubel. Uer Löwe, der Mlull und der Fuchs. 70 Volll⸗ daß ein Nlillel man gegen das Aller ſände Anmogliches gibl's ja für einen König nichl. Anſter beſahl zu dieſem Ende Aerzle an ſeinen Hof, Rerzle von jeder Arl. Die kamen zu dem Leu'n in Alaſſe, dicht geſchaark, in abgelebler Leu, der nichl forkionnl' vor Gichl, I. 18 70 Achtes Buch. Dritte Kabel. Ningsher ſah man zu Hof Necepkeſchreiber wallen. Doch blieb bei den Beſt 10 allen Der Fuchs fein flill daheim und ließ ſich nitgend ſehn. Aleiſler Volf Fſpollel bei des Königs Ochlafengehn Des fernen Freunds. Der Fürfl befiehll, gleich ohne Schonung Austäuchern ſolle man den Fuchs aus ſeiner Wohnung And ſchaffen ihn zur Slell' Er kommlk, der Demukh Vild, And ſagt, wohl wiſlend, daß der Volf den Slreich ihm ſpielke „Ich fürchl', Herr, ein Vericht, der Arges mir erzielle, Hal mich als Einen Euch enlhülll, + Der ſäumig wär', Euch hier zu huld'gen; Doch mag die Vallfahtk mich eulſchuld'gen, Alik der für Euer Vohl ich ein Gelübd' erfülll. Auf meiner Fahrl, der ungeduld'gen, Fragl' ich Geleßhrke ob der Schwäche, die Euch quäll And deren Folgen Euch vielleichk noch ſchlechk bekommen. Nur Värme ill's, an der's Euch fehll, Das Alter hal ſie Euch benommen. Von'nem lebend'gen Volf das abgezogne Fell Alüßl warm, noch rauchend, Ihr 3 Dies Alillel wirkl ſicher und ſchnell Belebend, wenn die Kräfle ſchwinden. Herr Volf dienk dann bequem und ktaul Als Schlaftock Euch in Nlußeſlunden.“ Den König hal der Nalh erbauk; Den Volf, zerriſſen und geſchunden, Achtes Buch. Dritte Fabel. Hak der Alonarch zum Nachlmahl erfl verdaul. Dann hülll' er ſich in ſeine Haut. Ihr Herrn vom Hof, laßt ab, euch flels zu Grund zu richlen. Erfülll doch, wenn ihr's könnl, harmlos des Hofes Vllichlen. Vierfach verdunkelk ihr Gules durch Schlechligkeeil. Ver ſoppk, der witd geſoppt auf die, auf jene Veiſe; BVedenll, ihr lebk in einem Kreiſe, Vo Reiner Einem was verzeiht. —4 Achtes Buch. Vierte Kabel. cht der Jabel. An Heren von Harillon. ines Volſchaflerts Würde. kann Sie wirklich ſich herah zu kleinen Fabeln laſſen? Dir ihren leichlen Scherz zu bieklen— witd ſich's paſſen? And nehmen manchmal ſie des Ernlles Würde an, Virſl als verwegen Du und lieck ſie dann nichl haſſen? Du mubi mil Andrem Dich beſaſſen, Achtes Buch. Vierte Fabel. 73 Als, wie das Häschen ſich ergetzl And mik dem Vieſel brichl'ne Lanze. Lies oder lies ſie nichl; doch jetzl Vethindre nur, dah man das ganze Europa auf den Hals uns hetkl. Ob auch aus jeder Erdenſcholle Ein Heer von Feinden uns erfleh'. Alag ſein! Allein, dah Gngland wolle, Daß unſrer Könige Freundſchaft zu Ende geh', Verd' ich nur ſchwer begreifen lüönnen. doll Ludwig immer denn noch keine Naft ſich gönnen? elch andter Hercules erlahmle nicht im Olreit llik jener Hudra? Wühl' ich nur, was wir gewönnen, Fenn ſeinem flarken Arm ein neues Haupt ſie beul? Vermag Dein Geift, beredt und ſchneidig, Die Herzen milder und geſchmeidig 2 2 2 7 Zu machen, daßh erſpark uns bleibk des Krieges Spiel, Vill hundetk Vidder ich Dit opfern; das iſt viel Füt einen Vürger des Vatnaſſes. Für heul nimm meines Beihrauchfaſſes Beſcheidne Gabe gnädig an; Nimm meine heißen Wünſche dann And dies Gedichl, das hier ich Dir zu Füßen lege. Bein Gegenſland paßk wohl für Dich, mehr ſag' ich nichl; Das Lob, das ſelbſt die nimmer kräge Zunge des Neids Dir nicht abſprichl 74 Achtes Buch. Vierte Fabel. Du willſl nicht, daß man es erwäge. In Athen, deſſen Volk gar leichk und eilel war, Beſlieg ein Nedner einſt die Vühne; in Gefahr Hah er das Valerland, und in die Herzen dringen Vollt' er, durch die Gewall der Nede ſie bezwingen; Fürs 170 Bohl bok alle Ktafl er auf. Alan hörk' ihn nichl. Da gtiff der Sprecher im Verlauf Der Nede zu den ſlärkſlen Alilteln, Die ſelbll den lrägllen Geiſl vermögen aufzurülleln: Er donnerk, was er kann, er weckl die Todlen auf 0 Alles nur in den Wind, und Niemand achlel drauf. ꝗ 2 Isd. Es ward mal heul und an dem Orle Das kauſendkoͤpftge Thier zu keinem Ernſl gebrachk: Nings ſah'n ſich Alle um; er merkk, ſie gaben Achl Auf Kinderprügelei'n und nichk auf ſeine Vorke. Vas lhat der Nedner? Er verſuchl's auf andte Ark: ſo fing er an—„machl' einflmals eine Fahrk Aal und Schwalbe. Auf det Neiſe Hiell ſie ein gaſſet auf; der Nal, kundig genug Des Schwimmens, und die Schwalb' im Flug Kamen bald drüber weg“— Sagleich einflimmig frug Das Voll:„Vas that Ceres?“— Erwidernd dtauf der Veiſe: „Vas Ceres thal? Es walll' ihr Vlul Auf gegen euch in Zorn und 850 Vie? Rinderfabeln ſind?s, wonach iht Volß nut krachlet? Achtes Buch. Vierte Fabel. 75 And die Gefahr, in der es ſchmachkel, Kümmerk den Leichlſinn nichk und ſeinen Aebermuth! Varum ſtagk ihr denn nichl, was König Philipp khul?“ Das durch das Gleichnih ſchnell erwachle And zur Beſinnung bald gebrachle Voll halte nun des Nedners Achl. Ein Blückchen Fabel hal's gemachl. Athener ſind wir All' in dieſem Vunck. Nichl lügen Will ich: Häkk' Einer mir, als ich dies niederſchtieb, Die„Gſelshaut“ erzähll, ich blieb Vohl ſelber ſlecken vor Vergnügen. Alan ſagt, die Velt iſt all. Ich glaub' es; doch gewinnl Nur, wer ſie unkethälk, als wäre ſie ein Kind. —..—.— 76 Achtes Zuch. Künfte Kabel. Füulte Fnubel. Ver ⸗Menſch und der Flah. 659 Weccwet fallen durch der Wünſche Angeſchick Den Goöllern wir, und oft um ganz unwürd'ge Sachen, Als hätt' der Himmel nichls, gar weiker nichts zu machen, Als immer nur auf uns zu richlen ſeinen Blick; Als dürft' der Slerblichen Geringſler mit ner Ville Bei jeder Lumperki, bei jedem ſeiner Schtilke Achtes Buch. Künfte Fabel.* Die Bürger des Olump beläll'gen jederzeil, Als gälks der Griechen und der Troet wichl'gen Slteil. 'nen Thoren biß ein Floh; forlhüpfend dann in Eile, In Fallen ſeines Hemds batg ſich das Thierchen klein. „Hercules!“— tief der Narr—„Du golll'iſt die Vell beſtei'n Von dieſer Hudra Plag' und ſchtecklichem Anheile! Du, Zeus dork oben, lilgſt du nichk dieſes blulgeile Geſchlecht? Das würde doch für mich'ne Nache ſein!“ Zu lödlen einen Floh, meink er, ſolllen ihm leih'n Die Gölter ihren Vlitz und ihre Donnerkeile. 3 78 Achtes Buch. Sechſte Fabel. 8 echsle Funel. ie Mleiher und das Geheimniss. Jedes Geheimnil) iſt'ne Lafl; Den Frauen witd es ſchwer, ſie weik zu kragen. Hierin ſind alle Nlännet faſl Auch Weiber nur, das muh ich ſagen. Hein Weih zu ptüfen, tief bei Nachl ein Ehemann An ihrer Seile aus:„O Goll! Vas ſang' ich an? Achtes Buch. Sechſte Fabel. 79 Ich kann nicht meht! Ach, welche Vlagen! Himmel! Ich leg' ein Eil“—„„Ein Ei?““—„Ja, ſieh's nur an; Ganz ſtiſch! Doch hüte dich, elwas davon zu ſagen; Alan ſchimpft mich„Henne“ ſonſl, drum ſchweig' nut überall.“— Die gute Frau, der dieſer Fall Ganz neu, wie noch manch' andre Fragen, Glaubl's und thak einen Schwur, es flill bei ſich zu kragen. Doch hat des Eides, als die Nachl Votüber war, ſie üaum gedachl. Das Weib erhebl aus ihtem Vell ſich— Hehr zark wat ſie jufl nichl— da kaum der Alotgen lachl, And läuft zur Nachbarin geſchwätzig: „Gevall'rin, denük nur, was geſchehn iſl dieſe Nachl! Doch redel nichl davon, mein Nlaun möchl' ſonſl mich hauen: Ein Ei hak er gelegl, wie viere anzuſchauen. Doch bikt' um Golkes willen ich, Von dem Geheimniß nichls zu ſagen.“— „„Iht ſennk mich ſchlechl, könnk Ihr an mit zu zweifeln wagen!““ Oprichl Jene dtauf—„„Verlahl Guch ganz auf mich.““— Des Eierlegers Frau lehtrk wieder heim; doch brennen Hieht man vor Angeduld die Andre ſchon und rennen Von Haus zu Hauſe mil der Neuigkeil vom Ei: Aus Einem machl ſie gat ſchon Drei. Damil noch nicht genug:'ne Andre wollle wiſſen Von Vieren, doch daß es ein ſlreng Geheimniß wär'. Die Vorſichl konnle jetzt man miſſen, Achtes Buch. Sechſte Kabel. 7 Längſt war es lein Geheimniß mehr. Do wuchs der Eiet Zahl, ſie ward von Alund zu Nlunde, Danl dem Geſchwätz, vermehtt wie koll; And vor der nächllen Abendflunde Var tichlig ſchon das Hunderk voll. Achtes Buch. Siebente Kabel. 81 Nittagbrot am jalſe trug, 0 Jar ſchwer nur hallen Bland den Schönen unſre Augen, Wie unſte Hände blankem Geld; Nur Ven'ge gibk es in der Vell, Die einen Schatz zu hülen kaugen. Ein Hund, als Vole nach dem Speiſehaus geſandl, Trug ſeines Hetten Alahl, als Halsband umgehangen. Enlhallſam war er, mehr faſt als man konnl' vetlangen, Venn er'nen feklen Viſſen fand; MIss 0 N Achtes Buch. Siebente Kabel. Indeß, er wars. And wir? Aus Alle voll Begehren, Komml uns was Gules nah, verlockk die Lüflernheil. Alerkwürdig! Einen Hund lehtk man Enlhalkſamkeik, Den Alenſchen kaun man ſie nichk lehren! Der Vudel mil dem Korb geht fürbaß ohne Naft; Da kommk ein Köler her, der nach den Speiſen faßl. Das ging, ſo ſehr er ſich dtauf freule, Doch nichk ſo ſchnell: es ſetzl der VBudel hin die Beule, Da er ſie beſſer ſchützl, iſt ledig er der Lafl. Alan kämpfl. Jetzt nahen Hund' in Alaſſen, Die herrenlos ſich auf den Gaſſen Amlreiben und vor Schlägen ſonder Harm. Der Vudel, welcher ſah, zu ſchwach gegen den Schwarm Dei er, und der Gefaht das Fleiſch nichl zu enlreihen, Volll' auch ſein Theil und rief mil ſchlauem Aeberblick: „Nur ruhig Blut, ihr Herrn! Ich will ja bloh mein Slück, Ams Aebrige mögt ihr euch beihen!“— Den erſlen Viſſen ſchnappt er weg bei dieſem Vorl; Gleich ſallen drüber her der Köler, all' die Aleule, Nach Kräflen ſchmauſen Alle von der Veule, Ein Jeder krägl ſein Theil mik fotl. Ich glaub' hierin zu ſehn das Bild einer Gemeine, Vo man das Geld verkrauk der Vürger weiſet Vachk: Ochöff, Gildemeiſler, Jeder machl 'nen Schnill dabei; der Klug' und Feine Achtes Buch. Siebente Kabel. 83 Thul's Andern vor— es iſt ein Aublick, dah man lachl, Wie ſo'nen Haufen Gold ſie wegzuputzen wiſſen! Vill leichker Ned' ein Nlann von Ehr' und von Gewiſſen Das Geld ſchützen, und btingk das kleinfle Vork er vot, Beweiſt man ihm, dah er ein Thor. Nicht lange brauchk er ſich zu ſchämen: Bald iſt der Erfle er beim Nehmen. N 10 10 0 1 n 10 et ef 50%hR 0 e 0 0 f 18Ä85 f0 Der Hund, der ſeines Herrn Mlittagbrot am Halſe trug. 84 Achtes Buch. Achte Fabel. Achte Fabrl. Drütter und die Jiſche. Tan ſuchl die Spökter; ich bemüh' mich, ſie zu meiden. Nur meiſlerhafl geübk, iſt dieſe Kunſl zu leiden, And für die Thoren nur ſchuf Goll Vithbolde mik boshaflem Spoll. Bielleicht führt Einen euch dergleichen Die Fabel vor; vielleicht ſogar Mag Wancher finden, daß ſie nichl mißlungen war. Ein Spöller ſaß bei einem Reichen Zu Tiſch und fand an ſeinem Blatz ungern Nur fleine Fi * chchen, all' die großen lagen fern. Achtes Zuch. Achte Kabel. 85 Er nimmt die kleinen, ſpricht iönen ins Ohr ganz leiſe And thul, als hörl' in gleicher Weiſe Er ihrer Autwork zu. Erfſlaunl ſah man ihn an, Ein Schweigen ringsumher begann. Der Spöller ſagl datauf in Ehren, Er fürcht', es lill im vot'gen Jahr Ein Freund, der ſorlgegangen war Nach Indien, Schiſſbruch in den Aleeren; Ob's wahr ſei, frag' er nun die kleinen Fiſchlein bloh. Alan ſagl ihm allerſeils, dah) ſie zu jung noch wäten, Zu ſkennen ſeines Freundes Loos; Eh'r könnt' ein großer ihn belehren. „Ein großer? Aleine Herrn, wie fragl' ich den wohl jetzt?“— Dabß die Geſellſchafl viel Vehagen An ſeinem Wit fand, dies zu ſagen Vag' ich nicht, ſchlieblich ward jedoch ihm votgeſetzl Ein Anlhier, all genug, die Namen ihm zu nennen All' Derer, die geſuchl ein unbeltannles Land And deren Spur man nimmer fand, Das an die hunderl Jahr', in Aleetes Grund gebannt, Des weilen Neiches Ahnen kennen. 86 Achtes Buch. Ueunte Label. U 0 0 Heunte Pubel. Vie Ratte und die Rulter 0 0 S 3 Ließ, da ſie es daheim elwas langweilig fand, En Feldralle—'s war juſl nichl die klügſle Nalle— Feld, Korn und Olreu im Olich, kutz, Alles was ſie halle, Ochlüpft ſorl aus ihtem Loch und wandetl durch das Land. Kaum draußen, mil erflaunlen Alienen: „Vie iſt ſo groß und weil die Velt!““— tufl aus der Zwerg— „Dies iſl der Kaukaſus! Das ſind die Apenninen!“ Der kleinfle Nlaulwurfshauſ' erſchien iht als ein, Berg. U˖UPr˖r˖r˖r˖L Achtes Buch. Meunte Cabel. 87 Nach ein'gen Tagen kommk ſie, wandernd längs dem Sltande, In eine as wo Tethus am Aleeresrande Viel Auſlern leben liel); die Nalle glaubl ſoforl, Es ſei'n, was ſie erblickl, Schiſfe mil hohem Vord. „Alein Vaker“— ſagk ſie—„iſt ein armer Wichk geblieben; Zu teiſen wagl' er nicht, furchlſam bis in den Tod. Ich hab' das Aleer geſehn und mich umhergelrieben In Müflen, lrotzend der Gefahr, die mich bedrohl.“ Von einem Schulmeifler wußl' alles dies die Nalle And ſprach's wie ein einfällig Kind, Nichk Jenen gleich, die, weil ſie Bücherfteſſer ſind, Nur leben von gelehrlem Vind. Von den geſchlohnen Ruflern halle Eine ſich aufgelhan; gähnend im Bonnenflrahl, Erftiſchl durch ſanflen Windes Behen, Die Lufl ſchlürfend, als wolll' in Wonne ſie vergehen, Veib), ſell, ſchien ſie ein ganz beſondets leckres Nlahl. Kaum hal die Nalle ſie mil ihrem Blick gemeſſen, Nuft ſie:„Was ſeh' ich denn? Das ill ja was zu eſſen! Venn richlig aus der Farb' auf den Geſchmack ich ſchloß, Ho winkl mir heul ein Schmaus, wie ich ihn nie genobh.“ Die Valle, welche auf die Hoffnung nichl verzichtet, Nahl ſich der Schale, flreckk den Hals hervor— eulſetzl Fühll ſie geſangen ſich, da ſchuell die Auſler jetzl Hich wieder ſchliebl. Behk, was Anwiſſenheik anrichlel! Achtes Zuch. Ueunte Fabel. Die Fabel gibl uns mehr als eine Lehte an: Wit ſehn zunächſl, daß einem Alann, Der von der Vell nichks weiß) und ſchlechk iſt unlerrichkel, Der kleinſle Gegenſtand die Faſſung rauben kann; And dann: Leicht wird, wer Andern Fallen Zu legen deulik, ſelbſt hineinfallen. 0 0 0 ˖ U 0 U N f 67%0 60U0 ö 1 Der Bär und der Gartenfreund. 0 0 U Achtes Buch. Behnte Fabel. 89 Aehule Fubel. här und der Hartenlreund. S Lebl', gleich Vellerophon, den einft das Schickſal ſleigen And fallen ließ, im Wald zur Einſamßeik verdamml. Er wurde koll; denn nichks iſt der Vernunfl ſo eigen, N 0 Uin halb geleckker Bär, dem Hochgebirg' enkllamml, 22 Als daß ſie nimmer laug' bei Eremilen bleibl. Neden iſl Silber, ſagk man ofk, Gold iſl das Schweigen; Doch Beides iſt nicht guk, wenn man es überlreibl. Kein lebend Thier mochl' da ſich zeigen, Leet blieb's und öde ganz und gar, Do dab, krotzdem ein Vär er war, 90 Achtes Buch. Zehnte Fabel. Er höchft langweilig fand dies allzu kraut'ge Leben. Indeh er alſo hier der Schwermulh ſich ergeben, Langweille ganz auf gleiche Veiſ' In ſeiner Nähe ſich ein Gteis, Ein Garlenſreund, der in Vomona's Dieuſle ſchallet And Flora's Vriefletamk verwalket. Ochön iſl dies Doppelaml; doch däuchl mit, ſchöner ſei's In liebenswürd'ger Freunde Kreis. Ein Garten ſprichl nichl viel, außer in meinem Vuche. Drum ging der Greis einfl auf die Suche Im Alorgenſonnenſchein, der lummen Sippſchafk ſalt, Aach Freunden; querfeldein wandelk er friſch und munker. Der Bär, der gleiche Abſicht hat, Kam auch von ſeinem Verg herunlet. Durch Zufall lriſſt höchſt ſondetbar An einer Ecke ſich das Vaar. Der Alann hal Angll. Doch wie ausweichen? Vas auſtellen? Alulh heucheln iſt noch ſlels das Vebl' in ſolchen Fällen; Er wubl es und verbatg die Furcht vor der Gefaht. Der Vär, der juſl kein Höfling war, Hagl kurz ihm:„Fiomm zu mitle—— Drauf Jener:„Gerne zwat, ſehl, da ſteht mein Haus; wollt Ihr mir Ehr' erweiſen. Do nehm' Eu'r Gnaden dork ein einſach ländlich Alahl. Ich habe Frücht' und Alilch; zwar weilß ich nichk einmal, Ob die Herrn Bären auch gewohnl ſind ſol lchet Speiſen, Doch hiel' ich, was ich hab'“ Der Vär nimml's an, ſie gehn; Achtes Buch. Zehnte Fabel. Alan ſtann ſchon unlerwegs ſie als zwei Fteunde ſehn Im Hauſe haben ſie ſehr fteundlich ſich verkragen; And mag Alleinſein mehr behagen Als eines Narten Gegeuwark, So hinderk, da der Bär in Schweigen meiſt verhartl, Doch Alann, daß er ſein Tagewerk verrichke. Der Bar gehl auf die Jagd, ſchaffl Vild hetbei und liegl 4 ſeiuem Hauplgeſchäft vergnügl Als Fliegenjäger ob und ſcheucht vom Angeſichle Des Freundes, wann er ſchläfl, das läflige Juſecl, Die Fliege, die ſo oft uns neckt. Einſl ſieht er unſern Greis in liefem Schlummer liegen, And eine Fliege, die ihm auf der Naſe keuchl; Er wülhel, da umſonft et immer ſork ſie ſcheuchl: „Vatl' nut!“— ſo rufl et aus„And wie will i ich dich kriegen!l“— Geſagk, gelhan: ſeht da, der Fliegenjäger raffl nen Vflaſterſtein euch auf, ſchleudert ihn voller Krafl, Zermalmk des Greiſes Haupt, die Fliege zu verjagen, And hal— ein guler Schütz, allein höchſl mangelhafl Als Denltet— auf der Hkell' ihn mauſelodl geſchlagen. Nichls ſo viel Gefahr uns als ein dummer Frreund; Veil beſſer iſt ein kluger Feind. 15 92 Achtes Buch. Elfte Kabel. Illte Fubel. Vie zwei Frennde. AUwei Freunde lebken einſl in Nonomokapa; Vas Einer halle, war dem Andern auch zu eigen Die Freunde ſollen beſſer ja Dich dork als hier zu Lande zeigen. In einer Nachl's war bei den Aulipoden Tag, Indeß hier Jedermann in liefem Schlummer 3 0 Achtes Buch. Elfte Fabel. 93 Siehk man den Einen ſchnell ſich aus dem Bell aufraffen; Er eill zu ſeinem Fteund, erweckl der Diener Schaar, Da Alorpßeus flundenlang ſchon Herr im Hauſe war. Der Schläfer ſlaunk, greift nach der Vörſ' und ſeinen Vaffen, Huchl Jenen auf und ſprichl:„Du pflegll doch ſonfl nichk viel Zu laufen, wenn man ſchläfl, wie Jeder, der geſcheidk iſl And beſſer nützt die Zeil, die nur dem Schlaf geweihl iſl! Verlorſt du ekwa gar dein ganzes Geld im Spiel? Da, nimm! BSolll' dich vielleichk ein Ehrenhandel quälen? Hier ifl mein Degen, komm! Venn du verdrießlich ſcheinſt, Weil du im Bell allein: die Schönfle magek du wählen 4 meinen Sclavinnen; ſoll ich ſie 5 beſehlen?“— —ſagk der Freund—„„'s iſt nichls von Allem, was du meinfl; Doch magft auf meinen Dan du zählen. „„Nein Im Traum erſchieneſl du ein wenig kraurig mir; Ich ſorgl', es wäte waht, drum bin ſo ſchnell ich hier. Der dumme Traum war', der es machle.““ Ber liebt den Andern mehr? Wie deulil, mein Leſer, du? Der Gegenſland iſt werlh, daß man ihn ernſt bekrachle; Ein wahrer Freund 1 1 daß man ihn ſchäh' und achke. In deines Herzens Gtund ſuchl er, was nolh dir lhu', Opark dir die Scham, ihm ſelber zu Enldecken, was dit elwa fehle; Ein Ttaum, ein Nichls, lähl ihm nicht Nuh', Gill's dem Geliebken ſeiner Beele. II. 24 Achtes Zuch. Zwölfte Cabel. 94 Schwein, die Hiege und der Hammel. 2 En Hammel, eine Zieg' und ein gemäſlek Schwein Vurden anſ einem Karr'n zum Alarltle hin gefahten. Nichl zum Verguügen ſolll' die Fahrk für ſie jufl ſein, Da ſie, ſoviel man weiß, beflimmk vom Kärrner waren, Am Alarkle zum Verkauf zu ſlehn, And nicht um den Hanswurfl zu ſehn. Frau von Bau ſchtie, als wär's geſchehn Achtes Buch. Zwölfte Kabel. 95 Am ſie und folglen ihr zehn Schlächlet auf den Spuren; Ja, einen Lärm, um kaub zu werden, machle ſie. Die Andern, gules Volk und ſauflte Erealuten, Vunderlen ſich gar ſehr, wehhalb ſie Hilfe ſchrie; Die ſahen keinen Grund zu zagen. Der Kärtner ſptichl zur Sau:„Vas hafl du denn zu klagen? Du machfl uns Alle oll! Varum gibll du nichl Ruh'? Die beiden Andern, weik anlländiger als du, Holllen dich Lebensark oder doch Schweigen lehren! Hieh dieſen Hammel an, hälk er ſich nicht faft ſtumm? Veil er klug ifl.“—„„Nein, er iſt dumm!““ Bagt die Sau—„„Wühl' er nur, auf welchem Gang wit wäten, Er machk' es wohl wie ich und crie aus vollem Hals; And jene andre gule Beele Ochtie' ebenſo aus voller Kehle! Die denlen, nehmen will man ihnen allenfalls, Der Ziege ihte Alilch, dem 1 95 ſeine Volle. Ob's richlig, ſei dahingeſlell Doch mir, die höchflens guk man häll Zum Eſſen, drohl der ſchmerzeuvolle And ſichre Tod. Fahr' wohl, o Vell!““ Frau von Bau zeigl' ein ſein Verfländnih, ſolll' ich meinen; Allein was nützl' es ihr? Sleht feſt das Anheil, dann Kann Furchl und Klagen auch nichls ändern mehr daran, And der RHurzlichligſle wird flels der Kilügfte ſcheinen. Achtes Buch. Dreizehnte Fabel. Dreizehute Pubel. Tireis und Amarant. Für Fräulein von Sillerg. * Alich Boccaccio ganz erfülle, 2 och es iſt auf dem Varnaß⸗ Wieder einer Gollheil Wille, Fabeln meiner Ark zu ſehn 2 Nun, ihr einſach widerflehn Ohne lriflige Enlſchuld'gung, Väre eine ſchlechle Huld'gung, rcis und Amarant. * U Achtes Buch. Dreizehnte Kabel. 97 Einer Göllin dargebrachl, Velche durch der Schönheik ſtillen Zauber über jeden Willen Hertſcht mik unumſchränſler Nlachl. Denn— ich ſag' es unverhohlen Hillery hak anbefohlen, Dah bei mir von Neuem ſlugs Aleiſler Nab' und Aleiſler Fuchs In gereimler Sprache reden. Hillery— genug weiß man: In der Schätzung eines Jeden OBlehk ihr Name obenan. Vie hält' ich's nichk unternommen? Doch, zut Sache jetzl zu kommen: Aleine Fabeln, meinke ſie, Dind unklat und dork und hie Alanchem Schöngeiſt unverfländlich. Dichlen drum wir ein'ge, die Ohne Commenkar auch ſennllich! Führen wir Hirlen vor, und reimen unverzaglk Vit ganz gemülhlich dann, was Volf und Schaf geſagt. Zur jungen Amarank ſprach Tircis einſl:„Beglücken Vürd's mich, ach! kennkeſt du wie ich doch jenes Leid, Das Leid voll Luft und voll Enkzücken 98 Achtes Buch. Dreizehnte Fabel. Nichk ſeinesgleichen gibl's auf Erden weil und breil! Erlaube mit, daß ich's dir ſage, And Furchl und Zweifel ſei verbannl; Könnk' ich dich käuſchen, dich, der ich im Vuſen krage Das zärklichſle Gefühl, das je ein Hetz empfand?“ Hoſork ſtelll Amarauk die Frage: „Wie nennſl du dieſes Leid? Wie heibhl es? Bag' mit's an!“— „„Die Liebe.““—„Schönes Vorl! Voran ſoll ich's erkennen? Beſchteib' es mit, mein Fteund; ſag', was empfindet man?“— „„Süße Vein, neben der nut fad' und wüſl zu nennen Der Kön'ge Tuft: ſich ſelbft vergißkl man, fühll allein Ganz ſelig ſich im flillen Hain. Ochau'n wir uns in des Vaches Welle, Do ſehn wit, nichk uns ſelbſl, ein Vild nut, klar und helle, Das ſlets uns wiederkehrt, wo immer auch wir ſind; Für alles Andre ſind wir blind. Ein Hitl iſl's, deſſen Nah'n zut Stelle, Deß' Stimme, deſſen Mam' uns gleich errölhen machl Vit ſeufzen, wenn wit ſein gedachk. Vir wiſſen nichl, watum wit ſeuſzend nach ihm ktachlen; Vir fürchlen ihn zu ſehn, indeh wir nach ihm ſchmachlen.““ Sogleich erwidetrk Amatank: „Ah! Bo? Das iſt das Leid, das du ſo ſüßß genannk? Das ifl mit nichl meht neu, ich glaub' es wohl zu kennen.“— Tircis glaubt ſchon, ſie ſein zu nennen; Da ſährt die Schöne fork:„Genau daſſelb' empfand 0 Achtes Zuch. Dreizehnte Fabel. Ich lange ſchon fün Elidamant.“ Er meinle vor Verdrub, vor Gram und Scham zu ſlerben. Wie er hal Alaucher wohl im Sinn, Für eignen Vorkheil nur zu handeln und zu werben, And ſchafft öbloß Anderen Gewinn. 99 100 Achtes Buch. Vierzehnte Kabel. Vierzehule Pubel. Vas Leichenbegängtiss der Vüwin. ſes Löwen Gallin flatb; zut Blell' Eill Jeder hin, um möglichſl ſchnell Dich vor dem Fütflen zu entled'gen Der Veileidsſörmlichkkeil, die bei nem Trauerfall Ylels mehr gill als die Trauer all'. Er kündele durch einen gnäd'gen Befehl dem Lande Zeil und Ort Der Leichenfeier an: Alarſchälle ſeien dork, Das Feſl zu ordnen und den Kreiſen Der Gäſte Vlätze anzuweiſen. Achtes Buch. Vierzehnte Kabel. Vohl Keiner fehlk'. Aufbrüllt alsbald Der Fürſt, daß von des Tons Gewall Die ganze Höhle widerhalll— Der Leu ſal keine andre Halle. Nach ſeinem Beiſpiel fangen alle Die Herren Höllinge zu heulen an ſogleich. Der Hof ſcheinl mir ein Land, wo heiler, ernſt, hatk, weich, Zu Allem ſlels bereil, weil Jedem Alle gleich, Kurz, was der Fütft befiehll, man iſt; kann man's nicht ſchaffen, Suchk man die Form doch abzugaffen. Ein rein Chamäleon-Volk, nichls als des Hetren Afſen, Tauſend Körper, belebt von einem Geille bloß, Dind dork die Alenſchen, nur Drahlpuppen, willenlos. Doch wieder jetzl zu unſern Bachen! Der Hirſch nur weinke nichl. Wie ſolll' er's auch wohl machen? Nache war dieſer Tod für ihn: die Rönigin— Würgl' einſt ihm Weih und Kind dahin. Genug, er weinle nichl. Ein Schelm, flark im Verdrehen, Dagt gleich, er hab' ihn lachen ſehen. Der Zorn des Königs— ſagt der weiſe Salomon— Ifl ſchrecklich, und zumal des Löwen auf dem Thron. Doch mochk's bei unſerm Hitſch wohl ſchlecht ums Leſen ſlehen. Der König hertſchl ihn an: Elender Valdeswicht, Du lachft? Es rühren dich des Seuſzens Töne nicht? E 26 102 Achtes Buch. Vierzehnte Kabel. Nichl Anſre heil'ge Klau' berühr' deine profanen Gliedmahen! Völſe, komml herbei: Die Kön'gin tächt, geopferl ſei Der Schufk ihren erhabnen Nlanuen!“— Der Hitſch erwiderk drauf:„O Hetr, des Beinens Friſt Iſt jetzt vorbei; zu nichls üann hiet det Schmerz noch dienen. Eu'r ſelig Ehgemahl, ruhend auf Blumen, iſl Nah' dieſer Blälle mit etſchienen— Ich kannt' ſie gleich an ihren Alienen. „Freund“— ſprach ſie—„ſotge, dah beim Teichenſeſt, wann mich Der Göller Gruh empfängt, nicht deine Thräne fließee, Da tauſend Vonnen in Eluſium ich geniehe Alil Denen im Verfieht, die Heil'ge ſind wie ich. Der König, ſo will ich's, ergeb' einflweilen ſich Dem Ochmerz!“— Kaum hörk das Vork man, das leichlferlig loſe, Gleich ſchallk es rings umher:„Wunder! Apolheoſe!“— Der Hirſch ſtrich ein Geſchenk, flalt aller Slraſen, ein. Bereile Königen Vergnügen Durch Träume, Schmeichelei'n, durch angenehme Lügen. Die zornig ſie auch ſind: der Köder iſt zu fein, Die beiben ſichet an; ſlels witſt ihr Freund du ſein. phant. 2 er El atte und d ie R D Achtes Buch. Künfzehnte Fabel. 0 Vie Ratte und der Elekart. WMich elwas dünſten, das iſl Vrauch bei uns zu Lande: Do Alancher ſpielt den Nlann von Olande And iſt ein flleinet Vürger nur. 5 iſt ächl franzöſiſche Nalut: Alberne Eilelkeil iſt uns beſonders eigen. Der Spanier hak ſie, doch et wird ſie ſo nicht zeigen: Hein Btolz erſcheink mir— ſei's darum!— Viel thörichker, doch nichl ſo dumm. 103 104 Achtes Buch. Fünfzehnte Kabel. Laht euch ein Vild, ganz nach dem Leben Gezeichnet, von dem unſern geben. 'ne kleine Nakle ſah'nen Elephanlen, der Ein Rieſe war; ſie lachk, wie langſam doch einher Das große Thier ſchritk durch die Bkrahen! Er ging geſchmückk über die Alahen; Auf ſeinem hohen Müchten ſahen Eine berühmle Sullanin, And Katze, Hund, Begleilerin, Aeſſchen und Vapchen, die mil der Gebielerin Als Neiſende das Land durchmahben. Die Valle ſlaunk, wie man im Land Begierig wät' zu ſchau'n die ſchwer gewall'ge Nlaſſe: „Ob mehr, ob mindern Naum“— ſo ſprach ſie—„man umſaſſe, Enlſcheidet das, ob hoch, ob niedrig unſet Bland? Nun, was bewundetk iht an ihm denn ſo, iht Leule? Den großen Leib, vor dem mauch Kind wohl Angſt empfand? Wir dünten uns, oh älein, doch keines Halmes Vreite Geringer als ein Elephaul.“— Die hälle wohl noch mehr geſprochen; Doch's Kätzchen, das herbeigeltochen, Bewies ihr bald und kurzet Hand, ne Valle ſei kein Elephanl. —— Achtes Buch. Sechzehnte Fabel. * liorolkon. e, iee, 2 P wird vom Schickſal man gekroffen Auf Vegen, die man wähll, grad' um ihm zu enkgehn. Ein Valetr hak ſein einzig Hoffen, Den einz'gen Sohn, ſo lieb, daß er, um zu erſpäh'n Des Spröhlings Loos in künfl'gen Tagen, Nichl ſcheut, Wahrſager zu beſtagen. 27 106 Achtes Buch. Sechzehnte Kabel. Einer derſelben ſagt, por Löwen ſolll' zumeifl Er ſeinen Sohn bis zu gewiſſem Alter wahren, Nur elwa bis zu zwanzig Jahren. Der Valer, mil beſorgkem Geiſl Auf einen Schutz bedachl, von dem des Lieblings Leben Abhing, verbol, dah je auch nur mik einem Trikt Des ſichern Schloſſes Thor det Knabe überſchrikt. Drin konnk' ſer ganz nach Lufl der Fteude ſich ergeben, Alil Freunden ſeinen Tag mik Taufen, Springen, Spiel Verbringen, wie es ihm gefiel. Als er im Aller war, wo Neigung Zur Jagd im jungen Herzen quilll, Alachk man ihm ein abſcheulich Vild Von dieſer Luſl; 5 Aeberzeugung, Belehrung, Nalh— kurz, was man nur Verſucht, nichls änderk die Nalur. Der Jüngling, aufgeregt, feutig, voll Jugendmuthes, Fühll kaum die athe des jugendlichen Blutes, And ſchon ſchwellt Sehnſuchl ihm die Vruft— Je größres Hindernih, je ſlärker iſt die Lufl. Er kannke wohl den Grund des läſligen Veſchluſſes; And da im Schloſſe bei dem Glanz des Aeberfluſſes Ein Reichlhum ſich an Vildern fand, Da Vinſel ihm und Leinewand Alallen des Valdes Prachk und luſlig Jagdvergnügen, Hier Thiere, die er nie gekannl, Achtes Buch. Sechzehnte Cabel. 107 Dork Alenſchen mik belkannlen Zügen, Gerielh er einſt in Zorn vor eines Löwen Bild: „Beſtie!“— rief er.—„Am dich leb' ich an dieſem Orle Verſteckk und feſlgebannk!“— Er fühtk bei dieſem Vorke Auf das unſchuld'ge Thier, von heft'ger Wulh erfülll, Alik ſeiner Faufl zwei wuchl'ge Hiebe. Anker der Leinwand war ein Nagel, der ihn, ach! Verwundeke; denn er durchflach Die Lebeusader ihm, und dieſes Haupl, das liebe, Dem Aeſculapens KRunfl nichk half, dankk ſeinen Tod Der Sorge, die man auf für ſeine Nelkung bol. Dem Dichker Neſchulus brachl' Vorſichl gleiches Leiden. Da, wie man ſagk, Vahrſager ihm den Tod Durch eines Hauſes Olurz gedrohl, Floh er die Skadl; den Tod zu meiden, Ochlief er, fern jedem Dach, auf offnem ſteiem Feld. Ein Aar, der durch die Lufl grad' eine von den gröhblken Ochildkttölen krägl, ſieht ihn, und da den haarenlblöhten Schädel des Alannes er für ein Olück Felſen hälk, Vitfl ſeine Beul' er aus der größlen Höhe herab und ſchlägl auf ihm ihr Haus enkzwei. Ho führt' Reſchylus ſein vorzeilig End' herbei. Die Veiſpiele hier ſollen lehren: Dieſe Kunſt führk, wenn wahrt, das Auglück ſtels herbei, 108 Achtes Buch. Sechzehnte Kabel. Das Jene ſcheu'n, die auf ſie ſchwöten; Ich halle ſie für falſch, datum ſptech' ich ſie frei. Ich glaube, daß Nakur die Hände Hich nimmer bindek, noch uns ſo die Freiheil nimml, Dah unſer Schickſal ſchon im Himmel feſt beſlimmk; Das Letzlere wird durch Amſlände Bedingl, durch Alenſchen, Zeit und Orl, Nichl durch der Schwindlerzunft marllſchreietiſches Vorl. Dieſer Fürſl, jener Hitk ſind unker einem OSkerne Geboren, Jener hoch, Der niedrig, weil's der ferne Juppiter ſo will und beliebl. Vas iſt der Juppiker? Ein Körper ohne Willen. Wie ſomml's, dah ſeine Nlacht im Otillen Auf dieſe Beiden ſo verſchiednen Einfluh übt? And dann, wie ſolll' er bis zu unſtet Velk wohl dringen? Vie durch das liefe Blau des Relhers durch ſich ringen, Durch Wars und Sonne, durch den endlos leeren Naum? Ihn abzulenſen braucht's eines Alomes kaum! Vie ſolllen wieder dann ihn die Slerndenker finden? Europa's Lag'— aus vielen Gründen Berdienle ſie, dab man vother uns dran gemahnl! Varum thal's Keinet? Veil nichk Einer ſie geahnt. Die grohe Ferne wie die Schnelle der Vewegung. Auch unſrer Leidenſchaflen Drang Geflallen nicht, dah jede Negung And Handlung Schrikt vor Schrill nur folge ihtem Gang. Achtes Buch. Sechzehnte Fabel. Der ew'gen Slerne Tauf, dem Vechſel unkergeben Ganz wie der unſere, geht nimmer gleichen Schrill, And jene Leuke wollen mil Dem Compaß tegeln unſer Leben! Drum äehre ſich auch Niemand an Die beiden Fälle, die ich nicht verbütgen kann; Der Knab' und Reſchulus wollen gar nichls beſagen. Vie lügenhafl die Kunſl, wie ſalſch ihr Veg und Ziel, Von kauſend Nlalen kann ſie einmal richtig ſchlagen; Doch iſl dies nur des Zufalls Spiel. 15 E2 109 11⁰0 Achtes Buch. Siebzehnte Kabel. — E 8 I. — 5 — 1 2— 6ο Alan helf' einander. Doch hal dem Nalurbefehle 5 Der Eſel einfl ſich widerſetzl. Veih nichl, wieſo er ihn verletzl, Denn er iſt ſonft'ne gule Seele. Er ging einſl über Land, langſamen Schrikles und Gedanlienlos mik einem Hund; Ihr Herr begleilet alle Veide. Der Herr ſchlief ein; gleich ging der Eſel auf die Weide. Achtes Buch. Siebzehnte Fabel. Auf einer Wieſe ſtand viel Gras, Das er beſonders gerne frah. Zwar Diſleln gab es nichl; allein er war nichk lecker Immer ſo wähleriſch zu ſein, das geht auch nichk; Fteilich fehlk ſelken dies Gerichl Bei einem Alahl für feine Schmecker. Aleiſter Langohr behalf zur Nolh Oich diesmal noch. Der Hund, vor Hunger ſchon halb kodl, Hagl ihm:„Ach, liebet Freund, ich bill', ein wenig bücke Dich nur, daß ich mein Nlahl nehm' aus dem Kotb mil Vrol.“ Reine Anlwork, kein Laul; mil jedem Augenblicke, Denlil Langohr, könnt' beim Olilleflehn Ein Alaulvoll ihm verloren gehn. Er gehl, den Vikten kaub, vorüber; Endlich erwiderl er:„Ich ralhe dir, mein Lieber, Zu warken, bis dein Herr ſein Schläfchen hak gemachl; Denn ohne Zweifel witd, ſobald er nur erwachl, Dein richlig Theil dir zugemeſſen; Es kann nichk lange wähten mehr.“—— Inzwiſchen kommk ein Volf daher Vom Vald, ein hungrig Vieh, das lange nichls gefteſſen. Des Hundes Veiſland rufl der Eſel an ſoforl; Der rührl ſich nichl, er ſagt:„Ich ralhe dit, mein Cieber, Zu fliehn, bis deines Herrn Nachmillagsſchlaf vorüber; Es währk nicht lange. Schnell reih' aus und mach' dich fork! Komml dir det Volf zu nah', dann ſchlag' ihm ohne Zagen 11¹ 112 Achtes Buch. Siebzehnte Kabel. Die Kinnlad' ein; glaub' mit— du biſl ja neu beſchlagen Leicht ſlreckſt du niedet ihn.— Vei dieſem weiſen Vorkl Fiel Aleiſler Langohr ſchon als Veule heim den Völfen. Ich mein', man ſoll einander helfen. — ——— —— — ————— ——— Der Paſcha und der Kaufmann. Achtes Buch. kchtzehnte Kabel. 113 Achtzehnle Pubel. Palcha und der Raulmann. griech ſcher Raufmann krieb ſeik manchen Jahten handel. Ein Vaſcha mochl' ihm hilfteich ſein, Vofür der Griech' ihn, nichl als Kaufmann, nein, Als Vaſcha zahll. Die kheuerfle der Waaren Hind Gönner! Dieſer war's ſo unerhörl, Daß ſich der Grieche überall beſchwerl. Drei andre Türken von geringerm Nang und Vollen Volen gemeinſam ihre Hilf' ihm an; Die Drei verſprachen, wen'get ihm zu koflen, Als er bisher gezahll dem einen Alann. 114 Achtes Buch. Achtzehnte Kabel. Der Grieche hörl's und bleibl in ihren Händen. Dem Wiſcht wird's berichlel allſogleich, Alan tälh ſogat ihm, um es klug zu wenden, Aloög' er den Leulen einen argen Oleeich Opielen und ſchnell zu Nlahomek ſie ſenden Alik einer Volſchaft grad' ins Varadies, And zwar ſoforl, wo nichk, ſo thäten fie's Alit ihm— wüßlen ſie doch, nach jeder Beike Vären von ſeinen Nächern ſie umſlellk, Leichk förderl' ihn ein Gifl in jene Well Als Schutz und Gönner dork'ger Handelsleute! Auf dieſe Nachrichl zeigl der Türkte groß Vie Alexander ſich, und voll Verltauen Gehl zu dem Kaufmann er, ſetzk ftiſch drauf los An ſeinen Tiſch ſich, und dork läßlk er ſchauen In Ned' und Hall llung ſo viel ſichern Aluth, Daß Niemand glaubk, er ahn', um was ſich's thul. „Ich weiß)“ ſagl er»du willſt mich, Freund, aufgeben, Alan meinl ſogar, es gehe mir ans Leben; Doch dazu hall' ich dich für viel zu guk. Du ſießſt nichk aus wie ein Giflkrankibereiket Ich ſprech' auch über dieſen Vunck nichl weiker. Belteſſs der Leule, die dir ihren Ochutz Aubielen: flalk mil Gründen dich zu quälen And langen Veden, will ich dit zu Nußz Nur eine kleine Fabel jetzl erzählen. Achtes Buch. Achtzehnte Kabel. Ein Hirk hatl' einen Hund zu ſeiner Heerde Hul. Jemand fragt ihn, was ihm ſo eine Dogge oolle, Die läglich, wenn ſie freſſen wolle, Ein ganzes Brol verbrauchl. Et müſſe kurz und gul Das Thier dem Edelmann verehren. Et im Gtunde Brauch' höchflens zwei, drei kleine Hunde; Füt ſeinen Dienft genüglen die, Die koflen wen'ger, und die Heerde würden ſie Alehr als der Eine ihm bewachen. Er frah wohl mehr als Drei, doch Eins vergaß man bald: Er hakt' auch'nen dreifachen Nachen, Benn es den Kampf mik Völſen gall. Der Schäfer ſchafft ihn ab und kaufl drei kleine Hunde; Die waten bill'ger, doch ſie flohn vorm Volf zur Blunde. Die Heerde merkt's! Auch du wirſt's merkien, ſuchſt'nen Hall Alit jenem Vöbel du im Vunde.“ Der Grieche glaubl's. Dies lehre die Vrovinzen: Veitl beſſer iſt es, Alles wohl bedachl, Dich eines Königs zuverläſſ'ger Alachl Anzuverkrau'n als vielen kleinen Vrinzen. 116 Achtes Buch. Neunzehnte Kabel. Deumehnte Pubel. Ver Varzug der Willlenlchalt 69 Awei Bürger einer Sladlgemeine „Gerielhen einſt in ernſlen BOkteil: Arm aber hochgelehrk der Eine, Der Undre reich, doch nichk geſcheidl. Dieſer, der ſeinem Gegner weil Dich überlegen zeigen wollle, Verlangl, jeder Gelehrle ſollle Achtes Buch. Nennzehnte Fabel. 117 Ihm Ehr' erweiſen, das ſei Pllicht! Ganz khörichk war's; ich ſchätz' doch ſolche Güler nichl, Die Einer unberdienk beſeſſen! Der Grund ſcheink mit nichk angemeſſen. „Ireund“— ſagl' er dem gelehrlen Nlann Dann und wann— „Ihr meinl, daß Achlung Euch gebühref; Hagk, ob'nen gulen Tiſch Iht führel! Vas hilfl es, wenn man nichls als immer leſen kann? Ihr wohnl im driklen Olock, wo möglich noch dahinle; Im Juni kleidet Ihr Euch wie im ſtrengflen Vinler, Nur Euer Schallen folgt als Dienet Euch hinkan. Der Olaal fragk viel nach ſolchen Leulen, Die nichts ausgeben! Vie ich mein', Hak nur der Nlann was zu bedeuken, Der viel vetbraucht und weiß fteigebig ſlels zu ſein. Wir lhun's, weißß Gokk! Von uns und unſern Lüſften leben Künfller und Kaufimaun, Der das Kleid weiß) anzugeben, And Die es lrägk; auch Ihr, die ſchlechle Vücher Ihr Widmel den Grohen und den Reichen And nehmk ihr gules Geld dafüt!“— Die Anverſchämtheik ſonder Gleichen, Bald ward ſie nach Verdienſt belohnl. Der Alann der Wiſſenſchafl ſchwieg auf des Thoren Nede; Doch mehr als Spoll rächt' ihn die bald enlbrannle Fehde: Alars äſchert ein den Ott, den dieſe Zwei bewohnt; II. 30 118 Achtes Buch. Uennzehnte Kabel. Beide mußhten die Stadk verlaſſen. Der ſteche Thot blieb auf den Gaſſen, Verachlek flels und ungeehrk, Der Andre fand, wohin er kam, nur Gunſt und Frieden. Ho wurde dann ihr Olteik enkſchieden. Hagl, Thoren, was ihr wollt: das Wiſſen iſt was werlh. 75 8 Achtes Buch. Zwanzigſte Fabel. 119 eus, der unſere Gebreflen Hah, rief einſt vom Himmelszelk: „Füllen wir mil andern Gäflen All' die Gegenden der Well, Die bewohnt von jenet Bande Die mir Rerger bringt und Schande! Geh', Alercur, zur Ankerwell; — 98 120 Achtes Buch. Zwanzigſte Fabel. Die im Grauſen meiflgeüble Futie bring' mit von den Drei'n. Du Geſchlechl, das ſo ich lieble, Hollſt diesmal vernichkel ſein!“ Bald fing Zeus ſich zu begülen An, ſein Groll watd minder gtoh. Kön'ge, laßt, die ihr zu hülen Deid berufen unſer Loos, Zwiſchen eures Zornes Vüthen And dem Sturm, den es enlfachl, 2 Nur den Zeiltaum einer Nachl! Vie des Volen Vangen blühlen loſig! Wie er leichlbeſchwingl u den ſchwarzen Schweſlern dtingl! ag Alegära Anheil brülen And Tiſiphone: ſeine Vahl Criſſt Aleklo's Herz von Stahl. And mik Vlickten, ſlolzerglühlen, Bei Verſephone's Gemahl Ochwut ſie, nächſlens geh' zunichle All' das menſchliche Gezüchke, Das der Aulerwell geweihl. Zeus mihbilligle den Eid Dieſet Furie. Die Geckränkkle Ochickl zurück et; aber doch 2 4 2 Achtes Zuch. Zwanzigſte Fabel. 12¹ Schleuderk er'nen Vlitz, der noch Auf ein kreulos Volt ſich ſenkke. Dieſer Olrahl, den ſelbſt Et lenkke, Der der Valer Jener war, Die bedroht er mil Geſahr, Wirkile nichts als Angſlerregung: Er verſengk nur die Amhegung Eines Valds, von Alenſchen ftei. Jeder Vaker ſchlägk vorbei. Vas geſchah? Der Alenſchen wilde Dippſchafl fußt auf dieſe Wilde. Der Olump war aufgebrachk; And beim Slur im Nalh der Göller Schwur des Volltenſammlers Alachl, Denden woll' er andre Velker, Hichrer witklende!— Alan lachk— Valker ſei er, eruſllich haſſen Könn' ein Solcher nimmermehr; Drum möchl' andte Göller er Alil den Blitzen doch beſaſſen! Dem Vulcan ward's überlaſſen. Donnerceile hälk verwahrl Dieſer Golt zwiefacher Arl: Sicher kriffl in Todeswellern Jener, den det ganze Nakh Des Olymp auf uns lähl ſchmellern; 122 Achtes Buch. Zwanzigſte Kabel. Dieſer ittel ab vom Pfad: Nur auf hohen Vergesſpitzen, Oft auch gar nichk, ſchlägl er ein; Dieſe letzlte Ark von Vlitzen Hendel Zeus uns ganz allein. Achtes Zuch. Einundzwanzigſte Kabel. 123 Hnundzuunzigste Fubel. Ver Falk und der Raxaun. fl lockk euch eine Skimm', um dann euch zu verralhen; 6 — Qν 0 1 Beid klug und folgt nichk gar zu ſchnell. Glaubk mir, weiland det Hund von Johann von Nivell' Var gar nichk dumm: er roch den Vralen. Ein Bürger von Le Alans, Kapaun von Nang und Stand, Vard f1 von ſeines Herten Gnaden Vor ſeiner Laren Sitz geladen, Vor jenen Michkerſluhl, gewöhnlich„Heerd“ genannl. 124 Achtes GBuch. Einundzwanzigſte Fabel. Die Ceule locklen ihn mik heuchleriſchem Nlunde: „Kerlchen! al Kerlchen!“— Doch ihm fiel's gar nichk ein; Der Schelm erwiderle und ließ die Leule ſchtei'n: „Ochön Dank! Eu'r Köder müßt' nur gar ſo plump nicht ſein; Ich beilh' nichk drauf, aus gukem Grunde!“ Von ſeiner Slange ſah ein Fall, wie in der Fluchk Auſer Normann ſein Heil nun ſucht. Kapaune nah'n uns— ſei's Inſlincl, ſei es Erfahrung— Nur mik votſichliget Verwahrung. Der Anſte, welchen man mik Alühe nur erwiſcht, Holll' ſich am nächſten Tag, als Vralen aufgeliſchl, An einem Abendſchmaus belheil'gen— eine Ehre, Nach der er nichk zu gierig haſchk! Der Jagdſall ſagt zu ihm:„Ich bin ganz überraſcht Ob Eures Anverſlands. Ihr ſeid doch geifkesleere Geſchöpfe, Lumpenpack, das nichts lernk und nichls lhul! Ich fliege aus zur Jagd und liehr' zum Herrn dann wieder. Hehl, dork ſchaul et vom Fenfler nieder. Er tufl uh, ſeid Iht laub?“—„„Ich höte nut zu guk!““— Entgegnel dee Kapaun—„„Vas will er mit mir machen? And dorl der nelle Koch, das Aleſſet in der Hand? Hiellek Iht dieſer Lockung Stand? Lahl mich enlfliehn, hörk auf zu lachen Der Angelehrigkeil; ſie kreibt mich grad' zur Fluchl, Venn mil ſo ſüßem Ton man mich zu locken ſuchl. Häht läglich Ihr an Bralennadeln Achtes Buch. Einundzwanzigſte Kabel. 12⁵ Do viele Fallten aufgeſpießl Als ich Kapaun“— Ihr unkerließhl Ganz ſicher dann, mich auf ſo hetbe Ark zu ladeln.““ 126 Achtes Zuch. Zweiundzwanzigſte Kabel. 8 Ratze und die 1 Jier Thiere ſondter Ark— war Käſeſchuapp, die Katze, Das ſchlanlte Wieſelchen, die Eule Trauerhelm And endlich Alaſchenfrah, die Natze, Jeder ein ausgeſuchler Schelm— Hauflen im Fichlenſtumpf an wild einſamem Vlagze. Die hauſlen ſo, dah um den Vaum in einer Nacht Aetze der Alenſch ausllelll. Die Käatze, kaum erwachl, Gehl früh am Nlorgen aus auf Veule. Die letzten Schaklen, die das Lichl noch nichl zerſlteule, Achtes Buch. Zweinndzwanzigſte Fabel. 127 Decklen das Veh; ſie fälll hinein, ein groß Wllr Ethebt die Katz', und ſchnell eilk auch die Nalk' hetbei. Die Eine zagt', indeh die Andre ſehr ſich freute: Sah in der Falle doch ſie ihren ärgllen Feind. Die arme Katze ſprichl:„Alein Freund, Dein Vohlwollen iſt mir ſehr wichkig And längſt beciannk; jetzt hilf mir noch Aus dieſer Schling' heraus, in die ich unvorſichlig Geralhen bin! Nechk hall' ich doch, Dah ich dich ganz allein von allen deinen Veltern Geliebk, flels hegk' ich wie meinen Augapfel dich. Nie reul' es mich, o nein, den Göllern danke ich! Juſt wolll' ich beken zu den Goͤllern, Wie's jede fromme Katz' am Alorgen pflegk zu lhun. Dies Garn hält mich; ſei du mein Lebensteller nun; Komm, nag' die Nlaſchen aufl“—„„Was krieg' ich als Belohnung““— Fragl jetzt die Nalte—„„denn von dit?““— „Ewigen Vund zu Schirm und Schonung“ Verſetzt die Katze—„ſchwör' ich dit. In meiner Krallen Schutz iſt ſichet deine Wohnung; Gegen jedweden Feind will ich dir Veiftand leih'n Das Vieſel will, und obendtein. Der Eule Nlännchen will ich fteſſen; Hie haſſen Beide dich.“— Die Nalle ſptichl.„„Du Thot! Ich, dich beftein? So dumm! Golt ſchütze mich davot!““ Sie ſchlüpft zu ihrem Loch; indeſſen Achtes Zuch. Zweiunndzwanzigſte Fabel. Das Vieſel ſaß ganz nah dem Ert. Die Valte huſcht hinauf und ſiehl das Känzchen dorl. Gefahren hiet und da; det nächſlen zu enlgehen Kehtt Alaſchenfraß zurück zut Katz' ihr beizuflehen, Löfl einen Knolen nach dem andern, und ſo fix, Dah ſie die Falſche bald beſteike Da nahl det Alenſch, und augenblicks Huchen die beiden jüngſt Verbündeken das Veile Aur kurze Zeik datauf ſiehl unſre Katz' aufs Neu' Die Valle, die ihr ſern ſich häll, ſlill und verſchloſſen. „Komm, Liebchen“— ſpricht ſie—„gib'nen Kuß mit! Deine Schen Beleidigl mich; den Bundsgenoſſen Hiehſt wie'nen Feind du an. Du meinfl, Ich hält' vergeſſen, daß ich einſl Nächſt Golk nur dit verdankll mein Leben?“ Die Ralle drauf:„„And ich? Aleinſt, ich vergähe eben Deine Nalut? RKann ein Verltag Zut Danlibatkeil jemals wohl eine Katze zwingen? Käann Sicherheit ein Vund uns bringen, Dem nur die Noth zu Gtunde lag?““ Der Bergſtrom und der Fluß. Achtes Buch. Dreiundzwanzigſte Kabel. 129 Fluchl vor ihm her, und Graus ſolgt ſeinen Schrillen nach, Angſlpoll erbeben die Geſilde. Kein Vandrer wagle eine ſo Gewall'ge Schranlie zu durchdringen; Ein Einziger nur, der, verfolgt von Näubern, lloh, 25 Buchl' zwiſchen ſich und ſie die droh nde Flul zu bringen. 130 Achtes Zuch. Dreiundzwanzigſte Fabel. Nur drohend wat der Slrom, da's ihm an Tieſe fehll; Aut Furcht war's, die den Alann beſeelt. Bein gules Glück machl' ihn verwegen: Die Näuber gaben die Verſolgung noch nichl auf; Oo kam er bald auf ſeinen Begen Zu einem Fluſſe, deſſen Lauf, Des ſanften Schlummers Vild, des ſtiedlichen und reinen, Zuerſl den Aebergang ganz leichk ihm ließ erſcheinen: Kein ſleiles Afer, klat der Sand. Gleich ſprungbereil Bringk ſchnell das Noß in Sicherheik Ihn vor den Näubern, doch nicht vor den dunklen Flulen: Bald kranken aus dem Sluæ die Gulen. Det Kunſt des Ochwimmens ganz und gar Ankundig, mußt' im Land der Finflernib das Vaar Alanch andern Flußh als hier durchwandern. Von Olillen drohl uns oft Geſahr; Nicht alſo iſt es mil den Andern. Achtes Buch. Vierundzwanzigſte Kabel. 131 Vierundzunmzigste Fubel Mie Erſiehung. datidon und Caeſat, zwei Brüder, adelichen Hunden enkflammk, die ſchön und ſlark, voll Mulh und Vitz, Vei zwei verſchiednen Hetrn ſeil Jahten im Beſih, Hauflen, in Väldern Der, und Jener in den Küchen. Die hiehen anders zwar; doch da verſchiedner Sland And auch die Att, wie ſie belöſtigk, Die glückliche Nalur in Dieſem noch befefligl, Verfälſchk in Jenem, hakt' ein junget Küchenſanl Den Erflern Laridon genannl. Achtes Buch. Vierundzwanzigſte Kabel. Dein VBruder, deß' Gebell ſo manchen Hitſch beläſligl, Der manche Bau gepackk, beſlanden manchen Slraulb— Zum erſlen Caeſar rief das Hundevollt ihn aus. Alan ſorgle, daß nichl durch unebenbütl'ge Liebe In ſeinet Kinder Ochaar ſein Blul enlatlen ſolll'; Doch unbeachlel folgl Laridon ſeinem Triebe: Der Erſlen Veßylen war er hold. Das Land bevöllernd in det Nunde, Zeugt' er die ſondre Att gemeiner Bralſpieh-Hunde, Die, wie bektanul, vor der Geſahr enlfliehn in hafl'ger Eil'— Ganz der Caeſaren Gegenlheil. Nichl immer kriffl's, daß man der Ahnen Tugend wahrle: Die Läſſigkeit, die Zeit wirkl leicht, dah ſie entarle. Ver die Nalut und ihr Geſchenk nichl hegt und ſchätzt— Vie maucher Caeſar wird ein Laridon zulezl! Die beiden Hunde und der todte Eſel. Achtes Zuch. Künfundzwanzigſte Kabel. 133 Uugenden ſolllen Schweflern ſein, Siind doch die Fetler ſäumllich Btüder: Kehrk ihter Einer nur in unſtem Herzen ein, Gleich folgen Alle nach wie einer Kelle Glieder Die mein' ich, die, einander nichk zuwider, Gern wohnen unker einem Dach. Allein die Tugenden— ſpürt man denſelben nach, II. 34 134 Achtes Buch. Fünfundzwanzigſte Kabel. Vie ſellen ſiehk man ſie, vereink mik Ihresgleichen, In Einem ungetheilk die Händ' einander reichen! Dieſer iſt flatk, doch kall, Jener iſt klug, doch ſchwach. Auker dem Vieh thut ſich der Hund was drauf zu Gule, Daß lreu er und von wachem Alulhe; Doch iſt geſräbig er und dumm. Beweis: Zwei Köler. Am des Aſers Nand herum Sah'n auf den Vellen ſie'nen kodlen Eſel kreiben; Beiler und weiler bringk der flarke Wind ihn forl. Der Eine ſpricht:„Du ſiehfl beſſet als ich. Schau dorl! Auf jenem Puncle laß den Blick ein wenig bleiben; Ich glaub', ich ſeh' dorl was: iſl es ein Pferd, ein Slier?“ „„Uch was! Ganz gleich, was für ein Thier““ Verſetzl det Andte drauf—„„'s iſt Veuke, meinet Seele! Nun heißl's: wie ktiegen wir's? Der Veg zu ihm iſl weil, And ſchwimmen gegen Wind hal ſeine Schwierigkeeil. Haufen wir's Baſſer aus! Glaub', unſte durfl'ge Kehle Bringk ſichet es zu Skand; gar bald ſehn wit das Nas Im Trocknen liegen, und der Ftaß Wird füt'ne ganze Voche langen.““ Die ſauſen. Vald war Tuft und Teben ausgegangen Dem Vaat: ſie ſoffen dergeflall, Daß man ſie platzen ſah alsbald. Der Alenſch iſt auch ſo: häll ihn Leidenſchafl in Vanden, Dann iſl Aumöglichkeit für ihn nichl mehr vothanden. Achtes Buch. Künfundzwanzigſte Fabel. 13⁵ Vas leiſlel Alles er an Vunſch, Verſuch und Thal, Aur damik Geld und Nuhm zu Theil ihm werden ſollen! Abrunden möchl' ich meinen Olaal! Wühl' ich Hebräiſch! Häll'nen aladem'ſchen Grad! Könnl' meine Kallen ich füllen mik Goldesrollen! Das heibl: das Aleer auslrinkten wollen. Ging's ſelbſt— wär' man zuftieden daun? Am auszuführen, was ein einz'ger Geiſt erſann, Brauchk' es vier Rörper. Alehr noch: glaubt, ſelbſl dieſe kehren Auf halbem Weg um, weil's ihuen an Krafl gebticht. Nein, vier Alekhuſalems zuſammen brächlen nicht Zu Sland, was Einer mag begehten. 136 Achtes Buch. Sechsundzwanzigſte Kabel. Sethsundzunnzigsle Fnbel. Vemukrit und die Nbderiten. Iie hab' ich ſlels gehabl des Volls Dentten und eeinen! Frech, ruchlos, ungerechl wolll' es mit ſlels erſcheinen: Es ſiehl die Dinge ſtels durch ein gefätbles Glas And mibl die Andern nut nach ſeinem eignen Mah—. Der Aleiſler Epicurs dienk dafüt zum Beweiſe. Dein Voll' hielk ihn ſüt koll.— niemals, wie allbekanul, Gill der Vrophel im Valetland! Die Teule waren koll, Demokrik war der Veiſe. Achtes Buch. Sechsundzwanzigſte Fabel. 137 Es ging ſo weil, daß zu Hippokrales det Slaak Abdera Volen ſandl' und bat, Zu kommen und den einſl ſo hellen Verſland des Kranſten doch, wenn's möglich, herzuflellen. „Demolirik, unſet Freund“— ſagten ſie weinend—„er Vird koll, das Leſen raubk ihm den Verſland allmälig; Wir ſäh'n ihn lieber, wenn et ganz unwiſſend wär'. Er meink ja— deulk' dit nur!— die Vellen ſei'n unzählig, Vielleichl ſind gar, nach ſeinem Binn, Zahlloſe Demokrile drin! Zu dieſer Träumerei kommen noch die Alome, Kinder'nes krankien Hirns, unſichlbate Phankome. Den Himmel mibt von hier er und der Slerne Licht; Er iennk das Wellall, doch ſich ſelber kennk er nichl. Ehmals ging noch auf ein Geſpräch er ein; jetzl ſpricht Er mil ſich ſelbfl. Ach, möchſt du eilen, Du großer Blerblicher, den kollen Wahn zu heilen!“— Zwar glaubk Hippolktakes nichl allzu ſehr datan; Doch teiſt er ab. Nnn bill' ich euch, recht Achl zu geben, Wie wunderlich doch oft im Leben Das Schickſal ſpiellh! Es üam Hippoßkrakes grad' an, Als Der, den alles Volli wahnwihig ſchall, nachſann And unkerſuchl' an Alenſch und Thieren, In Kopf und Herz den Sitz des Denttens aufzuſpüten. In lieſem Schallen forſchl' an einem flillen Bach Den Vindungen des Hitns er nach. 138 Achtes Buch. Sechsundzwanzigſte Kabel. Zu ſeinen Füßhen lag mauch Vuch. In lieſes Denlien Verſunlien, ſieht er kaum den hochverehrken Nlann And Freund zu ihm die Schrille lenſten. Kurze Vegrüßung nur, wie man wohl denken kann; An Zeit und Vorten ſuchl der Veiſe ſlets zu ſparen. Nachdem beſeiligl bald die Vedensarlen waten, Vard über Alenſch und Geiſl gründlich philoſophitl, Wie dann auf die Aloral ſie kamen, Kann ich hier weiler nichl auskramen, And wie die Veiden diſpulirl. Doch klar iſl der Veweis geführk: Als ſchlechler Nichlet iſl das VolltRnut anzuſehen. In welchem Sinn ill zu verſlehen, Vas ich las: dah zu jeder Frifl Bolſisflimme Golles Slimme iſt? 110. 8 der Täge er Wolf und Der 1 60670 WI4 460 8 N 8 . ... 68A+E2?⁵ 4 1676% 7576 0 —— 1 6 ⸗ 4 , KAA 0•fl. % 744 5 0 VW“d IIones . 2 f „— , 5 1 0 ee 10 0 0 WW. % 06% AR K KN 0 . , 10 A0% * XV Achtes Zuch. Siebenundzwanzigſte Kabel. Iahgies, du Angelhüm, deſ' Augen blöd' und blind Gegen der güligen Gökter Wohllhaten ſind! gulig 1156 Boll denn vergebens dich mein Verk beſtämpfen immer? Wie lang' belehr' ich dich! Wann endlich ſolgſt du mit? Vitd, meiner Slimme laub wie der des Veiſen, nimmer Der Alenſch einſehn:„Jetzl ifl's genug; geniehen wir!“— Eil' dich, mein Freund, bald ſlehft du an der dunklen Pforke. Nochmals— ein ganzes Buch liegt in dem einen Vorke: 139 140 Achtes Buch. Siebenundzwanzigſte Kabel. Genieße!—„Ich will's lhun.— Doch wann?—„Von motgen ſchon Vielleicht packt dich der Tod ſchon unlerwegs, mein Sohn! Genieſh' ſchon heul und fürchl',, daß dich ein Loos erreiche, Das dem des Jägers und des Volſs der Fabel gleiche. Der Erflre, deſſen VPfeil ein feiſles Dammwild ſchoh Erſpähl ein Hirſchttalb; gleich lag's da, Schickſalsgeno Des Todlen 9 0 im Gras die beiden eichen. Ein Dammhirſch und ein Kalb, ue Veule ſein und nell, An der genug wohl ein beſcheidner Waidmann häll'! Doch lockt' ein Eber noch, ein Nieſe ſonder Gleichen, Den Schützen, dem ſolch Vild ein leckrer jiſſen ſchien. Auch er dem Slux geweiht! Doch ſchwer unt fahlen iht Die Varz' und ißte Scheer'; in wiedethollem Ningen Konnt' ihn der Anlerwell Göllin zu Fall etfl bringen, Da der Gewall des Olreichs er endlich unlerlag. Des Gulen war's genug.— Ver ſagl das?— Nichls vermag Die Gier zu flillen Deh', den bluk'ger Naub erfreute. Indeb ein wenig noch das Schwein aufalhmel, ſiehl Der Schütz' ein Nebhuhn, das längs einer Furche fliehl, Ein lump'ger Zuwachs all' der Veule; Doch ſpaunl den Vogen er zu neuem Zeilverlteib. Das Schwein ſchlitzl, alle Kraſt aufraffend, mil den Hauern Den Bauch ihm auf und ſlirbl gerächt auf ſeinem Leib; Das Nebhuhn dankl ihm ohne Trauern. Achtes Buch. Siebenundzwanzigſte Kabel. 141 Den Nimmerſallen gill der Tabel erſler Theil; 3 Den Geiz'gen diene jetzl der andre zum Exempel. Ein Volf ging dork vothei und ſchaul' all' dies Auheil: „Forkuna“— tief er—„ich gelobe dit' nen Tempel! Vier Leichen! Velch ein Schatzl Indeſſen muß man klug And ſparſam ſein; ſo was lrifft man nicht alle Tage!“— Das ill der Geiz'gen flele Klage. 3 „Ich habe“— ſagt der Volf—„nen Alonak dran genug: Eins, zwei, drei, viet; genau berechnel und geſptochen, Ills Vortath auf vier volle Vochen. Von übermorgen fang' ich an; heuk ſteh' ich klug Des Vogens Dehne— wie ich vom Getuch urlheile, Iſl ſie von ächtem Darm.“— Er flürzk bei dieſem Vork Gier auf den Vogen ſich in Eile. Dieſer gehl los, es fälll aufs Nene von dem Pfeile Ein Opfer: er durchbohrt dem Volf das Herz ſoforl. Ich ſtomme wieder drauf zurück: man ſoll geniehen! Die Zwei, ſo hark geſlraſt, gellen als Zeugen mit: Der Eine halle ſeine Gier, Den Geiz der Andere zu bühen. 3 SD 8 — e 0 St —̃————————ͤ—— Ueuntes Buch. Erſte Kabel. 145⁵ B„ rste Fahel. Ver ungetreue Verwalfer. Hank den Aluſen, konnk' beſingen 7 Ich dies oder jenes Thier; Andre Helden mochlen mir Alindern Nuhm vielleicht einbringen. Spricht im Neim der Volf zum Hund Olels auf meines Vuches Beilen, Thun euch all' die Thiere kund Alanch' verſchiedne Atl von Leulen, Hier die Narr'n, dorl die Geſcheidlen; 146 Ueuntes Buch. Erſte Fabel. Do doch, dah die Natrenwell Olels die Gberhand behäll, Denn die Alehrzahl bilden Jene. Auch führ' ich euch auf die Scene Niederlrachl, Velrügetei, Ochnöden Andank, Tyrannei: Alanches Vieh, zum Thür-Eintennen Dumm, den Schmeichler, den Bpion; Hier wär' gleich auch mil zu nennen Alk der Lügner Legion. Jeder Alenſch lügl— ſagl der Veiſe. Hälte er damik gemeint Leuke nur aus niedrem Kreiſe, Dürfle man's, ſo wie mit ſcheinl, Dulden ſchon in keinem Falle; Aber dah wir Alle, Alle Lögen— hätt' ein andrer Alann Dies geſagt, wohl würd' ich dann Ihm zu widerſptechen wagen. Ja, könnk' Einer wie Homer And Reſop uns Lügen ſagen, Lügner wär' er nimmermeht; Denn das Bild, ob es auch krüge, Das des Dichlers Traum erfülll, Zeigt uns Vahtheil, in det Lüge Zauberiſch Gewand gehülll. UNeuntes Buch. Erſte Fabel. Schriften haben uns gegeben Beide, werlh ewig zu leben; Lügen, ſo wie ſie's geübl, Kann nicht Jeder, dem's beliebl. Aber ſo wie Jener lügen, Der den Andern wolll' belrügen, And im eignen Vork ſich fing, Iſt ein dumm erbärmlich Ding. Do nämlich war's: Ein Verſer ging auf Veiſen And hinkerlegke einen Cenlner Eiſen Veim Nachbar, der ihn in Verwahtung nahm— „Alein Eiſen?“— ſtagl' er, als er wiederkam. „Eu'r Eiſen?“ Ifl nichl da:'ne Valle haks gefreſſen. Ich ſag's Euch mil Vedauetn; doch Vas iſt zu thun? Ich ſchall die Diener. Nun, ein Loch Hal jede Wand!“— Drob flaunk der Handelsmann, indeſſen Berftellt er ſich und lhut, als ob er's wirklich glaubl. Nach ein'ger Tage Ftiſt flraft er den Schelm: er raubl Hein Döhnchen ihm, drauf lädl zu Tiſch ganz harmlos eben Den Valer er; der komml mil gramgebeuglem Haupl: „Erlaßt mir's heut und wolll' vergeben; Elend bin ich und ſteudenleer! Den Sohn liebt' mehr ich als mein Leben; Ich hab' nut ihn— ach nein! Ich hab' ihn ja nicht meht! 148 Neuntes Buch. Erſte Fabel. Alan ſlahl ihn mit! Veklagl mich, deſſen Glück zunichle!“— Der Kaufmann ſagl:„Geſlern im Abenddämmerlichle Enlführke Euren Bohn'ne Eule; ganz genau Hah ich: ſie ſchleppl' ihn fork nach einem allen Vau.“— Der Vater drauf:„Wie mögt Ihr denkten, dah ich glaube, Ein Käuzlein könne je enlfliehn mil ſolchem Naube? Ochlimmſlen Falls häll' mein ohn die Eule doch beſiegt“— Der Andre ſpricht:„Ich ſag' nicht, wie ſie ihn gekriegt; Allein ich hab's geſehn mil dieſen Augen, ſag' ich! And was veranlahl Euch, ſo frag' ich, Zu zweiſeln, wenn ich was verſichre auf mein Votk? And könnk Ihr's wunderbar denn finden. Venn Eulen hier an dieſem Erk, Vo eine Nalte läbl'nen Cenkner Eiſen ſchwinden, 'nen Knaben ſtehlen, der'nen halben Cenkner ſchwet?“— Der Valer merkt das Ziel, nach dem der Pfell geſchoſſen: Er gab dem Alann das Eiſen her, And dieſer gab ihm ſeinen Sproſſen. Zwiſchen zwei Neiſenden gab's faſl'men gleichen Blreit. Der Ein' ein Alenſch, der jederzeil Durch ein Vergröß'rungsglas die Dinge pflegl zu ſehen: Rieſig ſcheint Alles ihm; wie in Afrikka gehen Die Angeheu'r bei uns gemülhlich ein und aus. Zu überkreiben ſchien ihm recht. Alil einem Male: „nen Kohlliopf ſah ich einfl“ ſagl er—„hoch wie ein Haus.“ Neuntes Buch. Erſte Kabel. 149 Der Andre:„Ich'nen Topf, groß wie'ne Kathedrale.“— Der Erfte lacht; da ſagl det Zweile ihm:„Ja wohl; Drin kochen wolll' man Euren Kohl!“ Der Topfmenſch war voll Witz, der Eiſenmenſch geſcheidlet. Iſl gar zu albern, was man dit aufhindel, dann Thu' ihm die Ehre nicht der Widerlegung an; Nein, überkrumpf' es noch und ätgre dich nichk weiker. 838 150 Ueuntes Buch. Zweite Kabel. Awei Cauben lieblen ſich gat innig; Der Einen ward' zu eng im Haus, Drum wolll' höchll thöricht und unſinnig Die reiſen weil ins Land hinaus. Die Andre ſpticht:„Kannſt du's denn faſſen? Willfl einſam hier zurück mich laſſen? Ach, Scheiden iſt das herblle Leid— Für dich, Grauſame, nicht! Vielleichl daß mik der Zeil Der Neiſe Alüh'n und Fährlichtkeilen Ein Hemmnil) deinem Aluth bereilen. Mab 0 6 Die beiden Tauben. Uenntes Buch. Zweite Cabel. 151 Ja, wären mindeſlens noch günſliger die Zeilen! Vark' mildte Lüfle ab! Ver kreibl dich? Eben heul Hal Aleiſter Nabe noch groß Anheil prophezeit. Ich weil, daß Trübſal nur im Traum ich künflig ſchaue, aubvögel, Schlingen. Hu! Wie's flürmk und gieht mit Wulh! Hak wohl mein Fteund, was nolh ihm thul, Aeſt, Speiſ' und was ihn ſonſt erbaue?“— Vohl rührl der Nede liefer Schmerz Des reiſelufl'gen Thoren Hetz; Doch krugen Neugier und unfläken Triebs Vefehle Zuletzt den Sieg davon. Er ſagl:„O weine nichl; Drei Tage höchfleus, dann hal Nuh' die liebe Beele. Bald kehr' ich wieder, in ausführlichem Verichl Will ich von Allem Nede flehen; Do kürz' ich dir die Zeil. Ver gat nichls hal geſehen, Hal nichls zu ſagen auch. Die Schild'rung machk dir Spaß⸗ And ein Vergnügen, auserleſen: Dotk war ich— ſag' ich dit— hier ſah ich dies und das; Du meinſl, du wärſl dabei geweſen.“— Drauf ſchieden weinend ſie. Die Reiſende zieht fork; Doch ſchon nach kurzer Zeil deckk eine Volkenhaube Das öde Feld; ſie ſucht nach einem Zufluchtsotl. Ein einz'get Vaum war da, und krotz dem dichlen Laube Veilſcht ganz erbarmungslos det Slurm die arme Taube. Als wieder klar die Luft, fliegl froflerflarrk ſie auf, Trocknet, ſo gukt es gehl, ihr ganz durchnähl Geſieder, 152 Ueuntes Buch. Zweite Kabel. Hieht auf enklegnem Feld Korn, ausgeſtreuk zu Hauf, Ein Täubchen dichl dabei; das regl die Luſt ihr wieder: Hin fliegt ſie und— ſitzk feſl; das Korn verdeckle nur Der Schlinge krügeriſche Schnur. Das Garn war abgenutzk, ſo daß nach vielem Drängen Alit Flügel, Ochnabel, Fuß ſie's endlich reibl enlzwei. Die lieh manch Federlein; das Schlimmſle doch dabei Vat, dah ein Geier jetzl mil beulegier'gen Fängen Die Rermſle ſah— ſie ſchaut, wie ihr am Leibe hängen Des Garnes Fäden und die Alaſchen witt und kraus, Vie ein enlſprungner Slräfling aus. Faſt hal der Geier ſie gepackl, da ſchießl hernieder Ein Adler aus der Höh' mil tauſchendem Geſieder. Die Taube nutzl geſchickk der beiden Näuber Olteit, Fliegt auf und ſort und ſetzk ſich hinler ein Gemäuer; Nun glaubt ſie, ſei zu End' ihr Leid Alit dieſem letzlen Abenleuer. Jugend hal Tugend nichl: ein Schelm von Knaben kam, Der unſer Thier aufs Korn mil ſeiner Schleuder nahm And ihr beinah den Tod gegeben. Jehl liehrk, ob ihrer Neubegier poll Scham, Am Flügel und am Fuhe lahm, Hinkend und kaum noch halb am Leben. Die grades Vegs nach Haus zurüch; Die kam ohn' andres Nlihgeſchick Alit blauem Aug' davon noch eben. Reuntes Buch. Zweite Fabel. Das neu vereinke Vaar— man denke', mik welchem Vreis Von Vonnen es gelilgt all' den erlikknen Schaden! Ihr, die ihr glücklich liebt, wolll reiſen iht? Dann ſei's Zu nahgelegenen Geſladen. Heid eine Velk für euch, die ewig ſchön und neu, In ſtekem Vechſel ſeſt und kreu; Denkl nur an euch, und laßl das Andre unerwogen. Alanchmal hab' ich geliebt; doch häkt' auf keinen Jall Gegen des Loupre Schätze all', Gegen das Firmamenk und ſeinen Himmelsbogen Den Vald, die Slällen ich gelauſchl, Vo mit das Nuge ſtrahll' und ich dem Schrill gelauſchl Der Schäferin mik holden Alienen, Der unler Amots Fahnen dienen Ich durfte, kteu der Pflichl und meinem erflen Eid. Ach, kehrk ſie nimmer mir zurück, die ſchöne Zeil? Aluß) ſo viel holder Neiz und ſo viel Lieblichkeil Aleinem unſlälen Geiſt bereilen flele Vlage? Ach, wagle doch mein Herz noch einmal auſzuloh'n! Boll nie ein Zauber mehr mich feſſeln? Sind die Tage Der Lieb' auf ewig mir eulflohn? II. 39 EÆ 154 Ueuntes Buch. Dritte Fabel. Dritte Fubel. Ver Mlle und der Leufiard. Yler Aſſe und der Leopard 3 Alachlen zur Aleſſe viel Einnahme. Jeder für ſich beſonders ward Zur Schau geſlellk.„Ihr Herrn, mein Vorzug und mein Name“ Sprach Dieſer—„ſind berühml. Der König ſchaule mich And wenn ich ſlerbe, wünſchl er ſich 'nen Aluff von meinem Fell, weil es ſo bunl geſcheckl iſl, Bo ſchön geküpfelk und gefleckl iſl And ganz mil Streiſen überdeckk iſl.“ ) Uenntes Buch. Dritte Fabel. Vohl Jedem, der es ſah, geſiel das bunle Fel; Doch ſchnell war das votbei, und man enlfernl ſich ſchnell. Der Affe rief:„Zu mir, ihr Herren! Volll ihr lachen? Komml, bille, het; ich zeig' euch kauſend närt'ſche Sachen. Jene Vuunlſck cklkel. die man euch preifl ſo laul, Alein Nachbar Leopatd hak ſie nut auf der Haut, Ich habe ſie im Geiſt. Eu'r Diener, Veler Gimpel, Veller und OSchwiegerſohn Verltands, Veiland des Papfles Affenſchwanz, Kommk eben mik dreifachem Wimpel Zu Kahn in eure Bladl; er will euch ſprechen, gleich; Er ſprichl, und man verſlehl's; er lanzk, machl manchen SOkreich, Vertenlil aufs lufligſte die Glieder, Reiſen ſpringl er; und das Alles— hörk und wißl, Ihr Hetrn— für einen Bon! Wer nichl beftiedigk iſt, Dem geben wir ſein Geld dork an der Thüte wieder!“ Der Affe halle Nechl:'s iſt nichl das Kleid zumeift, Deſſ' Alannigfalligkkeil gefällk, es iſt der Geiſl: Dieſe bringt ſlels Gewinn, und ſie etfteul uns immer; Jene erregt gar bald Langweil' und Nlüdigkeil. Ach! Wie der Leopard, ſehn große Hetrn faſt nimmer Auf das Talenk, nur auf das Kleid! 156 Ueuntes Buch. Vierte Fabel. Vierie Fnbel. ο Jas Goll thul, wohlgelhan iſt das. Dies zu begründen, Bdauch' ich im Vellall nichl zu ſuchen hin und her. Ich kann's an einem Kürbis finden. Ein Landmann denll, wie groh) und ſchwer Die Fruchk und wie ſo ſchwach und dünn iht Olengel wäre! „Vas hal der Schöpfer wohl“— ſagl er— dabei gedacht? An ſch 3 em Tlatz hal er den Küthis angebrachl. votz Blitz! Ich häkl' ihn doch, auf Ehre Neuntes Bnch. Vierte Fabel. 157 An einer Eiche feſlgemachl! Dies dürfle zweifelhaft doch kaum ſein: Ho wie die Frucht muß auch der Vaum ſein. 5 ſchade, daß du nicht im Nalhe Deſſen biſt, Velchen dein Pfarrer dich aubelen lehrk als Chrifl! Alles wär' beſſer dann. Watum, zum Veiſpiel, brachle Die Eichel, kürzer als mein kleiner Finger, man Denn nichk an dieſer Olelle an? Goll itrle! Je mehr ich belrachle, Vie ſchlechk die Ftuchl doch hängk, deflo meht witd mir klat Dabß es ein reiner Alißgriſf war.“— Dieſer Gedantie macht dem Viedern manchen Kummer: „Alan ſchläfl nichk“— ſagt er—„hal man ſo viel Geiſt!“— Er legt An einer Eiche Fuß ſich hin zu kurzem Schlummer. ne Eichel fälll herab, die wund die Naſ' ihm ſchlägk. Auf wacht er; wie er nun die Hand ans Anllitz brachle, Fand er die Eichel, die in ſeinem Kinnbark ſaß, Die wunde Aaſe lehrt' ihn jetzt, wie falſch er dachle: „Ich blule!“— tief er—„Weh! And, ach! was wäre das, Fiel mir ein gröher Slück aufs Haupl, und wenn an Schwere Die Eichel gleich dem Kütbis wäre? Gokt hat es nichk gewolll; Necht hat er Ich ſeh's am 6 dieſes Falles“— Danlbar Goll lobend jelzl füt Alles, Trolll er vergnügk nach Hauſe ſich. II, 40 158 Ueuntes Buch. Künfte Kabel. Schulluchs und der Herlenbelilzer. ¹ 80 in Knabe voll Schuljungenliſt und Tücken, 8.Ein 2 Ochelm aus Kinderei und zwiefach dumm— Var immer, die Vernunfl zu unkerdtücken, Doch der Schulfüchſe Vrivilegium!— Hlahl Frücht' und Vlumen oft— man wußhle drum Beim Nachbat. Von Vomona's reichllen Gaben Außl' Dieſer flets im Herbſt die ſchönflen haben; ——— —— Ueuntes Buch. Künfte Label. 159 Vas Andre züchlelen, war Kleinigkeil. Das Beßle brachl' ihm jede Jahreszeil, Denn auch im Lenz erfteulen ihn nicht minder Det jungen Flora blühend ſchönfle Kinder. Einſt hat den Jungen er im Garlen abgefaßl, Der, klellernd ohne Scheu auf eines Ftuchlbaums Aſt, Die Knoſpen pflückt, die zatt und friſch auflteimend ſptiehien And reichen Segen ihm und Aehetflußh vethiehhen. Oelbſl Zweige brichl et ab und kreibl's ſo atg zuletzl, Daß) der Garkenbeſitzer jetzl Zum Claſſenlehrer ſchickk, bei ihm ſich zu beklagen. Der Lehret komml, gefolgl von einem Knabenſchwarm; Der haufl im Gatken— Golt erbarm'!— Aerger als Jener noch. Des Schulfuchſes Veltagen Verſchlimmerke das Aebel noch, Indem er het die Nangen fühtke; And Alles, wie er ſagl, weil eine Zkrafe doch, Ein warnend Beiſpiel hier dem Knabenktol) gebührke, Das unvergeblich ihm und eine Lehre ſei! Virgil und Ciceto zog gründlich er herbei Nebft allerlei gelehtken Schwatlen. Die Vede währk ſo lang', daß unkerdeß den Garken Die ungezogne Vrul zerſtampft an jedem Ileck. Ich haſſe alle Nedensarken, Die nicht am Platze ſind und ohne jeden Zwech, —— Tñͥ—“Uä'm ͤ ½ʃͥ᷑—ꝛ̃ ̃Tch 1— 0 2 8 — 3 5 — V S2 3855— 32— ———2 ** —— 3— — — 0 2 8—— S ——— —— —— ——.———. — 8— 23—.— ———— ꝗ——— S ÆÆÆ D—— 0 23——. —— 80 ———=+&— 2——5 2 R——— —— —— S 22 + 3—— K —— 8——— —— —— ———————*2 .— W——.—— —— 8 — —— L —— —.—— — —— —— — — ——— N 2—— —— — 5— 25— — —— — — 160 Ueuntes Buch. Sechſte Kabel. echste Fulel. Jer Pildhauer und die Pildlänle des Juniler. f 0 in Bildner hal durch Schickſals Gunſl Og Den ſchönſlen Alarmotblock erhandell. „Ob“— ſprach et—„meines Aleihels Kunft Zum Golt, zum Tiſch, zur Schal' ihn wandell? Ein Goll ſoll's ſein; ich will ſogar, Daß er des Donnets Urüger werde. Oterbliche, btingk Gelübd' ihm dar And ziktert vor dem Herrn der Erde!“ II. 41 161 162 Neuntes Buch. Sechſte Fabel. And meiſlerhaft geſlallet er Das Bild und gibk ihm Geiſt und Beele; Alan ſand, daß dieſem Juppiler Nichls weiler als die Sprache fehle. Der Künſller ſelbſt, erzählle man, Hab', als die Arbeit kaum vollendel, Von ſeinem eignen Verke dann In Angll und Zillern ſich gewendel. Kaum größern als des Vilduers Alulh Schien einſt det Dichler zu bektunden: Er fürchlele den Haß, die Wulh Der Goͤller, die er ſelbſl erfunden. In dieſem Vunck war er ein Kind, Da Kinder nur dies eine Vehe Kennen und flels in Sorge ſind, Dab ihrer Vuppe nichls geſchehe. Leichk ſchliebt dem Geiſl das Herz ſich an; Aus dieſer einen OQuelle leikek Der Heiden Vahn ſich, welchen man Bei ſo viel Völltern ſieht verbteiket. Für ſeine Truggebilde ſland Ein Jeder ein mil allen Vaffen: Ueuntes Buch. Sechſte Fabel. 163 Pugmalion iſt in Lieb' enlbrannk Zut Venus, die er ſelbſt geſchaffen. Gern häll der Alenſch für Wirkllichleil, Vomil ihn ſeine Ttäume krügen, Kalk für die Wahtheil, jederzeil Feutig enkllamml für eilel Lügen. 164 Ueuntes Buch. Siebente Fabel. Sicbenle PFubel. lädchen verwandelte Uin Mäuslein, ſchon vom Kauz geſchnappl, ſiel in den Sand. Ich hätle ſie nichk aufgenommen, Doch ein Vrahmine khal's. Glaub's wohl, hal jedes Land Doch eigne Sill' und eignes Ftommen. Die Alaus halle was abbelktommen. Auf ſolche Art von Nächſlem gibl Bei uns man wenig nur; doch det Vrahmine liehl Ueuntes Buch. Siebente Kabel. 165 Als Bruder ihn. Er meink, die Beele Vandre aus eines Königs Haupl In eine Alilb' oder nach des Schickſals Vefehle Ein andres Thier; das iſt ein Hauplpunck, den er glaubl. Dork ſand Vykhagoras den Arquell ſeinet Lehre. So meinte det Brahmin, daß wohlgethan es wäre, Väl' er'nen Zauberer, zu wandeln dieſe Nlaus In einen Leib, der ſonſt ihr ſchon gedienk als Haus. Der Zauberer machk ein enlzückend Alädchen aus ihr, jung, ſchön, ſo reizvoll ſinnberückend, Daß Priams Sohn füt ſie gewil) noch meht gewagl Als für die Griechin einſt, die ihm doch ſehr behagt. Erſlaunt ſieht det Brahmin, was hier ſich zugeltagen, And zu der Kleinen, hold und fein, Sprichl er:„Du haſt die Wahl; gern willigk Jeder ein And pteiſl das Glück, dein Nlann zu ſein.“— „„Je nun, dann ſei““— hötk man ſie ſagen „„Der Alächligſte von Allen mein!““ „O Slern des Tags“— rufl der Vrahmin—„du witfl allein Alein Schwiegerſohn, es kann nichl fehlen!“ „„Nein““— ſpticht die Sonn'—„„der Nebel dotl Iſt ftärker wohl als ich: er hülll mich ein ſofork; Ich möchl' euch ralhen, ihn zu wählen.““— „Gul! So biſt du“— ſagk der Vrahmine—„für mein Kind Geſchaffen?“—„„Nein, o nein! Denn mich vermag der Vind, Wie's ihm beliebl, von Orl zu Ork einherzufagen; 166 Ueuntes Buch. Siebente Kabel. Nichl darf des Skurms Gewall ich je zu lrotzen wagen.““— Empörk rufl der Brahmin zu Dem Wind:„Nun alſo, Vind, ſei du Für unſre Schöne ſef— Er eill herbei; ein Verg hemml ſeinen Lauf im Nu. Auch Dem witſt man den Vall; in Nuh' Virft er ihn forl und ſpricht:„Feindſchaft häkk' mir geſchworen Der Natz! And Den öbleid'ge ich Nichk gern; es wär' auch dumm, denn leichk durchwühlllet mich.“ Veim Namen„Natz“ ſpitzt ihre Ohren Die 0 er ward ihr Alaun ſogleich. Ein Natz Ein Naß;'s ifl ſo ein Olreich, Vie l Laune ſie geboren. Doch ſag' nur leiſ' ich dies zu euch. Dahin ſlrebl Alles, wo es ſeinen Arſprung halle. Die Fabel lehrk's; doch, ganz genau beſehn bei Lichk, Ein kleiner Trugſchluß iſt dabei, ich leugn' es nichl. Denn, nimml man' ſo, ſtag' ich: iſt nichl ein jeder Galle Der Bonne vorzuziehn? Nehml einen Mieſen: heißk Er ſchwächer als ein Floh, wiewohl ihn Dieſer beihl? Der Natz mußl' ebenfalls die Schöne überweiſen Dem HKaler, Dieſer dann dem Hund, Der Hund dem Volf. Zuletzl auf Grund Von ſogenannlen Trugbeweiſen Zeigl ein Sophiſt de Slern des Tags uns wieder dann Ueuntes Buch. Siebente Fabel. 167 Als unſrer Schönheil hoch beglückken Ehemann. Die Beelenwandrung]!— Vas der Zaubrer des Vrahminen Gelhan, iſl weik enlfernk, als ein Veweis zu dienen Für ſie; es zeigk vielmehr grad' ihre Falſchheik au. Leichl wieſ' ich nach, daß der Brahmin im Ittlhum wäte; Denn klar iſt, dah nach ſeiner Lehte Der Alenſch, die Nlaus, der Wurm, jedes lebend'ge Ding Aus eines einz'gen Quells Argrund die BDeel' empfing: Die Beelen all' aus einem Breie; Nur der Organe Anlerſchied Virlil, daß man Dieſen ktiechen ſiehl, And Jener ſich erhebl ins Freie. Voher denn käm' es, daß der Teib, ſo ſchön gemachl, Oeine Inwohnetin nichl ktiebe, Daß ſie die Bonne freil? Ein Nagz hal ihre Tiebel! Alles in Allem wohl bedachl: Der Aläuſe Beelen und der ſchönen Nlädchen Beelen Dind ſehr verſchieden. Den Beſehlen Des Schickſals folgt man flels, wie auch ſein Würfel fiel, Das heißht: wie's das Geſetz des Himmels vorgeſchrieben. Ob Teufelsſpul, ob Zauber du geerieben, 7 Du machll kein Veſen doch abwendig ſeinem Ziel. 168 Ueuntes Buch. Achte Fabel. Achte Pubel. Ver Nlarr, der die Meisheil verkanll. Jl. Narren lab dich nie in iht Gehege ziehen; Das iſt der klügfle Nalh, den ich dit geben kann. Die beble Lehre iſt, daß man Eiller Vindbeutel Schwarm bedachk ſei ſlels zu fliehen. Bei Hofe kann man ofl ſie ſehn: Dem Fürſlen machl es Spah, da ſie es wohl verſlehn. Ochelmen und Thoten manch verdienlen Olteich zu ſpielen. Ein Nart rief aus er blieb an jeder Ecke ſlehn + — — —— heit verkauft 8 der die Wei Der Uarr, Ueuntes Buch. Achte Cabel. Die Weisheil hab' er zu verkaufen. Gläubig fielen Die Leule drauf hinein: herbei lief alle Well, Lieh) mauchen Voſſen ſich gefallen, And dann ethielk man für ſein Geld Zwei Ellen Schnur und zwei Alaulſchellen, die techk knallen. Die Aleiflen ſind empörl. Vas half's? Sie haklen nur Zum Schaden noch den Spoll; das Behle war, zu lachen Oder ſich ſlill davon zu machen Alik den Alaulſchellen und der Schnut. Nach einem Sinn hier noch zu fragen, Vär' lächerlich und brächt' nut neuen Hohn wohl ein. Soll die Vernunft denn Bürge ſein Füt eines Narren Thun? Der Zufall, muh man ſagen, Ifl es, der Blaſen kreibl in einem kranken Hitn. Doch, unbeſtiedigt von der Alaulſchell' und dem Zwirn, Fragk einen Veiſen einſt Einer von den Genartken. Der ſagk ihm, ohne langes Varken: „Hierogluphen ſind's, die Jenet euch gab auf. Ver wohlberalhen ſlels ſich wahren will vor Schaden, Bleib' immer ganz genau ſo weil, als dieſer Faden Lang iſt, von Natten fern; wo nichl, verlabt euch dtauf, Droht ihm ganz ähnliche Lieblioſung. Der Narr beltog euch nichl: Veisheil war ſeine Loſung.“ 169 YM M D 8 DD Y . N 75% 8 8 3635 W. Die Auſter und die Streitſüchtigen. 60 7 60 [IAſca⸗ Kten 4 8 S—ſ 170 Ueuntes Buch. Ueunte Fabel. lie Rulter und die Uwa Bilger fanden einſl'ne Aufler, die zum Olrande Die Flut geſchwemml; ihr Aug' verſchlingt ſie, und es weill Ihr Finger drauf; allein, da ſie noch lag im Bande, Enlbrenul ein Slteik darob, weh' Zunge ſie verſpeiſt. Schon bückl der Eine ſich, die Veule einzuftecken; Der Andre ſloöbl ihn fork und ſagt:„Erſt muß es klat Doch ſein, wem von uns ſie ſoll ſchmecken! Der, welcher nachweiſl, dah er der Enldecker war, Ueuntes Buch. Uennte Fabel. 17¹ Der ſchlucke ſie, indeß der Andre mag zuſehen.“ 339 ſoll danach der Opruch geſchehen““— Erwiderk ſein Genob—„„Gokl Lob, mein Aug' iſt ſcharf.“ „Aleins auch! And, wie ich ſchwöten darf, Ich ſah ſie noch vor dir“— hak Jener dtauf „„Gul! Du haſt ſie geſehn, doch ich hab' ſie gerochen.“ Indeſſen kommk Hans Tapps heran, Dem nun den Richlerſpruch die Veiden überkragen. Die Quſter öffnel er höchſl ernſl, und mil Vehagen Ochlürſt er ſie. Jene ſchau'n ihn an. In feierlichem Ton verkündel er ſodann: „Jeder von euch erhäll, wie das Gerichk enlſchieden, 'ne Schale, koflenftei; nun kehtet heim in Frieden.“ Denlik, was an Koſlen heut an die Gerichke fällt, And was den Aleillen bleibk, die's zu Proceſſen kreiben! Ihr werdek ſehn: es zieht Hans Tapps das ganze Geld, And den Varklei'n wird nur der leere Beulel bleiben. 172 Ueuntes Buch. Zehnte Fabel. Hehnle Fubel. SD all und der magere 65 auch der junge Karpfen einft Trteſllic gepredigt und geralhen, Alan hat ihn ſchließlich doch gebtalen. Den ſicheren Beſitz loslaſſen, weil du meinſl, Gehofften Vorkheil zu erteichen, Ill eine Thorheil ohne Gleichen. Der Fiſcher halle Nechl, der Katpfen Antecht nichf; Vertheidigl Jeder doch, 0 gut er kiann, ſein Leben. Ein neues Veiſpiel will ich geben Ueuntes Buch. Zehnte Cabel. 173 Füt das, was ich bewies in früherem Gedichl. Ein Volf, der grad' ſo dumm wie jener Fiſcher weiſe, Traf einen Hund im Feld; als Speiſe Volll' er forlſchleppen ihn. Der ſchlaue Hund wies hin Auf ſeine Nlagerkeil:„Anmöglich kann verhehlen Eu'r Guaden ſich, wie dütt ich bin. Doch warkel! Alein Herr will vermählen Bein Töchlerlein; beim Hochzeilsſchmaus Gedenk' ich mich techk fekk zu freſſen und zu ſaufen.““ Das glaubt der Volf und lähl ihn laufen. Nach ein'gen Tagen gehl et aus, Zu ſehn, ob nun ſein Hund ſchon beſſet ſei zum Freſſen. Allein der Schelm ſaß jetzt im Haus And rufl zum Gikket ihm hinaus: „Ich komm' im Augenblick, Freund, watle du indeſſen; Des Hauſes Vächler komml mik mir, Wir ſtehn ſogleich zu Dienſten dit!“ Der Vächker war ein Hund, gewallig anzuſehen, Der wußl' mik Wölſen umzugehen. Der Volf merkl Anralh:„Grüß' den Vächler vor det Hand!“ Bagl er und läuft davon. Hutlig und flink im Rennen, Var er doch nichl ſeht älug zu nennen, Da ſein Geſchäfl als Volf er gar ſo ſchlecht verfland. II. 44 174 Ueunntes Buch. Elfte Fabel. Allle Fubel. Nur nicht zu viel! In finden wolll' mir nie gelingen Ein Beſen, das ſich mäßig häll. And dennoch will det Herr der Well, Daß man ein Alah in allen Dingen Beachle. Thuk man 2 Nein; kkaum einem Einz'gen fälll Es ein, im Guten ſich, im Schlimmen dran zu liehren. Das Korn, ein reich Geſchenk von Ceres' gül get Hand, Zu ſchnell ofl wuchernd ſaugt es aus das brache Land; Aleiſlens ausbreikend ſich im Aeberflub der Aeßten —. — *— Nenntes Buch. Elfte Fabel. 17¹ And lreibend mil zu voller Wuchl, Veraubl's der Nahtung ſeine Itucht. Der Vaum desgleichen. Do kommlk Aeppigkeil zu Ehren! Das Korn zu beſſern, wies der Nernke Aebermaß In ſeiner Weisheil Goll den Ochafen an zum Frah, Die dann drauf los unmähig raſ'len, Alles verderblen und abgraſ'ken, Vis Golt den Völſen bald darauf Ein'ge zu fteſſen gab; ſie fraßen alle auf, And khaken ſie es nichl, ſie wollten's doch. Indeſſen Erlaubt dem Alenſchen er zum Schutz, Jene zu ſlrafen; doch es bol det Alenſch vermeſſen Den gökllichen Geboten Trutz. Vor allen Thieren neigl der Alenſch zum Bündenfalle Gegen des Alaßes ſlreng Gebol; And eine Blrafe khäte nolh Für Klein' und Grohe, denn hiergegen fünd'gen Alle. „Nur nichl zu viell“ iſl ein Gebok für alle Well, Von dem man immer ſprichk, und das man nimmer häll. 176 Ueuntes Buch. ZBwölfte Fabel. 2 ⏑) YM. Bienen kamen vom Olymp. Auf lufl'gen Vegen 2 4 OSchwärmlen die erllen, heihl's, zum Verg Hymellus hin, Betzlen ſich feſt und ſchwelglen in Den Schätzen, welche dork milde Zephure hegen. Als jenem prächlgen Vau der Himmelslöchler flracks Man die Ambroſia nahm, die ſeine Zellen lragen, Oder, um es auf Deulſch zu ſagen, Als man nut honigleeres Vachs Neuntes Buch. Zwölfte Fabel. 177 Im Vienenſlocke ſand, formle daraus man Kerzen. 'ne Solche ſah: durch Feuers Nlachl Gehärlel krotzt die Erd' als Ziegel, feſt wie Erze, Dem Zahn der Zeil. Das will auch ſie; im Behnſuchtsſchmerze Blürzt wie Empedokles, den in den Gluthenſchacht Gejagt ſein eignes eilles Herze, Die gleichfalls ſich hinein. Das war nichk wohl bedachl; Kein Gran Vhiloſophie wohnt doch in ſolcher Kerze. Nichls gleicht dem Andern; laß von dem Gedankten ab, Daß noch ein Weſen, das dir gleicht, auf Erden wandre. Der Vachs-Empedolles ſpringt in das Flammengrab; Er war nichl dummer als der Andre. II. 45 178 Ueuntes Buch. Dreizehnte Fabel Dreizehnte PFubel. S Juppiter und der Reilende. Jie Göller wären, ach! wie reich durch unſte Noih, Henn der Gelübde wit, die ſie uns abzwingl, dächlen! Doch iſt die Nolh vorbei, vergihl man, was in ſchlechlen Amfländen man dem Himmel bot, And denttl nur, was an Schuld man zolll der Erde Alächlen. „Zeus“— ſpricht der Leichlſinn—iſt ein guter Glaäub'ger, der Schickl keinen Execulor her!“ Dind ſeine Donner nichl die rechlen . 2. . l Juppiter und der Wanderer. Ueuntes Buch. Dreizehnte Fabel. 179 Alahurufer? Wie denn ſonſl nenul ſolche Warnung man? Ein Neiſender, vom Slurm verſchlagen, Vol hunderk Ninder dem Tilanenſieger an. Nichl Eins halt' et; es konnl' um gleichen Vteis der Nlann Auch hunderk Elephanlen ſagen. Doch ein'ge Knochen nut zündek, aus Land gelragen, Dem Gokkt er an; es ſleigt det Nauch zum Zeus hinauf. „Nimm“— ſagk uer—„Aleifter Zeus, mein Opſer gnädig auf. Der Duft des Vtalens iſt ja Deiner Hoheik Sache; Der RVauch kommk auf dein Theil, ich ſchulde dir nichls mehr.“— Zeus ſtellle ſich als ob er lache; Doch ſlraft der Goll ihn ab ganz kurze Zeik nachher: Er kündel ihm im Traum aus Nache, Da und da läg' ein Schatz. Der Gpferſpender tennk Gleich nach dem Schatz, als ob es brennt. Hier ltaf er Näuber; nur mil einem Thaler dienen Konnl' er, jedoch verſprach er ihnen Hunderl Talenl' aus jenem Schatz Von Gold; er lieg' an jenem Platz Vergraben, und ſofork gehoben werden könn' et. Den Väubern ſchien det Ork verdächlig; einen Blreich Verſetzt der Eine ihm und ſpricht:„Alein Fteund und Gönner, Du ſpolleſt unſer! Blith, ſcheet' dich zu Pluko gleich, Alach' ihn mil deinem Golde reich!“ 180 Ueuntes Buch. Vierzehnte Kabel. iatze und der Fuchs. 00 Katze und der Fuchs, ein nelles Heil'genpaar, 4 Vilgerlen einflmals. Beid' enlſptoßlen 6 Dem Slamme der Tarkufes, Erzſchelme ganz und gar, Duckmäuſer, die gemaufl an Käſe manchen Vollen, Alauch Vögelchen gewürgl, und ſo die Neiſekoflen Hich eingebrachl, ſo gul es ging. Des Veges Langeweil' möglichſl zu kürzen, fing Die Katze und der Fuchs. Ueuntes Buch. Vierzehnte Label. 181 Das Vilgerpärchen an zu ſtreilen— Ein Slreik ſoll ſtets auregend ſein, Ohn' ihn ſchläfk gar zu leicht man ein— And heiſer ſchtien ſich beide Seilen. Als nun der Ölreik vorbei, ſprach man vom Nächflen flugs; Zur Katze äußerle der Fuchs: „Du ſagfl, dab Schlauheik dit beſcheerk ſei. Kaunſt du, was ich kann? Rniſſ' hab' ich ein ganzes Vack.“— „„Nein““— ſprach ſie—„Einen nur hab' ich in meinem Back; Doch mein' ich, dah er lauſend werlh ſei.““ Als nun von Neuem jetzl ein hefl'ger Slteik enlbtannl Am Ja und Nein, da ward zum Ftieden bald gewandk Der Zaul durch eine Koppel Hunde. Die ̃atze ſprichl:„Nun, Freund, nimm deinen Sack zur Hand, In deines pfiff'gen Hirnes Grunde Duch' eine ſichte Liſl! Ich hab' ſie, ſchau mich an!“ Vei dieſen Worlen klimmk ſie flugs'nen Vaum hinan. Der Andre machle hunderl Hähee, Spähk hunderl Löcher aus und bringl im Zickzacklrab Die Hunde von der Fährle ab. Auf ſuchk er alle ſichern Vlätze, Amſonfl: flels ward er aufgeſpürk, Da auf die Spur ſein Schweiß der Dachſe Naſen führk. Er kriechl aus einem Loch; da würgen ihn, der Hetze Gewohnk, zwei Hunde ab mik Vulh. II. 46 182 Ueuntes Buch. Dierzehnte Fabel. Der Alillel Aebermah btingl Sichte oft zum Fallen: Veim Vählen flieht die Zeik, man prüft, man greift nach allen; Alan habe eins, doch das ſei gul. Ueuntes Buch. Künfzehnte Kabel. 183 8 Uin Gemahl, der ſeht verliebl, Sehr verliebt war in ſein Veibchen, Fühlt, ob ſie ſein auch war, ſich dennoch ſehr beltübl. Kein krauler Blick von ſeinem Täubchen, Kein Schmeichelwotk, wie Lieb' es gibl, Kein Lächeln und bein hold Erbarmen, Das gleich zum Golk gemachl den Armen, 184 Ueuntes Buch. Künfzehnte Kabel. Bezeuglen ihm, dah Tieb' er je ihr abgewann. Glaub's wohl, er war ein Ehemann. Ihm war's von Hymen nichk beſchieden, Dahß er, mik ſeinem Glück zufrieden, Den Göllern Danul dafür geweihl. Ja, wenn die Tiebe nichl der Ehe Vonnen uns würzel, dann verflehe Ich nichl, welch' Glück ſie uns verleihl. Die Frau war nun'mal ſo; und da es ihr behagle, Dah jede Liebkoſung dem Gallen ſie verſagke, Beſchwerl' in einer Nachk er bikker ſich. Ein Dieb Olieg ein und unkerbrach das Klagen. Das arme Veibchen aber krieb Die Furchl: ſie warf vor Angſl und Zagen In ihres Gallen Arme ſich. „Dies ſüße Glück“— rief er—„Freund Dieb, blieb ohne dich Alir ewig unbetkannl! Zum Tohn nimm, was nur kragen Du kaunfl von unſerm Gul und was dir mag behagen; Die ganze Vohnung nimm!“— Spihbuben dieſer Ark Dind nichk verſchämk noch allzu zarl. Der machle ſeinen Schnill. And was der Fall bewieſe? Die allerſlärtiſle Teidenſchaft Ifl Furchl: ſie bändigekl des Viderwillens Kraft, Ofl die der Tiebe ſelbſt; ofk freilich ſiegt auch dieſe. Ueuntes Buch. Fünfzehnte Fabel. 185 Beweis: jener Liebhaber, der Hein Haus anzündek, um ſein Liebchen zu umſchlingen, Die er den Flammen mußl' enltingen. Bolch heihes Bluk, ich lieb' es ſehr, And die Erzählung rührk mich immer mehr und mehr; Es weht ein Hauch dtin ſpan'ſcher Alinne, Von hohem meht als lollem Sinne. II. 47 186 Ueuntes Buch. Sechzehnte Fabel. 60 8 Hänner. In deſſen Vörſe nur zu ſchauen Der Teuſel, das heihll: Vichls mehr, war, Aleinl' ſich zu hängen wät' doch gar Das Vehle, um ein Ziel zu ſetzen ſeinen Nölhen; Denn lhal er's nicht, würd' ihn doch bald det Hunger kodlen Ein Tod, der Solchen nur gefäll, Die wiſſen möchten, wie man ſcheidek aus det Vell. Ueuntes Buch. Sechzehnte Fabel. 187 In dieſer Abſigt chl hak der Nlann ein alk Gemäuer Zum Schauplalz auserſehn ſich für ſein Abenkeuer. Er hal'ne Ochnur und ſchlägl'nen Nagel mik Geſchick Jetzt in die Alauer, dran zu feſligen den Olrick Die Alauer, all und ſehr gebrechlich, Vankl ſchon beim erflen Schlag, und aus ihr fällt ein Schahz Der arme Teuſel nimml ihn auf, ganz unausſprechlich Erfreut, und krägt ihn fork; den Slrick lähl et am Blatz. Er zählk nicht ſeinen Fund, die Fteud' häll's nicht gelillen. Noch wähtend unſer Schelm ausreibt mik flücht'gen Schrillen, Nahl der Beſitzer, ſuchl ſein Geld am allen Ork— iſt ſott!— „Wie?“— rief er—„Boll den Schmerz ich lebend überdauern? Ich hänge mich nichk auf! And doch, im Augenblick Thät' ich's, hätk' ich nur einen Olrick!“ f Die Schnur hing noch, ſie ſchien auf ihten Alann zu lauern. Er hängk ſich wirkllich auf. Dies Eine ltöflek nut Ihn noch in ſeinen letzlen Blunden, Dah doch ein Anderer füt ihn bezahll die Schuur. Ho hal das Geld und auch der Olrick'nen Herrn geſunden. Des Geiz'gen Ende ift nur ſellen lhränenleet; Vas er vergräbt, bringl ihm wenig Luſl, viel Beſchwerde: Nur für die Diebe ſammell er, Füt ſeine Etben, für die Erde. Vas aber ſagl man zu Torkuna's Tauſche jetzl? 188 Ueuntes Buch. Sechzehnte Kabel. Das iſt ſo techt ein Ölreich, an dem ſie ſich ergeht; And gehl ganz koll es her, freul ſie ſich ganz unbändig. Die Göllin, immet unbeſländig, Hal ſich's'mal in den Kopf geſehk, 'nen Alenſchen hängen ſehn zu wollen; And der ſich hängle, war zuletkk, Der nie gedachk, es thun zu ſollen. ——— 8 ——————— —— — = — Der Affe und die Katze. Uenntes Buch. Siebzehnte Kabel. — = — —2+ l —— —5 — ν . 2 ατ — erkttand und Nalon ſind ein Hausgenoſſenpaar Im Dienfl deſſelben Herrn, ein Affe und ein Kaler, Jeder ein Thunichlgut, dem nichls je heilig war, Der ſich vot Miemand ſcheuk, und was er will, das hal er. Var irgendwo im Haus ein Schade nur geſchehn, Hal niemals Einer im Verdachk die Nachbarsleule: Berkrand flahl Alles weg; Nakon mußl' auch geſlehn, Er ſuche lieber Käſ' als Aläuſe ſich zut Veule. 189 190 Ueuntes Buch. Siebzehnte Fabel. Einfl ſah dies Gaunerpaar, dem Diebesſinn vetliehn, Kaſlanien bralen im Ramin. Die wegllibitzen ſchien ihm eine hübſche Sache, Dataus den Schelmen ein zwiefachet Vorlheil lache: Ihr eigner Nutzen erfl, des Andern Schade dann. Verltand ſagl zu Nalon:„Iteund, heute mußt du dran, Du muhl ein Aleiſlerſlück vollbringen. Hol' die Kallanien mir. Vär' ich zu ſolchen Dingen Von Goll beſlimmk, dann ſolll'ſl du ſehn, Am die Raflanien wär's geſchehn!“ Geſagt, gelhan: es ſchiebk mik ihter kleinen Tatze Veiſe unſte Katze Die Aſche erft beiſeik, ſie zicht die Vfolen dann Zurück, bringl wieder ſie heran, Eine Raflanie erſt, dann zwei, dann drei zu packen; Verkrand ſteul ſich, ſie aufzuknacken. Da komml die Alagd; aus iſl's. Nalon hal, wie man ſagl, Höchft unzufrieden ſich belagl. Gleich unzuftieden ſind die meiflen kleinen Vrinzen, Die, flolz, daß ſie dazu erunannl, Die Finger oft in den VProvinzen Füt einen König ſich verbrannl. g. Ueuntes Buch. Achtzehnte Kabel. Alaochl' einſt mik vielem Lärm die Nachbatſchafl durchflteifen, Des Dorſes Jugend gellk ihm nach mik Schtei'n und Pfeifen; Da fälll ihm in die Klau'n die arme Nachligall. Die Lenzverkünderin erfleht von ihm iht Leben: „Alich freſſen, die nichls hal als ihret Skimme Klang? Vernimm doch lieber meinen Sang; Von Teteus' wilder Tuſt will ich dit Kunde geben.“— 191 192 Ueuntes Buch. Achtzehnte Fabel. „„Vas? Teteus? Ill der auch als Frah für Geier gul?“ „O nein; das wat ein Fütſt, deſſ' hefl'ge Tiebesglulh And deſſen Schandlhal mich zu ew'ger Klage zwingen. Ich will davon ein Tied, ein ſchönes Lied dir ſingen, Das dich enkzücken witd; 700 s'nes Jeden Sinn.“— Der Geier drauf mik höhn'ſchem Lachen: „Vitklich? Das find' ich 1 Jehl, da ich nüchlern bin, Kommſt du und willſt Nluſik mit machen?““ „Vor Kön'gen ſing' ich!“—„„Gul! Fängt'mal ein König dich, Dann ſing' ihm deine Wunderſagen! nem Geier ſcheinl das lächetlich; Nichl Ohren hal ein leerer Alagen.““ Ueuntes Buch. Ueunzehnte Fabel. 193 — 15 wird vom Dol mit eins* Ich zähl's ſchon gar nichl meht. Erſl war's an lauſend Beelen; And dennoch likl's, daß man den Hans mit bih) zu Tod, Hänschen, den Vock, auf den ich zählen Konnk', und der für ein Blückchen Brot 1. 49 194 Ueuntes Buch. Neunzehnte Label. Alir ſlets gefolgl, und wär's bis in der Erde Alitte! Lieh) meinen Dudelſack ich könen, er verfland's! Kam ich, ſo willetk' er mich ſchon auf hunderk Schrille! Alein Vöckchen! Ach, mein armer Hans!“ Als Aleiſler Guillot ſo höchſl feierlich beendel Die Leichented' und Hans genug gerühmk, ſo wendel Er jetzt ſich zu det Heerde Slamm, Leilhammel, Vock und Schaf, bis zu dem kleinſlen Lamm, And er beſchwörk ſie, feſlzuſtehen; Gegen den Volf ſei dies die einz'ge Gegenweht. Da ſchwuten alleſammk auf Vollies Treu' und Ehr', Nichl einen Ochrilt zurückzugehen. „Zerreihen“— tiefen ſie—„wit ihn vom Kopf zum Ochwanz, Den Alörder unſres Vockes Hans!“ Ein Jeder bürgt mil ſeinem Haupke; Guillot dankl ihnen, weil er's glauble. Doch noch vot Abend zeigt ſich's klat, Die zuverläſſ'gen Nluth ſie hallen: Ein Volf erſchien; gleich floh die ganze Schaar. Es wat nicht mal ein Volf, es wat nut deſſen Ochalten. Zähl' nur auf feiget Söldner Zuchl! Die ſchwören Kampf auf Tod und Leben; Doch naht Gefahr, iſl's aus mil ihtem Mulh: Vech geben Die; nichk dein Veiſpiel noch dein Nuf hemmk ihre Fluchl. Ende des neunten Vuchs. Zehules Buch. Die beiden RNatten, der Fuchs und das Ci. ——— 8 — Zehntes Buch. Erſte Fabel. 197 88 — 27 τ 3 Nrsle lie heiden Ratten, der Fuchs unt Eine Betracktung, der Frau lle la Sablüͤre gewilmet. Nlis, Dich prieſ' ich gern— iſt gar zu leichl; doch fteut, 323 Ich weiß, es nimmer Dich, wenn Veihtauch man Dir ſlreut. Du gleichſl nichl andern Frau'n, die jenem Götzen ftöhnen And wünſchen, käglich möchl' aufs Neu' ihr Lob erlönen; 0 + In ſüße Träume wiegk der Schmeichellon ſie meill. 198 Zehntes Buch. Erſte Fabel. Ich ſchell' ſie nichk darob, gern mag ich ſolchen Geill: Die Goͤller haben ihn, die Fürſten und die Schönen. Jener Trank, den ſo gern das Voll der Dichler preill, Der Nelklar, welchen Zeus ſchlütfl am olymp'ſchen Herde, Aud der ſo leicht berauſchl die Göller dieſer Erde, Itis, es iſl das Lob. Du machll Dir nichks daraus, And ſeinen Vlatz füllſt Du mil andern Dingen aus: Geſprächen, heilern Sinns Enlfallung, Vo Zufall reichen Sloff Dir bringk zur Anlerhallung; Es wird, wenn man's mil Dir beſprichl, Oſt ſelbfl das Kleinſle groh. Die Vell zwar glaubt es nichl; Doch laß die Vell und ihren Glauben! Wiſſenſchafl, Thorheil, ſaure Trauben, Das Kleinfle, ſelbſt das Nichts iſl gul. Ich ſag', daß man Gul über Alles ſprechen kann; Es ifl ein Blumenbeel, wo dann und wann Auf mancher Blüthe ſich's ein Vienchen läßt geſfallen, And Honig ſaugel ſie aus allen. Dieſes vorausgeſchickl, findſt Du es wohl am Tlatz, Venn dieſen Fabeln ich verſuche manchen Satz Aus einer feinen, kühnen, ſtiſchen Vhiloſophie jetzl beizumiſchen. Alan nennl ſie neu; hafl Du wohl ſchon von ihr gehörk? Ich weiß es nichl. Bie alſo lehtk: Das Thier iſl nichts als'ne Alaſchine, Die Alles ohne Vahl khul, nur durch Federktafl; Zehntes Buch. Erſte Cabel. 199 Nicht Seele noch Gefühl, Alles iſt körperhafl ne Ahr, die, ohne daß ihr diene Vlan und Bewußlſein, blind ſich gleichen Schrilks bewegt. Oeffne ſie, ſchau, was drin ſich regk: Blall des Wellgeiſles, ſieh, wie Nad an Vad ſich reihle; Das etſle Nad bewegk das zweile, Dem ſolgt das drille nach, bis endlich dann ſie ſchlägl. Genau ſo iſt das Thier, wie jene Leule ſagen: Von außen wird ein Theil bewegt; Dann wird der Dloß, der auf ihn ſchlägt, Von dem etteglen Theil zum nächflen forkgekragen; Bo wird von Theil zu Theil zuletzt der Dinn erregl, And der Eindruck iſt da. Doch wie?— wirſt nun Du ftagen. Nach Jenen durch des Bloßes Krafl, Willenlos, ohne Leidenſchafl. Das Thier fühll ganz unzweiſelhafl Negungen, die das Vollt ſonſl Liebe, Lufl, Freude, Traurigſeit, grauſame Schmerzensltiebe Nennl, odet ähnlich Andres noch. Doch läuſche man ſich nicht: es iſt ganz anders doch! Vas iſl's?—'ne Ahr.— And wit?— Das iſl'ne andre Sache! Nun höre, wie Descarkes das Ding zutechl ſich mache— Descarles, der Blerbliche, der für die Heidenwell Ein Golk geweſen wär'! Die Alikke hält Er zwiſchen Alenſch und Geiſt; ſo elwa häll'noch heule Zwiſchen Auſler und Alenſch ſie Alancher unſret Leule. 200 Zehntes Buch. Erſte Fabel. 2 2 llerk' auf denn, alſo ſchlieöl der Weiſe von Veruf: Vor allen Veſen, die der Hert der Well erſchuf, Fard mit des Denſiens Krafk; und ich weih, daß ich denlte. 5 S S Folg', Iris, mir, wenn auf Veliannles ich Dich lenkee: Läg' Denſen in des Thieres Alacht, Es häll' doch nimmer nachgedacht Dem Gegenſtand und dem Gedanken. Descarles geht weiler noch, der zu behauplen wagl, Dem Thier ſei Denlien ganz verſagl. Du glaubſl es auch, ohne zu ſchwanten, Ich ebenfalls. And doch, wenn Hötnerklang im Wald And das Gebell der Vüden ſchalll And keine Nuhe gönnk der mallgehetzlen Beule; Venn dann umſonfl das Wild gelockhl Auf eine falſche Spur die Aleule, Dann ſchiebt der alle Hirſch, dem ſchon det Athem ſlockl, 'nen jüngern vor und weiß ihn mik Gewall zu zwingen, Als neuer Köder für die Hunde einzuſptingen. Vie viel Berechnung, wenn's des Lebens Vellung gill! Nückzug, Trug, Neckerei, Tauſch mil dem andern Vild Die hunderk Kriegesliſten wäten Der gröhten Feldherrn und'nes beſſern Looſes werlh. Nach ſeinem Tod wird er verzehrk; Das ſind all' ſeine höchſlen Ehren. Zehntes Buch. Erſte Fabel. 201 Es ſiehl in Nolh, Vom CTod bedrohl Das Vebhuhn ſeine Vrul, die durch ihr nen Geſieder Zum Flug unfähig, feſt gebannk iſt an die FIlur. Da ſlelll's verwundel ſich, es hängk den Flügel nieder And lockl den Jäger und den Hund auf ſeine Spur; So wendel's die Gefahr von ſeiner Vruk. Schon freule Der Jäger ſich und meink, es ſei des Hundes Veule; Da rauſchl's ihm Lebewohl, fliegt luſtig auf und lachk Des Alenſchen, der daflehl und große Augen machl. Am Nordpol ſoll ein Land es geben Bo noch ganz in Anwiſſenheil, Wie in der allererften Zeik, In Geillesnachl die Leule leben. Von Alenſchen red' ich; denn die Thiere bau'n dork auf Ychutzwehre, bändigend den Lauf Geſchwollner Slröm' und der Verheerung grauſe Schrecken, And die von einem Slrand zum andern ſich etſlrecken. Feſt fleht der Bau und wanll auf ſeinem Gtunde nicht; Auf eine Schichl von Holz folgt eine Nlörkelſchichl; Ein jeder Viber ſchafft mit an dem Verk; die Alken Dind flels bemühk, zum Fleiß die Jungen anzuhallen, Die Aleiſter lehten ſie mil BOlreng' und mik Gecchick. Ja, Vlako's ganze Nepublilt Alüßl' als ein Lehrling nur erſcheinen 231 202 Zehntes Buch. Erſte Kabel. Dieſes Amphibienſtaals im Kleinen. Im Vinler richlen ſie ihr Haus und gehn von dotk Aeber die Teich' auf Brücken fork Kunſlvollen Vau', leichk zu erklimmen. And Auſtesgleichen?— Angeſichts Der Verke all' können ſie nichls Als höchflens übers Vaſſer ſchwimmen. Daß dieſe Viber nur geiflloſe Körper ſei'n, Das glaub' ich nimmermehr, wie ich auch nie verhehlle. Allein noch mehr: mir fällk eine Geſchichle ein, Die ein ruhmreicher Fürft erzählle. Des Nordens Schützer iſt mein Bürg'; ich habe ſie Von einem Helden, den Vickoria ſich erwählle, Vor ſeinem Namen bebk die lürk'ſche Deſpolie; Ja, Voleus König iſl's— ein König log noch nie. Er ſagl uns, dab an ſeinen Gränzen Anler gewiſſem Vieh ein ew'ger Krieg beflehl, Das Vlul, das flels von Ahn auf Kinder übergeht, Alag immer neu den Sloff ergänzen. Die Thiere, ſagl er, ſind von Neineſte's Geſchlechk; Nie ſei ein Ktieg ſo kunſlgerechk Geführk von Alenſchen— was mich wundert Belbſt nicht in unſerem Jahthunderk. Vothuk und Nachlrab, wie Spione, Hinlerhalt, Ochildwachen, und was noch als Brauch im Felde gall, Bas die verwünſchle Kunfl erfind' und ſpeculire Zehntes Buch. Erſte Fabel. 203 Tochler des Dlux und die Gebärerin Der Helden— übk der äluge Sinn And die Erfahrung dieſer Thiete. Den Kampf zu ſingen, müßl' Homer vom Schallenreich Erflehn. Ach, könnk' mil ihm zugleich Des großen Gpicur Genoſſ' uns wiederkehren! Vas ſchlöſſe Det wohl aus meinen Veiſpielen dann? Daß in den Thieren die Nakur— würd' er uns lehren— Nur durch die Federkraft dies Alles wirken kann; Dah nur'ne körperliche Gabe Gedächlniß) ſei, und daß, zu leiflen alles Dies, Vorauf als Beiſpiel ich verwies, Das Thier nichts weiler nölhig habe. Kehrk wieder dann das Ding, dann fuchl's auf gleiche Ark Das Vild hervor, das es verwahrk In ſeinem grohen Vorralhsſchranke, Das gleichſalls wiederkehtl und ganz unzweifelhaft, Ohne daß khälig der Gedanſie Alilhelfe, gleiche Wirkung ſchafft. Bei uns ill's anders: Willenskrafl Iſt es, was uns zum Handeln kreibe, Kein Ding und kein Inflinck. Ich gehe, ſpreche, ſchreibe, Blels fühl' ich Elwas, das mich ltieb; Alles gehorcht an meinem Leibe Dieſem bewußlen Arprincip. Nicht Körper iſl's: es weih ſich ſelbſt; mehr als ihm lieb 204 Zehntes Buch. Erſte Fabel. Folgl oft der Körper ihm, dem Hüter And unſter Vegungen alloberſlem Gebieler. Doch wie det Kötpet es verſlehl? Das iſt der Vuncl. Das Verltzeug, ſehl, Gehorcht der Hand.— Ganz gul! Allein wer fult die Hände? Ver leulil die Himmel, wer der Blerne Lauf ohn' Ende? Vielleichl ein Engel, der in den Welllötpern ſchwebl! Es wohnk ein Geiſt in uns, det unſte Kraft belebl. Die Wirkung fühl' ich; doch die Arſach' zu erkennen Vermag nut, wer im Schob der Gollheil ſie geſchaul; And, ſoll ich ehrlich ſein, behaupl' ich eruſl und laul: Descarkes wußl' ſie auch nichk zu nennen. Hierin ſind er und wir ſand in demſelben Fall. Doch, Iris, was ich weiß, iſt: in den Thieren all', Die ich anführke als Exempel, Wirkik nimmer jener Geiſt; der Alenſch nur iſt ſein Tempel. Gleichwohl hal unleugbar das Thier ein Elemenk, Das an der Pflanze man nichl kennk; Deunoch hak auch die Pflanze Leben. Doch welche Anlwork wird auf Folgendes man geben? Zwei Vallen ſuchken Fraßh, da fanden ſie ein Ei. Für ſolches Volk mag das als Alahlzeil wohl genügen; Es iſt nicht nöthig, daß es gleich ein Ochſe ſei. Voll Ebluſt und mik viel Vergnügen Gingen ſie dran, ihr Ei zu lheilen; da erſchien Zehntes Buch. Erſte Kabel. 205 Plotzlich Jemand. Wer war's? Reinece nennk man ihn. Den Veiden mochl' die Luft wohl ſchwinden! Wie reklel man das Ei?— Einpachen und als Jaſt Es mik veteinlet Krafl ſorlſchleppen, es mil Haſt Vegrollen oder ziehn, war ſaſl Anmöglich, die Gefahr auch ſchwer zu überwinden. Doch Nolh lehtl beken und erfinden; Das Vaar hal was von ihr gelernl: Da der Ochmatolzer noch ein gules Blück enlfernl And ihre Wohnung nah, legk Eine füt die ganze Olreckte ſich rücklings hin, nimmk fefl auf ihten Vauch Das Ei; krotz ein'ger Slöß' an VWurzel, Slein und OÖltauch Zieht fotk die Andre ſie am Schwanze. And nun ſoll Einet mit noch kommen, der beweill, Die Thiere hällen ſieinen Geilt! Ich würd' als Schöpfer ihnen ſchenlien Do viel, als elwa man bei Kindern finden kiann. Denlien die Kinder nichk von frühſtet Jugend an? Ohne Belbflliennknihh auch kann, wie wir ſehn, man denleen. Am es an einem Beiſpiel hier Zu zeigen, würde ich dem Thier Aichl grade'ne Veruunfk, ganz wie die unſte, geben, Indeß doch elwas meht als blinde Federkrafk: Ein Blück Alalerie, ſo verflüchtigl, daß mau's eben Noch ſiaum wahrnehmen kann, äkher-akomenhafl, 932 206 Zehntes Buch. Erſte Fabel. 2 3 Des Lichles Quinleſſenz, ein Elwas, das mehr Leben Hab' und beweglichet noch als das Feuet ſei. Die Flamme wird durch Holz erzeugt; und gibl die Flamme, Dich läuternd von dem Sloff, der innewohnt dem Blamme, Ein Vild der Seel' uns nichk? Sehn wir nichl Gold aus Blei Hetvorgehn? Alein Geſchöpf würd' ich drum ſo einrichten, Dah es empfinden könnk' und ſchließen— meht mik nichlen— Das Schließen auch nut maugelhafl; Dem Aſſen bliebe flels verſagl des Denliens Ktafl. Aus Alenſchen würd' ein Loos ich geben, Ein vielſach beſſetes; ich flalkeke von Haus Gleich mik zwiefachem Schatz uns aus: 'uet Beele erſl, wie die, mil der wir Alle leben, Klug, weiſe, dumm, an Thotheil reich, Des Vellalls Bürger, und datin den Thieten gleich; 'ner andern Deele dann, die ſolll' uns nahe bringen Den Engeln in gewiſſem Dinn; Zu den himmliſchen Schaaren hin Alüßl' dieſe Seel' empor ſich durch die Lüfle ſchwingen; Die käm' uns ſpäker erſl, nichk gleich von Anbeginn, Doch ew'ge Dauer wät' ihr ſicheter Gewinn. 5 iſt Eruſl, mag's ſonderbar auch klingen. Holang' wit in der Kindheil ſind, Leble und leuchteke in uns dies Himmelskiind Alil zatlem nur und ſchwachem Scheine. Vit wachſen; mehr und mehr über den Sloff gewinnul Zehntes Buch. Erſte Fabel. 207 Den Dieg die Beele, dieſe feine, Bis endlich ganz vor ihr zerrinnl Die andre grobe und gemeine. 208 Zehntes Buch. Zweite Fabel. Renſch und die Matter. Lin Alenſch beltam einſl zu Geſichle Wne' Naller.„Warl!“ rief er„Nichtswürd'ge! Ich vettichle Hogleich ein nützlich Werk an dit!“ Augenblicks ward das arge Thier (Ich ſpreche nämlich von der Ochlange, And nicht vom Alenſchen; leichkl könnt' man es mipverſlehn) Die Schlange ward geſabl— es wat gar bald geſchehn In einen Sack gefleckk und dann es währl' nichk lange Zehntes Buch. Zweite Fabel. Dem Tod geweihl, ganz gleich, ob ſchuldig oder nichl. Indeß da grundlos nie det Alenſch ein Arlheil ſpricht, Oo richlel er an ſie die Votke: „Des Andauks Vild! Ver je Nichlswürd'gen wohlgelhan, Der iſt ein Thor. Drum ſlirb! Dein Grimm ſoll und dein Zahn Alir nimmer Schaden lhun!“— Die Schlang' an ihrem Orle Oagl ihm, ſo guk es gehl:„Holllen vetutlheill ſein In aller Vell die Andanlihaten, Bem, ftag' ich, könnle man verzeihn? Dich ſelber klagſt du an, dein eigenes Gebahren And deine Lehren ſind mir Zeugen; ſchau um dich! Alein Teben ſteht bei dit, nimm es mit; nach Vergnügen, Nach Laun' und Votkheil magſl du über mich verfügen; Nach dieſem vetdamme mich! Doch laß mich, eh' ich ſterbe, wagen, In allem Freimuth dir zu ſagen: Des Andanks Vild iſt nimmermeht Die Schlang', es iſt der Alenſch.“— Die Vorke, ſehr gewichlig Geſprochen, machlen ihn erſt ſchweigen, doch nachhet Opricht er:„Vas du da ſagll, iſt eilel falſch und nichlig. Alein iſl das Nechk, und die Enlſcheidung flehk mir frei; Doch ſragen Andre wir!“— Die Schlang':„Ich bin's zuftieden.“ 'ne Kuh war in der Näh', man rufl, ſie kommk herbei, Alan krägl den Fall ihr vor.„Die Sach' iſt leichk eulſchieden“— Bagk ſie—„und dazu braucht ihr erſt mein Arkheil noch? Die Natler hat ganz Necht. Varum erſt heucheln doch? 33 21⁰ Zehntes Buch. Zweite Kabel. Den hier ernähr' ich; ſchon ſeik Jahren iſt vergangen Kein Tag, an dem von mit er Spenden nichl empfangen. Alles iſt ſein: die Alilch und die Nachliommenſchafk Von mir macht, daß ſein Haus und ſeine Virlhſchafl blühe; Als er vor Aller ſchwach und kranſt, gab neue Kraft Ich wieder ihm; all' meine Alühe Var Dem geweiht, was nolh ihm lhuk und ihm geſälll. Nun bin ich all; im Dlall ohn' alles Fuller ſlelll Er hin mich. Lieh' er mich nur noch zum Veidegauge! Doch bindet er mich an. Häll' ich zum Herrn'ne Schlange, Konnt' wohl im Andankt Die, ſo frag' ich alle Bell, Noch weilet gehn? Lebk wohl! Ich ſprach ſo wie ich dachle.“ Der Alenſch, den dieſer Spruch doch ſehr belroffen machle, Bagl zu der Ochlange:„Die faſell uns Anſinn vor! Die iſt'ne Schwätzetin, die den Verſland verlor. Fragen den Ochſen witl“—„„Gul!““— ſagl der Wurm; ſie zogen Den Ochſen jetzl zu Nath. Langſamen Schtills üomml Der, And da den Fall im Kopf er hin und her erwogen, Aleint et:„Der Jahre Joch krüg' er Für uns allein, die Lall der Arbeit, drückend ſchwer, Durchlaufend all' den Kreis der Nlühen und Beſchwerden, Durch welche uns geſchenkt der Ceres Gaben werden, Den Thieren aber nut verkaufl um hohen Preis. And dann als einzigen Veweis Des Danlis für alles Dies von Allen, wie wir wäten. Viel Schläg' und wenig Heu! And würd' er all, dann höhnl Zehntes Buch. Zweite Fabel. 21¹ Der Alenſch ihn gar und meinl beſonders ihn zu ehren, Venn er mil ſeinem Vluk der Göller Zorn verſöhnl“— Do ſprach det Ochſe. Drauf der Alenſch:„Alag er doch ſchweigen, Dieſer Langweil'ge, der nichls kann Als Vorle machen, ſich als grohen Nedner zeigen! Anſlall zu richlen er an! Auch ihn weiſ' ich zurück.“ Nun ward det Vaum von ihnen Beſragt, der war erft ſchlimm!„Als Schutz müſſ' er uns dienen; Er ſei's, der Sonne, Slurm und Negen uns ahhäll; Für uns allein ſchmück' er den Garlen und das Feld; Nichk Schaklen geb' er nur, faſt breche ſeine Krone Anler der Früchle Laft. Für alles Dies zum Lohne Berd' er gefälll! Dies ſei der Daul, der ihm beſcheerk Für Das, was er im Jahr uns ſpend' an reicher Gabe: Blülhen im Lenz, im Herbſt der Früchle ſüße Labe, Im Sommer Schalken, Holz im Vinkler für den Herd. Varum könnt' man ihn nichl ohne die Al beſchneiden? Bei ſeiner Lebenskrafl wät' laug' er noch gediehn!“— Der Alenſch ſiehk mil Verdruh, daß Alles gegen ihn; Et will durchaus, füt ihn ſoll ſich der Bleeil enlſcheiden. „Ich bin ſehr gul“— ſagl et—„zu höten auf dies Vack!“— Zugleich ſchlug an die Wand das Thier et und den Sack, Do daß die Schlange mußl' verrecken. Oo iſl es bei den Groben auch: Gründe verletzen ſie, da in dem Vahn ſie ſlecken, 212 Zehntes Buch. Zweite Kabel. Alenſch und Thier, Alles ſei für ſie nur zum Gebtauch, Ochlangen auch. Den Alund auflhun vot ſolchem Gauch, Iſt lhöricht. Doch was khun, als Kluger ſich zu zeigen? Von Veilem reden oder ſchweigen. Zehntes Buch. Dritte Kabel. Uine Schildkttöle, die elwas ſchwach von Verffande, 9 Vard, ihtet Wohnung ſall, von Neiſeluft erfaßl. Leichk machl zu viel man her von einem ftemden Lande, Leicht witd dem Hinkenden der Heimaksorl verhaht. Zwei Enken, welche zu Verkraulen Die Frau Gevalkerin gemachl, II. 54 213 214 Zehntes Buch. Dritte Kabel. Liehen von Hilf' und Nalh mauch fteundlich Work verlaulen: „Hafl du den weilen Veg bedachl? Sollft nach Amerika durch die Luft mil uns gehen, Kriegſl manche Nepublil zu ſehen, Alanch Königreich, manch Vollt; und Nutzen btingl dir's auch, Veun hier und dork du ſch 3 det Fremde Sikl' und Brauch. Aluyh machl's ebenſo.“— Vohl wundetk's Den und Jenen, Hier des Alyſſes zu erwähnen. Gern gehl Schildßktölchen auf den Vorſchlag ein; nichk faul, Erſinnt das Vögelpaar nnen VPlan vot allen Dingen, Die Vilgerin vom Fleck zu bringen: Die legen einen Dlab derſelben quer durchs Alaul. „Hall feſl“— ſagen ſie ihr—„und hük' dich loszulaſſen!“ An jedem Ende faßk den Skab'ne Enle dann. Die die Ochildktöle durch die Lüfle fliegk, weil) man Hich vor Etllaunen kaum zu faſſen. „Schaul dork! Die Königin von dem Schildktölenvolle“— Rief man—„ſie ſchwebl in jenet Vollke!“ »„Die Konigin! Ja wohl, ich bin's; ſchaut mich nur an, And ſpollel meiner nichkl““— Sie that viel beſſer dran, Häll' ſie geſchwiegen und wohl aufgepabl auf Alles. Die ſie das Mlaul auflhut, läbt fahren ſie den Olab; Die fallt, und mauſelodl flützk ſie zur Erd' hinah. Geſchwätz'ge Eilelleik wat Atſach' ihres Falles. Thotheit, Geſchwätzigkeil, alberne Eilelkeil Zehntes Buch. Dritte Fabel. 2¹5⁵ HSowie neugier'ge Albernheil Dind alle nah verwandk zuſammen, Da ſie von gleichen Ahnen ſtammen. 2¹6 Zehntes Buch. Vierte Kabel. Vierle Fuhel. lie Filche und der Seerabe. Wöbs. gab wohl keinen Teich ringsum im ganzen Kreiſe, Den der Secrabe nicht befleuetl bis aufs Blul: Veiher und Kaflen zahll' ihm reichlichen Ttibul. Dein Tiſch war gut beſlelll. Doch da die Zeit zum Gteiſe Das arme Thier gemachl, iſt jetzl Derſelbe Tiſch ofl ſchlechk beſetzt. Beeraben ſorgen ſelbll ſüt ihre Lieſerungen; Der unſte, deſſen Aug' vor Aller blöd' und mall. And der nichl Garn noch Vetze hal, ſche und der Seerabe. te Fiſ D Zehntes Buch. Vierte Kabel. 217 War oft vom Hunger fafl bezwungen. Vas lhun? Die Nolh, der ſchon ſo mauche Lift gelungen, Lehrl eine ihn. Er ſiehl an Teiches Nand, nichl weil, 'nen Krebs; den denkller anzuwerben: „Gevakler“— ſagl et ihm—„geh, mach' dich ſchnell bereil, Bring' eine wichl'ge Neuigkkeil Dem Voll dorl unlen. Es muß ſterben! Heul in achl Tagen ſiſcht der Herr im ganzen Teich.“— Der Krebs beeilk ſich alſogleich And meldet's. Groß iſt die Bewegung: Verſammlung, heflige Erregung. Hin ſchickkt man:„Aleiſtet Cormoran, Iſt es denn wahr? Ver hal die Aleldung Euch gelhan? Blehn wirklich gar ſo ſchlimm die Sachen? Wihbt Ihr ein Alitkel? Sagt, wie ſollen wir es machen?“— „„Auswandern!““— ſpricht er.—„Doch wie fangen wir es an?“— „„Ich krag' in mein Aſül euch Alle, Alann für Alann, Drum machl euch weiler keine Sorgen; Außer Gott iſt nur mir der Veg dotkhin bekannl, Es gibl bkein Vlälzchen, ſo verborgen. Ein Veiher, den Nakur dork grub mil eigner Hand, Den keines Alenſchen Tücke fand, Dorthin mag euer Olaak auswandern.““— Alan glaubl's, und Einen nach dem Andern Des Vaſſervöllichens krug er fork Nach ſeinem ſlillen Felſenorl. 55 218 Zehntes Buch. Vierte Fabel. Der ſaubre Heil'ge holk von Denen. Die er in einen Naum gedräugl, Der hell und flach und höchfl beengt, Alühlos ſich heule Den zum Nlahl und morgen Jenen. Er zeigle ihnen, daß man nie Verkrau'n darf Einem, der ein Schinder und Erpreſſer; And ſchweres Tehrgeld zahllen ſie. Ihr Schade war nichl groß: des Alenſchen Schlächkermeſſer Häkt' ihnen andernfalls doch bald den Tod gebrachl. Ber dich verſchlingt, ob Alenſch, oͤb Wolf? Ein jeder Freſſer OScheink mit ganz gleich in dem Bekrachl, Ob geſlern oder heuk, das machl Die Sache ſchlimmer nichk noch beſſer. Zehntes Buch. Künfte Fabel. PFünſte Fnbel. N Nann, der leinen Schatz vergräll, und lein Hhevaller in Knauſer halle ſo viel angehäuft, Tah, es zu bergeu, ihn gar ſehr beſchwerke. Der Geiz— der Dummheik iſt er Vruder und Gefährke Alacht, dah in Borg' umher er läufl, Ben zum Verwaller ſoll er wählen; Denn Einen wollkl' et. Dies der Grund, welcher ihn ltieb: „Verlockend iſt's; das Geld witd ſich— es kann nichk fehlen Vermindetn, wenn's im Hauſe blieb; Am Ende würd' ich ſelbtt an meinem Gul zum Dieb! Zum Dieb? Genießſen, heibl denn das, ſich ſelbſt beſlehlen? Zehntes Buch. Fünfte Cabel. Alein Freund, du khuſt mir leid, ſo grundlos dich zu quälen! Alerk' dir's, ich ſag Res dir zulieb: Geld und Gut iſt nur guk, weih man es auszugeben; Oonſl iſt's ein Aebel. Oprich, häkleſt du elwa Lufl, Es unnütz für die Zeil des Allers aufzuheben? Die Alühe des Erwerbo, die Sorg' um den Verlufl Alachen's werlhlos, obwohl man's nölhig häll zum Leben.“ Von ſolcher Sorgen Oual bedrohl, Thal unſrem Freunde nichls als ſichre Leule nolh. Er zieht die Erde vor, nimmk den Gevaller eben Zu Hilf, und Veide gehn und graben ein den Schat. Nach ein'get Zeik ſucht er ſein Geld an jenem VPlah; Er findel nur die leere Blälle. Alil Nechl muthmaßl er, daß es der Gevaller häkte; Er rufl ihn:„Romm; ich hab' als letzlen Vodenſalz Noch ein'ge Heller, die will ich zum Andern legen.“ Sogleich eill Jener, das geflohleue Vetmögen Zutückzubtingen, denn dann fälll, Ho meinl er, ſpäker doch ihm zu das ganze Geld. Nun aber, zur Vernunfl geſtommen, Behällt der Andere ſein Geld, ſich ſein zu fteu'n; Er ſchartl und gräbl es nimmer ein. Doch aus den Vollten fiel der Dieb, der wahrgenommen, Vas ſüt ein Schad' ihm zugeſügl. Leichl zu bektügen iſt Der, welcher ſelbff belrügl. Zehntes Buch. Sechſte Kabel. 221 N N 13 8 8 N* 8 6 Sοοοσ ſin Volf, erfülll von Menſchlichkeil, (Venn anders Solche ſind zu denſten) Vegann, ob ſeiner Grauſamleil, Die er gezwungen übl, nur aus Nolhwendigkeil, Dich in Nachſinnen zu verſenkken. „Ich bin“— ſprichk et—„gehabl. Von wem? Von Jedermann. Den Volf ſiehl ſtels als Feind man an: G I. 36 222 Zehntes Buch. Sechſte Kabel. Hund, Jäger, Bauer flehn vereint, ihn zu verderben. Zeus drohen iſt beläubl ob ihres Wulhgeſchrei's; In England zwang man drum uns Völſe auszuflerben, Alan ſetzl' auf unſern Kopf'nen Preis. Kein Junkeer dork, der nichk allläglich Durch Auftuf forderk unſern Tod; Kein kleinet Fratz, dem, wenn er kläglich Zu ſchtei'n wagl, mil dem Volf nichk gleich die Muller dtohl. And all' Dies, weil ein räudig Schaf, 'nen ſchäb'gen Eſel ich,'nen biſſ'gen Köler lraf, An denen meine Lufl ich bühle. Gul! Freſſen nimmer wir, was je das Leben grühle! Speiſen wit Laub und Gtas, verhungernd lobeſam! Ill das'ne gar ſo ſchlimme Sache? Iſt's beſſer, dah man ſich verhaht bei Allen mache?“— Bei dieſen Vorken ſieht er Hirken, die ein Lamm Verzehten, das am Spieß gebralen. „Ho!“— riefſer—„Aleine Nliſſelhalen Am Lamm werf' ich mit vor, und ſeiner Hüter Schaar, Die Hund' auch eſſen' ſelber gar! Ich ſolll' mit ein Gewiſſen machen? Ich, der Volf? Nein, bei Gott, das wäre doch zum Lachen! Das nächfle Lämmchen pack' ich an— Ich brauch's nicht an den Spiel) zu ſlecken— And nichl nur Dieſes, nein, die Aluller ſoll mit ſchmecken; Zuletzl komml auch det Vaker dran!“— Zehntes Buch. Sechſte Fabel. 223 Der Volf hal Rechl. Iſt's wahr und kann man uns beweiſen, Dah all' die Thiere wir verſpeiſen: Wie wollen wir das Vieh zwingen, daß es nur ſpeifl Wie im Zeilaller, das man uns als goldnes preill? Doll's nichls ſür ſie zu beiben geben? Der Volf hal Anrecht— dah ihr's wibl— Nur weil er nichl der Blättb're ifl. Volll ihr, er ſoll als Klausner leben? t Zehntes Buch. Siebente Kabel. Dpinne und die Neus, der du, weiſe, wie von je du watſt, Geh eimnißvoll aus deinem Hirn gebarft Vallas, die einſt mir grolll'— ach! woll' im Leben Einmal Gehör nur meiner Klage geben! Vrokne nimmk mit all' meine Viſſen forl; In Lüflen kreiſend und an Bächleins Vord, Ochnappl Fliegen ſie, die ich ſchon ſaſt gewonnen. Olels wär' gefülll mein Netz— du ſiehft es dork Vär' der verwünſchle Vogel nichk am Ork; Aus ſeſlen Sloſſen hab' ich es geſponnen.“— Zehntes Buch. Siebente Fabel. 225 Do lieck, da ſie im Nechk ſich däuchl, Beklagt Arachne ſich, einſl Nleiflerin im Veben, Die jetzl, als Spinnetin nur eben, Aleinl', ihr gehöre jed' Inſect, das fleucht und kteucht. Auf Veule lauernd, ſchnappk die Schweſtet Philomelens Dem kleinen Thier zum Trotz die Fliegen, nach wie vor, Für ſich und ihre Bruk, die, nimmer ſalk des Ouälens, Alil offnem Ochnabel flels, ein vielgeftäß'ger Chot, Alit halben Slimmchen, doch flammelnd mik lautem Toben Nach Nahrung ſchreit. Hörk, was der Spinne widerfuht: Nichts hal die arme Crealur Als Füß' und ihten Kopf— nutzloſes Müſlzeug nur! Da fühlt ſie ſich emporgehoben: Die Schwalb' enkfüßtk das Netz, mik ihm das arme Ding, Das unlen ganz am Ende hing. Zwei Tiſche deckke Zeus für Alle: dem Geſcheidken, Dem Blatken, Vachſamen hal er den Platz gewährk Am erflen; doch der Kleine nähtt Von den Vroſamen ſich am zweilen. 57 226 Zehntes Zuch. Achte Fabel. Ye lauler Hähnen, die von wenig Lebensark, Anbändig, roh, zankſüchlig, ward Ein Nebhuhuweibchen unkerhalken. Die Gaſlfreundſchaft und ihr Geſchlechl Gab ihr die Hoffnung, bei den Hähnen, die ſo recht Berliebl, herrſch' Auſand auch, ſein tilterlich und ächk: Die würden ihrer Pflichl als Vitlhhe freundlich wallen. Doch nein; ſie ſah dies Volk oft grimme Wulßß enlfallen, Zehntes Buch. Achte Fabel. Das wenig Mückſicht nut der fremden Dam' erwies And mik den Schnäbeln ſie oſk ſchrecklich hieb und flieh. Etſt grämke ſie ſich ob der Schande; Allein ſobald ſie ſah, dah dieſe wilde Vande Anker einandet ſich zerfleiſchk, zethackt— und wie!— Tröſlet ſie ſich und ſprichk:„'siſt'mal ſo ihre Sille; Anklagen nichk, vielmehr beklagen will ich ſie. Zeus hal nichl nur nach einem Schnille Alle geſormk und einem Brauch: gibl Hahnenſeelen und Rebhühnerſeelen auch. Benn es von mir allein abhinge, würd' ich eben In beſſerer Geſellſchafk leben. Der Herr des Hühnethofs will, es ſoll anders ſein: Er ſing im Garn mich, ſpertk inmillen Der Hähne mich und hal die Flügel mit beſchnillen; Ven ich anklagen muß, es iſt der Alenſch allein.“ 227 t 4 Zehntes Buch. Ueunte Cabel. 6 0 ö 6 Hund mil den verſchnittenen Ohten. Vas thal ich, um vom eignen Herrn 8 10 Alſo verſlümmell mich zu ſehen? Ein ſchöner Zuftand! Witd noch gern Einer der andern Hund' in Zukunfl mik mir gehen? Iht Herrn der Thiere, nein, Quäler voll Tutannei, Ver lähl euch Gleiches wohl erleiden?“— Aluffel, die Dogge, ſchrie alo. Man war dabei, Herzlos und ungerühtk von ſeinem Schmerzensſchrei, Ißm ohn' Erbarmen juſt die Ohren zu verſchneiden. Aluffel klagl den Verluſl; doch merkl' er bald, es ſei 5 0 Zehntes Buch. Ueunte Fabel. 229 Gewinn noch gar für ihn: geſchaffen, Beinesgleichen Zu packen, wär' vielleichl nach manch miblungnen Olteichen Er heimgekehrk und hälte dann Von jenem Körperkheil ein Blückchen wohl verloren; Ein biſſ'get Köler hal ja flels zetriſſne Ghren. Ein Glück, je weniget der Teind uns nehmen kann! Hak man nur einen Vlatz zu ſchützen: nimmet laſſen Vir ihn, weil Rergernih) wit haſſen. So Aluffelchen: als Veht hal et ein Halsband bloh, Vom Chr'nen Neſl, nichl ganz wie mein Handlellet grob; Der Volf wüht' nimmer, wo ihn faſſen. 8 230 Zehntes Buch. Zehnte Kabel. And wo ſie herrſchen, iſt Vernunfl weil forlgebannk; Ich weil) kein Herz, das nichl den Veiden hingegeben. And wie ſie heihen? Nun, ſie ſind euch wohl bekannk: Der Ein ift Lieb', Ehrgeiz der Andete genannl. Des Letzlern Neich iſt weil: ihm fröhnen alle Seelen, Helbft Liebe ift von ihm bedrohl. Der Schäfer und der König. Zehntes Buch. Zehnte Fabel. Gar leichk bewieſ' ich's; doch mein Zweck iſl, zu erzählen, Vie einem Schäſer einfl ein Fürſt zu Hof enlbol. Es iſt ne alle Alär' und nichl aus unſern Tagen. Der König ſah im Feld der Heerden üpp'ge Schaar, Gul graſend, wohlgenährk, und die in jedem Jaht, Daul ihres Schäfers Nlüh', großen Gewinn gelragen. Der Hirk geſiel ihm, der ſo zuverläſſig war. „Ein guler Seelenhirk“— ſptichl er—„wärſt du wohl gat! Die Schafe laß, du ſollſt Alenſchen zu hüken wagen; Zum höchflen Nichker ſei ernannl.“— Vald ſaß der Ochäſer da, die Vage in der Hand. Zwat hal von Alenſchen nur'nen Klausner er geſehen, Nut Schaſe, Hund und Volf waten ihm wohl bekannl; Doch hat geſunden Dinn er, und ſo mochk's ſchon gehen, Kurz, er brachl' Alles wohl zu Sland. er Nachbar Klausner kommk:„Dag', Iteund, mir, ob ich wachel Aud was ich ſche, iſt das nichk ein Traumgeſichl? Du, Günſlling? Du, jetzt groß? Ach, krau' den Kön'gen nichk! Ochlüpfrig iſt ihre Gunſli Das Schlimmſle bei der Sache: Die lrügl und koflek viel. Du gehſt auf falſcher Spur; Auf ſolche Täuſchung folgt ein glänzend Elend nur. Du liennfl den Neiz nichl, der dich bannk in dieſe Kreiſe; Ich talh' als Fteund dit: ſieh dich vork“— Der Audre lachl; Doch unſer Klausner:„Gib nur Achl, Dann ſiehſl du ein: ſchon jetzl machk dich det Hof unweiſe. 2 231 Zehntes Buch. Zehnte Label. Gleich jenem Vlinden ſcheinſt du mir, der auf der Neiſe ne ftoſlerflarrke Schlange fand, Die für'ne Veilſche hiell und auſhob mik der Hand; Die eigne Veilſche fiel ihm fork, ſie blieb verſchwunden. Wie er dem Himmel danäk, dab er Grſatz gefunden, Nufl ihm ein Vandter zu:„Am Golt! Vas habt Ihr dorl? Ochnell werft das atge Thier, die kück'ſche Schlange forl!“— „„Es iſfl'ne Veilſche.““—„Nein, ſag' ich, es iſt'ne Schlange. Ich weiß nichl, wozu quäl' ich mich mil Euch noch lange? Vünſcht zu behalken Ihr den Schatz?“—„„Varum denn nicht? Ich hab''ne gute für'ne alle Veilſch'; es ſprichl Aut Neid aus Euch, das merk' ich eben!““— Nichl glaubl's der Blinde; doch, etbarm' Dich Goll, er büßl' es mik dem Leben: Das aufgethaule Thier, es biß) ihn in den Dir wird— glaub' mir, du wirfl es ſehen— Dir wird viel Schlimmeres als Jenem noch en!“— „„Vas? Schlimm'res als det Tod wäre mit aufgeſparl?““— „Ja, Neu' und Etel“— ſagt der Klausnet. And wie mächtig Zeigk die Weisſagung ſich! Durch Schliche aller Ark Alachl maucher Schurkt am Hof des Vichkers rein und zarl Gewiſſen, ſein Verdienſt dem König bald verdächlig. Alan ſchmähl ihn, man beſlichk Ankläger, niederktächlig Geſindel, das einſt ſchatf ſein Richlerſpruch gefabl. „Von unſtem Gelde“— heibl's—„baul er ſich'nen Valafl!“ Die reichen Schätze will der König ſelbſt ergründen. —6 — Zehntes Buch. Zehnte Kabel. Er ſiehl nur überall dürft'ge Veſcheidenheil, Den Preis der Atmuth und das Lob der Einſamkeik; Das war die VPracht, die hier zu finden. „Hein Schat“— tief man—„befteht in Gold und Gdelſlein; Er hal'nen Koffer voll, groh und zehnfach verſchloſſenl“— Er zeigt den Koffet vot; verlegen ſchaulen drein Des Truges ſchurktiſche Genoſſen. Den Koffer offnet man; was war die ganze Vrachl? Nur Lumpen, eine Schäferkrachl, Ein kleiner Huk, Nock, Slab,'ine Taſche füt das Eſſen, Den Dudelſack nicht zu vergeſſen. „Alein Schat, du lheutes Pfand des Glücks, das ich genoh“— Nief er—„du wecklefl nie Trug, Lüge, Haß und Nache! Komm wieder her; ich geh' aus dieſem teichen Schloh, Vie ich aus einem Traum erwache. Den Rusruf, Hetr, verzeiht! Schon meines Talls bewubl Bar ich, als mir erſlrahlk all' dieſes Glanzes Schimmer. Hochmulh klam vot dem Fall; allein Wem ſchwellle nimmet Ein Köruchen Ehrgeiz wohl die Vrufl?“ 234 Zehntes Buch. Elfte Fabel. Allte PFubel. Vie Fiſche und der flötende Schäler. Fonen lieh ſeiner Slimme Sang And ſeine Flöl'— ergriffen hälle Die Todlen ſelbſt ihr ſüßer Klang— Hang einſt den klaren Vach enllang, Deſſ' Velle bunle Wieſen nezle, An deren Blülhendufl der Zephut ſich ergethle. Indeſſen ſitzl Annekl' und angell; abet, ach! Kein Fiſchlein läht ſich ſehn im Vach; Der Schäſerin will's heuk nichl glücken. iſche und der flötende Schäfer. Die Zehntes Buch. Elfte Fabel. 235 Der Schäfer, deſſen Lied wohl ſchon Do manche Spröde mochl' eulzückeen, Bähnl, auch die Fiſche lock' herbei ſein Ton. Er ſingk ſie alſo an:„Vewohuet der Gewäſſet, Labt eure Numphe doch in feuchler Grolle! Beſſer, Tauſendmal ſchöner lockl euch hier ein reizend Wild. Der Holden Feſſeln ſind nichk ſchwer; grauſam etſcheinen Kann ſie nur gegen Anſereinen, Euch hegl ſie zärllich, ſanft und mild. Es geht ja nichl an euer Leben; Ein Veiher nimmk euch auf, klar wie Ktuflall und rein; And ſolll' der Köder euch vielleichk bedenklich ſein: Tod von Annekkens Hand, kann's elwas Schön'res geben?— Deine Veredſamleik wirük wenig nut: die Schaar Der Hörer zeigl ſich kaub, wie flumm von je ſie war. Tircis ptedigk umſonſt; die Vorle, ſüß) und linde, Verhallen als ein Naub der Vinde. Et legk ein Netz; gleich war's mik Fiſchen allermeiſl Gefüllt, der Hirlin konnk' er ſie zu Fühen legen. Kön'ge, die ihr nichl Schaf-, nein, Alenſchenhirken heißl! Durch Aebetredung wähnk, durch Gründe iht den Geiſt Der bloden Alaſſen anzuregen? Auf dieſe Veiſe, glaubk, erreichl man nichk gar viel, Verſuchl es nur auf andern Vegen. Verft eure Netze aus; Gewalk nut führk zum Ziel. Zehntes Buch. Zwölfte Kabel. —— —= Æ f ER D . —— 2 2 2 —— — 2 2 =„ 2= 2 2 ι ⁰ S — — 2 2+ —— 2= E 2= S — Q 2 2 wei Papageien, Valer war's und Sohn, Die an des Königs Tiſch iht Juller fanden; Bei Hohn und Valer, zwei Halbgöllern ſlanden In Gunſt die beiden Vögel, nah dem Thron. Das Aller hall mil wahrer Fteundſchaft Vanden Amſchlungen ſie: die Väler lieblen ſich; Die Kinder auch, obwohl leichlſimnig, ſe hloſſen Dich an einander feſl und brüderlich Beide, der Schule wie des Alahls Genoſſen. 0 Behntes Buch. Zwölfte Fabel. 237 Das war viel Ehre für den jungen Vapagei; Ein Vrinz war jenes Kind, ſein Valet war ein König, And gul gearkek von Nalut, hal er nicht wenig Die Vögel lieb. Ein Dpatz, leichkferlig, leck und frei And der vetliebleſle in ſämmllichen Vrovinzen, Erfteute gleichfalls ſich der Gunſt des jungen Vrinzen. Dies Nebenbuhlerpaar ſpiell' einſtmals und gerielh, Wie's jungen Leulen wohl geſchieht, Dabei in Ölreil. Es watd zerſchlagen, Zerhackl det unvorſicht'ge Spatz Do arg, dah flügellahm vom Platz Er und halblodk ward fotlgelragen; Alan meink, daß er unheilbar ſei. Der Vrinz etſchlug den Vapagei Im Zorn. Der Alle hat es bald vernommen. Verzweifelnd weink' und ſchrie det Rermſle; nichls mehr ſtommen Konnk' es, umſonſt war all' ſein Veh und Ach; Der ſprachbegable Vogel lag im Barge. Vielmehr, der Vogel, der jetzk nicht mehr ſprach, Verſetzt in Wulh den Valer, in ſo arge: Des Prinzen Augen hackl uer aus mik mächl'gem Otob. Bogleich flieht er und birgl unler dem Vipfeldache 'ner Tanne ſich; dotk, in der Göller Schooh, Hitzl er au ſichrem Ork und freul ſich ſeiner Nache. Der König eilk herbei und lockk ihn:„Kehr' zu mir Zurück, mein Fteund! Vas hilft uns noch das Veinen hier? 238 Zehntes Buch. Zwölfte Fabel. Haß, Nache, Trauer,— laß' all' das uns jetzk vergeſſen. Wie groß mein Schmerz, doch ſag' ich dit— Die Schuld iſt unſer— wohl etmeſſen Hab' ich's— ſie lrägt mein Sohn in ſeines Zornes Vahn. Alein Sohn? Nein, nicht mein Sohn, das Schickſal hal's gethau! Eins unſter Kinder ſolll'— ſo ſtand's im Buch der Barze— Olerben, das Andete erblinden; ſieh, das ſchwarze Vethängniß mußl' uns alſo nah'n. Kehr' wieder heim, laß uns einander Ttofl zuſprechen!“ Der Vogel:„Aleinſt du witkklich, lann, Dah nach ſo bluligem Vetbrechen Ich dir mich anverklrauen kaun? Dem Schickſal gibſt du Schuld; denleſl du im Ernfl darau, Durch ſolche Lockungen mein Alibylrau'n abzuſchwächen? Alag die Vorſehung nun, mag blinden Schickſals Alachl Die Orduung dieſer Vell beſorgen, Feſt ſtehl's: auf dieſes Baums unnahbar hoher Vachl Oder in kieſem Vald geborgen, Bring' meine Tag' ich hin; fern ſei von dir verbannk, Vas ſlels mil Necht ein Gegenſland Des Haſſes und der Vulh dir wär'! Ich weih, die Nache Gehork den Kön'gen, da ihr doch'mal Göller ſeid. Bergeſſen wollleſt du die Sache? Ich glaub's; doch deinem Aug' und deinem Atme weil Zu bleiben, hall' ich ſüt geſcheidl. Hert König, werlher Fteund, du ſptichſt umſoufl, drum laß' es! Zehntes Buch. Zwölfte Fabel. 0 0 Nücktehr? Niemals! Die Trennung lhuk Das Ihre ſchon: ſie iſt zur Heilung wülh'gen Haſſes, Wie gegen Lieb' als Pflafler gut.“ 240 Zehntes Buch. Dreizehnte Kabel. Mer Löwenmukler raubl' ihr Junges man Ein Jäger lhakls— da hub die arme Gtamverzehtle Do fürchlerlich zu brüllen an, Dah ſich der ganze Wald empötl datob beſchwerle. Die ſlille Nachl, die Dunkelheil And alle Vonnen, die iht eigen Des Valdes Königin brachlen ſie nichk zum Schweigen; Es floh der ſüße Schlaf die Thiete weik und breik. Zehntes Buch. Dreizehnte Cabel. 241 Die Bärin ſprach:„Willſt mit geſlallen Ein Vork nur? All' die Jungen, die Dein Zahn zettiß, ob nicht auch ſie Noch Valer oder Alulker hallen?“— „„Die halten ſie.“—„Nun wenn wit, als Ans Kinder flarben, nichl gleich mußlen unkerliegen, And wenn ſo viele Alüller ſchwiegen, Vatum ſchweigſt du nicht ebenfalls?“— „„Ich, ſchweigen? Noch kann ich' nichk faſſen! Veh mit! Alein Kind iſt hin! Nun hartk ein Aller mein, Gar ltautig, einſam und verlaſſen!““— „Ver zwingk dich denn dazu? Nluß es durchaus ſo ſein?“— „„Alich haßl das Schickſal, achl““—„Dergleichen hörk man ſagen Von Jedem jederzeik und auch an jedem Ork!“ Die arm und elend iht euch fühll, euch gill dies Vork. Wie grundlos hör' ich oft und frevelhaft euch klagen! Ver ſich vom Himmel glaubt gehaßk, der denlie ſein An Hecuba! Dankbar wird et den Göllern ſein. 61 Zehntes Buch. Vierzehnte Kabel. Vierzehnte Fubel Uie beiden Glücksritter und der Us iſt kein Blumenpſad, ſleil iſt de Weg zum Nuhme. AJlan ſiehl's an Hetcules und ſeinen Wetkien; kaum Iſt noch für Seinesgleichen Naum In Fabeln und in det Geſchichte Heiliglhume. Doch weib ich Einen, den in das tomanl'ſche Land Ein aller Talisman zur Jagd nach Glück geſandl. Alik einem Freund machl' er die Neiſe; An einem Bſoſlen ſand'nen Zellel unſer 2 Vaar, Auf welchem Dies zu leſen war: „Hert Abenleuter, willſl du ſchau'n in ſondtet Veiſe, Calisman. 060 00 0 0 60ỹ0ůK0 WNJNJ 0 6%% 65650 3 %7 65,%% 7%/ 7% Die beiden Glücksritter und der Talisman. Zehntes Buch. Vierzehnte Kabel. 243 Vas ſein Glücksrillet noch jemals vor dir geſehn, Brauchſt nur durch dieſen Sltom zu gehn; Den Elephanlen dann nimm, den, aus Stein gehauen, Du wirſt am Voden liegend ſchauen; In einem Alhem krag' den Verg ihn unverzagl Hinauf, deſſ' Rieſenhaupt dorl in den Himmel ragl.“— Dem Einen fälll das Herz— wohin? will ich nichl ſagen! „Der Sltom iſt kief und reicend; wagen Vir's wirklich“— ſprichl er—„und wir kommen gar aus Land, Vozu dann, frag' ich, noch der ſchwere Elephanl? Vas für ein lächerlich Veginnen! Ein Kluger möchle ſich vielleichl nichk lang' beſinnen, Venn um vier Schtille nur ſich handelle der Spah; Allein den Verg hinauf in einem Alhem, das Vermag kein Slerblichet! Anmöglich iſl's; es wäte Ein Däumling denn, ein Zwerg det Elephaut, ein Kopf, Geſchnihl für einen Skock als Knopf. Iſt dies der Fall, wo bleibt des Abenleuers Ehre? 5 wird ein Denlkzellel nur, fün Narten eine Cehre, Ein Schelmentälhſel wird's, ein Kinderflückchen ſein! Du und dein Elephanl, ich laſſ' euch drum allein.“— Der Schwätzer geht, es ſptingl der Andre in die Vellen, Geſchloſſnen Aug's hal er's gewagk. Nichl Tiefe, nicht des Slromes Schuellen Hallen ihn auf; jenſeils liegl, wie der Zelkel ſagl, Der Elephank am Olrand. 55 er ihn aufgenommen 244 Zehntes Buch. Vierzehnte Label. And richlig mil det Laſt des Verges Höh' erklommen, Diehl eine Ghne er, in der'ne SBladl erbaul. Da gibl der Elephanl von ſich'nen ſchrillen Laul; Bewaffnel ſlrömen Vollieshaufen Herbei. Ein Andrer wär' ſogleich davongelaufen; Doch unſet Viller, kühn behauplel er das Feld, And muß er ſallen, will er flerben als ein Held. Erſlaunk hörl er die Schaar zum Hetrſcher ihn austufen, Da durch des Königs Tod der Thron erledigk wär;; Er läbt ſich bilken und erſteigt des Thrones Olufen, Obwohl— er ſaͤgks— die Laſl ihm doch ein wenig ſchwet. Do mocht' auch Sixkus bei det Vapflwahl ſich geberden— Iſl König oder Vapſt zu werden Denn ein ſo grohes Angemach?— Bald ſah man, daß er doch nichk allzu ehtlich ſptach — Blindes Glück wird zum Lohn ofl blindem Nlulh im Leben. Der Veiſe wählk mik Nechl mauchmal die ſchnelle Thal, Eh' zum Erwägen er der Veisheil Itiſt gegeben, And leiſtel gern Verzichl auf ihten gulen Nalh. + 4 3 1 IN NN Die Kaninchen. Zehntes Buch. Fünfzehnte Fabel. 245 Ia hab' ich mir geſagkt, ſah ich das Thun und Schallen Des Alenſchen, und wie ſein Vethallen In lauſend Fällen dem der Thiere ganz enlſprichk: Der Hetr der Schöpfung hak doch wen'get Nlängel nichl Als ſeine Sclaven. Jedem Veſen Gab die Natur ein auserleſen 246 Zehntes Buch. Künfzehnte Fabel. Körnlein von jener Alaſſ', aus welchet ſchöpft der Geiſt— Den Geiſl, der Körper iſt, mein' ich, aus Bloff gewoben— Wie euch das Folgende beweill. Zur Zeit der Dämmerung— ſei's dah das Lichl von oben Alit ſeinem letzlen Slrahl die feuchle Erd' erhelll, Dei's daß die Bonne ſich zu neuem 8 ethoben, And nicht mehr Nachl und noch nichl Tag iſl in der Well Erlilimm' ich einen Baum an V 105 Nand; dork ſitze Ich, wie ein junger Zeus auf dem Olymp, und blitze Auf ein Kaninchen, wenn ſich juft Alir ſchußgerecht eins votgeſchoben. Gleich fliehk das ganze Volk Raninchen, das voll Tufl Im Haidekraul, mil heilrem Toben, Alil offnem Aug' geſpitztem Ghr, Alil Thumian gewürzl ihr Nlahl noch kurz zuvor. Vom Rnall verſcheucht, ſucht wie beſeſſen Die ganze Schaar im erſlen Ochreck Ihr unterirdiſches Verfleck. Ifl die Gefahr vorbei, iſt auch die Furchk vergeſſen, And das Kaninchenvolt kommk zu des Alahls Genuh, Noch heilrer als zuvor, mit wieder vor den Schuß. Ob an der Alenſchen Thun uns dies nichk mahnen mul)? Von des OSkutms Gewall verſchlagen, Kaum genahl dem ſichern Vork, —— Behntes Buch. Künfzehnte Fabel. Dieht man neuen Slurm ſoſotk, Aenen Schiffbruch man ſie wagen. Ganz Kaninchen zeigen dann Die ſich in Forkuna's Händen. Zu einem andern Fall will ich ſogleich mich wenden. Kommk fremder Hunde Schaar in einem Dorfe an, Das nichl in ihter Heimal Bann, Velch ein Geheul und welch Gebelle! Des Dotſes Hunde, auf der Skelle Von Fullerneid erfaßt, mik mauchem ſcharfen Vih Verfolgen ſie die Fremden bis An des Gebieles letzle Gränze. Der Neid auf Geld und Guk, auf Größ' und Nuhmeskränze Vewitkl, dah Fürflen oft und Schtauzen, ja gewiß Auch aus jedem Oland ſich ebenſo belragen. it Alle fallen ohne Zagen Het über 9³ der uns als Nebenbuhler drohl. Dichlern und ſchönen Frau'n will Gleiches man nachſagen— Jungen Schriflſlellern welche Nokh! Nur möglichſt Wenige auf einen Viſſen Vrol— Das heiht Geſchäftl Was hilſt das Klagen? Tauſend Beweiſ' hälk' ich, da mit's nicht dtan gebrichl; Allein je kürzer ein Gedichl, Deſlo beſſet gefälll's. Daß dieſes wahr und rechk ifl, 247 — 2 Zehntes Buch. Künfzehnte Kabel. Veiß von den Aleiflern ich, und mancher Xrilikus Lehtk, daß noch immer was zu denlien bleiben muß; And deßhalb eil' ich jetzt zum Schluß'. Du, der Du ſlels mit gabſt, was immer gul und ächl iſt, Deſſen Veſcheidenheik nut Deiner Gröbe gleichl, Der Du ertölheſt, wenn ein Lob Dich ſe erreichl, Vär' auch dies Lob, das man verküündel, Noch ſo gerechl und wohlbegtündel; Vei dem mik Alühe nut ich die Exrlaubniß fand, Dah eine Huldigung ich Deinem Namen weihe, Der Schutz mir gegen Zeik und vor Cenſur verleihe— Ein Nam' in Ewigkeil und überall gektannk, Der Frankreich Ehre machl, dem's ſeik den früh'ſten Tagen An gtohen Namen nichl gebtichl; Geſlalle wenigſlens mir, aller Vell zu ſagen, Daß Du den Gegenſland mit gabſl für mein Gedichl. Zehntes Zuch. Sechzehnte Fabel. 249 * firt und der er Raulmann, der Gdelnann, der S Oο S S 92 2 O 85 — — 8 05 —— * S. 2 —. ——— 2 8 2 V 2 *2 ——— —2 — .—j. 2 80 Ein Kaufmann und ein Prinz, ein Hitk, ein Edelmann, Bellellen, wie mik ſeinem Knaben Einſt Veliſar, die Leute an In ihrer Noth um kleine Gaben. Erſl zu erzählen, wie es ſich zuſammenfand, Dies Doppelpaat, ſo weik geltennl nach Nang und Stand, 68 250 Zehntes Buch. Sechzehnte Kabel. Vär' viel zu lang an dieſet Stelle. Die Rermflen ſaßen da, geſchaark um eine Ouelle, And hiellen Nalh. Der Vrinz legt höchſl ausführlich dat, Die Groben wären flels umgeben von Geſaht. Der Hirl dagegen meink, man ſolle doch ſein Denlien Jetzl nichl auf das Vergangne lenlien; Nach Kräflen ſei vielmehr ein Jeder drauf bedachl, Wie man der Nolh ein Ende machl! „Kann Klagen“— ſagt er noch—„dem Alenſchen Nellung bringen? Aein, nut durch Arbeil wird das Schwerſle ſelbſl gelingen!“— Ein Hirk, der alſo ſprichl!— So ſprichk? Glaubl ihr, es ſei'n Vom Himmel denn mil Geiſl nur die gekrönken Köpfe And mik Verfland begabk allein, And alle Hitlen, weil iht Sland ſo arm und klein, Gleich ihten Schaſen, dumme Tröpfe? Der Nalh des Hitlen ſchien vorlreſſlich jelzl den Drei'n, Die an Amerika's Küſlen mil ihm verſchlagen. „Ich“— meink der Kaufmann—„fiann's ſchon mil dem Vechnen wagen, Ho viel bringk monallich det Ankerrichl mir ein.“— „„Aeber Olaalskunſl will ich vorlragen““ Hagl jetzt der Königsſohn. Darauf der Edelmann: „Alir iſt Heraldikk wohl bekiaunk, ſie will ich lehren.— Als ob in Indien auch nur Einer dann und wann Dran dentien möchl, ſich um dies Kauderwälſch zu ſcheeren! Der Hitt ſagt:„Vohl habt ihr geſprochen. Aber was! Vier Vochen hat der Alond; wolll ihr bis dahin leben, Zehntes Buch. Sechzehnte Kabel. Ohne zu eſſen? Rönnk iht das? Die Hoffnung, die ihr mir gegeben, Ifl ſchön, doch weil in Sichl. Alich hungerk ganz ſalal, Ver ſorgl auf morgen denn für unſer Nliklagsmahl? Noch meht: wer von euch leillek eben Ans heuke nur Gewähr für unſer Abendbrol? Das lhäl' uns doch vot Allem nolh! Ich ſeh', eu'r Viſſen all' und Slreben Langl dafür nimmer aus; ich biel' euch meine Hand.“— Drauf ging det Hirk zum Vald und band Reisbeſen dork, die btingl er zum Verktauf. So lindett Für ein Vaar Tag' er doch die Noth, und ſo verhinderk Er, daß die Andern Drei, vom Hunger übermannt, Zu üben ihr Talenk, gingen ins Schallenland. Dies Abenleuer lehrl mich denlten, Zum CLeben brauche man nichk viel Gelehtſameil; And dab), Dank der Nakur Geſchenlien, Die Hand uns ſichte flels und ſchnelle Hilfe leihl. 22 — 6 — 9 Ne. I Ende des zehnten Buchs. 251 Elfles Buch. + II. Der Löwe. Elftes Buch. Erſte Fabel. Ver Lüme. Jer Dullan Leopard beſaßz e I5 E Durch Erbſchaft, Andern wohl zum Neide, Oo mauchen Hitſch im Wald, manch Schaf im Wieſengras And manches Nind auf ſeiner Weide. Ein Löwe kam zur Velk auf nahgelegner Haide. Nachdem Vegrüßungen gewechſelk dork und hiet, Wie's Brauch iſt unler Volenkalen, Berief det Sullan gleich den Fuchs, ſeinen Vizier, 'nen allen ſchlauen Diplomaken. 255 256 Elftes Buch. Erſte Fabel. „Du fürchleſl.— ſagl er ihm—„den jungen Leu'n ſo ſeht? Dein Valer ſtarb, was kann er machen? 85 die arme Vaiſe eh'r! Er hal daheim manch' ſchlimme Sachen No 16 zu beſlehn und ſchützk vielmehr Dein Eigenlhum, als dah er den Erobrer ſpiele.“— Kopfſchüllelnd ſagt der Fuchs:„Ich fühle Für ſolche Waiſen, Hert, grob Alilleid eben nichl! Zum gulen Freund ihn uns zu hallen, ſcheink mit Pllicht, Odeer ſogleich In ohne Gnaden Vernichlen, eh' Gebiß und Ktall' Ihm wachſen und er dann im ODkland ifl uns zu ſchaden. Enlſchließ' dich ſchnell in jedem Fall. Dein Horoſliop lienn' ich: groß wird durch Krieg er werden; Der beßle Löwe wird er ſein Füt alle ſeine Fteund' auf Erden. Buch' ſeine Fteundſchafkt dtum; wenn nein, Huch' ihn zu ſchwächen.“— Nichl hötk man auf dieſe Vorke. Der Sullan ſchlief; im Neich, von ſeines Schloſſes Pfotte Bis an die Gränzen, ſchlief ein Jedet; bis zuletzt Das Lowenjunge ſich zum Teu'n enkwickell. Jetzt Oleht Alles gegen ihn, es ſchalll von Orl zu Orke Det Lärm des Ktieges. Den Vezier Itagt man um Nalh; er ſeufzl und ſptichl:„Was reizel ihr Ihn denn? Nun iſt's zu ſpät und Nellung uns verſchloſſen! Amſonſt tufl jetzt hetbei ihr kauſend Vundsgenoſſen; Elftes Buch. Erſte Kabel. 257 Je mehr, je theurer! Nichls hilſt euch der ganze Hauf, Er ſtißt euch nur die Hammel auf. Verſöhnt den Leu'n; er ſchafft allein beim blul'gen Verlkke Alehr als die Helfer all', die nur eu't Guk verzehrk. Drei Helfer hal er, mehr als all' die Euren werlh, And oſlen nichts; ſie ſind: Wlulh, Vachſamſieik und Slärke. Verft ihm, ſo ſchnell ihr könnkt,'nen Hammel hin zum Schmaus; Verlangt er mehr, gebl's ihm— es ſei euch nichk zu Leide— Legt noch ein Nind dazu; doch, ralh' ich, ſucht ihm aus Das fellefle der ganzen Veide, And tellel ſo den Nefl!“— Doch es mißfiel der Nalh, 8 blieb erfolglos. Alancher Okaal, Des Sullans Nachbar, kam zu Falle; Keiner gewann, ſie büßlen Alle. Vat auch ſafl alle Vell ihm feind, Aleiſler blieb, den ſie fürchlend haſſen. Hei klug und halle dir den Löwen ſtels zum Iteund, Haft du erſt groß ihn werden laſſen. 258 Elftes Buch. Zweite Kabel. Pubel. Hohn Juppiters unterrichten 1 wollten. Fur dlen Herrn Herzog von Hlaine. eus halle einen Sohn, der, da ihm wohl beklannl Dein Arſprung, dieſem Eßre machke And wie ein Golt empfand und dachle. Die Kindheil liel nichl; et, der junge Gollerſanl, Oltebt nach zwei Dingen nur vor allen: Er wollle lieben und geſallen. Elftes Buch. Zweite Cabel. 259 Es war Verſland ihm und Gemülh Vortausgeeilk der Zeik, auf deren leichlem Fillig Zu früh nur jede Slund' und jeder Tag enllliehl. Flora, die liebliche, ſanft lächelnd, hold und ſillig, Erregle mächlig des Olumpiers junges Herz. Vas Leidenſchafl nur je im Dland iſt zu enkzünden, Das zarleſle Geſühl, das zätllichſle Empfinden, Thränen und Seufzer, nichls ſehlk ſeinem Tiebesſchmerz. Vohl mußle von Geburk mik andern Himmelsgaben Ochon ausgetüflek ſein des Zeus geliebles Kind, Als andrer Göller Söhne ſind; Ttefflich ſchien ſeine Voll' er einfludirl zu haben; Den Ciebhaber ſpielk ſo volllommen er, als wär' Er in dem Fach kein Neuling mehr. Zeus will indeh, daß er noch Anlerrichk erhalle. Die Göͤller ſammell er um ſich:„BVis heuk verwalle“— 7 Spticht er—„ich ganz allein der Vellen All; jedoch Hab' ich verſchiedne Aemket noch Den neuen Göllern zuzulheilen. Dies lheute Kind, gern lafſ' mein Aug' auf ihm ich weilen; Alein Vlul iſl's, Alles iſt ſeiner Alläre voll. Benn der Anſterblichkeil er würdig werden ſoll, Aluß er allwiſſend ſein.“— Haum hal der Herr der Erde Geendet, als man ihm Beifall zollk allermeiſl. Alles zu wiſſen, hat das Kind nur zu viel Geift. Der Gokk des Ktieges ſprichk:„Ich werde Elftes Buch. Zweite Cabel. Delber ihn lehren jene Kunſl, Durch welche mancher Held die Gunfl Der Goller ſchon etlangt und des Olumpos Ehren.“— „„Ich will des Danges Kunſl ihn lehren““— Dagl der blondlockige Apoll. „Von mir“— tuft Hercules im Löwenfelle—„ſoll. Er lernen Laſtler zu beſiegen, Zu bänd'gen wilde Gier, die Herzvergiſlerin, Die, einet Hydra gleich, flels neu umfltickk den Dinn. Feind allem weichlichen Vergnügen, Veiſ' ich den Vſad ihm, der, von Ven'gen nur berühtk, Zu höchſten Ehren auf der Spur der Tugend führk.“ Allein Cythera's Golk vetheihl Ihm Runde von den Dingen allen. Amor hal Vechk: welch Ziel erreichle nichk det Geilt, Geſelll dem Oltehen zu gefallen? 8 — Elftes Zuch. Dritte Kabel. 5 ſollen Wolf und Fuchs gar ſchlimme Nachbarn ſein; In dieſer Veiden Näh' baul' ich ein Haus mit nimmer. Der Letzb're lauerke ſchon immer Des Vächlers Hühnern auf; und ob auch ſchlau und fein, Gelaug's ihm doch nichl techt, das Fedetvieh zu faſſen. Für unſern Aleiſler Fuchs das Rergerlichlle war Der Hunger einerſeils, andrerſeils die Gefaht. „Doll“— tief er—„ich das ſitzen laſſen? 8 68 261 Elftes Buch. Dritte Fabel. Dies Vack lachl ungeſlraft mich aus! Ich geh', ich komm' um aufzupaſſen, Erſinne Liſt auf Liſt; der Bauer bleibl zu Haus, Behaglich und bequem, ſchlägl Geld aus allen Dingen, Verktaufl Geflügel, ſchmauſl auch ſelöll Rapaun, Faſan And was er will; und ich— krieg' ich'nen allen Hahn, Dann möchl' ich ſchon vor Fteude ſpringen! Varum hal Valer Zeus zu einem 0 doch Alich auserſehn? Ja, ich beſchwöte alle Alächle Des Slyr und des Olymp, zur Sprache bring' ich's nochl“— Nachdenkend, wie er wohl ſich rächle, Vähll eine Nachl er aus, da Alorpheus reichen Safl Gekräufell, Alles lag in liefen Schlummers Hafl: Verwaller, Diener, Vieh, der Hund ſelbſt lag umfangen Bon ſeflem Schlaf. Es hak der Vächler überdies, Indem den Slall er offen lieb, nen höͤchſl leichlſinn'gen Slreich begangen. Leichl dringt der Väuber in den ſchlecht bewachlen Otl, Enlvoölltert ihn und fülll ihn an mil Blul und Mord. Am nächflen Nlorgen ſand man dorl Die Spuren ſeiner Thal, vergoſſnen Vlutes Zeichen And haufenweis gelhürmke Leichen. Faſt wär' die BSonne, ſchreckverſlörl, Zurückgeſunken in des feuchten Velles Ftieden. Do ſchuf Apoll einfl, zornempötl Ob ſolchen Aublicks auf den prahlenden Atriden, Elftes Buch. Dritte Fabel. 263 Ein blulig Leichenfeld; man ſah der Griechen Alachk Vetnichlel faſt— es war das Verk nut einer Nacht. Ho zog Ajax, wahnwit'gen Nlulhes, In loller Gier vergoſſnen Blules, Erſchlagner Schaſe um ſein Zelk'nen wüſlen Kteis; Den Vebenbuhler wähnk', Aluß, er mik zu lödlen And ſie, die ſchamlos ohn' Ertölhen Dem Andern zuerkannl den Vreis. Der Fuchs, ein 15 heul, die Hühner zu betriegen, Ochleppt fork, ſo viel et kann, das Andre läht er liegen. Der Herr khal, was man meift in ſolchen Fällen lhul: Er ſchill die Dienerſchaft und zankl mil ſeinem Hunde: „Verdammles Thier, du biſl nur zum Erſäuſen gul! Vas gabſt du von dem Nlord nicht augenblicklich Kunde?“— „„Varum liebl Ihr's denn zu? Leicht war det Dieh geſtörl! Ihr konnkel Euch als Herr, dem alles Dies gehörk, Vei unverſchloſſner Thür ganz ruhig ſchlafen legen And wolll, daß ich, der Hund, dem gar nichks dtan gelegen, Für nichls und wider nichls den Schlaf Euch opfern ſoll?““— Der Hund ſprach höchft verſländnißvoll, Fafl möchl' ich zu behaupken wagen, Ein Hert könnk's auch nichl beſſer ſagen. Doch da er nichls war als ein Hund, Fand man, daß er nichls lauge, und Der arme Kerl ward ſehr gehauen. 264 Elftes Buch. Dritte Fabel. Ver du auch ſei'fl, Hausherr und Valer(im Verlrauen Dag' ich dir, dieſes Glück erregle nie mir Neid), Auf Andre bau'n, indeß du ſchläffl, iſt nie geſcheidl. Als Letzter geh' zu Vell und ſchlieſß“ die Thüren richtig. Vau' nichl in Dachen, die dir wichlig, Auf eines Anwalls Thäligheil. Elftes Buch. Vierte Fabel. Genoß und Wonnen, die im reinſlen Lichle ſtrahlen. Derſelbe Träumer ſah an andrem Otk in OQualen 'nen armen Klausnet, glulhumfachk, Der ſelbſt der Elenden Etbarmen rege machl. 266 Elftes Buch. Vierte Kabel. Das ſchien ihm ſonderbar und gar nichl recht zu paſſen, Als hält' Alinos in den zwei Todlen ſich geirrk. Der Schläſer wachle auf, erſtaunk und ganz verwittk: Solll' ein Geheimnibh nichl det Ttaum vielleicht umfaſſen? Drum wolll' er ihn ſich deulen laſſen. Der Traumausleger ſagk:„Wundre dich nichl; wohl Sinn Hal dieſer Traum, ein Winſt der Göller iſl's; ich bin Bereil, die Deulung zu verſuchen. Als ihre Zeik die Zwei auf Erden zugebracht, Da pllegle der Vezier die Einſamtteil zu ſuchen, Der Klausner hat den Hof Vezieren ofk gemachl.“ Fügl' ich ein Wörlchen noch zut Deulung dieſes Weiſen, Alöchl' hier die Einſamleil vor aller Vell ich preiſen: Die ſchafſt Dem, der ſie liebl, ein Glück, das ohne Neu', Ein Pfand des Himmels, tein und ſchön und immer neu. Vo ſeid iht Grle, die ich liebte, mik dem leiſen Geheimnißvollen Vehn, wo, fern dem Lärm der Well Aur kühler Schallen mich und Dufl umfangen häll, 9 And wos melodiſch klingk aus dunklet VBäume Neſlern? Vann darf ich, ſern von Hof und Sladl, nur den neun Schweſlern Ganz angehöten? Vann letnen am Firmamenk Der Slerne Vunderlauf, den unſer Aug' nichlöſeunt, Die unerreichbar ſern in Vandelſeuer glimmen And unſer Handeln wie unſer Schickſal beſlimmen? Bin ich geſchaffen nichl füt ſo erhabnen Flug, Elftes Buch. Vierte Cabel. Veuk mit des Bächleins Lauf der Wonnen noch genug; Dein Aſer ſchildr' ich, das von Bäumen rings umgeben. Aus goldnen Fäden ſpinnkl die Varze nicht mein Leben, Kein üppig Himmelbekk iſt meinem Schlaf beſcheerl; Doch iſt mein Ochlummer drum ein Härchen minder werkh? And witd er wen'ger ſeſt und wonnig mich umſchlingen? Nein, einſam will gern ihm neue Gpfer bringen. Naht dann der Augenblick des Scheidens: ohne Schen And Sorg' hab' ich gelebt, und flerbe ohne Neu'. 267 268 Elftes Buch. Fünfte Fabel. Pünſte Fubel. ger Cüwe, der Allle und die heiden El Un guk zu herrſchen, müſſe man, Neinke der Leu, Aloral ſluditen; Drum wendet er ſich einffmals an Den Affen, dieſer war Dockor unker den Thieren. Die Leckion beginnt, der Hett Präceplor ſpricht: „Ber weiſe herrſchen will, mein König, deſſen Bllichl Il Horge für den Slaak und gtoße Delbllübetwindung, nie ſei er ein eikler Vicht, And Eigenliebe kienn' er nicht Die iſt die Alutler, deren Schoohe Elftes Buch. Fünfte Label. 269 Die Fehler all' enlflammen, die Do oſt man lriffl bei allem Vieh. Daß gänzlich man von der Empfindung los ſich mache, Ifl kteine gar ſo leichle Sache, Ho ſchnell erteicht man nichk dies Ziel; Die ein'germahen nur beherrſchen, iſt ſchon viel. Dies Alillel, das erprobl und ächt ill, Erhabner Hert, häll ſtels Euch fern, Vas lächerlich und ungerechl iſ.“— „„Von beiden Atlen häll' ich gern Ein Beiſpiel““— ſprach darauf der König. Der Doclor ſagt:„Im Herzen häll Jeder Veruf— wit ſelbſl nichk wenig— And jeder Stand ſich für den Erſlen in der Vell And all' die Andern nur für Laien, Die unverſchämk anmahend ſeien, And was dergleichen Zeug man hier und da wohl ſchwätzl. Die Eigenliebe zeigl auch oft ſich in dem Skteben, Die Anſern zu erhöh'n; dies Willel iſt zuletzl Ganz gul, ſich ſelber zu erheben. Der Art ſah ich ſchon viel, und daraus ſchließh ich jetzl: Do manch Talenl ifl hier nichls als geſälſchte Waare, Die ſich zur Gellung nur durch ſtechen Schwindel bringl. Einſt folgt' ich einem Eſelpaare; Ich achl' auf ſie und ſeh', bald Der, bald Jener ſchwingl Das Veihftauchfah; ich hör', wie wechſelweis beim Vandern II. 68 270 Elftes uch. Künfte Kabel. Einander Lob 5 teu'n, und Einer ſagl zum Andern: „College, ſindel Ihr nichl dumm und ungerechl „Den jenes ſo volllkommne Thier? Er ſchändel „Ans; denn den Namen„Eſel“ ſpendel „Et Jedem, der nur blöd' an Geift ift und geſchwächt. „Andrer Veſchimpfung noch erſtechl „Er ſich: er nennl„Geſchrei“ unſet Geſpräch und Lachen. „Der lächerliche Alenſch meinl's uns zuvorzulhun! „Er kann es nichl; nein, nein! Ihr, Ihr müßl reden nun „And ſeine Vedner ſchweigen machen; „Die ſind nur Schreiet! Doch nichls mehr von all' dem Lug! „Wir kennen uns, das iſt genug. „And wolll Ihr unſer Ghr ergetzen „Durch Euten Göllerſang, dah wir daran uns letzen, „Erſcheint uns Vhilomel' ein Lehtling nur, mehr nicht; „Ihr ſeid der angesfürſl'“— Das andre Langohr ſrich „College, gleichen Werlh weih ich an Euch zu ſchätzen.“ Nachdem das Eſelpaar einander ſo gektraul, Preiſen von Bladl zu Bladk ſie laut Jedet den Andern; denn zu ſördern ſeine Sache Aleinl Jeder, wenn berühml er den Collegen mache, Da doch des Andern Ruhm auf ihn zurück auch fälll. Gat Viele ſienn' ich in der Vell, Nichl unter Eſeln bloh, nein, Leule, welche glänzen Durch Nang Oland, und die, waglen ſie's, gern verkauſchl Der Undern Blellung und mauch' ſimple Excellenzen Elftes Buch. Künfte Cabel. —1 —— Zu Alajeſlälen aufgebauſchl. Ich ſagl' am Ende ſchon zu viel; doch hoff' ich, ſchweigen Verd' Euer Alajeſläl davon. Ihr habl's gewolll, Ihr wiblt ja, Ihr befahll, daß durch Veiſpiel' ich ſolll' Die lächetlichen Folgen zeigen Der Eigenliebe. Von der Angerechkigkeil Red' ich ein andet Alal, dazu bedarf's mehr Zeil.“ Do ſprach det Aff. Ob er den andern Vuncl indeſſen Behaudelk, weil ich nichl— vielleichk mochl' er ihn ſcheu'n; Denn unſet Dockor war kein Natr: er hielk den Leu'n Für einen Herrn, mik dem nichk gut iſl Kitſchen eſſen. Elftes Buch. Sechſte Kabel. Sethste Fubel. Ver ull und der Fuchs. We komml Reſop nur drauf, wenn er vom Fuchſe ſprichl, Den höchſlen Preis der Liſl und Schlauheil i ihm zu geben? Ich ſuche nach dem Grund, allein ich find' ihn nichl. Ich finde, dah det Volf, ver tlheidigt er ſein Leben, Oder fälll er'nen Andern an, Genau ſo viel als Jener kiann. Ich glaub', er kann noch meht; ſafl möchl' ich mich erfrechen And meinem Aedeiller hier ein wenig widerſprechen. Elftes Buch. Sechſte Fabel. —4 Doch jetzl erzähl' ich was, das alle Ehre machl Dem Fuchs. Des Alondes Wild ſah er in einer Nachl Auf tiefen Vrunnens Gtund; er hielt für'nen enormen Käſe der Scheibe runde Formen. Zwei Eimer ſchöpflen, ab und auf Bechſelnd, das kühle Naß herauf. Das Füchslein, dem das Herz vor Gier und Hunger beble, Hetzt' in den Eimer ſich, der hoch am Nande ſchweble, And ließß in ihm ſich ſchnell hinab. Nun ſitzt et da im feuchten Grah, Alerkit ſeinen Irtkhum, und mil Vangen Diehl er ſich ſchon vom Tod umfangen; Denn wie wieder hinaus, käm' nichk ein Andrer her Den auch das Bild geläuſchl, und der, Hein Anglück theilend, ihm zur Beile, Ihn auf demſelben Weg aus ſeiner Noth befteile? Zwei Tage waren ſchon vergangen; Keiner kam. In den zwei Nächlen ſchnilt die Zeik unaufhallſam Ein Blück, in allgewohnker Weiſe, Dem ſilberflrahlenden Geflirn aus ſeinem Kreiſe. 0 Verzweiſelnd ſitzt Hert Reinelie und mall. Gevallet Volf, der alle Nimmerſall, Gehl jetzt vorbei. Der Andre rufl:„Alein Lieber, Ich ſchenk' dir was:'nen Käs, hettlich, wie keinen du Geſehn; Gokt Faunus ſelbſl bereilele ihn zu, Die Alilch gab Jo ihm, die Kuh. 69 274 Elftes Buch. Sechſte Fabel. Beusz, wär' et krankt und läg' im Genäſe, häll' er ſich an 5 her Kaß geletz Den Schnikk hab' ich ſchon Der Nefl ill immer noch dich ein felkes Fteſſen. Oleig' in den Eimet, den für dich ich hingeſehzl.“ Er machl, ſo gut er kann, die Sach' ihm noch viel klarer. Der Volf, der's glaubt— ſo thöricht war er Bleigt ein, und ſein Gewichl, ſinkend in ſchnellem Lauf, Ziehl Aleifler Neinelte hinauf. Opollen wir nichl, als ob wir nichl verführbar wäten Durch Dinge, grundlos ganz wie das! Leicht glauben ja wir Alle, was Vir fürchlen und was wir begehten. Der Mann vom Lande am Donauſtrande. Elftes Buch. Siebente Fabel. 275 lichl nach dem äußern Schein ſoll man die Teule ſchäzen. Der alh iſl gul, jedoch nicht neu; ſchon wies ich's nach An Aläuschens Irrlhum, und ich ſprach Von Dem ſchon, was ich hier will auseinanderſetzen. Heuk ſühr' ich euch als Zeugen an Den gulen Sokrales, Reſop und einen Nlann Vom Donaufltand, deh'' Vild, gekreulich nach dem Teben Gezeichnel, Alarc Autel gegeben. 276 Elftes Buch. Siebente Fabel. 5 Die Erſlen ſind beliannk, der Andre ſei euch hier In Kürze dargeſlellt von mit. Er hakt' ein Kinn, das voll bedeckl von fltupp'gem Vark wat; Der ganze Ketl, der dichk behaark wat, Schien mehr ein Bät zu ſein, ein VBät, noch ungeleckl. Tief unler buſch'ger Vrau' lag ihm das Aug' verſleckt, Ochieler Blick, ſchiefe Nal' und aufgeworfne Lippe; Bein Nock ein Whaßhe'ne Oltippe Als Gurk, gedreht aus Schilf und Tang. Die Alibgeflall kam als Geſandker all' der Slädle, Velche die Donau netl. Dork gab es keine Slälle, Bohin nichl röm'ſche Wlbhie drang And nicht mik Näuberhand die blul'ge Geißel ſchwaung. Der Alann krak vor und ſprach nach einigem Vedenlten: „Nömer, und du, Benak, die ihr mich hören wolll! Erſt fleh' die Gölker ich, mir freund zu ſein und hold: Geben die Ewigen, die meine Zunge lenlten, Dab nichks ich ſage, was ſich kadelnswetlh erweiſl! Ohn' ihre Hilfe ſteht dem Vöſen unſer Geiſl Offen, den Nänſtien und Kahalen. Indem man ſie umgehl, wird iht Gebok verletzl. Hehl uns, wie Bkraſe wir der röm'ſchen Habgiet zahlen! Aleht unſte Aliſſelhat als euet Sieg machl jetzt Nom, ach! zum Verkzeug unſter Qualen. Hülel, ihr Nömer, euch, daß nichk einſl komm' der Tag, Der unſte Thränen heim euch, der verhängnihvolle, Elftes Buch. Siebente Fabel. 27 And unſre Leiden bring', in rechlem Viderſchlag Sieg unſern Vaſſen leih' und uns Vergellung zolle, An dem der Himmel euch im Grolle Zu unſern Sclaven machen mag! Varum ſind eure wit? Alan ſoll mit Ankwork geben: Vortin ſeid beſſer iht als andte Völker? And Belch Nechk macht euch zu Herrn über das Erdenrund? Vebhalb verſlörl ihr ein unſchuldig harmlos Leben? In Frieden baulen wir glückliche Feldet; wir Dind fähig für der Kunſt und des Landbau's Geſchäfte. Vas lehrlet die Germanen iht? Die haben Nlulh und Geiſleskräfle; Väten ſie gierig, wie ihr's ſeid, And voll Gewallthal, fiel' am Ende, Olall in die euren, jetzl die Nachl in ihre Hände, And ſie gebrauchlen ſie gewiß mil Alenſchlichkeil. Wie es bei uns zu Land eure Vräkoren kreiben, Iſl in der Thal nichl zu beſchreiben. Oelbſt eurer Göller heil'ge Nlacht Kann unenkweiht davon nichl bleiben; Denn, wibl, die Ew'gen haben Achl Auf unſer Thun. Sie ſchau'n— ihr gebl ja die Exempel!— Vas Abſcheu nur erregl, wohin ihr Auge ſpähl: Alibachlel ſich und ihre Tempel, And eine Habgier, die oft bis zum Vahnſinn gehl. Ven Nom uns ſendel, den befriedigl keine Veule; 278 Elftes Zuch. Siebente Fabel. Beſitz und Arbeil unſrer Leule Alarlern umſonſt ſich ab, zu ſäll'gen Jener Gier. Nuft ſie zurück; nichl wollen wir Fürder für ſie die Felder bauen. Vir ſliehen ins Gebitg, verlaſſen Städl' und Auen. OScheiden von unſern lieben Frauen; Vir wollen kein Geſchlechk erzeugen, das gebannl Ans Elend iſt, fün Nom bevölßern nichl ein Land, Dem unker ſeinem Druck die Freiheil ging verloren. Den Kindern, die vother uns gab Der Himmel, wünſchen wir ein möglichſt ftühes Grab; Dem Anglück paaren ſo den Frevel die Vräloren. Nufl ſie zurück, ſie impfen uns nur ein Der Aeppigleil, des Laflers Schande! Vald werden die Germanen ſein, Vie ſie,'ne gier'ge Näuberbande. Das iſl's, was meinem Vlick ſogleich in Rom ſich bot: „Habl Ihr nicht ekwas zu verſchenſten? Kein Remlchen zu verleihn?“— Vergeblich iſt's, zu denken An Schutz durch das Geſetz: durch kauſend Kniffe lenkien Die ſtes weit ab vom Ziel. Alein Vorl, das unſre Nolh Euch ſchilderl, wird euch nichl behagen. Ich ſchließe. Slrafel mik dem Tod Alein vielleichl zu auſtichlig Klagen!“ Er witft ſich hin; erflaunt iſl Alles und beſiegt Durch die Veredſamleil, die ſo hochherzig kühne, Elftes Zuch. Siebente Kabel. — 2 Des Vilden, der am Voden liegl. Alan gibk den Adel ihm: dies ſei die einz ge Sühne, Die ſolcher Rede wohl gebühtk. Nlan wählk ſoſork Andre Vräloren; Work füt Vork Ochteibl nieder man die Ned', auf den Vefehl der Allen, Als Lehr' und Nluſlet für die Nedner künfl'ger Zeil. Nichl lang' hat ſich in Nom gehallen Dieſe Art von Veredſamkeit. 280 Elftes Guch. Achte Kabel. Achte PFubrl. L Her Sreis und die drei Cinſt pflanzl' ein achtzigjäht'ger Gteis. Välln gehl noch allenfalls; doch pflanzen in den Jahren?“ Haglen drei Jünglinge, die Nachbarskindee waren— „Gewih, er faſelk flellenweis! Hagl nur, bei aller Gökler Gnaden. Vas Iht von dieſet Nlüh' füt Itucht zu ätnken denäl, Es ſei Alethuſalems Aller Euch denn geſchenktl! IöN 76 6 6 N UU A 0 5 I 0 NIIHAN K N 92 — 755 S ——— —— N Der Greis und die drei FJünglinge. Elftes Buch. kchte Kabel. 281 Vozu mil Borgen Euch beladen Für eine Zukunſt, die Euch weigerk die Nalut? Denät der Verirrungen aus längllyergangnen Tagen; Weilſicht'gen Hoffnungen und Vlänen wolll enlſagen, Das paßk für Anſereinen nur!“— „„Ganz ſichet dürfl's auch Euch nichl bleiben!““— Erwidetke der Greis—„„Was man erwählk als Ziel, Spätk komml's und währk nicht lang'. Die bleichen Varzen kreiben Alit Euren Tagen und den meinen gleiches Spiel; Ganz gleich, weil kurz geſleckl, ſind unſres Lebens Gränzen. Ver wird der Olerne, die am blauen Himmel glänzen, Von uns ſich länger ſteu'n? Gibl's eine Spanne Zeil, In der der folgenden Ihr völlig ſicher ſeid? Arenliel werden mich ob dieſes Schallens preiſen. Vohlan! Volll wehten Ihr dem Veiſen, Für das zu ſorgen, was Andte noch ſpäl erfreul? Ochon das iſt eine Frucht, die heut Genuh mit beuk; Hie wird das Alotgen mir und manchen Tag verſühben. Vielleichk werd' ich die Sonne grüßen Alehr als einmal auf Eutem Grab.““— Der Alle hatke Nechk: der Eine ſiel hinab Vom Vord und ſlatb, eh' er Ametika geſehen. Der Andre, der im Dienſl des Alars bewährk und brav, Ololz, in det Nepublik ruhmreichem Heer zu ſtehen, Verlot das Leben, da ein Schuß ihn plötzlich kraf. Der Drille fiel von einem VBaume, I 71 282 Elftes Buch. Achte Kabel. Den ſelbſl zu pfropfen er ſich quält. Der Gteis grub weinend ein auf ihres Deulfleius Naume, 6 Vas ich ſo eben euch erzähll. Die Mäuſe und die Eule. Elftes Buch. Ueunte Fabel. 283 ie ſpreche zu den Leuken man: „Hörk einen Witz, ich will euch Wunderdinge ſagen!“— Kennk ihr die Hörer? Wihl iht dann, Ob auch ihrem Geſchmack es mag wie euch behagen? Hier liegt ein Ausnahmsfall uns vot; vor aller Vell Vehaupl' ich, daß die Bach', obwohl ſie wunderbar iſl And fabelhaft erſcheink, doch ganz gewih und wahr iſt. 284 Elftes Buch. Ueunte Label. Ob ihres Allers ward'ne Fichle einſt gefäll, Der Eule düflres Schloß, des Vogels, der, verbündel Der Atropos, von ihr ofl ſchwatze Nlär' uns kündel. In ihrem hohlen OSlamm, in lief durchwühllem Loch Vohnlen, mil andtem Vollke noch, Viel Aläuſe ohne Fuß, vor Fell kaum anzuſehen. Der Vogel nähtle ſie mik Haufen Korus; doch wat Dutch ſeinen Viß vother verflümmell ihre Schaar. Die Eul' hal's klug bedacht, das muß) man zugeſlehen. Denn wenn der Kunde ſonft Aläuſe gefangen nahm, Vaten ſie aus dem Loch oft wieder ausgeriſſen; Dem abzuhelfen, machl der Schelm ſie Alle lahm. Nachdem er ihnen erſl die Veine abgebiſſen, Konnl'er nach Herzenslufl, wenn's ihm Vergnügen machl, Heul Die und morgen Jene ſpeiſen; All' auf einmal ging nichl, auch war er ſlels bedachl And hakle immer auf ſeine Geſundheil Achl. Deine Vorſorge dürſt' ſich unſter gleich erweiſen: Hie ging ſo weil, dah oſk genug Er ihnen ſelbſl das Kotn zultug. Nun ſoll Descarkes noch drauf beſlehn, In dem Thier nut ein Trieb- und Näderwerk zu ſehn! Velch Federchen mahnl' es daran, Dem ſlüchl'gen Mläuſevollt die Veine abzubeißen? Venn Das Vetlland nichl iſt, ja, dann Veih ich nichl, was Verſland ſoll heihen. — P————. ——-—V— ———— 1 Elftes Zuch. Neunte Fabel. Die Eule ſchliebl:„Hak man'ne Alaus Gefangen, reibt ſie wieder aus; Drum würge man ſie gleich, wie man ſie hak, vom Friſchen! Alle? Das geht nicht an. Soll man für Vottalh dann Nichk Sorge kragen auch? Datum ernähte man Die, ohne dah ſie uns enkwiſchen. Doch wie? Die Beine beiß' ich ab!“— Nun findel ihr, Dahß klüger wohl ein Alenſch verfährk in ſolchem Falle? Lehrk Ariſtoteles und ſeine Jünger alle Euch andre Logik? Zeigk ſie mir! 285 286 Elftes Buch. Nachwort. Nlachwurt. Do hat die Aluſe mit, an klarem Bache lauſchend, In Göllerſprache überſehl, Vas ſo viel Weſen einſl und jetzk Hagen gewolll, mik det Nalur die Slimme kauſchend. Dolmelſch verſchiednet Völlier, flelll' Ich dar in meinem Verki ſie redend, All' und Jede; Denn Alles ſpricht in dieſer Vell, And Keinem iſt verſagk die Vede. Venn Der für klüger ſich, als ich ihn ſchildre, häll, Alag Jener, den ich hier einfühtk', mich treulos ſchellen, Alag meine Dichkung auch nichl grad' als Alufler gellen: Den Veg zeigl' ich; es komme dann Ein Andter her und leg' die letzle Feile an. Der Aluſen Günſllinge, führl aus, was ich begonnen; Erganzt, worauf ich mich vielleichl nichl rechl beſonnen; Am den Gedanſen werfl der Dichlung ſchillernd Kleid. Doch, ach! ich weih, dah iht nur zu beſchäfligl ſeid: Indeh nut ſanflen Ochwungs die Aluſe mich beflügell, Hal Ludwigs Siegerarm Europa jetz gezügelt, PFRFRFRFRR̃ ẽͥůmꝛↄ-peꝛ ůbdñ — Elftes Buch. Uachwort. N 2 — And Vläne führl uer aus, ethaben, wie ſie nie Eines Alonarchen Haupk enlſptungen. Der Nluſen Günſllinge, vor ſolchet Voeſie Beugt Zeil und Varze ſich bezwungen. Ende des elſten Buchs. — — —— — — 8 f 0 Die Gefährten des Ulyſſes. Zwölftes Buch. Erſte Fabel. 291 Arste Pabel. Vie Ghelährten des Vlulles. * Dem Feren Herzog von Burgunll. Plas Einz'ger Du, deß' die Anſlerblichen ſich freu'n, 2 Auf Deinen Altat laß mich meinen Veihrauch ſlreu'n. Späl kommt die Aluſe, Dir in meinem Lied zu huld'gen; Der Jahr' und Arbeit Laſt mag mich bei Dir enkſchuld'gen. Alein Geiſt nimmk ab, indeh den Deinen man gewahrk Zunehmen flels an Kraſt, mil weiſem Dinn gepaatl; Er ſchreiket nicht, et ſchwingt empor ſich wie auf Flügeln. Der Held, dem ſehr er gleichl, mag kaum das Feuer zügeln, 292 Zwölftes Buch. Erſte Fabel. Zu zeigen ſich im Dienſt des Alars von gleicher Ark. An ihm liegl's nichl, wenn nicht, den Sieg an ſeine Fahnen Feſſelnd, in flurmesſchneller Fahrk Er vordtingl auf des Ruhmes Vahnen. Ein Golt hält ihn zurück:'siſt Ludwigs heil'ge Nlachl, Er, den ein einz'ger Nlond zum Herrn des Vheins gemachl. Grad' an der Schnelligkeil war damals viel gelegen; Henk ſchiene ſie vielleicht uns elwas zu verwegen. Ich ſchweige; haben doch, wie mir ſchon längſt bewußk An laugen Reden Freud' und Liebe wenig Lufl. Von je het ſtrahll Dein Hof in ſolcher Göller Glanze; Die laſſen nicht von Dir. Nichk als ſei nicht bewahrk Ein Ehrenplatz auch für Gollheilen andter Atl: Vernunfl und edler Sinn beherrſchen dotk das Ganze. Frag' bei den Letzlern an, ob nichl det Griechen Schaat Anklug und unvorſichlig wat, Hich einem Zauber hinzugeben, Der menſchliche Nalut wandelt in Thiergeſlall. Alyſſens Fteunde, nach zehnjäht'gem Kriegerleben, Irtlen umher, vom Vind geltieben, ohne Hall. Da landelen ſie an Gelladen, VBo Circe, Helios' ſchönes Kind. Haus hielt ſammk ihrem Holgeſind. Die lieb zu einem Trunk ſie laden, Der böfllich mundel; doch ein ſchrecklich Gift war drin, Zwölftes Buch. Erſte Kabel. 293 Das taubl ihnen Verfland und Sinn. Bald fühllen an Geſicht und Kötper ſie den Schaden Des Giſts: ſie wurden Thier' an Anllitz und Geſlall; Die waten Väten, Leu'n und Elephanlen, bald Geſchwellk zu unförmlichen Nlaſſen, Bald winzig klein, daß kaum zu faſſen Die waren mil der Hand,„eXemplum, ut talpa.“ Alyß nur fland unnahbar da; Er wies den Trantk zurück, ihm flieg er nicht zu Hitne. Da er mil ſeiner Heldenflirne Der Nede ſühen Veiz und klugen Nalh verband, Ho flöhte er der Zauberdirne Ein ander Gift ein, das dem ihten nah verwandt. Blels ſchwatzt'ne Göllin aus, was je iht Herz beſchwerke. Als Dieſ' ihm ihre Lieb' erklärle, Venutzt Aluß ſogleich die Lag': als ſchlauer Nlann Verlangk von iht er, ſie ſoll eben Die frühere Geflalt den Freunden wiedergeben. „Vollen ſie's“— fragl die Numph'—„und nehmen ſie's denn an? Geh' eilig und verſuch' der Schaar es vorzulegen!“— Alyſſes geht und ſpricht:„Es gibl ein Alilkel gegen Das Gift, ich kenn's und will euch meinen Beiſland leihn. Volll, theure Freund', iht nicht gern wieder Alenſchen ſein? Ihr ſollt die Sprache wieder haben.“— Der Leu brülll ihm ein laules Nein: „Oo loll bin ich nicht! All' den Gaben II. 74 294 Zwölftes Buch. Erſte Fabel Dolll' ich enlſagen, die erfl jetzt ich nenne mein? Fütſl bin ich; Krall' und Zahn reibl meinen Feind zu Slücken. Soll mich das Bürgerrechl von Ikhaka beglücken? Du ſlellſt wohl gar 5 als gemeinen Söldner hin! Nein, ich will bleiben, was ich bin.“— Zum Bären eill Aluß:„Gefährle meiner Reiſe, O weh, R du aus! And warfl ſo nell doch einſt““— „„Ei, ſieh doch! Witklich? Was du meinſt!““— Der ihn an nach Bätenweiſe „„Wie ich ausſeh'? Juſt wie ein Vär ausſehen muß. Ver ſagt, daßh Schönheik nut einer Geflall verliehen? Il deine denn der unſern vorzuziehen? Der Värin Lieb' iſt mit ein wonniger Genuß. Alibfall' ich dir? Bo geh' und laß mich! Vohl geborgen Leb' ich hier, froh und ftei, mi ch drücken keine Botgen. Ich ſag' dir kurz und gradehin: Nein, ich will bleiben, was ich bin.““— Aun eilk der Griechenfürfl zum Volf, auch Den zu fragen; Et ſprichl, auf ähnlichen Veſcheid von ihm gefaßt: „Ach, außer mit, Fteund, bin ich fafl! ne junge Hirkin hörk' ich klagen Ob deiner nie geſlillken Ftehbegier, Du würgleſt alle Schafe ihr. Honfl pfleglefl deinen Schutz den Schäfern du zu gehen, Du führleſt ein höchſl würd'ges Leben. Komm, laß den Vald und will'ge ein, Zwölftes Buch. Erſte Kabel. 295 Olalt Volf, ein gulet Nlenſch zu ſein.“— „„Gibl's Solche?““— fragk det Wolf—„„Kaum Einen lab' ich gellen! Du kommſl hierher, um mich ein reihend Thier zu ſchellen; Du, mich! Vas biſt denn du? Häll'ft ohne mich du hier Die Thiere nichl verſpeiſt, die ſich erjagen ließen? Vär' ich ein Alenſch, ſag's ehrlich mir, Vürd' ich dann wen'ger Bluk vergieben? Ihr würgl euch um ein Vork, um eine Kleinigkeil! Ob ihr, Mlenſch gegen Alenſch, nichl gleichfalls Völfe ſeid? Alles wohl überlegk, ſtell' ich Vetbtecher neben Verbtecher, ſcheinl es meht Gewinn Als Volf mir, denn als Alenſch zu leben. Nein, ich will bleiben, was ich bin.““— Alil gleicher Ville wandl' Aluſſes ſich an Alle; Ein Jeder gab im gleichen Falle Ihm gleiche Anlwork, Groß und Klein. Vald, Freiheil, ihrer Luft Vefriedigung allein Erſchien als höchſtes Glück den Btaven. Des Vuhms der edlen Thak waren ſie längſt enlwöhnk; Itei wähnl ſich Jedet, wenn er ſeinen Lüflen fröhnk: Die waren ihre eignen Sclaven. Vrinz, einen Bloff, in dem der leichte Scherz ſich paatl Alit Mützlichem, wat ich bemühl Dit auszuleſen; Die Abſicht war wohl guler Ark, Vär' leichler nur die Wahl geweſen! 296 Zwölftes Buch. Erſte Fabel. Da endlich ſand ich die Gefähtrten des Aluyß; Viel Ihresgleichen gibl's in dieſer Well gewih, Vollt, das zur Olraf' ich überlaſſe Deinem Gerichl und Deinem Haſſe. Zwölftes Buch. Zweite Fabel. 297 0 4+ 4 . D Hie Ratze und die beiden Oferlirge. Aukile Pubel. Dem Herrn Herzog U0l Hurguncl. in Kaler, noch ganz jung, und ein gleich aller Ppatz *gat kten einander nah von je het ihten Plaß, Ein Zimmet war dem Vaar zum Rufenlhalk gebolen. Oft neckten ſpielend ſich die Veiden, Opatz und Kah', Der mik dem Schnabel fix, und Dieſe mit den Pfolen. Der Kalet ſchonk den Iteund, er machl ihm niemals Ochmerz, Nur halb erwidernd ſeinen Scherz; II. A E 298 Zwölftes Zuch. Zweite Cabel. Aichl brächl' er's über ſein Gewiſſen, Häll' er geſttatzl ihn und gebiſſen. Der Spahß nicht ſo vorſichlig, ſchlug Ihn mikt dem Schnabel ofk genug. Als Alann von Vell enkſchuldigl immer Herr Aliez das Spiel höchft nachſichlsvoll— Aufkommen laſſen ſoll man unler Freunden nimmer, Delbſt wenn man Necht hal, eruſlen Groll. Da Beid' einander längll bekannk und wohlgewogen, H0 leblen fiedlich ſie und in Gemülhlichteit; Bei ihrem loſen Spiel kam's nie zu ernſtem Olteil. Einſt kam ein Nachbarſpatz geſlogen, Die zu beſuchen, und alsbald geſelll er ſich Zu unſtem Spähchen und dem Kätchen ſreundſchafllich. Zwiſchen den Vögeln war's gar bald zum Zank gekommen; Der Kater miſchl ſich drein und ſpricht: „Der ftemde Hett, fürwaht, hal hier ſich ſchön benommen! Beleidigt meinen Freund! Der Vichl Vill meinen Spatz wohl gar zu lödken ſich vermeſſen? Vei allen Katzen, nein!“— Er mengl ſich in den Sltauß⸗ And würgk den Fremden.„Eil“— tufl Aliez verwunderk aus „Spahzen ſind guk! Fütwahr, ein ausetleſnet Schmaus!“— Dieſe Vemerklung lieh ihn auch den Andern ſteſſen. Belche Aloral ich wohl aus dieſem Falle zieh'? Denn eine Fabel iſt volllländig ohne ſie. Zwölftes Zuch. Bweite Fabel. 299 Ofl glaub' ich ſie zu ſehn, doch leichk krügl falſcher Schimmer. Alein Prinz, ich welle drauf, dah Du ſogleich ſie weibl, Dein Schatfſinn lrifſt. das Ziel, doch meine Muſe nimmer— Die Schweflern alle Neun haben nichl Deinen Geill. 300 Zwölftes Buch. Dritte Fabel. Uin Alann ſammelle ſlets. Dieſe Verirtung geht Oſt bis zum Vahnſinn, wie iht ſeht. Der Geizhals kräumle nur Ducalen und Viflolen. Liegt müßig ſolches Gul, dann mag's der Geier holen! Den Schatz zu wahten unverſehrl, Vewohnl det Filz ein Haus, zu welchem Amphittile Von allen Seilen her Dieben den Zugang wehrk. Alil einer Beligkteil, füt die ich wenig biele, Zwölftes Buch. Dritte Fabel. 301 Die ihn jedoch beglückt, ſchartk et zuſammen dorl, Bei Tag und Nachk in Einem fork Zählend und rechnend und nachrechnend; und dann ſpielle Von vorn das Zlück, als ob et Lohn dafür ethielle, Da neue Fehler er beim Nechnen ſlels wahrnimml. Ein großher Affe warf manch Goldllück— viel geſcheidler Scheint er mit als ſein Hett— durchs Fenſler fork ganz heiler And machk, daß nie die Nechnung ſlimml. Da feft verſchloſſen flets die Skube, Lag offen da das Geld auf unſtes Geiz'gen Tiſch. Einſt wolll' ein Opfer gern Alärten, der loſe Bube, Dem Aleere bringen—' war gar zu verfühteriſch. Venn ich des Affen Thorenſlteiche Alil der khörichten Luſt des Geizigen vergleiche, Beib ich nichl, wem den Pteis ich zuerkennen ſoll. Alancher meink, Alärten nur verdien' ihn ganz und voll; Die Gründe ſind zu lang, drum will ich drauf verzichlen. Einſl alſo nimmk das Thier— nicht Schaden will's anrichlen Alanch Skückchen Gold vom Hauf, eins nach dem andern, ſork, Viflölchen hier, Ducäkchen dork, Auch Vrilen edelflen Alelalles; Dann ptüſt es ſeine Kraft und ſeines Vurfes Kunfl Am Golde, das in ihrer Gunftl Die Alenſchen ſetzen über Alles. Hötk'Rer die Thür nicht gehn und nicht der Trille Schall Des Geldmanns, der juft heimgekommen, ...3 302 Zwölftes Zuch. Dritte Fabel. Der Affe führe ſork, und die Ducalen all' Hällen denſelben Weg geuommen. Er hält' ſie alleſammk in jenen weilen Schlund Geſchleudetk, der ſich nährl von reichen Schiffbruchsſpenden. Goll ſchütze Jeden, der viel Geld aufſammell und Nichk weil) es beſſer zu verwenden! 64 6 1% Die beiden Ziegen. Zwölftes Buch. Vierte Kabel. Vierle Fnubel. J- J. Vie beiden Jiegen. Llie Ziegen krieb ſeit ew'ger Zeil JEin Geiſl der Anabhängigkeit Zum Vanderleben flels, und von je her erlaſen Die ſolche Skällen ſich zum Graſen, Die lieines Alenſchen Fuß beltat. Dork, wo von fleiler Höh' ohne gebahnken Pfad Felſen und Verge ſlatt in liefen Abgrund ſchauen, 304 Zwölftes Zuch. Vierte Fabel. Ocheinl's dieſen Damen gul, ſich einſam zu erbauen; Nichls hemml das Thier, bis es den Klellerlauf vollbtachl. Zwei Ziegen, die ſich losgemachl, Verließhen, nach der Freiheik Glücke Dürflend, das ebue Land, Jede für ſich allein; Hie ſchlugen auf gul Glück 38 01 ein. Die lraſen einen Vach, ein ſchmales Vrell als Btück Zwei Wieſel kämen kiaum neben 4 weg Auf dem OBleg. Auch machl der ſchnelle Sltom, der liefe Vach den Veg Gefahtvoll und das Herz der Amazonen beben. Trotzdem krilt auf das Btell die Eine; nachzugeben Fiel' nie det Andern ein, die auch das Vrell beltill. Oo, denl' ich, war's, als mil dem Großhen Ludwig ſchrill Spaniens Philipp der Vierle weiland Nach jenem Conferenzen-Eiland. S Do näherlen ganz langſam ſich Anſte zwei Abenleurerinnen, Beide von hochgemulhen Sinnen. Zur Alikte jetzt gelangt, ftanden ſie; Keine Der Andern. Gleicher Slolz erfülll ſie; hoher Ahnen Gedächknih) will ſie gleich tuhmvoller Ak Ae mahnen: Jene enkſtammk der Geil, die zum Geſcheul verehtk Volyphem, der Euclop, der Galakea, Dieſe der Ziege Amalthea, Die einſt den Valer Zeus genährl. Zwölftes Buch. Vierte Fabel. 305 Bo ſlürzlen gleichen Falls in Folge gleicher Tücke Beid' in das Vaſſet unverhofft. Holch ein Anfall hal ſich ſchon ofl Ereignet auf dem Veg zum Glücke. 306 Zwölftes Buch. Inn den welcler von De ka Fonkaine eine Fabel unter lem Tilel„Die Katze uncl die Mlaus“ beſolllen lalte. Hierzgug von Purgund, ſem Prinzen zu Beſehl, dem Fama will errichlen In meinem Verk ein Nuhmeshaus, Die ſoll'ne Fabel ich unker dem Tilel dichten: „Die Katze und die Alaus“? Zeig ich'ne Schöne ihm, die, kall und hark von Herzen, Obwohl von Anſehn mild, in höchlt grauſamen Scherzen Alil Denen, die iht Neiz beſiegl in leichlem Sltauh, Hpielt, wie die Katze mil der Nlaus? Zwölftes Buch. Nehm' ich zum Gegenſktand Fotluna's Spiel?— Verſoönlich Paol beſſer Nichts auf ihn; auch machl er es gewöhnlich Alit Denen, die man häll für ſeine Freund' im Haus, Ganz wie die Katze mik det Nlaus. Nenn' ich'nen König, den ſie, Allen weik voraus, Allein erwähll; dem ſie, ihr in das Nad zu fallen, Erlaubl; dem eine Velk von Feinden nimmet Graus Etregl, und der nach Tuſt ſelbft mik den Alächk'gen allen Opiell, wie die Katze mik der Alaus? Doch ganz unmerklich führk mich dieſer Weg grad' aus Zum Ziel; und itr' ich nichk, verdütb' ich mik zu vielen Olrophen das Ganze wohl und käm' um den Applaus: Dann möcht' der junge Vrinz mil meiner Aluſe ſpielen, Ganz wie die Katze mil der Alaus. 307 S 82 Zwölftes Buch. Künfte Kabel. And Flehn, und bal alſo den allen Nläuſegraus: „Laß mich am Leben! Iſt'ne Alaus Von meiner Gröl' und meinem Alagen Deun eine Taſt für ſolch ein Haus? Aleinſl du vielleichl, ich hungte aus Den Vitlh ſammk Virlhin und Geſinde? Ein Köruchen Veizen ifl mein Ochmaus, Fell machl mich eine Käſetinde. Zwölftes Zuch. Künfte Label. 309 Jetzt bin ich mager; drum watl' nur noch ein'ge Zeil, Deiner Nachkommenſchaft hall' mich zum Nlahl bereil.“— Do ſptach die Alaus, da ſie der Kaler fing.„Dich hall' ich“ Dagt Jener—„und du irtſt gewallig! Ver bin ich, daß du ſo mik mir zu reden wagft? Nicht mehr hilfl's dir, als ob du's einem Tauben ſagft. Ein alker Raler und Vegnad'gung? Velch Anſinnen! Nach unſtem Brauch— du kennſt ihn doch?— Blitbſt du. Alarſch! Gleich ins ſchwarze Loch! Klag's den drei Ochweſlern, die dork ſpinnen! Für meine Kinder gibl's genug zu fteſſen noch.“ Votk hiell er. Fragl ihr, was an laller And lrockener Nloral die Fabel btingl zu Tag? Die Jugend ſchmeichell ſich, daß Alles ſie vermag; Blels unbarmherzig iſt das Aller. II. 78 310 Zwölftes Buch. Sechſte Fabel. In reichbelandnem Forſt erkranſel' ein Hirſch. In Haufen Hah flugs die Freund' herbei man laufen Zum Kranſten als Veſuch, als Helſer in der Nolh, Als CTroſler mindeflens— höchll läflige Geſellen. „Gönnk, Fteund, in Nuhe mit den Tod! Lahl in der allgewohnken ſchnellen jirſch. Der kranke Zwölftes Buch. Sechſte Kabel. 31¹ Weiſe die Varze mich ablhun, und weinet nichk!“— Amſonft! Der Ttröſlung kraur'ge Pflichk Erſülllen gründlich ſie ltotz ſeinem Flehn und Dringen. Als ſie mil Golles Hilſe gingen, Thalen ſie's nicht, ohne vorher Das vollſle Weiderechl im Forfl ſich anzumahen, Indem den grünen Vald ringsum ganz kahl ſie ftaßen. Der arme äranlie Hitſch fand nun kein Fulket mehr; And war er übel dran ſchon immer, Ho ward das Aebel nur noch ſchlimmer: Zur Kranſtheil kam die Hungersnolh, Er flarb zuletzt den Hungerlod. Ja, l(heuer, daß man' nie verſchmerzle, Deid ihr, ihr Leib- und Beelenätzle. O Zeil! O Billen! In der Vell Iſt Nichls umſonſl, Alles fürs Geld.“ Zwölftes Buch. Siebente Fabel. E — · Daheim nichls zu verdienen ſei; Drum ſind ins Ausland ſie gegangen, Dork als Genoſſenſchaft'nen Handel anzufangen. Hie hallen manches Haus, Nlaßler, Vuchhaller auch, Die ganz genau nach Kaufmannobrauch Ausgab' und Einnahme buchlen bei einem Haate. Alles ging guk, bis einſt die Waare —* Zwölftes Buch. Siebente Fabel. Da zwiſchen Klipp' und Felſenriff Durch engen eerresarm das Ochiff Begell, das all' ihr Glück geltagen— Alit Back und Vack verſank in jenes Speichers Grund, Der nah' liegt bei des Hades Schlund. Brach unſer Kleeblalkt aus in unfruchlbare Klagen? Nein, keine Aliene, die's verziehl! Der kleinfte Raufmann weiß: zu wahten den Eredil, Darf Schaden und Verluſt man niemals offenbaten. Doch det Verluſl, von dem die Drei belroſſen waten, Vat unerſetzlich, und det Fall bald Jedem kund. Nun ſind ſie millellos, credillos, Tag' und Nächle Bereil ins Loch zu wandern, und Niemand, det ihnen Hilſe brächle! Das grohe Capilal, die ſchweren Zinſen gar, Kläger, Gerichl, der Häſcher Schaar, And bei des Nlorgens erſlem Glimmen Die Gläub'ger vot der Thür geſchwind— Ho daß das Kleeblalk nur auf Liſt und Alillel ſinnk, Zut Alilde dieſes Vollt zu flimmen. Der Vuſch häll Jeden feſt, der ihm votbeigeht:„Ach, Ihr lieben Herrn, bleibl ftehn und weifl den Ork uns nach, Vo wit die Waaren können holen, Die uns der ſchwarze Schlund geſlohlen!“— Die Enle kauchl ins Aleer, ob ſie ſie dork enldeckl. Weil ſliehk die Fledermaus, ſobald der Alorgen weckl — 314 Zwölftes Buch. Siebente Fabel. Die Vell zu neuer Lufl und Plage; Verfolgl von Häſchern, bleibt bei Tage In liefen Löchern ſie verſleckl. Alanchen Schuldner lienn' ich, der weder Fledermaus iſt Noch Enle oder Vuſch, noch ihnen ähnlich ſieht, Dondern ein großer Hert, der, wie die Nacht nur aus ill, Durch eine Hinketkreppe flieht. Ver Itreif der Hude 1nd Zwölftes Buch. Achte Kabel. Athte PFabrl. falzen, und der der Ratzen und Mäule. »Cauſend Veiſpiele gibl's, aus denen klar erhelll, Dah dieſer Göllin flels Viele zu Fühen liegen. Denlt an die Elemenle, und Ihr werdel flaunend ſehn, wie ſie zu jedet Slund' In ew'gem Kampfe ſich bettiegen. 316 Zwölftes Buch. Achte Kabel. Auber den vier Gewalligen, Beht, wie die vielgeflalligen Wllen einander ewig haſſen! Es war von Hunden voll und Katzen einſl ein Haus. Durch manchen Nichletſpruch, der feierlichſl erlaſſen, Vat ſlreng verbolen jeder Oltauß. Geordnel von dem Herrn waten Arbeil und Schmaus; Die Veilſche kriegle, wen beim Zlreik man würde faſſen. Do lebl in Einkracht all' das Vieh, fafl brüdetlich. Ob dieſer Einigkeil zwei ſonfl ſeindlichet Claſſen Von Thieren freu'n die Nachbarn ſich. Doch bald war's aus damil. Ein Tellet Supp', ein Kuochen, Den Einer mehr bekam, verſetzl in kolle Wulh Die andere Varlei, die ſich zuſammenlhüul, Zu rächen, was an ihr verbtochen. Des Slreiles Arſach wat— ſo meldel ein Chroniſt— Ein dünnes Hüppchen für'ner Hündin Vochenjammet. Vie dem auch ſei, der 3 Enkbörannle lichlerloh in Küche, Flur und Kammer. Ein Jeder nahm Vatkei, es hih.„Hie Katz'! Hie Hund!“ Alan fablt Beſchlüſſe, drob die Katzen ſich bellagen And ſchtein, daß kaum es zu erkragen. Iht Anwall zieht hetbei manch all Erkkennluih und Alanch früͤhern Arkßeilsſpruch. Nlan ſuchk danach in Eſſen And Vinleeln, doch umſonſt; es haklen unlerdeſſen Zwölftes Zuch. Achte Kabel. 317 Die Aläuſe längſl ſie aufgefteſſen. Nun neuer Streil. Dem Volt det Aläuſe ging es ſchlechl: Alanch alker Kaler, fein und ſchlau, dem dies Geſchlechl Ochon von Nalur und ſeik urallet Zeil zuwider, Fängk nun ſie ab und machk ſie nieder. Der Herr des Hauſes war nur um ſo beſſer dran. Ich ſag' es noch einmal: Auf Erden findel man Kein Veſen, lein Geſchöpf, dem nichl genüberſlünde Dein Widerpatk; das iſt Nalurgeſe. Die Gründe Zu unlerſuchen, hab' ich nichl beſondre Luſt. Gul ſchuf Goll was er ſchuf; mehr iſt mir nichk bewußt. Dies weih) ich: man möchl' oft vor Wulh erſlicken Am eine Kleinigkeik, meiſt um ein Nichls ſogar. Alenſchen, man mühle euch, und wät't ihr ſechzig Jahr, Noch einmal in die Schule ſchicken! IL 80 318 Zwölftes Buch. Uennte Fabel HDeunte Pubel. Ver Mall und der Fuchs, ie komml's, dabh Miemand ſich beſcheidel Alit ſeinem Rang und Dland? Es wär' Holdak am liebſlen grade Der, Den wieder der Soldal beneidel. Ein Fuchs möchl ſehnlichſt gern vom Zkamm Der Völfe ſein. Nun, wer kann ſagen, Ob nichl auch mancher Volf, ein Lamm Zu werden, ſchon Begeht gelragen? Zwölftes Buch. Neunte Fabel. Denlik nur: ein Vrinz, der kaum achl Jahr, Alachl' eine Fabel draus; indeſſen Ochmied ich mik meinem grauen Haar Alühſel'ge Verſe, die noch gat NI Alit ſeinet Vroſa ſich nichl meſſen. Viel Einzelnes iſt ausgefühtl In ſeinet Fabel und verlrelen Alehr als beim Dichler; drum gebührk Alehr Lob dem Kind als dem Voelen. Ochalmeien nur und Hirkenflölen Kann blaſen ich; allein ich weib': Bald greif zu meines Helden Preis Ich zu Voſaunen und Drommeten. Nichl zähl' ich mich zu den Vrophelen; Doch leſ' am Himmel ich: Hein Nuhm Vird nächſlens und ſein Heldenlhum Homere heiſchen, meht als Einen; And dieſe Zeil gebietk wohl Keinen. Doch jetzl bei Seile das! Es ſcheinen Alyſlerien. Gehn wir grad' auf unſre Fabel los! Zum Volfe ſprach der Fuchs:„Alein Freund, oft hab' ich bloß 'nen allen Hahn zum Alahl, ein magtes Huhn. Velch Loos! 319 320 Zwölftes Zuch. Ueunte Cabel. Oolch Fleiſch, pvor dem mir eleln möchke! Du nährſl dich beſſer und gegen Gefahr gedeckl: Ich ſchleich' in Häuſer mich, du bleibſtl im Vald verfleckl. Zeige mir, wie du's machſt, mein Freund! Zu gerne brächle Als Erſler von dem Fuchsgeſchlechle 'nen fellen Hammel ich füt meinen Schnabel auf. Andanlihat wirft du nie mich ſinden, rechne drauf.“— „„Das will ich““— ſagt der Volf—„„Ein Viuder flath mit neulich; Komm, holen wir ſein Fell, du hülll darin dich ein.““— Er thul's; der Volf ſpticht:„Bo! Nun mach' es ganz gelreulich Alir nach! Zu käuſchen gill's zunächſl den Schäferhund.“— Der Fuchs hülll in das Fell ſich und Alachk kreulich Alles nach, wie's ihn ſein Nleiſler lehtte, Erſt elwas ungeſchickl, dann beſer— ſo viel ſhul Die Aebung— und zuletzl ſo gul, Daß zur Vollkommenheil er ſafl nichls mehr enlbehrke. Da komml'ne Heerde an. Der neue Volf eill keck Herbei und breilek weil ringsum nur Augſt und Schreck. So mochl' in Angll Vakroclus jagen Laget und Skadl, als er Achills Müflung gettagen: Alles lief, Veib und Greis, zur Tempelpfotle her An fünſzig Völſe glaubl zu ſchau'n das Vlotter-Heer; Hund, Heerd' und Hirken ſtonnl' ins Dorf man fliehen ſehen, Ein einzig Schaf nur lieh man ihm als Veule ſlehen. Der Näuber packt es an. Doch ein'ge Schrill von dort Hörl in der Nachharſchafl er eines Haßnes Krähen. Zwölfles Buch. Neunte Fabel. 321 Da läuft der Schüler hin, dem Hahne nach, ſoforl, Vitfl ab die Schülerlracht in Schnelle, Vergibl Schaf, Anlerrichl und Lehrer gleich und eill Zum neuen Fange unvetweill. Vas hilft es, daß man ſich verſlelle? Alan käuſchl ſich, wenn man glaubk, dies ändre die Nalur; Der erſlen Lockung folgk man ſchnelle Wieder in ſeine erſle Spur. Dein Geiſl, mein Prinz, ob Allen hoch erhaben, Iſt es, dem meine Aluſ' Alles verdankil diesmal: Thema und Neden und Nloral In dem Gedichl ſind Deine Gaben. —— Zwölftes Zuch. Zehnte Cabel. Junges. Veiſen ſiehl manchmal im Krebsgang man begriffen, 5 Nücklwärls, das Hinkerlh theil dem Haſen zugelkehrl. Die Schiffer lhun's; auch iſl es einet von den Kniſſen Derer, die, einen Olteich verdeckend, liflbewehrl Grade den Gegenpunck ſcheinbar ins Auge faſſen And gegen dieſen dann den Feind anlaufen laſſen. Alein Gegenfland iſl klein, dies Vorſpiel elwas lang; Auf einen Helden pabl's, der in ſiegreichem Gang Zwölftes Buch. Zehnte Fabel. nen hunderllöpf'gen Vund allein geſprengl, bezwungen. Das er khul und nichk lhul, bleibk ein Geheimnilh lang'; Doch wird es offenbar, dann ſind's Grobetungen. Amſonſt ſorſcht man nach Dem, was er verborgen häll, Ochickſalsbeſchlüſſe ſind's: ſie hemml nichl eine Velt, Gegen des Okroms Gewall iſt Niemand noch geſchwommen. Alachllos iſt gegen Zeus der Göller ganzer Schwarm. Ludwig und das Geſchick, ſie lenken, Arm in Arm, Die Vell. Doch laßt uns jetzt auf unſre Fabel kommen! Zu ſeinem Jungen ſptach ein alker Krebs:„Alein Goll! Wie gehſt du denn? Kannſt nicht gradaus du gehn?“— Alil Spolk Fragk Der:„Wie gehſt denn du? Kann ich wohl anders gehen, Als ich's in unſtem Haus von Kindheil an geſehen? Holl grad' ich gehn, wenn iht den Veg ſleks rückwätks machl?“ Er halle Nechl: die große Nlacht Des Veiſpiels, das daheim gegeben, Die zeigt ſich überall im Leben, Bald gul, bald ſchlimm; ſie läbl Veiſe und Narr'n erſlehn— Der Letzlern mehr. Die Lilfl, zum Scheine abzuſehn Von ſeinem Ziele, wird oft gule Dienſle leiflen, And auf Vellona's Feld am meiſlen; Nur muß man es auch techl verflehn. 323 32⁴ Zwölftes Zuch. Elfte Fabel. Allte Fubel. Ver Ildler und die Ellter. Uer Aat, der Lüfte Fürſl, und eine Elller— Beide TFerſchieden an Gemüth, an Geiſt, Veredſamleeil, And im Kleid— Flogen einſt übet eine Haide. Zuſällig kreffen ſie ſich an enllegnem Orl. Die Elſter bebt; der Rar, der ſall iſt, ſprichk ſofort Ihr gütlich zu und ſagl:„Lah uns beiſammen bleihen! Venn Juppiler, dem ſie die Bellherrſchafl zuſchreiben, 4 4 0 Der Adler und die Elſter. Zwölftes Buch. Elfte Fabel. Der Tangeuweile Leiden lennl, Kann ich's wohl auch, da man mich ſeinen Diener nennl. Dtum komm' ganz ohne Zwang die Zeil mir zu verkreiben.“— Ochwatzmäulchen plapperk los von Dieſem und von Dem— Der Alann Horazens, der in flelem Zungenhelzen Gules und Böſes ſchwätzl, wenn über Feld er kiäm', Häkk' keine Ahnung von der Elſler ew'gem Ochwätzen. Von Allem wollle ſie den Nar in Kennkniß ſetzen, Vas nur geſchäh' auf allen Vlätzen, Ein Hauplſpion! Doch ſchien iht Vorſchlag nichk genehm; Der Adler ſpricht zu iht im Grimme: „Nein, Schätchen, bleibe, wo du biſt! Leb' wohl, Klalſchmaul, da kein Gehöt für deine Slimme An meinem Hof zu finden iſl. Bolche Naluren ſind zu ſchlimme!“— Die Elſter halle ganz genug. Ver Sehnſucht je, in den Glump zu kommen, ltug, Bedenl': es bringk dies Glück ofl auch die ſchwerſten Vlagen. Bpione, Schwätzer, die im Herzen voll von Lug, Ob äubierlich auch fein, hat dork man auf dem Zug; And dennoch muß auch dork, der Elſter gleich, man klug Den Alanlel nach dem Vinde kragen. 326 Zwölftes Buch. Zwölfte Fabel. Ver Meih', der Rürig und der Seiner Durcklauckkigſten Holleitwlem Prinzen von Conti. Auch von den Königen: die Alilde Il ihrer Nechte ſchönſles, nichl Der Vache ſüße Luft, die wilde. Do denſiſl auch Du, mein Vrinz. Der Zotn erliſcht im Nu In Deinem Herzen, aum daß er in ihm enlbraunke; Nchill, der, ſeines Gtimms nicht Weiſlet, ihn nichl bannke, Zwölftes Buch. Zwölfte Kabel. 327 Var darin minder Held als Du. Nur Die, die hunderkfach Gules gelhan, verdienen, Ein Vild der goldnen Zeik, den ſchönen Namen„Held“. Anler den Großen gibl's henk wenig Solche; ihnen Danlk ſür das Vöſe, das ſie nichk gelhan, die Well. Fern, nachzuahmen iht Exempel, Sicherk manch hehte That Dit einen Nuhmeslkempel. Apollo, des Olymps erhabener Genoßb, Will Deines Namens Nuhm auf ſeiner Leier ſingen. Ich weiß, Dein hattk man in der Gökler hohem Schloh;; Genügk es Dit, dotk ein Jahthunderk zuzubringen? Auf ein Jahrhunderk nimmt Hymen bei Euch Quarkier; O möchlen ſeine Wonnen Dit Ein unausſprechlich Glück bereiken, Das kaum umſchränkik vom Tauf der Zeiken! Du und die Fütflin, Ihr ſeid ſolchen Pteiſes werlh; Zeug' iſl der Liebreiz, det beſcheerk Ihr ward, und all' die Wundetgaben, Vomit verſchwendetiſch dee Himmel Euch beglückl And, da ſie in Euch ſelbſt nut ihres Gleichen haben, Euch Eure Jugend hold geſchmückl. Durch Vouthons Geift gewürzl muß all' die Anmulh ſcheinen: Der Himmel wolll' in ihm vereinen, Vas immet Ehr' und Würden brachk, Alit Dem, was unſte Lieb' enlfachl. Alir ziemk es nichl, zur Schan zu legen Eure Vonnen; 328 Zwölftes Buch. Zwölfte Fabel. Drum ſchweig' ich jetzt. Nun gebel Achl, Vas ein Naubyogel einſl begonnen. Ein Jäger ſing im Nefl einen lebend'gen Veih'; Drauf fand der Viedermann, es ſei Doch gut, wenn zum Geſchenk er ihn dem Fütflen mache. Die Sellenheik des Faugs erhöht den Verlh der Sache. Der Vagel, den huldreichſl det König nicht verſchmähk— Venn wahr iſt, was in dieſem Falle Erzählk witd— packl mik ſchatfet Kralle Die Naſe Beiner Alajeſlät. — Des Königs Naſe? WVie?— Des Königa, zweiſelsohne. — Dann ttug er damals wohl nicht Sceplet oder Ktone? — Obö er ſie krug, ob nicht, ift gleich: der Vogel hackl Des Königs Naſe, wie er jede andre packl. Der Schranzen Angllgeſchtei und Jammer zu beſchteiben, Vät' nur verlorne Alüh'. Des Königs Schmerz veträlh Kein einz'ger Laut; zu ſchrein ziemt nichk det lajeſläl, Ihtet iſl's würdig ſlumm zu bleiben. Der Weih' wich nichl vom Vlatz, nicht einen Augenblich Kann kürzen man das Alißgeſchick. Dein Herr lockt ihn zu ſich, erſchöpft die Alillel alle, Zeigt ihm das Federſpiel, die Tauſt— vergebne Nlüh'! Schon glaubt man, dah bis morgen früh Das gollverdammle Thier mil ſeiner frechen Kralle, Durch all' das Lärmen unbeirrl, Zwölftes Buch. Zwölfte Fabel. Auf der geſalbten Naſ' über Nachl niſten wird; And mil Gewall iſt bei dem Weih' nichls auszurichlen. Da läßk er los; es ſprichl der Fürſt:„Nichl weiler grolll Dem Veih' noch auch dem Alann, der mich beſchenten wolll'! Die Veiden handellen nach ihres Amkes Pllichlen, Jener als Weih', und Der als Waidmann. Vohl weih ich, Vas Hönigen geziemk, und will drum lich Auf jede Sühne nun verzichken.“ Die Schranzen waren voll Bewundtung: federzeil Preiſen ſie Thalen, die zu khun ſie nie bereil; Delbſl wen'gen ünit möchl' ſolch Nlufler wohl behagen. Der Jäger konnk' von Glück noch ſagen! Des Thiers und ſeine Schuld war, daß ſie ahnungslos In die Gefahr, dem Hertn zu nah zu kommen, rannken, Da ſie bisher nichls weiler kannken Als ihren Vald— war denn das Aebel gar ſo groß? Vilpay verlegt die Nlär' fern zu ds Ganges Bltande. Kein menſchlich Weſen dotk zu Lande Legl Hand an Thiere, wohl Miemand vergießt iht Vlul; Dem König, khäk' er's ſelbſl, bekäm' es nimmer gul. „Nichk mil vor Troja einſl gelegen? Veelleichl wat es ein Fürſt, ein weilberühmler Held, Helmbuſchumwogk und hochgeſtelll! Vas eiufl es war, ifl es vielleichk noch heul. Wir ehten Ber weil), ob dieſes Thiet“— das häll man uns enlgegen— 8 329 330 Zwölftes Buch. Zwölfte Fabel. Ja der Pylhagoräer Cehren, Dab mik dem Thiergeſchlecht wir kauſchen die Geſlall, Bald Geier ſind und Tauben bald, Heul Alenſchen, morgen Vögel wieder Alit lufldurchrauſchendem Gefieder.“ Da in zwei Formen dieſe Nlär' Beltannk iſl, will ich auch die andre Lesatl geben. Ein Fallner ſing einſt auf det Jagd von ungeſähr nen Beih' und brachl' ihn, da's doch kaum vorkommt im Leben, Dem König zum Geſchenſte her Als große Bellenheil nut eben; Nur alle hundetk Jahr' ereignel ſich der Fall, Das Non plus ultra iſts der ganzen Neiherbeize. Eilend nahl er, durchbrichkl der Schtanzen dichten Wall, Glühend vor Vaidmannsluſt— die Hach' hat ihre Neize. Dies Wunderflück der Gaben all' Holll' Glück ihm bringen, meink der Jäger. Da packl der wilde Schellenltäger, Der undreſſirl noch, auf einmal Alil ſeinen Ktallen, ſchatf wie Dlahl, Des armen Falkners Naſ' und will ſie nimmer laſſen. Er ſchreil; der Fürſl und all' die Mlaſſen Der Schranzen lachen. Ver häll' nichl gelacht? Vas mich Beltiffl, nichl um die Vell hält' ich mich können faſſen. 3 N. 1 11 Zwölftes uch. Zwölfte Fabel. 331 Lachl wohl ein Vapſt? Das wage ich Nichl zu behauplen; doch ein Fürſl wär' ſicherlich Ochlimm dran, ſollk' er das Lachen haſſen; Iſl's doch der Göller Luft!- Zeus' heilig ernſle Machl And das unfletbliche Volk der Olympier lachl— Im allen Alythus wird erzähll, daß lauk er lachke, Als ihm der hintende Vulcan zu ktinſten brachle. Ob die Anflerblichen klug khalen oder nichk: Alil Abſicht wechſelle ſein Endziel mein Gedichk; Denn wenn auf die Aloral wir ſehen, Vas könnt' der Aufall, der dem Jägersmann geſchehen, Ans Neues lehren? Zeigk doch aller Zeiken Bild Alehr dumme Falkner, als Fürſlen die klug und mild. 0 1 Zwölftes Buch. Dreizehnte Kabel. in Füchslein, fein und ſchlau, ein allet Valdgenob, Den wund der Pfeil des Jägers ſchoß, Fiel in den Kolh; bald naht, gelockk von ſeinem Blule Jenes ſchmatotzende Inſeck, Die Fliege, die ſo arg uns neckl. Die Goller klagt' er an und ſand, zu grauſam ruhle Des Ochickſals Hand auf ihm, das ſo ihn heimgeſuchl, Zum Fliegenfuller ihn verfluchł: 8⁰ S S⁰ Zwölftes Buch. Dreifehnte Kabel. „Vie? Alich, den ſchlau'ſten Gafl des Valdes, gibl es ſchutzlos Nun pteis des Elends billerm Graus! Beil wann ſind Füchſe denn ein gar ſo leckter Schmaus? Vas hilſt mein Ochwanz mir? Ifl er nur'ne Laſt, die nuhlos? Der Himmel mag dich nichl! Vas lebleſl, dummes Vieh, Du auch auf Andrer Koflen nie?“— Ein Igel— ihn als neuen Helden Auf meiner Vühne anzumelden Oei mir geſlaklet— wolll' beftei'n ihn von der Lafl Des Völüchens, das voll gier'ger Hafl. „Auf meine Slacheln will ich hundetlweis ſie ſpiehen“— Bprichl er—„Iteund Fuchs, du ſollſt dann Nuhe bald geniehen!“— „„Potſichl!““— ſagl Jener drauf—„„Freund, khu' es lieber nichl; 5 Laß, bille, nur ihr Alahl vollenden dies Gezüchl! Die ſind nun ſalk; gehn ſie, gleich werden Andre kommen, Von deuen werd' ich dann noch ärger milgenommen.““ Alikeſſer gibt's nut gar zu viel bei uns zu Land, Alan findel ſie bei Hof, im Nalh, im Richlerfland. Ließß Ariſlokeles doch von den Alenſchen gellen Dies Alärchen; und iht Alle wib'l's, Daß die Veiſpiele gar nichk ſellen. Je ſalter dieſes Volk, je minder lällig iſt's. 6 σ ſ NCCSNN 0 E Nν. ννν ⏑ο 0 II. 84 334 ZBwölftes Buch. Vierzehnte Kabel. Aun Amor ift höchſt ralhſechaſl Dioch Alles: Köchet, Bfel, Fackel, der Kindheil Sage, Die Tiefen dieſer Wiſſenſchaft Erſchöpft man nichl in einem Tage. Die zu ergründen denk' ich nicht, das wär' ein Spoll; Aur zu erzählen hab' ich hiet mir vorgenommen, Vie dieſer Vlinde—'s ifl ein Goll Vie dieſer Blinde um ſein Augenlicht gekommen; Ie e AAe U eregreer Amor und die Thorheit. Zwölftes Buch. Vierzehnte Fabel. Des Anglücks Folgen dann— oder ifl's gar ein Glück? Das richl' ein Liebendet, ich krele gern zurück. Die Thorheik und Amor ſpielken einſt guler Dinge Alikſammen; dieſet war dazumal blind noch nicht. Dabei kam es zum Olreil; Amor begehrk:„Alan bringe Es vor der Göllet Schiedsgericht!“— Der Anderu ſchien zu lang die Bache, And ſie ſchlug ihm ſo heflig ins Geſichk, Dah mer verlor der Augen Lichl. Venus verlangle Sühn' und Nache. Aluller und Veih— man kann ſich denſten ihr Geſchtei! Beflürzl eilk jeder Golk herbei, Zeus, Nemeſis und auch die drei Nichler der Anlerwelk, zuletzt die ganze Vande. In voller Grählichtkeik läbk ſie den Itevel ſehn: Iht Sohn könn' ohne Dlock nichl einen Schrill mehr gehn; Zu gtoh ſei keine Skraf' und harl für ſolche Schande, And auch der Schade ſei ſchwer wieder gulgemachl! Nachdem man Alles wohl bedachl Veturkheill das Getichk— nalütlich ließ ſich's leiken Nur vom gemeinen Vohl und jenem der Vatkei'n— Die Thorheit, nun füt ew'ge Zeilen Goll Amots Führerin zu ſein. Zwölftes Buch. Künfzehnte Kabel. 336 2 Lünlzehnte Fubel. 25 S Ver Rabe. die Hazelle. die Schildkröte und die Ratte ** An Frau Uon Kl Sablidre. 9 Jern hätt' ich Dir ein Denſimal hingeſtelll Inm Liede, unvergänglich wie die Well. Schon hab' ich ſeine Dauer feſt gegründel Auf jene Kunſt, die von den Gölkern ſtamml, And auf die Gollheit, deren Vriefleraml In dieſem Tempel Veihrauchopfer zündel. —— ·˙ Zwölftes Buch. Künffehnte Kabel. 337 Des Thores Inſchriſt ſagle, Dit zum Nuhm: „Dies ift der Göllin Iris Heiliglhum“— Nichl Jener, die zu Juno's Dienfl erſchienen; Denn Juno ſamml der Gölker hohem Herrn Huld'gen der Aleinen, und ſie rühmlen gern Der Ehre ſich, als Bolen ihr zu dienen. Als Völbung: der Olymp in voller Vracht, Iris umäleidend mik gölllichet Nlachl, Sie ſetzend auf nen Thron von Lichlesſtrahlen; And an den Vänden wäre angebrachl Ihr Lebenslauf— ein Bloff, gemachl zum Alalen, Ob arm auch an Vegebenheiken und Handlungen, dran die Blaalen gehn zu Grund. Den Hinkergrund dann ſolll' iht Vildniß ſchmücken: Ihr holdes Lächeln, aller Augen Lull, Die Anmulh, ſiegreich flels, doch unbewuhl, Ihr Neiz, dem Alles huldigt voll Enkzücken. Alenſchen, Heto'n, Halbgölker, ja ſogar Auch Göller ließ' ich ſehn zu ihren Füßen; Kurz, was die Velk verehtt, käm', ſie zu grüßhen And Veihrauch ihr zu flreuen am Allar. Der Beele Schätze lieſ“ ich leuchkend ſchauen In ihrem Vlick, zwar unvollkommner Atl; Denn dieſes Herz, das ſlark und doch ſo zark All' ihren Fteunden ſtets ſich offenbart, Den Geiſl, vom Himmel flammend, der gepaark II. 85 338 Zwölftes Zuch. Fünffehnte Kabel. Des Alannes Dlärke mil der holden Frauen Anmulh, kann man nicht ſchildern wie man will. O Itis, die Du ſiegreich aber ſlill. Alles bezauberſt, die mil gleicher Liebe Alan liebl wie nur ſich ſelbft— nicht von dem Triebe Der Teidenſchaft red' ich; denn, wie bekaunl, Iſt dieſes Worl von Deinem Hof vetbannk— Laß) meine Nluſe, was mil flüchl'gen Händen Ich hier enkwarf, ausführend einſt vollenden! Dir zu Gefallen hab' ich meinen Vlan Von einer Fabel hier Dir kundgelhan, Die von der Freundſchaft Verlh ſolche Veweiſe Aus hinſtellt, dah ſie, wenn ich nichl geirrk, Ein wenig Deinen Geift erheilern wird. Zwar ſpiell ſie nicht in hoher Türflen Kteiſe; Doch was Du ſchätzeſt, iſt— feft glaub' ich dran— Ein König nicht, der nimmer lieben kann: Es iſl ein Alenſch, bereil ſich hinzugeben Für ſeinen Freund— ach! ihre Zahl iſl klein. Vier Thiere, die in kreuer Ftreundſchaft leben, Alögen den Alenſchen hier ein Veiſpiel ſein. Der Vabe, die Gazell, die Nall' und die Schildktöle Vohnlen beiſammen einfl in kreuer Btüderſchafl. Der Ork war unbeltannl den Nlenſchen; das erhößle Ihr Glück und macht' es dauethafl. Zwölftes Zuch. Künfzehnte Fabel. 339 Doch, ach! der Wlenſch weil) ins Verbotgenfle zu dringen: Bitg lief in Aleetes feuchlet Grufl, In Wüllen dich, fleuch in die Tuft, Nimmer enkgehſl du doch ſeinen geheimen Schlingen. Gazellchen ging harmlos luflwandeln. Jenes Thier, Das leid'ge WVerktzeug roher Gier, Das flels dem Jäger ſeine Veule Zulreibl, der Hund, hal bald im Gras ſie aufgeſpürk. Die flieht. Als nun das Nlahl die Drei zuſammenführk, Itagle die Nakle:„Dagk, wie kommk es, daß wit heule Nur unſet Drei bei Tiſche ſind? Hal die Gazell' uns ſchon vergeſſen ſo geſchwind?“— Alil laukem Behgeſchtei erwiderk Die Schildkröl' auf der Nalle Vork: „Vär', gleich dem Vaben, ich geſiederk, Im Zugenblicke flög' ich fork, Am nachzuſehn, wo, feflgehallen Durch lück'ſchen Zufalls feindlich Wallen, Auſte leichlfüß'ge Freundin weill; Denn was das Herz bekrifft, urkheilſt du übereill“— Fork fliegt der Nab' in Vindesſchnelle; Bald ſiehl von fern er die leichlſinnige Gazelle, Gefangen durch der Ochlinge Zug. Zu den Genoſſen kehrk et heim in eil'gem Flug; Denn ſie zu fragen, wie, warum, mik welchem Jug Die käm' an dieſe Auglücksſtelle, 340 Zwölftes Buch. Künffehnte Kabel. Alik Neden zu verlhun die Zeit— wie, dumm genug, Vohl ein Schulmeiſler brav und bieder Gelhan— dazu war er zu klug. Der Vab' alſo fliegt hin und wieder. Es hallen klugen Nalh die Dtei; Der Vabe ſptichl:„Eilen wir Zwei Jetzt nach der Ställe zu gelangen, Vo die Gazelle liegl gefangen! Die Drille bleibt, daß ſie der Vohnung Hüler ſef; Denn langſam wie ſie gehl, wann käm' ſie wohl zur Bkelle? Vann längſl verendek die Gazelle!“— Geſagl, gelhan: es machl das Vaat ſich auf in Eil', Der lheuren Freundin beizuſlehen, Dem armen Neh der Vergeshöhen. Ochildlitölchen nähme gern dran Theil, Sie ſucht den Veiden nachzugehen, Fluchend dem kutzen Tub, der ſie nichk vorwätks brächt', And dah ſein Haus mik ſich mühl' ſchleppen ihr Geſchlechl. Alaſchenfraß— alſo heibt die Nalle, und mit Nechl— Nagl ſchnell die Schling' entzwei; denlik nut, wie ſie ſich freule! Der Jager komml und fragl:„Ver flahl mit meine Veute?“— Ala ſchenfraß hal ſofott ſich in ein Loch gedtückl, Der Nab' auf einen Vaum, ins Holz ſlieht die Gaͤzelle. Da ſieht der Jäger, halb verrückt, Veil neue Veule nicht zut Seelle, Die Schildttröl', und nun watd ſein billter Gtimm verſüßl. Zwölftes Buch. Fünfzehnte Cabel. „Veßhalb“— ſprichl er—„ſoll ich denn wülhen? Die ſoll zum Abendbrol den Ochaden mir vergüken!“— Er fleckt ſie in den Sack. Füt Alle häll' gebüßl Die, hätt's der Nahe nichl gemeldel der Gazelle. Die naht aus dem Verfleck in Schnelle, Olellt hinttend ſich und läufl dem Jäger in den Veg. Der jagl ſie und wirfl Alles weg, Vas er krägl. Alaſchenfraß hal Zeil nun, mil Vehagen Des Dackes Alaſchen nach einander zu zernagen, And hilſt auch Der nun aus der Nolh Auf die der Jäger ſich gefteuk zum Abendbtot. Vilpay erzähll es ſo. Wolll' ich Apollo's Gnade Anrufen, machke draus ich einen Heldenſang, Der, wenn es Dir beliebt, ſo breik wär' und ſo laug Wie Odufſee und Iliade. Als erſlen Helden flelll' ich Maſchenfraß hinaus, Obgleich in Wahrheil wohl Jeder gleich wichlig wäte. So ſchöne Veden hiell' Infankin Buckelhaus, Daß Junkter Nab' es ſich zur Ehre Anrechnele, Spion und Vole dann zu ſein. Gaͤzellchen fädelle dann höchſt geſchickl es ein, Dab unſrem Al aſchenfraß der Jäger Zeik müß' geben. Kurz, Jeder ſolll', bald da, bald hier, Handelnd auflrelen wie im Leben. And wem gebührk der Vreis? Dem Herzen, ging's nach mir. II. 86 ο — Zwölftes Zuch. Fünfzehnte Fabel. Freundſchafl, wohin vermag ſie nichl ſich aufzuſchwingen! Das andete Geſühl, die Liebe— mindter Ehr' Ocheinl ſie mit werlh; dennoch etmüd' ich nimmetmeht Zu feiern ſie und zu beſingen. Ach! meinem Herzen kann ſie kleinen Frieden bringen. Du ziehſt die Freundſchafl vot; ſo ſei s: von jetzl an ſlelll Zu ihten Dienſlen ſich mein Lied, wie's immer fälll. Alein Aleiſler wat Amor; mil einem Andern wagen Will ich's und durch die ganze Vell Heinen Nuhm wie den Deinen kragen. Der Wald und der Holzhauer. Zwölftes Buch. Sechzehnte Label. 8 Seiner Axk— ein Verluſt, der ihn gar ſchmerzlich reule, Ihn zu erſelzen, war nichk allzu leichles Spiel, Do dah indeß der Wald ſich ein'ger Schonung ſteule. Demülhig fleht zuletzt det Nlann Den Vald um einen Zweig nur an; Er woll' ihn brechen ganz beſcheiden, 'nen andern Skiel ſich draus zu ſchneiden. 343 344 Zwölftes Buch. Sechzehnte Fabel. Er woll' auch anderwärks ſein Brot zu ſuchen gehn; Die Eichen laß' er und die Tannen tuhig ſtehn, Denen ja Aller und Schönheil Achlung verſchaffen! Harmlos gulmülhig gab der Vald ihm neue Waffen. Er hak es bald bereul; der Schurſte brauchk' in Eil' Nur das neu hergeſlellle Veil, Heinen Vohllhäler zu enlleiden Des ſchönfleu Schmucktes, den er ltug. Der Vald, ach! ſeufzle oft genug— Die eigne Großmulh ſchaffl ihm Teiden. Das iſt der Lauf der Vell: man nimmk Vohllhalen an And wendel gegen die Vohllhäler ſelblt ſie dann. Ich ſprech' nicht meht davon. Venn milde Schalleußallen Ho roher Ochmach zum Opfer fallen, Ver klagle das nichl ſchwer genug? Ach! mag zum Aeberdrub daroh ich ſchtei'n und ſchreiben, Olels werden Andanlt und Veltug Doch an der Tagesordnung bleiben. Zwölftes Zuch. Siebzehnte Fabel. 345 Sirliehnle Fubel. Ver Fuchs, der Mall und da 8 Plerd. 3 816 2 Vur Fuchs, noch jung, doch von den Schlau'flen Einer ſchier, Etblickk zum erſlen Nlal ein Pferd in ſeinem Leben. Er ſprach zum Volf, der auch ein Neuling:„Komm mik mir; Auf unſter Wieſe gtaſ'l ein Thier, Schön, groß, noch kann mein Aug' ſich nichl zuftieden geben.“— „„Il ſlärket es als wit?““— ſtagl drauf det Volf und lachl— „„Ville, beſchreib' es mir doch eben!“ „Vär' ich ein Nlaler“— ſprichk das Füchslein wohlbedachl „Hätl' gern ich dir ſchon jetzl die Freude zugewendel, Die ſpäker dir ſein Anblick machl. 1 87 346 Zwölftes Buch. Siebzehnte Kabel. Doch komm! Ver weiß)? Vielleicht iſt es uns zugeſendel Als Beule, die Forkuna ſpendel.“ Hie gehn. Das Pferd, das hier zur Graſung hergeſchickl, Var juſl nichk ſehr erfteul, als es die Zwei etblickl, Vor ſolcher Freundſchaft wät's am liebflen ausgeriſſen. „Durchlauchl“— ſo ſptach der Fuchs—„es möchlen gat zu gern Dero Ergebenſle auch Ihren Namen wiſſen.“ Das Pferd, das grad' auch nichls an Klugheil lieh vaniſſen, Bagl:„Leſ'l ihn, wenn ihr wolll! Ruf meiner Sohl', ihr Herrn, Hal einzuſchreiben ihn mein Schuſler ſich befliſſen!,“— Der Fuchs enlſchuldigl ſich:„Vin ein unwiſſend KRind Armer Aellern, ein Loch iſl unſet Haus geweſen, Für meine Bildung thal man nichls; dagegen ſind Die Volſe große Herru, drum lerul' auch Dieſer leſen.“ Der Volf, geſchmeichelk und erfteul, Trilt nah; doch hal er's bald beteul: Vier Zähne koflet ihm die Eilellteil, vom Bſerde Ethall er einen Schlag— da liegl er anſ der Erde, Freund Volf, im Bluk und arg zetblänl. „Brüderchen“— ſagl der Fuchs—„das dieul uns zum Veweiſe Deſſen, was Kluge mich gelehtl Auf die Kinnbacken ſchrieh die Lehre dit das Pferd: Einem, den er nichl kennk, lraul nimmermehr der Weiſe. Der Fuchs und die Truthähne. Zwölftes Buch. Achtzehnte Kabel. J. Fuchs geſährdek, hallen ſich Als Feſlung einen Vaum erwählk der Buler Schaaren. Der Schelm umfteiſl den Wall und ſah höchſt ärgerlich Dah Alle auf dem Vofſten waten. Da rief er aus:„Wie? Dies Geſindel ſpoklel mein! And ſollen dem Geſetz Troh bielen ſie allein? Nein, bei den Göllern, nein!“— Er lhal, wie er beſchloſſen. Hell ſchien der Nlond, als wolll', Hertn Neinelte zum Voſſen, 347 Zwölftes Buch. kchtzehnte Fabel. Dem Trulhahnvolk er rechk beweiſen ſeine Gunfl. Der Fuchs, lein Neuling mehr in der Velag'rungskunfl, Hal ſeinen ganzen Schatz ruchloſer Tiſt enlbolen: Er ſetzt, als klellte er, ſich auf die Hinlerpfolen; Vald ſlelll er kodk ſich, bald als ob erwachk er wät' Hanswurfl könnk' beſſer nichl als er Oo viel verſchiedne Vollen ſpielen: Er wedell mil dem Schwanz— kurz, er machl, wie geſagk, Spähbe, wie ſie ihm grad' einſielen, Indeß kein Vulerhahn nur einzuſchlummern wagl. Der Feind ermüdek ſie, da ſie den unverwandlen Blick ſlels auf einen Vunck nut ſpannlen. Die Rermflen fielen, ganz geblendel mik der Zeil, Eins nach dem Andern ab; gleich ſchafft' er ſie bei Seil', Aud ſchlieblich unlerlag die Hälfle faft vPon Allen. Er birgl im Vortalhsſchrank ſie, bis er ſie verſpeifl. Zu änglllich die Gefaht beachken, ifl zumeiſl Der bebhle Weg— hineinzufallen. Zwölftes Buch. Neunzehnte Fabel. 349 Us lebt ein Aſſe zu Vatis, Dem eine Gallin man gegeben. Als Aſfe manches Eh'manns wies Er ſich: er ſchlug ſie. Ach! ihr Leben Verſeufzl das arme Veib, bis ſie der Tod beſteit. In Klagen hal ſich überboken Ihr Sohn. Amſonſl, wie er auch ſchreil; Der Vater lacht, da ſlall der Todlen I. 88 3⁵0 Zwölftes Buch. Uennzehnte Kabel. Er Andre ſchon in Liebe lirtt, Die er, wie Jene, ſchlagen wird; Oft ſoll er krunken ſich umher in Kneipen kreiben. Von dem Nachäffervoll kam nimmer Gules noch, Alag's Afſe ſein, mag's Vücher ſchreiben; Schtiflfleller ſind die Schlimmſlen doch. Bwölftes Euch. Zwanzigſte Fabel. 351 Aunnzigsie Pubel. Ler lenthilche Pfiſtlarf, 2 .νν 04 6, 4 9 De· Qin ſlrenger Vhiloſoph, in Scykhien geboren, der mildre Lebensarl auf einmal ſich etkoren, Reiſle nach Griechenland, wo er'nen Veiſen ſah, Vergil's berühmkem Greis ähnlich, die Thotheil meidend, Den Kön'gen gleichgeſlellk, den Göllern ziemlich nah' And, wie die Letztern ſtill, nichls in der Velk beneidend, Der ſein Glück in det Vrachk'nes ſchönen Garkens fand. Der Scylhe ſah ihn dork, das Aleſſer in der Hand, — Zwölftes Buch. Zwanzigſte Fabel. An ſeinen Gbllbäumen unnützen Trieb beſchneidend, Die ſlutzend, und wie er der üppigen Nalur Bald Einhall lhal und bald ſie ſchonle, Die ſeine Nlüh' ihm reich mik Vucherzinſen lohnle. Det Scythe ftagl:„Vozu doch nur All' die Zerflörung? Darf der Veiſe ohne Gnaden Der armen Creakur anthun ſo billres Leid? Gib mit dein Aleſſer het, das Wetkzeug lhut nut Schaden; Laß das dem Senſenſchnill det Zeik: Die wandern bald genug zu Acherons Geſladen!“— „„Das Schlechle ſchneid' ich ſokk““— ſpticht Jener—„,dann gedeihl Der Veſt zu gröhrer Ftuchlbarkeik.““— Der Ocuthe, heimgeſehrl nach ſeinem Land, dem lallen, Greiſt nun zum Aleſſer, flutzt, was nut das Zeug will hallen, Rälh ſeinen Freunden und Nachbarn und ordnel dann Ein allgemeines Schneiden an. Die ſchönſten Zweige hauk er ab in ſeinem Gatlen, Verflümmell jeden Vaum ohn' allen Binn und Grund, Ohne der Jahreszeilen und Der Alonde Vechſel abzuwarten. Nicht lang', ſlatb Alles ab. Der Scuthe gleichl genau Dem Skoiker, der, hatk und tauh, In unſter Seele ſuchk zu dämpfen Sehnſuchk und Leidenſchaft, ganz gleich, ob gut, ob ſchlechl; Zwölftes Buch. Zwanzigſte Fabel. 35 Der kleinſle Wunſch iſl ihm nichk rechl. Olels werd' ich dieſes Volkt, ſopiel ich kann, beltämpfen; Dem Herzen wird durch ſie die beble Ktafk zerſtörk, And eh' man flirbl, hal man zu leben aufgehörk. IL. 89 354 Zwölftes Zuch. Einundzwanzigſte Kabel. Winſt ſirilten Elephanl ſich und Vhinoceros 0 O Am den Votltill im Reich, bis endlich dieſe Frage Durch einen offnen Kampf zu ſchlichlen man beſchloh. Schon wat der Tag beſlimmt, da ploötzlich geht die Sage, Es ſchwebe mil dem Heroldsſlab Der Affe Juppilers hoch aus der Lufl herab. Der Affe hieß Hanswurfl, ſo meldek uns die Alãte; Feſt glaubl der Elephank, er wäte Zwölftes Euch. Einundzwanzigſte Fabel. Als Vole aus der Göller Land Zu Beiner Hetrrlichtkeil geſandl. Er warkek, ſlolz auf dieſe Ehre, Auf Herrn Hanswurſt und meinl, daß et rechl ſäumig ſei, Ihm ſein Accrediliv zu Fühen Zu legen. Endlich kommk vorbei Hanswurſt, ihn flüchlig zu begrüßeen. Auf eine Volſchaft hartk des Elephanlen Ohr. Kein Votk davon. Der Göllet Chor, Von dem er wähnk, daß er auf ſeinen Blreil geſpannk war, Denlek gar nichk dran, da er dork nichk einmal bekannl war, Den Himmliſchen iſt's einerlei, Ob Müück', ob Elephank man ſei! Nun fing er ſelber an:„Auf ſeinem hohen Throne Vitd ſich mein Velter Zeus in nächſter Zeik zerflteu'n An einem lufligen Gefechl, und zweifelsohne Vitd dran ſein ganzer Hof ſich freu'n.“— „„Velch ein Gefechl?““— fragk drauf det Affe.„Beib nichl jede Gollheil, daß mit den Nang“— ſo ſpticht der Elephant— „Das Nashorn ſtreilig machl, und Elephankenland Alik Nhinocerien drob liegl in blut'ger Fehde? Du kennft die Skaalen doch? Alan rühmk ſie nah' und ſern.“— „„Dah ihre Namen ich von dit jetzt kiennen lern', Vahrhaflig, fteut mich!““— ſagt Hanswurfl—„„Kaum ilt die Nede Von ſolchen Dingen je in unſtem hohen Saal.““— Erſlaunk und höchfl beſchämk zumal, 356 Zwölftes Zuch. Einundzwanzigſte Fabel. Itagl ihn der Elephanl:„Was kamfludu denn hernieder?“ „„Ein'gen Ameiſen bracht' ein Hälmchen ich zu Thal; Füt Alles ſorgen wir. Auf deinen Bkreik nun wieder Zu kommen: Miemand ſiennk ihn in der Göller Neich; Groh und Klein, Alles iſt in ihren Augen gleich.““ Zwölftes Buch. Zweinndzwanzigſte Fabel. 4 it Steinwürfen verfolgk ein Narr einfl einen Weiſen. Der Veiſe kehtt ſich um und ſpricht:„Das war von dit Heht gul gemachk, mein Freund; nimm dieſen Thaler hier. Du quälſl dich wahrlich ſehr, und zu ſo niedetn VPreiſen! Denn jede Alüh' iſt werlh des Lohnes ſichetlich. Dieh dork den teichen Nlann, der hal viel meht als ich; An Den hall' dich, er wird dir deinen Lohn ſchon geben!“— Ho lockt ihn der Gewinn, dah er den Neichen eben 30 —4 4 10 Zwölftes Buch. Zweiundzwanzigſte Fabel. Alik gleicher Frechheik übetfälll. Er wurde gul bezahlt, doch diesmal nichk mik Geld: Ochnell nahen die Lakai'n, man ktiegt den Kerl beim Kragen, And er wird ütumm und lahm geſchlagen. Bei Hof gibl's ſolche Narren; ihren Herrn Bringen auf eure Kolflen ſie zum Lachen. Alochtel iht für iht Schwatzen ſie nichl gern Abllraſen gleich? Ihr ſeid, um das zu machen, Vielleicht zu ſchwach. Weiſl ſie an einen Alann, Der flatk genug, dah er ſich rächen kiann. Der engliſche Fuchs. Zwölftes Buch. Dreiundzwanzigſte Kabel. Ver engliſche Ruchs, Aun Mliſtreß Haroeh. „In Dir iſt gules Herz und grader Hinn gepaark 82 Alit hunderl Tugenden— hier ihrer zu gedenken, Zu viel— Adel der Beel' und ein Talenk, zu lenlten Der Dinge wie der Alenſchen Art, Ein freud'ger Nlulh, kreu wahrſl die Freundſchafl Du dem Kreiſe Der Freunde ktotz des Zeus und flürm'ſchet Zeil Angunfl. All' das verdienle wohl ein Lob voll Vomp und Kunſl, — —— ...... . 3 N EI .7 N. 36 —4 . — 360 Zwölftes Zuch. Dreiundzwanzigſte Fabel. Vär' nichl am wenigſten juſt dies nach Deiner Veiſe: Vomp magll Du nichk, Lob iſt Dir widerliche Speiſe. Ich machk' es alſo kurz und ſchlichk; nur füg' ich bei Ein flüchlig Wörllein oder zwei Zu Deines Vatetlandes Pteiſe. Du liebſt es. Englands Voll iſl an Gedanlten reich And lief— darin ſind Geiſt und Hetz einander gleich, Gründlich im Forſchen, reif an Arlheil und Erfahrung, Jördetl's der Wiſſenſchafl flets neue Offenbarung. Aichl leere Schmeichelei ſprech' ich damik Dit aus: Aleht als ein ander Vol dringk Ihr durch bis zum Gtunde; Die Hunde ſelbfl bei Euch zu Haus Dind findiger als unſte Hunde. Auch Eure Füchſe ſind weil ſchlauer; als Veweis Führ' ich Dir einen an, der, heiſz Bedrängl,'ne Kriegsliſt einfl erfunden, Auf die, ſo neu als ſein, er ſeine Hoffnung ſetzl. Der Schelm, aufs Reußerſle verfolgt von jenen Hunden Alil ſeinet Naſ', und fafl zu Tode ſchon gehetzl, Kam nah votbei am Hochgerichke; Dork war manch wildes Thier— vermengt Dachs, Eule, Fuchs und Luchs, kurz, lauler atge Wichle— Als warnend Veiſpiel für den Vandter aufgehängt. Bei dem Gebell geſelll ſich Meinelke den Leichen. Ich ſehe Hannibal, umdrängk von Nömern, flugs Zwölftes Guch. Dreiundzwanzigſte Kabel. 361 Die irreführend, daß von ſeinet Spur ſie weichen And ihren Händen er enltinnk, der alle Fuchs! Als an den Ork gelangt der Aleule Leilhunde, wo zum Schein der Schallt den Tod ſich gab, Belllen ſie laut; allein bald rief iht Herr ſie ab, Oöwohl zum Himmel auf erſchallt ihr hell Geläutes— Auf ſo ſcherzhafle Liſt kam nimmer ſein Verdachl: „Ein Loch“— ſprichl et—„hal ihn in Sicherheik gebrachl; Die Hunde ſchlagen ſonſt nichl an vor Säulengängen, Daran ſo nelle Vurſchen hängen. Der kommk mit noch!“— Er kam, nicht guk hak er's gemacht, Dachshunde hallen ſeiner Achl. Emporzuklimmen hal Herr Neinele gedacht: Er meinle, da er hing, es würd' ihm ſo gelingen Wie damals, als er aus der Schlinge zog den Kopf, Doch anders kiam's, er biß ins Gras, der arme Tropf! Alan mul) Abwechſ'lung flels in alle Ktiegsliſt öringen. Der Jäger ſelber, gäll's auch ſeine Velkung gleich, Häll' ſicher nimmermehr erfunden ſolchen Blreich; Nichl weil's an Geifl ihm fehll'— wer möchle wohl beſlreilen, Dah jeder Brike Geiſl genug hal? Ausgeſetzl Nur iſl er manchen Fährlichlieiken, Weil er gering das Leben ſchätkl. Nochmals zu Dit! Doch nichl der Feier All' Deiner Tugend gilk mein Bang; . 91 362 Zwölftes Buch. Dreiundzwanzigſte Fabel. Für langer Lobeslieder Klang Geſlimmk iſt nimmer meine Teier. Ein kurzer Vers, ein kleines Lied, Von Weihrauchdufl durchwehl, erfreul die Vell und ziehl Weik durch die Lande bis zu ſernſles Aleetes Vogen. Dein Fütſl ſagl, lieber jedenfalls Dei ihm ein Pfeil von Amor als Ein Loblied von vier ganzen Vogen. Nimm ſteundlich dies Geſchenlt, zu dem noch aufgerafft Hich meine Aluſ' in letzlen Nölhen; Hie bringt's mik ſchämigem Ettöthen, Veil's ſo gering und mangelhaft. Könnl's dieſer Huld'gung nichl gelingen, Auch Ihren Veiſall zu etringen, Hie, deren Ruhm erfülll Dein Valerland, darin Die Beblen aus Euthera flammen? Du ſiehfl: Alazarin hab' im Sinn Ich— Sie, die Schutzgöllin der keuſchen Liebesflammen. Zwölftes Buch. Vierundzwanzigſte Kabel. Beiſland und Schutz von je verliehn: Krieg, Armulh, Angemach und Nolh ſah nur von ſerne Dies neidenswerkhe Vollt an ſich vorüberziehu, Vohl hunderk Orle zähll' es ſchon zu ſeinem Neiche. Das Volſ der Ftöſch'— ich nenn' die Könige der Teiche (Für kleine Ding' ein großes Votl, Zwölftes Zuch. Vierundzwanzigſte Kabel. Iſt das nichl wohlfeil und allläglich?)— Lehnk gegen Die ſich auf, die immer Schirm und Hotk Ihm war und ward ſchier unerktäglich. Hochmuth und Auverſland, ſchnöder Andank dazu, Des Glücks mißralhne Kindet, machlen, Dab dieſe Läſligen ein groß Geſchrei vollbrachlen— Kein Vierkelſlündchen hal man Nuh'. Volll' man auf ihr Alurten hören, Alühten Alle ringsumher, Groh)' und Kleine, gegen der Schöpfung Auge ſich empöten. Die Sonne, meinken ſie, richl' Alles noch zu Grund; Jetzt gäll's, ſich ſchnell zu wappnen und nen flarken Heerbann auszuheben. Ging' ſie noch weiler, ſchicke gleich Qualende Volſchaflen eben Alan an jeden Blaat im Neich! Hält' man ihnen glauben ſollen, Alüß'le ſich des Erdballs Nollen And die Vell ohu' ſlill zuſtehn, Am vier ſumpf'ge Pfützen drehn. Dieſe unverſchämlen Klagen Dauern forl; doch ſolllen die Fröſche nichl zu mutten wagen, And am klügſlen ſchwiegen ſie. Zwölftes Buch. Vierundzwanzigſte Kabel. Solll's der Sonn' einmal nichl paſſen Tränkt ſie's ihnen gtündlich ein; And das dürfle wohl der naſſen Nepubli empfindlich ſein! 5 43 365 ——„—6 366 Zwölftes Buch. Fünfundzwanzigſte Kabel. Uin Mauslein fürchlet eine Katz, die iht auflauerk längſt auf allen Vegen. Vas khun? Votſichlig, doch um gulen Nalh verlegen, Eill es zum Nachbar hin; dies war ein Aleifler Natz Der als Durchlauchl'ge Gber-Valle In gulem Wirlhshaus ſeine Vohnung hakke And hunderkmal ſich tühmle, wie man ſagt, Er fürchle Kaler nichl noch Katzen, Veder ihr Veißen noch ihr Kratzen. „Frau Nlaus“— ſpricht der Vrahlhans, als ſie ihn ſtagl ffffffff fgNN0N N 0 NN0 W 0 N W W 5 Der Bund der Batten. NN 0 0 00 N 06 + W.S ö 0 N 1 Zwölftes Buch. Fünfundzwanzigſte Fabel. 367 „Bei Golll wollkl ich's auch wagen, Den Haler, der dit droht, kann ich allein nichk jagen; Doch rufen rings die Nalten wir ſogleich Zuſammen, und ich ſpiel' ihm einen Slreich!“— Die Alaus machl einen lieſen Knicks; enlſchloſſen Eill ſchnell der Natz hinab die Sproſſen Zum Vorrathsleeller, wo als luflige Genoſſen Der Nallen ganze Schaar Er kraf in Saus und Braus beim Ochmaus, dem Wirlh zum Voſſen. An kommk er, hoch geſltäubl das Haar And außer Alhem ganz und gar. „Vas haſl du denn?“— ſo fragk ihn Eine—„Leg's uns dar!“— „„Vas ich will““— ſprichk et—„„iſt geſagt in wenig Vorken: Zu helfen gill's det Nlaus, und zwat in höchller Eil'; Denn Kaler Heuchelgeil Alordel jetzt furchlbar aller Orken. 6 Der Teufel unkerm Katzenhauf, 35 Hak keine Alaus er mehr, ftibt er uns Natzen auf!““ Alles tufl:„Das ifl waht! Auf, laßt uns Vaffen holen!“— Zwat ein'ge Nallen, ſagk man, weinken ganz vetflohlen; Doch edel iſt das Ziel, und nichls hemmk ihten Alulh: Ein Jeder rüflel ſich geſchwinde, Thul ſchnell in ſeinen Sack ein Dlückchen Käſerinde And ſchwötl dann einzuftehn im Kampf mil Gul und Blul. Alil heilrem Herzen, freiem Kopfe Ziehn ſie hinaus, als ging's zum Feſt; 368 Zwölftes Zuch. Fünfundzwanzigſte Kabel. Doch auch die Katz' iſt ſchlau und lähl Das Aläuslein nicht, das ſie ſchon hal beim Schopfe. Im Blkurmſchtikt rücken kühn ſie vot, Die gule Freundin zu beſteien; Die Katz', die's Aläuslein nichl vetlor, Gehl knurtend los jetzl auf die feindlichen Varkeien. Doch kaum ltaf dieſer Schall ihr Ghr, Als ſchon, das Auheil, das vertuchle, Fürchlend, ohn' allen Kampf der kluge Nallen-Chor Dein Heil in ſchnellllem Nückzug ſuchke. Schleunigſt flieht jede Nalk' ins Loch; Guckt Eins heraus:„Vahl auf! Die Katz'!“— heißl's heule noch. Daphnis und Alcimadura. Zwölftes Buch. Sechsundzwanzigſte Kabel. 369 Sechsundzwunzigsle PFubel. Vafhnis und nach Theokrit. An Frau dle la alefangzte. Iν I holdes Kind der anmulhyvollen Wuller, die Tauſende von Herzen fleks gewinnl Die nichk gezähll, die Dir als Freunde gellen wollen, And Ein'ge, die durch Tieb' an Dich gefeſſelk ſind— Ich muß Euch beiden Huldgenoſſen, Dir und Iht— Wem gebührk der Breis? Den Veihtauch kheilen, der auf den Varnaß enlſproſſen, And dem gar füßen Dufl ich zu enllocken weiß. 370 Zwölftes Buch. Sechsundzwanzigſte Cabel. Ho ſag' ich Dir——— doch Alles ſagen, Zu viel wär's; drum ſei ausgewähll, Vas Olimm' und Leier noch verkragen, Denen's, ach! nur zu bald an Krafk und Nluhe ſehll. Alir gill's hier nur, ein ſanſl empfindend Herz zu preiſen, Adel der Seel', Anmulh und Geiſl; wem fiel' es ein, Als Deine Aeeiſlerin darin ſich auszuweiſen, Außer Ihr, deren Lob des Deinen Viderſchein? Ochau, daß nicht zu viel Dornen ktagen Die Noſen, lrill einmal heran Amor, Dir Aehnliches zu ſagen Er ſagt es beſſer als ich's kann; Auch ſflrafl'er ganz gewiß, Die ſeinem Nalh verſchloſſen Jhr Ohr. Gleich ſollſt Du's ſehn, gib Acht. Ein junges Alädchen, reizumfloſſen, Verachlele den Golt und ſeine Wundermachl. Alcimaduta hieß die Blolze, Ein wildes Veſen, leichk hüpfend durch Wieſ' und Vald, Auf Naſen lanzend, ſich bergend im dichlllen Holze, Der in der Vell nichls heilig gall Als ihre Launen; ſonſl der ſchönflen Schönen gleichend, Die Grauſamſle mehr als erreichend, And doch liebreizumhülll krotz ihter rauhen Art Vie erſl, war' alles Dies mil Alild' und Huld gepaark! Daphnis, ein junger Hirk, ſchön und von edlem Olamme, Zwölftes Buch. Sechsundzwanzigſte Kabel. Liebt ſie— zum Anglück: nie gewährle ſeinet Flamme Nut einen flüchk'gen Blick, ein Vörlchen, noch ſo klein, Noch die geringſle Gunft dies Herz, ſo hatk wie Bkein. Alüde, noch länger fork ſo hoffnungslos zu werben, Duchl er den Tod; Verzweiflung reibt Ihn auf, zu der Grauſamen lteibl Die ihn, vot ihter Thür zu ſletben. Ach! nut den Vinden klagl er ſeinen Schmerz, den herben; Alan öffnek nicht, verſchoſſen bleibl Das Auglückshaus, in dem, von Freundinen umgeben, Die Atge, zu erhöhn des Wiegenfefles Glanz, Der eignen Schönheik Blülhenltranz Noch durch den üpp'gen Flor der Gärlen ſuchk zu heben. „Vor dir zu flerben, war mein letzles Hoffen fafl; Allein ich bin dit zu verhaßk!“— Rief et—„Nichk flaun' ich, daß ſo weil den Haß du ſleigerſt, Dab, wie die andern, mit auch dieſen Wunſch du weigerſt. Nach meinem Tode ſoll mein Valer— dahin gehl Alein Auflrag— dir zu Fühben legen Das Erbe, das du flolz vetſchmähl, Die Veidekriften und det Wieſen reichen Begen, All' meine Heerden, meinen Hund. Jernet ſoll man auf meinem Gtund And Boden einen Tempel bauen, Darin dein Vildniß iſt zu ſchauen. Otels ſchmücke den Allar ein ftiſcher Vlumenflor; 371 ·0 Zwölftes Buch. Sechsundzwanzigſte Kabel. Ein einfach Denkmal ſteh' nah bei des Tempels Thor, And dieſe Inſchtiſt krag' ſein Nahmen: „OYleh', Wanderer, und wein'! Hier ſlath den Liebeslod Daphnis; er unlerlag, ſich heugend dem Gehol Alcimadura's, der Grauſamen.“ Bei dieſem Namen ſchnill die Varz' ihm ab das Vorl, Gern ſpräch' er weiler, doch es taffk der Schmerz ihn fort. Die Otolze ltilt heraus, mik einer Vlumenkrone Geſchmückl. Vergebens flehk man ſie um einen Vlick, Am eine Thräne für des Liebenden Geſchick; Nur ihren Hohn übk ſie an Eulherea's Sohne: Zu ſeiner Säule führk, ſeinem Gebol zum Opoll, Die die Gefähtkinnen, ſich dotk im Tanz zu wiegen. Am ſlürzl und nieder ſchlägl im Fallen ſie der Goll Eilende Vollien ſiehk man fliegen, And eine Slimm' erſchallk in Lüflen weik umher: „Nun liebe Jeder! Die Herzloſe ift nichk mehr!“— Des Daphnis Schallen, der zum Styæ hinabgefliegen, Bebt, wie er ſie erſchaul. Der ganze Hades ſiehl Die ſchöne Alörd'rin vor dem Schäfer lief bereuen. Amſonfl! Et ſliehl ſie, wie Ajax Alyſſen fliehl, Vie den Reneas fliehkt Dido, den Augeltenen. Zwölftes Buch. Siebenundzwanzigſte Kabel. 3 — Siehbenundzunmigsle Pubel. ger Nichter, der Rrankenplleger und der kkinliedlet. 4 tei Heil'ge, gleich beſorgk für ihrer Seele Nuh', SHttebten im ſelben Geiſl demſelben Ziele zu, 3 Doch nicht auf gleichem Vfad. Es fühten, wie wir wiſſen, Alle Vege nach Rom; dtum ſchien es unſern Drein, Am beßblen ſchlüge man verſchiedne Skraßen ein. Der Eine, ſlels im Kampf mil Sorg' und Hinderniſſen, Wie bei Proceſſen ſie nicht zu vermeiden ſind, Etbot ſich, ohn' Enlgelk zu richken alle Sachen; Er dachle nichk daran, hienieden Geld zu machen. Als Alann des Nechles ifl ein jedes Alenſchenliind II. 94 0ο Bwölftes Buch. Siebenundzwanzigſte Fabel. Zu Zanli und Olteil verdamml die Hälfle ſeines Lebens Die Hälfle? Alehr, und oft ſein ganzes Leben lang. Der Heiland hoffle noch zuletzt den kollen Drang, Die ſchlimme Teidenſchaft zu heilen, doch vergebens. Der Krantenpflege hal der Andre ſich geweiht. Ich lob' ihn; dieſe Form der Alenſchenftenndlichkeit Scheint die vorzüglichſle mit ohne jede Frage. Die Krankien, damals ganz genau wie heulzulage, Alachken das Leben oft dem armen Vfleger ſchwer Durch Nlißmulh, Angeduld, Klagen, die nimmer ſchwiegen: „Am Den und Jenen dotk kümmerl er ſich weil mehr! Die hal er gern, uns lähluer liegen!“— Viel ſchlimmer noch als dies wat die Vetlegenheil Für Den, der eingeſetzt als Vichler in dem Blkreil: Er macht' es Keinem rechl; was auch ſein Spruch beſage, Ihn loble keine der Varkei'n; Der Richler hiell, nach allen Zwei'n, Doch ungleich ſlels des Nechles Vage. Dergleichen Zank verdroß den Richler, und er eill Zum Kranſenhauſe, wo ſein Iteund als Vorfland weill. Da Beide nichls zum Lohn als Klag' und Alurten hallen, Legen belrübt iht Aml ſie nieder, Ttoſt im Leid And Tind'rung ſuchend in des Valdes Einſamkeeiil Dork, unler rauhem Fels, an klarem Ouell, im Schallen Der Olille, der nicht Slurm noch Bonne jemals nahl Finden den Driklen ſie und fragen ihn um Nalß. ——— W W WI N N WX. 00 Der Richter, der Krankenpfleger und der Einſtedler. Zwölftes Buch. Siebenundzwanzigſte Fabel. „Den kaun“— verſetzl ihr Freund—„ſich Jeder ſelbſt nur geben. Ver außer euch weibh, was euch nolh? Bich ſelbft erkennen, iſt das wichligſle Gebol, Das allen Slerblichen der wige gegeben. Habt in der bunken Vell ihr je euch ſelbll erkannl? Alan kann's nur, wo man Nuh' und kraule Slille fand; Ducht Einer anderswo dies Gul— vergebnes Blteben! Trübl Vaſſet: ſchaul eu't Vild heraus? Mührt dies hier auf: wie ſehn datin wir Alle aus? Ihr ſehet Schlamm nur, ſchmutzig grauen, Der jedem Spiegelbild ſich grade widerſehl. Nun, Brüder, watlel ab, bis es ſich wieder ſetzl, Dann werdel euer Vild iht ſchauen. Duchk Selbflbelrachlung ihr, ſo wähll die Wüflenei.“— Do ſptach der Eremik, es khalen Gläubig die Zwei, wie er zu ihtem Heil geralhen. Nicht als ob jedes Aml gleich abzuſchaffen ſei. DBolang' es Ölteil und Tod und Krankheil gibl im Leben, Ilellen von ſelbſl ſich Rerzl' und Advocalen ein— An Veiden, Golt ſei Dank, wird nimmer Alangel ſein; Dafür mag Ehr' und Geld uns ſichte Bürgſchaft geben. Doch wer fürs Ganze lebt, verlierk ſich ſelbet fafl. Ihr, die fürs Volk ihr kragt all' jener Sorgen Laſl, Fürflen, Alinifter und Beamle, Die zu raflloſet Haft das Schickſal oft verdammke, 375 376 Zwölftes Buch. Siebenundzwanzigſte Fabel. Gebeugt vom Anglück und vom Glücke leicht belhört, Vom eignen Herzen nichl, von Keinem habk ihr Kunde; Rufl zum Nachdenlien mal euch eine günfl'ge Stunde, Gleich komml ein Schmeichler, der euch ſlört. Alik dieſer Lehre find' auch dieſes Vuch ſein Ende; Brächl' künſt'gen Zeilen ſie nur Vorkheil und Genuhß! Den Fürſlen leg' ich ſie, den Weiſen in die Hände. VBo ſänd' ich einen beſſern Schluß? der 5 Hubeln. ο Inhalts Verzeichniß der Fabeln des Zweiten Bandes. Siebentes Buch. An Frau von Montespan Die peſtkranken Thiere. Mit Illuſtration 8 Der unglücklich Vermählte 5 ie Ratte, die ſich von der Welt W8 2 r Keiher Das Mädchen. Mit Illuſtration Die Wünſche Der Bof des Löwen Die Geier und die Tauben. Mit Illuſtration Die Landkutſche und die Fliege. Das milchweib und der Milchtopf. Mit Der Pfarrer und der Todte j· Der Menſch, der dem Glück nachläuft, und Der, welcher es in ſeinem Bett erwartet Die beiden Hähne. Mit Illuſtration Die Undankbarkeit und ungerechtigkeit der Menſchen gegen 15 Schickſal Die Wahrſagerinnen. Mit Illuſtration Die Katze, das Wieſel und das Kaninchen Schlangenkopf und Schlangenſchwanz Ein Thier im Monde. Mit Illuſtration Achtes Buch. er Tod und der Sterbende.„„ Schuhflicker und der Reiche. Mit Illuſtration. Löwe, der Wolf und der Fuchs. Mtt Illuſtration Macht der Fabel r Menſch und der Floh weiber und das Geheimniß Seite Q 2 ⏑àν ε Q εE 6⁵ 66 69 * ˖ 08 9⁵ 0 — ν— 14. 15. 16. 1. 18. 19. 20. 245 20. 24. 5. 26. 65 b —— FF RR 7 5 8 8 5 8 5 12 2. 15. 14. 15. 16. 145 — 0 8 2 5. Fabel. Inhalt des SZweiten Bandes. Der Bund, der ſeines Herrn Mittagbrot am Halſe trug. Mit Illuſtration Der Spötter und die Fiſche Die Ratte und die Auſter„„ Der Bär und der Gartenfreund. mit Illuſtration. Die zwei Freunde„„*VV Das Schwein, die Ziege und der Hammel Tircis und Amarant. Mit Illuſtration as Leichenbegängniß der Löwin ie Ratte und der Elephant. Mit Illuſtration. as Horoskop Der Eſel und der Bund er Paſcha und der Kaufmann. Mit Illuſtration Der Vorzug der Wiſſenſchaft E — * 2 E 282 E Juppiter und die Donnerwetter Der Falk und der Kapaun Die Katze und die Ratte.„ Der Bergſtrom und der Fluß. mit Illuſtration Die Erziehung jC Die beiden Bunde und der todte Eſel. mit Illuſtration Demokrit und die Abderiten er Wolf und der Jäger. mit Illuſtration. E U * Neuntes Buch. Der ungetreue Verwalter Die beiden Tauben. Mit Illuſtration. Der Affe und der Leopard Die Eichel und der Kürbis Der Schüler, der Schulfuchs und der Gartenbeſitzer Der Bildhauer und die Bildſäule des Juppiter Die in ein Nädchen verwandelte Maus Der Narr, der die Weisheit verkauft. mit Illuſtration Die Auſter und die Streitſüchtigen. Mit Illuſtration Der Wolf und der magere Bund Nur nicht zu viel! Die Wachskerzen.„ Juppiter und der Reiſende. mit Illuſtration Die Katze und der Fuchs. Mit Illuſtration Der Ehemann, die Frau und der Dieb Der Schatz und die beiden Männer Der Affe und die Katze. Mit Illuſtration Der Geier und die Nachtigall Der Schäfer und ſeine Heerde Zehntes Buch. Die beiden Ratten, der Fuchs und das Ei. mit Illuſtration. Der Menſch und die Natter Die Schildkröte und die beiden Enten 145 150 154 156 158 161 16⁴4 168 17⁰ 172 174 176 178 180 185 186 189 191 195 197 208 215 — —— Inhalt des Zweiten Bandes. 379 Seite 4. Fabel. Die Fiſche und der Seerabe. Mit Illuſtration 216 93 Der Mann, der ſeinen Schatz vergräbt, und ſein Gevatter 219 Der Wolf und die Birten 281 Die Spinne und die Schwalbe 22⁴ 88 Das Rebhuhn und die Hähne 226 Der Bund mit den verſchnittenen Ohren 228 193 Der Schäfer und der König. Mit Illuſtration. 250 333 Die Fiſche und der flötende Schäfer. Mit Illuſtration 254 1233 Die beiden Papageien, der König und ſein Sohn 256 18. Die Löwin und die Bäͤrin zjj 240 4. Die Glücksritter und der Calisman. Alit Illliſtestieftt 1553 Die Kaninchen. mit Illäſttstiomtt, 3j3 6 Der Kaufmann, der Edelmann, der Birt und 15 Aönigsſohn**C.. Elftes Buch. J. Fabel. Der Löwe. Mit AIlluſtration 255 3 Die Götter, die einen Sohn Juppiters 0 04555 258 53 Der Pächter, der Bund und der Fuchs 261 Des moguls Craimm 265 3 Der Löwe, der Affe und die beiden Eſel 268 63 Der Wolf und der Fuchs 22 7.— der Mann vom Lande am 818 Mit Illuſtration 275 8 Der Greis und die drei Jünglinge. Mit Illuſtration 280 Die Mäuſe und die Eule. Mit Illuſtration 285 Nachwort 286 Swölftes Buch. 1. Fabel. Die Gefährten des Ulyſſes, Wlit Aikaßtress Die Katze und die beiden Speelknzz 33 Der Schätzeſammiler ni Die beiden Jiegen. Mit iteſttsttsjn. An den Herrn Berzerz ven Wihnn. 5. Die altt Satze un Lie jeize s Ber kerttes Hiiſchhß 3j3j 4. Die Fledermaus, der Buſch und 8 Ente ö 512 8. Der Streit der Hunde und Katzen, und der der Katzen 115 mauſe 515 9— Der Wolf und der Fuchs 518 193 Der Krebs und ſein Junges 522 113 Der Adler und die Elſter. Mit Illuſtration. 52⁴ 123 Der Weih', der König und der Jäger. 526 16. Der Fuchs, die Fliegen und der Igel. 552 . Amor und die Thorheit. Mit Illuſtration 55⁴ 1553 Der Rabe, die Gazelle, die Schildkröte und die Ratte 556 16 Der Wald und der Holzhauer. Mit Illuſtration 545 * Der Fuchs, der Wolf und das Pferd 545 18. Der Fuchs und die Truthähne. Mit Illuſtration 547 19.„ 549 380 Inhalt des Zweiten Bandes. 20. Fabel. Der ſcytiſche Philoſoph 4 Der Elephant und der Affe Juppiters. Eit ein et weiſfe 838 Der engliſche Fuchs. Mit Illuſtration Die Sonne und die Fröſche 285. Der Bund der Ratten. Mit Illuſtration. Daphnis und Alameidurg. Mit Illuſtration.„„. Der Richter, der Krankenpfleger und der Einſiedler. Mit Illuſtration —* ν — E S1 1 — 0 Q1 1 N οσε —Q—·˖ 28 R3 E 0 Verzeichniß der Großen Illuſtrationen des Zweiten Bandes. Siebentes Buch. Vor Seite J. Fabel. Die peſtkranken Thiere 6 5853 Das Mädchen 5 15 8— Die Geier und die Tauben 26 10. Das milchweib und der Milchtopf 51 1453 Die beiden Bähne 42 15 Die Wahrſagerinnen 47 18— Ein Thier im Monde 56 Achtes Buch. 2. Fabel. Der Schuhflicker und der Reiche 66 53 Der Löwe, der Wolf und der Fuchs 8 59 Der Hund, der ſeines Herrn Mittagbrot am Halſe trug 817 10 Der Bär und der Gartenfreund 89 Tircis und Amarant 96 16 Die Ratte und der Elephant 10⁵ 183 Der Paſcha und der RKaufmannn. 115 233 Der Bergſtrom und der Fluß 129 833 Die beiden Hunde und der todte Eſel 155⁵ Der Wolf und der Jäger 159 Neuntes Buch. 2. Fabel. Die beiden Tauben 150 8S.— Der Varr, der die Weisheit verkauft 168 R Die Auſter und die Streitſüchtigen. 17⁰ 5. Juppiter und der Wanderer 178 Die Katze und der Fuchs. 180 11. Der Affe und die Katze 189 382 verzeichniß der großen Illuſtrationen. f „ Hehntes Buch. Vor Seite J. Fabel. Die beiden Ratten, der Fuchs und das Ei 197 * Die Fiſche und der Seeraben. 216 Der Schäfer und der könig 250 4 Die Fiſche und der flötende Schäfer 254⁴4 E Die beiden Glücksritter und der Talisman 242 Die Kaninchen 245 Elftes Buch. I. Fabel. Der Löwe VV W5 Der Mann vom Lande am Donauſtrande 275 83 Der Greis und die drei Jünglingen. 280 8 Die Mäuſe und die Eulen. 285 Zwölftes Buch. 1. Fabel. Die Gefährten des Ulyſſes 291 4. Die beiden Siegen 505⁵ 63 Der kranke Hirſch 510 Der Adler und die Elſter 524 Amor und die Thorheit 554 1 Der Wald und der Holzhauer 545 83 Der Fuchs und die Truthähne 547 28 Der engliſche Fuchs 559 * Der Bund der Ratten 566 Daphnis und Alameidura 369 2 1— Der Richter, der Krankenpfleger und der Einſiedler. 57³5 Berlin Noeſer S ofbuchdruckerei 2 8. 2 35. traße 34. 8 tallſchreiber S — f K———————————— 4 K StNMOCRAC!“ 52164 AAWSSr˖˖˖rCr˖CĩXIIIEIErrrrr———— —. 3 3 8 ee eͤiee, Aieeee ee,rere Sdelh üe erer ddda daetlladedeün aneekbe, didirbebeee akee lteeerte beoilrdrenekennreke.ee denteeeee,. Bi- l eeet eeeeeeeeeet 6e e regbdrenenreCter-d80.öttd-urthewer We Kle W8⸗ eme 3— · 5 i ieeee iee 4