Vre —— ——— — — — R — LX Libris 4 1 . ¹ + 5 uuUe 7— 10 CAe—— 2* 6 + 4 23 6.4.— t 2 E 4 3 U fideg) iiti 25 R + ————r N FFe f V*— 2=¹⏑ε N IIIIII NI Volhbäppchen. Mornröschen. 6 Schneewillchen. S Alſchenbrödel. er geſtirfelle Kater. Prüderchen und Schweſberchen. DOer Däumling. 6ʃ Mie ſieben Raben. 1504 arienkind. 0 1 A 3 ———— U 1 8 8 4 2 ALU 22 VpPp. NMolin 8—————— FRFRFRRe DDDmene ERR VP. Mohn. f AAelee NÆÆ)YQν EE gee— 4 N 1. DReeee 0 KN CIC 6 —— 2 ———/.——.———.———.—.—ß+ðꝛ..————————— 7 3 24 NNNNmmenmrNRN/ NNFNEe eeenrn=.—Leeeeerrrremnmenee, 9————— * E E RF 8 0— 2 EEEEEEEEEEEErrr···. Aerüüſteum 44 —i 1 E f 6 J E Æ 8 4 5 18 5 E 2 45 8 r 3— K 2 5 5 5 3 5 N 14 f 3 f E J 8 3 5 ein kleines Mädchen, das hatte 4+ E 5 7 3 5 eine Mutter und eine Großmutter, die es 43 Ace E 5 7 2 7 ſehr liebten, beſonders die Großmutter fF 1 5 hing an dem kleinen Ding, ſchenkte ihm 3 5 auch ein Käppchen von rothem Sammet, 3 8 8 8 8 E 8 8 das dem Kind ſo gut gefiel, daß es 63 8 gar nichts anderes mehr tragen mochte. J 8 Darum nannten es auch die Leute Roth— 3 46 5 f 3 8 käppchen. Die Großmutter wohnte aber 2 2 * 8 wohl eine halbe Stunde weit draußen 8³ 2 ö 5 3 3. F im Wald. Sinmal ſagte die Mutter zu 3 3— i? 8 8 51 3 311** f Rothkäppchen:„Bier im örbchen iſt J 5 73 0 Kuchen und Wein, bringe das der Groß— 7 8 8 3 1 ö 5 mutter, bleib aber auf dem Wege, ſonſt 7? verläufſt du dich und gehe hübſch lang⸗— F 8 5 1 8 ſam und ordentlich, daß du nicht fällſt 1 2 A 4 J. 88 86 4 4 F J N E 7 5 II. 14 5 5 ö 1 3 πρ 9 3 4 2 22 + ᷣ EE— LEιιιιιiα νuuνννν¹ αuιινννν 928 3 4 2 9 11 4 J 7 18 — RRREERr———.———— 4 9 uulmen Frrreeeeeeees ⁰U 4 DDb 1 5 64 FFEEEREEEECEGEGEGGCEGEGEGGEocCcCcCcCCCcccccccCccCcCcccccccccccccCccccCccccc SSSSS — Deeeneeeeeeeee umnmmmmnenneeenennneeeeeeee ieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeene und die Flaſche zerbrichſt.“ Rothkäppchen verſprach Alles und kam bald in den Wald. Da begegnete ihm der Wolf. „Guten Tag, Rothkäppchen,“ ſagte er,„wo gehſt Du hin?“—„Guten Tag, ich gehe zur Großmutter.“—„Was trägſt Du da?“— Kuchen und Wein.“—„Wo wohnt denn Deine Großmutterd“—„Bier im Wald in dem Räuschen unter den drei Sichen.“—„Das kenne ich,“ ſagte der Wolf„und nun leb wohl, Rothkäppchen!“ Mit dieſen Worten trollte er wieder in den dichten Wald hinein und überlegte, wie er das Rothkäppchen ſammt der Großmutter am beſten erſchnappen könnte. Während dem kam Rothkäppchen an eine ſchöne Wald— wieſe, da blühten weiße Sternblumen und blaue Glocken, ſchöne gelbe Butterblumen und rothe Velken bunt durch einander, daß es eine Luſt war. Rothkäppchen pflückte einen großen Strauß von den ſchönſten Blumen, kam aber dabei immer mehr vom Wege ab. Der Wolf aber iſt geſchwind zum Häuschen der Großmutter gelaufen, hat an der Thür gepocht und als die Großmutter gefragt, wer draußen ſei, hat er mit verſtellter Stimme geſagt:„Rothkäppchen iſt da, bringt Dir Kuchen und Wein.“—„Drücke nur an der Thür,“ antwortete Großmutter,„ich bin krank und liege zu ** — E R R PE 7 — Bett und kann Dir nicht aufmachen.“ Da iſt der Wolf zur Thür hereingekommen, und hat die Großmutter auf einen Biſſen verſchluckt, hat ſich 7 ins Bett gelegt, die Haube der Großmutter auf- geſetzt und den Vorhang des Bettes zugezogen. So erwartete er Rothkäppchen. Das kam auch bald zum Häuschen, wunderte ſich, daß die Thüre offen ſtand und ging hinein. Es zog den Vorhang ganz vorſichtig etwas auf, da lag die Großmutter, die Haube tief im Geſicht, und ſah recht wunder— lich aus. Rothkäppchen rief erſtaunt:„Aber Groß— mutter, was haſt Du für große Augend“—„Da— mit ich Dich beſſer ſehen kann!“—„Aber Groß— mutter, was haſt Du für große Ohren?“— 6. „Damit ich Dich beſſer hören kann!“—„Aber ed“ Großmutter, was haſt Du für große Ränd „Damit ich Dich beſſer packen kann!“—„Aber 7 Großmutter, was haſt Du für einen großen Mundd“ 9 —„Damit ich Dich beſſer freſſen kann!“ Und da ſprang der Wolf mit einem Satze auf und ver— ſchlang auch das arme Rothkäppchen. Dann legte er ſich wieder nieder, ſchlief feſt ein und ſchnarchte fürchterlich. Da kam der Jäger, der hörte das laute Schnarchen und dachte: wie kann die Groß— mutter ſo ſchnarchen, vielleicht iſt ihr etwas zuge— ſtoßen. Er trat in das Stübchen und ſah auch ſogleich den Wolf, den er ſchon lange geſucht hatte. Es fiel ihm aber ein, er könnte wohl gar die Groß— mutter verſchluckt haben. Deshalb nahm er ſein 5 Meſſer und ſchnitt ihm vorſichtig den Leib auf. Da, ſprang das Rothkäppchen heraus; und als der ˖ 8 Jäger noch einen Schnitt machte, da kam auch die Großmutter langſam nach. Beide waren ſehr er— S ſchrocken und riefen:„Ach, wie war es ſo dunkel 8 in des Wolfes Bauch!“ Der Jäger ſchleppte den J todten Wolf in den Rof, zog ihm das Fell ab J und freute ſich über den guten Fang. Die Groß— 5 mutter aß den Nuchen und trank den Wein, den Both— S käppchen gebracht hatte, und wurde wieder geſund 3 und munter. Rothkäppchen aber dankte dem guten H. Jäger für ſeine Rülfe, und ging fröhlich nach Baus. 0 e e 1α- 6 6 2 VE Mohn. 1 1 or Arilen war rin König und eine Königin, die hatten kein Kind. Es aber nach vielen Jahren, daß die Königin ein 2 bekam, das war ſehr ſchön. Der Rönig hatte die größte Freude darüber und beſtellte ein großes Feſt, zu dem viele, viele Gäſte geladen wurden, darunter auch die weiſen Frauen. Dieſe ſollten von goldenen Tellern ſpeiſen, es waren aber ihrer dreizehn im Lande, der König hatte aber nur zwölf goldene Teller und ſo konnten nur zwölf zum Feſte kommen. Die dreizehnte weiſe Frau, die un⸗ geladen blieb, nahm das ſehr übel auf und ſann auf Rache. Die zwölf Frauen beſchenkten das Kind, die eine mit Sanftmuth, die andere mit Tugend, die Dritte mit Anmuth und Beiterkeit und ſo fort. Als die Elfte ihren Wunſch ausgeſprochen hatte, trat die Dreizehnte herein und rief mit lauter Stimme:„In fünfzehn Jahren ſoll die Mönigstochter ſich an einer Spindel ſtechen und todt hinfallen!“ und mit dieſen Worten verſchwand ſie wieder ſo ſchnell, wie ſie gekommen. Da trat die zwölfte weiſe Frau heran, die den Wunſch der dreizehnten zwar nicht mehr aufheben, aber doch wenigſtens mildern konnte, und ſagte:„Es ſoll die Königstochter aber nur in einen tiefen Schlaf — ————————— Iͥe, 7e — 1 + 4 N 8 e 7* 8 Icc, WSS e—— Ne, ——— R. 10. L ˙ qÜͤuU. ⁵ i!··· verfallen, der genau hundert Jahre dauern wird.“ Da ließ der König Befehl geben, daß alle Spindeln im ganzen Lande ſollten verbrannt werden. Es begab ſich nun, daß gerade an dem Tage, an welchem das Mädchen, das überaus ſchön und ſittſam aufgewachſen war, fünfzehn Jahr alt wurde, der König und die Königin nicht zu Fauſe waren. Das Mädchen ging überall im Schloß herum und beſah ſich alle Säle, Simmer und Wohnungen, und kam auch an einen alten Thurm, zu dem eine ſchmale Treppe hinaufführte, ge⸗ O langte auf dieſer an eine kleine Chür, drehte den Schlüſſel, der im Schloß ſteckte und die Thür ſprang auf. Es ſah in ein kleines enges Stübchen, darinnen ſaß ein uraltes Mütterchen mit einer Spindel, und ſpann.„Was machſt Du dad“ fragte das Mädchen.—„Ich ſpinne,“ lautete die Antwort. Das Mädchen freute ſich, wie die Spindel ſo luſtig ſich auf und nieder— drehte und griff darnach, denn es wollte auch ſpinnen, da ſtach es ſich und der Sauberſpruch der dreizehnten weiſen Frau ging in Srfüllung. Es ſank nieder und verfiel in einen tiefen Schlaf und mit ihm der König und die Königin, die heim gekommen waren, und der ganze Rof⸗ ſtaat vom Rofmarſchall bis zum Küchenjungen, den ſoeben der Koch beim Ohr nahm, weil er in der Küche genaſcht hatte, und die Magd, die vor der Nüchenthür ein NRuhn rupfte, ſchliefen ein und die Runde und Katzen, die Mäuschen, die Pferde im Stalle, die Täubchen auf dem Dache, die Rühner und Gänſe und Enten im Rofe, ſelbſt die Fliegen an der Wand und das Feuer auf dem Heerd ſchliefen ein. Rings um das Schloß wuchs eine Dornenhecke, die war ſo dicht, daß niemand hindurch konnte, und wuchs immer höher und höher bis über die Wetterfahne des höchſten Thurmes. So lag das ganze Schloß viele, lange Jahre im tiefſten Schlafe und war faſt vergeſſen. Anfangs hatten wohl manche Prinzen und Königsſöhne ver— ſucht, das ſchlafende Dornröschen zu befreien, ſie waren aber alle in den Dornen ſtecken ge⸗ blieben und elendiglich umgekommen. Da kam wieder einmal ein junger Königsſohn ins Land, dem erzählte ein alter Mann von dem Dornenſchloß, in dem die wunderſchöne Prinzeſſin Dornröschen ſchliefe, mit ihren Sltern und dem ganzen Hofſtaat, wie aber auch vor langen Jahren mancher ſein Leben laſſen mußte, der es verſucht hatte, durch die dichte Dornenhecke zu dringen. Der Königsſohn beſchloß, ſein Glück zu verſuchen und Dornröschen zu befreien, es koſte was es wolle, ließ ſich den Weg dahin beſchreiben und kam endlich, nachdem er durch einen dunkeln Wald geritten, an eine Lichtung, von wo aus er das ganze Schloß vor ſich ſah, das ringsum von Dornen umgeben war. Es waren aber an dieſem Tage gerade hundert Jahre, daß Dornröschen ſchlief. Die Dornen waren über und über mit Roſen bedeckt. Lautloſe Stille lag auf dem ganzen Schloß, kein Lüftchen rührte ſich, es bewegte ſich kein Blatt, kein Vogel ſang oder flog durch die Cüfte, ja ſelbſt die Sonne ſchien nur weit draußen in den waldigen Bergen, als wollte ſie die Ruhe des Schloſſes nicht ſtören. Der Rönigsſohn ritt ans Schloßthor, da thaten ſich die Dornen— hecken von ſelbſt auseinander, ſo daß er bequem in den Schloßhof reiten konnte. Da ſah er im Fofe die Knechte und Mägde ſchlafen und die Pferde und die Runde, er ſah in der Küche den Koch, der den Küchenjungen am Ohr hielt, ſchlafen und die Magd mit dem Ruhn, und in den Sälen, die er durchſchritt, ſchlafende Rofleute und PERRRRLE 0 * 2 8 RPPR C eeeee. U2 endlich auf dem Throne den König und die Vönigin, alles in tiefem, tiefem Schlaf. Er ging weiter und kam an eine kleine Treppe, die zu einem alten grauen Thurm führte. Er ging empor, ſtand bald vor einer kleinen Thür, öffnete und ſah in ein kleines enges Stübchen, darinnen lag in lautloſer Stille da⸗ wunderſchöne Dornröschen ſchlafend. Er hörte ſein eigenes Rerz klopfen, lauſchend und bewundernd und im Anſchauen verſunken, ſtand er lange da, bis er ſich endlich niederbeugte und das ſchöne Dornröschen küßte. Da erwachte es, ſchlug die Augen auf und ſah den Königsſohn freundlich an, erhob ſich und ging mit ihm hinunter in den Saal. Und als ſie eintraten, erwachte auch der König und die Königin und der ganze Hofſtaat. Die Hähne krähten und die Täubchen flogen auf, die Pferde wieherten und die Nunde ſchüttelten ſich, und ſprangen vergnügt umher und die Katzen wuſchen ſich mit ihren Pfötchen, der Koch zog den Küchenjungen am Ohr, daß er ſchrie, die Magd rupfte das Ruhn fertig und das Feuer auf dem Heerd loderte wieder auf und kochte das Eſſen, und die Fliegen liefen wieder an der Wand und ſummten und die Vöglein flogen zwitſchernd um den Thurm und die liebe Sonne ſchien wieder. Da wurde die Hochzeit Dornröschens mit dem Königsſohn in großer Pracht gefeiert. 4 —————-!—————————————; E 2 RR — 1828 1ER tchen 4 —2222 2 rer — —————— r 21 33—9—— zur Winterszeit, es ſchneite dichte große Flocken, da ſaß eine Königin einſam und traurig an —ů——— einem Fenſter von ſchwarzem Sben— holz und nähte. Sie ſtach ſich in den Finger, ſo daß drei Tropfen Blut in den friſchen Schnee fielen und ſeufzte:„Ach, hätte ich doch ein Kind, ſo weiß wie Schnee, ſo roth wie Blut und ſo ſchwarz wie Sbenholz!“ Nach einiger Seit bekam die Königin ein Töchter— lein, das war weiß wie Schnee, roth wie Blut und ſchwarz wie Sbenholz. Die Rönigin freute ſich ſehr über das Kind und nannte es Schneewittchen, ſtarb aber bald darauf. Nach einem Jahr nahm ſich der König eine andere Gemahlin, eine ſehr ſchöne aber ſtolze Frau, die es nicht leiden mochte, daß ſie an Schönheit von andern übertroffen wurde; ſie beſaß einen Spiegel, der konnte ſprechen, und wenn ſie ihn fragte: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer iſt die Schönſte im ganzen Landd antwortete er:„Ihr, Frau Königin, ſeid die Schönſte im ganzen Land“; dann war ſie zufrieden, denn der Spiegel ſprach die Wahrheit. Da⸗ —————..9..nR...——— kleine Schneewittchen wuchs heran, wurde immer ſchöner und war gerade ſieben Jahre alt geworden, als die Königin ihren Spiegel wieder fragte, wer die Schönſte im Lande ſei. Diesmal antwortete er aber:„Frau Königin, Ihr ſeid die Schönſte hier, aber Schneewittchen iſt tauſend mal ſchöner als Ihr.“ Da erſchrak die Königin und Neid erfüllte ihr Rerz, ſie mochte Schneewittchen nicht mehr ſehen und beſchloß ihren Untergang. Sie ließ einen Jäger zu ſich rufen und ſprach:„Du ſollſt Schneewittchen in den Wald führen und dort tödten, bringe mir Lunge und Leber mit, daran will ich erkennen, daß Du mein Gebot vollzogen“. Der Jäger führte Schneewittchen in den Wald und wollte es tödten, da fing es an zu weinen und bat flehentlich, es leben zu laſſen, es wolle auch nie wieder nach Hauſe zurückkehren. Den Jäger rührte das Flehen des unſchuldigen Kindes, er ließ es laufen und da gerade ein junger Friſchling geſprungen kam, ſo ſtach er dieſen ab, nahm Lunge und Leber heraus und brachte beides der Königin, die nun ſich wieder für die Schönſte im Lande hielt. Schneewittchen lief über ſieben Berge, bis es am Abend an ein Käuschen kam. Es ſchaute W 2—— D — eeee 5 775 MF Mohn. * ——— ͤ— ———— ů — ͤ;Q durch die angelehnte Thür in ein Stübchen, das war gar allerliebſt, und die Sonne ſchien ſo traulich durch das kleine Fenſterchen, daß Schnee⸗ wittchen ganz froh wurde und eintrat. Auf dem Tiſche ſtand ein Krüglein und ein Becherchen, da trank es dar⸗ aus, im Schränkchen an der Wand fand es weißes Brod und ſchnitt mit einem Meſſer⸗ chen davon und aß mit einem Gäbelchen aus einem Schüſſel⸗ chen wunderliche ſüße Speiſe, ſetzte ſich auf ein Stühlchen und ruhte ſich aus. Am Ende des Stübchens ſtanden ſieben Bett⸗ chen, die waren alle ſchneeweiß überzogen und zierliche Kiſſen darinnen, Schneewittchen war aber ſo müde, daß es ſich in ein⸗ der Bettchen legte, ſein Abend⸗ gebet ſprach und ald einſchlief. Es war ſchon gaß finſter, als die ſieben Zwerglein mit ihren Laternchen nach Hauſe kamen. Sie ſahen hogleich, daß jemand dageweſen war, leuchteten ängſtlich im Stübchen herum und entdeckten Schnee⸗ wittchen, das ſo fromm und ſanft ſchlief, ſie ſtörten es aber nicht. Am andern Morgen R. ·˖ —————— —————— SS2 —— —2 p——— —————————. — ————— rrrrrre e ee 15 IIVSIR 6 IIN brachten die Swerglein das Stübchen in Ordnung, wuſchen und fegten alles ſauber, aber ganz leiſe, damit Schneewittchen nicht geſtört würde. Als es aber erwachte und die Swerglein ſah, fürchtete es ſich. Sie waren jedoch ſo freundlich mit ihm, fragten, wie es heiße, wie es hierher gekommen, und ob es bei ihnen bleiben und ihnen den Raushalt führen wolle, kochen und waſchen und das Simmer fegen und alles ſchön ſauber in Ordnung halten,— Schneewittchen war bereit, bei ihnen zu bleiben und erzählte ihnen alles. Den Tag über gingen die Swerglein an ihre Arbeit, tief unten unter der Erde ſuchten ſie Gold und Sdel— ſteine und erſt des Abend kehrten ſie heim; ſie warnten auch Schneewittchen vor der böſen Königin und riethen ihm, es eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee ◻ ſolle niemand einlaſſen. Sines Tages hatte die Königin wieder ihren Spiegel gefragt, wer die Schönſte im Lande ſei, der hatte ihr aber geantwortet:„Frau Rönigin, Ihr ſeid die Schönſte hier, aber Schneewittchen über den ſieben Bergen, bei den ſieben Swergen, das iſt noch tauſendmal ſchöner als Ihr.“ Da ſann ſie nach, wie ſie Schneewittchen doch noch umbringen könnte, ſteckte ſich in gewöhnliche Kleider, machte ſich das Geſicht unkenntlich, nahm allerhand Dinge, die herum— ziehende Krämer führen, ging zu dem Häuschen und klopfte an die Thür. Schneewittchen öffnete, aber nur die Oberthür und ſah die ſchönen Sachen, welche die falſche Königin zum Nauf anbot, ließ die Frau eintreten, um ſich alles näher zu betrachten, und kaufte einen ſchönen Schnürriemen. Die Alte wollte ihr zeigen, wie ſie es damit machen ſollte, und Schneewittchen, nichts ahnend, ſtellte ſich vor ſie hin und ließ ſich ſchnüren. Das wollte aber gerade die böſe Königin, denn ſie zog den Schnürriemen ſo feſt zu, daß Schneewittchen todt zur Erde fiel. Die Königin eilte davon. Am Abend kamen die Swerglein nach Haus und ſahen Schneewittchen todt auf der Erde liegen, geſchwind ſchnitten ſie den Schnürriemen durch, da ſchlug es die Augen auf und kam wieder zu ſich. Sie erzählte den Swerglein, wie es ſich zugetragen, und dieſe warnten& Vh Mohn. * 7 N ſie wieder vor der böſen Königin, die gewiß hier geweſen ſei, und es ſolle niemand einlaſſen. Die Königin aber eilte fragend zu ihrem Spiegel, der antwortete ihr wie vorher, Schneewittchen ſei noch tauſendmal ſchöner als ſie. Da verfertigte ſie einen ſchönen, goldenen Kamm, den ſie mit dem ſtärkſten Gift beſtrich, kleidete ſich anders, wie das vorigemal, machte ſich noch un⸗ kenntlicher und klopfte wieder an Schneewittchens Thür. Schnee— wittchen ſchaute erſt durch das Fenſterchen, wer draußen ſei, machte dann vorſichtig die obere Hälfte der Thür auf und ſagte, ſie dürfte niemand einlaſſen, man ſolle nur weiter gehen. Das Weib zeigte ihr aber den ſchönen Kamm von lauterem Gold, der gefiel dem Kind gar ſehr, es ver— gaß bei dem Anblick die Warnung der Swerglein, ließ das Weib ein— treten und kaufte den Kamm. Nun mußte ihr das Weib noch zeigen, wie es den Kamm ſtecken ſollte. Kaum aber berührte der giftige Vamm ſein Baar, ſo wirkte auch ſchon das Gift. Schneewittchen ſank todt zur Erde. Eilend lief die⸗ Königin von dannen. Die Swerg— lein fanden bei ihrer Reimkehr das arme Kind wieder todt am Boden liegend, zogen ihm eiligſt den Kamm aus dem Haar, dä er⸗ wachte es wieder. Sie warnten e⸗ er. abermals vor der böſen Königin, es ſollte niemand mehr einlaſſen. Die Königin aber fragte ihren Spiegel, der ſagte ihr wie das * vorige Mal: Schneewittchen ſei vieltauſendmal ſchöner als ſie. Da wurde ſie ganz des Neides voll und ſuchte einen wunderſchönen Apfel, den ſie an der rothen Seite vergiftete, legte ihn zu anderen Aepfeln und ging zum Näuschen und klopfte wieder an die Thür. Schneewittchen öffnete nur das Fenſterchen, um zu ſehen, wer draußen ſei, und wollte dießmal von der Frau gar nichts wiſſen. Dieſe zeigte ihr aber den ſchönen Apfel und biß in die nicht vergiftete Seite des— ſelben. Schneewittchen langte durchs Fenſterchen arglos nach dem Apfel, um auch davon zu koſten, und biß aber in die giftige Seite deſſelben, da ſank ſie ſogleich todt zur Erde. Die böſe Mönigin fragte nun zu Baus wieder ihren Spiegel, der ſagte ihr dießmal:„Ihr Frau Vönigin ſeid die Schönſte im Land.“ Nun war ſie zufrieden. Als die Swerglein ihr Schneewittchen wieder todt liegen ſahen, waren ſie ſehr be— trübt, ſie konnten auch nichts an ihm finden, und ſo blieb es todt. Sie machten einen Sarg, ganz von Glas, legten es hinein, trugen den Sarg auf einen der ſieben Berge, und ein Swerglein um das andere hielt Tag und Nacht dabei Wache. Schneewittchen ſah aber ſo friſch und roth aus, als ſchliefe es nur. So mochte eine lange Seit vergangen ſein, als einmal ein Königsſohn mit ſeinem Ge— folge auf der Jagd ſich verirrte und des Abends ſpät zu den Swerglein kam, um bei ihnen zu übernachten. Der ſah auf dem Berge im Vollmondſchein den gläſernen Sarg und fragte, was das wäre. Die Swerglein erzählten ihm die Geſchichte von Schneewittchen und führten ihn hinauf. Da ſah er das ſchöne Schneewittchen liegen, ſo freundlich und ſo mild wie der Mond, der es beſchien, daß er es immer und immer wieder betrachten mußte und ſich nicht ſatt ſehen konnte. ESr empfand ſolche Liebe zu dem ſchönen Schneewittchen, daß er die Swerglein bat, ſie möchten es ihm geben. Nach langem Sögern willigten ſie endlich ein, und nun hoben des Königsſohns Jäger den Sarg auf ihre Schultern und trugen ihn herab. Da ſtolperte einer der Jäger über eine Baumwurzel, durch die Erſchütterung aber fiel das giftige Stück Apfel aus dem Mund und alsbald ſchlug Schneewittchen die Augen auf. Der Sarg wurde niedergeſetzt, Schnee⸗ wittchen ſtieg heraus und der Königsſohn frug es, ob es mit ihm auf ſein Schloß gehen und ſeine Hemahlin werden wolle, ließ einen ſchönen goldnen Wagen mit weißen Pferden beſpannt holen, hob Schneewittchen hinein und fuhr mit ihm aufs Schloß. Da wurde eine große Nochzeit gehalten und dazu viele Gäſte geladen, unter ihnen auch die böſe Königin, Schneewittchens Stiefmutter. Als dieſe ihre ſchönſten Kleider angelegt hatte, trat ſie vor ihren Spiegel und fragte:„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer iſt die Schönſte im ganzen Cand d“, da antwortete der Spiegel:„Frau Königin, die junge Königin iſt tauſend— mal ſchöner als Ihr!! Da brach ſie vor Schreck und Neid zuſammen und war todt. —— ——rr—ðr— ——j hatte eine Frau und die wurde krank und als ſie fühlte, daß ſie ſterben würde, rief ſie ihr einziges Töchter⸗ lein zu ſich ans Bett und ſprach:„Liebes Kind, bleib fromm und gut, ſo wird der liebe Gott Dir immer beiſtehen.“ Darauf ver— ſchied ſie und wurde be— graben. Das Mädchen aber blieb fromm und gut und ging jeden Tag hinaus an das Grab der Mutter und weinte und betete. Ueber ein Jahr nahm ſich der Mann eine andere Frau, eine Wittwe, die hatte zwei Töchter, von ſchönem Angeſicht, aber garſtigem Herzen. Da ging es dem armen Kind bald recht trübſelig. Es durfte nicht mehr in der Stube ſein, bekam nur ein altes Kleid, mußte alle Küchenarbeit machen und auch neben dem Rerd ſchlafen und wurde nur Aſchenbrödel genannt. Sinſtmals wollte der Vater zur Meſſe reiſen und fragte die Töchter, was er ihnen mitbringen ſollte. Die eine wünſchte ſich ſchöne Kleider, die andere Perlen und Sdelſteine, Aſchenbrödel aber bat nur um das erſte Raſelreis, das ſeinen Rut ſtreifen würde. Als der Vater heimkehrte, brachte er den Töchtern mit, was ſie ſich gewünſcht. Aſchenbrödel pflanzte das Rei⸗ auf das Grab der Mutter und benetzte es täglich mit ihren Thränen, ſo, daß es bald ein ſchönes Bäum⸗ chen wurde. Auf das Bäumchen ſetzte ſich, ſo oft Aſchenbrödel am Grabe kniete, ein Vöglein und ſchaute es gar mitleidig an. Da begab es ſich, daß der König ein Feſt anſtellte und dazu alle Jungfrauen des Lande einladen ließ, damit ſich ſein Sohn eine Braut wählen ſollte. Die beiden Stiefſchweſtern waren auch dabei. Aſchenbrödel mußte ihnen die Haare kämmen und die Söpfe flechten, und als es ſich ein Rerz faßte und beſcheiden fragte, ob es auch mitgehen dürfe, lachten es die Schweſtern aus.„Wie kannſt Du zum Feſt gehen,“ ſagten ſie,„Du haſt keine ſchönen Kleider anzuziehen und auch keine Schuhe.“ Die Stiefmutter ſchüttete eine Schüſſel voll Linſen in die Aſche und ſagte:„Lies die Linſen in einer Stunde aus der Aſche, dann kannſt Du auch zum Feſt gehen.“ Da weinte Aſchenbrödel, ging in den Garten und rief:„Ihr Täubchen, all' ihr Täubchen, kommt und helft mir leſen, die guten in⸗ 5 e lin. 7 V.P. Mohn. Cpfchen, die ſchlechten ins Kröpf⸗ chen! Da kamen die Täubchen und noch viele andere Vöglein herbei— geflogen, und nickten und pickten, bis die Linſen alle wieder in der Schüſſel lagen, noch bevor eine 5 Stunde vergangen. Aſchenbrödel 8 2 trug die Schüſſel zur Stiefmutter 25 6 und hoffte nun mitgehen zu dürfen. Æ 3 8 f Die nahm aber die Linſen, ſchüttete —8 2+ 1 71 f f 77 ſie wieder in die Aſche und noch 47 , 8 5§eine zweite Schüſſel dazu und 5.5—.—.— ſagte:„Wenn Du in einer Stunde 8— die zwei Schüſſeln geleſen haſt, ſo ſollſt Du mitgehen.“ Aſchenbrödel ———————— ging bekümmert in den Garten 4 3 und rief wieder nach den Täub⸗ ELEL E L chen. Gleich kamen ſie geflogen, AAAii———-— ————ů——— ——ç— BEFEFE** und noch viel mehr als zuvor, und ſo ging es wieder an ein Hicken und Nicken, bis alle Linſen geleſen Wären, noch ehe eine halbe Stunde vergangen war. Aſchenbrödel trug beide Schüſſeln zur Stiefmutter und fragte, ob ſie nun mitgehen dürfte; die ſagte aber:„Du kannſt nicht mitgehen, Du haſt keine Uleider und kannſt auch nicht tanzen und da müſſen wir uns Deiner ſchämen.“ Darauf kehrte ſie dem armen Aſchenbrödel den Rücken und ging mit ihren zwei Cöchtern zum Feſt. Da lief das arme Mädchen zum Grabe ſeiner Mutter und weinte und rief: „Bäumchen, Bäumchen, ſchüttle Dich, wirf ſchöne Uleider über mich!“ Da warf ihr das vöglein ein ſchönes Kleid herunter, und Schuhe und Strümpfe, damit kleidete ſich Aſchenbrödel geſchwind an und eilte zum Feſt. Niemand kannte es, auch ſeine Schweſtern und die Stiefmutter nicht. Es war ſo ſchön, daß alle meinten, es müſſe eine Prinzeſſin ſein. Der Königsſohn betrachtete es mit Wohlgefallen, nahm es bei der Hand, ließ es auch nicht wieder von ſeiner Seite und tanzte mit ihm bis ſpät in die Nacht. Da entwich es ſchnell, lief nach dem Grab ſeiner Mutter, zog dort Kleid, Schuhe und Strümpfe aus und legte ſich zu Kauſe neben die Aſche. So ging es noch zwei Abende hintereinander. Das Vöglein warf immer ſchönere und koſtbarere Kleider und Schuhe herab. Am dritten Abend, als es wieder heimlich von dem Feſte ſich fortſchlich, verlor es zufällig beim Binabeilen über die Treppe den einen von den überaus zierlichen goldenen Schuhen. Der Hönigsſohn, der Aſchenbrödel nacheilen wollte, hob ihn auf, bewunderte ſeine Sierlichkeit und rief laut:„Die Jungfrau, an deren Fuß dieſer zierliche Schuh paßt, ſoll meine Gemahlin werden!“ Am andern Tage ſandte er Leute aus, dies zu verkünden und von Haus zu Baus Schuhprobe zu halten. Die Schweſtern preßten vergeblich ihre Füße in den goldnen Schuh, es wollte nicht gelingen; eher ſchien es, als würden ihre Füße immer größer und der goldene Schuh immer kleiner. Die Leute des Königs wußten aber, daß in dem Bauſe des Mannes auch noch Aſchenbrödel war; das mußte auch den Schuh anziehen und ſiehe: der paßte ganz genau. N 8 1 NI 3 8. — J 8 8 1 ne 46 7 0 0 PMohm. NNA 0 b I——— eeee Gufällig kam der Königsſohn des Weges und erkannte Aſchenbrödel wieder. Er rief:„Das iſt meine Tänzerin, meine liebe Braut!“ ließ ihr koſtbare Kleider bringen, nahm ſie zu ſich aufs Pferd und ritt mit ihr durch den Wald auf ſein Schloß. Und ſo wurde die RKochzeit gefeiert. Beim Gang nach der UVirche trug Aſchenbrödel ein goldenes Krönlein auf dem Kopf und köſtliche, golddurch— wirkte Kleider. Die Leute jubelten und winkten mit Büten und Tüchern, die Kinder ſtreuten Blumen und Alles freute ſich über die ſchöne junge Königin. Den beiden Stiefſchweſtern aber, die beim Rochzeitszug hinter der jungen Königin gingen, denen fraß der Veid das Kerz ab, ſo daß ſie bald darauf ſtarben. Aſchen— brödel aber lebte an der Seite ihres Gemahls ſehr glücklich und war eine gute und fromme Rönigin. EE N r ——————————————— = 22 : 1 ——————— 2 8 8— 8 —.ο e 5 MEITmd ne ffftmumeer nichts als die Mühle, einen Sſe. und einen Kater. Der älteſte übernahm die Mühle, der zweite den Sſel und da mußte der jüngſte ſich mit dem Kater begnügen, worüber er ſehr betrübt war. Der Kater aber, als er ſeinen neuen Herrn traurig ſah, ſagte:„Wenn du mir einen Sack giebſt und Stiefeln kaufſt, will ich dein Glück machen.“ Der Müllerburſch begriff nicht, was der Kater wollte, kaufte aber in der Stadt einen Sack und ließ ihm Stiefeln machen. Der geſtiefelte Kater lief nun auf einen nahen Berg, auf dem es viele Kaninchen gab, ſtellte ſeinen Sack wie eine Falle auf, legte dahinein friſchen Kohl und verſteckte ſich in der Nähe. Es kam ſehr bald ein naſchiges Kaninchen und koſtete von dem Kohl, mit einem Satz packte der Kater das Thierchen, lief zum König, machte eine tiefe Ver— beugung und ſagte:„Im Namen meines gnädigen Rerrn, des Grafen von Carabas, überreiche ich Surer Majeſtät ein Kaninchen“. Der König nahm das Geſchenk gnädig auf und ließ dem Grafen dafür danken. ESin andermal brachte der Kater junge Haſen und Rebhühner, die er mit derſelben Liſt gefangen, immer im Auftrage des Grafen Carabas. Da hörte der Kater, wie der König einmal Befehl gab zu einer Spazierfahrt mit ſeiner Tochter, der ſchönen Prinzeſſin. Er lief zu ſeinem Berrn und ſagte ihm:„Bade Dich in dem Teich.“ Der Müllerburſch ſtieg ins Waſſer, der Kater verbarg ſeine Kleider unter dichtem Weidengebüſch, und als der König gefahren kam, ſchrie er laut:„Zu Rilfe! der Graf von Carabas ertrinkt!“ Der König erkannte den Kater und befahl den Dienern, dem Grafen zu helfen. Unterdeſſen erzählte der Kater, Diebe hätten des Grafen Uleider geſtohlen, und ſo ließ denn der König ſchöne Kleider holen Müllerburſch anzog und worin er ſehr ſtattlich ausſah, ſo daß Vh Mohn. * 4 ö Le NV„ 72* e, Ace,, Ce⸗ , 44 Cuue — —r——————————————— rrrrrr lsee VP Mohn S===Y eer auf dem Fußboden hin und her. Da ſprang der Vater zu, ihn die Prinzeſſin mit Wohlgefallen betrachtete und aufforderte, mit ihnen zu fahren. Der Nater aber lief voraus und ſagte den Leuten, die auf einer Wieſe Gras mähten:„Ihr müßt des Todes ſterben, wenn Ihr dem König, der dort gefahren kommt, auf ſeine Fragen nicht antwortet, alle dieſe Felder und Wieſen gehören dem Grafen Carabas.“ holte, was er den Mähern geſagt und ſo lief er immer weiter. Der König frug die Ceute, wem die Felder und Wieſen gehörten, und ſie antworteten ihm, wie der Kater befohlen. Der Kater kam an ein ſchönes Schloß, in dem ein Sauberer wohnte. Er ließ ſich bei dieſem melden und fragte ihn, ob es wahr ſei, daß er in jede Thiergeſtalt Dann kam er zu Leuten, die Korn ſchnitten, und wieder— ſich verwandeln könnte. Der Sauberer nickte und ſtand als brüllender Cöwe vor dem Nater, der gleich vor Schreck auf den Ofen ſprang. Als der Sauberer ſeine vorherige Geſtalt wieder angenommen hatte, verließ der Kater ſeine ſichere Stellung und fragte, ob er ſich auch in ein kleines Thier verwandeln könnte, wie zum Beiſpiel in eine Maus. Gewiß, rief der Sauberer, und lief als Mäuschen fraß das Mäuschen und da war es um den Sauberer geſchehen. Der Kater eilte ans Schloßthor und empfing mit tiefer Verbeugung den König und die Prinzeſſin im Schloſſe ſeines Herrn, de⸗ Grafen von Carabas. Der König ſtaunte da⸗ ſchöne Schloß an und wollte ſich auch gleich darinnen umſehen. Sie kamen in einen Saal, in dem eine Tafel mit den köſtlichſten Speiſen ſtand, ſetzten ſich, aßen und tranken; und da der König ſah, daß Graf Carabas wirklich ein ſehr reicher Mann ſei, gab er ihm ſeine— Tochter zur Frau, und ſo wurde die Hochzeit gefeiert. ————— ˖—˖————— ——————d ——— —.— ———9—+—————— ͤ———— rüderchen und Schweſterchen hatten ſeit ihrer Mutter Tod keinen guten Tag mehr geſehen. Die Frau, bei der ſie wohnten, zankte immer mit ihnen und ſtieß ſie von einer Scke zur andern und hatte nie ein freundliches Wort für ſie, und ihre Mutter war ſo gut mit ihnen geweſen! Da liefen ſie zuſammen eine Tages fort, auf und davon, durch Felder und Wieſen, bis ſie in einen großen Wald kamen und es ganz dunkel wurde und die Sternlein anfingen zu funkeln, da legten ſie ſich in einen alten hohlen Baum und ſchliefen beide bis zum hellen Morgen. Darauf wanderten ſie weiter, und als die Sonne ſchon hoch am Bimmel ſtand, hatte Brüderchen Durſt.„2 ch, wenn doch eine Quelle käme, aus der ich trinken könnte!“ rief es und beide ſuchten nach einem Brünnlein und fanden auch bald eines. Die böſe Frau hatte aber die Kinder fortlaufen ſehen, war ihnen nachgeſchlichen und hatte ſchnell alle Brunnen des ganzen Waldes verzaubert, denn ſie war eine ſchlimme Sauberin. Als das durſtige Brüderchen ſich nun über die Quelle beugte, um daraus zu ſchöpfen, da hörte das Schweſterchen, wie die Quelle murmelte:„Wer aus mir trinkt, wird ein ſchwarzer Bär.“ Da fürchtete ſich das Schweſterchen ſehr und bat das Brüderchen flehentlichſt:„Ach trinke nicht, ſonſt wirſt Du ein garſtiger Bär und zerreißeſt mich!“ Da ließ Brüderchen ab vom Trinken und ſie gingen zuſammen weiter bis zur nächſten Quelle. Die rief ganz deutlich:„Wer aus mir trinkt, wird ein Wolf.“ Da bat das Schweſterchen wieder, es möchte nicht trinken, ſonſt würde es ein Wolf und fräße es auf. Brüderchen, ſo groß ſein Durſt auch war, folgte Schweſterchen und trank nicht. Bei der nächſten Quelle wollte aber trinken, es möchte kommen wie es wolle. Nach einiger Seit kamen ſie an ein anderes Brünnlein, das war ſo klar und durchſichtig, daß man jedes Steinchen auf dem Grunde ſah. Da ließ ſich Brüderchen ———.— 0—— 29. 2 3 — . nicht mehr halten und trank, obwohl das Brünnlein rief:„Wer aus mir trinkt, wird ein Reh!“ Da war Brüderchen in ein Reh verwandelt. Schweſterchen ſah weinend ſein armes verwandeltes Brüder— chen, flocht ein Band von Blumenſtielen zuſammen, band das um des Rehchens Rals und führte e⸗ daran weiter, immer tiefer in den Wald, bis ſie an ein kleines niedliches Fäuschen kamen. Das hatte ein Dach von dichtem grünen Moos und lag unter alten Bäumen verſteckt, ſo heimlich und traulich, daß es Brüderchen und Schweſterchen gar wohl gefiel. Da niemand darinnen wohnte, richteten ſie ſich ein, ſo gut es ging. Am Tage ſuchte Schweſterchen Beeren und Nüſſe, Brüderchen fand ſchönes weiches Gras und Nachts ſchliefen ſie zuſammen auf weichem grünen Moos im kleinen Stübchen, bis die Morgenſonne zum Fenſterchen hereinſchaute und ſie weckte. So ging es lange Seit, bis eines Tages der König eine große Jagd im Walde hielt. Als das Rehchen das Hörner— blaſen hörte, kam ihm die Luſt, auch bei der Jagd zu ſein. Schweſterchen bat es ſo ſehr, bei ihm zu bleiben; das Rehchen war aber nicht zu halten, bis Schweſterchen endlich ein— willigte, nur mußte es verſprechen, ſich nicht zu weit hinaus⸗ zuwagen; auch ſollte es, wenn es Abends zurückkehrte, an die Chüre klopfen und rufen:„Schweſterlein, laß mich herein!“ denn Schweſterchen wollte die Thür verſchließen, weil es ſich ſo ganz allein im Walde vor den Jägern fürchtete. Das Rehchen ſprang luſtig hinaus und war bald Schweſterchens Blicken entſchwunden. Da entdeckte der König plötzlich das zierliche Rehchen und verfolgte es ſogleich mit ſeinen Jägern, befahl aber, daß ihm keiner etwas zu Leide thun dürfe. Das Rehchen eilte hurtig von dannen, durch Büſche huſchend und über Bächlein ſpringend, nach Schweſter⸗ chens Thür. Dort pochte es und rief:„Schweſterlein, laß mich herein!“ Allein der König war auch ſchon an— gelangt, als Schweſterchen die Thür öffnete und das Rehchen in ſeine Arme ſchloß. Schweſterchen erſchrak ſehr, als es den fremden Mann erblickte; der König ſprach es aber freundlich an und reichte ihm die Hand und frug, ob es mit ihm auf ſein Schloß gehen und ſeine Frau werden wollte. 32——— f 1 Das Schweſterchen willigte ein, aber nur wenn das Rehchen auch mitgehen dürfe. Das erlaubte der König ſogleich, nahm Schweſterchen zu ſich auf ſein Pferd, und das Rehlein lief nebenher. So kamen ſie nach dem Schloſſe, wo ſogleich die Bochzeit gefeiert wurde. Die böſe Sauberin erfuhr aber gar bald, was ſich zugetragen und da ſie ihre Tochter, die von großer Häßlichkeit war, gern auf dem Throne geſehen hätte, ſo beſchloß ſie, die junge önigin umzubringen und ihre Tochter durch Liſt zur Königin zu machen. Nach einem Jahre brachte die Königin ein ſchönes Söhnlein zur Welt, als der König gerade auf der Jagd war. Da nahm die böſe Zauberin die Geſtalt der Kammerfrau an, trat mit ihrer Tochter an das Bett der Königin und ſagte ihr, das Bad ſei fertig. Beide trugen zuſammen die ſchwache Königin in die Badeſtube, legten ſie in die Wanne, überheizten den Gfen und ſchloſſen die Thür ab. Die junge ſchöne Königin mußte elendiglich erſticken. Nun legte die Alte ihre Tochter in das Bett der Königin und zog die Vorhänge dicht zuſammen. Als der König von der Jagd zurückkam, wollte er ſehen, wie es der Königin ginge, da lief aber die Alte geſchwind herzu und ſagte leiſe:„Laßt die vorhänge zu, die Königin muß ganz ruhig liegen und darf auch nicht ins Licht ſehen.“ Um Mitternacht, als tiefe Stille im Schloß herrſchte und nur die Kinderfrau an der Wiege des neugebornen Kindes wachte, da ging plötzlich die Thür auf. Es wurde hell, die rechte Königin erſchien, ſchritt zur Wiege, nahm das Kind heraus und küßte es, gab ihm zu trinken, machte ihm ſein Bettchen ſchön ordentlich, legte es wieder hinein, ging zum Rehchen, das auf einem Kiſſen nahe dabei lag, ſtreichelte es, und ſchritt Nree ee eeee ——— ——————k—k öSKSWSSrrrrCr„„ VP. Mohn lautlos wieder hinaus. Die Kinderfrau ſah entſetzt der Erſcheinung zu, zitterte am ganzen Körper und konnte lange kein Wort hervorbringen. In der nächſten Nacht zur ſelben Seit erſchien die Königin abermal⸗ wie in der Nacht vorher, ſagte aber beim Fortgehen: „Lebe wohl, mein Kind, lebe wohl, mein Reh, ich komme noch einmal und dann nimmermehr.“ Die Kinderfrau eilte zum König und erzählte ihm alles, was ſich zu⸗ getragen. Der König war ſehr betroffen und wußte nicht, was er dazu ſagen ſollte. Er nahm ſich vor, in der nächſten Nacht zur Stunde da zu ſein. Mit dem Glockenſchlage zwölf der Mitternacht ging die Thür auf und herein trat wieder die junge Königin, ſo wie in den beiden Nächten vorher. Alsbald kam der König, ſah die Erſcheinung, eilte auf ſie zu und rief: 7 „Du biſt meine Fraul“ und in dieſem Augenblick er⸗ f 3 2 + hielt ſie ihr Ceben wieder, war friſch und geſund und erzählte, was die Sauberin und ihre Tochter gethan. Der König ließ beide vor Gericht ſtellen, und ſie wurden verurtheilt. Die Tochter wurde in den Wald führt, wo ſie von wilden Thieren zerriſſen wurde. Die Mutter aber, die böſe Hexe, wurde verbrannt und als ſie todt war, erhielt auch Brüderchen ſeine nſchliche Geſtalt wieder. U N 2—— — — 7 8 ile cich uſammmen Am ülhyr RDrrr Prügerchen un Oehwe berehen! 0 wohnte einmal ein armer Korbmacher mit ſeiner Frau und ſieben Jungen, die waren einer immer kleiner als der andere, der jüngſte war aber nicht viel länger als ein Dau⸗ men, weshalb ihn die Leute den Däum— ling nannten. Der Korbmacher verdiente kaum das tägliche Brot, und als einſt Theurung über das Land kam, ſtieg die Noth zum höchſten, ſo daß er ſich nicht mehr zu helfen wußte. Da berieth er ſich eines Abends mit ſeiner Frau, was ſie wohl in dieſer troſtloſen Lage mit den Jungen anfangen ſollten. Sie beſchloſſen, die Kinder in den Wald zu führen und ſie dort ihrem Schickſale zu überlaſſen. Däumling aber war noch nicht einge— ſchlafen und hatte die Unterredung der Eltern mit angehört. Er ſchlich ſich ganz leiſe ur Thüre hinaus, ſuchte am Bach weiße Vieſelſteinchen, füllte ſeine Roſen— taſchen damit und kroch wieder in ſein Bett. Am andern Morgen führten die Eltern die Kinder in den Wald, bis ſie weit, weit vom Bäuschen entfernt waren und ſchlichen ſich unvermerkt davon. —— — E———— 3338323 3—2—— — 1 4 4 eeeeee SSrSrr ie ſo Wlafßen waren, den Anſchlag der Eltern. Die 1 f1 0 lich zu ſchreien an, Däumling aber tröſtete ſie, denn er hatte die Kieſelſteinchen auf den Weg geſtreut. Er ging ihnen muthig voran, fand auch den richtigen Weg, und ſo kamen ſie Abends wieder zum elterlichen Fäuschen. Den Eltern war unterdeſſen unerwartet Geld ins Haus gekommen; ſie ſaßen vor einer dampfenden Schüſſel, es wollte ihnen aber kein Biſſen ſchmecken und ſie ſeufzten nach ihren Kindern. plötzlich an der Thür. Die Eltern fuhren erſchreckt auf, und herein kamen, Däumling voran, die ſieben Jungen. Das war eine Freude! Die Jungen hatten einen tüchtigen Hunger von dem weiten Wege mitgebracht, und aßen nun nach Berzensluſt. Das ging eine Seit ſo fort, bis alles aufgezehrt und die bittere Noth wieder im Bäuschen eingezogen war. Da tauchte der alte Plan wieder auf, die Kinder im Walde auszuſetzen. Däumling hörte die Unterredung und wollte ſich ſeine Taſchen wieder mit Steinchen füllen, aber— die Thür war verſchloſſen. Er mußte ohne Vieſelſteinchen wieder ins Bett ſchlüpfen und überlegte nun die ganze Nacht, wie er ſich und den Brüdern helfen könnte. Ihm fiel aber gar nichts ein. Am andern Morgen gingen Eltern und Kinder wieder in den Wald hinaus, Däumling immer zuletzt. Er zerbröckelte ſein Brot und ließ dann und wann ein Krümchen fallen, ſowie er das erſtemal die Kieſel— ſteinchen geſtreut hatte. Die Sltern führten die Kinder viel, viel tiefer in den Wald und ſchlichen ſich wieder unvermerkt 889071 Däumling verließ ſich auf ſeine geſtreuten Brotkrümchen, aber die Vöglein hatten alle aufgezehrt. Da ſtanden ſie nun rathlos und ſchrieen und klagten durch einander, um ſo mehr, als es ſchon Abend wurde. Däumling führte die Brüder durch Dornen und Geſtrüpp, bis es ganz finſter war. Dann ſtieg er auf einen Baum und ſchaute, Da pochte es ob er eine menſchliche Wohnung entdecken könnte und wirklich! in weiter Ferne ſchimmerte ein Licht. Sie gingen der Richtung nach und kamen an ein Häuschen, aus deſſen Schornſtein ein vielver— ſprechender Rauch ſtieg, der ihren großen Runger noch ganz be— ſonders anſpornte. Däumling klopfte an die Thür. Sine alte freundliche Frau öffnete und ſah erſtaunt die Jungen. Däumling fragte, ob ſie die Nacht hier bleiben könnten. Die Frau hatte Mitleid mit den armen Vindern, ſagte ihnen aber, daß ihr Mann ein greulicher Menſchenfreſſer ſei, der beſonders Kinder ſehr gern verſpeiſe. Das war eine ſchreckliche Mittheilung für die hungrigen Jungen, die Frau aber verſprach ihnen Rülfe, gab ihnen zu R DDR 22 ee e— 39.————— — ———— FSP˖ eſſen und ſteckte ſie dann oben in der Kammer in ein Bett neben dem Bette, worinnen ihre ſieben Töchter ſchliefen, die in gleichem Alter mit den ſieben Brüdern waren. Die Jungen lagen mäuschenſtill. Da hörten ſie Tritte. Der Menſchenfreſſer kam nach Rauſe, ſetzte ſich an den Tiſch, aß und trank viel, ſehr viel; als er ſich aber ſattgegeſſen und vollgetrunken, ſchnüffelte er und rief:„Frau, ich wittere Menſchen— fleiſch!!“ Der Frau wurde angſt um die Jungen. Sie wollte erſt leugnen, aber der Menſchenfreſſer ließ ſich nicht beſchwichtigen und brüllte ſie zuletzt gar gräßlich an. Da geſtand ſie, daß ſie in der Kammer ſieben Jungen beherberge, einer immer kleiner und magerer als der andre; er ſei nun voll und ſatt und ſolle ſie nur ſchlafen laſſen bis früh, dann könne er ja thun, was er wolle. Der Menſchenfreſſer beruhigte ſich ſcheinbar; nach einer Weile aber, als die Frau nicht in der Stube war, ſchlich er ſich im Finſtern die Rolztreppe hinauf. Däumling aber hatte entdeckt, daß des Menſchenfreſſers Töchter kleine Krönchen auf dem Kopfe trugen; dieſe hatte er ihnen abgenommen und ſich und ſeinen Brüdern aufgeſetzt. Als nun der Menſchenfreſſer an das Bett der Jungen kam und die Kronen fühlte, ging er an das andere Bett und tödtete ſeine eigenen ſieben Töchter. Dann ſtieg er wieder hinunter und legte ſich ſchlafen. Am andern Morgen raunte er ſeiner Frau zu:„Geh hinauf und richte mir die Vinder zurecht, es ſoll eine gute Mahlzeit geben“!. Die Jungen hatten ſich aber beim Morgengrauen aus dem Hauſe geſchlichen und waren gelaufen, was ſie nur konnten, um aus dem Bereiche des Menſchenfreſſers zu kommen. Die Frau, als ſie hinauf in die Kammer kam, das Bett der Jungen leer fand und dagegen ihre Töchter todt im anderen Bett liegen ſah, fiel gleich in Ghnmacht. Als ſie nicht wieder kam, ſtieg ihr Mann auch hinauf und ſah nun, was er im Finſtern angerichtet. Er gerieth in die höchſte Wuth, zog ſeine Siebenmeilen⸗ ſtiefeln an und eilte den Jungen nach. Die waren unausgeſetzt gelaufen, bis ſie plötzlich über Berg und Thal den Menſchen— freſſer daher rennen ſahen, die V. E Mohn. ——— eine Hand wüthend ge— ballt, in der anderen ein ſcharf geſchliffenes Meſſer haltend. Das Entſetzen der Jungen war unbeſchreiblich. Sum Glück ent⸗ deckten ſie eine Föhle und ver— krochen ſich darin. Der Menſchen⸗ freſſer war aber von ſeinem Wege müde geworden, ſetzte ſich auf den Berg, in dem die Röhle war, ſchlief ein und ſchnarchte, daß die ganze Röhle erzitterte. Da ſchlichen ſich die Jungen hervor, zogen ihm die Sieben— meilenſtiefeln aus, und da dieſe die Sigenſchaft hatten, jeder— mann zu paſſen, ſo legte ſie Däumling an. Er nahm an jede Rand einen Bruder, die beiden faßten die andern Brüder, und nun ging es fort über Berge und Wälder, bis ſie endlich zum elter— lichen RBäuschen kamen. Vater und Mutter waren nicht wenig erſtaunt als plötzlich die Kinder wieder vor ihnen ſtanden. Die ſechs Brüder blieben bei den Eltern und haben noch alle etwas Tüchtiges gelernt, Däum— ling aber zog mit ſeinen Siebenmeilenſtiefeln aus, ſich die Welt zu beſehen. n ÆN war ein Mann, der hatte ſieben Knaben, aber kein Töchterchen, ſo ſehr er ſich auch eines wünſchte. N Endlich gab ihm ſeine Frau ein Cöchterchen, das war wohlgebildet, aber ſchwach und klein und ſollte die Nothtaufe erhalten. Der Vater ſchickte die Knaben eilig zum Brunnen, das Waſſer zum Taufen zu holen, und ſie liefen geſchwind, es wollte jeder der erſte beim Brunnen ſein. Der älteſte erreichte ihn zuerſt, ſtolperte aber und der Urug fiel hinein. Da ſtanden nun alle ſieben und keiner getraute ſich heim, denn ſie wußten wohl, daß der Vater ſehr bös ſein würde. Als ſie nicht heimkehrten, fürchtete der Vater, daß das Mädchen ungetauft ſterben müßte, und im Sorn rief er aus:„Ich wollte, die ſieben Jungen würden alle zu Raben!“ und alsbald ſah er über dem Brunnen mit lautem Kreiſchen ſieben ſchwarze Raben nach dem Wald auf und davon fliegen. Da ſtand er ſtarr und ſtumm und ſah ihnen nach, bis ſie ſeinen Blicken entſchwanden. Das kleine Mädchen aber erholte ſich ſehr bald, wuchs heran und wurde ſehr ſchön. Die Eltern verſchwiegen ihm, daß es ſieben Brüder gehabt, bis es eines Tages zufällig von den Leuten hörte, daß es eigentlich an der Verwandlung ſeiner Brüder in Raben ſchuld ſei. Darüber wurde es ſehr betrübt. Die Eltern konnten ihm die Sache nicht länger verſchweigen, er— zählten ihm den Hergang und ſuchten es zu tröſten, ſo gut es ging. Das Mädchen aber nahm ſich vor, ſeine Brüder aufzuſuchen und zu erlöſen und ging eines Tages fort. IM 11 VI 0 N V.b Mohn —— —9—— 3 f 4 —⏑].. 339—— —————Uü—jꝗb2—EAä⁊ũu!3333——.7.——.³³3³—————————E᷑——?— ——Ü—2— Es nahm ein Ringlein mit ſich zum Andenken an ſeine Eltern, in einem Tuch ein Brot, den Runger zu ſtillen, und ein Krüglein mit Waſſer, den Durſt zu löſchen, und ſein Stühlchen, ſich darauf zu ſetzen, wenn es müde würde. Da ging es nun und fragte alle Ceute nach ſeinen Brüdern; niemand konnte ihm aber ſagen, wo ſie wären. Es ging weiter und weiter und kam ſchließlich ans Ende der Welt und zu den Sternlein, die waren lauter freundliche Kinderchen, die vergnügt in die Welt hinunterſchauten; die fragte es auch nach ſeinen ſieben Brüdern. Die Sternlein wußten aber nichts, erinnerten ſich auch nicht, von ihnen gehört zu haben. Das Abendſternlein aber war ein Jungfräulein, das den Sternlein allerlei ſchöne Geſchichten erzählte, das hatte die ſieben Brüder nach dem Glasberg fliegen ſehen. Es gab dem Mädchen ein Rinkelbeinchen und ſagte zu ihm:„Gehe auf dieſem Wege fort, und Du wirſt an eine verſchloſſene Thür kommen, die zum Glasberg führt; ſchließe mit dem Beinchen das Schloß auf, und Du wirſt dort das Häuschen finden, in welchem Deine Brüder wohnen!“ Das Schweſterchen dankte dem Abendſternlein, nahm das Binkelbeinchen, knüpfte es in einen Sipfel des Tuches, darinnen es das Brot trug, und ging rüſtig weiter. Nach einem langen Wege kam es an die verſchloſſene Thür zum Glasberg, es ſuchte nach dem Binkelbeinchen, das hatte es aber verloren. Da ſteckte es ſein kleines Fingerchen in das Schloß und— die Thür ſprang auf. Da war es froh, ging die ſteilen Stufen hinauf und ſah oben an den äußerſten Spitzen der Felſen ein Häuschen in die Felſenriſſe eingebaut. An dem kleinen Thürchen angelangt, klopfte es beſcheiden an; ein graues Swerglein öffnete und frug, was es wolle. Es ſagte ihm:„Ich ſuche meine Brüder, die hier oben auf dem Glasberg wohnen.“ Das Swerglein ant— wortete:„Die ſind nicht zu Bauſe, kehren aber bald heim.“ Es trat in das kleine Stübchen, darinnen ſah es gar behaglich aus, ein Tiſchchen war gedeckt, darauf ſtand das Eſſen der Raben und ſieben Becherchen zum Trinken. 55 EE 5 Das Schweſterchen ließ in eins der Becherchen das Ringlein fallen. Plötzlich hörte es ein Geſchwirr in der Luft, es fürchtete ſich und verſteckte ſich hinter die Thür. Da kamen die Raben, nachdem ſie da⸗ Häuschen dreimal umkreiſt hatten, hereingeflogen und ſetzten ſich zu Tiſch, aßen und tranken. Als der ſiebente, der kleinſte, ſein Becherchen austrinken wollte, ſah er das Ringlein am Boden liegen. Da guckten es die Raben erſtaunt an, denn ſie erkannten, daß es ein Ringlein von ihren Eltern war, und ſie riefen alle:„Ach, wenn doch unſer Schweſterchen hier wär', da würden wir erlöſt!! Als das Schweſterchen das hörte, trat es hervor. Da bekamen die Brüder ihre menſchliche Geſtalt wieder, herzten und küßten ihr Schweſterchen und zogen fröhlich in ihre FHeimath zu Vater und Mutter und lebten nun glücklich und zu⸗ frieden alle zuſammen. VP.NMehuA —————ů———hC—ĩ¶— 2 or Jahren wohnte in einem Häuschen mitten im Walde ein armer Rolzhacker mit ſeinem einzigen Kinde, einem niedlichen Mädchen von drei Jahren. Sie hatten kaum das tägliche Brot. Einmal, als der Holzhacker bei ſeiner Arbeit war, ward es plötzlich licht und eine erhabene Frau, in ein weites, helles Ge⸗ wand gehüllt, eine Krone auf dem Naupt, ſtand vor ihm und ſagte: „Ich bin die Jungfrau Maria, die Mutter des Chriſtkindleins; Du biſt ſo arm, gieb mir Dein Kind, ich will ihm ſeine Mutter ſein!“ und dazu ſchaute ſie ihn ſo mild und freundlich an, daß der Holz⸗ hacker ihr ſein Kind übergab. Die Jungfrau Maria nahm das Kind mit ſich in den Fimmel. Da ging es ihm wohl. Die Eng⸗ lein ſpielten mit ihm und nannten es Schweſterchen und hatten es alle ſehr lieb; ſein Schutzengel war immer an ſeiner Seite und zeigte ihm die Rerrlichkeiten des weiten weiten Himmels. ee 8 J V — 6769% 4 — wurde Marienkind vierzehn Jahr alt, da ſagte die Jungfrau Maria zu ihm:„Ich habe eine Reiſe vor und werde Dich auf lange Seit verlaſſen; ich übergebe Dir die Schlüſſel zu den Bimmelsſälen in Verwahrung; zwölf darfſt Du aufſchließen und dort hineinſchauen; aber den dreizehnten Saal darfſt Du nicht öffnen, das verbiete ich Dir bei ſchwerer Strafe!“ Marienkind verſprach alles und weinte herzlich, als die Jungfrau Maria von ihm und den vielen Englein Abſchied nahm. Es beſah ſich mit den Englein die Säle, darin ſaßen die zwölf Apoſtel in hellem Glanz, aber den dreizehnten Saal ſchloß es nicht auf. Viele Tage waren vergangen, da erwachte in ihm die Neugier, den letzten Saal zu ſehen. Gbgleich es ſich ſagte, daß es Sünde ſei, konnte es doch nicht widerſtehen, als es in die Nähe des verbotenen Saales kam und ſein Schutzengel und die anderen Englein nicht bei ihm waren. Es dachte: jetzt biſt Du allein, da kannſt Du hineinſchauen, es ſieht Dich ja niemand. Und als es ſo gedacht, hatte es auch ſchon die Thür aufgeſchloſſen. Da erblickte es die Dreieinigkeit in goldigem Glanze, ſo daß es ganz geblendet wurde und den Finger in den Glanz tauchte, der davon, ſo weit es ihn eingetaucht, mit Gold überzogen war, weshalb auch dieſer Finger der Goldfinger heißt bis auf den heutigen Tag. Da wurde ihm angſt; es ſchloß geſchwind die Thür wieder zu und lief fort und wollte daz Gold wegwiſchen. Es rieb und rieb, aber vergebens, das Seichen der Schuld blieb bei ihm. Da ſchlich es in ſein Kämmerlein, der Schutzengel ſtand ſeitwärts, bedeckte das Geſicht und weinte leiſe. Die Englein aber flohen vor ihm. Es dachte mit Bangigkeit an die Stunde, wo die Jungfrau Maria zurückkommen würde.— Bald darauf kam Maria zurück, forderte die Schlüſſel wieder und fragte:„Baſt Du die dreizehnte Thür geöffnet?!“ Marienkind antwortete, indem es über und über erröthete:„Nein“. Maria frug noch einmal, es antwortete, obwohl ihm das Herz klopfte, nochmals:„Nein“. Da ſah Maria das Gold am Fingerchen, das es bis jetzt ſorgfältig verborgen gehalten, und fragte zum dritten Male und Marienkind verneinte zum dritten Male. Da ſagte Maria mit ernſter Stimme:„Du haſt der Verſuchung nicht wider⸗ ſtanden, Du haſt nicht gehorcht und noch dazu gelogen; Du darfſt hinfort nicht mehr im Nimmel bleiben!“ Alsbald verſank es in einen tiefen Schlaf, und als es er⸗ ιν wachte, war es auf der Erde in einer öden Wildnis, es fürchtete ſich gar ſehr und wollte um Rülfe rufen, aber die Sprache war ihm genommen. Es wollte fortlaufen, aber ringsherum war eine dichte Dornenhecke gewachſen, ſo daß es nirgends heraus 7⁴ konnte. Sin alter hohler Baum wurde ſeine Wohnung, darinnen ſtand ein Krug mit Waſſer und ein Körbchen mit Brot, da konnte es trinken und eſſen, und es ſuchte ſich Beeren, die ringsherum wuchſen.— So ſaß es viele Jahre. Seine Kleider waren ihm vom Leibe gefallen, und es hüllte ſich in ſeine langen langen Raare und ſaß ſo einſam und weinte oft bitterlich, wenn es dachte, wie ſchön ez im Rimmel geweſen. Sinſtmals jagte der König im Walde und verfolgte ein flüchtiges Reh, das plötzlich im Dickicht verſchwand. Er ſtieg vom Pferde, ſchlug ſich mit dem Schwert einen Weg durch das Gebüſch, kam an den hohlen Baum und ſah das wunderſchöne Mädchen. Er frug, wie es hierher gekommen und wer es ſei. Es konnte ihm aber nicht ant⸗ worten, denn es war ſtumm. Er frug, ob es mit ihm auf ſein Schloß wollte, da nickte es. Da ließ der König ſchöne Kleider vom Schloß holen, ſetzte es auf ſein Pferd und nahm es mit ſich auf ſein Schloß, gewann es lieb, ob es gleich nicht ſprechen konnte, und nahm es zur Frau. Ueber ein Jahr bekam die Königin ein Knäblein. In der Nacht erſchien ihr die Jungfrau Maria und ſprach: „Willſt Du geſtehen, daß Du die verbotene Thür geöffnet, ſo will ich Dir die Sprache wiedergeben; leugneſt Du aber, ſo nehme ich Dein Kind mit mir!“ Da kam ihr die Sprache, ſie ſagte:„Nein, ich habe die Thüre nicht geöffnet.“ Da nahm ihr die Jungfrau Maria das Kind und verſchwand. Nach einem Jahr bekam die Königin wieder ein Söhnlein. In der Vacht erſchien ihr die Jungfrau Maria wieder und frug ſie wieder, ſie leugnete aber ebenſo wie vorher. Da nahm ſie ihr auch dieſes Kind. Im dritten Jahre bekam die Königin ein Töchterchen, die Jungfrau Maria erſchien ihr abermals in der Nacht mit derſelben Frage, und die Königin leugnete wieder, daß ſie die Thür ge⸗ öffnet, und ihr wurde auch das dritte Kind genommen. Am andern Morgen, als es bekannt wurde, daß auch das dritte Kind verſchwunden, riefen alle Ceute:„Die Königin iſt eine Menſchenfreſſerin, ſie muß ſterben!“ Der König, ſo lieb er auch die Königin hatte, konnte ſeine Räthe nicht mehr beſchwichtigen. Es wurde Gericht über ſie gehalten und man verurtheilte ſie zum Feuertod. Alsbald wurde ſie an einem Pfahl feſtgebunden und ringsherum Rolz aufgeſchichtet und in Brand geſteckt. EERRD 2 4215 VPMohn. HHTHmnimemnn IUUMAimmn Æ —‚‚‚—‚ ⏑ ν 83 8 S== 5 32 r 8 4 8 2 325 5 2 2 RS 2 2 — 2 25— 8 822 89 r 8 ‚⏑⸗— 8—— —— 232 1 2 3. 2 S 2— 8 υιρ 8 2 8 5 ν S52 23 S ε 8 8 ——— 1— 8 2 S —*— 8 S 82 FEESE . 8 8— 3 8 838 — 60 3 3 —= 2 2 FER 2 2 83— N—— RPR 2 S ο σ ◻·. 8 2 2 — S S 5 3 25 238 83 ——— 8 8 8 2— — 5 — 8 — ⏑⏑Ü= S8 2 2 8— E 2“ 22 ERE 8 Ꝙe— 2 2— 28 21 2 S0 2 2 2 2 —— ———— 2 8 882 S8 8 2 8 S QQff ⏑‘§e2== S— 8 8 5 + ⏑ Q ◻σ—3 S — 8 3228 3 S 2. 2 — 8à0 N — SSessss e 8 Sl 2 8 2 hös 8 SRR DNN RSS CC 3 E 4— WN ĩw w eee————— UUUEC⁰E(“? ———— 8 4 4 R dem war Vater und Mutter geſtorben. Es war 109 arm, * 8 daß es nichts mehr hatte als ſein Kleidchen und ein Mützchen und ein Stückchen Brot, und hatte kein Kämmerchen mehr und kein Bettchen, worin es ſchlief, und war ſo ganz von aller Welt verlaſſen. Da ging es hinaus ins Feld, und wie es ſo ging, begegnete ihm ein armer alter Mann, der war hungrig und bat um einen Biſſen von dem Brot, da gab es ihm das ganze Stück. Es ging weiter, da kam ein Vind, das hatte nichts auf dem Kopfe und fror, da ſchenkte es ihm ſein Mützchen. Nach kurzer Seit kam ein anderes Kind, das hatte kein Kleidchen an, da ſchenkte es ihm ſein Kleidchen. Und weiter begegnete ihm am Anfang des Waldes, als es ſchon anfing, dunkel zu werden, abermals ein Kind, das bat um ein Bemdlein, da dachte es: es iſt ja bald Nacht, da ſieht Dich niemand,— zog ſein Hemdlein aus und gab es dem Kinde. Und wie es nun ſo einſam im großen finſtern Walde ſtand, da fielen die Sterne vom Rimmel und verwandelten ſich in lauter Thaler und plötzlich hatte es ein ſchönes weißes Bemdchen an, das war von der allerfeinſten Leinwand, da⸗ hinein ſammelte es die Thaler und hatte genug für ſein ganzes Ceben. N Mur einmal ein.. X PNchn, 142 3 15 —+1 77—* D— BLB Karlsruhe HbUOh 55 04791 1 031