Kurze Beantwortung der Frage:——— + Ob des Marggraven Hermanns des Vierten 404 von Baden Gemahlin Itmen g r d Verzog Heinrich des Schoͤnen oder Langen 5 aͤlteſte Prinzeſſin J geweſen ſey? zugleich wird die hochanſehnliche Gegenwart hoher Goͤnner und geneigter Freunde der ſtudirenden Jugend zu denen Freytags den 26. September Nachmittags um 2 Uhr 2 in dem Auditorio publico des Gymnaſii IIluſtris zu haltenden Reden erbeten 55 5 von Johann Chriſtian Sachs, Hiſtor. et Poëſ. Prof. FFPEEEEEE Carlsruhe/ gedruckt mit Heldiſchen Schriften, 1760. 2—— S 8 5——— Y 2 In der lezten Einladungsſchrift iſt von denen denkwuͤrdigſten %.. Lebensumſtaͤnden Marggrav Hermanns des Drit⸗ ten von Baden, und deſſen Kindern, ſonderlich ſei⸗ KEe, nem Sohne M. Hermann dem Vierten, der From— me und Streitbare genannt, und deſſen Gemahlin Irmengard, durch welche die Stadt Durlach an das Hochfuͤrſtliche Haus gekommen iſt, kurze Nachricht gegeben worden. Da aber der Raum damals nicht geſtattete, mehrers beyzufuͤgen, und ſonderlich ei⸗ nen Hauptumſtand von dieſer M. Irmengard auszufuͤhren: ſo ſollen dieſe wenige Blaͤtter eine kleine Nachleſe von ihr ausmachen, und vornem⸗ lich mit Beantwortung der Frage ſich beſchaͤftigen: ob Sie oder ihre Frau Schweſter Namens Agnes, welche an Pfalzgrav Stto den Er⸗ leuchteten vermaͤhlt war, die erſtgebohrne Prinzeſſin Herzogs Seinrich des Schoͤnen oder Langen geweſen ſey. A2 Von 4* oο 0α Von dem Namen unſerer Marggraͤvin habe bereits in vorhergehen⸗ dem Programmate bemerkt, daß ſie nicht Irmentrud, oder Gertraud, auch nicht Helice und Eilieke, oder Adelheit, wie ſie TEIrEExI. in Chron. ad a. 1235. nennt, ſondern Irmengard geheiſſen habe. Ich fuͤge hier zu mehrerm Beweiß eine Stelle an aus dem Cron. Auguſt. ad annum 1238. ap. Freher. Tom. J. Script. Rer. Germ. p. 524. welche alſo lau⸗ tet: Tunc Hermannus MHarchio de Haden natus ex IXMENGARDE SORORE dOminae AGNETIS Duciſſae BAVARIX auxilio Ottonis Ducis Bavariae duxit in uxorem Gertrudam filiam Hainrici Ducis&c. Hieher gehoͤrt auch die unten aus dem Lichtenthal. Todtenbuch beyge⸗ brachte Stelle, ingleichen die Urkunde vom Jahr 1233. in Meichners Dec. Cam. Tom. IV. Dec. 35. p. 570. darinnen nachſtehende Worte ge⸗ leſen werden: Notum ſit— quod ego Herinannus a) M. de B. una eum uxore mea Hirmogard&c. Dieſe Stelle widerlegt zugleich das⸗ jenige, was Jrubemius in Chron. Hirsaug. p. 564. und andere ſchrei⸗ ben, daß der Gemahl dieſer Marggraͤvin Irmengard Heinrich geheiſſen habe. Add. Eccard hiſt. genealog. princ. Sax. P. 674. Der Herr Vatter dieſer Irmengard war, wie ſchon oben angezeigt worden, der in denen Geſchichten ſo beruͤhmte Herzog Seinrich der Schoͤne b) oder Lange, Heinrich des Loͤben, Herzogen in l un 3) Daß hier der Titul Dei gratia ausgelaſſen worden, iſt nichts beſonders. Der ſel. Wilh. Ernſt Tenzel in vita Fridrici Admorſi ap. Mencken Tom. 2. Script. rer. Germ. col. 940. bringt eine Urkunde bey vom Jahr 130r. welche alſo anfangt: Nos Theodoricus junior Thuringiae Landgravius orientalis et Luſa- tiae Marchio&c. Ja es finden ſich, anderer Exempel zu geſchweigen, ſo gar koͤnigliche Urkunden, in denen der Beyſatz: Von Gottes Gnaden, oder Dei gratia nicht anzutreffen iſt; wie unter andern der gelehrte Herr Verfaſſer de⸗ rer behaupteten Vorrechte der alten Koͤnigl. Bann⸗Forſte ꝛc. p. 115. aus Gol- daſti Conſtit. Imperial. Tom. I. p. 325. bemerket hat. VY Er war ſo ſchoͤn und anſehnlich von Perſon, daß ihn die Prinzeſſin Agnes dem Koͤnig in Frankreich Philipp vorgezogen hat, ohngeachtet ſelbſt der Kaiſer vor dieſen bey ihrem Herrn Vatter geworben hat. Hiebey 8 ornem⸗ —————— w——-—— N οe + und Bayern, und Mechtildis Prinzeſſin K. Heinrichs in Engelland aͤl⸗ teſter Prinz, c) und Bruder Kaiſer Otto des Vierten. S. n. d. Man haͤtte hier Gelegenheit angenehme Anmerkungen von dem Urſprunge der Veynamen, welche dieſe Herren gefuͤhrt haben, zu machen; ich beziehe mich aber hierinnen auf die ſchoͤne Abhandlung Henr. Conr. Arend de Auguſt. Domus Brunsvica- Luneburgicae aliquot Principibus, qui hinc et inde ſingularia cognomina indepti ſunt. Dieſer Fuͤrſt muſte nicht nur mit ſeinem Vatter Heinrich dem Loͤwen, welcher ſeine weit⸗ laͤuftige Lande in Teutſchland verlaſſen muſte, das Elend in Engelland bauen, ſondern auch nachher oft manchen harten Tag haben, ja gar ge⸗ ſchehen laſſen, daß Fuͤrſt Bernhard von Anhalt mit dem Herzogthum Sachſen, und Ludwig aus Bayern aus dem Hauſe Wittelsbach mit der Pfalzgravſchaft am Rhein im Jahr 121 5. von K. Fridrich II. belehnt wurden, vid. Avent. L. 2. Annal. c. 3. Er begab ſich aber des Rechts an ſeine vaͤtterliche Lande ſo wenig, daß er ſich bis an ſein im Jahr 1227. d) erfolgtes Lebens-Ende noch immer des Tituls eines Herzogen zu Sachſen und Pfalgraven bey Rhein bediente, auch ſolchen von an⸗ dern erhielte. vid. origg. Guelf. T. 3. praef. p. 55. deßwegen auch dieſe beede in denen Urkunden ſelbiger Zeit als Pfalzgraven beym Rhein an⸗ getroffen werden. Wie ſolches mit mehrerm bey 70nero in Hiſt. Palat. A3 Die vornemlich des ehmaligen beruͤhmten Wuͤrzburgiſchen Geheimden Raths Joh. SGeorg von Kckart Kleinodien⸗Kaͤſtlein von Verloͤbnis H. Heinrichs zu Gach⸗ ſen ꝛc. nachgeleſen zu werden. und andern zu leſen iſt. e) Dieſes erhellt aus dem Bericht Gerbard. grederburg. Idem Dux(Henricus Leo) Henricum, filium ſuum majorem miſit&c. d) Dieſes bezeugt unter andern was wir leſen in Rethmeieri Antigu. Brunsv. d. 15. Documentor. ad Cap. VI. Anno 1227. hefft Paltagrave Hinrick,, ein Here tho Brunſwick, unde Keyſer Ottem Broder, ſinem leſten Dag in Gott beslöten, unde alhier, by ſine Voreldern begravem Worden. Viele ſezen ſeinen Todes⸗ tag auf den 1. May A. 1213. an welchem aber nicht er, ſondern ſein Sohn gleiches Namens verſtorben iſt. vid. Pfehe ad Vitr. T. I. L. I. Tit. XI. p. 906. 6* ο Die Gemahlin dieſes Herzog Heinrichs des Schoͤnen und alſo die Mutter unſerer Marggraͤvin fuͤhrt bey einigen Stribenten den Namen Judith. Alſo heißt ſie in Marrat. Atabens. ap. Leibnit. Tom. 2. Script. rer. Brunsvic. P. 21. Henrico Chonradus Comes Palatinus Rheni, frater Friderici primi linperatoris copulavit filiam ſuam Ju- Jitham èt ex hoc; quia filium non habuit; ſuecedit ei in palatii prin- cipatu, qui Henricus poſtmodum ex illa Juditha genuit Agnetem, quae Ottoni filio Ludovici Duci Bavariae matrimonialiter juncta. Daß ſie von einigen mit Bucelino unrecht Clementia genannt werde, bemerkt Pfelling. ad Vitr. T. I. L. L. Tit. XI. p. 955. Andere hingegen nennen ſie mit beſſerm Grunde Agnes. Alſo kommt ſie vor beym Aberto Hfadenſi ap. Kulpis pag. 297. in folgenden Worten ad a. 1194. Heinricus F. Ducis Henrici duxit Agneten F. Palatini Conradi de Rheno. Und ad a. 1204. obiit Agues ilæor Heu- vici Ducis et Palatini Comitis&c- Eben ſo nennt ſie Nonachus Wein- artenſis de Guellis Principibus ap. Leibnit. Tom. Lp. 805. Henri- Lus II. ſchreibt er, F. Henrici Leonis— Asgnes ejug uαον u, F. Conradi Rheni Palatini, qui fuit frater Friderici I. Imp. Ducis Sueviae, ex qua Palatinatum conſecutus eſt. Eben dieſer Name wird ihr in dem Lehenbrief des Erzbiſchofs Ilen von Coͤln, welcher in Freheri Origin. Palat. ex Edit. erilluſtris J. J. Reinbardi p. 176. ſꝗq. ſteht, beygelegt: Philippus.— ſcire volumus, quod caſtrum Staheleke et advocatiam in Bache- rache a manu domini palatini comitis Cunradi ſuſcepimus, et in eodem momento ipſi er ejus jugali dominae Irmengardi(vel Ir- mentrudi) ejusque filiae Agneti jure feodali concesſimus&C. Ja der Herzog Heinrich nennt dieſe ſeine Gemahlin ſelbſt mit dem Namen Agnes in der Urkunde, welche von dem ſel. Kammergerichts⸗Allellore o ben. Gudenus in Syllog. var. dipl. p. 48. ſeq. ans Licht ge⸗ ſtellt worden. Darinnen kommt dieſe Stelle vor: Hoc itaque pium et laudabile factum jam nominati ſoceri doſtri pro parte noſtra et dilecte conſugis noſtre Agnuetis conbrmantes. 7 ———— * οοα 7 Ich komme nun auf die Toͤchter des Herzog Heinrichs. Hier iſt wohl kein Streit, daß er zwey ſehr merkwuͤrdige Toͤchter gehabt habe. Denn die dritte mit Namen Maria kommet ſo oft nicht vor; Meibom III. 156. berichtet von ihr, daß ſie an den Herzog Waldemar verlobt geweſen, aber noch vor dem Beylager den Weg aller Welt gegangen ſey. So oft hingegen die andern beede, Irmengard und Agnes vor⸗ kommen: ſo zweifelhaft hat die Verſchiedenheit der Schriftſteller in de⸗ nen Nachrichten von ihnen gemacht, welche unter dieſen beeden die erſtgebohrne geweſen ſey. Wie dann ſelbſt Ffef ad Vitrigrium F. I. L. I. Tit. XI. P. 958. nach Anfuͤhrung des Diplomat. Erect. Duc. Brunſv. nur ſagt: viderur ſequi, natu majorem filiam firiſſe nuptam Marchio- ni Badenſi. Man hat aber nunmehro ſolche Gruͤnde, welche unwider⸗ ſprechlich darthun, daß unſerer Marggraͤvin der Vorzug in dieſem⸗ Stuͤcke gebuͤhre. Ich will zuerſt verſchiedene Stellen anfuͤhren, welche der Agnes die Erſtgeburt zuzuſprechen ſcheinen, und ſo dann auch die andern beybringen, welche die Irmengard ausdruͤcklich die aͤltere und erſtgeborne nennen. e 339 Was ——— e) Hiebey kan ich nicht unberuͤhrt laſſen, daß, wie ich mit dieſer Arbeit beſchaͤf⸗ tigt war, mir des beruͤhmten Herzogl. Wirtemberg. Raths und Lehrers des Staats⸗ und Lehenrechts zu Tuͤbingen Herrn G. D Zoffmanns„diplo⸗ matiſche Beluſtigung mit des Niederſaͤchſiſchen Grav Utonis und Herzog „Heinrich des Löwen an die K. Conrad II und Fridr. I vertauſchten Schwaͤ⸗ „biſchen Guͤtern Nuͤrtingen und Baden,„zu Handen gekommen. Ich fand in Durchleſung dieſer gelehrten Schrift viele Stellen, die ich in denen zu mei⸗ nem Programmate gemachten Sammlungen ebenfalls angemerkt hatte, und wolte alſo wirklich dieſe Abhandlung ungedruckt liegen laſſen. Da ich aber üͤberlegte, daß der Herr Profeſſor in einer ganz andern Abſicht geſchrieben, und oft zwey Maͤnner bey einer Materie doch nicht gaͤnzlich einerley Zeugniſſe⸗ anfuͤhren, ich auch ſeine Schrift erſt nach meiner Arbeit, wie der Herr Profeſſ⸗ mein Programma von M. Hermann II. nach der ſeinigen, geleſen hahe: ſo ha⸗ be die Beantwortung der mir vorgelegten Frage dem Druck zu uͤbergeben mich bewegen laſſen. Ich bedauerte zugleich gar ſehr, daß beſagtes Program⸗ ma dieſem 110Scher Lehrer ohngefehr ein Anſtoß worden iſt, und zwar durch den Leſe ⸗ und Schreibfehler, welcher in der p. 113. abgedruckten Urkunde 8⁴ von 38* o Was nun die Toͤchter Herzog Heinrichs ſelbſt anbelangt, ſo finde ich in Pfeff. ad Vitr.I. c. Speneri Syll. u. a. daß die Agnes den erſten Platz habe. In des beruͤhmten Lehrers des Staatsrechts zu Goͤttingen Herrn Jo⸗ hann Stephan Puͤtters hiſtoriſch-politiſchem Handbuch von den be⸗ ſondern teutſchen Staaten/ Erſt. Th. P. 366. ſind ſie alſo angefuͤhrt: a.) AOGNES, geb. 1201. verlobt 1215. und vermaͤhlt 1225. an Otto- nem illuſtrem, Herzog Ludovici von Bayern Sohn 1269. b.) I- MENCAkDI8, vermͤͤhlt an Hermannum IV. Markgrafen in Baden ꝛe. 11259. C.) MakIA3 verlobt an Waldemarum Herzog in Schleswig, die Vermaͤhlung ſelbſt iſt aber nicht zu Stande gekommen. Herr Prof. Puͤtter behauptet hier nicht ausdruͤcklich, welche die erſtgebohrne gewe⸗ ſen ſey. Hingegen ſehr viele andere e. g. Lunerus in Hiſtor. Palatin. pP. 362. welcher die Irmengard daſelbſt Irmentrud und natu minorem nennt; Suͤbner in Genealog. Tabellen; und der beruͤhmte Herr Con⸗ ſulent J. J. Moſer in ſeiner Einleitung in das Braunſchweig⸗Luͤne⸗ burgiſche Staats⸗Recht pag. 203. u. d. m. halten die Agnes, Her⸗ zogs Otto Gemahlin ausdruͤcklich vor die aͤlteſte Prinzeſſin. Solches von K. Friderich II anzutreffen iſt. Dann wann daſelbſt-dem K. die Worte beygelegt werden: per illuſtrem Rom. Regem Conrad. filium noſtrum, iſt of⸗ fenbar daß ſolches mit der Zeitrechnung nicht uͤbereinſtimme, ſondern vor Conradum muͤſſe Henrieum geleſen werden, wie ich in meiner kurzen Einlei⸗ tung in die Geſchichte derer Herren Marggraven von Baden vorlaͤngſt be⸗ merkt habe. Ich habe aber das Diploma aus dem Mdset: von Wort zu Wort treulich abdrucken laſſen ohne dieſen Schreib⸗Fehler/ dergleichen in alten Msctis nicht ſelten ſind, anzuzeigen, da es ohnehin zu meiner Abſicht eben ſo wenig erforderlich war/ als die Urtunden, darinnen zwiſchen dem Jahr 4157. und 1208. Marggraven von Baden vorkommen/ anzufuͤhren. Beedes aber iſt nun geſchehen in des ungenannten Verfaſſers hiſtoriſch diplomatiſchen Belu⸗ ſtigung mit des Herzogs Heinrichs des Löwen an K. Fridrich I. vertauſchten Caſtro Baden, p. 12. und p. 18. Doch bezeuge nochmals meine Unzufrie⸗ deuheit/ daß ich dem Herrn Profeſſor/ als ich ihme mein Programma auf ſein PVerlangen zuſchickte, ohne jedöch zu wiſſen, was er vor einen Gebrauch da⸗ von machen wuͤrde, dieſen Irrthum nicht angemerkt habe. Es fallen mir hie⸗ bey die Worte des Cicero in: Quid integtum non eſt ſapienti, quodlxeſtitui poteltth/Tuiusvis hominis eſt. etrare,, nullius, niſi inſipientis in etrots pet- 4 ſeyerare. —— * 0 9 mag vermuthlich daher gekommen ſeyn, weil ſie bey gar vielen Scriben⸗ ten ihrer Schweſter vorſteht. Alſo leſen wir in der Braunſchweigi⸗ ſchen Chronick bey Madern antiquit. Brunſvic. p. 18. Henricus fra- ter Ottonis primo duxit uxorem de Reno, cum qua obtinuit palatii principatum, de qua duæs filias genuit, Duciſſam Bavariae et Mar- chioniſſam de Baden. Mit dieſem kommt uͤberein, was man findet in denen Excerßtis Chronolog. de Eceleſia collegiata 8. Blaſii in Bruns- Wick bey Madern g. a. o. p. 169. Dominus Hinricus frater ejus du- xit uxorem Agnes de Reno, de qua principatum Palatii obtinuit. De iſta genuit duas filias, Duciſſam Bavariae et Marchioniſſam de Baden. So ſezt Caſpar Abel in ſeinen Saͤchſiſchen Alterthuͤmern p. 649. ebenfalls die Prinzeßin Agnes vor, jedoch ohne ſie die erſtgebohrne zu nennen, in dieſen Worten: Es haben Heinrioi Toͤchter, deren eine Agnes Ottonem, Herzogen in Bayern, die andre Irmengard, Her⸗ mannum Marckgr. von Baden, zur Ehe gehabt, mit ihren EhMaͤn⸗ nern, ſich der Stadt Braunſchweig angemaßt, ob ſchon ihr Vater a. 1223. in einem noch vorhandenen Document dieſelbe ſeinem Vetter Ottoni ausdruͤcklich vermacht hatte, und ſie nach ſeinem Tode a. 1227. ſamt den dazu gehoͤrenden Landen und Herrſchaften Kaiſer Friderico Il. vor ein geringes Geld verkauft ꝛc. Und das alte ronicon. Luunelurg. in Eecard Corp. hiſt. Tom. I. p. 1407. berichtet: de Keiſer kofte van des Herzogen Wive van Beiern vnde van erer ſuſter van Baden dat egen, dat ſe angerwet was van ereme Vadern deme Hertogen van Bruneswic ꝛc. Faſt gleiche Sprache fuͤhrt Faatmegius in Chron. p. 272. T. III. Leibn. Heinrick ſia Broder hadde twe dochter, eyne aff he dem Hertogen van Beyern, de andere dem Marggreven to Bade. Und Courad Rothio ad a. 1227. ibid. p. 36f. ſchreibt: Ock ſo ſtarff Palsgrave Hinrick eyn Here to Brunswiclæ unde Brunswick dat ſtarff an ſyne beyden dochter, de Hertoginne to Beyern, unde Grevinne to Baden. Eillen noch ſtaͤkkern Beweiß vor die Agnes ſcheint zu geben die obenangefuͤhrte Narratio Atabenſis d. I. allwo zu leſen: item Henricus praedictus comes Palatinus Rheni genuit æſteram filiam nomine Ixmgardam, quam duxit Hermannus Marchio de Baden. B Ja 10* Ja der alte Poet PBeodoricus Longus ab Einbecke beſtaͤrkt ſolches noch mehr in dieſen Verſen: Hujus germanus Henricus corpore ſanus 8 Sponſam de Reno duxit loculo ſub amoeno Quae binas natas genuit dominis ſociatas Primiaqiie Dorciſſa Bavarorum, Marchioniſſa De Baden reliqua tali domino fit amico&c. Vid. Engelbiſſii Chron. ap. Mader. d. I. p. 74. und Leibnitz T. 2. P. T113. Allein alle dieſe Stellen, darinnen die Herzogin von Bayern unſe⸗ rer Marggraͤvin vorgeſetzt wird, ſind nicht hinreichend ihr den Vorzug der Geburt zuzuſprechen. Es muͤſte ja ſonſt folgen, daß, weil ihre beede Ehgemahl gerad in umgekehrter Ordnung vorkommen und M. Hermann dem H. Otto ausdruͤcklich vorgeſetzt wird, derſelbe den Rang vor die⸗ ſem gehabt habe. Daß aber ſolches geſchehen, legt deutlich zu Tage das in meinem vorigen Programmate angefuͤhrte Kaiſerliche Diploma Erectionis Ducatus Brunsvicenſis, welches gewißlich, wenn der Schluß richtig waͤre, allen Glauben verdiente, woraus auch Pfeffinger, wie oben bemeldet, geſchloſſen hat, es ſcheine die M. Irmengard ſeye aͤlter als die Pfalzgr. Agnes. Ferner geſchieht ſolches in der uhralten Sachſen⸗ Ehronic, welche Caſpar Abel ſeiner Sammlung Alter Chronicken ein⸗ verleibet hat, P. 158. allwo es alſo heißt: A. 1427. Hertoghe Hinrich to Saſſen ſterff, unde wart to Brunswick begraven in den Dom, unde he gaff de Graveſchop to Stade an dat Goddeshus to Bremen, unde de Herſchop to Bruns wick gaff he ſinen beyden Doͤchtern, dede hadden den Graven f)to Baden, unde den Hertoghen to Beygeren; deſuͤlfften f) Fuͤrſten beyde verkoffden de Herſchop to Brunswick myt aller Tobeho⸗ ringe 5) Dieſe und die oben aus Conrad. Bothon. Chron. beygebrachte Stelle beſtaͤr⸗ ken dasjenige, was der Verfaſſer oben angezeigter Beluſtigung mit dem Ca- ſtro Baden P. 9, anmerkt, daß auch Fuͤrſtliche Perſonen zuweilen nur den Titul als Graven gefuͤhrt oder von andern erhalten haben. K)0 K 11 ringe dem Keyſer Frederick, de ſatte da to Brunswick Beygeren unde Swaben. Wobey er zugleich beſchreibt, was dieſer Verkauf vor Ver⸗ druͤßlichkeiten dem Kaiſer zugezogen habe. 9). Zu gleichem Beweiß dient der Verfaſſer des CHron. Luneburg. apud Leibnit. Tom. 3. B. 177. wann er ſchreibt: tho derſulven tidt koffte de Keiſer de Stadt Brunsch⸗ wick, de eine helfte von Marggraven van Baden, de anderen helfte van Hertogen van Beyren, des Rykes Vorſten beiden. Endlich druckt ſich ein alter Poet beym obenangefuͤhrten Leibnizen d. Tom. III. P. 132. alſo aus: Otto der Furſt mehr Und lieſſ thedingen umb Braunſchwig Wid er den Keyſer Friederich Der ſie gekaufft hat um Geld Gegen die Fuͤrſten auserwelt Von Baden und aus Bayerland Des Pfalzgraven Schwager genandt. Solte hier eingewendet werden, der Poet habe ſich hier nur einer poeti⸗ ſchen Freyheit bedient, und dieſe Verſezung um des Reims willen ma⸗ chen muͤſſen: ſo gilt wohl ein gleiches von obigem lateiniſchen Poeten, B 2 welcher 9). Der Bericht davon iſt dieſer: Hertoghe Otto to Saſſen de Kleyne de was dar Broders Sone to, deme vordrot des, dat ſin Verlick Erve ſo ſcholde van Handen komen, unde ſammet to hope twey dufent Perde, unde legert ſick in dat Kloſter to Riddershuſen, unde eſchede to Brunswick in, dat öme de Boͤrger weygerden, wente de Keyſer was öre Here, doch ſo wart öme eyne Schrift geſant, ſo dat he uppe de Schrift ſticht by den Vallerslevi— ſchen Dore in, de Borger kemen to Herneſche, aver dat was eyn maket rey⸗ ge, he dede den Borgern nicht, ſe deden öme ock nicht, men de Hertoghe toch plat na der Borch, unde floch de Swaben unde Beygern dot, unde nam de Borch in, unde reyp do myt den Borgern eynen Friede, unde he gaff der Stad to Brunswick herlike pribelea, ſo dat ſe oͤme huldigen. dat vordrot den Keyſer, unde drauwede den Hertoghen ban Lude unde Lande to drivende, dat vortoch ſick elven Jare rc. re. 12 οαα welcher mit dem Wort Prima nicht ſowol auf den Vorzug der Geburt, 7 als des Ranges geſehen; gleichwie auch das Wort elteram in der NVar- rat. Altab. nicht ſowol die zweyte, als eine von beeden bedeuten kan. Ich vermuthe daher nicht unbillig, daß, in denen Stellen, wo die Herzogin Agnes den erſten Platz hat, ſolches entweder zufaͤlliger Weiſe, oder in anderer Abſicht geſchehen ſeye. Ja ich halte dafuͤr, daß eben diejenige, welche den Marggr. Hermann dem Hers, von Bayern, vorſetzen, ihr Augenmerk auf die Gemahlinnen beeder Fuͤrſten gerichtet/, und die Fuͤrſten in der Ordnung angefuͤhrt haben, nach welcher die Ge⸗ mahlinnen in Anſehung der Geburt zu betrachten waͤren. Daß aber dieſe Vermuthung nicht ohne Grund ſeye/ beſtaͤrken die⸗ jenige Stellen, in welchen die M. Irmengard ausdruͤcklich ajor und primogenita filis genennt wird. Ich finde ſolches auſſer vielen andern beym Merto Abb. Stadeii ad a. 1227. Dieſer ſchreibt alſo: Henricus Dux et Palatinus eomes Rheni ſine filio obiit, et Bremenſis Archie- piſcopus comitatum Stadenſem obtinuit. Henricus Imperatoris filius, civitatem Brunswig pro eo, quod Imperator eam a inajore dicti prin. cipis filia Comparaverat, emtionis titulo impetebat, et Dux Bavariae Pro eoο quod ejusdem ſunior flia ſuo filio nupſerat, jus haeredita- num allegabat&c. Es hat daher auch Tolner in ſeinen additionibus ad Hiſtoriam Palatinam keinen Anſtand genommen, dasjenige, was oben aus ihme von der M. Irinengard aus ſeiner Hiſt. Palat. beyge⸗ bracht worden, offentlich zu wiederrufen. Die hieher gehoͤrige Worte p. 42. lauten alſo: Henricus Brunſvicenſis Comes Palatinus Rheni du- cta A. 1194. Bacharaci in arce Stalecke Agnete- Conradi Comitis Palatini Rheni filia, genuit praeter Henricum, filiam Imengardam, non Irmentrudem dictam, inatit majorem eirca A. 1 196. vel ſeq. na- tam, Hermanno Cogn. Pio Marchioni Badae matrimonio junctam, ſuam natil minoreim Henrici filiam opinatus antea fuernmnm, nundç au— ſem aliter edoctus corrigo. Er beruft ſich daſelbſt auf Mert. Crand. in Saxon. I. 7. C. 40. bey welchem ſie Semior tilia Henrici, gieichwie die Gemahlin des Herzogs Otto minor genennet wird. Endlich K* 0 13 Endlich mag wohl der ſtaͤrkſte Beweiß vor die Erſtgeburt der M. Irmengard in der Urkunde Kaiſer Fridrichs II. liegen vom Jahr 1234. die in Origg. Guelfic. Tom. IV. p. 14. ſeq. ſich findet, und folgende Worte enthaͤlt: Quicquid inter Altitudinem noſtram et prefatum O. de patrimonio et proprietatibus Henrici Ducis patrui ſui, que a Hr megenitn Hlia ſua comparavimus, uαοοο ᷣMaοꝗeͤbionis d Baden&c. Dieſe Urkunde iſt in ihrem ganzen Zuſammenhang auch in des Herrn Prof. Hofmanns belobter Beluſtigung p. 104. abgedruckt zu leſen. Aus allem dieſem erhellet dann zur Genuͤge, daß die Marggraͤvin Ir⸗ mengard die aͤlteſte Prinzeſſin Herzogs des Schoͤnen geweſen ſey. Ich koͤnte hier dieſe Abhandlung beſchließen. Weil ſie aber eine klei⸗ ne Kachleſe iſt von dieſer ſo denkwuͤrdigen Fuͤrſtin, ſo kan ich nicht um⸗ hin, noch den Schenkungsbrief, welcher von ihrer N eildthaͤtigkeit ge⸗ gen das von ihr geſtiftete Frauen⸗Kloſter Lichtenthal h) zeuget, aus ei⸗ nem alten Msct. anzuhaͤngen. Er gibt zu erkennen, daß ſie dasjenige, was ſie von ihren Soͤhnen zu dieſem Gotteshauſe bekommen, davon die Urkunde in vorigem Programmate ſteht, auch wirklich dahin gegeben habe: Sciant praeſentes et poſteri, quod nos in remiſſionem pecca- torum noſtrorum et omnipo. Dei miſericordiam conſequendam, ad laudem et honorem ſuae glorioſae matris Virginis Mariae, et om nium Sanctorum ſuorum novellae plantationi Sanctimonialium in lucida valle apud Baden ord. Ciſter. Spirenſ. Dioeceſ. a nobis funda- tae jura patronatus Eecleſiarum in Ettlingen et in Baden, decimam 18 Iffizheimb&c. a filiis Hermanno et Rudolpho nobis collata P55 devotlone contulimus perpetuo poſſidenda. Iti hujus rei certam B 33 evi- h) Davon iſt in vorigem Programmate gehandelt worden, und hier nur noch anzumerken/ daß ſie daſelbſt geſtorben, nach dem Netkolei0 dieſes Hauſes ap. Schanmnat, in vindem. litt. Coll. I. p. 165. VI. Cal. Mart. ob. Pide ine- moriae, Irmingardis Marchioniſſa venetabilis fundattix devota. Lucidae vallis. Toln. d. l. aber meldet, daß ſie den 25. Febr. 1259. das Zeitliche geſegnet habe. Sie wurde auch daſelbſt beygeſetzt und ihr ein praͤchtiges Grabmal, darzuf ihr Bildniß ſtunde, aufgerichtet. 14* 9ο K evidentiam et robur perpetuum, contulimus praeſens ſeriptum di- & conventui ſigilli noſtri munimine roboratum, hujus rei teſtes ſunt H. Argentinenſ. Epiſcop. de Selaa, de Schwarzache, de Neu- burg, de Alba, de Brumbach Abbates, et Prior Neuburgenſis, Co- mes de Wurtenberg, Otto comes de Eberſtein et alii quam plures, tam clerici, quam laici. Acta ſunt haec anno Domini 1248. tertio nonas Novembr. die videlicet conſecrationis jam dicti monaſterii, qui eſt 8. dies Novembr. Daß ſie auch ſelbſten dieſem Gotteshauſe als Aebtiſſin vorgeſtanden ſeye, wie ſchon im vorigen Programmate erwieſen habe, beſtaͤrkt der Beyſatz Reverendae Dominae Marchioniſſue in nachſtehender Urkunde vom Jahr 1253. die ich ebenfalls in einem alten VASct. angetroffen habe: Ego Rheinhardus miles dictus Chime, univerſis Chriſti fidelibus no- tum facio per praeſentes, quod ego de pari conſenſu legitimae con- jugis meae dictae Vtihild, bonaque voluntate ad petitionem Reveren- dae Dominae Marchioniſſae matris Domini R. Dei gratia Marchionis de Baden ſenioris bona mea in Caiſebach, cambiendo, ſive commu- tando pro bonis domin. Lucidae Vallis, ſitis in Sneckenbach tradidi poſſidenda&c. Nun wollte ich auch wegen der Stadt Durlach eine geographiſche und hiſtoriſche Nachleſe anſtellen, ich muß aber, um das Maas einer Einladungsſchrift nicht zu uͤberſchreiten, vor dieſesmal hierbey ſtehen bleiben, und nun diejenige Redner anzeigen⸗ welche unter der Aufſicht meines liebwertheſten Collegen des Herrn Prof. Chriſtoph Mauritüt, ihre Reden ablegen werden: I. Johann Adam Stober, aus Staffort, wird in einer teutſchen Rede zeigen, daß die Tugend und gute Sache nicht nach Gluͤck oder Ungluͤck zu ſchaͤtzen ſey. 0 II. Au⸗ * Nο 2 15 I. Auguſt Ernſt Deimling, aus Ober⸗Nimburg, wird in la⸗ teiniſcher Sprache den Satz ausfuͤhren: daß man im Gluͤck an das kuͤnftige Ungluͤck, und im Ungluͤck an das kuͤnftige Gluͤck ge⸗ denken muͤſſe. III. Georg Fridrich Kloſe, aus Carlsruhe, wird in franzoͤſi⸗ ſcher Sprache das Landleben nach ſeinem Nutzen und Annehm⸗ lichkeit abſchildern. N. Carl Friedrich Erhardt, aus Carlsruhe, wird in einer teut⸗ ſchen Rede von Maͤſſigung der Ehrbegierde handeln. V. Jeremias Beck, von Badenweiler, wird in hebraͤiſcher Spra⸗ che den Aberglauben, ſonderlich zu Kriegszeiten, beſchreiben. VI. Johann Chriſtoph Ludwig Zandt, von Schopfheim, wird in lateiniſchen Verſen den Untergang Sodoms vorſtellen. VII. Fridrich Wilhelm Fockler, von Itterſpach, wird in einer griechiſchen Rede darthun, daß der Krieg in dieſer Welt ein nothwendiges Uebel ſey. VIII. Georg Wilhelm Hitzig, aus Vogelbach, wird in lateini⸗ ſcher Sprache zeigen, daß der Krieg dem ſtudiren theils foͤrderlich, theils hinderlich ſey. IX. Chriſtoph Fridrich Seeber, aus Carlsruhe, wird in einer 0 Rede erweiſen, wie ſchaͤdlich der Hochmuth im Krie ge ſey⸗ FJo⸗ 16 ο α X. Johann Carl Deimling, aus Ober⸗Nimburg, wird in ei⸗ ner teutſchen Abſchiedsrede darthun, daß die Gottesgelahrtheit den beſten Troſt in Kriegszeiten leiſte. XI. Wilhelm Fridrich Wucherer, von Pforzheim, wird dem Weggehenden im Namen der andern in teutſchen Verſen Gluͤck wuͤnſchen, wann er vorher den Satz ausgefuͤhrt: daß das ganze menſchliche Leben ein Streit, und der Sieg erſt nach dem Tode zu erwarten ſey. Die hohen Goͤnner und Freunde unſerer ſtudirenden Jugend erſuche gehorſamſt und ergebenſt, dieſen Studiolis unſers Hochfuͤrſtlichen Gym⸗ naſu bey Ablegung ihrer Reden ihre Gegenwart guͤtigſt zu goͤnnen. Geſchrieben den 16ten Septemb. 1760. 3 BLB Karlsruhe —— ———— E — —— ————— —— —— D — ———. — ⏑] —— —— —— E — ——— p——— —p—b——— — ——— ——— —— — —— — DEE ——— —— 2 S O D 0 O — τ +