9 4 CA 3 . J 8 S ˖ A * K 4 4 * 2 M Adet I OuEnnngn 27 lathe lrlch 00 un Ge ſhichten iniche An ſcht n r 1 kin Reug ded Muchac achu - Wo Schmedotr — ConrhngEnt 17 IIt Das wunderbarliche Vogel⸗RNeſt/ Der Springinsfeldiſchen Veyrerin/ Voller Abentheur lichen/ doch Lehr⸗ eichen Geſchichten/ auf Simpli- cianiſche Art ſehr nutzlich und kurtzweilig zu leſen ausge⸗ fertigt Durch Michael Rechulin von Sehmsdorff. — Gedruckt in zu Endlauffenden 1672, Jahr. Toenbgthcot chobag/ erde fllspofftt lch unb K Jg/ de5lg fun bſch hu eil desſt Ind fiüen Hulund her huneg Kme khahken/ reh buſth. Dagctkeſch heräht/ lnt Efdege Seihmgtür ilfhfium en NhüWum ödamdet .00r EGð K 85888.A88——5 Er ſeltzame Springins feld Hhſerzehlet in ſeinerLebens⸗Beſchrei⸗ bung/ welcher Geſtalt ſeine Ley⸗ rerin diß Vogel⸗Neſt davon ich jetzt zu reden vorgenommen/ von einem Baum erhoben/ dardurch nnſichtbar worden/ allerley poſſirliche Haͤndel angeſtellt/ und endlich umb Leib und Leben kommen; Item/ daß bey ihrer Aufopfferung der jenig ſo ſich nach einem Nastuͤchlein ge⸗ buckt/ das ſie in ihrem ſterben aus der Hand fallen laſſen/ mit Leib und Seel/ Haut und Haaren/ Kleidern und allem hinweg kommen/ daß ſeither niemand erfahren/ wohin er geflogen oder geſto⸗ ben ſey. Dieſer verſchwundene Kerl nun wer⸗ ther Leſer/ bin ich/ und in dem Nastuͤch⸗ lein ſtack das gemeldte Vogel⸗Neſt/ wel⸗ ches ich im Fallen auffieng oder empfing/ in Hoffnung etwas von Geld oder der⸗ gleichen darinn zu erſchnappen; haͤtte ichs aber nicht im Lufft erwiſcht/ ſondern A iij gar 4 Das wunderbarliche gar auf die Erden kommen laſſen/ ſo waͤ⸗ re es mir nimmermehr zu theil worden/ ſintemalen ich alsdann weder das Schnupfftuͤchlein noch das Neſt ſelbſt! nicht ſehen köͤnnen; da ichs aber Hatte und nunmehr aus meiner Cammeraden der anderen Hellebardierer(welche mit mir ausgeſchickt worden/ das Geſpenſt! m oder die Zauberiſche Jungfrau oder vet, fluchte Moͤrfein/ zu fangen) Thun und Reden merckte/ daß mich niemand ſahe haͤtte ich diß geringe und kleine Zwiſſel⸗ Neſtlein nicht mehr mit dem Koͤnig in Engeland umb alle ſeine Königreich und 10 Probintzien verdauſcht/ dann ich machte] Galande allbereit viel hoͤhere Gedancken als Ghef Aleer ges üͤber ſeinem Ring/ da er ſich an deß dilhn Bete Koͤnigs in Lydic Hof begab. 4 R Ich ſorgte weder umb Eſſen noch! Wunhe Trincken mehr/ noch wie ich mich ins en künfftig kleiden/ oder wo ich ſicher ruhen] faferte und ſchlaffen wolte; ſondern bildet mirl Jünmff hingegen ein/ ſo einem groſſen Hauffen damgeyn/ großmäͤchtiger Gluckſeligkeiten/ die ichf wlethem durch Krafft und Wuͤrckung dieſes Weſt,(unnſent leins zu erobern gedacht/ daß ich michſ Meliteehe ſelbſt g daſſe 18 Vogel⸗Neſt. 7 ſelbſt üͤber meine Fortun verwundert und oh vör meiner Macht entſetzte; Ohnange⸗ ſehen ich den jaͤmmerlichen Ausgang und das elende Lebens Ende der Weibs⸗Per⸗ d ichs aber hn ſon vor meinen Augen ſahe/ die ſolches erCe Neſt vor mir gehabt und gebraucht hat⸗ erer(welchen te/ wie ich daſſelbe zugeb rauchen im Sinn en/ das Geym nahm. ungfrauodetIch fuͤhrte wenig zu Gemuͤth/ daß der ingen) Thun jenige welcher das alte Fabelbuch vom ich nemandſu Fortunato ſeinem Seckel und Wuͤnſch⸗ ind kleine Zuß hůtlein geſchrieben/ nichts anders ſagen ög thun/ und damit vormahlen wollen/ als §higreichts der gantzen Welt zu weiſen/ daß derglei⸗ unn ich nt chen verwunderliche Stuͤck/ dardurch dancken ash Unſere vorwitzige Begierden an Statt da er ſchand voͤlliger Befriedigung umb etwas auf⸗ begab. gehalten: und die Gemuͤter mit eiteln und Eſen w Traͤumen angefuͤllt/ mit nichten aber F weie ſchmehß genugſam contentirt worden/ endlich wwo ſch ſcher tu ſonſt nichts als alles Ungluck auf dem ſondern bideen Rucken mit ſich bringen; und iſt nichts groſſen Hus daran gelegen/ ſolche ſeltene und unge⸗ leketen! de woͤhnliche extraordinari Gluͤcks Stuͤcke wekungdießeh(wie man ſie neñen moͤchte) hätten gleich 1/ daß ih ihrem Urſprung und ihre Wuͤrckungen A iiij aus —————— 6 Das wunderbarliche aus dem oͤberreichen: aber gleichwol an. ſ noch vielen verborgenen Schaͤtzen und Geheimnuſſen der Natur oder ſehen vom Schaden froh/ dem Verderber und de Ertzfeind deß menſchlichen Geſchlechts aht ſelbſt an die Hand gegeben worden; Wie galthende man dann aus der Erfahrung weiß/ daß denhenrehel viele an Statt Fortunatiſchen Gluͤckſe⸗ und i une ckels ſich der Galgen⸗MaͤnnleinDiebs, m Wfil daumẽ/ und dergleichen/ uñ an Statt deß me Wan Wuͤnſchhuͤtleins der Boͤck/ oder vielmeht Ammubehung deß Teufels ſelbſt gebrauchen/ der einen ſetulſtheurd ünd anderen ihrem Wunſch nach von eit i Chhhutter nem Ort zum andern traͤgt; ſolches alles dadn ene aber ſetze ich anjetzo beyſeits/ damit ich al⸗ nad. lein von meinem Vogel⸗Neſt deſto un Phetket verwirꝛter reden/ und erzaͤhlen möͤge/ den knne wie mir deſſen Beſitz bekommen/ gleich⸗( an herngh wie ich auch bey deſſelbigen Empfang mattentnlif nicht nachgedacht/ ob mirs zum Nutzen kaßhene /u oder Schaden gereichen moͤchte. nchgt Als ich mich nun verſichert befande/ niſt hen el daß mich niemand ſahe/ verblieb ich bey dutiſtuar denen mit welchen ich hinkommen war hnn Itn das jenige zu verrichten/ was wir da⸗/ mnn c mals ins Werck geſetzt; gieng auch mit ſ gthen ind ——ᷣ— klicht er gleichwolah Schatzen u K/ oder ſche Verderber un hen Geſchlecht en worden V rungweißlde KN 444 Oc᷑/ oder dyem Vogel⸗Neſt. 7 ins Wirthshauſe/ worinn ihnen der Ab⸗ geordnete von den Herren/ deſſen liebſten die Kleidungen und Kleinodien zuſtaͤn⸗ dig geweſen/ welche das ertoͤdte Weib angehabt/ ein Fruͤhſtuck zurichten und geben laſſen; da hörete ich ihre Verwun⸗ drungen wegen meiner Verſchwindung/ und ihr unterſchiedlich Red und Mei⸗ nungen wohin ich doch kommen ſeyn moͤchte? Woraus ich lernete/ daß die Verwunderungen aus der Unwiſſen⸗ der en heit entſtehe/ und daß man aus der Muck „werde. n einen Elephanten macht/ ehe man weiß/ daß der Berg nur eine Maus gebaͤren Ich hatte ſo wol als meine Camera⸗ 0 den einen Appetit zum Eſſen und Trin⸗ cken/ derowegen erwiſchte ich unver⸗ Ewbjn merckt einen Loffel/ und halff die Suppe Nug verſchlingen/ und als wir damit fertig oͤchte. erſichert befand e/ verblich ihh hinkommendr n/ was lultd gt; gieng acht waren/ erdappt ich auch ein Stuck Fleiſch/ welches ihnen aus den Augen und aus der Schuͤſſel verſchwand/ und nach dem ich meinen Particul herunter geſchnitten/ wieder in der Schuͤſſel erſchiene/ woruͤber ſich alle entſetzten/ und in der Wahl A v ſtun⸗ 8 Das wunderbarliche ſtunden) ob ſie mehr eſſen wolten oder 4 nicht? Ich aber ermaß daraus/ daß ich 4 behutſamer ſeyn muͤſte/ wann ich irgends wo meine Gegenwart gantz unvermerckt haben wolte; Indeſſen durſtet mich/ und + auf das Meinen ohne das allbereit be⸗ 4 ſtuͤrtzten Cameraden nit auch die Kande 4 oder das Glas/ daraus ich trincken wuͤr⸗ de/ verſchwunde/ dahero ſie noch ſchelliger worden/ oder ſich vielleicht reſolvirẽ moͤch⸗ ten mit ihrem Helleparten im Zimer her⸗ umb zu fechten/ umb mich auch wie Ein⸗ gangs gedachtes Weibsbild hinzurich:⸗anel! ten; So thaͤt ich aus deß Wirths groſſer ſuann ſche Schenckgelte einen trefflichen Zug/ wel⸗F fihn den. — ches ſich gar artlich vor mich ſchickte // Mug g packte aus dem darbey ſtehenden Korb d ln etliche Weisbrod an /damit ich meine gt Hoſen⸗Saͤck auf eine Vorſorge ſpickte/ ne und mich alſo den Abſchied zu nemmen hem ſ fertig machte; die Stubthuͤr aber ſelbſt. derle aufzumachen trug ich Bedenckens/ lieſſe ſu d nen derowegen einen ſtarcken Leibs⸗Dunſt/ Flnneg, den ich zu allem Gluͤck in Vorrath hatte/ ig bun (Fjffeeiin ſachte fortſchleichen /davon ich die ddee Lufft dermaſſen verfaͤlſchte/ meine ſerghel ame⸗ * darliche en wolten d Fats: 50 Wirhs groſ lichen Zug/ l or mich ſchickt ſtehenden Kit damit ich meſ Vorſorge ſpich hied zu nemmt hthüͤr aber ſeh edenckens/ leß Leibs⸗ Dun⸗ Vorrath hatt /davon ich d hte/ daß men Cn Vogel Neſt. 9 Cameraden ſelbſt die Thuͤr Angel⸗weit aufſperꝛten/ und alle Hund/ denen ſi⸗ die Schuld gaben/ hinaus jagten/ mit welchen ich fort paſſiret/ mein beſſere Fortun in der Weite zu ſuchen. Es war ſchon Nachmittag/ als ich durch einem Wald gieng/ darinnen ich unweit der Straſſen einem Edelmann ſamt ſeinem Knecht ſahe unter einem Baum ſtehen/ die ihre Pferde angebun⸗ den/ und ein ernſtlich Geſpraͤch mitein⸗ andrr hatten; ich ſchliche hin/ umb zu vernemmen/ was ſie miteinander zu tractiren haben moͤchten/ der Knecht ſtaͤupte dem Junckern die Stieffel ab/ der Juncker aber kampelte ſeine Paru⸗ que/ und inſtruirte mithin den Knecht/ weſſen er ſich zu verhalten haͤtte/ wann ſie miteinander in das Schloß kaͤmen; Ja Hanns/ ſagte er zu ihm/ es iſt per dieu jetzt viel an dir gelegen/ und du kanſt das meinſte darbey thun/ damit ich das Jawort und die Jungfer hinweg kriege; ſchaue nur fleiſſig zu/ daß du mein Vermoͤgen in allweg zehenmal groͤſſer macheſt/ als es an ihm ſelber iſt; A vj dann 10 Das wunderbarliche dann die verhoffende küͤnfftige Schwie⸗ germutter iſt eine hauytreiche Wittib/ welche viel gelbe Batzen hat/ und dan⸗ nenhero mir ihre Jungfer Tochter nicht Ug geben wuͤrde/ wann ihrer meine Be⸗ 8 5 im geringſten bekannt ſeyn olte. im Und botz noch eins/ wann es vielleicht in auf die Nacht einen Rauſch ſetzet/ ſo/ daß ich meiner Gewonheit nach im Schlaff jaͤlen und ſchreyen moͤchte/ daß man mich hoͤrete/ und dich deßwegen fragte/ ſo gib nur zur Antwort/ mir traͤume ohn allen Zweifel/ daß ich in mei⸗ nem Waldungen/ deren ich gar viel haͤt⸗ te/ auf der Jagt waͤre/ welches mir zu Zeiten zu widerfahren pflegte/ wann ich Iunen etliche Tage nacheinander auf der Jagt uun l geweſen/ im uͤbrigen laß mich ſorgen, Dnſrekent ich wills mit einem Kopffftůück oder zwey mngen 7 fiſe/ uſcch bey der Bett⸗Magd ſchon richtig ma⸗ Jun erne chen. Sen nur vorſihtig in allen dei⸗ uhea nen Reden, damit du dich nicht ver⸗ Ke ſchnappeſt; Wanns wol abgehet/ ſo will gugrn ich dir meinen geſtriffelten Rock den ich gyae erſt vor zweyen Jahren hab machen 135 en/ AFnn barliche ünffige Sön ptreiche Witt hat/ und du fer ochter nih u ihter meine B. ſten bekannt ſer vann es vielleit auch ſetzet/ onheit nach k. gen moͤchte/ xy ddich deßwenr Antnort/ m el/ daß ich inme nich gar vielhil welches min jegte/ wann iz er auf der Jig F mih ſorhen ſtück oder zug hon richtig m tig in allen de dich nicht va⸗ aͤgehet/ Pn n Rock den iz Vogel⸗/Neſt. 11 ſen/ zum Brautſtuck ſchencken/ darmit du bey der Hochzeit wie einer vom Adel auffiehen und prangen kanſt. Er gab ihm ſonſt noch viel Unterrich⸗ tungen/ und der Knecht verſprach ſeinen allerbeſten Fleiß anzulegen/ welcher noch immerhin an ſeinem Junckern butzte/ dem ich hingegen einen Boſſen zureiſſen gedachte; welches mir auch trefflich an⸗ gieng/ dann als er ſeine Baruͤcke puderte/ loͤſete gantz unvermerckt ſein Pferd ab/ ſetzte mich darauf/ und ritte den Schloß zu/ allwo der Juncker zu freyen willens war/ umb zugleich zu probiren/ ob das Pferd ſo wol als ich/ wann ich darauf ſaͤſſe/ unſichtbar ſeyn wuͤrde; aber der Juncker ſchrie gleich potz Raſchparment Hans mein Pferd iſt ledig/ gehe fangs; Der Knecht wolte ſich dem Pferd naͤh⸗ ren/ ich aber voppete ihn mit hin und her Reiten/ daß ers nicht fangen konte/ das trieb ich ſo lang/ biß der Juncker auf deß Knechts Pferd ſaſſe/ daß ſeinige zu fan⸗ gen; darauf gieng ich im voͤlligen Calopy gegen dem Schloß zu/ und lieſſe dem ſab machen nachfolgenden Junckern ſein unſchuldig f A vij Pferd 12 Das wunderbarliche Pferd mit Hals und Bein brechen ſeg⸗ nen/ ſo lang er wolte; Ich ſtieg auch nicht ehender ab/ als biß ich mitten im Schloß⸗ Hof war/ dann das Thor ſtund eben of⸗ en. Was ſolte nun der gute Juncker thunꝰ Er muſte halt hernach/ wiewol er weder Huth/ Mantel noch Degen auf⸗ umb⸗und an ſich hatte; der Siegelan dieſem Brieff aber/ ſo den Schimpff be⸗ kraͤfftigt oder vielmehꝛ vergroͤſſerte/ wat/ daß der gute Herꝛ auch in der Eil ſeine Baruͤcke nicht aufgeſetzt/ da er aufs Knechts Pferd geſeſſen/ und derenthal⸗ ben mit einen erſt neulich beſchornen Kopff erſcheinen muſte. Ich konte das Lachen ſchwerlich verbeiſſen/ daß man mich nicht hoͤrete; Als das Schloß⸗Ge⸗ find aus allen Winckeln herzu lieffe/ das ſchöͤne Specktaculzu ſehẽ; Was wird im⸗ mermehꝛ der Juncker/ gedachte ich/ vor ei⸗ neAusred vorbringen/ daß er von ſeinem auf deß Knechts Pferd: und noch darzu im uͤbrigen ſo viſierlich aufgezogen kom⸗ men? Er konte es aber viel meiſterlicher als ich mir eingebildet/ dann er ſatzte ſich geſchwind 8 fhnätt dene 4/Fu16 feg Firttede liht krten rö NeFabricen fbccheeſe da Rlath kuüet Gundſen der Mheg hättn Cuhhtutt Mnm fahit /u Hend r (aned Inn gait liche Ich fonte da eiſeen/ daß me das Schloß⸗ herzu lieffe d Was widit ddachte ich bokt aß er von ſent und noch dig aufgezogen x viel meiſtettt dann er ſatteſ Reſhnt Vogel⸗Neſt. 13 geſchwind wieder auf ſein Pferd/ und nahm deß Knechts an die Hand/ damit ihn weder Mutter noch Tochter ſahe/ weil er keinen Hut auf hatte/ ſolchen vor ihnen abzuziehen/ und gewoͤhnliche zierk⸗ che Baßlesmanes zu machen. Darauf packte er ſich wider in aller Eil um Schloß hinaus ſeinem Knecht entgegen; Er war kaum fort/ als die Schloßfrau ſamt ihrer Tochter daher kamen/ und fragten/ was da geſche⸗ hen waͤre/ denen das Geſind alles erzeh⸗ lete/ was ſie geſehen hatten; Die Alte ſchuͤttelte den Kopff druͤber/ weilſſie ſich nicht darein richten konte/ und befahl die Fallbruͤck aufzuziehen/ und das Thor zubeſchlieſſen/ dann/ ſagte ſie/ es moͤchten vielleicht rauberiſche Maußkoͤpffe in der gegend ſeyn/ die/ wer weiß was vor einen Anſchlag haͤtten/ es ſeye bey ſo beſtelter Sach nicht zu trauen. Ich zoge meine Schuh aus/ henckte ſie an Guͤrtel/ und fieng an uͤberall im Hauſe herumb zu ſchleichen/ ob ich viel⸗ leicht die viele vorhandene: von dem Junckern geruͤhmte gelbe Welehen en — umb ſie geweinet; Aber die Mutter ſagte u10 — 14 Das wunderbarliche Alten finden moͤchte; aber ich traſch leer Stroh/ dann ich doꝛffte/ damit man mich nicht hoͤrete/ weder Kiſten noch Kaſten aufbrechen/ viel weniger einige Thuͤr auf machen; ſo konte ich auch die Schluͤſfel nicht beym Kopff kriegen/ als welche die Alte ſelbſt ſehr fleiſſig an der Seiten trug/ welches mich uͤbel vertroſſe; Ich bildete mir ein/ ie muͤſte viel Geld zuſammen ge⸗ kratzt haben/ weil es ſonſt an allen Orten im Haus ſehr kahl und haushalteriſch be⸗ ſtellt war/ wie es bey den Geitzhaͤlſen zu ſeyn pflegt/ da man nur alles Dichten und Crachten aufs Geld legt. DieAlte ſelbſt ſaſſe in einem Zim̃er und ſpanne ſamt ihrer Tochter ſo eiferig und fleiſſig daher/ als wañ ſie es miteinander verdingt gehabt haͤtten/ diſe erſchiene von —9— und Geberden viel ſchoͤner und adelicher als von Kleidungen/ als mit welchen Gaben ſich die Natur viel frey⸗ gebiger gegen ihr erzeigt hatte/ dann das mißguͤnſtige Glůck mit den ſeinigen; Sie hatte noch naſſe Augen/ wie ich zu ihnen ins Zimmer ſchliche/ nicht weiß ich/ war⸗ Ut eißke denfengeh allgttlvl Al — 2 222 Fed u dt he cFunſeler/ Aneden he Meßtin arliche er ich traſchle damit man i allen Hyr 1* Alnallel L 11 0 diſe erſchiene voy piel ſchoͤner ud ungen/ alomt Nanur viel fre⸗ hatte/ dannde⸗ taſeinigen;E· wie ich zu ihne t weiß ich/ wa⸗ die Mutterſeg⸗ * Vogel · Neſt. 15 zu ihr: Es iſt einmal nicht anders/ liebs Kind! wann wir unſerm Herkommen und Stand gemaͤß hinauslangen wol⸗ len/ ſo iſt vonnöthen/ daß wir das wenig/ ſo wir haben/ genau zuſammen halten/ und ſich zu Kleidung und Nahrung mit dem jenigen behelffen/ ſo unſere Gůter ertragen/ und uͤber das aus demſelbigen und unſerer eignen Hand Arbeit ſo viel eruͤbrigen und erkargen/ daß wir davon zuruck legen könten/ geſchweige daß ich jetzt ein ſilbernen Tiſchbecher verkauffen: und das gantze dutzet dardurch trennen und ſchaͤnden ſolte; Es iſt noch umb drey Wochen zu thun/ ſoiſt unſer Flachs auf⸗ geſponnen/ ſo loͤſe ich aufs wenigſt aus dem Garn 12. Reichsthaler/ das gibt dir dann wiederumb ein fein Kleid auf die neue Mode/ darinn du dich bey Vettern Fritzen Hochzeit gar nicht wirſt ſchaͤrzen döͤrffen. Die giͤtz Jungfrau lieſſe noch mithin unter dieſer Ihrer Mutter Rede etliche Thraͤnen fallen/ welches mich dermaſſen zum Mitleiden bewögte/ daß ich in ſelbi⸗ gen Schloß nichts geſtollen haͤtte/ 5 i0 E 16 das wunderbarliche ich gleich 1o00. nagelneue Ducaten in —.— darinnen gefunden; Ich haͤtte hingegen lieber noch mehr von der Alten gehoͤret/ und ſie war auch fertig gern ein mehrers zu ſagen/ weil ſie ſich in einem ſo richtigen Glaiß befand/ aber ein ſchmutzi⸗ ger Stall⸗Ratz zerſtoͤrte ihren Diſcurs, welcher daher lieff/ und ſagte: Euer Gna⸗ den/ den Pferden nach iſt der Kerl wieder drauſſen vorm Thor/ der vor einer hal⸗ ben Stund im Schloß war/ er redet mit dem Meyer/ thut ſich vor Euer Gn. Vet⸗ tern aus/ und begehret mit E. Gn.zu ſpꝛe⸗ chen; Darauf gickelt die Alte in einem Ercker durchs Glaß⸗Fenſter/ wante ſich geſchwind umb/ hieſſe ihren Stall⸗Jun⸗ gen fortgehen/ zu ihm ſagende: Der Me⸗ her wuͤrde ihn ſchon bey ihr anmelden; aber zu der Jungfer ſagte ſie: Potz Kri⸗ ſement Tochter! Es iſt der Herꝛ von Drfftgkt/ geſchwind die Spinnraͤder mit dem Haſpel aus der Stub: und dein Pluͤmerant Kleid angethan/ aufge⸗ raumbt/ ein Rauch in die Stuben ge⸗ macht/ ꝛc. Sie ſelbſt aber warff einen andern Rock 10 Nhm daßcet ermköne iKdentcct enatnleß hechm wee Aunctfchte ſmehe Vogel⸗Neſt. 17 Iſ ſig Voeck uͤber ſich/ und thaͤt einen Nacht⸗ Mantel umb den Hals/ und ehe ſie gar fertig war/ kam der Meyer und ſagte: Euer Gn. der Herꝛ von Drfftgkt iſt vor dem Thor begehrt herein/ E. Gn. aufzu⸗ warten; Gehet/ antwortet ſie/ und laſſet ihn herein/ jedoch nicht gar geſchwind/ damit ſich mein Fraͤulein Tochter auch ein wenig ankleiden köͤnne; aber ehe ſie ſichs verſahe/ war die Jungfer gebutzt und gemutzt/ derowegen lieffe ſie ſelbſten in Hof/ und gab den Meyer mit harten Worten/ daß es der Juncker vorm Thor wol hoͤren konte/ einen groben Filtz/ umb willen er den rechtſchaffenen Cavallier ſo lange warten lieſſe; mit den Augen aber gab ſie ihm zuverſtehen/ daß er ſich an ihr Wort nicht kehren ſolte. Darauf wurd er eingelaſſen/ und von der Schloß⸗Frauen freundlich bewill⸗ kommt/ gegen deren er zimliche Compli⸗ menten zu machen wuſte. Sie fuͤhrete ihn in ein Zimmer/ und ich ſchliche mit/ als wann ich zu ihnen gehoͤret oder daben haͤtte ſeyn muͤſſen/ nur zu hoͤren/ wie doch der Juncker ſeinen erſten Aufzug ins Schloß FF 18 Das wunderbarliche Schloß bemaͤnteln wuͤrde/ dann die SchloßFrau ſagte zu ihm es waͤre auch kurtzzuvor ein Cavallier;: aber ohne Hut und Degen in ihrem Schloß Hof gewe⸗ ſen/ der er geweſt ſeyn muͤſte dem Pfer⸗ den nach/ und wie ihr ihr Geſind im uͤbri⸗ gen beſchrieben ſie trüge derowegen groß verlangen zuvernemmen/ durch was vor eine Abentheur er darzu kommen waͤre? Freylich war ichs/ antwortet er/ aber die Tag meines Lebens Frau Baß/ iſt mir kein ſolcher Poß widerfahren wie heunt; und diß ſoll mir wol eine Witzung ſeyn/ daß ich nimmermehr mit einem eintzigen Diener allein uͤber Felt reite; der ſchlime Hund fiele mir im nechſten Wald un⸗ verſehens übers Pferd herunder/ nicht weiß ich in eine Ohnmacht/ oder er hat auf dem Pferd geſchlaffen/ oder geſter zu viel geſoffen; einmal er lag dort als waß er todt waͤre/ derowegen ich wol ſelbſt auch abſteigen und nach ihm ſehen mu⸗ ſte; in ſolchem gaͤhlingen Abſprung ver⸗ blieb mir Hut und Baruͤcke an einem Aſt deß Baums hangen/ darunter mein Knecht in dieſen Zuſtand Ae ande U5 fiuht 10 1 fhotk ſchcrta beſten k Meduh/ beafgrſe 10 ſtcbgel Kutht r 901 R. 0 10 itnrnchde kluhect Wumihei Shug u ih wott 0 Vlalh, Bh ezinlett lader gruch Dek 14 flnithe d9ß6 Wfnf ſüwnt 24fntde tehr Juur/ Rüe Vogel Neſt. 19 fande ihn mit verkehrten Augen/ und der ohn,z ſchuͤttelt ihn⸗ biß ich ihn wieder zu ihm Oob ſelbſt brachte/ aber ehe er ſich wieder recht Ager beſinnen konte/ wo er war/ gieng mein SPferd durch/ wolte ichs nun wieder ha⸗ ben/ ſo muſte ich wol auf meines Knechts ſitzen/ ſelbiges ſelbſt zu fangen/ weil mein daste Knecht nichts nutz darzu war; Alſo nun muc /lcl Hochgeehrte Frau Baß bin ich herkom⸗ an Bus ten und gleich wieder zu ruck geritten/ ** 1 ſieh nicht nur nach dem Knecht ſonder viel⸗ Wdan olen mehr nach meinem Hut zu ſehen; e Witunhß Wann ich eigentlich wuͤſte daß der Dernhaͤuter auf dem Pferd geſchlaffen/ kemem eintzig däke daſtee ich wwolte ihn pruglen wie einen Din, en Wihin Beern, Ach Herr Sohn ſagtedie Alte/ Lunda/ ng es iſt vieleicht ein Anfang zu der hinfal⸗ at der a lenden Kranckheit; waun ihm nun der 700 Idergeen Diener getreu und deßwegen auch lieb an doft als wů iſt/ ſo willich ihm ſchon ein Mittel geben/ en ich wol ſch daß er ins mihs darvor gefreyet ſeyn Ohm ſchenm foll; vornemlich wann ers braucht ehe Wfprung n 24.ſtund nach dem Fall voruͤber lauffen rücke an en Was wolte ſich die Frau Baß antwor⸗ Dunmterre tet der Juncker/ ſeinet wegen ſo viel be⸗ dgerjehe,) tnaͤhen Iſts dieſer nicht/ lo iſts— krer ʒ 1 A 20 Das wunderbarliche derer; ich kan Diener genug bekommen/ wann ich ſie gleich alle Tag pruͤgelte und von mir jagte/ weil ſie wiſſen/ daß Speiß/ Tranck und Kleidung bey mir gut/ und der Lohn gewiß iſt. Nicht ſo/ nicht ſo/ Herz Better/ ſagt die Alte/ ſie ſeynd gleichwol auch Menſchen/ und uns will gebuͤhren/ wann ſie in unſern Dienſten in derglei⸗ chen Zuſtaͤnde gerathen/ daß wir ihnen mit Rath und Huͤlff beyſpringen/ ſolches thãt ſie aber nicht darumb allein/ gegen D dem Knecht ihre Treuhertzigkeit zubezeu⸗ uf gen/ ſondern auch dem Monſieur ihrer enenebeſen Tochter Geſchicklichkeit zu weiſen. mnrenn m Dann als ſie mit einem Gloͤcklein ein gaſlenunde Zeichen gegeben/ ratt der Stall⸗Jung/ Wtteh aber nicht mehr wie das erſte mal ſo ülſchtoken, ſchmutzig/ ſondern in einem ſaubern Li⸗ kuff pyert berey⸗Kleid herein/ und fragte mit tief, ſiithgynnt fer Reverentz/ was ihrer Gnaden beliebte mn lenhen zu befehlen? Die Alte antwortet/ gehe/ rnend ſag zur Fraͤulin/ ſie ſolle den Schluͤſſel Cier zur Haus⸗Apothecken herbringen; zum de aahr Junckern aber ſprach ſie/ wir muͤſſen Hu erke Reſen Kerl bey Leib nicht verabſaumenz ffetarle Indem ſie nun noch davon redete⸗ 9 Wge Ei dis barücht Vogel⸗Veſt. 27 die Tochter gar fein aufgezoffet in ihrem Pluͤmerant Rock daher/ welche Verklei⸗ Sug dung beydes deß Stall⸗Jungen und der Au Fraͤulein mich natuͤrlich ermahnete/ als ſoα wann man eine Comoͤdi agirt. und gleicg. Die Mutter befahl gleich(nach dem der Monſieur Freyer ſeine Complimen⸗ ten gegen ſeiner Liebſten doll genug abge⸗ withn jegt) ihre Tochter ſolte vor ihres Herꝛn henſſoch Bettern deß Herꝛn von der Drfftgkt Diener das Recept Num./. verfertigẽ/ uñ daran ſeyn/ daß ers je ehenderje beſſeꝛ einnemeʒindeſſen wolte ſie mit der oͤchin 0 redẽ/ was man zum Nachteſſe fertig ma⸗ nGbcklent chen ſolte/ nam darauf mit einem hoͤflichẽ Stal Juß Buͤckling võ Monſieur Erlaubtnus/ mit das erte mul bitt ſich ein kleine Zeit biß zu ihrer Wieder mem ſauben; kunfft zugedultẽ; derẽ er mit gleicher Hoͤf⸗ fragte mt lichkeit begegnete/ und zur Antwort gab/ Gnadendeleh mein hochgeehrte Frau Baß hat mir/ ih⸗ nttvotte/ gh ren gehoꝛſamẽ Diener in allweg zubefehlẽ le den Schli· So bald ſie nun den Rucken verwen⸗ etdringen; n det/ tratte er der Tochter nach vor die ſe/ wit mſe Haus Apotheck welches ein groſſer Ka⸗ htteenbſtuneh ſten war/ mit allerhand Materialien von von tedete/ n Wuͤrtzlen/ Saͤfften/ Latwergen/ Kraͤu⸗ 5 3 B tern/ ll Mütentdat ffen/ daß —— 22 Das wunderbarliche tern/ Pulvern/ Oliten/ gebrandten Wafſ⸗ ſern/Pflaſtern/ Salben und dergleichen Bixen Schachteln/ Glaͤſern Saͤck; lein/ ꝛ. beſtehent/ angefuͤllt; alſo daß ich ſie gar wol vor ein Muſter einer vortreff⸗ lichen Haus⸗Apotheck paſſiren laſſen kan/ wann anders das jenig in den Ge⸗ ſchiren befindlich/ was die angekleibte Ze⸗ tul vorgeben/ daſelbſt erneuerte oder wie⸗ derholte der verliebte Her: von der Orfftgkt ſeine vorige Complimenten/ und druckte deutlich genug aus/ zu was vor einem Ende er vorhanden waͤre. Tapffere anſehenliche Dame/ ſagte er ſen zu ihr/ der Ruhm ihrer unvergleichlichenn Schoͤnheit und Tugenden/ der ſich im gantzen Land ausbreitet/ it auch vor mei⸗ nen unwuͤrdigen Ohren erſchollen/ mich Jh zu ihrem unterthaͤnigſten Selaven zu machen! ſolcher hohe Ruhm hat auch ei⸗ ne ſolch brennende Begierde in mir er⸗ weckt/ ihre Perſon ſelbſt zu ſehen/ daß ich zu keiner Zeit NRuhe haben moͤgen/ ſonder erkennen muͤſſen/ ihrer Frau Mutter/ meiner Hochgeehrten Frau Baſen ge⸗ horſamlich aufzuwarten/ ob mir 0 leicht Wnl Vogel⸗Neſt. 23 V leicht das Glück widerfahren moͤchte/ ſi zu ſehen und ihr Engliſche Geſtalt anzu⸗ Ebetten; weil mir dann nun ſolches er⸗ deß wuͤnſchte Gluͤck in dieſem Augenblick zu ſtehet/ ſo kan ich nicht unterlaſſen ihro un⸗ verholen zubekennen /daß ich ihren als meines Hertzens Bezwingerin alle mei⸗ Fne Freyßeit geſchenckt/ und nun mehr Ledan nichts hoͤhers wuͤnſche als die groſſe Ehr/ on daß ich in ihrer holtſeligen Gegenwart nvon nun an biß in all Ewigkeit unausſetz⸗ un lich verharren: und mich durch allerlez getreue Dienſtleiſtungen als ihren unter⸗ thaͤnigſten Sclaven erzeigen moͤchte. NNoch viel mehr dergleichen Unſinnig⸗ keiten brachte er vor/ welche die Jung⸗ ufrau wolſtaͤndig genug beantwortete; erſcholen/n Ich aber gedachte/ der Kerl wendet vor ten Sälareh der Jungfer Diener zu ſeyn/ da er doch duhen ſat aut vornemlich ſucht/ ein Herꝛ uͤber ihrer hetde in nt· Mutter Ducaten zu werden/ wann ſie de⸗ uſſchen da ren nur viel haͤtte. en woͤgen ſu Mochte derowegen ſeme Pralerey Itau Mur nicht laͤnger zuhoͤren/ ſonder ſchlich hin Frau Baſen) nach der Alten zuvernemmen/ was ſie /obmtt guts auf die Nacht wuͤrde zurichten laſ⸗ K. B iij ſen/ 24 Das wunderbarliche en/ als von welchem Imbs ich auch mei⸗ nen Part zuerſchnappen gedachte; Ich kam eben darzu/ als ſie ihrer Viertels⸗ Koͤchin(dann ſie brachte kaum die vier⸗ te Stund ihres Dienſts in der Kuͤche zu/ weil ſie die zwey uͤbrige wol anders zu ſchaffen) an dictirte und Ordre gab/ 0 was ſie vor Dauben abwuͤrgen: und an Huͤnern und Koppen neben einem Spanferckel abſtechen ſolte; ein Kalb und junges Boͤckel hieng allbereit dorten die Haar gelaſſen hatten/ damit man kein Geld in die Metzig zu ſchicken be⸗ doͤrffte; ſo lag auch ſchon ein alter roſti⸗ ger Schuncken mit einem paar doͤrren Bradwuͤrſten im Waſſer/ ſelbige dem Salat beyzuſetzen; dz eingebeitzte Wilt⸗ bret/ wolte die Frau ſelbſt aus dem Kel⸗ ler holen/ waruͤber mir das Hertz im Leib lachte/ aber der Alten ihr ſichs kramete; dann als ich mit ihr in Keller ſchliche/ ei⸗ nen hertzhafften Trunck zu thun/ und ſie ſcch allein zu ſeyn vermeinte/ klagte ſie ihr Anliegen ihr ſelbſten mit einem groſfen Scheuffzen; Ach Gott! ſagte ſie/ ich wolte/ daß der Schinder holte(5000 och ng dn guiwenem udutd ohnchdet dchnk t. ſudetf f- Falck/ Dufuuche, Dühet elen dt Hu l Ridthn Ann bekinrfte bhvot tifſte/&K Wbshin buenkte UA arliche ubs* K Vogel Neſt. 27 gedachte; g doch eben ein Stuück ſtinckent Wildpret ihrer Ver aus einem Faͤßlein langete/ welches ſie teknumdien mehr daurete/ als die derſchwenderiſche indg Füc, Cleopatra ihr unſchätzbarliche Perl) cl ander, daß ich nun abermal auf einen Imbs ſo nd Otdre g viel verthun muß/ als ich ſonſt in acht Ta⸗ un R gen nicht gebraucht haͤtte/ ich werde/ wañ ichs wieder durch Geſparſamkeit erkar⸗ gen und einbringen wil/ ein Woche drey galberetdan oder vier zu darben haben; Sieprumel⸗ n/ danemn te noch mehr darzu/ welches ich abeꝛ nicht ein wſhens alles verſtehen konte/ noch zu hören be⸗ onemalterttz 3— ͤſonder ſie ungeirret die Stegen zem paar döhr inauf gehen: und mich in den Keller ſher/ ſhceds ſperren lieſſe/ meinen heißbrennenden uugebetzte B. Deect zuleſchen. 8 ians dend„, Das thäte ich wegen Mangel eines wus Her indl bequemen Trinckgeſchiers aus meinem hrſchskring Hut deſto vollkommener /und fande Kaler lihe/l zwar den Wein in geringer quantitãt- 10 häche abet ſeine Krafften und dem Geſchmack 4 1 uol nach noch weit vortrefflicher umbſonſt zu e Hagteſt. krinicken/ als er in den Wirthshaͤuſern ienem gihh umbs Geld zu ſeyn pflegt. kkteteſt“ Ein ganze Stund muſteichgefangen de holte(ul ſtzen/ ehe die Köchin kam/ und den vor⸗ . Beiij hande⸗ 0 abwüͤrgen: un den neben eiße 2 les 6 6. folte; ein Ky EEE — ——ꝓ— 26 Das wunderbarliche W handenen Trauff⸗wein zum Kochen ab⸗ holete; Sie thaͤt zwar einen ſtarcken Zug vom baſten Jochem/ war aber dan⸗ noch hingegen ſo beſcheiden/ daß ſie ihr Portz⸗Kandigen nur mit Bier fuͤllete zunmel und mit ſich nahm; mit dieſer wanderte euche ich aus meiner Gefangenſchafft/ weil fuſthn mich der Durſt nicht mehr plagte/ und den lßhl kam eben darzu/ als Mutter und Tochter en deß Monſieurs Knecht mit guten Wor⸗ ſerd ten: ſein Herꝛ aber mit Betrohungen galte fen nöthigte/ die zugerichte Artzney/ die er ſo dn htd wenig als der Wagen deß fuͤnfften Rads fungadzl bedoͤrfftig/ einzunemmen; Ich muſte ennde mich in die Zungen beiſſen/ das daehen zu gu da dele verhalten Als ich dieſe uͤberzwerge Thor⸗ dnhudggte heit ſahe/ und wie kotzerliche Minen der arme Tropff machte/ biß er dieſes unnoͤh⸗ tige Artzney Traͤncklein in ſich ſchuͤttet. Mithin naͤhert ſich die Zeit deß Nacht⸗ Eſſens/ darumb wurd der Tiſch gedeckt/ und darauf gethan/ was darauf gehoͤꝛet; Ich ſtellte mich zu dem Tiſch/ zuvernem⸗ men/ was es vor luſtige Diſcurſe ſetzen wuͤrde/ es waren aber nur Complimen⸗ ten/ Aufſchneidereyen/ und ſolche In Spruͤch/ 1 Vogel⸗Neſt. 27 Woend Sprüͤch/ daraus man ihre beyderſeits habende treffliche Mittel abzunemmen; wbeil nun nicht auch vor mich aufgedeckt porden/ und ich etwas vom Tiſch hinweg zu nemmen Bedenckens trug/ kriegte ich Aurde eine geräucherte Braſtwurſt beym Zief⸗ x fel/ und ſchlug ſelbige auf Abſchlag zu fa⸗ den/ biß ich auch ein ſtück vom Schun⸗ ücken darzu in Magen logirn moͤchte; a⸗ ber derſelbe wurde nicht allein nicht an⸗ geſchnitten/ ſonder nach dem Eſſen(als dem Juncker durch ſeinen Diener ſchlaf⸗ fen zu liegen die Stiffel ausge ogen wur⸗ den) in einen Kaſten geſperret⸗ und we⸗ das docen gen der verlornen Bratwurſt/ welche Asder Hund gefreſſen haben muſte/ ein ſol⸗ cherLdermen angefangen/ als wann durch das liederlich Geſind nicht nur Candia/ lüttt, ſonder auch Fenedig ſelbſt verwarloſt Nui worden und in deß Tuͤrcken Gewalt kom⸗ t men wäre. Nach dem nun der Juncker mit gu⸗ Argen tem Verſtand ſchlaffen gelegen⸗ dann Diſcurſe ſ niemand vorhanden geweſen(der ihm n Complun einen dichten Rauſch auf alt Teutſche n/und gManier angehenckt) ſprach man erſt Spcls B iiij dem R 28 Das wunderbarliche dem Diener zu; der aber/ wiedie Alte vorgab/ auf die eingenommene Artzney ſich nicht rechtſchaffen bierſchellig ſauffent fel und ohne das keinen Wein trinckẽ dorff⸗ te/ damit nicht übel aͤrger gemacht wuͤr⸗ de; nichts deſto weniger unterlieſſe er g nicht habender Inſtruction gemeß von WWſnk.. ſeines Herꝛn groſſen Reichthumben ein ezſttoteld langes und ein breites aufzuſchneiden/ welchem beydes die Alte und Junge mit Luſt und Andacht zuhoͤreten/ er konte auch der Sach ein baͤſſere Geſtalt geben/ als ich dem Doͤlpel anfaͤnglich zugetraut Aber als ſein Juncker im Schlaff zu ſchreyen und joͤlen anfieng/ ſetzte er den Fleck heßlich neben das Loch; nicht weiß ich hatte er ſeines Junckern guten Unter⸗ richt vergeſſen/ oder war er ſonſt muͤth und uͤbertruͤſſig zu lůgen? Einmal als in die Schloß⸗Frau fragte/ was ſolch Ge⸗ ſchrey bedeute/ gab er unverholen zur Antwort; Wann meinHerꝛ ſo zu ſchreyẽ beginne/ ſo pflege er gemeiniglich bald hernach ins Bett zu ſcheiſſen(mit gunſt) waruͤber die Jungfer dermaſſen er⸗ ſchrack/ daß ſie ſich im Angeſicht entferb⸗ te wie ein gluͤende Kohl. Die Vogel · Neſt. 29 Die Alte nahm ſolches gleich in acht/ omme 60 8 8 uthelſeund beſorgte/ ihre Tochter moͤchte viel⸗ Daneenleicht deßwegen unluſtig werden/ und der bevorſtehende anſehenliche Heyrath zu⸗ ruck gehen/ laͤch eite derwegen ein wenig chlgegen beſagter ihrer Fraͤulin Tochter/ und ſagte: Ihr mmuͤſt ſo eckel nicht ſeyn/ ſes iſt noch gũt/ daß er warnet/ ehe er feueꝛ gibt/ dann ſo kan man ihn ja noch wol aus dem Schuß entweichen/ oder ſich ga: aus dem Bette retteriren/ biß die Sal⸗ hn e veruͤher; ihr muͤß deßwegen nicht ſo Wlle hart erſchrecken Ja Frau Muttet/ ant⸗ m S faf wortet die Jungfer/ es iſt mir nicht dar⸗ 8 4 s umb zuthun/ wie ihr vermeinet/ ſonder loclnttn umb diedeylachen/ die ſeynd lerder entleh⸗ all net/ ſolche morgen wieder zu geben. FHierüber erſchrack die Mutter mehr als die Tochter üͤber deß Knechts Advi⸗ lͤchtk ſen erſchrocken war/ weil derſelbe gehoͤret/ holeng daß ſie die Leylachen entlehnen muͤſten: ozuſten wolte es derowegen wieder verzwicken und einbringen/ was die Tochter ver⸗ gur ſchnappt hatte/ und ſagt zu ihr: Ey du demnſen fauler Schleppfack/ toarumb haſt du geſchtauſe mirs nicht geſagt/ ſo haͤtte ich dir ja ein v vaar 30 Das wunderbarliche paar aus dem Kaſten thun koͤnnen? Die h gute Jungfer wolte ſich entſchuldigen/ und ſagte; Ja wann ich auch gedacht m haͤtte/ daß drinnen geweſt waͤren; warl⸗ ber deß Junckern Knecht die Ohren mn ſpitzt/ ch aber lachte/ daß man mich imi ſlit gantzen Zimmer hörrete/ und damit einen wil ſolchen grauſamen Schrecken erregte/ ru daß Alt und Jung Weib und Jung, gihal fer/ und in ſumma alles was gehen kon, te/ zur Thuͤr hinaus lieffe; Ich aber er⸗ zuͤrnte mich uͤber mich ſelbſten dermaß ſen/ weil ich meiner Perſon ſo liederlich vergeſſen hatte/ das ich in allem Zorn mlt Srt hingieng und der dortſtehenden Wein, uufhe d Kandten einen ſolchen Druck gab 7 daß Lert Pere kein Tropffen mehr darin verblieb/ fol daner gents ſchlich ich auch davon/ und ſchraub⸗ ghe Wen e mich auf den Stall ins Heu/ allwo ich valton d bem jenigen nachgedacht/ was ich denſek. gladle den Tag gehoͤret und geſehen; ſonderlich fhhdlne verwundert ich mich hoͤchlich/ daß diefe einenen Leute/ die einander doch heyrathen und diedtem zuſammen in eine ſo nahe Blutfreund⸗ ſellenglen ſchafft tretten wollen/ einander mit der Umenee Aleichen gleißneriſchen Falſchheit EI affter Vogel⸗Neſt. 31 nenZhaffter Betruͤgerey und praleriſchen Aufzuͤgen hinters Liecht zu fuͤhren ſich nicht ſcheueten; Hoho! gedachte ich/ uthun ſie das ſich ſelbſt untereinander/ Onwann ſie eine unzertrennliche Freund⸗ ühſchafft zwiſchen ihnen ſtifften wollen? wie werden ſie dann erſt die jenige tracti⸗ ren/ ſo mit ihnen zuthun haben/ die ſie gleichwol ihrer Verwandſchafft nicht werdig achten? In ſolchen Gedancken brachte ich ein paar Stund zu/ biß ich endlich daküber entſchlieff. Den folgenden Morgen trieb mich mein Durſt wiederumb ins Wonhaus/ Wzu ſehen/ ob ich ihn etwan mit einem Egb Trunck Wermuth; wein loͤſchen köͤnte; bectlch dann ich hatte den Tag zuvor im Keller hund ſton geſehen/ daß die Schloß⸗Frau/ als ein uõ Heu/ alne verſtaͤndige Haushalterin/ dergleichen t/ was ichde geſunde Kraͤuter⸗wein in kleinen unter⸗ chen; ſondel ſchiedlichen Faͤßlein im Vorrath hatte; Iclch/ daßd es gelunge mir auch gluͤcklich/ dann als Oberathens die Köchin kam(tvelche zugleich auch die uhe Blutfere ſtell einer Kellerin und Beſchlieſſerin ver⸗ under mün tretten muſte) etwas/ ich weiß nicht mehr Fuſhet/ ywas/ aus dem Keller zum Fruͤhſtuͤck zu ſcß B uj bholen/ —— 22 Das wunderbarliche holen/ wiſchte ich mit hinunter/ lieſſe mich von ihr hineinſperren/ und als ſie mich beſchloſſen/ werckte ich einen halben Nie⸗ ren Braten auf/ der vorigen Abend auf dem Tiſch geweſen: und entweder aus Kargheit von der Mutter/ oder aus Be⸗ ſcheidenheit vom verhoffenden kuͤnffti⸗ gen Tochtermann nicht angewendet woꝛ⸗ den war; das ſchmackte mir trefflich und machte mir nicht allein kein Gewiſſen/ daß ich kuͤhner war als Edelleute/ ein ſo angenehmes Bißlein anzugreiffen/ ſon⸗ dern mundert mich noch dartu auf/ mehr als zweymal ſo viel zu trincken/ als ich im Sinn gehabt oder mein Durſt er⸗ fordert: Noch glůͤcklicher aber war ich/ in deme/ daß die Koͤchin bald wiederka⸗ me/ nicht zwar/ mich wiederumb heraus⸗ zulaſſen/(dann ſie wuſte ja nichts von mir) ſondern mehr Victualien herauf zu holen/ damit ſchlich ich durch/ und hoͤrte noch zu guter Letze/ daß die Koͤchin zu dem allerdings geſchaͤndeten Braten ſagte/ daß dich der Ritt ſchitt/ wer iſt übber dir geweſt? die Katzen haben ja kein Meſſerach wie wird unſer Frau thun? * Yll delnn EEI auh mibe Dumttl n d /5 wa dez vlens mache 10 fhancke Rlcrmm Halte 41A fhee üelderd Jk gn fiſe uſt ti Aftgt Fg coeikftit Gbheden I. 1 eikGe 0 rs AbR 9 darliche unter⸗ beſſe K und als ſien nen halbend cigen Abendt nd entweder g eroder ausd offenden kün alggetdendet n. emit treffiche kein Gemiſt Sellete/ en ungreiffen/ dartnauß derunb herr vuſte jn nichten icualien hernu durh/ undhůe aß die Kochn U Vogel/Ne ſt. 33 Aber darum bekuͤmmert ich mich kein Haar/ auch darumb nicht ob der Hei⸗ rath zwiſchen dem Junckern und der Damoiſecken moͤchte fortgehen oder nicht/ ſondern zog meine Schuh wieder an/ und wandert zum Tempel hinaus/ deß willens mich in eine groſſe Stadt zu machen/ wo es reiche Kauff⸗und Wech⸗ ſelherꝛn gibt/ ob mir vielleicht eine Gele⸗ genheit anſtunde/ mit einem ſolchen ſein uberflůſſig Geld zu theilen. Ungefehr zwo Stund war ich gangen/ als ich eine Geſellſchafft Becker unweit neben der Landſtraſſen antraff die ein Feuer angemacht hatten/ un darumb ſaſſen zu ſieden und braten/ warhafftig eine luſtige Burſch: Aeuſſerlich ware ſie wol elend und erbaͤrmlich anzuſehen/ aber ihr fröͤlich Gelachter/ angebundene Geberden und freye Reden gaben mir die groſſe innerliche Freyheit ihrer Ge⸗ müther zu erkennen/ welches mich dann auch zuihnen lockte; Ich war kaum ein Viertelſtůndige bey ihnen geſeſſen/ als ſie 1% elne Gutſche voll reiſender Leutehoͤreten kommpen zauf Karges dagten ſie zueinen * vii Alteſ —————— 36 Das wunderbarliche Alten/ jetzt iſts int zufordern; de nicht faul/ ſonde gen zu/ und lie Knaben an einem Stec ſe fuͤhren/ da er durch einj erbaͤrmlich Geſchrey von den Vor reiſenden ein paar Batzen heraus preſ⸗ ſete; und als er wieder ʒu der Compagni kam/ war ihrer aller Wunſch/ daß ſie ein rechtſchaffene gute Maß Wein umb das Eroberte haͤtten/ weil ihre dritthalb maſſige Flaſch zuvernemmen gab/ daß ſie nicht mehr herumb reichen könnte/ ei⸗ nem jeden auf der Reige einen vollkom⸗ ithate menen Trunck mitzutheilen/ wie wol noch addufte ein groſſe Pfann gebachener Eyer dort iad ſtunde/ die eine ſolche Convoy erſordert, mente Ich ſahe ſonderlich einer veralten auſeht Großmutter zu/ die meines Darfuͤchal aſleleſ tens ſchon in ihrer Jugend dieſe Profeſ⸗ Aüddemde ſion zu treiben gelernet/ wie ſie aus Meel/ andeon Eyerklar/ Hirn/ Blut und Gruͤnſpan urli⸗ eine Mixtur zurichtet/ und einem Kna⸗ iilne ben einen Erbgrind daraus machte/ ahn nach dem ſie ihm zuvor den alten bis 1 aſaũ/ U Uen/ wie wolnoc henet Eyer dut onvoß erfotdett einer verallg ines Darfürhel nd dieſe Proßt wit ſie aus Met tund Grüͤnſtm und einem Kun⸗ dataus mache⸗/ den alten bis a0 Vogel⸗Neſt. 39 die geſunde Haut abgewaſchen: und den Haarboden auf ein neues der Gehoͤrde nach abgeſchoren hatte; So mein Kind ſagte ſie/ du haſt warhafftig jetzund ſo einen ſchoͤnen Grind/ daß man ihn nicht natuͤrlicher mahlen koͤnnte! Gib nur Achtung daß du in beten nicht fehleſt/ wo du merckeſt daß es nicht Catholiſch iſt/ da laß bey leib das Ave Marie aus/ und heiſch auch nicht umb unſerer lieben Frauen willen/ aber hingegen bete das Reich und die Krafft und die Herꝛlichkeit an das Vatter Unſer; wann du aber nicht weiſt/ ob es an einem Ort Luthe⸗ riſch oder Catholiſch oder Calviniſch ſey/ und darffſt auch nicht fragen/ ſo gib Ach⸗ tung auf die Bildſtöͤck/ Helgenhaͤuslein/ uñEreutz an den Wegẽ/ ſeyn ſolche geziert oder in Ehren gehalten/ da betekecklich auf Catholiſch/ wo nicht/ auf Lutheriſch/ und wann dueigentlich weiſt/ daß du an einem Calviniſchen Ort biſt/ ſo fang das Vatter Unſer auch auf Calviniſch an/ nnd ſag Unſer Vatter c. und nicht Vat⸗ ter unfer wie es vor Alters der Brauch geweſen iſt/ dann die Leute geben 50 36 Das wunderbarliche Glaubensgenoſſen noch ſo gern/ auch noch ſo groſſe Stuͤcker/ dahingegen uuß 6 ufd ſh mancher einen von widerwaͤrtiger Reli⸗ gion nicht anſihet/ wann er ſchon deß Allmoſens zehenmal mehrers benoͤthiget waͤr als der Glaubensgenoß. Schaue nur zu/ daß du vorſichtig und fleiſſig ſeyſt/ es wird dir beſſer bekommen/ als wann du einem Bauren der Roſſe huͤteſt/ oder ſelbſt einen groſſen Hauffen eigenthumli⸗ cher Guͤter eroberſte/ und mit der Zeit beſaſſeſt; dann ſolche machen ihnen ſelbſt die ſonſt freye Gemuͤther hrer Inhaber zu Martyrern und gepeinigten Selg⸗ ven/ und ihre Leiber zu leibeigenen Knech⸗ ten der jenigen Herꝛn unter deren Juris⸗ diction ſelbige gelegen; dahingen du in unſerem Orden die edle Freyheit/ und mit derſelbigen unter dem Deckmantel der Armuth in anderer barmhertzigen Leute Vermoͤgen alles das jenige reich⸗ lich beſitzeſt uud zu genieſſen haſt/ W5n deines muͤffigen Lebens Aufenthaltuntg 2 N82 „Will dir irgend ein karger Hund nichts geben/ o gehe vor eine Huurz Thuͤr; „e 1. ed 4 αν I0Flafe bbuh mtehn SGrne nben Moj ſut Aähtnu Rubeukun/d Auhht/ t Oe indiero EUUN daqt/ dj Kindwur chen fir l Mſſhamen Md fin Kxs 40littet ch MUl ſchahn Mph ſnmntdet dunerng + Vogel⸗Neſt. 37 % gem, unThuͤr; Iſtein Land durch Krieg/Theu⸗ Are rung dder Sterbenelaͤuffte verderbt/ WartgerJ und alſo zu deiner Profreſſium nicht be⸗ Lerſbern guem ſo lauffe in ein anders/ und laſſe Tarberothg die ſo ihr Hertz dem Haus und Hof/ den Schn anſehlichen wolgelegenen eigenthumli⸗ Arfeſtgſez chen Guͤtern geſchenckt/ daheim darbey 1 dls hut creyeliren/ verderben/ und ſterben. Vole hüͤten 0. Noch ſonſt trefflich viet ſolcher guten n tihenthund Lehren und Unterrichtungen /⸗ ab die al⸗ ind ut der zůte dieſem Knaben/ alſe Daß ich nicht achenhnn eh glauben kan ⸗ daß ein Jaͤger mehr Fleiß er hrer Juhat anwendet/ einen jungen Wachtelhund/ cpergt Ei oder ein dignor Capitano ſeinen Tyro- cbeihenen Hth nes abzurichten; das Buͤbgen war auch merdetethutz der Art daß es ſich gern informiren lieſ⸗ WWigeß duj ſe; und zwar wer wolte nicht wann man le Frther/ uyeinem nur von Faulheit/ Freyheit und dan Deckmanb Muͤſſiggang predigt? r bärnhert Andern Theils erzehlete einer dem al⸗ das jenige tih ten Kerges/ was maſſen er hiebevor wol feen haft/ watß 4. Jahr ein Stumm geweſen waͤre/ wel⸗ ufenthalles che Art zu bettlen ihme do wol zuge⸗ ſchlagen/ daß er ein zimlich ſtůck Geld zu⸗ in karger Huh ſammen gebracht/ welches ihm aber ſein por eine an damalige junge Frau/ deren er ohne 16 VM 33 Das wunderbarliche fel zu leicht geweſen/ ausgefiſcht haͤtte; Warauf er nothwendig die Sprach wie⸗ der annemmen muͤſſen/ ſeinem Weib nachzufragen/ die er zwar bey einem jun⸗ gen Spengler angetroffen⸗ aber gleich⸗ wol nichts ſagen doͤrffen/ erſtlich weil ſie ſeine Ehefrau nicht geweſen/ und dant damit ſie ihn nicht verrathen/ daß er ſich vor einen Stummen ausgegeben; Es iſt nicht zu glauben oder auszuſprechen/ ſagte ers ferners/ wie michs vertroſſe/ daß ichs alſo ſtillſchweigend verſchlucken und in mich drucken muſte; und diß iſt auch mein groͤſtes Creutz und Anliegen geweſen/ daß mir zugeſtanden/ ſeit ich die Eſelhaffte Roßarbeit der Taglohner ver⸗ laſſen/ und mich durch Ergreiffung deß Gacks nnd Steckens in die unſchaͤtzbar⸗ liche Freyheit unſers Herren⸗Lebens ge⸗ ſetzt! Ich kriegte aber gleich darauf wie⸗ derumb ein wackers jungs Menſch eines Koͤrbmachers und Wannenflickers Tochter/ die ſich nicht allein beſſer als die erſte in den Handel zu ſchicken wuſte/ ſon⸗ der mir auch alle Jahr aufs wenigs eins: oder umbs ander Jahr zwey Kinder brachte/ 1 Puät enn ſil, bched E Kilk ker Kilde ud Geſaktttell bſen fen . Aulkeantuaß nahts mt k uncheſckt S Wedtech daßerche kr dotheg n uihtanthäkn d hnekte o Häſe a Kensbei demſtün eh der be 43 üundheit; bmathen UE tö fill entt Pel Vogel⸗Neſt. 39 Wbrachte vermittelſt deren ich viel Allmo⸗ lubnſen aufhube; uͤber das erſonne ſie einen Vbehenden Fund Geld zu machen/ wann es ſchonſt ſchwerlich zubekommen war/ nemlich Winters zeiten/ wann wir vor welf ein Ort kamen/ zog ſie ſich in hoͤchſter ſdde Kaͤlte allerdings nackent aus und lieſſe Kinder und Kleider bey mir/ in ſolcher Geſtalt erhielte ſie offt auf einen Tag vor brehe einen/ zween oder drey Gulden Kleider/ uje nach dem ſie barmhertzig Weiber⸗ ſhuc Tolck antraff⸗ daß ſich vor ſie ſchaͤmete/ dds welches mir trefflich zu baß kam/ und manche fette Supp zuſchantzte. Wie dieſe Fre Stüͤckgen untereinan⸗ der ſo erzehlten/ kamen zween Cappucci⸗ onner dorther/ welchen die Bettler die Ehr xnicht anthaͤten/ ihrentwegen aufzuſtehen bett und ihnen etwas abzuheiſchen; Ich ſchetz wol/ weil ſie wuſten/ daß ſie ſonſt nichts als Agnus Dei hinweg zugeben haben/ Vumnenzetz deren ſie aber keine begerten⸗ daß eine Een beſſer den war ein alter Pater⸗ und das ander ein ſhickentduſtin junger Cleric; Ich verlieſſe die Bettler/ f5 und marchirte mit dieſen/ weil ſie meine WStraß giengen/ zuvernemmen/— 0 4n — —— 40 Das wonderbarliche 1 doch ſie vor einen Diſcurs miteinander 0 unter Wegs haben moͤchten; aber ich 10 120 hoͤrete ſo viel/ als wann ich mit zweyen Stummen gegangen waͤre; auſſer daß ſte vor einen Flecken zuſammen niederſaß ſen/ und ihre Horas miteinander betteten Indeſſen gedachte ich an meine lieden liche Betler/ Vaganten und unnn Landſtoͤrtzer/ mit denen unſer Teutſt land gleichſam uͤberſchwaͤmt iſt; J machte allbereit Rathſchlaͤg/ wie ichm ihnen verfahren ihren Orden zu nu nn deß Vatterlands emploirn: und was ich ihrentwegen auf dem Feurhmugfe üthe ponirn wolte/ wann ich einmal ein le frn Reichs⸗Fuͤrſt würde; Ich laſe die Ge⸗ nittz dite ſunde aus ihnen zu Soldaten/ das Vat⸗ terland zubeſchuͤtzen/ und den Tuͤrcken zu⸗ bekriegen/ und bauete ſchon Zuchthaͤuſer und Werckſtaͤtte in meinem Lande/ daß ich im Sinn beſeſſe/ worinn ich ſolcheAn⸗ ſtalten vor die ͤbrige zu machen gedach⸗ E une te/ daß beydes Taube und Stumme⸗ Blinde und Lame darinnen arbeiten: ſl und nicht allein ihr Brod vor ſich ſelbſt verdienen: ſonder auch die uͤbrige ſelge elige Vozel⸗Neſt. 41 mtenan gelige Kruͤppel ernehren: ja noch druͤber⸗ hin alle Jahr ein zimlichen uͤberſchuß zu ichmtpe deß gemeinen Weſens Nutz vorſchlagen de aufe und eruͤbrigen koͤnten; damit das Lum⸗ nnicde pen⸗Geſindel abgeſchafft: GOtt ſelbſt naderbetd durch ihr rohes Leben nicht mehr erzoͤr⸗ menein net: der Landmann durch ihren groſſen und un Uberlauff nicht mehr moleſtirt; und ein ſer dal ſo beſchaffene Ordnung gemacht wuͤrde/ die Gott wolgefaͤllig und den Menſchen ſchlg/ wieſch nutzlich ſeyn ſolte. ien Otden un. Aber mitten in ſolchen Gedancken ge⸗ aploin: uñõ Dachte ich gar nicht daran/ daß ich ſelbſt em Nethengr ein aͤrgerer Mauskopff war/ als die Bet⸗ n ich einmler; ſintemal ich damals vorhatte/ ver⸗ Ich laßedel mittels meines Vogel⸗Neſtes andere ehrliche Leute unſichtbarer weiſe zubeſtel⸗ len/ und mich ſelbſt zubereichern; haͤtte hlbt ich aber daran gedacht/ ſo haͤtte ich ohne (alde“ zweiffel mit jener Weibsperſon/ deren die Hand im Sack erwiſcht wurde ⸗ als ſie 9 gisein andere ihr Untergebene umb ihr und Sum Verbrechen Capituliren ſolte/ unverho⸗ len geſagt und geklagt; Ach! wir ſeyn darinnen arbetz zel! Btod torſſchl laider alle(Gott erbarms) brechhaffte 0 delbehen Menſchen, Aber U 4 Das wunderbarliche Aber genug hiervon/ als die Capput⸗ ciner ihr Gebet geſprochen/ da hatten auch meine Anſchlaͤg ihr Endſchafft/ de⸗ rowegen gieng ich mit ihnen in Flecken⸗ zu ſehen/ was es bey ihnen auf ihr andaͤch⸗ tigs Gebet vor einConvivium ſetzen wuͤt, de; aber ſie kehreten nicht im Wirths⸗ hauſe ein/ ſonder ſetzten ſich unter die Lin de/ die auf dem Platz zwiſchen der Kitz chen/ dem Pfarꝛhof und dem Wirtys haus ſtunde/ ihre von groſſer Sommers hitze abgemattete Glieder ein wenig im Schatten zuerquicken; Solche Ruhe nahm ich ebenmaͤſſig an/ und als ich mich kaum recht niedergeſetzt/ kam die Pfarre⸗ rin aus dem Pfarꝛhof/ warhafftig ein ſchoͤnes junges Weibgen; welche aber wie ich hernach vermerckte/ eben ſo einfal⸗ tig als huͤpſch geweſen; dieſe hieſſe beyde Cappueciner gar freundlich willkommen ſeyn/ mit angelegener Bitt/ ſie wolten mit ihr ins Haus gehen/ und mit einem Trunck/ und was die Kuͤch vermoͤgte verlieb nemmen; aber die Capuccinet ſchlugen ihr holtſeelig Anerbieten glat ab/ nicht weiß ich/ ob ſie vielechtbeßfünf er 1 N0ſeht WPön nichtdam ⸗ derſl, wuneid! ichhudet hit Reteg Hochetgch wichce Wer plches ſcheubenm düßen gunte guhekg gere Göhttiße leht rchun mernctggt ihnRr rbarlicht Nals— Nuls die Nase Cube Voggel⸗NMeſt. 43 xder Teufel moͤchte ihrer Keuſchheit durch diß Weib nachſtellen; ſie hingegen war nicht beym beſten damit zu frieden/ ſon⸗ ſbder ſagte: Herꝛ Gott! wie ſeyd ihr ſo wunderlich? kommt immer mit herein/ ſctean ich bin die Frau Pfarrerin/ und hab erſt Ve mit meinem Herm vor vier Wochen anterdo ¶Hochzeit gehabt/ kommt nur/ dann wañ endaſ wir Geiſtliche nicht ſelbſt einander ehren/ włer wuͤrde es dann ſonſten thun? Aber uun die Cappuceiner wolten nicht/ ſondet giengen ihres Wegs wie wol ich ihnẽ an⸗ ſahe und an mir ſelbſt abnemmen konte⸗ jo daß ein guter Trunck an ihnen nicht uͤbel Iangelegt geweſen waͤre! hingegen aber gedachte ich auch/ danck du Gott mein liebe Predicantin/ daß dir die Cappucci⸗ tner nicht gefolgt/ dann ſolte dein Mann edarzu kommen ſeyn/ ſo wuüͤrde er dir nicht (ch wiltzne anderſt gedanckt haben/ als haͤtteſt du Btt ſie wolen dieſe ihm ohne daß verhaſte Nollbrůder und emte zu etwas anders in ſeiner Abweſenheit Küch derneingeladen/ ob gleich ſie noch du an nichts de Capnk boͤſes gedacht; darneben war ich auch dieren gel Unwwillig uͤber die Cappucciner/ daß ſie eleichtben nicht in Pfarꝛhof giengen/ dann ich hatte willens/ iieeeeeeeeeeeeeeeee eeeeeeeee E ————————— 44 Das wunderbarliche willens/ auch meinen Durſt mit ihne darin zu loͤſchen/ derowegen als mirs fehlete/ gieng ich in das Wirthshaus/ zn ſehen/ ob mir daſelbſt ein Trunck anſtehen moͤchte. Es ſaſſe ein gantzer Tiſch voll Bauren dort von der Calviniſchen Religion/ wel chem Glauben dann auch derſelbe gante U dRerlifktich M Gr el Eutte hecht fogt ib50 btin ſſſt kin actt Flecken anhieng/ die waren gar andaͤch ſeke tig/ etliche Geſaͤng und Pſalmen bey deln lieben Weinigen aus ihrem Lobwaſſtk daher zu ſingen/ welche Vermiſchung mir gleichwol beſſer gefiele/ als wan man auf Italianiſche oder Spanniſche Manier gemein Waſſer unter den Wein ſchuͤttet; Gleich hernach kamen auch zween Catholiſche Paſſagires hinein/ die dort etwas aſſen/ und von ihnen am Creutzmachen erkannt wurden/ umb wel cher willen ſie gleich ihr Geſang aͤnder⸗ ten und dieſen zu ſpott das Ave Maria. gratia plena daher ſungen/ als es abet die Catholiſche nicht achteten/ fingen ſie fufß an allerhand ſchimpffliche Poſſen zu er⸗ zehlen/ die in der Catholiſchen Kirch/ umb willen die Pfarrer ihre Plün l Nuſt hettn f Legzhgſcht Holhebs darlcgze tin dls kirth De lehuhe fächtgc denanh Nuhe inhierſri hnt dickhptt 0 AHtee 0 Vogel Neſt. 47 An! der nicht eiferiger unterrichtet/ geſchehen ſeyn ſolten. Munkn„ Einer erzehlte aus Schimoff und an Ernſt/ als einsmals ein kleines Maͤdgen beichtet/ fragte es der Pfaff/ ob es auch ins Beth bruͤntzle? und wie das Kind mit nein antwortet/ ſagte er bey leib aßz thue es nicht/ dann ich friß die Kinder die WPfalpent“ ins Beth brüntzlen;darauf das Maͤdgen entel geſagt/ nein Herꝛ ich bruͤntzle nicht dar⸗ Lng ein/ aber ich hab ein Bruͤderlein daheim e Jermit das ſcheiſt ins Beth/ daſſelbe iß; und Aen darauf fiengen ſie alle an zu lachen/ als der Spand hatten ſie toll und thöͤricht werden wol⸗ æunteꝛded ien; mithin ſich umbſchauend/ ob die Ca⸗ ich kamen g tholiſche nichts darwider reden oder ſich darůber erzoͤrnen wolten: aber dieſe thaͤ⸗ ten als haͤtten ſie nichts davon gehöͤrt o⸗ uuden unde der verſtanden/ ſondern als das Ge⸗ Geſang in laͤchter ein End hatte/ erzehlete der eine das ue la dem andern/ es wolte neulich in unſerer 41 als c6Nachbarſchat ein Predicant ein Kind Weten, ubs tauffen/ und als er daran kam/ daß er ſihe pofen g zum Pfetter ſprach/ widerſagſt du dem Aholſchen.Teufel(ſprich mir nach) ich widerſag; et ihte Pt da antwortet der Pfetter 8 du EE˖˖— eee 46 Das wunderbarliche du dem Teufel/ ſprich mir nach/ ich wi derſag/ der Predicant ſchuͤttelt den Koy und ſagte/ ich vermeine du biſt ein Nar der Pfetter antwortet alſobalden auch/ ich vermeine du biſt ein Narꝛ; hingegen erzoͤrnte der Predicant und ſagte/ thut mir den unſinnigen Narren aus der Kirchen/ der Pfetter vermeinte er muͤſte immerhin nach prechen/ und ſagte gleich⸗ falls/ thut mir den unſinnigen Narren aus der Kirchen; Solte nun das Kind getaufft werden/ ſo muſte man einen ver⸗ ſtaͤndigern an deß Pfettern Stell nem⸗ men. Gleich hierauf erzehlet einer von den Calviniſten/ es haͤtte ein Pfarrer ein Maͤdgen in der Beicht gefragt/ obs die jungen Knaben auch gerne ſehe/ darauf es geantwort/ mein Herꝛ/ wir haben ein⸗ ander noch niemal viel nach gefragt/ aben auf die Feyeꝛtaͤg bekomme ich einen neuen Rock/ alsdann wirds Rammlen recht⸗ ſchaffen angehen. Im Schweitzerland ſagt ein anderet allwo die froͤmmſte im Gebuͤrg wohnen 8 de Leut/ wanns wol geraͤth Jaͤhrlich ein maß mlunbdee foneh/ Aaln fe 90n Ehnde⸗ dlötkdet tett hawas ckehttdee eihem arden geikk/w. fauff/ 900 hit, ihllnt hne geih duuktt G0ltlfagee diſtr Idel uod Söſtſheo das lehr n düß kanchen Vogel⸗Neſt. 47 uatch mal umb die Oeſterliche Zeit in die Kirch zul kommen/ ſchickte ein achtzig Jaͤhriger Naſtter ſeinen fuͤnff und zwantzig Jaͤhri⸗ gen Sohn das erſte mal in die Kirch/ und uals er wieder nach Haus kam/ examinir⸗ gete er ihn/ was er gehört und geſehen? Da aus erzehlte der Sohn/ es haͤtte ein Kerl von un einem andern ein langs und breits daher geſagt/ wie man ihn verrathen und ver⸗ kaufft/ gefangen/ gebunden/ geſchleifft/ duß geſchlagen/ und endlich gar gecreütziget haͤtte; Ja Vatter! ſagte er/ man iſt ſo ubel mit ihm umbgangen/ daß er mich gleich daurete; HErꝛ GOtt⸗ HErꝛ Gottl ſagte darauf der Alte/ iſt dann dieſer Handel noch nicht ausgemacht? Es iſt ſchon wol zwantzig Jahr als ich das letzte mal in der Kirchen geweſen/ da hatte man dieſe Sach auch ſchon un⸗ ut terhanden; Es wundert mich/ was uur neun unſere Herꝛn thun/ daß ſie es nicht ein⸗ Rammlenk mal vollends eroͤrtern. Das iſt kein Wunder/ ſagte hierauf ſugt en a ein Catholiſcher/ dann wir wiſſen aus Gchärg non Doctor Schuppen Freund in der Noth/ äth Jühtlt daß einsmals ein Teuſcher Edelman ſei⸗ Cij nem —ꝛ—— ⏑⏑. 48 Das wunderbarliche nem Pfarrer/ der ihm aus dem Cate⸗ chiſmo/ was er von ſeinem Chriſtenthum verſtunde/ examiniret/ unverholen geant⸗ wortet/ er waͤre ein Narꝛ/ und glaube daß der Predicant auch ſelbſt einer ſen; und an ſtatt daß er geſagt haben ſolte er waͤre ein Chriſt und glaube in Ehriſtum. Damit aber hiervon nichts weiters geredet wurde/ ſagte ein anderer Calvi⸗ ner/ als ein Schweitzer einem Capucck ner gebeichtet/ und nach der Abſolution einen Kreutzer zum Beichtpfenning ge⸗ ben wolte/ der Pater aber Geld anzu⸗ nemmen ſich wegerte/ ſagte er/ behabs nur mein lieber alter Vatter/ du darffft mein Narꝛ nicht umſonſt ſeyn; und dar⸗ auf huben ſie wied erumb ihr vorig ein⸗ hellig Gelaͤchter an; die Catholiſche lach⸗ ten mit und ſagten/ das muß wol ein plumper Flegelius geweſen ſeyn? verſetz⸗ tens aber mit dieſer Hiſtori. Als ein Predicant einem verſtorbenen Schuſter ſeine Leichpredigt gethan/ und nun an den war/ daß er den Todten auch loben ſolte/ ſagte er/ liebe Zuhoͤrer ich ſol⸗ te unſeren ſeligen Mitbruder auch 5— einer ſcb /51 MRRn WI Vogel⸗Neſt. 94 Ue ſeiner Gottſeligkeit und anderer Tugen⸗ nden halber herausſtreichen/ ſo wiſt ihr uge aber alle miteinander/ daß er nichts der⸗ d as gleichen Lobwuͤrdiges an ſich gehabt; da damit ich aber gleichwol auch meinem ͤThaler verdiene/ der mir wegen der Leich⸗ yredigt geboͤhret/ ſo ſage ich ihm nach zu unſtevblichem Lob/ daß er dannoch wie Vſchlimm er ſonſt geweſt/ einen ſchoͤnen arothen Bart gehabt/ allerdings wie un⸗ i ſer heiliger Apoſtel Judas/ ꝛe. iANuf dieſem Streich thaten die Caloi⸗ og niſten wider einẽ andern hinum und ſag⸗ tẽ durch einen ihrer Beyſttzer/ uñ was iſts dann auch mit eurer Beicht Man weiß das Dorff Schttrwlt/ von deſſen Jawoh⸗ oͤghnern noch bis auf den heutigẽ Tag geſagt wird/ der froͤmmſte aus ihnen haͤtte ein Art geſtolen; Dieſer Nachnam iſt ihnen Iaus Gelegenheit der Zeitzugewachſen/ die ſhr vor die allerheiligſte haltet/ und dar⸗ oerſtotin inn durch die Beicht und Bußwerck eure digt gethan Sůͤnden abzulegen gedencket; Dann den Todteng demnach einer in der Charwochen da⸗ e Zuhöterth felbſten/ nach verrichter Gleißneriſchen druder guchn Andacht und empfangner Abſolution/ ſ Ciij ans 10 Das wunderbarliche aus der Kirchen gieng/ und ſeinen Ste⸗ cken vor der Kirchthuͤr/ mit ſich nemen wolte/ erdappte er darvor eine neue Arxt!( die bey den Stecken ſtunde/ name ſie mit und ſagte/ das walt GOtt/ das iſt auf ein neues? Ich glaub/ ſagte ein anderer Calvi⸗ ner/ daß die Suͤnden ſpecialiter in der Beicht zu erzehlen/ nur von den Pfaffen erfunden und aufgeſetzt worden/ die Ge⸗ wiſſenhaffte in der Contribution und Forcht zu behalten; dann wer wolte einen ſolchen/ dem er ſeine innerſte Heimlichkei⸗ml.. ten vertrauen muß/ nicht in hohen Ehren Ghletede halten/ und ihm mit allem ſeinen Ver⸗ dauſd moͤgen nicht an die Hand gehen? Ihm dlfftteae den Beutel zu ſpicken und ſeinen Schmer deenusufſ bauch zu erhalten? damit er ihn in guten geltch Laun haben/ und ihn zum gnaͤdigen nlhn Herꝛn behalten moͤge; bey andern aber aulgnn wird es wie bey uns in der reinen Refor⸗ Elſ lr mirten Religion nur von ein Schertz ge⸗ ul halten/ wie jenes Weib that/ welche iin nicht abſolvirt werden konte/ ſie ſagte dle dann ihrem Mann/ daß ihr letztgebornes ſanen Kind nicht ſein/ ſondern von ine ern 2 Vogel⸗Neſt. 71 dern ihr zugerichtet worden waͤre; das Weib that zwar was ihr befohlen war/ ueaber wie 2 Sie wartet bis das Kind mj ſchrie/ und damit ſie es deſto beſſer ge⸗ yſchweigte/ ſagte ſie zu ihrem Mann/ ach Peter henck doch ein Tuch uͤber dich und erſchrecke das Kind ein wenig/ damit der ο HDanckert wieder ſchweige; der Mann ſß folgte/ und als er ſo verſtellt daher zu deh brumlen kame/ wu/ wu/ wu/ ſagte das YGWeib zu ihm/ gehe hintveg du haͤßlicher Butz/ das Kind iſt nicht dein/ ſondern mein/ ꝛc. 8. Einer von der Catholiſchen antwortet darauf/ diß iſt die alte Leyer deren die aus Hoffart ihrer Suͤnden nicht bekennen/ o⸗ 565der aus TeufliſcherSchamhafftigkeit ſol⸗ che nit erzehlen wollen/ damit ſie die De⸗ mut der Buͤſſenden verſpotten; Iſt auch gar nicht glaublich/ daß die Beicht aus nRel Geitz unſerer Geiſtlichen ſeye erdacht worden/ ſintemal ſie aus ihren Pfruͤnden uͤbrig gnug erheben/ deſſen ſie zu ihres Lebens Aufenthalt bedoͤrfftig; ſo haben ſie auch vor keine Leibs⸗Erben zu ſorgen/ C iiij umb es U* ** 0 + oys. kletztgebore n von eibent⸗ N U 1ꝛ Ddas wunderbarliche umb deren willen ſie viel zu ergeitzen Ur⸗ ſach haͤtten wie dieeurige. Unlaͤngſt hatte ein Fuͤrſt alle Predi⸗ kanten ſeines Lands beyſammen/ der Kirchen⸗Ordnung wegen was zuberath⸗ ſchlagen/ dieſe warteten im Vorzimmet auf/ bis einer kam und ſagte die Herren Predicanten ſollen herein tretten/ ſie folgten alle bis auf einen der hauſſen blieb; als derſelbe nun gemiſſet wurde/ ward ein anderer geſchickt der ihm ruffte/ aber er wolte nicht hinein/ ſondern ſagte/ man haͤtte nur den Herren Predicanten befohlen hinem zu kommen/ er aber waͤre kein Predicant/ ſondern nur ein Predi. krug; wann der Fuͤrſt den Predikruͤgen hinein wird ruffen laſſen/ ſo wuͤrde die Erſcheinung auch an ihm ſeyn/ dieſe refe⸗ rirte/ was der drauſſen geſagt/ daher der Fuͤrſt und andere gedachten er waͤre viel leicht im Kopff verruckt/ ſchickten dero⸗ halben zween von ſeinen Collegen zu ihm/ zu ſehen wo es dem Kerl mangelte? Die fragten ihn wie ſeine Wort zu verſtehen waͤren/ und was er vermeinte/ daß er ſo aberwitzig thaͤt; er antwortet/ es iſt 1 er et hn Mal Rcbüctd Mlan intrdt l ihdambe ftb Ehen Ungel cubö ckeumn. Wune Wgnun dehdeEit Regihn CiHhehce Wdenche caſtum ſh Wohind 6flgn Abcdheg nhhfßen Apatt f barli Vogel Keſt 63 al der Predieanten begehrt worden; nun iſt keiner unter euch der nicht aufs wenigſt jaͤhrlich ein halb Fuder Wein zur Com⸗ petens hat/ darumb koͤnnet ihr euch wol vor Predicanten ausgeben; Ich aber hab nichts dergleichen/ ſondern muß das duhe SMaul am Waſſerkrug reiben/ und mich unter die Predikruͤg ſchreiben/ was ſolte ich dann bey euch thun/ wann man mei⸗ ner nicht begehrt /ꝛe. mit dieſem laͤcherli⸗ chen Schwang brachte der Predikrug Nue zu wegen/ daß ihmn der Fuͤrſt auch jahrlich Draum ein halb Fuder Wein geben lieſſe ⸗ und ihn alſo zům Predicanten machte. Wegen Erzehlung dieſer ihnen ohne 5 ddis gnugſam bekandten Hiſtori“ wur⸗ ſe den die Caloiniſten ſo verbittert/ daß ſie nendite die Zaͤhn aufeinander biſſen/ und den ragſht dche Catholiſchen zu Spott das Ave Maria utener wing wieder einhellig zu ſingen anfiengen/ jene ut ſhkrnd erzoͤrnten ſich aber gar nicht daruͤber/ unColehen uß oder thaten doch wenigſt dergleichen/ daß wangche! es ſie im geringſten verdroſſe/ da dieſe Ver zu benh aber ein wenig pauſicten/ oder ſich ſonſt derwente/ dſt mld geſchrien hatten/ ſagte ein Catho⸗ mwornt/ zůft Aiſcher/ ſo recht ihr Bers ſo muß 8 1 je 54 Das wunderbarliche die Mutter GOttes ehren; wann ihr ſo fortfahret/ ſo iſt gute Hoffnung zu ma⸗ chen/ ihr werdet/ wills GOtt/ bald gar ECatholiſch werden; Was?ꝰ? ehren? ſag⸗ te hierauf der Staͤrckſte unter den Cal⸗ viniſten; Was? wir bald Catholiſch werden? und damit ſprang der Phan⸗ taſt hinterm Tiſch hervor/ ſtellte ſich mit⸗ ten in die Stub; ſtützte die Haͤnd in bey⸗ de Seiten/ und ſagte/ ihr Leute muͤſt wiſſen/ daß wir euch nur foppen/ wann wir diß Lied ſingen/ umb daß ihr eine Windelwaͤſcherin ſo hoch zu verehren euch bereden laſſet; diß verdroſſe mich nicht wenig/ als ich erwog/ daß gleichwol die Demuth der aller Glorwuͤrdigſten Jungfrauen/ die uns allen zu gut den Heiland der Welt geboren/ ein mehrers verdient haͤtte/ als von einen ſolchen Kornhammer geſchmaͤhet zu werden; waſſen auch dergleichen Laͤſterungen die Tuͤrcken nicht ungeſtrafft hingehen laſ⸗ ſen; Was? gedachte ich/ folteſt du deſ⸗ ſen Mutter uͤbel reden von dem du glau⸗ beſt/ dz er dich von Suͤnd/ Tod/ Teufel uñ Hoͤlle erloſt? beede Cathollſche aber f m50e in dEnl 60 AN Gattn he ſte ſut eh ih dete be dal den fik; duunkbte uf kf dumf Kann IHlit Ot ſhhe chent l/he ſh Glite Vogel Neſt. 57 iten die Pfeiff mit Seufftzen und Gedult zut in den Sack/ und ſie thaͤten auch nicht g unweislich/ dann man ſahe gnugſam an den Minen derCalviniſten/ daß ſie einduſt hatten ihnen das Fell zu gerben/ wann ale ſie nur ein wenig mehr Wort gemacht Ahaͤtten. 9Solches bewoͤgte mich zum Mitlei⸗ iden/ und als obenangedachter Kerl nicht enaufhoͤrete/ der in alle Ewigkeit von allen Geſchlechten ſelig geprieſenen Jungfraͤu⸗ lichen Mutter Hohn zu ſprechen; gab ich an ihm eine ſolche dichte Maulſchell auf ſeine unbeſcheidene Goſche/ daß ihm vier Zaͤhn darvon auswurtzelten/ er ſelbſt aber den langen Weg ruͤcklings zu Bo⸗ den fiele; Es darff ſich aber niemand darumb verwundern daß dieſer Streich 40 von ſo kraͤfftiger Wuͤrckung geweſen/ zu weds dann man nennet mich deßwegen in mei⸗ Läſterunge! ner Heimath den ſtarchen Michel/ weil aft hingehen!(ich die Ohrfeigen ſo gewichtig und mei⸗ fobeſt do ſterlich austheilen kan; Alle Anweſende ton dem dugs erſchracken von dieſem wunderbarlichen D Trd/ Teufce Fall/ und hielten es nur deßwegen vor Hebſchegberſit eine Goͤttliche Rach und Warnung/ 1* C vi weil 16 Das wunderbarliche weil ſie mich weder ſehen noch wiſſen kone aafende ten/ wer ihm dieſen Streich verſetzt; Ich ſelbſt aber hielte es deßwegen ihme vor ein Goͤttliche Straffe/ weil GOtt auch durch Suͤnder die Warheit zu reden/ und gemeiniglich ſeine allergewaltigſte und trotzigſte Feinde durch die allerlieder⸗ lichſte und geringſte Inlecta abzuſtraffen flegt. K Indeſſen nun beydes Caloiniſten und Catholiſche gantz beſtuͤrtzt dort ſaſſen/ ic/ lr eWnd fe kiuhe raffte ſich der Kerl/ welcher wie eine geſto⸗ f chene Sau blutet/ wiederumb auf/ und erzeigte ſich ſo ſtill und duſam/ wie ein Schaͤflein; Ich maſſe mir damals ſelb⸗ lehtltt ſten zu/ ich haͤtte einen gluͤckſeeligen Pra⸗ ceptorem abgeben/ ſeintemal ich mit eit nem Streich ſo wohlgezogene Diſcipul Lachu machen konte: haͤtte man mich aber ſe⸗ hen koͤnnen/ wie ſolten mir wol die halb volle Bauren den Buckel abgeraumet: und mir das Praceptoriren eingetraͤnckt haben? In dieſer Stille/ als jeder den Ge⸗ ſchlagenen angaffte/ erwiſchte ich der Bauren ihre Kandel/ und ſoff ſie qus 5 1 Guf. 7 4 dn Röte galteict fchthe dumne ker Rtnn d. G0ch/0 Ruhſet f WMuftinpe MI‚ Vogel Neſt. 75 Vauf den dͤrren Boden dann ich hatte bißher noch durſt gelitten Fweil ich ſo un⸗ un vermerckt wie ich gehen wolt/ nit zukom⸗ men koͤnnen; Beyde Frembtling gien⸗ gen ihres Wegs/ mit denen ich mich mit zur Stubthuͤr hinaus packte/ nicht weiß ich/ was die Bauren geſagt: oder vor uß ein Wunder daraus gemacht haben/ als ſe befunden/ daß ihnen ihr Wein aus Hinſtog der Kanden verſchwunden. ott ſſ Ich kam denfelben Abend nicht weiter 06 els in ein klein Doͤrffgen⸗ daß keinen uf Wirth: ſonder ungefehr dreyzehen Bau⸗ ᷣren vermochte/ da kehrte ich ein/ bey dem/ der den groͤſten Hauffen Miſt im Hof genliegen hatte/ weil ich ihn deßwegen vor nulchmn den Reicheſten hielte ⸗ und dannenhero eue Dits glaubte/ ich wuͤrde bey ihm dieſelbe Nacht michdbe/ auch mein Maulfutter am beſten haben mir wolditſ koͤnnen; aber ich befande mich betrogen/ labhernig dann er war ein karger Filtz/ er hauſete tottreneingettit mit keinen Dienſtbottenoder gedingtem Geſind/ ſonder mit ſeinen nunmehr er⸗ as ſcherdels wachſenen Kindern/ die er mit einer erwichte ihWaſſerſuppen und einer groſſen Pfan⸗ und ſoffſe aut nen voll ſtarckem Haberbrey tractirte; 0 C vij damit II — ů— 56 Das wunderbarliche damit ſie wol verlieb nemmen muſten/ welches aber Knecht und Maͤgd jetziger Zeit Gewohnheit nach nicht gethan haͤt⸗ ten; alſo daß ich bey nahe haͤtte hunger leyden muͤſſen/ wie ich dann/ ſo lang ſie zu nacht aſſen/ hintern Ofen zu protzen ſaffe und mich mit Ungedult ſpeiſſete/ in dem ich keine Hoffnung faſſen koͤnte/ daß den⸗ ſelben Abend etwas annemlichs in mei⸗ nen Magen logirt werden moͤchte. Gleich nach dem Eſſen muſten beyde Soͤhne die Pferd: die Tochter aber das Rindviehe abfuͤttern/ indeſſen gieng die Mutter hin ihren Marckſchatz zuſammen zu machen/ was ſie nemlich den folgenden Tag in dem naͤchſten Marckflecken zuves kauffen willens war; ſolcher beſtunde in einem dutzet zwey oder drey pfuͤndiger KuͤhKaͤſen/ in einen Schock Eyer/ in el⸗ lichen jungen Haanen/ und in ungefehr 10. pfund Butter/ den ſie zu Pfunden partirt haͤtte; ſolches alles packte ſie or⸗ dentlich in einen groſſen Korb biß auf die Huͤner/ die abſonderlich in einen Dau⸗ ben⸗Korb gethan worden; Ich haͤtte iht hiezu wol leuchten koͤnnen/ weilich ihr u⸗ berall Falh ch I un botdil daßih heunc Kelck den K Wohell degzn dencheh dunnlte Munn ihht t ſigkketz fohnih ſehehn ürnit delht desſe ftlle Ehat Wuke daftnz Iünn Vogel⸗Neſt. 90 berall nachſchliche/ und ſahe was ſie ma⸗ chete/ aber ich thaͤts drumh nicht/ ſonder apackte ein ſtuͤck faulen Kaͤſe an ſamt ei⸗ nem geringen partickul Butter/ ſo ich vor die lange weil ʒu einem Stůck Brod ⸗ daß ich noch im Sack hatte/ aufwerckte; hernach tratt ich wieder mit ihr aus dem HKeller in die Stub/ wo ihr Alter ſaſſe/ den Kopff mit einer Hand auf den Clen⸗ bogen unterſteuerte/ und mit der andern g die Zaͤhn ſticherte/ gleichſam als wann er a denſelben Abend viel zahmes und wildes darmit zermahlen muͤſſen; aber der gute Mann machte wol andere Calender/ als ich mir eingebildet: dann gleich darauf ſagte er; Ja Fraul es ſchickt ſich einmal noch nicht/ daß wir unſer Gret deß Clau⸗ ſen Hanſen Geörgen geben/ denck ſelber! wir muͤſten ja gleich eine Magd dingen/ die koſtet uns gleichwol alle Jahr ohne das Eſſen auf zwantzig Gulden, was ko⸗ ſtet uns erſt die Hochzeit 2 Was die bFa' Spieleute? Was die Morgen⸗ Supp? htnenen d' Was die Brautkleider? Was die Klei⸗ Hhänt nd unſere zween Buben? ſten wir ihr erſt zur Haus⸗ ſteur derbarich⸗ enu 6 DDas wunderbarliche aus geben/ und dardurch unſere gantze Nahrung umbs halb ſchwaͤchen muͤſten! es iſt ohne das jetzt ſo eine herbe Zeit/ in deren die liebe Frucht und das Viehe nichts gilt/ o daß wir kůmmerlich ſo viel erübrigen koͤnnen/ der Obrigkeit/ die Her⸗ ren⸗Gelder/ ſamt Zinß und Guͤlt den Schaffnern abzuſtatten/ und ſolten wir noch darzu ſo ein Gefeſt anſtellen/ und uns vollents dardurch verderben? Es iſt wahr/ lieber Hans! wie du ſagſt/ antwortet die Baͤurin/ aber du muſt auch gedencken/ das es Tag und Nacht wird/ wann es zeit iſt/ du magſt gleich ſauer oder ſuͤß darzu ſehen; daß Menſch iſt gleichwol ſchon vorlaͤngſt Mannbar geweſt/ und hat dir zugehor⸗ ſamen etliche Heyrath ausgeſchlagen/ ſich auch bey uns viel mehr als eine Magſd gelitten/ und ihr beſtes gethan/ und diß iſt ein ſehr anſtaͤndiger Heyrath vor ſie; ſolteſt du dich nun auch unterſte⸗ hen/ dieſen wie die vorrige zuverhindern/ ſo wirſt du das Kalb ins Aug ſchagnn An ſteur geben? geſchweige jetzt ihren Vot⸗ aus/ den wit ihr vor allen Dingen hin⸗ 0 elne 5 Aant ftae Wens K415 fchedchl blilberrfaft. h ihehgiohe EU ntkkoege ſuren B K Wuänſte, Fudeſe tpinthabe Griihm Vaͤltteht ahhet Wöand DGA örrihe Vogel Neſt. 61 ſchragund der Greten Vormuͤnder wuͤrden hulden Boſſen mercken und ſagen/ du he⸗ egngehrteſt deiner Tochter vor ihrem Glüͤck n zu ſtehen/ nur daß du ihren Muͤtterlichen SVoraus nicht heraus geben doͤrffteſt; Vdarumb ſchaue was du thuſt/ und unter⸗ uſtehe dich nichts zu hindern/ wann du ſie⸗ deh heſt/ daß du es ohne das nicht mehr ver⸗ hindern kanſt. Was: ſagte herauf der Bauer/ ſolt ichein Kind haben⸗ daß mir nicht folgte? Es muß mir den Kerl wider meinen wil⸗ en nicht kriegen/ und ſolt es Haar ſcheiſ⸗ 'cheh ſen wie ein Wolff! Ich will gern ſehen/ ͤwũer mich ztoingen wird. Wie nun die duls Baͤurin ſahe/ daß ihr Alter ſo ſchellig burde/ ſagte ſie nichts anders mehr/ als gou meinet halber du biſt Meiſter/ und witzi⸗ grr als ich/ magſt derowegen mit deiner Tochter verfahren wie du wilſt. Eleich darauf kamen die Soͤhne/ de⸗ nen befahl der Vatter ſchlaffen zu gehen/ damit ſie den kuͤnfftigen Morgen deſto fruͤher aufſtehen koͤnten; hernach kam auch die Tochter/ der wurde ein gleicher ſhln Befelch geben/ doch daß ſie zuvor das Ge⸗ * ſchier 62 Das wunderbarliche ſchier in der Kuchel aufwaͤſchen ſolte toeil mich dann ſehr auf den Kaͤß duͤrſtet⸗ den en und keine Hoffnung mit Wein zu loͤſchen inaus/ und thaͤt gantz aus einem Kuͤbel/ in den ich das Maul ſteckte wie eine Kuh/ einen rechtſchaffenen Trunck Waſſer/ welches Giiß mir lang nicht widerfahren war; da ſahe wol und höͤrete ich/ wie das Gretel/ als es das aufeneke Geſchier butzte/ ſeufftzet und weinet/ ohne fiußeſtten daß ich die Urſach haͤtte eigentlich wiſſen nun ſet koͤnnen/ ſo ich aber bald erfuhre. ftnutde he Dann als ſie ſchlaffen gieng/ ſchlich ih ſit deſt! ihr nach/ und legte mich in ihrer Kam; ndufztol mer in einẽ Winckel auf etliches ſchwartz Inſeh leinen Gezeug und alte Saͤck/ konte abek Effnte wegen deß Kaͤſes/ deſſen ich gegen die Efftnmt Nacht zuviel zu mir genommen/ ſo wenig mien nl als das Gretel ſchlaffen/ welche noch im⸗ ſcht u merhin in ihrem Bett lag/ und hertzlich f0 Rf l ſeufftzete; Als aber ungefehr anderhalb wanton Stund vergangen waren/ klopffte einer gſu l am Cammerladen; Gretl/Gretl/ riefe en n er gar leiß/ ach mein Schatz wach auf aannmnt und laß mich hinein; Gretl ſtund auf Gſrz und 6 6 15 barlicht Vogel⸗Neſt. 63 lx und verſichert ſich zuvor/ ob es eigentlich Wluclahihr Clauſen Hanſſen Geoͤrg waͤre: und Valhfz ſie ihn erkannte/ machte ſie den Laden Weaautz auf/ und ſagte; wann du fromm ſeyn et wilſt/ ſo will ich dich herein laſſen/ und dir ues etwas erzehlen/ daran mir und dir gele⸗ Mu, gen; Geoͤrg ſchwur daraufdeß Henckers DalaeGroßmutter ein Bein ab/ daß er thun xwolt/ was ſie begehrte/ ward auch dar⸗ ſl auf eingelaſſen/ und vomGretel alles deſ⸗ ſen berichtet/ was ihr Vatter und Stieff⸗ oß mutter ihrentwegen denſelben Abend miteinander geredet/ welches ſie ſelbſt ge⸗ höret/ als ſie vor in Fenſter geſtanden und aufgelauſtert hatte. Ja! ſagte ſie/ man ſpricht/ wer eine Stiffmutter habe/ der kriege auch einen Stiffvatter/ aber mein Stieffmutter nmeinets wol beſſer mit mir als mein leib⸗ licher Vatter! wann es ihr nachgieng/ ſo doͤrfften wir bald Hochzeit halten; wanns aber meines Vatters Sinn nach us gehen ſolte/ ſo doͤrffte ich keinen Mann neinmmen/ ſo lang er lebt/ und ſolte ich ſo lang warten muſſen/ biß ich unter das alt Geſchier gerechnet wuͤrde; Geoͤrg hinge⸗ gen 6l. Dzs wunderbarliche gen ſprach ihr zu/ und ſagte/ ſie muͤſte ſich nur ſelbſt verſorgen/ und auf ihr beſtes gedencken/ wanns dieſe Mucken haͤttez er wuͤſte f5 viel/ daß ihre zween Vormuͤn⸗ der und ſeine Eltern ihren Heyrath gern ſehen/ wolte ſie ihn darauf nemmen/ ſo wolte er ſie in Ewigkeit nicht verlaſſen/ ſonder daran ſeyn/ daß ſie ehiſtens zu⸗ ſammen gegeben wuͤrden; in ſunnnget gab ihr ſo gute Wort/ daß endlich Gretel ja ſagte/ und ſo viel ich mercken konte/ en nen harten Thaler von ihm auf die Ehe empfieng.. Hierauf. hoͤrete ich am Schmatzen/ daß ihm das kuͤſſen erlaubt war/ und un⸗ laͤngſt hernach noch mehrers/ dann er ſchertzte ihr das Kraͤntzlein ab/ und hattt durch oͤffters wiederholen ſolcher Kurtz⸗ weil ein ſolch wild weſſen/ daß die Betk⸗ lade daruͤber lamentirte/ und mir ſelbſt gantz uͤbel darvon ward; Gegen Tag a⸗ ber verlieſſe er die Gretel weinend/ wie wol er ſie ſeiner Treu mit grauſamen ſchrvoͤren verſichert/ wiederumb zu dem jenigen Cammerladen hinaus ſteigend/ dardurch er hinein kommen war; mit Ver, d0 ill fuaß ſttUl dorognd ti. Wite fetedih eihntikt egkche N e a550 E0l Humunt Wün d Dleffen u Eluld dathurd en dornn ihm onün Wrügn i0 5 1 N Iu 6umin Mrnäg hhrß Vogel Neſt. 6Y TVerſprechen die folgende Nacht ſich wie⸗ ſeiß derumb einzuſtellen/ und zuberichten⸗ ßz was ſeine Eltern und ihre Vormuͤnder Nn darzu geſagt/ daß ſie einander genommen waͤh haͤtten. Als nun Gretel auch ihre Kleider an⸗ al legte/ die Kuͤhe beyzeiten zu melcken ſchli⸗ che ich mit ihr aus der Cammer/ in deren inn ſie zwar eine angeneme: ich aber gar eine gharte Nacht gehabt/ als darinn mich oh⸗ uß ne andere Anfechtungen die Floͤhe mehr als der Schlaff oder die Ruhe ihrer Heimſuchung gewuͤrdigt; Gieng dero⸗ üu wegen aus demſelben ungluͤckſeeligen Doͤrfflein/ und kam ungefehr auf eine Stund gehens in ein luſtiges Waͤldlein dardurch ein liebliches Baͤchlein floſſe/ daran ich mich unter einen Baumleg⸗ te/ deß willens ein weil zu ſchlaffen; Ich war aber kaum ein wenig eingenuckt/ als gen zy ich etwas zu naͤchſt bey mir nieder plum⸗ andſ pen höͤrete/ daß mich wieder erweckte; da cich nun die Augen aufthaͤt/ ſiehe/ da war es meine Baͤurin/ welche den Korb bey 15 ſg mir nieder geſetz/ darinn ſie ihren Marck⸗ nen wer ꝛ ſchatz hatte; Ich ſahe ihr zu/ wie ſie ihren Butter * U 66 Das wunderbarliche Butter und ihre Kaſe nacheinande 90 heraus packte/ und den Butter nachein ge ander in demſelben Baͤchlein netzte/ da mit er fein hard und friſch bleiben ſolte die Kaͤſe lagen auch dort beſonder aufe nen Hauffen/ bber welche ſie hockte gleich ſam wie eine Brudhaͤnne uͤber ihre Eye und netzte ſie ſo ardlich mit warmeh Weaſeer/ gleich wie ſie zuvor den Butln mit kaltem befeuchtet/ daß ich daruͤberge dencken muſte/ daß dir der Hagelii Loch ſchlag! Aber ich lieſſe es bey dieſſh Wunſch nicht bleiben/ ſonder zog meineh Handſchuch an/ und erwuͤſchte eine han voll von den kleinen Brenn⸗Neſſeln/ di man den Krebſen zu geben pflegt/ dieſh allem Gluͤck dort ſtunden/ faſte daraif die Baͤurin/ als ſie noch wegen ihres He⸗ ſchaͤffts gebuckt hockte/ geſchwind und mit allen Kraͤfften in der Mitten/ un zerrieb ihr mit den Neſſeln den Hinder dermaſſen/ daß ſie blitzet und gumpeſ wie ein Eſel/ ſie ſchrie zwar/ als hatt⸗ man ſie ermorden wollen/ aber ichhiy dnt hye mich nichts drumb/ ſondern richke ihr Ars und Schenckel dermaſſen 1 0 fit fetketzge Vogel⸗Neſt. daß ſie wol eine weil an das KaͤſeBeſei⸗ gen gedencken wird/ ich glaub auch ich Haͤtte noch nicht aufgehoͤrt/ wann mir nicht eben eingefallen waͤre/ daß ich auch dhndas den Abend zuvor von dieſen Kaͤſe gefreſ⸗ Huleßecu ſen; davor mich ein ſolcher Unwill anſtieſ⸗ ſe/ daß ich alles heraus kotzen muſte/ was na ich im Leib hatte/ wormit ich der Baͤu⸗ rin Kleider hin und wieder trefflich zier⸗ auhte; doch bliebe mir noch Lung und Leber/ ſamt allem Eingeweid uͤbrig/ darmit ich resbe gmich beyſeits begab/ und die Baͤurin yohte machen und ihr rathen lieſſe/ was ſie Tun ſelbſt wolte. Der großguͤnſtige Ehr und Zuchtlie⸗ egbende Leſer verzeihe mir/ daß ich dieſe Hi⸗ ſtori ſo grob und unhoͤflich erzehle; Ich ſn hatte es gern ein wenig verzwickt/ ſo hab ich aber zu garſtigen Dingen keine ſaube⸗ re Wort finden koͤnnen. da Dieſer Kaͤshandel mit der Baͤurin hat mir den Schlaff gantz vertrieben/ und weil ich wuſte daß in dem nechſten Marckflecken denſelbigen Tag Wochen⸗ dan marck gehalten ward/ begab ich mich auf un den Weg/ zu ſehen/ ob ich meinen Ma⸗ gen 68 Das wunderbarliche gen/ den ich erſt ſo abſcheulich ausgelet ret/ wieder mit guter Manier fuͤllen moöͤchte: Ich kam eben hin/ als der Marck am groͤſten wolte werden/ und die erſte Wahr die ich einkramte/ war ein Ran, tzen/ den ich einem Seckler toll machte/ der ſie drumb feil hatte ihrer loß zu wer⸗ den/ dann ich dachte GOtt geb was mir ſonſt auch fuͤr eine Beut anſtuͤnde/ ſo kon⸗ te ich ſie ja nicht aufheben/ wann ich keinen Sack darzu haͤtte; hernach ſchaͤt⸗ te ich einem jeden Becken umb einen Kreutzer Wecken/ damit keinem vor dem andern unrecht und zu viel geſchehe/ dann ich getraute ſelbige trucken hinunteꝛ zu bringen/ ſo/ daß ich nicht vonnöͤthen haben wuͤrde/ ſie mit beſeigtem Kaͤſe an ihren Ort zu begleiten/ folgends ſchliche ich auf dem Marckt herumber wie ein Fuchs hinter dem Haͤgen/ wann er auf Huͤner oder Gaͤnſe lauret/ haͤtte auch wol unſichtbarer Weiſe dem einem hie und dem andern dort ſeinem Seckel mit ſamt dem Gelt hinweg zwacken koͤnnen/ wann ich mich nicht beſſer zu ſeyn bedun⸗ cket/ als mit der veraͤchtlichen K teſcheag. J Wket ichid dl Healulde Cappaunes ſche Hinnt dachtkth h Han deR hatltz Pof nach/ dem der Brutſiz Fakrkubhe ſen Hiſn eine gutt un Reihtz michnittte feükfiher/ Okmunböth werich VogelNeſt. 69 5 Profeſſion umbzuge⸗ uß hen. Als ich mich nun muüͤd ſpatziert/ gieng tn/ undde ich in das anſeynlichſte Haus das ich ſa⸗ wor euſ he/ allvo der Hof voller Huͤner/ Tauben/ Cappaunen/ Gaͤns/ Endten/ und wel⸗ ſcher Huͤner und Hanen lieffe/ da /da/ ge⸗ dachte ich/ wirds einmal etwas guts vor dein Maul ſetzen; und ich fande mich um auch nicht betrogen/ dann der Rentmei⸗ 0ͤſter ſelbſt/ die Obrigkeit im Flecken woh⸗ en umd e net darinnen; der aber ein alterMann ſnen ware/ damals tödtlich kranck lag/ und deßwegen ſeinem noch ledigen Sohn zmit Verwilligung ſeines gnaͤdigſten Herꝛn die Rentmeiſterey⸗Stell cedirt hatte; Ich ſchlich dem lieblichen Geruch nach/ der mich in die Kuche fuͤhret/ allwo rder Bratſpieß im Trilles gieng und das :Feuer rund herumb mit kleinen und groſ⸗ bülrn ſen Haͤfen beſetzt war; Ich haͤttegern Veine gute warme Bruͤhe gehabt/ aber gleich wie man mir keine gab/ weil man mich nicht ſehen konte/ alſo wolte ich auch zuſeyn der keine fordern/ damit ich nicht geſehen gchliche ð oder meine Gegenwart gemerckt wurde; D dero⸗ ——— —— 7⁰ Das wunderbarliche derowegen nam ich einen Wecken aus meinem Rantzen/ und dunckelte ſo lang aus einem Hafen darinnen das Rind⸗ fleiſch ſotte/ bis ich meinen Magen ſo ge⸗ nugſam erquickt hatte/ daß er auch ſo kuͤhn wurde einen Trunck zu begehren; Ich haͤtte ihm auch gleich aus dem Waſ⸗ ſer⸗Zuber in der Kuchen willfahrt/ wo⸗ fern ich nicht geſehen/ daß die Koͤchin kurtz zuvor in die Kell oder Waſſerſchayff gebruͤntzelt/ und ſelbige ungeſchwangt nach dem ſie ihr Waſſer uͤber den Waß ſerſtein abgeſchuͤttet) wieder in das Waß ſer⸗Gefaͤß geſtoſſen haͤtte; Ich woltt mir ſchier einbilden/ ich waͤre darzu præ⸗ deſtinirt/ umb ſelbige Zeit beydes in Speis und Tranck ſolche diſtilirte Feuch⸗ tigkeiten einzunemmen; Ich dorffte mich aber nicht ſo gar lang patientiren/ bis ich ſahe/ daß die Koͤchin einen Hertzerqu⸗ ckenden Taubenzug aus einem groſſen irdenen Hafen thaͤt/ den ſie eben unter denſelben Waſſerſtein ſtehen hatte/ wel ches ich ihr beſſer als ein Aff nachaͤhmte/ als ſie etliche paar junge Tauben an ei nen Spieß ſteckte/ und weder an ihren Hafen 5 Hdh folte dlet ſpeſt/ ud! deguhach anderwelte wachesgeſt tſlika/ l Liobechcl. Jich Auedn denStte Hen genn onube Sö e/ ni deni aberdoetma lchCOtuqu ietineld er/Asde⸗ genacht grt Frand? M tttder Zur Heln geum öquthenßt — 4 Vogel⸗Neſt. 71 Dula Hafen gedachte/ oder an ſelben ſehen ual konte; alſo war ich nun ein wenig abge⸗ ſpeiſet/ und wartet mit Verlangen bis die Kuchenthuͤr wieder aufgieng/ mich anderwerts auch ein wenig umbzuſchauẽ/ Aagg welches geſchahe/ als die Kranckenwar⸗ dand terin kam/ und vor dem Herꝛn ein Suͤp⸗ an, lein begehrte. dabdeh Ich ſchliche hinaus und kam vor ein Waſe Zimmer darvor ein Baur ſtunde/ und dem Schreiber bat/ daß er ihm beym 12 Herꝛn Rentmeiſter anmelden wolte/ worauf der Baur gleich vorgelaſſen wur⸗ de/ mit dem ich ebenmaſſig in das Zim⸗ duup mer trang/ der neue Rentmeiſter ſo deß alten Sohn war/ hat ſo viel Haar umbs Maul als ein Laubfroͤſchlein/ was ihm aber dort mangelte erſetzte ſeine erſchreck⸗ liche Paruque unter deren er herfuͤr guckt wie ein Eul die klaͤpffen will; Wol/ ſagte ger/ als der Bauer ſein Gramantzies aus⸗ gemacht hatte/ was wolt ihr guter Freund? Nicht viel beſonders/ antwor⸗ tet der Bauer/ ich wolte dem gnaͤdigen Herꝛn Rentmeiſter gern umb einen gu⸗ Iweder an ten Rath anſprechen deſſen ich hochbe⸗ * D ij duͤrfftig/ 2 2 7² Das wunderbarlich duͤrfftig/ wie es dann auch waheiſz und weeine damitſchwi eger oſtil⸗ und trill fte, immer Ilk l ſeinen Hi Ub/ ih Im die Fe aͤslein ab⸗ f 1 0 iegen ahe hen auch 0e fiſt 016 nit ihm/unt Barif wiehmn, Rent Ameiſter zu thun gehabt; darauff iſt ſürth, ſorach der Rentmeiſter was aihef wolt ihr dann? ſagt her; da fuhre erſt 0 K5 der Bauer fort und ſagte/ mein Nach⸗ 8 9965 5 unnachbarlieh Narꝛ/ wie bi ann auch wahr iſt/ hat mich geziehen Nen ich hab ihn ſeins Holtzſchlegel 0f 0 80 es dann auch wahr iſt/ und hat mich und Wg meine Frau einen Schelmen und einen] ſhe dhe Dieb/ eine Hur und eine Her geſcholten giſs wie es dann auch wahr iſt/ ſo hab ich wol⸗ bte len gar gnadiglich fragen/ wie icht Wulcon gegen ihm verhalten ſoll? Bitte derohgl⸗ Wöduun ben der geſtrenge HerrRentmeſſter als bee meine liebe Obrigkeit/ wie es dann auch nnle wahr iſt/ wolle mir einen Raht mitthei⸗ 10 4 len; der Rentmeiſter antwortet/ wann Chhan es wahr iſt ſo gib ich dir den Rath/ daß Wen 0 du ihn nicht verklageſt! Mein geſtren⸗ ſ2 ger und gnädiger Her Rentmeiſter/ ihr verſichet den Handel noch nicht recht/WIah wie dNerde ft 00 0 Vogel Neſt. 73 ſeſtewie es dann auch wahr iſt; wann euch ei⸗ ner einen Schelmen und einen Dieb daech hieſſe/ wie es dann auch wahr iſt/ und ſuß hieſſe euer Weib ein Hur und ein Hex/ üüwie es dann auch wahr iſt/ und ziehe euch/ vihr haͤttet geſtolen/ wie es dann auch wahr iſt 3 woltet ihrs von ihm leiden? Mein Bauer das waͤr ein anders ſagte uder Rentmeiſter/ und hieſſe ihn damit Pn fortziehen/ und ſamt ſeinen Gegentheil vot kuͤnfftigen Amt⸗ Tag erſcheinen. Ich gieng mit ihm zur Thuͤr hinaus/ well ich in derſelben Schreibſtub ungern lang eingeſperꝛt ſeyn wolte; und paſſirte in ein groſſes luſtiges Zimmer/ worinn eine Tafel vor acht Perſonen gedeckt/ und allerdings zugerůͤſtet ſtunde/ bis auf das Auftragen; aus demſelben Zimmer konte man durch ein ander Thuͤr kom⸗ men/ in das jenige/ worinn der Krancke Sdun lag mafſen ich ſeine Warterin mitihrer deten Suppen dort hinein gehen ſahe; Neben UrdenRt' aber in dieſem groſſen Zimmer ſtunden 1 Mengtn dloo Weibsperſonen/ einejunge und eine Jammeit alte /davon die junge gar betruͤbt und —1 da weinerlich/ die alte aber etwas getröſter 7 mcl ir D iil gus⸗ Das wunderbarliche ausſahe/ mich deuchte ſie haͤtten gare⸗ nen engen und geheimen Rath mit ein⸗ ander/ und eben ſelbiges ſporete meinen Vorwitz an/ zu hoͤren worvon ſie trg⸗ ctirten; Ja Mutter ſagte die junge/ als ich zu ihnen geſchlichen war/ 1000.fl. iſt wol ein fein Geld/ aber mich verdreuſt ſchier zu todt/ daß mein alter ſeium Sohn bey lebendigem Leib den Dienſt uberge⸗ ben; Ihr koͤnnt nicht glauben wie ſchwet michs ankommt/ dieſe ſowol beſtellt Haushaltung zu verlaſſen; ſeinethalben gilt mirs gleich/ er mag ſterben oder wie, der geſund werden/ er kan doch ſonſt nichts mehr als bey Tag granen und brumlen/ und bey Nacht aͤchtzen und far⸗ 35 Ich hab zwar offt gewuͤnſcht/ es olte der Brauch ſeyn/ wann ein altet Mann ein junges Weibsbild zur Wit⸗ tib macht/ und dannoch ſo viel an ihm iſt/ ihr die Jungfrauſchafft noch gelaſſen/ daß ſie nach ſeinem Tod deſſen Sohn heyrathen ſolte; aber was hilffts mein Wunſch iſt vergebens/ wie alle Wuͤnſch u ſeyn pflegen; Unſer groſſer Herꝛ ſolte dem Sohn den Dienſt nicht ſo gleich gege⸗ ——Ewꝗ˖0l,.————ů————ů˙—ð⁵ðĩ2.————————:—— 2 90 W08 b000 teſtuudet dernihm ftet die J wotttde Reämekge EE ht dßd Au Rehwe Uihe hie Ialfg aun du g hofſn/ i⸗ ckern jme ernuchlhe Mubn Mohethlt lfd lrrdte Vogel⸗Neſt. 77 düng gegen/ ſondern ein arme Wittib beſſer ach rbedacht haben/ ſo haͤtte ich mich noch un⸗ terſtanden/ irgends einen braven Kerl der mich wieder geheyrathet/ mit Geld unter die Arme zu greiffen/ und ihm durch Schmiralia an den Dienſt zu helf⸗ fen; welches ich leicht zu wegen zu brin⸗ ðgen getraut/ wann der Dienſt nur ein halb Jahr vaciret: und ich indeſſen das nuh Renthaus bewohnet haͤtte! Tochter ant⸗ vol e wortet die alte/ du haſts zwar wol aus⸗ geſonnen gehabt/ aber wer kan ihm thun daß es nicht gerathen? Du muſt nun⸗ mehr diß deinen Troſt ſeyn laſſen/ daß du gleichwol umb 1000. Reichsthaler reicher hineinkommſt/ als du vor einem ewünſtt. Jahr ausgezogen biſt/ dieſe werden dir/ vannen Wann du gleich ſonſts nichts von mir zu⸗ duud hoffen/ in bälde wiederumb einen wa⸗ (ans ckern jungen Mann verſchaffen; Ja/ ſt nech hen antwortet die Tochter/ der alte iſt dar⸗ ad deſen Eumb noch nicht todt/ wer weiß wie lang mas biftos er noch zu kraͤchtzen da ligt. ie ale AMit dem kam beydes der Doctor und goſer F Apothecker aus deß Krancken Zimmer⸗ ncht 76 und brachten ſo einen ſchlechten Troſt — D iiii von 3333 Das wunderbarliche 1 FGa e& von deß Rentmeiſters Geneſung/ daß ERße deſſen ohne das betruͤbte Frau uͤberlauk de diun zu kreiſchen anfieng/ und wann ich nicht Culthe zuvor gehoͤret/ was ſie zu ihrer Muttek wit a geſagt/ ſo haͤtte ſie mich von Grund me nechtlah nes Hertzens tauren muͤſſen; Weil nun Ghüiſct gleich der Pfarrer auch kam den Kran, dſdeke S! cken zu beſuchen/ befahl die Rentmeiſte, ihtwen rin anzurichten; darauf wurde gleichſam Hne Graͤflich aufgetragen 1 0 fle h Theologi und Medici zu tractiren /und me rh alſen und trancken ſonſt gern auf deß aun Krancken Geſundheit; am Tiſch ſaſſen ihbenke der Pfarrer der Doctor und der Apo⸗ Nufteſede thecker/ die Rentmeiſterin und ihr Mut⸗ deh doek i! ter/ der neuangehende Rentmeiſter als Mitenihn Sohn und ſein Schreiber und endlich Hebele 95 einer den ſie Her: Notari nenne, 998 en. Gbehſchen Es gieng ſo toll und bund uͤber Sck ellten her/ daß mir gleichſam das Hert im Leib bahenan lachte; und zwar was haͤtte ich mich viel da Wie kremen ſollen/ da ſich doch die andere fifthehe und deß Krancken Hinfahrt nicht vielbe, gelh n kuͤmmerten? der Sohn war ſo leidig Lenbe umb ſeinen Vatter/ daß er auch pet h Spaß Votzel⸗Neſt. 77 ſeſun/ Spaß den Gaͤſten erzaͤhlet⸗/ wie artlich hel der Baur mit ſeinem ſich angewoͤhnten Sprichwort(wie es dann auch wahriſt) e waͤre aufgezogen kommen/ daruͤber er donGru mehr lachte/ als ihm wol anſtuͤnde; keine Wi Schuͤſſei wurde abgehoben wann man dh andere Speiſen brachte/ aus deren ich etn nicht meinen Part nam/ und ſo wol die gee Hoſen⸗Saͤck und meinen Rantzen damit kuͤlete als meinen Magen; So kam mirs auch trefflich zu ſtatten⸗ daß man naß aus zotten Kanden einſchenckte/ dann 6ich konnte ſie ſtentzen wann ich wolte/ und det? darffte ſie deßwegen nicht einmal aufhe⸗ ben oder in die Haͤnde nemmen; Ich aiia haͤtte mich zwar wol mit Silbernem Be⸗ cheen befaͤcken können/ aber ich ſorgte/ es l moͤchte hernach Uneinigkeit zwiſchen den Erben ſetzen/ und groß Ungluͤck daraus bund ibat entſtehen; So hatte ich mir ohne das tind vorgenommen/ fonſt niemanden als ei⸗ icent“ nen Wucherer zu beſtehlen/ der uͤber⸗ b doch die lre flůſſig Geld in der Kiſten hatte⸗ und ſol⸗ erliczttel ches bey ſetzigem groſſer Geldmangel uͤ⸗ n war ſolh bereinander verſchimlen/ uñ zu keiner Zeit dab n dubr eltvgs darumb unter die Leute kommen 60 D v lieffe/ —— 28Das wunderbarliche liſſſe/ er wiſſe dann eigentlich ſeinen Hauf⸗ fen dardurch zu vermehren. Damit ich nun ſo einen finden moͤch⸗ te/ quittirt ich das Haus/ darinn man in balde eine Leiche zu haben verhofftez ich zoch meine Schuh wieder an/ den Weg unter die Fuͤſſe zu nemmen/ umb allwo wolbeſackt und proviantirt mit ſamt ei. nem aufgeladenen halben Rauſch wei ters zu wanderen; doch wolte ich zu guter Letze S. Johannis Segen noch trin⸗ cken/ ergriffe derowegen einen ſilber⸗ nen halbmaͤſſigen Tiſchbecher der auf dem Schenck⸗Tiſch ſtunde/ und ſprach ihm dermaſſen zu/ daß wenig mehr dar⸗ inn verbliebe; Ich machte es aber ſo plump und grob/ daß man mich nicht al⸗ lein dem Becher wieder niederſetzen/ ſondern auch zur Stubthuͤr hinaus ſchlurpffen hoͤrete/ davon alle die froͤliche 83 die am Tiſch ſaſſen/ hefftig erſchra⸗ Nun glaube ich/ ſagte der Sohn/ daß mein Vatter nicht mehr aufkommt/ dann diß halte ich eigentlich vor ſeinen W0, Haſchet Wiheſt kommeh Welen S0he glacht e dürmelk un gicke ufüge hen S fut A. ihrralde 1 0 u Duſt gech uft Uthänt L 199 ihſutnt 06 1 U0 hſtſin ke Geiſt/ und bin ſo weit jener Seligkeit ſan Vogel⸗Neſt. 79 verſichert/ wann die Sag der Alten wahr iſt/ daß die jenige ins ewige Leben kommen/ deren Geiſter ſich bey ihrem Lebzeiten verſpuͤhren laſſen. Ich haͤtte bey nahe uͤberlaut hieruͤber gelacht/ doch enthielte ich mich noch/ und dürmelte erſtlich zum Haus/ und endlich t ute zum Flecken hinaus; hoͤrete auch nicht ben Ruß: auf zu gehen/ bis ich in einem luſtigen uckeſhne gruͤnen Boſch gelangte/ allwo mich der hen roh! ſtarcke Wein der erſt im Lufft operirte/ N uberwande/ daß ich gezwungen wurde Hehe de abweg zu gehen/ nder zullgen und zu unde/ undiz ſchlaffen/ bis der liebe helle Tag wieder Fwegig meh anbrach. machtesu Denſelben Morgen fruͤhſtuͤckte ich nunmichttz gleich auf meinem Lager von dem ſo ich Der nitdeßtz mitgebracht/ hatte aber keinen beſondern Subthüt n Appetit nach Wein/ weil ich mich den analedeſth vorigen Tag mit mehrern üͤberladen/ als n/ hefftgetz ich ſonſt zu tragen gewohnt geweſen/ auch dardurch meinen Magen dergeſtalt er⸗ ſgte der Eih hitzet/ daß mir ein friſcher Trunck Waſ⸗ weht guffen fer beſſer ſchmeckte; In dieſem einge⸗ grlich berin nommenen Futter lieffe ich wol4. Mei⸗ itſug Seth len/ daß mir gichts Erzehlungs⸗wuͤrdigs D vi auf⸗ 969 Das wynderbarliche aufftieſſe/ waͤre auch noch weiter konſ f men/ wann mich nicht wieder zugleich ge⸗ hungert/ geduͤrſtet und geruhet haͤtke; Ein anderer Marckfleckẽ/ in dem ich dar⸗ mals anlangte/ deuchte mich zu Erſaͤttig⸗ ung meiner Begierden/ das iſt/ zu eſſen/ zu trincken und zu ſchlaffen ſehr bequem ſeyn/ derowegen kehrte ich im Wirths⸗ haus ein/ nach dem ich meine Schuh wieder an den Guͤrtel gebunden hatte/ meinen Verlangen und mir ſelbſt genug u thun; Der Wirth hatte aber(GOt⸗ tes Gaben unveracht) ſo ein ſauren Darmreiſſer und Sauerkraut⸗Bruͤhe/ zehen Tranck/ daß er mir auf den geſtri⸗ gen gar nicht ſchmecken wolte/ wiewol ich ſchöne Gelegenheit ſahe/ deſſen ohne alle Gefahr genugſam umbſonſt zu trin⸗ cken; Wahr iſts/ daß er trefflich wol ſpeiſete/ dann als ich dort war/ kame ein Geſellſchafft von acht reiſenden Manns⸗ Perſonen/ die hatten uͤbrig gnug an emner Maß/ die aber wie ich ihnen leicht anſa⸗ he/ mit zwoͤlffen nicht zu fullen geweſt waͤren/ wann der Wirth einen andern gehabt; als dieſe fort waren/ nach 1 Iweh! IlAth/! tihn kefer frghenſol uud ſune n Aunkdeh ſin und de⸗ Kehlinigle ſE Won; iun iß nr hof/ nden fub/peld ot/reß ſhichhinn ber uitan dende Sn Gaähighe Vogel⸗Neſt. 8· ſie das Maul gnugſam gekruͤmmt/ ſagte die Wirthin zu ihrem Mann; Ich hab wol gedacht es werde dir ſo gehen/ du weiſt kein Maß zu halten/ du ſolteſt wol idir ſelbſt einbilden koͤnnen/ daß der ge⸗ ringe Wein ſo viel Waſſer nicht leiden ktan als der ſtarcke! Wirſt ſchoͤn gehan⸗ A delt haben/ wann er dir nun im Keller li⸗ gen bleibt und vollends verdirbt; ſchweig nur/ ſchweig nur du Naͤrrin⸗ antwortet der Wirth) ich will ihn ſchon wieder mit einem beſſern ein wenig aufhelffen/ daß er gehen ſollzich lieſſe dieſe beyde kippeln/ und ſonne nach wo ich doch einen beſſern &FTrunck bekommen moͤchte/ und als ich ſo hin und her gedachte⸗ fiele mir ein/ daß gemeiniglich bey den Geiſtlichen der edel⸗ ſte Wein zu finden waͤre/ derowegen nam ich meinem Weg nach dem Pfarꝛ⸗ war/ eng hof/ an dem ich die Thuͤr nur zugelehnt ſenden Aurg fand/ weil erſt eine Frau heraus gangen guganeg war/ ich weiß nicht was da verrichten/ ich hta ſchlich hinein bis voꝛ die Stubthuͤꝛdie ich u fullen ge aber nicht aufmachen dorffte/ damit ich heinen an die in der Stub ſo gar ein ſchertzhafft en/ gehe Gelachter hatten/ nicht erſchreckte/ oder D vůů ihnen ne hhen 32 Das wunderbarliche 0 50 ihnen ein Argwohn gegeben wůrde/ daß und etwas ungewoͤhnlichs vorhanden; well 0 ſt kele) t‚0 ich aber gleichwol auch gern bey zeiten in der Stub geweſen waͤre/ ſo kriegte ich eine von den Huͤnern die eben bey mit vorüber ſpatzierten ſchlaffen zu gehen/ und erſchuͤttelt die dermaſſen/ daß ſie ein Ge⸗ ſchrey anfieng/ als wann der Marder hinter ihr geweſen ware; Weßwegen der Herꝛ ſelbſten alſobalden die Thuͤr auf⸗ machte/ nicht der Meinung mich hinein zu laſſen/ ſondern zu ſehen/ was Teufels unter ſeinen Huͤnern ſeyn moͤchte; Aber ich kam doch hinein und fand ein volles Glas Wein auf dem Simſen und eine Kande darbey auf dem Banck ſtehen/ dieſelbe zobelte ich umb ihr halb Vermoͤ⸗ gen/ ehe der Pfarrer und das Weibsbild ſo bey ihm in der Stub geweſen/ von den Huͤnern wieder kamen; welches ſo bald geſchahe/ daß ich mich nicht ausdrehen/ noch ſo geſchwind wieder aus der Stu⸗ ben machen konnte. Sie beyde aber fiengen ihren Diſcurs wieder an/ woran ſie das Huͤnergeſchrey ierſtoͤret/ er hatte einen halben Rauſch und mactz l nelt flf a0 feutit ue berthunz Uußtelt den die Thir ung mich ſe en/ was de⸗ zu möchte;! fand eintge Simſen undt m Banck ſih iht halb Juu ddas Webe Repeſen duth welches ſoh nicht ausdtte der aus dae genihten Dir 15 Huͤnerget n halben Rer K Vogel · Neſt. 83 und war darumb mit den reden deſto freyer; Ja liebe Suſanna/ ſagte er/ es iſt keine ſo groſſe Suͤnde wie mans macht; die alte Patriarchen giengen oft neben den Weg/ wiewol ſie offentlich ih⸗ re Beſchlaͤfferinnen oder Kebsweiber hielten/ und wurde doch deßwegen ihrer keiner verdammt; damit druckt er den Weiblein die Hand/ und fieng ihr an umb den Buſam herumb zu niſteln/ daß es ſchiene/ ob wolten die præludia Ve- neris vollkommen angehen/ aber das Weibgen hielte ſich noch zimlich wol und ſagte/ waꝛum predigt ihr Herꝛn ſo ſchreck⸗ lich darwider wann es keine Suͤnde iſt? Ha/ antwortet das Herꝛgen⸗ das muͤſ⸗ ſen wir euerer eiferſichtiger Maͤnner hal⸗ ber thun; dann ſolten ſie wiſſen wie wir/ daß es keine fo groſſe Suͤnde waͤr/ was es vor ein verſtochen Leben abgeben/ und wie mancher daruͤber umbs Leben ge⸗ bracht wuͤrde? Darumb muͤſſen wir diß Geheimnus vor ihnen verbergen ⸗ ich gedachte/ O du Mauskopff! auf eine Luge gehoret eine Maultaſchehats auch gut im Sinn/ ihne eine ſolche mituhe L 84 Das wunderbarliche len/ wie ich neulich eine bey den Calyini⸗ ſten verſpendirt/ ſeine Gottsvergeſſene Lugen nicht allein damit abzuſtraffen/ ſondern auch ihm ſeinen Kitzel zu vertrei⸗ ben; doch beſann ich mich eines beſ⸗ ſern/ umb mich an den Geſalbten deß Herꝛn nicht zu vergreiffen. Als ich aber das Weib in Gefahr ſa⸗ he/ ihre Ehr zu verlieren/ wie es ſich dann allbereit beyderſeits gar artlich darzu ſchickte/ tauret mich ihre Unſchuld; und daß ſie durch ſolche Falſchheit von dem jenigen in die Verdamnus geſtuͤrtzt wer⸗ den ſolte deſſen Beruff war/ ihr durch die Warheit den Weg zum ewigen Le⸗ ben zu weiſen; derowegen als er jetzt in England zu fahren vermeinte/ ergriffe ich ihn in der mitten/ und nam ihn untern Arm wie eine Feder/(dann er war gar leicht/ wie aus ſeinem Diſcurs zu vermer⸗ cken) und fuhr mit ihm zur Stubthuͤr hinaus in Hof/ allwo ich ihn in ſeiner eig⸗ nen Miſtlachen herumb ſudelte/ daß er ſo ſchmirig davon ausſahe wie ein Kalbs⸗ fuß den man bachen will/ hernach ſchleiff⸗ le ich ihn auf den Miſt/ dah er ſich wieder in 9 idergef ilneck ſe N 60 der Slte uh0 0 f U 5 Mitl0 ö f 0 Reche/ Wöſch e deft bawunde Eältzen Geflthe fhhem Refehlt 14 ffhm kunthett Vogel⸗Neſt. 85 ein wenig erholen/ und die Kleidung ver⸗ trieffen möchte; das Weibgen ſo getrof⸗ fen werden ſollen/ gieng aus dem Pfarz⸗ vier 18 hof/ und ſahe wider die natuͤrliche Ge⸗ Grgn wonheit nach der uͤberſtandenen Gefahr Ie viel bleicher umb den Sch nabel /als da ſie Kucer in der groͤſten war gewweſen Ich aber er⸗ Wiecstes innerte mich wiederumb der Kanden in der Stuben/ gieng derowegen wieder zu ihr/ und hertzet ſie ſo lieblich/ daß kein Tropffe mehr darinn verblieb. Dieſem nach ſetzte ich mich in einen Winckel/ und gedachte der Sach nach/ was ich von andern beydes gehoͤrt und geſehen/ und auch ſelbſt verrichtet hatte; was ich gethan reuet mich nicht/ und we⸗ gen deſſen was ich gehöͤret und geſehen/ verwundert mich nicht mehr/ daß es geile Schleppſaͤck gibt/ die ſich zu den gottloſen Geiſtlichen legen(ich ſage gottloſe Geiſt⸗ liche/ dann die fromme werden nicht nur die leichtfertige Huren/ ſondern auch die ehrliche Matronen fliehen) ob man gleich tauſendmal ſagt/ und zehen tauſend Ex⸗ empel haͤtte/ daß die Pfaffenhuren ewig verdammt und zu deß Teufels deib Nf en Bedeb 86 Das wunderbarliche ſen werden; dann Lieber warumb wol⸗ ten ſolche an ſich ſelbſt ſchwache einfaͤlti⸗ ge und von Natur geile Creaturen de⸗ nen nicht beſſer glauben/ die in einem ſo groſſen Anſehen ſeyn/ und alle Geheim, nuſſen der Schrifft wiſſen wollen/ wann ſie ihnen mit ſo groſſer Vertreulichkeit et⸗ was daher ſchwaͤtzen/ das ſie gern hoͤren/ damit ſie gern folgen/ und daß ſie ſelbſt wuͤnſchen/ daß es ſo ſeyn ſolte. Unter dieſer meiner Speculation hatte ſich das Herꝛgen wiederum ein wenig erkobert und beſonnen wo er war/ wuſte gber drumb nicht/ wie es ſo geſchwind aus einen ſo annehmlichen Wolluſt in einen ſo abſcheulichen Unluſt gerathen war; der gehlinge Schrecke hatte in ſo verwirret/ daß er ſeiner Haushalterin die eben wieder heim kam/ und ihn viel fragen oder troͤſten wolte/ nichts anders antworten konte/ als laſſe mich mit frie⸗ den; und als ſie nicht aufhoͤret ihme zu zuſprechen/ ſprach er endlich laß mich un⸗ geheyet; doch brachte ſie ihn ins Haus/ in die Stub/ und mit Huͤlff ihres Bru⸗ dern/ den ſie deßwegen holen laſſen/ zu⸗ letzt ſtehnte abtrhe inttſte weheih inGedal nmerme idkeüſm naln ihſ Wfee felwißhü elfh. Ng2 ache ſcdeg fl altz ie 00/ Dunch hinuntk i muftd ftte) tit ſebect; 1/fih g ühmtnht ihe Vogel⸗Neſt. 87 letzt gar ins Beth; Wie dem Weibgen 2506 aber ihr Schrecken bekommen ſey/ kan un ich nicht ſagen; doch halte ich darvor/ es werde ihr ſo viel von dieſer Begegnus im Gedaͤchtnus verblieben ſeyn/ daß ſie nimmermehr keinen Geiſtlichen ſo weit wwird kommen laſſen/ als dieſer geweſen. Ich haͤtte nichts darnach gefragt/ wann ich ſchon wieder aus dem Pfarꝛ⸗ hof geweſen waͤre/ ob ich gleich nicht wu⸗ ſte/ wo ich üͤber Nacht hinſchlieffen ſollen/ weil es ſchon zimlich ſpaͤt wurde; allein baren der gute Wein enthielte mich daſelbſten/ ſechs von welchem ich noch wol ſo viel ohne ſchaden zuverſchlucken getraute/ als ich bereits im Magen hatte; Es geriethe mir auch/ bekam mir aber nicht zum beſtenz Dann als die Magd mit ihrem Bruder hinunter in Keller gieng ⸗(der ihr leuch⸗ ten muſte/ damit ſie ſich allein nicht foͤrch⸗ tete) eine zwo maͤſſige Kande voll vor ſie beyde zum Nachteſſen herauf zu ho⸗ len/ ſchliche ich mit; aber ſie lieſen die nine e Kande ſo gar nicht aus der Hand/ daß Hulfhreu. ich mit nichten druͤber kommen konte; da helenlafn, machte ich nun auch ungetruncken—— 6 wieder 88 Das wunderbarliche wieder aus dem Keller/ dann ich hat ſchon erfahren wie ſchwerlich unver⸗ merckt; uzukommen/ w beym Tiſch ſt ſehet/ai u8 deren man immer einſchencket und ſie ſtetig in Geſicht be⸗ haͤlt; derowegen lieſſe ich mich in den Keller ſperren/ ob ich gleich kein G Geſchirꝛ darinn ſahe/ daraus ich haͤtte zechen moͤgen/ dann mein Hut war gut genug darzu; an Eſſen hatte ich ohne das noch wol vor drey Tag genug bey mir/ von dem das in deß Rentmeiſttrs Kuche vor mich war zugerichtet worden. Als nun obenbemeldte beyde mit ih⸗ rem Wein fort gangen/ zapffte ich auch vor mich/ und thaͤte fein leiß/ damitmi ich niemand hoͤren ſolte/ we lch aber Amulegen gar nicht bedoͤrffte/ dann ich hatte ſo bald nicht geſſen und meinen Hut durch den Hals hinunter wieder ausgeleeret/ welches auf der Stiegen ſitzend geſchahe/ da hoͤret te ich daß noch mehr Gaͤſte vorhanden wa⸗ ren/ die viel ungeſcheuter an die Faß klopffen als ich; davon wurde mir na⸗ tuͤrlich/ als wann ich ſo Oi als Haar ur eine Kande 9 und dahoe 1 rdeke mdei, ah barlch⸗ r/ daum d Vogel Neſt. 89 Haar auf dem Kopff gehabt/ die durch⸗ einander wimmelten wie die Soldaten/ wann ſie auf gehoͤrten Trommelſchlag in Eil zu ihrem Gewehr lauffen oder ei⸗ nen Contramarch verrichten; das Ge⸗ bolder vermehret ſich je laͤnger je mehr⸗ und alſo auch meine gꝛoſſe Angſt/ alſo daß mir der Schrecke den ich dem Hausherꝛn und Sufannel eingejagt hatte/ wieder mit doppelter Danckbarkeit eingerom⸗ melt wurde; Zuletzt hoͤrte ich Wein ab⸗ laſſen/ Faßbinden/ dieſelbe fuͤllen und die Stiege auf und ablaſſen/ zu welchen Ende die Thuͤr gar artlich aufgethan wurde/ wiewol ich niemand ſehen konte der ſolche Geſchaͤffte alle verrichtete/ ich wolte zur Thuͤr hinaus und mich aus meiner Angſt entledigen/ kriegte aber mitten auf der Stiegen einen ſolchen Stoß/ daß ich wieder zuruck hinunter burtzelte/ und ligen bliebe bis es anfieng zu tagen/ wiewol mir im Fallen ohne den unvergleichlichen Schrecken nicht ſon⸗ ders Leid geſchehen. Wie nun mit den anbrechenden lieben Tag alles voruͤber und ich wieder bey meinen 90 Das wunderbarliche meinen fuͤnff Sinnen war/ erſonne ich erſt/ warumb die Haushalterin ſo ein groſſe Kande voll Wein auf einmal hin⸗ auf geholet; nemblich damit ſie nicht das zweytemal an ein ſo ungeheur Ort muſte; Ich dachte diß ſoll dir wol dein Lebtag eine Witzung ſeyn/ daß du keinen Geiſtlichen mehr beleidigeſt/ wann ſie die Geiſter ſo entſetzlich raͤchen; Interim vergieng mir der Schrecken wieder all⸗ gemach/ und zwar ſo gaͤntzlich vergaß ich deſſen/ daß ich weder an Eſſen und Trin⸗ cken gedacht/ welches ich dann abermal bey der Schwerigkeit zu mir nam/ und mit Verlangen wartete/ bis die Keller⸗ Thuͤr aufgieng/ ſo aber nicht ehender ge⸗ ſchahe/ als da der Haushalterin Bru⸗ der einen friſchen Trunck holete vor den Balbierer/ der dem Herꝛgen zur Adet gelaſſen; da lieffe ich hinaus als wann mich der Diebs⸗Burger gejagt haͤtte/ waͤre auch vom allergroͤſten Durſt nicht mehr hinunter gezwungen worden wann ſchon lauter Hippocras und Mal vaſier darinn gelegen. Als Mihdu Hecgnaan Mellaſt ſaheßl odet Jung wehetn/ ken gelſ ſich hitt dol, N cumaufte dettuch gurthckch faſn ih g Nechſt fcbhirtge Sutt, Heümſie Vogel⸗Neſt. 91 Als ich durch den Hof gieng/ lag das Herꝛgen am Fenſter/ friſche Lufft auf die Aderlaͤſſe zu ſchoͤpffen/ dem ich wol an⸗ ſahe/ daß ihn damals weder nach Frauen Aoder Jungfrauen/ nach Kebs⸗oder Ehe⸗ weibern/ viel weniger nach der Suſan⸗ nen gelüͤſtet/ und ich glaub/ wann einer mich haͤtte ſehen koͤnnen daß er mir auch ngleiche Tugend wird zugetraut haben/ *ſo lahm war ich noch in allen Gliedern/ Halch dans es ſey dann daß mir das eingenommene Jlenuds Fruͤhſtuck eine beſſere Farb mitgetheilt un abe als der Aderlaͤſſer eine vorzeigte/ es ka⸗ men zu Befuͤrderung meiner fernern Wanderſchafft eben zween arme Stu- dioſi, die Handwercks halber ein Viati⸗ cum aufbateiniſch vom Herꝛgen begehrt/ die er auch alſobald mit zweyen Kreutzern gar ehrlich abfertigte; mit denſelben nun kam ich gar fein wieder zum Thor und Pfarꝛhof hinaus/ welches ich von mir ſelbſt nit geoͤffnet/ und ſolte ich gleich noch wehs zwo Stund in lauter Ungedult haben dpeckas uwarten můſſen/ weil ich wolte/ daß mir geweſtes Daſeyn allerdings verborgen bleiben ſolte. Mit —— 9ꝛ Das wunderbarliche Mit dieſen zweyen Studenten reiſſe demlt ich fort den Weg auf dem ich ohne daß ſhihun hinaus wolte/ und vermerckte bald auß angeh he ihrem Diſc Sghufft n gus war/ oder doch wenigſt zu wer⸗ muhhet mn den gedachte/ der er ſtun Wannwr in der Wahl/ ob er einen Juriſten odet Jolopbiskg Medie um abgeben wolte; Jener ſagte manehnl zu dieſem/ er wolte bey nechſter Diſputh 10 omuin tion den Tractat Iſaaci Peyrerii de i Ne Adamatis(darinnen er/ daß allbekelk polegne, vor Adam Menſchen auf Erden geiden anehehre ſen/ zubeweiſen unterſtanden) zubehaußß ſeuhebolln ten vornemmen; Dieſer aber antworte der hunſt g te ihm/ ob er dann nicht wiſſe/ daß derſelk den Euſte be Autor ſelbſt ſolche ſeine irrige Meiß durh diel nung verdammt und widerruffen? uͤber Stiateag das wuͤrde ihm als einem Ehriſtlichen ſchen dub Theologo nicht wol anſtehen/ wann et glechvolch mehr den Lugen der Egyptier und ande mit derhe rer Heyden/ als dem klaren Wort Got ſen wolke tes und der Vaͤtter Auslegung beypffih ſonſhet ten wolte; man finde ja klar genug in H. Danmahe Schrifft/ daß Adam der erſte und vor nen zch⸗ ihm ſonſt kein Menſch erſchaffen wor, dathbatz den; ſo waͤre auch nichts ugeänlfff in hothrder er 4 Vogel⸗Neſt. 93 Der Welt/ als wann einer etwas vonGe⸗ ſchichten/ ſo ſich vor der Suͤndflut zuge⸗ tragen haben ſolten(auſſer was die H. Schrifft meldet) daher lallen wolte; er⸗ mahnet mich eben/ ſagt er ferner/ als wann wir mit den allen Heydniſchen Phi⸗ loſophis Epicuro, Democrito, Anaxi- mandro, Thaletis diſcipuln, Metrodo- lego, Anaximene, Ariſtoclo, Archelao, AIlelsXenophane, Loucippo, Diogene A- . D8polloniate, Anaxarcho und andern auf Eidn mehr noch von vielen Welte ohne die un⸗ en) ubcſerige wolten traumen; wurde ein ſolcher tanmeder damit aufgezogen kaͤme/ nicht mit daördem Cujano zu vergleichen ſeyn/ der Durch die Lufft zu Sonn, Mond und Sternen geſegelt/ und dieſelbe mit Men⸗ ſchen und Thieren bewohnt gefunden/ n uc gleichwol aber moͤchte ich gern hoͤren/ wo⸗ tironamit der Herꝛ ſeine Præadamiten erwei⸗ ſen wolte? Womit? antwortet jener/ abeß ſonſt nirgends mit als aus H. Schrifft! Dann als GOtt ſelbſt den Job in ſei⸗ Unem 38. Capitel fragte/ wo wareſt du/ hufen da ich der Erden Grund legte? Sag mir gehſchaſt du Verſtand; Weiſt auch ihr 9 Ddas wunderbarliche ihr das Maß geſetzt hat? oder worquf ſeynd ihre Fuͤß befeſtigt? oder wer hat ihr einen Eckſtein gelegt? da henget et daran und ſprach; da mich die Morgen⸗ ſtern miteinander lobten/ und ſich ei freueten alle Kinder GOttes; und eben diß ſeynd die ſo genannte Præadamiten geweſen; welche hier Kmder GOttes genannt werden/ deren Geſchlecht auch bis in die Suͤndflut gewaͤhret hat; ſinte⸗ mal wir im erſten Buch Moſis am 6. Capitel leſen/ daß die Kinder GOttes nach den Toͤchtern der Menſchen(das iſt nach denen Toͤchtern die aus Adams Geſchlecht geboren worden) geſehen/ und weil ſie ſchon waren/ aus ihnen zu Weibern genommen/ welche ſie nur ge⸗ wollt; daraus Niſen/ und in der Welt gewaltige beruͤhmte Leute geboren wor⸗ den; umb welcher ungleichen Vermiſch⸗ ung wegen/ vornemblich die Suͤndflut auf Erden kommen/ in deren die Praa⸗ damiten auch ausgerottet und vertilget worden; welche ungleiche Vermiſchung GoOtt dermaffen mißfaͤllt/ daß er deren wegen nach der Suͤndſtut die S en U tubohffe bodtnnl ſeleh lihekkee rohtueh entpptoſn v Und kihel aber wöz ſchehened in deh ⸗ Bnlhlnt Vogel Neſt. 99 u ten durch Feuer und Schwefel vom Erd⸗ boden austilgte/ und denen Iſraeliten ſemem auserwahlten Volck dergleichen/ auch in geringſten Sachen/ aufs ernſt⸗ Ihliche verbotten; Wie dann die Juden Anoch auf den heutigen Tag nicht halb lei⸗ annen und halb wuͤllen Gewand tragen: önicht zweyerley Viehe zu einander in ei⸗ nen Zug ſpannen: zweyevley Fraͤcht in Sdauſeinen Acker nicht ſaen: auch nicht zweyer⸗ Valey Fleiſch in einen Hafen kochen doͤrffen: andlund was dergleichen mehr iſt! lbate, Poſſen! Poſſen! antwortet der Me⸗- waahcicus oder Juriſt/(ich weiß ſelbſt nicht tahe gwas er ſeither worden iſt/ worvon im nan dalz Job geſchrieben ſtehet/ daſſelbe waren : die liebe Engel; und die Kinder GOttes belküm ſechſten Capitel deß erſten Buchs n Moſe waren die Soͤhne die aus dem Ahn Stammen deß H. Ertz⸗ Vatters Seth entſproſſen welche zwar in Gottesforcht dendund ſeiner Liebe auferzogen worden/ ſich kaber wider das aus Gottes Befehl be⸗ deeſchehenen Verboit ihrerfrommen Titern hin den Stammen deß verzweiffetten e Brudermoͤrders Cains verheyratheren E ij wird EEEE 96 Das wunderbarliche wird alſo der Herꝛ/ wann er nichts an, und ders auf die Bahn zu bringen hat/ ſchlecht uann beſtehen. ſiigecht Der Theologus hingegen ſagte/ die idfeft heilig⸗ erſchaffene Engel waren freyich Eit Kinder GOttes; aber bey Erſchaffung migeh, der Welt war Lucifer mit ſeinen Geſel beaſdeleh len ſchon gefallen/ ſonſt haͤtt er aus Neid ghant die Evam nicht betrogen; Seynd ſie Ein — a nun vermittelſt ihrer Erſchaffung(dann ibedr alles was GOtt erſchaffen war gut)ſo ehel, wol als die heiligbeſtaͤndig⸗verbliebene Eehlnl Engel gut/ und Kinder GOttes gewe, danel ſen/ aber nach ihrem Fall verdammt dntgl wordeu; Wie ſagt dann GY zum fg0 Job/ daß ſich erfreuete alle Kinder HOt,f khunen tes? da doch bey den Verdammten ken nndi Lob GOttes iſt/ und wie theils verme tening nen/ der zehende Theil aus denen guten ne⸗ erſchaffenen Engeln abtruͤnnig worden/ der alde oder wie andere wollen/ der Drach den und dritten Theil nach ſich gezogen? vors Muaſhen erſte: Vors ander betreffend die Moſaß⸗ geſlün ſche Kinder GOttes in ſeinen erſten Buch keleauen am 6. Cap. Wann die GOtt.—5 Hache 00 Vermiſchung zwiſchen deß ſel. Se Num und Vogel⸗Neſt. 97 und deß gottloſen Cains Geſchlecht die zuſammen heyratheten/ und Riſen/ das iſt gleichſam ein drittes Geſchlecht erzeugt und herfuͤrgebracht/ ſo haͤtte dannoch der Guͤte GoOttes ſo hoch nicht mißfallen moͤgen/ wann Menſchen zu Menſchen ⸗ beyderley aus Adam geboren/ zuſammen geheyrathet/ daß deßwegen die allgemei⸗ ne Suͤndflut geſchickt werden ſollen; uͤber das konte ich nicht ſehen/ wann dem gleichwol alſo geweſen waͤre wie die Sethiter und Caininiter beyde aus A⸗ Ottes v dam herſtam̃end/ ein drittes Geſchlecht/ das iſt Riſen ſo aus ihrer beyder Art ge⸗ ſchlagen/ gebaͤren und herfuͤr bringen koͤnnen; Muͤſſen dieſe Hochzeiter noth⸗ wendig die Pꝛaadamiten geweſt ſeyn/ de⸗ ren im Job gedacht wird. Lapperey! Lapperey! Lapperey! ſagte der ander/ wie wiſſen mir/ von einem und zwar von unſerem Geſchlecht von Menſchen/ daß erſchaffen worden/ die gefallenen Engel⸗Stell daraus zu erſe⸗ tzen/ aus welchem auch der Weit Selig⸗ macher geboren: durch den wir arme Adams⸗Kinder wieder zurecht gebracht E iij wor⸗ 9sDas wunderbarliche worden; ihrer Seligkeit zu genieſſen/ dd, fhifoa fern wir anders den breiten Weg darm falt El gehen wollen; Es gibt mich nicht mehr fllanle Wunder/ daß es je und allwweg ſo hief mſlß Spaltungen und Ketzereyen abgeben ö hat/ wann ich ſehe/ daß noch ein jeet Phantaſt ſeine närriſche Einfaͤl und thorechte Grillen mit HSchrifft behan pten will! da doch ein jeder mit Forcht und gittern ſein Heil wircken ſolte. Geſetzt aber nicht geſtanden/ der Hen erhalte daß Præadamiten geweſen ſeyn/ 90 was wirds ihm zu ſeiner Seligkeit hhenꝰ was gehen ſie uns Adamiten an! ſi Gott der HErꝛ wird ſeine heiligſte Uur ſachen gehabt haben/ wann er nicht alles deb in H. Schrifft aufzeichnen laſſen ohne das/ ſo nicht eigentlich zu unſerer Selig⸗ keit noͤthig! was darffs dann vielen Nachgruͤblens? ob ſolche Præadamiten geweſen ſeyn oder nicht? ſintemalen ſie oder die Wiſſenſchafft von ihnen uns auf dem Weg unſers Heilands Chriſt auf dem wir ihm nachfolgen ſollen/ weder fuͤrdern noch hindernkoͤnnen. Gieichwol wird uns ſolche Wiſſen⸗ ſchafft/ Vogel⸗Neſt. 99 ſchafft/ antwortet der Theologus, an un⸗ ſerer Selio keit auch nichts ſchaden Wir ſollen die wunderbare Geſchoͤpff GOttes mit Fleiß betrachten/ und den Schoͤpffer in ſeinen Wercken loben; Der weiſe Si⸗ ‚ rach ſagt hiervon gar ſchoͤn/ wann er uns Gnl in ſeinem 43. Cap. zum Lob GOttes er⸗ mahnet/ und ſpricht/ viel ſagen wir/ aber nicht gnugſam moͤgen wirs erfolg en/ denn uns gebrechen Wort;aber die Voll⸗ 180 kommung aller Reden iſt er; wann wirs ten geneith gleich hoch rühmen/ was iſto? dañ der All⸗ t Seige maͤchtige iſt doch noch viel höͤher dañ alle EWamte ſeine Werck; erſchrecklich iſt der HErꝛ ſiſe heleh und ſehr groß/ und ſein Gewalt iſt wun⸗ a derbarlich; Ehret dem HErm und erhoͤ⸗ het ihn als viel ihr moͤget/ noch wird er weit uͤbertreffen; Erhoͤhet und lobet ihn nach allem Vermoͤgen/ noch moͤget ihr ihn keines wegs genug loben/ dann er veꝛ⸗ wirfft alles Lob. Preiſet ihn aus allen fen hyg! Kraͤfften und laſt nicht ab/ noch werdet Helurdeon ihrs nicht erreichen. Wer hat ihn geſehen/ göbenſoler daß er uns verbinden möge? Wer mag kömen. ihn ſo groß machen als er iſt von Anbe⸗ 0 flhe A gin? Dann noch gar viel groſſere Ding N E iiij dann 3— — 100 Das wunderbarliche dann die/ ſind verborgen; wenig ſeiner Werck haben wir geſehen/ ꝛc. Uber das weiß der Herꝛ wol/ daß uns nicht geringe Ehr zuſtehet/ wann wir ſo etwas von neuen Erfindungen auf dis Bahn bringen und in offentlichen Diſpu⸗ tationibus behaupten koͤnnen; Hoho! antwortet der Juriſt/ iſt der Herꝛ da zer. brochen? Er ſolte ſich aber erinnern daß ben nahe alle Ketzereyen auf dieſemWeg daher gewandert; Der ſelige und geiſt⸗ reiche Thomas de Kempis ſagt/ es ſehs beſſer die Demuth haben/ als viel von derſelbigen diſcuriren koͤnnen; ſo iſt das alte Sprichwort mehr als genugſam war/ daß der Glaub/ das Aug und die Jungfrauſchafft den geringſten Schertz ohne Schaden nicht vertragen koͤnne Was iſts dann vonnoͤthen/ daß wir ſich viel mit dergleichen gegruͤndeten Sachen ſchleppen/ wir ſehen taͤglich genugſame Wunderwercke GOttes vor Augen ⸗ die uns zu ſeinem Lob reitzen/ wann wit PVMab i10 Unddan Feulut Maffen deren nur wahrnemmen; und doͤrffen nicht erſt deßwegen wie Theophrafius Paracelſus in lib-de Nymphis, Sylphis, Y8* 15 Helt 1 fh fl k dds genug das Aug lud cingſten Sc ttzen/ wautz 0 und biß it Tbecpha Juphi Sfft N Vogel⸗Neſt. 101 Pygmæis& Salimandris,&c. und Heinrich Kornman in Monte Veneris, ſeltzame und unerhoͤrte Geſchoͤpffe tich⸗ ten/ ſonderlich wo wir ſorgen muͤſſen/ daß der leidig: Teufel unter der Geſtalt ſolcher Nymphæ oder Waſſerleute/ Pygmæi oder Bergleute/ Sylphis oder Lufftleut und dann der Salamandri, Vulcani oder Feuerleut ſeyn Gauckelfuhr hat/ uns Menſchen zubetruͤgen. Unter dieſem Geſpraͤch kamen wir wi ſich ein Fußpfad bey einem Wald von dem Fahrweg abſcheidete/ weßwegen meine zween Studioſi in die Wahl gerie⸗ then welchen ſie unter dieſen beyden gehẽ wolten/ uñ als ſie ein wenig dort ſtill ſtun⸗ den/ naͤhert ſich ihnen ein Mann/ den ſie umb den rechten und naͤchſten Weg nach dem vor uns ligenden Flecken frag⸗ ten/ der wieſe ſie auf den Fußpfad und ſagte/ daß ſelbiger umb eine gantze ſtund naͤher und auch beſſer als der Fahrweg zu gehen waͤre/ wie er dann auch gleich jetzt auf demſelbigen in den beſagten Fle⸗ cken ſich zu begeben willens ware; der⸗ ſelbe Kerl gieng fuͤran/ beyde Stud enten E y folgtu 102 Das wunderbarliche folgten ihm/ und ich tratt aber hinden ſhſehe hernach! Wir waren kaum eine halbe und dez Stund gangen als ich wahrnam/ daß Dihene der Weg je laͤngerje ungaͤnger: und dee fchte Wald je laͤnger je dicker und wilder wurde/ dahero mir dann nichts guts an, den wolte; jedoch verlieſſe ich mich auf fllen meine Unſichtbarkeit und daß wir mitten dchud in einem Lande wanderten/ darinn dee ſuan l Friede gruͤnet; dachte auch beyde Stu, mtine denten wuͤrden keine Kinder oder Me⸗ ſch mte men ſeyn/ ſich entweder verfuͤhren oder ſo leichtlich berauben zu laſſen/ weil jeder einen Degen an Statt deß Steckens in Haͤnden trug! Aber als ich hiermit in halk uu meinen Gedancken handthierte/ ſprang un des ein Kerl mit einer Phiſi hinter u und ſchrihe meine beyde Gefehrten an/ ſie ſoiten ſich gefangen geben/ und in demſelben Augenblick als ſich dieſe nach ihnen umbſahen/ hatte der foͤrderſte ſo den Weg gewieſen dem Theologo den Degen aus der Hand gerungen; der ander als er ſich verlaſſen/ und zween Be⸗ wehrte gegen ſich und ſeinen unbeweht⸗ ten Cameraden ſahe/ erſchrack dermaß⸗ nd daß w tn kten/ darim auch beyte Kunder bdas & verführent llaſſen/ welt tdeß Stecke dls ich hian dtherte/ F hji hintet nez de Geſthun n gthen/ W als ſich dihr tte det fotdet an Tbeobg 0 gerungr; ſem und mwen ſanen ter ſhruc a 1 r Vogel⸗Neſt. 103 ſen/ daß er ausſahe wie Schreibpapier/ und das Hertz weiß nicht wohin/ ſeinen Degen aus der Hand fallen lieſſe/ neben jenem beyde Maͤusköpff umb Gnad und Barmhertzigkeit anflehende. Welche aber wie zween Taube ſich ſtellten/ und die arme Tropffen gar ab⸗ weg und noch beſſer fuͤr ſich in dem Wald hinein zu gehen muͤſſigten; Ich ſchliche mit ihnen fort/ zu ſehen was ſie doch end⸗ lich mit den beyden guten Lateinern ma⸗ chen wolten/ bis wir an einen Ort ka⸗ men/ da ſie ſich niderſetzen/ und ſelbſten bis auf die Hemder/ deren jeder drey an⸗ hatte/ ausziehen muſten; da hoͤrte ich nun die allererbaͤrmlichſte Wort/ die jeder vorbrachte ſein Leben zu erhalten/ wiewol es ihnen die beyde Waldfiſcher noch nicht ausdrucklich angekuͤndet hat⸗ ten/ ſondern ſie ſtellten ſich wie erſtge⸗ meldt/ natuͤrlich wie zween Taube und Stum̃e: Es war nicht genug/ daß ſich ein jeder bis auf ſeine dꝛey Hemder ausziehen muſte/ ſondern ſie wurden auch gezwun⸗ gen zwey von dem ſelbigen auszuziehen und nur eins anzubehalten/ welches 4 n —— ——— 1 104 Das wunderbarliche nen dann genugſam zu verſtehen gab/ daß dieſes ſo ihnen gelaſſen wurde/ ihr Grabtuch oder Sterbkittel ſeyn ſolte; Derowegen fiengen ſie viel eine jammer⸗ liche Klag an als zuvor/ alſo daß es ei⸗ nen Felſen zu Mitleiden und erbarte 96 biner hätte bervoͤgen ſollen/ aber die zween Un⸗ menſchen verblieben allerdings gantz un⸗ 7 bewoͤglich; ſo/ daß ich mich dar⸗ über verwundern muſte! Ach! ſagte damals einer zum andern/ haͤtten wit an ſtatt der eitelen Thorheiten/ vergeblichen Nachgrüblungen und albern Diſputs⸗ tionen gelernet/ wie wir wol und ſelig ſterben ſolten! Wie es nun an dem war/ daß einer von den Boſch⸗Kleppern den Hanen zuruck J0g/ umb den einen Studioſo den Reſt zu geben/ ſtunde ich ihm an der Seiten/ und riſſe ihm das Nohr ſo ſchnell und unge⸗ h aus den Haͤnden/ das es 5 chnappte/ und der Schuß vergeblich in en Lufft gieng; ich aber kehrte das Rohr flur umb/ und ſchtugs denſelben Stvauch⸗ Moͤrder dermaſſen fuͤr den Kopff/ daß er dorthin duͤrmelte/ wie ein Ochs der 9oW bolthtt ſcbeßtn len deh und doß Etlogu Kvake daß d Cumme bot den aſtpſt Sal⸗ U¹¹ Kitöet teſchdg ind eodt ſlac/ 11 A0 f un haͤttennt len/ bergebtz Albern Dihe t wol undt Wat daß einrz den Hanen zu⸗ diolo den Re nde Setey ſchrel Indre inden/ des ei Schüßegtlt ekchmedah enſelbenStet den Koyf' uf lin 00 —.. Vogel⸗Neſt. E vom Metzger einen Streich auf die Plaſ⸗ ſe bekommen; der Schlag das Hinfal⸗ ien deß Getroffenen: die Verſchwind: und Loßbrennung deß Rohrs: und die Eeledigung deſſen der da hat ſterben ſol⸗ len/ war eins/ und geſchahe gleichſam al⸗ les in einem ſo unverſehenen Augenblick/ daß deſſen dort in ohnmaͤchtliegenden Cammerrath daruͤber erſtaunete/ und vor dem andern Studenten gantz er⸗ plaſt ſo ſtock ſtill ſtunde/ wie ein ſteinerne Seul; Das bekuͤmmerte mich aber gar nichts/ ſonder ich gieng hin/ und gab ihm mit dem Roht ſo toͤlpiſche Rippſtoͤſſe daß er ſich darvon kruͤmte wie eine Schlang⸗ und endlich ſeinen Fuͤſſen dergeſtalt zu⸗ ſprach/ daß ſie ihn ſo geſchwind hinweg trugen/ als ob ihn der Teufel entweder gejagt oder ſelbſt fortgetragen haͤtte· Ich ſetzte mich ein wenig nieder/ zu ſe⸗ hen/ was nun die Studenten machen wolten/ dieſelbe zogen ſich gleichſam auf der poſt wiederumb an/ und rafften ihre Bagage in ſolcher Eil zuſammen/ als wañ ſie ſolche ſtehlen müſſen; da ſich aber der eine Kerl deß entloffenen Cammertath⸗ E vij den 106 Das wunderbarliche den ich niedergeſchlagen hatte/ wieder ein wenig erholte/ alſo daß er ſich regte und wieder aufſtehen wolte/ erdappten ſie ih⸗ re Degen/ giengen auf ihn loß/ und wol⸗ ten ihn erſt niederſpiſſen/ alſo daß ich ſie alle beyde zugleich ſchwerlich enthalten konte/ ihren rachgierigen Willen ins Werck zu ſetzen muſte derowegen reden/ wolte ich anders jenen das Leben erhal⸗ ten/ ſagende; Koͤnnt ihr nicht faſſen/ wann vor dißmal ein Mord zubegehen hier zugelaſſen worden waͤre/ daß ihr beyde die erſte geweſen ſeyn ſollen/ ſo ſter⸗ ben muͤſſen? wolt ihr aber dieſen Men⸗ ſchen umb ſeinen Frevel geſtrafft wiſſen/ ſo nemmt ihn hin und uͤberlieffert ihn der Juſtitz! Hiervon erſchracken ſie/ daß ſie gleich ablieſſen/ vornemlich/ als ſie auch ei⸗ nen unſichbaren Gewalt an ihren Ar⸗ men/ darbey ich ſie gefaſt hatte/ empfan⸗ den/ der ſie an ihrem Beginnen verhin⸗ derte; Sie begehrten aber gleichwol den Stꝛauch⸗ Rauber nicht anzupacken/ umb ihne der Obrigkeit zu uͤbergeben/ ſonder lieſſen ihn in Walt wiſchen; es war ih⸗ nen genug/ daß ſie Webii 5 ihr nicht ſiß Murd zubet wate/ da ſeyn follen /o dul an ihun) aſt hatte/ enp Veginnen dah tenzwwattchn iberheben/ ou jſchen; es wel dißmaldende 1 9 N Vogel/Neſt. 10% enttronnen/ und was gieng es ſie an(ha⸗ ben ſie vielleicht gedacht) was der Kerl noch fuͤrterhin anſtellen wuͤrde/ alſo trie⸗ be ſie auch keine Noth/ ſich ferner mit ih⸗ me zubeladen. Da ſie ſich nun wieder angeiogen: ihre geringe Paͤck aufgebuͤndelt: uñ von dem groſſen eingenommenen Schrecken erho⸗ let hatten/ gedachten ſie erſt wie wunder⸗ barlicher weiſe ſie von Tod errettet wor⸗ den waͤren; Sie konten nicht glauben/ daß ſie ihrer Verdienſte wegen wuͤrdig waͤren/ von GOtt ſo augenſcheinliche Huͤlff durch ihren Schutz⸗Engel zuem⸗ pfahen; und konten ihnen doch auch nit einbilden/ daß der Teufel Mord und Todſchlaͤge verhindert haben wuͤrde? brachten derowegen abermal allerhand irrige Einfaͤll uñ naͤrriſche Grillen auf die Bahn/ keiner andern Urſachen halben/ als weil ſie die Wuͤrckung meines Vo⸗ gel⸗Neſtes nicht wuſten dann ſonſt waͤre verhoffentlich ihr Diſcurs vielleicht an⸗ ders gefallen; Sie wuſten nicht ob ih⸗ nen die manes oder lemures: die cæli⸗ tes oder inferi gus ihrer Noth gebofſ, als 1089 Das wunderbarliche haͤtten/ und ich glaube/ wann ich noch mehr mit ihnen zu reden kein Beden⸗ ckens getragen/ ich haͤtte ſie ſo unſichtba⸗ rer geſtalt leicht beſchwaͤtzen koͤnnen/ ob ware ich einer von deß oben gedachten Paraceiſi ober Kornmauslufft: odet Erdleuten: oder gar aus deß Lueian Mon⸗menſchen: oder der Geiſt eines vorhundert tauſend Jahren abgeſtor ben benen Præadamiten geweſen. blohende „Demnach leſſe ich ſie ihres wegs al. ll lein fort paſſiren/ und kůͤtzelt mich damit/ daß ich als ein ungelehrter Idiot den Grund der beſchehenen begebenheit wuſte/ ſie aber als hochgelehrte Kerldar⸗ nach rathen muſten/ und darvon wie der Blinde von der Farb urtheilten; Das eroberte Rohꝛ ſchlug ich an einem Baum zu Stuͤcken/ weil ich keines Gewehrs be⸗ dorffte/ und damit wandert ich dem nech⸗ ſten Marckfleckẽ zu/ allwo ich im Wirths⸗ hauſe anlang te/ darinn eben ein hochzeit, lich Feſt mit Eſſen und Trincken cele⸗ brirt: und der Tantz angefangen wurdtz zu ſolchem Ende laͤerten ſich die Tiſche limlicher maſſen mit einem Vogel· Neſt. 109 tbeil Mann eind Weib/ Geſellen und Töchter dem Tantz⸗Platz zueileten/ biß auf etliche alte Weinbeiſſer und betagte Muͤtterlein/ die ſitzen blieben/ davon jene von ihten Bauersweſen und alten Ge⸗ ſchichten/ wie es etwan zu ihrer Zeit bey den Hochzeiten hergangen/ diccurirten, Geln dieſe aber das truncken Elend zum Theil n d beweineten/ zum theil aber allerley Leut ledige und verheyrathe ihres Geſchlechts gArt/ durch die Hechelzogen/ und ande⸗ tinchde ten/ daß ſich das eine Theil zu köͤſtlich:daß ander aber zu ſchlecht gegen ſeinen Ver⸗ ebe moͤgen in Kleidung hnr gethan und tr Heln erzeigt haͤtte; Ein Luſt waͤre mies gewe⸗ ent ſen zuzuhoͤren/ wann ich nur die Leute auch gekannt/ denen ſie ihre Haab ſo meſterlich anzuſchlagen: und ihre Sitten ſo ardlich zu corrigirn und anatomirn tihdenn gewuſt; aber weil mirs aus Mangel deſ⸗ oichin Vn ſen ein ſchlechter Spaß war/ zwackte ich enendet hiet und dar beydes Gebratens und Ge⸗ duntue backens von den Tiſch hinweg/ und ſtoffte ingennb meinen Magen als den Rantzen ſo voll ſch di dßdarvon/ daß ich mich wol vor 8. Tag ge⸗ hn Bes nugſamn darmit pꝛoviantirt zu ſeyn be⸗ all⸗ . 110 Das wunderbarliche fande/ loͤſchte darneben aus deß Wirths Schenckgelte meinen Durſt ſo redlich/ als wann ich ſo wol als ein anderer in der Frꝛten oder Zech geſeſſen waͤre; Her⸗ nach wuͤſchte ich das Maul wie ein ande⸗ rer Schmorotzer/ und fuͤgte mich zu ſe⸗ hẽ/ wie es beym Dantz abgieng/ allwo ich mancher kuͤnſtlicher und vortelhafftiget Griff warnahm/ welche das junge plum⸗ pe Baurnvolck ſo wol konte und anzu⸗ bringen wuſte/ als ein funfftzig Jahriget abgeſchliffener Metzger immermehr thun moͤgen. ¹ Als ich nun deß Dings bald ſatt geſe⸗ hen/ gieng ich aus der Scheuer/ darinn man dantzte/ in den Futtergang an einem Stall/ und legte mich in das hinterſte Eck auf ein wenig Streu den halben Rauſch und die Muͤhtigkeit zugleich zu⸗ verſchlaffen; Ich war aber kaum eine halbe Stund gelegen/ als ein Bauren Knecht mit einer Magd hinein kam/ die der Sprach nach entweder ſelbſt eine Schwaͤbin: oder doch wenigſt lang bey den Schwaben geweſt war/ ich vermein⸗ te/ ſie wolten etwan das Vieh Runtee ber Wafchcle bf fkeP 90te uf/ ort wollicht behen/ veltoff und el fen/ e te)thung gefnterto dß fenme aͤich das cve h/ vmn ebigen uule;. dek guleh. fihtʒ naf Aulſtt 0 Weduft ſte m if Lähe; Er W Alugn Vogel⸗Neſt. 111 ber ſie hatten ein ander Kurtzweil mitein⸗ ander; ſo viel ich am Reden abnemmen konte/ ſo küthelt der arge Mauskopff das gute Menſch/ daß es immer ſagte/ hoͤre auf/ höre doch auf; aber er lieſſe gleich⸗ wol nicht ab/ ſonder muthet ihr mit Ge⸗ berden/ meines darvorhaltens(dann weil es finſter war/ konte ich nicht ſehen und weil er nichts redet/ konte ich nicht hoͤren/ was er machte oder machen wol⸗ te) etwas fuͤrwitzigs zu/ ſo ſie aber nicht geſtatten wolte ſonder ſagte/ wann es ſo weit komme/ ſo komme er weiters; biß endlich der Kerl hoch und teuer ſchwur/ ãa ſich verpfaͤndete/ er wolte deß Teufels ſfeyn/ wann etwas ferners thun: als ſo ein bißgen/ ich weiß nicht was/ anſetzen wolte; Aber der ſchlimme Vogel hielte der guten Troͤpffin dannoch ſein Wort nicht; maffen ſie gleich darnach ſagte; Aun jetz biſchtus Tuiffals/ deß Tuiffals/ deß Tuiffals/ c. und ſolches continuiret ſie mit oͤfftern widerholen ein zimliche Laͤnge; Er aber antwortet ihr eben ſo vielmal/ ſo ſen ich Teufels/ ſo ſen ichs/ ꝛ. je langer diß nun waͤrete/ je höͤher ſie ihre Stim⸗ 112 Das wunderbarliche Stimmen erhubten/ und je geſchwinder ſie es nacheinander heraus redeten/ gleichſam als wann ſie es auf der Poſtu thun verdingt haͤtten/ welche feltkamnedita⸗ ney mirſſo lacherlich vorkam/ daß ich mich deſſen nicht enthalten konte; So baldich aber lachte/ ſo bald zerſtoͤrte ich auch den Spaß/ dann ſo nahe waren ſie zuvor nit zu mir geſchlichẽ/ ſo geſchwind lieffẽ ſie je⸗ tzund wieder von mir hinweg/ und lieſſen mir gute Ruh/ meiner Begierde nach techt auszuſchlaffen. Hingegen muſte ich ann Morgen den Ars deſto früher aufheben/ dann als die Magd die Kuͤhe malcke/ ſang ſie darſu daß ich davon erwachte/ und als ſie ſelbi⸗ ge vor den Hirten triebe/ machte ich mich auf den Weg und kam nach 2. Stunden vor ein luſtig Staͤdtlein/ bey dem es ſchoͤ⸗ neGaͤrten haͤtte/ ſo wol zum Luſt als zum Nutz gar zierlich aufgepflantzet/ derowe⸗ gen konte ich mir nicht abbrechen/ in ei⸗ nen derſelben von den ſchoͤnſten zu gehen/ weil die Thuͤr daran eben nur zugelehnet war/ der Meinung nit alle in meine Au⸗ gen darinn zu weiden/ ſondern 22 i Huſe hun lehdut tlte/ Gi Kuchen e dalinn we nitRöent gehathey9 Und hic Idge, VogelNeſt. 113 Well im überſchatten Gruͤnen zu faul⸗ Gleich nach dem Eingang paſſirte ich einen ſelbſt gewachſenen zierlich ineinan⸗ öder geflochtenen Gang/ auf deſſen Ne⸗ 56 benſeiten unterſchiedlich Geſinde in aller uenf,a, Eil die Wege in einem ſchönen blauen und f Stuͤck/ mit Beſemen ausſtuͤberten /von Weg/u denen ich verſtunde/ daß denſelben Mit⸗ ä 85• tag ein herꝛlich Luſt⸗Mahlzeit im Garten Vahladn gehalten werden ſolte; Ich gieng wei⸗ en ters/ und kam zu einen ſcheinbarlichen *ethe. Hauſe/ darin man ebenmaͤſſig aufraum⸗ dung, te/ eine Tafel deckte/ kalt Waſſer zurich⸗ ſugſſen tete/ Glaͤſer ſchwanckte/ und in der Kuchen herrlich zurichtete; Der Saal darinn man ſpeiſen ſolte/ war uͤber Eualle maſſen luſtig accommodirt/ die Seſſel mit Sammet beſchlagen/ mit Polſtern und Stulkuͤſſen von ſchoͤner d ausgenähter/ ſo neuer als alter heydniſcher Arbeit belegt/ der Boden mit Roſenwaſſer begoſſen/ und neben der gedeckten Tafel mit allerhand ſchoͤnen Aennen! und woltiechenden Blumen üͤberſtreuet ſondecuat ¶ und geferet/ die Waͤnde aber an 92 er — 1144 Das wunderbarliche der Tapezerey mit den allerkunſtreichſten Gemahlden behaͤngt; und das Tryſut neben den koſtbaren und Chriſtallinen Glaͤſern von allerhand Formen beydes wit guͤldenen ſilbernen und uͤberguldten Trinck Geſchirren uͤberſtellt; Gleichwie mir nun der Garten Paradeiſes genug geweſen waͤre/ wann er nur ewig gewaͤh ret haͤtte/ und ich immer darinn wohnen ſollen/ alſo muſte ich mich noch ein meh⸗ rers üͤber dieſen Saal verwundern/ in Summa er kam mir vor wie ein Pup⸗ penſchanck oder Kaſten/ oder doch wie kuͤnſtlich Gemaͤhl/ alſo daß ich bey nahe meinen eignen Augen ſelbſt nicht glaubte/ ſondern vermeinte dieſer Augenluſt wuͤr⸗ de mir vielleicht nur durch einen Traum vorgeſtellet. 61 Ich hatte meine Schuh ausgezogen/ und an Guͤrtel gehengt/ wie ich dann all⸗ weg zu thun pflegte/ wann ich irgends in ein Haus ſchliche/ damit man mich deſto weniger trappen hoͤrete/ und deß⸗ wegen machten mich meine Begirden alles in dem Hauſe zu ſehen deſto kuͤhner weiters zu gehen; darauf kam ich in die Kuch/ Vogel⸗Neſt. 11· Kuch/ da die Bratſpieſſe von ſelbſten herumb giengen/ und das Feuer rund herumb mit Haͤfen beſetzt war/ alle Waͤnde waren von unten an bis oben auf mit metallen/ kupffernen/ meſſenen/ und zinnernen ſo hell geriebenen Geſchir⸗ ren beſetzt/ daß es ſchiene/ als wann ich dahzzin keiner Kuchen/ ſondern irgends in ei⸗ unnem ſtaͤhlinen Berg mich befunden haͤt⸗ ach eng te zUber das gaben mir die nunmehr halb erwurden gar gekochte Speiſen ein ſolchen leibli⸗ rmieen chen Geruch in die Naſe/ daß ich einen ben no dol—— zum eſſen bekam/ ob mich gleich nicht hungerte. 5 Von dannen ſtiege ich eine Windel⸗ ſarr ſtege hinauf/ nud kam in einen Gang aus de dem man in etliche Cammern ſehen kon⸗ te/ deren jede mit einer Bettſtatt mit koͤſ2t⸗ nubhlu lichen Umbhaͤngen: einen Tiſch mit paar uSeſſeln verſehen: die Waͤnde aber mit Fapezereyen von verguldtem Leder gezie⸗ us ret waren; Indem ich nun dieſes alles gute uoyh fo begaffte ffnet ſich ein Thůür/ aus de; Bun ren eine Magd mit einer ſilbernen Glut⸗ in pfann tratte/ ſie lieſe die Thuͤr offen ſte⸗ an hen/ darumb ſchlich ich hinein/ und kam in 116 Das wunbderbarliche in eine ſolche ſchoͤne Stub/ daß ſie gut genug geweſt waͤre/ wann gleich der Laß fllet ſelbſt darinn haͤtt wohnen ſollen; Ja ſie uͤbertraffe den obgemeldten Sagl weit/ ohne das hierinn keine Bereit, ſchafft gemacht wurde/ wie dorten zu ſpeiſen; daß ſo ich am allererſten darinz wahrname/ war eine Dame die vor ei nem groſſen Spiegel ſtund ſich zu zieren/ doch war ſie allerdings fertig/ und hatte ſchier ein halbe Apotheck von allerhand Schmirſel/ Pomaden/ Lorm lolis, oleum Talei, Zahn⸗ und Haar⸗Pulver/ gebrannten Waſſern und dergleichen ⸗ ſie wartet nur bis die Magd wieder mit den Kohlen kam/ die ſchwartze Pflaͤſter⸗ lein hin und wieder in das Angeſicht zu kleiben; Indeſſen hatte ſie allerhand Affenſpiel vor dem Spiegel/ ſie neigte ſich darvor/ und ſahe wie ihr das Lachen anſtunde; Sie biſſe die Lefftzen zuſam⸗ men/ formirte bald das Maul auf ande⸗ re Maniren wie Hanns Supp ſeinen Hut/ und funckelte mit den Augen/ als wann ſie ihr eigen Bildnus carreſſirt/ und hatte in Summa ſo etnͤheeeke de/ hotſee einen laulen eigtodte deſ Cie ſthe Glſe ſchl die Mgenih abnemmenf gel geſhen; ſcherurg/ ſpott ghtt te ih mih a nochoffnfen Vogel⸗Meſt. 117 dig ckeley⸗Poſſen vor/ daß ich mich deß La⸗ chens ſchwerlich enthalten köͤnte; als ſie nun mitten in dieſer Andacht verzuckt WMwe ar/ erblickte ſie unverſehens mein heim⸗ Elich lachende Bildnus im Spiegel/ dann mein Vogel⸗Neſt war nicht der Art/ daß es einen im Waſſer oder in einem edn Spiegel haͤtte unſichtbar gemacht/ mir g aber damals noch unbei wuſt war ich mich ſonſt beſſer in acht genom⸗ zmen haben /) weß zwege n ſie ſich alſobald unbſchaute/ und da ſie niemand hinter ihr ſahe/ wieder in den Spiegel guckte/ 0 10 darinn ſie meiner abermal gewahr wur⸗ xde/ davor ſie dermaſſen er ſchrack/ daß ſie Meinen lautene Schrey lieſſe/ und ſich wie Hein todte Leich entfärbte. dlg Sie ſetzte ſich gantz zitterend in einen Seſſel/ ſchlug die eee und daoledie Auh en uͤber ſich/ daraus ich unſchwer abnemmen konte/ daß ſie mich im Spie⸗ Malaſcgel geſehen/ und vor eine teuffliſche Er⸗ Suß ſcheinung/ ſo ihrer Hoffart und Thorheit tden dlun; ſpotte/ gehalten habe; Derowegen troll⸗ dyus cantte ich mich aus der Stube weil die Thuͤr 0 ſune noch offen ſtund/ und kam eben zu der 7 Win⸗ 82 A FFFPEPE 118 Das wunderbarliche Windelſtege/ als die Magd herauf lieffe/ zu ſehen was ihrer Jungfer man⸗ geite; dieſelbe wolte aber nicht ſagen was ihr widerfahren waͤre/ ſondern fuͤht⸗ te eine jaͤmmerliche Klag/ alſo daß ſie ih⸗ re Thorheit wol buͤſte; ich aber ſchumelt mich die Stiege hinunter/ und weil alles zulieffe zu ſehen/ wie es umb die Jungfer ſtunde/ fande ich den Saal von jederman gantzlaͤer/ und etliche Kanden mit Weig im kalten Waſſer ſtehen/ darvon erwiſch⸗ te ich eine und thaͤt einen ſchmalen Zug daraus/ von ungefehr drey Quartlein verfuͤgte mich darauf in den wunderſchů nen Garten/ beſchaute die ſchoͤne Bia men und rare Gewaͤchs/ und werckte i ſolchem ſpatzieren gern vor die lang Weil ein Stuck Weisbrod und Gebrg tens auf/ deſſen ich noch zimlich in mei nem Rantzen hatte. Uber wenig Viertelſtunden hernach kamen einige Herren und Frauen ah und ſonderlich auch der Jungfrauen e tern/ deren dieſer Garte ſamt aller 3u gehoͤrde/ Haus und alles zuſtaͤndig woan welche mit groſſer Betruͤbnus vom 0 10 1 ſudbancht Wordeh Wie hflchbege Mlgen i baktk/ P haffen /n ausihtent möͤgen ſek bettuct/ lchberminff Medico, fe daßſeiylch ſchicthete d Neocfthe Füͤde/ Pff higegen fe nictlithen gusbermc unbekmuthh kenheatihh unwilig deß frauuigen lſche Zehen kerſittßte weißani RRREREEER Voge 119 ſind vernahmen/ daß ihrer Tochter wehe sworden waͤre; Es lieff alles hinzu ihr Halhilfflich beyzuſprine gen/ aber weil ſie ihr Auligen und Begegnus niemand offen⸗ Nolg barte/ ſo konte auch kein Troſt an ihr ckaßs hafften/ ſondern fieſtellteſich, daß man Aaoge aus ihrem vielen Seufftzen haͤt urtheilen uaz moͤgen/ ſie waͤre etlicher maſſen im Kopff dlad verruckt/ ihre reden aber fielen noch zim⸗ deunel lich vernuͤnfftig; Man ſendet nach dem darrene Medico, welchem die Mutter erzehlete/ Hn daß ſie ihr liebs 5 Kind friſch und geſund ge⸗ 1 ſ0 hickt haͤtte die Anordnung u thun/ daß Bevorſtehend Ime'8 Recht ugerichtet ſhi wuͤrde/ ſo ſinde ſie es aber leider nun ſo duc in einen elenden Zuſtande; Der Doctor + hingegen konte ſich in ihren Zuſtand nicht richten dochſ agteer/ d daße ntweder 0 aus uͤbermaͤſſiger Sorg/ Forcht/ oder unvermutylich eingenommenen Schre⸗ danſcken herruͤhre Ich war uͤber mich ſelbſt un unwillig daß meine Gegenwart ſo einem traurigen Alarm erregt/ und eine ſo herꝛ⸗ Fliche Zech an einem ſo anmuti gen Ort zerſtoͤrt haben ſolte; da mich doch alles wie ich anfaͤnglich hinkame/ an den Saal F ii dahin 120 Das wunderbarliche dahin die ſchone Pſpche verzuckt worden 1 an die Pfoche ſelbſt er, jahnt hatte; aibn über inch daß ich mich vor einem rechteh Unglocks⸗ Vogel hielte; Mein groͤſte Troſt wars/ daß alles wider meineh Willen geſchehen waͤre/ wann etwandie Jungferſ rſterben ſolte/ wie ihr Mutter bi ſorgee In dieſer verwirrten Betruͤbnmuz langte der jenige Herꝛ an/ welchem 1 Gefallen die gantze W ſchafft verſam⸗ let war; Als der die daſtge Jileme kunfft veranlaſt hatte/ umbzuſehen und den Augenſchein einzunemmen/ ob öwi ſchen ihme und offtg edachter Jungfe ein Heyrath getroffen werden koͤntez a war ein ſchoͤn er j junger Kerl/ ausgebut und ſtaffirt/ wie reiche Alamode Gala nen jetziger Zeit zu ſehn pflegen; Wie el nun bewillkommt worden/ und ob maß ihn auch gleich zu ſeiner verblichenen Lieh ſten gelaſſen/ weiß ich nicht/ dann i gieng noch als im Garten herumb/ un lieſſe mich von meinem Gewiſſen aͤngſt gen/ daß ich ſo eine ſchöne und vornehm Dam Duhen blachtzts bis maß dl die I. war/ da berſem grft ſlul ſche undſ ſeſ/efe ſet N. M W Guſ h det eHStab/! mſtegdee machen/ de wieder colt dabon die; mach ergue Füden macsſhit fennet dls f fenge ehge figherant ein Nuli⸗ etkynn y Vogel Neſt. 121 Dame in Leib⸗ und Lebens⸗Gefahr ge⸗ bracht; es ſtunde aber gar nicht lang an bis man zur Tafe lgieng/ da ſa he ich/ daß 5 Ju nofra u ſchon wieder ſo wol auf war/ daß ſie auch darbe y ſitzen kor lte; aber wie mich bedunckte/ ſo war ſie noch gar ſtill und traurig ig und 9 I lieb⸗ 10 he und liebreitzende G een vergeſ⸗ AIſen/ die ſie kuͤrtzlich vorm Spiegelgele⸗ net. Alle Anweſende gaben ihr lauter Zu⸗ ckerfuͤſſe Wort/ ur d ehreten ſie wie eine Göteinz der Aufwaͤrter ſervirte eihr: wie ein Selav/ und aus Rath deß d octors muſten die S vor der Te Tafel auf⸗ machen/ damit ſich N Geiſter ig wieder colligiren u und erholen moͤchten/ davon die gute Ji ingfer wieder allge⸗ mach erquickt/ und mit einem feinen ege Faͤrblein angellähmtwarder In Sum⸗ denudſh ma es ſchickte ſich wieder alles mit ihr viel feiner als ich haͤtte hoffen doͤrffen/ und ö fenge es gleich darauf an ſo toll und lu⸗ ſtig Herzu gehen/ daß ich mir diß Leben Halviſes ein Vorbild ſeyn lieſſe deß jenigen/ wie undug etwan der reiche Mann beym Lucg am 1 F iij 16. eins 25: 122 Das wunderbarliche 16. eins gefuͤhrt; Derowegen wurde ich in meinem Gewiſſen wieder beftiedigt/ in mir ſelbſt rechtſchaffen' luſtig und ſo kuͤhn/ daß ich hinauf in die Stube gieng/ weil ſie von Leuten laͤer war/ mich vot den Spiegel ſtellte/ und alſo recht erfuhr/ daß ich vor ſelbigem nicht unſichtbar waꝛ/ ſintemal ich ſelbſt eine Geſtalt darinn ſahe. Folgends kame ich in eine Neben, Cammer/ worinn das Confect ſtund/ welches ſo koſtbarlich zugerichtet war/ daß ich mich verwundern muſte/ weilich dergleichen noch niemal geſehen. da ſtun, den gantze Thuͤrn und Schloͤſſer von Marcipan/ Kantze Platten von allerhand Obswerck: Ja Schuncken/ Knackwurſt und dergleichen Genaͤſch aus lauter Zu⸗ cker gemacht/ gemahlt/ uͤberguldt und mit Blumen geziert/ geſchweige der kan⸗ dirten und eingelegten Sachen; JI 3 wol eine Stund darbey b810 alles nach Genuͤgen beſchaute; hernach kam ich wieder in den Eſſ⸗ Saal/ da wa⸗ ren die erſte Speiſen/ was nicht geſfen worden/ bereits abgetragen und* bl 0 Cae. dattht 0 Fuſanil walnckte auf dek deitten et ein pact Heol e huckten l Jekipffh Klauen o u5. darlher G0 10 Rückeig hatte /W Rolhhen/ tebelbt; Wulden g aniber lieberetbe Mggeng Dalt oh mt t wudemt i0 h Woe Vogel⸗Neſt. 123 darvor hingeſtellt; da ſahe ich vielerhand Paſteten auf einer Stunde ein ſchoͤner Faſſan in ſeinem natuͤrlichen Geſfider/ als wann erlebte/ und jetzt fortfliegen wolte; auf der andern ein Cappaune/ auf der dritten ein Auerhan/ auf der vierdten ein paar Haſel/ auf der fuͤnfften etliche Feldhuͤner/ und ſo fortan; auf etlichen guckten nur die Haſen⸗Fuͤſſe/ oder Vo⸗ gelkoͤpffe heraus/ und an andern nur die Klauen von den lauffen deß hohen Ge⸗ wilds; Ich wurde ſchier zum Narren daruͤber/ weil es mir ſo fremd vorkam; Ein gebraten Spanferckel ſprach ich gluͤckſelig/ weil es eine Citron im Maul hatte/ welches ſonſt Dreck hinein ge⸗ nommen/ wann es ein rechtes Sau⸗Al⸗ ter erlebt; beſſer und mehrer gute Biſſel wurden auf den Tellern abgehoben als nan uͤber Tafel aſſe; Ich aber haͤtte viel lieber eine gute warme Bruͤhe in meinem Magen gehabt. Derowegen ſchliche ich in die Kuche/ ob mir eine werden moͤchte/ aber es wurde mir nirgends ſo gut; doch kame ich uͤber eine Frantzoͤſiſche Batage die Fiüj Ge⸗ * 8 A Das wunderbarliche Geſchtoiſter Kinder mit den Spanni⸗ ſchen Olla Batriden ſind/ derſelben ſprach ich gewaltig zu/ weil ſie eben auf einer Gluͤt ſtunde/ dann es befanden ſich in derſelben gute Bruͤhe unter den Bro⸗ cken lauter der beſten Schleckbiſſel/ vor⸗ nemblich ſchlugen mir die Maͤgen von al⸗ lerhand Gefluͤgel/ die Morcheln und die kleine Partickel vom Spaniſchen Brod trefflich wol zu/ welches ich an ſtatt deß gemeinen Brods/ und die Finger an ſtatt eines Loffels brauchte/ wie dann diß gute Gefraͤß inſonderheit hierzu geeom⸗ modirt und zugerichtet worden. Als ich nun nach Genuͤgen gefuͤttett hatte/ gieng ich auch in Saal zu trincken/ und erwiſchte auf dem Schenck⸗Tiſch einen halbmaſſigen Becher voll Hippo⸗ cras/ den ich anfaͤnglich vor einen guten rothen Jochem hielte/ den leerte ich aus bis auf den doͤrren Boden; hernach ſtun⸗ de ich und ſahe mit Verwunderung zu/ wie ſo wenig und langſam theils Gaͤſte aſſen/ gleichſam als wann ſie nichts guts vor ſich ſtehen gehabt/ behüt mich Gott/ daß ich die Menſchen den Maſtſchwei⸗ U 4 en feynicte ken Kit Mledt Eſen, Epeſel. der Geſh it Ein feh ehfl lſſigten d Gullurd ſcht:Rrt ſuuſt ten Ibekee / Poſet Nud /5 Ideſe Rach fint Wer wole Wenn ſo obes fg luat/ ſh⸗ abgepeſe 105 05 h geſac Nuldeg lchguthe anm ſie behut mitet Maſttt⸗ den Mfit ogelNeſt. 125 nen nicht vergleiche/ aber gleichwol wa⸗ ren hier theils Schmerwaͤnſt eben ſo Maßleidig als jene; ſie ſaſſen hier üͤberm Eſſen/ und wuͤrde doch bey ſo koͤſtlichen Speiſen nichts weniger contentirt als der Geſchmack; dahingegen die uͤbrige vier Sinn weit beſſere Wolluſtbarkei⸗ ten empfanden; dann die Spielleute be⸗ luſtigten das Gehoͤr: der wolgezierte Saal und das Schaueſſen/ das Ge⸗ ſicht: der woltemperirte Lufft und das ſanfft ſitzen auf Polſtern/ das FJuͤhlen/ und der Geruch von den Speiſen/ Blu⸗ men/ Roſenwaſſer und dem gemachten Rauch/ das Riechen. Indeſſen fiengen die Leute an allge⸗ mach feine Raͤuſchlein zu kriegen/ dann bßwer wolte nicht/ wann man einen den Wein ſo huͤpſch hinunter geiget? Und ob es zwar gut in dieſem Saal wohnen war/ ſo haͤtte ich doch/ als ich genugſam abgeſpeiſet geweſen/ meine Ruhe irgends unter einem ſchattigten Baum im Gar⸗ ten geſucht/ wann nicht einer mit der Viol de Gampa oder Kniegeige ſo treff⸗ lich gut Geſchirꝛ gemacht/ ſo mich aufge⸗ F v halten/ 126 Das wunderbarliche halten/ welches auch dem Galanen ſo wol gefiele/ daß er demſelben/ eine gantz Hand voll funckel neuer Gulden⸗Thalet/ von einem Schlag zuwarff/ davon zween ſo nahe zu mir rollten/ gleichſam als wann ſie mich baten/ ich ſolte mich ihrer Schoͤne wegen uͤber ſie erbarmen/ ſie aufheben und zu mir ſtecken; welches ich auch unverweilt thaͤt; zwar war ich gar nicht geſinnet etwas daſelbſt zu ſte⸗ len/(Geld aufleſen das ein anderer weg⸗ ſchlaudert und hinwirfft/ iſt ein anders) dann ich haͤtte ja ſonſt wol eine Traget Silber⸗Geſchirꝛ aufpacken koͤnnen; Ich lieſſe mich aber daran genuͤgen/ daß ich deren nur noch etliche ausleerte/ und als ich dem Tummel darvon im Kopff em⸗ pfand/ bedunckte mich Zeit zu ſeyn/ daß ich mich ausdrehen ſolte; Nam dero⸗ wegen einen Reheziemer und einen Haa⸗ ſen mit mir/ weil ſie vielleicht im Wald einander auch Geſellſchafft geleiſtet/ viell leicht miteinander gefangen/ mit einer, ley Speck geſpickt: an einem Spieſſe ge⸗ 6 braten: und jetzunder auch miteinandet zugleich alſo gantz von der Tafel abge⸗ hebt worden waren. Die⸗ — Digen Rendant 19 däs ſt wſchte d ſimnus/ malke/ hweken/ hegichrch Ibe teSr Andecf/ Hunn de ngg/ Ahinogsd Fterſtlaß huswehgf Behun tetnich en ich auf/ mͤcht/ x Goͤldaten ſhlkth/ det (deken te beheihunde einfugm poche RR Vogel Neſt. 12 Dieſe nam ich von deren Arm/ dann mein Rantzen und Hoſenſaͤck waren oh⸗ ne das ſchon genugſam Victualiſirt/ wiſchte damit zum Haus und Garten hinaus/ und als ich vor dem Stadtthor merckte/ daß mich die Hund daſelbſten ſchmeckten/ ob ſie mich gleich nicht ſahen/ gieng ich neben umb/ und kam ungefehr uͤber eine Stund oder anderhalbe zu ei⸗ nem Dorff/ allwo ich in einer elenden Huͤtten/ die eines armen Manns Woh⸗ nung war/ auf den Schopff ſtiege/ und mich in das daſelbſt ligende doͤrre Geiß⸗ Futter ſchlaffen legte/ welches mir uͤber⸗ aus wol zu ſtatten kam. Bey Untergang der Sonnen erweck⸗ te mich ein Geſchrey/ derowegen ſtunde ich auf/ zuſehen was da zuthun ſeyn moͤchte/ da war es ein Bott mit zweyen Soldaten/ welche meinem Haus⸗ virth/ der eben mit Weib und Kindern lderen er grad acht kleine unerogene beyeinander hatte) von ſeiner Arbeit heimkommen war/ ſeine Geiß genomen/ auch niien und folche hinweg fuͤhrten/ umb willen er Ffle F vj er N 428s Das wunderbarlich⸗ er 14. Batzen Herꝛen⸗Gelder/ wie ſiees nannten ſchuldig war; das Weib ſchlug die Haͤnde uͤberm Kopff zuſammen und ſchrie immer und ohne Unterlaß/ Ach daß Gott im Himmel erbarm/ womit ſoll ich nun meine arme kleine Kinder ernaͤh⸗ ren? Die Kinder aber ſchriehen alleu⸗ ſammen/ ach unſer Hetel! ach unſer He tel/ unſer Hetel! der Mann aber bat die Exequirer vor Gott und nach Gott umb ſeines Leydens: umb aller ſeinetſ Heiligen und umb deß Juͤngſten Ge ralleſn richts willen/ nur noch umb acht Tag Ge Duh dult/ aber vergebens; Er beſchwur ſe belcke noch hoͤher aber umbſonſt! Sie pafſir ſin Wi ten einmal mit der Geiß fort und lieſſen vor dunt den armen Mann ſamt Weib und Kinß Kldal dern lamentirn ſo lang ſie wolten; dete chen Ke ſelbe wande die Haͤnde zuſammen/ ver⸗/ pukent füͤgte ſich in die Stub ſeiner elenden Hetz Uleam. berg/ hin folgt Weib und Kind mit einem fimech jammerlichen Heulen und Geſchrey und mich ig ich gieng hernach mit hertzlichem Mitley ellneſt den; Ach ſagte Er/ es waͤre kein Wul, der es thate einer was ihn GOtt niemal geheiſſen! Ich hab kein Heller Geld 1 dq⸗ hnGOll in Hla Le 1 8 Vogel⸗Neſt. 129 das liebe Saltz zukauffen! ich hab kein Schmaltz nur an eine Waſſerſuppe! Fon aller meiner ſauren Muͤhe und Ar⸗ beit bleibt mir kaum ſo viel wegen der un⸗ ertraͤglichen Preſſerey meine arme Kin⸗ der nur mit dem lieben trucknen Brod zuernaͤhrn! und uͤber diß alles kommen noch dieſe Schinder und nehmen mir das beſte aus dem Haus; was ſoll ich nun anfangen/ wann ihr nunmehr bee⸗ des deß Schmaltzes und der Milch be⸗ raubt ſeyn ſollet? Dergleichen mehr klaͤgliche Wort heulete er gleichſam in einem Paß daher/ ſein Weib ſchrie einen erbaͤrmlichen Le- nor darunter/ und die unterſchiedliche Kinder(ſo ohne das ihrer unterſchiedli⸗ chen Groͤſſe nach die Orgelpfeiffen re⸗ hielten den Altum und iſcant, alſo daß es die Harmoniam der jaͤmmerlichſten Muſie abgab: Welches mich nicht unballich zur Erbaͤrmde und einen Chriſtlichen Mitleyden bewoͤgete⸗ und erinnerte/ zubedencken/ was fuͤr ein Unterſcheid zwiſchen dieſem elenden Le⸗ ben und dem jenigen ſeyeldas ich den ver⸗ F vij wichnen — 136 Das wunderbarliche wichnen Tag geſehen; Ich gedachte heut wareſt du bey dem reichen Mann/ jetzt biſt du beym armen Lazaro; dan⸗ noch erfreuete mich noch ein Ding/ nem⸗ lich daß Mann Weib und Kinder alle friſch und geſund waren/ ſo bey dem La⸗ zaro nicht geweſen. Wie ich nun alſo an die nechſt verſtri⸗ chene Mittags⸗Mahlzeit gedacht/ erin⸗ nerte ich mich auch der zweyen guldnen Thaler die ich dabey erbeuthet hatte/ zog derowegen einen darvon herfuͤr/ und ſchlug ihn auf den Tiſch daß er klaͤpperte: beyde arme Eheleuthe erſchracken zwar/ aber ſie erholten ſich bald widerumb und ſagten zuſammen/ diß hat uns Gott beſcheret/ unſer Hetel damit auszuloͤſen. den mit dem guldnen Thaler hin ſeine Geiß zu ranzionirn/ wiewol es ſchon zimlich duͤſter war; das Weib und ih⸗ re Kinder aber befanden ſich wol getroͤſt/ und dancken Gott umb das empfang⸗ ne Geld/ Mithin ſchnitte ſie die Supy em/ und wartete mit Verlangen biß die Geib kame/ damit ſie deren Milch W un D ud dt he kutt nal Feurtoufde det ultekdeht ren Hungekz enpwackte Supenſhn ſoterſuhen nichtdtibet nut in Mau Pigendsfinn Ien f GeAdenmt Reeſch dhet gusgemtken gͤben Jhelet Welchenet Se f hren Lohn e Der arme Mann lieffe auch alſobal⸗ Alt N Uatukſachto de dißmalkeihee Schmatzud Damt che whas worwe Hahm y Mu Hp EE Vogel·Neſt. 131 und die verhoffende Supp anrichten könnte/ machte auch zu ſolchem Ende ein Feuer auf den Herd/ in welchem die Kin⸗ eh Derg der unterdeſſen gelbe Ruben briethen ih⸗ Aüudgrheren Hunger zuſtillen/ etliche aber aus ih⸗ nen zwackten der Mutter heimlich etliche Suppenſchnitten hinweg; und aſſen ſie ſo verſtohlens/ daß ſie auch die Lefftzen nicht druͤber bewegten/ ſondeꝛn das Brod nur im Maul zerſchmeltzen lieſſen/ und folgends hinunter ſchluckten. Indeſſen kam der Mann mit der Geiß widerumb/ und berichtet/ daß ſie die Preſſer oder Hexengierer nicht allein ausgemolcken/ ſondern auch ihme am gulden Thaler dem uͤbrigen Batzen/ vor welchen er Saltz mitbringen ſollen/ vor ihren Lohn einbehalten/ welches abermal eine neue Klag unter Weib und Kindern verurſachte/ dann nunmehr wuſte ſie vor dißmal keine Suppe zukochẽ/ weil Saltz/ Schmaltz und Milch mangelte. Damit aber die Kinder gleichwol et⸗ was warms in Leib kriegen moͤchten/ nahm die Mutter ein Ey(dann dieſe Haushaltung vermochte auch eine 55 ne 132 Bas wunderbarliche ne) růhrte ſelbiges unter Waſſer/ lieſſe es ſieden/ und ſchuͤttelte die auſſerſte Staublein aus dem Saltzäacklin üͤber die Brocken/ und als dieſe magere Sup⸗ pe aufgetragen war/ ſetzte ſich klein und groß nach geſprochnen Gebet darunmd her/ und attaquirten ſie mit ihren hoͤltzer⸗ nen Loͤffeln/ daß kein Tropffe mehr darin bliebe; Ach hatten dieſe Leut nicht ein Appetit gegen den heutigen im Garten? der Tiſch(den ich der Kunſt nach anſa⸗ he/ daß ihn der Hausvatter ſelbſt ge⸗ 00 macht hatte) war zwar ſo wol mit aus⸗ gehungerten: und an Kleidungen uͤber⸗ all zerlumpten Kinder beſetzt/ daß nie⸗ mand mehr daran ſitzen konte/ doch vet mochte ich gar wol uͤber ſie hinein zurei⸗ chen; und weil ich das miſerabl Ellend betaurete/ zumalen ohne meinen Haſen und Reheziemer dem Rantzen und die Hoſenſack mit allerhand Stuͤckern Fleiſch/ gebratens/ weiß Brod und der⸗ gleichen Wahr angefuͤllt: auch wahr ge⸗ nommen hatte/ daß beyde Eheleute das Geld als ein ſonderbare Wunderbar⸗ lich beſcherte Gabe Gottes angenom⸗ men; daßtsmſch ſchſche hußes; kkſchauchme dch Nſchaus)/ eldohpelt wl den Haſeh und Lot mch nbeh Iul deg Egez Vogel Neſt. 133 men; Als thaͤt ich meine milte Hand fer⸗ ner auf/ und fieng an den Kindern aus meinen Hoſenſaͤcken nacheinander vor⸗ legen/ dann nach der Supp wolt ihnen r Vatter kein Stuͤcklein Brod ſchnei⸗ wie ers und ſein Weib auch ſelbſt Eces F 1 42 2 +=. 2 imlich ſp Ich konte eben aus denſelben(ſo wol den alten als den jungen) einem jeden einen zimlichen Particul mittheilen ehe ich ſie gar auslehrte/ welches die alte mit Erſtaunen und hoͤchſter Verwunde⸗ rung: die arme Kinder aber mit zuſam⸗ men ſchlagenden Haͤnden und hoͤchſten Freuden annahmen/ Gott danckten und das Chriſtkindlein lobten/ daß es ihnen einmal genug zu eſſen beſcherte; Sie hieben auch ſo gewaltig darauf/ u daß es mir ſelbſt wolſchmeckte; und als ichſahe/ daß es ſo wol angelegt war/ leh⸗ Itrete ich auch meinen Rautzen mitten auf den Tiſch aus/ darvon ihrer aller Freud verdoppelt wurde; hingegen ſteckte ich den Haſen und Rehezimer hinein/ olches vor mich zubehalten; und demnach es ävon den Spanen ſo dieſe Leut an 5 e 1 134 Das wunderbarliche deß Lichts brannten/ zimlich warm und raucherig indem 50 zedas as engen Stuͤb⸗ lein würde/ konte ich das Ende der Mahl⸗ zeit nicht erwarten/ londern verfüͤgte f mich wider hinaus auf das Geiß Futter/ auf welchem ich ſchlieffe biß an den lieben hellen Morgen; Als ich nun—5 nach Aufgang der Sonnen erwachte/ ſahe ich daß mein Haus wirth Koͤrb flochte/ das Weih und die zwey groͤſten Kinder aber dortſaſſen und ein grob küdernes Garn zu Sack⸗ Daffent ſpannen/ welche Handthirung mich je zu gerin ſeyn dunckte/ aus ihrem Ertrag zehen Yraͤuler erfuͤttern/ geſchwei⸗ ge noch darzu Geld vor die Obrigkeit vorzuſchlagen: Das Weib hatte ihres Manns Wuͤllen⸗Hembdt an/ welches er im Wi⸗ nter zu tragen pflegt/ er ſelbſt ein paar Zwilchener/ uͤberall mit Spaͤt⸗ tern beſeß te Hoſen/ und die Kinder gien, gen alle ſo zerriſſen daher/ daß ich ande nen umb ſich habenden Lumpen nicht er⸗ kennen konte/ welches Maͤgdlein odet Buͤblein geweſen; Mit welchen Kl, dungen ſie ſich auch deß Nachts bedeck ten/, Eume N0 Pouſt uchtsdl egehfuchtei Talerdolec Cchlufſed(04 inenagege heh. Uuteweh Kingieng be ſch bit Mun tikhiacderle Huftub Vogel⸗Neſt. 135 ten/ dann ich ſahe in der Stube die juͤng⸗ ſte noch in ihrem von Laub und Moß zu⸗ gerichtem Neſt alſo mit ihren Kleidern dzugedeckt ſchlaffen/ der alten Bett war ſcheinbarlicher von Stroh gemacht/ ſo hles doch auch ſchon zimlich zermahlen war; die Bettlade ſamt Tiſch/ Stuͤhl un Baͤncken waren alle deß Manns eigne Arbeit/ und wie mich bedunckten ſo war er auch ſeblſt der Zimmermann/Maurer und Decker zum gantzen Haus geweſen; die Fenſter waren von Papier/ und der Stuben Ofen von gebachenen Steinen und Holziglen zuſammen geſticket; In Summa Summarum/ es war uͤberall ſonſt nichts als die Armut ʒu ſehen/ dero⸗ wegen ſuchte ich meinen uͤbrigen Gulden et an/ Thaler vollends hervor /legte ihn vor das n FietegSchlaffgeld auf den Tiſch/ und gieng me 5 ein angenehmer Ort vor mich zu ſu⸗ hen. Unterwegs und dieweil ich ſo gar al⸗ lein gieng/ betrachtet ich wie unterſchied⸗ lich wir Menſchen auf dieſer Welt un⸗ tereinander lebten! und konte doch die Herkunfft und Urſach eines ſo groſſen Unter⸗ ** 136 Das wunderbarliche Uuterſcheids nicht erſinnen; Als ich aber bedachte/ daß die Reiche eben ſo hef⸗ tig wider die Hoffart und allerhand leib⸗ liche Wolluͤſte: als die Arme wieder die Ungedult und Begierd/ auch etwas zu haben/ zu ſtreiten Urſach haͤtten; hielte ich darvor/ GoOtt ſchickte es alſo/ damit er den Reichen umb ſeiner Demut und Gutthaͤtigkeit: den Armen aber um ſeiner Gedult und Zufriedenheit willen kroͤnen moͤchte; dafern ſich aber beyde Theil deß ſen in dieſem zeitlichen Leben wuͤrdig ge⸗ macht haͤtten: So muſte ich mich auch daruͤber verwundern/ daß ich den vori⸗ daft 6 gen Tag die reiche Dame erſchroͤckt und Obnmn geaͤngſtigt: die arme Leut aber erfreuet taſchid und getroͤſtet; da mich jene ohn Zwei' ihtuntertht fel fuͤr einen boͤſen Geiſt: dieſe aber vor ien/ b hetd einen H. Engel gehalten ich gruͤbelteder belogen un Urſach nach warumb doch die Menſchli⸗ umenm ein che Urtheil gemeiniglich ſo betruͤglich waͤe nuglat ren? und hielte darvor/ daß weil die Git nich blinde Urtheil oder der Menſchen dißdatltot Wahn/ nach der Beſchaffenheit deß ine F fertick pch nerlichen Gemuͤths paſſionirten Affe-. bufgbeite Sen geſchoͤpfft wuͤrden/ daß ſie debwegen Vegig yn ſelten Vogel⸗Neſt. 137 ßfelten eintreffen koͤnnten; dann jener Damen hat ohnzweiffel ihr wiſſen und Gewiſſen geſagt/ daß ſie eine ſuͤndhaffte Thorheit vorm Spiegel begangen/ als ſie ungefehr meine Geſtalt darinn geſe⸗ hen/ was hat ſie ihr dann viel guts von ſolcher Erſcheinung einbilden koͤnnen? Odas arme Hausgefaͤß hingegen ſeuff⸗ tzete zu GOtt und klagt ihm ſeine Noth/ als ſie Troſt und Huͤlff durch den un⸗ verſehens herkommenen Thaler empfi gen; Weme ſolten ſie denn ſolche Dar⸗ ſendung ſonſt zugeſchrieben haben/ als dem jenigen dem ſie ihre Noth geklagt? Ob nun gleich beyde Theil von mir ſo un⸗ terſchiedlich geurtheilet/ daß ſie auch nicht unterſchiedlicher haͤtten uꝛthlen kön⸗ nen/ ſo hat doch der Wahn alle beyde betrogen/ und mich gelernet/ wie wenig unſerm eignen Beduncken zutrauen und zu glauben ſey. Gibt mich dannoch nicht Wunder/ daß der alte Simpliciflimus in alle Kupf⸗ ferſtuͤck ſo ſich in ſeiner Lebens Beſchrei⸗ bung befinden/ geſetzt hat: Der Wahn betruͤgt! vornemlich wann ich mich er⸗ innere n⸗ 138 as wunderbarliche innere/ daß ich auf dieſer Reiſe einmals ſeinen Sohn beym Leben erhalten(weß⸗ wegen er dann dieſen Spruch vielleicht ſo oft andet und vor ſein Symbolum er⸗ wehlet hat) als nemlich ein Eyferſuͤchti⸗ ger Hanrey ihn und ſein eigen Weib Ehebruchs halben anklagte; welche Hi⸗ ſtori dann/ wie unten folgen wird/ meine obige Meinung von Urſach der Menſch⸗ lichen Urtheil Betrug bezeugen wird. In ſolchen Gedancken gieng ich wol zwo Stund ehe ich ſie gar eroͤrdert/ und als ich durch ein Waldlein paſſirt war/ darvor emin ſchoͤnes ebnes Feld lag/ ſahe ich einen Kerl mit einer Kuh am Strick neben dem Wadd herkommen/ welcher ſich zu mir in die Landſtraſſe verfuͤgte/ die uns nach E. einer ſo genannten Stadt trug/ dahin wir auch noch unge⸗ fehr eine Stund zu gehen hatten; Ehe wir nun gar eine halbe Stund lang an ſolchen Weg hinterſich gelegt hatten/ erlangte uns gar leicht ein Reitender/ weil wir ſachte giengen/ derſelbe bote den mit der Kuh einen guten Tag/ und frag⸗ te ihn woher er mit dieſer Kuß kaͤme und wohin⸗ t fabte das nicte Miſch ſoſ fel ſyn;N ande/ hat fhiggr * Wondt 5 139 1 workehe er damit wolte? Ihme ant⸗ wortet er waͤre von C. und ſeye Wil⸗ mick lens die e Kuh/ die er ſelbſt erzogen hinein na zu Marck zutreiben und daſelbſt Itz wegen ſeiner hoͤchſt angelegnen Noth⸗ ndurfft; uverkauffen; bey mein Ayd/ ſag⸗ te der Reitende/ wann ich heut nicht falbſt; geſehe en haͤtte/ caß meine Magd das Vieh in meinem Stall gemolc cken uñ vor den Hirten getr rieben/ ſo doͤrffte ich ſchweren dieſe Kuh waͤre wein ſo natuͤr⸗ lich gleichet ſie einer von den Meinigen; das glaub ic ger n.—5 et der ander/ dann es gibt mehr denn nur ein weiſſe Gans; das iſt 75 ſagt der Reitendz aber guter 5 Freund wie wolt ihr ſi ſie aufs nechſte laffen? unter zwoͤlff Gulden nicht antwortet jener/ dann ſie iſ an der Milch ſo ſehr trefflich gut/ daß Heut then han Weib und Kind umb ſie geweinet al sich de Stund! 65 weggetrieben/ und wann mi ch die ich gege Noth jetzmals ſo hart nicht traͤngte/ wüͤr⸗ def ie mir wol umb vierzehen Gulden nit feil ſeyn; Das iſt zuviel 3 der ander/ ich getraue jetziger Zeit viel ein ſchoͤner Stuck umb 10, Gulden— 0 en 2 140 Das wunderbarliche fen/ wann ich Viehe bedoͤrffte; ſo fern ich ſie euch aber abhandelte /ſo geſchehe es nur darumb/ damit ich zwo durchaus einander ſo aͤhnliche Kuhe zuſammen brächte; Nach vielem Wortwechslen wurde der Kauff endlich umb ſechs Reichsthaler und vier Maß Wein ge⸗ ſchloſſen/ ehe wir gar zum Stadtthor kamen. Der Reitende kehrte nicht im Wirts ⸗ haus ein/ bey einem ſeiner Be⸗ kannten/ da ſie auch beydes Noß und Kuh einſtell lten; und die erſte? Maß von den Weinkauff holen lieſſen; Ich mach⸗ te mich auch/ dann ich Warig beym. Kauff geweſt/ und muthmaſſte an dem daß der Reitende ſo willkommen warf es doͤrffte einen zimlichen Schmauß 5 ſetzen/ vornemblich weil ſie ſchon vier Maß Weinkauff zum beſten hatten/ dar⸗ von ich ohne das meinen gebührenden Theil/ weil ich auch beym Kauff gewe⸗ en/ nicht dahinden zulaſſen gedachte; Nun es gieng an wie ich mir eingebildet/ aber es endet ſich nicht wie ich vermeint gehabt; dann der Tiſch wurde zwar ge⸗ deckt L Dehnudt boh danerſeheke h aber tl dah 0 0 ü ts! dann auch t Cſenbetr uf ſen fert liches Btt qubs ff fuot⸗ f n d iinmane n Hutbehe a te teſtdude g ud dich nt luſigwache kum ut ſe untet dieche ders beonn gebetert daß ih ſm nach nthr⸗ Pl h8t ten figeh RRRRR 3 Vogel⸗Neſt. 143 0deckt und aufgetragen/ auch Wein her⸗ bey geſchafft/ und der Verkauffer nach⸗ dem er ſeine ſechs Thaler vor die Kuh em⸗ pfangen/ zum Niederſitzen genoͤthigt/ aber er erteigte ſich ſo diſcret und erkañt⸗ lich/ daß ers nicht thun wolte/ er wiſte Idann auch was vor ſein Theil an dem Eſſen beytragen ſolte; zuletzt wurde ihm auf ſein freywilliges Anerbieten und hoͤf⸗ liches Bitten verwilligt/ daß er zu dieſem σfIJmbs eine gute Paſtet holen moͤchte/ worzu ihm dann der Hausvatter eine M zinnerne Platte hergab; da gedachte ich hag nun bey mir ſelber/ ach wann du dich nur in auch doͤrffteſt ſehen laſſen/ wie gern wol⸗ teſt du dein gebraten Wildpret hergeben/ und dich mit dieſen Leuten rechtſchaffen taluſtig machen; der Verkauffer war aber valſeſto kaum mit ſeiner Platten oder Schuͤſſel ken hatoa unter die Thuͤr kommen/ als er ſich an⸗ gbbeh ders beſonne; dann er kam wieder und uff eo ſagte/ botz Steꝛn es iſt ſchier eine Schand/ daß ich ſo mit der Platten und auch her⸗ ͤnach mit der Paſtet uͤbet die Gaſſe gehen ſolle; der Kaͤuffer und Hauswirth billich⸗ ldehe ten ſeine Rede und der letztgemeldte liehe G ihm Æιν RKE 142 Das wunderdarliche ihm ſeinen Mantel/ deſto reputirlicher hinzuwandern; das thaͤt er/ kam aber drumb nicht wieder/ und demnach ſie ſehr nahe bey einer halben Stund auf ihn gewartet/ fieng ihnen erſt an zu ſchwanen es moͤchte nicht recht hergehen Wie ſie gedachten/ ſo wars auch; ſe fanden ſich in ihrem Wahn nicht betto⸗ gen/ wie obengemeldte Dame und arme Leut/ ſondern wurden(aber zu ſpat und mit ihrem Schaden gewahr/ daß dieſer Mauskopff dem Kaͤuffer die Kuhe von der Weid hinweg geſtolen: und auch den Mantel ſamt der Schuͤfſel ſh meiſterlicher Weiſe dahin hatte. Ich ſahe wol daß weder dem Kaͤuffer noch Hauswirth hierauf Eſſen oder Trincken mehr ſchmecken wolte; dero, wegen machte ich mich auch darvon; gieng auf den Marckt; fiſchte auch da⸗ ſelbſt einen Becken zwey Kreutzer Brod ab; und aſſe fein offentlich unterm freyen Himmel zu Mittag/ darzu mir ein zim, licher Schmarren vom Reheziemer nicht uͤbel ſchmeckte; Niemand rechtfertigt mich deßwegen als der Durſt/ K von he ge unnen, Nufuhehr ſſchs gels 90 ulche m ſuctedn/ fbigen dne hehz datte Gaſeinds iinichene ſien bät; fhidtohe d Iun Stunde gentien J Ruͤuſt/ an die deittefe lote diß der fͤßechende ſhanen/ det berkauft h andets varf ſtelt/ lßi Vogel⸗Neſt. 143 aber in eines Weinſchencken oder Gaſ⸗ ſen⸗Wirths Keller befriedigte/ als das Menſch ſo vorm Zapffen ſitzen ſolte/ ſich nderwerts vergaffte/ neue Maͤhren von ihres gleichen Pappeltaͤſchen zu ver⸗ üttes nemmen. unsd Nunmnehr mangelte mir vor dißmal Pthogth nichts anders als Gelegenheit/ die edle udie Zeit/ welche man die lange Weil nennet ⸗ denFos zu vertreiben/ ſintemal ich zu faul war/ felbigen Tag aus der Stadt weiters zu gehen; derowegen verfuͤgte ich mich eine ſhen. Gaſſe hinaus in ein Wirthshaus/ wor⸗ inn ich em Getoß hoͤrete/ welches mich hinein lockte; darinnen fande ich unter⸗ ſchiedliche Tiſche/ mit auch unterſchiedli⸗ chen Standsleuten beſetzt/ doch alle von gemeinen Volck; Elliche hatten halbe rFRaͤuſch/ andere waren gantz voll/ und die dritte fiengen erſt an zu zechen; einer redte diß/ der ander jenes; wol dahinden aſſe eben der jenige/ mit noch einem Ge⸗ ſpanen/ der denſelben Tag das Kuͤhlein verkaufft hatte; allein war er barbirt/ anders verkleidet/ und dermaſſen ver⸗ ſtellt/ daß ich ihn bey nahe nicht gekannt G ij hatte/ iiee 144 Das wunderbarliche hatte/ wann ich nicht eben denſelben Tag mit ihm ein Stuͤck Wegs gereiſet waͤre; nach dem ich ſie aber genauer betrachtet/ erkannte ich ſie eben vor die zween/ ſo neulich beyde Studioſi ermorden wollen. Der enge Rath den ſie miteinander hielten/ ihre Fuchsaugen die ſie herumb ſchieſſen lieſſen wie andere Dockmaͤuſer/ und dann daß ich ſchon erfahren/ ja ſelbſt geſehen hatte/ daß der Kuͤhehaͤndler ein Ertzfunck war; machten daß ich mich zu den ehrlichen Geſellen ſetzte/ zu hoͤren/ was ſie miteinander tractirten; Zudem war ich allbereit ohne diß unglaublich eu⸗ rios worden/ anderer Leute heimliche Converſationes und Anhaͤnge/ ſo un⸗ ſichtbarer Weiſe zu vernemmen/ umb mich damit zu delectiren/ weil ich auſſet deſſen ſonſt kein Kurtzweil und Zeitver⸗ treibung haben/ oder eines andern Spaſ⸗ ſes faͤhig ſeyn koͤnte. Ihr Vorhaben war diß/ daß ſie die morntrige Nacht einem reichen Kautzen einfahren und den Stein ſchneiden/ das iſt auf Teutſch ſo viel/ daß ſie einen wol⸗ habigen Mann Diebiſcher Weis ein, brechen/ heh/ woöllen; J guch dalde ant ihnen dent malich! ſchhatke gunſt/ Muluke els wat)! geſchitrn ſugtm/ K gunm; ſt Shnelcl renit bs: deh⸗Dienc dicen berdt Gegpchobl ben den kn llenunt Itſae Abe ſch ſee en ih bey dee mung nitt! chen/ 1 hgu Vogel⸗Neſt. 147 brechen/ und ihm ſein Haus beſtelen wolten; Ich gedackte/ holla! du wuſt auch darbey ſeyn nicht daß ich haͤtte Part an ihrem Diebſtal haben moͤgen/ ſondern ihnen den Compaß zu verrucken; ſinte⸗ mal mich ihr Anſchlag/ wie ſie ihn vor ſich hatten/ gar zu weit aus der Diebs⸗ Zunfft/(derer Mitglied/ ſo viel das Maulfutter anbelangt/ ich damals auch eins war) zu der Moͤrder⸗Geſellſchafft geſchritten zu ſeyn bedunckte/ dann ſie ſagten/ der Herꝛ ſelbſt ligt an Poda⸗ gram; ſeine Frau muß morgen zu ihrer Schweſter Hochzeit; ſie bleibt aus aufs wenigſt bis umb Mitternacht; der Ga⸗ den⸗Diener oder die Magd/ eins von dieſen beyden/ muß ihr die Latern brin⸗ gen; alſo bleibt nur noch eine Perſon ne⸗ 10 ben den krancken Cyprianer im Haus; cenezamdanẽ ſolten nun eins oder geſetzt alle beyde uͤber unſere Arbeit wach werden/ wie gering wat diß duſeyn ſie erwuͤrgt? derowegen verbliebe then techeich bey dieſenzweyen Geſellen/ der Mei⸗ Sten ſhres nung nicht von ihren Fußtritten zu wei⸗ / Nßſecnt chen/ ich haͤtte dann zuvor ihren An⸗ bichet Leſchlag zu Waſſer gemacht; ob ich gleich l. G iij bey 146 Das wunderbarliche bey ihnen wider meines Hertzens willen Durſt leiden muſte/ oder/ damit ich mehr uͤberflͤſſige Wort brauche) keinen Tropf⸗ fen Wein zu trincken bekommen kontt; Zuletzt nannte einer das Haus das ſie beſtehlen wolten/ nach dem Schild det daran hieng/ darumb gieng ich von ihnen daſſelbe zu ſuchen und vor ihren Begin⸗ nen zu Salvaquartirn. Wie ichs fande/ gieng ich hinein/ und ſahe es von allem dem jenigen was in ein wolhabigs Haus gehoͤret/ genugſam ge⸗ ſpicket und verſehen; der Gaden beſtund in allerhand Waaren mit ſolchem Über⸗ fluß/ daß man deß Inhabers Reichthum genugſam daraus abmeſſen konte/ in ei⸗ nem Neben⸗Gewoͤlb fande ich den edlen Tranck Peter Sumon/ daraus ich zapff⸗ te/ dieweil der Gaden-⸗Diener ander⸗ werts zu thun/ und einigen Kaͤuffern et⸗ liche Waaren hinzugeben hatte/ wormit ich mich hertzlich erquickte/ und ihn gar nicht zu ſparen: hingegen aber auch denſelbigen auf die beſtimmte Nacht wiederumb redlich zu verdienen gedachte; er ſchmackte mir auch ſo wol/ daß ich ein Fla⸗ 1 Pßeas Seig itfit ſün ſten tug/d prelſatlich elſchedaſc ſinſchehe Dh fol ſcht therde Ihr/ und K· Eimnäft ott mid Ef Dihen; Wuubudk In da Hau⸗ dchen zun! Wib/ un fur Hochtt Klider ud Polen ud fich ibe Wegen dann PWagtr' Dehentzärde Wokkeinſch tinn EE Waderich Vogel⸗Neſt. 147 Iüre eren Flaſchen⸗Glas nam/ ſolches/ weil ich Zeit genug darzu hatte/ voll fuͤlete/ und mit mir hinauf ins Haus auf dem Ka⸗ ſten trug/ allwo ich von meinem Wild⸗ pret ſtattlich zu Nacht aſſe/ und mich auf nacdedetliche daſelbſt ligende Plauen mit einem ögengde zimliche Rauſch zur Ruhe bequemten. det Den folgenden Morgen erwachts ich n, nicht ehender/ als ungefaͤhr umb acht Uhr/ und weil ich noch etwas von Peter Siſmon uͤbrig hatte/ zumalen einen Ap⸗ petit empfand/ Fruͤheſtuckte ich vor al⸗ len Dingen; ſchliche darauf im Haus herumb und kam in die obere Stub/ wor⸗ inn der Hausherꝛ am Podagram lag/ deſſen Frau aber/ ein ſchöͤnes junges Weib/ vorm Spiegel ſtunde/ und ſich zur Hochzeit mutzte; Sie hatte ſtattliche Kleider/ und war mit Guͤrtlen/ Ringen/ Perlen und dergleichen Geſchmeiß auch nicht uͤbel verſehen und gezieret; Weß⸗ wegen dann ihr Herꝛ unangeſehen ſeines Podagra/ mit ſolchen hafftigen Begier⸗ den entzuͤndet wurde/ daß er begehrte/ ſie wolte in ſolchẽ ihrem Schmuck ein Gang mit ihm wagen/ ſo wolte er hingegen ihr Nt 8. 00 wol/ kt G iiij wie⸗ —— 14s Das wunderbarliche wiederumb willfahren/ ſie moͤchte auch an ihn begehren was ſie immer wolte; das Weib ſperrte ſich nicht lang/ ſon⸗ dern damit ſie ihrem Mann mit Able⸗ gungen dieſer ſo angenehmen Schuldig keit deſto ſicherer willfahren und gehor, ſamen moͤchte/ ſchloſſe ſie die Stubthuͤ ju/ alſo daß ich wider meinen Willen im Zimmer bleiben/ und zuſehen muſte/ was der Potagramer konte; Ach! gedachte ich/ ihr liebe Leut/ wann ihr wuͤſtet was euch vor eine Lauge gegoſſen und uͤberge hengt worden/ ſo ſolte euch der Kuͤtzelwol vergehen; nach verrichtem Werck legte das Weib die Falten wieder ein wenig zu recht/ thaͤt ein ander Größ umb/ und machte ſich gefaſt zur Hochzeit zu gehen; der Mann aber der nunmehr nach Ge⸗ nuͤgen ſein Contentament empfangen/ begehrte von ſeinem Weib zu vernem⸗ men was ſie vor einen Recompens vor ihre Willfaͤhrigkeit prertentire/ er wole ſein Verſprechen halten und ſie alſobal den zu frieden ſtellen; Es bleib darbey/ antwortet das Weib; mein Begehren iſt/ daß ihr mirs noch einmal thun ſolt/ die⸗ 1 eelded Dadum lant wlb rſed fecn/ R kaohnnt Ll/ ud — We wel ſh. aftſnte frurdtttes hi ſiulbk⸗ JurHochntg ſonben Kitch ſche Cerne⸗ Sohtd i0 geng a die hochel tml nen⸗ flt ferten Kohlleert ndbcl an Ketnemret. und hotct wos ſch ni⸗ Ctitt REEEEEE 83—— Vogzel⸗Neſt. 149 dieweil die Thuͤr noch zu iſt; Ja/ ſagte der Mann/ das iſt mir jetzt ungelegen; Hahal antwortet das Weib/ ſo ſehe ich dan gamol/ ihr ſeyd auch einer von denen Maͤn⸗ unasts nern/ die mehr verſprechen als ſie zuhal⸗ udt ten gedencken; Es war mir auch unge⸗ legen/ und dannoch willigte ich gleich in euer Begehren; aber hinfort weiß ich/ wie weit ich mich auf euer Verſprechen zu verlaſſen habe; Endlich lieffe alles auf freundliches Schertzen hinaus/ und als die Frau die Thür wieder oͤffnete/ und zur Hochzeit gieng machte ich mich auch fort den Kirchgang und andere hochzeit⸗ liche Ceremonien zu ſehen. Solches thaͤt ich nicht allein/ ſondern ich gieng auch mit in das Haus worinn die Hochzeit⸗Gaͤſte geſpeiſet wurden/ ſin⸗ temal mein Mage etwas Warms von mir pratentirte/ ſo ich ihm daſelſt in der Kuchel verſchaffte; hernach ſpatzierte ich etctchen/ein Weil auf dem Marckt herumber/ zu⸗ nd ehvernemreen/ was man guts neues ſagte/ Gſieg und hoͤrete von den Leuten nicht allein wen dih was ſich mit der Kuhe/ Mantel und zin⸗ 0 emte nen Schuͤlſel zugetragen( ſondern daß G v auch N — * dö huld 5 U Hennn . 101 6. Widerſcht k die Magd e den⸗Dienck 150 Das wunderbarliche auch dieſelbe Nacht etlichen Meißnetn ein Balle Wuͤllen Tuch entfremdet wor⸗ den woͤre/ woraus ich muthmaſſete daß der Kuͤhedieb demſelben auch huͤtte ſtelen helffen. 133 Als nun gegen Nacht Eſſens⸗Zeit düke e war/ begab ich mich wieder in mein vori Fihucden ges Quaktier/ und fande den Gaden, dn Diener das Journal ertrahirn die Wmne Magd aber den Her:m ſein Nacht⸗Imbs Aer anrichten; ſo da war ein Salaͤtgen; ein frrdtan Perlegerſtſüppgen; ein grün Kräutigen dudten de K von Spinat zein mit Butter/ Sparglen l und Eitronen Eingemachtes: und einge⸗ Cüthakte bratenes junges Haͤnngenz ich gieng mit u5 nůn d in die obere Stub/ und ſahe daß erin(h. eh eben denſelben Bette ſitzend ſpeiſete wor, Lelfnm inn er ſich den Vormittag ligend ſo mun dahwegen ge ter gehalten hatte; ſein Tranck war ein daken abgelegenes Striger Mertzen⸗Bier Dllaunt welches gar geſund ſeyn foll; Ich woch⸗ A un te aber gleichwol mit ihme nicht ſchmato, bäthen tzen ſondern gedachte an den Signorpe ud Rn ter Simon/ der mich vortrefflicher zu inn flunt ſeyn bedunckte/ als Madam Ptiſina; eine Re derowegen gieng ich wieder biunttn Adiwathe 0 Vogel Neſt. 151 das Haus/ zu ſehen ob ich bey gedachten Herꝛn zu Audientz gelaſſen wuͤrde/ das widerfuhr mir gar leicht/ als in deſſen die Magd oder Koͤchin ſamt den Ga⸗ den⸗Diener ebenmaͤſſig einen Salat/ ein doͤrre Rindszung/ ein Stuck Sulper⸗ fleiſch und ein Maͤsgen alten Wein/ ne⸗ ben einer Portion Hollaͤndiſchen Kaͤs und Butter expedirten. Dieſe zwey waren denſelben Abend freundlicher miteinander/ als meines Be⸗ dunckens Herꝛ und Frau denſelben Mor⸗ gen geweſen; wie ſie mich dann ein däStuͤckgen ihrer Kunſt ſohen lieſſen gleich als wann ich daruͤber haͤtte urtheilen ſol⸗ len/ ob ſie oder ihre Obern die Sach am beſten koͤnnten/ und ich glaub wann ich deßwegen gefragt worden waͤre/ daß ich uct te den Preis nicht den Herꝛm ſondern dem Diener gegeben haͤtte. Als nun der Herꝛ ſein Liecht ausge⸗ loͤſcht hatte/ der Diener auch ins Bette: und die Magd mit einer Laternen nach ihrer Frauen gegangen war/ hielte ich e meines Bedunckens mitten im Hauſe , und:war gerad vor deß Herꝛn Stub die 4 G v Wacht/ 172 Das wunderbarliche Wacht/ deſto beſſer zuhoͤren/ und ge⸗ ſchwind nahe darbey zuſeyn/ die Dieb möͤchten gleich einbrechen wo ſie wolten; Ich bedorfft auch nicht lang zu warten; dann als es umb die Zeit deß erſten Schlaffs: zumalen auch bald an dem war/ daß Frau und Magd wieder heim kommen ſolten/ hoͤrete ich hinten am Hauſe wo es an den Garten und Hof ſtieſſe /ein Genuͤſtel/ allwo die Mauſer ei⸗ ne kurtze Leiter auf einen Stoß Brenn⸗ holtz geſetzt und an ein ſonſt vom Erdbo⸗ den hohes Fenſter angelehnet hatten: dardurch ſie ſo ordentlich hinein paſſir⸗ ten/ als wann es ihr alltaͤglicher gewohn⸗ ter Weg geweſt waͤre: ſie hatten auch al⸗ les ſo fleiſſig ausgeſonnen/ und wie ſie es machen wolten/ zuvor berathſchlagt/ daß ich mich uͤber ihre Spitzfindigkeit ver⸗ wunderte; dann indeſſen der eine einen Hauffen dorthin hoffirte/ gieng der an⸗ der hinunter ins Haus und oͤffnete die Thuͤr/ damit wann etwan jemand im Haus wider ihr Verhoffen alert wuͤrde, cind it rdck Kuumer fliſſg Zubette Haus Edaf e eerge 0 einen ihe Uiinntr n obernlct Reund Sen Kunm IuStge Iym geche ShtIrngt ihm glech ſtgktgechgt ſtogktrſe daßene e Kehtochen geclenhe aehg, Sie ſich bey Zeiten dahinaus retiritn dan koͤnnten; derſelbe brachte/ ich weiß nicht woher/ U 0 aderlch Ex Rſonnt vom& Augelehnet he e: ſKbmner Uonen/ undrxi ot betulhſchlag Sntzindie deſſen det ele e offrte/ gien x aus und ife n etman fent⸗ Achoffndlenn⸗ m dahinaus K achte/ ihheſ R Vogzel⸗Neſt. 153 woher/ ein Liecht mit ſich/ und als er da⸗ mit wider die Stege hinauf zu ſeinem Kammerrathen kam(welchem ich mich fleiſſig an die Seite geſtellt) und ſein Zauberwerck herfuͤr ſuchte/ die Leute im Haus zu bezaubern/ daß keins vom Schlaff erwachen koͤnnte/ lieſſe ich ſol⸗ ches zwar geſchehen und daſſelbe Ding anzünde/ aber ich gab ihm gleich hernach einen ſolchen Stoß/ daß er die Stege hinunter Rumpelte und ein ſolches Ge⸗ bolder maͤchte/ daß ich gedachte/ er wuͤr⸗ de Hals und Bein zerbrochen haben; Sein Kammerrath gieng darauf naͤher zur Stegen/ ohne Zweifel zufragen wie ihrn geſchehen waͤre; er haͤtte aber ſol⸗ cher Frag nicht bedoͤrfft/ dann ich wieſe ihm gleich auch denſelben Sprung den jener gethan/ alſo daß dißfalls ohnge⸗ fragt er ſo viel wuſte als ſein Geſell ohne daß jener ein Bein ſamt den Ruckgrad zerbrochen: dieſer aber nichts entzwey gefallen hatte; Es war artlich zu hören⸗ als je einer zum andern ſagte/ Ach Bru⸗ der weas iſt das? Doer Geſunde oder ganghailige ſtund G vij gleich . 154 Das wunderbarliche W gleich wieder auf/ und vermahnet den ſinglen Krancken zu folgen/ damit ſie das vor⸗ genommen Werck enden moͤchten; der Will bey ſelbigen war gut/ aber die Fol⸗ ge unmoͤglich/ denn ſo bald er ſich nur ein wenig bewöͤgte; ſchriehe er wider al⸗ ler Diebe Gewonheit uͤberlaut/ daß ihm ſein Kammerrath deßwegen ich weiß als nicht was vor einen Hauffen gut Dings in den Hals wuͤnſchte; Er haͤtte ihn gern hinweg getragen oder geſchleppt/ aber der Krancke konnte deren keines vor heff⸗ tigen Schmertzen erleyden; derowegen ſagte der ander zu ihm/ Bruder ich ſeh⸗ wol was es abgeben wird/ du wilſt hiek liegen bleiben und mich und dich aufs Rath bringen; Nein antwortet jener/ ich weiß wol zu ſchweigẽ/ laß mich nurllie⸗ gedu Hundsfutt ſagt diſer/ kanſt du doch das Maul nicht halten/ wann ich dich in deine Freyheit tragen und das Leben er⸗ halten will/ was wuͤrdeſt du erſt thun⸗ wann du dich gefangen ſeheſt und mit der Folter umb unſere Haͤndel gefragt wuͤrdeſt? darauffaſſet er ihn geſchivind bey der Gurgel/ daß er nicht we ters ſchrei⸗ Dtihchne der ſudt Ra Heätt wan daErtch tückns fl Rauhen fule Fonnmentent inteen: d fenurttboge han wift wideraufflkck auf unn ſens lndagte uſit ſete de Taft dabwdet ſan Ihm/und ken die Honde/ Gel rneh ſhrnchſnelte Vogel Neſt. 175 ſchreyen konnte und gab ihm mit einem Dolchen wol zwantzig Stich nacheinan⸗ der in die Bruſt/ ſo ich gein verhindert haͤtte/ wann ich zukommen moͤgen; und da Er mit ihm fertig war/ ſtiege er wie⸗ der gegen mir die Stege hinauf/ nicht weiß ich wolte er das angezuͤnte Zauber⸗ werck holen/ oder der erſten Intention nach das Haus beſtehlen; aber ſo bald er ſich mir naͤherte/ ſtieſe ich ihn wieder růcklings hinunter/ daß ich nicht anders glauben konte/ als daß er bey ſeinem Kammerraten liegen bleiben: und ihme wie im leben: alſo auch im Todt Geſell⸗ ſchafft leiſten muͤſſen/ aber er hatte Ka⸗ tzenart/ welche/ wann man ſie gleich hoch herab wiefft/ dannoch ohne Schaden wider aufſtehen; dann er ſtunde wieder auf von ſeines Geſellen todten Coͤrper/ und ſagte zu ſich ſelbſt/ ich will hinauf und ſolte der Teufel und ſeine Großmutter darwider ſeyn; darauf antwortet ich ihm/ und kommſt du mir wieder unter die Haͤnde/ ſo will ich dir den Hals bre⸗ chen; darvon der Kerl dermaſſen er⸗ ſchrack/ ſond erlich weil er niemand ſähe un e 0 156 Das wunderbarliche und doch meine betrohenliche Stimme ſo nahe bey ſich hoͤrete/ daß ihm das Ste⸗ gen ſteigen vor dißmal gantz verleidete/ dann er verlieſe ſeine zauber ſche Flam⸗ me/ die noch oben im Haus bey mit brannte/ und lieffe zur Hausthuͤr himmaus als wann ihn der Teufel geyagt haͤtte. Dieſelbe ſchlug ich nach ihm wider u/ ſtiege wiederũ zu öberſt ins Haus hinauf/ und legte mich auf meine Plauen/ wor⸗ auf ich die vorige Nacht ſo trefflich wol geruhet hatte; Ich konte aber drumb nicht ſchlaffen dann mein Gewiſſen que⸗ lete mich/ daß ich ein Urſach geweſen/ daß ein Menſch ohne Bereuung ſeiner Suͤſ⸗ den ſterben; und alſo beſorglich in die ewige Verdammnus gehen muͤſſenz doch tröͤſtet mich dargegen umb etwas/ daß hierdurch der Haus⸗Herꝛ und Gadenknecht erhalten worden/ welche vielleicht dieſe zween Unmenſchen in Schlaf und vielleicht die Frau und Magd darzu/ wann ſie zeitlich genug moͤchten; Es war bereits nach Mitternacht als ge⸗ begletktae deſen de de Fuude htte Hachten/ fe nachdeit ſee! Hals wit brdten W bigen mlr⸗ tlenluln Fruuſth c 0/ uunit l Vighge/udde⸗ Reüfft ude kufenwurde; dus Epethnel ſſe deEtte ubenſr St uderung an 0n in ale L ſudercle c ftriſegen ar heimkommen waͤren/ ermordet haben indtochhhe in Kl 5. Mmud be REE Vogel⸗ Neſt. 167 gemelte Frau von etlichen ihren Ver⸗ wandten von der Hochzeit nach Haus begleitet wurde; die Magd ſchloſſe in⸗ deſſen die Thuͤr auf/ als der Frauen Freunde ihre Abſchieds Complimenten machten/ ſie verſperte ſie auch wieder/ nachdem jene hinweg und ihre Frau im Haus war/ nachdem ſie aber zu deß er⸗ mordten Moͤrders Coͤrper kam/ und ſel⸗ bigen im Blut todt liegen ſahe/ leeſſe ſie einen lauten Schrey! wie ſehr aber die Frau ſelbſt erſchrocken/ kan ich nicht ſa⸗ gen/ dann ich lag damals auf der obern Buͤhne/ und hoͤrte daß die Thuͤr wieder geoͤffnet/ und die Geleits⸗Leute zuruck ge⸗ ruffen wurden; die ſahen nun gleichfalls das Specktacul mit Erſtaunen/ und als ſie die Stege hinauf kamen/ die blaue zauberiſche Schlaffflamme mit Ver⸗ wunderung an; Frau und Freunde gien⸗ gen in alle Winckel deß Hauſes/ und die fanden alles ordentlich und unverruckt; ſe lch gn ſie viſitirten auch ſo gar oben wo ich lag etdeuUnd noch hoͤher droben/ ſo wol als unten im Keller und allen Gewoͤlbern; der MianMann und Gadendiener— ihren 118 Das wunderbarliche ihren Schlaff nicht erweckt werden/ ohn⸗ angeſehen ſie die 2 etliche Fabelhaffte Ding redeten wie theils Traͤumende zuthun pflegen; End⸗ lich wurde vor gut befunden/ nach der Obrigkeit zu ſchicken/ da wurde diß und das und jenes gerathen/ und doch nit⸗ gends nichts getroffen; zween Schuͤr⸗ gen oder Buͤttel muſten den Coͤrper aus den Weg raumen/ da hoͤrete man die Diebs Schluͤſſel(die neben verborge⸗ nen Gewehr von groſſen ſcharffen Meß 4 bey ibm gefunden worden) klin geln. Derowegen ward nach dem Schatf⸗ Richter geſchickt/ der ſeine Kleider durch⸗ ſuchte und unterſchiedliche Stuck be ihm fande/ die deß entleibten Boßheit bezeugten/ derſelbe erkannte auch die zauberiſche Schlaff⸗Flamme/ welche bißher noch niemand anzuruͤhren erkuͤh⸗ nen doͤrffen; ſo bald er dieſelbe loͤſchte/ erwachten beydes der Herꝛ und ſein Diener/ welche ſich verwunderten/ daß ſo ein hauffen Leute/ ſonderlich die Obrig⸗ keit mit Henckern und Stadtknechten Aim Augen oͤffneten/ und wnd daß dekL auch unbbln Dithgerefſe Henkrdet ke Auwen uß ittr den bet lendiet nitlkn utde feunt/ uöhet J0n Aumefe Geſhthn habel ſunuhen ntt ſen; aber thf whelmich de ge dachte bit/ x Und hichteleth GSinon: ſonde Rehbets bekdie dichunbehtd bllchghährr dern miſtf bag /ſrtg K U — Vogel⸗Neſt. 159 im Hauſe verſamlet waren; Weilen dann auch die angeſetzte Leiter gefunden mwurde/ und alle Anzeigungen bezeugten/ daß der Entleibte(GOtt geb wer ihn auch umbbracht haben moͤcht) ein Ertz⸗ Dieb geweſt ſeyn muͤſte/ ſo wurde dem Hencker der Coͤrper zuerkandt! ſolchen hmweg zuthun und den folgenden Tag unter dem Galgen zubegraben/ unter alllen dieſen feltzamen Haͤndeln gienge ich mitten unter den anweſenden Leuten herumb/ und haͤtte ihnen am beſten aus deden Traum helffen können/ daß ſie dieſer deusGeſchichte halber die Koͤpffe mit Nach⸗ zue) ſinnungen nicht ſo ſehr zerbrechen doͤrf⸗ Zanfen; aber ich ſchwieg wie ein Weiſer/ weil mich die Haut nicht juckte; ich ge⸗ dachte halt/ du haſt das deinig gethan/ und nicht allein den getruncknen Peter⸗ “ Simon: ſondern auch noch wol ein mehrers verdienet/ aber was ſchierſt du dich umb eine Verehrung/ die dir zwar billich gebüͤhrte/ du aber mit Gefahr for⸗ dern muͤſſteſt? wuͤrdeſt du dich offen⸗ Lädal baren/ o wuͤrde man glauben du ſeyeſt d Stuͤttſ deß Ertoͤdten Geſell im ſtehlen/ und 15 ei⸗ 106 — 3 Das wunderbarliche deines Kammerrathen Moͤrder gewe ſen; mithin finge es ſchon an zutagen derowegen erſahe ich meinen Vortel un kam noch einmal uͤber das Faß meined 2 ſo hoch geliebten Getraͤncks/ nahm deſſen an ſtatt eines Branteweins ſo vil zu mir/ als ich mit guter Vernunfft zuertragen getraute/ ohne daß ich auch Hamburget Zwibachens hinein haͤtte weichen ſollen/ und gieng damit aus dem Haus und noch denſelbigen Morgen gar aus der Stadt. Ich ſchlug mich auf die rechte Hand gegen der Polniſchen Graͤntze der Mel nung einem reichen Juden deſſelbigen Koͤnigreichs ſo viel Ducaten auszuwi⸗ ſchen/ als ich wuͤrde tragen koͤnnen/ dann ich fieng an ſo Gewiſſenhafftig zu wer⸗ den/ daß ich durchaus keinen Chriſten be⸗ ſtehlen wolte/ er haͤtte dann aͤrger als ein Jud ſeyn muͤſſen/ dergleichen ich mir abet nirgends zu finden getraute und ſolte ich gleich alle Winckel der Welt auslauffen/ denſelben Tag fieng es an Regenwektel abzugeben/ derowegen wars vor mih nicht beym beſten zuꝛeiſen/ jedoch ſtamoff t I. teih tte daklbe chesmitgt en berurucht 1 gtt wang nh itgerds mene Schuh unb ne ih nätſche nAhſah anl Schuhfice fhnen. JIce! auhallent 1/ Pimulf be Aatmm chgace Webbegesghe tinleſtz Nt. als er ſunen A Mentt daren ſant; Joſte Ding? und de Hmſchce uch daunochtin hn dunb f nht u l. nZmng Vogel·Neſt. 161 ete ich bey vier Meilen fort/ und verlore daruͤber einen Abſatz vom Schuh/ wel⸗ ches mir gar einen beſchwerlichen Gang verurſachte/ und mich nichtsdeſtoweni⸗ ger zwang noch foͤrders zu gehen/ biß ich bn irgends in einer Stadt anlangte/ meine ckunft ae Schuh umb neue zuvertauſchen/ weil ich uch he mich nicht ſehen laſſen wolte/ einen an⸗ ne wetedern Abſatz anſetzen zulaſſen/ ſo die Dorff Schußflicker ohne das nicht ſo leicht en gerg koͤnnen. In dem aber der Regen gar zu ſtarck anhielte/ ůbernachtet ich in einer Schaͤfe⸗ derey/ warauf der Schaͤfer eben ein fettes Lamm abgeſtochen hatte/ und durch ſein Weib beydes geſotten und gebraten zurich⸗ ten lieſſe; Recht laͤcherlich kam mirs vor/ als er ſeinem Weib ein gebraten Hinter Veieertel darvon vor die Naſe hielte/ und ſagte; Ach ſchmeck! wie wol reucht diß Dingꝰ? und doch weiß ich/ wanns unſer 99 Herꝛ ſchmeckte/ daß ihm der ſo liebliche ge · ruch dannoch im Hertzen wehe thaͤte; und eben darumb iſts billich/ daß mans ihm ſaen wen nicht auf die Naſe binde/ damit er nel mit Zorn nicht ſundige; Sie 1 e ⁰ö—kßt: 162 Das wunderbarliche ich gar luſtig bey ihrer Mahlzeit/ ob ſie gleich leyd er nur Waſſer darbey zu trin cken hatten; Ich behalff mich wolz ween Tag bey ihnen/ wetl ich erſtlich deß Regens und zweytens deß angeloffenen groſſen Be⸗ wͤͤſſers halber nicht ferners kommen kon⸗ te/ und ſahe in ſolcher Zeit ſo viel/ daß ich den treuhertztgen Colerum wol beſchuldi⸗ gen kan/ er ſeye den Schaͤfern noch lang nicht hinter alle ihre Schelmſtuͤck und Diebsgriffe kommen/ wiewol er deren zim⸗ lich in ſeiner œ conomiæ erzehlet. Demnach ſich aber der Himmel wleder ausheiterte/ und ſeine ſchwartze Decke vor dem Angeſicht deß groſſen Weltltechts wieder hinweg zog/ alſo daß mich deſſin Anblick beſchelnen konte/ machte ich mich auf den Weg/ und ſetzte meinen Lauff im⸗ mer fort gegen den Polniſchen Graͤntzen zu; Mein Wilt⸗Braͤd fieng allgemach an klein zu werden/ und derowegen muſte ich bedacht ſeyn/ meinen Ratzen wieder auf ein Neues zu provtantiren; bey dem Land⸗ man auf den Doͤrffern war aber nichts ſo ſchleckerhafftigs vor mich zubekommen; doch ſtunde mir in einem Aae wohin WW ehtnchmten TLcagStrale belg Jafſ meinen Stuh ſtecke/ unm! nicht zu unt vor bit lelt iß nicht zuhe geen/ hunn ſ gentmti d Senaken ſchen/nlre Schrntberte fodhhenache Mehralsfeſche Maaſche Hen Sfhunktnelle ktlſtrieber? fintmäch untel en Biekzl l teBtunderel hicht chres! Güien auffer Vultbenmn cken heiht⸗ k unm nfaße, Vogel⸗Neſt. 163 wohin ich mich durſtshalber begab/ ein de⸗ Entlicater Schuncken an/ den ich aus einem unen üudern Feuer hangenden Keſſel fiſchte/ und meinen Schuh ohne Abſatz darvor hinein ſteckte/ damit ich meine Speiſe gleichwol nicht gar umbſonſt haͤtte; Es waͤre aber vor die Leute im Haus erleydentlicher/ doch nicht zu ihrer Beſſerung erſprteßlicher ge⸗ weſen/ wann ich den Schuncken glat hin⸗ genommen/ und nicht eingedaucht/ dann ob ſie zwar anfangs den Schuh drumb an⸗ ſahen/ ob waͤre der Schuncken biß auf die Schwarte verkocht worde/ o erſchreckte ſie jedoch hernachdas Wunder um ſo vil deſto mehr/ als ſt ſahen/ daß es ein Schuh von Menſchen Haͤnden gemacht: und keines Schünckens Uberzug war; O liebe Kin⸗ unaß der! ſchrie der Wirlh/ ſchuͤttet kein Ko⸗ fent mehr unter deim Vorlauff deß gerech⸗ ten Biers! laſt mir auch hinfort den gu⸗ en Brandewein unverfoͤlſcht/ und ſcheeibt nicht mehrers an die Tafel/ als ihr den fetizha Saͤſten aufgetragen; dann umb ſolcher nonthath Veraͤnderung willen iſt auch der Schun⸗ t ſeem cken veraͤndert worden/ zur Anzeiaung/ en Urh wann wir unſere gewoͤhnliche Veraͤnde⸗ rungen 164 Das wunderbarliche rungen nicht einſtellen und unterwegen laſſen/ daß uns hinfort unſere Nahrung dermaſſen veraͤndert werden koͤnne/ wie ihr vor Augen ſehet/ und diß unerhoͤrlt Wunder bezeuget. Darauf trug er den Schuh auf den Tiſch/ ſchlua an die Bruſt/ und bat miſ veinenden Augen und hertzbrechenden Seufftzen umb Gnad und Verzeihung ller ſeiner Miſſethaten⸗ mit vielen Gelüͤb⸗ en und Verſprechungen ſich hinfort zu deſſern/ und alles den Armen mitzuthellen was er hiebevorſeinen Naͤchſten durch ein und andere Verander: oder Verfaͤlſchung abbetrogen und vorgeſchlagen haͤtte:ja er und die ſetnige bezeugten eine ſoͤche Ren/ und ihr leidweſen war ſo groß/ das es mich gleichſam zum Mitleyden zwang; Ich ge⸗ dachte/ ach! wie wird ſich die grundloſt Barnhertzigkeit Gottes erſt hieruͤber be⸗ woͤgen? Ich erfreuete mich/ daß er dürch meinen Diebsgriff zu ſolcher Reu und ſil⸗ ner ſelbſt Erkantnus kommen war; beybe⸗ aber/ das Mitleyden und die Freud ſolch hatte/ bewoͤgten mich/ den Schuncken wil⸗ der hinzulegen/ und den Schuh zu mit 10 WWI 0 htg) Ve 60 Hulknt Slbrne 0 TauerlbSecte auf geacht t Pelt baricht Mageh t dutmſelteng Oſodeßwegen Aalg ſcheke nich.A6 EII nt⸗ Geittel un dahet Bett Vth duche derumehſe Dunhe /wet ſcbleem Hurt. hchedene dtutt rent etthperkihut dihichſͤchen iche cen ne⸗ fuſt. lthe piæ gunmn L 8 Votzel⸗Neſt. 165 zu nemmen; weßwegen ſich im gan⸗ tzen Hauſe die LeldThraͤnen zu Freuden⸗ Zaͤhren: und ihre aͤchtzende Seufftzen in lauter Lob Gottes verwandelten; und dar⸗ auf gedachte ich/ daß ich damal ein gutet Werck verrichtet haͤtte. Aber gleich wie ich den Schuncken zu einem ſolchen guten Ende geſtohlen/ und alſo deßwegen mir keine verdiente Beloh⸗ aung zuſchreiben kan/ alſo weiß ich auch —⏑ nicht/ ob der Wirth und die ſeine in threm agauten Vorſatz beſtaͤndig verblieben oder neut Richt? Gleichwol wurde ich von dieſer Bege⸗ benheit ſo Gotts⸗daͤchtig/ daß ich dem TWirth denſelben Abend weder zu eſſen o⸗ der zu trincken ſtahl; Ich behalff mich mit Duͤnhier/ welches ohne das nicht mehr in ſelbigem Hauſe unter das dicke fette gemi⸗ ſchet oder den Saſten gegeben werden ſolte, nd da ich von meinemn Wildbröͤd zehrte/ engh den Schutt Scc erinnert ich mich mit ſchweꝛen Gedancken/ pdaß ich ſolches auch geſtohlen/ und wann ichs eben nicht aus einem Ort deß Über⸗ fluſſes: gleichſam wie aus dem CornuCo- piæ genommen/ ſo haͤtte ich dieſelbe Nacht 8 2 gar 166 Das Wunderbarliche gar nicht geeſſendamals lernete ich zu Ge⸗ můth fuͤhren/ was die Geſellſchafft from⸗ mer oder boͤſer Leute vermoͤchter Weilmz aber(dann bey meinen Bieren weiß ih wann andere zeitigen) gemeintglich zum Boͤſen geneigt zu ſeyn pflegen/ ſo lieſſe ich mir auch noch iur zeit ſolche Betrachtung ſo ſchlecht dahin zu hertzen gehen/ daß ich dieſelbe Nacht gar geruhiglich datvor ſchlaffen konte. Am folden Morgẽ fruͤhe lag mir nichtz mehrers an/ als wo ich neue Schuh: und wiederumb etwas zu freſſen in Vorratß belommen moͤchte; und als ich dabey lu⸗ gen Erinnerung deß ſchoͤnen Exempels daß ich an deß Wirths Bekehrung denvo⸗ rigen Abend geſchehen) zu Gemuͤth fuͤhre te/ daß beydes was ich bedorffte/ mit Suͤn⸗ de wider das ſiebende Gebot zuwegen ge⸗ bracht werden muſte; Fieng ich an zuer kennen/ daß mein damalige Lebensgattung die ich führ ete/ verdamlich waͤre; Uber daß kam ſie mir wegen ſonſt allerhand Ungel genheiten die ich ausſtunde/ gar beſchwer⸗ lich vor; Ich ſahe/ daß ſich weder ein g⸗ ruhigs Gewiſſen noch ein gute accom. modi· U . ah pllt zen derMaſda ſ0 fupenmth EE itmntlug ſhalch/ wen bnklandtt/ ſhen Huf un Labund Sech Iigttfammit It Nur keh, wunhechertter⸗ Uhen racn Adeſcheffe (on uch nal den ketdehre⸗ ts Pogc/g Kuft gantt wächeh: unt d tingentinten banlchn I Wallehuntn fur weſch kärftr/ het ſc Vogel⸗Neſi. 165 moditdt datzu ſchieken und vergeſellſchaßß⸗ ten wolte; dann ob ich gleich in den Augen der Menſchen und Thier unſichtbar war/ ſo fanden mich doch die Luſe/ deren ich ſelbſt eine zimliche Quantitoͤt zeugte/ weil ich niemal aus den Kleidern kam; ſo ſahe ich auch/ wann ich ſo fort fuͤhre und darü⸗ ber erkranckte/ daß ich ohne einiger Men⸗ asſchen Huͤlff und Troſtleiſtung beydes an Leib und Seel verderben muͤſte; Nichtwe⸗ niger kam mir in Sinn/ daß SOtt und die Natur von ſeltzamen Kraͤfften und wunderbarlicher Wuͤrckungs⸗Stuͤcken ein Ie ſolchen reichen Vorrath hervor gebracht und erſchaffen/ unter denen vielleicht eint L/oder auch wol ſonſt ein Kuͤnſtler) gefun · den werden moͤchte/ ſo der Wuͤrckung mei⸗ nes Vogel⸗Neſts widerſtehen: deſſen Krafft zernichten: mich ſichtbar genug a machen: und alſo in der Obrigkete Haͤnde cn bringen toͤnten/ die mich wegen ſo ſchein⸗ wetzbHarlicher Anzeigunz und ſelten geſehener Verkleidung mit gutem Fus an die Tor⸗ guſch tur werffen? und ſo lang peinigen laſſen uß ſctar ch ein gul doͤrffte/ biß ich unangeſehen meiner lin · ſchuld ſo viel belennen wuͤrde/ daß man 9 U mich — 163 Das Wunderbarliche mich wie die vorige Poſſeſſorin meines Hogel Neſtes auf einen Scheiteꝛhauffen/ als einen Zauberer/ im Rauch gen Hiſel ſchickte. Dieſe und noch vielmehr dergleichen ſorgſame Gedancken verurſachten/ daß ich wider mein Gewonheit wol zwo Stund laͤnger/ daß ich ſonſt pflegt/ liegen bliebe u faullentzen/ ob ich gleich nur auf einem St all im Stroh lag; doch entſchloſſe ich mich nichts eingentlichs/ ſonder gedacht der Sach weiter nachzuſinnen/ wie ich thaͤt/ als ich mich auf den Weg begeben. Ich verlangte ſehr nach einer Stadt umb andere Schuh zubekommen/ kame a⸗ ber zuvor zu einem anſehenlichen Cloſtek und beyliegendem Flecken/ welches ich ſel⸗ ner Gröͤſſe halber von weitem vor eine zim liche Stadt anſahe; Wie ich nun durch den Flecken vor das Cloſter kam/ fande ich das kleine Thuͤrlein offen/ welches ein alter Kerl mit einem Steltzfuß beobachtete/ da⸗ mit ungemeltet nichts Frembdes ins Clo⸗ ſter kaͤme/ dieſer ſtrickte entweder Fiſch:o⸗ der Voͤgelgarn/ und hatte noch zů einein Ober⸗aufſeher in einem gerad unterm Thot — * Iſtlt Palnncht Huntrate in Odeh al nichtalente Porbe auch! Cummendan⸗ Luunaſar! nge dentt Wenic che Iün Raln lel un Iin lne guch ler Sth I Wachtghe Zuumechlt.f Buthſche wotheyichaut hindtertzkdan 84/ ht Hchſdaßme ſenwakchlit Nun ttht Iietn /1d irlchlarte dt unb G miſxenn Vogel⸗Neſt. 169 Thor befindlichẽ Zim̃er ſitzen:eine Ordens Perſon/ welche Schuh flickte/ weil er ſeines Handwercks ein Schuſter: und deßwegen in Orden aufgenommen worden war/ nicht allein vor klein und groß zu ſchuſtern/ ſonder auch dem Steltzer wie ein Ober⸗ Commendant das Thor zubewahren; Dannenhero hielte ich ihn vor eben den je⸗ nigen/ den ich ſuchte/ nemlich einẽ ſolchen/ der mich erheiſchender Nothdurfft nach von neuen beſchuhen wuͤrde; Ich waͤre ts zum Thor hinein kommen/ wann gleich uauch der Schneider ſelbſt bey ibnen auf der Wacht gehalten; Uber deß gedachten⸗ Simmerthuͤr ſtunde mit Romantſchen GBuchſtaben geſchrieben 8. Criſpinus, worbey ich auch merckte/ was man darinn handierte; dann ich waͤre ſonſt vorbey gan⸗ gen/ und haͤtte nicht einmal in acht genom⸗ men/ daß mir aus demſelbigen Ort geholf⸗ fen werden koͤnte. Nun ich kame mit guter Gelegenheit hinein/ und fande zwar viel Leiſte und zimlich Leder von allerhand Sorten/ Ale⸗ mode und Baͤuriſch: gemein und mittel/ maͤſſig/ Carduaniſch: gericht: geſchmiert: Hii Preuſ⸗ 17⁰ Das Wunderbarliche Preuffiſch: Polniſch: Ungartſch⸗ Nieder land iſch: weiß:rot geib und in Summ⸗ allerhand Leder/ aber gleich wol kein eintt ges paar neuer: weder kleine noch groſſt Sq;uh/ vargegen ich die meinige haͤtte vey tauſchen moͤgen/ und was das ſchlirubſte war/ ſo flickte der Bruder Laicus noch im⸗ merhin nur alte: deren er einen ganten Mahlſack voll dori haite/ dis ſchon fertig waren/ und eben ſo viel die er noch plethen muſte; Ob ich nun gleich kein Vortel ſa⸗ be/ wie meine Schah an dieſen Ort gegen beſſere zuverdauſchen wͤͤren/ ſo gedachte ich dannoch/ der Kerl wird ſo viel herilit Leder umb der Gaͤnſe willen und nut fll⸗ W anethde fene liſi 1 Autun Hifh dit Ufflkurke ſchen Jx/R atltwordt J0g Anheßſ Ing Huntt Baln/ Nk gche/ ke Siken fch JHRAnd Ten ieh egt uuden; Nn ckens halber nicht im Verrath haben? Schw⸗unt dachte derowegen der Sach beſſer nach/ inden Seͤle und betam dardurch den Einfall/ daß das ltyengtrſt Cloſter irgentwo eine Quantttdt Schuh alth un M beyelnander haben můſte/ darunter etwan Vemfeg: un ein eintziges paat mir anſtchen und paſſß Onagskelte mochten; dieſelbe nahmn ich vor auszufpi/ nan cbag 2 ren/ uñ haͤtte ich gleich 17. Wochen imEClo⸗ Vuum:Klth ſter verharren follen; vor Eſſen und Trin⸗ warüyn gaßh Ken war mir allbereit nicht mehr anzſl/ Jenlcket wie ich ſelbiges in wehrender Zeit belemm dinlhet men Vogel Neſt. 171 tnen moͤchte/ dann ich ſahe ſo viel/ daß ich keine Urſach hatte/ mich an deß Koͤnigs Arturi Hofhaltung zu wuͤnſchen/ allwo die taffelrunde Geſellſchafft der Aberteur⸗ lichen Irꝛ⸗Ritter immerzu ſo vortrefflich tractirt worden. Ich gieng weiters durch den vor:und in⸗ nern Hof/ uñ fande noch mehr Werckſtͤͤtte and erer Handwercks Leute/ als Schmied/ Becken/ Metzger/ Hafner/ Koͤch und n Je dergleichen/ welche ebenmaͤſſig mit Leyen⸗ OSBruͤdern deſſelben Ordens beſetzt waren; 66% Ich kam zum Roßſtall/ wartnn die ſchoͤn⸗ ſten Pferd beydes zum Reiten und Ziehe ih ſtunden; Rindviehe/ die Schaaf und Schwein waren zwar auf der Watd/ aber 9ν an den Staͤllen ſahe ich wol/ daß beyder⸗ Etley ein groſſe Anzahl vorhanden; Ich kam Dunts auch zur Muͤhl/ deren wie auch deß Viehs berre Verpfleg: und Abwartung aber keinen Ateun Ordens Leuten: ſondern weltlichen Perſo⸗ unen oblag; Von dar gelangte iſt in dem Baum: Kuͤchen: und Blumen Garten/ Etand warinn warhafftig ein rechter Luſt zu ſe⸗ hen/ well alles ſo ord entlich und gleichſam Fuͤrſtlich zugerichtet und verſchen; und O iitij eben 172 Das Wunderbarliche eben deßwegen machte der Vorwitz mel⸗ ner Augen/ die ſich mit groſſer Ergetzung darinn waideten/ daß ich laͤnger darinn — ſpatzlerte als ich wol im Sinn ge⸗ abt. Alſo hin und her ſchleichend kam ich in eine ſelbſtgewachſene Schatten⸗Huͤtte/ in deren ein ſteinener Tiſch und zugehoͤrtge Saͤnck ſtunden/ daran zwey Patres ihn Horas beteten; als ſie mit der Andacht fertig/ ſagte der Prior zu dem Groß · Kel⸗ ler/ dem gnaͤdigen Herm ware vorkom⸗ men/ was maſſen er Groß⸗Keller die vor⸗ W uub d0 Un vortmnmen woltt/ Otthetgehl drgrnfn nuinich indch balaen kin? 40/ nach dem fenud Chnz habttheuth⸗ deSchh grlgh Butt uhrllt geſtrige Nacht biß umb ein oder zwey Uihr ululteker gegen Tag in der Geſind⸗Stube geſeſſen/ ſich mit deß Schaͤffers Schalmey erluſty ret/ und darbey etlichen aus dem Geſinde Siers genug ſpendirt haͤtte/ welches ihm hoͤchlich mißfalle/ derowegen er dann ihm Prior befohlen/ deßhalber zu inquirirn/ und nach befindenden Dingen ihn der ver⸗ lauff wiederumb zuberichten/ damit er zu verhuͤtung kuͤnfftiger ſolcher Ungebuͤht mit Vollziehung einiger Straffe verfah⸗ ren: und alſo allen fernern unanſtaͤndigen en unum rauen Flch un bißwelen en! lf/ ul Gheumiſigem Vun möche Huchsſcrent gudtzen Hen Euhnine nn; Pln feh/ntrrt Aergernuſſen/ ſo man den Leyen geb/ als dinfluſe auch Vogel⸗Neſt. 173 Lat auch den unnuͤtzen Verſchwendungen vorkommen koͤnte; Der Groß Keller ant⸗ Mie wortet/ es iſt nicht ohn/ daß ich mich diß Anen Orts ergetzt/ was wolte es aber ſeyn gegen der groſſen Muͤhe/ mit deren ich gonti⸗ Viat nuirlich in deß Gotteshauſes Geſchaͤfften beladen bin? Der Widder ſcoͤſt nur ſtaͤr⸗ ggcker/ nach dem er ein wenig zuruck gelauf⸗ gheg fen und einen Zulauff genommen; zu dem nit de MN hab ich auch nit ſo gar ſchroͤcklich weit ůber nbidie Schnur gehauen; der Hirt haͤtte einen nYgeringen Vortel/ vor ſeiner Heerde/ wann Kalhon er auch wie das Viehe Graß freſſen muͤſte; gadeg und kan ichs vor gar kein Unrecht erken⸗ nen/ wann man denen die es mit ihrem ge⸗ atreuen Fleiß umbs Gottshaus verdienen/ denaat hene bißweilen ein reiches Truͤncklein zukom⸗ men laͤſt/ als denen die man dardurch zu ütgthlen ebenmaͤſſigem Fleiß locket und anreitzet; Gabe uun Allein moͤchte ich wol wiſſen/ wer der Dnento Fuchsſchwoͤntzer ſeyn mag/ der mich beym denkin gnaͤdtgen Herin angetragen? Das moͤgen Le l Tu. Ehrwüͤrden/ ſagte der Prior, ausſin⸗ anSen nen; Ich doͤrffte meinen Kopff verwet⸗ nennss ten/ antwortet der Groß⸗Keller/ der junge umlgog Simplex hats gethan/ dann denüͤbrigen an⸗ 2 174 Das Wunderbarliche andern/ ſo darbey waren/ habe ich ſo eiwat und noch wol mehrers zukommen laſſen/ welches aber jederzeit hingangen und ver ſchwiegen blieben; Ich glaubs/ ſagte der Prior, dann wann er nicht je zu zelten ſo en was dergleichen zu Ohren truͤge/ ſo waͤrt unmůglich/ daß er den On. Hermn in einen ſolchen Baͤlde ſo hart ans Hertze bachen koͤnnen; Er liebt ihn da mehr als jemalen ein Koͤnig ſeinen Favoriten!l und wann wir ihn ſo fortfahren laſſen/ ſo wird endlich keiner aus uns keinen Fortz mehr laſſen doͤrffen/ den er nicht den Gnaͤdigen Hern vorbringt/ alſo daß wir ihn zu letzt mehr als den Gnaͤdigen Herꝛn(wie das Wild deh Spuͤrhund mehr als den Jaͤger) fuͤrchten muͤſſen; Darumb/ antwortet der Groß⸗ Keller/ iſts vonnoͤthen/ daß wir dieſen Bat⸗ tum beyzeiten aus dem Weg raumen; welcher geſtalt ſolches aber fuͤglich geſche⸗ hen kan/ datůͤber iſt ſich zubedenck en/ ſeinte mal es ſchwerlich wird beſchehen moͤgen/ weil ihn der Gnaͤbig Herꝛ ſo hoch llebt/ ohn iſts nicht/ der Jönaling hat ſchoͤne qua biſeten/ aber der groſſe vielleicht vonſel⸗ dem Vatter ererbte Mangel/ 10 der . * Mham U Kmnirn foch pem ttulſde ſchwägenkan bit Wuhett bohnet it/ nft vel izdochtthh EUE bllihrbhe uct/ kniſe ach ſ. Wcf Widt gewe Patet enc eih Sthnunf Sthoſtlug an/ berth ſchebnSchle Sghuſd in funmen um chen/ um fig nähmthnb Ruenhftt Audegeige aſmgt VogelNeſt. 177 Phantaſt ſo gar offenhertzig: und weder fimulirn noch diffimulirn: noch mit ſei⸗ nem teutſchen Maul ſo gar nichts ver⸗ ſchweigen kan/ ſonder jederman ohne ſchen die Warhett trucken heraus zu ſagen/ ge⸗ wohnet iſt/ verdoͤrbet ihn/ welches uns kůnfftig vtel Uingelegenheit bringen doͤrff⸗ te; doch ich habe einen Anſchlag/ vermit⸗ tels deſſen er aus dem Sattel zu heben; den will ich probiren/ gehet er an/ wol gut/ wo nicht/ ſo muͤſſen wir wol auf einen andern bedacht ſeyn. Weil dieſe ſo untereinander redeten/ wuͤͤrde ich gewahr/ daß neben den einen Pater ein Naßtuͤchel/ ein Taſchen⸗ meſſer/ ein Schnupff⸗ Taback⸗Bixel/ und ein CSchluͤſſel lag/ ſo er aus ſeinem Sack ge⸗ than/ als er ein Miſiy darinn ſuchte; Ich wjahe den Schluͤſſel ſtracks vor den Hauypt⸗ Schluͤſſel an/ weil er mit vieller hand krůmmen und geſtirten Zuͤgen durchbro⸗ Lacga! chen/ und ſonſt zimlich ausgearbeit war/ Ochbe nahm thn derowegen zu mir/ als das be⸗ ane e quembſte Inſtrument/ vermitteft deſſen tch ſerlaten zu den benangten Schuhen kommen moͤch⸗ Ragl teʒ fande mich auch nicht beerogen. O vj Darn⸗ Rerken! unt: 77 4* Men/ ſo wino — 176 Das Wunderbarliche Darauf hin gieng ich aus dem Gar ten in das Gebaͤu/ und durchſchliche alle Zimmer und Winckel deß gantzen Ele ſters; wo eine Thuͤr beſchloſſen war/ da oͤffnete ich ſie mit dem Hauptſchlůſſel/ ich fande die Bibliothec/ ſondere Zimmer darinn man ſtudirte/ ſondere darinn man ſich recreirte, ſondere darinn man taͤglich und ordinari: und auch ſondere darinn man extraordinarii mit frembden Gà, ſten ſpeiſſete/ ſond ere Zimmer/ Cellen oder Caͤmmerlein darinn die Ordens Leut woh⸗ neten/ und ſonderbare ſo vor die Frembb⸗ Ankoͤmmling und Gaͤſte accommoditt waren; auch fande ich die Badſtub/ die Pfiſterey/ die Speck⸗Cammer/ und was mnich zum hoͤchſten erfreuet/ nicht allein auch die vorraͤthige neue Schuh und Sti, ſel/ alte und neue Saͤttel/ und andent Pferdsgezeuge/ ſonder auch einen groſen Vorrath von allerhand leinen Geräͤch/ Hembdern/ Leilachen/ Tiſchthuͤrn/ Hand⸗ zwehlen/ Servletẽ/ Fatzinetlen/ Strümpffß Uberſchläg und dergleichen; davon daß neutzewaſchen ſchon in Ordnung lag/ 5 ſchwartze aber uͤber etliche Stangen auß 0 * iten 16 00 döfft fuln ditſih u de Muntebern ſult oͤbe ar heatt 0 al Virꝛtn nile wobdaßſtle n hitt/ E fitſt“ bn Agt MeneRag Ugerubech ſereybege Aenetz Altraf/ un ſtner Noe Nanmente tuun hit dakimalt Bleuntec aufztrͤft s gehenet!“ Votzel⸗Neſt. 17⁷ n gehenckt war; daſelbſt vertauſchte ich mein ſchwartz Hembd umb zwey weiſſe/ und doͤrffte ſonſt nichts aufgeben als die gauſe/ die ſich in dem Meintgen in unzahlbarer Muͤnge befanden; wie ich dann auch en Fguvor ſolcher geſtalt meine Schuh umb ein paar neuer hingeben/ die mir ſo glat an⸗ ſtunden/ als wann ſie mir angemeſſen worden waͤren/ ſie gefielen mir auch ſo ben wol/ daß ich kein andere als ſelbige genom⸗ Seedl. men haͤtte/ wann ich ſie gleich mit paar Ordenſle Geld bezahlen můſſen. Auf dieſe Ansſtaffirung haͤtte ich den⸗ ſelben Tag ſonſt keine Verrichtung als meinen Magen zu füllen/ und mein Nacht⸗ läger zubeziehen zjenes thͤͤte ich in der Pfi⸗ ſterey bey einer guten Stuͤtze voll abtgelege⸗ nen Mertzenbter/ die ich daſelbſt ungefaͤhr antraff/ und auf Geſundheit Pfiſters in ſeiner Abweſenheit ausläͤerten/ und den Reſt meines Wildbräͤds vollents aufzehr⸗ (Aten te/ und dieſes gleich darauf in einer Cellen/ JundaSe darinn allem Anſehen und meinen eigenen tan Beduncken nach ein Beit vor Frembde hOAnn 33 11 3 Ra Sezuſchlug/ daß ich ohne ale Sors dar nn Y vij ſchleeff 1798 Das Wunderbarliche den Morgen ſeine beſtimbte Zeit allet, bings in der Kirchen zugebracht hatte; ich machte das Bett wieder wie ſichs gebůhrt/ ſchlieff/ biß jederman im Cloſter den folgeyy W b05400 ha hn W0 Pött Eten K und kam noch in die letzte Meß/ die denſe⸗ ben Tag vor eine Herrenſtands⸗Perſon verzogen und aufgehalten worden/ welcht kommen war/ den Pralaten zubeſuchen/ und ihre Andacht daſelbſt zuverrichten. Man hatte auf denſelben Herm anſt⸗ henlich zugerichtet/ und thaͤt ihm als einem Gutthaͤtern und lieben Nachharn deß Gottshauſes alle Ehr an; Er ſpeiſſete mit dem Gnaͤdigen Herm an ſeiner Taſel/ worbey ich mich unter die Aufwaͤrter mi⸗ ſchete/ und mich mit ſchmorotzen von den Bißlen auf den abgehobenen Dellern und Schuͤſſeln behalffe; Da ſahe ich nun den jungen Simplicium mit aufwarten/ und die zwey Patres die ihm ſo üͤbel wolten/ an der Tafelſitzen; Er war eine ſchöne jungt Perſon/ ja ſo wol gebildet und gart/ auch von wolſtaͤndtgen Geberden ſo anminht als ich jemals ein Manns, Menſch geſl, hen; maſſen er dem Fremöden Herm ſol⸗ che Derwunberung braͤchte/ daß er in ſel⸗ Rer ſen Vt tecommene ht de ſchcttind tanbkattl ſſhaßment fente/Bint gahenbſlbe bhlahh ert untwg 110 Hinfche Konißerg gchenüſg Imngchulen Mngt SWachtaPa ghittttun; Rnnite ſth/ vie un fich/ chet bble KUUU VogelNeſt. 179 ner Abweſenheit den Praelaten fragte/ wo⸗ her ihm dieſer mundere Kerl zukommen waͤre? Er antwortet ihm/ daß er deß Welt⸗ beruffenen Simpliciſſimi Sohn ſeye/ den thn ſein Vatter vor einen Caͤmmerling tecommendirt/ daß er beneben mehrers ſtudire/ und ausgeholet werden ſolte/ ob er ſich nicht inden Geiſtlichen Stand ſchick⸗ tezund damit erhub er ihn mit Lob dermaſ⸗ ſen/ daß man unſchwer daraus abnemmen konte/ wie weit ſeine Wiſſenſchafften und Gaben deß Gemůths die aͤuſſerliche Geſtalt deß Leibs uͤbertreffen thaͤten! kurtz geſagt ⸗ er war in deß Proelaten Augen und Judi⸗ tio von ſolcher Achtbarkeit und æſtima- tion/ daß er gleich haͤtte einen Cardinabab⸗ geben muͤſſen/ wann der Pabſt ſo viel von ihm gehalten haͤtte. Ich mexckte wol daß diß Lob von den gebachten Patribus mit unwilligen Ohren gehöret wurde/ derowegen ſagte der eine/ es nſt zu wuͤnſchen/ daß er durch aus ſo ſauber ſey/ wie von ihm geglaub wird; ohn iſts nicht/ er hat unvergleichliche Qualitaten/ aber! und damit ſchwiez er ſtill/ und lieſſe vor dißmal dem Bnaͤdigen Herin eim Nach⸗ Nac/ ujet 2 180 Das Wunderbarliche Nachdencken; Demnach ſich aber der Imbs geendet/ berichtet er ferners auf deß Gnaͤdigen Herꝛn Begehren/ was maſſen ihm etliche Opffer Pfenning ausgefiſcht worden/ an einem Ort da ſonſt niemand hinkommen als Simplicius; Ich will ihn/ antwortet der Preelat darauf/ ſelbſt probl⸗ ren und ausnemmen/ ſo mit einem eintzl⸗ gen Louis geſchehen kan/ welchen ich ihm in meinem Zimmer legen will; Ich ge⸗ dachte/ und alsdann wird ſich deß angege⸗ benen Unſchuld wol finden/ aber was ge⸗ ſchahe? es ſtunde uͤber ein paar Tag nicht an/ da hoͤrete ich/ daß der eine von den bey⸗ den feindſeligen zum andern ſagte die Glock iſt gegoſſen! Ich habe den gelegten Thaler ſelbſt beym Kopff krlegt/ und hei⸗ wird der Gnaͤdig Herꝛ unſern Spuͤrhund fortſchaffen; Was ich gedachte/ kan der Leſer gedencken; Indem zog er den Louis heraus/ und ſagte/ was wollen wir mit ihm machen/ dann es iſt Blut ⸗geld?ẽ aber als ſi ſich ſo druͤber berathſchlagten/ und ihn kaum aus den Haͤnden gelegt/ erwiſchte ich ihn/ ſo daß er ihnen aus den Augen ver⸗ ſchwande/ mit ihrer allerhoͤchſten Beſlür⸗ Bung. Ic‚ W V J06 Han Tahſche ob ih en! möcht/ kl m dl: Wetthatt /ſe guugimene ſhclmemen dem Cioſrel nchtgcent deh; Heril A ln Ulſt Omnungde WäeIgeh de den de Eugtllce/ ß ſch hel ſhlapeenz Uchtglen ſl gahen wurm Ien ſhnz Wellichnse KAI gal in glt Pakmn haſchelah Vogel⸗Neſt. 181 Ich gieng gleich hin/ dem Gnaͤdigen Herꝛn demſelben wiederumb darzulegen/ ob ich etwan die Unſchult noch erhalten R moͤchte/ kome aber ehender nicht zukom⸗ men/ als biß der junge Simplex, unterm Vorwant/ ob waͤre das Gottshaus mit gnugſamen keuten verſehen/ bereits fortge⸗ ſchickt worden; da goͤnnete ich den Thaler dem Cloſter auch nicht/ weil ihm der jenig 336 145 nicht gehoͤrt war/ der damit verjagt wor⸗ den; Hierauf verbliebe ich noch wol acht ,/dhan Tag im Cloſter/ und ſahe die Gebraͤuch/ übrur du Ordnung und Gewohnheilen deß Ordens; entkunke Ich ſahe die allerandäͤchtigſte Perſonen/ agt, die in dem Gottsdienſt gleichſam wie die ν Engel lebten/ hingegen ſahe ich aber auch/ daß ſich theils zuviel mit dem Zeitlichen ſchleppten; die Einfalt hatte daſelbſt den Arichtigſten Handel/ und die derſelben bey⸗ gethan waren/ bedunckten mich die froͤmb⸗ ſte zu ſeyn z die ſchlaue aber wurden mit g weltlichen Geſchaͤfften ſo uͤberladen/ daß αο mich bedunckt/ ſie lebten wegen ihrer See⸗ ligkeit in gleich ſo groſſer Gefahr als die Welt⸗menſchen; Im üͤbrigen ſo haͤtte ich daſſelbe Cloſter wol vor einen ſeeligen 8 gehg 192 BDas Wunderbarliche gehalten/ und paſſirn laſſen/ wofern nut flch 40U5 der latdtge Neyd und Mißgunſt nicht auh Srumafk dorten gewohnet haͤtte; Von allem waß chendehi ich ſonſt ſahe/ bedünckt mich ein Genuge auen eg und Uberfluß vorhanden zu ſeyn/ auch ein nineſen ſolche maͤſſige und regulirte Ordnung Kufßen! daß ich mir kein beſſer Leben haͤtte wün, ſth lun ſchen moͤgen; aber allein dieſe gebachtt Bidun dl heimliche Seuch hielte ſich ſo verborgen/ wuthent daß ſie nicht zu curiren war. gehitge ll Als ich nun genugſam ausgeruhet/ und bonder tö mich eben ſo wol ausgefuͤttert hatte/ verſa⸗ fachehnen he ich meinen Rantzen aus der Kuchem ſh krmeet mit einem Schuncken und Hammelſchla fitishen gel der mit Knoblauch geſpickt war/ well ſfandch e ich wuſte/ daß ſolche kalt nicht übel ſchmy; Sudehthe cken/ liefferte meinen bißher gehabten bafſhve/ Hauptſchluͤſſel dem Groß⸗Keller wieder⸗ Haltenleh umb ohne einige Complimenten/ un fatzul nahm darauf meinen Weg ferner; hͤcz hutvun mich auch gern vor die empfangene vory minglun treffliche Tractamenten bedanckt/ wann berh ſt ich nur erſinnen moͤgen/ auf was weiß ſobdult/ Uf ches fuͤglich beſchehen koͤnnen. döchg Oag, Wol zwo Stund gieng ich/ daß mie eheh nuches gedenckwůrdigs beg ehnee/ als ich ſaß teh mich Voggel Neſt. 183 umich aber zu naͤchſ am Weg bey elnem ,Brunnen yviderſetzt uñ zu miitag aſſe/ kam A ben der Kuͤh Dieg/ den ich ſchon etlich mal auf den Weg angetroffen; nemlich der je⸗ nts der ſeinen eignen Cammerathen in deß GKauffherm Halls hingerichtet; Er ſeßzte ſich zu mir in Schatten/ jog ein Stuͤck BDrod und Fleiſch hervor/ und ſteng an mit Iung mir utnb die wett zu eſſen/ und als er ſich geſaͤttiget und wieder ſeines Wegs gieng/ gei fandert ich mit/ auf daß/ wann er viel⸗ keicht wieder etwas ubels anſtellẽ wolte/ ich der ihmt dar vor ſeyn koͤnte/ aber es ſtieſſe uns aunm flichts auf/ daran er ſich zuvergreiffen un⸗ Aeterſtanden/ ſonder wir kamen nach dreyen Stunden in eine Stadt/ darinn eine Unt⸗ Ferſität war/ alltvo er in eines Schneidert Haus einkehrte/ und fragte⸗ ob ſein Rock fertig waͤre? Der Schneider antwortet ihm zwar mit nein/ fagte aber doch/ es tmangle nur noch die Knoͤpffe anzuſetzen/ włant er ſich nur ein halbe ſtunde gedulten wolle/ ſo ſolte ihm volletts geholff n wer⸗ nden; Der Kerl war deſſen zu frieden/ aber gagtt/ che die halbe ſtund verfloß/ kamen die But⸗ bg/tel und Schürgen der Stadt mit etlichen bewehr⸗ 184 Das Wunderbarliche bewehrten Mannen/ und fuͤhrten den Herren Urian in Diebs⸗thurn; dann diz Meißner/ denen neulich etliche Balleh Jahrmarck geſtohlen worden war/ hatten hin und wider ſo wol bey ihren Bekandten Tuchhaͤndlern als Schneidern die Anſtal ten gemacht/ durch welche auf die Spuht ihres verlornen Guts zukommen ſeyn möchte; Weil dann nun dieſer Maus Kopff einen Rock von zweyerley Farb/ nemlich Fuͤrſtenfarb und blau ſchneiden laſſen/ und dem Schneider angedingt hal⸗ te/ daß er ihn alſo naͤhen ſolte/ daß maͤn ihn umbkehren und auf beyderley Manier iea⸗ gen koͤnte; und dem Schneider ſolches vey daͤchtig vorkommen/ daß ers ſeiner Obrig keit(wie allen ſeines Handwercks W ren Ayden auferlegt worden) anzelgteli malen auch die Meißner dieſe beyde Tüb cher von ihrem Gut zu ſeyn erkandtenz gis iſt der Dieb hierdurch verrathen und er⸗ daypt: folgents auch gehenckt: das folgen⸗ de Jahr aber am heiligen Charfreytag ſelbſt mit ſamt der Ketten und den Klel⸗ dungen vom Galgen geſtohlen 00 WN Aicen fihuchst en Sl Tuch in der Nachdarſchafft auf enen beln en ts wülbt 4 Bier dulm gurſeheif daſehf eln te5 ITHwatd Sluben loflt HE bde Brt Süͤt Brenn IShuh elachmend eſen Reſ de Muler dene dan ttgchrac n Kißaſt nallrichenge häch krank t Ind eyfßzte ſikke h in ſumnenhule Tunk un Vogel⸗Neſt. 187 iοο RNRachdem die Buͤttel dieſen nun hinge⸗ fuͤhrt/ gleng ich in ein Wirthshaus/ daran ein Schild hing/ auf welchem eln ſchwar⸗ tzes Pferd gemahlet ſtunde/ der Hofnung/ es wurde mir ein Truͤnckel Wein oder Bier darinn gedeyen; aber es waren ſo gar keine Gaͤſte darinn vorhanden/ daß ich aule daſelbſt mein Durſt zu loͤſchen verzwelffel⸗ te; Ich ward mit einem Muͤhlartzt in die Stuͤben kommen/ der einen Sack Mehl al hinein trug/ und auf die Banck ſtellete/ dem 0CGSab die Wirthtn ſo allein verhanden/ ein Stũck Brod und einen ſchmarꝛen ſtincken⸗ den Schmir⸗Käͤß darauf/ und gieng/ und hbolete ihm ein Quartglaß voll Wein; In deſſen dieſe herumb aus war/ legte der Muller den Schmier⸗Kaͤß auf den Sack eagden er gebracht hatte/ entweder weil er ket⸗ nen Koͤß aſſe/ oder well der Koͤß in ſeinem natũrlichen Geruch gar zu ſtarck war; her nach tranck er den Wein/ bedanckte ſich und emyfing von der Wirthin Befelch/ er ſolte ihr ein andermal das Gut genau zu⸗ ſammen halten/ ſo ſolte es jeweils an einem Trunck und vielleicht zu zetten auch an ei⸗ nem 186 Wos Wunderbarliche nem Truͤnckgeld niche mangeln/ je nach ſ dem er gut boſſen machen wuͤrde. Als der Muͤhlartz hinaus tratte/ kam ber junge dimplicius hingegen hinein/ und begehrte ein halbs/ welches ihm die Win thin alſo bald holete; Er ſetzte ſich darzn nieder/ die Wirthin aber holete die Bach multe/ ſtelte ſie zum Stuben⸗Ofen/ und machte Bereitſchafft den Taig anzuman⸗ gen; Als ſie aber den Sack Meel nich hin zum Bachtrog tragen konte/ denſelben auszulaͤeren/ unangeſehen ſie ſich daran abmergelte/ daß ſie auch den daraufliegen⸗ den Schmier⸗Kaͤß uͤberall mit dem Haͤl, ſigen zerknettet/ und ſich ohne ihr Wiſſen damit beſudelte/ ſtunde der ehrliche Simpk cius auf/ und wolte die Wirthin ſich nicht mehr ſo abnoͤthtgen laſſen/ ſonder nahm den Sack(unangeſehen ſeiner ſaubern Bekleidung/ die er gantz mehligt machte) trug ihn zur Bachmulden und laͤerete ihn aus; und als er ſo wol als die Wirthin an die Klelder ſchlugen/ ſolche wieder abzu⸗ ſtaͤuben/ da kam der Wirth ſelbſten in die Stub/ und erblaſte gleich im erſten Anblitck/ als er ſo einen ſchoͤnen jungen Kerl/ mit ſeinem * un Hläit W hh t6 lichten Bu ber auch ne tllul ben deg darnn krie Sͤib aacht ſonte rſic! bemmlt guffij ſl Hur um ll 15 I Lheug 900. Er let ochche fin /ſudert lihen gait ſetStihlun Agen Chch hihurichten zwer deſen gen ſochen Rach begeh wolen 0 Eœ e Voggel⸗Neſt, 187 ſeinem gleichfals nicht heßlichen jungen Weib in ſolcher Arbeit ſahe; in ſumma es war ihm ſo ums Hertz/ daß er anfaͤng⸗ lich kein Wort reden konte; So bald er a⸗⸗ her auch an eines jeden Bruſt einen Par⸗ tleul von dem ſtincken Kuͤß ſahe/ welcher daran zerrieben ſeyn ſchiene/ die gantze Stub auch voll deſſen Seruch war/ da ſag konte er ſich nicht mehr enthalten/ wegen Sit hn vermindlicher ſo gewiſſer und unfehlbarer Ageeh Zeugnuͤß ſein Weib elne chebrecheriſche ßeiAM Hur und leichtfertige Vettel: den 8im⸗ tuuſn plicium aber einen chebrecheriſchen Hu⸗ Keen renhengſt/ Schelm und Ehrendieb zn ſchelten. Ibede Er lieſſe nicht Zeit/ weder Simplici noch ſeines Weibes Entſchuldigung zu hoͤ⸗ ndoren/ ſondern erwiſchte in ſeinem vermeint⸗ els lichen gerechten Zorn und wuͤtenden Eyf⸗ fer Stuhl und Baͤnck/ beydes den unſchul⸗ digen Ehebrecher und die Ehebrecherin binzurichten; der junge Simplex gleng 1dͤwar defenſivẽ ſo gut er konte/ aber ge⸗ gen ſolchen ergrimmten Wirth der nur KFNach begehrte/ hͤͤtte er wenig gerichtet/ nnLele wofern ich den jornigen Wirth— i — — Neerrrrrerr 188 Das Wunderbarliche ſichbahrer Weiß an Vollfüͤhrung ſelner grauſamen Streiche verhindert haͤtte; die⸗ ſer Alarm wurde gleich von der Nachbar⸗ ſchafft gehoͤret/ und darum lieffe dieſelbl⸗ tze zu; und als zu allem unſeren eben die Schuͤrgen und Bittel darzu kamen/ die s/ bengedachten Maußkoͤpf in Thurn ge⸗ fuͤhrt/ fielen dieſelbe zugleich mit ins Haus/ und nahmen von wegen der Obrigkeit den Wirth/ die Wirthin und Simplicium in gefaͤngliche Hafftzohne das jemand an den mitKaͤß geſchmierten Sack gedacht haͤtte/ der dieſes unverſehenen und ſeltzamen Spiels Urſach geweſen. Da ich nun ſahe daß in dieſem Wirths⸗ hauſe nichts zu ſchmauſſen ſetzen wuͤrde/ ſuchte ich ein anders/ und kam eine lange Gaſſe hinaus in eins/ welches in ſeinem Schild eine Rabe ſuͤhrte/ und dannenhero zum Rappen genannt wurde. Eben damal als ich hinkam/ ſtige eln alter Moßbart ab/ der mich dem Bart und ſeiner Kleidung nach an die Anttquitäͤt ſelbſten ermahnete; der Haus ⸗Knecht fuͤhret ſein Pferd in Stall/ er aber mar⸗ chirte der Stuben zu/ und ich kame mit m thme M Laſenwoe ebenſowenl Als ddt ſ Gol/(e E nbchpelkt: gefch de gecheichen⸗ ha! atwer meln techſt der! ne gletpel Pluzenht. Aktbe Al, gullich kn gich h chechn neil .lecommt ernürdt bey frnt wene Gblkeginſl lchduge unlhſad v den; dikibe Amichre⸗ Vogel⸗VMeſt. 18 Ahme hinein/ Harinn ſaſſe der Wirth und llaſſe in zweyen Bůͤchern zugleich/ weil er ebenſo wenig Gaͤſten auffzuwarten hatte/ als der zum ſchwartzen Roß; Gruͤß ihn Aulne Sott/(ſagte der alte zum Wirth /) Grüß Aüin den ühn Gott Herꝛ Schrepfeyſen/ wie ſo gar aeeh, in doppelter Andacht begriffen? Er wird Ankere gewißlich dencken mit doppelter Kreyden band den geſchrieben/ alſo auch dorpelt gebetet? A⸗ Whasrnene ba! antwortet der Wirih/ welkommen Sut gen mein rechtſchaffener chrlicher Herꝛ dim· + ſ0 plex! woher ſo unverſehens? Ich habe 1 geſortzt gehabt er ſey geſtorben/ daß ich ihn SuudenN ſo lange nicht mehr geſehen; Ach! ant⸗ Alnune wortet der Alte /ich wäre noch nicht hier/ uninne wann mich meines Sohnes Angelegen⸗ büteds hetten nicht hieher getrleben haͤtten; Ich 10 Wu habe ihn neulich dem Herin Prelaten zu α N. recommendirt gehabt/ der Hofnung/ 0 ſohrnl er wuͤrde bey Geiſtlichen auch geiſtlich ge⸗ , ſinnet werden/ und in ewigwehrenden nt* Gottesdinſt tretten/ ſo hat er mir aber vor 10*4 10 etlichẽ Tagen geſchrieben/ daß er wiederum EHae unwiſſend warum/ dort abgeſchafft wor⸗ 800, 40den; darůber habe ich mich verwundert/ / 1U und dehwegen in ſeinem nativitaten Buch J nach⸗ K 190 Das wunderbarliche nachgeſchlagen/ und befunden/ daß er um dieſe Zeit/ vornehmlich aber heut wegen ſeiner Redligkeit und Neigung jederman bedient zu ſeyn/ aus Neid/ Irꝛung und Mißtrauen in aͤuſerſte Gefahr Leibs und Lebens kommen werde; derohalben habe ich ihm wieder geantwortet/ und befohlen/ daß er ſich auf dieſen Tag hier in dieſem Hauß einſtellen/ und meiner erwarten ſol⸗ le/ zu ſehen/ wie thm etwan zu helffen ſeyn moͤchte; aber indeſſen was hat der Hen vor zwey Bůcher da/ in denen er zugleich lieſet? Iſt vielleicht jenes kleineſte der To⸗ mas de Kempis? Wol nein/ antwortet Schrepffeyſen/ ich kenne denſelben Tho⸗ mam noch nicht/ diß iſt die Aſſenat und jenes der keuſche Joſeph; dieſe beyde laſe ich gegen einander/ well beyde Cheleut ge⸗ weſen ſeyn ſollen/ und ſehe wie der jungere Scribent dem aͤlteren ſo dichte Kappen gibt/ mehr die Zeit zu palſiren/ weil ich jeßt eben keine Gaͤſte hab/ als zwiſchen ihnen beyden ein Urthelzu ſprechen. Der Joſeph? ſagte der Alte; Ja! ant⸗ wortet Schrepffeyſen; und die Alle⸗ nat, die eben nicht viel mehrers in ſich 116 gls 1 db Iu Aht ſil Valien derdee)eß laſt mch ſe heleaabe ll damichme ſolgte Jund 1r /durche de Vöchtt; ncht auf/ natdſſolleg WIh aurll IWenat Klck lund cleh/ lft e Zus ſget daß tin kltt ellltbey/ Mlckl. Glechde ſenat, und tionibus,! ſchendt/ az Glaß hätkh Pih neh Vogel Neſt. 191 dlün als Joſeph ſelbſten/ ohne daß ſie ihr Autor aſu zu einer halben Nonn und eines andern n Vattern Tochter macht/ als Greifnſohn/ Jun der des Joſephs Leben beſchrieben hatzmein Hnlelt laſts mich ſehen/ ſagte deralte Simplex, utze holet aber indeſſen eine gute Maß Wein/ damit ich nicht umſonſt da ſitze; der Wirth folgte/ und indeſſen er nach dem Wein war/ durchſchnarchte dimpliciſſimus bey⸗ de Buͤcher; im Joſeph hielte er ſich gar nicht auf/ aber in der ſo genannten Alle- nat deſto länger/ und zwar ſo lang als der Wirth ausblieb/ da der aber wieder mit dem Wein kam/ die Kanne auf den Tiſch ſtellete/ und hingieng ein Glaß zu ſchwen⸗ cken/ ſoffe er den Wein in einem ſachten Zus ſo glat heraus/ daß ich nicht glaube ⸗ e daß ein eintziger Tropffe mehr darinnen verblieben/ ohne daß es der Wirth ge⸗ merckt. Gleich darauf wͤͤhlet er fort in der Al- ſenat, und ſonderlich in deren Annota- tionibus, noch immerhin ſo durſtig aus⸗ ſehende/ as wann er mit Verdeuß auf das Glaß haͤtt warten müſſen/ wie aber der Wirth mit dem Glaß kam einzuſchencken/ J ij und 92 Das wunderbarliche und nichts in der Kanden fand/ lachte der alte dimplex und ſagte/ wann man autz laͤeren Kanden einſchencken loͤnte/ ſo waͤrt ich wol ein Stock⸗Narꝛ ſo ich im Wirths⸗ haus einkehrte; eine Kande die ich kaufftz waͤre mir alsdann genug/ mein Lebtag den Durſt daraus zu loͤſchen/ gehet zuvorhin und fůllet die Kande ſelbſt/ ehe ihr die Glä⸗ ſer daraus fuͤllen wolt; der Wirth wuſte nicht ob er vergauckelt war/ oder ob er kei⸗ nen Wein mit ſich aus dem Keller gebꝛacht haͤtte/ ſchůttelte derowegen den Kopf vor berwunderung/ uñ holete eine andere Maß Wein/ aus welcher er einſchenckte/ und ſeinem alten belanten Simpliciſſuno zum freundlichſten Willkumm eins zubrachte/ der ſich aber bedanckte/ und ihm zuverſte⸗ hen gab/ er haͤtte den Durſt ſchon aus der vorigen laͤeren Kanden gelaͤſcht/ das moͤch⸗ te Herꝛ Schreyfeyſen jetzt aus gegentwoaͤr⸗ tiger gefuͤllten thun. Indeſſen durchblaͤttert er immerfort die Anmerckungen in gedachter Allenat, und zwar in ſolcher hinlͤͤſſigen Eyl/ als hJ Sinpilß lum hel/ Wundt ſcch hern fbontelt Fſ daß f Wete tſlhach o wann ers im Verding zu thun gehabtz und als er zum Ende kam/ ſagte er zum Wirth/ fin) ild cder llt Afanehh, Reuchttelt Knt g t Vg Wolin/ dar Mbeſlnlte Hetl Kalſh feaſchen d Hicht zurer lhunle ſepht azen len thlkte⸗ Gemahln bahdieſe Eun Inm⸗ tur 0 10 e kam * Vogel Neſt. 193 Wirth/ ich ſehe wol daß der Nachtbar Simpliciſſimus eben ſo wol ſeinen Zoi⸗ dum hat/ als der beruͤhmte Homerus! Wann die Geſchiche der Allenat, darauf ſich hiertnn ſo oft bezogen wind/ vor dieſem ſchon verfaſt geweſt/ was iſts dann vonno⸗ then daß ſie mit dem aus meines Joſephs kebens⸗Beſchreibung gezogen Federn(er erſt nach ſo vielen hundert ja tauſend Jah⸗ ren) wie des Horati Kraͤhe ausgezieret oder vielmehr vermummet werde? Der Afaneth Geſchichte/ ſo ich zwar nicht geſe⸗ hen/ halte ich vor ein Gedicht irgends eines alten Rabi/ dardurch er die judiſche Jůng⸗ ling zur Tugend und Keuſchhett anſyorren wollen/ damit ihnen GOtt/ wann ſie dar⸗ in beſtandtg verharreten/ folche ſo wol als dem keuſchen Joſeph mit einem eben ſo keuſchen Gemahl belohne; So iſt auch nicht zuverwerffen/ wann um dieſer Ur⸗ fach/ und des unvergleichlich⸗keuſchen Jo⸗ ſephs eigenen Tugenden und Mertten wil · len ihme eine ſo vortrefflich auferzogene Gemahlin angedtchtet worden. Aber daß dieſer Autor mir am 39 5. Blat met⸗ nen Imaus/ und anderen ihren Komha⸗ J iij tes: 194 Das wunderbarliche res! und aber einem andern ſeinen Alrian nicht paſſiren laſſen wil/ und anders mehr/ um willen es wider die Geſchichtſchreiber/ ſo er hiervon geleſen/ wie auch der Aſaneth Geſchicht und die Verfaſſung des Joſeyhs letzten willens ſtreite; iſt mir gar nicht ge⸗ faͤllig/ dann er ja ſelbſt tacits geſtehet/ daß er nicht alle Geſchichten hiervon geleſen/ mit den meiſten aber ſo er geleſen/ denzu Joſephs Zeiten regierenden Pharaonem Nephrem und auch Tomeſtor Nemme. Was ich von der Aſaneth Geſchichtbe⸗ ſchreibung halte/ hab ich ſchon geſagt/ und ſage daß ich von den Verfaſſungen des let⸗ ten Willens der zwelf Ertzvaͤtter auch kein Haar anders/ ſondern dteſes glaube/ daß/ gleich wie fromme Chriſten die warhaffte Geſchichte deß ſchmertzlichen Leydens und Sterbens ihres Erloͤſers heilſamlich be⸗ trachten/ damit ſie die unausſprechliche Liebe GOttes daraus erkennen/ ihre Her⸗ tzen zu heiliger Gegenliebe und ſchuldtger Danckbarkeit bewegen/ und Demuth/ Ge⸗ dult/ Sanfftmuͤthigkeit und ander Tugen⸗ den und unglaͤubliche Schaͤtze ſo darinn llegen/ begreiffen lernen/ und daraus ſchopf⸗ cahe⸗ ögeh/ elchifen flugen He tellhlekt Jufend e Spegeld ehuſcher henund d cher Mel gereſc lun /61 eh Gnnt futut Diß Nedde Wonchf wotdeß ſch belke amſoge Zeken n obtt/ l fachſtt doͤrffnz 1170.N Zuniz — Vogel⸗Neſt. 195 ſchoͤpffen: und alſo das jenige erlangen moͤgen/ worzu ſie von SOtt vornehmlich erſchaffen werden; daß alſo auch von den klugen Hebraiſchen Rabinern die gedach⸗ te letztere Willens⸗Verfaſſungen vor die Jugend aufgeſetzt/ und gleichſam als ein Sptegel dargeſtellet worden/ in welchem ſie zu ſehen/ wie ſie leben/ die Tugenden ü⸗ ben und die Laſter fliehen ſolten; In wel⸗ cher Meinung ihnen nichts daran gelegen geweſen/ ob ſie in ein und anderer Erzeh⸗ lung/ ſo viel die Hiſtori ſelbſt anbelangt⸗ den Grund der Warheit ſo genau er⸗ forſcht und beobachtet oder nicht. Daß auch dieſe beyde Schrifften aus Neid der Juͤden/ wie der Autor in ſeiner Vorred ſagt/ ſo lange verborgen gehalten worden/ faͤlt mir ſchwer zu glauben/ wann ich betrachte/ daß die Hebreer die Caba- lam ſo geheim gehalten/ daß ſie vor Eldræ Zeiten niemand ſchreiben: nachgehends aber/ als ſie Eſdras aus Goͤttlichem Be⸗ felch ſchrifftlich verfaſt/ nicht ein jeder leſen doͤrffen; und daß dannoch dieſelbe Cabala in 70. Sůchern beſtehend/ nach Garzoni Zeugnuͤß ſo gemein worden/ daß ſie aus J itij Papſt ide Das wunberbarliche Papſt Sixti V. Anordnung in der Latel⸗ niſchen Sprach in offenen Druck kom⸗ men. 166 Viel/ ja die meiſte Hebreer halten darvor/ Potißhar habe den Joſeph ſeiner Schoͤnheit wegen zum Mißbrauch er⸗ kaufft/ unb ſeye deßwegen untuchtig wor⸗ den/ ehe er ſein ſuͤndlichs Vorhaben voll⸗ bringen koͤnnen/ ſolches bezeugt auch die vom Autoram vzrhundert und achtẽ Blat angezoa ene Geſchickt der Aſſenauh; Wañ nun dieſem alſo were/ ſo iſt die Verfaf⸗ ſung des Joſephs letzteren Willens falſch/ ſeph aus Anſialt des Pottphars Gemahlin orkaufft worden/ wie hier bey dieſem Autor am 44l. 42. 443. Blat und anderswo mehr zu leſen⸗ Verbleibe dennoch bey meinem gefa⸗ ſten Wahn/ daß die Geſchichte der Aſſa⸗ neth mit ſampt dem verfallen letzten Wil⸗ len der Ertzvaͤtter er erſt lang nach Jo⸗ ſephs Zeiten/ von einigen jůdiſchen Rabi⸗ nern aufgeſetzt worden/ mehr der Mei⸗ nung/ die Jugend anzureeitzern/ des Jo⸗ ſeyhs Zugenden nachzufolgen/ als 175 K gcl. Wlch Jfoch l6(Sl ſcrabek mͤch nient F bAugut t donno ligen Men Ne ft ften Wll 235 malchn Als we lehhe ausdrückenlich meldet/ daß Joß Iil wächet Auuhmbn bbl ſhſt h um Sun lacht befe wütbe/ he Sthonſlte t Ehehr ſchtlich pien wat⸗ iſe/ unb Köntzeat ſeunt gtn TTch5A etle A 7 Aen Wilensſeh hm/ dah. Reedhhatt Otmn u behdueln l Vn und aace ach beg Kehnckg EScitichl, riala 1l 8 f lng uil rte0 Arkolgtg/ 4K5 * 00300,** Vogel Neſt. 197 die Warßeit der Geſchicht ſollen darzu legen. Welches Potiphars Tochter Mann Joſeyh aber worden ſeye/ bezeugt die Hei⸗ lige Schrifft und der Judiſche Geſchicht⸗ ſchreiber Joſephus ſo Sonnen⸗klar/ dal mich niemand uͤberꝛeden kan/ deß erleuch⸗ ten Auguſtini Meinung abzuſtehen; wie mir dann ohne das gebuͤhret/ einem fo hei⸗ ligen Mann mehr zu glauben/ als denen ſo die Aſſaneth⸗Geſchichte/ und Joſephs letz⸗ teren Willen gedichtet; und uͤber diß iſt mir allerdings wie dem gelehrten Voſſio, mit welchem ich rund nicht faſſen und glauben kan/ daß der jenig/ dem dieſer Au⸗ tor ſelbſt nicht unweißlich das Hermlin zum Sinnbild gibt/ ſeine reine Haut ſo leicht beflecken/ und die jenige heyrathen wuͤrde/ deren Vatter an ihm zu einem Sodomiten: ihre Stieffmutter aber zu ei⸗ ner Ehebrecherin werden wollen: vor⸗ neh mlich zu der Zeit/ als er Herꝛ in Egy⸗ pten war/ groſſe Ehr und Reichthum be⸗ ſaſſe/ und unter allein Frauenzimmer des Koͤnigreichs die Wahl hatte; dahingegen ſeines geweſenen Herren Anſehen ohne Jv zweif⸗ 1998 Das wunderbarliche zweiffel ſo hoch nicht mehr geleuchtet haben wird(nach dem kundt worden/ was ge⸗ ſtalten er dann nunmehr ſo hochgeachten Joſeph ſo lange Zeit unſchuldig gefangen gehalten) daß er Urſach gehabt haͤtte/ ein ⸗ ger erheyratheten Hochzeit oder zubringen⸗ den Brautſchatzes wegen ſeine bißher ver⸗ 3 56.9 wahrte Keuſchheit einer unkeuſchen Art zuzubringen. Daß ſich endlich der Autor verwun. dert an ſeinen 442. und 443. Blat/ daß Potiphar in Joſephs Lebens„Beſchrei⸗ bung vor einen Wittwer/ deſſen Weib Selicha genannt/ und vor der Aſſaneth Verwandte ausgegeben werde; da muß ich mich hingegen uͤber ſeine Verwunde⸗ rung verwundern/ well er als ein wolbele⸗ ſener weiß wie unterſchtedlich von dieſer Geſchichte geſchrieben wird; wann er aber auch hoͤrete wie ſeltzam und unterſchtedlich die Perſianer/ Araber und andere hiervon můndlich diſcurꝛiren/ ſo wuͤrde er ſich üͤber das was ich diß Orts geſchrieben/ gar becht Krel immts aber biel ichtlg/ weſe Tel ſchlalte bor des ſe len/ ſy ſh m baneh ff 96 Wehe en/ datuut ichdiecch ellernel/ un Ott J Spicif Im Ohren Hächr cötk: 90r/ daß e dimfler ſ⸗ nicht verwundern; zu dem gebrauchen ſich Wun gen dieſelbe Voͤlcker noch zur Zeit keines ſen ſ Drucks/ darumben dann dit I 91 6/ I Vogel Neſt. 199 bene Exemplaria bey ihnen ſelten ein⸗ ſtimmig gefunden werden; indeſſen iſt es aber viel zu weit und die Sach nicht ſo ge⸗ wichtig/ daß man jemand perſoͤnlich hin⸗ weiſe/ ſelbſt zuerfahren/ was vor unter⸗ ſchiedliche Sachen ſelbige Leute von des Joſephs Hiſtori haben; Wann aber ihr Herꝛ Schrepfeyſen auch gern wiſſen moͤchtet/ woher ich den Nahmen Selicha vor des Potiphars Gemahlin auffgetrie⸗ ben/ ſo ſchlaget des beruͤhmten Olearij Perſiſche Reißbeſchreibung auf/ darinn werdet ihr finden/ daß die Perſianer ſelbi⸗ ges Weibe nicht anders als Selicha nen⸗ nen/ daraus ihr leicht erachten koͤnnet/ daß ich dieſem Nahmen von deſſelben Nation erlernet/ und aus keinem Finger geſogen. Der Wirth hatte biß hieher dem alten Simpliciſſimo mit offenem Maul/ Augen und Ohren ſtillſchwetgend zugehoͤret; nun⸗ mehr aber verlieſſe ihn ſeine Andacht ſo gar/ daß er uͤberlaut anfing zu lachen/ weil Simplex ſo ſchellig drein ſahe/ und mehr SWort gemacht/ als ſonſt ſein Gewohnheit zu ſeyn pflegte; ich haͤtte nicht geglaubt/ ſagte er/ daß ſich der Herꝛ hieruͤber/ als J vj über * 200 Das wunderbarliche ber eine fremde Sach die ihn nichts Al, Ne0 gehet/ erzoͤrnen ſolte und wider ſeinen Ge/ ſil lall, brauch ſo viel Dicentes daher macht? Etbe Was ant wortet der Alte; ich bin des Jo⸗ befWuhl ſephs Autor/ und würde auch gefallen/ genſtce wann jemand euch euer Gelb hinweg neh⸗ felehben me/ und euch hernach ausſchrie/ ihr hat⸗ cleBeg⸗ get falſche Sorten? der Kerl zauſet mir dle Haar aus/ und varfhernach allerdings ſa En gen/ ich haͤtte eine falſche Baruͤcke. Mellun Als dieſe beyde ſo miteinander rede Wuhtn ten/ kam die Zeitung/ daß man den Wirih ltca zum ſchwartzen Roß/ mit ſampt chnachel Weib und einem Studenten gefangen lchK un genomment/ aus welches Beſchtet⸗ an un ung der alteSimpliciffimus abnahmm daß mbeez es ſein Sohn ſeyn tmuͤſte/ derowegen war tn Hale daſelbſt ſeines blelbens nicht mehr/ ſondern ſtth ratt er wiſchte gleich auf und A hin die jun Bee f Warheit zuvernehmen/ und weſſen erml Ampfiei er ſein Sohnbenüchtigt werdez der Wuth 00 n Be t0/ 15 KI ᷣachuete Waeg Micd „ der Kerutr laß nun dond LIII Saboten gt Sbte 0 lc Kmos Uli⸗ ifl/ keuxe⸗ n Vogel⸗Neſt. 20¹ Roß gerathen/ weil ich ihm geſchrieben/ er ſoll meiner zum Rappen erwarten? So bald ſie hinweg waren/ ſuchte ich deß Wirihs Schreibzeug/ welches ich in el⸗ nem Nebenſtůͤblein fande/ ſchriebe herng h folgenden Bericht auf den vierdten Thell eines Bogens Papier/ fo einfaltig und klar als ich konte/ nehmlich alſo⸗ Ein Müler brachte einen Sack Meel zum ſchwartzen Roß/ dem gab die Wirthin ein Stuͤck Kaͤß und Brodt/ das iegte er auf den Sack/ biß iben die Wir⸗ chin auch einen Trunck brachte/ den Kaͤß ließ er auftn Sack liegen als er getrun⸗ cken/ und gleng ſeines Wegs/ hernach fam der junge Simpliciſſimus, lieſſe thm ein Halbes langen/ und als die Wirthin ſich vergeblich bemühet/ den Sack Meel zum Backtrog zu tragen/ trug ihn der Simpliciflimus ungzebeten hin/ über wel⸗ cher Arbeit beyde ſich mit Meel beſtaub⸗ ten/ und mit dem Köͤͤß beſchmieten; als der Wirth daruber in die Stub lam/ arg⸗ wohneie er/ beyde hoͤtten etwas unrechts begangen; welche Warheit ſo wol der Muͤllet als der ſtumme Meelſack beieuaen J vij werdenz 202 Das wunderbarliche werden; woruͤber jener verhoͤret/ und die⸗ ſer beſehen werden kan. Mit dieſem ſchrifftlichen Bericht folg⸗ te ich Simpliciſſimo nach/ weil es aber ſchon ſpat war/ daß er weder gehoͤret werden/ noch etwas anders ausrichten konnte/ als daß man die Sach kuͤnfftigen Morgen vornehmen ſolte/ ſo gieng ich wieder mit ihme zuruck ins Wiꝛthshaus/ und den folgenden Moꝛgen auf die Rath⸗ Stub/ allwo die Sach verhoͤrte und ex⸗ aminirt wurde. Der Schwartz Roß⸗Wirth war Klaͤger und hatte nichts anders zum Be⸗ weiß/ daß er ein Hanrey ſey/ als den fau⸗ len ſtinckenden Kaß und den Meelſtaub/ welches auch bey theil verſtaͤndigen vor genugſame Anzeigungen gehalten wur⸗ de/ daß beyde Beklagte nahe genug mit den Leibern zuſammen kommen ſeyn mochten/ vornemlich weil der junge Sim⸗ barabe ein ſchoͤner gerader Menſch war/ er aber ſo wol als die Wirthin ihre Un⸗ ſchuld mit Gott bezeugten; Ich mochte aber die Sach nicht lang vergeblich hin⸗ und her waͤgen laſſen/ ſondern legte mei⸗ nen fggechte tetaufden betwuder aliumabge Mller in Kugtec ulden ben gh/ dem Wiechdoß Huken:6 achelte hun te Hoh kiht Wohmnerſe menditt l didſebelau ſondetg a Herꝛ/ xit fes Ghd mögen/ ſhwelſche Waken aur ffnupgt Vogel⸗Neſt. 203 nen geſchriebenen Bericht vor den Rich⸗ ter auf den Tiſch/ woruͤber ſich jederman verwunderte/ er wurde durch den Acu- arium abgeleſen/ und darauf beydes der Muͤller und Mahlſack geholet/ die da be⸗ zeugten was ich geſchrieben; hierauf wurden beyde Beklagte ledig geſpro⸗ chen/ dem Klaͤger aber ſchimpfflich ver⸗ wieſen/ daß er ſein unſchuldig Weib zur Huren: Sich ſelbſt aber zum Hanrey machen wollen. Welches doch niema⸗ len ein Mann zu ſeyn begehrt/ und ſonſt niemal gehoͤrt worden. Ich gieng wieder mit den beyden Simpliciis in ihre Herberg/ allwo der Al⸗ te von einer Graͤvlichen Hoffhaltung/ wohin er ſeinen Sohn in Dienſte recom- mendirt/eine Widerantwort erwartet/ dieſelbe lautet aber nicht nach Wunſch/ ſondern alſo: Inſonders hochgeehrter Herꝛ/ wie gern ich deſſen Sohn in mei⸗ nes Gnaͤdigen Herꝛn Dienſten ſehen moͤgen/ wird mir der Her: Bruder ſchwerlich glauben koͤnnen; Seine Gn. waren auch mit meiner hertzlichen Er⸗ freuung gaͤntzlich entſchloſſen/ ihn anzu⸗ nehmen/ 204 Das wunderbarliche nehmen/ hat aber auch zuvor erkundigen wollen/ welcher Geſtalt er ſich in bewu⸗ ſten Cloſter verhalten/ und warumb et ſo bald wider aus denſelbigen hinweg kommen/ und eine ſolche Antwort erhal⸗ ten/ die ihme allen Luſt und Willen ihn antzunehmen vertrieben; Ich commu⸗ nicire deß Herm Brudern Verſchwi⸗ genheit im hoͤchſtem Vertrauen/ daß auf ihne ausgeben worden/ er haͤtte die Ge⸗ wonheit beydes mit der Zung und krum⸗ men Fingern ſpatziren zugehen; So zwar mein Gn. Her: nicht glaubet/ gleichwol aber auch nicht trauet; uns damit allerſeits Gottes Schutz empfth⸗ lend⸗ Diß thaͤt mir wehe/ geſchweige den beeden Simpliciis; dann diß war je grob und unfreundlich gehandelt/ daß man mit ſeiner deß Jungen Ausbeiſſim nicht zufrieden geweſt/ ſondern ihn noch darzu anderwaͤrts verleumdet und vor ſeinem Gluͤck ſtunde; doch taugte mirs auch zu einer ſonderbaren Freud und Er⸗ goͤtzung als ich ſahe daß ſie beyde ſich ſo wol in dieſe widrige Begebnus 1— nten * ſhltl; N. Win Hef fuchnſct de hetursoffl ſb fir fel Hll, ub Nuſche ſr Eilbt; de heſdt/ vant fiſgus ſcl und Cchfele Deeſ le Wabebee Gäuffgel 6 fhel ſcch boch Te Hlttapfferg Vuͤbe eine fein Dorffe ffül Mattt fbenbet loder Hell terden bllte und o⸗ Süchgtit empgffet Vogel⸗Neſt. 205 Ageag konteii; Ae 2ſagte der Alte/ wer mein Herꝛ nicht ſeyn will/ dem darff ich auch ncchtk dienen; die gantze Welt ſte⸗ hetuns offen/ wir doͤrff ſen darinn betteln uch wo wir wollen; lang zu⸗ Hof lang zu AeHoͤll; und iſt mein Sohn nicht zum Pen Moͤnchen Præteſtinirt/ ſo werde er ein Solbdat; der iſt ein Narꝛ der ſich dꝛumb henckt/ wann man ihn nicht in ein Ge⸗ faͤnlgnus ſetzt/ denen ſich beydes das Hof⸗ und Cloſterleben vergleich t. Den andern Tag nahm ich meinen 0 Waĩweieers und gieng mit einem wa⸗ Aucl; ckern jungen Baurskerl in ein Stadtlein dbe das es ſchorn Polniſchen Gebiets und doch noch Teutſcher Sprach war; Er K/ fefbnte tratt tapffer auf die Lappen/ ſo/ daß er in Baͤlde eine junige Baurendirn aus ſei⸗ nlem Dorffe einholete/ die ein Schwein⸗ lin zu Marck triebe; es ſetzte wiſchen beyden in boͤlde ein leffelhafftig Geſpꝛaͤch/ Kandd“ und der Kerl war auch ſo keck/ daß er ie eblunnt unter dein Hals herumb ein wenig kuͤ⸗ cli ele und noch von einer viel niedlichern Sach mit ihr vedete; doch lieſſe ers bey Nuutten t einem paſſi irlichen bleiben; aber I. je 4 206 Das wunderbarliche jetzt allerdings aus dem Wäldl gehen wolten/ erinnert ihn das Menſch an das worvon er ihr geſagt und doch nichts ge⸗ leiſtet hatte; mit beygefũgtem Anhang/ daß der Buſch daſelbſt hierzu beguem: und niemand vorhanden waͤre/ der ez ſehe; der Kerl hingegen roͤthet ſich vot Schamhafftigkeit an/ und ſagte du leichtfertiger Schleppſack/ ſiehet esdann ſ ſalkſt GOtt nicht? GOtt ſiehets und wird mug und dardurch erzuͤrnet; die Engel ſehens und ſch ſn werden dardurch betruͤbet; der Teufel deſthen klagen; Wann es aber nur Menſchen ſulbale ſehen/ ſo waͤre es nur umb die geitiche ſhehdt Schand zuthun/ welche du mehr ſcheueſt UdGetle als die ewige Verdammnis! innec Ich verwundert mich um ſo viel deſto nmgne mehr uͤber dieſe Antwort/ weil ichſſiehin⸗ fithktz⸗ ter keinen ſolchen Baurnkerlgeſucht ha⸗ Siche te; Ja ſie bewoͤgte mir das Hertz der ſcherthe maſſen/ das ich einen Seufftzen nach dem yen der andern daraus holen muſte/ und dieſe Eindnd 4 Wort wol hundertmal bey mir ſelbſt re· Jogeh petirte und je laͤnger je mehr betrachtete;“ den 1 dieſe Wort/ lernten mich in mich 0 ſumet gehen/ ſ— ſihets und wirds am letzten Gerichtan⸗ fin ö Vogel·Neſt. 207 gehen/ viel beſſer als wann ſie ein Predi⸗ ger ausgeſprochen/ ſie oͤffneten mir die Augen zu ſehen/ aus was Urſachen ich ſo oft und vielmals ſuͤndigte; nemwlich die⸗ weil ich ſo gar wenig an die Goͤttliche Gegenwart gedaͤchte/ und ob mir gleich unzehlbar vielmal zuvor geſagt worden/ ich ſolte Gott allweg vor Augen haben/ ſo hatte ich jedoch dieſe guͤldene War⸗ nung und Lehr weder recht verſtanden/ noch ihren Nutz beobachtet vielweniger derſelben gefolgt/ wie ich jetzo dieſelbe ver⸗ ſtunde/ ihren Nutz vor Augen ſahe und derſelben hinfort zu folgen beſchloſſe; da ſahe ich daß derjenig Gottloß zunennen/ und Gottloß in Wercken waͤre/ der nicht immer GoOtt vor Augen hat und in ſei⸗ nem gantzen Wandel deſſen Gegenwart foͤrchtet; Solches deſto ehender ʒu faſſen und zu behertzigen/ machte mich damal ſehr be⸗ quem/ dieweil alle die Thorheiten/ Faͤhler Suͤnd und Laſter/ die ich/ ſo lang ich das JogelNeſt in Handen gehabt/ von an⸗ dern geſehen und gehöͤret/ nicht vorge⸗ nommen noch unkellanden/ didlwerſ ⸗ voll⸗ e K 1 208 Das wunderbarliche vollbracht worden waͤren/ dafern die je⸗ nige die ſolche begangen/ nur meine un⸗ ſichtbare Gegenwart gewuſt haͤtten! un⸗ angeſehen ich nur gleich andern ein ſuͤn⸗ diger Menſch und noch lang kein Heil⸗ ger viel weniger ein Engel geweſen/ den ſolches geſchmirtzet: noch ein Teufel/ der folches angeklagt haben wuͤrde; Ich ge⸗ dachte an jenen frommen Moͤnchen/ der auf einer leichtfertigen Vettel emſiges Anhalten mit ihr das Werck der Un⸗ keuſchheit zu begehen vetſprach/ dafeimn ſte es auf offenem Marck vor aller Mel⸗ ſchen Augen init ihm vollbraͤchte/ die es GAber aus Scham ſolcher Geſtalt nicht an⸗ gehen wolte/ ſondern iht detliebtes Ra⸗ 1 in eine heilſame Bekehrung verwan⸗ elte. Ach GOT&& gedachte ich/ ſoll ein ſchwwaches Weibsbilde/ ein Weibsbild das wegen ihrer verliebten Paſſion an⸗ gefochten/ und von den hitigen Begien⸗ hen ihres Verlangens angeſporet wird! Ein Weibsbild/ das mit dieſer faſt un⸗ ſtohbaren Kranckheit der Liebe behafftet/ und dardurch(wie bey nahe jebte W ſibt ge E nunft daat det deulk aſen'uud beſfrabblac ceh/ſheuen Gehenwatt! ſabegehen! ſhen/ de ſlag/ wiot den den dus ördk be Jen Udien Wuld/cheach Ogeoſel Aberantte derdhenche Auſündigeg keſhet/ h wann es fu dl den M G0ʃt730 ihenSch Wehtt agnheh 8 2 Vogel⸗Neſt. 209 maß liebte zu ſeyn pflegen) gleichſam aller Sinn und Rechten Gebrauch der Ver⸗ nmunfft beraubt iſt/ ſich der Gegenwart dch der Leute vom Suͤndigen abſchrecken laſſen? und wir uͤbrige Menſch/ die ſich beſſer als leichtfertige Huren zů ſeyn dun⸗ cken/ ſcheuen ſich nicht in der Goͤttlichen Gegenwart die allerabſcheulichſte Laſter azubegehen! Vor deinem Neben⸗Men⸗ lh ſchen/ der vielleicht ein Suͤnder ſeyn nmag/ wie du/ ſcheueſt du dich/ und vor dem den du mit Suͤndigen erzoͤrneſt/ der dir zuſihet/ zuhoͤret/ und dich umb dein Verdienen abſtraffen oder belohnen bßwird/ ſcheueſt du dich nicht. O groſſe erbaͤrmliche Blindheit! O Anverantwortliche verſtockte Thorheit der Menſchen/ die da nicht unterlaſſen ahtl th zu ſuͤndigen/ wann es ihr Schoͤpffer al⸗ Vlein ſihet/ ihnen aber abzubrechen wiſſen/ lcktenduigh wann es nur Menſchen ſehen! Ehreſt ſthaß du den Menſchen hier nicht hoͤher als GGOtt? Zeugſt du hier die Creatur nicht ührem Schoͤpffer vor? Biſt du hier nicht in Warheit ein rechter Abgoͤtterer? Ach uwann wir Menſchen/ wir Chriſten!— U e 210 Das wunderbarliche nur thaͤten was der weiſe Heid deneca g in ſeinem Hercule Furioſa ſpricht/ wann er ſagt Sequitur nocentes vicor à terge DEuUS Das iſt ſo viel Hüt dich/ hüt dich/ dann GOtt der HErꝛ Der ſiht dir zu und iſt nicht ferꝛ. Wann wir ja den heiligenApoſtel nit fol⸗ gen wollen; der uns ſo treulich vernah⸗ net/ wir ſollen als am Tage wandeln/ das iſt/ wir ſollen alle unſere Werck dergeſtalt verrichten/ als wie die jenige die am hellen Tag in aller Menſchen Gegenwart un⸗ geſcheut zu geſchehen pflegen/ ſo ſtuͤnde unſere Sach noch wol/ dann wer Boͤſes thut/ der liebet die Finſternus und haſſet das Liecht. Wie vermeineſt du wol/ daß uns Chriſten jener edle Roͤmer/ der doch nun ein Heid war/ und den wahren GoOtt nicht erkannte/ an jenem groſſen Tag/ daran alle Werck offendar werden ſol⸗ len/ beſchaͤmen wird/ umb willen er nicht gewollt/ daß ihm der Bau/ oder Werck⸗ meiſter chel 1 ſondechine dſo h und wahtnen holgielg Eoches hene Gedan Wgedachten“ Ochluß deni ſt/ daß der ſ⸗ bilich gte uennehhl cheGegeltwar. dihrmus vet ſaglaſſe; de Mfſſcheunl c Höͤlhſten h Handel Kaſen vor etit) dit lcht durau wogefälge gergeötg ſtgechnoe nenbch he FeN Vogel⸗Neſt. 211 meiſter ſein Haus bauen ſolte/ daß nie⸗ Amand ſehen könte was darinn geſchahe/ ſondern im Gegentheil begehrte/ ſolches alſo zuzurichten/ daß jederman ſchauen und wahrnemmen koͤnte/ was darinnen vorgieng. Solches und dergleichen waren ·˖meine Gedancken/ bis wir allerdings zu obgedachten Staͤdtlein kamen; und der Luele Schluß den ich darauf machte /war die⸗ Hia ſer/ daß der jenige Menſch alsdann nicht Ieunbillich gottlos und GOttes vergeſſen zu nennen ſeye/ wann er die continuirli⸗ che Gegenwart GOttes aus dem Ge⸗ Sohkede daͤchtnus verliere/ oder hindangeſetzt cgav ſeyn laſſe; der aber Gottsfoͤrchtig ſey/ dangen der ſolche unlaͤugbare gewiſſe Gegenwart Adeß Hoͤchſten unausſetzlich in allem ſei⸗ nein Handel und Wandel/ Thun und al/ xLaſſen vor Augen habe/ obſervire und re⸗ ſpectire/ dieſer Weg dunckte mich gar uleicht darauf zu einen frommen GOtt bðolgefaͤlligendeben zu gelangen; Mit ſol⸗ cher geringe Muͤhe/ ſagte ich zu mir ſelbſt/ iſt gleichwol ein unſchaͤtzbarlicher Schatz/ nemblich die ewige Seligkeit zu un RSeA 22 112 Das wunderbarliche und in dem ich ſo in meiner Betrachtung fortfuhre/ kam ich auch darauf/ daß Gtt nicht allein auſſerlich gegenwaͤrtig ſey/ wie Menſchen bey Menſchen zu fenn und einander zugehoͤren und zuzuſehen pflegen/ ſondern daß er auch die gegen, wärtige und kuͤnfftige zunerſte Bero⸗ gungen/ Gedancken und Rahtſchlaͤg un⸗ ſerer Hertzen ſehe und wiſſe. Derowegen ſetzte ich mir vor ein gant anderer Menſch zu werden/ ich lieſſe den vorhabenden Anſchlag allbereit fal, len/ einen reichen Juden in Polen zube⸗ ſtelen/ umb mich ſelbſt mit den Diebſigl zu bereichern; ſintemal das ſiebende Ge⸗ bot ohne einige Bedingung das Stelen verbeut/ und einer zum Dieb wird/ er ſtele gleich einem Juden oder Chriſten. Wie ich unter das Thor deß mehrbe⸗ ſagten Staͤdtleins kam fiele unverſehent ein groſſer Platzregen/ weßhalber ich mich in das nechſte Haus daꝛbey in die Lꝛuͤckne ſalvirte/ es wohnte ein zimlich betagter Schuſter darinn/ der dort ſaſſe und auf ſeinem Handwerck arbeitet/ ſein junges Weib aber ſpanne Haͤnffen 1b-„ ehöieenztoe nochen Kerlf ſterkle da l ich e dder Schu, denn keſthin Der Mhyſen was esfoßegt wortct en d tb; Mlgch Vogel⸗Neſt. 213 von Kindern oder Geſind ſahe ich nie⸗ mand/ verſtund aber wol aus beyder Eheleute Diſcurs/ daß deß Meiſters rech⸗ ter und der Frauen Stieffſohn auf dem Marck war/ und Schuh feil hatte. Ich war uͤber ein halbe Stund nicht bey dieſen zweyen Eheleuten geweſen/ als noch ein Kerl hinein kam/ der dem Schu⸗ ſter klagte/ daß ihn der Schuh ſo gewal⸗ tig am rechten groſſen Zehen truckte/ mit Erſachen/ er wolte doch umb die Gebuͤhr elffen und rathen/ daß er deß Anligens entůbrigt ſeyn moͤchte; Oja/ antwortet der Meiſter nur heraus mit dem Schuh/ ſo will ich ihn ein wenig uͤber den Leiſt ſpannen/ und dem Ubel bald abgeholffen habenʒ der Patient folgte mehr als gern/ und der Schuh wurde abgezogen/ genetzt und ein Leiſt hinein gezwaͤngt/ darinn er etwan eine halbe Stund verbleiben ſolte/ bis der Schuh nur ein wenig wieder truͤcknete/ damit er ſeine Form behielte; Der Monſieur fragte den Schuſter/ was es koſten wuͤrde; ihm ward geant⸗ wortet/ ein Maß Wein mache viel We⸗ ſens; Wol geben/ ſagte jener/ iyr ſehet K mir 114 Das wunderbarliche mir gewißlich an/ daß mich eben jetzt dur⸗ ſtet; ſehet Meiſter da habt ihr Geld holet ein Maß; Gehet Frau/ ſagte darauf der Schuhmaches/ holet ihr/ ſo kan ich indeſſ⸗ fort arbeitenSolches war aber den Ga⸗ lanẽ ungelege/ derowegẽ ſagte er/ die Frau muß mir aber auch gleich ein paar Dutzet Paſtelin mitbringen gar gern antwortet die Schuſterin; aber wie dem ſie werden mir vom Regen naß/ und zum Mann ſagte ſie/ es ſihet auch jeder was ich tea⸗ ge; dem Ding iſt bald geholffen ant⸗ wortet der Schuſter/ ich will meinen Mandel nehmen/ und beydes ſelbſt her⸗ holen/ geſagt und fortgangen war eins. Er hatte aber kaum den Rucken ver⸗ wendet/ da brachten beyde hinderlaſſene die Maͤuler ſo nahe und dichte zuſamen/ umbarmten ſich und konten ſich auch ſo gar nicht wieder voneinander bringen ¶ daß ich vermeinte/ ſie waͤren mit einem Bechknollen zuſamen geleimet geweſen; und daß war noch nicht genug/ ſondern der Leimſtengler warff noch darzu die gute Schuſterin auf das daſelbſt ſtehen⸗ de Lotterbett/ und formirte mit ihr ſo eine ⁰ elegäde ethatte dunt ſtn lichtctr Gheche We en Schuh! wlde frar bet nic be ermit ſoeine nihten welte untenan di⸗ den Jijen u nie en Zut Angen Ac! das Fißdttttr den Hirdet maſſgen N. hätkeihn ſen aifdieboſft enſtderſcht ui diet de Jc koat we ucherehle daßſieeinand und vur Fun iitterteg, dat aſder tohhe Vogel⸗Neſi. 115 eine werckliche Poſtur/ daraus ein jeder/ er hatte dann gar ein Schaf ſeyn wol⸗ len/ leicht abnehmen koͤnnen/ daß er das Eheliche Weibgen wie der Schuſter ſei⸗ nen Schuh zu traetirn vorhatte; Sie wurde zwar gar nicht zornig drůber⸗ aber mich verdroſſe es im Hertzen/ daß er mir ſoeine viſirliche Kurtzweil da an⸗ richten wolte; derohalben ſchliche ich unten an die Bettlade/ erwiſchte ihn bey den FJuſſen und fuhr mit ihm gleichſam wie ein Bauer mit ſeinem Pflug den langen Weg deß Ackers hinaus uͤber das Fußbrett/ woran er ſich beydes mit den Haͤnden/ und ſeiner Kirſchenhacken⸗ maſſigen Naſe noch erhielte/ dann ich Ntoeth hatte ihn ſonſt weiters und vielleicht gar utz auf die Gaſſe hinaus geſchleifft; Es mag ein jeder ſelbſt gedencken und errathen/ was dieſe beyde hieruͤber gedachten; „ch zwar weiß es nicht/ wolte es ſonſt auch erzehlen; das aber weiß ich wol/ daß ſie einander mit Erſtaunen anſahen/ und vor Forcht/ Angſt und Schrecken fb0 zitterten; das erſte/ ſo ſie wieder mit ein⸗ nketander redeten/ war diß/ daß je Eins das K ij ander abnüch E 116 Das wunderbarliche ander fragte und ſagte/ Her: GOtt was iſt das/ Ich aber gedachte/ haͤttet ihr bey⸗ deſo zuſammen geſagt/ ehe ihr euer ver⸗ dammliche Gauckelfuhr begangen/ ſo waͤre es mit einem guten: und nicht wie jetzt mit einem geaͤngſtigten Gewiſſen ge⸗ ſchehen; Ich war mit deß Kerls Naſe ſo un⸗ ſaͤuberlich an das Fußbrett gefahren/ daß ſie ihm blutet ſchier wie ein geſtoche⸗ ne Sau/ aber da bekuͤmmert ich mich wenig umb/ ſondern ich wuͤnſchte viel⸗ mehr/ daß ich allen ſolchen Hengſten der⸗ geſtalt zur Ader laſſen: und das erhitz te geile ehebrecheriſche Geblͤͤth vom Her⸗ tzen raumen koͤnnte; die Schuſterin war hingegen viel barmhertziger/ uñ ließ an ihren Troſt/ wiſchen und waͤſchen nichts ermanglen/ ſo⸗mich abermal in Harniſch brachte/ und verurſachte/ daß ich ihr einem Zuber voll Waſſer/ der ne⸗ ben ihres Manns Werckſtatt ſtunde/ mit ſamt dem darin weichenden Leder/ Schuhen/ Bechknollen und Wetzſtei⸗ nen uͤber den Kopff abgoſſe; Nach dieſet Verrichtung gieng ich meines Wegs wei * Keltschttd nict veß l ſerſets deß Mamn (iardek get Wondat fitkin/ unde denAnſcher teten war Iuushen⸗ dek etwasön Mllte; fh die Stge he delkt flgte deſetn do ſehn muſte pen und dick doß er geih Nur bukt und aßs eeg alttrokkettr Lochmalenn NNochet gebettenßoch Uüñidehnge Ihre hoche Ce. Vogel⸗Neſt. 117 weil es ohne daß zu Regnen aufgehoͤret/ nicht weiß ich wie dieſe beyde einander ferners ausgeholffen: Oder wie ſie zu deß Manns Ankunfft die Paſtetel mit⸗ einander getheilt haben. Von dar gieng ich beſſer in die Stadt hinein/ und zwar in ein Haus/ welches dem Anſehen nach keins von den ſchlech⸗ teſten war; darin ſtund unten im Hausaͤhrn ein Mann in einem Mantel der etwas darunter hatte und fleiſſig auf⸗ wartete; indeſſen tratte der Hausherꝛ die Stege herab dem ein paar Stadt⸗ diener folgten/ daraus ich abnahm/ daß dieſer ein vornehme Regiments⸗Perſon ſeyn muſte/ und an ſeiner fetten Wam⸗ pen und dickem Kopff konnte ich ſehen/ daß er gleichſam auf der Maſtung lag; Jener buckte ſich vor dieſem gar tieff/ und als er gefragt wurde/ was er wolte/ antwortet er/ ich wolte euer Ehrnveſte nochmalen meine gerechte Sach contra N. N. gehorſamlich recommendirt und gebetten haben/ großguͤnſtig zubelieben/ uñ dahin zu oooperirn/ damit dieſelbige ihres hochvermöͤgenden Orts zu ihrem K iij erwuͤnſch⸗ ——— 119 Das Wunderbarliche ewuͤnſchten Ausgang beſchleuniget wer⸗ den moͤchte Was habt ihr da unterm Mandel? fragte der Dickbauch/ ſeynd vielleicht Schrifften oder Acten die zum Handel gehoͤrig? Nein euer Ehrenveſt/ antwortet der erſte/ es iſt ſo eine geringe Bezeugung meiner danckbarlichen Er⸗ kanntnus wegen der vielfaltig verur⸗ ſachten Bemuͤhungen; mit gehorſamer Verſicherung/ daß ich mich nach dem End! lrtheil beſſer einſtellen werdez Was ſagte hierauf jener mit betto⸗ henlichen Minen/ worfuͤr ſehet ihr mich an? vermeinet ihr wol es geſchehe euch unrecht/ wann ich euch ein weil ins Nar⸗ renhaͤuſel ſteckte? Es wird geehrter Her was recht iſt ohne euere Verehrungen ge⸗ ſchehen; dißmals will ich euren Unver⸗ ſtand etwas zu gut halten/ aber kom̃t mir nicht mehr ſo aufgezogen/ ich will euch ſonſt was anderſt weiſen; und damit gieng er aus dem Haus/ dieſer Vertveiß gefiele mir im Hertzen/ beyde Stadtdie ner aber lobten gewaltig die ehrliche Auf⸗ richtigkeit ihres gerechten Burgermei⸗ ſters/ welchem der erſchreckte Client wie einet 1 fedrdd günbunt engchefeht Wer tke ffichen d Huuleſe ö Aurucktufen Ichas er ft7 darduf indAuche fbeeünme ſintt hüt; ftehen/ ſge Ffttſche de hn in gener dann Nuht ken fhunen/ wa ben olte⸗ Kunmer;d Adrgecd ſhautteud und ſagt/d wañ h —4 219 einer der das Oel verſchittet/ von weiten gantz traurig nachfolgte/ ſo/ daß er mich beynahe ſelbſt getauret; 1 Aber er empfing gleich wieder einen trefflichen Troſt; dann die Frau im Haus lieſſe ibn wieder durch eine Magd zuruck ruffen/ und fragt ihn gar freund⸗ lich was er mit ihrem Herꝛn zuthun haͤt⸗ te 2 darauf klagte er ihr alle ſeine Noth und Anliegen/ warunter ihn zum mehre⸗ ſten bekuͤmmerte/ daß er ihren Her:ner⸗ zuͤrnet haͤtte; der Herꝛ geb ſich nur zu frieden/ ſagte die Frau/ er hat eben jetzt ſonſt tieffe Gedanckẽ wegen ſoꝛgſamer uñ wichtiger Angelegenheit gemeiner St tadt die ihm im Kopff umbgehen; weßwe⸗ gen er dann ſchier die verwichene gantze Nacht kein Aug zum andern bringen koͤnnen/ was wars das ihm der Herꝛ ge⸗ ben wolte? Gegenwaͤrtiges Stuek fein Kammer⸗Tuch/ antwortet der Kerl/ und zoge es damit hervor; die Frau be⸗ ſchauete und lobte es uͤber allen Leinwat/ und ſagte/ der Herꝛ laſſe es nur hier/ ich will es meinem Her'n ſchon zuſtellen/ wann ihm die Mucken ein wenig verflo⸗ K iiij gen/ 220 Das wunderbarliche gen/ und ihm dem Herꝛn nit allein wider beguͤtigen/ ſondern auch daran ſeyn/ daß er deß Herꝛn Sach nach Moͤglichkeit be⸗ foͤrdern helffen ſoll; Wer war froͤher als der gute Client? daß er ſich bedan⸗ cken dorffte umb die Ehr und Gluͤckſelig⸗ keit die er genoſſe/ daß man ihm das ſei⸗ nig ſo gar wider alle Billigkeit abnahm; Ich aber gedachte/ das heiſt wol redlich/ waſche mir den Peltz/ aber bey deib und Leben mache mir ihn nicht naß; Ich hatte mir vorgenommen gehabt/ dergleichen Gottsvergeſſene Begeben⸗ heiten/ ſo ſich in meiner unſichbaren Ge⸗ genwart hinfort zutragen wuͤrden/ gleich W Ofico Fl. hat k chel dumnSon dochtaugtul ſchenck Alt! cheefil gebuͤhrend abzuſtraffen/ maſſen ich ins Schuſters Haus gethan/ aber hier manglet mir der Einfall/ wie ich fuͤglich handeln ſolte/ daß beydes der ſo geſchmi⸗ ret und die ſo das Schmiral angenom⸗ men/ ihren Theil bekaͤmen/ und ſich beß ſerten/ nichtsdeſtoweniger durch meine Verfahrung keinen unteꝛ beyden unrecht geſchehe; Ich gedachte/ hat der Client einen gerechten Handel/ warumb ertheilt ihm dgnn der Burgermeiſter 111 ex 6l 0 digtmundal ind ſit iyn hinpchen!!“ J Vetf lederſiheiß e Gehene ſoch mt öit halchen kotd Vethet and Adatzuſtuf nſchtwiſſenke hotto wer i Mohte; J0 Eykuch dene Hgab dae fehe Beda Moſenundd n; Wu! benuñ fohen Golkeöde fe n. e 22 r Aac, Officio ſein Recht ohne Verehrung? hat er aber Unrecht/ warumb nimt man gaieh dann Schmer an? Iten hat der Kerl Andaßz recht/ warumb ſoll er dann jetzt durch Ge⸗ Wacz ſchenck erſt ſein Recht kauffen? hat er ruedtet aber eine faule Sach/ warumb verſtän⸗ JDnte! digt ma in dañ ihn nicht deſſen bey Zeiten/ und laͤſt ihn mit ſeinen armen Leuten binzehen! In Verfertigung dieſer meiner Ca⸗ lender ſahe ich wol/ daß meine unſichtba⸗ re Gegenwart nicht aller nal bequem: noch mir das wunderbare Vogel Neſt verliehen worden waͤre/ alle der Welt Thorheit und Miſſethaten zuberafflen und abzuſtraffen/ vornemlich weil ich hier nicht wiſſen konte wer Recht oderlnrecht I hatte/ wer zuſtraffen oder unſchuldig ſeyn moͤchte; Ich gedachte an Abrahams Spruch⸗ den er den reichen Mann in der Hoͤll gab da er umb eine Warnung an ſeine Bruͤder bath/ nemlich ſie haben Moſen und die Propheten die laß ſie hoͤ⸗ ren; Wasꝛ ſagt ich zu mir ſelbſt glau⸗ rrben uñ folgen dieſe den—9—— Wort iGottes der heiligen Schrifft nicht/ die K b ihnen 1 222 Das wunderbarliche ihnen taͤglich vor Augen liegt/ auf welche ſie von Jugend au gewieſen worden/ und die ihnen noch taͤglich vorgehalten/ ausgelegt und dardurch ihnen der heilige Will Gottes erklaͤrt wird/ was wid dann deine hinfluͤchtige Stimme bey ih⸗ nen auszurichten vermoͤgen/ die ſie zwar erſchroͤcken aber nicht beſſern moͤchte weil ſie dieſelbe eben ſo bald und vielleich ehen⸗ der für den Lauth eines teuffliſchen Ge⸗ ſpenſtes als vor ein treuhertzige Abwar⸗ nung halten und aufnehmen doͤrffen; Derowegen lieſſe ich dieſe Leut ſeyn wie ſie waren/ und wuͤnſchte ihnen/ daß ſie ſo einen ſteiffen Vorſatz haͤtten umb Vermeidung der Suͤnden willen nicht allein die Gegenwart Gottes immer vor Augen zu haben/ ſondern auch wie ich hinfort zuthun mir vorgenommen/ fleiſ⸗ ſig in der H. Schrifft nachzuforſchen/ und aus Betrachtung derſelben zu lernen wie wir hingegen Gott ehren/ ihn und den Nechſten lieben/ und ihnen dienen ſolten; In dieſen Gedancken fieng mich an zn hungern und zu duͤrſten/ wo nun 5 eh thee fenat ich heinel och al⸗ Eich ihn! fomnen/ f Geviſen de i0/6tbeſ gen Rochtf getigengeß Anmken de. Guflhen/e 60Ufetdit feh hunget d eebeug Deh wang dt Btod ſime damnt ufil henrlubt ReSeten fritz wite deRechte de dade Wüe llt undwde Humge leh Mgghat Vogel⸗Neſt. 222 men ohne Suͤnd? ſagte ich zu mir ſelb⸗ ich in einen Cloſter ausgefiſcht; das wa⸗ ren noch alle meine Victualien/ und wei⸗ len ich ihn nicht rechtmaͤſſiger Weiſe be⸗ kommen/ ſo machte ich mir ein aͤngſtig Gewiſſen darvon zu eſſen; doch dachte ich/ es iſt beſſer/ es werden aus den uͤbri⸗ gen Reichthumen der Cloͤſter die Hun⸗ gerigen geſpeiſet/ als ſolcher Uberflus an unnuͤtzen Pracht/ Pferde/ Pferdszeug/ kabdert. Gutſchen/ Comoͤdien/ ꝛc. verwendet; dG Ott hat dich nicht in die Welt erſchaf⸗ tednehfen Hunger damit zu leiden/ ſondern ſei⸗ ne Gabe zu genieſſen; Was wolts ſcha⸗ den/ wann du gleich einen Becken ein Brod hinweg zwackeſt/ deinen Magen damit zu fuͤllen? Iſts doch den Hunge⸗ rigen erlaubt/ in ſeinen Noͤthen/ ſo viel die Speiſe anbelangt/ zuzugreiffen? beß detbage ſer iſts/ du bedieneſt dich deſſen/ was dir Gatt tern die Rechte vergoͤnſtigen/ als daß du wi⸗ ud en der den Willen GOttes/ wider die Na⸗ tur und wider die weltliche Geſaͤtze durch len fayn Hunger dein Selbſt⸗Moͤrder werdeſt. cli/ len ·¶Allſo gedachte ich/ und nahm indeſſen 0 K vj nicht nNItg ſn dokfe „„ Tökgentennd tfft ua ſten; ich hatte noch einen Schuncken/ den * * 224 Das wunderbarliche nicht wahr/ datz dieſe Art die Sunde m. entſchuldigen/ ebenfalls auch Suͤnd waͤ⸗ re; ich gedachte nicht daran/ daß mir als einem jungen ſtarcken Kerl vielmehr zu⸗ ſtunde meine Nahrung mit arbeiten/ o⸗ der ſonſt einer ehrlichen Handthierung zu gewilnen/ als ſolche andern Leuten Diebiſcher Weiſe abzumauſen/ vielweni⸗ ger fiele mir bey/ daß es ein groſſerllnter/ ſcheid waͤre/ zwiſchen dem jenigen Elen, den der weder arbeiten kan/ noch etwas zu erarbeiten bekommen mag: und zwi⸗ ſchen einem unſichbar herumbfahrenden Strolchen/ wie ich damal war/ der noch wol ſein Unterhalt zu verdienen vermoͤch⸗ te; davon jenem ſeines Leben Aufenthalt anzupacken erlaubet/ dieſem aber hinge⸗ gen das Zu hthauſe gebuͤhrt. ö In ſolcher Unbeſonnenheit nahm ich auf offenem Marck einem Becker ein Leib Brod/ und vermeinte nicht/ daß ich damit ſonderlich fuͤndigte/ ſondern ſprach damit meinem Schuncken dergeſtalt hertzhafft zu/ daß ſich mein Durſt ehen. der als in einer halben Viertelſtund dar⸗ von verdoppelt; deß lieben Rebeunge Uſte hatte wecbe Wiſtechti Wegenche „Le 1 U Denfoge Reey Mel uncken d ehr zuſind dſmoder ſon ſundetnichn Gcdancke Mhden habe hel/ ud u. Wunne Abenld⸗ Vogel Neſt. 225 wuſte ich nicht zu bekommen/ ſuchte dero⸗ wegen Scheps oder Striger⸗Bier/ und als ich deſſen nach Genuͤgen antraff fuͤl⸗ lete ich den Bauch ſo voll darvon an daß ich ihn bey nahe nicht mehr zu ertragen vermoͤchte; derowegen lude ich ihn auf einen Wagen/ der dort fertig ſtund heim zufahren/ zu mir ſetzten ſich ein paar Bier ſchellig geſoffene Bauꝛen/ ſamt zweyen ih⸗ nen benachbarten Weibern/ mit welcher feinẽ Gelegenheit ich noch deſſelbẽbend z Stund Wegs heimwerts auf ein Dorff gelangte; Allwo ich in dieſe Kratzſchmars Heuſchober uͤbernachtet. Den folgenden Morgen lieffe ich wol drey Meil Wegs ungeſſen und unge⸗ truncken als heimwerts zu/ dann ich hatte wie oben gehoͤret/ keinen Willen mehr zu ſuͤndigen/ viel weniger den Ju⸗ den oder ſonſt jemand ſein Geld zu ſtelen/ ſondern ich machte unterwegs allerhand Gedancken/ wie ich hinfort GOtt vor Augen haben mich beſſern/ fromlich le⸗ ben/ und zu Haus meinem Handel und Wandel dergeſtalt anſtellen wolte/ daß K vij ich 226 Das wunderbarliche 1 ich das ewig Leben darbey erwerben Uumdn moͤchte. wudeſte Unterwegs kam en zween Kerl zu mir/ gſhehhen darvon war der eine Hannslein groſſer mn Knecht/ oder wolte es wenigſt ſeyn/ dann iheuG er ſchnitte auf von ſeinen weiten Reiſen guhbiele die er kuͤrtzlich vollbracht/ und mit hoͤch⸗ ihltorh ſter Gefahr uͤberſtanden hatte; er wolte lbe; ſeiner Mutterſprach verzwicken/ und fel/ ds Flamanſch oder Weſtphaͤliſch reden/ ie micder i jener Schwab unter dem Wuͤrtenbergi⸗ jer/ d e ſchen Ausſchuß im Schwediſchen Krieg! hurfict Welcher als er im Prißgau ins Quar, fton luih tier zu liegen kam/ zu ſeinem Wirth ſag; dahlnee bet te/ Vaer/ geff mih watt tefretten hear; beſ helend Als er aber ſeiner vergaſſe/ ferners ſagte/ unſehn ge aun Vattar giehe mier aw a Braudt! ghlichet le Er kante keine halbe Batzen und Kreutzer namalden mehr/ viel weniger Groſchen/ Luzer/ eufaltg un Schilling und dergleichen Muͤntz/ ſon. ſen'nihen dern handlet nur mit Stuͤffern/ Ster inttt dy d lings/ Sols/ Poͤlchen/ Duͤtchen/ Fett elenalz n menchen oder aufs wenigſt mit Weis ⸗nan ſe we pfenningen/ gleichſam als wann er das tees ſhier meiſte Theil Europc mit Geldbettlen ſeuhhen durchſtrichen waͤre/ und erzehlte 3 K me⸗ K mit Gdde e U Votzel Heſt. Cameraden oder Wegeferten/ was wunderſeltzams Dings ihm auf ſeiner gefaͤhrlichen Reiſe zu handen gangen; wie er da und dort ſo manche Leib und Lebens⸗Gefahr uͤberſtanden/ warffe auch bisweilen das Beyl ſo weit/ daß ich ſelbſt vor ihn ſorgte/ wo ers wieder finden wuͤrde; Vornemblich wars artlich zu⸗ hoͤren/ als er daher ſagte/ daß er eben wieder in ſeinem Vatterland ſich genaͤ⸗ hert/ da der Lottringer und Pfaltzgraf Churfuͤrſt zu ſeinem unſeren am Rhein⸗ ſtrom Krieg miteinander gefuͤhrt/ weß⸗ wegen es vor die Reiſende auf der Straß bey hellem Tag zu wandlen/ gewaltig unſicher geweſen; dahero er dann auf ehrlicher Leute Warnung/ mit noch ei⸗ nem andern Wanders⸗Geſellen/ der ein einfaͤltig und forchtſames Schaf gewe⸗ ſen mehrentheils bey Nacht den Weg unter die Fuͤſſe nemmen muͤſſen/ und einsmals in einem Wald verirret/ dar⸗ innen ſie wegen eines groſſen Regenwet⸗ ters ſchier erſoffen waͤren; doch haͤtten ſie zugehen nicht aufgehoͤret/ bis ſie von weitem ein Liecht geſehen/ worauf er 2² 228 Das wunderbarliche zu geſchlichen/ und ſeinen Cameraden fern darvon unter einem Baum ſtehen laſſen. Als er nun zu einem kleinen Haͤuslein kommen/ darinn dieſes Liecht gebrannt/ haͤtte er durchs Fenſter in die Stube ge⸗ gucket/ und darinnen ein junges Weibs⸗ bild geſehen/ die eben zu Nacht geſſen/ uñ ſich zum ſchlaffen gehen aecommodirt ge⸗ habt; Er haͤtte angeklopfft und bey dem Menſchen vor ſich und ſeinen Geſellen umb Nachtherberg angehalten/ ſolche auch erlangt/ und ſeye diſem nach/ wieder hingangẽ ſeinen Cameraten zu holen den er aber nit mehr gefunden/ weßwegen er allein wieder zum Menſchen ins Haͤus⸗ lein umbgekehret/ und von ihr in ein Bette zu ſich er hinter an die Wand zu⸗ ligen geheiſſen worden; darauf haͤtte er ſich ansgezogen/ und uͤber das Weibs⸗ bild/ ſo fornen im Bett gelegen/ hinuͤber an ſeinem beſtimmten Ort geſtigen/ allda er zwar ein weil gelauret/ aber gar nicht ſchlaffen köͤnnen/ ſondern allerhand ſorg⸗ liche und gewiſſenhaffte Gedancken ge⸗ macht/ bis ihn endlich bie Beobachtung ſeiner Keuſchheit/ wieder aus dem Bette ge⸗ f/angehee flhtt wothe Pagnlt Reu Maſtggh ien geyghet fch/ hattenſte ſeenen Der ſobt) darne gggeben/ h bol ihten N Venabera inn das f hihuntet tol alffoche z n Kohf! Aeſoſen ne addch nee Nfey an Vogel- Neſt. 229 genoͤthiget/ unangeſen er eben neben offt⸗ beſagten jungen Weibsmenſchen recht erwarmt geweſen; da haͤtte er nun ſei⸗ ne Kleider geſchwind zuſammen gerafft/ und damit zum Haus hinaus/ was gibſt du/ was haſt du? Haͤtte auch nicht auf⸗ gehoͤrt zu lauſfen/ bis er gegen Tag von einer Lottaringiſchen Parthey angetrof⸗ fen/ angepackt und auf einem Berg ge⸗ fuͤhrt worden/ allwo eine gantze Com⸗ pagnie Reuter von den Ihrigen die Wacht gehalten/ und weil keiner unter ihnen geweſen/ der mit ihme reden koͤn⸗ nen/ haͤtten ſie ihm zwar zu trincken(deñ ſie einen Vierling voll Wein bey ſich ge⸗ habt) darneben aber auch Naſenſtuͤber gegeben/ ihm den Hut gedrehet und ihn vor ihren Narren gehalten; Als der Wein aber ausgeſoffen geweſt/ hatten ſie ihn in das Faß geſteckt/ und den Berg hinunter rollen laſſen/ worinu er dann auf ſolcher Fahrt wie leicht zu gedencken/ an Kopff/ Arm und Beinen gewaltig zerſtoſſen worden waͤre; das Faß ſeye endlich mit ihme in der Ebene auf einem Waſen/(muß ein Schind⸗Anger en/ 230 Das Wunderbarliche ſen ſeyn /) ligen blieben/ auf welchen un⸗ lengſt hernach zu ſeinem groſſen Gluͤck ein ſtarcker Wolff kommen ſeye/ der ſo lang umb das Faß herumb zu ſchmecken gangen ſey/ bis er ihn zum Buntenloch heraus beym Schwantz erwiſcht/ und zu ſchreien angefangen/ weßwegen der Wolff mit ihm und dem Faß fortgelof⸗ fen/ bis er zwiſchen zween nahe beyſam⸗ men ſtehende Baͤum kommen/ da er ihn mit den Faß ſo uͤberzwerg zu ligen kom̃en/ abzuſtreiffen ſich bemuͤhet; haͤtte aber nichts ausrichten moͤgẽ/ weil er den geſa⸗ ſten Schwantz ſo hertzhafftig gehaltẽ;un⸗ laͤngſt hernach hatte er einen Fuhrmann ſich nahern gehoͤret/ weßwegen er grau⸗ ſam erbarmlich umb Huͤlff zu ſchreien angefangen/ darauf der Fuhrmann ſei⸗ nen Knecht hingeſchickt zu ſehen/ was da zu thun ſeyn moͤchte/ als aber der Knecht das Abentheuer geſehen/ und ſich aus Forcht dem Faß nicht genaͤhert/ ſeye der Fuhrmann endlich ſelbſt kommen/ haͤtte ſich aber eben ſo forchtſam und erſchro⸗ cken angelaſſen als der Knecht ſelbſten/ indem er von fernen geſtanden/ und 9 e 0 deWif Poftggehe Knkartzut und geſhren manfolki bon den W ferund ne fen undden⸗ ſufgeſhloge ſcut Ruſhe Hendendi Rtrunthen al lls frnett E Wemnd üödenctbe bet Wit Uigauben w Muſieur g⸗ chtedann fei dekeh er Let 60005 gaubdem defeheechc Poitſetecl imichderA e ſehz EAL des Wolff und Faß vor ein Hexen⸗Ge⸗ ſpenſt gehalten/ bis er zu letzt ſeinen Ro⸗ ſenkꝛantz zum Zapffenloch heraus gereckt/ und geſchꝛien er waͤre ein Chꝛiſtenmenſch/ man wolle ihn doch aus dem Faß und rvon dem Wolfff erloͤſen; Worauf Mei⸗ ſter und Knecht mit einer Art zugelau⸗ fen und den Wolff todt/ das Faß aber aufgeſchlagen/ und alſo den guten Mon⸗ ſieur Raphanum(dann alſo heiſt der Her:ꝛ dem dieſer Poß widerfahren) wie⸗ derumben auf freyen Fuß geſtellet und aus fernerer Gefahr erledigt haben. Weie nun deß RaphaniReiſegefehrt aus den Geberden erſcheinen lieſſe/ daß er in der Wahl ſtunde/ ob die ſer Exzehlung zu glauben waͤre oder nicht/ erzoͤrnte ſich Monſieur Raphanus/ und fragte jenen/ ob er dann ſeiner Red nicht glaubte? o⸗ uuß der ob er vermeinte/ daß dieſe Geſchicht utß nicht wahr waͤre? Jener antwortet; ich glaub dem Herꝛn freylich gern/ und wann dieſe Geſchichte gleich nicht wahr waͤre/ h ſo iſt ſie doch luſtig zu hoͤren/ taugt auch elzimlich den Weg zu kuͤrzen; von dieſem Wan an ſezzte es noch mehrere empfdliche Reden 232 Das wunderbarliche Reden/ weßwegen dieſe beyde ſchierein Woa⸗ ander in die Haar geraͤthen waͤren. wben ad Dabey ſahe ich/ was es vor eine groſſe darm/ et Thorheit ſey/ wann einer ſich durch Auf, Cal un0 ſchneiderey und Erzehlung wunderbar⸗ ſure/ e U licher und doch unmoͤglicher Begegnuf, Ba⸗ 11 ſen/ ſo ihm widerfahren ſeyn ſollen groß Ante ve und anſehenlich machen will; Ein ſolchek duntchSd Phantaſt ſiehet nicht/ daß andere Leut ſug Rum witzig genug ſeyn/ ſeine Lugen auszuneh, leun umale men/ und ſeiner Narꝛheit heim lich zu la⸗ Ad Fröſchte chen; daß man dißfalls den Herennicht neht/ wus blt einrede/ lehret Arioſtus in einer Satyrs nunzungt wann er ſoricht eomt böt Pazzo, chi al ſuo Signor contradit PMicntge Sr. vuole nſſſen/ wech Se ben diceſſe da mea20 giorno umutch he⸗ Viſto ha le ſtelle,& a me 220 notieil M alahet Sole. Nuuhel n Das iſt Annchnlch! Thoricht iſt der ſo ſeinem Herem wider, Kibkenſ ſprach/ öſchge Ben Ob er ſchon ſagt/ er haͤtt an dem Mit⸗ meckt/ un tag Ennbemſche Die Stern geſehen/ die Sonn umb Daſun ꝛ Mitternacht. Abemetg In Vogel⸗Neſt. 233 In dem Fiecken/ worinn ich kam/ s wars eben Kirchweih/ und eine Hochzeit sdarzu/ weßwegen ſich viel auswaͤrtige Leut von der Nachbarſchafft daſelbſt be⸗ fanden/ da ſparte man weder Wein noch Bter/ kein Mangel war an Eſſen und ITrincken/ weder an Geſottens/ Gebra⸗ estens noch Gebackens/ man tantzte/ joͤhlte/ Feh ſang/ ſprang und ſpielte; In ſumma/ man unterlteſſe nichts was nur zur Luſt und Froͤlichkeit dtente/ ſondern ſuchte viel. nmehr/ was ſolche vermehren moͤchte; weil ich nun hungrig und durſtia war/ ſo mach⸗ te ich mir deſto weniger ein Bewiſſen von eox den jentgen Speiſen und Getraͤnck en zu ge⸗ meſſen/ welche im Uberfluß verhanden/ amen und durch die Einheimiſche den Fremden durch allerhand Manter und ſonderbahre lle. Vortheil in die Leiber genoͤthigt wurden; Nas fl vornehmlich nahm ich der gewürtzten 665 Kuͤrbebißger ſo viel zu mir/ daß mir das liebſelige Getraͤncke nur deſto beſſer darauf ſchmeckte/ und mir eben ſo bald als den Einheimiſchen und Eingeladenen den 85 Verſtand verarꝛeſtirte; allermaſſen ich unvermerckt gantz von mir ſelber kam/ her 8 um 2534 Das Wunderbarliche um dorckelte/ und kaum ſo viel Witz be⸗ hlelte/ oben in das Haus zu gehen um eine Ruheſtatt zu ſuchen/ da ich meinen ſtarcken Rauſch wiederum ſicherlich verſchlaffen moͤchte; ich ſage ſicherlich/ dann ich war nicht mehr ſo ſchlau/ daß ich mich wie ehe⸗ mahlen meiner Gewohnhett nach irgends⸗ hin fein kloͤglich in einem geheimen Win⸗ ckel verkrochen haͤtte/ ſondern als ich ungt⸗ fehr in eine Cammer kam/ darinn zwey Bett ſtunden/ legte ich mich auf deren eint ohne allen Vorbedacht nach einigs Nach⸗ ſinnen/ was mir etwan daſelbſt begegnen moͤchte; In ſumma/ ich lieſſe allerdings den lieben Gott und meine Unbeſonnenheit walten; dieſe erzeigte ich wuͤrcklich/ an je⸗ nem aber/ deſſen egenwart ich mir zwar nuͤchterer weiſe ſteiff vor Augen zubehal⸗ ten vorgeſetzt/ gedachte ich jetzt voller weiß ſo wenig/ daß ich ihm auch nicht einmal durch das Gebet mein Leib und Seel in deſſen allmächtigen Schutz befahle. Schaue um Gottes willen! ſo hatte mich der Trunck bethoͤret! Nichts deſtoweniger war ich thummer Narꝛ ſo kůhn/ daß ich ohne alle Sorg fort⸗ ſchlieffe U ſchcett Mann/ ag Gelabel Uhabenbert Wich inde dat arder e i0(vche ſn Sohltſe ſhiolfete n WIIheh fungdes Hul ſthgenchme Iiſebernn 18 fuchbel Al Hemand! ſinſtkk; dus nuf einftt Ulches ſichnu Uut eine wir Betlezte/ r Uellegenſchier Wetr gen gehet/ ln Hertz wude achtt/ daß ahke/ u Hobez 1 muin Votzel Neſt. 235 Wſchlieffe/ biß um Mitternacht/ da jeder Mann/ jeder Weib/ jeder Knab und jede Schlitzgabel ſich ſatt genug abgerammelt zu haben vermeinte; Die erſte ſo von dem 10 Wirth in dieſelbe Cammer gefuͤhrt/ und 165 nin das ander Bette neben mir gelegt wur⸗ den/(welche mich auch aus meinem er⸗ ſten Schlaf erweckten) waren zwo Ge⸗ male ſchwiſter/ die gleich mir mehr Trancks in Aun dem Wirthshauſe/ als von der Kirchwey⸗ Zath alhn hung des Heillgen Geiſtes in der Kirch zu hach chtzeb ſich genommen und empfangen hatten; nluch ſez dieſe baten den Wirth gleichwol/ daß er ih⸗ Wickl re Baß auch bald bringen/ und ſie/ ſonſt Ahdlcher aber niemand zu ihnen in die Cammer le⸗ ül gen ſolte; das verſprach er/ und brachte nunnthen darauf ein feines jungs Maͤdgen zu uns/ n duag welches ſich nur halb ausgezogen ¶ dann es Wettleznen war eine warme Nacht) zu mir auf das tit ſioBett legte/ wo es noch unzerbrochen/ oder dun leb uu verlegen ſchiene. Etg Wer gern mit dleſer Schnabelweid nla Fe ungehet/ kan wol gedencken wie mir ums 1 Hertz wurde/ vornehmlich/ wann er er⸗ ahebaullts achtet/ daß ich damal noch vom Trunck ehndlserhtizt/ und noch lang nicht durch den Schlaf e 236 Das W1 nderbarliche Schlaf wieder um zu meiner rechten Ver⸗ nunft gelangt war; derowegen thaͤt ich auch wie ein undernünff ig Viehe/ und dachte toenig mehr an meinen guten Vor, ſatz/ den ich gefaſt hatte/ GOttes Gegen⸗ wart zu Vermetdung der Suͤnde immet in meinem Gedaͤchtnůß zu haben; mit ei⸗ nem Wort/ ich grabelte halt um mich/ und faͤnde meinen Schlafgeſellen/ beydes Weinund ſchlaferuncken/ und uͤber das ⸗ ich weiß nicht mit was vor einer Einbil⸗ dunz bethoͤret/ krafft deren ſie mich thren Peter nennet/ und nicht allein alles gein geſchehen lieſſt/ was ich mit ihr machtt/ ſondern nir auch getreulich darzu halffe. 2 ſolchemſunt lichen Wolluſt brach te ich die Nacht vollends zu biß es anſing zu tagen/ und meine geweſene Jungfer anhub zu ſchlaffen/ welche ich dann in ih⸗ rer Ruhe unzerſtöͤret liegen lieſſe/ und mich ſo bald mir die Heitere des Tags nur ein wentg leuchtet/ aus dem Staub machte; wie aber dieſe Kuͤrbe dem guten Menſchen kůnfftig bekommen ſey/ davon hab ich ſelt⸗ her keine Nachricht erhalten. Noch vor Aufgang der Sonnen 45 ˖ * ſch Keh fk lnich nie ſoell⸗ j michen WMeld Vecck ſc ſth gen Hit 84 en Sth ſſbe: vom Z er/ 1 ſhnden mid uhmen B⸗ H; Naſch/ du li hedich/ k. Accherdocht fiht anlageg Beruͤbnuͤß/ eilſſe diete forten; 68 hochſebelebt ſuchhlerumf Ae eSt (/geichwol⸗ aglechant Vogel⸗Neſt. 237 ich in ein luſtigs Waͤldlin/ worinnen ich mich niederle gte/ und vollends ausſchlief⸗ aeg fe; mich erweckte etlichs Viehe ſo darrhin auf die Weid getrieben wurde/ deſſei Hirt ins Werck ſchreiten wolte/ eine erſchroͤck⸗ liche gen Himmel ſchreyende Suͤnde zu begehen/ eben als ich erwachte/ und den ü⸗ 4brigen Schlaf vollends aus den Augen griebe; vom Zuſehen ſtunden mir alle Haar gen Berg/ und damit ich ihn davon ab⸗ ſchrecken moͤchte/ ſchrie ich ihme des oben ageruͤhmten Bauren Karls Meinung üͤ⸗ berlaut zu; nehmlich: Halt inn armer TMenſch/ du biſt nicht allein! der Teuffel 60 reitzet dich/ er ſihet dir zu und lacht/ wird dich aber doch deßwegen am Juͤngſten Ge⸗ richt anklagen; die Engel ſehen dir zu mit Betruͤbnuͤß/ ſie tragen Mitleiden mit dir/ weil ſie dieſe Suͤnd nicht entſchuldigen koͤnnen; GOtt ſihet dir zu/ den du aufs hoͤchſte beleidigſt und erzoͤrneſt/ welcher dich auch hierum ſtraffen wird; So bald der a Hirt dieſe Stimme ſo nahe bey thm hore · Waes fe/ gleichwol aber niemand ſahe/ erſtarꝛete unleEm er gleichſam vor Schrecken/ alſo/ daß er W 8 dort echale K — ,——— 238 Das Wunderbarliche dort ſtund wie ein geſchnitztes Bild/ und da er ſich wieder ein wenig erholete/ trieb ihn ſeines beſchwerten Gewiſſens Angſt/ daß er ſeinen Hals entt der Geiſſel⸗ſchnur an eines Baumes Aſt binden/ und ihm alſo das Leben ſelbſt kuͤttzen wolte; Wem war ängſter als mir/ dieweil ich zu dieſem erſchroͤcklichen Selbſt⸗Mord durch mein Zuſchreyen Urſach und Anlaß geben Derowegen verhinderte ich ihn an ſei⸗ nem Vorhaben mit wuͤrcklicher Handan⸗ legung; Wilſt du drum(ſagte ich mit lauter Stimm zu ihm/ gleichſam wie en Zanckender) deßwegen in die Hoͤll ren⸗ nen/ weil dich der boͤſe Geiſt beredet/ du koͤnteſt ihr doch nicht entrinnen? Wilſt du dich der Verdamnuͤß/ ſo du mit deinen Süuͤnden verdienet zu haben weiſt/ durch deinen Selbſt Mord gewiß zuverſichern/ Nat Guenud der krigel. Een Aukert uugelſc De K adb fmſb datnals un kechnen get die nab /r ſle Nn auflle Krt/ ſiug an die mmerlche Oott ſeh ſn deher gtun Umaleerd gn Und ein bffern mitd unterſtehen/ und dieſelbige mit der Gottes/ Goum: laͤſterlichen Verzweiffelung an der unaus ⸗ duß it den ſprechlichen Barmher tzigkeit deß himmli, wicder kela ſchen Vatters verdoplen; Nicht ſo mein Kind/ kehre um/ thue buß und beſſere ⸗ daß th deh ihlrohn Vogel Neſt. 235 alt dammit dir der liebreiche Gott ſeiner milden % SGuͤte nach/ zuvergelten Urſach habe/ dich der ewigen Hoͤlle Pein entziehe/ uñ mit ſei⸗ nen Auserwäͤhlten deß himliſchen Reichs HZugenieſſen/ wuͤrdige. 1 Der Kerl war ſo gar verſtockt und aus ihm ſelber/ daß ich nicht weiß/ ob er ̊damals unter die Todte oder Lebende zu rechnen geweſen; doch errelchte er endlich anth hu die Gnad/ daß er in ſich ſelbſt gieng/ und wüatlcbe I aneine Wort behertzigte; er fiele niedet auf die Knie/ hub die Augen gen Himmel/ Aame iſchlug an die Bruſt/ und ſeufftzete mit jaͤmmerlichen Geberden/ ſagende: Ach iean SGott ſey mir armen Suͤnder gnoͤdig/ um bdeiner grundloſen Barmhertzigkeit willen! urUnd als er dieſe Wort mit thränenden Au⸗ hntgen und einem erbuͤrmlichen Geheul zum ßn öofftern wiederholet/ ſagte er: Ach mein ülgemtGOtt und mein HErꝛr! was ſoll ich thun/ angeu daß ich deine Goͤttliche Huld und Gnade cgeln wieder erlange? Was ſoll ich anfahen/ darlent Rdaß ich deinem Zorn entrinne? Wie ſoll m ichs doch Amcha ei 10 240 Das Wunderbarliche verlohrnes Kind wiederum in des Vatters Hauſe zu Gnaden auf⸗ und angenommen werde? Sintemal ich aber ſonſt von nit ⸗ gends hero keinen Troſt noch Bnad zu hof⸗ fen/ als von dem/ welchen ich erzornet/ und deſſen Gnad ich ſo gar grob verſchertzet habe/ alſo/ daß ich mich zu ſeinem Onaden⸗ Thron ſchier nicht machen darff! Ach! auf was weiß ſoll ich dann wieder darzu kommen? Ey was vor einen Protorater ſoll ich mich doch anmelden/ ꝛc. Derglel⸗ chen wehemütige Wort brachte er noch viel vor/ ſo/ daß es mich wegen ſeiner Reu erfreute/ und zugleich zu einem hertzlichen Mitleyden bewegte/ darum ſagte ich lu ihme: Mein Kind/ zeige dich dem Prie⸗ ſter/ und pflegel deines Pfarꝛheren Rath/ und was er dir ſagt/ dem komme nach/ ſo wirſt du Ruhe für deine Seele finden; O ſeeliger Engel/ antwortet er mir/ wer biſt du? der du mich vor Suͤnden abgeſchre⸗ cket/ und mich in dieſer einſamen von mel, nem endlichen Verderben errettet haſt! ſag mir/ wer biſt du/ damit ich dir um dei⸗ ne Wolthaten dancken moͤze; ich ſantg Iöbtnleh Nd glet l Hechren um ſelge fr Wott Vuttaut Gnaden. ſoſches n. nicht lig I H gur nit/ ſannüß le G04K4hfe VS deln Hitte damnit er/t gffochten dett Süm Enkſake hahen ken J ſcbet/ he uſſenge rt bruchte er Segen ſcher! (VII Im naͤtr Vogel.Neſt. 24¹ ich bin kein Engel/ ſondern eine Stimm/ die dir GOtt aus ſeiner groſſen Barmher⸗ tigkeit zugeſendet/ damit du dich zu ihm bekehren und leben moͤgeſt/ dem dancke/ und folge dem Geheiß/ der dich zu der Prie⸗ ſter Wort und Rath weiſet/ mit feſtem Vertrauen/ daß dich GOtt wieder zu Gnaden aufnehmen werde/ dann wann ſolches nicht waͤre/ ſo wuͤrde er mich dir nicht zugeſchicket haben/ ſo du bey dir ſelbſt wol bedencken/ dein Buß und Beſſerung gar nicht aufſchieben/ ſondern nach Er⸗ kantnuͤß der empfangenen Wolthaten GOirt eyferigſt hierum dancken ſolleſt. Ich ſetzte mir üͤber das noch vor/ bey dem Hirten zuverbleiben/ um zuverhůten/ damit er/ dafern er vielleicht wiederum an⸗ gefochten wuͤrde/ weder die eine noch an⸗ dere Suͤnde begteng/ biß er wieder aus der Einſamkeit zu Leuten kaͤme und Prieſter haben koͤnte. Indeſſen aber ſchlug ich auch in mich ſelber/ weil ich mich ſelbſt keines guten Ge⸗ wiſſens getroͤſten konte; 131 du?ꝛ ſag⸗ iij te 24 Das Wunderbarliche te ich zu mir/ der du in dieſem Suͤnden ſchlamm ſteckeſt biß über die Ohren/ und wilſt andern den Weg zum Himmel wel⸗ ſen; haſt du doch noch nicht einmal an del⸗ ne eigene Belehrung gedacht? und biſt ſo kühn andere zu lehren/ was du ſelbſt zu del⸗ ner Seelen Heyl niemal von Hertzen zu thun unterſtanden? wird es dir nicht zu einer viel ſchwerern Verdamnuͤß gerei⸗ chen/ wann dieſer elende unverſtaͤndige Hirt/ der vielleicht aus lauter viehiſcher Unwiſſenheit und Beſtialitͤͤt geſuͤndigt/ ſich aus deinem Zuſprechen zu GoOtt be⸗ kehret hat/ du aber/ der du aus GOltes Gnaden Gutes und Boͤſes zu unterſchel⸗ den/ und was du zu thun und zu laſſen ge/ habt/ genugſam vorhero gewuͤſt/ nicht al⸗ ſein nicht aufgehoͤrt zu ſuͤndigen/ ſondern auch nicht einmal angefangen dich zubeſ⸗ ſern? wird es dir/ du vernuͤnfftiger und genugſam wiſſender Unmenſch/ nicht del⸗ ne Verdamnoͤß vergroͤſſern/ wann dieſe des Hirten Einfalt an jenem erſchroͤckl⸗ chen groſfen Tag ſolcher maſſen wider dich uuget/ inderm ſie das Kroͤntzlein der en/ fbelltbt emdlch berſit gtt ld bil gnlt uſſſur he Well dt r/ wie du mmrenuͤnft Nachhugl lb e Ne ſin Hehal Geſternmum fctehunght res Alabt Andithar/ ach dem d ktGon durc Fnehſehftte dukdchbllc ft/ daß zu Uggen hele ſallef? Du dudihheng Vogel⸗Neſt. 243 ſenden/ einer paar Wort willen/ die ſie aus deinem gleichwol ſůndigen Maul gehoͤret/ und ihr ſolche zu Nutz gemacht/ darvon traͤgt? du aber/ der du noch mehrers und viel eigentlicher das ein und andere ge⸗ wuſt/ zur Hoͤllen hinunter wanderſt? Weiſt du auch/ ſagte ich ferners zu mir/ wie du volle Sau gleichſam als ein unvernuͤnfftiges Thier die verwichene Nacht zugebracht/ und wie ein geiler Bock 4 und wider Natur ſtrebender Saty rus(de⸗ ageoh ren Geſtale Annehmung den boͤlltſchen A 100 Geiſtern zum hoͤch ſten beltebet) eine unbe⸗ Wüelun keeckte Jungfrau/ die du zwar nicht kenneſt/ Waluim. ihres allerbeſten Kleinods beraubt haſt e und zwar/ welches entſetzlicher iſt/ ſtracks nach dem Augenblick/ als dich dein getreu⸗ re Gott durch Vorſtellung and erer Leute/ knnen ſelbſt verderblichen Exempeln(daran du dich billch haͤtteſt ſpiegeln ſollen) geler · net/ daß du ſeine Gegenwart allweg vor KienſsARugen haben und zu deinem Nutz ehren te ſolteſt? Du vermummtes Ungeheur/ der daeſen du dich dem Fuͤrſten der Finſternuͤß gleich Kunßeh L ittz ge⸗ 244 Das Wunderbarliche gemacht/ und vermittelſt deines ſuͤndigen Leibs einen ſolchen unerhoͤrten Betrug ge. ſpielt haſt/ den der boͤſe Geiſt ſelbſten nicht ins Werck ſetzen moͤgen; du moͤchteſt dir wol einbilden/ das gute Maͤdgen haͤtte etz gern gehabt/ und ſeye mit deinem Begin, nen wol zu frieden geweſen; aber betruͤge dich ſelbſt nicht/ du weiſt deinen Aufzug/ die Gelegen/ und alle Beſchaffenheit/ wel⸗ che ſo beſtellt geweſt/ daß auch die Keuſch⸗ heit ſelbſt(wanns anders muͤglich woͤre ſie zu beruͤcken) vor dir nicht ſicher geweſen waͤre/ noch beſtehen moͤgen. Mithin trieb der Hirt ſeine Heerd heim/ und ich folgte neben ihm den andern vierbeinigten Beſtien nach; jener ſeuſtzet und ich weinet; ich folgte ihm biß in ſeine Huůtten/ allwo er Geiſſeln und Stecken ſambt der Hirten ⸗ Taͤſche von ſich thaͤt/ und der Kirchen und dem Pfarꝛhof zueyleteda er zwar den Sigriß aber nicht den Pfarrer zu Hauſe fand/ als welcher in der Nach⸗ barſchafft einen Schmauß hatte/ und er erſt auf die Nacht ſternvoll geſoffen 71 am; t uh beh dig beale AenStlen! dern de teſt Und brennend diehm Betſ Gelagtger unſſenf bertt heichin wen l1t/ mdicht pabſ me nictheyſimen cht afſt ſcofedankbe Wuunfiftt (torzenendte akelt anthten. Weain als W. biigegen die Pfärche/ leſ Hettnautt ſeh dct ein ime MungelderA. Lanſche/ hy z hch Vogel⸗Neſt. 245 kam; alſo daß der arme Viehirt denſel⸗ ben Tag wenig Hüͤlff und Troſt von ſei⸗ nem Seelen⸗Hirten zu hoffen hatte/ ſon · dern dte erſte Hitz ſeiner Gnaden⸗Zeit und brennenden Bekehrungs· Begierden/ die thm Gott ſo guͤtiglich verliehen/ ſeines e Seelenſorgers Wachen/ vergeblich und ahNumſonſt verſtreichen laſſen muſte; woruͤ⸗ ber ich in meinem Hertzen heimlich ſchme⸗ Aßeuch e lete/ und ich weiß aber nicht wen/ fragte/ was iſt mir das vor ein Pfaͤrchinger? der 9 65 78 nicht bey ſeinem Pferd? vor ein Pfarrer/ der nicht auf ſeiner Pfarꝛ? vor ein Bi⸗ ſchoff? der nit bey ſeinen Schaafen bleibtꝰ Warum hilfft er die Bezaͤngnuͤſſe der Ab⸗ geſtorbenen die auſſerhalb ſeiner Pfarꝛ all⸗ bereit an thren Ort gangen/ mit mehrerm Wein als Weywaſſer begehen/ und laͤſt hingegen die krancke Schaͤflein ſeines Pfaͤrchs/ die ihm zu hůten ſonderlich an⸗ vertrauet ſeyn/ in dieſem elenden Leben/ das ein immerwehrender Streit iſt/ aus Mangel der Artzney/ die er ihnen mitthei⸗ len ſolte/ bey nahe gantz jaͤmmerlich ver⸗ ſchmachten? L 0 246 Das Wunderbarliche ONon dieu! ſagte ich mit den Fran/ tzoſen/ was wird endlich werden? In die⸗ ſen unwürſchen Gedancken gieng ich mit dem betruͤbten und geaͤngſtigten Hirten nach Haus/ weil ich ibme anders nicht alb unter eines Prieſters Haͤnden zuverlaſſen gedachte/ aus Vorſorg/ er moͤchte wieder in neue Anfechtungen fallen/ worinn ich ihm vlelleicht troͤſtlich beyſpringen koͤnte/ darauf hatte er und ich eine betrůͤbte und traurige Nacht; Er ʒwar/ weil er ſich deſ ſen was er denſelben Tag beginnen wollen/ erinnerte; ich aber/ weil ich wuſte/ was ich die verwichene Nacht ſchon wuͤrcklich vollbracht hatte; Eſſen und Trincken/ ge⸗ ſchweige Singen und Springen war fern von uns beyden/ ja wir waren alle beyde in unſern Gemüthern ſo beſchaffen/ dafß uns auch der ſonſt angenehme Schlaff nicht ſchmeckte. Dannenhero waren wir deſto fruͤher auf; der Hirt dingte einen andern Mann der mit ſeiner Heerde frůhe ausfahren und ſolche denſelben ZTag hüten mufte/ er aber „ * cmfft ſychn /. filieſj dunn llk Igchhret. ih hunder len Weg tt⸗ un hnein gel, nſle ſhnhthegl urunttyyrlc burch went tch tt betzn Hultenachz antr Eijch ſtennithge Vuumchunz Wakt(wecche fſliſt) nie ut dugen un beh/ daß ſoc angchenbeyt icht auch ſh ftruen Gon 0 chc her Ir/ Palgt g ammm ih lufl⸗ uſceh ne 7 Iy 45 ud Iunt⸗ RSWbIr unm dund en v lecheſ Aν EAAA Vogel⸗Neſt. 247 aber muſte fein aͤchzende Seele mit Gedult ſpelſen/ biß ihr Hirt den Rauſch ausge⸗ ſchlaffen/ ſo ñch ungefehr bis umb neunlihr verzog; alsdann ſtelte er ſich bey demſelben in gebůhrender Demuth ein/ bey welchem ich ihn in der Kirchen verlteſſe/ und mei⸗ nen Weg immerfort heimwerts nahm/ um ihme in rechtſchaffener Buſſe zu fol⸗ gen. Denſelben gantzen Vormittag traff ich nichts erzehlungswůrdtgs an/ und eben darum war ich deſto můͤſſiger/ dieſelbe Zeit hindurch meiner Beſchaffenheitz item was ich mir vorgenommen und doch nicht ge⸗ halten/ nachzufinnen; da beſande ich aus eigner Erfahrung/ daß zwar dem Men⸗ ſchen noͤthig und ein trefflich Mittel ſey/ zu Vermeidung der Suͤnden Bottes Gezen⸗ wart(welches ohne das ſeine Schuldig⸗ keit iſt) mit demuͤthiger Referentz immer vor Augen und in dem Gedaͤchtnůß zu ha⸗ ben/ daß ſolches aber gleichwol vor einen r angehenden noch nicht genug/ wann er nicht auch zugleich ohne urterlaß den ge⸗ treuen GOtt um Huͤlff/ Gnad und Bey⸗ ſtand 248 Das Wunderbarliche ſtand anrufft/ daß er ſeine elende Gebrech lichkeit nicht fallen laſſen wolle; Inſon, derheit aber auch diß Orts das jenig fleiſ, ſig darbey thue und obſervire; nemlich daß er alle verdͤͤchtige Oerter meyde da er beſorglich ſůndigen koͤnte/ ob er gleich einen ſteiffen Vorſatz hat nimmermehr zu ſun⸗ — Dieb/ und wir wiſſen/ daß das Queckſil⸗ ber auch das allerbeſte Gold dermaſſen be⸗ fleckt/ daß es zu ſeinem vorigen Glantz und ſchoͤner Farb nicht mehr gelangt als durchs Feur; und eben deßwegen ſolen Leute die GOtt nicht erzoͤrnen wollen ale Oerter und Gelegenheiten vor verdaͤchtig halten/ vornehmlich aber dem Trunck und dabey befindlicher Geſellſchafft ſich nim, mermehr vertrauen/ noch ſich auf ſich ſelbſt verlaſſen/ er habe ihm gleich eine ſo groſſe Beſtaͤndigkeit vorgenommen als e immer wolle. ‚ Dergefiͤt ſonne ich melner Beſchoh⸗ fenheit nach/ und fande meine Nichtih⸗ keit je laͤnger je mehr; mein A wiſſen digen/ dann die Gelegenheit macht den 5 Aſaket m ich ſelage datulßſtlt autgeetken fahnt ideke und menen chtt vberf er im Zau Schgketo 0u Bt Hdicht gcmllt bn Baut eh Wuͤlted 0N wekck ufe hub und h ufden Se Gittkund faßgen! E ſche ſchſ Schuͤt auf der 0— — 5 wiſſenheit und geringes Vermoͤgen ſahe ich je läͤnger je beſſer/ und konte eichtlich darauß ſchlteſſen/ wann ich nicht mit un⸗ ausgeſetztem Fleiß meiner Seelen Wohl⸗ fahrt anders und zwar beſſer beobachten/ und meinen ſüͤndlichen Begierden ernſtli⸗ cher widerſtehen und dieſelbige vorſichti⸗ ger im Zaum halten wuͤrde/ daß meine Seligkeit auf Steltzen gienge. In Betrachtung nun dieſer meiner Undichtigkeit/ bißherigen Irꝛſahl und groſſem Unwiſſenheit legte ich mich unter einem Baum nieder und ſahe einen klei⸗ nen Waltvoͤgelein zu/ mit was vor groſ⸗ ſer Sorgfalt und Behutſamkeit es bey⸗ des ſeine Nahrung und das Genuͤſt⸗ werck zu ſeinem Neſt von der Erden auf⸗ hub und hintrug; Es ſetzte ſich niemal auf den Boden/ es ſahe zuvor ob ihm nit Strick und Garn gerichtet waͤren/ es zu fangen! Es hube kein Koͤrnlein auf es ſahe ſich zuvor etlichmal umb/ ob kein Schüͤtz auf es im verborgenen lauret der es etwan ſchieſſen koͤnte! Es flohe L vij nie⸗ A— iumte 250 Das Wunderbarliche niemal widerumb in den freyen Lufft ſein eigen Element/ es betrachtet zuvor die Sicherheit deß Wegs/ den es nehmen wolte/ ob kein Raubvogel vorhanden der es mit Federn und allem darvon fuͤhren moͤchte! „Du leichtfertiger/ thumer Menſſh/ ſagte ich zu mir/ warumb biſt ſo kuͤhn/ von dir zu glauben/ daß du mit andern Men⸗ ſchen vernunfftig ſeyeſt/ und erzeigeſt doch zu deiner ſelbſt Erhaltung nicht ſo viel Verſtands und Vorſichtigkeit als dieſer geringenCreatur die doch ſonſt nichts als iht ſorgfaͤltigs Leben: und kein Cron wie du zuverliehren: die nach ih⸗ rem Todt kein ewige Verdamnus/ wie du/ zubeſorgen hat? In dieſen Gedancken ſetzte ich mir vot hinfuͤro von allen Creaturen dergleichen ſo etwas zu lernen/ daß mir zur Befoͤrde⸗ rung meiner Seeligkeit erſpriehlich ſeyn moͤchte/ dann ich konte ja aus dieſem ein⸗ tzigen Exempel wol abnehmen/ daß die Goͤtt⸗ ewige Gitthe fetee caſhffc, mfett Nu gffieck Santülee geihtth Geichd ſche Kun Weßntl Ailtc Putoͤlt eg Häwen Edangre borntetde bende abſt niblch fnGOttt Düwäket fühene Hünfftgey lkctmit kegſchofe Vogel⸗Nieſt. 27¹ Goͤttliche Guͤte dieſelbe nicht allein zu unſerer Speiſe und zu unſerm Wolluſt erſchaffen; zumalen auch theils deren zu unſerer Nahrung gantz unbequem und gifftig ſeynd/ anderer B eywohnung aber gantz unluſtig/ chaͤdlich/ abſchaͤulich und gefaͤhrlich iſt; Gleich darauf ſahe ich eine groſſe haͤß⸗ liche Krott dorther waltzen⸗ welche ich weiß nicht/ vor uͤbriger Feuſtigkeit oder vor uͤbrigen Gifft oder umb willen ſie den Wanſt vollerLaich hatte/ kuͤmerlich krie⸗ chen vielweniger einer ihro nacheilenden Schlange eintrinnen konte/ die ſie grad dor mir erdappte und verſchluckte! dieſe beyde abſcheuliche Wuͤrme erinnerten mich billich/ daß ich meinem Alleꝛguͤtig⸗ ſten GOtt unaufhoͤrlich zudancken ſchul⸗ dig waͤre/ umb willen er mich zu keinem ſolchem Scheuſall/ ſondern zu einer ver⸗ nuͤnfftigen Ereatur/ die der ewigen See⸗ ligkeit mit dem heiligen Engeln faͤhig waͤ⸗ re erſchaffen hatte⸗ Gleich⸗ —.———— ů E 252 Das wunderbarliche Gleichwie nun ich zuvor langſam an dieſe billiche Danckſagung gedacht/ alſo lernete ich auch von dieſer Krott/ daß ein Menſch der mit Hoffart beladen(an welche mich ihr gravitetiſcher Gang er⸗ mahnte) oder einer der wie ein Schwei ſich Tag und Nacht mit uͤbrigem Freſ⸗ ſen und ſauffen maͤſtet: oder einer der dem gifftigen Neid/ Haß und Zorn er⸗ geben: oder einer der immer den fleiſch⸗ lichen Wolluͤſten abwartet: oder einer der ſich aus Geitz mit zuvielẽ zeitlichen uñ villeicht unrechtmaͤſſigen Neichthumebe⸗ laden hat/ oder einer deꝛ aus fauler Traͤg⸗ heit die Himel⸗ſtraſſe nicht lauffen mag/ beynahe dieſer Krotten gleiche/ und der Schlang dem hoͤlliſchen Dꝛachen ſchwez⸗ lich entrinnen moͤge. Weil mir nun dieſe meine Gedancken eine ſcheinbarliche Frucht zeigten/ die ſie mitbrachten; Sihe ſo verfolgte ich ſie weiters/ ja ich kam ſo weit/ daß ich nicht allein von den ſichbarlichen Ereaturen: ſondern auch von dem abgeſagten Ertz⸗ Feind W Fald 6 dem Tenßeh F Dumal dieſcrkebge ter Md l ſeltk Rahe febtfltgen tekſunlche Pennfich! muhahbun undehhee ochni 5h Gen/ U ldets ſhefnhet; Wahnalen ſgten Wil ſum ſo zute ind Trtz) fubolbrnge Dagche det du nach hgen: f Hi z Vogel⸗Neſt. 27 3 Feind deß Menſchlichen Geſchlechts/ dem Teufel ſelbſt zu lernen unterſtunde! Dann als ich betrachtet/ was maſſen dieſer leidige Widerſacher allein aus lau⸗ ter Neid und Mißgunſt mit unverdroſ⸗ ſener Muͤhe/ unausſetzlichem Fleiß/ tau⸗ ſentfaͤltigen Liſten/ Betruͤgereyen und unerſinnlichen Voͤrtheiln/ uns Menſchen ſo ernſtlich nachſtellet/ uns in Suͤnde: und alſo umb die Goͤttliche Huld/ Gnad und ewige Seeligkeit zubringen/ davon er doch kein intreſſe/ keinen Nutzen/ kei⸗ nen Gewinn/ keine Belohnung noch et⸗ was anders oder ichtwas dergleichen zuhoffen hat/ daß ihn contentiren moͤch⸗ te/ ohn allein daß er hiemit dem Allerhei⸗ aozan ligſten Willen Gottes zuwider(gleich⸗ 8 ſam ſo zu reden/ GOtt zum Verdruß guieund Trutz) ſeinen boßhofftigen Willen nzu vollbringen ſuchte; Da gedachte ich du blinder Menſch! der du nach dieſem Leben nur eins aus zweyen: nemlich den Himmel oder die Hoͤll; das ewig Leben oder den ewigen Todt: 254 Das wunderbarliche Todt: ein immerwehrende hoͤlliche Qual oder ein immerwehrende himm⸗ liſche Freud und Wonne: die allerſeelg⸗ ſte Anſchauung Gottes und ſeiner lieben Engel und Auserwoͤhlten oder die Bey⸗ wohnung der erſchroͤcklichen hoͤlliſchen Geiſter und aller Verdammten vor dir ſtehen und zugewarten: und uͤber diß alles die Wahl unter beyden haſt! Warumb laſt du ſo viel Stund/ ſo viel Tag lſo viel Wochen/ Monat ja(ach lei⸗ her) ſo viel Jahr hinſtreichen/ in denen du nicht einmal hieran gedenckeſt? da boch der leidige Satan keine Minut ſey⸗ ert dich umb deine Seeligkeit zu bringen/ ſondern unaufhoͤrlich herumb gehet/ und ſuchet welchen er verſchlingen moͤge. Ach du unbeſonnener Menſch! ſagte ich ferner zu mir: Warum bedenckeſt du doch nicht wer du biſt/ wer du geweſen biſt/ und was du werden kanſt/ oder endlich werden muſt lwarumb machſt du dir doch dieſe Gnaden⸗Zeit/ die dir die Göttliche Mildigkeit verleyhet deiner Seelen Heil zu wuͤrcken/ nicht beſ⸗ ſer 9 kerenh igtſaald bdalunus l Mlihßo fle Mahtha ihmhbefa aßeze cnGedane Hus Hathiſ orſczet Ietdr Habeyfhe fihtlötßih! b hren ſte Fin WI5 ftg⸗ fhfen/ ſeR fetsl ſket uu Oakget Vogel Neſt. 2577 ſer zu Nutzꝰ in welcher der Teufel ſo gar nieht feyert dich zu ihm in die ewige Ver⸗ damnus zu ziehen. WAldsich ſo derſtaunet dort ſaſſe /feng ei⸗ ne Nachtigal auf den Baum/ darunter aun ich mich befande/ ſo lieblich an zu ſchla⸗ gen/ daß es einen jeden/ der nicht mit ſol⸗ chen Gedancken wie ich beladen geweſen/ SEve das Hertz im Leibe haͤtte erfreuen moͤgen/ zwar ſo zerſtoͤrte mir die angenehme Lieb⸗ lichkeit ihres Geſangs auch mein unter Handen habendes Concept/ und verur⸗ ſachte/ dabich nach ſanne was ich bey ihr und ihrem frölichen Geſang zu lernen haͤtte? % Was fragſt du? antwortet ich mir felbſten/ ſie reitzet dich zum Lob deines Schoͤpffers! Ower! ſagte meine Sinn⸗ dext lichkeit zu mir/ ſie hat gut ſingen ſie hat gut ſingen/ ſie hat keine Se ulden zu be⸗ Fahlen en Gewiſ⸗ ſens⸗Aer ich/ ſo wuͤrde ſie ie 9 bald fallen laſſen. Unver⸗ oantwortet hingegen mei⸗ ne Sc 256 Das wunderbarliche ne Vernunfft/ weiſt du nicht daß ein be⸗ erllidiodte truͤbter Geiſt und geaͤngſtigtes Hertz ein nen lehten d Opffer GOttes iſt? vermeineſt dunicht/ dich mt fale daß deine Traurigkeit/ dein betruͤbte gu; aledann Buß⸗Thraͤnen und dein Leidweſen/ lun/ udede umb daß du GO T erzoͤrnet haſt/(erkündig dem Schoͤpffer eben ſo angenehm feh, en des Oyf en als dieſer Nachtigal Geſang? vot, ſelg Hery/l nemlich wann dich dieſer Schmetz 9rEin aus Liebe zu GOtt ruͤhret/ wann dich ind ſhoͤrdle reuet/ daß du deinen allerguͤtigſten Hereſteh Schoͤpffer beleidigt haſt/ und wann du ſen Bur/ einen ſteiffen Vorſatz haſt dich zu beſſern/ Anm blßrege und GOtt nimmermehr zuerzoͤrnen. anuſhen, Geſchwind ſtehe auf lauff/ und eileun⸗ Elcheud verzuͤglich/ dich durch eine wahre Buß ten ich de dieſer freymuͤtigen und froͤlichen Nacht⸗ Gymuͤth/ un gal wieder gleich zu machen/ reinige dein ſinz widen Hertz durch die Beicht/ und laſſe die hn ganted Suͤnd durch die Abſolution vertilgen/ Gnaden Bey alsdann wird dein getreuer GOtt/ der ſet ſchenmie dich ſo holdſelig hierzu einladet/ dichFreu, ud gfilgt de und Troſt hoͤren laſſen/ daß deine zer Weg iale ſchlagene Gebein froͤlich wieder werden/ Meſen et 24 1885 Vogel⸗Neſt. 277 er wird in dir ein reines Hertz ſchaffen/ ei⸗ en rechten Geiſt in dir erneuern/ und Indich mit ſeinem kraͤfftigen Geiſt beſtaͤtti⸗ gen; alsdann wird er deine Lippen auf⸗ Ithun/ und belieben daß dein Mund ſein Lob verkuͤndige/ alsdenn wird er anneh⸗ men das Opffer der Gerechtigkeit/ der heilig HErꝛꝛ/ der ſonſt alles Lob der jeni⸗ Igen Zuͤnder verwirfft/ die ihre Mangel as und ſchaͤndliche Beſteckungen nicht ſol⸗ Archer Geſtalt/ durch Krafft deß allerheilig⸗ ubn ſten Bluts/ welches das unſchuldige hul Lamm deßwegen vergoſſen/ wiederumb abwaſchen. Solche und dergleichen Sachen hand⸗ thierte ich damal in meinem zerſtoͤrten Gemuͤth/ und damit ich daſſelbige ehi⸗ ſtens wiederumb zurecht bringen: und mein gantzes mich vermittelſt Goͤttlicher Gnaden Beyſtands in eine Beſchaffen⸗ heit ſetzen moͤchte/ die GOtt angenehm und gefaͤllig waͤre; ſo nahm ich meinen Prieſtern zu zeigen/ ihres Raths zu pfle⸗ 9 Weg in aller Eil heimwarts/ mich den en 278 Das wunderbarliche gen und deren Geboten als den Geboten Gottes/ an deſſen Statt ſie ſitzen/ mich in aller Demuth zu unterwerffen. Paſſirte demnach in der groͤſten Mit⸗ tags⸗Hitz durch ein Dorff darinnen eben ein Metzger abſtieg und ſein Pferd vor einem Haus an einen Armsdicken Stuͤ, tzen bande/ auf welchen ein Immenſtock ruhete; Ich kam eben darzu als ein Im⸗ lein dieſem fremden Gaſt umb die Ohren ſchnurret/ welches das Pferd nicht lel den wolte/ ſondern mit dem Kopff zu⸗ ruck ſchnellet/ und den Stuͤtzen woran es gebunden unten am Boden/ da er zimlich faul und verſporrt war/ entzwey brach; Pordutz lag der Bienſtock auf dem Boden! welches die Honigmacher dermaſſen erzoͤrnte/ daß ſie umb ſolcher ihrer Reichs⸗Zerſtoͤrung willen an dem armen Pferd grauſame Rache zu uͤben Armee⸗weis mit ihren Stacheln gleich⸗ ſam wie mit eingelegten Lantzen darauf loß flogen; Ich fande mich zu allen un⸗ ſern/ wie oben gemeldtet/ eben bey die⸗ ſer * ſtt Reüatt Jotſihen eh barkfce dem cfl durch wiler ſtehenkuft ſh inenem! uf/ de we Hendutde en Htzwege 1md über dn Michhn E Wbeſhrebent fhans bey der Wweccheste wüͤtigwurde fekumd rent aflieſe/ duß uſte, I kende Cloat fügungzhen Henende/ ſhe Mate Vogel Neſt. 253 ſer Recontre/ und vermeinte vor den Rꝝzornigen Immen eben ſo ſicher als unſich⸗ bar zu ſeyn; aber weit gefehlet/ dann in Andegtes dem mich ſelbige nicht ſahen/ ſondern Duße durch meinen Leib wie durch den andern freyen Lufft zu fahren vermeinte/ fenge ich in einemm huy ein par hundert Andel auf/ die mehrentheils mir beydes durch Hemd und Haut gieng weil ich der groſ⸗ ſen Hitz wegen mein Wams ausgezogen Uund uͤber den Buckel gehengt hatte; Was ich damals vor Schmertzen und Pein ausſtünde/ iſt weder zu ſagen/ noch Snzubeſchreiben noch zu glauben; allein kan Sa mans bey dem Pferd beylaͤuffig abnem⸗ 4* mẽ/ welches vor unleidenlicher Qual gantz wuͤtig wurde/ im Dorff hin und wieder herumb rennete und ſich ſo erſchrecklich anlieſſe/ daß mans endlich todt ſchieſſen muſte; Ich aber legte mich in eine ſtin⸗ ckende Edoac der Immen ferneren Ver⸗ folgung zu enteindien; nicht anderſt ver⸗ meinende/ als daß ich allbereit die hoͤli⸗ ſche Marter ſelbſt lidte. 708 260 Das wunderbarliche Da lerne nun du ſicherer Narꝛ(ſagtt ich zu mir) du elender Menſch! der du vor allem Gewalt der gantzen Welt genug⸗ ſam geſichert zu ſeyn vermeineſt; der du alle deine Thaten/ deinen gantzen Handel und Wandel genugſam verborgen zu ſeyn glaubeſt; der du thuſt was dir beliebet/ und dencket trutz wer will mirs wehren/ wie leichtlich dich die allenthalben Goͤttlicht Gegenwart ſeiner Allmacht finden: und entweder ſeiner Guͤte nach demůͤtigen/ oder ſeiner Gerechtigkeit und unergruͤnd⸗ lichen Urtheil nach augenblicklich gar bis in den Abgrund der Hoͤllen hinunter flün⸗ tzen koͤnne. Aus obenbeſagtem unflaͤtigem Babd begab ich mich in ein anders/ nemlich in in ein flieſſend Waſſer/ weil ich aus dem erſten ſo belampert ſtiege/ daß mich wol kein Menſch(wann man mich gleich haͤtte ſehen koͤnnen) vor einem Menſchen/ aber wol vor eine lebendige Dreckſeul(mit Gunſt) huͤtte halten und anſehen moͤgenz Im dieſem letzteꝛen oder zweyten Badfloͤtz⸗ te V f4chhun Ab6Mh mi. 0l Bl nenglent hinteriſer/ enſardenen ftelhen/ gls ſhſchtechtt; ol gus un ſchlsetütte Heknach/ b/ inb nit Klaherkurt athalgent bittzſſch che ob' feöen den ſe huſte/ datint ſcen keyterth. daſcclfame N In guten B ßfen undb gchobte Spa Aeinnichge Vogtzel⸗Neſt. 291 te ich zwar die auſſerliche Beſudelung ab/ aber die hin und widerſteckende Angel/ die mir das Bienen⸗ Volck geſteckt/ und zu aleinem guten Gedaͤchtnus in meiner Haut ahhinterlaſſen/ konte ich ſamt dem daraus entſtandenen Schmertzen ſo wenig ver⸗ treiben/ als die Sewiſſens⸗Angſt darinn ich ſchwebte; In welche ich mich gleich⸗ dolk moi aus. unvorſichtiger Leichtfertigkelt ufelbſt geſtürtzet hatte. Hernach zoge ich mich Mutternackend aus/ und truͤcknete hinter den Hecken mei⸗ ne Kleider durch die Stralen der Sonnen/ welche allgemach gegen dem Weſten zu⸗ ſtriche; ſo ſich ſo lang verzögerte/ daß ich le dieſelbe ob zwar kurtze Sommer Nacht in eben den jenigen Wald verlie nehmen is muſte/ darinn etwan die Springinsfeldi⸗ R ſchen Leyrerin gewohnet/ und als ein wun⸗ derſeltſame Melichina oder Meerfein/ ih⸗ ren guten Becken⸗Knecht erſtmals ange⸗ troffen und bethoͤret hatte; Meine bey mir 585 cgSehabte Speiſen waren in dem Moraſt/ Aenet darinn ich geſteckt/ verderbt und zum Ge⸗ nuß 292 Das wunderbarlicht nuß untuchtig worden/ derowegen muͤſle ich Hunger leiden/ ob ich gleich den ver⸗ wichenen gantzen Tag weder Eſſen noch Trincken zu mir genommen; Was ich a⸗ ber im uͤbrigen vor eine luſtige Nacht ge⸗ gen der vorigen gehabt/ beliebe mein groſß guͤnſtiger Leſer unbeſchwerd ſelbſt zu erach. ten. Doch iſts beſſer hie als dort gelitten; und in Behertzigung eines ſolchen/ troͤfte⸗ te ich mich ſo gut ich immer konte; vor⸗ nemlich dieweil ſich die Schmertzen von den Immenſtichen allgemach legten/ odet weil ich ihrer nunmehr gewohnete. Gleichwol befande ich mich am Mot⸗ gen frůhe wiederumb wol auf/ ohne daß ich innerlich eine Mattigkeit und Begterde zum Eſſen/ aͤuſſerlich aber hie und da an meinem Leibe eine Sammet⸗ weiche Ge⸗ ſchwulſt empfande; Meine Gedancken han⸗ deltẽ/ dieſelbe Nacht nichts anders/ als daß ſie mit Verwunderung betrachteten/ was maſſen GOtt der Allmaͤchtige ſeine Wi⸗ derſpenſtige auch durch die allergeringſte Infecta Iueda Undetö. lumnfrͤft genz fihe Giundall 105 un à015101 Rellſächt Mulathen ſml n. daß berlcl wiſhn/ ſhIH4Ag Weche ſche daih 1nd ſo wol le ſche/ d hochbe⸗ fenlonte /d⸗ geghuſeg/ g0lNateu dekohithene weder/iſ oenbentz dabert, N0 8 Vogel⸗Neſt. 293 Laſecta heimſuchen/ und iüchtigen tonne/ Jenund deßwegen keine gewaltige Haupt⸗oder Landſtraffen zuſenden bedoͤrffte; deß Mor⸗ Lal gens früͤhe aber bedachte ich/ daß der „n Srundgütige GOtt ſeine heilſame Artz⸗ π ney und Hilff⸗Mittel/ auch geringe ver⸗ Wahfelo ächtliche Dinge verborgen; Maſſen ich die Urſach meiner ſo geſchwinden Cur der ſal ken Miſtlachen zuſchreibe darinn ich gelegen/ Athecthſieg ſintemal man aus der Erfahrung weiß/ tengen Daß der Urin/ die Immenſtich damit ge⸗ UlStineze waſchen/ beydes Schmertzen und Ge⸗ Acrtt lan ſchwulſt augenblicklich hinweg nimmt. A elne Agaunes. Als ich nun meiner Sachen Beſchaf⸗ 08te lid nfenheit damals ferner hin uud herwoge/ und ſo wol in das kuͤnfftige als vergange⸗ ne ſahe/ was mir nemblich begegnet war und noch begegnen moͤchte/ zumalen greif⸗ Sentns fen konte/ daß mir alle meine widrige Be⸗ sdes gegnuſſen/ durch Vermittlung deß Vo⸗ gel⸗Neſts zugeſtanden waͤrenz So fieng ich derohalben an/ deſſelbigen üͤberdruͤſſig zu⸗ werden/ inſonderheit als ich bedachte/ daß deſſen vorige Poſſeſſerin dardurch ſo elend 0 M ij umbs 32 5 2 1 294 Das wunderbarliche umbs Leben kommen und als eine Zaube⸗ rin verbrannt worden; Ich hielte darvor/ daß es eine Art an ſich haben muͤſte/ wie das Setaniſche Pferd/ ſeine Beſitzer in alles Unglůck zu ſtůrtzen; ſahe auch nicht/ was es mir ſonderlich haͤtte nutzen koͤnnen/ wann ich nicht durch Krafft ſo unſichtbarer Ge⸗ ſtalt ſtelen wolte/ welches mir aber ein wi⸗ derwertiger Eckel worden war/ wie wol ichs zuvor ſo feſtiglich in Sinn genommen hatte; ich verlteſſe es zwar gar ungern/ nicht allein darumb weil es rar und ein ſol⸗ ches Stůck war/ daß mir mancher groſſer Herꝛ mit vielem Geld zu ſeiner Kurtzwell gar theuer bezahlt haben wuͤrden; ſondern auch daß es einen in Noͤthen erretten und aus aller Menſchen Gewalt erloͤſen kon⸗ te; da ich aber bedachte/ was vor groſſes Ungluͤck es zur Welt gebaͤren moͤchte/ wann es in eines gewaltigen Herꝛn Haͤn⸗ den waͤre und vielleicht mißbraͤucht wuͤr de; zumalen daß ich mich in melnen Noͤ⸗ then nicht auf diß Vogel⸗Neſt/ ſondern auf die Höͤlffe meines getreuen S Oeles verlaſſen ſolte/ ich er U Kste (Ahgeletth ſ0 fllee t h50 Abrrelet!“ fihouhn Vuſcohetbor haßunbert Gche hin ſolk kent duch thne an 1 hruun, ub Hchr ck 1/ Reattte Wzu fek he Webertderz! ſich udSeeh der Uikeaſthe Keſudeln, Auf galdeen Megſc Hurenfilk un bürlelt bckt heJhigt/ dt geſhchen/ l gewort an⸗ . Vogel⸗Neſt. 295 Wee her als GOtt achten/ welches aber die gröͤ⸗ ben ſte Abgoͤtterey von der Welt waͤre; Sihe ſo faͤllete ich das Urtheil daruͤber/ daß es unverweilet caſſiret und vertilgt werden ſolte/ nahme es derowegen aus meinem eBuſen hervor/ und zerriſſe es wol zu ſiben⸗ Wüee zehenhundert Fetzen. Gehe hin/ ſagte ich/ deinet halben ſoll Jufort keines Menſchen Heimlichkeit durch einen andern geſehen und offenbah⸗ ret werden; durch dich ſoll hinfort nie⸗ mand mehr weder um Eſſen noch Trin⸗ cken/ vielweniger um Geld beſtohlen wer⸗ den; du ſolſt hinfort weder Manns/ noch Waͤtebehokerd den Weg zeigen noch uͤr⸗ 10 Sentbg fach und Gelegenheit geben/ ſich in Werck uder Unkeuſchheit unordentlicher Weiß zu beſudeln; du ſolſt weder mir noch einem andern Menſchen ſeine eigne Schelmſtuͤck/ Hurenſtuͤck und Diebsgriff mit Unſich⸗ barkeit bedecken/ vielweniger anderen die Ihrige/ die im finſtern oder heimlich geſchehen/ durch finſter unſichtbare Ge⸗ genwart ans Taglicht bringen/ dann M lij GoOtt 296 Das wunderbarliche GoOtt/ der alles ſihet/ der alles hoͤret/ der alles verhaͤngt und zulaͤſt/ dem alles bewuſt iſt/ hat ihm allein durch ſeinen allerweiſe ſten Rath ſolche Wiſſenſchafft vorbehal⸗ ten/ der auch alles zu ſeiner Zeit nach ſel ⸗ nem Goͤttlichen Willen eroͤffnen/ oder ver⸗ bergen und vergeben/ richten/ ſtraffen oder belohnen wird. Als ich nun ſolch er geſlalt meinem Hogel⸗Neſt ſeinen ehrlichen Abſcheld ge⸗ geben/ erinnerte ich mich auch des Guten ſo ich durch ſelbiges zu lernen und zu be⸗ greiffen Anlaß bekommen/ ſeit ichs in Dänden bebi nehmlich daß der jenig ſicher wandle/ der BOttes Gegenwart al⸗ lezeit vor Augen hielte/ boͤſe Geſellſchafften fliehe/ die poſſirlichſcheinende Ader vor Suſpect halte/ ihme ſelbſt nimmermehr traute/ den uͤberfluͤſſigen Trunck zu beſſe⸗ rer Verwahrung ſeiner Sinnen vermei⸗ de und im uͤbrigen von allen Creaturen/ js von allem dem was ihm vorkommt/ was er hoͤret und ſiehet/ etwas guts unterſtehen zu lernen/ welches ich ihm zur Ehr und dem W end th6e ſprtßlt ſhnt Walen Imhen Har Inihner dbe ſahard Mate Genſſ ven be itrigen; Slat und in Motundenm EEAE Keh du Fule hlh le Afamusde⸗ Gldernthregte 6 enmöͤhg kekt/ und ſ fer Alahundſchn hen gunßen h olbrgent hehen daß m nöͤchke/ uu Memnmplete, Vogel⸗Neſt. 297 dem Dienſt GOttes reichet und befuͤrder · lich zu ſeiner Seelen Seligkeit aber er⸗ ſprießlich ſeyn moͤchte. Weilen ſich dann eben ein groſſer Ameyſſen⸗Hauffe neben mir fande/ deſſen Inwohner uͤberaus geſchaͤfftig waren al⸗ lerhand Materialia, und ſonderlich das Geniſt von dem zerriſſenen Vogel/ Neſt einzutragen; ſo ſahe ich deren emſigen Fletſſe und unverdroſſener Arbeit mit Verwunderung zu/ und erinnerte mich des Spruchs Salomontis/ da er ſagt/ ge⸗ he hin du Fauler zu den Omeyſen ꝛc. da beobachtet ſch vis ins det diic νι ſeααε“ nuͤnfftig aus dem Weg wiche/ wie eine der andern ihren Laſt tragen halffe/ wit ſie alle ſo einmuͤthig waren ihre Arbeit zubefuͤr⸗ dern/ und ſo fortan; darauß nim faſte ich allerhand ſchoͤne Lehren/ und nahm mir ei⸗ nen gantzen Hauffen guts Dings hinfort zu vollbringen vor; Ich wolte hinfort ar⸗ beiten daß mir die Schwarte krachen moͤchte/ um mich ehrlich zu ernaͤhren und niemand beſchwerlich zu ſeyn; Ich wolte M uiij mei⸗ —— 298 Das wunderbarliche meinem Neben⸗Menſchen kuͤnfftig nach⸗ geben und nicht allein gern ausweichen/ ſondern noch darzu den Laſt ſeiner Maͤngel aus Chriſtlicher Liebe gern gedulden/ und an ſeiner Beſchwerung tragen helffen; und in ſolcher Ubung mit einem dermaſſen unausſetzlichem Fleiß ſo beſtaͤndig verhar⸗ der lu ren/ daß mir das gantze Reich der Omey⸗ ahede ſen an dem groſſen Tag/ daran aller Men⸗ ſchen Thun und Laſſen examinirt/ durch⸗ forſchet/ gerichtet/ belohnet und geſtraffet werden ſollen/ das Geringſte nicht vorzu⸗ Oemc werffen haͤtte; dann ich ſahe nunmehr m wol/ wann man ein Ding anfahet und viche endee baß ed nichea mehrvers iſt/ ale wann mans gleich anfaͤnglich gar unter⸗ wegen gelaſſen; und alſo war vor dißmal das Vornehmſte/ daß ich die Beſtaͤndig⸗ keit æſtimiren lernete. Aber! O ſeltene Tugend/ ich vei⸗ tieffte zwar mich damals in deiner Be⸗ trachtung ſo weit/ daß ich wol drey Stund auf einem Sitz mit dir zubrachte/ und mir vernahm mich in meinem feſten Vorſatz gleich⸗ Vogel⸗Neſt. 299 gleichſam mit dir/ wie in einem unzertren⸗ lichen Eheſtand/ zuverewigen/ ja ich haͤtte auch noch laͤnger in meiner daſigen 8Spe⸗ culation verharret/ dafern mir nicht das Schickſel unverſehens gewieſen haͤtte/ daß die Welt nit dir ſondern deiner Ertzfeindin der Unbeſtaͤndigkeit/ ſich gewidmet; ob aber der leichte Sinn ſo vieler unterſchted⸗ licher Menſchen/ oder das Geſtirn ſelbſt/ 05 etliche wollen/ die Urſach ſey ſtehet da⸗ hin. Dann es kamen eine Schar Wölffe die mich zugleich in meinen Gedancken zer⸗ ſtoͤrten und um ſo viel deſto mehr erſchreck/ ten/ dieweil es weder im Jenner noch Hor⸗ nung war/ darinn dieſe Art wilder Thier ſich zuſammen zu begeben und zu ramlen pflegten; derowegen verlieſſe ich urploͤtz⸗ lich dieſe gute Sedancken meines Vorſa⸗ tzes/ und trachte nunmehr allein dahin/ wie ich mein Leben vor denen erſchroͤcklichen Ankoͤmlingen ſalviren moͤchte; Zu ſol⸗ chem Ende ſtiege ich in hoͤchſter Angſt auf eine Stůmmelbuche/ die mich hierzu am bequemſten zu ſeyn dunckte/ und als ich mit M ův gerin⸗ 300 Das wunderbarliche geringer Muͤhe hinauf kam/ und nunmehr vor den Woͤlffen/ die ſich je laͤnger je mehr vermehrten/ ſicher zu ſeyn vermeinte/ ſihel da erſchreckte mich ein anderer unverſehe/ ner Anblick dermaſſen/ daß ich mein Leben Allerdings hinſetzte/ dann als ich auf die Buche geſttegen/ wurde ich zweyer Wuͤrm gewahr/ die ich vor zwo erſchreckliche Schlangen anſahe, ich gedachte/ ſteigſt du wieder hinunt er zurůͤck/ ſo kommſt du den Woͤlffen in den Rachen/ verbleibſt du aber hleroben/ ſo erwuͤrgen dich dieſe Baſiliß⸗ cken; langen Bedacht und die Wahl zu nehmen lieſſe mir weder der Schrecken/ ſo mich uͤbereilet/ noch meine Furcht zußz ſon⸗ dern ich kletterte/ das gewiſſeſte zu ſpielen/ an etnem Aſt oder Zelgen hinauf/ der Sei⸗ ten der Stuͤmlin g/ des Mutter Stam⸗ mens gewachſen und ſich wiederum in die Lufft geſchwungen/ ſo wol den vermeinten Schlangen als den Woͤlffen zu entgehenz da hockte ich nun in der Hoͤhe/ und ſahe zu/ was vor eine Menge Woͤlffe ſich ferner daher ſammelte/ die nicht nur mich/ ſon⸗ dern den gantzen Bezuͤrck Steinwurffs weit 0 Wütmmmlt fichun. Hern ſcheagtw Ingennicht ſirker glach! den Onal ffiſgdeet ün Hetn! Orſchnodet Gchatteud dcßMRirſ hlhaftz v Wollgar had chedt Sint olauds wurt Hmnanmnen Rihluch nez lich unme Vogel⸗Neſt. 50¹ weit um mich herum Battalien weis um⸗ u gabenz ſo/ daß ich wol erachten konte/ daß Weckcrgn, dieſe ordenrliche Umztrckung natuͤrlicher nWeiß nicht geſchehen koͤnte. 81 10 Gleich darauf naͤherten ſich zween auege; Maͤnner/ aus denen der eine einem kr ae che teichen Herm: der ander aber ſo zim⸗ Eteete lich betagt war/ den zerlumpten Klei⸗ btge dungen nach einem vagirenden Land⸗ ſtoͤrtzer gleich ſahe; Sie giengen biß zu dem Ort allwo ich geſeſſen/ und da⸗ ſelbſt ſagte dieſer zu ihnen; Nun wol mein Herꝛrl jetzt ſeynd wird an dem Ort/ allwo der Herꝛ entweder/ ſeines Schatzes und verlohren Geldes: odeꝛ deß Mittels ſich un ichbar zn machen/ theilhafftig werden kan; der Herꝛ woͤlle nur bald eins aus dieſen beyden/ ehe die Stund deren eins zuerhalten vollends verſchwindet; der vornehme Herꝛ antwortet/ Geld und Gut hab ich noch mehr/ derowegen will ich emich meines verlornen Geldes hie⸗ M vj mit XK—.T 30o Das Wunderbarliche mit verziehen und begeben: und ſol⸗ ches unter die Schaͤtze gerechnet ha⸗ ben/ die im verborgen ligen; wer ihn ſind/ mag ihnbehalten/ hingegen aber das Klenot darfuͤr annehmen/ dar⸗ durch ich mich unſichbar machen koͤn⸗ Ne. Hierauf ſetzten ſich beede zu dem Ameißhauffen/ davon der alte eine Handvoll nahm und dem andeꝛnfiag⸗ te ob er ihm ſehe?? Als jener ja antwor⸗ tet/ legte er ſelbige Handvoll neben ſich und nahm eine andere/ fragte wie⸗ der wie vor und trieb es ſo lang/ biß er letzlich eine Hand voll erdappte/ da⸗ von er augenblicklich verſchwande/ und als er abermal fragte ſihet mich der Herꝛe Jener aber nein antwortet da ſagte er/ ſo halte der Herꝛ ſein Fazi⸗ netlin auf/ und empfahe das was er verlängt ſener folgee und ſo bald hat⸗ le ihm der Alte die Handvoll Materi⸗ en W ndl A 11 ſchund er0 ſchhn Alen II dvert Hherauffe ſſoledt E chel umn ftlche Stir Klnchterl * öet c0 bos u wad 1%) die Erde/ m d0r Put U tenal man d boahun ſengen dertz tine gutt re⸗ gelrichen/ n ſnhanmn Vogel⸗Neſt. 303 en von allerhand Geniſte ſo er vom Ameißhauffen genommen/ nieht ins naß Tüuͤchlein geben/ ſo bald ver⸗ ſchwand er auch/ und hingegen ſahe ich den Alten wiederumb/ welches ſel⸗ tzam und verwunderlich zu ſehen war. Hierauf ſagte der Alte zum andern/ er ſolte die Sachen fleiſſig ins Naßtuͤ⸗ chel zuſammen binden/ damit das koͤſtliche Stuͤck ſo die Wuͤrckung haͤt⸗ te/ nicht verlohren wuͤrde/ das thaͤte der ander/ ob mans gleich nicht ſahe was er machte; folgends legte jener das zuſammen gebunde Naßtůchel auf die Erde/ und probirte die Gewißheit der Wuͤrckung zum offtermalen/ ſin⸗ temal man daſſelbige alsdann nicht ſehen kondte/ aber wol wiederumb den jenigen der es hin gelegt; Als ſie nun eine gute weil ihre Kurtzweil ſolcher getrieben/ und mir genugſam gewie⸗ ſen hatten/ daß die Wuͤrckung meines M vjj ge⸗ 3 Auan Jν Vogel⸗Neſt. 305 ſchimmerten/ ich ſteckte alles in meinen Rantzen/ und ſahe dem Kerl mit ſeiner Gluͤcks⸗Ruthen zu/ der endlich in ei⸗ nem holen Baum einen zimlichen Partickel Reichsthaler und etwas an Silber⸗Geſchirꝛ fande/ ſo er aufpack⸗ te/ und ſich damit ſeines Wegs verfuͤg⸗ te; ich aber machte auch nicht laͤnger Miſt daſelbſten/ ſondern Anſchlaͤg wie ich meine Reichthumb anlegen/ und das freundliche Maͤgdgen/ ſo ich unſchuldiger Weis gleichſam im Schlaff beraubet und geſchaͤndet/ wie⸗ der erfreuen/ und bey Ehren erhalten moͤchte. Als nun hochgeehrter großguͤnſti⸗ ger lieber Leſer/ iſt die jenige Hiſtori die ich ihn von meinem Vogel⸗Neſt habe erzehlen wollen/ hat er nun dar⸗ aus gefaſt/ was ich ihm damit habe beybringen wollen/ ſo iſt mirs lieb; noch viel lieber und erfreulicher 8 wir —— . ‚ 304 Das Wunderbarliche geweſenen Vogel⸗Neſts minmmeßr wiederumb in einer andern Geſtalt ei⸗ nem Herꝛn dienete/ hieſſe der Alte den andern ſich weg begeben/ und als ich meine Augen aufhube/ wurde ich ge⸗ wahr/ daß alle Woͤlffe auch ver⸗ ſchwunden. Der Alte hingegen zoge ſeine Wuͤnſchel⸗Ruthe herfuͤr den verbot⸗ genen Schatz zu ſtichen/ er brummel⸗ te etliche Woͤrter darzu/ und ſchliche damit uͤberall herumber/ ich aber ſtiege allgemach den Aſt herunter/ und wur⸗ de gewahr/ dan das jenige ſo ich im Schrecken Anfangs erblickt/ keine Schlangen/ ſondern zwo ſeidene Wuͤrſt voller Gold/ nemlich der Springins feldiſchen Leyrerin geſtoh⸗ lene 100. doppelte Ducaten waren/ welche guͤldene Schlangen⸗Rippen gar erfreulich durch das abgenutzte und zum Theil verſparte Zeug herfuͤr ſchim⸗ ſchirhate Iuzen/ u Gdke⸗ Au fun folen butfd A El Geſ ſbſich de flithabck l Mf duch tie ich niit Iddasfrunt Achuhiger Gchafftae KA lochtt Alsmf t icher le de ich hu x habe chen fs gf babmnen foch millih — RRRRR 306 Das wunderbarltche wird mirs ſeyn/ ihme aber ſehr nutz⸗ lich/ und GOtt wolgefaͤllig/ wann er demſelben was ich ihn hierinn zu lehren bedacht/ nachzukommen ſich befleiſt; waͤre aber wider alle Hoff⸗ nung eines ſolchen Numeurs/ daß er hierinnen weder offentliche noch ver⸗ borgene Lehren gefunden/ oder doch wenigſt derſelben nicht geacht haͤtte/ ſo wird ihn jedoch diß Wercklein an⸗ derwerts contentirt/ und ihme verhof⸗ fentlich die Zeit eben ſo wol und viel⸗ leicht nuͤtzlicher und beſſer vertrieben haben/ als wann er in dem Amaditz geleſen haͤtte; Werde ich nun ſehen daß dieſes beliebt wird/ ſo ſoll diß der Erſte Theil deß Vogel⸗Neſts ſeyn/ und der Ander aus dem Omeis Hauffen in Kuͤrtze hernach folgen; Iſt etwan jemand darinn getroffen/ der ſchweige und beſſere ſich/ dann deßwegen hab ich diß geſchrieben; Iſt gber dein Camerad heruͤhrt 0 5 ſo ffuudich c kfn 5ol/ ß wan Bilte doß abich n alſunem fehſ narn KA ſro 4 Vogel⸗Neſt. 307 t ſo freue dich deiner Unſchuld und den⸗ uucke was konte der fromme Aber dar⸗ vor/ daß ſein Bruder ein Schalck war! Bitte aber auch darneben Gott daß er dich nicht fallen laſſe/ ſondern auch deinem Bruder wieder aufhelf⸗ fe; diß war meine Meinung/ als ich diß Wercklein anfienge/ und iſi ſie noch da ichs jetzt hiemit