3—3 88 in R 2 3228 7 7—— *—— Holzſtiche aus dem xylographiſchen Atelier von Friedrich Vieweg und Sohn in Braunſchweig. Papier aus der mechaniſchen Papier⸗Fabrik Gebrüder Vieweg zu Wendhauſen bei Braunſchweig. Schieß pulver, die Txploſivkörper und die Feuerwerkerei. Bearbeitet von Dr. J. Upmann und Dr. E. v. Meyer. In zwei Abtheilungen. Erſte Abtheilung: Das Schießpulver, deſſen Geſchichte, Fabrikation, Eigenſchaften und Proben. Mit in den Text eingedruckten Holzstichen. Braunſchweig, Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 18 74. S chgi e ßpü liper, deſſen Geſchichte, Fabrikation, Eigenſchaften und Proben. Bearbeitet von Dr. J. Upmann. Mit in den Text eingedruckten Holzstichen. Braunſchweig, Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 18 ö 5 Die Herausgabe einer Ueberſetzung in franzöſiſcher und engliſcher Sprache, Ne ſowie in anderen modernen Sprachen wird vorbehalten. mei 1 non einſ oder tiſch kant nich gew con prer veri ſchei wo ſtell zuer Nachfolgende Bearbeitung des Schießpulvers habe ich auf Veranlaſſung meines Freundes des Herrn Profeſſor Dr. Birnbaum zu Carlsruhe unter— nommen. Bei der Beſchreibung der einzelnen Apparate und der Schilderung des einſchlagenden Verfahrens habe ich unter Anlehnung an gute Abhandlungen oder auf eigene Anſchauung geſtützt mich beſtrebt, den thatſächlich beſtehenden Verhältniſſen ſo nahe als möglich zu kommen. Der Darſtellung des prisma— tiſchen Pulvers, wie ſolches in Spandau ſeit einigen Jahren angefertigt wird, kann man allerdings den Vorwurf machen, daß dieſelbe etwas ſehr kurz, um nicht zu ſagen, dunkel gehalten iſt. Ich habe aber abſichtlich dieſe Form gewählt, da die ganze Einrichtung dieſes neuen Fabrikationszweiges„auf confidentiellen Angaben von anderer Seite“ beruht und deshalb das königlich preußiſche Kriegsminiſterium eine allgemeine Veröffentlichung vorläufig vermieden wiſſen will. Hinſichtlich der chemiſchen Nomenclatur habe ich die nach der jetzt herr— ſchenden wiſſenſchaftlichen Richtung üblichen Ausdrucksweiſen gewählt. Bei der am Schluſſe des Werkes verzeichneten Literatur iſt überall da, wo mir ein Einblick in die Orginalabhandlung möglich war, dieſe vorange— ſtellt und darauf diejenige unter den geleſenſten deutſchen Zeitſchriften, welche zuerſt oder am ausführlichſten den fraglichen Artikel brachte, angeführt. Vorwort. Zum Schluſſe kann ich nicht unterlaſſen, dem Inſpector der königlich ſächſiſchen Pulverfabrik zu Dresden, Herrn Lieutenant Rudowsky, auch an dieſer Stelle meinen aufrichtigſten Dank auszuſprechen für die mannig⸗ fache Unterſtützung, welche mir derſelbe bei techniſchen Fragen zu Theil werden ließ. Riehl bei Cöln, im November 1873. J. Upmann. Geſchichte Die Materialien 25 8 5 A. b. D er Salpeter. Die Salpeterproben. iungsverfahren C. Prüfung des Salpetersgz Der 8 S Kohlefß 91 8 8 Die Miſchungsverhältniſſe 8355 Wereitung des Schießpulvers. 2 Das Kleinen, Mengen und Dichten 5 I. D II. III. INI VMI VII. VIII. IX. X. XI. XII. XIII. XIV. 1 8 Das Eleinen Mengen und Dichten in einer Operation a. Durch Stampfmühlen. b. Durch Hämmer.. 3— C. Durch Walzmühlen(Kollermühlen) Das Kleinen der einzelnen e 5 ſich a. In Stampfmühlen.. 8 b. Auf Walzmühlen... C. In Trommeln. Das Mengen und Dichten in einer Operation 2. In Staätihffnühten b. In Walzmühlen.. Das Mengen der gekleinten Subſtanzen a. Das Mengen in Trommeln... b. Das Mengen auf Walzmühlen. Das Dichten oder Preſſen des Pulverſatzes. a. Das Dichten unter Mühlſteinen. b. Das Dichten unter Preſſen Das 571 938 Das vorläufige Lufttrocknen 5 Das vorläufige Sortiren und Ausſtäuben Das Abrunden oder Poliren.... Das Trocknen. 1. Das natürliche Trocknenrnn Das künſtliche Trocknen 388 DaAüsſtiitß)ß;ß 5 Söüinnß; Das Vermengen.. Die gepreßten Pulverſorten 98 8 Das Verpacennn 0 88 Pilldinsäznnfn Das Ufftrüittet; Der Transport 8 2. 1. 2. Der Transport zu Waſſer Der Transport zu Land S οοο οο L2 Q Q 2Q2 2Q2 ινι 2 101 8 — S 111 115 116 117 VIII Literatur. 815 ri Allgem Ausführliche Geſchichte...... Erſcheinung berechnet wird Inhalt. Die Eigenſchaften des Schießpulvers.. 8 I. Die phyſikaliſchen iten des hilkber⸗ 0 1. Die Farbe f 8.0 2. Der Staubgehalt 3. Die Körnergröße. 8 4. Die Kornfeſtigkeit. 5. Die Dichtigkeit.. 6. Der Feuchtigkeitsgehalt II. Die chemiſchen Eigenſchaften des Pulvers. Die Beſtimmung des Salpeters, Analyſe Die Beſtimmung des Schwefels,„ Die Beſtimmung der Kohle, 6 1. Die Entzündlichkeit 2. Die Werpeeiiing 3. Die Verbrennungs geſchwindigkeit. 4. Die Verbrennungsproducte ECCC. 5. Die VerbrennungstemperatuR:·..nmmv—mmUinnunuUUuMu 6. Gasſpannunge. 88 6 7. Die Triebkraft des Pulbers“ 0 Die Pulverproben 5 A. Die Eprouvetten &. D8. Probemöſer 8 6. Das Infanteriegewehr 6 6. Die Eprouvette mit gezahnter Stange 6. Die Colſon'ſche Eprouvette . Die Eprouvette von Dupont 0. Der Meier'ſche Mörſern. «. Die Probe von Hoör 55 Hebelproben. 5. Die Eprouvette von Hutton 3 8 90. Das Flintenpendel und das ba liſtiſche Pendel 6. Die hydroſtatiſche Eprouvette von Regnier 5 Die dynamometriſche Probe von Melſens B. Die elektroballiſtiſchen Apparate... Proben, bei welchen die Zeit unmittelbar durch den parat an⸗ gegeben wird. 8 . Das elektromagne etiſche Chronoftop von Wheatſto 13 5. Der Chronograph von Martin de Brettes b. Proben, bei welchen die Zeit aus der bekannten Dauer einer anderen Ce. Galvanometer von Pouillet“ Ud8 8. Das elektro⸗balliſtiſche 655 von Navez 9. S3 elektro-balliſtiſche Chronograph von Le Boulenge 5 0. Die elektriſche Klepſyder von Le Boulengé 6. Der Chronograph von Baſhforth §. Der 19 von Noble Der calorimetriſche? Allgemeines. ialien. Die Bereitung des Schieß ſälber⸗ 0 Die Wbolſ des Schieß 5 ilvers Die Pulverproben 9196 eines. 3 von; Welſens Schilderungen der Schießpulverbereitung 194 199 205⁵ 207 210 211 21¹4 215 216 217 218 219 als Feue Umg Bucd genu Anſjf ſind dam die ihnen Anſc aber Mar dieſe welch jenes Kraf Aug Was lang Verf wur! gera war Schi ſolle U EE —.— —1— 193 194 199 205 207 210 21¹ 214 Geſchichte. Unter den explodirenden Körpern iſt die Entdeckung des Schießpulvers gewiß als die bedeutendſte zu nennen, da die Anwendung deſſelben im Vereine mit den Feuerwaffen in den meiſten Staaten einen ebenſo gewaltigen Einfluß auf die Umgeſtaltung aller bürgerlichen und ſtaatlichen Verhältniſſe ausübte, als die Buchdruckerkunſt auf den Humanismus des menſchlichen Geſchlechtes, Grund genug alſo, daß eine Reihe von Nationen den Rang dieſer Erfindung für ſich in Anſpruch nehmen. Die Beweisſtücke indeß, welche man zur Begründung vorführte, ſind nicht überall überzeugender Natur geweſen, denn einerſeits begnügte man ſich damit, auf ſagenhafte Erzählungen ſich zu berufen oder Schriftſteller anzuführen, die nicht aus eigener Anſchauung ſchöpften, ſondern nur die Traditionen, wie ſie ihnen überkommen waren, wiedergaben, wobei ſie noch in den Fehler verfielen, die Anſchauungen ihrer Zeit in die früherer Jahrhunderte hineinzutragen, andererſeits aber ging man von unklaren Begriffen über die Natur des Schießpulvers aus. Man glaubte genug gethan zu haben, wenn man nur annähernd nachwies, daß dieſes oder jenes Volk ein Gemiſch von Salpeter, Schwefel und Kohle kannte, welches unſerem heutigen beinahe gleichkommt, ohne auch nur im entfernteſten jenes für das Schießpulver ſo charakteriſtiſche Merkmal, ſeine treibende Kraft, d. h. die Wurfkraft zum Fortſchleudern von Geſchoſſen u. ſ. w., in das Auge zu faſſen, ein Umſtand, der für die Beurtheilung ebenſo bedeutend in die Wagſchale fällt, wie bei der Buchdruckerkunſt die Beweglichkeit der Lettern. Schon lange vor Guttenberg kannten die Chineſen, wie Marco Polo erzählt, ein Verfahren, auf ſchwarzem Grunde rothe Typen und Schriftzeichen aufzutragen, wurde doch auf dieſe Weiſe das Papiergeld von Tſchingiskahn angefertigt, allein gerade dasjenige Moment, welches die Buchdruckerkunſt ſo weſentlich kennzeichnet, war ihnen vollkommen unbekannt. Nach dieſer Vorbemerkung ſei es geſtattet, etwas näher auf die Geſchichte des Schießpulvers einzugehen, ſoweit es die Grenzen dieſes Handbuches erlauben. Wie bekannt und wie auch in allen Schulen noch gelehrt und gelernt wird, ſollen die Chineſen die Erfinder des Schießpulvers geweſen ſein. Das Schießpulver. 1 Geſchichte. Dieſe Behauptung findet ſich bei faſt allen älteren Schriftſtellern, welche über dieſe Materie geſchrieben haben und hat auch noch bis in die neueſte Zeit hinein ihre Vertreter gefunden. Wie Voſſius in ſeinem Liber Observationum erzählt, ſoll im Jahre 85 n. Chr. der chineſiſche König Vi⸗Tey ſich im Kriege gegen die Tartaren zuerſt der Feuerwaffen und des Schießpulvers bedient haben, welches letztere in dieſem Jahre von dem genannten Könige erfunden worden ſei. Hier⸗ gegen iſt nun zu bemerken, daß der um jene Zeit lebende Kaiſer Cham-Ti geheißen und Vi-Tey lange vor Chriſtus gelebt hat. Dann iſt aber noch beſonders hervorzuheben, daß bei den Chineſen erſt in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts, im Jahre 969 n. Chr,, die Rakete, der Vorläufer des Schießpul⸗ vers, erfunden worden iſt. Die Chineſen befeſtigten die Rakete an ihrem Pfeil, um deſſen Flugweite zu vergrößern, und erhielten dadurch ein Zündungsmittel, welches ſelbſt bei raſchem Fluge des Pfeiles nicht erloſch. Solche Brandpfeile, wenigſtens ähnlicher Conſtruction, findet man bereits bei den Römern. So erwähnt z. B. Vegetius in ſeinen Epitoma rei militaris cap. 18 die malleoli und falarica, wovon er ſagt: intra tubum etiam et hastile sulphure, resina, bitumine stuppisque convoluitur infusa oleo, quod incendarium vocant. Eine gleiche Beſchreibung giebt Ammianus Marcelli- nus lib. 23, cap. 4.— Statt Schwefel, Pech, Werg u. ſ. w. hatten die Chi— neſen eine Gemenge von Salpeter, Schwefel und Kohle, deſſen treibende Kraft ſie aber erſt durch die Europäer kennen lernten. Denn die weitere Behauptung, daß die Chineſen im Jahre 1232 bei der Belagerung der Stadt Kai-foung⸗fu, ſpäter Piang-king genannt, Schießpulver in Anwendung brachten, beruht lediglich auf einem Mißverſtändniſſe der angezogenen Quelle. Gaubil erzählt nämlich, daß bei der genannten Belagerung die Mongolen ho Pao benutzten, deſſen Feuer ſich mit ſolcher Schnelligkeit verbreitete, daß es kaum zu löſchen geweſen. In der belagerten Stadt habe man ebenfalls ho-pao angewandt, welche Eiſenſtücke in Form von Schröpfköpfen(Ventouse) geworfen hätten. Beim Entzünden ſei ein donnerähnlicher Knall entſtanden, den man auf 10 Meilen gehört, der Ort, wo ſie niederfielen, ſei verbrannt worden, und das Feuer habe ſich auf 2000 Fuß im Umkreiſe verbreitet. Ein davon getroffener eiſerner Küraß ſei vollſtändig durch⸗ bohrt worden. Man überſetzte nun die Worte ho-pao mit Feuerwaffen und ſchloß daraus, daß die Chineſen bereits im dreizehnten Jahrhundert Kanonen beſaßen und dabei das Schießpulver anwandten. Wie man zu dieſer Auslegung gekommen, iſt geradezu unbegreiflich, denn bald nach der ſoeben angeführten Stelle ſagt der Jeſuit Gaubil, er habe nicht gewagt, die Worte pao und ho-pao mit Kanone zu überſetzen, denn pao bedeute eine Maſchine, mit welcher Steine geworfen würden, und ho komme dem Worte Feuer gleich. Und Gaubil hatte ganz Recht, wenn er die Worte nicht mit Kanone überſetzte, denn was ho-Pao bedeutet, erſieht man deutlich aus den chine— ſiſchen Schriftſtellern, welche erzählen, daß die brennenden Subſtanzen, welche in den Projectilen enthalten waren, angezündet und ſodann mit einer Schleuder— maſchine nach dem Orte geworfen wurden, wo ſie Brand und Verwüſtung erzeu— gen ſollten. R 7 *2 Geſchichte. Von der Anwendung des Schießpulvers iſt hier alſo auch nicht im entfern⸗ teſten die Rede. Daß die Chineſen gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts das Schießpulver noch nicht kannten, ergiebt ſich auch ganz unbeſtritten aus den äußerſt zuverläſſigen Berichten von Marco Polo. Derfelbe erwähnt nämlich das Schießpulver mit keinem Worte, obgleich er bei Schlachten, Waffen, Jagden der Völker alles bis in das Kleinſte hinein beſchreibt. Ueber die große Schlacht zwiſchen Kublai und Nayan 126s heißt es, die Luft war erfüllt von einer Wolke von Pfeilen, die auf jeder Seite niederſchoſſen. Bei der Beſchreibung der kaiſer⸗ lichen Kriegsgeräthe werden nur Bogen, Sehnen, Köcher und Pfeile erwähnt. In Betreff der Belagerung von Sian⸗fu erzählt Marco Polo: als letztere Stadt vergeblich belagert wurde, meldeten ſich die Brüder Nicolo und Maffio und baten den Kaiſer, er möge ihnen geſtatten, Maſchinen zu bauen der Art, wie man ſie im Abendlande gebrauche, die Steine werfen könnten von 300 Pfund Gewicht. Da der erſte Stein, der von ihnen geſchleudert wurde, ein ganzes Ge— bäude faſt auf einmal zerſtörte, ſo erſchraken die Einwohner über dieſes Unheil, welches ihnen ein Donnerkeil vom Himmel ſchien. Dieſe Erzählung wird auch von chineſiſchen Schriftſtellern beſtätigt. Von der Anwendung des Schießpulvers geſchieht auch nirgends eine Erwähnung. Ueber die Feuerwerkskünſte der Chineſen giebt Marco Polo nur eine ein— zige Andeutung bei der Beſchreibung von Thibet, wo er von den Einwohnern ſagt: dieſe Leute ſind Schwarzkünſtler und vermöge ihrer hölliſchen Kunſt verrichten ſie die außerordentlichſten und trüglichſten Verzauberungen, die man je geſehen und gehört hat. Sie laſſen Ungewitter aufſteigen mit zuckenden Blitzen und Donnerſchlägen und bringen viele andere wunderbare Dinge hervor. Wäre wirklich den Chineſen die Erfindung des Schießpulvers zuzuſchreiben, ſo ließe es ſich gar nicht erklären, wie nach Du Halde die chineſiſchen Manda— rinen, als die Sadt Macao im Jahre 1621 n. Chr. drei Geſchütze mit Bedie⸗ nungsmannſchaft dem Kaiſer der Chineſen ſchenkte, bei den Schießverſuchen zu Pecking über die Wirkung der Kanonen in ſo große Beſtürzung geriethen. Es wäre nicht zu begreifen, wie nach demſelben Schriftſteller der Kaiſer den Jeſuiten Adam Schaal erſuchen konnte, den Chineſen Unterweiſung in der Anfertigung von Feuerwaffen zu geben. So viel ſteht feſt, den Chineſen gebührt die Entdeckung des Salpeters und ſeiner Anwendung in den Feuerwerken. Sie haben zuerſt dieſen Körper mit Schwefel und Kohle gemiſcht und die aus der Verbrennung dieſes Gemiſches ent— ſtehende, bewegende Kraft erkannt und bei ihren Brandpfeilen benutzt. Dies gab ihnen die Veranlaſſung zur Rakete. Ebenſowenig wie den Chineſen kommt den Indiern die Entdeckung des Schießpulvers zu. Denn jenes Mährchen, wonach Alexander der Große von den Indiern mit Feuergeſchütz beſchoſen worden ſei, darf man wohl mit Stillſchweigen übergehen, und die Erzählung von Apollonius von Thyane, welcher in dem dritten Kapitel ſeines zweiten Buches berichtet, daß die Bramanen rαο“e νν, Bοονα⁰α,t, Blitz und Donner, auf ihre Feinde geſchleu— dert haben, beweiſt für die Exiſtenz des Schießpulvers gar nichts, da in dieſen Worten der Auslegung ein zu großer Spielraum gelaſſen wird. Ein viel gewich⸗ IEs CCCCCCCCCCEEEECECCCCCC0CCGGCGCCCCCCcCC0C0CCCCC 8 Geſchichte. tigeres Beweisſtück hat man in zwei Stellen zu finden geglaubt, welche den indi⸗ ſchen Geſetzbüchern entnommen ſind, wovon ein Auszug in engliſcher Sprache unter dem Namen: a Code of Gentow laws bekannt iſt. In den ſiebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nämlich ließ der damalige General-Gouverneur in Bengalen, Warren Haſting, aus den heiligen Büchern der Bramanen von indiſchen Gelehrten einen Auszug veranſtalten und denſelben von Halhed in das Engliſche überſetzen. In dieſem Coder findet ſich nun unter dem Titel:„Ueber die erforder— liche Eigenſchaft der Obrigkeit“ folgender Paſſus: Die Obrigkeit ſoll keinen Krieg führen mit irgend einer hinterliſtigen Ma⸗ ſchine oder mit vergifteten Waffen oder mit Kanonen und Feuergewehren oder irgend einer Art von Feuerwaffen. In dem Titel über das Intereſſe heißt es: Wenn getrocknetes Gras, Brennholz, Ziegelſteine oder Blätter oder aus Leder verfertigte Gegenſtände oder Knochen oder Säbel, Speere, Dolche, Musketen oder dieſe Art von kriegeriſchen Inſtrumenten geborgt, und nicht in fünfzig Mo⸗ naten zurückbezahlt werden, ſo ſind darauf keine Zinſen zu geben, es müßte denn beſonders verabredet ſein. Für das Wort Kanone findet ſich im Sanskritterte gata-ghna und für Feuergewehr, Muskete, agni-astra. Nach einer dem Verfaſſer von Profeſſor Windiſch gewordenen Mittheilung ſind nun allerdings die eben erwähnten Worte Sanskritwörter, aber künſtlich geſchaffen für Dinge, welche in der eigentlichen, ächten Sanskritliteratur nie erwähnt werden. Agni-s, lat. igni-s, bedeutet Feuer, und astra Wurfwaffe, Geſchoß, Pfeil, ſo daß alſo agni-astra buchſtäblich Feuer⸗ geſchoß, Feuerpfeil bedeutet. In den Worten gata-ghna iſt gata ſoviel wie hundert, gr. S-rrο, lat. centum; ghna heißt tödtend, ſo daß gata-ghna, wörtlich bedeutet hunderttödtend. Nach dieſer Erklärung verlieren alſo die angezogenen Stellen ihre volle Be— weiskraft, denn es hieße in der That dem Verſtande doch ein bischen zu viel zu⸗ muthen, um aus den Worten hunderttödtend und Feuerpfeil den Sinn für Kanone bzw. Feuergewehr herauszuleſen.— Hätten die Indier wirklich das Schießpulver erfunden, ſo würden ſich die Einwohner von Mozambique nicht ſo ſehr über den Knall der Geſchütze entſetzt haben, wie es 1497 geſchah, als Vasco de Gama ihr Ufer betrat. Um jene Zeit ſtanden nämlich dieſe Landestheile in regem Verkehre mit Indien, ja die ganze öſtliche Küſte von Afrika, von Madagascar an bis hinauf nach Aden, war mit Malayen bevölkert. Es beweiſt dies das Vor—⸗ kommen von ficus religiosa, jenes Baumes, deſſen Heimath Indien iſt, welcher aber von den Buddhiſten überall da angepflanzt wurde, wohin ſie ihre Religion trugen; es beweiſen dies die malayiſchen Laute, welche in der Sprache der Be⸗ wohner Oſtafrikas noch heute vorkommen, wie jüngſt Livingſtone nachgewieſen hat. Das zunüchſt für die Geſchichte des Schießpulvers bedeutende Land iſt, wenn man einen Schritt weiter von Indien nach Weſten geht, Arabien. Auch hier findet man, wenn man auf die älteren Schriften dieſes Volkes zurückgreift, ent⸗ zundbare Miſchungen, allein bis zum dreizehnten Jahrhundert ohne alle Zuthat von Salpeter, wie Renaud nachgewieſen hat. Erſt um dieſe Zeit werden bei den Arabern Gemiſche von Salpeter, Schwefel und Kohle bekannt, E 23 Geſchichte. welche aller Wahrſcheinlichkeit nach den Chineſen entlehnt wurden, wie aus dem Namen Pfeil von China hervorgeht. Mit dem ihnen Ueberlieferten begnügten ſich indeß die Araber nicht, ſie beobachteten das Gemiſch bei ſeiner Entzündung und kamen ſo auf die treibende Kraft deſſelben, mit anderen Worten, ſie erfanden das Schießpulver. Der Beleg hierfür findet ſich in einem arabiſchen Manuſeripte, welches Renaud und Favs in der Petersburger Bibliothek entdeckten. Die fragliche Stelle iſt abgedruckt in dem 14. Bande des Journal asiatique, 4. Serie, S. 310). Die von Renaud gegebene Ueberſetzung entſpricht indeſſen nicht dem Wortlaute des Originals und ſoll daher eine richtige Ueberſetzung folgen, wie ſie Verfaſſer der Güte des Profeſſors Fleiſcher verdankt. Beſchreibung der Miſchung, welche man in den Medfaa thut. Normal⸗ verhältniß davon: 10 Drachmen Salpeter, 2 9 Kohle, 17½ 5 Schwefel. Dieſe Miſchung zerreibt man zu feinem Pulver und füllt damit ein Drittel des Medfaa an, aber nicht mehr, ſonſt zerſprengt es(den Medfaa). Dazu läßt man beim Drechsler einen(zweiten) Medfaa von Holz nach dem Maße der Mündungsweite des(erſten) Medfaa machen, treibt ihn(den zweiten) mit kräftigem Stoße dahinein, legt die Kugel(bondoc) oder den Bolzen darauf und bringt dann Feuer an den Zünder. Dem(zweiten) Medfaa giebt man das rechte Maß bis unter das Loch(d. h. man läßt den durch die Mündung des Rohres in dieſes hineingetriebenen Holzpfropf gerade bis unter das Zündloch reichen); geht er tiefer herab, ſo iſt er fehlerhaft und verſetzt den Schützen einen Stoß vor die Bruſt. Das nehme man wohl in Acht. Als weiteren Beleg führt Renaud aus derſelben Handſchrift noch eine zweite Stelle an, allein letztere iſt geradezu von ihm mißverſtanden worden, da auch das Schießpulver mit keinem Worte darin erwähnt wird. Um etwa ſpäteren Irrthümern vorzubeugen, ſei dieſe Stelle, welche im Eingange die Anfertigung des Medfaa beſchreibt und ſo die ſoeben gegebene Stelle erklärt, in richtiger Ueber⸗ ſetzung nach Fleiſcher hier vorgeführt. Kapitel von einer Lanze, aus der man, wenn man ſie gerade auf den Feind gerichtet hält, einen Bolzen heraustreibt, der ihm die Bruſt durchbohrt. Dies wird ſo gemacht: Man nimmt einen Lanzenſchaft und höhlt ihn, ſo lang er iſt, mit Ausnahme von 4 Zoll(am unteren Ende) aus, indem man mit einem ſtarken Bohrer ein Loch(der Länge nach) hineinbohrt und ihn ſo zu einem Medfaa herrichtet. Dann läßt man nach Maßgabe der Weite jenes hineingebohr⸗ ten Loches einen Bolzen⸗-Medfaa dazu machen; dieſer muß aber von Eiſen ſein. ) Als Alexander von Humboldt den zweiten Theil des Kosmos herausgab, war dieſe Abhandlung noch nicht erſchienen, und daraus erklärt ſich denn auch, daß Humboldt auf S. 257 des zweiten Bandes ſeines eben erwähnten Werkes den Arabern die Erfindung des Schießpulvers abſpricht. Geſchichte. Hierauf bohrt man in die Seite des Lanzenſchaftes ein feines Loch und ein anderes ebenſolches in den Bolzen-Medfaa, verſchafft ſich einen Seidenfaden und bindet dieſen, indem man ihn durch das Loch an der Seite des Schaftes ſteckt, an dem Loche des Bolzen-Medfaa feſt. Zuletzt bringt man an dem Lanzenſchafte eine von unten bis oben ausgehöhlte Spitze an. Führt man nun mit der Lanze einen Stoß, ſo treibt der Bolzen⸗Medfaa durch die Gewalt des geführten Stoßes den Bolzen vorwärts: der Medfaa zieht den Faden nach ſich, dieſer aber hält den Medfaa feſt, daß er nicht zugleich mit dem Bolzen aus dem Schafte herausfährt. Wenn man zu Pferde ſitzt, ſo laſſe man die Lanze immer auf dem(hohen) Sattelbogen ruhen, damit der Bolzen nicht herausfallen kann. Das Wort medfaa hat ſeine allgemeine etymologiſche Bedeutung: propul- sorium, projectorium. Daß der Seidenfaden, um den Bolzenmedfaa zurückzu⸗ halten, nur eine beſtimmte Länge haben kann, und mit dem hinteren Ende am Schafte befeſtigt ſein muß, verſteht ſich von ſelbſt. Da das Wort medfaa ſpäter im Arabiſchen die Bedeutung von Kanone annahm, ſo hat man geglaubt, daß die Araber ſchon gleich nach Erfindung des Schießpul⸗ vers die Kanonen in Anwendung brachten. Dies iſt aber keineswegs der Fall, da das in dem Manuſcripte beſchriebene Inſtrument ein gewöhnliches Feuerge— wehr iſt, welches hier in ſeinen Anfängen lediglich aus einem Rohre mit einem Zündloche beſteht, wie aus dem Eingange der zweiten Stelle erſichtlich iſt. Ueber die Weite der Rohrmündung erhält man einen Aufſchluß durch das Wort bondoc, welches ſeine Verwandtſchaft mit nux pontica(Haſelnuß) bekundet. Die auf den zweiten Holzmedfaa aufgeſetzte Kugel hatte alſo die Größe einer großen Haſel— nuß und iſt dadurch der Begriff von Kanone vollkommen ausgeſchloſſen. Was nun den Ort und die Zeit der Erfindung angeht, ſo ſagt darüber das Manuſcript nichts, allein aus der ganzen Behandlungsweiſe und den höchſt unvoll⸗ kommenen Zeichnungen ſchließen Renaud und Favé, daß die Entdeckung zu Aegypten oder Syrien in den erſten Jahren des 14. Jahrhunderts geſchah. Soviel von den Arabern, welchen die Erfindung des Schießpulvers nicht abgeſprochen werden kann, ſowie man in die Begriffsbeſtimmung des Schießpul⸗ vers deſſen treibende Kraft hineinzieht. Aber wie war es wohl im Abendlande, wird jetzt die nächſte Frage ſein? Denn wenn auch den Arabern im 14. Jahrhundert die Wurfkraft des Schieß— pulvers bekannt war, ſo ſchließt dies doch nicht aus, daß man gleichzeitig oder doch unabhängig von dieſen in Europa dieſelbe ebenfalls erkannte und auszunutzen wußte. Erfanden doch faſt zu derſelben Zeit Prieſtley und Scheele den Sauer— ſtoff, ohne daß der eine von des anderen Entdeckung etwas wußte. Die oben auf—⸗ geworfene Frage iſt ſonach berechtigt, um ſo mehr, als die in der Geſchichte des Schießpulvers vorkommenden Namen wie Mareus Graecus, Albertus Mag— nus, Roger Baco und Berthold Schwarz ſo ohne Weiteres nicht aus der— ſelben geſtrichen werden können. Eine Prüfung deſſen, was ſie geleiſtet haben oder geleiſtet haben ſollen, muß erfolgſen.— Der Anfang ſei daher mit Mar— cus Graeeus gemacht, welcher das bekannte Liber ignium ad comburendos hostes geſchrieben hat. In dieſem Buche heißt es nun S. 6 folgendermaßen; P fa 0¹ tr et Geſchichte. Re. Acoc. li. I sulfuris vivi; li. II carbonum tilliae vel salicis; VI li. salis petrosi, quae tria sublilissime terantur in lapide marmoreo. Postea pulverem ad libitum in tunica reponatis volatili vel tonitruum facientem. Nota, tunica ad volandum debet esse gracilis et longa et cum praedicto pulvere optime conculcata repleta. Tunica vero toni- truum faciens debet esse brevis et grossa et praedicto pulvere semiplena et ab utraque parte fortissime filo ferreo bene ligata. In der angegebenen Stelle wird eine tunica ad volandum und eine tunica tonitruum faciens erwähnt, welche beide mit einem Satze angefüllt wurden, der hinſichtlich ſeiner Zuſammenſetzung unſerem heutigen Schießpulver nahezu gleich⸗ kommt. Die beſchriebene tunica ad volandum iſt nichts weiter als eine höchſt unvollkommene Rakete, deren Materialien nicht rein waren, denn ſonſt würde die Miſchung viel zu ſchnell verbrannt ſein, ihrem Zwetke danach nicht entſprochen haben. Daß die tunica tonitruum faciens, welche man heutzutage wohl mit dem Namen Kanonenſchlag bezeichnen würde, trotz alledem zerplatzte, rührt einfach daher, daß die Hülſe, 1 mit dem benannten Pulver nur zur Hälfte angefüllt wurde, ſehr dick und mit Eiſendraht an beiden Seiten zugebunden war, in Folge deſſen die im Inneren der Hülſe ſich entwickelnden Gaſe einigen Wider— ſtand fanden und ſo mit Gewalt die Umhüllung zerſprengten, wodurch der donnerähnliche Knall entſtehen mußte.— Der treibenden Kraft des Pulvers geſchieht auch hier mit keinem Worte Erwähnung und ebenſowenig in den übrigen Vorſchriften, welche Marcus Graecus aufführt. Sämmtliche An— gaben, ſoweit ſie Miſchungen verſchiedener brennbarer Körper betreffen, laufen darauf hinaus, Schrecken und Brand unter dem Feinde zu erzeugen, wie auch ſchon aus dem Titel der Schrift Liber ignium ad comburendos hostes zur Genüge hervorgeht. Für die Geſchichte des Schießpulvers hat danach die Abhandlung des Mareus Graecus gar keinen Werth. Was ihr einige Bedeutung verleiht, iſt der Streit über die Entſtehung der Schrift, indem hier die verſchiedenſten An— ſichten zu Tage treten. Da ſoll nach dem Einen das Buch in dem 8. Jahrhundert, nach dem Anderen im 9., ferner im 11. Jahrhundert u. ſ. w. geſchrieben ſein. Allei wenn es ſich um die Begründung der ausgeſprochenen Anſicht handelt, erweiſt ſich dieſelbe durchgängig als mangelhaft, eben weil man nicht genügend auf den Jühalt der Schrift einging. Faßt man dieſen in das Auge, ſo ſieht man ſofort, daß Marcus Graecus zu ſeiner Abhandlung arabiſche Quellen benutzte. Beredte Beiſpiele hierfür liefern das auf S. 1, 2, 4 vorkommende Wort alkitran (Theer), dann auf S. 7 zambax(weiße Lilie, von den Arabern aus dem Per⸗ ſiſchen entlehnt) und auf S. 12 alambic(Deſtillationsgefäß, ebenfalls aus dem Perſiſchen entnommen). Danach kann alſo die Zeit der Entſtehung nicht ſehr zweifelhaft ſein, wenn man bedenkt, daß, wie bereits früher erwähnt, die Araber in ihren verſchiedenen, entzündbaren Miſchungen den Salpeter vor dem Jahre 1225 nicht in Anwendung brachten. Vor dieſem Jahre kann alſo die Abhandlung des Mareus Graeeus nicht geſchrieben worden ſein, aber auch nicht geraume Zeit ſpäter, da Albertus Magnus, welcher nach Martin Cruſius im Jahre 1280 ſtarb, die Abhandlung das Marcus Graecus benutzte. Geſchichte. So ſagt nämlich Albertus Magnus de mirabilibus mundi i. f. Ignis volans: accipe libram unam sulphuris, libras duas carbonum salicis, Iibras sex salis petrosi: quae tria sublilissime terantur in lapide marmoreo, postea aliquid posterius ad libitum in tunica de papyro volan ti vel tonitruum faciente ponatur. Tunica ad volandum debet esse longa, gracilis pulvere illo optime plena, ad faciendum vero tonitruum brevis, grossa et semiplena.— Der Anfang dieſer Stelle ſtimmt genau überein mit demjenigen der oben erwähnten Vorſchrift des Marcus Graecus, den übrigen Theil derſelben hat Albertus Magnus, um, wie es ſcheint, die Originalität zu retten, etwas zuſammengezogen und ſo z. B. die Vorſchrift über die tunica tonitruum faciens geradezu verball⸗ horniſirt. Auch die Angaben über das griechiſche Feuer, das bei ihm vorkommende Wort alambic u. ſ. w. weiſen ganz beſtimmt darauf hin, daß Albertus Magnus mit dem Lüber ignium ad comburendos hostes bekannt war, und erſcheint es danach gerechtfertigt, ſofort auf Roger Baco überzugehen, der, wie Plot in ſeiner Fatural history of Oxford behauptet, das Schießpulver in Oxford ent⸗ deckt haben ſoll. Als Beweis hierfür beruft ſich Plot auf zwei Stellen aus Baco's Schrif— ten. Die eine Stelle findet ſich in dem ſechsten Kapitel de secretis operibus, wo es heißt: In der Luft können Donner und Blitz erzeugt werden, die viel hef⸗ tiger ſeien, als die der Natur. Denn eine mäßige Menge von dem Umfange eines Daumens mache ein ſchreckliches Geräuſch und bringe einen gewaltigen Blitz hervor. Man könne auf dieſe Weiſe eine Stadt und ein Heer zerſtören. Dies ſei wunderbar, wenn man nicht vollkommen die nöthige Menge und die Subſtanzen kenne. Wie der Satz zuſammengeſetzt war, iſt nirgends bemerkt, denn die in Kap. 8 verzeichnete Stelle: sed tamen salis petrae luru vopo vir can utri et sul- Phuris iſt abſichtlich anagrammatiſch gehalten, da Baco im Eingange dieſes Kapitels bemerkt, man müſſe dem gewöhnlichen Volke die Wiſſenſchaft verbergen, weil daſſelbe die Weiſen verlache. Die andere Stelle befindet ſich im Opus majus, wo Baco ſagt, daß ge— wiſſe Dinge das Gehör ſo erſchütterten, daß, wenn ſie plötzlich zur Nachtzeit und mit hinreichender Kunſt angewandt würden, weder Stadt noch Heer ſie ertra— gen könnten. Kein Donnergepraſſel könne damit verglichen werden, und der Schrecken, welchen es einjage, übertreffe bei weitem den Blitz der Wolken. In dem weit verbreiteten Kinderſpiele habe man ein Beiſpiel, wo man ein Inſtru⸗ ment aus mäßig dickem Pergament von der Dicke eines Daumens verfertige, welches durch die Gewalt des Salpeters, wenn derſelbe die Hülſe durchbreche, einen ſolchen Knall gebe, daß er das Brüllen des Donners übertreffe, und einen ſolchen Glanz, daß es heller als der ſtärkſte Blitz leuchte. Dies ſind die beiden Stellen, aus denen man ſo vielerlei herausleſen wollte, und die doch, wenn man nur einigermaßen unbefangen an die Sache herantritt, ſo wenig enthalten. we iſt no Un ge de Geſchichte. Baco kannte verpuffende Miſchungen, welche aus Salpeter und anderen Körpern zuſammengeſetzt waren. Die Wirkung, welche dieſe Miſchungen beim Entzünden auf Geſicht und Gehör ausüben, beſchreibt er in Worten, aus welchen und Bewunderung hervorleuchten, aus welchen ganz deutlich hervorgeht, daß die von ihm geſchilderten Erſcheinungen damals noch vollkommen neu waren. Drückt ſich doch in ganz ähnlichen Wendungen ſein Zeitgenoſſe Joinville aus, als derſelbe im Feldzuge Ludwig's des Heiligen gegen die Mameluken zum erſten Male die Wirkungen des griechiſchen Feuers ſah. Auch die Erwähnung des gefährlichen Kinderſpielzeuges, welches nichts weiter als die von Marcus Graecus beſchriebene tunica tonitruum faciens iſt, ſcheint darauf hinzuweiſen, daß man die treibende Kraft des Schießpulvers noch nicht erkannt hatte. Baco erwähnt wenigſtens nichts davon in ſeinen Schriften und gilt daher daſſelbe von ihm, was früher oben von Marcus Graecus geſagt wurde. Zum Schluſſe ſei dann noch Berthold Schwarz erwähnt, welcher nach den Angaben ſo vieler Schriftſteller der Eifinder des Schießpulvers ſein ſoll. Soweit dem Verfaſſer bekannt, konnte bis jetzt noch nichts Sicheres über die Perſon, den Geburtsort und die Zeit, worin dieſer angebliche Franziskanermönch lebte, ermittelt werden. Der Name wechſelt ganz außerordentlich. In den alten deutſchen Chroniken wird allerdings vorzugsweiſe ein Berthold Schwarz oder Anklitzen aus Freiburg erwähnt, auch im Freiburger Schützenbuche von 1424 Berthold Schwarz als Entdecker des Schießpulvers bezeichnet, allein daneben wird in den Chroniken ein Jude Tibſeles, ein Prager Altiral und in ſchleſi— ſchen Chroniken ein Mönch Severinus genannt. Cbenſo verſchieden ſind die Angaben über die Zeit, da außer dem Jahre 1259 hauptſächl ich das Jahr 1320 und dann noch 1354 genannt werden, und das Gleiche gilt in Betreff der Art und Weiſe der Entdeckung des Schießpulvers. So ſagt Malleolotus(Hämmer⸗ lein), Kantor zu Zürich, welcher etwa um das Jahr 1450 ein Buch de nobili- tate et rusticitate ſchrieb, in dem 30. Kapitel: Berthold Niger(Schwarz) hatte als Goldmacher die Abſicht, das Queckſilber zu fixiren und demſelben die Silberhärte zu geben. In dieſer Abſicht vermiſchte er das Oueckſilber mit Schwefel und Salpeter, verſchloß das Gemenge in einen kupfernen Topf, ſtellte dieſen in ein heftiges Feuer und erſchrak, als das Gefäß unter dem fürchterlichſten Krachen zerſprengt wurde. Er änderte den Verſuch ab und kam ſo auf die Pulverentdeckung. Hämmerlein erwähnt dieſe Entdeckung als eine um das Jahr 1259 geſchehene Thatſache. Nach Anderen ſoll Schwarz eine Goldfarbe haben bereiten wollen aus Salpeter, Schwefel, Blei und Oel. Beim Glühen habe die Miſchung das metallene Gefäß zerſprengt, und da dies wiederholt geſchehen ſei, habe er Blei und Oel weggelaſſen und Kohle dafür zugeſetzt und verſucht, Steine mit der Miſchung zu werfen. Das erſte Miſchungsverhäl tniß ſoll aus gleichen Theilen Salpeter und Schwefel und etwas weniger Kohlen beſtanden hen⸗— Mit dieſen Daten läßt ſich nun zu Gunſten von Berthold Schwarz nicht viel anfangen, obſchon ſie für die Geſchichte des Schießpulvers nicht ohne Gurreſe ſind, da man aus jenen Angaben, die doch nicht ſo ganz und gar aus der Luft gegriffen ſein können, er— 10 Geſchichte. ſieht, daß in Deutſchland allgemein das Gerücht verbreitet war, daß daſelbſt ein Mönch ungefähr im Anfange des 14. Jahrhunderts das Schießpulver entdeckte. Die Wahrheit dieſes Gerüchtes findet eine Beſtätigung in den Annalen der Stadt Gent, wo es zum Jahre 1313 heißt: Item, in dit jaer was alderèerst ghevon- den in Duutschland het ghebrunk des bussen van einem mueninck. Hier iſt die Rede von der Erfindung der Büchſen durch einen Mönch, die Bekannt⸗ ſchaft mit dem Schießpulver wird alſo vorausgeſetzt. Aber, wird man wohl hier einwerfen, damit iſt noch keineswegs bewieſen, daß der in den Annalen der Stadt Gent genannte Mönch auch wirklich das Schießpulver entdeckte, er konnte ja deſſen Kenntniß anderswoher, alſo z. B. aus arabiſchen Quellen, entlehnt haben. Dieſer Einwand iſt vollkommen gerechtfertigt, es fragt ſich nur, ob er ſich nicht entkräften läßt, und dies ſcheint der Fall zu ſein, wenn man die von der arabiſchen Vorſchrift ſo ſehr abweichenden Miſchungsverhältniſſe und die Art und Weiſe der Entdeckung ins Auge faßt, welche ſo ſchlagend das Weſen unſerer früheren Alchymiſten kennzeichnet. Man wollte etwas Neues, fand aber ſtatt des Gewünſch⸗ ten etwas ganz Anderes, wie dies ja auch in der Chemie, wo man faſt durchgängig über die meiſten wichtigen Entdeckungen geſtolpert iſt, noch ſo häufig vorkommt. Will man alſo die in unſeren Chroniken ſo vielfach verbreitete Erzählung über die Art der Erfindung nicht als eine abſichtlich erfundene Lüge hinſtellen, deren Zweck nur der ſein konnte, den wahren Sachverhalt zu verdecken, ſo darf man wohl, ohne aus den Schranken der Objectivität herauszutreten, die Behauptung aufſtellen, daß unabhängig von den Arabern zu Anfang des 14. Jahrhunderts in Deutſchland das Schießpulver entdeckt wurde. Was nun die Verbreitung des Schießpulvers in unſerem Vaterlande angeht, ſo läßt ſich nicht mit Gewißheit nachweiſen, wann das Schießpulver zum erſten Male beim Ernſtgebrauche angewandt wurde. Sicher iſt, daß im Jahre 1340 in Augsburg, 1344 in Spandau und 1348 in Liegnitz eine Pulverfabrik beſtand, und allgemein bekannt iſt es, daß im Jahre 1360 das Rathhaus zu Lübeck nur durch die Nachläſſigkeit derer, qui pulveres pro bombardis parabant, in Brand gerieth. Daß in Deutſchland das Schießpulver erſt ſpät zu Kriegszwecken benutzt wurde, erklärt ſich daraus, daß gerade in dieſem Lande das alte Ritterweſen ſich am längſten erhielt. Die Vorurtheile der Unwiſſenheit verbanden ſich mit reli— giöſen Ideen und ritterlichen Gefühlen, um den Gebrauch einer Kunſt zurückzu⸗ weiſen, welche, wie die ſchleſiſchen Chroniken ſagen, den Heldenmuth zerſtörte, ein Grund, um den Erfinder mit allen nur möglichen Schimpfnamen zu belegen. Hinſichtlich Italiens ſteht durch ein authentiſches Document vom 11. Februar 1326, welches vor etwa 30 Jahren durch Libri in Florenz entdeckt wurde, ganz feſt, daß in dem erwähnten Jahre zu Florenz metallene Kanonen und ſchmiede— eiſerne Kugeln gefertigt wurden. Für Frankreich findet ſich in den Regiſtern der Rechnungskammer zu Paris ein Beleg, wonach im Jahre 1338 Schießpulver bei einer Belagerung ge— braucht wurde, wie aus Rechnung des damaligen Kriegscommiſſars Barthelemy de Drach hervorgeht: pour avoir poudres et autres choses nécessaires aux Ob die Engländer im Jahre canons qui étoient devant Puy Guilleaume. Geſchichte. 1346 in der Schlacht bei Creſſy aus Kanonen mit eiſernen Kugeln ſchoſſen, läßt ſich nicht beſtimmt ſagen. Der Italiener Villani behauptet dies, während merk— würdigerweiſe die engliſchen und franzöſiſchen Schriftſteller, welche die Schlacht beſchreiben, jener angeblichen Thatſache auch mit keinem Worte gedenken. In Rußland(Lithauen) wurde nach der Golizynſchen Chronik, wie Karam— ſin in ſeiner Geſchichte des ruſſiſchen Reiches erzählt, der erſte Gebrauch von Feuerwaffen im Jahre 1389 gemacht. In Schweden ſoll erſt im Jahre 1400 das Schießpulver bekannt ge— worden ſein. —+ͤ——Ä— Die Materialien. 1. Der Salpeter. Zur Anfertigung des gewöhnlichen Schießpulvers wird nur Kaliſalpeter an— gewendet, da der Natronſalpeter zu viel Feuchtigkeit aus der Luft anzieht und auch einen größeren Rückſtand in dem Laufe der Feuerwaffen zurückläßt, als der Kali⸗ ſalpeter. Der Rohſalpeter, wie er heut zu Tage von den Pulverfabriken aufgekauft wird, wird von den meiſten Raffinerien ziemlich rein geliefert, trotzdem aber, wenigſtens in den größeren Pulverfabriken, einer nochmaligen Läuterung unter— worfen, um womöglich Alles, was ſich nicht als ſalpeterſaures Kalium erweiſt, daraus zu entfernen.— Ehe auf das Läuterungsverfahren näher eingegangen werden kann, ſind zuvor noch die Salpeterproben zu erwähnen, durch welche der Gehalt an wirklichem Salpeter in dem Rohſalpeter feſtgeſtellt werden ſoll. Für den Pulverfabrikanten iſt es nämlich bei dem Ankaufe des Rohſalpeters eine Frage von großer Bedeutung, wie viel reines ſalpeterſaures Kalium in der Waare ent— halten ſei. Den Gehalt derſelben auf eine raſche und zugleich ſichere Weiſe zu ermitteln, hat bis auf den heutigen Tag zu großen Schwierigkeiten geführt. Denn einestheils iſt der Weg, welchen man bei einer genauen, chemiſchen Analyſe ein— ſchlagen muß, zu zeitraubend, anderentheils ſind für den Techniker, der häufig die zureichende Geſchicklichkeit in analytiſchen Arbeiten nicht beſitzt, die Ergebniſſe der Analyſen in Bezug auf die Beimengungen außer den Chlormetallen und auf die Trennung des Kali vom Natron zweifelhaften Werthes. Seit geraumer Zeit haben daher in den verſchiedenen Ländern die Pulverfabriken verſchiedene Me— thoden angewandt, um ſich von dem Werthe eines zu verarbeitenden Rohſalpeters zu überzeugen. Faſt keine dieſer Proben kann aber als zweckentſprechend ange— ſehen werden. a. Die Salpeterproben. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts begnügte man ſich damit, eine ge— wiſſe Quantität Salpeter in einem eiſernen Löffel zu glühen, um durch das Ab— brennen und Verkniſtern die relativen Mengen von Salpeter und Kochſalz zu beſtimmen. Dieſes Verfahren, welches eine wirkliche Methode nicht genannt werden kann, wurde im Jahre 1797 durch eine Probe von Bottée und Riffault ver— drängt, welche alsbald nach ihrem Bekanntwerden in Frankreich eingeführt wurd Aufli wohl des z mit Glas ſobal des? holt, ſicher ſalz, ſo iſt geher Flüſ zulöf gego gut Salj nach Löſch Waf Stu brin⸗ San Gew Das tiger peter ande Sal lich mög löſu unli dure kalii erni das bere Sal tere glei den auß e⸗ zu en Materialien.— Salpeter. wurde. Sie beruht darauf, daß eine für eine beſtimmte Temperatur geſättigte Auflöſung reinen Salpeters bei dieſer Temperatur keinen Salpeter mehr auflöſt, wohl aber Kochſalz und andere Salze. Das Verfahren iſt folgendes: 400 g des zu prüfenden Rohſalpeters werden mit einem halben Liter Waſſer, welches mit reinem Salpeter für 12,50 C. geſättigt wurde, übergoſſen und mit einem Glasſtabe eine Viertelſtunde fleißig durch einander gerührt. Die Flüſſigkeit wird, ſobald der Salpeter ſich geſetzt hat, durch ein Filter abgegoſſen. Dieſe Operation des Waſchens wird ſodann mit der Hälfte der vorigen geſättigten Löſung wieder⸗ holt, welches hinreichend wäre ſelbſt bei 0,66 Verunreinigung. Um jedoch ganz ſicher zu gehen und um nicht das in noch größerem Verhältniſſe vorhandene Koch⸗ ſalz, wenn hierdurch nicht alles gelöſt worden wäre, als Salpeter zu betrachten, ſo iſt vorgeſchrieben, wenn der Verluſt durch dieſes Waſchen auf mehr als 0,60 gehen würde, den Rückſtand ein drittes Mal mit einem halben Liter geſättigter Flüſſigkeit zu waſchen, welches nun genug wäre, den ganzen Reſt der Probe auf⸗ zulöſen, angenommen, er beſtehe aus Kochſalz. Die Flüſſigkeit wird auf ein Filter gegoſſen und es muß das letzte Mal wohl Bedacht genommen werden, das Glas gut auszuſpülen und mittelſt eines Löffels die letzten, ſichtbaren Partikelchen des Salpeters heraus und auf das Filter zu ſchaffen. Dieſes Filter wird ſodann nach dem Abtropfen mit Vorſicht vom Trichter genommen, auf ein doppeltes Blatt Löſchpapier gelegt, unter welchem Filterſchnitzel, ferner Kreide, Kalk, Aſche u. dergl. Waſſer abſorbirende Stoffe in einem flachen Gefäße ausgebreitet ſind. Nach 24 Stunden kratzt man den Salpeter von dem Filter, ohne das Papier zu verletzen, bringt denſelben in das Glas, worin man ihn gewaſchen hat, und trocknet ihn im Sandbade bei etwa 100 C. Der getrocknete Salpeter wird gewogen und das Gewicht deſſelben, um 2 Proc. vermindert, giebt den Gehalt an reinem Salpeter. Das Abziehen von 2 Proc. ſoll nach vorgenommenen Verſuchen den Fehler berich⸗ tigen, welcher einerſeits durch das unvermeidliche Anhaften der concentrirten Sal⸗ peterlöſung, mit welcher das Waſchen vorgenommen wurde, entſteht, und der andererſeits durch das darauf folgende Zurückbleiben des darin gelbſt geweſenen Salpeters beim Verdampfen des Waſſers herbeigeführt wird. Dieſe Methode leidet an mehreren erheblichen Fehlerquellen. Abgeſehen näm⸗ lich von der Waſſerverdunſtung aus der geſättigten Salpeterlöſung und der leicht möglichen Temperaturveränderung, wodurch der Sättigungspunkt der Salpeter⸗ löſung geändert wird, bleiben Gyps und andere dem Rohſalpeter beigemengten unlöslichen Subſtanzen, wie z. B. Thon und Eiſenoryd, in dem Rückſtande, wo⸗ durch man einen zu hohen Gehalt an reinem Salpeter erhält. Iſt viel Chlor⸗ kalium unter dem Salpeter, ſo verurſacht dieſes bei ſeiner Löſung eine Temperatur— erniedrigung, alſo eine Ausſcheidung von Salpeter aus der geſättigten Löſung, während das umgekehrte Verhalten eintritt, wenn viel Kochſalz zugegen iſt, welches, wie bereits Lavoiſier nachgewieſen hat, die Auflöſung einer beträchtlichen Menge Salpeters in der Probe bewirkt. Man hat allerdings mit Rückſicht auf den letz⸗ teren Punkt eine Correctionstabelle zu entwerfen geſucht, ohne indeß zu einer gleichheitlichen Uebereinſtimmung zu gelangen. Aus dieſen Gründen, nicht zu ge⸗ denken der über 24 Stunden dauernden Unterſuchungsmethode, iſt denn auch außer Frankreich dieſelbe nirgends in Anwendung gekommen. 14 Materialien. Ehe hier weiter gegangen wird, ſei bemerkt, daß vor der Prüfung auf ſal— peterſaures Kalium ſtets eine Vorunterſuchung auf Chlorverbindungen, Säuren und Baſen ſtattfindet. Dieſe iſt bei dem weiter unten folgenden Verfahren in Spandau genau beſchrieben, und ſei daher, um den Geſammtüberblick über dieſe Methode nicht zu ſtören, auf dieſelbe verwieſen. Ein ähnliches Schickſal wie das Riffault'ſche Verfahren erlitt das in Schweden im Jahre 1813 von G. Schwartz eingeführte. In dieſem Lande iſt jeder Grundeigenthümer verpflichtet, als Abgabe eine beſtimmte Quantität Salpeter an den Staat zu liefern. Um nun den Gehalt an reinem Salpeter zu controliren, wird der letztere geſchmolzen und in dreilöthige Tafeln von einem Zoll Dicke gegoſſen. Nach dem Erkalten muß der Kuchen einen ſtrahligen Bruch haben, widrigenfalls der Einnehmer des Staates zur Annahme nicht verpflichtet iſt. Reiner Salpeter iſt im Bruche grobſtrahlig. Ein Zuſatz von 1,235 Proc. Kochſalz macht dieſen ſchon weniger grobſtrahlig; eine Beimengung von 1,96 Proc. bildet in der Mitte des Salpeters-einen Streifen, der nicht ſtrahlig iſt, und bei einem Zu— ſatze von 2,6 Proc. Kochſalz iſt derſelbe nur noch an den Kanten von ſtrahligem Bruche.— Dieſe Unterſuchungsmethode iſt zwar ſehr kurz, da ſie in einer Stunde an 30 Proben erlaubt, aber auch ſehr ungenau, da die Beurtheilung des Wer— thes einer Lieferung ganz in der Willkür des Einnehmers liegt.— In Oeſterreich wurde im Jahre 1823 eine von dem öſterreichiſchen Ar— tillerieoberſten Huß angegebene Methode eingeführt. Dieſelbe beruht auf der Erfahrung, daß die Menge des gelöſten Salpeters mit der Menge und mit der Temperatur des Waſſers im geraden Verhältniſſe ſtehe, mithin bei gleichbleibender Menge Waſſer nur von der Temperatur abhängig ſei, und auf der Vorausſetzung, daß die Chlorverbindungen auf die Löſungsfähigkeit des Waſſers für den Sal— peter keinen Einfluß haben, und daß folglich eine Lauge, welche Salpeter und Kochſalz aufgelöſt enthält, erſt bei jener Temperatur Kryſtalle abzuſetzen anfängt, bei der eine Auflöſung von derſelben Menge reinen Salpeters in derſelben Menge Waſſers Kryſtalle abſetzen würde. Zu dieſem Zwecke iſt nach directen Verſuchen eine Tabelle angefertigt, aus der zu erſehen iſt, welches Quantum von Salpeter in 100 Thln. Waſſer bei verſchiedenen Temperaturen noch aufgelöſt bleiben kann, oder was als daſſelbe an— geſehen wird, gerade zu kryſtalliſiren beginnt. Es werden daher 40 Gew. Thle. Salpeter in 100 Gew.-Thlnu. auf ungefähr 450 R. erwärmten und dann gewo— genen Brunnen- oder Flußwaſſers(nach der beſtehenden Vorſchrift 166,68 Sal— peter in 416,5 g Waſſer) gelöſt und unter beſtändigem Umrühren erkalten ge— laſſen. Ein in Viertelgrade getheiltes Thermometer wird in die Löſung eingetaucht und ſodann die Temperatur beobachtet, bei welcher in der Salpeterlöſung die erſten Kryſtallnadeln ſich zeigen, wonach der auf 100 Theile des unterſuchten Salpeters berechnete Reingehalt genommen werden kann. Wäre z. B. derſelbe ganz rein, ſo würde er bei 20¼ dieſe Kryſtallbildung bemerkbar werden laſſen; es würden aber nur 35,81 reiner Salpeter in den zur Probe genommenen 40 enthalten ſein, wenn die Kryſtallbildung bei 18“ eingetreten wäre, was 89½ Proc. reinen Salpeter ausmacht, denn 40: 35,81= 100: 4 ◻ c89½ Proec. Ten in Sa hal was geb ger ſint en in ſe in et ie on be n; 0 e. Zur ſaurem Kal ium hat Huß eine Salpeter. 15 Interſuchung des Salpeters auf ſeinen Gehalt an reinem ſalpeter— Tabelle entworfen, welche hier folgen ſoll. Bei fol⸗ genden Tempera— tur⸗ graden in R. ſind 100 Gew.-Thle. Waſſer mit folgenden reinen Salpeters geſättigt Gew.⸗-Thln. Folglich ſind in 100 Gew.-Thlu. des unterſuchten Salpeters an reinem ſalpeterſaurem Kalium enthalten Bei fol⸗ genden Tempera⸗ tur⸗ graden in R. ſind 100 Gew.⸗-Thle. Waſſer mit folgenden Gew.-Thln. reinen Salpeters geſättigt Folglich ſind in 100 Gew.-Thlu des unterſuchten Salpeters an reinem ſalpeterſaurem Kalium eennthalten 8 87 8 8⁰⁰ 9 9¼ 9¹7 950/ 10 10¼ 10½ 10%% 11 1171 1 117 12 12 12% 12ÿ 3 31/ 181% 13½ 13% 14 2 E D¹ E2 S ο 8⁰ ο ο ο 2 R — S — S — — 2 2 8 D S 29,30 29,65 S S — ◻⏑ ◻ 2 2 — ο 69,8 ν⏑ Q ⁰Y= 147 14 147 15 15½ 15½ 150%½ 16 16½ 16½ 169% 17 177 17˙ 7, 18 18½ 18½ 188%J 19 197 19 10½ 20 20½ 1 2 22 8 8 85 89 A — Q◻ι ανι ο ο 0 *R S Æ F 85 — S 2 ο — 50 W 0— — 85 2 +◻ 2 2 e” 22 82 2 92 S S 851 2 22 S S D O W W2 SS EERE E ˙ E= ——— ο 99 2 2 — 86,4 87, 88,4 89,5 90,6 91,7 92,9 94 95,2 96,„4 97,6 98,8 100 Sollte die Temperatur des Waſſers zu tief geſunken ſein, ehe noch aller Salpeter aufgelöſt worden wäre, ſo dürfte man das Glas nur in warmes Waſſer halten, um die Temperatur nochmals zu erhöhen und allen Salpeter aufzulöſen, was auch geſchehen müßte, wenn die Entſtehung der erſten Kryſtalle unbeachtet geblieben wäre. Sollte aber umgekehrt in der heißen Jahreszeit bei einem ſehr geringen Gehalte an reinem Salpeter die Temperatur nicht tief genug herunter— ſinken, ſo müßte das G Glas mit der genommenen Probe in friſches Brunnenwaſſer 16 Materialien. geſenkt werden, deſſen Temperatur noch überdies durch Hineinwerfen von etwas Salpeter herabgeſetzt werden könnte. Würde gegen alle Wahrſcheinlichkeit doch der Fall eintreten, daß ein mit mehr als 45 Proc. fremder Salze verunreinigter Sal— peter zu unterſuchen wäre, für welchen die Tabelle nicht mehr eingerichtet iſt, in— dem ſie nur bis 8“ abwärts, einem Gehalte von 44,3 Proc. fremder Salze ent— ſprechend, reicht, ſo hilft man ſich durch Zuſatz von reinem Salpeter, den man nach gemachter Unterſuchung wieder abzieht. Wäre z. B. dieſer Fall bei einem zu unterſuchenden Salpeter wirklich eingetreten, oder könnte er aus gewiſſen Um⸗ ſtänden vermuthet werden, ſo nehme man 80 Gew. Thle. deſſelben, ſetze 20 Thle. reinen Salpeters zu und löſe nun von dieſer gut gemengten Portion 40 Thle. in 100 Thln. Waſſer auf, wie oben. Angenommen, die Lauge kryſtalliſire nun bei 9/o, ſo würden 60½ Proc. reiner Salpeter aus der Tabelle entnommen werden, wovon nach Abzug jener zu⸗ geſetzten 20 nur 40½ Proc. für den Reingehalt des unterſuchten Salpeters bleiben. Da die Richtigkeit der Reſultate dieſer Unterſuchungsmethode von der ge⸗ nauen Beſtimmung nicht nur der Temperatur, ſondern auch der Menge des Waſſers und des Salpeters abhängt, ſo iſt leicht einzuſehen, daß vollkommen trockner Salpeter genommen werden muß, damit nicht die Unterſuchung mit einer größeren Menge Waſſers und kleineren Menge Salpeters angeſtellt wird. Denn das im Salpeter befindliche Waſſer würde bei der Temperatur des Kryſtalliſations⸗ punktes eine dieſer Temperatur und ſeinem Gewichte entſprechende Quantität Sal⸗ peter aufgelöſt behalten, welche aber der Beobachtung entgeht. Z. B. ein unter⸗ ſuchter Salpeter begann bei 180 R. zu kryſtalliſiren und zeigt daher 89,5 Proc. an reinem Salpeter als ſeinen Gehalt. Hätte dieſer Salpeter aber 2½ Proc. Feuch⸗ tigkeit gehabt, ſo behalten dieſe 2¼ Theile Waſſer 0,9 Salpeter bei dieſer Tem⸗ peratur aufgelöſt, denn 100: 2½ 35,81:&=(0,88. Dieſe 0,9 Sal⸗ peter gehen aber für die Beobachtung verloren, welche bei Berückſichtigung dieſer Feuchtigkeit den Gehalt an Salpeter mit 90,4 gefunden hätte. In dieſem Falle muß eine beſtimmte Menge des zu unterſuchenden Salpeters getrocknet werden, der Gewichtsverluſt giebt den Waſſergehalt in Procenten. Von dieſem getrockneten Salpeter wird ſodann die nöthige Menge zur weiteren Probe genommen. Wie bereits oben bemerkt, beruht dieſe Methode auf der Vorausſetzung, daß weder beigemengte Chlormetalle noch andere Salze den Sättigungspunkt reiner Salpeterlöſung verändern. Dieſe Vorausſetzung iſt nun nicht begründet, da nach Longchamp's Verſuchen Waſſer nach Verhältniß des zugegebenen Kochſalzes mehr Salpeter auflöſt, als in reinem Zuſtande. 100 g einer bei 180 C. ge⸗ ſättigten Salpeterlauge, welche 21,63 Proc. Salpeter enthält, nehmen bei Zuſatz von 5 g Chlornatrium noch 0,744 g, bei Zuſatz von 10 g Chlornatrium noch 1,267 g und(lals Höchſtes) bei Zuſatz von 26,85 8 Chlornatrium noch 3,22 g Salpeter auf. Für die techniſche Anwendung der Huß'ſchen Methode würde dieſes nicht ſehr nachtheilig ſein, denn bei der Raffination des unterſuchten Salpeters geht ja doch die dem beigemengten Kochſalze entſprechende Quantität Salpeter größten— theils verloren. Wenn daher nur ſonſt die Methode leicht ausführbar und die Ergebniſſe mit Ausnahme des eben erwähnten Umſtandes zuverläſſig wären, ſo etwas och der r Sal⸗ iſt, in⸗ ze ent⸗ n man einem n Um⸗ Thle. Thle. Proc. ier zu⸗ eiben. der ge⸗ ge des ommen t einer Denn ations⸗ t Sal⸗ unter⸗ oc. an Feuch⸗ Tem⸗ Sal⸗ dieſer Falle oerden, ckneten g, daß reiner nach hſalzes C. ge⸗ Zuſatz noch „22 g nicht ſeht ja ößten⸗ nd die en, ſo Salpeterproben. würde ſie die kürzeſte und empfehlenswertheſte ſein. Nach den mit der größtne Sorgfalt von Werther angeſtellten Unterſuchungen läßt ſich indeß dies nicht be— haupten, da bei ganz gleich angeſtellten Verſuchen mit derſelben Menge Salpeter Differenzen unter ſich von 3,3 Proc. und Abweichungen vom wahren Gehalte der angewandten Probe von 0,35 bis 3,7 Proc. auftreten. Beſtätigt werden dieſe Be— obachtungen durch die ſorgfältigen Unterſuchungen von Kayſer, worüber das Nähere im 32. Bande des Archivs für die Offiziere der Königl. Preuß. Artil⸗ lerie u. ſ. w. nachzuſehen iſt. Im Widerſtreit hiermit ſteht die Behauptung von Toel, welcher ebenfalls die Huß'ſche Methode geprüft hat und ſie als vollkommen bewährt gefunden haben will. Nach Toel iſt es beſonders wichtig, das richtige Verhältniß zwiſchen Waſſer und Salpeter zu nehmen, weshalb er den Salpeter in einem tarirten Becherglaſe mit der vorgeſchriebenen Waſſermenge und eingeſenktem Thermometer in einem Waſſerbade auf 450 bis 500 R. erwärmt und das während des Löſens verdampfte Waſſer erſetzt. Sodann filtrirt er die Löſung, damit nicht durch Staub oder Un⸗ reinigkeiten die Kryſtallausſcheidung befördert werde, und benutzt die zuerſt durch— gelaufene Hälfte zur Kryſtalliſationsbeſtimmung. Die Ungenauigkeit der Riffault'ſchen Methode veranlaßte Gay-Luſſae, eine Beſtimmung des Salpeters auf alkalimetriſchem Wege vorzunehmen. Zu dieſem Zwecke hat Gay-Luſſac vorgeſchlagen, 1 Thl. Salpeter mit der Hälfte ſeines Gewichtes an Kohle mit 4 Thln. Kochſalz gemiſcht zu glühen, damit ſich das ſalpeterſaure Salz in kohlenſaures verwandle. Die geſchmolzene Maſſe wird ſodann in Waſſer gelöſt, filtrirt und durch verdünnte Schwefelſäure von bekann⸗ tem Gehalte volumetriſch beſtimmt und hieraus die Menge Salpeter berechnet. Dieſe Methode trifft, wie Werther ganz richtig bemerkt, der Vorwurf, daß man nicht eigentlich den Gehalt an ſalpeterſaurem Kalium erfährt, ſondern die den überhaupt vorhandenen Nitraten äquivalente Menge derſelben bezw. des ſal— peterſauren Natrium. Daſſelbe gilt von der von Mayer in ſeiner Militair-Chemie vorgeſchlagenen Methode, 100 Thle. Rohſalpeter mit 80 Thln. Schwefel und 400 Thln. Koch⸗ ſalz zuſammenzuſchmelzen, um dadurch die ſalpeterſauren Salze in ſchwefelſaure überzuführen. Auf je 115 Gew.-Thle. daraus gewonnenem ſchwefelſaurem Ba⸗ ryum ſollen 100 Gew. Thle. ſalpeterſaures Kalium im Rohſalpeter enthalten geweſen ſein. In Betreff des Gay-Luſſac'ſchen Verfahrens iſt noch zu bemerken, daß Abel und Bloxam dieſe Methode einer genauen Prüfung unterworfen und ge— funden haben, daß ſtets etwas Salpeter unzerſetzt bleibt und daneben ſich oft eine nicht unbedeutende Menge von Cyankalium bildet, welches ſich beim Glühen in cyanſaures Kalium und nach dem Auflöſen theilweiſe in Ammoniak verwandelt, weshalb die Verfaſſer vorſchlugen, die Schmelze zur Zerſtörung des cyanſauren Kalium mit dem 1½/öß⸗fachen Gewichte an chlorſaurem Kalium noch einmal zu erhitzen. In einer ſpäteren Mittheilung führen dieſelben an, daß man befrie— digende Reſultate erhält, wenn man 20 Thle. Salpeter mit 5 Thln. geglühtem, ſehr fein vertheiltem Graphit, wie man ihn nach Brodie's Verfahren erhält, und 80 Thln. Chlornatrium im Platintiegel bei mäßiger Rothglühhitze verpufft. Es D as Schießpulver 2 7271+———— 18 Materialien. ſoll ſich hierbei kein cyanſaures Kalium bilden und das von ihnen früher vor— geſchlagene, weitere Erhitzen der Maſſe mit chlorſaurem Kalium nur dann noth⸗ wendig ſein, wenn der zu prüfende Salpeter ſchwefelſaure Salze enthält. Sollte der Graphit Schwefeleiſen enthalten, ſo muß dieſes zuvor durch Behandeln mit Säuren ausgezogen werden. Das chlorſaure Kalium wird in dem angegebenen Falle erſt nach Entfernung des Tiegels aus der Muffel auf die Oberfläche der Maſſe geſtreut und am beſten ſo lange über der Lampe erhitzt, als noch ein Auf— brauſen bemerkbar iſt. So genau nun auch dieſe Methode ſein mag, ſo iſt dieſelbe doch nur für ſalpeterſaures Kalium, frei von allen übrigen Nitraten, anwendbar. An das Gay⸗-Luſſac'ſche Verfahren ſchließt ſich das von Goſſart und Pelouze an. Goſſart gründet ſeine Methode auf das Princip, welches Gay-Luſſac zuerſt für die Chlorometrie und Braunſteinprobe anwandte. Der zu unterſuchende Salpeter wird in Schwefelſäure eingetragen und dazu eine titrirte Löſung von Eiſenvitriol geſetzt, bis ein Tropfen der vorher erhitzten Flüſſigkeit in einer Ka— liumeiſencyanidlöſung gerade eben einen blauen Niederſchlag hervorbringt. Aus der verbrauchten Menge des ſchwefelſauren Eiſenoxyduls wird dann die Menge der Salpeterſäure berechnet. Dieſe Methode iſt von Pelouze inſofern verändert worden, als er eine be— kannte Menge Eiſenchlorür im Ueberſchuſſe verwendet und das noch unveränderte Eiſenchlorür mittelſt übermanganſaurem Kalium beſtimmt. Man löſt 2 g Klavierſaiten in 80 bis 100 ebem coneentrirter Salzſäure unter gelindem Erwärmen in einem etwa 150 ebem faſſenden Kolben, der mit einem Korke verſchloſſen iſt, durch welchen eine in eine Spitze ausgezogene Glas— röhre geht. Sowie die Auflöſung beendet iſt, trägt man 1,2 g des zu prüfenden Salpeters ein und erhitzt, nachdem man den Kolben ſchnell wieder geſchloſſen hat, bis zum Sieden. Hat die Flüſſigkeit ihre braune Farbe verloren und iſt ſie durch— ſichtig gelb geworden, was im Verlauf von 5 bis 6 Minuten geſchieht, ſo gießt man den Inhalt des Kolbens in ein größeres Gefäß, ſpült mit Waſſer nach und verdünnt das Ganze bis zum Raume von etwa 1 1. Sodann fügt man aus einer graduirten Bürette eine titrirte Löſung von übermanganſaurem Kalium unter fortwährendem Umrühren der Eiſenlöſung ſo lange hinzu, bis letztere auf Zuſatz eines einzelnen Tropfens eine Roſafärbung annimmt. Aus der verbrauch— ten Anzahl obem von übermanganſaurem Kalium erfährt man die Menge an Eiſen, welches noch nicht in Eiſenchlorid umgewandelt iſt. Zieht man dies von den urſprünglich angewandten 2 g Eiſen ab, ſo läßt ſich, wenn man erwägt, daß 1g Eiſen 0,608 g Salpeter entſpricht, daraus leicht der Gehalt an Salpeter berechnen. Dieſe Methode erfordert einen großen Zeitaufwand und giebt doch nie ganz zuverläſſige Reſultate, denn der Kohlengehalt in demſelben Drahte iſt, wie Pe— louze ſelbſt gezeigt hat, nicht conſtant, ſo daß ſich hieraus ſchon eine Differenz von ½ Proc. Salpeter ergeben kann. Kocht man zu raſch, ſo kann es leicht ſich ereignen, daß Salpeterſäure entweicht, ehe ſie auf das Eiſenchlorür eingewirkt hat. Wird das Stickoxyd nicht ganz aus der Flüſſigkeit ausgetrieben, was insbeſondere bei ſehr verdünnten Löſungen zu befürchten iſt, ſo wird durch die Bildung von m. ab G pu we 2 die tre ſal V vor⸗ noth⸗ Sollte n mit ebenen he der Auf⸗ ir für t und uſſac chende 0 von r Ka⸗ Aus ge der ne be⸗ nderte zſäure er mit Glas⸗ fenden n hat, durch⸗ gießt h und maus alium e auf rauch⸗ ge an n den 5 19 chnen. ganz Pe⸗ ferenz t ſich t hat. ndere von Salpeterproben. Unterſalpeterſäure mehr Chamäleonlöſung reducirt, als ihrem Eiſenoxydulgehalte entſpricht. Hierzu kommt noch, wie Löwenthal und Lenſſen nachgewieſen haben, daß bei Titrirung einer Salzſäure enthaltenden Eiſenoxydullöbſung mit Chamäleon neben der eigentlichen Reaction(10 Fe O + Mue 0, 5 Fez O03 + 2MnO) noch eine Nebenreaction(14 HCI1 + Mne 07 ν F5 Cl2 + 2 Mu Clz + 7 He 0) hergeht, in Folge deſſen Chlor frei wird, welches zum Theil entweicht, ehe es auf die Eiſenoxydullöſung eingewirkt hat; bei Gegenwart von Salz⸗ ſäure kann alſo Chamäleonlöſung verbraucht werden, ohne daß ſie oxydirend auf das Eiſenoxydul einwirkte. Aus dieſem Grunde erhielten denn auch Abel und Bloxam immer ſchwankende Reſultate. Freſenius hat zwar alle dieſe Fehler— quellen zu vermeiden geſucht, allein ein näheres Eingehen auf deſſen Methode ſcheint hier nicht zweckentſprechend zu ſein, da die Probe nur die Quantität von vorhandener Salpeterſäure anzeigt, der Rohſalpeter aber häufig neben Kaliſalpeter noch ſalpeterſaures Natrium, Calcium und Magneſium enthält. Nicht viel beſſer ſteht es mit dem Verfahren von Perſoz. Hiernach ſchmilzt man den zu unterſuchenden Salpeter und wägt nach dem Erkalten 2 bis 3 g ab, bringt dieſe in einen etwas großen Platintiegel und giebt darauf das doppelte Gewicht von zweifach chromſaurem Kalium, welches man zuvor geſchmolzen und pulveriſirt hat. Man wägt darauf wieder und erhitzt ſchwach, ſchließlich aber, wenn die ſalpetrigſauren Dämpfe nicht mehr ſo reichlich entweichen, bis zur Dunkelrothgluth. Nach dem Erkalten wägt man wieder, der Gewichtsverluſt zeigt die entwichene Salpeterſäure an. Enthält der unterſuchte Salpeter Kali und Na⸗ tron, ſo findet man einen Ueberſchuß, wenn man die gefundene Salpeterſäure auf ſalpeterſaures Kalium berechnet, hingegen ein Deficit bei ihrer Berechnung auf ſalpeterſaures Natrium. Dieſer Ueberſchuß oder dieſes Deficit geſtattet das relative Verhältniß der beiden ſalpeterſauren Alkalien im analyſirten Salze zu berechnen. Zu bemerken iſt hierbei, daß das Ergebniß nur dann annähernd genau wird, wenn das ſalpeterſaure Natrium in größeren Mengen vorhanden iſt und außer dieſem keine anderen Salze zugegen ſind. Auf demſelben Principe, wie die eben angeführte Probe, beruht die von Reich. Der durch Schmelzen von ſeiner Feuchtigkeit befreite und ſodann gewo— gene Salpeter wird mit der 4 bis 6fachen Menge Quarzpulver in einem Platin— tiegel bis zur ſchwachen Rothglühhitze erhitzt. Dadurch wird die Salpeterſäure ausgetrieben, an deren Stelle die Kieſelſäure tritt, während die ſchwefelſauren Salze und Chlorverbindungen nicht zerſetzt werden. Der Gewichtsverluſt drückt die geſuchte Menge Salpeterſäure aus und aus demſelben wird der Procentgehalt von ſalpeterſaurem Kalium oder Natrium berechnet. In Betreff der Fehlerquellen gilt daſſelbe, was bereits bei Pelouze am Schluſſe hervorgehoben wurde. Beſonders zu erwähnen dürfte noch der Umſtand ſein, daß es wohl ſehr ſchwer ſein möchte, eine ſchwache Rothglühhitze inne zu halten, da dieſer Begriff doch gar zu relativ iſt. Sehr wichtig iſt noch die Prüfung des Salpeters auf einen Gehalt an Na— tronſalpeter, da, wie bereits oben erwähnt, letzterer aus der Atmoſphäre begierig Feuchtigkeit aufnimmt. Zur Nachweiſung von ſalpeterſaurem Natrium beſtimmt man nach 93 5 2 oel FF 20 Materialien. und Hoyer zuerſt den Gehalt an ſalpeterſaurem Kalium nach der Huß'ſchen Methode, verſetzt dann eine zweite Probe mit kohlenſaurem Natrium, beſtimmt den Kryſtalliſationspunkt und kocht eine halbe Stunde lang. Sobald die Löſung auf 500 R. erkaltet iſt, erſetzt man das verdampfte Waſſer, filtrirt und wieder— holt die Beſtimmung des Kryſtalliſationspunktes. War Natronſalpeter zugegen, ſo iſt der Kryſtalliſationspunkt geſtiegen und zwar beträgt dies bei 1 Proc. Na⸗ tronſalpeter 0,150 R., bei 2 Proc. 0,350 R., bei 3 Proc. 0,89 R. und bei 4 Proc. 1,550 R. Da nun, wie Toel ſelbſt zugiebt, ſeine Methode zu einer procentiſchen Be— ſtimmung des Natronſalpeters nicht ausreicht, auch die Methode etwas zeitraubend iſt, ſo hat Anthon ein Verfahren vorgeſchlagen, welches darauf beruht, daß eine bei einer beſtimmten Temperatur geſättigte Löſung von Kaliſalpeter immer ein gleiches ſpecifiſches Gewicht giebt, dieſes aber weſentlich erhöht wird, je mehr Na— tronſalpeter man der Löſung zuſetzt. Anthon bereitete aus Kaliſalpeter con⸗ centrirte Löſungen, indem er die doppelte Menge Salpeter im Vergleich zum Waſſer anwandte, und beſtimmte bei einer Temperatur von 16½“ C. das ſpe— cifiſche Gewicht von reinem Salpeter, ſodann die Dichtigkeit bei Zuſatz von 1 Proc. Natronſalpeter u. ſ. w. Die Ergebniſſe ſtellte er in folgender Tabelle zuſammen. 2 Thle. reines ſalpeterſaures Kalium in 1 Thl. Waſſer gelöſt ergeben bei Zuſatz von: ſalpeterſaurem Natrium bei 16½“ C. eine Dichtigkeit von OPrödeß Aoderds9 B. 1 1163 2080 bte 195 123/89 6 7, 260 10U% 2 1 65176%1242J„ 28,10 40 41436 440 45 7% 464 469 47 1475„ 470 Hinſichtlich der Beurtheilung dieſer Methode iſt zu bemerken, daß Bolley nachgewieſen hat, daß dieſelbe zu große Schwankungen mit ſich führt und nur wenig Vertrauen verdient. H. und P. Reinſch haben darauf aufmerkſam gemacht, daß man einen Ge— halt von Natronſalpeter mit Sicherheit auf der Kohle vor dem Löthrohr durch die gelb umſäumte Flamme erkennen könne. Sie fanden, daß noch 0,5 bis 1 Proc. Natronſalpeter auf dieſe Weiſe zu entdecken ſind, wenn man in gut ausgeglühte Kohle eine kleine Grube bohrt, die wenigſtens 0,5 g von dem zu prüfenden Sal— peter aufnimmt, und hierauf ſo lange die Löthrohrflamme auf den Rand der Grube einwirken läßt, bis ſich der Salpeter entzündet. Andererſeits hat man die Spectralanalyſe empfohlen. Bei der Empfindlichkeit beider Reactionen wird wohl ſtets Natrium nach—⸗ gewieſen werden. Eine andere Probe hat R. Wild vorgeſchlagen, welche darauf beruht, daß reiner, geſchmolzener Salpeter nach dem Erkalten eine durchſcheinende Beſchaffen— heit zeigt, während er bei einer Verunreinigung von Natronſalpeter ein emaille— weißes Anſehen annimmt. Um die Probe auszuführen, werden 3 bis 4 g von der ale del we ter ob mi con S. vo br — Tl kön bil mi me Un ſin die vo ſchen mmt ſung eder⸗ egen, Na⸗ Proc. Be⸗ bend eine ein Na⸗ con⸗ zum poe⸗ Proc. men. bei lley nur Ge⸗ die Froc. ühte Sal⸗ der zach⸗ daß fen⸗ ille⸗ von Salpeterproben. dem zu unterſuchenden Salpeter in einem Uhrglaſe geſchmolzen. Sind weniger als 3 Proc. Natronſalpeter in dem Salpeter enthalten, ſo iſt die Beurtheilung nach dem Anſehen für einen Ungeübten ſehr ſchwierig. Im Allgemeinen hat die Probe wenig Werth, da bei Gegenwart von ſchwefelſauren Salzen, Chlorkalium und Chlornatrium dieſelbe Erſcheinung auftritt. Nach Nöllner bringt man den zu unterſuchenden Salpeter in einen Trich— ter und wäſcht vorſichtig aus. Das aufgefangene Waſchwaſſer wird darauf ein⸗ gedampft; es ſcheidet ſich ſodann beim Erkalten der Kaliſalpeter aus, während der Natronſalpeter als zerfließliches Salz in Löſung bleibt. Es wird abfiltrirt, aus⸗ gewaſchen und in der eben angegebenen Weiſe verfahren, bis man den Natron— ſalpeter in einer geringen Menge Flüſſigkeit concentrirt hat. Letztere wird auf einem Glastäfelchen eingedampft; an der rhomboedriſchen Form und namentlich an dem optiſchen Verhalten unter dem Mikroſkop mit Polariſationsapparat läßt ſich dann der Natronſalpeter ſehr leicht von Kaliſalpeter und Kochſalz unter⸗ ſcheiden. Schließlich ſei dann noch das Verfahren erwähnt, welches in Spandau für die Unterſuchung des Rohſalpeters üblich iſt. Vorunterſuchung.— Dieſe muß ſtets erfolgen, ſowie man unſicher iſt, ob die zu unterſuchende Subſtanz der größeren Menge nach wirklich Salpeter iſt. Man löſt deshalb einen Kryſtall von Eiſenvitriol in einem Reagenzglaſe mit Hülfe von deſtillirtem Waſſer auf und gießt auf dieſe Löſung etwa die Hälfte concentrirter Schwefelſäure. Sowie die Flüſſigkeit, welche durch den Zuſatz der Schwefelſäure erwärmt wurde, ſich etwas abgekühlt hat, fügt man einige Tropfen von der gelöſten Salpeterprobe hinzu. Entſteht hierdurch eine röthliche bezw. braune Färbung, ſo iſt es ſicher, daß die Probe ein ſalpeterſaures Salz enthält. Um die Gegenwart von Kalium nachzuweiſen, verſetzt man einen anderen Theil der gelöſten Probe mit einigen Tropfen Ueberchlorſäure. Fällt ein weißer, körniger Niederſchlag nieder, ſo iſt ein Gehalt an Kalium vorhanden. Will man ſich nun ein annäherndes Urtheil über das Mengenverhältniß bilden, ſo bringt man eine weitere Löſung von Rohſalpeter auf ein Uhrglas und ſtellt dieſes zum Zwecke freiwilliger Kryſtalliſation über Schwefelſäure. Die charakteriſtiſche Geſtalt der ſich ausſcheidenden Kryſtalle giebt dann, im Vengleich mit vorher bereiteten Probelöſungen der am häufigſten im Rohſalpeter vorkom⸗ menden Verbindungen im reinen Zuſtande, den gewünſchten Aufſchluß. Qualitative Unterſuchung.— Bei dieſer ſind einestheils die Säuren und Chlor zu berückſichtigen, anderentheils die Baſen. Um die erſteren Stoffe nachzuweiſen, bereitet man ſich eine concentrirte Lö⸗ ſung und verſetzt einen Theil davon mit Salzſäure. Entſteht ein Aufbrauſen, ſo ſind kohlenſaure Salze zugegen. In dieſem Falle fügt man noch etwas Salzſäure zu der Löſung und kocht dieſelbe ſo lange, bis alle Kohlenſäure ausgetrieben iſt. Erfolgt nun auf Zuſatz von Chlorbaryum eine Trübung oder ein weißer Niederſchlag, ſo ſind ſchwefel— ſaure Salze vorhanden. Den anderen Theil der Löſung ſäuert man mit chlorfreier Salpeterſäure an und tröpfelt dann ſalpeterſaures Silber hinzu. Je nachdem ſich nun eine 22 Materialien. Trübung oder ein weißer, käſiger Niederſchlag bildet, enthält die Probe mehr oder weniger Chlorverbindungen. Um die Baſen nachzuweiſen, verſetzt man eine weitere Probelöſung mit Ammoniak. Bei Gegenwart von Magneſia entſteht eine Trübung oder auch ein Niederſchlag). In eine vierte Portion gießt man einige Tropfen oxalſaures Kalium. Er⸗ folgt ſofort oder nach einigem Stehen eine Trübung oder ein Niederſchlag, ſo be— findet ſich Kalk in dem Salpeter. Zur Ermittelung eines Natrongehaltes füllt man eine kleine Porcellan— ſchale etwa zwei Drittel mit Rohſalpeter und übergießt dieſen mit Alkohol, welchen man anzündet. Selbſt bei ſehr kleinen Natronbeimengungen wird der Flamme die charakteriſtiſch-gelbe Färbung ertheilt. Um einen ſicheren Anhaltspunkt für die Beurtheilung zu haben, wird immer gleichzeitig in einer zweiten Porcellan— ſchale Alkohol über reinem Salpeter abgebrannt. Quantitative Unterſuchung. Von möglichſt verſchiedenen Stellen des zu unterſuchenden Rohſalpeters werden entſprechende Proben genommen, in einer großen Porcellanſchale mit den Händen ſorgfältig unter einander gemengt und davon 320 g genau abgewogen. Dieſelben werden darauf in eine etwa 0,156 m weite und 0,078 bis 0,104 m tiefe Porzellanſchale geſchüttet und mit der doppelten Menge deſtillirten Waſſers übergoſſen. Damit der Salpeter ſich ſchneller löſt, wird erwärmt und ſodann die einige Zeit im Kochen gehaltene Lö— ſung durch ein gewogenes, vorher bei 100 C getrocknetes Filter(4) filtrirt. Um ein Auskryſtalliſiren des Salpeters auf dem Filter zu vermeiden, ſetzt man den Glastrichter in einen doppelwandigen Trichter von Zinkblech, zwiſchen deſſen Wän— den ſich heißes Waſſer befindet, welches vermöge eines an dem Trichter angebrach— ten Anſchlußrohres ſtets heiß erhalten werden kann. Iſt Alles durchgelaufen, ſo wird zuerſt mit heißem und darauf mit kaltem Waſſer ſo lange ausgewaſchen, bis ein auf ein Platinblech gebrachter Tropfen Waſchwaſſer keinen Rückſtand mehr hinterläßt. Während man nun das Filter bei 1000 C. trocknet, dampft man das Filtrat auf etwa ein Drittel ſeines Volumens ein und ſtellt das Gefäß mit der concentrirten Löſung in ein größeres mit kaltem Waſſer, welchem man zuletzt, um die Temperatur möglichſt unter Null herabzubringen, Salpeterrückſtände zuſetzt. Während die Löſung erkaltet, rührt man fleißig mit einem Glasſtabe um, um die Bildung großer Salpeterkryſtalle zu verhindern. Tritt keine Temperaturver— änderung mehr ein, ſo wird durch ein gewogenes, vorher bei 1000 C. getrocknetes Filter(5) filtrirt und der auf dem Filter befindliche Salpeter ſo lange ausge— waſchen, bis ein Tropfen des Waſchwaſſers mit ſalpeterſaurem Silber verſetzt keine Trübung mehr hervorruft. Das Filtrat und Waſchwaſſer werden bis auf ein Drittel ihres Volumens eingedampft und wird im Uebrigen gerade ſo verfahren, wie ſoeben angegeben. Den abgeſchiedenen Salpeter bringt man auf ein gewogenes Filter(0). Die hiervon ablaufende Flüſſigkeit wird abermals bis auf ein Drittel ihres Volumens eingeengt und der beim Erkalten erhaltene Salpeter auf ein gewogenes Filter(Y) gebracht. ) Wenn Aluminium- oder Eiſenſalze zugegen, werden die Orydhydrate gefällt. um non in lich Kal ihre Flü abg nut in tior Ber ihr, faſt fün den ger aus Rü tro kein wie Ka due kur die und Me der in oder mit auch llan⸗ lchen mme t für llan⸗ ellen i„ in iengt etwa mit ſich Lö⸗ * Um den Vän⸗ rach⸗ i„ſo chen, mehr das t der um ſetzt. idie ver⸗ ietes isge⸗ r8ſetzt nens ben. hres enes Salpeterproben. Was nun als Flüſſigkeit bleibt, wird im Waſſerbade zur Trockne gebracht, umgeſchmolzen und nach dem Erkalten gewogen. Sämmtliche Filter werden bei 100 C. getrocknet, der aus denſelben ent⸗ nommene Salpeter wird aber umgeſchmolzen und nach dem Erkalten gewogen. Dieſe verſchiedenen Wägungen ergeben nun folgende Reſultate: a. Das Gewicht des Filters(4) nach Abzug ſeines Taragewichtes: Die in dem unterſuchten Salpeter enthalten geweſenen organiſchen und unlös⸗ lichen Beimengungen, Splitter vom Verpackungsmaterial, Sand, Erde, Kalk u. ſ. w. b. Die Summe der Gewichte der drei Filter(B, Cund D) nach Abzug ihrer Taragewichte, nebſt dem des umgeſchmolzenen Salpeters: Das Gewicht des bereits gewonnenen reinen Salpeters. c. Die Wägung des Rückſtandes der zuletzt erwähnten eingedampften Flüſſigkeit: Das Gewicht des Reſtſalzes der ganzen Löſung. d. Die Ergebniſſe« +5 e vom Totalgewichte der unterſuchten Probe abgezogen: Den Feuchtigkeitsgehalt des unterſuchten Rohſalpeters. Da das unter§. erwähnte Reſtſalz noch Salpeter enthält, ſo iſt daſſelbe nunmehr auf ſeinen Gehalt an Kali und Salpeterſäure zu prüfen. Zu dieſem Zwecke wird das Reſtſalz in einen Porcellanmörſer gebracht und in demſelben fein gerieben. Die Beſtimmung des Kali erfolgt nun in zwei Por⸗ tionen zu je 3 bis 4 Grammen. Jede der abgewogenen Mengen wird in einem Becherglaſe mit kaltem Waſſer übergoſſen und zu der Löſung etwa das Fünffache ihres Salpetergewichtes an Ueberchlorſäure geſetzt“). Darauf ſtellt man die beiden Proben auf ein Sandbad und verdampft bis faſt zur Trockne. Nach erfolgtem Erkalten wird jede Probe mit dem vier- bis fünffachen ihres Volumens abſoluten Alkohols übergoſſen und während zwei Stun⸗ den wiederholt umgerührt. Das abgeſchiedene überchlorſaure Kalium wird auf gewogene und bei 100 C. getrocknete Filter gebracht und ſo lange mit Alkohol ausgewaſchen, bis ein Tropfen von dem Waſchwaſſer auf einem Platinbleche keinen Rückſtand mehr hinterläßt. Die Filter werden ſodann bei 1000 C. wieder ge— trocknet und gewogen und letzteres Verfahren wird ſo lange wiederholt, bis ſich keine Gewichtsdifferenz mehr zeigt. Das Mittel von den zuletzt erhaltenen Ge⸗ wichten nach Abzug der Filter ergiebt das Gewicht des gebildeten überchlorſauren Kalium und daraus des in der Probe enthaltenen Kali, indem man zu dieſer Re⸗ duction das Verhältniß in Anwendung bringt, welches ſich bei der in der Anmer⸗ kung angeführten Gegenprobe auf kohlenſaures Kalium ergeben hat. Bemerkt ſei hierbei, daß ein Gramm kohlenſaures Kalium im Mittel ) Dieſes Verhältniß richtet ſich nach der Concentration der Ueberchlorſäure. Um dieſelbe zu prüfen, löſt man 3 bis 4 Grammen kohlenſaures Kalium in kaltem Waſſer und giebt in kleinen Mengen ſo viel Ueberchlorſäure von einer vorher genau gewogenen Menge derſelben hinzu, bis kein Aufbrauſen mehr erfolgt. Durch abermaliges Wägen der übrig gebliebenen Ueberchlorſäure ergiebt ſich die von dieſer zugeſetzten Menge, und in demſelben Verhältniſſe iſt die Ueberchlorſäure jeder Probe zuzuſetzen. Ereeeeeeee f „„.———„„»»„»„»„»„»„»„»„PPPP„„„„Eꝰẽ.ỹͤͥ— 24 Materialien. 1,769 ꝗkrocknes überchlorſaures Kalium ergiebt. Zur Beſtimmung der Sal— peterſäure werden ebenfalls zwei Portionen zu etwa je 6 g des Reſtſalzes abge— wogen und jede mit der Hälfte ihres Gewichtes Kohle und der dreifachen Menge gut getrockneten Kochſalzes im Porcellanmörſer innig gemengt und darauf in einem ungefähr 0,156 m hohen Tiegel zuſammengeſchmolzen. Erfolgt kein Auf—⸗ brauſen mehr, ſo wird der Tiegel auf ein vorher möglichſt ſtark geheiztes Sand— bad zum Erkalten hingeſtellt. Die feſte Maſſe, in welcher ſich nun kein ſalpeter— ſaures Salz mehr befindet, ſondern ſtatt deſſen Whlenſanresß wird ſoweit als möglich in ein Kochfläſchchen gebracht, der im Tiegel etwa verbleibende Reſt mit— telſt heißen Waſſers hineingeſpült und darauf das Fläſchchen mit einem zweifach durchbohrten Pfropfen verſchloſſen, durch deſſen eine Oeffnung ein Trichterrohr, durch die andere ein rechtwinklig Polthurs Glasrohr geſteckt iſt. Sowie das Fläſchchen die Zimmertemperatur angenommen hat, wird daſſelbe nebſt einem kleinen Glaſe mit concentrirter Salzſäure gewogen und nun von der letzteren durch das Trichterrohr ſo lange zu der gelöſten Schmelze gegoſſen, als noch ein 11 brauſen entſteht. Um alle Kohlenſäure aus der Flaſche zu treiben, wird ſchließ— lich die letztere einige Minuten in lauwarmes Waſſer getaucht. Nach 18 Er⸗ kalten wird die Flaſche gut abgetrocknet und mit dem Glaſe, in welchem ſich die concentrirte Salzſäure befand, gewogen. Das Mittel aus dem entſtandenen Ge— wichtsverluſte beider Portionen ergiebt die ausgetriebene Kohlenſäure. Für je 21,76 Gew. Thle. derſelben werden 53,41“) im Rohſalpeter vorhanden geweſene Salpeterſäure i1 Rechnung geſtellt. Hat man auf dieſe Weiſe den procentiſchen Gehalt an Kali und Salpeter— ſäure in den betreffenden, zur Unterſuchung verwandten Mengen von reſp. 3 bis 4 9 und etwa 6 ͥ ermittelt, ſo iſt zunächſt der Gehalt an Kali und Salpeter— ſäure des ganzen Reſtſalzes zu berechnen. Für je 46,59 Gein.⸗Thle⸗ Kali und 53,41 Gew. Thle. Salpeterſäure ſud dann immer 100 Gew. Thle. Salpeter in dem Reſtſalze als vorhanden anzunehmen und fügt man dieſe gefundenen Mengen zu der bereits durch Kryſtalliſation beſtimmten, ſo ergiebt ſich die garze in der unterſuchten Rohſalpeterprobe von 320 g enthaltene Menge reinen S Salpeters. b. Das Läuterungsverfahren. In ſämmtlichen Pulverfabriken iſt das Läuterungsverfahren faſt überall daſ— ſelbe. Als Arcgmngepuntt für deſſen Darſtellung diene im Folgenden das Ver— fahren, welches in der Königlichen Pulverfabrik zu Spandau beobachtet wird. In einen eingemauerten, kupfernen Keſſel, welcher gegen 3000 1 faßt, wer— 5 1400 1 Waſſer gegoſſen und dieſe bis zum Sieden erhitzt. Alsdann Werden 1 Quantitäten von 50 Kg allmählich 2500 Kg Rohſalpeter eingetragen und bie Löſung deſſelben durch Umrühren zu geſucht. Zur beſſeren Ausſchei— dung der Unreinigkeiten werden etwa 830 g Leim in 8 J heißen Waſſers gelöſt und der Salpeterlauge beigemengt. Der Leim verbindet ſich mit den organiſchen ) In 100 Thlu. Salpeter ſind nämlich 46,59 Thle. Kali und 53,41 8 hle. Sal— peterſäure enthalten. Dieſe werden durch Umſchmelzen mit Kohle in 68,35 kohlenſaures Kalium verwandelt, welche 46,59 Thle. Kali und 21,76 Thle. Kohlenſäure enthalten. Subf ſteigt. und d mehr der K broche lauf! gelaſſ haben ſchlief rührt, in Ki durch bis di ſt. wird einen kaſten dem kalten reitet in de Gieß den! Unter eingen Zeitr ſo wi Holz Salp Weiſe letzter Trock mit trägt, mern und peter Sal⸗ abge⸗ Nenge uf in Auf⸗ Sand⸗ lpeter⸗ it als t mit⸗ veifach rrohr, e das einem durch Auf⸗ chließ— n Er⸗ ich die n Ge⸗ Für je weſene lpeter⸗ 3 bis lpeter— i und ter in engen in der eters. ldaſ⸗ Ver⸗ ird. „wer⸗ berden mund ſchei— gelöſt iſchen Sal⸗ ſaures en. Salpeterläuterung. Subſtanzen zu einer geronnenen Maſſe, welche als Schaum an die Oberfläche ſteigt. Sowie ſich dieſer zeigt, wird der Bodenſatz aus dem Keſſel ausgeſchöpft und der Schaum von der Oberfläche abgenommen. Steigen keine Unreinigkeiten mehr empor und hat die Lauge eine Concentration von 54“ B. erreicht, ſo wird der Keſſel mit einem großen hölzernen Deckel zugedeckt und die Feuerung unter— brochen, ſo daß nur noch eine ſchwache Gluth auf dem Heerde bleibt. Nach Ver— lauf von etwa 12 Stunden wird die Lauge in eine kupferne Kryſtalliſirpfanne ab⸗ gelaſſen. Damit nun die Unreinigkeiten, welche ſich am Boden des Keſſels abgeſetzt haben, nicht von der Lauge mitgeriſſen werden, hat man den Hahn an der Stelle angebracht, wo die Rundung nach dem Keſſelboden beginnt. Zur größeren Vor— ſicht indeſſen wird die Lauge, ehe ſie in die Kryſtalliſirpfanne tritt, colirt, zu wel⸗ chem Zwecke ein Rahmen mit doppelter Leinwand über die Pfanne gelegt wird. Um die Ausſcheidung großer Kryſtalle, welche ſtets noch Mutterlauge in ſich ein— ſchließen, zu verhindern, wird die Lauge mit hölzernen Harken fortwährend umge— rührt, wodurch man die Bildung von ganz kleinen Kryſtallen erzielt. Dieſe werden in Körbe, welche auf Brettern über der Kryſtalliſirpfanne ſtehen, mit flachen, durchlöcherten Kupferlöffeln geſchöpft und in den Körben ſo lange ſtehen gelaſſen, bis die den Kryſtallen anhaftende Mutterlauge vollſtändig in die Pfanne abgetropft iſt. Der in den nächſten 20 Stunden in der Pfanne ſich ausſcheidende Salpeter swird für die folgende Läuterung benutzt, während die zurückbleibende Lauge durch einen unterirdiſchen Canal in eine eigens dazu beſtimmte Tonne abgelaſſen wird. Der in den Körben befindliche Salpeter wird nun in einen kupfernen Waſch— kaſten gebracht, in welchen ein hölzerner, durchlöcherter Boden eingelegt iſt. Nach— dem der Salpeter gleichmäßig in dem Waſchkaſten vertheilt iſt, wird er mit kaltem Havelwaſſer gewaſchen. Der aus Natronſalpeter und Chlorkalium be— reitete Kaliſalpeter wird nur einer einmaligen Wäſche unterworfen, welche man in der Weiſe ausführt, daß man die Oberfläche des Salpeters aus einer kleinen Gießkanne mit etwa 0,1 ebm Waſſer begießt. Das unter dem hölzernen Bo— den ſich anſammelnde Waſchwaſſer wird vermittelſt eines Hahnes durch einen unterirdiſchen Canal in ein Reſervoir abgelaſſen. Der gewaſchene Salpeter wird darauf in große Kaſten geſchüttet, die derartig eingerichtet ſind, daß das Waſchwaſſer noch vollends abtropfen kann, was einen Zeitraum von ungefähr 12 Stunden in Anſpruch nimmt. Iſt dies geſchehen, ſo wird der Salpeter zum Trocknen auf große Rahmen, welche ein Gitterwerk von Holz beſitzen und die mit leinenen Decken belegt ſind, ausgebreitet. Die durch den Salpeter und über denſelben ſtreichende atmoſphäriſche Luft nimmt auf dieſe Weiſe einen großen Theil der Feuchtigkeit mit ſich fort. Zur Entfernung der letzten Spuren von Feuchtigkeit wird nach einigen Tagen der Salpeter in kupferne Trockenpfannen gebracht, welche durch warme Luft erhitzt werden. Hier wird er mit hölzernen Harken beſtändig umgewendet, wobei der Arbeiter dafür Sorge trägt, daß der zu Stücken ſich zuſammenballende Salpeter mit hölzernen Häm— mern zerſchlagen wird. Fängt der Salpeter an zu ſtäuben, ſo gilt er für trocken und wird nun in hölzerne Tonnen, welche 50 Kg faſſen, geſchüttet. In neueſter Zeit geht man in Spandau mit dem Gedanken um, den Sal— peter mit Hülfe von Centrifugen zu reinigen. Verſuche, die man mit Kehricht — 26 Materialien. zur Wiedergewinnung des Salpeters machte, ſollen zu ſehr befriedigenden Ergeb— niſſen geführt haben. Zum Schluſſe ſei noch bemerkt, daß die Laugen und das Waſchwaſſer ganz nach derſelben Methode auf Salpeter verarbeitet werden, wie dies beim Rohſal— peter in den Salpeterſiedereien geſchieht. Das ſoeben geſchilderte Verfahren wird heut zu Tage in allen Pulver— fabriken beobachtet, nur hier und da findet ſich eine kleine Abänderung. So wird 3. B. der Salpeter in Frankreich nicht mit Waſſer, ſondern mit reiner Salpeter⸗ lauge gewaſchen. In Schweden wird die Salpeterlöſung ſoweit eingedampft, daß eine Kochſalzkruſte auf der Oberfläche erſcheint. Dieſe wird abgehoben, die Löſung filtrirt und /8 Thl. Waſſer hinzugefügt, um alles Kochſalz in Löſung zu halten. Die Lauge wird ſodann in Kryſtalliſationsbecken gebracht und dort gerührt bis zur Ausſcheidung kleiner Kryſtalle. In Oſtindien wird der Sal— peter durch zweimaliges Auflöſen und Kryſtalliſiren gereinigt. c. Prüfung des Salpeters. Ehe der geläuterte Salpeter in Arbeit genommen wird, wird er zuvor auf ſeine Reinheit geprüft. Das Verfahren in Spandau iſt ganz genau, wie das bei der qualitativen Unterſuchung des Rohſalpeters, nur dürfen jetzt Chlorbaryum und oxalſaures Kalium nicht einmal eine Trübung hervorrufen und auf Zuſatz von ſalpeterſaurem Silber darf höchſtens ein ſchwaches Opaliſiren der Flüſſig⸗ keit ſich zeigen. In Betreff des ſalpeterſauren Natrium wird jetzt auch noch die Spectralanalyſe in Anwendung gebracht und außerdem die ſogenannte Feuchtigkeits⸗ probe angeſtellt. Zum Zwecke ihrer Ausführung werden 5 g des geläuterten, vorher ſcharf getrockneten und gut gekleinten Salpeters und 5 9 getrockneten und ge— kleinten Normalſalpeters genau abgewogen und in zwei kleinen, getrockneten und tarirten Porcellanſchalen unter einer Glasglocke neben einer dritten Porcellanſchale mit Waſſer 24 Stunden aufgeſtellt und dann wieder gewogen. Hat der geläu— terte Salpeter im Vergleich zum Normalſalpeter bedeutend an Gewicht zugenom⸗ men, ſo iſt, da man ſich zuvor von der Abweſenheit anderer zerfließlicher Salze überzeugt hat, auf ſalpeterſaures Natrium zu ſchließen. Schließlich wird dann noch der geläuterte Salpeter auf die vollſtändige Beſeitigung der unlöslichen Bei— mengungen vom Verpackungsmaterial, Sand, dem angewandten Läuterungsmittel (Leim) u. ſ. w. unterſucht, zu welchem Zwecke eine kleine Menge Salpeter in einem Reagenzglaſe mit etwa der ſiebenfachen Menge kalten Waſſers übergoſſen wird. Hierin muß ſich Alles klar löſen und bei gelindem Erwärmen darf keine ſchleimige Haut entſtehen. In Frankreich wird der Chlorgehalt des raffinirten Salpeters auf folgende Weiſe beſtimmt. Man macht eine Probeflüſſigkeit, in welcher O,00968 g ſal— peterſaures Silber auf 1·9 Waſſer kommen. Von dem zu unterſuchenden Sal— peter, von welchem man fordert, daß er nicht mehr als /000 Kochſalz enthalte, werden 10 g genommen, aufgelöſt und mit jener 0,00968 g Silberſalz enthalten—⸗ den Menge Probeflüſſigkeit verſetzt. Die Quantität dieſes Silberſalzes reicht gerade hin, das Chlor, welches in 0,0033 g Kochſalz enthalten iſt, auszufällen. Man filtrir und v reagir letzter Silbe mehl und i im G aller von ſ. wachſ⸗ doch nümli am be peter ſind ſe Perati dünne Mitte gelöſte einneh Salpe thode Nachtl 0 den ir nur ſi Gehal verurf kation 0 ſo wir durch Ergeb⸗ r ganz Lohſal⸗ zulver⸗ o wird lpeter⸗ hampft, en, die Löſung d dort r Sal⸗ bor auf bie das haryum Zuſatz Flüſſig⸗ 'och die igkeits⸗ vorher ind ge⸗ en und inſchale geläu⸗ genom⸗ Salze d dann en Bei⸗ smittel eter in goſſen rf keine olgende g ſal⸗ n Sal⸗ nthalte, thalten⸗ gerade Man Salpeterprüfung. Schwefel. filtrirt daher dieſe zwei zuſammengegoſſenen Flüſſigkeiten, theilt ſie in zwei Theile und verſetzt die eine Portion mit Kochſalz, die andere mit einer Silberlöſung; reagirt die erſtere, ſo war weniger Kochſalz im Salpeter als 7/3000, reagirt die letztere, ſo war mehr darin. In Schweden macht man ebenfalls dieſe Probe. Zu Waltham-Abbey in England darf auf Zuſatz von ſalpeterſaurem Silber gar keine Reaction eintreten. In den meiſten Pulverfabriken wird der Salpeter in Form von Kryſtall— mehl verarbeitet. In Oeſterreich wird ein Theil des Salpeters geſchmolzen und in Formen von 0,36 m Länge, 0,15 m Breite und 0,13 m Dicke gegoſſen im Gewichte von 12½ Kg. Der Salpeter wird zuvor in Trockenpfannen von aller Feuchtigkeit befreit und dann in eigenen Keſſeln geſchmolzen. Obſchon ſich von ſelbſt verſteht, daß die Temperatur nicht bis zum Erglühen des Keſſelbodens wachſen darf, indem hiervon die Zerſetzung des Salpeters die Folge wäre, ſo iſt doch der Temperaturgrad, bei welchem der Salpeter ausgeſchöpft werden ſoll, nämlich zwiſchen dem Schmelz- und Zerſetzungspunkte, nicht gleichgültig und wird am beſten durch Uebung erlernt. Bei zu hoher Temperatur legt ſich der Sal— peter an die Wände der Formen, die Kuchen bekommen Riſſe und Sprünge und ſind ſelbſt beim völligen Erkalten ſchwer herauszubringen. Bei zu niedriger Tem— peratur geſteht der Salpeter zu frühzeitig an den Wänden, ſo daß die entſtandene dünne Kruſte von den Wänden ſich früher ablöſt, als der Salpeter oben in der Mitte feſt wird, wodurch ein Ablaufen des noch flüſſigen Salpeters über die ab— gelöſte Kruſte und das Entſtehen der ſchuppigen Seitenflächen unvermeidlich wird. Daſſelbe Verfahren beobachte man in Waltham-Abbey und in Oſt— indien. In letzterem Lande gießt man den geſchmolzenen Salpeter in kupferne Formen zu 15 bis 20 Kg ſchweren, viereckigen oder halbkugelförmigen Kuchen. Die Methode, den Salpeter zu ſchmelzen und in ſolche Kuchen auszugießen, hat einige Vortheile. Man erſpart an Raum und Verpackungsmaterial, da 50000 Kg nicht geſchmolzener Salpeter nach dem Schmelzen nur ſo viel Raum einnehmen, wie 15000 Kg ungeſchmolzener. Man iſt fernerhin ſicher, daß der Salpeter keine Feuchtigkeit beſitzt und iſt vor Verfälſchung bewahrt. Die Me— thode hat aber auch, inſofern Zeitaufwand und Arbeit in Anſchlag kommen, den Nachtheil, daß der Salpeter ſich viel ſchwieriger kleinen läßt. 2. Der Schwefel. Mit Ausnahme von Schweden, wo man den Schwefel größtentheils aus den im Lande häufig vorkommenden Schwefelkieſen gewinnt, wird ſonſt überall nur ſicilianiſcher Stangenſchwefel verarbeitet. Schwefelblüthen ſind wegen ihres Gehaltes an Schwefelſäure und ſchwefliger Säure, deren Beſeitigung mehr Koſten verurſacht als das Läutern und Pulvern des Stangenſchwefels, von der Fabri— kation vollkommen ausgeſchloſſen. Obſchon der ſicilianiſche Stangenſchwefel in der Regel vollkommen rein iſt, ſo wird er doch in den größeren Pulverfabriken nochmals geläutert, um ihn da— durch in eine zum Kleinen geeignetere Form überzuführen. Ehe indeß das Läutern ——— 28 Materialien. erfolgt, wird der Schwefel ſtets auf etwaige Beimengungen unterſucht. Haupt⸗ ſächlich kommen hierbei in Betracht: a. Ein Gehalt an Schwefelſäure und ſchwefliger Säure. Der Schwefel wird fein gerieben und mit deſtillirtem Waſſer gekocht. Blaues Lackmuspapier, in die Flüſſigkeit getaucht, darf nicht roth gefürbt werden, widrigenfalls der Schwe— fel gekleint und gewaſchen werden muß. Die meiſten Fabriken ſchicken ſolchen Schwefel wieder zurück an den Lieferanten. b. Erden und Oxyde. Der Schwefel wird in Pulverform in einen Por⸗ cellantiegel gebracht und unter einer Glocke vollſtändig verbrannt. Es darf kein Rückſtand bleiben. 0. Arſen. Eine hellgelbe oder röthliche Farbe läßt Arſen vermuthen. In dieſem Falle wird der fein geriebene Schwefel mit Salpeterſäure längere Zeit ge— kocht, die ſalpeterſaure Flüſſigkeit abgegoſſen und mit kohlenſaurem Ammonium neutraliſirt. Auf Zuſatz von ſalpeterſaurem Silber darf nicht der charakteriſtiſche gelbe Niederſchlag von Silberarſenit auftreten.— Oder der Schwefel wird mit wäſſerigem Ammoniak behandelt und dieſes mit Salzſäure verſetzt. Fällt ein gelber Körper aus, ſo iſt dies Schwefelarſen.— In Belgien wird der Schwefel mit der vierfachen Menge Salpeter gemiſcht in einen warmen Schmelztiegel ein— getragen und erhitzt. Die Schmelze wird gelöſt und mit verdünnter Schwefel— ſäure verſetzt. Nachdem man das Waſſer verjagt hat, giebt man Alkohol auf den Rückſtand und legt einen Zinkſtreifen in die Flüſſigkeit. Bedeckt ſich derſelbe mit einer ſchwarzen, blätterigen Schicht, ſo enthält der Schwefel Arſen. In allen die— ſen Fällen, in welchen Arſen nachgewieſen wird, darf der Schwefel nicht zur An fertigung von Pulver gebraucht werden. Zum Zwecke der Läuterung des Schwefels wird derſelbe in Spandau in einen in einem Herde eingemauerten Grapen, welcher etwa 75 Kg faßt, eingetra gen und langſam zum Schmelzen gebracht. Sowie der Schwefel flüſſig iſt, wird er in emaillirte, eiſerne Töpfe geſchöpft, deren jeder 25 Kg faßt. Ehe man ein⸗ füllt, wird mit einem Tuche, welches man in warmes Waſſer getaucht hat, jeder Topf ausgewaſchen, dann ein Sieb mit Gaze darüber geſtellt und nun der Schwe— fel in die Töpfe hineinfiltrirt. Man läßt darauf denſelben allmählich erkalten, wodurch er von der prismatiſchen Form in die gewöhnliche, rhombiſche übergeht und nun ungemein bröckelig wird. In Tonnen von 100 Kg Inhalt wird er ſo— dann aufbewahrt. Aus den in dem Grapen und auf dem Filtrirtuche bleibenden Rückſtänden ſucht man den Schwefel auf dieſelbe Art wiederzugewinnen. In Oſtindien wird der Schwefel in bronzenen Grapen von 0,8 m Durch— meſſer und 0,5 m Tiefe geläutert. Man zerſchlägt den rohen Schwefel und reinigt ihn vorläufig durch Ausleſen der ſchlechten Stücke, die man für ſich ſchmilzt. Man heizt den Grapen gelinde an und trägt immer eine Schaufel voll nach der anderen ein, ſo daß es zum Füllen 4 Stunden bedarf. Sobald die zuletzt ein getragenen Theile Schwefel geſchmolzen ſind, läßt man das Feuer ausgehen und den Schwefel ſo lange ſtehen, bis ſich an der immer von aufſteigenden Unreinig— keiten befreiten Oberfläche feine Nadeln bilden. Man ſchöpft ihn dann in höl— zerne Formen bis auf den Abſatz der ſchweren Unreinigkeiten, der ſich am Boden befindet. Auch in den Formen ſenken ſich noch ſchwere Unreinigkeiten zu Boden, dabei h zweiten K. 2 beſonde betracht 8 2 leichteſt Aſche g dieſer? vorgeno U Mittel und 0, Kohle Gemiſch gebliebe brennen ſo wur' kürzeſter Rlückſtan wie es Haupt⸗ ſchwefel papier, Schwe⸗ ſolchen n Por⸗ arf kein n. In Zeit ge— nonium riſtiſche ird mit ällt ein Ichwefel gel ein⸗ chwefel auf den be mit len die ur An dau in ingetra ſt, wird 'an ein⸗ it, jeder Schwe⸗ erkalten, ibergeht er ſo ibenden Durch fel und ſchmilzt. iach der etzt ein )en und nreinig in höl Boden Boden, Schwefel. Kohlen. 20 2 dabei heben ſich auch einige an die Oberfläche oder legen ſich an die Wände. Beim zweiten Läutern werden dieſe entfernt und dann wird nochmals wie oben verfah— ren. Aus dem Schaum und den anderen Unreinigkeiten wird der Schwefel durch beſonderes Schmelzen möglichſt ausgeſondert und dieſer dann als roher Schwefel betrachtet. 3. Die Kohlen. Die tauglichſte Kohle zur Schießpulverbereitung iſt diejenige, welche am leichteſten entzündlich iſt, am raſcheſten verbrennt und dabei die geringſte Menge Aſche giebt. Es muß daher die Qualität des vegetabiliſchen Stoffes, welcher in dieſer Abſicht verkohlt wird, ebenſo ſehr als die Art, nach welcher die Verkohlung vorgenommen wird, berückſichtigt werden. Um die Kohle auf ihre Tauglichkeit zu prüfen, hat Prouſt ein einfaches Mittel angegeben. Er füllte nämlich kleine kupferne Röhren von 0,6 din Länge und 0,6 em Weite mit einem innigen Gemenge von 4 g Salpeter und 0,8 g Kohle aus verſchiedenen Vegetabilien, gab etwas Mehlpulver auf und zündete das Gemiſch an. Die Dauer des Verbrennens wurde dabei beobachtet und der zurück— gebliebene Rückſtand gewogen. Da die Bedingungen, unter welchen das Ver— brennen dieſer Miſchungen vor ſich ging, ſo gleichartig als möglich gemacht waren, ſo wurde auch diejenige Kohle, unter deren Beimiſchung die Verbrennung in der kürzeſten Zeit erfolgte, als die vorzüglichſte erkannt, um ſo mehr, da zugleich der Rückſtand um ſo geringer ausfiel, je lebhafter die Verbrennung vor ſich ging, wie es die folgende Tabelle zeigt. Gemenge aus 4 g Salpeter 5 5 Verbrennung Rückſtandes in und 0,775 g Kohle von 8 2 in Secunden Grammen Hanfſtängen 10 0,775 Asphodilſtängeln..... 10 0,775 Weintebenn 12 1,275 Kichererbſenſtängeln... 13 1,355 Fichtenhöl;ß 17 1,936 Faulbaumholz 20 1,55 Spindelbaumholz.. 21 1,746 Bafelbo;:: 23 1,936 Pimentſtängelln... 2⁵ 2,325 Maisſttoypypy 25 2,45 Kaſtanienhollizz 26 2,325 Nußbaumholz 29 2,13 Maiskörnem 45 2,774 Steinkohlen, Koak.. 50 2,90 Zückerdest tadg. 70 3,10 WAL————ů—ů—ꝙ—ꝙĩᷓ᷑— 30 Materialien. Man fand hierdurch auch Kohle, welche unter dieſen Umſtänden gar nicht brannte, ſo von Getreide, Reis, Galläpfeln u. ſ. w. Eine ebenfalls nicht hin— reichend entzündliche Kohle gaben wegen ihres Gehaltes an Kieſelſäure Stroh und andere Gräſer und Halme, während die Kohle aus verfaultem Holze, namentlich von Weiden und Rothbuchen, eine überaus leicht zerreibliche und höchſt entzündliche Kohle mit wenig Rückſtand beim Verbrennen lieferte. Je reicher das Holz alſo an Celluloſe iſt, eine um ſo brauchbarere Kohle wird man erhalten. Aus dieſem Grunde hat man ſich denn auch in der Praxis für weiche und leichte Hölzer entſchieden. In Deutſchland wählt man zur Darſtellung der Pulverkohlen Faulbaum⸗, Weiden- und Erlenholz, in Oeſterreich Hundsbeer oder in deſſen Ermangelung Haſel- oder Erlenholz und in der Schweiz nur Haſelholz. In Frankreich ge— braucht man neben Faulbaumholz, deſſen Kohle man lange Zeit für die allein brauchbare gehalten, Pappel, Linden- und Spindelbaumholz, in Spanien Olean— der, Taxus, Weiden, Hanfſtängel und Weinreben, während man in Italien ſich ausſchließlich der Hanfſtängel bedient. In England nimmt man neben Weiden— und Faulbaumholz auch das von Kornelkirſchen und Erlen, in Dänemark nur das letztere und in Schweden außer dieſem noch Weidenholz. In Oſtindien wendet man Cytisus cajan, parkinsonia und Euphorbia tiraculli an. Wie man ſieht, ſind die betreffenden Pflanzen, welche man zur Darſtellung der Pulverkohle benutzt, zum größeren Theile dem Boden und klimatiſchen Ver— hältniſſen der einzelnen Liänder angepaßt. Sämmtliche Arten gehören zu den weichen Hölzern, allein trotzdem iſt die Ausbeute an Kohle ganz verſchieden. Man hat zwar früher geglaubt, daß jede Holzart, wenn ſie vorher völlig ausgetrocknet ſei, bei gleichem Gewichte dieſelbe Menge Kohle liefere, ſo daß alſo die Verſchie— denheit der Kohlenausbeute aus verſchiedenen Holzarten nur von ihrem verſchie— denen Waſſergehalte abhänge. Wie irrig indeſſen dieſe Auffaſſung geweſen iſt, hat Violette gezeigt, wel— cher 72 verſchiedene bei 150“ getrocknete Hölzer einer Verkohlung bei 3000 C— unterwarf. Einen näheren Einblick giebt folgende Tabelle, welche nach der Aus— beute an Kohle geordnet iſt. (Die Tabelle befindet ſich auf den Seiten 31 und 32). Vergleicht man Nr. 15 und 16 mit Nr. 71, ſo bemerkt man, daß die ver— ſchiedenen Theile eines und deſſelben Baumes ungleiche Mengen Kohle liefern; die Blätter und Wurzeln der Pappel ergaben 40,90 bis 40,95 Proc., das Stamm— holz dagegen nur 31,12 Proc. Kohle. Bei einem anderen Verſuche mit Kirſch— baumholz fand Violette, daß das Laub und die Wurzelfaſern deſſelben gleiche Zuſammenſetzung hatten, aber 5 Proc. Kohle weniger als das Holz des Stam— mes enthielten. Hieraus geht alſo hervor, daß nicht alle Theile der genannten Bäume oder baumartigen Pflanzen zur Verkohlung geeignet ſind. Am brauch— barſten erweiſt ſich das eigentliche Holz, die ausgebildete Pflanzenfaſer, welche unter Rinde, Baſt und Splint liegt. Das zum Verkohlen beſtimmte Holz darf nur dann geſchlagen werden, wenn die Bäume im vollen Safte ſtehen, alſo nur im Frühling, wo die Pflanzenſäfte ſehr wäſſerig und arm an Salzen ſind und ſich größtentheils nach den äußerſten 2 Hol Nummer. Kork Ebenholz Satiney Vermoder Holz v. H 22. Weizenſtr Eiche Taxus. AMahagon 101 Bois de 111 Eichenhol 12 Wachhold 131 Guajac 14ʃMeeresfie mariti: 15 Pappel( 16ʃ Pappel 6 17 Fichte(p. 181 Weidenſch 101 Buchsbau 201 Elsbeerbe droulie 21Lerchenba 22Palmbau 28/ Thuja e 24l Hanfſtänge 25/ Clemati. 20 Binſe 27JCocospali 28ʃ Gekrempe wolle. 20Hollunde 30 Aylanth du Jan 311 Hagebutt 32 Geisblatt 391 Spindelb 341 Weinſtock 22— icht in⸗ ind lich iche ilſo em — m⸗, ing ge⸗ ein an⸗ ſich en⸗ nur ien ing zer⸗ den dan net hie⸗ Nummer. 22. 2=◻⏑e 10 11 12 13 14 16 17 18 19 20 30 31 Verkohlung. Austrocknung. ————— Verluſt Verko 0˖ bu n g. ——— Gewicht des Holzes 2 Holzart.— 2 — 2* 8 2 zes. Hol in Bezug auf das neten Gewicht d. getrock KRork 2652 Ebenholz....154,29 Satiney..83,08 Vermoderte Weide“— Holz v. Hereulanum. 1,50 Weizenſtroh....66,93 Eiche(15180 Taxus. 194,14 Mahagoni....115,25 Bois de lettre.. 91,17 Eichenholz.... 94,62 Wachholder....110,33 Guajae..309,54 Meeresfichte([Pinus maritima)..89,48 Pappel(Blãtter) 24,20 Pappel(Wurzel).. 34,94 Fichte(pin sauvage) 69,20 Weidenſchwamm..62,36 Buchsbaum....82,00 Elsbeerbaum(alizier, droulier). 148,11 Lerchenbaum 132,33 Palmbaum. 92,05 Thuja canad. 72,16 Hanfſtängel 56,38 Clematis 88,65 Binſe 14,67 Cocospalme...91,30 Gekrempelte Baum wolleßß30/70 Hollunder....197,29 Aylanthe(Vernis du Japon)..112,07 Hagebuttenſtrauch„112,06 32 Geisblatt.... 87,01 33 Spindelbaum...86,89 341 Weinſtock... 44,19 25,00 141,/50 74,00 58,20 128,00 175,20 98,00 77,50 81 60 67, 278 5 47,00 10,50 22,00 37,30 49,20 71,70 50,70 51,50 43,00 13,00 77,50 27,80 141,50 78,60 82,50 51,40 56,/00 37,50 0,20 8,73 23,30 18,94 17,25 13,67 13,02 43,03 31,04 42,48 13,70 14,94 31,90 13,16 11770 79,7¹ 86,88 13,55 21,46 4.88 45,65 1,67 13,80 2,90 55,79 33,47 29,56 35,61 30,89 6,69 Procent. 5,75 8,39 10,93 13,33 13,13 15,40 9,75 8,80 15,00 13,76 39,00 10,03 47,47 56,61 37,00 46,10 2132 12,56 51,791 27,83 13,63 29,11 14,23 51,50 11,39 15,12 9,4⁴ 28,02 29,91 26,38 40,93 35,55 15,15 Bemerkun— Gew. des vorher 2 1500 getr. Holzes 2 311R [OCie folgenden 2 5 8 Zahlen be⸗ 5 S5 5 3 2 zeichnen das 335 253([3S aAlter des Hol⸗ — 5 Z jzes in Jahren.) 5 8. 25,00] 15,7062,80— 141,50] 76,8554,30— 74,00] 38,5052,00— 23,00] 12,0052,17 6050/ 2560 40.egr eun gefunden. 58,20] 24,80 46,99— 128,00] 59,00 46,09— 175,20 80,70 46,06 98,00] 44,00 44,89— 77,50 34,3044,25— 581,60J 35,70 46.75(Srnteluhtense 67,30] 29,0043,07] 8 bis 10 278,50 116,6041,86— 47,00] 19,5041,48 10 10,50 4,3040,95 15 22,00] 9,0040,90 desgl. 37,30 15,20 40,75 10 49,20] 20,0040,64 3 bis 5 71,70 29,00 40,44— 68,40] 27,6040,35l 8 bis 10 95,50] 38,50 40,31] 10„ 12 79,50] 31,40 39,49— 50,70] 20,0039,44] 12 bis 15 51,50 20,2039,22— 43,00] 16,7038,83 4 bis 5 13,00] 5,0038,46— 77,50] 29,4037,93— 27,800 7,4037,41— 141,50] 52,8087,31 8 bis 10 78,60] 29,3037,27] 5 bis 6 82,50] 30,7037,21 10 51,40 19,0036,96 4 bis 5 56,00] 20,5036,60 810 37,50] 13,76136,533 10„ 12 2222... r—— Materialien. Austrocknung. Verkohlung. Bemer⸗ En ——j——— 1 Gewicht des Berluſt.[Gew. des vorherbei] 8 8 kungen. den Holzes 1500 getr. Holzes 85(Die fol⸗ Eii 2˙8 2 genden 25„6 We r„ ·5 gSchlen be(wü 8 85 8——„338 deuten das 8 5 8 8 8—— 25 3 8 8 8 3 Alter des 105 S 3 8 28 8 5 2fin Jahren.) 1 ein Kaſtanienbaum 61,48] 40,20 21,28] 34,61] 40,20 14,50] 36,06 10 bis 15 360 Cytisus 66,80 47,20] 19,60 29,33] 47,20 17,00 36,01 15„ 20 ver 37] Johannisbeere. 90,83] 68,70] 22,13 24,36] 68,70] 24,50 35,6634 W᷑ 38] Mispelbaum 44,04l 38,50 5,54 16,16 38,50 13,70 35,57] 8„ 10 da 39. Kirſchbaum 188,63 121,00 67,63 35,85 121,00] 43,00 35,53] 15„ 20 inn 40 Espe 105,10 91,500 13,60] 12,94] 91/50 32,00 34,97—ç fei 411 Blaſenbaum(baguen ſtö audier) 65,76l 54,50 11,26 17,12J 54,50 19/00[ 34,85] 5 bis 6 5 42 Epheu 82,06 61,00[ 21/06 25,67] 61/00[ 21,20] 34,7515„ 20 all 43] Weißdorn 167,40 111,50 45,90 27,88 115,50 38,70 34,70 8 10 44 Platane 125,33 108,00 17.33] 13,82 108,00] 37,50] 34,69 10 ge! 45] Apfelbaum 169,85 147,00 22,85 13,99 147,00 51,00[ 34,69]l 7 bis 8 er 46] Ulme 134.27 122,00 12,27 9,13] 122,00] 42,20] 34,.59l 8„ 10 eit 471 Hainbuche 125,21 104,50 20,710 16,54 104,50 36,00] 34,44] 15„ 20 eis 480 Erle. 98,55 84,00[ 14,58] 14,90] 84,00] 28,90] 34,40] 8„ 10 0 49 Berberis 93,09] 66.50] 26,59 28,57] 66,50 22,80 34,28 10 50[ Stechginſter(ajonc)122,58 95,50 27,08] 22,86] 95,50 32,70 34,24 3 bis 5 zu 51 Birke 112,73] 70,80 41,93] 37,20 70,80] 24,20] 34,17 012 5 52 Pflaumenbaum 250,50 182,00 68,50 27,34] 182,00] 62,00 34,06 7„ 8 530 Sycomore. 135,04] 84,40 50,64 37,50 84,40] 28,500 33,76 12„ 15 5 54 Ahorn 122,68 94,80 27,88 22,72] 94,80 32,00 33,75] 6„ 7 ch 55] Weide. 95,916 81,50] 14,41 15,03 81,50 27,50] 33,74 810 560 Faulbaum 125,13 108,00 17,13] 13,69] 108,00 36,30 33,610 2„ 3 la 571 Robinia. 100960 67,90 33,06 32,31] 67,900 22,70[ 33,42/ 10„ 13 m 580 Cornus sanguinea164,41] 90,50] 73,91] 43,80 90,50 30,20 33,36] 4„ 5 w 59] Ginſter 73,99] 63,00 10,99] 14,85] 63,00 21/00[ 33,330 6„ be 60] Eſche 155,76 129,20 26,50 17,39J 129,20] 43,00] 33,28 30„ 40 5 611 Quittenbaum. 104,54] 70,00] 34,54 33,04] 70,00] 23,30 33,28] 8„ 10 pe 62J Haſelſtaude 106,78( 75,60 31,18] 29,20 75/60 24,80l 32,79] 4„ ö 63 Vogelbeerbaum(me— risier à grappes)118,15 96,00 22,15] 18,75] 96,00] 31,40 32,70] desgl— 64 Stechpalmen. 181,35 113,00] 68,35 37,69] 113,00] 36,40 32,21] 8 bis 10 65 Hartriegel 113,65 78,00 35,65 31,22 78,00[ 25,0] 32,.05l desgl. 660 Schneeball 11793 95,20 22,73 19,27] 95,20 30,50[ 32,03] 6 bis 67 Birnbaum 147,260 114,80 32,46] 22,47 114,80 36,60] 31,88] 7„ 8 68] Linde 127,94 70,00] 57,94 45,31] 70,00 22,30 31,85— 69 Blauer Flieder 94,42 60,60. 33,82 35,82] 60,60] 19,30l 31,84] 8 bis 1 70l Bignonia 68,63 51,70 16,93 24,67 51,70] 16,20 31,33] desgl. 71ʃ Pappel(Stamm) 47,110 25,70] 21,41 45,45 25,70 8,00 31½12 15 72J Roßkaſtanie. 116,16] 62,20] 53,96 46,45] 62,20 19,20] 30,861 20 bis 30 Verkohlung. 4 ner⸗ Enden, in welchen ſich das Leben des Baumes und ſein Wachsthum entfaltet, nach gen. den dünnen Zweigen und den Blättern hinzieht. Da die Dicke der Hölzer einigen e fol⸗ Einfluß auf die Entzündlichkeit der Kohle hat, ſo nimmt man am liebſten Zweige von nden 2,6 om Dicke, etwas ſtärkere Zweige werden geſpalten. Bei den Lieferungsverträgen en be⸗ wird ſehr häufig ausbedungen, daß die Länge der Hölzer genau 0,31 m betrage, in allen Fällen aber muß das Holz frei von Rinde geliefert werden, da die Kohle 1 7 der letzteren nicht ſo entzündlich iſt und mehr Aſchenbeſtandtheile beim Verbren— 885 nen hinterläßt als das Holz des Stammes. Gegenwärtig beträgt der Preis für einen Cubikmeter Faulbaumholz 13½ Mark. ahren.) bis 15 Was nun die Aufbewahrung des Holzes anbelangt, ſo iſt dieſelbe eine ganz „ 20 verſchiedene. Während man in Dresden das Holz vor den Einwirkungen des 584 Windes und Wetters ängſtlich in großen Schuppen birgt, ſtapelt man in Span⸗ gao dau an einem durch Bäume geſchützten Orte daſſelbe während 2 bis 3 Jahren 20 im Freien auf, um dem Regen Gelegenheit zu geben, die in dem Holze enthal— tenen Säfte auszuwaſchen und durch den Einfluß von Luft und Wärme eine Zer— 8 ſtörung der Spiralgefäße herbeizuführen. Dieſes Auslaugeverfahren wurde früher 10 01 allgemein in England gehandhabt, wo man das Holz 10 bis 12 Jahre der 101 Witterung ausſetzte, in Folge deſſen man faſt nur eine locker an einander hän— 106 gende Faſer erhielt. An und für ſich iſt dieſe Methode nicht zu tadeln, jedoch bis 8 erfordert ſie viel Zeit und bei großen Fabriken einen bedeutenden Raum, mithin 0 ein beträchtliches Anlagecapital; außerdem bleibt ſtets die fortdauernde Gefahr 20⁰ einer Feuersbrunſt vorhanden, auch kann Sand u. dergl. unter das Holz gebracht „ 10 werden. 10 Wie bereits oben bemerkt, kommt es neben der Wahl der zur Verkohlung is b zu verwendenden Pflanzen vorzüglich auf die Art an, nach welcher die Verkohlung „ 8 vorgenommen wird. Hauptſächlich handelt es ſich hier um die Höhe und Gleich⸗ 3 15 mäßigkeit der Temperatur, weil ſich danach die Ausbeute, die phyſikaliſchen und 297 chemiſchen Eigenſchaften der Kohle richten. 310 Was nun die Ausbeute mit Rückſicht auf die Höhe der Temperatur anbe— 3 langt, ſo ergiebt ſich dieſelbe aus umſtehender Tabelle, zu deren beſſerem Verſtändniß 2 nur noch bemerkt werden ſoll, daß die von Violette der Unterſuchung unter— 5 worfenen verſchiedenen Stücke Faulbaumholz von möglichſt gleichem Alter waren, 3485 bei einer Temperatur von 1500 C getrocknet und dann der Verkohlung unter— „ 40 worfen wurden mit überhitztem Waſſerdampfe bis 350o C, bei der höheren Tem⸗ 39 1 10 peratur in einem Wind- und ſchließlich in einem Schmiedeofen. 16 desgl— 8 bis 10 desgl. 6 bis 8 7 7 8 bis 1 desgl. 15 02 Das Schießpulver. zewicht des Holzes vor dem Austrocknen. kummer. 9 G 30 — — D 8 S — Sð S ◻+˙ 8 2 D D — n D O— — 1 —— Si S S S 0 — — D — S D — D — S — ο 96,69 46,82 Trock olzes nach dem Austrocknen. des H Gewicht 0³ 110,00 104,70 105,20 105,50 107,00 107,60 104,00 98,50 106,70 108,70 117,80 105,80 110,60 110,00 108,00 101,0 99,30 104,50 111,00 104,50 90,%45 44,00 69,00 39,00 63,00 82,60 40,00 nen ————————— Ver olzes. 98 5 am Gewichte des aus getrockneten 0 19,53 2¹,70 17,18 17,70 13,92 19,69 19,52 14,37 19,70 16,48 20,40 15,69 19,43 18,55 17,12 14,53 14,22 17,70 18,64 2105 13,50 7,10 1114 6,26 10,½75 14,09 6,82 lu ſt Temperatur der Verkohlung. nach Procenten. 1500 15,00] 160 17,17 170⁰ 14,04 180 14,360 190 17,28 200 15,40 21⁰ 15,80 220 12,73] 230 15,58 240 13,160 250 14,761 260 12,91 270 14,94 2805 14,43 290 13,691 300 12,54 310 12,52 320 14,48 330 14,38] 3402) 16,37] 350 13,90 13,90 13,84 14,60 14,60 14,60S5 Verkoh Gewicht des e n bei 1500 5 getr. Holzes— S== 5 2 5— Bemerkungen— S 32 3 33 8 9 114,50 114,50 0,00 100,00] Biolette bezeichnet 9 98 mit dem Namen 110,00 107,810 2000f 98,00] Kohle vie Producte, 104,70] 99,00 5,45 94,55 welche durch Erhitzen 105,20l 93,20[ 1141] 88,59ſ bei einer beliebigen 5 2 Temperatur erhal— 105,50 86,50] 18,01 81,99 ten worden ſind. 107,00 82,50 22,90] 77,10 107,60 78,70] 26,86 73,14. Bei einem jeden Ver⸗ 55 30 5 7 ſuche iſt es daſſelbe 10,00] 70,20] 32,50 67,50 bei 1500 getrock⸗ 98,50] 54,50 44,63] 55,37] nete Holz, das der 10670] 54,20] 49,21J 5070 Verkohlungd unter⸗ worfen wurde. 108,70 54,00] 51,330 49,671 Alle Kohlen von Nr. 1 117,80l 47,40 59,77 40,23] bis 10 ⸗waren„er⸗ 8 2 unvollſtändig ver— 105,80] 39,30 62,86 37,14 kohlt. 110,60 40,00] 63,84 36,16(1) Rothkohle, der 11000l 37,500 65,91J 34,09] eigenthake. Anſang der Kohlen. 108,00] 36,300 66,39] 33,61 101,30 33,30] 67,13 32,87 99,30 32,00 67,77] 32,23 10450 33,20 68,230 31/77 111,00] 35,00] 68,47] 31,530) Sehr ſchwarze Koh⸗ len, ebenſo die fol— 104 50 31,00] 70,34 29,66 et 05 55„ſa) Schmelzpun 90,45 17,07 81,130 18,87]“des Antimons 44,00 7.,50] 81,25l 18,75„ilbers „ Kupfers 69,00 12,70 81,60 18,40, Goldes 39,00 7,00] 82,06] 17,944„ Stahles „Eiſens 63,00 11,00 82,54] 17,46, Platins. 82,60 14,30] 82,69] 17,31 40,%, 6,90] 85,00] 15,00 z1 he le gen. eichnet nen ducte, rhitzen ebigen erhal—⸗ nd. Ver— aſſelbe zetrock— as der unter⸗ Nr. 1 n nur ver⸗ Anfang Verkohlung. 35 Das bei verſchiedenen Temperaturen verkohlte Holz erzeugt alſo eine um ſo geringere Mengen von Kohlen, je höher die Temperatur der Verkohlung geweſen iſt, und zwar erniedrigt ſich die procentiſche Ausbeute zwiſchen 2800 bis 15000 von 36 auf 15 Proc. Mit der Höhe der Temperatur nimmt auch die Menge der aus dem Holze ſich entwickelnden, flüchtigen Subſtanzen zu. Es erklärt ſich dies daraus, daß bei der Verkohlung eine wirkliche Scheidung ſtatt⸗ findet zwiſchen dem Kohlenſtoffe und den Gaſen, aus welchen das Holz beſteht, ohne daß jedoch dieſe Trennung vollſtändig iſt. Der Kohlenſtoff theilt ſich in zwei Theile, von dem der eine mit einer gewiſſen Menge Gas verbunden in der Retorte zurückbleibt, während der andere mit dem Reſte gasförmiger Stoffe ent⸗ weicht. Folgende Tabelle von Violette(S. 36) zeigt dieſe Vorgänge in augenfälliger Anordnung, indem ſie einerſeits die Zuſammenſetzung der Kohle und andererſeits diejenige der verflüchtigten Körper angiebt, welche man bei der Verkohlung von 100 Thln. vorher bei 1500 C. getrockneten Faulbaumholzes erhält. Aus dieſer Tabelle ergiebt ſich noch fernerhin, daß bei 2500 der in der Kohle zurückbleibende Kohlenſtoff das Doppelte von dem beträgt, welcher ſich verflüchtigt hat. Zwiſchen 300 bis 3509 ſind beide Theile gleich, von da an bis zu 15000 beträgt die Menge des entwichenen Kohlenſtoffes das Doppelte von der— jenigen, welche in der Kohle zurückgeblieben iſt. Ebenſo ungleich wie der Ertrag an Kohle iſt aber auch die Menge an Kohlenſtoff in den einzelnen Kohlenſorten, wie Violette durch folgende Unter— ſuchungen nachgewieſen hat(ſ. Tabelle auf S. 37). Materialien. ————— Temperatur der Verkohlung. 150⁰ 160 17⁰ 180 190 200 21⁰0 22⁰ 230 2⁴⁰ 250 260 270 280 290 300 31⁰ 32⁰ 330 340 350 432 1023 110⁰0 1250 1300 150⁰0 über 1500 Producte der Zerſetzung des Holzes durch Verkohlung. 220ũ 0 0000000 Feſte Stoffe oder in der Retorte verbleibende Kohlen in Procenten ————————————— Ae Gas.“ Aſche. 47,51 52,41 0,08 46,66 51,26 0,08 45,18 49,28 0,09 43,36 45,12 0,11 41,50 40,31 0,18 39,95 36,97 0,18 39,03 39,96 0,15 36,83 39,51 0,16 31,64 23,56 0,17 31,14 18,39 0,26 32,58 16,78 0,31 27,31 12,69 0,23 26,17 10,65 0,32 26,27 9,68 0,21 24,71 9,17 0,21 24,62 8,80 0,19 24,20 8,43 0,24 23,71 8,35 0,17 23,37 8,25 0,15 23,71 7,68 0,14 22,73 6,75 0,18 15,40 3,25 0,22 15,37 3,12 0,30 15,32 2,86 0„22 15,81 1„91 6„22 15,86 1„40 0,20 16,37 0,893 0,11 14,48 0,23 0,29 Berflüchtigte Stoffe in Procenten ——-—-— Kohlen— ſtoff. 2 „ U Yο — U 6,01 7,56 8,48 10,68 15,87 16,37 14,93 20,20 21,34 21,24 22,80 22,89 23,31 23,80 24,14 23,80 24,78 32,11 32,14 32,19 31,70 31,65 31,14 33,03 15,34 18,38 21,82 28,76 32,84 35,40 39,57 41,52 42,60 43,11 43,50 43,82 43,97 44,09 44,67 45,56 49,02 49,11 49,41 50,36 50,89 51,55 51707 Violette bezeichnet die Natur des Gaſes nicht näher; es ſollen darunter Waſſerſtoff, Sauerſtoff und Stickſtoff verſtanden ſein. Geſammt— betrag der Producte. ——————— 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 Nummer. emperatur der Verkohlung. ————ůᷓů ů——————— Verkohlung. Gefundene Elementar-Beſtandtheile in 100 Thlu. Faulbaumkohle Bemerkungen. 1¹.5. 2. 2 3 6 8 2 I 1 1500 47,5105 6,1200 46,290 0,080 J Violette bezeichnet mit dem 2 476053 66645455 5 allgemeinen Namen Kohle die 160 47,6055 6,064546,271 0,085 Producte, welche durch Erhitzen bei 3 170 47,7756,195 45,9535 0,098 irgend einer Temperatur erhalten 4180 48,9366 5,840 45,123 0,17] worden ſind. 5 190 50,6145 5,115 44,06250,2215 6 200 51,8173,9945 43,976 0,2265 Alle dieſe Kohlen ſind unvoll⸗ 7 53 3785 3 B7 kommen, entweder noch Holz oder 2 7 54.905 538 2/ 0 0 5 A 56%57 ne.00 unausgebrannte. 8 220 54,5704,150541,3935 0,217 9230 57,14655,508 37,047 0,3145 10240(61,307 5,507 832,7055 0,515 11 250 65,5875 4,810 28,967 0,632 12 260 67,8905 5,038[26,4935 0,5595, 3 270 70,45354,6415 24,1920,8555l Sehr rothbraune Kohle, welche anfängt pulveriſirbar zu ſein; vor⸗ züglich geeignet für Jagdpulver. 14280 J72.6395 4,705 22,0975 0,568 15 290 72,4944,981 21,929[0,610 16 300 73,236 4,254 21,962 0,569 17 310 73,638 3,8295[21,81250,744 Abnehmende Reihe rothbrauner 5 1 Schwarze überge 8 18 320 73,57350 4,8305 21,086 0,5185 Kohlen, ins Schwarze übergehend 19 330 73,5515 4,626 21,3330,4765 20 340 75,202 4,406519,9620,4775 21¹ 350 76,6444,13 18,4415 0,613 f Sehr ſchwarze Kohle, ſowie auch die folgenden, zu Militärpulver geeignet. 4) Schmelzpunkt 22 432a) 81,6435 1,961 15,2455 1,1625) des Antimons; 231023 81,9745 2,2975 14,1485 1,5975„ Silbers 241100 83,2925 1,702 13,7935 1,2245„Kupfers 25 1250 88,1385 1,415 9,2595 1,199„ Goldes 5 S. ne 3 ſehr 261300 90,811 1,5835 6,4895 1,1515„Stähles) Schwarze u. ſehr 97 5 6 1 I515 570 harte Kohlen. 27 1500 94,5660,7395 3,8405 0,664„ Eiſens über R 96,517„ Platins 0,6215 0,936 1)9455 RR 22———————— ˙ ũn6—fü—ĩV ͤà“ ——— ———— 5 ————— 38 Materialien. Danach iſt der Kohlenſtoffgehalt der Kohle der angewandten Temperatur propor— tional oder mit anderen Worten, je höher überhaupt die Temperatur, um ſo größer iſt die Abnahme an Gewicht, um ſo größer aber der Kohlenſtoffgehalt des Rückſtandes. Wie nun die Temperatur im Allgemeinen von großem Einfluſſe auf die Ausbeute an Kohle iſt, ebenſo bedeutend iſt die Art und Weiſe, innerhalb welcher Zeit die Verkohlung erfolgt. Verkohlt man das Holz möglichſt langſam, ſo wird die Ausbeute viel größer, während bei raſcher Verkohlung ſich gerade das Gegen— theil zeigt(Violette). Gewicht des bei 1500 getrock-[Menge der aus Menge der Art Temperatur neten Holzes 100 Thlu. Holz aus der der fitdieketn eehne Verkohlung. Verkohlung. vor der Vernach der Ver-flüchtigen Sub⸗ Holz erhal— kohlung. kohlung. ſtanzen. ften Ko hle FcWC. Langſame Ver—⸗ 8 8 kohlung.. 4320 90,45 1707 81¹,13 18,87 Raſche Verkoh⸗ lüng 432⁰⁰ 69,72 6,25 91,04 8,96 Zu gleicher Zeit mit der Ausbeute wächſt auch der Gehalt an Kohlenſtoff. So ergaben die oben erwähnten Faulbaumhölzer bei langſamer Verkohlung 82,106 Proc. Kohlenſtoff und 2,190 Proc. Waſſerſtoff, während bei raſcher Verkoh— lung nur 79,589 Proc. Kohlenſtoff und 2,169 Proc. Waſſerſtoff nachweisbar waren. In Betreff der phyſikaliſchen Eigenſchaften der Kohle mit Rückſicht auf die Höhe der Temperatur iſt zunächſt die äußere Beſchaffenheit der Kohle zu erwähnen. Die bei 2700 C. dargeſtellte Kohle— erſt das wenigſtens bis zu dieſer Tempe— ratur erhitzte Holz nennt man Kohle— welche man mit dem Namen Rothkohle belegt hat, iſt braunroth und etwas zerreiblich. Kohle, bei einer Temperatur er— zeugt, die über 2800 liegt, hat eine dunklere Farbe und beginnt bei 3400 ſchwarz zu werden. Die bei dieſer und höherer Temperatur dargeſtellte Kohle heißt Schwarzkohle. Sie läßt ſich, inſofern bei ihrer Darſtellung die Temperatur von 4320 nicht viel überſchritten wurde, leicht zerkleinern, hat einen glatten Bruch, welcher das Holzgefüge ſehen läßt, und zeigt viele Quer⸗, aber keine Längsriſſe. Bei Temperaturen, die zwiſchen 1000b bis 15000 liegen, iſt die Kohle ſehr ſchwarz, hart und widerſteht dem Reiben. Die bei der Temperatur des ſchmel— zenden Platins bereitete Kohle iſt tief ſchwarz, läßt ſich nur ſchwierig zerbrechen und beſitzt metalliſchen Klang. Wird die Verkohlung ſo z. B. bei 4320 beſchleunigt, ſo iſt die Kohle ſehr hart, vollkommen durchgebrannt und tönend, während bei langſamer Verkohlung das Gegentheil eintritt. Als eine weitere phyſikaliſche Eigenſchaft der Kohle, welche mit der Verkohlungs⸗ temperatur ſich ändert, iſt die Dichtigkeit der Kohle zu nennen. Intereſſant in U —5—————— V.„„ß„3 Verkohlungstemperatur. 39 dieſer Beziehung ſind die Unterſuchungen von Violette. Er beſtimmte das ſpeci⸗ or⸗ iſt fiſche Gewicht der bei ſteigenden Temperaturen dargeſtellten Faulbaumholzkohle, es. indem er in der Luft gewogene Stücke in Waſſer brachte, ſie acht Tage darin die verweilen ließ, und dann, nachdem alle Luft entfernt war, das Gewicht nach der her gewöhnlichen Methode erforſchte. Violette's Reſultate ſind in folgender Tabelle ird niedergelegt: en⸗ Verkohlungs— Specif. Gew. Verkohlungs— Specif. Gew. temperatur. der Kohle. temperatur. der Kohle. 75 W4ᷓ„ er 1 9500 1900 14470 35600. 909 n. 20457 440006600 1709 al⸗ 23000%ꝙ ẽ⁰9ꝛ9g 1416 1025355 184. hle 2500%/ͤ ͤ 413 500 8ò±s 862 270⁰⁹a 1422 15006 1 0„„„„„„1869 2 2900%% 14060 Schmelzpunkt des Tiegels.. 2,002 Beim Erhitzen auf 1500 bleibt das Holz noch unverändert, das Product zeigt demnach ein dem Holze entſprechendes ſpecifiſches Gewicht. Daſſelbe nimmt aber in dem Maße ab als die Verkohlung fortſchreitet, bis es bei einer Tempe⸗ ratur von 2900 ſein Minimum erreicht hat. Ungefähr bei dieſem Wärmegrade geht das Holz in Rothkohle über, die ſich durchgehends durch ein leichtes Gewicht auszeichnet. Bei 3500 tritt wieder das ſpecifiſche Gewicht des urſprünglichen Holzes off. hervor und zur ſelben Zeit iſt die Schwarzkohle gebildet. Dieſe wird immer ing ſchwerer, bis ſie endlich ein zweifach ſo hohes Volumgewicht wie das Waſſer beſitzt. oh⸗ Ein ganz anderes Verhalten zeigt ſich hinſichtlich der hygroſkopiſchen en. Eigenſchaft der Kohle, indem nach Violette's Unterſuchungen feuchter Luft aus⸗ die geſetzte Faulbaumkohlen Waſſermengen abſorbiren, welche in dem Maße abnehmen, 'en. als die Temperatur der Verkohlung wächſt, wie aus folgenden Zahlen erſicht— pe⸗ lich iſt: hle Temperatur Quantität des von Temperatur Quantität des von er⸗ der 100 Thln. Kohle aufge— der 100 Thln. Kohle aufge⸗ arz Verkohlung nommenen Waſſers. Verkohlung nommenen Waſſers. 151 1500% 20862 2005%½% 67920 165 166000ͤ 8220 30%%% 76608 5 Fn 300 ich, 1800 140660 3200 65354 ſſe. 6311626 8500„„5504 ehr 1 20000518 540% 9904 iel⸗ 100 74 3500% 65894 ö hen 2200868954 4400 47704 23000 8800 10250%%%4676 ehr AA00%%% 6666 11009. 4,444 2509— 7406 12500% 10 ing 260⁰0 5 G6,836 1300%% 2224 2609 38 8 37%%ͤů—7:Re05 100%00 25,204 2800. 7,879 Materialien. Zu bemerken iſt hierbei noch, daß gepulverte Kohlen ungefähr zweimal mehr Waſſer abſorbiren als dieſelben Kohlen in Stücken, was leicht zu begreifen iſt, da bei den gepulverten Kohlen der Feuchtigkeit mehr Oberfläche geboten wird, als bei den Kohlen in Stücken. Ganz richtig ſind dieſe Verſuche nicht, da Violette bei der Feuchtigkeits⸗ beſtimmung vollſtändig vergeſſen hat, die Gaſe, welche ſich inzwiſchen auf der Kohle verdichtet hatten, in Abzug zu bringen. Das aufgeſtellte Princip wird in⸗ deſſen nicht dadurch beeinträchtigt. Schließlich ſei dann noch die Wärmeleitungsfähigkeit der Kohle erwähnt. Dieſe nimmt mit der Temperatur der Verkohlung zu, anfangs unbedeutend und wenig veränderlich in den Kohlen, welche zwiſchen 150o und 3000 dargeſtellt ſind, wächſt ſie raſch in der bei höherer Temperatur bereiteten und erreicht einen Werth gleich/ von der des Eiſens(Violette). Was nun die chemiſchen Eigenſchaften der Kohle in Betreff der Verkohlungs— temperatur anbelangt, ſo ſind hier insbeſondere die Löslichkeit, die Entzündlichkeit und die Zerſetzungsfähigkeit hervorzuheben. Kohlen, welche bei 2700 dargeſtellt ſind, löſen ſich faſt ganz in Kali- oder Natronlauge. Die Löslichkeit nimmt aber raſch ab und verſchwindet vollſtändig für ſolche Kohlen, die bei 3400 und darüber erzeugt ſind. Die entzündlichſte unter den Holzkohlen entzündet ſich bei 300“ von ſelbſt; es iſt die des Weidenſchwammes. Die Kohlen aller anderen Hölzer, bei conſtanter Temperatur von 3000 bereitet, entzünden ſich nach Violette zwiſchen 3600 und 3800. Wird bei der Darſtellung der Kohle der Hitzgrad geſteigert, ſo findet die Entzündung bei ſehr ungleichen Temperaturen ſtatt. Letztere nehmen mit der Tempe— ratur der Verkohlung zu: Temperatur der Verkohlung.2600 bis 28002900 bis 3500 4320 10000 bis 1500⁰ Schmelzpunkt des Platins Temperatur der Entzündung.3400 bis 36003600 bis 3700 ca.„ 6000 bis 800⁰ ca. 12500 Miſcht man aber die Kohlen mit Schwefel, ſo erfolgt die Entzündung an der Luft bei einer viel niedrigeren Temperatur als ohne dieſen Zuſatz. Werden nämlich die bei Temperaturen zwiſchen 270o und 4000 bereiteten Kohlen mit Schwefel gemengt, ſo entzünden ſie ſich bei 250o und brennen ganz ab; werden hingegen die bei Temperaturen zwiſchen 10000 und 15000 bereiteten Kohlen mit Schwefel gemengt auf 2500 erhitzt, ſo verbrennt nur der Schwefel und die Kohlen bleiben unverſehrt(Violette). Ebenſo wie die Entzündlichkeit iſt die Fähigkeit der Kohle, den Salpeter zu zerſetzen, verſchieden; auch hier hat der Hitzgrad, bei welchem die Kohle darge— ſtellt wurde, einen Einfluß. Die bei Temperaturen zwiſchen 270o und 4320 bereiteten Kohlen zerſetzen den Salpeter bei 4000, die bei Temperaturen zwiſchen 1000o und 15000 bereiteten Kohlen zerſetzen hingegen den Salpeter erſt bei der Rothglühhitze. G 4 an let 9 al ar G br R A m ukt Meiler- und Gruben-Verkohlung. 4¹ Nach dieſen allgemeinen Vorbemerkungen ſeiſes geſtattet, auf die Verkohlung des Holzes überzugehen. Dieſelbe erfolgt entweder in Meilern, Gruben, Oefen, Keſſeln oder in Cylindern. In früheſter Zeit wurde die Verkohlung des Holzes allgemeinen in Meilern ausgeführt, allein man kam bald von dieſer Darſtellungsweiſe ab, da ſich zeigte daß durch die Bekleidung der Meiler die Kohle vielfach mit Sand, Erde u. ſ. w. verunreinigt wurde, auch nicht leicht eine gleichförmige Verkohlung der ganzen Maſſe, wie es zu dieſem Zwecke nothwendig iſt, erzielt werden konnte. Heutzu⸗ tage wird daher dieſe Methode für Darſtellung von Pulverkohlen faſt gar nicht mehr in Anwendung gebracht. Man findet ſie noch in Achenbach in Tyrol, am Harz und in Schweden— An die Meilerverkohlung ſchließt ſich die Verkohlung in Gruben. Für eine Beſchickung von 500 bis 1000 Kg beſitzen die Gruben, welche eine viereckige Geſtalt beſitzen, eine Tiefe von Um und eine Weite von etwa 3 mm. Die Wände ſowie der Boden ſind mit Backſteinen ausgemauert; um die Grube herum wird der Boden feſtgeſchlagen, ſo daß eine Tenne entſteht, welche auf zwei einander gegenüberliegenden Seiten der Grube rein gefegt wird, während an den beiden anderen Seiten eine thonhaltige Erde aufgeſtapelt wird. Iſt dies geſchehen, ſo legt man eine ſtarke Stange quer über die Grube und lehnt an dieſelbe die erſte Lage von Holzbündeln, die verbrannt werden ſollen, ſo an, daß ein freier Raum auf dem Boden der Grube bleibt. Dieſe erſte Reihe bedeckt man mit mehreren anderen, ſo daß ein regelmäßiger Haufen entſteht, welcher ungefähr Im hoch über die Grube herausragt. Auf dieſe Weiſe kann man 200 Bündel in eine ſolche Grube bringen, wobei man jedoch zu beobachten hat, daß der Haufen oben nicht breiter werde als die Grube ſelbſt iſt und daß eine Verbindung mit dem leeren Raume auf dem Boden der Grube hergeſtellt bleibt. In dieſen Raum wird ſo— dann ein Haufen Stroh und kleines Holz zurecht gelegt, welches man, ſobald die Aufſchichtung beendet iſt, anzündet. Der offen gelaſſene Eingang, durch welchen man dazu gelangt, wird ſofort mit einigen Holzbündeln verſtopft und bald bricht die Flamme auf allen Punkten durch. Man läßt hierauf dem Brande ſeinen Gang, bis die Stange ſelbſt verbrannt durch ihr Brechen die Holzbündel zuſammen— fallen läßt. Die Maſſe ſenkt ſich nun und man wirft nach und nach eben⸗ ſoviele neue Holzbündel auf das Feuer, als anfänglich in die Grube gelegt wurden. Da hierdurch der regelmäßige Bau des Haufens geſtört wird, ſo muß die Ver— brennung überall da, wo ſie erſtickt, wieder belebt werden, was man durch zeit— weiliges Aufheben der Maſſe mit eiſernen Haken bewirkt. So wie ſich keine Flamme mehr zeigt, betrachtet man die Verbrennung als beendet, vorausgeſetzt daß ſo viele Holzbündel nachgelegt wurden, daß die Grube mit Kohlen gefüllt iſt. Man ebnet die Oberfläche und bedeckt ſie mit einer naſſen, wollenen Decke. Auf dieſe wirft man die bereit gehaltene Erde und tritt dieſelbe mit den Füßen feſt, ſo daß zwiſchen der Kohle und der Decke kein leerer Raum bleibt. Dieſe Arbeit muß ſchnell, aber doch vorſichtig geſchehen, damit die Decke nicht zerriſſen werde. Mit dem Zudecken vermittelſt Erde fährt man ſo lange fort, bis kein Rauch mehr zu ſehen iſt. Vor Ablauf von 3 bis 4 Tagen kann die Grube nicht geleert werden, weil man ſonſt Gefahr laufen würde, daß ſich die Kohlen an der Luft EEEEEEE RR 42 Materialien. entzündeten. Iſt die Grube abgekühlt, ſo nimmt man vorſichtig die Erde und de die Decke ab, bringt die Kohlen mit einer Schaufel heraus und ſondert die eir Brände oder nicht verkohlten Theile aus. Das Ergebniß an Kohle bleibt ſich nicht wWe gleich. Nach franzöſiſchen Angaben ſoll man von 400 Bündeln von je 15 Kg, zu— F. ſammen alſo 6000 Kg Holz, 950 bis 1000 Kg d. i. 16 bis 17 Proc. Kohle erhalten. Fe Einen Vorzug verdient diejenige Einrichtung, wonach die Gruben kleiner de gemacht werden, von runder Geſtalt und nur ein Drittel von der Breite der ſet größeren bei derſelben oder etwas größeren Tiefe. Das Holz verbrennt dabei 85 auf eiſernen Stangen, welche in der Höhe der Grube angebracht ſind und fällt ſomit in einen Raum, zu dem der Zutritt der Luft ſehr verringert iſt, ſo daß die— Verbrennung nicht weiter ſtattfinden kann. Die Grube füllt ſich auf dieſe Art ſehr bequem, ohne daß Brände übrig bleiben oder ein Theil der Kohle eingeäſchert wird, wie es in den erſten Gruben wegen zu geringer Tiefe bei zu großer Weite 8 geſchieht. Durch die runde Form erhalten dieſe Gruben auch mehr Feſtigkeit als die vorigen, welche nie länger als ein Jahr dauern. In Gruben der letzteren Art werden in Spanien die Hanfſtängel verkohlt. 2 Nicht viel beſſer ſteht es mit der Verkohlung in Oefen. Der platte Herd und die Wölbung deſſelben ſind aus Ziegelſteinen aufgemauert. An der vorderen und hinteren Seite eines jeden Ofens befindet ſich eine Thür. Beim Anzünden der Holzbeſchickung ſind beide geöffnet. Sobald aber das Feuer gehörig um ſich gegriffen hat, ſchließt man die Thür, durch welche man es angezündet hat, läßt aber die andere geöffnet, um den Rauch abziehen zu laſſen. Man ſchürt das Feuer von Zeit zu Zeit und ſchiebt die verkohlten Theile in den Grund des Ofens. Nähert ſich die Verkohlung ihrem Ende, ſo ſchließt man die zweite Thür. Nach Verlauf von 1¼ Stunde zieht man die Kohlen heraus und läßt ſie in blecherne Kohlendämpfer fallen, in welchen ſie zwei Tage bleiben. In der Schweiz ge— ſchieht das Verkohlen in einem aus großen Steinplatten zuſammengeſetzten vier— ſeitigen Ofen, der oben offen iſt. Die 2,5 m langen Haſelholzzweige werden aufrecht ſtehend in den 0,6 bis O,9 m weiten und ungefähr 2 bis 3 m hohen Ofen we eingeſetzt, entzündet und niedergebrannt. Die glühenden Kohlen werden in ein B ähnliches Behältniß gebracht und mit einem eiſernen Deckel verſchloſſen. Obgleich nun nicht zu verkennen iſt, daß die in der Schweiz übliche Methode zu vor der zuerſt genannten Verkohlungsmethode in Oefen weſentliche Vorzüge hat, ſte ſo iſt doch in beiden Fällen die Erzielung einer beſtimmten Kohlennüance höchſt K ſchwierig und bei der erſten Methode eine Verunreinigung mit Glanzruß faſt gar nicht zu umgehen. Denn wenn die dampfförmigen Producte, insbeſondere da der Theer, nicht hinlänglich freienRaum zum Abziehen haben, ſo ſchlagen ſich dies—. ei ſelben auf den glühenden Kohlen nieder, verkohlen daſelbſt und bilden ſo über der D Kohle den ſchwer entzündlichen Glanzruß. ge Eine Vervollkommnung der Grubenverkohlung iſt die Verkohlung in Keſſeln, ge wobei die Kohle wenigſtens vor Verunreinigung mit Sand geſichert iſt. In k0 gußeiſerne, hemiſphäriſche Keſſel von 1,„20 m Durchmeſſer und 84 em Tiefe, ar welche bis an ihren oberen Rand in den Boden eingegraben ſind, werden einige ei Hände voll angezündetes Holz geworfen, welches man ſorgfältig durch allmählich V zugefügtes Holz bedeckt, um ſo viel als möglich die Flamme zu erſticken. Wenn ſd 4 7 und die licht zu⸗ ten. iner der abei eren iden ſich läßt das ens. Lach erne ge⸗ er⸗ Un, In iefe, nige lich enn Ofen- und Cylinderverkohlung. 43 der Keſſel gefüllt iſt, bedeckt man ihn mit einem gußeiſernen Deckel, welcher mit einigen kleinen Oeffnungen verſehen iſt, durch welche die flüchtigen Producte ent— weichen können. Man erhält nach dieſer Methode, welche noch gegenwärtig in Frankreich zur Bereitung von Schwarzkohle angewandt wird, von 100 Kg Faulbaumholz von gewöhnlicher Feuchtigkeit ungefähr 20 Kg Schwarzkohle. Nach den Unterſuchungen von Violette haben aber dieſe Kohlen abweichende Zuſammen— ſetzung; man erhält Rothkohle mit 73 Proc. Kohlenſtoff, und Schwarzkohle mit 83 Proc. Kohlenſtoff, wie folgende Tabelle zeigt. Procente der in den Kohlen gefundenen Elemente. 3333I.0...... Or t 8 der Pulverfabrik. Kohlenſtoff. Waſſerſtoff. Stickſtoff und Aſche. Verluſt. EFEFEFEERüR..... 81,028 3,2398 14,981 0,7802 Angoulème 73,961 3,0190 22,575 0,475 Bouchet 80,364 3,6140 15,1437 0,9425 Metz 74,894 3,6120 21,0242 0,475 Saint⸗Chamas 79,928 3,1886 16,0259 0,8685 Saint⸗Médard 81,067 3,0022 15,0250 0,9125 Saint⸗Ponce 76,010 2,9821 19,8646 1,641 Vonges 83,034 3,421 12,096 1,446 Esquerdes Bei dieſen Unterſuchungen hat ſich gleichzeitig herausgeſtellt, daß die Kohle, welche die Mitte des Keſſels einnimmt, reicher an Kohlenſtoff iſt als die am Boden und an der Oberfläche. Da dieſes Verfahren es nicht erlaubt Kohlen von beſtimmten Eigenſchaften zu erzeugen, ſo iſt es nicht zu empfehlen; die mit den verſchiedenen Kohlen darge— ſtellten Pulverarten werden natürlich nicht mit einander in ihrer Entzündbarkeit, Kraftentwicklung u. ſ. w. übereinſtimmen. Der Uebergang von der Ofenverkohlung zu der Cylinderverkohlung bildet das in Dänemark übliche Verfahren. Die Kohle von Erlenholz wird dort in einem Ofen von drei Etagen in beſonderen eiſernen Verkohlungskaſten gebrannt. Das Holz wird vorher unter einem offenen Schuppen der Luft längere Zeit aus⸗ geſetzt. Zum Verkohlen werden 6 bis 7Kg Hölzer in jeden der eiſernen Kaſten gethan und davon 1,5 bis 1,75 Kg oder 25 Proc. Kohle gewonnen. Die Ver⸗ kohlung dauert etwa eine Stunde und wird eingeſtellt, wenn die blaue Flamme aus den angebrachten Oeffnungen herausſchlägt. Die Kohle kommt darauf in einen luftdicht verſchloſſenen Raum, in welchem ſie 18 bis 24 Stunden verbleibt. Vor dem Gebrauche wird ſie ſortirt, wobei man alle Aeſte und Brände aus— ſcheidet. 1˙ —Æ——2 ————— Materialien. Da dieſe Methode alle Mängel der Cylinderverkohlung an ſich trägt, ſo darf hinſichtlich ihrer Beſprechung auf S. 54 verwieſen werden. Was nun die Verkohlung in Cylindern anbelangt, ſo wurde dieſes Ver fahren von dem engliſchen Biſchof Landloff erfunden und im Jahre 1797 in England eingeführt. Das Verfahren wurde anfangs geheim gehalten, aber ſchon im Jahre 1802 durch Collmann's Beſchreibung über die Cylinderver— kohlung in England den übrigen Staaten bekannt. Die Verkohlung des Holzes in Cylindern kann nun in der Weiſe ausgeführt werden, daß man die Cylinder durch ein unter denſelben angebrachtes Feuer un— mittelbar erhitzt, und ſo die Zerſetzung des Holzes herbeiführt, oder daß man, wie ſolches in neuerer Zeit geſchieht, einen dritten Körper, z. B. Waſſerdampf, auf eine beſtimmte Temperatur bringt und durch dieſen dann eine Verkohlung des Holzes bewirkt. Zuerſt ſei die ältere Methode erwähnt und der Anfang mit der Einrichtung des Verkohlungs-Apparates gemacht. Da nun in den verſchiedenen Ländern letztere nicht durchgehend gleich iſt, ſo dürfte es ſowohl zur Vermeidung von Wiederholungen als auch im Intereſſe der Ueberſichtlichkeit gerechtfertigt erſcheinen, irgend eine Einrichtung herauszugreifen und zu beſchreiben, während es bei den übrigen genügen würde, nur das von dieſer Einrichtung Abweichende anzugeben. Sehr geeignet für eine Beſchreibung erweiſt ſich die Verkohlungs⸗Anſtalt zu Le Bouchet, da die Einrichtung derſelben noch am meiſten an die urſprüng— lich in England übliche ſtreift. Das Innere des Verkohlungsraumes iſt in Le Bouchet 23,8 öw lang und und 9,6 m breit. In dieſem Raume befinden ſich 12 Feuerungen. Die Cylin— der von Eiſenblech, 2m lang, 0,67 m weit und 0,025 m dick, ſind liegend und nur auf ihren Enden aufliegend dergeſtallt in einen Ofen eingemauert, daß ſie paarweiſe, wie aus Fig. 1 und Fig. 2 erſichtlich, von einer gemeinſchaftlichen Feuerung geheizt werden. Je zwei Cylinder 4 4 ſind 0,2 m von einander ent— fernt. Der Zwiſchenraum iſt leer und unter der Mitte zweier zuſammen gehöriger Cylinder liegt der Roſt. Die Wärme ſteigt zwiſchen beiden empor, biegt ſich rechts und links über beide nach unten und mündet in einen Canal, welcher zu tung dern von inen, den eben. iſtalt üng⸗ und ylin⸗ und ſie ichen ent⸗ riger ſich rzu Cylinderverkohlung. dem allgemeinen Schornſteine führt. An den Feuerzügen ſind Schieber angebracht, mit deren Hülfe man die Feuerung für jeden einzelnen Cylinder reguliren kann. Auf der Seite der Feuerung ſind die Cylinder mit Thon beſchlagen, damit ſie nicht zu früh durchbrennen und ſich gleichmäßiger erhitzen. An beiden Enden ſind ſie mit Deckeln geſchloſſen. Der hintere Deckel B iſt feſt eingeſchraubt und mit vier Röhren von 0,Im Weite verſehen. Das Rohr„ dient zum Einſatz des kupfernen Rohres 5, welches die flüchtigen Produete nach Cabführt, wo ſie zum Theil condenſirt werden, zum Theil in den Schornſtein entweichen. Die drei anderen Röhren dienen zum Probeziehen. Zu dieſem Zwecke werden gerade Holzſtäbe in Blechröhren 5, 7 in den Cylinder eingeſchoben und die Oeffnun— gen bei P luftdicht abgeſchloſſen. Die vordere Oeffnung der Cylinder wird durch einen Vorſetzer verſchloſſen, welcher aus zwei Scheiben beſteht, deren Zwiſchenraum von 0,2 m mit einer Schicht von Aſche, Lehm und Kohlenſtaub angefüllt iſt. Eine ähnliche Einrichtung hat man in Neiße, nur daß dort die Röhren zum Probeziehen wegfallen, da ſich diefelben als vollkommen entbehrlich erwieſen haben. An deren Stelle hat man einen Hahn angebracht, um die aus dem Holze entweichenden Gaſe beobachten zu können. In Dresden, wo die Cylinder 2,17 m lang und 0,77 mubreit ſind, hat jeder Cylinder einen abgeſonderten Roſt zur Feuerung, was inſofern vortheilhaft iſt, als der Proceß der Verkohlung leichter und gleichmäßiger im Gange gehalten werden kann. An der unteren Seite eines jeden Cylinders iſt zum Schutze gegen die Flamme ein Blechmantel befeſtigt, welcher 0,O026 m von dem Cylinder abſteht; der Zwiſchenraum zwiſchen beiden iſt mit einer Miſchung von Kohlengeſtübe und Thon ausgefüllt. Vorn kann jeder Cylinder durch zwei Deckel verſchloſſen werden, welche 0,31 ·m Abſtand von einander haben. Damit der innere Deckel ganz feſt aufſitzt, wird eine eiſerne Stange eingeſetzt und zwiſchen dieſe und den Deckel ein Holz gekeilt. Der äußere Deckel iſt von Gußeiſen und läßt ſich feſt aufſchrauben. Auf der hinteren Seite des Cylinders führt aus der Mitte des Deckels ein weites kupfernes Rohr die Dämpfe in den Verdichtungsapparat. Das Rohr iſt an der Stelle, wo es in den Condenſationsraum tritt, knieförmig gebogen. In Spandau, wo früher daſſelbe Verfahren wie in Neiße beſtand, hat man in neueſter Zeit die Einrichtung getroffen, das Holz in beweglichen Cylindern zu verkohlen. Dieſelben ſind 1,24 m lang, etwa 0,6 m weit und faſſen 90 Kg. Holz. Die vordere Oeffnung wird mit einem einfachen Deckel geſchloſſen. Sowie der Cylinder, welcher auf einem kleinen Wagen oben mit zwei Schienen verſehenen ruht, fertig geladen iſt, wird er an den Ofen gefahren und auf zwei der Länge nach in demſelben angebrachten Eiſenbahnſchienen, welche vollkommen frei über dem Roſte liegen, geſchoben. Vorn vor dem Cylinder befindet ſich ein großer, beweglicher Deckel, welcher auf Rollen läuft und hauptſächlich dazu dient, ein Ausſtrömen von Wärme an dieſer Stelle zu verhindern. Die abziehenden Gaſe werden in die Feuerung geleitet. Will man die Entwicklung der aus dem Holze ſtrömenden Gaſe beobach— ten, ſo braucht man nur den großen Deckel etwas zurückzurollen, wodurch man einen Blick auf die Feuerung erhält. Zur Beſtimmung der Temperatur, welcher das zu verkohlende Holz ausgeſetzt werden ſoll, hat man oben am Cylinder ein 22...cc Materialien. Pyrometer angebracht, welches aus einem Stabe von Bronze beſteht. Das eine Ende deſſelben ruht auf einem feſten Punkte, während das andere auf das kürzere Ende eines Winkelhebels wirkt. Sobald ſich der Stab durch die Hitze ausdehnt, wird das kürzere Ende des Hebels aus ſeiner Lage gebracht, indem es ſich um einen feſten Punkt dreht und ſo auf den längeren Hebelarm wirkt, welcher auf einem Kreisbogen ſpielt, auf dem die Wärmegrade mit Rückſicht auf die Aus— dehnung des Stabes bei beſtimmten Temperaturen angegeben ſind. In Schweden hat man vorgeſchlagen, den Cylindern während des Ver— kohlens eine Drehung von 900 um die horizontale Achſe zu geben, um dadurch mit geringerer Heizung gleichmäßigere Reſultate zu erhalten, indem durch das Umdrehen ſämmtliche Stücke nach einander an die Cylinderwand zu liegen kommen ſollen. Ueber die darüber angeſtellten Verſuche iſt bis jetzt noch nichts bekannt worden. In Waltham⸗-Abbey hat man eine Einrichtung getroffen, welche im Prin— cipe an die oben(S. 43) erwähnte däniſche erinnert. Zur Erzielung einer weniger unterbrochenen Operation werden nämlich in die gußeiſernen Cylinder blecherne, mit Holz gefüllte eingeſchoben. Nach beendeter Verkohlung werden dieſelben herausgenommen und durch neue erſetzt, ſo daß der Betrieb faſt ununter— brochen fortgeht. In dieſem Falle braucht man keine beſonderen Dämpfer, indem jene blechernen Cylinder ſchon dieſe Dienſte leiſten. Die Länge der Cylinder iſt, wie man ſieht, in den einzelnen Staaten ganz verſchieden, ſie bewegt ſich zwiſchen 2,17m und 1,24 m, während die Weite ſich ziemlich gleicht bleibt. Im Allgemeinen iſt hierüber zu bemerken, daß die Sicher— heit für die gleichmäßige Verkohlung in dem Maße ſteigt, als die Cylinder kleiner werden, da bei dieſen es einer geringeren Hitze bedarf, um die Verkohlung bis in die Mitte zu treiben, weshalb man auch in England ſogar Cylinder anwendet, welche nur 35 Kg Holz faſſen. Dabei iſt aber auf der anderen Seite wohl zu berückſichtigen, daß die Koſten der Feuerung ſteigen, je kleiner die Bereitungs— cylinder ſind. Als ganz vorzüglich erweiſt ſich die Einrichtung in Spandau in Betreff des Pyrometers, da auf dieſe Weiſe ein annähernder Maßſtab für die Temperatur, welcher das Holz ausgeſetzt iſt, gegeben wird, und dadurch die Wirkung der einzelnen Pulverſorten leichter zu bemeſſen iſt. Was die Haltbarkeit der Cylinder angeht, ſo wird die Dauer eines gußeiſer— nen Cylinders auf 15 und die eines aus Eiſenblech auf 6 Jahre angegeben. Das Laden der Cylinder und das darauf folgende Verfahren der Verkohlung iſt in allen Staaten beinahe ganz daſſelbe. Beim Laden derjenigen Cylinder, welche eingemauert ſind, wo alſo der vordere und hintere Theil derſelben auf einer Mauer ruhen, läßt man dieſe Stellen frei, weil ſolche von der Flamme nicht berührt werden. Der übrige Raum wird aber vollſtändig angefüllt und nur an der oberen Seite ein kleiner Raum für die Gas⸗ entwicklung leer gelaſſen. Das Eintragen geſchieht entweder in einzelnen Stäben oder in Bündeln, die mit Strohbändern zuſammengebunden ſind. In dieſem Falle ſetzt man die Bündel in den Cylinder, öffnet das Strohband, nimmt es heraus und füllt, wenn noch Lücken ſich zeigen, mit der Hand ſoviel Holz nach, als ohne tio das na der mi lin vo⸗ der Ar Ke Ve at. we m di. R eine rzere hnt, um auf lus⸗ Ver⸗ urch das men annt rin⸗ iner nder rden iter⸗ dem ganz ſich cher⸗ iner bis det, lzu ngs⸗ des tur, nen Cylinderverkohlung. 47 Gewalt anzuwenden hineingeht. Die Deckel werden ſodann vorn eingeſetzt, die Fugen mit Lehm oder einem anderen feuerfeſten Kitte verſchmiert und die Ver— kohlung kann jetzt beginnen. Das Feuerungsmaterial ſind entweder klein gepochte Kohlen oder Torf, welcher vorzuziehen iſt, da er eine gleichmäßigere Hitze giebt als Kohlen. Anfangs heizt man langſam an und macht zu dieſem Zwecke nur am vorderen Ende des Roſtes ein Feuer. Nach etwa einer halben Stunde tritt aus der Gasröhre ein etwas weißlicher Dampf, man ſchiebt dann einen Theil des Feuers auf dem Roſte nach hinten und heizt vorn und hinten weiter. Man vermeidet möglichſt das Aufflammen; in keinem Falle darf die Flamme bis an die Cylinder reichen. Etwa 4½ bis 5 Stunden nach dem erſten Anheizen beginnt die eigentliche Deſtillation, der weiße Rauch nimmt eine mehr gelbe Farbe an und riecht ſcharf empyreumatiſch. An denjenigen Orten, wo man noch Probeſtäbe hat, wird einer derſelben herausgezogen und an mehreren Stellen zerbrochen, um diejenige zu erkennen, wo die Verkohlung noch zurück iſt; an dieſe Stelle des Cylinders ſchiebt man dann das Feuer. Die Gaſe gehen nun allmählich ins Weiße und ſchließlich ins Blaue über. Letzterer Punkt iſt in vielen Fabriken das Erkennungszeichen, daß die Kohle gar iſt. In anderen, wo man die Deſtilla— tionsgaſe in die Feuerung leitet, entſcheidet die Farbe der brennenden Gaſe. In Dresden richtet man beſondere Aufmerkſamkeit auf das Gasrohr. Iſt nämlich das Knieſtück deſſelben ſo kalt, daß man es anfaſſen kann, ſo darf nicht mehr nachgefeuert werden. Man läßt das Feuer nun noch eine Viertelſtunde unter den Cylindern, entfernt es darauf und ſchließt die Feuerzüge mit den Schiebern, da mit die Kohle ſich abkühle. In Spandau bleibt die Kohle eine Stunde in den Cy— lindern, während in Dresden je nach der Witterung 16 bis 24 Stunden dafür vorgeſchrieben ſind. Die Dauer der Verkohlung iſt'ebenfalls verſchieden; an einigen Orten beträgt ſie 6 bis 7, an anderen 11 bis 12 Stunden. Beſtimmte Vorſchriften laſſen ſich darüber nicht aufſtellen, da es einerſeits auf den größeren oder geringeren Grad der angewandten Hitze, andererſeits auf die Art von Kohle, welche man erzielen will, ankommt. Bei der Darſtellung von Kohle für Jagdpulver leitet man in der Regel das Feuer in der Weiſe, daß die Verkohlungsdauer wenigſtens 11 Stunden beträgt. Iſt die für die Abkühlung vorgeſchriebene Zeit abgelaufen, ſo wird der Cylinder entleert und die Kohle ſchnell in eylindriſche, eiſerne Gefäße, ſogenannte Dämpfer, geſchüttet, welche mit einem gut ſchließenden Deckel verſchloſſen werden. In dieſen bleibt die Kohle, bis ſie gekleint wird. Letzteres darf in keinem Falle vor Ablauf von vier Tagen ausgeführt werden. In Dresden wird die Kohle, ſowie ſie aus dem Cylinder kommt, in dünnen Schichten auf hölzernen Hürden ausgebreitet und auf dieſen 48 Stunden lang der atmoſphäriſchen Luft ausgeſetzt, wobei jedoch die Strahlen der Sonne vermieden werden. Die Kohle wird ſodann ſortirt, gewogen und in eiſerne Cylinder, welche mit einem Deckel dicht verſchloſſen werden können, gebracht. Um die Fabrikation zu beſchleunigen, wurde in Frankreich 1791 verordnet, die Kohle mit Waſſer abzulöſchen. Das daraus dargeſtellte Pulver erwies ſich nach Robin's Verſuchen indeſſen ſo ſchlecht, daß das Naßablöſchen 1798 verboten wurde. Errr Materialien. Bei dieſer Verkohlung in Cylindern erhielt Kahl in der Dresdner Pulver— fabrik an Geſammtausbeute von lufttrockenem, 11,57 Proc. Feuchtigkeit enthalten— dem Faulbaumholze 26,429 Proc. bis 28,647 Proc., alſo im Mittel 27,4 Proc. Kohle. Bei Erlenholz, welches 11,7 Proc. Feuchtigkeit enthielt, betrug die Ausbeute 26,2 Proc. Kohle. Beiläufig ſei bemerkt, daß man die Cylinderkohle auch deſtil— lirte Kohle nennt. Dieſer Ertrag an Kohlen repräſentirt aber keineswegs ein gleichmäßiges Product, da neben der Schwarzkohle regelmäßig Rothkohle auftritt, welche faſt bis zu einem Drittel der Geſammtausbeute ſteigt, wie folgende in Esquerdes mit Faulbaumholz von 10 bis 12 Proc. Feuchtigkeit angeſtellten Ver— ſuche von Violette zeigen. In der Tabelle iſt gleichzeitig auch der Verbrauch an Holz zum Heizen der Cylinder angeführt. Sämmtliche Zahlen beziehen ſich auf 100 Gew. Thle. Kohlholz. Ausbeute. 8 Holz Jahrgang. 55 zum Heizen. 2155 Rothkohle. Schwarzkohle. Zuſammen. 1843 65,2 12,79 20,12 32,91 1844 77,0 16,39 14,89 31,28 1845 75,7 15,47 16,00 31,47 1846 93,8 12,07 20,25 32,32 Mittel 74,2 14,18 17,81 32,17 Das Auftreten von Rothkohle neben Schwarzkohle erklärt ſich ſehr einfach, wenn man bedenkt, daß die Hitze in dem Cylinder nicht überall eine gleichheitliche iſt. Aus dieſem Grunde müſſen denn auch die Kohlen von verſchiedenen Stellen des Cylinders entnommen verſchiedene Beſchaffenheit zeigen. Es beweiſen dies ſchlagend folgende von Kahl angeſtellten Analyſen⸗ n 0 n ver⸗ ten⸗ zroc. eute eſtil⸗ ein ritt, ein Ver⸗ auch ſich n. fach, liche llen dies Ort, woher die Kohlen entnommen. Kohle von vorn und oben im Verkohlungscylinder, Ver— kohlungstemperatur gering. Kohle aus der Mitte des Cylinders. Kohle von hinten und unten im Cylinder, Verkohlungs—⸗ temperatur am ſtärkſten. Zuſammenſetzung. Kohlenſtoff. 83,88 85,36 83,43 79,22 A A 2 E 90,39 91,08 90,27 91,10 92,2⁴ 2,2 Waſſerſtoff Sauerſtoff. Aſche. P 3,24 11,56 1,33 3,82 9,.21 1,61 3,30 11,80 147 3,29 16,24 1.25 2,71 18,21 1,55 2,51 5,49 1,61 2,69 4,58 1,65 2,18 6,14 1.4¹ 1,97 5,06 1,87 2,03 3,85 1,88 Miſcht man nun auch die von den verſchiedenen Theilen des Cylinders ent— nommenen Kohlen unter einander, ſo wird dieſes Product doch ſtets von dem anderer Pulverfabriken, wo es auf die nämliche Weiſe erzeugt wurde, abweichen, wie aus folgender Tabelle hervorgeht, in welcher die mittlere Zuſammenſetzung von Rothkohlen aus verſchiedenen Pulverfabriken angegeben iſt: Procentgehalt der Kohlen an Ort der Zu S. erſt ff 4 1* 0 Sherkkaff⸗ Pulverfabrik.] Jagdpulver. Kohlenſtoff. Waſſerſtoff. Stickſtoff Aſche. und Verluſt. 71,1805 2,521 25,9855 0,3085 Bouchet extrafein ouche 74,011 2,6465 22,3475 0,513 fein 70,3765 2,655 26,4955 0,4815 Angouléme— 72,090 4,341 22,7105 0,873 ertrafein 5 Esquerdes 85 75,664 3,382 20,2225 0,7855 fein Friſch bereitete Kohle zeigt in hohem Grade das Vermögen, Feuchtigkeit in ſich aufzunehmen und Gaſe auf der Oberfläche zu verdichten. Kahl hat in dieſer Richtung Verſuche mit Cylinderkohlen aus Faulbaumholz angeſtellt. Das Schießpulver, 4 Dieſelben —........ ———-— 4 Materialien. nehmen in 2 bis 4 Tagen bei ſehr trockner Witterung 7,5 Proc. bei ſehr feuchter Witterung 10 Proc. ihres Gewichtes an Waſſerdampf und Gaſen auf. Erſterer wurde bei darauf folgendem Trocknen vollkommen wieder abgegeben, nicht aber das Gas in ſeiner ganzen Menge. So verlor friſche Kohle, welche an der Luft 6,98 Proc. Gaſe und Feuchtigkeit abſorbirt hatte, in einem Strome trockner Luft von 150o C. im Mittel 4,85 Proc. Waſſer, hielt alſo in ihren Poren noch 2,13 Proc. Gaſe zurück und nahm außerdem noch 0,69 Proc. Gaſe(wahrſcheinlich aus der warmen Luft) auf. Bei 150˙ C. getrocknete Kohle enthielt alſo noch 2,82 Proc. Gaſe, welche ſich ſelbſt bei einer Temperatur von 2705 nicht austreiben ließen. Bei der Verdichtung der Gaſe auf der Oberfläche der Kohle iſt noch ein Punkt näher zu erörtern, nämlich daß bei Berührung der Gaſe mit den Kohlen ſtets Wärme frei wird und wenn jene ſchnell und heftig vorwärtsſchreitet, dieſe bis zur Entzündung der Kohle geſteigert werden kann. Dieſe Erſcheinung tritt hauptſächlich dann ein, wenn friſch bereitete, fein gepulverte Holzkohle in größeren Quantitäten aufgeſchichtet wird. So klar und einfach die Urſache dieſer Entzündung iſt, ſo ſind doch die den Vorgang begleitenden Umſtände weniger einfach, und treten oft in Verbindungen auf, welche ſcheinbare Widerſprüche in den Reſultaten veranlaſſen. Zur Erforſchung des wirklichen Grundes der Entzündung wurden deshalb in der ehemaligen Berliner Pulverfabrik eine Reihe von Verſuchen mit Cylinderkohle angeſtellt, welche zu folgenden Ergebniſſen führte: Eine mit 28 Proc. Ertrag bereitete Faulbaumkohle entzündet ſich um ſo leichter, je kürzer der Zeitraum zwiſchen der Gewinnung der Kohlen und deren Aufbewahrung im gekleinten Zuſtande iſt. Schwarze, ſtarkgebrannte Kohle erhitzt und entzündet ſich leichter als rothe und wenig gebrannte Kohle. Friſch bereitete, fein zertheilte Kohle entzündet ſich in Quantitäten von 60 Kg nur dann freiwillig, wenn ſie in einem Gefäße wenig⸗ ſtens 0,62 m hoch aufgeſchüttet ſich befindet. Die Entzündung zeigt ſich faſt immer zuerſt im Innern der Kohlenmaſſe, nicht an der Oberfläche. Um einerſeits die Gewichtszunahme und andererſeits die Temperaturerhöhung in den einzelnen Stadien nachzuweiſen, wurden 50 Kg im Ertrage von 28 ½ Proc. bereitet und etwa 36 Stunden nach Beendigung des Verkohlungsproceſſes fein gekleint in einem unbedeckten, eylindriſchen Gefäße von Eiſenblech auf eine Wage geſtellt. Es zeigten ſich folgende Veränderungen: Nach Stunden. Temperatur der Kohle nach Celſius. Entzündung Gewichtsvermehrung nach Grammen. Materialien. Die Gewichtszunahme beträgt danach bei der Entzündung faſt 500 g oder beinahe 1 Proc, wozu alſo, wenn man nur trockne atmoſphäriſche Luft in Rech— nung bringt, etwa 0,356 ebm gehören. Die Erwärmung geht anfangs ziemlich regelmäßig, aber nur langſam vor ſich, während ſie, ſowie ſie ſich der Entzündung nähert, in großen Sprüngen ſich ſteigert. Zu einem ganz anderen Reſultate gelangte man, als man Kohlen 18 Stun— den nach Beendigung des Verkohlungsproceſſes pulverte und dann kleinere Quan⸗ titäten dem Verſuche unterzog. Die Temperatur im Verſuchslocal war 5 bis 8,5 C, die Temperatur der Kohlen beim Abwägen in demſelben Raume betrug 18,750 C. 50 Kg 20 Kg 16 Kg uls⸗ 7,5 K9 5 Kg 2,5 Kg 5 Stunden nach dem in einem in einem Einſchütten eiſernen cylin— der Kohlendriſchen Ge— in einer hölzernen ovalen in hölzernen Tonnen 5 Blechgefäße von 3 Tonne von in neben⸗ fäße von genannte Gefäße m m m m m m 0,35 und 55 557 4 0,67 0,59 0,38[0,336 0,3440,234 Durchme Die oben angegebenen Gefäße waren durch die Kohle gefüllt auf eine Höhe von m III 0,468 0,468 m m 14 m 0,417 0,365 0,313 0é261 Temperatur der Kohle nach Celſius: 0,59 12 83,75 15 917⁵ 18 2⁴5 Entzündung 83 — 8 — S 25 16,25 20[15 23,7515 20 13,75 23,7512,5 18,7512,5 ———— E ——————ůů ů*õ mnᷣͤ——92—————— Kohlen, Selbſtentzündung. 53 So intereſſant auch dieſe Verſuche ſind, ſo laſſen ſich doch aus denſelben keine allgemeinen Schlußfolgerungen ziehen, aus denen man erſehen könnte, was der wirkliche Grund der Entzündung iſt, und zwar um ſo weniger, als Fälle aufge— treten ſind, wie ſie der franzöſiſche Oberſt Aubert angiebt, wonach von zwei ganz gleichartig und gleichzeitig behandelten Kohlenmengen in zwei gleichen Gefäßen die eine ſich entzündete, die andere aber nicht. Hadfield theilt ſogar einen Fall mit, daß drei Tage alte Kohle in Stücken, welche in einem Wagen 16 engliſche Meilen weit gefahren waren, über Nacht ſich entzündeten. Der Berichterſtatter vermuthet, es habe ſich Kohlenpulver beim Fahren gebildet, von welchem die Ent— zündung ausgegangen ſei, allein gegen dieſe Vermuthung ſpricht ein Fall, welcher in Sachſen vorkam, wo ebenfalls auf einander gelagerte Kohlenſtücke ſich ent⸗ zündeten. Die Selbſtentzündung kann alſo durch verſchiedene Umſtände herbeigeführt — werden, und es iſt daher unentſchieden, ob den verſchiedenen Zuſtänden der Atmo⸗ 8 ſphäre in Bezug auf den Luftdruck, atmoſphäriſche Wärme, Gehalt an Waſſergas und Elektricität ein Einfluß auf die Erſcheinung eingeräumt werden darf. Nach den gewonnenen Reſultaten kann ihnen wenigſtens keine die Erſcheinung abſolut bedingende Wirkung beigemeſſen werden, ſondern dieſe muß mehr in dem verſchie⸗ denen Grade der Einſaugungs- und Verdichtungsfähigkeit der Kohle für atmo⸗ ſphäriſche Luft, ſowie in der Art und Weiſe geſucht werden, wie die frei gewor⸗ dene Wärme in der pyrophoriſchen Subſtanz zuſammengehalten wird. — Davies meint zwar, daß die Selbſtentzündung der Holzkohle von der Oxydation des Kalium herrühre, welches während der Verkohlung aus dem in jedem Holze befindlichen kohlenſauren Kalium gebildet werde, weshalb auch keine Entzündung auftrete, wenn Kohle mit Schwefel gemiſcht werde, weil da Schwefel⸗ kalium entſtehe. Allein gegen dieſe Annahme ſpricht einmal der Umſtand, daß die Reduction des kohlenſauren Kalium zu Kalium bei der Temperatur, bei welcher die 5 Pulverkohle dargeſtellt wird, äußerſt unwahrſcheinlich iſt, da, wie bekannt, zu dieſer Umwandlung Weißglühhitze erfordert wird. Sodann ſtehen mit dieſer Anſicht in 5 vollſtändigem Widerſpruche die vielen Unglücksfälle, welche eintraten, als man alle — drei Beſtandtheile zugleich in ungekleintem Zuſtande unter die Stampfen brachte. Schließlich ſeien noch einige Verſuche von Kahl über die Entzündungs⸗ temperatur in der Luft für Cylinderkohle erwähnt. Dieſelben ſind inſofern ſchon von Intereſſe, als ſich ein abweichendes Verhalten gegenüber der Temperatur bei der Selbſtentzündung der Kohle herausſtellt. Bei fünf verſchiedenen Faulbaum⸗ kohlenſtücken, von welchen zwei hart und klingend, zwei ziemlich weich waren und eins eine mittlere Beſchaffenheit hatte, fand Kahl die Entzündungstemperatur bei ö 3605, 3520, 3420, 3200, 3250, alſo im Mittel bei 3400 C. Die Beſtimmung der Temperatur geſchah auf folgende Weiſe. Ein Probir⸗ glas wurde bis zu/ émit Kohlen gefüllt und darauf mit einem doppelt durch⸗ bohrten Korke verſchloſſen, in welchen zwei rechtwinklig gebogene Glasröhren, eine kürzere und eine längere, paßten. Letztere ragte in die Kohlen hinein. Der ſo hergerichtete Apparat wurde bis zur Hälfte in ein Metallbad eingetaucht und dicht neben dem Probirglaſe ein Quackſilberthermometer angebracht. Sobald der Queckſilberfaden anfing zu ſteigen, wurde jedesmal nach einer Temperaturzunahme EEII . — ——— 4 Materialien. von 50 C. mit Hülfe eines Aspirators ein ſehr langſamer Luftſtrom durch die Kohlen geſaugt und die niedrigſte Temperatur, bei welcher die Entzündung ein⸗ trat, als maßgebend bezeichnet. Die Entzündungstemperatur für Erlenholzkohle ergab folgende Werthe: 3600, 3600, 3605, 3460, 3330, im Mittel 3520 C. Bei den drei erſten Ver⸗ ſuchen wurde das Probirröhrchen, nachdem ſich die Kohle bei 3550 C. im Metall— bade noch nicht entzündet hatte, in ein Bad von kochendem Queckſilber getaucht. Vergleicht man die Verkohlung in Cylindern mit der in Keſſeln und Oefen, ſo läßt ſich nicht verkennen, daß die Deſtillation des Holzes in Cylindern im Ver⸗ gleich zu den beiden letzten Methoden eine viel größere Sicherheit hinſichtlich der Leitung der Verkohlung gewährt, dabei iſt aber nicht zu vergeſſen, daß das Holz ungleichmäßig an den verſchiedenen Theilen des Cylinders erhitzt wird, weshalb man ſtärker und ſchwächer gebrannte Kohle erhält. Auch bleibt ein kleiner Theil der Deſtillationsproducte zurück, welche durch fortgeſetzte Einwirkung der Wärme in Glanzruß verwandelt werden. Solche Kohlen ſowie die Brände müſſen ausge⸗ ſchieden werden, wodurch ſtets ein Verluſt in der Ausbeute ſtattfindet. Alle dieſe Mängel hat Violette dadurch zu beſeitigen geſucht, daß er im Jahre 1847 in Esquerdes ein Verfahren einführte, nach welchem das Holz in Cylindern vermittelſt überhitzten Waſſerdampfes verkohlt wird. Das leitende Princip dieſer Methode iſt bereits früher(S. 44) angedeutet worden. Bemerkt ſei nur noch, daß der Waſſerdampf auf diejenige Temperatur gebracht wird, bei welcher das Holz verkohlt werden ſoll, und daß zur Entfernung ſämmtlicher flüchtigen Producte aus der Kohle dem Dampfe eine gewiſſe Spannung gegeben werden muß, wozu ½ bis 1 Atmoſphäre genügen. Der in Esquerdes von Violette eingerichtete Apparat, wovon Fig. 3 einen * EE —— eeee * ——————— 2—— Verkohlung in überhitztem Dampf. 55 Längendurchſchnitt giebt, beſteht im Weſentlichen aus zwei concentriſchen Eiſenblech⸗ cylindern 4, à und 5, b. Der äußere Cylinder 4, à dient als Gehäuſe für den inneren, in welchen das Holz zum Verkohlen gebracht wird. Unter den Eylindern liegt das ſpiralförmig gewundene, eiſerne Rohr e,e, deſſen eines Ende mit einem Dampfkeſſel in Verbindung ſteht, deſſen Dampf mittelſt des Hahnes zugelaſſen oder abgeſperrt werden kann. Durch ein in dem Feuerraum 5 befindliches Feuer wird das Rohr erhitzt. Der Feuerraum iſt durch ein kleines Gewölbe überſpannt und eine kleine Brücke von Backſteinen zwingt die Flamme gegen den oberen Theil des Schlangenrohres zu ziehen. Das Schlangenrohr c, oiſt von Schmiedeeiſen gefertigt, hat einen inneren Durchmeſſer von 20 wm und eine Wandſtärke von 5 mm. Seine Geſammtlänge beträgt etwa 20 m. Es mündet bei e in den äußeren Cylinder 4, 4. In der Achſe des Schlangenrohres iſt eine an beiden Enden verſchloſſene Trommel mittelſt kleiner eiſerner Klammern befeſtigt. Sie verhindert, daß die Flamme direct in die Achſe des Schlangenrohres zieht und zwingt das Feuer, die Windungen des Rohres zu beſpülen. Die Feuergaſe ent⸗ weichen durch den Schornſtein. Die demſelben entgegengeſetzte Seite wird durch zwei dicke, gußeiſerne Thüren luftdicht verſchloſſen, um jede äußere Erkaltung der Cylinder zu verhüten. Der Cylinder 4, à hat eine Wandſtärke von 10 mm; er ruht auf der Mauer und wird durch zwei eiſerne Zwiſchenwände gehalten. Letztere treten in einen Schlitz in der Mauer und bilden die Canäle zum Cireuliren der heißen Luft aus dem Feuerraum 7. An ſeinem hinteren Ende, da, wo das Schlangenrohr einmündet, iſt der Cylinder 4,a geſchloſſen, vorn aber mit einem breiten, kreisförmigen Halſe aus Gußeiſen verſehen. Der innere Cylinder 5,0 hat eine Wandſtärke von 5 mm. Er iſt hinten geſchloſſen, vorn aber offen. Er wird durch 8 eiſerne Klammern geſtützt und iſt an ſeinem hinteren Theile mit 4 eiſer⸗ nen Stangen verſehen, welche mit einer kreisförmigen Scheibe verſehen ſind und dazu dienen, den Cylinder b, b im Cylinder 4, a zu befeſtigen. Für jede Verkohlung wendet man 25 bis 30 Kg Faulbaumholz an, bringt es in nicht zu großen Stücken in einen ſiebförmig durchlöcherten Cylinder 4, welcher zur leichteren Füllung oder Entleerung des Ofens dient, und ſchiebt ſo⸗ dann dieſen Cylinder in den Cylinder), b. Der in den Boden des äußeren Cy⸗ linders 4, à eintretende Dampf geht in den Zwiſchenraum zwiſchen beiden Cylin⸗ dern nach vorn und von da durch das offene Ende von b,b in den Siebeylinder mit dem Holzeinſatz. Nachdem er durch die Zwiſchenräume des Holzes hindurch— gedrungen iſt, dieſes verkohlt und ſich mit den empyreumatiſchen Producten beladen hat, entweicht er durch das am hinteren Ende von b,“ eingeſetzte Kupferrohr 9 entweder in die freie Luft oder er wird auf irgend eine Weiſe verdichtet. Sowie der Dampfkeſſel geheizt iſt und der Dampf die nöthige Spannung erreicht hat— eine halbe oder eine Atmoſphäre Ueberdruck—, ſo wird das Feuer für das Schlangenrohr 6,e angezündet, nach Verlauf einer Viertelſtunde der Sieb⸗ cylinder mit dem Faulbaumholze in b, b hineingeſchoben und die mit Thon be⸗ ſtrichene Scheibe des Cylinders 4, 4 aufgeſetzt. Die beiden gußeiſernen Thüren werden geſchloſſen, und nach Verlauf von 10 Minuten, wenn der Thon hinläng⸗ lich trocken iſt, öffnet man den Dampfhahn à, damit der Dampf einſtrömen kann. Es kommt jetzt hauptſächlich darauf an, das Feuer in Fin der Weiſe zu regeln, 56 Materialien. daß der Dampf möglichſt gleichförmig erhitzt werde. Zu dieſem Zwecke beobachtet man den Gang des Feuers durch ein kleines Glasfenſter bei 4, während man die Temperatur im Innern des Verkohlungscylinders nach dem Schmelzen beſtimmter Metalle oder Legirungen beurtheilt. Da nämlich die zur Verkohlung erforder— lichen Wärmegrade dem Siedepunkte des Queckſilbers ſo nahe liegen, daß dadurch die Anwendung eines Queckſilberthermometers ausgeſchloſſen wird, ſo leitete Vio— lette zwei kleine, hohle Röhren aus Kupfer durch das Mauerwerk in den inneren Cylinder. Jede dieſer Röhren war an ihrem unteren Ende verſchloſſen und ent⸗ hielt einen ſehr kleinen Cylinder von Zinn, Blei oder einer Legirung, die bei be— ſtimmten Temperaturen ſchmolz. Um das Schmelzen von außen ſichtbar zu machen, ſteckte er auf das Metall eine mit einem kleinen Gewichte beſchwerte Eiſennadel, welche, ſowie das Metall zum Schmelzen kam, einſank und auf dieſe Weiſe die Temperatur anzeigte. Nach einiger Zeit ſchmilzt das Zinn und auch der Waſſerdampf zeigt durch ſeinen Geruch und ſeine Farbe an, daß ihm die erſten Deſtillationsproducte bei— gemengt ſind, die Verkohlung folglich beginnt. Der Dampf wird dicker und er— hält nach und nach ein verſchiedenes Anſehen. Nach einer Dauer von 2 Stun—⸗ den, von dem Zeitpunkte an gerechnet, wo die Deſtillation begann, zeigt der Dampf, welcher jetzt geruchlos entweicht, das Ende der Verkohlung an. Der Apparat muß ſofort entleert werden, damit durch die in demſelben concentrirte Wärme die rothbraune Kohle ſich nicht in ſchwarze verwandle, wozu ſchon 3 bis 4 Mi⸗ nuten über die erforderliche Zeit genügen. Ein Vorarbeiter ſperrt deshalb den Dampf ab, öffnet die gußeiſernen Thüren und entfernt den Deckel. Inzwiſchen ergreifen 2 Arbeiter das Abkühlgefäß, einen großen Cylinder aus Eiſenblech von 0,55 m Durchmeſſer und 1,20 m Höhe und bringen denſelben horizontal vor die Oeffnung des äußeren Cylinders, ſo daß deſſen Oeffnung geſchloſſen wird. Der Vorarbeiter ſteckt durch das Rohr 9 eine lange, eiſerne Stange und treibt damit das Kohlengehäuſe heraus, welches in das Abkühlgefäß fällt. Sofort nach dem Entleeren wird der Cylinder wieder mit Holz beſchickt. Die Verkohlung geht jetzt viel raſcher, da das Mauerwerk ſehr heiß geworden iſt. Die Verkohlung beginnt ſchon nach einer Viertelſtunde und die ganze Operation dauert nur 2 Stunden, während zur erſten Operation 3 Stunden erforderlich waren. Die folgenden Ope— rationen dauern noch kürzere Zeit, und die ſechste, welche in der Regel die letzte des Tagewerkes iſt, dauert kaum anderthalb Stunden. Man erhält auf dieſe Weiſe an einem Tage 50 Kg gute Kohle. Der ſtündliche Verbrauch an Dampf beträgt 20 Kg bei ½/ Atmoſphäre Spannung; 25 Kg bei ½ Atmoſphäre und 45 Kg bei 1 Atmoſphäre Spannung. Der Verbrauch an Steinkohlen beträgt täglich zwiſchen 80 und 120 Kg, je nach der Spannung des Dampfes. Zum Heizen des Schlangenrohres ſind für jede Operation 15 bis 20 Kg Brennholz oder 5 bis 6Kg Koaks erforderlich, alſo 150 bis 200 Kg Holz oder 60 bis 80 Kg Koaks auf 100 Kg gewonnener Kohle. Im Juli 1848 wurden zu Esquerdes in dieſem Apparate mit Faulbaum⸗ holz, welches 10 bis 12 Proc. Feuchtigkeit enthielt, folgende Ergebniſſe erzielt: Angabe des Mano⸗ meters in Atmo— ſphä⸗ ren. ba Ke Au Au E 0 * * — Verkohlung in überhitztem Dampf. Menge von Angabe EEETCCTCCEGVon des er enet Kohle Mano⸗] Dauer verzehrter] verzehr⸗— 555 meter; 5350 Steinkohlef tem WWihalt erhal⸗ 85 S 8 für den Brennholz Rac roth⸗ 44 Atmo⸗ Operation. ee 55. ,, zur Ver⸗ ſchwarze. Brände.] roth⸗ ſphä⸗ 50 braune. braune 91 keſſel.[Operation.'ohle angewandt. Kohle. St. Min. Kg RER Kg Kg EKg 1 2 45 25 25 9,.220——(36,88 1 23 0 0 11,200—— 37,33 1 20 118 11 25 10,050—— 40,20 1 2 45 12 30 10,450—— 34,83 1 20 0 12 30 10,500—— 35,00 1330 26 25 8,950—— 35,80 1 2 0 12 25 8,900—— 35,60 1 2 30 115 11 25 9,350——(37,40 1 25450 9 25 9,250——— l 37,00 1 2 15 13 30 11,150——(37,16 3 15 30 25 9,100—— 36,40 2 10 11 30 10,500— 0,150[35,00 7— 233 85⁵ 13 30 10,650——( 35,50 60 12 30 11,350— 0,700[37,83 7— 20 15 30 10,150— 0,750[37,83 7— 3990 26 30 11,00——(37,00 „ 0 95 9 30 11,150 660 46 7 2 15 12 30 11,050——(36,83 2 15 10 30 10,150—— 136,83 Das aus ſolchen Rothkohlen erzeugte Pulver hatte nach Verſuchen mit dem balliſtiſchen Pendel eine größere Anfangsgeſchwindigkeit als das aus gewöhnlicher Kohle dargeſtellte Normalpulver, wie folgende kleine Tabelle zeigt. Feines Jagdpulver Superfeines Extrafeines Aus gewöhnlicher Kohle.. 330 Meter in der Secunde 350 375 Aus Kohle zu Esquerdes„356,2„„„ U 382,07 Erhitzt man nach Violette den Waſſerdampf bis auf ungefähr 3500 C, ſo erhält man rothe Kohlen mit 70 Proc. und ſchwarze Kohlen mit 85 Proc. Kohlenſtoff. Erhitzt man zu gleicher Zeit noch die Retorte und das Schlangen— rohr, wobei die Temperatur von 4500 noch nicht erreicht wird, ſo wird das Holz K— 22õP— Materialien. ebenſo von ſeinen flüchtigen Producten befreit als wenn es bei 12000 in einem Tiegel erhitzt wird, wie Violette's Verſuche beweiſen. der Kohlen 9 10 Gewicht——¶ů ůů ů ůůů ů—49: 11 8 8 Suielef Kohlen. 8 8 Leilnn⸗ 8 PFRRRRR 0,567 Durch alleiniges, möglichſt ſtarkes Erhitzen des Dampfes. 25,18 bis 76,S0s] 2.738 19,929 0,529 0,455(30/90 Proc.77,135 3,900] 18,440 964 S 0,4545 19,09 bis 89,939] 2,684 5,8521½ Dampfes und der Retorte. 1 35 4⁰ Durch gleichz. Erhitzen des 0,567 120,00 Proc.88,399] 2,523. 7.849[1 Der Dampf wirkt in dem letzteren Falle nicht kräftiger wegen Zunahme der Temperatur, da nach Violette die verbrauchte Menge des Brennmaterials bei demſelben Reſultate viel geringer iſt; er erleichtert einfach das Entweichen der flüchtigen Stoffe, ebenſo wie ein warmer Wind die Verdampfung des Waſſers bewirkt. Zu Wetteren bei Gent wird das Holz ebenfalls nach der Violette'ſchen Methode verkohlt. Man hat aber dort bei ſonſt gleicher Conſtruction des Appa— rates zwei Verkohlungscylinder angebracht, welche man nach Belieben abwechſelnd oder gleichzeitig anwenden kann. Verſuchsweiſe wurde auch in Dresden dieſes Verfahren eingeführt. Der Apparat, welchen Kahl benutzte, war im Principe derſelbe, wie der von Vio— lette conſtruirte. Nur lagen das Schlangenrohr und die Blechtrommeln nicht über einander, ſondern neben einander, ſo daß die letzteren überall nicht mit der Heizung in Berührung kamen. Um den Verkohlungscylinder vor allzu ſchneller Abkühlung zu ſchützen, waren die Zwiſchenräume zwiſchen dem Cylinderſyſteme mit Bimsſteinſtücken angefüllt. In der Nähe der Stelle, wo der Dampf aus dem Schlangenrohr in den Verkohlungscylinder eintrat, war je nach Bedürfniß ein Queckſilber- oder Metallthermometer eingeſetzt. Das letztere beſtand aus zwei über einander gelegten, der ganzen Länge nach zuſammen gelötheten Lamellen, wovon die eine von Stahl, die andere von Meſſing war. Dieſer Metallſtreifen wurde ſchraubenförmig gewunden, das eine Ende an den Boden eines kleinen cylindriſchen Gehäuſes angelöthet, das andere Ende an ein Hebel- und Räderwerk befeſtigt, welches die Ausdehnung des Streifens bei der Erwärmung vergrößert durch Umdrehung eines Zeigers auf dem Zifferblatte darſtellte. Zum Zwecke der Erzeugung von ſchwarzer Kohle leitete Kahl Dampf von 100 C. in den Apparat und ſteigerte während der erſten halben Stunde die Temperatur bis 2800 C. und in weiteren/ Stunden bis zur beabſichtigten Kol J ten und höh zur ren wo tref alle kohl derl vor * ——— ů—¾— Verkohlung in überhitztem Dampf. 59 tem Verkohlungstemperatur, auf welcher die Dämpfe 2¼ Stunde lang erhalten wur⸗ den. Geſchah das Erhitzen langſamer, ſo dauerte der Verkohlungsproceß viel länger. — Kahl erhielt auf dieſe Weiſe aus lufttrockenem Faulbaumholze von 11,57 Procent Feuchtigkeitsgehalt bei 3500 C. eine Ausbeute von 30,2 bis 30,4 Proc.; aus Faulbaumholz von 9 Proc. Feuchtigkeitsgehalt bei 410 C. 28,8 Proc. und bei 4400 C. 26,6 Proc. Die Zuſammenſetzung der Kohlen ergab ſich wie folgt: — Kohlenſtoff. Waſſerſtoff. Sauerſtoff. Aſche. hſt E5 176000 3,91 18,58 1,51 93 N 7506 4.00 19,51 134 „„ 79,60 3,82 15,06 1,52 eee 84,99 3,30 10,12 1,59 der 35 Die Entzündungs emperatur wurde zwiſchen 300 bis 3400 C. gefunden. 8 ers Lufttrockenes Erlenholz von 11,7 Proc. Feuchtigkeitsgehalt ergab bei 350C. 29,7 bis 30,3 Proc. Ausbeute an Schwarzkohle, deren Entzündungstemperatur hen zwiſchen 3370⁰ und 3570 C. lag. 65 8 5 Sämmtliche Kohlen waren weich und zerreiblich, vollkommen frei von Glanz⸗ 115 ruß und von gleichmäßiger Zuſammenſetzung. So ergaben Kohlen von der Eintrittsſtelle des Dampfes von der Austrittsſtelle 985 82,95 Kohlenſtoff 82,91 Kohlenſtoff io⸗ 3,10 Waſſerſtoff 3,26 Waſſerſtoff cht 12,28 Sauerſtoff 1198 Sauerſtoff der 1,67 Aſche 1,85 Aſche ller 100,00 100,00 me Was nun die Kohlenausbeute bei der Verkohlung in Cylindern mittelſt überhitz— us ten Waſſerdampfes aubelangt, ſo ergiebt ſich aus den Unterſuchungen von Violette niß und Kahl, daß dieſe Methode wohl an Rothkohle, nicht aber an Schwarzkohle einen ius höheren Ertrag liefert als bei der gewöhnlichen Cylinderverkohlung. Da man aber en, ziur Aufertigung von Militärpulver einzig und allein Schwarzkohle verwendet, wäh— fen rend die Rothkohle nur für feinere Jagdpulver benutzt wird, ſo hat alſo überall da, ien wo lediglich Pulver der erſteren Art bereitet wird, die Violette'ſche Methode in Be— erk treff der Ausbeute keinen Vortheil vor der älteren Cylinderverkohlung. Es muß ert allerdings auf Grund der angeführten Analyſen zugegeben werden, daß die Dampf— kohlen von völlig gleichheitlicher Zuſammenſetzung ſind, was man von den Cylin— on derkohlen nicht behaupten kann, allein die ungleiche Zuſammenſetzung der letzteren, die bvorausgeſetzt, daß ſie ſich in nicht allzuweiten Grenzen bewegt, hat auf die Be— ſchaffenheit des Schießpulvers keinen Einfluß, weil man die Kohlen von den ver— EEER 60 Materialien. ſchiedenen Stellen des Cylinders gut unter einander miſcht und dadurch ein Ge— menge von gleicher mittlerer Zuſammenſetzung erhält, welches hinſichtlich der Ent⸗ zündlichkeit nur wenig von derjenigen der Dampfkohlen abweicht. Ganz beſonders 9 aber iſt noch darauf aufmerkſam zu machen, daß die Anſchaffungskoſten eines Appa⸗ 5 rates nach der Violette'ſchen Conſtruction ſich bedeutend höher belaufen als die 9 eines jetzt üblichen Cylinder-Verkohlungsapparates, das Schlangenrohr mehr durch 2 die Flamme angegriffen wird als die Cylinder, und die Productionskoſten einen größeren Geldaufwand erfordern, auch man bis jetzt noch keine Mittel und Wege gefunden hat, um die überſchüſſige Wärme zu verwerthen, wodurch die höheren Koſten paralyſirt werden könnten. Dieſes ſind die hauptſächlichſten Gründe, welche bislang den Praktiker im 5 Widerſpruch mit der herrſchenden Theorie abhielten, von einem Apparate wie dem Violette'ſchen Gebrauch zu machen, Gründe, welche auch ſo z. B. in der könig— So lichen Pulverfabrik zu Dresden dahin führten, dieſes Verfahren wieder abzuſchaffen und zu der früher üblichen Methode der Verkohlung in Cylindern zurückzukehren. Die Miſchungsverhältniſſe. em Nach dem Vorhergehenden ſind Salpeter, Schwefel und Kohle diejenigen Stoffe, welche bei der Bereitung des Pulvers in verſchiedenen Verhältniſſen ge— miſcht werden, je nachdem man beabſichtigt, Militär-, Jagd- oder Spreng— pulver darzuſtellen. Der Grund der Verſchiedenheit der Miſchungsverhältniſſe liegt einfach darin, daß man bei den einzelnen Pulverſorten beſondere Zwecke ver— üb folgt. Während man bei dem Militärpulver vorzüglich darauf ausgeht, eine hohe Triebkraft zu erzielen, legt man beim Jagdpulver das Hauptaugenmerk auf die Se ſchnelle Entzündlichkeit, und ſucht beim Sprengpulver eine möglichſt große Menge pet von Gas bei der Verbrennung des Pulvers zu erlangen. Was nun die Miſchungsverhältniſſe für das Militärpulver anbelangt, ſo tif giebt es darüber eine Reihe von Vorſchriften, aus denen hervorgeht, daß die Satz— verhältniſſe in den einzelnen Jahrhunderten einem ſteten Wechſel unterworfen ge— un weſen ſind, und namentlich in Deutſchland bedurfte es einer geraumen Zeit und mancher Verſuche, ehe man ſich den richtigen Miſchungsverhältniſſen näherte. ab. Bei allen dieſen Verſuchen, welche mit den einzelnen Miſchungen angeſtellt wurden, war in der Praxis lediglich der Weg der Erfahrung maßgebend. Die wä ältere Zeit ſchloß begreiflich von ſelbſt alle theoretiſchen Betrachtungen aus, allein auch in neuerer Zeit hat man in der Praxis wenig oder gar keine Rückſicht dar— auf genommen, ſondern ſtets unter Berückſichtigung der Art und Weiſe, wie das Schießpulver hergeſtellt wurde, deſſen Triebkraft in das Auge gefaßt, weil man durch Analyſen einſehen lernte, daß, wie auch weiter unten gezeigt werden ſoll, die Miſchung des Pulvers bei jeder Operation eine gewiſſe, wenn auch unbedeutende Veränderung erleidet, auch die Kohle nie reiner Kohlenſtoff, das Pulver nicht S waſſerfrei iſt und eine abſolute Innigkeit der Miſchung in der Praxis ſich gar nicht bewerkſtelligen läßt, alles Forderungen, welche in der Theorie für eine fehler— freie Berechnung nothwendig ſind. Ge⸗ Ent⸗ ders ppa⸗ die urch inen Vege eren im dem 'nig⸗ ffen en. igen ge⸗ ng⸗ niſſe ver⸗ hohe fdie enge die ende licht gar ler⸗ Miſchungsverhältniß. 61 Wie die Satzverhältniſſe für Militärpulver zu den verſchiedenen Zeiten in Deutſchland beziehungsweiſe Preußen wechſelten, ergiebt ſich aus folgenden Daten. Die älteſte Miſchung ſoll aus gleichen Theilen von Salpeter, Schwefel und Kohle beſtanden haben. Aus dem Jahre 1546 werden für: grobes Geſchütz mittleres Büchſen Salpeter 50 66,7 83, Schwefel 33,3 20,0 8,3 Kohle 16,7 13,3 8,3 angegeben. In ſeinem Kriegsbuche von 1555 erwähnt Fronsperger: Salpeter 665/%, Schwefel 222/, Kohle 11¼, und 1649 werden für: grobes Geſchütz Gewehre Piſtolen Salpeter 66,8 70,0 72,5 75,5 78,7 85,6 Schwefel 16,6 14,0 13,0 11,2 9,4 8,5 Kohle 16,6 16,0 14,5 13,3 1159 59 empfohlen. 1774 war in Preußen für: grobes Pulver feines Salpeter 74,4 8⁰ Schwefel 12,„3 10 Kohle 13,3 10 üblich. Im Anfange dieſes Jahrhunderts wurden in Preußen: Salpeter 75, Schwefel 10, Kohle 15 genommen. Bald aber durch folgende Vorſchrift: Sal⸗ peter 75, Schwefel 11,5 und Kohle 13,5 verdrängt. In Frankreich empfahl bereits 1598 Boillot in ſeinen Modéèles d'Ar- tifices de feu als beſte Miſchung: Salpeter 75, Schwefel 12,5, Kohle 12,5 und ebenſo 1619 de Bry. 1686 wurden Salpeter 76, Schwefel 12 und Kohle 12 genommen, 1696 aber das urſprüngliche Verhältniß wieder adoptirt. 1800 wurde der Schweizer Satz: Salpeter 76, Schwefel 10, Kohle 14 ge— wählt, ſpäter aber wieder der frühere eingeführt. In Schweden änderten ſich die Satzverhältniſſe folgendermaßen: 1726 1770 1827 Salpeter 73 75 75 Schwefel 10 16 15 Kohle 17 9 10 Die heutigen Vorſchriften für Militärpulver ſind in den nachgenannten Staaten: Preußen Sachſen Rußland Schweden England Salpeter 74 74 75 75 75 Schwefel 10 10 10 10 10 Kohle 16 16 15 15 15 Materialien. Frankreich Belgien Perſien Oeſterreich Vereinigte Staaten Salpeter 75 75 75 75,5 76 Schwefel 12,5 12,5 1255 10 10 Kohle 12,5 12,5 12,5 14,5 14 In England nimmt man für grobkörniges Pulver zu den gezogenen Geſchützen: Salpeter 74, Schwefel 10,5, Kohle 15,5. In Frankreich iſt 1866 für Chaſſepot-Pulver das poudre modele oder poudre B eingeführt: Salpeter 74, Schwefel 10,5, Kohle 15,5. Da man, wie bereits bemerkt, bei dem Jagdpulver vorzüglich eine möglichſt raſche Entzündung verlangt, ſo pflegt man im Vergleich zum Militärpulver den Gehalt an Salpeter zu vermehren und zieht Rothkohle der Schwarzkohle vor. Wie die einzelnen Satzverhältniſſe in den verſchiedenen Zeiten gewechſelt haben, läßt ſich nicht angeben, da in den älteren Schriften faſt gar kein Aufſchluß darüber zu finden iſt. Es genüge daher aus jetziger Zeit eine deutſche und eine franzöſiſche Vorſchrift anzuführen⸗ Deutſche Vorſchrift franzöſiſche Salpeter 78,7 78 Schwefel 10 12 Kohle 11,5 10 Eine weſentliche Veränderung in den Miſchungsverhältniſſen beachtet man bei der Anfertigung des Sprengpulvers, da man hier mit wenigen Mitteln große Erfolge zu erreichen beabſichtigt. Aus dieſem Grunde hat man ſtets von dem Sprengpulver verlangt, daß es billig ſei und eine möglichſt große Menge von Gas entwickele, Anforderungen, welche man dadurch zu befriedigen ſuchte, daß man den Gehalt an Salpeter verringerte und dafür den von Kohle oder Schwefel oder von beiden erhöhte, wie folgende Satzverhältniſſe der neueren Zeit zeigen: Deutſcher Satz italieniſcher franzöſiſcher Salpeter 66 70 62 Schwefel 12,5 18 18 Kohle 2¹7,5 12 20 Da nun wegen des geringeren Gehaltes an Salpeter eine langſamere Ver⸗ brennung ſtattfindet, wodurch den Gaſen Gelegenheit geboten wird, durch die Ge— ſteinsritzen zu entweichen und in Folge der großen Menge von Kohlen eine erheb⸗ liche Quantität von Kohlenoxyd gebildet wird, welches die Triebkraft mindert, ſo iſt man in neuerer Zeit auf den Gedanken verfallen, möglichſt viel Salpeter an⸗ zuwenden, um die eben angeführten Uebelſtände zu umgehen. ichſt den ſelt luß eine nan teln tets nge daß efel Die Bereitung des Schießpulvers. J. Das Kleinen, Mengen und Dichten. Der Schwerpunkt bei der Bereitung des Schießpulvers liegt hauptſächlich darin, den Salpeter, Schwefel und die Kohle ſo fein als möglich zu kleinen, die gepulverten Subſtanzen der innigſten Miſchung zu unterwerfen und dieſer eine große Dichte zu ertheilen. Von dieſen drei Bedingungen iſt ganz insbeſondere die Wirkſamkeit des Pulvers abhängig, da die Zerſetzung deſſelben um ſo ſchneller erfolgt, je näher die einzelnen kleinen Theilchen von Salpeter, Schwefel und Kohle an einander gelagert ſind. Ueber die Art und Weiſe, wie dieſe Bedingungen am beſten erfüllt werden, namentlich ob Kleinen, Mengen und Dichten in einer Operation oder geſondert vorzunehmen ſeien, iſt man getheilter Anſicht geweſen. Während man nämlich früher dieſe drei Operationen zu einer verſchmolz, hat man in neuerer Zeit wenn auch nicht überall eine vollſtändige, ſo doch wenigſtens eine theilweiſe Trennung dieſer drei Operationen eintreten laſſen. Bei der nun folgenden Darſtellung der einzelnen Methoden dürfte es wohl im Anſchluſſe an die geſchichtliche Entwickelung zweckmäßig erſcheinen, zuerſt das Kleinen, Mengen und Dichten in einer Operation zu beſprechen, ſodann auf das Kleinen der einzelnen Beſtandtheile überzugehen, woran ſich das Mengen und Dichten zuerſt in einer Operation, ſodann in getrennten Operationen anſchließen würde. 1. Das Kleinen, Mengen und Dichten in einer Operation. a. Durch Stampfmühlen. In der älteſten Zeit ſtampfte man die drei Subſtanzen mit der Hand in einem hölzernen oder ſteinernen Mörſer mit Hülfe eines Stempels aus Holz. Letzterer wurde entweder unmittelbar von der Hand oder mittelbar durch eine Wippe von derſelben gehoben. Da man nun auf dieſe Weiſe nur dann große Mengen darſtellen konnte, wenn man ein bedeutendes Arbeiterperſonal in Anſpruch —————— — EARRR 64 Bereitung des Schießpulvers. nahm, ſo ſuchte man letzteres durch Stampfmühlen zum größeren Theile entbehr— lich zu machen. Die erſten Stampfmühlen werden 1435 erwähnt, wonach Harſcher in Nürnberg eine ſolche errichtete. Die Einrichtung derſelben iſt folgſende. Der weſentliche Theil des Werkes beſteht, wie aus Fig. 4, erſichtlich iſt, aus einer Reihe von Stampflöchern, Fig. 4. Mörſern, welche in einen ſchweren, etwa 0,6 m dicken Block 5,) von Eichen⸗ oder Buchenholz ausgehöhlt ſind. Die Entfernung der einzelnen Mörſer beträgt von Mitte zu Mitte derſelben gemeſſen 0,69 bis 0,77 m. Man kann ſie, auch wenn man noch ſo ſehr an Raum ſparen wollte, nicht näher aneinander legen, Y weil ſonſt das zwiſchen je zwei XX Mörſern liegende Holzleicht Sprünge gende Holzleicht Sprünge AJð N NN bekommt. Die Form der Stampf⸗ Y N Fuil„hli 1 EEEA it e daß die Höhlung mehr als eine halbe Kugel bildet. Die Tiefe der Höhlung beträgt etwa 0,5 m und die Weite ungefähr 0,4 m. Der Rand iſt trichterförmig; in den Boden eines jeden Stampf⸗ loches wird ein Stück hartes Holz e,„ eingeſetzt, damit die Stöße auf die Hirn—⸗ ſeite derſelben geſchehen. Der Block ſelbſt iſt mit Bändern und Bolzen verſtärkt und ruht auf einem feſten Fundamente, gewöhnlich aus einem hölzernen Roſte hergeſtellt, damit bei den häufigen Stößen des Stempels der Boden nicht weiche. Die Stempel d,4, Stampfer, Schießer, ſind von parallelepipediſcher Form, aus Buchen- oder Ahornholz und haben eine Länge von 2 bis 3 m und eine Dicke von etwa 0,1 m. An dem unteren Theile ſind die Stempel mit einem birnförmigen Anſatze e,e von Bronze vorgeſchuht. Die Zuſammenſetzung der Bronze iſt ver— ſchieden, ſie beſteht zum Theil aus 82 Proc. Kupfer und 18 Proc. Zinn, zum Theil aus 80 Proc. Kupfer und 20 Proc. Zinn. In der Pulvermühle zu Lautenthal am Harz nahm man eine zu Altenauerhütte gefallene Speiſe, welche man mit Glimmerkupfer verſetzte und erhielt dann nach Kerl eine aus 64,9 Proc. Kupfer, 19,3 Proc. Antimon, 11,1 Proc. Blei und 5,5 Proc. Nickel nebſt geringen Mengen von Eiſen beſtehende Legirung, welche ſich aber ſehr ungleich abnutzte. Auch hat man Hartblei zu den Stampfſchuhen gebraucht. In dem oberen Theile der Stempel in einem Schlitze ſind die mit Schießen feſtgekeilten Hebelatten an— gebracht. In der Regel kommt auf ein Stampfloch ein Stempel, man hat jedoch auch Mühlen, in welchen mehrere Stempel zugleich in einem Stampfloche arbeiten, ſo z. B. in Oeſterreich, wo drei Stampfen, Fig. 5, in einem Mörſer ſich befinden. In Schweden hatte man im Jahre 1726, wie Jerlin in ſeiner Dissertatio de pulvere erwähnt, ſogar vier Stempel in jedem Stampfloche.— In Italien bedient man ſich ſtatt der neben beſchriebenen Stampflöcher metallener Mörſer, welche ehr⸗ in rkes ern, ren, von öhlt nen zu bis enn ren gen, wei nge f⸗ har, ſo eine eite pf⸗ rn⸗ ärkt oſte che. aus von gen 'er⸗ um zu lche roc. gen öte. eile an⸗ och ten, en. tio ten ſche * — 8————ů ů———————— Kleinen, Mengen und Dichten. 65 auf einer feſten Unterlage ruhen.— In England ſind wegen der großen Gefahr vor Exploſionen die Stniſpfelte ganz und gar verboten. Als bewegende Kraft wendet man entweder den Pferdegöpel oder das Waſſerrad Fig. 5. an. Sie wirkt durch Vermittlung der Kammräder! und J, Fig. 6, auf die Daumenwelle 4 5, welche an ihrem Umfange zahnartige Erhöhun— gen, Hebedaumen 6, trägt, die den zugehörigen Stempel beim Drehen der Welle an der Hebelatte ergreifen und ſo lange heben, bis der Hebedau— men bei ſeiner Drehung ſich ſo weit von dem Stempel entfernt, daß die Hebelatte von demſelben ahgleiten und der Stempel fallen kann. Die Fallhöhe beträgt gewöhnlich 0,432 m in Dänemark 0,388 m. Um die Nachtheile der veränderlichen Waſſer⸗ höhe, welche die Geſhnindtkel 15 Schläge ändern würde, zu vermeiden, iſt in vielen Fabriken ein eigener Stoßzähle nach Art eines Bohrwerkes mit der Achſe der Daumenwelle in Verbindung ge W Fig. 6. deſſen Zeiger die Hunderte und Tauſende der Umdrehungen, mithin auch die An— zahl der gemachten Schläge angiebt, ohne daß der Arbeiter ſelbſt zu demſelben gelangen und eine abſichtliche Verkürzung herbeiführen kann. An manchen Orten iſt die Einrichtung getroffen, daß die Waſſerſchütze, ſowie die beſtimmte Anzahl von Schlägen erfolgt iſt, niederfällt und die weitere Einwirkung der Stempel unterbricht. Das Gewicht der Stempel ſchwankt in Deutſchland je nach der Größe der Stampflöcher zwiſchen 20 bis 1 5 In Frankreich betrug das ſelbe im Jahre 1791 32,8 Kg, jetzt 40 Kg, in Dänemark wiegt jeder Stempel Das Schießpulver. 5 ———ů— ———7————— ————— 66 Kleinen, Mengen und Dichten. 28 bis 30 Kg. In Oeſterreich hat man Stempel von 17 Kg und von 33,75 Kg Gewicht. Letztere nennt man Neuſohler Stempel. Gewöhnlich hat eine Stampfmühle zwei Stampfſätze, jede von7 bis 10 Stampf⸗ löchern; mehr, wie es früher gebräuchlich war, mit einander zu verbinden, iſt nach— theilig der großen Erſchütterung wegen, die hierdurch verurſacht wird. Die Mühle ſteht in einem Hüttengebäude, deſſen Wände nur wenig Widerſtand leiſten dürfen, um die Wirkung einer zufälligen Exploſion nicht zu groß werden zu laſſen. Es beſtehen daher die Wände gewöhnlich aus ganz niederen Mauern mit hölzernen Ständern, die von außen mit Brettern verſchalt ſind. Das Dach macht man ziemlich ſteil, um das Ablaufen des Waſſers zu befördern und das Liegenbleiben des Schnees möglichſt zu verhindern. Was nun das Verfahren anlangt, ſo wurden die drei Subſtanzen in den Gewichtsverhältniſſen, nach welchen das Pulver bereitet werden ſollte, auf einmal in die Mörſer eingetragen, in der Regel je 8S Kg in einen Stampftrog und zwar der Salpeter in Stücken, die Kohle in Stäben und der Schwefel grob gepulvert. Die Maſſe wurde ſodann angefeuchtet, urſprünglich mit Waſſer, ſpäter nahm man auch Eſſig und als ganz vorzüglich galt in der Mitte des 16. Jahrhunderts das Befeuchten des Satzes„mit Mannesharn, der Wein trinktk. Nun wurde geſtampft. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ſtampfte man 6 Stunden, zu Anfang des 17. wurde Geſchützpulver 10, Gewehrpulver 20 Stunden unter den Stampfen bearbeitet und um das Jahr 1700 betrug die Stampfzeit 24 Stunden, wobei 3500 Stöße auf eine Stunde kamen. Auf eine genaue Beſchreibung des Verfahrens kann hier nicht eingegangen werden, weil die Anweiſungen hier— über ſo äußerſt dürftig ſind. Im Weſentlichen war die ganze Operation des Stampfens der bei dem Mengen und Dichten des Satzes, deſſen einzelne Materia— lien für ſich gekleint waren, ſehr ähnlich. Da nun in Betreff des Mengens und Dichtens die Angaben vollſtändiger ſind, ſo dürfte es zweckmäßig erſcheinen, ſchon um ſonſt nicht zu vermeidende Wiederholungen zu umgehen, auf die weiter unten folgende Darſtellung des Mengens und Dichtens in Stampfmühlen zu verweiſen. b. Durch Hämmer. Dieſes Verfahren wird noch in der Schweiz angewandt. Die Einrichtung iſt im Allgemeinen dieſelbe wie bei den Stampfmühlen, nur daß ſtatt der Stempel Hämmer in Anwendung gebracht werden, ähnlich denen, welche man beim Friſchen des Eiſens gebraucht. Die Hämmer ſind gegen 50 Kg ſchwer, werden 0,46 m hoch gehoben und ſchlagen in der Minute 85 mal. Jede Batterie umfaßt 5 Hämmer und die übliche Satzmenge eines Hammers beträgt 6 bis 7 Kg. Bei gewöhnlichem Waſſerſtande dauert die Bearbeitung 6 Stunden. c. Durch Walzmühlen(Kollermühlen). Wann dieſe Methode, welche man auch die Mühlſteinmethode nennt, eingeführt iſt, läßt ſich nicht genau feſtſtellen. Bekannt war ſie ſchon 1540, denn Biringue— cio erwähnt, daß die den Olivenmühlen nachgebildeten Walzmühlen ihrer Gefähr— lic ſel Se M erf wuU fan ſic we un Lä we en in in er! an in on ten en. ing pel en III. aßt Kleinen, Mengen und Dichten. 67 lichkeit wegen wenig in Gebrauch ſeien. Trotz dieſes Umſtandes fanden aber die— ſelben ſpäterhin viele Verbreitung in Deutſchland, England und Italien. In Schweden wurde die erſte Walzmühle von Cnutberg 1684 eingeführt, wie Miethen berichtet. Am ſpäteſten wurden Walzmühlen in Frankreich benutzt, wo erſt im Jahre 1754 nach Pater Ferry's Vorſchlag in Eſſonne eine errichtet wurde. Man hielt dies in Frankreich für eine neue Erfindung. Die Einrichtung der Walzmühlen iſt aus Fig. 7, erſichtlich. Auf einem Fig. 7. horizontalen Lagerſteine 4, B laufen zwei ſcheibenartige Cy⸗ 8 linder, Läufer, N, M. Sie ſind mittelſt der wagerechten Welle C, Can der verticalen Achſe V, befeſtigt, welche mitten im Lagerſteine ſteht und durch das verdeckt unter dem Boden gehende Vorgelege L, K. F bewegt werden kann. Letzte⸗ res giebt nämlich der Achſe V, E und durch Vermittlung des Gerüſtes E, E 6“/, H! der Welle C, C eine Bewe— gung um F, E, welcher die um ſie drehbaren Läufer folgen müſſen. Die Entfernung der Steine von der Umdre— hungsachſe ſoll klein ſein, da⸗ mit der zu beſchreibende Um⸗ fang deſto gekrümmter ausfalle. Da die Läufer in der Richtung der Tangente ſich fortzubewegen ſuchen, aber beſtändig in die Richtung der Curve zurückgeführt werden, ſo entſteht eine quetſchende, zermalmende Wirkung, welche zum Kleinen und Miſchen der Subſtanzen ſehr vortheilhaft iſt. In der Regel bewegen ſich die Läufer in ungleichen Entfernungen von der Umdrehungsachſe, wodurch die Maſſe, welche ſich nach einwärts entfernt und ſich ſo der Wirkung des äußeren Läufers entzogen hat, die des inneren erleidet, und umgekehrt das aus dem Bereiche des inneren Gekommene ſich unter die Wirkung des äußeren ſtellt. Zu Wettern in Belgien iſt der Mittelpunkt des einen Läufers 67 om, der des anderen 98 em von der Umdrehungsachſe entfernt. Die an dem Ringe D und den Armen(,'befe— ſtigten Schaber s löſen die am Lagerſteine anhängende Maſſe und ſchaufeln ſie vermöge ihrer pflugſcharartigen Krümmung von den Seiten in die Bahn der Läufer. Eben— ſo nehmen die an den Armen ,9 ſitzenden, wagerechten Schaber» die an den Läufern haftende Maſſe weg. In einer gewiſſen Periode des Pulvermalens erhält nämlich der Pulverſatz eine Geneigtheit ſich zu klümpen und an den Läufern anzuhängen; es werden dadurch einzelne Stellen nackt und wo Lagerſtein und Läufer in Berührung kommen, kann leicht ein Funke zufällig hervorgelockt und dadurch eine Exploſion veranlaßt werden, zumal wenn die Läufer aus Kalkſteinen beſtehen, T AI Tnn e Ignneewüe fe I 5² 68 Kleinen, Mengen und Dichten. welche Sandkörner enthalten. Um ſolche Exploſionen zu vermeiden, brachte Munk 1816 an der Achſe Schaber an. Die Größe, Geſtalt und Materie der Läufer ſowie deren Gewicht ſind in den verſchiedenen Ländern verſchieden. Der Durchmeſſer der Läufer wechſelt zwiſchen 1,2 m bis 2,6 m. Die Geſtalt iſt gewöhnlich die eines Cylinders, in Sachſen hatte man in der königlichen Pulverfabrik zu Dresden linſenförmige, in Preußen hat man jetzt noch kugelförmige Läufer. Letztere Geſtalt wurde von Botts und Riffault vorgeſchlagen, einestheils um jene gefährliche Reibung zu vermeiden, welche aus dem Beſtreben der Läufer in der Richtung der Tangente fortzulaufen entſteht, anderentheils um einen gleichmäßigen Druck auf die ganze Ausdehnung des Lagers hervorzurufen. Obſchon hierdurch die Gefahr gemindert wird, ſo zieht man im Allgemeinen doch die chlindriſchen Läufer vor, weil gerade die Reibung eine viel größere Zerkleinerung und innigere Miſchung hervorruft. Die Waterie, aus welcher die Läufer hergeſtellt werden, iſt Stinkſtein, der in der Nähe von Namur gefunden wird, Marmor, Gußeiſen und Bronze. Im Jahre 1756 hatte man zu Eſſonne ſogar hölzerne Läufer. In China ſind die Läufer von Stein und das Lager iſt von Kupfer. Die Läufer von Marmor und Stinkſtein haben vor den metalliſchen den Vortheil, daß ſie ſich nicht ſo ungleichmäßig ab⸗ nutzen wie dieſe, aber auch den Nachtheil, daß ſie Waſſer in ſich aufnehmen, in Folge deſſen die Menge des Anfeuchtewaſſers vermehrt werden muß und daß ſie im Falle einer Exploſion leichter zerſtö'rt werden. Das Gewicht der Läufer iſt ganz verſchieden. Während das der in Dresden bis zum Jahre 1871 benutzten Läufer 150 Kg betrug, beläuft ſich das der ruſſiſchen auf 14000 Kg und das der in Waltham Abbey üblichen ſogar auf 50000 Kg. Neben einem Gewichte von 2500 Kg findet man an häufigſten das von 5000 Kg. Die bewegende Kraft ſind Pferde oder Waſſer. Das Pferd iſt entweder an die Vorgelege L. K, Fuoder in der verlängerten Welle der Läufer angeſpannt, wozu aber der Boden, auf welchem das Pferd geht, erhöht werden muß; oder es geht, wie in den ſchwediſchen Mühlen, von der Achſe. Eſein Ballen in ſchiefer Richtung gegen den Boden zu, und an dieſem Balken zieht das Pferd. In Wetteren hat man vier Balken angebracht, von welchen zwei von dem äußerſten Ende des auf der verticalen Achſe ruhenden Balkens, die beiden anderen von der Läuferwelle ausgehen und welche an der Stelle zuſammen laufen, an welcher man das Pferd anſchirren will. Der Halbmeſſer des Umkreiſes, welchen das Pferd durchläuft, muß mindeſtens 4 m betragen, ſo in Wetteren, beſſer iſt es, wenn 5 oder 6m. Denn wenn das Pferd an einen zu kurzen Hebelarm geſpannt iſt, ſo macht die Zugrichtung einen ſpitzen Winkel mit dem Hebelarme und die Kraft wird in zwei andere Kräfte zerlegt, in eine, welche ſenkrecht auf den Hebelarm, und in eine, welche in der Richtung des letzteren läuft, wodurch an wirkſamer Kraft verloren geht. Im Uebrigen iſt das Pferd ſtets in ſeinen Bewegungen gehemmt, wenn es einen allzukleinen Kreis durchläuft.— Iſt Waſſer die bewe⸗ gende Kraft, ſo trägt der Wellbaum ein Stirnrad, von dem aus die Bewegung der verticalen Achſe mitgetheilt wird. Das über der Mühle angebrachte Gebände iſt gewöhnlich von Holz und von leichter Bauart. Die Seitenwände und das Dach ſind mit Klappen verſehen, U l n Kleinen, Mengen und Dichten.— Kleinen— unk bowelche ſich im Falle einer Exploſion durch den Druck der Gaſe nach außen öffnen, d in wodurch die Zerſtörung nicht ſo unheilvoll wird. Die Thür öffnet ſich ebenfalls ſchen von innen nach außen. ſen In der Pulvermühle zu Cambridge hat man die Einrichtung getroffen, zen daß im Falle einer Exploſion die Läufer mit Waſſer überſchüttet werden. Es und befindet ſich dort über dem Lager der Mühle ein mit Waſſer angefülltes Gefäß, iden, deſſen Boden durch Klappen geſchloſſen iſt. Durch eine Hebelvorrichtung, nämlich f durch eine aus 2 Thln. zuſammengeſetzte, bewegliche Eiſenſtange, deren beide Theile iufen 15 in einem Gelenke mit einander verbunden ſind, können die Klappen geöffnet werden, „ſo was ſofort erfolgt, wenn die Wirkung der Gaſe auf an den Enden der Eiſenſtange die befindliche Glocken von Eiſenblech ihren Druck ausübt. Dieſe Erfindung wird Die mit Unrecht Munk 1819 zugeſchrieben, da bereits im vorigen Jahrhundert auf Nähe Isle de France eine ſolche Einrichtung eingeführt war. 75'é Hinſichtlich des Verfahrens iſt Folgendes zu bemerken. Die auf dem Lagerſteine 9599üů ausgebreiteten Subſtanzen werden zuerſt trocken gekleint und dann mit 2 Proe. Waſſer ſtein befeuchtet, was jederzeit wiederholt werden muß, ſobald ſich Staub auf der Oberfläche ab⸗ zeigt. Das Waſſer muß über die ganze Maſſe gleichförmig verbreitet werden, was 5 üin; entweder mittelſt einer Handgießkanne geſchieht oder durch eine hinter dem Läufer an⸗ ö ſie gebrachte durch ein Ventil verſchließbare Gießvorrichtung. Vor allen Dingen muß r iſt ſorgfältig darüber gewacht werden, daß die Maſſe nicht zu feucht iſt, weil ſonſt tzten die Miſchung nicht innig wird, die Subſtanzen auf dem Lagerſteine in der Richtung der der Läufer gleiten und ſich deren Wirkung entziehen. von Wie viel Waſſer zum Anfeuchten zu nehmen iſt, läßt ſich nicht genau be⸗ ſtimmen, da die Witterungsverhältniſſe, je nachdem die Luft trocken oder feucht veder iſt, hierbei eine Rolle ſpielen, auch die Läufer, wenn ſie von Stein ſind, Feuchtig⸗ annt, keit in ſich aufnehmen und an die Maſſe abgeben. Im Allgemeinen beträgt r es die Geſammtmenge an Waſſer, welche man zum Anfeuchten anwendet, ungefähr hiefer 7 Proe. In Iſt das Kleinen und Miſchen hinlänglich bewerkſtelligt, was der Arbeiter rſten an dem ſalbenartigen Zuſtande der Maſſe erkennt, ſo vermindert er die Umdrehungs⸗ mder geſchwindigkeit der Läufer. Dieſe preſſen dann während einer längeren Zeit die man einzelnen Theile der Maſſe, wodurch die letztere verdichtet wird. Damit die hier⸗ Pferd bei entſtehenden Kuchen, welche möglichſt wenig Waſſer enthalten dürfen, wenn wenn das Pulver haltbar ſein ſoll, eine zweckmäßige Dichte erlangen, iſt es nothwendig, t iſt, nicht auf einmal eine zu große Menge der Wirkung der Läufer auszuſetzen. Sie Kraft beträgt daher zwiſchen 20 und 30 Kg. Wenn Waſſer die bewegende Kraft iſt, arm, ſo machen die Läufer in der Regel 8 bis 10 Umdrehungen in der Minute, bei amer der Anwendung von Pferden auch nur die Hälfte. ingen bewe⸗ 85 5 9 gung 2. Das Kleinen der einzelnen Beſtandtheile für ſich. 1 von Da man bei dem Kleinen, Mengen und Dichten in einer Operation ehen,. namentlich im Anfange des Stampfens oder Walzens viele Exploſionen durch Ent⸗ zündung der Kohle erfuhr, letztere ſowie der Stangenſchwefel nur ſehr ſchlecht 70 Kleinen. gekleint wurden, in Folge deſſen die Entzündlichkeit des Schießpulvers beeinträch— tigt wurde, ſo ging man von dieſem Verfahren ab und verſuchte die Subſtanzen, ehe man ſie mengte und verdichtete, für ſich zu kleinen. a. In Stampfmühlen. Die Zeit der Einführung dieſer Methode läßt ſich nicht genau feſtſtellen. Nur ſoviel iſt gewiß, daß 1763 Deſparcieux vorſchlug, in den Stampfmühlen die einzelnen Beſtandtheile für ſich zu kleinen, aber erſt im Jahre 1794 wurde dieſer Vorſchlag in Frankreich zur Ausführung gebracht, da nach Chaptal um dieſe Zeit jährlich ungefähr ein Sechstel der Stampfen au;;1% og. Bei dem Kleinen des Salpeters iſt zu beachten, ob derſelbe geſchmolzen oder als Salpetermehl zur Verarbeitung kommt. Im erſten Falle wird er gekleint und durch meſſingene Siebe durchgelaſſen, während im letzten Falle ein beſonderes Kleinen nicht ſtattfindet. Der Schwefel wird ſo lange geſtampft, bis er in ganzfeines Pulver verwandelt iſt und wird dann durch ein Sieb von ſehr dichtem Gewebe oder durch einen Sichtbeutel gebeutelt, welcher entweder für ſich von Waſſer ge— trieben oder vermittelſt eines kleinen, mit der Maſchine in Verbindung geſetzten Triebwerkes zugleich mit dieſer in Bewegung geſetzt wird. In der Regel iſt der Sichtbeutel mit feinem Seidenzeuge überzogen. Zum Kleinen der Kohle wird in die Stampflöcher ſo viel eingetragen als das Verhältniß der in ein Stampfloch zu 85 Maſſe erfordert, in Frankreich in der Regel die zu 10 Kg Pulver nothwendige Menge. Nachdem die Kohle mit etwas weniger Waſſer als ihrem gleichen Gewichte angefeuchtet worden iſt, geſchehen etwa 800 bis 1200 Schläge, welche eine 001 von 20 bis 30 Minuten in. Anſpruch nehmen. b. Auf Walzmühlen. Dieſes Verfahren wurde im Jahre 1787 durch Coſſigny auf Isle de France eingeführt. Das Kleinen der einzelnen Beſtandtheile iſt in den verſchiedenen Ländern nicht ganz gleich. Während nämlich in Deutſchland und Belgien Salpeter und Schwefel für ſich gekleint werden und zu dieſen dann die Kohle in ganzen Stücken hinzugegeben mirs, zermalmt man in England in einigen Mühlen den Schwefel unter einem Läufer, Kohle und Salpeter unter einem anderen. In Waltham Abbey werden Salpeter, Schwefel und Kohle, jede Subſtanz für ſich unter eiſernen Wahhen, welche auf einer eiſernen Bodenpl atte Aaufen gekleint. In Oflindien bedient man ſich horizontaler Walzen. Die Subſtanzen fallen gleich unten in einen Kaſten, in welchem ſie geſiebt 9 0 c. In Trommeln. Dieſe Methode, 99 man auch die revolutionäre nennt, wurde im Jahre 1791 von G94990 angegeben und in einigen Stücken von Chaptal verbeſſert. Sie wurde um die genannte Zeit in Frankreich eingeführt, weil bei den damalit ligen zen, llen. hlen urde um zen leint deres ines webe ge⸗ tzten der d in floch ulver hrem läge, ede dern peter inzen ihlen In ſich leint. inzen zahre ſſert. ligen Kleinen. außergewöhnlichen Bedürfniſſen des Revolutionskrieges die Stampf- und Walz⸗ mühlen nicht genug Schießpulver liefern konnten; aber bereits im Jahre 1795 ſchaffte man dieſes Verfahren zum größeren Theile ab und erſt im Jahre 1822 brachte man es wieder zur Geltung. Während gegenwärtig in Frankreich das Kleinen in Trommeln nur noch für die Bereitung von Jagdpul ver beibehalten iſt, hat daſſelbe in Deutſchland, namentlich in der letzten Zeit eine ziemliche Verbreitung gefunden. Die Einrichtung dieſer Pulveriſir- oder Brechtrommeln, wie ſie im Anfange dieſes Jahrhunderts üblich war, ergiebt ſich aus Fig. 8 und 9. Fig. 8. Fig. 9. +II 7. N 0 XX Die auf d der Achſe B, B aufgezogene Trommel 4, welche eine Länge von I,Im und einen Durchmeſſer von 1,14 m beſitzt, iſt entweder aus Eichenholz zu— ſammengeſetzt oder ſie beſteht aus ſtarkem Sohlleder, welches über ein walzen— förmiges Holzgerippe geſpannt iſt. Im erſten Falle iſt die innere Fläche der Trommel mit Sohlleder überzogen, auf welchem 12 Leiſten 7,“ angebracht ſind, welche um 2 em hervorragen. Die Leiſten ſind nach innen ſcharfkantig geformt, mit der äußeren Fläche bilden ſie aber ſo flache Winlel, daß ſich kein Satz daran feſtſetzen und der Einwirkung der in der Trommel zum Kleinen der Materialien befindlichen Kugeln entziehen kann. Das 0 05 und Entleeren der Beſchickung geſchieht durch eine Oeffnung in der Trommel, welche durch den Deckel 4, ö, e, d mittelſt bronzener Schraubenmuttern oder Riegel verſchloſſen werden kann. Wäh⸗ rend des Kleinens der Subſtanzen wird ein hölzerner Deckel aufgeſetzt, derſelbe aber beim Entleeren mit einem Meſſingſieb, bei welchem auf den Quadratcentimeter 14 Oeffnungen kommen, vertauſcht, damit nur die gekleinten Subſtanzen in den eiſernen Kaſten Cfallen, nicht aber die Bronzekugeln. Der Durchmeſſer der Bronze— kugeln beträgt zwiſchen 414und 13mm. Damit die Kugeln ſich nicht ſo ſchnell abnutzen, wählt man eine ziemlich harte Bronze, in der Regel aus 75 Proc. Kupfer und 25 Proc. Zinn zuſammengeſetzt. Die Trommel iſt äußerlich mit einem Gehäuſe von Wachstuch umgeben, um das Stäuben zu verhindern, wenn die gekleinten Subſtanzen in den Kaſten Centleert werden. In neuerer Zeit ſind dieſe Brechtrommeln hinſichtlich ihrer Form etwas abgeän— dert worden. Die in Spandau und Dresden üblichen haben einen Durchmeſſer von etwa 2,2 m und eine Tiefe von 1,63 m. Während die Spandauer Trommeln ZDDe — ² 72 Kleinen. ganz aus Eichenholz angefertigt und an der ſogenannten Mantelfläche im Innern mit Sohlleder überzogen ſind, hat man in Dresden an der Mantelfläche die Holz⸗ bekleidung wegfallen laſſen und nur das Sohlleder beibehalten, welches an den Leiſten mittelſt bronzener Schrauben befeſtigt iſt. Dieſe Einrichtung dürfte inſofern als vortheilhaft eiſcheineh, als man ſofort von außen jede Verletzung des Bodens erkennen kann und dadurch der Mühe enthoben wird, in das Innere der Trommel hineinzuſteigen, um ſich zu überzeugen, ob noch Alles in gutem Zuſtande ſich be— findet. Auch laſſen ſich etwaige Reparaturen an der Mantelfläche ſehr leicht da— durch ausführen, daß man das verletzte Stück Sohlleder abſchraubt und urch ein neues erſetzt, während man bei der erſtgenannten Einrichtung mit mehr Schwierig— keiten zu kämpfen hat. Auf der anderen Seite iſt aber nicht zu vergeſſen, daß das Sohlleder, wenn es auf Holz aufliegt, einen viel größeren Widerſtand leiſtet, alſo nicht ſo leicht abgenutzt wird, als wenn es frei ohne jegliche der Einwirkung der Kugeln ausgeſetzt wird, und das Durchſchlagen des Leders von gar keinem Nachtheile iſt, eben weil dann die Holzbekleidung noch vorhanden iſt. Am unteren Theile des Gehäuſes befindet ſich ein ichterförmiger Schlauch von Drillich, der in den Kaſten, in welchen die gekleinten Subſtanzen entleert werden, führt. In der Nähe des Kaſtens iſt der Drillich durch ſämiſch gares Kalbleder erſetzt. Auf den Kaſten paßt ein Deckel, Welher in der Mitte ein Loch hat, ſo daß der Schlauch durch daſſelbe in den Kaſten geleitet werden kann. Damit der Deckel gut eü und keinen Staub von der Kohle u. ſ. w. durch⸗ läßt, iſt ſeine untere Seite mit Lämmerfellen gefüttert. In Dänemark geſchieht das Kleinen der einzelnen Beſtandtheile in 1,24 m langen Tonnen, welche in zwei Abtheilungen getheilt ſind. In Rußland hat man zum Kleinen von Schwefel und Kohle eiſerne Trommeln eingeführt. In Deutſchland iſt es üblich, nur die Kohle für ſich zu kleinen, den Schwefel aber mit Salpetermehl zu mengen und beide zuſammen fein zu pulvern. Beim Kleinen der Kohle werden in Spandau und Dresden etwa 90 Kg Bronzekugeln von 1,3 om Durchmeſſer in die Brechtrommel gegeben und darauf drei Dämpfer voll Kohlen im Gewichte von 69 Kg eingetragen. Während man in Dresden nur Faulbaumkohle verarbeitet, werden in Spandau Faulbaum⸗ und Weidenkohle im Verhältniſſe von 3: 2 gemiſcht in die Trommel geſchüttet. Letz⸗ tere wird ſodann mit dem hölzernen Deckel verſch hloſſen und derſelben eine Geſchwin— digkeit von zehn Wundsehungene in der Minute gegeben. Sowie 900 Umdrehungen erfolgt ſind, wird die Trommel angehalten und nachdem das Meſſingſieb einge— ſetzt, wieder ſo lange bewegt, bis ſämmtliche gekleinte Kohle in den untergeſetzten eiſernen Kaſten gefallen iſt. Da der Schlauch an dem 1 Ende ſich verengt und das Kohlenpulver ſich deshalb gern dort ſtaut, ſo ſucht man durch Drücken mit der Hand an dieſem Theile des Schlauches nachzuhelfen. Aus dem Kaſten wird die Kohle in Kübel geſchüttet, wovon jeder 16 Kg. faßt. Die Abnutzung der Bronzekugeln beträgt bei dieſem Kleinungsverfahren für 50 Kg gepulverter Kohl e etwa 90g. Aus dieſem Grunde werden jeden Monat die Kugeln durch ein Normalſieb geſiebt, dann gewogen und die Differenz durch neue Kugeln erſetzt. er on iſt. ich ert es in mn. ch⸗ in ne ich en 2 uf nd en je⸗ en gt en en ng ter Kleinen. 73 Während des Kleinens nimmt das cubiſche Gewicht der Kohle beſtändig zu, wie aus folgender Tabelle, welche franzöſiſchen Beobachtungen entnommen, er⸗ ſichtlich iſt: Nach 2 Stunden betrug das cubiſche Gewicht 0,220 „ 4 1 n n 1N 1 0,½243 6 1„ n n n 0,280 1 8„ n n 1 · 0,282 10 n 1„ n 1 0,294 5 12 1 1 · n 1 0,296 Das Kleinen des Schwefels geſchieht, wie bereits hervorgehoben, nicht für ſich, ſondern ſtets in Verbindung mit dem Salpeter, da man bemerkt hat, daß der Schwefel für ſich allein gekleint die Trommel verſchmiert und Feuererſcheinungen in derſelben auftreten. Der durch das Läutern bröcklich gewordene Schwefel wird mit hölzernen Hämmern zerſchlagen. Sodann werden 40 Kg abgewogen und mit der gleichen Menge Salpeter verſetzt in die Trommel eingetragen, in welcher ſich bereits 100 Kg Bronzekugeln befinden. Die Umdrehungsgeſchwindigkeit der Trommel iſt dieſelbe wie bei der Kohlen-Brechtrommel, dagegen wird die Zahl der Umdrehun— gen auf 1200 erhöht. Die monatliche Abnutzung der Kugeln beträgt etwa 0,5 Kg. In Frankreich wurden in früherer Zeit Kohle und Schwefel jede Subſtanz für ſich gekleint und zwar wurde nach einer Angabe von Champy der Schwefel in einem verticalen, eiſernen, gerippten Cylinder gekleint, welcher ſich in einem hohlen, ebenfalls gerippten Cylinder um ſeine Achſe drehte. Der Schwefel wurde dadurch gröblich gekleint und am unteren Ende des Cylinders durch ein gebogenes Rohr in eine hölzerne, horizontal ſich drehende Trommel, in welcher ſich Kugeln befanden, gebracht. Ein durch einen Ventilator erzeugter ſtarker Luftſtrom ſtrich durch die hohle Achſe der Trommel und trug den feinen Staub in eine Seitenkammer, wo er auf Tüchern ſich niederſchlug. In 12 Stunden kleinte die Maſchine 500 Kg Schwefel. Dieſe Ventilationsmethode wurde jedoch aufgegeben. Heut zu Tage werden in Frankreich bei der Bereitung des Jagd— pulvers 18 Kg Kohle mit 150 Kg Bronzekugeln von 4mm Durchmeſſer in die Trommel gegeben, und bei 28 bis 30 Umdrehungen in der Minute 12 Stunden lang bearbeitet. Nach Verlauf dieſer Zeit werden 15 Kg Schwefel in Stücken eingetragen und auf gleiche Weiſe das Kleinen derſelben und die Miſchung dieſer beiden Subſtanzen vorgenommen. Auf ähnliche Weiſe wie in Frankreich verfährt man in Oeſterreich, Däne— mark und Rußland. In Oeſterreich werden 50 Kg geſchmolzener Salpeter mit 75 Kg Bronze— kugeln von 8,3 g Einzelgewicht durch 30 000 Umdrehungen(30 in der Minute) gekleint. In Dänemark wird der Salpeter 7 Stunden lang mit einer Geſchwindig— keit von 18 bis 20 Umdrehungen in der Minute gekleint. DS EEEEEE... Mengen und Dichten. 3. Das Mengen und Dichten in einer Operation. a. In Stampfmühlen. In den älteren Werken Deutſchlands werden, nachdem die Kohle unter den Stampfen gekleint worden, die beiden anderen Beſtandtheile, welche ſchon ge— pulvert und geſiebt in eigenen Zubern in Bereitſchaft gehalten werden, zu der Kohle geſetzt. Nachdem die Maſſe mit den Händen durcheinandergemengt iſt, wird noch ſo viel Waſſer zugegoſſen, daß es mit dem früher auf die Kohle ge— gebenen 16 bis 20 Proc. beträgt. Der Umfang der Stampflöcher wird dann rein abgekehrt, die Staubläden(durchlöcherte Deckel, durch welche die Stempel ſchlagen) werden über dieſelben umgelegt und die Stempel auf den Satz nieder— gelaſſen. Man giebt ſodann dem Rade langſam Waſſer, damit der Uebergang von der Ruhe zur Bewegung nur allmählich erfolge, läßt dann etwas mehr Waſſer zuſtrömen, bis die gewöhnliche Anzahl der Schläge in der Minute gemacht wird. Sowie die Stempel in voller Bewegung ſind, werden alle Zugänge verſchloſſen, um Zugwind und dadurch Verſtäuben einzelner noch nicht hinlänglich gemengter Theile zu vermeiden. Nach ungefähr einer Viertelſtunde wird nachgeſehen, ob die Stempel nicht durch den Satz auf den Boden ſchlagen. Dies kann nämlich ſehr leicht erfolgen, wenn die Maſſe zu feucht iſt. Sie ſpritzt dann umher und legt ſich an die Wände des Mörſers, wodurch ein Theil der Maſſe der Einwir— kung der Stempel ſich entzieht. Auf der anderen Seite darf die Maſſe aber auch nicht zu trocken ſein, weil ſie ſonſt verſtäubt und die Stempel nur die Maſſe im Grunde des Mörſers zuſammenſchlagen. Bei richtiger Beſchaffenheit bildet ſie einen Teig, welcher durch den Schlag der Stempel an den Wänden des Mörſers hinaufgetrieben wird, durch die Neigung deſſelben ſich allmählich loslöſt und wieder unter die Stempel zurückfällt. So vollkommen übrigens die Köpfe der Stempel und die Form der Stampflöcher auch ſein mögen, ſo geſchieht es doch, daß ſich auf dem Boden und an den Stempeln eine feſt geballte Maſſe an⸗ ſetzt, welche bei fortdauerndem Stampfen ſo erhärtet, daß eine Entzündung erfol— gen kann. Um dies zu vermeiden, muß das ſogenannte Wechſeln oder Umſetzen erfolgen. Es wird nämlich, nachdem das Waſſerrad geſtellt und die Stempel ge— hoben ſind, der Satz des erſten Stampfloches in einen Behälter gegeben und dabei Sorge getragen, daß die vorhandenen Klumpen mit der Hand zerdrückt und alles dasjenige, was in und um das Stampfloch ſich feſtgeſetzt hat, abgekratzt werde, wozu man ſich eines eigenen, aus ſtarkem Kupferbleche angefertigten, ſchaufel— artigen Inſtrumentes bedient. In dieſes entleerte Stampfloch wird der Satz des zweiten unter gleicher Behandlung gebracht und ſofort, während der Satz des erſten in das entleerte letzte Loch eingetragen wird. Zur Beſchleunigung der Ar— beit wird bei zehn Stampflöchern dieſes Umſetzen von zwei Arbeitern in dem erſten und ſechsten Stampfloche zu gleicher Zeit begonnen. Das Umſetzen der Maſſe geſchieht das erſte Mal nach 2000 Schlägen und wird ſodann nach je 4000 Schlägen wiederholt. Bei dieſer Gelegenheit wird zugleich der Satz befeuchtet, wenn er zu trocken geworden iſt, was der Beurthei— und vird hei⸗ Mengen und Dichten. lung des geübten Arbeiters überlaſſen bleibt, da wegen der Abhängigkeit von der Temperatur genaue Vorſchriften nicht gegeben werden können. Dieſes Befeuchten geſchieht aber immer nur mit kleinen Mengen Waſſers, worauf der Satz mit den Händen umgearbeitet wird, was gewöhnlich ein Arbeiter in zwei Stampflöchern zu⸗ gleich verrichtet. Um nichts von der Maſſe zu verlieren, die ſich an den Händen der Arbeiter beim Umſetzen und Abkehren anſetzt, werden die Arbeiter angehalten, ſich die Hände in eigenen Eimern zu waſchen, deren Waſſer ſodann zum Befeuch⸗ ten benutzt wird. Die Kruſte, welche ſich von Zeit zu Zeit an dem Bronze— beſchlag der Stempel anſetzt, wird nicht durch Abklopfen und dergleichen, was das Lockerwerden der Stempel verurſachen könnte, hinweggeſchafft, ſondern dadurch, daß man nach beendetem Stampfen die Stempel in eigenen, mit Waſſer gefüllten Gefäßen über den zugedeckten Mörſern die Nacht hindurch ſtehen läßt und dann am E güſe Morgen reinigt und trocknet. Die Anz Jahl der Stöße beläuft ſich im Allgemeinen auf 55 bis 60 in der Minute. Die Dauer des Stampfens iſt auf den einzelnen Mühlen ganz verſchie— den, ſie ez ſich in der Regel zwiſchen 14 und 36 Stunden. Bei den Werken der neueren Einrichtung iſt ganz derſelbe Vorgang, wie er deben angegeben wurde, nur werden die einzelnen Beſtandtheile nicht in Stampf⸗ 11 en, ſondern in Trommeln zuvor gekleint. Die Fe iſt in dieſem Falle auf 36 Stunden feſtgeſetzt und die Menge des Anfeuchtewaſſers beträgt hierbei nur 4 bis 9 Proc. In Oeſterreich, bei den ſogenannten deutſchen Stampfen, wo drei Stempel in einem Mörſer arbeiten, kommen 25 Kg Satz in ein Stampfloch, bei den Neu— ſohler aber 8,4 Kg, bei den kleineren dieſer Art auch nur 6,6 Kg in einen Mör⸗ er. Für die Neuſohler Stampfen beträgt die Stampfzeit 31 bis 55 Stunden ür Scheiben- oder Jagdpulver, 24 bis 44 Stunden für Militärpulver und 16 bis 30 Stunden für Sprengpulver, während dieſelbe für die deutſchen Stampfen auf 60 beziehungsweiſe 48, 36 Stunden für die drei genannten Pulverſorten feſtgeſetzt iſt. In Frankreich werden in jedes Stampfloch 10 Kg Satz, mit 1 Kg Waſſer 'efeuchtet, eingetragen. Zur Revolutionszeit betrug die Stampfzeit 14 Stunden, ſpäter 12 Stunden und im Jahre 1802 ſogar 3 Stunden. Im Jahre 1807 ging man wieder auf 14 Stunden, da das in den vorhergehenden Jahren erzeugte Pulver gar nichts taugte. In Dänemark kommen in jeden Mörſer 5 Kg Satz, der je nach der Tem— peratur mit 10 bis 12 Procent Waſſer angefeuchtet wird. Nachdem derſelbe umgerührt worden, wird er eine Stunde lang bei 18 Schlägen in der Minute geſtampft. Nach einſtündiger Arbeit wird der Satz umgeſetzt und 35 Stunden lang geſtampft, während welcher Zeit noch 2 bis 3 Mal umgeſetzt wird und die Stempel 24 bis 36 Schläge in der Minute thun. Wird der Satz ſehr trocken, ſo befeuchtet man ihn während des Stampfens. b. In Walzmühlen Im Allgemeinen iſt das Verfahren ganz daſſelbe, wie ſolches bereits oben bei dem Kleinen, Mengen und Dichten in einer Operation beſchrieben wurde. EEE...... — 76 Mengen und Dichten.— Mengen. Streitig iſt man nur darüber längere Zeit geweſen, ob es vortheilhafter ſei, die gekleinten Subſtanzen direct auf das Lager zu bringen, um ſie darauf zu mengen und zu verdichten, oder dieſelben zuvor für ſich einer vorläufigen Mengung in Tonnen zu unterwerfen. Nach Verſuchen, welche in Holland angeſtellt wurden, ſcheint das letztere Verfahren ſich als ſehr empfehlenswerth zu erweiſen, weshalb daſſelbe auch mehrfach eingeführt worden iſt. Die Dauer der Operation hängt ab von der Qualität des Pulvers, von der Dichte des Kuchens, welche erhalten werden ſoll, ſowie auch von der Menge Waſſer, welche der Kuchen enthalten darf. Beſitzt der Läufer ein Gewicht von 5000 Kg und macht derſelbe acht Umdrehungen in der Minute, ſo iſt es ſehr för— derlich, wenn die Läufer 4 bis 5 Stunden in Bewegung gehalten werden, indem die Miſchung inniger, der Kuchen dichter und endlich eine geringere Menge Waſſer genügt, um demſelben die zum Körnen nöthige Beſchaffenheit zu geben, als wenn man eine kürzere Walzzeit inne hält. 4. Das Mengen der gekleinten Subſtanzen. Ehe auf das gewöhnliche, heut zu Tage übliche Verfahren übergegangen wird, ſei noch einer Methode gedacht, welche, wie Simienowicz in ſeiner ars magna Artilleriae erwähnt, bereits im Jahre 1649 bei den Kirgiſen gebräuchlich war und gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts von Coſſigny in Europa ein— geführt wurde. Nach dieſer Methode löſte man den Salpeter in Waſſer auf und ſchüttete ſodann in die Salpeterlauge Schwefel und Kohle, nach der gewöhnlichen Art gekleint und gemengt. Nun erhitzte man die Maſſe unter Umrühren ſo lange, bis ſie etwa noch 15 Proc. Waſſer enthielt, ließ ſie erkalten, wobei ſie noch 10 Proc. Waſſer verlor und brachte ſie dann zur Verdichtung unter Stampf—⸗ oder Walzmühlen. Man ſollte durch dieſes Verfahren viel Zeit und Arbeit er— ſparen, vor Exploſionen ſicher ſein und ein in feuchten Räumen ſich beſſer hal— tendes Pulver bekommen; allein nach wiederholt angeſtellten Verſuchen des rühmlichſt bekannten preußiſchen Hauptmanns Dr. Meyer kann auf dieſe Weiſe Pulver bereitet werden, welches zwar luftbeſtändiger ſein dürfte, da die Poren der Kohle beſſer verſchloſſen werden, keineswegs aber die Dichtigkeit des gewöhnlichen erreicht. Erſparniß an Zeit iſt nicht dabei, da der Salpeter heute als Salpeter— mehl verarbeitet wird und der Gewinn an Stampfzeit ebenfalls durch das Ein— rühren von Schwefel und Kohle in den gelbſten Salpeter verloren geht. Die Methode iſt daher auch heute nicht mehr im Gebrauch. Zum Schluſſe ſei noch eine Stelle aus Plinius erwähnt, in welcher ſich einige Anklänge an das eben geſchilderte Verfahren finden. Die Stelle iſt in der Naturgeſchichte von Plinius lüb. 31. cap. 10.§ 111 verzeichnet, wo der Sal— peter beſprochen wird. Es heißt daſelbſt folgendermaßen: Nam et lapidescit ibi in acervis multique sunt cumuli ea de causa saxei. Faciunt ex his vasa nec non frequenter liguatum cum sulphure coquentes in carbonibus quoque quos inveterari volunt illo nitro utuntur; sunt ibi nitrariae in quibus et rufum exit à colore terrae. Ob die Stelle U R Mengen. mit dem Schießpulver in Verbindung gebracht werden kann, ſei dem Urtheile ge— übter Forſcher überlaſſen. U Das Mengen auf trocknem Wege geſchieht entweder in Mengtrommeln oder ö unter Walzmühlen. 5 a. Das Mengen in Trommeln. + In Spandau und Dresden unterſcheiden ſich die Mengtrommeln nur darin von den Brechtrommeln, daß ſie ganz aus Sohlleder angefertigt ſind. e In Schweden haben die Mengtrommeln etwa 1 m Durchmeſſer und eine 1 Länge von 1,4 bis 1,55 m. 5 In Bouchet ſind dieſelben wie die Brechtrommeln zu Spandau conſtruirt, 1 und beträgt der Durchmeſſer und die Länge der Tonne 1,2 m und in der Achſe r ſind ſtatt zwei Böden, drei in gleicher Entfernung von einander eingelaſſen. n In England iſt die zum vorläufigen Mengen gebräuchliche Trommel aus Eiſenblech, etwa 1 m im Durchmeſſer und 1½¼ m lang. Durch die Trommel läuft eine horizontale Welle, welche ſich in entgegengeſetzter Richtung zur Trom⸗ mel dreht. Um nun eine innige Miſchung herbeizuführen, ſind an der Welle fünf eiſerne Arme angebracht, breite/ m lange Schienen, welche mit einer Reihe großer Löcher durchbrochen ſind und in eine Gabel mit drei Zinken endigen. ö„ In Bengalen hat man hölzerne Trommeln, welche innen mit Leiſten ver— a0 ſehen ſind. r Bei jeder Operation werden in Spandau 150 Kg Bronzekugeln von ⸗ 0,654 em Durchmeſſer in die Trommel gegeben und 100 Kg Satz aufgeſchüttet. Letzterer beſteht aus 64 Kg Salpeter, 20 Kg Salpeterſchwefel und 16 Kg Kohle. n Der Mengtrommel wird ſodann eine Geſchwindigkeit von 10 Umdrehungen , in der Minute gegeben und ſo lange in Bewegung erhalten, bis 1440 Umdrehun⸗ 0 gen erfolgt ſind. Das Entleeren des Satzes erfolgt in vier Tonnen, wovon jede ⸗ 25 Kg Satz faßt. Die Abnutzung der Bronzekugeln beträgt monatlich für 10 000 Kg Satz 8 Kg. ⸗ In Schweden werden in die Mengtrommeln von 1,4 m Länge 60 Kg 8 Satz, und in die von 1,55 m Länge 100 Kg gegeben und 10 Stunden lang mit e 150 Kg, beziehungsweiſe 250 Kg Bronzekugeln von 1,2 em Durchmeſſer be— r arbeitet, wobei die kleineren Trommeln 27, die größeren 29 Umdrehungen in der n Minute machen. Die Kugeln dürfen nur ſo lange gebraucht werden, als ihr ⸗ Durchmeſſer noch nicht auf 6 wm herabgeſunken iſt. ⸗ In Bouchet kommen in jede der beiden Abtheilungen 25 Kg Satz und 'e zwar 19,5 Kg Salpeter und 5,5 Kg der in den Brechtrommeln vorgenommenen Miſchung von Kohle und Schwefel. Auf 25 Kg Satz nimmt man 60 Kg 0 Bronzekugeln von 4mm Durchmeſſer und giebt der Trommel während 12 Stun⸗ r den 25 bis 30 Umdrehungen in der Minute. ⸗ In England werden 100 Thle. Salpeter mit 18 Thln. Kohle und 13,3 t Thln. Schwefel in der eiſernen Trommel gemengt. Sowie der Pulverſatz in der⸗ 8 ſelben emporgehoben wird und bei einer beſtimmten Höhe wieder zurückfällt, ſtreicht 1 die Gabel in umgekehrter Richtung hindurch und führt auf dieſe Weiſe eine ober— flächliche Miſchung herbei. Mengen. In Bengalen wird der Pulverſatz 3 Stunden lang in den hölzernen Trommeln gemengt. In England hatte man auf Vorſchlag von Congreve 1819 eine Me— thode eingeführt, welche ſich zwar nicht bewährte, wegen ihrer ſinnreichen Anord— nung aber verdient erwähnt zu werden. Jade der drei für ſich gekleinten Sub— ſtanzen wurde in je einen Trichter gebracht, deſſen untere, viereckige Oeffnung durch eine eylinderförmige, ſcharfe Bürſte, welche ſich um ihre horizontale Achſe drehte, feſt geſchloſſen war. Bei dieſer Drehung der Bürſten um eine gemein— ſchaftliche Achſe ſtreifte je nach der mehr oder weniger erhöhten Stellung der Bür— ſten jede eine gewiſſe Menge der in dem Trichter befindlichen Subſtanz auf ein gemeinſchaftliches Tuch ohne Ende, welches über zwei Cylinder lief, welchen eine ſchnellere Umdrehungsgeſchwindigkeit als den Bürſten gegeben wurde. Salpeter, Schwefel und Kohle breiteten ſich in ſehr dünner Lage auf dieſem Tuche aus, ver⸗ miſchten ſich unter einander und fielen, auf dem zweiten Cylinder angekommen, vermöge ihres Gewichtes von dem Tuche herunter in einen Trichter, welcher mit dem Innern einer Tonne in Verbindung ſtand. An der Tonnenachſe nämlich war ein Trichter angebracht, welcher durch Gewichte in einer aufrechten Stellung gehalten wurde und auf dieſelbe Weiſe, wie oben angegeben, von einer Bürſte ge— ſchloſſen wurde, deren unterer Theil auf ein Meſſingſieb mit ſehr engen Maſchen ſtreifte, wodurch ein ſehr feines Kleinen und Mengen bewirkt wurde. Die untere Wand der Tonne war mit Leiſten oder kleinen Brettchen verſehen, welche ſenkrecht gegen die Oberfläche geſtellt waren, in Folge deſſen das Gemenge in den oberen Theil der Tonne wieder geſchleudert wurde, in den Trichter fiel und von Neuem einer Mengung unterworfen wurde. Nach Verlauf von einer Viertelſtunde war das ganze Verfahren beendet, die Tonne wurde entleert und der Pulverſatz auf die Preſſe gebracht. b. Das Mengen auf Walzmühlen. Dieſe Methode iſt nur in England und Oſtindien üblich. In erſterem Lande werden die vorläufig gemengten Subſtanzen zur innigeren Miſchung auf die bereits oben erwähnten Walzmühlen gebracht. In Waltham-Abbey giebt man den Läufern 7½ Umgänge in der Minute. Jedesmal werden 21 Kg Satz, welchen man vorher nur ſchwach befeuchtet hat, 3 Stunden bearbeitet, wenn Mi— litärpulver gefertigt werden ſoll. Bei Jagdpulver wird die Mengzeit auf 3/ Stunden und bei der feineren Sorte ſogar auf 4½ Stunden erhöht. In Oſtindien werden die Subſtanzen zuerſt unter hölzernen Walzen 4 Stun—⸗ den lang bearbeitet und dann unter Bronzeläufer von 3500 Kg Gewicht gebracht. Für 30 Kg Satz hält man 100 Umgänge für genügend, während in den königlich engliſchen Fabriken im Durchſchnitt 1350 gegeben werden. Deshalb iſt das oſtindiſche Pulver ſchwärzer und weniger gemengt als das engliſche, in Folge deſſen auch nicht ſo brauchbar, wie das letztere. Es erklärt ſich dies ſehr einfach, wenn man bedenkt, daß ſehr viel darauf ankommt, wie lange gemengt worden iſt und wie viel Umdrehungen in der Minute gemacht werden. Wird nämlich das Mengen längere Zeit fortgeſetzt, ſo nimmt die Dichtigkeit des Pulverſatzes bis zu einem gewiſſen Punkte ſtetig ab, der Satz läßt ſich alſo leichter preſſen und man wird n. 27 2 N N be vo A Mengen.— Dichten. ein feſteres Korn erhalten, welches ſich ſchneller entzündet und beſſer transpor⸗ tiren läßt. Aber auch die Geſchwindigkeit, mit welcher die Umdrehungen erfolgen, iſt nicht ganz gleichgültig, da nach engliſchen bd wenige und raſche Um⸗ drehungen vortheilhafter W als mehr, aber langſam erfolgende, ja durch die Zahl der Umdrehungen die fehlende Geſchwindigkeit gar nicht erſetzt werden kann. N In welchem Verhältniß das ſpecifiſche Gewicht des Puwerſahrs während des Mengens abnimmt, zeigen folgende Spandauer Beobachtungen: Es betrug das ſpecifiſche Gewicht des Pulverſatzes nach 1 Stunde 48 Minuten Mengzeit.. 1,63 „ 2Stunden 20 5 1,742 5 ee 54136 „****E* 5 636 1,30 Eine äh nliche Erſcheinung zeigt das cubiſche e Gewicht des Pulberſatzes. Nach franzöſiſchen Unterſuchern betrug daſſelbe nach Verlauf von 1 Stunde... 0,394 „„„ 2 Stunden 0,368 f „63 65„1 57073“ 5 „„ 94 5 0,342 N 1 8 0,340 5 5 16 5 0,337 ö 9 5„* 5 Ai 0,338 „„* 8 5 1 0,344 „ 9 5 0,352 ‚„ 9 10 5 9,357 » 11 60386 7 5„J12 5 nhen 0,357 5. Das Dichten oder Preſſen des Pulverſatzes— Dieſe Operation wird nur da geſondert vorgenommen, wo das Kleinen und Mengen in Trommeln oder auch wohl unter Walzmühlen geſchieht, indem, wie bereits oben erwähnt, bei Anwendung von Stampfwerken und zum Theil auch von Walzmühlen das Dichten gleichzeitig mit dem Mengen in derſelben Vorrichtung vollzogen wird. Damit der Pulverſatz zum Dichten geeignet ſei, wird derſelbe, wenn das Mengen in Trommeln erfolgte, vorher angefeuchtet. In früherer Zeit geſchah das Anfeuchten des Pulverſatzes mit kleinen Gießkannen, in neuerer Zeit aber hat man beſondere Apparate dafür erdacht. In Spandau beſteht der Apparat aus einem Tiſche von Eichenholz, wel— cher 2,17 melang und ungefähr 1em breit iſt. Damit der Satz beim Durch— arbeiten von der Tiſchplatte nicht herunter fallen kann, iſt ringsum an der äußeren Kante eine aufrecht ſtehende Leiſte angebracht. An der einen der Breitſeiten des rrrrrr ——————— 80 Dichten. Tiſches in der Mitte befindet ſich ein durch die Tiſchplatte hindurchgehendes Loch, durch welches der angefeuchtete Satz abgelaſſen wird. Ueber dem Tiſche, oben an der Decke, iſt ein Glascylinder angebracht, welcher an einem ledernen, über zwei Rol⸗ len laufenden Riemen derart befeſtigt iſt, daß der Cylinder, wenn er mit Waſſer gefüllt werden ſoll, heruntergelaſſen und darauf wieder in die Höhe gezogen wer— den kann. Der Cylinder trägt zehn Theilſtriche, der Zwiſchenraum zwiſchen je zweien entſpricht ½ Kg Waſſer. Von der Mitte des Gefäßbodens läuft ein kupfernes Rohr, welches an ſeinem unteren Ende durch eine fein durchlöcherte Platte ge— ſchloſſen wird. Kurz oberhalb derſelben befindet ſich ein kupferner Hahn, durch welchen das in dem Cylinder und dem Rohre befindliche Waſſer abgeſperrt wer— den kann. Zum Durcharbeiten der Maſſe bedient man ſich ſchmaler, hölzerner Bretter, die bei einer Länge von etwa 0,3 mudie Geſtalt eines Rechtecks beſitzen, in deſſen Mitte nach dem oberen Ende zu ein halb ovales Loch zum Durchſtecken der Finger angebracht iſt. Das Verfahren iſt folgendes: Der Pulverſatz wird auf dem Tiſche gleich— mäßig ausgebreitet und allmählich mit 10 Proc. Waſſer befeuchtet, ſo daß alſo auf 25 Kg Satz 5 Theilſtriche Waſſer kommen. Der Satz wird gehörig durch— einander gearbeitet, damit das Waſſer in der ganzen Maſſe des Satzes möglichſt gleichmäßig vertheilt wird, dann durch das Loch an der Breitſeite des Tiſches in Kübel abgelaſſen und ſofort unter die Preſſe gebracht. Bei dieſem Verfahren macht ſich ein kleiner Uebelſtand geltend, nämlich daß der Arbeiter ſtets in die Höhe ſchauen muß, wenn er ſich vergewiſſern will, wie viel Waſſer er auf den Satz hat fließen laſſen. Dieſe Unbequemlichkeit iſt nur äußerſt geringfügig, da ein geübter Arbeiter das Anfeuchten ſo im Griffe haben wird, daß er nur ſelten zu dem Cylinder hinaufzublicken braucht, auch durch einen auf richtige Weiſe angebrachten Spiegel das in die Höhe Sehen leicht beſeitigt wer— den könnte. In Dresden hat man zu einem anderen Aushülfsmittel gegriffen. Der dortige Inſpector der königlichen Pulverfabrik, Lieutenant Rudowsky, hat einen Apparat conſtruirt, welcher in ſeinem Principe genau auf das Syſtem heraus⸗ kommt, welches bereits Champy bei ſeiner weiter unten zu beſprechenden Körn⸗ methode in Anwendung brachte. Die Einrichtung des Apparates iſt ungefähr folgende: Eine kleine Handpumpe iſt in zwei Abtheilungen getheilt, welche an ihrem unteren Ende mit einander in Verbindung ſtehen. Ueber der einen Abtheilung iſt zum Filtriren des Waſſers ein Tuch ausgebreitet, um Unreinigkeiten, wie Sand u. ſ. w., zurückzuhalten. Durch die in der Pumpe unten angebrachte Oeff—⸗ nung tritt das filtrirte Waſſer in die zweite Abtheilung, von wo es durch ein kupfernes Rohr in ein eylindriſches Gefäß, ebenfalls von Kupfer, mit Hülfe der Pumpe getrieben wird. In dem Cylinder befindet ſich ein Schwimmer, welcher durch eine Schnur mit einem Zeiger verbunden iſt, der auf einer neben dem Tiſche befindlichen Tafel ſpielt, welche in Theilſtriche eingetheilt iſt, die beſtimmten Waſſer— mengen entſprechen. Sowie das filtrirte Waſſer in den Cylinder tritt, ſteigt der Schwimmer empor, während der Zeiger an der Tafel herunterſinkt, bis derſelbe beim höchſten Stande des Schwimmers gerade auf Null zeigt. Zum Ablaſſen des Waſſers iſt an dem Cylinder eine ähnliche Einrichtung getroffen, wie in e och, an dol⸗ ſſer er⸗ ien nen er⸗ Der nen us⸗ rn⸗ ähr em ing wie Dichten. 81 Spandau. Sie unterſcheidet ſich von der letzteren nur darin, daß das kupferne Rohr, weil der Cylinder unbeweglich iſt, zum Theil durch einen Guttapercha⸗ ſchlauch erſetzt iſt. Soweit dem Verfaſſer bekannt, iſt dieſer Apparat patentirt. In Waltham-Abbey, wo der gemengte Satz bereits Feuchtigkeit beſitzt, wird derſelbe, ehe er unter die Preſſe kommt, durch zwei über einander liegende Walzenpaare von 18 em Durchmeſſer und 6,2 dm Länge zerkleint. Die Wal⸗ zen ſind auf ihrer ganzen Oberfläche mit kleinen, vierſeitig pyramidalen Zähnen von ungefähr 6 bis 7 mm Höhe beſetzt und greifen in einander, ſo daß das zwi⸗ ſchen ſie gebrachte Pulver in ziemlich kleine Körner zerbröckelt wird. Die zu einem Paare gehörigen Walzen werden durch eine Hebelvorrichtung gegen einander ge⸗ drückt und enthalten auf ihren Achſen gezahnte, in Eingriff ſtehende bronzene Räder, ſo daß ſie gleichmäßig, obwohl in entgegengeſetzter Richtung, umlaufen. Das durch das erſte Paar vorläufig zerkleinerte Pulver fällt auf das zweite Walzen⸗ paar, wo die Zerkleinerung bis zur Größe von Kanonenpulver fortgeſetzt wird. Zum Aufſchütten dient ein Leintuch ohne Ende, welches über zwei Rollen läuft, wo⸗ von die eine(die obere) ſich über dem erſten Walzenpaare befindet, während die andere niedriger, mehr zur Seite liegt, ſo daß das Leintuch ſich in geneigter Lage befindet und unter langſamem Fortbewegen das aufgeſchüttete Pulver mit in die Höhe nimmt und auf die Walzen überträgt. Um ein Zurückfallen des Pulvers zu verhüten, ſind lederne Riemen in etwa 1,6 em Entfernung von einander quer über das Leintuch genäht. Der Pulverſatz fällt aus einem Kaſten auf das Tuch, wird von dieſem langſam mitgenommen, aber durch ein Streichmeſſer ſo weit ab— geſtrichen, daß nur gerade ſo viel, wie von den Walzen verarbeitet werden kann, darauf liegen bleibt. Nach dieſen vorbereitenden Arbeiten, welche allerdings bei dem zunächſt zu beſchreibenden Dichten unter Mühlſteinen wegfallen, wird der Satz verdichtet, was entweder unter Mühlſteinen oder Preſſen geſchieht. a. Das Dichten unter Mühlſteinen. Die Mühlſteine ſind von Bronze, jeder iſt mit einem Kupferringe bedeckt. Das Lager, auf welchem die Steine laufen, iſt von Ulmenholz. Der Stein hat 1,5 m Durchmeſſer, 5 um Dicke und wiegt 2500 Kg. Ein Satz von 50 Kg wird in einer Schicht von 5 em Dicke auf das Lager ausgebreitet, nachdem er zuvor mit 1 Kg Waſſer befeuchtet worden iſt. Das Anfeuchten geſchieht direct auf dem Lagerſteine. Die Umdrehungsgeſchwindigkeit iſt bei Beginn eine ge⸗ ringe, wird indeß nach und nach in dem Grade erhöht, daß in einer Minute S Um— drehungen um die Achſe geſchehen, welche Geſchwindigkeit 1 Stunde bis 1/ Stunde erhalten wird. Nach Verlauf dieſer Zeit wird der Pulverkuchen noch einmal mit 1 Kg Waſſer beſprengt. Nach dem Anfeuchten wendet der Arbeiter die Maſſe mit Hülfe eines mit Kupfer beſchlagenen Meißels um und verlangſamt die Bewegung der Läufer, bis ſie nur vier Umdrehungen in der Minute machen. Nach dreiviertel Stunden iſt das Preſſen beendet. Der Kuchen hat dann eine Dicke von 18 mm. In Frankreich bedient man ſich dieſer Methode bei der Be— reitung des Jagdpulvers. Das Schießvulver. Dichten. pb. Das Dichten unter Preſſen. Dieſe Methode wurde in England bereits 1784 in Anwendung gebracht, es läßt ſich aber nicht genau feſtſtellen, ob in dieſem Jahre der Gebrauch von Preſſen aufkam oder ob derſelbe ſchon früher bekannt war. Das Dichten unter Preſſen geſchieht entweder durch Schrauben⸗, hydrauliſche oder Walzenpreſſen. Die Conſtruction der beiden erſtgenannten Arten darf als bekannt voraus⸗ geſetzt werden. Hinſichtlich der Schraubenpreſſe ſei nur bemerkt, daß in Schwe⸗ den die Spindel vorſchriftsmäßig mindeſtens 1,06 dm Durchmeſſer haben muß. Bei der hydrauliſchen Preſſe iſt noch eine Einrichtung hervorzuheben, welche ſich in einigen Fabriken vorfindet. Um nämlich die Arbeiter vor Erploſionen zu ſichern, hat man den Preß⸗ und den Druckeylinder durch ſtarke Mauern von ein— ander getrennt, ſo daß alſo, ſo zu ſagen, die Preſſe in zwei Zimmern ſteht. Das Verfahren in früherer Zeit war folgendes: Die Pulvermaſſe, welche zuſammengepreßt werden ſollte, wurde in einen rechtwinkligen, hölzernen, mit Blei ausgefütterten und mit kupfernen Bändern umſchlagenen Kaſten gebracht. Um einen beſſeren Druck ausüben zu können, nahm man viereckige Scheiben von Nuß— baumholz, welche 4dm im Quadrat groß und 2,6 em dick waren. An den Seiten der Scheiben befand ſich eine Leiſteneinfaſſung, die 1,05 bis 1,27 em hervorſprang. Sowohl die inneren Winkel dieſer Leiſten als der Rand an der unteren Seite der Scheiben waren ſorgfältig geebnet, damit ſich die Scheiben leicht an einander fügen ließen(9). Man bedeckte zuerſt den Boden einer Scheibe mit einem Stücke angefeuchteter Leinwand, auf dieſe legte man eine Schicht Pulver und darauf ein Stück feuchter Leinwand. Auf letzteres kam eine Holzſcheibe, und ſo fuhr man mit dem Schichten auf die angegebene Weiſe fort, bis man in dem Kaſten unge— fähr 25 Lagen aufgethürmt hatte und brachte dann das Ganze unter die Preſſe. Zu Neiſſe wurde 1812 und in den folgenden Jahren der gemengte Satz in kleinen Quantitäten in angefeuchtete Leinwandtücher geſchlagen. Dieſe Päck— chen kamen zu 15 bis 18 Kg in eine Preſſe, in welcher ſie zu feſten Platten von 0,31 m im Quadrat und 1,3 em Dicke zuſammengedrückt wurden. Als Preſſe dienten die großen Stoßwerke aus der eingegangenen Münze zu Glatz. In neuerer Zeit hat man bei den Schrauben- und hydrauliſchen Preſſen eine kleine Abänderung getroffen, indem man die Holzſcheiben durch Kupferplatten und den Kaſten durch einen hölzernen Rahmen zu erſetzen geſucht hat. Die Pul— verſchicht wird in einer Dicke von 9 um auf die Platten gelegt und dann unter der Preſſe bis auf 2 wm Dicke zuſammengedrückt. In Waltham-Abbey hat man Bronzeplatten von 7,3 di im Quadrat, die Pulverſchicht beſitzt eine Dicke von 2 om. Zwiſchen 44 Stück ſolcher Platten wird der Satz unter einer hydrauliſchen Preſſe von 700000 Kg Druck oder 131 Kg auf 1 Bem auf ein Drittel ſeiner urſprünglichen Dicke zuſammen⸗ gepreßt. Die Walzenpreſſen ſtammen aus Frankreich, wo ſie unter dem Namen la— minoir bekannt ſind. Urſprünglich beſtanden ſie aus zwei Walzen, jetzt aber ſind ſie allgemein noch um eine dritte Walze vermehrt. Dichten. 83 Eine eingehende Beſchreibung über die Einrichtung dieſer Preſſen zu geben, wie man ſie jetzt in den größeren Pulverfabriken Deutſchlands und Frankreichs findet, iſt ohne Abbildung ſchwierig und nur ſchwer verſtändlich. Da Verfaſſer die erforderliche Zeichnung, obwohl ſie ihm verſprochen worden, nicht erhalten hat, ſo ſieht ſich derſelbe genöthigt, lediglich im Großen und Ganzen die Einrichtung ſolcher Preſſen anzudeuten. Das Walzwerk beſteht aus drei Walzen, welche vertical über einander mit ihren horizontalen Achſen in einem Geſtelle ruhen. Die obere und die untere Walze ſind aus Bronze angefertigt, während die zwiſchen beiden liegende aus Holz be— ſteht. Die untere Walze wird vermittelſt Waſſerkraft um ihre Achſe gedreht und ſetzt durch die entſtehende Reibung mit der zweiten Walze dieſe in Bewegung, welche ihrerſeits wieder durch Reibung eine Umdrehung der oberen, der ſogenann— ten Druckwalze, herbeiführt. Letztere beſitzt das größte Gewicht; an ihrer Achſe iſt ein Zeiger angebracht, der auf einem in 12 Theile getheilten Zifferblatte ſpielt, welches unabhängig von der Drehung der Druckwalze iſt. Um den Druck der oberen Walze zu vermehren, hat man an der Decke des Zimmers zwei lange Hebel angebracht, welche an ihren Enden durch einen Flaſchenzug niedergedrückt werden. Dieſer letztere wird durch einen kleinen Hebel, der mit Gewichten beſchwert iſt, angeſpannt und ſo ein Druck auf die Achſe der oberen Walze ausgeübt, welcher bis 30000 Kg beträgt. Zwiſchen der Druck- und der hölzernen Walze befindet ſich ein aus ſtarker Leinwand angefertigtes Tuch ohne Ende, welches über hölzerne Rollen läuft, die, da zum Theil verſchiebbar, ein ſtärkeres oder ſchwächeres An⸗ ſpannen des Tuches geſtatten. Vor dieſen beiden Walzen ſteht ein hölzerner, zur Aufnahme des angefeuchteten Pulverſatzes beſtimmter Kaſten, welcher nach den Walzen etwas ſchräg läuft und an ſeiner hinteren Seite mit einem Schieber ver— ſehen iſt. Durch dieſen Schieber fällt der Satz auf das Tuch und gelangt ſo unter die Walzen. Damit der Satz nicht ſeitlich herabfällt, iſt der untere Theil des Füllkaſtens mit Borſten beſetzt. Da nun an den äußeren Enden der Walze der Druck nicht ſo ſtark iſt, wie nach der Mitte zu, ſo ſind an der Seite der beiden Walzen, wo der Kuchen heraustritt, zwei Schneiden angebracht, um die weniger dichten Theile des Pulverkuchens abzuſchneiden. Walzenpreſſen dieſer Art liefert die Maſchinenfabrik von Freund in Ber⸗ lin zum Preiſe von 9000 Mark. In neueſter Zeit hat Lieutenant Rudowsky eine Preſſe conſtruirt, die ebenſo gut wie die Freund'ſche arbeiten ſoll und nur 4500 Mark koſtet. Ver⸗ faſſer hat die Preſſe nicht geſehen und kann daher nicht darüber urtheilen. Soll die Walzenpreſſe in Gang geſetzt werden, ſo wird der Füllkaſten mit angefeuchtetem Pulverſatze beſchickt und der Schieber etwa 3 om hoch in die Höhe gezogen. Der die Preſſe bedienende Arbeiter hat vorzüglich darauf zu achten, daß der Kaſten ſtets mit Satz angefüllt bleibt. Sowie der Pulverkuchen an der an⸗ deren Seite der Walzen in der Dicke von Lom heraustritt, bricht er durch ſein eige— nes Gewicht ab und fällt in einen untergeſtellten Kaſten. Aus dieſem werden die einzelnen Stücke in ſogenannte Satztubben gelegt. Diejenigen Theile des Pulver— kuchens, welche von den Schneiden abgeſchnitten werden, werden ſofort mit hölzernen Hämmern zerſchlagen und darauf wieder in den Füllkaſten gebracht. Die Druckwalze 6* 84 Dichten. macht in 12 Minuten eine Umdrehung, zu deren Controle das oben erwähnte Zifferblatt nebſt Zeiger dient. Daß eine beſtimmte Umdrehungsgeſchwindigkeit vorgeſchrieben iſt, verſteht ſich von ſelbſt, da von derſelben ja der Druck und ſomit die Dicke des Pulverkuchens, ſowie deſſen cubiſches und ſpecifiſches Gewicht ab— hängig ſind. Die beiden letzteren nehmen, wie wohl keiner Ausführung bedarf, mit zunehmendem Drucke zu. Die Preſſe preßt im Sommer täglich 1000 Kg, in der übrigen Zeit 750 Kg Pulverſatz. Letzterer verliert in der Sommerzeit beim Preſſen 1¼ Proc, ſonſt höchſtens 1 Proc. an Feuchtigkeit. Zu bemerken iſt noch, daß ſich im Herbſte das Pulver merkwürdiger Weiſe leichter condenſirt, als in den anderen Jahreszeiten. Wenn oben bemerkt wurde, daß mit zunehmendem Drucke auch das ſpe⸗ cifiſche und cubiſche Gewicht des Pulvers wachſe, ſo ſollte damit nicht geſagt ſein, daß es rathſam ſei, ein möglichſt hohes ſpecifiſches und eubiſches Gewicht zu er⸗ zeugen, eben weil dieſes auch ſeine Grenzen hat in Bezug auf die Wirkſamkeit des Pulvers. In neuerer Zeit hat man daher auch das ſpecifiſche Gewicht des Pulvers zu erniedrigen geſucht. So betrug daſſelbe in Preußen früher 1,63, während es jetzt ſich nur auf 1,58 beläuft. Wie ſehr aber ein feſtes Preſſen des Satzes das Pulver bei längerer Aufbewahrung ſchützt, ſieht man aus einem eng⸗ liſchen Verſuche mit Pulver, welches 1789 theils aus ungepreßten, theils aus ge— preßten Kuchen gefertigt 1811 verglichen wurde. Das erſtere gab 3628, das letztere 4193 vards Wurfweite, obſchon ſonſt bei der Anwendung bald nach der Fabrikation lockeres Pulver größere Wurfweiten giebt, als feſtes. So viel von den einzelnen Verfahrungsweiſen, die Materialien zu kleinen, mengen und zu verdichten. Ueberblickt man nun die ſämmtlichen in der Jetztzeit üblichen Methoden, welche ja alle auf das nämliche Ziel hinauslaufen, wenngleich der Weg, wie daſ— ſelbe erſtrebt werden ſoll, etwas abweichend iſt, ſo drängt ſich faſt unwillkürlich die Frage über den Werth der einzelnen Methoden auf. Die Beantwortung die— ſer Frage iſt inſofern mit einiger Schwierigkeit verbunden, als vergleichende prak⸗ tiſche Reſultate nur ſpärlich in den Fachſchriften niedergelegt ſind. Hierzu geſellt ſich noch der Umſtand, daß die Kraftäußerung des Pulvers an und für ſich nicht unbedingt durchſchlagend ſein kann, da auch auf ökonomiſche Rückſichten und an⸗ dere Eigenſchaften des Pulvers, auf welche man beſonderen Werth legt, Bedacht zu nehmen iſt. Wie dem nun auch ſei, darüber iſt man heut zu Tage einig, daß Stampfmühlenpulver am wenigſten zu empfehlen iſt. Nach den bisher gemachten Erfahrungen beſitzt daſſelbe den großen Fehler, wegen ſeiner Zerreiblichkeit viel Staub zu erzeugen und daher Erſchütterungen, wie z. B. beim Transporte im Munitionskaſten, nicht ohne Nachtheil auszuhalten vermag. Es verbreitet einen dickeren und ſtärkeren Rauch, beſitzt eine geringere Anfangsgeſchwindigkeit der Ku— gel und giebt einen größeren Rücklauf als Walzmühlenpulver, greift aber die Ge— ſchütze weniger an als dieſes. Etwas ſchwieriger geſtaltet ſich die Beantwortung der Frage, ob Walz⸗ mühlen- oder Tonnenpulver der Vorzug zu ertheilen iſt, da darüber einſchlagende Verſuche faſt gar nicht bekannt ſind. So iſt z. B. in dem ſonſt ſo trefflichen Archive für die Officiere der königlich preußiſchen Artillerie dieſe Frage von ni⸗ we — tre ab di⸗ au no⸗ Dichten.— Körnen. 85 preußiſcher Seite gar nicht berührt, und in franzöſiſchen Schriften fand Verfaſſer nur zwei Notizen, eine über Verſuche in Esquerdes, wonach die Fabrikation in Trommeln theuerer als mit Walzen und zur Bereitung ſehr guten Pulvers nicht geeignet ſein ſoll, und eine weitere im Mémorial de Tartillerie, wo geſagt iſt, daß Tonnenpulver die größte Wurfweite angebe. Es mag nun auch ſchwer ſein, ein endgültiges Urtheil zu fällen, wenn man bedenkt, daß in Frankreich das Kriegs⸗ pulver in den Staatsfabriken nur auf Walzmühlen und in Preußen daſſelbe nur in Trommeln bereitet wird, ein Vergleich mit anderswoher bezogenem Pulver aber ſchon deshalb nicht unbedingt maßgebend ſein kann, weil die Doſirungsverhältniſſe, das cubiſche und ſpecifiſche Gewicht abweichen und die Kohle ſtets verſchiedene Zu⸗ ſammenſetzung haben wird. In neueſter Zeit iſt Metz in den Beſitz Deutſchlands gekommen und damit auch eine kleine Pulverfabrik, in welcher das Läuferſyſtem üblich iſt. Man hat nun dort unter Beobachtung aller derjenigen Verhältniſſe, wie ſie in Spandau in Gebrauch ſind, Schießpulver darſtellen laſſen und dabei gefunden, daß das Metzer Schießpulver eine größere Trefffähigkeit giebt, während ſich bei dem Spandauer Pulver eine größere Anfangsgeſchwindigkeit herausſtellt, was wohl in dem Preſſen, je nachdem der Druck größer oder geringer iſt, ſeinen Grund haben mag. Die Verſuche in Spandau laufen nun darauf hinaus, bei dem Trommel— ſyſteme neben der früheren Anfangsgeſchwindigkeit eine größere Trefffähigkeit zu erzielen. Die Verſuche ſind noch nicht abgeſchloſſen und läßt ſich daher ein unbe⸗ dingtes Urtheil über den Werth der einen oder anderen Methode nicht abgeben. Ob man wirklich alle Vortheile des Läuferſyſtems erreichen wird, ohne an den Vorzügen, welche das Trommelſyſtem bietet, eine Einbuße zu erleiden, mag dahin geſtellt bleiben. Auf jeden Fall wird man aber bei einer gewiſſenhaften Prüfung den Verſuch, beide Methoden mit einander zu verſchmelzen, nicht unberückſichtigt laſſen dürfen, wenn auch damit nicht geſagt ſein ſoll, daß das engliſche Verfahren, bei welchem eine Verbindung beider Methoden angeſtrebt iſt, dabei als unbedingt maßgebend anzuſehen ſei. II. Das Körnen. In der erſten Zeit wurde das Schießpulver nur in Staubform angewandt. Wann der Uebergang vom ſtaubförmigen zum gekörnten Pulver erfolgte, läßt ſich nicht ganz ſicherſtellen. Erwähnt wird das Körnen bereits im Jahre 1445, wo es in einem Manuſcripte über Artillerie heißt, daß die Ballen, welche von den Stampfen kommen, in Knollen zerdrückt werden, und daß Knollenpulver weiter treibe als ungekörntes. Urſprünglich wurde nur Büchſenpulver gekörnt, nicht aber Geſchützpulver, wie der Mathematiker Tartaglia(Quesiti ſe investioni diversi 1546) bemerkt. In eben dieſer Weiſe ſpricht ſich 1550 Biringuccio aus in ſeiner Pyrotechnia. Gegen Anfang des 17. Jahrhunderts wurde alles Pulver gekörnt. Nur beiläufig ſei bemerkt, daß die Türken im Jahre 1656 noch keine Kenntniß von gekörntem Pulver beſaßen. In früherer Zeit erfolgte das Körnen in der Weiſe, daß man den verdichte⸗ ͤ —— —— ——A 86 Körnen. ten Pulverſatz mit hölzernen Hämmern zerſchlug, auf Siebe brachte und mit Hülfe einer kleinen Walze die Pulverſtücke durch das Sieb drückte. Später erſetzte man die Walze durch hölzerne Scheiben und bewegte das Sieb mit der Hand. Der Siebboden beſtand entweder aus einem Drahtgeflechte, einer durchlöcherten Eiſenplatte oder aus Pergament. Die Maſchen des Siebes waren urſprünglich, als man das Geſchützpulver zu körnen anfing, ziemlich weit. So ſagt Boillot 1598 in ſeinen modeles P'artifices de feu, daß für grobes Geſchütz die Körner erbſengroß, für kleineres ſo dick wie Linſen gemacht wurden. Später ging man auf kleinere Dimenſionen herunter. Zur Vereinfachung des Körnens ſetzte man die einzelnen Siebe, Schrotſiebe, in einen hölzernen Rahmen, in der Regel drei bis vier Siebe neben einander. Um dem Rahmen die entſprechende Bewegung geben zu können, hing man denſelben an Schnüren an der Decke des Arbeitsraumes auf. In die Siebe kam der gröblich gekleinte Pulverkuchen und auf dieſen eine linſen⸗ förmige Scheibe aus Guajakholz oder einem anderen harten Holze. Die Scheibe hatte 21 em Durchmeſſer und eine Dicke von 55 mm in der Mitte und 45 mm am Umfange. Unter den Sieben war ein Kaſten, in welchen die verſchieden großen und eckigen Körner fielen. Das Sortiren derſelben geſchah durch Siebe von Meſſingdraht mit einer beſtimmten Anzahl Maſchen auf den Quadratzoll. In manchen Fabriken hatte man unmittelbar unter dem Schrotſiebe noch mehrere Siebe angebracht, um ſo das Körnen und Sortiren in einer Operation vor— zunehmen. Neben dieſem Verfahren bürgerte ſich ein anderes ein, welches auf dem Prin⸗ cipe der Rüttelmaſchine beruht, wie ſolche in Mahlmühlen üblich iſt. Der Rah⸗ men wird durch Waſſerkraft in rüttelnde Bewegung geſetzt, die durchfallenden Körner gelangen auf ein ſchräg liegendes Sieb mit Maſchen von beſtimmter Weite. Die zu großen Körner rollen über das Sieb, welches ebenfalls in rütteln⸗ der Bewegung ſich befindet, herunter in einen Kaſten, während die Körner, welche kleiner als die Maſchen des Siebes ſind, durch dieſelben auf ein zweites Sieb mit kleineren Maſchen fallen, wo der nämliche Vorgang ſich wiederholt. In neuerer Zeit hat die Lefebvre'ſche Körnmaſchine vielfach Eingang gefunden. Sie iſt ſeit einer Reihe von Jahren in Spandau und Neiße in Gebrauch. Für letztere Pulverfabrik iſt zu bemerken, daß von 1815 bis 1829 das Körnen zwiſchen zwei gegen einander laufenden, metallenen Walzen geſchah. Aus der zer— brochenen Maſſe wurden die Körner ausgeſiebt; die zu groben gingen noch ein— mal durch die Walzen, während das entſtandene Mehlpulver zu Kuchen wieder gepreßt wurde. Die Einrichtung der Lefebvre'ſchen Körnmaſchine, Fig. 10, iſt folgende. Auf einem achteckigen Rahmen a von 2,5 m Durchmeſſer ſind 8 bis 12 Sieb⸗ ſyſteme angebracht. Durch die Mitte dieſes Rahmens läuft eine verticalſtehende ſchmiedeeiſerne Kurbel 6, welche an ihrem unteren Ende durch in einander faſſende Zahnräder mittelſt einer von Waſſer getriebenen, horizontal liegenden Welle in Bewegung geſetzt werden kann und an ihrem oberen Ende in einem horizontal liegenden Balken einen Stützpunkt findet. Das Zapfenlager iſt von hartem Holze, bei 0,65 bis 1,3%m Spielraum. Der Rahmen iſt mit Seilen oder kupfernen Stangen 5, h an dem horizontal liegenden Balken derart aufgehängt, E — 223225 Körnen. daß durch die hindurchgehende und in Bewegung geſetzte Kurbel mittelſt des Krummzapfens dem Rahmen und ſomit auch dem ganzen Siebſyſteme eine kreiſende, jedoch nicht drehende Bewegung mitgetheilt werden kann. Fig. 10. 133 f 1 II. AAfff Das Siebſyſtem, Fig. 11 und 12, iſt aus drei Sieben zuſammengeſetzt: aus dem Schrotſiebe 4, worin der zerſchlagene Pulverkuchen in Körner zerbrochen ö wird; aus dem Körnſiebe B und dem Staubſiebe C. An der Stelle, wo der Rand des Staubſiebes auf dem Rahmen ſteht, iſt letzterer zur beſſeren Befeſti— gung des ganzen Siebſyſtemes mit einem innerhalb mit Tuch bekleideten Leiſten⸗ kranze verſehen. 88 Körnen. Der Boden des Schrotſiebes iſt entweder aus gelochtem Kupfer-oder Meſſing—⸗ blech und in der Nähe ſeiner Peripherie, wie aus Fig. 12 erſichtlich, mit zwei großen Oeffnungen à verſehen, von welchen aus eine ſchräge und dem Sinne der Be— wegung entgegengeſetzt liegende kupferne Rinne(ſ. auch Fig. 11) bis nahe an den Boden des Körnſiebes läuft. Die im Körnſiebe befindlichen größeren Pulver— ſtücke werden bei der Drehung des Rahmens gegen die Rinne geſchleudert und durch die Centrifugalkraft auf der Rinne herauf in das Schrotſieb zurückgeführt. Das Schrotſieb iſt während der Arbeit mit einem hölzernen Deckel verſchloſſen, welcher durch Flügel- und Stellſchrauben feſtgehalten wird. Der Boden des Körnſiebes beſteht aus einem Meſſingdrahtgeflechte, bei welchem 220 Maſchen auf den Quadratcentimeter kommen. Das Staubſieb iſt nichts weiter als ein Haarſieb, welches die Körner aus dem Kornſiebe zurückhält, den Staub aber nach D durchläßt. Zum Kleinen des Pulverkuchens dient eine aus Weißbuchenholz angefertigte Scheibe 6, welche auf der unteren Seite ſtrahlenförmig ausgearbeitet iſt und ein Gewicht von 3 Kg beſitzt. Wenn ſich die Scheibe durch die Reibung abnutzt, ſo wird ſie mit Blei ausgefüllt, ſo daß ſtets das Gewicht derſelben 3 Kg bleibt. Um das Eintragen des zerſchlagenen Pulverkuchens bewerkſtelligen zu können, iſt in dem Balken(Fig. 10) ein kupferner Trichter e angebracht, an deſſen Hals ein Tuchſchlauch angeſchnallt iſt. An dem unteren Ende des Schlauches befindet ſich eine kupferne Tülle, welche mit einer ſolchen auf dem Siebdeckel angebrachten leicht verbunden werden kann. In neuerer Zeit hat man die Trichter unmittel⸗ bar an die Seile bzw. Stangen ö, ö befeſtigt. Unter jedem Siebſyſteme ſtehen zwei hölzerne Kaſten. Durch den unteren Schlauch gelangt der Staub in den einen Kaſten, während durch den an der vorderen Seite des Staubſiebes angebrachten Schlauch das Gewehr- und Ge— ſchützpulver in den zweiten Kaſten fallen. Da die Maſchine in der Minute 70 bis 75 Umdrehungen macht, ſo läuft, um eine allzuſtarke Erwärmung zu vermeiden, der untere Zapfen der Welle o in einem Kaſten unter Waſſer; der Krummzapfen muß an der Stelle, wo er den Rahmen faßt, hinreichenden Spielraum haben und ſtets gut in der Schmiere gehalten werden. Vor dem Eintragen in die Trichter wird der Pulverkuchen mit hölzernen Hämmern zerſchlagen. Es werden jedesmal 2,5 Kg aufgeſchüttet. Sowie die Maſchine in Bewegung geſetzt wird, läuft die Scheibe, indem ſie ſich ſtets um ſich ſelbſt dreht, an der Peripherie des Siebes entlang, zerkleint die ebenfalls dahin geſchleuderten Pulverſtücke und drückt dieſe durch die Löcher des Siebes hindurch. Die zu großen Stücke gelangen durch die Rinne wieder auf das Schrotſieb, wo ſie einer erneuten Körnung unterliegen. Durch die angebrachten Schläuche ge— langen dann Körner und Staub in die dafür beſtimmten Kaſten. Das Auffüllen wird ſo lange fortgeſetzt, bis ſich nach Ausweis der ſtaubigen Beſchaffenheit des Pulvers die Siebe verſtopft haben. Die Maſchine wird dann angehalten, um die Siebe durch neue zu erſetzen. Die verſtopften Siebe werden mit Bürſten gerei— nigt, die aber allzu feſt anhaftenden Pulverſtücke mit kupfernen Meißeln ent⸗ fernt. in wele appe gepr Pul klei der hölz dur ſtin dar übe krei Fel mit Lef pul aus geb bef ten von höl 22·—ů— ⏑ 89 Die Pulverkörner, welche jetzt noch 8 Proc. Feuchtigkeit enthalten, werden in Tonnen geſchüttet und dann in das Trockenhaus geſchafft. Der Staub, welcher dieſelbe Zuſammenſetzung wie der Satz beſitzt, wird nach dem Anfeuchte⸗ apparat gebracht und nachdem er daſelbſt 2 Proc. Waſſer erhalten hat, wieder gepreßt. In Wetteren geſchieht das Körnen nach alter Art mit dem Siebe. Die 4 Pulvermaſſe wird mittelſt bronzener Kugeln von verſchiedenem Durchmeſſer ge— kleint. Bei dieſem Verfahren entſteht viel mehr Staub als beim Kleinen mit der Scheibe, auch werden die Siebe von den Kugeln ſtark angegriffen. In Holland hat man ſtatt der Bronzekugeln Kugeln aus Blei oder Kupfer von 0,5 bis 2,5 Kg Gewicht angewandt. In der Schweiz, wo die unter den Hämmern geſtampfte Maſſe in nuß⸗ großen Stücken hervorkommt, geſchieht das Körnen in Sieben, welche aus dem Baſte der Haſelnußſtaude angefertigt ſind. Sie ſind äußerſt dauerhaft und haben den Vortheil, daß ſie durch die Feuchtigkeit weder erweichen noch ſich ausdehnen. Die Scheiben ſind von Nußbaumholz und etwas linſenförmig geſtaltet. Ihr Durchmeſſer beträgt 0,23 m, die Dicke in der Mitte 0,05 m und gegen den Rand hin 0,02 m. In dem Mittelpunkte der Scheibe befindet ſich ein Knopf, welchen der Arbeiter anfaßt und dadurch die Scheibe in Bewegung ſetzt, um die größten Stücke zu zerkleinern. Die Körner fallen in einen unter dem Siebe befindlichen Trog. Nachdem dieſelben abgeſtäubt worden, werden ſie gerundet. In Frankreich geſchah das Körnen auf ähnliche Weiſe wie früher in Deutſchland. An der Wand des Körnhauſes ſtanden ringsum Körntröge, offene hölzerne Kaſten, welche von 2 zu Am durch Scheidewände getrennt waren, wo⸗ durch der Platz des Arbeiters begrenzt wurde. Dieſer Arbeiter nahm eine be— ſtimmte Menge Pulverkuchen, brachte ſie in das Schrotſieb, legte die Scheibe darüber und ertheilte dem Siebe, welches auf eine Kante einer viereckigen Latte über den Körntrog aufgeſtellt wurde, eine kreiſende Bewegung. Die Siebe waren kreisrund und hatten einen Boden, welcher aus einem mit Löchern verſehenen Felle beſtand. Die Felle waren Schweins- oder Kalbsfelle, die Löcher wurden mit einer Maſchine hineingeſtochen. In neuerer Zeit hat man vielfach die bereits erwähnte Maſchine von Lefebvre eingeführt. In Bouchet bedient man ſich zum Körnen des Stampf- und Walzmühlen⸗ pulvers eines ganz eigenthümlichen Apparates, écureuil genannt. Derſelbe beſteht aus einer cylindriſchen Trommel, deren convexe Wand aus einem Mecallgeflechte gebildet iſt. Durch eine Oeffnung, welche ſich in der Mitte eines der Böden befindet, werden die Satzſtücke eingetragen und durch 20 hölzerne Kugeln von 3 bis 4em Durchmeſſer zerſchlagen. Die auf dieſe Weiſe in Körner verwandel—⸗ ten Stücke Pulverkuchen fallen durch die Maſchen des Metallgeflechtes und werden von dem Staube durch Haar- oder Pergamentſiebe getrennt. Für ſehr harte Kuchen, wie ſie z. B. aus dem Iaminoir hervorgehen, kann der Apparat in der oben beſchriebenen Form nicht in Anwendung gebracht werden, da hölzerne Kugeln nicht im Stande ſind, die harten Satzſtücke zu zerkleinern, Me— tallkugeln aber das feine Drahtgewebe bald zertrümmern. Aus dieſen Gründen Körnen. 2———— EEEEECEECECEECECECECECECCCCCCCCCCCC —.————[— —— 5 ——— —————— 90 Körnen. hat man an dem Apparate einige Abänderungen getroffen. Derſelbe beſteht aus zwei Trommeln, von welchen die kleinere in die größere eingeſetzt iſt. Die Längswand der innern Trommel iſt aus Leiſten zuſammengeſetzt, welche um 2 bis 3 mm von einander entfernt ſind. In dieſen Raum wird die Pulvermaſſe ge— bracht und durch 8 bis 10 Kg Zinnkugeln von der Größe einer Flintenkugel ge⸗ kleint. Die Längswand der äußeren Trommel beſteht aus einem Metallgeflechte, deſſen Maſchen die erforderliche Größe haben. Auf dieſes Geflechte fallen die Pulverkörner. Diejenigen, welche die gewünſchte Größe beſitzen, gehen durch das Metallnetz, während die noch zu großen Stücke vermöge der Centrifugalkraft durch eine ſchräggeſtellte kupferne Rinne wieder in die innere Trommel zurück⸗ gefüthrt werden, um dort von Neuem gekleint zu werden. Der Apparat macht 30 Um⸗ drehungen in der Minute und körnt binnen 24 Stunden 100 Kg Jagdpulver oder 500 Kg Kriegspulver. In England bedient man ſich ſeit 1819 der Congreve'ſchen Körnmaſchine, welche einige Aehnlichkeit hat mit der bereits auf S. 81 beſchriebenen Vorrichtung, in welcher der Pulverſatz, ehe er zur Preſſe gelangt, gekleint wird. Die Maſchine beſteht aus drei Walzenpaaren, welche über einander liegen, aber etwas nach der Seite mit einem Neigungswinkel von etwa 35“ angeordnet ſind. Für Militärpulver ſind dieſe Walzenpaare mit dreikantigen Stacheln beſetzt, für Jagdpulver glatt. Die zerſchlagenen Stücke Pulverkuchen, welche gekörnt werden ſollen, befinden ſich in einem Kaſten, deſſen Boden ſich wie der Kolben in einem Pumpenſtiefel auf und nieder bewegen läßt. Sowie der Boden gehoben wird, fällt die Pulvermaſſe durch einen Ausſchnitt in der Vorderwand auf ein über zwei Rollen geſchlungenes als Zubringer dienendes Leintuch und von dieſem auf das oberſte Walzenpaar. Das durch das oberſte Walzenpaar Durchgegangene gelangt in ein darunter befindliches weitmaſchiges Sieb. Bei der Darſtellung von Militärpulver geht alles durch, was ein dem Geſchützpulver gleiches Korn beſitzt oder feiner iſt, und zwar auf ein zweites langes geneigtes Sieb, welches das Geſchützpulver abſcheidet, das Gewehrpulver aber und den Staub auf ein drittes darunter befindliches ganz gleiches aber feineres Sieb durchläßt. Dieſes dritte Sieb hält das Gewehrpulver zurück, während der Staub durch— geht. Diejenigen Stücke, welche gröber als Geſchützpulver auf dem erſten Siebe zurückbleiben, fallen von dieſem auf das zweite Walzenpaar, werden darauf gekleint und durch ein gleiches Syſtem von Sieben gerade ſo getrennt, wie das Product des erſten Walzenpaares in Staub, Gewehr⸗, Geſchützpulver und gröbere Stücke. Dieſe letzteren werden endlich auf dem dritten Walzenpaare und dem dritten Siebſyſteme aufgearbeitet. Bei Jagdpulver verführt man ebenſo, nur ſind da nicht zwei Pulverſorten von verſchiedener Größe zu trennen, ſondern lediglich die gröberen Stücke und der Staub abzuſcheiden. Sämmtliche Siebe werden in ſchüttelnder Bewegung erhalten und leiten die verſchiedenen Producte jedes in einen beſonderen Kaſten. Dieſe Maſchine iſt etwas complicirt und hat ihre Anwendung inſofern einen Nachtheil im Gefolge, daß zu viel Pulver verzettelt und verſtäubt, wodurch leicht Exploſionen herbeigeführt werden können. Um die Gefahr vor ſolchen für den Arbe jedes deute ſorte unte Kört rund ſtehu daß eine läuf lich eine Kre ihn. Kre der getr auß aus Rõ ſchl Se iſt ein der dar M 22222EErc—̃ů— Körnen. 91 18 81 0 16 Arbeiter zu mindern, iſt an der Maſchine eine Weckervorrichtung angebracht, welche i8 jedesmal den Arbeiter in Kenntniß ſetzt, wenn es Zeit iſt, den Zubringer zu füllen. 3 In neuerer Zeit hat man Verſuche angeſtellt, dem Geſchützpulver eine be⸗ deutend größere Form zu geben. Da nun die Entſtehungsgeſchichte dieſer Pulver⸗ ſorte mit der Geſchichte des prismatiſchen Pulvers zuſammenhängt, ſo ſoll weiter unten bei den gepreßten Pulvern davon geſprochen werden. Nach den angeführten Methoden erhält man ſtets mehr oder weniger eckige ft Körner. Zum Schluſſe ſei daher noch ein Verfahren erwähnt, welches ganz k⸗ runde Körner liefert. Die Methode ſtammt von Champy und verdankt ihre Ent⸗ 15 ſtehung einem im Jahre 1795 zu Vincenne ausgeführten Verſuche, wo es ſich zeigte, daß eine feuchte Pulvermaſſe ſich durch bloßes Rütteln in Kornform bringen läßt. Eine hölzerne Trommel von 1/5 m Durchmeſſer und 0,6 m Breite iſt um eine horizontale, eiſerne Achſe beweglich, welche durch einen der Trommelböden 9 läuft und daſelbſt befeſtigt iſt. Der andere Boden hat in ſeiner Mitte eine ziem⸗ lich weite kreisrunde Oeffnung von 0,5 m Durchmeſſer, deren obere Seite durch ie, ne 3 93 8 ite einen hölzernen Kreisausſchnitt von etwa 1400 theilweiſe geſchloſſen iſt. Dieſer 1 Kreisausſchnitt ſtützt ſich auf die Achſe und der Trommelboden bewegt ſich um tt. ihn. Neben der Trommelachſe liegt noch eine Röhre, welche durch die von dem h Kreisausſchnitte freigelaſſene Oeffnung läuft. Das Ende, welches ſich im Innern der Trommel befindet, iſt geſchloſſen und wird dort unbeweglich durch eine Stütze uf S 0 getragen, die ebenfalls durch die Seitenöffnung hineinreicht, an dem Ständer 1 außerhalb befeſtigt iſt und zugleich durch jene Seitenarme den erwähnten Kreis⸗ 11. ausſchnitt feſthält. Die Röhre iſt außerhalb des Cylinders durch eine dünnere 95 Röhre gehalten, welche aus einem obenſtehenden, mit einem Hahne ver⸗ ht ſchloſſenen Waſſergefäße kommt. Die Röhre in der Trommel hat auf einer 11 Seite der Länge nach in einer Linie 24 feine Löcher. Ueber dieſe Röhre et, iſt eine zweite geſchoben, welche um die erſtere gedreht werden kann und auf 1z einer Seite in ihrer ganzen Länge eine breite Oeffnung hat. Die Längsfläche der Trommel iſt mit Leiſten bekleidet, welche einen Hammer in die Höhe heben, c⸗ damit dieſer gegen die Wände der Trommel ſchlage, um ſo das Anhaften der 06 Maſſe an denſelben zu verhindern. 1 Das Verfahren iſt nun folgendes. Durch eine Thür in der Längswand der üect Trommel trägt man 50 Kg Pulvermaſſe in äußerſt feinen Körnern ein, dreht ke. die äußere der beiden Röhren im Cylinder über die innere ſo herum, daß ihre 1 Oeffnung nicht auf deren Löcherreihe trifft, wodurch dieſe geſchloſſen wird, und füllt nun das Waſſergefäß. Dann ſetzt man die Trommel in Bewegung, ſo daß ſie 111 acht Umdrehungen in einer Minute macht. 9 Der Hahn, der das Waſſergefäß mit der inneren, durchlöcherten Röhre in Verbindung ſetzt, wird nun geöffnet und die äußere Röhre ſo umgedreht, daß die 896 Löcherreihe der inneren frei wird, worauf das Waſſer in feinen Strahlen aus⸗ ſpritzt und die Pulverkörner befeuchtet. Man läßt nun ſo lange Waſſer zufließen n bis ein Zeiger, der an einem Schwimmer im oberen Gefäße befeſtigt iſt, anzeigt, cht daß 5 Kg Waſſer ausgelaufen ſind, dann wird die äußere Röhre in der Trommel 15 wieder umgedreht, ſo daß die Löcherreihe der inneren verſchloſſen wird und zu⸗ gleich wird der Verbindungshahn mit dem Waſſergefäße abgeſperrt. Dieſe Ope— — 2ykx Körnen.— Vorläufiges Lufttrocknen. ration dauert etba 8 Minuten. Zu den feuchten Körnern bringt man 50 Kg Pulverſatz in die Trommel. Die feuchten Körner hüllen ſich nun in eine Schicht dieſes Staubes und werden dadurch bedeutend größer, da jedes faſt ſo viel Staub aufnimmt, als es ſelbſt ſchwer iſt. Das Pulver wird ſchließlich ſortirt. Dieſe Methode iſt jetzt nicht mehr im Gebrauche, da die Körner, abgeſehen von ihrer Form, nie eine genügende Dichtigkeit beſitzen, auch den Fehler haben, daß die äußerſten Schichten größtentheils aus Kohle beſtehen, während die am meiſten verdichtete Maſſe an den Wänden der Trommel hängt. Endlich läßt ſich die große Menge Waſſer, welche in den Körnern ſteckt, durch Trocknen nicht entfernen, ohne die Haltbarkeit des Pulvers bedeutend abzuſchwächen. Die Vortheile, welche man durch das Körnen erlangt, ſind folgende. Vor allen Dingen wird durch daſſelbe einer Entmiſchung des Pulvers vorgebeugt, in dem das Miſchungsverhältniß der drei Beſtandtheile ſicherer beibehalten wird, als es bei Anwendung des Pulvers in Staubform ſein würde, wo durch das Schütteln auf dem Transporte immerhin zu befürchten iſt, daß die einzelnen Beſtandtheile ſich nach ihrer Dichtigkeit lagern würden. Auch erzielt man weiterhin den Vortheil einer größeren Haltbarkeit, indem die Anziehungsfähigkeit des Pulvers für Feuchtigkeit in gekörntem Zuſtande geringer iſt als in Staubform, wobei je⸗ doch zu bemerken iſt, daß die Anziehungsfähigkeit für Feuchtigkeit je nach der feineren oder gröberen Körnung verſchieden iſt. Nach den Unterſuchungen, welche Vogel jun. über dieſen Gegenſtand angeſtellt hat, nahm Jagdpulver feinſter Körnung, welches 5 Tage lang in einem Keller gelegen hatte, 1 Proc. Waſſer auf, während in derſelben Zeit etwas gröber gekörntes Gewehrpulver 1,3 Proc. und Geſchützpulver gröbſter Körnung 4,8 Proc. aufgenommen hatten. Die Pulver 1 und 2 waren polirt, Nr. 3 dagegen hatte eine nicht glänzende, rauhe Oberfläche. Ferner wird durch das Körnen die Gefährlichkeit auf dem Trans⸗ porte ſehr gemindert, da das Durchſtäuben durch Säcke und Fäſſer vermieden wird. Schließlich und dies iſt mit der Hauptpunkt, wird die Möglichkeit der raſchen Verbrennung des Pulvers gefördert, indem die Flamme von dem zuerſt entzündeten Theile ſchnell durch die hinlänglich großen Zwiſchenräume der übri⸗ gen Pulvermaſſe durchzudringen im Stande iſt, während dies bei locker zuſammen⸗ gehäuftem Staube viel ſchwerer und daher nach längerer Zeit erfolgt, bei dicht— gepreßten Kuchen aber nur ganz langſam, ſchichtenweiſe ſtattfinden wird. Je dichter und feinkörniger das Pulver iſt, um ſo größer iſt ſeine Wirkung und um ſo größere Anfangsgeſchwindigkeit wird erzielt, wie Waſhingtoner Verſuche be— wieſen haben. Iſt das Korn eckig, ſo wird die Verbrennung raſcher von ſtatten gehen als bei rundem, weil letzteres nicht ſo viele Angriffspunkte beſitzt wie erſteres. III. Das vorläufige Lufttrocknen. Wollte man das Pulver ſofort in die Polirtrommel bringen, ſo würde dieſe durch die Menge Waſſer, welche das Pulver noch in ſich ſchließt, vollkommen verſchmiert und ſo der Zweck des Abrundens der Körner gänzlich verfehlt werden. Das Pulver muß daher zuvor getrocknet werden. leitet roſitã begier dieſen Körn entha macht lichen Freier Stau aus d Dicke den g Plank nimm häufie Maua ſtrahl zuſetze lauf v nimm deſſell breitet um, b verſch gemer des& ſogen. Gebã beſitzt Jalor ſaale Fäche von H verſel In E der 7 den i zu Z Aufk in ſic — Kg ub )en en, am er ter ſer oc. ie he S⸗ en de n n. Vorläufiges Lufttrocknen. 93 Soll das Trocknen mit Vortheil geſchehen, ſo muß daſſelbe in der Weiſe ge— leitet werden, daß der Feſtigkeit des Kornes möglichſt wenig geſchadet, die Po— roſität des letzteren alſo nur unbedeutend erhöht wird, weil ſonſt das Pulver zu begierig Waſſer in ſich aufnimmt und dadurch dem Verfalle entgegengeht. Aus dieſem Grunde darf die Temperatur nicht zu plötzlich geſteigert werden, denn die Körner würden ſonſt ſehr ſchnell an der Oberfläche trocknen und dem im Inneren enthaltenen Waſſer den Durchgang erſchweren. Bei dem vorläufigen Trocknen macht man daher nicht von der künſtlichnn Wärme, ſondern nur von der natür⸗ lichen Gebrauch, weil die Körner durch erſtere zu poröſe werden. Das Trocknen an der Luft kann auf doppelte Weiſe geſchehen, entweder im Freien oder im geſchloſſenen Raume. Im erſten Falle wählt man einen nach Süden gelegenen Ort, welcher gegen Staub geſchützt iſt. Das Pulver wird bei heiterem Wetter nach Sonnenaufgang aus den Magazinen herausgebracht und in dünnen Lagen von etwa 5 bis 10 mm Dicke auf wollene oder leinene Tücher ausgebreitet, welche über etwas nach Sü— den geneigte Tiſche gelegt ſind. Die Tiſche ſind in der Regel aus beweglichen Planken gefertigt, welche auf Unterlagen ruhen, deren Höhe gegen Süden zu ab— nimmt. Die Tücher werden mit Hülfe von Ziegelſteinen feſtgehalten. Sehr häufig ſchützt man den Trockenplatz gegen Oſten, Weſten und Norden durch Mauern, welche man weiß angeſtrichen hat, um ein Zurückprallen der Sonnen⸗ ſtrahlen hervorzurufen. Um alle Körner möglichſt gleichmäßig der Wärme aus⸗ zuſetzen, werden dieſelben mit hölzernen Krücken häufig umgewandt. Nach Ver⸗ lauf von einigen Stunden wird die ganze Maſſe umgearbeitet. Zu dieſem Zwecke nimmt man die Ziegelſteine von dem Tuche herunter und hebt die beiden Enden deſſelben ſo viel in die Höhe, daß ſich alles Pulver in der Mitte ſammelt. Man breitet es dann von Neuem aus und wendet von Zeit zu Zeit mit den Krücken um, bis es noch 3 Proc. Feuchtigkeit beſitzt. Zur Controle hierfür werden von verſchiedenen Stellen gleiche Mengen Pulvers entnommen, dieſe durch einander gemengt und 100 g davon auf dem Waſſerbade getrocknet. Aus der Differenz des Gewichtes ergiebt ſich die Menge Feuchtigkeit in Procenten. Bei dem vorläufigen Trocknen im geſchloſſenen Raume erfolgt daſſelbe in ſogenannten Vortrockenhäuſern. Dieſelben beſtehen aus einem langen, hölzernen Gebäude, welches auf beiden Seiten eine Reihe von Fenſtern in Klappenform beſitzt, welche nach außen geöffnet werden können. Am Dache des Hauſes ſind Jalouſien angebracht, durch welche man den Luftzug regeln kann. In dem Trocken— ſaale befinden ſich zwei oder auch mehrere Reihen von Realen, in deren einzelne Fächer das auf Hürden ausgebreitete Pulver geſtellt wird. Die Hürden ſind ganz von Holz und zum beſſeren Durchſtrömen der Luft mit einem Boden aus Gitterwerk verſehen. Ueber dieſes ſind wollene Decken gebreitet, auf welchen das Pulver ruht. In Spandau befinden ſich an den einzelnen Fächern kleine Täfelchen, auf welchen der Tag verzeichnet iſt, an welchem das Pulver in den Trockenſaal gebracht wor— den iſt. Um den Abzug der Feuchtigkeit zu fördern, wird das Pulver von Zeit zu Zeit umgewendet und die etwa zu feuchte Decke durch eine neue trockne erſetzt. Auf dieſen Hürden bleibt das Pulver ſo lange, bis es nur noch 3 Proc. Feuchtigkeit in ſich ſchließt. Die Feuchtigkeitsprobe erfolgt auf die oben angegebene Weiſe. ——— j˖—ð—ĩ73?ũꝛX — 2nxx——̃ 94 Vorläufiges Sortiren und Ausſtäuben.— Abrunden. Hat das Pulver den richtigen Gehalt an Waſſer, ſo wird es in Tonnen ge— ſchüttet, dieſe werden zugedeckt und darauf in den Raum zum Sortiren und Aus⸗ ſtäuben gebracht. In Dänemark hat das Pulver, wenn es in die Polirtrommel kommt, noch 5 Proc. Feuchtigkeit. IV. Das vorläufige Sortiren und Ausſtäuben. Während des Trocknens bildet ſich Staub; dieſer muß entfernt werden, ehe das Pulver in die Polirtrommel gebracht werden kann. Da nun beim Körnen das von dem Staubſiebe in die untergeſtellten Kaſten gefallene Pulver aus Ge⸗ ſchütz- und Gewehrpulver beſteht, ſo ſucht man mit dem Ausſtäuben des Pulvers zugleich auch ein Sortiren des letzteren zu verbinden. Der Apparat hierfür hat einige Aehnlichkeit mit der Körnmaſchine von Le— febvre. An der Decke des Zimmers iſt mit Hülfe von vier ledernen Riemen ein hölzerner Rahmen aufgehängt, welcher, wie z. B. in Spandau, in zehn Abthei⸗ lungen getheilt iſt. In jeder Abtheilung befindet ſich ein Siebſyſtem von drei Sieben. Auf dem oberen Siebe werden alle Körner, welche die Dimenſionen des Geſchützpulvers überſchreiten, zurückgehalten. Die Maſchen des Mittelſiebes ſind derart, daß darauf nur Geſchützpulver liegen bleibt, während das Gewehrpulver auf das Unterſieb fällt. An dem Unterſiebe, dem Haarſiebe, iſt ein Lederſchlauch angebracht, welcher in einen Kaſten führt, in welchen der Staub gelangt. Wenn das Oberſieb beſchickt iſt, wird daſſelbe durch einen Lederdeckel ver— ſchloſſen und die Maſchine von zwei Arbeitern in Bewegung geſetzt. Sind 120 Stöße erfolgt, ſo wird jede Sorte in eine beſondere Tonne geſchüttet. Die zu dicken Körner und der Staub werden nach dem Anfeuchteapparat gebracht, dort mit 7 Proc. Waſſer befeuchtet und dann gepreßt. V. Das Abrunden oder Poliren. Die nun folgende Operation hat weniger den Zweck, das Pulver zu glätten, da die eigentliche Politur dem Pulver erſt in den Staubſäcken gegeben wird, als vielmehr die ſcharfen Kanten und Ecken der Körner abzuſtumpfen und die äußeren Poren der einzelnen Körner zu verſtopfen, indem hierdurch das Pulver weniger empfindlich für die Feuchtigkeit der Atmoſphäre und minder geneigt wird, Staub abzuſetzen. Durch das Abrunden erlangt alſo das Pulver eine größere Dauer⸗ haftigkeit. Wenn nun auch friſch bereitetes und abgerundetes Pulver ſich lang⸗ ſamer entzündet als nicht abgerundetes, vorausgeſetzt, daß letzteres ſtaubfrei iſt, wie Verſuche zu Waſhington und ein Beiſpiel in Dr. Meyer's Vorträge über Artillerie-Technik beweiſen, wonach Pulver aus Kuchen gebildet nicht abgerundet 98 Ellen weit warf, im abgerundeten Zuſtande aber nur 75, ſo verändern ſich doch den 9 Vorz nicht Wur bewa einen unter keine ſonde teren bund gerad Eint treter welch deren verſe blech fläch. Men Cont Uhr der Entf Achf Hind ihr gend deut die ehe nen He⸗ ers ein hei⸗ drei des ſind lver uch ver⸗ 20 ö zu dort ten, als eren iger aub uer⸗ ing⸗ iſt, über ndet ſich Abrunden. doch im Laufe der Zeit dieſe Verhältniſſe, indem nicht abgerundetes Pulver durch den größeren Einfluß, den es gegen abgerundetes von der Feuchtigkeit erleidet, den Vorzug der größeren Entzündlichkeit einbüßt. So ſagt Meyer a. a. O., daß nicht abgerundetes Pulver nach einer dreißigjährigen Aufbewahrung nur eine Wurfweite von 36 Ellen, hingegen abgerundetes und fünfunddreißig Jahre auf⸗ bewahrt, eine Wurfweite von 42 Ellen gegeben hat. Die heut zu Tage in Deutſchland üblichen Abrundetrommeln, welche einen Durchmeſſer von ungefähr 1,8 m und eine Tiefe von etwa 0,6 m beſitzen, unterſcheiden ſich dadurch von den Mengtrommeln, daß ſie auf der Mantelfläche keine Leiſten beſitzen und die eiſerne Achſe nicht durch die Trommel gelegt iſt, ſondern in vier rechtwinkligen, ſtarken eiſernen Armen endigt, welche an der hin— teren, kreisförmigen Seitenwand durch mehrere ſtarke Bolzen mit derſelben ver— bunden ſind. Die beiden kreisförmigen Seitenwände, deren vordere in der Mitte gerade über der Achſe eine runde, mit einem Metallring eingefaßte Oeffnung zum Eintragen des Pulvers und zum Entweichen der während des Abrundens auf⸗ tretenden Waſſerdämpfe beſitzt, ſind durch metallene Bolzen mit Schraubenmuttern, welche außerhalb über die ganze Mantelfläche von der einen Seite bis zu der an⸗ deren gehen, feſt verbunden und ſämmtliches Eiſenwerk iſt mit hölzernen Futtern verſehen. Zum Verſchluſſe der Oeffnung dient eine Vorſatzthür von Meſſing⸗ blech. Eine ſchwere, metallene Thür, welche über die ganze Breite der Mantel⸗ fläche geht, dient zum Ablaſſen des abgerundeten Pulvers, welches, wie bei den Mengtrommeln, durch einen Lederſchlauch in untergeſtellte Tonnen fällt. Zur Controle der Umdrehungen, welche der Trommel gegeben werden ſollen, dient eine Uhr oder ein Pendel. Bei den in Frankreich noch üblichen Rollfäſſern läuft durch die Mitte der Tonne die eiſerne Achſe hindurch. Bisweilen bringt man auch in geringer Entfernung von der Wand des Faſſes noch Leiſten an, welche parallel mit der Achſe laufen. Sie ſollen, ebenſo wie die Achſe, dazu dienen, den Körnern ein Hinderniß zu bieten und ſo das Abrunden fördern. Dieſe Einrichtung kann nicht als vortheilhaft empfohlen werden, da ſich bei ihr zu viel Staub bildet. In Bouchet iſt die Tonne 2,7 m lang und bei einem Durchmeſſer von 12 mein vier Abtheilungen getheilt, wovon jede eine beſondere Thür hat. Die Achſe läuft durch, aber die Leiſten fehlen. Die Trommeln in England haben häufig eine Länge von 3 und 0,8 m Durchmeſſer in der Mitte und 0,6 m Durchmeſſer an beiden Enden. Die zu Waltham-Abbey gebräuchliche Trommel beſteht au einem mit Stramin überzogenen Holzgerüſte, welches eine Länge von 2¼ m und 2,7 m Durchmeſſer beſitzt. Zu Wetteren ſind die Trommeln 0,7 m lang und 0,55 m tief. Das Verfahren in Deutſchland beim Abrunden des Kriegspulvers iſt fol⸗ gendes: In die Trommel werden 200 Kg Pulver eingetragen. Obwohl dieſelbe be⸗ deutend mehr faßt, ſo trägt man doch nicht mehr hinein, da die Körner, wenn die Trommel voll iſt, nicht über einander rollen können, und die Wirkung der Bewegung um ſo größer iſt, je mehr freier Raum in der Trommel ſich befindet. ο RE 96 Abrunden. In der erſten halben Stunde giebt man der Trommel 9 Umdrehungen in der Minute, die man in der nächſten halben Stunde auf 12 und ſodann auf 16 erhöht. ſ2tellte Die Geſammtzahl der Umdrehungen muß mindeſtens 3600 betragen, wozu eine ben. Zeit von etwa 4 Stunden erforderlich iſt. Die allmähliche Steigerung der Um⸗ ſie be drehungsgeſchwindigkeit hat darin ihren Grund, daß man ein allzu plötzlich ſtarkes bezieh Auftreten von Wärme und damit ein Klümpen des Pulvers vermeiden will. So wie ſich die Bearbeitung ihrem Ende nähert, wird die Trommel angehalten und tirt! die Vorſatzthür herausgenommen, damit der entſtandene Waſſerdampf aus der dicken Trommel entweichen kann. Das abgelaſſene Pulver wird ſofort nach dem Trocken⸗ die 2 hauſe geſchafft. Durch die in der Trommel ſich entwickelnde Hitze backt ein Theil 5 St der Körner an dem Boden der Trommel an. Dieſe Kruſte darf nicht nach jeder Operation entfernt werden, weil ſie zur Schönheit des Pulvers beitragen ſoll; das war, Reinigen der Trommel geſchieht erſt am Abend, nachdem den Tag über dieſelbe Säck, dreimal in Thätigkeit geſetzt worden iſt. ſind, In Oeſterreich werden 125 Kg in die Trommel eingetragen und zwar dieſe ½ bis ½ durch Luft abgetrocknetes Pulver mit Zuſatz von/ bis J½ unge⸗ und trocknetem von derſelben Gattung. Die Abrundezeit beträgt 6 bis 10 Stunden. werde In Frankreich bringt man in die neueren Trommeln, wie ſie in Bouchet die J gebräuchlich ſind, 100 Kg in jede Abtheilung. Die Umdrehungsgeſchwindigkeit Richt beträgt für Jagdpulver, welches 36 Stunden lang in der Trommel verbleibt, in um den erſten 12 Stunden 9 bis 10 Umdrehungen in der Minute, ſie wird im zwei—⸗ horiz ten Drittel bis auf 30 Umdrehungen in der Minute beſchleunigt und im letzten paſſer Drittel allmählich wieder verlangſamt, damit das Pulver, welches ſich bis auf den c 60o C erhitzt, langſam abkühlen kann. ſo la In England iſt für Jagdpulver während der erſten 2 Stunden eine lang⸗ im 2 ſame Umdrehung vorgeſchrieben, für die folgenden 5 Stunden eine Geſchwindig⸗ ver b keit von 38 Umdrehungen in der Minute, für die nächſten 3 Stunden von 20 und dem für die beiden letzten Stunden wieder eine ſehr langſame Bewegung. kreisf In Waltham-Abbey giebt man der Trommel eine Beſchickung von 150 Kg unter und eine Geſchwindigkeit von 35 Umgängen in der Minute. Nach einer Be⸗ gebra arbeitung von fünf viertel Stunden wird das Pulver getrocknet und ſchließlich in Tiſch derſelben Trommel nachpolirt. Man giebt nämlich dann, um dem Pulver einen um e ſchönen Glanz zu verleihen etwas Graphit in die Trommel wie ſolcher nach Brodie's Verfahren dargeſtellt iſt. Nach demſelben wird grob gepulverter Gra— durch phit mit dem zweifachen Gewichte concentrirter Schwefelſäure und dem vierzehnten werde Theile ſeines Gewichtes chlorſaurem Kalium in einem eiſernen Gefäße auf dem Waſſerbade ſo lange erhitzt, bis keine chlorige Säure mehr entweicht. Durch Zu— mit ſatz von Fluornatrium wird etwa vorhandene Kieſelſäure als Fluorſilicium der e entfernt. Nach dem Erkalten wird die Maſſe in Waſſer geworfen, ausgewaſchen man und ſodann getrocknet, bis zum Rothglühen erhitzt, wodurch ſich der Graphit in oft d ein außerordentlich fein vertheiltes Pulver verwandelt. Löwe glüht gewöhnlichen abgel Graphit mit der doppelten Menge kohlenſaurem Kalium in einem bedeckten Thon⸗ tiegel, digerirt den Rückſtand mit verdünnter Salpeterſäure, filtrirt, wäſcht aus cifiſck und bringt nach dem Trocknen den Graphit in einer Retorte bis zur Rothgluth. ſuchu Eiſen, Sulfate und Carbonate werden darauf mit Salzſäure ausgezogen. unric D u der höht. eine Um⸗ arkes So und der ocken⸗ Theil jeder das eſelbe zwar inge⸗ nden. uchet igkeit t, in zwei⸗ etzten auf lang⸗ ndig⸗ und 0 Kg Be⸗ ch in einen nach Gra⸗ ynten dem Zu⸗ cium ſchen it in ichen hon⸗ aus luth. Abrunden. Die verſchiedene Wirkung des rohen und nach Brodie's Verfahren darge— ſtellten Graphits beim Glätten zeigten zu Waltham-Abbey angeſtellte Wurfpro— ben. Während die Wurfkraft bei ungeglättetem Pulver 353 Fuß entſprach, war ſie bei mit gewöhnlichem und mit Brodie'ſchem Graphit geglätteten Pulver 295 beziehungsweiſe 327 Fuß. In Wetteren, wo die Körner erſt nach dem Abrunden und Trocknen ſor— tirt werden, weil man die Beobachtung gemacht hat, daß die Anweſenheit von dicken Körnern für das Abrunden von Vortheil iſt, trägt man etwa 50 Kg in die Trommel. Kriegspulver wird während 4 Stunden, Jagdpulver während 5 Stunden bearbeitet. Ein ganz eigenthümliches Verfahren, welches auch früher in England Sitte war, beobachtet man in Bern. Dort wird das gekörnte Pulver in zwillichene Säcke gebracht, welche mit einem an der Seite befindlichen Schlauche verſehen ſind, durch welchen das Füllen und Entleeren des Sackes geſchieht. Iſt auf dieſe Weiſe der Sack gefüllt, ſo wird der Schlauch um den Sack herumgeſchlagen und letzterer einer rollenden Bewegung ausgeſetzt, wodurch die Körner abgerundet werden. Um dies auszuführen, hat man folgende Einrichtung getroffen: Durch die Mitte eines kreisrunden, horizontal liegenden, mit abgerundeten Latten in der Richtung der Radien benagelten Tiſches läuft eine aufrecht ſtehende Welle, die um ſich ſelbſt beweglich iſt. Etwas über der Tafel geht durch dieſe Welle in horizontaler Richtung eine eiſerne Achſe, auf welcher ſich eine hölzerne, loſe auf— paſſende Röhre mit einer kreisrunden Scheibe an jedem Ende befindet, damit man den aufgelegten Sack an beiden Enden feſtbinden kann. Die erwähnte Röhre iſt ſo lang wie der Sack, dieſer aber etwas weiter als die Scheiben an der Röhre im Durchmeſſer meſſen. Wenn nun der an der Röhre befeſtigte Sack mit Pul⸗ ver beſchickt und die Welle in Bewegung geſetzt iſt, ſo wälzt ſich der Sack auf dem Lattentiſche um die horizontal liegende Achſe wie ein Rad am Wagen in kreisförmiger Bewegung um. Die Umdrehung der Welle wird durch ein an ihrem unteren Theile befindliches Rad bewerkſtelligt, in welches ein am Waſſerrade an— gebrachtes Getriebe eingreift. Das Pulver wird ungefähr 1½ Stunde auf dem Tiſche gerollt und kommt dann zurück in das Körnhaus, wo es ausgeſiebt wird, um es von dem vielen Staube zu befreien, der ſich bei dieſer Operation bildet. Dieſe Methode hat den Vortheil, daß die Körner äußerſt dicht werden, da durch das beſtändige Reiben an den Leiſten des Tiſches faſt alle Poren verſtopft werden. In kleineren Fabriken der Schweiz füllt man Säcke von dichtem Gewebe mit 1,5 bis 7,5 Kg eckig gekörnten Pulvers und bindet dieſelben ſehr nahe an der eingefüllten Maſſe zu, ohne letztere aber zuſammenzudrücken. Sodann rollt man die Säcke, beide Hände kräftig darauf ſtützend, auf einer Tafel umher. So oft die Maſſe in einem Sacke locker wird, muß durch Zurückführen des Bundes abgeholfen werden. In den Lehrbüchern findet man noch vielfach die Bemerkung, daß das ſpe— cifiſche Gewicht des Pulvers während des Abrundens zunehme. Durch Unter⸗ ſuchungen in Spandau hat man nun nachgewieſen, daß dieſe Angaben vollkommen unrichtig ſind, da das ſpecifiſche Gewicht des Pulvers ganz unverändert bleibt. Das Schießpulver. 7 ————— 98 Abrunden.— Trocknen. Für die Richtigkeit dieſer Unterſuchungen ſpricht auch ſchon der Umſtand, daß eine Vergrößerung des ſpecifiſchen Gewichtes nur inſoweit erfolgen könnte, als das Abrunden mit einem in feuchtem Zuſtande befindlichen Pulver vorgenommen würde, in welchem es noch einer Zuſammenpreſſung fähig wäre, eine Voraus⸗ ſetzung, welche bei einem Pulver, das nur 3 Proc. Feuchtigkeit enthält, nicht Platz greifen kann. Es iſt nicht das ſpecifiſche Gewicht, ſondern vielmehr das cubiſche, welches während des Abrundens ſtetig zunimmt, wie folgende Tabelle zeigt: Cubiſches Gewicht vor dem Abrunden... 0,810 5 5 nach 4,Stunden Abrundezeit 0,833 7 77 77 8 7* 77 8 0,846 ** 7* 20 77* 0,869 7* 57* 2 5 7*** 4 0, 8 1 8 * 7 77 30 7* 70 8 0,889 5 5„ 42 1 5 0,893 VI. Das Trocknen. Bei dem Trocknen des Pulvers muß man unterſcheiden zwiſchen dem natür— lichen und künſtlichen Trocknen. 1. Das natürliche Trocknen. Das natürliche Trocknen oder das Trocknen an der Luft erfolgt, wie bereits oben S. 93 hervorgehoben wurde, entweder im Freien oder in Trockenhäuſern. Die Einrichtungen zum Trocknen und das dabei zu beobachtende Verfahren iſt ganz daſſelbe, wie ſolches bei dem vorläufigen Trocknen angegeben wurde, nur daß man jetzt das Trocknen ſo lange fortſetzt, bis möglichſt alle Feuchtigkeit ver— ſchwunden iſt. Setzt man das Pulver unmittelbar den Sonnenſtrahlen aus, ſo iſt in der Sommerzeit gewöhnlich nach 4 Stunden das Trocknen vollendet; ein in das Pul— ver eingeſenktes Thermometer zeigt in dieſem Falle 60 bis 700 C. Trocknet man im Schatten, ſo ſind 9 Stunden erforderlich, und das Thermometer zeigt dann ſelten mehr wie 250 C. In der Schweiz breitet man die beſſeren Pulverſorten zuerſt im Schatten und ſpäter in der Sonne aus. Erfolgt das Trocknen im Trockenhauſe, ſo ſind im Durchſchnitte 8 bis 10 Tage nothwendig. Iſt man mit der Fabrikation nicht gedrängt und hat man hinlänglich Raum, iſt überdies die Jahreszeit günſtig, ſo iſt das Trocknen an der Luft dem künſt— lichen Trocknen vorzuziehen, indem das Pulver deſto ſicherer ſeine Feſtigkeit und Dichtigkeit beibehält, dabei iſt aber der Nachtheil nicht unerwähnt zu laſſen, daß die Ergebniſſe des Trocknens je nach dem Feuchtigkeitsgehalte der Luft auch ver— ſchieden ausfallen. daß als imen aus⸗ Platz iſche, atür⸗ ereits iſern. en iſt daß ver⸗ n der Pul⸗ man dann jatten 8 10 2+ aum, künſt⸗ t und daß ver⸗ Trocknen. 2. Das künſtliche Trocknen. Ein Hauptvorzug dieſes Verfahrens liegt in dem Umſtande, daß man daſ⸗ ſelbe zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter in Anwendung bringen kann und in jedem Falle eine vollſtändige Trocknung erhält, was bei dem natürlichen Trock— nen nicht eintritt. Das künſtliche Trocknen, wie es ſich im Laufe der Zeit ausgebildet hat, läßt ſich in drei verſchiedene Claſſen bringen, in: a. Das Trocknen durch warme Ofenluft, b. Das Trocknen durch Waſſerdampf, 6. Das Trocknen durch kalte, aber vorher getrocknete Luft. Ad a. Obgleich urſprünglich das Trocknen nur durch gewöhnliche, atmo⸗ ſphäriſche Luft herbeigeführt wurde, ſo ſuchte man doch ſchon ziemlich früh die— ſelbe durch künſtliche Erwärmung zum Trocknen geeigneter zu machen. So be— richtet Furtenbach 1632, daß das Pulver in kupfernen Keſſeln über dem Feuer getrocknet, zu ſeiner Zeit dieſes Verfahren aber abgeſchafft worden ſei, weil Men— ſchen dabei umgekommen. Der nächſte, naturgemäße Ideengang war nun der, das Pulver nicht in die unmittelbare Nähe des Feuers zu bringen, ſondern nur die ſtrahlende Wärme deſſelben zu benutzen. Man ſetzte daher in die Mitte des Trockenſaales einen Ofen, welcher alſo in demſelben Raume, wo das Trocknen vor ſich gehen ſollte, geſpeiſt werden mußte. Da durch Unvorſichtigkeit eine Reihe von Unglücksfällen eintraten, ſo verlegte man den Ofen an eine Wand des Trockenhauſes und den Herd in einen benachbarten Raum, welcher keinen Zuſammenhang mit dem Trocken⸗ ſaale hatte. Um das in nächſter Nähe des Ofens befindliche Pulver vor einer allzugroßen Hitze zu ſchützen, umgab man denſelben mit einem kupfernen Mantel. Dieſe Art zu trocknen findet man noch in Norddeutſchland, Holland und Schweden. Am Oberharze befindet ſich der mit Lehm dick überſtrichene Ofen außerhalb des Trockenſaales, die heiße Luft wird durch mit Klappen verſchließbare Oeffnungen, die oben und unten in der Scheidewand angebracht ſind, zugeführt. Dieſe Methode iſt im Allgemeinen nicht ſehr zu empfehlen, da man hinſicht— lich der Temperatur gar keine Sicherheit hat, der Ofen ſehr leicht heiß wird, aber auch ſehr bald erkaltet, ſo daß von einer ſich gleich bleibenden Temperatur gar keine Rede ſein kann. Am beſten iſt noch das Verfahren am Oberharze, wo die ſchnelle Abkühlung des Ofens durch die Lehmbekleidung gemindert wird. Ad b. Das Trocknen mit Waſſerdämpfen wurde 1780 von den Englän⸗ dern eingeführt. Kupferne Schalen, auf welche das Pulver geſchüttet wurde, dien⸗ ten als Deckel eines hölzernen Kaſtens oder eines kleinen, aus ſchlechten Wärme— leitern angefertigten Behälters, in welchen durch kupferne Röhren Waſſerdampf geleitet wurde, deſſen Temperatur zwiſchen 540 bis 750 C. betrug. Während des Trocknens wurde das Pulver beſtändig umgerührt, um ein Zuſammenbacken deſſelben zu verhindern. Dieſe Methode ſoll jetzt noch in England in Gebrauch ſein. Aus den größeren Fabriken Englands iſt ſie aber längſt verdrängt. Man 7* 2⁰ 100 Trocknen. hat dort, wie auch in anderen Ländern, ſtatt das Pulver durch unmittelbare Be⸗ rührung mit erwärmten, metalliſchen Oberflächen zu trocknen, die Temperatur der Luft durch heißen Waſſerdampf zu erhöhen geſucht. Die am meiſten übliche Einrichtung iſt folgende: In dem Trockenſaale be— findet ſich ein hölzerner Kaſten, welcher etwa 3,5 m lang, 1 m breit und an der hinteren Seite etwas höher iſt als an der vorderen. Der obere Rand dieſes Ka⸗ ſtens iſt mit einer hölzernen Zarge verſehen, in deren Falz ein mit Meſſingdraht überſpannter Holzrahmen paßt. Auf dieſes Drahtgeflecht werden leinene Decken gelegt und über dieſe das Pulver ausgebreitet. Ein ſolcher Trockenkaſten faßt 75 Kg Pulver. In dem Trockenkaſten befinden ſich mehrere große, hohle Cy— linder aus Kupfer, welche eine Linge von 1,35 m und einen Durchmeſſer von 0,32 m beſitzen. Durch eine Röhrenleitung, welche mit einem Dampfkeſſel in Verbindung ſteht, werden ſie mit heißem Waſſer geſpeiſt. In dem Innern eines jeden dieſer Cylinder befinden ſich eine Reihe kleinerer Röhren von 5 em Durch— meſſer, welche an beiden Enden offen ſind. Durch dieſe Röhren wird mit Hülfe eines Ventilators atmoſphäriſche Luft getrieben, welche durch die Wärme, die in Folge der Verdichtung des Waſſerdampfes frei wird, ſich erwärmt. Im Allge— meinen ſieht man darauf, daß die Temperatur der Luft nicht die von 60 Cüber— ſchreitet. Die Regulirung der Temperatur wird durch mehr oder weniger enges Verſchließen der Heizröhren beim Eintritte in den Trockenſaal bewerkſtelligt. Iſt das Pulver in den Trockenkaſten geſchüttet, ſo wird es darin in einer Schicht von 1 bis 2 em Dicke ausgebreitet und beſtändig umgewendet. Die er— wärmte Luft wird durch die neu hinzuſtrömende verdrängt und ſo genöthigt, durch das Pulver von unten nach oben zu ſtreichen und das in demſelben enthaltene Waſſer mit wegzuführen. Da das Pulver, wenn es aus der Abrundetrommel kommt, in der Regel nur noch 1¼ Proc. Feuchtigkeit beſitzt, ſo iſt gewöhnlich in Verlauf von fünf viertel Stunden die ganze Operation des Trocknens beendet. Um ſich zu vergewiſſern, ob alle Feuchtigkeit aus dem Pulver gewichen iſt, wird eine beſtimmte Menge des letzteren, in der Regel 100 g, abgewogen und auf das Waſſerbad geſtellt. Es darf dann bei abermaligem Wägen keine Gewichts—⸗ differenz auftreten. Iſt dies der Fall, ſo wird das Pulver nach dem Abkühlen in Tonnen geſchüttet und nach der Abſtäubemaſchine gebracht. In einigen Fabriken iſt das Dampfröhrenſyſtem etwas anders eingerichtet. Der Waſſerdampf wird dort durch eine kupferne Röhre in das Trockenhaus ge— leitet, wo ſie ſich in mehrere Röhren verzweigt, welche längs der Wände des Trockenhauſes mehrfach hin- und herlaufen. Die Röhren ruhen auf eiſernen Stützen, welche mit Blei ausgegoſſen in die Wände eingelaſſen ſind. Die Röh— ren haben eine kleine Senkung nach dem Dampfkeſſel zu, damit der zu Waſſer verdichtete Dampf zurückfließen kann. Dieſe Einrichtung hat den Nachtheil, daß die Luft nicht ſo gleichmäßig er— wärmt wird, wie nach dem kurz vorher erwähnten Verfahren. Daß bei dieſen beiden Trockenmethoden für das Abziehen der mit Waſſer— dampf überſättigten Luft, ſei es nun durch einen Schornſtein, ſei es durch zeit— weiliges Oeffnen von Thüren oder Fenſtern, Sorge zu tragen iſt, bedarf wohl einer weiteren Erwähnung. die ſie chen Rar eine emp weit vort dem thei der kam nich vers fern zu! ſich den. kupf oval jede den, der wele Ver Fig an die etwe kupf den den and Ent 223 · ů——ů—⁵· ½——— Trocknen.— Ausſtäuben. 101 Ze⸗ Adec. Die Methode mit trockner, aber nicht erwärmter Luft dem Pulver der die Feuchtigkeit zu entziehen, beruht darauf, daß man die atmoſphäriſche Luft, ehe ſie in das Trockenhaus eintritt, durch einen oder mehrere Räume leitet, in wel— be⸗ chen friſch gebrannter Kalk aufgeſchüttet iſt. Die Luft tritt von oben in den der Raum, ſtreicht durch die einzelnen Kalkſchichten hindurch, um ſodann mit Hülfe da⸗ eines Ventilators in das Trockenhaus getrieben zu werden. aht Vom wirthſchaftlichen Standpunkte aus iſt dieſe Methode nur dann zu ken empfehlen, wenn der Kalk leicht zu beſchaffen iſt und nach der Benutzung noch aßt weiter verwerthet werden kann. Unter dieſer Vorausſetzung iſt die Methode ſehr Ly⸗ vortheilhaft, wenn man von der Zeit, welche das Trocknen erfordert, abſieht; hon denn das Trocknen des Pulvers wird für die Dichtigkeit des Kornes um ſo vor— in theilhafter verlaufen, je weniger hoch die dabei angewandte Temperatur iſt, weil nes der Waſſerdampf ohne Schwierigkeit aus den Poren des Pulvers heraustreten ch⸗ kann. Die letzteren werden dadurch nicht erweitert und das Pulver wird daher ilfe nicht ſo leicht Feuchtigkeit anziehen, ſich alſo auch beſſer halten. in ge⸗ VII. Das Ausſtäuben. er⸗ ges Da ſich während des Trocknens ungefähr/ Proc. vom Gewichte des Pul⸗ vers an Staub bildet, ſo ſucht man denſelben durch Ausſtäuben in Säcken zu ent⸗ ner fernen und zu gleicher Zeit dem Pulver bei dieſer Operation einen ſchönen Glanz er⸗ zu verleihen. irch In früherer Zeit geſchah das Ausſtäuben in leinenen Säcken, deren zehn tene ſich in einem luftdicht verklebten und mit Brettern verſchalten Raume befan⸗ mel den. Mit dem offenen Ende wurden die Säcke an in der Wand angebrachten in kupfernen Ringen angebunden. Neben den Ringen befanden ſich in der Wand det. ovale Oeffnungen, durch welche die Beſchickung der Säcke geſchah, von welchen vird jeder 5 bis 6 Kg faßte. So wie die Säcke gefüllt waren, wurden ſie zugebun⸗ auf den, die ovalen Oeffnungen mit einem Deckel verſchloſſen. An dem anderen Ende hts⸗ der Säcke waren Lederöſen angebracht, durch welche nun Seile geſteckt wurden, hlen welche mit einer über der Decke des Arbeitsraumes liegenden Hebelvorrichtung in Verbindung ſtehend die Säcke auf- und niederbewegten. tet. In neuerer Zeit hat man dieſe Ausſtäubemaſchine etwas abgeändert, wie Fig. 13(a. f. S.) zeigt, welche die in Dresden gebräuchliche Einrichtung darſtellt. 68 An der Staubwelle ſind acht Staubflügel angebracht, welche ſchraubenförmig 8ft an der Welle angeordnet ſind, ſo daß bei einer gleichen Belaſtung aller Flügel söh⸗ die Welle nach allen Seiten gleichmäßig angeſtrengt wird. Jeder Staubflügel, ſer etwa 1,7 m lang und 0,1 mübreit, iſt an der vorderen und hinteren Seite mit kupfernen Haken verſehen, ſo daß an jedem Flügel zwei Staubſäcke befeſtigt wer⸗ 425 den können. Die Staubſäcke ſind 1,32 m lang und 2,6 di breit und an bei⸗ den Enden mit Lederöſen verſehen. ſſer⸗ Die Einrichtung in Spandau iſt ganz ähnlich, nur ſind dort zwei neben ein⸗ zeit⸗ ander liegende Staubwellen angebracht, welche länger ſind als die zu Dresden üblichen. vohl Wenn die Staubſäcke benutzt waren, ſo werden ſie vor der Beſchickung zur Entfernung des in den Poren befindlichen Staubes ausgeklopft und unterſucht, FFF Ausſtäuben. ob ſie noch dicht ſind. Iſt dies der Fall, ſo werden ſie in Dresden mit 5 Kg, in Spandau mit 7 Kg Pulver gefüllt, zugebunden und an die Staubflügel be— feſtigt. Die Maſchine wird ſodann in Bewegung geſetzt und derſelben eine Ge— ſchwindigkeit von 15 Umdrehungen in der Minute gegeben. Die Körner wälzen ſich in dem Sacke hin und her und erhalten durch die gegenſeitige Reibung, ſowie durch die an den Geſpinnſtfaſern des Sackes Glanz, während der Staub durch die Poren des Sackes geſchleudert wird. Zur Vermeidung des Umherfliegens von Staub ſetzt man in Dresden eine Wand von Leinwand vor die Maſchine. Die Zeit für das Ausſtäuben iſt verſchieden, in Dresden läßt man das Geſchützpulver 1 Stunde und das Gewehrpulver 2 Stunden lang in den Säcken hin- und her⸗ gehen, in Spandau begnügt man ſich mit ungefähr der Hälfte der Zeit. Letztere läßt ſich nämlich für Spandau nicht genau angeben, da der Oberarbeiter bei der Maſchine die Verpflichtung hat, das Pulver ſtaubfrei und blank abzuliefern, wes⸗ halb er auch berechtigt iſt, die Maſchine jeder Zeit anzuhalten, um das Pulver auf die verlangten Eigenſchaften zu unterſuchen. Diejenigen Körner, welche durch den Sack fallen, werden nochmals in einem beſonderen feinen Sacke ausgeſtäubt und dann zum Gewehrpulver geſchüttet. Der Staub beſteht hauptſächlich aus Kohle. Man fand in 100 Gew.-Thlu. 74,0 Kohle, 14,5 Schwefel und 11,6 Salpeter. Man ſammelt den Staub und laugt ihn aus, um den Salpeter daraus zu gewinnen. In Schweden wird der Staub zu Bergwerkspulver verarbeitet. Wie bereits oben bei den Miſchungsverhältniſſen des Pulvers S. 60 hervor— gehoben wurde, erleidet die Miſchung des Pulvers bei jeder Operation eine ge— wiſſe, wenn auch unbedeutende Veränderung. Einen Beleg hierfür geben folgende Zahlen, welche Analyſen über preußiſches Pulver entnommen ſind: Salpeter Schwefel Kohle Vorſchriftsmäßiger Satz....74 Proc. 10 Proc. 16 Proc. Gemengter Satz...74,03„ 10,13 15,84„ Der Pulverkuchen 73,607„ 10 16715 Gekörnter Pulverkuchen.... 73,66„ 10,38„ 15,96„ Lufttrocknes Pulver. 73,94„ 102 15,86 Abgerundetes Pulver...74,43„ 2l 1584„ Abgeſtäubtes Pulver g„ 972 15,795 der K es iſt zu ur Decke ſind e Sieb untere trägt. durch Schla das 6 gung Sorti pulven beſitze unter; ſchütz— pulven aus e Neigu ein V das 1 Stau an ve jeder len. das J gelaff Vorri weite, mehre rollen ſchied Sortiren. 5 VIII. Das Sortiren. he⸗ Je⸗ Durch das Abrunden, Trocknen und Ausſtäuben wird die Geſtalt und Größe zen der Körner, welche ſie nach dem vorläufigen Sortiren beſaßen, wieder verändert, vie es iſt deshalb nothwendig, die beiden Pulverſorten einem nochmaligen Sortiren rch zu unterwerfen. Die Sortirmaſchine beſteht aus einem hölzernen Rahmen, welcher an der Decke des Zimmers an vier ledernen Riemen aufgehängt iſt. In dem Rahmen ſind Siebſyſteme angebracht, von welchen jedes aus zwei Sieben beſteht. Das obere Sieb iſt das Geſchützpulverſieb, deſſen Maſchen etwa 1,04 mm groß ſind, das untere Sieb das Gewehrpulverſieb, deſſen Maſchenweite ungefähr 0,67 mm be⸗ trägt. In den Deckel, welcher auf das Oberſieb paßt, iſt ein Trichter eingelaſſen, durch welchen das Pulver eingeſchüttet wird. An dem Unterſieb befindet ſich ein Schlauch, welcher in eine unter dem Rahmen ſtehende Tonne mündet, in welche das Gewehrpulver fällt. Sind die Siebe beſchickt, ſo wird die Maſchine von zwei Arbeitern in Bewe— gung geſetzt und derſelben 120 Stöße gegeben, ebenſo wie bei dem vorläufigen Sortiren. Auf dem Oberſiebe verbleiben alle Körner, welche größer als Geſchütz⸗ pulver ſind, während diejenigen, welche die richtige Größe des Geſchützpulvers beſitzen, auf dem Gewehrſiebe liegen bleiben. Das Gewehrpulver fällt in die bon untergeſetzte Tonne. Die Wie man ſieht, verläuft dieſer Proceß in derſelben Weiſe, einerlei ob Ge⸗ ver ſchütz oder Gewehrpulver ſortirt wird. Diejenigen Körner, welche für Geſchütz⸗ yer⸗ pulver zu groß ſind, werden angefeuchtet, gepreßt und dann weiter verarbeitet. tere In Dänemark wird das getrocknete Pulver auf einer Maſchine ſortirt, die der aus einem von Meſſinggeſpinnſt gebildeten Cylinder beſteht; derſelbe ruht bei einer es⸗ Neigung von 50 auf zwei Stühlen; parallel zu ihm befindet ſich eine Achſe, auf der ver ein Ventilator angebracht iſt, welcher den Staub aus dem Pulver bläſt, während das letztere in die 0,15 m unter dem Cylinder ſtehenden Kaſten fällt. Der 'em Staub wird in eine beſondere Staubkammer geweht. Das Meſſinggeflecht hat der an verſchiedenen Theilen des Cylinders verſchieden große Oeffnungen und unter 1,0 jeder Abtheilung einen beſonderen Kaſten, in welchen die betreffenden Körner fal⸗ ugt len. Die feinſten Oeffnungen befinden ſich an dem oberen Theile, durch welche das Pulver mittelſt eines Trichters in den Cylinder gebracht wird. Das in dieſer Weiſe ſortirte Pulver wird ſchließlich noch über Siebe laufen or⸗ gelaſſen. In der Schweiz wird das Pulver auf einer Art Pulverfege ſortirt. Dieſe Vorrichtung beſteht aus ſchief geſtellten Drahtſieben von verſchiedener Maſchen— weite, auf welche das Pulver geſchüttet und mittelſt einer rüttelnden Bewegung in mehrere Sorten geſondert wird, indem die größeren Körner über die Siebe fort⸗ rollen, die kleineren aber durchgehen und in untergeſtellte Kaſten fallen. IX. Das Vermengen. Durch das Sortiren wird das Pulver in Geſchütz- und Gewehrpulver ge— ſchieden. Für die beiden Siebe, welche dieſe Scheidung bewirken, iſt zwar eine ——— 104 Vermengen.— Gepreßte Pulverſorten. beſtimmte Maſchenweite vorgeſchrieben, allein die Natur der Sache bringt es ſchon mit ſich, daß in jeder Pulverſorte Körner von verſchiedener Größe ſich befinden werden. In den einzelnen Tonnen, in welche das ſortirte Pulver hineinfiel, kann dieſes Verhältniß verſchieden ſein und danach wird auch in den einzelnen Tonnen das cubiſche Gewicht verſchieden ſein. Um nun ein Pulver von möglichſt gleicher Beſchaffenheit und möglichſt gleichem cubiſchem Gewichte zu erhalten, nimmt man mit jeder Pulverſorte für ſich noch eine Vermengung vor. Der hierzu dienende Vermengungsapparat iſt folgendermaßen eingerichtet: An der Decke des Zimmers iſt ein ſtarker, runder Balken ſenkrecht herab— hängend befeſtigt, welcher an ſeinem unteren Ende, etwa in einer Entfernung von 1,2 m vom Fußboden, einen hölzernen Bretterkranz trägt. In dieſem Bretterkranz ſind ſechs kupferne Trichter eingelaſſen, welche nach unten hin ſich verjüngen. Sie laufen von dem Kranze in ſchräger Richtung und münden ſämmtlich in einer Röhre, deren Mittelpunkt in demjenigen der verlängert gedachten Achſe des Balkens liegt. Ein ſolcher Trichter faßt in Spandau 100 Kg, in Dresden 200 Kg Pul⸗ ver. An dem unteren Ende der gemeinſchaftlichen Röhre befindet ſich ein kurzer Lederſchlauch, der durch eine Schnur umgeknickt werden kann, ſo daß alſo in die— ſem Falle ein Ausfließen des Pulvers verhindert wird. Bei dem Vermengen muß man unterſcheiden zwiſchen einer Specialver— mengung und einer Generalvermengung. Bei der Specialvermengung in Spandau werden, nachdem der Lederſchlauch angezogen, in jeden Trichter zwei Tonnen von dem ſortirten Pulver geſchüttet, und wenn alle Trichter gefüllt, der Lederſchlauch, unter welchem eine Tonne ſteht, los⸗ gelaſſen. Zwölf ſolcher Tonnen bilden eine Specialvermengung, welche in Dresden, da die Trichter das Doppelte von dem in Spandau faſſen, 24 Tonnen ausmacht. Hat man nun auf dieſe Weiſe 12 beziehungsweiſe 6 Specialvermengungen vorgenommen, ſo ſchreitet man zu der Generalvermengung, welche in der Weiſe erfolgt, daß man von jeder Specialvermengung je 1 Faß beziehungsweiſe 2 Fäſ⸗ ſer nimmt und dieſelben auf die oben angegebene Art mit einander vermengt, bis ſämmtliche Specialbermengungen unter ſich vermengt ſind. Nach dieſer Generalvermengung wird das Pulver in Tonnen gepackt. Be— vor die Verpackung näher beſprochen wird, ſeien noch die Verſuche erwähnt, welche man in neuerer Zeit mit gepreßtem Pulver angeſtellt hat. X. Die gepreßten Pulverſorten. Die praktiſchen Anfänge des gepreßten Pulvers ſind in dem amerikaniſchen Bürgerkriege zu ſuchen. Bei dem ungemein großen Verbrauche von Pulver wäh— rend des Unionskrieges konnte die gewöhnliche Fabrikation mit den Bedürfniſſen nicht Schritt halten und verſuchte man daher, aus dem Pulverſatze unmittelbar durch Preſſen Kartuſchen und Patronen zu erzeugen. Den gehegten Erwartun— gen konnten dieſe Kartuſchen und Patronen nicht entſprechen, da alle Zwiſchen— räume fehlten, das Pulver alſo langſam verbrannte und dadurch ein großer Theil wa pre ma lod Bi lan noe dig ſta rei ent cor mo we vor Gi art du die 1 üb Ve ſchon nden kann nnen ꝛicher man chtet: erab⸗ von kranz Sie einer lkens Pul⸗ urzer die⸗ lver⸗ lauch und los⸗ )e in nnen ingen Weiſe Fäſ⸗ „ bis ſchen wäh⸗ liſſen elbar rtun⸗ chen⸗ Theil Gepreßte Pulverſorten. der Ladung aus dem Rohre herausgeworfen wurde, ehe derſelbe zur Verbrennung gelangt war. Um dieſen Uebelſtand zu beſeitigen, durchbohrte man die Patronen der Länge und Quere nach und erhielt ſo, insbeſondere bei Geſchützen größeren Kalibers, günſtige Reſultate. Zu gleicher Zeit verſuchte man nun auch bereits gekörntes Pulver zu com⸗ primiren, wobei man namentlich die Eigenſchaft des Schwefels, bei 111“ C.zu ſchmelzen, berückſichtigte. Dieſer Gedanke war nicht neu, denn Paolo di San Roberto hatte ihn ſchon 1852 ausgeſprochen, allein den Amerikanern blieb es vorbehalten, dieſem Gedanken durch Verſuche im Großen wirklichen Ausdruck zu verleihen. Man brachte das Pulver in Blechgefäße mit doppelten Wänden, deren Zwiſchenräume mit ſiedendem Waſſer angefüllt waren. Bei der Temperatur von 1000 C. wird der Schwefel weich, in Folge deſſen die Körner an einander kleben, ohne ihre Geſtalt zu verlieren. Solches erwärmtes Pulver wurde darauf in cylin⸗ driſche Formen gefüllt und gepreßt. Man erhielt dadurch Patronen, deren Kör— ner noch vollſtändig erkennbar waren, aber feſt an einander hafteten. Die Pa— tronen waren hart wie Stein, ſchwarzglänzend und konnten auf die Erde geworfen werden, ohne zu zerbrechen. Die Ergebniſſe der Proben waren ſowohl bei Ge— ſchützen wie Gewehren ſehr gleichmäßig und der im Rohre verbleibende Rückſtand war nur gering. Die comprimirten Kartuſchen wurden bald aufgegeben, während mit den ge— preßten Patronen faſt in allen Staaten Verſuche angeſtellt wurden, bei welchen man die Wärme durch ein anderes Bindemittel, wie Gummi⸗, Zucker⸗ oder Col⸗ lodiumlöſung, zu erſetzen ſuchte, ſpäterhin aber auch die Patrone jegliches Bindemittel aus den Pulverkörnern preßte. Es zeigte ſich hierbei, daß zur Er— langung einer günſtigen Verbrennung die Preſſung des Pulvers weder zu ſtark noch zu ſchwach ſein darf, weil bei zu ſtarker Preſſung das Pulver nicht vollſtän⸗ dig verbrennt, während bei zu ſchwacher Preſſung eine zu raſche Ganmtg ſtattfindet und der Vortheil eines geringen Druckes zur Verhinderung des Zer— reißens der Patronenhülſe nicht erreicht wird. Bei den in Oeſterreich angeſtellten Verſuchenk) erwies ſich als von ganz entſchiedenem Einfluſſe der Umſtand, ob der dichtere oder weniger dichte Theil der comprimirten Ladung der Zündungsſtelle zunächſt lag. Im erſteren Falle erhielt man nämlich eine geringere Geſchoßgeſchwindigkeit. Hierzu geſellte ſich noch der weitere Uebelſtand, daß die Schießergebniſſe ſehr ungleich ausfielen, wenn Pulver— vorräthe von verſchiedenem ſpecifiſchen Gewichte verwendet wurden. Aus dieſen Gründen und wegen der Schwierigkeit einer gefahrloſen, maſchinenmäßigen, gleich— artigen Fabrikation ſtand man in Oeſterreich von weiteren Verſuchen ab. In Europa iſt Frankreich der einzige Staat, in welchem comprimirte La⸗ dungen bis jetzt zur Anwendung kamen. Bekannt in dieer Beziehung iſt ja die Patrone für die im deutſch-franzöſiſchen Kriege gebrauchte Mitrailleuſe(canon à balles). Die Patrone enthält ſechs cylindriſche Pulverkörner, jedes zwei Gramme ) Das Nähere hierüber findet ſich in dem Werke des Hauptmann Kropatſchek über das öſterreichiſche Hinterladungsgewehrſyſtem kleinen Kalibers mit Werndl—⸗ Verſchluß. CCCCECCCCCCCECECECCECECCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCC —— ——AÄͥA-—l-— 106 Gepreßte Pulverſorten. ſchwer, ſo daß die ganze Ladung zwölf Gramme beträgt. Das drei Kaliber lange Geſchoß wiegt fünfzig Gramme und enthält am Boden eine Lage Talg zum Ein⸗ fetten des Laufes, die Talgſchicht iſt durch eine Papierplatte von dem oberſten Pulverkorne getrennt. Dieſe Patrone bildet daher gleichſam ein Mittelglied zwi⸗ ſchen der zu einem Stücke gepreßten Ladung einer eigentlichen comprimirten Pa⸗ trone und der aus einer Zahl von prismatiſchen Pulverkörnern gebildeten Ladung eines ſchweren Geſchützes. In England führte man im Jahre 1868, als man feniſche Unruhen ernſt— lich befürchtete, die Rehpoſtenpatrone des Oberſt Boxers) ein. Dieſe Buclshot cartridge hat eine Boxerhülſe mit Centralzündung, in welcher ſich außer 16 Rehpoſten ein gepreßter Pulvercylinder von fein gekörntem Pulver befindet. Der Cylinder hat oben und unten eine Anbohrung; über demſelben iſt eine Schicht Baumwolle ausgebreitet, welche den 16 Rehpoſten, deren Zwiſchenräume mit Gyps ausgegoſſen ſind, als Unterlage dient. Dieſe gepreßten Patronen waren vorzugsweiſe für ein Landgefecht berechnet, denn für die Benutzung im Seekriege ſtellte ſich ein Hinderniß entgegen, als man zu Aufang der ſechsziger Jahre die Kriegsſchiffe mit dicken, eiſernen Panzerplatten zu umkleiden begann, um ſo die vernichtenden Wirkungen der Geſchoſſe aus den Schiffskanonen zu paralyſiren. Die praktiſche Löſung der Frage, wie der Sieg über die Panzerſchiffe zu erringen ſei, trat zuerſt an die Vereinigten Staaten heran, wo, wie bekannt, im Bürgerkriege die Panzerſchiffe in Anwendung kamen. Um die Panzerplatte durchbohren zu können, mußte vor allen Dingen die Ladung verſtärkt werden, ohne daß dabei das Geſchützrohr ſelbſt erheblich mehr angeſtrengt wurde. Das gewöhnliche Geſchützpulver konnte dazu nicht benutzt werden, weil bei großen Ladungen ſeine Einwirkungen ſich zu zerſtörend erwieſen, eben weil die plötzlich auftretende Gasſpannung eine allzu hohe war; das Zu— ſammenbrennen der Ladung mußte alſo verlangſamt werden. Die Richtigkeit dieſer Anſchauung ergab ſich aus einer Reihe von Verſuchen, welche Rodmann im Jahre 1860 über Gasſpannungen anſtellte, welche entſtehen, wenn man Pul⸗ ver von ſehr verſchiedener Körnergröße als Ladung benutzt. Die hierbei gemach— ten Erfahrungen ergaben, daß ſich mit der Verkleinerung des Kornes Gasſpan— nung, Anfangsgeſchwindigkeit und Schußweite vergrößern. Da aber durch das kleine Korn die Geſchützrohre ſehr angeſtrengt werden, ſo vermied dies Rodmann dadurch, daß er recht große Körner nahm und die dadurch eintretende Vermin— derung der Anfangsgeſchwindigkeit der Geſchoſſe durch Vermehrung der Pulver⸗ ladung wieder auszugleichen ſuchte. In Folge dieſer und ähnlicher Beobachtungen wurde 1862 das Mammuthpulver eingeführt, deſſen Körner einen Durchmeſſer von 1,56 bis 2,34 em haben, ſpäter ſogar über 2,6 em Durchmeſſer ausgedehnt wurden. Aus dieſem Mammuthpulver ging dann das prismatiſche Pulver hervor, ein aus gekörntem Pulver gepreßtes ſechseckiges Prisma mit ſieben Durch— ) Eine ausführliche Beſchreibung über dieſe eigenthümliche Patrone findet ſich in dem Werke des Capitäns Vivian Dering Majendie und Orde Browne: Military Brèech loading rifles with detailed notes on the Suider and Martini- Henry rifles and Boxer ammunition p. 116 sꝗdꝗ. bohru Grund Pulve⸗ Oberf Maxin des P Theile ten, w ſich al Steige matiſe brenne prism vergaf fange ein gl gung migen des F ſpricht Norde Satzv Anwe Gewie ver hi ſitzt. ausge wöhnl ander⸗ wird darau Theile befind beweg giebt, Richtt dem wird, daß d empor in Ri Wärr n Gepreßte Pulverſorten. bohrungen. Der Gedanke, welcher bei Benutzung des prismatiſchen Pulvers zu Grunde liegt, iſt folgender: Wendet man zu größeren Ladungen ein feinkörniges Pulver an, ſo iſt im erſten Augenblicke der Entzündung vermöge der ſehr großen Oberfläche der größte Theil der Ladung verbrannt, daher eine ſehr bedeutende Maximalſpannung eingetreten und ſomit ein ſehr offenſives Verhalten die Folge des Pulvers, während der Reſt der entwickelten Kraft im Verhältniß zum erſten Theile nur gering iſt. Dieſem Proceſſe gegenüber muß ein Pulver Vortheil bie— ten, welches im Augenblicke der Entzündung eine kleine Oberfläche darbietet, die ſich aber während der Verbrennung ſtets vergrößert und dadurch eine progreſſive Steigerung der Gasſpannung veranlaßt. Dieſer Vorgang ſoll durch das pris— matiſche Pulver erreicht werden, welches von den Durchlöcherungen nach außen brennend die Brennflächen zunehmend größer werden läßt. Da hiernach das prismatiſche Pulver beim Beginne der Verbrennung eine geringere Menge Pul- vergaſe als das gewöhnliche Geſchützpulver erzeugt, ſo erhält das Geſchoß im An⸗ fange ſeiner Bewegung eine geringere Geſchwindigkeit. Die Folge hiervon iſt ein gleichförmiger Eintritt des Geſchoſſes in die Züge, eine regelmäßigere Bewe⸗ gung deſſelben und eine geringere Deformation des Bleimantels. Der gleichför⸗ migen Bewegung des Geſchoſſes in der Seele entſpricht gleichförmige Richtung des Fluges und gleichförmige Geſchwindigkeit; der Schonung des Bleimantels ent— ſpricht gleichtörmige Bewegung in der Luft. Wie bereits angedeutet, fand das prismatiſche Pulver ſeine Entſtehung in Nordamerika und gelangte von dort über Rußland nach Preußen. In Betreff der Fabrikation mag im Allgemeinen bemerkt werden, daß die Satzverhältniſſe dieſelben ſind, wie man ſie für das gewöhnliche Kriegspulver in Anwendung bringt. Da man nun für das prismatiſche Pulver ein ſpecifiſches Gewicht von 1,66 erzielen will, ſo folgt daraus, daß man das gewöhnliche Pul⸗ ver hierzu nicht benutzen kann, da daſſelbe ein geringeres ſpecifiſches Gewicht be— ſitzt. Um letzteres zu erhöhen, muß alſo ein ungewöhnlich hoher Druck auf daſſelbe ausgeübt oder die Fabrikation derart abgeändert werden, daß man mit den ge— wöhnlichen Einrichtungen dieſe Dichte erlangt. Hat man nun auf die eine oder andere Weiſe einen Pulverkuchen von der verlangten Eigenſchaft hergeſtellt, ſo wird derſelbe gekörnt, das allzufeine Pulver von dem grobkörnigeren abgeſiebt und darauf unter die Preſſe gebracht. Letztere beſteht der Hauptſache nach aus drei Theilen, einem unbeweglichen Mitteltheile, in welchem ſich die ſechseckige Form befindet und einem Ober- und Untertheile, welche nach entgegengeſetzter Richtung beweglich ſind. Da man nun dem prismatiſchen Pulverkorne 7 Durchlöcherungen giebt, ſo ſind in dem Untertheile 7 Stahlnadeln angebracht, welche ſich in der Richtung nach dem Mitteltheile bewegen laſſen. Durch den Druck, welcher von dem Obertheile ſowohl wie von dem Untertheile auf die Pulverkörner ausgeübt wird, erfolgt ein Zuſammenpreſſen der letzteren, woraus nothwendig ſich ergiebt, daß das Obertheil 7 Canäle enthalten muß, damit die mit zunehmender Preſſung emporſteigenden Nadeln in dieſelben eintreten können. Die prismatiſchen Pulverkörner beſitzen, wenn ſie unter die Preſſe kommen, in Rußland einen Waſſergehalt von 7 Proc. Sie werden 14 Tage lang einer Wärme von mehr als 320 C. ausgeſetzt, bis ihre Feuchtigkeit auf 1 Proc. herab— — 2· 108 Gepreßte Pulverſorten. geſunken iſt. In Spandau erfolgt das Trocknen bei 400 C. und iſt in 48 Stun⸗ den beendet. Dieſes ſchnellere Trocknen mag daher auch der Grund ſein, daß die Spandauer Pulverkörner eine durch den Salpeter hervorgerufene etwas grau— ſchwarze Farbe beſitzen, während die zu Ockta bei St. Petersburg angefertigten ſchwärzer ausſehen. Die Form, welche die prismatiſchen Pulverkörner nach dem Preſſen und Trocknen beſitzen, ergiebt ſich aus Fig. 14, wo eine Seitenanſicht gegeben iſt. Fig. 15 ſtellt die Vorderanſicht und Fig. 16 das Prisma im Längsdurchſchnitte dar. Die Pulverkörner ſind reguläre Säulen von ſechsſeitiger Grundfläche; der Fig. 15. Fig. 16. AnEmm. „ 40 mm. 3 Durchmeſſer der Grundfläche von einer Ecke bis zu der diametral gegenüberliegen— den gemeſſen beträgt 40 mm, die Höhe 24,8 mm. Von den der Länge nach durch das Prisma gehenden Canälen, 7 an der Zahl, liegt der mittlere in der Achſe, die anderen 6 zwiſchen dieſer und jeder der ſechs Ecken, jedoch letzteren etwas näher, wie aus Fig. 15 erſichtlich iſt, wo die Entfernungen angegeben ſind. Der Durchmeſſer dieſer Canäle beträgt in der Grundfläche 4,7 mm, an der oberen Fläche 4,2 mm. Hinſichtlich der Form ſei noch bemerkt, daß das ſechseckige Prisma vor der chlindriſchen Form den Vortheil hat, daß die Aneinanderlagerung der einzelnen pris— matiſchen Pulverkörner ſich viel leichter bewerkſtelligen läßt und man nicht ſo viele Zwiſchenräume erhält als bei der cylindriſchen Geſtalt, welche allerdings den Vor— theil gewährt, daß durch Stoß oder Druck nicht ſo leicht eine Verletzung der Pulver— körner vorkommen kann, wie dies bei den Kanten der prismatiſchen Form möglich iſt. Das abſolute Gewicht der zu Spandau fabricirten prismatiſchen Pulver— körner beträgt 37,5 g, derjenigen, wie ſie von Ritter zu Altenkirchen bei Hamm an der Sieg angefertigt werden, 40,5 g. Das ſpecifiſche Gewicht der prismatiſchen Pulverkörner iſt 1,66; in jüngſter Zeit hat man daſſelbe bis zu 1,74 und 1,76 erhöht, auch Verſuche angeſtellt, die ſieben Canäle durch einen Canal von 15 mm Durchmeſſer zu erſetzen. In England, wo man bis jetzt das prismatiſche Pulver noch nicht einge— führt hat, benutzte Armſtrong ſeit 1860 für ſeine Geſchütze grobkörniges Pulver, deſſen Körner etwa die Größe von Haſelnüſſen hatten— large grained rifle powder.— Um die Schnelligkeit der Verbrennung zu mäßigen, wurden die Körner in hölzernen Trommeln mit Graphit polirt. Die Größe der Körner iſt ſo bemeſſen, daß ſie auf einem Siebe von acht Maſchen pro 2,6 em liegen bleiben, dagegen durch ein Sieb von vier Maſchen pro 2,6 em hindurchfallen. Durch— ſchnittlich gehen 13000 Körner auf 0,454 Kg. E (Pebbl nerforn ganz gl von die man d kuchen hindure Die S tigkeit erzielte die Ga liche S man k genen Gewich Hinter ſo daß das G 9 commi kalibrit powde bei de preßter Maſch in Gel 2 meſſer, triebe ander Dicke driſche findet kann. unten werder ten w Stoßd oberfle und d laſſen Stemt un⸗ die au⸗ ten und iſt. itte der jen⸗ iach der vas Der ren der ris⸗ iele 'or⸗ bex⸗ iſt. ſer⸗ num ſter die ge⸗ jes red die iſt en, Gepreßte Pulverſorten. 109 Einige Zeit ſpäter wurden Verſuche mit ſogenanntem Kieſelpulver (pebble powder) angeſtellt, welches ſeinen Namen von der Aehnlichkeit der Kör— nerform mit gewöhnlichen Kieſelſteinen hat. In ſeiner Zuſammenſetzung iſt es ganz gleich dem grobkörnigen Pulver für gezogene Geſchütze und unterſcheidet ſich von dieſem nur durch ſeine Größe und Dichtigkeit. Man ſtellt es dar, indem man den Pulverſatz auf die Dichtigkeit von 1,8 zuſammenpreßt und den Pulver— kuchen in Stücke zerſchlägt, welche durch Siebe von 1,7 em Maſchenweite noch hindurchgehen, aber auf einem Siebe von 1,3 em Maſchenweite liegen bleiben. Die Stücke werden darauf in einer Polirtrommel mit Graphit polirt. Die Dich— tigkeit liegt zwiſchen 1,78 und 1,82. Nach vorläufigen Verſuchen iſt die hierbei erzielte Anfangsgeſchwindigkeit etwas größer ſogar als bei prismatiſchem Pulver, die Gasſpannung im Rohre aber ziemlich viel geringer als bei letzterem Pulver. Zur Beurtheilung dieſer Verſuche verdient bemerkt zu werden, daß ſämmt⸗ liche Schüſſe aus einem 2 di weiten Woolwich-Vorderlader geſchahen, ſo daß man hieraus noch keine beſtimmte Folgerungen auf den bei uns üblichen gezo⸗ genen Hinterlader ziehen darf, um ſo weniger als bei dem Vorderlader nur das Gewicht des Geſchoſſes in rotirende Bewegung zu verſetzen iſt, während bei unſerem Hinterlader vor allen Dingen der Bleimantel in die Züge gepreßt werden muß, ſo daß alſo ſchon von vornherein eine erhebliche Spannung nothwendig iſt, bevor das Geſchoß ſeinen Weg antreten kann. Neben dieſem Kieſelpulver hat man in England auf Vorſchlag der Pulver⸗ commiſſion und des Ordonance Select Committeée im Jahre 1867 für groß— kalibrige Geſchütze das gepreßte Pulver oder Cylinderpulver(pellet powder) eingeführt, da man die Beobachtung machte, daß die ſchweren Geſchütze bei der erforderlich ſchweren Ladung(mindeſtens 30 Kg) weniger von dem ge— preßten Pulver angegriffen wurden als von dem gewöhnlichen grobkörnigen. Zur Darſtellung dieſes Pulvers hat John Anderſon zu Woolwich eine Maſchine erfunden, welche jetzt in der königlichen Pulvermühle zu Waltham⸗Abbey in Gebrauch iſt. Die Maſchine beſteht aus einer Drehſcheibe von ungefähr 1,86 m Durch⸗ meſſer, welche in ihrer Peripherie gezahnt iſt und von der Hand durch ein Ge— triebe in Bewegung geſetzt wird. Die Scheibe enthält vier rechtwinklig zu ein⸗ ander und reſp. ſich gegenüberliegende runde Metallplatten von ungefähr 5,2 em Dicke und 0,46 m Durchmeſſer, deren jede mit 200 Kammern, d. h. eylin⸗ driſchen Löchern von 1,7 em Durchmeſſer verſehen iſt. Ueber jeder Kammer be— findet ſich eine bewegliche Stoßdecke, welche feſt gegen die Platte angedrückt werden kann. In die 200 Kammern greifen ebenſo viele Stempel ein, welche ſich nach unten verſchließen und durch eine hydrauliſche Preſſe von unten her emporgehoben werden können. Mit den Kammern je zweier einander gegenüber liegenden Plat— ten wird immer gleichzeitig dieſelbe Operation vollzogen. Sind die Abſperr- oder Stoßdecken gelüftet und die Köpfe der Stempel ungefähr 3,2 em unter der Platten⸗ oberfläche gehoben, ſo werden die Kammern mit Mehlpulver gefüllt, Fig. 17(f. S.), und darauf die Platten rein gekehrt. Sodann werden die Stoßdecken niederge— laſſen und feſtgeſtellt, ſo daß ſie die Kammern oben verſchließen und darauf die Stempel in die Kammern hineingetrieben, wodurch die vorher 3,4 em hohen ———* 110 Gepreßte Pulverſorten. Pulverſchichten bis auf 1,7 em zuſammengedrückt werden. Fig. 18. Nachdem dies geſchehen, lüftet man die Stoßdecken und hebt die Stempel weiter aufwärts bis zur Oberfläche der Platten, wobei ſie die nunmehr gebildeten Pulvercylinder aus den Kammern herausdrücken. Fig. 19. Man läßt die Drehſcheibe darauf eine Viertelumdrehung machen und kehrt dann die Pulvercylinder von den beiden Kammerplatten ab, während die beſchrie— bene Operation nun bei den beiden anderen Kammerſyſtemen ausgeführt wird. Die Preſſung beträgt 512,5 Kg auf 6,84 Qem, mit Berückſichtigung der Rei— bung etwa 500 Kg. Die Maſchine wird von drei Arbeitern bedient. Das Korn des gepreßten Pulvers iſt ein flacher Cylinder, deſſen eine Grund— fläche in der Mitte eine Aushöhlung in Geſtalt eines abgeſtumpften Kegels hat. Der Durchmeſſer des Cylinders beträgt 18 mm, ſeine Höhe 12 mm, und die Tiefe der Aushöhlung 6mw. Das ſpecifiſche Gewicht liegt zwiſchen 1,65 und 1,7; das abſolute Gewicht beträgt 6,43 g. Das gepreßte Pulver brennt lang⸗ ſamer zuſammen als das gewöhnliche grobkörnige Pulver und iſt daher weniger offenſiv. Nach engliſchen Verſuchen iſt ſeine Anfangsgeſchwindigkeit größer als die des grobkörnigen Pulvers und die Gasſpannung um die Hälfte geringer. beſtin direct Zwee gefor— nung Han Folg mit unten nach ſ2teckt Dief in ei Hine Oeff Verpacken. dem ärts uder XI. Das Verpacken. ehrt Das Verpacken des Schießpulvers geſchieht in Pulvertonnen, in welche eine hrie⸗ beſtimmt abgewogene Menge geſchüttet wird. Das Abwiegen geſchieht entweder hird. direct in die tarirte Tonne oder wie in Spandau auf einer beſonderen, zu dieſem Rei⸗ Zwecke conſtruirten Wage. Die Stelle der einen Wageſchale vertritt ein coniſch geformter Blecheylinder, welcher oben zum Einſchütten eine trichterförmige Oeff— nung beſitzt und an ſeinem unteren Ende in eine mit einem Deckel verſchließbare 19. Tülle ausmündet. Die andere Wagſchale wird durch ein Gewicht erſetzt, welches den Blecheylinder im Gleichgewicht zu halten beſtimmt iſt. Dieſes Gewicht wird in einen Haken gehängt; ein daneben befind⸗ licher zweiter Haken dient dazu, dasjenige Gewicht aufzunehmen, welches die Menge des Pulvers beſtimmt, das in die Tonne geſchüttet werden ſoll. Wenn man alſo, wie z. B. in Spandau, 52,5 Kg Pulver verpacken will, ſo werden die beiden Ge— wichte angehängt, der Deckel an der Tülle wird verſchloſſen und nun in den Cylinder ſo lange Pul ver eingeſchüttet, bis Gleich— gewicht eintritt. Darauf wird der Deckel geöffnet und das Pulver fließt in die unter⸗ ſtehende Tonne. In Dresden werden in jede Tonne 50 Kg Pulver abgewogen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde in Deutſchland das Pulver in Ton⸗ nen gepackt, welche mit Leinöl angeſtri— chen waren, um dadurch das Pulver vor Feuchtigkeit zu ſchützen. Im Jahre 1780 machte man in dieſer Beziehung in Hannover einen intereſſanten Verſuch, der aber von keinen weiteren praktiſchen Folgen begleitet war. Gefüllte Pulvertonnen wurden mit ſtark geleimtem und mit Alaun getränktem Pelien verklebt, in Pech getaucht und einen Monat lang und⸗ Fig. unter Waſſer aufbewahrt. Das Pulver blieb unverſehrt. hat. In demſelben Jahre 11 in Preußen eine Verordnung erlaſſen, wo— d die nach das Pulver zuerſt in Zwillichſäcke geſchüttet und dieſe in eine Tonne ge— und ſteckt, welche ihrerſeits wieder in eine etwas größere Tonne geſetzt werden ſollte. ang Dieſe Art zu verpacken kam aber bald ab und ſchüttete man das Pulver direet niger in eine Tonne, von deren Dichtigkeit man ſich dadurch überzeugte, daß man beim als Hineinſehen von einem etwas dunklen Raume aus gegen das Licht nicht die kleinſte Oeffnung bemerken durfte. Da nun nach dem Füllen der Tonne die oberen Rei— 9 08 — 2x— 112 Verpacken. fen ſämmtlich gelüftet, zum Theil ſogar abgenommen werden, damit der Auf⸗ ſchlageboden eingeſetzt werden kann, ſo dehnen ſich die Dauben etwas aus und die entſtehenden Oeffnungen werden durch Pulverkörner ſofort ausgefüllt, welche beim Zuſchlagen der Tonne zerquetſcht werden. Kommt nun ein Körnchen Sand oder ſonſt ein als Holz feſterer Körper hinzu, ſo kann durch den Schlag mit den Holz— hämmern eine Entzündung geſchehen. Aus dieſem Grunde wird heut zu Tage in den Staatsfabriken Deutſchlands das Pulver zuerſt in einen Sack geſchüttet und dieſer darauf in die Pulvertonne hineingeſetzt. In Betreff der Tonnenreifen verdient noch bemerkt zu werden, daß nach angeſtellten Verſuchen geſchälte weidene Reifen den Vorzug vor ungeſchälten verdienen, indem bei erſteren der Wurmfraß faſt gar nicht oder doch nur höchſt ſelten vorkommt. Deshalb ſollen z. B. in Preußen nur geſchälte weidene Reifen verwendet werden und zwar ſo viel als möglich ſolche, welche aus im Winter geſchnittenen Stöcken hergeſtellt ſind, weil dieſe eine größere Dauer beſitzen als die im Sommer geſchnittenen. Sind die Säcke mit Pulver gefüllt, ſo werden ſie zugebunden und in die Pulvertonnen geſetzt, welche ſodann mit hölzernen Hämmern zugeſchlagen werden. Diejenigen Tonnen, welche Gewehrpulver enthalten, werden in preußiſchen Staatsfabriken auf dem Boden der Tonne mit einer gelben Etiquette, diejenigen, welche Geſchützpulver enthalten, mit einer rothen Etiquette verſehen. Auf der be— treffenden Etiquette wird darauf das eubiſche Gewicht, das Jahr und der Ort der Fabrikation, die Nummer der Lieferung bemerkt und unter den Fabrikationsort der Stempel der Pulverprobirungscommiſſion gedrückt. Beim Verpacken der prismatiſchen Pulverkörner fällt der Sack weg und an die Stelle der Tonne tritt ein etwa 6 dm langer, 3 dm breiter und ungefähr 1,5 din hoher Kaſten, welcher 50 Kg Prismen faßt. Bei Beginn des Verpackens wird an eine der ſchmalſten Seiten des Kaſtens eine Filzplatte angelegt, die Pris— men werden alsdann in den Kaſten hineingelegt, ſo daß ſie feſt an einander lie— gen. Sowie die letzte Reihe eingepackt iſt, wird über dieſelbe der ganzen Länge nach eine zweite Filzplatte gebreitet und dann der Deckel aufgeſchraubt. Die Filz—⸗ platten haben den Zweck, eine Bewegung der Prismen und ſomit ein Abſtoßen der Prismenkanten zu verhindern. Das für die Marine beſtimmte Pulver wird in hermetiſch verſchloſſenen, kupfernen Kiſten transportirt. In Oeſterreich wird das Kriegspulver auf dieſelbe Weiſe verpackt wie in Preußen. Die Zwillichſäcke ſind 0,9 mn breit und etwa 1 melang. Die Pulver⸗ fäſſer, welche 100 Kg halten, haben 0,7 m Höhe und 0,5 mim größten Durch— meſſer, beſtehen aus 23 Dauben und 2 Böden mit 12 hölzernen Reifen. Man hat auch Fäſſer von 50 Kg Inhalt, jedoch ſelten. In Frankreich wurde im 17. Jahrhundert das Pulver auf dieſelbe Weiſe verpackt, wie dies heut zu Tage bei uns geſchieht. Zu Anfang des vorigen Jahr— hunderts(1704) wurden ſtatt der Säcke Tonnen eingeführt. Die eigentliche Pulvertonne(baxil) war im Innern mit Leinwand gefüttert und wurde nach dem Füllen mit 50 Kg Pulver in eine zweite Tonne(chappe) geſtellt. Dieſe Art von Verpackung hat man bis heute beibehalten. Das eigentliche Pulverfaß hat 0,6 m Höhe, im größten Durchmeſſer 0,45 m und beſteht aus 14 Dauben, die an den Bö Zahl, u bunden entſprich Auf ein bemerkt, mittlere hergeſte 8 2 in cylin aufnehn in Kaſt 5 wandſä übrigen F hölzerne durch kr Verpack bewahrt kupfer möchten J Tonner ganzen der To ration Pulver— U gen Se zu ände gemeng lichen N erfolge. keit der feſt zuf A angeſte Graph Menge förmige hohen und G einer J Das an ihr n is⸗ lie⸗ ige ilz⸗ zen in er⸗ ch⸗ an iſe hr⸗ che ach 'eſe 6 en, Verpacken. 113 die an beiden Enden 0,013 m und in der Mitte 0,01 m dick ſind. Die bei⸗ den Böden ſind aus je drei Theilen zuſammengeſetzt. Die Reifen, 12 an der Zahl, umgeben das Faß in der Weiſe, daß jedesmal je drei Reife zuſammenge— bunden ſind. Nachdem man ſich überzeugt hat, daß das Faß allen Anforderungen entſpricht, wird es zugeſchlagen und in das größere, zweite Faß hineingeſtellt. Auf einem Boden der äußeren Tonne wird das Jahr und der Ort der Anfertigung bemerkt, die Art des Puloers(P. C. oder P. M. poudre à canon, à mousquet), die mittlere Wurfweite und mittlere Anfangsgeſchwindigkeit. Iſt das Pulver wieder⸗ hergeſtellt, ſo deutet man dies durch den Buchſtaben R(radoubée) an. Das Jagdpulver wird in Büchſen von Weißblech, die 1Kg enthalten, oder in cylindriſchen Papierhülſen mit einer Bleifütterung, die 500, 200, 100 und 50g aufnehmen, aufbewahrt. Dieſe Büchſen und Hülſen werden behufs Transports in Kaſten zu 25 Kg oder auch in Tonnen verpackt. Das Pulver zu den Minen und für den auswärtigen Handel wird in Lein— wandſäcke geſchüttet, dieſe werden in eine Tonne geſteckt, welche nicht wie beim übrigen Pulver von einer zweiten umgeben iſt. Für das Schiffspulver fütterte man zu Anfang dieſes Jahrhunderts die hölzernen Kiſten mit Blei aus, wählte aber 1820 Kupferkaſten, welche in hölzerne durch kupferne Schrauben zuſammengehaltene Kaſten eingeſetzt werden. Bei dieſer Verpackung hat man die Beobachtung gemacht, daß das Pulver bei längerer Auf— bewahrung an den Wänden des kupfernen Kaſtens eine Kruſte von Schwefel— kupfer abſetzt, weshalb Oberflächen von Zink oder Zinn wohl vorzuziehen ſein möchten. In England wird nach Pichat's Methode(1810) das Pulver in die Tonnen, welche doppelten Boden und kupferne Reifen haben, nur zu /20 des ganzen Raumes angefüllt, weil man glaubt, daß das Pulver durch das Umrollen der Tonnen mehr vor dem Zuſammenballen geſichert werde, weshalb dieſe Ope— ration auch alljährlich auf dem mit ſtarkem Sohlleder bezogenen Fußboden des Pulvermagazines vorgenommen wird. Um die Gefahr zu beſeitigen, welche mit der Aufbewahrung größerer Men— gen Schießpulver verbunden iſt, hatte Piobert 1840 empfohlen, die Verpackung zu ändern, ſtatt der reinen Pulverköner dieſelben mit ſehr feinem Pulverſtaube gemengt in die Tonnen zu ſchütten, weil, wenn alle zwiſchen den Körnern befind⸗ lichen Räume mit Staub angefüllt, die Fortpflanzung des Feuers nur ſehr langſam erfolge. Nach ſeinen Unterſuchungen beträgt in dieſem Falle die Geſchwindig⸗ keit der Verbrennung nur 0,018 bis 0,30 m in der Secunde, je nachdem die Maſſe feſt zuſammen gedrückt iſt oder nicht. Auf Grund dieſer Andeutungen hat Fadéieff eine Reihe von Verſuchen angeſtellt, denen zufolge er nachſtehendes Verfahren empfiehlt. Holzkohle und Graphit werden fein gepulvert mit einander vermiſcht, ſodann mit der doppelten Menge Schießpulver in Tonnen innig vermengt und darauf in möglichſt cylinder⸗ förmige Pulvertonnen derart gefüllt, daß der Boden des Faſſes mit einer 5 bis 6em hohen Schicht von Kohlengraphit, wie der Kürze wegen das Gemenge aus Kohle und Graphit bezeichnet werden ſoll, bedeckt iſt. Dieſe Unterlage wird mit Hülfe einer Preſſe zuſammengedrückt und darauf die Tonne mit dem gemengten Pulver Das Schießpulver. 8 114 Verpacken. faſt ganz angefüllt. Die Maſſe wird jetzt noch einmal zuſammengepreßt, mit einer Schicht Kohlengraphit überdeckt und die Tonne darauf zugeſchlagen. Der Graphit verleiht der ganzen Maſſe plaſtiſche Eigenſchaften, welche das Gemenge compacter machen, ſo daß ſich die Pulverkörner nur ſehr ſchwer durch den Stoß abſondern. Das Pulver wird durch dieſe Verpackung nicht allein ſchwer entzündlich, ſondern brennt auch nach der Entzündung langſam und ohne alle Exploſion ab. Eine Pulvermaſſe von 32 Kg(den Kohlengraphit nicht einbegriffen) brauchte zum gänzlichen Verbrennen 67 bis 75 Secunden. Die Feuergarbe, welche der Mün— dung der Tonne entſtieg, war 1,50 bis 2m lang. Man konnte ohne irgend eine Gefahr neben der Tonne ſtehen bleiben und nach vollendeter Verbrennung erwies ſich das Pulverfaß als noch vollkommen brauchbar. Bei dieſen Verſuchen bemerkte Fadéieff auch noch, daß ſolches mit Kohlen⸗ graphit gemengtes Pulver viermal weniger Feuchtigkeit aufnimmt als ein gleiches Gewicht reines Pulver. Das ſo verpackte Pulver wird vor dem Gebrauche durch Siebe von ſeiner Beimengung befreit, während das abgeſiebte Gemenge wieder zu gleichem Zwecke verwendet werden kann. Ein anderes Verfahren, welches am 20. Juni 1866 von Seiten des Feld⸗ zeugamtes in London einer ſorgfältigen Prüfung unterworfen wurde, ſchlug Gale vor. Hiernach erhitzt man ordinäres Glas bis zum Weißglühen, taucht es dann in kaltes Waſſer, wodurch es bekanntlich an Elaſticität verliert, verwandelt es in ein feines Pulver und miſcht dieſes mit dem Schießpulver im Verhältniß von 2: 1 oder 3: 1 oder 4: 1, je nachdem man Schießpulver bloß nichterploſiv oder geradezu unbrennbar machen will. So gemengtes Pulver kann ohne die geringſte Gefahr transportirt, ja ſogar in das Feuer geworfen werden. Um es wieder brauchbar zu machen, wird es geſiebt. So empfehlenswerth nun dieſe beiden Methoden auch im Allgemeinen ſein mögen, ſo ſprechen doch gegen die praktiſche Anwendung derſelben folgende Bedenken. Im Falle eines ſchleunigen Bedarfes, alſo ganz insbeſondere bei Ausbruch eines Krieges, erfordert das Ausſieben ſo viel Arbeit, daß dazu nicht immer Zeit und Kräfte genug vorhanden ſein werden. Dieſe Arbeit aber ſteigert die Gefahr weit mehr, als ſie früher durch das aufbewahrte Gemenge vermieden wurde. In Betreff des Verfahrens von Fadéieff iſt noch ganz beſonders hervorzuheben, daß der Graphit die Pulverkörner überzieht; das Pulver wird nach dem Ausſieben dadurch weit langſamer zuſammen brennen und daher namentlich für das kleine Gewehr weniger wirkſam. Wenn nun auch, wie Fadéieff behauptet, das hygroſkopiſche Kohlengemenge bei mehrtägiger Aufbe—⸗ wahrung vortheilhaft iſt, ſo wird ſich doch bei Jahre langer Aufbewahrung das Verhältniß ganz anders geſtalten, indem die Kohle allmählich an das Pulver die Feuchtigkeit, wenigſtens zum größeren Theile, abtreten wird, wie dies ja bei der innigen Miſchung gar nicht anders möglich iſt. große beſtin die 2 nagel brine von hinde pflan Tele⸗ widri der brach hat 1 die 9 hoch Höhe Len das an d bewi bewe Dief noch ratu ſchle ande mit Der nenge Stoß idlich, n ab. zum Mün⸗ irgend mung ohlen⸗ eiches ſeiner zwecke Feld⸗ ſchlug dann es in von ploſiv ie die Im es nſein enken. h das 6ieff t; das n und h, wie Aufbe⸗ g das er die ſei der Pulvermagazine. XII. Die Pulvermagazine. Nach dem Verpacken wird das Pulver in die Magazine gelagert. Wegen der großen Gefahr von Exploſionen müſſen dieſelben außerhalb der Stadt in einer beſtimmten Entfernung von bewohnten Gebäuden liegen. Man baut die Pulvermagazine entweder aus Stein oder, was noch beſſer iſt, aus Holz und bedeckt ſie mit einer leichten Dachbekleidung. Die Geſtalt des Magazines iſt in der Regel viereckig, der Boden gedielt. Die inneren Wände ſind häufig mit Strohdecken belegt, um die Trockenheit des Raumes zu fördern. Der Eingang iſt gewöhnlich von Oſten. Die Thür, welche durch ein Wetterdach geſchützt iſt, beſteht aus zwei Flügeln, ebenſo wie die Fenſter. In Schweden ſind die Pulvermagazine meiſtens aus Stein gebaut. In die Wände ſind dicke Holzzapfen eingeſetzt, welche nach innen vorſtehen. Auf dieſe nagelt man Bretter, haut auf der inneren Fläche dieſer Bretter Späne ein und bringt einen Kalkanwurf darauf, der ſehr feſt hält. Das Magazin iſt von einem Graben umgeben, welcher ſeinerſeits wieder von einem hohen Erdwalle begrenzt iſt. Um das Einſchlagen des Blitzes zu ver⸗ hindern, ſind in der Nähe mehrere Blitzableiter angebracht. An manchen Orten pflanzt man hohe Bäume, welche dann die Blitzableiter erſetzen. In Frankreich ſoll auf Grund eines Berichtes der pariſer Akademie die Telegraphenlinie wenigſtens 100 m von einem Pulvermagazine entfernt ſein, widrigenfalls die Telegraphendrähte unterirdiſch zu legen ſind. In der Nähe der unterirdiſchen Leitung ſoll ein Blitzableiter von 15 bis 20 m Höhe ange— bracht ſein. Um das Eindringen von Feuchtigkeit in das Innere des Raumes abzuhalten, hat man verſchiedene Vorſichtsmaßregeln getroffen. Enthält der Untergrund Waſſer, ſo daß dieſes vermöge Capillarwirkung in die Mauern hinaufſteigen kann, ſo bedeckt man die Mauern, wenn ſie ungefähr Im hoch über dem Boden aufgemauert ſind, in jedem Falle aber etwas über der Höhe des Fußbodens des Magazines mit einer dicken Bleiplatte, welche etwa Uem aus dem Abputz hervorragt und nach unten etwas umgebogen iſt, damit das Waſſer ſich darauf nicht ſammeln kann, und mauert dann erſt weiter. Kommt die Feuchtigkeit von außen her durch große Regenmengen, welche an die äußeren Mauerwände ſchlagen, ſo begegnet man dieſer durch einen Trocken⸗ bewurf an den inneren Wänden. Nachdem man letztere mit Hülfe eines leicht beweglichen Ofens getrocknet hat, bewirft man die Wände mit dem Trockenbewurf. Dieſer beſteht aus 1 Thl. Bleiweiß vertheilt in 10 Thle. Leinöl, welchem man noch 2,2 Thle. Wachs oder 13 Thle. Harz beigefügt hat. Rührt die Feuchtigkeit aus der Luft her, welche ſich bei der niederen Tempe⸗ ratur im Inneren des Magazines niederſchlägt, ſo verſieht man die Mauern mit ſchlechten Wärmeleitern und ſetzt in den Raum ſelbſt Töpfe mit Kalk oder anderen Waſſer in ſich aufnehmenden Körpern, wobei man aber nicht außer Augen 8⁰⁴ 116 Pulvermagazine. laſſen darf, daß dieſe Körper bei ſehr trockener Luft wieder Feuchtigkeit an die Atmoſphäre abgeben. Im Allgemeinen iſt nichts geeigneter ein Magazin vor Feuchtigkeit zu ſchützen, als es oft bei heiterem und trockenem Wetter zu lüften. Thür und Fenſter öffnet man nach Sonnenaufgang und ſchließt ſie wieder vor Sonnenuntergang. Die Pulverfäſſer werden in einiger Entfernung von der Wand in Reihen aufgeſtellt und zwar ſtapelt man von den auf Realen liegenden Fäſſern in der Regel 3 bis 4 über einander. Pulver von derſelben Sorte pflegt man zuſammen— zulegen. Die Fäſſer müſſen ſo angeordnet ſein, daß man die auf dem Boden der ſelben angebrachten Etiquetten von dem Zugange aus deutlich ſehen kann. In Schweden ruhen die Pulverfäſſer nicht über einander, ſondern jede Reihe wird von hölzernen, in der Wand befeſtigten Stützen gehalten. Das Betreten des Magazines erfolgt in Filzſchuhen. Die Benutzung von Licht ſucht man möglichſt zu vermeiden; da aber dieſe nicht immer zu umgehen iſt, ſo hat man beſondere Laternen conſtruirt. Die Laterne iſt äußerlich von einem ſtarken Drahtnetze umgeben und hat oben wie unten eine durch eine Klappe geſchloſſene Oeffnung. Nach dem Oeffnen der oberen Klappe kann der auf den Glascylinder geſcho— bene, deſſen oberen Rand umfaſſende Deckel und hierauf leicht der Glascylinder herausgenommen werden. Nach dem Oeffnen der unteren Klappe läßt ſich die in der Laterne befindliche Lampe ſo drehen, daß die beiden an ihrem unteren Rande befindlichen Lappen in zwei für ſie paſſende Ausſchnitte im Boden der Laterne treten, worauf die Lampe herausgenommen werden kann. Beim Einſetzen der letzteren wird dieſelbe ſo in die für ſie beſtimmte Oeffnung gebracht, daß die an ihr befindlichen Lappen durch die dieſen entſprechenden Ausſchnitte hindurchgehen, dann um ſo viel umgedreht, daß ſie feſten Halt in der Laterne gewinnt und hierauf die untere Klappe geſchloſſen. Befindet ſich Oel in der Lampe, ſo darf die La⸗ terne nicht in eine zu ſtark geneigte Lage gebracht werden. Das Anzünden der Laterne muß an einem durchaus gefahrloſen Orte ſtattfinden. Vor dem Hineinbringen in das Magazin wird die angezündete Laterne mit einem kleinen Meſſingſchloſſe, deſſen Schlüſſel ſich beim Aufſeher befindet, verſchloſſen. Beim Gebrauche in der Nähe von Pulver muß ſie an einem ſicheren Orte aufgehängt werden. Zum Schutze der Pulvermagazine auf Kriegsſchiffen hat William Newton eine Sicherheitsvorrichtung angegeben, welche darin beſteht, daß bei ausbrechen— dem Feuer durch die Hitze Guttaperchacylinder ſo weich werden, daß dadurch die Hähne von Röhren, welche mit dem Meerwaſſer in Verbindung ſtehen, geöff net werden und ſo das Magazin unter Waſſer geſetzt wird. XIII. Das Umrütteln. u In Frankreich wird alle Jahre einmal das Pulver auf ſeine Feuchtigkeit unterſucht und zu dieſem Zwecke in den Magazinen umgerüttelt. Man verfährt hierbei folgendermaßen. Die Pulvertonnen werden auf dem Boden des Maga⸗ zines, welcher mit Haardecken bedeckt iſt, gerollt. Vernimmt man gar keinen Ton iſt de Pulo. als f˖ 6 bie trockn meng Tonr vollſt urſpr umge S alp ſich z hältr zu un Ober ſofor 2 Fäll geeig Dar 113 kleii weg daß wir nich tra ein un n die ützen, enſter gang. deihen in der ümen⸗ n der Reihe Licht t man htnetze Fnung. geſcho linder die in Rande aterne en der die an gehen, hierauf ie La⸗ zünden rdem kleinen Beim ehängt wton rechen— adurch geöff tigkeit erfährt Ma ga⸗ keinen Umrütteln.— Transport. Ton oder nur einen gedämpften, ſo darf man auf Feuchtigkeit im Pulver ſchließen; iſt der Ton ungleich, untermiſcht mit Stößen, ſo deutet dies auf geklümptes Pulver; iſt der Ton jedoch rein und gleichartig, ſo iſt das Pulver gut. Das als feucht erkannte Pulver wird, wenn ſein Feuchtigkeitsgehalt nicht mehr wie 6 bis 7 Proc. beträgt, ebenſo wie die betreffenden Pulvertonnen an der Luft ge⸗ trocknet und nach dem Ausſtäuben wieder verpackt. Hat ſich das Pulver zuſam⸗ mengeklümpt, ſo zertheilt man die Klümpchen mit der Hand, ſchüttet es, wenn die Tonne feucht iſt, in eine trockne und rüttelt es hin und her, um die Klümpchen vollſtändig zu zertheilen. Solch' hergerichtetes Pulver wird nicht wieder an ſeinen urſprünglichen Platz gebracht, ſondern wenn es unten lag nach oben geſtellt und umgekehrt. Beträgt die Feuchtigkeit des Pulvers mehr als 7 Proc. o wird das Pulver von Neuem geſtampft, nachdem man daß die Miſchungsver⸗ oder beginnt der Salpeter auszuwittern, f ſich zuvor durch eine quantitative Analyſe überzeugt hat, hältniſſe ſich nicht geändert haben. ſtimmen, nimmt man drei Proben von dem Um den Feuchtigkeitsgrad zu be zu unterſuchenden Pulver, eine von dem Boden, eine aus der Mitte und eine von der Oberfläche der Tonne, miſcht dann ſorgfältig die Proben und wägt davon 5 g ſofort und nach dem Trocknen wieder. In Preußen erfolgte das Pulverſonnen früher in einem Turnus von 2 zu 2 Zahren, findet aber jetzt in einem Turnus von 8 bis 10 Jahren ſtatt in allen Fällen, wo die Aufbewahrungslocale trocken und zur guten Erhaltung der Beſtände geeignet ſind. XIV. Der Transport. Ehe man die Pulvertonnen aufladet, werden dieſelben ſorgfältig auf ihre Dauerhaftigkeit und ihr Gefüge unterſucht. Bei einem Trausporte zu Land über 113 Km und zur See wird der letzte Reifen an jedem Ende der Tonne mit drei kleinen meſſingenen Nägeln befeſtigt. Waſſertransport iſt dem Landtransporte wegen der geringeren Gefahr ſtets vorzuziehen, obſchon letzterer der häufigere iſt. 1. Der Transport zu Land. Wird das Pulver auf Wagen geladen, ſo werden die Tonnen derart geſtellt, daß gar keine Reibung unter den einzelnen Tonnen ſtattfinden kann. Der Wagen wird mit Zelttuch überdeckt und mit einem ſchwarzen Fähnchen verſehen. Beſteht ein Friedenstransport aus einer beträchtlichen Anzahl Landwagen, welche nicht mehr als 600 Kg geladen haben, ſo werden 2 bis 3 Wagen wie beim Kriegs⸗ transporte zu einer Gruppe vereinigt. Die einzelnen Wagen ſollen 40 Schritt von einander entfernt ſein und die Pferde nur im Schritt gehen; läßt ſich ein Pflaſter umgehen, ſo muß dies geſchehen. Wenn die zum Pulvertransporte benutzten Straßen von Eiſenbahnen durch⸗ ſchnitten werden, ſo hat 400 Schritt vor dem Uebergange der Transport Halt 118 Transport zu Lande. zu machen. Iſt nach den von dem Transportführer bei dem nächſten Eiſenbahn⸗ beamten eingezogenen Erkundigungen noch eine Viertelſtunde Zeit bis zur Ankunft des nächſten Zuges, ſo ſetzt ſich der Transport aufgeſchloſſen in Bewegung und nimmt nach 400 Schritten jenſeits des Bahnkörpers wieder ſeine frühere Ent— fernung an. Kommt jedoch der Zug ſchon vor einer Viertelſtunde an, ſo wartet der Transport und fährt erſt dann weiter, wenn der Führer ſich überzeugt hat, daß keine brennenden Kohlen auf den Weg gefallen bzw. daß dieſelben ausge— löſcht ſind. Nähert ſich eine Eiſenbahn der Landſtraße an einzelnen Stellen mehr als auf 400 Schritt oder laufen beide eine Strecke neben einander in ſolcher Nähe, ſo gilt daſſelbe, wie oben angegeben. Im Falle eines unerwarteten Aufenthaltes z. B. durch Brechen eines Wagentheils muß, wenn der Transport näher als 400 Schritt von der Eiſenbahn ſich befindet, der davon in Kenntniß geſetzte Eiſenbahnbeamte dem etwa heran— nahenden Zuge ein Haltſignal geben. Iſt der Aufenthalt beſeitigt, ſo paſſirt zunächſt der Transport die betreffende Stelle und dann erſt der Dampfwagen. Beſteht ein Kriegstransport aus reglementmäßigen Munitionswagen, ſo können letztere vermittelſt eines Dampfzuges auf der Eiſenbahn fortgeſchafft werden. Hierbei werden zwei Protzen oder Munitionswagen, ohne daß die Deichſeln heraus— genommen werden, auf einem offenen Eiſenbahn⸗Transportwagen und zwei Protzen oder ein Munitionswagen in einem bedeckten Güterwagen ſicher untergebracht, die Räder der aufgeladenen Fuhrwerke durch Kreuzholz gehemmt und die nöthigen Maßregeln zur Beaufſichtigung und Vermeidung von Feuersgefahr beobachtet. In Nordamerika hat man für den Transport auf Eiſenbahnen beſondere Wagen eingerichtet. Der Wagen beſteht aus einem viereckigen Kaſten von dickem Keſſelblech. Das Innere des Kaſtens iſt mit eichenen Bohlen bekleidet, die am Boden 5,2 em, an den Wänden und der Decke aber nur 3,9 em dick ſind. Die Bohlen werden an den beiden Enden vertical geſtellt, damit ſie dem Seitendrucke der vollen Tonnen den nöthigen Widerſtand leiſten. In der Mitte der Decke befindet ſich zum Verpacken eine Oeffnung von 0,68 m Länge und 0,62 m Breite im Lichten. Zur Schließung derſelben wird das Eiſenblech der Decke an dieſer Stelle 5,2 em hoch aufgebogen und der um eben ſoviel nach unten gebogene Deckel enthält einen 6,5 em breiten Kranz, unter welchen ein 6,5 mm dicker Streifen aus vulcaniſirtem Kautſchuk gelegt wird, der genau zwiſchen den Deckel und die Decke paßt. Der Deckel wird mit Hülfe von Schrauben befeſtigt und außerdem mit einem Vorhängeſchloſſe verſehen. Die Achſen der Räder ſind, 5,2 bis 7,8 em dick und werden mittelſt zwei Bändern oder Bügeln an die Kaſten genietet. Die Enden der Achſen ſind auf einen Durch— meſſer von 655 om abgedreht; auf dieſelben werden die Näder aus Pockholz ge— ſteckt, welche 3Zdm Durchmeſſer und 1,04 dm Dicke haben. Ein mittelgroßer amerikaniſcher Stehwagen nimmt drei ſolcher Pulverwagen auf, die quer in den— ſelben geſtellt werden. Jeder Kaſten hat Raum für 80 Pulvertonnen. Alle Nieten und Bolzen ſind aus Bronze angefertigt. Umf Auf weif Feu d. h Sch das nbahn⸗ lnkunft ig und e Ent⸗ wartet gt hat, ausge⸗ hr als Nähe, eines enbahn heran⸗ paſſirt gen. jen, ſo werden. heraus⸗ Protzen cht, die öthigen tet. ſondere dickem bie am Die udrucke ig von wird ſer um unter wird, Hülfe Die ändern Durch⸗ z ge⸗ großer n den⸗ Alle Transport zu Waſſer. 2. Der Transport zu Waſſer. Zedem Fahrzeuge werden die nöthigen Geräthſchaften zum Transport und Umſchütten des Pulvers, zur Ausbeſſerung der Tonnen u. ſ. w. mitgegeben. Auf der an jedem Fahrzeuge angebrachten ſchwarzen Flagge befindet ſich ein weißes großes P. Alle dem Transporte begegnenden Kähne müſſen das auf denſelben befindliche Feuer auslöſchen. Ein ſich näherndes Dampfſchiff muß immer über dem Winde, d. h. an der Seite paſſirt werden, woher der Wind kommt, damit der aus dem Schornſtein kommende Rauch und die etwa darin befindlichen Funken nicht auf das Puloerſchiff niederfallen. Schleuſen werden gleichzeitig mit ſo viel Pulverfahrzeugen als die Größe der erſteren geſtattet, aber nicht gleichzeitig mit anderen Schiffen paſſirt. Wird die Waſſerſtraße von einer Eiſenbahn durchſchnitten, ſo kann der Trans⸗ port nur dann die Brücke paſſiren, wenn der nächſte Zug erſt in einer halben Stunde ankommt. Im Uebrigen gilt daſſelbe wie für den Landtransport. U —.ĩ—r—rꝛj.—rj¼%—57ðN888ñ ⸗ Die Eigenſchaften des Schießpulvers. In der Praxis wird es gewöhnlich ſo gehalten, daß ſofort nach dem Vermengen des Pulvers eine Prüfung auf die Eigenſchaften des fabricirten Pulvers ſtattfindet. Wenn nun an der benannten Stelle der vorliegenden Schilderung auf die fragliche Unterſuchung nicht eingegangen iſt, ſo geſchah dies lediglich aus dem Grunde, weil bei jener Prüfung nicht auf ſämmtliche Eigenſchaften des Pulvers Rückſicht genommen wird. Es wäre ſomit ſtets auf ſpätere Capitel zu verweiſen geweſen, ſo daß dadurch der Geſammtüberblick über die Eigenſchaften des Pulvers erſchwert und eine ſcharfe Trennung zwiſchen der Technik der Pulverfabrikation und dem darauf folgenden mehr theoretiſchen Theile unmöglich geworden wäre. Hinſichtlich der Anordnung des Stoffes dürfte es wohl als zweckmäßig er— ſcheinen, zuerſt die phyſikaliſchen und dann die chemiſchen Eigenſchaften des Schieß— pulvers abzuhandeln. I. Die phyſikaliſchen Eigenſchaften des Pulvers. Bei den phyſikaliſchen Eigenſchaften des Pulvers kommen in Betracht: 1. Die Farbe. Gutes Schießpulver ſoll eine vollkommen gleichmäßige Schieferfarbe beſitzen. Geht die Farbe ins Bläulichſchwarze oder ganz ins Dunkle, ſo enthält es zu viel Kohle oder es iſt zu feucht. Ebenſo darf ſich auch, ſelbſt an zerriebenem Pulver, nicht die geringſte Verſchiedenheit der Farbe, auch nicht dem bewaffneten Auge zeigen; es dürfen ſich nicht dem Gefühle ſcharfe Theile wahrnehmen laſſen; erſte— res würde auf ungleiche Miſchung, letzteres auf nicht hinlängliche Zerkleinerung der Beſtandtheile deuten. Einzelne ſchimmernde Punkte oder weißliche Flecken zeigen an, daß durch Feuchtwerden und darauf folgendes Trocknen Salpeter aus dem Pulver ausgewittert iſt, wodurch ebenfalls die gleichmäßige Miſchung ge— ſtört wäre. Boger 8 eine“ wenn ſchied auf je (ſ. S und dem verſie pulve iſt do den 1 keit d und! von Gew näm Gen tigke atmo ſpeci ſchlie fiſche riſch. ermi Eigenſchaften. 2. Der Staubgehalt. ———ͤ— Das Pulver darf nicht abfärben, wenn man es über die Hand oder einen Bogen Papier laufen läßt, widrigenfalls das Pulver zu viel Feuchtigkeit oder eine Beimengung von Mehlpuloer beſitzt. Letzteres läßt ſich ſehr leicht ermitteln, wenn man das Pulver auf einem Staubſiebe ſiebt. —— 3. Die Körnergröße. Die Körner müſſen die vorgeſchriebene Größe haben und darin nicht zu ver— ſchieden ſein. Bei der Unterſuchung auf die Körnergröße werden in Preußen auf jedes von zwei einander gegenüberliegenden Sieben des letzten Sortirapparates (ſ. S. 103) 2,5 Kg Pulver geſchüttet und mit 120 Stößen des Apparates hin— en 5 und hergerüttelt. Hierauf dürfen beim Geſchützpulver 200 g als zu grob auf che dem Geſchützpulverſiebe zurückbleiben und 266 g zu fein durch das Gewehrpul— hei verſieb fallen; beim Gewehrpulver dürfen 133 g als zu grob auf dem Gewehr— ien pulverſiebe zurückbleiben. Die Unterſuchung wird nöthigenfalls wiederholt und der iſt dann das gewonnene Reſultat maßgebend. rfe en 4. Die Kornfeſtigkeit. Das Pulver darf beim Drücken mit der Hand nicht knirſchen und ſich mit ß⸗ den Fingern auf der Hand nicht leicht zerreiben laſſen. Da nun dieſe beiden Operationen keinen eigentlichen Maßſtab für die Feſtig— keit des Kornes abgeben, ſo bringt man 0,5 Kg Pulver in einen ledernen Beutel und legt denſelben in die Abrundetrommel, welche man bei einer Geſchwindigkeit von 15 Umdrehungen in der Minute eine Viertelſtunde herumgehen läßt. Der Gewichtsverluſt darf höchſtens 7,75 g betragen. 5. Die Dichtigkeit. Unter der Dichtigkeit des Schießpulvers kann ein Dreifaches gemeint ſein, en. nämlich das cubiſche Gewicht, das relativ- und das abſolut-ſpecifiſche iel Gewicht des Pulvers. Unter cubiſchem Gewichte oder der gravimetriſchen Dich— 5, tigkeit verſteht man das Gewicht der einzelnen Pulverkörner mit Einſchluß der ige atmoſphäriſchen Luft, welche ſich zwiſchen denſelben befindet. Unter relativem ſte⸗ ſpecifiſchem Gewichte verſteht man das Gewicht der einzelnen Pulverkörner ein— ng ſchließlich der nur in den Poren befindlichen Luft und unter abſolutem ſpeci— ken ſiſchem Gewichte jenes der einzelnen Pulverkörner mit Ausſchluß aller atmoſphä— us riſchen Luft. ge⸗ Das cubiſche Gewicht des Pulvers findet man, wenn man den Raum ermittelt, welchen eine Menge Pulver von beſtimmtem Gewichte einnimmt oder 122² Eigenſchaften. umgekehrt, wenn man das Gewicht einer Menge Pulvers beſtimmt, welche einen gewiſſen Raum ausfüllt. In der Praxis bedient man ſich des letzteren Ver⸗ fahrens. In Deutſchland läßt man das Pulver durch einen an einem Geſtelle an— gebrachten Trichter in ein Hohlgefäß von einem Cubikfuß Inhalt und bekanntem Gewichte fließen, ſtreicht darauf mit einem Holze das überſchüſſige Pulver ab und wägt ſodann. Das cubiſche Gewicht ſchwankt in der Regel zwiſchen 29,5 und 30,5 Kg, iſt alſo etwas geringer als dasjenige des Waſſers, welches 33 Kg beträgt.— In Preußen iſt laut Verfügung vom 14. März 1858 das mittlere cubiſche Gewicht auf 28,25 Kg mit einer Toleranz von +E 0,625 Kg feſt⸗ geſtellt. In Frankreich hat das Hohlgefäß(gravimetre) den Rauminhalt eines Liters. Ueber demſelben befindet ſich ein Scheidetrichter, welcher mit Pulver ge— füllt wird. Man dreht ſodann den Stöpſel des Trichters um und verfährt wie ſoeben angegeben. Für Geſchützpulver beträgt das cubiſche Gewicht 0,831, für Gewehrpulver 0,793 bis 0,813 oder mit anderen Worten: 1 ebom Pulver wiegt 0,831 g u. ſ. w., alſo ein Liter 831 g u. ſ. w. In Belgien, wo man das franzöſiſche Verfahren angenommen hat, ſoll das eubiſche Gewicht für Geſchützpulver 0,866 und für Gewehrpulver 0,835 be— tragen. Betrachtet man die Einrichtung des Apparates, ſo leuchtet ſofort ein, daß das cubiſche Gewicht des Schießpulvers ſehr verſchieden ausfallen wird, je nach dem Durchmeſſer der Oeffnung des Trichterhalſes, durch welchen das Pulver in das Hohlgefäß läuft. Aber auch abgeſehen hiervon wird das eubiſche Gewicht ſtets von der Anzahl und Größe der Zwiſchenräume abhängen, welche zwiſchen den einzelnen Pulverkörnern bleiben werden. Von beſonderer Bedeutung iſt hier⸗ bei der Umſtand, ob die Pulverkörner bei ſonſt gleicher Beſchaffenheit rund oder eckig, kleiner oder größer, ob die Oberfläche mehr oder weniger glatt iſt. Um das relative ſpecifiſche Gewicht des Pulvers zu ermitteln, hat man die verſchiedenartigſten Verfahren in Anwendung zu bringen geſucht. Eine der älteſten Beſtimmungsmethoden ſcheint die geweſen zu ſein, die Ziſchenräume, welche ſich zwiſchen den Körnern des zu unterſuchenden Pulvers befinden, mit Lycopodium(Bärleppſchſamen) auszufüllen. Das Verfahren iſt folgendes: Ein von unten nach oben in Cubikzolle eingetheilter, etwas enger Meßcylinder wird bis zu einer gewiſſen Höhe mit fein zerriebenem Lycopodium angefüllt. Nachdem man ſich den Stand deſſelben gemerkt hat, wird es ſorg— fältig aus dem Cylinder herausgeſchüttet und nun mit einer genau abgewogenen Menge Pulver derart in den Cylinder zurückgebracht, daß abwechſelnd auf eine kleine Schicht Pulver eine Decke von Lycopodium zu liegen kommt. Aus der Zu⸗ nahme des Volumens, welches man jetzt gegenüber dem früheren Volumen von Lycopodium beobachtet, läßt ſich leicht das ſpecifiſche Gewicht berechnen. Ein Beiſpiel wird dies klar machen. Geſetzt das Volumen des eingeſchütteten Lyco— podium habe 2 Cubikzoll betragen, nach dem Einſchütten von 2 Loth Schießpul— ver ſammt dem Lycopodium ſei das Volumen auf 3,05 Cubikzoll geſtiegen, ſo beträgt für die 2 Loth des Schießpulvers das Volumen 1,05 Cubikzoll. Demnach würde Il vers, 102, 66 lerque Eigen aus ſ förmi geſehe denſel ſtäubt komm Folge iſt vo in die Beha verſot abwo 1 Dichtigkeit. 2 1728 würde alſo ein Cubikfuß(— 1728 Cubikzoll) dieſes Pulvers 2. 1105 Loth — 102,9 Pfund wiegen und ſomit das ſpecifiſche Gewicht des fraglichen Pul— vers, da das Gewicht von einem Cubikfuß deſtillirten Waſſers 66 Pfund beträgt, 102,9 66 1,559 ſein. Dieſe Methode hat ſich nicht als vortheilhaft erwieſen, da ſie mehrere Feh— lerquellen in ſich birgt, welche nicht zu beſeitigen ſind. Faßt man nämlich die Eigenſchaften des zerriebenen Lycopodium näher in das Auge, ſo folgert ſich dar— aus ſchon von ſelbſt, daß man, je nachdem das Lycopodium feinkörnig oder ſtaub— förmig gepulvert iſt, auch verſchiedene Volumverhältniſſe erhalten muß, ganz ab⸗ geſehen davon, daß das Ausgießen aus dem Cylinder und Wiedereinfüllen in denſelben ſtets mit Subſtanzverluſt verbunden iſt, indem zum Theil etwas weg— ſtäubt, zum Theil an den Wandungen des Meßeylinders hängen bleibt. Hierzu kommt noch, daß die geringſte Erſchütterung eine Volumänderung bedingt, in Folge deſſen die Ergebniſſe immer verſchieden ausfallen müſſen. Letzterer Factor iſt von ganz beſonderer Bedeutung, wie eine Reihe von Verſuchen, welche man in dieſer Richtung angeſtellt, bewieſen haben. Zur beſſeren Illuſtrirung dieſer Behauptung mögen hier einige Verſuche folgen, welche mit ein und derſelben Pul— verſorte ausgeführt wurden. A. Das Lycopodium wurde eingemeſſen und zwar: a. loſe wie es fällt. 04. Stand des Lycopodium— 2 Cubikzoll, abwechſelnd mit 2 Loth Geſchützpulver eingeſchüttet S 3,28, alſo Volumen des Pulvers in Cubikzoll und ſpecifiſches Gewicht deſſelbenn... ◻ρ 1.3 6. Stand des Lycopodium S 2 Cubikzoll abwechſelnd mit 2 Loth Geſchützpulver eingeſchüttet G 3,05, S 0 alſo Volumen des Pulvers in Cubikzoll...= 1,05 und ſpecifiſches Gewicht deſſelbeen....= 1,56 B. Das Lycopodium wurde eingemeſſen und zwar: b. feſtgeſchüttelt. 04. 2 Cubikzoll Lycopodium wurden auf 1,75 Cubikzoll zuſammengeſchüttet und ſtanden dann mit 2 Loth Geſchützpulber auf 2,875 Cubikzoll, alſo Volumen des Pulvers in Cubikzoll. 25 und ſpecifiſches Gewicht deſſelben. Iſ5 6. 2 Cubikzoll Lycopodium wurden auf 1,50 Cubitz oll und ſtanden dann mit 2 Loth Geſchützpulver auf 2,35 Cubikzoll, alſo Volumen des Pulvers in Cubitz R 0,85 und ſpecifiſches Gewicht deſſelben..H1,92 Zu noch abweichenderen Reſultaten gelangte man, als man das Lycopodium abwog. —— 124 Eigenſchaften. Ganz ähnlich verhielt es ſich, als man andere feſte Subſtanzen ſtatt des Ly— copodium in Anwendung brachte. Man war deshalb zur Beſtimmung des ſpecifiſchen Gewichtes auf Flüſſig⸗ keiten angewieſen und zwar auf ſolche, in welchen Salpeter wie Schwefel und Kohle unlöslich ſind. Als ein höchſt geeignetes Mittel erſchien in dieſer Be— ziehung der abſolute Alkohol. Das Verfahren geſtaltete ſich danach äußerlich ſehr einfach. Man brauchte bloß in den oben erwähnten Meßcylinder waſſerfreien Alkohol zu gießen, den Höheſtand deſſelben abzuleſen und dann eine abgewogene, getrocknete Menge des zu unterſuchenden Pulvers hineinzuſchütten, um aus der Differenz zwiſchen dem jetzigen Höhenſtande und dem früheren das ſpecifiſche Gewicht berechnen zu können. Bei genauerer Prüfung dieſer Methode bemerkte man indeß, daß der Al— kohol nicht allein die Pulverkörner umſpülte, ſondern auch in dieſelben hinein⸗ drang und demgemäß die in denſelben enthaltene atmoſphäriſche Luft verdrängte. Man ſuchte daher den Alkohol durch Queckſilber zu erſetzen. In dieſer Be— ziehung iſt die von Marchand vorgeſchlagene Methode ganz insbeſondere zu er⸗ wähnen, welche wohl manchem Leſer neu ſein dürfte. Ein Cylinder 4, Fig. 20, beſtimmt das zu unterſuchende Pul— ver aufzunehmen, iſt unten mit einem feinen, eiſernen Siebe verſchloſſen, deſſen Löcher zu eng ſind, um das feinſte Puloer durchzulaſſen. Das Sieb iſt feſt auf 4 aufge⸗ ſchraubt und hat nach unten eine feine Elfenbeinſpitze, welche in den kleinen, mit 4 zuſammengeſchraubten Cylin⸗ der B hineinragt. Der letztere ſteht mit dem genau ein— getheilten Cylinder D durch die Röhre Cin Verbindung, in welcher letzteren ſich ein Hahn C' von Stahl befindet. Auf den oberen Theil von D iſt eine calibrirte Glasröhre Gaufgeſchraubt, welche in /0 ebem getheilt iſt und an welcher man noch bequem /0 davon ableſen kann. Auf den oberen Theil von 4 iſt eine Faſſung aufgeſchraubt, an der ſich der kurze Cylinder E befindet, welcher mit 4 durch das unten weite, oben ſehr enge Glasrohr“com— municirt. Auf dieſer Glasröhre T befindet ſich ein hori— zontaler, feiner Strich als Marke. Zwiſchen der Röhre J und dem Cylinder 4 iſt eine dünne Buchsbaumholz⸗ platte eingeſchraubt oder eine Scheibe von Sämiſchleder ausgeſpannt. Auf wird eine Handluftpumpe aufge— ſchraubt. Alle Schrauben müſſen luftdicht ſchließen. Durch die Röhre 6. gießt man ſo viel Queckſilber in B, daß die Elfenbeinſpitze gerade davon berührt wird. Sodann ſchüttet man von einer genau abgemeſſenen Menge Queckſilber ſo viel durch& hinein, daß man durch die Luftpumpe den Cylinder 4 genau bis zu der Marke auf der Röhre J füllt und das Queckſilber in C denſelben Stand einnimmt, wie bei der erſten Füllung bis zur Elfenbeinſpitze. Dadurch erfährt man den Inhalt von 4 und dem Theile von B oberhalb der Elfenbeinſpitze. Man ſchließt den Hahn in E Fig. 20. und kleine kleine genar Quec angef Quec Men Luftp merkt vorhe lume iſt vi brech Untei gezog zelne B ei dem rigke der& Zwif Cohe finde dünn wird ſchen Unter verdi berei Que liches Voli zuber und Cher vois te en n en M⸗ Dichtigkeit. und gießt nun genau dieſelbe Menge Queckſilber durch& in D. P, welches kleiner als 4 iſt, kann nicht die ganze Menge des Queckfilbers faſſen, ſo 165 ein kleiner Theil davon in& bleibt; man zeichnet den Stand des Queckſilbers hier genau auf. Nun ſchraubt man von 4 ab und bringt auf das Sieb, nachdem das Queckſilber ausgeſchüttet iſt, ſo viel Schießpulver, daß faſt der ganze Cylinder 4 angefüllt wird; ſodann ſch raubt man den Apparat zuſammen, gießt durch 6. Queckſilber genau bis an die Elfenbeinſpitze und darauf die vorher abgemeſſene Menge Queckſilber, welche den Cylinder 4 füllte. Man zieht jetzt mittelſt der Luftpumpe das Queckſilber langſam bis zum Striche auf Fin die Höhe und be— merkt die Differenz zwiſchen der jetzigen Stellung des Queckſilbers in Gl und der vorher aufgezeichneten. Dieſe Differenz giebt den Unterſchied zwiſchen dem Vo— lumen des Schießpulvers und dem Volumen des angewandten Queckſilbers an. Auch dieſe Methode iſt nicht lange in Gebrauch geweſen, denn der Apparat iſt viel zu zuſammengeſetzt, 5 lich und wegen der Länge der Röhre G zu zer brechlich. Soll im Stande des Queckſilbers nur ein einigermaßen merklicher Unterſchied ſo müſſen wenigſtens 33 g Pulver zur Unterſuchung gezogen werden. Die Richtigkeit der Ergebniſſe hängt davon ab, bei jeder ein— zelnen Ermittekung das Queckſilber zweimal genau unter der Elfenbeinſpitze in B einzuſtellen und ein und dieſelbe Menge Queckſilber zweimal in einem von dem Apparate unabhängigen Gefäße abzumeſſen. Zu dieſen techniſchen Schwie— re geſellt ſich noch der experimentelle Fehler, daß das mittelſt Entfernung der Luft durch und über das Pulver gehobene Queckſilber keineswegs ſämmtliche Zwiſchenräume zwiſchen den Körnern ausfüllt, was ſich einerſeits aus der großen Cohäſion des Queckſilbers erklärt, andererſeits in dem Umſtande ſeine Begründung findet, daß die Luft nur durch Verdünnung entfernt werden kann und dieſer Ver⸗ dünnung dann auch gleichzeitig die Luft in den Poren der Körner unterworfen wird. Bei dem ſchnellen Eintreten des Queckſilbers in die Zwiſchenräume zwi— ſchen den Pulverkörnern ſchon nach der geringſten Luftverdünnung kann in den unterſten Pulverſchichten der Fall eintreten, daß in Folge der fortgeſetzten Luft⸗ verdünnung die Luft aus den Poren erſt dann hervortritt, nachdem die Körner bereits mit Queckſilber umgeben ſind. Da nun wegen der darüber ſtehenden Queckſilberſäule die Luft nicht gänzlich entweichen kann, ſo wird ſie ein nachträg— liches e hen des Queckſilbers um dieſe Körner herum bewirken. t ganz unrichtigen Reſultaten gelangte man, als man zur Beſtimmung des Volumer us des Schießpulvers auf das Mariotti'ſche Geſetz verfiel und das Volumenometer von Kopp und das Stereometer von Say für dieſe Zwecke aus— zubeuten ſuchte. Die beiden Apparate ſind aus der Phyſik hinreichend bekannt und mag es daher genügen, auf die fraglichen Originalabhandlungen: Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. 35, und Annales de chimie par Guyton, La- voisier T. 23. 1797 zu verweiſenn). Nach der Methode von Kopp ſucht man 3) Für diejenigen, welchen dieſe Abhandlungen nicht zugänglich ſein ſollten, dürfte Müller, Lehrbuch der Phyſik, 7. Auflage, Bd. 1, S. 187 fgg. ausreichen. 126 Eigenſchaften. ſuchende Körper einnimmt. ——2ε⏑ςνι ———— aus der abgeſperrten, comprimirten Luft, nach der Methode von Say aus der abgeſperrten, verdünnten Luft auf das Volumen zu ſchließen, welches der zu unter— Auf dieſe Weiſe läßt ſich aber nicht das Schießpul⸗ ver ſeinem ſpecifiſchen Gewichte nach beſtimmen, indem hierdurch unvermeidlich auch die Luft mit in Betracht kommt, welche die Poren der Körner ausfüllt, dieſe Poren daher als nicht vorhanden erſcheinen, ſo daß alſo die mit dieſen Apparaten Fig. 21. gewonnenen Reſultate nur das Atom⸗ gewicht des Satzverhältniſſes der ver— ſchiedenen Pulverſorten bezeichnen kön— nen. So zeigten z. B. Pulverſorten von gleichem Satzverhältniſſe, die in Alkohol ein ſpecifiſches Gewicht von 1,56; 1,77; 1,67; 1,82 ergaben, in den eben ge— nannten Apparaten immer daſſelbe ſpe— cifiſche Gewicht und zwar im Kopp'— ſchen Volumenometer, je nachdem man nach der einen oder anderen Spitze be— ſtimmte 2,704 oder 2,499, im Say'— ſchen Stereometer 2,441. Zu ähnlichen Ergebniſſen gelangte man bei Anwendung des Volumenome— ters von Regnault und des Stereo— meters von Leslies. Um die Schwierigkeiten der directen Beſtimmung zu umgehen, conſtruirte Hauptmann Hoffmann einen Appa⸗ rat, um die Poroſität des Pulvers zu meſſen und ſo auf das ſpecifiſche Ge— wicht des Pulvers ſchließen zu können. An einer von unten nach oben in Pariſer Linien eingetheilten Metallplatte A, Fig. 21, welche durch den Fuß B einen feſten Stand erhält, ſind die lan— gen Schenkel Cund C“ zweier doppel— ſchenkligen, etwa 1,8 em weiten Glas— röhren befeſtigt. Die kurzen Schenkel D und TJ' dieſer Glasröhren ſind mit einem Stahlringe E, verſehen, mittelſt deren Schraubenmuttern a und der Schrauben 5 die ſtählernen Körper V ſo mit D und PD' verbunden werden können, daß die ſtählernen hohlen Cy— linder Gin D und D hineinragen, die Theile Edagegen oberhalb P und D' vorſtehen. D und D“ werden gleichzeitig hierdurch luftdicht verſchloſſen. Die Durchbohrung von Uvon oben nach unten ſetzt ſich auch durch den ſtärkeren Theil verſch Richt werde Inne welch der L die R ten u Glas Cylir das 6 ſten“ und! in D aus. ſilber Bohr äußer die C Glas! der ii das 8 zurüd veran körnen an de nach des? Körn er en n⸗ en rte A⸗ zu ze⸗ Dichtigkeit. 127 Theil« dieſer Stahlkörper fort und iſt bei 7 mit einem ſehr feinen Drahtſiebe verſchloſſen. Dieſer ſtärkere Theil e von EKiſt außerdem auch in horizontaler Richtung mit einem Canal durchbohrt, in welchem der Zapfen duluftdicht bewegt werden kann. Je nachdem daher deſſen ſenkrechte Durchbohrung« mit dem Inneren von D und L' in Verbindung geſetzt oder davon abgeſchloſſen wird, zu welchem Zwecke der kleine in 4 befeſtigte Kurbelarm 7 dient, kann der Zutritt der Luft nach D und J“ bewerkſtelligt oder verhindert werden. 6 iſt nur durch die Reibung ſeines oberen an vier Stellen eingeſpalteten Randes in b feſtgehal— ten und kann leicht darin befeſtigt oder entfernt werden. In den doppelſchenkligen Glasröhren befindet ſich etwa bis 4,4 Queckſilber. Werden nun in die beiden Cylinder&,&, welche in ihrem ſpitz ausgehenden Boden feine Löcher haben, die das Eindringen des Queckſilbers eben geſtatten, das Durchfallen ſelbſt der klein— ſten Pulverkörner aber nicht zulaſſen, mit zwei verſchiedenen Sorten Pulber Nr. 1 und 2 gefüllt und demnächſt die von jedem aufgenommene Menge gewogen, hier— Fig. 22 zindelhr und mittelſt einer Gummiröhre N, Fig. 22, welche durch die in eingeſetzte, luftdicht ſchließende Suhlſpize 7 Tmit dem Inneren von D und D'und durch die Platte mit dem Teller einer Luftpumpe in Ver⸗ bindung geſetzt wird, die Luft oberhalb des Queckſilbers entfernt, ſo ſteigt das Queckſilber in D und L“ und füllt die Zwiſchenräume zwiſchen den Pulverkörnern in G, aus. Schließt man daher, ſobald dies erreicht iſt, d. h. ſobald ſich das Queck— ſilber in der kleinen Glasröhre L, Fig. 22, zeigt, mittelſt dem bisher mit ſeiner Bohrung von unten nach oben gerichteten Zapfen d durch deſſen Umdrehung die äußere Luft ab, entfernt die Gummiröhre aus E, Hund bringt den Apparat unter die Glocke einer Luftpumpe, entleert die Glocke, ſo wird die Luft aus den langen Glasſchenkeln oberhalb des Queckſilbers entfernt, die bisher in den Poren der in 6,& befindlichen Pulverkörner enthaltene“ Luft tritt aus dieſen und vertreibt das Queckſilber wieder aus 6, G, welches in die kurzen Schenkel der Glasröhre zurücktretend ein demgemäßes Steigen in den langen Schenkeln der Glasröhre veranlaßt. Hatte man daher, nachdem die Zwiſchenräume zwiſchen den Pulver⸗ körnern in 6,& mit Queckſilber ausgefüllt waren, den Stand des Queckſilbers an der Eintheilung der Metallplatte abgeleſen und beobachtet denſelben abermals nach i Zurücktreten des Queckſilbers, ſo muß ſich hierdurch die Größe des Druckes gegen das letztere oder die Menge der Luft, welche in den Poren der Körner enthalten war, ergeben und ſich ſo, wenn auch nicht in abſoluten Zahlen, ſo doch immer vergleichsweiſe von je zwei auf einmal zum Verſuche gekommenen Pulverſorten deren Poroſität ermitteln laſſen. Würde nämlich die Differenz des Queckſilberſtandes der Pulverſorte Nr. 1, von der H Gramme eingewogen waren, r, und von Nr. 2, von welcher man„ Gramme eingewogen hatte S8! ſein, ſo verhält ſich die Poroſität von Nr. 1 zu der von Nr. 2 110 0 Das Qucckſilber iſt hier das Mittel, um die Zwiſchenräume zwiſchen den auf die beiden Körper V, F in D und D ———— ⁰⸗˙Æfk— — — —— 128 Eigenſchaften. Pulverkörnern auszufüllen. Die Unanwendbarkeit des Queckſilbers für dieſen Zweck iſt bereits oben bei der Methode von Marchand nachgewieſen worden. Ein weiterer Uebelſtand iſt noch der, daß das Queckſilber bei dem Aufſteigen nicht allein die Zwiſchenräume zwiſchen den Pulverkörnern nur unvollkommen ausfüllt, ſondern auch nachher nicht wieder vollſtändig zurücktritt, ſo daß die Reſultate ſehr ungenau ausfallen. Die Methode überhaupt, ſelbſt wenn man von den Fehlerquellen abſieht, iſt für die Beurtheilung des ſpecifiſchen Gewichtes des Pulvers nicht gut zu gebrau— chen, da man nur relative Zahlen erhält, aus welchen man allerdings erſehen kann, daß die eine der unterſuchten Pulverſorten poröſer iſt als die andere, allein die Hauptſache gerade, um wie viel größer die Poroſität der einen Sorte vor der anderen iſt, bleibt vollkommen unaufgeklärt. Man ließ daher auch dieſe Methode bald fallen, um zu dem früheren Verfahren, das Pulver in Alkohol zu ſchütten, wieder zurückzukehren und verſuchte dabei das Eindringen des Alkohols in die Pulverkörner möglichſt zu vermeiden. In dieſer Beziehung ſind zwei Methoden zu erwähnen. Nach der einen Methode wird in eine genau calibrirte, in /40 ebem einge— theilte und mit einem angegoſſenen Glasfuße verſehene Glasröhre waſſerfreier Alkohol eingetragen, welcher bereits einige Zeit vor ſeinem Gebrauche in dem Raume, in welchem die Gewichtsbeſtimmung ſtattfinden ſoll, geſtanden hat. In der Regel füllt man die Röhre bis zu 35 ebem, wartet dann einige Minuten, damit die Tropfen, welche an den Wänden der Röhre hängen blieben, herabge— floſſen ſind und beobachtet darauf den Stand des Alkohols. Iſt dies geſchehen, ſo werden etwa 16 g von dem zu unterſuchenden Pulver mit Hülfe eines Glas⸗ trichters, der einen möglichſt langen und weiten Hals beſitzt, in den Alkohol ge— ſchüttet und ſowie das letzte Korn in den Alkohol gefallen, der nunmehrige Stand abgeleſen, womit alle Daten gegeben ſind, um das ſpecifiſche Gewicht berechnen zu können. Zu bemerken iſt noch, daß das zu unterſuchende Pulver, ehe man es wägt, im Waſſerbade getrocknet und ſodann in einen Exſiccator über Schwefel— ſäure geſtellt wird, bis das Pulver die Zimmertemperatur angenommen hat. Nach der anderen Methode, welche von Timmerhans ſtammt, wird ein abgeſchliffenes, eylindriſches Glas bis zum Rande mit abſolutem Alkohol gefüllt und gewogen, darauf das zu unterſuchende, abgewogene Pulver vermittelſt eines Trichters eingeſchüttet, der Rand des Gefäßes mit einem Glasſtabe abgeſtrichen und nun das Gewicht noch einmal beſtimmt. Aus der Menge des verdrängten Alkohols läßt ſich dann unter Berückſichtigung des ſpecifiſchen Gewichtes des letz— teren das ſpecifiſche Gewicht des Pulvers berechnen. Dieſe Methode kann auf große Genauigkeit keinen Anſpruch machen, da eine Wägung, wenn ſie genau werden ſoll, immer mehr Zeit in Anſpruch nimmt als das einfache Ableſen in der Glasröhre, der Alkohol kann in der Zwiſchenzeit Luft aus den Poren des Pulvers austreiben und in Folge deſſen muß das relative ſpecifiſche Gewicht immer niedriger ausfallen als es in Wirklichkeit iſt. Verſuche in der Pulverfabrik zu Spandau angeſtellt, haben dies zur Genüge dargethan und blieb man deshalb in den preußiſchen und ſächſiſchen Pulverfabriken bei der erſten Methode ſtehen. ſchütte der G umgeh daß, 1 vers b mithir Nimm jene 7 iſt, fa verdrä wicht nun d poröſe als be mehr und p ringer ver fif ſtatt, großer gerade gender Waſſe deſſen thode! metho ſtärker der N bei be keit be als be (J,81 ſo me wichte 0 nen, wurde einigen Dritte zu fal des A Otto Reaut Da it U⸗ en in er n, iie en 8⸗ nd en e8 in llt es en en ne ils ift ve he an er 1 Dichtigkeit. 129 Der Werth derſelben iſt indeß immerhin etwas zweifelhaft, da beim Ein— ſchütten des Pulvers in den Alkohol ein Emporſpritzen deſſelben an die Wände der Glasröhre und ein Eindringen des Alkohols in das Pulver faſt gar nicht zu umgehen iſt. Heeren hat in dieſer Richtung Verſuche angeſtellt und gefunden, daß, wenn die angewandte Menge Alkohol etwa 7 Proc. vom Gewichte des Pul— vers betrug, derſelbe während 3 bis 4 Secunden vollkommen aufgeſogen wurde, mithin die beobachtete Menge des verdrängten Alkohols zu niedrig gefunden wird. Nimmt man das ſpecifiſche Gewicht des Pulvers S 1,559 an, ſo entſprechen jene7 Gewichtsprocente, da das ſpecifiſche Gewicht des Alkohols bei 150 S0,7939 iſt, faſt genau 14 Proc. des Raumes, in Folge deſſen die gefundene Menge des verdrängten Alkohols um/ erhöht werden muß, danach alſo das ſpecifiſche Ge— wicht des Pulvers niedriger ausfallen wird. Eine nothwendige Folge des Eindringens von Alkohol in das Pulver wird nun die ſein, daß Luftblaſen aus den Körnern entweichen, und zwar wird bei poröſen und nicht abgerundeten Pulverſorten dieſes Entweichen ſchneller erfolgen als bei dichten und abgerundeten Sorten, letztere werden alſo verhältnißmäßig mehr Alkohol verdrängen als die erſteren, und der Unterſchied zwiſchen dichten und poröſen ſowie zwiſchen abgerundeten und nicht abgerundeten Sorten wird ge— ringer ſein als er in Wirklichkeit iſt. Bei ſehr poröſem, nicht abgerundetem Pul⸗ ver findet nach Heeren das Eindringen des Alkohols mit ſolcher Schnelligkeit ſtatt, daß ſich ſchon während der kurzen Zeit des Einſchüttens die Poren zum großen Theile mit Alkohol füllen und man ſtatt eines ungewöhnlich niedrigen, gerade umgekehrt ein ungewöhnlich hohes ſpecifiſches Gewicht findet, wie aus fol— genden Verſuchen hervorgeht. Fein zerriebenes Geſchützpulver wurde mit 8 Proe. Waſſer befeuchtet und durch gelindes Preſſen in einen Pulverkuchen verwandelt, deſſen wirkliches ſpecifiſches Gewicht nach der weiter unten zu beſchreibenden Me— thode von Heeren 1,32 betrug. Als der Kuchen nach der gewöhnlichen Einſchütte⸗ methode unterſucht wurde, fand ſich das ſpecifiſche Gewicht— 1,81. Ein anderer, ſtärker gepreßter Pulverkuchen von 1,53 wirklichem ſpecifiſchen Gewichte gab nach der Methode des raſchen Einſchüttens die Zahl 1,75. Man ſieht hieraus, daß bei beiden Beſtimmungen die nach der gewöhnlichen Methode gefundene Dichtig— keit bedeutend von der Wahrheit abweicht, aber bei dem ſehr poröſen Pulver mehr als bei dem weniger poröſen, ja daß ſogar das poröſere eine größere Dichtigkeit (1,81) zeigen konnte als das dichtere(1,75). Je lockerer daher das Pulver, um ſo mehr wird ſich das relative ſpecifiſche Gewicht dem abſoluten ſpecifiſchen Ge— wichte nähern, welches durchſchnittlich S 2 angenommen werden kann. Bei dieſer Methode iſt noch eine ganz eigenthümliche Erſcheinung zu erwäh⸗ nen, welche von Heeren und von dem verſtorbenen General Otto beobachtet wurde. Schüttet man nämlich Pulver in den Alkohol, ſo ſteigt nach Verlauf von einigen Secunden der Alkohol in die Höhe und zwar nach Heeren bis gegen ein Drittel von dem Volumen der Pulverkörner, um nach etwa einer Stunde wieder zu fallen, ohne indeß den früheren Stand zu erreichen. Während des Steigens des Alkohols entwickeln ſich eine Menge Blaſen und zu gleicher Zeit findet nach Otto eine Temperaturerhöhung des Alkohols um beinahe einen vollen Grad Reaumur ſtatt. Nach Verſuchen, die Verfaſſer in letzterer Beziehung mit grob— Das Schießpulver. 9 — N —ñ ̃—— Eigenſchaften. körnigem Pulver angeſtellt hat, iſt die Temperaturerhöhung verſchieden, je nachdem das Thermometer mit ſeiner Kugel nur die Oberfläche des Pulvers berührt oder letzteres die Queckſilberkugel ganz umgiebt. Im erſteren Falle trat nach 1 bis 2 Minuten eine Temperaturerhöhung um /100 C. ein, während im letzteren Falle das Thermometer um 1,4 C ſtieg und im Verlaufe von 20 Minuten um 10C. wieder fiel. So intereſſant an und für ſich dieſe Erſcheinung iſt, ſo ſchwierig auf der anderen Seite iſt eine richtige Erklärung auf Grund der bis jetzt beobachteten Thatſachen zu finden. Ganz eigenthümlich iſt das Auftreten der Menge von Blaſen, welche beim Einſchütten des Pulvers in den Alkohol entſtehen. Daß dieſelben aus dem Alko⸗ hol entweichen, ſcheint mehr als unwahrſcheinlich zu ſein und bleibt ſomit ledig⸗ lich das Pulver als die Quelle derſelben übrig. Beſtänden nun die Blaſen aus gewöhnlicher, atmoſphäriſcher Luft, welche den Pulverkörnern äußerlich anhängt, ſo müßte doch ein Fallen des Alkohols eintreten, nicht aber ein Steigen und daſ— ſelbe würde erfolgen, wenn der Alkohol in die Poren des Pulovers eindringt, die dort befindliche Luft verdrängt und an deren Stelle tritt. Wenn ſomit die ge— wöhnliche, atmoſphäriſche Luft ausgeſchloſſen iſt, ſo fragt es ſich, ob dann die Blaſen nicht aus verdichteter atmoſphäriſcher Luft beſtehen, da ja bekanntlich die Kohle die Eigenſchaft beſitzt, Gasarten zu abſorbiren, atmoſphäriſche Luft in ver⸗ dichtetem Zuſtande in ſich aufzunehmen. Bei dem Hinzutreten von Alkohol würde allmählich die mehrfach verdichtete Luft von demſelben verdrängt werden und es bliebe in den Poren nach längerer Zeit Luft von einfacher Dichte zurück. Gegen dieſe Annahme ſpricht nun wieder der Umſtand, daß nach Verſuchen, wie Heeren bemerkt, die in Frage ſtehende Erſcheinung auch dann in voller Stärke auftritt, wenn das Pulver unmittelbar vorher noch warm unter der Luftpumpe behandelt von der eingeſchloſſenen Luft befreit wird, und die Verdichtung der Gasarten durch Kohle nur allmählich erfolgt, ſo daß in dem kurzen Zwiſchenraume, welcher zwi— ſchen der Behandlung unter der Luftpumpe und dem ſogleich darauf ſtattfinden— den Verſuche liegt, das Pulver eine erhebliche Menge Luft nicht aufnehmen kann. Zu ähnlichen Ergebniſſen dürfte man gelangen, wenn man die entweichenden Blaſen als Waſſerſtoffgas anſieht. Man könnte ſich nur die Raumeszunahme erklären durch das Wachſen der Temperatur, welche durch die Berührung des Alkohols mit der Kohle und dem Schwefel entſteht. Befeuchtet man nämlich Kohle oder Schwefel mit Alkohol, ſo erfolgt eine Temperaturzunahme und zwar beträgt dieſelbe, wie Pouillet nach⸗ gewieſen hat, für Kohle 1,2700 C. und für Schwefel 0,173“ C, ſo daß alſo, wenn beide Körper in gleichen Gewichtsmengen in dem Pulver vorhanden ſind, eine Temperaturzunahme von 1,4430 C ſtattfinden kann, womit denn auch der obige Verſuch übereinſtimmen würde. Dieſes Verhalten der Kohle und des Schwe— fels gegenüber dem Alkohol giebt aber auch keinen genügenden Erklärungsgrund für das ſo bedeutende Steigen des Alkohols ab, da nach den bis jetzt gemachten Beobachtungen Alkohol von 0,808 ſpecifiſchem Gewichte(bei 12,5“ Ch) ſich zwi⸗ ſchen 10 bis 150 C. für 1,250 C. nur um 0,001313 desjenigen Raumes aus— dehnt, welchen der Alkohol bei 10“ C. beſaß. fang ſchütt zu v des fein des 1 in ei erwä die L chen unter blaſe in 7 Luftl ſo ül allſet mit in ei das ten, ab u das man nur ſelbe verſe es n noch Filt ſchli⸗ telt mit den ein, Pul Pul dem oder bis alle 0C. der eten eim lko⸗ dig⸗ aus ngt, daſ⸗ egen ren ritt, idelt urch zwi⸗ den⸗ ann. nden der dem ohol, nach⸗ alſo, ſind, ) der hwe⸗ rund chten zwi⸗ aus⸗ Dichtigkeit. Daß das Volumen des Alkohols ſtets etwas größer bleibt, als es zu An— fang war, kann ſeinen Grund in einer Abſorption von Waſſerdampf haben. Wie bereits oben hervorgehoben, iſt die Methode, das Pulver in Alkohol zu ſchütten, nicht ganz frei von Fehlerquellen und hat daher Heeren dieſe Methode zu verbeſſern geſucht. Nach ihm nimmt man ein etwa 33 g Waſſer faſſen⸗ des Gläschen mit eingeriebenem Glasſtöpſel, welcher an einer Seite mit einer fein eingefeilten Furche verſehen iſt und beſtimmt ein- für allemal das Gewicht des mit abſolutem Alkohol bei 21,25“ C. gefüllten Gläschens. Das zu unterſuchende Pulver wird in einer kurzen, weiten Glasröhre oder in einem kleinen Porcellantiegel längere Zeit in einem Sandbade auf 50 bis 620 C. erwärmt, darauf in einer mit warmem Sande gefüllten Schale einige Zeit unter die Luftpumpe gebracht, ſodann ſofort gewogen und in das oben genannte Gläs— chen geſchüttet, welches man zur Hälfte mit Alkohol füllt. Man bringt dieſes nun unter den Recipienten der Luftpumpe und pumpt ſo lange aus, als noch Luft— blaſen aus den Körnern entweichen. Der Alkohol kommt dabei in das Sieden, in Folge deſſen große Dampfblaſen entſtehen, die aber leicht von den kleinen Luftbläschen zu unterſcheiden ſind. Iſt alle Luft aus den Pulverkörnern entfernt, ſo überläßt man dieſelben noch ungefähr eine Stunde ſich ſelbſt, damit der Alkohol allſeitig in die Poren eindringen kann, füllt darauf das Gläschen bis zum Rande mit Alkohol, ſetzt den Stöpſel ein und ſtellt oder hängt es etwa eine Stunde lang in ein Gefäß mit Waſſer von 21,25“ C. Nach Verlauf dieſer Zeit nimmt man das Gläschen heraus, ſetzt, wenn noch Luftbläschen in demſelben ſich befinden ſoll— ten, etwas Alkohol hinzu, trocknet die äußeren Wandungen des Gläschens ſchnell ab und wägt. Man gießt nun den Alkohol ſo gut wie möglich ab und ſchüttet das Pulver auf ein doppelt zuſammengelegtes Stück Filtrirpapier, auf welchem man mit Hülfe eines Meſſers das Pulver ſo lange hin- und herwendet, bis das Pulver nur noch ſtark feucht, aber nicht mehr naß erſcheint. Alsdann ſchüttet man daſ— ſelbe in ein kleines, aus einer weiten Glasröhre angefertigtes, mit flachem Boden verſehenes cylindriſches Gläschen, deſſen oberer Rand abgeſchliffen iſt, ſo daß man es mit einer Glasplatte dicht verſchließen kann. Um nun den an dem Pulver noch äußerlich anhängenden Alkohol zu entfernen, ſchneidet man einen Streifen Filtrirpapier von ſolcher Breite, daß er bequem ſich in das Gläschen bringen läßt, ſchließt das letztere mit dem Daumen oder beſſer mit einer Glasplatte und ſchüt⸗ telt ſo lange um, bis das Pulver äußerlich gerade abgetrocknet iſt, was man theils mit der Lupe, theils auch daran erkennt, daß die Körner nicht mehr an den Wän⸗ den des Glaſes und an dem Papiere hängen bleiben. Tritt dieſe Erſcheinung ein, ſo wägt man das im Inneren noch vollkommen von Alkohol durchdrungene Pulver und hat ſomit alle Factoren, aus welchen man das ſpecifiſche Gewicht des Pulvers mit und ohne Berückſichtigung der Poren leicht berechnen kann. Setzt man nämlich als à das Gewicht des Glaſes mit Alkohol, b 8das Gewicht des getrockneten Pulvers, odas Gewicht des mit Alkohol getränkten Pulvers, d das Gewicht des Glaſes mit Alkohol und getränktem Pulver, 9* 132 Eigenſchaften. ſo ergiebt ſich das ſpecifiſche Gewicht im Verhältniß zum Alkohol nach der Formel: 0 + d und das ſpecifiſche Gewicht im Verhältniß zum Waſſer durch die Formel: worin e das ſpecifiſche Gewicht des Alkohols bezeichnet. Nach von Heeren ſelbſt angeſtellten Unterſuchungen gab ein und dieſelbe Pulverſorte folgende Ergebniſſe: 9—— S Specifiſches Gewicht Laufende Nummer der Beobachtun⸗ der Körner der Pulvermaſſe gen. mit Einſchluß der nach Ausſchluß der Poren. Poren. 1 1,523 1,969 2 1,526 1,983 3 1,524 17972 4 1,529 1,969 5 1,584 1,986 Mittel 1,527 1,976 Es nehmen alſo danach die Poren 22,7 Proc. von dem Raume der Pulver— körner ein. Dieſelbe Pulverſorte von einem ſorgſamen und geſchickten Experimentator in Spandau unterſucht, ergab aus fünf einzelnen Ermittelungen das relative ſpe— cifiſche Gewicht zu 1,5592. Da die Methode etwas zeitraubend iſt, hat Heeren ein abgekürztes Ver— fahren vorgeſchlagen, welches überall ſtatthaft iſt, wo man für die verſchiedenen Pulverſorten dieſelben Miſchungsverhältniſſe nimmt, wie dies z. B. in den Staats⸗ fabriken geſchieht. Das abſolute ſpecifiſche Gewicht wird in dieſem Falle immer daſſelbe ſein. Hat man dies daher ein- für allemal beſtimmt, ſo geſtaltet ſich das Verfahren ziemlich einfach, indem man eine gewogene Probe Pulver nur nach der ſoeben er— wähnten Heeren'ſchen Methode mit Alkohol zu ſättigen und die dadurch bedingte Gewichtszunahme zu beſtimmen braucht. Bezeichnet man mit: b udas Gewicht des trocknen Pulvers, e das ſpecifiſche Gewicht des Alkohols, ſof wich zuna jenes Puli metl ER 1,5 1,5 Geſe Geſe Geſe 2ĩĩ—— rY——————— Dichtigkeit. 133 die Gewichtszunahme des Pulvers durch Sättigung mit Alkohol, das als bekannt vorausgeſetzte abſolute ſpecifiſche Gewicht der Pul— 9 8 vermaſſe, ſo findet ſich das relative ſpecifiſche Gewicht des Pulvers 4“ durch die Formel: be + 9½ Z. B. das Gewicht der getrockneten Pulverprobe b ſei S5 g, das Ge— wicht derſelben nach der Sättigung mit Alkohol S 5,94 g, alſo die Gewichts⸗ elbe zunahme 7= 0,94 g, das ſpecifiſche Gewicht der Pulvermaſſe 9 ν 2,01, jenes des Alkohols«= 0,794, ſo findet ſich das relative ſpecifiſche Gewicht des Pulvers 50,7904 201 ˙5.0,794 + 2,01. 0,94 Um die Methode auf ihre Genauigkeit zu prüfen, machte Heeren folgende Verſuche: Es wurde Geſchützpulver fein zerrieben, mit 8 Proc. Waſſer angefeuchtet, in eine eiſerne Form gepreßt und ſodann getrocknet. Ein Stück davon wurde gewogen und nachdem es gelinde erwärmt worden, mit geſchmolzener Stearinſäure bepinſelt. Das auf gewöhnliche Weiſe in Waſſer beſtimmte ſpecifiſche Gewicht belief ſich auf 1,47. Von demſelben Pulverkuchen wurde darauf ein anderes Stück bis zur Größe von Geſchützpulver zerkleinert, von Staub befreit und nach dem Sättigungsver⸗ fahren das ſpecifiſche Gewicht beſtimmt. Letzteres ergab für einen Verſuch 1,48, für einen zweiten 1,455, alſo im Mittel 1,467. Bei einem etwas ſtärker gepreßten Pulverkuchen wurde, nachdem die Ober⸗ fläche deſſelben mit Schellackfirniß getränkt worden, das ſpecifiſche Gewicht im Waſſer 1,579 gefunden, nach der Sättigungsmethode bei einer Beſtimmung 1,572, bei einer zweiten 1,580, im Mittel alſo 1,576. U 2 136 Vergleicht man dieſe und die bereits oben S. 132 aufgeführten Zahlen, ſo kann man nicht leugnen, daß man der Löſung der Aufgabe nach einer genauen 105 ſpecifiſchen Gewichtsbeſtimmung ziemlich nahe gerückt iſt. Um wie vieles zuver⸗ ſFe⸗ läſſiger die Heeren'ſche Methode vor der des raſchen Einſchüttens iſt, hat Hee—⸗ ers ren ſelbſt gezeigt, indem er den ſoeben erwähnten Pulverkuchen, deſſen ſpecifiſches Gewicht nach dem Tränken mit Stearinſäure 1,47 und nach der Sättigungs⸗ 1185 methode 1,467 betrug, der Methode des raſchen Einſchüttens unterwarf, wonach 3 er ein ſpecifiſches Gewicht von 1,657 erhielt. Der andere Pulverkuchen von 25 1,579 ſpecifiſchem Gewichte ergab nach der Sättigungsmethode in zwei Verſuchen 21 1,58 und 1,572, nach der Methode des Einſchüttens dagegen 1,746. er⸗ Weitere Belege geben folgende Zahlen: ugte Methode der Methode des raſchen Sättigung. Einſchüttens. Geſchützpulver von Waltham-Abbey, vom 28. Fe— büntat iS85 1,556 1,715 Geſchützpulver, ebendaher, ältere Fabrikation... 1,524 1,617 0 Geſchützvulver von Bomlitz in Hannover.... 1,401 1,568 Eigenſchaften. Methode der Methode des raſchen Sättigung. Einſchüttens. Geſchützpulver von Aerzen in Hannover..... 1470 1,520 Geſchützpulver nach der Champy'ſchen Methode fabri— cirt, aus einer unbekannten Fabrik.... 1,440 1,568 Um die verſchiedenen Grade der Dichtigkeit dieſer Pulverſorten klarzuſtel— len, berechnete Heeren, in welchem Verhältniſſe das Volumen der mit Luft er⸗ füllten Poren zu dem Volumen der ganzen Pulverkörner ſteht, wobei er das letztere zu 100 annahm, und fand für: Geſchützpulver von Waltham-Abbey vom 28. Februar 1850... 100: 22,6 Geſchützpulver, ebendaher, ältere Fabrikatioannn..... 100: 24,1 Geſchützpulver von Bomlitz... 100308 Geſchützpulver von Aerzen...... 100: 26,9 Champy'ſches Puter 100: 28,3 Die Unterſchiede ſpringen noch deutlicher in die Augen, wenn man das Ver⸗ hältniß zwiſchen Luft und feſter Subſtanz berückſichtigt. Die folgende Zuſammen⸗ ſtellung zeigt dieſes Verhältniß, wobei das Volumen der feſten Subſtanz gleich 100 geſetzt iſt: Geſchützvulber von Waltham-Abbey vom 28. Februar 1850... 100: 29,2 Geſchützpulver, ebendaher, ältere FabrikatianhRgg... 100: 31,8 Geſchüsdülder don Bonmi:::: 100: 43,4 Geſchützpulver von Aerzen 100: 36,8 Champyzſches Pulherr 8 100: 39,4 Neben dieſer Methode verſuchte man auch den Alkohol durch Terpentinöl und feine fette Oele zu erſetzen, ohne indeß die Genauigkeit in den Reſultaten zu erzielen, wie man ſie nach der Heeren'ſchen Methode erhält. In den franzöſiſchen Pulverfabriken bedient man ſich zur Beſtimmung des ſpecifiſchen Gewichtes des Pulvers einer geſättigten Salpeterauflöſung. Dieſes Verfahren iſt aus folgenden Gründen als unzuverläſſig zu bezeichnen. Die Auflöſung hat nach Maßgabe der Temperatur eine verſchiedene Dichtigkeit, die ſchweren Theile ſinken daher zu Boden. Fernerhin iſt es nicht gut möglich, die Temperatur während der Unterſuchung auf genau gleicher Höhe zu erhalten. Iſt dies aber nicht der Fall, ſo kryſtalliſirt entweder ein Theil des aufgelöſten Salpeters aus oder der in dem Pulver enthaltene Salpeter löſt ſich theilweiſe auf, wodurch die Zuſammenſetzung des Pulvers geändert wird. Zu bemerken iſt noch ein Verfahren, welches General Otto zur Beſtimmung des relativen ſpecifiſchen Gewichtes für Pulverkuchen angab, da dieſes noch ge— nauere Reſultate ergiebt, als die Methode von Heeren. Das Weſen dieſer Methode beſteht darin, den Pulverkuchen mit einem Ueber⸗ zuge zu umgeben, der einestheils die unmittelbare Berührung zwiſchen der ange— wandten Flüſſigkeit und dem Pulverkuchen ausſchließt, anderentheils aber eine genaue Beſtimmung ſeinem Gewichte und Volumen nach zuläßt. Nach einer Reihe von Verſuchen erwies ſich das Collodium als das paſſendſte Material für einen ſolchen Ueberzug. Das zu beobachtende Verfahren iſt folgendes. Das Stück Pulverkuchen, welches unterſucht werden ſoll, wird genau gewogen und ſodann mit Collodium über eine lodin lirte ſo fi und Gey wo We nae atr Wẽ̃ nu kuc hör ſchen ſtel⸗ er⸗ ztere Ver⸗ nen⸗ leich tinöl 1 zu des nen. keit, lich, lten. hſten auf, lung ge⸗ ber⸗ nge⸗ eine idſte hen, ium Dichtigkeit. 135 überzogen. Zur Beſtimmung des ſpecifiſchen Gewichtes dieſes Ueberzuges wird eine matt geſchliffene Glasplatte von bekanntem Gewichte mit einem gleichen Col⸗ lodiumüberzuge wie der Pulverkuchen verſehen und nach dem Trocknen unter deſtil⸗ lirtem Waſſer gewogen. Wägt man nun den überzogenen Pulverkuchen in der atmoſphäriſchen Luft, ſo findet man durch die Gewichtsdifferenz das Gewicht des Collodiumüberzuges und bei darauf folghender Wägung des Pulverkuchens unter Waſſer das ſpecifiſche Gewicht des unüberzogenen Stückes Pulverkuchen. Hinſichtlich der Einzelheiten des Verfahrens iſt Folgendes zu bemerken. Um den Pulverkuchen mit einem waſſerdichten Ueberzuge zu verſehen, er⸗ wärmt mian den vorher ſorgfältig getrockneten und gewogenen Pulverkuchen und bepinſelt ihn dann 20mal mit Collodium, welchem man etwas Leinölfirniß zuge⸗ ſetzt hat. Vorſchrift iſt, daß auf 8 8 Collodium, wie man es in den Apotheken käuflich erhält, 10 Tropfen Leinölfirniß kommen. Jeder nächſte Anſtrich erfolgt erſt dann, wenn der vorhergehende trocken iſt. Der Kuchen darf unter keinen Umſtänden zur Beſchleunigung des Trocknens in die Nähe des Ofens u. ſ. w. gebracht werden, weil die durch den Ueberzug am Entweichen verhinderte atmo⸗ ſphäriſche Luft durch die Wärme ausgedehnt den Ueberzug theilweiſe auftreiben, theilweiſe Blaſen auf demſelben hervorrufen würde, wodurch jegliche Zuverläſſig— keit für die ſpecifiſche Gewichtsbeſtimmung verſchwände. Der Zuſatz von Leinöl⸗ firniß geſchieht deshalb, um einestheils ein innigeres Anſchmiegen des Ueberzuges zu bewerkſtelligen, anderentheils aber, um das Platzen deſſelben zu verhüten und ſo das Eindringen von Waſſer bei der nachher erfolgenden Wägung unter Waſſer zu verhindern. Sowie der Pulverkuchen in der oben angegebenen Weiſe mit Collodium überzogen iſt, wird er wieder gewogen und darauf unter Waſſer ſein Gewicht ermittelt. Bezeichnet man nun das kurz vor dem erſten Ueberzuge ge⸗ fundene Gewicht mit P, das nach erfolgtem Ueberzuge in atmoſphäriſcher Luft ermittelte mit P' und das darauf unter Waſſer gefundene mit 0“, ſo iſt, wenn man das unbekannte Gewicht des unüberzogenen Pulverkuchens unter Waſſer —(ſetzt, 7— der unbekannte Gewichtsverluſt, welchen der unüberzogene Pulverkuchen für ſich beim Wägen unter Waſſer erlitten haben würde und danach: ¹— 5—= K85 wo 8 das ſpecifiſche Gewicht des Collodiumüberzuges bedeutet. Mittelſt dieſes Werthes iſt das ſpecifiſche Gewicht des Pulverkuchens G: 2 G 3 00 Zur Ermittelung des ſpecifiſchen Gewichtes des Collodiumüberzuges wird nach Otto eine matt geſchliffene Glasplatte, etwa 50 bis 65 g ſchwer, genau in atmoſphäriſcher Luft und ſodann unter Waſſer gewogen. Das bei der erſten Wägung gefundene Gewicht heiße J, das bei der zweiten N/. Die Platte wird nun ſorgfältig abgetrocknet und in derſelben Weiſe, wie oben für den Pulver⸗ kuchen angegeben, mit Collodium überzogen, alſo auch 20mal. Iftt die Decke ge— hörig trocken, ſo wägt man die Glasplatte von Neuem in freier Luft und ſodann unter Waſſer; die hierbei gefundenen Gewichte ſeien I und N“. Danach „/ũ%ê ˙···· AAA——————AP—A+AEAECEcccckkXEcc ˙ AAQAÄ ²Vk̃!········· — ͤXͤXͤð—ð ͤ——— 136 Eigenſchaften. bedeutet alſo 1“— L das Gewicht des Collodiumüberzuges und I“— L —(— den Verluſt, welchen das Gewicht des Collodiums beim Wägen unter Waſſer erlitten hat. Man hat ſomit für das ſpecifiſche Gewicht des Col— lodiumüberzuges 8: 8 L— L I— ſßf Zur Beurtheilung über den Grad der Genauigkeit dieſer Methode ſeien hier einige Beiſpiele mitgetheilt, die mit einem ſorgfältig ausgewählten Stücke Pulver⸗ kuchen ausgeführt wurden. Daſſelbe war in 12 Thle. getheilt worden. Gewichet Gewichtsver— Bezeich⸗ luſt des über⸗ nung der] nicht überzogen des überzogen Tzogenen Speci⸗ 15 ö Pulverkuchens 57 Pulver-⸗überzogen im Ueber⸗ unter 0 8 fiſches im Frei Frei Aüges Waſſer Kunter Waſſer f kuchen-im Freien] Freien zuges Waſſer Gewicht. ſtücke. Gramme. 1 13,695 13,974 0,279 5,393 8,581 1,63930 2 15,056 15,374 0,318 5,939 9,435 1,64072 3 14,399814,676 0,283 5,672 9,004 1,64043 4 14,358 14,666 0,308 5,639 9,027 1,63594 5 14,167 14,571 0,404 5,590 8,981 163732 6 15,07615,397 0,321 5,955 9,4 1,64208 ...........ccCCcc Im Mittel: 1,63930 Das ſpecifiſche Gewicht des Collodiumüberzuges betrug 1,23. Dieſe Verſuche wurden am 5. November 1857 ausgeführt und am 2. De— cember 1857 noch einmal mit denſelben Stücken wiederholt. Die Stücke wurden ſodann nach geſchehener hydroſtatiſcher Wägung ſorgfältig abgetrocknet, ihr ſpeci⸗ fiſches Gewicht in der graduirten Röhre mittelſt Eintauchens in Alkohol beſtimmt und darauf, nachdem der Collodiumüberzug behutſam abgeſchält worden war, noch einmal in Alkohol auf ihr ſpecifiſches Gewicht unterſucht. Die Ergebniſſe dieſer Verſuche finden ſich in der Tabelle auf folgender Seite verzeichnet. Zur beſſeren Vergleichung ſind die Reſultate vom 5. Novem⸗ ber vorangeſtellt. Wie man aus der Tabelle erſieht, ſind die an beiden verſchiedenen Tagen vermöge der hydroſtatiſchen Wägung gefundenen mittleren ſpecifiſchen Gewichte nur um 0,00085 von einander verſchieden, eine Differenz, welche ſo geringfügig iſt, daß man wohl dieſes Verfahren, ſoweit es Pulverkuchen betrifft, als vollkom— men zuverläſſig und genau anſprechen darf. Daß das ſpecifiſche Gewicht bei der Einſchüttemethode(Rubrik 3) etwas hinter der hydroſtatiſchen Wägung zurückbleibt, mag darin ſeinen Grund haben, daß! komm Bez nung Pul kuch ſtüc Mi ſehr klörne Ausft Aus der N rat z einem fallen den hineil ſind verbu ſich e der J Die gen 'ol⸗ hier er⸗ O0= OO 8 S ̃ Dichtigkeit. 137 daß die Adhäſion des Alkohols an den Glaswandungen dabei mit in das Spiel kommt, wenigſtens läßt ſich eine andere Erklärungsweiſe nicht leicht finden. Rubrik 4 hat bereits oben ihre Erledigung gefunden. Specifiſches Gewicht ermittelt Bezeich⸗ durch hydroſtatiſche Wägung in deſtil— unter Anwendung der gra— nung der lirtem Waſſer unter Anwendung eines duirten Glasröhre mit Al— 85 Collodiumüberzuges ho Pulver⸗ Collodiumüberzuge kohol kuchen⸗ mit vorhan-⸗ Hnach abge⸗ einfache Wieder⸗ ſtücke. am 5. November bölung uäm 2. Oe denem ſchältem E 9 0 8——„————498 ͤͤ—öʒĩ—ͤ ⅛W 1857. 87 cember 1857. Collodiumüberzuge. 1 1,63930 1,63923 1,65862 1,6418 2 1,64072 1,64179 1,62437 1,6945 3 1,64043 1,64133 1,62635 1,6774 4 1,63594 1,63670 1,63980 1,6284 5 1,63732 1,63888 1,63315 1,7225 6 1,64208 1,64298 1,62695 1,6574 Mittel 1,63930 1,64015 1,63487 1,67032 Bei der großen Genauigkeit, welche dieſe Methode bietet, ließe ſich dieſelbe ſehr gut zur Ermittelung des ſpecifiſchen Gewichtes der prismatiſchen Pulver— körner benutzen, wenn nicht, ganz abgeſehen von der Schwierigkeit der techniſchen Ausführung, das ganze Verfahren mit ſo großem Zeitaufwande verbunden wäre. Aus dieſem Grunde iſt man denn auch von der ſoeben erwähnten Anwendung der Methode abgeſtanden und hat in neueſter Zeit Hauptmann Bothe einen Appa— rat zur ſpecifiſchen Gewichtsbeſtimmung der prismatiſchen Pulverkörner conſtruirt. Der Apparat beſteht, wie Fig 23(a. f. S.) zeigt, aus einem Geſtelle, einem dickwandigen Glaſe und einem Wagſchalengerüſte. Der Ring des Geſtelles iſt derart conſtruirt, daß das Glas, ohne durchzu— fallen, in denſelben geſetzt werden kann. Das Glas, welches oben abgeſchliffen iſt, beſitzt ziemlich dicke Wände, um den Druck des Queckſilbers, welcher bei Ausführung der Methode in das Glas hineingegoſſen wird, bequem aushalten zu können. Das Wagſchalengerüſt iſt aus Stahl angefertigt. Die drei Säulen deſſelben ſind oben durch ein dreiarmiges, horizontal liegendes Verbindungsſtück mit einander verbunden. An der Stelle, wo die drei Verbindungsſtücke ſich vereinigen, befindet ſich eine verſtellbare Stahlnadel. An den drei Armen iſt ebenfalls und zwar in der Nähe der verſtellbaren Nadel je eine feſt geſchraubte Stahlnadel angebracht. Die Stellung dieſer vier Nadeln iſt eine derartige, daß die Spitzen der drei in den SSFE..... 138 Eigenſchaften. Armen des Verbindungsſtückes befindlichen, alſo der äußeren Nadeln in ein und derſelben Ebene liegen, während die Spitze der mittleren, verſtellbaren Nadel 2 mm höher ſteht. Um dieſen Punkt genau zu treffen, verfährt man am einfachſten in der Fig. 23. Weiſe, daß man auf den Ring des Geſtel— les eine Glasplatte legt, die ſo breit iſt, daß die drei äußeren Nadeln auf derſelben aufliegen können. Auf dieſe Glasplatte ſetzt man ſodann das Wagſchalengerüſt, ſchraubt die mittlere Nadel in die Höhe und legt nun auf die Mitte der Glasplatte eine kleinere Glasplatte, welche genau 2 mm dick iſt. Man ſchraubt nun die mittlere Nadel ſo lange herunter, bis ſie die klei⸗ nere Glasplatte gerade berührt. Iſt dies erfolgt, ſo iſt das Wagſchalengerüſt zum Gebrauche fertig. Bei Ausführung der ſpeeifiſchen Ge⸗ wichtsbeſtimmung wird der Apparat auf einen horizontal- und feſtſtehenden Tiſch geſetzt und das Glas mit Queckſilber ge füllt, wie aus Fig. 23 erſichtlich iſt. Das Queckſilber muß ſtaubfrei und ſoll chemiſch rein ſein. Iſt letzteres nicht der Fall, ſo muß das Queckſilber zuerſt auf ſein ſpecifiſches Gewicht unterſucht werden. Zur Ermittelung des ſpecifiſchen Gewichtes des Queckſilbers iſt dem Appa rate eine Stahlkapſel von 217 g Gewicht beigegeben, deren ſpecifiſches Gewicht bei 13,750 C. 7,6552 beträgt. Nachdem man die Temperatur im Wägungs— raume beobachtet hat, wird auf das Queckſilber die Stahlkapſel gelegt und ſodann das gewogene Wagſchalengerüſt aufgeſetzt. Man belaſtet nun die Wagſchale mit Gewichten, bis die Stahlkapſel ſo weit unter das Queckſilber gedrückt iſt, daß die mittlere Nadel gerade den Queckſilberrand berührt. Bezeichnet man das Gewicht der Stahlkapſel mit S und deren ſpecifiſches Gewicht mit 5, das Gewicht des Wagſchalengerüſtes mit M, die aufgelegten Gewichte mit& und das Gewicht der verdrängten Queckſilbermenge mit, ſo iſt: O ⸗= G + WI+/S, das Volumen der Stahlkapſel Y: 8 5 und ſonach das ſpecifiſche Gewicht des Queckſilbers P: 563 9¹ V Hat man das ſpecifiſche Gewicht des Queckſilbers ermittelt, ſo wird das prismatiſche Pulverkorn, nachdem man daſſelbe von dem ihm etwa anhaftenden Pulverſt e mitte Pif 54001 10 Pulverſtaube mittelſt eines Pinſels befreit hat, auf einer gut ziehenden Wage gewo gerüt den! nicht ſchal und die m von Wag Bere lich P, d gerüt Gew das reits wich vergl meth und mum aubt legt eine min wicht ungs dann ſchale kt iſt, n das wicht wicht d das tenden Wage Dichtigkeit. gewogen und ſodann auf das Queckſilber gelegt. Man ſetzt nun das Wagſchalen⸗ gerüſt in der Art auf, daß die drei Wagſchalenſäulen weder die Glaswände noch den Ring des Geſtelles berühren und trägt dafür Sorge, daß das Pulverkorn ſich nicht an den inneren Wänden des Glaſes reibt. Man belaſtet darauf die Wag— ſchale mit ſo vielen Gewichten, daß alle vier Nadeln in das Queckſilber tauchen und nimmt ſodann ſo viel der Gewichte von der Wagſchale wieder herunter, bis die mittlere Nadel mit ihrer Spitze gerade die Oberfläche des Queckſilbers berührt. Daß das dreiarmige Verbindungsſtück horizontal ſtehen muß, verſteht ſich von ſelbſt. Man kann dieſe Lage ſehr leicht durch Rücken der Gewichte auf der Wagſchale herbeiführen. Iſt ſchwimmendes Gleichgewicht eingetreten, ſo hat man alle Factoren zur Berechnung des ſpecifiſchen Gewichtes des Pulverkornes. Bezeichnet man näm⸗ lich das ſpecifiſche Gewicht des Queckſilbers bei der beobachteten Temperatur mit 7, das abſolute Gewicht des Pulverkornes mit 8, das Gewicht des Wagſchalen— gerüſtes mit Weund die auf die Wagſchale gelegten Gewichte mit 6, ſo iſt das Gewicht der verdrängten Queckſilbermaſſe G: ◻ G + S, das Gewicht der gleich großen Waſſermenge N: 132 5 und das ſpecifiſche Gewicht des Pulverkornes 2: 85 8 51 8 II U ES Y 7 ˙S 452 Wie das abſolut ſpecifiſche Gewicht des Pulvers ermittelt wird, iſt be— reits S. 131 erwähnt worden. Zum Schluſſe ſei noch eine Tabelle aufgeführt, in welcher das cubiſche Ge— wicht verſchiedener Pulverſorten mit dem relativen ſpecifiſchen Gewichte derſelben verglichen iſt. Bemerkt ſei hierbei, daß das ſpecifiſche Gewicht nach der Alkohol— methode des raſchen Einſchüttens beſtimmt wurde. 2 Speeifiſches Benennung der Pulverſorte. Cubiſches Gewicht. Gewicht ewicht. Ganz grobkör-ſ Niederländ. ord. Pulver... niges Pulverel Oeſterreichiſches 75 von le Bonchet leckiges) „ Ettlingen „ Hounslowleckiges) S i DD Sσ Eree S S W2 E Geſchützpulver „Dänemark Eigenſchaften. Benennung der Pulverſorte. Cubiſches Gewicht. 5EEFEEEEEECECC......... Kg g von Bern(Nr. 60)) 29 187,5 1,67 „Neiſſe(ord. Pulver).. 30— 1,77 3„ Berlin(neue Fabrikatio 30— 1,68 Geſchützpulver 65 8325 5 190„Neiſſe(neue Fabrikation) 30— 1,67 „ Rußland(lord. Pulver). 30 156,2 1,56 „ Dänemark(rundes)... 31 468,75 1,72 „Dänemark leckiges)... 28,5— 1,77 Hoünsſomm 29,5— 1,72 Gewehrpulver„ Berlin(neue Fabrikation) 30— 1,63 Bern(Ir) 30 328,125 1,67 „ München leckiges)... 31— 1,82 15„Le Bouche. 29,625— 1,87 Pirſchpulver„ Berlin(alte Fabrikation) 31— 1,77 Vergleicht man die Zahlen der beiden Colonnen mit einander, ſo läßt ſich dar— aus nicht folgern, daß Pulverſorten von gleichem ſpecifiſchen Gewichte auch glei— ches cubiſches Gewicht haben müſſen; vielmehr kann ein und daſſelbe ſpecifiſche Gewicht einem ſehr verſchiedenen cubiſchen Gewichte zum Grunde liegen. Für die Beurtheilung eines Pulvers iſt es deshalb nothwendig, beide Größen zu be⸗ ſtimmen. Das ſpecifiſche Gewicht giebt über die Beſchaffenheit der Satzmaterialien, über das Verhältniß, in welchem dieſe zuſammengeſetzt wurden und über die an⸗ gewandte Kraft zu ihrer Verdichtung zu Pulverkuchen ſummariſchen Aufſchluß. Das cubiſche Gewicht hängt aber außerdem noch von der Größe und Geſtalt der Körner, der Politur und dem Staubgehalte des Pulvers ab; den gewünſchten Aufſchluß über die Wirkung des Pulvers giebt nur das cubiſche Gewicht als End— reſultat aller und namentlich auch der letzten Fabrikationsoperationen. Da nun ferner die größere oder geringere geſchützzerſtörende Eigenſchaft des Pulvers der ſchnelleren oder langſameren Zerſetzung deſſelben zugeſchrieben wird, dieſe aber unter ſonſt gleichen Umſtänden von der geringeren oder größeren Dich— tigkeit der Körner abhängt, ſo wird ſich aus dem ſpecifiſchen Gewichte des Pul⸗ vers als dem Maßſtabe für die Dichtigkeit ſeiner Körner auch auf den Grad ſeiner geſchützzerſtörenden Eigenſchaft ſchließen laſſen. Endlich wird das Pulver um ſo länger und beſſer den nachtheiligen Ein— wirkungen anhaltenden Transportes, wiederholter Handhabung und ungünſtiger ſpecifi ßen womi erhält ſchied unter ſchläg weder dicht perati im V ermit geben Norm ver a. ſtellte Feuchtigkeitsgehalt. Witterung widerſtehen, je dichter und demnach feſter ſeine Körner ſind, daher das ſpecifiſche Gewicht auch hierüber den nöthigen Aufſchluß ertheilt. es 6. Der Feuchtigkeitsgehalt. Um den Feuchtigkeitsgehalt des Pulvers kennen zu lernen, werden in Preu— ßen 41,5 g Pulver in einem Waſſerbade getrocknet, indem man das Waſſer, womit letzteres gefüllt iſt, durch eine Spiritusflamme 30 Minuten lang im Kochen erhält. Das getrocknete Pulver wird wieder gewogen, worauf der Gewichtsunter— ſchied den Feuchtigkeitsgehalt angiebt. An anderen Orten trocknet man das über Schwefelſäure ſtehende Pulver unter dem Recipienten der Luftpumpe. Will man das Pulver auf ſeine Neigung, Feuchtigkeit anzuziehen, prüfen, ſo ſchlägt man in der Regel ein anderes Verfahren ein. Das Pulver wird ent— weder in einen feuchten Keller oder in einen theilweiſe mit Waſſer gefüllten, luft⸗ dicht verſchließbaren Bottich geſtellt und in demſelben nach Maßgabe der Tem— peratur längere oder kürzere Zeit ſtehen gelaſſen, ſodann aber die Gewichtszunahme im Vergleiche mit der Gewichtszunahme eines ebenſo behandelten Normalpulvers ermittelt. In Schweden darf nach einer Verordnung von 1831 das auf die ange— gebene Weiſe behandelte Pulver höchſtens 50 Proc. Feuchtigkeit mehr als das Normalpulver in ſich aufnehmen. Wie wenig zuverläſſig dieſes Verfahren iſt, zeigen folgende mit Normalpul— dar ver angeſtellte Verſuche. Von fünf jedesmal gleichzeitig in einem Bottich aufge— ar. ve argef ö icheemal gleiczeitg 9 ſtellten Proben à 100 g hatten an Feuchtigkeit aufgenommen: ſiſche Für tbe⸗—————— Feuchtigkeitsanziehung lien, Temperatur in Procenten an⸗ Datum. 8185 hluß nach Celſius. Hluß. größter t der Mistel Unterſchied. chten End⸗ 27. Mai 10,9 2,40 0,56 14. Juni 16,6 6,70 3,19 des 18. Juli 2144 5711 141¹ 975 1. Auguſt 18,1 6,99 1,53 8 5 26. Auguſt 219 3,72 104 ul⸗ 0 7. October 13,6 6,43 1,18 Brad 17. Oetober 10,½2 6,93 1,04 Seis 31. Oetober 7,5 6,638 0,76 142 Eigenſchaften. Dieſe Erſcheinung erklärt ſich ganz einfach, wenn man bedenkt, daß der Waſſerdampf bei höherer Temperatur dichter iſt als bei niedrigerer. Fällt daher die Temperatur im Bottiche, ſo ſchlägt ſich aus der nunmehr überſättigten Luft der Waſſerdampf zum Theil nieder und benetzt die Proben, ſteigt die Temperatur wieder, ſo verdampft die niedergeſchlagene Feuchtigkeit entweder ganz oder zum Theil, ſo daß es alſo lediglich vom Zufall abhängt, ob das Pulver mehr oder weniger hygroſkopiſch erſcheint. Aus dieſem Grunde dürfte es viel zweckmäßiger ſein, feuchtes Pulver, er⸗ kenntlich an der ſchwärzeren Farbe, mit weniger feuchtem in der Weiſe zu vergleichen, daß man die gewogenen Proben, wie oben angegeben, auf dem Waſſerbade trocknet und ſodann wieder wägt. Die Gewichtsunterſchiede in den beiden Wägungen geben die Menge der verdunſteten Feuchtigkeit an, woraus ein Schluß auf die Feuchtigkeitsanziehung ſelbſt gezogen werden kann. Erwähnt ſei noch, daß Pulverſatz mehr Feuchtigkeit anzieht als gekörntes Pulver und feinkörniges mehr als grobkörniges. Letzteres iſt aber durch Trocknen ſchwieriger wieder herzuſtellen als feinkörniges. Cubiſch leichteres Pulver zieht mehr Feuchtigkeit an als cubiſch ſchwereres und abgerundetes Pulver weniger als nicht abgerundetes. Mit der Menge der Kohle wächſt auch der Feuchtigkeits⸗ gehalt. Nach Waſhingtoner Verſuchen ſcheint jedoch das Pulver um ſo weniger Feuchtigkeit anzuziehen, je ſtärker die Kohle gebrannt iſt. Feucht gelegtes und wieder getrocknetes Pulver ergab nach Verſuchen zu Waſhingten beim Gewehrpendel im Verhältniß zur urſprünglichen Anfangs⸗ geſchwindigkeit um ſo kleinere Unterſchiede, je lockerer die Körner deſſelben waren. Von noch größerem Intereſſe ſind die in Spandau gemachten Beobachtungen, wo⸗ nach feuchtes und wieder getrocknetes Pulver größere Wirkungen zeigte als in ſeinem urſprünglich trocknen Zuſtande. So ergab beim Gewehrpendel Gewehr— pulver trocken 1060,3“ Kugelgeſchwindigkeit, daſſelbe, nachdem es 2,75 Proc. Feuch⸗ tigkeit angezogen hatte und dann wieder getrocknet war, 1073,7“ Kugelgeſchwin— digkeit. Bei einem anderen Verſuche zeigte trocknes Gewehrpulver 1017½7 daſſelbe, nachdem es 7/ Proc. Feuchtigkeit angezogen hatte und wieder getrocknet worden war, 1034,4 Kugelgeſchwindigkeit. Bei einem zehnpfündigen Mörſer ergab trocknes Geſchützpulver 548,4 Schritt, daſſelbe, nachdem es 1 Proc. Feuch— tigkeit angezogen und darauf getrocknet worden, 584,8 Schritt Kugelgeſchwin— digkeit. Dieſe Zunahme der Anfangsgeſchwindigkeit mag wohl in der größeren Auflockerung der Pulverkörner, welche durch das Trocknen herbeigeführt wurde, ihren Grund haben. II. Die chemiſchen Eigenſchaften des Pulvers. Die Grundlagen für die chemiſchen Eigenſchaften des Pulvers bildet immer die chemiſche Zuſammenſetzung, das Miſchungsverhältniß der Beſtandtheile. Ehe alſo auf die chemiſchen Eigenſchaften des Schießpulvers genauer eingegangen wer— den kann, iſt es nöthig, abzuh ſamm drei? in je ſelben ben, i überzt tigkei büche Beſt. geha Waſſ. Verfo auf d befan müſſe weilte ſikalif an ih Trock beher Zahl der r ſuchet Kohl hältn auch gezog nur gehal wird pulv woge getre fortf liche 0,90 zum oder er⸗ zu dem den ein ntes knen iger zu ngs⸗ wen. wo⸗ 8 in dehr⸗ euch⸗ win⸗ 1, cknet örſer euch⸗ win⸗ zeren urde, umer Ehe wer⸗ Analyſe. die quantitative Analyſe des Schießpulvers abzuhandeln. Bei der quantitativen Analyſe des Schießpulvers, deſſen qualitative Zu⸗ ſammenſetzung als bekannt vorausgeſetzt wird, verfährt man zur Beſtimmung der drei Beſtandtheile entweder in der Weiſe, daß man Salpeter, Schwefel und Kohle in je einer beſonderen Portion oder daß man alle Beſtandtheile in ein und der⸗ ſelben Portion beſtimmt. Man mag nun den einen oder anderen Weg beſchrei⸗ ben, immerhin wird es unbedingt nothwendig ſein, das Pulver zuerſt in die Form überzuführen, in welcher es zur Unterſuchung geeignet iſt, es alſo von aller Feuch⸗ tigkeit zu befreien. Es iſt ein ganz eigenthümliches Mißverſtändniß, welches in allen Lehr⸗ büchern wiederkehrt, daß bei der Unterſuchung des Schießpulvers auf ſeine Beſtandtheile als erſte Operation die Beſtimmung des Feuchtigkeits— gehaltes angeführt wird, gerade als ob das dem Pulver mechaniſch anhängende Waſſer ein weſentlicher Beſtandtheil des Pulvers ſei. Die Unrichtigkeit dieſes Verfahrens tritt ſofort vor Augen, wenn man bedenkt, daß es einzig und allein auf die Umſtände ankommt, unter welchen ſich das Pulver vor der Unterſuchung befand, die Ergebniſſe des Feuchtigkeitsgehaltes alſo ganz verſchieden ausfallen müſſen, je nachdem das Pulver in einer trocknen oder feuchten Atmoſphäre ver⸗ weilte. Durch die Beſtimmung des Feuchtigkeitsgehaltes wird lediglich einer phy⸗ ſikaliſchen Seite des Schießpulvers Ausdruck verliehen, welche hier um ſo weniger an ihrem richtigen Orte iſt, als, wie oben bemerkt, das fertige Schießpulver durch Trocknen möglichſt von aller Feuchtigkeit befreit iſt. Dieſer Umſtand iſt wohl zu beherzigen, da, ſobald die bei der Beſtimmung des Feuchtigkeitsgehaltes gefundenen Zahlen in die Ergebniſſe der quantitativen Analyſe mit aufgenommen werden, der richtige Standpunkt von vornherein verrückt wird. Denn wenn das zu unter⸗ ſuchende Pulver z. B. aus 74 Thln. Salpeter, 16 Thln. Schwefel und 10 Thln. Kohle beſteht, ſo ſtehen dieſe drei Körper nicht allein in dem gegenſeitigen Ver⸗ hältniſſe von 74:16: 10, ſondern die Summe dieſer drei Verhältnißzahlen macht auch die Zahl 100 aus. Sowie der Feuchtigkeitsgehalt aber mit in Rechnung gezogen wird, geſtaltet ſich die Sache anders und es kann namentlich, wenn mit nur kleinen Quantitäten gearbeitet wird und bei nicht allzugeringem Feuchtigkeits⸗ gehalte leicht der Fall eintreten, daß der Salpeter um 1 Proc. zu niedrig gefunden wird, wodurch dann falſche Schlüſſe gezogen werden können. Aus dieſen Gründen muß daher die quantitative Unterſuchung des Schieß— pulvers ſtets auf trocknes Pulver bezogen werden. Zur Entfernung der in dem Pulver befindlichen Feuchtigkeit wird das abge⸗ wogene Pulver entweder im Vacuum oder auch im Exſiccator über Schwefelſäure getrocknet oder man leitet Luft über daſſelbe, damit dieſe die Feuchtigkeit mit ſich fortführe. Das Letztere kann auf doppelte Weiſe geſchehen, indem man gewöhn⸗ liche, trockne oder erwärmte trockene Luft durch das Pulver ſtreichen läßt. Bei Ausführung des erſteren Verfahrens bedient man ſich nach Linck einer ,9 em im Lichten weiten, 14 em langen, im Drittel ihrer Länge zu einer 0,2 em 144 Analyſe. weiten Spitze ausgezogenen Glasröhre, die da, wo der weite Theil in den ausge— bogenen übergeht, mit einem 1,5 em hohen, ausgeglühten, locker eingeſtampften Asbeſtpfropfen verſehen wird. Die trockne Röhre wird für ſich gewogen und darauf das zerriebene Schießpulver(etwa 3 g) eingefüllt. Man leitet ſodann bei gewöhnlicher Temperatur durch die Röhre einen vollkommen trocknen Luftſtrom, bis keine Gewichtsabnahme mehr erfolgt und erfährt auf dieſe Weiſe die Menge des trocknen Pulvers. Werther wendet zur Entfernung der Feuchtigkeit erwärmte trockne Luft an. Nach ihm bringt man in eine gewogene Glasröhre von etwa 2,6 om Durch meſſer und 7,8 em Länge, an deren Enden zwei dünne Glasröhren angeblaſen ſind, das zu unterſuchende Pulver. Der Apparat wird in ein Waſſerbad getaucht und darauf das eine Ende des Apparates mit einem Chlorcalciumrohre, das andere mit einer Handluftpumpe oder einem Aspirator verbunden und ſodann das Waſſer zum Sieden erhitzt. Sowie das Waſſer zu kochen anfängt, wird mit Hülfe des Aspirators oder der Luftpumpe ſo lange trockne Luft durchgeleitet, als noch in dem mit dem Saugapparate verbundenen Theile des Apparates ein Waſſer— beſchlag wahrnehmbar iſt. Nun wird der Apparat herausgenommen, ſorgfältig abgetrocknet, mit gewogenen Körken verſchloſſen und erkalten gelaſſen, der eine Kork einen Augenblick geöffnet, damit ſich die Röhre mit Luft anfüllen kann, ſofort aber wieder geſchloſſen und der Apparat ſodann gewogen. Dieſes Verfah— ren wird ſo lange wiederholt, bis ſich kein Gewichtsunterſchied mehr zeigt. Da durch die Anordnung des Apparates möglichſt vermieden wird, daß nach dem Trocknen des Pulvers daſſelbe wieder Feuchtigkeit in ſich aufnimmt, ſo iſt aus dieſem Grunde die Methode, abgeſehen von dem etwas unbequemen Einfüllen des Pulvers, ſehr zu empfehlen. Zu beachten iſt aber immerhin dabei, daß durch die Erwärmung des Pulvers auf 100˙ C. eine theilweiſe Verflüchtigung des Schwefels eintritt, ein Uebelſtand, dem man ſehr leicht dadurch begegnen könnte, daß man das Waſſer ſtatt auf 100o C. nur auf 60 C. erhitzte. Noch hand— licher würde ſich das Verfahren geſtalten, wenn man die Glasröhre durch einen kleinen Trockenkaſten legte und die in demſelben befindliche Luft auf 60 C. er⸗ wärmte. Nach dieſer vorbereitenden Behandlung ſchreitet man zur wirklichen Analyſe des Schießpulvers. Zuerſt zu erwähnen iſt hier das Verfahren, wonach die einzelnen Beſtand— theile in beſonderen Portionen beſtimmt werden. Die Beſtimmung des Salpeters. Eine der üblichſten Methoden iſt die: eine abgewogene Menge Pulver, gewöhnlich 5 9, wird auf ein mit Waſſer angefeuchtetes Filter gebracht und der Salpeter durch wiederholtes Aufgießen kleiner Mengen heißen Waſſers vollſtändig ausgelaugt. Die zuerſt ablaufende Salpeterlöſung fängt man in einer kleinen gewogenen Platinſchale auf, das Waſchwaſſer in einem Becherglaſe. Man damp Waſc Platii ſtand einem 2800 faſt g was höher Salp Färbt 3500 Mens Schn ſtimn ſchuſſ Nach ſtändi in ne 116 lensm ſaure will, hier! niſche Anal haupt beſtin Brur gelöſt Gewi aräol Grad in V mit erhal Metl D 2 ge— ften und bei om, enge hann mit als ſſer⸗ ältig eine ann, rfah⸗ nach o iſt üllen unte, and⸗ einen er⸗ alyſe tand⸗ ilver, der indig einen Man Analyſe. 145 dampft ſodann die Salpeterlöſung vorſichtig ein, indem man nach und nach das Waſchwaſſer hinzufügt und erhitzt ſodann den Salpeter bis auf 280C. Werther fängt die Salpeterlauge und das Waſchwaſſer in einer großen Platinſchale auf, dampft darin ein bis zur Trockne und bringt dann den Rück— ſtand mit einem Platinſpatel in eine kleine tarirte Platinſchale, welche er mit einem Deckel verſchließt, in die größere Schale hineinſetzt und ſodann bis auf 2800 C. erhitzt. Bei dieſer Methode iſt zu bemerken, daß es beim Auslaugen des Salpeters faſt gar nicht zu vermeiden iſt, daß feine Kohlentheilchen durch das Filter gehen, was bei heißem Waſſer, wo die Filterporen mehr ausgedehnt werden, in bei weitem höheren Grade ſtattfindet, als wenn das Auslaugen nur mit kaltem Waſſer geſchieht. Aus dieſem Grunde wird denn auch ſtets, wenn mit heißem Waſſer der Salpeter gelöſt wurde, letzterer nach dem Abdampfen des Waſſers eine bräunliche Färbung zeigen. Den Salpeter zu ſchmelzen, alſo auf eine Temperatur von 3500 C. zu bringen, dürfte inſofern nicht rathſam erſcheinen, als ſich dann kleine Mengen von Salpeter zerſetzen; in dieſem Falle reagirt die in Waſſer aufgelöſte Schmelze ſtets ſchwach alkaliſch. Marchand ſuchte den Salpeter aus dem Kaligehalte des Pulvers zu be— ſtimmen, indem er das in einem Platintiegel befindliche Pulver mit einem Ueber⸗ ſchuſſe von Schwefelſäure übergoß und bei einer Temperatur unter 2000 erhielt. Nach einigen Stunden war alles ſalpeterſaure Salz zerſetzt; es wurde dann voll— ſtändig zur Trockne eingedampft, geglüht und das ſaure ſchwefelſaure Kalium in neutrales Salz übergeführt. 100 Thle. ſchwefelſaures Kalium entſprechen 116 Thln. Salpeter. Bei genauerer Prüfung dieſer Methode erwies ſich dieſelbe als nicht empfeh— lenswerth, da faſt regelmäßig die Maſſe explodirte, wenn auch ſchon alles ſalpeter⸗ ſaure Salz zerſetzt zu ſein ſchien. Viel beſſer dürfte es ſein, wenn man den Salpeter nicht direct beſtimmen will, deſſen Gehalt an Stickſtoff volumetriſch zu ermitteln. Das Verfahren iſt hier ganz daſſelbe, wie bei der quantitativen Nachweiſung des Stickſtoffs in orga⸗ niſchen Verbindungen und kann in dieſer Beziehung auf Freſenius, quantitative Analyſe, 5. Auflage S. 596 fgg. verwieſen werden. Um den Salpetergehalt ſchnell zu ermitteln, hat der öſterreichiſche Artillerie— hauptmann Beſcker eine Methode vorgeſchlagen, welche auf die ſpecifiſche Gewichts— beſtimmung des Salpeters ſich gründet. 400 g Pulver werden in 500 g heißem Brunnen⸗ oder Regenwaſſer, deſſen Dichtigkeit vorher beſtimmt worden iſt, auf— gelöſt, genau auf 14 R. abgekühlt und der durch das Verdampfen entſtandene Gewichtsverluſt durch Waſſer erſetzt. Die filtrirte Löſung wird mit dem Pulver— aräometer unterſucht. Die Einrichtung des letzteren iſt von der Art, daß jeder Grad ½ Proc. Salpetergehalt im Pulver anzeigt, welches in obigem Verhältniſſe in Waſſer gelöſt iſt, ſo daß man nur nöthig hat, die Angabe des Aräometers mit 20 zu multipliciren, um den Procentgehalt des Pulvers an Salpeter zu erhalten. Nach den von Marchand darüber angeſtellten Verſuchen bewährt ſich dieſe Methode nicht, da einerſeits die Temperaturverhältniſſe einen Einfluß haben, Das Schießpulver. 10 ————— eU——-— 146 Analyhſe. andererſeits die Abweichungen im ſpecifiſchen Gewichte ſelbſt bei einer Differenz im Salpetergehalte des Pulvers von 2 Proc. ſo gering ſind, daß ſie nicht mit Sicherheit beſtimmt werden können. Auf demſelben Principe beruht die Methode von Uchatius. 20g Pulver werden mit etwa 50 ꝑ Bleiſchrot in eine Flaſche gebracht, 200 g Brunnenwaſſer mittelſt einer tarirten Saugpipette zugeſetzt, die Flaſche verkorkt und 8 Minuten lang geſchüttelt. Darauf filtrirt man und bringt 172 g des ſalpeterhaltigen Filtrats in ein Becherglas auf die dem angewandten Brunnenwaſſer entſprechende Normaltemperatur. Ein gläſerner Schwimmer wird eingetaucht, welcher ſo con— ſtruirt iſt, daß er bei einem Salpetergehalte des Pulvers von 75 Proc. bei der Normaltemperatur gerade noch zur Oberfläche aufſteigt, während er in der nur mit 4 bis 5 Tropfen Waſſer verdünnten Flüſſigkeit zu Boden ſinkt. Je nachdem nun der Gehalt an Salpeter mehr oder weniger als 75 Proc. beträgt, ſetzt man mittelſt einer graduirten Pipette von einer ſpecifiſch leichteren oder ſchwereren Probe— flüſſigkeit ſo lange zu, bis der Schwimmer das angegebene Verhalten zeigt. Für jede anzuwendende Quantität Brunnenwaſſer iſt die Normaltemperatur zu ermitteln, bei welcher der Schwimmer und eine Löſung von 15 g Salpeter in 200 g des fraglichen Waſſers gleiches ſpecifiſches Gewicht haben, d. h. bei welcher der Schwimmer in dieſer Löſung eben noch aufſteigt, auf Zuſatz von 3 bis 4 Tropfen Waſſer aber niederſinkt. Die ſpecifiſch ſchwerere Probeflüſſigkeit bereitet man in der Weiſe, daß man 20g Salpeter in 200 g Waſſer auflöſt; 7,017 g derſelben, welche auf der graduirten Pipette eine Volumeneinheit füllen, müſſen 160 mg reinen Salpeter enthalten neben 6,857 g einer Löſung, wie ſie ſich durch Behandeln von 20 g Normalpulver(mit 75 Proc. Salpeter) mit 2009 Waſſer bilden müßte. Je eine Volumeneinheit, die zugeſetzt wird, zeigt an, daß das unterſuchte Pulver 1 Proe. Salpeter weniger als 75 enthält. Die ſpecifiſch leichtere Probeflüſſigkeit bereitet man durch Auflöſen von 10,184g Salpeter in 200 g Waſſer, der Zuſatz von 7,017 f derſelben, gleich— falls eine Volumeneinheit darſtellend, zeigt einen Mehrgehalt an Salpeter von 1 Proc. über 75 in dem unterſuchten Pulver an. Nach einer Verordnung von 1831 werden in Schweden 15 g Pulver mit 625 g deſtillirtem Waſſer und ebenſo 70, 75, 80 Proc. dieſer Pulvermenge an reinem Salpeter mit drei gleichen Waſſermengen übergoſſen und die Gewichte beſtimmt, welche nöthig ſind, um eine hohle Glaskugel bis zu einer an ihrem dünnen Halſe angebrachten Marke in dieſe Auflöſungen einzutauchen. Die Unter⸗ ſchiede des nöthigen Gewichtes bei den Salpeterauflöſungen geben leicht die den einzelnen Procenten Salpeter entſprechenden Gewichte, ſo daß man aus den Ge— wichten, welche bei der Pulverlöſung erforderlich ſind, den Salpetergehalt beſtim— men kann. Da in Schweden dem Staate das Pulver zum Theile von Privaten ge— liefert wird, ſo findet neben der Beſtimmung des Salpeters zugleich auch eine Unterſuchung auf Kochſalz ſtatt. Zu dieſem Zwecke werden 50 g Pulver mit Waſſer ausgezogen und mit ſalpeterſaurem Silber verſetzt. Das ausgefallene Chlorſilber wird getrocknet und gewogen. Das Gewicht(nach Abzug des Filters) zelit Filte gebre hitzt Nach Kug wied fortg eine fülle Fehl tiege ſäur diffe ſchüt auf Verf geſch lern die( fiſch des Kug der ſirer iſtd wie beſo renz mit ilver aſſer uten tigen zende con⸗ der nur hdem man robe⸗ ratur peter . bei von man der leich⸗ von rmit ze an wichte ihrem Inter⸗ e den 1 Ge— eſtim⸗ n ge⸗ ) eine r mit fallene ilters) Analyſe. mit 410 multiplicirt giebt die Menge Kochſalz in 50 Kg Pulver an. Das Product darf nicht mehr als 15 g betragen. Die Beſtimmung des Schwefels. Der in dem Schießpulver enthaltene Schwefel läßt ſich auf eine doppelte Art nachweiſen; entweder beſtimmt man ihn als ſolchen oder man führt ihn in Schwefelſäure über. Will man den Schwefel in Subſtanz wägen, ſo verfährt man nach Ber— zelius folgendermaßen. Das Gemenge von Schwefel und Kohle wird auf dem Filter getrocknet, gewogen und ſodann in eine Kugel einer doppelten Kugelröhre gebracht. Man leitet darauf trocknes Waſſerſtoffgas über das Gemenge und er— hitzt letzteres ſo lange, bis aller Schwefel in die zweite Kugel hinüber deſtillirt iſt. Nach dem Erkalten im Waſſerſtoffſtrome ſchneidet man mit einer Feile die beiden Kugeln von einander ab, wägt ſie ſammt ihrem Inhalte, befreit ſie davon, wägt wieder und erfährt auf dieſe Weiſe das relative Verhältniß beider Subſtanzen. Da bei dieſem Verfahren immer etwas Schwefel durch den Waſſerſtoffſtrom fortgeriſſen wird, ſo hat Wöhler vorgeſchlagen, ſtatt der zweiten, leeren Kugel eine längere Röhre zu nehmen und dieſe mit gewogenen Kupferdrehſpänen anzu füllen, welche, wenn ſtark erhitzt, allen abdeſtillirenden Schwefel aufnehmen. Aus der Gewichtszunahme des Kupfers findet man die Schwefelmenge. Bei dieſer Methode ſowohl wie allen übrigen, wo nach dem Auslaugen des Salpeters das Schwefel- und Kohlengemenge gewogen wird, iſt zu bemerken, daß es äußerſt ſchwierig iſt, genau das Gewicht der in die Kugelröhre gebrachten Sub— ſtanzen zu ermitteln, da beim Einfüllen in Folge der hygroſkopiſchen Eigenſchaft der Kohle immer wahrnehmbare Waſſermengen condenſirt werden. Um dieſen Fehler möglichſt zu vermeiden, bringt Marchand das Gemenge in einem Platin— tiegel, auf welchen ein dicht ſchließender Deckel paßt, in das Vacuum über Schwefel— ſdäure und läßt es darin ſo lange ſtehen, bis bei wiederholter Wägung keine Gewichts⸗ differenz mehr beobachtet wird. Von dem auf dieſe Weiſe getrockneten Gemenge ſchüttet er ſo viel als möglich in eine gewogene Kugelröhre und wägt dann den auf dem Filter verbleibenden und im Vacuum getrockneten Reſt. Bei dieſem Verfahren wird allerdings die Einwirkung der atmoſphäriſchen Luft möglichſt aus⸗ geſchloſſen, allein ein Umſtand ganz außer Augen gelaſſen, der zu erheblichen Feh— lern führen kann. Bei dem Auslaugen des Salpeters nämlich hat die Kohle die Eigenſchaft, an dem Filter emporzukriechen und wegen ihres geringeren ſpeci— fiſchen Gewichtes ſich über den Schwefel zu lagern, ſo daß letzterer die Spitze des Filters erfüllt. Man wird daher, wenn man vor dem Einſchütten in die Kugelröhre das Gemenge nicht innig miſcht, wobei aber wieder ein Verſtäuben der Kohle zu befürchten iſt, eine Subſtanz von anderer Zuſammenſetzung analy⸗ ſiren als der zurückbleibende Theil beſitzt. Ein weiterer Fehler bei dieſer Methode iſt der, daß der Schwefel nicht vollſtändig von der Kohle getrennt werden kann, wie bereits Prouſt nachgewieſen hat, wenngleich deſſen Annahme, daß ſich ein beſonderes Hypoſulfid bilde, mit thatſächlichen Beweiſen nicht zu belegen iſt. Ob 10² R Analyſe. der Schwefel, wie Marchand meint, an das in der Aſche der Kohle enthaltene Kalium gebunden wird, mag dahin geſtellt ſein. Sehr viel wahrſcheinlicher iſt es, daß der Schwefel eine Verbindung mit den Metalltheilchen eingeht, welche ganz insbeſondere bei ſolchem Pulver ſich vorfinden, deſſen Materialien in Trom— meln mit Bronzekugeln gekleint werden, bei welchem Verfahren, wie bereits oben erwähnt wurde, eine nicht unbedeutende Abnutzung der Kugeln ſtattfindet. Um den Schwefel in Schwefelſäure überzuführen, giebt es eine Reihe von Verfahren, wovon als eines der älteſten das von Hermbſtädt zu erwähnen iſt. Nach ihm wird das fein zerriebene Pulver mit einem gleichen Gewichtstheile reinen Salpeters gemengt, darauf die doppelte Menge des angewandten Salpeters in einem Platintiegel geſchmolzen und dann das Gemiſch von Salpeter und Pulver in kleinen Quantitäten eingetragen. Nach vollendeter Verpuffung wird der Rück— ſtand in Waſſer gelöſt, mit Salpeterſäure neutraliſirt und die gebildete Schwefel— ſäure mit ſalpeterſaurem Baryum ausgefällt. Aus dem erhaltenen ſchwefelſauren Baryum berechnet man ſodann die in dem Schießpulver enthalten geweſene Menge Schwefel. Nach dieſer Methode iſt es ſchwierig, einen Verluſt zu vermeiden, da das auf den ſchmelzenden Salpeter fallende Pulver ſtets ein Umherſpritzen hervor— rufen wird. Gay⸗-Luſſac mengt 5g Schießpulver mit ebenſo viel reinem kohlenſaurem Kalium und ſetzt dann 59 Salpeter und 20 g Kochſalz hinzu, welche beide frei von ſchwefelſauren Salzen ſein müſſen. Nachdem Alles in einem Mörſer innig gemiſcht worden, erhitzt er das Gemenge anhaltend in einem Platintiegel, bis die Maſſe weiß iſt. Nach dem Erkalten löſt er die Schmelze in Waſſer, ſäuert mit Salzſäure an und ſchlägt die Schwefelſäure durch Chlorbaryum nieder, oder er verſetzt die angeſäuerte Flüſſigkeit mit einer Chlorbaryumlöſung von bekannter Stärke, bis kein Niederſchlag mehr erfolgt. Aus der verbrauchten Menge Chlor— baryum berechnet ſich dann die vorhandene Menge Schwefel leicht, da man weiß, daß 152,63 Thle. kryſtalliſirtes Chlorbaryum 20 Thln. Schwefel entſprechen. Dieſe Methode iſt eine der beſten, da bei innigem Miſchen der Subſtanzen und nicht allzuſchnellem Glühen des Tiegels man ſtets nahezu die geſuchte Menge Schwefel finden wird. Will man ſchon während des Erhitzens die durch die Orydation des Schwe— els entſtehende Schwefelſäure an Baryum binden, ſo mengt man nach Löwig 1 Thl. Pulver mit dem Zwölffachen einer Miſchung von 1 Thl. ſalpeterſaurem Baryum und 3 Thln. kohlenſaurem Baryum, bringt dieſes Gemenge in eine Ver— brennungsröhre und fügt noch eine 8 bis 9 om lange Schicht des Salzgemenges ohne Pulver hinzu. In einem Verbrennungsofen erhitzt man nun die Röhre, wobei die Maſſe, ohne zu ſchmelzen, zuſammenſintert, ſo daß man ſie nach dem Erkalten leicht herausnehmen kann. Den Inhalt der Röhre kocht man mit ver— dünnter Salzſäure aus und ſammelt das gebildete ſchwefelſaure Baryum auf einem Filter. Ein anderes Verfahren hat Millon vorgeſchlagen. Hiernach werden 3 g getrocknetes Pulver in einen Kolben gegeben, mit 33 g reiner concentrirter Salpeter ſäure übergoſſen und ſodann 69 reines chlorſaures Kalium hinzugefügt. Der Kolbe Portt wird, dabei Der letzter baryr und! Folge weite⸗ ſalpet ſehr in de wodu ſchlag glüht denn ſtatt, Oxyd Verft ausg von warn und kocht, Kalil verble des in S Schw Schw weiſe Hierz auf wähn bedie von 1 von ltene iſt elche rom⸗ oben von iſt. einen 8 in ulver Nück⸗ efel iuren enge das rvor⸗ urem frei innig s die tmit er er unter hlor⸗ weiß, anzen kenge chwe⸗ öwig urem Ver⸗ enges öhre, dem ver⸗ einem oker Der Analyſe. 149 Kolben wird erhitzt und nach Beendigung der Gasentwicklung eine neue kleine Portion chlorſaures Kalium eingetragen, welche Operation ſo lange wiederholt wird, bis die Flüſſigkeit vollkommen klar und gelblich geworden iſt. Man trägt dabei Sorge, die verdampfende Flüſſigkeit durch neue Salpeterſäure zu erſetzen. Der Inhalt des Kolbens wird darauf in ein warmes Becherglas gegoſſen und letzterer ſo lange mit heißem Waſſer ausgeſpült, bis bei der letzten Probe Chlor— baryum keine Trübung mehr hervorruft. Man verſetzt ſodann mit Chlorbaryum und verfährt wie gewöhnlich. Dieſe Methode hat den Uebelſtand, daß der Schwefel nur äußerſt langſam ſich orydiren läßt, da er bald in dem Kolben zu ſchmelzen anfängt und nun in kleinen Kügelchen auf der Oberfläche der Flüſſigkeit herumgeſchleudert wird, in Folge deſſen das chlorſaure Kalium nur ſehr wenige Angriffspunkte findet. Ein weiterer, mißlicher Uebelſtand iſt der, daß neben dem ſchwefelſauren Baryum auch ſalpeterſaures Baryum und chl iſeutes Kalium auf dem Filter verbleibt, welche ſehr ſchwierig durch Auswaſchen zu entfernen ſind. Man verfährt daher am beſten in der Art, daß man den Niederſchlag trocknet, das Filter verbrennt und glüht, wodurch alles chlorſaure Kalium in Chlorkalium umgewandelt wird, den Nieder— ſchlag mit Salzſäure digerirt, auf einem kleinen Filter gut auswäſcht und wieder glüht, nachdem man das Filter verbrannt hat. Ure nimmt ſtatt Salpeterſäure Salzſäure, was aber nicht zu empfehlen iſt; denn es findet eine ſtürmiſche Gasentwickelung und ein Aufblähen der Maſſe ſtatt, in Folge deſſen man ſehr große Kolben anwenden muß, auch erfolgt die Oxydation viel langſamer. Auf demſelben Principe, wie dem von Millon angegebenen, beruht das Verfahren von Botté und Riffault. Nachdem der Salpeter mit heißem Waſſer ausgelaugt worden, wird das auf dem gewogenen Filter verbleibende Gemenge von Schwefel und Kohle an ſehr ge lindem Feuer vorſichtig getrocknet und noch warm gewogen, ſodann mit Hülfe eines Elfenbeinmeſſers in einen Kolben gebracht und mit einer Kalilöſung von 5» Beaumé übergoſſen. Hat man einige Zeit ge— kocht, ſo wird ſiedend heiß filtrirt, mit dem doppelten Volumen der angewandten Kalilöſung von gleicher Stärke nachgewaſchen und ſchließlich der auf dem Filter verbleibende Rückſtand mit heißem Waſſer ausgewaſchen. In die verdünnte Löſung des Schwefels in Kali wird Chlorgas geleitet zur Ueberführung des Schwefels in Schwefelſäure und letztere mit Chlorbaryum ausgefällt. Dieſe Methode iſt nur wenig in Anwendung gekommen, da das gebildete Schwefelkalium in Berührung mit Luft ſich ſchnell zerſetzt und dabei eine kleine Menge Schwefel als Schwefelwaſſerſtoff entweicht, 1 1 Rothkohle in Kali ſich theil— weiſe löſt, ſo daß alſo die Schwefel 5 immer zu hoch ausfallen wird. Hierzu kommt noch, daß das warme Wägen des Gemenges gar keinen Anſpruch auf Genauigkeit michen kann. Schließlich ſei noch das Verfahren von S. Chlosz und Er. Guignet er— wähnt, welche ſich zur Oxydation des Schwefels des Kalium bedienen. 1 g trocknes Pulver wird in einem Kölbchen unter zeitweiligem Zuſatze von reinem übermanganſauren Kalium ſo lange mit einer concentrirten Löſung von übermanganſaurem Kalium gekocht, bis die Flüſſigkeit eine bleibend violette —— — EREERE. ...........ßP ————— ——— 150 Analyſe. Färbung angenommen hat. Der Schwefel iſt dann zu Schwefelſäure und die Kohle zu Kohlenſäure orydirt. In der Flüſſigkeit iſt Manganhyperoxyd ſuspen⸗ dirt; man fügt daher concentrirte Salzſäure hinzu und kocht bis alles Mangan— hyperoxyd gelöſt und das ſich entwickelnde Chlor ausgetrieben iſt. Die Flüſſig⸗ keit wird darauf verdünnt und mit Chlorbaryum verſetzt. Die Methode giebt befriedigende Reſultate. Die Beſtimmung der Kohle. Die älteſte und etwas primitive Art, den Gehalt an Kohle im Schießpulver nachzuweiſen, ſtammt von Beaumé(1780). Das Schießpulver wird auf ein getrocknetes und gewogenes Filter gebracht, der Salpeter ausgelaugt und der Rück— ſtand auf dem Filter getrocknet und gewogen. Der Schwefel wird ſodann durch Verbrennen entfernt und die zurückbleibende Kohle gewogen, von deren Gewichte /2 in Abzug gebracht, weil die Kohle ſo viel an Schwefel zurückhalten ſoll. Eine andere bereits 1821 bekannte Methode war die, den Rückſtand von Schwefel und Kohle mit Kalilauge zu kochen. Es wurde darauf ſo lange ausge— waſchen, bis eſſigſaures Blei keinen Niederſchlag mehr in dem Waſchwaſſer erzeugte, die Kohle dann getrocknet und gewogen. Dieſe Art der Beſtimmung iſt zu verwerfen, da, wie bereits S. 149 her— vorgehoben wurde, ein Theil der Rothkohle ſich in der Kalilauge mit brauner Farbe auflöſt, auch das Löſungsmittel nur ſchwierig aus der Kohle, welche ſtets geringe Mengen von Schwefel zurückhält, zu entfernen iſt. Aus letzterem Grunde iſt daher auch das Verfahren nicht anzuempfehlen, wonach man den Schwefel durch Kochen mit Schwefelnatrium, Schwefelkalium oder Schwefelammonium auszieht. Wäſcht man den Schwefel mit Schwefelkohlenſtoff aus, ſo erhält man auch keine ganz genaue Reſultate, weil regelmäßig Schwefel in der Kohle verbleibt. Der Fehler wird noch größer, wenn man, wie Marchand anfangs vorſchlug, hinterher mit abſolutem Alkohol nachwäſcht, weil nach den Beobachtungen von Werther der heiße Alkohol, namentlich bei 28 procentiger Kohle, dieſer Beſtand— theile entzieht, wodurch das Gewicht der Kohle nachher zu niedrig ausfällt Der Verſuch Bolley's, den Schwefelkohlenſtoff durch ſchwefligſaures Natrium zu erſetzen, welches bei Gegenwart von Schwefel in unterſchwefligſaures Salz übergeht, führte zu keineswegs beſſeren Reſultaten. Nach Bolley wird der Rück— ſtand von Schwefel und Kohle nach dem Trocknen und Wägen mit 20 bis 24 Thln. ſchwefligſaurem Natrium 1 bis 2 Stunden lang gekocht und das verdampfende Waſſer ſtets durch neues erſetzt. Nach dem Filtriren wird die Kohle ausgewaſchen, getrocknet und gewogen. Die Kohle hält ſtets eine nicht unbeträchtliche Menge von dem Salze zurück, welches durch Auswaſchen nicht zu entfernen iſt. Bolley ſcheint ſich ſelbſt von dieſem Fehler überzeugt zu haben, da er in ſeinem Handbuche der techniſch-chemi— ſchen Unterſuchungen, 2. Auflage, S. 229, die von ihm vorgeſchlagene Methode nicht erwähnt. Als ganz untauglich hat ſich das von Ure angewandte Terpentinöl erwieſen, da daſſelbe in großen Mengen in der Kohle verbleibt. befeſt Kochf meng wodu läuft Fließ Stun welch Art man Kohl zu b ſchwe wicke Chlo gen Kupf Pulr brent zurü trock. der! Wafſ Gew Port mitt Pul' Röh Köll in e in d der lver ein kück⸗ urch ichte von isge⸗ ugte, her⸗ uner ſtets unde durch zieht. auch leibt. hlug, von tand⸗ rium Salz Rück⸗ Thln. fende ſchen, urück, von hemi⸗ thode ieſen, Analyſe. Zu beſſeren Reſultaten ſoll das Verfahren von Bromeis führen. Derſelbe befeſtigt mittelſt eines Korkes einen kleinen Trichter luftdicht auf dem Halſe eines Kochfläſchchens, bringt auf das Filter das ausgelaugte und wohl getrocknete Ge⸗ menge von Schwefel und Kohle und übergießt dieſes mit auf 120 bis 1409 C. erhitztem Photogen und bedeckt alsdann den Trichter mit einer Glasplatte. Bei der angegebenen Temperatur ſchmilzt der Schwefel und löſt ſich ſofort in dem flüchtigen Oele auf. Nach 5 Minuten lüftet man den Kork des Kochfläſchchens, wodurch die bis dahin auf dem Filter zurückgehaltene Flüſſigkeit in die Flaſche läuft; man ſpült noch einige Male mit Photogen nach, preßt das Filter zwiſchen Fließpapier und trocknet es bei 100» C. im Waſſerbade, wo es nach einer halben Stunde jeden Geruch nach Photogen verliert, und wägt die rückſtändige Kohle welche vollſtändig ſchwefelfrei iſt. Zur Erlangung genauer Reſultate wird man die auf die eine oder andere Art erhaltene Kohle ſtets auf einen Gehalt an Schwefel prüfen müſſen, wobe man eine der oben erwähnten Methoden in Anwendung zu bringen hat. Statt nun die Kohle unmittelbar als ſolche zu wägen, kann man ſie auch in Kohlenſäure überführen und aus dieſer die Menge Kohle berechnen. Das dabei zu beobachtende Verfahren iſt ganz daſſelbe wie bei der Kohlenſtoffbeſtimmung ſchwefelhaltiger, organiſcher Verbindungen. Nimmt man zur anfänglichen Ent⸗ wickelung des Sauerſtoffes Kupferorxyd, ſo darf man nicht vergeſſen, zwiſchen das Chlorcalciumrohr und den Kaliapparat eine Röhre mit Bleiſuperoryd zum Auffan⸗ gen der ſchwefligen Säure einzuſchalten. Weltzien legt noch vor das Kupferoryd eine 1 di lange Schicht von Kupferdrehſpänen. Nimmt man nach Letzterem zur Analyſe bei 100“ C. getrocknetes Pulver, ſo fällt die Kohlenſäurebeſtimmung ſtets zu niedrig aus, da bei der Ver— brennung kohlenſaures Kalium gebildet wird, welches in der Verbrennungsröhre zurückbleibt. Beſſer iſt es daher, die vom Schwefel möglichſt befreite Kohle zu trocknen und mit chromſaurem Blei zu verbrennen, indem man gegen das Ende der Verbrennung einen Sauerſtoffſtrom durch die Röhre leitet. Nach dieſer Methode kann man dann auch den in der Kohle enthaltenen Waſſerſtoff und Sauerſtoff beſtimmen. Den Aſchengehalt ermittelt man am einfachſten dadurch, daß man etwa 18 der getrockneten Pulverkohle in einem Platintiegel ſo lange glüht, bis ſich keine Gewichtsabnahme mehr zeigt. Zur Beſtimmung aller Beſtandtheile des Schießpulvers in ein und derſelben Portion verfährt man nach Linck folgendermaßen. Die bereits S. 143 fg. erwähnte Glasröhre a, Fig. 24(a. f. S.), ſteckt man mittelſt des Korkes) auf das gewogene Kölbchen« und übergießt das getrocknete Pulver mit ſorgfältig rectificirtem Schwefelkohlenſtoff, welcher durch die Spitze der Röhre 4 nach e fließt. Sobald durch Wiederholung dieſes Auswaſchens das Kölbchen zu ein Drittel mit etwa 8 obom Flüſſigkeit angefüllt iſt, erhitzt man daſſelbe in einem 70 bis 80o C. warmen Waſſerbade, wodurch der Schwefelkohlenſtoff in die trockne Vorlage 4 überdeſtillirt. Das Deſtillat dient zur Wiederholung der Extraction. Nach etwa ſechsmaligem Aufgießen von je 8S obem Schwefelkohlen— —— 152 Analyſe. ſtoff iſt aller extrahirbare Schwefel aus dem Pulver entfernt. Der im Kölbchen “zurückbleibende Schwefel wird vorſichtig bis eben zum Schmelzen erhitzt und nach dem Erkalten gewogen. Um zu ſehen, ob das Pulver noch unextrahir— baren Schwefel enthält, wird die Röhre mit einer Aspiratorvorrichtung ver— bunden und bei 1000 C. ſo lange trockne Luft durch— geſaugt, bis keine Gewichts— abnahme mehr erfolgt. Die Differenz zwiſchen dem ſo erhaltenen Gewichte und dem der Röhre mit dem trocknen nicht extrahirten Pulver iſt gleich dem aus⸗ gezogenen Schwefel ſammt der ſehr geringen Waſſer— menge, welche das bei ge— wöhnlicher Temperatur ge— trocknete Pulver bei 100“C. weiter abgiebt. Man er— fährt dieſe kleine Menge, indem man von der gedach— ten Differenz die Menge des direct gefundenen Schwefels abzieht. Zur Ermittelung der kleinen Menge des im aus—⸗ gezogenen Pulver noch ent— haltenen Schwefels ſchüttet man etwa 0,6 g heraus, wägt die Röhre wieder und erfährt ſo die Menge des ausgeſchütteten wie des in der Röhre gebliebenen An— theils. Jenen orxydirt man mit Königswaſſer, dampft mit Salzſäure ab, beſtimmt die entſtandene Schwefelſäure mit Chlorbaryum, berechnet aus dem ſchwefelſauren Baryum den Schwefel auf die ganze Maſſe, welcher der direet gewogenen Schwe— felmenge zugezählt wird. Vinck fand auf dieſe Weiſe 0,11 Proc. Schwefel. Der in der Röhre gebliebene Theil des mit Schwefelkohlenſtoff ausgezogenen Schießpulvers wird zunächſt zur Beſtimmung des Salpetergehaltes verwandt. Zu dem Ende befeſtigt man das Rohr 4, Fig. 25, nebſt dem Gefäße d'Tmittelſt der Kautſchukverbindung e luftdicht auf der Luftpumpenglocke 5, unter welcher ſich das Kölbchen e befindet, übergießt die im Rohre 4 befindliche Maſſe mit kaltem Waſſer und ſaugt daſſelbe durch äußerſt langſames Auspumpen der Glocke an, ſo daß es tropfenweiſe in das Kölbchen e gelangt. Dieſe Operation wird, um das Auskryſtalliſiren von Salpeter an der Spitze der Röhre a zu vermeiden, mit allmählich imme mi ſcher Sal das (vor und etwe den weg geei wen chen und gen. das ihir⸗ hält, iner ver⸗ uren hwe⸗ enen ndt. ttelſt ſich iltem an, das ihlich immer wärmerem bis zu möglichſt heißem Waſſer wiederholt, wobei das Gefäß mit warmem Waſſer zu füllen iſt. Auf dieſe Weiſe laſſen ſich faſt 2 g Pulver mit 18 bis 24 obem Waſ⸗ ſer vollſtändig vom Sal⸗ fſ 17 0 peter befreien, und es wer— den ſo die Fehler vermieden, welche bei. Anwendung großer Waſſermengen da— durch eintreten, daß dieſe merkliche Mengen organi— ſcher Materien aus der Kohle extrahiren. Die Salpeterlöſung wird in einem Platintiegel ein— gedampft, der Rückſtand bei 120o, getrocknet und gewogen. Man ſchiebt jetzt den Asbeſtpfropf, um ihn aufzu⸗ lockern, mittelſt eines Drah— tes etwas empor und trock— net die zurückgebliebene Kohle bei 1009 C. in einem trock—⸗ nen Luftſtrome. Beträgt das Gewicht der Kohle etwas mehr als die Differenz zwi⸗ ſchen dem Gewichte des Salpeters ſammt der Kohle, weniger dem des gefundenen Salpeters, ſo hat dieſe Differenz ihren Grund in dem Umſtande, daß die reine Kohle das Waſſer feſter zurückhält als die mit Salpeter gemiſchte. Dieſe kleine Differenz (von Loder 1,5 mg) iſt daher als der Kohle noch anhaftendes Waſſer zu betrachten und von dem bei der Verbrennung der Kohle zu erhaltenden Waſſer abzuziehen. Zum Behufe der Verbrennung miſcht man die Kohle in der Röhre mit etwas chromſaurem Blei, ſchneidet die ausgezogene Spitze ab, verſchiebt und miſcht den Asbeſtpfropf mit dem Inhalte ſo lange, bis ein Luftſtrom frei über die Maſſe wegſtreichen kann, ſchiebt das Ganze in eine mit oxydirten Kupferſpänen auf geeignete Art angefüllte Verbrennungsröhre und verbrennt wie üblich unter An⸗ wendung eines Sauerſtoffſtromes. Die erhaltenen Mengen von Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Sauerſtoff(einſchließlich einer geringen Menge Aſche) ſind ebenſo wie der Salpeter vom Theile auf das Ganze zu berechnen. Soviel von den einzelnen Methoden zu Unterſuchung des Schießpulvers, nach welchen man bei richtiger Auswahl und einiger Sorgfalt in der Ausführung immer annähernd genaue-Reſultate erhalten wird. Nach dieſer Einleitung können nun die chemiſchen Eigenſchaften des Schieß— pulvers einer näheren Beſprechung unterworfen werden und ſei mit der Ent⸗ zündlichkeit des Schießpulvers der Anfang gemacht. Fig. 25. Eigenſchaften. Die Entzündlichkeit. Das Schießpulver läßt ſich durch Stoß, Schlag, Temperaturerhöhung, bren⸗ nende und glühende Körper entzünden. Ueber die Entzündlichkeit des Schießpulvers durch den Stoß und Schlag iſt durch Beobachtungen von Aubert, Lingke und Lampadins feſtgeſtellt, daß durch Schlag von Eiſen auf Eiſen, von Eiſen auf Meſſing, von Meſſing auf Meſſing, nicht ſo leicht von Eiſen auf Kupfer oder von Kupfer auf Kupfer die Entzündung erfolgt. Nach engliſchen Verſuchen entzündet ſich das Pulver auch noch durch Schlag von Bronze auf Kupfer, von Eiſen auf Marmor, von Quarz auf Quarz, von Blei auf Blei und von Blei auf Holz(wenn nämlich eine Bleikugel gegen ein mit Pulver überzogenes hölzernes Pendeljgeſchoſſen wird). Bei ziemlich raſcher Temperaturerhöhung entzündet ſich' nach Violette gekörntes Pulver zwiſchen 2700 und 3200 C, Mehlpulver bereits zwiſchen 2650 und 270 C. Nach neuerdings von Horsley angeſtellten Verſuchen entzündet ſich Pulver bei 315‘ C. Zur Beſtimmung der Entzündungstemperatur bringt er das in einer kleinen Schale befindliche Pulver auf ein Oelbad, welches erhitzt wird und deſſen Temperatur ein eingeſetztes Thermometer anzeigt. Eine andere Methode zur Beſtimmung der Entzündungstemperatur des Pulvers haben in jüngſter Zeit(1871) Leygue und Champion vorgeſchlagen. Die Einrichtung ihres Apparates gründet ſich auf die bekannte Vertheilung der Temperatur in einem Metallſtabe, welcher an ſeinem einen Ende erhitzt wird. Der Stab beſtand aus Kupfer, hatte 0,025 m Durchmeſſer und 0,60 m Länge. In gleichen Entfernungen angebracht und mit Oel oder Darcet'ſcher Legirung angefüllte Vertiefungen dienten zur Beſtimmung der Temperatur im Inneren des Stabes mittelſt empfindlicher Thermometer nach je 0,10 m Entfernung, vom kalten Ende des Stabes ausgehend. Sobald die von den Thermometern angezeigte Temperatur conſtant geworden, wurden die zu unterſuchenden Subſtanzen auf den Stab gelegt und nach und nach der Wärmequelle genähert bis zu der Theilung, wo ſie die Veränderung, welche man erhalten wollte(Zerſetzung oder Entzündung), erlitten. Um den Einfluß der ſtrahlenden Wärme zu vermeiden, wurde zwiſchen dem Apparate und der Wärmequelle ein Schirm angebracht. Nach dieſer Methode entzündete ſich Jagdpulver bei 2880 C, Geſchützpulver bei 2950 C. Wird die Temperatur des Pulvers nur allmählich über den Siedepunkt des Waſſers erhöht, ſo backen die Körner durch den geſchmolzenen Schwefel aneinander, zugleich beginnt der Schwefel ſich zu verflüchtigen. Mit dem Steigen der Tem— peratur nimmt die Verflüchtigung des Schwefels ſehr raſch zu, und gebraucht man die Vorſicht, die Temperatur nicht bis zu dem Siedepunkte des Schwefels zu ſteigern, ſo kann aller Schwefel daraus verjagt werden, ohne daß eine Verpuf— fung eintritt. Iſt endlich der Schwefel entfernt, ſo kann die Temperatur noch weiter geſteigert werden, ſo daß ſelbſt der Salpeter ſchmilzt, welcher ſchließlich durch Verfl verda dungs Pulv. Schw Feuer funke. nicht ſind. darar vollke vor f zünde Verh ziehu Pulv Leite eines Ende maſc hat vor leich aber ſich maſe der delp wirk ſchie des 900 wur zu Ent unte Entzündlichkeit. durch die darauf ſchwimmende Kohle zerſetzt wird. Wird aber vor der gänzlichen Verflüchtigung des Schwefels die Temperatur ſchnell vermehrt, ſo ſoll ſich der verdampfende Schwefel entzünden und eine Verpuffung des Puloers herbeiführen. Dieſe Beobachtung iſt gewiß nicht richtig, da nach Violette die Entzün— dungstemperatur des Schwefels für ſich bei 2500 C. liegt und das entzündlichſte Pulver, das Mehlpulver, erſt zwiſchen 2656 und 2700 C. verpufft. Nicht der Schwefel iſt es, der die Entzündung herbeiführt, ſondern die Kohle, welche zuerſt Feuer fängt. Man kann ſich leicht davon überzeugen, wenn man einen Stahl⸗ funken auf Schwefel und dann auf Kohle fliegen läßt. Erſterer läßt ſich dadurch nicht entzünden, wohl aber die Kohle. Brennende Körper entzünden das Pulver nur dann gut, wenn ſie ſehr heiß ſind. Eine Gasflamme Wbnde das Pulver erſt, nachdem ſie einige Secunden darauf eingewirkt hat; über Pulver verbrennende Schießbaumwolle läßt daſſelbe vollkommen unverändert, weil die Verbrennung der Schießbaumwolle ſo ſchnell vor ſich geht, daß das Pulver nicht hinreichend erwärmt wird. Schwamm ent⸗ findeke erſt nach dem Verglimmen zu Kohle das Pulver. Das geeigneteſte Mittel zur Entzündung des Pulvers unter gewöhnlichen Verhältniſſen ſind glühende 8 5 Von beſonderer Wichtigkeit in dieſer Be⸗ ziehung iſt die Entzündung durch Elektricität und Galvanismus. Der Funken der Elektriſirmaſchine iſt für ſich nur dann im Stande, das Pulver zu entzünden, wenn die Entladung durch Einſchaltung eines ſchlechten Leiters Wbgett wird, welches man bei Verſuchen im Kleinen durch Einſchaltung eines naſſen Bindfadens in die Leitung erreicht. In neuerer Zeit ſind zu dem Ende eigenthümliche Patronen verfertigt, um mittelſt des Funkens der Elektrifir⸗ maſchine Pulverladungen ſchnell und ſicher zu entzünden. Für militäriſche Zwecke hat man auf dieſe Einrichtung Werth gelegt, weil nämlich die Elektriſirmaſchine vor den galvaniſchen Apparaten den großen Vorzug leichteren Transportes und leichterer Handhabung hat. Hinſichtlich der Sicherheit in der Handhabung iſt aber die Volta'ſche Batterie vorzuziehen, da nach Verſuchen in Chatham ſolche ſich ſogar bei Regenwetter und Schneegeſtöber nne während die Elektriſir⸗ maſchine nur in warmer trockner Luft wirkt. Die erſte praktiſche Anwendung der galvaniſchen Elektricität zum Entzünden des Pulvers wurde 1838 in Phila— del phia von Dr. Hare gemacht. Das Erglühen eines feinen Sch hließungsdrahtes von Platin oder Eiſen be⸗ wirkt die Entzündung. Handelt es ſich aber um eine gleichzeitige Exploſion ver⸗ ſchiedener Minen von vielen Punkten aus, wie z. B. bei der berühmten Sprengung des Round⸗Down⸗Felſens, der ſogenannten Shakeſpeare⸗Klippe, bei welcher nahezu 9000 Kg Pulver auf einmal entzündet und 1000 000 Tonnen Kreidefels entfernt wurden, ſo kann man ſich nur kräftiger Inductionsſtröme bedienen und hat ſich zu dieſem Zwecke der Rhumkorff'ſche Apparat ganz beſonders bewährt. Die Entzündung leitet man bei ſolchen größeren Arbeiten, namentlich bei Sprengungen unter Waſſer, wo man urſprünglich das Kalium in Anwendung brachte), durch „) Das Nähere hierüber findet ſich in Dingler 10, 124 ff. 13, 237 ff. und in Erdmann's Journ. f prakt. Chem. 46, 191 ff. —— 156 Eigenſchaften. beſonders conſtruirte Patronen von vulcaniſirtem Kautſchuk ein, welche mit Knall— queckſilber Kfält ſind. Durch dieſes ſo außerordentlich leicht exploſible Präpa⸗ rat geht der L Leitungsdraht, welcher darin auf 2mm unterbroch en iſt. Dieſe kleine Patrone iſt auf einer Seite offen, mit gutem Pulver gefüllt und von einer weite— ren mit Pulver geladenen Patrone von vulcaniſirtem Kautſchuk umgeben. Der Strom wird durch zwei ſtarke Drähte über das ganze Exploſionsſyſtem geleitet und die einzelnen Minen durch die Schachte und unterirdiſchen Galerien mit der einen durch feinere Drähte, welche ein Opfer der Exploſion werden, in leitende Verbindung 1 5 Im luftleeren und luftverdünnten Raume verhält ſich nach den meiſten Beobachtungen das Pulver anders. Schon Papacino d'Antoni bemerkt in ſeinem Examen de la poudre 1765, daß Schießpulver in dem Maße ſchwerer ſich entzündet als die atmoſphäriſche Luft verdünnt wird, daß es bei der höchſten Verdünnung ſchmilzt und erſt wenn der Salpeter bis zum Zerſetzen erhitzt wird, ſich entzündet. Im Jahte 1817 fand Munke, daß Schießpulver in einer luftleeren Baro— meterröhre durch ſchnelles Erhitzen nicht explodirt. Bald darauf machte Hearder die Beobachtung, daß Pulver im luftleeren Raume durch einen mittelſt der galvaniſchen Batterie glühend gemachten Platin⸗ draht nicht zur Entzündung gebracht werden kann, ſondern daß nur ein Theil des Schwefels ſchmilzt und ſublimirt. Sowie Hearder einen Theil der ausge— pumpten Luft hinzutreten ließ, erfolgte augenblicklich Exploſion. Zu etwas anderen Reſultaten gelangte Bianchi, als er ein kleines, aus Platin⸗ draht angefertigtes Körbchen mit Pulver füllte und unter den Recipienten der Luftpumpe brachte. Nachdem die Luft ausgepumpt war, wurde das Körbchen ver— mittelſt des galvaniſchen Stromes zum Glühen gebracht, in Folge deſſen das Pul— ver langſam, aber ohne Verpuffung verbrannte. Bianchi giebt die Temperatur auf wenigſtens 20000 C. an. Dieſe Verſuche wurden auf der Naturforſcher-Verſammlung zu Hannover von Heeren wiederholt und beſtätigt gefunden, ſowie der Platindraht, welcher zum Entzünden diente, unter dem Pulver lag und längere Zeit im Glühen erhalten wurde. Wenn aber der Platindraht nur in das Pulver hineintauchte und kurze Zeit im Glühen erhalten wurde, ſo ſchmolzen die in der Nähe des Drahtes befindlichen Körner an denſel ben an, ohne zu verbrennen. Dauerte das Glühen längere Zeit, ſo trat eine langſame l Pulverkörner ein, die unmittelbar den Draht berührten, während die übrige Pulvermaſſe ſich ganz ruhig verhielt. Heeren ſucht den Grund der Erſcheinung darin, daß in Folge des mangelnden oder doch nur höchſt unbedeutenden Widerſtandes ber umgebenden Luft die aus dem explodirenden Körper entweichenden Gaſe, welche ſonſt durch ihre hohe Temperatur die Entzündung auf die benachbarten Theilchen übertragen, ſich ſo ſchnell ausdehnen, daß ſie bis unter die Entzündungstemperatur der benach⸗ barten Theilchen erkalten, wie ja jeder luftförmige Körper durch Ausdehnung eine Temperaturerniedrigung erleidet. Aehnliche Beobachtungen machte Abel. Derſelbe fand, daß, wenn kleine Mengen Pulver unter dem Recipienten einer Luftpumpe bei 15 bis 51 mm Druck mit e den K entzün Druck tat er Biar Gaſer ſetzun und iſt, u Entzi wenn wenn man ſchen richti in de der J Queꝛr ladur unbet beim hat 1 zünde Luftd gutes gerad laſſen oder Fleck von Kört pier Pulꝛ nall⸗ äpa⸗ leine eite— Der und der den, iſten t in erer ſten zird, aro⸗ eren tin⸗ heil Sge⸗ tin⸗ der ver⸗ zul⸗ Mur ver cher lten irze tes hen ein, anz Age den irch gen, ich⸗ ine ine ruck Entzündlichkeit— Verbrennung. mit einem glühenden Platindraht berührt werden, die dem Drahte zunächſt liegen— den Körner ins Schmelzen kommen, Schwefeldämpfe entwickeln und ſich endlich entzünden, wobei ſie den Reſt des Pulvers unentzündet wegſchleudern. Bei 76mm Druck erfolgte nach einigen Secunden vollſtändige Entzündung. Daſſelbe Reſul— tat ergab ſich bei Stickſtoff und Sauerſtoffgas, eine Beobachtung, welche bereits Bianchi bei Stickſtoff, Kohlenſäure und ſonſt zur Verbrennung ungeeigneten Gaſen gemacht hatte. Bei der Entzündlichkeit des Schießpulvers kommen neben der Zuſammen— ſetzung deſſelben ganz insbeſondere die Beſchaffenheit der Kohle, die Dichtigkeit und Größe der Pulverkörner in Betracht. Je weniger ſtark die Kohle gebrannt iſt, um ſo ſchneller wird ſie Feuer fangen und bei ungekörntem Pulver wird die Entzündung raſcher von Statten gehen als bei gekörntem. Hinſichtlich der Frage, ob die Entzündung einer Ladung günſtiger verlaufe, wenn man die Entzündung von oben, d. h. unmittelbar hinter dem Projectil, oder wenn man dieſelbe von unten bewirke, ſind die Anſichten ſehr getheilt. Während man früher die letztere Anſicht als die richtige annahm, hat man bei dem preußi— ſchen Zündnadelgewehre der erſteren den Vorzug eingeräumt. Bei dieſer Ein⸗ richtung wird die Nadel bekanntlich mittelſt einer Federkraft durch die Pulverladung in den ſogenannten Zündſpiegel geſtoßen, welcher ſich zwiſchen der Kugel und der Pulverladung befindet. Durch dieſe Anordnung wird das Pulver im ganzen Querſchnitte des Rohres von vorn aus entzündet, wodurch die ſämmtliche Pulver⸗ ladung zum Abbrennen kommt, während bei der Entzündung von hinten ein nicht unbeträchtlicher Theil des Pulvers unverbrannt aus der Mündung des Geſchoſſes beim Ausfeuern heraus geſchleudert wird. Trotz dieſes angeblichen Vortheiles hat man in neueſter Zeit doch wieder angefangen, die Ladung von unten zu ent⸗ zünden, wie dies z. B. bei unſeren Gewehren der neueſten Conſtruction geſchieht. 2. Die Verbrennung. Mit der Entzündung des Schießpulvers unter gewöhnlichem oder höherem Luftdrucke erfolgt die Verbrennung des Pulvers mit Exploſion. Entzündet man gutes Schießpulver auf weißem Papiere, ſo erfolgt eine raſche Verbrennung unter gerade aufſteigendem Rauche, ohne einen Rückſtand auf dem Papiere zu hinter— laſſen. Bemerkt man ſchwarze Flecken auf demſelben, ſo deutet dies auf zu viel oder auf ſchlecht gemengte Kohle. Daſſelbe gilt von dem Schwefel, wenn gelbe Flecken zurückbleiben. Finden ſich ſelbſt Körner unverbrannt, ſo iſt dies eine Folge von ſchlechtem Mengen oder unreinem Salpeter, in welchem letzteren Falle die Körner ſich nicht weiter entzünden laſſen. Auch Löcher dürfen nicht in das Pa⸗ pier hineinbrennen, da dieſe Erſcheinung nur bei feuchtem oder ſonſt ſchlechtem Pulver auftritt. ETrTTCCCPPPPPPCPCCCCCCCCCCCCCCCcC Eigenſchaften. 3. Die Verbrennungsgeſchwindigkeit). Die Verbrennungsgeſchwindigkeit iſt von verſchiedenen Urſachen abhängig, vor allem, wie aus dem ſoeben Bemerkten ſich ergiebt, von der guten oder ſchlech— ten Beſchaffenheit der Materialien. Enthält der Salpeter Chlorüre, ſo wird die Verbrennung weniger lebhaft durch die angezogene Feuchtigkeit, während auf der anderen Seite die Verbrennung äußerſt intenſiv wird, wenn die Kohle nicht ſcharf gebrannt iſt, alſo noch ziemlich viel Waſſerſtoff enthält. Es kommt ferner in Betracht die Methode, nach welcher das Schießpulver angefertigt wurde. So verbrennt nach franzöſiſchen Beobachtungen Walzmühlen— pulver am ſchnellſten, etwas langſamer Tonnenpulver und am langſamſten Stampf—⸗ mühlenpulver. Bei ungekörntem Pulver wird, weil die Zwiſchenräume zwiſchen den einzel— nen Theilchen äußerſt klein ſind, der freie Durchgang der Flamme ſehr gehindert, die Verbrennung alſo weniger lebhaft vor ſich gehen, als bei gekörntem. Allein auch hier wird man unterſcheiden müſſen zwiſchen der Form und Größe der Kör— ner. Eckiges Pulver hat in Folge ſeiner Geſtalt mehr Angriffspunkte für die Flamme, wird ſich daher im Allgemeinen auch ſchneller entzünden als rundes, zumal die Körner einander inniger berühren. Hinſichtlich der Dichtigkeit des Pulvers gilt der Satz: die Verbrennungs— geſchwindigkeit ſteht genau im umgekehrten Verhältniſſe zu dem ſpecifiſchen Ge wichte. Abgerundetes Pulver wird alſo eine längere Brennzeit erfordern als nicht abgerundetes, weil erſteres dichter iſt und die Poren durch das Abrunden ver— ſtopft ſind. Trocknes Pulver beſitzt größere Verbrennungsgeſchwindigkeit als feuchtes, da bei letzterem das Waſſer eine beſtimmte Menge Wärme verſchluckt und dadurch die Temperatur der Gaſe mindert, außerdem auch die Feuchtigkeit ein Zuſammen backen der Pulverkörner bewirkt, wodurch den Gaſen der freie Durchgang er— ſchwert wird. Die Größe der Brennfläche hat unter ſonſt gleichen Umſtänden keinen Ein— fluß auf die Verbrennungsgeſchwindigkeit, wohl aber die Größe der Ladung. Je mehr Pulver, um ſo mehr Wärme wird entwickelt und die Geſchwindigkeit der Gaſe muß mit Erhöhung der Wärme zunehmen. Da die Wände des Geſchützes ſtets von der entwickelten Wärme in ſich aufnehmen, ſo wird bei großen Ladun— gen der Wärmeverluſt nicht ſo fühlbar als bei kleinen. Ebenſo verhält es ſich mit dem zu überwindenden Widerſtande. Leiſtet das Geſchoß einen großen Widerſtand, ſo bleibt es längere Zeit an ſeiner urſprüng— lichen Stelle, die Verbrennung wird alſo auf einen geringeren Raum eingeſchränkt, )Eine eingehende Erörterung hierüber findet man in Piobert's Traité cbartille— rie, Partie théorique(in deutſcher Ueberſetzung bei Adolph Mareus in Bonn 1842 erſchienen). Zu vergleichen hiermit iſt die Abhandlung von General Otto in 53, 45 bis 95 des Archives für die Officiere der königl. preuß. Artillerie u. ſ. w. in F höher Gaſe nung berei ten, (170 264 Luftd mehr ſich! mut!h Schr dieſer 177 verbi ten Verl Gal bis; Gaſe pulo Stie Gas ulver hlen⸗ mpf⸗ inzel⸗ idert, llein Kör⸗ die ndes, ings⸗ Ge nicht ver⸗ chtes, durch men er⸗ Ein⸗ Je der ützes dun⸗ t das üng⸗ änkt, tille- 1842 53, Verbrennungsproducte. in Folge deſſen die Wärme mehr zuſammenbleibt, ſomit die Temperatur der Gaſe höher und die Verbrennungsdauer des Pulvers kürzer wird. Hemmt man den freien Abfluß der beim Verbrennen des Pulvers gebildeten Gaſe, wie dies ja in den Gewehren und Geſchützen geſchieht, ſo wird die Verbren— nungsgeſchwindigkeit erheblich beſchleunigt. 4. Die Verbrennungsproducte. Bei der Verbrennung des Schießpulvers unter gewöhnlichem oder höherem rucke findet ſtets eine Umſetzung in der Weiſe ſtatt, daß einerſeits gasförmige Körper, andererſeits ein feſter Rückſtand gebildet werden. Dieſe Beobachtung hatte man ſchon ziemlich früh gemacht und ſtellte man bereits zu Anfang des 18. Jahrhunderts Verſuche an, um die Menge des erzeug— ten„Dunſtes“, wie man die Gaſe nannte, zu meſſen. So fand Hawksbee (1702), daß 1 obem Schießpulver 232, Robin(1743) 244, Saluces(1761) 264 und Brianchon 400 ebem Gas für eine Temperatur von 0o C. und einen Luftdruck von 760 öm liefert. Woraus der Dunſt beſtand, ob aus einem oder mehreren Gaſen, ließ ſich damals wegen des primitiven d in welchem ſich die Chemie noch befand, nicht beſtimmen. Man erging ſich daher in Ver— muthungen. So meinte z. B. Nii(1705), daß die bei der Verbrennung des Schwefels ſich bildende Schwefelſäure aus dem Salpeter den Salpeterſpiritus treibe und dieſen verbrenne; eine Anſchauung, welche man mit nur geringer Abänderung noch 1771 bei Majow findet, welcher glaubte, daß das Phlogiſton ſich mit der Salpeterſäure verbinde. Einen etwas klareren Gedanken giebt Ingenhous in ſeinen vermiſch— ten Schriften(1782), wenn er ſagt, daß die Wirkung des Schießpulvers aus der Verbindung der Kohle mit Sauerſtoff hervorgehe. Der annähernd richtige Nachweis über den Beſtand des Gasgemenges blieb Gay-Luſſac vorbehalten. Derſelbe ließ Pulver Korn für Korn in eine bis zu Rothgluth erhitzte Glasröhre fallen, an welcher eine Vorrichtung, um die Gaſe aufzufangen, angebracht war. Auf dieſe Weiſe erhielt er von einem Liter Jagd— pulver, welches 900 g wog, 2381 Kohlenſäure, 22,50 Kohlenoxyd und 1891 Stickſtoff, zuſammen 449,50 1. Nach den Unterſuchungen von Gah-Luſſacund Chevreul ſind in 100 Thlu Gas enthalten: D Kohlenſäure. Stickſtoff. Kohlenoryde. Stickoryd. Kohlenwaſſerſtoff Ein eigenthümliches, aus Kohle, Waſſerſtoff und Sauerſtoff be— ſtehendes Gas 99,9 160 Eigenſchaften. In dem feſten Rückſtande, von deſſen Natur man gar keine Kenntniß hatte, fanden Gay-Luſſac und Chevreul ſchwefelſaures und kohlenſaures Kalium neben Einfach-Schwefelkalium ſowie deſſen höheren Sulfureten. An dieſe Unterſuchungen ſchl kehen ſich die von A. Vogel jun. an, die an und für ſich nichts Intereſſantes bieten, Neues vielleicht nur in ſoweit, daß bei der Verbrennung des Pulvers unter gewöhnlichem Drucke kein(2) Kohlenoxyd gebildet werde. Ihrer Zeit RPachente hend waren die mit Jagdpulver von Bunſen und Schiſchkoff angeſtellten Verſuche, welche ſpäter unter denſelben Verhältniſſen von Linck mit würtembergiſchem Gewehrpulver wiederholt wurden. Aus dieſem Grunde dürfte es daher ſchon wegen des beſſeren Ueberblickes zweckmäßig erſcheinen, die beiderſeitigen Ergebniſſe neben einander zu ſtellen. Zuſammenſetzung des zur Unterſuchung verwandten Pulvers: Bunſen und Schiſchkoff Jagdpulver[Gewehrpulver Salpeter Schwefel Kohlenſtoff Waſſerſtoff Sauerſtoff Aſche Waäſſer)ß; 0,60 100,00 99,99 Kohle Zur Verbrennung des Jagdpulvers bedienten ſich Bunſen und Schiſch koff einer Kugelröhre, welche an dem einen Ende rechtwinklig auſgebogen war. In dieſen Theil der Röhre ragte eine etwa Um lange und 2,5 mm weite Glas— röhre, welche an ihrem oberen Ende einen Meſſingaufſatz trug, deſſen Mitte eine kleine, kreisrunde Oeffnung beſaß. Der andere gerade Theil der Kugelröhre ſtand mit einem 25 mm weiten und 1,5 bis Am langen Rohre in Verbindung, durch welches ein dünneres, 58 0 Saugrohr bis in die Nähe der Kugel— röhre lief. An dieſes Saugrohr waren Sammelröhrchen angebracht, welche in ihren beiden Enden dünn ausgezogen mit einem Aspirator in Ver— ) Daß das Waſſer nicht in Anrechnung gebracht werden kann, iſt bereits oben S. 143 f. erwähnt worden. bindr röhre welch gehob hinab vollſt in de Hülfe ſchrat ſetzur ſei m Waſſe filtrir lauf ſäure Nachr A Beſtin 10 Appa gelöſt unter in Ke titrirt in An Verbrennungsproducte. 161 hatte, bindung geſetzt waren. Bei Ausführung des Verſuches wurde die Kugel— lium röhre erwärmt und über die 1m lange Glasröhre ein Kautſchukſchlauch gezogen, in welchem ſich ungefähr 20 g Jagdpulver befanden. Wurde der Schlauch in die Höhe gehoben, ſo fielen die Pulverkörner durch die kreisrunde Oeffnung des Aufſatzes hinab in die heiße Kugel, woſelbſt ſie verbrannten. Der feſte Rückſtand blieb faſt vollſtändig in der Kugel und deren Röhrenanſatz, während der Pulverrauch ſich in dem 1,5 bis 2m langen Rohre abſetzte und die gasförmigen Producte mit Hülfe des Aspirators in die Sammelröhrchen gelangten, welche mit Klemm—⸗ ſchrauben verſchloſſen und darauf mit dem Löthrohre abgeſchmolzen wurden. eſem Der in der Kugel verbliebene Pulverrückſtand hatte folgende Zuſammen⸗ inen, ſetzung: Schwefelſaures Kaliſm.... 56,62 Kohlenſaures Kalium...27,02 Unterſchwefligſaures Kalium.... 7,57 Salßhete 119 Falihhetttß ²ẽè 28 Schwefelkaliumᷣm 1,06 Kohlrtt 997 Schwefeleyankaliuwwmeee. 0,86 Schefefßfßfß ö EE..... 100,55 Die Art der Beſtimmung der einzelnen hier in Frage kommenden Körper ſei nur kurz erwähnt. Zur Beſtimmung der unverbrannten Kohle wurden 7 Subſtanz in heißem Waſſer aufgelöſt und die Kohle auf einem gewogenen Filter geſammelt. Die ab— filtrirte Flüſſigkeit wurde mit Kupferoxyd in Berührung gebracht und nach Ver⸗ lauf von 2 Tagen das Schwefelkupfer enthaltende Oryd in rauchender Salpeter— ſäure gelöſt und die gebildete Schwefelſäure durch Chlorbaryum gefällt. Die Nachweiſung des unterſchwefligſauren Kalium geſchah mittelſt titrirter Jodlöſung. Das ſchwefelſaure Kalium wurde durch Fällen mit Chlorbaryum beſtimmt, zur Beſtimmung des kohlenſauren Kaliums die Löſung mit Manganchlorür verſetzt iſch- Hund der getrocknete Niederſchlag in einem zur Kohlenſäurebeſtimmung geeigneten war. Apparate mit verdünnter Schwefelſäure behandelt. Das im Kohlenſäureapparate las⸗ gelöſt gebliebene Manganoxydul wurde mit kohlenſaurem Natrium gefällt und eine unter Berückſichtigung, daß bei der Beſtimmung des Schwefelkaliums das Kalium ſtand in Kalihydrat überging, die Menge Kalihydrat berechnet. urch Das Schwefelcyankalium wurde colorimetriſch durch Eiſenchloridlöſung und ugel- titrirte Schwefelcyankaliumlöſung beſtimmt. elche In dem Salpeter wurde die Salpeterſäure durch Zink und Schwefelſäure Ver⸗ in Ammoniak verwandelt und daraus die Menge Salpeter berechnet. Der Pulverdampf hatte in Procenten ausgedrückt folgende Zuſammen⸗ ſetzung: FFFFFFPPP.˖˖˖˖˖˖CCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCC oben Das Schießpulver. Eigenſchaften. Schwefelſaures Kalium Kohlenſaures Kalium Unterſchwefligſaures Kalium Salpeter Kohle Kalihydrat Schwefelcyankalium Ammoniumſesquicarbonat 100,00 Die Beſtimmung der einzelnen Körper geſchah nach den bereits oben erwähn— ten Methoden. Neben dieſem Verſuche unternahmen Bunſen und Schiſchkoff noch einen weiteren, der dahin ging zu beſtimmen, wie viel Verbrennungsproducte(Rückſtand und Rauch) eine beſtimmte Menge Pulver bei dem Abbrennen liefere. Für 19 Pulver erhielten ſie 0,6806 9 Rückſtand und 0,3138 9 Gaſe oder 193,1 ebem. Linck erhielt auf dieſe Weiſe 0,6415˙9 Rückſtand und 0,3581 g oder 218,35 cbem Gaſe bei 0o und 760 mm. Der feſte Rückſtand hatte folgende Zuſammenſetzung: Bunſen und Linck Schiſchkoff Schwefelſaures KaliBmwmm.. 62,10 45,08 Kohlenſaures Kaliſmm.... 18,58 23,96 Doppelt-Schwefelkaliſm...— 14,94 Einfach-Schwefelkalium.. 3,13— Unterſchwefligſaures Kalium.... 4,80 5,88 Ammoniumſesquicarbonat.. 4,20 3,18 2 Kohlesz e 1,07 85 Salpeterſaures Kaliſmm..... 5,47 1,87 Schwefeleyankaliuuh 0,45 1,81 Schdefellll 0,20 0,48 100,00 100,00 Weiſ ſtoff wurd ſchüf Verp bram abhan Bun daß b durch als 9 kalten lichen Scher ihn⸗ inen tand 19 CIm. oder ende Verbrennungsproducte. Die Pulvergaſe beſtanden in 100 Volumtheilen aus: — Bunſen und Schiſchkoff Föhlenſaurrrtrtt 52,6 52,14 Stickſtoffßffß;ßß 34,68 Kohletshßee, 3,8 4,33 Walfſeöſtoff⸗ßñp· 2 1,63 Schwefelwaſſerſtoffrfrfri. 7,18 Salssſtefff;ß; 5² 0,04 100,00 100,00 Die Analyſe dieſes aus ſechs Gaſen beſtehenden Gemiſches geſchah in der Weiſe, daß zuerſt im Abſorptionsrohre die Kohlenſäure und der Schwefelwaſſer— ſtoff mit Kalilauge und der Sauerſtoff durch pyrogallusſaures Kalium beſtimmt wurden. Darauf wurde der Gasrückſtand in ein Eudiometer übergefüllt, mit über⸗ ſchüſſigem Sauerſtoffe und elektrolytiſchem Knallgaſe verpufft und der nach der Verpuffung übrig bleibende Sauerſtoff mit überſchüſſigem Waſſerſtoffe ver— brannt. Ueber die genauere Ausführung dieſer Verſuche muß theils auf die Original— abhandlung in Poggendorff's Annalen Bd. 102, S. 335. fgg., theils auf Bunſen's„Gaſometriſche Methoden“ verwieſen werden. Das Auffallende bei dieſen Analyſen hinſichtlich der Reſultate iſt der Umſtand, daß hier freier Sauerſtoff auftritt. Bunſen erklärt ſich dieſe Erſcheinung da— durch, daß der nach Verbrennung der Kohle und des Schwefels ſalpeterhaltige, als Rauch zertheilte Pulverrückſtand kleine Mengen Sauerſtoff während des Er— kaltens ausgebe. Die Umſetzung, welche das Schießpulver bei dem Abbrennen unter gewöhn— lichem Luftdrucke erleidet, läßt ſich nach dieſen Unterſuchungen durch folgendes Schema ausdrücken: 8 — ———.˖C§—itrI FFCC.CC...CPPPCPCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCcC Eigenſchaften. 8 E5%% 904927 00% 90f ENO„ 9005872 (Nückſand] Ku8e O...... 0032r Rüiſten(Nu60 9000286 e 66900075 Sültete 80899 KCNS. 000030 Schwefel 0,0984[ giebt 8 0,0014 C 0,0769 ver⸗ Kohle I 0,0041 brannt g ebem 0 00307 00..02012— 101/71 N... 0,0998 79,40 C0... 0,0094 7,49 H. 0,0002 2,34 HeS.. 0,0018 1716 O0.. 0,0014 1,00 1g Pulver 193,10 U So intereſſant nun auch dieſe Verſuche von wiſſenſchaftlichem Standpunkte aus ſind, ſo laſſen ſich die dadurch gefundenen Ergebniſſe doch nicht für die mili— täriſche Praxis nutzbar machen, weil hier die Verbrennung ſtets unter hohem Drucke erfolgt. In dieſer Richtung hat Kärolyi Beobachtungen mit Gewehr- und Geſchütz⸗ pulver angeſtellt. Die quantitative Zuſammenſetzung war: für Geſchützpulver für Gewehrpulver Saälpete:: 1378 Salpetert? 7715 Schwefeff 128 Scheſeffß 883 Kohlenſtoffß Koblenſtofff 11½78 Waſcrkef 8 Wäfferſtoff!?;: 90,42 Kohle Sauerſtof.. 1582 Koͤhle f.170 Sauerſtoff Sauerſtoff Aſchh)h 0 Aſchtete 9028 100,00 100,00 Zur Ausführung des Verſuches benutzte Kärolyi eine luftleer gepumpte, 60 pfündige Bombe, in welche ein mit dem zu unterſuchenden Schießpulver an— gefüllter, gußeiſerner Cylinder eingeſchraubt wurde, welcher an einem Ende eine Vorrichtung zur Entzündung des Pulvers durch den galvaniſchen Strom beſaß. Die Widerſtandsfähigkeit des Cylinders und deſſen Rauminhalt war derart gewählt, daß das nach der Exploſion entſtandene Gas in der Bombe noch eine halbe At— moſphäre Ueberdruck beſaß, um daſſelbe hinterher zur weiteren Unterſuchung in die Maßgefäße überfüllen zu können. Die Beſtimmung der Gaſe ſowie des feſten Rückſtandes geſchah nach den Methoden, wie ſie von Bunſen angegeben wurden. — 1 D 9 S RE — ◻ = ο ◻ι = —— 3 03 014 n 1,71 9,40 7,49 2,34 1„16 1,00 3,10 nkte nili⸗ hem 7,15 8,63 1,78 0,42 1,79 0,28 0,00 ipte, an⸗ eine ſaß. ihlt, At⸗ Jin den Verbrennungsproducte. 165 Zur Unterſuchung des Geſchützpulvers wurden 36,8366 g verwandt. Dieſelben lieferten an feſtem Rückſtande 25,49 g und an Gaſen 11,34 g. Letz⸗ tere entſprechen für 0e und 760 mm Druck 7621/9 cbem. Es berechnen ſich ſomit für 1 g Geſchützpulver 0,692 g feſter Rückſtand und 0,307 g reſp. 206,91 obem Gaſe. Die 25,49 g Rückſtand hatten folgende Zuſammenſetzung: g Gew.⸗Proc. A2 Schwefelſauxes Kalim.. 361 53,39 28,01 Kohlenſaures Kalifmwmwmm 7,14 Schwefef 1,73 6,79 Unterſchwefligſaures Kalium 1,04 4,08 Ammoniumſesquicarbonat..... 0/99 3,88 Kohle 0,94 3,69 Schwefelkalimememm6 0,04 0,16 — 25,49 100,00 Die Zuſammenſetzung der 11,34 Gaſe war folgende: g· Vol.⸗Proc. Kohlenſäure... 6,40 42,74 Stickſtoff; 360 37,58 0,97 10,19 Waſſerſtoff 0,04 5,93 Grubengas 05 2,70 Schwefelwaſſerſtoflllll.— 0,10 0,86 Bebluſtt::: 0,08 Kohlenoryd 10000 11,84 Zur Verbrennung des Gewehrpulvers wurden 34,153 g verwandt, welche an feſtem Rückſtande 22,247 g und an Gaſen 11,906 g lieferten. Letztere ent— ſprachen für O0e und 760 mm Druck 7738 cbem. Danach berechnen ſich für 1g Gewehrpulver 0,651 9 Rückſtand und 0,348 g reſp. 226 ebem Gaſe. Die Analyſe des Rückſtandes gab folgende Werthe: g· Gew.⸗Proec. Schwefelſaures Kalium. 12,354 55,53 Kohlenſaures Kaltünt::: 7096 31,90 Ammoniumſesquicarbonat..... 0,908 4,08 Rohlfte 0,887 3,99 Unterſchwefligſaures Kaliüm 0,605 2,72 Schwefel. 0,397 1,78 —— üää— 22,47 100,00 Eigenſchaften. Die Analyſe der Gaſe führte zu folgenden Zahlen: 9 Vol.-Proe. Kohlenſäuxre 77442 48,90 Stickſtoff 435 35,33 Kohlendotyd 90504 5,18 Wafferſtofff. 904/ 6,90 Gruübetzass 1167 3,02 Schwefelwaſſerſtoff. 0,079 0,67 Verluſttpßßßßßß ¶92353 100,00 11,906 Aus dieſen Verſuchen ſchloß Kärolyi, daß die Verbrennungsproducte beim Pulver von der Art, wie die Verbrennung geſchieht, wenig abhängig ſeien, daß aber die Zuſammenſetzung des Pulvers von Einfluß ſei. Gegen dieſe Schluß— folgerung iſt nun in neuerer und neueſter Zeit bedeutender Widerſpruch erhoben worden und hat unter Anderen Vignotti in ſeiner Abhandlung: De Panalyse des produits de la combustion de la poudre, Paris 1861 den Satz aufge— ſtellt, daß die Verbrennungstemperatur des Pulvers mit den Verbrennungspro— ducten in Wechſelbeziehung ſtehe. Als Beleg hierfür giebt er die Unterſuchungs— reſultate dreier gleich doſirter(75 Proc. Salpeter, 12,5 Proc. Schwefel und 12,5 Proc. Kohle) Schießpulverſorten, von denen: Nr. 1 mit 22 procentiger Kohle Nr. 2 32 77 7⁰ 7⁰ Nu. 2 32 7 5 angefertigt waren. Die Verbrennung von je 20 g der drei Sorten fand in einem Apparate ſtatt, deſſen Einrichtung ſich von dem Kärolyi'ſchen nur dadurch unterſcheidet, daß das Pulver in einem kleinen Mörſer bei Anweſenheit von atmoſphäriſcher Luft verbrannt wurde. Es ergab: per Gramm Entwickeltes Gas... 0 243,96 bem 231,62 cbem 237,14 cbem Kohlenſaures Gas.. nigss,, 136,765„ 14 5 Feſté Rütkftündsds 1,1475 g 0,6500 g 0,5604 g Unlöslich darunter: Unverbrannte Kohle..— 90.830, 0,543„ 0,4019„ Unverbrannter Schwefel..... 0,2135, 0,107„ 0,1585„ Schwefel im gebildeten K 804.. 116 1,836„ 27— Kohle im gebildeten K CO03... 0,1868„ 0,3765, 0,443 8 7 Verbrennungsproducte. 167 Schießverſuche mit dem Gewehrpendel ergaben, daß die Anfangsgeſchwindig— keit des Pulvers Nr. 1 größer war als die von Nr. 3, daß dagegen beim Schießen aus 24 pfündigen Kanonen mit/ kugelſchwerer Ladung Nr.3 die größte, Nr. 1 die mittlere und Nr. 2 die kleinſte Geſchwindigkeit den Geſchoſſen ertheilte. Hieraus ſchließt nun Vignotti mit Rückſicht auf die erhaltenen Gasmengen, daß in den kleinen Ladungen des Gewehrpendels für Nr. 1 die erlangte größere Gasmenge Ausſchlag gebend geweſen ſei, während in dem 24 pfündigen Rohre, wo trotz des größeren entwickelten Gasquantums ſchwächere balliſtiſche Wirkung auftrat, die Gastemperatur dieſen Mangel zu Gunſten des Pulvers Nr. 3 com⸗ penſirt haben müſſe. Es wird alſo durch die Verbrennungstemperatur bei Nr. 3 in kleinen Ladungen der Ausfall an Spannung wegen des geringen Gasvolumens nicht ausgeglichen, aber dafür in ſtärkeren Ladungen, wo eine relativ geringere Wärmeabgabe an die Wandungen des Geſchoſſes ſtattfindet, größere Geſchoß— geſchwindigkeit und größere Spannung erzeugt. Die Menge der vorhandenen Kohlenſäure ſpricht für dieſe Annahme. Man hat daher auch auf Grund der Vignotti'ſchen Verſuche geſagt: Je mehr Kohlenſäure oder je mehr kohlenſaures Kalium vorhanden iſt, um ſo mehr Kohlenſäure iſt überhaupt gebildet worden und um ſo höher die Verbrennungstemperatur geweſen. Ungefähr um dieſelbe Zeit wie Vignotti machte Craig darauf aufmerkſam, daß die Verbrennungsproducte je nach der Exploſion unter einem größeren oder geringeren Drucke ganz verſchieden ſind. Durch die Unterſuchung des Rückſtandes fand er, daß, wenn das Pulver unter ſchwachem Drucke verbrenne, ſchwefelſaures Kalium zurückbleibt, während bei höherem Drucke durch die Reduction des ſchwefelſauren Kalium zu Schwefelkalium hauptſächlich letzteres gebildet wird. Findet nun dieſe Anſicht in den Unterſuchungen von Vignotti einen Stütz⸗ punkt, ſo gewinnt dieſelbe noch mehr an Halt durch die neueſte Arbeit von Fedorow. Den Pulverrückſtand bereitete ſich Fedorow durch Abfeuern einer in eine 4 Fuß lange Glasröhre eingefügten Piſtole und durch Abfeuern einer kupfernen 9 pfünder Kanone, wobei im letzteren Falle zu jedem Schuſſe 3 Pfund(ruſſiſches) Pulver benutzt wurden. Zuſammenſetzung des Pulvers und der Kohle im Pulver: Sällpetett ,175 Kohlenſtoff. Kohle 14,835 Waſſerſtoff. Schwefelfllfl!ß ñ 9,890 Sauerſtoff. Waſſer 19 Aſche; 100,00 100,00 A 1 D Dο D⁰ Der Rückſtand wurde in Waſſer gelöſt, filtrirt und das Filtrat mit kohlen— ſaurem Cadmium mehrere Tage lang geſchüttelt. Aus dem Schwefelgehalt des Schwefelcadmiums wurde der Schwefelgehalt des Schwefelkalium berechnet, was zu viel ſchärferen Reſultaten führt als das von Bunſen und Schiſchkoff zu dieſem Behuf verwendete Kupferoxgd. Das unterſchwefligſaure Kalium wurde durch Fällen mit ſalpeterſaurem Silber beſtimmt, das Schwefelcyankalium colorimetriſch 168 Eigenſchaften. (nach Bunſen), das hleuſane Kalium durch Fällen mit Manganchlorür und Wägen des Muz 04. Der Sa lpeterzehettz ergab ſich aus der Differenz. Die im Folgenden mitgetheilten Anh lyſen ſind das Mittil mehrerer gut unter ſich übereinſtimmender Reſultate. Zuſammenſetzung des auf 100 Thle. Trockenſubſtanz berechneten Pulver— rückſtandes: Blind geladen mit Kanonenſchuß mit 0,75 g 15 g· 3 Pfund Ladung 8 ———————— K5807 040 4825047/61 40,83 43,28 15,00 15,15 K460% 23,44%2415 306 31,90 37,00 36,20 K287406. 41663 1705 19,32 17,74 8,.28 7,44 0,54 2,49 1,67 38,18 39,55 KEN 56 65 2.79 178— FFhs0 0,56 0,56 0,33 ö 89588 8 0„22 0,09 0,09 0 390 1,02 Sand C,— 0,22 NHS)2 Gq Spuren— Aus dieſer äußerſt intereſſanten Tabelle erſieht man, daß mit Vergrößerung der Ladung und Erhöhung des Druckes bei der Verbrennung auch eine größere Zerſetzung des Pulvers erfolgt, der Rückſtand im gleichen Maße hinſichtlich ſeines Gehaltes an Schwefelkalium und kohlenſaurem Kalium zunimmt, wie er hinſicht— lich ſeines Gehaltes an ſchwefelſaurem und unterſchwefligſaurem Kalium ab— nimmt. Zum Schluſſe ſeien noch die von Dr. Poleck angeſtellten Verſuche mit— getheilt, welche im Monat Auguſt und September 1865 zu Neiße erfolgten, um die Zuſammenſetzung der Minengaſe zu erfahren. In die beſonders zu dieſem Zwecke angelegte Verſuchsmine wurde durch die Verdämmung hindurch ein langes ſchmiedeeiſernes Rohr gelegt, durch welches man mit Hülfe eines Aspirators die gebildeten Gaſe auffing. Die mit Gas gefüllten Sammelröhren wurden unmittelbar nach dem jedesmaligen Auffammeln mit dem Löthrohre abgeſchmolzen und nach der Bunſen'ſchen Methode analyſirt. Das zum Sprengen der Mine verwandte Pulver enthielt 72. Proc. Salpeter, 11,88 Proc. Schwefel und 16,12 Proc. Kohle. In folgender Tabelle finden ſich die bei dem Verſuche erhaltenen Ergebniſſe: ſäur⸗ dem ſäure ſorpt am mate ing ſere nes cht⸗ ab⸗ lit⸗ Verbrennungsproducte. Zuſammenſetzung Unmittelbar /Stunde S Stunden[8½ Stunden ſpäter ſpäter ſpäter 100 Thln. in 60 nach der Exploſion Kohlenoxyd Kohlenſäure...— 4,49 Grubengas Waſſerſtoff...— Stickorydul.. 141 8— Sattesſtoffsgshs 4,88 Stickſtbffß 858765“ inel. Waſſerſtoff Summa 100,00 100,00 100,00 Daher in 100 2 Plildergaſe 76,72 Atmoſphäriſche Luft.... 23,28 Wenn man dieſe Tabelle überblickt, ſo befremdet es ſofort, daß die Kohlen— ſäure in ſo geringer Menge hier auftritt. Die Erklärung hierfür findet ſich in dem Umſtande, daß von dem Verdämmungsmateriale vorzugsweiſe die Kohlen— ſäure abſorbirt wird. Um den Einfluß des Verdämmungsmaterials auf die Ab— ſorption der Gaſe zu unterſuchen, wurden nach dem Aufräumen der Mine, was am ſechsten Tage erfolgte, die abſorbirten Gaſe durch Auskochen des Verdämmungs— materials mit luftfreiem Waſſer und im luftleeren Raume gewonnen. Auf dieſe Weiſe ergaben ſich in dem Raſen in 100 Thlu: Kohlenſäure Waſſerſtoff Stickoxydul Stickſtoff 73,32 1„11 0,81 24,76 Aus dieſem Umſtande erklärt ſich denn auch, daß die unmittelbar nach der Exploſion in die Gallerie ausfließenden Gaſe eine andere Zuſammenſetzung haben als jene, welche ſich ſpäter aus dem Verdämmungsmaterial entwickeln. Keines—⸗ wegs erſichtlich aber iſt es, aus welchem Grunde die Menge Kohlenoxyd ſpäter— hin größer 99 als unmittelbar nach der Exploſion, um ſo weniger als in dem Verdämmungsmaterial kein Kohlenoxyd nachweisbar war und eine Reduction der Kohlenſäure zu Kohlenoxyd hinterher undenkbar iſt. ) Der eudiometriſche Theil dieſer Analyſe verunglückte. Eigenſchaften. Was das Auftreten von Grubengas anlangt, ſo mag daſſelbe wohl bei der hohen Temperatur aus den verkohlten organiſchen Beſtandtheilen der Verdämmung gebildet worden ſein, obwohl, wenn Schwefelwaſſerſtoff und Schwefelkohlenſtoff vorhanden waren, wie Poleck anzunehmen ſcheint, auch noch eine andere Bildungs— weiſe möglich iſt. Ganz beſonders hebt noch Poleck hervor, daß Schwefelalkalien in dem Ver dämmungsmaterial nicht nachzuweiſen waren. Allein konnten dieſelben wäh rend der ſechs Tage bei dem Zutritte der atmoſphäriſchen Luft nicht orydirt worden ſein? So ſorgfältig dieſe Verſuche auch ausgeführt ſein mögen, ſo kann man doch nicht behaupten, daß man durch dieſelben einen vollſtändigen Einblick in die Menge der gebildeten Verbrennungsproducte des Sprengpulvers erhält; denn in Folge der großen Abſorption der Kohlenſäure durch das Verdämmungsmaterial konnte den quantitativen Verhältniſſen nicht genügend Rechnung getragen werden, ſo daß die Tabelle lediglich einen Ueberblick über die qualitative Zuſammenſetzung der Verbrennungsproducte des Sprengpulvers giebt, wobei der allerdings im conereten Falle ſehr ſchwer zu unterſuchende, feſte Rückſtand faſt ganz unberückſichtigt ge— blieben iſt. Ueberblickt man aber die vorher angeführten Unterſuchungen über das Schießpulver, ſo läßt ſich nicht leugnen, daß man der Löſung der Frage über die Verbrennungsproducte bei verſchiedenem Drucke zwar ziemlich nahe gerückt iſt, die Unterſuchungen aber doch noch nicht in das Stadium getreten ſind, daß man ſich ein vollkommen richtiges Bild über die Zerſetzung des Pulvers machen könnte. Denn wenn auch feſtſteht, daß die früher allgemein ausgeſprochene Anſicht, wo— nach die Zerſetzung des Pulvers nach der Gleichung 2 KN0Oà + S + 30 ◻ KE 00 oder 2 KN0O3 + S + 6 C νÆτ YK28 + Nz + 6 C0 erfolgen ſoll, heut zu Tage nicht mehr haltbar iſt, ſo läßt ſich namentlich für die unter hohem Drucke gebildeten Verbrennungsproducte eine Formel noch nicht auf— ſtellen, da man nach den neueſten Beobachtungen allen Grund hat anzunehmen, daß mehrere auf einander folgende Reactionen Platz greifen, deren Reihenfolge bis jetzt noch ein Problem iſt. 5. Die Verbrennungstemperatur. Die Verbrennung faßt man als einen Oxydationsproceß auf, bei welchem ſich die verſchiedenen Körper mit Sauerſtoff vereinigen. Dieſe Verbindung iſt faſt immer von einer Wärmeentwicklung begleitet, welche häufig Glüh- und Licht⸗ erſcheinungen im Gefolge hat. Einen ſolchen Vorgang finden wir bei der Ver— brennung des Schießpulvers, wo die in demſelben enthaltene Kohle zu Kohlenſäure bzw. Kohlenoxyd und der Schwefel zum Theile zu Schwefelſäure bzw. unterſchwefliger Säure oxydirt wird. Die dabei auftretende Wärme iſt verſchieden, je nachdem die Verbrennung in freier Luft oder in einem geſchloſſenen Raume erfolgt, in welck temp die gebre nicht ſchütz arten Thei Jagd brem der brem als v 0,20 2993 ſpeci 3340 la pe einig gema iung iſtoff ings⸗ Ver wäh ydirt doch enge Folge unte ö daß der reten unte. wo⸗ r die auf⸗ men, folge chem g iſt Lqcht⸗ Ver⸗ ſäure fliger hdem in U Verbrennungstemperatur. welchem ſich die Gaſe nicht ausdehnen können, in Folge deſſen die Re temperatur erhöht wird. Letztere zu meſſen, iſt bis jetzt noch nicht gelungen, da die ſonſt zur Temperaturmeſſung gebräuchlichen Apparate nicht in Anwendung gebracht werden können, eine genaue Beſtimmung auch ſchon aus dem Grunde nicht möglich iſt, weil regelmäßig ein Theil der entwickelten Wärme an die Ge— ſchützwandungen abgegeben wird. Man hat daher den Verſuch gemacht, die im Augenblicke der Exploſion des Pulvers ſtattfindende Temperatur zu berechnen. So hat z. B. Prechtl auf Grund der Wärmeentwicklung, welche beim Verbrennen der Kohle ſtattfindet und unter Berückſichtigung der ſpecifiſchen Wärme der ver— ſchiedenen in Betracht kommenden Körper die Temperatur bei der Verpuffung auf 7187“ R. oder 89840 C. geſchätzt, eine Temperatur, die wie Kerl hervor— hebt, wohl gewiß zu hoch iſt, da Prechtl von der noch nicht beſtätigten Annahme ausgeht, daß ſelbſt in dieſer hohen Temperatur die ſpecifiſche Wärme der Gas⸗ arten ſich nicht ändert und er vo 0 unberückſichtigt läßt, daß ein großer Theil der entwickelten Wärme zur Bildung der Gaſe verbraucht wird. Bunſen berechnet die r des von ihm unterſuchten Jagdpulvers aus dem Quotienten in welchem der Zähler die bei der Ver— 8 brennung einer beſtimmten Menge Pulver auftretende Quantität Wärme und der Nenner die mit Waſſer verglichene Summe der ſpecifiſchen Wärme der Ver— brennungsproducte des Pulvers bedeutet. Aus den Verſuchen ergab ſich für 27 als wirkliche Verbrennungswärme 619,50 C. und für s die ſpecifiſche Wärme von 0,207, in Folge deſſen für die Verbrennung in freier Luft die Temperatur 29930 C ft Verbrennt das Pulver im geſchloſſenen Raume, ſo beträgt die ſpecifiſche Wärme in dieſem Falle 0,185 und danach die Verbrennungstemperatur 33400 C. In neueſter Zeit hat Berthelot in ſeiner Broſchüre: Sur Ia force de la poudre des matières explosives, Paris 1871 die bei der Verbrennung auf— tretende Wärmemenge zu berechnen geſucht und gefunden, daß für Jagdpulver bei einer Zuſammenſetzung von 81,9 Thlu. Salpeter, 10,9 Thlu. Schwefel und 9 Thlu. Kohle 1Kg 644000 Calorien giebt und 2161 permanenter Gaſe bildet. Das Product aus dieſen beiden Zahlen iſt 139 000. Für Kriegspulver(aus 78,7 Thlu. Salpeter, 12,85 Thlu. Schwefel und 8,55 Thlu. Kohle beſtehend) findet er für 1 Kg 622 500 Calorien und 2251 permanenter Gaſe und als Product aus beiden Zahlen 140000. Bei Sprengpulver(65 Thle. Salpeter, 20 Thle. Schwefel und 15 Thle Kohle) entwickelt 1Kg 380000 Calorien und giebt 3551 permanenter Gaſe. Das Product aus beiden Zahlen iſt 135 000. Zur Berechnung dieſer Werthe ſuchte Berthelot die Wärmeerſcheinungen bei der Bildung der Salpeterſäure aus ihren Beſtandtheilen zu beſtimmen, um die daraus erhaltenen Reſultate auf die Bildung der Nitrate anzuwenden. Anſtatt aber Verſuche über dieſe Wärmeerſcheinungen 101 llen, benutzte er einige ältere von Favre und Silbermann mit dem Queckſlll lbercalorimeter gemachte Beſtimmungen. Eigenſchaften. Ueber die Brauchbarkeit dieſes Apparates hat ſich nun in neueſter Zeit namentlich in Folge der calorimetriſchen Unterſuchungen von Thomſen ein großer Streit erhoben. Nach den Beobachtungen von Thomſen ſollen die gefundenen Werthe viel zu niedrig ſein und läßt ſich danach, ſo lange dieſer Streit noch nicht entſchieden iſt, ein beſtimmtes Urtheil über die Gültigkeit der von Berthelot gegebenen Berechnungen nicht abgeben. 6. Die Gasſpannung. Es iſt eine bekannte Thatſache, daß die Gaſe mit zunehmender Temperatur um einen beſtimmten Bruchtheil ihres Volumen ſich ausdehnen. Werden ſie in dieſem Beſtreben gehindert durch den Widerſtand, welchen ein anderer Körper ihnen gegenüber ausübt, ſo iſt die nothwendige Folge die, daß ſie auf dieſen Körper einen Druck ausüben, welcher allerdings abhängig iſt von der Temperatur, in welcher die Gaſe ſich befinden, mit anderen Worten alſo die Gaſe werden in eine beſtimmte Spannung verſetzt. Eine ſolche Gasſpannung muß daher auch bei dem Verbrennen des Schieß⸗ pulvers im geſchloſſenen Raume auftreten. Die Höhe des dabei erzeugten Druckes hat man zu verſchiedenen Zeiten zu beſtimmen geſucht. Rumford(1797) berechnete dieſelbe auf 54000 Atmo⸗ ſphären, während Piobert dieſen Druck zu 5000 bis 10000 Atmoſphären an⸗ giebt und Bunſen für das Jagdpulver nur eine Spannung von 4373,6 Atmo⸗ ſphären entſprechend einer theoretiſchen Arbeit von 6740 Meterkilogrammen an⸗ nimmt. In neuerer Zeit hat man nun unmittelbar dieſen Druck zu meſſen geſucht. In dieſer Beziehung ſind zunächſt die Verſuche von Rodmann zu erwähnen, welche er mit einem eigens zu dieſem Zwecke conſtruirten Manometer anſtellte. Durch den mit einem äußeren Gewinde a verſehenen Theil des Apparates Fig. 26, iſt ein Loch), etwa 8,7 mm im Durchmeſſer, gebohrt, in welchem ein Kolben o verſchiebbar iſt. Dieſer Kolben iſt am Ende mit einem Stahlmeißel d von genau beſtimmter Härte verſehen, welchem gegenüber ſich eine durch eine Schraube 7 adjuſtirbare Kupferplatte e befindet. Die Schneide des Meißels iſt nicht parallel mit der Kupferplatte, ſondern ſchräg abgeſtumpft. Um dieſes Manometer anzuwenden, wird durch die Geſchützwandung ein Loch mit daß Pulr den dem Schi man einer bei ſphã 6 K5 gleick von bis nahe von drau Im dabei dieſe Den ſtand Kup ande Mei noch zu b auch aller täns wovt beſte mer. nen icht lot eißel eine 8 iſt ein Gasſpannung. Loch von demſelben Durchmeſſer wie bei„ gebohrt, daſſelbe außen erweitert und mit einem Gewinde entſprechend der Schraube 4 verſehen. Der Apparat wird ſodann eingeſchraubt und die Kupferplatte e ſo geſtellt, daß ſie von dem Stahlmeißel 4 gerade berührt wird. Bei der Entzündung des Pulvers wirken die Gaſe auf den Kolben, treiben denſelben vorwärts und drücken den Stahlmeißel 4 mehr oder weniger tief in die Kupferplatte e hinein. In Folge der Conſtruction des Meißels wird in der Kupferplatte je nach dem ausgeübten Drucke ein mehr oder weniger langer Schnitt erzeugt. Dieſe Schnittlänge wird nun verglichen mit einer Scala von Schnittlängen, welche man mit einem Meißel von gleicher Härte auf einer Kupferplatte mit Hülfe einer hydrauliſchen Preſſe hervorgebracht hat. Auf dieſe Weiſe fand Rodmann in einem 42⸗Pfünder den Druck am Boden: bei der Ladung mit zwei Geſchoſſen 4300, mit einem Geſchoſſe 3185 Atmo— ſphären. Als bei gleich ſchwerem Geſchoſſe die Pulverladung von 1,5 Kg bis zu 6 Kg erhöht wurde, wuchs der Druck bis auf 3599 Atmoſphären. Wenn bei gleichbleibender Ladung von 2,5 Kg Pulver die Geſchoſſe mit ſteigendem Gewichte von 17,5 bis 42,5 Kg geworfen wurden, ſtieg der Druck von 1115 Atmoſphären bis auf 2754 Atmoſphären. Der größte in einer Kanone beobachtete Druck war nahe 6700 Atmoſphären, während in einer ſtarken Bombe ſogar eine Spannung von über 12 300 Atmoſphären durch das Manometer angezeigt wurde. Bei dieſem Verfahren ſchließt man alſo von dem bekannten Drucke der hy— drauliſchen Preſſe auf den unbekannten Druck, welchen die Pulvergaſe hervorbringen. Im Principe iſt gegen dieſe Schlußfolgerung nichts einzuwenden, nur darf man dabei nicht vergeſſen, die Zeit in Rechnung zu bringen, da unter allen Umſtänden dieſelbe für die Preſſe eine ganz andere iſt als für den abgefeuerten Schuß. Denn je ſchneller der Meißel in die Kupferplatte eindringt, um ſo größerer Wider— ſtand wird ihm entgegengeſetzt, weil die von dem Meißel getroffenen Theilchen der Kupferplatte dem Stoße nicht ſchnell genug ausweichen können, während ein ganz anderes Verhalten eintreten wird, wenn wie bei der hydrauliſchen Preſſe der Meißel viel langſamer in die Platte gedrückt wird. Außerdem iſt dabei auch noch wohl die Größe und Form des Pulverkornes ſowie deſſen Entzündlichkeit zu berückſichtigen und daß der Apparat nur relative Meſſungen vornimmt und auch nicht immer die jedesmal höchſte Spannung, ſondern vielmehr die Summe aller Spannungen ausgedrückt wird. Etwas zuverläſſigere Reſultate giebt der Gasdruckmeſſer des engliſchen Capi— täns Noble. Der Gasdruckmeſſer(erusher gauge, wörtlich Zuſammenquetſchungsmeſſer), wovon Fig. 27(a. f. S.) eine Seitenanſicht und Fig. 28 einen Längsſchnitt giebt, beſteht aus einer ſtählernen Hohlſchraube, deren untere Oeffnung mit einem be⸗ weglichen Schraubenverſchluſſe verſehen iſt, ſo daß man in die Kammern C, D, E. F. nach Bedarf kleine Cylinder von Kupfer B einſetzen kann. Die obere Fläche dieſer Cylinder liegt auf dem Amboß 4 auf, während auf die untere der durch die Feder 7 gegen den Cylinder angedrückte, aber ſonſt bewegliche Kolben Cbirkt. Eine kleine Uhrfeder, Fig. 29, bewirkt die Centrirung des Cylinders in der Kam— mer. Der Kopf des Kolbens iſt gereifelt, Fig. 30, ebenſo der Amboß. Vier 174 Eigenſchaften. welcher den oberen Theil der Schraube in axialer Richtung durchſetzt. Das untere Ende des Kolbens C iſt mit einer hermetiſchen Abdichtung verſehen. lange Durchbohrungen bei 4, 5“ ſtehen mit einem weiten Canale in Verbindung, Fig. 27. NN Beim Gebrauche wird der Apparat in die Wandung des Rohres eingeſchraubt und der Cylinder B eingeſetzt. Sobald der Schuß abgefeuert iſt, drücken die Gaſe auf die untere Fläche des Kolbens und quetſchen den Cylinder gegen den Amboß. Der Grad dieſes Zuſammenquetſchens bildet den Maßſtab für die Spannung der Gaſe. Bei dem gezogenen 8 zölligen Vorderlader ſtellte ſich eine Grundfläche der Kupfereylinder von/ U◻ Zoll und eine Druckfläche des Kolbens von ¼ U Zoll engl. am vortheilhafteſten heraus. Zur Beurtheilung des ſtatt— gefundenen Druckes werden ähnliche Kupfercylinder einer Reihe von Verſuchen unterworfen, wobei man die Cylinder mit einer Quetſchmaſchine verſchiedenfach zuſammenpreßt und aus dieſen Reſultaten eine Tabelle entwirft. Vergleiche, welche zwiſchen dem Noble'ſchen und Rodmann'ſchen Appa⸗ rate von der engliſchen Verſuchscommiſſion angeſtellt wurden, fielen zu Gunſten des erſteren Inſtrumentes aus. Der Grund hierfür liegt nach dem Urtheile der Commiſſion hauptſächlich darin, daß in Folge der Größe und Geſtalt der Rod— mann'ſchen Kupferplatte und des Meißels es nicht möglich iſt, dieſe in dem Rohre ſelbſt anzubringen, in Folge deſſen die Pulvergaſe zwiſchen der Seele des Geſe leger Kol ſchu höhe Ref dure hinte hinen ſpäte kreis des Ladu hervi durd für! tionc verät Reſi nung einfa artig Fläc verär beliel kann, kegel ſtänd druck word man Pulv dung loren in V lubt die den die eine hens att⸗ chen fach pa⸗ ſten der od⸗ dem des Gasſpannung. 175 Geſchützes und dem Apparate noch einen nicht unbeträchtlichen Raum zurückzu⸗ legen haben und ſomit eine ziemlich bedeutende Kraft erlangen müſſen, ehe ſie den Kolben, welcher den Meißel in die Kupferplatte treibt, erreichen. Dieſer Ueber— ſchuß an Kraft wird auf den Gasdruckmeſſer übertragen, wodurch letzterer einen höheren Druck angiebt als ſolcher in der Seele des Geſchützes vorhanden war. In neueſter Zeit hat Major de Montluiſant und darauf Major de Reffye den Kupfercylinder durch einen Bleicylinder zu erſetzen geſucht, welcher durch den Druck der Pulvergaſe nicht in ſich zuſammengedrückt, ſondern in einen hinter dem Cylinder liegenden Canal von geringerem Durchmeſſer gewiſſermaßen hineingeſtanzt werden ſoll. Dieſer Canal hatte anfangs eine eylindriſche Geſtalt; ſpäter wandte aber de Reffye einen coniſchen Canal an, deſſen kleiner Grund— kreis in der Außenfläche der Rohrwandung lag und der ſonach dem Durchſtanzen des Bleies einen fortwährend wachſenden Widerſtand entgegenſetzen mußte. Die Ladungen, welche erforderlich waren, um einen Bleiconus von beſtimmter Länge hervorzubringen, wurden im Conſervatorium der Künſte und Gewerbe zu Paris durch directe Verſuche feſtgeſtellt, wobei ſich ergab, daß jene Länge innerhalb der für die praktiſche Anwendung überhaupt noch zuläſſigen Grenzen immer propor— tional der in Wirkſamkeit getretenen Kraft ausfiel. Die Formeln für die Form⸗ veränderung feſter Körper unter ſtarkem Drucke beſtätigten übrigens das erlangte Reſultat ebenfalls, und man hatte ſonach die Aufgabe, die Maximalgasſpan⸗ nungen an verſchiedenen Stellen der Seelenwandung zu beſtimmen, auf eine ſo einfache Weiſe gelöſt, daß es de Reffye und Pothier ſogar gelang, einen der— artigen Gasdruckmeſſer auch am Geſchoßboden anzubringen, um den auf dieſe Fläche ausgeübten Maximaldruck gleichfalls kennen zu lernen. Die große Gleichförmihkeit des Widerſtandes, welchen das Blei einer Form⸗ veränderung entgegenſetzt, die Leichtigkeit, womit man aus dieſem Metalle eine beliebige Menge kleiner Cylinder von durchaus homogener Beſchaffenheit gießen kann, ſowie endlich die verhältnißmäßig bedeutende Länge der ausgeſtanzten Blei⸗ kegel und die dadurch bedingte größere Genauigkeit der Meſſungen, alle dieſe Um⸗ ſtände machen es allerdings nicht unwahrſcheinlich, daß der in Rede ſtehende Gas— druckmeſſer eine größere Zuverläſſigkeit beſitzen dürfte, als die bisher bekannt ge— wordenen anderen Vorrichtungen dieſer Art. Vollſtändig genaue Zahlen wird man aber immerhin auf dieſe Weiſe nicht erhalten, da bei der Exploſion des Pulvers in metallenen Geſchützen ein Theil der gebildeten Wärme an die Wan— dungen des Rohres abgegeben wird, dieſer alſo für die Spannung der Gaſe ver— loren geht, in Folge deſſen die letztere ſtets etwas niedriger gefunden wird als ſie in Wirklichkeit iſt. 7. Die Triebkraft des Pulvers. Wird das Schießpulver entzündet, ſo erfolgt deſſen Verbrennung; es bildet ſich dabei ein der angewandten Pulvermenge entſprechendes Volumen Gas, welches im Geſchützrohre je nach der Ladung und Conſtruction des Geſchützes einen be Eigenſchaften. ſtimmten Raum einnimmt. Da nun bei der Verbrennung des Schießpulvers zugleich Wärme entwickelt wird, ſo entſteht in den Gaſen ein Beſtreben, ſich aus⸗ zudehnen, in welchem ſie durch das Geſchoß gehindert werden; es erfolgt eine Span⸗ nung der Gaſe, die ſchließlich den Widerſtand beſeitigt und ſo das Geſchoß aus dem Rohre heraustreibt. Dieſes ſind im Weſentlichen die Bedingungen ſür die treibende Kraft des Pulvers. Ganz eigene Ideen hatte man darüber in früherer Zeit. So ſagt z. B. Schreiber in ſeinem„Büchſenmeiſter Discours“ 1656 über die Kraft des Pulvers: Wenn der brennende Schwefel unter den kalten Salliter kommt, ſo hebt der Salliter an zu ſpritzeln und ſpeyen und zapfelt von wegen der widerwärtigen Hitze des Schwefels ſo ihm gantz zuwider iſt; ſo machen Hitze und Kälte ſolch einen ſtarken Dampf, der ſonſt läufig iſt. Was nun die Kraftäußerung des Schießpulvers anbelangt, ſo darf man nicht außer Acht laſſen, daß die Verbrennung des Pulvers eine gewiſſe Dauer in Anſpruch nimmt. So wie die zum Fortbewegen des Projectiles erforderliche Kraft entwickelt iſt, um, wie bei unſeren Geſchützen und Waffen, das Projectil in die Züge hineinzudrücken, wird der Raum für die zuletzt verbrennenden Theile des Pulvers größer werden, die Gasſpannung alſo abnehmen. Gerade dieſe verſchie— dene Dauer der Entzündung und Verbrennung einer Pulvermaſſe hat auf die Kraftäußerung des Pulvers weſentlichen Einfluß. Je ſchneller die Entzündung fortſchreitet, deſto ſchneller wird auch die Verbrennung erfolgen; es wird in dem⸗ ſelben Zeitraume deſto mehr Gas erzeugt werden, deſto größer auch die Spannung der Pulvergaſe ſein, da das Gas des ſpäter zerſetzten Pulvers einen nicht viel größeren Raum findet und obendrein durch die Ableitung der Wärme nicht viel gekühlt wird. Man darf ſich aber hierdurch nicht zu der Schlußfolgerung verleiten laſſen, als ob dasjenige Pulver, welches am ſchnellſten entzündlich iſt und in kürzeſter Zeit verbrennt, in der Ausübung als treibende Kraft für Projectile auch das verwendbarſte ſei. Denn durch Verſuche verſchiedener Art, welche in Frank⸗ reich angeſtellt worden ſind, hat man gefunden, daß die ſehr ſchnell ſich entzün⸗ denden und verbrennenden Pulverſorten, die ſogenannten poudres brisantes, ſich in ihren Eigenſchaften denen des Knallqueckſilbers nähern, welches weniger auf das Pro⸗ jectil einwirkt, als auf die Wandungen der Feuerwaffen, welche im Augenblicke der Ex⸗ ploſion zerſprengt werden. Solches zerſprengendes Pulver kann man durch Anwendung waſſerſtoffhaltiger, ſehr entzündlicher Kohle(Rothkohle) oder durch geringe Verdichtung des Pulverſatzes erhalten. Vorzug verdient daher für die Anwendung als treibende Kraft dasjenige Pulver, deſſen Entzündung ſchnell genug iſt, daß ſie noch inner⸗ halb des Laufes der Feuerwaffe vor ſich geht, aber nur in dem Maße als die Kugel fortſchreitet. Es muß daher ein beſtimmtes Verhältniß zwiſchen dem Zu⸗ ſtande der Kohle, der Dichte des Pulvers und der Größe ſeines Kornes beobachtet werden. Iſt man gezwungen, ſich in Bezug der beiden erſten an beſtimmte Grenzen zu halten, ſo muß man mit dem dritten auf geeignete Weiſe wechſeln. Daraus iſt auch die Nothwendigkeit einer verſchiedenen Körnergröße für Pulver, welches für das Gewehr oder das Geſchütz beſtimmt iſt, erſichtlich. hebt tigen ſolch man 'er in Kraft n die e des ſchie⸗ if die idung dem⸗ mung t viel t viel leiten id in auch ſrank⸗ itzün⸗ ſich in Pro⸗ r Ex⸗ idung htung bende nner⸗ s die enzen raus lches Triebkraft. 177 Um die Triebkraft des Pulvers zu erhöhen, wurde in früherer Zeit Salmiak, Campher, Arſen, Mercur und Spangrün empfohlen!). Späterhin glaubte man, daß eine geringe Menge von Feuchtigkeit, welche bei der Verbrennung des Pulvers zu Dampf umgewandelt werde, zur Erhöhung der Gasſpannung beitrage. Dies iſt aber keineswegs richtig, denn in Folge der Feuchtigkeit des Pulvers wird die Verbrennung deſſelben verlangſamt, die Ver— brennungstemperatur dadurch erniedrigt und zur Bildung des Dampfes mehr Wärme erfordert als der Dampf zur Spannung beiträgt. Schon Robins hatte 1743 in ſeinen Nouveaux principes d'Artillerie darauf aufmerkſam gemacht, daß Feuchtigkeit einen weſentlich nachtheiligen Ein— fluß auf die Pulverkraft ausübe, was neuerdings auch directe Verſuche beſtätigt haben. So ergab Gewehrpulver beim Gewehrpendel bei einer Ladung von 16,6 9 Pulver trocken eine Anfangsgeſchwindigkeit von 486,3 m, bei 0,573 Proc. Feuch— tigkeit eine Anfangsgeſchwindigkeit von 481,9 m und bei 0,780 Proc. Feuchtigkeit eine Anfangsgeſchwindigkeit von 473,9 m. Selbſt bei Zuſatz von trockenem Pulver zu der feuchten Ladung wurde die Wurfweite des Pulvers in trockenem Zuſtande nicht erreicht. Es betrug nämlich: Feuchtigkeitsgehalt Ladung Kugelgeſchwindigkeit Proe. 9· m 6,44 339,4 6,68 23,7 6,74 305,2 ,88 296,4 Ebenſo unrichtig erweiſen ſich die Angaben, wonach die in den Zwiſchen— räumen und Poren des Pulvers eingeſchloſſene atmoſphäriſche Luft, welche ſich durch die Verbrennungswärme ausdehne und eine vollkommenere Verbrennung des Pulvers herbeiführe, zur Erhöhung der Triebkraft beitrage. In dieſer Hin— ſicht ſagt ſchon ganz treffend ein preußiſches Manuſcript von 1741, der Salpeter „) Welch' wunderliche Einfälle man überhaupt früher hatte, beweiſt eine aus einem Manuſcripte des Jahres 1563 entnommene Stelle, welche als Curioſum in dieſer Beziehung hier ihren Platz finden mag: Zu Salpeter zu giftigem Hauch giebt man, wenn er geſchmolzen, kleine Schlangen, Kröten, Spinnen, Blindſchleichen und Baſilisken. Letztere werden, wenn man ſie nicht hat, auf folgende Weiſe artificialiter dargeſtellt. Man bringt friſche, mit Leinöl geſalbte Eier 14 Tage in Schafmiſt, es entſtehen dann Würmer drin, die ſich auffreſſen. Den letzten ſpeiſt man mit Menſchenblut,„das man läßt in den Badſtuben“, oder mit dem Hintertheil einer Ratte. Beim Futtern verbindet man ſich Naſe und Mund mit Raute und Salbei. Nach 14 Tagen brennt man ihn in einem wohl lutirten Glaſe auf freiem Felde zu Aſche. Ebenſo kann man zwei zweijährige Hähne mit brandrothen Augen zu— ſammenſperren bis ſie ſich begatten, die Eier läßt man von einer großen Kröte ausbrüten. Das Schießpulver. SEKA............. EEEEEEEEECETCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCGCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCC —— 178 Eigenſchaften. entwickelt beim Erhitzen Luft, dieſe iſt das Wirkſame im Pulver, nicht die Luft zwiſchen den Körnern. Trotzdem hat zwar ſpäter(1842) Coxthupe vorgeſchla— gen, zwiſchen die Ladung und die Kugel Luft einzuſchließen, weil man auf dieſe Weiſe an 20 Proc. Pulver erſpare, allein ſein Verfahren hat bei den Artilleriſten keinen Anklang gefunden. Sind ſomit die Bedingungen für die treibende Kraft des Pulvers feſtgeſtellt, ſo handelt es ſich nur noch darum, wie man dieſe Kraft ermitteln kann. Es geſchieht dies durch die ſogenannten Pulverproben. Die Pulverproben. Die Pulverproben kann man in zwei große Abtheilungen bringen, indem man zwiſchen Eprouvetten und elektro⸗balliſtiſchen Apparaten unterſcheidet. A. Die Eprouvetten. Die Eprouvetten theilt man wohl am zweckmäßigſten in vier Claſſen ein: a. Die gewöhnlichen Feuerwaffen. b. Die Federeprouvetten, wo ſich der Widerſtand in der Feder befindet. c. Die Eprouvetten, bei welchen der Widerſtand, den man der Wir— kung der Gaſe entgegenſetzt, durch ein Gewicht bewirkt wird, welches mit einem dritten Körper in Verbindung ſteht. d. Die Eprouvetten, bei welchen die Größe der Reactionsbewegung maßgebend iſt. Ad a. Hierher gehören der Probemörſer und das Infanteriegewehr. Durch erſteren ſoll die Schußweite, durch letzteres die Percuſſionskraft des Pulvers nach— gewieſen werden. ck. Der Probemörſer. Fig. 31(a. f. S.) zeigt einen ſolchen Probemörſer, welcher ſammt der Unter— lage, auf welcher der Mörſer ruht, aus einem Stücke Eiſen oder Bronze gegoſſen iſt. Die Achſe des Mörſers bildet einen Winkel von 450 mit der Ebene der Unterlage. Letztere iſt in eine dicke Eichenbohle eingelaſſen. Vier Bolzen, welche durch die Bohle laufen, dienen dazu, um mit Hülfe von Stellſchrauben ein feſtes Aufliegen des Mörſers auf der Bohle zu ermöglichen. An ihren beiden Enden 12²⁰ —ä————— ——— 180 Pulverproben. iſt die Bohle mit eiſernen Bändern umgeben, an welchen vier Handhaben ſind, um den Apparat in die Höhe heben zu können. Die Kugel, welche aus dem Fig. 31. Mörſer geworfen wird, Fig. 32, iſt von Bronze, ihr Durchmeſſer beträgt ent— weder 0,190 m oder 0,1895 m. Ein in die Kugel eingebohrter Schraubengang dient dazu, einen am unteren Ende ſchraubenförmig gewundenen Griff, Fig. 33, aufzunehmen, vermittelſt deſſen man die Kugel bequem in die Höhe heben und in den Mörſer legen kann. Sowie man die Kugel auf die Ladung gebracht hat, wird der Griff abgeſchraubt und durch einen Schraubenbolzen, Fig. 34, erſetzt. Das mittlere Gewicht der Kugel beläuft ſich auf 29,3 Kg, die Pulverladung beträgt 92 g. Bei der Ausführung des Verſuches nimmt man aus einer Pulvertonne von derſelben Stelle 560 g Pulver und ſchüttet die Probe entweder in eine gläſerne ind, dem ent⸗ jang 33 35, und hat, ſetzt. dung von ſerne Pulverproben. 181 Flaſche oder in eine Büchſe von Weißblech. Die Flaſche bzw. Büchſe wird mit dem Siegel der Commiſſion verſchloſſen in Kinen Kaſten gelegt und auf den Schießplatz gebracht. Dort mißt man auf das Genaueſte den inneren Durch— meſſer des Mörſers, des Zündloches und der Kugel. Der Durchmeſſer des Mörſers muß 191,2 mm, der des Zündloches 3,4uum und derjenige der Kugel 189,5 mm und ihr Gewicht 29,37 Kg betragen. Das Gewicht des Mörſers mit hölzernem Klotze und deſſen Beſchlägen muß in den Grenzen von 210 bis 215 Kg liegen. Der Mörſer wird ſodann auf eine genau horizontale Bettung geſtellt, welche auf maſſivem Mauerwerk ruhend aus genau aneinander gepaßten Bohlen von 0,16m Höhe auf 0,Um Länge gebildet wird und durch zwei ſtarke Querhölzer feſt verbunden iſt. Die Bohlen liegen parallel der Richtung der Schußlinie. Für den Ort des Niederfallens der Kugel wählt man weder ein hartes noch ſteiniges Terrain, im Nothfalle muß man es auf Im Tiefe aus⸗ graben und durch eine gleichhohe Schicht Lehmboden erſetzen. Beim Laden des Mörſers bringt man die 92 Pulver mittelſt eines eingebogenen Trichters in die Kammer, legt die Kugel in der Weiſe auf die Ladung, daß die Achſe des zu einer Schraube ausgebohrten Loches in der Kugel parallel mit der Achſe des Mörſers läuft. Man ſchraubt darauf den Griff ab, erſetzt denſelben durch den Schrauben— bolzen, bringt einen Luntenfaden in das Zündloch und feuert ab. Der erſte Schuß wird nicht gerechnet, da er das Ausflammen des Mörſers bezweckt. Nach jedem Schuſſe wird die Seele und Mörſerkammer ausgewiſcht und auch die Kugel ge— reinigt. Dieſe Vorſicht iſt wohl zu beobachten, da der Schleim, welcher an den Wänden der Seele ſich anlagert und die Unreinigkeiten, welche die Kugel bedecken, den Spielraum verkleinern und ſomit weſentlich auf die Wurfweite einwirken. Die Wurfweite der Kugel ſoll wenigſtens 235 m betragen; bei dem bronzenen Probemörſer kann die Wurfweite um 10 mgeringer ausfallen. In Preußen darf die mittlere Wurfweite des zu unterſuchenden Pulvers höchſtens 15 Schritt mehr oder weniger betragen als die des gleichnamigen Normal— pulvers. Die mittlere Wurfweite des Normalpulvers iſt aus dem bronzenen Probirmörſer für Normalgeſchützpulver auf wenigſtens 278,24m(74 Ruthen) und höchſtens 285,76 m(76 Ruthen), für Normalgewehrpulver auf wenigſtens 285,76 m und höchſtens 293,28 m(78 Ruthen) feſtgeſtellt. In Belgien nimmt man zwei Proben, je zu 280 g. Die eine Probe wird, wie oben angegeben, unterſucht, die andere aber naß gemacht und ſodann wieder getrocknet. Zu dieſem Zwecke wird die Probe in eine Büchſe von Weißblech geſchüttet, dieſe offen in einen Korb geſtellt und mit einer feuchten Wollendecke bedeckt in eine Kiſte gelegt, welche mit zwei Vorlegeſchlöſſern verſchloſſen wird. Hat das Pulver 5 bis 7 Proc. Waſſer angezogen, ſo wird es getrocknet und in der Büchſe nach dem Schießplatz gebracht. Dieſe Methode kann auf keinen Fall gut ſein, denn das Pulver wird durch das Trocknen poröſer, folglich auch leichter entzündlich, ſo daß man dadurch ſehr leicht zu falſchen Schlüſſen gelangen kann. Die Probemörſer, beſonders die bronzenen, verändern ſich durch den Gebrauch und geben nach und nach kürzere Wurfweiten. Man vergleicht daher die der Probe unterworfenen Pulverſorten mit einem Normalpulver, das aus dem Ge— 182 Pulverproben. ſchützpulver der laufenden Fabrikation gewählt ſorgfältig in gläſernen Flaſchen oder Büchſen von Weißblech wohl getrocknet und hermetiſch verſchloſſen aufbewahrt wird. Die Wurfweite dieſes Pulvers im Zeitpunkte einer Probe verglichen mit ſeiner urſprünglichen Wurfweite mit demſelben Probirmörſer läßt den Verluſt, der von den Veränderungen des Inſtrumentes herrührt, und die nöthigen Correc— turen erkennen. Die Wurfweite des Normalpulvers wird durch ſechs Wurf beſtimmt, indem man das Mittel aus den letzten fünf nimmt; dieſe Operation muß ſtets nach 25 Wurf des Probemörſers erneut werden. Verſuche mit älteren Pulverſorten, welche beim Probirmörſer in ihrer Wir— kung bedeutend hinter der des Normalpulvers zurückblieben, haben nach Spandauer Beobachtungen beſtätigt, daß ein gleiches Verhalten nicht immer eintritt, wenn die Pulverſorten in größeren Ladungen angewendet werden, weshalb, ehe dieſe Vorräthe ausgeſondert werden, ſtets erſt die Wirkung in größeren Ladungen feſt⸗ zuſetzen iſt. Auf dieſen Punkt iſt ſchon ganz beſonders deshalb aufmerkſam zu machen, weil unter Umſtänden ökonomiſche Intereſſen bedeutend dabei in das Spiel kommen können. Wenn in Frankreich die Wurfweiten des Probirmörſers mit Normalpulver unter 210 m ausfallen, ſo nimmt man eine neue Kugel, fallen ſie mit dieſer wieder unter 210 m aus, ſo wird der Probirmörſer für unbrauchbar erklärt. Einer der Hauptfehler des Probemörſers beſteht in den Schwankungen, welchen er durch den Schuß unterzogen iſt und dadurch jede genaue Vergleichung zwiſchen den Ergebniſſen, welche man zu verſchiedenen Zeiten erhalten hat, un— möglich macht, ein Fehler, der ſich inſofern allerdings etwas vermeiden läßt, daß man, wie oben angegeben, die Pulverprobe ſtets mit Normalpulver vergleicht und die erhaltene Wurfweite mit der von Normalpulver unter denſelben Umſtänden erzielten in eine relative Beziehung bringt. Dabei iſt aber immer zu bedenken, daß der Spielraum und das Zündloch eine große Rolle ſpielen. Je mehr aus dem Mörſer geſchoſſen wird, um ſo mehr wird ſich das Zündloch erweitern und eine um ſo größere Menge Gas entweichen, ohne ſeine Kraft auf das Geſchoß ausgeübt zu haben. Dem Probemörſer hat man auch vorgeworfen, daß er je nach der Tageszeit verſchiedene Wurfweite gebe, allein daß der Mörſer wirklich daran Schuld iſt, iſt noch gar nicht erwieſen. Der Grund ſcheint vielmehr an dem Pulver zu liegen, welches am Mittag, wo eine höhere Temperatur als am Morgen herrſcht, auch ein größeres Volumen und eine geringere Feuchtigkeit haben kann. 5. Das Infanteriegewehr. Während bei dem Probemörſer die Wurfweite maßgebend iſt, entſcheidet bei dem Infanteriegewehr die Percuſſionskraft des Pulvers. In Preußen ladet man ein Infanteriegewehr von 15 mm Kaliber mit 7,3 g Pulver und ſchießt 10 Schüſſe mit trockenem Pulver und ebenſo viel mit naſſem Pulver, deſſen Kartuſchen während 21 Tagen in einem feuchten Raume lagen, gegen eine beſtimmte Anzahl von Brettern. Die mit trockenem Pulver ge— ſchleuderte Kugel ſoll 5 bis 7 Tannenbretter von 26 mm Dicke durchdringen, bei mit mit ime ge⸗ jen, Pulverproben. 183 welche in einem Zwiſchenraume von je 78 mm aufgeſtellt ſind; feuchtes Pulver ſoll 4 bis 6 Bretter durchdringen. In England ladet man ein Infanteriegewehr von 19 mm Kaliber mit 7,1 f Pulver und einer Stahlkugel, welche eine beſtimmte Anzahl naſſer Ulmenbretter durchbohren ſoll. Die Bretter ſind 12,6 mm dick und durch einen Zwiſchenraum von 19 wm von einander getrennt. Das erſte Brett iſt 12,04 m von dem Ge— wehre entfernt. Mit gutem Pulver geht die Kugel durch 15 bis 16 Bretter. Das Infanteriegewehr hat den Uebelſtand, daß es an einem richtigen Maße der Kraft fehlt, denn die Percuſſionskraft, die nur durch das Durchſchlagen von Brettern gemeſſen werden kann, iſt höchſt unzuverläſſig, weil die Bretter, wenn man ſie auch von ein und derſelben Holzart nimmt, doch immer ſehr ungleich feſt ſind. Ad üb. Unter den Federeprouvetten iſt die von Regnier und die von St. Remy hervorzuheben. Die Eprouvette von Regnier(Eprouvette à main de Regnier), die zur Prüfung des Jagdpulvers dient, beſteht aus einer zweiſchenkligen freihängenden Stahlfeder, an welcher eine kleine Kanone in der Weiſe befeſtigt iſt, daß ſie ſich mit der Mündung an das Ende des einen Schenkels, mit der Traube dagegen an ein mit dem anderen Schenkel feſt verbundenes, hakenförmiges Querſtück von Eiſen ſtützt. Am Bodenſtück der Kanone iſt ein in 30 Theile getheilter Grad— bogen angebracht, auf welchem ein Zeiger von Saffianleder ſpielt. Die Kanone kann ein Gramm Jagdpulver aufnehmen. Wird dieſelbe geladen, ſo nähert man die beiden Schenkel einander. Ehe man entzündet, wird der Zeiger genau auf 00 eingeſtellt. Gewöhnliches Jagdpulver zeigt 12, ganz feines 14 Theile des Gradbogens. Das Inſtrument iſt empfindlicher als der Probemörſer, aber da der Wider— ſtand der Feder nicht derſelbe bleibt, ſo iſt es unumgänglich nothwendig, jedes— mal zwei Proben zu machen, eine mit dem zu unterſuchenden Pulver, eine zweite mit bereits bekanntem Pulver. Die Eprouvette von St. Remy, 1697 erfunden, hat die Geſtalt einer Pi— ſtole. Da, wo gewöhnlich bei den Piſtolen mit Feuerſchloß die Pulverkammer ſich befindet, iſt ein kleiner aufrechtſtehender Cylinder angebracht, auf welchen ein etwas gewundener Anſatz paßt, der mit ſeinem einen Ende in ein gezahntes Rad greift, welches ungefähr über der Mitte des Piſtolenlaufes angebracht und um ſeine Achſe drehbar iſt. Am Ende des Laufes befindet ſich eine Feder, die nach dem Zahnrade gekehrt in dieſes eingreift und ſo den Anſatz in der Stellung hält, daß er den Cylinder verſchließt. Um letzteren zu laden, läßt man die Feder, welche durch eine Schraube emporgewunden und herabgelaſſen werden kann, nieder. Iſt der Cylinder geladen, ſo bringt man den Anſatz darauf und ſchraubt die Feder in die Höhe, ſo daß ſie frei auf dem Rade ſpielen kann, und feuert dann ab. Die Zahl der Zähne, um welche ſich das Rad zurückdreht, iſt das Maß für die Stärke des Pulvers. Dieſes Inſtrument iſt nicht ſo gut wie das vorige und verlangt ſtets einen Vergleich mit Normalpulver. Hinſichtlich der Federeprouvetten iſt überhaupt zu bemerken, daß, wenn auch jedes einzelne Inſtrument nach einem beſtimmt vor— 184 Pulverproben. geſchriebenen Muſter gearbeitet wird, doch jedes ſeine individuelle Federkraft beſitzt und deshalb individuelle Reſultate ergiebt. Die Federn werden durch den Ge— brauch allmählich ſchwächer, auch wird ihre Kraft durch die äußere Temperatur ſehr bedingt, ſo daß ſogar tagtäglich Veränderungen vorkommen können. Ad c. . Die Eprouvette mit gezahnter Stange. Eine ſolche erwähnt Furtenbach bereits im Jahre 1629. Ein auf einer Fig. 35. Liſenplatte befeſtigter, aufrecht ſtehender kleiner Mörſer C, Fig 35, wird mit 9 g „5 g Pulver geladen und ſodann mit dem 2,5 Kg ſchweren Gewichte P, P ver— chloſſ en, welches mit der gezahnten Stange 4 5 in Verbindung ſteht und ſich Pulverproben. 185 frei an den Pfeilern M, Mbewegt. Entzündet man das Pulver in dem Mörſer, ſo wird das Gewicht in die Höhe geworfen und 15 5 in die Zah 105 ein⸗ greifende Sperrklinke Duam Herabfallen gehindert. Die Steighöhe erſieht man aus der Anzahl der in die Höhe gehobenen Zähne, 1010 unter dem Namen Grade abgeleſen werden. Bei dieſer Probe ſoll Sprengpulver 25 bis 30, Geſchützpulver 60 bis 65, Gewehrpulver 70 bis 90 und Scheibenpulver 120 bis 150 Grad ſchlagen. Der Apparat giebt Reſul tate, welche genau übereinſtimmen mit der Reg— nier'ſchen Eprouvette. Seine Fehlerquellen beſtehen in der Verflüchtigung der Gaſe durch das Zündloch, in den Reibungen des Gewichtes P,P an den Pfeilern N, M und in der Veränderlichkeit des Widerſtandes der Sperrklinke. 6. Die Colſon'ſche Eprouvette. Auf einem kleinen Mörſer C, Fig. 36, deſſen Kammer 2 9 Pulver faßt, ruht ein Gewicht C, das vermittelſt einer ſeidenen Schnur an die leicht ſpielende Rolle 5gehängt iſt. Der äußere Rand dieſer von dem Quer⸗ balken 4 B getragenen Rolle iſt ge— zahnt und ihr Umkreis graduirt. Die in der Rolle angebrachte Rinne hat einen Durchmeſſer von 0,2292 m; in ihr iſt auch das eine Ende der ſeidenen Schnur befeſtigt. An der Achſe der Rolle 5 iſt eine kleinere Rolle 5“ angebracht, deren D Fig. 36. Durch⸗ meſſer gerade die Hälfte des der größeren beträgt. Ueber die Rinne läuft eine Schnur, an deren einem Ende in entgegengeſetzter Richtung zu der längeren Schnur ein Ge— wicht 0“angebracht iſt, welches leich— ter als O iſt und den Zweck hat, die beiden Rollen von rechts nach links zu drehen. Die Sperrklinke D, welche in die Zähne der Rolle J eingreift, dient dazu, eine Drehung der letzteren von links nach rechts zu n en Das Verfahren iſt folgendes: Man laͤdet den kleinen Mörſer und ſetzt auf deſſen Mündung das Gewicht H zogen. Entzündet man die Ladung, ſo Pulverproben. wird das Gewicht 0 ſenkrecht in die Höhe geworfen. Die um die Rolle 5 laufende Schnur wird dadurch ſchlaff, das Gewicht 0“ kommt ſomit zur Wirkung und indem es die Rolle von rechts nach links dreht, wird die Schnur des Gewichtes 0 aufgewickelt. Sowie das letztere auf ſeiner höchſten Wurfhöhe angelangt iſt und wieder fallen will, greift die Sperrklinke D ein, die Rolle ſteht ſtill und man kann nun die Drehung derſelben meſſen und daraus das Maß der Pul verkraft berechnen. Die? Virkung der bei dieſem Verſuche ſtets ſtattfindenden Reibung läßt ſich dadurch eliminiren, daß man das Brett F, welches durch die Schraube E beliebig hoch geſtellt werden kann, unter das Gewicht 0“9) ſchiebt, ſo daß letzteres auf— ſitzt, bringt dann 0“ wieder auf ſeine urſprüngliche Höhe und läßſ es darauf von dieſer herunter fallen. Dadurch wird die ſchlaffe Schnur von 0“ aufgerollt, demſelben aber auch die ganze Bewegungsmenge des Gewichtes 0, welche daſſelbe durch den Fall erhielt, mitgetheilt. Das Gewicht C0“ wird in Folge deſſen von Neuem etwas gehoben werden. Zieht man nun dieſe Höhe von der während der Probe gefundenen ab, ſo erhält man die wahre Höhe, welche das Gewicht durch die Kraft des Pulvers allein erhalten haben würde. Eine ſehr ſinnreiche Vorrichtung hat Colſon vorgeſchlagen, um einem Ver⸗ luſte an Gas durch das Zündloch vorzubeugen. Vor dem Zündloche nämlich bringt er einen keilförmigen Canal an, in welchen ein hohler Keil g genau hineinpaßt. Letzterer iſt an dem ſchmalen Ende verſchloſſen und ſeitlich mit einem Loche ver⸗ ſehen. Man ladet den Keil mit Pulver und legt ihn in den Canal derart hinein, daß ſein Seitenloch genau das Zündloch des Mörſers deckt. Beim Abfeuern der Ladung dringt der Feuerſtrahl durch die Seitenöffnung in das Zündloch; da zu gleicher Zeit aber ein Rückſtoß erfolgt, ſo wird der Keil tiefer in den Canal hin— eingetrieben und das Zündloch verſchloſſen. Nach franzöſiſchen Berichten ſoll dieſe Eprouvette die Entzündlichkeit des Pulvers genauer anzeigen als der Probemörſer, ja ſogar den Unterſchied zwiſchen Roth- und Schwarzkohle hervortreten laſſen. Trotz alledem wird dieſe Eprouvette als tadellos nicht bezeichnet werden können, da ſie für feinkörniges Pulver die— ſelben Ergebniſſe zeigt wie für ſehr entzündliches, während bei Anwendung von größeren Quantitäten, alſo im Probemörſer, Unterſchiede in Folge der ver— ſchiedenen Entzündlichkeit auftreten. . Die Eprouvette von Dupont. Dieſe in Amerika gebräuchliche Eprouvette beſteht aus einer kleinen, ſenk— recht ſtehenden Kanone, deren Seele eine Flintenladung aufuehmen kann. Auf die Mündung der Kanone paßt ein 2 Eg ſchweres Gewicht, welches an einem Hebel— arme befeſtigt iſt. An dem beweglichen Ende des Hebels iſt ein in Grade getheil— tes Band angebracht. Entzündet man die Ladung, ſo wird das Gewicht in die Höhe geworfen und das Band von dem Gewicht mitgezogen. Sowie das Gewicht ) 0% 0. wie der Kug 18 über eine ende und chtes t iſt man kraf ſich iebig auf⸗ rauf rollt, ſelbe eſſen ſrend wicht Ver⸗ ringt paßt. ver⸗ nein, ider 1 zu hin⸗ des ſchen wette die⸗ von ver⸗ ſenk⸗ Auf ſebel— theil— n die wicht Pulverproben. 187 ſeine höchſte Höhe erreicht hat, wird das Band vermöge eines Schiebers feſtge— halten. Aus der durch das Band angezeigten Wurfhöhe wird die Triebkraft des Pulvers bemeſſen. Der Fehler bei dieſer Eprouvette iſt der, daß ſchwaches Pulver, welches ſich ſchnell entzündet, dieſelben Ergebniſſe liefert, wie ſtärkeres Pulver, welches ſich langſam entzündet. J. Der Meier'ſche Mörſer. Im Allgemeinen iſt die Conſtruction dieſes ſchwediſchen Mörſers dieſelbe wie die des Probemörſers. Zu bemerken iſt nur, daß die Achſe des Mörſers mit der Ebene der Unterlage einen Winkel von ungefähr 840 bildet. Die bronzene Kugel iſt 14 Kg ſchwer und mit einer Oeſe verſehen, an welcher ein ſeidenes, 18 Ellen langes, in Zolle eingetheiltes Band angebracht iſt. Das Band läuft über einen Glascylinder, wenn die Kugel beim Abfeuern in die Höhe ſteigt. Durch eine Feder wird das Band dicht auf dem Cylinder gehalten. Ein Kaſten mit Stroh angefüllt, welcher neben dem Mörſer ſteht, fängt die Kugel auf. Die Ladung beträgt 1½ Loth Pulver. Vor dem jedesmaligen Probiren wird der Mörſer dreimal ausgeflammt, darauf eine vollſtändige Ladung ohne Kugel abgefeuert und dann erſt das wirkliche Probiren vorgenommen. Die Ladung wird mit einem Trichter eingebracht, nachdem die Räumnadel in das Zündloch geſteckt worden. Mit dieſer wird ſodann Mehlpulver eingeräumt. Nach jedem Schuſſe werden der Mörſer und die Kugel erſt naß und darauf trocken abge— wiſcht. Von jedem Centner Pulver wird ein viertel Pfund zur Probe verwandt. Wirft das Pulver 93 Proc. der Wurfhöhe des Normalpulvers, mit dem die Probe jedesmal zuerſt gemacht wird, ſo iſt es annehmbar. Ad d. c“c. Die Probe von Hoör. Zwei zangenartig verbundene Stangen tragen an dem einen Ende ſchwere Kugeln, an dem anderen kleine Mörſer. Ein Mörſer wird geladen und an den anderen herangeſchoben. Letzterer dient gewiſſermaßen als Deckel für den geladenen Mörſer. Ein angebrachter Gradbogen mißt, wie weit die beiden Kugeln beim Abſchießen auseinander fliegen. Die ungleiche Reibung in den Gelenken, die Veränderung der Schenkellängen bei verſchiedener Temperatur und die geringe Ladung führen zu ſehr unzuverläſ⸗ ſigen Reſultaten. 5. Die Hebelprobe. Ein Winkelhebel, deſſen zwei Arme gleich lang ſind und ſich bei Ausführung der Probe in horizontaler Lage befinden, iſt an dem äußerſten Ende des einen Armes mit einem kleinen Mörſer verſehen, während der andere Arm ein Gewicht trägt, welches ſo aufgehängt iſt, daß es dem erſten Arme noch das Gleichgewicht hält, wenn der daran befeſtigte Mörſer mit 2 g Pulver gefüllt iſt. Nach dem Laden wird das in dem Mörſer befindliche Pulver mit einem Zündfaden entzündet. Pulverproben. Durch die Wirkung des ausſtrömenden Pulvergaſes wird der Mörſer mit ſeinem Arme nach abwärts gedrückt, der andere hingegen mit dem daran befindlichen Ge— wichte gehoben. Dieſe Steigung wird nun dadurch gemeſſen, daß ein kleiner Steller an dem äußerſten Endpunkte desjenigen Hebelarmes, an welchem der Mörſer ange— bracht iſt, während ſeiner Bewegung abwärts an den Zähnen eines vertical dage— gen ſtehenden Bogens gleitet und dadurch das Zurückgehen des Hebels in ſeine alte Lage verhindert. Die Anzahl Grade, welche ſich als Mittel von vier Schüſſen ergiebt, wird als das geforderte Maß der Stärke des Pulvers angeſehen. Bei dieſer Probe ſoll Scheibenpulver 130, Gewehrpulver 80, Geſchützpulber 60 und Sprengpulver 22 Grad ſchlagen. „. Die Eprouvette von Hutton. Eine Kanone iſt in einem eiſernen Rahmen aufgehangen, welcher auf Meſſer— ſchneiden von gehärtetem Stahle wie ein Wagebalken ruht. Das ganze Syſtem wird von maſſiven, ſteinernen Pfeilern getragen. Ein graduirter Kreisbogen von Kupfer oder Meſſing dient dazu, den Rückſtoß der Kanone anzuzeigen. Der Bogen iſt ſo graduirt, daß man mittelſt eines Nonius, welcher durch das Zurück⸗ weichen in Bewegung geſetzt und durch eine ſchwache Feder am Punkte der größten Schwingung zurückgehalten wird, Secunden ableſen kann. Wenn die Kanone adjuſtirt und in Ruhe iſt, ſo liegt die Achſe der Kanone in einer horizontalen Linie und der Nonius ſteht am Nullpunkt der Scala. Der Rücklauf der Kanone giebt das Maß der Pulverkraft an, welches man in Graden ausdrückt. Die Reſultate dieſer Eprouvette ſind unzuverläſſig, da die Unterſchiede ganz verſchiedener Pulverſorten nur ſehr ſchwach bemerkbar ſind. 9. Das Flintenpendel und das balliſtiſche Pendel. Die Flinte 4 b, Fig. 37, ruht auf einer Unterlage von Eiſen auf dem eiſernen Geſtelle 0n, welches bei o auf zwei Schneiden ſchwingt. Der Stab men, wel— cher höher und niedriger geſchraubt werden kann, trägt eine verſchiebbare Maſſe Blei p, um den Schwingungspunkt des Pendels in die Achſe der Flinte und in die Verticale bringen zu können, welche durch den Schwerpunkt geht. Bei befindet ſich ein Stift, welcher einen Zeiger auf dem Gradbogen 4 verſchiebt. Dieſer Zeiger zeigt den Rückſtoß des Pendels beim Abfeuern der Flinte, den Ausſchlagswinkel, in Graden an. Das balliſtiſche Pendel CD, welches oben auf zwei Schneiden ſchwingt, trägt einen hohlen Conus von Bronze, der mit Blei angefüllt iſt und in deſſen Achſe der Schwingungspunkt des Pendels liegt. Das Blei, welches in den Conus kommt, wird mittelſt einer Form gegoſſen. In das Blei dringt die Kugel der Flinte ein und ein Gradbogen J7 läßt auch hier durch die Größe des Ausſchlag— winkels die Kraft erkennen, mit welcher das Pendel durch die Kugel bewegt wird. Das Gewicht jedes der beiden Pendel beträgt 25 Kg. Bei der Prüfung auf Militairpulber nimmt man 10 g, bei der auf Jagdpulver 5 Pulver. Für jeden Schuß muß das Pendel mit Blei verſehen werden. Das Pulver bringt man mittelſt eines Trichters, deſſen Röhre bis an die Pulverkammer herauragt, in den wori dem Rote nung des des nem Ge⸗ eller nge⸗ age⸗ ſeine iſſen Bei und eſſer⸗ ſtem von Der rück⸗ ößten mone talen mone ganz ernen wel⸗ Maſſe in die n C Flinte, trägt Achſe Conus jel der ſchlag⸗ wird. t man in den Pulverproben. 189 Lauf, wozu man ihn, nachdem man das Zündloch durch einen Pflock verſchloſſen hat, vertical hält, darauf führt man die Kugel, um welche man ein rechteckiges Fig. 37. Papier von 0,7 g Gewicht gelegt“ hat, durch einen Ladeſtock von 1,176 Kg Ge— wicht zu Boden und läßt denſelben aus einer Höhe von 150 mm auf die Ladung herabfallen. Der Lauf, in ſeine horizontale Lage gebracht, wird in ſeiner Rich— tung durch Schrauben, welche durch die Wände des Rahmens gehen, berichtigt, fei— nes Pulver wird auf das Zündloch geſtreut und der Schuß mit der Lunte, ohne daß eine Berührung des Laufes ſtattfindet, abgefeuert. Man beobachtet und notirt die durch den Zeiger auf jedem Bogen markirten Grade, ebenſo die Lage des Ein— fallpunktes in Bezug zur Achſe der Flinte und berechnet die Anfangsgeſchwindig— keit der Kugel nach der Formel 0 VYοα + bi(Pd + b0) g, N worin Ider Halbmeſſer der Oſeillationsachſe, 2 der Abſtand der Rotationsachſe von dem Centrum der Oſeillation, p das Moment des Pendels in Bezug auf die Rotationsachſe(hervorgebracht durch das Gewicht 7 des Pendels und die Entfer— nung à des Schwerpunktes von der Rotationsachſe), p/ das Trägheitsmoment des balliſtiſchen Pendels,„die Schwere, das Gewicht der Kugel und e die Sehne des Rücklaufes des Pendels bedeuten. Bei Militärpulver verlangt man für die Kugel eine Anfangsgeſchwindigkeit von 450 m in der Secunde, bei Jagdpulver eine ſolche von 330 bis 375 m. —— e. Die hydroſtatiſche Eprouvette von Regnier. Bei dieſer Probe zeigt der Rückſtoß, welchen ein kleiner Mörſer auf einen zeigt! welc Schwimmer ausübt, die Kraft des Pulvers an. Die erſte Idee zu dieſem Appa— ......² ² 190 Pulverproben. rate gab Botté, welcher Pulver frei auf einer ebenen Platte verbrannte, die auf einem Schwimmer lag. In einen blechernen Hohleylinder 4, Fig. 38, iſt ein Schwimmer b eingelaſſen, Fig. 38. EA HIm Iß. der beim Gebrauche mit dem Gewichte e belaſtet wird, welches den Zweck hat, den Schwerpunkt des Schwimmers mög— lichſt tief zu legen. An dem oberen Ende des Schwimmers iſt eine polirte und graduirte Meſſingröhre 4langebracht, auf welche der kleine Mörſer e bei Ausfüh— rung der Pulverprobe geſetzt wird. Der— ſelbe iſt mit einem Deckel verſehen, in welchem ſich eine kleine, runde Oeffnung befindet, durch welche die Ladung und der Luntenfaden eingeführt werden. Der Mörſer faßt ungefähr 6 Pulver, wird aber in der Regel nur mit 3 g beſchickt. Bei/ iſt eine meſſingene Lochſcheibe ange— bracht, die durch vier Halter getragen wird. Soll das Pulver unterſucht wer— den, ſo gießt man in den Hohleylinder a bis zu Dreiviertel ſeines Raumes Waſ— ſer von möglichſt conſtanter Temperatur, taucht ſodann den Schwimmer ſammt der Scala und dem geladenen Mörſer ein und gießt von Neuem wieder ſo viel Waſſer in den Cylinder,'bis der Null— punkt der Gradtheilung genau auf/ ein⸗ ſteht. Nachdem man Sägeſpäne oder Bärleppſchſamen auf das Waſſer geſtreut hat, entzündet man die Ladung und be— obachtet ankden an der Scala anhaften— den Sägeſpänen u. ſ. w., wie tief der Schwimmer untergetaucht iſt. Gewöhnliches Jagdpulver zeigt bei einer Ladung von 4 8 1100fund fein⸗ ſtes Jagdpulver 1560. Dieſe Eprouvette liefert ſehr ge— naue Ergebniſſe,zwenn die Temperatur des Waſſers conſtant bleibt, die Dichtig— keit alſo dieſelbe iſt. Der Rückſtoß kann dadurch etwas geringer ausfallen, daß verſchiedene Pulverkörner aus dem Mörſer herausgeſchleudert werden, ohne zum Rückſtoß beigetragen zu haben. bilde des wede durch mit Pulr meter Lumi ſchran Einti punkt dann dünn zünde derjer wurd daß 1 ver u in ſei theilu wird. dung Prüfu einen Zahl claſſiff unmit Stift nung berecht ung und Der vird jickt. nge⸗ zird. wer⸗ er a Vaſ⸗ itur, umt orſer viel eull⸗ ein⸗ oder treut be⸗ ften⸗ der t bei fein⸗ ge⸗ atur htig⸗ kann daß zum Pulverproben. §. Die dynamometriſche Probe von Melſens. Der Apparat iſt im Weſentlichen dem Regnier'ſchen Schwimmer nachge— bildet. Das einzig Charakteriſtiſche dieſes Inſtrumentes iſt der auf den Stiel des Aräometers aufzuſetzende Mörſer, welcher für verſchiedene Verſuchszwecke ent⸗ weder mit eylindriſchen oder cylindriſch⸗coniſchen Ausbohrungen verſehen iſt und durch das Aufſchrauben einer Reihe von Mundſtücken, ſogenannten Lumieren, mit den erwähnten Ausbohrungen entſprechenden Ausſtrömungsöffnungen für das Pulvergas verſehen werden kann. Beim Gebrauche des Inſtrumentes ſetzt man das 4,950 Kg ſchwere Aräo— meter in ein Gefäß mit Waſſer von genau 150 C, verſieht den Mörſer mit einer Lumisre und füllt 3 9 Pulver in denſelben. Darauf legt man die Zündſchnur an, ſchraubt den Mörſer auf den Stiel des Schwimmers und ſtellt das Aräometer durch Eintragen von Schrotkörnern in das Innere des Schwimmers derart ein, daß der Null⸗ punkt der Sealentheilung nahezu mit der Oberfläche des Waſſers übereinſtimmt. So⸗ dann beſtreicht man die Scala des Schwimmers mittelſt eines Pinſels mit einer dünnen Lackſchicht, welche Ziegelmehl, gepulverten Blutſtein u. ſ. w. enthält, ent⸗ zündet und bemerkt ſich nach dem Emporſteigen des Aräometers genau die Anzahl derjenigen Scalentheile, um welche das Inſtrument durch den Schuß eingetaucht wurde. Das Vortheilhafte bei dieſer Probe gegenüber der von Regnier liegt darin, daß man ſich nicht mit einem Verſuche begnügt, ſondern für das zu prüfende Pul⸗ ver mehrere Mörſer und Lumidren-Combinationen anwendet und ſo das Pulver in ſeinen verſchiedenen Kraftäußerungen kennen lernt, in Folge deſſen eine Beur⸗ theilung der Wirkung des Pulvers auf das Geſchützrohr von vornherein möglich wird. B. Die elektro-balliſtiſchen Apparate— Der erſte Gedanke, die Elektricität bei balliſtiſchen Unterſuchungen in Anwen⸗ dung zu bringen, ging von Preußen aus, wo im Jahre 1838 die Arrillerie⸗ Prüfungs⸗Commiſion zur Meſſung der Anfangsgeſchwindigkeit von Geſchoſſen einen elektro⸗balliſtiſchen Apparat anfertigen ließ. Seit dieſer Zeit hat ſich die Zahl derſelben ſehr vermehrt. Wenn man die Methoden, um die Geſchwindigkeit von Geſchoſſen zu meſſen, claſſificiren will, ſo kann man unterſcheiden zwiſchen ſolchen, bei welchen die Zeit unmittelbar durch den Apparat angegeben wird, ſo z. B. durch eine Uhr, einen Stift u. ſ. w., und zwiſchen ſolchen, wo die Dauer der zu unterſuchenden Erſchei— nung aus der bekannten Dauer einer anderen, welche gleichzeitig mit jener auftritt, berechnet wird. a. Proben, bei welchen die Zeit unmittelbar durch den Apparat angegeben wird. 6. Das elektro-magnetiſche Chronoſkop von Wheatſtone. Um mit dieſem Inſtrumente, welches 1840 von Wheatſtone angegeben und ſpäter von Hipp verbeſſert wurde, die Zeit zu meſſen, welche eine Flinten kugel zum Durchlaufen einer beſtimmten kurzen Strecke gebraucht, hat man die Einrichtung getroffen, daß die Kugel bei ihrem Austritte aus dem Gewehrlaufe einen quer über denſelben geſpannten, in eine galvaniſche Kette eingeſchalteten Draht zerreißt und dadurch den Strom unterbricht. In demſelben Augenblicke beginnen die Zeiger eines Zifferblattes ſich mit einer bekannten Geſchwindigkeit zu bewegen. Sowie die Kugel an ihrem Ziele ankommt, prallt ſie gegen eine bewegliche Fläche, drängt dieſe eine kleine Strecke zurück und bewirkt ſomit den Schluß der galvaniſchen Kette und ein Stillſtehen der Zeiger. Aus der verbrauch— ten Zeit läßt ſich die Anfangsgeſchwindigkeit berechnen. Die mit dieſem Apparate angeſtellten balliſtiſchen Verſuche haben zu unver hältnißmäßig großen Unterſchieden in den Ergebniſſen geführt; ſo wechſelte z. B. die Geſchwindigkeit unter ganz gleichen Verhältniſſen für eine Secunde zwiſchen 38,5 m und 88,9 m, ſo daß der Apparat ſich in der Praxis nie eingebürgert hat. Kuhn hat denſelben etwas abzuändern geſucht, indem er den Rücklauf des Geſchützes dazu benutzte, um die Kette zu öffnen und die Zeiger auszulöſen, ſo daß alſo die vor die Mündung des Laufes geſpannten Drähte wegfallen. Ueber die Brauch barkeit des Apparats in dieſer Form iſt nichts weiter bekannt geworden. 6. Der elektriſche Chronograph von Martin de Brettes. Um einen Metalleylinder, welcher mit chemiſch präparirtem Papiere umſpannt iſt, wird ein Platinſtift vermittelſt eines Centrifugalpendels gedreht. Sowie die Kugel den vor die Mündung des Rohres geſpannten Draht zerreißt, wird die Kette für eine Inductionsſpirale geöffnet, zwiſchen Cylinder und Platinſtift ſpringt ein Funke über, der das Papier durchbohrk, und dieſe Erſcheinung wiederholt ſich, wenn das Geſchoß an ſeinem Ziele angelangt iſt. Der ganze Apparat iſt nichts weiter als eine Abänderung des längſt bekann ten Apparates von Siemens, bei welchem der Cylinder ſich um den Stift dreht und die Funken unmittelbar den Cylinder treffen. Der Brettes'ſche Apparat theilt daher in der Praxis gleiches Schickſal mit dem von Siemens— Vergeſſenheit. geben inten m die rlaufe Uteten ublicke digkeit n eine it den rauch⸗ unver 2. B V. z. viſchen rt hat. rauch ſpannt Sowie ird die ſpringt lt ſich, hekann t dreht ſal mit Pulverproben. b. Proben, bei welchen die Zeit aus der bekannten Dauer einer anderen Erſcheinung berechnet wird. «. Das Galvanometer von Pouillet. Bei dieſem 1844 eingeführten Inſtrumente wird nach dem Ausſchlage der Magnetnadel, auf welche ein Strom von bekannter Stärke einwirkt, die Anfangs— geſchwindigkeit unter Berückſichtigung der Dauer des Stromes berechnet. Bei Anſtellung des Verſuches wird das Galvanometer in die Kette einge— ſchaltet in der Weiſe, daß beim Hinausfliegen des Geſchoſſes aus dem Rohre die Kette geſchloſſen, in demſelben Augenblicke aber wieder geöffnet wird, ſowie das Geſchoß ſein Ziel erreicht hat. Iſt nun dieſe Dauer ſehr kurz, ſo wird die Geſchwindig— keit für ſehr kleine Schwingungsbogen ſehr ſchwer zu ermitteln ſein. Aus dieſem Grunde hat daher Pouillet, da die Geſchwindigkeit der Schwingungsbogen mit der Dauer der Stromeinwirkung in proportionalem Verhältniſſe ſteht, eine Tabelle angefertigt, aus welcher für eine beſtimmte Ablenkung der Magnetnadel die Zeit der Einwirkung des Stromes erſehen werden kann. Dieſe Tabelle iſt aber inſo— fern nicht fehlerfrei, als eine vollkommene gleichförmige Stromſtärke und Rotation der Commutatorſcheibe vorausgeſetzt wird, was indeß nicht der Fall iſt, auch die etwa entſtehenden ſecundären Ströme vollſtändig unberückſichtigt bleiben. Helm⸗ holtz hat daher dieſe Methode etwas abgeändert. Sein Verfahren erfordert zur Berechnung der Dauer eines Stromes, der genau während des Verlaufes einer zu unterſuchenden Erſcheinung wirkſam iſt, die Kenntniß der Größe des Ausſchlages oder des halben Schwingungsbogens vor und nach der Einwirkung des Stromes, der Schwingungsdauer der Nadel und endlich der Ablenkung, welche der die Zeit meſſende Strom hervorbringen würde, wenn er gleichmäßig anhielte. Da alle dieſe Elemente einer ſehr genauen Meſſung fähig ſind und alle fremdartigen Einwirkungen dabei in Rückſicht gebracht werden können, ſo iſt dieſe Methode als eine ſehr ſcharfe anzuſprechen. Die Schwie— rigkeit der Ausführung ſcheint indeß der Grund geweſen zu ſein, daß dieſe Methode für balliſtiſche Zwecke keine Anwendung fand. . Das elektro-balliſtiſche Pendel von Navez. Daſſelbe beſteht aus drei Theilen: dem Pendel, dem Stromſchließer und 0 0 ‚ 0 dem Stromunterbrecher. Der Haupttheil des Apparates iſt ein mit meſſingener Linſe verſehenes Pendel, auntt Appara 4 ch deſſen auf der Pendelachſe befeſtigter Zeiger einen Bogen von 150 Graden durch— laufen kann. Jeder Grad iſt wieder in 20 Theile eingetheilt. Das Pendel wird in ſeiner urſprünglichen Stellung durch einen Elektromagneten erhalten, deſſen Thätigkeit durch einen vor der Geſchützmündung vorbeigeführten Strom herbeige— führt wird. Dieſer Magnet wirkt unmittelbar auf ein Stück Eiſen, welches in die Pendellinſe eingelaſſen iſt. Durch einen zweiten Elektromagneten kann der Zeiger des Pendels in ſeiner Bewegung aufgehalten werden, ohne daß das Pendel Beig Ges 0 1.* ſelbſt plötzlich zur Ruhe gebracht wird. Dieſer zweite Magnet wirkt direct auf eine eiſerne Scheibe, an welcher der Zeiger befeſtigt iſt. Das Schießpulver. 13 .....C00000ooooGPo EEEEEEEEE..˖ ˖ ˖. ———-—-— —2— —ꝛꝝ 194 Pulverproben. Der Stromſchließer beſteht aus einem lothrechten Stifte, längs deſſen ein Elektromagnet ſich bewegen kann, der ſeine Thätigkeit von einem Strome erhält, welcher durch eine auf eine bekannte Entfernung vor der Geſchützmündung aufge— ſtellte Rahmenſcheibe läuft. Der leitende Draht iſt auf dieſer Scheibe ausgeſpannt, um durch den die Scheibe treffenden Schuß zerriſſen zu werden. Der Elektro magnet des Stromſchließers trägt bei geſchloſſener Kette an ſeiner unteren Pol⸗ fläche ein kleines, birnförmiges Bleigewicht, das für dieſen Zweck an der Berüh⸗ rungsſtelle mit der Polfläche einer Stahlſpitze verſehen iſt. Wenn die Kugel durch die Scheibe dringt, wird der Strom unterbrochen, in Folge deſſen das Bleigewicht auf ein Metallplättchen fällt, welches ſich in der Kette befindet. Durch den Druck des Bleigewichtes wird in dem Metallplättchen eine Biegung erzeugt und ſomit der Strom geſchloſſen, durch den derjenige Elektromagnet in Thätigkeit verſetzt wird, welcher den Zeiger des Pendels anzuhalten beſtimmt iſt. Der Stromunterbrecher iſt ein kleines, mit einem Drücker verſehenes Inſtru— ment, welches dazu dient, den Zeitverluſt anzugeben, welchen die beiden Elektromag neten ſowie die Bewegung des Bleigewichtes beim Auffallen auf das Metallplätt⸗ chen erleiden. Durch den Stromunterbrecher kann die gleichzeitige Unterbrechung der beiden Ströme bewirkt werden, welche von der Kugel, einer nach dem andern, unterbrochen werden ſollen. Der in dieſem Falle von dem Zeiger des Pendels zurückgelegte Schwingungsbogen wird von dem bei Ausführung des Verſuches gefundenen Schwingungsbogen abgezogen und aus der Gradanzahl die Zeit berechnet. Bei dieſer Berechnung wird nun auf Koſten der Zeit, welche das Geſchoß gebraucht haben ſoll, auch in Rechnung gebracht die Zeit, welche nothwendig iſt, damit der Elektromagnet das in die Pendellinſe eingelaſſene Stück Eiſen loslaſſe, ferner die Fallzeit des Bleigewichtes und ſchließlich die Zeit, welche einestheils zum Schließen der erſten Kette beim Einſchlagen des Geſchoſſes und anderentheils zum Verſchwinden des Magnetismus in dem Elektromagneten des Stromſchließers erforderlich iſt. Es können ſich alſo hier kleine Fehler einſchleichen, dieſelben wer— den aber erheblich vergrößert werden, wenn man bei Ausführung des Verſuches nicht alle die von dem Erfinder vorgeſchriebenen Vorſichtsmaßregeln beachtet. Unter dieſen ſind beſonders hervorzuheben: vollſtändiger Schutz des Apparates 5 9 6 4 gegen die Bewegung der atmoſphäriſchen Luft ſowie gegen Staub und Feuchtig⸗ keit; Abhaltung jeglicher zufälligen Erſchütterungen des Pendels und des Strom— ſchließers; Beachtung einer beſtimmten Temperatur. Sinkt nämlich in dem Ver⸗ ſuchsraum die Temperatur unter 12,50 C, ſo fallen die Ergebniſſe ſo unregelmä— ßig aus, daß denſelben gar kein Werth beizumeſſen iſt. 7. Der elektro-balliſtiſche Chronograph von Le Boulengé6). Der Apparat Fig. 39 und 40 beſteht im Weſentlichen aus vier Theilen: 1. dem Chronometer 4, in Ruhe erhalten durch den Elektromagneten 1z ) Eine ausführliche Beſchreibung dieſes Apparates findet man in: Mémoireé sur un chronographe electro-ballistique par P. Le Boulengé. Paris et Liège 1864. lag⸗ ätt⸗ ung ern, dels iches )net. choß iſt, aſſe, heils Nl ten J; ur un 864. 6*—— Pulverproben. 2. dem Drücker(da détente) e, dazu beſtimmt, auf dem in Bewegung befindlichen Chronometer einen Strich anzubringen; 3. dem Gewicht 7, durch den Elektromagneten in Ruhe erhalten und dazu beſtimmt, den Drücker in Thätigkeit zu ſetzen; J. dem Ausſchalter J, welcher die Beſtimmung hat, gleichzeitig die beiden elektriſchen Ströme zu unterbrechen, welche die Elektromagneten des Chronometers und des Gewichtes in Thätigkeit ſetzen. Der Chronometer 4 iſt ein eylindriſcher Stahlſtab, deſſen freier Fall dazu dient, die Zeit nach dem Betrage ſeines Falles zu meſſen. An den beiden Enden des Stabes befindet ſich eine dünne, aus geleimtem Papiere gerollte Hülſe (cartouches récepteurs) h, b“, welche auf dem Cylinder einen genau vermerkten Sitz hat, inſofern nämlich als ihre unterſte Fläche auf einen Vorſprung„e und ,0 aufſtößt. Um beim Herabfallen des Chronometers eine Abweichung von der ſenk— rechten Richtung zu vermeiden, iſt derſelbe ſeiner Länge nach durchbohrt, am unte— ren Ende aber durch einen ſtählernen, mit Schraubengewinde verſehenen Stöpſel d verſchloſſen, wodurch der Schwerpunkt nach unten gelegt wird. Der Stöpſel bildet zugleich die Stütze der unteren Hülſe b. Der Drücker beſteht aus einer großen Feder e, deren beweglicher Arm an ſeinem unteren Ende einen ſcharfen Stahlmeißel/ beſitzt. Die Feder wird durch den Hebelarm 9 feſtgehalten oder geſpannt, deſſen von unten nach oben durch eine kleine Feder? gedrückter Schweif den Stoß des Gewichtes 7 aufnimmt. Sämmtliche Theile des Drückers ſind aus Stahl. Das Gewicht 5, ebenfalls aus Stahl, iſt cylindroconiſch geformt und hat eine abgerundete Spitze; es iſt hohl und ähnlich wie der Chronometer durch einen Stöpſel» verſchloſſen. Der Ausſchalter beſteht aus einer in der Lamelle 9,0 befeſtigten, ſtählernen Klinge), welche die Ströme durch Berührung mit der Klemmſchraube 7 ſchließt. Drückt man auf den unterhalb 7 befindlichen Knopf, ſo hört die Berührung auf und die Ströme werden unterbrochen. Die beiden Elektromagneten 7,“ und der Ausſchalter ſind an der aus hartem und trockenem Holze beſtehenden Säule befeſtigt. Eine eiſerne Platte 20, welche den unterſten Theil des Säulenfußes bildet, trägt den Drücker. Der Apparat wird mit Hülfe von Stellſchrauben„n auf drei verticalen Bolzen befeſtigt, welche Theile der eiſernen Platte 9 bilden. Letztere wird mit Holzſchrauben an den Experimentirtiſch feſtgeſchraubt. Was nun die Stromleitung s„s des Chronometers und die t,t des Gewichtes anlangt, ſo geht eine jede auf einen Scheibenrahmen, der in der Flugbahn des Geſchoſſes, deſſen Geſchwindigkeit gemeſſen werden ſoll, aufgeſtellt iſt. Die Entfer⸗ nung( der beiden Rahmen iſt ſo gewählt, daß das Geſchoß etwa 0,1 Secunde Zeit gebraucht, um ſie zu durchlaufen. Wird nun dieſe Leitung unterbrochen, ſo bleibt in den Elektromagneten ſtets noch Magnetismus zurück, welcher, wenn ſehr kleine Zeitunterſchiede angegeben werden ſollen, aufgehoben werden muß. Zu dieſem Zwecke iſt um den Elektromagneten“ und ein zweiter dünner Draht 8'/,s beziehungsweiſe t,“ aufgewickelt, welche zwei Drähte eine Nebenleitung herſtellen, in welcher die Richtung der Ströme umgekehrt iſt, ſo daß, wenn die Pulverproben. 197 Umwicklungen des Hauptdrahtes dem Elektromagneten einen unteren poſitiven Pol geben, die des Nebendrahtes ihm einen unteren negativen Pol zu geben ſuchen. Um die Anordnung der Leitungen zu vereinfachen, gehen die indirecten Leitungen ebenſo wie die directen von dem poſitiven Pole einer jeden Batterie aus und ſind wie dieſe bei dem Austritte aus den Elektromagneten in einem gemein⸗ ſchaftlichen Drahte vereinigt, welcher nach P führt, von wo die verbundenen Ströme ihren Lauf durch den gemeinſchaftlichen Draht 9, vollenden, der zu dem negativen zu Pole führt. 581 Um den Apparat zu handhaben, ſetzt man, nachdem die Scheibenrahmen und lſe die Leitungen, welche die Verbindung mit dem Apparate herſtellen ſollen, eingerich⸗ ten tet ſind, einen der von dem erſten Rahmen kommenden Drähte mit dem poſitiven 7 Pole einer der beiden Batterien, welche mit ihren negativen Polen vereinigt ſind, ⸗ in Verbindung. Der zweite Draht wird durch eine Klemmſchraube mit dem f Elektromagneten des Chronometers verbunden. Daſſelbe Verfahren beginnt 160 darauf mit den Drähten des zweiten Scheibenrahmens, mit der zweiten Batterie und dem Elektromagneten des Gewichtes. Darauf bringt man einen Leitungs⸗ draht von der Klemmſchraube„ nach einem der negativen Pole an und damit ſind die directen Leitungen vollendet. Um die Nebenleitungen herzuſtellen, genügt es, dieſelben poſitiven Pole reſp. mit den Klemmſchrauben von 8§„s“ und t/,““ zu verbinden; dieſe Leitungen erhalten durch den gemeinſchaftlichen Draht ihre Vollendung. Im Ganzen ſind alſo fünf Drähte mit dem Apparate verbunden. hat Ehe man zu operiren beginnt, thut man wohl, ſich von der Richtung der Ströme und deren Stärke zu überzeugen. Erſtere erfährt man leicht, wenn man eine Magnetnadel den Elektromagneten nähert. Iſt der Ausſchalter geſchloſſen, ieit ſo wird der eine Pol angezogen, während der andere Pol angezogen wird, ſo wie ßt. der Ausſchalter geöffnet iſt. Die Stromſtärke muß ſo groß ſein, daß der Chrono— meter und Gewicht ganz feſtgehalten werden. Die Stärke der umgekehrten Ströme muß hinreichen, wenn ſie allein thätig ſind, einen kleinen, eiſernen Probecylinder 0 50 feſtzuhalten. Sind dieſe Ströme zu ſtark und neutraliſiren ſie zu ſehr die Wir— lche kung der directen Ströme, ſo genügt es, in ihrem gemeinſchaftlichen Theile als Widerſtand einen Platindraht von beſtimmter Länge einzuſchalten. alen Iſt der Apparat in Ordnung, ſo werden die Hülſen auf den Chronometer ſttit geſteckt, letzterer und das Gewicht an ihre Elektromagneten gehängt und die Feder des Drückers geſpannt. Sowie man nun eine Ausſchaltung bewirkt, welches geſchieht, wenn man auf den unter 7 befindlichen Knopf drückt, ſo werden die Ströme gleichzeitig unterbrochen, der Chronometer à und das Gewicht 3 fallen ab. unde Der Apparat iſt ſo aufgeſtellt, daß das Gewicht in ſeinem Falle den Drücker e „ſo in dem Augenblicke frei macht, wo die untere Hülſe bei dem Meißel./ vorbei⸗ ſehr fällt; dieſer greift in die Hülſe und drückt darin einen Strich ein. Ueber dieſer ng nd en es „C pſel an irch irch nit. nen auf Zu Stelle macht man mit Bleiſtift einen Strich und ſchaltet ein⸗ oder zweimal aus, 11165 wobei man jedesmal die Hülſe ein wenig dreht, damit die ſich folgenden Striche tung neben einander zu liegen kommen. die Bezeichnet man nun die Höhe, von welcher der Chronometer von dem Augen⸗ — 198 Pulverproben. blicke ſeiner Bewegung an bis zu dem Augenblicke herabgefallen iſt, wo die Hülſe 27¹ vom Meißel getroffen wurde, mit P, ſo giebt“S= 2(9 ν 9,8S108 m) die 9 entſprechende Fallzeit an. Aendert ſich die Fallzeit nicht oder wechſelt dieſelbe in den Grenzen einiger Decimillimeter, ſo iſt der Apparat zum Schießen fertig. Iſt der Schuß abgegeben, ſo erfolgt die Unterbrechung der Ströme erſt nach und nach durch das die Scheibenrahmen durchſchlagende Geſchoß. Der Chrono— meter wird alſo zuerſt fallen und dann erſt das Gewicht, in Folge deſſen der Strich in die obere Hülſe eingedrückt werden wird. Bezeichnet man dieſe zweite Fallhöhe mit)“ und die dieſer entſprechenden Zeit mit, ſo wirdet“—t genau Zeit ſein, welche das Geſchoß gebraucht hat, um den Raum, welcher die beiden 5 heiben von einander trennt, zu durchfliegen,— alſo die Geſchwindigkeit ſein, che das Geſchoß in der Mitte dieſes Zwiſchenraumes beſaß. Um die Zeit zu controliren, welche der Apparat bei gleichzeitiger Ausſchal— tung ergiebt, ſchob le Boulengs in die beiden Leitungen den Ausſchalter eines elektro-balliſtiſchen Pendels ein. Die beiden Ströme gingen durch Drähte, welche auf einem und demſelben Scheibenrahmen dergeſtalt befeſtigt waren, daß ſie gleich⸗ zeitig vom Geſchoß zerriſſen wurden. Die hierbei erzielten Fallhöhen waren die— ſelben wie beim Chronographen. Schwieriger war die Controle der bei nach und nach ſtattfindender Ausſchal⸗ tung angegebenen Zeit. Es bedurfte hierzu eines beſonderen Inſtrumentes, welches le Boulengé den Controleur nennt. Derſelbe beſteht aus einem Cylinder von Schmiedeeiſen, Fig. 41, der an einem Doppelelektromagneten aufgehängt iſt, welchen eine beſondere Batterie in Thätigkeit ſetzt. Die beiden Stäbe ſind an ihrem unteren Ende krumm ge— bogen, ſo daß ein jeder der ſolchergeſtalt einander ge— näherten Pole dem aufgehängten Cylinder einen Berüh— rungspunkt bietet. Die beiden Stäbe befinden ſich iſolirt und bilden einen Theil der Leitung des Chronometers. Letztere wird alſo geſchloſſen, ſo wie der Cylinder aufgehängt wird. Unterbricht man die ſpecielle Leitung des Controleurs, ſo fällt der Cylinder herab und ſchlägt auf den Schweif eines Hebels, deſſen vorderer Theil durch ſeine Berührung mit einem Meſſingſtifte die Lei— tung des Gewichtes ſchließt. Kennt man nun genau die Entfernung der Grundfläche des aufgehängten Cylin— ders von dem Schweif des Hebels, ſo läßt ſich daraus die Zeit berechnen, welche zwiſchen den beiden Unter— brechungen der Leitung liegen muß. Dieſe gefundene Zeit muß mit der von dem Chronographen gegebenen übereinſtimmen, wenn der Apparat fehlerfrei ſein ſoll. Nach einer Reihe von Verſuchen, die in dieſer Richtung angeſtellt wurden, Pulverproben. ergab ſich im Mittel eine Differenz von 0,000204 Secunden, welche der Chrono⸗ graph zu hoch anzeigte. Auf Grund eines Berichtes von wolſen an die belgiſche Akademie (Bulletins de Pacademie, 2. Serie, Tome 17, Nr. 2) gaben Verſuche mit den Apparaten von Navez und le Boulengs fürnd 11 des letzteren eine viel größere Uebereinſtimmung als bei dem von Navez Merkwürdiger Weiſe zeigten ſich indeß mit dem lñe Boulengé'ſchen Apparate 9 1160 ingere Geſchwindigkeiten. Die Reibung fällt bei dieſem Apparate vollſtändig weg und bei dem Fall des Chronometers und des Gewichtes kommt nur der Widerſtand der Luft in Betracht, im Uebrigen iſt aber auch hier die Zeit nicht in Rechnung gebracht, welche die einzelnen Stücke des Apparates gebrauchen, um in Thätigkeit zu kommen, wie denn auch der Umfang, innerhalb welches von dem Apparate die Zeitangabe gemacht worden, höchſtens 0,5 Secunden beträgt, wie ſelbſt le Boulengé zugiebt!). 0* AN M Die elektriſche Klepſyder von le Boulengöé. Da der elektriſche Chronograph von be Boulengs nur zur Beſtimmung relativ kurzer Dauerzeiten 1 iet iſt, weil die Fallhöhen ungemein ſchnell mit der Zeit wachſen, ſo ſuchte bñe Boulengénd dieſen Fehler dadurch zu vermeiden, daß er das Ausfließen einer Flüſſigkeit als Chronometer benutzte, indem er die Zeit aus dem Gewichte der Ausflußmenge beſtimmte, welche er während der zu meſſenden Intervalle erhalten hatte. Weil bei dieſem Apparate das Ausfließen der Flüſſigkeit auf elektro⸗magne⸗ tiſchem Wege geregelt wird, ſo nannte er den Apparat elektriſche Klepſyder. Unter Klepſyder verſtanden die Alten nämlich eine Uhr, in welcher durch Aus laufen einer beſtimmten Menge von Waſſer der Lauf der Zeit angezeigt wurde. Der Apparat!“) Fig. 42(a. f. S. S.) und Fig. 43 beſteht aus einem runden Behäl— ter 4 von 20 em Durchmeſſer und 3 em Höhe zur Aufnahme des Queckſilbers beſtimmt und wird von einer hohlen, centralen, 20 em hohen Säule P getragen, welche in einem mit Stellſchrauben X verſehenen 2 Dreifuße endigt. Dieſer Be— hälter ſowie Säule und Fuß ſind von Gußeiſen und ſtehen auf einer runden Platte Cvon demſelben Metalle, welche einen erhöhten Rand hat, um das Queck— ſilber aufzunehmen, welches aus Unvorſichtigkeit aus dem Aufnahmebehälter P ausfließen könnte. Eine gußeiſerne Scheibe E bedeckt den Behälter 4 und trägt die Beſtand theile des elektriſchen Apparates. ) Réponse aux applications émises sur le chronograph le Boulengé dans les récentes publications de M. M. le Colonel Leurs et le Major Navez par le Lieutenant le Boulengé., Paris et Liège. 1865, p. 67. 1nv) Ueber das Nähere ſ. Etude de ballistique expérimentale. Détermination au moyen de la Clepsydre électrique de la durée des trajectoires. Bruxelles 1868. 200 Pulverproben. Die hohle Säule B endet unten in eine Oeffnung mit dünnen Wänden, welche durch ein coniſches Ventil zur Verhinderung des Ausfließens des Queckſilbers geſchloſſen iſt. Die Oeffnungsſcheibe, der Körper des Ventils K und das Lager Fig. 42. Pulverproben. 201 die an ihrem unteren Theile mit dem Ventile verbunden iſt, geht in der Achſe des Behälters 4 in die Höhe durch eine centrale Oeffnung im oberſten Deckel F und ſtützt ſich über dem letzteren an einen horizontalen Hebel E, den Ventil— hebel. Drückt man auf den Arm dieſes Hebels, ſo öffnet ſich das Ventil und das Queckſilber fließt aus, hört der Druck auf, ſo ſchließt ſich das Ventil und das Ausfließen des Queckſilbers wird ſiſtirt. Das Oeffnen und Schließen des Ventils werden durch 1b Hebel Jund J., deren Enden mit weichen Schmiedeeiſen K, L umgeben ſind, hervorgebracht. Im Zuſtande der Ruhe werden ſie durch die Elektromagneten N und N feſtgehalten. Der zum Schließen des Ventils beſtimmte Hebel Niſt aus zwei parallelen Stücken gebil ldet, welche auf einer Seite durch die Bekleidung und auf der anderen durch einen Niegel leverbunden ſind, durch welchen der Hebel gehalten werden ſoll. Wird der die Thätigkeit des Elektromagneten Nerzeugende elektriſche Strom unterbrochen, ſo fällt der zum Oeffnen des Ventils beſtimmte Hebel J auf den Ventilhebel, öffnet das Ventil und das Queckſilber läuft dann in den Behälter D. Wird der zweite Strom unterbrochen, welcher den Elektromagneten Nin Thätigkeit ſetzt, ſo fällt der ſchließende Hebel Yab und hebt den öffnenden Hebel bis zu ſeiner früheren 115 dadurch wird der Ventilhebel frei, das Ventil fällt in ſeinen Sitz zurück und das Ausfließen des Queckſilbers hört auf. Ein Auf⸗ haltehaken J verhindert die zitternde Bewegung des ſchließenden Hebels Jnach ſeinem Fall. Bei der A8 des Apparates werden die beiden Ströme nach ein— ander durch das Geſchoß unterbrochen und zwar erfolgt das Ausfließen des O Queck⸗ ſilbers, ſowie das Geſchoß den erſten Gitterrahmen durchbricht; berührt das Ge— ſchoß den zweiten Gitterrahmen, ſo wird das Ausfließen eingeſtellt. Nimmt man nun an, daß der Apparat einen conſtanten Ausfluß bewirkt und bezeichnet man das Gewicht des in den Behälter Die gefloſſenen Queckſilbers mit P und die Queckſilbermenge, welche bei eonſtantem Ausfluſſe in der Secunde + durch die Ausflußöffnung geht, mit 7, ſo würde 55 die Zeit ausdrücken, welche von dem Augenblicke der Oeffnung bis zum Augenblicke der Schließung des Ven— 7 tils verfloſſen iſt. Der Quotient würde auch die Zeit angeben, welche zwi— F., auf welchem derſelbe ruht, ſind von Stahl. Eine unbiegſame Stange E, ſchen der Unterbrechung der beiden elektriſchen Ströme verging, wenn das Ventil ſich genau in dem Momente öffnete und ſchlöſſe, in welchem der correſpondirende Strom unterbrochen wurde; allein bei Unterbrechung des erſten Stromes bedarf es einiger Zeit für den Fall des Hebels, und ebenſo für die völlige Erhebung des Ventils. Aehnliche Zeiten vergehen zwiſchen We⸗ Unterbrechung des Stromes für den Schluß des Ventils und dem Aufhören des Ausfluſſes. Um die Beſtimmung dieſer partiellen Zeiten zu umgehen, hat le Boulengé die Methode der gleichzeitigen Unterbrechung der Ströme in Anwendung gebracht, eine Einrichtung, wie ſie bereits von deſſen Chronographen bekannt iſt. Werden nämlich beide Ströme gleichzeitig durchſchnitten, ſo wird der erſte Hebel 202 Pulverproben. das Ventil eine beſtimmte Zeit früher öffnen als der zweite daſſelbe ſchließt. Bezeichnet man das Gewicht des Queckſilbers, welches bei dieſer gleichzeitigen PRR Y‚F 2 die Zeit an, welche zwiſchen der Unterbrechung der beiden Ströme verfloſſen iſt. Der Ausſchalter Fig. 44 und 45 beſteht aus einer kreisförmig gebogenen Feder t, deren freies Ende in eine Nabe tritt, wenn man auf den Knopf⸗„drückt. In dieſer Lage geſtattet ſie den beiden ſtählernen Plättchen g und ſich gegen die Leitſtifte»und„ z ſtützen und durch dieſen Contact die beiden elektriſchen Ströme zu ſchl ießen. Löſt man die Nabe, ſo ſchnellt die Feder empor, ihr Riegel 7, der mit einer iſolirten Elfenbeinplatte belegt iſt, hebt die beiden Plätt⸗ chen in die Höhe und unterbricht die Ströme. Durch die mit Schrauben— gewinden verſehenen Stifte „Rund„ kann die Höhe der Plättchen dergeſtalt regulirt werden, daß ſie gleichzeitig von der Feder gehoben werden. Der Kopf der Schraube»ebe— grenzt den Weg der Feder. Die Stützfläche des Aus— ſchalters iſt mit einem Plättchen Kautſchuk belegt, um die Vibrationen des— ſelben zu beſeitigen, wo— durch es geſtattet wird, ihn auf denſelben Tiſch wie den Apparat zu ſtellen. Die Erfahrung hat ge— f6 I lehrt, daß dieſer Ausſchal— 158 ter vollkommen fehlerfrei iſt; einmal regulirt, ver— ändert er ſich nicht. Bei den obigen Aus führungen wurde der Aöfkiß als conſtant angeſehen, obſchon er es in Wirklich— keit nicht iſt, denn mit der Dauer des Ausfluſſes des Oueckſilbers vermindert ſich auch die Druckhöhe und mit ihr die Menge des ausf ließenden O Queckſilbers, wie denn auch dabei eintretende Temperaturveränderungen von einigem Einfluſſe ſind. In dieſer Richtung ſind von le Boulengé ausgedehnte WRierſnehinge angeſtellt worden, aus welchen ſich ergiebt, daß wegen der großen O Oberfläche des Queckſilberbodens verglichen mit der Ausflußöffnung das Sinken des Niveau für eine Secunde etwa ein Zehntel Millimeter beträgt, man deshalb annehmen kann, Unterbrechung ausläuft, mit 7, ſo giebt der Quotient Fig. 44. daß der Ausfluß binnen einer Secunde conſtant iſt und daß bei dem Uebergange einer Maß theil 0,00 einen regul meta ſtron muß giebt enthe magt einen auf Sche Der gelan tallp Leitu Strö Nive jeden eßt. gen lche wie ge⸗ hal⸗ frei ver⸗ lus lich⸗ idert bers, luſſe ugen ange Pulverproben. 203 einer Secunde zu einer folgenden der Betrag des Ausfluſſes um ein conſtantes Maß abnimmt, da die bei einem Verſuche gefundene Differenz ein Zehnmillion— theil eines Grammes betrug, was für den vorliegenden Fall auf Zeit ausgerechnet 0,000000002 Secunden entſpricht. Um eine Zeittabelle auf experimentellem Wege herzuſtellen, hat le Boulengé einen eigenen etwas complicirten Apparat conſtruirt, welcher aus einem Secunden— regulator beſteht, deſſen Pendelſtange, indem ſie auf ein Syſtem von zwei kleinen metalliſchen Ankern einwirkt, den Zweck hat, den Oeffnungs- und Schließungs ſtrom zu unterbrechen. In Bezug auf die weiteren Ausführungen in dieſer Beziehung muß auf die Originalabhandlung verwieſen werden. Was nun den Gebrauch des Apparates bei Schießübungen anlangt, ſo er— giebt ſich deſſenAnordnung aus Fig. 46. Die Oeffnungsleitung 4, h, e, d, e, ½ 9 Fig. 46. enthält den erſten Scheibenrahmen 5, den Ausſchalter und den öffnenden Elektro— magneten 4,); ſie geht vor der Mündung des Geſchützes vorbei, entweder auf einem gewöhnlichen, 10 m vor dem Geſchütz aufgeſtellten Scheibenrahmen oder auf einen einfachen Metalldraht, der vor der Mündung ausgeſpannt wird. Die Schließungsleitung J, 2, V, J, m, u, o, Y,, ,s enthält den zweiten Scheibenrahmen, den Ausſchalter und den Schließungselektromagneten 7,5. Der Strom wird durch die Leitung 7,“ zum Scheibenrahmen 7, geführt und gelangt dann durch die Metallplatte* in den Erdboden. Durch eine zweite Me— tallplatte u, die ebenfalls wie die erſte in Waſſer oder feuchter Erde liegt, wird die Leitung für den Apparat fortgeſetzt. Nachdem dieſe äußeren Maßregeln getroffen, überzeugt man ſich, ob die Ströme kräftig genug ſind, die Hebel der Klepfyder feſthalten, ſtellt dann das Niveau des Queckſilbers her und bewirkt die Ausſchaltung, deren man drei vor jedem Schuſſe vornimmt. Da das Oueckſilber ſtets in daſſelbe Gefäß läuft, ſo ———— — ᷑ ̃ èñ—— 204 Pulverproben. iſt ſein Geſammtgewicht, dividirt durch drei, das einer Ausſchaltung. Sodann beginnt man mit dem Schießen. Die Wägungen erfolgen auf einer Wage, die bis zu einem halben Centi gramm empfindlich iſt. Dieſer Grad der Genauigkeit genügt vollkommen, da ein halbes Centigramm eine geringere Zeit als von /1200 einer Secunde vortritt. Um den Apparat auch zur Ermittelung der Zeitdauer der Flugbahn von Bomben verwenden zu können, benutzte le Boulengé, da der zweite Strom wegen der ſehr großen Streuung der Bomben ſehr ſchwer im Scheibenrahmen von ihnen unterbrochen werden kann, die Erſchütterung des Erdbodens, welche in der Nähe des Fallpunktes der Bombe erzeugt wird, um den Schließungsſtrom des Elektromagneten V(Fig. 42) zu unterbrechen. Zu dieſem Zwecke wird am Fuße der Stange, nach welcher man zielt, eine kleine Büchſe aufgeſtellt, welche das in Fig. 47 und 48 abgebildete Syſtem enthält. Es beſteht aus einem Elektromagneten 4, der einen Hebel B feſt hält, deſſen Ende Caus Schmiedeeiſen das Ueber gewicht hat. Dieſer Elel tromagnet wird durch einen Strom 4,),, d in Thätig— keit geſetzt. Der Schlie ßungsſtrom der Klepſyder kommt zur Achſe des Hebels durch den Leiter und zum Kerne des Elektro e. magneten durch den Leiter./. AIaddaaanaunannaö Dieſer Strom wird alſo unterbrochen, ſowie der Hebel B abfällt. Mittelſt des beweglichen Kernes regulirt man die Anziehungskraft des Magneten derart, daß der Hebel beim geringſten Stoße ſich löſt. Unter dieſen Verhältniſſen be wirkt die in der Gegend der Büchſe aufſchlagende Bombe die Unterbrechung des Stromes, 9 durch die von ihr hervorgebrachte Erſchütterung. Mit Hülfe dieſes Syſtemes wurden durch die Klepſyder die Dauerzeiten von Bomben, deren Gewicht 58,7 Kg und deren Ladung 1,240 Kg betrug, gemeſſen. Bei einer Entfernung von 1000 mubetrug die mittlere Zeit der Flugbahn 15,0388 Secunden. ſich einer Bezi Chre Stel meſſ Zeit dadr End die hun, Sch drei cale wirk tror wer hülf Tri der dann enti „da tritt. von trom hmen velche ſtrom eine ſſtellt, 7 und yſtem aus en 4, feſt Naus Ueber Elek einen hätig Schlie pſyder Hebels und lektro eiter /. E der Nittelſt derart, ſen be ng des en von meſſen. ugbahn Pulverproben. . Der Chronograph von Baſhforth. Der Apparat von Navez ſowohl wie der von le Boulengé geſtattet, wie ſich aus dem Obigen ergiebt, die Beſtimmung der Geſchoßgeſchwindigkeit nur an einer einzigen Stelle der Flugbahn. Eine weſentliche Verbeſſerung in dieſer Beziehung bietet der im Jahre 1865 von dem Engländer Baſhforth conſtruirte Chronograph, vermittelſt deſſen die Geſchwindigkeit eines Projectils an vielen Stellen ſeiner Bahn beſtimmt werden kann. Der Apparat erinnert in manchen Beziehungen an den von Martin de Bret— tes, da ein ſich drehender Cylinder und ein Markirſtift die Hauptrolle hierbei ſpielen. Die Einrichtung des Chronographen iſt folgende: Durch das Schwungrad 4, Fig. 49(a. f. S.), wird einem mit präparirtem Papiere umgebenen Cylinder K von 0,31 bis 0,36 m Länge und 0,104 m Durch⸗ meſſer eine drehende Bewegung gegeben. Durch dieſe Drehung wird zu gleicher Zeit mit Hülfe des Zahnrades B ein Räderwerk Min Thätigkeit geſetzt und dadurch die Schnur C, D aufgewickelt. Da nun die letztere mit ihrem oberen Ende bei D an dem verſchiebbaren Rahmen 8 befeſtigt iſt, ſo werden die an dieſen Nahmen angebrachten Markirſtifte, m“ bei der Umdre— hung des Cylinders von oben nach unten rücken. Die Bewegung des Schwungrades wird durch eine Kurbel in der Weiſe bewirkt, daß in 2 Secunden drei Umdrehungen erfolgen. Jeder Umdrehung des Cylinders entſpricht eine verti— cale Bewegung des Rahmens von 0,85 em. Die Lage der Markirſtifte m,. wird durch ein Hebelwerk bedingt, auf welches die Ankerhebel 1 und 4“ der Elek— tromagneten E und E wirken. Wird nämlich der Hebel/ niedergedrückt, ſo werden die Federn gehoben und durch die Berührung von m, an mit der Papier⸗ hülſe des Cylinders wird auf erſterer von den Stiften eine Spirale beſchrieben. Tritt aber eine Unterbrechung des Stromes ein, ſo wird durch die Abreißfeder 7 der Ankerhebel 4 von ſeiner Anziehungslage abgezogen; durch den Arm 4 wirkt er ſodann auf das Hebelwerk b, wodurch der Stift m ſeitwärts geſchoben wird, alſo jetzt eine andere Bahn beſchreiben muß wie zuvor. Wird der Strom von Neuem geſchloſſen, ſo wird durch den Ankerhebel dder Stift wieder in eine Lage verſetzt, bei welcher er gleichſam die Fortſetzung der erſten Spirale beſchreibt. Nach der Aenderung der Lage des Stiftes auf dem Papiere läßt ſich die Zeit von einer Stromunterbrechung bis zur anderen mit Hülfe einer Theilmaſchine, eines mikrometriſchen Zirkels u. ſ. w. meſſen, vorausgeſetzt daß die Uhrzeichen markirt worden ſind. Zum Verſtändniß hierfür ſei bemerkt, daß die Spirale des unteren Elektromagneten 2 in eine Volta'ſche Kette eingeſchaltet iſt, die bei jedem Doppelſchlage eines Halbſecundenpendels unterbrochen wird. Der Mar⸗ kirſtift n giebt daher die Uhrzeichen in Secunden auf dem Cylinder an. Die Spirale des Elektromagneten E wird durch eine beſondere Batterie in Ketten eingeſchaltet, in welchen die Drähte der Gitterrahmen ſich befinden, durch die das Geſchoß während ſeines Fluges gehen muß. Somit wird alſo die Kette für den Elektromagneten E ſowohl beim Austritt des Geſchoſſes aus dem Laufe, als auch bei jedem einzelnen Durchgange durch einen Gitterrahmen unterbrochen. Dieſe Unterbrechungsmomente werden durch einen Stift mn verzeichnet und aus ———UU—ẽZʒZmwädcſ—————— EEEEEECECECEEECCCEE „—E——— Pulverproben. Fig. 49. D HIA f fft 0 Pulverproben. der Vergleichung dieſer ſogenannten Schlußmarken mit den Secundenmarken laſſen ſich für je zwei ſolcher Stellen in der Flugbahn die Flugzeiten des Geſchoſſes bemeſſen, aus welchen die Geſchwindigkeit berechnet werden kann. Die Art und Weiſe, wie die Markirſtifte wirken, läßt ſich am beſten aus Fig. 50, erſehen. Wird der Hebel„(Fig. 49) niedergedrückt, ſo wird der Arm 5 (Fig. 50) gehoben und dadurch vermöge des um C, Y drehbaren Hebels s der Stift„ mit dem über den Cylinder geſpannten Papiere in Berührung ge— bracht. Die Bewegung des Stiftes wird durch eine Oeffnung des Bogens„, durch welchen er geht, begrenzt und die Spitze behält während der Verſchiebung ſo lange ihre Lage, bis die Kette des Elektromagneten unterbrochen wird. Tritt dies ein, ſo wird durch Abziehen des Hebelarmes(Fig. 49) der Arm a⸗ in der Richtung des Pfeiles etwas verſchoben, wodurch gleichfalls der Hebel aus ſeiner früheren Lage verrückt wird. Da nun der Arm b' mit dem Bogen einen um die Achſe 4, B drehbaren Hebel bildet, ſo wird dieſer Bogen eine kurze Drehung um dieſe Achſe nehmen, in Folge deſſen der Stift! eine ſeitliche Drehung machen muß. Soll der Chronograph in Thätigkeit geſetzt werden, ſo iſt vor allen Dingen mit Hülfe der bei angebrachten Schraube das Räderwerk Mmit dem Rade 5 in Eingriff zu bringen, welches durch eine bei Jgetroffene Drehvorrichtung ſehr leicht geſchehen kann. Hat man ſodann die einzelnen Leitungen richtig hergeſtellt und das Schwungrad A in Bewegung geſetzt, ſo kann mit den Schießverſuchen begonnen werden. F. Der Chronograph von Noble. Dieſer Chronograph unterſcheidet ſich von den bereits beſchriebenen elektri— ſchen Apparaten dadurch, daß durch denſelben nicht die Geſchoßgeſchwindigkeit außerhalb des Rohres, ſondern innerhalb deſſelben gemeſſen werden ſoll. Dieſen Zweck ſucht Noble dadurch zu erreichen, daß er mit Hülfe von elektriſchen Strö— mungen auf Scheiben, die mit großer, aber gleichförmiger Winkelgeſchwindigkeit 208 Pulverproben. rotiren, den Augenblick verzeichnet, in welchem das Geſchoß eine beſtimmte Stelle im Rohre erreicht hat. Die weſentliche Einrichtung des Apparates läuft darauf hinaus, daß auf einer gemeinſchaftlichen und iſolirten Welle mehrere dünne kreisrunde Metallſcheiben von je 916 mim Umfang befeſtigt ſind. Um dieſe Scheiben in ſehr raſche Rotation zu verſetzen, dient ein ſchweres Fallgewicht, welches durch Ver— mittelung von vier Stirnradvorgelegen an der Welle angreift. Zur Erhöhung der Umdrehungsgeſchwindigkeit wird die Wirkung des Fallgewichtes durch eine auf die zweite Vorlegewelle aufgeſchobene Kurbel unterſtützt, ſo daß die Scheiben mit einer linearen Umfangsgeſchwindigkeit von 1000 engliſchen Zollen für die Secunde laufen. An der dritten Vorlegewelle iſt ein Uhrwerk angebracht, welches beliebig aus- und eingeſchaltet werden kann. Daſſelbe giebt die auf eine gewiſſe Zahl von Umdrehungen verwendete Zeit bis zu einer Genauigkeit von ½10 Secunde an. Die Peripherie der Metallſcheiben iſt mit Papierſtreifen, welche man vorher mit Lampenruß geſchwärzt hat, bedeckt und mit einem der ſecundären Drähte eines Inductionsapparates in Verbindung gebracht, während der andere ſecundäre, ſorgfältig iſolirte Draht zu einem Entlader führt, welcher der Peri—⸗ pherie der zugehörigen Scheibe in geringem Abſtande gegenüber angebracht iſt. In die Wandung des Geſchützrohres ſind Cylinder Ceingeſchraubt von der durch die Rohr-Längendurchſchnittszeichnung, Fig. 51, und die betreffende Quer⸗ Fig. 51. durchſchnittszeichnung, Fig. 52, verſinnlichten Einrichtung. Dieſe Cylinder ſind da, wo ſie in die Seele hineinragen, mit einer Scharnierklappe P verſehen. An der einen Seite des Cylinders tritt der primäre Draht! ein, geht durch die beiea befind— liche Oeffnung der Scharnierklappe, Fig. 51, und tritt an der anderen Seite des Cylinders wieder aus, Fig. 52. Die beiden Enden dieſes Drahtes werden mit den zu dem Apparate führenden Hauptdrähten verbunden, ſobald die Cylinder in die Rohrwandungen eingeſchraubt ſind. elle iner ben ſche Fer⸗ ung urch daß llen acht, eine von elche ären dere Zeri⸗ Aiſt der uer⸗ Pulverproben. 209 Bei dem Abfeuern des Schuſſes drückt das Geſchoß 4 die Klappe P nieder, wodurch der den Oeſentheil à der Klappe niederhaltende Draht d des primären Stromes durchſchnitten wird. Der Strom der galvaniſchen Batterie wird da— durch unterbrochen und es entſteht ein Inductionsſtrom im ſecundären Drahte der Inductionsſpirale. In demſelben Augenblicke ſpringt ein Funken von dem Entlader auf die rotirende Scheibe über, der auf dem Papierſtreifen befindliche Ruß wird an der betreffenden Stelle weggebrannt, wodurch ein deutlich wahr— nehmbares weißes Pünktchen entſteht. Dieſelbe Erſcheinung tritt ein, wenn die Klappe des zweiten Cylinders niedergedrückt wird u. ſ. w. Nach beendigtem Verſuche wird die Funkenreihe auf den Metallſcheiben auf⸗ Fig. 52. geſucht, die Marle auf der erſten Scheibe mit Hülfe einer Mikrometerſchraube der Spitze des zugehörigen Entladers genau gegenübergebracht, ein Nonius an dem Ende der Welle befeſtigt und auf Null eingeſtellt. Mit den übrigen Scheiben verfährt man in durchaus analoger Weiſe. Aus der Stellung dieſer Punkte auf den verſchiedenen Scheiben zu einander läßt ſich dann nach der Umdrehungsgeſchwindig— keit dieſer letzteren die Zeit beſtimmen, welche das Geſchoß zur Zurücklegung des Weges in der Bohrung des Rohres von einem Cylinder bis zu dem anderen ge— braucht hat. Zur Controle der Angaben des Appa— rates hat man die Einrichtung getroffen, daß immer eine Scheibe, ein Entlader und ein Inductionsapparat gewiſſermaßen ein Meßinſtrument für ſich bilden, welches die Stelle des überſpringenden Funkens verzeichnet, ſobald der primäre Draht durchſchnitten wird. Es müſſen alſo die weißen Pünktchen auf ſämmtlichen Scheiben in einer geraden Linie parallel zur Welle liegen, wenn alle Klappen in demſelben Augenblicke niedergedrückt werden, während die Abweichungen von der geraden Linie die auftretenden Fehler zeigen. Um nun ein gleichzeitiges Durchſchneiden der primären Drähte herbeizuführen, werden ſämmtliche Drähte an einem kleinen Rahmen, der in der Nähe der Mün— dung des Rohres ſteht, befeſtigt und durch ein vorn gerade abgeſchnittenes Geſchoß auf einmal zerſchnitten. An dieſem Chronographen hat man wohl mit Recht getadelt, daß die Art des Zerreißens der Drähte durch das Geſchoß keineswegs einwurfsfrei ſei. Der Kraftaufwand nämlich, welchen das Geſchoß zum Niederdrücken der Klappe ausübt, iſt ſo beträchtlich und der Anprall des Geſchoſſes ſo gewaltig, daß in der cylindriſchen Mantelfläche des letzteren häufig tiefe Längseinſchnitte entſtehen, wodurch ganz entſchieden die Geſchoßgeſchwindigkeit verringert werden muß. Des— gleichen iſt das Verfahren, die Zahl der Umdrehungen der Metallſcheiben zu be— Das Schießpulver. 14 EEEEEEEEEEEECCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCGGCCCC ——ů ˙*l..—— 210 Pulverproben. ſtimmen, ungenau, da das Uhrwerk durch den Apparat ſowohl in Gang gebracht, als auch von demſelben wieder aufgehalten wird. Die von der engliſchen Prüfungscommiſſion herausgegebene Tabelle der Schießverſuche zeigt im Allgemeinen leidliche Reſultate, daneben aber auch ſolche, die für den Apparat noch manches zu wünſchen übrig laſſen. So ergaben ſich z. B. bei einem Schuſſe für die Zeit zwiſchen dem dritten und vierten Cylinder 0,000496 Secunden, bei einem anderen Schuſſe 0,000525 Secunden, wonach die Geſchwindigkeit pro Secunde für den erſten Schuß ſich zu 1030,5, die für den zweiten zu 973 engliſche Fuß berechnete, ſo daß alſo für beide Schüſſe eine Differenz von 57,5, Fuß eintritt. Neben dieſen elektro-balliſtiſchen Apparaten iſt ſchließlich noch zu erwähnen Der calorimetriſche Apparat von Melſens. In einem mit Queckſilber gefüllten hölzernen Gefäße d, Fig. 53, iſt ein mit 39238 Schwanzſchraube, Lumidre Bigteßs⸗ und Pulverladung verſehener Mörſer eingelaſſen. Vier Schrauben e dienen dazu, die centrale Lage des Mörſers in dem Gefäße aufrecht zu erhalten, ſo daß dadurch die Achſe des Mörſers mit dem Mittelpunkte der Gefäß— öffnung„ zuſammenfällt. Zur Meſſung der vor und nach dem Schuſſe herrſchen— den Temperatur des den Mörſer umgebenden Queck— ſilbers dienen zwei in Zehntel Grade eingetheilte Thermo— meter d. Bei Ausführung des Ver—⸗ ſuches mißt man die Tempe— ratur des Queckſilbers, ent— fernt dann die Thermometer, entzündet die Ladung und verſtopft hierauf die Gefäßöffnung e, damit die nach dem Schuſſe erfolgte Temperaturerhöhung des Queckſilbers durch die wieder ein— geſenkten Thermometer möglichſt genau(2) beſtimmt werden könne. Die Diffe— renz beider Temperaturbeobachtungen dient als Anhaltepunkt für die Schlußfolge— rungen zur Beſtimmung der beim Schießen mit dem zu unterſuchenden Pulver freigewordenen Wärmemenge. der St jed fol Fo der abe gun Ve we mi dar fab Bo loh Löl fäl hal acht, der lche, ſich nder nach für eine hnen mit tière jener Vier „die ſers t zu urch mit fäß⸗ jällt. und hen⸗ den ueck⸗ yntel rmo⸗ Ver⸗ mpe⸗ ent⸗ ieter, nach ein⸗ iffe⸗ olge⸗ ulver AlIigſe meines. Was den Bau von Pulverfabriken anlangt, ſo iſt hinſichtlich der 0 der einzelnen Gebäude, ſoweit dieſelbe von Bedeutung iſt, an den einſchlagenden Stellen die Rede geweſen. Hier ſei nur noch bemerkt, daß man in neueſter Zeit jedes Gebäude, in welchem das Mengen der Materialien oder eine der darauf folgenden Operationen vorgenommen wird, mit einem Erdwalle umgiebt, um die Folgen einer etwaigen Exploſion zu mildern und die benachbarten Anlagen vor deren Wirkung zu ſchützen. Allgemein vorgeſchrieben iſt es heut zu Tage, daß ſolche Fabriken nur an abgelegenen Orten erbaut werden dürfen. Früher allerdings geſchah die Anferti— gung von Pulver vielfach in Städten, allein ſchon 1528 begegnet man einer Verordnung der Stadt Breslau, wonach kein Pulver mehr in der Stadt gemacht werden ſoll. Wie weit eine ſolche Fabrik von bewohnten Gebäuden entfernt ſein muß, läßt ſich nicht angeben, da in den einzelnen Staaten die Beſtimmungen darüber nicht ganz gleich ſind. Eine genaue Calculation über die Anlage und Rentabilität von Pulver— fabriken zu geben, iſt ſchwierig, da eine ſolche von dem Erwerb des Grund und Bodens, dem jemaligen Preiſe der Materialien, der Maſchinen und des Arbeits— lohnes bedingt iſt. In Spandau und Dresden berechnen ſich nach Abzug der Löhne und der Inſtandhaltung des Fabriketabliſſements 50 Kg Pulver auf unge— fähr 54 Mark, währer 15 der Verkaufspreis 90 bis 100 Mark beträgt. Da die königliche Pulverfabrik in Dresden nicht auf Staatskoſten unter⸗ halten wird, ſo iſt die dortige Verwaltung, welche das Pulver an den Staat verkauft, angewieſen, aus dem Gewinne die Inſtandhaltung und Erweiterung der Fabrik zu beſchaffen. In der Schweiz ſind die einzelnen Cantone gehalten, das erforderliche Schieß— pulver aus den eidgenöſſiſchen Pulverfabriken zu beziehen. Der aus dem Verkaufe erzielte Gewinn dient dazu, einen Theil der Bundesausgaben zu beſtreiten. 212 Allgemeines. 214 Ueber den Verbrauch des Schießpulvers laſſen ſich genaue Angaben nicht machen, da ſtatiſtiſche Notizen in dieſer Beziehung zur Kenntniß des Publicums nicht gelangt ſind. Von Intereſſe dürfte aber folgende Zuſammenſtellung ſein über den Verbrauch von Munition in den Feldzügen 1815, 1864, 1866 und 1870 bis 1871. In dem Feldzuge des Jahres 1815 zählte die preußiſche Feldartillerie 285 Geſchütze; das Maximum von Schüſſen, das ein Geſchütz im ganzen Feld⸗ zuge gethan, war im Durchſchnitt 160,83. Im Ganzen wurden 18 086 Schuß und Würfe gegeben. Dieſe bedurften 1480 Centner 96,4 Pfund Eiſen und 431 Centner und 34,5 Pfund Pulver. Im Kriege 1864 in den Elbherzogthümern wurden von Preußen 527484 Zünd⸗ nadel⸗ und 16 000 gereifelte Patronen, zuſammen alſo 534484 Patronen von der Infanterie verfeuert. Im Feldzuge des Jahres 1866 in Böhmen und am Main haben 268 000 Mann Infanterie im Ganzen nur 1843536 Patronen einſchließlich der verlorenen und verdorbenen verbraucht und zwar die erſte Armee incl. der Elbarmee 650 363 Patronen A zidetit;; 5 die Mainarme.458 326 1 ſo daß aus jedem Gewehre der erſten Armee... 6 5 5 5 ei 5 Mainarmee11 5 70 77 NE verſchoſſen wurden, während der durchſchnittliche Verbrauch in dem geſammten Heere ſich auf 7 Patronen pro Gewehr ſtellt. Trotz dieſes geringen Geſammtverbrauches wurde bei einzelnen Truppentheilen die Munition doch ziemlich bedeutend in Anſpruch genommen. So verbrauchte das erſte Bataillon des weſtfäliſchen Füſilierregimentes Nr. 37 bei Nachod und Skalitz zuſammen 22979 Patronen, das zweite Bataillon deſſelben Regimentes bei Nachod allein 21810 Patronen, und eine Compagnie des Füſilierbataillons 72. Infanterieregimentes verfeuerte bei Podol binnen 33 Minuten 5700 Patro— nen, der Mann alſo 22. Nach den officiellen Zuſammenſtellungen ergiebt ſich, daß im Feldzuge des Jahres 1870 und 1871 die preußiſche Feldartillerie, einſchließlich des 14.(badi— ſchen) Regimentes und der heſſiſchen Abtheilung, 79 leichte, 78 ſchwere und 38 reitende Feld- nebſt 19 leichten und 10 ſchweren Reſervebatterien zu je 6 Geſchützen zählte. Dieſe 1344 Geſchütze haben während des ganzen Feldzuges zuſammen 267 975 Schuß gethan, die leichten Batterien 112 770, die ſchweren 107 126 und die reitenden 48 079. Es ergaben ſich alſo durchſchnittlich für ein Geſchütz 199 Schuß. Die baieriſche Artillerie beſtand aus 12 leichten, 22 ſchweren und 2 Zwölfpfünderbatterien mit zuſammen 216 Geſchützen, die im Ganzen 56211, alſo für ein Geſchittz durchſchnittlich 260 Schuß abgaben. Sachſen ſtellte 6 leichte, 8 ſchwere und 2 reitende Batterien ins Feld, von denen erſtere 8007, letztere 7514 Schuß abfeuerten. Ueber den Munitionsverbrauch von Seiten der Artillerie in den einzelnen Sd ſan 17 ein ine Si 19 im zer 222 ů¶—ĩV——— Allgemeines. 213 Schlachten giebt das Beiheft Nr. 10 zum Militär-Wochenblatt von 1872 intereſ— icht 15 5 8 5 5 5 ſante Einzelheiten: In der Schlacht bei Wörth fochten 9 reitende, 15 ſchwere, n 17¹ leichte Batterien mit 231 Geſchützen; ſie thaten 9851 Schuß, im Maximum ünd ein Geſchütz 78 Schuß. Auf den Spicherer Höhen kämpften 5 ſchwere und 8 leichte Batterien mit Frie 78 Geſchützen und thaten 2374 Schuß. 1d5 Bei Colom bey(Borny) kämpften 6 reitende, 9 ſchwere und 8 leichte Batte— huß rien mit 137 Geſchützen und thaten 2855 Schuß. 3 Und In der Schlacht bei Vionville(16. Auguſt 1870) kämpften 8 reitende, 15 ſchwere, 14 leichte Batterien mit 222 Geſchützen; ſie thaten 20 859 Schuß, ind⸗ im Marimum ein Geſchütz 230 Schuß. 9011 Bei Gravelotte(St. Privat le Montagne) kämpften 19 reitende, 43 ſchwere, 41 leichte Batterien mit 616 Geſchützen; ſie thaten 34 844 Schuß, im Maximum ann ein Geſchütz 124 Schuß. R 5 Und Bei Beaumont kämpften 5 reitende, 18 ſchwere, 14 leichte Batterien mit 222 Geſchützen; ſie feuerten 6663 Schuß. Bei Noiſeville kämpften 4 reitende, 13 ſchwere, 13 leichte Batterien mit 180 Geſchützen; ſie feuerten 10 696 Schuß, im Maximum ein Geſchütz 160 Schuß. Bei Sedan kämpften 15 reitende, 49 ſchwere und 36 leichte Batterien mit 599 Geſchützen; ſie thaten 33 328 Schuß, im Maximum ein Geſchütz 160 Schuß. Bei Amiens kämpften 6 reitende, 9 ſchwere, 8 leichte Batterien mit 138 Geſchützen und thaten 6096 Schuß. 185 Bei Baune la Rolande kamen ins Gefecht 5 reitende, 5 ſchwere, 6 leichte Batterien mit 96 Geſchützen und thaten 2821 Schuß. ilen Bei Villiers und Cha mpigny(30. Novbr. und 2. Decbr. 1870) kamen erſte ins Gefecht 2 reitende, 9 ſchwere und 14 leichte Batterien mit 150 Geſchützen. litz Sie thaten 8860 Schuß, im Maximum ein Geſchütz 250 Schuß. bei 4 In den Schlachten um Orlé ans 25 3. 4. Decbr. 1870) kämpften 13 reitende, 5118 19 ſchwere, 23 leichte Batterien mit 388 Geſchützen; ſie thaten 31343 Schuß, 105 im Maximum ein Geſchütz über 200 Schuß. In den Schlachten um Beaugency und Cravant(7.,8., 9. u. 10. Decbr. 1870) kämpften 8 reitende, 10 ſchwere, 12 leichte Batterien mit 180 Geſchützen. 55 Dieſe thaten 25 748 Schuß, im Maximum ein Geſchütz 290 Schuß. nnd Bei le Mans(11. u. 12. Jan. 1871) kämpften 8 reitende, 1 ſchwere, 5 14 leichte Batterien mit 234 Geſchützen. Sie thaten 6097 Schuß, im Maximum ges ein Geſchütz 8⁰ Schuß. 8 2f Bei Belfort(15. bis 18. Jan. 1871 kämpften 1 reitende, 10 ſchwere, bin 12 leichte Feldbatterien mit 126 Geſchützen und 20 Belagerungsgeſchützen. Die Feldbatterien thaten 10 983 Schuß, im Maximum ein Geſchütz über 260 Schuß; 115 die Belagerungsgeſchütze feuerten 1548 Schuß. 11 In der Schlacht bei St. Que ntin kämpften 6 reitende, 11 ſchwere, 10 leichte Batterien mit 161 Geſchützen; ſie feuerten 7282 Schuß. Bön In dieſen 16 Schlachten wurden 16 Geſchützrohre unbrauchbar, ein Rohr zerſprang. Es explodirten im Gefechte 7 Protzen und ein Munitionswagen. 2CC7rf7rfcfcc·c··(· en B0 Ausführlichere Schilderungen der Schießpulverbereitung. 3 Lo Graham-Otto, Ausführliches Lehrbuch der anorganiſchen Chemie, Bd 2. Handwörterbuch der reinen und angewandten Chemie, 1. Aufl., Bd. 7. W Karmarſch, Techniſches Wörterbuch oder Handbuch der Gewerbekunde, Bd. 3. 8 Knapp, Lehrbuch der chemiſchen Technologie, Bd. 2. Ka Krünitz, Oekonomiſch-technologiſche Encyklopädie, Bd. 142. Te Meyer, Vorträge über Artillerie-Technik; deſſen Ergänzungen dazu. Muspratt-Stohmann, Handbuch der chemiſchen Technologie, Bd. 3 und 4. M Prechtl, Technologiſche Encyklopädie, Bd. 8, 12, 16. Al Timmerhans, Essai d'un traité élementaire d'artillerie. Poudre à canon. Wagner, Lehrbuch der chemiſchen Technologie. Pe —ͤ—Ↄi—— L5 Pe Geſchichte. 8 Re Marco Polo, Die Reiſen des Venezianers Marco Polo im 13. Jahrhundert, Te von Aug. Bürck. Meyer, Handbuch der Geſchichte der Feuerwaffen-Technik. 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Meyer, Handbuch der Geſchichte der Feuerwaffen-Technik?). Archiv für die Offiziere der königl. preuß. Artillerie und Alggenienr⸗ Corps*). Bd. 4, 2 Ur S. 218; Bd. 5, S. 211; Bd. 20, S. 12; Bd. 58, S. 258; Bd. 63, S. 128. Materialien. Botté et Riffault, Traité de 1 de fabriquer la poudre à canon ete. Ueberſetzt von J. Wolff. 1816, S. 217. Schwartz, Salpeterprobe: Berzelius, Lehrb. der Chem. 5. Aufl., Beo 3S 127; Journ. f. prakt. Chem. Bd. 52, S. 303. Longchamp, Löslichkeitsverhältniſſe des Salpeters: Annal. de Chim. et de Phys. T. 9, p. 9; Dingl. Journ. Bd. 117, S. 452. Werther, Salpeterproben: Archiv Bd. 29, S. 258; Journ. f. prakt. Chem. Bd. 52, S. 302. Kayſer, Desgl.: Archiv. Bd. 32, S. 16. Toel, Desgl.: Annal. der Chem. u. Pharm. Bd. 100, S. 78; Dingl. Journ. Bd. 142, S. 284. Meyer, Desgl.: Militär-Chemie. S. 234. Abel und Bloxam, Desgl.: Quart. Journ. of the Chem. Society. Vol. 9, p. 97; Vol. 10, P. 1073 Dingl. Journ. Bd. 143, S. 282. Pelouze, Desgl.: Compt. rend. 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Bd. 39, 85 271; in Dänemark: Archiv Bd. 34, S. 123; in Schweden: Archiv Bd. 1, 107; in England: Dingl. Journ. Bd. 125, S. 208; in Oſtindien: Archiv d. 1, S. 228. Violette, Ueber die Holzkohlen: Annal. de Chim., et de Phys. 3. Sér. T. 32, p. 304, 346; Journ. f. prakt. Chem. Bd. 54, S. 313, 344; Compt. rend. T. 36, P. 850; Journ. f. prakt. Chem. Bd. 59, S. 332. „Ueber die Fabrikation von Pulverkohle: Journ. f. prakt. Chem. Bd. 67, S. 385; Dingl. Journ. Bd. 141, S. 292. Ueber Cylinderkohle ſ. auch Dingl. Journ. Bd. 39, S. 278 u. Bd. 73, S. 206. Selbſtentzündung der Kohle: Archiv Bd. 2, S. 220; Annal. de Chim. et de Phys. T. 14, Pp. 73(KAubert); Dingl. Journ. Bd. 39, S. 121; Journ. f. prakt. Chem. Bd. 9, S. 101(Hadfield); Dingl. Journ. Bd. 49, S. 246; Phil. Mag. 1833, August, p. 89(Davies); Dingl. Journ. Bd. 50, S. 22. Violette, Verkohlung von Holz durch überhitzten Waſſerdampf: Annal. de Chim. et de Phys. 1848, p. 475; Dingl. Journ. Bd. 110, S. 193. Kahl, Desgl.: Journ. f. prakt. Chem. Bd. 67, S. 398; Dingl. Journ. Bd. 141, S S 297 Ueber Verkohlung ſ. auch Journ. f. prakt. Chem. Bd. 8, S. 321; Dingl. Journ. Bd. 91, S. 374; Bd. 92, S. 46; Bd. 95, S. 367. Die Bereitung des Schießpulvers. Ueber die Pulverbereitung zu Neiße: Archiv Bd. 18, S. 67; zu Fallin gboſtel Gaundete) Mittheilungen des Hannov. Gewerbe-Vereins 1865, 265; in Dänemark: Archiv Bd. 34, S. 125; in Schweden: Archiv Bd. 1, 108: zu Bern: Archiv Bd. 2, S. 148; zu Wetteren: Dingl. Journ. Bd. 117, S. 43; zu W althe am⸗Abbey: Dingl. Journ. Bd. 125, S. 208; in Oſtindien: Archiv Bd. 1, S. 229. Geſchichtliches: Archiv Bd. 4, S. 226. C. Plinius secundus, Naturalis historia ed. Sillig Lib. 31. cap. 10,§. 1II, P. 458. Vogel jun., Feuchtigkeitsanziehung von gekörntem Pulver: Journ. f. prakt. Chem. Bd. 77, S. 480. Brodie, Graphitdarſtellung: Jahresber, von Liebig u. Kopp, 1855, Journ. Bd. 139, S. 215. Löwe, Desgl.: Polyt. Centralbl. 1855, S. 1404. Die gepreßten Pulverſorten: Archiv Bd. 69, S. 53; Bd. 61, S. 143. 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T 25, S. 84; U 128. 0 N Baumé, Desgl.: Dingl. Journ. Bd. 6, S. 16. zolley, Desgl.: Schweizer Gewerbeblatt 1842, S. 297; Dingl. Journ. Bd. 86, S. 51. ERRCGRG ———— ů——2??—— 218 Literatur Bolley, Desgl.: Deſſen Handbuch der techn. chem. Unterſuchungen, 2. Aufl. S. 229. Leltzien, Desgl.: Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. 90, S. 129; ſiehe auch Journ. f. prakt. Chem. Bd 63, S. 310. Entzündlichkeit: Dingl. Journ. Bd. 21, S. 364; Bd. 76, S. 467; Bd. 80, S. 78. Violette, Desgl.: Compt. rend. T. 36. p. 852; Journ. f. prakt. Chem. Bd. 59, S. 335. Horsley, Desgl.: Dingl. Journ. Bd. 190, S. 250. Leygue u. Champion, Desgl.: Compt. rend. T. 73, p. 1478; Dingl. Journ. Bd. 203, S. 303. Durch Elektricität: Dingl. Journ. Bd. 50, S. 16; Bd. 51, S. 431; Bd. 73, S. 117; Bd. 85, S. 275; Bd. 87, S. 78, 462; Bd. 88, S. 213; Bd. 93, S. 316; Bd. 101, S. 103; Bd. 103, S. 263; Bd. 173, S. 125; Bd. 176, S. 2015 Archiv Bd. 9, S. 259; Journ. f. prakt. Chem. Bd. 14, S. 381. 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Bearbeitet von Dr. J. Upmann und Dr. E. v. Meyer. In zwei Abtheilungen. Zweite Abtheilung: Die Exploſivkörper und die Feuerwerkerei. Mit in den Text eingedruckten Holastichen. Braunſchweig, Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 1874. Feuerwerkerei. Bearbeitet von Dr. E. v. Meyer. Mit in den Text eingedruckten Holzstichen. Braunſchweig, Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 18 74. Die Herausgabe einer Ueberſetzung in franzöſiſcher und engliſcher Sprache, ſowie in anderen modernen Sprachen wird vorbehalten. Die in dieſer Abhandlung bearbeiteten Gegenſtände ſchließen ſich eng an die in der vorhergehenden dargeſtellte Fabrikation des Schießpulvers an, in⸗ dem einerſeits die im erſten und zweiten Abſchnitte behandelten Exploſivſtoffe mehr oder weniger geeignete Surrogate des Pulvers ſein ſollen, anderer— ſeits ein großer Theil der im dritten Abſchnitte beſprochenen Zündungen und Feuerwerksſätze mit dem Schießpulver auf das Engſte zuſammenhängt, ja von demſelben kaum zu trennen iſt. Durch die in demſelben Abſchnitte beſprochenen Frictionszündungen iſt auch der Zuſammenhang mit der von Jettel bearbeiteten Abhandlung„über Zündhölzchenfabrikation“ geſichert. In den dritten Abſchnitt wurden die Feuerlöſchdoſen wegen ihrer Verwandtſchaft mit mehreren Feuerwerksſätzen aufgenommen.— Auch wurde es für zweckmäßig erachtet, die Luſtfeuerwerkerei nicht, wie bei der An— lage des ganzen Werkes beabſichtigt war, völlig auszuſchließen. Endlich iſt noch zu bemerken, daß durchgehend die neuen im deutſchen Reiche gültigen Maß- und Gewichtseinheiten den bezüglichen Angaben zu Grunde liegen; die Temperaturgrade gehören, wenn nicht anders bemerkt, der hunderttheiligen Scala(Celſius) an. Für die in den chemiſchen For— meln auftretenden Elemente gelten die in neuerer Zeit faſt allgemein adop— 4 — —5 WJiiiiii VI Vorwort. tirten Atomgewichte. In der folgenden Tabelle ſind die Grundſtoffe, welche für dieſe Abtheilung in Betracht kommen, mit den zugehörigen Atomgewich— ten aufgeführt: Antimon... Sb 122 Natrium Na 23 Aüſen:n: As 75 Phosphor... P 31 Barium.... Ba 137 Queckſilber.. Hg 200 Calcium.... Ca 40 Sauerſtoff.. CI 35,5 Schwefel.... S Kaliüm 3 Kohlenſtoff.. C 12 Stickſtoff. Kupfer Cu 63,4 Strontium.. 6 EEEE Einleitung Erſter Abſchnitt. Dem Schießpulver verwandte Pulverſorten 2 Erſtes Capitel. Gemenge, welche die Beſtandtheile des Schießpulvers in ab⸗ geänderten Verhältniſſen enthalten 65 5 5 3—— Zweites Capitel. Pulverſorten mit Surrogaten für Kaliſalpeter 32 1 Pulver mit ſalpeterſaurem Natron 83 5 Barytiſche Pulver.. 385 7 Pulver mit chlorſaurem(reſp. überchlorſaurem) Kali. 8 Drittes Capitel. Pulver mit Surrogaten für Holz kohle 13 Zweiter Abſchnitt. Die durch aus körper 15 Erſtes Capitel. Schießbaumwoll e(5 Coll odium) 16 Geſchichtlichess..— Fabrikation der Schießwol 8 19 Eigenſchaften der Schießwolle 24 Bil dungsweiſe und Zuſammenſetzunngngngggg 25 Zerſetzungserſcheinungen der Schießwolle 28 Anwendung der Schießwolle. 33 Verpackung, Aufbewahrung, Transport 40 f Production.... 4¹ Anhang: Collodium, ſeine Bereitung und Anwendung 42 Zweites Capitel. Andere Pyrorylinſubſtanzen. 44 — Schultze'ſches Pulver 8 45 f Lannoy's weißes Pulver— v. Uchatius' Pulver 46 1 Drittes Capitel. Exploſivkörper aus Zuckerarten 47 Knallzuckkette— ö Nitromilchzucker— Nitromannit. 48 Viertes Capitel. Pulver mit Pikrinſäure und deren Salzen 8 49 Einige Diazoverbindungen 51 Fünftes Capitel. Nitroglyeerin und Ritroglycerinpräparate— Hiſtoriſches 88— Fabrikation des Nitroglycerins 52 58 Eigenſchaften und Zuſammenſetzunngg. Inhalt. Zerſetzungserſcheinungen des Nitroglyeerins..... Anwendung deſſelb(eennnnnnnhn Methyliſtrtes Sprengl* Nitroglyeerinpräparate.— Dynamii Sprengungen mit Dynamit in der Civil- und Militärtechnik..... Andere Präparate mit indifferenten Zuſätzenn Nitroglycerin mit wirkſamen Zuſätzen.. S Eithofracteunßßßß Duaim Aufbewahrung, Verpackung und Transport der Nitroglycerinpräparate. Production und Conſumtion des Nitroglycerins und ſeiner Präparate. Sechstes Capitel. Knallqueckſilber(als Anhang: Knallſilber und Knallgold) Darſtellung des Knallqueckſilber“““s. Eigenſchaften und Conſtitutiouoyn Zerſetzungserſcheinungenn..... Knallſilber und Knallgoltttdd Dritter Abſchnitt. Zündhütchenfabrikation und Feuerwerkermtnniiiiiiiuu Erſtes Capitel. Percuſſions- und Frictionszündungen.... Zündhütchenfäbrtkationn Anfertigung der Hütcheiiniinunnn Bereitung des ZündſatzeseeezzZn—z. Körnen deſſelbenn....... Laden der Hütchen!;:;:;:;:ßß ſ Aufbewahrung, Transport der Zündhütchenuuuaa Andere Percuſſionszündungen 335 Zündſpiegelſätze. Zündnadelpatrontrrrtręnunu Frictionsſchlagröhrrttõeee³ Zweites Capitel. Zündungen, welche aus langſamer abbrennenden Geimiſchen beſtehen ĩ eeeeie Allgemeines über Feuerwerksſätztke... 85 Fundamentalſätz Zündungendndn HZH Elektriſche Zünderrn- F Drittes Capitel. Die wichtigſten Feuerwerksſätznttuiu Leuchtfüätzzee ee Farbige Feueerr»rrrrrr!R!?R?R!rRr Gemiſchte Farbenß ĩẽ ͤ⸗⸗ů Fünkenfenerſätzee Treibſätze(Naketenn: Stankkügelſätzz 5 Felteklöſchdoſennin Brandſaezztzzzßzß:; Flüſſtge Feuefff. Analytiſche Prüfung der Feuerwerksſätzttee Anhang: Nachweiſung literariſcher Hülfsquellen.. 60 2 3 66 71 75 76 77 79 80 81¹ 82 83 8⁴4 85⁵ 86 8⁰ 81¹ 82 83 84 85⁵ 86 95 103 104 106 107 108 109 112 113 114 115 119 120 12¹ 123 12 125 — 2 A it. Das Schießpulver hat im Laufe der letzten fünf Jahrhunderte einen mächtigen Einfluß auf unſere geſammte ſociale Entwicklung ausgeübt. Nachdem daſſelbe drei Jahrhunderte lang nur in der Kriegskunſt, in welcher es eine totale Umwälzung bewirkte, Anwendung gefunden hatte, begann vor etwa 200 Jahren ſein Gebrauch zum Sprengen in Bergwerken. Bis vor Kurzem war ſeine Herrſchaft auf dieſem Gebiete unbeſtritten; auch bei Straßen-, Tunnel- und Eiſenbahnbauten hatte das Pulver die trefflichſten Dienſte geleiſtet. Dennoch ſehnte man ſich nach wirk— ſameren, auch unter ungünſtigſten Verhältniſſen anzuwendenden Sprengmitteln. Verbeſſerungsvorſchläge tauchten wohl auf, entſprachen aber in nur mangelhafter Weiſe den praktiſchen Bedürfniſſen, bis durch die Entdeckung neuer, von organi⸗ ſchen Subſtanzen ſich ableitender, Exploſivkörper eine ganz neue Aera, namentlich für die Sprengtechnik, begann. Mit dem lebhafteſten Intereſſe und einem wahren Feuereifer wurden Ver— ſuche mit der zuerſt entdeckten Schießbaumwolle gemacht, welche ſowohl in Feuer— waffen, als zu Sprengungen angewendet werden ſollte. Iſt die Möglichkeit des Gebrauchs in erſteren auch keineswegs ausgeſchloſſen, ſo liegt doch die wahre Be— deutung der Schießwolle und der zahlreichen, ihr verwandten Exploſivſtoffe in der gewaltigen, alle Hinderniſſe beſeitigenden, Sprengwirkung. Dieſe kann, wenn ſie einen hohen Grad erreicht und in ſehr kurzer Zeit zur Geltung gelangt, den Schießwaffen geradezu verderblich werden, während dieſe Eigenſchaft(briſante Wirkung) bei Sprengmitteln nicht nur geſtattet, ſondern erwünſcht iſt. Die in neuerer Zeit empfohlenen und eingeführten exploſiven Körper, reſp. Gemenge, ſtehen zum Theile in nächſter Beziehung zu dem Schießpulver, indem ſie deſſen Beſtandtheile ganz oder partiell beibehalten haben; ein großer Theil, und gerade die durch kräftigſte Wirkungen ausgezeichneten Exploſivſtoffe, ſind ohne allen Zuſammenhang mit den erſteren; ſie werden aus organiſchen Subſtanzen durch Einwirkung von Salpeterſäure itrificirung) dargeſtellt. Daraus ergiebt ſich eine natürliche Eintheilung unſeres Gegenſtande Im erſten Abſchnitte werden die dem Schießpulver verwandten Pulverſorten, im zwei— ten die durch Nitrificirung erhaltenen Exploſivkörper abgehandelt werden, während im letzten die Fabrikation und Anwendung der wichtigſten Zündungen und Feuer⸗ werksſätze zu beſprechen ſind. Erploſivkörper und Feuerwerkerei. Erſter Abſchnitt. Dem Schießpulver verwandte Pulverſorten. Erſtes Capitel. Gemenge, welche die Beſtandtheile des Schießpulvers in abge⸗ änderten Verhältniſſen enthalten. Schon in frühen Zeiten hat man Abänderungen des Schießpulvers verſucht, theils um ein wohlfeileres Pulver zu erhalten, theils um größere Wirkungen zu erzielen. Häufig haben beide Motive zuſammengewirkt: ſo bei der Herſtellung von Sprengpulvern, in welchen der Salpetergehalt herabgedrückt iſt, während Schwefel und Kohle in größerer Menge erſcheinen. Man ging dabei von der Vorausſetzung aus, daß bei vermehrtem Kohlegehalt die Pulvergaſe weſentlich aus Kohlenoxyd und Stickſtoff beſtehen werden, und ihre Menge alſo erheblich ge— ſteigert werde. In gleichem Sinne und der langſameren Entwicklung der Pulvergaſe wegen hat General Pioberty) eine Verminderung des Salpeters für Geſchützpulver vorgeſchlagen. Bennet) empfahl, zu den Beſtandtheilen des gewöhnlichen Pulvers zur Erhöhung der Feſtigkeit Kalk, Gyps oder guten Cement zuzuſetzen. Für Spreng⸗ pulver iſt folgende Miſchung geeignet: 65 Thle. Kaliſalpeter, 18 Thle. Kohle, 10 Thle. Schwefel und 7 Thle. Kalk. Die Gemengtheile werden zu einer ſteifen Paſte innig verarbeitet, welche zerkleinert wird; das fertige Pulver ſoll ein feſtes Korn beſitzen. Erfahrungen über dieſe Compoſition liegen nicht vor. Noch mehr weicht von dem gewöhnlichen Schießpulver das Neumeyer'ſche Pulver ab, welches in der Praxis eine im Ganzen günſtige Beurtheilung erfahren hat. Bei dieſer von G. A. Neumeyer lin Taucha bei Leipzig) angefertigten Miſchung iſt der Schwefelgehalt ziemlich bedeutend vermindert, während die Menge der Kohle entſprechend vermehrt iſt. Nach dem engliſchen Patente?) beſtehen 100 Thle. des neuen Pulvers aus 75 Thln. Salpeter, 18 Thln. Kohle und 1) R. Wagner's Jahresber. f. 1862, S. 272. In den ſpäteren Citaten iſt dieſer Bericht unter der Bezeichnung„Jahresber.“ aufgeſührt.— 2) Jahresber. 1863, S. 313. — 3) Jahresber. f. 1867, S. 245. Neumeyer's Pulver. 3 6½¼ Thln. Schwefel. Eine ſpätere Mittheilung) giebt andere Verhältniſſe der drei Beſtandtheile an: 72 Thle. Salpeter, 18 Thle. Holzkohle und 10 Thle. Schwefel— blumen werden in einem Cylinder von Holz oder Kupfer nach Zuſatz von etwa 40 Procent Waſſer durch eine Welle mit radialen Armen 14 Minuten lang gemengt. Das nach dieſer Procedur getrocknete Pulver iſt gebrauchsfähig. Die von Neumeyer hervorgehobenen und durch Sprengverſuche?) bei Staß furt, Taucha, im Mansfeldiſchen, ſowie in engliſchen Schiefer-und Granitbrüchen beſtätigten Eigenſchaften des Pulvers, ſeine Vorzüge dem gewöhnlichen Schieß— pulver gegenüber, beſtehen in der größeren Wirkſamkeit und Wohlfeilheit, nament— lich jedoch in der gefahrloſeren Handhabung. Die letztere geht aus Verſuchen von Wohlfarth hervor, welcher conſtatirte, daß das Pulver durch Druck und Stoß nicht zur Entzündung gebracht werden kann und nur im geſchloſſenen Raume explodirt. Derſelbe fand auch, daß daſſelbe neben der größeren Wirkſamkeit in hartem Geſtein(3. B. Syenit) einen geringeren Rückſtand hinterläßt und weniger Rauch veranlaßt, als Schießpulver. Dieſe beiden Umſtände, verbunden mit dem größeren Effect, ſind beſonders bei der Frage, ob das Neumeyer'ſche Pulver in Feuerwaffen Anwendung finden kann, zu beachten. Schießverſuche, welche von dem Artilleriehauptmann Heß und zu le Bonchet angeſtellt wurden, ergaben ein günſtiges Reſultat; wenigſtens war die dem Projectil ertheilte Anfangsge— ſchwindigkeit eine größere, als bei Anwendung von Geſchützpulver. Endlich wird noch als Vorzug die geringe Hygroſkopicität hervorgehoben; auch ſoll das befeuchtete und nachher getrocknete Pulver ſeine exploſiven Eigenſchaften nicht einbüßen. Wenn man auch die günſtigen Erfolge dieſes Pulvers aus ſeiner Zuſammen— ſetzung, welche vielfach als nicht rationell bezeichnet worden iſt, nicht genügend zu erklären vermag, ſo darf doch demſelben eine Bedeutung nicht abgeſprochen werden. Auffallend bleibt allerdings, daß in den letzten vier Jahren keine weiteren Verſuche bekannt geworden ſind. Die ſanguiniſchen Hoffnungen, welche bei Einzelnen?) ſo weit gingen, daß eine Verdrängung des Schießpulvers für möglich gehalten wurde, waren jedenfalls nicht begründet. Der Verſuch, an Schwefel ärmere Pulvermiſchungen zu bereiten, iſt nicht neu; ein älteres, nach Champy's Vorſchrift bereitetes Pulver enthielt nach einer Analyſe von Meyer) 76,3 Thle. Salpeter, 18,9 Thle. Kohle und 4,8 Thle. Schwefel. Auch von Jones war ein ähnlich zuſammengeſetztes Pulver in Vor— ſchlag gebracht worden. Man iſt noch weiter gegangen und hat den Schwefel aus dem Schießpulver ſche vollſtändig verbannen wollen, ohne ein Surrogat einzuführen. Jedoch iſt dieſer Beſtandtheil ſo weſentlich, ſowohl in chemiſcher als mechaniſcher Hinſicht, daß ſolche Pulverſorten nur eine beſchränkte Anwendung gefunden haben. Während man gerade den Schwefel hat beſeitigen wollen, um ein die Feuerwaffen weniger angreifendes Pulver herzuſtellen, hat man andererſeits ſeiner Transportfähigkeit in hohem Grade geſchadet; denn ſchwefelfreies Pulver hat die Neigung, nach kurzer Friſt in Staub zu zerfallen. n zu lung rend der aus ge⸗ hegen ulver zur reng⸗ ohle, eifen feſtes ihren igten kenge tehen und dieſer 313 1) Jahresber. f. 1868, S. 301.— 2) Dingler, polyt. Journ. 182, 248, und 184, 164.— 3) Vergl. Dingler, polyt. Journ. 184, 164.— 0 Jahresber. f. 1866, S. 234. 1* — ßn2 ——— 4 Pulver mit Surrogaten für Kaliſalpeter. Das ſogenannte Haloxylin, welches von Gebr. Fehleiſen(in Graz) in den Handel gebracht iſt, ſollte nur zu Sprengungen dienen. Daſſelbe beſteht nach Handels gebrat) ſteh engliſchen Angaben!) aus 45 Thln. Kaliſalpeter, 9 Thlu. Sägeſpänen und 3 bis 5 Thln. Holzkohle(gewöhnlich wird noch 1 Thl. Ferricyankalium zugeſetzt). Die harzfreien Sägeſpäne werden mit der Kohle(von leichtem Holze) und dem Sal⸗ peter, nach Zuſatz von einem Liter Waſſer auf 50 Kg der Maſſe, innig gemiſcht, ſodann, wie Schießpulver, gekörnt und getrocknet; eine Politur der Körner iſt nicht erforderlich. Das Haloxylin verbrennt weit langſamer, iſt auch ſchwerer entzündlich, alſo auch gefahrloſer, als Pulver. Sprengverſuche bei Idria?) und im Mans— feldiſchen fielen günſtig aus. Der Rauch ſoll unbedeutend und für die Reſpira tionsorgane weniger fühlbar ſein, als der des Schießpulbers. Die Wirkung im feſten Kalk wird auf das 21 2⸗fache von der des Pulvers angegeben; weſentliche Bedingung zur Erreichung des beſten Effects iſt ein ſehr feſter Beſatz des Bohr— loches. Der Preis des Halorylins ſtellt ſich in Idria geringer, als der des Schieß— pulvbers.— Im Jahre 1867 beſtanden drei Haloxylinfabriken in Steiermark, Ungarn und Mährenz eine ſpäter bei Prag angelegte flog 1869 in die Luft. Ein anderes, bei Aachen verſuchtes) Sprengpulver enthält nur Natron ſalpeter und Steinkohlenpulver. Das Pulver von Lieſch ſoll aus Kaliſalpeter und Koakspulver beſtehen. In dem folgenden Capitel, welches die Pulverſorten aufführt, in denen man den Salpeter durch analog wirkende Salze zu erſetzen geſucht hat, ſind noch meh— rere ſchwefelfreie Gemenge angegeben; jedoch erſcheinen in denſelben andere Be— ſtandtheile, welche als Erſatz für den Schwefel wirken ſollen. Zweites Capitel. Pulverſorten mit Surrogaten für Kaliſalpeter. Die Zahl der Pulvermiſchungen, in welchen man den Kaliſalpeter partiell oder total durch andere Sauerſtoff abgebende Körper erſetzt hat, iſt in den letzten 20 Jahren zu einer ſehr bedeutenden angewachſen. Die meiſten derſelben haben in der Praxis nur eine untergeordnete Bedeutung erlangt; über viele liegen keinerlei Erfahrungen vor, ſo daß bei ſolchen nur die Componenten und ihre Miſchungs⸗ verhältniſſe angegeben werden können. Man hat weſentlich zwei Wege eingeſchlagen, um den durch ſeine Beſchaffen— heit ſich beſonders eignenden Kaliſalpeter zu erſetzen, einmal durch Anwendung anderer ſalpeterſaurer Salze(meiſtens im Intereſſe der Wohlfeilheit) und ſodann 1) Jahresber. f. 1867, S. 244.— 2 Jahresber. f. 1866, S. 235.—) Jahres⸗ bericht f. 1860, S. 207. den iach bis Die Hal⸗ ſcht, icht alſo ans⸗ ſira im liche ohr⸗ hieß⸗ ark, Luft. tron⸗ peter man meh⸗ R Be⸗ artiell letzten haben nerlei ungs⸗ affen⸗ ndung odann zahres— Pulver mit Natronſalpeter. 5 durch Einführung von chlor-(oder überchlor)-ſauren Salzen(zur Erreichung größerer Wirkung). Zum Gebrauch in Feuerwaffen ſind, wie ſich vorausſehen läßt, alle die ſo bereiteten Pulver wenig geeignet, da ſie entweder zu briſant wir⸗ ken und auch chemiſch die Geſchützröhre ꝛe. angreifen, wie die ſogenannten muria⸗ tiſchen Pulver, oder hygroſkopiſch ſind(3. B. Gemenge mit ſalpeterſaurem Natron), oder endlich einen bedeutenden Rückſtand hinterlaſſen(barytiſche Pulver). In einigen Fällen erſcheint auch das chromſaure Kali als Sauerſtoff ab⸗ gebender Gemengtheil, jedoch in ganz untergeordneter Weiſe. Pulverſorten, in welchen der Kaliſalpeter ganz oder theilweiſe durch andere ſalpeterſaure Salze erſetzt iſt. Pulver mit ſalpeterſaurem Natron(NJa NOs). Das ſalpeterſaure Natron, welches, als Chiliſalpeter in den Handel kom⸗ mend, ſich durch Billigkeit vor dem Kaliſalpeter auszeichnet, hat auch den Vorzug, daß es wegen des geringeren Atomgewichts des Natriums in einer dem Salpeter gleichen Gewichtsmenge mehr Sauerſtoff enthält, alſo auch einer größeren Kraft⸗ entwicklung fähig iſt, als jener. Jedoch hat die Anwendung des Natronſalpeters zu Pulverſätzen, welche lange in unverändertem Zuſtand aufbewahrt werden ſollen, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Seine hygroſkopiſchen Eigenſchaften lau⸗ fen geradezu den Anforderungen, welche an ein wirkſames Schießpulver geſtellt werden, zuwider. Zwar ſoll das ganz reine ſalpeterſaure Natron völlig luftbe⸗ ſtändig ſein; jedoch hat das käufliche ſtets einen ſchwer zu entfernenden Gehalt an den Nitraten und Chloriden von Kalk und Magneſia, welche nach Gentele) die hygroſkopiſchen Eigenſchaften bedingen. Dieſem Uebelſtande des Natronſal— peters ſuchen Roberts und Dale“ dadurch zu begegnen, daß ſie ſolchen Pul⸗ vern 10 bis 18 Proc. entwäſſertes ſchwefelſaures Natron loder ſchwefelſaure Magneſia) beimengen, welche Zuſätze das Feuchtwerden verhüten ſollen. Ob der von Craige) gemachte Vorſchlag, andere ſalpeterſaure Salze(von Kalk, Magneſia) durch Ueberziehung mit einer waſſer— und luftdichten Collodium⸗ ſchicht zu Pulvermiſchungen brauchbar zu machen, von Erfolg gekrönt wurde, läßt ſich nicht ausfindig machen. An Vorſchriften für Gemenge, welche Natronſalpeter in geringer Menge neben Kaliſalpeter enthalten, fehlt es nicht. Der von E. Matteen)) angegebene „Pyrolith“ beſteht in 100 Theilen aus: 51,5 Kaliſalpeter, 16 ſalpeterſ. Natron, 20 Schwefelblumen, 11 Sägemehl und 15 Kohlenſtaub. Der ſogenannte Pudrolith, für welchen Pochs) ein Patent genommen hat, weiſt nur 3 Proc. Natronſalpeter neben 68 Proc. ſalpeterſaurem Kali auf. Zwei von Schwarz() analyſirte, ſchwer entzündliche Sprengpulver enthielten in 100 Theilen: 1) Schubarth, techn. Chem., 4. Aufl. 1, 315.— 2) Dingler, polht. Journ. 166, 313.— 3) Jahresber. f. 1862, S. 272.— 4) Berl. Ber., 5. Jahrg., S. 489 5) Berl. Ber. VI, S. 78.— 6) Dingler, polyt. Journ. 172, 155, Pulver mit Natronſalpeter. Aeltere Neuere* 5 Fabrikation Fabrikation Kaliſalpeter... 56,22 48,6 Natronſalpeter.. 18,33 26,5 Schwefel.... 9,68 9,2 Kohſees 14,14 14,7 Feuchtigkeit... 1/78 1,0* Schäffer und Budenberg) fabricirten(1863) ein Sprengpulver von folgender Zuſammenſetzung: 30 bis 38 Thle. Kaliſalpeter, 40 ſalpeterſ. Natron, 8 bis 12 Schwefel, 7 bis 8 Holzkohle, 3 bis 4 Steinkohlenklein und 4 bis 6 Seignetteſalz. Der Zweck und Nutzen des letzten Gemengtheils iſt nicht ange— geben, auch nicht erſichtlich. Ein ſpäter) empfohlenes Sprengpulver derſelben Firma enthält keinen Natronſalpeter. In neueſter Zeit hat Matteen?) ſich ein Sprengmittel patentiren laſſen, deſſen Beſtandtheile, wie er angiebt, ſo gewählt ſind, daß bei der Verbrennung ſich kein Kohlenoxyd bilde; 100 Theile deſſelben enthalten: 47 Natron⸗, 18 Kali— ſalpeter, 17 Schwefel, 12 Sägemehl, 6 kohlenſaures oder ſchwefelſaures Natron. Ueber Eaton's) Pulver iſt nur bekannt, daß es ebenſalls ſalpeterſaures Natron enthält, ſehr grob gekörnt iſt und langſam abbrennt. Daſſelbe iſt in Ge⸗ ſchützen gleichzeitig mit ſchneller explodirendem Pulver zur Anwendung gekommen und ſollte, ähnlich dem prismatiſchen Pulver, eine allmählichere und ausgiebigere Gasentwicklung veranlaſſen. Pulverſorten, in welchen Natronſalpeter vollſtändig an die Stelle des ſal— peterſauren Kali getreten iſt, ſind von Davey, de Tret, Oxland und Anderen empfohlen worden. Daveys) erſetzt einen Theil der Kohle durch Kleie oder andere ſchleimige Subſtanzen. Mit dieſen wird Natronſalpeter, Schwefel und Kohle mittelſt Waſſer zu einem dicken Teige verarbeitet. Die Maſſe wird, nachdem ſie durch Walzen gegangen iſt, gekörnt und getrocknet. Das Puloer iſt wohlfeiler, ſoll auch gefahr— loſer zu handhaben ſein und weniger Rauch geben, als Schießpulver. Seine Fabrikation iſt einfach und nimmt wenig Zeit in Anſpruch. Ueber Mengenver— hältniſſe der Beſtandtheile iſt nichts bekannt; Berichte über erzielte Reſultate feh— len ebenfalls. De Tret'se) Pulver, welches nach Reynaud den Namen Pyronone führt, beſteht aus 52,5 Thln. ſalpeterſaurem Natron, 20,0 Thln. Schwefel und 27,5 Thln. ausgezogener Gerberlohe. Zur Bereitung wird die Lohe mit der kochenden Lö— ſung des Natronſalpeters imprägnirt, dann ſetzt man Schwefel zu und trocknet das Gemiſch. Als Vorzüge deſſelben werden bezeichnet: Billigkeit und gefahrloſe Handhabung wegen ſchwieriger Entzündbarkeit, welcher Umſtand beim Beſetzen der Bohrlöcher von Bedeutung iſt. Iſt die Maſſe feucht geworden, ſo ſoll einfaches ) Dingler, polyt. Journ. 173, 236.—) Deutſche Ind. Ztg. 1866, S. 308. 3) Berl. Ber. VI, S. 151.— c) Polyt. Centr.⸗Bl. 1864, S. 490.— 5) Dingler, polyt. Journ. 156, 78.— 6) Dingler, polyt, Journ, 156, 77. Barytiſche Pulver. 7 Trocknen hinreichen, dieſelbe wieder brauchbar zu machen. Die Kraftentwicklung kann wohl nicht bedeutend ſein; auch iſt die Entflammung zu träge. Orland) reinigt den für das Pulver beſtimmten Natronſalpeter durch Fällen der Kalk- und Magneſiaſalze mit Soda und Eindampfen des Filtrats. Folgende Verhältniſſe wurden am geeignetſten gefunden: Sollte Steinkohlenſtaub verwendet ———— 3—— u——wv¹—— Salpeterſaures Natron... 85 Thle. werden, ſo wurden 20 Thle. bei ſonſt Schwefel!!! 18 Wdenen e Sgloete ud Fotſtohls 18 unveränderten Mengen Salpeter un Ni⸗ Holztoh„] Schwefel genommen. , Die Ingredienzien werden, wie bei der Schießpulverfabrikation, gemengt, ge— 56 körnt ꝛce. Das ſorgfältige Raffiniren des Chiliſalpeters wird den Preis des 98 Pulvers beträchtlich erhöhen. ben Außer den hier beſprochenen Sorten enthalten Sprengpulver, welche bei Freiberg und Wetzlar verwendet wurden, Natronſalpeter; ihre Zuſammen⸗ ſen, ſetzung war, wie Streng fand, folgende: 15 Freiberger Wetzlarer ön⸗ Natronſalpeter. 361,66 66,68 5 Schwefel 17,25 11777 535 8 18,71 5 Kohles 17,35— nen Feuchtigkeit. 2,81 zere ſal⸗ Pulver mit Barytſalpeter arytiſche Pulver). ren J. R. Wagnerz) hatte zuerſt auf die Anwendbarkeit des ſalpeterſauren lige Baryts zum Erſatz des Kaliſalpeters aufmerkſam gemacht, auch die Gewinnung ſſer dieſes Salzes aus Witherit nach Art der Salpeterbildung vorgeſchlagen. New—⸗ lzen ton) ließ ſich für England ein derartiges Sprengpulver patentiren. Den Ba⸗ hr⸗ rytſalpeter ſtellte er aus Chlorbarium und ſalpeterſaurem Natron dar. Seine eine Miſchung, welche die Bezeichnung Saxifragin(auch wohl Lithofracteur) führt, be⸗ ver⸗ ſteht aus 77 Thln. ſalpeterſaurem Baryt, 21 Thln. Holzkohle und 2 Thln. Kali⸗ feh⸗ ſalpeter. Die Beſtandtheile werden, wie bei Bereitung des Schießpulvers, ver— arbeitet. Um die an ſich geringe Entzündlichkeit des Products zu erhöhen, ſoll hrt, daſſelbe noch feucht mit fein zerriebenem Schießpulver(ſogenanntem Mehlpulver) hlu. überpudert werden.— Ein Sprengpulver von Küp u. Co.(in Mühlheim), wel⸗ Lö⸗ ches nach Böttgere) 80 Proc. Barytſalpeter neben Kohle und Schwefel enthält, knet ſteht dem Newton'ſchen ſehr nahe. loſe Endlich hat der belgiſche Hauptmann Wynants“) im Schießpulver einen der Theil des Salpeters durch äquivalente Mengen ſalpeterſauren Baryts erſetzt. ches Zweck dieſer Veränderung war, wie auch ſchon Newton angegeben hatte, Er⸗ 308. 1) Polyt. Centr.-Bl. 1861, S. 686.— 2) Jahresber. 1864, S. 227.— 3) Jahresber. ler, 1855, S. 108, und 1859, S. 211.— 4) Jahresber. 1863, S. 315.— 5) Berg⸗ und Hüttenm. Ztg. 1865, S. 376.—„) Dingler, polyt. Journ. 182, 251. 8 Pulver mit chlorſaurem Kali. zielung eines regelmäßigeren und langſameren Verlaufes der Exploſion. Mit einem Pulver, in welchem ½ des Kaliſalpeters durch ſalpeterſauren Baryt ver⸗ drängt waren, hat Wynants zahlreiche in Brüſſel angeſtellt. Er erkannte die Untauglichkeit deſſelben für Kleingewehr, während es in Geſchützen wegen der langſameren Entwicklung der Pulvergaſe mit Erfolg angewendet wurde. Bei Erreichung einer Geſchoßgeſchwindigkeit, welche der von Sch hießpulber ver⸗ langten g wurden die Rohrwände, Zündloch und Verſchluß weniger an— gegriffen, als wenn eine äquivalente Schießpul verladung antemennen war. Freilich mußte man ſehr ſtarke Verbrennungsrückſtände in den Kauf nehmen. Wegen dieſes Uebelſandes hat Wynants ſein Pulver zuerſt nur als Sprengmittel empfohlen. Ein ſolches, in den Handel gebrachtes, beſtand aus 76 Thln. Baryt⸗ ſalpeter, 2 Thln. Kaliſalpeter und 22 Thln. Holzkohle, unterſchied ſich alſo kaum von dem Saxifragin. Abel machte darauf aufmerkſam, daß ein langſameres Zuſammenbrennen des Pulvers durch eine Aenderung der procentiſchen Zuſammenſetzung und namentlich der Körnerform und Größe erreicht werden müſſe, anſtatt ein Pulver vorzu— ſchlagen, welches bei Hinterlaſſung eines bedeutenden Rückſtandes in größeren La— dungen angewendet werden Riiß um den gleichen Effect zu erzielen. Andere ſalpeterſaure Salz 916855 noch nicht mit Erfolg zur Bereitung von Pulvermiſchungen gebraucht 11 15 Des Craig'ſ ſchen Vorſchlages iſt am Ein— gange dieſes Capitels gedacht worden. Alle Verſuche, den theuren Kaliſalpeter durch andere ſalpeterſaure Salze zu verdrängen, haben gezeigt, daß derſelbe in bevorzugter Weiſe alle die Eigenſchaften in ſich vereint, welche von einem ſo wichtigen Beſtandtheile eines Schießpulvers verlangt werden. Iſt in der That das reine ſal peterſaure Natron luftbeſtändig, und wird eine wohlfeile Reinigungsmethode des Chiliſalpeters 8e ſo wäre in Anbetracht der größeren Billigkeit und Wil kſamkeit deſſelben eine Ver⸗ drängung des Kaliſalpeters wohl denkbar. Pulverſorten mit chlorſaurem(reſp. überchlorſaurem) Kali. KCIOã&K C109. Während man bei Anwendung ſalpeterſaurer Salze, namentlich des Natron— ſalpeters, von dem Geſichtspunkte ausging, wohlfeilere Miſchungen herzuſtellen, hatte man bei Einführung des chlorſauren Kalis die Erzielung eines größeren Effects im Auge. Wie aus dem Atomgewicht dieſes Salzes hervorgeht, hat daſ— ſelbe zwar, verglichen mit Kaliſalpeter, welchen es erſetzen ſoll, in 100 Theilen weniger Sauerſtoff zur Verfügung, als jener, giebt jedoch denſelben leichter, alſo ſchneller, und vollſtändig ab. So wird die Zerſetzungszeit bedeutend abgekürzt, und die durch beträchtliche Wärmeentwicklung rapid ausgedehnten Gaſe üben einen Druck aus, welcher den Feuerwaffen nicht zugemuthet werden darf. Pulverſorten von ſolcher zerſtörenden Wirkung pflegt man in der Artillerie— technik briſante zu nennen, da die in kurzen Zeiträumen erreichten hohen Span⸗ nungen auf Geſchützwände ꝛc. zerſtörend wirken. en tel yt⸗ lſo des ich zu⸗ La⸗ zon in⸗ zu ten ers dig, ſo 3 2 — W 'on⸗ len, rren daſ⸗ ilen alſo irzt, nen rie⸗ an⸗ Pulver mit chlorſaurem Kali— 9 Zu dieſem phyſikaliſchen Uebelſtand kommt noch ein chemiſcher, indem durch ſolche Pulver die eiſernen Läufe der Feuerwaffen ſtark zu leiden haben; das frei werdende Chlor ſoll auch die Bedienungsmannſchaften der Geſchütze ſtark belä— ſtigen.— Rechnet man zu dieſen Nachtheilen noch die gefahrvolle Fabrikation und Handhabung, ſo begreift man, daß dieſelben nur eine beſchränkte Anwendung gefunden haben. Die Zahl der Vorſchriften zur Bereitung von Miſchungen, welche chlorſaures Kali enthalten, iſt dennoch eine ſehr große. Dieſe werden häufig muriatiſche Pulver genannt, welche Bezeichnung urſprünglich dem Berthollet'ſchen Knall— pulver zukommt; dieſes enthielt an Stelle des Kaliſalpeters im Schießpulver chlor⸗ ſaures Kali. Kellow und Short!)) haben folgende Miſchungen von verſchiedener Lei— ſtungsfähigkeit empfohlen: Chlorſaures Kali..... 12 6 10 Salpeterſaures Natron.. 30 36 10 Salpeterſaures Kali... 8 4 20 Schwefel 10 10— Lohe und Sägeſpäne... 46 50 46 Die in Waſſer gelöſten Salze werden mit der Lohe und den Sägeſpänen zuſammengebracht, Schwefel zugeſetzt und die Maſſe getrocknet; ob dieſelbe gekörnt wird, iſt nicht angegeben. Das durch Reibung oder Hammerſchläge kräftig explodirende Pulver von Knaffle) enthält folgende Ingredienzien: 46 Thle. chlorſaures Kali, 26 Thle. Kaliſalpeter, 15 Thle. Schwefel und 10 Thle. humusſaures Ammoniak. Das letztere wird durch Auflöſen von Humusſäure, welche durch Aetzkali aus Trauben⸗ zucker erhalten wird, in Ammoniak dargeſtellt. Die einzeln fein gepulberten Mate⸗ rialien werden mit Gummiſchleim zu Teig verarbeitet, und, nachdem dieſer gekörnt iſt, mit größter Vorſicht getrocknet. Spences) hat ſich(für England) vier neue Pulverſorten patentiren laſſen, welche ausdrücklich zum Gebrauche in Feuerwaffen beſtimmt ſind. Die Zuſam⸗ menſetzung iſt folgende: für Geſchütz für Handfeuerwaffen a b 0C d Chlorſaures Kali... 20 10 10 10 Steinkohle 2 37¹ 1 574 Doppeltkohlenſ. Natron 83—4 3—4——4 Sägeſpäne 7 3½—— Holzkohle 2 1 2333 5/ Weizeftitehhtt— 2 2½ Kaliſalpeteer—— 7—4 Die Ingredienzien, deren Zweck nicht immer klar iſt, werden mit Waſſer ge— kocht, durch Dampf in offenen Pfannen getrocknet und gekörnt. Statt doppelt⸗ kohlenſaurem Natron kann auch Kali- oder Bleiſalpeter angewendet werden. 99 1) Polyt. Centr.-Bl. 1863, S. 553.— 2) Jahresber. 1866, S. 234.— 3) Ding⸗ ler, polyt. Journ, 172, 229. Üͤ·ꝛ 10 Pulver mit chlorſaurem Kali. Ehrhardty hat folgende Vorſchriften für Schieß⸗ und Sprengpulver ge— geben: Artilleriepulver Sprengpulver Bombenpulver Chlorſaures Kali. 1 1 1 Salpeterſaures Kali.... 1 1— Holzkohle..— 4— Gerbſäure(oder Katechu)... 1 2 1 Sharp und Smith) haben eine Miſchung vorgeſchlagen, welche einige außergewöhnliche Beſtandtheile aufweiſt. Dieſelbe beſteht aus 2 Thln. chlorſaurem Kali, 2 Thln. Kaliſalpeter, 2 Thln. Schwefel, 1 Thl. Weinſtein und 1 Thl. Ferricyankalium. In einer anderen Weiſe iſt das chlorſaure Kali in dem Schießpapier Mel— land'ss) zur Anwendung gelangt. Daſſelbe ſoll bei gefahrloſer und einfacher Darſtellung relativ billiger als Schießpulver ſein, wenig Rauch verurſachen und nur geringen, nicht ſchmierigen Rückſtand hinterlaſſen. Man kocht eine Stunde lang 9 Thle. chlorſaures Kali, 4½ Thle. Kaliſalpeter, 3¼ Thle. Blutlaugen⸗ ſalz, 3¼ Thle. Holzkohle, ½1 Thl. Stärkemehl und /16 Thl. chromſaures Kali mit 79 Thln. Waſſer und taucht in dieſe Löſung ungeleimtes Papier, wel⸗ ches zu Patronen aufgerollt und bei 1009 C getrocknet wird. Um daſſelbe gegen Feuchtigkeit unempfindlich zu machen, wird es mit einer Löſung von Xyloidin“) (1 Thl. in Eſſigſäure(3 Thle. von 1,04 ſpecif. Gew.) überzogen. Die Trieb— kraft des Schießpapiers iſt größer, als die des Schießpulvers.— Das ſogenannte Gaspulver iſt, wie es ſcheint, nur eine Variation des Melland'ſchen Präparats. Niſſers) hat außer einer neuerdings patentirten Miſchung, welche 55 bis 60 Thle. chlorſaures Kali und 45 bis 55 Thle. Weinſtein nebſt wenig Blut⸗ laugenſalz enthält, in zwei frühers) empfohlenen Gemengen das überchlorſaure Kali, KCI 6,, angewandt. Dieſelben beſtehen nach ſeiner Vorſchrift aus: Chlor- oder überchlorſaures Kali.. 10½ 155/ Gelbes oder rothes Blutlaugenſalz. 1½ 274 Kali⸗ oder Natronſalpeter.... 44¹¼ 55½ Pflanzenſtof 6 10 Steinkohhllle.Q 19½ 474 Schweſel 15½ 9 Auf eine etwas veränderte Miſchung Niſſer's“, deren praktiſcher Werth gleich dem der übrigen Sorten nicht bedeutend iſt, ſei hier nur hingewieſen. Unter den Pulverſorten, welche neben chlorſaurem Kali keine ſalpeterſauren Salze enthalten, verdient das weiße Pulver von Augendre's)(deutſches, auch amerikaniſches Weißpulver genannt) mit den Verbeſſerungsvorſchlägen Pohl's“) eine eingehendere Betrachtung. Die urſprüngliche Vorſchrift Augendre's giebt 1) Deutſche Ind.-Ztg. 1865, S. 378.—) Jahresber. 1867, S. 244.— 3) Ding⸗ 9 9 ler, polyt. Journ. 181, 150.— c) Ueber kyloidin vergl. unten S. 16 und 46.— 5) Jahresber. 1870, S. 216.—) Deutſche Ind.⸗Ztg. 1866, S. 178.—“) Wiek's Gewerbeztg. 1869, S. 7.— 8) Dingler, polyt. Journ. 115, 375.— 9) Jahresber. 1861, S. 227 ff. * ite is re th en Pulver von Augendre, Pohl ꝛce. 11 folgende Mengungsverhältniſſe an: 50 Thle. chlorſaures Kali, 25 Thle. Blut⸗ laugenſalz und 25 Thle. weißen Zucker. Die Beſtandtheile werden am beſten feucht in bronzenen Mörſern gemiſcht und auf gewöhnliche Weiſe gekörnt). Pohl hat das weiße Pulver einer ſorgfältigen Prüfung unterworfen; er er⸗ kannte ein Gemenge von folgender Zuſammenſetzung als das wirkſamſte: 49 Thle. chlorſaures Kali, 23 Thle. Zucker und 28 Thle. Blutlaugenſalz. Nahezu ent⸗ ſpricht die Miſchung 3 Aequivalenten chlorſaurem Kali, 1 Aequivalent Zucker und 1 Aequivalent Blutlaugenſalz. Pohl nimmt den einfachſten Verlauf der Exploſion dieſes Pulvers an, indem bei derſelben von gas- reſp. dampfförmigen Producten Stickſtoff, Kohlenoxyd, Kohlenſäure und Waſſer entſtehen, als Rück— ſtand Chlorkalium, Cyankalium und ein Kohleeiſen(Fe Cz) hinterbleiben ſollen. 100 g des Pulvers liefern nach ſeiner Berechnung 52,56 g feſte und 47,44 g gaſige Producte. Dieſe nehmen bei 0o und 760 mm Druck einen Raum von 40 680,4 ebem ein, welcher durch die zu 2604,5“ berechnete Verbrennungs— temperatur auf 431162 ebem vergrößert wird. Die Schlüſſe, welche Pohl aus dieſen, experimentell nicht bewieſenen Spe— culationen zieht, ſprechen zu Gunſten des weißen Pulvers im Vergleich mit dem ſchwarzen. 100 Gew. Thle. des letzteren entſprechen in ihrer Wirkung 60 Thln. des erſteren.(In Volumen 100:77,0. Dieſe geben nur 31,53 Thle. Rück⸗ ſtand, Schießpulver nach Bunſen und Schiskoff?) 68 Thle.— Auch die ge— ringere Flammentemperatur wird als weiterer Vortheil von Pohl hervorgehoben, da mehr Schüſſe ohne zu ſtarke Erhitzung der Feuerwaffen gethan werden können; die Temperatur ſoll ſich zu der durch ein gleiches Gewicht Schwarzpulver hervor— gebrachten, wie 0,779 zu 1 verhalten. Die Berechnung der Flammentemperatur baſirt auf Annahme des oben angedeuteten Verlaufes der Exploſion und auf der niß en⸗ peratur, deren Richtigkeit noch bewieſen werden muß. Daß die factiſchen Ver— brennungsproducte nicht genau den von Pohl angenommenen entſprechen, geht ſchon aus dem Umſtande hervor, daß durch dieſelben der ſchädliche Einfluß des weißen Pulvers auf eiſerne Läufe nicht erklärt wird. Zu den bisher hervorgehobenen Vorzügen zählt Pohl und vor ihm Au— gendre die Luftbeſtändigkeit, leichtere Entzündbarkeit durch Funken,“ Vundelde barkeit in ungekörntem Zuſtande und endlich die größere relative Wohlfeilheit und einfachere Darſtellung. Pohl betont die gefahrloſe Handhabung des weißen Pulvers, wenn die angewandten Materialien rein, namentlich alle Beimengungen von Schwefel- oder Kohletheilchen vermieden ſeien. Nach ihm explodirt daſſelbe nur durch Schlag von Eſen auf Eiſen, nicht durch Reibung. In dieſem Punkte widerſprechen ihm mehrere Beobachtungen. S0 wird mitgetheilt?), daß beim vor⸗ ſichtiſen Mengen der Beſtandtheile zuweilen Exploſionen vorkamen, auch eine Flaſche mit dem weißen Pulver, welche der Juniſonne ausgeſetzt war, erplodirte. Nach Hudſon') detonirt das Pulver durch Schlag eines Hammers auf einer Sbeimmterluge Derſelbe beobachtete, daß das Pulver exploſiver wurde, wenn 1) Vergl. Jahresber. 1860, S. 209.—) Jahresber. 1858, S. 158—170.— 5) Dingler, polyt. Journ, 161, 317.— 9 Dingler, polyt. Journ, 162, 156. EEEE ———————— „—-Sæ+,e2 12 Pulver von Augendre, Pohl. die Beſtandtheile feucht gemiſcht wurden; die Urſache liegt ohne Zweifel in der innigeren, gleichförmigeren Mengung. Die Gefahrloſigkeit der Fabrikation und Handhabung iſt ſomit keineswegs erwieſen; rationelle Verſuche, dieſelbe feſtzuſtellen, ſind noch nicht bekannt gewor— den. Der Vorſchlag Zaliwsky's!), das chlorſaure Kali vor ſeiner Miſchung mit Schwefel, Kohle und anderer Subſtanz mit Oralſäure zu mengen, verdient einer Prüfung unterzogen zu werden. Hat ſchon die nicht wegzuleugnende Gefahr der Einführung des weißen Pul⸗ vers entgegengewirkt, ſo war der andererſeits gemachte Vorwurf, daſſelbe wirke mechaniſch und chemiſch auf die Wandungen von Feuerwaffen ſchädlich ein, nicht minder gewichtig. Mittelſt ſeiner Pulverprobe hat v. Uchatius?) Beſtimmun— gen des durch eine kleine Menge weißen Pulvers bewirkten Gasdrucks ausgeführt. Balliſtiſch waren 0,93 g deſſelben mit 1,82 g öſterreichiſchem Gewehrpulver äquivalent(d. h. dem gleich ſchweren Geſchoß wurde durch beide Ladungen die gleiche Anfangsgeſchwindigkeit ertheilt); dagegen belief ſich der Bodendruck auf 839 reſp. 458 Atmoſphären. Aus dieſen Zahlen geht evident der nachtheilige briſante Einfluß dieſes Pulvers hervor. Da die chemiſchen, orydirenden, Wirkungen ſich vorzugsweiſe in eiſernen Läufen geltend machen, hat man den Gebrauch des weißen Pulvers auf bronzene Feuerwaffen und auf Projectile beſchränken wollen; als Füllung letzterer dürfte ſich daſſelbe wohl am beſten bewähren. Ein Vorſchlag Hudſon's geht dahin, in Hohlgeſchoſſe mit dem weißen Pulver Glaskugeln, welche mit concentrirter Schwefelſäure gefüllt ſind, einzuſchließen. Beim Aufſchlag zerbrechen dieſelben; die Schwefelſäure, mit dem Pulver in Berührung kommend, entzündet daſſelbe.— Daſſelbe Princip iſt bei einer Gattung der ſogenannten Contacttorpedos?) ange— wendet worden, bei welchen die Ladung aus gewöhnlichem Pulver beſteht, die Ent⸗ zündung jedoch durch Vermittlung von weißem Pulver und Schwefelſäure erfolgt. Schließlich iſt noch eine bemerkenswerthe Nutzanwendung des weißen Pul— vers zu erwähnen. Shaw)(in Philadelphia) hat einen Fallhammer conſtruirt, welcher durch Pulverkraft getrieben wird. Das weiße Pulver wird in Patronen angewandt, welche durch den fallenden Hammer entzündet werden. Gegen Ueber— ſteigung eines beſtimmten Druckes iſt Vorſorge getroffen. Neuerdings) iſt eine von Shaw nach demſelben Princip erbaute Rammmaſchine zum Bau des Lan— dungsquais von League Island mit gutem Erfolge benutzt worden. 800 zehn— zöllige Pfähle wurden bis zu einer Tiefe von etwa 6 Metern in ſehr harten Boden eingerammt(in der Stunde 4 bis 5); kein Pfahl zeigte Beſchädigungen. Ein dem Pohl'ſchen völlig gleiches Puloer wurde neuerdings von Eng⸗ land aus als Reveley's“) weißes Pulver empfohlen. Die Beſtandtheile ſollen ohne Reibung durch ein koniſches Sieb gemiſcht werden. Der Preis von 50 Kg wird zu 28/ Thaler angegeben. 1) Compt. rend. 69, 350.— 2) Dingler, polyt. Journ. 161, 146.— 9) Jahres— bericht 1870, S. 221.—) Dingler, polyt. Journ. 193, 356 und 196, 13.— 9 U 7 1 6) Dingler, polyt. Journ. 205, 90.— 0) Jahresber. 1868, S. 300. Pulver von Hafenegger, Hahn ꝛc. 15 Hafeneggere) hat ſich in England ſechs Sorten Spreng- und Schieß— r pulver patentiren laſſen, welche ſich dem Augendre'ſchen mehr oder weniger 8 nähern. Ihre Zuſammenſetzung iſt folgende: 8 J 9 Thle. Thle. Thle. Thle. Thle. Thle. it Chlorſaures Kali.....9 2 4 4 1 11 Schefel!—— 27— A4 ſ Holzkohle/—4— 5 ke Blutlaugenſalz..— f 1——— 9t Zückeettt 1 1 4 1— n⸗ Eine von Hahn) empfohlene Miſchung enthält 367,5 Thle. chlorſaures t. Kali, 168,3 Thle. Schwefelantimon, 18 Thle. Kohle und 46 Thle. Wallrath. er Die drei letzteren Beſtandtheile werden für ſich gemiſcht und erſt vor dem Ge ie brauch mit dem chlorſauren Kali gemiſcht. uf Das Galläpfelpulver Horsley's?) beſteht aus 9 Thln. chlorſaurem Kali ge und 3 Thlu. gepulverten Galläpfeln; das Gemiſch bleibt ungekörnt. Die 1867 in Oeſterreich verſuchte Einführung deſſelben(zu Infanteriegewehrzündgeſchoſſen) en hat ſich nicht bewährt. Endlich ſei noch Callou's?) Minenpulver erwähnt, welches neben chlor— ſaurem Kali nur Operment(Dreifach-Schwefelarſen) enthält. Die in dieſem Capitel betrachteten Pulverſorten können nur eine geringe techniſche Bedeutung beanſpruchen. Die allgemeinen Nachtheile, welche ihre Ein— 155 führung in der Sprengtechnik erſchweren, ſind die mit Bereitung und Handhabung — größerer Quantitäten verknüpften Gefahren und der erhebliche Preis, welcher nur ge⸗ wenig durch die größere Wirkſamkeit herabgedrückt wird. nt⸗ Die große Exploſivität und kräftige Wirkung mancher chlorſaures Kali ent⸗ gt. haltenden Gemiſche machen dieſe beſonders geeignet, die Entzündung von Pulver⸗ ul⸗ ladungen zu veranlaſſen. So werden wir im letzten Abſchnitt dem echlorſauren irt, Kali wieder begegnen, und zwar als einem höchſt wichtigen Gemengtheile von ten Zündſätzen. er⸗ ine n⸗ hn⸗ ten Drittes Capitel. . ug⸗ Pulverſorten mit Surrogaten für Holzkohle. len Kg Solche Gemenge ſind in großer Zahl in den früheren Capiteln aufgeführt“). Dieſe Erſatzmittel, mehr oder weniger an Kohlenſtoff reiche Subſtanzen, haben weniger den Zweck, die Kraft des Pulvers zu ſteigern, als vielmehr die Ent— res⸗ 1) Jahresber. 1869, S. 256.— 2) Jahresber. 1868, S. 301.— 9) Jahresber. — 1862, S. 280.—) Jahresber. 1862, S. 278.— 5) Vergl. S. 5, 6, 7, 9, 10, 10 11, 13. 14 Pulverſorten mit Surrogaten für Holzkohle. zundlichkeit zu vermindern und die Verbrennung zu verlangſamen. Die meiſten der Surrogate hinterlaſſen einen beträchtlichen Rückſtand, und aus dieſem Grunde haben dieſe Pulverſorten keine Anwendung in Feuerwaffen finden können. Indem wir auf die nähere Zuſammenſetzung der einzelnen Pulver verweiſen, ſtellen wir die überhaupt in Vorſchlag gekommenen Surrogate der Holzkohle über— ſichtlich zuſammen: Steinkohle, Koaks— Humusſäure, Gerbſäure, Katechu— Zucker, Sägeſpäne, Lohe, Kleie— als Klebmittel: Leim, Dextrin, Stärkekleiſter, Gummi— gelbes und rothes Blutlaugenſalz, Weinſtein, Seignetteſalz. 7 —— QQt.——— Zweiter Abſchnitt. Die durch Einwirkung der Salpeterſäure auf organiſche Subſtanzen entſtehenden exploſiven Körper. „Die große Claſſe der durch Nitrificirung organiſcher Subſtanzen erhaltenen Exploſivſtoffe, zu welchen Schießbaumwolle, Nitroglycerin und Knallqueckſilber als Hauptrepräſentanten gehören, hat in neueſter Zeit beſondere Aufmerkſamkeit erregt. In der That haben ſich die wichtigſten dieſer Körper in Folge ihrer kräftigen Wirkungen als Sprengmittel neben Schwarzpulver eingebürgert, haben ſogar daſſelbe vielfach zu verdrängen gewußt. Durch Verbeſſerungen mannigfacher Art hat man verſucht, die Nachtheile, welche Körpern von ſo labilem chemiſchem Gleichgewicht eigenthümlich ſind, zu beſeitigen. Manche anfangs, wie es ſchien, unüberſteigliche Hinderniſſe, welche der Einführung der Schießbaumwolle und des Nitroglycerins entgegentraten, ſind ſchon weggeräumt worden. Die in dieſem Abſchnitte zu beſprechenden Körper haben, obwohl ſie alle durch Einwirkung von Salpeterſäure entſtehen, keineswegs gleichen chemiſchen Charakter. Der häufig für dieſelben gebrauchte Ausdruck,Nitroverbindungen“ iſt nicht immer der correcte. So gehören wohl die Pikrinſäure und das Knall— queckſilber zu den Nitrokörpern, da ſie die Nitrogruppe NOꝛ ein oder mehrere Male an Stelle von einem oder mehreren Waſſerſtoffatomen enthalten; die übrigen Präparate ſind dagegen— mit Ausnahme der einer anderen Körperclaſſe ange— hörenden Diazoverbindungen— nach der jetzt allgemein getheilten Auffaſſung Aether der Salpeterſäure. In beiden Fällen tritt als Nebenproduet Waſſer aus; nur bei der Bildung des Knallqueckſilbers iſt der Proceß complicirter, jedoch noch nicht genügend aufgeklärt. Nach dieſen allgemeinen Bemerkungen über die Conſtitution und Bildungs— weiſe der hierher gehörenden Körper ſei der eingehenden Beſprechung derſelben die allgemeine Anordnung des Stoffes vorangeſtellt. Wir beginnen mit den Pyroxylinſubſtanzen, welche ſich von der Holzfaſer und gleich zuſammengeſetzten Stoffen ableiten. Die Leichtigkeit, mit der die IIIIIC 16 Schießbaumwolle. en Gebilde von ſtarker Salpeterſäure in exploſive Körper umgewandelt Materialien und andere Umſtände haben organiſch werden, die relative Wohlfeilheit der die Zahl der Pyroxyline zu einer bedeutenden heranwachſen laſſen.— Von gerin gerer Bedeutung ſind die aus Zuckerarten entſtehenden Exploſivkörper(Nitroman— nit, Nitrozucker ꝛc.), welche ſich den Pyroxylinen anſchließen ſollen.— Die Ge— menge, welche Pikrinſäure und deren Salze enthalten, werden ſodann beſchrieben werden, und dieſen folgt Nitroglycerin mit ſeinen Präparaten(Dynamit, Litho⸗ fracteur, Dualin u. a.), welchen in neueſter Zeit eine wichtige, wenn nicht die bedeutendſte Rolle in der Sprengtechnik zugefallen iſt. Im letzten Capitel endlich wird die Darſtellung des Knallqueckſilbers(an— Knallſilbers und Goldes) beſprochen werden. Die Zündhüt— hangsweiſe die des arats darſtellt, iſt chenfabrikation, welche die Hauptanwendung dieſes Knallpräp dem letzten Abſchnitt vorbehalten, welcher außerdem die wichtigſten Zünd⸗ und Feuerwerksſätze behandeln wird. Erſtes Capitel. Schießbaumwolle(Synon. Guncolton. Coton fulminant, poudre— coton, fulmicoton).(Als Anhang Collodium.) Geſchichtliches über Pyroxylinſubſtanzen), ſpeciell Schießbaumwolle. Die erſte Pyroxylinſubſtanz entdeckte 1832 Branconnot') in dem von ihm Xyloidin genannten, aus Stärkemehl, Holzfaſer und verwandten Stoffen durch con— centrirte Salpeterſäure dargeſtellten Körper. Dieſer, wenn aus Stärke erhalten, ein weißes Pulver, verbrannte lebhaft ohne Rückſtand. Pelouze?) nahm 1838 dieſe Unterſuchung wieder auf, conſtatirte, daß das Xyloidin bei 1800 ſich entzünde, jedoch auch ſchon durch ſtarken Druck oder Schlag explodire, und empfahl den 1) Der Name Pyrorylin oder Pyrorylol iſt von Pelouze(Berzelius, Jahres-⸗ bericht der Chemie 27, 418) vorgeſchlagen worden und ſollte urſprünglich als Collectiv— begriff alle durch Salpeterſäure aus Holzfaſer(Papier, Baumwolle, Stroh, Holzſpäne ꝛc.) entſtehenden Producte umfaſſen. Jedoch bezeichnet man jetzt häufig den Hauptrepräſen—⸗ tanten dieſer Claſſe, die Schießbaumwolle, als Pyrorylin; von dieſer wäre dann Collo⸗ diumwolle durch die Bezeichnung„lösliches Pyroxylin“ zu trennen. Wir ziehen vor, Pyrorylin als Collectivbegriff anzuwenden, wenn auch den aus Holzfaſer erhaltenen Pro⸗ ducten nicht immer dieſelbe chemiſche Conſtitution zukommt.— 2) Berzelius, Jahres— ber. 14, 325.— 9) Compt. rend. 1838, S. 713. ä—— H—— ũ:!—— ꝑ ꝑ—rb—3— —.9——9—..—— ͤ—ꝓ4ä—4i1478Qũ—:—2C.:— * Schießbaumwolle.— Geſchichtliches. Gebrauch deſſelben in der Feuerwerkerei. Auch Dumas war durch Behandlung 5 von Papier oder Pappe mit ſtarker Salpeterſäure zu einem exploſiven Präparat, 0 welches er Nitramidin nannte, gelangt, welches auch er in gleicher Weiſe, wie n⸗ Pelouze, zu verwerthen gedachte. 955 Ihre Vorſchläge fanden jedoch keinen Beifall, zumal da es ihnen noch nicht 1n gelungen war, Producte von gleichmäßiger Wirkung und genügender Haltbarkeit 105 herzuſtellen. In ein völlig neues Stadium tritt die Geſchichte der Pyrorylinſub⸗ die ſtanzen mit der Entdeckung Schönbein's(in Baſeh) welche er Ende 1845 an⸗ kündigte, und die darin beſtand, daß ſich Baumwolle auch durch kurze Behandlung f mit Salpeterſäure, ohne ihre pflanzliche Structur zu verändern, in einen höchſt üt⸗ erploſiven Körper umwandele. Schönbein nannte denſelben Schießbaumwolle iſt(oder Schießwolle) und tellte mit Erfolg Schieß⸗ und Sprengverſuche mit dem⸗ 115 ſelben an. Böttger(in Frankfurt), mit gleichen Verſuchen beſchäftigt, gelangte ebenfalls zu einer exploſiven Baumwolle(im Auguſt 1846). Beide Forſcher vereinigten ſich und boten dem deutſchen Bunde ihre Erfindung an; dieſer knüpfte an die in Ausſicht geſtellte Nationalbelohnung die Bedingung, die Schießwolle müſſe nicht nur im Stande ſein, das Schießpulver in jeder Beziehung zu erſetzen, ſondern noch Vorzüge vor demſelben beſitzen. Zur Prüfung der Schießbaumwolle wurde eine Commiſſion beſtimmt, die Veröffentlichung der Bereitungsmethode noch verſchoben. Unterdeſſen machte Otto(in Braunſchweig) bekannt(in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 5. Oct. 1846), daß es ihm gelungen ſei, durch etwa eine 5 halbe Minute lang dauerndes Eintauchen von gereinigter Baumwolle in höchſt concentrirte Salpeterſäure, darauf folgendes ſorgfältiges Auswaſchen und Trocknen ein exploſives Präparat von den Eigenſchaften der Schönbein'ſchen Schießwolle zu gewinnen. Jetzt wurden von vielen Seiten die mannigfaltigſten Verſuche angeſtellt, das Otto'ſche Verfahren, durch welches die Baumwolle ſtark verfilzt wurde, paſſend abzuändern. Faſt gleichzeitig fanden W. Knop(in Leipzig), ſowie Heeren und Karmarſch(in Hannover) die vortheilhafteſte Bereitungs— art durch Anwendung eines Gemiſches von Salpeterſäure und Schwefelſäure, 15 welches auch von Schönbein und Böttger ſchon angewendet wurde. Der Vor— 80 15 theil des Säuregemiſches beſteht einmal und vorzüglich darin, daß die concentrirte 1185 Schwefelſäure das bei der Reaction gebildete Waſſer aufnimmt, die noch übrige 8 Salpeterſäure alſo concentrirt erhält; ſodann iſt das Volumen der Flüſſigkeit größer, inde, ſo daß vollſtändigere, alſo gleichmäßigere Benetzung der Baumwolle ſtattfinden den kann. Später ſollte eine Vereinfachung der Fabrikation durch den Vorſchlag Millon's und Gaudin's) erzielt werden, ſtatt des Säuregemiſches ein friſch hres⸗ bereitetes Gemenge von Salpeter und Schwefelſäure anzuwenden. ectiv⸗ Auch in Frankreich, England und Rußland waren Verſuche gemacht worden, ne ꝛe.) die Schießbaumwolle ſtatt des Schießpulvers einzuführen. Dieſelben wurden räſen⸗ ebenſo, wie die der Bundescommiſſion, nicht mit Erfolg gekrönt. Die bedeutendſte Collo⸗ Schwierigkeit, mit der man zu kämpfen hatte, beſtand in der Herſtellung eines 11 haltbaren, nicht der freiwilligen Zerſetzung unterliegenden Productes. Man hatte Fro⸗ ihres— N 0 ) Compt. rend. 28, 269. Erploſivkörper und Feuerwerkerei— 18 Geſchichtliches über Schießbaumwolle. zu wenig Werth auf Reinigung der urſprünglichen Baumwolle gelegt, deren fettige Beſtandtheile an der Nitrificirung Theil nahmen und die Entſtehung eines zer— ſetzbaren Präparates veranlaßten. Solche ſchlecht bereitete Schießwolle war wohl die Urſache von mehreren, ohne äußere Veranlaſſung 1848 in England und Frankreich vorgekommenen Exploſionen. Dieſer Umſtand in Verbindung mit den damaligen politiſchen Ereigniſſen drängte die Schießwollfrage in den Hinter— grund. In Deutſchland nahm man die Verſuche ſehr bald wieder auf, da es einem Commiſſionsmitgliede, dem damaligen Hauptmann v. Lenk, durch unermüdliche Anſtrengung gelungen war, eine Schießwolle herzuſtellen, welche ſich durch Halt— barkeit und gleichmäßige Wirkung vor der bisher benutzten auszeichnete. Ver⸗ ſuche, welche in den Jahren 1849 bis 1852 angeſtellt wurden, befeſtigten das günſtige Urtheil über die Lenk'ſche Schießbaumwolle, und ſo kam im Jahre 1853 zwiſchen der öſterreichiſchen Regierung und Schönbein-Böttger ein Vertrag zu Stande, in welchem dieſe ihre Erfindung abtraten. Unter Lenk's Leitung wurde 1853 die Schießwollfabrik zu Hirtenberg bei Wien angelegt, welche bis Ende 1865 beſtand, in welchem Jahre die Schießwolle für Oeſterreich officiell abgeſchafft wurde(wohl in Folge zweier 1862 und 1865 ſtattgefundener Exploſionen von Magazinen, deren Urſache nicht zu ermitteln war). Während dieſes Zeitraumes waren zahlreiche Verſuche, namentlich Schieß— übungen mit neu errichteten„Schießwollbatterien“ angeſtellt worden, welche in mancher Hinſicht die gehegten Erwartungen übertrafen. Da ſich jedoch im Laufe der Zeit Bedenken einſchlichen, die Geſchützröhre möchten darunter leiden, neigte man ſich einer Beſchränkung im Gebrauch der Schießbaumwolle zu, indem man dieſelbe ausſchließlich zu Sprengzwecken und zur Füllung von Hohlgeſchoſſen(auch Torpedos) anzuwenden gedachte. Während dieſe Frage noch der Entſcheidung harrte, und obwohl weitere Verbeſſerungen von v. Lenk erzielt waren, erfolgte die Einſtellung der Fabrikation. In England wurden etwa zu dieſer Zeit umfaſſende Verſuche wieder aufge— nommen. In einer nach dem Hirtenberg'ſchen Muſter angelegten Fabrik von Prentice(in Stowmarket) wurde die Schießwolle nach Lenk'ſcher Vorſchrift dar— geſtellt. Der um die Schießpräparate ſehr verdiente Chemiker des engliſchen Kriegs— departements, Abel, hat im Lauf der folgenden Jahre einige Abänderungen im Verfahren eingeführt, welche, obwohl ſcheinbar geringfügig, doch von weſentlicher Bedeutung zu ſein ſcheinen. Die Fabrikation in Stowmarket hat einen mächtigen Aufſchwung genommen, und es iſt nicht zu bezweifeln, daß die Schießbaumwolle, wenn ſie auch nicht vollſtändig das Schießpulver erſetzen wird, doch zu einigen der wichtigeren Zwecke eingeführt werden wird, und ihr ſomit eine hervorragende Stellung unter den chemiſchen Producten beſtimmt iſt. In Frankreich hatte man zu le Bouchet ebenfalls die Schießwollfabrikation wieder aufgenommen, aber dieſelbe bald eingeſtellt, da man kein haltbares, gleich— mäßiges Product erhalten konnte. Die in kurzen Zügen dargelegte Entwicklungsgeſchichte der Schießbaum— wolle zeigt, daß v. Lenk der Erſte war, welchem die Darſtellung eines durch aufe eigte man auch dung olgte ifge⸗ von dar⸗ im icher tigen olle, ligen jende ation eich⸗ zum⸗ rch Fabrikation der Schießbaumwolle. Haltbarkeit am meiſten zum Erſatz des Schießpulvers geeigneten Präparats gelang. Das Verdienſt der erſten Entdeckung, welches Pelouze für ſich in Anſpruch nahm, gebührt— darüber kann kein Zweifel walten— Schönbein. Denn jener konnte nicht den Beweis führen, daß er die wirkliche Schießbaumwolle in Händen ge— habt habe. Die geſchichtliche Skizze zeigt ferner, welches Aufſehen die Entdeckung der Schießwolle gemacht und mit welchem Intereſſe man dieſelbe auszunutzen geſucht hat. Ihr, vielfach angezweifelter, Werth geht vielleicht am deutlichſten aus den trotz häufiger Mißerfolgſe immer von Neuem wieder aufgenommenen Verſuchen, dieſen intereſſanten Körper in die Technik einzuführen, hervor. Fabrikation der Schießbaumwolle. Die Materialien, welche zur Bereitung der Schießbaumwolle dienen, ſind an ſich ſehr einfach und leicht zu beſchaffen. Die Baumwolle wird von einem zu der Familie der Malvaceen gehörenden Strauch(Gossypium arboreum und Gossypium herbaceum) producirt. Obwohl dieſelbe nicht das einzige Geſpinnſt iſt, welches reine Holzfaſer darſtellt, iſt ſie doch das beſte Material!) wegen des hohen Grades von Reinheit der Celluloſe und wegen der zarten, dünnwandigen Structur ihrer Faſern, welche leicht und vollſtändig der Einwirkung der Säure zugänglich ſind. Die beliebteſte Sorte Baumwolle iſt unter der Bezeichnung „Sea Island“ bekannt und wird benutzt, nachdem ſie in den Spinnereien von den mechaniſchen Verunreinigungen, wie Staub, Samenkapſeln ꝛc., befreit und zu einer lockern Maſſe durch Krempeln gekämmt oder auch loſe gezwirnt worden iſt. Von der richtigen Qualität und relativen Quantität der Materialien hängt die Güte des Productes ſo weſentlich ab, daß über dieſe Verhältniſſe einige allge— meine Bemerkungen nöthig ſind. Die Reinheit der Baumwolle iſt ein Haupt⸗ erforderniß; dieſelbe wird daher nach den beſten Vorſchriften möglichſt entfettet und vollſtändig getrocknet. Sodann bildet die Stärke der Säuren ein wichtiges Mo— ment; ſie werden meiſtens concentrirt, aber in verſchiedenen Miſchungsverhält⸗ niſſen angewendet. Die wohl immer benutzte Schwefelſäure iſt die engliſche(von dem ſpecif. Gewicht 1,85); die Salpeterſäure(von dem ſpecif. Gewicht 1,45 bis 1,50) muß möglichſt rein, namentlich chlorfrei ſein, weil eine ſolche nach Bley's Angabe eine geringere Ausbeute an exploſivem Product veranlaßt. Die Concentration der Säuren iſt höchſt wichtig, da die Producte nach dem Grade derſelben verſchieden ausfallen. Wird eine verdünntere Salpeterſäure mit mäßiger Erwärmung ange— wendet, ſo bildet ſich die ſogenannte Collodiumwolle, welche, nur wenig exploſiv, mit Rückſtand verbrennt, ſich jedoch in weingeiſtigem Aether löſt(Collodium) ) Berard GCahresber. 1867, S. 358) verwendet zur Schießwollbereitung Scher— wolle oder Scherflocken(tontisses). Die vielfach als Surrogat für Baumwolle empfoh— lene Jute hat bisher noch keinen Eingang gefunden. 2*³* 20 Fabrikation der Schießwolle. Ueber die Quantität der Säuren im Verhältniß zur Baumwolle ſtimmen alle Vorſchriften darin überein, daß eine relativ große Menge des Säuregemiſches angewendet werden müſſe, damit die Verdünnung durch das bei der Reaction gebildete Waſſer nicht merklich ſei. Die Dauer der Einwirkung des Säuregemiſches auf die Baumwolle, welche nach den Vorſchriften außerordentlich varürt, ſcheint nicht von ſolcher Bedeutung zu ſein, wie die Einhaltung einer mäßigen Temperatur. Erwärmt ſich das Säure— gemiſch, ſo geht die Zerſetzung weiter, mehr oder weniger wird die Baumwolle oxydirt und ein exploſives Präparat entſteht gar nicht. Sodann iſt die vollſtändige Reinigung des Rohproductes von Säure ein äußerſt wichtiges Moment der Fabrikation, da von derſelben in erſter Linie die Haltbarkeit der Schießwolle abhängt. Während bis zu dieſem Stadium die Bereitung mit keiner Gefahr verbunden iſt, erfordert das zur Fertigſtellung nothwendige Trocknen, welches bei einer Tem— peratur von höchſtens 50 bis 600 erfolgen ſoll, die allergrößte Vorſicht. Die erzielte Ausbeute an fertigem Präparat kommt bei gut geleiteter Fabri⸗ kation der theoretiſch geforderten ziemlich nahe. Dieſe beträgt 183,3 Thle., wenn 100 Thle. Baumwolle vollſtändig umgewandelt werden. Beobachter, welche Verſuche mit kleinen Mengen anſtellten, wie Abel Y), erhielten bis zu 182,5 Thln. Schießwolle, während bei regelmäßigem Fabrikbetrieb(zu Hirtenberg, le Bouchet und Stowmarket) 155 bis 176 Thle. aus 100 Thln. Baumwolle erzielt wurden. Die eben angedeuteten Grundzüge der Schießwollfabrikation finden wir mehr oder weniger ſcharf in den zahlreichen Vorſchriften eingehalten, welche theils eingehend, ſoweit ſie beſonders wichtig geworden ſind, beſchrieben werden ſollen, theils kurz anzuführen ſind. Alle beziehen ſich auf Bereitung möglichſt exploſiver (unlöslicher) Schießbaumwolle. Die Darſtellungsmethoden der löslichen Collo— diumwolle ſollen am Ende dieſes Capitels abgehandelt werden. Das zuerſt bekannt gewordene Verfahren Otto's?) beſteht darin, daß Baumwolle eine halbe Minute lang in concentrirte Salpeterſäure, welche aus 10 Thla. Kaliſalpeter mit 6 Thln. engliſcher Schwefelſäure erhalten iſt, getaucht wird; dann wird das Product gut ausgewaſchen und auseinander gezupft, da es ſtark verfilzt iſt. Schönbein wandte zuerſt ein Gemiſch von Schwefelſäure und Salpeterſäure an, und zwar 3 Gew. Thle. der erſteren(ſpecif. Gewicht 1,85) und 1 Gew. Thl. der letzteren(ſpecif. Gewicht 1,45 bis 1,5)(oder auf 1 Vol. Salpeterſäure 2,3 Vol. Schwefelſäure). In einem Porzellan- oder Glasgefäß tauchte er in dieſe Miſchung bei einer Temperatur von 10 bis 15“ die Baumwolle, und zwar 1 Thl. derſelben auf 20 bis 30 Thle. des Gemiſches. Nach einſtündiger Einwirkung wird die Flüſſigkeit abgegoſſen und das Product gründlich gewaſchen; um die letzte Säureſpur zu entfernen mit dünner Pottaſchelöſung, und ſchließlich wieder mit Waſſer, um die gebildeten Salze zu löſen. Die ausgepreßte, noch feuchte U ) Dingler, polyt. Journ. 185, 148.— 2) S. S. 17. nen hes ion ſche ing tre⸗ olle ein die den em⸗ bri⸗ hle., lche hlu. ichet zielt wir yeils llen, ſiver ollo⸗ äure Thl. äure dieſe Thl. kung mdie ieder uchte Fabrikation der Schießwolle. 21 Schießbaumwolle wird mit einer 0,6 procentigen Löſung von Kaliſalpeter getränkt und nach ſtarkem Auspreſſen getrocknet(bei 650). Dies urſprüngliche Verfahren Schönbein's wurde von Th. Taylor), auf deſſen Namen daſſelbe in England patentirt wurde, nur inſoweit modificirt, daß er vorſchrieb, 1 Thl. Baumwolle auf 14 Thle eines Gemiſches von gleichen Volumen Salpeter- und Schwefelſäure anzuwenden. Gladſtone erhielt nach Schönbein's Verfahren aus 100 Thln. Baumwolle 173 bis 175 Thle. Schießwolle. Karmarſch und Heeren ſowie Knop?) laſſen die Baumwolle 4 bis 5 Minuten in dem Säuregemiſch eingetaucht, welches nach erſteren aus 2 Gew. Thln. engl. Schwefelſäure und 1 Gew. Thl. rauchender Salpeterſäure, nach Knop aus gleichen Volumen beider Säuren beſteht. Walter Crum!) reinigt zunächſt die gekämmte Baumwolle durch Kochen mit verdünnter Natronlauge, bleicht ſie mittelſt Chlorkalklöſung und wäſcht nach kurzem Eintauchen in verdünnte Salpeterſäure mit Waſſer gut aus. Durch dieſen Proceß verliert die Baumwolle 5,6 Proc. ihres Gewichtes; eine Probe der gereinigten hinterließ nur 0,09 Proc. Aſche. Die durch Dampfheizung getrocknete Baumwolle wird gut vertheilt in einem Gemiſch von 1 Vol. Schwefelſäure(ſpecif. Gewicht 1,84) und 3 Vol. Salpeterſäure(ſpecif. Gewicht 1,517)(1 Thl. Baum⸗ wolle in 48 Thlu. Gemiſch) liegen gelaſſen und nach ſorgfältigſtem Auswaſchen an freier Luft getrocknet. Crum erhielt aus 100 Thlu. getrockneter Baumwolle 178 Thle. Schießwolle. Kerkhoff und Reuter) wenden 1 Thl. Baumwolle auf 48 Thle. eines Gemiſches an, welches aus gleichen Gewichtstheilen ſtarker Salpeter- und Schwefel— ſäure beſteht; ihre Ausbeute belief ſich auf 176 Thle. Zu le Bouchet 5)(bei Paris), wo früher große Mengen Schießbaumwolle zu militäriſchen Zwecken fabricirt wurden, hatte man folgendes Verfahren als das geeignetſte erkannt: 200 g Baumwolle werden in 2 Liter eines Gemiſches aus 2 Vol. engl. Schwefelſäure und 1 Vol. Salpeterſäure(ſpecif. Gewicht 1,5) eine Stunde lang eingetaucht. Das Rohproduct wird durch Abpreſſen von einem Theil(etwa 7/10) der Säure befreit und dann 1½¼ Stunden in fließendem Waſſer gewaſchen; nach abermaligem Preſſen wird Aſchenlauge zum Entfernen der Säure— reſte angewandt, noch einmal in fließendem Waſſer gewaſchen, und die ausgepreßte Schießwolle auf leinenen Tüchern, welche von einem auf 600 erwärmten Luftſtrom umſpült ſind, getrocknet. Die Ausbeute betrug im Durchſchnitt 165,25 Thle.(bei Anwendung von 100 Thln. trockner Baumwolle). Das häufige und ſtarke Preſſen der mit Säure imprägnirten Schießbaum— wolle ſoll nach Melſens“) das ſpätere Auswaſchen bedeutend erſchweren. Bei dem Lenk'ſchen) Verfahren iſt ſtarkes Auspreſſen überhaupt vermieden. Dieſe Methode verdient eine eingehende Beſprechung, da das nach derſelben erhaltene Product als Schieß- und Sprengpräparat zuerſt den meiſten Anforderungen ent— ſprach, und weil das in England jetzt übliche Verfahren auf dem Lenk'ſchen fußt. 1) Phil. Mag. J3J 31, 152.— 2) Compt. rend. 23, 808.— 9) Journ. prakt. Chem. 41, 201.— 9 Journ. prakt. Chem. 40, 268 u. 284.— 6) Vergleiche Jahres— ber. 1864, S. 234 bis 243, u. Compt. rend. 59, 363.— 6) Liebig, Jahresber. 1865, S. 785.— 7) Vergl. Dingler, polyt. Journ. 178,145. Jahresber. 1863, 310. —.——————.0 Lenk'ſches Verfahren. v. Lenk hatte erkannt, von welchem Einfluß die Reinheit der Baumwolle und die Entſäuerung der Schießwolle auf die Güte des Productes ſei, und hatte daher dieſe beiden Punkte beſonders ins Auge gefaßt. Nach ſeinem Verfahren arbeiteten zwei Fabriken, zu Hirtenberg und die von Reny in Wien(ie erſtere ausſchließlich für militäriſche Zwecke). Daſelbſt verfuhr man auf folgende Weiſe: Die Baumwolle wird von den Fettſtoffen durch 2 bis 8 Minuten langes Eintauchen in eine ſiedende Pottaſchelöſung von 1,02 ſpecif. Gewicht befreit. Man hängt die Baumwolle in geſponnenen Strängen(Vorgeſpunſt)(à85 Gramm) an Häkchen in die Löſung. Sind die Fette verſeift, ſo wird die Pottaſchelöſung aus den Strängen mittelſt einer Centrifugaltrocknungsmaſchine(Hydroextracteur) möglichſt entfernt. Sodann wird die Baumwolle in zinkblechernen Körben durch Hin⸗ und Herſchwenken mit Waſſer gewaſchen, nochmals ausgeſchleudert, und ſchließlich ſcharf getrocknet. Die Säuremiſchung wird auf die Weiſe bereitet, daß die Salpeterſäure von mindeſtens 1,48 bis 1,49 ſpecif. Gewicht(bei 140 R.) und die Schwefelſäure von 1,835 ſpecif. Gewicht in dünnem Strahl aus Ablaßhähnen in einem Steingut— gefäß zuſammenfließen und gemiſcht werden und zwar im Verhältniß von 1 zu 3 (dem Gewicht nach). Das Gemiſch wird erſt nach Abkühlung angewendet. Je zwei der präparirten Stränge werden mit dem 300 fachen Gewicht des Säuregemiſches, welches ſich in einem gußeiſernen wannenartigen Tauchapparat befindet, in innige Berührung gebracht dadurch, daß dieſelben mit einer Schaufel bewegt und gelinde gedrückt werden. Die Baumwolle ſoll, wenn vollſtändig im— prägnirt, ein fettähnliches Ausſehen haben. Iſt der Sättigungspunkt(nach weni— gen Minuten) erreicht, ſo bringt man die Stränge auf einen über dem Behälter befindlichen Roſt und läßt die überſchüſſige Säure abtropfen, was durch ſanftes Preſſen zu beſchleunigen iſt. 1 Thl. Baumwolle ſoll nach dieſer Procedur um mindeſtens 9½ Theile zugenommen haben. Sind eirca 2 Kg Baumwolle ver— arbeitet, ſo muß das Säuregemiſch vollſtändig erneuert werden. Wenn ſechs Stränge ſo zubereitet ſind, welche alſo in dieſem Zuſtand 5/ Kg wiegen ſollen, ſo werden dieſelben in einem Topf von Steingut 24 bis 48 Stunden gelaſſen, in welchem eine Tuchſcheibe mit leichtem Druck ſo auf die Stränge gelegt iſt, daß dieſelben von der imprägnirenden Säure bedeckt ſind. Während dieſer Zeit, in der ſich die Nitrification vollenden ſoll, ſtehen die Töpfe in einem Local, deſſen Temperatur nicht unter 5“ und nicht über 25“ ſteigen darf. Im Winter iſt daher Heizung, im Sommer zuweilen Abkühlung(durch fließendes Waſſer) erforderlich. Während der erſten 2 bis 6 Stunden müſſen die Töpfe überwacht werden, damit einer etwaigen Erwärmung rechtzeitig durch Abkühlen vorgebeugt werden kann. Nach Ablauf dieſer Zeit wird die rohe Schießbaumwolle in dem Hydro— extracteur vom Säureüberſchuß befreit, ſodann mit einem großen Quantum Waſſer in kupfernen Waſchtrommeln in Berührung gebracht und endlich 3 bis 6 Wochen in fließendes Waſſer gelegt(in ſogenannteu Wollwaſchkäſten). Das ſoweit gereinigte Präparat wird mit kochender Pottaſchelöſung(von 1,02 ſpecif. Gewicht) 7276— 2—— — Fabrikation nach Abel. 23 behandelt, dann ausgeſchleudert, nochmals mit Waſſer gewaſchen, wiederum ausge— ſchleudert und dann bei 25%w an der Luft getrocknet. Nachdem ſo der letzte Säurereſt fortgenommen iſt, wird die Schießbaum— wolle in eine Natronwaſſerglaslöſung(von 1,072 ſpecif. Gewicht) einige Zeit getaucht, nach dem Herausnehmen ausgeſchleudert und 3 Tage lang der Luft aus— 4 geſetzt. Während dieſer Zeit wird das kieſelſaure Natron durch die Kohlenſäure 8 der Luft zerſetzt, und Kieſelſäure oder ein unlösliches Silicat ſchlagen ſich auf die Faſer der Schießwolle nieder(der ſogenannte Silicirungsproceß). Zum Schluß wird das Product nochmals in fließendem möglichſt weichem Waſſer gewaſchen, dann ausgeſchleudert und im Freien oder in einem Trocken— hauſe bei höchſtens 35“ getrocknet. Directes Sonnenlicht iſt zu vermeiden. Die Ausbeute betrug im Durchſchnitt nach jahrelangen Erfahrungen 165 bis 167 Thle. bei Anwendung von 100 Thln. trockner Baumwolle. Die fertige Schießbaumwolle wurde einer genauen Prüfung in Beʒzug auf 1 ihre Structur und mittelſt der Stangenprobe) unterworfen; bei dieſer ſollten 0,39 9(6 Gran) 420 ſchlagen; ein Product von geringerer Stärke durfte nur zu Sprengzwecken benutzt werden. Bei der Unterſuchung des äußeren Habitus iſt die wohlerhaltene Structur maßgebend; Stränge mit zerriſſenen Fäden werden als ſchlecht ausgeſchieden. In der eben geſchilderten Weiſe wurde mit einer peinlichen Sorgfalt die Schießbaumwolle während einer Reihe von Jahren in Oeſterreich angefertigt. Wurde die Darſtellung auch im Jahre 1865 eingeſtellt, ſo iſt doch die Lenk'ſche Methode in ihren Hauptzügen in die zu Stowmarket betriebene Fabrikation 5 der Schießwolle übergegangen. Wir haben bei Betrachtung von dieſer weſentlich 5 nur die von Abel erzielten Verbeſſerungen zu beleuchten. In der Patent Satety Guncotton factory zu Stowmarket wird jeder Baum⸗ 8 wollenabfall, nachdem er gelockert, entfettet und getrocknet iſt, benutzt; ein Centner 5 kommt an Ort und Stelle etwa auf 12 Thaler zu ſtehen. Der Nitrificirungs— proceß iſt ganz dem Lenk'ſchen entſprechend. Die Berührung mit dem Säure— 8 gemiſch, welches aus 1 Thl. Salpeterſäure(von 1,52 ſpecif. Gewicht) und 3 Thln. Schwefelſäure(ſpecif. Gewicht 1,85) beſteht, die Ausſchleuderung und erſte Aus— waſchung: alle dieſe Operationen ſind dem Lenk'ſchen Verfahren entnommen. 8 Eine Abweichung von dieſem beſteht darin, daß das Ausſchleudern und Auswaſchen dreimal wiederholt wird. Die weſentlichſte Verbeſſerung hat Abel durch die folgende Procedur er— reicht: Das ſoweit bearbeitete Product wird mit Waſſer in einer dem Holländer ˖ der Papierfabriken ähnlichen Maſchine(rag engine) zerkleinert. Während hier— durch ſchon weitere Reinigung ſtattfindet, wird dieſelbe noch vollſtändiger durch Bearbeitung der Schießwolle in einer Poaching-Maſchine, in welcher dieſelbe 5 mit warmem Waſſer, welches häufig zu erneuern iſt, umhergeſchlagen wird. Durch — 1) Siehe Upmann, das Schießpulver S. 184.— 2) Chem. News 14, 18 u. 250, 2 S 15, 203.— Dingler's polyt. Journ. 185, 154, ff.— Jahresber. 1871, S. 304. ——— 24 Eigenſchaften der Schießwolle. dieſes Verfahren wird die Reinigung, welche nach Lenk 6 bis 8 Wochen in An— ſpruch nahm, in 2 bis 3 Tagen erreicht). Die breiförmige Maſſe wird ſchließ— lich in eylindriſche Formen mit ſolchem Drucke gepreßt, daß die reſultirende com— primirte Schießwolle etwa das ſpecifiſche Gewicht 1 beſitzt. Die Verdichtung geſchieht zuerſt mit einfachen Hebelpreſſen, ſodann mit ſtarken hydrauliſchen Preſſen (unter einem Druck von 600 Atmoſphären). Zur Vermeidung jeder Gefahr ſoll der Schießwollbrei 25 Proc. Waſſer mindeſtens enthalten. Das Trocknen der fer— tigen Patronen) findet auf eiſernen Platten durch heiße Luft ſtatt(früher durch Dampfheizung). Die Fabrikation nach Lenk'ſchen Principien mit Abel's Verbeſſerungen iſt, da ſie bis zum Trocknungsproceß nur mit naſſer Schießbaumwolle zu thun hat, bis auf dieſen durchaus gefahrlos. Die Ausbeute iſt eine befriedigende(nach mehreren Angaben 171 bis 176 Thle.). So dürfte die jetzt in England eingeführte Schießwollfabrikation die höchſte Stufe darſtellen, welche bisher auf dieſem Felde erreicht worden iſt, indem mit Erzielung eines reinen, deshalb haltbaren und gleichmäßig wirkenden Productes eine relativ gefahrloſe und gute Ausbeute gewährende Darſtellungsweiſe verbun⸗ den iſt. Eigenſchaften der Schießbaumwolle. Die auf einem dieſer Wege erhaltene Schießwolle(mit Ausnahme der com— primirten engliſchen) hat vollſtändig die Structur der Baumwolle beibehalten; auch unter dem Mikroſkop iſt keine Verſchiedenheit wahrzunehmen. Jedoch hat dieſelbe an Biegſamkeit verloren; ſie iſt rauher anzufühlen, knirſcht leiſe beim Zuſammen— drücken und hat an ſpecifiſchem Gewichte zugenommen. Das der flockenförmigen Schießwolle beträgt etwa 0,1, während das der engliſchen nach dem Compreſſions— grade verſchieden iſt(0,5 bis 1,0). Die Schießbaumwolle zeigt ein deutliches elektriſches Verhalten, welches ſich dadurch äußert, daß die geriebenen Faſern an der trocknen Hand haften. In ihrem Verhalten gegen eine Löſung von Jod in Jodkalium und nachheriger Be— feuchtung mit verdünnter Schwefelſäure bietet die Schießwolle nach Kindts) ein gutes Unterſcheidungsmerkmal von Baumwolle; dieſe wird blau, jene gelb gefärbt. Die Unlöslichkeit der Schießwolle in kaltem und warmem Waſſer iſt von Bedeutung, da die vollſtändige Entſäuerung nur durch dieſe Eigenſchaft möglich iſt. In Alkohol, ſowie in Aether, ſoll die reine Schießbaumwolle völlig unlöslich ſein; da die gewöhnliche jedoch nie von Nebenproducten frei iſt, wird durch dieſe Löſungsmittel ſtets eine kleine Menge(nach Abel 3/ bis 1,5 Proc. eines ſauren 1) Der Schießwollbrei wird nach früheren Angaben mit einer einprocentigen Soda— löſung gekocht, nach neueren ſcheint dieſe Behandlung nicht erforderlich zu ſein.— 2) Ueber dieſelben ſ. unten S. 36.— 3) Liebig's Jahresber. 1, 1137. „ — 09 +- —— —? ⏑⏑³—˖ en 1 m⸗ uch lbe en⸗ jen 8⸗ ſich In Be⸗ f 8 ſelb bon lich lich ieſe ren da⸗ Bildungsweiſe der Schießwolle. 25 Nitrokörpers) extrahirt. Die exploſive Schießwolle iſt durch ihre Unlöslichkeit von der in weingeiſtigem Aether löslichen Collodiumwolle ſtreng geſchieden). Der Feuchtigkeitsgehalt der lufttrocknen Schießbaumwolle beträgt immer 1,5 bis 2 Proc., iſt geringer, als der der Baumwolle. Erſtere nahm bei einem Werfuiche in mit Feuchtigkeit geſättigter Luft nur um 2,75 Proc. zu. Durch eine ſo geringe Zunahme des Waſſergehaltes wird die Endzündlichkeit der Schießbaum wolle nicht merklich beeinträchtigt. Bildungsweiſe und Zuſammenſetzung der Schießwolle. Die reine Holzfaſer(Celluloſe), welche zu den ſogenannten Kohlehydraten gehört, hat die Zuſammenſetzung Ce6 HIo Oz(nach älterer Schreibweiſe Ci2 Htg Olo); mit ihr gleich zuſammengeſetzt ſind noch mehrere pflanzliche Producte von total abweichendem Aeußern, wie Stärke, Gummiarten, Dextrin u. ſ. w. Die Einwirkung der Salpeterſäure auf den Atomcomplex Cà HI0 O; geht bei der Bil— dung der Schießwolle in der Art vor ſich, daß Waſſer aus— 5 dafür ein Theil der Salpeterſäure eintritt. Da nach den beſten Mmgoben die normale Schieß— wolle die empiriſche Formel C6 H Nà 011 K muß man ſich ihre Entſtehung nach folgender Reactionsgleichung vorſtellen: C, HIuO O; Yπ3 HNO3S 3 I2 O + 056 Hz Na Oii. Die ſichere Feſtſtellung der Zuſammenſetzung, die Grundlage aller weiteren Speculationen über die nähere Conſtitution der Schießwolle, iſt mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden geweſen. Einmal ſtanden den vielen Beobachtern, welche ſich mit dieſem Gegenſtande beſchäftigt haben, nicht abſolut gleichartige Producte zur Verfügung, ſo daß verſchiedene Reſultate erhalten werden mußten, und dann bietet die Analyſe eines ſo leicht zerſetzbaren, exploſiven Körpers ganz beſondere Schwierigkeiten. Dieſe beiden Umſtände ſpiegeln ſich deutlich ab in den zahlreichen Analyſen, welche bisher mitgetheilt worden ſind, und von denen die wichtigſten in der Tabelle auf S. 26 und 27 zuſammengeſtellt ſind. Die von der normalen Zuſammenſetzung der Schießwolle meiſtens abweichen den Zahlen können theils durch die Unſicherheit der analytiſchen Operationen, theils durch Bildung anderer Producte erklärt werden. Die umſtändliche Analyſe der Schießwolle iſt auf verſchiedene Weiſe ausge führt worden. Kerkhoff und Reuter wogen die Subſtanz in kleinen Glas— kugeln ab, welche durch einen Hahn nach und nach in die mit Kupferoxyd und Kupfer gefüllte Verbrennungsröhre eingebracht wurden und dann explodirten. Pe— ligot leitete ebenfalls die durch allmähliche Verbrennung der Schießwolle entſtan— 1) Ein vollſtändig in abſolutem Alkohol lösliches Product, das ſogenannte Alkolen Lutton's(Liebig, Jahresber. 15, 468) entſteht, wenn flockige Baumwolle in ein auf 80» erwärmtes Gemiſch von 4 Thln. concentrirter Schwefelſäure und 3 Thlu. Sal— peterſäure eingetaucht wird(5 Minuten langh. N Angabe— 2 5 der— 5 2 8——— Beſt e 2 8——— 2 Beſtandtheile. 0— 2— 5 5 8 S 8——— Kohlenſtoff..... 24,24 27,43 25,2 25,9 24,6 24,8 24,7 Wafſerſtof:;ß; 2,37 3,51 29 575 2,6 2,75 25 Stickſtof;ß; 14,14 14,26 12,6 10,0 14,3 13,5 13,8 Sälierſtoffß 59,25 54,7759,3 60,4[58,558,9559,0 Gewichtszunahme in Procenten 83,38— 75 6646269 77,9 denen Gaſe über glühendes Kupferoryd und Kupfer. Kohlenſäure und Waſſer wurden gewogen, der frei gewordene Stickſtoff gemeſſen, der Sauerſtoff, wie immer, aus dem Verluſte beſtimmt. Fehling ſetzte dem Kupferoxyd chlorſaures Kali zu. W. Crum beſtimmte die durch Verbrennung mit chromſaurem Blei entſtan⸗ dene Kohlenſäure, indem er ſie in einem Eudiometer durch Aetzkali abſorbiren ließ. Der Stickſtoff wurde nach einer ihm eigenthümlichen Methode beſtimmt: Schieß— wolle wird in einer mit Queckſilber gefüllten graduirten Röhre mit dem 20fachen Gewichte concentrirter Schwefelſäure in Berührung gebracht, welche Salpeterſäure freimacht; dieſe löſt das Queckſilber unter Bildung von Stickoryd auf. Nach Beendigung der Reaction wird der Stand des Queckſilbers abgeleſen, dann Eiſenvitriollöſung hinzugebracht, welche das Stickoxyd abſorbirt, und zuletzt wieder abgeleſen. 2 Volume Stickoxyd entſprechen 1 Volumen Stickſtoff. Das hygroſkopiſche Waſſer der Schießbaumwolle wird durch Trocknen bei 600 beſtimmt, die Aſchenmenge durch Auflöſen derſelben in ſtarker Salpeterſäure, Eindampfen und Glühen des Rückſtandes, welcher nach Abel 0,63 bis 1,14 Proc. beträgt. Daß ſich häufig außer der normalen Schießwolle andere Producce bilden, welche durch ihre Löslichkeit in weingeiſtigem Aether und ihre Zuſammenſetzung von jener bedeutend abweichen, iſt unzweifelhaft; namentlich begünſtigt eine Ab⸗ nahme der Concentration des Säuregemiſches die Entſtehung ſolcher Producte. Die von Hadow) angeſtellte Verſuchsreihe iſt in dieſer Hinſicht beſonders lehr— reich und zeigt in prägnanter Weiſe, wie nothwendig es in der Praris iſt, eine Verdünnung des Säuregemiſches zu vermeiden. Hadow erhielt bei Anwen— dung von: 1) Liebig, Jahresber. 7, 625. G. wo me Se ber hat Mi ler Zuſammenſetzung der Schießwolle. Hirtenberger Schieß— baum wolle. Redtenbacher, Schrötter und Schneider. Beckerhinn) 8 D. 01 —4 Säuregemiſch C. 23,6 bis 25,1 24,47 24,58 24,47 23„3,0 2,56 2,48[2,46 13,7213,65[ 13,94 59,25[ 59,29 59,13 Ausbeute.. 5 Eigenſchaft des a. 100 Thln. Gleichen Atomen Salpeter- u. Schwefelſäuren. Baumwolle Productes. 177,0 unlöslich. „„„ Atom Waſſer 176,0 8 ‚ 5 5 5 5 5 171,7 wenig löslich. f 0„„ 160 Jollg läclih, e i f„„ 157,0 leicht löslich. 0 15 5 J„„140,0 ſehr leicht löslich. Wenn ſchon die geringere Ausbeute anzeigt, daß weniger Salpeterſäure an der Reaction Theil'genommen haben muß, ſo hat auch Hadow durch Analyſen i der verſchiedenen Producte wahrſcheinlich gemacht, daß ſich vorzugsweiſe drei Kör— per bilden, welchen er die Formeln: Cis II22 Js 031, Cis H23 N7 023 und Cis Ha4 Ne Oer zuſchreibt. Dieſelben ſind von der dreifachen Formel der Cel— luloſe Cis H30 O15 abgeleitet. Pelouze legte der von ihm, und zu le Bouchet dargeſtellten Schießbaum— 9 wolle die Formel CI2 Hu7 N3 021 bei; er hatte ohne Zweifel eine mit einem inter— 15 mediären Producte verunreinigte Schießwolle in Händen. Karolyis) giebt der Schießwolle, welche er zu ſeinen Verſuchen, die Exploſionsproducte zu beſtimmen, benutzte, die empiriſche Formel C12 IIIr Nz Oio; Schmidt und Hecker h leiteten ) Aus Mittheil. über Gegenſt. des Art.- u. Genieweſens, Jahrg. 1870, S. 730ff. a) eine Schießwollprobe, welche 5 Jahre lang ohne Umhüllung in der Erde gelegen hatte; b) eine eben ſo lange unter Waſſer; c) eine trocken aufbewahrte Probe. a, b, o, Mittel aus je zwei Analyſen.—)Dingler, polyt. Journ. 103, 224.— 3) Din g⸗ „ 222 ler, polyt. Journ. 169, 428.—) Journ. f. prakt. Chemie 40, 257. 28 Zerſetzung der Schießwolle. aus ihren Analyfen die Formel Cie IIIs Ns O20 ab. Jetzt neigt man ſich faſt allgemein der Anſicht zu, die unlösliche, nach Lenk's(reſp. Abel's) Verfahren dargeſtellte Schießbaumwolle habe die Zuſammenſetzung C6 H, Nz 011.æ Mit dieſer Annahme harmonirt auch die in kleinen Verſuchen erhaltene Ausbeute Y. War man ſchon über die empiriſche Formel der Schießwolle nicht einig, ſo hat man ſich auch längere Zeit über die Conſtitution dieſes Körpers, ſeine ratio— nelle Formel, nicht verſtändigen können. Jetzt iſt die ältere Meinung, die Schieß— wolle ſei eine Nitroverbindung, faſt allgemein aufgegeben und durch die zuerſt von Böchamp beſtimmt ausgeſprochene Auffaſſung verdrängt worden, nach wel⸗ cher dieſelbe ein Aether der Salpeterſäure iſt. Die Berechtigung dieſer letzteren Anſicht ergiebt ſich aus zahlreichen Reactionen 2) der Schießwolle. Concentrirte Schwefelſäure bewirkt ſchon in der Kälte langſame Zerſetzung und macht Sal⸗ peterſäure frei. Mäßig concentrirte Alkalilöſungen(Kali und Natronlauge) bil⸗ den bei gewöhnlicher Temperatur langſam, bei 60 bis 800 ſehr ſchnell ſalpeter⸗ ſaure Alkalien unter Regeneration von Baumwolle. Auch Ammoniafkflüſſigkeit wirkt aualog nach Béchamp und Guignet, während nach Blondeau inter⸗ mediäre Amidoverbindungen entſtehen ſollen. Auch Eiſenchlorür(Cer CI0(Bé— champ), ſowie Kalium- und Ammoniumſulfhydrat, KSII,H.N. SII(Hadow, v. Pettenkofer), regeneriren Baumwolle, während die frei gewordene Salpeter⸗ ſäure Eiſenchlorür oxydirt, die Sulfhydrate in ſalpeterſaure Salze überführt. Alle dieſe Reactionen ſind zwanglos nur mit der Annahme eines Salpeterſäureäthers vereinbar. Zerſetzungserſcheinungen der Schießbaumwolle. Nach Betrachtung der phyſikaliſchen und einiger chemiſcher Eigenſchaften der Schießwolle gelangen wir zu dem wichtigſten Verhalten dieſes merkwürdigen Kör⸗ pers, ſeinen Zerſetzungserſcheinungen, welche je nach den obwaltenden Bedingun⸗ gen ſich ſehr verſchieden geſtalten können. Neben der abſichtlichen, exploſiven Zerſetzung der Schießwolle hat man viel— fach eine freiwillige, ohne äußeren Anlaß beginnende Zerſetzung beobachtet, welche zu verſchiedenen Zeiten mit einer Exploſion endigend beklagenswerthe Unfälle ver⸗ anlaßt hat. Die Bedingungen dieſer leichten Zerſetzbarkeit ſind nur zum Theil feſtgeſtellt und deren Erkenntniß hat man ſchon manche Vorſchrift zur Erzielung eines haltbaren Productes zu danken. So wird ohne Zweifel eine beſtändigere Schießwolle fabricirt, ſeitdem man beſondere Sorgfalt auf Entfettung der Baum⸗ wolle ſowie auf Entſäuerung verwendet, nachdem man erkannt hatte, daß in der Gegenwart von Nebenproducten ſowie kleiner Säuremengen ein Anſtoß zur Zer⸗ ſetzung liege. Viele Beobachter haben geglaubt, daß auch ganz oder möglichſt reine Schieß⸗ wolle bei gelinder Temperaturerhöhung der Zerſetzung anheimfalle. So erhielt 1) S. Seite 20.— 2) Vergl. Jahresber. f. 1870, S. 220.— Dingler, polyt. Journ. 178, 147.— Liebig's Jahresber. 6, 550. ne ſit do ei w kei en Un ¹ ter El de we ch. ge S m ein mi ni en 'en rte al⸗ er⸗ lle ers Zerſetzung der Schießwolle. de Luca!) mit franzöſiſcher Schießwolle ein durchaus ungünſtiges Reſultat, da alle Proben ſich im Sonnenlichte zu zerſetzen begannen. Durch gelindes Erwär— men wurde die Zerſetzung, welche, wenn einmal begonnen, nicht aufzuhalten war, beſchleunigt. Nach de Luca iſt der Zerſetzungsvorgang der Art, daß ſich anfäng— lich Gaſe entwickeln(3. B. ſalpetrige Säure); die Maſſe nimmt bedeutend an Volumen ab und der Rückſtand enthält neben kleinen Mengen einer ſtickſtoffhal— tigen Subſtanz und Spuren Ameiſen- und Eſſigſäure, Glykoſe, Oxalſäure und ſogenannter Gummoſe. Aehnlich beobachtete A. W. Hofmann?) das Zerfallen einer 13 Jahre zuvor dargeſtellten Schießwollprobe. Jetzt liegen jedoch andererſeits zahlreiche und zuverläſſige Beobachtungen vor, nach welchen die Lenk'ſche Schießwolle einen hohen Grad von Beſtändigkeit be— ſitzt. Die große Zerſetzbarkeit rührte von den Verunreinigungen her, welche durch das neueſte Verfahren auf das geringſte Maß beſchränkt ſind. Abels) hat durch eine gründliche Verſuchsreihe dargethan, daß Sonnenlicht auf Lenk'ſche Schieß— wolle gar nicht einwirkt, daß dieſelbe bis auf 900 erwärmt und kurze Zeit bei dieſer Temperatur erhalten werden kann, ohne ſich zu verändern; er erwärmte mit Schießwolle vollgepackte Kiſten ſechs Monate lang auf 500, und auch ſo wurde keine Zerſetzung eingeleitet. Verſuche, welche Trauzl⸗) angeſtellt hat, beſtätigten vollkommen dieſe Thatſache. Abel hält mit dem Beweiſe der Haltbarkeit reiner Schießwolle die Haupt- und Lebensfrage derſelben für gelböſt. Trotz dieſer günſtigen Zeugniſſe hat man ſtets Sorge getragen, die Haltbar— keit der Schießwolle zu erhöhen, zumal da durch ſolche, welche man für rein hielt, entſetzliche Exploſionen herbeigeführt worden ſind(1848 zu le Bouchet, 1862 und 1865 bei Wien). Abel empfiehlt, die Schießwolle in feuchtem(nicht naſſem) Zuſtande aufzubewahren, da ſie ſo ganz gefahrlos zu handhaben iſt, ſich Jahre lang unzerſetzt erhält und nach dem Trocknen ihre urſprünglichen Eigenſchaf— ten in vollem Umfange wieder gewinnt). Der Silicirungsproceß Lenk's arbeitet auf ein beſtändigeres Product hin. Ebenſo wirkt Zuſatz von Soda, welche die etwa frei werdende Salpeterſäure bin— det und ſo die Zerſetzung im Keime erſtickt. In der That zeigte Schießbaum— wolle, welche mit 1 Proc. Soda imprägnirt war, nachdem ſie während drei Wo— chen täglich ſieben Stunden lang auf 95 bis 1000 erhitzt worden war, nicht die geringſte Spur von Zerſetzung.— Prentice“) tränkte früher die Faſern der Schießwolle mit Paraffin, ſpäter mit einer Auflöſung von Kautſchuk(Löſungs mittel unbekannt). Nur ein haltbares Product hat Ausſicht erfolgreiche Anwendung zu finden; denn von der Beſtändigkeit deſſelben ſind in erſter Linie die gleichmäßigen Wir— kungen bei der exploſiven Zerſetzung abhängig. Die letztere kann auf verſchiedene Weiſe erreicht werden. So erfolgt Exploſion der Schießwolle durch kräftigen ) Compt. rend. 59, 487.— 2) Jahresber. 1860, S. 466.— 3) Dingler, 185, 157.— 9) In ſeiner Schrift: Erploſive Nitrilverbindungen ꝛc., S. 42.— 5) Nach einer Notiz des Mechan. Magazine 1872, S. 478, iſt es Brown gelungen, compri⸗ mirte Schießwolle mit 15 bis 20 Proc. Waſſer zur Erploſion zu bringen. Wie? iſt nicht geſagt.— 6) Jahresber. 1867, S. 358. TTP.......C.C.....CCCCCCCCCCPPCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCC 30 Exploſion der Schießwolle. Schlag oder Stoß zwiſchen harten Körpern. Meiſtens detoniren nur die direct getroffenen Theilchen, unter beſonderen Umſtänden ſind jedoch auch Exploſionen der ganzen Menge vorgekommen. In der Praxis wird die Verpuffung durch Entzünden erreicht; jedoch kann auch durch langſames Erhitzen Schießwolle zum Explodiren gebracht werden. Der Temperaturgrad, bei welchem Entzündung eintritt, iſt ſehr verſchieden angegeben worden; derfelbe ſcheint von der Schnelligkeit des Erwärmens abzuhängen. All⸗ mählich erhitzte Schießwolle explodirt in der Regel nicht unter 1300, ja zuweilen gar nicht. Nach Horsley), welcher Schießwolle im Oelbad langſam erhitzte, fand die Entzündung der einen Sorte bei 1630, einer anderen bei 2200 ſ2tatt. Schnell erhitzte Schießwolle explodirt durchſchnittlich zwiſchen 136 und 1800. Der Entzündungspunkt varürt mit der Structur der Schießwolle. Ebenſo iſt die Schnelligkeit der exploſiven Zerſetzung von dem Gefüge jener abhängig. Die Schießwolle verbrennt im freien Raume mit einer großen, orangegelben Flamme. In Folge der außerordentlich ſchnellen Fortpflanzung der Entzündung und der geringeren Temperatur, welche zu dieſer erforderlich iſt, kann man kleine Mengen Schießbaumwolle auf Pulver abbrennen, ohne daß dieſes ſich entflammt. Die Schießwolle erzeugt bei ihrer raſchen Verbrennung eine bedeutende Gas— menge, welche durch ihre enorme Spannung als Trieb- und Sprengkraft ver⸗ werthet wird. Der Vorgang iſt je nach den bei der Exploſion ſtatthabenden Be— dingungen verſchieden. Wird die Verpuffung im luftleeren Raume vorgenommen, ſo findet ſich unter den Verbrennungsproducten ſtets Stickoxyd(N0), während bei hohem Drucke, alſo unter den in Wirklichkeit ſtattfindenden Bedingungen, die⸗ ſes Gas, welches äußerſt nachtheilig auf Feuerwaffen und geſundheitsſchädlich wirken würde, fehlt. Das Verhalten der Schießbaumwolle im luftverdünnten Raume beim Er⸗ hitzen iſt ſehr merkwürdig. Bianchi) hatte beobachtet, daß Schießwolle ſowohl wie Schießpulver im Vacuum, auch wenn plötzlich ſtark erhitzt, nur langſam ab⸗ brennen. Heerens) und Abels) haben dieſe Verſuche auf eine große Zahl exploſiver Subſtanzen ausgedehnt und Bianchi's Reſultat beſtätigt. Die Er⸗ klärung dieſer allein durch Aufhebung des atmoſphäriſchen Druckes bewirkten Ver⸗ änderung wird in dem leichten Entweichen der Verbrennungsgaſe geſucht, welche deshalb nicht die hohe Temperatur erreichen können, welche zur vollſtändigen, momentanen Zerſetzung nöthig iſt. Die neueſten Verſuche, die Menge und Zuſammenſetzung der Exploſionsgaſe feſtzuſtellen, ſind von Karolyis) mit großer Umſicht ausgeführt worden. Die früher von Hecker und Schmidt“) ſowie von Teſchenmacher und Porret“) mitgetheilten Beſtimmungen der Gaſe, welche durch Verpuffen im Vacuum ge— bildet waren, weichen beträchtlich von denen Karolyi's ab. Dieſer verglich zuerſt die im leeren Raume entſtandenen Producte mit den im lufterfüllten gebildeten. Die erſteren erhielt er in einem etwa 1 m langen Eudiometer, an deſſen oben ) Dingler, polyt. Journ., 190, 250.— 2) Compt. rend. 55, 97.— 3) Dingler, polyt. Journ., 180, 286.—) Compt. rend. 69, 105.— 5) Ding—⸗ ler, polyt. Journ., 169, 428.— 0) Liebig, Jahresber., 1, 1141.— 7)) Ibidem. Ke Ko Gi Oe Cy St We We den daf Er Schießwollgaſe. eingeſchmolzenen Platindraht 15 bis 20 mg Schießbaumwolle befeſtigt wurden; in der entſtandenen Toricelliſchen Leere wurde dann Zerſetzung durch elektriſches Glühen bewirkt; die gebildeten Gaſe konnten direct analyſirt werden. Um Schieß— wolle unter erhöhtem Drucke zu verbrennen, wurde dieſelbe in einem kleinen eiſer— nen Cylinder luftdicht eingeſchloſſen, welcher ſich im Innern einer luftleer ge⸗ machten 60pfündigen Bombe(von 5216 cbem Inhalt) befand. Dieſe konnte durch ein luftdicht eingeſetztes, mit Hahn verſehenes Rohr mit einem Eudiometer in Verbindung treten, die Gaſe alſo, welche nach der durch Elektricität erfolgten Exploſion der Schießwolle und Sprengung des Cylinders den Hohlraum erfüllten, zur Analyſe übergefüllt werden. Karolyi hatte durch Verſuche feſtgeſtellt, daß zum beſten Gelingen des Verſuches 10 g Schießwolle erforderlich ſeien. Hecker und Schmidt erhielten aus 18 Schießwolle durchſchnittlich 588 ebem Gas, Teſchenmacher und Porret 483 ebem, Karolyi 755 ebem(Schießwolle unter hohem Druck explodirt). Alle Volumen ſind auf 00 und 0,76 m Druck berechnet. Aus der folgenden Tabelle iſt die Zuſammenſetzung der Gaſe(in Volumen— procenten), wie ſie von den verſchiedenen Beobachtern gefunden wurde, zu erſehen: Hecker Teſchen— Karolyi und macher—————— Schmidt. und Porret. b. Unter hohem Im Vacuum verbra Druck erplodirt Kohlenoxyd. 19,02 Kohlenſäure Grubengas. Oelbildendes Gas. Cyan Stickoryd Stickſtoff. Waſſerdampfe. Waſſerſtoff. 100,00 100,00 8 98,18 5) Das bedeutſamſte Reſultat, welches aus Karo den kann, und das auch der praktiſch daß die Beſchaffenheit der Gaſe yi's Analyſen gezogen wer— en Erfahrung entſpricht, iſt die Thatſache, von dem Druck und der Temperatur, welche bei ) Das an 100 Fehlende iſt unverbrannter Kohlenſtoff. — ⏑w FEEEEE...... EEEECEEEEEEE 32 Spannung der Schießwollgaſe. der Exploſion herrſchten, abhängt. Das Verſchwinden des Stickoxyds bei der Verbrennung unter hohem Drucke erklärt Karolyi durch die Annahme, daß bei der erhöhten Temperatur das Grubengas und der Waſſerſtoff reducirend wirken, indem beide dem Stickoxyd Sauerſtoff entziehen, und ſo unter Abſcheidung von Stickſtoff Kohlenſäure, Kohlenoryd und Waſſer gebildet werden. Der Mehr— gehalt an dieſen Beſtandtheilen unterſtützt dieſe Anſicht. In beiden Fällen a. und b. ſind die Gaſe brennbar; auch dieſer Umſtand hat bei Sprengungen praktiſche Bedeutung. Die Schießwollgaſe ſind ebenſo, wie die Pulvergaſe, durch die Anweſenheit von Kohlenoryd und Kohlenſäure giftig. Die Verbrennungsproducte der Schieß⸗ wolle ſind bis auf einen höchſtens 2 Procent betragenden Rückſtand bei der Erploſionstemperatur gasförmig; unter ihnen fällt der größte Antheil der treibenden Kraft auf Kohlenſäure, Kohlenoryd, Stickſtoff, Grubengas(und Waſ⸗ ſerſtoff). Man hat aus den von Karolyi gewonnenen Daten, welche allerdings nicht völlig den theoretiſchen Anſchauungen über den Zerſetzungsvorgang entſprechen, die Spannkraft der Gaſe zu berechnen geſucht. Dieſe iſt abhängig von der Menge der entſtandenen Gaſe und deren Ausdehnung durch die Verbrennungstemperatur; als Nebenumſtand wirkt die in dem Exploſionsraum eingeſchloſſene Luft mit. Der Raum, welchen die Gaſe während und momentan nach der Verbrennung ein⸗ nehmen, iſt alſo maßgebend für die treibende Kraft, welche eine beſtimmte Menge Schießwolle ausüben kann. Die Verbrennungswärme, ein für die in Frage ſtehende Berechnung unent⸗ behrlicher Factor, iſt bisher nur auf theoretiſchem Wege ſehr unſicher beſtimmt worden. Je nach der Art, wie man ſich den Verlauf der Zerſetzung denkt, ge— langt man zu höheren oder geringeren Zahlen. So iſt die Verbrennungstem⸗ peratur der Schießwolle theoretiſch zu 60000 berechnet worden, ein Werth, welcher gewiß zu hoch iſt, weil die durch Diſſociation abſorbirte Wärme nicht in Abzug gebracht worden iſt. Experimentell iſt die Flammentemperatur noch nicht beſtimmt worden, wie dies Bunſen und Schiſchkoff für das Schießpulver ausgeführt haben. Verſuche, welche v. Uchatius angeſtellt hat, ergaben, daß unter verſchie— denen Bedingungen 1 Thl. Schießwolle eine ſo große Arbeit leiſtet, wie 2,7 bis 4,15 Thle. Schießpulver. Nur weitere Verſuche, nicht theoretiſche Speculationen 1) können endgültig über die Kraftleiſtung der Schießwolle entſcheiden. 1) Berthelot(Sur Ia force de la poudre ete., pag. 179) gelangt zu folgen— der ſehr hypothetiſchen Vorſtellung des Zerſetzungsvorganges der Schießwolle, welcher er eine beſondere Formel(mit alten Atomgewichten) beilegt: 2[075 Hio O10 NOCLH)5IS7 Cn O, +12 C½ 02 +2C0½ HÆτH+ CοN + 9 H O2 +5 N02 +2N. Aus dieſer Gleichung berechnet Berthelot, daß 1Kg Schießwolle 801 1 Gas(bei 1000 und 0,76 um Druck) liefert und etwa 590000 Calorieen entwickelt. nd che eit ß⸗ der der aſ⸗ cht en, ige ur; der in⸗ ige nt⸗ mt m⸗ her zug imt hrt jie⸗ bis n zen⸗ her bei Anwendung der Schießbaumwolle. Die bedeutende Wirkung der Schießwolle im Vergleiche zu der des Pulvers, die Eigenthümlichkeit, ohne Rückſtand und ohne Rauch zu verbrennen, haben ſeit der Entdeckung dieſes intereſſanten Körpers Anregung zu Verſuchen gegeben, den⸗ ſelben als Schieß⸗ und Sprengpräparat zu verwerthen. Was die Anwendung deſſelben in Feuerwaffen betrifft, ſo hat man namentlich in Oeſterreich und Eng⸗ land die nachtheiligen Wirkungen auf die Läufe zu paralyſiren gewußt; aber zu einer Verdrängung des Pulvers, welche für möglich gehalten wurde, kam es nicht. In Oeſterreich hat man ſogar alle Verſuche neuerdings aufgegeben; in England iſt eine allgemeine Einführung zu militäriſchen Zwecken wohl beabſichtigt, aber noch nicht verſucht, während Schießwolle für Jagdpatronen und zu Spreng⸗ zwecken in ausgedehntem Maße fabricirt wird. Den Vorzügen, welche die Schießwolle in ſo ausgezeichneter Weiſe gerade zum Gebrauch in Feuerwaffen zu befähigen ſcheinen, und welche in der Verbren⸗ nung ohne Rückſtand und Rauch und in der mit geringen Quantitäten möglichen Kraftleiſtung beſtehen, ſtellen ſich mancherlei Nachtheile gegenüber, welche nament⸗ lich in früheren Jahren ſo gewichtig waren, daß die Schießverſuche immer ungün⸗ ſtig ausfielen. Die Uebelſtände, welche man abzuſchwächen, ja zu beſeitigen ver⸗ ſtanden hat, beſtanden in der briſanten und auch ungleichmäßigen Wirkung der Schießwolle, ihrer lockeren, einen großen Raum beanſpruchenden, Structur und der oft beobachteten freiwilligen Zerſetzung. Die bald nach der Entdeckung der Schießwolle in verſchiedenen Ländern unternommenen Schießverſuche ergaben, daß Infanteriegewehre, welche mit Pul— ver 3000 Schüſſe aushielten, mit etwa äquivalenter Schießwollladung nach durch⸗ ſchnittlich 500 Schüſſen unbrauchbar wurden. Flintenläufe, welche mit 27,5 g Pulver geladen werden durften, zerſprangen bei einer Ladung von 7 bis 8 9 Schießwolle. Zeigten dieſe Ergebniſſe die ſtark briſante Wirkung, ſo ſtellte ſich auch andererſeits eine nur geringe Trefffähigkeit in Folge ungleichmäßiger Wir⸗ kung heraus. Dieſe Unzuverläſſigkeit war hauptſächlich dem Umſtande zu danken, daß keine gleichartige Dichte des Präparats erreicht wurde. Die Schießwolle konnte nicht, wie das Schießpulver, abgemeſſen, ſie mußte abgewogen werden. Dadurch wurde die Anfertigung von Patronen und Kartuſchen erheblich erſchwert. Zur genaueren Erkenntniß der Wirkſamkeit der Schießwolle waren ſeit 1846 zahlreiche Verſuche angeſtellt worden; dieſelben ſollten entſcheiden, in welchem Ver⸗ hältniſſe die Exploſionskraft der Schießwolle zu der des Schießpulvers ſtehe. Zu Paris wurde die dem Geſchoſſe ertheilte Anfangsgeſchwindigkeit mit dem balli— ſtiſchen Pendel ermittelt und der Effeet von 5 Thln. Schießwolle in einem Ge— ſchütz gleich dem von 13 bis 14 Thln. Pulver gefunden. Söguier's Verfahren, die Stärke der Abplattung von abgefeuerten Bleikugeln zu meſſen, konnte nicht genaue Reſultate liefern; er fand 1 Thl. Schießwolle äquivalent mit 6 Thln. Jagdpulver. Exploſivkörper und Feuerwerkerei. 3 — f RRR —............ ..——˖—˖§Criv.——— ————————— —— 2...— 34 Anwendung in Feuerwaffen. Maurey) hält 3 Thle. der erſteren für gleichwerthig mit 5 Thln. des letzteren. Hartmann dagegen ſchreibt der Schießwolle je nach Art der Anwendung eine t 3⸗ bis 9fache Wirkung zu. v. Lenk endlich giebt dieſelbe zu dem 3 bis 6fachen von der des Pulvers an. Auch Sprengverſuche ergaben je nach der Natur des 5 Geſteins abweichende, jedoch günſtige Reſultate. Die briſante Wirkung der Schießbaumwolle, welche durch die rapide Zer— 5 ſetzung im geſchloſſenen Raume bedingt iſt, war unzweifelhaft die bedeutendſte b Schwierigkeit, welche ſich der Einführung des Schießpräparats entgegenſtellte. v. Uͤchatius hat mittelſt ſeiner Pulverprobe die Größe des Gasdruckes ermittelt, 8 welcher bei der Exploſion verſchiedener Pyroxylinſubſtanzen erzeugt wurde; die von K ihm erhaltenen Zahlen geben ein Maß für die briſante Wirkung; zum Vergleiche 8 iſt der durch Schießpulver hervorgebrachte Druck mit aufgeführt: 0 9 2 Ladung Anfangsgeſchwindig— Bodendruck 9 in keit des 400 g ſchwe— in Atmoſphären d Grammen. ren Spitzgeſchoſſes. gemeſſen. 8 ei 2222 ·•-Vu—u—t—8 6 ti Pyro⸗ Holzpulver.. 0,471 20l m 1195 9 Wlin Maisfaſern.. 0,455 1365 lů dus: Flachswolle.. 6,42² 0 1735 Baumwolle. 0,439 0 182⁰0 W Oeſterreichiſches Gewehr— pülbe!f!:!: 1,82 458 0 2 Aus dieſer Tabelle geht hervor, daß man mit 1 Thl. Schießwolle dieſelbe 0 Anfangsgeſchwindigkeit erzielt, wie mit 4 Thln. Pulver; aber trotz der Amal ge⸗ ringeren Ladung wird eine 4mal größere Gasſpannung angezeigt. Man hat die briſanten Wirkungen der Schießwolle zu mildern geſucht da— durch, daß man die Verbrennungsgeſchwindigkeit, ſei es durch Zuſätze oder durch Structurveränderung vermindert hat. Pelouze empfahl zuerſt, die Schießwolle mit gewöhnlicher Baumwolle zuſammenzukrempeln, ſie gewiſſermaßen zu verdün— D0 nen. Die abſchwächende Wirkung wurde allerdings erzielt, jedoch war dieſelbe zu ungleichmäßig. Derſelbe Gedanke lag dem von Prentice 2) angewandten Ver 00 fahren zu Grunde, welches darin beſtand, daß Papierſtoffe im Holländer mit mehr oder weniger Schießwolle verarbeitet wurden. Aus dem gewonnenen Schießwoll— papier wurden Patronen für Gewehre und Geſchütze gefertigt. Séguier!) verſuchte zuerſt langſam explodirende Zuſätze, um die Exploſions— 5 di ) Compt. rend. 28, 343.—) Dingler, polyt. Journ. 190, 253.— 3) Dingler, polyt. Journ. 179, 190. en. ine hen des zer⸗ dſte llte. telt, von iche Anwendung in Feuerwaffen. 35 dauer zu verlängern. Seine ſchon 1847 und 1848 gemachten Verſuche bezweck— ten, die Trägheit des Geſchoſſes allmählich zu überwinden, die Geſchwindigkeit deſ⸗ ſelben im Rohre zu ſteigern und ſo den geſammten Kraftvorrath der Schießwolle zu erſchöpfen. Séguier benutzte Metallkapſelpatronen, deren vorderer Theil, welcher zuerſt entzündet wurde, Minenpulver enthielt, durch deſſen Verbrennung die Trägheit des Projectils überwunden werden ſollte. In dem anderen Theile befand ſich Schießwolle, deren Exploſionsgaſe die treibende Kraft repräſentirten. Während die Vorſchläge, die Schießwolle in einem großen Ladungsraume anzuwenden und dadurch ihre Wirkung zu ſchwächen, nicht praktiſch, weil nicht rationell waren, ſind in entgegengeſetzter Richtung Verſuche mit großem Erfolge angeſtellt worden. Schon Séguier empfahl, eine dichtere Aneinanderlegung der Faſern zu bewerkſtelligen. v. Lenk hatte bei der Einführung ſeiner Schießwoll⸗ geſchütze die Schießwolle in einer Form angewendet, welche ſich im Laufe meh— rerer Jahre als ſehr praktiſch erwies, indem die bronzenen Röhre eine genügende Ausdauer zeigten. Ein beſtimmtes Gewicht geſponnener Schießwolle wird auf der Mantelfläche eines hohlen cylindriſchen oder koniſchen Holzkörpers aufgewickelt; der letztere iſt an beiden Enden geſchloſſen. Die Entzündung geſchieht(durch eine Schlagröhre) am hinteren Ende. Der Holzkörper verhindert im erſten Moment ein rapides Abbrennen, da die Entzündung ſich nur peripheriſch verbreiten kann. Erſt nachdem die Spannung der Gaſe eine gewiſſe Höhe erreicht hat, erfolgt Zer⸗ trümmerung des Holzeylinders und vollkommene Verbrennung. Die im erſten Moment allmählich zunehmende Gasſpannung ſoll die Trägheit des Projectils überwinden. Aus einem öſterreichiſchen Zwölfpfünder!) konnten 1000 Schuß(die Ladung wog 4811g) abgefeuert werden, ohne daß die Rohrwände angegriffen wurden. Die Anfangsgeſchwindigkeit des Geſchoſſes war gleichmäßig und betrug durch— ſchnittlich 427 m. Sehr günſtig ſpricht ſich Abel Jüber die Lenk'ſche Schieß— wolle aus, mit welcher er zahlreiche Schieß- und Sprengverſuche angeſtellt hat. Die Schnüre, welche er anwandte, und von denen ein Fuß in einer Secunde abbrannte, waren entweder aufgewickelt oder in einem ſteifen Pappeylinder einge— ſchloſſen. Abgeſehen von dem Vorzug, daß Rückſtand und Rauch fehlten, war auch die Erkwärmung des Rohres bedeutend geringer, als bei Anwendung von Schießpulver. Aus einem Sechspfünder wurden 100 Schuß in 34 Minuten abge⸗ geben; die Temperatur des Rohres war nur auf 500 geſtiegen, während bei ähn— lichen Verſuchen mit Schießpulver das Rohr öfters gekühlt werden mußte. Auch der Rückſtoß(Rücklauf des Geſchützes) war um ein Drittel geringer, als bei An— wendung einer äquivalenten Pulverladung. Was die balliſtiſche Wirkung an— belangt, ſo wurde mit 422 9 Schießwolle eine Anfangsgeſchwindigkeit von 491 m erzielt, während dieſelbe mit 938 g Schießpulver 420 m betrug. Nach 1000 Schüſſen war keine zerſtörende Wirkung im Rohre zu bemerken. Die ſpäter von Abel eingeführte comprimirte Schießwolle ſcheint am meiſten Ausſicht zu haben, als ein brauchbarer Erſatz für Schießpulver zu dienen. Denn man hat es in der Hand, der Maſſe jede beliebige Form und ) Jahresber. 1864, S. 234.— 2) Jahresber. 1863, S. 310. —————— ————n:ʃ DEEEEEr ....... 36 Comprimirte Schießwolle. Dichtigkeit zu geben. Außerdem kann durch Zündcanäle die Gasproduction in zweckentſprechender Weiſe regulirt werden. In Stowmarket wurden 1868 bei vollem Betriebe täglich 16000 Stück Patronen gefertigt, deren Hülle ſelbſt aus ſtark comprimirter Schießwolle beſteht, welche mit einem dünnen Guttaperchahäutchen waſſerdicht überzogen iſt. Für Sprengpatronen wird der Schießwollbrei in Formen gepreßt, welche einen oder mehrere Dorne enthalten, damit Höhlungen zur ſchnelleren Zündung entſtehen. Die gepreßte Maſſe wird, in Pergamentpapier eingehüllt, bei 600 getrocknet. Die ſtark comprimirte Schießwolle zeigt je nach der Art ihrer Entzündung ein höchſt verſchiedenes Verhalten. An offener Luft brennt ſie ruhig ab, wie ein langſam brennender Pulverſatz. Sie iſt nach Abels) Verſuchen gegen Stoß und Schlag in hohem Grade unempfindlich. Eine abgefeuerte Büchſenkugel ver— urſacht bei ihrem Durchgange keine Entzündung. Dagegen wirkt dieſelbe Schieß— wolle, wenn ſie durch ein ſtark geladenes Zündhütchen entzündet wird, ſehr ſtark exploſiv, ja nach Abel 10- bis 12mal ſo kräftig, als Schießpulver. Gerade dieſe Eigenſchaften haben bisher der comprimirten Schießwolle beſonders im Bergbau, überhaupt bei Sprengungen Eingang verſchafft. Es war ganz natürlich, daß man einen durch ſo rapide Zerſetzung(briſante Wirkung) ausgezeichneten Körper, wie die Schießwolle, ſofort bei Sprengungen zu verwerthen gedachte. So wurde ſchon 1847 von erfolgreichen Verſuchen be— richtet. Hall und Sohn)haben die Schießwolle bei Erdarbeiten in Thon und Sandſtein benutzt und gefunden, daß 1 Thl. derſelben ſoviel leiſtet, wie 6 Thle. Schießpulber. Reindl hält ſogar 1 Thl. von jener 8 Thln. Schwarzpulver äquivalent, wenn in hartem Geſtein geſprengt wird. Nach Verſuchen der fran⸗ zöſiſchen Commiſſion unter dem Herzog von Montpenſier war 1 Thl. Schieß— wolle in ſeiner Wirkung in weichem Geſtein gleich 4 Thlu. Sprengpulver, wäh— rend nach Abel Lenk'ſches Product in ſeiner Leiſtung dem 6,27fachen Gewicht Pulver entſpricht. Nach allen Beobachtern wirkt die Schießbaumwolle bedeutend kräftiger in hartem compactem Geſtein, als in weichem oder gar zerklüftetem. Die Verſchie— denheit der Angaben läßt ſich theils aus dieſem Umſtande, theils aus der ſehr ungleichen Beſchaffenheit der angewendeten Schießwolle erklären. Bei Sprengarbeiten iſt die Schießwolle theils für ſich, theils mit Zuſätzen, zur Anwendung gelangt. Im erſteren Falle erhielt dieſelbe früher gewöhnlich die Form hohler, geflochtener, etwa 0,05 m ſtarker Stricke, welche in dem Gebrauch entſprechende Stücke zerſchnitten wurden. Bei Comorn wurden die von Opper— mann geleiteten Sprengungen mit Patronen ausgeführt, welche aus über einander gewickelten Schießwollfäden beſtanden(die Patronen hatten 62 g Gewicht, 0,107 m Länge und 0,026 m Durchmeſſer). Mit größerem Erfolge wurden bei Spren— gung der Wiener Wallmauern Patronen mit innerer Höhlung benutzt, welche, obwohl nur 46 g Schießwolle enthaltend, dieſelbe Wirkung äußerten, wie jene. Die Fabrik in Stowmarket liefert die zum Sprengen beſtimmte gepreßte Schießwolle in Cylindern von 2 bis 5,2 em Durchmeſſer und 2,6 bis 7,8 em ) Wiek's Gew.⸗Ztg. 1872, S. 220.—) Dingler, polyt. Journ. 104, 465. 8 de K Sprengungen mit Schießwolle. 37 in Länge; dieſelben haben eine axiale Durchbohrung etwa 4½ mm im Durchmeſſer, welche zur Aufnahme des Zünders dient. Jeder Cylinder iſt in eine Hülle dün— tück nen Pergamentpapiers eingeſchloſſen. eht, Da, wie man leicht aus der Zuſammenſetzung der Schießbaumwolle erſieht, Für der in ihr enthaltene Sauerſtoff nicht hinreicht, den Kohlenſtoff und Waſſerſtoff der vollſtändig zu verbrennen, ſind von verſchiedenen Seiten Zuſätze empfohlen wor— den, welche dieſem Mangel abhelfen ſollen. Coathupe und Caldwell tau— hen. chen Schießwolle 15 Minuten lang in eine concentrirte Löſung von chlorſaurem ung Kali und trocknen das imprägnirte Präparat. Combes 2) mengt 5 Thle. Schieß—⸗ ein wolle mit 4 Thln. chlorſaurem Kali oder der gleichen Menge Kaliſalpeter(reſp. toß 3,5 Thln. Natronſalpeter); er erhielt mit ſolchem Gemenge eine 9 Thln. Schieß— ber⸗ wolle entſprechende Wirkung. Derſelbe Effeet würde nach ihm durch 30 Thle. ieß⸗ Schwarzpulver erreicht worden ſein. tark Ob die Gefahr der Fabrikation und Handhabung durch Anwendung ſolcher ieſe Zuſätze zunimmt, iſt nicht angegeben. Dieſer Punkt war namentlich wichtig bei au, der früher gebräuchlichen Art, die Bohrlöcher zu beſetzen, welche Operation nie— mals gefahrlos iſt. inte Die Dimenſionen der Bohrlöcher ſind je nach den localen Verhältniſſen und gen den zu Gebote ſtehenden Sprengladungen verſchieden. Beiſpielsweiſe hatten die be⸗ von Oppermann angelegten einen Durchmeſſer von 6 bis 6,5 em und waren und für eine Ladung von 180 bis 2103 Schießwolle beſtimmt. Die Länge der hle. Bohrlöcher mußte dergeſtalt gewählt werden, daß außer dem durch die Ladung ein—⸗ (ver genommenen Raume noch 30 em für Pfropfen und Beſatz übrig waren. Die ran⸗ Zündung der Ladung erfolgte hier, wie auch bei früheren Gelegenheiten, entweder ieß⸗ durch den elektriſchen Funken oder vermittelſt Zündſchnüren, welche, ſelbſ aus öäh⸗ Schießwolle gefertigt, durch die Patrone hindurchgingen und außerhalb derſelben icht von einer waſſerdichten Hülle umgeben waren. Fig. 1. In der neueren Zeit hat man durch eine beſondere Art it 0 der Entzündung, welche zuerſt von Nobel beim Arbeiten mit hie⸗ Nitroglycerin eingeführt wurde, die Sprengarbeiten mit Schieß⸗ ſehr wolle weſentlich erleichtert und die Wirkung der letzteren erhöht. Die neue Methode beruht auf der natürlichen Vorausſetzung, daß, je tzen, vollſtändiger eine momentane Entzündung durch die ganze Maſſe ie b ſtattfindet, deſto größer die Wirkung ſein muß. Dieſe gleichzeitige auch Zerſetzung wird durch ein dreifach oder noch ſtärker geladenes Zünd⸗ er⸗ hütchen oder durch einen detonirenden Zünder?) bewirkt. Dieſer üder beſteht aus einer ſchwach koniſchen Kupferröhre, welche im unteren 715 Theile à)(Fig. 1) mit einem Knallſatz, im oberen be mit lockerer 115 Schießwolle gefüllt iſt, und in die an dem einen Ende eine Zünd⸗ dche, ſchnur mündet. Abel zeigte durch den Verſuch, daß 1,3 g Knallqueckſilber, eßte wenn ſie in einer Metallhülle eingeſchloſſen waren, genügten, die em 8 ) Jahresber. 1857, S. 357.— Liebig, Jahresber. 1, 1144.— 39) Dingler 192, 405. 38 Entzündung der Schießwolle. Exploſion zu bewerkſtelligen, auch wenn der Zünder 1 bis 2 em von der Ober— fläche der Schießwolle entfernt war; ja wenn zwiſchen beiden eine 1 em ſtarke Waſſerſchicht lag, wurde auch die Detonation der Schießwolle herbeigeführt. Die Wirkung dieſer Zünder zeigt ſich ſchon an freier Luft, indem compri— mirte Schießwolle, welche unter gewöhnlichen Umſtänden nur langſam abbrennt, mit heftigem Knalle explodirt, wenn ſie mittelſt jener entzündet wird. In einem Bohrloche iſt der Erfolg nach mehreren Berichten) ein coloſſaler; ein Hauptvor— zug beſteht darin, daß ein Beſatz nicht erforderlich iſt. Die Zeit, in welcher ſich die Exploſionsgaſe entwickeln, das Sprengmittel alſo zur vollen Kraftleiſtung ge— langt, iſt nämlich eine ſo verſchwindend kleine, daß nur ein minimaler Theil der enormen Kraft zur Ueberwindung des Atmoſphärendruckes verwendet werden kann. Mit Detonationszündern verfährt man auf folgende Weiſe: Das vorge— richtete Bohrloch wird bis zu der gewünſchten Höhe mit den oben) beſchrie— benen Schießwolleylindern gefüllt; dieſelben müſſen ſich ohne ſtarke Reibung, welche gefährlich werden könnte, einſchieben laſſen. Der entſtehende Spielraum iſt, wenn auch ſchädlich, doch unvermeidlich. Die mit Zündſchnur verſehene Kapſel, welche den Knallſatz enthält, wird feſt in die innere Höh— lung einer kleinen Patrone(Fig. 2, eine adjuſtirte Zünd— patrone: à Patrone,«% Detonationszünder mit Zünd— ſchnur) eingeſetzt, und dieſe auf die Ladung geſchoben. Verſuche, welchs' bei Chatam und Woolwich nach dieſem Verfahren angeſtellt wurden, ergaben überraſchend günſtige Reſultate. Mittelſt kleiner Mengen comprimirter Schießwolle wurden Granitblöcke, eiſerne Platten zerriſſen. Beim Umlegen von Mauern, Zerſtören von Palliſſaden, zeigte ſich ebenfalls die treffliche Wirkung. Auch bei ſub— marinen Sprengungen bewährte ſich die neue Entzündungs— art; jedoch muß in dieſem Falle für eine waſſerdichte Hülle Sorge getragen werden. Abel!) giebt an, daß der Effect der nach dieſer Methode entzündeten Schießwolle das Dop— pelte von dem auf gewöhnlichem Wege Erreichten betrage. Da durch Einführung der Detonationszünder nicht nur die Sprengwirkung bedeutend erhöht, ſondern auch die Arbeit durch Wegfall des Beſatzes erleichtert iſt, ſo darf man annehmen, daß die Schießwolle in der Sprengtechnik eine ſtetig wachſende Bedeutung gewinnen wird. Freilich iſt der theure Preis der Zünder, welche eine ſtarke Ladung enthalten müſſen, ein Nachtheil, welcher nicht unter— ſchätzt werden darf. Trauzl“) giebt an, daß 50 Kg Schießwolle durchſchnittlich Zünder im Werthe von 30 Thalern brauchen. In dieſem Umſtande erblickt Trauzl den Grund, warum in der Bergtechnik die Detonationszündung bisher nur beſchränkte Anwendung gefunden habe. Immerhin iſt dem Nitroglycerin und deſſen Präparaten in der comprimirten Schießwolle ein beachtenswerther Con— current erwachſen. ——⁵— Fig. 2. ) Dingler, polyt. Journ. 192, 165 und 405.—) S. S. 36.—) Ding—⸗ ler, polyt. Journ. 195, 364.—) J. c. S. 136. R 2EEECCCCCCCC00 ²hn n m h• 90 m P. 901 U ſu N 5 0 Ue ku er⸗ rke ri int, iem or⸗ ſich ge⸗ der un. ge— rie⸗ ing, um ſel, Vortheile der Schießwolle. Als Sprengladung für Hohlgeſchoſſe und Torpedos wird jetzt die Schießwolle in England angewendet; zur Füllung erſterer wird dieſelbe in Streifen oder cylin— driſche Ringe zerſchnitten. In Oeſterreich erhielten die einige Zeit eingeführten 3⸗, 4= und Spfündigen Granaten eine Ladung von reſp. 41,5, 50, 116,5 g. Die erhöhte Sprengwirkung äußerte ſich darin, daß die Granaten in circa 100 bis 120 Stücke zerſprangen, während unter ähnlichen Verhältniſſen bei Anwendung von Schießpulver die Zahl derſelben 40 ſelten überſteigt. Die in der engliſchen Marine eingeführten Torpedos, welche zu Woolwich fabricirt werden, erhalten ver— ſchieden ſtarke Ladungen, nämlich 250, 125 und 50 Kg Schießwolle. Aus den mannigfaltigen, vielſeitigen Erfahrungen, welche über die Anwend— barkeit der Schießwolle zu Schieß- und Sprengzwecken gewonnen ſind, ein rich⸗ tiges Facit zu ziehen, iſt nicht leicht. Die früheren Verſuche ſind nicht völlig maßgebend, weil ſie mit einer Schießwolle ausgeführt wurden, deren Beſchaffen— heit häufig mangelhaft war; erſt nach Einführung der weſentlichen Verbeſſerun⸗ gen in der Fabrikation und Handhabung durch v. Lenk und Abel kann man mit einiger Sicherheit die Wirkungen der Schießwolle mit denen des Schieß— pulvers vergleichen. So iſt denn der Vortheil, welchen die Anwendung der erſteren bei Sprengungen bietet, evident. Die früher benutzte Schießwolle hatte durch ihre Lockerheit den Nachtheil, große Bohrlöcher zu beanſpruchen; die Einführung der comprimirten hat dieſen Uebelſtand ſo gut wie vollkommen beſeitigt. Auch hat ſich bei engliſchen Ver— ſuchen ergeben, daß es nicht rathſam iſt, allzu tiefe Bohrlöcher anzulegen: In einem etwa Iem tiefen Rohkt loche zeigten 116 g comprimirter Schießwolle die Wirkung einer 7fachen Menge Pulver, in einem ,785 m tiefen entſprachen 58 g von jener dem gfachen Gewichte Pulver; endlich waren ſogar in einem 0,419 m tiefen Bohrloche 17 g Schießwolle der 10fachen Menge Pulver äqui— valent. In Folge der das Pulver bis um das 10fache übertreffenden Sprengwir— kung der S e iſt alſo auch eine entſprechend geringere Zahl Bohrlöcher nothwendig. Da nicht nur an Arbeit, ſondern auch an Zeit geſpart wird, fallen trotz des hohen Preiſes der Schießwolle die Geſammtſprengkoſten bis um die Hälfte geringer aus. Ein weiterer ſehr beachtenswerther Vortheil iſt durch die Verbrennung ohne Rauch bedingt. Bei Sprengungen in tiefen Gruben, deren Ventilation 5 wert iſt, macht der Pulverrauch dieſelben für längere Zeit unzugänglich. Der Vorzug der Schießwolle wird z. B. in ca liforniſchen 1) Gruben anerkannt, in Wiſcher das Schießpulver möglichſt wenig zum Sprengen benutzt wird. Nach anderen Berichten wirken die Verbrennungsgaſe der Schießwolle im Stollenbetriebe angreifend auf Kopf, Lungen und Kehle, jedoch nur wenn die Ex⸗ ploſion unvollſtändig geblieben war; Rauch wurde niemals bemerkt. Nach vielen Beobachtungen werden die W beim Sprengen mit Schießwolle bedeutender zerklüftet, jedoch weniger geſchleudert, als bei Anwendung von Pulver. Auch findet keine(oder nur eine ſehr 9829100 Schwärzung des ) Dingler, polyt. Journ. 180, 406. — ⏑--—— 40 Verpackung. Aufbewahrung. anſtehenden Geſteins ſtatt, welche z. B. bei Gewinnung von Steinſalz uner— wünſcht wäre. Während dieſe Vortheile der zu Sprengzwecken dienenden Schießwolle, denen ernſtliche Nachtheile kaum entgegenſtehen, von Tag zu Tag allgemeiner anerkannt werden, iſt das Urtheil über Anwendbarkeit derſelben zu Kriegszwecken verſchieden— artig ausgefallen. Die früher mit Recht betonten Nachtheile, wie Unbeſtändig— keit, briſante und ungleichmäßige Wirkung, ſind jedoch nach den neueſten Ver— ſuchen und Verbeſſerungen kaum noch vorhanden, ihre vollſtändige Beſeitigung ſcheint in Ausſicht zu ſtehen. Wie aus weiter unten!) mitgetheilten Verſuchen hervorgeht, iſt der Transport und die Handhabung von Schießwolle als durchaus gefahrlos zu betrachten. Die Schießwolle hat auch zu anderen, ſehr verſchiedenartigen Zwecken An— wendung gefunden. Abel 9 hat ſchöne pyrotechniſche Effecte dadurch erzielt, daß er Schießwolle mit Löſungen von Salzen tränkte, welche die Flamme färben. Wegen der Abweſenheit von Rauch können die Verſuche im Zimmer ausgeführt werden. Böttger empfiehlt Schießwolle als ausgezeichnetes Filtrirmaterial für ſtarke Säuren, auch Alkalien und leicht zerſetzbare Flüſſigkeiten(wie übermanganſaures Kali). Schließlich ſei noch ihre Anwendung zum Jöoliren bei elektriſchen Verſuchen (Bowman), zu Zündſchnüren(vergl. weiter unten S. 2) und in der Fär⸗ berei(pyroxylirte Gewebe) erwähnt. Verpackung, Aufbewahrung, Transport der Schießwolle. Die fertige, nach Lenk's Verfahren bereitete, Schießbaumwolle wurde bis zur Verarbeitung zu Patronen ꝛc. in mit Papier gefütterten Kiſten locker verpackt. Ebenſo wird die fertige Munition in leichten Kiſten möglichſt loſe zwiſchen Säge— ſpänen aufbewahrt. Seitdem man die Haupturſache der früher beobachteten und oft verhängniß— voll gewordenen freiwilligen Zerſetzung der Schießwolle in ihrer unvollkommenen Bereitungsart erkannt hatte, iſt man durch Verbeſſerung dieſer dahin gelangt, ein Product von genügender Haltbarkeit darzuſtellen. Die verſchiedenen Vorſchläge, die Beſtändigkeit zu erhöhen, ſind weiter oben“) angegeben worden. Noch iſt eines von Bleekrode⸗) gemachten Vorſchlages zu gedenken, welcher vielleicht nicht prak— tiſch zu verwerthen, immerhin bemerkenswerth iſt. Derſelbe hatte beobachtet, als er Schießwolle mit Schwefelkohlenſtoff(oder Benzol, Alkohol, Aether) befeuchtet hatte, um die Entzündung jener durch den elektriſchen Funken zu erleichtern, daß nur die angewendete Flüſſigkeit Feuer fing. Die Schießwolle bot inmitten der⸗ ſelben den Anblick einer ſchmelzenden Schneemaſſe dar. Bleekrode, auf dies ) S. S. 41.—) Chem. News. 14, 18.— 83) Jahresber. 1860, S. 467.— ) Vergl. S. 29.— 5) Dingler, polyt. Journ. 200, 388. ba un ien unt en⸗ ig⸗ er⸗ ng )en ius In⸗ aß en. hrt rke res jen är⸗ Transport. Production der Schießwolle. 4¹ eigenthümliche Verhalten ſich ſtützend, empfiehlt, Schießwolle mit einer der ge— nannten Flüſſigkeiten zu bedecken und dieſe vor dem Gebrauche abzudunſten. Während man früher ganz beſondere Vorſichtsmaßregeln für den Transport anwenden zu müſſen glaubte, haben neuere Verſuche von Wilſon und Pren— tice“) dargethan, daß die für den Transport von Schießpulver geltenden Be— ſtimmungen völlig ausreichend ſind. Schießwollladungen wurden beim Ueber— fahren mit Kohlenwaggons nur theilweiſe, mit Locomotiven regelmäßig entzündet; aber nur der getroffene Theil detonirte, während der nicht berührte verglimmte. Ebenſo zeigten Wilſon und Prentice, daß Schießwolle auch in größeren Men— gen, wenn nicht in einem engen Raume eingeſchloſſen, angezündet, nicht explodirt. Eine, aus leichten Brettern zuſammengeſetzte Kiſte mit 125 Ladungen compri⸗ mirter Schießwolle, welche 250 Kg Pulver entſprachen, verbrannte angezündet ohne Exploſion in einer halben Minute ab, wie ein Haufen loſen Strohs. So hat denn auch neuerdings eine engliſche Regierungscommiſſion in einem Gutachten?) ſich dahin geäußert, daß die comprimirte Schießwolle ein ſicheres, transportfähiges und bequem anzuwendendes Exploſivmittel ſei, und daß die Halt— barkeit deſſelben nichts zu wünſchen übrig laſſe, da neun Jahre alte Proben völlig unverändert gefunden ſeien. Werden auch die Schießwollproben in den Fabriken ſelbſt, namentlich auf ihren balliſtiſchen Werth, unterſucht, ſo iſt doch eine einfache Prüfung des im Handel vorkommenden Productes wünſchenswerth. Dieſelbe wird ſich meiſtens auf die Erkennung einer Verfälſchung mit gewöhnlicher Baumwolle beziehen. Die Probe Kindt's?) läßt ſich am beſten unter dem Mikroſkop ausführen. Auch die Eigenſchaft der Baumwolle, im polariſirten Licht ſehr hell und farbig zu erſcheinen, während Schießwolle wenig Licht reflectirt, kann dazu dienen, ſehr kleine Mengen Baumwolle aufzufinden. Gegenwärtig werden größere Quantitäten Schießwolle nur in England und zwar in Stowmarket von der Patent Safety Guncotton factory producirt. Dieſelbe verſandte im Jahre 1871 wöchentlich 8000 bis 10000 Kg comprimir— ter Schießwolle; der Preis von 1 Kg betrug damals 1¼, Thaler(im Jahre 1848 in Frankreich 1⅜ Thaler). Der noch ſehr hohe Preis wird ohne Zweifel mit wachſender Conſumtion ſinken; auch iſt zu erwarten, daß, falls ſich die mit der engliſchen Schießwolle erzielten günſtigen Reſultate auf die Dauer beſtätigen, eine lebhaftere Concurrenz in gleichem Sinne wirken wird. ) Dingler, polyt. Journ. 189, 78.— 2) Dingler, polyt. Journ. 203, 324. — 39) S. S. 24. eee ——— U ————.˖—˖——— SDEEEEeE..........— .......... Anhang. Collodium, ſeine Bereitung und Anwendung. Die unter wenig veränderten Bedingungen ebenfalls durch Einwirkung der Salpeterſäure auf Baumwolle entſtehende Varietät der Schießbaumwolle, die ſogenannte Collodiumwolle, hat eine mannigfache Anwendung gefunden. Me⸗ nard und Flores Domonte waren die erſten, welche ein in alkoholiſchem Aether lösliches Product neben einem unlöslichen erhielten. Sie ſchrieben beiden verſchiedene Zuſammenſetzung zu; dem erſteren gaben ſie die Formel: Cie His Ns O24, dem letzteren: Ci2 HIs NI OIis. Ihre Angaben waren in jeder Hinſicht unbeſtimmt. Béchamp fand nach ſeiner Analyſe, daß der Collodiumwolle die Formel: C6 Hs Nà2 OO σ Cs Hs O3s(NOz) zukomme: Gefunden Berechnet Kohleuftof; 3822 28,57 Waſſetſtoff??; 3,57 3,17 Sfickftöff; 078 11,11 Sauerſtoffk. 57,43 57,15 von Amerika aus bekannt, welche in der Chirurgie vortreffliche Dienſte leiſtete. Ueber ihre Bereitung gaben Souriſſeau und Lepage?) folgende Winke: Läßt man Schießbaumwolle in Aether mit Zuſatz von wenig Alkohol aufquellen, ſo erhält man nach öfterem Schütteln eine filtrirbare Löſung, welche beim Ein— trocknen eine durchſichtige Membran hinterläßt. Sehr bald zeigte ſich, daß nicht jede Schießwolle zur Collodiumbereitung tauglich ſei. Die leicht explodirende iſt durch Unlöslichkeit ausgezeichnet; ſie kann jedoch nach Mann in lösliche durch nachträgliche Behandlung mit einem geeig— neten Säuregemiſch übergeführt werden. Ein für Collodium geeignetes Product bildet ſich bei abnehmender Concentration des Säuregemiſches?) und bei Anwen— dung von Kaliſalpeter und Schwefelſäure. Dieſe Bedingungen ſind bei den beſten Vorſchriften, welche im Folgenden mitgetheilt ſind, eingehalten worden. Dawſon⸗) legt beſonderen Werth auf die Qualität der Baumwolle, auf deren langfaſerige Structur, welche bei der Sorte Sea Island und bei egyptiſcher am vollkommenſten ſei. Verſuche mit geringeren Sorten fielen ungünſtig aus. Bei Anwendung von Kaliſalpeter und Schwefelſäure empfiehlt Manns) auf 1 Thl. Baumwolle: 20 Thle. Kaliſalpeter und 31 Thle. Schwefelſäure(ſpecif Gew. 1,83 Schon im Jahre 1847 wurde eine Löſung unter dem Namen Collodium oder 34 Thle. Natronſalpeter u. 66 Thle. 5 A5 180)0 ) Liebig, Jahresber. 1, 1136.—) Liebig, Jahresber. 1, 1139.—) Vergl. Hadow's Unterſuchung, S. 26.— 5) Dingler, polyt. Journ. 178, 166.—) Lie— big, Jahresber. 6, 548. — ium tete. nke: len, Lin⸗ ung ann eig⸗ duct oen⸗ ſten auf cher n5) rgl. gie⸗ Darſtellung des Collodiums. Die Baumwolle, ſowie die Salze, können feucht angewendet werden. Man trägt letztere zerrieben in die Schwefelſäure ein und taucht, nach Abkühlung des Gemiſches auf 28 bis 300, die Baumwolle ein. Die vollſtändige Umwandlung derſelben ſoll erſt nach einigen Tagen erfolgt ſein; jedoch wird ſchon nach zehn Minuten langer Berührung ein brauchbares Product erhalten. Nach dem Heraus— nehmen wird das Präparat erſt mit kaltem, dann mit kochendem Waſſer gewaſchen, damit alles ſchwefelſaure Alkali entfernt wird. Luchs) bereitet in einem irdenen Gefäße ein Gemiſch durch Eintragen von 9 Kg geſtoßenen engliſchen Rohſalpeters in 20 Kg gewöhnlicher Schwefelſäure. Nach etwa 10 Minuten bringt er allmählich 1 Kg Baumwolle in fauſtgroßen Flocken in die breiartige Miſchung. Durch eifriges Umrühren wird für gleich— mäßige Benetzung und Einwirkung geſorgt. Dieſe iſt vollendet, wenn eine heraus— genommene Probe ſich nach dem Auswaſchen in alkoholiſchem Aether löſt. Das Product wird mit vielem Waſſer gewaſchen, zwiſchen Leinen getrocknet und 24 Stunden lang mit Alkohol, welcher dem Präparat die gelbe Farbe entzieht, in Berührung gelaſſen. Nach dem Auspreſſen des Alkohols wird daſſelbe in 2 Thln. 90procentigen Alkohols unter Zuſatz von 15 bis 20 Thln. Aether(ſpeeif. Gew. 0,73) gelöſt. Bei Anwendung eines Säuregemiſches hatte Hadow folgendes Verhältniß am geeignetſten gefunden: 89 Thle. Salpeterſäure(ſpecif. Gew. 1,424) und 104 Thle. Schwefelſäure(ſpecif. Gew. 1,833). Dieſelbe Vorſchrift wird auch in der deutſchen Pharmacopoe gegeben. Mann wendet auf 1 Thl. Baumwolle 13 Thle. Schwefelſäure(ſpecif. Gew. 1,632) und 12 Thle. Salpeterſäure(ſpecif. Gew. 1,512 bis 1,518) an. In dem auf 50 abgekühlten Gemiſche läßt man die Baumwolle 24 Stunden lang eingetaucht; die Temperatur ſoll nicht über 80 ſteigen. Nach vollſtändigem Aus— waſchen mit Waſſer und Trocknen iſt die Collodiumwolle fertig. Derſelbe hat auch zweckmäßig gefunden, die Baumwolle 10 Minuten lang in eine Miſchung von gleichen Theilen Schwefelſäure(ſpecif. Gew. 1,83) und Salpeterſäure(ſpecif. Gew. 1,42) bei 600 einzutauchen und nachher ebenſo wie die obige zu behandeln. Dies letztere Verfahren würde ſich durch Kürze empfehlen. Ein zu photographiſchen Zwecken geeignetes Präparat erhält man nach A. Vogel's 2) Angabe, wenn man 30 g Kaliſalpeter in 30 g engliſcher Schwe felſäure löſt, 2 8 Baumwolle in dieſem Gemiſch 5 Minuten lang tüchtig durch— arbeitet, nachher mit reichlichem Waſſer und ſpäter mit Alkohol auswäſcht; zuletzt wird das Präparat getrocknet. Nimmt man zu viel Baumwolle in Arbeit, ſo iſt häufig das Product optiſch verändert. Die Löslichkeit der Collodiumwolle iſt je nach ihrer Bereitung verſchieden; ein gutes Präparat ſoll ſich in 7 bis 8 Thln. Aether, welchem 1 Thl. Alkohol zugeſetzt iſt, loſen. Das ſo gewonnene Collodium muß wegen ſeiner dickflüſſigen Conſiſtenz noch weiter mit weingeiſtigem Aether verdünnt werden; iſt nicht voll— ſtändige Löſung eingetreten, ſo wird daſſelbe durch Gaze, Papier oder Baumwolle filtrirt. 1) Dingler, polyt. Journ. 166, 63.— 2) Dingler, polyt. Journ. 203, 502. 8 9 0 .......GPPCCCCC—— c1V— C„c(„„4„„„ö'äi— 5 44 Anwendung des Collodiums. Die Anwendung in der Chirurgie gründet ſich darauf, daß das eingetrock— nete Collodium an der Haut feſt hängt und durch ſeine ſtarke Zuſammenziehung vortrefflich geeignet iſt, Wundränder zu vereinigen. Dazu kommt der ſehr wich— tige Umſtand, daß die zurückbleibende Membran durch luft- und waſſerdichten Abſchluß die wunden Stellen ſchützt. Um ein möglichſt elaſtiſches Collodium— häutchen zu erhalten, hat Lauras) folgende Zuſätze empfohlen: Eine Löſung von 2 Thln. venetianiſchem Terpentin, 2 Thln. Ricinusöl und 2 Thln. weißem Wachs in 6 Thln. Aether wird mit einem Collodium gemiſcht, welches durch Auf— löſen von 8 Thlu. Collodiumwolle in 125 Thlnu. Aether und 8 Thln. Alkohol erhalten wird. Auch als Einhüllungsmittel für Aetzſtoffe iſt Collodium benutzt worden; ſo hat man ein Collodium corrosivum(zqueckſilberchloridhaltigy), ein Coll. cantha⸗- ridale(mit ätheriſcher Cantharidentinctur) dargeſtellt. Das Collodium hat in der Photographie eine ſehr wichtige Anwendung ge— funden, indem daſſelbe zum Präpariren der zu exponirenden Platten und des bhotogrphiſc hen Papiers dient und geradezu unentbehrlich geworden iſt. Auch in vielen anderen Zweigen der Technik hat das Collodium, wenn auch eſchränkten, Eingang gefunden. So dient es nach Strohlberger?) als treff— iches Schutzmittel gegen Anlaufen von Silberwaaren, welche gelinde erwärmt mit Collodium dünn und gleichmäßig beſtrichen werden.— In Amerika werden für künſtliche Gebiſſe Collodiumplatten gefertigt.— Mittelſt nicht ganz trocknen Col— lodiums hat Kneffels) Basreliefabdrücke von gedruckter Schrift erhalten, welche namentlich im durchſcheinenden Lichte ſehr gut ſichtbar ſind. Auch zur Anfertigung leichter Ballons iſt Collodium ſehr zweckmäßig; es genügt, mit demſelben das Innere eines Glaskolbens vollſtändig zu befeuchten; nach dem Verdunſten des Aethers löſt ſich die zuſammenhängende Membran leicht ab. Das Gewicht eines 100 ebem faſſenden Ballons beträgt etwa 0,03 g. Der Waänendünz Au waſſerdichten Hüllen für hygroſkopiſche Pulver) iſt ſchon gedacht worden. Auch Pillen hat man mit einem Collodiumhäutchen über—⸗ zogen, um ſie geſchmacklos zu machen. Zweites Capitel. Andere Pyroxylinſubſtanzen. Während in der Baumwolle faſt reine Holzfaſer, welche nur von fettigen Beſtandtheilen gereinigt werden mußte, dargeboten war, hat man auch verſucht, 9 h der Chemie, Band 2, 8. Abtheilung, redigirt von v. Fehling. Artikel: Collodium.— 2) Din 61270 polyt. Journ. 192, 73.— 3) Dingler, polyt. Journ. 202, 563.—) S. S. 5. we K zu ve eis f wi in lu w ge ge m zu be n; iſt er⸗ en Pyropapier. Schultze's Pulver. 45 weniger reine Celluloſe durch Einwirkung von Salpeterſäure in einen exploſiven Körper umzuwandeln. Pyropapier. Am nächſten lag der Gedanke, eine brauchbare Pyroxylinſubſtanz aus Papier zu erhalten. Das ſogenannte Pflanzenpapier iſt in der That zu dieſem Zwecke verarbeitet worden. Man hat daſſelbe durch zwei Minuten langes Eintauchen in ein Gemiſch von Salpeter- und Schwefelſäure in das ſogenannte Pyropapier übergeführt, welches nach Auswaſchen mit Waſſer, dem zuletzt Ammoniak zugeſetzt wird, und nachträglich mit reinem Waſſer, getrocknet wird. Das Pyropapier hat in Zündnadelgewehren Anwendung zu Zündſpiegeln gefunden. Schultze'ſches Pulver). Das vor einigen Jahren von dem Artilleriehauptmann E. Schultze(zu Pots— dam) in den Handel gebrachte weiße Schieß- und Sprengpulver hat zur Grund— lage nitrificirte Holzſubſtanz. Bei der Bereitung deſſelben iſt zunächſt möglichſte Reinigung des Holzes, namentlich von Saftbeſtandtheilen, vorzunehmen. Hartes Holz wird in dünne Blätter und dieſe mittelſt eines Durchſchlags in regelmäßige Körner zerſchnitten, welche mehrmals mit verdünnter Sodalöſung gekocht, ausge— waſchen, dann mit Dampf behandelt, wiederum mit Waſſer gewaſchen und endlich getrocknet werden. Darauf werden dieſelben mit Chlorkalk gebleicht, ausgewaſchen und ſchließlich nach dem Trocknen in das Säuregemiſch eingetragen. Sechs Gew.— Thle. der präparirten Holzkörner werden in 100 Thln. einer Miſchung von 28,5 Salpeterſäure(ſpecif. Gew. 1,48 bis 1,5) und 71,5 Schwefelſäure(ſpecif. Gew. 1,84) 2 bis 3 Stunden lang gut umgerührt, während man durch Abküh— lung Sorge trägt, daß das Gemiſch ſich nicht erwärmt. Nach der Einwirkung wird der größte Theil der Säure mittelſt einer Centrifuge entfernt, das Produet gewaſchen und mit verdünnter Sodalöſung gekocht, wieder gewaſchen und dann getrocknet. Zur Erhöhung ſeiner Wirkſamkeit wird das ſo gewonnene Pyrorylin mit einer Löſung von Kaliſalpeter, der auch Barytſalpeter oder Blutlaugenſalz zugeſetzt werden können, imprägnirt und ſodann bei 32 bis 440 getrocknet. Auf 100 Thle. Pyroxylin nimmt man 26 Thle. Kaliſalpeter(oder 22¼ Thle. deſſel— ben und 7½ Thle. Barytſalpeter) und 220 Thle. Waſſer. Der größeren Sicherheit wegen empfiehlt Schultze, das Pulver feucht auf— zubewahren und vor dem Gebrauche zu trocknen. Die Vorzüge deſſelben dem Schießpulver gegenüber beſtehen nach ſeinen Angaben in der zweis- bis dreifach ſtärkeren Wirkung; ſodann bildet daſſelbe keinen Rauch und hinterläßt kaum einen Rückſtand. Die Gaſe ſollen die Athmungsorgane weniger angreifen. In der Praxis haben ſich dieſe Vortheile nicht immer gezeigt. Schießverſuche, welche mit dem neuen Pulver in der Schweiz angeſtellt wurden, ergaben ein 1) Jahresber. 1864, S. 251 ff. U FRRRRRRRR 46 Pulver von Lannoy, Uchatius. ungünſtiges Reſultat. 49,5 g des weißen Pulvers trieben zwar die Kugel des Probirmörſers eben ſo weit, wie 92 9 Normalſchießpulver, jedoch waren die Wurfdifferenzen bei jenem bedeutend. Da das Volumen des erſteren das des Schießpulbers um das 2,5- bis 3,5fache übertrifft, ſo hat man zur Erreichung gleicher Effecte ein größeres Volumen von jenem nöthig. Die Verſuche, das neue Pulver in Stutzen anzuwenden, fielen höchſt ungünſtig aus. Zwar wurde ſtets nur geringer Rückſtand und wenig Rauch beobachtet; jener ließ ſich jedoch nur ſchwer entfernen. Wurden ungefettete Geſchoſſe angewendet, ſo traten bald Lade— hemmungen ein. Die im Saarbrück'ſchen und Mansfeldiſchen!) mit dem Schultze'— ſchen Pulver verſuchten Sprengungen lieferten ein günſtigeres Reſultat, wenn auch kaum Vortheile dem Schießpulver gegenüber ſich geltend machten. Hervorgehoben wird die Annehmlichkeit, daß in Folge des geringen Dampfes der Betrieb in Gru— ben nur kurze Störungen erleide. Die Koſten ſollen ſich etwa gleich ſtellen mit denen des Schießpulverbetriebes. Bei dem hohen Preiſe des weißen Pulvers (34 Thaler pr. 50 Kg 1865) und dem großen Volumen iſt eine vollſtändige Ausgleichung dieſer ungünſtigen Factoren kaum denkbar. Das in Holzſchleifereien gewonnene Holzzeug, welche aus fein zerfaſertem Holze beſtehend zu Papier gewöhnlich verarbeitet wird, iſt von Darapsky?) nitrificirt und als gelbes Schießpulver empfohlen worden. Lannoy'ss) weißes Pulver. Pyroxylinſubſtanz iſt auch in dem von Lannoy(in Brüſſel) eingeführten weißen Pulver(häufig Lithofracteur genannt) enthalten. Daſſelbe iſt ein Ge— menge von 13 Thlnu. Schwefel, 65 Thlu. Natronſalpeter und 22 Thln. Holz, Sägemehl oder Kleie, welche nitrificirt worden ſind. Das Pulver iſt ſchwer ent— zündlich, brennt langſam ab und ſoll nur als Sprengmittel dienen. Außer der Gefahrloſigkeit in der Handhabung wird als Vorzug hervorgehoben, daß das ge— ſprengte Geſtein gut losgelöſt und die Stücke nicht weit fortgeſchleudert wurden (Verſuche bei Aachen). Der ſtarke und ſtinkende Qualm, welcher bei der Ver— brennung entſteht, ſowie der hohe Preis(20 Thaler pr. 50 Kg 1860) ſind Nach— theile, welche einer Verbreitung des Pulvers im Wege ſtanden. v. Uchatius' Pulvers)(Nitroſtärke, Xyloidin, Pyroxam). Mit der Celluloſe gleich zuſammengeſetzt iſt die Stärke C6 H10 Os; dieſelbe theilt mit jener die Eigenſchaft durch concentrirte Salpeterſäure in eine exploſive Subſtanz überzugehen, wie ſchon Branconnot und Pelouze gezeigt hatten. 1) Berg⸗ u. Hüttenm. Zeitg. 1864, S. 236 und 348.—) Dingler, polyt. Journ. 175, 453 ff.— 3) Jahresber. 1860, S. 207.— 9 Dingler, polyt. Journ. 161, 146.— 6) Vergl. S. 16. Ae iſt na ſta lad ſc ſel des die des ung ieue tets nur e⸗ ze“⸗ iuch ben zru⸗ mit bers dige tem 97 rten olz, ent⸗ der ge⸗ eden Ber⸗ ach⸗ ſelbe ſive ten. Urn. 61, Knallzucker. v. Uchatius brachte zuerſt Schwefelſäure neben Salpeterſäure zur Anwendung. Da jedoch die Stärke in einem Gemiſch beider Säuren ſich ſtark zuſammenballt und ſo die Einwirkung erſchwert, löſte Uchatius 1 Gew. Thl. Kartoffelſtärke in 8 Thln. rauchender Salpeterſäure unter Abkühlung. Die dickflüſſige Löſung wird in dünnem Strahl in 16 Thln. concentrirter Schwefelſäure unter tüchtigem Um— rühren gegoſſen. Der entſtandene Brei bleibt zwölf Stunden ſtehen; die Maſſe wird dann mit einem Ueberſchuß von Waſſer ausgewaſchen, dem ſpäter Soda zugeſetzt wird. Nach wiederholtem Waſchen wird das weiße Pulver bei 50“ bis 600 getrocknet. Daſſelbe iſt ſehr hygroſkopiſch, in Waſſer und Alkohol unlöslich, dagegen in Aether löslich. Es ſcheint zu freiwilliger Zerſetzung i) ſehr geneigt zu ſein. Trocken iſt das Pulver ſehr exploſiv; ſein Entzündungspunkt liegt bei 175“. 1 Thl. wirkt nach Uchatius 2) wie 3,5 Thle. Schießpulver. In Schießwaffen äußert daſſelbe ſtark briſante Wirkungen. Uchatius beobachtete, daß äquivalente Schießpulver⸗ ladungen nur die halbe Gasſpannung erzeugten. Da die nachtheiligen Eigen— ſchaften dieſes Präparats durch vortheilhafte nicht aufgewogen werden, hat daſ— ſelbe nur eine ephemere Bedeutung gehabt. Drittes Capitel. Exploſivkörper, welche ſich von Zuckerarten ableiten. Die Zuckerarten ſtehen in ihrer chemiſchen Zuſammenſetzung der Celluloſe ſehr nahe, während in ihren phyſikaliſchen Eigenſchaften beide Claſſen weit von einander verſchieden ſind. Die Salpeterſäure wirkt ebenfalls auf Zucker ein; das Product iſt nicht minder durch Exploſivität ausgezeichnet, wie die Pyrorylinſub— ſtanzen. Die praktiſche Bedeutung der hier kurz zu beſprechenden Körper iſt jedoch eine ſehr untergeordnete. Knallzucker Witrorohrzucker, Nitrosacharose). Die Einwirkung der mit Schwefelſäure gemiſchten Salpeterſäure auf Rohr— zucker Ci2 Hꝛ2 O11 iſt ſchon von Schönbein?) ſtudirt worden. Er wendete ein Gemiſch von 2 Thln. engliſcher Schwefelſäure und 1 Thl. ſtarker Salpeterſäure an, welches bei 120 mit Rohrzucker in Berührung gebracht, dieſen in eine klebrige Maſſe verwandelt, welche nach dem Waſchen mit Waſſer und dem nachherigen Trocknen in eine feſte brüchige Maſſe übergeht. Bei gelinder Erwärmung wird dieſelbe weich und knetbar, bei ſtärkerer explodirt ſie heftig, ohne Rückſtand zu hinterlaſſen. ) Liebig, Jahresber. 6, 550.— 9) Dingler, polyt. Journ. 164, 123.— 3) Liebig, Jahresber. 1, 1146. bN FEEPCCCCCCCCCCCCCCCCC 48 Nitromilchzucker. Knallmannit. Da das Product, der ſogenannte Nitrorohrzucker(jedenfalls ein Salpeter— ſäureäther), ſich in Alkohol(auch Aether) löſt, hat man vorgeſchlagen, mit einer ſolchen Löſung das gewöhnliche Schießpulver zu überkleiden, welches ſo einen waſſerdichten Firniß erhält und an Exploſivität zunimmt. L. Thompſon)) empfahl den Knallzucker zu Feuerwerksſätzen. Nitromilchzucker. Der Milchzucker, welcher dieſelbe Zuſammenſetzung, wie Rohrzucker beſitzt, geht durch die Einwirkung des obigen Säuregemiſches in einen ebenfalls ſtark exploſiven Körper über, welcher aus Löſungen von Alkohol oder Aether kryſtalliſirt. Ueber die nähere Zuſammenſetzung dieſer beiden Knallpräparate iſt nichts Sicheres bekannt. Nitromannit(Knallmannit). Eine andere Zuckerart, der Mannit, welcher im Pflanzenreich ſehr verbreitet iſt(am reichlichſten im Safte der Mannaeſche), erleidet durch Salpeterſchwefelſäure eine analoge Umwandlung, wie die anderen Zuckerarten, von denen er ſich durch eine einfachere Zuſammenſetzung unterſcheidet. Stenhouſe) löſt den Manna— zucker in 4 Thlu. Salpeterſäure, ohne zu erwärmen, und ſetzt engliſche Schwefel— ſäure zu, bis keine Ausſcheidung mehr erfolgt. Streckers) nimmt auf 1 Thl. Mannit 4½ Thle. Salpeterſäure und 10½ Thle. Schwefelſäure; beide Säuren werden abwechſelnd in kleinen Portionen zugeſetzt. Reinſch?) ſetzt den Mannit zu der aus 1½ Thln. Schwefelſäure und 1 Thl. rauchender Salpeterſäure be— ſtehenden Miſchung unter ſtarkem Umrühren. In allen Fällen wird das aus⸗ geſchiedene Product gut ausgewaſchen und bei 400 getrocknet. Der ſo gewonnene Knallmannit iſt in heißem Alkohol reſp. Aether löslich und kann in ſchneeweißen nadelförmigen Kryſtallen erhalten werden. Seiner Entſtehung nach iſt auch dieſer Körper als ein Salpeterſäureäther aufzufaſſen. Der Mannit wird als ſechsatomiger Alkohol betrachtet; als ſolchem kommt ihm die Formel C6 Hs(OH), zu. Nach allen Reactionen ſeines exploſiven Umwand— lungsproductes iſt anzunehmen, daß in dieſem die ſechs Hydroxyle(0K4) durch gleich viele Salpeterſäurereſte vertreten ſind, ſo daß dem Knallmannit die Formel Cç Hs(NJO3)s entſpricht. Dies Präparat iſt durch ſeine ſtark exploſiven Eigenſchaften ausgezeichnet. Durch mäßigen Schlag verpufft es, wie Knallqueckſilber, ohne ſo empfindlich für Reibung und Erwärmung zu ſein, wie dieſes. Daher hat man den Knallmannit zur gefahrloſeren Füllung von Zündhütchen vorgeſchlagen. Daß derſelbe, wie es ſcheint, nicht Eingang gefunden hat, mag ſeinen Grund darin haben, daß er ſich beim Aufbewahren leicht zerſetzt. 1) Liebig, Jahresber. 1, 1146.— 9 Liebig, Jahresber. 2, 460.— 9 Ibidem, S. 467.—) Ibid. 469. ſäure der K beſten wonn wie 6 kryſta mirer eine! löslic ſivitä durch oder anger ſäure pulve gen demſe und Kali. billig Schie Pulv Spre Kalif dem 8 un den 1 polyt. E t, rt. — ο tet re lit er n. m ich tel et. ür lit eS ich Viertes Capitel. Pulverſorten mit Pikrinſäure und deren Salzen (mit einem Anhang: Diazoverbindungen). Die aus dem Phenol(Carbolſäure), Cs Hz(011), direct abzuleitende Pikrin— ſäure, Cs Hz(NJO2)s(OH), und namentlich einige ihrer Salze haben im Gebiete der Knallpräparate eine gewiſſe Bedeutung erlangt. Die Pikrinſäure wird am beſten durch gelindes Erwärmen von Phenol mit concentrirter Salpeterſäure ge— wonnen, kann jedoch durch daſſelbe Agens aus complicirteren organiſchen Körpern wie Seide, Salicin, Indigo, Harzen ꝛc. erhalten werden. Aus heißem Waſſer kryſtalliſirt dieſelbe in hellgelben Blättchen. Durch vorſichtiges Erhitzen ſubli— miren dieſe unverändert, durch ſchnelles erfolgt Exploſion. Die Pikrinſäure iſt eine wahre Nitroverbindung, wie auch die obige Formel zeigt. Das Kaliſalz der Pikrinſäure, Cs He(NO2)s OK, in heißem Waſſer leicht löslich, aus demſelben in goldgelben Nadeln kryſtalliſirend, iſt durch ſeine Explo— ſivität ausgezeichnet. Bei vorſichtigem Erhitzen auf 310e detonirt es heftig, ebenſo durch einen ſtarken Hammerſchlag. Das Ammoniakſalz ſcheint nicht durch Stoß oder Schlag entzündlich zu ſein, obwohl es auch bei 3100 detonirt. Die Pikrinſäure und ihre beiden Salze ſind zu Schieß- und Sprengpulvern angewendet worden. Borlinetto!) hat ein Gemenge von 10 Thln. Pikrin⸗ ſäure, 10 Thln. Natronſalpeter und 8,5 Thlu. chromſaurem Kali als Spreng⸗ pulver empfohlen, welches durch Reibung und Stoß nicht zur Exploſion zu brin— gen iſt. Näheres über Bereitung dieſes Pulbers und über Erfahrungen mit demſelben iſt nicht bekannt geworden. Das pikrinſaure Kali iſt ohne Zuſätze als Bombenfüllung in Nordamerika und England angewendet worden bei Verſuchen 2), Panzerplatten durchzuſchlagen. Die Grundlage des von Deſignolle?) angegebenen Pulvers iſt pikrinſaures Kali. Die von Caſtellaz gefundene Darſtellungsmethode liefert daſſelbe ſo billig, daß die Pulverſorten ihrem Werthe nach durchſchnittlich ebenſo theuer wie Schießpulver zu ſtehen kommen. Nach Deſignolle werden zu le Bouchet vier verſchiedene Gattungen ſeines Pulvers fabricirt, eine Sorte für Kleingewehr, zwei für Geſchütze, und eine für Sprenggeſchoſſe reſp. Torpedos. Die Pulver zu Sprengzwecken enthalten neben Kaliſalpeter nur pikrinſaures Kali bis zu 90 Proc, die für Schießzwecke außer— dem Kohle. In dem Geſchützpulver varirt die Menge des Pikrats zwiſchen 8 und 15 Proc, im Gewehrpulver ſteigt dieſelbe nicht über 20 Proe. Die Fabrikation geht in folgender Weiſe vor ſich: Die Gemengtheile wer— den mit 6 bis 14 Proc. Waſſer in Stampfmühlen 3 bis 6 Stunden lang zer— 1) Jahresber. 1867, S. 244.— 2) Jahresber. 1868, S. 301.— 3) Dingler, polyt. Journ. 192, 67 ff. Exploſivkörper und Feuerwerkerei. TCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCGPECCCCCCCCcCccCCCCCC 50 Pulver Deſignolle's und Brugoͤre's. kleinert und gemiſcht, der Satz ſodann mit einer hydrauliſchen Preſſe verdichtet, gekörnt, durch Siebe ſortirt, endlich polirt und getrocknet. Die Verdichtung wird mit verſchiedenem Druck bewirkt je nach dem zu erzielenden Effect und der ge— wünſchten Verbrennungsgeſchwindigkeit. Deſignolle zählt die regelmäßigen, genau zu berechnenden Wirkungen ſeiner Pulverſorten zu den Hauptvortheilen. Die Anfangsgeſchwindigkeiten von Pro— jectilen differirten nur um 1 bis 2 m. Sodann iſt hervorzuheben, daß der ge— ringe Rauch unſchädlich iſt, die Verbrennungsproducte nicht nachtheilig auf Metalle wirken, da Schwefel fehlt. Den Vorgang bei der Verpuffung im geſchloſſenen Raume denkt ſich Deſignolle unter dem Bilde folgender nicht ſehr wahrſchein— lichen Gleichung: 2[06 Ha NOz): OKI ν6N+5002 + K C05 + Ců + H20 A+ Ha. Berthelot) bildet eine Gleichung, welche der Wirklichkeit wohl mehr ent— ſpricht: 2[05 He NO2) OKI Æπ6N + 900 + 20 + E C05 + 2120. Die Wirkung des Deſignoll'ſchen Pulvers iſt größer als die des Schieß— pulvers(nach Jouglet ſind 60 g deſſelben 350 g Schießpulver äquivalent) und kann je nach der Menge des Pikrats innerhalb weiter Grenzen variiren. Trotz des höheren balliſtiſchen Werthes ſoll das Geſchützpulver weniger den Rohren zu— muthen, alſo weniger briſant ſein, als Schießpulber. Die Sprengpulver De— ſignolle's wurden in der franzöſiſchen Marine zur Ladung von Torpedos und Hohlgeſchoſſen eingeführt. Brugére)) hat bald nach Deſignolle das pikrinſaure Ammoniak zur Baſis eines Pulvers gewählt, welches aus 54 Thln. dieſes Salzes und 46 Thln. Kaliſalpeter beſteht. Das Pulver brennt, auf 3100 erhitzt, nur mit der halben Geſchwindigkeit des Schießpulvers ab; trotzdem ſoll es zwei- bis dreimal ſo kräftig als dieſes wirken. Als weitere Vorzüge werden von Brugsre folgende Punkte hervorgehoben: Geringe Hygroſkopicität, unbedeutender, nur aus kohlenſaurem Kali beſtehender, alſo den Metallen nicht ſchädlicher Rückſtand, wenig Rauch, welcher geruchlos iſt. Die kräftigere Wirkung des neuen Pulvers wurde durch Verſuche beſtätigt: In einem Chaſſepotgewehr leiſteten 2,6 g Ladung daſſelbe, wie die vorſchrifts— mäßigen 5,5 g Schießpulver. Nach der theoretiſchen Auffaſſung des Zerſetzungs— vorganges(nach Brugère: C6 He(NO2)s(ONIHII) + 2 KNO3 5 CO² +6N + 6H ++ K COz;) müſſen 100 g des neuen Pulvers 69,14 g Gaſe liefern, welche bei Oe und 0,76 m Druck einen Raum von 52,05 1 einnehmen; Bru— gore fand bei einem Verſuche 48 1. Die Gasmengen, welche beim Verbrennen von Pulver nach Bunſen und Schiskoff entſtehen, verhalten ſich zu den von Brugsre gefundenen, wie 1 zu 2,5. Der Preis des Pulvers iſt recht bedeutend, da er 32 Groſchen pr. Kg beträgt. ) Force de la poudre etc, pag. 187.— 2) Compt. rend. 69, 716 ff.— der) zu d Diaz bindr Weg füllu führi ſaure ſchwi Gri! gemi conce ſaure gefäll niſche⸗ zeichn Alfr glycer 95 Salze ner ro⸗ ge ule ien in⸗ nt⸗ zur In. ben tig ikte em ich, Diazoverbindungen. Nitroglyeerin. 517 Abel!) hat Verſuche mit Pulver aus denſelben Gemengtheilen(picric pow- der) angeſtellt und hält daſſelbe für geeignet als Sprengladung von Bomben ꝛc. zu dienen. Jedoch haben die Pikratpulver in England nicht Fuß faſſen können). Anhang: Einige Diazoverbindungen. Wie man die Pikrinſäure aus dem Benzol ableiten kann, ſo auch die wenigen Diazokörper, welche hier zu erwähnen ſind. Die chemiſch höchſt intereſſanten Ver⸗ bindungen ſind von Grieß entdeckt worden, welcher ſie aus Benzolderivaten erhielt. Wegen ihrer außerordentlichen Exploſionsfähigkeit ſind einige zur Zündhütchen⸗ füllung empfohlen worden. Die gefahrvolle Handhabung hat jedoch ihre Ein⸗ führung nicht begünſtigt. Knallanilin, ſalpeterſaures Diazobenzol(0% Hs Nz2. NOz) wird aus ſalpeter⸗ ſaurem Anilin durch Einleiten ſalpetriger Säure dargeſtellt; es ſoll durch Reibung ſchwieriger, durch Erwärmen leichter explodiren, als Knallſilber. Ein Verfahren, chromſaures Diazobenzol darzuſtellen, wurde von Caro und Grieß?) für England patentirt, nach welchem 1 Aequivalent ſalzſaures Anilin, gemiſcht mit 2 Aequiv. Salzſäure, kalt mit 1 Aequiv. ſalpetrigſaurem Kalk in concentrirter Löſung verſetzt wird. Aus der erhaltenen Löſung wird durch 1 Aequiv. ſaures chromſaures Kali +. 1 Aequiv. Salzſäure die chromſaure Verbindung gefällt. Fünftes Capitel. Nitroglycerin(Pyroglycerin) und Nitroglycerinpräparate. Hiſtoriſches. Das Nitroglycerin(der Name, obwohl nicht richtig gewählt, muß, da er in der Technik eingebürgert iſt, beibehalten werden) wurde ſchon im Jahre 1847 von A. Sombrero im Laboratorium von Pelouze entdeckt, blieb aber, obwohl Sombrero auf die exploſiven Eigenſchaften aufmerkſam gemacht hatte, auf tech⸗ niſcher Seite völlig unbeachtet. In Amerika gelangte der Körper unter der Be— zeichnung Glonoin zu einer ſehr beſchränkten mediciniſchen Anwendung. Erſt im Anfange der ſechsziger Jahre gelang es dem ſchwediſchen Ingenieur Alfred Nobel eine ſchnelle und gefahrloſe Darſtellungsmethode des Nitro— glycerins zu entdecken und eine zweckmäßige Art, daſſelbe in geſchloſſenen Räumen ) Jahresber. 1871, S. 312.— Ueber anderweitige Verwendung pikrinſaurer Salze ſ. weiter unten.— 3) Liebig, Jahresber. 20, 915. 4* 52 titroglycerin. Geſchichtliches. zur Exploſion zu bringen, ausfindig zu machen. Nobel hatte ſich von den ge— waltigen Wirkungen dieſes Körpers überzeugt und empfahl ihn zu Sprengungen in Tagebauten und Gruben. Unter der Bezeichnung„Nobel's Sprengöl“ wurde derſelbe 1863 in Schweden eingeführt, nachdem Nobel ſich ſeine Fabri— kationsmethode hatte patentiren laſſen. Seine Fabriken bei Stockholm und Hamburg producirten große Mengen Nitroglycerin, um der geſteigerten, auch in England, Deutſchland, Amerika ſich regenden Nachfrage Genüge zu leiſten. Durch entſetzliche Unglücksfälle im Laufe der nächſten Jahre(Exploſion der Stockholmer Fabrik, Kataſtrophe von Aspinwall, S. Francisco) trat eine Rück⸗ ſtrömung in der günſtigen Meinung, welche für das Sprengöl Platz gegriffen hatte, ein. Verbote, daſſelbe zu verwenden, wurden in Schweden und Belgien erlaſſen und erſchwerten natürlich ſeine Verbreitung außerordentlich. Als man jedoch mit Beſtimmtheit erkannte, daß unvorſichtige Behandlung des verſandten Nitroglycerins nachweislich die meiſten Exploſionen verſchuldet habe, als Nobel durch zahlreiche Verſuche überzeugend nachwies, daß bei richtiger Handhabung ſein Sprengöl nicht gefahrvoller als Schießpulver ſei, da wandte ſich die Gunſt der Technik wiederum dem Nitroglyeerin zu. Im Jahre 1866 gelang es Nobel, daſſelbe auf beliebig lange Zeit durch die ſogenannte Methyliſirung unexploſiv zu machen, und bald darauf brachte er ein noch gefahrloſeres Präparat in Geſtalt des Dynamits in den Handel. Nachdem durch Verſuche mit dieſem Sprengmittel das Anſehen des Nitro⸗ glycerins glänzend rehabilitirt worden war, tauchten bald andere Präparate auf, welche mit mehr oder weniger Erfolg in der Sprengtechnik eingeführt wurden; wir nennen Lithofracteur, Dualin, Fulminatin nꝛe. Während jetzt in der That dem Nitroglycerin bei Sprengungen eine höchſt bedeutſame Rolle zugetheilt iſt, hat daſſelbe begreiflicherweiſe wegen der mit der fluſſigen Form verbundenen Uebelſtände in den Feuerwaffen keine Verwendung finden können. Fabrikation des Nitroglyeerins. Die für die Darſtellung des Sprengöls erforderlichen Materialien: Glyeerin und ein Gemiſch von Schwefel- und Salpeterſäure, ſind ſehr leicht zu beſchaffen. Was die letzteren betrifft, ſo werden beide Säuren concentrirt angewandt; die Schwefelſäure hat, wie bei der Bereitung der Schießwolle, die Bedeutung, das durch die Einwirkung der Salpeterſäure auf Glycerin entſtandene Waſſer aufzu⸗ nehmen, alſo einer Verdünnung der Salpeterſäure vorzubeugen.— Das Glyeerin, ein integrirender Beſtandtheil der thieriſchen Fette, wird bei der Stearinfabrikation auf verſchiedene Weiſe gewonnen, am reinſten und zu unſerem Zwecke geeignetſten durch das Hochdruckverfahren. Das im Handel vor— kommende Glycerin enthält gewöhnlich bei einem ſpecifiſchen Gewichte von 1,24 bis 1,26 6 bis 2 Proc. Waſſer[ſpecif. Gew. des reinen Glycerins— 1,27 (Chevreuh, 1,28(Pelouze)l. Für die Verwendung des Glycerins zur Sprengöl— fabrikation iſt darauf zu ſehen, daß daſſelbe kalk- und bleifrei iſt. rege gen ſein ſchr geki Sal lich wur das aus urfz Thl So eine nick zwa Qu =I Me wer Au gen Ka gee tige zu troe 1„5 frü Ge fah an we An dät ber 22 ge⸗ igen jöl“ bri⸗ und auch der kück⸗ iffen gien man dten obel ung zunſt bel, v zu des itro⸗ auf, rden; öchſt t der dung cerin affen. die das iufzu⸗ d bei id zu vor⸗ 12⁴ 37 engöl⸗ Fabrikation des Nitroglycerins. Im Allgemeinen ſind die für die Schießwollbereitung herrſchenden Grund— regeln) auch bei der Darſtellung des Nitroglycerins gültig, wie aus den im Fol⸗ genden beſchriebenen Methoden hervorgeht. Seit der Entdeckung des Nitroglycerins ſind ſehr zahlreiche Vorſchriften zu ſeiner Darſtellung veröffentlicht worden, welche mehr oder weniger genau zu be⸗ ſchreiben ſind: Sombrero) ſelbſt operirte im Kleinen ſo, daß er in ein ab⸗ gekühltes Gemiſch von 2 Thln. Schwefelſäure(ſpecif. Gew. 1,831) und 1 Thl. Salpeterſäure(ſpecif. Gew. 1,525) unter Umrühren ½ Volumen Glhyeerin allmäh⸗ lich eingoß und Erwärmung vermied. Nach Abſcheidung des entſtehenden Oels wurde das Ganze in das 15⸗ bis 20⸗/fache Volumen kalten Waſſers geſchüttet, das am Boden ſich anſammelnde, in Waſſer faſt unlösliche, Produet ſorgfältig ausgewaſchen und zuletzt im luftverdünnten Raume getrocknet. Die übrigen Vorſchriften weichen nur wenig, nicht principiell von der urſprünglichen Sombrero's ab. Präger und Bertram) laſſen auf 1 Gew.⸗ Thl. Glycerin 8 Thle. eines Gemiſches wirken, welches ebenſo, wie das von Sombrero angewandte, zuſammengeſetzt iſt. Liebe wendet die ſechsfache Menge einer gleichen Miſchung an und ſchreibt vor, daß die Temperatur bei der Reaction nicht über 250 ſteigen ſoll. De Vrij!) wendet nur ſtarke Salpeterſäure an und zwar 200 ebem derſelben auf 100 g Glyeerin. Während die eben mitgetheilten Vorſchriften nur die Darſtellung kleiner Quantitäten Sprengöl betreffen, ſind allmählich die für die Praxis zweckmäßigſten Methoden bekannt geworden. Nobel's) Verfahren lernte man erſt nach der Patentirung für Bayern, wenn auch nur in äußeren Umriſſen, kennen. Er ſtellt das Säuregemiſch durch Auflöſen von 1 Thl. Kaliſalpeter in 3½ Thln. Schwefelſäure in großen Men⸗ gen vorräthig dar. Aus der auf 00 abgekühlten Löſung kryſtalliſirt faſt alles Kali als ſaures ſchwefelſaures Salz aus. Das gewonnene Gemiſch läuft mit der geeigneten Menge Glyeerin durch ein Rohr in ein Gefäß, in welchem durch tüch⸗ tiges Umrühren die Miſchung, ohne daß man nöthig hat beſonders für Abkühlung zu ſorgen, vollendet wird. Das Produet wird nach ſorgfältigem Auswaſchen ge— trocknet. Nur bei Anwendung ſehr ſtarker Salpeterſäure(von dem ſpecif. Gew. 1,52) iſt vorſichtigeres Operiren nöthig. Nach Angaben Lieke's) ſoll Nobel früher ein Gemiſch von Schwefelſäure und einer ſchwächeren Salpeterſäure(ſpecif. Gew. 1,3) angewendet haben. Ausführlicher hat E. Kopp'“) über ein von ihm mit Erfolg benutztes Ver— fahren berichtet; er hatte bei demſelben hauptſächlich Einfachheit im Auge, damit an Ort und Stelle, wo geſprengt werden ſollte, das Präparat ſelbſt dargeſtellt werden könne, um ſofort oder ſehr bald verwendet zu werden. Nach den neueſten Angaben bereitet Kopp das Säuregemiſch durch Einleiten von Salpeterſäure— dämpfen in Schwefelſäure(ſpecif. Gew. 1,834), welche ſich in Woulf'ſchen Fla⸗ ) Vergl. S. 19, 20.— 2) Ann. Chem. Pharm. 64, 398.— 5) Liebig, Jahres⸗ bericht 7, 450.—) Liebig, Jahresber. 8, 626.—5) Dingler, polyt. Journ. 183, 221.— 6) Dingler, polyt. Journ. 179, 157.— 7 S. Dingler, polyt. Journ. 182, 237.— Jahresber. 1868, S. 345.— Wiek's Gew.⸗Zeitg. 1871, S. 158. N 2222ͤ n ͤ Ü—ZL——:ĩ ͥͤ— 54 Fabrikation nach Kopp. ſchen befindet. Die ſo erhaltene ſogenannte Nitrirſäure kann in guß- oder ſchmiede— geſtel eiſernen Gefäßen transportirt werden, ohne dieſelben anzugreifen; die zerbrechlichen digen Glasballons werden alſo vermieden. des Die zur Darſtellung des Nitroglycerins nöthigen Utenſilien ſind fol- hlälter gende: Fig. 3. Großes Gefäß aà von Steingut zum Abkühlen und Waſchen brach des Nitroglycerins; gußeiſernes Gefäß) zum Miſchen(außer- und innerhalb über mit einer Marke verſehen); Maßgefäß« aus Weißblech oder Porcellan für und! Glycerin; Glastrichter à mit Kautſchukſchlauch, Quetſchhahn und Abflußrohr. aufge Endlich ein eiſerner Stab, mit Marke verſehen, zum Umrühren. In dem Gefäße 4 befinden ſich 5 bis 6 Liter eiskalten Waſſers; von dieſem umgeben ſteht das Gefäß b, in dem 2,8 Kg Nitrirſäure allmählich mit 350 9 Glyeerin, welches aus 6 zufließt, gemiſcht werden. Nach 5 Minuten langem Rühren mit dem eiſernen Stabe wird das Rohproduct in ſteinernen Gefäßen(4) gewaſchen, ſodann decantirt und zuletzt der Scheidetrichter 4 zur Beſeitigung der letzten Waſſermengen benutzt. Fig. 3 N Das Kopp'ſche Verfahren zeichnet ſich durch Einfachheit und Kürze aus; in einer Stunde können 3 bis 4 Operationen gemacht werden. Die Ausbeute 15125 beträgt 500 bis 700 g, alſo 143 bis 200 Proc.(theoretiſch 246 Proc.). Das 1118 einer ſo gewonnene Nitroglycerin beſitzt allerdings nicht den Grad der Reinheit, wel— cher für eine längere Aufbewahrung unbedingt erforderlich wäre. f50 15 ieße Rudberg)(in Stockholm) hat einen einfach zu handhabenden Apparat Holzt zur ununterbrochenen und gefahrloſen Darſtellung des Nitroglycerins empfohlen; derſelbe iſt in Fig. 4 in Vorderanſicht, Fig. 5(a. S. 56) im Längenſchnitt dar⸗ Cana 115—— fließe “ Dingler, polyt. Journ. 187, 207 ff. verſch en en lb ür r. m en n, m in en 222*Xù.27;] ͤ——ͤ————⁹2e * Fabrikation nach Rudberg. 5 geſtellt. Das in einer bleiernen Kufe bereitete Säuregemiſch wird nach vollſtän— digem Erkalten in das Gefäß Jabgezapft; daß Gefäß 2 dient zur Aufnahme des abgewogenen Glycerins, s wird mit kaltem Waſſer gefüllt. Alle dieſe Be— hälter ſind mit Abflußröhren 4, B,, verſehen, an denen Hähne 4, b, meange— bracht ſind. Die Gefäße 1 und 2 communiciren mit einem Kaſten C, welcher über einem mit Blei ausgefütterten, mit treppenartig vertheilten Fächern verſehenen und von einem Holztrog waſſerdicht umſchloſſenen Canale D entweder pendelartig aufgehängt iſt oder auf Rädern ruht, ſo daß demſelben mit einer Lenkſtange und einer Kurbel, wie aus den punktirten Linien in Fig. 4 erſichtlich iſt, eine con⸗ tinuirliche, hin-und hergehende Bewegung ertheilt werden kann. In dem Trichter⸗ rohre des Kaſtens Ciſt ein Thermometer angebracht, an welchem die durch die Reaction erzeugte Temperatur abgeleſen wird. Das aus dem Behälter à aus⸗ fließende Waſſer erfüllt die Zwiſchenräume zwiſchen dem Canal D und dem Holztroge und fließt durch das Rohr u wieder ab. 5 Bei der Darſtellung von Nitroglycerin läßt man zuerſt das Kühlwaſſer den Canal D umſpülen, ſodann das Säuregemiſch in den Trichter des Gefäßes 0 fließen, welches in oscillirende Bewegung geſetzt wird, ſo daß das Gemiſch in die verſchiedenen Fächer des Canals D abfließen kann. Sobald die Säure aus allen ited PFPP0C000C0 56 Fabrikation nach Mowbray. dieſen Gefachen herauszurinnen beginnt, läßt man das Glycerin austreten(durch ni den Hahn b); die Reaction iſt vollendet, nachdem die Flüſſigkeiten den Canal D en paſſirt haben. Man läßt dann das erhaltene Gemiſch in den Behälter 4ab— 5 fließen, welcher am beſten mit Waſſer gefüllt iſt; das Nitroglycerin ſetzt ſich zu ſã Boden und wird ſorgfältig ausgewaſchen. Die Temperatur wird ſtets unter 300 erhalten. Ueber die bei dieſem Verfahren erzielte Ausbeute iſt nichts mitgetheilt 11 0 wi Fig. 5. ge vo fã gl. au M ‚ du tre fa be lic Al Wümee 1 du fü ge B w un da Eine durch mehrere Modificationen verbeſſerte Fabrikationsmethode hat lee Mowbray)(auf den Hooſac Tunnel Works in Maſſachuſetts) eingeführt. Das di gewonnene Nitroglycerin wird meiſtens an Ort und Stelle der Bereitung ver— wendet; der durchſchnittliche tägliche Bedarf beträgt 75 Kg(es handelt ſich um gl Anlage eines Tunnels von 7860 m Länge). In neun langen, hölzernen, etwa N Im über dem Boden aufgeſtellten Trögen, welche mit Eis und Kochſalz angefüllt de ſind, ſtehen Steingutflaſchen kim Ganzen 116) mit Säuregemiſch, welches ebenſo zu wie das Kopp'ſche?) bereitet, aber vor der Anwendung durch einen ſtarken Luft— ce. ſtrom von Unterſalpeterſäure befreit wird. In daſſelbe läßt man Glycerin(und ni zwar 1 Kg auf 8,5 Kg Gemiſch) eintröpfeln; die Miſchung wird durch einen U Strom kalter, trockner Luft bewerkſtelligt. Der Vortheil dieſer Art, umzurühren, wW beſteht außer der bewirkten Abkühlung auch darin, daß die ſtets ſich bildenden ſde ) Dingler, polyt. Journ. 192, 172 und 206, 184 ff.— 2) Vergl. S. 53. urch D ab⸗ zu 300⁰ eilt hat Das ver⸗ um twa üllt enſo uft⸗ und nen ren, den Fabrikation nach Champion, Forſter. 57 niederen Oxydationsſtufen des Stickſtoffs, wie ſalpetrige und Unterſalpeterſäure entfernt werden. Dieſer Umſtand iſt ohne Zweifel von großer Wichtigkeit, wenn man bedenkt, daß höchſt wahrſcheinlich durch die Gegenwart von Unterſalpeter— ſäure ꝛc. die Neigung zur freiwilligen Zerſetzung in hohem Grade geſteigert wird. Die Temperatur wird während der Reaction, welche für jede Portion etwa ½ Stunde dauert, mit dem Thermometer beaufſichtigt; ſtärkerer Erwärmung wird durch lebhaftes Umrühren und verlangſamtes Eintröpfeln von Glycerin vor— gebeugt. Nach der Einwirkung wird der Inhalt von zwei Töpfen in ein Reſer— voir mit circa 180 1 Waſſer gegoſſen und das ausgeſchiedene Product nach ſorg— fältigem Waſchen(dreimal mit Waſſer, zweimal mit verdünnter Sodalöſung) in gläſerne oder Steingutgefäße abgezapft. Die Ausbeute an reinem, farbloſem Sprengöl iſt ſehr bedeutend, wenn ſie 199 die theoretiſch verlangte nicht ganz erreicht. Aus 21 Kg Glyeerin erhält Mowbray durch ſch nittlich 47 Kg Nitroglycerin(theor. 51,7). Das fertige Pro— duct wird erſtarrt in Weißblechflaſchen aufbewahrt, auch in gefrorenem Zuſtande transportirt. Die Mowbray' ſce Methode zeichnet ſich durch die große Sorg— falt aus, mit der alle Operationen ausgeführt Werden was die Dauer derſelben betrifft, ſo erfordert das Auswaſchen 72 Stunden, die Kryſtalliſation 48 Stunden. P. Champion y) betont bei der von ihm empfohlenen Methode die mög— lichſt ſchnelle Ausführung der Miſchung von Glycerin und Salpeterſchwefelſäure. Am geeignetſten fand er folgende Verhältniſſe der Materialien: 380 g Glyeerin (1,27 ſpecif. Gew.) für ein Gemiſch von 1 Kg Salpeterſäure(J,52 ſpeeif. Gew.) und 2 Kg Schwefelſäure. Die Salpeterſäure wird vor dem Gebrauche bei 700 durch einen Luft- oder Kohlenſäureſtrom von Unterſalpeterſäure befreit. Das Ge⸗ fäß, in welchem die Miſchung des Glycerins mit dem Säuregemiſch vor ſich gehen ſoll, iſt um eine horizontale Achſe drehbar; über demſelben befindet ſich der Behälter mit Glycerin, welcher raſch umgedreht werden kann. Die Einwirkung wird durch einen in das Miſchungsgefäß geleiteten ſtarken Luftſtrom beſch leunigt, und nach kurzer Zeit der geſammte Inhalt durch Umdrehen des Behälters in ein darunter befindliches großes Reſervoir mit Waſſer und einer Rührvorrichtung ent— leert. Zum vollſtändigen Entſäuren des Products wird daſſelbe zuletzt mit ver⸗ dünnter Sodalöſung gewaſchen. Die Ausbeute betrug durchſchnittlich 200 Proc. In der Fabrik von M. v. Forſter) in Opladen bei Cöln wird das Nitro— glycerin in Steinkübeln bereitet, welche während der Operation durch fließendes Waſſer oder eine Miſchung von Eis und Kochſalz abgekühlt werden. In jedem derſelben befinden ſich 1 Kg concentrirte Salpeterſäure und 2 Kg Schwefelſäure, zu welchem Gemiſch allmählich in Portionen ½ Kg kalk- und bl eifreies Gly⸗ cerin unter ſtarkem Umrühren zugefügt wird. Die Temperatur ſoll 15 bis 200 nicht überſteigen. Iſt alles Glycerin zugefügt, ſo läßt man ¼ Stunde ſtehen und gießt dann den Geſammtinhalt portionsweiſe in Waſſer. Dem letzten Waſch— waſſer wird 1 Proc. Magneſia zugeſetzt. Das erhaltene Nitrogly cerin wird aus⸗ ſchließlic zur Dynamitfabrikation verwendet. 1) Jahresber. 1871, S. 307 ff.— 2Cölniſche Zeitg. 1872, Nr. 29. irNe SEEEE...˖....˖˖.˖˖.˖.˖.˖˖....— 227CCCCCCC.C.......cc˖c˖ ——— 58 Fabrikation nach Capitaine. F. Capitaine hat genauere Mittheilungen gemacht über die Fabrikation W von Nitroglycerin, welches zu Dynamit verarbeitet wird; täglich werden gegen Fäl 2500 Kg Dynamit bereitet. Das Säuregemiſch wird in gußeiſernen Keſſeln Ber einen Tag vor der Verwendung dargeſtellt; in einem Keſſel mengt man 650 Kg hat Salpeterſäure, welche aus gleichen Theilen Schwefelſäure und Natronſalpeter be— reitet iſt, mit 1300 Kg engliſcher Schwefelſäure. Das Gemiſch wird in einem Jod hölzernen, mit Bleiplatten ausgefütterten, Bottich von 2:mu Höhe und 1,2 m zerſ Durchmeſſer abgelaſſen; in demſelben geht die Einwirkung auf das Glycerin vor ſich. ind Zum Kühlen dienen zwei Bleiſchlangen, welche von kaltem Waſſer durchſtrömt We werden, jede derſelben kann nach Belieben ausgeſchaltet werden. Auf 1950 Kg zu Gemiſch läßt man 315 Kg Glyeerin einwirken. Daſſelbe befindet ſich in einem ſteh Blechgefäß auf dem Dache des Schuppens, in dem der Apparat ſteht; der Zufluß 33 wird durch einen Hahn regulirt. Beginnt die Einwirkung, ſo ſetzen drei Arbeiter Au die Rührvorrichtung, welche aus zwei mit Blei überzogenen und durchlöcherten Eiſenplatten beſteht, in auf- und abgehende Bewegung; ein weit aus der Flüſſig⸗ es 5 keit herausragendes Thermometer wird aufmerkſam beobachtet; man läßt die Tem— um peratur am beſten nicht über 180 ſteigen. Je nach der Jahreszeit dauert eine Unt Operation ½ bis 2½ Stunden. Nach Beendigung derſelben wird die geſammte Flüſſigkeit in einen hölzernen Bottich von circa 2,6 m Höhe und gegen Am Durch— Sn meſſer, welcher mit Waſſer zum Theil gefüllt iſt, mittelſt Bleirinnen geleitet; ſelb. während des Einfließens wird mit hölzernen Krücken tüchtig umgerührt. Das auß Sprengöl ſammelt ſich am Boden des ſchwach geneigten Bottichs an und wird port behufs weiteren Auswaſchens in einen kleinen Behälter abgelaſſen. Nachdem dem chu Waſchwaſſer Soda zugeſetzt iſt, wird das Nitroglycerin zur vollſtändigen Ent⸗ ſror ſäuerung in einem Gefäß mit zweckmäßiger Rührvorrichtung, der ſogenannten nur Buttermaſchine, mit Sodalöfung in innige Berührung gebracht und nach dieſer geth Behandlung abgezapft. Die verſchiedenen Operationen geſchehen möglichſt ge— iſt trennt, in verſchiedenen leicht gebauten Schuppen, welche durch Erdwälle geſchieden 25 ſind. Die Ausbeute, welche im Winter am beſten ausfällt, beläuft ſich auf 475 Sid bis 600 Kg Sprengöl von den angewendeten 315 Kg Glycerin, alſo 151 bis Cell 190 Proc. Rea werk Eigenſchaften und Zuſammenſetzung des Nitroglycerins. 1550 nach Das von Säuren befreite, getrocknete Nitroglycerin iſt eine meiſt hellgelbe, 95 ölige, geruchloſe Flüſſigkeit von füßlichem, brennendem Geſchmack; ihr ſpecifiſches n0 Gewicht iſt 1,6. Sie wirkt ſchon in kleinen Doſen giftig. Schuchardt) hat 5 über die an ſich ſelbſt wahrgenommenen Symptome Mittheilung gemacht. Ein 5 Tropfen, welchen er verſchluckte, bewirkte Kopfſchmerz, Schwindel, Mattigkeit; in höherem Grade zeigten ſich die Wirkungen, als er aus Unvorſichtigkeit mehr l Nitroglycerin in den Schlund bekommen hatte; Bewußtloſigkeit wechſelte ab mit Uebelkeit und Schüttelfroſt. Aber auch der Dampf des Nitroglyeerins ſcheint, 5 8 8 72 ) Dingler, polyt. Journ. 206, 34 ff.— 2) Dingler, polyt. Journ. 180, 406. 172. 8 t Eigenſchaften, Zuſammenſetzung des Nitroglycerins. 59 wenn auch in geringerem Maße, ſchädlich zu wirken. Jedoch iſt in den meiſten Fällen, wenn Klagen über ſchädliche Wirkung des Sprengöls laut wurden, directe Berührung mit der Haut die Urſache der beginnenden Vergiftung geweſen. Man hat deshalb häufig die Arbeiter mit Handſchuhen arbeiten laſſen. Als Gegengift iſt ſchwarzer Kaffee empfohlen worden, zum Einreiben Aetzkalilauge und wäſſerige Jodwaſſerſtoffſäure, welche das Nitroglycerin unter Rückbildung von Glyeerin zerſetzen ſollen. Schuchardt iſt überzeugt, daß Sprengöl die Haut durchdringe und mit dem Blute Zerſetzung erleide(vielleicht unter Stickoxydulbildung). Nach Werber)laſſen ſich die geringſten Mengen Nitroglycerin durch ſein Verhalten zu Anilin und concentrirter Schwefelſäure nachweiſen; nach Zuſatz beider ent— ſteht eine purpurrothe Färbung, welche durch Waſſer in Grün übergeht. Das Nitroglycerin iſt in Alkohol, Aether, Holzgeiſt, Benzol leicht löslich. Auf ſeiner faſt abſoluten Unlöslichkeit in Waſſer beruht die leichte Darſtellung eines reinen Productes. Wird ein ſolches auf etwa + 80 abgekühlt, ſo erſtarrt es zu einer feſten, kryſtalliniſchen Maſſe und dehnt ſich nach den meiſten Angaben um etwa ½16 aus; nach Mowbray zieht es ſich um ½4 zuſammen. Dieſer Unterſchied ſoll auf der größeren Reinheit des Mowbray'ſchen Präparates, namentlich auf Abweſenheit von ſalpetriger Säure beruhen. Das gefrorene Sprengöl thaut bei circa E 11“ wieder auf. In gefrorenem Zuſtande iſt daſ— ſelbe ganz ungefährlich), vorausgeſetzt daß die nöthigen Vorſichtsmaßregeln nicht außer Acht gelaſſen werden. In Schweden, wo es meiſtens kryſtalliſirt trans— portirt wird, iſt kaum ein Unglücksfall vorgekommen. Die Exploſionen in Bo— chum und Hirſchfeld?) ſind durch grenzenlos leichtfertige Behandlung des ge— frorenen Sprengöls herbeigeführt worden. Daſſelbe darf, wie Nobel vorſchreibt, nur in lauwarmem Waſſer, keinenfalls in unmittelbarer Nähe eines Ofens auf— gethaut werden; eine Bearbeitung deſſelben mit harten oder ſpitzen Inſtrumenten iſt unbedingt zu unterlaſſen. Die chemiſche Zuſammenſetzung des Nitroglyeerins iſt jetzt mit genügender Sicherheit feſtgeſtellt. Ebenſo, wie an der Bildung der Schießbaumwolle) aus Celluloſe drei Atome Salpeterſäure theilgenommen haben, ſo auch hier. Die Reaction kann durch folgende Gleichung mit empiriſchen Formeln verſinnlicht werden: Cz Hs O3 +3 HNOg S3 H2 O+ C3 Hz Nà 09. Aus dieſer Gleichung kann leicht der Bedarf an Salpeterſäure und die mög— liche Menge Nitroglycerin berechnet werden: 100 Thle. Glycerin erfordern dem— nach 205,4 Thle. Salpeterſäure, um 246 Thle. Sprengöl zu liefern. Da ſich der Umwandlungsproceß nie genau in der angegebenen Weiſe vollzieht, ſondern noch andere Producte entſtehen, auch ein Theil des Glycerins unangegriffen bleibt, erreicht die wirkliche Ausbeute niemals die theoretiſch geforderte Höhe. Die Ana— lyſe des Nitroglycerins bietet wegen der leichten und exploſiven Zerſetzung große Schwierigkeiten dar(vergl. Analyſe der Schießwolle S. 25). Die chemiſche Natur des Körpers iſt durch die Reactionen, welche derſelbe mit verſchiedenen Agentien zeigt, feſtgeſtellt worden. Wäre er, wie man früher 5 ) Liebig, Jahresber. 20, 878.— 9 Vergl. Dingler, polyt. Journ. 192, 172.— 9) Dingler, polyt. Journ. 178, 411 und 469.—) Vergl. S. 25. 1dNed 60 Zerſetzung des Nitroglycerins. annahm und wie der noch übliche Name andeutet, eine Nitroverbindung lein Tri— nitroglycerin), ſo würde er durch Reductionsmittel, wie naſcirenden Waſſerſtoff, Schwefelammonium u. a., in eine Amidoverbindung übergehen nach Analogie des Nitrobenzols, der Pikrinſäure u. a. Da aber durch Reduction Glyeerin regenerirt wird, ferner durch Einwirkung von Aetzalkalien die entſprechenden ſalpeterſau— ren Salze und Glyeerin entſtehen, ſo muß das Nitroglycerin unzweifelhaft als Aether der Salpeterſäure aufgefaßt werden; ſeine rationelle Formel iſt demnach C5 II5(ONOꝛ)s 1). Die Entſtehung aus dem als ſogenannten dreiatomigen Alkohol geltenden Glycerin, Cz Hs(OLI)s, iſt alſo in der Art erfolgt, daß die drei mit Sauerſtoff verbundenen Waſſerſtoffatome durch die der Salpeterſäure ange— hörende Gruppe NOꝛ erſetzt wurden. Der richtige Name für das Sprengöl wäre alſo Salpeterſäureglycerid(neutraler Salpeterſäureäther des Glycerins); die Be— zeichnung Nitroglycerin iſt jedoch vorläufig nicht aus der Technik zu bannen, wird auch hier deshalb beibehalten. Zerſetzungserſcheinungen des Nitroglycerins. Wie bei der Schießbaumwolle, hat man auch beim Sprengöl außer der durch erhöhte Temperatur oder gewaltigen Druck erfolgenden exploſiven Zerſetzung häufig ein langſames Zerfallen unter Ausgabe von Gaſen und Entſtehung ande— rer Producte beobachtet. Dieſe freiwillige Zerſetzung, welche zu traurigen Un— fällen Veranlaſſung gegeben hat, iſt, wie man nach den neueſten Unterſuchungen?) annehmen darf, nur dem unreinen Producte eigen. Iſt ein Nitroglycerin zu längerer Aufbewahrung oder zum Transport beſtimmt, ſo iſt ſorgfältigſte Reini— gung unbedingt geboten. Die Gegenwart geringer Mengen Salpeterſäure oder Unterſalpeterſäure ſcheint die langſame ſpontane Zerſetzung vorzugsweiſe zu be— günſtigen; durch Oxydation bilden ſich Producte, wie Glycerinſäure?) und Oxal— ſäure, welche von Warren de la Rue und Müllerh) beobachtet wurden; auch Liebe und Liſt 5) conſtatirten in älterem Sprengöl die Gegenwart von Oxal— ſäure. Gleichzeitig färbt ſich das in Zerſetzung begriffene Nitroglycerin grün unter Bildung von ſalpetriger Säure, Stickoxydul, Kohlenſäure. Liſt meint, daß 1) Vergl. Liebig, Jahresber. 7, 451 und Journ. f. prakt. Chem. 105, 254.— 2) Vergl. Dingler, polyt. Journ. 179, 403 und 190, 124 ff.—) Beckerhinn (Mittheil. über Gegenſt. des Artill.- u. Genie-Weſens, Jahrg. 1871, S. 42 ff.) hat die Einwirkung von Ozon, welches mit Sauerſtoff gemengt war, auf Nitroglyeerin ſtudirt und gefunden, daß Orydation bei gewöhnlicher Temperatur erfolgt; er wies Glyeerin— ſäure und Salpeterſäure nach. Von der Reinheit des Sprengöls hatte er ſich durch die Analyſe überzeugt, welche ihm folgende Zahlen geliefert hatte: I. II. Berechnet für G3 Hz(NO3)3 Kohlenſtoff.. 15,42 15,62 15,85 Waſſerſtoff.. 2,27 2,40 2,20 Stickſtoff.— 17,90 18,50 4) Liebig, Jahresber. 11, 433.— 5) Berggeiſt 1868, Nr. 10. ke do be zu B 96 el ka la Erploſive Zerſetzung. keine Gefahr vorhanden iſt, wenn die gaſigen Producte entweichen können; ſind ſie daran gehindert, ſo iſt der ſteigende Druck im Innern des wohl im Stande, Exploſion herbeizuführen. Nach der Vorſchrift des Dortmunder Ober— bergamtes) fölt grünliches Sprengöl ſtets vergraben werden. In der von Zeit zu Zeit mit Lackmuspapier anzuſtellenden Prüfung, ob das Nitroglycerin etwa ſaure Reaction angenommen habe, iſt ein einfaches Mittel gegeben, ſich von der Beſtändigkeit und Güte des Fabrikats zu überzeugen. Dieſe Eigenſchaften bedin— gen den Werth des Sprengöls; denn ein partiell zerſetztes Product iſt nicht nur gefährlicher zu handhaben, ſondern hat auch einen Theil ſeiner exploſiven Kraft eingebüßt. Die Zerſetzung unter Detonation tritt nach Nobel beim Erwärmen auf 1800 faſt momentan ein. Wird Nitroglycerin vorſichtig erwärmt, ſo beginnt bei etwa 1000 Zerſetzung unter Ausgabe von Unterſalpeterſäure. Nach E. Kopp kann man daſſelbe durch ſehr allmähliches Erhitzen verflüchtigen. Champion 5 hat das Nitroglycerin verſchiedenen Temperaturen ausgeſetzt und machte folgende Beobachtungen: Bei 185 Siedepunkt(unter Ausgabe gelber Dämpfe), bei 194“ langſame Verflüchtigung, bei 200o raſche Verdampfung, bei 217“ heftiges Ver— brennen, bei 2410 Detonation, bei 2570 heftige Exploſion, bei 287“ ſchwache Detonation. Die Reſultate ſtehen, wie es ſcheint, im Widerſpruche; jedoch auch Kopp hatte, wenn er Nitroglycerin auf eine rothglühende Platte tropfen ließ, nur eine ſchwache Verpuffung wahrgenommen. Die Erſcheinung kann wohl durch die Annahme des ſphäroidalen Zuſtandes erklärt werden. Nobel betont, daß, wenn Nitroglycerin zur vollen Wirkung durch Tempe— raturerhöhung gelangen ſoll, die ganze Maſſe gleichmäßig auf 180“ erwärmt ſein müſſe). Dieſer Umſtand iſt ſehr wichtig für die Praxis; ihm iſt zu danken, daß Sprengöl von gewöhnlicher Temperatur angezündet, nur ſchwierig abbrennt, aber niemals explodirt; bevor daſſelbe die zur Exploſion erforderliche Temperatur er— reicht, iſt es verbrannt. Bei etwaigen Feuersbrünſten iſt alſo die Exploſions⸗ gefahr dann nicht bedeutend, wenn nicht allzu große Vorräthe von Sprengöl in Brand gerathen. Während eine reichliche Wärmezufuhr ſtattfinden muß, um Nitroglycerin zur Expl 5 zu bringen, genügt ein plötzlicher, ſtarker, durch Schlag oder Stoß be⸗ wirkter Druck, um denſelben Effect zu erreichen. Werden auf einem Ambos einige Tropfen Sprengöl durch einen kräftigen Hammerſchlag getroff en, ſo detoniren nur die direct grnffee Theile, die benachbarten werden in der Regel nicht einmal entzündet. Auch das gefrorene Nitroglycerin iſt gegen ſtarke Erſchütterungen f lich; dieſe it alſo in allen Fällen zu vermeiden. Das Sprengöl explodirt ſtets mit ſtarkem Knall und übt, wenn im ge— ſch boſſenen Raume entzündet, erſtaunliche Wirkungen aus. Dieſe beruhen auf der Eigenſchaft des Körpers, der exploſiven Zerſetzung ein ſehr bedeutendes Gas— volumen zu liefern, welches, plötzlich entſtehend, mit unwiderſtehlicher Gewalt alle ) Dingler, polyt. Journ. 187, 269.— Jahresber. 1871, S. 309. 3) Aus Abel's Verſuchen geht dieſe Thatſache zur Genüge hervor; eine Reihe ſtarker In⸗ ductionsfunken mußte überſchlagen, ehe die Exploſion erfolgte. iterfed 62 Theoretiſcher Effect des explodirenden Sprengöls. Schranken durchbricht. Hätte man ganz beſtimmte Anhaltspunkte über den Ver— lauf einer Exploſion, ſo könnte man mit vollkommener Sicherheit auf die Qua— lität und Quantität der Gaſe ſchließen und, vorausgeſetzt, daß die durch die Ver— brennung entwickelte Wärmemenge genau gemeſſen wäre, die Wirkung eines gegebenen Gewichtes Nitroglycerin berechnen. Da jedoch dieſe Bedingungen zur Erkenntniß des Endreſultats einer Exploſion nur höchſt mangelhaft erfüllt ſind, kann auch die Berechnung des Effeets nur eine annähernd richtige ſein. Den Vorgang bei der Cxploſion ſtellt Berthelot!) durch folgende Glei— chung dar: 2035 H5 N0O5) 6 C02 +5 HYO+6N+ 0 9. Aus dieſer Annahme folgt, daß 1 Kg Nitroglycerin 710 J, 1] deſſelben jedoch(wegen des hohen ſpecifiſchen Gewichts) 11351 Gas producirt(beide Gas— mengen auf einen Druck von 0,76 m und 1000 Temperatur berechnet). Erſterer Werth übertrifft den für das Schießpulver gefundenen um das 3½fache, letzterer den einem Volumen Pulver entſprechenden um das ſechsfache. Bringt man die bedeutende Wärmemenge, welche nach Berthelot explodirendes Nitroglycerin ent— wickelt, in Rechnung, ſo kommt man mit ihm zu dem Reſultat, daß ein Volumen deſſelben eine zehnmal größere Wirkung, als 1 Volumen Pulver ausübt. Nach Nobel) ſoll ſogar 1 Volumen des erſteren 13 Volumen Pulver entſprechen, 1 Gew. Thl. jedoch 8S Gew. Thln. von dieſem. Er berechnet, daß das von 1 Vo lumen ſeines Sprengöls gelieferte Gasquantum 1298 Volumen betrage, welche durch die Exploſionstemperatur auf das achtfache, alſo 10 384 Vokumen ausge— dehnt werden, während die Gaſe aus 1 Volumen Schießpulver unter gleichen Umſtänden nur 800 Volumen einnehmen. Dieſen durch theoretiſche Speculation gefundenen Werthen entſprechen die praktiſchen Reſultate nur annähernd, einmal weil die Zerſetzung vielleicht anders verläuft, ſodann aber, weil bei der enormen Temperatur die von Berthelot an— genommenen zuſammengeſetzten gaſigen Körper nicht beſtehen können, ſondern zum Theil zerfallen müſſen. Dieſe Diſſociation, eine gewaltſame Trennung chemiſcher Verbindungen durch erhöhte Temperatur, entſpricht einer Arbeitsleiſtung; ein dieſer äquivalentes Wärmequantum wird alſo verſchwinden, die Verbrennungstemperatur demnach vermindert werden. Die experimentellen Grundlagen, auf welchen die theoretiſchen Betrachtungen ruhen, ſind bisher ſehr ſchwach. Nur ein einziger, von l'Höte angeſtellter Ver— ſuch, die Exploſionsgaſe des Nitroglycerins zu beſtimmen, iſt bekannt geworden, und dieſer beweiſt ſehr wenig, da er unter Umſtänden ausgeführt wurde, welche der Wirklichkeit nicht entſprechen. L'Höte⸗) brachte in ein ſehr dickwandiges Eudiometer über Queckſilber ein mit etwa 6 ing Nitroglycerin gefülltes Glas— kügelchen, ſodann 10 ebem Knallgas, welches, durch den elektriſchen Funken ent— zündet, Zertrümmerung der Kugel und Exploſion des Sprengöls bewirkte. Das ) Force de la poudre ete., pag. 160.— 2) Das eine disponible Sauerſtoff— atom kann zur Bildung von Stickoryd Anlaß geben: Berthelot ſieht darin einen Wink, Nitroglycerin mit oxydablen Subſtanzen zu mengen.— 3) Dingler, polyt. Journ. 178, 349.—) Dingler, polyt. Journ. 202, 540. Anwendung des Sprengöls. 0 Gas iſt farblos, greift aber allmählich die Qr ueckſill eroberfläche an; die Bildung von ſalpeterſaurem O Queckſil beroxydul wurde conſtatirt. Die Meſſung des Gaſes ergab, daß 1 g Nitroglycerin nur 284 ebom Gas(bei 0o und 0,76 m Druckh) geliefert haben würde. Die Analyſe ſtellte folgende procentiſche Zuſam— menſetzung feſt: Kohlenſäure.. 45,72 Stickryd 0 36 Stickſtoff.. 33,9 Da l'Höte die Menge des bei der Grbierten entſtandenen Waſſers nicht beſtimmt hat, iſt kein ſicherer Rückſchluß auf die wirklich gelieferte Gasquantität möglich. Da er ferner die Verpuffung unter vermindertem Drucke vornahm, iſt analog den bei der Schießwolle!) ſtattfindenden Verhältniſſen eine große Menge Stickoryd entſtanden, welches Gas bei Verſuchen im Großen entweder gar nicht oder nur ſpurenweiſe bemerkt werden konnte. Anwendung des Nitroglycerins Während Verſuche, die Lei iſtungsfähigkeit des Nitroglycerins theoretiſch und im Laboratorium feſtzuſtellen, nur unſichere, weit auseinander gehende Reſultate ergeben haben, hat die in dem kurzen Zeitraume 1864 bis jetzt rapid zugenom⸗ mene Verwendung des Sprengöls und insbeſondere ſeiner Präparate mit greif⸗ baren, überraſchend großen Erfolgen gezeigt, daß dieſes Sprengmittel in ſeinen Wirkungen, welche allerdings nach den äußeren Bedingungen bedeutend variiren können, alle anderen zu gleichem Zwecke angewendeten Exploſivſtoffe, ſelbſt die comprimirte Schießwolle, hinter ſich läßt. Ueber letztere l iegen freilich noch nicht genügend zahlreiche Sprengverſuche vor, ſo daß nicht endgültig zu entſcheiden iſt, b dieſelbe mit annähernd gleichen Vortheilen wie die Nitrogly hcerinpräparate in Gebrauch kommen kann. Seit 1867 hat man in Europa) die Am 0 von flüſſigem Sprengbl wohl ganz verlaſſen, da es Nobel gelungen war, daſſelbe in eine Form zu brin⸗ gen, welche die Gewähr geringerer Gefahr bei dem Transport und der Hand— habung in ſich ſchloß und die Wirkung nicht beeinträchtigte. Die früher allgemeine Methode, das Nitroglycerin ohne Zuſätze zum Sprengen zu verwenden, bietet in— deſſen ſo viel Intereſſe dar, daß eine Darſtellung derſelben, namentlich mit Bezug auf ihre Fortentwicklung, am Platze iſt. Dieſe hiſtoriſche Darlegung iſt um ſo wich 55805„als faſt alle bei den früheren Sprengungen gemachten Erfahrungen über Anlage und Beſetzung der Bohrlöcher, insbeſondere über die zweckmäßigſte Ent— zündung der Ladungen größtentheils unverändert auf die Anwendung der Nitro— glycerinpräparate übergegangen iſt. 2 ) Vergl. S. 30.—) In Amerika läßt Mowbray noch jetzt mit ſeinem, wie es ſcheint vorzüglich reinen Nitroglycerin(ſ. S. 56) ohne Zuſätze ſprengen. Trotz eines §uL 0 L Y L K Conſums von 75 000 Kg iſt kaum ein Unfall paſſirt. Auch beim Transporte zeigte ſich, daß dem Product ohne Gefahr ſehr ſtarke Stöße zugemuthet werden können. R 64 Sprengungen mit Nitroglyeerin. Die Schwierigkeit, totale Entzündung einer größeren, in einem Bohrloche eingeſchloſſenen Menge Nitroglycerin zu bewirken, überwand Nobel!) dadurch, daß er Schießpulver mit Nitroglycerin tränkte(auf 100 Thle. des erſteren etwa 40 Thle. des letzteren). Dies Gemiſch wurde in zinkblechernen Hülſen unmittel⸗ bar vor der Benutzung bereitet; es ergab eine drei- bis fünffach höhere Spreng— kraft als Pulver allein; um ſichere Entzündung zu bewirken, wurde die Patrone im Bohrloche mit Pulver umgeben. Dieſer Weg wurde von Nobel bald ver— laſſen, da er bei ſeinen Unterſuchungen über den Einfluß verſchiedener Zünd— quellen ein ſicheres Mittel, um eine totale Exploſion von Nitroglycerin herbeizu— führen, aufgefunden hatte. Er beobachtete?), daß der durch Detonation ſtark briſanter Knallpräparate erzeugte heftige Stoß dazu am geeignetſten ſei, und wandte deshalb zum Entzünden flüſſigen Nitroglycerins Patentpulverzünder?) oder Patentzündhütchen an. Letztere ſind dreifach oder ſtärker mit Knallſatz geladene Kupferhütchen, 4(Fig. 6), in welche eine Bickford'ſche Zünd— ſchnur od bis auf den Knallſatz eingelaſſen iſt, welche bei e durch das zuſammengekneifte Hütchen feſtgehalten wird; die Zünder werden in das Sprengöl eingetaucht. Je nachdem das Bohrloch vertical oder horizontal angelegt war, wurde das Sprengöl ohne Hülle oder in einer Blechpatrone, welche dicht mit dem Zünder zu verbinden war, angewendet. Als Beſatz wurde im erſteren Falle Waſſer, beſſer Sand oder Letten, in horizontalen nur letztere benutzt. Die mit Nitroglycerin ausgeführten Sprengungen von Geſteins⸗ und Eiſenmaſſen fielen im Allgemeinen ſehr günſtig aus; die Wir— kungen waren enorm. Bei Stockholm wurden mit 2,5 Kg Sprengöl gegen 8800 Centner Granit ausgeſprengt, und außerdem war das anſtehende Geſtein mit Riſſen durchſetzt. Man machte ſehr bald die Beobach— tung, daß, je compacter das zu ſprengende Geſtein, je größer alſo der Widerſtand deſſelben iſt, deſto bedeutender auch die Wirkung des Nitroglycerins ausfällt. Die in Steinbrüchen des Oberharzes ⸗)(bei Lautenthal, Oſterode, Claus— thal) angeſtellten Verſuche ergaben, daß trotz des hohen Preiſes des Sprengöls (damals acht mal höher als Sprengpulver) die Sprengkoſten um ein Drittel ver— ringert worden ſeien. Die Erleichterung der Bohrarbeiten wird als ſehr bedeu— tend bezeichnet, da das Nitroglycerin in waſſerreichem Geſtein ſich ebenſo, wie im trocknen anwenden laſſe, auch das Beſetzen der Bohrlöcher weniger Mühe und Gefahr mit ſich bringe. Gleich günſtige Urtheile liefen aus anderen Bezirken ein, in denen ebenfalls das Sprengöl über Tag angewendet war. Bei Aachen wurde daſſelbe in ſehr feſtem Kalkſtein, im Naſſauiſchen in einer ſehr dichten, zähen Baſaltlava mit beſtem Erfolge gebraucht. Bald fand daſſelbe auch Verwendung in Gruben, in welchen es bisher kaum verſucht worden war, weil man durch die Exploſionsgaſe, reſp. unzerſetztes Nitro— glycerin, die Geſundheit der Arbeiter gefährdet glaubte, ſodann weil die meiſten Bohrlöcher horizontal angelegt werden müſſen, alſo ihre Ladung umſtändlicher 1) Berg- und Hüttenm. Zeitg. 1864, S. 77.— 2) S. Dingler, polyt. Journ. 183, 221.— 3) Vergl. S. 37, Fig. 1.—) Berg- und Hüttenm. Zeitg. 1865, Nr. 44. wa Ob ſo wer une St ſich Bo ihr ma ſtig mo ma den in daß 2,5 pla bei rin boh geſe Geſteins- und Eiſenſprengungen. war. Trotzdem wurden Verſuche!) angeſtellt bei Aachen(in Galmeigruben), in Oberſchleſien(Königsgrube), im freibergiſchen Bergamtsrevier; alle ergaben ſo bedeutende Vortheile vor dem Schießpulver, daß trotz der im Anfange laut werdenden Klagen der Häuer über Kopfſchmerzen, und obwohl hin und wieder unerklärte Exploſionen vorkamen, das Sprengöl eingeführt und in waſſerreichen Strecken geradezu unentbehrlich wurde. Auf die Wirkſamkeit deſſelben hatte, wie ſich bald ergab, nicht nur die Structur des Geſteins, ſondern auch die Anlage des Bohrloches Einfluß. Wurde die Sprengladung zu tief eingeſetzt, ſo äußerte ſich ihre Wirkung vorzüglich auf die nächſte Umgebung, welche in kleine Stücke zer— malmt wurde. In zerklüftetem ſowie in weichem Geſtein fielen Sprengungen nicht ſo gün⸗ ſtig aus, weil das Nitroglycerin, anſtatt in die Ferne zu wirken, in Folge der momentanen Gasentwicklung die in der Nähe des Bohrloches befindlichen Geſteins⸗ maſſen zerſtückelte, ja zerſtäubte(Verſuche in weſtfäliſchen Steinkohlengruben, in den Staßfurter Steinſalzlagernÿ.— Beſonders erfolgreich wurde das Sprengöl in Schieferbrüchen von Nordwales(bei Perhyn) angewendet; außer dem Vortheil, daß die Wirkung eine ſehr bedeutende war(600 000 Kg gelöſtes Geſtein auf 2,5 Kg Ladung), wurde auch eine ſehr regelmäßige Abſprengung der Schiefer— platten nach ihrer natürlichen Lagerung erzielt. Was die Anlage der Bohrlöcher betrifft, ſo wurde nach Nobel die Tiefe der bei Pulverſprengungen üblichen beibehalten, jedoch ihr Durchmeſſer erheblich ver— ringert. Am zweckmäßigſten werden dieſelben mit ſchwediſchen Beſſemerſtahl— bohrern gearbeitet. Die Nitroglycerinpatrone wird mit hölzernem Ladeſtock ein— geſchoben, nachdem vorher die Zündvorrichtung angebracht iſt. Rudberg) empfahl die Entzündung von Sprengladungen durch einen von außen kommenden Schlag am zweckmäßigſten dadurch zu bewirken, daß ein Ladepfropfen durch explo⸗ direndes Pulver gegen das Nitroglycerin getrieben wird. Nicht minder gut als die Geſteinsſprengungen gelang die Zerſtörung großer Eiſenmaſſen; geringe Ladungen von 0,05 Kg genügten, um 120 Centner ſchwere Stücke zu zerreißens).— Auch die Wirkung von unter Waſſer explodirendem Sprengöl war eine eminente; durch eine mittelſt Detonationszündung explodirte Blechflaſche, welche 1,25 Kg Ladung enthielt, wurde eine Waſſerſäule von 2 bis 3 m im Durchmeſſer 100 bis 130 m hoch gehoben(Verſuch Nobel's bei Horn). Nobel hat das Sprengöl auch zu Signal- und Nothſchüſſen angewendet; Raketen, welche als Verſetzung /½ Kg Nitroglycerin enthielten, wurden 300 m hoch getrieben und entluden ſich dann mit heftigem Knall und heller Licht— erſcheinung. Hatte auch das Sprengöl bei ſeiner Verwendung in Tage- und Gruben— bauten ſehr weſentliche Vortheile, wie namentlich Zeit- und Koſtenerſparniß in Folge der durchſchnittlich vier-bis fünffachen Sprengkraft, vor dem Schießpulver gezeigt, ſo hatten ſich doch auch Nachtheile geltend gemacht, welche jedoch ſämmt—⸗ lich auf die flüſſige Form des Nitroglycerins zurückzuführen waren. Die beſon—⸗ ) Vergl. Jahresber. 1867, S. 319, 321, 322.— 2) Dingler, polyt. Journ. 187, 204.— 3) Dingler, polyt. Journ. 180, 74. Exploſivkörper und Feuerwerkerei. ekRfed ———ͤ ˙A]kA—ꝛ—ꝛ—ĩ˙ UT·ů··ůůů— 66 Methyliſirtes Sprengöl.— Nitroglycerinpräparate. ders bei der anfänglichen Einführung deſſelben in Bergwerken laut werdenden Klagen über geſundheitsſchädliche Wirkungen verloren ſich ſtets ſehr bald bei fort⸗ laufendem Betriebe. Dieſe Erfahrung findet in der Beobachtung Neimke's eine Erklärung, welcher bemerkte, daß in Harzer Gruben die Arbeiter keine nach— theiligen Wirkungen mehr ſpüren, ſeitdem ſie vorſichtiger mit dem Sprengöl um⸗ gehen, namentlich jede Berührung deſſelben vermeiden.— Sehr wohl möglich war übrigens— und dieſer Vorwurf wurde oft gemacht— daß in Folge man— gelhafter Dichtung des Bohrloches oder der Patrone das Nitroglyeerin in die Fu⸗ gen des Geſteins drang und nur unvollkommen erplodirte; in dieſem Falle konn⸗ ten die unzerſetzten Theilchen gewiß ſchädlich wirken. Ein weiterer Uebelſtand des flüſſigen Sprengöls hatte ſich beim Transporte ergeben. War daſſelbe, wenn nicht ganz rein, in dem Zuſtande der Zerſetzung begriffen, ſo war Gefahr im Verzug, auch wenn nur geringe Erſchütterungen er— folgten. Denn bei der nothwendigerweiſe dichten Verpackung lin Zinnkäſten) konnten die gasförmigen Zerſetzungsproducte nicht entweichen. Waren andererſeits die Hüllen, wie häufig vorkam, undicht geworden, ſo war die Möglichkeit von Un— fällen noch näher gerückt. Alle dieſe Nachtheile drängten dahin, die flüſſige Form des Nitroglycerins zu verbannen. Nobel) war wiederum der Erſte, welcher gegen Ende des Jah— res 1866 daſſelbe in feſter Geſtalt als Dynamit in den Handel brachte(der Name ſoll auf die hervorragend exploſiven Eigenſchaften hinweiſen). Vorher hatte Nobel dem oben erwähnten Uebelſtande der unſicheren Aufbewahrung und des gefahrvollen Transports durch Einführung des methyliſirten Sprengöls?) abhelfen wollen. Er hatte die Beobachtung gemacht, daß in 15 bis 20 Proe. waſſerfreiem Methylalkohol(Holzgeiſt) gelöſtes Nitroglycerin weder durch ſtärkſten Schlag noch durch Knallpräparate explodirt. Durch Zuſatz von dem ſechs- bis achtfachen Volumen Waſſer war das Sprengöl leicht wieder zu gewinnen.— Wurtzs) hatte den Vorſchlag gemacht, daſſelbe mit einer ſpecifiſch gleich ſchweren Löſung von ſalpeterſaurem Zink oder Kalk zu einer Emulſion zu verarbeiten und ebenfalls durch Zuſatz von Waſſer die Abſcheidung deſſelben zu bewirken. Nitroglycerinpräparate. Dynamit(giant powder der californiſchen Bergleute). Nach Einführung des Dynamits haben die eben erwähnten für kurze Zeit werthvollen Verbeſſerungen ihre Bedeutung verloren. Der Dynamit, ſowie auch die ſpäter bekannt gewordenen Nitroglyceerin— präparate, beſtehen aus einer poröſen Subſtanz, welche eine gewiſſe Menge Sprengöl aufgeſogen hat und daſſelbe ſo feſt bindet, daß es ſelbſt durch ſtarken Druck nicht herausgepreßt wird. Nobel hat eine ſehr leichte, mehlartige In— 1) Dingler, polyt. Journ. 187, 358; 189, 430 und 190, 124.— 2) Ding⸗ ler, polyt. Journ. 180, 491.— 3) Jahresber. 1866, S. 297. Zeit rin⸗ enge rken In⸗ ng⸗ Dynamit. fuſorienerde)(faſt reine Kieſelſäure, ſogenannte Kieſelguhr), welche bei Oberohe (Hannover) in einem ausgedehnten Lager vorkommt, ſehr zweckmäßig gefunden. Dieſelbe wird, um ſie von Waſſer und organiſcher Subſtanz zu befreien, caleinirt und, nachdem die gröberen Kieſelkörner durch ein Sieb entfernt ſind, mit Nitro— glycerin von Arbeitern mit bloßen Händen geknetet; früher wurden häufig Kaut⸗ ſchukhandſchuhe benutzt. Nobel's Dynamit enthält 75 bis 77 Thle. Nitro⸗ glycerin auf 23 bis 25 Thle. Kieſelguhr. Jedoch werden auch geringere Sorten in den Handel gebracht; die Werth— beſtimmung iſt in allen Fällen ſehr einfach auszuführen, da man nur ein gegebenes Gewicht derſelben mit abſolutem Alkohol, Holzgeiſt oder beſſer Aether, welche das Nitroglycerin löſen, zu behandeln braucht. Die Löſungen werden in einer Platin— ſchale im Waſſerbade abgedunſtet, das zurückbleibende Oel gewogen. Schwarz) fand auf die Weiſe die Zuſammenſetzung zweier Dynamitſorten wie folgt: I.(ſtarke Sorte) II. Kohlendynamit(ſchwach) Nitroglyeerin.... 67,50 56,90 Kreide u. Sägeſpähne 30,11 425,13 Feuchtigkeit u. Verluſt 2,39 0,97 100,00 100,00 Nobel's Dynamit iſt eine graubraune(zuweilen röthliche), geruchloſe, fettige, teigartige Maſſe; ſein ſpecifiſches Gewicht beträgt im ungepreßten Zuſtande etwa 1,6. So lange er noch plaſtiſch iſt, läßt er ſich ohne Gefahr in Patronen ver— dichten. Bei Temperaturen unter + 80 wird derſelbe hart, da das Nitroglycerin gefriert, und muß mit gleichen Vorſichtsmaßregeln wie dieſes aufgethaut werden. Handelt es ſich um Aufthauen größerer Dynamitmengen, ſo bedient man ſich be— ſonderer Wärmflaſchen, deren Form aus Fig. 7(a. f. S))(a Längen⸗, 6 Quer⸗ durchſchnitt) erſichtlich iſt. Zwei concentriſche, oben offene Blecheylinder 44 und B ſind durch mehrere Querſpangen ö,h,b,b, feſt mit einander verbunden. Der Raum Nnimmt den Dynamit auf, lwird mit lauwarmem Waſſer gefüllt. Das Ganze wird durch einen hohlen, mit Aſche gefüllten Deckel D verſchloſſen. Da der Dynamit durch eine gewöhnliche Flamme entzündet nur abbrennt, nicht detonirt, bedarf er wie auch das Sprengöl der ſtarken Entzündung mittelſt eines Patentzünders. Gegen Stoß und Schlag iſt derſelbe in hohem Grade unempfindlich; nur die ſtärkſten, auf einen Ambos geführten, Hammerſchläge brin— gen die direct getroffenen Theile zur Exploſion. Dieſe beiden Umſtände machen den Dynamit zu einem für Handhabung und Transport ziemlich ungefährlichen Körper. ) Ueber die mannigfache Verwendung derſelben ſ. Dingler, polyt. Journ. 197, 380. Ein Zufall führte Nobel zu der wichtigen Entdeckung des Dynamits. Die Kieſel— erde wurde längere Zeit hindurch zur Verpackung der Sprengöl enthaltenden Blech⸗ flaſchen benutzt; nach dem Auslaufen einer ſolchen hatte man die Aufſaugungsfähigkeit der Kieſelguhr bemerkt und ſich durch Verſuche überzeugt, daß die exploſiven Wirkungen des Nitroglycerins faſt vollkommen erhalten waren, dagegen die Neigung zum Erplo⸗ diren erheblich vermindert war.— 2) Dingler, polyt. Journ. 205, 429. 5* 68 Relative Gefahrloſigkeit des Dynamits. Zahlreiche Verſuche haben die relative Gefahrloſigkeit deſſelben dargethan. Nobel) zeigte(bei Redhill), daß eine Büchſe mit 4 Kg Dynamit aus einer Höhe von 20 m auf Steine geſchleudert werden konnte, ohne zu explodiren; eine gleiche Büchſe ins Feuer geworfen brannte ruhig ab. Bei Stockholm ließ er auf eine mit Dynamit gefüllte Holzbüchſe ein Gewicht von 100 Kg eirca 7 m hoch niederfallen; obwohl dieſelbe zertrümmert wurde, fand doch keine Exploſion ſtatt. Wie beträchtlich der Stoß ſein muß, um eine Dynamitladung zur Detonation zu bringen, geht aus Verſuchen von Larcher) hervor, welcher ein etwa 1 m rtiefes, 2,6 em breites Bohrloch mit) Kg Dynamit lud, in dieſem eine gewöhnliche Zündſchnur anbrachte, welche mit Schießpulver umgeben wurde, und endlich lockern Beſatz auffüllte. Dieſer wurde bei der Entzündung herausgeſchleudert, der Dy— namit blieb unverändert. Als unter gleichen Umſtänden Augendre'ſches Pulver Fig. 7. ſtatt des ſchwarzen angewendet wurde, fand nur Entzündung, nicht Exploſion der Dynamitladung ſtatt. Bei Hüttelsdorf)(Oeſterreich), ſowie in einer ſehr ſorgfältig in der Schweiz angeſtellten Verſuchsreihe von Bolley, Peſtalozzi und Kundtch wurde eben— falls die relativ geringe Gefahr, welche mit der Handhabung und dem Trans— porte des Dynamits verbunden iſt, conſtatirt. Die ſchweizeriſchen Verſuche ſollten u. A. ungefähr die Größe des Stoßes beſtimmen, welcher zur Entzündung nöthig iſt. Zu dem Ende wurden Blechpatronen, in welchen das Sprengmittel feſt ein⸗ geſchloſſen war, aus Windbüchſen gegen eine 13½ muentfernte ſenkrechte Fels— wand abgeſchoſſen. Die dünnwandigen Patronen explodirten, die dickwandigen nicht, wohl wegen ihrer geringeren Anfangsgeſchwindigkeit. Dieſe wurde zu 40 m (in einer Secunde) ermittelt. Lockerer Dynamit wurde nur durch ſtärkſten Schlag von Eiſen auf Eiſen und von Eiſen auf Stein zum Detoniren gebracht. 1) Dingler, polyt. Journ. 189, 430.— 2) Trauzl, 1. 0. S. 62.— 3) Ding⸗ ler, polyt. Journ. 192, 174.—)) Dingler, polyt. Journ. 193, 490 ff. ant behs an kan Kol Tri Dynamitpatronen zu Sprengungen. 69 Andere Verſuche, welche die relative Sicherheit des Sprengſtoffes bei Feuers— gefahr erwieſen, wurden bei Hüttelsdorf) angeſtellt. Ein mit 2 Kg Dynamit gefülltes und feſt verſpundetes Holzfäßchen wurde in ein offenes Feuer gelegt; bald wurde es aus einander gedrückt und ſein Inhalt brannte ohne Exploſion mit heftig flackernder Flamme ab; ebenſo verhielt ſich eine geſchloſſene Blechbüchſe. Durch eine Bickford'ſche Zündſchnur wurde nicht einmal eine Entzündung er⸗ reicht.— Nach den Mittheilungen des Ingenieureomités(1872, Heft 13) können 25 Kg Dynamit ohne Gefahr abgebrannt werden.— Um den Einfluß lang dauernder Wärme auf Dynamit kennen zu lernen, ſetzte Trauzl(J. c. S. 40) denſelben während 40 Tagen einer Temperatur von 60“ bis 709 aus, konnte jedoch keine Veränderung conſtatiren. Aus dieſen und anderen Verſuchen iſt zu folgern, daß, wie auch eine preußiſche Militärcommiſſion ausſprach, Dynamit als das ſicherſte aller exploſiven Präparate gelten kann, und daß ſein Transport ge— ringere Vorſicht erheiſcht, als der von Schießpulver. Ueber die mit Dynamit erreichten Sprengwirkungen liegen ſehr zahlreiche, faſt ausſchließlich günſtige Zeugniſſe vor; insbeſondere hat derſelbe im Bergbau, überhaupt in der Civiltechnik ausgedehnte Verwendung gefunden; er iſt aber auch zu militäriſchen Zwecken, wie Zerſtörung von Geſchützen, Mauerwerk, Palliſaden, zu ſubmarinen Sprengungen mit Erfolg angewendet worden. Wegen des nach ſeiner Verbrennung übrig bleibenden ſtarken Rückſtandes von Kieſelſäure und ſeiner briſanten Wirkung iſt ſeine Benutzung in Feuerwaffen wenn auch nicht unmöglich, ſo doch höchſt unzuträglich. Zum Sprengen wird der Dynamit ausſchließlich in Patronen von 2,3 bis 5,2 em Durchmeſſer und 2,6 bis 21 em Länge angewendet, welche beim Ge— brauche unter Waſſer eine dichte Umkleidung haben. Die Patronenhülle beſteht aus Pergament- oder Oelpapier; unter Umſtänden dienen auch Blechbüchſen und Drillichſchläuche zur Aufnahme des Sprengmittels. Ruggieri?) nimmt als Hülle zwei Schichten getheerten Papiers, zwiſchen denen ſich eine Zinnfolie oder eine Guttaperchaplatte befindet; die fertige Patrone wird noch mit einem Copal— oder Theerfirniß überzogen. In der Fabrik, deren Verfahren F. Capitaine?) geſchildert hat, werden drei Sorten Patronen angefertigt: gewöhnliche von 2,6 bis 10,4 em Länge, 2,6 em Durchmeſſer; die beiden anderen Sorten ſind Zündpatronen von 2,6 em Länge und Breite, von denen die eine ſich nur durch die Dimenſionen von den erſteren unterſcheidet, die andere zum Entzünden gefrorenen Dynamits beſtimmt iſt und deshalb außer Dynamit Gemenge, wie chlorſaures Kali und Schwefel— antimon, Kaliſalpeter und Colophonium enthält. Die Maſchine zum Formen der Patronen iſt höchſt einfach: Ein Leinwand⸗ behälter, welcher in einen offenen trichterförmigen Anſatz von Meſſing mündet, an welchen eine cylindriſche Röhre von der Patronenweite angeſchraubt werden kann, wird mit 5 Kg Dynamit beſchickt. In der Röhre kann ſich ein paſſender Kolben auf⸗ und abbewegen, welcher in ſeiner höchſten Lage die Mündung des Trichters offen läßt, ſo daß Dynamit eintreten kann. Beim Niedergang des R2 Y) Trauzl, 1. c. S. 61.—) Berliner Ber. 5, 988.— 3) Vergl. S. 58. 70 Entzündung des Dynamits.— Ladung der Bohrlöcher. Kolbens tritt ein feſter Dynamiteylinder aus der Röhre, welche vorher mit unten geſchloſenem Pergamentpapier umhüllt worden iſt. Hat der Cylinder die ge⸗ wünſchte Länge, ſo wird die Kolbenbewegung ſiſtirt und jener abgeſchnitten. Die Patrone iſt fertig, nachdem das obere Ende der Hülle geſchloſſen iſt. Die gewöhnliche Art, Dynamit zu entzünden, beruht auf Anwendung eines dreifach geladenen Zündhütchen(vergl. Fig. 6, S. 64), welches in eine Zünd⸗ patrone(Fig. 8 D) ſo eingeſetzt wird, daß ein Theil des Hütchens 4“ noch aus dem Dynamit hervorſieht; der aufgebogene Papierrand der Hülſe wird bei o feſt an die Zündſchnur mit Bindfaden angebunden, damit das Hütchen keine Ver— ſchiebung erleide. Gilt es, gefrorenen Dynamit ſicher zur Exploſion zu bringen, ſo muß entweder der Knallſatz des Hütchens ſtärker ſein(mindeſtens 2 g) oder man bedient ſich beſſer einer kleinen, nicht gefrorenen Dynamitzündpatrone. Zu gleichem Zwecke hat Trauzl) mit noch größerem Erfolge eine mit Nitroglycerin Fig. 8. imprägnirte Schießbaumwolle(im Verhältniß von 3: 1 oder auch 1: 1) als ſtark exploſives Gemenge angewendet (eine andere von ihm verſuchte Miſchung beſtand aus Sprengöl und Baumwolle, welche ſtark mit chlorſaurem Kali imprägnirt war). Auch iſt die Anwendung ſolcher Zündpatronen in mit Waſſer gefüllten Bohrlöchern empfeh— lenswerth, da die Gemenge von Sprengöl und Schieß— wolle ſelbſt durch längeres Liegen im Waſſer nicht leiden. Beſondere Vorſicht erheiſcht beim Sprengen unter Waſſer, alſo auch in waſſerführendem Geſteine, das Anbringen des Zünders. Der Knallſatz muß gegen Eindringen des Waſ— ſers vollkommen geſchützt ſein; man umgiebt deshalb die waſſerdichte Zündſchnur an der Stelle, wo die Kapſel be— feſtigt iſt, mit Wachs, Pech oder Talg. Am ſicherſten iſt die Anwendung von dünnen Blechpatronen, in deren Hals die Zündſchnur mit Hütchen waſſerdicht eingeſetzt iſt. Auch Kautſchukhüllen ſind empfohlen worden. Alle dieſe Vorſichtsmaßregeln ſind un⸗ bedingt nothwendig, wenn Dynamit längere Zeit mit Waſſer in Berührung iſt, da das Nitroglycerin mit der Zeit vollſtändig durch daſſelbe verdrängt wird. Das Laden eines Bohrloches wird in folgender Weiſe bewerkſtelligt: Eine Patrone P1(Figur 9) wird bis auf den Boden deſſelben eingeſchoben, feſt mit einem Ladeſtock aufgepreßt, ſo daß der plaſtiſche Dynamit aus der Papier⸗ umhüllung austritt und ſich an die Wände anlegt; die folgenden Patronen Pꝛr, 2 werden ebenſo behandelt und auf dieſe Weiſe der nachtheilige Spielraum, welcher bei Schießwolle nicht zu vermeiden war, beſeitigt. Sodann wird die fer⸗ tige Zündpatrone? eingelaſſen; ein Drücken derſelben darf nicht ſtattfinden; ſoll ein Beſatz angewandt werden, ſo muß derſelbe vorſichtig eingebracht werden und locker bleiben.— Der gefrorene Dynamit ſollte niemals in Bohrlöchern zur An— wendung kommen, da auch der Vortheil, den Bohrlochsraum ganz auszufüllen, verloren geht. y J. o. S. 83, 86, 129. Sprengwirkungen des Dynamits. Im Allgemeinen kann für Sprengungen mit Dynamit als Regel aufgeſtellt werden: in weichem Geſtein oder Kohle Anwendung ſehr enger, aber tiefer Bohrlöcher, welche wiederholt mit ſchwachen Ladungen abgeſprengt werden. In hartem Geſtein ſind dagegen ſeichte Bohrlöcher mit ſehr ſtarken Ladungen(/ bis ½ der Tiefe ausfüllend) anzuwenden. Nobel giebt als Reſultat ſeiner bei Redhill!) in feſtem Geſtein vorge⸗ nommenen Sprengungen die Wirkung des Dynamits als die zehnfache von der des Schießpulvers an, während ſein damaliger Preis nur das Vierfache des letzteren betrug. Weitere Er— fahrungen, welche in Weſtfalen und bei einem Tunnel⸗ bau 2) unweit Stockholm geſammelt wurden, zeigten die Vortheile des Sprengmittels im klarſten Lichte. Bei Vergleich mit Pulver ſtellte ſich heraus, daß der Tun— nelbau in einer um etwa die Hälfte kürzeren Zeit und mit etwa um ½ geringeren Koſten ausgeführt war. Die günſtigen Sprengwirkungen wurden von Nobel zum Theile auf die vollkommene Ausfüllung der Bohr⸗ löcher mit dem zähen Dynamit zurückgeführt. Durch die Möglichkeit, Sprengladungen deſſelben ohne beſon— dere Vorſichtsmaßregeln in feuchtem Geſtein und ohne Beſatz anzuwenden, iſt die Sprengarbeit weſentlich er— leichtert und gefahrloſer geworden. Auch hier hat ſich, wie bei Anwendung comprimirter Schießwolle, gezeigt, daß mit der Tiefe des Bohrloches die Wirkung nicht zu⸗, ſondern abnimmt. Nach Piſchoff?) hatte Dy— namit in einem 0,75 bis 1 m tiefen Bohrloche die ſechsfache Wirkung einer gleich ſtarken Ladung in einem gleich weiten Bohrloche von 2,5 m Tiefe. Bei den oben erwähnten ſchweizeriſchen Verſuchen 3) wurden Sprengungen aller Art mit coloſſalem Erfolge aus— geführt. Die Wirkungen des Dynamits beim Sprengen frei liegender Geſteinsblöcke, ſowie von Eiſenmaſſen, waren ebenfalls vortrefflich. Eine eigenthümliche Verwendung fand derſelbe beim Erdbohren, indem ſeine unter gewiſſen Umſtänden hauptſächlich auf die Unterlage wirkende Kraft zur Beſeitigung von Hinderniſſen, wie ſehr feſten Geſteinen, erfolgreich verwerthet wurde. Paulſen?) durchbrach mit Dy— namit bei Anlage eines arteſiſchen Brunnens ein ſehr läſtiges Feuerſteinlager: nachdem der höhere Theil des Bohrloches ſorgfältig gereinigt war, wurde eine Dynamitpatrone mit feuchtem Lehm bedeckt auf dem zu durchſetzenden Geſtein nach Nobel's Methode entzündet; das ſchon verrohrte Bohrloch blieb völlig unverſehrt. 1) Deutſche Ind. Zeitg. 1868, Nr. 33.— 2) Dingler, polyt. Journ. 190, 124. — 9) Trauzl, 1. C. S. 121.—) S. S. 68.—) Dingler, polyt. Journ. 200, 77. U —— Vortheile des Dynamits dem Schießpulver gegenüber. In gleicher Art und mit beſtem Erfolge wird Dynamit beim Rammelsberger Bergbau) zum Sprengen größerer Schwefelkiesblöcke angewendet, welche ſonſt nur höchſt mühſam zu bearbeiten waren. Ebenſo wurde derſelbe in Frankreich) nach dem Kriege benutzt um große Trümmer, wie geſprengte Brücken ꝛc., weg— zuräumen. Barbes) berichtet, daß die Vortheile dieſes Sprengmittels beim Bau eines Tunnels zwiſchen Montpellier und Rodez in zum Theile waſſerreichem Geſtein außerordentlich geweſen ſeien. Beim Sprengen des Biaſſatunnels)(wiſchen Genua und Spezzia) konnten Vergleiche zwiſchen den mit Schießpulver und mit Dynamit erreichten Wirkungen angeſtellt werden. Das Geſtein am öſtlichen Ende des Tunnels war feſter Kalkſtein reſp. Dolomit, am weſtlichen weicher Thonſchie— fer und feuchter Sandſtein. Die Reſultate waren folgende: Mit Schießpulver: in 200 Tagen wurden 203 m Länge I. Am öſtlichen Ende gewonnen, Mit Dynamit: in 160 Tagen 300,8 m Länge Mit Schießpulver: in 190 Tagen 80,75 m Länge bei 7 qm Quer⸗ Mit Dynamit: ſchnitt. in 170 Tagen 107 m Länge bei etwa 7½ ꝗqm Querſchnitt. II. Am weſtlichen Ende Die Leiſtungen des Dynamits betrugen alſo bei I. 14,1 obm pr. Tag, bei II. nur 4,4, die des Schießpulvers reſp. 7,62 und 2,97. Ueberſchreitet auch die Tagesleiſtung mit Dynamit die mit Pulver erreichte kaum um das Doppelte, ſo waren doch die Koſten bei I. pr. obm gelöſten Geſteins um 6 kr. geringer(bei der Strecke von 300,8 m wurden alſo 13 500 fr. erſpart). Aehnliche Erfahrungen wurden in den Galmeigruben von Chrzanows) gemacht. Im Gyps wurde bei Hall') ein Gewinn von etwa 50 Proc. erzielt, während in dem Steinſalzwerke der Vortheil des Dynamit zweifelhaft war. Bei richtiger Verwendung deſſelben kann man nach den zahlreichen Erfah— rungen“) im Stollenbetriebe und Tunnelbau mit Sicherheit annehmen, daß eine Koſtenerſparniß von 30 bis 40 Proc. erzielt werde, und daß die Arbeiten um die Hälfte raſcher fortſchreiten. Beim Schachtabteufen waren in den meiſten Fäl⸗ len die Reſultate noch günſtiger, indem die Arbeitsleiſtung in der gleichen Zeit das Doppelte von der durch Pulver erreichten betrug. Die Koſtenerſparniß belief ſich durchſchnittlich auf 30 Proc. Faſt noch prägnanter zeigen ſich die Vortheile des Dynamits, wenn es ſich um Geſteinsgewinnung über Tag handelt; hier kann man faſt immer mit Sicherheit auf eine Koſtenerſparniß von 40 bis 50 Proe. und einen Zeitgewinn von 100 Proc. rechnen. Als ein beſonderer Vorzug in ) Jahresber. 1871, S. 311.—)Dingler, polyt.kJourn. 201, 34.—) Ding⸗ ler, polyt. Journ. 202, 542.— 9) Ausland 1873, Nr. 13.— 5) Wiek's Gew.-Ztg— 1871, S. 280.—“) Ibidem.— 7) Weitere Details ſ. bei Trauzl, 1. o. S. 139 ff. mitt ang unt, Sp ſehr wäl erze wele zu l über wäh rend ſteck Ber liefe Stä 210 deckt 50 vortl eine etwa Geft ſchle Arbe ferne 72 Submarine und Eisſprengungen mit Dynamit. 73 dieſem Falle wird der Umſtand hervorgehoben, daß die gelöſten Geſteine faſt gar nicht geſchleudert werden und in großen Blöcken gewonnen werden können(über das ähnliche Verhalten der comprimirten Schießwolle ſ. S. 39). Submarine Sprengungen mit Dynamit, durch welche Schifffahrtshinderniſſe weggeräumt werden ſollten, hat neuerdings Cloſſe y) angeſtellt. Das Spreng— mittel wurde in Blechbüchſen, in denen eine elektriſche Zündpatrone waſſerdicht angebracht war, auf das ſehr feſte, zuvor gereinigte Geſtein(0,95 bis 3,8 m unter der Waſſerfläche) frei aufgelegt und entzündet. Da die angewendeten großen Sprengladungen nur theilweiſe zur Wirkung kommen konnten, waren die Koſten ſehr bedeutend, aber der Zweck wurde verhältnißmäßig ſchnell und leicht erreicht, während Pulver unter gleichen Umſtänden kaum hätte angewendet werden können. Die Erſchütterung, welche eine unter Waſſer explodirende Dynamitpatrone erzeugt, iſt gewaltig(vergl. S. 65). Die Fiſche werden auf weite Entfernun⸗ gen hin betäubt; dieſen Umſtand benutzend, hat man während der Belagerung von Paris Fiſcherei im Großen betrieben. Trotz der nothwendigen Vorſichtsmaßregeln, welche bei Dynamitſprengungen unter Waſſer reſp. in waſſerführendem Geſtein zu beobachten ſind 2), iſt doch die Koſten- und Zeiterſparniß dem Pulver gegen— über eine ſehr bedeutende; die erſtere ſoll ſich auf mindeſtens 50 Proc. belaufen, während die Arbeitsdauer bis auf ein Drittel herabgedrückt werden kann. Mit gutem Erfolge iſt Dynamit zu Eisſprengungen gebraucht worden. Wäh⸗ rend der Belagerung von Paris wurden Kanonenboote, welche im Eis der Seine ſtecken geblieben waren, auf dieſe Weiſe wieder flott gemacht. Einen ausführlichen Bericht über die Anwendung des Dynamits zu dieſem Zwecke hat Gobins) ge⸗ liefert. Es handelte ſich darum, die Rhone bei Lyon eisfrei zu machen. Die Stärke des Eiſes betrug etwa 18 bis 20 em. Frei aufliegender Dynamit, wel— cher mit einer Thonſchicht bedeckt war, brachte nur geringe Wirkungen hervor. Gobin ließ deshalb parallel dem freien Eisrande(in einer Entfernung von 14: einen Einſchnitt von etwa Um Länge und beiſtehendem Profil)(Fig. 10) anlegen, deſſen Tiefe 4 bis 5 em betrug. In denſelben wurde eine längliche Patrone mit etwa 210 9 Dynamit gebracht und dieſe mit einer 3 bis 4 em hohen Sandſchicht be— deckt. Die nach der Exploſion entſtandenen Spalten waren durchſchnittlich 40 bis 50 m lang(einmal 220 m). Um das Eis mehr zu zertheilen, wendete Gobin vortheilhaft verticale Bohrlöcher(von 8 bis 10 em Durchmeſſer) an, durch welche eine Dynamitpatrone(von 17 bis 35 g), mit waſſerdichtem Zünder verſehen, etwa 70 em unter die Eisfläche tauchte(Fig. 11, a. f. S.). Man ſoll, um das Gefrieren zu vermeiden, im Allgemeinen ſchnell operiren und die Patronen mit ſchlechten Wärmeleitern umgeben. Gobin konnte in einer Tagesarbeit mit vier Arbeitern und einem Koſtenaufwande von 40 kr. 50000 qm der Eisfläche ent— fernen. Fig. 10. ) Dingler, polyt. Journ. 203, 143 ff.— 2) Vergl. S. 70.— 3) Ding⸗ ler, polyt. Journ. 205, 68 ff. — 74 Benutzung von Dynamit zu militäriſchen Zwecken. Gleich günſtige Reſultate wurden bei Eisſprengungen auf der Oder(Januar 1868) erzielt. Hier wurde Dynamit nur unter der Eisdecke, am beſten in Pa⸗ tronen von 50 g verwendet, welche zuvor, um ihnen eine möglichſt hohe Tempe— ratur zu geben und ſo dem Erſtarren vorzubeugen, in ſiedendes Pech getaucht wurden. Eine ſolche Patrone brach durchſchnittlich in der 26 em ſtarken Eis— decke ein Loch von 2 bis 4 m Durchmeſſer; ſtarke Riſſe durchſetzten das Eis bis zu 8 m im Umkreiſe des Exploſionspunktes. Die Wirkung von 50 g Dynamit wurde der von 1500 g Schießpulver gleichgeſetzt. Ebenſo günſtig lauten die Berichte über Eisſprengungen auf der Iglava(1870). Bei den jetzt zur Ver— fügung ſtehenden Mitteln, auch gefrorenen Dynamit leicht und ſicher zur Cxplo⸗ ſion zu bringen, kann das immerhin umſtändliche Aufthauen deſſelben wegfallen. In neueſter Zeit wird Dynamit zum Laden von Torpedos ſowohl in der deutſchen als öſterreichiſchen Marine verſuchsweiſe benutzt. Wie günſtig derſelbe gegen Panzerſchiffe zu wirken vermag, geht daraus hervor, daß bei einem Ver— ſuche 10 Kg in einer 16 em ſtarken ſchmiedeeiſernen Platte bedeutende, tief— gehende Riſſe hervorbrachte. Auch zu anderen militäriſchen Sprengzwecken hat ſich Dynamit nach in Preußen und Oeſterreich angeſtellten Ver— ſuchen) ſehr brauchbar erwieſen. So wurde die beſtmögliche Palliſadirung, auch wenn ſie im Waſſer ſtand, durch Entzün— dung eines mit Dynamit gefüllten, ange— legten Drillichſchlauches vollſtändig zer— ſtört, die Palliſaden bis zu 62 m weit fortgeſchleudert. Im Minenkrieg kann derſelbe ebenfalls, jedoch nicht in allen Fällen verwerthet werden. Am wirk— ſamſten erweiſt er ſich in feſtem, zähem Erdreich(Letten); als ein Hauptvortheil gilt hier, daß die Minenöfen nicht durch Feuchtigkeit leiden. Zum Aufwerfen von Tranchéen in gefrorenem Boden iſt ebenfalls Dynamit empfohlen worden. Starke hölzerne Brückenträger wurden durch eine Ladung von 5 Kg l(in einer 1),2 m langen Blechbüchſe) vollſtändig zertrümmert. Starke Bäume(bis zu 0,6 m Durchmeſſer) wurden geknickt durch Exploſion eines um ſie gelegten Dynamitſchlauches(wichtig bei ſchneller Anlage von Verhauen). Auch die zeit⸗ raubende Ausrodung von mächtigen Wurzelſtöcken kann durch Dynamitſprengung erleichtert werden. Zur Demolirung von Mauerwerk, ja von ganzen Häuſern iſt das Spreng— mittel im letzten Kriege ebenfalls erfolgreich benutzt wöorden. Zu dem Zwecke wurden im erſteren Falle langgeſtreckte Dynamitladungen längs der Mauer an— gelegt, im letzteren Patronen von 4 bis 12 Kg in der Mitte eines unteren Zim⸗ mers frei liegend entzündet; häufig waren die Ladungen zu bedeutend. Die zahlreichen Verſuche, Dynamit zum Sprengen von Eiſenmaſſen zu 1) Mittheilungen des Ingenieurcomités 1872, Heft 13. verr frül wur tron ſtar Gef Gle Trä ladi eine von 186 ſitzt fach Erſ. wen aus flüff ſeit niſſe Stö ein jedo duct glye rige betr mit auch bei Wa hart tung wert Sprengungen von Eiſenmaſſen.— Andere Präparate. 75 verwenden, zeigten die wahrhaft erſtaunlichen Wirkungen ſehr deutlich. Schon früher hatte man dieſelben in der Civiltechnik!) verwerthet. Im letzten Kriege wurden mit Hülfe deſſelben viele Geſchütze total unbrauchbar e gemacht eine Pa⸗ trone von 2 Kg in inniger Berührung mit dem Rohre und mit einer 5 bis 8em ſtarken, feuchten Lehmſchicht bedeckt genügte, ein 0,3 bis 0,4 in langes Stück vom Geſchützkopfe abzuſprengen und das übrige Rohr mit Riſſen zu durchſetzen. Gleich geeignet erwies ſich Dynamit zum Sprengen 2) von Schienen, eiſernen Trägern, Eiſenſauen, ſowie zum Durchſchlagen von Panzerplatten. Als Spreng— ladung von Hohlgeſchoſſen?) hat ſich derſelbe bisher nicht bewährt; die 15 einer mit 0,75 Kg gefüllten 9½ö3zölligen Bombe, welche auf eine Panzerplatte von 11,7 om Stärke abgefeuert wurde, war ſehr ithemend Gerſuch bei Wien, 1868). Die Vorzüge, welche Dynamit als Sprengmittel vor dem Schießpulver be— ſitzt, beſtehen alſo, wie aus dem Mitgetheilten ſich ergiebt, in der kürzeren, ein— facheren Fabrikation, welche dazu noch ein gleichförmigeres Product liefert, in der Erſparniß an Koſten und Zeit, in der leichten und gefahrloſen Handhabung(An— wendbarkeit in feuchtem Geſtein, überhaupt unter Bedingungen, welche Pulver ausſchließen, Entbehrlichkeit des Beſatzes). Die früher bei Sprengungen mit flüſſigem Sprengöl laut gewordenen Klagen über Beläſtigung der Arbeiter ſind ſeit Einführung des Dynamits faſt ganz verſtummt. Nach verſchiedenen Zeug— niſſen erlitt der Betrieb ſelbſt in Gruben, deren Ventilation mangelhaft war, keine Störung bei Anwendung von Dynamit. Auch iſt bei Handhabung deſſelben nur ein ernſtlicher Unfall im Szaloczer Eiſenwerk⸗) bekannt geworden, welcher jedoch auf die geringere Qualität des aus einer Prager Fabrik bezogenen Pro— ducts zurückgeführt wird. Daß die Fabrikation des Dynamits reſp. des Nitro— glycerins noch immer mit großer Gefahr verbunden iſt, geht aus der Reihe trau— riger Exploſionen hervor, von welchen allein im Jahre 1870 ſechs Fabriken betroffen wurden. Welche Umſtände dieſe Unfälle veranlaßten, ließ ſich niemals mit Sicherheit conſtatiren, da die Betheiligten ſtets das Leben verloren. Wenn auch der fertige Dynamit ſeine Gefahrloſigkeit documentirt hat, ſo iſt doch immer bei ſeiner Verwendung größte Vorſicht geboten. Die Hauptmängel des Dynamits beſtehen darin, daß bei Sprengungen unter Waſſer dichte Hüllen nothwendig ſind, und daß derſelbe bei niederer Temperatur hart wird. Jedoch ſind beide Uebelſtände in der Civiltechnik kaum von Bedeu— tung, während ihre Beſeitigung vom Standpunkte des Militäringenieurs wünſchens— werth iſt. Andere Präparate mit indifferenten Zuſätzen. Die ſichere Handhabung dieſes Sprengmittels hängt weſentl ich mit der Güte s Aufſaugungsmittels zuſammen; bindet dieſes das Nitroglycerin nicht feſt ge— gung zuf gly 9 1) Dingler, polyt. Journ. 190, 124 und 202, 471.— 2) Dingler, polyt. Journ. 206, 46.— 3) S. auch Mittheil. über Gegenſt. des Artill.- u. Genie-Weſens 1871, 528.— Y Jahresber. 1871, S. 312. EE ˖ e FECEEEPETEECCCCTCC 76 Nitroglycerin mit wirkſamen Zuſätzen. nug, ſo wird daſſelbe zu leicht austreten und jedenfalls die Gefahr ſteigern. Nach neueſten Erfahrungen ſollen manche Thonſorten, nachdem ſie caleinirt und ge— mahlen ſind, der Infuſorienerde an Abſorptionsvermögen nicht nachſtehen. In Paris wurden während der Belagerung zwei Dynamitfabriken errichtet, aber in Ermangelung von Kieſelguhr die Aſche von Bogheadkohle benutzt. Als anderes indifferentes Abſorptionsmittel hat Horsley!) gepulverten Alaun(oder Bitterſalz) empfohlen, welcher durch ein feines Sieb gegangen iſt; auf 8 Thle. Alaun ſollen 3 Thle. Nitroglycerin genommen werden. Der Vorſchlag ſcheint keine Beachtung gefunden zu haben. Girard, Millot und Vogt) laſſen Nitroglycerin von Zucker aufſaugen bei der Herſtellung von Dynamit. Nitroglycerin mit wirkſamen Zuſätzen, welche, mehr oder weniger porös, daſſelbe aufſaugen ſollen, iſt unter verſchiedenen Namen in den Handel ge— bracht worden. Nobel's Sprengpulver?) war die erſte Miſchung, welche jedoch erſt unmittelbar vor dem Gebrauche bereitet wurde. Später hließ ſich Nobel folgende Pulverſorten in Frankreich patentiren: U1 II.(zuweilen Kohlendynamit genannt). Barytſalpeter.. 68 70 Holzkohle.... 12 Harz 10 Durch Zuſatz von Schwefel ſoll Nitroglycerin.. 20 20⁰ die Wirkung erhöht werden. 100 100 Trauzl(. c. S. 87) hat Verſuche angeſtellt, die mit Nitroglycerin getränkte Schießwolle allgemeiner zu verwerthen und iſt zu dem wichtigen Reſultate ge— langt, daß das Gemiſch auch mit einem bis zu 15 Proc. gehenden Waſſergehalt in hohem Grade exploſiv wirkt, wenn es mit ſtarkem Zünder entzündet wird, jedoch durchaus gefahrlos aufzubewahren und zu handhaben iſt. Nach viertägigem Liegen in Waſſer nahm eine Miſchung von 73 Thln. Nitroglycerin, 25 Thln. Schießwolle und 2 Thlu. Kohle 15 Proc. Waſſer auf, explodirte aber noch ſtark bei Anwendung eines Detonationszünders. In größerem Umfange auszuführende Verſuche müſſen die Tauglichkeit dieſes Präparats noch beſtätigen. Ueber die Zuſammenſetzung des als Sprengmittel(von Waſſerfuhr in Cöln) in den Handel gebrachten Coloniapulvers?) ſiſt nur bekannt, daß es 30 bis 35 Proc. Nitroglycerin enthält, welche von einer geringeren Sorte Spreng— pulver abſorbirt ſind. Nach Verſuchen bei Bonn ſoll das Präparat unter gün⸗ ſtigen Umſtänden fünf- bis ſechsmal ſo ſtark als gewöhnliches Pulver wirken, jedoch einer ſehr ſtarken, alſo auch theuren Zündung bedürfen. Aus dieſem Grunde vielleicht hat das Coloniapulver keine Verbreitung gefunden(trotz ſeines geringen Preiſes: 24 Groſchen pr. Kg). J) Deutſche Ind.⸗Zeitg. 1869, S. 458.—) Liebig, Jahresber. 1870, S. 1127. 3) Vergl. S. 64.—) Jahresber. 1870, S. 217.— 5) Deutſche Ind.⸗Zeitg 1871, S. 58. unv. ſehr Gefe Gra fract Lithofracteur. Weit umfaſſendere Sprengverſuche in der Civil- und Militärtechnik ſind mit dem von Krebs(in Deutz) fabricirten und unter der Bezeichnung:„Ver— beſſerter Lithofracteur“ 1) in den Handel gebrachten Sprengmittel angeſtellt wor⸗ den. Nach dem äußeren Anſehen bildet daſſelbe eine ſchwarze teigförmige Maſſe, über deren nähere Zuſammenſetzung und Darſtellung nichts Genaues bekannt iſt. Nach Trauzl(I. 6. S. 184) beſteht Lithofracteur aus: Nitroglyeerin Kieſelguhr und Sand Steinkohle Natronſalpeter Derſelbe wäre demnach Dynamit, welcher mit einem ſchlecht combinirten Schwarzpulver vermiſcht iſt. Nach Anderen ſoll derſelbe nur aus Nitroglycerin und einer Art Sprengpulver nebſt geringen Mengen Thon zuſammengeſetzt ſein. Der Pulverſatz ſoll die Entzündbarkeit bei niedriger Temperatur ſichern. Trauzl giebt in der That den Entzündungspunkt bei 1200 an(den des Dyna⸗ mits bei 1900). Nach engliſchen Verſuchen 2) brennt Lithofracteur, wenn er auf 1900 erhitzt iſt, ab. Wahrſcheinlich iſt die Verſchiedenheit der Präparate die Ur⸗ ſache dieſer abweichenden Angaben geweſen. In den Handel werden drei Sorten gebracht, welche ſich durch ihre Stärke unterſcheiden. Wird Lithofracteur an offener Luft entzündet, ſo brennt er ohne Explo— ſion mit ſcharf vorſchießender röthlicher Flamme und geringer Rauchentwicklung ab, auch wenn größere Mengen betroffen werden. Einmal fingen 200 Kg des gefrorenen Materials, welches in vier Kiſten verpackt an einem heißen Ofen unvorſichtig aufgethaut wurde, Feuer; jedoch kam es nicht zur Exploſion trotz des ſehr heftigen Verbrennens. Abſichtlich angeſtellte Verſuche hatten ebenfalls die Gefahrloſigkeit bei Feuersbrünſten dargethan. Auch gegen ſtarken Druck und Stoß zeigte ſich Lithofracteur in hohem Grade unempfindlich. Eine Gewehrkugel, welche durch eine Lithofracteurpatrone geſchoſſen wurde, bewirkte nicht Entzündung. Eine Büchſe mit 2,5 Kg des Sprengmittels wurde beim Falle aus einer Höhe von circa 50 m zertrümmert, explodirte jedoch nicht. Eine mit 330 g geladene Granate wurde abgefeuert und crepirte beim Aufſchlage nicht. Bei ſtarkem Schlage von Eiſen auf Lithofracteur, welcher ſich auf einer Eiſenunterlage befindet, erfolgt Exploſion. Aus allen Verſuchen geht hervor, daß das Sprengmittel bei genügender Vor— ſicht ebenſo gefahrlos iſt wie Dynamit, daß Schießpulver bei etwaiger Feuers— gefahr größeren Schaden anrichten wird, als dieſe beiden Sprengſtoffe. .) Vergl. die Broſchüre von C. Luckow: Ueber Sprengpulver ve., ſpeciell Litho— fracteur. Deutz 1869.— 9) Dingler, polyt. Journ. 203, 502 und 204, 161. Sprengungen mit Lithofracteur.— Leiſtungen deſſelben. Der Lithofracteur wird wie Dynamit in Patronen oder Schläuchen verwen— det; auch die Entzündung wird in gleicher Weiſe(vergl. S. 70) bewirkt. Nach Luckow ſoll die beſte Sorte, Nr. I, ſo viel leiſten, wie die ſechs- bis ſiebenfache Menge Sprengpulver. Reſultate bei Geſteinsſprengungen im Sand— ſtein, Trachyt, Baſalt, Quarz ꝛc. waren ſehr befriedigend. Es empfiehlt ſich, die Bohrlöcher bei einer Weite von 3,9 em nicht tiefer als 1ů m anzulegen. Die Ladung ſoll ſo ſtark gewählt werden, daß/ bis/ des Bohrloches ausgefüllt wird. Bei einigermaßen guter Wetterführung ſoll die Strecke ſofort wieder fahr— bar ſein. Die Frage, ob die Verbrennungsproducte des Lithofracteur ſchädlich wirken, iſt noch nicht entſchieden; bei dem von Trauzl angegebenen ſtarken Kohlenſtoff— gehalt iſt Kohlenoxydbildung wohl mit Sicherheit anzunehmen; ob die Menge des Gaſes bedeutend iſt, hat man noch nicht feſtgeſtellt. Bei Sprengung von Eiſenblöcken, Ofenſauen ꝛc. iſt Lithofracteur mit etwa gleichem Erfolgſe wie Dynamit angewendet worden. Die Ladung wurde nur auf die Oberfläche aufgedrückt und mit einer Schicht feuchten Lehmes bedeckt. Auch zu militäriſchen Zwecken ſind Sprengungen mit Lithofracteur in ausgedehntem Maße verſucht worden: Geſchütze wurden in gleicher Weiſe wie mit Dynamit (. S. 75) auf dem Mont Valerien) zerſtört, mittelſt Ladungen von 1 bis 2,5 Kg (je nach Größe des Geſchützes). Ferner wurden aus Eiſenbahnſchienen gebildete bombenſichere Hohlräume gänzlich zerſtört(durch 2 Kg wurden 5, durch 4,5 Kg. 15 Schienen vollſtändig durchbrochen). Sprengungen in der Erde, wie ſie zum Minenkriege benöthigt werden, fielen ungünſtig aus, weil der Widerſtand des Erdreiches zu gering, die Wirkung des Sprengmittels zu briſant war. Dagegen waren die Palliſadenſprengungen, bei welchen der Lithofracteur ſich in Leinwandſchläuchen oder Zinkblechröhren befand, ſehr erfolgreich, ja wie es ſchien, den mit Dynamit erzielten überlegen). Auch die Sprengwirkungen unter Waſſer waren vortrefflich, ſo daß Litho— fracteur ebenfalls zu Torpedos geeignet ſein dürfte; für eine dichte Hülle muß natürlich geſorgt ſein, da das Sprengmittel mehr, als Dynamit, gegen Waſſer empfindlich iſt. Bei einem Verſuche wurden 7,5 Kg deſſelben 1 m über einer 1,3 em dicken ſchmiedeeiſernen Keſſelplatte unter Waſſer entzündet; dieſelbe wurde in der Mitte durchgeſchlagen und erhielt zahlreiche Riſſe. Endlich ſind die mit Lithofracteur wohl gelungenen Eisſprengungen im Rheine bei Griethauſen und an der Weichſelmündung zu erwähnen. Das Ver— fahren war ſehr einfach: Es wurden Löcher in das Eis gebohrt und Patronen in das Waſſer gehängt; der richtige Abſtand derſelben vom Eiſe iſt ſehr weſent— lich: je ſtärker dieſes iſt, deſto näher muß die Ladung angebracht werden. Mit 0,5 bis 1,5 Kg erzielte man Löcher von 2,5 bis 9,4 m Durchmeſſer. Die Re— ſultate der mit Dynamit gemachten Sprengungen(ſ. S. 73 und 74) ſcheinen günſtiger zu ſein. ) Wiek's Gew.⸗Zeitg. für 1871, S. 144.—) Vergl. Luckow, 1. e. S. 51 (Bericht einer Militärcommiſſion). nam 10 f Nack ſeine mit, bren noch Nitr (.6 an, ſpän mar Var arbe werd wird halte als zwec ſchn wur Zer⸗ nen ent⸗ Mit Re⸗ nen Dualin.— Fabrikation.— Entzündung. Nach allen bisherigen Reſultaten ſcheint in dem Lithofracteur ein dem Dy⸗ namit in Bezug auf Sprengwirkung nahezu ebenbürtiges Sprengmittel erwachſen zu ſein. Die Empfindlichkeit des erſteren gegen höhere Temperatur iſt als ein Nachtheil dem anderen gegenüber zu betrachten. Daß ferner der erſtere wegen ſeines Gehaltes an Natronſalpeter gegen Feuchtigkeit empfindlicher iſt als Dyna⸗ mit, unterliegt wohl keinem Zweifel. Ob und wie viel Kohlenoxyd ſeine Ver—⸗ brennungsgaſe enthalten, ob ſie alſo ſchädlich wirken können, iſt eine Frage, welche noch zu entſcheiden iſt. Dualin. Ein ſo bezeichnetes Sprengmittel hat ebenfalls als wirkſamſten Beſtandtheil Nitroglycerin, welches von nitrificirtem Sägemehl, alſo Schultze'ſchem Pulver (ſ. S. 45) oder ähnlichen Subſtanzen abſorbirt iſt. Trauzl(. c. S. 185) giebt an, das Dualin beſtehe aus 50 Thln. Nitroglycerin, 30 Thln. feinen Säge⸗ ſpänen und 20 Thln. Salpeter. In der Patentbeſchreibung des Erfinders Dit— mar h(in Charlottenburg) ſind fünf Methoden angegeben, nach welchen mehrere Varietäten des Dualins dargeſtellt werden können. Das Sägemehl, welches ver— arbeitet wird, muß vorher mit verdünnten Säuren und mit Sodalbſung behandelt werden. Die Zuſammenſetzung des nach der erſten Methode bereiteten Dualins wird der von Trauzl angegebenen entſprechen. Die übrigen Präparate, welche alle den Namen Dualin führen ſollen, ent⸗ halten Nitrocelluloſe, Nitroſtärke, auch Nitromannit neben Sprengöl, erſtere dienen als Abſorptionsmittel des letzteren. Das im Handel vorkommende Dualin iſt ein gelblich braunes Pulver von dem ſehr geringen ſpecifiſchen Gewichte 1,02. An freier Luft brennt es ohne Exploſion ab. Jedoch iſt daſſelbe, wie es ſcheint, gegen Feuer und mechaniſche Wirkungen empfindlicher, als Dynamit und Lithofracteur. Zwar konnte nach öſterreichiſchen Verſuchen?) Dualin durch ſtarken Stoß reſp. Fall nicht zur Explo⸗ ſion gebracht werden; aber beim Ausbohren einer Patrone durch einen geübten Arbeiter(behufs Einſetzung des Zündhütchens) kam ein Unfall vor. Jetzt wer— den beſondere Zündpatronen geliefert, in denen eine Aushöhlung zur Aufnahme der Kapſeln angebracht iſt. Nach Ditmar ſoll ſich ſein Sprengmittel in der Kälte nicht verändern; jedoch iſt nicht erſichtlich, warum in dieſem Falle Nitroglycerin ſich anders ver— halten wird, als im Dynamit und Lithofracteur. Die Entzündung des Dualins, welches in Patronen, die zum Schutze gegen Feuchtigkeit mit Waſſerglas überzogen ſind, zur Verwendung gelangt, wird am zweckmäßigſten durch ein ſtarkes Zündhütchen erreicht, obwohl auch eine Zünd— ſchnur an trockenem Orte und bei feſtem Beſatze genügen ſoll. Die Erfahrungen, welche über die Sprengwirkungen des Dualins geſammelt wurden, ſind noch nicht zahlreich genug, um ein Urtheil über die Brauchbarkeit ) Dingler, polyt. Journ. 196, 90.— 2) Wiek's Gew. Ztg. 1870, S. 186. 80 Dualin.— Fulminatin.— Aufbewahrung der Nitroglycerinpräparate. deſſelben zu geſtatten. Nach den Verſuchen, welche in Steinkohlengruben ſowie im Staßfurter Salzlager 1) angeſtellt wurden, ſcheint die Zerſetzungsgeſchwindig—⸗ keit des Dualins geringer, die Wirkung alſo allmählicher zu ſein als die der ande— ren Nitroglycerinpräparate. Die Leiſtung ſoll um das Sechs⸗- bis Achtfache die des Schwarzpulvers übertroffen haben. Im grauen Sandſtein(bei Wien) ergab ſich eine durchſchnittlich fünffache Wirkung im Vergleiche mit Pulver(die Bohr— löcher hatten 3,9 om im Durchmeſſer; der Beſatz war loſe) 7). Die Nachtheile des Dualins anderen Nitroglycerinpräparaten, namentlich dem Dynamit gegenüber beſtehen in der nicht genügend gefahrloſen Handhabung, in dem geringen ſpecifiſchen Gewichte, welches die Anwendung voluminöſer Ladun— gen, alſo auch größerer Bohrlöcher veranlaßt, und in der mangelhaften Abſorptions— fähigkeit der Holzfaſer reſp. der nitrificirten Celluloſe. Wegen dieſes Uebelſtandes ſind ſtärkere Patronenhüllen erforderlich. Endlich iſt wohl anzunehmen, wenn auch noch unbewieſen, daß unter den Exploſionsproducten Kohlenoryd wegen des ſtarken Kohlenſtoffgehaltes nicht fehlen wird. Mit dem Dualin iſt ein von W. Shaem;) empfohlenes Präparat ſeiner allgemeinen Zuſammenſetzung nach identiſch; daſſelbe wird dadurch erhalten, daß 100 Thle. Schultze'ſches Pulver mit 10 bis 60 Thln. Sprengöl getränkt werden. Fulminatin) iſt der Name eines neuen, ebenfalls von Nitroglyeerin ſich ableitenden Sprengmittels, welches nach Fuchs bis zu 85 Proc. von dieſem neben einer chemiſch präparirten Subſtanz(9) enthält. Beim Verbrennen hinterbleibt ein geringer an Kohlenſtoff reicher Rückſtand. Das ſchon früher unter der Bezeichnung: Ammoniakkrut von Norr— bins) empfohlene Sprengmittel ſcheint nach ſeiner Beſchaffenheit ebenfalls dem Nitroglycerin nahe zu ſtehen. Weitere Verbreitung hat daſſelbe nicht gefunden. Aufbewahrung, Verpackung, Transport der Nitroglycerin— präparate. Die Nitroglycerinpräparate, in erſter Linie der Dynamit, haben in der Sprengtechnik eine ſolche Bedeutung gewonnen, daß auch die Sprengölfabrikation ſeit den letzten Jahren in raſchem Fortſchreiten begriffen iſt. Von größter Wich— tigkeit für das Gedeihen des Induſtriezweiges iſt die ſichere Aufbewahrung, Ver— packung und der gefahrloſe Transport des Nitroglycerins und namentlich ſeiner Präparate. Von der Verſendung ſowie der praktiſchen Verwerthung des erſteren hat man faſt allgemein Abſtand genommen. Soll flüſſiges Sprengöl aufbewahrt werden, ſo iſt Methyliſirung“) am empfehlenswertheſten. Nobel hatte in früherer 1) Deutſche Ind.⸗Zeitg. 1870, Nr. 12.— 2) Siehe Mittheilungen über Gegen— ſtände des Artill- und Genie-Weſen, Jahrg. 1870, S. 473.— 3) Deutſche Ind.⸗Zeitg. 1869, S. 128.— 5) Wiek's Gew.⸗Zeitg. 1872, S. 80.— 5) Wiek's Gew.⸗Zeitg. 1869, S. 85.— 6) Siehe S. 66. owie 'dig⸗ nde⸗ die rgab ohr⸗ tlich ung, dun⸗ ons⸗ ndes henn des iner daß zänkt ſich eben leibt 'rr⸗ dem tion Zich⸗ Ver⸗ einer eren ſahrt erer gen⸗ eitg. eitg. Aufbewahrung, Transport der Präparate. Zeit ſein Sprengöl in elaſtiſchen Flaſchen aufbewahrt und verſandt, welche mit einer leicht ſchmelzenden Sicherheitsplatte(für den Fall einer Feuersbrunſt) ſchloſſen waren. Die Aufbewahrung der Nitroglycerinpräparate geſchieht an Orten, welche vor Feuer geſchützt ſind, und in denen keine anderen exploſiven Stoffe, wie Zündrequiſiten, zugelaſſen werden dürfen; die Zündhütchen ſind alſo ſtets getrennt von den Sprengmitteln aufzubewahren. Die Magazine ſind am geeignetſten aus Lehmwänden aufgeführte, mit Pfannendach verſehene Schuppen, welche mindeſtens 200 bis 300 Schritt von bewohnten Gebäuden entfernt ſein ſollen. Man umgiebt die Magazine mit einem ſtarken, hohen Zaune und zur beſonderen Vorſicht mit einem 1 m hohen Walle aus Sand oder Erde. Auch kann man zweckmäßig kleine Vorrathsräume in Aushöhlungen anlegen und die ausgeworfene Erde als Wall aufführen. In Bergwerken ſind alte, verlaſſene Stollen, welche gut ver— ſchließbar und nicht zu feucht ſein dürfen, zur Aufbewahrung ſehr brauchbar. In dieſen Räumen werden die mit den Sprengſtoffen gefüllten Packete oder Kiſten auf hölzerne Geſtelle geſetzt oder in Behältern von Zinkblech aufbewahrt. Für den Transport von Nitroglycerinpräparaten gelten jetzt im Allgemeinen die Vorſchriften, welche auch bei dem gewöhnlichen Schießpulver eingehalten wer— den. Das Verbot des Dynamittransportes in Oeſterreich, welches die Verbreitung dieſes werthvollen Sprengmittels hinderte und die Zahl der Unglücksfälle nur ee konnte, indem daſſelbe undeclarirt verſandt wurde, iſt nachträglich 15 gehoben worden. Der Transport iſt unter der Bedingung geſtattet, daß der Dy— namit in Patronen ſorgfältig verpackt und von rothen Frachtbriefen begleitet iſt. Auch hat man in Oeſterreich die Einfuhr des Dynamits durch Herabſetzung des Zolles erleichtert und dadurch die Bedeutung dieſes Sprengmittels für den Berg— bau und andere induſtrielle Zwecke anerkannt. Wie aus den vielfachen, oben(ſ. S. 68 ff. 77 u. 79) mitgetheilten Verſuchen hervorgeht, bieten die Nitroglycerinpräparate alle nur wünſchenswerthe Sicherheit für den Transport dar; immerhin iſt Vorſicht unerläßlich. Es iſt zweckmäßig, hier die allernothwendigſten Vorſichtsmaßregeln, welche die Verwendung der Prä— parate erheiſcht, zuſammenzufaſſen: Jede ſtarke Erhitzung iſt unbedingt zu unter— laſſen, ebenſo müſſen heftige 5 oder ſtarke Reibung zwiſchen Metallflächen vermieden werden(namentlich bei Benutzung gefrorener Präparate). Mit beſon— derer Vorſicht ſind Patronen, mit denen die Zündvorrichtung verbunden iſt, zu behandeln; am beſten wird das Zündhütchen mit Schnur erſt unmittelbar vor dem Zi O eingeſetzt. 1 00 der Nitroglycerinfabrikation mögen felkean, Angaben dienen: r Fabriken iſt— namentlich ſeit Einführung des Dynamits— von ahr zu Jahr gewachſen. Ueber den Verbrauch von Sprengöl in Schweden während der Jahre 1865 bis Mitte 1868 giebt Nobel!) folgende Daten: EIiEe 18660 234392 S68288 1868(erſte Hälfte) 32 147„ ver⸗ „ 1) Dingler, polyt. Journ. 190, 124. Exploſivkörper und Feuerwerkerei. S — ³ĩ⁵Q—————‚ „„EFEEEETTTEETTPPPCCcCcCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCC— SSS ——ů 2ENEwWTæÜd—— Statiſtiſches über Sprengöl ꝛc. Knallqueckſilber. In Schieferbrüchen von Nordwales wurden von 1866 bis Mitte 1868 etwa 9000 Kg verwendet. In Schleſien belief ſich der monatliche Verbrauch im Jahre 1868 ſogar auf 4000 Kg. Ueber den Conſum anderer Diſtricte ſind keine Angaben bekannt geworden. Die Production des Dynamits hat ſeit ſeiner Entdeckung rapide Fortſchritte gemacht. Bis Mitte 1868 waren von Nobel ſchon 50000 Kg abgeſetzt. Im Jahre 1869 lieferte die Hamburger Fabrik 15000 Kg monatlich; im Jahre 1870 waren circa 500000 Kg des Nobel'ſchen Fabrikats verbraucht. Die jährliche Dynamitproduction auf dem Continent ſchätzt Capitaine(1872) auf 625 000 Kg. Der Preis des Nitroglycerins betrug in den erſten Jahren zwiſchen 2 Thlr. 4 Gr. und 2 Thlr. 14 Gr. pr. Kg; der des Dynamits bei ſeinem Erſcheinen durchſchnittlich 1 Thlr. 6 Gr. Jetzt koſtet das Kg der drei wichtigſten Nitro— glycerinpräparate in ihren beſten Sorten etwa 1 Thlr. 100 Stück Patentzünd⸗ hütchen koſten 15 Gr. Die Vortheile, welche Dynamit in hervorragendſter Weiſe, Lithofracteur und andere Nitroglycerinpräparate in geringerem Maße vor dem Schießpulver beſitzen, ſind im Laufe der Darſtellung hervorgehoben worden. Es lohnt ſich, hier dem Dynamit ſeinen mächtigſten Concurrenten, die comprimirte Schießwolle, gegen— überzuſtellen, beide in ihren Wirkungen zu vergleichen: Trotz des hohen Com— preſſionsgrades iſt die Kraft eines gleichen Volumens Schießwolle bei der Explo— ſion geringer als die von Dynamit. Da auch die Fabrikationskoſten des letzteren gegen 20 bis 30 Proc. geringer ſind als die der comprimirten Schießwolle, ferner die zur vollen Wirkung nöthige Zündung der letzteren theurer iſt, als die des Dynamits, ſo folgt daraus, daß in der Sprengtechnik bei Anwendung des letzteren eine Koſten- und Zeiterſparniß erzielt wird, daß derſelbe alſo auf dieſem Gebiete bei dem jetzigen Stande der Induſtrie unbedingt der Schießbaumwolle vorzuziehen iſt. Immerhin fehlt es noch an genügend zahlreichen und maßgeben— den Erfahrungen über Sprengungen mit Schießwolle. Dagegen hat letztere alle Ausſicht, als Schießpräparat eine wichtige Rolle zu ſpielen, während Nitro— glycerinpräparate von dieſer Verwendung ausgeſchloſſen ſind. Sechstes Capitel. Knallqueckſilber(als Anhang: Knallſilber und Knallgold). Das Knallqueckſilber wurde von Howard?) im Jahre 1799 entdeckt; die außerordentlich exploſiven Eigenſchaften des neuen Körpers verhinderten vorläufig 1) Vergleichende Verſuche mit beiden Sprengmitteln ſind in Oeſterreich ausgeführt, vergl. Lauer's Broſchüre: Spreng- und Zündverſuche mit Dynamit und comprimirter Schießwolle, ferner J. Arlt, Mittheilungen über Gegenſtände des Artill.- und Genie— Weſens, Heft 6, Jahrg. 1872, S. 395.— 2) Vergl. Dingler, polyt. Journ. 61, 192. wen petr und inen itro⸗ ind⸗ und tzen, dem gen⸗ om⸗ plo⸗ eren olle, die des eſem volle ben⸗ ztere itro⸗ Darſtellung des Knallqueckſilbers. eine genauere Unterſuchung. Erſt durch die berühmte Arbeit Liebig's und Gay— Luſſac's!)) über die Fulminate wurde die Zuſammenſetzung dieſer intereſſanten Körper feſtgeſtellt. Auch Berzelius und Wöhler haben ſich mit der Unter— ſuchung des Knallqueckſilbers beſchäftigt; erſterer nannte daſſelbe queckſilberknall— ſaures Queckſilberorvd. Kekulé?) hat endlich in neuerer Zeit die rationelle Conſtitution der Fulminate mit genügender Sicherheit kennen gelehrt. Darſtellung des Knallqueckſilbers. Die zur Bereitung des Knallqueckſilbers nöthigen Materialien ſind Queck— ſilber, Salpeterfture und Alkohol; die Stärke der beiden letzteren variirt in den verſchiedenen Vorſchriften nur wenig. Howard nahm auf 1 Thl. Queckſilber 5 Thle. Salpeterſäure(von 1,3 ſpecif. Gew.) und 10 Thle. Alkohol(ſpecif. Gew. 0,85). Nach Chandelons) löſt man 1 Thl. Queckfilber in einem geräumigen Gefäße in 10 Thlu. Sa lpeter⸗ ſäure(ſpecif. Gew. 1,0 unter ſchwachem Erwärmen auf und bringt die etwa 550 warme Wöſung in einen Kolben, welcher 8,3 Thle. Alkohol(von 0,83 ſpecif. Gew.) enthält. Der Rauminhalt des Gefäßes muß mindeſtens das Sechsfache der aufzunehmenden Flüſſigkeit betragen. Nach kurzer Zeit beginnt die Reaction, welche anfangs ſich nur durch eine ſchwache Gasentwicklung bemerklich macht; bald jedoch geräth die Flüſſigkeit ins Sieden, und unter ſtarkem Schäumen ent⸗ weichen weiße, dichte Dämpfe, welche Kohlenſäure, Stickoxyd, Salpeter- und Eſſigäther, ſowie Queckſilber enthalten. Da dieſelben der Geſundheit ſchädlich und leicht entzündlich ſind, muß die Operation unter einem guten Zuge und fern von allem Feuer vorgenommen werden. Nach Beendigung der Reaction hat ſich auch das Knallqueckfilber in kleinen, ſchwach grau gefärbten Nadeln abgeſchieden; man bringt den Gefäßinhalt auf ein doppeltes Filter und wäſcht das Product ſo lange aus, bis das ablaufende Waſſer keine ſaure Reaction mehr zeigt. Die Kryſtalle werden ſodann vorſichtig vom Papier losgelöſt, in kleinen Portionen auf einer unglaſirten Thonplatte(oder einem Ziegelſteine) ausgebreitet und, vor Sonnenlicht geſchützt, bei gelinder Wärme getrocknet. Aus 100 Thln. Queckſil lber werden durchſchnittlich 125 Thle. Knallqueckſilber e gewonnen, während die Ausbeute ſich auf 142 Thle. beläuft. Nach Liebig's)) Verfahren, welches eine ähnliche Ausbeute ergiebt(118 bis 128 Thle), werden 3 Thle. Quecfl ber in 36 Thlnu. Salpeterſäure(von 1,34 ſpecif. Gew.) in der Kälte gelöſt und zwar in einem Gefäß, welches wenigſtens achtzehnmal die Miſchung faſſen kann. Zu der Löſung, welche ſal— petrige Säure abſorbirt enthält, ſetzt man 17 Thle. Alkohol(von 80 bis 85 Proc.) und ſchüttelt gut um. Die Einwirkung beginnt nach wenigen Minuten; eine ſtark lichtbrechende Flüſſigkeit ſcheidet ſich aus, welche man durch Schütteln mit der übrigen miſcht. Dann ſchwärzt ſich das Gemiſch durch Ausſcheidung von 1) Ann. chim. et phys. 25, 285.— 2) Ann. Chem. Pharm. 101, 204.— 3) Dingler, polyt. Journ. 108, 21.— 9) Ann. Chem. Pharm. 95, 282. 6* 84 Eigenſchaften, Conſtitution des Knallqʒueckſilbers. Metall, und eine ſtürmiſche Reaction tritt ein, welche man durch allmählichen Zuſatz von weiteren 17 Thln. Alkohol mäßigt. Das ausgeſchiedene Metall ver— ſchwindet; Kryſtalle von Knallqueckſilber bilden ſich und ſetzen ſich am Boden des Gefäßes ab; keine Spur Queckſilber iſt in der Löſung nachzuweiſen. Nach 715 Vorſchrift wurde das Knallqueckſilber in Ifrarsſiſcher Fabriken gewonnen. Chevalier y leitet die Dämpfe durch mehrere Vorlagen, in welchen ſie zum Theile verdichtet werden, und zuletzt in einen Schornſtein. Sein Ver— fahren iſt in mehreren franzöſiſchen Etabliſſements einge eführt und hat eine ſehr günſtige Aufnahme gefunden. Engliſche Verſuche haben gezeigt, daß die Methode Chandelon's bei guter Ausbeute ein treffliches Präparat liefert, während bei Anwendung der Materialien in anderen Verhelmiſſen entweder 5 kein Knallqueckſilber oder nur geringe Mengen ſich bilden. So wird aus 1 Thl. Queckſilber, 8 Thlu. Salpeterſäure (ſpecif. Gew. 1,37) und 6,5 Thln. 1(0, 896 ſpecif. Gew.) keine merkliche Ausbeute erzielt. Stahlſchmidt?) fand, daß Knallqueckſilber auch bei Anwendung von Lignon ſtatt Weingeiſt entſtand; dagegen bildete ſich daſſelbe nicht, wenn reiner Methylalkohol mit ſal peterſaurem Queckſilberorxyd und Salpeter rſture erwärmt wurde. Das fertige Präparat wird in kleinen Portionen(höchſtens zu 8 9) in Pa⸗ pier eingeſchlagen und in hölzerne Käſten oder große mit Korken verſchloſſene Glasgefäße locker verpackt. Am ſicherſten iſt die Aufbewahrung unter Waſſer. Eigenſchaften und Conſtitution. Die grauen Kryſtalle zeigen ſich unter dem Mikroſkop als Octaeder, welche, häufig an einander gereiht, Nadeln bilden. Sie ſind in kaltem Waſſer faſt un— löslich; aus heißem, von dem 130 Thle. erforderlich ſind, um 1 Thl. zu löſen, kryſtalliſirt das Präparat gelblich gefärbt mit ſchönem Seideglanz. Daſſelbe beſitzt einen ſüßlichen Metallgeſchmack und iſt, wie alle Queckſilberverbindungen, ſehr giftig. Liebig und Gay-Luſſac, welche die Zuſammenſe tzung des Knallqueckſilbers durch die Analyſe feſtgeſtellt hatten, betrachteten daſſelbe als knallſaures Queck— ſilberoryd und ſchrieben ſeine Formel(mit alten Atomzeich en 2 HgoO. CINa O2. Dieſe Annahme wurde öfters modificirt: So betrachtete Berzelius das Knallqueckſilber als das Salz einer gepaarten queckſilberhaltigen Säure. Ger— hardt iſt wohl der Erſte geweſen, welcher die Vermuthung ausſprach, daß in dem Knallqueckſilber eine Nitrogruppe enthalten ſei; Kekuls wies mit ziemlicher Be— ſtimmtheit nach, daß dem Körper folgende rationelle Formel(mit neuen Atomzeichen) zukomme: C(NOꝛ)(CNJ)Hg. Als Hauptſtützen ſeiner Anſicht über die Conſti— tution führt derſel. he die Reactionen?) mit Chlor, Brom und Schwefelwaſſerſtoff an. Y) Din 881 polht. Journ. 61, 199.— 2) Jahresber. 1861, S. 284.— 3) 1. c. S. 207 ff. ſein unte mat habt ſetzu über kleir Anr der geth lien nge iure iche von ner rmt P a⸗ ſene lche, un⸗ ſen, ſitzt ſehr bers eck⸗ 0² das er⸗ Zerſetzungserſcheinungen. Die wichtigſte Eigenſchaft des Knallqueckſilbers iſt ſeine außerordentliche Exploſionsfähigkeit. Durch mäßigen Schlag, ſowie durch Reibung mit harten Körpern erfolgt Detonation unter röthlicher Lichterſcheinung. Da die Zerſetzung in Stickſtoff, Kohlenoryd und Queckſilberdampf faſt momentan vor ſich geht, iſt die Exploſion außerordentlich heftig. Wird Knallqueckſilber erhitzt, ſo explodirt es bei 1870(nach Leygue und Champion) bei 200“, nach anderen Angaben bei 1490). Wird das frei liegende Präparat durch einen brennenden Körper entzündet, ſo verpufft es nur mit mäßigem Knalle; durch den Inductionsfunken erfolgt Detonation. Die Leichtigkeit, mit welcher die exploſive Zerſetzung herbei— geführt werden kann, iſt je nach den Umſtänden verſchieden groß. So explodirt die trockne Subſtanz zwiſchen Eiſenplatten durch Schlag unfehlbar, während die Exploſion weniger leicht zwiſchen Eiſen und Kupfer, ſchwierig zwiſchen Marmor⸗ platten, kaum zwiſchen Eiſen und Blei, erfolgt; ein Schlag von Holz auf Holz bleibt unwirkſam. Je größer die Kryſtalle ſind, deſto leichter ſollen ſie detoniren. Die Exploſivität kann durch Befeuchten geſchwächt, ja ganz aufgehoben wer⸗ den; bei einem Waſſergehalte von 5 bis 30 Proc. explodiren nur die von einem ſtarken Schlage direct getroffenen Theilchen; die Zerſetzung theilt ſich den benach— barten nicht mit. Das Verhalten des Knallqueckſilbers im luftverdünnten Raume iſt ganz ähnlich dem der Schießbaumwolle). Heeren hat gefunden, daß durch einen galvaniſch glühend gemachten Draht nur die unmittelbar an demſelben haftenden Theilchen ohne Feuererſcheinung explodirten, die benachbarten unzerſetzt fortgeſchleu— dert wurden. Auf dieſe Beobachtung ſich ſtützend empfiehlt Ph. Neumanns) die gefährliche Operation des Körnens und Mengens?) des Knallqueckſilbers im luftverdünnten Naume vorzunehmen; einen Apparat zu dieſem Zwecke herzuſtellen, iſt ihm, wie es ſcheint, noch nicht gelungen. Auf der Fähigkeit des Knallqueckſilbers, durch Stoß zu explodiren, beruht ſeine Hauptanwendung zur Füllung der Zündhütchen, deren Fabrikation weiter unten beſchrieben iſt. Das Präparat für ſich allein als Schieß- und Spreng⸗ material anzuwenden, war zu bedenklich, einmal wegen der gefährlichen Hand— habung größerer Mengen, ſodann wegen der enorm briſanten Wirkung. Die Zer— ſetzung iſt ſo plötzlich, daß in der kurzen Zeit die Trägheit eines Geſchoſſes nicht überwunden wird, ſondern ſelbſt ſtarke Rohrwände geſprengt werden. Nur in kleinſten Ladungen, welche im Zündhütchen mit der Kugel angebracht ſind, iſt die Auwendung in den ſogenannten Zimmerpiſtolen möglich. Die zerſtörende(briſante) Wirkung des Knallqueckſilbers im Vergleiche zu der balliſtiſchen des Schießpulvers wurde durch einen Verſuch Abel'ss) klar dar— gethan. Eine mit 6,5 g Knallqueckſilber geladene Bombe wurde bei der Exploſion ) Dingler, polyt. Journ. 203, 303.—)) ef. S. 30.— 3) Dingler, polyt. Journ. 202, 272.— Siehe weiter unten S. 95.— 5) Chem. News 1862, S. 270 ff. —— 86 Knallſilber. Knallgold faſt zu Staub zerſprengt, während eine gleich große mit 49,7 g Schießpulver ge— ladene Bombe in mehrere große Stücke zerriſſen wurde, wele he weit fortgeſchleu— dert wurden. In erſterem Falle lagen die Sprengſtückchen nahe dem Exploſions— punkte; der bei weitem größte Theil der exploſiven Kraft war demnach auf Zerſtörung des Zuſammenhanges der Eiſenmaſſe verwendet worden. Auch v. Uchatius hat wie bei der Schießbaumwolle) und anderen exploſiven Stoffen den im Innern des Rohres herrſchenden Gasdruck außerordentlich hoch gefunden, wenn kleine Knallqueckſilberladungen entzündet wurden. Aus dieſem Grunde wird das Knallqueckſilber faſt ausſchließlich als Zün— dungsmittel angewendet und zwar in der Regel gemengt mit anderen brennbaren Körpern reſp. Gemiſchen, wie Schießpulver, chlorſaurem Kali oder Salpeter ge— mengt mit Schwefel ꝛc. Dieſe Zuſätze ſollen dazu dienen, den Zerſetzungsproceß zu verlangſamen, alſo die Wirkung deſſelben nachhaltiger zu machen, und nament— lich das Volum der Ver brennungsgaſe zu vergrößern. So wird eine längere Stichflamme erzielt, welche tiefer in die Zwiſchenräume des zu entzündenden Pul⸗ vers eindringt und die Entzündung der Ladung ſicherer und vollſtändiger her— beiführt. Von welcher Wichtigkeit es iſt, das Knallqueckſilber mit dem Pulver, welches entzündet werden ſoll, innig zu mengen oder mindeſtens in einem Raume eng einzuſchließen, geht aus dem bekannten Verſuche hervor, daß jenes, in bloßer Be— rührung mit Schießpulver an der Luft explodirend, dieſes unentzündet fort— ſchleudert. Knallſilber und Knallgold. Dem Knallqueckſilber reihen ſich theils ihrer Zuſammenſetzung, theils ihrer außerordentlichen Exploſivität wegen die aus Silber und Gold darzuſtellenden Knallpräparate eng an. Dieſelben haben zwar in der Technik nur eine höchſt untergeordnete Bedeutung gewonnen; eine Beſchreibung ihrer Bereitung und Ver— wendung möge dennoch hier anhangsweiſe Platz finden. Die dem Knallqueckſilber analoge Verbindung Cꝛ Agꝛ N2 O2 ν O02) (CN) Agz wird gewöhnlich Brugnatelli's(oder Howard's) Knallſilber ge— nannt. Gay-Luſſac und Liebig fügten die Löſung von 1 Thl. Silber in 20 Thln. Salpeterſäure(ſpeeif. Gew. 1,36 bis 1,38) zu 27 Thln. 85- bis 90procentigem Alkohol; in die bis zum Sieden erwärmte Miſchung läßt man dann noch 27 Thle. Alkohol einfließen und dieſelbe ruhig erkalten. Man kann auch durch Einleiten von ſa 18 Säure(aus Stärkemehl und Salpeterſäure darzuſtellen) in eine alkoholiſche Löſung von Silbernitrat Knallſilber erhalten, endlich durch Kochen von Knallqueckſilber mit Waſſer, Silber- und Platinfeile. Das höchſt giftige Knallſilber ſcheidet ſich in weißen ſeideglänzenden, undurch— ichtigen Nadeln ab, welche i0 kaltem Waſſer wenig, leichter in heißem Waſſer öslich 9 5 3 Knallſilber erfordert 36 Thle. kochenden Waſſers). Die nan ann iure lten, le. irch⸗ lſſer Die Knallſilber. Knallgold. Kryſtalle werden auf ein Filter gebracht und ſo lange mit kaltem Waſſer waſchen, bis dieſes nicht mehr ſauer reagirt. Das Filter wird, noch naß, i Streifen zerriſſen, und dieſe auf Filtrirpapier zum Trocknen an einen 1nh Ort gelegt. Das getrocknete Präparat wird in kleinen Partien in Pappſchachteln aufbewahrt. Wegen der außerordentlichen Exploſiwität deſſelben, welche die des Knall— queckſilbers übertrifft, iſt die peinlichte Vorſicht bei der Bereitung, namentlich beim Filtriren und Trocknen nothwendig. Die erforderlichen Maßregeln ergeben ſich aus den Eigenſchaften des Präparates. Da daſſelbe durch einen ſchwachen Stoß zwiſchen zwei harten Körpern, ſelbſt unter Waſſer, explodirt, ſo bedient man ſich zum Umrühren ſtatt der Glasſtäbe ſolcher von Holz. Das getrocknete Pro— et darf nur mit Kartenblättern aufgenommen werden, und wenn es zerrieben werden ſoll, mit den Fingern oder mit Korkſtopfen in Porcellanmörſern behan⸗ delt werden(ſtets in kleinen Quantitätenh). Für Wärme iſt daſſelbe nicht ſo empfindlich wie z. B. Knallanilin); man kann das Knallſilber auf 1300 erhitzen, ohne daß Erpl oſion erfolgt. Durch einen brennenden Körper detonirt daſſelbe mit ftigem, durchdringendem Knalle. Auch durch concentrirte Schwefelſäure, ſowie Ehlorgas tritt Exploſion ein. Im luftverdünnten Raume werden die erplo⸗ iven Eigenſchaften des Knallſilbers(nach Heeren) erheblich abgeſch wächt; es fin⸗ nur Verbrennung mit Feuererſcheinung ſtatt. An eine Anwendung des Knallſilbers zu Percuſſionszündungen iſt wegen einer Empfindlichkeit gegen jede Reibung nicht zu denken; nur zu kleineren Spie⸗ lereien iſt daſſelbe benutzt worden. In Knallbonbons z. B. iſt eine geringe Menge Knallſilber an einem Pergamentſtreifen angebracht, auf dem ein anderer mit einer rauhen Fläche befeſtigt iſt; durch die beim Anander ihen bewirkte Reibung erfolgt Exploſion. Knallerbſen enthalten Glasperlen, an denen Knallſilber mit Löſchpapier umwunden angebracht iſt. Auch zu Knallfidibus iſt d daſſelbe ver⸗ wendet worden. Ein anderes Präparat, welches die Bezeichnung Berthollet's Knallſilber führt, explodirt ſche bei dem leiſeſten Drucke; eine Anwendung iſt deshalb ge— radezu unmöglich. Daſſelbe wird erhalten, wenn man friſch gef fälltes Sülber⸗ oxyd 24 Stunden lang mit einem Ueberf ſchuß von concentrirter Ammoniafflüſſig⸗ keit ſtehen läßt. Das entſtandene ſchwarze Pulver wird vorſichtig mit Fließpapier 8 Das ſogenannte Knallgold iſt eine entſprechende, auf dieſelbe Weiſe zu er⸗ haltende Verbindung, welche ebenfalls durch ihre ſtark exploſiven Eigenſchaften ausgezeichnet iſt. Ueber die chemiſche Conſtitution beider Knallpräparate herrſchen noch Zweifel. 1) gt. S. 51. —— ——— Dritter Abſchnitt. Zündhütchenfabrikation und Feuerwerkerei. Die Eigenſchaft des Knallqueckſilbers, durch Stoß und Schlag leicht und ſicher zu explodiren, führte bald nach ſeiner Entdeckung zu Verſuchen, daſſelbe zu Percuſſionszündungen zu verwenden. In kurzer Zeit erreichte die Zündhütchen⸗ fabrikation eine bedeutende Höhe. Jedoch legten die vielen durch Exploſionen herbei— geführten Unfälle den Wunſch nahe, paſſende Surrogate für das Knallqueckſilber ausfindig zu machen. Wenn auch ſolche nur in beſchränktem Maße an Stelle des letzteren zur Anwendung gelangten, ſo iſt doch ihre Bedeutung, namentlich für die Kriegsfeuerwerkerei, nicht zu unterſchätzen. Das erſte Capitel dieſes Abſchnittes wird ſich mit Zündhütchenfabrikation und den ſonſt üblichen Percuſſions- und Frictionszündungen befaſſen. Die zum Entzünden von Ladungen und Feuerwerksſtücken aller Art dienenden Gemenge, welche mehr oder weniger in ihrer Zuſammenſetzung ſich dem Schießpulver nähern und insbeſondere einen hohen militäriſchen Werth haben, ſind dem zweiten Ca— pitel vorbehalten, während in dem dritten die Bereitung und Verwendung der wichtigſten Feuerwerksſätze beſprochen werden ſollen. Erſtes Capitel. Pereuſſions- und Frietionszündungen. Zündhütchenfabrikation. Im Jahre 1816 etwa wurde zuerſt das Knallqʒueckſilber mit Wachs oder alkoholiſcher Benzoetinctur vermengt als Zündkraut benutzt. Mehrere Exploſionen mit ſich kupf Fab beite beſti erlaf Pun zelne nom zu b Heiz unte über nicht ſichti gefäl die? zuſan hütch mach 0 ten frühe Eiſen geſch den. Hütt gan, ſtron Proc Bieg Das von nur Zündhütchenfabrikation.— Anfertigung der Hütchen. 89 mit tödtlichem Ausgange bezeichnen den Entwicklungsgang des mehr und mehr ſich ausdehnenden jungen Induſtriezweiges. Im Jahre 1819 kamen zuerſt die kupfernen Zündhütchen in Aufnahme, mit ihnen ein neuer Aufſchwung in die Fabrikation. Die große Gefahr, welche die Geſundheit und das Leben der Ar— beiter und auch der nächſten Umgebung bedrohte, veranlaßte einige Regierungen, beſtimmte Vorſchriften über Anlage und Einrichtung der Knallpulverfabriken zu erlaſſen reſp. zu empfehlen. Dieſe Beſtimmungen enthielten weſentlich folgende Punkte: Die Fabriken ſollen fern von bewohnten Orten angelegt ſein, die ein⸗ zelnen Arbeiten müſſen in verſchiedenen, von einander getrennten Localen vorge⸗ nommen werden; der Boden der Arbeitsräume iſt am zweckmäßigſten aus Gyps zu bauen oder mit Bleiplatten zu belegen. Feuer darf nicht geduldet werden, Heizung iſt, wenn überhaupt, nur mit Waſſerdampf geſtattet. Kein Arbeiter ſoll unter 18 Jahre alt ſein. Ehe die Anlage begonnen wird, iſt ein genauer Plan über die inneren Einrichtungen vorzulegen, von dem nach ſeiner Genehmigung nicht abgewichen werden ſoll. Endlich iſt die Polizei berechtigt, die Fabrik zu be⸗ ſichtigen, um ſich zu überzeugen, ob jeder Gefahr möglichſt vorgebeugt iſt. Im Laufe der Jahre iſt die Fabrikation durch Vervollkommnung der zu den gefährlichen Arbeiten dienenden Maſchinen weitaus ſicherer geworden; dennoch iſt die Beobachtung der oben angeführten Vorſichtsmaßregeln wünſchenswerth. Die Zündhütchenfabrikation ſetzt ſich aus folgenden einzelnen Operationen zuſammen: Der Darſtellung des Knallqueckſilbers, Anfertigung der Kupfer— hütchen, Bereitung des Zündſatzes, dem Körnen deſſelben, dem Laden und Fertig— machen der Hütchen. Ueber die Darſtellung des Knallqʒueckſilbers iſt im letzten Capitel des zwei— ten Abſchnittes, S. 82 bis 86, das Nöthige mitgeteilt. Anfertigung der Hütchen. Als Material für die Hütchen dient jetzt ausſchließlich dünnes Kupferblech; früher hat man auch daſſelbe verſilbert angewendet. Verſuche, Tomback oder Eiſenblech zu benutzen, hatten kein günſtiges Reſultat. Auf die Herſtellung eines geſchmeidigen und glatten Kupferbleches muß die größte Sorgfalt verwendet wer— den. Dieſe Eigenſchaften beſitzt das reine Kupfer in vollendetſter Weiſe. Auf den Hütten am Ural) wird das ſogenannte Zehentkupfer, welches noch Eiſen, Man— gan, Wolfram und andere Metalle enthält, geſchmolzen und durch einen Luft⸗ ſtrom, welcher zunächſt dieſe Metalle oxydirt und verſchlackt, gereinigt. Der Proceß wird erſt dann beendigt, wenn eine herausgenommene Probe ſich durch Biegſamkeit und roſenrothes Ausſehen des unebenen Bruches als rein erweiſt. Das ausgegoſſene Kupfer wird ſodann, unter wiederholtem Ausglühen zu Blech von 0,26 bis 0,4 mm Dicke gewalzt. Bei der Prüfung deſſelben muß es nicht nur die gehörigen Dimenſionen und das verlangte Gewicht beſitzen, ſondern auch ) Dingler, polyt. Journ. 164, 94 ff. 90 Anfertigung der Hütchen. Ahrente ſtarkes Biegen und Bearbeiten ohne zu brechen aushalten. Die Oberfläche muß eben und frei von Schnitten, Falten und Sprüngen ſein. N Joſten's Zündhütchenmaſchine. 91 Die häufig gebrauchten geſpaltenen) Hütchen werden dadurch erhalten, daß das Blech zu ſechs-(oder vier⸗) ſtrahligen Sternen ausgeſchnitten wird, welche durch ein rundes Loch vermittelſt eines Stempels geſchoben werden. Die lappen⸗ förmigen Ausläufer des Sternes biegen ſich auf und ſchließen ſo feſt an einander an, daß ſie ſelbſt beim Entzünden des Hütchens nicht aufgetrieben werden. Sie ſollen ſich jedoch leichter vom Piſton entfernen laſſen, als die aus einem Stücke gefertigten Hütchen. Dieſe letzteren werden mit Maſchinen hergeſtellt, welche Blechſcheiben durch ein Stoßwerk ausſchneiden und ſodann zu Hütchen geſtalten. Die cylindriſche Form iſt die allein übliche; die Hütchen werden entweder glatt oder gerieft; zuweilen wird der untere Rand umgebogen(früher in Bayern), damit man im Dunkeln ſofort die offene Seite fühle. Eine Maſchine, welche hohe Leiſtungsfähigkeit mit einfacher Conſtruction verbindet und welche die bei früher gebräuchlichen(Pariſer) Maſchinen häufigen Mängel beſeitigt hat, auch bequem zur Anfertigung von Hütchen verſchiedener Größe zu brauchen iſt, hat Joſten erfunden und beſchrieben 2). Die Figuren 12 bis 24, welche die ganze Maſchine und ihre einzelnen Theile darſtellen, ſollen den Gang derſelben erläutern. Fig. 12 zeigt die Vorderanſicht, Fig. 13 den Querſchnitt der Ma⸗ ſchine nach der Linie 45; die folgenden Abbildungen ſtellen einzelne Partien Fig. 13. dar: Fig. 14 die Achſe“ mit dem Krummzapfen und den Excentricas, Fig. 15 (a. f. S.) den Längendurchſchnitt eines gewöhnlichen Flötenhalters, 16 die obere Anſicht deſſelben, die Figuren 17 und 18 die entſprechenden Anſichten des von 1) Ueber Anfertigung der zum Ausſchneiden dienenden ſogenannten Sternflöten zur Herſtellung geſpaltener und geſtreifter Hütchen, ſiehe Dingler, polyt. Journ. 141, 161 Goſten).— 2) Dingler, polyt. Journ. 139, 102 ff. —.. 92 Joſten's Zündhütchenmaſchine. Zoſten verbeſſerten Flötenhalters, Fig. 19 eine gewöhnliche, Fig. 20 eine ver— beſſerte Flöte, Fig. 21 Anordnung zur Befeſtigung der Stifte und Stiftmut⸗ tern, Fig. 22 die obere Anſicht der Stiftmutterplatte 4; die Figuren 23 und 24 I ſũ0• A Wa% fßmganpaamggea 0 Nh 00 ũ ũ +⁊ R55 6. 8 0 zeigen die Verbindung der Seitenſtange ee und 7. Die Figuren 12, 13, 14, 23 und 24 ſind in ½, die Figuren 15, 16, 17 und 18 in ½ ͤder wirklichen Größe, die übrigen ſind in natürlicher Größe gezeichnet. Zündhütchenmaſchine. 93 In dem aus einem Stücke gegoſſenen Geſtelle aαα bewegt ſich in Lagern von gutem Rothguß die mit einem Schwungrade) und zwei Riemenſcheiben Fig. 20. ..... verſehene Achſe dd, an die auch eine Handhabe geſchraubt werden kann. Das Querſtück vdient als Lagerdeckel und erhöht zugleich die Feſtigkeit des Ganzen. Die Mitte der Achſe bildet einen Krumm⸗ zapfen, durch deſſen Drehung die Zugſtange F und mit ihr das Prisma“, welchem mn (Fig. 13) zur Führung dient, 222.....——— 1) Das Schwungrad iſt in der Abbildung weggelaſſen. Bereitung des Zündſatzes. auf⸗ und abwärts bewegt wird. Zu beiden Seiten des Krummzapfens hat die Achſe die Form von zwei excentriſchen Scheiben, durch deren Rotation die Stahl— ſtangen ee, an welchen die unteren Stahlſtangen à feſtgeſchraubt ſind, auf⸗ und niedergeführt werden. Die nähere Einrichtung iſt aus Fig. 23 und 24 erſichtlich; letztere zeigt die Stangen von einem Achſenende aus geſehen, Fig. 23 das Quer⸗ ſtück des Rahmens. In der mittleren Oeffnung kann die Stange: mittelſt zweier Muttern in beliebiger Höhe feſtgeſtellt werden. Mit dieſer Vorrichtung iſt die Schneideplatte 7(nebſt ihrem Obertheile 9) feſt verbunden und wird bei der Um⸗ drehung der Achſe zeitweiſe ſtillſtehend erhalten, ſodann aber gehoben. Während des Stillſtandes wird das Blech zu Scheiben ausgeſchnitten, während der abwärts gerichteten Bewegung die Kapſel formirt. Die Theile, welchen die Ausführung dieſer Operation obliegt, ſind die Flöten(Hohlſtempel) und Stifte. Die Flöten (Fig. 20) werden in den Flötenhaltern(2, Fig. 12, 17 und 18) befeſtigt, welche von gut gehärtetem Gußſtahl mittelſt zweier Schrauben(3, 3, Fig. 16) an das Prisma angeſchraubt ſind. Die Stifte werden ſo angebracht, wie Fig. 21 zeigt (J Stiftmutterplatte,„„ Stellſchrauben, t zur Befeſtigung von 4, à Schraube zur Feſtſtellung der Stiftmutter», welche den Stift aufnimmt). Durch die Stellſchrauben„+ kann die Platte in beliebiger Höhe feſtgeſtellt werden. Die fertigen gepreßten Hütchen können durch eine über dem Flötenhalter angebrachte Oeffnung entweichen, welche zugleich dem Arbeiter Einblick in das Innere der Maſchine geſtattet. Eine ſolche Maſchine, welche zwei Jahre lang ununterbrochen in Thätigkeit war, wurde noch in vortrefflichem Zuſtande gefunden; ſie lieferte, von der Hand getrieben, täglich 90000 Kapſeln. Beſondere Vortheile gewährt die Maſchine Joſten's dadurch, daß die größten wie die kleinſten Hütchen auf derſelben herge— ſtellt werden können, und daß alle ihre Theile dem Arbeiter zugänglich ſind. Die fertigen Kapſeln werden ſtets noch gereinigt, entweder durch Eintauchen in verdünnte Schwefelſäure und nachheriges Trocknen in Sägeſpänen, oder ſie werden durch Umdrehen in Seifenwaſſer geſcheuert und dann durch Schütteln mit Sägeſpänen getrocknet und polirt. Wohl überall werden die ſo behandelten Hütchen direct mit dem Zündpulver geladen. Hier ſei jedoch das Verfahren von J. und J. D. Horraks erwähnt, welche das Innere der Kapſel mit Guttapercha füttern, indem ſie dieſelbe erwärmt in die Hütchen bringen und durch einen Stempel ausbreiten. Die elaſtiſche Schicht ſoll die Hütchen für Piſtons verſchiedener Größe paſſend machen und luftdichten Verſchluß bewirken. Bereitung des Zündſatzes(oder Zünd— auch Knallpulvers), Um eine wirkſame Zündhütchenfüllung zu erhalten, iſt nur eine ſehr geringe Menge Knallqueckſilber nöthig. Jedoch muß dieſelbe mit anderen Subſtanzen reſp. Gemengen vermiſcht werden, damit die Entzündung der Pulverladung ge— ſichert ſei(vergl. S. 86). Dieſe Zuſätze ſind entweder Kaliſalpeter allein oder eine Miſchung von dieſem mit Schwefel(ſelten mit Kohle) oder am häufigſten die ihl⸗ und ich; ier⸗ eier die Im⸗ end irts ung öten lche das eigt jube die Die der keit ſand hine rge⸗ chen ſie mit llver ihnt, irmt iſche und inge nzen e oder ſten Körnen des Zündſatzes. Mehlpulver. Zuweilen wird dem Salpeter noch chlorſaures Kali zur Erhöhung der Wirkſamkeit zugefügt. In allen Fällen geſchieht die Mengung des Knallqueckſilbers mit den ge— nannten Zuſätzen in feuchtem Zuſtande, und zwar rührt man in der Regel die letzteren mit Waſſer(auch ſchwaches Gummiwaſſer iſt beliebt) auf einer polirten Marmortafel mit Reibern oder Walzen aus hartem Holze(meiſt von Buchsbaum) zu einem Brei an, und fügt allmählich die beſtimmte Quantität feuchten Knall⸗ queckſilbers hinzu, indem man für gleichmäßige Vertheilung ſorgt. Die Menge des Waſſers wird ſo gewählt, daß ſie etwa 30 Proc. des Knallqueckſilbers beträgt. Wird nur Kaliſalpeter als Zuſatz angewendet, ſo werden nach einer Vor— ſchrift auf 100 Thle. Knallqueckſilber 50 Thle., nach einer älteren 33/ Thle. des erſteren genommen; auch eine Miſchung von 60 Thlu. Salpeter mit 100 Thln. Knallqueckſilber war zeitweiſe beliebt. Für ein Gemenge von Salpeter und Schwefel ſind folgende Verhältniſſe) vorgeſchrieben worden: Knallqueckſilber.... 100 109 100 Salßet: 25 117 45,5 Schwefel. 29 23 14,5 Für den Fall, daß Mehlpulver als Zuſatz dient, hat ſich als günſtigſtes Ver— hältniß ergeben: 100 Thle. Knallqueckſilber, 60 Thle. Mehlpulver. In früherer Zeit hielt man für gut die Mengung des Knallqueckſilbers mit Salpeter, Schwefel oder Pulver in einer weingeiſtigen Harzlöſung vorzunehmen (Schellack- oder Benzoeharztinctur); jetzt iſt das Verfahren, das Zündpulver mit Waſſer anzurühren faſt allgemein üblich, auch beinahe ohne Gefahr. Körnen des Zündſatzes. Mit bei weitem größerer Gefahr iſt die Operation des Körnens verbun— den; daſſelbe iſt nöthig, um die einzelnen Ladungen für die Hütchen herzuſtellen. Da mit der Trockenheit der Zündmaſſe die Empfindlichkeit gegen Reibung erheb— lich zunimmt, dieſe aber beim Körnen nicht ganz zu vermeiden iſt, da ferner auch der Satz nicht allzu feucht ſein darf, muß mit der größten Vorſicht operirt wer— den. Das Arbeitslocal iſt von den übrigen getrennt; ſein Fußboden beſteht am beſten aus Bleiplatten, ſeine Wände aus glattem Holztafelwerk. Jedesmal wer— den nur kleine Quantitäten des Zündſatzes in Arbeit genommen und zwar auf einem Tiſche, welcher mit glattem Wollzeuge überzogen und noch mit ſchwarzem Wachstuche bedeckt iſt. Zum Körnen dienen Haarſiebe, welche unten durch eine Bleiplatte abgeſchloſſen ſind und durch welche die Zündmaſſe gepreßt wird. Nach jeder Operation ſoll das Sieb durch Waſſer oder beſſer durch ſehr verdünnte Schwefelſäure gezogen werden. Nachdem die gekörnte Maſſe in mit Stanniol gefütterten und mit einem Blei— deckel verſchloſſenen Büchſen geſchüttelt worden iſt, um den Körnern einen feſteren ) Vergl. Dingler, polyt. Journ. 61, 195 ff., ferner Archiv f. d. Officiere der preuß. Art. 7, 176 ff. e 96 Laden der Hütchen. Zuſammenhang zu geben, werden dieſe auf Papier in Holzkäſten ausgebreitet, um auf Geſtellen(von weichem Holze), welche ſich um einen Trockenofen befinden, bei gelinder Wärme getrocknet zu werden. Die Körner werden ſchließlich durch feine Siebe vom Staub)getrennt und durch Papiertrichter in Büchſen mit lackir⸗ tem Pappendeckel oder in Flaſchen, welche mit Leder umgeben ſind, gefüllt, um vorläufig aufbewahrt zu werden. Das Papier, auf dem die Zündmaſſe zum Trocknen ausgebreitet war, wird zur Verhütung von ſpäteren Exploſionen in ver— dünnte Salzſäure geworfen. Laden der Hütchen. Die Zündmaſſe iſt nun fertig, um in die Kupferhütchen eingefüllt zu wer⸗ den. Dieſe Operation, das Laden, wird ebenfalls in Räumen ausgeführt, in welchen jede Reibungsurſache möglichſt vermieden iſt, welche alſo dieſelbe Einrich— tung, wie die, in denen das Körnen vorgenommen wurde, beſitzen. Nach den früheren Füllmethoden iſt das Laden eine für die damit beſchäftigten Arbeiter ge— fährliche Manipulation. Zu derſelben ſind zwei Inſtrumente nöthig, die ſoge— nannte Hand, eine zur Aufnahme der Kapſeln dienende durchlöcherte Kupfer— platte, und der Trichter, welcher aus drei beweglichen Theilen beſteht, nämlich einem oberen Behälter, welcher mit der gekörnten Maſſe beſchickt wird, der Schütt⸗ maſchine, welche ſich aus zwei über einander zu verſchiebenden Kupferplatten zu⸗ ſammenſetzt, die mit Löchern verſehen ſind, endlich dem Stifthalter, einer ebenfalls durchlöcherten ſtärkeren Kupferplatte, welche nach außen Stifte, zum Eindrücken der Zündmaſſe in die Hütchen, trägt. Neuere Lademaſchinen ſind ſo beſchaffen, daß die Füllung nicht direct durch die Hand des Arbeiters geſchieht, ſo daß derſelbe bei einer etwaigen Exploſion geſchützt iſt. Die von Joſten?) conſtruirte Maſchine beruht im Princip auf dem alten Lademodus. Der Erfinder hat die einmal vorhandenen, früher gebräuch— lichen Inſtrumente, Trichter und Hand, beibehalten wollen, daher ſeine Maſchine denſelben möglichſt angepaßt. Dieſelbe iſt in verſchiedener Anſicht und einzelnen Theilen durch die Figuren 25 bis 31 dargeſtellt. Fig. 25 zeigt die Seiten— anſicht, Fig. 26 den Längendurchſchnitt der eigentlichen Lademaſchine, Fig. 27 die Vorderanſicht vom Mantel) aus, Fig. 28 den Querſchnitt nach der Linie 45 (Fig. 25), Fig. 29 die Anſicht von oben, Fig. 30a den Querſchnitt des Lade— ſchiebers vor, Fig. 30b denſelben nach ſeiner Bohrung, Fig. 312 den Längen⸗ durchſchnitt des Bodens der Lademaſchine vor, Fig. 31b denſelben nach ſeiner Bohrung. Fig. 30 und Fig. 31 ſind in natürlicher Größe, die übrigen in/ der wirklichen Größe gezeichnet. Die Maſchine ſteht in dem ſogenannten Füllraum, der Arbeiter hinter einem ſchmiedeeiſernen Mantel„, welcher 1,6 em ſtark, 1,6 m hoch und 0,85 m breit, 1) Der abfallende Staub wird aufgehoben, um der Zündmaſſe, falls ſie zu feucht ſein ſollte, vor dem Körnen zugeſetzt zu werden.—2)Dingler, polyt. Journ. 138, 338. Lademaſchine von Joſten. 97 genügenden Schutz gewährt. Derſelbe iſt(Fig. 29) ein wenig gebogen und mit Fig. 26. ö Fig. 26 Fig. 31. + wer⸗ 101 wich⸗ den r ge⸗ ſoge⸗ pfer⸗ 175 0 1* hütt⸗ n zu⸗ ifalls ücken mlich durch 5 — 0. 1157 K 2 95 ſchine— 15 A ,/„„ e e einem breit, feucht dem Maſchinengeſtell 4 durch die Schrauben ee feſt verbunden. Durch eine 28 2 f— „338. Exploſivkörper und Feuerwerkerei. 7 Lademaſchine von Jo ſten. 99 paſſende Oeffnung des Mantels bewegt ſich der Schieber e(von Meſſing), auf welchen die mit leeren Hütchen gefüllte Ladeform(die Hand) zu liegen kommt. Dem Schieber dient die kleine Sie ne als Führung; ſeinem Lauf wird durch die Stellſchraube ein Ziel geſetzt. Zum Feſthalten der Ladeform enthält dieſelbe Löcher, welchen am Schieber befeſtigte Stifte correſpondiren. Damit beim Wechſeln der Ladeform nicht Körnchen der Zündmaſſe herabfallen, iſt das Schutz⸗ blech 7 angebracht(Fig. 27 u. 28). An dem anderen Ende des Geſtelles 4 befinden ſich die Stel lſchrauben 77 (Fig. 28 u. 29), in deren Spitzen ſich die eigentliche Lademaſc chine auf- und ab⸗ bewegen kann gleich einem Balancier. Dieſelbe erfordert eine beſonders ſorgfältige Conſtruction. Ze leichter ſie 0 beitet iſt, ohne 05 5 an Feſtigkeit einbüßt, deſto weniger zerſtörend ſind etwaige Expl oſionen. er Rahmen 7, aus fein⸗ faſerigem Holze gearbeitet, iſt in mehrere Fächer geheil, der nach dem Mantel 5 hin liegende Theil iſt der Fül ltrog, deſſen Boden eine dünne Meſſingplatte 7 (Fig. 25 u. 29) iſt, Fig. 26 zeigt den Boden der früheren Maſchine, Fig. 310 den von Joſten verbeſſerten. Unter dem Boden bewegt ſich mittelſt der Zug⸗ ſtange o der Ladeſchieber 7 Gig.? 05 29) ffen reibende Flächen auf ein mög⸗ lich 5 5 Maß gebracht ſind; ebenſo iſtd der Boden derart conſtruirt, daß die Reibung ſehr gering iſt. Unter rhalb des Ladeſchiebers liegt die Röhrenplatte n. Durch die Bo ſprünge 5 und 3(Fig. 26) werden die beiden Hauptſtellungen von! beſtimmt; ſteht an„, ſo iſt keine Communication mit n, ſteht dagegen Y an„, ſo fäl l das Zür zopulver durch Höhlungen in die Hütchen. Durch ein am anderen Ende des Rahmens? angebrachtes Gewicht oder eine ebendaſelbſt wirkende Kautſchukfeder hat die Maſchine das Beſtreben, von der Lade— form ſich abzuheben. Dieſem Drucke kann der Arbeiter durch Anziehen einer über eine Rolle geführten Schnur entgegenwirken und ſo nach Belieben die Maſchine niederdrücken. Zu einer einmaligen Fül lung ſchiebt der Arbeiter mit der einen Fand den Schieber nebſt der Ladeform ein, drückt mit dem Fuße die Lade⸗ 5 ne und füllt durch Bewegung der Zugſtange mit der anderen Hand ) Conſtruction dieſer L zademaſchine ſind mehrere wick jtige Aufgaben ge— löſt; einmal iſt die Reibung, die Haupturſache ſo vieler trauriger Unfälle, durch ſinnreiche Einrichtung einzelner Maſchinentheil e auf ein geringes Maß beſchränkt; ſodann iſt de dü wenn einmal eine Exploſion eintreten ſollte, hinlänglich geſchützt. Endlie ſin id die Verrichtungen der? Maſchine mit Leichtigkeit und Prä⸗ ciſion in kurzer Zeit auszuführen. Um die Zündmaſſe in den Kapſeln feſtzuhalten und zugleich gegen atmo⸗ ſphäriſche Einflüſſe zu ſichern, hat man ver rſchiedene Wege eingeſchlagen. Die jetzt gebräuchlichſte Methode beſteht darin, mi ttelſt eines Stempels ein Kupfer⸗ (oder Tombackhblättchen auf das Zündkorn zu preſſen. Eine Maſchine von vor⸗ trefflicher Leiſtungsfäh igteit hat ebenfalls Joſten y) conſtruirt. Die Einrichtung derſelben ſoll durch Fig. 32(a. f. S.), we lche den Längendurchſchnitt, und Fig. 33(a. S. 101), welche die obere Anſicht beider Maſchinen in ½ der ) Dingler polyt. Journ. 13, 14 ff. ——ͤ— Maſchine zum Einpreſſen 1t — — — = 8˙ 8 EEnmin Ae ITITTWT RatRardkun Maſchine zum Einpreſſen der Metalldecke. natürlichen Größe darſtellt, erläutert werden. An dem gußeiſernen Stücke a, welches auf der Platte e ruht, ſind zwei Maſchinen ſymmetriſch befeſtigt; an jeder arbeitet eine Perſon. Die Meſſingſcheibe a, zur Aufnahme der Hütchen dienend, iſt mit einer ſtählernen Spindel 5 feſt verbunden und muß ſehr genau gearbeitet ſein. Ihr Rand iſt in 24 Theile getheilt, in welche der Sperrhaken„eingreift, welcher durch eine Feder ſtets angedrückt wird. Auf der Fläche der Scheibe ſind in den Peripherien zweier concentriſcher Kreiſe 24 Löcher in gleichen Abſtänden gebohrt; in die zum kleineren Kreiſe gehörenden werden Stifte feſt eingeſchraubt, gegen welche der Daumen b ſchlägt, welcher die Bewegung der Scheibe bewirkt. Die in dem Umfange des größeren Kreiſes befindlichen Vertiefungen nehmen die geladenen Kapſeln auf. Der Arbeiter dreht mit der Recht en die Kurbel„und füllt mit der linken Hand die paſſirenden Löcher. Gleichzeitig überträgt ſich die Bewegung des Getriebes 1“ auf das e Stirnrad§S und auf den mit dieſem durch die Achſe 1verbundenen Haspel t, welcher mit ſeinen Armen(die die Frictionsrollen%, 20, 2h, 70 tragen) e, den Hebel 9 ſo hoch heben, daß der Preßſtift e, welcher am Cylinder/ ſitzt und durch das Charnier 7 mit 9 communicirt, aus einer Vertiefung von à gehoben wird; an dem Hebel wirkt ein in den Figuren weggelaſſenes Gewicht. Gleich⸗ zeitig bringt das Stirnrad eine Drehung der an der Achſe s befeſtigten Theile: nämlich des Stirnrades 7, des Excentricums mn und des koniſchen Rades 4 hervor; letzteres die Bewegung auf das ebenfalls koniſche Rad 5, welches an der Spindel o ſitzt. 15 80 werden auch die Daumen d und b in eine kreisförmige Bewegung verſetzt; b dreht die Scheibe 4, ſobald e hoch genug gehoben iſt, wäh— rend 4 den Sperrhaken hebt. Die Scheil be ſteht feſt, wenn h am folgenden Stifte angelangt iſt; e befindet ſich über der folgenden Vertiefung; gleichzeitig hat der Hebel 9 ſeinen höchſten Stand erreicht; im nächſten Moment losgelöſt, fällt er mit ſeinem ganzen Gewichte in die tiefſte Stellung, mit ihm der Preßſtift in das vorgerichtete Zündhütchen, welches durch den Druck zugleich mit dem auf dem kleinen Ambos befindlichen Fabrikzeichen verſehen wird. Während jetzt die Scheibe feſtſteht, wird durch das Excentricum m der Winkelhebel! in Bewegung geſetzt, welcher auf eine Feder mit dünnem Stifte drückt. Dieſer letztere ſchafft das etwa in der Scheibe ſitzen gebliebene Hütchen in einen ur ele ellten Behäl⸗ ter. Der Abſtreifer 2 verhindert, daß eine Kapſel am Stifte e hängen bleibt. Die eben beſchriebene Maſchine zeichnet ſich durch die Leichtigkeit, mit der ſie in Bewegung geſetzt werden kann, durch die Gefahrloſigkeit ihrer Handhabung und durch ihre nefohke aus. Täglich können 30 000 Zündhütchen mit Metalldecke verſehen werden. Da die einzelnen Kapſeln vollkommen a bgeſchloſſen ſind, iſt an eine Exploſion in Maſſe nicht zu denken. In früherer Zeit zog man vor, die Zündmaſſe mit Harzlöſungen anzu⸗ rühren, welche zugleich als Bindemittel und zum Schutze gegen Feuchtigkeit die— nen ſollten. Die zuweilen benutzte Auflöſung von Schellack oder Sandarak in Alkohol wirkt oxydirend auf Kupfer ein; die Zerſetzung theilt ſich häufig dem Zündpulver mit. Beſſer hat ſich eine Löſung von Maſtix in Terpentinöl bewährt. Das Gewicht der Zündmaſſe für ein Hütchen beträgt durchſchnittlich 15 bis 16 mng; Zündhütchen für Militärgewehre erhalten eine ſtärkere, ſolche für Jagd— Aufbewahrung, Transport d. Zündhütchen.— Percuſſionszündungen. 103 gewehre eine ſchwächere Ladung. Nach öſterreichiſchen Ermittelungen genügt ein halbes Kg Knallqueckſilber, um 32 000 Militär- oder 59000 Jagdzündhütchen zu füllen; nach anderen Angaben liegen die Ladungen beider Sorten näher zu⸗ ſammen; die reſp. Zahlen ſind 40000 und 57000. Die Production iſt eine ganz bedeutende; im Jahre 1835 wurden z. B. in Frankreich 800 Millionen Stück Zündhütchen fabricirt, von denen 300 bis 400 Millionen ins Ausland gingen. Die fertigen Zündhütchen werden in Tüten oder Schachteln, dieſe in Kiſten, welche mit Fellen, Tuch oder Leder ausgeſchlagen ſind, aufbewahrt; die Zwiſchen— räume werden mit Seegras, Papierabfällen ꝛc. ausgefüllt. Militäriſcherſeits iſt vorgeſchrieben, daß in einer Kiſte nicht mehr als 300 000 Stück verpackt ſeien. Aufbewahrung an einem trocknen Orte iſt unbedingt nöthig. Wird nämlich die Zündmaſſe in den Hütchen feucht, ſo tritt das Knallqueckſilber kryſtalliniſch aus, es effloreſeirt und iſt dann beſonders geneigt, durch leiſe Erſchütterungen zu explodiren. Der Anwendung des Knallqueckſilbers in Pillen zu Granat- und Shrapnell— zündern ſei hier nur in Kürze gedacht. Aeltere Verſuche von Lovel haben dargethan, daß, auch wenn von einer größe— ren Menge verpackter Zündhütchen einige explodiren, ſich die Exploſion den anderen nicht mittheilt. Er brachte von 500 in einem Kaſten eingeſchloſſenen Hütchen eins mittelſt eines durch den Deckel gehenden Stempels zur Entzündung; höchſtens detonirten drei bis vier Stück. Befand ſich aber Schießpulver in einzelnen Kör⸗ nern oder Patronen in den Behältern, ſo explodirten in der Regel ſämmtliche Hütchen. In gleicher Weiſe zeigten neuere von der Birminghamer Handelskammer veranlaßte Verſuche), daß der Transport von Zündhütchen nicht mit Gefahr verknüpft ſei, ſelbſt nicht in dem Falle, daß mit denſelben gefüllte Packete Feuer fangen ſollten. Eine Kiſte mit 50000 Stück brannte in einem Schmelzofen ohne Exploſion ab. Packete mit 5000 Stück wurden durch eine aus 4 m Höhe herabfallende 50 Kg ſchwere Eiſenmaſſe zerqueſcht, ohne daß eine ſtärkere allge— meine Exploſion eingetreten wäre. Die Hauptgefahr liegt demnach in der Be— reitung des Knallqueckſilbers, insbeſondere aber in einigen bei der Zündhütchen— fabrikation nöthigen Manipulationen. Andere Percuſſionszündungen. Wegen der trotz vortrefflicher Verbeſſerungen doch nicht ganz zu vermeiden⸗ den Exploſionen hat man ſich ſchon ſeit längerer Zeit bemüht, andere Exploſiv⸗ körper oder Gemiſche von ſolchen ausfindig zu machen, welche als Surrogate des Knallqueckſilbers mit gleichem Erfolge zur Füllung von Zündhütchen verwendet werden können. Trotz vieler unzweifelhaft höchſt beachtenswerther Vorſchläge hat doch ſtets das Knallqʒueckſilber ſeine hervorragende Stellung in dieſem Induſtriezweige be— ) Dingler, polyt. Journ. 193, 92. 104 Percuſſionszündungen.— Zündſpiegelſätze. hauptet. Ausgedehnte Verſuche mit anderen Zündhütchenfüllungen ſind noch nicht gemacht worden, ſo daß die Praxis über deren abſoluten Werth noch nicht zu entſcheiden vermocht hat. Ihrer außerordentlichen Exploſivität wegen ſind manche zu der Claſſe der nitrificirten Subſtanzen gehörende Körper an Stelle des Knallqueckſilbers empfoh— len worden. Abel)) hat ein leicht darzuſtellendes Gemenge von Schießbaum— wolle und chlorſaurem Kali für veſen 1555 geeignet gefunden. Caldwell), welcher Schießwolle in eine concentrirte Löſung von chlorſaurem Kali tauchte und dann trocknete, giebt an, daß dieſelbe ähnlich dem Knallſilber explodire. Des Vor⸗ ſchlages, Nittomarnit anſtatt des Knallqueckſilbers anzuwenden, iſt ſchon oben (Seite 48) gedacht worden. Während dieſer Körper zwar leicht durch Schlag und Stoß explodirt, jedoch weniger gegen Reibung und Erwärmung empfindlich iſt, alſo weit gefahrloſer als Knallqueckſilber zu handhaben iſt, gilt nicht das Gleiche von den Diazoverbindungen, welche ebenfalls zur Füllung von Zünd— hütchen empfohlen wurden(vergl. S. 51). Auch pikrinſaures Blei iſt als Surrogat des Knallqueckſilbers in Vorſchlag gebracht worden. Leſimple?) empfiehlt zu gleichem Zwecke eine Miſchung von 3 Thln. ſalpeterſaurem Blei und 1 Thl. amorphem Phosphor, deren Darſtellung ungefährlich und billig iſt(1 Kg koſtet 2/ Thlr.). Dieſelbe Compoſition iſt ſchon früher von Achleitner als Zündmaſſe eingeführt worden, nachdem ſie von Vohl genauer unterſucht worden war(vergl. Dingler, polyt. Journ. Bd. 182, S. 143). Das chlorſaure Kali ſpielt in allen übrigen Sätzen, welche durch Reibung oder Stoß leicht entzündlich ſein ſollen, eine hervorragende Rolle. Neumann!) hält ein Gemiſch von dieſem Salze mit Cyankupfer für einen ſehr geeigueten Zundſ atz; Abels) empfiehlt ein ſolches aus Kaliumchlorat und Phosphorkupfer. In England wird die Armſtrong' ſche Maſſe, aus chlorſaurem Kali und amor⸗ phem Phosphor beſtehend, in Zündſpiegeln und anderen Zündvorrichtungen ange— wendet). Zündſpiegelſätze. Zur Bereitung einer Zündſpiegelmaſſe, welche durch die vorſchnellende Zünd— nadel zum Explodiren gebracht werden ſoll, giebt Reich) folgende Vorſchrift: Scheibenpulber wird mit kochendem Waſſer ausgelaugt, der Rückſtand mit einigen Tropfen Alkohol und Steinöl befeuchtet vorſichtig mit einem ſtaubfeinen Gemenge von 16 Thln. chlorſaurem Kali, 2 Thln. Schwefelantimon, 3 Thln. Zucker, 2 Thlu. Blutlaugenſalz und 4 Thln. Bleiſuperoxyd zuſammengerieben. Die Maſſe wird noch feucht in den Zündſpiegel gebracht und vorſichtig getrocknet. Nach einer ) Wiek's Gew.⸗Zeitg. 1868, Nr. 44.—) Vergl. S. 37.— 3) Dingler, polyt. Journ. 181, 413.—) Dingler, polyt. Journ. 202, 272.— 5) Dingler, polyt. Journ. 186, 419.— 6) Ueber eine anderweitige Verwendung ſ. Neue deutſche Gew.⸗Zeitg. 1873, S. 92.— 7 Dingler, polyt. Journ. 171, 232.— and ang. Me pille ſaur wen ſchü hüll unte chlo⸗ Gut 11 men Gebräuchliche Zündpillenſätze. 105 188175 Vorſchrift) werden 16 Thle. Kaliumchlorat, 8 Thle. Schwefelantimon, 4 Thle. Schwefelblumen, 1 Thl. Kohlenpulber mit Gummi⸗ oder Zuckerwaſſer angefeuchtet, gemiſcht und 5 Tropfen Salpeterſäure zugeſetzt. Nach vorſichtigem Mengen und Trocknen ſoll das Präparat ſich vortrefflich für Zündſpiegel eignen. Einfacher zuſammengeſetzt ſind die wirklich in Gebrauch gekommenen Zünd⸗ pillenſätze. Nach Wiederhold 9 beſtand ein ſolcher aus mühtſn 5 Thln. chlor⸗ ſaurem Kali und 4 Thlu. Schwefelantimon ohne Bindemittel. Das Gewicht einer Zündpille betrug 0,75 g. Nach fünfjähriger Aufbewahrung zeigte ſich die Zündmaſſe in ihrer Wirkung unverändert. Darapskys) empfiehlt eine ſolche Compoſition und glaubt, daß durch dieſelbe das Knallqueckſilber vollkommen verdrängt werden könne. Sein Univerſalzündſatz beſteht aus 5 Thln. chlor— ſaurem Kali und 4 Thln. Schwefelantimon; dieſer Zuſammenſetzung entſpricht ungefähr folgendes Atomverhältniß: 3 KCI0z;: 1 8be 83. Der Vorgang bei der Verpuffung würde durch folgende Gleichung wiederzugeben ſein: 3 KCI03 + Sbz S: 3 KCI + Sbe 03 + 3 805. Dieſer Satz kann zu allen leicht explodirenden Zündungen, wie Zündhütchen, Spie⸗ geln, Zündſchrauben, zu Exploſionspatronen, endlich zu Frictionsſchlagröhren ver— wendet werden. Von größter Wichtigkeit iſt es, denſelben vor Feuchtigkeit zu ſchützen; daher werden alle Fugen der zu ſeiner Aufnahme dienenden Metall— hüllen mit Lack überſtrichen. So präparirte Zündhütchen konnten wochenlang unter Waſſer liegen, ohne ihre Wirkſamkeit einzubüßen. Der in Preußen übliche Zündpillenſatz ſoll nach Gottlieb aus 4 Thln. chlorſaurem Kali, 2 Thlnu. Schwefelantimon und 1 Thl. Schwefel, welche mit Gummiwaſſer angerührt werden, beſtehen. Nach einer ausführl ichen Vorſchrift zu ſeiner Herſtellung werden die Gemengtheile in anderen Verhältniſſen genom- men, und zwar kann der Satz ſowohl auf trocknem, als auf feuchtem Wege be— reitet werden; nur wenn es ſich um Aufertigung kl'öinn Quantitäten handelt, iſt der erſtere zu empfehlen. 5 Thle. fein zerriebenes chlorſaures Kali werden mit 4 Thln. Schwefel antimon auf Papier mit einem H0lzſpatel gemengt, dazu wenig Schwefelblumen geſetzt. Das Gemenge wird entweder ganz trocken oder mit wenig Alkohol angefeuchtet in den Zündſpiegel eingebracht. Die feuchte Bereitung iſt der 1 Gefahrloſigkeit und allgemeineren Anwendbarkeit wegen vorzuziehen. Die Beſtandtheile werden in denſelben Pro— portionen gemengt, nachdem das Kali mit Waſſer angefeuchtet iſt; zu⸗ letzt wird noch ½/ Thl. Gummiarabicum oder beſſer 1 Thl. dünner Kleiſter zugeſetzt. Der ſo dargeſtellte Satz kann auf zwei Arten in die Zündſpiegel ein— gebracht werden: 1) Man formt auf einem Brettchen aus der teigigen Maſſe Stangen, aus denen mittelſt einer der Größe der Pillen entſprechenden Kugelform die Zündpillen ausgepreßt werden. Dieſe werden in die Höhlungen der Spiegel eingelegt und an der Sonne oder an einem Ofen getrocknet. 2) Man ſchmiert die Zündmaſſe auf eine ſiebartige Metallplatte, deren Löcher der Pillengröße ent— ſprechen und zunächſt durch eine verſchiebbare Platte verſchloſſen ſind. Nach ) Dingler, polyt. Journ. 123, 101.— 2) Jahresber. 1864, ) Dingler, polyt. Journ. 172, 274 und 175, 357. 106 Zündnadelpatrone.— Frictionsſchlagröhren. Wegnahme derſelben drückt man mit einem paſſenden Inſtrumente die Maſſe in Abb die unten bereit ſtehenden Spiegel, in welchen ſie ſodann getrocknet wird. Mil Eine wichtige Operation iſt das Einpreſſen der Zündmaſſe in die Spiegel. Kali Zu dieſem Zwecke bringt man dieſe mit loſe eingelegten Pillen in eine paſſende Stanze und läßt mittelſt einer Hebelpreſſe einen dreikantigen Stempel gleichförmig Schn auf die Zündmaſſe drücken. Sollte dieſe explodiren, ſo läuft der Arbeiter keine 8 Gefahr, da der Stempel genügenden Spielraum zum Entweichen der Gaſe läßt. hat. Die Zündpille wird ſteinhart und in dieſem Zuſtande von feuchter Luft kaum gebre angegriffen. derli Die integrirenden Theile der Militärzündnadelpatrone ſind(Fig. 34): das Geſchoß(Langblei) a, der Zündſpiegel h mit der Zündpille«, die Pulverladung 6555 Fig. 34. und die Hülſe 7 mit einem Tuchboden e, welcher in eine 5 Miſchung von Wachs und Paraffin getaucht und mit einem fb Kreuzſchnitte§ verſehen worden iſt. In die auf einem paſſen— den Rollſtocke angefertigte Papierhülſe 7 wird die Tuchſcheibe e, ſodann 4½ bis 5 g Pulver eingebracht und auf dieſes der 755 Spiegel geſetzt, ein Cylinder aus zwei Streifen ſtarken Pa⸗(Ucb. piers gewickelt und gepreßt. Derſelbe hat an der vorderen Seite eine Aushöhlung für das Geſchoß, an der hinteren eine kleine Vertiefung zur Aufnahme der Zündpille. Nachdem das Geſchoß eingeſetzt iſt, wird die Hülſe über demſelben zugebun— den und der obere Patronentheil mit Talg gefettet. Das Ge— wicht der fertigen Patrone beträgt 40 g(das Geſchoß wiegt 25 g). Für die Schrotenpatrone des Zündnadelgewehrs iſt noch eine zweite Sorte Spiegel, der ſogenannte Treibſpiegel, nöthig, welcher nach vorn als Abſchluß der Schrotladung dient. Die Zündſpiegel unterſcheiden ſich nicht weſentlich von der der Militärpatronen. Das Gewicht der Schrote beträgt in der Regel das Dreifache von dem des Pulvers. A Andere durch Percuſſion zu entzündende Patronen enthal— ten Zündhütchen mit einer Knallqueckſilbermiſchung, z. B. die Chaſſepotpatronen, deren Hülle aus ſehr dünner Metallfolie beſteht; der eingeſetzte aus Kupfer oder verzinktem Eiſen ge— fertigte Boden hat eine centrale Oeffnung, durch welche das ſchwer Zündhütchen von der Nadel erreicht werden kann. zun ſel un R oalle Frictionsſchlagröhren. 8 Harze Die Röhren ſelbſt ſind von Meſſingblech gefertigt und werden mit Korn— pulver über einem Dorne vollgeſchlagen, damit eine koniſche Höhlung bleibe. Der zugen Frictionsapparat beſteht in einer Reiberhülle, welche den Reiber, eine kleine Platte 1 5 mit rauher Oberfläche, feſt umſchließt. Beide Theile ſind mit dem Zündſatze be— 901 ſtrichen, welcher durch gewaltſames Herausziehen des Reibers entzündet das in gel. nde mig eine ißt. um das 9 4 eine iem ſen⸗ e E, der Pa⸗ ren eine das un⸗ Ge iegt ioch hig Die der der orn⸗ Der latte be⸗ das Zündungen.— Allgemeines über Feuerwerksſätze. 107 Abbrennen des Pulvers bewirkt. Der Satz, um den es ſich handelt, wird in den Militärlaboratorien immer nur in kleinen Mengen bereitet: 33 9 chlorſaures Kali werden mit etwa 12 9 e öſung(1 g Hauſenblaſe in 70 g Waſſer) in einer Reibſchale mit H0 lzſpatel gut umgerührt und zu dem Gemiſche 3 33 g Schwefelantimon geſetzt. Die Mengung des Ganzen wird ſo lange(/ Stunde in der Regel) fortgeſetzt, is die Maſſe eine honigartige Conſiſtenz khtmommen hat. In dieſer Form wird der Satz mit einem Pinſel auf dem Reibeapparat an⸗ gebracht und an der Luft getrocknet. Zu 1000 Stück Sch hagröhren ſind erfor— derlich 2,5 Kg Pulver, 133 g chlorſaures Kali und ebenſoviel Schwefelantimon. In den Ar älerien anderer Länder ſind ähnliche Schlagröhren(Frictions— brandel) in Gebrauch; nur die Sätze ſind verſchieden. In England wird die Armſtrong'ſche Maſſe(ſ. oben S. 104) zu dieſem Zwecke angewendet. Hier ſei beiläufig erwähnt, daß man in Schweden nach dem Vorſchlage von Caller— ſröm Schlagröhren eingeführt hatte, deren Entz zündung dadurch bewirkt wurde, daß concentrirte Schwefelſäure mit einem Satze, welcher aus chlorſaurem Kali, Zucker, Schwefel„Kohle und Schwefelqueckſilber beſteht, in Berührung kommt. (Ueber eine ähnliche Zündung vergl. S. 12.) 1 Zweites Capitel. Zündungen, welche aus langſamer abbrennenden Gemiſchen beſtehen. Allgemeines über Feuerwerksſätze.(Als Anhang: Elektriſche Zünder.) Während in dem vorigen Capitel die leicht exploſiven Gemenge für Per⸗ cu ſions⸗ und Reibungszündungen abgehandelt ſind, gelangen wir jetzt zu den ſchwerer entzündlichen und langſamer abbrennenden Sätzen, welche theils, wie jene, zun Entzünden von Ladungen zꝛc. dienen, zum Theil, je nach ihrer Zuſammen— ſel ung, als Leucht⸗, Treib- und Brandſätze Verwendung finden. Was die chemiſche 0 Rolle der einzelnen Satzbeſtandtheile betrifft, ſo enthalten die in Frage ſtehenden itze ſtets verbrennl liche Körper, wie Kohle, Schwefel, Schwefelantimon(auch rze, Theer ꝛc.) und ſolche, welche durch Sauerſtoffal bgabe d die Verbrennung uterhalten, insbeſondere Kaliſalpeter und chlorſaures Kali. Um beſondere Effecte zu erreichen, ſetzt man noch andere Sul bſtanzen zu, ſo Baryt⸗, Strontian⸗, Kupfer⸗ und andere Salze zur Färbung der Flammen, aromatiſch e Körper zur Verbreitung von Wohlgeruch, fein zertheilte Metalle(Eiſen, Zink ꝛc.), um Sprühfeuer zu er⸗ halten. ν ο 108 Fundamentalſätze. Für alle hierher gehörenden Compoſitionen haben die ſogenannten Funda⸗ mentalſätze 1) eine beſonders wichtige Bedeutung, da ſie die Baſis der meiſten Sätze bilden. Dieſe Grundmengungen ſind: 1. Schießpulver, 2. Salpeterſchwefel und 3. der graue Satz. Das Schießpulver wird je nach dem zu erreichenden Zwecke in Körner— form, als Mehlpulver und im verdichteten Zuſtande angewendet. Gekörnt wird daſſelbe zu Ladungen und zur Knallerzeugung in Kanonenſchlägen benutzt, weil dieſe Form des Pulvers die lebhafteſte Verbrennung, alſo ſchnellſte Gasentwicklung bedingt, während Mehlpulver dann zur Anwendung kommt, wenn ein langſame— res Abbrennen erfordert wird. Durch ein mehr oder minder ſtarkes Zuſammen⸗ preſſen, Schlagen des Mehlpulvers, kann die Brennzeit noch weiter modificirt, d. h. verlängert werden. Der Salpeterſchwefel) enthält auf 3 Thle. Salpeter 1 Thl. Schwefel; dies Miſchungsverhältniß entſpricht annähernd der Zuſammenſetzung von gleichen Atomen beider Gemengtheile, welche bei der Verbrennung ſchwefelſaures Kali, ſchweflige Säure und Stickſtoff liefern, wie folgende Gleichung verdeutlicht: 2 KNO3 T 2S K2 S04 + S02 + 2N. Um die geringe Gasmenge, welche bei dieſem Vorgange gebildet werden kann, zu vermehren, wird häufig Kohle oder Mehlpulver zugeſetzt. Ein ſolches Gemenge iſt der graue Satz, welcher auf 100 Thle. Salpeterſchwefel 7 Thle. Mehlpulver enthält(100 Thle. deſſelben beſtehen alſo aus 93,46 des erſteren und 6,54 des letzteren). Durch Combination dieſer Fundamentalſätze laſſen ſich Gemenge von ver⸗ ſchiedenſter Brennzeit und Wirkung darſtellen. Die Brenndauer eines Satzes iſt von der höchſten Bedeutung bei der Conſtruction von Zeitzündern. Die Wir⸗ kung muß nach dem Zwecke, welcher erreicht werden ſoll, variirt werden können. Für die Bereitung, das ſogenannte Anſetzen der Feuerwerksſätze im Allge— meinen, gelten folgende Regeln: Das Pulveriſiren der Materialien geſchieht in Mörſern oder Reibſchalen, auf Reibetafeln oder bei größeren Quantitäten in Trommeln mittelſt Metallſchrotes. In der Regel werden die zerkleinerten In⸗ gredienzien noch geſiebt. Waſſerhaltige Salze werden vor dem Pulvern, am beſten auf einem Sandbade, getrocknet. Je nachdem die Sätze durch einfaches Miſchen oder durch Zuſ zen bereitet werden, nennt man ſie warme oder kalte. Innige Mengung, welche auf warmem Wege leichter erreicht wird, iſt unerläßliche Bedingung. Die Subſtanzen, deren Miſchung nicht mit Gefahr verbunden iſt, werden meiſtens in Trommeln gemengt. Iſt jede ſtärkere Reibung zu vermeiden, wie z. B. bei allen chlorſaures Kali enthaltenden Sätzen, ſo werden die einzelnen In⸗ gredienzien mit der Hand in Mulden oder auf Papier untermengt; kleinere Quan— ammenſchmel— 1) Vergl. Handb. f. d. Offz. d. Pr. Art. S. 47 ff.— 2) Die ſogenannte Sal— peterſchwefelmengung, welche ſeltener gebraucht wird, enthält gleiche Theile beider Stoffe. titäte werd ſchwe laſſen hat ſalpe wem farbe entzi werd entfl die! Kali zwei der waf gen. Ger wei— run ſelb Bin (in kupf 3) K und eren ver⸗ atzes Wir⸗ men. lge— t in n in In⸗ eſten )mel⸗ elche erden „wie 8 In⸗ uan⸗ Sal⸗ toffe. Zündungen für die Kriegsfeuerwerkerei.— Anfeuerung. 109 titäten können auch mit einem Holz- oder Hornſpatel unter einander gemiſcht werden. Anſtatt der Schwefelblumen wendet man meiſtens zerkleinerten Stangen— ſchwefel an, weil erſtere, wenn nicht gut ausgewaſchen, Selbſtentzündung veran— laſſen können. Beſtimmt beobachtete Fälle freiwilliger Entzündung von Sätzen hat Clarke!) mitgetheilt. Als er Gemenge von ſchlorſaurem Kali, Schwefel und ſalpeterſaurem Strontian oder Baryt friſch bereitet hatte, bemerkte er, namentlich wenn die Beſtandtheile nicht ganz trocken waren, daß nach einiger Zeit ein orange— farbenes Gas auftritt, ſodann die Maſſe ſtellenweiſe zerfließt und endlich ſich entzündet. Eine geringe Menge Schwefelantimon ſoll dieſe Zerſetzung verhindern. Solche feucht gewordene Sätze müſſen mit der größten Vorſicht getrocknet werden, da ſie, auch bei Gegenwart von Schwefelantimon, höchſt geneigt ſind, zu entflammen. Auch Arnall) machte ähnliche Beobachtungen und erklärte dieſelben durch die Annahme, daß ſich Schwefelſäure bilde, welche zerſetzend auf das echlorſaure Kali einwirke. Daß eine derartige chemiſche Reaction die Urſache iſt, ſcheint zweifellos. Deshalb hat man wohl vorgeſchlagen, ſolche Sätze, um der Gefahr der Selbſtentzündung vorzubeugen, mit kleinen Mengen eines kohlenſauren Sal— zes zu miſchen. Gergl. die ähnlichen bei Schießwolle gebrauchten Zuſätze, Soda, Pottaſche ꝛc.) Websky iſt der Meinung, daß in Sätzen, welche neben chlorſaurem Kali Schwefel enthalten, das erſtere am beſten durch überchlorſaures Kali zu erſetzen ſei, wenn nur eine kürzere und billigere Bereitungsmethode dieſes Salzes aufge— funden wäre. Die Miſchungen mit demſelben ſind in der That weniger leicht ent— zündlich, verbrennen allerdings auch langſamer, jedoch mit merklich größerer Lichtſtärke. Zündungen9)(wenn nicht anders bemerkt, nach den in der preußiſchen Kriegsfeuerwerkerei geltenden Vorſchriften). Dieſelben ſollen die ſichere Entzündung von Ladungen jeder Art(in Feuer— 3 9 8 waffen, Hohlgeſchoſſen, Minenbohrlöchern ꝛc.), ſowie von Feuerwerkskörpern bedin⸗ gen; zuweilen werden ſie mit den im vorigen Capitel betrachteten exploſiven Gemengen combinirt. Anfeuerung iſt ein Gemenge von Pulver und Spiritus(oder Kornbrannt⸗ wein), welches ſehr häufig gebraucht wird. Zur Bereitung von»„dicker Anfeue⸗ . 0— 7 rung“ ſetzt man zu 1 Kg Schießpulver 0,57 1 Spiritus, von„dünner“ auf die⸗ ſelbe Menge Pulver 0,72 1 des letzteren. Soll die Anfeuerung eine gewiſſe Bindekraft erhalten, ſo fügt man einem jener Gemenge 16 g Gummiarabicum in 140 cbem Waſſer gelöſt) zu. Das Ganze wird mit den Händen in einem gelöſt) z 5 kupfernen Napfe gut durchgearbeitet. Die Aufeuerung iſt zur Herſtellung mehrerer Zündvorrichtungen nothwen⸗ 1) Dingler, polyt. Journ. 183, 164.—) Liebig, Jahresber. 20, 860.— 3) Vergl.„Die Kriegsfeuerwerkerei d. Königl. Preuß. Artill.“, bearbeitet von Buſch und Hoffmann, S. 207 ff. und S. 213 ff. ——2w.----—— 110 Zündpapier.— Zündſchnur.— Stoppinen. D dig. Das Zündpapier iſt weißes Löſchpapier, welches auf beiden Seiten mit dünner Ar nfeuerung beſtrichen und mit Mehlpulver beſtreut iſt; es dient in man⸗ chen Fällen zur ſicheren Entzündung von Ladungen. 05 80 iſt drei⸗ bis vierfaches Baumwollengarn, welches mit dicker K 15 Aufeuerüng vo llſtändig imprägnirt und mit Mehlpulver beſtreut iſt. Die Baum⸗ 5 wollenfäden bleiben ſechs bis acht Stunden lang mit der Anfeuerung in Berüh 15 15 rung, ſodann werden dieſelben auf einen Haspel aufgewickelt, und, um ihnen die 85 8 vorſchrift smäßige Stärke zu geben, läßt man ſie durch eine ſogenannte'deere(ein 575 Brettchen mit einem Loche von entſprechendem Durchmeſſer) gehen. Nach dem d5 Trocknen an der Luft, welches je nach der Witterung vier bis ſechs Tage 38 6 wird die Z ündſchnur nochmals in mit Gummi angeſetzte Anfeuerung getaucht 1 51 nach Paſſiren der Leere ſofort mit Mehlpulver gleich näßig eingepudert. Die 11 1 tige, trockne Zündſchnur wird in Papier chähſchlngen in Patronenkaſten oder 216 Tonnen aufbewahrt. Die zu 100 m Länge von 0,52 em Durchmeſſer nöthigen 3 Materialien ſind: 2,94 Kg Mehlpuler, 4,35 1 Spiritus, 21,2 g Gummiara⸗ bicum, 0,24 Kg Baumwollengarn. Gute Zündſchnur ſoll Aberall gleich ſtark, 2 alſo knotenfrei ſein und beim Anz 11821 das Feuer leicht aufnehmen und kräftig 1785 5 zum anderen Ende fortpflanz en. Was die Brennzeit der Zündſchnur betrifft, ſo 01 6 ſoll 1 m derſelben in circg 24 Secunden abbrennen. 195 15 In dem ſogenannten Leitfeuer iſt die Zündſ chnur von einer mehr oder 3 veniger langen Papierhülſe en welche die Zündung von entfernten Feuer⸗ eben werkskörpern ſichern ſoll. Die Poßferſtoßpih( udelfäden) ſind ebenfalls riſtiſch Papierhülſen, 8 welche 28,5 em lange Stücke einer Zündſchnur von 0,33 5 reſp. 0,21 em Durchmeſſer gezogen ſind; ſie dienen zu gleichem Zwecke wie die 991 Leitfeuer, und auch als Erſatz der koſtſpieligen Frictionsſchlagröhren zum Ent⸗ einter zünden der Ladungen ſchwerer Geſchütze. Weiſe Die ſogenannte amerikaniſche Zündſch nur iſt von Gomez und Mills) 3 hergeſtellt worden und zwar mittelſt eines Gemenges von 05 Theilen chlor⸗ ſaurem Kali und Bleieiſencyanür, welches mit Weingeiſt befeuchtet auf einen ſehr Gra dünnen fe wird(für Im Länge genügt 0,419 Miſchung). S. Der Streifen wird in eine mit Harz, Pech ꝛc. zu überkleidende Papierhülle ge⸗ ſteckt. Thill 2) hat mit demſelben Gemenge Wolle getränkt und die Schnur mit—— Blei umpreßt. 5 Auch Schießbaumwolle?) und Dynamit) hat man in Form von Zünd⸗ ſchnüren anzuwenden verſucht. Letzterer wurde in 16 em langen, 0,7 em ſtarker Papierhülſen in Schläuche von gummirter Leinwand geſteckt. Durch Bleiröhren 8⁰ können Abzweigungen hergeſtellt werden, ſo daß mehrere Sprengladungen faſt 7⁰ gleichzeitig gezündet werden konnten. Selbſt bei einer Pöhlee von 20 m er⸗ 65 folgte die Exploſion, wenn die e ir mittelſt Detonationszünders ent⸗ 60 zünd ndet war, faſt momentan. theuren elektriſchen Patronen) ſollen durch 5³ ſolche Zündſchnüre entbehrlich a18 werden. 5⁰ 55— ) Polyt. Centr.⸗Bl. 1858, S. 1514.— 2) Mitihell⸗ über Gegenſtände d. Art⸗ u. Löſung Genie-Weſen 1870, Heft 12.— 3) Polyt. Notizbl. 28, 1.—) Trauzl, I. C. S. 174. lang li — 5) S. unten S. 113. Zündlichte.— Satzröhrchen.— Zeitzünder. 11¹ Zündlichte ſind beſtimmt, eine ſichere und raſche Entzündung von Geſchütz— ladungen und Feuerwerkskörpern zu bewirken, namentlich wenn bei Regenwetter die Lunte) ihren Dienſt verſagt. In ſtarke Papierhülſen wird ein Satz, be⸗ ſtehend aus 100 Thln. Salpeterſchwefel, 85 Thln. Mehlpulver und 7 Thln. Colophonium, durch leichte mit einem Schlägel auf einen Stempel geführte Schläge in kleinen Portionen eingepreßt; die letzte Portion wird nur locker eingeſetzt, da— mit das Ende leichter Feuer fangen kann. Die 39 em lange Satzſäule eines Zündlichtes ſoll etwa zehn bis zwölf Minuten lang mit einer 8S em langen Flamme brennen und ſelbſt bei heftigem Regen nicht erlöſchen. Zu 100 Stück Zündlichte ſind 9,5 Kg Satz erforderlich.(Der Satz der franzöſiſchen Zündlichte beſteht aus 6 Thln. Salpeter, 3 Thlu. Schwefel und 1 Thl. Mehlpulver, der der ſchwe— diſchen aus 24 Thlnu. Salpeter, 14 Thlu. Schwefel, 11 Thlu. Mehlpulver und 1 Thl. Colophonium; in einer Minute brennt von dem letzteren eine Länge von 2,6 em ab.) Zur Sicherung der Entzündung von Feuerwerksſtücken dienen die Satz— röhrchen, Papierhülſen, welche eine untere Schicht leicht gepreßten Mehlpulvers (von 2 em Höhe) enthalten, deren oberer Theil j 1 0 mit Zehrungsſatz gefüllt iſt. Dieſer wird durch Mengen von 100 Thln. Salpeterſchwefel mit 25 Thln. Mehlpulver erhalten. Zu 100 Stück Satzröhrchen ſind 5 Kg Zehrungsſatz und ½ Kg Mehlpulver nöthig. ie Zeitzünder(Time fuze; fusée à temps), welche ſich eng an die eben beſprochenen Vorrichtungen anſchließen, haben eine beſonders hohe artille— riſtiſche Bedeutung. Sie ſind im Allgemeinen Röhren, welche an einer Seite geſchloſſen und mit einem Satze gefüllt ſind, der eine genau beſtimmte Brenn— dauer beſitzt. Dieſer Zünderſatz beſteht in der Regel aus grauem Satz und einer nach der verlangten Brennzeit variirenden Menge Mehlpulver. In welcher Weiſe der Zuſatz des letzteren wirkt, geht aus der folgenden Tabelle hervor: Die be Glane—945 G5816 Brennzeit Mehlpulver.[von 2,6 em— Mehlpulver.[von 2,6 em Satz. 5 Satz.—— in Secunden. in Secunden. 100 0 42,62 45⁵ 55 2,83 90 10 22,91 40 60 8⁰ 20 7,21 35 65 70 30 4,54 30 70 6⁵ 35 3,65 20 80⁰ 60 40 3,42 10 90 55 45 3‚„ 0 10⁰ 50 50⁰ 2,97 1) Lunte wird dadurch hergeſtellt, daß man 50 Kg gereinigten Hanfwerg in einer Löſung von 1,8 Kg Bleizucker(oder chromſaurem Kali) in 1431 Waſſer mehrere Tage lang liegen läßt und nach dem Herausnehmen trocknet. 112 Zeitzünder.— Elektriſche Zünder. Ueber der Satzſäule befindet ſich in der Regel eine Schicht N Meh ſhen ver, welches zuerſt entflammt die ſichere Entzündung des Satzes vermitteln ſoll. Muß ſel eine Correctur in der Brennzeit des letzteren bewirkt werden, ſo ſoll dieſelbe Furch Veränderung ſeiner Gemengtheile, niemals durch Verdichten derſelben erfölgen. Bei den Zeitzündern von Projectilen iſt die Brenndauer von der gerade verlang⸗ ten Flugzeit des Geſchoſſes abhängig; iſt dieſe gegeben, reſp. die Entfernung des 553 es bekannt, J0 kann durch einfache Manipulation, durch Tempirung des Zün— ers, die gewünſchte“ Brennzeit erzielt werden. Es kann nicht meine Aufgabe ſein, eine eingehende Beſchreibung der ver— ſchiedenen Zünderarten zu liefern; ich verweiſe auf die Handbücher der Kriegs— feuerwerkerei 1). Nur über die Zuſemmenfteun einiger gebräuchlicher Ade ſeien Angaben im Folgenden gemacht. Der Satz für ſchßwere Geſchoſſe(für Bom— benkanonen, 25- und 50pfündige Mörſer) beſteht aus 70 Thlu. grauem Satz und 30 Thlu. Mehlpulver, der für 7- und 10pfündige Mörſer aus 75 Thln. und 25 Thln., der Zünderſatz von Spiegel- und Handmörſergranaten aus 80 Thln. des erſteren und 20 Thln. des letzteren. Während bei allen eben erwähnten Zündern die Satzſäule durch die ab— brennende Geſch 15 5 entzündet wird, findet bei der neueſten Conſtruction der preußiſchen Shrapnell 8 2) die Z 0 vermittelſt einer durch Stoß explodirenden Zündpil lle im Innern der Geſchoſſe ſtatt(Princip der Concuſſion). In Frankreich wurden 10 Zünder für Granaten mit reinem Mel URbek, die für Bomben und Handgranaten mit einem aus 3 Thlu. Mehlpulver, 2 Thln. Salpeter und 1 Schwefel beſtehenden Satze gefüllt. In der ſck hwediſchen Artil⸗ lerie iſt als Zünderſatz ein Gemenge von 33½/ Thln. Mehlpulver und 66/ Thln. grauem Satz üblich. Slektriſche Zünder. Die Zeitzünder werden in allen den Fällen gebraucht, in denen Sprengladun—⸗ gen oder Feuerwerkskörper nach Verlauf einer beſtimmten Zeit entzündet werden ſollen. Muß dieſe Zeit verſchwindend klein ſein und ſollen mehrere Ladungen zugleich entzündet werden, ſo iſt man auf die Benutzung elektriſcher Zündvorrich— tungen angewieſen. Sei es nun, daß der elektriſche Funke oder ein zum Glühen gebrachter Draht die Entzündung bewirkt, ſtets muß, wenn dieſelbe mit Sicher— heit erfolgen ſoll, ein fee feend Leiter(Zündmittel) angewendet wer— den. Gaiffe und Comte?) laſſen den Inductionsfunken durch Knallqueckſilber 1) Vergl. beſonders die Schrift: Der Entwicklungsgang und die darauf gegründete Syſtematik des Zünderweſens ꝛe. von W. Ritter von Breith 95 welche die neueſten Beſtrebungen eines Armſtrong, Bormann, Borer, L enk, Moor⸗ ſom, insbeſondere des Verfaſſers ſelbſt und Anderer beleuchtet und namentlich die Be⸗ deutung der Breithaupt'ſchen Zeitzünder für die nach einem Univerſalzünder hin— drängende Entwicklung des Zünderweſens in das klarſte Licht ſetzt.—) Dingler, polyt. Journ. 201, 95.— 9) Dingler, polyt. Journ. 180, 118. ſchla Prin zinkt röhre dient Knal iſt( Entz Erhö ſich e Die das f Röhr einge lich d der f als Schn erſt! auf 4 geeigt den. einem im 2 Wach in V Tl 2 Th ilver, Muß zurch Igen. ang⸗ des Zün⸗ ver⸗ iegs⸗ rſätze Zom⸗ und und Thln. ab⸗ uder nden ilver, Thln. Irtil⸗ Thln. dun⸗ erden ingen rrich⸗ lühen icher⸗ wer⸗ ſilber ündete e die OOr⸗ e Be⸗ rhin⸗ gler, Elektriſche Zünder.— Feuerwerksſätze. 113 ſchlagen; ihr Zünder iſt billiger als der Stateham'ſche), welcher auf gleichem Princip beruht. Dieſer beſteht aus zwei Leitungsdrähten von Kupfer oder ver⸗ zinktem Eiſen, welche 2 bis 3Z mm von einander abſtehen und in einer Kautſchuk⸗ röhre ſich befinden, welche innen mit Schwefelkupfer überzogen iſt. Dieſe Schicht dient als ſecundärer Leiter und bewirkt ſicher die Entzündung einer kleinen Priſe Knallqueckſilber, welche mit Jagdpulver in einem Kautſchukſäckchen eingeſchloſſen iſt(das Stück koſtet 4 Groſchen). Abel). wendet einen magnetoelektriſchen Apparat an und bringt an die Entzündungsſtelle einen Satz von chlorſaurem Kali und Cyankupfer, welchem zur Erhöhung der Leitungsfähigkeit Coakspuloer zugeſetzt iſt. Mowbray⸗) bedient ſich eines Zündſatzes aus chlorſaurem Kali und Schwefel⸗ oder Phosphorkupfer. Die Zündpatronen werden in der Weiſe angefertigt, daß zwei iſolirte Drähte in das ſchmalere Ende einer hölzernen, zuvor in ſchmelzendes Paraffin getauchten Röhre eingeſchoben und mit Guttapercha befeſtigt werden. Sodann wird der Satz eingebracht, darauf ein mit 1 9 Knallpulver geladenes Zündhütchen und ſchließ⸗ lich die Röhre mit Asphaltfirniß beſtrichen(3 Mann können täglich 1000 Zün⸗ der fertigen). v. Ebner Jhat ebenfalls einen magnetoelektriſchen Apparat mit Erfolg benutzt; als Satz dient ihm ein Gemenge von gleichen Theilen chlorſauren Kalis und Schwefelantimon, welchem Schwefelblei oder Schwefelkupfer zugeſetzt wird. Zu⸗ erſt hatte v. Ebner?) Reibungselektricität als wirkſamſte Zündungsquelle(bis auf 4 Meilen Entfernung) empfohlen, jedoch Schwierigkeiten in der Conſtruction geeigneter Maſchinen, welche auch an feuchten Orten ſicher functionirten, gefun— den. Mechaniker Bornhardt) in Braunſchweig liefert Maſchinen, welche in einem Blechkaſten dicht eingeſchloſſen trefflich wirken, auch wenn ſie längere Zeit im Waſſer geſtanden haben. Abegg's) elektriſche Zünder, welche aus zwei mit Wachs umhüllten Eiſendrähten beſtehen und ebenfalls mit einer Elektriſirmaſchine in Verbindung geſetzt werden, empfehlen ſich durch Billigkeit(100 Stück koſten 2 Thlr. 12 Gr.). Drittes Capitel. Die wichtigſten Feuerwerksſätze. Die in der Feuerwerkerei üblichen Miſchungen haben verſchiedene Zwecke zu erfüllen; nach dieſen iſt auch ihre Zuſammenſetzung eine wechſelnde. Für die ) Dingler, polyt. Journ. 176, 210.— 2) Dingler, polyt. Journ. 186, 419. ) Dingler, polyt. Journ. 206, 190.—) Dingler, polyt. Journ. 186, 331.— ) Dingler, polyt. Journ. 146, 37, 195.—) Dingler, polyt. Journ. 168, 343.— 7 Mittheil. Art.- und Genie-Weſen 1871, Heft 9. Exploſivkörper und Feuerwerkerei. 8 114 Leuchtſätze.— Feuerballen.— Leuchtkugeln Aufertigung aller Sätze gelten die früher(ſ. S. 108) mitgetheilten Regeln. In der Praxis, ſpeciell in der Kriegsfeuerwerkerei, handelt es ſich weſentlich um Er— reichung folgender Wirkungen: Erzeugung von Licht(Leuchtſätze), von Treibſätze— Stankkugelſätze) und einer lange anhaltenden, heißen Flamme (Brandſätze). Neben dieſer ſyſtematiſch wichtigſten Eintheilung unterſcheidet der Pyrotech— niker lediglich nach der Geſchwindigkeit des Abbrennens raſche und faule Sätze. Endlich ſind, vorzugsweiſe in der Luſtfeuerwerkerei, die Bezeichnungen„Funken— und Flammenfeuer“ üblich, welche Namen den Eindruck der abbrennenden Sätze auf das Auge wiedergeben ſollen. Die erſteren ſind dadurch charakteriſirt, daß ſie glühende oder brennende Theilchen auswerfen, während die eigentliche Flamme Nebenſache iſt. Die anderen ſollen gerade durch ihre ſpecifiſch gefärbte Flamme wirken. Zuweilen werden beide Arten vereinigt zu ſogenannten Zwitter- oder Doppelſätzen. Die Funkenfeuer haben für die Kriegsfeuerwerkerei keinen Werth. Leuchtſätze. Soll mit Hülfe der Sätze nur ein möglichſt intenſives Licht erzeugt werden, ſo iſt ihre Zuſammenſetzung eine ſehr einfache. In manchen Fällen jedoch iſt Rückſicht auf eine beſtimmte Färbung der Flamnie zu nehmen; dieſelbe kann durch Ingredienzien verſchiedenſter Art erreicht werden. Das von einer Flamme aus— geftrahlte Licht verdankt ſeine Entſtehung entweder kleinen, feſten Partikeln, welche durch den Verbrennungsproceß aufwärts geriſſen und in ſtarkes Glühen gerathen ſind, oder glühenden, gasförmigen Körpern. Die Intenſität des Lichtes iſt alſo weſentlich von der Flammentemperatur abhängig. Als Grundlage für die meiſten Leuchtſätze kann man den Salpeterſchwefel betrachten, in dem jedoch— je nach der Natur der Ingredienzien— der Kali— ſalpeter total oder partiell durch äquivalente Mengen von chlorſaurem Kali vertre— ten ſein kann. Der Salfpeterſchwefel wird wegen zu geringer Gasproduction mit Mehlpulver gemiſcht zu grauem Satz. Dieſer verbrennt mit intenſiv. Lichte, welches durch 95 in die Flamme emporgeriſſenen Theilchen von ſchwefel— ſaurem Kali erzeugt wird. Die Feuerballen ſind zwillichene Beutel, welche mit grauem Satze gefüllt ſind; derſelbe iſt nach Zuſatz von wenig Spiritus möglichſt feſt verdichtet. Zur ſicheren Entzündung wird ein Satzröhrchen(vergl. S. 111) angebracht. Während die Feuerballen mit der Hand geworfen werden, um im Feſtungs— kriege das nächſte Terrain zu beleuchten, werden die Leuchtkugeln entweder aus Wurfgeſchützen auf weitere Entfernungen geſchleudert oder in Bombenröhren als Nachtſignale angewendet. Der Leuchtkugelſatz enthält einen Ueberſchuß von Schwe— fel, in 100 Thlnu. 76,6 Thle. grauen Satz und 23,4 Thle. Schwefel; er wird warm angeſetzt. In den geſchmolzenen Schwefel trägt man den grauen Satz portionsweiſe ein und ſorgt durch Umrühren(ſogenanntes Brechen) für gleich— mäßige Mengung. Der fertige Saß wird in eine beſondere Umhüllung, das Leuchtkugelkreuz, geſtopft. Leuchtfackeln.— Farbige Feuer. Die Bombenröhren ſind ſtarke ſen, welche in abwechſelnden Schichten mit einem langſam brennenden Satze(2 Thln. Weſl pulver und 1 Thl. oll e) und mit einer kleinen Kornpul verladung, auf welcher eine Leuchtkugel liegt, gefüllt ſind. Dieſelben werden in der Erde ſtehend eingegraben und ſollen vor— züglich als Nachtſignale dienen. Auch farbige Leuchtkugeln(über deren Bereitung ſiehe unten S. 116) können angewendet werden. Zu den Leuchtfackeln wird eine aus 107 Thlnu. grauem Satz und 5 Thln. Schwefelantimon beſtehende 5 angewendet. Endlich kann als Leuchtmittel das ſogenannte Kaltgeſchmolzenzeug, welches auch in Bombenröhren mit lang⸗ ſamer brennendem Satze zur Anwendung Du 0 werden. Daſſelbe be— ſteht aus 85,6 Thlu. grauem Satze, 29,4 Thlu. Mehlpulver und 5 Thlnu. Schwe⸗ felantimon. Die Gemengtheile werden mit Spiritus befeuchtet gut durchgearbeitet und in Kugeln geformt. Dieſelbe Compoſition wird auch gewöhnlich als Weiß⸗ feuer benutzt, da ſie beim Verbrennen ein beſonders intenſives Licht liefert. In ihrer Wirkung kaum nachſtehend iſt folgende, nur die Beſtandtheile des Pulvers enthaltende Miſchung: 75 Thle. Kaliſalpeter, 22,5 Thle. Schwefel und 2,5 Thle. Kohle. Das ſogenannte indiſche Weißfeuer iſt ein Satz, beſtehend aus 24 Thln. Thlu. Realgar(Zweifach-Schwefelarſen 7 Kaliſalpeter,7 = fAs2 82). Zur Bereitung der mit farbiger Flamme verbrennenden Leuchtſätze ſind zahlloſe Vorſchriften(namentlich in der Luſtfeuerwerkerei) gegeben worden. Die färbenden Mittel ſind in der Regel ſolche ſalpeter-oder chlorſaure Salze, welche! d D Thln. Schwefel und 2 Eigenthümlichkeit haben, in glühendem Zuſtande farbiges Licht auszuſtrahlen. Da dieſelben außerordentlich leicht ihren Sauerſtoff abgeben und ſo verbrennliche Kör— per entzünden, tragen ſie dazu bei, die Flammentemperatur zu erhöhen, den Licht— effect alſo zu ſteigern. Die Grundlage faſt aller farbigen Feuer iſt ein durch Salpeterſchwefel und noch häufiger eine Miſchung gleicher Atome chlorſaures Kali und Schwefel(ſo— genannter Chlorkaliſchwefel) erzeugtes weißes, nur ſchwach violettes Licht. Die Anwendung des letzteren Gemiſches, welches abbrennend ſich durch eine lebhaftere Gas⸗ und Wärmeentwicklung auszeichnet, iſt um ſo mehr geboten, je ſchwieriger die färbenden Salze flüchtig ſind. Eine geringe Beimengung von Kohle beſchleu— nigt die Verbrennung ohne die Färbung zu beeinträchtigen, eine größere Quan— tität verleiht der Flamme einen röthlichen Ton. In der Kunſtfeuerwerkerei werden die folgenden Salze zur Erzeugung der verſchiedenen Farben benutzt: Für Rothfeuer: l Strontian, Sr(NJO3)2, auch ſalpeterſaurer Kalk reſp. Chlorcalcium für ein helleres Roth J. Gelbfeuer: Natronſal 5 Na(N0z)(auch doppeltkohlenſaures Natron). Grünfeuer: Barytſalpeter, Ba(NO3z)z2. 7 77 7 1) Die prachtvolle rothe Färbung, welche Lithiumſalze den Flammen ertheilen, iſt im Großen zu theuer und auch wegen der Zerfließlichkeit der meiſten Lithiumverbin— dungen ſchwer zu benutzen. 116 Miſchungen für Leuchtkugeln. Für Blaufeuer: Kohlenſaures Kupferoxyd), CuC0z lauch ſchwefelſaures Kupferoxydammoniak). Die in der Kriegsfeuerwerkerei üblichen Miſchungen, welche insbeſon— dere als Verſetzung der Raketen 2) und ſomit als Signalfeuer dienen, haben fol— gende Zuſammenſetzung): Weiß: das Kaltgeſchmolzenzeug(ſ. S. 115)][ Grün: 32,7 chlorſaures Kali R 52,3 ſalpeterſ. Baryt 2 2 chlorſaures Kali 9,8 Schwefel 5 Roth: 29,7 45,7 ſalpeterſaurer Strontian 5,2 Holzkohle. 17,2 pulveriſ. Schwefel 5,7 Schwefelantimon 1./ Kohle Gelb: 62,8 Salpeter 23,6 Schwefel Blau: 54,5 chlorſaures Kali 9,8 Natronſalpeter 27,4 ſchwefelſ. Kupferoryd-Ammo— 3,8 Kohle. niak 18,1 Holzkohle. Die einzelnen Beſtandtheile werden vorſichtig gemengt, dann mit wenig Alkohol befeuchtet und in Papierhülſen durch mäßiges Schlagen verdichtet. 8 In der Luſtfeuerwerkerei werden noch folgende Compoſitionen für Leucht— K kugeln empfohlen: C 1. Weiß C Sälbeteeeee 2 70— J Chlorſaures Kali— 16 Schbee 383 14 8 Schwefelantimoeoemn 8172— 1 Salpeterſaures Bleettiii—— 16 4 Realgar 10— Schellackkk..... 68˙3— 1— fe Metalliſches Antimon......— 12— z1 2. Roth 5 Salpeterſaurer Strontian. 8 4—— Chlorſaures Kali.... 4 3—— Schwefell 3—.——— Schwefelantimon 2——— Söälßbettkt—— 5 14 Feiie Koht——— 1 Se——— 3 Michzückertgghhsgs— 2—— Kienrüß——— 1— 1) Früher wurde auch Kupferoryd angewendet; jedoch haben häufig ſolche Sätze die Neigung zur Selbſtentzündung gezeigt.— 2) Ueber dieſe ſ. weiter unten S. 121.— 8 3) Buſcheu. Hoffmann 1. c. S. 393. 5 5———V—ͤ—-„— ñ̃—— Farbige Leuchtkugeln.— Sterne. 3. Grün. Salpeterſaurer Baryt.. 16 40 40— Kohlenſaurer Baryht...——— 1 Chlorſaures Kali...8 20 20 6 Schwefelß 6 13 10 2 Schwefelantimon. 3——— Calomel 13——— Kienrüßß:::: 1 1— Schellackkk 1 1— 4. Gelb. Salpeterſaures Natron..— 8—— Oxalſaures Natron.. 2— 1 2 Chlorſaures Kalli..—— 4 4 Salpeterſaures Kali 9— 2— Schwefer. 3 2 2— Schwefelantimoen...— 1—— Feine Kohlte.— 1—— Schellaß——— 5. Blau. 6. Violett. Bergblau(Cuh, Berdbfaunßußß 1 Kupferfeilſpäne—— Salpeterſaurer Strontian. 4 5 Chlorſaures Kali... 12 8 Kupferfeilſpäne..— 4 Schwefel 5 4 Chlorſaures Kali...9 5 Calomel 6 Schwefe, 6 3 Wiilchssss 5 Cglomenlnl 3 Zur ſicheren Entzündung der Leuchtkugeln werden dieſelben angefeuert; Websky bedient ſich folgenden Satzes zum Anfeuern: 8 Thle. Mehlpulver, 4 Thle. Salpeter, 1 Thl. Schwefel. Die ſogenannten Sternchen ſind ebenfalls aus einem mit Spiritus ange— feuchteten Satz geformte, würfelförmige oder runde Körperchen, welche meiſtens zur Verſetzung von Raketen dienen. Beliebte Sätze für weiße und goldgelbe Sternchen haben folgende Zuſammen— ſetzung: Weiß. Goldgelb. Salpeter.... 16 16 16 16 Schwefel. 8 f 10 8 Mehlpulver 3 4. 16 8 Kohlen.—— 4 2 2 2 Kienruß.—— Die Miſchungen) für farbige Sterne unterſcheiden ſich wenig von den für Leuchtkugeln beſtimmten. 1) Nachzuſehen Winkelblech: Farbige Feuer, im polyt. Central-Blatt 1850, S. 1405 und 1851, S. 107. N UC—————————————..... SEEE.— —ů-——— —— ͤ uT—-ͥ 118 Bengaliſche Flammen. Während die genannten Feuerwerksſtücke weniger den Zweck haben, die Um⸗ gebung zu beleuchten, als vielmehr in der Luft ſchwebend farbige Effecte hervor— zubringen, welche in der Kriegsfenerwerkerei als Signale verwerthet werden kön— nen, ſollen die bengaliſchen Flammen(Theaterfeuer) dazu dienen, größere Räume in einem hellen Lichte von beſtimmter Farbe erſcheinen zu laſſen. Aus der großen Zahl von Vorſchriften die beſten Miſchungen herauszufinden, dürfte ſchwer ſein; hier ſeien einige derſelben mitgetheilt, auf andere verwieſen 1). Die Ingredienzien für dieſelben werden trocken innig gemiſcht und am zweckmäßigſten in Tiegel oder Blechbüchſen gedrückt, in welchen ſie angezündet werden. Am wirk⸗ ſamſten würden als Färbungsmittel die chlorſauren Salze von Barium, Stron— tium, Kupfer ꝛc. ſein, wenn dieſelben nicht zu hygroſkopiſch wären. 2 C Der Satz a iſt der ge— Salpeter,ß 12 32 24 bräuchlichſte; er liefert ein Schwefel. 4 8 7 bläulich weißes Licht; e Schwefelantimon.. 1—— unterſcheidet ſich vom ſo— Reälzafß— 2 genannten indianiſchen Metall. Antimon...— 12 1 Weißfeuer nur durch den Mennigese 10— Zuſatz von Antimon. 2. Roth. 2 b 0 d 2 a, b, cç verbrennen mit Salpeterſaurer Strontian. 40 56 Qleiner ſchön rothen Flamme, Kohlenſaurer Strontian; 23 antt purpurrothem, é mit Kohlenſantetrgafßfß, roſarothem Lichte. Das Roth— Chlorthlein;:;: ffene 9n Holtz, Dingler, Chlorſaures Kalt 55 20 61 61 61 polyt. Journ. 205, 577, be⸗ Schwefe, 1s 16 16 16 ſteht aus 4 Thln. ſalpeterſ. Köhler;ß; Eehn u. 1Thl. Schellack. 3. Gelb. Salpeterſaures Natron..... 48—— 20 Kohlenſaures Natron...— 20 23— Schwefel en te nn 16 17½% d16 5 Schwefelantimon—— 1 Finethhee. 1½— 1 Sällteterſautes Fafkfß 61—— Chloörſautes gtaltt— 61— 4. Grün. Salpeterſaurer Barht..... 45 60 8 12 Chlorſaures Kali. 10 18 3 5 SchieHFC 10 22 3 4 Schefeeer——— ) Winkelblech, 1. 6., ferner Dingler, polyt. Journ. 189, 235 199, 77; 201, 178 und Journ. f. prakt. Chemie 55, 250. in 5 en it Bengaliſche Fackeln.— Gemiſchte Farben. 5, Blau 2 b 8 Kohlenſaures Kupferoryd...——— Schwefelſaures Kupferoryd— Ammoniak 15 12— Geglühtergcu;;; 12 23 9 ß 7155 Ehlorfautes taftt 2 30 8 Blau, b ein dunkles, hlorſaures Kali 28 60 61 Säheff 16 16 ei ente Schwefelſaures Kalii..15——. Salpeter 27—— 6. Violett. 4 b Alauunnmn 12 16 4 Dunkelviolett Kohlenſaures Kali...... 12 16 Hellvi le 38 Chlorſaures Kalii.... 60 54 ffff 14 Ein Verfahren zur Herſtellung bengali iſcher Fackeln, welche wie Pech— 11 gebraucht Weiden können, ſowie beſonders zu dieſem Zwecke geeigneter ätz zur Verlängerung der Brennzeit Stearinſäure oder Schellack enthal— ten, hat Thenius h angegeben. Von ſelteneren Miſchungen, welche einen prächtigen Effect erzeugen, jedoch zu theuer ſind, iſt eine von U 950 2 zu nennen, welche aus 20 Thln. Salpeter, 5 Thlu. Schwefel, 4 Thlu. Schwefel leadmium und 1 Thl. feiner Kohle beſtehend mit weißer, ſchön blau geſäumter Flamme verbrennt, ferner ein von Crookes bereiteter Satz, welcher ein prachtvoll grünes Licht giebt, zuſammengeſetzt aus 8 Thln. chlorſaurem Thallium, 2 Thlu. Calomel und 1 Thl. Harz. Auch die Auwendung des pikrinſauren Ammoniaks zu§ lammenfeuern iſt hier zu erwähnen. De ſignolle?) hat folgende Miſchungen bewährt gefunden für Grünfeuer: 48 Thle. pikrinſaures Ammoniak und 52 Thle. ſalpeterſauren Baryt; für Roth⸗ feuer: 54 Thle. des erſteren und 46 Thle. ſal P Strontian. Brugère9 hat daſſelbe Ingredienz empfohlen; ein geeignetes Grünfeuer beſteht nach ihm aus 25 Thln. pikrinſaurem Ammoniak, 67 Thln. ſalpeterſaurem Baryt und 8 Thln. Schwefel. Gemiſchte Farben. Man könnte der Meinung ſein, durch Miſchen der mit verſchiedenfarbigem Lichte brennenden Sätze nach Belieben Zwiſchenfarben zu erhalten; jedoch iſt dies nur in ſehr beſchränktem Maße möglich, da das Zuſantmenteffen complementärer Lick We en ein mehr oder weniger reines Weiß zu erzeugen ſtrebt. Nach Win⸗ kelblech ſoll der Zuſatz von 2 Proc. eines gel 95 Satzes zu einem rothen be— wirken, baß dieſer ohne merkliche Färbung abbrennt. Dem Grünfeuer darf kein 1) Dingler, polyt. Journ. 173, 411.— 9) Jahresber. 1862, S. 280.— 3) Dingler, polyt. Journ. 192, 67.—) Dingler, polyt. Journ. 194, 499. 120 Gemiſchte Farben.— Funkenfeuerſätze. anderer Satz zugemiſcht werden, da die grüne Farbe außerordentlich leicht ausge— löſcht wird. Field) hat durch Mengen von Roth- und Grünfeuer ein bläulich— 8 weißes Licht erhalten; ein reines Weiß entſtand durch Abbrennen einer Miſchung 7 aus Grün⸗ und einem Roſarothfeuer von der Zuſammenſetzung des Satzes 2 0 (S. 118). Nur aus Roth und Blau läßt ſich ein ſchönes Violett erzielen(vergl. die Sätze 6a und b S. 119). Durch geſchickte Nebeneinanderſtellung verſchiedenfarbiger Sätze laſſen ö 0 ſich andererſeits ſehr ſchöne Effecte hervorbringen, wenn man die Farben ſo wählt, daß ſie ſich möglichſt ergänzen. Brennt man z. B. einen lichtſchwachen grünen Satz neben einem lichtſtarken Rothfeuer ab, ſo ſtrahlt der erſtere ein tief gras— grünes Licht aus; umgekehrt brennen ſchwach rothe Feuer mit prächtiger Carmoiſin— farbe, wenn ein ſtarkes grünes Licht in der Nähe erzeugt wird. In gleicher Weiſe wird eine ſchwach blaue Färbung durch ein benachbartes ſtark rothes oder gelbes Licht geſättigter. Dieſe Erſcheinungen ſind rein ſubjec— tiver Natur, indem ſie auf der Eigenthümlichkeit unſeres Auges beruhen, welches durch Einwirkung ſtarker farbiger Strahlen ermüdet für dieſe in demſelben Maße ſeine Reizbarkeit einbüßt, als es für die denſelben complementären Farben empfind— licher wird. Funkenfeuerſätze. Hier mögen einige der häufigſt gebrauchten Sprühfeuer aufgezählt werden, welche für die Lu ſtfeuerwerkerei eine hervorragende Bedeutung haben, weil ſie prächtige Effecte ohne großen Koſtenaufwand hervorbringen. Die einfachſten die— ſer Sätze beſtehen aus Gemengen von Mehlpulver und grober Kohle, oder aus Salpeter, Schwefel und Kohle. Während bei erſteren die beiden Gemengtheile im Verhältniſſe von 10 zu 1 bis 8 zu 3 variiren, ſind von letzteren folgende Ge— miſche beliebt: Salbete!:!: 12 16 Schwefel.. 3 4 Grobe Kohle 5 9 Die grobe Kohle liefert Funken, welche röthliches Licht ausſtrahlen. Von anderen funkengebenden Körpern ſind namentlich Metalle in fein zertheiltem Zu— ſtande beliebt, ſo roſtfreie Eiſenſpäne, Gußſtahlſpäne, welche rothe und weiße, Kupfer⸗ und Zinkſpäne, welche grüne reſp. grünlich-blaue Funken geben. Die ſogenannten Brillantſätze verdanken ihre Wirkung dieſen Beimengungen; einige der gebräuchlichſten haben folgende Zuſammenſetzung: Mehlpuwer. t. a 616 16— Sälßeterd ii e 8 12 2 Schwefel, al 03 3 1 Kohls 3 3 1 Gußeiſenſpäne 2).... 10 12 2 ) Ann. Chem. Pharm. 120, 347— 2) Die ſogenannten Lyoner Fäden ſind am 7* beliebteſten. ie U 2ο S Treibſätze.— Raketen. 12¹ Alle dieſe Sätze werden in ſogenannten Brändern, Hülſen, welche am vor— deren Ende(Kehle) zu einer engen Ausſtrömungsöffnung gewürgt ſind, abgebrannt. Durch Combination und zweckmäßige Gruppirung derſelben laſſen ſich Sonnen, Fixſterne, Fächer, Cascaden ꝛc. herſtellen. Bei den ſogenannten Doppelſätzen(ſ. S. 114) iſt zu berückſichtigen, daß dieſelben unter ſtarker Schlackenbildung verbrennen, daher die Kehlen nicht zu eng gemacht werden dürfen. Die Miſchungen, welche Kienruß enthalten, pflegen zu dieſer Claſſe gezählt zu werden, da ſie eine röthliche Flamme mit ſternförmigen . geben(3. B. ein Satz aus 4 Thln. Salpeter, 1 Theil Schwefel und 1 Thl. Kienruß). Eine ähnliche Erſcheinung bieten die japaniſchen Zündſtäb⸗ chen). Auch die Zink enthaltenden Sätze werden den Weleſen angereiht, ihre Flamme charakteriſtiſch gefärbt iſt(bei Tage grün, im Dunkeln blau). Treibſätze. Dieſelben ſchließen ſich den Leuchtſätzen eng an, da ſie vielfach zu Signalen, welche auf Lichteffecten beruhen, verwendet werden; in ihrer Zuſammenſetzung f9 f ie den Funkenfeuerſätzen(ſ. vor. S.) am nächſten. Die wichtigſten hier— her Feuerwerkskörper ſind die Raketen, Papierhülſen, welche mit einem ſtark verdichteten Treibſatze gefüllt und gewöhnlich mit einer ſogenannten 1 etzung oder Garnitur verſehen ſind. Jener beſteht in der Regel aus Mehl— pulver mit einem Zuſatz von Kohle, welche die Gasmenge in Folge der Bildung von Kohlenoxyd erhöhen ſoll. Nach einer Vorſchrift miſcht man 8 Thle. Mehl— pulver mit 3 Thlu. grober Kohle, nach einer anderen 16 Thle. Salpeter mit 4 Thln. Schwefel und 9 Thln. Kohlenpulver; man wendet alſo die auch als Sprühfeuer gebrauchten Gemenge an. Der hßiſch Kriegsraketenſatz?) beſteht aus 32 Thln. Salpeter, 12 Thlu. Schwefel, 32 Thlu. Mehlpulver und 16 Thln. gepulverter Kohle(von hartem Holze). In Frankeich 5) war folgende Miſchung üblich: 2,115 Kg Salpeter, 0,434 Kg Schwefel und 1,205 Kg Holzkohle. Zur Anfertigung der Raketen werden die rollirten Hülſen von ſtarkem Pa— pier in eine zweitheilige kupferne Form gebracht und ſodann der Treibſatz in Por— tionen eingefüllt, welche mit einem Stempel durch mäßig ſtarke Schläge, die ent— weder mit der Hand oder mit einer Ramme zu führen ſind, verdichtet werden. Je nachdem der Satzeylinder direct oder nachträglich durch Ausbohren mit einer Höhlung, der ſogenannten Seele, verſehen werden ſoll, wird ein hohler oder ein maſſiver Stempel benutzt. Dem lebteren Verfahren wird jetzt bei der Fabrikation im Großen der Vorzug gegeben, da eine gleichmäßigere Verdichtung des Satz— cylinders erzielt wird, wenn derſelbe maſſiv angefertigt wird. Im erſteren Falle wird die Maſſe über einem Dorn eingetrieben. Durch die ſchwach koniſch ge— formte Seele der Rakete ſoll eine möglichſt gleichzeitige Entzürdung bewirkt wer⸗ den. Ueber die zweckmäßigſten D Wnenfonzed der Aushöhl ung gehen die Angaben auseinander. Von dem Satzeylinder bleibt immer ein Theil undurchbohrt, die 1) Deutſche Ind.-Zeitg. 1865, S. 48.— 2) Buſch-Hoffmann, 1. e. S. 384. — 9) Archiv f. d. Offic. d. preuß. Artill. 21, 164. 122 Anfertigung von Raketen. ſogenannte Zehrung, welche je nach dem Kaliber der Raketen eine verſchiedene Höhe hat. Ueber dem Satze wird eine in der Mitte durchbohrte Schlagſcheibe angebracht, und falls die Rakete ohne Verſetzung benutzt wird, direct eine kegel— förmige Kappe von ſteifem Papier befeſtigt, welche zur leichteren Ueberwindung des Luftwiderſtandes dienen ſoll. Zur Entzündung der Rakete dient eine Stop— pine, welche in die Seele eingeſetzt wird. Endlich wird ein Stock von vierſeitiger, pyramidaler Geſtalt aus trocknem, leichtem Holze, der ſogenannte Raketenſtab(oder Ruthe), mit der Rakete verbun— den, um ihre Bahn zu regeln. Die Länge dieſes Stabes, welcher genau parallel mit der Längenachſe der Rakete liegen muß, beträgt für einpfündige) Raketen 2,66 m, für einhalbpfündige 2,35 m. Um das Aufſteigen in ſenkrechter Rich— tung ſicher zu erreichen, werden die Raketen balancirt, d. h. man bindet den Stab in der Weiſe an, daß der Schwerpunkt der fertigen Rakete etwas unterhalb der Mündung im Stabe liege(erfahrungsgemäß beträgt die Entfernung bei einpfün⸗ digen Raketen 1 cw). Zum Abbrennen wird ein etwa 4 m langer Pfahl mindeſtens 7 din tief in die Erde gegraben; oben iſt in demſelben ein langer Nagel zum Aufhängen der Rakete, unten ſind zwei Nägel neben einander, zwiſchen denen das Stabende hängt, eingeſchlagen. Die Stoppine wird mit einem an langer Stange befindlichen Zünd— lichte angezündet. Während eines Momentes ſoll die normal angefertigte Rakete auf dem Nagel hängen bleiben, ſodann ſteigt ſie kraftvoll gerade in die Höhe und hinterläßt einen bis auf die Erde reichenden Feuerſtrahl. Während dieſe einfachen Raketen allein als Signale dienen können, ſind ſie auch häufig dazu beſtimmt, Träger eines zweiten Signals, der ſogenannten Ver— ſetzung, zu werden. Dieſe wird in der über der Schlagſcheibe ſitzenden koniſchen Kappe angebracht und durch das Feuer der Zehrung entzündet; zur ſicheren Ueber— tragung deſſelben wird die Durchbohrung der Schlagſcheibe mit Mehlpulver aus— gefüllt. Die Verſetzung kann aus den verſchiedenſten Feuerwerksſtücken beſtehen, in der Kriegsfeuerwerkerei aus Kanonenſchlägen, Cylindern von Kaltgeſchmol— zenzeug oder Leuchtkugeln((. S. 116). Die erſteren ſind zu dieſem Zwecke Cylinder von guter Pappe, welche mit ſtarker Pulverladung gefüllt und feſt ver— leimt und umbunden ſind; ſie können als Tag- und Nachtſignale verwendet wer— den. In der Luſtfeuerwerkerei dienen noch Sternchen, Lichter, auch farbige Leuchtſätze, welche an einem Fallſchirme befeſtigt ſind, und andere mehr als Ver— ſetzung. Einer Verwendung von Nitroglycerin zu dieſem Zwecke iſt früher(S. 65) gedacht worden. Das Gewicht der Verſetzung darf natürlich nicht zu beträchtlich ſein, da ſonſt die Steigkraft der Rakete zu ſehr beeinträchtigt werden würde 7. 1) Die Kaliberbezeichnung wird von dem Gewichte einer eiſernen Kugel abgeleitet, welche mit der Rakete gleichen Durchmeſſer hat.— 2) In neueſter Zeit ſind Raketen von größerem Kaliber(Hem und 8 em im Durchmeſſer) mit beſtem Erfolge angewen— det worden, um die Rettung Schiffbrüchiger zu ermöglichen. Die Rettungsraketen ſtellen die Verbindung zwiſchen Strand und Wrack durch eine mitgeführte Schießleine her; die Ankerraketen ſollen den Rettungsboten das Abkommen vom Strande er— leichtern. Beide Sorten werden in dem Königl. Feuerwerkslaboratorium zu Spandau in vorzüglicher Qualität angefertigt. 112„ 0 0 — — ⏑¹³— ne be el⸗ g n, —— u Stankkugelſätze.— Feuerlöſchdoſen. Inſoweit Sätze neben ihrer Leuchtwirkung eine Bewegung der Feuerwerks— körper veranlaſſen ſollen, können ſie auch als Treibſätze betrachtet werden. In dieſer Lage ſind manche Funkenfeuerſätze, welche ihre Hülſen, in denen ſeitlich Löcher angebracht ſind, durch Ausſtrömen der Verbrennungsgaſe in eine drehende Bewegung verſetzen(darauf beruhen unter Anderem die Luftwirbel, Feuerräder [die einfachen und doppelten], Spiralen, Schlangen ꝛc.). Stankkugelſätze ꝛce. Zu den Treibſätzen, deren Wirkſamkeit durch eine lebhafte Gasentwicklung bedingt iſt, können wegen dieſer Eigenſchaft auch einige andere Compoſitionen ge— zählt werden, welche den beſonderen Zweck haben, unathembare Gaſe bei der Ver— brennung in großer Menge zu bilden. In der Kriegsfeuerwerkerei wird zu ſo— genannten Stankkugeln Salpeterſchwefel verwendet, welcher bekanntlich ſchweflige Säure und Stickſtoff, alſo irreſpirable Luftarten, erzeugt; die früher K 1 85 Feuerballen(S. 114) können zuweilen denſelben Zweck, Vertreibung des Feindes aus Caſematten ꝛc., erfüllen. Die ſogenannten Desinfectionsſchwärmer, welche durch Entwicklung ſchwefliger Säure desinficirend wirken ſollen, beſtehen aus 58 Thln. Salpeter, 36 Thlu. Schwefel und 3 Thln. feiner Kohle. Feuerlöſchdoſen. Nahe verwandt mit den zuletzt genannten Sätzen, ſowohl ihrer Zuſammen— ſetzung, als ihrer Beſtimmung nach, ſind die in den Handel gebrachten Feuerlöſch— doſen. Dieſelben ſollen, in einem möglichſt geſchloſſenen Raume angezündet, einmal durch die erzeugte Wärme die Luft verdünnen, und ſodann durch Entwick— lung von ſchwefliger Säure, Kohlenſäure und Stickſtoff feuererſtickend wirken. Die Zuſammenſetzung der Bucher'ſchen Löſchdoſen iſt nach verſchiedenen Ana— lyſen folgende: Nach Wittſtein!) nach Schweizer?) nach Heerens) Kaliſalpeter60 58,53 63,73 Schcbefe!k!k 885 36,33 28,93 szsz 4 3,14 3,80 Sand 0,75— Eiſeneydßd 1„2 3,54 S 8 8 KEg der Maſſe entwickelt durchſchnittlich 298 1 ſchweflige Säure, 68 1 Kohlenſäure und 84 1 Stickſtoff. Von dem Bucher'ſchen Löſchmittel kaum verſchieden iſt das von Zeisler“) empfohlene, welches aus 60 Thlu. Salpeter, 36 Thlu. Schwefel und 4 Thln. Kohle beſteht und noch Kalkzuſatz erhält. Zur Bereitung werden die RI zerkleinert, gemengt und in Papp⸗ hülſen ſehr feſt eingeſtampft. Bei einem Brande in einem Zimmer werden die 1) Jahresber. 1857, S. 133.— 2) Ibid. 1858, S. 171.— 3) Ibid. 1859, 186 ff.—) Jahresber. 1865, S. 315. 124 Brandſätze(Warmgeſchmolzenzeug). Doſen(und zwar 1 Kg auf eirca 15 0bm Raum) ins Feuer geworfen; ſie entzünden ſich leicht. Einen trefflichen Erfolg hatten dieſelben bei dem Brande eines Wachs⸗ tuchlagers). Heeren) gelangte nach Verſuchen zu weniger günſtigen Reſul— taten über die Brauchbarkeit der Löſchdoſen in Fällen des gewöhnlichen Lebens— Er hält den Erfolg nur dann für ſicher, wenn ſie in kleinen, gut verſchließbaren Räumen zur Anwendung gelangen. Auch empfiehlt er größte Vorſicht wegen der 5 Entwicklung irreſpirabler Gaſe, welche das Leben der Bewohner unter Umſtänden 11 gefährden können)). 1 Brandſätze. ei b Der Wirkung der zuletzt behandelten Sätze entgegengeſetzt iſt die der Brand— ſätze, welche nur für die Kriegsfeuerwerkerei von Bedeutung ſind. Da dieſelben a zum Entzünden von Holz ꝛc. dienen ſollen, müſſen ſie mit einer lange andauern⸗ d• den, heißen Flamme verbrennen. Die gewöhnlichen Feuerwerksſätze, z. B. grauer 8 Satz, müſſen zur Erreichung dieſes Zweckes mit langſamer brennenden Stoffen, p wie Pech, Theer, Harz, Werg, Steinöl, Terpentinöl ꝛc. verſetzt werden. Entweder w gelangen die Brandſätze in Geſchoſſen, Brandgranaten oder Bomben, zur Anwen⸗ 1 wendung, ſollen alſo ein entferntes Ziel in Brand ſetzen, oder ſie wirken auf ein 05 nahe gelegenes direct ein. Hierher gehören die Brandkränze: Tonnenreifen(von d6 etwa 24 em Durchmeſſer), welche mit Werg umwickelt mehrere Male in ge— ſe ſchmolzenes Pech, dem Theer zugeſetzt iſt, getaucht und ſodann ſtark mit Zehrungs—⸗ ſatz, aus 80 Thlu. grauem Satz und 20 Thln. Mehlpulver beſtehend, eingepudert S werden. Ein guter Brandkranz ſoll eine halbe Stunde lang mit heftiger Flamme ſe brennen. g0 Der Satz, mit welchem Brandgeſchoſſe gefüllt werden, beſteht nach der n preußiſchen Vorſchrift aus 76 Thlu. grauem Satz und 24 Thlu. Colophonium; ſi man trägt in das geſchmolzene Colophonium den erſteren portionsweiſe ein. Nach l0 bayeriſcher Vorſchrift wird zur Füllung von Brandbomben das ſogenannte Warm— geſchmolzenzeug(beſtehend aus 22 Thln. Salpeter, 22 Thln. Schwefel und ſe 3¼ Thln. Mehlpulver) mit Geſchütz- und Mehlpulver benutzt. n ) Jahresber. 1863, S. 318.— 2) Ipid. 1859, 186.— 3) Die anderen zur Be⸗ kämpfung des Feuers angewandten Mittel beruhen theils auf demſelben Princip, wie die Löſchdoſen, theils iſt bei ihnen daſſelbe mit dem der Abkühlung verknüpft. In die— ſem Sinne wirken die ſogenannten Exſtineteure oder Feuerlöſchkeſſel: abzuſchließende Eiſenblecheylinder, in denen durch verſchiedene Agentien, wie Weinſäure und doppelt⸗ 8 kohlenſaures Natron[DDingler, polyt. Journ. 180, 199(Cartier)], kohlenſaurer Kalk 6 und verdünnte Schwefelſäure(Deutſche Ind.-Zeitg. 1867, S. 118 u. 178), eine bedeu— n tende Menge Kohlenſäure entwickelt wird. Dieſelbe wird von der Flüſſigkeit größten— 2 theils abſorbirt; der mächtige Druck, welcher im Innern herrſcht, treibt beim Oeffnen E des Ausflußrohres das Waſſer heraus, welches abkühlend und durch Abgabe ſeiner Koh— lenſäure feuererſtickend wirkt. Bei dem Verdampfen des Waſſers hinterläßt die aus dem Erſtineteur auf die brennenden Gegenſtände geſpritzte Löſung eine Salzdecke, welche die Wiederentzündung derſelben bedeutend erſchwert. Ueber andere Löſchmittel, namentlich 1 Waſſerdampf ſ. Dingler, polyt. Journ. 150, 317 u. 160, 114. lle Flüſſige Feuer. Dieſelben ſind häufig zu gleichem Zwecke, wie die Brandſätze, empfohlen und angewendet worden. Die zur Entzündung von Torpedoladungen verſuchten Miſchungen, wie die von Nidpee: Benzol(oder Petroleum, Schwefelkohlenſtoff) mit Kalium oder Phosphorcalcium, ſowie die Natriumzündmaſſe von Flecky, ge— rathen durch den mechaniſch herbeigeführten Contact des Waſſers mit Kalium, Phosphorcalcium, Natrium in Brand. Eine ähnliche auf der durch Berührung eingeleiteten chemiſchen Reaction beruhende Zündungsvorrichtung iſt früher ſchon beſprochen worden(. S. 12 u. 107). Unter der Bezeichnung Fenianfeuer(auch liquid fire) wurde im letzten amerikaniſchen Kriege eine Löſung von Phosphor in Schwefelkohlenſtoff angewen— det. Verdunſtete der letztere, ſo fing der zurückbleibende, feinzertheilte Phosphor Feuer. Darapsky) hat Verſuche angeſtellt, die Compoſition(3 Thle. Phos⸗ phor in 1,3 Thle. Schwefelkohlenſtoff) als Füllung von Brandgeſchoſſen zu ver— werthen. Er conſtatirte, daß Gußeiſen von derſelben nicht angegriffen werde und brachte zur Erhöhung der zündenden Wirkung in einer Thierblaſe Camphin oder Petroleum mit einem Brandſatze in die Miſchung. Darapsky glaubt den ſo bereiteten Geſchoſſen eine beſondere Bedeutung im Seekriege zuſchreiben zu ſollen, da die Feuersgefahr auch nach vorläufigem Löſchen keineswegs beſeitigt ſei. Niklèsss) bezeichnet eine Miſchung von Chlorſchwefel mit phosphorhaltigem Schwefelkohlenſtoff als lothringiſches Feuer(keu lorrain); dieſelbe entzündet ſich ſofort, weun Ammoniakflüſſigkeit mit ihr in Berührung gebracht wird, unter Aus⸗ gabe dicker, rother Dämpfe. Dreifachchlorphosphor verhält ſich ähnlich, wenn er mit Ammoniak oder Schwefelammonium gemiſcht wird. Nach P. Guyot läßt ſich Bromſchwefel genau wie Chlorſchwefel verwenden, nur iſt ſeine Wirkung langſamer, für den Experimentator weniger gefährlich. Nach Sophronius) bewirkt ein Gemiſch von 3 Thln. ſtarker Schwefel⸗ ſäure und 2 Thlu. übermanganſaurem Kali die ſichere Entzündung vieler orga— niſcher Körper, wie Terpentinöl, Papier, Holz ꝛc. Analytiſche Prüfung der Feuerwerks«sſätze. ytiſch fung Bei der analytiſchen(qualitativen, ſowie quantitativen) Unterſuchung der Feuerwerksſätze wird nach Bolley im Allgemeinen folgender Gang eingehalten: Einige Gramme der Maſſe werden mit Waſſer ausgelaugt und in dieſer Löſung nach bekannten Methoden die verſchiedenen löslichen Beſtandtheile, wie Kupfer, Barium, Strontium, Calcium, Kalium, Natrium, Ammoniak, Salpeterſäure, Schwefelſäure, Chlorſäure nachgewieſen reſp. quantitativ beſtimmt. Aus dem ) Dingler, polyt. Journ. 190, 306; vergl. auch Springmühl, Dingler, polyt. Journ. 201,54 und Reiche, ibid. 202, 538.— 2) Dingler, polyt. Journ. 178, 279 ff.— 3) Jahresber. 1869, S. 268; vergl. auch Guyot, Dingler, polyt. Journ. 206, 78.— 9) Jahresber. 1871, S. 311.—5) Deutſche Ind.Zeitg. 1867, S. 36. 126 Analytiſche Prüfung der Feuerwerksſätze. Rückſtande werden mit heißem Alkohol harzige ꝛc. Gemengtheile ausgezogen und können aus der weingeiſtigen Löſung mit Waſſer ausgefällt werden. Der nach Behandlung mit Waſſer und Alkohol übrig gebliebene Theil wird mit ſtarker Salzſäure behandelt, um Metalle(Zink, Eiſen, Kupfer), Schwefelantimon, kohlen— ſaure Salze(von Barium, Calcium, Kupfer) zu löſen. Der Rückſtand end— lich kann noch Schwefel, Kohle und organiſche, in Alkohol unlösliche Stoffe ent⸗ halten. Der hiermit beendigte dritte Abſchnitt hat vorwiegend Gegenſtände der Kriegsfeuerwerkerei, zu welcher alle Arten von Zündungen zu rechnen ſind, in zweiter Linie die Luſtfeuerwerkerei behandelt. Während dieſe weſentlich nur den Zweck zu erfüllen hat, dem Auge wohlgefällige Erſcheinungen vorzuführen und auf dieſe Weiſe Vergnügen zu erregen, verfolgt jene weit höhere, ernſtere Ziele. Die Kriegsfeuerwerkerei im weiteren Sinne umfaßt außer den in dieſem Ab— ſchnitte dargeſtellten Gegenſtänden die Fabrikation des Schießpulvers(ſ. erſte Ab⸗ theilung 3. Gruppe, Bd. VI dieſes Werkes) und die Verarbeitung deſſelben zu Kriegsmunition. Nicht lange wird es währen, daß die wichtigeren Exploſipſtoffe, wie Schießwolle und Nitroglycerinpräparate, in ihr Bereich gezogen werden. In ſpäteren Handbüchern der Kriegsfeuerwerkerei werden ohne Zweifel dieſe einer vielſeitigen Anwendung fähigen Körper die verdiente Berückſichtigung finden. M — eei FFR Azn hzan g. * d 25 Nachweiſung der bei der Bearbeitung benutzten größeren Werke. E 1 Muspratt, Theoret. prakt. und analytiſche Chemie in Anwendung auf Künſte und 3 Gewerbe, frei bearbeitet von Br. Kerl und Stohmann. Bd. IV, S. 431 ff., S. 1038 ff., S. 1087 ff., S. 1209 ff., S. 1729 ff.; Bd. VI, S. 2097 ff. r J. R. Wagner, Hand- und Lehrbuch der chem. Technologie 1858 Bd. I, S. 494 ff.; Bd. II, S. 106 ff. A. Rutzky, Theorie der Schießpräparate und die Geſchoßbewegung in den Feuerwaffen. Wien 1869. A. Rutzky und von Grahl, Das gezogene Schießwoll-Feld- und Gebirgsgeſchütz. Wien 1862. J. Trauzl, Ueber erploſive Nitrilverbindungen, insbeſondere Dynamit. Wien 1870. Berthelot, Force de la poudre et des matière explosives. Paris 1871. Buſch und Hoffmann, Die Kriegsfeuerwerkerei der Königl. Preuß. Artillerie. Handbuch für die Officiere der Königl. Preuß. Artillerie. M. Meyer, Lehrbuch der Pyrotechnik. 1840. M. Websky, Die Luſtfeuerwerkkunſt. 22............. ——— f Berichtigung. Seite 16 in der Ueberſchrift des erſten Capitels ſtatt Guncolton lies Guncotten. Seite 40, Z. 21 v. o. ſtatt S. 2 lies S. 110. — RRRRRRR ——ů——ů—ů——ẽ.———.....———·—8èNU—..----——————.————EETE..——EE——ͤ——ELt¹g ꝝ öb.—— FErr F 3˙