2 f Geſchichte der Familie Trendelenburg für Kinder und Enkel zuſammengeſtellt von Friedrich Trendelenburg Und das Vergangene Heißt mit Vertrauen Vorwärts zu ſchauen Schauen zurück Als Wanuſhript gedrucht 1921 Buchdruckerei des Waiſenhauſes in Halle a. S. Inhaltsverzeichnis. Kapitel 1 Herkunft, Namen und Burg Trendelburg 2. Quellen für die ältere d 25 3. Die erſten ſechs Generationen der Fan mislaus · E 10 f 50 ö Der Familie Fünfte Generation. Caſpar, Gewürzhändler in Anklam 57 ( Sechſte Generation. Caſpar, Paſtor in Anklam 59 7. Siebente Generation. Theodor, Superintendent in Neubranden burg. Die Ahnenbilder 61 8. Achte Generatio Dr. Chriſtian Friedrich, Arzt in Lübeck 77 9. Neunte Generation. Friedrich Wilhelm, Poſtkommiſſair in Eutin 99 10. Zehnte Generation. Friedrich Adolf, Profeſſor in Berlin 122 Anhang. Im Stammbar nicht verzeichnete Mitglieder der Familie und andere Familien desſelben Namens 188 Literatur. 190 * Kapitel Herkunjt, Namen, Siegel der Familie. Die Stadt und Burg Trendelburg. Wismar. Wie Geſchichte unſerer Familie läßt ſich bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen, wo Laurentz Drendenborch oder Drendelenborch als Brauer und Kaufmann in Wismar lebte Sein Name kommt in Urkunden des Archivs Wismar ſt 1459 il 14 5— 4 1 0 d Nikolai kirche in W̃ be Auck nächſt Generationen blieben inſere Vorfe in ismar, dann zweigt ſich ein Teil der Familie, und zwar der unſrige, über Lübeck nach Anklam ab, eine Generation ſpäter ein anderer nach Greifswald. Der Familientradition nach ſtar die Familie urſprünglich aus dem Städtchen Trendelburg, an der Diemel in Kurheſſen unweit der Grenze von Weſtfalen gelegen. Es ſpricht nichts gegen und manches für die Richtig keit der alten Überlieferung. Mecklenburg wurde nach dem Sieg Heinrichs des Löwen über den Obotritenfürſten Niklot(1161) und nach der Taufe des Fürſten Pribislav(1164) mit Einwanderern aus dem weſtlichen Deutſch land, beſonders aus Niederſachſen und Weſtfalen, koloniſiert, und die Ein wanderer benannten ſich häufig nach ihrem Heimatsland oder Heimatsorte, wie das auch noch in ſpäteren Jahrhunderten vielfach geſchah und bei den Juden bis in die neueſte Zeit üblich geweſen iſt. Der tsname wurde zuerſt dem Vornamen einzelner Perſonen als nähere Bezeichnung hinzi gefügt, wie es in anderen Fällen mit dem Namen des von ihnen betriebenen Handwerks(Nikolaus der Bäcker, Hans der Schn idt, der Schuſter uſw. oder mit der Bezeichnung irgendeiner perſönlichen Eigenſchaft(Heinrich der 9 Rote, der Witte, der Schwarze, der Stammler uſw.) gemacht wurde, und allmählich entwickelte ſich dann daraus der feſte ſich vererbende Familienname ˖ uſw.), was aber bi (Becker, Schmidt, Schuſter Roth 1 in das 13. Jahrhundert hinein noch nick erfolgt war. Als Beiſpiele von Orts- und Landſche snamen als Urſprung von Familiennamen finden ſich in der Liſte i durſcher Ratsherren aus— 13. Jahrhundert folgende Namen: Werner van Zütfen(Stadt in Geldern Brun van Warendorp(in Weſtfalen), Diderik van Brunswik, Johann van der Weſer, Nikolaus van Kosfeld(Nicolaus de Custfelde), Meineke var der Lippe, Gerdingus Weſtfal. In der ſpäteren Liſte, nack 1511, fällt Trendelenburg, Familiengef hichte U A 1 neiſt fort, die il u uſw. ſo ſchrieb mir der Archivdirektor in in 1. Jahrhundert viele An zeht z. B. aus den alten Bürger hervor, wo ſich als Familiennamen die Namen he ädte wie Rotenburg, Allendorf, Wolfshagen, Melſungen igenberg, Witzenhauſen, Hersfeld, Caſſel, Rinteln, Zierenberg u. a. vgl. Knetſch, Heſſen, Waldecker und Frankfurter in Danzig, in der Weſtpreuß. Geſchichtsvereins 1904, beſ. S. 7— 8, 44— 55, Ein Zuzug aus dem weſtlichen Deutſchland fand in Wismar auch noch in den erſten Jahrhunderten nach ſeiner Gründung ſtatt. Unſere Familie braucht nicht zu den erſten Einwanderern gehört zu haben. Es ſt dieſes ſogar unwahrſcheinlich, weil die Burg und Stadt Trendelburg, ſoweit betannt, ſpäter gegründet ſind als Wismar. Im allgemeinen ge— hören aber die Familien in Wismar, deren Namen auch die plattdeutſche Form aufweiſen(Drendenborch) zu den älteren. Der Unterſchied zwiſchen der Schreibweiſe des Stadtnamens Trendel— burg und des heutigen Familiennamens Trendelenburg hat keine Bedeutung. Bei vielen Familiennamen kommen in früherer Zeit große Schwankungen n der Schreibweiſe vor, z. B. bei Familien in Wismar: Degener, Dägner, Dhegenardus Boſel, Bozeel, Bozel, Böſel van Exen, Eexen, Eixen Liſchow, Lyskow Retekendorp, Reddekendorp, Redekendorp— Rodel veſtorp, Rolſtorp— Schabbelt, Scabell, Schepel. So wird auch unſer Name auf Grabſteinen, in den alten Univerſitätsmatrikeln und gericht lichen Urtunden ſehr verſchieden geſchrieben: Drendenborch, Drendelenborch, Drendelenberch, Trendelburch, Trendelburg, Trendlenburg, Trendelnburg, Trendelenburg, Trendelenbourgh. Derſelbe Laurencius Drendenborch de Wismaria, der 1482 in Greifswald immatrikuliert iſt, wird 1485 eben— daſelbſt als Laurencius Drendelenberch zum Baccalaureus und 1488 wieder als Laurentius Drendenborch zum Magiſter promoviert. Aus den ver— ſchiedenen Variationen des Namens ergibt ſich aber mit Sicherheit, daß die Betonung von jeher auf der erſten, nicht auf der zweiten Silbe geruht daß das zweite„e“ immer kurz, niemals lang geſprochen worden iſt. Auch der Stadtname hat früher verſchiedene Formen angenommen. Nach der Chronik von Coing waren die älteren Formen Trendeneburg, Trendirburg, Trenderborg, Drenderborg, Trendelburg und ſogar Tren— delenburg(ſchon um 1300 Dilich(1617) nennt den Ort Drendelborg nd Trindelburg und ſagt, er habe anfänglich Dreiderberg geheißen. Nach Bruzen la Martinière's hiſtoriſchem Atlas lautete der Name auch Drennel burg und Drengelburg In mecklenburgiſchen Urkunden aus dem 13. und 14. Jahrhundert ſt der Name unſerer Familie nicht aufzufinden. Einmal kommt im Jahre 1331 Mecklenburgiſches Urtundenbuch VIII Nr. 5221) der Name Trendel ind zwar bei dem Verkauf eines Häuschens einer vidna Joannis Trendeler wobet die Endunge en Genitiv ausdrückt Witwe Hans Trendel„aber Trendel könnte ſich ſchwerlich ſpäter in Trendel burg verwandelt haben. Der Name Trendel kommt auch heute noch vor er hat mit dem unſrigen ſicher nichts zu tun Nicht ohne Bedeutung iſt der Vergleich des Siegels der Stadt Trendelburg mit unſeren lten ſchon 1 rachweisbaren Familienſiegel Nach Seylers Geſchichte der Siegel hatten die Städte eigene Siegel nicht vor dem 12. Jahrhundert, allgemein gebräuchlich wurden ſie erſt im 13. Die älteſten ſind das von Köln(1149), das von Trier(1172 und das von Mainz(1175). 1220 wurde auf dem Fürſtentage zu Frank furt ein Streit zwiſchen dem Dechanten und der Stadt Aachen über die Verwahrung des Stadtſiegels zur Verhandlung gebracht. Dann folgen Bern(1224), Freiburg(1229), Nürnberg(1243) uſw. Im Schwaben ſpiegel, dem großen ſüddeutſchen Land- und Lehnrechtsbuch(1259 oder 1275?), lautet ein Geſetz:„Die Städte ſollen Inſiegel haben ihren Herren Willen“ Das Recht, ihren Städten Siegel zu bewilligen ſtand alſo den Landesherren zu Neben dem großen Siegel wurde ſeit dem Ende des 12. Jahrhunderts das ſogenannte Sekret gebräuchlich, d. h. ein kleineres Siegel, deſſen Stempel in Verwahrung des Siegelherrn blieb, und das zur Bekräftigung der Echtheit der Rückſeite des Hauptſiegels aufgedrückt wurde(secretum sigilli, clavis sigilli). Dieſe Sekrete wurden dann bald auch ſelbſtändig als Siegel verwendet. Die ſtädtiſchen Sekretſiegel treten mit Beginn des 14. Jahrhunderts ſofort als ſelbſtändige Siegel auf, für die Korreſpondenz des Rates gebraucht. Ein ſolches Sekretſiegel hat auch die Stadt Trendel burg von altersher gehabt und bis in die neueſte Zeit benutzt(ſ. u.) Die älteſte Zeichnung des Wappenbildes von dem Siegel der Stadt iſt wohl die von Dilichius in ſeiner Beſchreibung von Heſſen vom Jahre 1591. Eine Kopie findet ſich in der neuen Auflage des Siel macherſchen Wappenbuchs(Bd. 1, Teil 4, Tafel 242). Die dazugehörige Beſchreibung lautet:„Trendlenburg oder Trendel“(ſollte wohl heißen Trendelburg).„Nach einer Abbildung in dem Dilichſchen Werke iſt das Wappen derſelben eine mit Zinnen gekrönte Stadtmauer, hinter welcher ſich drei rvunde Türme mit je vier Schießlöchern und runden ſpitzen Dächern erheben. Von den beiden niedrigeren Seitentürmen gehen Strebebalken nach dem Fuß des mittleren Turmes. Im Schildesfuße und halb an der Mauer lehnt ein Schild mit einer gekrönten Jungfrau Maria und dem Jeſusknaben. Des letzteren Bedeutung und die Tinkturen desſelben ſind nicht bekannt.“ Merian hat die Dilichſche Zeichnung auf ſeinem Bilde von Trendelburg angebracht(vgl. S. 12). Die ſchräggeſtellten„Strebeballen“ zwiſchen den Türmen möchte ick als Leitern oder Laufgänge deuten, denn Strebebalken zur Stütze eines maſſiven Turmes ſcheinen mir keinen Sinn zu haben. Bei Durchſicht der übrigen Stadtwappen bei Siebmacher fand ich ein analoges Bild in dem Wappen von Hersbrück(Hirſchbrück bei Nürnberg). Hier ſtehen hinter D* er Mau zinnen zwei Türr von dem Fuß des einen Turmes 2 Laufgang, Brücke) ſchräg hinüber nach dem oberen Stock d ren Turmes, ſpringt ein Hirſch hinüber ſt das W n de die Türme im Waſſer ſtehen, 1 ſolck Steg er Fuß des einen Turmes zu He des ide Da findet ſich be ren ein geſchriebenes Blatt Kopie der Zeichnung de einem 1657 in Olden rg erſchienenen Buch von Hans Juſt Wynkelmann, Nutz- und Schutz hrift vor das merkwürdige Altertum uſw.; das Buch ſelbſt habe ich nicht ekomm nnen. Die Zeichnung iſt im weſentlichen mit der von Dilich d fehlen die beiden Laufſtege. Neben der Abbildung de Wapf folgender Ver 1 rbarm mitnichten zu ergründen den Siegelabdruck des alten Stempels der Stadt hat mein Vater Jahre 1868 von dem Bürgermeiſter erhalten, als er ihm eine kleine im Kreiſe der Familie geſammelte Geldſumme zur Unterſtützung der durch inen verheerenden Brand geſchädigten Bürger überſandt hatte. Der Siegel— abdruck iſt ebenſo wie ein zweiter, den ſich meine Tochter Clara Sartorius bei dem Beſuch von Trendelburg 1898 verſchaffte, im Laufe der Jahre iemlich ſchadhaft geworden, ich wandte mich deshalb neuerdings mit der Bitte um einen neuen Abdruck an den jetzigen Bürgermeiſter, erhielt aber keine Antwort. Dagegen erhielt ich von dem Staatsarchiv in Marburg en Gipsabguß des Siegels von einer Urkunde aus dem Jahre 1536, genſcheinlich mit demſelben Stempel abgedruckt wie die beiden Siegellack— Leider iſt die Umſchrift, auf die es mir beſonders ankam, a erwiſcht. Dieſe Abdrücke zeigen, wie wohl nicht zu be⸗ „die Urform des Stadtſiegels(Fig. 1). Fig. 2 zeigt den Stempel in der modernen Form. Das Bild des alten Siegels iſt im allgemeinen dasſelbe wie in den ihnten Zeichnungen, weiſt in den Einzelheiten aber nicht unerhebliche Verſchiedenheiten auf. Eine deutliche Mauer mit Zinnen fehlt, ſie iſt nur angedeutet durch zwei Leiſten, welche in unterhalb der beiden ſeitlichen Türme ſchräg nach außen und oben ver den ſeitlichen Teilen des Fel laufen. In der Mitte iſt die ganze untere Hälfte des von der Bruſtbilde der Madonna und ſeiner Umrahmung eingenor Der ſehr dicke mittlere Turm ſitzt der Umrahmung des Bil auf daf für die— kein Platz bleibt. Der mittlere Tu tritt der Ebene des Feldes mehr heraus als die ſeitlichen, dieſe ſtehen deutlich mehr 1 — Die Umrahmung des Madonnenbildes entſpricht nicht den Rande eines Schildes(wie auf der Zeichnung von Dilich), ſondern wenn auch etwas verzeichnet einem romaniſchen Torbogen. Vergleicht man das Ganze mit anderen ähnlichen Städtewappen, ſo kommt man der Überzeugung, daß der mittlere im Vordergrunde ſtehende 2 Turm der Torturm der Stadtmauer ſein ſoll, die Mauer iſt um die Stadt herum laufend gedacht, die beiden ſeitlichen Türme ſtehen innerhalb der Stadt und unter dem Torbogen iſt das Bruſtbild der Mutter Gottes mit den Jeſusknabe he 2 ng find in viele Stadtwappen, beſonders von Städt deren Namen auf-burg endet. Als Beiſpiele von Wappen mit drei Türmen, von denen der mittlere gewöhnlich dicker iſt als die ſeitlichen, nenne ick die von Hamburg, Harburg Lüneburg, Oedenburg, Odenkirchen, Oldenburg(vgl. in Brockhaus, Kon verſationslexikon). Bei manchen von dieſen Wappen, in denen die Türme ſich jetzt auf einer geraden querſtehenden Mauer erheben, lief die Mauer in der urſprünglichen Form des Siegels um die Türme herum, z. B. bei dem Wappen von Oedenburg(ogl. die Abbildung bei Siebmacher). In der älteſten Form des Siegels von Hamburg(1309) iſt das Herumlaufen der Mauer um die Stadt durch die ſchräge(perſpektiviſche) Stellung der ſeitlichen Mauerteile, wie im Trendelburgſchen alten Siegel, angedeutet, und der mittlere ſehr maſſige Turm iſt hier der Torturm, während die ſeitlichen Türme innerhalb der Stadt ſtehen. Das Hamburger Siegelbild hat alſo denſelben Verflachungsprozeß durchgemacht, wie das Trendelburgſche in der Ze ichnung von Dilich Der moderne ſtädtiſche Stempel mit der Umſchrift:„Siegel der Stadt rend delburg“ hält ſich treuer an die urſprüngliche Form als die Dilichſche * 2 luc 9 das Anbringen eines kleineren Wappenſchildes in dem Tor bogen, an der Mauer ſelbſt oder auf den Zinnen derſelben, und das An bringen einer freien heraldiſchen Figur ohne Schild im Torbogen oder auf der Mauer iſt kein ſeltenes Vorkommnis. Meiſt bezieht ſich dieſe Zutat inhaltlich auf den Gründer oder den Herrn der Stadt, oder ſie ſpielt auf den Namen an, wie bei dem Hirſch im Wappen von Hersbrück, oder der Schutzheilige oder ſein Attribut— angebracht. Auf einem alten Wappen von Hamburg(bei Siebmacher) ſteht im Tor der Schild von Holſtein, vor dem Torturm von Spandau denſelben bis faſt den Zinnen verdeckend, ein großer Schild mit dem Wappen von Brandenburg bei Seyler Lüneburg hat einen Schild mit einem Löwen im Tor, ktarienbur Schild mit dem ſchwarzen Kreuz in weißem Felde des und Gräfenberg iſt der Schild an der und Demmin ſteht er auf den Zinnen Oldenburg ſteht ein Biſchof in vollem Hund im geöffneten Tor, bei Oderberg igende Hirſch auf dem Steg von Waren ſpaziert der Mecklenburgiſche auer zwiſchen den beiden Türmen umher. Von beſonderem Intereſſe iſt die Madonna auf dem Wappen von delburg. Entweder war ſie wohl die Schutzheilige der Stadt, oder, heinlicher iſt, es deutet ihr Bild auf eine Beziehung zu einem Nio 1117 N NJ Kirchenfürſten hin, der die Jungfrau Maria im Wappen führte. Sieht an ſich wieder nach analogen Wappen anderer Städte um, ſo findet Mutter Gottes mit dem Kinde in ganzer Figur unter 0 Torbogen im Wappen von Thorn(Altſtadt) und von Deutſch-Eilau Thorn und Deutſch-Eilau(?) wurden von dem Deutſchen Orden gegründet, deſſen Schutzherrin die Mutter Gottes war, und deſſen Großmeiſter die thronende Madonna als einziges Wappenſtück im Siegel führte(vgl. die Abbildung in Jägers Weltgeſchichte, Bd. 2, S. 428). Bei der Stadt Burg wird eine ähnliche Beziehung zu einem geiſtlichen Würdenträger an— nen ſein, auch hier ſitzt die gekrönte Jungfrau im Tor, bei Lüben ſien ſitzt ſie auf den Zinnen und bei Petskau ſchwebt ſie zwiſchen den beiden Türmen. Bei Seyler finde ich nun die Angabe, daß das Siegel des Biſchoßs Meinwerk von Paderborn, das an der Urkunde vom Jahre 1018 über den Vertrag des Biſchofs mit dem Grafen Dodiko von Warburg angeheftet iſt, ein weibliches Bruſtbild mit der Umſchrift: Sca. Di. Genetrix Maria zeigt. Das Zuſammentreffen der beiden Bruſtbilder auch in dem Stadtwappen handelt es ſich nur um ein Bruſtbild— iſt ielleicht kein zufälliges. Denn unter dem ſeinerzeit berühmten und mächtigen Biſchof Meinwerk kam die Gegend an der Diemel, in der das ſchon An ing des 12. Jahrhunderts erwähnte, wenn auch erſt ſpäter zur Stadt erhobene Trenderburg gelegen iſt, durch jenen Vertrag an das Bistum Paderborn. Andererſeits ſtimmt damit nicht die Tatſache, daß Trendel— urg ſelbſt erſt 1306 von dem Biſchof Otto von Paderborn in Gemein ſchaft mit dem Landgrafen von Heſſen dem Herrn von Schwalenberg ab— jekauft worden iſt(vgl. S. 15). Jeder Biſchof pflegte ſein eigenes Siegel zu führen. Sollte der Biſchof Otto ebenfalls die Mutter Gottes im Wappen ehabt haben? Von benachbarten Städten haben Bewerungen und zorgholz einen Biſchof im Wappen, bei Borgholz ſteht er im Tor der Burg, auf eine Beziehung zum Bistum Paderborn dürfte die Mutter Gottes im Siegel von Trendelburg alſo auf jeden Fall hinweiſen. ie Umſchrift auf dem alten Siegel der Stadt Trendelburg wird leſen ſein: Secretum civium Drennerborg(ensium 8 1 D 2 51 O — Unſer Familienwappen in ſeiner heutigen Geſtalt(Fig. 3) zeigt in dem längs geſpaltenen Schilde vorn, d. h. links vom Beſchauer, eine albe Lilie und hinten(rechts) eine Burg mit zwei gleichgeformten Türmen die mit Fähnchen beſteckt ſind, und mit einem Tor in der Mitte der Burg Auf dem Helm, deſſen Viſir geſchloſſen iſt(nur die Wappen der Adligen haben ein offenes Helmviſir), thront ein Turm, ebenſo wie die Türme in Schilde mit ſpitzem Dach verſehen, auf dem ein Fähnchen weht. In der neuen Auflage von Siebmachers Wappenbuch iſt das Wappen abgebildet und beſchrieben(Bd. 5, Abt. 10, S. 6 und Tafel 86) Der geſpaltene Schild und die zwei Embleme, Burg und Lilie, deuten mit einiger Wahrſcheinlichkeit darauf hin, daß das Wappen durch Vereinigung zweier Familienwappen entſtanden iſt, und zwar durch ſogenannte Ver ſchränkung, wobei die Hälften beider Schilder aneinandergefügt werden Die vordere Hälfte des gemeinſamen Schildes mit der geſpaltenen Lilie läßt die Spaltung des einen der urſprünglichen Schilder ohne weiteres erkennen, die hintere Hälfte dagegen nicht die Spaltung des anderen, da ſie als Emblem nicht eine halbe, ſondern eine ganze frei im Felde ſtehende Burg mit zwei gleichgroßen Türmen und einem in der Mitte der Mauer ingebrachten Tor trägt. Es hat ſich aber ergeben, daß die jetzige Form des Familienwappens ſich erſt im 17. ode 18. Jahrhundert aus einer älteren For itwickelt hat und daß dieſe den Spaltungsvorgang auch an der hinteren Schildhälfte deutlich zeigt. Statt der ſymmetriſch ange ordneten Burg mit den beiden gleichgeformten Türmen und dem Tor in der Mitte der Mauer ſieht man hier eine halbe Burg mit einem größeren Turm an der Spaltungs linie und einem kleineren ſeitlich davon, und das Burgtor ſteht unterhalb des größeren Turmes an der Spaltlinie. in iti Das urſprüngliche Wappen, durch deſſen Spaltung die Form hintere Schildhälfte unſeres Familienwappens entſtanden iſt, zeigte alſo eine Burg mit drei Türmen, von denen der mittlere größer war als die beiden ſeitlichen, und ein Tor in der Mauer unterhab des mittleren Turmes. Abgeſehen von dem Bilde der Mutter Gottes am Schildfuße war das urſprüngliche Wappen vor ſeiner Spaltung alſo mit dem Stadtwappen in allen weſentlichen Punkten identiſch, und es liegt daher die Vermutung nahe, daß unſer aus Trendelburg nach Mecklenburs auswandernder Vorfahre mit dem Namen auch das Wappen der Stadt für ſeine Familie mitgenommen hat, oder daß einer ſeiner Nachkommen dem die Erinnerung an die alte Heimat noch lebendig war, ſich das Wappen nach dem Vorbilde des Stadtwappens geformt hat. Mit der Annahme, daß die Spaltung und die Vereinigung mit der geſpaltenen Lilie auf die Verſchwägerung mit einer die Lilie im Wappen führenden Familie zurückzuführen ſei, ſtin aber nicht überein, daß in unſerem Wappen die Lilie vorn(links vom Beſchauer) ſteht und alſo den Vorrang vor der Burg hat, während nach den Regeln der Heraldik bei einer ſolchen Verſchränkung das Wappen des Mannes immer den Vorrang vor dem der Frau hat und die Burg alſo links, die Lilie rechts vom Beſchauer ſtehen müßte. Vielleicht iſt die halbe Lilie der halben Burg 9 Lappen willkürlich hinzugefügt. Die ohne beſondere Beziehung zu anderen 3* * 8* en 5 zufam! 8 Frul Ite ecklent a¹ Der 0 U B S ht als 13 Wappen ˖ ten 11 ine anze Lilie Nan ne, 11 eine ganze Lilie V den Trendelenburgs verſchwägerten oune j Pot cht kamr 17 mei Legener in Betracht komme n nherr Caſpar Trendelenburg, 8 Ahnherrn Laurenz und der Gertrud Degener, unſer Wappen r Das Wappen der Familie Degener ent Sehr gut erhalten iſt das Familienwappen auf dem ſchönen Grab Trendelenburg und ſeiner Frau Anna geb. Ruge im Chor Jakob(5. Gener. Nr. 7) ſtarb 1618. und Paul haben den Stein bei ihrem Beſuch von bſt 1919 beſichtigt, Paul hat ihn photographiſch aufge 8 R 16 Mayven hi 4) und Fritz das Wappen h oſch abgezeichnet. Neben dem inſrigen ſteht das Wappenſchild der Ruges, ein nackter Mann mit einem zenannten Merkzeichen(Hausmarke wohl ſicher nicht, wie Crull auch für möglich hält, als Stundenglas zu deuten in de echten Hand un den vier Ecken der Grabſteinplatte ſind die Zeichen der vier Evan eliſten angebracht, am Rande die Grabinſchrift. Auf dem frei gebliebenen um unterhalb der iden Wappen iſt ſpäter eing n worden: Johann Friedrich Rohland Ida Wachenhuse u hren Erben A6 1727 Grabſtätte iſt alſo noch einmal benutzt, vielleicht von Verwandten Familie Trendelenburg. Auf unſerem Wappen iſt die Halbierung urſprünglich dreitürmigen Burg auf den zu erkennen. 8 8 Spaltung geht mitten durch den dicken runden ind durch ⏑ ee 1e das unter ihm ſtehende Tor hindurch der ſeitliche m in allen Dimenſionen weſentlich kleiner. Die Mauer iſt mit Zinnen verſehen und äuft um die Türme herum, wie das auch in dem Stadtwappen ange deutet iſt. Auf dem oberen Schildrande ſteht ein nach links(im heraldiſchen Sinne) gedrehter Helm mit geſchloſſenem Viſir und auf ihm ein dicker ſich tockwerken nach oben verjüngender Turm von drei In Wismar findet ſich das Wappen ar Kirchenſtühle. Ein ſolcher Stuhl, der dem Senat ſteht in der Kirche St. Georg(Dr. i Schnitzwerk alter homas Tr. gehörte, Techen). Ein Stück von einem an⸗—— — 5 5 deren(von der Wange des Stuhles, 2 8 4 4* 4— wie es ſcheint) iſt durch die 6 des Herrn J ſich für die Geſchichte und die Alter tümer ſeiner Vaterſtadt lebhaft inter- eſſiert, in meinen Beſitz gekommen (Fig. 5). Es iſt ein 65 em hohes und 37 em breites ſchweres eichenes Brett, auf deſſen oberer Hälfte das Wappen eingeſchnitzt iſt. Der Schild hat eine Höhe von 23 em und eine Breite von 20 em. An die Spalt⸗ linie legt ſich die Hälfte eines hohen und dicken dreiſtöckigen mit einem Tor verſehenen Turmes an, dicht daneben ſteht ein kleinerer Turm von zwei Stockwerken. Um jeden Turm läuft eine Mauer, deren mit Zinnen verſehener oberer Rand in der Höhe der Grenzlinie zwiſchen dem erſten und zweiten Stockwerk liegt. Eine zweite mit Zinnen beſetzte Mauer zieht ſich, die ganze Burg umfaſſend, am ſeitlichen Schildrande bis zu dem Tor ſchräg herunter. Über dem oberen Schildrande, auf dem der Helm mit ſeinem Turm fehlt, ſtehen die Buchſtaben D. T B.(Hinter T fehlt auffallenderweiſe der Punkt Trendeln-Burg?) Auf den älteſten bisher aufgefundenen Petſchaftabdrücken ſind die Einzelheiten weniger deutlich zu erkennen, da es ſich um Abdrücke in Oblate handelt. Man ſieht aber den größeren Turm und das Burgtor an der Spaltungslinie und den kleineren Turm daneben, außerdem am ſeitlichen Schildrande einen nach dem Tor zu ſchräg herunterlaufenden Wulſt, der der Umfaſſungsmauer entſpricht. Das älteſte Petſchaft gehörte dem Domherrn Caſpar Drendenborch, der 1531 einige noch vorhandene Briefe damit ſiegelte, ein anderes wurde von dem Bürgermeiſter Caſpar rendlenburg(4. Gener. Nr. 4) benutzt; als„Vorweſer der Almoſen Tafell anct Marien Kercken“„beſiegelte“ er 1604 und 1605 einige Quittungen mit ſeinem gewe lichen Pitzſchaft“(Fig. 6). Auch hier fehlt der Helm, iber dem oberen Schildrande ſtehen in dem Siegel des Bürgermeiſters die Buchſtaben C. T. B. Wenn die Buchſtaben, wie zu vermuten, bedeuten: Caſpar Trendlenburc Bürger oder Bürgermeiſter, wird man das Wappen iuf dem Kirchenſtuhl 1der beiden Detleff Trendelenburg zuerkennen nuſſen, von denen der 12 1612 und der andere 1617 zu Grabe geläutet 5 bendt der Stammbaum führt nur einen Detleff auf Die Schnitzerei wäre danach twas älter als der Grabſtein von Jacob Tr. und hätte dem Steinmetz viel ht als Vorbild gedient. Das D könnte aber auch dominus bedeuten. 2 8 Martha 2 tettin verdanke ich eine alte tenwappen ein ergilbte Blatt Papier Das Papier zeigt dieſelbe Färbung, Dicke und Zeichnung wie das Papier, auf dem der Greifswalder Stens Trendelen— burg( 1764) ſeine Aufzeichnungen, von denen weiter unten die Rede ſein wird, niedergeſchrieben hat. Aller Wahrſcheinlichkeit iſt die nicht ſehr vollkommene Zeichnung ſo von ſeiner Hand. Auf der zeichnung iſt, wie im piegelbild, rechts und links vertauſcht, der Zeichner hat Fig. 6 augenſcheinlich das Petſchaft vor ſich gehabt. Die Ableitung Petſchaftabdruck aus einem urſprünglichen Wappen mit dreitürmiger Burg 8 iſt auch hier, aber weniger deutlich, zu erkennen. Von Trendelenburg al 1604 beſonderem Intereſſe iſt aber die Unterſchrift„weiſe feldt und rothen Burgk“ und„blauen feldt und lilie gelb“. Bisher war nur bekannt, daß das Feld der Lilie blau iſt. Spätere Petſchaftsſtecher und Steinmetze waren von ihren in der Heraldik nicht mehr bewanderten Auftraggebern nicht genügend inſtruiert, ſo kommt es, daß aus der halben Burg mit den ungleich hohen Türmen der Symmetrie zuliebe eine ganze Burg mit zwei gleichen Türmen und einem Tor in der Mitte der Mauer geworden iſt. Ein Siegelring etwa aus der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, der ſich in der Stettiner Familie vererbt hat, und das Petſchaft, mit dem mein Großvater, der Poſtcommiſſair in Eutin, 1797 den Ehevertrag unterſiegelte(Fig. 3), weiſen ſchon das moderne falſche Bild des Wappens auf. Ganz verballhorniert iſt das Wappen auf dem Grabſtein von Chriſtoph v. Corswandt(T 1706 und ſeiner Frau Liboria Trendelenburg in der Greifswalder Nikolaikirche. Eine Abbildung findet ſich in Pyls Pommerſchen Genealogien. Hier ſteht ein großer dicker Turm in der Mitte des ungeſpaltenen Schildes frei und unvermittelt neben inem viel kleineren, die Burgmauer fehlt, die halbe Lilie iſt durch den dicken Turm an den ſeitlichen Rand des Schildes herangedrängt und gar nicht mehr als Lilie zu erkennen(ogl. Siebmacher, Neue Ausg. V. 3, S. 16 und Tafel 18 wo di halbe Lilie lanz fortgelaſſen iſt ——— Familienmitgliede der Vorname mit D anfängt N1 Das Städtchen Trendelburg liegt in anmutiger Gegend unwei Hofgeismar auf einem ſchmalen, nicht ſehr hohen Bergrücken am Ufer der Diemel, eines Nebenfluſſes der Weſer, der bei Carlshafen in dieſe ein mündet. Nach Süden, Oſten und Norden fällt der Bergrücken nach der im Bogen um ihn herumziehenden Diemel ſteil ab, nach Weſten zu ſenkt er ſich allmählich zur Ebene hinunter. Auf ſeinem öſtlichen Ende erhebt ſich die Burg, von der Stadt durch einen Graben mit Brücke getrennt und nach dieſer Seite hin durch einen mächtigen freiſtehenden Turm ge ſchützt. An dem ſüdlichen Abhang zieht ſich der alte Burgweg ſchräg hinauf Die Skizze in Fig. 7 iſt nach einer kleinen Bleiſtiftzeichnung von Fritz aus dem Jahre 1898 entworfen. Am beſten präſentiert ſich die Burg von einem öſtlichen Standpunkt auf dem anderen Ufer der Diemel in der Nähe der Brücke über den Fluß, von wo geſehen die Burg auf einem Bergkegel zu liegen ſcheint, da der Bergrücken mit der Stadt ganz von ασ0A K Fig. 7 Die Trendelburg. ihr verdeckt iſt. Das hübſche Landſchaftsbild iſt uns aus dem Stich von Schütze nach einer Zeichnung des Oberſtleutnants Slietz wohlbekannt. Der Stich hing, ſolange ich denken kann, in meinem Elternhauſe an der Wand und wird in der erſten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hergeſtellt ſein Altere Abbildungen finden ſich bei Dilichius und bei Merian. Dilichius, der eigentlich Wilhelm Schäfer hieß und aus dem Ortchen Dilich in Heſſer ſtammte, ein geographiſcher und kriegswiſſenſchaftlicher Schriftſteller, Feſtungs baumeiſter und Kartograph(geb. 1571, geſt. 1655), hat ſeiner Synopsis descriptionis totius Hassiae eine Reihe von Anſichten heſſiſcher Städte an gefügt. Die Urſchrift des Werkes mit den Federzeichnungen aus dem Jahre 1591 befindet ſich im Staatsarchiv in Marburg, und dieſe Federzeichnungen ſind in Reproduktionen durch Lichtdruck 1902 wieder herausgegeben. Der Standpunkt am jenſeitigen Diemelufer iſt hier ein mehr ſüdlicher, ſo daß auch die Stadt neben der Burg zu ſehen iſt. Die Burg iſt etwas andere gezeichnet als auf dem Schützeſchen Stich. Der große Turm hat kein Dach, ebenſowenig der ihm benachbarte kleinere Turm der äußeren Um wallung. Das Burggebäude mit ſeinem Dach iſt nicht niedriger, ſondern höher als der große Turm und trägt in der Höhe des Dachanſatzes einige kleine Türmchen, wohl ſogenannte Pechnaſen, welche zum Begießen der An— greifer mit heißem Pech benutzt wurden. Die Zeichnung iſt in ſo kleinem man die Einzelheiten nicht gena u erkennen kann. topographiſchen Werk von Merian, dwie man an der Stellung der Türm demſelben Standpunkt aus aufgenommen, m daß Merian die Zeichnung von Dilic Auch bei Merian Fig. 8) iſt lit 1118 0 Int 1* Us getannt und das Burggebäude in Dach höhe mit je einem Ecktürmchen verſehen. große freiſtehende Turm mit dem oberſten Stockwerk des durch einen horizontalen Laufgang verbunden. Im Jahre 1898 haben meine älteren Kinder und ich die burg beſucht. Das gut erhaltene Burggebäude war vom Fiskus a Beamtenfamilien vermietet, es hat 1/—21 m dicke Mauern, drei Stock⸗ werke und ein hohes Dach mit mächtigen eichenen Dachpfoſten. Der Dach— firſt erreicht aber nicht die Höhe des großen Turmes, die Ecktürmchen (Pechnaſen) und der Laufgang ſind nicht mehr vorhanden. Wahrſcheinlich iſt wohl nach der Zeit der Dilichſchen und M ˖ nertes Stockwerk mit erianſchen Aufnahmen ein — dem Dach zerſtört, da Stockwerk Ebenſo wie bei Dilichius iſt der Burggebäudes Trendel n einige abgetragen und as Gebäude mit einem neuen Dach verſehen worden, denn daß die beiden zeichner ſich die künſtleriſche Freiheit genommen hätten, die Silhouette der Burg durch ufügen der Ecktürmchen hübſcher zu geſtalten, darf man vohl nicht annehmen. Bei unſeren Familienpapieren fin pläne der Burg, brieflich 11 1 N 3 iden ſich die Bau Mitteilungen von Fritz und Ernſt und eine 0 Bleiſtiftſkizze von Clara Sartorius Von der Gründung der Trendelburg erzählen einige im Lande laufende Sagen, die ich der Sammlung von Lynker entnehme. „Vor ſehr langer Zeit“, heißt es da,„lebte im Meinhardswalde (dem waldigen Höhenzug zwiſchen Diemel und Weſer) ein mächtiger König der hatte drei Rieſinnen zu Töchtern, wovon die eine Saba, die andere Trenda und die dritte Bramba hieß. Der Vater baute einer jeden ein Schloß, für Saba die Sababurg, für Trenda die Trendenburg und für * Bramba die Bramburg; da wohnten ſie und pflegten ſich die Tage zu verkürzen, indem ſie durch Sprachröhre von ihren Schlöſſern aus mit inander plauderten. Lange nachher zeigte man noch zu Sababurg dace große Bett der Saba, ihre Betſtul n Brunner den Becher woraus ſie getrunken haben ſo J Rippen, die man ſpäter wieder fand, kamen in die fürſtliche Kunſtkammer zu Caſſel, wo ſie als Merk würdi an der Bettſpanne war faſt janz zerſchnitzt. Jeder Beſucher nahm ſich einen Span zum Zahnſtocher davon mit, denn man glaubte, daß durch bloße Berührung eines kranken Zahnes mit dem Holze augenblicklich die Schmerzen vergingen.“ Eine andere Verſion lautet: „Die Kruckeburg bei Helmarshauſen ſoll von einem reichen mächtigen Herrn, dem Gebieter über alles Land ringsumher, erbaut worden ſein. Er hatte drei Töchter, Trenda, Saba und Bramba, davon war Trenda ſehr zänkiſch, ſtolz und ſittenlos, ſo daß die Schweſtern, als der Vater geſtorben war, nicht mehr mit ihr leben mochten. Da verließen alle drei die Kruckeburg und bauten ſich andere Wohnſitze: Saba die Sababurg, aufbewahrt wurden. Das Holz Bramba die Bramburg und die böſe Trenda die Trendelburg.“ „Einſt zog ſich ein ſchreckliches Gewitter über Trendelburg zuſammen und ſtand ſieben Tage und ſieben Nächte über dem Orte. a beſchloſſen die bedrängten Einwohner, die Trenda(Trendela) zu vertreiben, weil ſie glaubten, dadurch den Himmel zu verſöhnen. Sie führten ſie auf das Feld hinaus; dort war ſie kaum allein, als eine Wolle ſich herabſenkte und ſie verſchlang. Der Donner verhallte alsbald, und die Not hatte ein Ende. Die Wolke ließ zwei tiefe Löcher im Felde von Trendelburg zurück welche noch bis auf dieſen Tag zu ſehen ſind und die Wolkenbroſte ge nannt werden. Das größere dieſer Löcher, an dem ſich von Zeit zu Zeit eine weiße Jungfrau ſehen läßt, iſt mit Waſſer angefüllt.“ Nach einer anderen Sage war das dem Himmel ausgelieferte Opfer eine reiche Frau in der Stadt Trendelburg, die ſich dadurch verſündigt hatte, daß ſie die Gaben Gottes, Korn, Brot uſw., gering ſchätzte und aus Brot- und Semmelrinde ihrem Kinde Schuhe und allerlei Spiel zeug verfertigte. Das Los traf ſie, ſie mußte in dem ſchweren Gewitter mau 80 E 1 0 10d en Boden rif Die zwe imen Locher in der Drendelburgiſchen Feldmark, eren das gröſſeſte 2 Schuhe tieff iſt“, die„in einem grauſamen Donnerwett in gen Regen wunderbarlicher Weiſe entſtanden und deßwegen die Wolckenbroſt genennet“ ſind, werden auch in Dilichs Chronik und von Merian er t. Von der größeren Wolkenbroſt hat unſere Tochter Luiſe eine Skizze angefertigt, es iſt in der Tat eine auffallende, die Phantaſie anregende Naturerſcheinung, deren Entſtehung wohl auf den Einſturz einer unterirdiſchen Höhle zurückzuführen iſt. Auf flachem, kahlem * elde kommt man plötzlich an eine ringsum ſteil abfallende trichterförmige a2 ofne*** 111—* 9 7 Fiefo 1 N Vernefung von etwa 120 m im Durchmeſſer und 50 m Tiefe, im Innern nut machtigen alten Bäumen beſtanden und am Boden von einem kleinen efen See von etwa 30 m Durchmeſſer eingenommen Endlick zus der Sagenſammlung noch fe endes luſtige Ge ſchichtchen „Auf der Sababurg und Trendelburg wohnten zwei Rieſen freund— ſchaftlich nebeneinander. Sie hatten im Tale gemeinſchaftlich einen Back— ofen. Wenn der eine backen wollte, kratzte er ſich zuvor am Beine, was ein ſolches Getöſe machte, daß der Nachbar, der auf dieſes Zeichen den Ofen heizen mußte, es drüben auf ſeiner Burg hören konnte.“ Man ſieht, es ging mit der Verſtändigung in alten Zeiten ſehr gut auch ohne Telephon und Mikrophon.— Nach der Chronik des Kirchſpiels Trendelburg, zuſammengeſtellt von dem Metropolitan C. W. E. Coing 1891, welche unſer Sohn Fritz auf dem dortigen Paſtorat durchgeſehen hat, wird Trenderburg ſchon zu Anfang des 12. Jahrhunderts in einer Urkunde erwähnt. Die Gründung der Stadt und Burg geſchah am Ende des 13 Jahrhunderts durch Konrad III von Schonenberg Dilich bringt in ſeiner heſſiſchen Chronika(S. 145) folgende geſchicht liche Angaben „Drendelborg iſt ein altes ſtättlein beſagter Herrſchaft(Sconenborgk) gelegen an der Dymol welches anfänglich Dreiderberg und danach eine zeitlang wegen daß, wann einer einen todtſchlag begangen, deß ortes der todſchläger vor ſeinen verfolgern und blutrechern frey und ſicher geweſen, Freiſtadt genannt worden. Iſt nachmahln von Burghardo edlem Herrn, Hvon Sconenbergk an Heſſen verkaufft: Nach welchem es Otto Hertzog zu Braunſchweig anno 1382 durch etwa einen vertrag oder pfandt ſchilling an ſich gebracht, und ein zeitlang ingehabt. Jahres 1454 dar nach hat L(Landgraf) Ludwig L. Hermans ſohn das ſchloß daſelbſten rnewern und den groſſen Thurm daran bauen laſſen. Als aber hier⸗ nechſt der Biſchoff von Padeborn etliche gerechtigkeit vorgeblich inwenden wollen, und derowegen entlich der ſtadt und ſchloſſes mechtig worden, hat hierob L. Ludwig der IWete: Sonnabends nach Kiliani deß 1465 jahrs Drendelborch mit Heereskraft überzogen, das ingenommen, und ihm von newem hulden laſſen.“ SD Und auf Seite 247 der Chronik heißt „Mitler weil war L. Ludwig über den Apt zu Fulda gezogen und hatte ihm Hungen und Roßdorff abgedrungen, aber zurück und den Padeborniſchen entgegen ziehen, welche aber zeitlich dz reiß aus an die Handt genommen und des Feindes nicht erwarten wöllen. Darumb über zog er den Biſchoff Simon zu Padeborn und zwang ihn das Bisthuml zu reſigniren und ſich auf Trindelburg in Haftung zu ſtellen.“(Die letztere Angabe iſt nach Beſſen nicht richtig.) Zur Zeit Heinrichs II.(1328— 1377) hatten die von Nedern die Burg zu Lehen, 1458 kam ſie an den Grafen von Falckenberg und 1469 an die von Stockhauſen UÜber die Beziehungen zwiſchen Trendelburg und dem Bistum Pader born finde ich bei Ilgen(Überſicht über die Städte des Bistums Paderborn im Mittelalter. Aus Weſtfalens Vergangenheit. Münſter 1893) folgende von Dilich abweichende Angabe:„Dafür kamen im weiteren Verlauf des 14. Jahrhunderts eine Anzahl von bereits früher entſtandenen Städten, die zumeiſt an den Grenzen des Bistums gelegen waren, teils durch Kauf, teils durch zeitweilige Verpfändung unter die Herrſchaft der Biſchöfe.“ Zuerſt Brakel.„Dann folgte Trendelburg, das im Jahre 1306 Biſchof Otto von Paderborn in Gemeinſchaft mit dem Landgrafen von Heſſen von Conrad von Schmalenberg kaufte.“(Urkunde vom 28. Auguſt 1306.) Die Kirchenbücher der Stadt Trendelburg gehen nur bis 1613 zurück. Die Stadt hatte 1898 etwa 1000 Einwohner und machte einen ärm lichen Eindruck. Im Mittelalter mag ſie, obgleich nicht an einer größeren Handelsſtraße liegend, wie manche andere jetzt ganz zurückgegangene Stadt, 5. B. Gelnhauſen, eine größere Bedeutung gehabt haben. Die Häuſer ſind zum größten Teil nach dem Brande im Jahre 1868 neu gebaut worden. Bei der Koloniſation und Germaniſierung von Mecklenburg wurden die Einwohner beſonders in den neugegründeten Städten angeſiedelt, denen auch Wismar gehört. Das Jahr ſeiner Gründung iſt nicht ſicher feſtzuſtellen, jedenfalls liegt es vor 1229 Der Hafen von Wismar wird ſchon in einer von Otto IV. in Capua am 4. Januar 1211 ausgeſtellten Urkunde erwähnt, in welcher der Kaiſer das ſchon früher gegründete Bistum Schwerin beſtätigt und privilegiert und den Bürgern von Schwerin die Gerechtigkeit erteilt, in dem Wis marſchen Hafen(in porta quae dicitur Wissemer) zum Zweck ihres Handels ad usus mercandi) zwei größere Schiffe oder Koggen zu halten(duas habeant magnas naves, quae coghen appellantur) und ſo viel kleinere als ſie wollen(cum minoribus quotcunque voluerint). Etwas öſtlich von der neugegründeten Stadt lag ein älterer wendiſcher Ort, das ſpätere Alt-Wismar. Die neue Stadt wurde mit einer feſten Mauer umgeben, in die Türme eingebaut waren. Wallenſtein und die Schweden errichteten ſpäter vor der Mauer ſtarke Baſtionen und machten dadurch die Stadt zu einer 51 — *⏑ei für faſt uneinnehmbar Nach der Er berung durch die Dänen und Preußen im Krieg urden die Befeſtigungen ge ſchleif Die Skizzen Fig. 9 und Fig. 10 ſind Ausſchnitte aus dem Stadtbild in Merians Topographia Sa 1 inferiori(1645). Im Geſamtbilde ſchließt ſich Fig. 10(nicht unmittelbar) rechts an Fig. 9 an. Wie meiſtens at Merian wie von einem gedachten erhöhten Standpunkt aus gezeichnet. er Standpunkt iſt im Nordweſten der Stadt jenſeits des ſchmalen Hafen denk ich am unteren Rande der Skizze vor 3* 1 Hhah ön FFig. 1 habe WIUSSNAXILA von Wismar nach Merian(1) Fig. 9 Anſicht dem Waſſer ein Stück Wieſenland mit weidenden Kühen darauf fortge aſſen. Die„Sparbüchſe“ hinter der Baſtion auf Fig. 9 wird vielleicht ein Zollgebäude ſein. Vom Waſſertor aus, das an der Hafenſeite keinen ſo ſchönen Giebel hat wie auf der Stadtſeite(Fig. 11) ſieht man in Fig. 9 eine Reihe von Giebelhäuſern ſich nach rechts in die Höhe ziehen. Ihre Lage und Richtung entſpricht der Schurſtraße, in der unſere Vorfahren gewohnt haben. Bei der Beſiedelung wurde dafür geſorgt, daß die Städte als Haupt— ſtützen des Deutſchtums im weſentlichen eine rein deutſche Bevöllerung hatten. Wenden wurden nur im dienenden Stande geduldet, kein Wende durfte als Handwerker in eine Zunft eintreten, kein Sohn oder Enkel wendiſcher Eltern als Lehrling angenommen werden, kein Zunftmitglied mit einer Frau wendiſcher Herkunft verheiratet ſein. Auf dem Lande war e Bevölkerung mehr jemiſch id verſchmolz das Slawentum dem Deutſchtur h rſchwin Uber die 3 er Einwohne tar ten Zeite ſt tichts Sicheres bekau Schätzt ſe hat mſie für das Jahr 1350 uf 13000 be Danack Wismar zund größeren deutſchen Städten. D Büchers Zuſammenſtellung Einwohner 1 ſchiedene dte, die auf Grr n Steuerliſten Bürgerverzeichniſſ net wurden O. S. 382) ſteht Lübeck am Ende des 14. Jahrhunderts Straßburg 20000 22 300 Einn nern an der Spitze hatte 1473: 2072 Nürnberg 1440 Augsburg 1475: 18000 Einwohner, nur hr Ein — 2————— nl C 5 4.———— — 24. 1 ——.* ———————— 7—— 10 wohner als Wismar. Frankfurt a. M. hatte 1387: 10000, Mainz Ende des 15. Jahrhunderts 5800, Dresden 1474 nur 3200 und Leipzig in demſelben Jahre nur 4000 Einwohner Für die Jahre 1475— 14 berechnete allerdings Techen nach er haltenen Liſten für den ſtädtiſchen Wachtdienſt die Zahl der Einwohner von Wismar auf nur 8000— 9000.— Die deutſche Einwohnerſchaft gruppierte ſich in ziemlich ſcharf von einander getrennten Ständen. Das Recht der Wählbarkeit in den Rat kam nur den Vollbürgern zu, die ein Vollhaus mit dem Anrecht auf ein Ackerlos beſaßen und von dem Handel oder der Brauerei lebten. Das Ackerland der Feldmark war nicht in Privatbeſitz, ſondern gehörte der Stadt und wurde von dieſer alle ſieben Jahre an die erbgeſeſſenen Bürger ver loſt, welche dann dafür eine jährliche Abgabe, den Lottgulden, zu zahlen Trendelenbur Familiengeſchichte RR * I* 1 Ge N um Gu 8 n k nzel l z1 0 ni 0 ation er vandtſchaft ſeiner geſchloſ konze rte ſich die uf 0 beſonders angeſehener Geſchlechter. Erſt 1583 wurde be rRa möglichſt vermieden werder ittern und geiſtlichen Herren a den 2 H D us zu n, die Ratsgeſchlechter Schild und Helm, d. h. ein Wappenſiegel zu führen während Bürger, Kaufleute und Handwerker marken oder Hauszeichen a zeichen des Eigentun ſich häufig auf Grabſteinen und Kirchenſtühlen finden Die Zahl der Ratsherren(Senatores) betrug 15— 25. Jedes Jahr trat aus, durch Wahl wieder ein, häufig wurden dieſelben! P rſonen wiedergewählt. Die ausgetretenen Ratsherren behielten den nahmen unter Umſtänden wohl auch an den B Die Zahl der Bürgermeiſter(consules) betrug 4 Jahrhundert 3. Auf Lebenszeit gewählt wechſelten di eiſter in älterer zeit, wie es ſcheint, in der Geſchäftsführung in beſtimmtem Turnus ab, leiteten die Regierung aber gemeinſam. Von den einzelnen Ratsämtern, die von Ratsmitgliedern verwaltet wurden, iſt beſonders zu nennen das des Kämmerers, 1290 zuerſt erwähnt. Ihm lag die Finanzverwaltung der Stadt ob und die Verwaltung des ſtädtiſchen 8 igentums, wozu auch Rates teil. die Dokumente der Stadt und das Rüſtzeug zur Verteidi gung der Stadt zehörten. Später gibt es noch Weinherren zur Verwaltung des Rats— llers, Steinherren für den Ankauf der Mühlſteine,— Weide herren, Bauherren, Wegeherren uſw. Die Tätigkeit der Rats Weruen war eine ehrenamtliche, doch ſtanden ihnen beſtimmte Weinportionen an kirch lichen Feſttagen und Anteile an den durch Verkauf von Wein und von Mühlſteinen erzielten Gewinnen zu. — übrigen Bürger gehörten zum größten Teil zu den Amtern oder —„welche die Krämer und die Handwerker umfaßten, durch das S Amt der räg— die Arbeitsleute. Sie— ian der Stadtverwaltung keinen Anteil. Den Bürgern wurden in den öffentlichen Bürgerverſammlungen, den Bürger— ſprachen, die Willküren, d. h. die Verfügungen des Rates mündlich mitgeteilt. Die ſcharfe Trennung der geſamten Einwohnerſchaft in mehrere Stände hat ſich bis in die neuere Zeit er halten. Eine Neuordnung vom Jahre 1648 ſetzte für Wismar folgende Rangſtufen feſt: IL. Erſter Stand 1. Primum membrum. Bürgermeiſter, Syndici, Doktores, Licentiati, Paſtores und ſämtliche Prediger, Ratsverwandte und Sekretarii, die mit im Rate ſitzen, ſammt ihren Frauen und Kindern 7 In 8 1 1 Srauel 1 me Gewandſck U K ute, fürnel Gaſtgeber, Apo Weinſchenr 0 Seider 1 rzkräme Deſtillateur Müntzer und Frauen Kind — N Cxe u Gerichtsſecretar uider Ar 8 n, Ober Gerichts-Prokuratoren ibrigen geringen G hneider, Kaufleute und Cramer r her, Sattl hmiede en-Sticker, Grubenmüller, Hutl ſtaffirer, Contrafeger, die vier Gewerke, als Wollenw Schuſter und Becker, die Frey-Becker, Frey-Schuſter, Kleinme Mahler, ler, Buchl r, Eſſigbrauer und rfü 2. Secundum membrum. Kannen- und Grapengießer, die ſämmt lichen Hacker, Körsner, Raſchmacher, Gerber, Böttcher, Frey-Kimmer, Riemer Beutler, Kupffer-Schmiede, Glaſer, Tiſchler u. f Des Schen Ler dr 2 1 Die Bootsleut acher, Grütz- und andere Müller, geringe Fuhr- und Bauleute, Schopenbrauer„Tagelöhner, der Aemter Knechte und Geſellen, di Feuer und Rauch halten, Fiſcher Holzträger, Büttenmacher, das an Knechten und Mägden. Ahnliche Beſtimmi galten in Lübeck, Roſtock, Greifswald, Anklam uſw., und auf die naue Einhaltung der Rangordnung wurde beſonders be en Feierlichkeiten. wie z. B. bei Leichenbegängniſſen, 1 1 10 9 1 1331 n 4— ç el peinli wie bis in die neueſte Zeit auf die Hof-Rang⸗ ördnung an fürſtlicher Tafel Wenn alſo in den Aufzeichnungen von Stens Trendelenburg aus der der Familie als vornehme de Stan den Stand Mitte des 18. Jahrhunderts einzelne Mitglieder Kaufleute bezeichnet werden, ſo hat das eine b hinweiſende Bedeutung, ebenſo auch, wenn in mmbaum einem Namen der Titel Dominus(D. oder Ds.) vorgeſetzt iſt. Letzterer hatte f an der Univerſität Roſtock bis zu der Zeit erhalten, in der ich dort Pre f feſſor war. Bei den Plenarverſammlungen der Ordinarien im concilium itegrum pflegten die älteren Herren beſonders der juriſtiſchen Fakultät in der Debatte zu ſagen: Dominus collega haben ſoeben geſagt—— Dominus issessor perpetuus haben bemerkt uſw. Bei meinem Beſuch in Roſtock 1916 wußte man daſelbſt von dieſem Gebrauch nichts mehr. Sic transit gloria mundi Was den Kaufhandel betrifft, ſo waren die Verhältniſſe im Mittel uter und in den erſten darauffolgenden Jahrhunderten weſentlich andere als heutzutage(vgl. Bücher I. c. S. 116 ff Jede Stadt bildete mit dem umliegenden Landbezirk, der zum Teil auch im Beſitz der Stadt zu ſtehen pflegte, eine ziemlich geſchloſſene wirtſchaftliche Einheit. Der Bauer Fyz1 11 11„ Maärkt u1 Ate FSafß NI 1 brachte ſ Erzeugniſſe auf den Mar ind kaufte dafür die Waren * Handwerker, der Produ erk dire tit de K menten, einen zwiſchenhandel kau ieſer arauf, daß der Krämer und Höker Ware Vorrat aufkaufte, um ſie den Armen, die ſich nicht uf 1 e Zeit verſorg inten Kleinhe eiterzur— n Großhand befaf nur mit Gütern, die im wirtſchaf lichen irk der Stadt nicht erzeugt oder andererſeits für den Export im Überſchuß produziert wurden. zu den erſteren gehörten vornehml Ge würze und Südfrüchte, Pelze, feine Tuche und Seidenſtoffe, in Nord deutſchland Wein, in einigen Städten Salz, das aber meiſtens— wie in Wismar wohl auch der Wein vom Rat direkt aus den Produktions ſtätten im großen durften ihre Waren nur in ganzen (Salz aus Lüne Kung. Die Großhändler Gebinden oder nicht unter einer be— bezogen wurde fünmten—(bei Spezereien z. B. nicht unter 12 Pfd.) verkaufer Ven Erxpor betraf in Korn und Mehl, rſchleiß beſorgten Krämer und Hocken(Höker Der N V 8 i Hanſeſtädten— erſter ie B Wisn ferner das nach Dänemark und Schweden, und Weizen, der nach Genua, Portugal und Spanien ging. Vor der Auffindung des Seeweges nach von Amerika, bis handel auf dem Mittelländiſchen Meer, auf den die Meere verbindenden Straßen, ſon Strömen Mitteleuropas. Der Handel auf dem Mittelmeer italieniſchen Seeſtädten, auf den nordiſchen Meeren von der Hanſa beherrſcht. mündenden wurde von den Oſtindien und der Entdeckung in das 16. Jahrhundert hinein, bewegte ſich der Welt auf der Oſt- und Nordſee und hie auf den in ſie ein Venedig, der Handel 9 Auch Wismar hatte beſonders daran ſeinen Anteil, wenn auch einen beſcheideneren als andere Städte, z. B. Lübeck. Durch die Handelsfahrten der Portugieſen um das Kap der juten Hoffnung nach dem Indiſchen Ozean wurde dann der Levantehandel Venedigs lahmgelegt Gewürz⸗ und Kolonialwarenhandel, im Befreiungskrieg der Holländer Amſterdam Liſſabon wurde der große Weltmarkt für den Pfeffer⸗, Norden Antwerpen und nach dem Der„Spaniſche Handel“ Wis— mars ging erſt im 30jährigen Krieg wieder zugrunde. An dem Gewürzhandel war— Familie im 17. Jahrhundert in Greifswald und Anklam, wahrſcheinlich beteiligt. Wir w drei Stenze Trendelenburg in Greifswald(ſ geſchäfte en gros etwa ſo wie jetzt denken haben aber auch ſchon früher in Wismar, erden uns nach den Angaben in den Lebensläufen der 1.) Kolonialwaren- und Drogen— in Verbindung mit einem Kaufladen in der Stadt bei der Firma Brückner und Lampe in Leipzig zu Daß in Wismar die Gewandſchneider, das heißt die Tuchhändler, ind die Brauer eine beſonders bevorzugte Stel llung in der Einwohner ſchaft genoſſen, hängt mit der großen Bedeutung zuſammen, die der Tuch— handel, die Tuchfabrikation und vor allem die Brauerei für die Finanz— kraft der Stadt hatten. Die Tuchfabrikation war in den meck lenburgiſchen Städten ein wichtiger Erwerbszweig. 150 Tuchweber. In Neubrandenburg z. B. gab es im 16. Jahrhundert an Die in den Städten gewebten Tuche wurden im Land ift und auch nach England ausgeführt, andererſeits wurden für den wohl völkerung koſtbare Stoffe aus Flandern eingeführt igewerbe), das unſer Ahnherr Laurentz Drendenborch 15. Jahrhunderts und das ſpäter andere unſerer in der zweiten anderen Hanſe Vorfahren in Wismar betrieben haben, ſpielte dort ſonders hervorragende Rolle. Das iarſche, Roſtockſche, d ſp das Hamburgiſche und Eimbeckſche ilich in all zu unſerer Zeit das Münchener und durfte, wie irgendwo geſagt wird, von Flandern bis Finnland bei keine Gaſterei fehlen 2 Hopfen wurde in Hopfengärten oder„Hopfenhöfen“ vor den 1 U oren der Stadt gebaut, zum Teil wurde er auch importiert, z. B. aus hüringen. Schon das älteſte Stadtbuch von Wismar aus den Jahren 250—1272 erwähnt Hopfengärten. Für das Jahr 1300 berechnet Techen aus zwei erhaltenen Liſten die Zahl der Hopfengärten vor den Toren auf 18 Später waren es mehrere hundert. Während des Dreißig zjährigen Krieg Befeſt ſtein und dann durch die Schweden meiſt ugrunde, im 18. Jahrhundert ſcheint opfenbau ganz aufgehört zu Der geerntete Hopfen wurde Teil auch nach außerhalb verkar Um Betrügereien zu vermeiden, galt die Beſtimmung, daß der Verkauf nur auf offenem Markte ſtattfinden durfte. Der Name des Hopfenmarktes in Wismar kommt ſchon 1319 vor. Auch in Roſtock und in Hamburg gibt es noch heute einen Hopfenmarkt ißt eine Straße Hopfengaſſe Ebenſo beſtand ein Malzhandel mit Ausfuhr auch in das Ausland wird Malz an den Biſchof von Ratzeburg verkauft, 1579 nach Norwegen, Schweden und Dänemark, 1584 nach Riga, 1583 und 1588 nach Amſterdam. 2 zeſonders lebhaft ſcheint der Malzhandel nach Bergen eweſen zu ſein 6 B. 1555) Brauer und Brauhäuſer war eine verhältnismäßig recht beträchtliche. 146465, zur Zeit unſeres Ahnherrn, laſſen ſich 182 Brauer nachweiſen, 127 50 Häuſer mit Braugerechtigkeit, 1632 ſind es nur noch 12 dann gehen die Zahlen ſchnell herunter 639/40 ſind es 93 Brauer, 1658/59 82, 1774 nur noch 8 uer Die Zerſtörungen durch den Dreißigjährigen Krieg werden die Hauptſchuld an dem Nieder gang des Gewerbes haben, der in ähnlicher Weiſe aber auch die anderen und in Danzig hei bierbrauenden norddeutſchen Städte betraf. 1670 forderte die Schwediſche Regierung, daß Wismar ſeine Nahrung nicht allein in Bier ſuchen, ſondern Manufakturen und auswärtigen Handel pflegen ſolle. Noch 1653 aber hatte der Bürgermeiſter Syndikus Dr. Arnold Böddeker erklärt, daß„die Stadt und ihr Aufnehmen und ihre zeitliche Wohlfahrt nächſt Gottes Segen guten Theils auf dem Braugewerbe“ fundiert ſei. 8 itſprechend gehörten die Brauer zur Zeit der Blüte der Stadt zu den angeſehenſten Perſönlichkeiten Seit dem 45. Jahrhundert bis in ——— 8* 1· 1 1 1 e al zrauern zuſammen. Dieſe waren aber meiſt mehr rren d Beſitze ſ uer. Den B eſorg von Brauknechten und Brau igden die Zeit des Brauen ngt werden, faſt immer war „ — Umſtänden in demſelb Feuersgefahr gegeben war. in imf onde RBraugardnung eine umfaſſende Brauordnung a r re Verordnungen ergänzt wurde Fremde ſind v a hloſſen, wer neu anfängt zu n, * 4 N 0 Silher Iuf 4 Jio ö 8 Mi Be 20 Silbers aufweiſen, die Mer 8 N 8 Mismaror Ji Sa nicht u Malzes Wismarer 2 darf nick tauſchen mit Fäſſern fremder Herkunft zu verhindern Damit eine ſchäd liche Konkurrenz vermieden wird, bleiben, werden über die Häufigkeit getroffen. Das Braujahr beginnt Mariä Geburt, am 8. September Brauregiſters von 182 Brauern einer Laurentz Drendenborch braute 7 mal. 1 2 mal brauen durfte, keiner mehr als Neben dem Brauereigewerbe nit Hopfen, Malz und Bier, und il wird daher Laurentz als„vornel Brauerei, u Die Brauer ſcheinen es beſo die ſogenannte Papag Namen wahrſcheinlich von ei — — 4 des Papageie in de Coſters Ui Auge! wird z. B. 68 ſten nach Heſellſchaft eine weite, die Geſellſ an 0 Atoern N N. von der langen oder neuen Bank iun 84 inigte 3 K in Streit, vereinigten ſich aber rzeichniſſe ſcheinen nicht mehr u Das oligarchiſche und gewiß of 65 familien rief häufig Unzufriedenheit rnſtlichen Unruhen und zu Olt zu 1409 in Roſtock, Lübeck KeF 11 4 H rſtemal wurde 1416 der alte Rat Vermittlung, in Wismar und R erren wieder eingeſetzt Bei de und möglichſt v ind Jürgen Tr. als Kaufmann gaft, eine andere Vollbürger, 0˖ ian nach dem Adler, früher ſcheint häufig oder vielleich Papagei geſchoſſen. 14 K4 ſtt durch di iele Brauer erwerbsfähig des Brauens im Braujahr Beſtimmungen nach Ablauf der heißen Sommerzeit zu 1464/65 brauten nach Ausweis des 15 mal, einer 14mal, 18 13 mal uſw 1559 71 galt die Vorſchrift, daß 594— 1626 keiner mehr als 9mal. betrieben die Brauer auch den Handel den alten Aufzeichnungen von Stenz Tr. zmer Kaufman ohne Erwähnung d Brauer zu ſein, die geſchloſſene 14 nders geweſen Sie beſtand ſchon 1 lſchieß „ 23 K4 110 Non 111 180 r n als Zielſcheibe gedient zu haben. enſpiegel bei den Flandriſchen Schützen 533 zweigte ſich von der Papagojen chaft der Conthorherren oder der Herren b. Beide Geſellſchaften gerieten 1609 er miteinander. Mitglie exiſtieren. t recht tyranniſche Regiment der Patrizier bei der Bürgerſchaft hervor, die wieder [Hfotbit 0 RNat 17* ſamer Abſetzung des Rates führte, ar und 142 W̃ Das 1Ir 7 1 17 1 8 40 n Lübeck durch kaiſerliche und däniſche mecklenburgiſchen Lande rRevolution Wismar 1427 wurd Bantſchow und der Ratsherr v. Haren enthauptet, 1430 Rat auf kaiſerlichen Befehl von der dem Vorort der Hanſa wieder eingeſetzt. Erneute Streitig eiten zwiſchen einem ehrſamen Rat und der Bürgerſchaft gegen Ende de— lef Mal der i 16. Jahrhunderts führten zu dem Wismarſchen Vertrag vom 19. März 600, durch d ſchuß von 40 Männern halb aus Bürgern und halb aus den Amtern gebildet wurd Er wurde von dem Ratsherrn 2 2 ꝛlenburg mit unterſchrieben Während meiner Profeſſorenzeit in Roſtock bin ich einige Male zur Konſultati nur oberflächlich kennen gelernt, da die Zeit immer knapp bemeſſen war. Auch wußte ich damals nicht, daß ſich in den Kirchen und dem Archiv der Stadt noch ſo manche Spur unſerer Vorfahren Aαρ 1 4 18 12 0 1 rhalten ha Leider war es mir Aol 1 Sie tadt r geweſen, habe die Stadt Berichte haben meine Erinnerungen ifgefriſcht und das archiva 1 Ur Geſchick te der und ergänzt Ddie ganze Anlage und das Aus ſehen der Stadt iſt ganz ähnlich wie bei den anderen Hanſeſtädten an der Oſtſee, Lübeck, Roſtock, Danzig uſw. Ddie alten Mauern mit ihren 28 Türmen ſind bei 8 ig d 24 6 Feſtungswerke nach Fig. 11 Wismars durch die 2 Ruſſen im Jahre 1716 abgeriſſen worden, von den Toren iſt nur noch das Waſſertor am Hafen erhalten geblieben, deſſen der Stadt zu gekehrte Seite eine ſchöne gotiſche Giebelfaſſade hat. Der alte Hafen, dem ein zuſtrömender Fluß wie die Trave bei Lübeck und die Warnow bei Roſtock fehlt, iſt nur ein ſchmales Gewäſſer, ein zipfelförmiger Fortſatz der Wismarer Bucht, Raum für eine größere Anzahl von Schiffen wurde in neuerer Zeit durch künſtlich angelegte Hafenbaſſins gewonnen. Ein ſo maleriſches Landſchaftsbild wie der Blick auf Lübeck oder von dem jenſeitigen Warnowufer auf Roſtock kann Wismar nicht bieten. Zwar ragen auch hier die großen Kirchen, von denen St. Nikolai ein faſt ebenſo hohes Mittelſchiff hat wie der Kölner Dom, hoch über die Dächer der Stadt empor, aber den Türmen fehlen die ſchlanken, in Lübeck ſogar paa weiſe gen Himmel ſtrebenden Helmſpitzen Der Turm von St. Nikolai verlor ſeine Helmſpitze 1703 durch einen Orkan und wurde mit einem 1 Notdach verſehen, der 82em hohe Turm von St. Marien hatte eine 3« Spitze, ſie wurde 1539 vom Blitz getroffen wieder erſetzt, der Turm der St. Georgen er reicht kaum bis an das Kirchen rſtes in ſehr unſchöner Weiſe mit ab und wurde nicht Kirche blieb von vornherein unvol ach und iſt in der Höhe toldSad 18 atteldach ged 6ν im der Stelle des früheren Poeler Tors gleich in das Stadtviertel, in dem churſtraße und die Böttcherſtraße, in zum Kirchſpiel von St. Nikolai, der dem Hafer dem Schutzheiligen der Schiffer ge veihten Kir atte ihren Namen von einer alten Wismarer Far der Chroniſ 1743) nennt ſie noch ſo, ſpäter verſtandene Name in Scheuerſtraße um idelt. L Name der Böttcherſtra en dort anfäſſigen Zunftleut)er von er Familie Böddeker abzuleiten iſt, läßt ſich nicht mehr feſtſtellen, in alten Akten wird ſie in lateiniſcher Überſetzung ſowohl Böttcherſtraße als auch latea Bodekariorum genannt. In der Scheuerſtraße ſtehen noch manche alte Häuſer, deren Giebel durch zahlreiche kleine Luken durchbrochen ſind. 9 7 9— Es ſind dieſes wahrſcheinlich die Häuſer, welche Braugerechtigkeit beſaßen, die luftigen Bodenräume hinter den Giebeln dienten zum Trocknen des Hopfens und des Grünmalzes. Es iſt ſchade. daß man nicht heraus— finden kann, in welchem dieſer Häuſer unſer Ahnherr Laurenz Drennen borch ſein Bier gebraut hat Nahe bei der Nikolaikirche an der über die„Grube“ führenden „Schweinsbrücke“ ſteht ein Haus, das ſicher häufig von Trendelenburgiſchen Füßen betreten worden iſt, das Haus des Bürgermeiſters Heinrich Skabbel, das er ſich 1571 von dem Baumeiſter Philipp Brandin erbauen ließ, ein vornehmes Gebäude im Renaiſſanceſtil mit ſchönem Portal und Skulpturen, jetzt eine Bierbrauerei und„altdeutſche“ Bierwirtſchaft enthaltend. Heinrich Skabbel war der Sohn des Ratsherrn Hans Skabbel und ſeiner Frau Catharina Trendelenburg, einer Enkelin unſeres Ahnherrn Laurenz. Von 1715- 1812 war das Haus im Beſitz der Familie Lembke. Später wurde es leider des Schnitzwerks und plaſtiſchen Schmucks im Innern beraubt. Photographiſche Abbildungen befinden ſich bei unſeren Familien⸗ papieren(Kopien von Photographien im Beſitz des Juſtizrats O. Lembke in Wismar) Auch die um 1300 erbaute alte Schule, eine der ſchönſten gotiſchen ziegelbauten in Deutſchland, wird manches Kind aus unſerer Familie beim Glockenſchlag der Turmuhr von St. Marien luſtig aus der Tür ſpringen zjeſehen haben. Jetzt iſt in dem Gebäude das Altertumsmuſeum unter— zebracht. Und betreten wir die Kirchen, ſo finden wir mit A „ der kleinen Heilige-Geiſt-Kirche in jeder einige Grabſteine von Angehörigen unſerer und verwandter Familien, die meiſten und ſchönſten in der Nikolaikirche, m Chor den ſchon oben erwähnten Grabſtein von Jacob Trendelenburg mit dem Wapp dan wei übriggebliebene Plat Grabſteins von Jürgen, Catharina und Anna Trende Darſtellungen aus Chr Leben in den Ecken, und den von Caſpar und ſeiner Frau geb. von der ikirche liegt ar 170 ſtorbener Ahn aben C Liſte 6 ſteine r di tun d verſch n et ſick zen Schluß des zweiten Kapitels Sena rendelenbur St. Geore wurde ſchor Eins der alte Schwede“ genan Herrſchaft. Auch hat ſich eine Bierwirtſchaft ein 0 ſehenswert iſt ferner das Archidiakonatshaus in der Dankwardtſtraße dicht an dem nicht nur der Giebel, ſondern et onder neben der Marienkirche, ein Eckhaus auch die Längsſeite mit glaſierten Ziegeln in zierlichen Formen künſtleriſch eſtaltet iſt. Es wurde um 1400 erbaut und war i 8. Jahrhunder 8 9 Jer r Furf 0 Uieniſch Frührenaiſſar n ˖ l L)he 1553 u 1554 Gabrie und Valentin v. Lire für Herzog Johann Albrecht n 0 der Prinzeſſin Hochzeit Herzog feierte hier 1555 ſeine erbaut, r Herzog feierte ˖ Anna Sophie, Tochter des Herzogs Albrecht von Preußen. Seine Haupt reſidenz war aber nicht Wismar, ſondern Schwerin K apitel Quellen für die ältere Geſchichte der Familie. Die Hauptquellen für die ältere Geſchichte unſerer er handſchriftlich überlieferte Stammbaum, handſchriftliche Aufzeichnungen von Stens Trendele 71%9.½ Hochzeitscarmina und Leichenreden in den vitae Pomerane zur Veröffentlic archivaliſche De die Stadtbücher chung gekomme iecklenburgiſche Urkunden und die Grabſt i die Matrik de k nd Greifswald Die Kirchenbücher in fallen als Geſchichtsquellen f das älteſte derſelben, das Kirchenbuch von St. Nikolai, erſt mi 1643 und das von St. Marien erſt mit dem Jahre 1681 begim 11 m Jahre 1602 hat die damal evidierte Kirchenordni Mecklenburg die Anlegung von Kirchenbück J 18„* + U ershagen, R r ſor wa zur Zeit d exiſtiert ha ird bei der N ur8 1 5 1 Horn d 5an u riſti 18 inoe Nato N 1 on der Hand meines Vaters, i Traun Partha Frondelſepnhutr tz Frau Martha Trendelenburg, ge rãu Freta Tren in Stettin, da Udbes Br Vate 53 3 N n 1 9 55 Nam 5 9 D S hweſter 7 S0 8* Roer F0 7* N goi Händen eines der Ontel in Lubeck ſein zorfahren gehört hatte, war wenig, nicht ei Neubrandenburger nachgelaſſenen, von ſeir nem Kirchen d Kaiferlichen arg mitg rei é re Exemplar inſerem Beſitz, das zweite im Töpfer, und ihrer Tochter dritte befindet ſich im Staats öe Sdd tern aus de Vugend fü 8 Hiſtoriſche, ſo auch a f˖ den, der in den er bisher über ſeine nmal über ſeinen Urgroßvater, Superintendenten, war er orientiert, wie ſich aus Hand geſchriebenen Zettel aus der Jugend eit ergibt. Am 4. November 1834 ſchreibt er dann, daß ſein Vetter Theodor Tr. in Dresden(10. Gener. Nr. 22) ihm die Kollektaneen des 6 Gener. Nr. 15) zugeſchickt und den S ieſer iſt lateiniſch geſchrieben und hebt ei ſchließt mit unſerm Eltervater, deſſen S Ki eigentlich chronologiſchen ater ſehr beliebt. te mir Himn deſſen ei o ſoll er dieſen Familien ißen Wwe Generation 30 3 Jahr U ſe ht dieſer Luthers Zeit. Durch die Stadtbücher gie ziemlich ermitteln.“ Vater fertigte dann auf drei Foliobogen eine Abſchrift an, u ie efindet ſich unter unſeren Familienpapieren(ſ. Tafel J, 1 u. 2) ge Randbemerkungen von der Hand meines Vaters ſtammen äterer zusführlicheren Bemerkungen auf den ſeitlich angeklebten weißen Papierbogen ſi von mir ſelbſt angefügt Das vierte B welches ne unvollſtänd Fortſetzung d Stammbaums enthält, iſt ſpäter von ne Tanten geſchrieben Nachforſchungen nach dem Original, on dem mein Vater Abſchrift nahm, ſind leider erfolglos geweſen Dieen Tochter jenes Vetters meines Vaters, Frau Geh. Kirchenrat Michae den das alte Exemplar geerbt konnte kunft r den Verbleib geben. Ebenf ni ir lungen, ein lateiniſches Schriftchen aufzu— nden, welches nach einer brieflichen Notiz Paſtors Kindler(ſ. u.) Carl udwig Trendelenburg Gener. Nr. 24) 1764 noch als Schüler ſeinem Vater, dem Superintendenten in Neubrandenburg, zum Neujahrstage ge dmet und deſſen llautet: Ge via T Trendelenbu latemiſch abg ie Noti meinem Vate f sjahr ſei ſo iſt ein Zuſ Ammenl des Stammbaums Faſſung erſt Staatsarchivs mmlune * 574 logiſchen Sa * Magnus der L in 9 Superintendenten iſt er ungenauer von Car 19 ſehr Lu —1 zn wa dr 1 nlich. Tr ſicher ſpäter hinzugefüg hen und unſerem Exemplar ielleicht ſtammt die lateiniſche war der Stammbaum ur 8 B Ot! 6 it 12 1rr r u brauchen, da es einmal orden iſt, die dann ſpäter Heft eingeklebt worden ſind. erkennen, daß der eben unſeres Exemplars bis auf wenige gering 9 4* 1 rg befindet ſich außerder betreffender Stammbaum ſchen Regiſtern des wius 01 apit zeſt. 178 us welche * 111 7 17 ſe Tſcheir daf Rur n ſtimmt er ganz mit 1Sou 81 N. H 1 den die Jahreszahl 160 II NRunfkter iit Punkten iſt unſrigen fehlen, in andere Not tuus e tuus èest(ebenſo) und t durch„jung geſtorben“ Generation ſicher unrick nicht jung geſt u 9 U Tatſa f 8 in AUAr U der in A Sen 5 NRiftollundg enſtellung des Stammbaums teils ückes teils nach der mündlichen Tafel II, 1—4 gibt den Stamm aum wieder, w jetzt nach der Reviſion und Vervollſtändigung ſtalt umenst rſchrift verſehenen e Aufzeichnungen C Fi Mar Tren bu erh U kön n dem oben ſchon bezeichneten S Tr. in Greifswald(. Gener. Nr. 2) geſchrieben ſein, wahrſcheinlich in ſeinem hohen Alter, da verſchiedene auf Zerſtreutheit hinweiſende Fehler im Inhalt nachweisbar ſind. Er wurde Jahre alt. Es handelt ſich um zwei vergilbte Blätter. Das erſte Blatt enthält, h llte, eine an einzelnen Stellen etwas gekürzte Abſchrift uus der 1668 gehaltenen Leichenrede auf ſeinen Großvater Stens Tr., die ſich in den vitae Pomeranorum abgedruckt findet(ogl. weiter unten). Einige rze Angaben über die ſpätere Verheiratung der Töchter des Verſtorbenen ſind hinzugefügt. D as zweite Blatt bringt über den Schreiber ſelbſt, ſeinen Vater ſeine Geſcht r kurze Daten em erſten Blatt heißt ßvaters Personalien erſehe, daß er 1607 den 21 mar auß einer alten Familie Sein Sehl. Thomas Trendelnburg wolverdienter Ratsver derr der ſtadt Wissmar. Die Mutter Frau Großvater väterlicher ſeiten iſt geweſen H. Jürgen rendlenburg vornehr urger und Kauffman und Brauger daſelbſt. ie Groß Mutter derſelbigen Linige Fr: Anna Heins. Der Groß Vater von der Mutter ſeite iſt gewehſen Herr Stentz Röle vornehmer Kauff an in Wisma Die Groß Mutter ietzt gedachter ſeite iſt gewehſen r: Margarèta Petersser Der Elter Va auß väterlicher ſeite, iſt ſeweßen Hr. Thomas Trendelnburg wollverdi r Rahtsverwanter in Wismal Die Elter Mutter des Vaters wegen Fr: Margareta Bösels 2 — Herrn Ge Bösels Rahtsverwanten und Cammer Herrn allda Ehe Dägners Rahtsverw Elter Vater mütterliche Linig ſt gewehſen H. 1 11 Röle vornehmer N L sl Di 1un Vutt Sa Bürge ſtädtlein Hlagenov 2 ine C Mutter dießer linige Wart Der 180 FIltervater 18 Mutter wegen Lel Del(ul ſt geweſen II. Ha Bürger * 16 VI Ide El elbige el IU M 1 S 18 Oœt Gre d 6 SE ver el 11, U 1 8 n er 1 8 e 2 De 01 1De 8— sd N S Tochte Soh Beyde Thomas * 2 ochter Anna Balt in ihrer Jugent, Margareta aber, wie Jahr ihres alters erreichet, von dießer welt abgeſchieden, die übrigen 5 alß Johannes L. L. studiosu Stentz und Casper ſo bey den Kauff handel geblieben. Jumffer Klisabet iſt an einen Gewandt Handler alhier ver Ehlicht Nahmens Daniel Völschow Läboria an einen Kauffman nahmens Christoff Corswant nachmals Burger Meiſter alhier geworden ſelbige haben in ihrem Eheſtande gezeig.. Kinder, alß 5 Sohne und Tochter.“ Auffallend iſt, daß in der Ahnenreihe der im Stammbaum aufge führte Marten Trendelenburg(Gen. II) ausgelaſſen iſt Auf d B ſteht O1 derſelben H U ſchrieben: „Mein Sehl. Vater iſt gebohren 1649 d. 14 Sept. hat Hochzeit gemacht 1678 d. 22 Januarij mit Elisabet Corswanten Sehl. Hieronim Corswanten hinter Bliebener Jumffer Tochter, die gebohren 1658 d. Nov.(2) auß der Lübeckſchen Linie. 678. Xxbr 31. iſt meine Schweſter gebohren und Anna benennt. 1694 9br 13 iſt Verheyraht an d. H. David Everten gewandl 1748 May 6. iſt ſie verſtorben. Bin ich Gottlob geſund und woll gebohren. iſt mein Bruder Hieronymüs gebohren iſt er wieder Sehlich im I. entſchlaffen iſt mein Bruder Petrus Zur Welt gebohren iſt verheiraht in Anklam an Sehl. Bartel gewürtzhandl hinter Bliebener Tochter, er iſt im raht erhoben 1688. April. 9. hat ſie eine Tochter gebohren Elisabet genannt. 17 iſt ſie verheyraht an den Präder Paster hypr Bungen Neuen Kirchen. 1709 xbr. 14. iſt ſie nachdem ſie einige Tage in Schwergebuhrt eines Toten Söhnlein Bunden, ihn auch Balt in der Ewigkeit gefolgt. 1688. Ap: 26 iſt Meine Groß Mutter Mütterlichen ſeite Anna Back mans Sehl. im II. entſchlafen 1690. Junii. 21. hat meine Ehe Fr. Einen Jungen ſohn zur welt ge bracht, ſo genant worden Johaus iſt ſ 1691 9br. 11. iſt ſie abermahls mit einer jungen Tochter entbunden und Liboria genant 16 iſt aber nachdem es 5 Tage gelebet Sehl. verſchieden demſelben Jahr Sehl H. verſtorben 11 · 5 f I. VI 8 8 1 ö Ma U . Fad 8 A. Entbunde — iſt ſelbe verheyraht an einer i Prädiger nahmens Rosen itzo zu Mandelcau 1 Meil von Stettin.“ die einzelnen Daten dieſes zweiten mitein entſprechenden Daten des Stammbaums, ſo ergibt ſich 5 4 bin ich Gott f6 ur iot 4 1 2 4 In 14¹ ttel an AN 190901 Juni 21 hat meine Ehefrau Einen jungen ſohn zur Wẽ inten:„1695, 13 Sept. iſt meine Tochter Ev itbunden.“ Dieſes kann nicht ſtimmen, d ann ſchon mit 9 Jahren Vater und mit 14 Jahren Groß löſt ſich, ſobald man annimmt Auf die ſein Vate d es vergeſſen hat, das„Meine“ in„Seine zuändern oder anzugeben, daß bei den betreffenden Angaben, und zwar in den Zeilen mit der Zahl 1690 und 1695, nicht er ſelbſt, ſondern ſein Vater als der Sprechende zu denken iſt. Stens, der Schreiber der Aufzeichnungen, war überhaupt nicht ver )eiratet. Über ſeinen Lebenslauf ſiehe weiter unten Von archivaliſchen Dokumenten iſt beſonders zu der als Mat la Collegii Senatorii bezeichnete Pergamentkodex im Wismarſchen Ratsarchiv, deſſen zweiter Teil eine Liſte der Ratsherren vom Jahre 1344 thält. Angelegt wurde der Kodex von dem 1338 eingeführten aus Rats ebürtigen Stadtſchr er Nikolau Swerk M Crull hat 4 in den Hanſiſchen Geſchichtsblättern(Bd. 2, 187 abgedruckt. Bi⸗s im Jahre 1510 iſt die alljährliche Beſetzung Ratſtuhl ngetragen tachher ſind nur die Neuwahlen verzeichne Die auf Mitglieder unſerer Familie, welche Ratsherren waren, und auf ie Schwiegerväter Degener, Stamer und Boſel, die ebenfall dem Rate ange 1 züglichen Stell n des K ſin n 7 1 U ſammengeſtellt — 149 n ge II t˖ ſii jetre ˖ Da De Uber zabe i V der St zel N 8 int tu t 1 Inn 8 r9 1 8 ö* 18 K S Stan iach ſeinem Grabſtein 153 embris unanimi voce totius senatus sunt(ſind gewählt) in senatores: d Thon Lrendel! in ordinem senatorium: Brandanu Schmitt dominus Casparus Trendlenbor Weitere Daten aus der Crullſchen Ratslinie, die ſich auf Senatoren aus verſchwägerten Familien beziehen, habe ich unter den betreffenden Namen des Stammbaums eingetragen Durch die Güte des Herrn Ratsarchivars DUr. Techen in Wismar dem ich für freundliches Intereſſe an meiner Arbeit und bereitwillige Unter ſtützung bei derſelben großen Dank ſchulde, erhielt ich einige beſonders f die Chronologie wichtige Daten aus verſchiedenen alten Stadtbüchern und Regiſtern. Es ſind dies das Zeugebuch, in welches die Übernahme von Bürgſchaften, Rechtsverwahrungen und ähnliche Rechtsakte eingetragen ſind, die Lottregiſter, welche Verzeichniſſe der erbgeſeſſenen Bürger ent halten, denen durch das Los die Nutzung ſtädtiſcher Ackerſtücke auf ſieben Jahre zugefallen war, und die Brauregiſter, ferner die Wachtregiſter, die geiſtlichen Stadtbuchſchriften, d. h. im 16. Jahrhundert angelegte Auszüge aus den verlorenen Stadtbüchern, und endlich Quittungen über die Be zahlung von Grabgeläuten mit der großen Glocke und der Bürgerglock dieſe von Bedeutung für die Feſtſtellung von Sterbedaten. Was die Wacht regiſter anbetrifft, ſo führen ſie Buch über die Reihenfolge der einzelnen Bürger und Häuſer in der Erfüllung der Wachtpflicht zum Schutz der Stadt während der Nacht und über die Wachtſteuern. Starke Poſten wurden vor dem Rathaus, auf den Landwehren, hinter den Mauern und 8 U an den Toren aufgeſtellt, 1489 z. B. haben vor dem abende S Uhr 1 Bürgermeiſter, 1 Ratsmann, 22 Bürger und d lmter der Böttcher 1 7 ◻+ 8 0 Uten W Du S1 und Regiſ 0 ſerer Famil ** N 1 1 Sän 0 Grabſteine 0 Kirch on W 5 56. Bande J M ſchichte abgedruck Die Steine ſind N Wer ine in den Kirchen keine iſt ihnen in der Veröffentlichung von den beiden ei en, die dann durch einen— 93 Stern als neue Nummer kenntlich gemacht iſt. Die Steine ſind in neuerer iders gele d nden erf rt ij Auf mehrere Grab K 1 E 1 zu Teil erſt ingere Zeit nach dem Tode geſetzt worden ſu wohl als Gedächtnis ſteine unabhängig von der Grabf 5• B. findet ſich Johan Stamer 1565 der Nikolaikirche dreimal, Caſpar Trendelenburch und Emerentia Jörcken in St. Marien zweimal, Caſpar Trendelenborch und Gertrud von der Fers und in der Marienkirche. Sehr häufig trägt derſelbe S Aufſchriften und iſt alſo mehrmals zu verſchiedenen ie verſchiedenen Aufſchriften ſind in der Veröffentlichung bezeichnet worden. Von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis tziger Jahre des 16. Jahrhunderts iſt die Schrift auf den Grabſteinen e Minuskelſchrift, ſpäter Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts Sprache die lateiniſche, dann die deutſche, und zwar bis zur Zeit reißigjährigen Krieges die niederdeutſche, ſpäter die hochdeutſche. Leider ſind auf den Grabſteinen unſerer Familie häufig die Vor— namen und die Jahreszahlen nicht mehr zu entziffern, ſo auf dem als beſonders ſchön bezeichneten und beſonders reichhaltigen Stein in St Nikolai Nr. 10 Soweit es möglich war, habe ich in der hier folgenden Zu ſammenſtellung die Zugehörigkeit der Grabſteine unſerer Familie zu den eingalnan Perſonen des Stammbaums feſtzuſtellen verſucht, was aber nur in wenigen Fällen mit voller Sicherheit zu erreichen war. Wenn bei Ehe paaren Name und Vorname von Mann und Frau mit dem Stammbaum übereinſtimmen bei Caſpar Trendelenburg und Gertrud von der Fers, art Trendelenburg und Emerentia Jörcken, Jacob Tr. und Anna Ruge, ſo kann kein Zweifel beſtehen. Unter Umſtänden kann ein auf dem Stein angebrachtes Wappen auf die Spur führen 1 81 G Auf die Familie bezügliche Inſchriften auf Grabſteinen in Wismarſchen Kirchen. Bd. 55 57. Kirche St. Nikolai Nr. 7“(in der 4. Umgangskapelle) in gotiſcher Schrift) a) legenardus noyte... b) Anno Inni Meccelxx divisionis tolorũ 6tomas degheſl er!] consul. orate c)(lateiniſche Schrift) Car! Friedrich Wachenhusen Bd. 54 1 K 8 M 235(Nr. 210— 253 l nden ſich in der 2 4. Kay e S ) Anno dni M 6 0 P eo nsu Anno dni M xi metl Buman, Elssebe Westfa mit Thomas Trendele ˖ Elſabe Weſtfalske könnte ihre Tochte Bd. 55 p. 242. Kirche St. N 13 B, 40— 77, 103, 1 1565(in gotiſcher Schrifth. p. 24 bis zur erſten Umgangskapelle) e P. 240. St. Nikolai Nr. 18 unter Bd. 54 p. 133. St. Marier bis zur erſten Umgangskapelle il a) Dethloff ſtamer 1555(gotiſch) vom 10 (lateiniſche Schrift):(Anno) Lauren st gestorl vrien Tr(end)lenborch. 1564 u(ist ge)storben sin elike fruwe Catherina Tren(del)enborges, den godt gnedich si.] Anno Hist se: gesto(rben). Trendle(uborch. Anno) ist entslap(en sin e)like fruwe...(Trenhdlen- b(orges) 44 Anno 1604.„ er is Anna Tre(ndlenborges) selich den godt al(len gnedich sy. „Übrigens ſind von dem ſchönen Steine, deſſen Ecken Szenen aus der h. Geſchichte enthalten, nur die linken Viertel in der Kirche; ein drittes iſt zu einem Trittſtein im Predigerhauſe verarbeitet. Das untere rechte Viertel zeigt Reſte des Schildes der Trendelburg, das untere linke den Schild der Eixen, darunter die Hälfte eines Schildes der Barße.“(Crull und Techen.) Es iſt zu bedauern, daß gerade dieſer ſchöne Stein nicht als Ganzes erhalten geblieben iſt und daß die Namen und Zahlen zum großen Teil unleſerlich geworden ſind. Der hier beſtattete Jürgen kann ſehr wohl unſer direkter Vorfahre, Ehemann der Anna Hein, ſein(3. Gener. Nr. 5). Es will nur nicht paſſen, daß ſeine Frau auf dem Stein Catherina und 1 im Stammbaum Anna heißt. Sollte ein Schreibfehler im Stammbaum vorliegen? Im Jahre 1604 iſt die zweite Frau des Ratsherrn Thomas * Trendelenburg(4. Gener. Nr. 9), Anna Dröge, geſtorben, das Grabgeläute für ſie wurde am 2. November bezahlt, ſie wird alſo im Oktober geſtorben ſein, wozu das er(nach Anno 1604) auf dem Grabſtein paßt. Das Wappen der v. Eixen ſpricht dafür, daß auch die erſte Frau von Thomas, Eliſabeth v. Eixen, hier begraben iſt. Der Name von Thomas ſelbſt könnte auf dem fehlenden Stück des Steines geſtanden haben(ogl. das auf S. 47 über eine Eintragung in das Grabbuch von St. Nikolai Geſagte). Anderer Trendelenburg, Familiengeſchichte 4 k D Fürgen der 2. Ger Jel Fra b ſeine 5 8 8 N 11 N m Chor laten 0 A 19 D 8 0 1 rCh 8 1 8 0 18 32 jahr 8 Lin 118 1 E 11 zu 0 ſcher Schild und ein zweiter, auf welchen ˖ tack der S dengl der Ruge(Fig. 4) St. Nil Nr. 25 Chor ateiniſch). Dominus 0 1 iit anno 1616/5 * tiS Gar Fer 1 1 Us8 01 · 8 1 Feittaet Wavpven U 6 1 E 1 erfeitigen Wapf * Caſpar Tr Gener. Nr. 9 Bd. 5 St. M n n Hall Trendelenbor Gei 1t ler J und 2 Anne 161... Cateiniſch). Bd. 54 Pp. 141. St. Marien Nr. 327(in der ſüdlichen Abſeite vor der Halle und bis zum Turm 30, 70, 95, 147, 159, 281 284, 300 357, 2*..)(lateiniſchj, a) Gotthart Trendelenburch, Emerentia Jörcken u. i 671 b) Burlgemeister Fal 18 1822. Von früherer Benutzung da vor der Fehrſche Wappen.(Gotthar XA. Bd. 54 p. 123. St. Marien vor dem Cho 10— 51, 85a, 135, 2) gotiſch han Jorecke und nen erben. Anno 1639 Inburch Emerentia Jorcken 1672. eirges 30.(im Kher 1—44, 87. ns Reimers Tomas Trendelenborch Keine Jahrceszahl Bei b) Peter van gulick ſteht die Zahl 1568.) P. 143. St. Marien Nr. 361(im Quergang unter der Orgel 62, 65, 66, 71, 72, 84, 105, 306, 358—- 371, 16*...)(ateiniſch) Trendelburg, Catarina Eva Rosina Geismern und ihre erben. Auf verwandte Familien bezügliche Grabſteine in Wismar. 18. St. Marien Nr. 37 Cyriacus Burmeister, rei] p. Wisn zul. Anna Catharina Elmhofs et haeredes 1673 1eS 1(5. ) D nus Henſdericus Seſabſbelius, Consul.(Wappen Bd. 55 S. 259. St. Nicolai Nr. 20*.[A0 Christi 1600 die 0 Dfecen iit pie in Christo prudentissimus consul dominu Hendericus Schabbeliu Bd. 56. St en Nr. 109. a) Jyrgen vam Dike und seinen J allen drei Kirch komme EII Berer EIml I E Jahre St. Nikolai. In St. Mu Nr. 30 4 In St Nr. 262 Tho Margi SWas 1 In St. Mu n Nr. 1 8 ihren erber In St 9 U U 0 ‚ 1 Anno 1638 In St. Jürgen Nr. 151. Pet U s Anno 1648 Tumcke kommt nicht vor, aber mehrfach I Tamek Tamſ ke) 1597 Grabſteine in Greifswalder Kirchen. Nach Pyl, Geſchichte der Greifswalder Kirchen, Bd. 1 K 1 E Südliche Seite Nr 0 Lrendelenburg 8 E Südliche S Nr. 220. Grab von Christoph Corswandt(1706) vermählt mit 1 oria Trendelenburg(6. Gener. Nr. 12), zeigt das Allianzwappen der Corswand Schildern und reichen H P. 451. Nördliche S Gener. Nr. 9), verwi er Stein trägt die Inſchrift: Wittwe burg in einfachen halbrunden eite Nr 52 Liboria Trend Bibow, vermählt mit Gottfr. Pyl(1748 en. A0 17 0 2 St. Marien. Nördliche Seite Nr. 146. Caspar Trendelenburg senior. Anno 1729.(6. Gener. Nr. 11.) Was die Univerſité in älterer Ze anbetrifft, ſo kommen bis gegen Ende des 16. r die Univerſitä Roſtock und Greifswald in Betracht, ſpäter findet fich der Name Trendelenburg auch in Wittenberg, Königsberg, Frankfurt a vertreten An den alten Univerſitäten mußten die Studenten bei der Imma— trikulation, ſoweit ſie mündig waren, vor dem Rektor einen Eid ſchwören, in dem ſie ſich verpflichteten, dem Rektor zu gehorchen und die Geſetze der Univerſität nicht zu verletzen. Bei jedem Namen wurde dann in der Matrikel vermerkt, ob die Eidesleiſtung erfolgt oder wegen Unmündigkeit unterblieben war. Es heißt immer ravit oder: puer non juravit oder es iſt der Name des Studierenden, der nicht geſchworen hat, mit einem Sternchen verſehen 7 M (ar 0 0 z. U K t fri 9 7 7* 1 den ſ U rf prachen ˖ hen Semeſte hr der Sekur und Prima er C en Rast— Hoar 2 ·˖ U 1 eL Kinder le 53 J 8 en in B v ſtock) die K 7 16 Monaten und 3 Monaten in Matr W 8 rik r Student r K Studieren ſo fand die Immatrikulation noch einmal ſtatt, ſo daß derſelbe Name in zweimal erſcheint. Daspar Tr. Anclamensis z. B. wurde 1664 als puer immatrikuliert und 1671 ebendaſelbſt als stud. tl 9 Oder derſelbe Name taucht an einer anderen Unir auf. Johannes Tr.(6. Gen. Nr. 7) ·˖ Bruder Stentz, letzterer 5 Jahre alt, wurden 16 als Knaben in Greifs wald immatrikuliert 666 wieder in der Matrikel n Roſtock als stud. Kaufmann wurde, hat überhaupt nie ſtudiert Die Iumatrilt lationsgebühren waren je nach Rang und Vermögens rſchieden. Greifswald bezahlten Grafen 1 ind arone ein ingariſches Goldſtück, andere Adelige ein halbes, Bürgerlick„Plebeje eine Mark, Bedürftigen konnten die Gebühren ganz teilweiſe erlaſſen werden. Oft iſt neben dem in die Matrikel eingetragenen Namen ver merkt: solvit totum oder solvit totum in bono auro.(Er hat das Ganze bezahlt. zah 8 Auszüge aus Univerſitätsmatrikeln burgensis d. intit. il solvit totum.(Unter (2. Gener. Nr. 3.) Nomina baccalariandorum: Laurencius Drendelenberch de Wis— ti fuerunt septem magistri.(Darunter: Mer. Laurentius lenborch. 1488—— Matheus Wolterstorpp.) Balk ſetzt hinzu: Vikar und Procurator des St. Nikolai-Klerus K. General-Official 1500— 1503, Casper R K Roſtock(§ er II, S. 17 n f L0 de V 26 April 1. Gener Nr Balk ſagt: Casp.! 02 und ſ0 ſug He Heinri 1Me n Caz 18 8 5 7 1¹ irg Greifswald(J, S. 162 5* 8 mens. Junii 1507. Greifswald(I, S. 165, 18) n, Habita fuit promotio quinque baccal ia tertia post re(20. März) 1509½n Nomin: Us · I, S Lau itiu Drendele W die VI N 1509 lenborch Wiszmariensis, 1. Xpril 1542 Casparus ndelburch Wismariensis, in Maio 1565.(4. Gener. Nr. 4 7) Roſtock(II, S. 244) petrus Trendelenborgius Wismariensis, Mense Februario 1594. (5. Gener. Nr. 11?) Wittenberg. tze Petrus Trer 18 April 1597 8. Roſtock(II, Blasius Tre wiensi Mense M 1608 scriptus avit in Königsberg zasilius Trendelburgius Wismariensis Megapolitanus. jur. 10 Apr. chreib⸗ oder 1612.(5. Gener. Nr. 8 Basilius wohl ein Drücckfehle Druckſehler.) Roſtock(II, S. 301) Trendelburgius Wismariensis inscriptus 1610. Mense Casparus Junio(mit(5. Gener. Nr. 9) 10. Roſtock(III, S. Gotthardus Greifswald. Gotthardus Trendlenburg Wismariensis Megapolitanu 7 Ma 1658.(6. Gener. Nr. 4.) 8 gust 1 7 118 1I TI wald N 14. Greifswald Trend Petrus 1 6 Oet. 169 L. Irg, Ste ndelenburg fra 8S G1 pueri erant 1654(mit Stern 61 valdensis Pom 1666 Me 1 Gener Ner S. 106) f irrtümlich Strendlenborg geſchrieben oder 8 Pueri non jurarunt. 1664.(6. Gener All mel 1d Sus. lenburg Gryphiswaldensis legum stud. inscriptus 2 3. Frankfurt a. O.(Friedländer II, 45). Petrus Trend iburg Gryph. Pomeranus. 1697 April.(7. Gener. Nr. 1 2 Tr. bezie n in der Grei Jahr 96 S. 213): Facienda 81 st mentio simultatis alicu tum academicum inter t num ex eo capi riundac 1od rector academiae studiosum h, turbatorem securitatis vi; cae, manu militari S iarctiori tenuerat cus Cui decreto iterata Pr it ne temporis dominus con licens, licet M eum demi communicat im dominis senioribu 8 retur rect un lis mota non est Auf Hier iſt weit t. In der akademiſchen und ſtädtiſchen Behörde hadurch entſtand, daß der Rektor der Univerſit urg, welcher die Sicherheit einer öffentlichen Militärgewalt im Hauſe eines Bür in Der Verfügung wiederſetzte ſich lten Proteſt der damalige Bürgermeiſter, aber ohne Er folg, r Rektor nach Beratung mit den Herren Senioren das akademiſche Recht vertrat, aus dann kein weiterer Rechtsſtreit entſtand. die Studenter en nur nachts zu tragen ver en war, ſo konnt ntſtandener treit leicht zu einer„Gefährdung der n n Sicherheit auf den Straßen“ kommen. Unſer Petrus hat e nach dieſem Vorfall, wenn er nicht etwa relegiert wurde, augenſcheinlich vorgezogen, Greifswald zu verlaſſen und die Univerſität Frankfurt a. O. aufzuſuchen. 15. Göttingen Christian Fried Trendelent aus Strelitz stud. med tUs 1776.(9. Gener. Nr. 10.) 20. Göttingen. fohannes Georg Tr. aus Lübeck, stud. theol. 3 22. Tübingen Frider Gu mus Tr., utriusque jui tudiosus Lubecensi Aèetatis 21 al 26 April 1782.(9. Gener. Nr. 14.) 23. Tübingen Fridericus Jacobus Adolphus Lubecensis. Ketatis 20 ant Theologiae studiosus 26 April 1782.(9. Gener. Nr. 15.) Göttingen Friedrich Schack Adolf Tr. aus Lübeck. 1786 24. Frankfurt a. O Ott II n1 h Gottlieb PI tud 1797. Gene Nr. 4 5. Frankfurt a. L hann Friedrich Ludwig Tr. stud. jur. 1797(9. Gener Nr 5.) habetiſches Regiſter bringt, und die Liſte der Da Hofmeiſter kein Immatrikulierten der in f ren Jahrhunderten von vielen Studierenden, auch aus den nordiſchen Ländern, beſuchten Univerſität Roſtock eine ſehr 8 L umfangreiche iſt, ſo könnte es ſein, daß ich einige Immatrikulierte unſeres Namens überſehen hätte Im Archiv der Roſtocker Univerſität ſind auch noch alte Mitglieder verzeichniſſe des Chorus Pomeranorum vorhanden, einer ſtudentiſchen Ver bind die übrigen Landsmannſchaften, vornehmlich lirchliche Intereſſen pflegte. Die Verbindung hatte in der Jacobikirche auf der Empore einen„Chor“ ung, deren Mitglieder meiſt Theologen waren, und die, anders als mit Sitzplätzen zur Miete, der mit ihrem Wappen geſchmückt war, und der 8 1 Er jräbn In Krankheitsfällen ſorgte ſie für d ſte i 637/6 ingetrage 8 1-Pomeranus(ogl. Kay„und 1668 7I lelenborg Gryphiswald.(6. Gener. Die Matrikel von⸗Jena konnte ich nicht einſehen Kap Die erſten ſechs Generationen der Familie in Wismar. Stanislaus Trendelenburg in Lübeck 9 R zor 1459, wo unſer Stammvater Laurenz Drendenborch in den * Stadtregiſtern von Wismar zuerſt genannt wird, iſt der Name unſerer Familie in dortigen Urkunden nicht nachgewieſen. Aber wie aus den Matrikeln von Greifswald und Roſtock(ogl. S. 37) erſichtlich iſt, hat dort 1507 und 150 9 ein im Stammbaum nicht aufgeführter ſt der n ummr d dieſer chon einen anderen S namens 1487 ſtudierte und Magiſter wurde. Der im aufgeführte Laurenz wird ein Neffe oder ein entfernterer Stammvaters geweſen ſein, und es iſt demnach wahr nur ein Bruder, ſondern auch ſchon der Vater unſeres ren der erſten Generationen ſind zum größeren Teil Braukeſſeln verſehene Haus von Laurenz in n Vater Sohn vererbt haben, denn ien iſt immer ein Trendelenburg in der Schur— vierten Generation waren nachweislich zwei Häuſer aine 38 4 Vas Haus von Jürgen der zweiten Neben dem Braugewerbe betrieben f den Handel, wahrſcheinlich mit Bier, Hopfen der Fam ſchichte um, ſo finden wir, daß unſer er ein dizi in Florenz war, daß er die Er von Konſtantinopel durch die Türken(1453) und vor ſeinem Tode di us über den Atlantiſchen Ozean weiſe 90 See- und Landſtädte on Reval bis Amſterdam und von Krakau bis Köln angehörten, ſtand noch auf der Höhe ſeiner Macht. Doch bald ging es abwärts. Sein Beſtreben, den ganzen Handel auf der Oſtſee und zwiſchen dem öſtlicher weſtlichen Teil von Nordeuropa zu monopoliſieren, verwickelte ihn in Kriege mit den nordiſchen Staaten und den mit Dänemark verbündeten lebt hat. Der Bund der Hanſa, dem zeitwe rwerd zum Aust S1unf ſund den r der Regier 0 Eliſabe ls hte Stalhof, der alte Sitz der deutſcher ſchaft in?(der 9 kommt vom„Stälen“, Färben der wurde 1597 f ſſen wurde die Oſtſee hauptſächlich von Holländern, die Nordſee von den Engländern befahren, und wie früher der deutſche K aufmann in England, ſetzte ſich nun der engliſche Kaufmann in den deutſchen Küſtenplätzen feſt und erſchien auch auf den binnenländiſchen Märkten, um ſeine Waren, namentlich Tuche, abzuſetzen. Der Dreißigjährige Krieg gab der Hanſa den Reſt. 1669 fand der letzte Hanſetag ſtatt. Hamburg, das vom Kriege verſchont blieb und ſich geſchickt den Verhältniſſen anzupaſſen wußte, Erſte Geueration Laurenz Drendenborch oder Drendelenborch wird in den geiſt lichen Stadtbuchſchriften(ſ. o. S. 31) als 1459 mit einem Hauſe in der Schurſtraße angeſeſſen aufge 0 bernimmt er mit nderen zuſammen eine Bürgſchaft(Zeugebuch S. 100), 1461 und 1468 wird er im Lottregiſter, 1464/65 in einem Brauregiſter, 1475 und 1477 (ohne Vornamen) in Verzeichniſſen über die Wachtabgaben genannt 1494 wird ſeine relicta(Witwe) Gertrud(ohne Vaternamen) erwähnt, er muß alſo in dieſem Jahre oder ſchon früher geſtorben ſein. führt, am 27. Oktober 1462 Nach dem Stammbaum war er mit Gertrud Degener, Tochter des Bürgermeiſters Thomas Degener, verheiratet. Die Familie Degener war in Wismar alteingeſeſſen. In dem Stadibuch A in dem Zeitraum 1260— 72 iſt eingetragen: Johannes parvus molendinarius in bravit hereditaten quam habet juxta molendinum Cij] li Thegenardo de antiqua Wissemarie, quod notum est c nsulibus ſchlägt dem Degener vom alten Markt in Wis der Kiphotsmühle zu. Urkundenbuch II, Nr. Nach der Regiſtratur auf einer Urkunde ein Degener Bürgermeiſter in Wismar lebendaſelbſt tune consules in Wismaria et sun Degenhardus dictus Boz, Wolterus de( civitate etc. Ferner(ebendaſelbſt III, 1586) ſteht unter von 1281 als einer der Zeugen Dhegenardus de consilio civ tatis Wis— mari 1282 ſchließt Thegenardus pistor in nova civitate mit ſeiner Frau einen Ehekontrakt nach Lübſchem Recht ab(Stadtbuch B(Urk III, 1604) Im Jahre 1349 ſtehen Hinrikus Karow und Deghe nardus pistor als testamentarii unter der Stiftungsurkunde eines Wismarer Bürgers leben daſelbſt X, 7004). 10 rte alſ ngeſeſſenen De Bäckerfamili U den er h Cru Angabe 1 1 5 6 U in Lel 2 51 rreicht zu hab nas Degener ht ſein ur 502 in Roſt ku Zweite Geuere 6 W rholt der der in Greifswald ſtudiert h ö u agiſter promoviert worden iſt. Das M. ſoll Magiſte ie bei anderen men des latei niſchen Stammbaums das dem Vorr dominus l Nach Matrikel(ſ rde er 1482 in Greifswald E6 188 Nikolai 0 8688 talligen 3 Smarla *. 1 ach N o1lit nmein I Grhenen* 92 K Ratzeburę l. iſt nach Mitteilung meines verſtorbenen liel 2 agers Ryraf 1 f Profeſſor Je 4 de U ◻4 em Hei zu welchem der Ort ge le Wismaria) f hörte, angeführt, z. 2 (aus Templin im (Münzenberg) di tatzeburg Spuren der amtlichen Tätigkeit des Magiſters Laurenz finden ſich in nigen b Schröder und 2630) abgedruckt Urkun Ilſab 0 Beri A einer beſtändigen Memo Seelenmeſſe) in der Wismarer St. Nikolauskirche einen Hopffen Hof Ack vermacht, und das Inſtrument hat als Notarius auf— lericus Raceburg: Dioc.“ Und im zeſetzet J Dre Jahre 1500 wird Url iber ftung einer Pfründe für einen Vikar in St. Nikolai in presencia Domini Magistri Laurencii Drenden. horchs curie Ratzebu Okficialis generalis aufgeſetzt(vgl. auch Meckl. Urkundenbuch XIII, 8144 ten J0 1 Biſchof von Rat on 1479 bi 1 Johannes von Parten der in Roſtce i Perugia ſtudie dann Pf n Schönbe Auch Caſpar Dren orch 6 2in Greifs wald immatrik t wu wird als ſein Bruder Laurenz, war Klerik Er wurde Capellan des K Heinrich von Mecklenburg und ca nen zuſammen 1 dem Herzog wird er zum evangeliſchen Glauben übe ö i Schon der Vorgänger Heinrichs, Albrecht VII., d Sck n Toc Kurfürſten Joachim von Brandenburg, Herzogin Anna, verheiratet, wa der lutheriſchen Lehre zugetan d hatte 1524 n evangeliſchen Hof prediger, Heinrich Möllens oder in Wismar, wo er damals reſidierte an der neben dem Fürſtenhauſe gelegenen St Georgskirche angeſtellt. Aber erſt Heinrich V. bekannte ſich 1532 öffentlich zur neuen Lehre. Das Archiv in Wismar(Tit. XX, Vol. O) enthält drei eige g Briefe von Caſpar, von denen zwei mit ſeinem Ringſiegel geſchloſſen waren 15 heren Hinrick, hertogen tl gkelenburgk, furſten tho Wenden, grauen tho Zwerin, Roſtock unde Stargardt der lande etc. heren, mynen gnedighen * heren“ adreſſiert, der dritte vom 23. März 1531 iſt„Denn erſamen unde nannen der ſtadt Wiſſmar denſtlick wolwiſen herenn burgermeyſteren unde ra gheſereuen“. Aus dem Briefe ergibt ſich, daß Caſpar außer dem Laurenz noch einen Bruder Jürgen gehabt hat, der in dem Star baum nicht aufgefü N hatte Caſpar eine größere Summe Geldes gelieher gutgeſagt. Nach dem dann einen Teil der Erbſchaft durch den Rat mit Arreſt belegen laſſen Gegen die Beſchlagnahme hatte die Witwe von Jürgen und ihre„Frund und als Bürge für ihn 1 Ni 7 808 e von Jurgen hatte et ſcopp“ genannt werden Jürgen Exen und Hans Scabbelt— Be ſchwerde erhoben. Caſpar bittet nun Wismar vorſchreiben, daß der Arreſt bis Ankunft d Herzogs in ** 4* IVy 71 91 +— r ERt 1*** Wismar in Kraft bleiben ſolle. In dem letzten an den it gerichteten Brief iſt von einem li Verſtändigung angeſetzten Termin auf der Schreiberei in Wi digung gefunden hat, iſt nicht bekannt Caſpar Drendenborchs Teſtament vom Jahre 1547 befindet ſich im Geheimen und Hauptarchiv in Schwerin, iſt aber ſeit längerer Zeit ver legt und nicht aufzufinden, ſo daß ich über den Inhalt leider nichts er fahren konnte Marten Drendenb ö Stamer, Tochter des Senators Johannes Stamer, der zwiſchen 1511 und 1516 in den Rat gewählt wurde und 1521 tzt erwähnt wird Mehrere Leichenſteine mit dem Namen Joh Stamer tragen die Zahl 1565, doch ſchließt dieſer Umſtand nicht die Möglichkeit aus, daß er ſchon früher orch(2. Gener. Nr. 5) war verheiratet mit Anna K 2 rbedeu Stammler, lateiniſ J II d Verkauf ein Hufen er 1 1 7 8 1 rzick 0 ren Anſpr * N U In dem alten 8 ſind nur Stamn Laur 5 r Laurentius, Narten, f 85 k Vorfal neration 360 1 Beides es d 2 mobaun 2 On Beldbes 5 J 10 1 ohe ck Ce e wir eben t nock in f Brud ſt at dieſer Thomas mit dem im alten Stammbaur n unicht als Bruder, ſondern als Sohn von Marten aufgeführten Thomas identiſch iſt. unächſt Jürgen betrifft, den ich im revidierten Stammbaum 1 in der zweiten Generation eingefügt habe, ſo hatte er 1521 der Böttcherſtraße. Am 14. Februar und 26. März 1528 or dem Rate Erfolg dagegen, daß ein Hopfenhof ſeines oma gegnet an verſchie Familienbezeichnung Tr-lenborch) der ſeinige iſt, arb 1564 Für die Annahme, daß dem in alten Sta 0 irrtümlich führten ta identiſch iſt, ſpricht vor allem znungen von St Trendlenburg(vgl. S. 28) un r Leichenrede von 1668(ogl. S. 51) ein Marten in der Reihe der Vorfahren i nannt und Thomas nicht als Enkel, ſondern als Sohn des Laurenz aufgeführt wird. Auch paſſen ſämtliche chronc lot Daten nur inn ungezwungen zu nder, wenn m wie ich es in dem revidierten Sta nacht l„Thomas ſeinen Deſzendenten um eine Generat ˖ H ſchiebt. Dann fleich die beiden Schwiegerväter von Marten und von T i in n es Ver ueinander. B elbigen! oren n zrer wohl etwa tzt ſin Schwieg er von zwe dern, während nach dem alten Stammbaum — — S der Andere Schwiegervater vom Sohn gew ſen wär Thomas beſaß 1498 ein Haus in de Schurſtraße, vermutlich das Haus ſeines Vaters Lauren der Brauerei, 15 wird ſein Hopfenhof 0.) Cu U 1 1 Seine Fr 6 war die Ser enſo wie viſchen 1 ˖ Inſchrift G n S ˖ Der Vorn Senator B ſt Georg der Sta zi n Stettir Ex S aur G Ol f2 L N gen, n ach i dahingeſtellt bleiben iſt 7 8 al 7 4 1 1 1 daß Ca X ſe 2 un Jal pPäter begann Laurer nd 1547 noch am Leben de weſen iſt Dritte Generation. 1. Die Kinder von Marten Trendelenburg. Der Ehemann von Catharina Tr., Johannes Schabbelth Schabbel, Scabbel, Scabell), wurde 1553 Ratsherr. Er ſtarb nack 6 — K Ratsherrer Ler Sohn 53 k1 f 1579, geſtorben 1600, iſt der des ſta lſchen iſes in (ſ. o. S. 24), der Enkel Jacobus 10 und ſtarb 1660 70 Jahre alt, der Urenkel Henril gewählt 1660 und ſtarb 1677. Auf die igerung Scabell mit den Rats familien Zachon ff, Sti torff, Make, Burmeiſter ibaum aufgeführten Deſzendenten und die zahlreichen in dem alten von Johannes Scabell und Catharina Trendelenburg gehe ich nicht näher ein. Die Angaben des Stammbaums finden ihre Beſtätigung in der Ratslinie. über Hans Trendelenburg iſt nichts bekannt. Vielleicht hatte er einen Sohn Hermann(ſ. u. im Anhang). Marten iſt wahrſcheinlich identiſch dem Martinus Trendelen borch, der im April 1542 in Roſtock immatrikuliert wurde, und für den 1565 das Grabgeläute in Wismar bezahlt worden iſt Blaſius hatte 1549 ein Haus in der Schurſtraße. Das Gral geläute für ihn wurde bezahlt am 13. Juli 1557 2. Der Sohn von Thoma rendelenburg. Jürgen Trendelenburg, unſer direkter Vorfahre(3. Gener. Nr. 5 9 U war„vornehmer Kaufmann und Brauer“. Er war verheiratet mit Anna Hein, Tochter von Jürgen Hein und Schweſter des Arztes und Phyſiki Vornamen Dr. Nikolaus Hein Der Name Hein, faſt immer Nikolaus, kommt häufig vor. Ein Phyſikus Hein iſt in Wismar aber Ein Nicolaus Heinius Wismariensis wurde 1600 in nicht nachweisbar. Namens Roſtock immatrikuliert, 1619 bis 1635 kommt ein Arzt dieſes in Wismar vor, vielleicht iſt dieſes derſelbe Mann und ein Enkel des Phyſikus. Vierte Generation. 1. Kinder n Blaſiu rendelenbur Die Kin Blaſius Gene 4) betreffend ließ ſich folgen Anna Hans)am Dite verheiratet f aſr Ihr Mar va ſt 161 1 rſtorbe U ei Caſpar Ihr Mann ſtar 5 U 1 B f 1 le Ler K a 0 För 1im 8 Rra 4 614 * J 4 tudt 1 1Cin Ni moiſt ſna 7 N ſoinor Fhofrant teoun8 N mort Vurgermeiſters Kaſpar Tr. und ſeiner Chefrau Gertrud Renwert 26. Februar 1610(eröffnet am 21. Juli 1614 und am 12. Mai 162 t 0 für ſeine nächſten Erben ſeinen Bruder Blaſius und die eſter Anna mit Hans vam Dike: Jürgen, Ehefrau Gertrud erklärt 3 him Goldtſteder für ih Er ö Matthie Ever Ii i 1621(4 M. 23 erſcheinen dann a Jürgen vom Dike d Jochim Goldſtede ˖ Dike waren Caſpars Mündel(ſ. u. bei Blaſiu ei den Familienpapieren befinden ſich zwei Quittungen aus den 1605, die von Caſpar als Verweſer der Almoſentafel geſ kingſiegel verſehen ſind(Fig. 6) Von Jakol Nr. 5) iſt nur bekannt, daß er 1604 ſtorben t in dem alten Stammbaun angegeben d es daß das Grabgeläute für ihn am 18. September 1604 bezahlt wurde. Blaſius(4. Gener. Nr. 6) hatte 1575 ein Haus in der Schurſtraße. Die Brüder Jaſper und Trendelborg werden am 27. Februar 1583 r der Kinder vom Teiche: Jürgen, Blaſius, Annchen X, Vol. J. UIm Stammbaum heißt das dritte Kind, wie in dem ichen, ſondern Margarete) Blaſius Tr. und Jochim Oſterſtock ſind Schwäger, ſie vertragen ſich am 21. Auguſt 1621 über den Nachlaß der Witwe Jochim Oſterſtocks.!1) Für Blaſius ird Grabgeläute bezahlt am 18 Mai 1625, für ſeine Hausfrau am 0* m El 16 24 Seine Kinder Caſpar,( atharina(vermählt mit Claus Köppe) und Lucretia werden erwähn Stadtbuchſchrift von 1626 Exaltationis Sanctae crucis). Im Stammbaum ſteht an Stelle der als unmündig be— zeichneten Lucretia die Tochter Beata, unverheiratet geſtorben. 10 jen ratet can! 2 enbur — er 01 alter rum zufe nur dre ie 0 Ihn wie wir ſehen werden, noch ei islau nzugef d Von Jür d P wir nur 5 0 r das?) Har Sck C wur de 1587 Ser rſchr L6 zu Rat und B rſch Jef ˖ ſ. bei Schr 1). Ar ſe Kirchenſtu 1 St. Georg iſt d ppen angebrach )jom verheiratet Seine erſte nicht Eliſabeth v. Eichen geheißen haben, wie der alte Stammbaum angibt, ſondern Eliſabeth von Eixen. Denn auf dem Familiengrabſtein in St. Nikolai iſt neben unſerem Wappen das Wappen der v. Eixen angebracht. Der Name der alteingeſeſſenen Wismarer Familie wird auch Ekkeſen, Ekſen, Ecſe, Jecen geſchrieben. Sasse de Exzen kauft 17 N—1* 11 7 * 1— 0 X, 6867). Ein Hem ſt Bürgermeiſter, ein Nicolaus Eks le Wismaria wird 1458 in Roſtock immatrikuliert. Ein Jürgen Exen wurde oben(S. 43) als zur Freundſchaft der W von Jürgen Drendenborch gehörig erwähnt. Das Grabgeläute für die erſte Frau von Thomas Trendelenburg in St. Georg am 12. Dezember 1600 bezahlt. Die zweite Frau von Thomas war Anna Dröge, welche aber ſchon 1604 verſtarb(Grabgeläute am 2. November 1604 bezahlt). Als Thomas tenmal verheiraten wollte, beſtimmte er das Erbteil ohnes Daniel aus der zweiten Ehe und ſchloß ſpäter ſich 1606 zum dr ſeines unmündigen 1611 mit deſſen Vormündern einen neuen Vertrag(Tit. XX, Vol. H 1 lt 50 Wism. Arch) 8 2 ie dritte Frau von Thomas war Margareta ochter des bis 1668 „vornehmen Kaufmanns“ Stentz Röle in Hagenow (bgl. die Leichenrede auf ihren Sohn Stentz.— Gra ar 27. März 1668) Eine 1670 eingetragene Schrift on t. Nikolai ſagt:„[Grab] Nr. 39 gehört ſehl. Margaretha Röelen alß ſehl H. Thomae Trendelnborgs Wittwen er n specie ſehl. Stentz und Caſpar der Trendelnborge zu Greiffs und Ancklam, wie auch Mar hl. Andres Gieſen wittwen geſamten erben erb garethe Trendelnborgs, ſe falsweiſe, vermöge H. Thomas Trendelnborgs darauff befindl. nahmen von langen jahren.“ Wahrſcheinlich bezieht ſich dieſe Eintragung auf den ſchönen, jetzt leider nur zum Teil erhaltenen und an den wichtigſten Stellen unleſerlichen Grabſtein von Jürgen Tr. und ſeiner Frau Catherina. Wie oben bei Beſprechung der Grabſteine(ſ. S. 33) auseinandergeſetzt wurde, der Böttcherſtraße, di iſt dieſer Jürgen wahrſcheinlich der Brauer aus Eiren und Anna Dröge die dann genannten Frauen werden 30 11 f 1 f nd Stũ geſtanden 2 den 0 3 2 N Margarete 9 ö ihre gaſpar in 8 Erben tam au CEaſp Antlan Kära J 8 S ˖ rb im Jahre 16 Vier 1 danr lock ein Stantislau iburg, der als ari in Lübeck gelebt hat und Lübecker Bürgerstochter, Catharina Strelen, verheiratet war, t unſer Stammbaum aber merkwürdigerweiſe nicht aufgeführt iſt Daf 0 Vater des Anklamer Gewürzh 8 Ngorfahro 0 iſt Laſp Nr. 2 Dire r Vorfahre geweſen iſt, 8 Carr 1 C rs K gedruckt h von ν der Greifswald Bi nick werd 2 Titel⸗ 84 ˖ 4 138 blatt lautet: Nuptiis Aus itissimis 8 uissimi et Praestantissimi V Dn. Ca Trende lenburgii, Civis et Mercatoris Anclamensis Primari Spee et Praestantissimi Viri Dn. Stanislai Trendelenburgii b. m. civis Travà Lubecensis Primarii ex Catharina Strelen ilii et Lectissimae et Pudicissimae Virginis Dn. Catharinae Glanten Patriciae Anclamensis Divinam Bene Bürgerliſten des Lübecker gelungen Senators Thomas geweſen Seine nahe Verwandtſchaft mit t, der Gewürzhändler Caſpar, in den 1 alder Stenz Tr.(5. Gener. Nr. 17) r. geweſen iſt. Auf den es ſogar wiederum für die Richtigkeit der Stamm— baumangaben zu ſprechen. Der + uch löſte ſich, als ich im Lateiniſchen Lexikon fand, daß krater nicht nur Bruder, ſondern auch Vetter bedeuten kann. Caſpar(5. Gener. Nr. 22) war alſo nicht der Bruder von Stenz (Nr. 17), wie der Stammbaum angibt, ſondern ſein Vetter, die Väter der erſten Blick ſchien mir den waren Bruüder. Daß der Stammbaum unrichtig iſt, ergibt ſich auch aus dem Um inem itsgedichte auf die grauen Haare und das ird. Wenn aber, wie der Stamm— des 1607 geborenen Greifswalder weſen wäre, ſo hätte er zur Zeit ſeiner Hochzeit 1644 höchſtens 363 alt ſein können, als Vetter konnte er weſentlich älter ſein Niir* 1860 1* 4 Wir werden alſo kaum irren können, wenn wir unſeren vorher ver ſchollenen und nun aus den Hochzeitskarmina wieder aufgetauchten Vor IIsé Stanislaus Tr. in Lübeck als Bruder des Senators Thomas in Generation des Stamn auch in Fünfte Generation 5 nf f˖ bgeſehen von den ſchon er drei K v Dik Tr en, Blaſius ur MN U von Blaſius on Thomas und von Star Tr Kind us Tren enburg IJt* kan Sc 7 ruch 11 n Daß Catl verheiratet mit Claus Köppe, in einer Stadt buchſchrift von l ter von Blaſius genannt wird, iſt ſchon bei Blaſius erwähnt Dem Namen Köppe begegnet man nicht ſelten, 1694 der Ratsliſte. 1658 kommt ein Brauer Adam Köppe vor. Auch, daß die zweite Tochter wahrſcheinlich nicht Beata ſondern Lucretia geheißen hat, wurde ſchon geſagt. Jakob ſtarb nach der Inſchrif uüf ſeinem Leichenſteir chr auf ſeinem Leichenſtein in St. Nikolai am 19. Dezember 1618, 128 1* am? und De karien und St. Georgen). Er war verheiratet mit Anna Rug Daß der der Frau nicht Runge, ſondern Ruge iſt, war ſchon deshalb anzunehmen, weil auf dem Grab— ſtein neben dem Trendelenburgiſchen Schild das Wappen der Ruges an— gebracht iſt. Die Vermutung, daß der Stammbaum den Namen infolge Schreibfehlers f ng en hat, fand Beſtätigung durch das Zeuge— buch(B lm 17. Janue 621 erſcheint Anna Ruge als Witwe. Blaſius wurde in ktober 1608 und in Königsberg am 0. April 1612 immat Nach Angabe des Stammbaums ſtarb er in Königsberg, wahrſcheinlich alſo als Student. Caſpar ſtarb nach der Inſchrift des Leichenſteins in St. Nikolai am 2. Auguſt 1665 im Alter von 73 Jahren, war alſo geboren 1592. 1610 wurde er, noch unmündig, in Roſtock immatrikuliert. Er wurde zum Senator gewählt 1643. Seine Frau Gertrud von der Fehr ſtarb am 4. Januar 1667 60 Jahre alt, war alſo geboren 1607. Das Grab— geläute für den Mann wurde am 8. Auguſt 1665, das für die Frau am D anuar 1667 bezahlt. Der Name von der Fehr(von der Vehr) kommt smar ſchon 1250 vor, wo ein Joannes de trajecto(Hans von der in Fähre) als Käufer eines Hauſes genannt wird. 1635 wurde ein Eber⸗ hard von der Fehr in den Rat gewählt. Das Lübecker Exemplar des Stammbaums ſagt:„Caſpar, Apotheker zu gr. Warien und Ratsverwandter“. 8 Gemeint iſt nach Techen das Städtchen Warin, 20 km ſüdöſtlich von Wismar. Kinder des Ratsherrn Thomas Trendelenburg. ſter Ehe Über dieſe drei Söhne und drei Töchter läßt ſich nicht mehr bei ſringen als in der Stammtafel angemerkt iſt engeſchichte 0 icht Daß Danie 606 und 1611 a Sohn der Anna Dröge er urde ſch rkt ſtarb die Mutter Wocher Stens, geb. den 21. Auguſt 1607, ließ ſich 1636 als Gewürz ändler in Greifswald d e der Begründer der Greifswald Stettiner Linie der Familie. Ihn und ſeine Deſzendenten werde ich n em beſ Der inder dann noch Caſpar, Mar zareta, Paſche auf. Von dieſen muß, wie ſchon geſagt, Caſpar m bi geſtrichen werden ee r0 ſe, kommt 1670 in dem Gral buch v St. Niko + 3. Der Sohn von Stanislaus Tr. in Lübeck, Caſpar. Caſpar, Gewürzhändler in Anklam, iſt unſer direkter Vorfahre. Von ihm wird ſpäter die Rede ſein. Die ſechſte Generation in Wismar. ( 8 In Wismar wird die ſechſte Generation durch fünf Kinder 6 (und Apothekers?) Caſpar und ſeiner Frau Gertrud repräſentiert übe ſie iſt wenig bekannt Für„Beatha Trendelenburges, Hinrich Tampen(richtig: Tamplen) geweßene Hausfrauen“ wird das Grabgeläute am 7. März 1664 bezahlt. Gotthard wurde in Roſtock immatrikuliert 1652 und in Greifswald 1658. Auf zwei Leichenſteinen mit ſeinem und ſeiner Frau Emerentia Jörcken(Jorcke) Namen ſtehen die Zahlen 1671 und 1672. Martin fehlt in unſerem Exemplar des alten Stammbaums, findet ſich aber in dem Lübecker Exemplar. Nach dieſer Quelle war er Paſtor, ſein Sohn Abraham war Propſt in Plauen und ſtarb 1710, deſſen Sohn, ebenfalls Abraham, geb. 1686, war 1712 Paſtor zu Peine und ſtarb 1756. Der letztgenannte hatte einen Sohn, der wieder Abraham hieß, und eine Tochter Beata Kapitel 4. Der Greifswald⸗Stettiner Zweig der Familie. In dem nach Greifswald und ſpäter(über Anklam) nach Stettin übergeſiedelten Zweig der Familie iſt der Kaufmannsſtand bis in die 11. Generation vorherrſchend geblieben. Angehörigen dieſes Zweiges ge hören die in Greifswalder Kirchen beſindlichen Grabſteine an(obgl. S. 35). ung 18 Uls en) 8 die Inſchrift des älteſten Stei in der Marienkirche wird beſtätigt, daß die Überſiedelung vor 1639 erfolgte. Hier wird der Begründer dieſes Familienzweiges Stentz Trendelenburg(5. Gener. Nr. 17) begraben liegen Uber dief er in den vitae Pomeranorun 668 Auf d„Das iſt Vergnügte Kaufmannſche eine köſtliche Perle, dabey ihnen im Leben und Todt wol ſeyn kann. Aus dem H. Evangeliſten Matthaeo am 13. V. 45. 46. In unſer Haupt⸗Kirchen alll zu St. Niklas gezeiget und fürge ſtellet den 31 Auguſti lauffenden 1668 Jahres. Bey rühmlicher Volckreicher J Leichbeſtätigung des Weiland WolEhrenVeſten, VorAchtbaren und Wol fürnehmen Herrn Stentz Trendlenburges, Der Kramer Companey wol verordnet geweſenen Altherrns und Kauffhandelers wie auch 24 jährigen Provisoris des Waiſenhauſes allhie in Greiffswald, Und auff Begehren 8 M. N Alber K lia bey S. Niclau und R t Gedr. durch Matth. Doiſchern Acad. Buchdr.“ Rückſeite de telblattes trägt eine Widmung an die Witwe und die Kinder: Johanni Trendlenburges L. L. studioso, Stentz Trendlenburg, jetzo iburg dem Kaufhandel obliegend, Eliſabeth Trendlenburges, Caſpar Tren Liboria Trendlenburges. 2 ien Text nimmt 33 Seiten ein. slauf des Verſtorbenen s ſehligen Herrn Stentz Trendelenburg deſſen entſeelten Körper mit häuffigen Thränen die nahe Anverwandten und andere mitleidende Freunde und Chriſten bis an ſeine Ruheſtätte gebracht ehrliche Ankunfft chriſtlich geführten Wandel und darauf erfolgtes ſehliges Ende betrifft, ſo iſt derſelbe anno 1607 den 11. Auguſti zu Wismar von chriſt⸗ lichen und fürnehmen Eltern und Voreltern und aus einer alten Familie an dieſes Tageslicht ſproſſen und geboren worden.“ Hier folgt die Aufzählung der Vorfahren, die wir ſchon oben in der Abſchrift von Stentz Tr. dem Enkel kennengelernt haben Die Namen der Vorfahren ſind geſchrieben: Margareta Rölin(F1668), Jürgen Trendelen— durg. Anna Heins, Stentz Röhle, Margaretha Peters, Thomas Tr., Margareta Bösels, Georg Bösel, Laurentz Tr., Gerdruth Degners, Thomas Degner, Ignatius Röle, Anna Wartenberg, Hans Peters, Mar— garetha Siegebaden.(Marten Trendelenburg als Sohn von Laurentz und Vater von Thomas fehlt auch hier wie in den Aufzeichnungen von Die Nrediat üb Aor Lie Plebolgt ubde den odann folgen Angaben (ο „Personalia Was Stens, vgl. S. 28.) Der Text fährt dann fort:„Als nun von ſolchen vornehmen Eltern und VorEltern unſer ſel. Mitbruder in dieſe Welt gezeuget, folgends dem 1) Die r 0 eich einem Kaufr ˖ Per Und C 6 Uft 0 0 f L ſowohl daheim als in anweſender Stadt Schule ob aʒ ſel. verſtorbenen heſter Mann Herr M. Samuel Gervesius veſen wie auch ſein Päthe in aller Gottesfurcht u. in den St 8 u freien Künſten, dazu er Beliebung Anfangs getragen, unterrichtet worden. Als nun ſein ſe r Vater nebſt dem Rector Sel mit Tode abgeg u. d. ſelige Frau Mutter in d. betrübten Wittwenſtand verſetzt(1617), dari nnen auch eine Widerwärtigkeit nach der anderen empfinden müſſen, hat auf Einrathen ihrer nächſten Anverwandten ihre vorher ge zee ihn zur Kauffm ge widmet derohalben auch Rec u. Schre geſar u. wie er darin ziemlich profitieret nacher Lübeck geſchickt— vornehmen Kaufmann u. Gewürtshändler na Herr h Freytag unter Händenr zegeber 1 n 1 nick U delten neben Dienſtjahre ehrlich ausge beliebt gemacht, daß der ſel. Herr Freytag ihn durchaus nicht dimittiren wollen, ſondern für einen Geſellen in Dienſte genommen u. annoch neun Jahr behalten, in welcher Zeit er dann denſelben, weil er ein Mann von großem Handel geweſen, an weit abgelegene Ohrter als nacher Holland,——— und Rusland geſandt u. unterſchiedene wicht die er auch durch Göttliche Verleihung ſeines ſel. Herrn Patronen Vergnügen dergeſtalt abgeleget u. verrichtet daß er ihn ſehr lieb gewonnen u. allda in Lübeck ſich niederzulaſſen animieret, dabei auch alle mügliche Hülfe und künftige Befoderung wiederfahren zu laſſen promittieret. Ob er nun wohl an dem Ohrte zu bleiben anfangs entſchloſſen geweſen, geſtalt er ſich dann auch zu dem Ende allda bey der Cramer Compagney bereits angegeben gehabt, ſo iſt er doch nachmals ſchlüſſig geworden vorhero eine Reiſe nacher Pommern zu thuende u. wie bey ſeiner Anherokunfft ihm inſonderheit allhie(in Greifswald) der Handel nicht übel gefallen, hat er ſich eines Andern bedacht und Anno 1636 d. 18ten Oct. ſich allhie zu Bürgerrecht niedergelaſſen, darauff auch ſofort die Cramer Compagney gewonnen, eine eigne Gewürtslade angerichtet, ob es ihm nun wohl dazumahlen, inſonderheit wegen der gefährlichen Kriegszeit und dabei vorgegangenen faſt ohnerträglichen— ſehr beſchwärlich gefallen!), ſo hat er doch ſothane ſeine Nahrung bey ſieben Jahre unverheuratet fortgeſetzet. Anno 1643 als er vermerket daß die Haushaltung ohne Geſellinne ſich alſo weiter nicht wohl u. nutzlich könnte führen laſſen, ſeine ſel. Frau Mutter auch, welche annoch beim Leben war u. in dieſem Jahr 1668 zu Wismar dieſe Welt geſegnet hat, die Verehligung ratſamſt befunden, hat r ſich mit der damals viel Ehr- u. Tugendſamen Jungfer Anna Gültzowin, des weil. Wohlehrenfeſten Vorachtbar- u. Wohl gelahrten ſel. Herrn Johannes umissiones ſge** Fleiß Im November 1637 wu 18 Kloſ 1 zeſteckt und ers u. Brauers Ehelichen merten u. betrübten Frau hochgeehrten Herrn Vor— u. Freunden in ein Chriſt⸗ er ſelbigen Jahres ſich die ertrauen laſſen. Gleich wie — Eheſtande treulich nündern wie auch nechf liches Ehe Gelübde begel ſelbige an dieſer t er nun derſel r eygewohnt, ſie auch ttesfürchtige, fromme und keuſche Ehefrau denſelben v geehret, ſo iſt auch ihr Ehebette glücklich zjeſegnet, ihre Nahrun Wohlſtand vermehret u. Gottes Gnade u. Gut ſo reichlich bei ihnen verſpüret, daß ſie 9 Kinder als fünf Söhne und 1 Töchter mit einander gezeuget: 8 Es folgt die Aufzählung der Kinder, eine lan gatmige Auseinander ſetzung über den chriſtlichen Wandel des Verſtorbenen und ein Bericht über ſeine letzten Tage und ſeinen über die Lehrjahre bei dem Kaufmann Freitag findet ſich folgende Eintragun ˖ Krä—138 vaan K eck 1 18 er. 1 3 1 0 6 Inhalt 190 beginnend. S. 41! Ao. 1625 ad. 6. may heffet Hinrich Fridach ſinen Deiner laten ſchriben mit namehn ſtenzell trendelnborch von der Wismar bortig, den ehr an genommen hefft Ao. 1622 auff michali ihme zu dienen for einen Jungen 10 Jahr, ſolches hefft der Junge hir angelobedt daß ehr ſinen hern will treulich undt redtlich deinen Bekennt ſolches mit ſine Eigen handtt(gez.) Stenß trendelenborch min Egen handt 1634: 16. May Berichtet Hinrich Freidach das Sein dener ihme Erlich und redelich hatt Seine Zeitt gedehnet. 3. Seite vom Schluß: 40 1636 ad 12 Mertzi hat Stentz Trenden borgh thom erſten mall geesſchet(ſich zur Aufnahme gemeldet) 1 Daß Stenz nach ſeiner Lehrzeit in Lübeck und ſeinen Reiſen in das Ausland nich S nach Wismar zurückgekehrt iſt, ſondern ſich in Greifs wald niedergelaſſen hat, wird mit dem Verfall ſeiner Vaterſtaoͤt während des 30jähr igen Krieges zuſammenhängen. 1627 wurde Wismar von den Kaiſerlichen Truppen beſetzt, 1629 der Hafen durch die Schweden geſperrt, wodurch„der Spaniſche Handel gänz lich zu Grunde ging“ 2 zur Be freiung der Stadt durch die Schweden 1632 hatte ie Stadt 1718991 Reichstaler durch die Kaiſerlichen eingebüßt, von 1627 1633 hatte kein Schiff im Hafen die Anker gelichtet. Nicht mehr als 300 Bürger waren übrig geblieben. Bei Schröder heißt es: 1630 sag. haben die Kayſerlichen in Wismar ſo ä—— ein Haus nach dem andern verwüſtet er ander aus der Lübſchen durch die un worden. Man hat damahle Böttcher- und Breiten Straß gehen können und iſt die Ri ſchätzet worden.“ Die Stadt ucbe alſo grade in dem Viertel beſonders mitgenommen, in dem die trendelenburgiſchen Familien ihre Häuſer hatten le l fe Us in die Grube über lauter wüſte Stellen der Häuſer auf 150000 Rthlr ge 1 e og ogenen Bibel t man, daß der Verſtorbene ein guter Geſchäftsmann und Ka„daß er aber ſeine Geſchäfte in vornehmer 0 trieb das allgemeine Beſte im Auge behielt. Die Betrachtung f Worten d V. 5)„Wohl dem rzig iſt und gern ſeine Sach daß er in der Jugend ſoweit Latein lernte, daß er Latein prechen konnte, daß er dann„auf Anregung irgend eines Hamburgers“ nach Danzig und anderen Städten ging und ſich für den Kaufmannsberuf begeiſterte. Zu ſeiner Aus— bildung ſchickten ihn die Eltern nach Wismar und dann nach Hamburg zu einem Kaufmann Chriſtian Hübner in die Lehre, bei dem er 7 Jahre lang blieb. Nach dem Tode des Vaters kehrte er nach Greifswald zurück, machte Reiſen nach Schweden und Norweger te ſich 1678 in Greifswald mit d el U Ehe entſproſſen 9 Kinde einzigen Tochter des Kaufmanns Corswandt. Der er, deren Namen angeführt werden(vgl. den Stamm baum). 1709 wurde Stentz Tr. in den Senat gewählt. Als die Ruſſiſchen und Sächſiſchen Truppen Greifswald beſetzt hatten, wurde er zuſammen mit einigen anderen Ratsherren und vornehmen Bürgern zum Zweck der Erpreſſung einer hohen Kontribution von der Stadt über 4 Monate lang in harter Gefangenſchaft gehalten. Das Nähere darüber, ſagt der Rektor, ſei allgemein bekannt. Stentz Trendelenburg ſtarb am 9. Februar 1722 Der Schwiegervater von Stens Tr., der Kaufſmann Hieronymus Corswant war der Enkel von Caſpar Corswant, der Ge wandhändler nach Lübeck gegangen war; de die Beze den alten Aufzeichnungen:„aus Corswant wurde 1657 als Kaufmann 6 ſtarb aber ſchon 1658 vor der Geburt ſeiner Tochter Eli Dieſe ſtarb als Witwe von Stenz Tr. im Jahre 1731 Die Schweſter von Stenz, Liboria Trendelenburg, heiratete 1673 2 — oh Corswant in Greifswald, der 1683 Ratmann und Stadtrichter imd von 1695 bis zu ſeinem Tode 1706 Bürgermeiſter von Greifswald war. Er wurde 1694 geadelt und war Erbherr des Gutes Cunzow. Über die Grabſteine der Familie v. Corswant ſiehe auf S. 35 Auch die Leichenrede auf den Enkel Stentz Trendelenburg(7. Gener. Nr. 2), den Schreiber der oben erwähnten ſchriftlichen Aufzeichnungen aus dem Jahre 1764(vgl. S. 28) find ſich in n tae Pomeranorum(Bd. 38 Stens der 24. Julius rfahren, über Taufe und Schul egeben 0 ird berie ann in die Lel zulzeit kam Stenz Tr. bei einen eit hatte er den Wunſch, Reiſen in s und des Bürger igen Prinzipals Vater,„der durck 4 1 fremde Länder zu ſters Corswandt werden erleiden tigt, ihn in das eigne Geſchäft zurückzurufen anſehnlichen Geſchäften ſtand er von der Zeit an, in den Kriegsunruhen, ſo lange vor bis er, wegen ſeines erpediten und munteren Weſens, bey dem damals hier in Greifswald He lager haltenden Ruſſiſchen Monarchen Peter angegeben und von demſelben benannt wurde, mit unter ſeinem Commando zu ſtelle nden 50 Mann Ruſ— ſiſcher Soldaten, ſeiner Tafel Lieferante zu ſein, und mit Güte oder Gewalt die Anſchaffung derer Notwendigkeiten zu übernehmen Da nun dies mit 6 ihm ke reinf ſo verlief jol 1 0 1 er liebe el 5 Lul eſen u. ſeines ſel Herrn Vaters Geſchäft unter Sorgen u d Grämen der lieben Eltern, als daß er ſolche ihm erteilte Gewalt ſeinen lieben Mitbürgern und denen Landes einwohnern zur Beſchwerde zu üben, übernehmen wollte. Er entwich demnach nach Roſtock, nur daß er heimlich ab und zu ſich nach den Seinen umſahe Durch ſolche ſeine Flucht aber bekam er Gelegenheit, daß, da in Pommern der Anbau des Getreides verabſäumt müſſen u. keine fremde Zu fuhr anhero verſtattet wurde, alſo ein Mangel an Korn entſtand, er die benachbarten Städte nebſt ſeiner lieben Vaterſtadt u. ſeines ſel. Herrn Vaters Haus mit Brotkorn u. was ſie zur Betreibung ihrer ſonſtigen Nahrung nötig hatten, verſorgen konnte, welche gefährliche Centene da andere von denen feindlichen Marodeurs öfters aufgehoben u. alles des Ihrigen beraubt wurden, Ihm ſo wohl von Statten gegangen, daß er mit den Seinigen nie in ſo gefährliche Vorfälle gerathen Nach dem Friedensſchluß führte tentz Tr. das ziemlich in Unordnung geratene Geſchã kränllichen Vaters weiter und ebenſo nach dem Tode des Vaters im Namen der Mutter. Dieſe ſtarb 1730.„Er entſchloß ſich dann auch ſeine übrigen Tage außer der Che zuzubringen, in welchem Entſchluß ſeine eigenen ſchwächlichen Umſtände und die ſeinem Körper durch viele Strapatzen u. zur Kriegszeit empfundene Angſt zugezoge nen Beſchwerden noch mehr be ſtärkten. Indeſſen ſetzte er, wie ſtadtkundig, ſeine Handlung in dem an ſehnlichſten Stande in u. außerhalb Lande⸗ in Frankreich, Engelland Holland, ja faſt allen anſehnlichen Handelsſtätte ſo an der Oſtſee liegen, mit Ruhm fort, bis er endlich bey zunehmenden Jahren u. Schwachheiten die Handlung niederlegte u. ſeine übrige Lebenszeit einer ſtillen u. andächtigen Ull U Ruhe widmete.“ Der treffliche Mann ſtarb am 6. Juli 1764 Er ging aus wie eine Lampe darin alles Ol verzehret unter dem Gebet de alten Simeonis: Herr nun läſſeſt du deinen Diener in Frieden fahren hatte Nachdem er ein Alter von 83 Jahren 1 Tag erreicht hat Finmahr NVoſgnders gart ma 82 9 Fotoen das R Einwohner Beſonders hart war das Auftreten des Krie Kommiſſars Matzdorf. So wurden die Sta rick Stande war, und L E8 N4 8 11 8 7* I 12 herren Balzer Nürnberg(Bürgerm.), Joack rich, Joh. War Stenz Trendelenburg(der Sohn, 6. Gener. Nr. 9) und Joach. Weſtphal ſowie ſieben Bürger als Geißeln am 22. Dezember 1711 ausgehoben und auf dem Rathauſe bis zum 30. Januar 1712 in ſtrenger Haft gehalten und dann nach Anklam abgeführt; erſt nachdem durch auswärtige Anleihen die geforderte Summe, welche nach vielen Bitten auf 16000 Thaler herab gemindert wurde, beſchafft und gezahlt war, wurden die Geißeln ihrer ſtrengen und pe laſſen.“—— iwollen Haft entl „Die feindliche Beſatzung dauerte bis zum Ende de— Während derſelben war auch der Zar Peter der Große von Tage in Greifswald anweſend. Er kam mi 10. Auguſt 1712 an, beſuchte die Kirchen der ſitäts⸗Collegium und wohnte am 15. desſelben zwiſchen dem Profeſſor der Theologie und Paſtor Gebhardi und ſeinem Reſpondenten Erdmann Nach dem Kriege war Greifswald vollſtändig verarmt, ſo daß die Landesregierung der„unglücklichen und verarmten“ Stadt einen Steuererlaß auf 10 Jahre bewilligte und ihr die Erlaubnis erteilte, in fremden Ländern milde Gaben für den Wiederaufbau des abgebrannten Rathauſes und für die Ausbeſſerung der beſchädigten Kirchen und Schulen zu ſammeln. Von anderen Männern aus dem älteren Zweig der Familie wird bei Stavenhagen(S. 610) Stenz Joachim Trendelenburg(8. Gene erwähnt.„Ein Sohn Peter Trendelenburg's K hieſigen(Anklam) Senators + und Inſpektors der Pfarrkirchen, er ward 1750 Gerichtsſekr Anklam u. 1754 Senator zu Stettin, woſelbſt er nunmehr jermeiſter u Direktor des S tadtgerichts iſt. Ferner et ſich bei Stavenl 153 r Nr. CIII der Beylagen ein„Extrakt aus dem Gen Schwerin zu Büsow und der Stadt Anklam getroffenen zergleich wegen der ſtrittigen Frenze im Müggenwinkel bei Roſenhagen ito Büſow den 30. Junii 0 n N. ka 8 Peter Tr.(7 Nr. 4 n 1* 1N 1 8 Ur D Famili ˖ ln n im S Der Anklam-Neubrandenburger Zweig der Familie. Fünfte Generation. Caſpar, Gewürzhändler in Anklam. Unſer Vorfahre Caſpar Trendelenburg, der Sohn von Stanislaus Tr. in Lübeck, war, wie ſchon geſagt, Gewürzhändler in Anklam der ſchif Peene, nicht weit von ihrer Mündung in die Oſtſee U 4 1 K d St 1 Befe ˖ rneue are U i Schweden erobert un Gallas vergeblich belagert igen Vorpommern Schweden von Polen, Sachſen, Rußland Hannover(England), gegen litt Anklam 1713 eine Plünde den Sachſen eingenommen fmann Caſpar Trendelen eter Glanten. Dieſer„war eſen. Im Jahre 1612 ward er Paſtor an Marien und Präpo ſitus, wozu er am erſten Faſtenſonntage eingeführt wurde. Glanten ſtarb am zsebens und 51ten ſeines prieſter ert hatte er in Roſtock 166 Hochzeit von Caſpar Trendelenburg r 1641(16447) findet ſich, wie ſchon norum alb oben(S zande der vitae Pomer gedruckt. Leider iſt es mir nicht möglich g en, die Pomeran Lateiniſ Trende und da Gedichte zu paſſen ſcheint, möchte ich faſt glauben, daß jene 4 Carmin Lütunts D U ve Hoch A— tus C t ſt nen, deſſen Frau ebenſo ſeine Tochter ˖ Catharina ſich aus dem Titelblatt ergibt). die Gedichte auf aber auch e Kauf sgedehnten Gebrauck damaliger Zeit. Di üßigkeit uſw. N Finis et in ſondern nur Vetter bedeuten( S. 4 iſtopher Hage an Bräutigams ht Bruder, Gedicht des Predigers C mt auf das bedenklich hohe Alter Marien Bezug: Run hon 9 8 8 t 9 f wir möchter fahrer der Silber⸗Oa Fahr * Sache 0 U Inse Mit e liel ö De 6 euch jen re ind halten a er G1 ß alſo muß, 1* dieſes Gedichtes in genealogiſcher Hinſicht Auf die Bedeutung auch burde oben hingewieſen 1 Sechſte Geueration. Caſpar, Paſtor in Anklam. id den Großvater beeinflußt, wandt par Tr., ebenfalls Caſpar benann der Theologie zu, für das er wohl mit Jahren in die Matrikel der vurde 1671, 19 Jahre alt, wurde inſkribiert(ſ. o.)„Er wurde 1678 Diakonus adjun 1690 Paſtor in Anklam Nach Tode Präpoſitus an Nikolaen, Mag. Franz Budde, ward die Präpoſitur auf gar kurze Zeit von neuem zur Marienkirche verlegt, indem Tr. den 30ten März 1707 vom Gener.-Sup D. Joh. Friedr. Mayer, zum Präpoſitus beſtellt wurde. Er ſtand aber dieſem Amte nur einen Monat vor, da er am Zten Oſtertage desſelben Jahres im 55 ten ſeines Alters verſtarb. Sein Bildniß ſieh de Natga W 4 0 1 1 1 E 4 Seine Frau in war nach dem Stammbaum di Tochter eines Eccleſiaſticus Namens Hage. Dieſer iſt wohl jedenfalls identiſch mit dem von Stavenhagen(S. 506) erwähnten Chriſtopher Hage, der Jahre Paſtor in Daberkow, dann 1 Jahre Paſtor in Greifswald war Marien nach An illam berufen wurde. Er ſtarb Vaters des Gewürzhändlers Caſpar jten zu deſſen Hochzeit begegnet Nachdem Caſpar ſeine erſte Frau im Wochenbett verloren hatte, ver heiratete er ſich in zweiter Ehe am 12. Mai 1684 mit Euphroſyne Goetſch, Tochter des Bürgermeiſters Georg Goetſch in Anklam und 1640 als Diakon in 1680 in hohem Alter. Als Freund des Tr. iſt er uns vorhin ſchon bei d en Gedi Auch von dieſer Hochzeitsfeier ſind 7 Lateiniſche und 11 Deutſche Gedichte erhalten(Vitae Pomer. Bd. 106). Das deutſche Titelblatt lautet „Schuldiger Zuruff Bey hocherfreulicher Hochze Feyer des Wohl Ehr würdigen Großachtbaren und D Wohlgelahrten Herrn Caſpari Trendelenburgii, Wohlverordneten und treufleißigen Predigers bey St. Marien Kirchen in Anklam u. ſ. w. Mit Anwünſchung er Gli freulich geleitet von Nahen Freunden.“ In einem Carmen„i lelicatun Euphrosynae nomen“ wird der Vorname der Braut mit den Namen offi zineller Pflanzen verglichen, die auf die ſpezifiſche Heilkraft derſelben hin B. Ocularia, Den ickſeligkeiten er deuten, wie z ria, Pulmonaria, und dem jungen Paare heiliger Frohſinn(LTuνισ οννννν für die Ehe gewünſcht Vier von den deutſchen Gedichten haben Vettern des Bräutigams zu Verfaſſern(darunter vielleicht 7. Gener. Nr. 17, 19, 20). Johannes, der Rechte Befliſſener„ſchreibt aus ſchuldigſter Pflicht und ſonderbahren 2 lffektion ſeinem hochzuverehrenden Herrn Vetter glückwünſchend ein längeres Gedicht, in dem er die Erſtürmung der„Trendel Burg“ durch die Amazonin in Anklam beſingt,“ Petrus 2 Trendelenburg jun.„bezeugt nach Vermögen ſeine Freude“ durch ein Gedicht auf den Wonnemonat Mai, in dem er die Nachtigall„Schah, ſchah, ſchah,“ ſingen läßt Iparu L nbur l Schulban hreifswalt N 7 1 5„ +. ſeine ochverehrteſten Her Vetter ſeinem abe lücklich t 8 Wechſel ſeine gebührende Pflicht“ in folgendem Son Endlich„beehrte(der wohl noch re Schüler) Johannes Trendelenburg Hochzeitstag ſeines hochgeehrten Herrn Vettern mit dieſen kindiſchen Zeilen D D En U 0 H n 7 1 U 7 5 0 D0 1 1 J Fdl U 1 n re! a1 ſc n K · 7 8 U ˖ 1 N 6. 16 Kka 1 enoſſen der Liſe-Lotte von der Pfalz litte an übertriebener Prüderie, u 1 1 1 Schülerpoeſien nichts chzeitsfeſten in den Häuſern mehr zu empfehlen iſt folgendes unter den Gedichten „Hochzeits-Rätzel Seerèet. Cu Anclar 5 Acueitton 16712 Sachteits 1in hofin 11 8* ühion Abſchriften übrigen Hochzeitscarmina befinden ſich bei den Familien pieren Siebente Generation. Theodor, Superintendent in Neubrandenburg. Die Ahnenbilder. Von den vier Söhnen des Präpoſitus Caſpar Trendelenburg des älteren, wie ihn Stavenhagen im Gegenſatz zu ſeinem Sohn Caſpar nennt) wurden wieder drei Theologen, Caſpar(der jüngere), Chriſtian, der als cand. theol, ſtarb, und unſer Ahnherr Theodor, Superintendent in Neubrandenburg. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts iſt alſo ein Wechſel in dem allgemeinen Charakter unſeres Familienzweiges eingetreten. Während die Mitglieder der Familie Trendelenburg bis dahin, ſoweit uns bekannt, meiſt dem Brauergewerbe und Kaufmannsſtande angehört hatten, wenden ſie ſich nun mehr und mehr den akademiſchen Berufsarten und beſonders dem Dienſte der Kirche zu. Die Vorliebe für die akademiſchen Berufe hat ſich ſeitdem weiter vererbt, die Neigung zum Studium iſt in neuerer Zeit wieder mehr zurückgetreten. Mein Urgroßvater Chriſtian Friedrich und der Bruder meines Großvaters, Theodor Friedrich, ſind die der Theologie erſten Arzte, ein Bruder meines Urgroßvaters, der Profeſſor der Juris prudenz Adolf Friedrich in Kiel iſt der erſte Gelehrte und akademiſche Lehrer in der Familie ein Beruf, der dann in jeder Generation wenigſtens einmal vertreten iſt Die drei Söhne des Präpoſitus Caſpar Trendelenburg des älteren, die wieder Theologie ſtudierten, ſind ſoeben ſchon erwähnt worden. Über den älteſten Sohn Caſpar(7. Gener. Nr. 30) meldet Staven hagen(S. 514) folgendes:„Kaſpar Trendelenburg, der jüngere, ein An klamer u. Sohn des Präpoſitus gleichen Namens, auch Enkel(müßte heißen Urenkel) des Präpoſitus Peter Glante. Er war ſeit 18. Febr. 1710 Feld⸗ 8 prediger bey dem Bremiſchen Reuterregiment unter dem General von R„r + Ir Lreatt 2 0„ Düuf N 1 111 7 da Bremen(nicht die im Weſtfäli Frieden enfalls an S F S 0 Es iſt zu bedauern, daß in den Familienpapieren keine Aufzeichnungen unſeres Feldgeiſtlichen aus ſeiner Kriegszeit ve 2 Wirwiſſe Prap ſonſt nur, d einzigen Sohn hatte, wie derum Caſpar genannt Gener. Nr. 6), der 1741 zum Konrektorat der Großen Schule in Anklan und 1749 zum Rektor nach Friedland in Mecklenburg berufen wurde, wo er 1758 12. Caſpar Trendelenburg, Präpoſitu Unklam. geſtorben iſt(Stav. p. 530). Aber das Bildnis des Prä ſitus Caſpar Tr. des jüngeren iſt unter unſeren Ahnenbildern, wenn auch die Identität von meinem Vater nicht mit voller Sicherheit konſtatiert werden konnte. Ein Vergleich mit dem in der Anklamer Marienkirche wohl noch vorhandenen Bilde von Präpoſitus Caſpar Tr. dem älteren wäre von Intereſſe, da die Möglichkeit beſteht, daß auch unſer Bild das Porträt des Vaters und nicht des Sohnes wäre. Ich glaube mich aber deſſen zu erinnern, daß mein Vater ſchon einen ſolchen Vergleich vorgenommen hat Er war einmal in Anklam Bei dieſer Gelegenheit ſei einiges über unſere Ahnenbilder geſagt Die ſieben großen Olbilder erhielt mein Vater, als ich noch Knabe war, im Jahre 1856 aus der Erbſchaft ſeines Vetters de Apothekers Fritz Kindt n Lübeck(ſ. u Kindts Mutter Sophie Chriſtine war die Tochter meines Urgroßvaters, des Lübe Arztes Chriſtian Friedrich Tr., aus deſſen Hauſe d jedenf ſtar Nach dem Tode meines Urgroßvaters(1792 erde e an ſe Sohn Theod 5 rich(ebenfalls Arzt in Lübeck) und nach deſſen Tode, da er kinderlos ſtarb(1827) und ſeine im Alter folgenden Brüder ſchon verſt mwaren, an ſeine in Lübeck wohnend Schweſter, die eben g eker Kindt gek n ſe N 197 1 mird 83 1 1e O wird da u einer Ze ˖ 6. r ſtehend Einnahmen aus 8 N 1 1794 12 mer P F0 1480 1424). Samals 8 6 lebten nc Fr tter, die erſt 1796 92 Jahre alt ſtar Dieſ Por ſicher zu gleicher Zeit nach dem Leben und von demſelb wofür auch die gleiche Mal eiſe ſpricht(ſ. u. Fig. Ich halte es für ſehr wohl möglich, daß Johann Jacob Tiſchbein, ein Onkel von Wilhelm Tiſchbein, dem Freunde Goethes, der Maler geweſen iſt. Dieſer lebte als Porträtmaler in Hamburg und dann in ö A ſeil Frau, die e falls N ˖ ö Fra 2 Tiſchbeins„Aus meinem Leben“). Bei müſſen 1 dem Hauſe meine Urgroßvaters befreundet geweſen ſein, ſie malten meinem Großvater, als er 1782 aus dem Elternhauſe ging, um in Tübingen zu ſtudieren, hübſche Blätter in ſein Stammbuch, ebenſo 2 Fräulein Tiſchbein, wahr ſcheinlich ihre Es würde von Intereſſe ſein, in Muſeen, z. B in Hamburg, auf Bilder von J. J. Tiſchbein zu fahnden, um ſeine Mal weiſe mit der bei unſeren Bildern angewendeten vergleichen zu können Von den übrigen Bildern iſt das von Samuel Oerthling, das den übri igen an Kunſtwert nachſteht, ſigniert: G. O. Hoffstädt pinxit ä8. 1716 (ſ. u. Fig. 13). Das Bild des Neubrandenburger Superintendenten(ſ. u. Fig. 14 kann nicht zugleich mit dem ſeiner Frau und dem ſeines Sohnes, des Lübecker Arztes, nach dem Leben gemalt ſein, denn er ſtarb ſchon 1765 und war damals 69 Jahre alt. Auf dem Bilde ſieht er viel jünger aus und beſonders auch viel jünger als ſeine Frau, die 9 Jahre jünger war als er. Ein gleiches Porträt hängt nun in der Marienkirche in Neu brandenburg, wo es für das Bild eines Paſtor Wendt gehalten wurde bis durch die Güte des Herrn Dr. Wendt daſelbſt, dem ich eine Pauſe der Photographie unſeres Bildes ſchickte, die Identität feſtgeſtellt wurde anach iſt unſer Bild wahrſcheinlich eine Kopie des Neubrandenburger zildes, oder umgekehrt, ebenſo wie ein gleiches Bild, das im Beſitz des Herrn Juſtizrat Keil in Halle a. iſt. Über die Herkunft des Bildes vom Bürgermeiſter Friedrich Tr. in Gützkow iſt nichts bekannt, er kann 1770—1780 kaum mehr am Leben geweſen ſein oder müßte dann wenigſtens viel älter ausgeſehen haben Die Malweiſe iſt dieſelbe oder eine ſehr ähnliche wie in den übrigen Bildern, trotzdem wird man an einen anderen früheren Künſtler oder eine Kopie eines älteren Bildes denken müſſen(ſ. Fig. 16) N 16 * 0*„* ö K Mick end n Dresd 8 H ſtiz 0 S 0 W̃᷑ 7 8 1 * 1 U 8 maef ne 1 I 2 3 0 f 17 N 1 Nühn ix 0— K 1 G ö 1 1 n und 0 n N ſſort 1 + C 8 ſit in er alte wertvolle 5 ilienbetz auch in Zu worden. Hoffentlich wird Die ami ktunft von jedem, der die Bilder erbt, ſorgſam behütet und in Ehren gehalten werden, und macht noch vielen Generationen des Namens Tren del dieſ Freude wie den früheren Sohn Theodor des Präpoſitus Caſpar, d ſpät Suf t enten in Neubrandenburg, und von ſeiner Frau Eli ſabeth geb. Oerthling, unſeren dire Vorfahren, wiſſen wir iehr Gene a nich f auch hick aus der „des Paſtor Samuel Oerthling 1 Br einem bei Neubrandenburg gelegenen Dorfe, geb. 16 egla 720 etwas unfreund⸗ puſchelartigen Bart am Auf dem Bilde von Oertling iches Geſicht mit dem verkniffenen immer etwas ſonderbar vorgekommen, daß er als mecklenburgiſcher G„zumal des 17. Jahrhunderts, und als Schüler der theologiſchen Fakultät in Roſtock ein ſtreng rechtgläubiger, auch am Teufelsglauben feſt t Mann veſen überraſcht war aber doch ich beim bn Neu⸗ brandenburg fand, daß er und bei Verfolgung ei Den Prozeße ich Bemerkungen über die Hexen— prozeſſe, beſonders in dem damaligen Mecklenburg, vorausſchicken. Der Glaube an Hexen der Name kommt nach Grimms Wörterbuch her von hag(Landgut, Feld und Flur) und dem angelſächſiſchen tesn(ſchädigen, verderben) iſt ein uralter Volksglauben, mit der Vorſtellung von Wald frauen, Walküren, weiſen Frauen u. dgl. zuſammenhängend„Die Hexe —————— erſcheint ſtet nur al ie Perſon, di durch Beſitztum der Nachbarn und Einw lich ihre zerſtörende hätigkeit auf Korn und Weide und ſeine Maſt, die Eicheln 6 hundert wurde di Hexerei als Bündnis mit in Verbindung gebracht und nun als Religio K erſte von Gregor IX. ernannt ſtrenge Beichtvater der Landgräfin Eliſabeth, der 1233 in der Nähe von Mar burg von einigen Edel leuten erſchlagen wurde. 1489 erſchien der Hexen— hammer, Malleus male- ficarum, eine Schrift zur Unterweiſung der Gerichte in dem Verfahren zur ÜUberführung der Hexen, i m die Folter eine Hauptrolle ſpielte. Ver zeblich traten drei Arzte Weyer in Cleve(1563), Ewich in Bremen(1584), Reginald Scot(1584), dann 1631 F. v. Spee jegen den Hexenglauben und die Hexenprozeſſe auf. Erſt Thomaſius(1703) gelang es allmählich, die Welt von dem verderb lichen Wahn zu befreien, bis auf gewiſſe Reſte, die ſich im Volke bis heute erhalten haben. Um die Mitte des 18. Jahrhun Fig. 13. Samuel Oert P derts fanden die Hexen prozeſſe in Deutſchland und Sſterreich ihr Ende, ſtanden aber zur Zeit unſeres Paſtor Oerthling noch in vollſter Blüte. Die letzte Verurteilung einer Hexe fand 1782 zu Glarus in der Schweiz ſtatt Bei dem gericht lichen Verfahren ſpielte neben der Folter auch die Hexenprobe eine Rolle Die vermeintliche Hexe wurde gebunden in das Waſſer geworfen, ging ſie ſofort unter, ſo-war ſie unſchuldig, blieb ſie für kurze Zeit an der Ober fläche, was der Fall war, wenn ſich viel Luft unter den Kleidern befand, ſo war ſie ſchuldig. Es kam gewiß viel darauf an, wie der hartherzige oder mitleidige Folterknecht die Kleider an den Füßen zugebunden hatte In Mecklenburg wurde durch die Polizeiordnung vom Jahre 1562 die Verfolgung der Hexen und ihre Verbrennung im Falle der Überführung en. 1604 gab der Roſtocker Prediger Gyſe eine Laienbibel beſonders befohl 91 uls das Treiben der Hexen und Zauberer nach eigenen Er fahrungen geſchildert wird.„Alle dieſe zauberiſchen Dinge habe ich, der ch wegen meines Amtes oft mit vielen Zauberinnen, wenn ſie zum Feuer verdammt waren und gerichtet werden ſollten, habe umgehen müſſen, z. Th. von dieſen gehört, z. Th. auch von Richtern und Gerichtsſchreibern, welche die Folter anwendeten, glaubwürdig erfahren.“ Vergeblich trat 1617 der Profeſſor der Phyſik und Metaphyſik J. Seeker in Roſtock in einer Dis utation de magia gegen ſolchen Unſinn auf und ſagte:„Statt der weiſen oft dumme Schöpſe“ die Richter geweſen(E. Boll, Geſchichte S. 288 u. 293). 1661 erſchien eine Interimsverordnung ölf von Güſtrow, in welcher er der Ritterſchaft und welche das hohe Halsgericht hätten, drohte, es ſollte ihnen genommen werden, wenn ſie gegen„dieſes Laſter“ nicht vor⸗ Herzog ſetzte ſein„Bemühen für die Beförderung des thätigen Chriſtentums und zur Steuerung der abergläubiſchen Unwiſſenheit und der eingeriſſenen Verwilderung“ dann fort, indem er 1681 ein eigenes Gericht in Güſtrow anordnete, welches in allen Hexenprozeſſen das Urteil zu ſprechen hatte, eine Maßregel, welche allerdings auch dazu dienen ſollte, der zu mörderiſch gewordenen Juſtiz Einhalt zu thun. 1675 wurde in Schwerin ſogar ein Prediger hingerichtet, weil er es wegen ſchwachen Gedächtniſſes in den Studien nicht weit gebracht hatte, trotzdem er mit Hilfe einer Hexe Prediger geworden war. 1688 erließ dann aber Herzog Chriſtian Louis von Mecklenburg⸗Schwerin nach ſeiner Rückkehr von einem Aufenthalt in Frankreich ein Edikt gegen die Hexenproceſſe. 1697 fand die letzte Verbrennung ſtatt, 1736 wurde der letzte Proceß geführt. 1769 ſchaffte Herzog Friedrich auch die Tortur ab.(Boll J. c. und Krey, Beitr. z. Meckl. Kirchen- u. Gelehrten-Geſchichte). Die Geſchichte von der Hexe im Dorfe Brunn findet ſich in der Chronik der Vorderſtadt Neubrandenburg von Franz Boll, Paſtor an St. Johannis, herausgegeben von Dr. Franz Boll, Profeſſor an der Uni— verſität Rom(Sohn des vorigen). Neubrandenburg 1875. Ich gebe ſie abgeſehen von einigen unweſentlichen Kürzungen wörtlich wieder: P. 163. Anlage I. Unterſuchung wider die Anna Arendt zu Brunn, auf einem der Marienkirche zu Neubrandenburg gehörigen Bauernhofe wohnhaft, wegen beſchuldigter Zauberei 1679(durch meinen Bruder aus den im Beſitz des Geheimen Hofrat Brückner hierſelbſt befindlichen Akten gezogen). In der letzten Hälfte des 17. Jahrhunderts(wahrſcheinlich 1678) wurden in dem auf dem Neubrandenburger Werder belegenen Dorf Roggen— hagen mehrere Hexen verbrannt. Eine halbe Meile davon entfernt und zwar durch das Dorf Brunn von demſelben getrennt, liegt Ganzkow, dem Oberſten Friedr. v. Barner, Commandant von Roſtock gehörig, einem fleißigen Beter und fanatiſchen Hexenverfolger. Wahrſcheinlich durch die zu Roggenhagen„juſtificirten“ Hexen beſchuldigt, wurden hier in Gantzkow 1 Frauen gefänglich eingezogen. Sie ſollten mit 2 anderen Frauen auf dem auf der Ganzkower Feldmark belegenen Blocksberg ihre Zuſammenkünfte aben Sie urden, nachdem ihnen die nötigen Geſtändniſſe durch Folter erpreßt waren, im Sommer 1679 vecbrannt. Von den beiden welche mit den 4 auf dem Blocksberg geweſen ſein ſollten, war die eine Anna Warncke, Ehefrau des Thomas Arndt,„die Arndtſche“, auf einem der Marienkirche zu Neubrandenburg gehörigen Bauernhof in Brunn. Sie ſtand alſo unter Botmäßigkeit des Bürgermeiſters Kaſimir, Okonomus der Marienkirche. Von den 4 Frauen hatte die Ode'ſche auf der Folter geſagt daß die A. zaubern könne u. auf dem Blocksberge geweſen ſei; die„Spon holziſche“ beſtätigte es und ſagte, ſie ſei auf einem Pferde zum Blocks berge geritten. A. ſtellte mit ihrem Notarius Behm die Sp. im Gefängnis zur Rede, dieſe konnte nicht ſagen, was die A. auf dem Blocksberge gemacht habe. Dann behauptete die Sp. aber noch, die A. habe einen Geiſt, der Hans heiße!) und der als eine Maus groß zu ihr, der Sp., gekommen ſei und ihr verboten habe, nicht gegen die A. zu bekennen. Hierauf veranſtaltete Kaſimir in Gegenwart von Barner und dem P. Oertling eine Confrontation in der Frohnei(Gefängnis) I A htig fortgelaſſen) u 3. Ward die Sp. befragt, vahr ſei, daß ſie dem Herrn Paſtor zu Brunn abſonderlich bekannt, die A. habe ihm durch ihren Geiſt ſechs Ochſen umbringen laſſen. Antwort: Ja, und es hätte ſich der Geiſt Hans deſſen auf dem Blocksberge berühmt. Die A. ſagt darauf, es wäre nicht wahr, und hätte des Herrn Paſtors Vieh eine Kage(Huſten) gehabt, daran ſie geſtorben u. ſ. w. Schließlich ward auch der Ehemann der A., von welchem geredet, daß er„böten“(durch Zaubermittel heilen) könne, vorgefordert und gefragt, ob er dieſes eingeſtehe, was er mit Nein beantwortete. Der Herr Paſtor Oertling aber erbietet ſich, es mit einem in Brunn wohnhaftigen Mann zu beweiſen, daß jener böten könne. Drei Wochen ſpäter berichtet Oertling„dem Hoch Ehrwürdigen, Großachtbaren und Hochgelehrten Herrn, Herrn Franzisco Clingio, hochverdienten Superintendenti des Stargardiſchen Kreiſes ꝛc. ſeinem beſonders hochzuverehrenden Herren und Gönner zu Neubrandenburg: Hochehrwürdiger, Großachtbarer und Hochgelehrter, beſonders Hochzuverehrender Herr Superintendens! Auf erforderte Nachricht wegen der A. bishero geführten Lebens und gehabten Gerüchtes, berichte, daß ſie zwar zu Gottes Wort und den heil. Sakramenten ſich äußerlich gehalten, doch aber mit dem faſt perpetuir lichen Kirchenſchlaf, Fluchen und liederlichen Reden an den Tag gegeben, daß ſie auf das prophetiſche Wort nicht groß achte. Sonderlich iſt ſie dem teufliſchen Laſter der Mißgunſt zugethan, daß ſie faſt keinem etwas gönnt. Als etwa vor 10 Jahren einige Pensionarii allhie zu wohnen ſich begaben, ließ ſie ſich oft vermerken, als wenn durch dero Vieh die Weide würde verſchmälert werden, darauf litte inſonderheit der eine, 1) Der böſe Geiſt, der die Hexen beſuchte, ſcheint häufig den Namen§ gehabt zu haben, ſo z. B. auch in Flandern, in de Coſters Uilenſpiegel K He f großen Schaden Ahrlich o lang r hie ſeiner och ſonſten kein Viehſterben war. Der iock kein K können aufziel und lebet kümmerlich. Jener hatte ſie in und pflag ofte zu ſagen hätte einen eigenen Viehteufel in Und daß ich mein eigen Erempel anziehen mag, habe ich zum gehöret, wie ſie über di Vielheit meines Viehes ge Doch ſage Gott hat's genommen, der Teufel ſoll die Ehre nich ben. Aus Mißgunſt that ſie vor etwa 4 Jahren einen ſchröcklichen daß ich Herren Hauptmann Glöden mit meinem Knechte i vie ſie deßwegen der Herr Hauptmann fordern ließ und ſie zur willkührlichen Kirchenſtrafe anmahnte, geſtand ſie zwar rufen, und iſt jährlich ein ziemliches Tara gefolget 6 m 0 zur Strafe durchaus nicht erkennen; ich dreue em Herr Su nder hinterbringen, und wollte ſie aus Moſe bereden, hielt ihr vor, wie hart vormalen Gott der Herr die Flucher zu ſtrafen befohlen, da antwortete ſie ganz höhniſch:„ja Moſes, Moſes, man kommt immer mit dem alten her ꝛc.“ Es bezeuget Hans Peſelin, Vorſteher dieſer Kirchen, daß vor etlichen Jahren ihr Mann, Th. Arndt, ihm einen Ochſen durch das Böten geſund gemacht, wie er aber nach einiger Zeit ſich in etwas mit ihm verunwilliget, iſt der Ochſe wieder krank geworden und geſtorben. Da Herr Oberſt Barner anfing, die erſte Hexe einzuziehen, hat ſie ſich ſehr ungeduldig darüber bewieſen und ſich faſt unnütz auf den Oberſten gemacht, daß er alle Weiber wollte brennen laſſen. Dieſes iſt, was ich von ihrem Leben und Wandel nach inem beſten Wiſſen und Gewiſſen zeugen kann. Gott, der am beſten weiß, was im Menſchen verborgen iſt, offenbare die Bosheit und zerſtöre Reich des lebendigen Teufels, Amen, Amen! Befehle meinen hochzuverehrenden Herrn Superintendenten dem Gott iller Gnaden Meines hochzuverehrenden Herrn Superintendenten Dienſt- und Gebetsſchuldigſter Samuel Oerthling. Brunn, den 15. Juli 1679. Am 8. Auguſt. Konfrontation mit der dritten Hexe Trina Görries. Auch ſie beſchuldigt die A. der Zauberei, ſie ſei auf einem rothen Ochſen zum Blocksberg geritten. Die Arndt erbietet ſich, die Waſſerprobe zu be ſtehen, Kaſimir lehnt dieſes ab, da es ſchon 1649 von Herzog Adolf Friedrich verboten war. Er wolle ſich ihrer annehmen, wenn ſie unſchuldig ſei. 59 22. Auguſt. Die vierte Ganzkower Hexe Anna Beckmann gefoltert, bekennt am nächſten Tage in Gegenwart von Oerthling und dem Richter Burmeiſter ähnlich wie ihre drei Vorgängerinnen. Die A. ſei auf einem weißen Pferde zum Blocksberg gekommen, ihr Geiſt wie ein Bauersmann gekleidet geweſen. Die Arndt habe dort getanzt. Auch Meiſter Kaſpar, Scharfrichter in Neubrandenburg, tritt gegen e A. auf. Ihm ſeien drei Pferde umgekommen, ſeit die A. zweimal in ſeinem Hauſe geweſen, ſie hätten mit den Köpfen an die Wände geſtoßen gequiekt wie die Ferkel und wären darauf niedergeſtürzt. Er habe die A in Verdacht. Vier Monate waren nun ſchon verfloſſen, ſeit die erſte Anklage gegen die A. erhoben war, dieſe war noch nicht gefoltert und befand ſich ſogar noch auf freien Füßen. Dies war eine Ausnahme Regel der ſonſt ſehr kurzen Hexenprozeſſe. Deshalb beſchwerte ſich v. Barner beim Herzog Guſtav Adolf. Dieſer erließ folgendes Reſkript an den Bürger meiſter Kaſimir Ehrſamer lieber Getreuer. Uns hat Unſer Obriſter, Commandant von Roſtock und Lieber getreuer J. F. v. Barner unterthänigſt berichtet, wes geſtalt die in ſeinem Gute Gantzkow juſtificirten 4 Zauberinnen auf eines der St. Marienkirche zu Neubrandenburg im Dorfe Brunn zuſtehenden Unterthanen Weib, die Arndt'ſche genannt, einhellig bekannt und ſolche ihre Ausſagen und Bekenntniſſe mit dem Tode bekräftigt, ſich auch ſonſten wider dieſes Weib andere Indicia hervorgehen ſollen Als wir nun gnädigſt wollen, d ß wider ſe Arndt d Rechten na verfahren und dieſelbe nach Befindung zu gebühren Strafe gezogen werd ſo iſt hieraus Unſer gnädigſter Befehl an dich, daß du wider oftbeſagte Arndt mit allem Fleiße inquiriren und den Rechten nach procediren und verfahren, und ſolches, bei Vermeidung Unſerer Ungnade und Ahndung, nicht unter laſſen ſolleſt. Wornach du dich unterthänigſt zu richten. Güſtrow, den 17. Sept. 1679. Guſtav Adolf Doch ließ der Bürgermeiſter wieder drei Monate verſtreichen. Am 13. Dez. Verhör der Arndt auf Requiſition des Kaſimir auf dem Rat hauſe in Neubrandenburg. 81 Frageſtücke werden zur Beantwortung vor gelegt. Es kam nichts dabei heraus, die Arndt leugnete alles. Inquiſi⸗ toriſche Künſte, wie gewöhnlich, wurden dabei nicht angewandt.— Dann ruhte die Angelegenheit wieder 2/) Monate lang.— Im März 1680 ſchickte man die Akten an die juriſtiſche Fakultät Greifswald, um ſich ein Gutachten über das weiter zu beobachtende Verfahren zu erbitten. Dieſe Vorgehen war das bei ſtädtiſchen Niedergerichten gewöhnliche, auch zur Folter ſchritt man nur, wenn die Fakultät ſich für Zuläſſigkeit derſelben ausgeſprochen hatte. Der Bote nach Greifswald brachte die Antwort gewöhnlich in 1—3 Tagen mit zurück.— Ablieferung der Akten am 8. März. Zwei Tage ſpäter wurde ihm folgendes 3 Thaler 1 Schilling koſtendes Gutachten eingehändigt: Unſeren freundlichen Gruß zuvor Wohlehrenveſter, wohlweiſer und wohlgelehrter, vielgeehrter Herr Bürgermeiſter! Als derſelbe Uns hierwieder beigeſchloſſene acta, Inquiſitionalia wider A. Warncke des Th. Arndt Eheweib, in puncto verdächtigter Zauberei zugeſandt und welchergeſtalt wider dieſelbe weiter rechtlich zu verfahren, ihn aus den Rechten zu informieren gebeten, ſolchemnach erkennen und ſprechen Wir Dekanus, Senior und andere Doctores der Juriſtenfacultät ſität zum Greifswalde nach fleißiger Leſung und Erwägung der Uns zugeſandten Akten vor Recht daß, dafern och nicht geſchehen, Inquiſitin in gefängliche Haft zu bringen, und res geführten Lebens und Wandels halber, wie auch, ob annoch ein Mehreres, dadurch ſie der bezüchtigten Hexerei wegen verdächtig könne zjehalten werden, beizubringen, genaue Inquiſition anzuſtellen. Sollte nu ein Mehreres annoch können beigebracht werden, ſind daraus gewiſſe Articuli zu verfertigen, und Inquiſition darüber litem zu conteſtiren anzuhalten, dann von ihr geleugnet wird, darüber ſind die Zeugen eidlich zu nen und mit der Inquiſitin zu confrontiren. Wenn ſolches geſchehen, ergehet auf fernere Rechtserholung, was Recht iſt. Dafern aber keine Indicia mehr ſich ſollten herfür thun, iſt Inquiſitin von der gefänglichen Haft zwar für dieſes Mal zu erlaſſen, demnach aber auf ihr Leben und Wand 1it AMt u1t 10 11 Nan Re htes we 1 Ute Acht U Ebei! V0o0l Decanus, Senior u. ſ. w. Mit dieſem Aktenſtück, ſagt Boll, enden die Akten und wahrſcheinlich auch der Prozeß ſelbſt. Wahrſcheinlich hat man den Wink, die Arndt, wenn nicht weitere Indizien ſich herausſtellten, laufen zu laſſen, befolgt. Augenſcheinlich verdankte die arme angebliche Hexe ihre Rettung ledig lich dem Umſtande, daß ſie wegen der Zugehörigkeit ihres Bauernhofes zur Marienkirche in Neubrandenburg unter der Jurisdiktion des wohl wollenden, vielleicht nicht mehr an Hexerei glaubenden Bürgermeiſters Kaſimir ſtand. Wenn aber Boll dem Paſtor Oerthling den unterwürfigen Stil ſeines Schreibens zum Vorwurf macht, ſo iſt das ungerecht. Es war dieſes die jebräuchliche Schreibweiſe Untergebener an ihre Vorgeſetzten in damaliger Zeit. Sie hat ſich gerade in Mecklenburg beſonders lange erhalten. Wurde doch noch in meiner Zeit in Eingaben der Univerſität Roſtock an Sereniſſimum zum Schluß Allerunterthänigſt„erſtorben“. Wenn ich und meine Kinder das Blut eines Hexenverfolgers in unſern Adern haben, meine Kinder übrigens nur noch zu ½54 ſo wird es meinen Kindern eine Beruhigung ſein können, daß es bei ihnen durch das unſchuldige Blut zweier armen hingerichteten Hexen neutraliſiert iſt. Ein direkter Vorfahre ihrer Mutter Charlotte geb. Fabricius war der Pfarrer zu Nieder-Wildungen Johannes Schleiermacher(1583—1658). Er war verheiratet mit Suſanna Rebenſtock, Tochter des gräflich Waldeckſchen Sekretärs und Bürgermeiſters zu Wildungen Bartholomeus Rebenſtock (geb. 1542).„Suſanna“, ſo heißt es in dem Schleiermacherſchen Stamm— baum,„fiel wie ihre Mutter und Stiefſchweſter dem im Waldeckſchen furchtbar graſſirenden Hexenwahn zum Opfer und wurde 1655 enthauptet“. Daß ſie enthauptet und nicht verbrannt wurde, wird ſie ihrem Stande als Bürgermeiſterstochter und Pfarrersfrau zu danken gehabt haben! rr——ů———— 1 2 Sam Oer in Roſtock ſtudiert hat und dort Mitglied des Pommerſchen Chores(ſ. S. 39 zeweſen iſt, daß er dreimal verheiratet geweſen iſt vier Töchter gehabt hat(ogl. Krüger, Die Paſtoren daß ſeine ngſte Tochter Magdalena Eliſabeth Theodor Trendelenburg verheiratet war, und daß dieſe ſeine Toch beſonders liebenswürdige prächtige Frau geweſen iſt Theodor Über Trendelenburg oder Dorotheus, wie er ſich auch ſelbſt genannt haben ſoll, und wie er einen ſeiner Söhne taufen ließ, macht G. Krüger(Jahrb. d. Vereins für Mecklenb. Geſchichte, 69. Ig. 1904, S. 120) folgende Angaben: „Theodor Tr. geb. zu An klam 1696 Febr. 19. Sohn des P. und ſpäteren Präpof ſpar daſelhfſt Caſpar daſelbſte 4 Bruder Präp. Caß da 740 Roi daf. 40). Oe Kriegsunruhen flüchtete er von der dortigen Schule nach Colberg, ging dann auf die Univerſität Jena. 1722 P. in Brunn(und Ganzkow), wurde er 1732 als Hofprediger und Konſ Rat nach Neuſtrelitz be rufen und auch als Sup. im Audienzſaale des dor tigen Schloſſes, weil die Schloßkirche noch nicht fertig war, durch den Präſ. Loccenius-Stargard inveſtiert, 1753 wurde er Fig. 14. Theodor Trendelenburg, Superint bei dem Regierungswechſel in Neubrandenburg nach Neubrandenburg ver— ſetzt, was in verſchiedener Weiſe begründet wird. Hier verwaltete et die Superintendentur bis zu ſeinem am 24. Februar 1765 erfolgten Tode? (folgen die Namen der Frau und der Kinderh. Die Flucht des Schülers Theodor aus Anklam wird am 1. April 1713 ſtattgefunden haben. Denn an dieſem Tage begann die Plünderung und Brandlegung der Stadt auf Befehl des Zaren. Der Befehl wurde glücklicherweiſe zwei Tage ſpäter wieder rückgängig gemacht. Die Familie Trendelenburg wird beſonders zu leiden gehabt haben, denn Stavenhagen berichtet:„Die Häuſer der Prediger waren die erſten, worin die Offiziers alles wegnahmen, und was vergraben oder vermauert war hervorſuchten. Perſon ſelbſt, ob ſie Geld oder andere Kleinodi erte den Sonnabend und Sonntag Gottesdienſt einſtellen“ Theodor vom Neuſtrelitzer Hofe anbetrifft, ſo hing ſi ferung und nach Auf zeichnungen des Paſtor ler in Kladrun den Familienpapieren) damit zuſammen,„daß inzeſſin Chriſtine dem Trunke ergeben war, und n en Predigten immer ſchärfer die Sünden der Zeit und des s gelang ihm nicht, die Prinzeſſin von ihrer Paſſion zu ihm ſonſt alle Ehren erwies, ſich bei ſeiner fünften Tochter und bei deren dritter Tochter als Patin anbot und ihm auch einen(ſpäter auf die Familien Kindler und Keil vererbten) Lehnſtuhl ſchenkte“ Dieſe Prinzeſſin Chriſtiana Sophie Albertine, geb. 1735, alſo der Verſetzung des Superintendenten erſt 18 Jahre alt, war die Schweſter des H Adolf Friedrich IV der, nachd Herzog Adolf Friedrich III. kinderlos geſtorben war, der berechtigte Thronerbe, aber damals erſt 14 Jahre alt war(geb. 1738). Auf Betreiben der alten Herzoginwitwe ſtrebte ſein Vetter Chriſtian Ludwig von Mecklenburg— Schwerin danach, die Regierung als Vormund in die Hände zu bekommen, die energiſche Mutter des unmündigen Thronſolgers aber ging mit dieſem nach Greifswald, um ihn dort ſtudieren zu laſſen, und ſetzte dann durch, daß er ſchon 1753 vom Reichsrat mündig geſprochen wurde. Auch mit dieſen Thronſtreitigkeiten, in denen der Superintendent in mißliebiger Weiſe Partei ergriffen haben wird, hing ſeine Entfernung vom Hofe wahrſcheinlich zuſammen Adolf Friedrich IV. iſt als älterer Mann in Fritz Reuters„Dörch— läuchting“ als Typus eines kleinen deutſchen Potentaten der Zopfzeit mit unübertrefflichem Humor gezeichnet worden, und wenn er da durch ſeine Staaten fährt und immer wieder bald umkehren laſſen muß, weil er ſchon wieder an der Landesgrenze angelangt iſt, dann ſehen wir auch ſein„Chriſtel ſweſter“ neben ihm„in de goldne Kutſch“ ſitzen,„drei Lakayen achter up un de beiden Löpers vörn weg“. Manche Züge in dem Geſamtbilde werden der Wirklichkeit entnommen ſein, für Dörchläuchtings Gewitterfurcht z. B. ſprechen noch heute die 64 Blitzableiter, die das Schloß in Neubranden⸗ burg zieren ſollen, aber die meiſten Striche zu der Karikaturzeichnung ſind auf Fritz Reuters dichteriſche Phantaſie zurückzuführen. Kenner der Lokalgeſchichte wie Franz Boll, ein perſönlicher Freund des Dichters, ſind mit ſeiner Schöpfung ſehr wenig zufrieden geweſen Intereſſant iſt es, den Herzog und ſeine Schweſter von einem Zeit⸗ jenoſſen nach eigener Anſchauung geſchildert zu ſehen. In manchem ſtimmt dieſe Darſtellung mit der bei Reuter wohl überein, aber wo der eine ſpottet und herunterzieht, da bewundert und idealiſiert der andere, ſo daß man, ohne ſchon orientiert zu ſein, kaum darauf kommen würde, daß es ſich bei beiden Darſtellungen um dieſelben Perſonen handelt. Der Zeitgenoſſe iſt der Engländer Thomas Nugent, der ſich auf 8 iner Reiſe nach Deutſchland im Jahre 1766 am Neuſtrelitzer Hofe auf )hielt und einen ausführlichen Reiſebericht veröffentlichte(öogl. das Literatur verzeichnis). Nugent hatte ſchon vorher eine Geſchichte Mecklenburgs unter dem Titel: The history of Vandalia containing the ancient and present state Oof Mecklenburg. London.!) veröffentlicht und empfand das Bedürfnis, ſeine Angaben durch eigene Beobachtungen über Land und Leute zu kontrollieren und zu ergänzen, zugleich hoffte er durch eine Seereiſe ſeine erſchütterte Geſundheit zu ſtärken, was er auch trotz miſerabler Verpflegung auf dem Hamburger Segelſchiff einigermaßen erreichte. Nach London zurückgekehrt, verſtarb er aber bald, ſo daß nur der erſte Band ſeines in Form von Briefen an einen Freund verfaßten Buches erſchienen iſt. Auf der Reiſe kamen nach zehntägiger Fahrt„die hohen Klippen des berühmten Eilandes Heiligenland“ in Sicht, das damals noch den Dänen gehörte, aber einen von den Ham burgern errichteten Leuchtturm trug. Am nächſten Tage war Nugent in Hamburg, das er ſehr bewundert und ausführlich beſchreibt. Von hier ging die Reiſe weiter über Lübeck, Bützow, Roſtock, Dobberan, Güſtrow, Neubrandenburg nach Neuſtrelitz, meiſt auf ſchlechten, ſandigen oder ſteinigen Wegen im Schritt auf offenen Poſtwagen fahrend,„die um wenige Prozent beſſer als in England die Miſtwagen“, aber doch mit drei Bänken mit Rücklehnen verſehen waren. Leider fand Nugents Beſuch in Neuſtrelitz 13 Jahre nach dem Fort gang des Superintendenten Tr. ſtatt, ſo daß wir über dieſen nichts er fahren, nur ſein Nachfolger Maſch wird erwähnt. Von der Hofetikette ſagt N. unter anderem:„Die Geiſtlichkeit hat am ſtrelitziſchen Hofe auch Zutritt, aber nicht am Hofe zu Schwerin. Indeſſen beten ſie nicht vor dem Tiſch, ſondern dies thut immer ein Page in Liverey. Bürgerliches Frauenzimmer erſcheint nicht bei Hofe, wenn es auch von adlicher Her kunft iſt.“ Von den Fürſtlichkeiten und dem Leben am Hofe hat Nugent den beſten Eindruck gewonnen.„Der regierende Herzog, 28 Jahr alt, lebt wie ein großmüthiger Fürſt; keinem ſeiner Unterthanen wird der Zu tritt erſchwert, ſeine Milde und Gnade verbreitet ſich über Alle. Unſchuldige Freuden befördert er gern, daher iſt er ein Liebhaber von Bällen und Aſſembleen, tanzt und ſpielt Karten. Man kann ſagen, ſeine höchſte Freude beſteht in Gutes thun, und das Glück ſeiner Unter thanen ſcheint das höchſte Ziel des Ruhmes zu ſeyn, das er zu erringen ſucht. Er iſt ein treuer Verehrer ſeiner Religion, ob er gleich alle Bigotterie haßt, und ein erklärter Feind der Bigotterie iſt.“ Die Finanzen des Herzogs ſind nach Nugent im Gegenſatz zu denen ſeines Vorgängers in beſter Ordnung, was der Überſetzer in einer An merkung aber in Zweifel zieht. Bei Fritz Reuter werden nicht einmal die Zwiebackrechnungen der dicken Bäckerfrau in Neubrandenburg rechtzeitig be— zahlt, und Dörchläuchting muß ſeinen Hofrat Altmann durch Vermittlung des Kammerdieners anpumpen, um das zum würdigen Empfang des Schweriner Herzogs Friedrich Franz erforderliche bare Geld zur Verfügung zu haben. 1) Auch Merian nennt Mecklenburg Vandalia, das Land der Vandalen Nugent empfing, hatte er einen blauſamtnen Rock an aßgelbe Unterkleider, weiße ſeidne ümpfe, brillantene Schnallen und en Orden des Hoſenbands um, die Prinzeſſin war im Reitkoſtüm. Ein nderes Mal hatte der Herzog einen karmoiſinroten ſamtnen Rock an, und Nugent bemerkte Reuter iſt der Anz S blanke Snallen, vigeletten Samftrock, up dem Kopp en lütten verdeuwelten Dreimaſter“ Der Pariſer Schneider wird öfters erwähnt. Über die Prinzeſſin ſagt Nugent folgendes:„Chriſtina, Prinzeſſin— Schweſter des regierenden Herzogs, iſt itzt ein und dreißig Jahr, von „dunkler Geſichtsfarbe, blauäugig und ein wenig n, daß er täglich anders gekleidet ging. Bei Fritz ſid'ine Hos, witte Strümp un Schauh langem und edeln W von den Blatternnarben gezeichnet. Ihre Konſtitution iſt zwar nur ſchwäck ich, aber dies hindert der Geſprächi und dem aufgeräumten Weſen Hts ie K aller d n ge die das G haben, ſich ihr nähern zu dürfen Sie ſpricht ſchön und mit großer Fertigkeit franzöſiſch. Ihr ganzer Anſtand iſt von einer ihrer Hoheit angemeſſenen Würde begleitet, und alle ihre Worte zeugen von einer geſunden Beurtheilungs kraft und Kenntniß“.— Der Überſetzer fügt hier in einer Anmerkung hinzu:„Sie hat einen faſt männlichen Charakter, der ſich auch im Außeren zeigt, ſie trägt oft Mannsſchuhe u. ſ. w.“ Nugent fährt fort:„Ihr höchſtes Studium war von jeher die Vervollkommnung ihres Herzens, daher bezeichnen hzahre Frömmigkeit und unbegränzte Güte des Herzens vorzüglich die hoh Würde ihrer Geburt u. ſ. w.“ Von einer Vorliebe für alkoholiſche Getränke hat der Engländer augen— s kann aber auch ſein, daß er aus Dankbarkeit 11 t„ ichts bemerkt, es 0 für die ihm ſchmeichelnde ſehr freundliche gaſtliche Aufnahme am Strelitzer Hofe dieſen Umſtand und einiges andere weniger Günſtige aus dem Leben im Hofe verſchwiegen hat. In„Dörchläuchting“ iſt„Prinzeß Chriſtel Kunzen(dem Ratskellerwirt) ſülwſt noch en hübſchen Poſten für Portwein un Pontack(Rotwein) ſchüllig“, und im letzten Kapitel heißt es: Aus ihrem Fenſter ſah die Prinzeſſin herunter,„da ſi wedder mal in'ne korte Hoſarenjack mit buklederne Büxen Staat makte un ſick en friſch Glas Portwein in ſchaten let“. Es wird alſo ſeine Richtigkeit haben, daß unſer Superintendent Urſache hatte, der damals noch ſehr jungen Prinzeſſin, die ſein Täufling und ſeine Konfirmandin geweſen ſein wird, in das Gewiſſen zu reden. Der Superintendent Theodor Trendelenburg verheiratete ſich, wie ſchon erwähnt wurde, mit der jüngſten Tochter ſeines Vorgängers im Paſtorat zu Brunn Samuel Oerthling. Magdalena Eliſabeth Tr. geb. Oerthling war bei ihrer Ver heiratung zu Anfang des Jahres 1722 kaum 16 ⁰ Jahre alt. Der Ehe entſproſſen 18 Kinder. Sie ſtarb 1796 91 Jahre alt. Nach allem, was uns über dieſe Ahnfrau überliefert iſt, war ſie eine kluge, liebenswürdige und tüchtige Frau, auch unſer Blbild, das ſie als Greiſin, aber aufrecht und frei auf dem Stuhl ſitzend, den Fächer in der Hand, darſtellt, gibt den Eindruck einer beſonders anſprechenden Perſönlichkeit. Ihr Urenkel, 23—„„„„— R—————— der Paſt Kindler in Klal bei&E U 00 Paſtor Rahne zu Straſen(8. Gener. 9 10 n deſſen Hauſe ſie 32 Ja lebte, ſchrieb über ſie meinem Vater folgend „Die Superintendentin Tr. iſt nach f W ihrer Lieblingstochter und deren ſanfte Mar gan und bis an ihr Ende das geliebte Haupt d geweſen, jeden Morgen um drei Uhr wachend und ſich f L anzündend, um bis fünf Uhr, wo ſie die übrige Hausgenoſſenſchaft geweckt hat, im Be nd flächſen Garn abzuwickeln, wozu der Vorrat willig meilen ſi 5 weit her ihr gebracht iſt. Sie hat geſagt, als junges Mädchen ſei ſie immer um drei Uhr geweckt und habe einige Lagen Korn ab dreſchen hel den Tienſtmadckh bis vor 25 Jahren ül in Mecklenburg bei den Bauern Sitte war, und Acht dabei haben auf das Licht, daß nicht Feuer aus komme. Daher erwache ſie auch ſpäter noch immer ſ und der Menſch müſſe ja doch auch arbeiten als ob er nimmer ſtürbe und beten als wenn Alles Arbeiten nicht hülfe. Sie hat oft gerühmt, ſie habe doch gar zu viel Freude an ihren Kindern gehabt, ſie hätte a1 gern das zweite Dutzend f geb. Oerthlin auch noch voll gehabt. Den Tod ihres älteſten Sohnes hat man ihr verheimlicht, weil ſie an dem mit be— ſonderer Zärtlichkeit gehangen. Deſto fleißiger hat ſeitdem die Schwieger tochter geſchrieben, die wegen des weithin nach Holſtein und Mecklenburg geholten und conſultirten Mannes ſchon längere Zeit immer die Correſpondenz geführt hatte. Paul Gerhards Lieder hat ſie auswendig gewußt und immer Verſe daraus unvergleichlich anzuwenden gewußt.— Obgleich die Frauen der bürgerlichen Mitglieder höherer Behörden in Strelitz nicht hoffähig waren (vor 1846) iſt ſie doch oft zur Tafel und zu Thee befohlen, weil ſie vie Mutterwitz gehabt und dadurch die Unterhaltung ungemein zu beleben ver ſtanden hat.“ Es wird erzählt, daß ſie einſtens fleißig arbeitend im Garten 8 2 vor der Stadt ſtand und die ſeidene Schürze, die ſie als Frau Super EFD 2 iſtandshalber tragen mußte, den Rücken gebunder e, als der Gemahl mit ſeinem Herzog zu einem Nachmittags eſuch erſchien. Die Ahnfrau knixte und richtete ſich wieder auf und mußte achen, als ſtatt der ſeidenen Staatsſchürze ſich der eingeſetzte minderwertig ſonſt von der Schürze bedeckte Stoff im Vorderteil ihres ſchönen Falten rockes zeigte Während ſie damals 80 Jahre alt bei ihrer Tochter und dem Schwiegerſohn in Straſen wohnte, wurde am 31. Oktober 1785 das Dorf durch eine Feuersbrunſt zerſtört, die 10 große Bauernhäuſer mit vollen Scheunen und Ställen und 21 kleine Häuſer der und Hand werker in Aſche legte. Auch das Pfarrhaus brannte ab, und der Schwiegerſohn Paſtor Rahne konnte nichts retten als„2 Kiſten Lein wand, 5 ſilberne Löffel und 1 ſilberne Kaffeekanne, außer den paar Betten, worauf ſie die alte Groß mutter und die noch ältere Tante Rahne nach dem Garten gebracht, und wor auf ſie von nachmittags 5 Uhr an bis nachts 1 Uhr unter freyem Himmel, Wind und Regen haben aushalten müſſen.“(Brief des Lübecker Doktors.) rich Trendelenburg, Bürgermeiſter Die Anzeige des in Gützkow Todes der Superintenden— tin in dem Hamburger Correſpondenten(1796) lautet:„Zu Straſen in Mecklenburg-Strelitz ent— ſchlief den 3. December die verwittwete Superintendentin Trendelenburg, nachdem ſie den 28. November in ihr 92tes Lebensjahr getreten war. Nur 8 Tage vor ihrem Ende litt ſie an einem Fieber, welches allmählich abnahm und nach und nach die letzten Lebenskräfte verzehrte, bis ſie endlich den ſanften Schlaf des Müden ſchlief. Sie hatte 43 Jahr die frommen Freuden einer chriſtlichen Ehe mit dem wohlſeligen Herrn Conſiſtorialrathe und Superintendenten Trendelenburg genoſſen, war treuſorgende Mutter von 18 Kindern, ſegnende Großmutter von 58 Enkeln, zärtliche Elter— mutter von 74 Urenkeln und treuliebende Freundinn ihrer insgeſammt aus 150 Gliedern beſtehenden Familie. Sie lebte an die 32 Jahr als Wittwe im Kreiſe meiner Familie in frommer zufried den Tag ihrer it in anhaltender einer bei ſo hohem Alter ſehr zu bewundernden ſteten jres Geiſtes Sanft ruhe ſie im Frieden des Herrn! Ihr zärtlicher Muttername bleibt ihrer Nachkommenſchaft heilig. Rahne, Prediger und der Verſtorbenen Über Friedrich Trendelenburg, Bürgermeiſterin Gützkow(7. Gener. Nr. 32), den älteren Bruder des Superintendenten Theodor in Neubranden burg, iſt nichts Näheres bekannt. Gützkow iſt ein kleiner Ort etwa 20 Kilometer ſüdlich von Greifswald gelegen. Nach Merian war er vor Zeiten die Hauptſtadt einer Grafſchaft, zu der auch Greifswald gehörte.„War etwan ein vornehmer Statt; jetzund aber, nachdem das Schloß daſelbſt im Jahre 1386 von den Stralſund- und Greifswaldiſchen verſtöret worden, wird ſolche für einen geringen Flecken gehalten“. Nach einem Zettel bei den Familienpapieren kower Bürgermeiſter zu hatte der Gütz öhne, Theodor Chriſtoph und Chriſtian Friedrich Stenz Der erſtere war Kämmerer, der andere Kaufmann in Gützkow. Ein Urenkel des Bürgermeiſters mit Namen Theodor wanderte 1838 als Zahnarzt oder Zahntechniker nach Philadelphia aus. Von ihm ſtammen wahrſcheinlich die Familien Trendelenburg ab, die in Amerika leben ſollen. (ο Kapitel 8. Achte Generation. Dr. Chriſtian Friedrich, Arzt in Lübeck. Der älteſte Sohn des Neubrandenburger Superintendenten war mein Urgroßvater, der Lübecker Arzt Pr. Chriſtian Friedrich Trendelenburg (8. Gener. Nr. 10). Er war als Schüler in dem Alumnat des Joachims thalſchen Gymnaſiums in Berlin, derſelben Schule, dem ich meine Gymnaſial bildung verdanke(in neuerer Zeit nach Templin in der Mark Brandenburg verlegt), und ſtudierte von 1745 ab in Göttingen Medizin. Als Lehrer wirkte dort beſonders der berühmte Albrecht Haller auf ihn ein, der 1736 von Bern als Profeſſor der Botanik, Anatomie, Medizin und Chirurgie nach Göttingen beruſen war und hier bis 1753 wirkte, in welchem Jahr er, vom Kaiſer Franz J. geadelt, in ſeine Schweizer Heimatſtadt zurück kehrte. Am 24. Juli 1748 wurde Tr. promoviert und verteidigte in der Disputation 30 Theſen, davon 14 über die natürlichen Pflanzenſyſteme. Der Liebe zur Botanik iſt er zeitlebens treu geblieben. 1787 ſchreibt er an ſeinen Sohn Fritz nach Tübingen:„Deines ehemaligen Lehrers Suckow Anfangsgründe der Botanik ſind nun wirklich heraus. Nach der Recenſion zu urteilen, ſo hat er wahre und reelle Verbeſſerungen des — RRRR.. R né'ſchen Syſt Ich wünſcht ß du dir anſchaffteſt und läſeſt Ich werd mir auch ſofort verſchreiben Auf ſeinem Bilde ſehen wir mit ſeinem H äftigt, vielleicht zu Ehren ſeines Schweizer jrers liegt auf dem freien Blatt eine Enzianpflanze. Das unter dem Herbarium liegende Buch trägt den Titel: Dr. Halleri Icones anaton Das Werk erſchien 174 Georg Erhard Hamberger, Profeſſor der Chemie und Medizin in geb. 1697, geſt. 1755, vgl. bei Adelung) hatte 1727 eine Schrift de respirationis mecha- nismo et usu genuino ge ſchrieben, in der behauptet war, daß ſich in der Pleura— höhle zwiſchen Lungen und Rippenwand Luft befinde, und daß die Wirkung der inneren Interkoſtalmuskeln darin beſtehe, die Rippen herunterzuziehen. Haller hatte durch Tierverſuche die Unrichtigkeit dieſer An nachaemieſen ind nachgewieſen, und ickelte ſich nun ein lebhafter literariſcher Streit zwiſchen beiden Gelehrten und zwiſchen ihren Schü lern, der durch die Leiden ſchaftlichkeit von Hamber ger in eine unerquickliche Zänkerei ausartete. Tren delenburg trat für ſeinen Lehrer Haller ein, für Ham berger deſſen Sohn und 4 rendetonourg andere. Aus Trendelen burgs Feder ſtammt die in dem Katalog der Göttinger Bibliothek auch unter ſeinem Namen geführte Schrift: Continuatio Controversiae de mechanismo respirationis Hambergeriano ua LAbsentia aeris thoracici probatur Il Demonstratio Hambergeriana de actione musculorum intercostalium sub crisin modeste vocatur Auctore G F. T. S. M. M. D. Göttingae MDCCIL. Eine Kupfertafel mit geometriſchen Figuren zur Erläuterung der die Rippen hebenden Wirkung der Interkoſtal⸗ muskeln iſt beigefügt.— 1752 veröffentlichte Trendelenburg eine deutſche Schrift gleichen Inhalts„Fernere Fortſetzung der Halleriſchen und Ham— bergeriſchen. Streitigkeiten vom Athemholen“, in der die Beleidigungen und Verleumdungen der Gegner energiſch zurückgewieſen werden(Die Schrift befindet ſich bei den Familienpapieren). Der Ton entſpricht dem perſönlich jewordenen Charakter des Streitee Die Göttinger Anzeigen(1752. 211e“ Stück S. 205) ſchreiben darüber:„Wer das ſanftmütige und gelinde Weſen des Dr. Trendelenburg, kennt, wird ſich vielleicht über die mehrere Heftigkeit verwundern, die er bezeuget. Aber die Urſache dieſer Wallung ber einem wahrhaftick* n und höflichen Manne liegt wohl in den auch gerichtlich ahnbaren Scheltworten, die Hambergeriſcherſeits beſtändig und ſeit dem Anfang der Streitigkeiten ſo häufig aus geſchüttet worden ſind.“ Tr. wird auch in Hallers Hauſe verkehrt haben. Sein Sohn Friedrick Wilhelm rühmt 1784 in dem Bericht über ſeine Schweizerreiſe(ſ. u.) den freundlichen Empfang, den er und ſein Bruder bei der Witwe Hallers auf ihrem Landgute bei Bern gefunden hatten.„Dieſe verehrungswürdige Frau ſchreibt er, freute fich außerordentlich, Söhne eines alten Freundes und Lehr lings ihres verſtorbenen Gemahls zu ſehen“ Nachdem mein Urgroßvater ſich in Lübeck niedergelaſſen und eine ärztliche Praxis begründet hatte, verheiratete er ſich am 8. November 1753 mit Sophie Dorothee Schumacher. Die Feſtgedichte zur Hochzeit habe ich durch die Freundlichkeit des Herrn Prof. Curtius in Abſchrift erhalten, die Originaldruck mit hübſchen Vig ietten verziert, befinden ſich in der Stadtbibliothek in Lübeck lche Rolle ſolche Gelegenheitsgedichte zu Familientagen in den deutſchen ndels ſtädten damals ſpielten, erfahren wir aus Goethes Wahrheit und ichtung. Ehe der junge Goethe nach Leipzig auf die Univerſität ging, alſo etwa 10 Jahre nach der Lübecker Hochzeit, verkehrte er in Frankfurt ohne Wiſſen ſeiner Eltern in einem luſtigen Kreiſe junger Leute, an den ihn beſonders ſeine erſte ſchwärmeriſche Liebe zu Gretchen feſſelte. Die Koſten der abendlichen Gelage wurden dadurch gedeckt, daß Gretchens Vetter für Geld Hochzeitsgedichte und Leichenkarmina verfertigte. Goethe„hatte ſchon immer die Gelegenheitsgedichte, deren damals in jeder Woche mehrere zir kulirten, ja beſonders bei anſehnlichen Verheiratungen dutzendweiſe zum Vorſchein kamen, mit einem gewiſſen Neid betrachtet, weil er ſolche Dinge ebenſogut ja noch beſſer zu machen glaubte, und ließ ſich gern bereitfinden, die Mühe des Dichtens dem Vetter abzunehmen, der ihn dazu mit den Perſonalien der betreffenden Familien bekannt machte“. Sollten etwa einige der acht Lübecker Hochzeitscarmina auch auf Be ſtellung für Geld angefertigt worden ſein, ſo iſt unter den Berufspoeten wohl ſicher kein Goethe geweſen. Denn ſie zeichnen ſich mehr durch Länge als durch Tiefe der dichteriſchen Empfindung aus. Der jüngere Bruder des Bräutigams, Johann Adolf, feiert die„fröliche Trendelenburg und Schumacherſche Verbindung durch eine Ode von dem Glücke der Weisheit“. Auch die fünf jüngſten Brüder„bezeugen ihre zärtlichſte Freude“, indem ſie das Glück und das Vergnügen des Naturforſchers ſchildern, das ſich bei dem Bruder nun durch die Verheiratung noch vervollkommnet Ha Di „So hat Dein muntrer Geiſt ſich an dies weite Feld Geliebter Bruder, längſt zu Deiner Luſt geweidet P 1 Doch, daß auch dieſe Luſt, die man unſchätzbar hält Durch ein erweitert Glück auch einen Zuwachs leide Zeigt der erwünſchte Tag, da Dir der Vorſicht Rat! Durch eine kluge Wahl zum folgenden Vergnügen Das, was Dich glücklich macht, heut zugefüget — An die Stelle des Lateiniſchen im 17. Jahrhundert). S. 58) iſt etzt das F öſiſche getreten. Bal Munter liefert ein längeres Epithalame, deſſen Schlußvers lautet Les amours, 08 ntentent vous rendront qu- Plaisir Ne Et ces ardeurs li i8 enchantent, Ne Les( 8 0 5 Ul Ne t qu'en tendres Ainsi g us iront Soit qu tre printems se passé Mäme ngs jours de la glace Jan ne vous d nt.“ Ein anonymer Freund preiſt die Verbindung des jungen Paares im 8 Gegenſ zu zuf unechter berechnender Liebe gegründeten Ehen. In *(Geod 1 90 91 chen Altaren es tauben Baals blinde Zunft. Den Götzen knieend zu verehren Belehrt ſie blöde Unvernunft. über ſie, im Geiſt erhaben, WMeit der Weiſe dieſe Gaben de U iſt d n re 0 E ch e Te Dari Tho bens geizt Vock Paar kan ch hildern D ür nich und Pinſ G daſ jetroffnen 2 e A ur lugen lu Du Paar! das itzt ich ſel kanſt von der wohlgerathnen Ehe der Zukunft einſt ein Muſter ſeyn Drück, holde Braut! den künftgen Bräuten Um gleichen Vortheil zu erbeuten, Dein Bildniß, im Verhalten, ein. nn! den ein großer Vater zeugte, Den noch ein Volk als Aron ehrt, Was iſt's, das Dich zu Jener neigte Ein kluges Wehlen, ſo Dich lehrt. Schon klug, bey jugendlichen Jahren, Hat Deinen Fleiß Berlin erfahren, Den Hallers Beyfall noch erhebt. Kein Wunder, daß in Lübecks Gränzen, Wo Dich Verdienſt und Ruhm bekränzen, Auch eine Gattin für Dich lebt.“ uſw Dem Dichter der oben erwähnten Ode von dem Glücke der Weisheit macht Nikolas Binder mit einem Gedicht„Die Tugend“ Konkurrenz, das, ganz unperſönlich gefaßt, für jedes tugendhafte Hochzeitspaar paſſen würde und daher den Verdacht aufkommen läßt, daß es auf Beſtellung in einer Vers fabrik hergeſtellt ſein könnte. Für den Geſchmack der Zeit iſt es charakteriſtiſch, und ich möchte daher auch dieſem Carmen einige Verſe entnehmen 0 U** 5 bre r n deinen n Es rauſcht die fortgewühlte Laſt Das Laſter eilt zum Untergehen In deinen Wirbel aufgefaſſt 8. C 01 de rern Himi Cl Ergreifen 1 erfüller Faſt eil ich ſelbſt mich zu verſtecken Iſt denn die Tugend für 1 Ich El 2 1e— 0 D und Gärten glühn eilt f Gold zu mahlen 0 länzt der lebhaft Grün Licht tränkt uns mit Wonne Stralen hin; le Sonne dem Sinn 20. O Tugend! anmuthsvolle Schöne Dir wirbelt meiner Opfer Rauch: Zeig mir nur einen deiner Söhne Und eine deiner Töchter auch 21. Ja ſie ſind die dort erbl Am Traualtar ſchlägt i Ihr Bund mit dir iſt ücke Ihr Bund mit ſich iſt 22* 0 2— Schluf Paar iſt dief Ja, Tugend! du haſt ſie erzogen Iſt denn Ihr Glück noch ungewiß bienzeit bei Haller her war mein Urgroßvater mit dem Profeſſor der Botanik in Kopenhagen, Oeder, befreundet, dem Ver faſſer der Flora Danica. Ihn lernte der oben(vgl. S. 7 Engländer Nugent in Hamburg kennen, ſie machten die Reiſe nach Lübeck zuſammen, und Oeder führte ihn hier bei ſeinem Studienfreunde Tr. ein Nugent ſchreibt dann am 6. September 1766 folgenden Bericht:„Den ) erwähnte rendelenburg, Familiengeſchichte 8 den Abend waren wir bei dem Herrn Subrektor Behn invitirt. Hier tadt vor, und eine viele der vornehmſten Gelehrten aus d die Geſellſchaft noch brillanter. Die mehrſten am Spiel waren, rauchten cht inkommodirte. Der Wirth rauchte Pfeife an, und nachdem er einigemal zu Pfeiffenrohr ſauber an ſeinem Rockzipfel ab, nde die Pfeiffe. Dies iſt man hier zu Lande ſöhnt uns mit jeder Sache. Wir deſſen, ſondern die Geſellſchaft aß und trank ienten liefen beſtändig im Zimmer den Herren und en Wein, Bier und kleine Die Geſellſchaft ziemlich lange, und beym von Hrn. Rektor Overbeck auf den folgenden Mittag Doktor Trendelenburg zum 2 4 S E 2 * Tuant Weggehen gebeten, allein da wir uns ſchon vorhe Abendeſſen engagirt hatten, ſo gab ich dem Herrn Profeſſor Oeder zu verſtehen, daß es uns wohl zu viel werden mögte, wenn wir uns auf einen Tag doppelt verſagten.— Und warlich! itzt bin ich froh, daß wir ſo vorſichtig waren, des Rektors Einladung abzuſchlagen, denn wir empfingen bei Trendelenburgs allein ſchon unſer beſcheiden Theil. Trendelenburg iſt aus Neubrandenburg gebürtig, und folglich ein gebohrner Unterthan vom Herzog von Streliz. Er iſt ein wohlgebildeter Mann, eher korpulent als mager, rund von Geſicht, ſchwarz von Augen und überhaupt von äußerſt Dame, einnehmender Phyſiognomie; ſeine Frau iſt eine ſehr angenehme it u er neun ſchöne Kinder hat. Obgleich Trendelenburg die größte axi er Stadt hat und ſehr vornehm lebt, ſo hält er ſich doch keine Equipagen), denn es iſt hier nicht Mode, daß Aerzte ſich Equipage halten. Ihre Beſuche werden nicht ſonderlich bezahlt, wo ich nicht irre, ſo erhalten ſie jedesmal einen Thaler. Unſere Geſellſchaft war ſehr zahlreich, denn die Deutſchen haben die Mode, daß ſie einem Fremden zu Ehren ihre D nächſten Verwandten und Freunde zuſammen bitten ie Abſicht darbey iſt ohne Zweifel ſehr gut, allein die Sache ſelbſt will mir doch nicht ge— fallen, denn das eigentliche geſellige Vergnügen geht in einem ſo großen Schwarm verlohren. Es wurden ebenſo, wie am vorigen Abend, Karten und Pfeiffen gereicht, und um 9 Uhr ſetzten wir uns mit vielen Ceremonien zu Tiſche, nachdem vorher ein Geiſtlicher, ein Anverwandter der Madame Trendelenburg, laut gebetet hatte. Jedes Gericht zu beſchreiben, würde mir unmöglich ſeyn, denn ich glaube, daß wir wenigſtens vierzig ver⸗ ſchiedene Schüſſeln hatten; auch ließ ſich die Geſellſchaft die verſchiedenen Sorten guter Weine recht herrlich ſchmecken. Nach dem Eſſen wird hier zu Lande das Tiſchtuch nicht weggenommen, die Damen entfernen ſich auch nicht, wie es bey uns in England gebräuchlich iſt, ſondern ſie eſſen dann noch Früchte und Confekt, und trinken, doch nur mäßig, mit den Mannsperſonen ſo lange, bis die ganze Mahlzeit vollbracht iſt, und das 1) In einem ſpäteren Brief vom Jahre 1786 erwähnt Tr. aber„ſeine Kutſche“ u⸗ ab, ide Zir mk ner ine ym tag um zu auf ſo gen iſt om als erſt me, ößte eine ten. lten enn ihre bey ge⸗ oßen rten nien ſame ürde ver⸗ enen hier ſich eſſen den das ſche“ iſt gewöhnlich um drey Uhr. Nach großer Formalität im Zimmer herum, und dar die Mannsperſonen küſſen ſich untereinander, ſie bloß die Hand. Die Damen ſalutiren ſich 0 v Männer, und bey jedem Bückling und Knicks heißt es: wo J Iſt dies alles ich überſtanden, ſo ſetzt man ſich noch die Herren rauchen allenfalls noch Pfeiffe, allein iken ˖ nicht mehr. Ich für mein Theil war herzlich froh, als die Geſellſchaft endlich aufbrach, denn ich machte ſchon ſicher Rechnung darauf, daß ich den folgenden Morgen würde den Doktor conſuliren müſſen; allein noch hat mich mein guter Genius mitten in ſo vielen Gefahren erhalten Als wir den anderen Morgen, wider alles unſer Erwarten, uns treflich wohl befanden, ſo beſchloſſen wir Travemünde zu beſehen.“ In Travemünde machte dem Engländer das Lager von 2000 arm ſeligen Emigranten, die auf Betreiben von Katharina II zum Transport nach Rußland bereitlagen, einen ſehr traurigen Eindruck, über 10000 n ſchon zum Zweck der Anſiedlung in Rußland abtran 2 ſchreibt er,„die Politik dieſer iſt iſt das Betragen der deutſchen Fürſten n, Die e duldig anz hen können, da ihre Länder durch dieſe Emigrationen ihrer größten Stärke beraubt werden. Dies iſt eine natürliche Folge der Unterdrückungen des Adels, unter wel 8, chen der Bauer im Stande der Leibeigenſchaft, aller Gemächlichkeiten und Be— dürfniſſe des Lebens beraubt, ſeufzen muß. Sie ſehen alſo, daß Deutſch— land noch immer die große Offizin der Völker iſt, woraus zu allen Zeiten ein ſo großer Schwarm von Menſchen genommen worden, bald um damit entfernte Provinzen zu zerſtören und bald ſie zu bevölkern.“ Einige Jahre früher(1761) war auch der bekannte Geograph Anton Friedrich Büſching auf ſeiner Reiſe von Göttingen nach Petersburg einmal zu Gaſt bei dem„berühmten praktiſchen Arzt Dr. Trendelenburg in Lübeck“. Ebenſo wie dem Engländer Nugent fielen ihm einige eigentümliche Sitten in der Reichsſtadt auf, ſo„daß die Gäſte nach dem Gebet vor Tiſche den Wirth um Entſchuldigung und Vergebung baten, nemlich, daß ſie auf ſeine Einladung erſchienen wären“. Die Rezepte unſeres Lübecker Doktors ſcheinen an Länge mit den Menüs an ſeiner gaſtlichen Tafel gewetteifert zu haben; ein bei den Familienpapieren befindliches Rezept von ſeiner Hand iſt aus nicht weniger als 14 verſchiedenen Ingredienzen zuſammengeſetzt. Seine Rezepte erfreuten ſich aber eines guten Rufes, ein aus cremor tartari, tartarus stibiatus und Rhabarber beſtehendes pulvis digestivus wurde als Trendelenburgiſches Pulver noch nach Jahr zehnten in den Lübecker Apotheken verkauft. Des Doktors konſultative Praxis erſtreckte ſich von Lübeck nach Holſtein und nach Mecklenburg hinein. Lernten wir meinen Urgroßvater durch die Schilderung von Nugent als behaglich lebenden liebenswürdigen Mann und freundlichen Wirt kenner ſo findet dieſes Bild eine weſentliche Ergänzung in den uns erhaltener Briefen, die er etwa 20 Jahre ſpäter an ſeine beiden in Tübingen, Heidel berg und Göttingen ſtudierenden Söhne ſchrieb. Hier tritt er uns als 0 84 ielſeitigen Intereſſen und Kenntniſſen entgegen, als kluger Haushalt und als liebender, treu ſorgender Vater ſeiner Die Briefe f die l zerichtet, ſ U B Friedrich Wilhelm i(nack Heid nd C Friedrich Wilhelm, zeredet di der etwas jüngere Studien der Söhne intereſſierten den Vater am meiſten ſſenſchaften und der Technik verwandten cameraliſtiſchen 0 V er Theologie und den alten Sprachen 0 ie Rede, wo der 2 ſich an den jüngeren E ztliche Ratſchläge für die Pflege einer Geſund Der J itt an einer ſtarken Neigung zur Hypochon⸗ drie, die, wie mein Vater mir öfters erzählte, den von ihm ſehr geſchätzten und verehrten„Onkel Schack“ zeitlebens nicht verlaſſen hat. Auf die Studien ermahnungen und Ratſchläge ſind faſt immer an Fritz gerichtet, Studien⸗ Hovi iche vezugtte vahrſcheinlich nicht nur wegen der dem Vater fernerliegenden Er ſondern, weil bei Schack die Gemütsſtimmung er 2 anderen Sohn Fritz mahnend Al tiſches Z webt ihm eine juriſtiſche Lübeck vor, das eigentlich juriſtiſche Studium Linie ſtehen, das cameraliſtiſche in zweiter.„Was die Cameral— betrifft“, ſo ſchreibt er am 5. Juli 1783,„ſo muß ich dir anheim geben, daß du ſie, ſo angenehm u. nützlich ſich iſt, demnoch ſchwerlich zu deiner Haupt-Wiſſenſchaft wählen du dein Glück in Lübeck machen willſt. Sie iſt die, die hier am wenigſten Brod giebt. Wenn du dann ein recht fertiger u. neben bey ein guter Cameraliſt u. Mathematicus, ſo wird andern hieſigen Juriſten Vorzüge geben, die dann dich vor andern hier forthelfen können.“— Für die letzten Semeſter ſchickt der Vater den Göttingen, wo er beſonders bei dem berühmten Staats— rechtslehrer J. St. Pütter(geb. 1725, geſt. 1807) hören und an praktiſchen ingen teilnehmen ſoll.„Dein Entwurf“, ſo heißt es in einem pt. 1783,„in Anſehung deiner fortzuſetzenden Studien, deine gar zu große Abneigung vor Göttingen gefällt mir vird um der Practiſchen Arbeiten willen durchaus noth— du wenigſtens dein letztes akademiſches Jahr in Göttingen zubringeſt. Nichts fällt einem angehenden Juriſten, der von Univerſitäten zu Hauſe kömmt, ſchwerer als die practiſchen Arbeiten, wenn er nicht vorher Gelegenheit gehabt hat, ſich darinnen zu üben, ſondern nur bloßer Theore— ticus iſt. Auf keiner Univerſität aber iſt ſo gute Gelegenheit in practiſchen Arbeiten ſelbſt Hand anzulegen u. Anleitung darinnen zu erhalten als in Göttingen. Dis muſtu alſo durchaus mitnehmen.“ nd ein Cameraliſt ohne rechtſchaffene Ke und ein anderes Mal:„Ein Jahr könnte we billig dazu(zum Studiun der Kameralwiſſenſchaften) hinreichen, wenn du dich ab annoch in Tübingen recht fleißig auf Mathematikl h auf Fe meſſen, Hydraulic, Baukunſt, Waſſerl u Schleuſenbau tudium der Kameralia ſoll aber Das S al tiſch ſondern auch praktiſch und auf möglichſt breiter Gru werden.„Studire 9 fleißig Chemie! Verſäume aber das übrige nicht dabey, den Brücken- und Waſſerbau, die Okonomie und was dazu gehöret, fürnemlich Forſtweſen worinne du vielleicht einmal deiner Vaterſtadt wirſt dienen können.“ Für das fünfte Semeſter war der Beſuch der techniſchen und land wirtſchaftlichen Schule in Lautern(Kaiſerslautern) in Ausſicht genommen, f— an die 1778 der Bekannte Goethes aus der raßburger Zeit Jung Stilling(Myſtiker, Augenarzt, S Pr. Land wirtſchaft berufen w ˖ tät Heidelberg vereinigt wurde, ging Fritz im Herbſt 1784 nach Heidelberg. Wiederholt ermahnt der Vater ihn nun, jede Gelegenheit, die ſich in der induſtriereichen Pfalz darbiete, zum Beſuch von Fabriken und zur Beſichtigung von Schleuſen— anlagen, Deichen u. dgl. zu benutzen. Solchem Rate folgend, machte mein Großvater von Heidelberg aus zuſammen mit neun Genoſſen unter Leitung von Prof. Jung eine kleine Studienreiſe nach Mannheim und Monsheim, über die er dann einen kurzen Bericht niederſchrieb. In Frankenthal bei Mannheim beſichtigten ſie die„Silber- und Goldfabrik“, in der Silber und Gold zu zarten Drähten und feinſten zum Nähen zu verwendenden Fäden ausgezogen wurde. Die Maſchine wurde von vier Leuten getrieben. Sodann ging es in eine Weberei, eine Fabrik, in der eiſerne Schnallen gemacht wurden, eine Seidenweberei, Strumpffabrik, Färberei und Eſſig— brauerei. Am Frankenthaler Kanal erregte ein ſchöner Kran und eine daneben ſtehende Wage, mit der man 40 Zentner inmal wiegen konnte, beſondere Aufmerkſamkeit. Schließlich folgte ein berühmten Pfälzer Erzbauer Mellinger mit ſeinen zwei Söh heim, wo man ſich über Stallfütterung, Brennerei und Eſſigfabrikation unterrichtete. Zu einer ähnlichen Studienreiſe rät der Vater dem Sohne, als dieſer im Begriff iſt von Göttingen nach Lübeck zurückzukehren,„damit du dich aber dazu geſchickt machteſt u. genau wüſteſt, worauf du fürnemlich bey zu achten hätteſt, ſo wünſchte ich, daß du bei müßigen Stunden 9 da die beyden ökonomiſchen(Bücher) läſeſt, die unter folgenden Titeln fleißie dir vielleicht ſchon bekannt ſein werden: 1) tat kunde, Mathematik u. Oeconomie von Leske(?2) u. Hindenburg, u. dann 2) die Bemerkungen der Churpfälziſchen phyſicaliſch-ökonomiſchen Geſell ſchaft. Beyde Werke inſonderheit erſteres werden ſchon zu vielen Bänden Ur eipziger Magazin zur J ilich koſtbar fallen. Hoffentlich hinangeſchwollen ſeyn u. ſich anzuſchaffen zie 86 er haſt du Gelegenheit ſie dort geliehen zu bekommen. Inſonderheit wirſtu kungen von einem GehR. Schubert u. Amtmann Holzhauſen n die ll⸗ u. Klee-Fütterung beym Rind- u. Schaf-Vieh betreffend, von deren glücklichem oder unglücklichem Erfolge nun hin u. wieder ſehr verſchieden, dagegen u. dafür geſchrieben u. geſprochen wird, ſo daß es ſich gewiß der Mühe verlohnen wird, mit eigenen Augen zu unterſuchen, was wahr oder falſch ſey, u. was man eigentlich davon glauben ſoll, u. ob und wo noch inige Mängel u. Fehler ſtecken mögen“(Brief vom 9. Januar 1786). Für die Landwirtſchaft hatte der Lübecker Doktor ein beſonderes Intereſſe, ſeinen Konſultationsreiſen auf die Güter in Holſtein und Mecklenburg ird er jede Gelegenheit benutzt haben, ſeine Kenntniſſe auf dieſem Gebiet u erweitern. Das Intereſſe wurde ein noch perſönlicheres, als ſeine Tochter Nettchen) ſich mit einem Landmann D. F. Ladiges(ſ. u.) verlobte, n Sohn J zeorg, der Profeſſor Danzig war, ſich ein kleines Gut in Wef kaufte „Für allen aber wünſchte ich“, ſchreibt er am 11. Juni 1785 nach Heidel— berg,„daß du dieſen Sommer u. künftigen Winter dir die Stallfütterung nach allen ihren Regeln, Handgriffen u. Vortheilen recht bekannt machteſt. Man ſiehet hier im Holſteiniſchen ſolche immer noch als impracticable u. der Haushaltung nachteilig an, ohngeachtet ich überzeugt bin, daß ſolche in der Landwirthſchaft ungemein vortheilhaft ſey, u. man den Ertrag eines gar ſehr dadurch erhöhen könne. Das einzige mögliche, was mir die Landwirte dagegen einwenden, u. ich ihnen aber nicht mit Gewißheit wieder— legen kann, iſt das, daß die Butter dabey ſehr viel von ihrer Güte ver— li ſie daher in ihrem ſo beträchtlichen Butterhandel mehr verlieren als der übrige Vortheil betragen könne. Es wird alſo darauf an— genau zu beobachten, ob die Kühe bey der Stallfütterung merklich tter geben, als die bey der Koppelweide. Vielleicht iſt die in daſiger Gegend überhaupt nicht ſo gut, als im Holſteinſchen, u. man nur die daſige Butter bei der Stallfütterung mit der daſigen bey der Koppelweide u. nicht eben mit der gewöhnlich Holſteinſchen vergleichen. Wahrſcheinlich kömmt alles nur auf die rechte Behandlung an, auf das jenige was man füttert, wie viel u. zu welchen Zeiten man es giebt, wie oft u. viel das Vieh getränket wird, wie oft u. wann man das Vieh aus em Stalle läſſet, um ſich etwas zu vertreten, wie man ihre Reinlichkeit ſorget, den Dünger aus dem Stalle bringet, ihnen Streuung giebt, ſie iegelt, bürſtet pp. u. inſonderheit auf genaueſte Ordnung in allen dieſen Stücken u. auf Ordnung in allem hält u. auf gehöriges Maas des Futters. Bey einem neuerlichen Landwirte las ich 2' Klee u. 3 Stroh, wechſels— weiſe den Tag hindurch alle 3 Stunden gegeben, u. nachts nichts, ſey genug. Guts Das dünkt mich dann doch würklich zu wenig zu ſeyn. Ich wünſchte, daß du hierauf genau acht gäbeſt u. bemerkteſt ob dis in Praxi richtig ſey. Es kömmt hierauf viel an; u. du wirſt hiezu leicht bei deinen kleinen Excurſionen auf's Land, z. E. zu der Frau de la Roche Gelegenheit finden.“ Der Vater wollte durch den brieflichen Verkehr mit den Söhnen nicht nur dieſe in ihren Studien leiten und fördern, ſondern auch ſich ſelbſt in wiſſenſchaftlichen und techniſchen Dingen auf dem laufenden erhalten.„An⸗ genehm würde es mir auch ſeyn“, ſchreibt er nach Tübingen,„nach grade etwas ausführlicheres von der Plougretſchen iak Fabrik(nach der er ſich ſchon in einem früheren Brief erkundigt hatte) von Euch zu leſen, u. inſonder⸗ heit auf was compendiöſe und wohlfeile Art das dazu nöthige Sal volatile von dem Herrn Dr. Plougret bereitet und gereinigt werde. Suchet hierzu ſo bald und ſo viele Gelegenheit als nur möglich. Erkundiget Euch mit Fleiß, mit Manier, es ſey öffentlich oder im Geheim, wie Ihr es der Kluc heit am gemäßeſten ſehet, und meldet alles nd und nach ausführlich.“ Es ſieht faſt ſo aus, als wenn der Lübecker Doktor daran gedacht habe, ſich auch eine Salmiakfabrik anzulegen Der Vater des Arztes Dr. Plougret, Profeſſor Pl. war krank und wurde von ſeinem Sohn mit Elektrizität behandelt. Mein Urgroßvater fragt an: Auf wes Art läßt er ſich die Electricität appliciren? durch Ausſtröhmungen? oder durch Funkenauslocken? oder fürnemmlich vielleicht durch Erſchütterungen und Leidenſche Stöße? Als Phyſici werdet Ihr mir hiervon ſchon einen kurtzen u. treffenden Bericht geben können.“ In einem anderen mir 1 a i Brief trägt e Fritz auf, ſich bei den Herren Profeſſoren zu erkundigen, was es mit der kürzlich entdeckten„Lebensluft“ auf ſich habe, und ob man durch Einatmen⸗ laſſen derſelben bei Kranken Heilwirkungen beobachtet habe. Gemeint iſt mit der Lebensluft der 1774 gleichzeitig von Scheele und von Prieſtley ent— deckte Sauerſtoff. Auch über die wohl kleine Luftballons(der Brüder Montgolfier erſte Verſuche fallen in das Jahr 1773) will er Beſcheid haben, beſonders mit was für ſie gefüllt ſeien. Am 3. Auguſt 1785 ſchreibt er an Fritz:„Soeben habe ich eine Be ſchreibung achromatiſcher Fernröhren u. zuſammengeſetzter Vergrößerungs— Gläſer von einem gewiſſen Herrn Tiedemann in Stuttgart vor mir. Kenneſt du den Mann u. kennſtu ſeine Arbeiten oder kennen einige deiner Herren Profeſſoren dieſe? Erkundige dich danach! Arbeitet er ſo gut wie ſeine Beſchreibung hoffen läſſet, ſo wollte ich ihm wohl vorſchlagen, einen Verſuch zu machen, nach Art des Herrn Profeſſor Aepinus in St— g ein zu ſammengeſetztes Microſcop mit einem achromatiſchen Ocular— Glaſe zu machen. Dis ſoll von gantz ausnehmend ſchöner Würkung ſeyn. Geriethe es u. er wäre nicht Ju theuer damit, ſo ſchaffte ich mir dort ſelbſt eins von ihm an.“ Der Doktor ſcheint ſich neben ſeiner Praxis mit allerlei naturwiſſen⸗ ſchaftlichen Unterſuchungen beſchäftigt zu haben. Als Fritz auf der Reiſe nach Göttingen durch Altona kommt, ſchreibt er ihm dorthin:„Außer dieſem muß ich dir noch einen Auftrag geben, den ich hier immer vergeſſen, und welchen du noch ehe du aus Hamburg reiſeſt auszurichten u. nicht zu ver ſäumen, ich dich ſehr bitten muß. Immer noch habe ich einige Bemerkungen an Taſchen-Krebſen zu wiederholen nöthig. Zu dem Ende bitte ich dich, noch von Hamburg aus mit der fahrenden Poſt einige Stücke zu überſenden Drey bis vier Stück männlichen u. eben ſo viel weiblichen Geſchlechts ſind mir hinreichend, muß aber von beyden haben. Du wirſt ſie gar leicht von einander unterſcheiden. Die weiblichen haben einen ſehr breiten, ſtarken, — or Ror letzter len Ple itged und Apritoſen nie derſtämmige 2 Bäu er Art anzukaufen, ſelbige wohleingepackt, u. die Wurtzeln mit umſchlagenen Mooſe wohl verſorgt, mit den nächſten Y 'der Fracht-Wagen nach Frankfurth zu überſenden unter adress lame la veuve Morit Schd Franefort, die dann e Fracht n zu Frankfurt ezahlen wi 0. Mär 784 Dein neuer Schwager Ladiges wird wohl ohngefähr in der Himmelfahrt Wochen Hoch von den dortigen vortreflichen Pfirſchen- u. Apricoſen„Bäumen zu haben, u. bitte ich dich, wo möglich von jeder Art 6 Stk anzuſchaffen. Könnteſt du andere ausnehmende ſchöne Obſt-Arten, ſ‚ Poire gris, Poire blanc, Bergamotte oder ſonſt vortreffliche Apfel⸗ ne, hoch⸗ oder niedrigſtämmige, jedoch nur einzelne, oder eine Parthey von den dort ſo berühmten Spargel-Pflanzen oder Saamen von ſonſtiger n Garten⸗G 0 f 0 0 eyn ede Arten von Bäumen, Pflanzen u. Saamen mi wohl bezeichnet u. richtig genannt ſeyn. Alles könnte gegen die Frankfurth r Meſſe von irgend einem 3 Commiſſi Händler, allenfals an die Herren Gebrüder zeit machen. Er 1 m, zur fernerer rung mit dem Meß- und Fracht-Wagen ent hier ode Hamburg geſandt werden. Doch ſiehe auch etwas auf Menage, da es wol lediglich auf mei zeutel gehen muß.“(21. Febr. 1786 nach Heide Werg g.) In einigen Briefen der Vater auch auf ärztliche Fragen von Kranken u. Arzten, durch den Sohn übermi ttelt ſind, z. B. iber ſeine Erfahrungen Pockenimpfung(ovgl. im nächſten Kapitel i Theodor Trendelenburg). Wiederholt erteilt er Ratſchläge in bezug auf idlung der Frau de la Roche, einer Lübeckerin und Freundin der in der Nähe von Heidelberg wohnte. Sie litt an der Schwind— ſucht und erlag der Krankheit zu der Zeit als Fritz in Heidelberg ſtudierte. Intereſſant iſt, daß er bei der hoffnungslos Kranken neben et l udanu im, China dekokt und anderen Medikamenten auch einen ‚ Luft empfiehlt. Damit hatte es folgende wie oben erwähnt wurde, zwar ſchon iſier doch noch keinen richtigen Begriff r Verbrennung. Es herrſchte noch die rofeſſor der Medizin in Halle, dann Leibarzt des Königs von Preußen(geb. 1660, geſt. 17 4), begründete phlogiſtiſche Theorie. Dieſe nahm an, daß in allen brennbaren Körpern ein hypothetiſcher Eſelsmilch, L letzten Verſuch mit Bewandtnis von Georg Ernſt Stahl Stoff, das Phlogiſton enthalten ſei her bei der Verbrennung in die Luft ⁊u dann auf den Gedanken, daß ganz reine, von dem bei befreite Luft einzuatmen, bei Kranken eine Heil nte, und„dephlogiſtiſierte“ die Luft. Der Urgroßvater utrauen zu dieſer Heilmethod Wie die Luft von dem t ſoll, gi ˖ Briefen nicht a pricht 8 nF 1 D 4 1. 1* 0 und d Verſchl 0 ie dey abwechſelnd öff ßend, die Luft bei der Luftwege aufnehmen ſoll, und fährt dann fort:„Sonſt er Operation nicht ſo äußerſt ängſtlich zu ſorgen u. zu ht d Sphäriſcher Luft ſich mit der ogiſtiſirten miſche. Ich bin der ſicheren Meynung, daß ſtetige Um gebung u. Einathmung der reinſten völligſt dephlogiſtiſirten Luft keinem animaliſchen Cörper u. auch keinem Kranken ſo gantz völlig zuträglich ſey Sie würde das uns auch nöthige Phlogiſton ſo ſtark auflöſen u. wegführen, daß das Gleichgewicht unſerer animal verhüten, daf chen Einrichtung dadurch leyden u einer noerer ſeiner It Et n ee rin wuür 6 llig dephlogiſtiſirten u. völlig reinen Luft ur i, in dienlich u. nützlich wäre. Demohngeachtet bleibt es wol gewiß, daß gewiſſe Patienten einer mehr i Luft bedürfen, als die atmosphäriſche, u. inſonderheit als verſchloſſenen Gardinen-Bet Kranken-Zimmers u. als diejenige ihres iſt. Ein gewiſſer Preußiſcher Printz hatte ‚ zimmer mit der dephlogiſtiſirten Luft an zufüllen u. gab dis Problem dem Herrn Profeſſor Bahrd in Berlin auf, um es in der Charité aus % in gantkes ranken⸗ te Idee ein gantzes Kranken⸗ ühren. Er machte allerley Verſuche zu dieſem zweck aber vergeblich. Der Meynung bin ich aber gewiß, daß, wenn man bey gewiſſen Patienten vollkommene Würkung der dephlogiſtiſirten Luft haben will, man einen ganzen ſtetigen Strohm über ſein Geſicht, Cörper u. Bette herfließen laſſen müſſe. Eine ſehr ſchwere Sache u. zur Zeit noch unmöglich. — Genug hiervon! Doch wünſchte ich, daß du mit dem H. Pr. Succow hierüber etwas ausführlich ſprächeſt, allerhand Proben machteſt, aber auch die geſammelte Luft ſcharf prüfteſt, allenfalls mit dem Eudiometer.“ ie in den meiſten Korreſpondenzen zwiſchen Vätern und ihren ſtu dierenden Söhnen ſpielt auch der Wechſel und der„Zuſtand der Dukatenbörſe“ in den Briefen eine Rolle. Am 6. Sept. 1783 ſchreibt der Vater:„Heute vor acht Tagen habe ich Euch, en Kinder, Euren Wechſel fürs künftige halbe Jahr überr 0 Ducaten, nebſt 6 Dukaten Zulage, als 5 für die Reiſe u. zu inen f Ihr alles zu ht bequem bis Oſtern damit auskommen“. Ein Dukat entſprach nach jetzigem Gelde 9—10 Mark Die Weſten wurden damals mit(z3. T. goldenen) Stickereien verziert und waren daher wohl beſonders teuer. Aber die Kleidung ſcheint überhaupt verhältnismäßig recht koſtſpielig geweſen zu ſein. Für Fritz ſchickt der Vater„zu einem neuen Kleide ſtatt ſeines verbrannten 1[Dukaten Immer wieder ermahnt der Vater zur Sparſamkeit. Am 4. Dez. 1784 90— ſchreibt er an Fritz nach Heidelberg:„Sehr ungern leſe ich die Klagen über die Koſtbarkeit des dortigen Aufenthalts. Dis muß dich ſo vielmehr zur Menage antreiben, u. ſo viel dich einzuſchränken. Die Stipendien Gelder gehen allmählig zu En u. meine ſonſtigen Ausgaben werden dis Jahr gantz außerordentlich ſeyn. Deine beyden Brüder Theodor u. Caſpar ſind beyde jetzt verlobte Bräutigams u. werden wo nicht eher, doch gewiß nach Oſtern Hochzeit machen. Ob ſie nun zwar hiezu für ſich keine Unter ſtützung von mir bedürfen, ſo iſt dis doch mit außerordentlichen Ausgaben verknüpft, denn, außer daß beyde Bräute jetzt beſchenkt werden müſſen u. ſeiner Zeit wichtige Hochzeitsgeſchenke daſeyn müſſen, ſo zwinget uns 8 ihr Bräutigams-Stand in dieſen erſten drey Wochen ſchon zu vier ſehr 23 Hoch-Schmäuſen, wegen der Weitläuftigkeit der Familien, ohne die inen Gaſtereyen zu rechnen. Im Sommer wird dann auch Netchen ihre Hochzeit wol vor ſich gehen, u. gegen Johannis erwarten wir den angenehmen Beſuch von deinem Danziger Bruder Joh. Georg mit ſeiner lieben Frau. So angenehm mir nun auch alle dieſe Begebenheiten, ſo ſind ſie doch mit ſo vielen Unkoſten verknüpft, daß es mir ſehr ſchwer werden würde, dir außerordentliche Zuſtützung zu geben. Du ſiehſt alſo, daß ich die größte Urſache habe dir Häuslichkeit u. Sparſamkeit zu empfehlen u. dich zu er— mahnen, nichts mehr zu fordern, als höchſtnothwendig iſt. Ich werde von deiner Mäßigkeit eine Probe machen.“ Die väterlichen Ermahnungen an Fritz beziehen ſich auch auf ſeine Hand ſchrift, die nach einigen erhaltenen Schriftſtücken damals allerdings weniger klar und feſt war als die des Vaters.„Mit vielem Vergnügen ſehe ich“, ſchreibt der Vater am 15. März 1785,„daß ſich deine Hand anfängt ſehr zu beſſern. Uebe dich doch ferner darinnen. Wenn du dich bemühen wirſt, die langen Buchſtaben als h, y, l, d, pp und ſo auch ß auch alle große Buchſtaben etwas Kürtzer zu ſchreiben, ſo daß nie ſolche eine in der öberen oder unteren Reihe berühren, ſondern allemal um einen Kleinen Raum von einander abſtehen, ſo wird die Hand ſogleich um ein merkliches ſchöner ſtehen, u. die Reihen deutlicher und angenehmer von einander abgeſondert ſtehen. Gieb dir ſehr Mühe allemal grammatiſch richtig orthographiſch, u ſoviel möglich in einem etwas zierlichen, das iſt leicht und natürlich fließenden Styl zu ſchreiben. Ich wünſche, daß du zu dem Ende die neueren Bücher über die deutſche Sprache fleißig läſeſt.“ Ein anderes Mal heißt es:„Mit Vergnügen ſehe ich, daß deine Hand ſich immer mehr beſſert. Da du gut mahleſt, ſo kanſtu gewiß durch Uebung u. Fleiß es bald dahin bringen, daß ſie einem Kupferſtiche gleiche. Die Vollkommenheit wünſche ich dir.“ Daß die Mahnungen nicht ohne Erfolg blieben, beweiſt die ſaubere und klare Handſchrift meines Großvaters in ſpäteren Jahren. Leider ſind die Briefe der beiden Söhne an den Vater nicht erhalten, und ebenſowenig die Briefe, die der Vater, nachdem die Söhne ſich von einander getrennt hatten, an Schack gerichtet hat. Der Vater unterſchreibt ſich immer als„Euer ſorgfältiger“ oder als „treu ſorgender“ oder„zärtlichſt ſorgender Vater“, und dieſer Unterſchrift entſpricht der Inhalt jeden Briefes. 91 Chriſtian Friedrich Tr. ſtarb in Lübeck am 18. Mai 1792. Seine Grabſchrift lautete: Hier ru Mant einer Zeiten Schön wa eit ll ſein Er war ein großer 2„geliebt 1 2 Er war ein Menſchenfreund, ein Er war ein treuer Freund, ein eber Vate Sein Leben ſchöner 2 0 Er war der Kranken Troſt, der Leidenden Berather Half vielen, half ſo gern und gleich O Heil Ihm, daß er's war! Sanft ruhe ſein Gebeine Und Gottes Segen ſey ſein Lohn Der Kranke, dem er half, das Kind, der Freund beweine Den Arzt, den Vater und den Freund Meine Urgroßmutter Dorothea Trendelenburg, die Frau des Lübecker Doktors, war die Tochter von Hinrich Wilhelm Schumacher, der den Titel eines kaiſer⸗ lichen Pfalzgrafen(ſ. u. bei Adolf Friedrich Tr., 8. Gener. Nr. 17) führte und alſo Juriſt und höhe⸗ rer Beamter geweſen ſein wird. Wir haben ihr Por⸗ trät und einige wenige Briefe an die beiden in Tübingen ſtudierenden Söhne. Nach dem Bilde zu urteilen, war ſie von zarter Geſundheit, und ihr Mann erwähnt in ſeinen Briefen auch häufig, daß ſie bettlägerig ſei. Die Briefe der Urgroß⸗ mutter enthalten neben Geſchäftlichem beſonders Nachrichten über die an⸗ deren Kinder und über Lübecker Freunde und Bekannte. Als Fritz ſich „ein neues ſonntäglich Kleid“ machen laſſen muß, Fig. 18. Dorothea Trendelenburg, geb. Schumacher weil das alte, augen- ſcheinlich durch Schuld des Dienſtmädchens, verbrannt war, ſchreibt ſie: „Du haſt recht wohl getan, daß Du den armen Mädgen nichts bezahlen laſſen noch ihr ſonſt beſchimpfft. Sie wird in's Künftige ſchon vorſichtiger werden, denn arme Leute zu plagen bringt keinen Segen.“ zon den übrigen zehn Söhnen des Neubrandenburger Super ntendenten, von denen drei in frühſter Jugend geſtorben ſind, wiſſen wir Näheres nur über Adolf Friedrich und Einiges über Karl Ludwig 1 rich(8. Gener. Nr. 24) Fahro 81 8 Fahre 4 Weidlich bringt in ſeinen biographiſchen Notizen aus dem“ II, S. 405) folgendes „Adolf Friedrich Trendelenburg Beyder Rechte und der Welt weisheit Doktor, Kayſerlicher Hof-Pfalzgraf, Königl. Däniſcher Etatsrath und oberſter Profeſſor der Rechte auf der Univerſi⸗ tät Kiel. Iſt a. 1737 zu Neu Strelitz geboren, ſtudirte zu Göttingen, ward daſelbſt 1760 beider Rechte Dr., 1761 außer⸗ ordentlicher Profeſſor in Helmſtädt, im ſelben Jahre Magiſter, 1762 ordent— licher Profeſſor an der neu angelegten Univerſi tät Bützow, 1769 erhielt er die Kaiſerliche Pfalz— grafenwürde, ward 1774 Aſſeſſor bei dem Königl. Schwediſchen Tribunal in Wismar, legte aber dieſe Bedienung bald nieder. Denn er ging ſchon 1774 als Däniſcher Etatsrat und oberſter Profeſſor der Rechte mit 1500 Fig. 19. Adolf Friedrich Trendelenburg, Profeſſor Thaler Gehalt die der Rechte in Kiel. Univerſität Kiel. Er iſt ein gründlicher und ſehr geſchickter Rechtsgelehrter, und ſeine Schriften ſind auch in einem ſchönen Styl geſchrieben.“ Anton Springer erwähnt Adolf Trendelenburg in ſeiner Biographie von Friedrich Chriſtoph Dahlmann als Göttinger Studiengenoſſen und nahen Freund von Dahlmanns Vater. Als Schüler beſuchte Trendelenburg das Catharineum in Lübeck und ließ ſchon damals ſ Neigung zu wiſſenſchaftlicher Schriftſtellerei er— kennen, indem er eine Reihe von kleinen, meiſt lateiniſchen Gelegenheits ſchriften verfaßte, die einem damaligen Gebrauch zufolge ſogar gedruckt wurden(1753— 1755). Nach B. Kordes' Lexikon ſchrieb er zur Hochzeit ſeines Bruders Chriſtian Friedrich(Kordes ſagt irrtümlich Carl Ludwig Friedrich, welcher jünger war als er ſelbſt):„Gedanken über die Frage, ob man den Erfolg einer Ehe aus der Gemütsbeſchaffenheit der ſich ver bindenden Perſonen ſchließen könne“, ferner de poesi verae et solidae eruditionis parte als Dr. Münter das Gymnaſium verließ, Réflexions sur la question: s'il est juste qu'or nne le dessus aux Dames bei Verheiratung Dr. Overbecks, De graecarum litterarum nexu cum theo— logia et jurisprudentia solidiori w(anonym im Namen mehrerer G diaſten beim Abgang älterer Schulgenoſſen) und De causis cur veteres Romani nullos celebrarint dies jubilaeas honorum dem Senior Scharbau zu ſeiner Amtsjubelfeier gewidmet. Die Lübecker Mitſchüler vergalten dann ſeine liebenswürdigen Beſtrebungen durch drei Oden und eine lateiniſche Gratu⸗ lation, die ihm im September 1755 dargebracht wurden, als er die Reiſe nach Göttingen antrat, um hier Jura zu ſtudieren(ſie ſind unter den Familienpapieren zu finden). Gelegenheitsſchriften aus der Göttinger Zeit ſind: De senectutis initio apud veteres quosdam populos, ad patrem Theodorum, qua ei diem natalem 61 pie gratulatur, 1756(ogl. Göttinger Anzeiger vom 20. März 1756, S. 28), De bonarum artium cum medica scientia affinitat epistola ad P. G. Werlhof. 1757(Gratulation zum 56. Geburtstage d Leil us Werlhe ött. Anz. 1757, S. 417). A uent Ru 5 1 A K 8 der Promotion ſchrieb Trendelenburg Quaestiones ex vario jure controversae pro summis in jure honoribus consequendis sine praeside ad disceptandum propositae. Goett. 1760. Der Profeſſor Ayrer veröffentlichte zur Anzeige der solemnia inauguralia E. L. Mülleri et A. F. Trendelenburgii ein beſonderes Programm eherechtlichen Inhalts. Die Academia Juliana in Helmſtädt, an welche Tr. 1761 be rufen wurde, gegründet 1575 von Herzog Julius von Braunſchweig, auf— gehoben 1809, gehörte damals zu den bedeutenderen Hochſchulen, jetzt iſt ſie faſt ganz in Vergeſſenheit geraten, in dem Städtchen ſelbſt erinnert an ſie noch das 1592— 1597 errichtete Univerſitätsgebäude, das Juleum, nach Bädeker ein bemerkenswerter Bau in deutſcher Renaiſſance. Hier ver— teidigte J. A. Bay unter dem Vorſitz von Trendelenburg eine gelehrte Streit ſchrift Specimen naturae juris exhibens genuinam imputationis notionem, in den Göttinger gelehrten Anzeigen(1761, S. 205) lobend beſprochen und nach Angabe des Referenten von Tr. ſelbſt verfaßt. Auch aus der Bützower Zeit exiſtiert eine ganze Reihe von Diſſertationen, die unter ſeinem Präſidium erſchienen und, wie im Text geſagt wird, teilweiſe oder auch vollſtändig von ihm verfaßt worden ſind. Ein ſolches Verfahren ſcheint bei den Diſſertationen und Disputationen damals gebräuchlich geweſen zu ſein. Ein Verzeichnis dieſer Schriften findet ſich bei Weydlich, Kordes und in der Chronik der Univerſität Kiel. Mit der 1760 gegründeten Univerſität Bützow, an die Tr. von Helmſtädt berufen wurde, hatte es folgende Bewandtnis. Schon 25 Jahre zuvor hatte es in dem ſtreng lutheriſchen Mecklenburg große Aufregung hervorgerufen, als unter dem Einfluß der herzoglichen Familie der Pietismus im Lande Fuß faßte. Es war in dem Städtchen Dargun, wo 1735 in der hochfürſtlichen Schloßkirche der pietiſtiſche Prediger Henning Chriſt. Ehrenpfort eine Predigt„von der heiligen Taufe über das ord. Evangelium“ 94 hielt, die dann„auf gnädigſten Befehl in einigen Stücken weiter au geführt zum Druck überlaſſen“ wurde Ahnliche Predigten folgten, und es entbrannte nun ein heftiger Kampf zwiſchen der alten und der neuen Richtung in der Kirche, die ſogenannten Dargunſchen Streitigkeiten, die in einer großen Reihe von Streitſchriften und Fakultätsgutachten ausge fochten wurden. In Roſtock fürchtete man,„der Herzog Chriſtian Ludwig könne die Univerſität mit dem greulichen Pietismus beflecken“. Sein Sohn, Herzog Friedrich, der der neuen Lehre ganz ergeben war, berief bald nach ſeinem Regierungsantritt(1756) in der Tat einen Pietiſten, den Diakonus an der Moritzkirche in Halle a. S., Chr. Alb. Döderlein, in die Roſtocker theologiſche Fakultät. Halle war bekanntlich der Hauptſitz des Pietismus geworden, ſeitdem A. H. Francke, der Schüler von Spener in Leipzig, hierher übergeſiedelt war. In Leipzig hatte Francke mit anderen jungen Dozenten die collegia pietatis abgehalten, war dann von den Orthodoxen und ſpäter auch aus Erfurt von der katholiſchen Kurmainziſchen Regierung vertrieben, wurde 1692 Profeſſor in Halle und begründete— 1695 die berühmten Francke—⸗ ſchen Stiftungen, zuerſt eine Armenſchule, d dann eine Bürgerſchule, Waiſen⸗ haus, Pädagogium, Druckerei uſw. 1714 waren an der Anſtalt 108 Lehrer tätig bei dem Unterrichten von 1075 Knaben und 700 Mädchen. An dem Franckeſchen Waiſenhaus war Döderlein als angeſtellt. Seiner Berufung nach Roſtock(1758) ſetzte die Univerſität, unter— ſtützt von dem Rate der Stadt, dem das*— der Univerſität zu⸗ ſtand, einen energiſchen Widerſtand entgegen. Die theologiſche Fakultät verlangte das in den Statuten vorgeſehene Kolloquium zur Prüfung der Rechtsgläubigkeit, der Herzog wollte Döderlein davon dispenſieren, das Recht der Dispenſation beſtritt ihm die zuſammen mit dem Rat. Der Herzog verſchaffte ſich darauf für 3036)ͤ Goldgulden vom Kaiſer⸗ lichen Hof das Patent für eine neue volle— nach dem Muſter der Georgia Augusta in Göttingen. Das Patent war aber nur ausge⸗ ſtellt sine praejudicio vicinarum universitatum(ohne Präjudiz für be— nachbarte Univerſitäten). Trotz dieſer Klauſel beſchloß der Herzog die Uni— verſität Roſtock aufzuheben und in dem Städtchen Bützow, wenige Meilen von Roſtock entfernt, eine neue Univerſität zu errichten. Roſtock ſtrengte daraufhin einen Prozeß gegen den Herzog bei dem Reichs-Kammergericht in Wetzlar an, zu deſſen Beſchleunigung der Rat 16000 Taler ausge⸗ prägter Münze an die dortigen Rechtsanwälte ſchickte. 1762 erfolgte der Beſcheid von Wetzlar, daß Roſtock gewonnen habe, und dem Herzog Exe⸗ kution bevorſtehe, wenn er die Privilegien der Stadt antaſte. So mußte der Herzog inſoweit nachgeben, daß er die Roſtocker Univerſität formell beſtehen ließ, blieb aber bei dem Beſchluß der Neugründung in Bützow, wohin teils neue Kräfte berufen wurden, teils die vom Herzog und nicht von der Stadt beſoldeten Profeſſoren überſiedelten. Nur die wenigen von der Stadt bezahlten Profeſſoren blieben in Roſtock zurück, ſie durften weiter Kollegia leſen, hatten aber keine Inſignia mehr und konnten keine akade— miſchen Würden erteilen. Döderlein wurde die Aufgabe zuteil, die e Univerſität in dem nur 1000 Einwohner zählenden Städtchen Bützow—— An einem geeigneten größeren Gebäude fehlte es, die Promotionen wurden in der tirche abgehalten, auch fanden die Studenten keine paſſenden Wohnungen. Bald entſtanden Streitigkeiten unter den Profeſſoren, beſonders dadurch hervorgerufen, daß Döderlein ziemlich gewaltſam die Sitten der Studenten in pietiſtiſchem Sinne reformieren woll peſteten Mordgrube“ und eine Diktatur auszuüben ſuchte, der ſich Kollegen n beugen wollten. Es bildete ſich eine feſte Bppoftion, an deren Spitze der ſehr angeſehene Profeſſor Aepinus(zu deutſch: Hoch), Trendelenburg, Tetens, Karſten, Reinhard und Prehn ſtanden. Bald zeigte ſich auch, daß die neue Univerſität überhaupt nicht die genügende Lebens⸗ kraft beſaß. 1765 hatte ſie im Sommerſemeſter nur 9, im Sommer 1769 nur 14, im Winter 1772/73 nur 7 Immatrikulationen aufzuweiſen. 1788 gelang es, einen Erbvertrag zwiſchen dem Herzog und der Stadt Roſtock, um deſſen Zuſtandekomi men ſich beſonders der geſchäftsgewandte Profeſſor — er ſprach von einer ver Aepinus verdient machte, abzuſchließen, demzufolge die Univerſität wieder — Über die Tätigkeit von Adolf ndel an der Bützower Uni⸗ verſität ſagt Hölſcher in ſeiner Geſchichte der Un üverſität Bützow:„Tren⸗ delenburg ſoll in den erſten Jahren ſich vielfach den Tadel des Herzogs zugezogen haben, er war nicht allein zu faul, Kollegien auszuarbeiten ſondern auch ſeine Fakultätsgutachten waren flüchtig, ſtillos und unklar.“ Der Herzog ſoll mit Entlaſſung gedroht haben, ſpäter habe Tr. zu arbeiten angefangen und Beifall bei der Regierung gefunden. Ich erwähne dieſe Auslaſſungen, welche an die Zenſur eines Schulmeiſters für ſeinen Schüler erinnern, um auch Ungünſtiges über unſere Vorfahren nicht verſchwiegen zu haben, doch vermute ich, daß Hölſcher aus trüben Quellen gefiſcht hat, wie ſie ſich bei den damaligen Streitigkeiten zwiſchen den Profeſſoren, welche allerorten nicht ſelten in perſönliche Gehäſſigkeiten ausgeartet ſind, leicht in dem Aktenmaterial angeſammelt haben können. Hölſcher ſagt ſchließlich auch ſelber:„Die Namen Trendelenburgs, Martinis, Quiſtorps haben einen guten Klang behalten“ und läßt Tr. ſpäter in Kiel„noch lange in geſegneter Tätigkeit wirken“. Einen nachläſſigen Profeſſor würden die Kollegen wohl nicht ſchon bald zum Rektor gewähl t haben(Hofmeiſter IV, S. 325: Anno 1765 a. d. 11 Aprilis fasces academicos accepit Ad. Frid. Trendelenburg), ein unzuverläſſiger, unklarer Gutachter würde wohl kaum als Aſſeſſor beim Königl. Schwediſchen Tribunal in Wismar beſchäftigt worden und nicht in Kiel zum dauernden Präſidenten des Spruchkollegiums gemacht worden ſein. Der Titel Kaiſerlicher Hofpfalzgraf ſtammt von dem comes palatii der Merowingerzeit, einem Hofbeamten, der bei dem Königsgericht den richtigen Hergang der Verhandlung und den Inhalt der Gerichtsurkunden durch ſein Zeugnis verbürgte. Später gab es eine comitiva major für Fürſten und Grafen, die die Befugnis der Erteilung des Adels hatte, und eine comitiva minor, die an Ritter, Bürger, Stadträte, Rechtsgelehrte und en Rek n und De n Univer ˖ en wurd ger HYr 3. B Ernennung von Notaren 0* Nat I gei 2 Je + Int FFe Vaꝗl 1 te Ve igsge Hoop, R ikor rma n. A E u ſpäterer Kollege von Adolf Friedrich Tr 5 Iif Init ſagt b 22 l. Chronik d. Univ 8 168 Aien M; S. 2 M eines juriſtiſchen W̃ der Ete Tren nb Er war ein Leh icht Do er 5n S überraſchte ihn nicht Kein rer 1 A Ka de fein U U Y n ü der Katheder teine r U nt her nſchaft hielt er an der Schnur 1*** 1 C 0 Me Winkler disputiren hören, W a un m mit 1 ˖ Eu Schil demand mit gleicher„ igtett Lat mwreden hort.— Ein Schuler der Becmänner, liebte er das Tabellariſche zu ſehr wie ich zu wenig. In ſpäteren Jahren beſchäftigte ihn die Kantiſche Philoſophie mehr als Noth that. Dadurch entſtand ein leeres Auditorium.“— Böttiger(in Eberts Überlieferungen, Dresden 1827, S. 30, vgl. Chronik d. Univ. Kiel) erwähnt 7 freier über die poſitive Rechts⸗ (1797) Tr. als einen wackeren vorurtheils ordenen Jur das t de en Ka 11 St ube gelahrtheit nicht engherzig ge Darſtellung beſitze. Auch in Kiel erſchien eine Reihe von Tr. verfaßter oder unter ſeiner Leitung gearbeiteter kleinerer Univerſitätsſchriften. Zahlreiche Abhandlungen finden ſich ferner in den Gelehrten Beiträgen zu den Schwerinſchen In— telligenzblättern(ogl. bei Meuſel). Im Familienarchiv haben wir einen Band: A. F. Trendelenburgii Annotationes ad Jo. Henr. Christiani de Selchow Elementa Juris Germanici Privati hodierni. Der Inhalt iſt n von unbekannter Hand. Augenſcheinlich handelt es ſich um ein iktat geſchriebenes Kollegienheft. Jahres zahl und Ortsangabe fehlt. Ein größeres juriſtiſches Werk hat er nicht verfaßt. Intereſſant iſt, was Nugent, der ihn in Bützow kennen lernte, von ihm und den übrigen Profeſ At. Den erſten Abend verbrachte er bei Aepinus.„Wir plauderten fort“, nicht gedruckt, ſondern geſchrieb ſſoren erzä er,„bis es ziemlich ſpät ward, nachdem wir ein kaltes Abendeſſen is genommen hatten, das mit allem Recht ein Convivium philosophicum as mir beſſer behagte, als alle die koſtbaren Traktamente, womit ich mir ſo oft den Magen verdorben hatte. nächſten Mittag fand ich noch andere Geſellſchaft vor, nemlich die beiden ſſores Toze(Hiſtoriker) un l„mit welchem letzeren Aepinus mich bekannt machte, und bey dieſe it erinnerte ich mich gegen ihn aller Güte, die ich bei ſein in Lübeck genoſſen hatte. Er iſt ein gut Theil a der L Bruder, ſieht ihm aber übrigens ähnlich. Er hat eine junge Hannove geheyrathet, mit der er ſchon verſchiedene Kinder hat, denn ſie glauben nicht, wie fruchtbar die Mütter hier zu Lande ſind. Ich war herzlich froh, daß ich mich itzt in einer Geſellſchaft von Philoſophen befand, indem ick die Zeit, die ich bei den Schmauſereien in Har und Lübeck verloren hatte, wieder erſetzt werden würde. Unſere Bewirthung war ſehr ſchön, aber nicht im geringſten überflüſſig und koſtbar. Beym Geſundheittrinken bemerkte ich wieder etwas Neues, denn jeder nahm ein großes Glas und nippte auf die Geſundheit eines jeden in der Geſellſchaft, ſo lange bis die Tour rund war, und dann wurden keine Geſundheiten weiter getrunken. Nach Tiſch ward ebenſo complimentirt, als in Lübeck, und dieſe Gewohnheit habe ich in ganz Mecklenburg gefunden. Nachmittags unterhielten wir uns die mehrſte Zeit von der Univerſität.— Um neun Uhr ward uns ein kaltes Abend eſſen gegeben und um eilf gingen wir zu Hauſe, nachdem Profeſſor Trendelen burg vorher die ganze Geſellſchaft auf den folgenden Tag invitirt hatte. Schon früh des anderen Morgens klopfte Tr. an meine Kammerthür, als ich noch im Bette lag, um mich an die geſtrige Einladung zu erinnern. Bald darauf kam Toze, dem Aepinus nicht lange nachher folgte.“ Die hoffen konnte, daß mir vier machten nun einen Rundgang durch die Stadt„Trendelenburgs Wohnung war nah bey der Kirche, f ir bald zu unſerer Mittag tafel kommen konnten. Hier fanden wir eine ziemlich zahlreiche Geſellſchaft vor, unter anderen auch Herrn Karſten, Profeſſor der Mathematik.“ Nachmittags Beſichtigung von Karſtens Obſervatorium in deſſen Wohnung und Rundgang um die Stadt.—„Als es finſter war, gingen wir wieder zu Trendelenburgs, wo wir den übrigen Theil des Abends zubrachten.“— Man ſieht, daß es dem Bützower Profeſſorendaſein weder an freier Zeit noch an Behaglichkeit fehlte. Eine Ahnlichkeit zwiſchen Adolf Friedrich und dem Lübecker Doktor, wie ſie Nugent bemerkte, iſt in den Porträts der beiden Brüder kaum heraus⸗ zufinden. Der hübſche Kupferdruck(Fig. 19), der das Porträt von Adolf Friedrich aus ſpäterer Zeit wiedergibt, iſt gezeichnet und geſtochen(2) von C. D. Voigts. Der Künſtler hielt ſich 1794 in Kiel auf, um ſich um die dort frei gewordene Stelle eines Univerſitätszeichenlehrers zu bewerben, und hat wohl jedenfalls in dieſer Zeit den Stich angefertigt. In der Kieler Univerſität befindet ſich von demſelben Künſtler noch eine Tafel mit einer Reihe von kleinen in Wachs boſſierten Bruſtbildern von Kieler Profeſſoren aus dem Jahre 1792, darunter auch von Adolf Friedrich Tr. (vgl. Chronik d. Univ. Kiel). Endlich haben wir ein Medaillon mit auf der Rückſeite eingeſchnittenem verſchlungenen A. F., welches den Kieler Etatsrat darſtellt, die Ahnlichkeit zwiſchen dieſen drei Bildern iſt aber keine in die Augen fallende. über die Nachkommen von Adolf Friedrich Trendelenburg, zu denen die Familien Jahn, Jeß und Mau gehören, iſt in dem Buch: Julie Michaelis geb. Jahn und die Ihren, Leipzig 1893, geſchrieben von ſeinem Urenkel Adolf Michaelis, dem Archäologen, meinem verſtorbenen lieben Schwager, ausführlich berichtet. Trendelenburg, Familiengeſchichte jüngerer Sohn des Superintendenten, Carl Ludwig Friedrich Gener. Nr. 24), der ſchon oben bei Beſprechung des Stammbaums rwähnt wurde(S. 26), ſtudierte Theologie in Göttingen und verteidigte n Oktober 1769 dort unter dem Vorſitz von Dr. Zachariae„eine von ihm verfertigte Schrift de quaestione num decalogus sit omnium legum moralium corpus.“(Gött. Anz. 1770, 20tes Stück, S. 161.) Inhalt: Die 10 Gebote ſind nicht eine vollſtändige Sammlung der moraliſchen göttlichen Vorſchriften, andererſeits verſtattet aber das Verbot der böſen Luſt es nicht, Gebote für blos bürgerliche Verordnungen zu erklären.— Er ſtarb ſchon 1783 im Alter von 35 Jahren als Paſtor in Greſſow, und zwar an der Schwindſucht, die er ſich nach den Aufzeichnungen des Paſtor Kindler zuſammen mit zwei Studiengenoſſen dadurch zugezogen hatte, daß ein an der Schwindſucht geſtorbener Freund ihnen ſeine langen gold— 0 Weſten vermacht hatte. Daß die Tuberkuloſe eine durch Anſteckung übertragbare Krankheit ſei, war ein alter Volksglaube, der aber erſt 100 Jahre ſpäter durch Robert Kochs Entdeckungen feſten Boden gewonnen hat und zu Ehren gebracht worden iſt. Wohl in Vorahnung ſeines frühen Todes ſchrieb Carl Ludwig 1781 in das Stammbuch ſeines Neffen(meines Großvaters): Hora ruit.— Memoriae usg scripsi Carolus Ludovicus Fridericus Trendelenburg Pastor Gresso- viensis Lubecae d. XVI Jun. A. O. R. MDCCLXXXI. Von den Töchtern des Superintendenten Theodor Trendelen burg in Neubrandenburg heiratete die älteſte Agneta Wilhelmine(8. Gen. Nr. 9) den Paſtor Roggenbau in Göhren bei Woldegk, der Ehe entſproßten acht Kinder, ein Sohn wurde Bürgermeiſter in Neubrandenburg. Nach ihrem Tode heiratete Paſtor Roggenbau die jüngere Schweſter der Verſtorbenen Luiſe Lucia(8. Gen. Nr. 14), die ihm noch 14 Kinder ſchenkte(Summa: 22 Kinder). Einer von den Söhnen von Luiſe Lucia war der ſpätere Paſtor Roggenbau zu Scharpzow bei Stavenhagen,„der olle Roggenbohm“ in Fritz Reuters„Ut de Franzoſentid“. Er ſtarb hochbetagt 1852 in Malchin. (Aufzeichnungen von Paſtor Kindler.) Ein Urenkel Roggenbau, als Ober— medizinalrat in Neuſtrelitz leider früh verſtorben, war bei mir Aſiiſtent in Roſtock. Die zweite Tochter Sophia(8. Gener. Nr. 11) war mit dem Paſtor Adam Brückner in Kublank bei Neubrandenburg verheiratet. Einer ihrer Söhne war der Stadtphyſikus und Hofrat in Neubrandenburg Dr. Adolf Friedrich Brückner, wohl derſelbe, durch den Boll in den Beſitz der Akten iber den Hexenprozeß kam(ſ. o. S. 66), ein anderer Ernſt Theodor Brückner war Paſtor in Gr.-Vielen und dann in Neubrandenburg. Wir werden ihm bei Erwähnung von Johann Heinrich Voß im neunten Kapitel wieder begegnen. Von Chriſtiane(8. Gen. Nr. 16), welche mit dem Paſtor Rahne in Straſſen verheiratet war, und bei welcher, wie oben ſchon erwähnt wurde, die Frau des Superintendenten als Witwe lebte, ſtammt der Paſtor Kindler, 1 10 Or er en or zir tel der meinem Vater wiederholt in Briefen Mitte zukommen ließ(im Archiv Ebenſo ſtammt in Halle, Mitglied des Hauſes der Abgeordnete Dorothea(8. Gener. Nr. 19) heiratete einen Weinhändler Toll in Neubrandenburg, Beſitzer des dortigen Gaſthauſes„zur goldenen Kugel Der Engländer Nugent hat auf ſeiner Reiſe dort logiert Ich nahm mein Quartier, ſchreibt er, in dem angeſehenſten Wirtshauſe der Stadt, nemlich am großen Markt bey Herrn Toll. Dieſer Herr iſt ein berühmter wohl habender Weinhändler und Bürgeraltersmann in Neubrandenburg. Über haupt muß ich geſtehen, dies iſt eins der beſten Wirthshäuſer, die ich in Ai X rilie Uber die Familie der Juſtizrat Keil Deutſchland angetroffen habe.“ Nach dem Tode des Herrn Toll führte ſeine Witwe das Geſchäft und die Gaſtwirtſchaft weiter und vererbte ſie an einen Sohn, während ein anderer Sohn Bürgermeiſter von Neubrandenburg(9) wurde. Mein Vater ſchreibt einmal im Jahre 1826„Der Vetter in Neu— brandenburg ſoll ein fideler Gaſtwirth ſein“(der Enkel von Dorothea Toll geb. Trendelenburg).“) Albertine(8. Gener. Nr. 20) lebte in ihrer Jugend im Hauſe ihre älteren Bruders, des Lübecker Doktors, u half ihm gelegentlich in ſeiner Praxis. Die dabei erworbenen Kenntniſſe k ihr ſpäter zu ſtatten, als ſie bei ihrer Lieblingsnichte, der Paſtorin Kindler, in Greſſow lebte.„Einem neugeborenen Kinde ſchnitt ſie ſchnell entſchloſſen an beiden Händen den überzähligen ſechſten Finger ab, ſo ſchnell und gewandt, daß die Pflegerin der Mißgeſtaltung überhaupt nicht gewahr wurde.“ Ohne als Großneffe den Ruhm der Großgroßtante ſchmälern zu wollen, muß ich als Sachver ſtändiger dazu bemerken, daß es bei der Operation, wenn der überzählige Finger, wie nicht ſelten der Fall iſt, mit einem ganz dünnen Stiel an der Kleinfingerſeite der Hand loſe anhängt, nur eines Scherenſchlages bedarf. Immerhin muß die Operateurin mit der Blutſtillung durch Unterbindung der zuführenden kleinen Arterie vertraut geweſen ſein. Kapitel 9. Neunte Generation und einiges aus der zehnten und elften Generation. Friedrich Wilhelm, Poſtkommiſſair in Eutin. Von den fünf Söhnen von Chriſtian Friedrich folgte der älteſte, Theodor Friedrich Tr., geb. 1755, geſt. 1827(9. Gener. Nr. 10), den Spuren des Vaters. Er ſtudierte Medizin von 1776 ab, ebenfalls in Göttingen, und wurde wie der Vater ein ſehr angeſehener Arzt in Lübeck. Einer ſeiner Studiengenoſſen war der ſpätere berühmte Anatom und Phſio loge Samuel Thomas Sömmering, der 1774— 1778 in Göttingen ſtudierte und 1830 als Profeſſor in München ſtarb(vgl. Brief meines Vaters vom 9. März 1830). 1) Das Gaſthaus zur goldenen Kugel iſt im Juni 1905 Theodor Trendelenburgs Doktordiſſertation behandelte das alte 30 Jahre zuvor von ſeinem Vater Thema des Mech—— der Atem bewegungen und beſtätigte die Richtigkeit der Hallerſchen An— ſchauungen. Der T lautet sterni costarumque in respiratione vera genuinaque motus ratione(Gött. Anz. 1780, Nr. 24, S. 193. Bei Meuſel iſt die Diſſertation fälſchlich Karl Ludwig Tr. zugeſchrieben, der Tl er Theologe war, ſ. o. e Nichte und Pflegetochter eines cheel oder Scheele, Catharina 11. Juni 1785 heiratete er di hlhabenden Weinhändlers in Lübeck, S Eliſabeth Römer. Die Ehe blieb kind iſt die Erinnerung an ihn in neuerer Zeit— der hundert f des ärztlichen Vereins zu Lübeck von Theodor Eſchen 8 jährigen burg, dem Verfaſſer der in unſerem Archiv befindlichen Feſtſchrift(Wies baden 1909) wieder wachgerufen worden Theodor Tr. war zuſammen mit Dr. Behn und zehn anderen Arzten der Begründer dieſes älteſten ärztlichen Vereins in Deutſchland. Als älteſter unter den zwölf Stiftern und als Phyſikus ſicht er in dem Mitgliederverzeichnis an der Spitze. Er und Behn hatten die Einladung zu der konſtituierenden Verſammlung vom Oktober 1809 ergehen laſſen. Schon vorher hatten gelegentliche Zuſammenkünfte der angeſehenſten Arzte der Stadt zum Zweck gemeinſamer Beſprechung beruflicher Fragen in der Ratsapotheke ſtattgefunden, ſo als im Jahre 1799 nach Bekannt— werden der Jennerſchen Entdeckung die erſte Kul Ppockenimpfung in Lübeck vorgenommen war. 1805 hatte man auch die Gründung einer feſten Ver einigung der Arzte in Ausſicht genommen, für die man die— von den ſtädtiſchen Behörden zu erlangen verſuchte. Der Rat hatte dieſen Plan aber verworfen, es ſei gefährlich„einen Status in Statu aufkommen zu laſſen und ihm durch öffentliche Anerkennung Sanktion zu verleihen. Ein ſolcher Verein eng verbundener, dem Volke zugänglicher und durch Kenntniſſe hochgeſtellter Männer würde am Ende die Obrigkeit ſelbſt ſich unterzuordnen ſtreben und einen nicht zu berechnenden Einfluß gewinnen“ Es bedurfte der Not der Franzoſenzeit, um ſolche kleinliche und engherzige Anſchauungen zu beſeitigen und die Beſtrebungen der Arzte zum Ziele zu führen. Als nach dem Rückzug Blüchers durch Lübeck nach der Schlacht bei Jena die Stadt am 6. November 1806 von den Franzoſen erſtürmt und geplündert war, verſammelten die Arzte ſich während der nächſten Wochen täglich, oft zweimal, um über die Verwaltung der Hoſpitäler, die Beſeitigung der Leichen von Menſchen und Pferden und andere Fragen zu verhandeln und den Behörden mit ihrem Rat zur Seite zu ſtehen. Es wurden Protokolle in den Sitzungen geführt(vgl. Eſchenburg, Lübeckiſche Geſchichte und Altertumskunde, Heft 6, Nr. 1), und drei Jahre ſpäter wurde aus der loſen Vereinigung ein mit Statuten verſehener feſter Verein. Herr Dr. med. Buſch in Lübeck hatte die Freundlichkeit, mir aus den Protokollen des ärztlichen Vereins einiges auf Theodor Tr. Bezügliche mitzuteilen. In ſeinem Brief vom 5. Dezember 1894 heißt es:„In den Protokollen geſchieht ſeiner ſo häufig Erwähnung, daß ich u. A als Curioſum 5 N 1 101 nur erwähnen will, daß es an einer Stelle heißt: ‚Dr. Tr. hat das Ver dienſt, zuerſt hierſelbſt die Kuhpocken geimpft zu haben. Unſerem Verein hat der Verewigte ſich bis an ſein Lebensende mit ganzer Kraft gewidmet und dieſes bekundet neben vielen anderen Zügen der Umſtand, daß er dem Verein ſeine große koſtbare Bibliothek(damals auf 12000 M. nach heutigem Gelde taxirt) vermachte Sie bildete den Grundſtock zu unſerer heutigen großen und wertvollen Bibliothek. Es heißt hierüber in dem Protokoll des 17. März 1819: ‚Nach verſchiedenen wiſſenſchaftlichen Mitteilungen ſtockte plötzlich die Unterhaltung. Auf dem Tiſche vor uns lag ein Billet, auf dem von der Hand unſeres älteſten und ſehr geliebten Kollegen Trendelen burg die Worte ſtanden(der Zettel iſt ausgeſchnitten und eingeklebt): ‚Mein Vermächtniß! Trendelenburg.“ Wir alle wurden erſchüttert und gerührt durch dieſe einfachen Worte. Er ſelbſt unterbrach die ſtumme Seene, in— dem er erklärte, er wolle ſeine Bibliothek, die von ſeinem Vater und von ihm ſelbſt mit großen Koſten geſammelt wurde, dem Staate zum Beſten des Vereins der Lübecker Aerzte als Vermächtniß übergeben. Er machte keine Bedingungen, als daß ein eigenes öffentliches Lokal mit der Hippo kratiſchen Inſchrift dazu beſtimmt und ein ſyſte matiſches Verzeichniß verfaßt und gedruckt werde, endlich, daß ſeine Wittwe von der ganzen Einrichtung keine weiteren Unkoſten habe. Wir alle, die wir die Vollſtändigkeit, Vortrefflichkeit und Koſtbarkeit dieſer Bücherſamm lung kennen, und uns ſo oft in derſelben Raths erholt haben, ſuchten umſonſt nach Worten, unſer Erſtaunen und unſeren Dank auszudrücken. Der Name des Stifters wird auf unſere ſpäteſten Nachkommen übergehen. Die Belehrung, die wir, die ſie aus dieſem Schatze ſchöpfen werden, iſt ſein Werk und ſei ſeine Belohnung.“— In dem Protokoll vom 9. Februar 1827 wird über die letzte Krankheit und den Tod Trendelenburgs berichtet. Die für damalige Verhältniſſe koſtbare Bibliothek umfaßte etwa 8000 Bände. Die Schenkung an den Verein kam nicht zur Ausführung, viel mehr kaufte der Verein die Bibliothek, da Trendelenburg in den letzten Jahren ſeines Lebens von mannigfachen Verluſten betroffen war, den Erben für einen mäßigen Preis ab, 1829 wurde vom Senat zur Aufſtellung der Vereinsbibliothek ein geeigneter Raum in der alten Ratsapotheke zur Verfügung geſtellt. Was die erſte Kuhpockenimpfung in Lübeck betrifft, ſo ſchreibt Eſchen⸗ burg ſie nicht Trendelenburg ſondern Behn zu, vielleicht haben beide die Impfung zuſammen vorgenommen. Zu erwähnen iſt, daß auch Theodor Trendelenburgs Vater Chriſtian Friedrich ſchon die Schutzimpfung in Lübeck angewandt hat, aber nicht mit Kuhpockenlymphe, ſondern nach der vor Jenner allein möglichen Methode der Impfung mit Blatternlymphe aus den Puſteln pockenkranker Menſchen. Man hatte die Erfahrung gemacht, daß die auf ſolche Weiſe eingeimpfte Krankheit leichter zu verlaufen pflegte, als wenn ſie zufällig übertragen war, beſonders während leichterer Epidemien. Der allgemeinen Einführung des Verfahrens ſtand aber der Übelſtand im Wege, daß die Geimpften auch ihrerſeits wieder zur Verbreitung der Krankheit durch Anſteckung beitrugen. Chriſtian Friedrich Tr. hatte ſchon bei ſeiner Promotion(ſ. o.) als 17. 2 den Satz aufgeſtellt: Insitio variolarum in praeparato corpor- atis tuto a medico in sufficiente auctoritate constituto institui potest. 5 Jahre ſpäter(am 5. Juli 1783) ſchreibt er dann den Söhnen in Be⸗ antwortung einer Anfrage, die ſie wohl auf Veranlaſſung eines Tübinger Arztes an ihn gerichtet hatten, folgendes:„Vorläufig kann ich darauf ant worten: Daß ich bey Kindern mit Einimpfung der Blattern in ihrem zarteſten Alter ohne Noht nie eile. Die Noht aber iſt da, wenn die Blattern an dem Orte ihres Aufenthaltes würklich herrſchend ſind. In dieſem Falle kehre ich mich an kein Alter und inoculire ſie dann auch den jüngſten Kindern, wann ich ſie ſonſt nicht für alle Anſteckung voll kommen ſichern kann. In einer beträchtlichen Zahn-Arbeit u. während derſelben inoculire ich nie Ich inoculiere nie, wo nicht die Blattern Epidemie ſchon würklich zur Stelle, oder ganz nal orm Tohre iſt. Die Blattern-Materie muß gantz friſch u. womöglich ſo gantz warm von einem Patienten zu dem anderen transportirt werden. Dies erfordert die Gatti— Wagleriſche Methode, die ich mir mit einigen beträgtlichen Abänderungen zu eigen gemacht und immer als die beſte befunden, durchaus.“ Man ſieht, daß mein Urgroßvater dieſe ältere Methode der Schutzimpfung ſchon vielfach angewendet hat, und die Angabe von Eſchenburg, daß die In okulation der Menſchenpocken erſt ſpät und beſonders durch den 1789 von der Univerſität zurückgekehrten Dr. Schetelig in Lübeck Eingang gefunden habe, bedarf alſo der Korrektur. In der Geſchichte Lübecks während der Franzoſenzeit von Klug wird aus Theodor Trendelenburgs Leben über folgendes Mißgeſchick berichtet. 1810 war die Stadt dem Franzöſiſchen Kaiſerreich einverleibt worden. Nach der Kataſtrophe, die im Winter 1812 auf 1813 die franzoſiſche Armee in Rußland betroffen hatte, mußte die franzöſiſche Beſatzung Lübeck vor einem anrückenden ruſſiſchen Heere räumen, und am 21. März 1813 zog General v. Benckendorf unter dem Jubel der Bevölkerung in die be freite Stadt ein. Am 7. Juli kam dieſelbe aber wieder in die Hand der Franzoſen, die faſt unerſchwingliche Kontributionen erhoben und an denen Rache übten, die bei dem Einzug der Ruſſen die Waffen ergriffen oder ihren patriotiſchen Empfindungen einen beſonders lebhaften Ausdruck ge— geben hatten. Mit 31 anderen Bürgern wurde der Dr. Trendelenburg in der Nacht vom 25. zum 26. Juli verhaftet, nach Hamburg transportiert und als Gefangener auf das Schiff„Ceres“ gebracht. Der Denunziation lag aber eine Verwechſlung zugrunde. Er ſollte dem ruſſiſchen General und ſeinem Adjutanten ſeine Equipage zur Verfügung geſtellt und ſie bei ihrer Fahrt durch die illuminierte Stadt begleitet haben. Tatſächlich war Dr. Behn mit ſeiner der Trendelenburgſchen ähnlichen Equipage geweſen. Durch einen zweiten Transport am 11. Juli erhöhte ſich die Zahl der Gefangenen auf 68, welche mehrere Wochen auf dem Schiff feſtgehalten, dann aber wieder freigelaſſen wurden. Der zweite Sohn von Chriſtian Friedrich war Johann Georg Trendelenburg, geb. 1757, geſt. 1825(9. Gener. Nr. 11). Er ſtudierte zuſammen mit ſeinem älteren Bruder Theodor von 1776 ab in Göttingen Theologie und wurde(nach Meuſel) ſchon 1779 als ordentlicher Profeſſor der griechiſchen und orientaliſchen Sprachen an das akademiſche Gymnaſium in Danzig berufen. Die Göttinger Anzeigen ſchreiben(1779, 108. Stück, S. 864):„Eine richtige Bemerkung über Gen. 9. 25/28 hat J. G. Trendelenburg zur Ankündigung ſeiner Vorleſungen drucken laſſen u.ſ.w. Es handelte ſich um die richtige Interpretation des Hebräiſchen in der Stelle der Geneſis:„Gott wohne in den Hütten Sems.“— Aus demſelben Jahre iſt die Schrift: Commentatio in verba novissima Davidis 2. Sam. XXIII 1—7. Goettingae(im Familienarchiv). Später ſchrieb Georg Tr. dann „Die erſten Anfangsgründe der hebräiſchen Sprache, Danzig 1784“ und viele kleinere lateiniſche Schriften und Aufſätze(Meuſel). In dem Familien archiv befindet ſich in zwei Exemplaren das Buch„Anfangsgründe der griechiſchen Sprache. Vierte Aufl. Leipzig 1796“. Gegen dieſes Buch ſchrieb der K. K. Rath und öffentliche Lehrer der griechiſchen Literatur in Insbruck J. Primiſſer„Gedanken über das von Herrn Prof. Tr. vorge ſchlagene Syſtem der griechiſchen Conjugation, Leipzig 1798) Weitere Schriften ſind die Chrestomathia Flaviana sive loci illustres ex Flavio Josepho detecti et animadversionibus illustrati Lips. 1784(griechiſcher Text mit lateiniſchem Kommentar), Chrestomathia hexaplaris Lub. et Läps. 1794 und eine in den Schriften der kurfürſtlich deutſchen Geſellſchaft in Mannheim Bd. 4 1788 erſchienene Preisſchrift„Vergleichung der Vorzüge der deutſchen Sprache und der Vorzüge der lateiniſchen und griechiſchen“. Johann Georg wurde in ſpäteren Jahren Senator in Danzig und führte als Schulrat die Aufſicht über die dortigen Bürgerſchulen, der Direktor des Joachimsthalſchen Gymnaſiums in Berlin, Meineke, ein be kannter Philologe und Schulmann, rühmte ſeine energiſche, klare Tätigkeit (Brief meines Vaters aus dem Jahre 1835). Georg Tr. war überhaupt keineswegs nur ein Mann der trockenen Gelehrſamkeit. Das erſehen wir beſonders auch aus einem uns erhaltenen Briefe an ſeinen Bruder, den Poſtmeiſter in Eutin(ein anderer kann es nicht ſein, der Name fehlt) aus dem Jahre 1791. Johann Georg hatte ſich in der Gegend von Danzig, 20— 24 Meilen von der Stadt entfernt, „ein Gütchen“ gekauft und bedankt ſich für ein ausführliches ihm von dem Bruder angefertigtes Gutachten über die beſte Art, es zu bewirtſchaften. Die Ausſtellungen und Vorſchläge des Bruders über Pferdezucht, über das Pflügen mit Ochſen ſtatt mit Pferden, über Beſchaffung von Winterfutter für das Vieh und Milchertrag der 15 Kühe, über den Kartoffelbau, über Heu und Grummet uſw. werden in dem Briefe eingehend beſprochen. Be ſonders intereſſiert ihn der Kartoffelbau.„Kartoffeln werden hier zwar, aber nur in Gärten in umgegrabenem Lande für die Wirtſchaft gebauet Ueberhaupt möchte ich erfahren, wie man mit dem Kartoffelbau gut ver fährt, wenn ſie geſäet werden in gepflügtem Lande, ob dazu auch gemiſtet werden muß, und wie wohl ohngefähr der Ertrag per Morgen ſeyn kann 04 Denn mi möchte ich wenigſtens einen Verſuch für meine Maſt ſchweine machen. Ihrer 14 haben mir dies Jahr 108 Scheffel ſogenannte Pferdebohnen und 50 Scheffel Gerſte, alſo den Produkt von 4 Morgen Landes aufgefreſſen. Wenn mir dann der Kartoffelbau einigen Vortheil verſchaffen könnte, wäre es mir angenehm.“ Schließlich bittet Johann Georg den Bruder, ihm durch ſeine Beziehungen in Württemberg(ſ. u.) bei Beck in Göppingen Samen von Poa aquatica L., Holcus lanatus und Avena elatior zu beſorgen, und hofft, den Bruder einmal im Sommer bei ſich ſehen zu können. Was bei der Bewirtſchaftung des Gutes, für die ſich auch der Vater Chriſtian rich ſehr intereſſierte(vgl. ſeine Briefe), herauskam, iſt nicht bekannt. er ſcheint Joh. Georg auch einige Häuſer in Danzig beſeſſen zu haben. Andeutungen in Briefen mei Vaters an meinen Großvater ſſen aber darauf ſchließen, daß die Vermögensverhältniſſe, als Joh. Georg plötzlich ſtarb(1825), keine günſtigen geweſen ſind. Mein Vater hat den Onkel überhaupt nicht perſönlich kennen lernen, was er ſehr bedauerte.„Auf meinen Reiſen“, ſchreibt er nach ſeinem Tode,„hat mich ſein Name von Kopenhagen bis Preßburg überall bei den Philologen angenehm eingeführt. So oft ich Männer traf, die ihn kannten, ſprachen ſie mit der größten Achtung von ihm.“ Frie 2 Die, wie es ſcheint, einzige Tochter von Johann Georg, Wilhelmine, eiratete einen Herrn v. Eberts. Über den dritten Sohn des Lübecker Doktors, Caſpar Heinrich (9. Gener. Nr. 12), iſt wenig bekannt. Geboren 1. Auguſt 1758 wurde er 1778 in Göttingen als stud. jur. inſkribiert, lebte dann als Aktuar (Amanuensis judicii) in Lübeck und ſtarb daſelbſt ſchon am 13. Juli 1798. „Er heiratete“, ſo ſchreibt der Vater an Fritz nach Tübingen 1785,„die Demoiſelle v. Bartels, eine Tochter des ehemaligen reichen Herrn v. Bartels in der Breiten Straßen, deſſen Nachlaß aber in Concurs geriet, ſehr un— billig, denn nach deſſen Beerdigung zeigte ſich, daß noch über 100 M. Mk. übrig waren, wovon auf die Braut 24000 Mk. gefallen, die nun Caſpar baar mitkriegt. Beyde Bräute(die andere iſt die Braut von Theodor) ſind ſehr wolerzogene und liebenswürdige Kinder, u. hoffe ich, daß deine Brüder da— bey ſehr glücklich ſein werden. Sey fleißig, ſtudire brav, lerne was recht⸗ ſchaffenes u. mache mir dereinſt auch ſolche Freude.“ Die Hochzeit fand am 14. April 1785 ſtatt. Maria Diederica Trendelenburg, geb. v. Bartels, wurde geboren den 18. Oktober 1759 und ſtarb 1835, 76 Jahre alt.— Am 22. April meldet Caſpar dem Bruder nach Tübingen die Geburt„eines kleinen Duodez⸗ Jungen, den mir meine Frau als das erſte Unterpfand unſerer Liebe geliefert hat, er hat den Namen Friedrich Auguſt erhalten, unſere alte Groß— mutter in Straſen iſt Gevatterin geweſen“. Ein zweiter Sohn Wilhelm Caſpar Heinrich Tr.(geb. den 14. Juni 1787, geſt. den 16. Okt. 1851), fN Nioin N a 1 ſpater als Weinhändler in Bromberg lebte, wurde der Vater meinee lieben Vetters, des Direktors des Friedrichs-Gymnaſiums in Berlin und be kannten Archäologen Profeſſor Wilhelm Guſtav Adolf Trendelenburg (geb. den 10. Auguſt 1844) er vierte Sohn des Lübecker Doktors war mein Großvater Friedrich Wilhelm Trendelenburg, Poſtkommiſſair in Eutin (geb. den 19. März 1761, geſt. den 16. Mai 1835). Uber ſeine Studienzeit in Tübingen, Heidelberg und Göttingen in den Jahren 1782 bis 1787 haben wir ſchon aus den Briefen des Vaters gehört(S. 84). Von ſeinen eigenen Briefen an den Vater iſt leider nichts erhalten, dagegen beſitzen wir einen kurz gefaßten Bericht über die Reiſe nach der Schweiz, die er im Jahre 1784 zuſammen mit ſeinem Bruder Schack auf Betreiben des Vaters von Tübingen aus unternahm. Die Auf zeichnungen in Form eines Tagebuchs bieten manchen ganz intereſſanten Einblick in die damalige Zeit, ohne aber ein lebendiges Bild von der Per ſönlichkeit des S Die Reiſe ging über Zürich, Luzern, Bern, Lauterbrunnen, die Scheideck, die Grimſel, Sitten, Martinach(Martigny), Chamounix bis Genf und von dort über Neuenburg, Baſel, Straßburg, Karlsruhe nach Tübingen zurück. Meiſt wanderten die beiden Brüder zu Fuß, während das Gepäck, bei dem ſich auch manches von Tübinger Profeſſoren für Schweizer Freunde und Bekannte ihnen mitgegebenes Paketchen befand, mit irgendeiner Fuhr gelegenheit von Stadt zu Stadt geſchickt wurde. Mit Empfehlungen reichlich verſehen, machten ſie in den Städten, ſobald das Gepäck, oft nach längerem Warten, angelangt war, wohl friſiert und friſch gekleidet ihre Beſuche, lernten auf dieſe Weiſe manche hervorragende Männer, z. B. Geßner in Zürich, kennen— Lavater hatten ſie ſchon früher in Tübingen geſehen und wurden durchgehends ſehr freundlich aufgenommen. Nur Profeſſor Saussure in Genf ließ ſich bei wiederholtem Beſuch verleugnen. Wir wollen es dem berühmten Naturforſcher und Beſteiger des Montblanc nicht übelnehmen. Denn die häufige Anſprache von durchreiſenden Fremden mag ſich oft zu einer recht läſtigen Beigabe des Berühmtſeins geſtaltet haben. Man er wartete nicht nur einen freundlichen Empfang und weitere Empfehlungen, ſondern auch Auskunft über Land und Leute, über die Sehenswürdigkeiten der Stadt, den einzuſchlagenden Weg bei Fortſetzung der Wanderung, Reiſe— gelegenheiten uſw., kurz das, was dem Reiſenden heute das betreffende Kapitel im Baedeker in ſo unübertrefflicher Weiſe an Auskunft jeder Art dar bietet. Einige von den Herren, die ſie aufſuchten, führten ſie ſelber in der Stadt herum und zeigten ihnen Bibliotheken und wiſſenſchaftliche Samm lungen. Eine beſondere Freude war das Zuſammentreffen mit früheren Studiengenoſſen. Auf einem Landſitz bei Hwerdun am Neuenburger See ſuchten ſie einen nahen Univerſitätsfreund v. Oſterwald auf und ſchwelgten mit ihm in Freundſchafts-, Wiederſehens- und Abſchiedsgefühlen, die ſich in dem überſchwenglichen Tone der Zeit äußern. Ein ſolches Wiederſehen 2ε Yreiber Je ———————— L 2.— ˖ Ama rdings auch etwas anderes als heutzutag Eine Reiſe in zar damal mMert war für einen norddeutſchen Studenten ein Ereignis, an deſſen wal die Sch ziederholung im ſpäteren Leben kaum zu denken war Der Großvater hat ja auch ſpäter in ſeinem Eutin ganz feſtgeſeſſen und ſeinen Studienfreund ſicher nicht wiedergeſehen In Karlsruhe fanden die beiden Reiſenden den Hofrat Böckmann, einen Lübecker, der ſie als Landsleute beſonders gütig aufnahm.„Der Name Lübecker hallte ſeinen Ohren ſo lieblich, daß er uns gleich als Fremde als ſeine nächſten Bekannten, ſeine Landesbrüder umarr Ganz ſchenke ich Ihnen meine Zeit, ſagte er, und ließ ſein Collegium abbeſtellen und führte uns in dem Schloßgarten umher.“ Ein Jig. 20. Friedrich Wilhelm Trendelenburg, Poſtkommiſſair in Eutin, und Suſanne Tr., geb. Schrödter. fröhliches Mittagsmahl im Gaſthauſe bei Champagner und Burgunder folgte. „Dann führte Herr Hofrath uns wieder nach Hauſe, wo er uns ſeine Frau kennen lehrte. Er zeigte uns auch einige von ſeinen phyſikaliſchen In⸗ ſtrumenten und Luftbällen, die er hatte ſteigen laſſen. Hierauf ſetzte er uns à la Lübeck eine Pfeife und ein Glas Bier vor(dann Abend⸗ brod)— den ganzen Tag hindurch war unſer Geſpräch von Lübeck, die Uhr ſchlug 2, ehe wir ans weggehen dachten.“ Am nächſten Morgen, als ſie abreiſten, war die ganze Rechnung im Wirtshaus von dem Herrn Hofrat ſchon bezahlt. Landsleuten und Freunden zu helfen, war auch meinem Großvater eine dringende Pflicht. Das bewährte er bei Gelegenheit eines Vorfalls in Tübingen, als er ſelbſt ſchon in Heidelberg ſtudierte. Ein noch mino renner Studienfreund und Lübecker Landsmann war im März 1786, von einer verheirateten Frau in Tübingen verleitet, unter Zurücklaſſung don Schulden mit dieſer durchgegangen. Sobald Tr. durch Tübinger Profeſſoren davon benachrichtigt war, ließ er den Vater des leichtſinnigen jungen Mannes durch ſeinen eigenen Vater in Kenntnis ſetzen, erhielt darauf von Lübeck aus einen Verhaftsbefehl für das Pärchen und reiſte ihm mit einem Freunde Hartmann in einem zu dem Zweck gekauften Wagen nach. Die Spur ſchien nach Cöln und Amſterdam zu führen. Ob der Zweck erreicht wurde, iſt aus den in der Angelegenheit gewechſelten Briefen nicht zu erſehen, es ſcheint nicht der Fall geweſen zu ſein. Der Vater des jungen Mannes ſpricht aber wiederholt ſeinen innigen Dank für die treue Hilfsbereitſchaft aus. Die Reiſe dehnte ſich bis nach Holland aus, wie ſich aus Briefen meines Vaters ergibt. In meines Großvaters Stammbuch befindet ſich auch ein„Amſterdam den 20. Mai 1786“ datiertes Blatt, unterſchrieben„Ludwig Hartmann“. Mein Vater beſuchte 1830 in Stuttgart ſeines„Vaters Univerſitätsfreund und Reiſegefährten“ und wurde von dem inzwiſchen geadelten Herrn v. Hart mann Exzellenz und ſeiner Frau ſehr freundlich aufgenommen.(Brief.) Von Göttingen, wo er zuletzt ſtudierte, nach Hauſe zurückgekehrt, erlangte mein Großvater, wohl nach beſtandenem Examen, am 26. November 1787 vom Senat das Diplom als Kaiſerlicher Notar in Lübeck. Nicht lange darauf 1789(2), erhielt er eine Anſtellung in Eutin, dem als Wohnort von Johann Heinrich Voß bekannten anmutig gelegenen Städtchen im ſo genannten Fürſtentum Lübeck, einer zu Oldenburg gehörenden Enklave in Holſtein, einige Meilen nördlich von der Stadt Lübeck. Zuerſt wurde er von der Regierung als Sekretär bei der Kammer beſchäftigt, zu Neujahr 1792 übernahm er als Fürſtlich Biſchöflicher(Herzoglich Oldenburgiſcher) Poſtkommiſſair die Leitung des Oldenburgiſchen, zugleich Däniſchen, Poſt⸗ amtes in Eutin. In dieſer beſcheidenen amtlichen Stellung blieb er zeitlebens. Mein Vater hat oft mit Bedauern davon geſprochen, daß ſeines Vaters vielſeitige Ausbildung auf der Univerſität, ſeine Kenntniſſe und Talente keine wür— digere und fruchtbarere Verwertung gefunden hatten. Dabei war die wenig einträgliche Stelle durchaus nicht mühelos. Einen einheitlichen Portotarif für Deutſchland oder gar ein internationales Poſtabkommen gab es natürlich damals noch ebenſowenig wie Poſtfreimarken. Jeder Brief wurde, wenn ich nicht irre, in eine Liſte eingetragen und mußte beſonders verrechnet werden, was bei den verſchiedenen Münzſorten in Lübeck, Holſtein und Oldenburg ziemlich kompliziert geweſen ſein wird. Jedes Goldſtück der verſchiedenen Währungen wurde auf der kleinen Goldwage gewogen, welche ſich noch unter den Familienandenken befindet. Die Gemeinſamkeit des Poſtamts in Eutin für Oldenburg und Dänemark beruhte auf einer beſonderen Konvention vom Jahre 1777. Die Einnahme des Poſtmeiſters ſetzte ſich zuſammen aus Sporteln in Höhe von ca. 400 Talern und dazu Gehalt, Prozenten von der Poſteinnahme und Zeitungsemolumenten im Betrage von zuſammen ca. 300 Talern, war alſo eine ſtets etwas ſchwankende und erforderte eine genaue Rechnungsführung. Sehr unbequem war das unregelmäßige Ein treffen der Poſtwagen, beſonders der Lübecker Poſt Montags und Donnerstag Nachts, mit dem Warten und der ſich ſchließenden Arbeit in ſpäter Fahre el krär den Manne die N ruhe ver 1U nicht zur Seite, von früh bis eben d durch welches er eigenhändi und jed nahm. Eine vortreffliche ar mein Vater in ſeinen Briefen Julie treue Poſtaſſiſtentin bezeichnet. Nach dem Tode niſſairs(1835) wünſchten die vorgeſetzten Behörden ſogar, die Wit und die Töchter möchten die Geſchäfte mit Zuziehung eines ver— igten fen hren, ein Vorſchlag, auf den ſie aber dem wohl— egründe m Vaters folgend nicht eingingen. a Das kleine Haus, in deſſen Erdgeſchoß das Poſtbüro untergebracht Faſſade ſelbſt er 6 n Baukoſten beliefen ſich auf 3500 Taler. Nach 1 ſeinem Tode wurde es verkauft, und das Erd zeſchoß für einen Kaufladen umgebaut. Es ſteht noch heute und trägt eine bei der Feier des 100jährigen Geburtstags meines Vaters angebrachte Gedenktafel. In dem kleinen Garten ſtanden einige ſchöne Obſtbäume, Großvaters„Lieblinge“. An dem Haus hatte er ſeine Freude und legte Wert darauf, bei öffentlichen Feſtlichkeiten die Front hübſch zu illuminieren und mit ſinnigem Transparent zu ſchmücken, gelegentlich wandte er ſich dann in ſpäteren Jahren brieflich um Rat an ſeinen Sohn. Ganz witzig war die Inſchrift auf einem Transparent, das das Trendelenburgiſche Haus geziert haben ſoll, als zur Feier der Geburt des Sohnes von Napoleon illuminiert werden mußte. Sie lautete:„Aus Liebe nicht aus Pflicht brenn ich dieſes Dreilingslicht“. Der Deutſchgeſinnte, der vorüberging, dachte ſich ein Komma hinter dem Wort„nicht“, der däniſche Franzoſenfreund vor demſelben Seine patriotiſche Geſinnung und ſeine Doppelſtellung als oldenbur giſcher und als däniſcher Poſtbeamter brachte meinen Großvater während der Franzoſenzeit öfters in eine bedenkliche Lage. Durch einen im Dunkel der Nacht ein- und ausgehenden Boten half er die Verbindung zwiſchen der Oldenburgiſchen Regierung und dem nach Rußland geflüchteten Herzog Peter aufrecht zu erhalten, und die erſten Nachrichten von dem ſiegreichen Ausgang der Schlacht bei Leipzig ließ er von ſeinem elfjährigen Sohne abſchreiben und heimlich verbreiten. Im Fall der Entdeckung ſtand Freiheit und Lel ben auf dem Spiel. In Lübeck wurden der Chirurgus Martini und der Kaufmann Steger nur deshalb verhaftet, weil ſie ſich in einem Kaffeehauſe über den Inhalt des Hamburger Correſpondenten vom 14. November 1813 unterhalten und die offizielle Darſtellung der Schlacht bei Leipzig angezweifelt hatten, da Privatnachrichten anders lauteten(bei Klug). Von dem ſchon in den Briefen meines Urgroßvaters erwähnten Zeichen⸗ 2 und Maltalent meines Großvaters beſitzen wir hübſche Proben in dem kleinen oval gerahmten Selbſtporträt, das in Fig. 21 wiedergegeben iſt, in einem Zeichenbuch aus ſein Jugend und in einer Reihe von Miniaturbildern auf Elfenbeinplättchen, zum großen Teil Porträts von befreundeten mit hochgetürmter Friſur geſch ten Damen aus ſeiner Studienzeit. Auch das 8—— 119 größere, in Ol gemalte Bild von Tübingen, den Blick vom Oeſterberg auf Stadt und Schloß wiedergebend, ſtammt von ſeiner Hand. Leider haben ſich die Farben im Laufe der Jahre ſtarl daß die grünen N 1 Wieſen faſt den Eindruck von blauen W Ebenſo ſind die zahlreichen Silhouetten ſcheinlich alle von ihm ſell Schattenriſſen gemalt. am 30. Mai 1827 nach einem Beſuch bei Profeſſor Paulus in Hei mem —3„0 f 77,, 4— öiii 21 dliches Selbſtporträt des Poſtkommiſſai W 1 Trendelenburg in Eutin „Dem Vater muß ich noch ſagen, daß ſein Schattenriß von Paulus in ſeinem Stammbuch mir recht vor die Seele getreten iſt, als ich nun Paulus ſah. Solch ſprechende Aehnlichkeit noch nach 40 Jahren!“ Und ſämtliche Silhouetten— faſt alle gemalt, nicht ausgeſchnitten machen den Ein druck, von derſelben Hand gefertigt zu ſein. Sie ſtammen aus den Jahren 1781—1787, und es befinden ſich darunter einige Silhouetten bekannter Männer, ſo von Lavater und Jung Stilling, deſſen Schüler mein Groß vater in Heidelberg war und der ſich ſeiner freundlich annahm( S. 85). 1 ſchr Blatt folgende Zeilen igt, ick rn kann. Wer hat Kraft! fernt er nicht tragen kann Wer iſt gut? Wer iſt g froh und der Fortdauer ſeines 2 zaume hält ſeines Daſeyn den 22 Julius 1782. F. C. Lavater v Zürich. innerungsworte lauten:„Haſt Du Wünſche, erfüllt, ſo denk ſey Ballaſt, der Deinem durch Sturm und Wellen ſichert. Freund und 1786.“ Dies zum Lehrer Jung Auch ſpäter ſcheint der Poſtkommiſſair ſich t Molen beſchäftigt zu haben, da mein Farben und Goldbronze ſchickte. Unſer fenſter und der Urne in der Tür Nate VBadte die Lebensſchif ſeinen graden Gang genannt 11 2 Der alles von ſich ent ſeine drückende Kräfte Ler er alles in ſich aufnimmt, was ihn aſeyns ge wiß macht. Tübingen Stillings Er Dir die Vorſehung nicht Jun Vung freundſchaftlichen Andenken Stilling. Heydelberg d. in Mußeſtunden noch etwas r ihm aus Berlin gelegent— Eckſchrank mit dem Glas— iſt nach ſeiner Zeichnung aus dem Holz von einem Birnbaum im Eutiner Garten gefertigt. Bei den Familienpapieren befindet ſich von Hochzeitscarmina, meiſt zu Hochzeiten der Ge 9 ſoeiner vi Poihe aus ſeiner Jugend eine Reihe ſchwiſter verfaßt. Während der Tübinger Zeit erinnert ihn ſein Vater in den Briefen wiederholt, er ſolle zur rechten Zeit„ſeine Leier ſtimmen“. er es mit der Dichtkunſt verſucht, Empfindungen in nüchternſter Aber auch ſchon als wenn man die Fertigkeit, Gedanken und Form oder ſtark übertrieben in Reimen auszu⸗ Schüler hat ſprechen und zur Verzierung des Elaborates gelegentlich Hymen, Minerva und die Muſen aus dem O lymp zu zitieren, zur Dichtkunſt rechnen will. Nach Inhalt und Form ſind dieſe gedruckten Blätter mit ihren geſchnörkelten Vignetten für die Da heißt es an die Schweſterbraut: Ein ganzer Strom von Se Gießt ſich in meine Bruſt: hoch ſch ſie Ertöne der Luft Du mein Geſ Und zum Schluß: „Geh ſtets dem Pfad der Liebe Der Freudenſchöpferin! Es fließe wie ein ſanfter Back Zeit des Rokoko charakteriſtiſch. ligkeit »it elt nach Dein ganzes Leben hin! Durchleb die ſpätſten Zeiten frol Blüh gleich der Blumen Zier, e Schaar der Enkel ſeh Dich ſo! ihren Heil Dir! Welch Ausſicht, die ſich mir enthüllt Mit Wolluſt mich d Für h iſ ieß Bi zukur hn ied Einem anderen Hochzeitscarmen für ſeinen Bruder entnehme ich folgende Strophen: und dem guten holden M Bis zum Jahre 1797 blieb mein Großvater Junggeſelle. Die Wirt ſchaft führte ihm ſein Mündel, die Tochter ſeines Vorgängers, Henriette v. Aken. Sie und ihre Brüder, deren Vermögen er verwaltete, ſchenkten ihm zum Dank das hübſche ſilberne Tintenfaß mit der Glocke darauf, das ſpäter immer auf dem Schreibtiſch unſeres Vaters ſtand. Das Glöckchen hat uns Kinder mit ſeiner hellen Silberſtimme manches Mal am heiligen Abend zu dem brennenden Weihnachtsbaum hereingerufen Am 21. Juli 179 erl 4 i 0 N ch der oßvater mit Cathrina Schroedter ö Paſtors Adolf Hinrich Schroedter in Ratekau, einem kleinen Ort an der Straße von Lübeck nach Eutin. Die Kirche von Ratekau iſt eine der älteſten in Holſtein, ſie wurde im Jahre 1156 von Biſchof Gerold gegründet, über deſſen Leben und Taten die von ſeinem Schüler Helmold, Prieſter in Boſau unweit Eutin, geſchriebene Chronik der Slawen berichtet. Gerold, ein Schwabe, Kanonikus in Braunſchweig, erhielt 1155 vom Papſt Hadrian IV. zwei Tage nach der Kaiſerkrönung Friedrich Barbaroſſas in Rom ebendaſelbſt die Weihe als Biſchof von Oldenburg(in Holſtein, dem damaligen Wagrien), und machte es ſich zur Aufgabe, das Chriſtentum und die deutſche Herrſchaft dem zähen Widerſtand der Slawen gegenüber feſt zu begründen. Er ver legte das Bistum nach Lübeck, gründete das Hochſtift Eutin und erbaute die Ratekauer Kirche, deren großem aus erratiſchen Blöcken erbautem Turm man heute noch anſieht, daß ſie nicht nur für den Gottesdienſt beſtimmt war, ſondern auch eine Burg ſein ſollte zu Schutz und Trutz gegen die Angriffe der heidniſchen Slawen. Auch in der Mark Brandenburg haben wir ja noch alte Dorfkirchen mit ſolchen feſten aus Feldſteinen erbauten burg artigen Türmen(ogl. Gerold, erſter Biſchof von Lübeck uſw. von P. Buſſe, 1856, im Familienarchiv). In der neueren Geſchichte iſt Ratekau durch die Kapitulation von Blücher bekannt geworden, die hier ſtattfand, und zwar in der neben der Kirche gelegenen Amtswohnung meines Urgroßvaters Schroedter. Blücher hatte ſich nach der Schlacht bei Jena(14. Oktober 1806) bis zuletzt mutig fechtend nach Lübeck durchgeſchlagen, um, wenn möglich, die Küſte zu ge winnen und nach England zu kommen. In Lüöbeck konnte er ſich der feindlichen Übermacht gegenüber nicht halten, nach blutigen Straßenkämpfen zog er ſich nach Ratekau zurück und mußte ſich hier am 7. November wegen vollſtändigen Mangels an Munition zur Kapitulation entſchließen Ufanne im Paſtorat in dieſen Schreckenstagen berichten ehrwürdigen Adolph Heinrich i kl e Nachkommenſchaft hroedter weil. Paſtor zu Ratekow“, von einem Sohne desſelben, Chriſtian Vater in einem kleinen Buch ſchriftlich niedergelegt. In den Buchdeckel hat der Verfaſſer als Andenken an die Blücherſche Armee einen damals gefundenen preußiſchen Uniformknopf eingefügt. Die Ver⸗ handlungen bei der Kapitulation gingen aber natürlich hinter verſchloſſenen Türen vor ſich, der Bericht iſt überhaupt nicht gerade von beſonderem Blücher empfahl den 79jährigen Paſtor Schroedter den fran⸗ P'ai trouvé un vielliard digne et zilhelm, für meinen Intereſſ Intere ſ len mit den Worten: Das Büchelchen gibt außerdem Auskunft über die Verwandtſe haft der hroedter mit der Hamburger Familie Steetz, deren Mitglieder als nahe befreundete Verwandte in Briefen meines Vaters und ſeiner Auch befinden ſich darin Aufzeich⸗ roedter(alſo des Großvaters meiner Imilie 2 Schweſtern häufig erwähnt werder nungen des Vaters des Paſtor Sch Großmutter) aus dem Jahre 1727. Dieſer„war 1689 d. 24ten Februar auf des Höchſten Wink im Herzog⸗ tum Lüneburg(als Sohn des Präpoſitus A. F. Schroedter in Lüchow) Morgens zwiſchen 6 und 7 Uhr an das Licht der Welt getreten“, hielt nach Abgang von der Schule, 18 Jahre alt, bei ſeinem Schwager einem eine Pfingſtpredigt„zur Probe der äußerlichen Gaben“ ein originelles Verfahren, das bei der Berufswahl auch heutzutage vielleicht mitunter von Nutzen ſein könnte—, entſchloß ſich daraufhin zum Studium der Theologie, ging nach Kiel, ungeachtet er keinen Menſchen in Holſtein kannte,„ſich auf die Zuſage Gottes verlaſſend: Sei ein Fremdling in dieſem Lande und ich will mit dir ſeyn und dich Prediger n ſegnen“, ſattelte dann aber zur Jurisprudenz über,„weil die damalige Juriſten Fakultät unter den berühmten Männern Martini, Reyhe, Muſäus und Amthor ſöhr florirte, die hingegen ſöhr ſchlecht beſtellt war“.— Er wurde ſpäter Advokat und Bürgermeiſter in Kiel und ſtarb als Juſtizrat in Plön.— Meine Großmutter Suſanne Tr. geb. Schroedter(geb. den 1771, geſt. den 11. Dezember 1835) war vor ihrer Ver⸗ heiratung eine Zeitlang zur Pflege ihrer Großmutter Steetz in Hamburg. Sonſt war ſie wohl nicht aus dem eng umgrenzten Kreiſe des Ratekauer Pfarrhauſes gekommen. Schulunterricht 1 und Erziehung wird, wie zumeiſt bei den Dorfpfarrern, ganz in der Hand ihres Vaters gelegen haben. An Bildung und Talenten ſtand ſie hinter ihrem Manne zurück. In den hübſch geſch riebenen„Erinnerungen an das Leben im Eutiner Poſt hauſe“, abgedruckt in dem Buche„Ferdinande Trendelenburg geb. Becker, ein Lebensbild. 1896. Als Manuſcript gedruckt“ ſagt Frau Sophie Evers, die in ihrer Kindheit als Schülerin der Töchter des Poſtkommiſſairs viel in dem Hauſe verkehrte, von meiner Großmutter:„Sie war eine hoch— und ernſte Frau, der verborgene Menſch des Herzens Schwierigkeiten verurſachte theologiſche Fakultät 20. September gewachſene, ſtille unverrückt mit ſanftem und ſtillem Geiſt. Große ihr immer die Wahl eines neuen Kleides, da Stoff und Farbe für jene ——3322 22 Elelelreeeee ——ᷓ V— ⁰-——h —— U2 EErrtee —— rſchämte Arme paſſen mußte die es ſy n ſoll Der zeſchmack war Nebenſach S. 4 hes) zufriedenes mildes Weſen bildet eine Er dem zur Heftigkeit neigend U ſchreibt ei n ſein igel„Was ich er ˖ 0 mir den zorn'gen Mut, der frei di Red ßt, laß, M dein ruhig Blut, das ſtill bedäch flief Ihre warmhe Brie n auf Stil und Orthographie einiges zu wünſchen übrig. Am 22. November 1832 fügt ſie einem Schreiben ihres Mannes an den Sohn folaend zeilen hinzu „Dieſes Jahr lieber Adolph hat V teber Abolph hat Vater mir recht viel Platz gelaſſen inem Glückmunſche u½ zu einem Glückwunſche 12 che zu einem Geburtstage, wäre ich doch ſo geſchult mit geſchmückten Worten Dir eine Gratulation ſchreiben zu können. Es iſt Dir aber zu ſehr bekanndt, daß ich nicht viel Worte zu machen ver ſtehe; daher ich Dir nur mit wenigen Worten ſage, daß ich vom ſter Augenblicke Deines L 18 f fre 6 feſt heit g W dann haſt Du vor manchen Menſchen eligkeit voraus, dann der Vorſehung gefallen ſollt e, mir bey erträglicher Geſundheit einige Jahre Augenzeuge Deines Glückes zu ſeyn, iſt meine Freude Volkommen. In dieſem Augenblicke hab ich noch recht Luſt lange zu leben, doch der Himmel am beſten was uns Menſchen nützt Soeben komme em anderen Zimmer u. hab einer franzöſiſche Unterhaltung mit Demoiſelle Pauli beygewohnt wovon ich freylich nicht ſehr viel verſtehe aber doch mit Vergnügen anhöre u. etwas auch errathe, gewöhnlich kon Malchen Pauli alle 14 Onit zöſiſche Unterhaltung unterbrochen, weil Lotte König eben Tage des Montags. Heute wird aber die fran Lo zum Beſuche 'efohlen l. Adolf leb ferner recht vergnügt u. erinnere Dich bisweilen Deiner recht oft an Dich denkende kommt. Nun Gott Mutter Trendelenburg.“ Der von meinen Großeltern als Brautleuten und von den Eltern der Braut am 20. Juli 1797 in Ratekom„errichtete unwiderrufliche Ehezarter“ (Ehevertrag, certificatio, vgl. Grimms Wörterbuch), von dem Bräutigam mit unſerem Familienſiegel verſehen, iſt noch vorhanden. Als Heiratsgut der Braut wird beſonders erwähnt ihr„Spaartopf“, ein bei NN. zu Neu ſtadt belegtes Kapital von 800 Mark Courant“(1 Lübſche Mark Courant gleich etwa 1,60 heutiger Währung). Nach ebenfalls noch vorhandenen Rechnungen bekam die Braut 3000 Mk. von ihrem Vater als Ausſteuer, wovon 1613 Mk. zur Beſchaffung von Möbeln, Kleidungsſtücken und Leinen verwandt wurden und 1387 Mk. bar übrig blieben. Bei der Veran lagung zur Kriegsſteuer im Jahre 1816 wurde der Wert des Inventars im Hauſe auf 3017 Mk. berechnet.— In dem kleinen Eutin fehlte es nicht an geiſtiger Anregung. Von 1782 bis 1802 wirkte hier als Rektor der Schule Johann Heinrich Voß, Trendelenburg, Familiengeſchichte 8 und der Dichter der Lic) ſident in Eutin d der Zeit des Göttin zum Katholizis! inladung des Herzogs von burg ſeinem Voßſchen als beſonders auch mit dem Tiſchbeinſchen Großeltern einen freundſchaftlichen Verkehr. Eine ng zu Voß hatte mein Großvater durch einen den Paſtor Ernſt Theodor Brückner in Neubranden in Enkel des Superintendenten Theodor Trendelen— . 1751 in der Nähe von Waren in en orer eſi iler das Gymnaſium in Neu⸗ brandenburg und übernahm 17 ei 0 ine Hauslehrerſtelle in der Nähe von Gr.⸗Vielen, wo Brückner damals Paſtor war. Dieſer, etwas älter als Voß, wurde ihm„ein väterlicher Freund und Moderator ſeiner erſten poetiſchen Verſuche“, wie Paſtor Kindler in ſeinen Aufzeichnungen ſchreibt. Voß beſuchte ſeinen Freund Brückner ſpäter von Eutin aus in Neubrandenburg mit Frau und Kindern und„las in Brückners Gartenlaube der Elite der Manuſcript ſeiner Luiſe vor“.(Daß die von Kindler angegebenen Jahreszahlen nicht ganz ſtimmen wollen, tut nichts zur Sache) Was den Maler Wilhelm Tiſchbein, den Freund Goethes, anbetrifft, ſo gehörte derſelbe einer ausgedehnten Künſtlerfamilie an. Die Stammtafel, die ſeinen Lebenserinnerungen beigefügt iſt, enthält in drei Generationen mit 63 Perſonen die Namen von 13 Malern, 1 Malerin und 2 Dilet— tantinnen in dieſer Kunſt. Wilhelms Vater war Drechſler und Kunſttiſchler na. Von ſeinem Onkel, dem Porträtmaler Joh. Jac. Tiſchbein in var ſchon oben die Rede(S. 63). Wilhelm Tiſchbein hatte von 1781 ab meiſt in Rom gelebt und war im Frühjahr 1787 zuſammen mit Goethe von Rom nach Neapel gereiſt. Goethe ſchreibt über ihn in ſeiner Italieniſchen Reiſe(Brief aus dem Januar 1787):„Das ſtärkſte, was mich in Italien hält, iſt Tiſchbein, ich werde nie, und wenn auch mein Schickſal wäre, das ſchöne Land zum zweiten⸗ mal zu beſuchen, ſo viel in ſo kurzer Zeit lernen können, als jetzt in Geſell⸗ ſchaft dieſes ausgebildeten, erfahrenen, feinen richtigen mir mit Leib und Seele anhängenden Mannes.“ Leider finden ſich in den etwas nüchtern gehaltenen Lebenserinnerungen Tiſchbeins andererſeits keine eingehenderen Außerungen über den geiſtigen Einfluß, den Goethe auf den Künſtler aus⸗ geübt hat Von 1789 bis 1799 war Tiſchbein Akademiedirektor in Neapel, gab dieſe Stellung aber auf, nachdem die Franzoſen Neapel erobert hatten, und ging nach Caſſel, dann nach Hamburg, wo er eine Zeichen—⸗ ſchule anlegen wollte. Vorübergehend in Geldverlegenheiten, trat er gegen eine Leibrente und eine Witwenpenſion den größten Teil der von ihm geſammelten Gemälde älterer Meiſter an den kunſtliebenden Herzog Peter von Oldenburg ab und folgte 1808, um ſeinen Kunſtintereſſen, ohne ſeine Zeit S(A Kas Stadt das t⸗ er in in ert en⸗ gen hm von Zeit ach Er H r 2 iſtoriſchen zilder einige Zimn ‚ Schloß zur 2 ſtel Zwiſchen 2 ˖ enfa ſtleri i Töchtern und den K Poftk ei ſchaftsv 2 päte freund Vat K ent Wallr in D 2 r fand e iwachſender ju Mannl dem“ greiſen Künſtler ſehr freun tund fache Anregung. Er ſuchte ihn in ˖ en au in zeigte und erklärte ihm ſeine Arbeiten und Ku und ſetzte der Hand ſeiner in Kupfer geſtochenen Bilder von Tierköpfen(aus dem Werk: Totes de différe mimaux dessinés d'après nature et Neapel 1796 etwas phan taſtiſchen Ideen über Menſchen- und Tierphyſiognomik auseinander. Nach Tiſchbeins Tode ſchrieh mein Na⸗ ·8 75 8 Tiſchbeins Tode ſchrieb mein Vater an ſeine S eſte Die die ſein Genius ſpielend und denkend ſchuf, ſind ſe Denk J n mir d ˖ K te inſern Eutin nicht heimiſch bleiben will. Die Erinnerung an m en Großvater hat ſich bei der Eutiner Poſt lange lebendig erhalten. Als ich einmal um 1890 herum in dem dortigen neu erbauten Poſtgebäude eine Depeſche aufgab und den Beamten fragte, ob er den unterzeich 9 Namen auch deutlich leſen könnte, ſagte er:„Den zeichneten Namen ſoll ich wohl kennen!“ öffnete einen im Hintergrunde des Schalter raums ſtehenden alten vrank und wies auf einen der Innenſeite der Schranktür aufgeklebten Zettel. Es war ein dem Eutiner Anzeiger vom Jahre 1835 entnommener Nachruf für meinen Großvater, von dem ſich ein Exemplar auch bei unſeren Fan lienpapieren befindet. Der Text lautet: Uns ſtarb der edelen einer, ein halbes jahrhundert wirkte er in unſerer mitte pflichtgetreu, unermüdet, geräuſchlos, des göttlichen worts verehrer und thäter. Fremdling, forderſt du zeugniß? mir, mir half er in noth, in gefahr, in trübſal, nicht überlegend: ob er helfe? nur: wie am beſten? mein gut, als die flamme loderte, rettete er, und den wittwen und wayſen, ein ſelbſtbeſtellter vormund, ſtand er zur ſeite mit rath und that und lehre, ſeine habe(nicht ſeinen überfluß) theilend den armen, mir dem kranken, ſelbſt leidend, ſpendet er labſal, einmal nicht und wieder einmal, Ral nein monate jahre hindurch, mir dem verlaſſenen, fr 1L ſchuf er troſt und erheiterung, dem verzagenden Gottvertrauen durch that Je und beiſpiel mehr als durch worte wies mich irrenden wieder auf die rechte bahn, mich den fremdling empfing er mit willkomm und ol dach, mir war er ein trauter freund, gern mittheilend aus der bewährt bis zum letzten hauch, mir, auch eifernd un ſtets, zu vergüten vermeynte kränkung. Segnet ſeine und enkel! wahrlich„wir haben einen guten mann begraben“. Doch u lob verſtumme vor der heiligen klage der ſeinen hrung treu tig willig us war er mehr.“ hnt eine freudi 1 1 K K. d den mir ſelbſt ar zu erfüllen ſi 1 etn rben 1 Schweſtern:„Wa 1 was er h doppe meinen 0 Ick wenn üher r ſpäter meine Wal f Erden über des Lübecker Doktors Sohn Friedrich Adolf Schack Trendelenburg, geb. 1762(9. Gener. Nr. 15), iſt ſchon oben einiges berichtet(S. 84). Der Name Schack bedeutet Jakob, in das Fremden— buch der Baſeler Bibliothek ſchrieb er ſich 1786 als Fridericus Adolfus Jac 8 ein Schluß ſeiner Studienzeit in Ge en ſck · Abhand lung rtatio exegetica qua historia 1 8 Sa na Davidi Sam. XXI). Sam. I. fin.) illustratur(bei den Familien papieren vorhanden). Die hebräiſchen, arabiſchen und ſyriſchen Zitate ſprechen 1 ˖ di Hiſol iſche G ‚ Imkei 8 8 Hat ſich a 2 für die philologiſche Gelehrſamkeit des Verfaſſers. Spater hat er ſich ganz von der Theologie zur Philologie gewandt Er de Lehrer am Catha rineum in Lübeck. Auch in den modernen hen er bewandert. in Vater lernte bei ihm Italieniſch. Sein hypochondriſches reizbares den Tod einer uf von wenigen Onkel Schack ſehr tir zu ſagen, wie ues Weſen verlor ſi U Ennd Eu Grabau) und dreier Enke offen war, ſchrieb mein Vater, einen nach Eutin:„Vergeßt Onkel und Tante geht. Man wir hn ja faſt nur ſeine Bücher ſehen.“ Er war verheiratet mit Michette kaum erſehen, was Onkel macht, da Bignon, einer Lehrerin aus der Franzöſiſchen Schweiz. Vielleicht kam von dieſer Seite her das dichteriſche und muſikaliſche Talent und die Neigung iſt, die den Kindern eigen waren, und von denen die —4 1 letztere auch r zweiten Generation noch in ausgeſprochener Weiſe ver— treten war Der Sohn von Schack Trendelenburg, Theodor Kaſpar Tren delenburg(10. Gener. Nr. 22), geb. 1800, geſt. 1846, lebte in Dresden als Kartenſtecher an der ſächſiſchen Plankammer. Der Wunſch ſeiner Jugend war aber geweſen, Dramaturg zu werden, und er ſcheint, ſchon während er noch im Vaterhauſe war, mit ſeinen beiden Schweſtern Sophie Eliſabeth und Friederike ein kleines Liebhabertheater aufgetan zu haben val. die Anzeige in den Lübeckiſchen Anzeigen, Vaterſtädtiſche Blätter 1900 N 1 N iter den Fan 8 faßte er Rezeß oder die D hter F C K we 85 Jahre alt nock bt, ſck t „Leider war ſon Nar 1 leick er ſel e Zeit grad ſie rtig rd f Uck n der königlichen Oper ang nmen wu 2 ſte Privat uſtlern aufg Und Se reizende Quartette und ein Paar Trios ſind auch unter den Ce onen, ſie ſind entſchieden anklingend a ind Mozart Seine Lieder ſind viel geſungen worden, Texte ſind meiſt Heine entnommen, auch mehrere von der UÜber ſetzung meines Großvaters Roſenberg.“ Mein Vater war mit ſeinem Vetter Theodor ſchon von der Kn benzeit her h befreunde Sie waren in ibeck ind in Eutin bäufa beifamme her nah befreundet. Sie waren in Lübeck und in Eutin hauſig beiſammen. Als mein Vater als Student nach Leipzig ging, beſuchte er Theodor in Dresden und ſchrieb damals am 4. November 1824 an S ſter Carc ohne ihm eine fu Le 19 10 mir vor allem für in dem Reiche N* der Töne. Er ſchafft ſelbſt darin che im Dichten zeigen wieder ſeine Beweglichkeit. Alles geht ihm der Hand. Gedanken und Form haben nichts Geſuchtes. So bedaure ich es, daß die Arbeit, die ihm den Tag beſetzt, eine ſolche fortwährende Spannung der vergleichenden Auf merkſamkeit erfordert. Nun iſt er am Abend zu abgeſpannt, um ſich auf eine andere Weiſe wieder ſeinen Geiſt höher zu ſpannen als gewöhnlich — Er arbeitet mit 4 anderen an dem Abſtich einer militäriſch genauen Aufnahme des Königr. Sachſen.“ In der(Leipziger) Allgemeinen Muſikaliſchen Zeitung, Jahrg. 1833 S. 675, findet ſich folgende Anzeige:„Sechs Lieder von H. Heine, in Muſik geſetzt von Th. Trendelenburg. Dresden, bei G. Thieme. Pr. 8 Gr. Den Liebhabern von Heines liebeklagender Muſe werden dieſe Lieder behagen Sie haben, den Gedichten ähnlich, etwas friſch Gewöhnliches, munter gegen den Gram Anſträubendes, der immer, wie ein blutiger Pfeil, ſich tiefer pulſiert. Der Schmerz verhöhnt den Muth und dieſer den Schmerzen Die Lieder müſſen ungefähr ſo vorgetragen werden, wie ein verkohltes Auge lacht. Weſſen Auge noch friſch iſt, thut beſſer, er ſing ſie nicht. Es giebt ſchon Augen, die ihre Töne finden.“(Freundliche Mitteilung des Geheimrat Kretzſchmar, Direktors der Hochſchule für Muſik in Berlin an meinen Sohn Fritz.) Ich bin nicht muſikverſtändig genug, um mir nach dieſem Orakel ſpruch des Buchhändler-Waſchzettels eine Vorſtellung von den Liedern machen zu können. Theodor Trendelenburg verheiratete ſich 1833 ˖ Benigna Roſenberg(geb. 1797, geſt. 1874), Tante Polli, wie ſie bei uns immer genannt wurde, Tochter des Arztes Dr. Roſenberg, der in Königsberg praktiziert und ſich dann in Dresden zur Ruhe geſetzt hatte + D Hamann in Kön ˖ den heiteren d an n verſchönten 3 D den 1 7 nahe befreundet Theodor Tr. ſta Kinder, eine Tochter — n 2 N Der S Th r(11 Nr. 16), ein feiner liebenswürdiger u 66 in B tudierte, war viel in meinem Eltern J ſſen waren 1 ichlich der modernen Literatur und der Aſthetik zugewandt, er kannte den Fauſt zum größten Teil auswendig, war ein ausgezeichneter leſer und wäre we Schauſpieler geworden, wenn nicht eine ſchwere Bruſtkrankheit, die durch Eiterung in der Bruſt höhle zu einer auffallenden Verunſtaltung geführt hatte, ihn gehindert hätte, ſeiner Neigung zu folgen. Er erlag der Krankheit leider ſchon im Alter von 32 Jahren. des Lübectker Lottors heiratete die lteſte, geb. 1754, geſt. 1793(9. Gener. Nr. 9), im Jahre 1780 den Landmann Rehbenitz auf Borſtel in Holſtein. Ihr Sohn Theodor Rehbenitz, geb. 2. September 1791, wurde Maler ebte längere Zeit in Italien, zeitweiſe als Sekretär bei der Preußiſchen Geſandtſchaft in Rom unter v. Bunſen, und ſtarb 1861 un verheiratet als Univerſitätszeichenlehrer in Kiel Seiner Kunſt verdanken wir die beiden hübſchen Sepiatuſchbilder, von n i zroßeltern(Fig. 20) und das andere zwei Schweſtern 8 d Caroline, darſtellt. Mein Vater, der die Bilder inen geſchenk kt bekam, fand die Porträts ſehr ähnlich, 5 1 8 des Vaters liege etwas Fremdes. 1834 von den nur in dem Kop f Ludwig Richter, der 1823 nach Rom ging und in dem Kreiſe deutſcher auch Rehbenitz kennen lernte, ſchreibt über ihn in den„Lebens deutſchen Malers“ folgendes: „Der ältere dieſer lieben Genoſſen war der Hiſtorienmaler Rehbenitz aus Kiel, ein trefflicher Menſch, ein Freund Schnorr's und Overbeck's. Zum Kaufmann beſtimmt und ausgel hidmen können Der in der Kunſtgeſchich gleitete mich oft in Kirchen er Altflorentiner er ſich erſt ſpät der Kunſt wohlbewanderte Rehbenitz Sammlungen und erſchloß mir das mehr und mehr. An mir einen benſo empfänglichen wie der Hilfe bedürftigen Schüler gefunden zu haben, Verſtän ſchien dem trefflichen ößte Freude zu machen, und ich wurde auch zleich auf di Weiſe in die Anſchauungen der in Rom bend deutſchen Ki eiht Rehbenitz hatte wie ſein 9 um ſich in Rom dem neuen deutſchen Kunſtleben ar a e und chriſtliche Geſinnung if erkannten ſie beide mit Schmerzen, daß ihre pr Kraf war, um ein Ziel zu erreichen, welches ihrer Begeiſterung entſprach. Es koſtete einen ſchweren Kampf der Entſagung. Paſſavant wandte ſich bekann mit glänzendem Erfolg zur Kunſtforſchung, Rehbenitz dag a Stellung übernehmen müſſen, welche ſehr gegen ſeine Neigung war. Nach vierzig Jahren ſah ich ihn in Kiel wieder. In einem hellen, wohnlich eingerichteten Giebelzimmer mit heiterer Ausſicht ins Grüne ſaß er in ſeinem Lehnſtuhl am Arbeitstiſch unter Büchern und Papieren. Die Wände waren mit guten Stichen nach Cornelius und Overbeck geſchmückt, Werke, die er in ſeinen ſo glücklich in Rom verlebten Jahren hatte entſtehen ſehen, und deren große Urheber ſeine Freunde waren. Er gab in den beſten Familien und Inſtituten Unterricht im Zeichnen und ſuchte überall die Kunſt in einem edlen und ſchönen Sinne zu wecken, zu pflegen und zu fördern Er war unverheirathet geblieben und erreichte, von Allen hochverehrt und gelie ö. den Abbé im Wilhelm Meiſter ien höheren katholiſchen Geiſtlichen. Die lange Geſtalt im braunen O„das ſchneeweiße Haar mit ſchwarzem Sammtkäppchen bedeckt, der feine, intelligente Geſichtsaus— druck voll Herzensgüte, dieſe Erſcheinung in dem netten Zimmer gab mir den lebhaften Eindruck einer innerlich und im Außeren befriedlichen Exiſtenz.“ Die zweite Tochter des Lübecker Doktors Sophie Chriſtine Trendelenburg, geb. 1759, geſt. 1821(9. Gener. Nr. 13), verheiratete ſich 1783 mit dem Apotheker Gabriel Ludolf Kindt aus Wismar, der 1778 Lübecker Bürger geworden war und eine Apotheke in einem alten Giebel hauſe der Alftſtraße in Lübeck übernommen hatte. Er ſtarb 1813 Die Apotheke führte ſein älteſter Sohn Friedrich Franz Kindt (geb. 1786, geſt. 1856) weiter, ein jüngerer Sohn Georg Chriſtian Kindt(geb. 1793, geſt. 1869), der ebenfalls Pharmazeut wurde, ging nach Bremen. Ein dritter Sohn Ludolf war Landmann. Die Vettern Fritz und Chriſtel, wie ſie in der Familie genannt wurden, ſtanden meinem Vater nahe, beſonders Chriſtel, von dem er ſich nach meiner Geburt die Patenſchaft für mich erbat. Beide Brüder Kindt waren nicht etwa bloße Geſchäftsleute, wie es manche Apotheker ſind, ſondern feingebildete, in den verſchiedenſten Zweigen der Naturwiſſenſchaften wohlbewanderte Männer, die unermüdlich wiſſen ſchaftlich fortarbeiteten und ihre vielſeitigen Kenntniſſe in hochherziger Weiſe dem Gemeinwohl zur Verfügung ſtellten. Die Dankbarkeit und Anerkennung, die ihnen von ſeiten ihrer Mitbürger gezollt wurden, ſpricht ſich in den ihnen von dem Lübecker„Volksboten“(1856) und der Bremer„Weſerzeitung“ (1869) gewidmeten Nekrologen aus, denen ich folgendes entnehme: Der ältere Bruder Friedrich Franz Kindt betrieb nach beendeter Lehrzeit ſeine pharmazeutiſchen Studien in Göttingen und knüpfte mit ſtudierenden Chemitern und Phyſikern freundſchaftliche Be ziehungen an Der Kreis näherer Bekannten und Freunde unter den Chemik de ſpäter beſonde durch die F Gmelin ein r6 ausgede 0 hörten dazu Männer u Wöhler Mit Wöhler er zuſammen an einiger n in nem Laboratorium in Lübeck. Neben der Cl ral nd Botanik intereſſ Probl Als Erſter auf dem Con tinent Inent! Hauſe 1817 eine kleine ewundert wurde und bis 1854 m Kochen mittels Dampf hat a früher beſeſſen als, wenigſtens in ſie ſtamt a dem Jahr 1827 F. Kindt war der ge— Rat 1d V ue der Techniker, Gewerbtreibenden und tè N Als V rder„Bürgerwaſſerkunſt ſeitigte er das Vorurteil gegen eiſerne Leitungst mund ſetzte die Einführnung der ſelben durch 0 Jahre lang war er Vorſteher am Waiſenhauſe und er 2— gehörte auch zu den Vorſtehern der Taubſtummenanſtalt. Sein oft miß— brauchter Wohltätigkeitsſinn war in Lübeck allgemein bekannt. Hinzufügen möchte ich noch, daß ſich auf ihn jeder tfalls folgend e An gabe von Klug aus der Franzoſenzeit in Lübeck ibutionen mußte F. F. Kindt wegen ſeiner üblen Er war alſo gewißf ein Georg Chriſtian Kindt(mein Patenonkel) urſprünglich Mediziner zu werden, gab dieſes aber auf, als er einer Operation bei gewohnt hatte und dabei ohnmächtig geworden war(die Narkoſe war noch nicht erfunden) und trat als Gehilfe in die Apotheke des Hofapothekers Profeſſors der Pharmazie Martius in Erlangen ein. Bei der Rück⸗ „Bei den Con ο bezah kehr Napoleons aus( trat er als Freiwilliger in die Hanſeatiſche Legion und den Fe g nach Frankreich mit. 1818 kaufte er die Sonnen wotheke in der Sögeſtraße in Bremen. Das Geſchäft brachte er bald zu l 81 neben der geſchäftlichen Arbeit übte er eine ausgedehnte ehrenamtliche Tätigkeit aus als Diakon zu St. Ansgarii, als Mitglied des Geſundheitsrates, als Direktor des Muſeums und in anderen bürgerlichen Verwaltungen. Seine wiſſenſchaftlichen Intereſſen, durch die er in nahe perſönliche Beziehungen zu den Bremer Naturforſchern Albers und Treviranus trat, galten neben der Chemie und Phyſik beſonders der Technik. Jede neue Erfindung, z. B. die Daguerreotypie, die Photographie, die Telegraphie, die Verwendung des polariſierten Lichtes am Mikroſkop, verfolgte er auf das lebhafteſte und nicht, bis er ſie durch Experimente ſo weit kennen gelernt hatte, daß er ſie für ſich und andere verwerten konnte. In der meigennützigſten Weiſe ſtand er Privaten und Behörden als ſachverſtändiger Berater und Begutachter zur Seite. Hervorzuheben ſind ſeine im Intereſſe des Lloyd angeſtellten Unterſuchungen über Keſſelſtein und die Unterſuchungen über Kyaniſierung des Holzes bei Anlegung des Telegraphen von Bremen nach Bremerhafen(eines der erſten elektriſchen Telegraphen in Deutſchland!. Von allzu beſcheidenem Weſen hat er außer einem Aufſatz über die Geſchichte Brer naturw. Vereins Bd. it kleineren Mitteilungen nſchaftlichen Arbeiten ver ſeiner Freunde, zu denen Wöhler ndorf g 1 at er Anregung gegeben B eliefert, groß iſt auch ſeil im Bremer naturn Verein ien Vor Das Gel der Spekulation la Darn n Th er mehr ablehnend gegenüber, har niſck kindlich fromme Denkweiſe hielt ſich an die ſicher beo en Tatſachen und an die feſten Grenzen der Wiſſer Wohl ſ haben zwei Brüder, in gleicher Weiſe wiſſen ich ausge bildet, mit der gleichen Veranlagung des Verſtandes, Gemüts und Charakter in gleicher Lebensſtellung in gleicher Weiſe ſegensreich gewirkt! Meinen lieben Onkel und Paten Chriſtel Kindt habe ich einmal als Schüler in Ilſenburg beſucht, wo er mit ſeiner liel swürdigen Frau geb. v. Kapff) in der Sommerfriſche wohnte, und ſpäter als Student auch ſee Au ſt t ſch ſicht einen eigenartig anziehenden Aus ſehr für meine Studien, und 188„4 8 5 Ie 6 ickte er mir noch mikroſkopiſche Präparate nefleiſch und bei Menſchen aufgefundenen einige Jahre vor ſeinem von den damals im Trichinen. Fritz Kindt hinterließ keine Kinder. Aus ſeiner Erbſchaft erhielt mein Vater, wie ſchon oben erwähnt wurde, unſere Ahnenbilder Eine Enkelin von Chriſtel Kindt, ſpäter Frau Paſtor Brömel, war * 1869 in meinem Elternhauſe zu Beſuch. d d Die dritte Tochter des Lübecker Doktors Catharina Juliane Agneta Trendelenburg, geb. 63, geſt. 1810(9. Gener. Nr. 16), heiratete 1 itmer Friederich Ladiges auf Barnekow, ſpäter v. Ladiges. ie wird in den Briefen Nettchen ge nannt Schön, liebenswürdig, menſchenfreundlich und wohltätig, wurde ſie von den Gutsangehörigen ſehr verehrt und mit der Königin Luiſe ver glichen, ſie ſtarb wie dieſe im Juni 1810. Es wurde ihr zu Ehren auf dem Gute im Garten ein Denkmal errichtet mit längerer Inſchrift, darin die Worte:„Eine ſchöne Seele in einer ſchönen Hülle.“ Eine Tochter von ihr, Majorin Lotte v. Suckow, lebte ſpäter al Witwe in Wismar. 1834 war ſie in ärztlicher Behandlung bei Dieffen bach in Berlin, wo mein Vater die heitere, lebensfrohe und liebenswürdige Frau,„die würdige Tochter von Tante Ladiges, die Vater ſo lieb hatte“ wiederholt ſah und gern mit ihr verkehrte(Briefe) Eine andere Tochter, Sophie v. Ladiges, verheiratete ſich mit D. Maaßen, hatte drei Kinder und wurde früh Witwe. Eine Tochter vofßihr heiratete den Oberapellationsrat Drechsler in Lübeck, ſpäter Senat präſident am Reichsgericht in Leipzig. Ein Sohn Fritz Maaßen wurde Profeſſor der Jurisprudenz in Graz und trat zur katholiſchen Kirche über 786 den Gutsbeſitzer 6*9 2 n D De Guſtav v. Ladiges(geb. 1802, geſt. 1869? erbte da ˖ en Sohn ſah ich gelegentlich in Roſtock. Er er— zählte, daß wir Trende lenburgs auf dem Gute als Lehnsvettern eingetragen ſeien. Barnekowl liegt bei Wismar, hat ſeinen Namen von dem wendiſchen Baran, welches das Schaf bedeutet, gehörte urſprünglich einer alten mecklen burgiſchen, vor 1600 ausgeſtorbenen adligen Familie gleichen Namens an und wurde von Ditmer Friederich Ladiges um 1785 gekauft. In einem Brief ſeines Schwiegervaters, des Lübecker Doktors, wird er als Ladiges aus Kopenhagen bezeichnet. rapitel 10. Zehnte Generation. Friedrich Adolf Trendelenburg. Von den Nachkommen der Brüder und Schweſtern des Eutiner Groß— vaters iſt ſchon in dem vorigen Kapitel die Rede geweſen. In bezug auf den Lebensgang und die Perſönlichkeiten ſeiner drei Töchter, unſerer Tanten Marianne Lentz, Julie und Caroline Tr. kann ich auf das oben zitierte„Mutterbuch“ verweiſen. Und von unſerer Mutter Ferdi geb. Becker, ſowie von unſerem Elternhauſe beſitzen wir in den ſammelten Briefen der Mutter, umrahmt von den lebendigen humt owollet Schilderungen meiner Schweſter Nanna Stahl, ein vortreffliches Bild, das auch außerhalb der Familienkreiſe ſchon vielen Menſchen eine Quelle der Freude und Erhebung geweſen iſt. Dem Plane und dem Titel des Buches entſprechend tritt unſer Vater dort weniger in den Vordergrund, und vor allem fehlt es an einer ein⸗ zehenderen Beſprechung ſeiner Jugendzeit. Dieſe Lücke möchte ich in folgendem an der Hand von Briefauszügen auszufüllen verſuchen, man denke es ſich mit dem Mutterbuch zu einem Ganzen verſchmolzen! Friedrich Adolf Trendelenburg wurde im Eutiner Poſthauſe am 30. November 1802 geboren. Den erſten Unterricht erhielt er von den Eltern und in einer„Leſe— ſchule“, die er vom fünften Jahre an beſuchte. Später kam er in das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, die„Eutiner Schule“, deren Rektor(als Nachfolger von Johann Heinrich Voß) Georg Ludwig König war, ein ele 8 und philoſophiſch gebildeter Mann, Vertreter der Lehre Kants. Unterricht und der langjährige perſönliche Verkehr mit ihm hat auf e Geiſtesrichtung des Schülers einen beſtimmenden Einfluß ausgeübt. Die chule Gymnaſium wurde ſie damals nicht genannt— beſtand aus ir drei Klaſſen. Die Schüler, die zu ſtudieren beabſichtigten, ſaßen in der Prima bis zur Dauer von ſechs Jahren, Anfänger neben Fortgeſchritteneren. Mit Ausnahme des Religionsunterrichts, den 1816 der Superintendent Detlev Johann Wilhelm Olshauſen übernahm, unterrichtete in Prima der Rektor in allen Fächern, in der Sekunda, in der die Elemente des &2. G 222——————— 5 E.RR Lateiniſchen und Griechiſchen gelehrt wurden, der Konrektor, und in der rtia ein dritter 72 Der Unterricht der Primaner fand in Hauſe des Rektors ſtatt, das noch jetzt ſteht und als dem ls Gaſthaus unter dem det. Der Garten hinter dem Hauſe grenzt an eine Bucht des Sees und öffnet den Blick auf die Namen„Voßhaus“ die Touriſten zur Einkehr einla ſich im Waſſer ſpiegelnden Baumgruppen des Schloßgartens und einer vorgelagerten kleinen Inſel, ein idylliſches Bild, ganz zu Voßens„Luiſe“ paſſend. Bei dem Unterricht ging es patriarchaliſch her, ohne feſte Bindung an Stundenplan und abgemeſſene Penſen. König las mit den Schülern die alten Klaſſiker, beſonders den Homer und Sophokles. Die Lektüre war ihm„eine An⸗ weiſung, den Geiſt der Alten in ihren Schriften aufzuſuchen, nach dem Beiſpiel der großen Denker das Denken zu lernen und das C n ſchöne Formen zu kleiden“. Ein zelnen fortgeſchrittenen Schülern erteilte er einen gründlichen Unterricht in der Logik Von Adolfs Freunden in der Schulzeit ſind beſonders zu nennen die beiden Söhne des Superintendenten Olshauſen, Juſtus, ſpäter Profeſſor der orientaliſchen Sprachen in Kiel und Königsberg und Dezernent für das Univerſitätsweſen im Fig. 22. Friedrich Adolf Trendelenburg Preußiſchen Kultusminiſterium, und Theodor, der 1848 Mitglied der Landesregierung von Schleswig Holſtein war, der ſpätere Superintendent in Eutin Anton Wallroth und Rudolph Kindt, ſpäter Medizinalrat in Oldenburg Ein von Adolf von ſeinem 15. Jahre ab geführtes Tagebuch iſt ein Zeug nis ſeines Fleißes und der Gewiſſenhaftigkeit, mit der der Knabe ſeine Zeit ausnutzte. Da heißt es z. B. auf dem erſten Blatt vom 10. Mai 1817: „Aufgeſtanden um 55/ Uhr, 5¾— 6 Uhr Griechiſche Vokabeln gelernt 6- 6¼ Lateiniſches Exercitium aus Werner(Th. 11, Gen.§S 11) gemacht. 6/— 7 aus Homer Iliade IV. 105— 145 präparirt. Weil keine Schule war, ſo habe ich von 8½ 10½ in Ciceros Briefen ad fam. die ſchönen nicht kurzen beiden Briefe IV. 5. 6. Tröſtungen über den Tod von Ciceros Sohn enthaltend zweimal geleſen und die Redensarten exzerpirt. Von 101 bis 11½ Homer Iliad. V. 145— 179 präparirt. Von 11½— 1 ſpazieren gegangen mit Olshauſen und Wallroth. Von 2— 4 fuhr ich Sand in den Gartenſteg, machte die ſchwer zuzumachenden Fenſter zu. Von 4— 51 N Auffatz für Herrn Prediger Enke in der Kladd ein Theil von Vaters däniſcher Poſtrechnune Müller in der Apotheke, um ein? on 5 ſah ich 8 war ich ſeiner Pflanzen mit auszuarbeiten. 10½ Uhr ging ich 5 Bald darauf kam i da Freiherrn v. Knigge über den Umgang mit Menſchen in dem für die Jugend von Gruber zu Geſicht. Den darin enthaltenen Ratſchlägen und Ermahnungen folgend fügte Adolf nun jedem Tagesbe t eine kurze kritiſche B über ſein perſön iches Verhalten hinzu und verſah das Tagebuch mit der Überſchrift:„Tage 1 der lbſ ndniſſe“. Außerungen der Zufrieder heit ſtehen Tadel und Selbſtvorwürfe gegenüber, die ſich auf vermeintliche Nachläſſigkeiten, Eite mangelnde Ehrerbietung den Eltern gegenüber und dergleichen eziehen. Adolf hatte Sorge, das Tagebuch möchte von anderen geleſen werden, und ſchrieb es deshalb eine Zeitlang in lateiniſcher Sprache nieder, und zwar in gewandten Sätzen und faſt ohne Korrekturen, ein ſprechender Beweis für den ausgezeichneten Unterricht in den klaſſiſchen Sprachen, der den Schülern bei König— wurde. Auch als Student und als Hauslehrer führte mein Vater das Tage⸗ buch in freierer Form und mit Unterbrechungen weiter, auf Reiſen beſonders ſorgfältig. Im ſpäteren Leben werden die Aufzeichnungen mehr und mehr zu ganz kurzen Nachdem er den chulkurſus abſolviert hatt ein Abiturienten examen gab es nicht—, ging Adolf nicht 80 zur Univerſität, ſondern blieb zuſammen mit ſeinem Freunde Wallroth noch in der Prima und übernahm zugleich auf Anerbieten des Rektors eine interimiſtiſche Lehrer lle in den unteren Klaſſen. Mit Freuden ergriff er die Gelegenlk heit, ſich n Lehramt zu verſuchen, das ihm als z zukünftiger Beruf vorſchwebte, und zeit zu gewinnen, ſich noch gründ licher für die Univerſität vor⸗ ſte Am 25. Dezember 1820 ſchreibt er an die Schweſter Marianne nach „Ob ich das nächſte Jahr meinen Geburtstag im väterlichen Hauſe wiederſehe oder nicht, kann ich dir nicht beſtimmen. Ich hoffe es noch ſehr, indeſſen Vater ſpricht leider häufig und zu beſtimmt das unangenehme Wort ius, daß ich nächſten Michaelis aus guten Gründen zur Univerſität müßte. Nun ich will dieſe Gründe hier nicht prüfen, mögen ſie immerhin nicht gewichtlos ſeyn, das aber weiß ich, daß 1/, Jahre leicht noch erfordert werden, um ganz und gar das durchzumachen, was ich vor der Univerſität nach meiner Anſicht noch durchmachen ſollte, falls ich nämlich die Wiſſen⸗ ſchaften als etwas höheres betrachte, als eine Kuh, die uns mit Milch und Butter verſorgt. Fruchten meine Vorſtellungen bei Vater nicht, ſo ſehe ich meine Bildung auf eine höchſt nachtheilige Weiſe unterbrochen. Ich hoff jedoch noch ſehr, daß Vater meinen inſtändigen Bitten Gehör giebt.“ In einem zweiten Brief an Schweſter vom 15. April 1821 ſpricht r von einer Verzögerung notwendiger Verbeſſerungen in den Einrichtungen der Schule und fährt dann fort: man wahrlich nicht Kaiſer Karl V. ſchon zu gute Schule und eine gute Uhr ſind das Zeichen einer wohlpolicirten und die können dochen Grund gelegt ( forthauen, wenn betbauen, wenn ganz durchdrun 8 Verſuche dieſes Winters habe ich mick feſt beſtimmt, in meiner ferneren Bildung das Ziel, ein tüchtiger Lehrer zu werden, eifriger vor Augen zu haben als grade die eigentliche Theologie, welche ich indeß auch nicht bei Seite ſetzen werde.“ Wiederholt wer in dem Tagebuch während der letzten Schuljahre die anregenden Beſuche bei dem greiſen Maler Tiſchbein erwähnt, von denen ſchon im vorigen Kapitel(S. 115) die Rede geweſen iſt. Aber auch an jugendlichen Vergnügungen fehlte es in dem Eutiner Leben nicht. Das Tagebuch berichtet von Wanderungen mit Kameraden durch Feld und Wald, von Tanzgeſellſchaften im Rathaus und bei befreundeten Familien und von Zuſammenkünſten und Ehrenhändeln in einer Verbindung, die die Primaner unt ſich geſtift 6* tten Unt r verailbten 1 51 1101t El befinden 14. 1 Melc Studentenlieder bei dem Abſchied von Kameraden geſungen wurden oder nach fröhlicher Wanderung am buchenbeſchatteten Ufer des ſtillen Ulleiſees erklangen. Oſtern 1822 ging mein Vater zum Studium der Philologie und Theologie auf die Chriſtian-Albrechts-Univerſität in Kiel. Die beiden Fächer miteinander zu verbinden, entſprach dem damaligen Brauch. Bei der Immatrikulation mußte ſich jeder Studierende durch Unter ſchreiben einer gedruckten Erklärung und durch Handſchlag verpflichten„an keinen geheimen von der akademiſchen Obrigkeit nicht autoriſirten Verbin⸗ dungen beſonders an ſolchen, die unter dem Namen: Landsmannſchaft, Burſchenſchaft, Comment, Orden und dergleichen ſich auf deutſchen Uni⸗ verſitäten ſo oft gezeigt haben, als Mitglied theilzunehmen, noch weniger aber ſolche Verbindungen zu ſtiften oder zu deren Stiftung mitzuwirken“. Die von Mitkämpfern in den Freiheitskriegen 1815 gegründete Burſchen ſchaft war nach der Ermordung Kotzebues durch Sand vom Bundestag auf Grund der Karlsbader Beſchlüſſe aufgelöſt worden. In der Stille hatten ſich aber die alten Verbindungen an den Univerſitäten bald wieder gebildet, ſo auch in Kiel. Mein Vater trat der Burſchenſchaft nicht bei, aber in nahen freundſchaftlichen Verkehr zu ihren Mitgliedern. Wie die ganze gebildete Jugend damaliger Zeit ſtand er unter dem noch friſchen Eindruck der Freiheits kriege. Als Schüler hatte er eine Fußtour zum Grabe Theodor Körners in Wöbbelin in Mecklenburg unternommen, dort auf einem Steine unter den Eichen ſitzend einige Strophen gedichtet und dieſelben in das Buch der Beſucher eingetragen.(Den 21. Mai 1820.) Die letzte Strophe lautet: „Und Deutſche, wenn euch Zwingherrn jochen, Wenn von euch eutſchheit ſchied, Dann ſammelt euch an Körners Eichen Und euch entflamme Körners Lied!“ ind im letzten Jahre Burſcher ft beſonde zie Riemann,d ne ht worder Demagogenverfole f Olshauſen in Eutin Zuflucht und eine Anſtellung als Kollaborator der Schule. Später, 1828, wurde er durch den engherzigen Nachfolger Olshauſens aus ſeiner Stelle verdrängt zing als Paſtor nach Friedland in Mecklenburg. Mein Vater hat turnt und gefochten, und dem urwüchſigen kernigen Manne zeit ſchaf vahrt. Riemann ſtarb 1872 drei Tage nach Am 22. April 1822 ſchrieb Riemann in meines Vaters Stammbuch folgende für d Leben und Erblaſſen Ichheit haſſend umfaſſen So lautet teutſcher Bruderherzen Schwur.“ Auch die meiſten anderen der ihm von Kieler Kommilitonen gewidmeten Stammbuch-Blätter ſtimmen in den Ton jugend licher Begeiſterung für Volk, Vaterland und Freiheit ein. Am 18. Juni pflegten die Burſchen den Siegestag von Waterloo zu feiern, und im zweiten Jahre ſeines Aufenthaltes in Kiel wurden ein Vater gebeten, die Feſtrede zu halten.„Wir zogen“, ſchreibt er,„am Nachmittag unter Muſik mit Eichenblättern geſchmückt auf den Markt, ſangen ein herr— liches Lied, das einer meiner Bekannten zu dieſem Zweck gemacht hatte, brachten dem Feſte und ſeinen Erinnerungen ein feuriges Hoch und zogen dann in langem Zuge unter Geſang nach Düſternbrok. Da bewillkommete uns auf einer Anhöhe ein Feuer. Wir ſtellten uns herum und ſangen einige Verſe. Da redete ich dann ungefähr eine halbe Stunde, was der Tag und das Herz mir eingegeben hatte, von des Tages Erinnerung und Erhebung. Eine Volksmaſſe von Studenten und Bürgern umgab mich, und ich freute mich, daß ich etwas Eindruck machte Denn zu ſeines Gleichen zu reden und unter Gottes freiem Himmel, wo Alles ſich nahe herandrängt, iſt ſchwerer als etwa geſchieden von allem Volk eine Predigt zu halten. Dazu ſchien es mir nothwendig, ohne Concept zu ſprechen. Aber es ging Alles gut. Nach einem Geſange zogen witr hinunter nach dem Bruhnſchen Hauſe, wo ein Volksball begann.“ Von der Demagogenverfolgung hatte ein früherer Schulfreund meines Vaters namens Specht zu leiden, der als„Anführer einer Verbindung“ in Jena von der Univerſität relegiert wurde. Adolf ſchrieb darüber am 24. Nov. 1822 an die auch um ihn ſelbſt beſorgte Schweſter Caroline:„Die Sache ſcheint dir furchtbarer als ſie iſt; und denke es dir nur frühzeitig als mög lich, daß mir einmal ein Gleiches widerfährt. Hier freilich hat es Nichts zu ſagen. Aber nie werde ich mich abſchrecken laſſen, durch dergleichen Angſt mittel, für das wahre Gute in meinem Kreiſe auf der Univerſität zu wirken. Das that auch Specht nur. Ein ſtumpfer Widerſtand der Regierung darf nie eines Mannes Überzeugung beugen, der ſoll im Guten beharren. So werde auch ich thun, verſteht ſich mit Um- und Vorſicht. Denkt Euch 1 arakt Iſſch 3 charakteriſtiſche E 111 1— 0 Glühend die d das 2 * nicht jeden armen Verwieſenen als Verbrecher. Oft iſt er das Gegentheil n dieſen Zeiten. Die Verbindung, in der Specht war, hat unendliches Verdienſt um Jena's gute Sitte und wiſſenſchaftlichen Fleiß. Aber wo zwei und drei zuſammenſtehn, ſchnüffelt die Regierung ſchon Verſchwörungen wider ſie. Der Arge nur ſteckt im Argwohn.“ Freundſchaft ſchloß mein Vater in Kiel beſonders mit Peter Wilhelm Forchhammer, dem ſpäteren Kieler Profeſſor der Archäologie, und mit einem Vetter, Nachkommen des Juriſten Adolf Trendelenburg(Gener. 8, Nr. 17), dem däniſchen Leutnant Auguſt Haller Ba ggeſen, der ſich, um wiſſenſchaftliche Studien zu betreiben, nach Kiel hatte verſetzen laſſen. Mit Forchhammer zuſammen unternahm Tr. im Herbſt 1822 eine Reiſe nach Kopenhagen, für die ſein Vater den beiden jungen Leuten eine ſchriftliche Empfehlung an alle ſeine Kollegen im däniſchen Poſtdienſte nitgab. Zu den vielen neuen Eindrücken der Reiſe gehörte beſonders die See fahrt auf einem kleinen erſt kürzlich erbauten däniſchen Dampfſchiff.„Aus der von Menſchen pfropften Cajüte“, ſchreibt mein Vater am 27. Se an die Seinen I 5 0 trat ich wieder aufs Verdeck. Der Himmel war heiterer, aber der Wind noch immer ganz u. gar entgegen. Freilich hieß es, wir hätten eigentlich ſchon einmal ſo weit vorwärts ſein müſſen. Aber ich freute mich doch des herrlichen Werkes, wir waren doch ſchon zwiſchen Langeland u. Laland. Ein anderes Schiff wäre noch nicht aus dem Hafen geweſen. So hat der Menſchen Verſtand auch Mittel erfunden, das ihm entgegenſtrebende Element zu bezwingen, u. ſelbſt die empörten Wellen ſicher zu durchſchneiden. Wohl vergleicht man einen Staat einem Schiffe, aber man ſollte ſeinem Vaterlande wünſchen, daß es einem Dampfſchiffe ähnlich wäre, das aus eigner Kraft dem Strome trotzt, nun aber muß Deutſchland ſich treiben laſſen, hat ſelbſt nicht einmal einen Steuermann, nur 49 uneinige Ruderer. Was ſoll daraus werden?“ Aus der eingehenden Beſchreibung der Kopenhagener Sehenswürdig keiten in den nächſten Briefen greife ich einige für die Anſchauungen und Betrachtungsweiſe des jungen Reiſenden bezeichnende Stellen heraus An die Seinen. Kopenhagen den 31. Oktober 1822. „Aber nur einen Platz hebe ich hervor, mir merkwürdiger als alle dieſe prächtigen, den winzigen Uhlfeldsplatz. Alſo iſt ſein Name, denn ein Schandmal iſt hier, dem Grafen Uhlfeld geſetzt, der in ſeinem Vaterland geſtiegen dies den Feinden, den Schweden verrieth(in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts). Der Schandſtein iſt von Granit, ſchmutzig, und könnte kaum häßlicher ſeyn. Man lieſt an den Seiten des pyramidenförmig zugeſpitzten Steins auf däniſch:„Corwitz Uhlfeld, dem Vaterlands-Ver räther, zu ewigem Spott, Schimpf und Schande“. Der Eindruck war neu und tief.— Im Volk erzählt ſich nun fort, was ſonſt untergehen würde. Der Blick richtet ſich aufs Vaterland, und die Liebe zu ihm wird leben⸗ diger. Würde man die Schandſäulen in Deutſchland zählen können, wenn ian allen denen ein Mal ſetzen die al räthern erden. Aber wer eil Glieder?! An weſter Karoline(mit einigen kleinen Kupferſtichen von der Reiſe nach Kopenhagen) Kiel den 10 1822: „Das dritte Kupfer zeigt dir eine Ehrenſäule, die vor dem 1 + thore in Kopenhagen als Denkmahl daſteht. Es iſt eine Freiheitsſäule d Tage zu Ehren, der die Leibei er Bande entließ. Alles, was dazu mitwirkt, aus Menſchen wirklich Menſchen zu machen, wirkt tief auf mein zemüth. Darum ſtand ich auch nachdenkend vor dieſer Säule u. ſegnete u. den, der ſie ſich verdient hat.“ Mit Forchhammer blieb mein Vater im ſpäteren Leben in ſtetem Ver kehr. Dieſer reiſte viel, kam häufig nach Berlin und beſuchte dann unſere Eltern, um mit dem Vater zu politiſieren und ihm ſeine etwas phantaſtiſchen Anſchauungen über Homer und den trojaniſchen Krieg auseinanderzuſetzen, uns Kindern durch ſein den Humor herausforderndes Weſen eine erheiternde, unſerer Mutter eine etwas unbequeme Erſcheinung, da er als alter Jung geſelle ohne Rückſicht auf die Hausordnung zu ſehr ſpäter Abendſtunde zu kommen pflegte. Das ihm vorgeſetzte Weinglas putzte er, wie im Hotel, mit der Serviette blank. Übrigens fand er mit 70 Jahren eine Lebens gefährtin und feierte mit ihr noch die ſilberne Hochzeit Wie innig meines Vaters Freundſchaft mit Baggeſen war, erſieht man aus den wenigen erhalten gebliebenen Briefen an ihn aus der Jugendzeit. Am 11. April 1824 antwortet mein Vater aus Leipzig auf einen nicht mehr vorhandenen Brief von Baggeſen mit folgenden Zeilen: „Deine Geſchäfte überhäufen Dich oft allerdings ſehr, aber bisweilen iſt auch manche Freiſtunde Dein. Die Freiſtunden gehörten der Lektüre u. ſ. w Aber, ſage mir, verfolgteſt Du dabei einen feſten Plan? Vielleicht arbeiteteſt Du mehr, was die Zeit mit ihrem Ungefähr Dir entgegenwarf. D in Mittelpunkt, um den ſich Deine Vielleicht aber fehlte Deinem Leben e Nebenſtunden drehten. Du nahmſt vielleicht mehr auf und verſuchteſt weniger Deine eigne Kraft nach einem beſtimmten Ziele hin. Wie? wenn Du Dir ſelbſt aus freiem Intereſſe einen Winkel auf dem großen Felde ſuchteſt, um in ihm ſelbſt zu ſchaffen? einen Punkt, auf den Du das Übrige Alles bezögeſt, und der nicht wandelte mit dem Wandelbaren? So gewänneſt Du einen ſicheren dauernden Halt für Dein Streben, Du würdeſt eine Vorliebe für etwas Gewiſſes gewinnen und dadurch eine Leere des Lebens füllen. aggeſen, Du kannſt viel, oder ich kenne Dich nicht! Es fehlt nur, was Schiller ſo herrlich ſagt:„Sammle ſtill und unerſchlafft im kleinſten Punkte die größte Kraft.“ Hätteſt Du nicht Luſt zu irgend einem kleinen Theil der großen Geſchichte, hätteſt Du nicht Luſt, Dir einen Theil aus der däniſchen oder aus der Kriegswiſſenſchaft zu wählen? Da kämen Dir Deine neueren Sprachkenntniſſe zu Statten, zumal bei einiger Kenntniß des Latein. Es iſt etwas Herrliches mit der Geſchichte, wo ſich das einſeitige Zeitleben des Einzelweſens ich möchte ſagen zu einem Welt— leben der Menſchheit ausdehnt. Damit glaube nicht, daß ich Dich zu B * r ſchriftſtelleriſchen a ſich h In hen ſelbſt lieg Nur das Neue, w man umſichtig und is Licht der Welt geförder erden. Ich las neulich in m Ein L ne Forſchun iſt kein Leben Darum preiſe an gentlich e rat d Dir eine ähnliche Medizin an, wie ſie mir geholfen hat. Ich naſchte einſt in den Wiſſenſchaften herum und war in meinem fen mit mir eins. Auch noch bin ich es nicht ganz es mich oft trübe, wenn ich bedenke, wie einſeitig die Bildung des Ge lehrten iſt. Man klaubt und klaubt, aber das Handeln, in dem ſich der Kern des inneren Menſchen bewährt, bleibt vor der Thür, als gehörte es macht nicht mit dazu. Aber ſeit ich in meinem Treiben mit ſicherem Schritte einen engeren aber beſtimmteren Gang verfolge, ſeit ich mir gleichſam meine eigene Hütte baue und in ihr froher mich einwohne als damals, wo ich fremde Palläſte angaffte, ſeit dieſer Zeit fühle ich ſelbſt den Gewinn. Alſo noch einmal, lieber Freund, ſuche Dir einen Kompaß für die Zeit, für welche Du Vielleick U men It Ein Ke AB a Tzeig unverwandt ne und das Schwanken Nachdem ſich ihre Lebenswege getrennt hatten, verſäumten Beide keine Gelegenheit eines Wiederſehens. In ſpäteren Jahren aber werden es die politiſchen Verhältniſſe dem Holſteiner und dem däniſchen General äußerlich und innerlich erſchwert haben, die früheren nahen Beziehungen aufrecht Ein junger Mann aus dem Kieler Freundeskreiſe, Heinrich Eichmann, wurde, während mein Vater im Auguſt 1823 auf einem Ferienbeſuch in Eutin weilte, durch plötzlichen Tod hingerafft. Als mein Vater nach Kiel zurückkehrte, hatte die Beerdigung ſchon ſtattgefunden. Die Eltern des Verſtorbenen hatten den Wunſch ausgeſprochen, der Freund ihres Sohnes möchte ſie beſuchen, es würde ihnen tröſtlich ſein, ihn zu ſprechen, da er ſich des Verewigten immer mit Liebe angenommen hätte. Bereitwillig unternahm er die ſieben Stunden lange Wanderung nach Rendsburg und ſchrieb nach der Rückkehr an Karoline:„Der Weg und das Dortſeyn iſt mir von großem Werthe. Ich habe es tief fühlen gelernt, daß Stunden in der Wohnung der Trauer mehr erheben, mehr für das Leben bilden können als Tage in den Säälen der Freude.“ Sehr freundliche Aufnahme fand mein Vater im Hauſe des Syndiku Jahn und ſeiner Frau Juliane, einer Tochter des Kieler Profeſſors Adolf Trendelenburg. Auch die Häuſer der Profeſſoren, bei denen er hörte, ſtanden ihm offen. In eine gewiſſe Verlegenheit verſetzte ihn eine Ein ladung des orthodoxen Lutheraners Harms, zu deſſen Zuhörern er nicht gehörte.„Ich ſprach ihn nie“, ſchrieb er nach Eutin,„und werde das auch klüglich vermeiden. Meine Gedanken tödte ich nun einmal nicht, und dacs müßte ich, wenn ich mit ihm nur einiger Maßen fertig werden wollte.“ Nicht gern aber ließ er ſich durch zeitraubende Geſelligkeit von ſeinen Studien abziehen, die er mit großem Ernſt und Fleiß betrieb. Die wichtigſten Trendelenburg, Familiengeſck ö Huy 91* 0 R 9 Iut 2 1* U U 5 U Jc zu 8 n Jei U 1 Uſe kant 1 f6 Ttzufe n n von da, nach Burſchenart den Ranzen auf d ten, an manc 50 Kilometer und mehr zurücklegend, über Braunſchweig, Goslar, 0 N Eiſenach, Gotha, Weimar nach Jena. Von Jena nach Chem um Zeit zu ſparen, die Poſt, dann ging e ieder auf Schuſt Rapz K N Er U inſtitute, Krankenl er Fr Natur er B und Tal durch§ und 2 0 ö r überall Land und 0 Uer f A reiſen der 1 lar h ch kennen 1 e, ſe n Juge und auch bei den Ha B kommen iſt enig d Briefen und de In Celle beſuchte mein Vater, durch ſein Intereſſe an der i 8 das große Irrenhaus. Ein trauriger Eindruck war es, die Gemüts 1 0 1 7 u1 Nis 7 Aind el It Zuchtl rn als ihren ngeſpert fink ni 1 1 8 1ker 11 ſten der Krankenpfleg axe 5 9 1 7 on Frrent B De gen Irrenpfle 1 U 1 84 614 AJ Fatal 4N 2. 5 1 je Werrate Acck N 1* N St* Bekan veranlag 8 r Stu 118 1 vr N 7* aus C 5 5 ne ſchr*4 ei 1 1 1N RI 9 6 3 2 N 8 0* ne Ti 1 0 4 U mich ein 6 U N OOe H ˖ d 5 a U‚ Gral ſch de ge B n der Ausde d Arbeite L zu r und i Fü 6 en an ein Aufblühen der Saat“ da u Griechiſchen Worte, die man ſtliches Kreuz lieſt: In ihm ſiege!“ Auch die Grabſtätten die ſchlichten Sandſteine un is Grab Salzman S nit eir Flied ſck flanzt Sal in wollte 8 6 Gröf Gad k d ita is wir Kinde L in ˖ m beſtimmt erinnern, aber ein allgemeines Bild ſchwebt mir vor, und es iſt mir,. hätte das Buch einen gewiſſen Einfluß auf meine Richtung gehabt. So las ich nun hier ſein Buch: Der Himmel auf Erden. Was ich ſchon in Schnepfenthal ahnte, fand ich beſtätigt. Salzmann hat mehr die Seite Lohen 17 der Religion aufgefaßt, die ins thätige Sehnſucht des Gemüths nach dem Ewigen und Unend ziuch in ſtill hren ſoll nerei führt. Das Buch iſt geſchrieben, wie fürs Volk, ſo würdig Mögt Ihr es nun auch leſen, liebe en in Weimar heißt es in einem Brief isher Unglück auf der Reiſe. Es wurden ha gegeben. Man ſpielte gut. Was hilft's aber? ſeicht. Der erſte Aufzug war noch der beſte. In dem Stück n Kotzebuiſche Weltklugheit glänzen, die gefährlich iſt, den Glauben Menſchheit zu rauben droht. Dummheit und Unſchuld, Klugheit it ſind hier nothwendig gepaart; jeden Einzelnen regiert allein ſein eigennütziges Intereſſe. Dieſe Theorie war hier nun aufs Verwand— ſchaftsverhältniß übertragen. Muß denn alles Luſtſpiel ſo auf Koſten des 8* Intereſſes ſeinen Zweck erreichen? Uber das Weſen und über die Luſtſpiels dachte ich nach, ohne indeſſen mir ganz klar zu werden, einer etwas langweiligen Geſellſchaft in kalter Nacht nach Jena uhr. Nach Jena, dem mit Liebe lang gedachten, lang erſehnten Jena.“ Eine gewiſſe Schüchternheit, die dem jungen Studenten eigen war, ließ ihn auf einen Beſuch bei Goethe in Weimar verzichten.„An Goethe“, ſagt das Tagebuch am 15. Oktober,„(den Greis, der junge Liebe gefaßt hat und der gar an eine neue Ehe mit einem 18jährigen Mädchen, das er in Marienbad kennen lernte, denken ſoll) an Goethe wagte ich nicht Tiſchbeins Gruß zu beſtellen, ſo groß auch mein Verlangen war, aber Goethe, der größte Geiſt unſerer Zeit, dazu der hochſtehende und hochblickende Ge heimt Juec 0 0 L D 8 7e 1 Te Wa rgfeſte m e1 0 Mann en ant gte e 5re n große Tuch l· Auf Bergwerke ver rz in die Schächte eingefahren war und das Leben der Bergleute kennen gelernt hatte In Dresden feierte er ein frohes Wiederſehen mit ſeinem kunſtliebenden 1 Lübecker Vetter Theodor Trendelenburg und verlebte reiche Tage, die er benutzte, um einen flüchtigen Über einige genuß über die reichen Kunſtſchätze der Stadt zu gewinnen.„Inſofern“, berichtet er nach Eutin, „bin ich für Dresden zu ſpät gekommen, als wenige Fremde mehr hierher kommen, und es alſo ſchwer hält, Geſellſchaften zuſammen zu brin um ſich die theueren Muſeen aufſchließen das des Königs. An dem un hatten keine Damen ten wovon einige die erſten der Er ur ollgeſchwögt haben. Für den theuren Einlaßpreis jeder Bl ird hier bezahlt habe ich nicht viel mehr gelernt, als daß n nicht blau ſehen, wie ich wähnte, ſondern grün. Auf der Gemäldegallerie habe ich ſchon ganze Morgende hin gebracht. Ich könnte noch hundert dort ſeyn, und werde jedes Mal mit neuer Luſt hingehen.“ Von Meißen kommend, langte mein Vater an einem der erſten Tage des November in Leipzig an und bezog in der„Kugel“ am Halliſchen Tore bei Madame Junke ſeine ſtille Studentenſtube, aus deren Fenſtern man einen freundlichen Blick auf das Grün der Promenade hatte. Wie 8 vürde er ſtaunen, wenn er jetzt, nach faſt 100 Jahren, den Rieſenbau des neuen Zentralbahnhofs ſich gegenüber ſähe! Von einigem Intereſſe iſt vielleicht die Notiz, daß die ganze Reiſe Louisdor, alſo in heutigem Gelde 127,50 Mark koſtete. In Leipzig vertiefte ſich mein Vater ganz in ſeine Studien. Von dem ſtudentiſchen Treiben hielt er ſich fern, zu Familienverkehr bot ſich weniger Gelegenheit als in Kiel, die Profeſſoren der größeren Univerſität waren im allgemeinen unzugänglicher, ein Haus wie das Jahnſche ſtand ihm nicht offen. Freundliche Aufnahme fand er bei dem Buchhändler Vogel, an den er aus Kiel eine Empfehlung mitbekommen hatte Er hörte philologiſche Kollegia, beſonders bei dem Altmeiſter Her mann und bei dem jugendfriſchen, reichbegabten Spohn. Dieſer beſonders freundlich entgegen, er ſtellte ihm ſeine reichhaltige Bibliothel zur Verfügung und„nahm ihn in ſeine muſterhaft eingerichtete philologiſche 1 8 1 kam ihm ————— reichlich N Elchlich zoen 1 1 5 Norkohr e die erten, di 1 1 ohlichem u mnI Nbem Wertehr mit U N K ar 5 N ra 18 8 0* 8 Ir 111 eodor in Dresden ibre Die Kunſtſchätze, beſonders das Antikenkabinett und die Mengſchen Gipsabgüſſe wurden jetzt gründlich durch ſtudiert, z. T. Forchhammer, der in Dresden mit dem Freunde zu— imentraf. Die gemeinſame Lektüre von Leſſin Laokoon, Winkelmanns 6 ung zur Geſ r Kunſt Schi er den unſt ich war durch fragt er, geſchloſſenen )jt, wurde n mußte, ich mich freundet auch mehr in Gemälde zuge— kannte. Das iſt die ß ich nur auf den t und ihr Ebenmaaß 0 Zeitlebens blieb als eine Quelle li ganz un⸗ muſikaliſchen Vet verſtummt mein Urtheil“, f Ganze auf ich mack der Muſik, n zen)her Oper für f ines Aben mer in einer etwas ſteifen Geſellſchaft bei Tieck, r aus Calderons„Garten-Unhold— meiſterhaft vorlas In den ſchönen Maitagen erwachte wi der die Wanderluſt. Die Vor leſungen in Leipzig ſollt ſt 1Tage vor Pfingſt n wieder beginnen, uf 8 Ufamme Er Erla El n den ge El nen( 8* 8 5 zu 5¹ vanderten die 2 ich Tetſchen, fuhren zu Schiff eiter LTeplit ſie Wagen nach Pr 7 große Shmioriakeiter zunen Masß Ach N 1 kfammen 7 8 iſond Schn keiten, einen Paß nach Wien zu bekomn n, da jeder u reiſend R ichi zehörd R in deutſche Student den öſterreichiſchen Behörden ver r. Sein Tage buch ließ mein Vater verſiegelt bei dem Wirt zum goldenen Engel zurück es nicht in die Hände der ſpionierenden Po um Diligence brachte die Reiſenden dann ſchnell in zwei Tagen nach 2 wo ſie 16 Tage ver in den Muſeen Kunf P U 1 uUn Ver znügen als der lel Volke zum erſten be wegte ſich mein ier inmitten eine Bevölkerung, und die len Folgen eines unduldſamen jeſuitiſchen und einer jede freiere jeiſtige Regung unterdrückenden Regierung rall ent Nach Leipzig zurückgekehrt, ſchreibt usführlichen Reiſe bericht am 24. Juni 1824 an ſeinen Vater:„Meinen letzten Brief aus iſſen. Wien w Wien habe ich mit großer Beſonnenheit ſchreiben von ſo genannten Vertrauten, d. h. Schuften im Solde der geheimen Polizei. gewarnt, und es ward mir aus Manchem klar, daßen NI K, als Studenten,(d. h. im Oſterreichiſchen Sprachgebrauch redende cht-Oſterreicher) auf allen Wegen belauerte. Dar nicht wiſſen, ob nicht die Argusaugen der Kundſchafter durck gelte Briefe durchzugucken wüßten. Darum mußte ich mich hüten vor jeder B rührung mit irgend einem Studenten, namenllich durfte ich nicht hoſpitiren, g zu machen, als wolle ich mit deutſcher Reudig um mich nicht verdäch keit die Wiener Schaafe anſtecken. Darum muß man in Wien jedem un ind nur dem bekannten Mann mistrauiſch zweifelnd in's Geſicht ſehen un eignen Herzen trauen, darum kann man in Wien nur vom ſchönen Wetter und vom Theater, vom Eſſen und Trinken und drgl. ſchwatzen, kann al * nicht von eingreifenden Dingen des Lebens ſprechen. Gottlob, ſolche Stick d 67 luft weht im übrigen Deutſchland noch nicht. Vorzüglich eine Sekte der Ligurianer oder Redemptoriſten, verrufen durch ihre Dummheit, ſoll namentlich durch die Dienſtboten in der Beichte Wiener Student ihre Polypenarme bis in's innere Hausweſen erſtrecken. Ein Wiener muß aus Pflicht und Schuldigkeit des Jahres 5 mal beichten und ſolches Peichtſcheine bemeiſer 1 zeichtſcheine beweiſen va dem Profeſſor der Religion durch beigebrachte Be 1 de d mmen Betrug : 4 1 * 4—) 4 7 und Erziehungsweſen 1 PN ſtitut 4 * einer de 1 In 8* 7* 4 HKuß, e ſelbſtf glich. di 1 Als U ‚ Braf Fr Hand eſigen H Sck fi N VeS den 1 ˖ unter nach Preßbu 0 Empfehlung an einen K Ehatter Niurch ihu- noißt 8 N.* K t Glatz hatten.„Durch ihn“, heißt es in dem Brief,„thaten wir manchen Blick in das innere literariſche Getriebe in Oeſterreich, den wir ſonſt nicht würden haben thun können. Er führte uns zu einigen Profeſſoren, die Geiſt und Kraft zeigten. Im katholiſchen Lande findet ma iel ö eifrigere Proteſtanten, die für ihre freie Anſicht leben nd ſterben möchten, während wir in unſerer n ufregt, uns von den myſticirenden Theologen und Empfindlern faſt wieder in das Gebiet des einſchläfernden Katholicismus treiben laſſen. Auch in dieſer Richtung habe ich mich nun im Entſchluß zeſtählt auf dieſer Reiſ Auch zu Friedrich Schlegel führte uns unſerer Reiſe Der Mann muß frül Tüchtiges ſchuf. Jetzt ſchien er ſck der gute Geni Er kräftig geweſen el laff und wohl ge ihrt ohn zes Intereſſe. Drei Crucifixe und ſeine Kniebank vor der Mutter Gottes ſagten uns gleich, zu wem wir gekommen waren.“ dem So ierſemeſter ging die Zeit zu Ende, die ſich mein Vater Studium in Leipzig angeſetzt hatte.„Die Philologie wurde hier nur grammatiſch⸗kritiſch betrachtet.“ Darin fühlte er ſich jetzt genügend ſicher, dagegen fehlte es ihm an einer genügenden Kenntnis der hiſtoriſchen Seite,„z. B. der römiſchen und griechiſchen Altertümer“, die er ſich am eſten als Schüler von Boeckh in Berlin erwerben konnte Er hatte auch aber„es ſind dort“, ſo ſchreibt er an ſeinen Vater, „keine Philoſophen wie Schleiermacher und Hegel. Den erſteren nennen gewiß Theologen, Philologen, Philoſophen nur mit Achtung. Ueber den weiten iſt man getheilt. Ich ſelbſt bin von ſeiner Anſicht, ſo weit ich ſie kenne, ein entſchiedener Gegner und glaube nicht, daß Klarheit und Wahrheit in Wiſſenſchaft und Leben durch ſie groß wird gefördert werden. Aber der Mann macht groß Aufſehen und man ſieht auf ihn wie auf die Spitze unſerer Zeit. Da treibt es mich nun ihn näher kennen zu lernen, um ihn ſcharf zu prüfen und meine Kraft an ihm zu verſuchen. Wer es redlich mit einem gründlichen deutlichen Begriff in der Forſchung * AN 9 dack, el t llein hören klinge D nd 0 ſage ch h ſchon nich ib n der Philoſop d U ˖ auch bewahren h d urze B 0 el Herbſt El 1 on den Ve zun r Wẽ nit a U ganzen Jahre ſeir L lufentha ds beſuchten die + Freunde das Thee al ſich dan a Treiben in U einem großen Kellerl bkal an.„Denkt nur“, ſchrieb er nach Hauſe,„Müßig er gang iſt aller Laſter Anfang. Indeß ſind ſolche Laſter nicht ohne Nutzen 0 und darum reuen ſie mich nicht.“ Zuletzt feierte er noch Wiederſehen mit Wallroth, der von Berlin herübergekommen war und nach Bonn gehen ollte, und begleitete ihn bis Jena. Die Wanderung ging über Lüt n Weißenfels, Naumburg. Auf dem Felde von Lützen freute er ſich an den n einfachen Steine mit der Inſchrift G. A. 1632,„welcher von d Helden n fö i k n t eine her Denn an Denkmälern, nur nicht an Denk n haten ſchwenglich reich.“„Das klöſterliche Weſen und Unweſen, was auf der berühmten Schulpforte herrſchte, konnte ſeiner freieren n Anſicht einer menſchlichen Bildung nicht agen.“ In Jena beſuchte er“ einige Profeſſoren, für die er beſonderes Intereſſe hatte. Zwei Abende brachte er bei dem jungen d zu, den er in Kiel bei ſeinem Vater nur lf. kennen gelernt hatte. Da ging es denn„ſcharf in die n Philoſophie hinein, ſo daß die Nacht kaum der Disputation ein Ende machte noch die Berüc ſi ch htigung der Frau, die neben ihnen ſaß“. Dann marſchierte er von Jena aus wieder rückwärts über Wittenberg nach Potsdam, von Wittenberg ab in Begleitung eines netten jungen Kaufmanns, der auf der Leipziger Meſſe ſein Geld verſpielt hatte und daher gezwungen war, wie der Bruder Studio zu Fuß zu gehen. Am 16. Oktober 1824 kam mein 0 Vater auf einem vollgepfropften Perſonenwagen fahrend von Potsdam in Berlin an,„in der Stadt der Deutſchen Sandwüſte“, die ſeine zweite Heimat werden ſollte. Um mit einem Wechſel von 30 Louisdor(510 Mark), den er ſich von ſeinem Vater erbeten hatte, im Semeſter auskommen zu können, bezog mein Vater in Berlin eine ſehr beſcheidene Studentenſtube in der Waſſergaſſe, der jetzigen Artillerieſtraße, Nr. 12. Das heute längſt verſchwundene ein ſtöckige Häuschen, auf das er mich in„Vorbeigel)en oft aufmerkſam gemacht hat, der jetzigen gynäkologiſchen 5 kunit gegenüber, gehörte einem geborenen Oſterreicher, der nach einem wechſelvollen Leben während der Kriegszeit hier als„Viktualienhändler“ und Schankwirt eine Ruheſtätte gefunden hatte Die niedrige im Stehen mit der Hand bequem zu erreichende Decke der Stube, unter dem beiderſeits ſchräg abfallenden Dache gelegen, war ſchmaler als der Fußboden, und dieſe hatte die Form eines Sarges, womit mein Vater 18 J 2 Einf rK ke ſt 0 Vater er da 1 rd rren, geſte n ſick r ng ig un ruchtbringend 1 D zufrieden fUhl n Stu zeit 1 0 Bef ſu 1 iſten. Die Geſamtzahl der K n dr Sen ſt in der Bei Neander hörte mein Vater chriſtliche Archäologi en Zeitalters und Patriſtik von Syneſius bis Auguſtin, bei Boeckh über Pindar und Metrik, bei Immanuel Bekker über Thueydides Ideler über Aratus(Aſtronomie betreffer Jof m Spr d Grat 8 kritſſ die 3 8 Bei Hegel U 1 fJ H lſcck E Logik* dem B 0 Norr ˖ 2 Leipz ſchränk Haftli N übte beſonders Schleiermacher einen tiefgehenden auf ihn aus. Über Schleiermachers eigenartige am 2. Mai 1825:„Es iſt feſſelnd, wie Schleier fbauung einer philoſophiſchen Wiſſenſchaft ſucht und findet n und mitfinden läßt. Der Weg iſt ſchwer, weil equenz. In den philoſophiſchen Vor trägen pflegt man ſonſt das Gefundene mit ſeinen Beweiſen, oft wie vom Geiſt dazu gehört und ſtrenge Conſ Dreifuß herunter, zu geben aber die Frage, wie kommt man zu dieſem iel, ibt t. Schleiermacher lehrt ſelbſt den Weg gehen u n dieſ icht, weniger in Rückſicht der Ergebniſſe, die ſpärlicher zum Vorſchein kommen, eben weil ſie gefunden werden ſollen, hörte ich nie etwas A Ich wüßte nicht, wo ich mehr lernen könnte für die Gedankenen in mir und in andern.“ Die Schleiermacherſche Maieutik“, die Kunſt, die Geburt der Gedanken zu fördern(ein Aus— 1 · U int ihnm ſu Mal 1 18 1. druck d Sokrates), ſcheint ihm ſchon damals als Vorbild für ſeine die V „Weder auf dem Katheder noch auf r Kanzel hatte mein Vater je einen hinreißenden Vortrag g D em Ir ar e inz einverſtanden.„Schwerlich“, ſagt er,„werde ich es je für di Art zu philoſophiren halten, wenn man, wie Steffens, mit de Stron der Zeit gehend entgegengeſetzte Begriffe vereinerleiet, um ihren Widerſpru auf eine beqi zu gehen, oder auf Anregung dunkler Gef a dem Geheimn Lebens oft die Baf iu 0 ch 7 1 7 Oel N rteil 1 die ver 2 ü U U Entwicklung zu gewinnen. Am 19. April 1825 ſchreibt er an n mich Je fi l Syſtem ich ich könnt U ander n fur der rechten Denl n Syf zu haber wie man ein Haus haben ein Haus, in dem es mir geiſtig wöhnlich und gen ß ich mir ſelbſt faſt beweglich ſei wi Auch mache ich an ein ſ ein Zelt und wenigſtens einer leichten Erweiterung und Ausbauung fähig inen Jahren iſt man ir erſt das Bauholz nen. Den Kant habe So viel ſehe ie mich auf der einen theologiſchen Seite in Einiger 1ar werde, wenn ich aue ein tiefere des Lebens ſuche, Dann n kann wol ſchwerlich ein erd n liegt die tiefe Wurzel einer geſe nzen Leben die die Philoſophie bis jetzt viellei mehr verka In regen wiſſenſchaftlichen und freundſchaftlichen Verkehr trater Vater mit Friedrich Roſen, den er ſchon in Leipzig als Studenten der Theologie kennen gelernt hatte und den er in Berlin als Schüler von Bopp wiederfand. Gemeinſame Intereſſen beſonders am Sanskrit und der ing in der Geſinnung brachten altindiſchen Literatur ſowie die Übereinſtimt die beiden jungen Männer einander ſchnell näher. Aber nicht lange konnten ſie ſich des Zuſammenlebens erfreuen noch nicht 23 Jahre alt, als Profeſſor 12 ur und Lehrer der arabiſchen, perſiſchen und hinduſtaniſch Sprachen e 18 n Erzählur vor end einf S0 dachte 1 1 U chriebfſ v ch 6 roße K erſcheinen zwiſchen n der Dogmatik 6 inkten Gemeine rdings gut, daf el W ſcc 0 6 ſcck Bode verp Es de zeit, u ſich Literat u. Wiſſenſchaft mken d keit herausheben und ſich europäiſiren, lkst ilichkeit. Hier waltet der Weltgeiſt; aber dennoch laß ich ungern von ihm meinen Volksgeiſt aus dem Felde ſchlagen. Der Einzelne wird ſich alſo noch mehr verlieren in dem großen Meere des ſtrömenden Treibens.—— Welche Mittelſtufen zwiſchen dem alten Athen und dem neuen London! Ihre Kreiſe des Wirkens 1 rhalten ſich wie ze Trireme zu einem Linienſchiff und noch mehr. Aben Uni dieſe Sirene in der Bildung, wirft den Einzelnen mit ihren mächtigen Anforderungen in einen gefährlichen Abgrund. Wo iſt das Genie, das ihn auszufüllen vermögen wird! Der Weltgang wird die kleinmüthigen Zweifel löſen.“ Frankfurt a. M. den 10 Mai 1829. Ich Dir zeigen, daß ich um Deinetwillen gar eigene Studien mack lnoch dazu theologiſche. Hear! hear! Thiere wechſeln ft ihre Elemente, um ſich in einem fremden anzufriſchen. Der luſtige Fiſch ſpringt des Abends aus ſeinem Waſſer in die Luft, die Landthiere baden ſich im Waſſer; der Menſch ſegelt gar in den Wolken. So gehts auch mir. Ein kleiner Luftzug bringt mich leicht einmal auf Augenblicke aus meinem philoſophiſchen Elemente in das theologiſche. Es hat mich entſchieden abgeſtoßen, da ich mich ihm hinneigte; jetzt ziehts mich bis— weilen an, da ich mich ihm abneige. Du ſchreibſt von der Oxfordter Profeſſur, von der Dich, wie mirs ſchien, vielleicht nur die 39 Artikel trennten. Die ſymboliſchen Bücher bildeten vor Jahren für mein theo— logiſches Gewiſſen einige Serupel. Das leichtfertige Leben hat mich leicht⸗ fertiger gemacht, hat mich gelehrt, Sache und Form zu ehren aber auch zu unterſcheiden. Dennoch würde ich mich noch jetzt wol bedenken, wenn ich in dieſer Art etwas unterſchreiben ſollte. Ich begreife, wie Du anſtehſt, ſelbſt, da Du, als orientaliſcher Profeſſor, als privilegirter Mahomedaner oder Bramine nur ſtillſchweigend anerkennen, nicht thätig mitfördern ſollſt. Darum holte ich mir, um die Sache gründlich zu betrachten, einen Folio band von der Bibliothek Burnet historia reformationis Anglicanae und las darin die fraglichen 39 Artikel: und jetzt verſichere ich Dir, daß ich ſie in Deiner Stelle unbedingt unterſch ſolche Unter 7 Hahen fanr weniger ſchroff als unſere augsburai 8 hon Nor niſſe itheriſche Conſubſtantia wird Le 1 als Biſck iſt. Manche kraſſe Vorſtellungen, di die Auferſtehung des Fleiſches, ſind den ln mit allen Symbolen ſchon mit dem apoſtoliſchen symbolum gemein Wäre ich in England ſo würde ich mich zur Kirche de würde aneignen können. War daher dieſe Anerkennung nicht durch die Unterſchrift aus chen? Das Rituale der engl. Kirche hat eine rſchütternde Sprache der Demuth, mag aber wol durch die todte Wieder holung zum Formwerk werden. Dies Ritual in Oxford täglich zweimal als Profeſſor mitzumachen, muß freilich läſtig ſeyn, und das wäre einzigſter Anſtoß. Das iſt, lieber Roſen, mein engliſches Glauben halten, da ich ſie mir im Ganzen bekenntniß, das mein theologiſch Studium Wenn der rliegende Fall ‚ auffordern, 2 di tikel verbar zu laſſen. Du ſollteſt Dich ja melden, wenn Du keine anderen Bedenken haſt. Dein Schiff wäre gewiß fürs Erſte im Hafen. Es wären gewiß auch die wiſſenſchaftlichen Vortheile in Oxford ſehr groß.“ en 11. December 1836. lieber Roſen, das beifolgende 2 n, üchelchen freundlich auf.!) Es iſt in den letzten Ferien entſtanden, da ich am eigenen Heerde ver weilend einmal zu einer kleinen literariſchen Arbeit Zeit fand. Wenn das Semeſter mit ſeinen Collegien fortläuſt, komme ich zu nichts Eigenem. Ich bin des ganzen Umfanges und des ganzen Stoffes noch nicht ſo Herr, daß ich noch neben neuen Vorleſungen etwas ausarbeiten könnte. Dieſe kleine Schrift macht keine große theoretiſche Anſprüche: ſie wünſcht beſonder praktiſch zu nützen. Die Vorrede wird Dir, wenn Du freundlich hinein blickſt, über die Abſichten ſprechen. Ich wünſche, daß Dir der Gedank gefalle. Ich ſchrieb die Schrift beſonders darum lateiniſch, um den Ge 8 brauch derſelben auch außerhalb Deutſchlands möglich zu machen. Es könnte vielleicht auch, wie ich mir dachte, durch ein ſolches Buch das Bedürfniß nach deutſcher Philoſophie angeregt werden. Die Schrift iſt ſelbſt neutral, enthält aber einige Hinweiſungen. In der antiken Bildung, wie in dem gemeinſamen Elemente, begegnen ſich die Nationen Europa's. Vielleicht hat es einen wohlthuenden Einfluß, wenn ſie ſich auch in dem, was aus der antiken Philoſophie bleibende Bedeutung hat, verſtehen lernen. Ich verhehle Dir daher meinen Wunſch nicht, daß man auch in England von der kleinen Schrift Notiz nehmen möge. Wenn Du dazu durch eine An zeige auf dem einen oder dem andern Wege beitragen möchteſt: ſo würde ich es Dir herzlich danken. Ich gehe mit meiner Bitte gerade heraus I) Elementa eS A1 tianalsk Nattonalc Ferdinand 2 befreundet ( f. 8 J konomie Kolleg Becker Dder war und mit Rn 2 1 8 1 . * kbrgr neines Vaterse mit Roſen von i ihm Ftoi 0 Ell H1 S9u n Sprac n U 14 rhaltun 0 Mos 1 Mee n7 N 0 f 1 10 n Ul Norf 1 2 t und 2 h˖ zuſammenwohnte. Die 3 rer Schulzeit Grof h OPhar 6 [Dierte, 7 er Univerſität n urde, un in Göttingen her Bekanntſchaft 7 prach da 2 0 ner Taſſe Te E m e n 7 922 Vater terrick te 0 3 Philo muf 1 N 1 92 1 n8 VII 1 z ren“, ſch 0„he Uungen Leute ehagte ihm ni 61 Jah 6 51 * 1U4 4 1 2 21 En f 10 5 1 ref te V ö U De gezie Weſer eler Berliner nit einander ſtritten. Unter aus dem Kultusminiſteriur mein Vater den Seinen,„wieder fuhr mir ein oße Ehre, die ich aber leider Gottes in den Wind ſchlu Der G e Staatsminiſter von Kamptz, beſonders angeſtellt im Miniſteriun es Kultu als Antidemagog nicht unbekannt lam theilnehmend zuf mich zu und überhäufte mich wie ein He it Complimenten wuf d al nick als gehorſame Bücklinge rn mochte. Ere kundigte ſich nack r Familie ob i nit dem Etatsrat in Kie verwar pl nannte mich ſogar ſeinen Landsmann d n Elter r mir ſagt G ralſuperint urg in M ſei. Er nahm f n g n Mei Ich 8 11* 4 1 1 Jt) ich P Ut 1 n* 8 kurzem nach Dresd at J S ne Bresl 2 oa A 81 R in Sege 1 1 1* 1* Der nach Ungen, veil Alle ſi + innig, wenn auch nicht klar Jeſus Chriſtus. Als ich auf dd sſchläfer aus allen Enden Deutſch V verſammelt fand D n Wie m nd s Lebens i H hut di Ruhe ſuchen und finden kann li htun Alles gerne hingiebt Wie in den hlafſäler 0 und chweſterhauſes die Bet prunklos an einander gereil war hier die Gräber, wie auf Gartenbeeten.— Der Anblick war ſtille, als ſähe man es denen, die hier ihre letzte Stätte gefunden ſelbſt an, daß ſie voll Zuverſicht eingezogen wären. Di iter ſind ein in ſich gekehrtes Völkchen, das ſti werbfleißig, ſinnie m Kreiſe fortlebt 0 fe un n nſamen Leber„ohne daß wir deswegen von den klich Schönen auch di ibung und die Carrikatur aufzunehmen brauchten, ohne daß wir deswegen uns einem myſtiſchen trüben Bilder— ſpiele Preis zu geben hätten. Zu der übertriebenen an die Carrikatur Seite möchte ich eine Einrichtung rechnen, die gewaltig bſtieß. Ich hörte nämlich, daß aus der Gemeinde eine Anzahl der fror zewählt werden zu einem förmlichen Betercollegium e allgemeinen Angelegenheiten der Ge einſchaftlichem Gebet vorzu ſtand mein Vater Nach vier ieder„am eigenen Pult, das Goldes wert iſt wie ein eigener Heerd“ und vertiefte ſich in ſeinen Plato Und Jahreswechſel ſchrieb er zu Neujahr 1826 an die Brief mit ernſten Selbſtbetrachtungen:„Es iſt des Jahres das liebe Jahr ſcheidet, will ich Euch noch eintialnb Ihr daheim ſeid und heute wol meiner gedenket. Die it hat einen eigenen Ernſt den Ernſt eines milden Herbſt tages, wo der Fuß durch rauſchende Blätter wandelt, die noch vor wenigen Monaten lebensgrün die Bäume bekleideten. Könnten wir alle auch Gott danken wie am Herbſttage, wenn die Saat reichlich wieder eingeerndtet iſt! ſt ein Rechnungstag und die ſtrenge Rechnung fällt ſelten aus, ollte. Ich danke dem Jahr und in ihm dem, der über alle Jahre iſt, daß er mir viel gab. Könnte ein Jahr auch einſt nur mir danken 6 4 das ich ihm etwas gab lIb 0 f die les be⸗ Vie ſt jen Ott iſt! hre en Im Februar wurde ihm auf Empfehlung von Boeckh eine Stelle als Lehrer in der Erziehungsanſtalt von Kauer in Charlottenburg angeboten in die er gleich eintreten ſollte. Da mein Vater aber nach der langen Trennung von den Seinen einige Sommermonate in Eutin zu verleben wünſchte, lehnte er das Anerbieten vorläufig ab Dagegen übernahm er im April in Vertretung eines Eutiner Bekannten, Dörfer, für kürzere Zeit eine Hauslehrerſtelle bei dem Präſidenten v. Meuſebach, die ihm freie Zeit zum eigenen Studium ließ, da er nur die Schularbeiten der beiden Söhne im Alter von 14 und 12 Jahren zu überwachen hatte. Der Freiherr v. Meuſebach, Präſident des Rheiniſchen Kaſſationshofes in Berlin, war ein Kenner der älteren deutſchen Literatur und eifriger Sammler alter Drucke beſonders von Luthers und Fiſcharts Werken, ſeine reiche Bibliothek wurde nach ſeinem Tode 1847 von der Regierung für die Berliner Königliche Bibliothek angekauft. Mit den Brüdern Grimm ſtand er in regem wiſſenſchaftlichen Briefwechſel, der 1880 im Druck er— ſchienen iſt. Fontane erwähnt in ſeinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg die anmutig an der Havel gelegene Beſitzung des Herrn v. Meuſebach in Baumgart k und ſein C in Alt⸗Geltow und ſck nach Hoffmann v. Fallerslebens Bericht den freundlichen und gaſtlichen Empfang, den dieſer bei dem Gelehrten und ſeiner Frau fand, als er ſich als Unbekannter bei ihm mit der Bitte meldete, ſeine Bibliothek ein ſehen zu dürfen. Auch meinem Vater hatte gleich bei ſeinem erſten Beſuch„der bürgerlich freundliche Ton des Hauſes ſowie die Zutrauen einflößende Art des Herrn wie der Frau v. Meuſebach ſehr gefallen“, und aus der kurzen Hauslehrerzeit entwickelte ſich ein bleibendes Freundſchafts verhältnis. Schon längere Zeit hatte mein Vater in der Stille an ſeiner Doktor diſſertation gearbeitet und ſich mit Hilfe einiger Privatſtunden und eines Stipendiums des philologiſchen Seminars ſo viel geſpart, daß er die Koſten der Promotion ſelbſt aufbringen konnte. Den Vater wollte er zu ſeinem Geburtstag am 17. März mit der Zuſendung des Diploms überraſchen. Leider konnte die Promotion wegen Verzögerung des Druckes der Diſſer tation aber erſt am 10. Mai ſtattfinden. Die Schrift Platonis de ideis et numeris doctrina, in der in einer bisher nicht geübten Weiſe der Ariſtoteles zur Kenntnis und zum Verſtändnis der Philoſophie des Plato benutzt wurde, fand die allgemeine Anerkennung der Fakultät, auch von Hegel, deſſen Kritik mein Vater wegen ſeiner der Hegelſchen Schule gegen über nicht verborgen gehaltenen Gegnerſchaft etwas gefürchtet hatte. Der Dekan Tölken erbot ſich ſogar, durch eine Empfehlung an einen Verleger den koſtenloſen Druck der Diſſertation zu ermöglichen. Mein Vater widmete die Erſtlingsſchrift ſeinem alten Lehrer König in Eutin Opponenten bei der Promotion, der die Geheimräte aus dem Kultus miniſterium Süvern und Johannes Schulze beiwohnten, waren meines Vaters Freunde Roſen, Ilgen, Sohn des Rektors von Schulpforta, und Stieglitz Nach beendeter Feier in der Aula brachten die vier Freunde einen vergnügten Nachmittag und Abend miteinander in Charlottenburg zu. Trendelenburg, Familiengeſchichte 0 en lieben Studentenleben war es nun zu Ende, und es galt geeignetes Arbeitsfeld und einen Lebensweg zu nd Vater geſteckt hatte, nicht zu ö ũ Der den Wunſch, ſeinen Sohn mö hſt bald in einem ſicheren Amt zu wiſſen, am liebſten an der Schule in Eutin od k, wo ſich auch die Gelegenheit geboten hätte. Dief jatt 1. September des vorhergehenden Jahres di zründ weshalb er eine ſolche Bindung an ein feſtes sſtadt nicht wünſch Bei den beſchränkten lite ˖ de i ſeine weitere wiſſenſchaftliche Fort ildung tanche ſprechende Beiſpiele vor Augen, 8 ſelbſt bei innerer Kraft ein ſteten in ch bleiben, um ſick d a iſck 1 heres An machen“ zu können. Als ſolches ſchwebte ihm ſchon länger das Lehra ines Profeſſors der Philoſophie vor. Am 13. Oktober 1824 ſagt alten Gedanken in ihm neu angefacht, und dem Vater gegenüber begründete er die Erwerbung des Doktortitels damit, daß er ſich dadurch die Mög lichkeit eines akademiſchen Lehramtes ſchaffe. Dem jungen Doktor bot nun der Geheimrat ulze, der, I wähnt, der Promotion beigewohnt hatte, eine Hauslehrerſtelle bei de Generalpoſtmeiſter v. Nagler, dem Schwager des Kultusminiſters v. Alten— ſtein, an, er ſollte den zwölfjährigen einzigen Sohn des Herrn v. Nagler unterrichten, bis dieſer in die oberſten Klaſſen eines Gymnaſiums eintreten das Tagebuch, bei dem Aufenthalt in Jena habe Profeſſor Reinhold den könnte. Für ſpäter wurde ihm eine Anſtellung im preußiſchen Staats— dienſt in Ausſicht geſtellt. So ſtanden meinem Vater für die nächſte Zeit drei Wege offen, die Lehrerſtellen bei Kauer, bei Herrn v. Meuſebach und bei Herrn v. Nagler. Nach einigem Schwanken ſagte er bei Herrn v. Nagler zu, ohne ſich aber 1 fUr ängere Zeit feſt zu binden, und erſt für den Winter, da er den Plan, im Sommer mit den Eltern zuſammen zu ſein, nicht aufgeben wollte. Uber die Ausſicht auf eine ſpätere Staatsanſtellung ſchreibt er an die Eltern:„Der Geheimrat Schulze wußte es mir beſonders beizubringen, daß der Herr v. Nagler ein Schwager des Herrn v. Altenſtein ſei, und daß für mein weiteres Fortkommen im Preußiſchen dadurch ſchon geſorgt ſei. Es liegt wenig Gerechtigkeit in ſolcher hohen Begünſtigung und wenig Freigefühl in dem Anſinnen, ſolche willkührliche Bevorrechtigung als ganz in aller Ordnung mit gehorſamem Danke anzuerkennen. Ich würde mich ſchämen, an irgend ſolche Benutzung je zu denken, wenn ich nicht hoffte, zu einer Stelle, die ich ſuchen würde, auch künftig tüchtig zu ſeyn.“ Am 8. Juni 1826 fuhr mein Vater mit der Schnellpoſt, die auf dem noch vorhandenen Fahrſchein als Hof-Küchenpoſt bezeichnet iſt(Fahrpreis 14 Thlr. 22 Silbergroſchen), nach Hamburg und wanderte von dort heim wärts. In Kiel feierte er am 30. Juni im Jahnſchen Hauſe die Ver lobung der Tochter Julie mit Dr. Eduard Michaelis, dem ſpäteren Profeſſor an n Or chäologen, meines er ſeinem Vater Arbeit. nach Berlin zurück ar oft in Gefahr umzuwerfen“, fuhr aber am 4. N glücklich durch das Oranienburger Tor in Berlin ein. In der tte f zwiſchen e verändert „Das Denkmal des Fürſten Blücher iſt errichtet worden, und die Linden und ihre Verlängerung ſind Abends von den Flammen des Gaslichts hell, die wie Tulpen in ihren Leuchtern herausflackern.“ Den 17. November trat der junge Hauslehrer in ſeine Stellung bei Nagler ein, in er ſieben Jahre lang verblieb, länger als ch geplant war. Karl Ferdinand v. Nagler ſtammte aus Ansbach(geb. 1770) Als dieſes von Preußen an Bayern abgetreten wurde, blieb er in preußi— ſchen Dienſten und war bei den damaligen Austauſchverhandlungen tätig 1810 unter dem Staatskan rden nſioni r in Berlin als Privatmann n ihm an gelegte Sammlung von etwa 20000 Kupferſtich wurde ſpäter vom Staat angekauft und wurde der Grundſtock des Kupferſtichkabinetts im Neuen Muſeum. 1821 trat er wieder in den Staatsdienſt, er wurde zum Chef des Poſtweſens und 1823 zum Generalpoſtmeiſter ernannt und erwarb ſich durch die Einführung der Schnellpoſten und die Verbeſſerung des ganzen Poſtweſens große Verdienſte. In den Adelsſtand erhoben, wurde er dann 1824 zugleich preußiſcher bevollmächtigter Miniſter beim Bundestage in Frankfurt a. M. In erſter Ehe war er mit einer Schweſter des Miniſters v. Altenſtein verheiratet geweſen. Seine zweite Frau war die Tochter des Kriegsrats Herff, eines ſehr wohlhabenden Mannes. Der junge Karl v. Nagler, das einzige Kind ſeiner Eltern, war etwas über 12 Jahre alt, als er meines Vaters Schüler wurde. Zum weiteren Familienkreiſe gehörte die Schweſter der Frau v. Nagler, welche mit einem Grafen Fernemont ver heiratet geweſen und von dieſem geſchieden war, mit ihrer Tochter Auguſtine. Letztere war mit ihrem Vetter Karl zuſammen aufgewachſen und erzogen, war aber einige Jahre älter, ſo daß ihre Wege jetzt mehr und mehr aus einandergingen. Die Doppelſtellung des Herrn v. Nagler brachte es mit ſich, daß die Familie einen großen Teil des Jahres, vornehmlich den Sommer, in Frankfurt oder in dem nahe gelegenen Schlangenbad zubrachte. Die Amts wohnung des Herrn v. Nagler in Berlin befand ſich in dem großen Poſt— gebäude an der Ecke der Spandauer Straße und Königsſtraße, in Frankfurt in der Eſchenheimer Gaſſe. Die Reiſen zwiſchen Berlin und Frankfurt hin und her machte mein Vater bisweilen zuſammen mit der Familie, häufiger aber allein, und be nutzte dann verſchiedene Wege, um neue Städte wie Bamberg, Nürnberg, 10 148 Kaſſel ienzulernen oder um Bekannte und Freunde, wie in Leipzig und Jena, wiederzuſehen. Die Poſtfahrt von Berlin nach Frankfurt hatte, wenn hne Unterbrechung zurückgelegt abgeſehen von kurzem Aufenthalt für die Mahlzeiten einige Jahre zuvor noch fünf Tage und fünf Nocht in Anſpruch genommen. Nach der Einrichtung der Schnellpoſt und der Ver beſſerung der Poſtſtraßen durch Herrn v. Nagler war die Zeit auf drei Tage und drei Nächte reduziert worden. Im Winter benutzte die Herrſchaft eine tit Pelzſtreifen ausgefütterte Kutſche, meiſt wurde die Reiſe in en mit eingef ſchobenen Nachtquartieren gemacht. Den Unterricht des jungen Nagler hatte mein Vater mit Ausnahme einiger Nebenſtunden, wie Schönſchreiben und Zeichnen, Engliſch und Klavier ſpielen, allein zu übernehmen Die Eltern waren durch die amtlichen und flichtungen dauernd ſehr in Anſpruch genommen, ſo lag die ganze Erziehung des Knaben im weſentlichen in ſeiner Hand. Mit . zum Teil C 194 8 11 geſelligen Verz welcher Gewiſſenhaftigkeit er ſich der Aufgabe widmete, iſt aus den Auf zeichnungen in dem Tagebuch erſichtlich, in denen er ſich über einzelne pädagogiſche Maßnahmen und ihre Wirkung Rechenſchaft ablegt. Erſchwert wurde ihm ſeine Aufgabe durch die ängſtliche Fernhaltung des Zöglings von anderen Knaben, durch den ariſtokratiſch-vornehmen Zuſchnitt des Lebens im Hauſe und die übertriebene Sorge der Mutter um die Geſundheit und auch um die äußere Erſcheinung des Jungen. Damit das hübſche Geſicht nicht durch Sommerſproſſen entſtellt werde, ſollte das Botaniſieren, zu dem der Lehrer mit ſeinem Zögling früh um 5 Uhr auszog, an ſonnigen Tagen nicht länger als bis um 8 Uhr ausgedehnt werden. Den Konfirmations⸗ unterricht erhielt der Knabe ganz allein, und zwar von dem Prediger der franzöſiſchen Appia in franzöſiſcher Sprache, auch bei der Ein— ſegnung war er allein. Bei der Verſchiedenheit der pädagogiſchen Anſchauungen konnten Aus „. mit den Eltern nicht vermieden werden, ſie führten aber niemals zu ernſtlichen Verſtimmungen. Mehr und mehr gelang es meinem Vater, ſich uneingeſchränktes Vertrauen zu erwerben. Für ſpäter war der Eintritt in die oberen Klaſſen eines Gymnaſiums in Ausſicht genommen, und dieſen Plan, auf den der junge v. Nagler allerdings einzugehen keine Neigung hatte, unterſtützte mein Vater nach Kräften. Im Frühling 1831 wurde der Zögling bei dem Werderſchen Gymnaſium in Berlin angemeldet und nach abgelegter Prüfung in die Unterprima aufgenommen. Aber nun machte die herannahende Cholera, die damals zum erſtenmal verheerend über Europa hinzog, einen Strich durch die Rechnung. Herrn v. Nagler wurde es zu ſchwer, den Sohn in dem beſonders gefährdeten Berlin zu laſſen, während er ſelber in Frank⸗ furt weilte, er ließ ihn wieder aus dem Gymnaſium austreten und nach Frankfurt kommen. Er hatte ſogar daran gedacht, ihn in die, wie es ſchien, weniger bedrohte Schweiz zu ſchicken. Der Geheimrat Schulze hatte meinem Vater inzwiſchen, dem früheren Verſprechen einer Anſtellung im Staatsdienſt gemäß, eine Stelle an dem neuerrichteten Lehrerſeminar in Berlin angeboten und wünſchte ihn daneben — 10 mit Arbeiten für das Miniſterium zu beſchäftigen. Die Hauslehrerſtelle mit ihren 34— 36 Unterrichtsſtunden in der Woche in allen Fächern und mit den bei dem fortſchreitenden Lehrpenſum immer zeitraubenderen Vorbereitungen ließ für Privatſtudien wenig freie Zeit übrig, der lateiniſche Kommentar zu der Schrift des Aristoteles de anima harrte der Fertigſtellung, und mein Vater hatte ſich daher auf die bevorſtehende Löſung des Verhältniſſes zum Naglerſchen Hauſe gefreut. Aber die einmal übernommene Aufgabe nun im Stich zu laſſen, wäre ihm als Treuloſigkeit erſchienen, und, wenn auch mit ſchwerem Herzen, willigte er ein, ſie noch zwei Jahre lang fort⸗ zuführen. Für das Abiturientenexamen des jungen v. Nagler wurde Bonn in Ausſicht genommen. Dorthin begab ſich mein Vater mit ſeinem Zögling zu Beginn des Jahres 1833. Auf den Wunſch des Herrn v. Nagler ſollte dieſer noch einige Privatiſſima bei den dortigen Profeſſoren hören Mein Vater benutzte den Aufenthalt für ſich zum Beſuch einer Vorleſung über Chemie. Am 9. März fand das Examen ſtatt, das der junge v. Nagler mit Auszeichnung(Nr. 1) abſolvierte. So war mein 2 tack ſt f Jal lich 1 r ein freier Mann geworden. Er fuhr für einige Tage nach Frankfurt zurück und dann zu kurzem Aufenthalt nach Paris, um in der Manufkriptenſammlung der dortigen Bibliothek für ſeinen Kommentar zu arbeiten. Hier wurde er durch ein ſehr freundliches Schreiben des Herrn v. Nagler erfreut, in dem dieſer ihm in herzlichſter Weiſe ſeiner bleibenden Dankbarkeit verſicherte, und von dem Miniſter v. Altenſtein erhielt er das Dekret ſeiner Beſtallung als außerordentlicher Profeſſor an der Berliner Univerſität zugeſandt. In dem begleitenden Schreiben ſtellte der Miniſter ihm neben der Profeſſur„eine Beſchäftigung in den Bureaux des Mi— niſteriums in Ausſicht, wodurch er die beſte Gelegenheit haben würde, ſich zu der Stelle eines Schulrathes, wenn er eine ſolche wünſchen ſollte, vorzubereiten“. Es war nicht der übliche Weg, auf dem mein Vater in die außer ordentliche Profeſſur gekommen iſt. Aber unzweifelhaft iſt wohl, daß er dieſes Ziel ebenſo ſicher und wahrſcheinlich ſchneller erreicht haben würde, wenn es ihm ſeine Mittel erlaubt hätten, ſich bald nach der Promotion in Berlin oder an einer anderen Univerſität als Privatdozent zu habili⸗ tieren. Durch ſeine Erſtlingsſchrift, die über das gewöhnliche Maß der Diſſertationen weit hinausging, war er in der Berliner Fakultät und in den Kreiſen der Gelehrten ſo gut empfohlen, daß der Habilitation kaum etwas hätte im Wege ſtehen können. Das etwas eigenmächtige Verfahren des Miniſters, das bei den perſönlichen Beziehungen leicht zu mißgünſtigen Deutungen führen konnte, hat man bei der Univerſität meinen Vater augen ſcheinlich nicht entgelten laſſen. Nachdem die wichtigſten Antrittsbeſuche in Berlin erledigt waren, ſchrieb er den Seinen:„Mit der Aufnahme— namentlich von Seiten der mir früher bekannten Profeſſoren bin ich ſehr zufrieden,“ und Bonitz ſagt in ſeiner Gedächtnisrede(ſ. u.):„Die Ernennung zur außer— ordentlichen Profeſſur, ausnahmsweiſe ohne die Initiative der Fakultät er— gt, au 90 e Univer konnte U 1 1 1 18 rd 2 Wirkſamke Au B U J0 eEl H Berlin, den 17. er 1826 0 bes Haus geko n. Freilich wohnt in demſelben nütliche Laune, die Herr v. Meuſebach ſeiner Um ing mitzutheilen ſucht Das kann ſchon deswegen nicht ſeyn, weil Herr v. Nagler durch den ungeheueren Andrang ſeiner Geſchäfte zu ſehr nach auf zetriebe ˖ de Muf lei ſich i iuslichen Kre zu ſamm 6 Nagler iſt ein voll Un u ſcher Gewandheit, Ken Tiefblick in die Verhält⸗ niſſe, geiſtvoll, w gleich oft ſchneidend Urtheil, ohne Anſprüche im täglicher 1 Umgang, freundlich mittheilend, redliche Beſtrebungen anerkennend, wiſſenſchaftliche Forſchungen würdigend. Ich habe das größte Zutrauen zu ihm. Mit zuvorkommender Bereitwilligkeit hat er mir volle Erlaubniß über ſeine ſeltene Bücher- u. Kupferſtichſammlung gegeben Die iſt eine Frau, zu der ich mich ſehr hingezogen fühle Im eine gewiſſe Ruhe, die imponirt Innige Herzensgüte man ſieht Bildung und Urtheil und lebendige Theil u. auch Wiſſenſchaftlichem durchſchimmern. Sie iſt ganz Liebe zu ihrem Sohn, ihrem einzigen Kinde. Da wenn ſich kleine Schwächen in dieſer Rückſicht einfinden. ildſ grundguter, heller Knabe. Er hat faſt ſam aufgewachſen, hat nur die Sonne ein— gehört. Die Eltern haben ihn mit Fleiß entfernt, um ſeine reine, ſchöne, kindliche Seele ſo zu auch kein Verlangen mehr nach ſolchem Umgang. Aber wird die Seele dadurch ſtark? Lernt er, Anſprüche anderer, die ihm als gleich Berechtigte auf gleicher Stufe entgegenkommen, anerkennen und erfüllen? Ich habe ſchon meine zweifel gegen ein ſolches Syſtem der Iſo lirung geäußert. Nun iſt der kleine Mann hier ein kleiner Mittelpunkt eines gewiſſen häuslichen Kreiſes, und dienſteifrig bewegt ſich Vieles um ihn. Das gibt ein frühes Selbſtgefühl, das mit der Zeit ein ſelbſtiſches * werden könnte. Ich lehre ihm das bürgerliche Gehen, und die Kutſche wird ausgeſchlagen, wenn ſie uns angeboten wird für unſere Gänge ie z. B. nach der Eiſengießerei.— Ich darf hoffen, daß die gerade Einfachheit, die ich mir zum Grundſatz im Benehmen gegen ihn gemacht habe, nicht ohne Rückwirkung auf ihn bleibt. Wir ſtecken unſern täg— lichen Spaziergängen gewöhnlich irgend ein Ziel, um etwas Merkwürdiges zu beſehen. Ich führe ihn gern zu den großartigen Denkmälern und Er— innerungen, um Gelegenheit zu haben, ſeine Seele durch das Höhere zu wecken.“ wWecken. n Den 18. December 1826 „Ich habe jetzt glücklich eingerichtet, daß Karl bei Eiſelen Turnſtunde hat, damit er ſich körperlich mehr auslebt Ich ſuche ihn vor allen Dingen auf eine tiefere Schätzung aller Klaſſen der bürgerlichen Geſellſchaft hinzuführen. Dazu benutze ich zugleich das Beſuchen der Werkſtätten und Fabriken, das auch ſeine ganze Lebensanſicht mehr praktiſch machen ſe und über den eigenen engen Kreis hinaus erweitern.“ Frankfurt a. M. den 4. September 1827 „Der Karl iſt ſeit dem 30. Auguſt mit ſeinem Vater verreiſt viel leicht auf 3 Wochen. Der Herr v. Nagler nimmt die Poſteinrichtungen in der Rheinprovinz in Augenſchein. In manchen Sachen kann Karl unter niemandes Anleitung beſſer ſehen als unter der ſeines Vaters. Das Wichtigſte iſt aber gewiß, daß er, der noch nie einen Tag von ſeiner Mutter entfernt war, auf dieſe Weiſe ſich gewöhnt, einmal ohne dieſelbe zu ſeyn (und umgekehrt). Es iſt ein ſchwerer Tag, ſich auf dieſe Weiſe gleichſam geiſtig von der Bruſt der Mutter zu entwöhnen, nicht jedem gleich ſchwer aber für den Karl doppelt ſchwer und doppelt noth Frau den). März 1 0 „Der Ball, deſſen ich im letzten Brief erwähnte, war prachtvoll Glänzend ein diplomatiſches Mittagsmahl am Dienſtag. Ich ſah in der That noch nicht einen ſolchen geſchmackvollen, gewählten Glanz, wie er ſich in den Vaſen und dem ſonſtigen Aufſatz des Tiſches kund that. Die Be trachtung darüber gehörte zum Theil zu meiner Unterhaltung. Denn ein allgemeines Geſpräch ward nicht laut. Die meiſten pflegten ſich an Braten und Wein. Alle Mittwoch Abend iſt offenes Haus. Am letzten waren gegen 70 Perſonen gekommen. Zu Mittag war hier der ſächſiſche Bundestagsgeſandte v. Beuſt und der franzöſiſche reformirte Prediger Appia, bei dem die junge Gräfin Fernemont confirmirt iſt. Ich hörte ihn geſtern predigen, und ſeine Einfachheit war größer als ich erwartet hatte, da ich ſonſt wol den franzöſiſchen Pathos kannte. So gut ich mich in der fran zöſiſchen Sprache erbauen konnte(todt in ſich ſelbſt für mich ſcheint ſie mit immer alles Höhere und Tiefere in die Sprache der glatten Gewandheit hinabzuziehen), erbaute ich mich wirklich. Die lebendige Mutterſprache geht tiefer ins Leben. Ich predige nicht geradezu gegen das Franzöſiren, dem beſonders ſich die Frau Gräfinn v. F. zuneigt. Aber ich untergrabe das Vorurtheil, wo ich es kann, und ſuche nebenher zu zeigen, daß man gewöhn lich nicht weiß, was man am Deutſchen hat. Bei dem Karl iſt mirs ſchon gelungen, ihm ein tieferes Bewußtſeyn des Deutſchen aufzuſchließen. Viel leicht gelingt mirs auch noch etwas bei den Damen, da ich erſucht bin, der jungen Gräfinn einige deutſche Stunden zu geben 5 Frankfurt a. M. den 6. Februar 1828 „Dieſen Abend wurde hier wieder das Haus geöffnet. Die ſchönen Zimmer wogten von ſchöner Welt, und ich fand glücklicher Weiſe in der Ecke noch einen Legationsrath, der mit mir über das alte Teſtament und jüdiſche Geheimlehre philoſophirte. Am 18. Februar ſoll der große Winter ball gegeben werden. Da brennen Pechfackeln vor unſerm Schloß, außer dem großen weiten Saal ſind 6 geräumige Zimmer ſtattlich geſchmückt, hell erleuchtet. 180 Einladungen theils an Familien theils an Einzelne Guſammen gegen 350 Perſonen) ſind ſchon ausgefertigt. Das iſt die glän zende Außenſeite des Lebens, der für mich die Neuheit genommen iſt, die mir aber dadurch etwas lieber wird, daß ich hier und da meinen Kreis der Bekanntſchaft auf eine hübſche Weiſe erweitere. Dieſen Abend ſprach h mit dem Syndikus Curtius aus Lübeck, den ich neulich aufgeſucht hatte. Es iſt ein gar einfacher lieber Mann. Am letzten Sonntag war ich zum franzöſiſchen Geſandten, dem Grafen Reinhardt zu Mittag eingeladen. Es kommen dort am Sonntag verſchiedene Gelehrte, zu dieſen ward denn auch ich geſellt Der Graf Reinhardt iſt von Geburt ein Bürgerlicher, ich glaube aus dem Elſaß.“ Frankfurt a. M. den 22. Juni 1828. „Dienſtag vor 8 Tagen war hier im Hauſe eine große diplomatiſche Feſtlichkeit. Der Prinz Wilhelm nämlich, Bruder des Königs von Preußen, mit ſeiner Gemahlinn, einer geborenen Homburgiſchen Princeſſin und ſeinen Kindern, dann der Landgraf von Homburg und ſeine Gemahlin, Schweſter des Königs von England, dann der Prinz von Homburg, Commandant von Luxemburg, und ein Prinz Solms waren hier zu einem Mittagsmahl. Da legte ich mich denn aufs Beobachten, die Princeß Wilhelm in ihrer edlen Haltung, in ihrer milden, feinen Weiſe, war für mich eine ſchöne Erſcheinung. Bei ſolchen Gelegenheiten ſuche ich denn einmal einen Blick zu thun in die Phyſiognomie der höheren Kreiſe.“ Frankfurt den 7. April 1829. „Der Widerſpruch der Stände iſt uns nur durch die Gewohnheit eine erträgliche Erſcheinung. Was giebt dem einen vor dem andern dieſes Vor⸗ recht eines verzogenen Sonntagskindes?— Gebe Gott, daß wir es nie vergeſſen und im Genuſſe unſere Hand ſtets bereit haben, den Widerſpruch in unſerm Kreiſe nach Kräften auszugleichen. Wie oft denke ich daran, wenn ich in der übermüthigen Fülle des Überfluſſes mit fortgeriſſen werde, wie oft denke ich aber auch daran, daß ich mich ſelbſt nicht verwöhne, dem doch die Gemächlichkeit für die künftigen Jahre noch nicht feſtgeſtellt iſt. Heute war ich zu Mittag bei unſerm Oldenburger Geſandten, dem Herrn von Both, ich Schulmeiſter unter den vornehmen Diplomaten. Im Ganzen ſind die Herrn Geſandten recht artig gegen mich. In den Geſell— ſchaften iſt gewöhnlich ein Legationsrath von Meier, ein Frankfurter, bei der Mecklenburger Geſandſchaft angeſtellt, mein Unzertrennlicher. Es iſt der Überſetzer mehrerer engliſcher Werke z. B. von Irwings Columbus und er hat viele allgemeine wiſſenſchaftliche Theilnahme. Ich hielt mich an ihn auch heute nach Tiſch. Der regierende König von Baiern gab ſeine Ge dichte heraus. Eine eigene Erſcheinung, nicht ohne Gemüth, auch oft nicht ohne Bild und Gedanken, aber meiſtens in unbeholfener Form des Verſes. Seine Epigramme ſind meiſtens ſtumpf. Aber eins ſetze ich Dir her, weil er es wahr iſt. Jede Zuſammenkunft der großen Welt belegt es, aber niemand ſpricht es kahl aus 4 0 Ute Geſellſchaft Was bleibt dir nach dem Schlafen, Ankleiden und Eſſen und Spieler Uein um zu parliren davon. König Ludr Die Gedichte machen viel Aufſehen verſteht ſich beſonders der Perſon wegen. In einem Gedichte beklagt das Loos der einſamen liebeleeren Nonne, in einem anderen das Loos des abgeſchiedenen Mönches ohne Liebe und doch richtet er eben jetzt wieder Klöſter ein: Das iſt der Poet, das der Politiker!“ Unter den vielen intereſſanten Perſönlichkeiten, die mein Vater im Naglerſchen Hauſe kennen lernte, iſt beſonders Alexander v. Humboldt zu nennen, der im Mai 1832 auf der Reiſe von Paris nach Berlin in Frankfurt Herrn v. Naglers Gaſt war. „Am Morgen“, ſchreibt er,„begleitete ich ihn ins zoologiſche Muſeum iſt ein gigantiſcher Geiſt, der die zerſtreuten Enden der Wiſſenſchaften mi⸗ Einem Knoten verknüpft. Mit dem Glanze der franzöſiſchen Dar ſtellungsweiſe verbindet i utſche Gründlichkeit. Seine Mittheilungen ſind ſo klar und tief, und ſein Schatz iſt ſo unerſchöpflich, daß auch die größeren Männer vor dem Eindruck dieſes Mannes ſchwiegen. Während des Eſſens führte er uns nach Chili und China, nach Mexiko und Kam⸗ ſchatka, in die Sonne und auf den Merkur. Alles mit einem leichten Faden gewandt umſchlungen. Alles iſt ihm lebendig und zu einer geiſt reichen Verknüpfung gegenwärtig. Die Anſchauungen der verſchiedenen Zonen mögen wie Schichten in ſeinem Gedächtniß liegen.“ Nach ſeiner erſten Ankunft in Frankfurt ſuchte Trendelenburg ſeinen künftigen Schwiegervater Dr. Becker in Offenbach auf, um ihm Grüße von ſeinem älteſten Sohne in Berlin zu überbringen. Karl Ferdinand Becker, ein vielſeitig gebildeter Mann von hervorragender Geiſteskraft, eigentlich Arzt von Beruf, hatte in ſeinem Hauſe ſeit einiger Zeit immer einige Schotten und Engländer als Zöglinge bei ſich. Durch das Unterrichten angeregt, hatte er ſich dem Studium der deutſchen Sprache und der Gram matik zugewandt, und durch die gemeinſamen wiſſenſchaftlichen und philo— ſophiſchen Intereſſen fühlten die beiden Männer ſich in gegenſeitiger Wert ſchätzung bald eng verbunden. Eines von Beckers Hauptwerken, die„Deutſche Grammatik“ entſtand unter meines Vaters tätiger Anteilnahme. Und in dem gaſtlichen am Ufer des Mains auf dem„Linſenberg“ ſchön gelegenen Hauſe fand er in dem jugendlich heiteren Kreiſe der Töchter und Söhne und in vertrautem Geſpräch mit der Mutter Amalie Becker, einer begeiſterten Verehrerin von Jean Paul, das, was ihm in der ſteifen diplomatiſchen Geſelligkeit fehlte, erfriſchende Wärme für Herz und Ge müt. Oft wanderte er am Sonntag Nachmittags hinüber nach Offenbach 7 oder traf ſich mit der Familie auf halbem Wege im Walde. Den Eltern 1 7 Sch 0 0 11 Eig tart de H ur te konnter ttreue Becker Offenbach“, ſchre n Vater an ein liebſter Umgang. Es iſt Fa den i Gemüth und Geiſt miſchen ſich dort zi ſch ſie meinen Geburtstag erfuhren, n ſe abgelehnt, aber die Einladung erholt. Da war mir denn ein Geburtstac rde eine Bole Punſch gemacht. Es war ſei J t d U G* fei nd zuſe, als der letzte Aufenthalt n nkfurt ſein End ur heißt inen m J a 18 den letzten Tag des treuen alten Jahres, um nock ein auf lange nach alter Weiſe bei Beckers zu ſein. I Ich ging geſtern zu Mittag hin u. ſchon halb u. halb in dem Gedanken, den Abend mit auf einen Ball zu gehen. Am 2ten Feiertag hatte ich eine halbe Einladung zu dem Herrn D'orville in L Offenbach, der einen Ball gab, benutzte ſie aber nicht. Früher hatten Beckers mich oft eingeladen nie hatte ichs benutzt. Dies Mal war es 5 zeſchloſſene Geſellſchaft von 80 Perſonen feie ſilberne Hochzeit eines würdigen Kaufmann— 5 Als es 12 ſchlug, ging bei Tiſche allen das* über. Die W ganze Gegellf ſchaft ging bunt durch einander und herzte und küßte ſich. Der Hofrath Me ſagte dabei treffend, es geht hier zu wie im Himmel. 80 ſaß en n Dr. Becker und Sophie Becker, und die Geſund der Eutiner wurde mir von meinen Nachbaren zwei mal in— 2 zugetrunken. ſogenannten nach Tiſe anz deſto fröhlicher erneuert. Die aus dem—— bildeten mit ihren Wahr ſagerurnen ein s Intermezzo. Ich habe nicht— daß ich auch außer Eutin ſo l tanzen könne Mein treuer Dr. Becker gab mir ein gutes Beiſpiel. Noch um 3 Uhr war ich im Kottillon, um 4 Uhr kaum zu Bette, um 7 Uhr ſtand ich auf und ging ſtille aus dem mir ſo lieb gewordenen Bee ckerſchen Hauſe. Um halb 9 Uhr war ich wieder in Frankfurt, zog mich um, ging in die franzöſiſche Kirche und machte Be ſuche. Der übrige Tag verging im Packen.“ Und am 3. Februar ſchreibt mein Vater an die Schweſter Julie:„Ich habe bei Beckers ſchöne Tage verlebt und mit dem Hauſe Freude und Leid getheilt. Es ſind ſeltene Leute. Wofür man ſorgt, das gewinnt man lieb. Ich habe in mancher Rückſicht freundlich in das Leben des Hauſes ein— gegriffen Bisweilen ſorge ich um das Haus, und manches hätte dort anders und ſchöner ſein können. Aber der Menſch vermag nichts Alles mit ſeinem guten Willen und er muß dem Himmel vertrauen.“ Im Jahre 1831 lernte mein Vater im Beckerſchen Hauſe den De Georg Helmsdörfer kennen, einen jungen Gelehrten, der in Frankfurt jineſiſch und e, und traf ſeitdem häufig mit ihm dort zu imen. Über ihn ſchreibt Ferdinande Becker(vgl. das Mutterbuch S. 60) „Der Vater(Becker) hat ihn ſehr gern, aber im Geſpräch mit dem Va ſt er bald zu Ende. Er iſt ganz Poet und wendet ſich mehr, als in unſerem Hauſe Sitte iſt, an uns, lieſt uns ein kleines Gedicht vor, entweder ſ Uberſetzungen aus dem Perſiſchen oder altdeutſche Lieder von Walter von der Vogelweide.“ Und ſpäter:„Helmsdörfer wird une immer lieber; er iſt garnicht ſtolz und ehrgeizig; ſein Leben und Denken iſt die menſchliche Seele. Durch ſeine reiche, warme Seele und durch ſeinen Blick, mit dem er das Innerſte der Menſchen durchſchaut, bringt er auch das kleinſte Fünkchen Seele derer, die mit ihm in Berührung kommen an' Licht- wir waren geſpannt, wie er und Trendelenburg ſich zuſammen finden würden.— Helmsdörfer war vom erſten Blick ganz für Trendelen burg eingenommen. Mein Vater zog ſich bald zurück. Nicht nur wegen ausgeprägter Gegenſätze in den Naturen des Nord- und Süddeutſchen: der Scharfblick des Herzens ließ ihn bald zarte Fäden erkennen, die ſich zwiſchen Helme 9* 118 waren in der Sti Einer Nieder meine Schweſter Nanna Stahl entnommen.) Helmsdörfer, der eine Anſtellung an der Offenbacher Realſchule fand, und Sophie verlobten ſich 1832, und im nächſten Jahre fand die Hochzeit ſtatt. Eine andere Familie, in der mein Vater in Frankfurt gern verkehrte, war die des Kaufmanns Ferhuven, eines Vetters des alten Profeſſor Buttmann in Berlin. Von den beiden hübſchen und mit ihrem Frank furter Dialekt ſich anmutig gebenden Töchtern heiratete die ältere 1831 den bekannten Baumeiſter Knoblauch in Berlin, den Erbauer vieler Privat häuſer und der Synagoge in der Oranienburger Straße. Mit Knoblauch und ſeiner Frau ſtanden in ſpäteren Jahren meine Eltern in regem freund ſchaftlichen Verkehr. In Berlin trat mein Vater während ſeiner Hauslehrerzeit in freund ſchaftliche Beziehungen zu Fräulein Marianne Saaling, der etwa 40 Jahre alten Tochter eines Hofjuweliers Salomon, deren Schönheit auf dem Wiener Kongreß Fürſten und Könige gehuldigt hatten. Eine„hohe junoniſche Geſtalt“— wie ich ſie auch als greiſe Matrone aus meiner Kind heit in Erinnerung habe lebhaft und von vielſeitigen Intereſſen, nicht frei von„naiver Eitelkeit“, ſo übte ſie auf die männliche Jugend eine ſtarke Anziehungskraft aus. Sie war nach ihrem Übertritt zum Chriſtentum eine eifrige Katholikin, der die Berliner katholiſche Gemeinde viel verdankte, ihre jüngere Schweſter Julie, die ſpätere Mutter von Paul Heyſe, wurde prote ſtantiſch, und die dritte Schweſter, an den Bankier Hertz verheiratet, blieb Jüdin(vgl. Paul Heyſe, Jugenderinnerungen und Bekenntniſſe, 1909). Der junge Ferdinand Becker ſtand Marianne Saaling ſehr nahe „Denke Dir“, ſchreibt er ſeiner Mutter,„das glücklichſte innigſte Verhältniß, das zwiſchen einem jungen Manne und einer älteren Frau beſtehen kann, ein Verhältniß, welches gewiſſermaßen nur von dem mütterlichen und chweſterlick rtroffer d, doch etwas von Beiden hat, und es ſt dieſes.“ ſeinem frühen de beſtimmte Marianne, man ſolle ihr päter neben dem Grabe des Freundes auf dem katholiſchen Kirchhof eine Ruheſtätte bereiten.(Mein Großvater Becker und ſein älteſter Sohn ge hörten noch der katholiſchen Kirche an, die jüngeren Kinder wurden pro teſtantiſch erzogen.) 1834 verlobte ſie ſich mit Varnhagen von Enſe, die Verlobung wurde aber bald wieder gelöſt. Mein Vater ſchreibt über Marianne Saaling am 10. Dezember 1827: Am Abend meines Geburtstages war ich in engen, ſtillen Kreis einge bei dem Fräulein Saaling, einer neuen hübſchen Bekanntſchaft dieſes ters Das Fräulein Saaling iſt die Schwägerin eines meiner ge naueren Bekannten, des Dr. Heyſe, Privatdocenten an der hieſigen Uni⸗ verſität. Durch ihn oder eigentlich durch Roſen aus Dettmold bin ich bei dem Fräulein Saaling eingeführt. Sie iſt eine ſehr gebildete Dame zwiſchen 0 und 40 Jahren, voll Lebendigkeit und Eigenthümlichkeit. Sie reiſte früher viel, war zur Zeit des Congreſſes in Wien, lebte dort in den erſten Kreiſen, war dort mit dem portugieſiſchen Geſandten verſprochen, der ſie, als er ſie, eine Jüdinn von Geburt, zur Katholikin gemacht hatte, verließ, u. lebte dann in Frankfurt a. M. wo die Frau des angeſehenen Banquier Hertz ihre Schweſter iſt und die Baronin Rothſchild(aus Neapel) ihre Nichte. Dies alles mag abentheuerlich klingen, da Ihr mit Jüdinnen u. Rothſchild eine eigene Vorſtellung verbinden mögt. Ich kann Euch aber verſichern, daß das Fräulein Saaling, obwol eine getaufte Jüdinn, gewiß eine ſehr hübſche Chriſtinn war und eine wohlthätige liebenswürdige Chriſtinn noch iſt.“ Und am 11. Juni 1831:„Schrieb ich Dir ſchon, daß ich bei Fräulein Saaling Theodor Körners Handſchrift ſah? Sie lernte ihn 1810 in Carls— bad kennen, ſie rüſtete ihn mit 2 andern Damen in Wien aus, ihr ſchickte er zuerſt ſein Leier und Schwert, ſie ſchrieb ſie zum Druck ab, ſie erhielt noch einen Brief von ihm, geſchrieben am 25. Auguſt 1813, am Tage vor ſeinem Tode. Der Schluß dieſes Briefes lautet:„Leben Sie wohl, es geht zum Todestanze.“ ie bewahrt noch einen Talisman auf, den ſie ihm ins Feld mitgab und den ſie von ſeinem Blut getränkt zurück erhielt.— Es iſt eine ſchöne edle Seele, und, da das unerbittliche Leben mit ihr von Anfang an in Widerſtreit trat, ſo verklärte ſie ſich im Kampfe wie zu einer tragiſchen Geſtalt. Ich habe dieſen Sommer mehrmals Gelegenheit gehabt, die Bewegungen ihres Herzens, das im Stillen noch immer an dem Wider ſpruch des Lebens blutet, wahrzunehmen, und es hat mich immer mit einer wehmüthigen Theilnahme erfüllt.“ — Auf einer der vielen Hin- und Herreiſen zwiſchen Berlin und Frankfurt konnte mein Vater in Weimar das früher Verſäumte nachholen, er ſah Goethe. Er ſchreibt am 23. Januar 1828: „Die größte Freude der Reiſe war am folgenden Tage ein Geſpräch mit Goethe. Ich hatte wenig Muth zu Goethe zu gehen. Aber die Um⸗ ſtände auch der Herr v. Nagler ermunterten mich. Goethe nahm — nich ſehr freundlich auf, ſprach ſehr hübſch über Tiſchbein und ſein Leiden ſprach über den Karl, der am Morgen mit dem Herrn v. Nagler bei ihm 8 geweſen, ſprach ſehr theilnehmend über Frankfurt, ſeine Vaterſtadt. Vom Karl ſagte er treffend:„‚Er nähme ſich ſchon jetzt ſo klar und beſtimmt, daß man nicht wiſſe, wie er ſich nehmen würde, wenn er erwachſen.“ Er berührte im richtigen Schlag den rechten Punct, den guten und ſchlimmen zugleick Goethe's ſchönes Geſicht ſpricht in allen Zügen eine reiche Vielſeiti Es iſt, ſo zu ſagen, ein durchgearbeitetes Geſicht. Ich erinnere mich nicht eines ſo ſchön gehobenen Schädels. Ueber das Ganze iſt eine milde Heiter keit ausgegoſſen. Es wird mir immer anregend bleiben, den Mann ge ſehen zu haben, der in der Poeſie der harmoniſch vollendetſte, vielſeitigſte Meiſter und in der Wiſſenſchaft einer der umfaſſendſten, ſchaffendſten Deutſchen iſt. Auch war mir die Bekanntſchaft, die ich mit dem Dr. Eckermann machte, ſehr lieb. Eckermann iſt faſt täglich um Goethe u. theilte mir viel Hübſches von ihm mit.“ In der Enge des Poſtwagens fand ſich meiſt eine bunte, oft ganz intereſſante Reiſegeſellſchaft zuſammen, die ſich durch lebhafte Unterhaltune Die an Der 8 u U rauck noch auf andere Weiß Ein Berlin Kaufmann rte in einem eleganten Etui einen Floh an einer goldenen Kette mit, den er zweimal am Tage auf ſeiner Hand fütterte. Im Frühling 1827 begleitete mein Vater Frau v. Nagler und den Knaben auf einem Ausflug nach Heidelberg, er freute ſich an der Blüten pracht der Bergſtraße, beſuchte in Heidelberg die Witwe von Johann Heinrick Voß und ſchickte ſeinem Vater zur Erinnerung an die Studienzeit ein Bild von Heidelberg und einige Efeublätter von der Schloßruine. Im Juli desſelben Jahres gab ihm Herr v. Nagler Urlaub zu einer Rheinreiſe, verſah ihn dazu auch mit Geld und Empfehlungen an höhere Poſtbeamte. Mein Vater dehnte die Reiſe bis Köln und Trier aus In Bonn beſuchte er Niebuhr, Welker, den Ariſtoteliker Brandis, mit dem er dann dauernd in wiſſenſchaftlichem Briefwechſel ſtand, und Ernſt Moritz Arndt, den Mann,„der einſt in den Jahren der franzöſiſchen Zwing herrſchaft durch ſeinen„Geiſt der Zeit“ ein ganzes Volk begeiſterte, jetzt aber, da es wieder kühl geworden, als zu aufregend von ſeinen Vorleſungen entfernt iſt“. In Trier kam er ſich faſt wie ein römiſcher Triumphator vor, als er in dem mit vier Schimmeln beſpannten Wagen durch die Porta nigra einfuhr. Es wird hier das einzige Mal geweſen ſein, daß ſich mein Vater an dem Anblick antiker Bauwerke erfreuen konnte. Seine Gedanken welt war auf dem klaſſiſchen Altertum aufgebaut, dieſem galt ein großer Teil ſeiner Lebensarbeit. Italien,„das ihm oft wie ein Land der Ver heißung im Hintergrund ſeiner Gedanken ſtand“, hat er niemals geſehen. Ich habe es immer lebhaft bedauert, wenn mir unverdient die Sonne Homers in Italien und Griechenland geſchienen hat Im September 1829 ging meines Vaters ſehnlicher Wunſch, di Eltern und Schweſtern wiederzuſehen, nach dreijähriger Trennung endlich — in Erfüllung. Er reiſte nach Eutin mit einem Umweg über Oldenburg Bre S rMe nn Chriſtel Ki uck le zehn ſchi Tage 0 1H J edelte die Brd Fer T te 1 ch Genf ũ + Mein V 1 1 auf n Reiſemarſck 1be n und ſeinen Zögling ging über Freiburg, Bern, Lauſann iach zu den Gletſchern des Montblanc und üb 1 d ſchloß ſich an Reiſeerlebniſſen während der aufgeregten Zeit des Pol r Choleraepidemie erzählt mein Vater Berlin den 6. April 1831 R tellpof intereſſanter als j fran che Chirur e ſin iach z Franzoſe, der ſick r den le P Uant; der franzöſiſchen Legion i Belgien ausgab, und ein Spanier, das Gegenſtück der luſtigen Franzoſen, in Abſolutiſt im Gegenſatz der freiheitſchwindelnden Liberalen, ein Mann, dem die Franzoſen nachſagten, daß er gerades Weges von Karl X in Holyrood komme und mit deſſen Zurückführung beſchäftigt ſei. Ein buntes Gemiſch! Da konnte man Franzöſiſch üben. Mein franzöſiſcher Aerger erwachte mit oppelter Fl aber zugleich eine gewiſſe bewundern nswü ytigkeit. Es iſt wahr, daß ſich jeder Franzoſe für ünftigen Napoleon hält. Gott verhüte, daß dieſe Nation liebens rdiger Narren nicht wieder unſer Vaterland betrete! In Polen AR 6.3 Wer als Preuße geſchehen Wunder der Tapferkeit und der Volksbegeiſterung. veiterb kann nicht mit neidloſer Freude das Große geſchehen ſehen. 9366 Die zweite Schlacht bei Grochow beſtätigt ſich. Der polniſche Sieg iſt unglaublich. Es iſt etwas Großes im polniſchen Kampf. Aber wegen Preußens und Deutſchlands Zukunft kann man ſich über das ß nicht ungetheilt freuen. So geht es den Völkern, wenn ſie kein gutes Gewiſſen haben.“ Berlin den 22. April 1831. „Ich hörte, daß Vater tüchtig gegen die luftigen Franzoſen ſpricht, in deren Händen die Sache der Freiheit und de Rechts übel berathen iſt. Ich freue mich, daß ich darin Dein guter Sohn bin, lieber Vater. Meine bunte franzöſiſche Reiſegeſellſchaft hat ſich hier einer gehörigen Prüfung unterwerfen müſſen. Die angeblichen Aerzte haben Recepte ſchreiben müſſen, und nur zwei beſtanden dieſe Probe. Der Vicomte de Pontecoulant ſteht 8 1 wegen ſeines falſchen Paſſes noch unter polizeilicher Aufſicht. Er ſoll in ſeinen Stiefeln Anweiſungen und Patente als General oder dgl. geführt haben. Die Uebrigen ſollen zurückgewieſen ſeyn und mögen einen anderen W Weg verſuchen.“ Über die politiſch kurzſichtige Polenbegeiſterung heißt es dann in einem Brief aus Frankfurt vom 24. Januar 1832: „Vor 8 Tagen weckte uns zwiſchen 1 und 2 Uhr Feuerlärm. Da ich auf die Zeile kam, ſchlugen die Flammen von 4 Häuſern zum Himmel. war ei ein ſchöner dazu eu di K in d Maſſo ihoe treihen Ich roeicht Waſſerreihe zu treiben. Ich reich zu und ließ mich naß gießen. Dann d kühn Löſchanſtalten mit Freuden an ers He ward, nach 2 kleinen Stunden in k. A Aber 3 N A1K 8 vorher waren hier Polen auf ihrer h angekommen Sie waren die erſten auf dem Pl zten in das der brennenden Häuſer und retteten iner ſchon von Flamme bedrohten Stube. Dieſe ſteigerte den Enthuſiasmi für die Polen. In den letzten 8 Tagen kamen hier gegen 800 polniſche Offiziere durch, und man ſpricht von vielen Tauſenden von Gemeinen, die folgen ſollen. Sie ſind zum Theil von der Amneſtie ausgeſchloſſen, zum Theil nehmen ſie dieſelbe nicht an. Wer möchte ihrem Unglück Theil nahme und ihrer Hülfsbedürftigkeit Unterſtützung verſagen? Aber ich hab den Strudel der Begeiſterung an mir vorbeigehen laſſen. Es wird den unglücklichen Polen in Frankreich die Sonne nicht lächeln! Dieſe Pe könn m He ihre Hoffnung zur Wiederkehr in ihr Vaterlar Sie werden die unruhige Parthei in Frankreich vermehren. Sie werden vielleicht über Kurz oder Lang in den Reihen der Feinde Deutſchlands wieder erſcheinen.“ Ebenſo urteilte mein Vater über die Polenfrage, als Bismarck 30 Jahre ſpäter Rußland bei der Unterdrückung des Polniſchen Aufſtandes behilflich war und deshalb von den liberalen Parteien angegriffen wurde. Am Februar 1863 ſchrieb mein Vater an mich nach Schottland:„Die * polniſchen Dinge ſind allerdings ernſt. Die Engländer haben leicht die * 1on-intervention von ihrer meerumfloſſenen Inſel predigen. Bei uns heißt es: tunc tua res agitur, paries quum proximus ardet!(Dir gilt es, wenn die Wand des Nachbars brennt.) Will Preußen nicht das Blut der deutſchen Bevölkerung in Poſen aufs Spiel ſetzen, ſo muß es vorkehren. Ob es ſich in der Convention mit Rußland zu weit für dieſen Zweck vor gewagt, läßt ſich aus den unkritiſchen Gerüchten nicht beurtheilen; doch iſt es möglich. Unſerm lauernden weſtlichen Nachbar geht ein ück ſeiner politiſchen Pläne und ſeiner politiſchen Macht verloren, wenn ein nationaler Aufſtand mißlingt; denn auf ſolche ſpeculirt er. Daher wird alles darauf ankommen, ob die Sache in Polen ſchnell zu Ende geht. Es ſieht faſt ſo aus, da Waffen fehlen und Senſenmänner auf die Dauer nicht aus reichen. Wenn ſich die Sache hinzieht u. vielleicht durch allerhand Grau ſamkeit die Sympathie Europa's für Polen wächſt: ſo könnte eine ſchlimme Verwicklung mit dem ſchürenden Frankreich entſtehen. Das iſt die Gefahr für uns.— Sollte man Dich in Schottland wegen Polen interpelliren, ſo erinnere die Frager an Irland, das noch ein wunderer Fleck in der engliſchen Geſchichte iſt.“ Frankfurt a. M. den 19. Oktober 183 „In Hannover brachte ich den Abend bei Dahlmann zu, der bei den Landſtänden als Abgeordneter der Stadt Göttingen zugegen iſt. Wir zurden nach und nach recht warm, denn des Mannes nachdenklicher Ernſt heiterer und lebendiger zu werden. Ich freute zemäßigten umſichtigen Manne manchen Anſichten zu be zegnen, die man mir eben noch in dem freigeſinnten Kiel verketzert hatte Vor 3 Jahren hatte ich Dahlmann nur in einer flüchtigen Viertelſtunde zeſehen, jetzt war mir's vergönnt, das alte Verhältniß wirklich wieder an zufriſchen. Es war eine ſchöne Zugabe zur Reiſe. Noch in Göttingen nkten die Nachrichten über die Quarantaine, die an der Heſſen zen Grenze angeordnet ſein ſollte. Glücklicher Weiſe war ein hr verſtändiger Mann im Eilwagen, dem, wie mir, daran lag, einen ſicheren Weg zu gehen. Es war ein Hauptmann der Hannöverſchen Garde, Freiherr Langwerth von Simmern, im Rheingau anſäſſig. Wir fanden uns zuſammen u. führten einen Operationsplan glücklich durch. Wir ver— ließen den Eilwagen in Münden tief in der Nacht u. ließen einen unter⸗ nehmenden Miethskutſcher kommen. Dieſer gab uns einen Weg an, auf dem wir, ohne Kaſſel zu berühren, Diſſen, die Station auf der anderen Seite von Kaſſel erreichen würden, und wahrſcheinlich früh genug, um des ſich in Kaſſel etwas aufhaltenden Eilwagens noch wieder habhaft zu werden. Der Weg ging durch eine Fuhrt der Fulda. Es wurde friſch gewagt, da das Waſſer ziemlich niedrig ſtand. Wie war aber die Be— ſcheinigung zu erlangen, daß wir Kaſſel nicht berührt hätten? Denn dieſe war am Ende nöthig. Mein Reiſegefährte wußte, daß die Bauernvögte ort Greben genannt, ſeit der neuen Heſſiſchen Conſtitution Amtsſiegel be— ſäßen. Wir fuhren daher in zwei Dörfern vor, ſchrieben uns ſelbſt unſer Zeugniß auf unſern Paß, u. ließen es von den Greben unterſiegeln, die für die Ehre weiter keine Schwierigkeiten machten. Wir kamen durch die Fulda glücklich durch u. erreichten nach einigen kleinen Fatis Diſſen gerade in dem Augenblick, als der Kaſſeler Eilwagen vorfuhr. Der Poſtmeiſter ſchrieb uns noch ein. Ich war mit meinem Hauptmann in Freude u. Leid verbunden, u. fand in ihm einen netten Mann.— Unſer Italiener lein anderer Mitreiſender) hatte ſich nicht ſo raſch entſchloſſen, wie wir, u. mußte nun zu großem Ungemach 5 Tage in Marburg bleiben, ehe er im Darm ſtädtiſchen zugelaſſen wurde. Wir ſind für unſer Abentheuer belohnt u. ohne Weiteres in Gießen zugelaſſen.“ U U U Nach ſeiner Rückkehr aus Paris bezog der junge Profeſſor eine kleine Wohnung in der Jägerſtraße Nr. 15 unweit der Friedrichſtraße, Treppen hoch,„bei einem kleinen puckligen Bauinſpektor, einer ſtaubigen aber nicht geizigen Seele“, und ſeiner häßlichen Gattin. Frau v. Nagler ſtattete die Zimmer mit einigen hübſchen, in unſerer Familie noch jetzt er haltenen Möbeln aus ſeiner früheren Stube aus und verſorgte die Fenſter mit Gardinen. Mit dem Naglerſchen Hauſe blieb er in naher Beziehung. Die Eltern legten Wert darauf, ihrem Sohne den Einfluß des Verkehrs mit ſeinem früheren Lehrer noch für einige Zeit zu erhalten. Mein Vater erteilte dem jungen v. Nagler, der Jura ſtudierte und beſonders bei Savigny e hörte, in der erſten Zeit meiſt Eine Unterbre die der junge land und Schottland unternahm. ſten eſer dann e Einjährig-Freiwilliger bei den Garde-Ulanen Referendar am Stadtgericht ein. Um dauernd leben zu können, ließ ſich der Vater Nagler jetzt aus Frankfurt a. M. al berufen und beſchränkte ſich auf die Stellung als Generalpoſtmeiſter. 1836 wurde er in das Staatsminiſterium berufen Das weitere Leben des jungen Herrn v. Nagler entſprach nicht den Erwartungen, zu denen ſeine Begabung und ſeine ſorgfältige Erziehun zu berechtigen ſchienen. Im Jahre 1839 ging er als Geſandtſchaftsſekretär nach Rom, und in ſpäteren Jahren lebte er als Privatmann(?) in Paris Beſonders nach ſeiner Verheiratung löſten ſich allmählich die perſönlichen Beziehungen zu ſeinen nächſten Verwandten und auch zu ſeinem früheren Lehrer. N 5 preußiſchen Geſandten in Brü St rt ur Nünchen) Graf Secken dorf. Sie wurde 1858 Witwe. Zwiſchen der feingebildeten Frau, die gelegentlich mit lebhaftem Intereſſe an den Unterrichtsſtunden und Vor trägen im Naglerſchen Hauſe teilgenommen hatte, und meinem Vater blieb das Verhältnis gegenſeitiger Hochſchätzung und freundſchaftlicher Geſinnung dauernd beſtehen. Mit dem Sommerſemeſter 1833 begann mein Vater ſeine Vorleſungen, deren Ausarbeitung ſeine ganze Zeit in Anſpruch nahm. Am 17. Mai be ſtieg er, von der Hochzeitsfeier ſeines Freundes Ferdinand Becker kommend, zum erſtenmal das Katheder. Sein erſtes Kolleg, das das Leben und Syſtem des Ariſtoteles behandelte, war von 12— 15 Zuhörern beſucht „Die Fächer“, ſchreibt er am 28. Juli,„ſind zum Teil überfüllt. Wir pflanzen unſer drei die Fahne des Ariſtoteles auf; als ich ſtudirte, la Niemand darüber; wir bieten unſer drei Geſchichte der Philoſophie aus doch beides in verſchiedener Beziehung. Unter ſo bewandten Umſtänden iſt es ſchwer ſich Bahn zu brechen.“ Ein Jahr ſpäter kann er den Seinen n N B aber ſchon von 40— 50 Zuhörern in dem Privatkollegium über Geſchichte der Philoſophie chriſtlicher Zeit berichten.„Ich mußte mein Auditorium wechſeln, weil das zuerſt gewählte zu klein war. Mein Ariſtoteles macht f˖ weniger Glück. Die Philologen wollen lieber Dichter als Philoſophen leſen, wollen lieber die Blüte mit ihren Farben als den Kern mit der Schale.“ Im Winterſemeſter 1834/35 iſt in der Geſchichte der Philoſophie die Zahl wiederum geſtiegen, unter ihnen ſind eine Anzahl Juriſten, einige Mediziner und ſogar ein Leutnant. Eine ſolche Ausdehnung hatte er ſich gewünſcht „Denn philoſophiſche Vorleſungen ſollen eben durch ihre allgemeinen Begriffe in alle Fächer lebendig eingreifen.“ Seine Vortragsweiſe war in einem Trendelenburg, Familiengeſchichte 11 jſegen Hegel gerichteten zeittungsart llobend 2 und nur halb wahr Vortra K 8 4 rR nose icht rei Jvom Hefte be te, habe ich mir noch nicht aneignen ke 168 17** ‚ No 5 kost es mit jed ieſter beſſer geht.„Beredſamkeit“! darf loſophiſchen Vorträgen nicht einmal wünſchen, ruhige Begründung bleibt zi er Artikel kann leicht Gegenartikel hervorrufen, und es iſt beſſer, ſtill zu wirken, als ein ſchimm Spielball der Parteien weitere Erfolge in der akademiſchen Laufbahn ſchlug ihn herantretende auf Abwege führende An ie Direktorſtelle am Gym— Schulze in Vorſchlag gebracht kaglerſchen Hauſe, ine Oldenburg an⸗ geboten worden. J iner 9 iz bei ſeinem Landesherrn, dem Groß herzog, in Frankfur er dieſem die Gründe ſeines Ablehnens freimütig auseinandergeſetzt.„ In dem Erbgroßherzos würden alle den künftigen Herrn früh verehren, und der Erzieher ſei beſtimmt, in ihm nur den Menſchen zu ſehen. Das gebe eine zu ſchwierige Stellung. Er zweifle, daß n zweiten Male und dazu in einem ſo viel 15¹ doe De Soine Weiſe ſein 11 Seine Weiſe und ſeine ex 11 mr 5u Cote tehen wur für das Leben am Hofe nicht geſchaffen.“ zu der Ausarbeitung der Kollegienhefte in den erſten Jahren ſeiner kademiſchen Lehrtätigkeit kamen für meinen Vater die Arbeiten, die ihm ium üb zen wurden, Gutachten über wiſſenſchaftliche jt un egutachtung von Verordnungen in Schul— freute ihn,„wenn dann einige Gedanken angenommen Leben verpflanzt wurden“. An ſeiner eigenen allſeitigen Fortbildung arbeitete er auch als Pro— feſſor in alter Weiſe weiter. Er hörte bei Seebeck Optik und Akuſtik, ein Kolleg über orientaliſche Mythologie bei Stuhr und eine Vorleſung über die Antiken des Berliner Muſeums bei Gerhardt, einige Jahre ſpäter Phyſiologie bei Johannes Müller. Von wiſſenſchaftlichen Arbeiten erſchien 1833 als Programmſchrift zu zrofeſſur die Abhandlung de Aristotelis categoriis und bald darauf iche Kommentar zu Aristoteles de anima, die Frucht jahre— ̃ tahem perſönlichen Verkehr ſtand mein Vater in dieſen mit Hellwing(ſ.o. S. 142), der 1834 ebenfalls außerordent— licher Profeſſor der Univerſität wurde. Der gemeinſame Mittagstiſch, dem oft ein Plauderſtündchen bei einer Taſſe Kaffee folgte, führte die beiden Junggeſellen täglich zuſammen. Nicht ſelten trafen ſie ſich bei dem Sprach— forſcher Profeſſor Heyſe und ſeiner Frau, den Eltern von Paul Heyſe (ſ. o. S. 155). Größere Geſelligkeit bot ſich meinem Vater im Hauſe des Bankiers Abraham Mendelsſohn-Bartholdy, bei v. Meuſebachs war er ein gern geſehener Gaſt und bei v. Naglers fand er ſtets ſehr liebens— ter jm che ul⸗ en O⸗ ein die gie zu auf re⸗ würdige ufnahme die hiſtoriſch wünſchte, daß der Himmehe grund ſeines mer ältniß und Hinter ns erhalter früher, 9 5 1* Iid— gelegentlich einen Blick in Soiree zu Ehren des Kaiſers Nilk he Er ſcheinung und vornehme 5 1 4 Im Jahre 1834 ſchwer betroffen. Am 12. Februar ſtarb Schleiermacher. Auf die Anſprach che, die mein Vater unter dem friſchen Eindruck der Trauernachricht an ſeine Zuhörer richtete habe ich ſchon hingewieſen(S. 139). Hier möchte ich die Rede einfügen, die er über 30 Jahre ſpäter bei der Feier von Schleiermachers hundert jährigem Geburtstag am 21. November 1868 in Berlin gehalten hat. „Als Schleiermacher ſtarb, trauerten an ſ ſchaften: die Theologie, die Philoſophie, die ſeine Heimat. Grabe drei Wiſſen und volle fruchtbrin de Kraf nes ſt rſt na inem Tode er kannte, denn ſeine Dialektik u thik, ſeine Pädagogik und ſeine Politik, ſeine Pſychologie und ſeine Aſthe Zuhörern bekannt, erſchienen erſt aus ſeinem Nachlaſſe. Aber groß und vielſeitig war ſchon damals ſeine Wirkung auf dem Gebiete der Philoſophie. In ſeinem Heraklit, den er aus Bruchſtücken zum Ganzen fügte, ähnlich wie der Künſtler in aufgefundenen Fragmenten das Götterbild erſchaut, freute er ſich an dem Widerſtreit und der Einigung der Gegenſätze, die das Leben der Welt ſind. Früh feſſelte ihn Plato, den die Alten den Homer unter den Philoſophen nennen. Er verwandelte ſeinen Geiſt in den griechiſchen, um aus dem Quell das Urſprüngliche zu ſchöpfen; und den griechiſchen Geiſt verwandelte er in den deutſchen und ſchenkte den Deutſchen in tiefem und feinem Verſtändnis einen Plato, wie J. H. Voß den Homer. In der Einleitung beſchrieb er Platos heuriſtiſche Methode des gemeinſchaftlichen Suchens und des gemeinſchaftlichen Findens Es war dieſelbe Kunſt, die Schl. übte, durch die er die jugendlichen Geiſter an ſich zog, in der es noch niemand ihm gleichgetan hat. Es war ein großer Schritt in der deutſchen Ethik vor Schl. geſchehen. Im Gegenſatz zu der aus England und Frankreich in die deutſche Denkart eingefloſſenen Glückſeligkeitslehre, einer laxen Moral, hatte Kant die ſtrenge Pflicht, die Pflicht um der Pflicht willen, dieſelbe Pflicht, die Friedrich der Große der Ordnung ſeines Staates einprägte, in der praktiſchen Philoſophie zur letzten Macht er— unbd den kategoriſchen Imperativ der Vernunft wie in eherne Tafeln gegraben. Aber wir erinnern uns, wie dieſe Moral, ungeachtet des männlichen Geiſtes, mit dem ſie die Nation ergriff, in tiefen lebendigen Geiſtern der Zeit, wie in Schiller, den Eindruck des Harten, Starren, Kalten zurückließ. Die ſchnurgerade Formel des Allgemeinen er— ſchien eintönig und einförmig und hatte die Empfindung gegen ſich. Da 11 8 eſetzte l, auf dem unverlorenen Grunde d ieinen die des tümlichen, und ſetzte das in der Wiſſenſchaft verkannte Eigentümliche in ſein Recht ein, das Eigentümliche, i—— ſondern es geſtaltet und perſönlich r Perſönlichkeit, in der Kant den Selbſt icham in künſtleriſcher Anſchauung. 2 ſieht, da ſieht er ethiſche Vollendung. ine ethiſche Anſicht ſpiegelt ſich in der in der Wiſſenſchaft darauf hält, zu binden, ſo verbindet er Ganzen. Ein Glied, Eine jnlichen ber das Gewöhnliche zu erheben. Schl einigte Entgegengeſetztes! wir meſſen daran den Umfang ſeiner t ffender Geiſt und empfänglich Sinn; umfaſſende Begabung für das Allgen ine und doch tiefe Ergründung in einzelnen Forſchungen; ſprudelnde witzige Beweglichkeit der Gedanken, mit der er das freie geſellige Leben würzte und die in fröhlicher Laune auch im Kleinen ſich umtrieb, und wieder die ruhig hinſtehende, geſammelte Betrachtung, die das Große und En ſucht; Scharfſinn der Kritik und Tiefſinn der Kontemplation; Dialektik des hinüber- und herübergehenden Denkens und ein ſtiller Zug d zum Urbildlichen; von ſeinem Plato genährt und im Chriſt lichen ſelbſt mit deutſchen Myſtik verwandt; in ſich arbeitender Gedanke und doch klare, künſtleriſch gebildete Sprache in der Mitteilung; theoretiſche Größe und geſtaltende Kunſt im Praktiſchen; Beſchauung und was dem Beſchaulichen ſelten beiwohnt, furchtloſe Tat, furchtloſe Tat wie zur Zeit des fremd en Zwingherrn, daß Schl. ſelbſt von edlem Stahl andre ſtählte. Dieſe vielſeitige und doch immer mit ſich einige Lebendigkeit des Geiſtes var der Zauber, mit dem er auch entgegengeſetzte Naturen an ſich feſſelte. So ſtellt Schl. die Idee des Ganzen in ſich dar; ſo iſt er eine große ungeteilte Geſtalt: ein Individuum. Wenn wir in der Geſchichte der Philoſophie den Sokrates vortragen, dann ſuchen wir zu zeigen, wie ſeine Lehre und ſein in ſtarker Einheit gefaßtes Weſen dieſelben waren, und wenn wir Schl. darſtellen, dann heben wir in ihm dieſe ſokratiſche Über— einſtimmung hervor. In ihr war er der berufene Ethiker, in ihr der be— rufene Bildner der Wiſſenſchaft. So ſteht der Mann vor dem Auge unſrer Erinnerung. Gehe ſein Bild halten, gehe ſein Werk fruchtbar auf die kommende Zeit.“ Und am 22. Juni verſchied nach kurzer Krankheit, etwa ein Jahr nach ſeiner Verheiratung, Ferdinand Becker, aus einer vielverſprechenden Wirkſamkeit als Arzt und als Privatdozent in der Blüte der Jahre heraus— geriſſen. Meinem Vater fiel die mühevolle Aufgabe zu, den Nachlaß des Freundes zu ordnen. Der Vater Becker kam dann nach Berlin, um die zarte, der Ruhe und Pflege ſehr bedürftige junge Witwe in ſein Haus abzuholen. Es war ein trauriges Wiederſehen.„Das Unglück hat uns — inniger vereinigt“, ſchrieb mein Vater. 13 ES Gefühls hock hgeh kach Beginn der Herbſtferien 34 reiſte mein Vater zu ſeinen Eltern und Schweſtern nach Eutin. Es war das letzte ungetrübte Zuſammenleben en Seinigen Denn im Winter fingen beide Eltern zu kränkeln an, ſo daß er ſchon zu Weihnach Sorgen erfüllt war. Als der Zuſtand Beider ſich verſchlechterte, unternahm der treue Sohn im April 1835 noch K einmal die beſchwerliche Reiſe, konnte dieſes Mal aber nur zu kurzem Kranken 8 beſuch verweilen. Der Vater ſtarb am 16. Mai. Die Mutter konnte vor ihrem Tode noch an der Verlobung des ynes erfreuen. Mit den Eltern Becker hatte mein Vater während der zwei Jahre ſeit ſeinem Fortgang von Frankfurt gelegentlich Briefe gewechſelt. Nach dem Tode von Ferdinand ſchickten ihm die Töchter und die junge Witwe zum Dank für ſeinen Beiſtand zu Weihnachten einen gemeinſam geſtickten Teppich. Von der Liebe für die jüngſte Tochter Ferdinande, die er im Herzen trug, hatte er in ſeiner großen Gewiſſenhaftigkeit bisher niemandem etwas anver traut. Er hätte es für unrecht gehalten, die Braut an ſich zu binden, ehe er ein ſicheres Fundament für das eigene Haus unter den Füßen hatte. Jetzt konnte er dieſe Bedingung als erfüllt anſehen. Er folgte der Einladung Hochzeit von Minna B ie ſich mit Dr. ſtian P burg, ſpäter Dire im 30.Sey tember 1835 reichten ſich unſere Eltern die Hände zum Lebensbunde Den Eltern Becker war ein langgehegter Wunſch in Erfüllung ge gangen, mit inniger Freude begrüßten ſie den vertrauten jungen Freund als Schwiegerſohn, die Mutter in ihrem lebhaften Temperament mit faſt ſchwärmeriſcher Begeiſterung. Leiſe Bedenken hatte ſie nur, ob die Eutiner Familie mit der Wahl einer mit Glücksgütern ſo wenig bedachten Braut zufrieden ſein könnten. Mein Vater ſchreibt ihr darüber am 12. November: „Es habe Dir, ſchreibſt Du, viel Freude gemacht, daß meiner Familie die Sache ſo recht ſei und daß niemand daran denke, ich hätte eine glänzendere Verbindung eingehen können. Mutter, Mutter, was ſchreibſt Du da? Sieben Jahre lebte ich in einer Atmoſphäre, wo man mehr von Parthieen ſprach als von Liebe, mehr von Ehre als von Verdienſt, mehr von Geld als von Arbeit u. Erwerb. Ich würde glauben, von dieſer Atmoſphäre gelitten zu haben, wenn ich andere Gedanken gehabt hätte als die Liebe, weil ich liebe. Wir leſen täglich das Evangelium. So ſollen wir vor allem den Spruch verſtehen: wo unſer Schatz iſt, da wird unſer Herz ſein. Wehe, wenn der Schatz im Geld und Glanz ſteckt. Wenn nicht das Schönſte einen Werth in ſich haben ſoll: ſo giebt es nichts Höheres mehr auf dieſer Welt. Zweihundert Thaler, die wir uns ſelbſt ſparen, werden uns lieber ſein als tauſend einer Mitgift. Mein Vater hat auch ohne Ausſicht auf Vermögen gewählt. Ihm hat nie gefehlt, was Noth war; u. der Himmel iſt mit uns geweſen. Mein Vater hat nie viel mit mir über eine künftige Verbindung geſprochen obwol er ſie wünſchte, ſehnlich wünſchte, wie mir meine Schweſtern verriethen. Aber das hat er immer auf das Ent ſchiedenſte von ſich gewieſen, wenn jemand von reichen oder glänzenden Parthieen ſprach. Ich danke es ihm, und was Ihr, liebe Eltern, für uns thun werdet, das danke ich ſo Euch doppelt.“ ſich Mutte Tagen des Zuſammen⸗ eber dem Mutterbuch kennen die tief zriefe der beiden Verlobten aus der Zeit des Get wi Krankheit und den Tod der Mutter Trendelenburg war, die Braut kennen 7 in Berlin die nicht mehr ſei. Zur Beerdigungs⸗ ſpät angekommen, was dort nun zu erledigen veſtern ſchon bei ſeinem letzten Beſuch vor 5 i an ſeinem früheren Plane feſt— Weihnachtszeit zu ſeiner Braut zu reiſen rung des fröhlichen Hochzeitsfeſtes am 4. April 1836, Alee zulernen Am unermartet Unerwartete Breier mit viel Humor in ſeinem Tagebuch niederge⸗ uns das Mutterbuch. Auf der Reiſe nach ihrem neuen in der Marienſtraße) ſah das junge Paar dann mit Staunen zum erſtenmal einen Eiſenbahnzug fahren. Es war auf der kürzlich er öffneten Bahn(der erſten in Deutſchland) von N kürnberg nach Fürth. Sich hineinzuſetzen und ſein junges Glück dem fauchenden Ungeheuer anz zuver⸗ trauen, ſchien dem vorſichtigen Ehemann aber nicht geraten zu ſein. Die beiden Eutiner Schweſtern ſiedelten nach der Aufl ſung des elter lichen Haushaltes und Verkauf des Hauſes nach— über, wo ſie ſich an Stelle der eſchiedenen Beckerſchen Töchter an dem Unterricht der Penſionäre— Später zogen ſie zu meinen Eltern nach Berlin Tante Julie, die ſchon lange kränkelte, ſtarb hier Weihnachten 1839. Tante Karoline ſtand unſerer Mutter im Haushalt und bei der Erziehung von i mit hingebender Liebe zur Seite, bis ſie nach dem Tode Lentz 1854 zu der vereinſamten Schweſter nach Olden— te, wo ſie 1871 ſtarb. Die Veränderungen in den äußeren Verhältniſſen und die zunehmende Belaſtung meines Vaters mit Amtsgeſchäften brachten es mit ſich, daß ſein Briefwechſel mit den Schweſtern viel weniger lebhaft wurde und abgeſehen von ſelteneren Briefen an Tante Marianne für Jahre ganz fortfiel. Die Familienkorreſpondenz übernahm fortan unſere Mutter mit ihrer leichten Feder. Am 11. Juni 1836 ſchreibt mein Vater an Karoline nach Offen bach:„Nach allen Seiten hin gedenke ich meinen Briefwechſel auf das zu beſchränken und muß es thun, da meine Zeit anderen Dingen gehört.“ Und zwei Jahre vor ſeinem Tode ſchreibt er der Schweſter: „Ich bin in der letzten Woche an die Briefe geraten, die ich von 1826— 1833 nach Hauſe und namentlich an Dich, liebe Karoline, ſchrieb Ihr gabt ſie freundlich in meine Hand zurück. Sie führten mich in liebe Erinnerungen der Jugend und ſtellten mir wieder lebhaft vor Augen, wie treu wir damals unſere Erlebniſſe theilten. Die Liebe, mit der Du mein Leben begleiteteſt, bleibt mir ein ſchönes Andenken. Als ich die Briefe las, überkam es mich wie ein Unrecht, daß der ſchriftliche Verkehr in der Ferne ſparſamer und matter geworden iſt. Indeſſen ſind nicht blos die Ze kgreifend möchte i ige S aus J dbrief an ſeine heſtern einſchalten, die ein Zeugnis ſeiner in L der treuen Fürſorge ſind, mit der er ihr geiſtiges Leben zu be rn un es zu eng zu werden drohte, auf weitere freiere Bahnen zu leiten ſuchte. Dieſe Fürſorge galt beſonders der heſter Karoline, die, übertrieben gewiſſen haft, zu Selbſtvorwürfen und religiöſen Bedenken geneigt, oft beſorgt, daß bei dem geliebten Bruder die Philoſophie der Rechtgläubigkeit Abbruch tun könnte, ſich ſelbſt und wohl auch anderen das Leben ſchwer machte Um ihre Bildung zu fördern und ſie geiſtig zu beſchäftigen, treibt ſcd der Bruder mit den beiden jüngeren Schweſtern Engliſch und Franzöſiſch, + eſpondiert mit ihnen von Kiel aus in den fremden Sprachen, empfiehlt Orre ihnen geeignete Bücher, veranlaßt Karoline Gedichte von Byron ins Deutſch und Gedichte von Goethe ins Engliſche zu überſetzen, und ermahnt ſie un erſeits, in r Gelehrſamkeit d Guten nicht zu u tu (dl 1 2 „drückt ſich fortwährend eine gewiſſe Zerfallenheit mit Dir ſelbſt aus. In ſofern dieſes ein Streben nach dem Beſſeren, das nie in uns erſchlummern darf, zu Grunde liegt, iſt das etwas Gutes, aber nicht inſofern vielleicht ein Mangel an Selbſtvertrauen, an Selbſtbeſitz und Selbſtkraft hindurch ſcheint. Mit dem Bewußtſein: Du kannſt, ſteht allein auch kräftig der Entſchluß: Du willſt. Darum iſt ein Muth im Streben die erſte Pflicht. Ihn zu erhalten iſt es gut, nicht immer blos nach dem Unendlichen zu blicken, das noch nach iſt, in dem wir uns ſelbſt wie einen Punkt verlieren, ſondern auch nach dem Endlichen, das man vielleicht ſchon erreicht hat (denn ein redliches Streben bleibt nie ohne Erfolg) und das man bald zu erreichen hoffen darf.—— Einfacher und wahrer iſt wohl nie eine vor waltende Eigenthümlichkeit beſtimmt, als in dem Wort: der Mann denkt, das Weib fühlt. Nicht als ob nicht der Mann auch fühlen und das Weib nicht auch denken ſollte. Aber der Beſtimmung der Natur gemäß iſt der Compaß des Lebens, ſo zu ſagen, beim Manne der Begriff, beim Weibe ein tief einwohnendes, glückliches Bewußtſeyn, das in ſeiner urſprünglichen Reinheit genährt ohne viel Klügeln in jedem Verhältniß das Rechte trifft.“ An Julie ſchreibt er aus Berlin am 1. März 1825:„Wenn ich ſo höre, daß ſich auch bei Euch die Andachtsbücher vermehren, wie durch das Geſchenk der A.: ſo freut michs. Doch drängt ſich mir dann oft die Frage auf, ob Ihr nun auch mit eben dem Eifer zur reinen Quelle des chriſt lichen Lebens geht ich meine zur Bibel. Mir wird es immer gewiſſer, das jeder dies tiefe klare Wort ſelbſt leſen ſollte. Vieles freilich bleibt nur dem zugänglich, der mit der Geſchichte jener Zeit vertrauter iſt. Doch das Meiſte iſt einfach, wie alles Große, und ſpricht gewaltiglich, wie der gött liche Feuergeiſt. Auch giebt es für die dunklern Stellen allgemein ver ſtändliche Erklärungen.— Die Funkſche Bibel iſt mir nicht zu vernünftig, wie ſie die heilige Poeſie Es berührt einmal die R das U 1 in tiefen Bilde i zum ahndender„ſo wird 6 dieſer Geſtalt mehr wirken prache d Verſtandes kalt überf dings in ſeiner Art auch nicht interbleiben darf. Leſt nicht ſchon thut, die Bücher der Bibel ganz und oll ich Euch mein Lieblings— ſchlagen, ſo leſet gennlithpollen Johannes, der ſein jöttlichen Meiſter in Se tiefen Erzählung himmliſch verklärt. Frei lich werdet Ihr gleich den Eingang im erſten Capittel ſchwerlich verſtehen, er liegt unſerer Vorſtellungsweiſe zu ferne; doch ſagt er viel wenn man ſich erſt tiefer in ihn verſenken kann. Vielleicht kann auch ich einmal Euch einiges zur Erläuterung ſagen. Wenn Ihr die Bibel leſet, en Euch die Erbauungsbücher gewiß auch zuſagen aber Ihr werdet das Flache, das oft in ihnen iſt, auch zu ſichten wiſſen. Dieſes habe ich Euch längſtens ſagen wollen.“ In rührender Weiſe war mein Vater um die Seinen beſorgt, als die Cholera auch Holſtein bedrohte. In einem Geburtstagsbrief an die Mutter vom 20. September 1831 gibt er auf Grund der ärztlichen Er fahrungen in Berlin eingehende Ratſchläge zu vorbeugenden Maßnahmen. Flanell zu Reibungen, eine Badewanne, Flieder- und millenblumer Meliſſen- und Pfefferminzkraut, Kampferſpiritus, Eſſig von ſpaniſchem Pfeffer, ſchwarzer Senf, Salepawurzel ſoll im Hauſe ſein, für die Armen ſoll ſich in Eutin ein Frauenverein bilden zur Verteilung von Decken und Leibbinden uſw.(Die Briefe aus dieſer Zeit ſind zum Zweck der Durch⸗ räucherung an vielen Stellen durchſtochen.) Sehr hübſch antwortet die Mutter in ihrem ſchlichten Gottvertrauen: „Vielen Dank l. Adolph für Deinen wohlmeinenden Glück Wunſch zur Vollendung meines 60ten Lebensjahres. Ich kann Dich verſichern, daß ich Deine beyden Schweſtern die Colera mit ruhigem Gemüthe abwarten ſie komt, und das deucht mir ſolltet ihr Männer auch thun, man ge⸗ nießt das gegenwärtige Leben ja nur halb wen man immer mit ängſtlich— keit in die Zukunft blickt, zu Deiner Beruhigung will ich Dir aber auch ſagen, daß wir noch 12 105 Flieder Blumen aus unſerm Garten ge— ſammelt haben ẽu. reichlich 12 loth Camillen Blumen beſitze ich auch. Meliß u. Krauſemünt— Salbey haben wir auch reichlich aus unſerm Garten getrocknet. Zwolf Bouteljen Weineſſich haben wir im Hauſe 5 wollene ecken und was uns ferner noch fehlt, wen die Krankheit beginnt— ich gedenke aber immer an Martens Inſchrift bey einer Illuminazion: Glücklich iſt Eutin, und ſo hoff ich mit dieſer Krankheit daß es nicht ſo ernſtlich bey uns wird. Deinen eingelegten Brief an Vater haben weder ich noch Deine Schweſtern geſehn u. ſind auch nicht ſehr Neugierich auf das geheimniß. Gewiß enthält es die Nachricht wie Du Dein Geld anwendeſt und darin ſind wir überzeugt daß Du e f. mit herzlicher Liebe ſo werd 1 zum Beſten anderer verwendeſt. eine Mutter Trendelenburg.“ 9 al Pein Nato 7 tot f Aure 5 9 1 Nein Vater fürchtete auch, durch die Abſperrung und die Einſchränk des Poſtverkehrs werden, und erbe Einnahmen des Poſtkommiſſairs geſchmälert von ſeinem Erſparten zu ſchicken. Ich fahre nun in der Erzählung fort, beſchränke wichtigſten Ereigniſſe in dem weiteren Leben meines V + nachfolgenden 36 Jahren im glückl 1 in den das n den )en Familienkreiſe bei angeſtrengter wiſſenſchaftlicher Arbeit, in ſeltener Weiſe erfolgreicher Lehrtätigkeit, zeit raubenden Amtsgeſchäften und einer alljährlichen vierwöchentlichen Erholung in einem herbſtlichen Ferienaufenthalt im allgemeinen ruhig und gleichmäßig verlief, abgeſehen von den politiſchen Stürmen von 1848 und den nächſt folgenden Jahren, in die, von Überzeugung patriotiſcher Preuße geworden, auch mein Vater hineingezogen wurde. Im Sommerſemeſter 1837 erhielt er einen Ruf an die Univerſität Kiel, der ihm dann das Ordinariat in Berlin einbrachte. Er ſchreibt darüber an Wallroth am 26. November: mich durchkämpfen muß, und heilſamer, als wenn ich in Kiel zu einer be haglichen Ruhe gekommen wäre. Hier ſtehe ich mitten in dem Gewirr ent gegengeſetzter Richtungen, und es iſt eine ſchwierige Aufgabe, innerlich und äußerlich die richtige Fährte zu behaupten. Geſtern nahm ich als der Jüngſte in jedem Sinne des Wortes in der Fakultät mitten unter meinen früheren Lehrern Sitz und, ſonderbar genug, mußte ich gleich eine eigene abweichende Anſicht auskämpfen. Es war mir ich darf es Dir aufrichtig bekennen— halb ein demüthigendes Gefühl, nun als College von Männern erſter Größe dazuſitzen, und ich muß alles thun, den Sporen zu verdienen.“ Am 15. Dezember 1837 wurde meinen Eltern das erſte Töchterchen geboren, meine liebe Schweſter Marie, die dem Vater ſpäter immer be ſonders nahe geſtanden hat. Im Februar des nächſten Jahres ſtarb unſere Großmutter Becker. Näheres darüber findet ſich im Mutterbuch. Die Herbſt ferien benutzte mein Vater zu einer Reiſe über Freienwalde nach Rügen zu ſammen mit ſeinem jungen Schwager Bernhard Becker. Im märkiſchen Sande beobachteten ſie einen Ameiſenlöwen,„der in ſeinem Trichter ſitzend liſtig die Ameiſen fängt und ausſaugt und der ſpäter nach der Verpuppung als Waſſerlibelle das Symbol der Schönheit iſt. Möchten wir Menſchen, die wir ſo oft liſtig und böſe ſind, uns durch Gottes Gnade einſt ebenſo ver wandeln!“ In dem gemütlichen Gaſtzimmer im Leuchtturm auf Arkona „ſaßen ſie und hörten das Meer brauſen und den Wind ſauſen und dachten ſich in die eintönige ſchwermüthige Seelenſtimmung hinein, die hier entſtehen muß, und in die Wintermährchen, wenn das Spinnrad ſchnurrt ein heimlicher Ton und eine freundliche Antwort dem pfeifenden und brum menden Winde.“ Von Stralſund aus machte mein Vater dann noch einen Abſtecher nach Friedland, wo er im Pfarrhauſe mit ſeinem alten Freunde Riemann nach langen Jahren der Trennung ein frohes Wiederſehen feierte. 8 zeit brachte unſeren Eltern viel Trauriges. Es ſtarb in m Hauſe d Tante Julie, und das erſte Söhnchen Karl wurde ihnen Ja ſeiner Geburt wieder entriſ D äfte waren auf ihrem zur Melancholie geneigten Gemüt, angeſtrengt an den„logiſchen Unterſuchungen“ ge für die ganze kleine Familie zur Erholung und Er Reiſe beſchloſſen, zu deren Koſten das Honorar für ˖ zungen einen ſehr erwünſchten Beitrag lieferte. Die it fuhr im Juli mit Tante Karoline und Mariechen voraus nach Offenbach, begleitet von Minna Panſch und ihrem Söhnchen Karl, die on Eutin aus kommend ſich ihnen anſchloſſen. Für die mehrtägigen Poſt n Reiſenden durch freundliche Fürſorge des Herrn v. Nagler Der Vater folgte in d rien mit n Umweg ˖ reiſten ſie zuf en Rhein hinunter nach on dort nach Oldenburg. m Jahre 1840 wurde mein Vater als jüngſtes Mitglied in die früher von Schleiermacher und Buttmann gegründete griechiſche Geſellſchaft „die Griechheit“ aufgenommen, die Freitag abends der alphabetiſchen Reihe nach abwechſelnd in den Häuſern der Mitglieder zemeinſa Leſen griechiſcher Sch eller zuſammenkam. der Geſellſck hörten im Lauf der Jahre vornehmlich folgende Gelehrte an: Bekker(Philologe) Brüggemann, Homeyer, Kortüm(Juriſten), Lachmann, Meineke (Philologen), Parthey(Archäolog und Buchhändler), Pertz(Direktor der Königl. Bibliothek), Pinder(Direktor des Münzkabinetts und vortragen der Rat im Kultusminiſterium), Ferdinand Ranke(Gymnaſialdirektor, Bruder von Leopold v. Ranke), in ſpäteren Jahren Bonitz, Haupt und Nach dem wiſſenſchaftlichen Teil des Abends und einem einfachen Mitglieder noch bei einem Glaſe Wein beiſammen, und dann fehlte e an Anekdoten, Witzen und harmloſen Späßen. Im⸗ manuel Bekker z. B., der exakte Textforſcher, war ſtolz darauf, daß in ſeinen Werken keine Druckfehler zu finden ſeien. Eines Tages legte ihm Parthey einen Band ſeines Ariſtoteles vor und zeigte ihm zu ſeinem großen Schrecken auf einer Seite eine ganze Reihe der unangenehmſten Druckfehler. Er hatte das Blatt heimlich nachdrucken und in den Band einfügen laſſen. Eſſen blieben Ebenſo ſchmuggelte er in das alte Jöcherſche Gelehrtenlexikon ein Blatt ein, auf dem Lebenslauf und Charaktereigenſchaften von Gelaſander(Lachmann) „eines der ſchärfſten criticorum begabet mit einer porpentoſen Me moria unter deſſen vielen guten Qualitäten obenan ſtehet, daß er die Gewohnheit gehabt, die gräck Societatis Sodales mit dem Saft der kampa— niſchen Traube zu regaliren uſw.“ in humoriſtiſcher Weiſe geſchildert waren. Am 1. Juli 1841 konnte mein Vater dem Großvater in Offenbach wieder die Geburt einer Enkelin, Karoline, melden: „Vor einigen Stunden kehre ich aus meinen Vorleſungen zurück, und ſiehe da ein liebes lebendiges Weſen mehr iſt in meinem Hauſe, als n N n und mehr a Perſönliche immer ſchonen, iſt bös ſtreiten. In der finden. Aber nur auf die he we Sie iſt für die Entwicklung der deutſchen Wiſſenſch ich mich einlaſſen )aft und für die Be freiung der Geiſter von einer hochfahrenden und darum verderblichen An ſicht zu wichtig. Doch genug von dergleichen an einem Tage, wo ich mich nuref und wo ich nur danken ſollte. Wir alle grüßen und mein Kindchen der Wiege lutſcht dazu.“ Für die Univerſität und das wiſſenſchaftliche Leben in Berlin wa das Jahr 1841 bedeutungsvoll wegen der Berufu n9 von Schelling und den Gebrüdern Grimm durch Friedrich Wilhelm IV d5 Wilheln zubor 1 e rtele man eine Wid geiſtreichen Philoſophen und glänz tedi legung des— lſchen Syſtems. Jakob und)helm Grimm hatten nach ihrer Abſetzung aus der Göttinger Profeſſur ihre gemeinſame ſtille Ge lehrten- und— in ſeltener brüderlicher Harmonie fortgeſetzt Auch in Berlin wohnten ſie zuſammen, in der Linkſtraße Nr. 7, Jakob Grimm war Junggeſelle geblieben, Wilhelms Frau wurde meiner Mutter bald eine nahſtehende Freundin, und auch zwiſchen meinem Vater und den Brüdern, ſchlichten geraden Naturen, bildete ſich ein näheres perſönliches Verhältnis. Über Schellings Vorleſungen ſchreibt mein Vater an Becker am 23. Mär 184 „Schellings Philoſophie der Offenbarung gab eigentlich das Weſent lichſte aus ſeinen drei Münchener Vorleſungen(Geſchichte der Phil oſophie ſeit Carteſius, Philoſophie der Mythologie und Philoſophie der Offenbarung In der Form jung und ſchön überraſchte jede Vorleſung, und Sck lling feſſelte ein glänzendes Auditorium(400 an der Zahl). Aber die Grund gedanken im Metaphyſiſchen theoſophiſch und an die gnoſtiſchen Syſteme der erſten Jahrhunderte anklingend ließen meines Erachtens in der logiſchen Begründung und auch in den factiſchen Bele gen aus Bibelſtellen, die oft das philoſophiſche Element nur zu ſehr zuri ückdrängten, viel zu wünſchen übrig. Seine große Wirkung wird in der Anregung zu einer freien Form der Betrachtung und einer künſtleriſchen Form der Darſtellung liegen. Am Schluß d. Vorſtellung brachten ihm die Studirenden einen Fackelzug. Sch. lud auch mich ein, bei ihm dem Feſt beizuwohnen, und war ſehr erregt und liebenswürdig. Kopiſch, der Maler und Dichter(Ueberſ. des Dante) traf in einem Trinkſpruch den Nagel auf den Kopf: Es leb die Philoſophie, die, ſelber kein Gedicht Und doch als wär ſie eins, zur Seele ſpricht Die 1 Sch. gehaltene Rede leſt J vo Selbſt ſie ſtark di n r Kampf Hegelianern ſchw ch. ſcheint, ie Vorleſungen nicht herau Es ſi Streits In die Herbſtferien des Jahres 1842 fiel die Grundſteinlegung zum Aufbau des ſeit 350 Jahren faſt wie eine Ruine unvollendet daſtehenden D 5 ie Fei zeſtaltete ſich zu einem erhebenden deutſchen ſeit langer Zeit zum erſtenmal wieder zemeinſamer Feier und gemeinſamem ge König hatte den von Friedrich henden Gedanken des Aufbaues ins zur Aufbringung der Koſten leb— aufgegriffen und rief mit r ſchwungvollen Rede emeine Be— geiſterung hervor. Mein Vater reiſte mit einem Umweg über Jena und Offenbach zu dem Feſte nach Köln und legte die Empfindungen und Ge danken, die ihn dort bewegten, den einleitenden Worten eines Schriftchens zugrunde, das er„den Genoſſen des deutſchen Domfeſtes in der Erinnerung erhebender Gemeinſchaft zu Rath und That“ widmete:„Das di tſc iehung Es iſt Jugend in unſerer Zeit“, ſo beginnt die Schrift,„die deutſchen Kräfte regen ſich und wollen zu einander. Zunächſt offenbart ſich das in den materiellen Grundlagen des Lebens, da die Schlagbäume, die den Verkehr verſperrten, fallen, da unſer Volk ſich in ſeinen Erzeugniſſen wir, die wir Jahrhunderte lang die Betrogenen fremder Völker waren, vor der Achtung ſtaunen, die wir dieſen nun einzuflößen beginnen, und daraus das kaum gekannte Gefühl eigner Sel bſtändigkeit igen, der bis dahin nur in der Sprache und er Idee beſaß. Das materielle Zuſammen— und einen Stolz zurückempfar eratur ein Unterpfand in d ſtreben mußte das Erſte ſein. Wir werden uns nimmer im Materiellen ben. Der gemeinſame Kölner Dombau iſt zunächſt das ideale Seiten— ſtück zu den materiellen Unternehmungen Deutſchlands.“ Dann heißt es weiter, daß auch das Turnen als Volkserziehungsmittel eine gemeinſame tionale Frage ſei und daß es, von allen politiſchen Nebenzwecken befreit, dem Ganzen des Volksunterrichts eine Stelle finden müſſe uſwv. Um vorurteilsfreie Aufnahme auch in Süddeutſchland zu ſichern, ater ſie in Frankfurt a. M. angnym erſcheinen. ſeitig begabte, ſich für Kunſt und Wiſſenſchaft lebhaft inter— eſſierende König ſuchte gern Fühlung mit dem Kreiſe der Berliner Profeſſoren. 1841 ließ er in dem Theaterſaal des Neuen Palais in Potsdam die Antigone 11 Hel und 1843 den Sommernachtstraum aufführen, Felix Mendelsſohn hatte dazu die Chöre und die Ouvertüre komponiert. Mein Vater gehörte zu der beſchränkten Zahl der Geladenen, von denen als Andenken an die Antigone— Aufführung jeder eine bronzene Medaille mit dem Bildnis des Sophokles zum Geſchenk erhielt. Die Ouvertüre zum Sommernachtstraum„ſprach ſelbſt ihn, den Unmuſikaliſchen an. Aber am Meiſten bewunderte er den umfaſſenden Genius des Dichters, der den Zauber der Traumwelt und die derben leibhaftigen Handwerker mit ihren Späßen, Athen und die Feen unvergleichlich zuſammengebracht hat“ 2 1 Am 25. März 1843 hielt mein Vater einen Vortrag in dem wiſſen ſchaftlichen Verein in der Singakademie über„Raphaels Sck Athen“, dem am 7. Februar 1846 ein Vortrag über„Niobe, Betrac über das Schöne und Erhabene“ folgte(ogl. Kleine Schriften Bd. 2). Al Zuhörer hatte er in der damals neu erbauten Singakademie ſchon 1827 den Vorleſungen Alexander v. Humboldts beigewohnt und ſich an der all gemeinen Teilnahme„von dem Kronprinzen und den Prinzen und Prin zeſſinnen, den Miniſtern und Geheimräten an bis zu den Studenten herunter! gefreut.„Es hat etwas Erhebendes“, ſchrieb er,„daß ſich auf dieſe Weiſe alle Stände um die Einſicht Eines Mannes verſammeln. Es findet ſich das vielleicht auf dieſe Art nur in Berlin und iſt Berlins Ehre.“ Und 1844 ſagt er von dem wiſſenſchaftlichen Verein:„Die Verſammlung iſt E 8 feſtlich. Der Redner ſucht in der Truhe ſeiner Wiſſenſchaft das beſte Kleid 1 8 0e J 6628 heraus ſchaft giebt Die für wiſſenſchaftliches Arbeiten unentbehrlichen Mußeſtunden wurden meinem Vater mehr und mehr durch Univerſitätsgeſchäfte geſchmälert, be ſonders als er 1842 zum Dekan und 1845 zum Rektor der Univerſität gewählt wurde. Der erſte Band der ſchon vor einigen Jahren in Angriff genommenen„Hiſtoriſchen Beiträge zur Philoſophie“ konnte erſt 1846 er ſcheinen. Die zunehmenden politiſchen Spannungen, die einige Jahre ſpäter zur Entladung kommen ſollten, machten ſich auch in der Wiſſenſchaft fühlbar und erſchwerten in der Univerſität eine unparteiiſche nur der Sache dienende Geſchäftsführung. „Es iſt ſchlimm“, ſchreibt mein Vater am 11. April 1844 an ſeinen Schwiegervater Becker,„daß alle unſere wiſſenſchaftlichen und religiöſen Richtungen heutigen Tages unmittelbar politiſch werden. Daher iſt die Stellung eines Mannes ſehr ſchwierig, der freie wiſſenſchaftliche Er örterung erſtrebt. Von der einen Seite wird ſie gemißbraucht oder mis deutet, von der anderen eben darum ſtreng ins Auge gefaßt. Aber ich kenne für unſere Univerſitäten, für unſere Zukunft kein größeres Gut. In dem bewegten Parteileben unſerer Zeit muß es nach allen Seiten deſto heiliger bewahrt werden. Aber die theoretiſche Muße, die ſtille ſchaffende Betrachtung leidet in der Unruhe, die durch ſo viele Dinge von außen eindringt.“ Am 25. April heißt es in einem Brief an den Schwager Helmsdörfer: „Es beſchäftigte uns hier, daß die Regierung auch auf abermaliges Anſuchen— vier Lehrern der Univerſität, Vatke, Hotho, den beiden gat Benary die Einwilligung zur Herausgabe einer Literaturzeitung verſagt hat, weil die Philoſophie, zu der ſie ſich bekennen, die Hegelſche, dem beſtehenden Staat u. der beſtehenden Kirche feindlich ſei. Ich habe lange 1844 ſchreibt mein Vater an Becker:„Unſere i emeſter weniger beſucht; wenigſtens iſt die theolog. Fakultät in Abnahme, was ich auch etwas in meinen Vorleſungen ſpüre U und beruft, a nur unſere Univerſität berufen, da ſich feſtſetzt, als ob man hier die Theologie id den unter ſolchen Richtungen.“ „Ich gedenke immer gern einer Neu Offenbach feierte, und bli mir ein als ſprachſt: Nur die Jd alte uns getreu, und ich ſage mir es gern auch h 8 l wünſche ich mir Muße und den rechten Verſtand ſie zuſammenzuhalten. In der letzten Zeit ging ſie mir aus einander.—— Das Rektorat bringt natürlich manches zu thun, aber bis jetzt ging es im Ganzen gut. Ich habe es in meiner Antrittsrede den Männern der Regierung gegenüber offen erklärt, daß mir die geſchriebenen nd ungeſchriebenen Re Univerſitäten gleick im Herzen ch bereit bi ten. Doch iſt es alfragen ſtill, was nach manchen Kämpfen ein gutes in einigen Fundame zeichen iſt. Dafür iſts allerdings in anderen Kreiſen deſto reger.“ In das Rektorat wurde mein Vater ſpäter noch imal durch das allgemeine Vertrauen ſeiner Kollegen berufen, 1856 und 1863. Dekan wa fmal, Mitglied des Senats ſo oft und ſo lange, wie es nach Beſtimmungen zulaſſig war. e er als ordentliches Mitglied in die Berliner Akademie en gewählt. Mit ihm zog nach längerer Zwiſchenzeit wieder in dieſe Körperſchaft ein, deren erſter Präſident der geweſen war, der aber in neuerer Zeit Philoſophen, wie hört hatten 347 warf die nahende Revolution ihre Schatten „April fand im Weißen Saal des Königlichen Schloſſes röffnung des auf dem Boden der Provinzialſtände aufge— at igten Landtags“ ſtatt, der aber, als er auf eine Erweiterung ſeiner Rechte über die ihm zugeſtandenen(Petitionsrecht, Mitwirkung bei der Verwaltung der Staatsſchulden und Ratgebung bei der allgemeinen Geſetzgebung) hinaus beſtand, ſchon am 26. Juni wieder geſchloſſen wurde. Zu der Eröffnung kamen auch viele Nichtpreußen nach Berlin,„die alle einen Happen von dem Stück Weltgeſchichte abhaben wollten. Das durch — die Hamburger und Kieler Eiſenbahn nahe gerückte Holſtein war in ſeinen politiſch bedeutendſten Männern erſchienen“, unter anderen kamen Theodor Olshauſen, der Präſident der Schleswiger Ständeverſammlung Wilhelm Beſeler, ſein Bruder Georg, Droyſen, Madai, Otto Jahn, alte Freunde, l er,„ſehen die zu juriſtiſc die nationalen Wurzeln und vergeſſen, aus Preußens fließen.“ dinande Trendelenburg“ S Im Herbſt, als es in Berlir ruhiger geworden war, reiſte Vater nach Offenbach und kam unterwegs durch Frankfurt einen nach dem Aufſtande, dem die Abgeordneten v. Auerswald und Fürſt Lichnowsky zum Opfer fielen. Er berichtet unſerer Mutter in einem Brief · aus Offenbach vom 20. September über die Frankfurter Eindrücke und ſchreibt weiter:„Inzwiſchen, liebe Ferdinande, blickt das friedliche ruhige, reiche Bild vom Mainthal in mein Zimmer, und das Wetter iſt ſchön Die Welt iſt vollkommen überall, wo der Menſch nicht hinkommt mit ſeiner Qual. Und liebe häusliche Eindrücke, ſchöne Erinnerungen aus alter Zeit 11 Un! Will, t und wenn wir Beſonnenheit behalten, die Pflanzſtätte einer beſſeren Zu kunft ſein.“ Ahnlich ſchre ibt er auf der Rückreiſe von Bonn aus an Frau Sophie Helmsdörfer:„Bleibt Frauen nur dabei, in dem zerriſſenen all A Keil ein befried gemeinen Leben im Ha igtes heiteres Geſicht und Euch ſelbſt Ruhe und Hoffnung zu bewahren. Die Männer werden ſich auch wieder aus ihrer Thorheit zurechtfinden, und, ſo Gott will, bleibt doch am Ende dem Guten die Kraft.“ Noch einige Briefauszüge politiſchen Inhalts aus den Jahren 1848 und 1849 möchte ich einfügen. Der erſte Brief vom 11. September 1848 an die Schweſter Karoline gerichtet, bezieht ſich beſonders auf den Deutſch Däniſchen Krieg und den unter Englands Einfluß in Malmö geſchloſſenen Waffenſtillſtand. Das Schickſal ſeiner Heimat Schleswig-Holſtein, zu dem Eutin, wenn auch nicht ſtaatlich, ſo doch dem Volksſtamme nach gehörte, lag meinem Vater beſonders am Herzen. „Es iſt freilich“, heißt es in dem Brief,„der Waffen vorteilhaft. Aber was half es, wenn das Heer an der Königsaue wie eine Mauer ſtand und die Dänen den deutſchen Handel zerſtörten? Die Schleswig-Holſteiner haben doch immer durch den Feldzug gewonnen. Das größte Unrecht, das ihnen geſchehn, iſt die EExnennung des Grafen K. Moltke!) zum Präſidenten. Es iſt ein unbegreiflicher Mißgriff in den preußiſchen Unterhandlungen. An Moltke zeigt ſichs, daß die Dänen inzwiſchen nichts gelernt und nichts vergeſſen haben, aber auch an ſeinem Geſchick, daß die Schleswig-Holſteiner auch noch wiſſen, was ſie wollen. Vielleicht iſt dieſer Mißgriff ein Glück. Er ſammelte deſto entſchiedener alle zu Einem Ziel ſtillſtand nicht N 8 1L 1) Graf Karl Moltke, rückſichtsloſer Däne * 1 1 Hoen 68 36 70 19 1111 N 0 Holſten ren feſten Schritt for und ſie werden zum Ziel k ˖ reilte ſich in ſeinem edlen Eif chon beſinnt Traunkfurt 140 r 11 Auf Rie u 1 9 Hyichte Frankfurt ich bin begierig auf d nächſten Nachrichten in einer mark oder gar rage aufrecht ha UB e Unhaltbarkeit unſerer jetzigen durch Wäre es nur nicht, daß der Hand in den Mund lebten · und ſind deſſen froh, aber ein dauernder er d nicht d an den Vater Becker November 1848 lautet Seit Vater, ſind wir um ein Töchterchen Ich e Dir en Deinigen mit Ferdinandens herzlichen angels Regiment haben Gottl unſere Wöchnerinnen Ruhe u. auch inſofern hänge ich der eingetretenen Wendung der Dinge auf richtig an. Ich hoffe von ihr das Gute, das auf dem andern Wege ver loren ging. Ich habe nie die Gefahr verkannt,— aber die Regierung wird ſiegen, wenn ſie ſich treu bleibt,— und der Sieg des Königs wird ein Sieg der Nation ſein. Es iſt thöricht, am Rande des Abgrunds von der Rettung on zu fürchten. Ich halte ſie für unmöglich enn man wollte. Ein Geſpräch am Sonntag mit Hn. v. Ladenberg mich in meiner Hoffnung befeſtigt. Nur darf man auf Frankfurt in dieſer inneren Angelegenheit nicht hören, inſofern es ſich ſcheut, das Recht ſcharf auszuſprechen weil das Recht auf d. Seite der Macht iſt, vielmehr, wie ausführte, das? durch die Volksmeinung ‚mäßigt,() Eine Vermitte es giebt Augenblicke, in denen ſolche Halbheiten der Tod ſind führt uns ins Verderben. Denn die nächſte Folge würde ſein, daß ein ſ. g. volksthümliches Miniſterium das Maß für d. Volksthümlichkeit würde die Parthei ſein, die um ihrer Zwecke willen die Anarchie der Steuer verweigerung decretirt u. die Brandfackel ins Land geſchleudert hat— alles das zurückthun müßte, was hier vorwärts geſchafft iſt. Das wäre ſchlimmer als das alte. Wenn ſich keine andern Männer wollten finden laſſen, um den Schritt zu thun, der ſie ſelbſt dem Haſſe u. der Wuth der Maſſen Preis gab: ſo verdient das Miniſterium Brandenburg den Dank der Patrioten. Man erkennt es in Frankfurt an, aber zum Dank ſoll es entlaſſen werden. In dieſem Augenblick iſt wahrſcheinlich ſchon in Brandenburg der Würfel gefallen. Die Verſammlung war geſtern nicht beſchlußfähig u. wird daher heute wol aufgelöſt werden. Dann folgt eine Zwiſchenzeit, in der man allerdings wird weiter mit eiſernem Beſen kehren müſſen. Aber es war der einzige Weg. Die Gelüſte der Partheiführer ſind entlarvt u. man 1) Am 27. November wurd unſere Schweſter Emma geboren Voraus zegangen n m Jahre 1842 n Geburt von Minna, 1844 von Friedrich und 1847 von Kle ktannaef 1852 2) Adalbert v. Ladenberg, vom 8. November 1848 bis 19. Dezember 1850 preußiſcher Kultusminiſter ſich beſinnen Frankfurter Verſammlung aber wird ſich in den ugen Deutſchlands geſchadet haben, inwiefern ſie, deren moraliſcher Ein fluß größer war als der materielle, dieſen moraliſchen Einfluß außer dem Recht oder nur im ben Recht ſucht. Ich hoffe wir kommen durch u. es iſt nun die Aufgabe, das Vertrauen zur Regierung zu ſtärken u offen mit ihr zu halten, wie in d. Jahren 1807 bis 13. Wir verſuchen es auch zu thun, z. B. an der Univerſität und Akademie. Die innere Ent zweiung des Staates iſt, wie ſchon Plato ſagt, der ſchwerſte Krieg. Deſſen muß man eingedenk ſein.“ Am 11. April 1849 ſchreibt er an denſelben:„Hoffentlich feierſt Du den Geburtstag unter Frühlingszeichen im Hauſe und draußen und, will's Gott, auch im Volk und im Vaterland. Ich hoffe, daß durch alle Mißſtimmungen hindurch das Rechte am Ende komme. Aber es muß als Starkes kommen. Sonſt frommt es niemandem und wird uns zur Schmach. Mich hat noch immer die Revolution aus der ruhigen Bahn meiner Arbeiten herausgeworfen, und ich treibe in meinen Studien zu viel Allotria, auf welche die Zeit mich hinwirft aber damit wird kein Werk gefördert Bei den Wahlen zur Frankfurte 1 rliner verfaſſunggebenden Verſammlung im Jahre 1848 war mein Vater als Wahlmann beteiligt. Er trat für das Zweikammerſyſtem und in Preußen für ein ſtarkes unab hängig über den Parteien ſtehendes Königtum ein und machte in einem Schriftchen„Eine Kammer oder zwei?“ eigene Vorſchläge für die Zuſammen ſetzung der erſten Kammer. Jede der 10 Provinzen ſollte von den Berufs genoſſen als Männer des Vertrauens frei gewählt 2 Richter, 2 Geiſtliche, 2 Arzte, 2 Lehrer, 2 Männer der Kunſt, 2 Militärs, 2 Kaufleute, 2 Fabri kanten, 2 Handwerker, 2 Gutsbeſitzer, 2 Bauern entſenden, wozu dann noch 7 Vertreter der Univerſitäten kommen ſollten. Die ſo geſchaffene Stände kammer, wenn man ſie, freilich in einem anderen als dem gewöhnlichen Sinne, ſo nennen wolle, würde„eine Ariſtokratie der beſonderen Einſicht ſein, während in der Volkskammer die Demokratie der allgemeinen Ge ſinnung zum Rechte käme“. Die verfaſſunggebende Nationalverſammlung, die im Mai 1848 in Berlin zuſammengetreten und durch Königliche Order im November nach Brandenburg verlegt worden war, forderte zur Steuerverweigerung auf und wurde am 5. Dezember aufgelöſt. Bei den Wahlen, welche ſodann auf Grund einer oktroyierten Verfaſſung vorgenommen wurden, wurde mein Vater von dem dritten Berliner Wahlbezirk in die zweite Kammer gewählt und nahm die Wahl an. Präſident der Kammer wurde der Graf Schwerin. Bei den innerhalb derſelben ſtattfindenden Wahlen in die Kommiſſionen wurde mein Vater Mitglied und teilweiſe Vorſitzender der Kommiſſion zur Prüfung des Staatshaushaltes, der Petitions-, der Geſchäftsordnungs kommiſſion und der Kommiſſion für das Unterrichtsweſen. In dieſen Kommiſſionen lag der Schwerpunkt ſeiner Wirkſamkeit. In den Plenar verſammlungen trat er wenig hervor, er war nicht der Mann ſchlagfertigen Debattierens, parlamentariſcher Kompromiſſe und einſeitiger Parteipolitik. *— 2 Trendelenburg, Familiengeſchichte 12 — olitiſches 0 legte er in einer Rede nieder, die er am September 1849 bei der Beratung über den Paragraph 108 der von t. Der Paragraph ſollte jede den Verfaſſung hi Unterbrechung in der Steuerzahlung verhindern.„Leider unterlag die Sache die er für die Feſtigkeit des Staates und die Sittlichkeit des Volkes 6 achtete 74 nott endig erac te. „Bei der Prinzipienfrage“, ſo beginnt die Rede,„die uns teilt, laſſen iem Wunſche ausgehen, der uns alle ungeteilt beſeelt, von eines freien und feſten Preußens. In der Geſchichte iſt die Fre keit nicht ſelten im Widerſpiel, in einem feindlichen Gegen— ſat ie Freiheit allein erſtrebt, ſo löſt ſie den Beſtand auf, wird die llein erſtrebt, ſo macht ſie erſtarren. Es iſt das Ziel aller dieſes Hauſe Staatskur„ daß ſie die Freiheit mit der Feſtigkeit und die Feſtigkeit mit der Freiheit mäßige. Zwiſchen zwei Klippen, der Gefahr der Auflöſung, die in der Freiheit liegt, und der Gefahr der Unterdrückung, die in der Feſtigkeit lauert, gibt es nur einen ſchmalen Fahrweg. Mag es uns heute als guter Steuerer gelingen, mit dem Staatsweg den rechten Fahrweg zu treffen! Mit dem Spruch frei aber feſt' bin ich in den bewegten Zeiten des vorigen Jahres in die Wahlverſammlungen getreten. Ich gedenke heute, durch die be zteren Tage unverlockt, dieſem Wahlſpruch getreu zu bleiben.“ Mein Vater ſchloß ſich der Fraktion der Altliberalen an. Von ſeinen Kollegen in derſelben ſtanden ihm beſonders nahe— rheiniſche Schul⸗ mann Landfermann und der Juriſt Georg Beſeler. Nach den zeitraub— n und ermüdenden Sitzungen in der zweiten N(udd Dein Uoe ier wartete meines Vaters zu Hauſe neben den Berichten und Vor⸗ bereit für die Kommiſſionen noch die Arbeit des Profeſſors Die Abgeordnetenzeit war daher eine recht anſtrengende. Aber mitunter fiel doch ein erfriſchendes Viertelſtündchen ab, in dem der Fam ilienvater zu ſeinem Recht kam. o ſchreibt er am 6. Juli 1850 an unſere Mutter, die mit dem älteſten Töchterchen Marie in Haffkrug an der Oſtſee weilte: „Karoline und Minna fand ich geſtern, als ich des Morgens nach Hauſe kam, ſehr eifrig an der Wandkarte, und Charlotte) demonſtrirte an ihr mit dem neuen ſchwarzen Kantel, nachdem ſie ſich aus dem Daniel, der auf dem Tiſche lag, Raths erholt hatte. Friedrich reitet gern auf dem grünen Querbalken, den Herr Krüger auf dem Hof aufrichten ließ, und fühlt ſich ſo hoch ganz ſtolz. Klara, die kleine klare, hält mit ihrem Bruder aute Gemeinſchaft, und Emma nennt und benennt die Dinge von Tag zu Tag mehr. Sie handelt darin mehr gegen des Vaters Wnn als die anderen Kinder, die mehr den Thätigkeiten entgegen jubelten. Das iſt die glückliche Kinderwelt, in der man die Sorgen der Politik vergißt. Sie nagen?) an mir wegen Schleswig-Holſtein.“ Die Herbſtferien benutzte der Vater zu einer Wanderung durch das Rieſengebirge zuſammen mit Dr. Peters, dem ſpäteren Profeſſor der Zoologie 1) Unſere Couſine Charlotte Helmsdorfer as zie in Berli Liol Jaur nad 13 t, und blieb dann noch einige llein in WMarmheuns ior mein in Warmbrunn. Hier vermittelte er folgenden Briefwechſel zwiſ ſeinem Söhnchen Friedrich Rübezahl LuUl und dem Berggeiſt des Rieſengebirges ſchreibt: „Lieber Friedrich, Geſtern begegnete ich Deinem Vater in ſchlucht 2 Mald Heiner Wald 0 ganz oben auf d Berge. Da zog er e ſeiner grünen ledernen Taſche einen Brief ſagte: den hat Dir mein Friedrickh ge ſchrieben. Ich brummte, daß die Frauen, die bei ihm waren, erſchraken, und ſagte: Menſch, ich kann nicht leſen Ich leſe nur, was der liebe Gott mit ſeinen Fingern in die Berge und Thäler ſchreibt. Lies mir den Brief vor. Er that es, da freute ich mich, daß Du von meinen Geſchichten weißt Hyänen und Bären und Affen habe ich hier nicht. Aber ſchicke mir welche her. Denn den Löwen will ich zu meinem Hunde machen, die Hyäne zu meiner Hauskatze, der Bär ſoll mir was vortanzen, und der Affe ſoll einmal ſehen, ob er mir nachklettern und ⸗ſpringen kann. Denn ich llettere nicht auf einen Baum, ſondern auf die Felſen, wo es ſteil iſt, und ſpringe nicht von einem Zweig zum andern ſondern von Bergſpitze zu Bergſpitze Das geht luſtig huſch, huſch. J nuch Vater gezeigt wie ich h wie einen Ball in die Luft, und wenn ſie niederfallen, liegen ſie gerade recht und beſſer als Euer Mauermann die legt. Wenn Du mir den Löwen und den Affen ſchickſt, ſo will ich Dir gut ſein und dann ſoll der heilige Nikolas Dir von mir was mitbringen und Du ſollſt Dich nicht fürchten vor Deinem Rübezahl. Ps. Weil ich nicht ſchreiben kann, bin ich dieſen Morgen nach Warm brunn zu Deinem Vater gegangen und bin bei ihm durch die Weintrauben ins Fenſter geſtiegen und habe ihm geſagt: Schreib das dem Friedrich und grüße auch ſeine Schweſtern.“ Die augenſcheinlich mit Hilfe des Elementarlehrers, der uns Kinder unterrichtete, verfaßte Antwort des ſechsjährigen Friedrich lautete: „Lieber Berggeiſt! Wie geht es D ir? Uns geht es gut. Geſtern habe ich Deinen Brief bekommen, ich danke Dir auch vielmals Dieſe Thiere kann ich Dir aber nicht ſchicken, ich will ſie Dir aber beſchreiben. Der Löwe iſt das ſtärkſte von allen Thieren, er iſt auch gut und edel müthig, aber wenn man ihn reizt, wird er wüthend. Die Hyäne iſt eins der fürchterlichſten Thiere in der Welt. Sie iſt viel wüthender als der Wolf, fürchtet ſich vor dem Tiger und Leopard nicht, und wehrt ſich ſogar gegen den Löwen und geht ſowohl bei Tag als bei der Nacht auf den Raub aus. Bären giebt es zweierlei, Landbären und Waſſerbären. Die Landbären leben und wohnen auf dem Lande, die Waſſerbären oder weißen Bären hingegen halten ſich mehr im Waſſer und Lande auf. Die Affen ſind ſehr poſſierlich, klettern ſie auf den Baum und ſchaukeln Vater von Deinem Friedrich. auf dem Eiſe als auf dem ſie klettern ſehr viel, manchmal ſich auf den Zweigen. Grüße Donnerſtag Nachmittag.“ Der kleine Friedrich erhielt dann als Geſchenk von Rübezahl bei des Vaters Rückkehr Rübezahls Ebenbild mitgebracht in Geſtalt einer kleinen 12 Spiralfeder angebracht, beim raſchend hervorſprang R den deutſchen Patrioten ſchwere Enttäuſchungen. ngen ſchloß Preußen, zugleich als Vertreter Dänemark den Berliner Frieden vom 2. Juli, in s ſich verpflichtete, ſeine Truppen, die ein Jahr zuvor bis Aarhus in Jütland vorgedrungen waren, aus den Herzogtümern zurückzuziehen ie im Stich gelaſſenen Schleswig-Holſteiner verſuchten den Kampf mit den Führung des Generals v. Williſen allein fortzuſetzen, wurden er ſchloß dann v. Manteuffel bekannte Olmützer Konvention ab, in P N Tei yn ins W᷑ zum ſchor Werk geſetzten ein reußens Führung wurde verzichtet, die Exekution des Bundestages gegen die Untertanen des tyranniſchen Kur fürſten von Heſſen wurde genehmigt, die Schleswig-Holſteiniſche Armee aufgelöſt und Schleswig den Dänen ausgeliefert. In der zweiten Kammer kam die Olmützer Konvention bei Beratung einer Adreſſe an den König als Antwort auf die Thronrede zur Ver— handlung. Die Adreſſe, welche von einer Kommiſſion un der Leitung von Ernſt v. Bodel ingh entworfen war, billigte die Schritte der Regie rung Die Konſervativen, darunter auch v. Bismarck, traten für Kommiſſionsentwurf ein, Freiherr v. Vincke opponierte mit großer Schärfe und verlangte den Rücktritt des Miniſteriums. Ein anderer Antrag, für den auch mein Vater ſeine Stimme abgab, wollte die Adreſſe an die Kommiſ Adreſſe dann in der von der Kom ungenommen war, legte er, enttäuſcht über em Gefühl, daß Preußens Ehre preis gegeben ſei, andererſeits nicht gewillt, ſich der demokratiſchen Oppoſition anzuſchließen, ſein Mandat am 1851 nieder. Aber er ſchied aus ſeiner Fraktion in vollem Frieden. Man hatte Achtung vor ſeiner Überzeugungstreue, und„die Fraktion lud den Abtrünnigen zu ihrem Ab— ſchiedsſchmauſe ein“ Eine literariſche Frucht der Abgeordnetenzeit iſt der am 2. Mai 1850 in der Akademie der Wiſſenſchaften gehaltene Vortrag„über die Methode bei Abſtimmungen“(Kleine Schriften II, S. 24ff.). Die eingehenden auf die römiſchen Senatswahlen zurückgreifenden geſchichtlichen Studien und die eigenen im Streite der Parteien geſammelten Beobachtungen, die in der Abhandlung verwertet ſind, zeigen, mit welcher Gründlichkeit er alle Fragen durchdachte, die mit ſeiner Tätigkeit als Abgeordneter in Zuſammenhang ſtanden Im Herbſt 1851 reiſte mein i ſtellung nach London Er bew Umrücknermei zUurüc In mif vorgeſchlagenen;? die Haltung ſeiner Frakti Vater zum Beſuch der erſten Weltaus— underte das in rieſigen Dimenſionen aus Eiſen und Glas erbaute Ausſtellungsgebäude und die Fülle der Waren und Maſchinen, die ein Bild gaben von dem die Welt umſpannenden Handel und der die Welt verſorgenden Induſtrie Großbritanniens, freute ichte in Eton und Oxford urch den Beſuck anſtalten für Erziehungs 8S= und Er Smef 60 weſe jtete er auch die vielen praktiſchen 0 praktiſchen ö r Enge der L one ‚ den Ich werde indeſſen bt er,„von Vergleichen und Nacheifer ni mel heimbringen als un gut iſt. Wir Deutſchen müſſen uns nach der Decke ⸗ S Nrigtcheons 8„. 181— ſtrecken.“„Im Britiſchen Muſeum“, heißt es in dem Brief weiter, „berührte es mick underbar, als ich an den ſchönen Statuen des Par thenons ü it eige Augen ſah, was der Geiſt des Phidias geſchaffen und vielleicht ſeine eigene Hand berührt hatte, aber tiefer griffen, als ich in dem Zimmer der orientaliſchen Manuſe von Friederich Roſen gegenüberſtand. Sie war die ſchon ſchmutzig von der Londoner Athmoſpl dacht— ich habe keinen gelehrteren, keinen t zeren ien rei gekannt und kaum verdiente ich f ic ndſchaft er ir ˖ He des unita riſchen Geiſtli chen Herrn Yates, eines Freundes der Beckerſchen Familie aus der Offenbacher Zeit, der ihn einlud, bei ihm zu wohnen, und ſich ihm in liebenswürdigſter Weiſe als Ratgeber und Führer zur Verfügung ſtellte. Auch mit anderen alten Freunden und Bekannten gab es ein er freuliches Wiederſehen, ſo mit Herrn Leyſon Lewis, Gutsbef in Eaſt Farleigh bei Maidſtone in Kent, ebenfalls Unitarier, der früher ionär in Offenbach geweſen war und dann in Berlin die Vorleſungen meines Vaters beſucht hatte. Herr Lewis und ſeine Frau, die Tochter des Pro feſſors der Philoſophie und unitariſchen Biſchofs Martineau in London, haben zeitlebens zu den treueſten Freunden unſeres Hauſes gehört. Gegen ſeine Gewohnheit reiſte mein Vater in den Herbſtferien des nächſten Jahres(nach der Geburt unſerer jüngſten Schi zu einer wiſſenſchaftlichen Wanderverſammlung, der lung, die in Göttingen tagte, und dann von urg zu ſeiner Schweſter und ſeinem Schwager Lentz. wiſſenſchaftlichen Kon greſſen hielt er nicht viel,„zweimal gi ng er in Göttingen in Blumenbachs Schädelſammlung, um zu betrachten ſtatt zu die Briefe nach Hauſe, in der Aula während der Vorträge hrieben, ſind in etwas ironiſchem Ton gehalten.„Nahe dem hübſch mit Gold gezierten Katheder ſitzt der Präſident Hermann in einem ſtattlichen purpurnen Lehnſtuhl, ihn auch mit dem Umfang ſeines Leibes, nicht blos ſeiner Gelehrf amkeit, würdig füllend. Auf den von Doriſchen Säulen getragenen Gallerien ſtehen einige Studenten, nicht ohne Neugierde und Sarkasmen in ihrem Geſicht. Viel leicht hat die Jugend Recht. Inzwiſchen war Forchhammer ange kommen, der die Mainzer Verſammlung der Hiſtoriker, die Naturforſcher verſammlung in Wiesbaden, die Traubenerndte in der Pfalz mitgemacht hatte. Die Holſteiner ſagten ihm, er habe alle Verſammlungen bereiſt, beſter Ferdinande) erſamm ger die auch in den Ferien, amtlichen Geſchäfte un wurde es meinem Vater zu wiſſenſchaftlicher Arbeit nach Helgoland, Misdroy, Heringsdorf, Wyk der in Tal in Süddeutſchland oder der S 2 bDe rück freute ſich an d Ver mit dort ffenen be t Kollegen auf der Spaziergängen, aber daran feſt, daß Tei des Tages der g ihm ſein„Naturrecht auf dem Grunde der Ethik“ am Herzen, zu dem er ſeit etwa 1840 Material geſammelt und deſſen Hauptgedanken er ſchon im Sommerſemeſter 1843 ſeinen Zuhörern vorgetragen hatte. Erſt im Herbſt 1858 in Auerbach brachte er das Buch im weſentlichen zum Abſchluß.(Es erſchien 0 gehörte. Beſonders Arbeit am Schreil Druck 360. Dort in dem uns allen wohlbekannten Gaſthau zur Krone und ſeinem von den Wipfeln alter Bäume beſchatteten Garten t Blick auf die von Burgruinen gekrönten Berge des Odenwaldes weilte er mit Vorliebe. 1858 war er in Auerbach mit Ernſt Curtius und und ſeiner Frar ten und freute ſich, die Bekanntſchaft des dortigen Pfarrers Steinberger zu machen, eines ſich für Philoſophie intereſſieren— de ˖ r, indem er an das Herz ſeiner Bauern anklopfte, die tieff Später, nach der Verheiratung unſerer Schweſter Marie mit Paul Schmieder, ſtand ihm in deren Hauſe in Cleve, Barmen und Kolberg immer eine Studierſtube zur Verfügung, die er gern ie Bücherkiſte, die meinen Vater in die Ferien begleitete, enthielt außer dem wiſſenſchaftlichen Material für ſeine Arbeiten auch einige Bücher ineren Inhalts, meiſt von älteren Klaſſikern. Moderne Literatur, Romane, lagen ſeinem Intereſſe fern. Aus dem Seebad er am 18. September 1862 an mich nach Schottland: ich allenthalben, wie Du mit Newton thatſt, am Klaſſiſchen. Ein klaſſiſches Buch veraltet nicht, wenn auch die Hypotheſe desſelben fällt. Ein klaſſiſcher Geiſt berührt uns mit ganz anderer anregender Kraft als die Compendien und die Quellen zweiter und dritter Ordnung. Im kurzen l man für die untergeordneten Geiſter keine Zeit haben.— Wenn Du in mein Zimmer ſäheſt und die Bibliothek betrachteteſt, die mich hier— her begleitet hat, ſo fändeſt Du faſt nur Klaſſiker, neben dem Horaz, um klaſſiſche Erinnerungen der Jugend aufzufriſchen, die Metaphyſik des Ari— ſtoteles— und neben dem Neuen Teſtament Thomas a Kempis de imitatione Christi“. Halte Leben ſol 171 Thomas a K ſonders Ueber Freund„Da ſo myſtiſch, wie man r Reformation nicht geeignet es raſch 8 Stimmung* 1 ron des kirchl In 4 de Etr 0 n an ſt 0 0 enn 1 N 1 eine eige zu mac u ˖ dem Lebensalter nöthig wie der conter Mönch den alten Stoikern er in der Verſuchung das principiis obsta ausführt. Nam prim urit menti simplex cogitatio, deinde fortis imaginati Es iſt vollkommen der Gang der Begierde, die uns überwindet; das menſchliche Herz bleibt ſich darin ewig gleich. Daher giebt es auf dieſem Gebiete nicht ſolche neuer Entdeckungen wie auf dem Gebiete der Naturwiſſenſchaften, aber um ſo mehr muß man das Klaſſiſche, in welchem ſich die Empfindungen der — S 4 postea delectatio et motus pravus et assensio.“) N** Foyn* 1* 1 11 Jahrhunderte wiederfinden, hoch h ö Ken re 51¹ Um dieſelbe Zeit ſtudierte mein Vater das Buch von Darwin, the origin of species etc., das ihn beſonders wegen des Verſuches, das Zweckmäßige in der Natur zu erklären, ſehr intereſſierte. Die Schwächen der damals vielfach mit kritikloſer Begeiſterung aufgenommenen Lehre Darwins blieben ihm nicht verborgen.„Ich wünſchte mich“, ſchreibt er,„noch mehr von Kenntniſſen im Einzelnen unterſtützt. Die Fülle von Erfahrungen, die vergleichende Auslegung, der kühne Scharfſinn ziehen in dem Buche an. Aber ich zweifle, ob man mit dieſen anſchaulichen, anſcheinenden Prinzipien ſo weit kommt D Die Analogie kann ſo weit nicht tragen. Trotz der ungemeſſenen geologiſchen Zeiten, in welchen das Allmählige große Unterſchiede erzeugt haben ſoll, geht es doch ohne Sprünge nicht ab. Hinter den mannigfaltigen Geſtalten des Lebens ſteckt noch etwas anderes.“ Häufig mußten die Ferien auch zur Ausarbeitung von einzelnen Vorträgen und Feſtreden benutzt werden, die mein Vater zu halten hatte.„Ich habe“, ſchreibt er am 8. April 1863,„in meinem Leben nur zu viele ſolche ver einzelte Themata in vereinzelten Vorträgen behandeln müſſen. Es wäre beſſer, ich hätte die Zeit, die ſie koſteten, zu einem Buch ſammeln können. Es hätte mehr gewirkt. Deſſen ungeachtet, habe ich mich immer ſtreng an den Grundſatz gehalten, nie meine Zuhörer gering zu achten und zu denken, dies oder jenes ſei für eine ſolche Gelegenheit gut genug.“ Als ſtändiger Sekretär der Akademie hatte er von 1851 ab alle vier Jahre zur Feier des Geburtstages Friedrichs des Großen, ihres zweiten Stifters, die Feſtrede zu halten, eine durch die Wiederholung unbequeme Aufgabe. Durch eingehende Vorarbeit, z. T. in den Akten des Staats 2 T 1) Zuerſt kommt der Seele der einfache Ge ſtellung, nachher die Freude daran zll der Entſchluß. 84 Bei r Cha iſtik 2 5¹ J0 A Köni d Friedr Wi Geſe Pr hinein, für d ein in feſter Uberzeugung wurzelndes Herzensbedürfnis war. r ſich bald nach f Promotion durch das Examen pro facultat endi das Recht der Anſtellung als Gymnaſiallehrer in Preußen erworben und bleibt das Palladium Deutſchlands; in rn ein Preuße“. b de meinem Vater die Stelle des ngeboten, er lehnte das An einige Geſchäftserfahrung. Ich ˖ on der ſchi an der Univerſität nicht lostrennen und noch weniger, obwohl 8 1 vorgeſchlagen wurde, das neue Amt mit dem alten vereinigen. Ich habe immer— und noch in meiner Rektoratsrede— mich dagegen erklärt, daß ſeine Kraft an der Univerſität halbire und nun f S ſelbſt ſtehe in einem Gott nk den Lebensberuf, indeſſen wenn ich ihn befried ol ich yr wiſſ ſchaftliche Muße, nicht weniger. Ich wäre durch die ſcheinbar glänzende Vereinigung zw ter nothwendig in zwei Halbheiten auseinander ge— fallen und zwei Halbheiten geben nie ein Ganzes. Ich muß ſtreben, iger. Mir liegen noch wiſſenſchaftliche che ich ausführen möchte. Aber lge davon wären auch die Vor— Könnte ich mich ver hen meines 8, für die traurige während des Krieges 1870 und 71 chweren Tage geiſtiger Umnachtung vor dem erlöſenden die Erzählung und die begleitenden Briefe im Mutter— habe ich dem hinzuzufügen. Lage b meinem Vater 1869 die Berufung in die Brandenburgiſck inzialſynode, die ihm ganz über— raſchend zuteil wurde. Die S hatte über eine neue Verfaſſung der Kirche Beſchluß zu faſſen und ie Vorlage entſprach in der dogmatiſchen Grundlage ſeiner Überzeugung nicht“, und ſo konnte er nur ablehnen, was ihm aber dem Könige gegenüber ſchwer wurde. Das charakteriſtiſche chreiben, in dem er die Gründe zur Ablehnung darlegt, lautet: Berlin, den 3. November 1869. u An den hochwürdigen evangeliſchen Ober-Kirchenrath. „Dem hochwürdigen evangeliſchen Ober-Kirchenrath zeige ich ehr erbietig an, daß ich deſſen geneigte Benachrichtigung von dem Erlaſſe emp— fan meldk* ange jabe, durch welchen unter Majeſtät Allergn haben, itlichen Provi 1— W ſammentretenden Insdigen NIi 1 18t gnädigen Willen Seiner Majeſtät erkenne ich mit er Gef IIf Usſe RS renn, lichen Berufung die Vorſchläge des evangeliſchen Ober⸗Kirchenrat 111 und ut Grund 8 gingen und zu Grund lie und ich ſpr fur de r dar Vertrauen den tiefſten Dank aus. Wäre es vergönnt geweſen, vorher von einer ſolchen Abſicht et was zu wiſſen oder nur zu ahnen: ſo würde ich mich bemüht haben, offen und aufrichtig dem hochwürdigen evangeliſchen Kirchenrath darzulegen, warum ich mich zu ſolchem Werke für unberufen und untauglich halte. Ich habe Kirchenverhältniſſe und Kirchenverfaffung nie ſo ſpeciell ſtu wie es ſich für mich ziemte, wollte ich in der Geſetzgebung der Kirche arbeiten; ich habe weder je in der Kirche ein Amt bekleidet noch geſucht; ich habe in Dingen der Kirche keine Erfahrur die mir f Fr daß ickh be dem Bau der evangeliſchen Landeskirche in etwas mehr als acht Tagen müßte ſchlüſſig werden. Es ˖ ſerer Univerſität nicht, mit unſicheren Vorſtellungen in die Gemeinſchaft der Berat Ich verkenne nicht, welche einzutreten. begleite den Schritt Seiner Majeſtät des K s mit h Ich beſcheide mich, das Maß der Freiheit, da n der ſelbſt * 8 ſtändigen Kirche und den Laien in ihr gewähren kann, kein Urtheil zu haben, aber nach dem idealen Zuge, dem ich folge, wünſche ich mehr. Dieſem Wunſche müßte ich in der Synode meinen Ausdruck geben. Und doch widerſtehen mir Verbeſſerungsve gebung. Auch fehlte mir zu dem ſichern Griff, den ſie erfordern, die kirchliche Erfahrung, und fremder würde ich wahrſcheinlich mich ungern überlaſſen. Vor allem aber bin ich, was ich nie verhehlt habe, kein Dog matiker. Wenn ich in 8§5 des Proponendum mitbeſchließen ſoll: ‚Die Provinzial— ſynode ſteht auf dem Grunde des lautern Wortes Gottes alten und neuen Teſta ments, wie es in den ökumeniſchen und den in der Provinz zu Recht be⸗ ſtehenden reformatoriſchen Bekenntniſſen unſerer evangeliſchen Landeslirche bezeugt iſt': müßte ich vor Allem in ſtriktem Sinne auf demſelben Grunde ſtehen. Denn wo das Geſetz ſpricht, nehme ich keine laxe Deutung an. Ich brauche nicht zu ſagen, welche Schwierigkeiten für den, der es wiſſen ſchaftlich und ernſt mit dieſen kirchlichen Beſtimmungen nimmt, faſt in jedem dieſer Worte liegen In 8 5. 1, nach welchem die Provinzial-Synode über die Reinheit KI32 Sas Tlicg: A2(otot ſchläge, das Flickwerk der Geſe der Lehre in Kirchen und Schulen wacht, ſcheint die Möglichkeit zu liegen, daß die Provinzial-Synode dieſe Ueberwachung oder wenigſtens dieſe Wach dehn Die Fr it Forf Ich erkenne dankbar die Segnungen, die ich in einem rittenen langen L irche genoſſen abe in ihr die Denk darin daß ich an einem Geſet jat mein Gewiſſen e dem ich in ſtrengem Sinne ſelbſt nicht genüge. Ich kann weder mir noch Andern die Freiheit verſchränken wollen, die ſich jener dogmatiſchen Grundlage gegenüber in der Entwickelung der evan iſch t Kirck lde Hat Je inſ de angelif Ki than un iteinem d in den Wegen, di ir zugänglich ſind, ſo viel an mir iſt, ihr 8 f können. Aber heute an ihrem Verfaſſungsrecht mit berufen. bin ich n Es iſt mir eine Sache des Gewiſſens dies offen zu bekennen, und ich habe zu Seiner Majeſtät dem Könige das freudige Vertrauen, daß ſein iglid Geiſt in dieſem Bekenntniß keinen Ungehorſam gegen Seinen ndern die gewiſſenhafte Uberlegung ſehen wird, welck ör Allem in kirchlichen Wille iſt. R ochwürdigen Ober⸗Kirchenrath ehrerbietig, unter 6 Hiernach bitte ich den i Sinſendung meiner Bedenken Seiner Majeſtät dem Könige vortragen zu wollen, daß die Vorausſetzungen nicht zutreffen, unter welchen derſelbe mich zur Theilnahme an der außerordentlichen Synode der Provinz Branden— vorgeſchlagen, und ſich für mich geneigteſt dahin zu verwenden, daß königs Majeſtät mich von der geſchehenen Berufung in Gnaden zu entbinden geruhe. A. Trendelenburg, Profeſſor. Bald darauf wurde mein Vater nach anſtrengender Arbeit bei der Fertigſtellung ſeiner letzten akademiſchen Rede zum Gedächtnis Friedrichs des Großen(„aus Friedrichs des Großen politiſchen Vermächtniſſen von Jahre 1752 und 1768)) von einem Schlaganfall betroffen, der eine leichte Lähmung auf der einen Körperhälfte zurückließ. Die Geiſteskräfte blieben unverſehrt, aber die Sprache war etwas behindert, und die Unfähigkeit, wie früher nur der Arbeit zu leben, laſtete ſchwer auf ſeinem gegen alle Eindrücke empfindlich gewordenen Gemüt. Die Rede wurde in der Aka— demie von Curtius verleſen. Seine Vorleſungen mußte der Kranke zunächſt ganz einſtellen, konnte ſie aber nach einem kräftigenden Aufenthalt am Genfer See und in Eiſenach teilweiſe wieder aufnehmen. Die unfreiwillige Muße benutzte er dazu, die dritte Auflage der„logiſchen Unterſuchungen“ und nochmalige Herausgabe ſeiner bisher vereinzelt erſchienenen Reden und Vorträge, als„kleine Schriften“ geſammelt, vorzubereiten. Er nannte dieſe Beſchäftigung sarcinas colligere, ſein Gepäck zur Abreiſe zuſammenſuchen. Angeregt durch die Erfahrungen des Krieges verfaßte er ſeine letzte Schrift, „Lücken im Völ ngen und Vorſchläge aus n Jahre 1870 der er an Entwurf zum Frieden“ an knüpfend daf ſtrittigen Fragen über Contrebande, Priſen gerichte, Schut ig„Bruch der Neutralität uſw. durch einen völkerrechtli ß zu rege Im Herbſt 1871 konnte er noch eine Reiſe nach Oldenburg zu ſei Schweſter Marianne unternehmen, die durch den Tod der Schweſter Karoline an 1871 vereinſamt war. In ſeinem iebten Eutin war er zum le zu Pfingſten 1868 geweſen, er h dort im Voßſchen Zwitſchern der Vögel gelauſcht, auf dem alten Platz ſeines Vaters in der Kirche ſitzend hatte er der Predigt ſeines Freundes Wallroth beigewohnt und war mit unſerer Schweſter Emma, die ihn auf der Reiſe begleitete, auf den Kirchti das ſchöne Laud ringsum mit ſeinen Seen und Hecken zu zeigen. Am 20. Dezember 1871 ſtarb meines Vaters S hwägerin und alt Garten irm geſtiegen, um ihr n, Fluren und Freundin Sophie Helmsdörfer der nahende Abſchie U ler U d eEl tand ne bevor Nach einer ſchlafloſen Nacht rief mein Vater mich am 16 Januar 1872 zu ſich, ſchloß mit feſter Hand ſeinen Schreibtiſch ab und ſagte mit ruhiger Beſtimmtheit, ich ſolle für das Haus ſorgen und zuſammen mit dem Hausarzt über ihn verfügen, wenn er ſelbſt nicht mehr Herr über ſich ſein würde. Dann begann die Umnachtung ſeines Geiſtes, die dagegen ankämpf Willenskraft erlahmte, die Hemmungen verſagten, Erinnerungen an ſeine Eltern und an ſchwierige Fakultätsverhandlungen aus letzter Zeit beſchäf tigten, ſich ungeordnet durchkreuzend, die ſich mehr und mehr verwirrenden Gedanken. In einer Anſtalt für Nervenkranke in deis nahe gelegenen Pankow, in der mein Freund Heinrich Hadlich Aſſiſtent war, fand er treueſte Pflege. Auf dem Wege dorthin ließ er ſich noch einmal an der Univerſität vorüberfahren und begrüßte freudig erregt die mit klingendem Spiele vorbeimarſchierende Schloßwache,„unſere Preußiſchen Jungen“ Schon nach wenigen Tagen ſchneller als zu erwarten war 24. Januar wurde mein Vater durch den Tod von allem weiteren Leide befreit. Gleich nachdem uns die Trauernachricht zugegangen war, traf ein Bote ein, der dem Verſtorbenen am Gedächtnistage Friedrichs des Großen den Orden pour le mérite überbringen ſollte. Wie mein Vater es gewünſcht hatte, ſprach bei der Beſtattung auf dem Domfriedhof der Profeſſor der Theologie Kleinert, der früher ſein Zuhörer und dann ſein Kollege an der Univerſität geweſen war.„Am Sarge eines Mannes trauern wir, deſſen Leben Zeugniß gegeben hat, wie es ihm nirgends zu thun war um den äußeren Schein des Wirkens, ſondern wie all ſein Thun ausging von dem tiefen Ernſt einer unabläſſig an ſich ſelbſt und in ſich ſelbſt, und darum mit Segen und Erfolg an Anderen arbeitenden Seele; und an deſſen Werken es vielleicht der ſtillſte, aber ſicher nicht der geringſte Glanz geweſen iſt, daß ſie nur die reife Frucht waren an dem aus, die weiten l. Tr rlin 1873,(ausfũ here Biograph phiſchen Monatsheften 1873).— R. Eucken, Zur Erinn Halbmona der Deutſchen Rundſchau 190203.(Feſtrede Feier des Iundertlährigen Geburtstages in Eutin.)— Fr. Paulſen, National⸗ zeitung Nr. 617 vom 26. 10. 1902(Anſprache bei der Feier in Eutin). R. Eucken, Rezenſion von P. Peterſens Schrift: Die Philoſophie F. A. 2 Wochenſchrift: Die Geiſteswiſſenſchaften, I. Jahrgang 191 1, Heft 19(ent t eine Kritik des von Max Lenz in ſeiner Geſchichte der Univerſität Ber G eſagt en) känner, die ſeine ſind, Paulſen, und Eucken, gedenken in ihren Lebenserinnerungen mit der Vorleſungen meines Vaters und auch der freund— unſerem Elternhauſe, in das er beſonders eifrige Teil— 4 Ibilo ſophiſchen Ubungen“ zu den Studentenabenden ein— „Trendelenburg“, ſagt Paulſen,„war ein vorbildlicher in ſich vollendete Perſönlichkeit echter Humanität.“ Anhang. Folgende in den ſtädtiſchen Akten von Wismar erwähnten Mitglieder der fehlen im Sume Thomas wird 1568 in St. Georg Grabgeläute bezahlt.(Der homas der zweiten Generation war ſchon 1498 Hausbeſitzer.) Herman Trendelborgk wird 1585 als Sohn des Hans und deſſen Hausfrau Anna erwähnt(Tit. XX, Vol. D 2).— Michel Trendelenborg ſoll, da er zu anderer Ehe ſchreiten will, zu richtiger Abrechnung mit den Kindern angehalten werden, 1590(Tit. XX, Vol. H). Für Michel wird am 28. März 1610 an St. Marien Grabgeläute bezahlt.— Es iſt ein älterer und ein jüngerer Detleff(Grabgeläute 1612) nachweisbar(sogl. 1. Gener). Vormund der beiden Kinder des einen iſt 1620 Blaſius Tr. Zeugebuch Bl. 214). Für Nikolaus wird am 7. März 1620 in S1 Georgen Grabgeläute bezahlt.— zu S. Tr Gertrud vor Fehr in Got Anno Dmi 1581. cordt L Zu S. 47. Auf n Jürgen oder wahrſcheinlicher noch auf Jürgen der 5. Generation(Nr. 10) wird ſich fol zende Eintragung in das Gichtbuck der gen Trendelenborch heifft ein (Krankenjournal) des Meiſters des Barbieramtes in Wi J lu ts geſchlagen mit einer Kanne. beclaget Marcus Cladow beziehen: letzung) geſicht Iſt geſchein den 12. Aprilis.— It. ſo bekenne ich meiſter Hannß Reder eines Erbarn gerichts der ſtatt Wißmar geſchwurnen Balberer dit uth d Gichtbooke mit miner egen handt geſchrieben(Cladow ſoll ein übel beleumdeter Menſch geweſen ſein. Reder ſtarb 10 Jahre ſpäter an der Peſt Mitteilung des Profeſſor v. Brunn in Roſtock.) Zu S. 48. Mit Stanislaus könnte der Schiffer Thomas Tr. in Lübeck zuſammenhängen, der ſich 1635 dort mit einer Dienſtmagd Elſabe Karſtens verheiratete. Auffallend iſt nur der Unterſchied der Stände Im Kopu lationsbuch von St 3 N kFahi N8 1822 1 F S 4 Inget 7 Ir Jakobi, Bd. 1633 1665, S. 32 iſt eingetragen: A 0 1 U 1 8 fN 8 U 2 n Der 0* in Cordt Rattken hauſe. Und im Wette-Jahrbuch von 1635(Hochzeiten heißt es unter dem 26. Oktober: Thomas Trendelborch ein boeßman mit Elſalbe Caſtens dienſtmagdt amptkoſt 22(Perſonen). Johannes Chriſtoph Trendelenburg, der am 24. September 1 734 in Greifswald promoviert wurde(Diſſ. De respectu personarim civili, justo ac injusto), fehlt im Stammbaum. Er wird identiſch ſein mit J. C. Tr., der 1750 in dem Verzeichniß der Subſeribenten von Dähnert critiſchen Nachrichten(Greifswald) aufgeführt wird. Das, wie es ſcheint, nicht ſeltene Vorkommen unſeres Familiennamene in Schweden erklärt ſich aus der über hundertjährigen Zugehörigkeit von Wismar und von Neuvorpommern zu Schweden. Ebenfalls in der Liſte bei Dähnert findet ſich M. J. Tr., Paſtor an der Deutſchen Kirche in Malmoe.— M. Peter Tr. war Dozent der belles lettres bei der . 2 Univerſität Lund(Schloezers Briefwechſel 1755, S. 1 144). Über Familien unſeres Namens in den Vereinigten Staaten 43 Im Adreßbuch von Wismar vom Jahre 1914 werden eine Kauf mannswitwe Emma Trendelburg und der Inhaber einer„Fiſch- und Aalräucherei, Seefiſch-, Krabben- und Seegrashandlung, Polſterwaren en gros“ Wilhelm Trendelburg aufgeführt Im Wohnungsanzeiger von Anklam vom Jahre 1896 findet ſich ein Rentier Rudolf Tren delenburg, der 1917 aber fehlt. Auch im übrigen Deutſchland, ſo in Berlin und Wiesbaden, iſt oder war bis vor kurzem unſer Name in verſchiedener Schreibweiſe vertreten 8 2 9 Literatur. ing zu Jöchers Gelehrten-Lexikon. Leipzig 1784. no MDil usque ad annum MDClII sul ˖ t˖ Halis 1894 Necklenburge uf auswärtigen Univerſitäten rb. d. Vereins f. Meckl Geſ 18 19 Boll, C t, Geſchichte Mecklenburgs. Neubrandenburg 1855 Boll, Franz Chr., Erinnerungen aus der Geſchichte von Neubrandenburg. Wochenbl. f. Neuſtrelitz 1849, Nr. 34— 58. erſelbe, Chronik der Vorderſtadt Neubrande N 7 3 2 Neubr enburg 1 kler deutſche Coloniſation im 12. und 13 d d keck eſchichte, XIII. Jahrg., S. 57ff. n la Martinière, Hiſtoriſch-polit W Sp Feogr Deutſche il 4 K ng de lks w 10. Aufl 1917 8 Bürge he und Bürger er S W n 1840 17 e Alte 2 2 1 2 0 u. 517 F., 2 Geſchichte r Stadt N Fr., Die R der Stadt Wismar ˖ Weinkeller Wismar jahrb., Bd. 38, S. 41 d en, Die Grabſteine in Wismarſchen K n rb., Bd. 54, 55, 56. 189 D. C. W., Kämmereiregiſt Stadt W̃ Jahrb., Bd. 29, S. 77 hner J. A., Kritiſche Nachrichten ud 1750 im Subſer. Magazin ilich, Wilh., Heſſiſche Chronika. 2. verbeſſerte Aufl. Frankfurt 1617. 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Bd. 1—12 Rerian, Matthär Topographia Hassiae, 8 Frank 1642 1688 Neuſel, Das gelehrte Deutſchland oder Lexikon der je enden e Erlangen 1800 Derſelbe, L der von 1750 800 verſtorbenen te n e ein 1815. Nugent, Thomas n Deutſchland durch Meckle A dem Engliſe I. Be und L Pyl, v Geſck e d Greifsn er Kir Bd In 1885— 1887 Derſelbe, Nachträge zur jte der Greifsn r Kirchen. 1889 Derſelbe, Pommerſche Geneal Greifswald 1873 Schildt, Franz, Geſchichte ad r von der Gründung k hes 13. Jahrhunder Roſtock Schirrm N Johann Albrecht I., Herzog von Mecklenburg 885 [Tafe 100 19 ur E terung d * Miama 2, 1734 1741 Der ö ſchr 5 1 haft Wisr̃ 174 2. Aufl. 1860 Seyler, G. A., Ge der Siege f 50 Je We Teile nebſt 12 Supplementen 772 1806. Neue Aufl. Bd. 1 5. Ebd. 1854— 1916 d chronologiſche Beſchreibung der Pom Lauren lnkl uſn eifswald 1773 ro luklan 177 Greifswald 1773. Neu herausgegeber 6⁰ 899 filia Senat. 0* 1 84 191 D Meck 60, S. 11 Bür prachen der S Wisk anſiſche Geſchich ellen k. F. Bd. 3 1906 Derſelbe, Die Bevölkerung Wismars im Mittelalter und die Wahlpflicht der Bürger Hanſiſche Geſchichtsblätter, Jahrg. 1890/91, S. 65. 5 Derſelbe, Das Brauwerk in Wismar. Ebendaſelbſt, Jahrg. 1915 265 2 n, m m Leben. Herar v n 1861 tecklenburgiſche Geſchichte Varia. 1836— 1860 U Pomer rur) he Pon be 6 Weyd riſtoph, Lexikon aller jetzt lebenden Rechtsgelehrten. Halle 1766 ſche Notizen von den jetzt lebenden Rechtsgelehrten in Deutſch 1781 r Geſck Wismar Wismar 1898 erls Reiſehandbücher Führer durch die Seeſtadt Wismar. Leipzi ſchicht der Stadt Hreifswald Gre 54 wald 1897 6 wWu banqusſspus sno-Pοbοhοnνuͥ-—]. 0 K 11 * R 16 N N ö I 1* 1 1618 uzun 3 18 4u0 UHfum ur zndo uuvuof vIonin U 8 opreiuiog 118d 18 oonpuyv 1 vulavizrg''g in uw Sugumfouy VII uodun Oxn sumo suzts AuRK pbuSu D mumnd geg! Bunqussepue1 ndo J s 40908 our gunb · Lvoi vJan K 8 Usgug vn Suv] 16u0plE 30 Hon JSUMAAO 0 uogpu 14 vSIIA A4. 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