Nr 11. Samstag» den 14. März 1914. S. Jahrgang. Zeitschrift zur Förderung der Erziehung der Schule und des Lehrerstaude«. Amtliches Veröffentlichungsblatt des Katholischen Lehrerverbandes d. D. N.» Landesverei« Bade« MW Lchmzeitung Erscheint jeden Samstag. Bezugspreis: Vierteljährlich 2 Mark inklusive Postgebühren. Druck u. Verlag: ,1lnitas"-Achern-Bilhl. Verantwortliche Redaktion: Joseph Koch, Mannheim, ^angslrnhe l2. Anzeigen: Die einsp. Petitzeile 20 Bei zwangsweiler Eintreibung von Gebühren durch Klage oder in Konkursfällen wird der für Aufträge bewilligte Rabatt hinfällig. Verantwort!, f.d. Inseratenteil: P. Käser Wohnung der Geister. — Bestellungen. — Gott und Leben. — Die Setnsberechtigung des Kath. Lehrerverrins. — Die Pädagogik auf Abwegen. — Zur Kknofrage. — Handbuch zur Jugendpflege. — Rundschau. — Aus der Literatur. — Anzeigen. Wohnsitz der Geister. Hienieden sind wir blind und wohnen in dunkler, finsterer Lehmhütte. Und obgleich blind und im Dunkeln sehen wir doch schon so vieles von den Werken des Herrn. Wie groß werden dann nicht jene Werke sein, die wir einst im Reiche des Lichtes sehen werden? Wie weit werden sich jene schönen Gefilde ausdehnen, die uns jetzt noch verschlossen sind? Erreiche ich's oder folge ich nur einem trügerischen Wegweiser in jenes Land, das so fern liegt? Verbirgt mir nicht der Allerhöchste den größten und schönsten Teil der Schöpfung, um sie nicht einst zu einer neuen Wonne mir zu enthüllen? So will ich glauben, und in diesem Glauben bestärkt mich die Heilige Schrift. Wenn also einst der Tod meinen Geist vom Körper trennen und dieser meine Sinne im Grabe auslöschen wird, so werde ich sie bei der Auferstehung vollkommen wieder erhalten mit eben diesem Körper, der alsdann geistig und unverweslich sein wird. Dieser Körper, alsdann verklärt, verwandelt und nicht mehr Hindernis des Geistes, den er jetzt umhüllt, wird das weite Gebiet der sichtbaren Dinge durchwandern, bei jedem Schritte neue Wunder der göttlichen Allmacht anstaunend. Bald wird er sich versenken in tiefe Betrachtung eines Meisterwerkes der Schöpferhand, bald in eiligem Fluge blitzschnell den bestirnten Himmel von einem Pole zum andern durcheilen, um andere Gegenstände zu bewundern, au» denen ebensosehr die Weisheit und die Macht des Schöpfers hervorleuchtet. Aus den Nachtgedanken des hl. Augustinus. H H H Bestellungen auf die «Badische Lehrerzeitung" werden jederzeit von dem nächsten Postamt angenommen. Wir bitten auf die Erneuerung der Vierteljahrsbestellung rechtzeitig bedacht zu sein und den Anzeigenteil benutzen und in bekannten Kreisen empfehlen zu wollen. Wer immer der Überzeugung ist, daß die religiöse Erziehung allein auf konfessioneller Grundlage möglich aber auch unbedingt notwendig ist, beherzige anderseits auch, daß das tätige gegenseitige nteresse der in der wichtigsten Lebens- und Volkssrage bereinstimmenden ebenso wichtig als unentbehrlich genannt werden muß, wenn etwas erreicht werden soll. Alan werbe gütigst für die „Badische Lehrerzeitung" und empfehle ihren Anzeigenteil. Bei Bestellungen nehme man guf ihn bezug. Gott und Leben. Ich lag am Herzen Gottes und entschlief, und da genas ich von der Erde Plagen, von all den schweren bangen Lebenslagen, die unter mir nun lagen abgrundtief. Ich lauscht' im Traume, wie ein Flüstern lief der Wellen Atem, zu mir hergetragen. Ihr Donnerton ward lindes Wellenschlägen, wie Mutterlaut, der leis dem Kinde riefl O, wie empfand ich diese Süßigkeit an Gottes Brust! Von allen Erdenlasten so göttlich frei, so sphärenleicht zu rasten! Ich schluchzte auf vor tiefer Seligkeit. — Da schwang die Zeit die grelle Weltenglocke . . . Ich wachte auf im Ecdenpilgerrocke. Albert Geiger, geb. 12. Sept. 1866 zu Bühlertal Aus Silhouetten neuerer bad. Dichter von Karl Hesselbacher. Verlag L. Salzer, Heilbronn. Wir empfehlen das Werk. A A A Die Seinsberechtigung -es katholischen Lehrervereins, hergeleitet aus dem positiv- christlichen Erziehungsideal. Von I. Behrend in Danzig. Schluß. Und es ist kein Ende in der Weiterentwicklung dieser bedauerlichen sozialen Verhältnisse vorauszusehen. Da die Sucht nach Erwerb und Gewinn im Mittelpunkte des allgemeinen Interesses steht, hat man in unserer Zeit des Haschens und Jagens nach Geld und Gut dir Ideale, die noch in ausgedehntem Maße die Zeit unserer Väter beherrschten, über Bord geworfen, vor allem die Ideale, die ihre Wurzel und Krone in dem Glauben an rin ausgleichende» Jenseits haben. Dem Schaffen und Handeln der Menschheit wieder eine mehr ideale Grundlage zu geben, überhaupt da» ganze menschliche Leben mit mehr idealer Begeisterung zu durchsetzen, muß das Bestreben aller sein, die es mit der Gesundung unserer Zeit ernst meinen. 116 Bei der Umwertung unserer heutigen Zustände auf eine höhere menschenwürdigere Stufe darf die Religion als mitwirkender Faktor nicht ausgeschaltet werden. Sie besitzt die Kraft und Fähigkeit, den gesamten Lebensäußerungen vollen Inhalt und rechten Wert zu verleihen. Eine gute und gediegene religiös-sittliche Jugenderziehung ist zudem das erste und wichtigste Heilmittel für die Krankheit des Gesellschaftskörpers; sie bedeutet ein gutes Stück einer gründlichen und sicheren Sozialreform wie der ganzen sozialen und sittlichen Mission unserer Zeit überhaupt. Das Gottesbewußtsein, das eine Verantwortung nach dem Tode in sich begreift, aber auch die sichere Gewähr für ein glückverheißendes Ienseitsleben, ist der lebenskräftige und lebenspendende Baum, dessen köstliche Früchte der dürstenden Seele Labung und Erquickung spenden; es wirkt als eine unsichtbare Segensmacht, neue Treue, neue Liebe, neuen Segen austeilend zur höchsten Kraftentwicklung im Berufe; es eifert an, sich seinen Berufspflichten aus höheren, idealen Beweggründen zu widmen und sich ein frohes und glückliches Erdenleben zu erwirken, aber zugleich die irdischen Hilfsmittel zu verwenden zur sichern Erringung des überirdischen Glückes. Eine solche Wertung des Menschendaseins, des Schaffens und Wirkens, der Lebensaufgaben und der Bestimmung des Erdenbürgers birgt nur das positive Christentum in sich; ihm ist das eingangs dieser Abhandlung angegebene und den gesamten Ausführungen zugrunde gelegte christliche Erziehungsideal entnommen, das alles umfaßt, was die nichtchristlichen Erziehungsiheorien Wahres enthalten, aber deren Einseitigkeiten vermeidet. Der Erziehungszweck nach christlicher Lehre schließt als bloße Teile oder Mittel in sich, was andere pädagogische Theorien als höchsten Zweck der Erziehung hin- stellen: Die christliche Erziehung ist mit dem Naturalismus Rousseaus darin einverstanden, daß Erziehung und Unterricht naturgemäß sein und die Kräfte der Kinder harmonisch entwickelt werden müssen; aber sie fordert auchmit Recht die Bekämpfung der verkehrten Neigungen und die Pflege des übernatürlichen Lebens. Sie stimmt dem Rationalismus eines Locke, Kant und Herbart bei, daß die Kinder zur Moralität, zur Sittlichkeit zu erziehen sind; sie muß aber ein Siltengesetz, das nicht im Willen Gottes, sondern in der Vernunft der Menschen seine verpflichtende Kraft hat, als einseitig und unzulänglich erklären.. Sie will wie der Humanismus (Lessing, Herder, Diesterweg), die Erziehung des Kindes zum vollkommenen Menschen, aber so, wie Christus unser Vorbild geworden ist. Sie erstrebt mit dem Eudämonismus (Glückseligkeitslehre) und seinen Vertretern: Basedow, Campe, Salzmann, den Materialisten der Jetztzeit, daß der Mensch aus Erden glücklich und gesellig brauchbar werde; sie will aber nicht nur das zeitliche, sondern auch das ewige Glück des Zöglings begründen. Sie widerstrebt durchaus nicht der nationalen Bildung im Sinne Fichtes und Schleiermachers; sie betont vielmehr, daß die Kinder dereinst treue Untertanen und patriotische Staatsbürger werden sollen; doch eifert sie dagegen, daß über der Erziehung für das irdische Vaterland die für die ewige Heimat vernachlässigt werde; sie will eine christlich-nationale Bildung, wie ja das Christentum unserm Vaterlande erst die hohe Stufe der Kultur ermöglicht hat, die es jetzt einnimmt. Die christliche Ecziehungslehre vereinigt auch in durchaus sachgemäßer Weise die Individual- und S ozial-Pä dag o g ik. Sie legt im Unterrichte auf Stoffe von bleibendem kulturellem Werte Gewicht und prägt der Jugend die Pflichten gegen die sozialen Verbände besonders ein. Doch bleibt dabei bestehen, daß der Mensch kein bloßes Sozialwesen ist, sondern zugleich eine individuelle Persönlichkeit mit Aufgaben und Zielen, die über das Gesellschaftsleben hinausgehen. Kurz, die christliche Erziehung gibt ihrem Erziehungsgebiet scharfe Umrisse, in dem sie dem positiven Christentum Ausgang und Ziel entnimmt; die Lehren Jesu sind die Leitsterne der positiv-christlichen Erziehungsweise. Die vorstehend gekennzeichneten verschiedenartigen Auffassungen von der Zweckbestimmung des Menschen und dem Erziehungsziel lassen erkennen, daß innerhalb des Lehrerstandes der eine oder andere Ecziehungszweck als oberstes Motiv erwählt werden kann. Es folgt weiter daraus, daß innerhalb des Lehrerstandes gesonderte Vereinigungen gedacht werden können, je nach dem der eine oder andere Teil der Lehrerschaft diesem oder jenem Erziehungsprinzip zuneigt. Lehrer z. B., die auf naturalistischem oder rationalistischem Standpunkte stehen, halten sich für berechtigt, eine Vereinigung zu bilden, die dem naturalistischen oder rationalistischem Erziehungspcinzip eines Locke, Rousseau, Kant oder Herbart huldigt. Lehrer wiederum, die die humanistischen oder eudä- monistischen Bestrebungen Lesstngs, Herders, Diesterwegs und Basedows für nachahmenswert halten, wünschen gleichfalls, daß ihnen bei der Verfolgung ihrer Ziele keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Mit demselben Recht dürfen Lehrer, die auf positiv christlichem Standpunkte stehen, Zusammenschluß herbeiführen und das positiv christliche Erziehungsideal zu verwirklichen suchen. In jedem Falle muß bei denjenigen Erziehern, die sich zu einem Verein zusammenschließen, über das letzte Ziel der Erziehung volle Übereinstimmung herrschen. Die Lehrer können als Erzieher nicht eine Vereinigung gründen, in der der eine Teil der Mitglieder für den Rationalismus, der andere für den Eudämonismus, ein dritter für die positiv christliche Erziehungsweise eintritt. Es darf sich in einem Vereine von Erziehern immer nur um ein Erziehungsprinzip handeln, das zugleich das Grundprinzip der betreffenden überhaupt ist. über das Grundprinzip eines Zusammenschlusses dürfen innerhalb desselben keine Zweifel obwalten, da sonst das Gebäude auf schwachen Füßen steht. Die Lehrerschaft ist in der großen Mehrzahl in Lehrer- veceinen organisiert, und zwar in den konfessionellen (kath. und evangelischen) Lehrerveceinen und in dem Lehrer aller Konfessionen umfassenden Deutschen Lehrerverein. Die konfessionellen Lehreroereine huldigen dem positiv christlichen Erziehungsideal als dem Grundprinzip ihrer Vereinigungen, das zugleich das Fundament ihres Zusammenschlusses überhaupt ist, getragen von der Überzeugung, daß einem Verein von Erziehern nur immer ein Erziehungsprinzip zugrunde liegen darf. Infolgedessen halten sich die in den konfessionellen Lehreroereineu organisierten Lehrer verpflichtet, dem Schüler im Sinne des positiv christlichen Erziehungsideals auf seinem Wege zu dem zweifachen Ziele — dem irdischen und ewigen — durch Erziehung und Unterricht behilflich zu sein. Das geschieht aber, soweit die erziehliche Seite in Frage kommt, vorzugsweise dadurch, daß die gesamte Erziehungstätigkeit in der Schule mit der Religion in Einklang gebracht wird. Freilich, drei bis vier Stunden Religiosunterricht wöchentlich genügen nicht, um diese Verbindung herzustellen; vielmehr dürfen mit dem positiven Christentum Unterrichtsstoff, Unterrichtsweise und alles, was in der Schule der Erziehung dienen soll, nicht in Widerspruch stehen. Die christliche Pädagogik hat daher von jeher die Religion in den Mittelpunkt des erziehenden Unterrichtes gestellt. Die christliche Religion trat aber von Anfang an in ganz bestimmter Gestalt auf, mit einem ganz bestimmten 1 Glaubensbekenntnis. Religion ohne bestimmtes Bekenntnis und ohne bestimmte Religionsübungen, bestimmte Gebote und bestimmte Anschauungen von Gott und der göttlichen Weltordnung ist ein Unding: Religion ohqe Konfession ist und bleibt — Konfusion. Die katholische Konfession verlangt nun bekanntlich andere Religionsübungen und stellt noch andere Glaubenssätze aus als die evangelische. Folglich siäd auch die Mittel und Wege der religiösen Erziehung und damit der Erziehung überhaupt in beiden Konfessionen nicht immer gleich. Die katholischen Lehrer haben die Pflicht und Schuldigkeit, getreu den Vorschriften ihres heiligen katholischen Glaubens ihr Amt an den Kindern zu verwalten. Ganz naturgemäß ist es daher, wenn sich die katholischen Lehrer Erziehungsfragen nach den Grundsätzen ihrer katholischen Religion beantworten. Das können sie aber nur, wenn sie auf dem Boden ihres Bekenntnisses sich in einem Verein zusammenfinden. Das können sie nur, wenn sie Gelegenheit haben, unter sich in katholischen Lehreroereinen über ihren Erzieherberuf Beratungen zu pflegen. Nur in einem konfessionellen Verbände kann die Religion, ausgeprägt in einem bestimmten Bekenntnisse, zu ihrem Rechte gelangen. Aus einem gemischten Verbände muß sie notwendigerweise ausgeschlossen werden, damit nicht die Gefühle einer Anzahl von Mitgliedern auch ohne jede böse Absicht verletzt werden. Das Recht also, kath. Lehrervereine zu gründen, kann niemand den katholischen Lehrern bestreiten; es sei denn, daß man die Daseinsberechtigung der katholischen Religion überhaupt verneinen wollte. Ein katholischer Lehrerverein ist also nötig, weil der katholische Lehrer, der sich in erster Linie als Erzieher fühlt, sämtliche Erziehungsfragen nach den Erziehungsgrundsätzen des positiven Christentums im Sinne der katholischen Kirche behandelt. Das ist aber nur in einem katholischen Lehrervereine möglich. , 3 3 N Die Pädagogik auf Abwegen. Der Monismus will uns eine neue Pädagogik geben. Seine positiven Leistungen auf erziehlichem Gebiet sind ihm und andern unbekannt. An Projekteschmieden steht unsere Zeit wohl so ziemlich unerreicht da, und eines ihrer belustigendsten Charakteristiken wäre, wenn die Sache nicht verzweifelt verderbliche Folgen nach sich zöge, die unbestreitbare Tatsache, daß heute von Tausenden und Abertausenden Projekte als positive Leistungen angesehen werden. Daraus erklärt sich die selbstgefällige Pose unserer Weltanschauungr- sabrikanten- und -fabrikantinnen. Sie falten die Rockschöße oder die Tabliers zusammen, greifen hinein und streuen aus, und eine ungezählte Schar von „Müßigen" findet im wirbelnden Staube erquickende Letzung. Alles ohne Ernst, ohne Mühe, ohne Arbeit. Die Weltgeheimnisse enthüllen sich bei der sorgfältigen Bartpflege und in den Budoirs der sehr klugen Damen, deren verdienstvolle Gatten ein gütiger Zufall zu Herren des mühelos erworbenen Goldes macht. Wem Gott gibt ein Amt, dem gibt er Verstand, und wem er gibt Geld, der versteht halt die Welt, und wer daran zweifelt, der gehört als Friedensstörer in Acht und Bann der menschlichen Gesellschaft getan. Und je oberflächlicher, je nichtssagender, je wertloser das Phrasengeklingel ist, desto mehr strebt es darnach, Attentate auf die entscheidendsten und wichtigsten Lebensvorgänge und Gesellschaftseinrichtungen auszusühren. So sehen wir ein Häuflein von monistischen^Neuerern zur 117 — kirchenfreien Kindererziehung die weitesten Kreise in den Städten auffordern. Was soll's? Wer in die kirchen- freie Erziehung einwilligt, wird auch seine, in diesem Falle bodenlos armen Kinder nicht das hl. Sakrament der Taufe empfangen lassen. Und so wird eine unsagbar bedauernswerte Jugend durch menschlichen Aberwitz und elterlichen Unverstand prädestiniert, das ganze Leben hindurch auf schaler Oberfläche der Zeitrrscheinungen zu schwimmen, ohne in der Lage zu sein, im gedanklichen Zusammenhang und in der rechten Erfassung der Zeit- und Lebensprobleme als Herr seines Geschickes da» Leben zu durchwandeln, im Grunde nur einem verantwortlich, der da sprach: „Mir nach!" und geleitet durch das Gewissen, das da weist, daß die Ströme seiner Reinigung von de» Altares Stufen fließen. Und so ist man sein eigener Feind, der Wahrheit Feind. Wie ist das nur möglich? Schwing dich auf, o Geist I überschreite Raum und Zeit! Leihe dein Ohr den Lippen des großen Sohne» deiner Kirche, des Lehrers von Tagastäl Wenn einer tief» wenn einer in die tiefsten Tiefen des Menschenherzens, de» menschlichen Sinnens und Trachtens mit allen seinen Unbegreiflichkeiten die Sonde legte, so warst du es, Aurelius Augustinus. Wohl sagt der große Heilige von Hippo, dessen Ruhe und Geistesgleichgewicht der Zusammenbruch der römischen Welt in der Völkerwanderung nicht» an- haben konnte, indem er selbst sein früheres Verhalten prüfend beurteilt: „O, welch ein undurchdringlicher Abgrund ist der Mensch! Ja, die Haare seines Hauptes, deren Anzahl du kennst, o mein Gott, ohne daß dir ein einzige» entgeht, sind leichter zu zählen als seine Neigungen und die Regungen seines Herzens." Und doch bist du e», Sankt Augustin, der du uns die Augen öffnest über die Gründe unfaßbarer menschlicher Torheiten, so daß wir nicht in Versuchung geraten, ungerecht gegen den Mitmenschen zu sein. Im dreiundzwanzigsten Kapitel des zehnten Buches deiner „Bekenntnisse" sprichst du: „Es ist also nicht gewiß, daß alle wirklich das Verlangen haben, glücklich zu sein, da, wenn das wahre Glück darin besieht, sich in dir zu freuen, diejenigen, welche es außer dir suchen, in der Tat nicht wünschen, zum glücklichen Leben zu gelangen. Oder vielmehr, fühlen nicht alle wirklich dies Verlangen? Da aber da» Fleisch gegen den Willen des Geistes, und der Geist gegen den Willen de» Fleisches kämpft, so tun sie nicht, was sie tun möchten, und gehen blos dem nach, was sie können, und begnügen sich damit, weil ihr Wille nicht stark genug ist, um sich das möglich zu machen, was über ihr Vermögen zu gehen scheint. In der Tat frage ich sie alle, ob sie mehr Freude an der Wahrheit als an der Lüge haben, so werden mir alle antworten, daß sie die Freude der Wahrheit vorziehen, gleichwie sie ohne Bedenken sagen, daß sie alle glücklich sein wollen. Natürlich, denn das glückliche Leben ist doch nichts anderes als die Freude, welche die Wahrheit erzeugt; und diese Freude findet man in dir, Herr, in dir, der höchsten Wahrheit, in dir, der du mein Licht, mein Heil und mein Gott bist. Alle wünschen es, dies glückliche Leben: ja, alle wünschen es, weil sich in ihm allein das Glück befindet; alle wollen die Freude kosten, welche aus der Wahrheit entspringt. Ich habe viele Menschen getroffen, welche andere täuschen wollten; ich habe niemand gesehen, der selbst getäuscht sein wollte. Woher haben sie nun die Kenntnis von dem glücklichen Leben, wenn nicht eben daher, woher sie die Kenntnis der Wahrheit haben? Denn sie lieben auch die Wahrheit, da sie nicht getäuscht werden wollen, sie lieben sie, indem sie da» glückliche Leben lieben, welches nichts anderes ist als die Freude, welche au« der Wahrheit folgt? Wie könnten sie es aber nun lieben, wenn sie nicht in ihrem Gedächtnis irgend ein Bild davon hätten? Warum kosten sie nun diese Freude der Wahrheit nicht? Woher kommt es, daß sie nicht glücklich sind? 118 Weil andere Gegenstände weit mehr ihre Gedanken beschäftigen, und weil diese Gegenstände mehr zu ihrem Unglück beitragen, als ihre so unvollkommene Kenntnis der Wahrheit zu ihrem Glücke beitragen kann. Ach, es ist so wenig Licht mehr in dem Menschen! Mögen sie also gehen, schnell gehen, auf daß die Finsternis sie nicht überrasche. Wenn aber alle Menschen das glückliche Leben lieben, das nichts anderes ist als die Freude, welche die Wahrheit einflößt, warum erzeugt denn die Wahrheit Haß in ihrem Herzen? Warum ist derjenige, den du gesandt hast ihnen verhaßt geworden, weil er die Wahrheit vor ihnen verkündigt hatte, da sie doch das glückselige Leben lieben, das nur Freude an der Wahrheit ist? Warum anders, als weil sie die Wahrheit in der Weise lieben, daß sie wünschen, es möge dasjenige, was sielieben, Wahrheit sein, da die Menschen nicht getäuscht werden wollen, so können sie es nicht ertragen, überführt zu werden, daß sie in der Tat getäuscht sind, und die Wahrheit zieht sich ihren Haß zu eben wegen des Gegenstandes ihrer Liebe, den sie für die Wahrheit gehalten haben. Daher erscheint sie ihnen liebenswürdig, wenn sie ihnen nur ihr Licht zeigt; aber sie wird ihnen verhaßt, wenn die Wahrheit sie verurteilt and ihreUnvollkommenheiten offenbar macht. Da sie nicht getäuscht werden und doch andere täuschen wollen, so lieben sie die Wahrheit, wenn sie sich ihnen offenbart, sie hassen sie, wenn sie selbst durch die Wahrheit offenbar gemacht werden, daher ist es eine gerechte Strafe, daß sie selbst ihren Augen verborgen bleibt. So, ja so will der Geist des blinden und schmachtenden, schändlichen und verderbten Menschen verborgen bleiben; daß aber ihm etwas verborgen sei, dar will er nicht. Aber was geschieht? Nichts in ihm bleibt der Wahrheit verborgen, und die Wahrheit selbst entzieht sich seinen Blicken, Gleichwohl sucht er in diesem unglücklichen Zustand doch lieber seine Freude in der Wahrheit als in der Lüge. Ec wäre daher wahrhaft glücklich, wenn er frei von allem, was ihn betrübt und beunruhigt, sich Uber die höchste Wahrheit freuen könnte, aus der fließt, was in allen Dingen wahr ist." Es ist also eine unbegrenzte Eigenliebe, welche verhütet, die Sonde der Wahrheit an die eigene Vorurteile zu legen, und so kommt es, daß diese selbst in den eigenen und in den Augen anderer als Wahrheit erscheinen und verderbenbringend über den Erdball schreiten. So nur konnte es kommen, daß die Religion Christi selbst als eine alle Kultur vernichtende Erscheinung von zufällig welthistorischer, aber negativer Bedeutung einer kritiklosen, historisch ungeschulten Zuhörerschaft vorgeführt werden kann. Und so macht man in der Wiege schon durch Vorenthalten der hl. Taufe des Säuglings Hand lahm und kraftlos, daß er nie den goldenen Stab der Glaubens im späteren Leben ergreifen, nie ihn in die Untiefen und Sümpfe des Lebens setzen kann, um auf ihn gestützt, sich hinwegzuschwingen und den Berg der Wahrheit zu erklimmen, dessen Gipfel in unvergänglichem Lichte strahlt. So erklärt uns St. Augustins Kennerblick die formidabelsten Torheiten unsere Zeit. Doch nun gilt es, diese Torheiten selbst, die ungeheuerlichen Anklagen, als sei das Christentum eine antikulturelle Macht, wie Pastor Strudel im Mannheimer Monistrnbunde meint, aus ihren Gehalt zu prüfen, zu prüfen, ob wirklich eine zweitausendjährige Ueberzeugung auf einen „Bremer" Pastor warten mußte, um endlich als jammervoller Irrtum erkannt zu werden. Herr Pastor, uns bangt ob der so notwendigen Schulung, der jedes Denkvermögen selbst sich unterwerfen muß, soll nicht Unsinn als Wahrheit dargeboten werden. 2 6) 2 Jur Kinofrage. (Maurer, Heidelberg). Literatur (soweit sie mir zur Verfügung stand): 1. H. Lehmann: Die Kinematographie, ihre Grundlagen und ihre Anwendungen. („Aus Natur- und Geisteswelt" Nr. 358. Teubner 1911). Aus diesem meist technisch-wissenschaftlichen Buche sei das 2. Kapitel besonders erwähnt: Das Prinzip und die Wirkungsweise des kine- matographischen Apparates, ein historischer Überblick. 2. E. Altenloh: Zur Soziologie des Kinos, die Kinounternehmung und die sozialen Schichten ihrer Besucher. (Diederichs, Jena 1914). Dieses Buch geht streng wissenschaftlich vor, beruht zum großen Teil aus eigenen statistischen Erhebungen, besonders in den Städten Mannheim und Heidelberg. Neue zumteil eigenartige Gedanken spricht die Verfasserin mit folgenden Sätzen aus: „Wenn wir es (das Kinodrama, d. V.) in Parallele zu einem Bühnendrama stellen oder mit einer Folge von Gemälden vergleichen, werden wir ihm kaum gerecht werden. Sollte es aber nicht an dem allgemeinen langsamen Erfassen von Neuem liegen, daß das Wesentliche an der Kinokunst überhaupt noch nicht erkannt ist?" (S. 28). „Man sucht künstlerische Bilder zu erstellen. Friedrich Freska sagt einmal: „Die Phantasie des Dichters fährt noch in der Postkutsche, während die Phantasie des Technikers schon im Aroplan daherbraust. Daher sollte die wundervolle Erfindung des Kino nicht verdammt werden, sondern die Zeit soll darnach streben, sie zu verdauen." (S. 30). Von den Naturfilms, die große Ausgaben und wenig klingende Einnahmen verursachen, meint sie: „erst die ganz moderne reformatorische Entwickelung, besonders die Nutzbarmachung des Films zu Lehrzwecken in der Schule und im Heer scheinen neue Perspektiven für den Naturfilm zu eröffnen". (S. 35). Über die Besucher ist erwähnenswert, daß „in dem Maße, in dem in den Berufen eine weitgehende Arbeitsteilung vor sich geht, die Bedeutung wächst, die Theater und Kinematographen sowie alle Arten von Vergnügungen haben." (S. 82). Gerne nehmen wir davon Kenntnis, daß die Berufe mit akademischer Bildung (Lehrer eingeschlossen) die prozentual niedrigste Zahl von Kinobesuchern aufweisen (S. 92). Wir erblicken mit der Verfasserin den Grund hiervon in einem weiteren, sehr zum Nachdenken auffordernden Satz: „Wo ein Individuum seine Erholung mehr in der Beschäftigung mit der Kunst sucht, da verliert das Kino an Boden." (S. 95). 3. Dr. Karl Brunner: Der Kinematograph von heute — eine Volksgefahr. (Berlin 1913). Der Titel sagt genug; der Verfasser, dem eine reiche Erfahrung zur Seite steht, führt auch hierfür den Beweis durch. 4. V. Noack: Der Kino. Etwas über sei» Wesen und seine Bedeutung. (Kultur und Fortschritt Nr. 487-88, Dietrich 1913). Einige Kapitelüberschriften zeigen den reichen Inhalt dieser Broschüre, „die den Kinophil wie antikinoistisch gesinnten Leser gleich stark interessiert." 1. Die Flimmerkiste. 2. Maßnahmen der Behörden zum Schutze von Kindern und Jugendlichen. (Interessant, daß „als einer der ersten Rufer der .Katholische Lehreroerband des Deutschen Reiches' eine Eingabe an die zuständigen Ministerien der Bundesstaaten richtete ") 3. Das Volk im Banne der Leidenschaft (sogen. Schlager). 4. Gift. 8. Kino-Industrie. 13. Der Tanz der Dichter um das goldene Kalb. 14. Reformversuche. 15. Die Kunst geht nach Brot u. a. m. 5. Lichtbühnenbibliothek, die herausgegrben wird von der Lichtbilderei, G. m. b. H. (Volksvereinsverlag, > M.-Gladbach.) In der Ankündigung heißt es: „Die Lichtbilderei unternimmt mit diesem neuen literarischen Unternehmen den bisher noch nicht gemachten, grundlegenden Versuch: Die technisch, künstlerisch, pädagogisch, gesetzgeberisch und kulturell bedeutsamsten Probleme de» in t 119 kürzester Zeit zu so brennender Aktualität emporgewachsenen Kinowesens in einer Reihe von tiefschürfenden und für den praktischen Gebrauch geeigneten, künstlerisch vornehm ausgestatteten Schriften aus der Feder von Fachautoritäten zu behandeln." Vor mir liegen zwei dieser schmecken Bändchen: a) Häfker: Kino und Kunst. Verfasser bezeichnet als Ziel: „Die künstlerisch vollkommene Gesamt-Kino- oorführung, Das ... zur Kunst erhobene Kinoschauspiel" (S. 15). Bei den Tagesereignissen, die im Film vorgeführt werden und die „fast ausnahmslos nur den mehr oder minder glänzenden Schaum" bieten, vermißt er das Bezeichnende, das dauernd Wertvolle. „Um Tagesaufnahmen wertvoll zu gestalten, sie zu künstlerischen Leistungen hohen Ranges zu gestalten, muß man sie „sub spscie aeternitatis", „unter dem Gesichtswinkel der Ewigkeit" oder doch wenigstens des späteren Geschichts- und Kulturgeschichtsschreibers zu sehen suchen. Da schmilzt das Pomphafteste und Glänzendste oft zu einem Nichts zusammen, und das Geringfügige schwillt zu leuchtender Bedeutung. Was aber ist's, daß all diese Dinge glänzend oder unscheinbar, zu geschichtlicher oder kulturgeschichtlicher Bedeutung erhebt? Ihre innere Wahrhaftigkeit, ihre Echtheit, Unmittelbarkeit, vermöge derer sie der Ausdruck der großen Gedanken, Gesinnungen und Interessen sind, die dasLeben eines Volkes im öffentlichen und im häuslichen Kreise zu einem bestimmten geschichtlichen Zeitpunkt ausmachen." (S. 29), „Erst dadurch, daß wir mit den Augen unserer Nachfahren sehen lernen, wird unser Alltag uns zu einem Bilde von brennendem Interesse." (S. 31). Uber das Kinodrama schreibt er ganz richtig: „Statt dessen (die Kinematographie zur Kunst zu erheben, d. V.) verkuppelte man sie mit einer andern, an sich hohen Kunst, der des Schauspiels. Sie erniedrigten beides, Schauspielkunst und Kinematographie, und brachten dadurch jenen Wechselbalg zustande, das als „Kinodrama" seine Erfolge unseligen Andenkens gefeiert hat." (S. 42). Einer traurigen Wahrheit gibt er im weiteren Ausdruck: „Das ist ja gerade der größte Fehler fast aller Kinoprogramme, ja der ganzen Kinematographie, daß sie gleichsam aus einem fortwährenden Gebrüll, einem ständigen Sichüberbieten, dem „Tolschreien" aller feinen Wirkungen bestehen. Feine, gute, künstlerische Ausnahmen, die für sich selber und in passendem Rahmen, z. B. einzelne nach dem Vortrag eines Gelehrten angebracht, Stürme von Begeisterung erregen, kommen im Kinotheater gar nicht zur Geltung." (S. 56). In seinen Schlußworten, in denen er betont, daß nichts Unechtes, kein Flitter und Pomp anstelle der guten volkstümlichen Unterhaltung treten darf, überschaut er mit weitem Blick eine Seite des öffentlichen Lebens: Das Übermaß geistiger Genüsse. „Niemals kann die Kinematographie zu künstlerischen Werten gelangen, solange nicht ein Übel unseres heutigen öffentlichen Lebens eingedämmt ist: das Übermaß an ganz oder fast unfreiwilligen geistigen Eindrücken überhaupt, die stündlich auf uns einstürmen. Deren Eindämmung wird wohl am nächsten die Aufgabe der allgemeinen Erziehung, der Aufklärung jedes einzelnen schon von der Schule an sein. Und diese Erziehung und Aufklärung wird an sich kein besseres Mittel benutzen können als den Sinn für das, was wirklich und echt künstlerisch ist, zu stärken. Was wirklich und echt künstlerisch ist, ist auch einfach und selten, sei'» in der Erscheinung, sei's im Genuß." (S. 70). b) Warstat und Bergmann: Kino und Gemeinde. Dieses tiefgreifende Buch zerfällt in 2 Teile; der erste Teil, von Oberlehrer Warstat: „Die Bedeutung der Gemeindekinos für die Reform des Kinematographen- wesens" behandelt die grundsätzliche Seite dieser wichtigen Frage, während der zweite Teil von Bergmann, wissenschaftlicher Dezernent beim Verband Rheinisch-westfälischer Gemeinden in Köln, unter dem Titel: „Das Kinowesen vom oerwaltungsrechtlichen und wirtschaftlichen Standpunkt" die praktische Seite des Thema» behandelt. Warstat sieht dieHauptaufgage der Gemeindekinos, „der kinematographischen Musterbühnen", darin, alle „positiven Werte, alle Bildungsund Unterhaltungswerte" möglichst rein zu bieten. Er erwähnt, daß mit gutem Erfolg am 30. November 1912 zu Eickel (Landkreis Gelsenkirchen) das 1. deutsche Gemeinde- Lichtspielhaus eröffnet wurde. Diesem sind bereits ähnliche Unternehmungen gefolgt, Verfasser empfiehlt eine Zentralisation aller Gemeindekinos mit gemeinsamer Zeitschrift. Im gleichen Verlage sind ferner erschienen oder erscheinen demnächst: c) Liesegan: Lichtbild und Kino-Technik, worin der erfahrene Techniker in knapper, klarer Weise den Lichtbilderapparat und seine Wirkungsweise, Lichtquellen. Kosten usw. behandelt. ä) Rath: Kino und Bühne. e) Hellwig: Rechtsquellen des öffentlichen Kinematographenwesens. Es ist dies eine systematische Zusammenstellung der wichtigsten deutschen und fremden Gesetze und Gesetzentwürfe, Ministerialerlasse, Polizeiverordnungen nach amtlichem Material bearbeitet. k)Sellmann: Kino und Schule. Die Broschüre selbst erhielt ich noch nicht. Doch das mir vor- liegendeInhaltsverzeichnis zeigt reiche Anregungsmöglichkeiten Inhalt: 1. Wider den Schulkino. 2. Für den Schulkino. 3. Der Kino und die einzelnen Unterrichtsfächer. 4. Der Kino und die verschiedenen Schulgattungen. 5. Der Schulfilm. 6. Kino und Unterricht. 7. Erfahrungen auf dem Gebiet: Kino und Schule. §) Häfker: Kino und Erdkunde. b) Häfker: Kino und Allgemeinheit. 6. Zeitschriften: Zum Schluß der bei weitem nicht erschöpften Literaturangaben seien zwei Zeitschriften erwähnt, von denen die erste mehr den Kampf gegen das schlechte Kino — neben anderen Zielen — ausgenommen hat, während die zweite positiv mitarbeitet und neben Aufklärung und Abwehr zum guten Teil, oft zum weitaus größten Teile beigetragen hat, das gute Kinos ins Leben gerufen wurden. a) Die Hochwachl, Monatsschrift zur Pflege der geistigen und sittlichen Volksgesundheit, besonders zur Bekämpfung des Schundes und Schmutzes in Wort und Bild (Berlin, Meyer Verlagsbuchhandlung, vierteljährlich 75 Pfg.), herausgegeben von dem bekannten Vorkämpfer Professor Dr. Karl Brunner. b) Bild und Film, Zeitschrift für Lichtbilderei und Kinematographie (Verlag der Lichtbilderei G. m. b. H., halbjährlich 2.40 Mk.), redigiert von dem im Volksverein und weit darüber hinaus gekannten und hochgeschätzten Dr. Lorenz Pieper. Warstat bezeichnet diese Zeitschrift als „die vielseitigste, am besten redigierte und auch zeitlich erste und eifrigste Vorkämpferin auf jedem Gebiete der Kinoreform." 8 H 8 Handbuch für Jugendpflege. Herausgegeben von der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge. Schriftleitung Dr. jur. Fr. Quensing-Berltn. Der Subkriptionspreis M. 0.80. für die Lieferung erlischt mit dem Abschluß des Werkes. Alle bisher besprochenen Abhandlungen vermögen das Interesse des Lesers in hohem Maße zu fesseln, nicht etwa nur das des Iugendfürsorgers, der aus Beruf oder Neigung der Sache Teilnahme entgegenbringt oder entgegen bringen muß, sondern jeder hinreichend aktive, den öffentlichen Er- 120 scheinungen zugewandte Geist wird mit Spannung die reichen Eindrücke verarbeiten. Und wenn diese Lieferungen sich in Lehrerbibliotheken finden, natürlich nicht ungelesen, so müssen und können wir das nur begrüßen. Mann hat sich früher sehr ost ein billiges Vergnügen daraus gemacht, den alten „Schulmeister" als Spottfigur auf der Bühne des Lebens zu zeigen. War das recht? Gewiß konnte in manchen Fällen das linkische Wesen aus- fallen. Aber drängte er sich denn in die Modesalons, um hier Figur zu machen? Wir glauben kaum. Umso näher aber stand er dem Volke und um so höher achtete ihn das Volk, bis die Zeit nach 1870 eine Wendung in der Denkweise und Lebenswertung des Volkes und seiner Glieder brachte. Die Rückkehr von vielem Alten wäre zu begrüßen. In den Tagen des inneren Ausbaus des neuen Reiches sprach einmal der Eiserne Kanzler, vielleicht in etwas unbewachter Stunde, von der „Klinke der Gesetzgebung in der Hand" und erwies sich damit eben auch als ein Kind seiner Zeit. Die Klinke der Gesetzgebung soll alles machen, und ein jeder sucht, sie in seinem persönlichen oder Standesinteresse spielen zu lassen. Und so richtet sich denn heute der faszinierte Blick vieler, wenn auch nicht aller, nach der „Klinke der Gesetzgebung", und der Geist schwächt sich für die psychologisch wohlorientierte Erfassung der geistig so unendlich wichtigen Momente, die im Vorhandensein und im Verschwinden letzten Endes das Geschick der Nation aufs tiefste beeinflussen, allerdings in ganz verschiedener Weise. Aber selbst die Gesetzgebung arbeitet auf gut Glück, auf Heil oder Verderb, ohne Wissen und ohne Wahl, wenn der Gesetzgeber über das Objekt der Gesetzgebung nicht zutreffend orientiert ist und nicht aufgrund seiner Sachkenntnis mit einer gewissen prophetischen Intuition die zukünftigen Wirkungen seines gegenwärtigen Entschlusses vorauszusehen vermag. Und leicht täuschen sich darin selbst die Größten der Großen, und wie wenige wirken in der von ihnen erwarteten Weise, ihre Bemühungen auf Jahrzehnte geschweige auf Jahrhunderte hinaus. Und wie sehr trübt sich in Zeiten der allgemeinen Oberflächlichkeit der Blick für die Erkenntnis der Großen, von denen die Geschichte zeigt, wie wunderbar sie den kommenden Jahrhunderten wenigstens in Einzelheiten die Bahn sestlegten. Es waren nicht Uebermenschen im Sinne Nietzsches, aber es waren Brennpunkte für die geistigen und physischen Bedürfnisse der engeren und weiteren Umgebung. So ist es denn reizvoll, sich über das zu unterrichten, was mit dem erforderlichen sittlichen, wissenschaftlichen und volkswirtschaftlichen Ernst bereits im Interesse unserer Jugend geschah. Es ist aber auch eine unabweisliche Arbeit für den, der Beruf zur Jugendpflege bekommen möchte. Und so gehen wir denn zu einem weiteren Kapitel über „Berufswahl und Berufswechsel" von Dr. Phil. Schräder in Halle an der Saale. In kurzen aber zutreffenden Worten zeichnet der Verfasser die Bedeutung der Berufswahl. Selbstredend kommen Neigung und Fähigkeit der Jugend zuallererst inbetracht, und hier möchten wir wieder auf die Notwendigkeit Hinweisen, daß bereits beim Eintritt in die Mittelschulen Illusionen zerstört nicht aber genährt werden müssen, wodurch die ungeheure Gefahr entsteht „daß später so mancher junger Mann bei beginnendem Mannesalter vor dem Abgrund des bürgerlichem Nichts steht. Jeder unterrichtlicht Schlepperdirnst muß verabscheut werden. Auch entscheidet die glänzendste Begabung nichts, wenn die Lust und Neigung fehlt. Aber gestatten selbst Begabung und Neigung keinen Zweifel mehr, so ist die Lage der einzelnen Berufszweige, ihre Prosperität, ihre Anziehung auf so manche ungeignete Kraft keineswegs von gering anzuschlagender Bedeutung. Unter Umständen, allerdings selten, ist sebst ein ungelernter Beruf durchaus nicht von der Hand zu weisen. Ueberaus interessant sind die statistischen Aufzeichnungen über die Verteilung der Erwerbstätigen auf die einzelnen Berufsarten, über die Bewegung in diesem Gebiet von 1882 bis 1895, über die Zunahme der Erwerbstätigen bezw. über ihren prozentualen Anteil an der Summe der Gewerbs- tätigen, über die Bewegung in der sozialen Stellung der Erwerbstätigen, über die Abnahme oder Zunahme der Handwerker und ungelernten Berufsarbeiter. Und da ergibt sich doch manch freundliches Resultat entgegen soviel irriger Annahmen, wozu unzureichende Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse, Bierbankpolitik oder politische Tendenz veranlassen. Es liegt keineswegs Grund zur Verzweiflung an der heutigen sozialen Schichtung vor, aber die korrekte Stellungnahme dazu verlangt einen tiefen Blick ins Volksleben, nur erworben durch einen vorurteilslosen dem Ernsten und Bedeutenden zugewandten Sinn, dem die Liebe zum Ganzen stets die Beweglichkeit und Objektivität bewahrt. Freilich muß auch erwähnt werden, daß manche Statistiken keinen bündigen, allgemein gültigen Schluß zulassen. Wir würden es sehr begrüßen, wenn der ernste Versuch gemacht würde, den Einfluß, den etwa Knabenhorte, Arbeitsunterricht, Sprachklassen usw. aus die Berufswahl ausüben, statistisch zu fassen. Unser Wohlfahrtssinn und unsere Führsorgeeinrichtungen bewegen sich entschieden auf zu nebulösen Bahnen. Nicht auf den hohen Prozentsatz dessen, was wir tun, kommt es an, sondern auf den Prozentsatz der Wirkungen im späteren Leben. Wir lasen allerdings vor einigen Tagen eine Statistik über die Berufe der ins Leben übergetretenen Hilfsschüler. Allein was will das sagen? Die Frage muß lauten, wie viele bleiben fürs Leben versorgt und welches ist der prozentuale Unterschied gegenüber den Jahren, als man diese Einrichtung nicht besaß? Denn daß sie früher samt und sonder verdarben, kann kein Vernünftiger annehmen. Also Wechsel für die Gegenwart und Vergangenheit. Ob der Wechsel für die Zukunft eingelöst wird, weiß kein Mensch. Als eine sehr wichtige und meist sehr traurige Angelegenheit muß der Berufswechsel bezeichnet werden, der auch in die Arbeitslosigkeit seine Wellen wirft, denn man wird, wie die Abhandlung sagt, nicht fehl in der Annahme gehen, daß der Berufswechsel ganz besonders zur Arbeitslosigkeit prädestiniert. Eigentümlich berührten uns die statistischen Notizen aus Kerschensteiners Reich. Die Shcifl sagt: „Ein ähnlich ungünstiges Ergebnis (wie für Nürnberg) erholten wir für München (Mitteilungen des Statistischen Amtes der Stadl Mönchen, Band 23) Auch hier scheint die Zahl der Arbeitslosen, die ihren ursprünglich gelernten Beruf nicht mehr ausüben, sondern die bereits zu einem andern Beruf als ihrer regelmäßigen Beschäftigungsweise übergegangen waren, verhältnismäßig groß. Es war 1912 der Fall bei 18 Prozent der männlichen und bei 8,5 Prozent der weiblichen Arbeitslosen; von diesen gingen allein 12,9 Prozent aller männlichen und 3,2 Prozent aller weiblichen Arbeitslosen von gelernten zu einem ungelernten Berufe über. Der Berufswechsel aber findet jedenfalls meistens in der Lehrzeit statt, dagegen hilft nur ein gestählter, auf Ordnung und Selbstachtung gerichteter Wille. Aber das Handwerkeln zur Unzeit dürfte einer derartigen Willensbildung weit eher entgegenstehen, als sie fördern. Die Schönheit und Güte trefflicher Willens- und Lebensoerhältnisse muß bis ins Detail von unserer Jugend mit Begeisterung geschaut und erfaßt werden, sie müssen stimmhaft nachzittern durch das ganze Leben. Das erreicht nur ein durch Stoff und Methode ausgezeichneter Unterricht; nur dieser macht die Gestalt des Lehrers unvergeßlich bis zum Grabesrand. Das Basteln? Nein. Aber jener Unterricht ist schwer, er muß in natürlichsten Formen sich geben. Das pertice te kann ihm nicht erlassen werden. Kamen vielleicht deshalb Eisen, Blech und Holz, weil es zu schwer wurde? Auf den Grund der Erscheinung weisen die Schlußworte folgenden sehr richtigen Abschnitt» hin: t 121 — „Außerdem erheben sich Klagen darüber, daß sich immer mehr Jugendliche den ungelernten Berufen zuwenden. Aus den gebrachten Zahlen allein konnten wir nicht entnehmen, daß die ungelernte Arbeit im Aufstieg begriffen wäre. Tatsächlich muß das aber der Fall sein, so wird von den Handwerkskammern lebhaft geklagt, daß viele Knaben zu Gelegenheitsarbeiten greifen oder in die Fabriken gehen. Wenn auch zugegeben werden muß, daß unser heutiger Produktionsprozeß außer hoch qualifizierten. Arbeitern auch einer großen Zahl ungelernter Arbeitskräfte bedarf und ihrer auch in der nächsten Zukunft nicht wird entbehren können, so ist doch daran festzuhalten, daß ein übermäßiger Prozentsatz der ungelernten Arbeiter gegenüber den qualifizierten Arbeitern unserer Volkswirtschaft schweren Schaden bringen kann und deshalb wird die Wahl eines ungelernten Berufes seitens eines zur Entlassung kommenden Schülers stets dann nicht zu billigen sein, wenn sie lediglich dem Verlangen entspricht, möglichst bald eine größere Ungebundenheit zu erlangen in Unabhängigkeit von Eltern oder sonstigen Autoritäten zu kommen und die Mittel für Vergnügen aller Art zu gewinnen." Charakterbildung tut not. L St L VMM Rundschau. WAW Lesesrüchte. Nach der Klarlegung der Definition von der Erziehung ist es gut, dieselbe mit den Definitionen der berühmtesten pädagogischen Schriftsteller zu vergleiche», von denen einige glaubten, sie könnten ohne eine solche auskoinmen, entweder weil sie die Erziehungslehre nicht wissenschaftlich behandelten, oder weil sie sich auf einen Teil derselben beschränkten, oder endlich weil sie es für überflüssig hielten, dieselbe zu definieren, da dies eine von selbst klare Sache sei. Unter die Schriftleiter dieser Klasse können wir zählen: Aristoteles, Locke, Jean Jacques Rousseau, Basadow, G. P. Richter. N. Lambruschini, Ferrucci, Guizot, Römesar. Rayneri. 16. Band der Bibliothek der kath. Pädagogik. Lomment les plillosoplies moäennes .... voir les numsros prscöäents. Nais ces concessions tsites L I'iääolisme, L moins ä'accepter lu supposition xratuite, invöritiable, quoique metapliisiquement possible, äe I'in- tervention cte Oieu, qui, comme un semeur intatixable, 68t 8ÄN8 cesse occupö L N0U8 remplir I'esprit cle sen- sativns visuelle^ tsctiles, sonoresaet autres, psrtaitement enctmlnös ct'une concoräance insltörable svec celles cte nv8 semblables, il est impossible cl'embrasser les con- siclörstions cle Lerkelex sboutissant au nöant cles qualitSs cte8 cvrps. Jugendpflege. Eine fast noch größere Gefahr geht aus dem Interkonfessionalismus hervor. Bei den großen Kongressen tritt der Gedanke des Interkonfessionalismus ganz klar zutage. Auch bei dem letzten Fürsorgekongreß in Salzburg war es so. So haben z. B. die Wiener Pfadfinder unter sich Katholiken, Protestanten und gegen 50 Juden. Was soll man nun davon denken? Entweder ist die Religion ganz ausgeschaltet, oder aber wie können aus diesem „Mixtum compositum" sichere und ausgeprägte Charaktere hervorgehen? Was wir brauchen, das sind treue Herzen und klare Köpfe; diese beiden setzen aber sichere und feststehende religiöse Begriffe voraus, die auf allen Gebieten der Erziehung und des Unterrichtswesens Klipp und klar zu tage treten. Oberster Leitsatz jeder wahren Erziehung und Charakterbildung ist und bleibt derpositive Gottesglaube, oder wir gehen mit unserer ganzen Iugendbildung acl interos, wie es in Frankreich die jährliche Zunahme der jugendlichen Verbrecher beweist. Jugendsekretär Bong im „Fels." Das sind ernste und wahre Worte. Wie wenig die der Religion entrückte Jugendpflege die Jugend sittlich hebt, zeigt Frankreich, wo die Kriminalität der Jugend von Jahr zu Jahr zu schrecklicheren Zahlen kommt, vor denen auch Freunde der Laienschule die Augen nicht mehr zu verschließen wagen. Aber da auch bei uns in der Tagespresse an allen Ecken und Enden Propheten das Hohe Lied des Interkonfessionalismus singen, so erwächst für uns die doppelte Pflicht, zunächst auf den Ernst der Zeit hinzuweisen, der um so deutlicher in die Erscheinung tritt, je mehr man die Jugend dem Interkonfessionalismus überantwortet hat, dann aber auch auf die Vervollkommnung des konfessionellen Regli gionsunterichtes das Hauptaugenmerk zu richten. Wenn man von der Vervollkommnung des Religionsunterrichts spricht, hat man gewöhnlich Verbesserungen der Lehrbücher und der Methode im Auge. So möchten wir aber die Sache nicht ganz verstanden wissen. Im Religionsunterricht muß nach unserer Auffassung der Sache sich vor allem die vornehme religiöse Sinnes- und Denkart des Lehrers in edlerNatürlichKe it aussprechen, die mit dem religiös-sittlichen Gehalt des Lehrgutes in vollkommener Uebereinstimmung stehen soll. Diese Forderung gehört nun keineswegs zu denen, die sich so ganz leicht und ohne alles weitere verwirklichen lassen. Das religiöse Lehrgut kann im Lehrer selbst ein wärmendes Fünkchen, dessen Schein wenig beleuchtet, aber auch eine hell lodernde Flamme entfachen, die das Wesen aller, ausnahmslos aller Lebensoorgänge des Wellengebietes im klarsten Lichte zeigt und in unwiderstehlicher Wärme dem langsamsten und härtesten Herzen das Glück .der Begeisterung bringt. Was ist zu nrn zur Vervollkommnung des Religionsunterrichtes? Unser Verhältnis zum Lehrgut- muß von Tag zu Tag ein innigeres und vertrauteres werden. Und nun sollen wir darüber grübeln und und nichts als grübeln? Keineswegs! Grübeln und edle Natürlichkeit haben nichts miteinander zu tun. Wer aber von den Gipfeln der Hochgebirge aus der. sonnenbeleuchteten Landschaft in den denkbar weitesten Grenzen sich erfreuen möchte, wählt sich zum Aufstieg einen des Weges kundigen Führer. Um in religiösem Gebiet den Ausstieg zum alles beherrschenden Höhepunkt verwirklichen zu können, bedürfen wir der Leitung. Und eine ganz vorzügliche Leitung zur Gewinnung des denkbar besten Verhältnisses zwischen der Person des Lehrers und dem religiös, sittlichen Lehrgut bietet sich in der Schrift dar „Die ewige» Wege". Gedanken über das zweite Haupt stück des Katechismus von Dr. I. Klug, das soeben in dem trefflichen Verlag von Ferdinand Schön ing h Parderborn (1914) zum Preis von Mk. 1.80 erschienen ist Das Buch wendet sich namentlich an Prediger und Katecheten, Lehrer und Lehrerinnen, an die studierende Jugend und an gebildete Laien, denen erwünscht ist, einen Kommentar zum Katechismus für die Erwachsenen und Mündigen zu haben. Die Katechismusgedanken sollen ferner in ihrer Art das religiöse Gegenstück zu Foersters ethischer „Jugend- lehre" sein und das letzgenannte Werk nach der religiösen Seite hin ergänzen. Eine kurze Probe I „Unschuld ist wenigstens im Beginn ines Menschenlebens verschwistert mit einer, ich möchte gern sagen, ehrwürdigen Unwissenheit in den Dingen, die sich auf die geheimnisvollen Ursprünge des Menschendaseins beziehen. Unschuld muß nicht immer Hand in Hand mit dieser ehrwürdig und heilig zu haltenden Unwissenheit einhergehen. 122 ja, sie kann es nicht einmal. Ts kommt für jeden jugendlichen Mensch die Zeit, wo der Märchenglanz des Weihnachtsbaumes erlischt, wo der Farbenzauber der Ostereier verblaßt, wo die Sage vom Storch, der das Brüderlein und das Schwesterlein gebracht, der Einsicht weichen muß in die ungeheuere Verantwortlichkeit der Eltern eines Menschenkindes, in das tiefe Glück und in das tiefe Weh einer jeden Menschenmutter. In dieser Zeit ist es die ernste Aufgabe der Erziehung, den h iligen Willen in Knaben und Mädchen zu schaffen und gegen die Stürme der Leidenschaft zu festigen, den heiligen Willen zur Reinheit und Selbstbewahruug. Glaube niemand, die sogenannte sexuelle Belehrung genüge hierzu! Wissen allein schafft noch nicht das Wollen und hier am allerwenigsten. Die katholische Kirche aber hat gerade aus dem Gebiet der sittlichen Erziehung der Heranwachsenden Jugend durch die Betonung der religiösen Gnadenkräfte den einzig r ästigen Weg gezeigt, an dessen Ende die sichtbare und unsichtbare Ehrenpforte steht, auf welche die Chin esen„Schoeng Dsche" das ist „Heiliger Wille" schrieben." Wir stimmen ganz dem poesiereichem Verfasser der „Epheuranken" dem sprach gewandten PriesterE rnst,Thrasolt bei, wenn er urteilt. „In dem Buche sind so viele neue, aber im Grunde einfache, selbstverständliche und darum unwiderstehliche Gedanken und so viele unvergeßliche Beispiele, die es für den Privatgebrauch, wie für Unterricht u. a. überaus vorteilhaft machen." Nicht weniger schön als zutreffend sagt E. M. Hamann „Es ist tatsächlich ein prachtvolles Buch von gediegener Sprache, gediegenen Bildern, gediegenem Denken und Empfinden. Unendlicher Zart- und Feinsinn spricht daraus und jene große Güte, die die Weisheit der Liebe ist. In dieser Beziehung möchte ich das Buch einfach ein klassiches nennen. Nimm und lies! Auch du, der du in der Jugendfürsorge siehst, du wirst dann die stärksten Anker auszuwerfen wissen. Ei« schmerzlicher Verlust. In der ersten Tagesstunde des 4. März 1914 kehrte die Seele des Fürstbischofs Kardinal Georg von Kopp von Breslau zu ihrem Schöpfer und Herrn zurück. Damit ist eine der markantesten Persönlich, besten in Kirche und Staat in unseren Tagen aus der Zeitlichkeit geschieden, eine Persönlichkeit, die in gewissen geistigen Zügen und Lebensschicksalen die Erinnerung an die großen Päpste Gregor VII. und Sixtus V. wachruft. Der verewigte Kardinal war ein Leuchte seiner Kirche, der Mann des höchstens Vertrauens, dreier prooidentieller Päpste, der Mann der unbegrenzten Hochachtung und Wertschätzung zweier kaiserlichen Herren, die ihn im Tode fürstlich ehrten, ein Mann des Glaubens an die unbedingte Notwendigkeit der Autorität in Kirche und Staat, ausgezeichnet durch staatsmännische Weisheit und seltenen Fernblick, gestützt auf ein ungewöhnliches Jntuitionsoermögen, das mit der damit verbundenen fast untrüglichen Menschenkenntnis ihn jals einen Mann von außergewöhnlichen diplomatischen Fähigkeiten und Erfolgen erscheinen läßt. In der Schulgeschichte Preußens bleibt der Name des verewigten Kirchenfürsten für immer ehrenvoll eingetragen. In der von dem Kaiser einberufenen Schulkonferenz war Kopps Eingreifen von den glücklichsten Folgen und verhütete vieles, was der Augenblick opfern wollte. Als Mitglied des Preußischen Herrenhauses stellte er in den Schulfragen bis in sein letztes Lebensjahr hinein wie ein Jüngling seinen Mann. Seine letztere außerordentlich glücklichen Ausführungen über die Stellung der Religion in der Jugendpflege und in der Fortbildungsschule dürfen nie vergessen werden und waren, an dieser Stelle vorge- tragen, von der höchsten Bedeutung. Wenn der Kirchenfürst auch einen Grafen Hülsen-Häseler, das preußisch Ministerium und manchen hochgeborenen Herrn und gebietenden Oberbügermeister für den Augenblick nicht zu überzeugen vermochte, seine Ausführungen weckten denn doch bis in die höchsten und verantwortungsreichsten Kreise hinein Bedenken durch die Macht der Persönlichkeit, die für ihre Richtigkeit bürgte, und so wirkten sie als stille Macht, dem Auge verborgen, in die Zukunft weiter. Nie ließen die Entgegnungen, die der Kirchenfürst fand, die Hochachtung missen, die man seiner Person entgegenbrachte, und sie spricht sich nun auch in den Nekrologen der Zeitungen der verschiedensten Parteirichtungen mit einer solchen Ueberein- stimmung aus, daß man diese Erscheinung „beispiellos" nennen kann. Nur Paul Hoensbroech, der Jesuit a quartorre ans, läuft mit einem verschlissenen Zettel hinten nach, wo sich die Grundgedanken ziemlich leicht entziffern lassen: „Ich weiß, daß wir nichts wissen können, das will mir schier das Herz verbrennen." Unter den Nachrufen der nichtkatholischen Presse erscheint der der „Deutschen Tageszeitung" so bemerkenswert, daß er jedenfalls verdient, in der „Bad. Lehrerztg." verewigt zu werden. Das Blatt schreibt: „Eine Laufbahn, die selbst in der für den Aufstieg besonderer Talente so ungemein günstig organisierten katholischen Hierarchie zu den glänzendsten Ausnahmen gehört, liegt nun abgeschlossen vor uns. Eine Persönlichkeit von reichsten und vielseitigsten Gaben ist mit Georg Kopp aus dem Leben geschieden: Ein Theologe von Gelehrsamkeit und Scharfsinn und ein unermüdlicher, praktischer Seelsorger; ein warmherziger Sozialpolitiker, voll von ernstem Verständnis für die Nöte der unteren Volksschichten wie für die Macht des Organisationsgedankens, der aber auf das entschiedenste der Loslösung des Arbeitskampfes von der kirchlichen Autorität, wie die reine Gewerkschaftsidee sie fordert, entgegentrat; ein streitbarer Kämpfer der ecclesia militans und doch voll versönlicher Milde, ein unübertroffener Meister des Wortes auf der Kanzel wie im Parlament oder im Konzil, bei dem größte Schlichtheit und gewählteste Feinheit der Diktion zu höchster Redekunst zusammenwuchs; ein gewiegter Politiker innerhalb wie außerhalb der Kirche, vor allem aber biegsam und zugleich fest wie Stahl, ein Diplomat großen Stils, wie unsere Tage kaum noch seinesgleichen sehen. Der Grundzug seines Wesens war ein beherrschendes Gefühl für die Auf- rechteryaltung der Autorität in Kirche und Staat. Daher, und nicht etwa aus konfessioneller Engherzigkeit, war er der mächtige Beschützer und Förderer der „Berliner" Richtung im Gewerkschaflsstreit. Daher war er auch ein überzeugter Anhänger der Mo u archie und hat als Verwalter einer Diözese, die sich weit nach Oesterreich hinein erstreckt, den beiden führenden deutschen Fürstenhäusern treu und redlich gedient. Der Schwerpunkt seines Wirkens freilich hat, obwohl er dem österreichischen ebenso wie dem preußischen Herrenhause angehörte, doch völlig in Reichsdeutsch, land gelegen; und als deutscher Kirchensürst ist er den Bestrebungen des radikalen Polentums, deren innersten weltlichen und geradezu kirchenfeindlichen Charakter er mit scharfem Blicke erkannte, unbeirrt durch haßerfüllte Angriffe aus den Reihen seiner eigenen Diözesanen, stets mit Festigkeit und Entschiedenheit entgegengetreten. Für die ungewöhnlichen Fähigkeiten des Heimgegangenen, nahmentlich für seine erstaunliche diplomatische Gewandtheit, ist es wohl, ganz abgesehen von seinen reichen Erfolgen auf den verschiedensten Gebieten, ein vollgültiges Zeugnis, daß er bis zu seinem Ende in gleich vortrefflichen Beziehungen zu Berlin, Rom und Wien geblieben ist: Und dennoch scheint es, daß seine Politik im Gewerksschaftsstreit, die zuletzt im Mittelpunkte seiner Tätigkeit stand, ihn schließlich immer stärker isoliert hat und vielleicht zuletzt dicht vor dem Scheitern stand. Es liegt ein tragischer Zug darin, daß der Kardinal, 123 - t in dem die meisten preußischen Katholiken ein langes Menschenalter hindurch einen der erfolgreichsten Vorkämpfer für ihre Sache ehrten, am Ende seiner Kämpfereichen Tage in offenstem und schärfsten Gegensatz zu der politischen Hauptoertretung des deutschen Katholizismus, aber auch zu der großen Mehrheit der deutschen Bischöfe, geriet. Sein Fehlgriff in Sachen des Brieses an Bischof Schulte zeigt, wie stark dieser Streu in jüngster Zeit diesen auserlesenen Geist bedrückt haben mag. Aber über alle trennenden Einzelheiten hinweg werden Katholische wie auch Evangelische an der Bahre Georg Kopps das Empfinden haben, daß in ihm der erste deutsche Kirchenfürst unserer Zeit, ein Mann von reichstem Wirken, größten Gaben und lauterer Gesinnung aus dieser Zeitlichkeit abberufen worden ist, der nicht nur seiner Kirche, sondern auch seinem Könige und dem Frieden seines Volkes stets im Treuen zu dienen sich bestrebt hat. P. B." Die Stellung des Dahingegangenen zur Gewerk- schaftssrage berühren wir nicht. Diese Sache erregt die Gemüter zu sehr und ist uns zeitlich zu nahe, als daß eine Kritik ohne starken Einfluß subjektiver Momente sich ermöglichen ließe. Damit ist aber niemand und nichts gedient. Nach einem Menschenalter wir des sich schon zeigen, ob das sittlich-religiöse Grundstocksoecmögen des kath. Volksteils deutscher Nation durch Gewerkschaft und Politik gemehrt oder gemindert worden ist. Gewerkschaftsbewegung und Politik sollen und wollen allerdings indifferent sein; was aber die Macht der Verhältnisse, die sich der Direktion der Menschen entzieht, kundtun wird — qui vivere verra. Was aber auch kommen mag, kein Schatten wird dauernd das Charakterbild des herrlichen Mannes trüben. Aus dem Gebiete der Jugendkultur. (Siehe Nr. 10 der «Bad. Lehrerztg.") „Ein Karl Picht schreibt: „Das Mißtrauen gegen sich selbst, das Warten auf eine von außen kommende Gnade, wie beides die christlichen Religionen groß- ziehen, sind die schlimmsten Schädlinge des Gelbster ziehe ns. Die Eltern werden bemüht sein, zu korrigieren, zu helfen, zu bessern. Das ist aber für die Jugend das Unerträglichste, sie weiß ja alles selbst, will ja alles allein können. Unendlich wertvoll ist gerade dieses selbsttätige Handeln." Ludwig Gurlitt verlangt in dieser Festschrift der Abkehr von einem falschen Pathos christlicher Veranstaltungen; denn das bedeute eine schöpferische Tat aus dem Wege völkischer Gesundung und Verjüngung. Professor Iodl schreibt in der Festschrift an die 15jährigen Leser: „Ihr werdet den letzten und den größten Befreiungskampf des deutschen Volkes ausfechten müssen, die Befreiung von der römischen Geistesknechtschast, die seit alter Zeit schwerer auf dem deutschen Volke lastet undgrößereOpsrrfordertalsirgendeine Fremdherrschaft. Was von euch verlangt wird: Los vom alten Dogmrnglauben, hin zum MenschheitsglaubenI" Auch eine Beigabe ist darinnen, von einem Manne, von dem ich es nicht für möglich gehalten hätte, aus Grund seines wissenschaftlichen Rufes, von Robert Pöhlmann, der heute schon eine gewisse Rolle gespielt hat. Durch das, was er da schreibt, wird die Tendenz seines Werkes über die Weltanschauung des Tacitus nur noch Heller beleuchtet, wenn man die ganze Geistesrichtung des Mannes nicht auch aus seinen sonstigen Werken kennen würde, besonders aus dem Werke über die Geschichte des Sozialismus und Komunismus im Altertum. Der Mann schreibt: „Klerikalismus und demagogische Volksbearbeitung wetteifern an der Zer st örung der sittlichenGrund- lagen unseres Volker." Das bietet er 15- bis 16jäh- rigen Jungen. (Hört! hört! rechts.) Ich möchte fragen, ob das auch zu jener Freiheit des Lehrens gehört, die der Abg. Schund gegen Polizeigewalt und Intoleranz nach jeder Richtung hin sicher gestellt haben will. (Sehr gut! rechts.) Herr Fidus ist in seinem Beitrage begeistert für die Nacktkultur, die freilich erst allmählich eingeführt werden könne. (Hört! rechts.) Gertrud Prellwitz tritt für eine Reform der Ehe ein." Wenn z. B. die edlen jungen Kräfte der Quelle der Liebe nahen, dann starrt ihnen etwas tatfremdes, etwas feindliches entgegen: die heutige Form der Ehe. (Hört! rechts.) Das ist die Geistesnahrung der „freideutschen Iugendkultur", der freideutschen Iugendkultur für unsere Gymnasiasten. (Hört! rechts.)" Wenn solche blödsinnige Hingabe an den tierischen Sensualismus als Leitmotiv zum kommenden Nationalglück in der Öffentlichkeit sich anpreisen darf, so darf man schon sagen: „Volk der Denker, wie tief bist du gesunken I" Der Feminismus «nd die Liebe zum Vaterland. Wir bringen hier eine Übersetzung aus einem pädagogischen Blatte Frankreichs. Alle unsere pädagogische Modernität strömt aus der großen Feuerfontäne der ersten französischen Revolution. Aus politischen Gründen ein neues Geschlecht, eine neue Erziehung! Das ist, war und bleibt die Losung. Modifikationen der Modernität kündigen sich zuerst im Mutterland an. denn der geistig beweglichere Fkanzose ist im schillernden Oberflächlichen dem plumpen Deutschen über. „Michel" hat ja seine großen Vorzüge; aber sie liegen in der Tiefe; nur möchte er in der gallsschen Art tanzen, eine Karikatur. Wollen wir aber wissen, was;in nächster Zukunft kommen wird, so müssen wir nach Frankreich schauen, um zu erfahren, was die Gegenwart treibt. In dem französischen Blatte heißt es: „Die öffentliche Aufmerksamkeit wurde neulich auf die Rolle der Frauen in der Vaterlandsverteidigung gelenkt. Frau Dieulafoy hat in einer Konferenz in der „Komedie der Elysäischen Felder" in fesselnder Weise über den wichtigen Gegenstand gesprochen. (Wir erlauben uns anzudeuten, daß die deutsche und französische Vorstellung des Wortes „Konferenz" sich keineswegs decken. In französischem Sinn dürfte Konferenz eine literarische Veranstaltung sein, wobei ein packendes Thema eine geistvolle Durchführung erhält, die bewußt gewisse Feinheiten des Sprachgeistes scheinbar unbeabsichtigt glänzend in die Erscheinung treten läßt. Dabei spielt die verblüffende Einfachheit in den Sprach- mitteln nicht die unbedeutendste Rolle, Genaueres darüber findet sich in den Erinnerungen Sarcey's, eines bedeutenden Conferenzier, Conferenziers dieser Art gibt es in Deutschland nicht. Auch die „Qberbrettelkunst" eines Wolzogen verwirklichte das Unmögliche nicht d. R.). Sie las eine Depesche des Kriegsministers vor, welcher sie unterrichtete, daß er die berufenen Dienstzweige gebeten habe, die Frage mit der größten Sorgfalt zu studieren. Ein Vertreter des Ministers und ein Abgesandter des Leiters der Intendanz wohnten der Versammlung bei. Die Conferenziere (man gestatte den französischen Ausdruck für Rednerin; Leiterin der Konferenz" geht nicht an d. R.) hatte nun Gelegenheit, die Ideen zu entwickeln, die sie bei mancher Gelegenheit schon ausgedrückt hat. Die wesentlichsten lauten: „Man muß die Frauen unterweisen, damit sie im Falle der Mobilisierung, mit Hilfstiteln bezeichnet, die Offiziere und die Unteroffiziere aus der Reserve und den Landtruppen ersetzen können, die in den Büros der Verpflegung und der Dienstzweige, die davon abhängen, verwendet werden. So können beide an die Front gestellt oder der Industrie erhalten werden, die in diesen Tagen der Heimsuchung einer furchtbaren Anstrengung sich unterziehen müßte. In demselben Sinn haben zwei Schriftsteller unserer Tage — Marius und Ary Leblond — soeben ein prächtiger Buch — „die Tochter" — veröffentlicht, Sie 124 » wünschen die Schule zu sehen, die die Töchter lehrt, das Vaterland zu lieben. Eine der ausgezeichnetsten Feministinnen, — Fräulein Odette Bussard — antwortet: „Man braucht ebenso wenig zu lehren das Vaterland zu lieben, als es nötig ist, zu lehren, die Mutter zu lieben." Sie hat recht. Aber die Herren Leblond haben nicht unrecht. Fortsetzung folgt. Badische Chronik. Umblicke. Der Verlust der Sympathie, den unsere Volksschule im Volke erlitten, ist unersetzlich und verurteilt ohne alles weitere die Führung des „Bad. Lehrervereins", die für die Zusammengehörigkeit von Volk und Schule nicht eine Spur von Verständnis bekundet hat. Die Tatsache des Verlustes selbst beklagte in der diesjährigen Finanzdebatte der Gr. Geheimrat Rebmann, der Führer der Nationalliberalen Partei, in wirklich beredten und bewegten Worten. Aber wenn er meint, schönere Zeiten werden wiederkehren, so ist das ein schöner Traum. Gegen die Konsequenz der Tatsachen kommt keine Menschenmacht auf; darum erwäge man wohl, was man beginnt, bevor man bestimmten Tatsachen freien Lauf gewährt. Einmal gelöst, übernehmen sie die Rolle des fliegenden Steines. Man kann nicht entgegengesetzte Ziele mit einem Schlage erreichen. Aber man kann sie verfolgen und man verfehlt beide. Das dürfte im Leben so ziemlich die Regel sein, und in der badischen Schulgeschichte ist es nicht anders. Die „geeignet scheinenden Bemerkungen" machten Stadtlehrer, die solche in ihrem ganzen Berufsleben nie gehört hatten, und nie zu hören bekommen konnten, zum Angelpunkt des Streben» nach Fachaufsicht. Wir haben den Ersten Lehrer, und die Fachaussicht ist endgültig begraben. Denn unter „Fachaufsicht" verstand jeder deutsche Lehrer die Besetzung der Kreisschulinspektorate durch im Dienste wohl erprobte Volksschullehrer, während jede technische Lokalschulaufsicht fallen sollte. Hierin fühlt sich die „Bad. Lehrerzritung" eins mit der gesamten deutschen Lehrerschaft, einzig und allein der Bad. Lehreroerein ausgenommen. Wir haben die tatsächlichen Verhältnisse in den „Allensteiner Besprechungen" dargelegt, wo die „Bad. Schulztg." so schwer von Begriffen war. Wir werden das nächste Mal sehr verständliches Material bringen. Nun haben wir neu eingeführt erhalten, was alle deutschen Lehrer nördlich der Mainlinie in Wegfall bringen wollen, nämlich die technische Lokalschulaufstcht, einen nahezu idealen Zustand haben wir verschwinden sehen dank der Führung des Bad. Lehrervereins." Der Weg zur wirklichen Fachaufsicht ist tatsächlich für die badischen Lehrer verschlossen. Kaum anders läßt sich nachstehender Kommissionsbericht erklären: Aus der Budgetkommission. Karlsruhe, 26. Febr. Die Budgetkommission befaßte sich in ihrer heutigen Sitzung mit dem Voranschlag des Ministeriums des Kultus und Unterrichtswesen und zwar Kapitel: Volksschulwesen. Die angeforderten weiteren Schulkommissärstellen bei den Kreisschulämtern in Mannheim und Baden-Baden werden genehmigt. Der Minister erklärt, da« zu Kr e i s s ch u l r ä t e n in der Regel akademisch gebildete Lehrer genommen werden sollen, es können aber auch Schulkommissäre, die sich hervorragend bewährt haben, als Kceisschulräte angestelll werden. Die Zulassung der Volksschullrhrer zur Universität lehnt der Minister ab, da dies nicht den Bedürfnissen eines kleinen Landes entspreche. Das Schulgesetz ist soweit durchgeführt, daß nur noch 271 Lehrerstellen fehlen. Man habe damit gerechnet, das Gesetz in 15 Jahren durch- -uführen, tatsächlich werde es sich aber schon in 11 bis 12 Jahren durchführen lassen. Die Regierung wünscht ein schnelleres Tempo in den Schulhausbauten, andererseits wird der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß die Gemeinden nicht zu sehr dadurch gedrückt werden. Es entspinnt sich eine längere Debatte über Schulhausbauten, insbesondere über den Charakter von Schulhausbauten auf dem Lande. Der Frage der Ausbildung der Haushaltungslehrerinnen wendet die Regierung fortgesetzt ihr Augenmerk zu. Aber eine einheitliche Regelung dieser Frage für Stadt und Land sei schwer zu machen. Der deutsche Verein enthaltsamer Lehrer (Vors: Rektor Dannmeier, Kiel. Organ: „Die Enthaltsamkeit") zählte Ende Januar 1077 Mitglieder. Daneben besteht ein „Deutscher Verein abstinenten Lehrerinnen" (Vors.: Frl. Lohmann, Bielefeld) und der rund 360 Mitglieder zählende „Verein abstinenter Philologen deutscher Zunge" (Vors.: Studienrat Prof. Dr. Hartmann, Leipzig). Programm. der geologischen Studienfahrt des Kosmos in das rheinische Schiefergebirge und die vulkanische Eifel vom 8—17. April unter Führung des Herrn Dr. Karl Riemann, Dezernent für Geologie und Bodenkunde am Kalisyndikat G. m. b. H-, Staßfurt. Mittwoch, den 8. April. Abends Zusammenkunft der Teilnehmer im Hotel Schütz in Gießen, Bahnhofstr. Donnerstag, den 9. April. Eisenbahnfahrt Gießen- Butzbach und zurück. Besuch der Pliocänen-Quazite von Münzenberg (berühmter Fundort tertiärer Pflanzen). Abends Weiterfahrt nach Wetzlar, Hotel Luy. Freitag, 10. April. Eisenbahnfahrt Wetzlar-Herbronund zurück. Besuch des geistlichen Bergs, reicher Fundort von Kalkvecsteinecungen' (unterer Carton). Nachmittags Besuch des Catimunte (Basalt), der oberdeoonischen Cypridinenschiefer und mitteldevonischen Tentaculitenschiefer der Umgegend von Wetzlar (an beiden Orten Versteinerungen zu sammeln). Samstag, 11. April. Eisenbahnfahrt Wetzlar-Löhnberg. Schöne Diabascontacterscheinungen (Variolite) und oersteinerungsreicher Oberdevon. Nachmittags Eisen- bahnfahrt Weilburg-Fachingen, Besichtigung der Königlichen Fachingerer Brunnenanlagen. Abends Weiterfahrt nach Coblenz, Hotel Royal. Sonntag, 12. April. Besichtigung des Unterdevons der Umgegend, Singhosen, Oberlanstein, Krebsbachtal, Laubach, Karthaus usw. (überall zahlreiche Versteinerungen der Coblenzer Schichten). Montag, der 13. April. Eisenbahnfahrt Coblenz-Linz. Besuch des Dattenbergs usw. Schöne Drusen- Mineralien im Basalt (Phillipstl, Apophyllit u. a.). Abends Weitersahrt nach Königswinrer, Hotel Rheinischer Hof. Dienstag, 14. April. Besuch des Siebengebirges, Drachensels, Wolkenburg, Rosenau, Ölberg, Löwenburg, Perlenhardt. Abends Weiterfahrt nach Köln, Hotel zum Storch. Mittwoch, 15. April. Eisenbahnfahrt Deutz-Benzberg. Besuch des weltberühmten mitteldeoonischen Kalk von Remsberg und Paffraths (überaus reich an Versteinerungen). Donnerstag, 16. April. Eisenbahnfahrt Köln-Andernach. Wanderung durch das Brohltal, Wehrer Maar, Laacher See, Hochsimmen. Bausenberg, Hundsköpfe, Krufterofen, Weißkopf nach Maien (prachtvolle erloschene Vulkane). Abends Weiterfahrt nach Daun, Hotel Hommes. Freitag, 17. April. Weinfelder Maar bei Daun und Unterdevon der Gegend von Gerolstein, Hotel Heck. 125 > Samstag, 18. April. Pulvermaar. Mitteldeoon von Gerolstein und Pelms, Oberdevon von Rüdesheim (überall reiche Fundorte devonischer Versteinerungen. Auf Wunsch kann die Exkursion noch um 1—2 Tage verlängert werden und würde dann der oersteinerungsreiche Oberdevon von Olkenbach, der Mosenburg bei! Manderscheid und die Wissenbacher Schiefer bei Bundenbach besucht werden. Geologische Karten, die Blätter Cöln,' Schleiden, Coblenz, Wetzlar, Bernkastel der Geologischen Karte der Rheinprovinz und Westfalen. Logis wird zusammen bestellt. Unkosten einschließlich Eisenbahnsahrt 10—12 Mk. pro Tag. Außerdem sind 30 Mk. pro Person für Vorbereitung der Exkursion zu zahlen, welche mit der Anmeldung an Herrn Dr. Carl Riemann, Staßfurt, Zollstraße 14 einzusenden sind. Verbesserung: Nr. 10, Seite 106, 1. Spalte lies Protzenhaftigkeit statt Prozenlhafligkeit, Seite 107, 2, Spalte: ein abermaliges Hervorrufen poetischer Gestalten, statt politischer Gestalten. Aus der Literatur. Natur und Kultur. Monatl. 2 Hefte viertelt. 2MK. Schriftleiter und Herausgeber Dr. Fr. Jos. Völler, München. XI. Jahrgang Heft 9. Ernst H aeckel. Von P. Engelbert Hoh, O. S. B. — Die Entstehung der deutschen Landschaftsbilder. Von Dr. Herm. Fischer. — Die Handschriften und die neue Ausgabe der Tiergeschichte des Albertus Magnus. Von Dr. H. Stadler. — Aus unserem Eiben- Archiv. — Aquarien- und Terrarien-Liebhaberei. Von Dr. Fr. Knauer. Wetterperioden für den Monat März 1914. Bon P. R. Handmann, S. I. Umschau am Himmel. Von Dr. F. Bidschof. — Mathematische Aufgaben. Von Prof. Wieleitner. — Einige petro- graphische Exkursionen im Bayrischen Wald. Von Univ-Prof. Dr. E. Weinschenk. — Schrenk-Notzings „Materialtsationsphänomene". Von Dr. Max Ettlinger. — Bücherschau. Zu der Reichhaltigkeit des Inhalts bemerken wir nur noch, daß die Beiträge auch qualitativ vorzüglich sind. Illustrativ ist das Heft wieder verschwenderisch ausgestattet. Bonifatius-Blatt Offizielles Organ des Bonifatius-Vereins Herausgegeben im Aufträge des General-Vorstandes des Bonifatius- Vereins zu Paderborn von Generalsekretär Pfarrer F. Schlatter. Das 2. Heft des Bonifatiur-Blattes, das uns vorliegt, steht dem ersten Heft des laufenden Jahrganges, in nichts nach an interessanten, aufklärenden Artikeln über die deutsche Diaspora und den Bonifatius-Veretn Der einleitende Aussatz über „Eucharistie und Bonifatius- Verein" dürfte geeignet sein vor allem die Verehrer des allerheiligsten Sakramentes für die Diaspora-Hilfe zu begeistern. Die einzelnen Rubriken: Im Plauderstübchen, Zur Lehr und Wehr, Aus der Diaspora und dem Vereinslebcn lassen uns einen Blick tun in das große Arbeitsfeld des Bonifatius-Vereins. Niemand wird das Heft aus der Hand legen, ohne reiche Belehrung und Begeisterung für die Res Bonifatiana daraus geschöpft zu haben. Das Februarheft der Äkadem. Bonifatius-Korre- spondenz, Verlag der Bonifatius-Druckerei in Paderborn, 2,60 Mark für vier Hefte jährlich, bringt einleitend das Schreiben des Heiligen Vaters an den Grafen Stolberg, in welchem die Unterstützung des Bonifatius-Vereins „die Hauptpflicht der Katholiken Deutschlands" genannt wird. Einen wahrhaft erschütternden Beweis für die Wahrheit dieses päpstlichen Wortes erbringt ein Artikel „Kinderelend", der an der Hand eines erdrückenden Materials zeigt, wie Seelen in der Diaspora verloren gehen müssen. Daneben bringt das Februarheft eine reiche Fülle von apologetischen und religiös erbauenden Aufsätzen von Kühnel, Böminghaus, Dr. Miller, P. Dalmatius Löcher, O. Pr., Prof. Rosenberg u. a. Bezirkskonferenz Karlsruhe! Am Samstag den 14. März findet nachmittags 4 Uhr im „Reichshof", gegenüber dem neuen Hauptbahnhof, eine Zusammenkunft des diesseitigen Bezirks statt. Tagesordnung: 1. Standesfragen. 2. Haftpflichtversicherung. Jos. Strobel. Bezirkskonferenz Freiburg! Samstag, den 14. März, ^4 Uhr Konferenz im Vereinslokal. Zweiter Teil des Förster-Vortrags. Mitglieder und Gäste werden freundlichst eingeladen. Unsere nächste Kreiskonferenz ist auf den 25. April anberaumt. Der Vorsitzende. Kreiskonferenz Offenburg. Samstag, den 21. März, nachmittags 3 Uhr, Zusammenkunft im Unionhotel zu Offenburg. Tagesordnung. 1. Vortrag. 3. Wahl der Konferenzbeamten. 3. Haftpflichtversicherung. 4. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen nötig. Gäste herzlich willkommen. _ _E. Deusch. Höerryeinöezirk (Kreiskonferenz Waldsyut). Samstag, den 21. März, nachm. 2V? Uhr Konferenz im Kath. Vereinshaus in Säckingen. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Vereins- und Konferenzbeitrag (2,50 und 0,50) für 1914. 3. Haftpflichtversicherung. 4. Verschiedenes. Gäste freundlich willkommen. Um zahlreiches Erscheinen bittet der Vorsitzende. Kreiskonferenz Wannlieim-Keidelöerg. Samstag, den 21. März, nachmittags 3 Vs Uhr Versammlung im Luxhof in Heidelberg. Tagesordnung: 1. Vortrag über das Kino, von Herrn Maurer, Heidelberg. 2. Die gegenwärtige Lage. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersucht ergebenst Der Vorsitzende. Bezirkskonferenz Aonauefchingen-WMngen-Triöerg. Samstag, den 21. März, Vs 4 Uhr Konferenz im Bären in Donaueschingen. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Einzug fälliger Beiträge. 3. Verschiedenes. Die Mitglieder werden dringend gebeten zu erscheinen. Gäste herzlich willkommen. Der Vorsitzende. Bezirkskonferenz Kaslach-Wolfach! Die für den Monat März geplante Bezirkskonferenz fällt aus, da wir uns, wie ich erwarten darf, am 21. März zur Kreiskonserenz in Offenburg vollzählig einfinden dürften. Fehringer. Bezirkskonferenz Konstanz! Am 30. März, nachmittags 3^4 Uhr findet im St. Johann in Konstanz eine Konferenz statt. Tageso rdnung: 1. Vortrag. 2. Wahl der Konferenzbeamten. 3. Einzug der Hastpflichtversicherungsbeiträge. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorsitzende. 126 Wezirkskonferenz Wastatt-Waden. Am Hamstag, den 21. März, nachmittags 3 Uhr Konferenz in der „Sonne" in Rastatt. Tagesordnung: 1. Vortrog: Die Welt der Moleküle. 2. Wahl der Konferenzbeamten. 3. Einzug der Prämie (1 Mark) für die Haftpflicht. Wer am Erscheinen verhindert ist, möge rechtzeitig den Betrag portofrei an mich einsenden. 4. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorsitzende: Emil Armbruster. Neues Lehrmittel für Schulen, Die Firma Brause L Eo., deutsche Schreibfederfabrik, Iserlohn, stellt den Schulen eine große, farbige Darstellungstafel der Federfabrikatton, insbesondere ihrer berühmten Schulfeder Nr. 51, nebst einer Erläuterung und Geschichte der Schreibwerkzeuge kostenfrei zur Verfügung. — Dieses äußerst instruktive Lehrmittel sollte schon deshalb an keiner Schule fehlen, als hi^r Gelegenheit geboten ist, die Schule um ein wertvolles Jnr.'entl?rstück kostenfrei zu bereichern. — Die Zusendung erfolgt ab Fiabriü- » Oerade in unsrem Lernte 8ebemen die Leirmiile! doppelt 8eb3d1ioli in sein; denn meine ^ervobM wueb8 von ^3g xu ^3g. 5ei1 KatkreinerZ l^al^kaffee mein i3g!iebe8 Oelrsnk geworden, ist das Obel i38t gänr- liob beboben. bsKi'ki' n. o. m w. - Reelle 60 bk. .'ib0vi. 3)75kk. 4)Ill.l- Die berte leitrr lieber §okn ^liiievon ktaure^rtlokn: Proben koUenb«!! 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