Nr 17. Samstag» den 25. April 1914. 9. Jahrgang. t Zeitschrift zur Förderung der Erziehung der Schule und des Lehrerstaudes. Amtliches Beröffentlichungsblatt des Katholische« Lehrerverbaudes d. D. R.» Laudesverein Baden Mische Lchmzeitlmg Erscheint jeden Samstag. Bezugspreis: Vierteljährlich 2 Mark inklusive Postgebühren. B^ra»twortliche Redaktion: Joseph Koch, Mannheim, Anzeigen: Die einsp. Petitzeile 20 ^ Bei zwangsweiser Eintreibung von Gebühren durch Klage oder in Konkursfällen wird der für Aufträge bewilligte Rabatt hinfällig. Druck u. Verlag: ,Unitas"«Achern-Bühl. Langstraße 12. Verantwort!, f.d. Inseratenteil: P. Käser Wohnsitz der Geister. — Frohe Botschaft. — Bestellungen. - Die religionslose Schule und ihre Sittenlehre. — Zur Kinofrage. — Die Schüler können nicht schließen. — Die Mutter in der frühesten Kindererziehung. — Vom Büchertisch. — Kath. Lehrerverband des Deutschen Reiches. — Rundschau. — Anzeigen. Wohnsitz der Geister. O Meer, in dem sich alles verliert, was da groß genannt wird, bodenloses, uferloses Meer, wer kann deine unermeßliche Größe beschreiben, wer deine Tiefe ausmessen? Nicht nur alles wirklich Erschaffene, auch die unzählige Menge möglicher Wesen, alles ist in dir inbegriffen. Alles, was da ist, ward durch deinen Willen aus dem Nichts heroorgezogen, und auch jetzt umfassest du alles, wie das Sandkörnchen im Ungeheuern Weltmeer. Der Gerechte, der Vollkommene, der in dem andern Leben keinen Makel zu tilgen hat, schließt seine Augen dem gegenwärtigen Leben und öffnet sie einer ewigen Freude. Dort sieht er alles ohne Hülle; er schaut den Ewigen, dessen Bild er ist, und wird vor Freude entzückt. . . . O, in dieser sterblichen Hülle, fühle ich mich schon jenem erhabenem Ziele nahe. Die Hülle sinkt, der Geist zerbricht seine Bande, schon tauche ich mich in die Tiefen der Gottheit, die sich mich offenbart. Aus den Nachtgedanken des hl. Augustinus. H 6 A Frohe Botschaft. Es ist ein Lied erklungen herab vom Himmelszelt; die Lerche hat's gesungen hernieder auf das Feld. Das will es weiter künden, schon prangt's in jungem Grün, es regt sich in den Gründen, rings fängt es an zu blüh'n. Herz, hast du auch vernommen den Gruß aus Himmelshöhn? Der Frühling ist gekommen und kam noch nie so schön. Johannes Trojan. H H H Bestellungen auf die „Bad. Lehrerzeitung" werden jederzeit von dem nächsten Postamt angenommen. Man werbe gütigst um neue Abonnementen, wende der Zeitung Inserate aus der Geschäftswelt zu und berücksichtige freundlichst die Anzeigen unter Berufung auf den Inseratenteil der „Badischen Lehrerzeitung". H H A Die religionslose Schule und ihre Sittenlehre. Aus dem Hirtenbrief für das Bistum Speyer. III. Mir brauchen Gottes Autorität, um das sittlich Gute pflichttreu zu wollen. Die sittliche Ordnung ist die entfernte Regel des menschlichen Handelns, die nächste Regel unseres Handelns heißt Pflicht und Gewissen — zwei Worte von stahlhartem Klang, zwei Könige von gebietender Majestät, zwei hohe Priester mit reicher Segensfülle! Pflichttreue ist des Soldaten zweite Fahne, des Herrschers zweite Krone, des Beamten täglicher Diensteid, des Arbeiters bestes Werkzeug, des Dienstboten schönster Leumund, der Familie leichtester Haussegen, der Toten rühmlichste Grabschrift, Pflichttreue erhebt den Menschen über das tierische Leben, das nur von den Naturtrieben, den Lust- und Unlustgefühlen des Augenblicks beherrscht wird, Pflichttreue weist die Schuljugend mit hocherhobenem Zeigefinger nach den majestätisch ernsten Aufgaben des Lebens. Die sittliche Ordnung, vom Willen des einzelnen unabhängig, wendet sich als Weilordnung an die Menschheit im allgemeinen; die sittliche Pflicht wendet sich an das persönliche Gewissen des einzelnen, zur Einordnung des einzelnen Willens und Lebens in die sittliche Ordnung, zur Bindung des persönlichen Willens an das Gute und Berufsmäßige. Schon in der Form der meisten göttlichen und kirchlichen Gebote, in dem „Du sollst", ist die persönliche an jeden einzelnen gerichtete Verpflichtung ausgesprochen. Und zwar als unbedingte Verpflichtung! Wir die sittliche Ordnung besteht, ohne erst bei der Menschheit anzufragen, ob sie bestehen darf, so fordert auch die sittliche Pflicht wie eine souveräne Königin unbedingten Gehorsam ohne Wenn und Aber. Selbstmord ist unerlaubt, auch wenn die Krankheit noch so schmerzhaft ist; Meineid ist unerlaubt, auch wenn 188 ein ganzes Vermögen in Frage steht; die Heirat einer geschiedenen ist unerlaubt, auch wenn das Lebensglück daran zu hängen scheint. Aber eben deshalb, weil die sittliche Pflicht auf Leben und Tod bis zu den schwersten Opfern reicht, muß die Pflichttreue eine tragfeste Grundlage haben eine starke Rllckentdeckung, eine hl. Sanktion, und diese besteht in der Überzeugung des Glaubens: Es ist so Gottes Wille! „Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung". Er ist mein Schöpfer und Endziel, ich bin sein Untertan auf Leben und Tod! „Rede Herr, dein Diener hört". Der natürliche Mensch wird angesichts der täglichen Pflicht immer noch fragen: Warum oem Bösen und Unsittlichen widersagen, auch wenn es süß ist, — warum dem Guten und Sittlichen den Treueid leisten, auch wenn es sauer fällt? Der Glaube antwortet auf dieses Warum: Weil es so Gottes Wille ist. Vor seinem Willen muß meine Willkür schweigen. Jetzt hat die Pflichttreue an Gottes Autorität einen wetterfesten Halt gefunden. Jetzt liegen die Tafeln des Gesetzes im Heiligtum in der Bundeslade unter den Augen Gottes, wohlverborgen gegen die Willkür der Gasse. Jetzt lodern Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit als heilige Flammen auf dem Altäre des Herrn. Wenn aber die Religionslosen die Altäre Gottes Umstürzen, muß das hl. Feuer der sittlichen Pflicht auf dem Erdboden bald erlöschen. Die Vertreter der Laienmoral haben buntscheckige Vorschläge gemacht, um an Stelle des Gottesglaubens eine andere Grundlage der sittlichen Pflicht zu legen, aber keine, keine einzige von ihren irdischen Triebfedern ist stark genug, das Triebwerk der gewissenhaften Pflichttreue bei allen Menschen in allen Lebenslagen in Gang zu setzen und im Gang zu halten. Sie können die Gesetze der Sittenlehre schön formulieren, aber nicht begründen. Sie wollen die Philosophie auf den Thron der Religion erheben, und bleiben uns die Antwort aus die erste und höchste Frage der Philosophie schuldig: Warum, warum das saure Gute tun, warum das süße Böse lassen? Ohne Gottes Namen ist die sittliche Pflicht auf Leben und Tod nicht zu begründen. Ein anderes Fundament ist nicht gelegt. Ein sittliches Gebot, hinter dem keine andere Autorität steht als ein Privatname, hat nicht mehr Macht als ein König auf der Spielkarte. Die sittliche Pflicht ist nur dann eine Königin mit voller Autorität, wenn sie eine Königin von Gottes Gnaden ist. Auch das stolze Wort Selbstverpflichtung, das seit 100 Jahren als Höhepunkt der Sittenlehre ohne Gott aus- gerusen wird, ist kein vollwertiger Ersatz der gottgläubigen Sittenlehre- Wenn jeder sein eigener Moses ist, mit eigenen Gesetzen auf eigenen Tafeln, dann haben wir eine Welt voll Gesetzgeber; es handelt sich aber nicht darum, neue Gesetze zu erfinden, sondern darum, den Willen auf die alten Gesetze zu verpflichten. Es ist rasch gesagt, die Tugend solle aus freier Wahl und Entscheidung entspringen ohne daß der leiseste Druck ausgeübt wird; jeder Schulmann weiß, daß ohne führende Hand die Jugend der Fortbildungsschule den Weg der Tugend nicht findet. Bindung durch eigenen Willen unter Ablehnung jeder Autorität ist keine lebenstüchtige Bindung; denn wer sich selbst zum Guten verpflichtet, kann sich jede Stunde auch selbst vom Guten dispensieren. Dann tritt Willkür und Laune und Leidenschaft an Stelle der Pflicht. Wir brauchen Gottes Autorität, um das sittlich Gute pflichtreu zu wollen. 3. Wir brauchen Gottes Gnade, um das sittlich Gute tatkräftig zu vollbringen. Es ist nicht genug, das sittlich Gute zu erkennen und zu wollen, die wahre Sittenlehre muß zu sittlichen Taten führen. „Das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft." Der sich selbst überlassene Mensch kann guten Willen haben und voll Sehnsucht zu den Höhen sittlicher Vollkommenheit emporschauen, „das andere Gesetz in seinen Gliedern" aber, die erbliche Belastung der Erbsünde, hält ihn wie ein Bleigewicht am Boden. „Das Wollen liegt mir nahe", spricht er mit St. Paulus, aber das Vollbringen finde ich nicht" Das Gute, das er will, tut er nicht, dagegen das Böse, das er nicht will, vollbringt er. Das Gegengewicht gegen diesen bleiernen Zug der niederen Natur, die Vollkraft der niederen Natur, die Vollkraft zur sittlichen T at ist nach der christlichen Sittenlehre die Gnade Gottes. „Gott ist es, der in euch das Wollen wie das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen." Gerade in der Schwachheit der menschlichen Natur bewährt sich die Kraft der göttlichen Gnade. Es liegen also auch die Fundamente der sittlichen Tat, so gut wie jene der sittlichen Ordnung und sittlichen Pflicht, auf den heiligen Bergen Gottes Die Sittenlehre der religionslosen Schule lehnt die Gnadenlehre des Katechismus ab und sagt den Kindern, sie sollten aus eigener Kraft, ohne die Gnadenkraft aus der Höhe, mit den Aufgaben des Lebens sich abfinden. Wie soll das arme Kind ohne Gnade mit den moralischen Riesenaufgaben des Lebens sich abfinden, wenn es nicht einmal mit den kleinen Aufgaben der Schule aus eigener Kraft fertig wird? Wie soll das Kind sein eigener Heiland sein, wenn es nicht einmal sein eigener Lehrer sein kann? Die Erbsünde, die den Willen geschwächt und den Appetit nach den verbotenen Früchten geweckt hat, ist eine seelische Tatsache, mit der jede Erziehungskunst wohl oder übel rechnen muß. In einem modernen Bühnenstück wird im Ernst die Frage gestellt: „Braucht man denn einen Gott, um kein Schuft zu sein"? Propheten und Apostel haben darauf längst Ja und Amen geantwortet. Der Psalmist spricht von dem Toren, der das Dasein Gottes leugnet, und schildert als Drachensaat der Gottesleugnung ein allgemeines Sittenverderben: „Sittenlos und verkommen sind sie in ihrem Treiben, keiner ist, der Gutes tut, aber auch nicht einer . . .; Gottesfurcht ist eben nicht vor ihren Augen". Der heil. Paulus spricht im Römerbrief den gleichen Gedanken aus: Der Mensch ohne Gott wird zum Unmenschen. Als die Menschheit die Erkenntnis Gottes verloren hatte, wurde die Erde ein Tiergarten von Sodoina, wo Habsucht und Schmähsucht und Schlechtigkeit aller Art sich tummelten. Im Herzen von Spanien sieht man heute noch die Rinnsale, die früher das Wasser von den Bergen auf die wasserarmen Felder der Ebene leiteten. Heute sind diese Kanäle zum Teil versandet, und soweit sie versandeten, sind die ehemal blühenden Flüren zur Wüste geworden. So muß auch das sittliche Leben einer Seele versanden und zur Wüste werden, wenn es seine Kraft nicht mehr von den heiligen Bergen herleitet. „Mein Gerechter lebt aus dem Glauben." Religion und Moral stehen in einem so unlöslichen Zusammenhang, daß die Seligkeit aus dem Glauben lebt und aus dem Unglauben stirbt. Dieser Satz bleibt wahr trotz zweier Menschenklassen, trotz der Scheinheiligen, die sich als Gottesglüubige aufspielen und dabei ein unsittliches Leben führen, und trotz der Weltheiligen, die sich als Ungläubige bekennen und doch ein anständiges Leben führen. Die erste Klasse, die scheinheiligen Bekenner des Glaubens ohne sittliche Lebensführung, haben den Namen, daß sie leben, und sind tot, weil ihr Glaube ohne Werke tot ist. Diese Scheingläubigen sind bei den Gläubigen überhaupt nicht mitzuzählen, sowenig wie die Scheinheiligen bei den Heiligen. Über diese Pharisäer hat bereits Christus ein achtfaches Wehe gesprochen, weil sie so fromm tun und dabei Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue fallen lassen und die Häuser der Witwen oerzedren. Heute muß man ein neunfaches Wehe über sie sprechen, weil sie durch den Mißklang zwischen Glaubensbekenntnis und Lebensführung die Lebenswerte unseres hl. katholischen Glaubens in Mißkredit bringen und den Weg der Wahrheit lästern. Die Kirche hat immer gefordert: „Die gottgläubig Gewordenen sollen sich Mühe geben, gute Merke zu üben"; die Kirche hat aber niemals behauptet, daß die Kenntnis der religiösen 189 Wahrheiten ohne weiteres wie mit Zauberkraft in einen tugendhaften Menschen umwandle. Die Sittlichkeit lebt aus dem Glauben und stirbt aus dem Unglauben. Dieser Satz bleibt wahr auch trotz der zweiten Klasse der Glaubensnihilisten, die schlechte Christen sind, ohne schlechte Menschen zu sein. Die Menschen der eisten Klasse halten am Glauben fest und geben die Sitte preis, die der zweiten Klasse halten an der Sitte fest und geben den Glauben preis. Es gibt solche Weltheilige, die kein Credo mehr sprechen, die aus Gleichgiltigkeit oder sogar aus Grundsatz nicht mehr beten, die aber doch als Familienväter wie als Geschäftsmänner, als Bürger wie als Beamte einen blanken Ehrenschild aufweisen. Dank einer guten Erziehung werden sie durch ihr Feingefühl für Takt und Anstand, durch Rücksicht auf gesellschaftliche Stellung und ve uflih?s Fortkommen, durch einen Berufsernst, der ihr ganzes Leben ausfüllt, durch soziales und vaterländisches Empfinden vom Gemeinen ferngehalten. In ruhigem Wohlbehagen, ohne schwere Versuchungen und sittliche Kraftproben geht ihr Leben dahin, — ein Schifflein, das ohne Kraftmotor wohlbefrachtet stille stromabwärts treibt. Zuweilen freilich wirft trotzdem die Sittenstatistik ein grelles Licht aus die sittlichen Zustände in jenen Kreisen. In keinem Fall kann die große Zahl des Volkes mit dieser Diesseitsmoral der eigenen Faust, ohne die Führung der Hand Gottes, auskommen. Übrigens zehren auch jene einzelnen Weltheiligen und Religionslosen alle, bewußt oder unbewußt, an den sittlichen Grundsätzen, die durch die Mission des Glaubens in der Vergangenheit Gemeingut der Völker geworden sind. Letzten Endes flammt jede sittliche Lebensführung also doch aus dem Glauben. Die Propheten, die die Welt vor jener christlichen Atmosphäre kannten, wissen nicht anders: Der Mann ohne Gottessucht und Gottesgebote ist kein ganzer Mann, die Welt ohne Gotteskult ist keine Kulrurwelt. Die Sittlichkeit lebt aus dem Glauben und stirbt aus dem Unglauben. Der lebendige Zusammenhang von Religion und Sittlichkeit ist am schönsten in den Worten des Evangeliums ausgesprochen: „Sammelr man denn Trauben von den Dornen oder Feigen von den Disteln? Jeder gute Baum bringt gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Fürchte." Es ist also Glaubenssatz, die sittlich guten, in den Augen Gottes vollwertigen Werke des Menschen gedeihen nur in der lebendigen Verbindung mit der wahren Religion. Die rechte Moral ist die Edelfrucht des rechten Glaubens. Die Moral steht nicht nur zufällig und oberflächlich mit Religion in Berührung wie die Frucht auf der Obstschale; Nein, die Moral wächst aus dem religiösen Glauben hervor, wie die Frucht aus dem Baum. Die unabhängige Moral kann also nicht sagen, Religion und Moral hätten nichts miteinander zu tun; das Obst wächst nicht in der Luft unabhängig vom Fruchtbaum, und nicht am Dornstrauch, unabhängig von der guten oder schlechten Art des Baumes. Der gute Baum bringt gute Früchte, der schlechte Baum bringt schlechte Früchte. (Schluß folgt.) H H H Zur Kinofrage. Maurer-Heidelberg. (Literatur 1. Badische Lehrerzeitung Nr. 11) a) Die Kinofrage ist eine außerordentlich wichtige Frage. Einige Zahlen als Beweis. Auf der ganzen Welt bestehen z. Zt. über 20000 größere Kinotheater; jeder Film wird von etwa 6 Millionen Menschen, Schlager sogar von etwa 13 Millionen betrachtet. In Wien besuchen jährlich rund 10 Millionen das Kino. Die Londoner geben täglich aus für Theater 220240 Mk., für VariStSs 150 240 MK. für Kinovorstellungen 228000 Mk. Holland besitzt schwimmende Kinos; auf großen Überseedampfern ist es ebenfalls eingerichtet (so auch auf der „Titanic"). Auch in Amerika (in New-Pork werden die 600 Kino von ca. 4 Millionen wöchentlich besucht), in Australien, Afrika, Asien (wo z. B. in Kalkutta die indischen Radschas auf diese bequeme Art die Zeit lotschlagen), überall hat sich die „Flimmerkiste", wie sie Hans Brennert nennt, Heimatrechte erworben. In Deutschland selbst besuchen täglich etwa 1,5 Millionen das Kino. Der Jahresumsatz der deutschen Filmfabriken betrug 1912 150 Millionen Mk. b) Diese Frage ist noch sehr jung. So gab es 1900 in den 33 deutschen Großstädten 2 stehende (jetzt über 500) Kinotheater. Es seien kurz die Vorläufer und das erste Auftreten des Kino skizziert. Der erste und einfachste kinematographische Apparat ist das sogenannte Lebensrad, auch Stroboskop genannt (gleichzeitig 1832 von Plateau-Brüssel und Stampfer-Wien). Ähnlich täuscht die Wundertrommel lebende Bewegungen vor. Ein einfaches Vorbild ist ferner „Der Taschenkine- matograph", ein Buch, das einseitig mit Phasenbildern bedruckt ist. Man biegt die Seiten um und läßt sie rasch nacheinander in ihre Ruhrlage zurückschnellen. Auf diesem Prinzip beruht das Mutoskop, das vereinzelt an Bahnhöfen noch zu sehen ist. Das verbesserte Lebensrad wurde 1845 von Uchatius mit dem Projektionsapparat verbunden, wobei allerdings die Bildwirkung noch recht primitiv war, denn die Phasenbilder mußten zuerst gezeichnet werden, und das zeichnerische Erfassen einer Bewegung, besonders einer raschen, ist schwierig, meist unmöglich. Erst die Photographie, und da wieder die vollkommenere Momentaufnahme machte die Darstellungen lebenswahr. Mit gutem Erfolg versuchte dies der amerikanische Amateurphotograph Muybridge seit 1877. Er stellte bis 30 photographische Kameras nebeneinander, ließ dann z. B. ein Pferd zwischen diesen und einer weißen Wand hindurchgaloppieren. Gespannte Fäden zwischen der Wand und den photographischen Verschlüssen lösten bei ihrem Berühren durch das Pferd auf elektrischem Wege den Momentoerschluß. So gelangen ihm bis 25 Zeitaufnahmen in der Sekunde. Anschütz verbesserte diese Aufnahme durch Anwendung von Schlitzverschlüssen. Dieses Verfahren hatte 3 starke Mängel: 1. es konnten nur Aufnahmen gemacht werden von Gegenständen, die sich fortbewegten, 2. die Anzahl der Aufnahmen war sehr beschränkt, und 3. dadurch, daß der photographische Apparat mitwandert, bewegt sich das Bild nicht von der Stelle. Erst der französische Physiologe Marey vereinfachte das Verfahren durch seine photographische Flinte, wobei Dramen Humoresken Naturaufn. Amerika 137 zu 43603 m 79 zu 16929 m 26 zu 4654 m Italien 73 „ 31027 79 „ 15081 „ 34 „ 3407 „ Frankreich 71 „ 31683 „ 136 „ 27068 „ 78 „ 10314 „ Deutschland 41 „ 24984 „ 11 „ 4066 „ 4 „ 874 „ England 16 „ 4755 „ 12 „ 2374 „ Dänemark 11 „ 9714 „ 8„ 1868 „ 6 „ 740 „ 349 zu 145766 m 325 zu 67386 m 148 zu 19989 m immer ein Teil einer kreisrunden Platte vor die Lichtöffnung des Rohres kam. Beim Abdrücken versetzte ein Uhrwerk die Platte in Bewegung, sodaß in 1 Sekunde 12 Aufnahmen entstanden. Er verwendete später anstelle der Glasplatten lange, biegsame Bänder, die ausgerollt wurden, währendda» Objektiv durch eine rotierende Blende geschlossen wurde. So entstand 1888 der erste kinematographische Filmapparat. 1889 benützte Fciese-Green den Zelluloidsilm, der mehr transparent und besser haltbar ist als Papier. Der Name „Kinematographie" selbst stammt aus der Mitte der 90 erIahre - 190 von der bekannten Filmfabrik Lumitzre-Lyon. 1900 wurde von Pathä das erste noch historische Drama gefilmt, seit der Mitte des 1. Jahrzehntes sind die sozialen Dramen auf den Markt geworfen worden. Neuerdings macht besonders Edison durch den „sprechenden Film" von sich reden. Das Ausland, das zuerst diese Gedanken aufgegriffen, beherrscht leider auch noch den deutschen Markt. Statistik 1 über den Anteil der einzelnen Länder am deutschen Filmmarkt vom 15. 8 . bis 15. 10. 1912. (Siehe vorhergehende Seite). Deutschland deckt seinen Eigenbedarf durch Eige ^ Produktion: bei Dramen 12"/o, bei Humoresken 3o/g/ nd bei Naturaufnahmen 3v/g. ^ Fortsetzung folgt?: 3 3 8 Die Schüler können nicht schließen. D. Eiermann-Mannheim. Diese Klage kann man allenthalben hören, von Lehrern sowohl wie auch von Schulaufsichtsbeamten. Als Ursachen davon darf man mehrere ansehen: 1. Man arbeitet fortgesetzt mit zu großen Zahlen. 2. Es werden nur Schlüsse geübt von 1 auf die Vielheit und von der Vielheit auf 1. 3. Man rechnet zu viel mit unbenannten Zahlen, statt den Rechenunterricht zum Sachunterricht zu gestalten. 4. In der Art der Auflösung geht man nur alte ausgetretene Wege. 5. Man führt keine stufenmößigen Übungen durch und 6 . Es fehlt die organische Verbindung des Kopfrechnens mit dem schriftlichen Rechnen. Dazu einige Erläuterungen: 1. Man gebe den Schülern etwa im 6 . Schuljahr die 3 Aufgaben: 1 . 10 gleich wieviel lOtel? 2 . 100 gleich wieviel 100 tel? 3. 1000 gleich wieviel 1000 tel? Die Antworten aus die erste Ausgabe werden wohl alle richtig sein, wenn auch unter 30—40 eine oder die andere auf 20 oder 50 lautet Bei der zweiten Ausgabe erfolgen schon 40—50"/<, unrichtig und Antworten, die lauten auf 1000 oder 200 u. a. Noch schlimmer sieht es bei der dritten Aufgabe aus, da kommen die unrichtigen Antworten in buntem Wechsel. Die Erklärung für diese Erscheinung liegt doch nahe. Je größer die Zahl, desto unklarer oder besser ungenauer die Vorstellung. Man denke doch an Erwachsene. Es gibt auch Leute, denen es nicht viel darauf ankommt, ob sie 800 oder 8000 oder 80000 sagen; wie kann man es jetzt dem Kind verargen, besonders wenn man es nicht korrekt genug angeleitet hat? — 2. Schlüsse von einer Vielheit auf ein 2—3—4faches von ihr und umgekehrt sind leichter und lehrreicher als solche von 1 auf 1000 und umgekehrt. 3. Nicht die Zahlen geben die Grundlage für das richtige Schließen sondern die Sachen: 3 m das m zu 12 Mark, 3 m kosten 12 Mark, L m 3 Mark, man kauft für 12 Mark enthalten alle die gleichen Zahlen und erfordern doch wesentlich andere Schlüsse und der Schüler macht leichter 2 bis 3 kleine Schritte als einen großen. Er rechnet also leichter: 1000 x kosten 400 Pfennig 100 x kosten 40 Pfennig 10 x kosten 4 Pfennig 1 x kostet 0,4 Pfennig als zu rechnen 1 x kostet den 1000 ten Teil von 400 Pfg. ist 0,4 Psg. und so in 1000 anderen ähnlichen Fällen. 5. Man unterrichtet zu sehr kaleidoskopartig in buntem Durcheinander. Abu rchslung mi heißt das Schlag' wort, und wer ««uw die Schul Lehrers^Lunge dabei zugrunde,ychen. '' »- Wie ich mir nun die Sache anders, besser denke, das will ich nachstehend zeigen. Meter und Zentimeter. Daß man diese Maße vorzeigt, setze ich als selbstverständlich voraus; dieses bloße Ansehen aber genügt nicht, dapon wird keine Vorstellung bleiben. Das m und seine 'Teile werden an vielen Gegenständen angeschaut und geschätzt. Die ausgestreckten Arme spannen 1 m. Vom , Boden bis unter die Arme 1 m, der Stuhl mit Lehne — ein langer Tisch — eine große Kiste — ein Koffer u. v. a. Der Stuhlsitz vom Boden 1/2 m gleich 50 cm. 1 Tisch b /4 m gleich 75 cm — 1 Türe 2 m hoch ca. 1 m breit usw. Zu einem Herrenanzug braucht man etwas über 3 m Stoff. Dann wird erkannt oder besser zum Bewußtsein gebracht: a) 100 cm kosten ebensoviel als I m; b) 10 cm kosten nur den zehnten Teil soviel als 100 cm; c) 20 — 30 — 40 cm usw. kosten 2 — 3—4 usw. mal so viel as 10 cm. Der Satz unter c wird natürlich im Einzelsatze ausgelöst gesprochen. — Nach dieser Erkenntnis wird gerechnet und zwar zuerst Mündlich. 1) L m 2—10 Mk. was kosten 60 cm? 2) L m 2—10 Mk. „ „ 70 cm? 3) L m 2—10 MK. ., ., 80 cm? 4) L m 2—10 MK. „ „ 90 cm? Die an die Reihe kommenden Schüler rechnen diese vorstehenden 36 Aufgaben ohne daß derLehrer einWort sagen darf, ausgenommen, wenn Korrektur nötig ist; also rechnen d. h. schließen die Schüler: 100 cm kosten 200 Psg. 10 cm kosten 20 Psg. 60 cm kosten 6 mal 20 Pfg. gleich 120 Psg. gleich 1,20 M. 100 cm kosten 300 Pfg. 10 cm kosten 30 Pfg. 60 cm kosten 6 mal 30 Pfg. gleich 180 Pfg. gleich 1,80 M. 100 cm kosten 400 Pfg. 10 cm kosten 40 Pfg. 60 cm kosten 6 mal 40 Pfg. gleich 240 Pfg. gleich 2,40 M. usw. Ebenso mit 70—80—90 cm. Man komme mir doch nicht gleich wieder mit dem so verächtlich gemachten Wort Drill. Gewiß ist das Übung, aber so fürchterlich wie die Sache aussieht und hingestellt wird, ist sie nicht. Ich habe eine Klasse von 40 bis 50 Kindern im Auge; da soll und muß jedes Kind dran kommen, ich brauche also 40—50 Aufgaben. Ist es nun nicht besser, ich gebe so meine Aufgabe in ganz bestimmter Ordnung, so daß jedes Kind wieder eine andere neue bekommt, als daß ich die eine 5 mal die andere gar nicht gebe. Dann brauche ich die Aufgabe überhaupt nicht zu geben, der Schüler gibt sie, er muß mehr aufpassen, ich aber gewinne viel Zeit und schone meine Lunge. In solchen Reihen wird natürlich nur solange gerechnet, bis es geht. Sollten die bezeichneten nicht reichen, so nimmt man auch 30—40—50 cm. Sollte es früher schon gehen, so bricht man mit der Übung ab und gibt Ausgaben außer der Reihe — und doch wieder in bestimmter Ordnung z. B. L m 2 Mk. 30 cm L m 9 Mk. 80 cm L m 3 „ 40 cm k m 8 „70 cm L m 4 „ 50 cm L m 7 „ 60 cm usw. usw. und jetzt erst folgen solche ganz außer Reihe und Ordnung. Schluß folgt. 3 lS S 191 t Die M — .n der frü esten Kindererziehung. In der letzten Nummer haben wir auf den Vortrag einer Frau hingewiesen, der uns in Erstaunen setzte. In einem ganz radikalen Erziehungsverein .wird unter allgemeiner Zustimmung ein Vortrag gehalten, der die Uner- setzlichkeit des mütterlichen Empfindens für die menschliche Erziehung dartut. In einem radikal gesinnten Verein. Ä)ir betonen das ganz besonders. Denn damit ist ohne weiteres ausgesprochen, daß die Bedeutung der Mutter für die! religiöse Erziehung nicht im geistigen Blickfeld der Versammelten lag oder doch kaum dahin gerückt wurde. Wer aber vermag diese Bedeutung würdig und vollkommen darzutun? Kann je ein Kathol k die heilige Monika vergessen? Was verdankt nicht die ganze Christenheit dieser edlen Frau? Das war eine Fortschrittsfrau. Wer gedenkt nicht ihrer Gespräche mit ihrem großen Sohne? Wer war größer in gewissen Momenten des Lebens, sie oder ihr unvergleichlicher Sohn, den seine bewunderungswürdige Intelligenz, seine wunderbare Fassungskraft doch nicht abhalten konnten, tief in das Netz des Manichäismus zu verfallen? Wer aber durchschaute den Hochmut und die Arglist dieser klugen Weltverbesserer? Warum Monika, warum nicht Augustinus? Die Antwort ist leicht zu finden. Monika aß das Brot des Lebens, Augustinus aber in jenen Lebenslagen nicht. Das hl. Sakrament der Ehe und das Sakrament der heiligsten Eucharistie gibt dem gläubigen Gemüt eine ganz andere Erziehungs- und Lebenswärme, selbst im engsten und kahlsten Raum, als die fremde Person in den mit den prunkvollsten Einrichtungen versehenen öffentlichen Anstalten. Leben wird durch Leben geboren, und die Seele des Lebens ist die Liebe. Das wußte auch Pestalozzi. Mit seinen persönlichen religiöse» Anschauungen befassen wir uns nicht. Aber über die Entwicklung der religiösen Anlagen im Kinde durch die Mutter, über die Unentbehrlichkeit der Mutter in der Erziehung, über die Unentbehrlichkeit der Mutter als Hüterin des heiligen Feuers in der Familie, ohne die jede wirkliche Gesellschaflsreform eine Sache absoluter Unmöglichkeit ist, sprach er goldene Worte. Wo sind denn heule die freisinnigen Pädagogen, die einst diesen Pestalozzi so gewaltig feierten? Die Sozialdemokratie hat inzwischen gesprochen. Die Menge nicht des sozialen — aber des sozialdemokratischen Öles glaubt man, kennzeichne die Größe des Fortschritts. Vor der Sozialdemokratie zu kapitulieren, bekundet für sehr viele das Verständnis der Forderungen der Zeit. Auf diesem Boden stehen wir nicht. Auf diesem Boden stehen auch die nicht, die den politischen Ansprüchen gegenüber ein genügendes Maß geistiger Selbstständigkeit besitzen, um politische Rücksichten da auszuscheiden, wo Politik überhaupt nichts zu suchen hat. Und so ergibt sich für Leute, die religiösen Momenten keinen oder fast keinen Einfluß auf ihr pädagogisches Denken gestatten, doch d i e a b s o - lute Unentbehrlichkeit der Mutter für die Erziehung, die kein Kindergarten der Welt ersetzen kann. Die religiös-caritativen Kindergärten können den Müttern in schwierigen Lebenslagen Unterstützung leihen, mehr nicht; aber die Einrichtung kommunaler Kindergärten rein-weltlichen Charakters, die durch die Übernahme der körperlichen Pflege die Eitern verlocken, ihre sittlichen Pflichten gegen die eigenen Kinder so leicht zu nehmen, daß ein allmählicher Verzicht auf sie eingeleitel wird, müßte die Gesellschaft teuer bezahlen. Doch hoffen wir aus Klärung des öffentlichen Urteils. Einigen Mut zur Hoffnung geben folgende Darlegungen: Hamburg. Bund für Schulreform. Frau Dr. Flemming sprach über „Wesen und Bedeutung der mütterlicher Erziehung." Die ehrwürdige Dame bot in edler Form eine 'Fülle fein abgewogener Gedanken und Anregungen, die aus einem reichen Erfahrungsschatz geboren waren. Sie zeichnete das mögliche Ideal einer Mutter und die starken, durch keine staatliche Erziehung zu ersetzenden Einwirkungen einer solchen auf den jungen Menschen. Die A fgabe der mütterlichen Erziehung ist durch die sich über- stur? nde Entwicklung der neuen Zeit mit ihren Wider- sp .r,en schwieriger als je geworden. Sie besteht darin, i cg starke Menschen zu bilden. Die Mutter bedarf dabei Beratung durch andere Faktoren und sie muß durch williges Heraustreten aus ihrem engeren Kreise ihr Wissen erweitern und ihren eigenen Charakter stärken. Durch die zunehmende Erwerbstätigkeit der Frau sind viele Fürsorgeveranstaltungen für die verwaisten Kleinen nötig geworden, und eine radikale Richtung der Pädagogik will sogar den Entwicklungsgang des jugendlichen Menschen bis zum Eintritt des Berufslebens unter die Aufsicht des Staates stellen. Dagegen bäumt sich das gesunde Volksempfinden auf. Der gerühmte Familienfeierabend wird nur einen müden Abglanz verbreiten können. Die organische Erziehung kann nur in der Familie selbst erfolgen. Der verstorbene Direktor der staatlichen Jugendfürsorge Dr. Petersen wurde nicht müde, stets darauf hinzuweisen. Wenn auch der zuweilen um die Familienerziehung gewobene Nimbus nicht berechtigt ist, so lehrt doch die Erfahrung, daß selbst kalte Menschen, von dem Verantwortungsgefühl emporgelragen, gegen die eigenen Kinder warmherzig handeln. Gattungsmäßig ist dasselbe bei der Frau am stärksten. Es zeigt sich später durch das Mitleid mir dem hilflosen Wesen. Die Unfähigkeit des Stillens der Kinder ist nicht nur eine Ursache des Nachlassens der Volkskraft, sondern beeinflußtauchden gemütlichen Zusammenhang zwischen Mutter und Kind. Das Familienleben ist abwechlungsreicher als das einer Anstalt, das mehr äußerlich geregelt, aber weniger innerlich beseelt ist. Aus dem eigenen lebhaften Interesse der Mutter entquellen immer neue Spielanregungen. Dazu kommt die wertvolle Beeinflussung durch die älteren Geschwister. Freude und Schmerz ordnen sich dem Zwecke des Ganzen unter, wo die Liebe und das Gewissen der Mutter walten. Sie kann auch den unentwickelten Natursinn der Kinder, der wohl empfänglich ist für die Weite und Freiheit des Raumes in Wald und Heide und der durch das Kleininteresse an Steinen und Insekten ein Größeres nachzittern läßt, wachhalten und beleben. Die Mutter ist auch die beste Märchenerzählerin. Und wenn auch die Erziehung nicht ohne bittere Stunden und Tränen vor sich gehen kann, so hat die Mutter doch recht, wenn sie das Kind oft davor zu bewahren sucht; da dieses Alter ein vollgültiger Lebensabschnitt ist. Verzogene Kinder werden allerdings fast immer Stiefkinder des Schicksals sein. Sie darf ihm keine notwendige sittliche Last abnehmen. Aber die Schätze des Kindergemüts können nur durch die Liebe der Kinder gehoben werden. Sie gewinnt es zum Guten durch ihr Beispiel und durch ihr Gefühl für Sitte und Schicklichkeit. Die zuweilen auftretende Eitelkeit der Mutter wird oft durch große Wachsamkeit für das sittliche Wohl des Kindes korrigiert. Sie schöpft dabei aus einer jahrtausendalten Tradition, die im großen und ganzen günstig wirkt. Die Hauptaufgabe der Mädchenerziehung wird stets die Vorbereitung auf den künftigen Mutterberuf bleiben. Es gab eine Zeit, wo man dies als anstößig betrachtete. Die religiöse Erziehung wird stets eine ganz persönliche Angelegenheit bleiben. Eine strenggläubige Mutter hat es leichter als eine aufgeklärte, die Wahrheitssucherin mit ihren Kindern sein will oder eine 192 symbolische Darstellung aus Rücksicht auf ein« gesunde Traditation umzieht. In der Familie wird der natürliche Keim zur Vaterlandsliebe gelegt. Die zusammensassende Kraft der Mutterliebe kann sich vor allem bewähren, wenn zwischen Mitgliedern de« Familie eine Entfremdung droht. In diesem trauten Kreise ist auch der gegebene Ort, sich einmal gehen zu lassen, wie es das Gleichgewichtsbedllrknis der Seele zuweilen fordert. Die Erziehung ist nur eine formgebende Macht. Die Tatsache der Vererbung wird dadurch wenig berührt. Aus der Wesensverwandtschaft der Eltern mit den Kindern entquillt ein größeres gegenseitiges Verständnis für alle Handlungen. Der blinde Gehorsam ist nur ein notwendige» Übel. Durch die Trennung der Frau von ihrem natürlichen Beruf werden die hohen mütterlichen Instinkte langsam vernichtet und eine allgemeine Lebensmüdigkeit würde die Folge sein. Wenn auch heute für Mutter und Kind kein froher Stern strahlt, so läßt uns doch das rege soziale Gewissen unserer Zeit die Hoffnung, daß dereinst bessere Entwicklungsmöglichkeiten zur Gestaltung gelangen." Päd. Reform. Zu diesen bessern Entwickelungsmöglichkeiten rechnen wir das allmähliche Ausscheiden der Frauen aus der Fabrikarbeit, ihr Zurückdrängen aus den Männerberusen und die tiefe Erfassung des eigenen natürlichen Berufes. Da gibt es sehr viele soziale Arbeit für den Mann der Lebenspraxis. Muß da gerade mit den Kindergärten — mit dem Ende statt mit dem Anfang begonnen werden? Das ist Ursache des Mißlingens so vieler Reformen. Wir lassen die Quelle unberührt und befassen uns mit tausend Rinnen, die trotz unseres Wunsches nie versiegen werden, wenn man die Quelle nicht verstopft. AAS) Vom Büchertisch. Landeskunde des Grotzherzogtums Baden von Philipp Mückle, Heidelberg, Karl Winters Universitätsbuch- handlung. Preis 1.60 Mark. Wir möchten nicht verfehlen, zum Beginn des Schuljahrs die Herren Amtsbrüder auf dieses ausgezeichnete Werk aufmerksam zu machen. Das ca. 150 Seiten umfassende Buch faßt die Schüler höherer Lehranstalten ins Auge. Aber es wird jedem Lehrer bei seiner Vorbereitung ausgezeichnete Dienste leisten und den Unterricht auf jene Höhe heben, wo das Kleinliche verschwindet und die Liebe und die Begeisterung für den prächtigen Stoff Lehrer und Schüler zu einer glücklichen und frohen Arbeitsgemeinschaft eint. Die geologischen, klimatischen, wirtschaftlichen und Bestedelungsoerhältnisse, die ethnographischen, Verkehrsfragen und so vieles andere erfahren eine ausgezeichnete Beleuchtung. Man wird selten ein Buch finden, das an Karten, Bildern und Bildertafeln gleich Wertvolles bieten könnte. Die Luftschiffaufnahmen geben dem Buch einen besonderen Reiz. Das Werkchen verdient wirklich die wärmste Empfehlung. Einen Epheukranz für die Geographie und Geschichte von Baden bietet Professor Karl Limberger in Rastatt mit „Aus der Heimat — über die Heimat", Lesestücke für badische Schulen, Sonderdruck des Anfangs zur bad. Ausgabe des deutschen Lesebuches v. F. E. Paldamus (Ausgabe C). Das Buch ist für die Volksschule recht beachtenswert, wofern in unseren Schulen noch einige Zeit für „solide" Gemütsbildung erübrigt wird. Gedächtnishilfe», bei Setzlesemethode. Neues zum Ansangsleseunterricht von vr- meä. et ptnl. F. E. E. Otto Schulze Prioatdozent an der Akademie für Sozial- Handelswissenschaften in Frankfurt a. M. Mit 30 Abbildungen und drei Buchstabentäfeln. Verlag von Moritz Diesterweg 1.40 Mk. Es ist in unseren Tagen gewiß eine Seltenheit, daß ein Vater sich anschickt, ohne an Schul- oder Privatanstalt zu denken, seinen fünfjährigen Knaben lesen lehrt, und das gelang dem Verfasser in 54 Sitzungen von je 15 bis 20 Minuten. Manches in dem Befahren ist nicht neu, manches kaum empfehlenswert, aber vieles verdient doch eine recht eingehende Beachtung. Hervorheben möchten wir, daß der Verfasser nicht vom Bilde zum Buchstaben ausgeht, sondern das Bild aus dem Buchstaben erstehen läßt, ein Vorgang der die Aufmerksamkeit sicherlich in hohem Maße steigerte. Die Notwendigkeit, die kindliche Geistestätigkeit zu konzentrieren, hebt die Schrift verdientermaßen sehr hervor. Wir erschweren mit unserem zentrifugalen Unterricht, der amüsierend sein soll, den Unterrichtsfortschritt über alle Maßen. Sehr beachtenswert ist, was der Verfasser über den Bilderkult beim Lesenlernen sagt, der vielfach zerstreut und die Arbeit erschwert. Zum Verständnis der pädagogischen Störunge« unserer Tage. Ein Vortrag von Franz Krus S. I. ord. Prof, an der Universität Innsbruck. Verlag Felizian Rauch, Innsbruck. Vorzüglich orientierend. Nicht nur Pädagogen, auch gebildete Laien können viel daraus lernen. Wir empfehlen den Vortrag Männern in der Kommunal- Verwaltung und in den gesetzgebenden Versammlungen. In den Schuldebatten steht doch vieles auf dem Spiel, und auch der gebildeste Parlamentarier schüttelt ein korrektes pädagogisches Urteil nicht nur mir nichts, dir nichts aus dem Ärmel heraus. Rechenbuch für Fortbildungs-Kunstgewerbenutz Handwerkerschulen. Bearbeitet von Friedrich Küßner. Verlag von Emil Roth in Gießen. Preis drosch. 60 Pfg., Kart. 70 Pfg. Eine wohldurchdachte Aufgabensammlung, die fast alle Gewerbe umfaßt. Die vorliegende zweite Ausl, trägt der neuen Reichsversicherungsordnung Rechnung: Beachtenswert ist auch der Anhang über das Versicherungswesen. Das Weltkonzert. Eine Gegenwartsanalyse von Lehrer Walter Etzold. Verlag von Wilhelm Kaiser. — Leipzig, Conn. 9. Preis Mk. 1.—. Der Verfasser ist Vegtearianer und Anthialkoholiker strengster Observanz. Fleisch verschmäht er durchaus, aber auch Getreide, Hülsenfrüchte, Erbsen, Linsen und Bohnen sind ihm bedenkliche Nahrungsmittel „Salat, Spinat, alle Blattgewächse lasse ich ausdrücklich weg, denn wir sind keine Grasfresser und haben keinen Kuhmagen" (Seite 20). Auch dem Kochsalz ist der Verfasser gram. Seine Speisezettel werden sehr einförmig. Des Tages genügen drei Mahlzeiten. In der „Ideellen Speisefolge" wird für jeden Abend an jedem Wochentage Nüsse mit getrockneten Früchten vorgesehen, für den Morgen frisches Obst mit getrockneten Früchten. „Mahlzeit". An uns ist Hopfen und Malz verloren, bis uns die Vorsehung wieder zu Höhlenbewohnern macht. A A A Kath. Lehrerverband des Deutschen Reiches Tagesordnung für den 16. Verbandstag. Pfingstsonntag, 31. Mai. 2 Uhr nachmittags: Versammlung des „Blätterbund", Vereinigung der Schriftleiter und Mitarbeiter der Fachzeitungen. 193 Wir und dir Presse. Zeitgemäße Gedanken und Forderungen. Lehrer O. Kley-Neuwied. 4 Uhr: Sitzung des Verbandsvorstandes. 6 Uhr: 1. Vertreterversammlung des Verbandes. Nach Schluß: Ausschußsitzungen. Pfingstmontag, 1. Juni. 8—11 Uhr: 2. Vertreterversammlung des Verbandes. 11 Uhr: Volksversammlung. Kathol. Lehrer und kathol. Volk. Lehrer Runge-Düsseldors. Was haben wir an unserer kathol. Volksschule? Landtagsabgeordneter Arbeitersekretär Gronowski-Dortmund. ' 12 Uhr: Vorstandssitzung der Preuß. Abteilung. 1 Uhr: Öffentliche Sitzung der Preuß. Abteilung, j 1. Lehrerbildung. Rektor Horsch-Steglitz. 2. Wie gewinnen wir Einfluß auf die Schulgesetzgebung Rektor Rheinländer-Hagen i. W. 3. Die Besoldungsfrage. Rektor Gottwald-Berlin. 2—8 Uhr: Sonderversammlungen, III, V, VI, Villa, b,c,6, IX. 3 Uhr: Mitgliederversammlung des K. L. V. Provinz Rheinland E. V. 3 Uhr: Vertreteroersammlung des Westfälischen Provinzialvereins des Katholischen Lehreroerbandes. 8 Uhr: Begrüßungsversammlung. Pfingstdienstag, 2. Juni. 7—9 Uhr: 3. Vertreterversammlung des Verbandes. M 2 Uhr: Pontifikalamt der hochwürdigsten Herrn Erzbischof Dr. Felix von Hartmann-Köln in der Münster- Kirche. 11 Uhr: Hauptversammlung. 1. Unsere Leitsterne. Verbandsvorsitzender Rektor Kamp-Bochum. 2. Der Lehrstand als Wehrstand. Hofrat Professor Dr. O. Willmann-Leitmeritz. 2 Uhr: Festessen. 5 Uhr: Geschäftliche Sitzung der Preußischen Abteilung. 5—8 Uhr: Sonderversammlungen. I, II, IV, VII, Vlllb, e, IX. 8 Uhr: Iubiläumsabend. 25 Jahre Katholischer Lehreroerband. Ehrenvorsitzender Rektor Brück-Bochum. Pfingstmittwoch. ' 8 Uhr: Requiem in der Gertrudiskirche. 9 Uhr: 2. Hauptversammlung. 1. Der Lehrerschaft Anteil an den Arbeiten und Erfolgen der nationalen Jugendpflege. Lehrer Aßmann- Deuisch-Wartenberg. 2. Die Einheitsschule. Universitätsprofessor Dr. M. Spahn-Straßburg IIV 2 Uhr: Gemeinsame Besichtigung der Ausstellung .Unsere Jugend". 2 Uhr: Gemeinsames Mittagessen in der Ausstellung. 31/2 Uhr: Besichtigungen der Krupp'schen Kolonien, der Waldschule u. s. w. 7 Uhr: Schlußfeier in Werden. Sämtliche Versammlungen finden im Städtischen Saalbau statt. L2 H A WKWI Rundschau. IMWVI Lesefrüchte. Erziehung ist alles in der Gesamtheit der Behandlung, was man bei dem Kinde von seiner Geburt bis zu seiner Reife veranstaltet und tut, damit das Urbild, wozu Gott den Menschen erschaffen und seine Natur angelegt hat, sich aus ihm herausbilde (Schwarz. Erziehungs- .lehre I. 1. Abt.) In dieser Definition ist klar und schön das Ziel der erzieherischen Tätigkeit ausgedrückt; es wird aber nicht gezeigt, durch welches Mittel und auf welche Weise die Fähigkeiten des Zöglings zu demselben geführt werden. Rayneri XVI der Bibliothek kath. Pädagogik. Die Vaterschaft Gottes einerseits, anderseits seine ordnende Oberherrlichkeit sind die einander ergänzenden Grundlagen des Glaubens. Sie tragen den gesamten Ideenkomplex, den ein Kind sich vom christlichen Leben allmählich zu bilden hat. (Aus Stuart, über die Erziehung katholischer Mädchen.) Freideutsche Jugendbewegung und Wandervogel. Der Wandervogel hielt über die Ostersesttage seinen Bundestag in Frankfurt a. d. O. Dabei kam auch bas Verhältnis zwischen Wandervogel und Freideutsche Jugendbewegung zur Sprache: Das Gericht, das vor kurzem in München in öffentlicher Versammlung über die „Freideutsche Jugendbewegung" erging, scheint auf manche Mitglieder des Wandervogels entfremdend gewirkt zu haben; doch blieben jener zuletzt die alten Sympathien gewahrt. Über die Bundesverhandlungen berichtet der „M. G.- Anz.": Der Bundesleiter führte aus: „Der „Wandervogel" (E. V.) ist auf Grund seiner Satzungen in politischer und konfessioneller Hinsicht neutral. Die Bundesleitung hat darüber zu wachen, daß die Satzungen beachtet werden. Sie kann also unter keinen Umständen dulden, daß von Gauen oder Ortsgruppen allgemein Beschlüsse gefaßt werden, die dahin lauten, daß Juden grundsätzlich nicht ausgenommen werden. Sie wird alles tun, um zu verhindern, daß im „Wandervogel" die Religion oder die Rasse der Juden beschimpft wird. Andererseits denkt die Bundesleitung nicht daran, die persönliche Freiheit der einzelnen „Wanderoogel"-Verei»e einzuschränken. Sie lehnt es also entschieden ab, da einzugreifen, wo eine Ortsgruppe von Fall zu Fall durch Mehrheitsbeschluß die Aufnahme von Juden ablehnt, etwa weil besonders ausgeprägte Rasseneigentümlichkeiten mit der Art des „Wandervogels", die aus dem Tiefsten des deutschen Wesens hervorgegangen ist und in der deutschen Vergangenheit wurzelt, unerträglich scheint." „Die anwesenden Bauführer schlossen sich einem Anträge des Gaues der Provinz Brandenburg an, dieser Resolution ohne jede Debatte zuzustimmen, und gaben bis auf zwei der Resolution ihre Zustimmung. Der Vorsitzende, Gymnasialdirektor Neuendorf, gab seiner Genugtuung Ausdruck über die rasche Erledigung dieses deffizilen Punktes. Der Bundestag ging dann zu dem nächsten Punkt der Tagesordnung über: „Beitritt des „Wandervogels" (E. D.) zur „Freideutschen Jugend." Die „Freideutsche Jugend" hat sich im vorigen Jahre in Marburg gegründet und sich zum Ziel gesteckt: „Die Vermittlung der Werte, die die Väter erworben und überliefert haben, dadurch zu ergänzen, daß sie mit innerer Wahrhaftigkeit unter eigener Verantwortung ihre Kräfte selberentwickeln will", also eine Art Selbsterziehung, unabhängig von wirtschaftlicher, konfessioneller und politischer Beeinflussung. Der Bundesvorsitzende sprach sich dahin aus, das Anerbieten der „Freideutschen Jugend", der „Wandervogel" möge sich ihr korporativ einverleiben, rundweg abzulehnen. Grund genug hierfür seien die grundsätzlichen Gegensätze zwischen beiden Organisationen. Der „Wandervogel" habe sich aus einem gewissen romantischen Hang herausgebildet als Gegengewicht gegen den Zwang der Schule. Er sehe sein Ziel darin, „dem Einzelnen seinen Individualismus wahren zu helfen", den Schule und Massenunterricht leicht unterdrücken, während die „Freideulsche Jugend" eine Ausgeburt „verwaschenen Kosmopolitismus" sei, nichts als eine wenn auch freiere Schulgemeinde, die sich nicht scheut, offen 194 und versteckt den Individualismus anzukläffen. Zudem habe die „Freideutsche Jugend* sich bereits durch allerlei taktische Fehlgriffe die Sympathie weitester Kreise verscherzt, so daß der „Wandervogel* bei einem Anschluß Gefahr laufe, diesen Makel auf sich zu laden. Auf jeden Fall bedeute eine Verschmelzung einen Sprung ins Dunkle. In der Debatte wurden versöhnlichere Stimmen laut. Annahme fand schließlich folgender Antrag der Gaue Schlesien — Thüringen: „Der „Wandervogel" begrüßt die neue Entwickelung der freideutschen Bewegung. Er empfiehlt seinen älteren Führern dringend den persönlichen Anschluß an die »Fr. I-", lehnt aber einen Beitritt als Bund nach wie vor ab.* — Die weiteren Verhandlungen betrafen interne Angelegenheiten." Man will sich also finden, wenn man auch das Odium einer allgemeinen Vereinigung nicht aus sich nehmen mag. über das Leben und Treiben an den beiden Ostertagen in Frankfurt wird weiter berichtet: Das Frankfurter Straßenbild wurde gänzlich beherrscht durch den „Wandervogel". Allenthalben zogen Scharen singend durch die Straßen, plauderten vor den Türen mit ihren freundlichen Wirtsleuten oder folgten den Ortskundigen durch die Stadtteile, in denen Backsteinbauten mit hohen Schieferdächern an das alte Frankfurt erinnern; andere ruderten auf der Oder oder besichtigten die Wandervogel-Ausstellung, die in einem städtischen Gebäude aufgebaut war und einen schönen Einblick in die Wandervogel-Literatur gewährte. So verging der Vormittag des Ostersonntags sehr bald, und um 1 Uhr fand sich das ganze Volk aus dem Kasernenhof der Leibgrenadiere ein, wo eine ganze Batterie von Küchenwagen den großen W.-V.- Hunger stillte. Am Spätnachmittag zog man nach dem Marktplatz, wo nach einem gemeinsamen Liede der Oberbürgermeister von Frankfurt seine Gäste willkommen hieß, und dann ging es zusammen in die Marienkirche. Aus dem Fußboden lagerte sich, wer auf den Bänken und Brüstungen nicht Platz gefunden hatte. Es war ein eigenartiges Bild: die neue Jugend mit ihren bunten Fahnen und Wimpeln in der ehrwürdigen Kirche! Nach einem Bibelwort des Pfarrers hielt der Bundesleiter Direktor Dr. Neuendorf die Festrede, und dann klang eine seine Ostermusik vom Orgelchor herab; Wandervögel sangen ihren Gefährten die alten geistlichen Volkslieder. Mil einem großen W.-V.-Abend mit Singkämpfen ging der Ostersonntag zu Ende. Nach knapper Nachtruhe — die Jungen schliefen in den Kasernen, die Mädchen in Bürgerquatieren — ging es mit zwei Sonderzügen hinaus auf die große Festwiese am Trepplinsee unweit Frankfurt, die bald von Wandervögeln und zahlreichen Zuschauern wimmelte; das derbe Wanderkleid wurde mit einem Festgewand vertauscht, und bald fanden sich Jungen und Mädchen zu fröhlichem Volkstanz. Am Nachmittag fanden sportliche Wettkämpfe statt, bei denen mancherlei Gutes geleistet wurde. Die „Abgehärteten" badeten im Trepplinsee. Als die Dämmerung kam, wurden die Sachen gepackt und der Platz gesäubert. Dann traf man sich zu einer Aufführung des 1. Aktes der „Versunkenen Glocke". Den Abschluß bildete das Osterfeuer, das von einer Hügelkuppe weit hinausleuchtete in das dunkle Land. Das also war Ostern! Arme Jugend! Du hungerst wohl und darbst an Leib und Seele, ohne es zu wissen. Über ein anderes „Jugendfest" berichtet die Hamburger „Pädagogische Reform": Frühlings- und Auserstehungssest. In den „Lübcckischen Anzeigen" wird das Programm eines Iugend- tages während des Osterfestes bekannt gegeben: „Der Krieg ist nahe. Blau-weiß-blau macht mobil. An den beiden Ostertagen werden sich die Garnisonen der Deutschen Iugendwehr, blau-weiß-blaue Freischaren, der Nachbarstädte Hamburg, Wandsbek, Kiel, Schleswig, Plön, Malente-Gremsmühlen, Eutin, Oldesloe und Lübeck vereinigen, um auf der Palinger Heide eine große Schlacht zu liefern. Die Truppen treffen am Ostersonnabend ein und werden von den Lübecker Kameraden empfangen und in die Quartiere geführt. Am ersten Ostertage wird auf dem Burgfelde ein Feldgottesdienst abgehalten, woran die einzelnen Freikorps mit ihren Fahnen teilnehmen. Nach diesem findet ein gemeinschaftliches Essen statt. Die Truppen begeben sich um 21/2 Uhr nachmittags vom Marktplatz aus in ihre Stellungen. Von 6 Uhr abends an herrscht Kriegszustand. Am nächsten Morgen wird voraussichtlich die Schlacht durch Vorpostengesechte eingeleitet, während die Entscheidung gegen Mittag fällt. Hierauf beim Musikerwäldchen allgemeines Abkochen. Um 6 Uhr rücken die Freischärler wieder in Lübeck ein, wo dann die auswärtigen Kameraden per Bahn wieder ihre Garnisonen erreichen." „Arme Ostern, betrogene Jugend!" — Es freut uns, daß selbst die „Pädagogische Reform" sich gedrungen fühlt, von „Armen Ostern und betrogener Jugend* zu sprechen. Sozialdemokratische Jugendpflege. Auf der Konferenz der sozialdemokratischen Jugendausschllsse des Niederrheins wurde mitgeteilt, daß die Zentralstelle für die Rheinprovinz ein Iugendsekretariat errichten werde. Im Bezirk Niederrhein ist die Zahl der Mitglieder auf 7601 gestiegen; es sind 14 Jugendheime mit 25 Räumen vorhanden. Der durchschnittliche Besuch der Heime schwankt zwischen 62 und 14 Jugendlichen. Für die Zwecke der Jugendbewegung wurden 16080 M. ausgegeben. Hubert vo« Herkomer -st. Den schmerzlichen und unersetzlichen Lücken, die in den letzten Jahren in die Reihen der großen Künstler gerissen wurden, Hai sich eine neue zugesellt. Der berühmte Maler Hubert von Herkomer ist am 31. März im Alter von nahezu 65 Jahren gestorben. In einem kleinen bayrischen Städtchen geboren, aus denkbar bescheidenen Verhältnissen stammend, aber vom Vater, der früh nach Amerika auswan)erie, von Jugend aus für die Kunst bestimmt, hat Herkomer wohl eine der erfolgreichsten, glänzendsten Künstlerlaufbahuen zurückgelegt, die einem Menschen beschieden sein kann. Berühmt geworden ist Herkomer vor allem durch sein vielleicht oft überschätztes und doch wundervolles Bild der „Dame in Weiß". Aber auch die Gemälde „Die Auswanderer", der „Streik"' sowie Porträts hervorragender Persönlichkeiten haben seinen Ruf in alle Welt getragen und ihn vor allem in seiner zweiten Heimat, in England, zu einer der gefeiertsten Künstlerpersönlichkeiten gemacht. Auch als Dichter und «Schauspieler hat Herkomer ein hochbeachtenswertes Talent entfaltet und so auf seinem herrlichen Kiinstlersitz in Bushey bei London als vielseitiger Künstler die Menschen erfreut. „Volkstümliche Kunst", Verlag Richard Kautel-Stuttgart. Vorstehendem fügen wir bei: „Dieser Junge soll ein Künstler und mein bester Freund werden", ries in der Dorfkirche zu Waal in Oberbayern der Zimmermann und Herrgottsschnitzer Herkomer, als ihm in den Maitagen des Jahres 1849 Hubert getauft wurde. Die Familie wanderte infolge der Revolutionsstllrme nach Amerika aus, kehrte aber wieder nach Southampton zurück, wo der Vater den eigenen Rock verkaufen mußte, um den Sohn und Freund zu kleiden. Aber das Programm wurde eingehalten. Als Zitherspieler bei Zigeunern begann der junge Herkomer sein Lebensdebüt. Zwei Skizzen „Zigeunerlager" und „die letzte Musterung* nahm die illustrierte Weltzeitschrift „Graphic" an. Jetzt ging es im Fluge auswärts. Da saß nun der alte Herkomer in einem hübschen Häuschen und modellierte, einer alten Neigung folgend. AVer die Finger waren gar ungelenk geworden und das Kopfschütteln nützte auch gar nichts. In der Nacht stand der Sohn auf, gab den Entwürfen eine schöne Form, und am Morgen rief strahlenden Antlitzes der Alte: „Ja, ich kann's noch so gut wie einst I* 195 In der ärmsten Familie kann das größte Glück aufgehen, wenn die Glieder sich verstehen und sich nicht verhetzen lassen. König — Minister — Lehrerdeputation. Die „Bay. Slaaiszeitung" bestreitet den Verlaus der Audienz, wie er in dem Münchener sozialdemokratischen Organ erzählt wurde. Die „Bayrische Schulzeitung" fordert zum Lesen zwischen den Zeilen auf und vertieft den peinlichen Eindruck. Wäre es nicht besser gewesen, die liberalen Herren wären zu Hause geblieben, wenn sie vom eigenen Taktgefühl keine Vorschriften erhalten können? ' - j Badische Chronik. Jur Fortbildungsschulsrage. Politische Blätter berichten: „Im Staatsvoranschlag für die Jahre 1914 und 1915 sind Mittel vorgesehen für die Abhaltung von Kursen zur Ausbildung von Lehrer für die Fortbildungsschulen. Mit diesen Kursen ist beabsichtigt, einen Stamm von sachgemäß ausgebildeten Forlbildungsschullehrern zu gewinnen. Da das Vorhandensein einer gewissen Anzahl von geeigneten Lehrer nach Ansicht der Regierung unerläßliche Vorbedingung für jede weitere Organisationsänderung auf dem Gebiete der Fortbildungsschule ist, soll mit der Ausbildung solcher Lehrer schon begonnen werden, bevor eine neue Gesetzesvorlage über die künftige Ausgestaltnng der Fortbildungsschule den Landständen unterbreitet werden kann. Bis jetzt bestehen solche Kurse zur Ausbildung von Fortbildungsschullehrern in Preußen und einigen anderen Staaten Norddeutschlands und außerdem in Elsaß-Lothringen. Es handelt sich um eine verhältnismäßige junge Einrichtung. Alle Kurse, welche den Zweck verfolgen, Lehrer für dir allgemeine Fortbildungsschule auszubilden — von den Kursen, die Lehrer für die gewerbliche Fortbildungsschule heranzubilden, ist hier nicht die Rede — müssen in ihrem Stoffplan außer den Fächern: Fortbildungsschulkunde, Bürgerkunde und Buchführung eine Unerweisung in denjenigen landwirtschaftlichen Fächern vorsehen, deren Kenntnis als Grundlage der Landwirlschaftskunhe für jeden angehenden Landwirt unumgänglich notwendig ist. Bei der Einrichtung der badischen Kurse sind als Lehrgegrnstände neben Fortbildungsschulkunde, Bürgerkunde. Buchführung, die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Landwirtschaft vorgesehen, sodann das wichtigste über Obst» und Gemüsebau und über Schädlinge und deren Bekämpfung. Die Dauer der jährlichen Kurse ist auf 4 Wochen (24 Arbeitstage) angenommen. Die Zahl der Teilnehmer an einem Kurse soll sich auf 20 bis 25 belaufen. Für die einzelnen Teilnehmer sind Reisekostenrückersatz und Tagesgebühren vorgesehen. Die Ausgaben der Kursteilnehmer sind aus 6—7000 Mark berechnet." Das Projekt der „Wanderlehrer" scheint somit fallen gelassen zu sein. Wir könnten das nur begrüßen. Lehrerkonferenzen: Die diesjährigen amtlichen Lehrerkonserenzen haben sich nach der Weisung des Unterrichtsministeriums mit den Bestimmungen der neuen Volksschulordnung zu befassen. Die Pflichtkonferenzen der badischen Volksschullehrer finden im Monat Mai in sämtlichen Bezirken statt. Zur Gehaltsrevifion: Wir entnehmen der „Bad. Beamtenzeitung" Nr. 14 nachstehendes Stimmungsbild: „Von allen Beamten ist die angekündigte Prüfung des Gehaltstarifs begrüßt worden, obwohl die Freude dadurch getrübt erscheint, daß jene Beamte, die durch das Gehallsgesetz von 1908 benachteiligt wurden, noch weitere 2 Jahre die Härten dieses ob seiner Eigenartigkeit einzig dastehenden Gehaltsgesetzes verspüren müssen. Es hat ja lange gedauert, bis man die Notwendigkeit einer Gehaltstarifrevision erkannt hat. Von dem Standpunkte der Regierung aus mag dies begreiflich erscheinen, ein Gesetzeswerk, das mit so vielen Verheißungen für die Beamten seinen Einzug hielt, nach einer so verhältnismäßig kurzen Zeit wieder zu ändern. Das kann aber keineswegs ausschließen, solche Härten, wie wir sie gerade bei dem Gehallstarif von 1908 finden, zu beseitigen Das hätte schon längst geschehen sollen, aber leider glaubte man zu sehr an die Vollkommenheit des Gesetzes. Nicht Freude am Petitionieren ist es, wenn geschädigte Beamte immer wieder an Regierung und Parlamente herantreten und einen solchen Tarif bekämpfen, durch das ihr ohnedies spärliches Einkommen noch weiter beschnitten wurde. Wenn da von unzufriedenen Beamten gesprochen wird, die nur von Gehaltstarif schwärmen und für sonst aber auch gar nichts weiter Interesse zeigen, so ist das ein Beweis dafür, wie wenig teilweise all die geschilderten Härten des Gehaltstarif geprüft worden sind. Ehe solche Urteile gefällt werden, sollte man nicht vergessen, daß in einer Zeit, wo die Preise für alle Lebensbedürfnisse eine außergewöhnliche Höhe erreicht haben, wo die Wohnungsmiete einen großen Teil des Einkommens beansprucht, die materiellen Sorgen schwer aus den Beamten lasten. Von Lebensfreude, von einem Drange nach Vergnügen ist da nichts zu verspüren, denn das alles muß bei einem Beamten in seinem Ringen und Streben, im Daseinskampf zu bestehen, einfach zurücktreten. So mußte mit Fug und Recht die Lösung der Gehaltstariffrage für einzelne Beamtenklassen eine Hauptbestrebung sein. Hoffen wir nun, daß das Gehaltsgesetz von sozialem Geiste getragen ist. Wirtschaftliche Stärkung des Beamten kann nur durch finanzielle Hilfe erfolgen, und nicht durch das Gegenteil, wie es leider 1908 oorkam." Nutatis mutanctis gilt das auch für uns. Jahresbericht des Grotzh. Lehrerseminars Meersburg am Bodensee. 1913/14. Dieses Seminar ist eine Vollanstalt und schließt somit sechs Jahreskurse ein. Aus der Geschichte der Anstalt heben wir hervor, daß Musikinspektor Zu reich den Musikunterricht und Professor Haßlinger den Zeichenunterricht einer Besichtigung unterzogen. Zu der Dienstprüfung hatten sich 40 Kandidaten gemeldet, 22 für erweiterte und 17 für einfache Schulen. Von der Gesamtzahl erschienen 6 nicht zur Prüfung, einer trat zurück. Für erweiterte Schulen bestanden 13, für einfache auch 13; 3 erhielten Nachprüfungen; 4 für einfache Schulen Bestandene hatten sich für erweiterte gemeldet und bestanden nicht. Das gesamte Resultat enthält eine ziemlich eindringliche Mahnung für unsere jungen Herren Kollegen. Als neu traten in diesem Schuljahr im IV. Kurs biologische Schülerübungen auf. Sie erstreckten sich auf: Einführung in den Gebrauch des Mikroskops und seiner Hilfsmittel, Versuche über Keimung, Wachstum, Leitungsbahnen und Verdunstung der Pflanzen, Untersuchungen über Stärkekörner, Protoplasmaströmung, Plasmolyse, Farbträger, Flechten, Moose uud Farne, das Planktonnetz und Fang des Planktons und Untersuchung einiger wichtiger Vertreter desselben. Zerlegt wurden: der Regenwurm, die Weinbergschnecke, die Taube bezw. der Rabe, der Frosch. Alle Beobachtungen wurden von den Schülern gezeichnet (Reallrhrer Seeber). Im V. Kurs traten neu auf physikalische und chemische Schülerübungen, die wie die biologischen für alle Schüler verbindlich waren. Di» chemischen Übungen leitete Herr Reallehrer Seeber. Als solche sind im Jahresbericht aufgesührt: Glastechnik, Korkbehandlung, Gebrauch de» Lötrohs. Aufbau von.Apparaten zu z Versuchen für den Volksschulunterricht, Versuche im Anschluß an den Chemieunterricht, Zeichnung der Apparate. 196 Über die physikalischen Schülerübungen sagt der Bericht: 1. Im Anschluß an den Unterricht in Optik und Elektrizität wurden Versuche unter andern Voraussetzungen ipiederholt und einfachere Berechnungen angeschlossen. 2. Aufgrund neuer Versuche aus dem ganzen Gebiet der Physik wurden einfachere Gesetze abgeleitet. 3. Soweit die Handfertigkeit der Schüler es gestattete, wurden einfache Apparate, die zu den Versuchen notwendig waren, selbst hergestellt. (Pros. Scholler.) Wir sind erfreut, diese wertvollen Angaben in unser Blatt aufnehmen zu können. Unsere Zeitung wird auch in außerbadischen Bundesstaaten selbst von den höchsten Schulbehörden gelesen. (Authentische Beweisstücke sind in unfern Händen). Da haben wir ein sehr lebhaftes Interesse, Nachweisen zu können, daß das badische Volksschulwesen mit sehr weitgehendem pädagogischem Verständnis geleitet wird. Unter Führung der Turnlehrer wurden allmonatlich Ausmärsche unternommen; für das Baden und Schwimmen im See waren feste Stunden angesetzt. Die Seminarkirche wurde bei Beginn des Schuljahrs einer gründlichen Ausbesserung unterzogen. Der Kostenaufwand belief sich auf 5000 Mk. In der Zwischenzeit besuchten die Zöglinge die Stadtkirche und erhielten vom Stadtpfarramt besondere Plätze angewiesen, wofür der Bericht verbindlichst dankt. Das ganze Untergeschoß des Seminargebäudes — das sogenannte Gewölbe — wurde für die Zwecke des Physik-, Biologie- und Chemieunterrichtes eingerichtet. Die Violin- zimmer im Erdgeschoß werden in Schlasräume für das Dienstpersonal umgewandelt und im Dachgeschoß neue Räume für den Violinunterricht und das Klavierübungsspiel gewonnen. Die beiden im Jahre 1912 neuerstellten Orgeln erhielten Gebläse mit elektrischem Antrieb. Musiklehrer Hug kam an das Vorseminar in Lahr. An seine Stelle trat der zum Musiklehrer ernannte Musik- lehckandidat Gustav Bier vom Lehrerseminar in Freiburg. Der Unterricht wurde wegen Scharlachs vom 4.-9. Oktober ausgesetzt. Sonst war der Gesundheitszustand günstig. Das Geburtsfest des hohen Landessürsten wurde durch hübsche Wettspiele festlich gefeiert. Zum Lehrplan wenige Bemerkungen: In der 5. Klasse wurde im Religionsunterricht das Markuseoangelium gelesen. In der 6. Klasse fand in der Kirchengeschichte die Geschichte des Erzbistums Freiburg besondere Berücksichtigung. Daneben erfreut besonders die apologetische Behandlung der Hauptfragen der christlichen Weltanschauung. Die Pflege des Französischen inbezug auf Sprechen und Literatur ist erfreulich zu nennen; wenn sich nur für Englisches Gleiches ermöglichen ließe. Der Arithmetikunterricht der VI. Klasse steigt auf bis zu den Sätzen von Uoivre, zu den Binomischen Gleichungen, zu dem Binomischen Satz und der Exponentialreihe. Auch der Musikunterricht versucht sich in den obersten Kursen an den Werken der vorzüglichsten Meister. Der Gesundheitslehre war in der V. Klasse eine besondere Stunde zugewiesen. (Prakt. Arzt Dr. Müller). Wahlfrei waren Handfertigkeit und Stenographie. Die Besuchszahl mäßig. Man bekommt ordentlichen Respekt vor dem Maß und der Gediegenheit der Arbeit, die im bad. Lehrerseminar am Schwäbischen Meer geleistet wird. Besonders hervor- heben möchten wir noch das liebenswürdige Anerbieten der Großh. Seminardicektton, den Eltern der Schüler mit Auskunft entgrgenzukommrn. Verhetzung der Jugend üben um die Osterzeit die sozialdemokratischen Blätter, um die ins Leben hinaustretende Jugend für die Parteiorganisation einzufangen. Was liegt an einem verkümmerten Menschenherzen, das sich in seinem vierzehnten Lebensjahre schon mit Haß und Mißtrauen gegen andere, mit Bitternis gegen seine beginnenden Lebensberuf erfüllen läßt? Für eine solche Jugend gehen die Sterne der Zufriedenheit, des Vertrauens und der schönen Menschlichkeit, die in jedem Menschen den Bruder sieht, niemals auf. Aber für viele muß das unbesiegbare Mißtrauen, das der Schmeichelei und der gleiß- nerischen Überredungskunst entspringt, die sich an die schwächste Seite des Menschen — an seine übertriebene Selbstliebe — wendet, in den hoffnungslosesten Bahnen der sittlichen Verirrung enden, deren Grenzen die trostlosen Scherben des eigenen und des fremden Glücks bezeichnen. Und dazu sollten wir, sollte unsere Jugend in der Welt sein? In einem Artikel „An die Eltern der Arbeiterjugend" schreibt die „Volksstimme" u. a.: In der Schule hat man euern Kindern nicht nur oft in direkt einseitiger Weise die Dinge dar zu st eilen versucht, sonder« hat oft geradezu die Tatsache« gefälscht." Diese Behauptung ist in subjektiver Hinsicht sozialdemokratische Voreingenommenheit und^ in objektiver tatsächliche Unwahrheit. Die Lehrer fälschen die Dinge nicht aus eigenem Antrieb und werden offiziell auch dazu gar nicht angehalten. Die Sozialdemokratie mag in sehr vielen Dingen anderer Meinung sein als wir, das gibt ihr noch lange nicht das Recht, von einer Fälschung der Tatsachen zu sprechen, die, da bei einer Fälschung auch die Absicht dazu angenommen werden muß, einen starken Grad sittlicher Verworfenheit involvierte. Gegen eine derartige moralische Mißhandlung erheben wir den allerentschiedensten Einspruch. Die berechtigten Interessen aller Stände und die nationalen Gesamtinteressen müssen gewahrt werden, es muß versucht werden, sie in einen möglichst vollkommenen Einklang zu bringen. Wer die Interessen eines Standes wahren will, hat offensichtlich den Schlüssel zur Erkenntnis der Interessen aller anderen Stände aus der Hand gegeben, und sein Wirken wird zum Verhängnis. Darnach ist der folgende Abschnitt der „Volksstimme" zu werten. „Offenen Blickes und klaren Kopfes soll unsere Jugend in die Welt sehen! Nicht nur wollen wir unserer Jugend das erhebende Gefühl der Freiheit lassen, sondern es pflegen und wo es fehlt, es ihnen beibringen. Das Selbstbewußt- sein soll in ihr geweckt und gepflegt werden, das Pflichtgefühl allen anderen Arbeitern gegenüber, das Gefühl, daß sie alle Glieder eines großen Ganzen sind, daß alle für die gemeinsamen Interessen zu Kämpfen haben. Im Kreise von Gleichgesinnten und Gleichgestimmten soll die arbeitende Jugend zusammenkommen, unter der Leitung erfahrener, tüchtiger Männer, die sich nicht nur ein jugendfrisches Herz bewahrt haben, mit der Jugend zu empfinden und zu fühlen, sondern die auch durch ihre Tätigkeit im Dienste der Arbeiterbewegung den Beweis erbracht haben, daß sie die ihnen gestellte Aufgabe erfüllen können. An euch liegt es, ihr Eltern der arbeitenden Jugend, die Arbeit der Iugendausschüsse nach Kräften zu unterstützen." Der Arbeiter ist Mensch, und als solcher aller Teilnahme wert. Aber der Stand der Arbeiter umschließt nicht die ganze Menschheit, und wehe ihm, wenn das der Fall wäre. Die Fabel des Menenius Agrippa, die er dem aus- gewanderten Volke aus dem „Heiligen Berge" vortrug, hat heute noch ihren uneingeschränkten Wert. Die Arbeiterschaft, die nicht beständig von „Knochenmühlen" spricht und nicht nur haßt, sondern durch ein lebhaftes Interesse für ihre Beschäftigung, bei allem Bestreben durch eigene Kraft höher zu kommen, die Arbeit liebt und zufriedenen Blicke» 197 auf die Resultate schaut, ist für den Staat selbst die allernotwendigste, eine ganz unersetzliche Schule, aus der die Männer auftauchen, die der Genius der Menschheit zu Großem befähigt. Aber auch andere Stände bringen sie hervor. Darum Liebe, Vertrauen und Edelsinn! Das sittlich Wertlose sinkt herab und hat oft genug das unerbittliche Gericht in seiner Brust und in seines Lebens Schicksal trotz des scheinbaren äußeren Glanzes. Ein wenig Menschenkenntnis! Ein wenig nur ! Laßt's doch daran nicht fehlen! Der IV. Internationale Kongreß für Volkserziehung «nd Volksbildung tagt in Leipzig vom 25.—29. September 1914 nnter dem Protektorats des Königs Friedrich August von Sachsen. Der Kongreß stellt in den Mittelpunkt seiner Vorträge, Beratungen und Darbietungen die Erziehung und Bildung der Jugendlichen (12.—20. Lebensjahr). In der allgemeinen Abteilung steht die Anthropologie des Pubertätsalters an der Spitze des Programmes. Für dieses Gebiet ist der bedeutendste amerikanische Gelehrte, Professor Stanley Hall (Worester) gewonnen. Aus der anthropoligischen Grundlage bauen sodann die weiteren allgemeinen Vorträge fort, die sich zunächst mit der körperlichen Erziehung und ihren Verzweigungen in Turnen, Spiel, Sport, Wandern, militärische Erziehung befassen. Generalfeldmarschall o. d. Golz spricht als Vertreter des neueren deutschen Systems. Ein weiteres Hauptgebiet bildet die moralische Erziehung, besonders das Verhältnis der religiösen zur moralischen Erziehung. Die erste Seite einschließlich der Kriminalität der Jugendlichen wird der Bortrag von F. W- Foerster (München) in den Vordergrund stellen; zu der zweiten spricht der frühere französische Unterrichtsminister Buisson (Paris). Darnach bietet der Kongreß einen orientierenden Überblick über die intelektuelle Bildung der Jugendlichen auf Grund der Ergebnisse der neueren Psychologie, d. h. unter Heranziehung der Lehre von der Begabung, von den Altersstufen, von den individuellen Differenzen und von den psychopathischen Erscheinungen. Für diesen Vortrag ist Professor E. Meuman (Hamburg) gewonnen worden. Endlich sollen die psychologischen unb pädagogischen Spezialprobleme der weiblichen Jugend gesondert behandelt werden, und zwar im Zusammenhang mit den soziologischen Gesichtspunkten (Familie, Ehe, Frauenberuf), die hierfür besonders in Betracht kommen. Als Referentin für dieses Gebiet hat Dr. phil. Gertrud Bäumer (Grunewald bei Berlin) zugesagt. Die weitere Arbeit des Kongresses gliedert sich in 6 Sektionen: 1. Das Buch und die Jugendlichen — Sektionsleiter: Stadtbibliothekar Dr. Fritz (Eharlottenburg), Bib- lothekar W. Hofmann (Leipzig), Lehrer H. L. Köster (Hamburg). 2. Vortragswesen, Volkshochschulen, Settlements — Sektionsleiter: Dr. von Erdberg (Charlottenburg). 3. Bildende Kunst, Museen, Theater und die Iu- lichen — Sektionsleiter: Oberlehrer F. Lindemann Städtischer Zeicheninspektor (Leipzig). 4. Der Kinematograph und die Jugendlichen — Sektionsleiter: Lehrer W. Schubert (Leipzig). 5. Körperliche Jugendpflege — Sektionsleiter: Oberturnlehrer W. Auerbach (Leipzig). 6. Fürsorge für gefährdete und verwahrloste Jugendliche — Sektionsleiter: Oberregierungsrat Dr. jur. W. Dietrich (Leipzig). Zur Teilnahme am Kongreß und seinen Verhandlungen berechtigt die Mitgliedskarte, für die 10. bzw. 5 M. zu zahlen sind. Die näheren Bestimmungen sind aus dem ausführlichen Programm ersichtlich. Als besondere Veranstaltungen des Kongresses sind vorläufig in Aussicht genommen: Begrüßung durch die Stadt im neuen Rathaus, Sportfestzug, Sportfest aus dem Sportplatz, Dolksunterhaltungsabend im Krystallpalast, Volkskunstausstellung, Besuch der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik, des Heimatmuseums und des Psychologischen Instituts des Leipziger Lehrervereins, des Heilerziehungsheimes Kleinmeusdorf, des Erziehungsheimes Mitlweida.—Welche Bedeutung demKongreß beigemessen wird, kann man daraus ersehen, daß im Ehrenpräsidium die Kultusminister fast sämtlicher europäischer Großstaaten und im Ehrenausschuß die bedeutendsten Korporationen und bekanntesten Gelehrten fast der ganzen Welt vertreten sind. Vorsitzende des Kongresses sind der bekannte Kinderpsychologe und Leiter des psychologischen Instituts Dr. Max Brahn, der Generalsekretär der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung I. Tews und der Oberregierungsrat bei der Kgl. Kceishauptmannschaft Leipzig Dr. W. Dietrich. Ausführliche Programme versendet kostenlos der Generalsekretär Paul Schlager, Leipzig, Eutritzscher Str. 19,11. Druckfehlerverbesserung: Nr. 16 Seite 178, 1. Sp. 8. Z. v. o. lies anders statt andere. Z. 17 wir statt wie Z. 42 Nichtigkeiten statt Richtigkeiten. Seite 179, 2. Sp. 19. Z. v. o. Varietes statt Varietees. Seite 180 befürwortete der Führer statt befürwortete ihn der Führer. Seite 184, 1. Sp. 18. Z. v. u. sehr vieles statt so vieles, 2. Z. v. u. Nomenklatur statt Namenklatur. Einige Satzzeichen bittet man zu ergänzen bezw. abzuändern. Bezirkskonferenz Lahr-Offenburg! Samstag, 25. April, nachmittags 3^ Uhr, Zusammenkunft in Lahr, Brauerei Posth. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes. Kreiskonferenz Freiburg-Neustadt! Samstag, 25. April 1914, Vz4 Uhr im Vrreinshau«. Tagesordnung: 1. Referat: Jugendpflege. 2. Verschiedenes. Mitglieder und Gäste werden zu zahlreichem Besuche höflichst eingeladen Der Vorsitzende. Kreiskonferenz Wakdürn-Hauöeröifchofsheim. Am 25. April nachmittags 4 Uhr im Schwanen in Osterburken. Tagesordnung: 1. Wahl de» Kreisvorsitzenden. 2. Vortrag (H. Frank-Gerlachsheim). 3. Kreiskasse. 4. Iugendschriften betr. 5. Sonstiges. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorsitzende Neuthard. Bezirkskonferenz Donauefchingen-Villingen-Triberg! Samstag, den 2. Mai nachm. 4 Uhr in Donau- eschingen (Gasthaus zum Bären). Tagesordnung: 1. Vortrag (Arbeitsschule, Herr Tröndle). 2. Einzug des Jahresbeitrages (2,50 Mk.) 3. Verschiedenes. Um vollzähliges Erscheinen bittet Der Vorsitzende. 198 kuMruckerei llmtriz. lllkern-LM! empfieM M rar NarzteHung aller llruckballien für Industrie, Nsnllal, Keisarbe u. kringle, ebenzo Nniertigung zümtlilüer kormulare für 5taal5- uncl Kemeinciedeklörüea Zaubere HuMlirmig veompteste Klelerung sümtl. Lüdier und Leilscliriiten ^1. 0. kaden-kacisn OeZiünäet 1882^ Lehrer Nieck's Schulrechenmaschme 2. Auflage D. R. G. 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