Rede t w Uae pg der ſeligen Frau Margarethe Salome, geb. Arnold, Gattin des Herrn Oberbaudirectors Weinbrenner. Gehalten Von Herrn Oberhofprediger Walz, den Oten July 1815. CEäeSreaher, gedruckt in der C. F. Muͤllerſchen Hofbuchdruckerey. Vorgeſang. Wie ſie ſo ſanft ruh'n Alle die Seligen, Zu deren Wohnplatz Jetzt meine Seele ſchleicht! Wie ſie ſo ſanft ruh'n In ihren Graͤbern, Tief zur Verweſung Hinab geſenket. Und nicht mehr weinen, Hier, wo die Klage flieht; Und nicht mehr fuͤhlen, Hier, wo die Freude flieht; Und unter Traurigen, Trauriger Cipreſſen, Bis ſie der Engel Hervorruft ſchlummern. Wie wenn bei ihnen, Schnell wie die Roſenpracht Dahingeſchwunden In Aſchenkruͤge modernd Spaͤt oder fruͤhe, G Staub bei Staube, J y Neine Gebeine Begraben liegen. Und gieng im Mondſchein Einſam und ungeſtoͤrt, Ein Freund voruͤber Warm, wie die Simpathie! Und opferte dann Noch meiner Aſche Wenn ſies verdient Noch eine Thraͤne. Und ſeufzt, der Freundſchaft Immer noch eingedenk, Voll ſtillen Schauers Tief in der Seele, ach! Wie ſie ſo ſanft ruh't! Und ih vernaͤhm es Saͤuſelnd erſchiene dann Davor mein Schatten! Fuͤhl ich einſt auch die letzten Kraͤmpfe Der muͤden, ſinkenden Natur; Wohl mir! Ich weiß, durch wen ich kaͤmpfe: Gott hilft, ein Augenblick iſts nur, Und aufgeloͤſ't iſt all mein Leid In ewige Zufriedenheit. Die Wege des Allweiſen und Unerforſchlichen, der in jeder Stunde uͤber uns gebie— ten, und ſprechen kann: kehret wieder, ihr Menſchenkinder! verehren wir am Grabe dieſer Vollendeten, die eines gluͤcklichen Todes werth war. Still und fromm pilgerte fie durch diefe Welt. Ein ſanfter Sinn, der ſo koͤſtlich vor Gott iſt, ſchmuͤckte ſie, und gute Thaten ſtehen im Tagebuch ihres Lebens, das nun geſchloſſen iſt. Die Re— ligion, unſre ſicherſte Fuͤhrerin, und die Freundin, die bei uns bleibt, wenn alles ſcheidet, unſre Troͤſterin in Traurigkeit, und unſer Leben im Tode, war ihres Fußes Leuchte, und ein Licht auf ihrem Wege. In ihrem Buſfen ſchlug ein gefuͤhlvolles Herz. Mit zarter, warmer, unausſprechlicher Liebe hieng ſie an Vater und Mutter, die ihr vorangiengen in die Kammern des Friedens. Ganz lebte ſie fuͤr ihren Gatten und ihre Kinder. Ueber allen Prunk, und uͤber alle rauſchende Vergnuͤgungen liebte ſie die rei— nen, ſuͤßen, haͤußlichen Freuden, und fand im Umgang mit edlen, auserwaͤhlten Freunden den Himmel ihres Lebens. So war ſie— und nun iſt ſie nicht mehr. Ein unerwarteter, ungeahndeter Tod entriß fie dem Familien Kreis, in dem ibr fo wohl war, und ſchlug allen, die durch ſanfte, heilige Bande mit ihr vereinigt waren, eine tiefe, blutende Wunde, in die Gott den Balſam des Troſtes gießen wolle. Erſchuͤt— ternd fuͤr ſie war die Eile, mit der ſie ſchied, ohne das letzte Lebewohl ihnen ſagen zu koͤnnen. So haͤngt bisweilen an einer Stunde Angſt und Ruhe, Schrecken und Freude. So nahe ſteht oft das Ziel, das wir uns ſo ferne denken. Moͤgen wir uns von den Bildern des Todes hinweg wenden, ſo lange wir wollen, und der bluͤhend— ſten Geſundheit uns freuen; moͤgen wir auf unſre Staͤrke bauen, und uns fuͤr Baͤu— me halten, die kein Sturm darnieder werfen kann; wir ſind doch hinfaͤllige, ſchwache uͤbernaͤchtige Menſchen, voruͤbereilende Erſcheinungen, und fallende Herbſtblaͤtter. Je— des Wehen der Luft kann verderblich fuͤr uns werden. Nur ein Nerve darf zerriſſen, ein Tropfen Blut in unſern Adern ſtocken, und ein Zufall unſre Bruſt krampfhaft zuſammen ziehen, ſo ſteht der Puls des Lebens ſtill, und uns kann beim ruhigſten Schlafengeben und im erquikendſten Schlummer die Hand des Todes beruͤhren. Unſre Wohnung wird ein Klagehaus, in dem ſich eine große, traurige Luͤcke oͤffnet, die wir mit unſern beſten Thraͤnen nicht ausfuͤllen koͤnnen. Btitterlich weinen wir um einen guten Vater, um eine geliebte Mutter, um einen bawaͤhrten, rechtſchaffenen Freund, Wir wiſſen nicht, wie uns geſchehen iſt. Sie kommen uns ſchnell aus dem Auge, aber nicht aus dem Sinn. Der Kummer fuͤhrt uns an ihr Bild, und an jede Staͤtte, wo ſie wandelten. Wir ſuchen, und finden ſie nicht. Ihr Platz im Hauſe iſt leer, aber ihr Denkmal ſteht im treuen, blutenden Herzen. Da findet es auch unſre Ent⸗ ſchlafene, in deren letzten Kelch nur wenige, bittre Tropfen fielen. Unvergeßlich wird ihre Liebe den Ihrigen, und heilig wird ihnen ihre Aſche ſeyn. Fuͤhre Gott zu dem gebeugten Garten, der ſeinen Verluſt ſchmerzlich empfindet, die verlohrne Ruhe zuruͤck! Laſſe er auf ihren dankbaren, ihr nachweinenden Kindern den Segen einer frommen Mutter ruhen. Bluͤhe ihr Gedaͤchtniß bei allen, die ſie kannten und liebten. Mahne ihre Bahre auch uns an die ernſte, entſcheidende Stunde, in der wir gerufen werden! Wie bald kann ſie ſchlagen! Wie ploͤtzlich koͤnnen wir uͤberall, im Geraͤuſche der Welt, und in der Einſamkeit, im Schooſe der Unſrigen, und im vertrauten Kreis der Freun— de von der Hand des Todes ergriffen werden! Moͤge am Huͤgel, unter dem ſie ruhen wird, unſer Entſchluß fefte werden- von dieſem ungewiſſen, bald voruͤbergeflohenen Leben einen wohlthaͤtigen Gebrauch zu machen, und jeden Tag weiſe zu nuͤtzen, da jeder unſer Sterbetag werden kann. Verdoppeln wollen wir unſern Eifer in der Hei— ligung, und einſt, wenn unſre Sonne ſinkt, den Geiſt in die Haͤnde des Vaters aller empfeblen. Dann iſt hier alles wohl vollbracht, und dort im Reiche ſeliger Geiſter ſind wir willkommen. Dort finden wir nach ſchweren Pruͤfungstagen. Von oͤden Gräaͤbern fern, Die Himmliſchen, um die wir hier oft klagen, In einem ſchoͤnern Stern. Schlußgeſang. Schon iſt gebracht der Leib zur Ruh, Und kuͤhle Erde deckt ihn zu; Der Leib der nach des Schoͤpfers Schluß, Zu Staub und Erde werden muß. Dieß iſt die Saat von Gott geſaͤt, Der Staub der kuͤnftig auferſteht Verweßlich wird er ausgeſtreut, Hier keimt er zur Unſterblichkeit. Des Frommen Seele lebt bey Gott, Der ſie aus aller ihrer Noth, Von aller ihrer Miſſethat, Durch ſeinen Sohn erloͤſet hat. Gott blieb ſie treu, bis in ihr Grab, Nun wiſcht Gott ihre Thraͤnen ab. Was ſind die Leiden dieſer Zeit, Gott! gegen deine Herrlichkeit! Nun du Erloͤßte ſchlaf in Rub, Wir gehn nach unſern Huͤtten zu, Und machen zu der Ewigkeit, Mit Freud und Zittern uns bereit. Ach Jeſu Chriſt, dein bittrer Tod, Staͤrk uns in unfrer legten Noth, Laß unſer ganzes Leben bein, Und freudig unſer Ende ſeyn!