Aquitanien. nqul- aE e x Ein ia D eldengedi t aus dem , irkett reit. ſechſten Jahrhunderte. 7 reitit eneee A AEE e- Aus einem lateiniſchen Codex der Markgräfl. Badiſchen Bibliothek metriſch überſetzt. Carlsruhe, Druckts und verlegts Michael macklot Markgraͤfl. Bad. Hofduchhändler u. Hofbuchdrucker. aa a Vorerinnerung. V. dieſem lateiniſchen Heldengedicht erhielt vor einiger Zeit Herr Doctor und Profeſſor Fiſcher zu Halle eine, wiewohl unvollſtaͤndige, Handſchrift aus dem dreyzehnten Jahrhunderte. Er beſchrieb ſie nicht nur auf eine Art, die Ihm und ſeinem alten Dichter Ehre macht, in dem deutſchen Muſeum(1780, St. r,.) fondern gab fie auch in Leipzig bey Schwickert mit ſeinem vortreflichen Commentar heraus. Ich hatte hierauf das Gluͤck, eine ganz vollſtaͤndige, weit aͤltere und richtigere Handſchrift vom neunten Jahrhundert auf Pergament in der hieſigen fuͤrſtlichen Bibliothek anzutreffen. Sogleich machte ich hiervon eine Anzeige, der ich die Ergaͤnzung des in obenerwaͤhnter unvollſtaͤndiger Handſchrift mangelnden Schluſſes beyfuͤgte, und welche Herr Hofrath Meuſel einer Stelle in ſeiner hiſtoriſchen Litteratur(1783, ꝗten St.) nicht unwuͤrdiß hielt. Da dieſes Gedicht dk Aufmerkſamkeit des Publikums ſo ſehr auf ſich gezogen bat, fo hoffe ich Verzeihung zn erhalten, daf ih eg gewagt habe, ein ſo ſchoͤnes und fo einziges Denkmall der alten vaterlaͤndiſchen Geſchichte und Sitten, worin i viele Spuren des aͤlteſten Staats⸗Kriegs⸗und Lehen weſens im Rheiniſchen Franzien und einer noch reinen, weder durch Hildebranderey, noch Aberglauben und Fanaticiſmus verfinſterten Religion anzutreffen find, i deutſcher Sprache bekannt zu machen. Carlsruhe, din 23 Julii 1782. F e Mo f f é f, M. B. Hofrath und Bibliothekar, Wrin Gedicht dle d gezogen dah idh e Denkmol ,# worin ſo md Lehm yh reinen, uben und ſind, in rube, dòm thefar Wrin Prinz Walther von Aquitanien. Erſter Geſang. Ou dritte Theil deg Erdballs, Bruͤder, heißt Europa. Dieſes unterſcheidet theils Durch die Kultur, theils die Religion So manche ſich in Sitten, Namen, Mundart Unaͤhnliche Voͤlker. Fn Pannonien Hat das Geſchlecht der Hunen ſeinen Sitz, Ein tapfres Volk, das ſo in Tugenden, Als Waffen bluͤhend, nicht die Gegenden Umher allein beherrſchte, ſondern auch Des Oceans Geſtad hinuͤberdrang, Den Flehenden den Frieden ſchenkte, die Empoͤrer niederwarf, und laͤnger ſchon, Als tauſend Jahre, ſo geherrſchet hat. A Dieß Reich beſaß einſt Koͤnig Attila. Die vorigen Triumphe zu erneuern Brach er mit ſeinem Kriegsheer auf, und gab, g Die Franken heimzuſuchen, den Befehl, Auf hohem Thron ſaß Koͤnig Gibicho, Mit ſeinen Franken entzuͤckt, daß ihm ein Kind Von maͤnnlichem Geſchlecht entſtanden war, Prinz Guͤnther, deſſen bald erwaͤhnet wird. œ Q N A A” g Das fliegende Geruͤcht durchdringt das Ohr Des fuͤrchtenden Koͤnigs mit der Bothſchaft, datz Ein feindlich Heer, das in der Zahl den Sand Am Fluß und das Geſtirn weit uͤbertrift, Raſch uͤber den Iſter her im Anzug ſey. Den Waffen und der Kraft des Volks mistrauend Cn b N Ua Verſammelt er den Staatsrath und fragt, was Zu thun ſey? Alle ſtimmten uͤberein A Man muͤß' um Buͤndniß flehn, und Hand mit Hand A ØA Vereinigen, wenn jene wollten; auch E] Die aufgelegte Steuer entrichten, und Beliebte Geifeln geben: dief ſey nuͤtzlicher, Als Land und Leben, Gattinnen und Kinder A> Æ Zu einem Raub auf einmal hinzugeben. zab, Rind daß and, rauend vas tit Hand Ein edler Zoͤgling aus trojaniſchem Blut Von auserwaͤhlten Gaben, Hagano, War an dem Hof. Weil Guͤnther nun noch nicht Das Alter erreicht, um ohne Mutter ſein Zu zartes Leben fortzubringen, ſo Beſchloß man jenen mit einem großen Schatz Dem Koͤnig zuzuſenden. Ungeſaͤumt Ward von den Abgeſandten der Tribut Und Juͤngling uͤberbracht, der Bund befeſtigt. Damals beſtand Burgund aus ſtarken Zeptern, Und Herrich trug den maͤchtigſten davon. Nur eine Tochter, Hiltgund, durch des Abel Der Seel' und der Geſtalt bemerkenswerth, Als Erbinn, ward beſtimmt, am vaͤterlichen Hof ihren Sitz zu nehmen, und die lang Geſammelten Schaͤtze zu genießen, wenn Ein holdes Schickſal es geſtattete. Als aber von den Avaren und Franken Ein feſter Friedensſchluß getroffen war, Und jene nun von deren Grenzen ſich Entfernten, wandte ploͤtzlich Attila Die ſchnellen Zuͤgel nach Burgund. Auch ſaͤumten A 2 4 Die andern nicht, des Herrſchers Fußtritt nach Zu folgen, Gleich an Zahl, in langem Zug, Sah man ſie gehn. Von ihrer Roſſe Lauf Erſchuͤttert, ſeufzt die Erde; vom Geklirr Der Schild' ertoͤnt der Aether ſchreckenvoll; Es blitzt der eiſerne Wald, das ganze Gefild Beleuchtend, wie am erſten Morgen ſchoͤn Die Sonne, wenn ſie des Meeres Ebnen trift, Den aͤußerſten Saum der Erde roͤthet. Schon War er die hohen Fluͤſſe Saone und Rhone Hinuͤber gegangen; ſchon vertheilte ſich Sein Heer zum Pluͤndern, als gleich Herrich zu Chalons ſich aufhielt. Da erhob die Augen Und rief dec Waͤchter ploͤtzlich: Ein Staubgewoͤlk Steigt dort empor! Es koͤmmt die feindliche Macht! Verſchließt die Thore! Dem Fuͤrſten war befannt, Was bey den Franken geſchehn, Er redte ſo Die Haͤupter an: Wenn ein ſo tapfres Volk, Dem wir nicht gleichen koͤnnen, Pannonien Gewichen iſt, mit welcher Macht glaubt ihr Mit ihm zu kaͤmpfen und das Vaterland Zu ſchirmen? Beſſer iſts, wir geben Tribut, on zu wif Macht! annt, Und machen einen Freundſchaftsbund mit ihm. Ich gebe fuͤr das werthe Vaterland Ohn' Anſtand meine Tochter hin, Laft nur Die Bothen hinziehn, um den Bund zu ſtiften. Die Bothen gehn entbloͤßt von Waffen hin Und uͤberbringen, was ihr Koͤnig anboth, Mit Bitte, die Verheerung einzuſtellen. Des Heeres Fuͤhrer, Attila, empfing Sie mit gewohnter Freundlichkeit, und ſprach: Zu Buͤndnißen geneigter, als zu Schlachten, Herrſcht gern der Hunen Volk im Frieden: ungern Ergreifen wir die Waffen, und nur die, Die ſich uns widerſetzen, ſchlagen wir. Der Koͤnig komme, gebe Frieden und nehm' ihn! Der Koͤnig koͤmmt und bringt unzaͤhlige Geſchenk' und feine Tochter und ſchließt den Bund. Der Aeltern ſchoͤnſtes Kleinod geht ins Elend. Als der Vertrag vollſtreckt, die Steuer feſt Geſetzt war, fuͤhrt den Heerzug Attila Nach Weſt. Das Reich der Aquitanier Beherrſchte damals Alpher, deſſen Sohn m In erſter Jugendbluͤthe ſchimmette. A 3 6 Prinz Walther wars. Sein Vater hatte mit Herrich Sich feſt verbunden, ihre beiden Kinder, 3 Wenn einſt das Alter es geſtatten wuͤrde, 3 Einander zu vermaͤhlen. Alpher ſah C Kaum, daß ſchon ſolche Völker unterjocht€ Geworden, als er vor ſehr großer Angſt£ Des Herzens zitterte. Die Hoffnung ſchwand,€ Mit grimmigen Waffen ſich vertheidigen í Zu koͤnnen. Was, ſagt er, was ſtehn wir an? 2 Da wir nicht kriegen koͤnnen. Giebt Burgund, 2 Giebt uns der Franke nicht ein Beyſpiel? Wird 4 Es uns zur Schmach gereichen, wenn wir ſolchen R Gleich werden? Um den holden; Bund zu Stand€ Zu bringen ſend' ich Bothen ab; mein Kind, 2 Mein liebes Kind geb' ich als Geißel mit. 2 Von nun an zahl' ich auch den Hunen den€ In Zukunft ſtets verwilligten Tribut.€ Was weil' ich noh? Sein Wort erfúllt der König~ Schnell mit der That. Mit Schaͤtzen uͤberhaͤuft), Mit wonnevoller Bruſt entwichen die Hunen, y Und nahmen Hagano, die reizende€ Prinzeßin Hiltgund und Prinz Walthern mit ſich, it Herrich nö, an? nd, Wird ſolchen Stand r König åuft} ig Attila in fein Pannonien Zuruͤckgekehrt, erwies er nichts als Liebe Den jungen Exulanten, nichts als warme Ergebenheit und ließ ſie, gleich als waͤren Gie feine Kinder, erziehn. Die Juͤnglinge Ließ er nie aus den Augen. Er unterwies Sie ſelbſt in Kuͤnſten und in Scherzen des Kriegs, Die man von Zeit zu Zeit zu halten pflegte. An Geiſt und Alter wuchſen ſie heran, Bis ſie an Staͤrke Helden, und an Witz Die Weiſen uͤbertrafen. Ihnen war Bereits kein Hune mehr gewachſen. Sie Erhielten ſchon die erſten Stellen des Kriegs Von Attila. Denn nie zog er ins Feld, Wo ſie in ruͤhmlichen Triumphen nicht Gepranget haͤtten. Daher gewann er ſie Sehr lieb. Auch bey der Koͤniginn fand das In Dienſtbarkeit gerathne Fraͤulein Gnade, Und durch erleſne Sitten, wie durch Fleiß Und Kenntniß weiblicher Geſchaͤft' erwarb ſie Stets ihre Liebe mehr. Znuletzt ward ſie Dem koͤniglichen Schatz zur Huͤtherinn Vo n ihr vertraulich vorgeſetzt, und nicht Biel fehlt, herrſcht ſie mit; denn nichts geſchah In ſolchen S achen, als was ſie befahl. Judeß ſtirbt Gibicho, und in dem Reich Solgt Günther ib n, der gleich dem Fuͤrſt der Hunen Tribut und Buͤndniß aufſagt. Kaum hört eg Der edle Hagano, als er die Flucht Bey Nacht ergriff und zu dem Herrſcher eilte. Prinz Walther war indeß zu neuen Schlachten Der Hunen Fuͤhrer, und wohin er gieng, Begleitet ihn Gluͤckſeligkeit und Sieg. Attila's Gemahlinn, die $ Der Austritt Hagano’s wachſam gemacht, Sagt ihrem Herrn: die koͤnigliche Vorſicht daf dein Freund, Des Reiches Pfei„Walther, unt Das Beyſpiel Hagano's, fuͤrcht' ich, Verhuͤthe doch d entkomme. wird ihn Zur Flucht verleiten. So erwaͤge, Herr, Den Rath, den ich dir gebe. Wenn er koͤmmt, So ſag ihm: Große Muͤh' und 2 rbeit haſt Du meiſtentheils in meinem Dienſt gehabt. Daher hielt ich vor allen Freunden dich e.A KY E W g XV 70 =» A Q W LY V wo geſchah Hunen > Am meiſten werth, und meine Gnade follft Du jezt mehr in der That, als Worten ſehn, Erwaͤhl dir unter den pannoniſchen Satrapentoͤchtern eine Braut, und ſcheue Dein Unvermoͤgen nicht: ich willl dich auf Dem Lande ſo, wie hier zu Haus, erhoͤhn, Und niemand ſoll erroͤthen, daß er dir Die Tochter gab. So kannſt du, Herr, ihn feſſeln. Der Koͤnig faͤllt dem Vorſchlag bey, befolgt ihn: Prinz Walther koͤmmt: er redt ihn liebreich an, Und ſucht ihn zur Vermaͤhlung zu bewegen. Doch Walther, der ſchon ſann, wie er drauf that, Dem Zuſpruch zu begegnen, fing fo an: Nur deine Huld iſt es, wenn, Koͤnig, du luf meine ſchwachen Dienſte blickſt. Doch was Du zur Belohnung mir beſtimmſt, vermag Ich niemals zu verdienen. Nur bitt' ich, Vernimm, Herr, deines treuen Knechtes Worte. Erwaͤhl' ich, wie du willſt, mir eine Braut, So bindet mich die Liebe zu dem Maͤgdchen, Und hindert mich in meines Koͤnigs Dienſt. Auch muß ich Feld und Haͤuſer bau'n, und dieß 10 Haͤlt mich von den dem Herrn gebuͤhrenden Aufwartungen und hoͤhern Sorgen ab, Die dieſes Reich von mir zu fodern befugt iſt. Wer einmal Wohlluſt ſchmeckt, kaun Fleiß und Arblt Mir iſt nichts ſo ſchmeichelhaft, Als ſtets dem Richt dulden „der gebeuth, gehorſam und treu eyn, Daher flep idh, erlaube mir, Ohn' eheliches Band mein Leben zu Zu bringen. Befiehlſt, geh ich bereit und ſicher, wohin Du willſt. Wenn du ſpaͤt um Mitternacht Nichts darf im Krieg zum Weichen bringen Kind, Weib nnd alle Sorgen muͤſſen da Zuruͤckſtehn, und uns nie zur Flucht bewegen. Bey deinem Leben ſelbſt, o beßter Vater, Bey dieſen nie beſiegten Pannoniern Beſchwoͤr' ich dich, dring weiter nicht in mich, Die Hochzeitfackeln ungern anzuzuͤnden. Bezwuangen durch ſein Flehn ſteht Attila Von allem fernern Zuſpruch ab, und hofft, Daß Walther nie von ihm fid) trennen werde, Schnell hoͤrt er, dag ein unterjochtes Volk Sich aufgelehnt und ſchon geruͤſtet habe, aA ary -a alas — II Die Hunen ſelbſt mit Krieg zu uͤberziehn. Man traͤgt den Feldzug Walthern auf. Sogleich ift, Wird alleg Volk gemuſtert. Um den Muth ind Arbett Vey ſeinen Kriegern zu erwecken, ermahnt ft, Cr fie, der alten Siege eingedenk, reu Mit der gewohnten Tapferkeit Tyrannen Zu baͤndigen, und manches fremdes Reich Mit Schrecken zu erfuͤllen. Unverweilt Folgt ihm das ganze Heer. Schon ſuchet er Das Schlachtfeld aus, und ſtellt die Schaaren auf n bringe, Den weitgedehnten Ebenen in Ordnung. Schon ſtanden beyde Heer' auf einen Pfeilſchuß Einander im Geſicht, als uͤberall Her das Geſchrey ſich in die Luft erhebt. Die Kriegspoſaunen miſchen unter ſich , Die ſchreckenvolle Stimm'; e8 fliegen hin Und her ſtets dichte Spieße von Eſch' und Hagdorn; Es blinken eherne Spitzen, gleich dem Blitz. Und wie der Nord gerollten Schnee umherſtaͤubt, So ſchoſſen ſie die blutbegierigen Pfeile. Zuletzt als beide Heere das Wurfgewehr Verbraucht, ergriff des Kriegers Fauſt das Schwert. — Man zog die blitzenden Saͤbel und Den Schild; die T ergriff reffen ſtellen ſich aufs Die Roſſe ſtoßen Bruſt an Bruſt und ſtuͤrzen neue; N Sich ſchmetternd. Viele ſtoͤßt der Budel deg Schilb 3u Boden, Mitten durch die Schlacht rauſcht Walther Daher und wuͤrgt, was ihm entgegen ſteht. Die Feinde ſehn die große Niederlage; Als ſaͤheu ſie den gegenwaͤttigen Tod; Wohin er ſeine Fauſt reckt, fliehen fie Mit umgekehrtem Schild, verhaͤngten Zuͤgeln Dem Feldherrn ahmt der Hunen groͤßtes Volk Nach, ſtuͤrzt, die ſich ihm widerſetzen, Zertritt die Fluͤchtigen, bis e durchs Gluͤck hin, Des Kriegs nnd Tapferkeit den Sieg davon traͤgt. Es wirft ſich uͤber die Erwuͤrgten her, Und pluͤndert ſie, bis das gekruͤmmte Horn Dem ganzen Heer den Abzug gebeuth. Zuerſt Umband mit einem feſtlichen Reis ſich Walther Die Stirn' und mit dem Siegeslorber die Schlaͤfe Des Volks, nach ihm die Faͤhnriche: dann folgt Die uͤbrige Jugend. Alſo kehrten ſie Mit triumphaliſcher Pracht ins Vaterland ue S s Schilds t Walth igt. fe OOTTE T S Zuruͤck, und jeder zog in feinen Wohnſitz. Jezt eilt zum Throne Walther. Ihn erblicken Die Diener des Hofes; wonnevoll gehn ſie Ihm aus dem Schloß entgegen, und halten ihm Das Roß, bis der beruͤhmte Mann aus dem Erhabnen Sattel ſich herabließ. Gierig Befragen ſie ihn um des Kriegs Erfolg. Nach einigen Erzaͤhlungen betrat Er muͤd den Hof, und eilte nach den Zimmern Des Koͤnigs, wo er Hiltgund einſam fand. Nachdem er ſie gekuͤßt und zaͤrtlich umarmet, Sagt er: Bring, Liebſte, mir zu trinken her; Ich ſchmacht' und bin ganz abgemattet. Gleich Sült fie den koſtbarn Becher mit Wein, und reicht Dem Helden ihn, der ſegnend ihn empfaͤngt, Und die jungfraͤuliche Hand ſauft druͤckt. Sie ſteht, Und ſchaut das Antlitz des Gebiethers ſchweigend An, bis ihn Walther ausgetrunken hatte, Und ihr leer wiedergab. Sie wußten beide, Daß ſie einander beſtimmet waren. Damn Redt er das liebe Fraͤulein alſo an: So lange Zeit ſchon Teiden wir im Elend, 14— Und wiſſen, was die Aeltern uͤber uns Beſchloſſen haben. Wie lang erſticken wir Dieß im verſch viegnen Mund? Das Fraͤulein denkt ’ 1 fprådy e zum Spott. Sie ſchweigt Cr Mehta Ihr Braͤutigan Ein wenig; dann giebt ſie; ſie zur Antwort ihm: Wie ſagſt du mit verſtellter Zunge, was A: A nnern Bruß nsrekh 4a Du in der innern Bruſt verſchmaͤheſt, und Beredtſt mich mit dem Mund, indem dein Herz egt, als waͤrs ein Hohn, Solch eine Braut zu nehmen. Doch der Juͤngling Verſetzt darauf mit Klugheit: es ſey fern, Was du erwaͤhnſt; deut meine Worte beſſer; Wiß, daß ich nichts in der Verſtellung rede, Und daf Fein Nebel hier, und Feine Falſchheit Mit unterlaͤuft. Hier iſt ſonſt niemand, als wir, Wuͤßt' ich, daß du bereit waͤrſt, mit Gehoöͤr Zu geben, und meinen ſtillen Wuͤnſchen Treue Und Glauben zu halten, wollt' ich meines Herzens Geheimniße vor dir vertraulich enthuͤllen. Hier neigt das Fraͤulein ſich bis zu den Knien Des jungen Helden, und ſagt: Wohin du, Herr, Mich rufeſt, will ich aͤmſig folgen, und 5. y A WW > A Xw xX a 9 LO PAN — 15 Nichts deinem Willen und Geheiß je vorziehn. Wiß alſo, ſprach er: des Exils bin ich n denkt, Längſt uͤberdruͤßig. Oft erinnr' ich mich ſchweigt Der vaterlaͤndiſchen ſtets werthen Grenzen, : Die wir verlaſſen mußten. Ich will méine Geheime Flucht nunmehr beſchleunigen. Zwar haͤtt' ich es vor vielen Tagen ſchon erz Thun koͤnnen; doch es ſchmerzte mich, allein Dich, Hiltgund, hinter mir zuruͤck zu laſſen. gling Das liebe Fraͤulein ſprach aus innrer Bruſt: Mein Herr gediethe, Gluͤck und Ungluͤck will Ich ihm zu Liebe gern erdulden. Wohlan! Raunt Walther ihr ins Ohr: die oberſte Gewalt hat dich zur Huͤtherinn des Schatzes ir, Beſtellt; ſo merke, was ich dir eroͤffne. Zuerſt bring mir des Koͤnigs Helm und Leibrock, Sammt dem dreydraͤtigen Panzer, der das Zeichen më Des Kuͤuſtlers traͤgt. Nimm dann zween maͤßige Schraͤnke Und ſo viel Armgeſchmeid Pannonient Darin, dag du kaum einen bis unten an Die Bruſt zu heben vermagſt. Auch ſchaffe mir Vier Paar Kothurne, dir gieb eben ſo viel; RIDENTE T Tiao So werden vom Geſchirr bis oben hin Die Schraͤnke voll. Auch die krummzackia Vergiß nicht: denn es werden uns zur Koſt Oft Fiſch' und Voͤgel dienen. Die Noth wird mich Schon lehren, wie man dieſe Beute faͤngt. Dieß alles bring in Wochenfriſt zu Stand. Du haſt gehoͤrt, was wir zur Reiſe beduͤrfen. Nun will ich dir zu unſrer Flucht die Anſtalt Auch melden. Wenn nun Phoͤbus ſiebenmal Auf ſeiner Laufbahn wiet erkehrt, will ich Dem Koͤnig und der Koͤniginn, und den Satrapen, Kriegsgebiethern, Hofbeamten Mit großem Aufwand ein frohes Mahl bereiten, Und ſie in Trunkenheit tief zu verſenken Bedacht ſeyn, bis ſich Niemand weiter findet, Der wiffe, was gu unternehmen fey. Trink du indeſſen wenig Wein, und kaum Erlaube dir bey Tiſch, den Durſt zu ſtillen, Sobald nun alles aufſteht, ſo begib Dich zur bewußten Arbeit, bis der Rauſch Mit ſeiner heftigen Gewalt fie alle Bu Boben wirft: dann wollen wir nicht ſaͤumen, kigten Angeln N x3 u He An Die en Angeln rò mih t t u, 4 Die a a n —— Die Gegenden nadh Norden aufzuſuchen. Das Fraͤulein dieſes Auftrags eingedenk Macht Anſtalt, ſolchen zu befolgen. Und ſieh! Der Tag erſcheint, da Walther ſeine Feyer Geruͤſtet hat. Es herrſcht die Schwelgerey Auf allen Tiſchen. Der Hof war uͤberall Mit praͤchtgen Decken umhaͤngt. Der Koͤnig tritt Herein; der edle Held neigt fih vor ihm Mit der gewohnten Ehrfurcht, und fuͤhrt ihn Zum Thron, den er mit Byſſus und Purpur zierte. Er ſetzt ſich und laͤßt zween Herzoge zu ſich Auf beiden Seiten ſitzen. Jedem andern Weiſt ſelbſt der Hofbeamte das Lager an. Bey Hunderten laͤßt die Geſellſchaft ſich An Tafeln nieder. Von ſo haͤufigen Gerichten koſtend ſchwitzt der Gaſt, und man Trug ſie kaum ab, ſo wurden andere Zu eſſen aufgetragen. Ein niedliches Gemiſch gluͤht in dem herrlichſten Gold; Gefaͤße Von Gold ſtehn uͤberall auf Teppichen Von ſchimmerndem prachtvollen Byſſus da, Und Bacchus ziert die ſchoͤngefaͤrbten Beders ie Anſicht und die Suͤßigkeit des Tranks Reizt jeden an, zu zechen. Waltber forder Zum Wein und zu den Speiſen alles auf. Des Gaſtmahls Stille hoͤrt t% ie Zafeln weg, und unfer Held tritt froͤhlich Vor den Beherrſcher hin, und ſpricht: ich bitte Herr, laß— deine Gnade blicken, und Sey den Anweſenden ein Beyſpiel, ſich Mit dir zu freun Auf dieſes Wort reicht er zin kunſtreich Trinkgefaͤß, worauf die Thaten Der Seligen geſchnitzt erſchienen, ihm. Der Koͤnig trinkt es aus auf einen Zug; Zugleich befiehlt er allen uͤbrigen Ihm nachzutrinken. Es laufen hin und her Die Schenken, bringen volle Becher, und nehmen Die leeren weg; denn ihren Eifer befluͤgelt Der Zuruf ihres Koͤnigs und des Gaſtherrn. Eh g Schon herrſcht die Trunkenheit am ganzen Hof Aifbrauf ud; in dem naſſen Gaumen lallt Die eingegeſſene B Oredfamkeit. ſeollteſt hier die ſtken H Í Helden auf č) n toppon Cf Sich ſtets bewußt jald auf; man hebt Hie Die Zu Der Der Und Gr| ebt e, ten Verſchwendet Walther fo bis in die fpåte Nacht die Geſchenke des Bacchus, und zog manchen, Der weggehn wollte, zuruͤck, bis von der Macht Des Weins gedruͤckt, vom Schlaf belaſtet Gie hin und her in den bedeckten Gaͤngen Auf bloßem Boden geſtreckt und ſinnlos lagen; So daß auch Niemand blieb, der etwas wahr Genommen haͤtte, wenn die Mauern gleich Der zehrenden Flammen Raub geworden waͤren. Hierauf rief Walther dem geliebten Fraͤulein, Die in Bereitſchaft liegenden Sachen ber Zu bringen; er zog aus dem Stall den Sieger Der Roſſe, den er ſeiner Staͤrke wegen Den Löwen nannt’, Er ſteht mit toͤnendem Fuß Und kaut in ſtolzem Grimm den ſchaͤumenden Zuͤgel. Er legt ihmlden gewohnten Zeug um, und Haͤngt ihm die zween mit Schaͤtzen gefuͤllten Schraͤnke Auf beiden Seiten an, ſammt maͤßigem Mundvorratb fuͤr ſolch eine lange Reiſe. Die flatternden Zuͤgel giebt er ſeinet Hiltgund In die jungfraͤuliche Hand. Er ſelbſt bepanzert, Gleich einem Rieſen, veckt mit einem Helm, 19 Und ſchraͤnkt die groſſen Waden mit einem goldnen Hellglaͤnzenden Beinharniſch ein. Er guͤrtet Ein zwiefach ſchneidend Schwert um ſeine Linke, Und um die rechte Huͤfte nach der Art Pannoniens den nur auf einer Seite Geſchaͤrften Stahl. Mit ſeiner rechten Fauſt Faßt er den Spieß, den Schild mit ſeiner Linke,. So eilt er, vom verhaßten Land ſich zu Entfernen. Hiltgund fuͤhrt das Roß, das mehr Uls eine Tonue Goldes traͤgt. Er hielt Von Ahorn eine Ruth' in ſeiner Hand, Wotnit er feinen Angel in die Fluth, So oft er fiſchen wollte, niederließ. Der junge Held war uͤberall mit Waffen Beladen, und ſtets mußt' er eines Angriffs Gewaͤrtig ſeyn. Zur Nachtzeit legten ſie Mit ſchnellem Lauf ſo vielen Weg zuruͤck, Als moͤglich war. Sobald der rothe Phoͤbus Sein erſtes Licht der Erde wies, ſo flohn Sie in die Waͤlder, um in dichten Schatten Sich zu verbergen, Sie verfolgt tie Furt, Auf dem ein rother Federbuſch winkt, ſein Haupt, A5 tà w9 w3 Cs E wd apt, dnen fe, fe, br * Die auch in ſichern Oertern muͤde macht. So ſehr ſetzt dieſe weiblichen Gemuͤthern Zu, daß ſie uͤber jedem Murmeln der Luft und des Windes Schauer fuͤhlen, und Die Voͤgel ſelbſt, und jede rauſchende Ranke Des Weinſtocks ſcheun. Der Abſcheu vorm Exil Treibt ſie hier, dort der Hang zum Vaterland. Sie meiden alle Doͤrfer, und verlaſſen Die offnen Felder, ſtets auf unbeſchornen Gebirgen krumme Pfade durchirrend, und Den bebenden Tritt durch manchen Abweg aͤndernd. Indeß ſchwieg noch in Wein und Schlaf begraben Big an den andern Mittag aleg Woll, Die Gaͤſte ſtanden auf, nach Walthern fragend, um ihm zu danken, und mit feyerlichem Lob ihn zu gruͤßen. Attila ſelbſt trat, Das Haupt mit beiden Haͤnden haltend, aus Dem Schlafgemach, und rief ihn aͤchzend, um Vielleicht ſein Kopfweh ihm zu klagen. Doch Die Diener melden, daß man Walthern nicht Zu finden wuͤßte. Noch hofft Attila, Vom Schlaf gefeſſelt laͤg' er irgendwo, D3 AA k ie= n— Und haͤtte ſich in einen geheimen Ort S Zur Ruh begeben. Als Oſpirin ſah, D Daß Hiltgund auch nicht da war, noch zum Anzug N Shr nad) gewohnter Art die Kleider brachte, S So wurde ſie beym unermeßlichen D Geſchrey des Koͤnigs imma trauriger, gi Und rief: o der verwuͤnſchten Speiſen, die N Wir geſtern zu m8 nahmen! o beg Weins, D Der gang Pannonien verwåftet hat! N Was ich dir, Herr, ſchon lang vorausgeſagt, S Bewaͤhrt der Tag, den wir ſchwer uͤberleben. N Sieh! heute flieht die Stuͤtze dieſes Reichs!© Die Staͤrke weicht von hinnen, und fern if D Ruhmvolle Tugend! das Licht Pannoniens, H Held Walther, iſt eutronnen, und pat mir L Auch meine liebe Hiltguud mit entführt!€ Der König, wildentrůftet, brennt von Zorn, J Sein traurend Herz verflucht das Freudenmahl.€ Œr reift den Purpurrock von ſeinen Schultern Bis an den unterſten Saum entzwey. Sein Geiſt Theilt ſich bald da, bald dorthin. Wie den Sand I Oft ein aͤoliſcher Sturm umherwaͤlzt, ſo Anzug M bL, Geiſt Sand Schwebt unſtaͤt auch der Fuͤrſt in innern Sorgen. Der aͤndernden Bruſt ahmt auch der aͤndernde Mund Nach; er verr Selbſt leidet, und verwehrt der Rede den Ausgang. aͤth von außen, was er in ſich Den ganzen Tag iſt ihm ſo Trank als Speiſe Gin Edel, und der Kummer laͤßt den Gliedern Nie die geliebte Ruhe zu. Selbſt als Die ſchwarze Nacht den Dingen ihre Farbe Rahm, und er auf das Bett fih ſtuͤrzte, ſchloß Sein Aug ſich nicht. Bald warf er raſtlos ſich Auf dieſe, bald auf jene Seite hin, Gleichwie von ſcharfem Pfeil durchboret zittert Die Bruſt; ſtets wechſelt er des Hauptes Lage. Halbaufgerichtet ſetzt er ſich nun ſchnell Wie ſinnlos auf die Bettſtoll' und gleich ſchnell Springt er, auf, laͤuft die ganze Stadt durch, koͤmmt Nach Haus, erreicht das Bett, verlaͤßt es wieder. So aͤngſtlich bracht' er die durchwachte Nacht zu. Die fluͤchtigen Gefaͤhrten aber wallten Durch die freundſchaftliche Still', und eilten, ſich Von dem verdaͤchtigen Lande zu entfernen. Kaum trat der Koͤnig fruͤh hervor, als er B 4 Zu den verſammelten Vaͤtern ſprach: O wer Mir den entlaufnen Walther, wer mir ihn, Wie einen ſchelmiſchen Hund, gefeſſelt braͤchte! Den wollt' ich in gediegnes Gold ſtolz kleiden, Und ihn mit Laͤndern uͤberhaͤufen, ſolli' ich Ihm auch mit Tonnen Golds den Weg verſperren, Ullein es fand ſich in dem großen Reich Kein Herrſcher und kein Herzog, Graf, noch Kriegsmam Noch Schildknecht, der, ſo gern er ſeine Kraͤfte Im Krieg gezeigt, und ewigs Lob durch Thaten Sammt Schaͤtzen fich erworben hátt, eg wagte, Auf ſich des Helden Zorn zu laden, mit Waffen Shn zù verfolgen, und mit blogem Schwert Den Mann zu ſehn: denn ſeine Tapferkeit War zu bekannt; ſie Ihatten oft erfahren, Was er fuͤr Niederlagen angerichtet, Und wie er unverwundbar ſtets geſiegt. Der Koͤnig alſo war nicht maͤchtig, Jemand Zu uͤberreden, auf ſo ſchwere Bedingung Die Tonnen Goldes, die er both, zu erobern. —.— Zweyter Geſang. ren, riegsmam, a floh Walther, und wie ih erwaͤhnt, Reiſt' er bey Nacht, und ſuchte, wenn der Tag fam, 7 Gebuͤſch' und Waͤlder auf. Mt Liſt lockt! er t Die Voͤgel, die er balo mit Leim und bald Mit Sprenkeln fing, Wenn er dahin fam, wo Ein Fluß in Kruͤmmen lief, warf er die Angeln, Um unterm Strudel feinen Raub zu fongen, Und durch die Arbeit fich zu unterhalten. Die ganze Zeit der Flucht betrug ſich Walther, Der loͤbliche Held, voll Zucht und Tugend gegen Sein Fraͤnlein. Vierzigmal ſchon hatte die Sonne Den Tag der Welt zuruͤckgebracht, ſeitdem Er die pannoniſche Stadt verlaſſen, als Er Abends an den Rheinſtrom kam, der ſeinen 26 Lauf nach der koͤniglichen Hauptſtadt Worms g Nimmt. Er gab dort anftatt deg Faͤhrgelds bie 9 Zuvor gefangnen Fiſche. Dann hinuͤber a Gelangend eilt er keichend fort. Als nun 6 Der angebrochne Tag die ſchwarzen Schatten 3 Der Nacht zerftreut, begab der Faͤhrmann ſich 9 Zur Stadt und bredite dort dem Haupt der Koͤche 2 Des Koͤnigs die zum Lohn erhaltnen Fiſche. 4 Man richtete fie herrlich zu. Der König ìi Erſtaunt, als ſie ihm aufgetragen wurden, Und ſagte: nie hat mir wein Franzien Dergleichen Fiſche dargelegt: mich duͤnkt, Gie find vom Ausland. Wer hat ſie gebracht? Das Haupt der Koͤche ſagt, daß ſie der Faͤhrmann Gebracht. Man laͤßt ihn kommen und befragt ihn. Er giebt zur Untwort: ich ſaß geſtern Abend Am Rheingeſtad und ſah, daß ſchnell ein Wandrer Daher kam, der vom Kopf bis zu den Fuͤßen Geharniſcht war, als eines Kampfs gewig, Ganz aͤhern trat er einher, ruhmvoller König, Und wo er gieng, fuͤhrt er den weiten Schild Und blanken Spieß mit ſich. Ganz einem tapfern bhe EEEE— Mann ſah er gleich; wiewohl er eine große kaſt trug, ſo that er dodh gewaltige Schritte. Ihm folgt ein Maͤdchen mit unglaublichem Glanz reizender Geſtalt geziert, die Ferſen Des Juͤnglings tretend und ein muthigs Roß Am Zuͤgel fuͤhrend, das auf ſeinem Ruͤcken Zween nicht gar kleine Schraͤnke trug. So oft Das töͤnende Thier die hohe Maͤhne ſchuͤttelt, Und ſtolz die biegſamen Schenkel wirft, ſo geben Sie einen Schall, als wenn an Edelſteine Gold angeſtoßen wuͤrde. Dieſer Fremdling Gab mir zum Lohn die gegenwaͤrtigen Fiſche. Als Hagano, der an der Tafel ſaß, Dieß hoͤrt, ſo rief er aus erfreuter Bruſt: Ftohlockt mit mit! ich weis es, wer er iſt Mein Mitgefangner, Walther, kehret von Den Hunen zuruͤck. Der ganze Hof frohlockt: Nur König Günther, deshalb úbermůthig, Ruft aus: frohlockt mit mir, dag ih den Fall Erlebe! Jenen Schatz, den Gibicho⸗ Mein Vater, dem eoiſchen König ſchickte, Hat der Allmaͤchtige mir in meine Staaten —— Zuruͤckgeſandt. So rief er laut und ſtieß B Mit ſeinem Fuß den Tiſch um, und ſpringt auf, N Beſiehlt, ſein Roß ihm vorzufůhreu und gi Mit dem geſchnitzten Sattel zu bedecken.€ Im ganzen Volk ſucht er zwoͤlf Maͤnner mit ſich 2 Aus, ſtark von Kraͤften und gepruͤftem Muth. T Zu dieſen muß ſich Hagano geſellen. u Der galten Treu und feines vorigen 5 Gefaͤhrten eingedenk, ſtrebt Hagano, 3 Den Kinig, feinen Herrn, vom vorgeſetzten€ Zweck abzubringen: doch beharrt und ruft er: Y Auf! zaudert nicht, ihr Maͤnner, euern Leib C Mit Eiſen zu bekleiden. Eure tapfern C Gliedmaßen decke nun ein ſchuppichter Harniſch! Soll dieſer ſo viel Schaͤtze von den Grenzen$ Der Franken wegzufuͤhren ſich erkuͤhnen?$ Mit Waffen verſehn(denn der Befehl des Königs Spornt alle) gehn fie ang ben Thoren, gierig, Dih, Waliher, zu ſehn, und dich, als einen Feigen, i Der ſchwergewonnenen Beute zu berauben. Zwar ſucht aus allen Kraͤften Hagano Es zu verhindern. Doch der ungluͤckliche ens AA r AT Beherrſcher will von ſeinem tollen Vorſatz Nicht abſtehn. Unterdeſſen kam vom Fluß Fortwandernd der großmuͤthige Mann in das Schon damals ſogenannte Wasgau. Ein Wal Dehnt unermeßlich lang ſich aus, ein Lager Der wilden Thitre, von der Hunde Bellen Und dem Getoͤn des Hiefhorns widerhallend. Hier fteigen in einer Einöd' an ſich grenzend Zween Berg' empor, und zwiſchen ihnen ſchmiegt Sich einwaͤrts eine zwar ſehr enge, doch Anmuthige Hoͤhle, nicht von hohlem Erdreich Gebildet, ſondern ven dem Gipfel der Felſen, Eln ſonſt bequemer Aufenthalt fuͤr blut⸗ Begierige Raͤuber, war jezt dieſer Winkel Mit gruͤnen Teppichen von Gras bewachſen. Kaum ſah der Juͤngling ihn, als er begann: Pier laßt uns hingehn! hier in dieſem Lager Iſts gut, den måden Leib zur Nuh zu legens Seitdem er von den Avaren entwichen, Hate er noch keines Schlafs genoſſen, als Auf ſeinen Schild fig und kaum ſein Aug 3u fliegen fih getraut, Nim aber legt 30 Er einmal ſeine kriegeriſchen Laſten i Ab, und ſank in den Schoos des Fraͤuleins, dem© Er ſagt: Schau, Hiltgund, wachſanr um dich her⸗ Se Und wenn du einen ſchwarzen Nebel ſich F Erheben ſiehſt; ſo ruͤhre mich ſacht an, Di Um mir zum Aufſtehn einen Wink zu geben. i Şi Und wenn du audy die grôfte Spaar erblidtef', pit So huͤthe dich, Geliebte, doch mich ploͤtzlich D Dem Schlafe zu entziehn. Du kannſt von hier Den ſcharfen Blick weit in die Ferne tragen, D Hiemit that er die helen Augen zü, i 6 Und ſchmeckte lang den oftgewuͤnſchten Schlaf. E Als Guͤnther in dem Staub die Spuren ſah, K So ſetzt' er ſeinem unaufhaltbarn Rog L Mit unbarmherzigen Spornen zu. Umſonſt u Im Geiſt frohlockend, ruft er in die Luft: Eilt, Maͤnner, eilt herbey! ihr kount ihn fahen! T Heut, hent entflieht er nicht! Die Tonnen Golds Muß er dahinten laſſen! Hagano€ Verſetzt hierauf: Nur dieſes einzige e Sag' ich dir, tapfer 's Ihn in ſtets neuem Blutbad wuͤthen geſehn, So wuͤrdeſt du vielleicht es nicht fuͤr was So leichtes halten, ihm den Raub zu nehmen. Ich ſah der Hunen Treffen, als ſie gegen Die noͤrdlichen und ſuͤdlichen Gebiethe In Krieg einſt zogen; da, da ſah ich Walthern, Wie er durch große Thaten ſich hervorthat, Oem Feind ein Schrecken und dem Freund ein Wunder, Wer da es mit ihm aufnahm, ſchaute bald Die Unterwelt. O Koͤnig, o Gefaͤhrten! Glaubt mir, der ichs erfuhr, wie fuͤrchterlich Er mit dem Schild hervortritt, mit welch großer Kraft er den Spieß wirft. Aber Guͤnther gab, Bon Unfinn taub, der Warnung Fein Gehör; Und alſo naͤherten ſie fid) dem Lager, Als Hiltgund von dem Gipfel des Gebirgs Den fern erregten Staub ſah, und das Rauſchen Der Kommenden vernahm, ſo ruͤhrt ſie Walthern Sanft an, um ihn zu wecken. Walther richtet Sein Haupt auf, fragt, ob Jemand da ſey? Sie Zeigt an, daß eine Kriegsſchaar fern daher fliegt. Er reinigt die gewiſchten Augen von 32—— Des Schlafes Blendung, und bekleidet allmaͤllg Mit Eiſen die gehaͤrteten Glieder, faßt Den ſchweren Schild von neuem und die Lanze, Und hauet huͤpfend in die leere Luft, Zum Vorſpiel des ihm angenehmen Kampfes. Jetzt ſieht das Fraͤulein in der Naͤhe die Weitſchimmernden Spieße. Schreckenvoll ruft ſie: Hier haben wir die Hunen! Sie ſinkt nieder, Und traurig fleht ſie: Herr, ich bitte dich, Nimm mir das Leben, da ich nicht gewuͤrdigt Bin, das beſtimmte Bett mit dir zu theilen, So will ich keines andern fleiſchliche Verbindung mit mir leiden. Soll mich, ſprach Der Juͤngling, ein unſchuldig Blut beflecken? Wie kann mein Stahl die Feinde wuͤrgen, wenn er Nicht einer ſo geliebten Freundinn ſchont? Fern ſey, was du begehrſt. Leg deines Herzens Furcht ab; Er, der mich aus ſo manchen Gefahren Gerettet hat, Er hat auch die Gewalt Die Tobſucht unſrer Feinde zu vernichten, Hierauf hob er die Augen auf, und rief: Nicht Hanen, ſondern hier ſind jene Schelmen, ža) A? ren EOE EEEIEE — Die Franken, die die Laͤnder angebaut. Und, rief er lachend, als er Hagauo's Helm wahrnahm, ſieh! da iſt auch Hagano, Mein alter Kriegsgeſell! Mit dieſen Worten Stellt er ſich an den Eingang ſeines Lagers, Und ſagt zum Fraͤulein: Hoͤr ein ſtolzes Wort, Das ich hier ſpreche: von hier koͤmmt kein Franke Zuruͤck, der bey dem Weibe prahlen kann, Von dieſem großen Schatz was ungeſtraft Entwandt zu haben. Kaum hatt' ers geſagt, Als er zur Erde fiel, und flehend um Perzeihung bat, daß er ſo was geſagt, Da er ſich wieder aufgerichtet, ſah Er mit mehr Vorſicht alles an, und rief? Von allen, die ich ſehe, ſcheu' ich keinen, ganen: denn diefer kennet meine Art im Gefecht und ift ſelbſt in der Kriege kunſt Gluͤbt; wiewohl vielleicht auch dieſen darf ich Mit Gottes Willen zu bezwingen höoffen: Dann, Hiltgund, meine Braut, dann bin ſch dein! Kaum ſah ihn Hagand in ſeinem Standort, Q bei p R fet ER oi Als er dem uͤbermuͤthigen Beherrſcher 34 Aniana Noch einmal zuſprach: Herr, laß ab, den Mann Zum Streit zu reizen; laß zuvor durch Jemand Von allem Kundſchaft einziehn, vom Geſchlecht, Von ſeinem Vaterland und Namen, und Dem Ort, den er verließ. Vielleicht auch koͤnnen Wir, wenn er uns um Frieden bittet, und Den Schatz uns ohne Blutbad uͤberlaͤßt, Aus ſeiner Antwort ihn bald kennen lernen. Iſts Walther, der ſich dort verweilt, ſo wird Er als ein weiſer Kriegsmann Ehren halber Dem Koͤnig nachzugeben willig ſeyn. Der Koͤnig ſchickt ſogleich den von den Franken Nach Metz beſtellten Vurggraf Kamelo, Der mit Geſchenken erſt den vorigen Tag, Eh dieſes vorgieng, angekommen war. Dem ſchnellen Oſtwind gleich flog dieſer fort, Durchrennt den Raum des Feldes, nahet ploͤtzlich Dem Fúngling, und redt ibn, der fich zur Wepre Schon ſetztt, alſo an: Sag, wer du biſt? Woher du koͤmmſt? wobin du reiſen willſt? Der edelmuͤthige Held fragt ihn dagegen: Ich moͤchte wiſſen, ob da von dir ſelbſt 2) 13 unen hre Hieher koͤmmſt, oder ob dich jemand fendet? Mit ſtolzen Lippen verſetzt hier Kamelo: Wiß, daß mich Koͤnig Guͤnther, der dieß Land Beherrſcht, geſendet hat, um mich nach dir Und deinen Sachen zu erkundigen. Der Juͤngling ſagt: Ich weis zwar nicht, warum Es noͤthig iſt, nach eines Wanderers Begebenheiten zu forſchen? Doch ich ſcheue Mich nicht, die meinige dir zu eroͤffnen. Ich heiße Walther; Aquitanien Hat mich hervorgebracht; ich ward vom Vater Als Geißel, jung den Hunen mitgegeben; Bey diefen lebr ih; diefe verlic ich juͤngſt Aus Sehnſucht, mein geliebtes Vaterland Und holdes Volk mit Wonne wieder zu ſehen. Dir laͤßt, ſprach jener, mein Gebiether und Held Durch mich befeblen, deinen Schatz, dein Roß, Dein Maͤdchen herzngeben. Nun gehorche; So wird dir nichts an Leib und Leben verſehrt! Noch kein Sophiſt/ gab Walther hier zur Antwort, Hat thöͤrichter geſchwatzt. Du ſagſt mir, was Ein Koͤnig, oder wer es iſt, verſpricht, u 30 Da ers vielleicht ſelbſt nicht behaupten kann. Iſt er ein Gott, daß er des Rechts ſich anmaßt, Das Leben mir zu ſchenken? Hat er mich Mit beruͤhrt? mich in den Kaͤrker toßen? mir die Haͤnd' auf meinen Ruͤcken Gebunden? doch vernimm. Wenn er des Kampfs Mich uͤberhebt(denn wie ich ſeh', ſo ſteht er Geharulſcht da, und koͤmmt zum Streit) ſo will Ich hundert Armgeſchmeide vou Metall m fenden, um deg Königs Namen zu ehren, lit diefer Uuntwort Fehrt der Both gurú, Da wandte fiy zum König Hagano, Und ſprach: Nimm die verheißenen Geſchmeide, Und zier damit die, ſo dich, Vater, begleiten. Entſag dem Streit, wo du nicht ſiegen kannſt; Du kennuſt nich: Walthern, nicht den hoͤchſten Muth⸗ Wie ein Geſicht mich letzte Nacht gewarnt, rd uns, wenn wir uns ins Gefecht begeben, Kein großes Gluͤck begleiten. Denn mir deucht, ch ſah dich, Koͤuig, mit einem Baͤren ringen, Der nach Kampfe dir ein Schienbein d' und die Huͤfi' in Stuͤcke £ hi A y 9 N n y — 7893 yry pab PONN — t, Ruth. hein Riß, und ſobald ich dir zu Hülfe fam, Und Waffen bracht', Mit ſei Zahn ein? lit feinem Zahn ein Als dieß der ſtolze Koͤnig hoͤrte, auf mich ſich warf, und mit lug im Kopf zerfleiſchte. rief er Ich ſeh, du ahmeſt deinem Vater Agathien Portreflich nach. Auch er trug in der kalten Bruſt eine feige Seel', und zeigte mit Viel Worten vor den Schlachter Gerechten Zorn empfand 1 feinen Edel, bier gleidh) der Held, Wenn gegen feinen Herrn der Zorn erlaubt ifte Wohl! ſagt' er, alles komm' Hier an. Dort ſeht ihr, Mag ſatt ſich fechten. Ihr ſeid Die Furcht haͤlt keinen auf; ich Gern den Erfolg hier ſehn, ohn' Den mindſten Theil zu nehmen. den ihr ſucht. auf enre Waffen Ein jeder in der Naͤhe. aber will an dem Raub Alſo ſagt er, Und eilt dem nahen Huͤgel zu, wo er Vom Streitroß abſtieg, und, ſich ſetzend, Der König fhidt nun Kamelo zr zuſah. Walthern, Und ſagt ihm: wenn er ſaͤumet, mir den Schatz Herauszi igeb en, ſo fåt n* mE fiy In Kampf ihn gu beſiegen Ich Der Burggraf, ſtolz auf dieſes Lob, gieng hin. weis, daß du ein kuͤhner Ritter biſt. Ein rother Helm blitzt auf dem Scheitel; auf Der Bruſt der Harniſch. Er ruft ihm von fern: Hdr, Freund, gieb alleg dein Metall dem König Der Franken, wo du deine Wohlfahrt und H Der Dein Leben lieb haſt. Bey dem Worte ſchwieg X er junge Held ein wenig, und wartete, Bis der entſetzliche Feind ihm naͤher kam. Es wiederholte dieſer ſeinen Zuruf, Und flog herbey. Da ſagt ihm der Entſchloßne: Was ſuchſt du, was willſt du mih zwingen gu geben? Du Ungeſtuͤmer! Hab' ich etwa Guͤnthern, Dem Koͤnig, dieſes Gut geſtohlen? oder Hat er mir etwas als Gewinſt geſchenkt? Daß er dafuͤr ſo große Zinſe mir Abnoͤthigt? Hab' ich euerm Land bey meinem Durchwandern Schaden zugefuͤgt? daß ich Mit Recht von dir beraubt zu werden ſcheine? Wenn dieſes Volk ſo viele Misgunſt gegen Den Fremdling hegt, ſo will ich um den Durchgang Gern handeln, und dem Koͤnige zweyhundert A āē XW a a e ë a ew è@em geben? Armbaͤnder geben, wenn er Frieden giebe, Und mich des weitern Krieges uͤberhebt. Mit viehiſchem Gemuͤth droht Kamelo: Du wirſt wohl dein Geſchenk erweitern, und Die Schraͤnk' eroͤffnen muͤſſen. Kurz, gieb her, Entweder alles, oder Blut und Leben! Hier faßt er den dreyfachen Schild in Arm, Und ſchwingt den lichten Spieß mit aller Macht. Jetzt wirft er ihu. Der Juͤngling weicht behutſam Dem Wurf aus. Das befluͤgelte Geſchoß Beſßt mit mislungner Wunde die Erde. Walther Sagt: wenn es ſo gemeynt iſt, laßt uns machen! Und mit den Worten faͤhrt ſein Spieß dahin. Zur linken Seite durch des Gegners Schild Faͤhrt er, und beftet ihm die Fauſt, womit Er an das Schwert griff, um es zu entbloͤßen, An ſeinen Schenkel, und durchbort zugleich Des Roſſes Ruͤcken; dieſes tobt, da eğ Die Wunde fuͤhlt, und ſchuͤttelt ſich gewaltſam, Um ſtinen Reiter abzuwerfen. Umſonſt! Der tiefgeheftete Spieß haͤlt ihn feſt auf ihm. Den Schild laͤßt Kamelo nun fallen, um C 4 4——— Mit beiden Haͤnden von dem toͤdtlichen Elſen F Kra — Durchs Eingeweid, und da er es zuruͤckzieht, t er zugleich den Spieß aus ſeiner W Da ſtuͤrzten Herr und Roß auf einmal hin Als Kimo, ein Brudersſohn des Kamtlo, Von einigen auch Scaramund gena t, Şa Thránen uad in diefe Reden aus: Mir, mir gebuͤhrt die Rache dieſer That Vor allen andern. Ich will ſterben, oder Den lieben Onkel raͤchen. Denn die Enge Erlaubte nur je Einem gegen Einen Zu fechten. Niemand konnt' ihm alſo helfen. Er, der bald ſterben wird, er, Scaramund, Der Un gluͤckſelige fliegt nun herbey, Zween Spieße von ſehr breltem Eiſen mit Die mindſte Furcht auf ſeinem Platz feſt ſtehn ſieht, ich zu befreyn. Doch der beruͤhmtere Held in, und ſtoͤßt das Schwert ihm bis ans Heſt RUNDA, Ihn todt ſah, ſeufzt er, und brach trauriger Den Haͤuden ſchwingend. Er, der Walthern ohne Sagt knirſchend und den Roßſchweif ſeines Helms faa na P deine Hoffnung? a x x9 s3 kà ëa dih Mā€22 Ky va eii i Was traueſt du? Sieh! deine Schaͤtze ſuche Richt ich, und nichts von allen deinen Sachen. 8 Hef Das Leben meines Onkels, den du wuͤrgteſt, Das nur iſts, was ich von dir fordre. WUY rauf Walther: Wenn ich uͤberwieſen werde, Q2 Daß ich zuerſt den Hader angefangen, Und daß ich es verdient, daß ich mit Recht Das leiden muͤſſe, was ich von euch leide, So muͤſſe mich dein Spieß ergrimmt durchboren! Kaum ſprach er aus, als Searamund voll Wuth Den einen von den Spießen wider ihn, Und gleich darauf den andern ſchleuderte. Dem erſten wich der lorberreiche Held aus, Den zweyten ſchuͤttelt er von ſeinem Schild. Dann zog der Feind das ſcharfe Schwert, und rennt Auf Alphers Sohn, die Stirn' ihm zu zerfleiſchen. Doch auf dem ungezaͤhmten Roß ſich nahend, Vermocht' er die beſtimmte Wunde nicht bne Dem Haupte beyzubringen; ſondern ſtieß ehta Das Heft auf feinen Helm, der prallend Fang, 1è Und Feuer in die Luft verbreitete, Allein er konnte ſein hornfuͤßig Streitroß 7 42— So ſchnell nicht wenden, als ihm Walther ſchon Das Kinn durchſtach, und aus dem hohen Sattel Den Sterbenden hob. Hierauf hieb er das Haupt Dem Flehenden mit ſeinem Saͤbel ab, Daß das verwandte Blut zuſammen floß. Ihn ſah der aufgeblaſne Koͤnig ſtuͤrzen, Und rief den raſenden Geſellen zu: Auf! fallt ihn an, und laßt ihn nicht zum Athem Mehr kommen, bis er muͤd dahin finér, und Von uns gebunden erſt den Schatz heraus giebt, Dann fuͤr dieß Blut mit ſeinem Leben buͤßt, Gleich tummelt Wurhard ſich, zum Streite fertig. Aus einer langen Reihe deiner Enkel, Geprieſner Pandarus, der du einſt zu Zerſtoͤhrung eines Bunds den erſten Pfeilſchuß Auf der Achiver Hrer thun mußteſt, ſtammt Er, dein Verwandter und der Kriegskunſt Freund, Den Spieß verſchmaͤhend, trug er Pfeil und Bogen. In ungeradem Kampf greift er von fern, Die Bolzen ſchießend, ſeinen Gegner an. Doch dieſer ſtand da mannhaft, und zur Wehre Setzt er ihm ſeinen ſiebenfachen Schild A ecaa a B AA y "mn A tel upt tig. eund, Bogen, Entgegen, Fug ben oft ankommenden Schuß Vereitelnd: denn bald ſpringt er ſeitwaͤrts, bald Kehrt er den ſchimmernden Schild gen Suͤden, und Faͤngt alle Pfeil auf, daf ihn Feiner traf, Etgrimmt, ſie ſo umſonſt verſchoſſen zu haben, Zuͤckt er das Schwert, und fliegt herbey, und ſpricht Mit prahlendem Mund: der du das windige Geſchoß ſo ſchlau verhoͤhnſt, vielleicht fuͤhlſt du Nunmehr den Schlag der racheſchwingenden Rechte. Ihm ſagt aus lachender Bruſt antwortend Walther: Schon lange wart' ich, daß der Streit nach gleichem Maaß eingerichtet werde. Zaudre nicht, Bey mir ſoll kein Verzug ſeyn. Alſo ſagt er, Und wirft, den ganzen Leib anſtrengend, den Geſiederten Spieß, der ſeines Roſſes Bruſt Weit aufthat; dieſes baͤumt ſich, und ſchlaͤgt in Die Luft mit ſchallendem Huf, wirft ſeinen Reiter Betaͤubt zur Erd', und ſtuͤrzet uͤber ihn. Der Juͤngling rennt herdey, nimmt mit Gewalt Ibm ſein Gewehr, reißt ihm den Helm vom Scheitel, Faßt ihn beym blonden Haar, und da er fleht, Ruft er: nicht lange ſchwatzteſt du ganz anders, 4} Enthalst ihn drauf, und wirft den todten Rumpf him Drey Leichen find dem wuͤthenden Tyrannen Nicht Schreckens gnug: er ſchickt noch mehr zum Tod, Sieh! Ekevrid, aus ſaͤchſiſchem Gefilde Gebuͤrtig, wagts, im Kampf der Vierte zu'yn. Ein Edler war von ihm entleibt, und er, Der Strafe zu entgehn, hieher geflohen. Cin braunes Tigerroß trug ihn daher. Als Baljan a gim Streit geruͤſtet ſah, So ſagt er: haſt du einen natuͤrlichen Leib! Wie? oder taͤuſcheſt du, Verruchter, durch Geſtalten der Luft? denn wie ein Faun, der Waͤlder Gewohnt, koͤmmſt du mir vor. Mit lautem Lachen Verſetzt ihm dieſer: dich verraͤth der Celten Accent, daß du von jenem Volk eutſtandſt, Dem die Natur die Gabe mitgetheilt, In Poſſen andere zu, uͤbertreffen. Dich, rft Matts, Wenn atber unſre Rechte dichziezt naͤher Beruͤhrt, ſo kannſt du deinen Sachſen ſagen, Daß du im Wasgau ein Fautom von Faun ſahſt, Jetzt gleich verſuch' ich, was du biſt, ſagt jener, Und ſchnell wirft er den ſpitzgeſtaͤhlten Hagdorn, O Á © v 4⁵ pf bin Der am gedrehten Riemen hervorblinkt, aber Am harten Schild ſich bricht. Ihm ruft nnn Walther n Tod, Beherzt zu: dir ſchickt dieß Geſchenk der Waldgott! Sieh! ob nicht mein Gewehr geſchwinder durchgeht! t. Schon ſpaltet ſeine Lanze das mit Stierfell Beſpannte Holz, durchſchlitzt des Gegners Rock, Uny fedt ihm in der Lung’, Er waͤlzt fih auf Dem Boden hin, der Ungluͤckſelige, Und ſpeyet Stroͤme Bluts aus. So lief er Dem Tod entgegen, den er fliehen wollte. Sein Roß jagt Walther hinter ſich ins Gras. aͤlder Von Guͤnthern ſelbſt begehrt der wegen feiner achen Hochaufgeſchwollnen Bruſt genaͤckte Hadwart Dev weiten Schild. Den Wurfſpieß ließ er ſeinen E Gefaͤhrten, und verließ ſich kuͤhn aufs bloße Schwert, doch umſonſt. Als er den engen Weg Von hingeworfnen Leichen verſperrt ſah, ſprang er Vom Pferd, und ruͤſtet ſich zu Fuß zu fechten. Der waffenkundige Walther koͤmmt entgegen, ſt, Und lobt ihn, daß er einen gleichen Kampf r Ihm anboth: aber Hadwart ſchnaubt ihn an: Oliſtige, des Betrugs erfahrne Schlauge, So ihre Glieder in die ſchuppichte Huͤlle V u ſtecken gewohnt iſt, und in einen Ring Sich windend, allem Ge vehr und alfen Wunden Entgeht, und wild mit giftigen Pfeilen ſpielt. Meynſt du, der Streich wird auch mit Liſt vermieden, Den meine Fauſt fuͤr dich mit ſicherm Schwung Beſtimmt? vermag ſie nichts in Waffen und Wunden? Hoͤr meinen Rath, leg den gemalten Schild Ab, ihn verlangt mein Schickſal, und der Koͤnig Sagt mir ihn zu. Ich wollte nicht, daß du Beleidigteſt, was jenen Augen gefaͤllt Wo nicht, wenn du mir auch das werthe Licht Des Lebens raubſt; ſo ſtehn hier mehr Gefaͤhrten Und Bluts verwandte, die, obſchon du Fluͤgel Bekaͤmſt, und dich in einen Vogel umſchuͤfſt, Dich nie ſo frey von hinnen ziehen laſſen. Der unerſchrockne Held verſetzt hierauf: Von andern ſchweig' ich: aber meinen Schild Behaupt' ich; er hat mir manch guten Dienſt Gethan; ihm bin ich dieſen Dank wohl ſchuldig. Wie oft fegt er fidh meinen Feinden entgegen! Und nahm die Wunden fúr mih auf! noh heut A rael R ARa Q ieden, nden? Kam er mir ſehr zu ſtatten, wie du ſiehſt; Sonſt ſpraͤcheſt du vielleicht mit Walthern nicht; Vielleicht auch waͤre Walther ſelbſi nicht mehr. (© O forge du, mit groͤßter Kraft den Feind hier abzutreiben, daß nicht ſeine Rechte es Dir deinen Schirm entreiße. Halt den Knopf Des Schilds mit deiner linken Fauſt und ſchlage Die feſtgeleimten Finger ums Elfendein. Leg dort die koſtbare Laſt hin, die du muͤhſam So weit her aus der Hunen Wohnſitz trugſt. Er drauf: Was du verſagſt, wirſt du thun muͤſſen Nicht nur den Schild, auch Gold und Roß und Maͤdchen Gieb uns heraus; dann buͤß fuͤr deine Bosheit. So ſprach er, und zieht aus der Scheide das Beruhmte Schwert. Zween in ſo unterſchiednen Erdgegenden erzeugten Donner des Kriegs Bekaͤmpfen ſich. Das Wasgau ſtaunt ſie an; Erhaben von Gemuͤth, groß in den Waffen Sind beide. Der iſt auf ſein Schwert ſtolz, jener Trost hodh ſich tragend auf den furchtbarn Spieß. () Dieſes ſcheint ein Zuruf von Hiltgund und Walibers Antwort zu ſeyn. 48—— Mit ſtarker Kraft miſcht ſich hier Schlacht in Schlacht. TI So ſchallet nicht ein ſchwarzer Eichbaum von Gi Der Urt getroffen, wie die Helme hier 3 Ertoͤnen, und die Schilde widerprallen. D Die Franken wundern ſich, daß Walther nicht T Muͤd mard, der Held, dem man nidyt Ranum, noh Ruft| E Ließ. Hier draͤugt ſich der Wormſer hoch hervor Als blieb' es ungeſtraft, ſo waͤhnt er, tritt 7 Er brennend mit erhabnem Schwert daher, g Um das Gefecht mit einem Sireich zu endigen. 2 Doch vorſichtsvoll faͤngt der ſieghafte Juͤngling l Den Hieb mit dem geſchwungnen Eiſen auf, Und noͤthigt den Unwiſſenden das Schwert 6 Der Luft zu überlaſſen. Im Geſtraͤuch Bliakt eg von fern, Kaum fah ſich Hadwart des Freundſchaftlichen Gewehrs beraubt, als er Die Flucht ergriff, und dem Gebuͤſche zulief, Auf ſeine Fuͤß“ und gruͤne Jugend ſich Verlaſſend jagt ihm Alphers Sohn ſchnell nach, Und ruft: Wo fliehſt du hin? ergreif den Schild! Mit beiden Haͤnden hebt er ſeine Lanze Empor md fft, Er fát, Vie grofe Tartſche chlacht. och Ruht Or$ des É, pile! ch ç Yint RON U E A i poa Tönt uͤber ihm. Der Juͤngling weilet nicht; Er ſtampft den Hals mit ſeinem Fuß, und heftet Ihn, nach hinweggerißner Tartſche, mit Dem Spieß tief in den Boden. Er verdreht Die ſtrahlenleeren Augen, und haucht ſeine Seel' in die Luft. Run folgte Patavrid, der ſechſte Gegner. Ihn hatte ſtolz die Schweſter Hagano's Ging Licht der Welt geſetzt. Als ihn der Onkel Aufs Schlachtfeld treten ſieht, entſetzt' er ſich Und ſucht durch Zuruf und durch Bitten ihn Zuruͤckzuhalten. Wohin ſtuͤrzeſt du? Sieh dort den Tod! Gefaͤllt er dir? Laß ab! Die Parzen ſpinnen ſchon den letzten Faden. O liebſter Neff', es taͤuſchet dich dein Muth; Laß ab! du bift niht Walthers Kraft gewachſen. Allein der Ungluͤckſelige gieng, alles Verſchmaͤhend: denn der Juͤngling gluͤhete ganz Von Ruhmbegierd'. Es ſeufzet Hagano Aus ſchmerzerfüllter Bruſt, und zuͤrnet ſo: O Wirbelwind der Welt! nie ſatte Habſucht! Des Geizes Strudel! allts Uebels Quell! N T Verſchlaͤngeſt du, o Ungeheuer, nur Das glaͤnzende Metall und allen Reichthum, Und ließeſt doch die Menſchen in der Unſchuld. Allein nun zuͤndet dein ungoͤttlicher Hauch Die Herzen an, und keinem guúgt das Seine, Sie beben, dem Gewinſt zu Liebe, nicht Vor einem hohnerfuͤllten Tod zuruͤck. Je mehr ſie haben, deſto heißer brennt Der Durſt zu haben. Alles reißen ſie Verſtohlen, oder mit Gewalt an ſich, Und was mehr Aechzen und mehr Thraͤnen auspreßt, Gie ftogen in die Hölle får den Himmel Geſchaffne Seelen. Sieh! ich ſelbſt kann meinen Geliebten Neffen nicht abwendig machey. Von dir, unſelige Begierde, wird Er angeſpornt. Blind, den abſcheulichſten Tod hier zu ſchmecken, ellt er, und um ſchnoͤdes Lob ſteigt er in das Reich der Schatten hinab. Weh mir! geliebter Neffe! was laͤßt du, Verlohrner, deiner Mutter ſagen? Wer Wird deine jüngſtgetraute Gattinn ſchuͤtzen? Der du auch richt die Spiele geraubter Hoffnung © èO 2 %9 A 2 2 QRQ W M preßt, Von einem Sohn gabſt. Ergreift dich, Liebſter! So ſagt er, ut d benetzt den S Noch ſchluchzend: Dieß hoͤrt von ferne Walther. Den Schmerzen des ihm einſt ſo werthen Freundes. Sogleich ruft er dem Ritter, der daher ſprengt: Erhalte tih, mnd nút ei: Laß ab! dein heißer Sieh hier ſo viel Laß ab vom Streit! damit dein To Noch eine groͤßre Zahl von Feinden zuzieh. Was ſorgſt du, Wuͤtherich, um meinen Tod? Du haſt zu kaͤmpfen hier, Q 9 Von ſich hinweg, und in die Luͤfte ſchleudert. Er fahrt, vom No Befluͤgelt, in die Hoͤhle vor die Fuͤße Es bebt, von Furcht beſtuͤrzt, Die fanfte Hiltgund, und thut einen Schrey, Des Fraͤuleins hin. Welche Raſerey koͤmmt der Unſinn? eos mit Thraͤnen, Fahre wohl, du bluͤhender Juͤngling! Edelmuth verfuͤhn er Held und nicht zu ſchwatzen. o ſagt er, und beſtimmt den kno en mit dem ſeinen ſchnell der ſtaͤrktre Held 'rdweſt und des Zuͤrnenden Kraft 52— Wie zarte Maͤdchen thun bey ſchnellem Schrecken, Allein ſobald der kleine Muth in ihre Bruſt wiederkehrte, hob ſie ihr lichtvolles Aug in die Hoͤh, zu ſehn, ob noch ihr Held lebt! Noch einmal ſuchte Walther von dem Streit Den Franken abzuziehn. Doch er entbloͤßt Voll Wuth ſein Schwert, und auf ihn ſtuͤrzend, wiegt Er eine Wund' ihm zu von oben herab, 3 Es ſchuͤttelt Alphers Sohn den ſchuͤtzenden Schild, Und wie ein ſchaͤumender Hauer ſchweigt er kuirſchend, Der Gegner allzugierig, ihu gu treffen, l Giebt Bloͤß', und ſetzt ſich allen Streichen aug, í Es ſchmiegt ſich Walther, unter ſeinem Schild Die Glieder des geſtaͤhlten Körpers deckend. Die Wunde triegt den unerfahrnen Juͤngling, So daß er faͤllt. Nun wars gethan. Allein Der Sieger laͤßt ſich mit geh'fteten Knien Zur Erde nieder, und verbarg den Stahl Mit ſeinem Schild. Da Walther endlich aufſtand, So richtet ſich auch jener auf urd haͤlt S Den Schild ſich zitternd vor, als ob den Kampf Er zu erneuern daͤchte. Da erhob Re ebt? „wiegt iid, rſchend, tand; Aus ſeinem Schild weg, ſpaltet ihm den Panzer Der Schonende das Schwert, und ſchneller, als Der Spieß dort ſtack, haut er ihm fezi ein Stuͤck Entzwey, und offnet ihm das Cingeweid. Der ungluͤckſelige Patavrid ſinkt um, Da er ſein Eingewei erblickt, und laͤßt Sein ſtarkes Roß unaufhaltſam daher, Und fliegt raſch úber alle Leihen weg, Er kam, als noch der Ueberwinder dem Den Leib den wilden Thieren und die Seele Dem Orkus. Ihn zu raͤchen ſpreuget Gerwith Die den zu engen Pſad geſchloſſen hielten. Erlegten Patavrid den Hals entzwey hieb, Und ſchwang die zwiefachſcharfe Streitart auf ihn. Das waren zu der Zeit der Franken Waffen. Der Hurtige wirft ſeinen Schild vor, und g 4 Vereitelt dieſen Schlag, und ſpringt zunuͤck, Faßt den vertraulichen Spieß, und wirft das Schwert, Das noch von Blute trieft, ins gruͤne Gras. O des furchtbaren Kampfs, der hier entſtand! Bey kriegeriſchen Waffen fand kein Reden Platz. Jeder war auf das feindſelige D3 ht hier aufmerkſam. Der wuͤthet, um aguer Freunde Blut zu raͤchen; Und jener ſtrebt mit allen ſeinen K raͤften, Sein Leben zu beſchirmen, und wenn eg Das Schick zuließ, ſich mit Sieg zu kroͤnen. Der hau't der verwahrt ſich, der faͤllt an, Und jener beuget ſich gewaltſam ruͤckwaͤrts, Zur Kriegskunſt mif pt ſich Gluͤck und i Allein der lange Spieß wies den mit k Fneten Feind ab; doch er ſchwenkte den 6 8 Œr, pon der Laft fo vielen Zorns beſchwert, e weg, und ſchnell eib Dritter Geſang. b it Z) nt erft begann ber Franken Volk zu zoͤgern, ifte Und ihren Herrn zu flehn, vom toͤdtlichen den Streit abzuſtehn. Der Unzluͤckſelige Rast und ruft in der Blindheit ſeines Geiſtes: Ich bitt' euch, tapfre Maͤnner, oftgepruͤfte m ſchnel Gemuͤther! laßt euch dieſes Schickſal nicht Furcht, ſondern Zorn errezen. Wie geſchaͤh mir, Wenn ich im Was gau ſo unruͤhmlich wuͤrde! Ein Feder eigne fih mein Herz au, Ich en Bin eh bereit zu ſterben, als mit ſolcher Verrichtungen nach Worms zuruͤckzukehren. 8 Soll er, als Sieger, in dem Vaterland, Und unverwundet, ſeinen Einzug halten? Bisher habt ihr gekaͤmpft, ihm ſeine Schaͤtze D 4 gó— e 3u nehmen; jezt, ihr Maͤnner, brennt vor Radgier,; Um das vergoßne Blut zu reinigen, 3 Daß Tod durch Tod, und Blut durch Blut verſoͤhm, Und durch den troͤſienden Sturz des Wuͤrgers eurer í Gefaͤhrten Untergang gebuͤßet werde. Mit dieſem Zuſpruch feurt er wuͤthend die Gemuͤther an, daß Keiner mehr fein Leben,|; Noch ſein Heil achtete. Befliſſen, Einer Dem andern in dem Tod zuvorzukommen,| Wetteiferten ſie, gleichwie im Ritterſpiel. Eo | Der enge Pfad ließ zweenen nur zum Kampf Raum; dieſes hielt ſie auf. Der Held ſieht es, Und nimmt indeß den Federbuſch vom Haupt, Haͤngt ihn an einen Baum, und macht ſich Luft, Und keichend wiſcht er ſich den Schweiß vom Autlitz, Sieh! ploͤtzlich ſprengt auf ſeinem raſchen Hengſt, Den andern vorzueilen, Randolf her, Der Kaͤmpfer. Mit dem langgeſtaͤhlten Spieß Trift er ſchuell Walthern unterhalb der Bruſt, Den er entbauchte, wenn mit feſten Ringen Nicht die welandiſche Ruͤſtung widerſtand. Erſt ſtarrt der Held von ploͤtzlichem Entſetzen; POEA OE —— 57 achgier, Dann wirft er, als er ſich beſann, den Schild Zur Wehre vor. Doch ſeinen Helm konat' er erſoͤhm, Nicht wieder zu ſich nehmen. Denn der Franke eurer| Sprengt mit gezuͤcktem Schwert ſchon auf ihn zu, Und hieb dem Aquitanier etwas Vom Haupthaar weg; doch ohn' ihm nur die Haut Zu ritzen. Schleunig thut er einen andern | Eo ûbereilten Hieb, daß ihm der Stahl In Walthers unzerſtoͤrbarn Schilde ſtecken | Blieb, und er ihn mit aller feiner Kraft | Herauszuziehen nicht vermoͤgend war, es, Gleich einem Blitz ſprang Alphers Sohn zuruͤck, > Und ſtreckt den Gegner mit zornvoller Staͤrke Luft, Lang auf das Feld hin, ſtampft ihm auf die Bruſt, Autlitz. Und ſagt: dafuͤr, daß du mich kahl zu machen agit, Dachtſt, ranb' ich dir das Haupt, damit du nidhe Bey deiner Braut deswegen prahlen kannſt. eß Hiemit enthauptet er den Bittenden. t; Ihm folgt im Streit der Neunte, Helmnod, nach. Ein Dreyzack, den man an ein dreyfach Seil Befeſtigt hatte, das die hintenſtehenden Mükaͤmpfer hielten, war des Manns Gewehr, 58— Ihr Anſchlag war, wenn der geworfne Dreyzack Im Schilde ſtecken wuͤrde, ſollten alle s Aus vollen Kraͤften ziehn, um dieſen Wuͤthrich Zur Erde hinzureißen. In der Hoffnung i Schien ihnen der Triumph gewiß zu ſeyn. Man ſaͤumte nicht. Der Fuͤhrer ſammelte Die ganze Kraft des Koͤrpers in die Arme, Und ſchleuderte gewaltſam ſeinen Dre yzack Auf Walthern, dem mit lautem Hohn er zuruft: Dein End' iſt, Kahlkopf, in dem Eiſen hier! Sogleich fliegt es, gleich einer Pfeilſchlang', hin, Die von dem hohen Baum auf. ihren Raub Behender, als ein Wirbe elwind, herabſchießt. Ots Schildes Buckel ſpaltet ſich, und kracht. Von dem Geſchrey der Franken widerhallen Die Waͤlder umher. Sie ziehen bald zug leich, Bald wechſelsweis am Seil, ſich maͤchtig ſt mmend. Der Koͤnig unterzieht ſich ſelbſt der Arbeit. 'chweißſtroͤme fließen uͤber alle Glieder, Q er Held ſteht, wie ein Eichbaum, der den Gipfel t4 He O Bis zum Geſtirn, die Wurzel bis zur Hölle Streckt, unbewegt, der Winde Raſſelu verhoͤhnend. Die Feinde, Mann vor Mann, ermahnten ſich, Wenn ſie ihn nicht zu Boden reifen koͤnnten, Ihn wenigſtens des Schildes zu derauben, Und den Entſchirmten dann lebendig zu fanger, So nannten ſich die, die am Dreyzack zogen. Der Neunte war nun Helmnod, ſonſt Eleuther. Der Zehnte, Trogunt, ſtammt von Strasburg her. Thanaſt, den eilften, gab das maͤchtige Speyer. $ Den Zwoͤlften, ohne Hagano, vertrat Der Koͤnig ſelbſt. Die vier beſtrebten ſich, y Mit groͤßter Kraft und wechſelndem Tumult, Den Einen zu bekaͤmpfen. Alphers Sohn Ward bey der eiteln Arbeit wild vor Zorn. Schon lang war ſeine Stirn entbloͤßt vom Helm; Nun ließ er auch den Schild weg, auf den Spieß Und aͤhernes Gewand nur ſich verlaſſend. mend. Der erſte, den er angriff, war Eleuther; Dem ſpaltet' er den Helm, und ſpritzte ſein Gehirn umher, trennt feinen fteifen Naden, pfel Und oͤffner ihm die Bruſt. Das ſchlagende Herz blutet, und laͤßt Seel' und Farbe ſchwinden. An dem verderblichen Stil hing Trogunt. Er, 68 Entſetzt vom ſchnellen Tod des Stuͤrzenden Und vor dem furchtbarn Anblick ſeines Feindes, Begann zu fliehn, wiewohl umſonſt, und wollte Die hinter ſich gelaß'nen Waffen holen, Um das Gefecht aufs neu zu wagen? denn Es hatten alle, die am Seile zogen, Zuvor der Spieß' und Tartſchen ſich entladen. Doch Walther ſtaͤrker und behender, als Sein Gegner, bolt' ihn ein, und hieb die Waden Ihm mit dem Saͤbel auf, daß er nicht fortkam, Und Alphers Sohn den Schild ihm nehmen konnte. So ſehr die Wunde ſchmerzt, ſo feurig blieb Des kuͤhnen Trogunts Muth. Ein Felſenſtuͤck Lag vor ihm; er ergriff's, und ſchleudert' es Voll Wuth auf den entgegen ſtehenden Feind, Daß durch den Schlag ſein eigner Schild von oben Bis unten hin in Walthers Fauſt entzwey borſt. Das ſtarke Fell, womit er uͤbetſpannt war, Hielt das gebrochne Holz feſt. Aber Trogunt Kniet jezo hin, entbloͤßt das gruͤne Schwert, Und ſchreckt, indem ers feurig ſchwingt, die Luͤfte. Konut er durch Thaten nicht die Staͤrke zeigen, te. ben ifte, A SS A OEA, So wies er maͤnnliche Gemuͤthsart doch In Herz und Mund; da er kuͤhn ſo begann: Noch ſiehſt du nicht die Manes lachen, Held! O hått ich hier noch meinen trauten Schild! Dag Gld hat úber mich, kein angebohrner Muth, dir den Sieg verliehn. Nimm auch mein Schwert, Wie du den Schild nahmſt. Laͤchelnd rief der Staͤrkre: Ich komm': und flog in vollem Laufe gegen Den Hauenden, von deſſen Leib die Rechte Auf einen Streich getrennt zur Erde fiel. Den zweyten Hieb zielt jezt der Sieger auf Des Gegners Ohr, und ſuchte ſeiner Seele Zur nahen Flucht die Thore zu erweitern, Als ſchnell Thanaſt, der mit dem König das Gewehr indeß geholt, da ſtand, und den Gefaͤhrten mit dem Schild vor Wunden ſchirmte. Beleidigt wendet nun den Zorn auf ihn Der Held, und hebt das Schulterblatt ihm aus, Streift an der Seir herab mit feinem Stahl, Und ſtoͤßt ihn tief ins Eingeweid. Gegruͤßt Seyſt du! ſo murmelt bethend der geſunkne Thanaſt. Den Stuͤrzenden niwmt Trogunt wahr; Sich ſchleppend ſchnan Zu bitten, ſondern facht des Siegers Zorn, 8, Es fey auè Großmuth, oder aus V rzweiflung, Mit biiterm Gdr naͤhn und Hohngelaͤchter an. So ſtirb, ſprach Walther, bring zur Hoͤlle dieß; Erzaͤhle dort den kriegriſchen Geſellen, Daß du ſie raͤchteſt. Hier legt eine Kette Von Gold der Sieger um den Hals. Die Freunde, Mit ihm zugleich entſeelt, im Staub ſich waͤlzend, Das ſchmutzige Feld mit Ferſen ſtampfend, ſterben. Der Koͤnig ſiehts, und ſeufzt. Um zu entrinnen Beſteigt er ſein mit Pracht Nef, iegt zu dem gekraͤnkten Hagano Um ihn mit heißem Flehn einſt zu bewegen, Daß er zum Kampf mit ihm zuruͤck ſich wende. Er aber ſprach: mein niederttaͤchtiges Geſchlecht verbtuth mir, in den Krieg zu gehn, Ein froſlig Blut, das in den Adern ſtarrt, Nimmt mir reu Muth zu Waffen, Verſank in Zagheit, da er Waffen ſah, Und wußt aus feiger Furcht mit vielen Worten Die Schlachten zu verſchmaͤbn. So ſchmaͤhteſt du, Selbſt mein Vater ſcht nde, nd, den. ein Vater BEERTA © Kinig n bey der Schaar, die dich begleitet. — Ein ſolcher Namen war nun wohl richt wuͤrdig, 1 es dir zu kommen. Alſo ſprach er. urch dieſe Weigerung noch nicht ermuͤdet Sucht den Feindſeligen der König mit Verſtaͤrkten Bitten zu erweichen, und ſagt: allen Himmliſchen beſchwoͤr' ich dich, Leg den gefaßten Zorn ab. Meine Schuld iſts. Doh wenn ih lb’, und wenn wir wiederkehren, So tilg' ich ſie, mit Huld dich uͤberhaͤufend. Erroͤthſt du nicht, nach ſo viel hier erwuͤrgten Verwandten und Getreuen noch zu bergen, Daß du ein Mann biſt? Sieh, du ahndeſt mehr, Duͤnkt mich, ein boͤſes Wort, als boͤſe Thaten; Sonſt ſchwoͤlle hoch dein Herz von dilligerm Zorn Dem Wätherich entgegen, der allein Heut dieſes Erdſtrichs Haupt mit Schimpf belaſtet, Wir leiden durch der Maͤnner Niederlage Nicht wenig Schaden: doch die Schande ſelbſt Verſchmerzt nie Ftanzien. Schon ziſchen uns Die, denen wir einſt unterworfen waren, Mit Hoha aus; ſeht! ſo rufen fie, der Franken 64—— Geſammtes Heer iſt nur von Einem Fremdling, O Schimpf! iſt ungeſtraft erſchlagen worden. Noch zoͤgert Hagano. Die Walthern einſt Geſchworne Treu und der Erfolg des Kampfs, Deu er vor Augen ſah, drang ihm ins Herz. Als aber ihn der ungluͤckſelige Fuͤrſt ſo voll Demuth fleht', und ſteis mehr flehte, Ergriff ihn Schaam. Ihm ſtrahlt des Koͤnigs Antlitz, Ruhm eigner Tapferkeit, der, wenn er ſich Noch weiter ſchont', umwoͤlket werden koͤnnte. Er brach zuletzt in dieſe Reden aus: Wohin rufſt du mich, Herr? wohin ſoll ich Dir, großer Fuͤrſt, nun folgen? Was nicht kann Geſchehn, verheißt des Herzens Zuverſicht. Wer aber iſt ſo thoͤricht, einen toͤdtlichen Sprung uͤber einen Abgrund nur zu wagen? Denn Walther, wenn er einen ſolchen Standort Und Lager hat, wird eine ganze Schaar So leicht, wie einen Menſchen auf ſich nehmen. So kraftvoll thaͤtig iſt er in dem Feld. Und haͤtte Franzien ſein ganzes Heer Zu Fuß und Roß hieher geſchickt, ſo haͤtte hte, Antlitz, ann r MEEST i D mrm Er allen mitgefpielt, wie jenen dort, Die Leichen ſind Allein ich ſeh', o Koͤnig, Daß dich der Hohn mehr kraͤnkt, als aller Schaden, Der aus der Niederlag' erwaͤchſt, und daß Du ungeraͤcht nicht gern von hinnen weichſt. Dieß ruͤhrt mich: mein Verdruß weicht hier der Ehre Des Koͤnigs: ich will trachten, einen Weg Der Rettung auszufinden, der doch nie Sich finden wird, es waͤre denn mit Zwang. Denn dir geſteh' ichs, meines Neffen wegen, So lieb er mir auch war, wollt' ich den Bund Der Treue nicht gern brechen. Nur fuͤr dich, O Koͤnig, lauf' ich in die offenbarſte Gefahr. Doch wiß, hier geh ich von dem Kampf ab. Laß uns entweichen, um ihm Raum zum Weggehn Zu geben. Dann verbergen wir uns lauſchend, ünd unſre Roſſe maͤh'n die Wieſen ab. Bis er ſich ſicher glaubt, ſein enges Lager Verlaͤßt, und waͤhnt, wir waͤren nicht mehr da Sobald er nun das freye Feld gewinnt, So ſtehn wir auf, und jagen dem Erſtaunten Nach. So laͤßt fih ein tapferer Verſuch € aae e atirei 60——- Nod thun. Dieß iſt die einzige Hoffnung in So mißlichen Gelegenheiten. Dann Kannſt da, o Koͤnig, kaͤmpfen, wenn du willſt. Er wird nicht vor uns beiden fliehen. Doch Wir muͤſſen fliehn, wo nicht, uns tapfer ſchlagen. Der Rath erhaͤlt des Koͤnigs Beyfall. Er Umarmt und kuͤßt den Mann. Sie gehn zuruͤck, Und ſchauen ſich nach dem zum Hinterhalt Bequemſten Ort um; da ihr Vieh indeß, Im frohen Gras gebunden, ſich ergoͤtzt. Vierter Geſang. Œ, ſenkte Phöbus ſich nach Weſten, ſeine Spur durchs bekannte Thule zeichnend, das Die Schotten und Hiberner hinterm Ruͤcken kaͤßt. Als er hier des Oceans Gewaͤſſer Erwaͤrmt, und Heſperus Auſonien Die Hoͤrner zugekehrt, begann der weiſe Held bey ſich zu erwaͤgen, ob er in Dem ſichern Lager durch die weite Stille Stehn bleiben, oder ſich dem unabſehbarn Gefild der langen Einöͤd' anvertrau'n ſoll? Umhergetrieben in dem Sturm der Sorgen Forſcht er in ſeiner Seele nach, was nun Zu thun ſey? Nichts war ihm, als Hagano, Und der vom Koͤnig ihm gegebne Kuß Verdaͤchtig. Was die Feind' im Schilde fuͤhrten, à è— Od ſie zur Stadt zuruͤckgekehrt, um mehr Gefaͤhrten in der Racht zu ſuchen, und Am fruͤhen Morgen das Gefecht mit ihm Wild zu erneuern? oder ob nur ſie Allein im Hinterhalt auf ihn zu lauern Sich wo verſteckt? Dieß war ihm zweifelhaft. Auch ſchreckt ihn der mit manchem Abweg und Noch nicht bekanntem Gang ihm drohende Wald, Wo er vielleicht in Dorngebuͤſchen, oder Durch wilde Thiere gar die Braut verloͤhre. So uͤberdacht' er alles, und rief zuletzt Die Sachen moͤgen gehn, wohin ſie wollen, Hier will ich ausruhn, bis uns die herum Sich drehende Sphaͤre das geliebte Licht Zuruͤckbringt. Denn der uͤbermuͤthige Koͤnig Soll mir nicht nachzureden Urſach haben, Daß ich, gleich einem Dieb, bey Nacht und Nebel Entronnen ſey. So ſagt er, und wirft eine Nothſchanze von Geſtraͤuch und Dorn im engen Pfad auf; dann wandt er fih hin nad den Stumpfen Mit bitterm Aechzen, und umhuͤllt ſein Haupt, Wirft ſeinen Leib dann gegen Oſten nieder, Und bethet mit entbloͤßtem Schwerte ſo: Der alles einſt erſchuff, der alles noch Beherrſcht, und ohne deſſen Wink und Willen Richts je geſchieht; dem dank'ſich, daß er mich Vor dieſes feindlichen Schwarms ruchloſen Waffen und Schmaͤhungen geſchuͤtzt haet. Auch mit Wehmuth Fleh ich den guͤtigen Gott, der nicht ſowohl Die Suͤnder, als die Suͤnde zu vertilgen Sucht, daß er einſt die Gnade mir verleihe, Sie insgeſammt im Himmel zu erblicken. Nachdem er ſo gebethet, ſtand er auf, Und ließ ſechs Roſſ' im Kreiſe laufen; denn So viele blieben uͤbrig; z vey verzehrte Ein toͤdtlich Eiſen, drey nahm Guͤnther mit ſich. Als Walther ſie mit wohlgeflochtnen Ruthen Gebunden, loͤſt er ſeinen Guͤrtel auf, Nebel Entledigte der großen Laſt den Körper, Der dampft, und troͤſtet die betruͤbte Braut Mit munterm Zaſpruch. Nach genommner Speiſe en 3 go.= o A i stumpfen Erquickt er durch die Ruh die matten Glieder, Indem er ſich auf ſeinen Schild legt. Hiltgund Mußt in dem erſten Schlaf ihm waden; er E3 70 Behielt ſich vor, am fruͤhen Morgen die ſe Mit mehr Gefahr verbundne Pflicht zu leiſten. So ſchlief er ein. Das Fraͤulein ſaß dem Liebſten Zu Kopf, und wachte unermuͤdet. Um Die ſchlummernden Augen offen zu erhalten, Sang ſie. Sobald erwachte Walther nicht, Als er ſchon aufſtand, und dem Fraͤulein zuſprach, Der Ruh zu pflegen. Er ſelbſt faßte ſeinen Spi unverdroſſen, und ſtuͤtzte ſich darauf. So bracht' er die noch uͤbrige Nacht zu. Bald Streift er um ſeine Roſſe her, bald naͤhert Er ſeiner Schanze ſich, und horcht und lauſcht Und wünſchet, daß der Welt Geſtalt und Licht Aufs neue wieder hergeſtellet werde. 3 Inzwiſchen ſtieg des Tages Herold vo Olymp, und das lichtvolle Taprobane Sah ſchon die heitre Sonn'. Es war die Stunde, Da von dem kuͤhlen OR d e Erde beehaut wird, Als Walther den Erſchlahnen Wehr' und Waffen Und das dazu gehoͤrige Geraͤth, Als Sieger, auszog. Roͤck' und andre€ Stuͤcke Rieg er den Leihen; nur das Armgeſchmeid 8 Die Spangen und die Wehrgehenk' und Schwerter, Rebſt Helm und Panzer nahm er ihnen ab, Bier Pferoen lud er diefen Raub auf, feine Braut ſetzt' er auf das fuͤnfte, dann beſtieg er Das ſechſte ſelbſt, und ritt voran zur S Schanze, Die er vorher durchbrach; ſah ſich darauf Im engen Pfad auf allen Seiten um, und ſpaͤht und fing mit feinem Dhr die Winde Und jede Luft auf, ob er jemand nahe Gehn, oder fliſtern hoͤrt', ob der Hochmuͤthigen Zaum oder Zuͤgel klirrten, oder der Geſtaͤhlte Huf der kommenden Roſſe toͤnte. Doch es war alles ſtill. Da ließ er die Beladnen Roſſ' und ſein geliebtes Fraͤulein Mit ihren Schraͤnken fortgehn. Nun wagt er Sich in gewohntem Anzug auf den Weg, Kaum war er fuͤnfzig Schritte fortgekommen, Als Hiltgund, die ihr zaͤrtliches Geſchlecht Zu zittern leicht bewog, zuruͤckſah, und Bon einem Huͤgel zween ſchnell ungeſtuͤm Herunter eileude Maͤnner ſah. Vor Angſt Startt' ihr das Blut in Adern. Ach! ſeufjt ſis E 4 72 t Dem Juͤngling zu: das End’ ift da, das nur 2 p rſchoben war; flieh, Herr, ſie nahen ſich! Schnell wendet Walther ſich; er ſieht, er kennt ſie: Umſonſt, ruft er, ſchlug meine Fauſt die Feinde, Wenn nun das Ende nicht mit Ruhm getroͤnt wird, Wenn Hehn es ſchließt. Weg! beſſer iſts, durch Wunden Den ſchoͤnen Tod zu ſterben, als beraubt Von allem, einſam, ſchweifend zu entrinnen. Doch wer einſt groͤßere Gefahren ſah, Verzweifelt nie an Mitteln ſeiner Rettung Nimm, Hiltgund, Den Schatz traͤgt, und eil in den nahen Ha M tim tQ ji yir B Mich ſetzen, den Erfolg erwe Die M g i$ ti araf Das Fraͤr it, was ihr Gebiether ſag Er aber on Schild und Spieß geſchwiud Zu ſich, und n ibit y3 Noch unbekannten Roß Verſuche, Es ſich zu Waffen anlaͤßt. Auf ihn ſtüͤrmt Inzwiſchen im Geleit des tapfern Krigers Der tolle Koͤnig, und ſchreyt ihm hochmuͤthig pu Dei Yu: Zal 209) 2 A Von fern entgegen: Mordbegieriger Feind, Dein Streben triegt dich. Sieh, hier giebts kein Schlupfloch, Aus welchem du, gleich einem tollen Hund, Zahnfletſchend bellen kannſt. Hier, wenns bellebt, Im offnen Feld, hier ſchlag dich, hier verſuchs, Ob der Beſchluß dem Anfang gleichen wird. Ich weis, du haſt das Gluͤck im Lohn gedungen; Deshalb verſchmaͤhſt du Flucht und Uebergabe. Ihm gab der Krieger nichts zur Antwort; wie Gehoͤrlos wandt' er ſich von ihm hinweg Zu Hagano: Mit dir, rief er, hab' ich Zu ſprechen. Halt! Was hat den treuen Freund S0 bald geaͤndert? Der, der bey dem Abſchied Mit ſo viel Zwang aus unſern Armen juͤngſt Sich loszureißen ſchien, der faͤllt bewaffnet Uns an, uns, die wir ihn mit nichts beleidigt? Was anders, ich geſteh's, hofft' ich von dir. Wenn du den, der aus dem Exil zuruͤckkehrt, Roch kennteſt, dacht' ich, wuͤrdeſt du ihm ſelbſt Entgegen gehn, ihn hold begruͤßen, ihn Als einen Gaſt, auch ohne ſein Geſuch, Liebvoll bewirthen, und in ſeines Vaters DESEE 74—— Reich ſicher und in Frieden ziehen laſſen. Ich ſorgte ſchon, wohin ich die Geſchenke Von dir thun ſollt', und ſagte: nun ich wandre Durch ſo viel unbekannte Gegenden; Doch fuͤrcht' ich wenigſtens, wenn Hagano Mod lebet, Feinen Franken. Ich beſchwoͤre Didh bey den Spielen, die wir noch als Knaben Erlernten, und in wonnevoller Eintracht, Die jugendliche Zeit durchlebeud, trieben; Wohin entfloh die ſo beruͤhmte Freundſchaft, Die nus ins Feld, die uns nad) Haus begleitete, Die Aergerniß und Groll nicht kannte? Denn Dein Anſchaun machte, daß ich ſelbſt des Vaters Vergaß, und wenn ich bey dir war, ſchien mir Mein herrlich Vaterland von minderm Werth. Iſts moͤglich? tilgſt du im Gemuͤth die oft Beſchworne Treu? o laß— lef ab vom Hader Und großem Unrecht! fuͤhr nicht weiter Krieg. Ein unzerruͤttet Buͤndniß ſey un heilig! Wenn du mit einſtimmſt, ſo wirſt du bereichert Mit Segen von hinnen gehn; ich fuͤlle dir Den ganzen Schild mit edlem rothen Metal, Gri Sò N D 1 E K J 3 8 2 Da gab ihm Hagano unſanft zur Antwort: Erſt braucheſt du Gewalt; dann, Walther, dann, Koͤmmſt du mit Weisheitsſpruͤchen ſpaͤt zum Vorſchein. Du ſelbſt verletzteſt ja die Treu', indem Du ſahſt, daß ich zugegen war, und doch So viel Gefaͤhrten, ja Verwandte mir Durch deinen Mordſtahl raubteſt. Nie, nie kannſt Du dieß entſchuldigen, es nicht gewußt Zu haben, daß ich da ſeyn wuͤrde: denn Geſetzt auch, du mißkannteſt mein Geſicht, So ſahſt du meine dir bewußten Waffen, Und konntſt den Mann aus ſeiner Ruͤſtung kennen, Das uͤbrige vielleicht haͤtt' ich erduldet, Wenn nicht ein Schmerz hinzugekommen waͤre; Ein' angenehme, mir ſehr theure, holde, Koſtbare, weh mir! hoffnungsvolle Blume Maͤht', einer Senſe gleich, dein toͤdtlich Eiſen. Dieß iſts, wodurch zuerſt du unſern Bund brachſt. Fuͤr dieſen nehm' ich weder Geld, noch Gabe. Sehn will ich, ob bey dir nur Tapferkeit Wohnt; von dir fordr' ich meines Neffen Blut. Eutweder ſterb' ich, oder erwerbe Ruhm! —— 76— Er ſagt's, und ſpringt vom Riden ſeines Roſſetz Herab; auch Guͤnther thats, ynd nicht verdroßner Erzeigte ſich Held Walther, Alle drey Wereiten ſich zu Fuß zu fechten. Jeder Stand und verwahrte ſich vorm kommenden Streich, Es beben unterm Schild der Helden Glieder; Die zweyte Stunde wars, da ſie zu kaͤmpfen Begannen; zween Bewaffnete verſchworen Sich wider Einen. Zuerſt warf Hagand, Die Kraͤſte ſammelnd, die geſtäaͤhlte Lanze Auf Alphers tapfern Sohn⸗ und brach den Frieden. Als dieſer ſie, gleich einem Sturmwind furchtbar, Mit rauſchendem Geziſch kaum fliegen ſah, Hielt er den Schild in ſchiefer Richtung vor, Daß ihre Spitze, wie auf glatten Marmor Abprallend, den erreichten Huͤgel verwundet, tnd big ang Heft tief in den Hoden faͤhrt. Wit groſſer Bruſt, doch kleiner Kraft wirft nun Der übermuͤthige Guͤnther feinen Spief; Er flog und ſtack im untern Rand des Schildes, Und Walther ſchuͤttelt bald den traͤgen Stahl Vom wunden Holz ab. Die betroffaen Franken O zg a w| 39 A W Biehn nim die Schwerter. Zorn tritt an die Stelle Des Schmerzens; ſie gehn auf den muthigen Juͤngling Mit ihrem Shilo bededt log, Er ſtets wachſam Jagt ſie mit ſeinem Speer zuruͤck, und ſchreckt Sie mit dem Anblick ſo, wie mit den Waffen. Hier wagts der ungeſchickte Koͤnig Guͤnther, Den zu des Helden Fuß noch liegenden Bezwungnen Spieß hehlſchleichend aufzuheben. Denn nahe konnten ſie, mit kurzen Schwertern Bewaffnet, ihm nicht kommen, da er mit Der Lanze ſo lange Streiche zu verſetzen Vermocht'. Er winkt dem maͤchtigern Vaſallen Voraus zugehn, um durch ihn zu erſetzen, Was ihm an Kraft, ſich ſelbſt zu ſchuͤtzen, abgieng. Gehorchend tritt gleich Hagano voran, Und fordert Walthern auf. Der Koͤnig ſteckt Sein mit dem edelſten Geſtein beſetztes Schwert wieder ein, um ſeine Rechte frey Zu haben, und den Diebſtahl zu begehn. Schon zieht er den ergriffaen Spieß ſacht weg, Zu einem groͤßern Streich des Gluͤcks ſich ruͤſtend. Allein der groͤßte Held, im Krieg voll Vorſicht, 78 Sah kaum, daß ſich der Koͤnig buͤckt, als er Die Abſicht merkt, und ſich von Hagano, Der ihn im Schlagen aufhielt, wandt', und die Eutzogne Lanze wieder zu ſich reißt. Er ſchilt den auf dem Raub ergriffnen Guͤnther, Daß ihm, vom Spieß noch ſtarrend, beide Knie Hinſinkend zitterten. Ihn haͤtte Walther Dem hungervden Orkus leicht geopfert, wenn Nicht Hagano, der Waffenmaͤchtige, Schnell ſeinem Herrn zu Huͤlfe kam, und ihn Mit vorgeworfuem Schild bedeckend, die Entbloͤßte Schaͤrfe des grauſamen Schwerts Dem Feind vors Antlitz bielt. Indem fih Walther Bor Wunden wahrr, erhebt fidh jener, und Steht, ſchwer vom Tod gerettet, bebend du. Nun iſt kein Weilen mehr, kein Ruhn. Es wird Der bittre Krieg erneuert. Beide fall Bald mit vereinter Kraft, bald wechſelnd ihn Mit Waffen an. Trat Einer auf, und Walther Geht ihm ergrimmt entgegen, fieh! fo rennt Der Andere heran, und faͤngt den S treich auf. Nicht anders, als wenn ein numidiſcher Baͤt A 2o œ Ap 9 79 Gejagt wird, dieſer wild von Hunden umringt, Starr ſteht, die Schultern ſtraͤubt, das Haupt verbirgt, Und brummt; ſodann die ihm ſich nahenden Hatzhund' in ſeine Tatzen packt und druͤckt, Daß ſie vor Schmerzen winſeln, da indeß Von allen Seiten ihn die ſchnellen Moloſſen Umbellend, ſeinem Grimm zu nah'n ſich ſcheun. So waͤhrt der Kampf bis zu der neunten Stunde, Ein dreyfach toͤdtlich Gefuͤhl betraf ſie alle, Des Krieges Angſt, und Muͤh', und Sonnenhitze. Zuletzt durchſchlich des Helden Seel' ein Bild, Und in verſchwiegner Bruſt ſchloß Walther ſo: Wenn nicht das Gluͤck den Weg veraͤndert, werden Sie mich durch ſchuoͤdes Spiel ermuͤdet taͤuſchen. Dann ſagt er laut zu Hagano: du Dornſtrauch, Der unter gruͤnen Blaͤttern ſticht, du meynſt, Mit luſtigen Spruͤngen mich und Liſt zu hoͤhnen. Doch naͤher ſollſt du bald, bald ſollſt du kommen. Zwar weis ich, daß du ungeheure Staͤrke haft, Und ich bins uͤberdruͤßig, umſonſt ſo viele Alrbeiten aus zuſtehn. So ſagt er, und Springt auf, und wirft die Lanze gegen ibn, 80 Die fliegend ſeinen Schild belaſtet, an Dem Panzer durchſchlaͤgt, und den großen Koͤrpet Etwas verletzt, wiewohl er hier umguͤrtet Mit dem vorzuͤglichſten Kriegsanzug glaͤnzte. Hierauf ſprengt Walther mit entbloͤßtem Schwert Auf Guͤnthern ungeſtuͤm daher, und da Er rechts den Schild ihm wegſchlug, that er einen Erſtaunlichen, kraftvollen Hieb, womit Er ihm das Schienbein, ſammt der Knieſcheib auf waͤrtt Bis an die Huͤfte ſpaltet. Enthuͤftet ſtuͤrzt Der Kinig über feinen Shild vor des Bezwingers Fuͤßen hin. Beym Fall des Herrn Erblaßte blutlos der getreue Lehnmann. Schon drohet Alphers Sohn mit aufgehobnem Blutgierigen Schwert die letzte Wunde dem Geſunknen beyzubringen, als des eignen Weh's nicht mehr eingedenk Held Hagano Dem zotnerfuͤllten Streich ſein Haupt gebuͤckt Entgegen haͤlt. Die ausgereckte Fauſt Konnt er zurüuͤck nicht halten; dodh fein Helm, Den mit anhaltendem Fleiß der Kuͤvſtler beſſer, Als einen je, vollbracht, fing ſo den Streich auf, Daß Daß Von Zerſ fwaͤrtt Daß Daß in die Luft die Funken flogen, und Von des Metalles Haͤrt' entſetzt, das Schwert gerſprang, und praſſelnd theils in Luͤften, theils Im Graſe die zerſtreuten Stuͤcke blinkten. Als dieſe Walther ſah, ergrimmt' er, und Verlohr vor gluͤhendem Zorn all ſeinen Gleichmuth. Unduldbar ſchien ihm der unwichtige Griff, So ſehr ihn Aerz und Kunſt verherrlichte Et warf ihn von ſich, und verſchmaͤhte ſo Ein traurig Schutz gewehr. Indem er ſeine Hand ungeheuer weit zum Werfen ausſtreckt, Haut Hagano ſie ihm vom Leib, vergnuͤgt, Solch' eine ſchnelle Wund' ihm beyzubringen. So fiel benn mitten in dem Wurf die Rechte, Die fuͤrchterliche, die ſieghafte Rechte, Von Wolkern, von Beherrſchern ſo verehrt, Von ſo unzaͤhligen Trophaͤen glaͤnzend! Allein, der Kriegriſche, der auch dem Ungluͤck Zu weichen niht gewohnt war, deffen ſtarker Geiſt allen Schmerz des Leibes uͤberwand, Ließ weder Hoffnung, noch ſein Antlitz ſinken. Den abgeſtumpften Arm verbirtzt er unter S em Schild, und zeucht mit der noch unverſehkten D Hand ſeinen Dolch, der an der rechten Seite Geguͤrtet hing, um ſich am Feind zu raͤchen. Er ſtieß damit dem tapfern Hagano Sein rechtes Aug aus, ſchlitzte Schlaf und Lippe Dutzend Backenzaͤhne. Und raubt' ihm ein halb Dieß blutige Geſchaͤft entſchied den Krieg, Ein jeder ward von feinen Wanden und Erſchoͤpftem Athem ermahnt, die Waffen ab Zu legen: denn wer konnte hier frey aus gehn? Da zween ſo edle ſich an Kraͤften, wie An feurigem Muth ſo gleiche Helden gegen Einander in dem Donner des Krieges ſtanden? Da es zu Ende war, beſahn ſie ihre Trophaͤen. Hier lag Koͤnig Guͤnthers Fuß, Dort Waltherg Hand, und ſeitwaͤrts Hagano's Schnellzitterndes Aug. So theilten ſie ſich in Die Armgeſchmeide der Hunen! Zween,(der dritte lag) Zween ſaßen in dem Gras und trockneten Die Stroͤme Bluts, die aus den Wunden quollen. Hernach rief Alphers Sohn das ſchuͤchterne Verſteckte Fraͤulein, das die Wunden verband. S xg 9g w g x itte lag) t. Dann ſprach er, als ſie alles dieß vollbracht: Bring, Hiltgund, Wein her! reiche Hagano'n Zuerſt den Becher hin: er iſt im Kampf Ein wackrer Mann, wenn er der Treue nur Die Rechte vorbehielt'. Alsdenn bring mir's, Weil ih mehr als die andern ausgeſtanden. Und Guͤnther ſoll, weil er ſo traͤg iſt, und Sich doch erkuͤhnt hat, unter Maͤunnern, die Mit großer Kraft die Waffen fuͤhren, zu Erſcheinen, ſo entnervt und laulicht er Den Krieg fuͤhrt, Guͤnther ſoll der letzte trinken. Die Tochter Herrichs thut nah feinen Worten, Doch Hagano, ſo ſehr die Bruſt ihm lechzte, Sprach, als ſie ihm den Becher gab: Gieb, Fraͤulein, Ihn deinem Herrn nund Braͤutigam zuerſt! Denn Alphers Sohn, ich muß es dir geſtehn, Iſt tapferer, als ich; er raget uͤber Mich und die Franken all' im Kampf hervor⸗ Die Helden unbeſiegt an Muth, am ganzen Leib abgemattet, Hagano und ſelbſt Der ſtachlichte Sohn des aquitaniſchen Koͤnigs Bigannen nach ſo manchem Kriegegeraͤuſch F 2 ——— 84 Und blutigem 1 Streich bey voleu Bechern ſich haften Wettſtreit einzulaſſen. In einen poſſen jezt, Freund, jezt kannſt du Hirſche Der Franke ſagt: Guug puͤrſchen, und aus ihrer Haut dir Handſchuh Ja Menge ſchaffen. Doch den rechten rath' ich⸗ Mit zarter Wole fhòn dicht auszuſtopfen, Um die Unwiſſenden mit einem Bild Aber wie? du ſcheinſt Von Hand zu taͤuſchen. € Den Volksgebrauch zu aͤndern, und das Schwert Zur Rechten umzuguͤrten. Auch deucht mir, ( Du wirſt den linken Arm mit ganz verkehrter Liebkoſung um den Hals der kuͤnftigen Gattinn, Wenn du einmal an ſie zu denken wuͤrdigſt, Sanft werfen. Kurz, was du in Zukunft thuſt, Wird mit der linken Fauſt geſchehen muͤſſen. Ihm giebt zur Antwort Alphers Sohn: Warum Machſt du ſo viele Luftſpruͤng', Einaͤugichter Sicamber? Sieh, wenn ih die Hirſche jagt» So wirft du wohl das Fleiſch der Hauer meiden. Dieß wirſt du ſchon von der Bedienung abſehn, Wenn du der Helden Schaar querſchauend gruͤßeſt. Doch eingedenk der alten Treue will ich irſche huh Die rathen, wenn du nun nach Hauſe koͤmmſt, So mah bir einen Brey von Mejl und Mildh, Der dient zugleich zur Nahrung und Arzney Mit dieſen Worten erneu'n ſie ihren blutgen Vergleich, und legen den wehklagenden Koͤnig Aufs Pferd. Zerſtreuet gehn fie auseinander, Nad Worms die Franken, und ins Vaterland Der Aquitanier. Hier ward er praͤchtig Empfangen, und geliebt von allen, beherrſchte Er nach dem Tod der Aeltern dreyßig Jahre Sein gluͤcklich Volk. Was er hierauf fuͤr Kriege Gefuͤhrt, wie oft er triumphirt, verſagt Mein ſtumpfer Griffel mir, hier aufzuzeichnen. Der du dieß leſen wirſt, verzeih der ſchwirrenden Heuſchreck', und denke nicht ſo wohl an ihre Noch heiſre Stimm', als an ihr junges Alter, Da ſie ihr Neſt noch nicht verlaſſen kann, Ri Um in die hoͤhern Luͤfte fih zu ſchwingen. Na, i MII DACFARI F D Ma 9 ANTONIK KAFI ALLIG LOGINU 3, 1) N q F 1 T O Şol per prender alilo Tra noi Parti ſorelle. SFe auf den Tod des Nitter Anton Raphael Mengs, von Don Aurel de Giorgi Bertola —————— E—— —— SE atin— O mich Gluͤckſeligen Unter dem heiterern Himmel! Schoͤne der Kuͤnſt' und Kuͤnſiler Koͤniginn und Gebaͤhrerinn! Auch ich ward in deinem Schooß gebohren. Die Haͤnde heb’ ih zu den Göttern empor, Und das Geſchenk der italiſchen Wiege Schaͤtz ich hoͤher, als ich in fremdem Erdſtrich ſchaͤtzen wuͤrde Eines koͤniglichen Gluͤcks Geſchenk. Wenn ſie am Nil gebohren wurden, Wenn Griechenland ſie verſchoͤnerte; So entſtanden, ſo wurden ſie ſchoͤner, Um ihren Wohnſitz nur bey uns zu nehmen— Die ſchweſterlichen Kuͤnſte. S4 Vennet, enner, com 10 Dubb t utta la luce in fronte slo— o come ort n nveſtono, Sanzio,'odo il tuo nome 'odo il tuo, Buonaroti! Ovunque ıl guardo 10 giro, Cento'invitan ſegni 'are, che al guſto alzaronſi, en- TE cn 1o sE IYO, Quant aCi y Spiran fovrani ingegni. Sie kamen, wie ich nun empfinde, Wie zweifelhafte Luͤfte des Aprils: Von den Augen nahmen ſie ſich weg den Schleyer Im Angeſicht der tuſciſchen Huͤgel, Und der goͤitliche Fuß ſtand. Wie viel Haͤnde eilten ſchnell! Wie viel liebevollen Seelen! Sieh! den Goͤttinnen auf der Stirne Strahlt das ganze Licht Angebohrner Schoͤnheit. Von erhabnem Stolz— o welche Ungewohnte Regungen Durchwallen mein entzuͤndetes Herz, Sanzio(), wenn ich deinen Namen höͤre, Wenn idh höre deinen, Buonaroti()! Wohia ich meine Blicke kehre, Locken mich hundert Zeichen Von Altaͤren, dem Geſchmack errichtet; Jede Luft, die ich athme,— Wie viel große Genies athmen ſie auch. (1) Der große Maler Raphael Sanzio von Urbin, gebohren im Jahr 1483, geftorben 1520. (2) Der grofe Maler, Bildhauer und Architekt, Michel Angelo Buonaroti, gebohren auf dem Schloß Capreſe, im florentiniſchen Gebiethe 1474, geſtorben 1564. o? Dell'arti io 1 ſaluto Monumenti diletti! In voi pafcen lo'anima t In genio‘anch'io mi mute Ebbro de voftri afpetti Altri fra il tuon de? cavi A girarſi, Metalli ami Mirar genti che fpirane Morte, e di ferro gravi Lauri di fangue fparfi Tu., Italia, in mezzo alļ`arti q ti refta; Italia., ecco 1l tno imperio! A ià s “O, i Ciel non potea darti ç Ł y r soft Gorte miglior di queta, Forſe lagn eti vuol uoj dominj anguiti$ Ich gruͤß' euch, der Kuͤnſte Geliebte Denkmaale! Bey euch weid' ich meine Stele, Verwandle mich in ein Genie, Trunken von eurem Anblick,. Andre moͤgen unter dem Donner holer Metalle frohlockend umher wandeln, Volker anſtaunen, die Tod hauchen, und mit Eiſen belaſtet Nach bluibeſpritzten Lorbern ſtreben. Du, Italien, mitten unter den Kuͤnſten— Bleib du groß im Frieden! Italien, ſieh dein Reich! Nein, der Himmel konnte dir Kein beſſers Schickſal geben. Vielleicht willſt du dich beklagen Ueber deine verengten Grenzen? Ueber Armuth? Ach! denke An jede Pracht, die dein iſt; Ungerecht waͤren deine Klagen. potuto avria Lagnarſiꝰ Un fol fofpiro Trafsella mai'invidia gulbalta ſignoria Del ſucceſſor di Ciro? Ma delbonor più vero Tutte le vie ti ſono uoi, domeſtiche. Sempre, fe v Scopritti un” emisfero, E altrui ne feſti un dono Tal'apre intatte ſelve Un lion generoſo, Poi le abt andona, è libero ’han H minori belve Jl pafcolo, e il ripoſo Di tue richezze il fonte Avrai tu fola; a vile, mal fuo grado apprezzale w. doltre monte 'oltre mar, ſpirto ge ntile$ aema e D N ——EÜʒ˖kjñ—¼ Konnte Griechenland je Sich beklagen? Stieß es nur einen Seufzer Von Neid aus Ueber die hohe Herrſchaft Des Nachfolgers des Cyrus! Nein, zur wahren Ehre Sind dir alle Wege Stets, wenn du willſt, einheimiſch. Du entdeckteſt ein Hemisphaͤr, Und gabſt es andern zum Geſchenk So oͤffnet unbetretne Waͤlder Ein großmuͤthiger Low, Drauf verlaͤßt er ſie, und frey Haben darin geringere Thiere Weid' und Ruhe. Deiner Reichthuͤmer Quelle Sollteſt du allein verachten? Da ſie ungern hochſchaͤtzt Jenſeits Meer und Gebirg Jeder edle Geiſt. 96 Qual corra a te non penfi Eftrania-ognor famiglia Sv’ tuoi tefori eftatica, E in preda a mille fenĝ ’invidia, e maraviglia? Refo alle patrie rive Se oltraggi alcun frappone Al vero inevitabile, Quel, che fua invidia fcrive, Detefta fua ragione. Ma fe Pinvidia cede, Linduſtre peregrit Giura, per te dimentica 'aver la patria, e ehieđe Farfi tuo cittadino Quegli, ch'Italia or piagni, Tuo cittadin fi feo: Quì per man delle grazie Libò ſenza compagni Jl puro latte Acheo., Denkſt du nicht, wie dir zueilt Stets ſo manch auslaͤndiſch Geſchlecht, Entzuͤckt uͤber deine Schaͤtze Und tauſend Gefuͤhlen Von Misgunſt und Bewunderung zum Raube? Wenn in die vaterlaͤndiſchen Gefilde wiederkehrend Mancher verletzt Die unvermeidliche Wahrheit;— Was ſein Neid ſchreibt, Perabſcheut endlich ſeine Vernunft. Wenn aber der Neid entweicht— Der geſchickte Fremdling Schwoͤrt dann, fuͤr dich ſein Vaterland Vergeſſen zu haben, und verlangt Dein Baͤrger zu werden. Der, den du, Italien, jest beweinſt, Ward dein Buͤrger, Hier aus der Hand der Grazien Koſtet' er ohne Gefaͤhrten Die reine achaͤiſche Milch. 98 E qui dowegli fiſſe k y Davide ciglia, è il core $ £ at Pafs gre Senti Tinfluſto magico De gran mod ye diffe: Anch' io ſon dipintore. Diſſe, e a un lavoro accinto j Ne fuoi color'infufe Quel non fò che dell anima Ricercator, quel cinto, Che a pochi dan le Mufe [Il già Romano ingegno Die Piacque a natura o quanto Eſſa all' orecchio diſſegli: Copiami, tu fei degno: Eccomi fenza manto E allor gl'ingenui volti Na arlanti agl' intelletti Dal facil tocco ſceſero E in un ſol tocco accolti Mille contrarj affetti. OEP enner Und hier, wo er heftete Die gierigen Vlicke, und ſein Herz, Fuͤhlt er den magiſchen Einfluß Der großen Muſter, und ſprach: Auch ich bin ein Maler! Er ſprachs, umguͤrtet ſich zur Arbeit, In ſeine Farben ergoß ſich Jenes, ich weis nicht, was, das die Seele Aufſucht, jener zaubriſche Guͤrtel, Den die Muſen wen nigen mittheilen. Dieſes ſchon roͤmiſche Genie Gefiel der Natur— Wie ſehr! Sie ſagt' ihm ins Ohr: Pchildre mich, du biſt deß w 8. uͤrdig; ohne Gewand! D tie fita s Da ſtieg en die aͤchten Geſtalten Mit dem Verſtande ſprechend Von dem leichten Pinſel herab, © To-A e La muta poefia Fra tinte d’ alma piene Tutta brillò. Vedeaſi, Com’ella fi partia Dalla fcuola d’ Atenes Figlia de Geni, ond’ unice Fu Lionardo un giorno Filofofo, ed artifta Che non uni? Le ardenti Movenze, il meditate De’ gruppi bel disordine, I dolci sfuggimenti, Lo sfumar dilicato, E il fior più luſinghiero Meglio, meglio il vicino Qe 1 mde, ó decol vedra, Ss'10o mentone, Di quanti alb arti diero Parma, Vinegia, Urbino. Die ſtumme Dichtkunſt Unter ſeelevollen Tinten Ward ganz Licht. Wie ſie ausgieng ==˙ e —— Man fah, Aus der Schul' Athens. Die Schatten hierauf, den Umriß Leitete Tiefſinn, Der Genien Sohn, durch den einzig Lionardo(3) einſt Philoſoph und Kuͤnſtler ward. Was vereinte der nicht? die brennenden Und (3) Bewegungen, die ſchoͤne gefliſſene Unordnung der Gruppen, Die ſanften Abſtuffen der Farben, Ihre niedliche Verfloͤßung. die ſchmeichelndſte Bl uͤthe— (Beſſer, beſſer wird das nahe Jahrhundert ſehn, ob ich wahr rede—) Aller, die je den Kuͤnſten Parma, Benedig, Urdin verlieh, Da Vinci, ein Florentiner, Y aler, Bildhauer und Architekt, gebohren 1445 geſtorben 1520. G 2 que Untva cinte das Shine Aus fuͤnf Maͤdchen Kalabriens, Als er malte Die ſchoͤnſte Argiverinn. O du dieſem Jahrhundert Geſchenkter! ~ T ex Zur Herſtellung der Kuͤnſte Geſchenkter! Hier athmet dein eigenes Bild(4) So, daß ich dich, Entwichenen, Nicht wohl vorzuſtellen weis. Hier auch deine geliebte Gefaͤhrtinn— ach! was ſag' ich? Seltenes Herz! empfindſames Herz! Du buͤßteſt mit dem Leben Deine tugendhafte Liebe, Du, fag? e, und allein dy kannſt es, Ob dein Genie, oder dein Her Jy erz 2 Beide von aͤtheriſchem Stoff, Bride einzig unter ung, Von beſſerm Stoff mar? ——)— 0 Das vortrefliche Gemaͤlde, wo er ſich und tinn abgeſchildert. ſeine Thegat⸗ qag 'egli è ver, che convenga A buon pittore affai Sentire, amabil’ anima, D' apoteoſi degna, Che non ſentiſti maĩ ꝰ Hò core anch'io, che fente La tua mancanza, o primo Del! arti amor: ma povera Di facre aure è la mente; Sento, ma non efprimo Sulla tua tomba immota Staſſene il guſto: ahi bello! Chi ſa, chi ſa, qual medita Far maj fecol rimoto Del terzo Raffaello ——————— m Wenn es wahr ift, dag eg Einem treflichen Maler gebuͤhrt, ſehr viel Zu empfinden, o liebens wuͤrdige Seele, O verewigungswuͤrdige Seele! Was empfandeſt du nicht? Auch ich hab ein Herz, das empfindet Deine Abweſenheit, o erſte Liebe der Kuͤnſte; aber duͤrftig An heiligen Luͤften iſt das Gemuͤth; Ich empfinde: doch der Ausdruck fehlt mir, Auf deinem Grabe unbewegt— Steht der Geſchmack— wie fhin?! Wer weis, wer weis, wag ein entferntes Zeitalter ſinnet, Mit dem dritten Raphael zu maden? NOAE A EE a”