Sum besten unserer Brüder im Felde und ihrer Familien Preis 2 Ngr. „Kum Bhein! 6 Ueberen Bhein! Hlldentschland Dentache Tieder, dem Puterlande gemnidunet von Ernſt Leiſtner Leipzig, Fregeſtraße Nr. 11. — Erſtes Heft Leipzig 1870 In Vertrieb bei Theodor Lißner 4 2 „Richt die Kraſt der Arme, noch die Tuüchtigkeit der Vaffen, ſondern die Nlacht des Gemüths iſt es, die da Schlachlen ſchlägt und Siege erſicht.“ Aus Fichte's„Reden an das deutſche Volk“(1808). „Die Liebe zu dem gemeinſamen Vaterlande, die einmüthige Er⸗ hebung der deutſchen Stämme und ihrer Fürſten hat alle unterſchiede und Gegenſätze in ſich geſchloſſen und verſöhnt, und einig, wie kaum jemals zuvor, darf Deutſchland in ſeiner Einmüthigkeit wie in ſeinem Rechte die Bürgſchaft finden, daß der Krieg ihm Frieden bringen und daß aus der blutigen Saat eine von Gott ge⸗ ſegnete Ernte deutſcher Freiheit und Einigkeit ſprießen werde.“ Berlin, 25. Juli 1870. König Wilhelm I. Deulſche Lieder, dem Vaterlande gewidmet. 1. Pfui über die Ruben! Kann es denn Sklavenſeelen geben, Die vor dem Uebermuth der Franken Noch feigem Zagen und Erbeben Ehrloſen Frieden möchten danken? Pfui über die Memmen! Kann deutſcher Boden Sproſſen treiben, Die nicht dem Vaterlande zollen Den Dank, mit Blute ſelbſt zu ſchreiben, Daß felſentreu ſie bleiben wollen? Pfui über Treuloſe! Kann es noch deutſche Männer geben, Die gegen Frankreich in dem Streite Um Gut und Blut, um Ehr' und Leben Nicht freudig ſteh'n auf deutſcher Seite? Pfui Ehrvergeſſ'ne! Gibt es gar hämiſche Geſellen, Die ſich des nah'nden Sturmes freuen, Als ſollte Deutſchland er zerſchellen, Zwieſpalt und Ohnmacht ihm erneuen? Pfui über Verräther! Die gar dem korſiſchen Despoten, Den Mord und Meineid ſchwarz beſudeln, Der Deutſchland Hohn und Droh'n geboten, Noch knechtiſch Lob und Beifall hudeln? Pfui über die Buben! Wagt wer den ſchmachvollſten Gedanken, Freiwillig mit dem Feind zu gehen? Es könnten in den Reih'n der Franken Gar Deutſche gegen Deutſche ſtehen? Sie richte der Henker!— 5 Wir glauben nicht der Afterrede Bezahlter Vaterlandsverräther; Sie künden allem Guten Fehde, An Recht und Wahrheit Uebelthäter. Pfui über Verleumder! Wir glauben ſtolz an deutſche Treue, Wir woll'n auf deutſche Ehre bauen; Dem, der zu freveln ſich nicht ſcheue, Soll's Brandmal von der Stirne ſchauen: Ein ehrloſer Bube! Dem ſei kein deutſcher Gruß geboten, Kein Willkomm⸗Handſchlag irgendweſſen, Sein Name ſei wie eines Todten, Der ehrlos ſtarb, von uns vergeſſen Für ewige Zeiten! Selbſt von den Feinden, die noch ehrlich Als Männer bei den Franken denken, Wird man dem Ueberläufer ſchwerlich Und dem Verräther and'res ſchenken Als kalte Verachtung!— 2. Nach Varis! Melodie: Die Wacht am Rhein. Du Feind, der unſ'ren Frieden brach Und allem Recht Verhöhnung ſprach, Der ſolcher Frechheit ſich erkühnt, Die nur die eine Antwort ſühnt: Da uns dein Wuthſchrei Krieg verhieß, Wohl denn! wir bringen ihn dir nach Paris! Genug mit deinem eitlen Droh'n, Genug mit prahleriſchem Hohn, Du forderſt ruchlos uns heraus; Kein Deutſcher weicht dem Franzmann aus. Und unſ're Antwort ſei nur dies: Wir rechnen ab mit dir nun in Paris! Das Elend, das uns zugedacht, Sei in dein eig'nes Land gebracht, 4 Und alle Wuth und arge Tück' Fall auf dein ſchuldig Haupt zurück. Wie aller Achtung dich verließ, So treffe dich die Schmach auch in Paris! Dich führt ein blutiger Despot, Du kämpfſt auf ſein Gewaltgebot Und fröhnſt ruhmſücht'ger Eitelkeit, Das iſt kein ehrenvoller Streit. Der gegen Völkerrecht verſtieß, Dem werde Recht gelehrt nun in Paris! Wir kämpfen nicht aus Habbegier, Wir ſtreiten um der Ehre Zier Für's Vaterland und Haus und Herd, Das iſt des deutſchen Mannes werth. Wie unſer Kriegsherr dich verwies, So weiſen wir zurück dich nach Paris! Der freie Rhein, der deutſche Rhein Sollt' deiner Raubluſt Opfer ſein; Du biſt nicht werth, daß jemals ſei Dein Grab ein Strom, ſo ſchön und frei. Drum wehrt das deutſche Volk dir dies, Jagt dich in Flucht zurück bis nach Paris! Ganz Deutſchland ſteht für einen Mann! So lang der letzte kämpfen kann, So lange führt das Schwert die Hand Für unſer liebes Vaterland. Und Gott, der Deutſchland nie verließ, Führt uns auch diesmal ſiegreich nach Paris! 3. Weg mit franzöſtiſcher Modenarretei!“) Ihr deutſchen Jungfraun und Ihr deutſchen Frauen, Deutſchland, von argem Feinde ſchwer bedroht, In blut'gem Krieg auf Leben oder Tod, Hat auch ein Anrecht nun auf Euch zu ſchauen, Auf ſeiner Töchter deutſchen Sinn zu bauen, Der ja dem Vaterland ſtets Opfer bot. Ein Opfer gilt's vor allem. Wollt Ihr werth ſein Der Männer, die im Schlachtenfelde ſteh'n, Die auch für Euch dem Tod entgegengeh'n, Wollt Ihr von Bruder, Gatten, Sohn geehrt ſein, Von deutſchen Jünglingen als Weib begehrt ſein, So laßt Euch nun auch deutſch begeiſtert ſeh'n. Laßt nicht den Erbfeind Deutſchlands länger höhnen, Daß, ob der deutſche Mann auch treu und frei, Das deutſche Weib ſchon längſt franzöſiſch ſei. Jetzt grade müßt Ihr endlich Euch entwöhnen, Wollt Ihr Euch ſchmücken, mit Geſchmack verſchönen: Weg mit franzöſſcher Modenarretei! ) Dieſelbe Forderung an die deutſchen unſerer berühmteſten Frauen, Frauen hat unter anderen auch eine „Fanny Lewald, bereits ausgeſprochen. il“ Das deutſche Weib braucht nicht den falſchen Firn, Womit ſich die pariſer feile Dirn Die Blößen übergleißt des inn'ren Schmutzes, Sich voller Heuchelei und frechen Trutzes Zu ehrbarn Frauen miſcht mit kecker Stirn. Zu lang hat ſich der Deutſche nachzuäffen, Was ſchön genannt, weil's Mode war, bequemt, Sich der Geſchmacksverderbniß nicht geſchämt, Erniedrigt, den pariſer Ton zu treffen, Was dort geſchwätzt wird, ſinnlos nachzukläffen; Nun ſei der fremde Modekram verfehmt. Kunſt und Gewerbe ſind in Deutſchland rege; Oft war die deutſche Arbeit ſchon entlieh'n, Mit fremdem Namen wieder einzuzieh'n. Sobald man nur mit Anerkennung hege Die Kunſtgewerbe und Erfindung pflege, Werden ſie bald im Vaterlande blüh'n.— Ihr ſeid ſo ſchön und wunderlieb zu ſchauen, Ihr deutſchen Mädchen, hold und ſittenrein, So reich geſegnet Deutſchlands Stolz zu ſein, Ihr edlen, treuherzinniglichen Frauen; Echtdeutſch im Innern— ſeid's auch anzuſchauen Und wollt von fränk'ſchen Schlacken Euch befrei'n!— Weg mit dem eitlen Tand fremdländ'ſchen Putzes! 4. Ade der Tandwehr. Meinem Freunde Paul C. Melodie: Ade, du lieber Tannenwald. Ade, Ihr wack'ren Männer all— ade! Ihr zieht nun aus, ein Wehr und Wall— ade! Zu Schutz und Trutz für's Vaterland! Noch einen Druck von Bruderhand— 3 Und nun ade! ade, ade! 5 Der deutſchen Männer Landeswehr, Sie weicht und wanket nimmermehr; Nur immer vorwärts über'n Rhein Und grad' in Frankreichs Herz hinein! Wofür Ihr kämpft mit Eurem Blut, Laßt es getroſt in unſrer Hut; Wir ſorgen Euch für Weib und Kind, Als ob ſie unſer eigen ſind. Ganz Deutſchland ſteht ein Mann vereint Im Kampfe dem verhaßten Feind; Mit Rath und That, mit Herz und Sinn Sind wir mit Euch, ſo zieht denn hin!— Mein Herzensfreund, auch du ziehſt aus, Wie gern zög' ich mit dir hinaus! Weiß Gott, daß mir's im Herzen ſticht, Doch hält mich hier zurück die Pflicht. Wie freudig ſtänd' ich in dem Streit Auf Tod und Leben dir zur Seit'! Wie uns die Liebe ſchon vereint, So doppelt noch der Haß dem Feind. Ich neide dir den Ehrenſtand Mit blanker Waffe in der Hand, Indeſſen mit der Feder hier Nur Lieder ich kann ſenden dir. Doch drängt Euch je das Kriegsgeſchick Und Feindes Uebermacht zurück, Mein Wort für Alle— dann hinaus! Dann bleibt kein deutſcher Mann zu Haus! 5. Abſchied meiner Braut. Ich weiß, dein treues Herz wird brechen Vor übergroßem Weh, im Muß ich den letzten Abſchied ſprechen, Daß ich zu Felde geh' Iſt mir doch ſelbſt trotz allem Muthe Das Scheiden gar ſo ſchwer, Als ſäh' ich dich, du Herzensgute, Im Leben nimmermehr. Erduldeſt du in bangen Qualen Doch immerzu den Tod, Der mir wol nur in ſeltnen Malen So nah' und ſicher droht. 113 Und dennoch gibt zu Kampf und Ehre Für's deutſche Vaterland Ein deutſches Mädchen ſelbſt die Wehre Dem Bräut'gam in die Hand. Könnt' ich das Vaterland verlaſſen, Das auch auf mich vertraut, So würdeſt du mich ſchmäh'n und haſſen, Als echte deutſche Braut. Der Franzmann kennt die deutſche Liebe, Die deutſchen Frauen nicht Und deutſchen Männer, denn ſonſt bliebe Daheim der arme Wicht. So leb' denn wohl! Auf Wiederſehen, Wenn Deutſchland frei und ich Mit Sieg und Ehren mag beſtehen! Herzlieb, Gott ſchütze dich!— 6. Ein alter deutſcher Invalide. Ach daß mich die däniſche Kartätſche nahm! Da war's mit dem Grenadier vorbei, Das linke Bein blieb mir ſteif und lahm, Kann nicht mehr marſchieren in Glied und Reih'. Zwar iſt die Schramme geheilt und vernarbt, Und es geht mit der Arbeit in Garten und Feld; Auch hab' ich ſeitdem nicht geklagt, noch gedarbt Und freue mich ſorglos der ſchönen Welt. Hab' ja im Hauſe nicht Weib noch Kind; Ich freite nicht, weil— laßt ruh'n die Geſchicht'! S iſt die alte Geſchichte, wie Weiber ſind, Dergleichen taugt nur für'n traurig Gedicht. Trotz allem ſchmeckt mir mein Pfeifchen gut Und abends ein Schoppen oder auch zwei; Mein Arm iſt noch ſtark und munter mein Blut, Ich fühle mich kerngeſund dabei. Und hab' mich gefreut nun ſchon manches Jahr In Ruhe der deutſchen Einigkeit, Sie wuchs— zum Verzweifeln langſam zwar, Doch's iſt unſ're Art ſo, wir brauchen Zeit. 5 Nun aber— Herrgott, ſchlag' furchtbar drein Und tilge die korſiſche Räuberbrut! Jetzt ſteht der Franzoſe an unſ'rem Rhein, Seit Jahren ſchon ſchnaubt er Rache und Wuth. Jetzt gilt es, für Deutſchlands Schutz und Ehr' Franzoſen zu hauen nach deutſcher Art; Schon ſteht im Felde die Landeswehr, Und Paris iſt das Ziel der Heeresfahrt. Herrgott des Himmels, erbarm' dich mein! Da muß ich nun hier als ein krüppliger Wicht Zu Hauſe hocken, das lahme Bein Erlaubt mir den flotten Spaziermarſch nicht. S iſt bitter für einen deutſchen Mann, Der frei und ledig iſt in der Welt Und die Waffe noch kräftig führen kann Und darf nicht wider den Franzmann in's Feld. Hei ſchafft mir einen Franzoſen hierher! Er komme heran, Mann gegen Mann, Zwei, drei noch lieber, damit ich ſie lehr', Wie man deutſche Fäuſte gebrauchen kann!— Inhalt des erſten Heftes. Pfui über die Buben! Nach Paris!(Melodie: Die Wacht am Rhein.) Weg mit franzöſiſcher Modenarretei. Ade der Landwehr! Meinem Freunde Paul C.(Melodie: Ade, du lieber Tannenwald.) Abſchied meiner Braut. Ein alter deutſcher Invalide. Weitere Hefte folgen. Druck von J. J. Weber in Leipzig