ur Erinnerung an die auplversammlung des BADISCHEN SCHWXRZWALDVEREINS Baden-Baden 8- 9 quni 1890. Das Curcomité. — 990õ BADEN-BADEN Mit 21 Illustrationen von J. Weber und 1 Karte. ZURICN Verlag, Druck und Illustration von Orell Fü 339 EHHalt. Einleitendes 8 Lage. Klima. Vegetation. gnostisches 8 Geschie 8 8 8 8 Die Trinkhalle Das Conversationshaus.. 2 Burgschloss Solms-Braunfels 0 hisch-Russische Kapelle des Conversationshauses 84 Das Standbild des Grossherzogs Leopold Die evangelische Kirche Das n* 8 Das Echo.. Sehenswürdigkeiten der Stadt Die heissen Quellen. Das Friedrichsbad... ue Wasserleitung—— 8 Der Batté 8 Die Ruir ersteinb bie Wolfsschlucht. Teufelskanzel. Engelskan Merkur Die Li r Allee. Lichtenthal Die Fischzuchtanstalt 8 Das Schloss Eberstein. Blick ins Murgthal Die Vburg 0* 4 Der Geroldsauer Wasserfall Die Rennbahn zu Iffezheim L nähere und weitere Ausflü 0 Einleitendes. Wenn es in einer Legende heisst, dass einst Engel den Garten Eden auf Befehl einer zürnenden Gottheit wieder von der Erde in den Himmel emportragen mussten und dab ei einige Theile dieses Gartens auf die Erde fallen liessen, 80 dürfen wir uns nicht wundern, wenn einzelnen Punkten, welche im vollen Glanze von Naturschönheit strahlen, ein soleher Ursprung gegeben wird. Der Neapolitaner nennt die Umgebung seiner Hauptstadt: M/ vον del cielo, caduto in terrd, ein dire et vom Himmel gefallenes Stück; wir wollen, wenn wir von der wunderbar schönen Umgebung Baden-Badens reden, etwas bescheidener sein und gleich den Schweizern, wenn diese mit Recht die Grossartigkeit der Gegend von Interlaken, Thun und anderen Punkten preisen, nur an das Stück vom Garten Eden denken, welches einst die Engel der Legende unter— wegs verloren. Wir haben freilich um Baden-Baden herum keine Gletsch er und schneéeigen Firnen, keine in schroff gezogenen Linien zum Himmel emporragenden Bergkolosse mit Alpenglühen und feurigen Lichteffecten, keine tosenden Wasserstürze und keine spiegelnden Alpenséeen— aber an grünen, blühenden Thälern, die mit zierlichen Wohnungen reich geschmückt sind, an üppigen Rebgeländen, an blumigen, duftenden Wiesen, Eichen- und Kastanienhainen, an plätschernden Bächen und kleinen Cascaden, selbst an romantischen malerischen Fels- gebilden ist kein Mangel. Statt der wilden Kalkschrofen, die in Hochgebirgsländern vorherrschen, erblicken wir hier, wie 1 im ganzen Schwarzwalde, unzählige, mit üppigem Laub- und Nadelholz geschmückte Bergkuppen, die sich übereinander wölben und hie und da sich zu drängen und zusammen- zustossen scheinen, als ob eine grüne Kuppe sich mit der andern messen wollte. Fügen wir diesem Bilde noch die zahl- reichen Ruinen hinzu, welche von früherer Pracht und Grösse Zeugniss ablegen, umrahmt von stolzen modernen Schlössern, Palästen und Villen, so ist es erfreulich, dass dem zierlichen Reigen hervorragender Schweizergegenden in den„Wander— bildern“ auch eine deutsche Gegend und zwar zuerst die schöne Bäderstadt Baden-Baden und ihre Umgebung ange— schlossen wurde, Wo Kunst und Natur, harmonisch durch— drungen, sich zu einem fast idealen Landschaftsbilde ge- staltet. Ueber den Punkt, wo dieses Bild am schönsten und reich- haltigsten sich den Blicken darbietet, ist schon oft gestritten worden. Wir möchten denjenigen vom alten und neuen Schloss und vom Annaberg als den mannigfaltigsten, um— fassendsten den Vorzug geben. Von der grossen Rheinthal-Eisenbahn(Frankfurt-Basel) 10 Minuten an den Bahnhof von Baden-Baden. Sie ist die Haupteingangs- führt bei der Station Oos eine Jweigbahn in pforte in die Bäderstadt. Obschon an beiden Seiten der Zweig— bahn bald freundliche Landhäuser und stattliche Villen, umsäumt von Laub- und Nadelholzwaldungen erscheinen und links über Steinbrüchen einzelne Theile des alten Schlosses und der romantischen Felspartien des Battert hervortreten und die Stadt sich amphitheatralisch aus dem frischen grünen Thal emporzuheben beginnt, so ist dennoch dieser Zugangspunkt der am wenigsten fesselnde und die herrliche Lage entwickelt sich erst beim Eintritt in die Promenaden. * t vom Convers 1 Lage. Klima. Vegetation. Die Stadt(48“ 45“ nördlicher Breite und 250 54“ östlicher Länge Ut 12,000 Einwohner, hat ein mildes Klima, gesunde reine Atmosphär und ist durch Berge gegen Nord- und Ostwind geschützt. Eine beständ Ventilation im Oosthal lässt keine Stagnation zu und die Tannenwälder ringsumher sind durch die aromatisch-resinosen Bestandtheile ihrer Luft von vortheilhafter Einwirkung auf die Athmungswerkzeuge. Westwinde herr schen vor Ost- und Nordwinden vor. Im Winter ist die Kälte in Zaden-Baden viel weniger streng als ausserhalb des Thales in der Rhein— ebene; sie hält fast niemals lange an. Man nimmt die mittlere Jahres- wärme zu 80 R. an; die Sommerhitze übersteigt selten 240 R. und wird ge mildert durch kühlende Luftströmungen, sowie durch zahlreiche Quellen und Bäche. Mit dem überaus gesunden Klima verbindet sich die heil— same Wirkung der Mineralquellen. Durch den Anblick und Genuss der schönen Natur wird ausserdem die Gemüthsstimmung gehoben.“ Eine üppige Vegetation zeugt von der Milde des Klimas und der Fruchtbarkeit des Bodens. Die periodisch stattfindenden Blumen-, Frucht- und landwirthschaftlichen Ausstellungen überraschen durch ihren Reich- thum und ihre Manigfaltigkeit. Vorzügliches Obst gedeiht neben feinen Gartengewächsen, ächten Kastanien, Mandelbäumen und allen möglichen Getreidearten. Ganz besonders ist die Umgegend reich an Waldungen, die von thätigen, umsichtigen Forstbeamten vortrefflich kultivirt und für die einheimischen und auswe rtigen Freunde derschönen Natur alljährlicl mehr von bequemen Spazierwegen durchschnitten und mit Hütten une Pavillons an geeigneten Punkten geschmückt werden. GeOognostisches. vend Wir finden in der Umg e grosse Reichhaltigkeit an Forma- tionen; besonders sind die primitiven Gesteine entwickelt, doch sin die Uebergangsę »'bilde ziemlich eng zusammengedrängt. Schön entwickelt sind von secundären Formationen das Todtliegende(Rothliegende), der Ko hlensandstein mit den analogen Porphyrtrümmergesteinen Pinit-Porphyr und von Flötzgebirgen der bunte Sandstein, Muschelkalk und schwache An- deutung von Lias. Gneiss, das Grundgebirge des Schwarzwaldes, tritt vom Sandstein überlagert an einzelnen Punkten bei Baden zu Tage. Der bunte oder rothe Sandstein und nach ihm der Granit sind am meüiste verbreitet. Die Hügel, welche das Rothliegende bildet, sind'meist a e- g) und mit Reben, Feldern und Wäl- rundet(Annaberg, Beut Sauer dern bedeckt. An der Ausmündung des Oos- und Murgthe sich ein ansehnlicher Wall von Löss(Kalk und Sand), welcher die Geröllablagerungen bedeckt; in ihm wurden Reste vorweltlicher Thiere 1 phanten) und viele calcinirte Landschneckenarten gefunden. Geschichtliches. Dass einst in dunkler Urzeit mächtige Erderschütterungen hier statt- fanden, beweisen nicht allein die wild umhergeschleuderten Felsmassen am Battert, am Schlossberg und an der Teufelskanzel, sondern die heissen Quellen und selbst die Gebilde im Rheinthal über Sandweier und Iffez- heim hinaus. Die ältesten Ansiedler in unserer Gegend waren ohne Zweifel Kelten. Die Geschichte bringt uns nichts Zuverlässiges über ihre Kämpfe mit andern Volksstämmen(Wwahrscheinlich germanischen), welche re Sitze einnahmen. Endlich nahmen die Römer auch von dieser Gegend Besitz und trafen zur Erhaltung derselben die nöthigen Vorsichtsmass— regeln durch Bauten von Thürmen, Schanzen, Kastellen und Strassen. Und wo konnte auch ein passenderer Punkt zur Anlage einer militärischen Hauptstation gefunden werden, als hier in der Mitte der, eine weite Umsicht gestattenden Höhen des Staufenberges(Merkur), der Uburg, der Eber— steinburg, des Fremersberges u, s. W.! Die Ansicht einiger Alterthums- forscher, dass die meisten hier befindlichen Ruinen römischen Ursprungs seien, wurde in der jüngsten Zeit widerlegt und man darf die meisten dieser alten Burganlagen vielmehr für germanische Bauten aus der Feudal- zeit, deren Charakter sie tragen, halten. Das, was an Römerbauten früher vorhanden, wurde ohne Zweifel von Allemannen und andern Volksstämmen Die Römer liebten bekanntlich die Bäder und 80 gründlich zersté wurden die heissen Qnellen zu nutzbringenden Anstalten verwendet. Hadrian, Antonin und Caracalla hoben den Ort und wohl auch Bäder, doch ist aus den aufgefundenen Denkmälern keineswegs zu scbliessen, dass Baden damals ein Luxusbad war. Dem Kaiser zu Ehren erhielt der Ort den Namen Civitas Aunrelid Agitensis. Mit manchen derstadt von den andern römischen Niederlassungen wurde auch die Alemannen zerstört, so dass sie verschollen und vergessen war; erst im 8. Jahrhundert wird der Ort wieder genannt. Im Jahre 712 schenkte König, Dagobert Baden und die der des Uffgau, welchem der Ort ein- verleibt war, dem Kloster Weissenburg. Hieraus entspannen sich lange Kämpfe mit den mächtigen Grafen von Calw. Der Besitz wechselte oft, 1112 erscheint Hermann II. von hringen als Herr von Baden und den beständige mann IV. war der erste Markgraf, der auf der Burg nahm; derselbe muss 1338 schon befestigt und von Bedeutung gewesen sein, weil er dem Angriff des Strassburger Bischofs Berthold II Widerstand leistete. 1479 bezog Markgraf Christoph das von ihm erbaute neue Schloss, verschönerte die Stadt und schenkte ihr ansehnliche Privilegien. 1511 richtete die Pest Verhéerungen an. Die Reformation erzeugte manche Streitigkeiten und Erbitterungen und während des 30— jährigen und des Pfälzisch-orleanischen Krieges erlitt Baden schwere Drangsale, welche sich 1688 und 1689 durch die Franzosen, unter Duras. wWo Brand und Plünderung stattfand, noch steigerten. Im Jahr 1709 ver— lor der Ort noch mehr durch den Wegzug des Hofes(Markgraf Ludwig nach Rastatt. Nach dem Tode des Markgrafen Carl August von Baden-Baden fſiel das Land an Baden-Durlach, dessen Fürst Karl Friedrich auf's Eifrigste bemüht war, zu helfen. Französische Emigranten, und der Kongress zu Rastatt trugen Manches zur Hebung und Wiederbelebung Badens bei. Die Einführung der Spielbank(1808), der Bau des neuen schönen Conversationshauses(1822), die luxuriöse Einrichtung vieler Gasthöfe, die Bildung eines trefflichen Kurorchesters, nebst vielen andern Anordnungen zur Unterhaltung, veranlasste das Zuströmen zahlreicher Gäste. Rasch erhob sich die Bäderstadt zu einem Luxusbad, zu einem Stelldichein der eleganten Welt, wobei jedoch das herrliche Geschenk der Natur, die heissen Quellen, mehr oder weniger vernachlässigt wurde. Anders wurde es für Baden unter der trefflichen Regierung des Gross- herzogs Leopold und unter dem jetzt regierenden allverehrten Gross- 9 herzoge Friedrich. Diese Fürsten verbanden auf sinnreiche Weise Kunst und Wissenschaft mit der Natur, sorgten für herrliche Bauten und Ver- schönerungen, unterstützt von tüchtigen Künstlern und anderen thäti en, Aufenthalt angenehm zu machen, allgemeine Anerkennung finden, wovon auch der energischen Männern, deren Bestrebungen, den Gästen den fortdauernd zahlreiche Besuch Badens einen Beweis liefert. Der schon 1867 gekündigte Spielpacht wurde 1872 vollständig auf— gehoben; damit fielen die bisher von den Spielpächtern bestrittenen Unterhaltungskosten auf den Staat und die Stadt, so dass mancherlei Besorgnisse für den Bestand des früheren Glanzes und des Besuchs der Bäderstadt sich kundgaben. Alle diese Besorgnisse waren jedoch unbe- gründet, wie die zunehmende Zahl der Gäste es beweist. Baden besit jetzt eine von Jahr zu Jahr mehr besuchte Wintersaison, ie vollständige Kurkapelle, die Benutzung sämmtlicher Säle, die, Ausstattung des Lesesaales(abgesehen von zahlreichen Winterunter- haltungen: Wissenschaftlichen Vorträgen, Theater, Bällen, Maskeraden u. S. W.), wie im Sommer erhalten bleiben. Dazu kommt, dass sich nach dem Aufhören deés Spiels immer mehr angesehene, wohlhabende Fremde aus allen Gegenden Deutschlands hier ansiedeln. bad bad hs Baden-Baden und Umgebung.— Die Trinkl Am Badischen Hofe(1631 Kapuzinerkloster) beginnen die herrlichen Promenaden, die sich etwa 3 Kilometer weit erstrecken und kurz vor Lichtenthal in der berühmten Lichten- thaler Allee ihren Abschluss finden. Der nach der Ueber— schwemmung vom Jahre 1851 korrigirte und vielfach über— wölbte Oosbach, schon vor mehr als tausend Jahren die Grenze zwischen Alemannen und Franken, trennt die eigent- liche Stadt, die an seinem rechten Ufer liegt, von dem Gebiet des Badelebens, welches im Conversationshause seinen Mittel- punkt findet. Vor der geschmackvollen Trinkhalle erblickt man seit 1875 auf hohem Granit-Piedestal die Marmorbüste des deutschen Kaisers Wilhelm, vom Bildhauer Kopf in Rom, umgeben von duftenden Blumenbeeten. Die wohlge- troffene Büste wurde aus einem Block parischen Marmors angefertigt. Die Trinkhalle. Die Trinkhalle, am Fusse des Friesenberges, ist eine der schönsten Zierden der Bäderstadt; sie wurde nach dem Plan des Baudirektors Hübsch 1839— 42 errichtet und bildet einen 85 Meter langen und ca. 10 Meter breiten Arkadenbau, den sechszehn korinthische Säulen von weissem Sandstein stützen. Reliefs, Inschriften und allegorische Bilder(die Segnungen der Thermen darstellend) schmückeu die Halle, deren Rückwand vierzehn Freskobilder von Götzenberger enthält, welche Sagen aus der Umgegend und aus dem Schwarzwalde darstellen, die durch zahllose Abdrücke ver— vielfältigt wurden. Hinter der Säulenhalle liegt der elegante Trinksaal, dessen Gewölbe von einer bunten Marmorsäule getragen wird, aus welcher das heisse Mineralwasser(440 R.) durch Röhren in die Brunnenschalen sprudelt. Für Molken-, Ziegen- und Kuhmilchtrinker wurde in un- mittelbarer Nähe der Trinkhalle eine zierliche Hütte, mit Stallung für Kühe und Ziegen gebaut, die jeden Morgen und Abend von dem Appenzeller Senn aus der nahen, schön ge— legenen Molkenanstalt herbeigetrieben werden. Das Conversationshaus. Nur wenige Schritte von der Trinkhalle befindet sich das 1822— 24 vom Baudirektor Weinbrenner im Renaissance— stil erbaute, mit einem Portikus von 8 korinthischen Säulen gezierte Conversationshaus, mit seiner geschmackvollen Umgebung, der Mittelpunkt des Kur- und Badelebens, wo im Hochsommer, wenn die Saison ihren Höhepunkt erreicht hat, das musikumrauschte Gewühl der Gäste, bei dem Glanze zalillloser buntfarbiger Ballons und Gasflammen und dem Dufte der herrlichsten Blumen uns gleichsam ein Gebilde der Märchen- welt aus Tausend und Einer Nacht vorzaubert. Wer hier an schönen Sommerabenden dem Strom der Vorübergehenden zuschaute, sah, wie die Damenwelt die ausgesuchtesten, elegantesten und reichsten Toiletten eutfaltete und um sich her ein buntes Gewirr von Sprachen aller Länder vernahm, der wird die Veberzeugung gewinnen, dass Baden-Baden mit Recht den Ruf eines der ersten Kurorte nicht allein Deutsch— lands, sondern auch Europas vollkommen verdient. Den Mittelraum des Conversationshauses nimmt der für Bälle, Maskeraden und Konzerte bestimmte grossartige Con— versationssaal ein; an den Seiten desselben die früheren zwei Spielsäle(Landschaftssaal und Italienischer Saal), der Salon Medieis, der Blumensalon, der Lesesaal(sogenannter Renais— sance-Saal) mit kleinerem Nebensaal, alle mit Luxus und grosser Bequemlichkeit ausgestattet. Der grosse Conversations- saal zeichnet sich durch eine vortreffliche Akustik aus; im Lesesaal befinden sich inländische und ausländische politische Zeitungen in grosser Zahl, ferner illustrirte, wissenschaftliche Wochen- und Monatsschriften, u. s. w. An die genannten Säle schliessen sich die sogenannten Neuen Säle, welche die andern noch an Luxus übertreffen, bei besonderen Festen, grossen Konzerten, Maskenbällen benutzt werden und dann in voller Pracht und hellstem Glanze strahlen. ODie Kurtaxe für Benutzung aller Räumlichkeiten und Einrichtungen ist eine sehr mässige). Im östlichen Flügel sind die Restaurationslokale, das Café, Billards, die Rauchgalerie und der grosse elegante Speisesaal, welcher zu Festessen, Privatbällen, musikalischen und kleinen theatralischen Aufführungen benutzt wird. An der südöstlichen Seite steht der 1859 erbaute Musik- Kiosk, wo im Sommer 3mal täglich gespielt wird. Das aus 48 Mitgliedern bestehende Kurorchester gehört zu den besten aller bekannten Kurorte. Hinter dem Conversationshause ziehen sich trefflich unter— haltene Wege zum Friesenberg empor, der von schattigen Spaziergängen durchschnitten ist. Hier fallen zwei Pracht— bauten als schönste Zierden der Umgebung in die Augen: das Burgschloss Solms-Braunfels, einer mittelalter— lichen Ritterburg nachgebildet, mit stylvollem Ausbau im Innern und mit einer der schönsten Aussichten auf die Stadt und in's Oosthal.(Eintritt leicht zu erlangen). In der Nähe liegt das neue zierliche Wasserreservoir. In geringer Ent— fernung steht der zweite Prachtbau, die vom Fürsten Michdel Stundæd, auf dem Michaelsberge erbaute Grie chisch-Rus— sische Kapelle, deren vergoldete Kuppel schon aus weiter Ferne uns im Sonnenstrahl entgegen glänzt. In der Kapelle befindet sich das Marmordenkmal des in Paris verstorbenen jungen Fürsten. Dem Denkmal gegen- über stehen die mit seidenem Vorhang verhüllten Marmor— statuen der Eltern(die Umhüllung darf erst nach dem Ableben derselben fallen). In der mit einem grossen Freskogemälde geschmückten Kapellengruft ruht der Leichnam des jungen Fürsten. Jeden Sonntag findet hier Gottesdienst nach griechisch- russischem Kultus statt. Auch hier eine herrliche Aussicht. Von beiden genannten Punkten führen Fahr- und Fuss- wege, an mehreren Villen vorüber, zu dem aussichtreichen Beutig, über den sich die Strassen nach der Vburg, nach Varnhalt und Neuweier in südlicher Richtung ziehen; bei einem alten Kruzifix aber biegt dieselbe links in die neu angelegte Kaiser Wilhelmstrasse ein, die sich in Schlangenlinien zum Conversationshause abwärts windet und durch die Schön- heit und Mannigfaltigkeit der Aussichten zu einem der be— liebtesten Spaziergänge geworden ist. Am Fuss derselben, Zaden-Baden und Umgebung.— Das Theater. an der Werderstrasse, befindet sich das Atelier des Bild— hauers Kopf mit werthvollen Bildhauerarbeiten Donners— tags von 3—5 Uhr geöffnet) und diesem gegenüber das Messmer'sche Haus, im Frühling und Herbst vom Kaiser Wilhelm und der Kaiserin bewohnt. Bei dem Conversationshause, welches den;Mittelpunkt des Badelebens bildet, ist begreiflicher Weise Alles zusammen— gedrängt, was zu genussreicher Unterhaltung führt. Hier befinden sich auch an der südlichen Seite des geräumigen Rasenplatzes, der zu Feuerwerken, Spielen u. s. w. benutzt wird, in 3 Reihen die geschmackvollen, vom Architekten LDermnfeld erbauten Verkaufsbuden, in denen alle Luxus- und Modeartikel in reicher Auswahl vorhanden sind. Die Zugänge sind mit Glas bedeckt und gewähren bei schlechtem Wetter den Spaziergängern Schutz, wie der Säulenkorridor an der Trinkhalle und der Portikus am Conversationshause. Das Theater liegt hinter dem Bazar, an der Promenade, es ist ein sehr eleganter Bau, mit Glanz und Luxus ausge- stattet. Dekorationen und Bühneneinrichtung(Mühldörfer) sind vortrefflich. Es finden daselbst Vorstellungen des aus— gezeichneten Grossh. Hoftheéaterpersonals aus Karlsruhe statt, und es wird mit Oper, Schau- und Lustspiel abgewechselt. Lichtentha— ler-Alle e, Neben dem Theater liegt die Kunst- welche sich halle, welche rechts zwi- schen anmu— thigen, vielfach mit Ruhesitzen eine perma- nente Kunst- Ausstellung moderner versehenen werthvoller, Parkanlagenin össtentheils gerader Linie käuflicher Ge— bis zum Allee- mälde enthält. haus und dann (50 Pfg. Ein- tritt). Am Theater- in mehrfachen kurzen Win— dungen bis Lichtenthal die berühmte hinzieht. platz beginnt Standbild des Grossherzogs Leopold. Ueber die Leopoldsbrücke zieht sich vom Theaterplatz aus der Weg in die innere Stadt. Am Leopoldsplatz, befindet sich auf einem Piedestal von Granit das 1861„von der dank- baren Stadt Baden“ errichtete Standbildedes Grossher— zogs Leopold. Post- und Telegraphenamt sind in unmittel- barer Nähe. Durch die Lichtenthaler Strasse gelangt man in wenigen Minuten zu der neuen, schönen, in rein gothischem Styl vom Baurath Eisenlohr erbauten Evangelischen Kirche. Sie bildet mit ihren beiden, weithin sichtbaren Thürmen(1876 vollendet) eine Zierde des südlichen Stadt- theils, auf dem Ludwig-Wilhelmsplatze. Vom Leopoldsplatze zieht sich durch die Sophienstrasse ein bequemer Fahrweg(Türkenweg) in mehreren Windungen zum neuen und zum alten Schlosse hinanf. Das neue Schloss. Dieses liegt auf dem höchsten Punkte der Stadt und gewährt sowohl von seinen Balkonen als seinen Gartenterrassen ODagobertsthürmchen) die herrlichste Ausschau auf die Stadt und ihre Umgebung. Markgraf Christoph I. erbaute dieses Schloss auf alten Grundmauern 1479 und verliess die höher gelegene Burg Hohenbaden. Manches deutet bei diesen Grundmauern auf römischen Ursprung und beide Punkte scheinen im Mittelalter als befestigte Warten gedient zu haben. Etwa 100 Jahre später vergrösserte und verschönerte Markgraf Philipp II. den Bau von Christoph I. Nachdem die Residenz nach Rastatt verlegt war, gerieth das Schloss ziemlich in Ver— fall, bis Grossherzog Leopold und der jetzt regierende Gross- herzog Friedrich es restauriren und geschmackvoll im Innern einrichten liessen. Die vorhandenen Gemälde(viele Ahnen- bilder) und manche Kunstgegenstände sind sehenswerth; ebenso die unterirdischen Gemächer, früher für einen Sitz des Vehm- gerichtes gehalten, dann aber als Verstecke für Schlossbewohner und deren Schätze erklärt. Schloss und Garten sind leicht änglich. Die grossherzogliche Familie besucht alljährlich diese herrliche Besitzung. Vom neuen Schlosse führen verschiedene Wege und Treppen in die Stadt zurück, auch kann man dahin den angenehmen Weg über das sogenannte Echo, durch den Wald nach der Schliessstättèe und Tunnpiallè einschlagen, wo man, dem Bahnhofe gegenüber, die nach Oos führende Landstrasse erreicht. Am Echo befindet sich eine mit Ruhe- bänken versehene offene Halle und in deren Mitte die Marmorstatue eines Schutzengels vom Fürsten 8 un qos 8 uoneN uo Aon Ssoluog SSESESEEEEE····ů·ů·ů·¶···ů Blick auf Baden-Baden von en-Baden vom alten Schloss. n Fürstenberg 1870 errichtet. Auch hier erfreut man sich ines herrlichen Blickes auf die Stadt und den gegenüber genden Friesenberg mit dem Burgschlosse Solms und der grièchisch-russischen Kapelle. Das Echo, welches man hier ernimmt, hat dem Platz mit der Umgebung den Namen gegeben. Ein anderer Weg(auch Fahrweg) führt direct vom neuen Schlosse auf den Marletplatè und in die Stadt. Am Marktplatz liegen die Stiftskirche, das Rathhaus und das alte Dampfbad mit der Ursprungsquelle. Auch ist hier der bbere Eingang in das grossartige Friedrichsbac Das Rat—1 früher Jesuitenkollegium, dann Sitz eines Gymnasiums, wurde 1864 von der Stadt angekauft und für verschiedene städtische Behörden, Gerichte, Versckinmlunge n bequem und zweckmässig eingerichtet. Eine besondere Zierde desselben ist der grosse Saal mit einem geschmackvollen Marmor— Relief für den Bürgermeister Gaus. Die, für die neue städtische Wasserleitung hier und in der Nähe vorgenommenen Sprengungen und E rdarbeiten brachten verschiedene römische Alterthümer ans Licht. Die katholische Stiftskirche auf dem Marktplatze soll der Sage nach die Stelle eines heidnischen Tempels einnehmen, welcher einer Gottheit der Gesundheit geweiht war. Der Ursprung der ersten christlichen Kirche oder Kapelle an dieser Stelle ist unbekannt; sie diente seit 1453 als Erb- begräbniss der badischen Markgrafen, wurde 1689 durch die Franzosen, nebst den Gräbern geplündert und eingeäschert. 1753 wurde der Neubau vollendet, der 1866 eine geschmack- volle Restauration durch den Architekten Lang erhielt. Der Chor ist reich mit Grabdenkmälern der katholischen Mark- grafen von Baden besetzt. Einen grossen Raum nimmt das- jenige für den Markgrafen Ludwig(F 1707 in Rastatt), den bekannten tapfern Türkenbesieger und Kampfgenossen des 1 Prinzen Eugen, ein. Beachtenswerth ist ferner das Relief auf lem Grabmal Jakob's II.(F 1511), eine Pietas darstellend, das Grabmal Leopold Wilhelm's(F 1671) u. a. m. Gross— herzog Leopold liess alle Denkmäler restauriren und fügte andere hinzu. Die Stiftskirche wird im Winter durch das in Röhren geleitete und vertheilte heisse Wasser der nahen Ursprungsquelle erwärmt. Der Stiftskirche gegenüber liegt das alte Dampfbad it der Ursprungsquelle. Unter diesem alten Dampf— ade erstrecken sich bis unter das Gdsthiaus auνte Hs“ alt- end andere römische, mit Marmor bekleidete Badebassins, v Baden-Bader N Gruppen solcher Baureste sich unter dem Platze zwischer EX.:* 1 1 2 7. 8 dem Friedrichsbade und dem Kloster befinden. Viele dieser Ueberreste kamen nach Karlsruhe und sind in den Schriften des badischen Alterthumsvereins abgebildet und beschrieben. Die verschiedenen Quellen Baden-Badens, die wir hier nicht alle namhaft machen wollen, haben im Wesent- lichen alle den gleichen mineralischen Gehalt(einige me andere weniger Lithium). e bilden eine Zwischenstufe zwi— schen den Soolquelle n und den sogen. indifferenten Thermen, indem sie bezüglich des innern Gebrauchs zu den ersteren bezüglich des Gebrauchs zu Bädern aber zu letzteren, den indifferenten, d. h. den an mineralischen Bestandtheilen armen Quellen, Wie z. B. Wildbad, Gastein, Teplitz, Schlangenb⸗ ga⸗ S. W., gerechnet werden müssen. Man zählt etwa 20⁰ Quellen, von denen man annimmt, dass sie aus einer Tiefe von 1300— 1400 M. emporquellen. Ihre Temperatur wechsel von 35—560 R.( 44- 700 C.); sie haben warm einen etwas salzigen, fleischbrühartigen Geschmack und liefern eine sehr grosse Quantität Wasser(der Ursprung in 24 Stunden 71/ Millionen Kubikzoll Wasser), dessen Bestandtheile der Geheimrath Bunsen u. A. genau untersuchten. Die Temperatur ist jedoch das Hauptagens. Fälle von Gicht, Rheumatis- mus, Lähmungen bilden das Hauptkontingent der Krandcheiten; heisse Bäder werden die von 30—350 R., warme von 27-— 290 R., laue voꝛr 22 260 R. genannt. Neben den warmen Wassern verfügt Baden-Baden aber Nel rmen Wassern verfügt Baden-Baden al auch noch über einige Stahlquellen, die in der Falkenhalde zu Tage treten und im Stahlbad, im Stephanienbad und Ludwigsbad(Lichtenthah, Verwendung finden. Vom Marktplatze gelangen Fussgänger auf der grossen, schönen, neu angelegten Freitreppe, an der oberen Facade des Friedrichsbades vorüber, zu dem tiefer gelegenen Haupt- portal desselben. Links von der Treppe liegt Kirche und Kloster zum heiligen Grab, rechts befindet sich in einer Nische die neu gefasste Lit hiumquelle. Das Friedrichsbad. Das glänzendste und zugleich nützlichste Gebäude Badens ist das Friedrichsbad. Mit der Vollendung und Eröffnung desselben wurde der Wunsch S. K. H. des Grossherzogs Friedrich von Baden erfüllt, dass hier mit Benützung der heissen Quellen eine Anstalt errichtet werde, welche die bis jetzt bekannten übertreffen und allen Ausprüchen der modernen Balneotherapie vollkommen genüge. Der 1867 mit Ausgrab- ungen, weiterer Aufschliessung des Gebiets der heissen Quellen und Fundamentirungen unteér der Leitung des Baudirektors Gerwig, des berühmten Erbauers der Schwarzwaldbahn, be- gonnene Bau wurde im Herbst 1877 durch den Benzirks— bauinspektor Dernfeld beendigt, nachdem Gerwig auch die Aufgabe, das Bad mit kaltem Wasser zu versehen, glücklich gelöst hatte. Am 15. December 1877 wurde der Bau, ein hervorragendes Monument deutscher Kunst und deutschen Fleisses, eröffnet und mit obigem Namen getauft. Die Kosten belaufen sich auf mehr als 2 Millionen Mark(530,000 M. Baugelände einbegriffen. I+. Eine Geschichte des Baues würde uns hier zu weit führen; wir verweisen auf die im Sommer 1878 érschienene Schilderung: LDas Hriedrichsbad mit Abhildungen und Grundrissen. Auch auf eine eingehende Schilderung des Prachtbaues, der Einricht- ung der Bäder und ihrer therapeutischen Anwendung müssen wir verzichten. Es sei jedoch bemerkt, dass dem Bauplan die Idee einer römischen Thermalanlage, wie wir solche gut er— halten zu Badenweiler besitzen, zu Grunde gelegt wurde. Uebrigens steht auch das Friedrichsbad auf klassischem Boden, wie Thermenreste aus der Zeit der Kaiser Hadrian und Marc-Aurel beweisen. Daher der Name Aurelid aqilensis. Die hohe Temperatur des Wassers(62,50 C.— 700 C. 500 560 R.) gestattet durch zweckmässige Einrichtungen die verschiedensten Methoden der Behandlung und es ist somit das grossartige Geschenk der Natur, welches Jahre lang ver— nachlässigt wurde, wieder zu Ehren gebracht und auf die Stufe gesetzt, die ihm gebührt. Die ganze Anlage wurde mit grosser Geschicklichkeit dem zur Verfügung stehenden Bergterrain angepasst. Das Gebäude bildet ein grosses Quadrat, welches überbaut und im Mittel- punkte von einer Kuppel überdacht ist. Das Aeussere ist i rothem und weissem Sandstein aufgeführt; eine stattliche Frei— treppe führt zu dem Portal der mit Statuen reich geschmückten Hauptfacade. In Goldschrift begrüssen uns Gothe's Worte: Wunderwirkend strömt die Welle, Strömt der heisse Dampf der Quelle, Muth wird freier, Blut wird neuer, Heil dem Wasser, Heil dem Feuer! Ueber dem Portale erhebt sich auf goldenem Grunde die Kolossalbüste des Grossherzogs Friedrich von Baden, vor Professor Moest in Karlsruhe. Im ersten Stock befinden sich die Wannenbäder, das elektrische Bad, die Wildbäder, die Räume für Kaltwasser— behandlung, die Duschbäder(Regen-, Strahlduschen u. s. w.), ler Inhalationssaal. Eine Treppe mit breiten Stufen führt in as zweite Stockwerk. Die mittlere Lünette des Treppenhauses gt die den Thermen des Caracalla in Rom entlehnte Inschrift: Citse vacuus uνõʒ adeds locum, It morbonum vdciuiis ahin“ queds. Ilic enim non cundtin, qui ctindt. Im zweiten Stock befindet sich der bedeutendste aller vorhandenen Räume, eine grosse Halle, zum angenehmen KAufenthalt vor und nach dem Bade bestimmt; sie dient auch denjenigen, welche eine Trinkur gebrauchen wollen. Die vielfach benützte Lithiumquelle befindet sich ganz in der Nähe. Im zweiten Stock befinden sich die grossen Gesell- schaftsbäder, die Bäder in heisser Luft(römisch-irische, tür— cische Bäder), die Dampfbäder(in den meisten der Dampf- rüäume wird die Entwieklung der Dämpfe durch Kaskaden von heissem Wasser bewirkt), die Frottirräume, der Duschen- saal, der Abtrocknenraum, die Ruhesäle, ein Wildbad. Den Mittelpunkt aller im zweiten Stockwerk liegenden Gesellschafts- zimmer bildet der oben erwähnte schöne Kuppelbau, welcher las kreisrunde, ganz mit weissem Marmor bekleidete Schwimm- bassin umschliesst. Im dritten Stockwerke befinden sich an Badräumen: die Kasten- und Lokaldampfbäder mit Brunnen und Dusch-Appa- raten, zwei Dampf- und zwei Duschbäder mit den entsprechen- den Auskleidekabineéten für solche, welche allein baden wollen. An den Eekflügeln des dritten Stockwerks befinden sich die eleganten Salonbäder(Fürstenbäder). KAuch sind in diesem Stockwerk die Einrichtungen für die Kasten- und Lokal- dampfbäder angebracht. Eine Anleitung zum Gebrauche sämmtlicher Bäder mit allen Modifikationen, der Duschen, der lauen und kalten Schwimmbassins, nebst diätetischen Vorschriften, findet sich in dem oben angeführten Buche. Fünfzehn, in Baden-Baden ansässige und mit der Anwend—- der heissen Quellen und Bäder vertraute Aerzte ertheilen inken und Anfragenden Hülfe und Rath. Für die künstlerische Ausstattung der genannten Räum— lichkeiten wurden die tüchtigsten einheimischen Kräfte ver- vendet. Die praktische, bequeme und elegante technische linri findet gebührende Anerkennung. Die neue städtische Wasserleitung. Ein anderes gross— artiges Werk der letzten drei Jahre ist die neue ——— städtische Wasse Blick auf die Stadt vom Annaberg. leitung von der Kugelau und Scherrhalde, in der Nähe der Badener Höhe(650 Metei ü. M.), aus fast dreistündiger Entfernung. Sie verursac einen Kostenaufwand von etwa 750,000 Mark und liefert vi Häusern in allen Stadttheilen das beste, gesundeste Trinl wWasser. Den zahlreichen Hydrauten entströmt das Wasser ii thurmhohen Bogen und ersetzt Spritzen und Anderes bei etwaigen Feuersbrünsten. Das Hochreservoir auf dem Annaberg birg zwei Wasserkammern 2 Millionen Liter Wasser und ent eine Maschinenkammer, welche mit einem geschmackvol deèekorirten Portal nach dem Entwurfe des Stadtbaumeisters Meesen, und mit ei em Belvedère ausgestattet wurde. Di Höhenle dieses Hochreservoirs war durch die Ausdehnung les Stadtröhrennetzes und den Umstand bedingt, dass noch in der Höhe von 233 M. ü. M.(z2. B. am Beutig) Wasser abgegeben werden sollte. Ueber den Annaberg führt auch ein interessanter Weg auf den Merkur. Prachtvoll auf dem Annaberg ist die Aus— sicht auf die Stadt Baden, im Westen auf die Rheinebene mit den Vogesen im Hintergrund, im Süden auf die Wälder, welche die Quellen der Oos und des Grobachs(Geroldsauer Wasserfall, Vburg) umgürten und im Osten auf die Umgebung des Merkurs, Lichtenthials u. 8. w. Das Alte Schloss(Hohenbaden). Die Hauptanziehungspunkte für die Besucher Baden— Badens bilden in der nächsten Umgebung das alte Schloss, die Ruine Ebersteinburg, die Teufelskanzel, der Merkur choher Staufenberg), Lichtenthal und die Lichten— thaler Allee, die Fischzuchtanstalt, Schloss Eber— stein mit dem Blick in's Murgthal, die Uburg und der Geroldsauer Wasserfall. Der Weg bis zum Alten Schlosse ist zu Fuss in einer kleinen Stunde zurückzulegen. Fuss- und Fahrwege vereinigen sich beim Neuen Schloss. Im nah gelegenen Esel- stall stehen stets Thiere zum Reiten(1/ Mk.) bereit. Der Fahrweg zieht sich sanft ansteigend an einem, dem Herrn von Montperny gesetzten Denkmal vorüber, in ansehnlichen Windungen, fast immer durch hochstämmigen Wald, bis zum Schlosseingange empor. Wagen, Pferde, Esel haben ihre Halt- stelle kurz vor demselben. Gut unterhaltene Fusswege kürzen von der Hütte in der Nähe einer Brunnenstube bedeutend; links führt ein Seitenweg zur Sophienhütte(350 M), wo die Aussicht verwachsen ist. Der Hauptfussweg durchschneidet einige Male die Fahrstrasse und führt endlich, stèeiler anstei- gend, zu den Ruinen der alten Hochburg. Plötzlich sieht man die riesigen Schlossmauern aus dem Dunkel moosbedeckter Tannen und uralter Buchen, Eichen d Ahorne emporragen; sie verkünden die frühere Grösse md den bedeutenden Umfang des Schlosses.(Wir verweisen auf die treffliche Schilderung desselben von Krieg von Hoch— felden.) Die Schlossruine gehört nach der von Heidelberg zu den grossartigsten im Badischen Lande; sie lag lange unbeachtet, bis Grossherzog Leopold sie wieder zugänglich machen liess, so dass jetzt ohne Gefahr alle Theile besichtigt werden können. Die Schlossruine liegt 491 M. ü. M. auf dem westlichen Abfall des, Battert genannten, vielfach zerklüfteten, felsigen Gebirgsastes(566 M.), welcher die Gewässer der Murg von denen der Oos trennt. Der Thurm bietèét nebst demjenigen des Merkur die schönste und weiteste Fernsicht auf die dunkeln Schwarzwaldberge, auf das Rheinthal bis hinüber zu den blauen Vogesen und weiter abwärts, Wo in der Ferne die Berge des Rheingaus und des Odenwaldes in Duft und Nebel ver— schwimmen; an mehreren Punkten glitzert der Rheinstrom, der sich durch die blühende Ebene windet, empor und vor den Blicken breiten sich unzählige grössere und kleinere Ortschaften aus. Ein gutes Fernrohr steht auf dem Thurm zur Verfügung. Auf den Gallerien sind Aeolsharfen angebracht und auch von hier ist die-Aussicht eine sehr schöne und reiche, so dass Viele, nachdem sie einen Theil der Ruinen, besonders den sogenannten Rittersaal besucht, auf die mühsamere Besteigung des Thurmes verzichten. Vor dem Eingange in den Schloss- hof befinden sich unter schattigen Bäumen Tische und Bänke, an denen Erfrischungen aller Art einzunehmen sind, welche die elegante Schlossrestduration lièfert. Der Ursprung des Alten Schlosses ist unbekannt; wahr— scheinlich gab es eine obere, mit Wartthurm versehene und eine untere Burg, welch' letztere den Waffen des Mittel- alters zu widerstehen vermochte; Anlage und Technik des Baues(Mauerwerk, Ornamentik) geben oft bessere Fingerzeige über das Alter als manche Urkunde. Schwerlich war hier schon im 12. oder 13. Jahrhundert ein bleibender Wohnsitz der Markgrafen; érst zu Ende des 14. und zu Anfang des 15. Jahrhunderts vergrösserten und verschönerten einige Mark- grafen den Bau. Im Jahre 1479 verliess Markgraf Chri- stoph I. den Sitz seiner Ahnen und beèzog das von ihm erbaute Neue Schloss, starb aber 1527 im Alten Schloss, wohin er geisteskrank zurückgeführt wurde. Die Burg blieb bis 1689 in bewohnbarem Zustande; Baden-Baden und Umgegend. Die Spitze des Battert N K. Wꝗõö XA N N. 20 dem Neuen Schloss von den Franzosen zerstört und blieb Ruine. Kein Besucher des Alten Schlosses sollte versäumen von hier die Felsen, die Felsenbrücke und den Ein siedlerpfad zu besuchen. Schon aus der Ferne fallen die einzelnen schwarzgrauen Porphyrmassen, die wie riesige Festungs- wälle rechts vom 256 8 um Saume des grünen W. aldes empor- starren, in die Augen; in der Nähe betrachtet legen diese wild 2errissenen, Aerb kelten Massen, aus denen die Phantasie die wunderbarsten Gebilde schaffen kann, Ze zugniss von mächtigen Erdrevolutionen ab, die vielleicht mit den heissen Quellen in Verbindung standen, sich aber hoffentlich nicht wiederholen werden. Man gelangt zu diesen vielfach zerklüfteten Fels— massen durch das obere Thor des Schlosshofes, an einem mit den Felsen gleichsam verwachsenen Thurm vorüber und ge- niesst von dem Plateau der einzelnen F elsgruppen eine weite Fernsicht. Stiegen, in die Felsen gehauen, leiten bergan und an mehreren Stollen, wWo ein Blick in die jähe Tiefe von Interesse ist, sind schützende Geländer angebracht. Einige der schönsten Punkte findet der Leser in den beigefügten Bildern. Den schönsten Punkt bildet unstre itig die Felsenbrücke mit ihrer chaotischen Umgebung; von ist der Blick in die Tiefe am Eine den Felsen abgerungene Stein- treppe führt von hier auf den untern, vom 7 Grafen Broussel, wie eine 2 hrift am Wege meldeét. angelegten Felsen- weg und dann 33292 zum Alten Schloss zurück. Dieser untere Felsenweg bietet keine Fernsichten wie der obere, nach Ebersteinburg führende, dar; links blickt man in den dichten Tannenwald hinab, der sich in die Tiefe senkt, rechts schaut man zu den seltsamen Gestalten der wild zerklüfteten Fels- massen empor, die man auf dem oberen Wege überschritten. Ein als Einsiedlerpfad bezeichneter Fussw führt vom Broussel'schen Wege in ein romantisches Stei ingewirre. Die Tour vom Alten Schloss über den oberen Weg auf dem unteren Felsenweg dahin zurück nimmt kaum 2 Stunden in Anspruch. Der Ausflug nach der alten Ebersteinburg kann leicht mit demjenigen nach Hohenbaden verbunden werden. Der gewöhnliche Fahrweg zieht sich von der Haltstelle der Wagen vor dem alten Schloss, in 40 Minuten um einen Theil des Battert herum durch den Wald. Man erreicht das kleine Dorf Ebersteinburg und in wenigen Minuten, etwa 100 Fuss höher, die hochromantische gleichnamige Burgruine, an welche sich intèressante Sagen und historische Erinnerungen knüpfen, die uns Uhland, Max v. Schenkendorf u. A. in poetischer Form brachten. Die starken Mauern zeugen von hohem Alter und es heisst, dass die Römer auch hier einen Wart- oder Signalthurm besassen, der später von den mächtigen Grafen von Calw, welche von Einigen als die Ahnen der Grafen von Eberstein betrachtet werden, in eine Veste des Uffgaus um- gebaut wurde. In einer Fehde Wolf's von Eberstein mit dem württembergischen Grafen Eberhard dem Rauschebart soll das Ute Schloss erobert und in Flammen aufgegangen sein. Später gingen Besitzungen der in Schulden gerathenen Ebersteiner, deren Tapferkeit, Edelmuth und Freigebigkeit oft gepriesen wurde, durch Kauf an die badischen Markgrafen über; diese bekümmerten sich nicht viel um die alte Burg, welche übrigens schon längst von den Grafen von Eberstein, nachdem sie Schloss Baden-Baden und Umgebung— Aussicht von Ruine Ebersteinburg gegen das Rheinthal. Neu-Eberstein bei Gernsbach erbaut, verlassen worden war. Von dem Thurme geniesst man eine herrliche Aussicht. Legenden und Sagen umschweben schon den vermeint- lichen Gründer des Hauses Eberstein, Berthold I., und pflanzen sich dann in der weiteren Geschichte dieses Hauses fort. Anmuthig ist die durch Uhland's Ballade:„Zu Speyer im Saale, da hebt sich ein Klingen u. s. W.“ bekannte Legende von Kaiser Otto's I. Töchterlein, welches während des Tanzes nach einem Turnier dem Grafen Eberstein den von ihrem Vater beabsichtigten Ueberfall der lange vergeblich belagerten Veste Ebersteinburg verrieth, so dass dieselbe gerettet werden konnte, worauf dann später der Kaiser den kühnen Ritter zu seinem Eidam machte. Freilich wird diese Sage von Andern anders erzählt. Schattige Waldwege führen von hier nach Rothenfels (Elisabethenquelle), Gaggenau, Selbach, Kuppenheim(Schloss Favorite), Haueneberstein, Balg, Keller's Bild u. s. w. Wolfs hlucht, Teufelskanzel, Engelskanzel, Merkur. In geringer Entfernung vom Dörfchen Ebersteinburg, links von dem Sattelpass der alten Baden-Gernsbacherstrasse, liegt eine wildromantische Felsenschlucht, die den Namen Wolfsschlucht erhalten hat; sie ist erst in den letzten Jahren zu Ansehen gekommen, mit einigen Ruhesitzen ver- sehen und erquickt in heissen Sommertagen durch ihre Kühle und Frische. Begibt man sich von dem oben genannten höchsten Strassenpunkt direkt nach Baden zurück, so sieht man links und rechts zwei mächtige, mit Moos und Gesträuch über— wachsene Felsblöcke, die ohne Zweifel einst bei Erderschüt—- terungen vom Battert losgerissen und in die Tiefe gestürzt wurden. Der am Fusse des Merkur liegende Felsen führt den Namen Teufelskanzel und gewährt eine schöne Aussicht auf die Stadt Baden und den Fremersberg. Ihm gegenüber ragt aus dem Walde ein anderer Felsblock hervor, ngelskanzel genannt. Hier soll der Legende nach einst ein Ungel, dort der Teufel gepredigt haben; offenbar spielen diese uralten Sagen auf die Einführung des Christenthums in dieser Gegend und auf die damit verbundenen Kämpfe an. Auf den Merkur(Grosser Staufenberg) führen mehrere bequeme Fahr-, Reit- und Fusswege, sowohl von Baden als von Lichtenthal aus. Der Merkur, 672 M., ist mit dem Kleinen Staufenberg, 624 M., durch einen Sattel, dem sog. Binsen- wasen, verbunden; er führt den Götternamen von einem Votiv- bilde des Merkur(Keltisch Merdos), welches auf diese Höhe verschleppt, vielleicht als Grenzstein für die drei Gemarkungen Ebersteinburg, Staufenberg und Baden dienen sollte. Man rechnet von Baden für Fussgänger 2¼ Stunden bis zum Gipfel am Thurm. Wegweiser überall. An mehreren Aus- sichtspunkten Bänke und Schutzhütten. Auf den Thurm(23 M.) führen 130 Stufen. Ein grossartiges Panorama, dasjenige vom 29 alten Schloss noch übertreffend, entfaltet sich hier: Badener- Höhe, Hornisgrinde und viele andere Berge des Schwarzwaldes bis zur Rauhen Alb, Vogesen und die Rheinebene in weiter Ausdehnung mit Städten und Dörfern übersäet. Für die zahl- reichen Besucher dieses Höhepunktes sei hier noch bemerkt, dass die Hinauffahrt an der Teufelskanzel vorüber oder über den Annaberg, der Rückweg aber über den Binsenwasen, das sog. Müllenbild, die Fischkultur und Lichtenthal bequem bewerk- Baden-Baden und Umgebung. zlick von der Teufelskanzel stelligt werden kann. Für Fussgänger gibt es viele angenehme Waldwege, welche in 1— 1/ Stunde über den Annaberg, die Falkenhalde, die Eckhöfe, den Schafberg u. s. w. bergab zurückführen. Wer über den Annaberg Neuen Friedhof an seinem Südabhange zu besuchen, wo sich die Zahl geschmackvoller Denkmäler von Jahr zu Jahr vermehrt; von Künstlerischem Werth ist z. B. die Marmorfigur heimkehrt, versäume nicht den auf dem Grabe der Fürstin Hohenlohe, Halbschwester der Königin Victoria von England, der Genius auf der Ruhestätte von Christiane Allmann u. s. w. In geringer Entfernung, an der neuen Bertholdstrasse, steht die Englische(anglikanische) Kirche, nicht weit von dieser befindet sich das trefflich eingerichtete Städtische Krankenhüaus. Baden-Baden u. Umgebung. Der Merkur von der Ebersteinburg gesehen. Die Lichtenthaler Allee. Lichtenthal. Die Lichtenthaler Alleſe ist der eigentliche Corso der Bäderstadt und hat nicht allein durch die Schönheit der Umgebung, sondern auch durch den Glanz und den Luxus, den hier die reiche vornehme Welt entfaltet, einen weitver— breiteten Ruf erhalten. Zahllose elegante Equipagen, Reiter und Fussgänger bewegen sich hier an schönen Sommerabenden unter den alten dichtbelaubten Bäumen. Die Allee ist eigentlich nur eine Fortsetzung der Pro— menade am Conversationshause; sie gewährt die angenehmsten, trockensten, bequemsten Spazierwege, die mit Ruhesitzen, kleinen Hütten, Brunnen und Erfrischungsbuden versehen sind. Ausserdem gewährt sie vor- und rückwärts fast auf jedem Schritte neue reizvolle Aussichten auf den Merkur, den kleinen Staufenberg und die Hügel vor ihm, auf die anmuthigen Thal- einschnitte rechts mit ihren bewaldeten Höhen im Hintergrunde. Auf beiden Seiten der Allee erheben sich liebliche Landhäuser und stattliche Villen und durch die Anlagen plätschert die gut korrigirte Oos. Es zerfällt eigentlich die Allee in drei beson- dere Theile: der erste Theil zieht sich durch parkartige An- lagen, einem Springbrunnen mit hoher Wassersäule vorüber bis zum Allechuuis, wo ein Seitenthal sich öffnet und der Weg zur Molſeendnstalt führt; die zweite Abtheilung reicht bis zur Kettenbrücke, rechts von den Ausläufern des Sauersbergs, links von dem Schwimmbade und von der Oos begrenzt, an deren rechtem Ufer ein Complex neuer Villen und Garten— anlagen sich erhebt. Bei der Kettenbrücke rechts öffnet sich das Thälchen von Gunzenbach mit mächtigen dunkeln Bergen im Hintergrunde. Zwischen diesem und dem Thier- gartenthälchen befindet sich auf einem Ausläufer des Sauers- perges die Leopoldshöhe, ein vielbesuchter Aussichtspunkt, 20 Minuten von der Stadt. Im dritten Theil der Allee mehren sich am rechten Ufer des Oosbaches die Villen und Landhäuser. Da, wo eine Brücke beim Ludwigsbad die Oos überspannt, beginnt der geschlossene Theil des Ortes Lichtenthal. Rechts, von einer Mauer umschlossen, liegt das einst berühmte reiche Kloster Lichtenthal, nach dem Wunsche des heil. Bernhard, Abtes von Clairvaux(elarà vallis) im Jahre 1245 von Irmengard, der Wittwe des Markgrafen Hermann V. gegründet. Sehenswerth ist die neben der Klosterkirche stehende Todtenkapelle mit werthvollen Gemälden und markgräf- lichen Grabmonumenten. Neben der Todtenkapelle befindet sich das Waisenhaus, die Gründung eines reichen Schneiders aus Kippenheim. Nachdem die Klosterkirche zu klein geworden, wurde auf der Anhöhe über dem Vereinigungspunkt der Oos mit dem Grobach eine neue grosse Kirche, nach des Architecten Dernfeld Plan im romanischen Stil erbaut. Sie ist weithin sichtbar und eine Zierde des Orts und des Thals. Die Gemeinde zählt jetzt etwa 3000 Seelen. Die Umgebung Lichtenthals(ftrüher Beuern genannt) ist reich und schön und der Besuch ein sehr zahlreicher. Berühmt ist die Aus— sicht vom Pavillon des Cäcilienberges(15 Minuten von der obern Brücke); man blickt weit hinein in die Thäler von Ober-Beuern und Geroldsau mit den hohen Schwarzwald- bergen im Hintergrunde, auf die Seelach, auf die südliche Umgebung der beiden Staufenberge u. s. w. 32 Die Fischzuchtanstalt bei Gaisbach, oberhalb Lichtenthal. Links von der Strasse, die nach dem Geroldsauer Wasser- fall, nach Sand, Badener Höhe — und dem weinreichen Neuweier führt, schwenkt der Weg ab, der den Fussgänger in 3/4 Stun- den zur Fischzuchtanstalt, gewöhnlich Fi se hkultur genannt, bringt. Gleich hinter Lichtenthal, auf einer Anhöhe, erscheint die stattliche Villa des russischen Grafen Chreptotbiteli. In der Mitte des Wegs liegt das Vlein« Hirtlisfuts ætim — 260 Felspartie auf dem Batt Valdhorn, dessen verstorbener Besitzer sich von der Meister— hand des französischen Bildhauers Dantan abbilden oder viel- mehr karrikiren liess, um mit seinem unverwüstlich lächelnden Antlitz über der Hausthüre als Lockvogel für Gäste zu dienen. Bald ist der reizende Thalwinkel erreicht, wo die Strasse wiederum gabelt, links nach Gernsbach und Schloss Eberstein, gerade aus, fast immer durch Wald, nach Gaisbach, Schwal— bach, Bermersbach und Forbach— eine der schönsten Partien in der Umgegend Badens— führt. Rechts erblickt man, wie in einem Park gelegen, die von den IIH. Taldeniedng und TKauffmun, geégründete Fischzuchtanstalt, umgeben von mehreren Weihern, zierlichen Cascaden, schlangenartig sich windenden Canälen und den für die verschiedenen Fischsorten (Salmoniden, Barsché, Karpfen, Orfen, Futterfische u. s. w.), mit Drahteinfassung(gegen Ottern) eingerichteten Kästen. Mit der sehenswerthen Anstalt ist ein Jeestaitrunt in geschmack— vollem Schweizerstil verbunden. Seit dem Sommer 1878 ist diese Fischkultur ein Lieblingsausflug der Badewelt geworden und zwar mit Recht, denn die Besitzer verstanden es, durch Anlagen Kunst mit Natur zu vereinen. Die Anstalt wird bereitwillig gezeigt und erklärt; sie bildet eine künstliche Fischerzeugungs-, Fischerziehungs- und Mastungsanstalt und ist nach dem Muster der berühmten ähnlichen Anstalten in Hüningen, Frei— burg u. s. W. eingerichtet. Die Bruthalle kann 2—3 Millionen befruchtete Eier aufnehmen. Schloss Eberstein. Blick in's Murgthal. Links von dem Thalwinkel, in welchem die Fischzucht— anstalt liegt, zieht sich die Landstrasse nach Gernsbach und Schloss Eberstein in mehreren Windungen auf den Punkt im Walde empor, welcher den Namen Müllenbild führt und von welchem ein interessanter Fahrweg links auf den Merkur abzweigt; dann erreicht sie die Stelle, wo die directe Strasse links nach Gernsbach abwärts führt und setzt geradé aus ihren Lauf nach dem Schlosse Eberstein durch schattigen Wald fort. Endlich blicken die Mauern und Zinnen des herr— lich gelegenen Schlosses(Neu Eberstein genannt, zum Unterschied von der alten Ebersteinburg) durch die dichten Tannen und schon vor dem Portal des Schlosses überrascht uns eine Aussicht, die zu den schönsten gehört, welche das badische Land darbietet. Dieselbe ist vom Thurm noch um Baden-Baden. 3 4 bog-uopr qosuια pun us inK sop pun ufeiszoddü 8s VI18 00 II 91 — 35 kassender; sie erstreckt sich aufwärts und abwärts in's roman- tische Murgthal, südlich bis zu den Bergen hinter Forbach und Raumünzach, nördlich über den Eichelberg hinaus bis Rastatt und Oetigheim, bis auf den silberhellen Rheinstrom mit dem Hardgebirge im Hlintergrunde; wunderschön und lieblich liegen vor uns, an der Murg, die Ortschaften Gerns- bach, Scheuern, Obertsroth, Hilpertsau und Weisse nbach, mit den sagenreichen Rockertsfelsen, dem nackten Rücken der Teufelsmühle, wo die Alb und die Eyach entspringen; ferner erscheint hoch im Gebirge das alte Dorf Freiolsheim— ein herrlicher Blick, von dem man sich nur ungern losreisst. Schloss Eberstein(310 M.) liegt auf der Kuppe eines drei Seiten gegen die Murg steil abstürzenden Berges. Bei der E rbauung desse Iben wWʃ urde die Vertheidigung 8 Hauptzwec k in's Auge gefasst, wie Mauern, Gräben u. s. W. S beweisen. Die Burg Wird 1272 in einer Urkunde des dre afen Otto von E berstein zum ersten Male genannt, woraus zu schliessen, dass um die Mitte des 13. Jahrhunderts der Sitz der Grafen von der alten 83 hieher verlegt Wurde. Im Jahre 1367 wurde die Burg von dem württem- bergischen Grafen Eberhard dem eR vergeblich belagert. Romantische Le egenden verweben sich bei dieser Bel agerung mit der Geschichte. Später kam die Grafschaft in badische und württembergische Hände und die Burg gerieth in Verfall, bis 1753 Baden- Durlach alles ungetheilt Awurb. Markgraf Friedrich restaurirte sie 1804 und bewohnte den ihm ſieb 8 n Sitz oft mit seiner Gemahlin. Nach deren Tod Cauft sie Grossherzog Leopold, 1829, liess sie sehr ver- ——— und neue Anlagen und Wege machen. Gegenwärtig ist das Schloss im Besitz des regierenden Grossherzogs Fried- rich, der ebenfalls für? zweckmüssige Verschönerungen sorgt. Im W des Schlosses befinden sich alterthümlie he Waffen, Rüstungen, Hausgeräth, Trinkgeschirr u. s. W. Die Untfernung von Baden- Baden bis zum Schlosse beträgt 23/4 Stunden. Ausser der neuen, den Felsen abgetrotzten Fahrstrasse, führen vom Schlosse vatwchies lene Fusswege nach dem Städtchen Gernsbach, z. B. über Oberstroth, über den Pavillon auf dem Hustein, an der Kapelle„Klingel“ vorüber u. s. W. Eine ni ahere Schilderung des reizend gelegenen Gerns— bach und des romantischen Mur gthals würde uns hier zu weit führen; wir verweisen auf die jüngsten Reisehandbücher. 36 Die Wüurg. Ausflug auf die burg gehört zu den interessantesten und loh- nendsten, die von Baden- Baden aus gemacht werden können. Man wählt gewöhnlich einen Nachmittag, um den Sonnenuntergang dort zu geniessen; die Entfernung beträgt 21/ Stunden. Zwei Hauptwege— Fahrwege— führen auf diesen schönen Punkt. Der eine zweigt aus der Lichtenthaler-Allee, bei der Villa Menschikoff rechts ab, führt in kurzen Windungen mit herrlichen Rückblicken auf den Sauersberg und von hier immer durch Wald, in zahllosen Krümmungen bis an die Burg. Der andere Weg führt die Kaiser-Wilhelmstrasse hinauf über den Beutig, vereinigt sich mit dem aus dem Thiergartenthälchen kommenden Wege, zieht sich auf einer 5 261 37— trekllichen, neu erbauten Strasse in Schlangenlinien um den Klopfengraben herum und vereinigt sich später mit der Sauer— bergstrasse, um bis an den Vorhof der Burg zu gelangen. Fussgänger wählen meist den Weg über den Beutig und den Klopfengraben und verbinden damit den kurzen Abstecher auf den Korbmattfelsen(399 M.), links über den beiden Selighöfen gelegen, der mit einem hübschen Pavillon geschmückt ist, von wo man eine dreifache, durch waldige Höhen getrennte Aussicht auf die Rheinebene und die Berge am untern Murg— thal geniesst. Der weithin sichtbare Bergkegel, welcher die Vburg trägt, hat 530 M. Höhe und besteht aus Porphyr; die Burg hat gut erhaltene Ringmauern, ein Thor und einen auf Treppen zugänglich gemachten Thurm(20 M.), welcher einen grossartigen Kundblick darbietet: auf das alte und neue Schloss, auf den Merkur, auf viele waldige Bergeinschnitte, auf die wie ein Faden am Gebirgsrande hinlaufende Eisenbahn, auf die mit Dörfern und Städten übersäete Rheinebene, aus welcher der Kcheinstrom in der Sonne emporblickt, auf das Strassburger Münster, die Vogesen u. s. w. Ueber den Ursprung und die Schicksale der Burg bringt die Geschichte nur wenig Zuverlässiges. Wahrscheinlich stand auch hier eine römische Warte, wWozu die Lage und Gestalt des Berges sich vorzüglich eigneten; die Grundmauern der Warte wurden dann im Mittelalter hier wie anderswo zu dem Bau einer Burg benutzt. Ein angenehmer Rückweg von der Vburg führt für Fuss— gänger nach Neuweier oder Umwegen hinab, von wo über Steinbach die Eisenbahn benutzt werden kann. Der Geroldsauer Wasserfall. Der Weg zum Geroldsauer Wasserfall führt über Lichtenthal in das Grobach- oder Geroldsauerthal, durch das Dörfchen Geroldsau und zieht sich an der Stelle, wo rechts die neuen schönen Strassen in's Bühlerthal und nach Neuweier abzweigen, in ein einsames, von dunkeln Tannenforsten um— gebenes, immer enger werdendes Thal hinein, durch welches der Grobach, von Felsen zu Felsen stürzend, herabbraust. Bald ist die Stelle erreicht, vo man zum Wasserfall hinabsteigt. Von einer Rotunde ist der Anblick am schönsten, weil das Bild hier als abgerundetes Ganzes zu erfassen ist: Wasser und reicher Baumwuchs und Mannigfaltigkeit in Formen und Farben, wie es zu einer landschaftlichen Schönheit gehört. Ein Testdurant bietet Erfrischungen dar. Die Entfernung von Baden beträgt für Fussgänger 13/4—2 Stunden. Hinter dem Wasserfall erweitert sich die felsige Thal- schlucht. Mehrere gut unterhaltene Wege führen vom Wasser— tall durch mächtige Wälder über den Schwanenwasen, Unter Plättig auf die Badener Höhe oder über Ober Plättig nach der viel besuchten Sommerfrische Sand und nach Herrenwies, Sowie auch auf einem Seitenwege von der Höhe des Schwanen— wasen in's Bühlerthal. Iffezheim. Baden-Baden und Umgebung.— Rennbahn Iffezheim. Die grossartigen, 1858 eingeführten Wettrennen, welche hier alljährlich im September und October abgehalten werden, geben der hohen Saison einen brillanten Abschluss; sie sind förmlich zu Festtagen geworden und haben einen europäischen Ruf errungen. Sie werden von der Elite der Gesellschaft besucht, welche in Equipagen und Toiletten Glanz und Luxus entfalten. Die Kaiserliche und Grossherzogliche Familie pflegen regelmässig den Rennen beizuwohnen, zu welchen viele Tausende von Zuschauern aus Nah und Fern herbeiströmen, so dass sich ein heiteres, lebensvolles Bild ent- wickelt. Nordöstlich vom Dorfe Iffezheim ist für die Rennen das passende Terrain abgegrenzt. Die Bauten, welche den Rennplatz umgeben, sind elegant und zweckmässig eingerichtet und bestehen in Pavillons für die fürstlichen Besucher, für die eigentlichen Sportsmen, den Internationalen Club, die Renncommission und eingeladenen Gäste, sowie in einer aus— gedehnten Tribüne für das übrige Publicum. Die Programme, welche vor den Wettrennen ausgegeben werden, bringen Nüheres über dieselben. Zu den ursprünglichen grossen Rennen, Ende August und Anfang September, welche mit kurzer Unter— brechung drei Tage währen, kommt seit 1871 noch ein grosses Armee-Rennen und Stécple-Chase zu Anfang October, welches zwei Tage in Anspruch nimmt. Für die alljährlich beliebter werdenden Taubenschiessen sind ebenfalls passende Räum- lichkeiten hergerichtet. Am westlichen Abhange des 527 M. hohen Fremersberges, welcher als müchtiger Bergrücken in die Ebene vortritt, liegt einsam aber schön die Villa Luitjens, 1¼ Stunde von Baden, an der Stelle, Wo früher das Franeiskanerkloster Fremersberg stand. Markgraf Jacob hatte es 1459 aus Dankbarkeit für die hier wohnenden Einsiedler erbauen lassen, die ihn um Mitternacht einst gastlich aufgenommen, als er sich im Walde auf der Jagd verirrt hatte. Ein hohes, vom Herzog Leopold errichtetes Stein kreuz mit Inschrift bezeichnet den Punkt, wo der Hochaltar der Kloster— kirche stand. Von der Villa Luitjens führt ein schöner Waldweg nach dem grossen Steinbruch oberhalb Vormberg(158 M.), wo eine müchtige Dampfmaschine Steinmaterial zu Strassenschotter zermalmt. Von hier Zzur Eisenbahnstation Sinzheim und zurück nach Baden-Baden. Ferner ist der Ausflug auf das Jagdhaus(243 M.) sehr beliebt; es liegt auf einem nordwestlich vorspringenden Ausläufer des Fermersberges. Eine Restauration daselbst bietet Erfrischungen. Das Beste ist von hier die Fernsicht auf die Rheinebene und auf die Vogesen. Das Jagdhaus, 1/ Stunde von Baden, wurde in Gestalt eines achteckigen Hubertuskreuzes vom Markgrafen Ludwig Georg erbaut. Ein angenehmer Fussweg führt vom Bahnhofe zu Baden, durch Oosscheuern, an der Villa Lüdersdort vorüber, durch schönen Wald dahin. Fahrwege führen am Fermersberger— hof(263 M.) vorüber oder auf kürzerem Wege über Badenscheuern zum Jagdhause. Auch das Lustschloss Favorite bei dem Städtechen Kuppenheim, zwei Stunden von Baden, wird häufig besucht; das Schloss zeugt in seiner innern Einrichtung von der Prachtliebe und Ueppigkeit der einstigen Be— Sitzerin, der Markgräfin Sibylla Augusta, der Gemahlin des Markgrafen Ludovicus, des Türkenbesiegers. Im Park befindeét sich als Gegenstück ˖eine Einsièedelei mit der Magdalenencapelle, wo die Besitzerin sich aller— hand Kasteiungen zur Bussèe unterworfen haben soll. Es genügt kaum ein ganzer Sommeraufenthalt, um alle die schönen Punkte kennen zu lernen, welche in dem Umkreise von vier bis fünfk Stunden um Baden-Baden vorhänden sind. Schon in nächster Nähe bieten der Friesenberg, der Beutig, der Fremersberg, die Waldungen am alten Schloss, bei Lichtenthal u. 8. W. eine Fülle der reizendsten Spaziergänge dar. Genussreich sind die Ausflüge durch den Wald an Kellers Bild vor— über nach Rothenfels, Gaggenau, nach Balg; ferner auf die Falkenhalde, die Eckhöfe, den Schafberg, über die Molkenanstalt auf den Sauersberg, den Pavillon des Korbmattfelsen und durch den Weiler Thiergarten zurück. Als Tagesausflüge sind hervorzuheben: der Ausflug in's Murgthal bis Forbach oder Schönmünzach, ferner: auf die Badener Höhe, nach das Bühlerthal zurück; über Gernsbach nach Sand, Herrenwies und durch Herrenalb; über Gernsbach nach dem 4 den Hchlohberg; an den Mummelseèe und auf die Hornisgrinde(über Achern); nach Allerheiligen, von Achern aus durch das Kappelerthal hin und durch das Renchthal zurück. Auch der Ausflug auf der grossartigen r Offenburg nach Hausach, Hornberg, Triberg, bis age hin und zurück bewerk- Schwäarzwaldbahn übe Sommeérau und St. Georgen kann an einem 1 stelligt werden. gdschlosse Kaltenbron und auf Een 7 —7v2.2