Moderner Cicerone Be Dt M: D E Oom. III teb tn‚0 Ae Lorterbuclt der deufschen Nechlochreibung 100,000 Wörter M. Horterbuch der deuſschen Necblochmibung Morterbucht der deutschen Nechtlock meibung Für den Schreibtisch unentbehrlich ist Erbes Wörterbuch der deutſchen Rechtſchreibung 1 . nebst einer eingehenden Darstellung der neuen Rechtschreibregeln und der Cehre von den Satzzeichen. Zugleich ein handbüchlein der deutschen Wort⸗ kunde und der Fremdwortverdeutschung, sowie ein Katgeber für Fälle schwankenden Sprach- und Schreibgebrauchs. Auf Grund der im Deutſchen Reiche, in Sſterreich und der Schweiz amtlich vorgeſchriebenen Regeln Bearbeitet von K. Erbe, Rektor des Kgl. Gymnasiums in Tudwigsburg. Zweite, nach dem neuesten Stand der Kechtschteibfrage durchgesehene und erweiterte Husgabe. 52.— 56. Causend. In dauerhaftem Einband Preis 1Mmark eo Pfennig. iſt beſtimmt, als zu⸗ 18füh rliches Nach⸗ tiſch, im enthält außer den Erbes Wörterbuch ſchlagebuch für die Anwer Kontor und Ge i neuen Rechtſchre öber 100,ooo Göerter, und erklärt alle Fremdwörter. börterbuch der neuen deutſchen E Zu haben in allen Bochbandtenge EL EL III Appenzelle Sdelos8 Gveift ustei Wolfkaldeu Forpc Alpen-Panorama von Friedrichshafen aus gesehen. Wu0 lerger A U eisen Apen 1 1 1 Nachi der Natur gezeichnet von G. L. Alpen-Panorama vom Pfänder aus gesehen. 88S8S SSSE—— ILL 5 5 8 8* ler* rt⸗ lle u⸗ ich⸗ im den HMistorisches Museum SC HhHIOS 5 RASTAFTFT MN Bodensee-Führer Ausflüge nach allen sehenswerten Punkten am See und in dessen nähere und weitere Umgebung (Pheinfall, Oberschwaben, Schwarzer Grat, Appenzeller Land mit Säntis- gebiet, Taminaschlucht etc. Von JULIUS WAIS Mit 5 Karten, 1 Stadtplan, 2 Panoramen und 22 Abbildungen STUTTGART OοBERLIN OHLEIPZI1G UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAET Das Land der Alamannen Mit seiner Berge Schiuee, Mit seinem blauen Auge, Dem fluaren Bodensee, Mit seinen gelben Hadre Dem Ahrenschimuch der Aues Nechtt wie ein deutsches Anll. Ict solches Land zu schiàue- Nachdruck und Nachahmung, auch auszugsweise, verboten. Alle Rechte vorbehalten. Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart —„1— 606 +9 Vorwort. Das„Schwäbische Meer“ bildet den größten und zugleich den besuchtesten See in deutschen Gauen. Seine reizenden Uferlandschaften und die schönsten Punkte seiner Umgebung zu genußreichen Ausflügen zusammenzustellen und hiebei als Wegweiser zu dienen, ist die Aufgabe dieses Führers, dem die bewährte Form des im gleichen Verlag erschienenen „Albführers“ als Vorbild diente. Nicht eine allgemeine z3eschreibung des Bodensèes soll geboten werden, sondern ein Führer durch die schönsten Landschaften. Abweichend von der üblichen Einteilung der Reisebücher bietet vor— liegender Führer bestimmte Reisepläne unter genauer Wegbeschreibung und Entfernungsangabe. Diesen drei wich— tigen Punkten wurde besondere Sorgfalt zugewendet. Alle Entfernungen verstehen sich für mittlere Gangart, bei Städte- besichtigungen mit kurzem Aufenthalt.— Sämtliche An- gaben beruhen auf eigener Erfahrung an Ort und Stelle. Die Schilderung der Aussicht von den Hauptbergen wird zur Erhöhung des Landschaftsgenusses beitragen. Ge- sohichtliche Erinnerungen und die Schilderungen der Sehenswürdigkeiten, an denen das Bodensee- gebiet außergewöhnlich reich ist, sind zwar in gedrängter Form gehalten, aber doch unter Darstellung alles Wichtigen. Durch die vorzüglichen Verbindungen zu Schiff und mit der Bahn lassen sich die Ausflüge natürlich von jedem Uferort antreten und in beliebiger Reihenfolge ausführen. Mögen nun diese Reisepläne recht viele zum Besuch der an Naturschönheiten wie an Kunst- und Altertumsdenk- mälern so reichen Bodenseelandschaft aufmuntern und ihnen ein praktischer und zuverlässiger Begleiter sein. Stuttgart, im Mai 1908. Julius Wais. Bodensee. Lieblich lächelt der See. Auf blaulichtem Spiegel Gleitet baum förbar der schaulelnde Kalin, Und seine silberig schimmernde Baſin Cünzen am Uſer sanft schuuellende Hügel. Colden sich wiegende Felder und satigrũüne Matten 8 Wechseln im farbigen Spiel mit den dunbelnden Schiatten schen blinht freundlicli und helle Prũclitigen Wdlder,; daz Flier woſil ein Dörfchen, ein Stüdichen, hier Burg und Kapelle, Ind dort im Grund majestätische Firne Trotzen zum Himmel mit fechrueißer Stirne. Lieblich lächelt der See. Von irgenduo bringen NMingende Glochen ein friedliches Singen. Leise und Sacht, durch den Silbernen Schaum Schaulelt der Kahn so dahin wie im Traum. . Dlõtalich, was kreischen die Mõuen und ziehien Eiligen Flugs aum Gestade]? Sie fliehen? Flichen. Ich lene mit kundiger Hand Rasch meinen Nachien zum sichieren Strand. Fern dort im Sũd hinter graugelber Mauer Liegt schon der drduende Sturm auf der Lauer. Angstlicn Harret der See. Ein Stohß, und mit rasender Vut J Stůirat sichi der Föhin auf die hlagende Flut. 1 Schlurchend und schluchæend, im wild-lauten Kammpnfesgestöſin, Wachsen die Wasser zu Bergen mit schaumigem Schinee: §o erfenn' ich dich wieder, Sso bist du, mein See, Urgewaltig im Sturm, uie du im Frieden bist schön! Hermann Dold Inhaltsverzeichnis. Seite Vorwort 3 Der Bodensee 7 Reisewinke 14 Reisepläne für de n Bodde nsee 18 I. Ausflüge am See. I. Friedrichshafen-Lindau-Bregenz 20 2. Rorschach-Heiden- Romansorrrrnrn 37 3. Meersburg-Mainau-Uberlingen 44 4. Uberlingen-Mainau-Konstanz 25 57 5. Zeller See-Reichenau- Stein am Rheit 6. Rheinfall-Hohentwiel-Radolfzelll 73 7. Mainau-Kargeck- Bodman 3 85⁵ 8. Altbodman-Uberlingen-Mainau„ 89 II. Ausflüge in die Umgebung. 9. Gehrenberg-Salem-Heiligenberg 93 10. Ravensburg-Waldsee-Leutkireg 98 11. Isny-Schwarzer Grat- Alttrauchburg ····· 12. Isny- Argenfälle-Wangen„„„ 13. Pfänder-Dornbirn-Rappe nlochse hlucht e 14. Ragaz-Taminaschlucht-Wartenstein 127 15. Röfschhch-Kaien-St. Gallensn 132 16. St. Gallen-Appenzell-Hoher Kasten 134 17. Wildkirchli-Ebenalp-Weißbacccc 142 18. Weißbad-Meglisalp-Santi 145 19. Säntis-Seealpsee-Appenzell. 149 20. Appenzell-Gäbris-Rheineck„ 21. Walzenhausen-Meldegg-Rorschac h„„„„ FIllll· 6 Inhaltsverzeichnis Kartenverzeichnis. Schaffhausen- Konstanz(Rheinfall-Untersee-Uber— linger See) 2. Isny(Schwarzer Grat-Argenwasserfälle) 3. St. Gallen-Bregenz(Appenzeller Land-Rheinmün— dung-Bregenzer Wald) Appenzell-Säntis 5. Stadtplan von Konstanz Panorama von Friedrichshafen aus! — vor dem Alpenpanorama vom Pfänder aus Verzeichnis der Abbildungen. Konstanz. Leuchtturm mit ausfahrendem Dampfer Friedrichshafen nach Langenargen und Sc hloß Montfort Lindau 88 Bregenz gegen die Schweizer Alpen Meersburg Mainau Uberlingen. Konstanz von der SeestraBle nach Rheintorturm in Konstanz Gottlieben bei Konstanz 3 nach Stein am Rhein mit Hohenklinge n Rheinfall. Hohentwiel u. s. w. Mainau(Torbau) Ravensburg mit Veitsburg 8 Isny. Marktplatz und Rathaus Isny. Espantor Argenwasserfälle Taminasc lucht Zjjj˖ Seealpsee 8 Säntis. Blick auf Scealpsee, Rhein und Vorarlberger Gbäicht. enee Nach Seite 80 112 120 136 56 Titel Der Bodensee. * Wasser und Gebirge sind die Seele einer schönen Land Schaft.“ Beides trifft in reichstem Maßhe beim Bodensee zu dessen weitgedehnte Wasserfläche vom himmelanstrebenden herrlich umrahmt ist. Meer und H chgebirge Xlpenkranz 8e dies len Gegensätze nd Schönbeit B 8e1 5E1 nt, wWenn das ersehbare Wassermasse ler Alpen spi un Das Schv Meer, der g te deutsche Binnensee, nimmt lurch sein rvorragenden Naturschönheiten wie durch die Kunstschätz iner Uferstädte einen der ersten Plätze unter den deutschen Gauen ein. Wohl kennen viele den See nur Us angenehmen, raschen Ubergang zu den grobßartigen Natur schönheiten der Schweiz und Tirols wer aber unseren See auf genußreichen Fahrten, auf Wande- rungen an seinen reizenden, lauschigen Ufern und in seiner herrlichen Umgebung mit Muße kennen ge lernt hat, den imatliche zieht's immer wieder an seine Gestade. Aber nicht nur seine landschaftlichen Reize sichern dem t. deren er sich unter den Reise- Bodensee die große Beliebthe lustigen erfreut, sondern auch seine hochinteressante Ge- schichte, vor allem die kulturgeschichtliche Entwicklung ebiet einen geheimnisvollen Reiz. Schon gibt dem Se —————— AK ECNEEee 8 Der Bodensee. die Urbewohner, die Pfahlbauer, haben sich dem Séee an— vertraut und in ihm Schutz und Nahrung gefunden. Auf Tausenden von Baumstämmen, die sie in den Seegrund un— weit des Ufers einrammten, haben diese keltischen Völker— schaften ihre Hütten errichtet zum Schutz gegen feindliche Uberfälle und Angriffe der Raubtiere. Zur Römerzeit war der Lacus Brigantinus(Bregenzer See) von Personen- und Lastschiffen belebt. Als Künstler in der Verkehrstechnik haben die Römer die Bedeutung dieses weitgedehnten Wasser- wegs voll gewürdigt. Die Alamannen haben ihren größten Sèe ihrem höchsten Gott Wodan(oder Bodan) geweiht. Als das Christentum von St. Gallen her seinen Einzug im Boden-— Seegebiet hielt, taten sich bald auf seinen Inseln und an seinen Ufern Klöster auf, die als Kulturträger von gröbtem Einfluß waren, vor allem das weitherrschende Kloster Reichenau. Bei dem durchweg hochentwickelten Sinn der Mönche für Naturschönheiten war übrigens die Besiedlung des Sees mit Klöstern selbstverständlich. Auch die etwa um die gleiche Zeit auftretenden Ritter haben sich die schönsten Plätze für ihre Burgen ausgesucht, von denen heute noch eine 80 große Zahl von Ruinen zeugt. „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit. Heute teilen sich fünf Staaten in den Besitz des Bodensèes und sehen ihre Hauptaufgabe in der Erschließung der volkswirtschaftlichen Schätze des Seegebiets. Der Bodensèe liegt an der Grenze von Deutschland (Baden, Württemberg, Bayern), Gsterreich(Vorarlberg) und der Schweiz(Kantone St. Gallen und Thurgau). Seinen Namen trägt der See, der ursprünglich von den Römern nach ihrer Hauptfeste Brigantium genannt wurde, seit dem 9. Jahrhundert von der fränkischen Königspfalz Bodoma, dem heutigen Bodman. Im späteren Mittelalter erhielt der Sèe nach seiner bedèeutendsten Stadt den Namen Konstanzer See; seit dem 16. Jahrhundert heißt er auch das Schwäbische Meer und in neéeuerer Zeit auch kurzweg Bodan, wie der Genfer See den Namen Léman führt. Das Bodenseebecken verdankt seine Entstehung zweifellos einem ursprünglichen Tal, das allmählich erweitert und ver— tieft wurde. Die Frage, wie der rings geschlossene Kessel von 250 m Tiefe entstehen konnte, findet zweierlei Erklä- rungen durch die Geologen: nach der einen Ansicht hat das Eis des Rheingletschers den Talgrund bis zu dieser Tiefe Der Bodensee 9 aufgewühlt und sich so ein Zungenbecken geschaffen; doch ist eine ähnliche Aushöhlung bei den heutigen Gletschern nicht beobachtet worden. Von anderer Seite werden daher lärt, so dah die Seen des Alpenrands für verbogene Täler e zuch der Bodensèe durch Verbiegung des Rheintals entstanden wäre. Immerhin war der Rheingletscher von Einfluß auf die werden vier gewaltige Gestaltung des Seebeckens. Gletschervorstöße angenommen. Der Pfänder und die Appen zeller Voralpen bis zum Gäbris waren damals vom Eise be dèeckt; über 300 m tief lag die Konstanzer, wohl 1000 m tief die Bregenzer Gegend im Eise begraben. Aus alten Strandbildungen läßt sich nachweisen, daß de Seespiegel einst 30 m höher lag als heute. Der See bedeckte damals die Bodanhalbinsel und reichte bis nach Tettnang. Erst mit der allmählichen Vertiefung des Rheinbettes, das seinen Abfluß bildet, sank der See auf seinen heutigen Stand; der Bodanrücken tauchte aus den Fluten auf und schied den Uberlinger See vom Untersee. Geologisch gehört das Bodenseegebiet hauptsächlich dem Alluvium, Diluvium und der Sübßwassermolasse an; nur beim Pfänder und Rorschacher Berg reichen Meeresmolasse und Nagelfluh bis an den See heran. Der Bodensèe zerfällt in drei Teile: den 46 km langen Obersee zwischen Bregenz und Konstanz mit der Insel Lindau, den 17,5 km langen stromartigen Uberlinger See zwischen Meersbul ind Ludwigshafen mit der Insel M 1, und d 1 langen, das Dreèieck Konstanz-Radolf- zell- Stein bildend Untersee mit der Insel Reichenau. Die Län ge des Bodensèes beträgt von Bregenz bis Ludwigs- hafen 63,5 km, von Bregenz bis Stein am Rhein 69 km, die größte Breite zwischen Friedrichshafen und Romans- horn 14 km, die gröhßte Tiefe zwischen Fischbach(bei Friedrichshafen) und Uttwil(bei Romanshorn) 252 m. Die tiefste Stelle des Sees reicht somit auf 143 m Meereshöhe hinab. Der Umfang des Seéees beträgt 259 km, wovon der Löwenanteil mit 122 Kkm auf Baden entfällt; zur Schweiz gehören 72, zu Gsteèrreich 27, zu Württemberg 23 und zu Bayern 15 km Uferlänge. Die Wasserfläche des ge- samten Bodensèes umfaßt bei Mittelwasser 539 qkm, die Meereshöhe des mittleren Wasserspiegels beträgt 395 m; die Wassermasse wird auf 48 500 Mill. obm geschätzt. Der Hauptzufluß und zugleich der einzige Abfluß ist der Rhein, der dem See bei gewöhnlichem Wasserstand in der 10 Der Bodensee. Sekunde 200, bei Hochwasser über 2000 ebm Wasser zuführt. Nahezu ebenso groh ist die Wasserzufuhr aller übrigen in den Bodensee mündenden Flüsse und Bäche, deren gegen 100 ge— zühlt werden. Die bedeutendsten Zuflüsse sind: die Dorn— birner und Bregenzer Ach, zwei wilde Alpenwasser, die sich zwischen der Rheinmündung und Bregenz in den See ergiehen; dann folgt der bayerische Grenzfluß Laiblach; am württem— bergischen Ufer mündet die oft wild einherbrausende Argen, sowie die Schussen und Rotach; auf badischer Seite fließt die Seefelder Ach und die Stockach in den Uberlinger See, die Hegauer Aach(die nichts anderes als die bei Immendingen versunkene Donau ist) bei Radolfzell in den Untersee. Von den zahlreichen Bächen der Schweizer Seite ist die aus dem Appenzeller Land kommende, bei Rorschach mündende Goldach am bedeutendsten. Der Bodensèe bildet das Läuterungsbecken des Rhein- stroms, der die aus den Alpen mitgeführten Geröllmassen im See ablagert, um ihn bei Konstanz kristallklar zu verlassen. Die vom Rhein und den anderen Zuflüssen zugeführten Schlammassen und Geschiebe werden auf 4 Mill. obm jähr— lich geschätzt, wodurch der See natürlich immer mehr an Tiefe und Umfang verliert. och im 4. Jahrhundert reichte der Bodensee bis Rheineck, während jetzt zwischen ihm und diesem Ort infolge der Rheinablagerungen ein stunden- breiter Landstreifen liegt. Es ist ganz zweifellos, daß das einst weit größer gewesene Seebecken zu einer freilich noch sehr fernen Zeit vollständig ausgefüllt sein wird, was in ungefähr 12 000 Jahren der Fall sein dürfte. Tiefen- messungen haben ergeben, daß das Rinnsal des Rheins sich am Seegrund 10 km weit verfolgen läßt. Die durch seitliche Ablagerung des Gerölls entstandene Rinne ist anfangs 600 m breit, 70 m tief und verläuft 8 km lang in gerader Richtung auf Langenargen, wo sie durch die Ablagerungen der Argen gegen Romanshorn hin abgelenkt wird. Am Ende hat das Rinnsal nur noch eine Tiefe von 7 m und die Hälfte der ur- sprünglichen Rreite. Den tiefsten Stand erreicht der See gewöhnlich im Februar, wenn die Alpenflüsse zu Eis erstarrt sind, mit Im unter Mittelwasser. Nach der Schneeschmelze im Gebirge Ende Juni schwillt der See rasch um I—2 m über Mittelwasser an. Das höchste bekannte Hochwasser am 7. Juli 1817 stieg 3 m über den mittleren Stand. Eine eigentümliche Er- elle, auch scheinung ist das sogenannte Grundge zuhhß genannt, bei dem der See stellenweise trotz ruhiger Luft unter heftigem Wellenschlag plötzlich I—2 m steigt oder fällt. Solche rhythmischen Schwankungen des Wasser piegels, die ohne sichtbare äubere Ursache auftreten, wurden zuerst vom Genfer See unter dem Namen„Seiches“ bekannt Anlaufen und A n de ist wahrscheinlich auf un Teilen des Seespiegels am Bodens werden Sees bezeichnet Ihr. gleichen Luftdruck über vers zurückzuführen, wobei vermutlich auch der Föhn eine Rolle pielt. Dieser eigenartige Südwind, der aus dem Hochgebirge niederbraust und sich durch die Alpentäler mit Macht auf den See wirft, versetzt diesen in wilden Aufruhr. Die mäch tigen Wellen werfen die Schiffe heftig umher, wobei die See krankheit reichliche Opfer fordert. Unerklärt ist das S80 genannte„Seeschieben“, das besonders im Hochsommer wie Kanonendonner über dem See ertönt, ohne daß etwa ein Gewitter im Anzug wäre. Nach den neuesten Forschungen soll das Seeschießen, das vom Grunde des Seèes zu kommen scheint, durch Bodensenkungen(Schollenverschiebungen) ver anlaßt werden. Die am Bregenzer Hafen aufgestellten Nivel lierungsinstrumente weisen gegen das Jahr 1906 eine Senkung mn 102 mm nach. Das Wasser des Bodensees ist kristallhell, der Seespiegel erscheint lessen mehr grül u8 auf die Humus Umgel zurückgeführt wird Ent d ist Farbenpracht und der Farben- wechsel des Seespiegels, der je nach der Beleuchtung und Wellenbewegung bald tiefgrün, bald blau erscheint, oft von blendendem Silberglanz übergossen. Höchst merkwürdig die Tatsache, daß zweimal im Jahr(durchschnittlich am I. Januar und März) die gesamte Wassermasse des Sees von der Oberf ö8ten Tiefe die gleiche Tem— deratur von 40 C. aufweist, bei der das Wasser bekanntlich am schwersten ist. Die Wasserwärme steigt im Sommer auf 16—220. Der Bodensee besitzt die gleichmäßhigste und am längsten anhaltende Badewärme der Seen am Nordrand der Alpen. Das Klima ist infolge der gewaltigen Wasser masse, die als Wärmespeicher dient und ausgleichend wirkt, überaus mild und gleichmäßig. Nur in sehr strengen Wintern gefriert der See von einem Ufer zum anderen; in den letzten tausend Jahren(seit dem Jahr 895) war dies nur dreißigmal iche bis zur gr 12 Der Bodensee der Fall, im vorigen Jahrhundert 1830 und 1880(vgl. die von Gustav Schwab in einer Ballade verherrlichte Sage„Der Reiter und der Bodensee“). Dagegen friert der weniger tiefe Untersee fast jeden Winter zu. Das milde Klima der Seegegend begünstigt den Obst- bau, der hier zu hoher Entwicklung gelangt ist. Die Ufer— landschaften am Obersee stellen einen einzigen großen Obst- baumwald dar, der im Mai ein weißes Blütenméer, im Herbst eine früchteschwere Segensstätte bildet. Das weitberühmte Obstgelände bei Friedrichshafen versorgt das Land mit edlem Tafelobst, während der Thurgau wegen seines Reich— tums an Apfelsaft vom Volkshumor„Mostindien“ genannt wird. Der Weinbau wird besonders am badischen Ufer, am Uberlinger- und Untersee, gepflegt, am meisten bei Meersburg und Hagnau. Merkwürdig ist das sogenannte„BIühen“, des Sees im Mai, wobei die Oberfläche namentlich des Unter— Sees auf große Strecken mit gelbem Blütenstaub bedeckt ist, der vom Wind aus den umliegenden Wäldern in den See getragen wird. Von hervorragender Wichtigkeit ist der Fis ehrei ch- t u m des Sees, der eine jährliche Ausbeute von etwa 300 000 M. liefert. Von den 30 Fischarten sind die wichtigsten: die Lachsforellen, Seeforellen, Trüschen, Aale, Hechte, Barsche, die riesigen Welse und vor allem die Blaufelchen(Gang- fische), die„Heringe des Bodensees“, die gesalzen und g räuchert in den Handel kommen. Sehr zahlreich sind die Wasservögel vertreten, von denen eétwa 70 Arten, darunter viele nordische Wasser- und Sumpfvögel beobachtet werden; erwähnenswert sind besonders die Möwen, die in prachtvollem Flug die Schiffe begleiten. Naturgemäß ist der Verkehr auf dem See sehr be— deutend. Der Bodensèee ist der verkehrsreichste Binnensee Europas. Friedrichshafen ging in der Entwicklung des neuzeitlichen Verkehrs bahnbrechend voran, indem hier im Jahr 1824 das erste Dampfschiff vom Stapel gelassen wurde, dem im nächsten Jahr ein zweiter Dampfer folgte. Auch die erste Eisenbahn führte 1847 in Friedrichshafen an das Gestade des Schwäbischen Meeres, ebenso wurde 1854 das erste unterseeische Telegraphenkabel von hier nach Ro— manshorn gelegt.— Erst nach längerer Pause folgten badische, bayerische und schweizerische Dampfschiffe, anfangs von Privatgesellschaften ausgehend, später von den Staaten über— Der Bodensee. 13 nommen. Gsterreich rief erst im Jahr 1884 nach Er öffnung der Arlbergbahn eine staatliche Dampfschiffahrt ins Leben. Im März 1861 stieß das schweizerische Dampf schiff Zürich“ mit dem bayerischen Dampfboot Ludwig“ bei Rorschach zusammen, wobei das letztere Schiff sank und 13 Menschenleben zu beklagen waren; der gleiche Schweizer Dampfer bohrte 1864 bei Romanshorn den bayerischen Dampfer„Jura“ in den Grund. Daraufhin wurden gemeinschaftliche Sicherheitsmaßregeln für die Schiff fahrt vereinbart. Heute besteht die Bodenseeflotte aus 40 Dampfern, einer Anzahl Trajektschiffen(für Eisen- bahnzüge) und 14 Güterschleppbooten; die Schiffe beför dern jährlich 5-600 000 zeisende und 20 Millionen Jentner Frachtgüter. Daneben herrscht auf der Bodensee gürtelbahn, die den ganzen See umschließt, sowie auf den acht Bahnlinien, die zum See führen, ein überaus reger Verkehr Einen weiteren ungeheuren Aufschwung würde der Ver-— kehr auf dem Bodensee nehmen, wenn die gewaltigen K a nalpläne verwirklicht würden, die von drei Seiten aus den Bodensee zum Ziel haben. Der wichtigste und aussichts reichste Plan erstrebt die Schiffbarmachung des Ober- rheins von Mannheim bis zum Bodenseèe, der dadurch zum obersten Rheinhafen“ und damit zu einem Binnen- hafen der Nordsee ausgestaltet würde Die Schiff Oberrl Basel ist bereits nachgewiesen, die Kanalisier Rheins von Basel bis zum Bodensee unter Umgehung Rheinfalls ist in absehbarer Zeit in sichere Aussicht zu nehmen. Hand in Hand mit diesen Be strebungen, den Großschiffahrtsweg des Rheins vom Meer bis zum Bodensee fortzusetzen, geht ein neuer Plan, den Bodensee als Staubecken zu benutzen, um das Hoch- und Niederwasser des Rheins zu regeln. Nach diesem Vor- schlag soll im Obersee ein Stauraum von über 3000 Mill. bm angelegt und der Untersee als Schutzbecken für 300 Mill. ebm zum Ausgleich bei plötzlichen Hochfluten benutzt werden, wWodurch die Hochwasser des Rheins vermindert und die Niederwasser verstärkt werden könnten. Ein zweiter Kanal hängt mit den württembergischen Großschiffahrtsplänen zusammen und betrifft den Wasserweg von Ulm zum Bodensee. Nach Ausbau des Donauschiff- fahrtswegs bis Ulm soll von dort ein Kanal durch die Täler 14 Reisewinke. der Riß und der Schussen zum Bodensee gebaut werden. Zur Wasserspeisung des Kanals ist der Federsee auserschen. der durch Dämmeèe gestaut würde; die Baukosten sind zu 80 Mill. Mark berechnet. Durch diesen Wasserweg würde der Bodensee mit der Donau und dem SchwWarrZe n Meer verbunden. Phantastischer als diese beiden(der Verwirklichung näher stehenden) Kanalbauten ist der neueste Plan des Mailänder Ingenieurs Caminada, eine Wasserstraße von Genua über die Alpen zum Bodensee zu erbauen und damit das Schwä— bische Meer mit dem Mittelmeer zu verbinden. Dieser Alpenkanal nimmt seinen Anfang in Genua, durchquert den Apennin in einem Galerietunnel, führt über Mailand an den Comer See; von hier steigt er nach Chia venna und mittels eines Röhrenkanals bis Isolata. Der Splügen müßte durch einen 15 km langen unterirdischen Kanal durchbohrt werden, dann würde ein Röhrenkanal nach Thusis und eine offene Wasser- straße zum Bodensee führen. Der ganze Kanal würde 600 km lang sein, von denen 230 durch Seen und Flüsse führen; 300 km würden als offene Kanäle, 40 km als Röhrenkanäle und 30 km als Tunnelkanäle erbaut werden. Die Ge samtkosten werden auf 400 Mill. Lire berechnet; die Kusführbarkeit dieses auf den ersten Blick abenteuerlich erscheinenden Plans wird dem Durchstich des Suezkanals gleichgestellt. Bis diese Riesenpläne zur Ausführung kommen, wird aber noch viel Wasser den Rheinfall hinabstürzen. Die wissenschaftliche Erforschung des Bodenseegebiets hat sich der„Verein für Geschichte des Bodensees“, der seinen Sitz in Friedrichshafen hat, zur Aufgabe gemacht. Die Hebung des Fremdenverkehrs erstrebt der„Bodenseever- kehrsverein“ mit dem Hauptsitz in Konstanz, sowie eine Anzahl lokaler Verkehrsvereine. Reisewinke. Reisezeit. Die schönste Jahreszeit für den Aufenthalt am Bodensee ist das Frũ hj a h mit seiner Blütenpracht und der Lebensfrische, die die verjüngte Natur durchdringt. Im Mai bilden die Ufergärten rings um den See ein weißes Blüten- meer, im Spätfrühling— der auch den Vorzug der längsten Tage bietet—„blüht der See“ selber, er ist auf weite Strecken mit Blütenstaul us den Tannenwäldern bedeckt Fül Ruhe- und Erholungsuchende ist das Frühjahr entschieden vorzuziehen Während der Hauptreisezeit(Juli und August rrscht ein bewegtes Leben am See, dieé Badeorte und Som f hen füllen sich mit 8 n Fremden. Die weit- dehnte Wasserfläche macht auch im Hochsommer den Kufenthalt angenehm und läßt die Hitze nicht drückend verden; eine leichte Seebrise sorgt für Kühlung Kber uch der Herbst eignet sich sehr zu längerem Verweilen im Seée, da die gewaltige Wassermasse als Wärmesp icher dient, der die Luftwärme erhöht und noch zu Se bädern ein adet, wenn anderwärts das Baden im Freien längst aufge hört hat. Diese ausgleichende Wirkung des Sees erzeugt ei Id eichmäßiges Klima Auch die Fernsicht ist bei der reineren Herbstluft eine viel weiter reichende als im Sommer. Erst nSpätherbst pflegen dichte Nebel oft tagelang über dem 8 1 Eisenbahn. Acht Bahnlinien führen zum Bodensee, der iBerdem von der Gürtelbahn rings umschlossen ist Kuf den deutschen Bahnen sind die Rückfahrkarten seit Ein führung der Tarifreform in Wegfall gekommen, eben 1 den östèerreichischen Staatsbahnen, gen haben die letz teren den billigen Zonental eingeführ D Sel 261 Bahnen geben Rückfahrkal 10tägig Gültigkeit 1 hr 1f Eisenbahnstrecken zeren Uferstationen 10 Tage gũ ef t e zu ermäßigten Preisen Ba und Schiffsverbindungen für das andelte Bodensees ischen und schweizerischen Bahnen) zebiet ein ler österr d im V bergischen Kursbuch enthalten. Es emp- fi⸗ sich, den Fahrplan genau durchzusehen, da manche Züge und Schiffe nur während der Hauptreisezeit verkehren. Dampfschiftahrt. Die fünf Uferstaaten unterhalten eine Flotte von 40 Dampfern, meist behaglich eingerichtete Salon- schiff Die Fahrkarten sind auf den Schiffen zu lösen. Die Gültigkeitsdauer der Karten für einfache Fahrt beträgt 1 Tag, die der Rückfahrkarten 45 Tage. An Sonntagen und bürgerlichen Feiertagen gelten die einfachen Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt an ei ne m Tag, doch sind ausdrücklich Sonntagskarten zu verlangen. Der Preis der Rückfahrkarten 16 Reisewinke ist übrigens nur unwesentlich höher als der einer einfachen Karte.— Mit den im Verkehr der Bodenseeuferstationen der Strecke Konstanz-Uberlinger See-Friedrichshafen-Bregenz unter sich zur Ausgabe gelangenden Schiffsrückfahrkarten kann die Fahrt außer in Friedrichshafen und Lindau auch in Langenargen, Kreßbronn, Wasserburg, Bad Schachen ein- mal in jeder Fahrtrichtung behufs Ubergang vom Schiff auf die Bahn unterbrochen werden. Beim Wechsel zwischen Schiffl und Bahn auf den letzten vier Stationen ist die Be— stätigung der Fahrtunterbrechung an der Schiffskasse einzu- holen.— Die Schiffsrückfahrkarten auf der Strecke Konstanz- Radolfzell und Radolfzell-Schaffhausen berechtigen auch 2ui Rückfahrt auf der badischen Bahn. Vereine und Gesell- schaften erhalten bei Lösung von mindestens 30 Fahrkarten 50 Proz. Preisermäßigung auf die einfache Fahrt; bei Hin- und Rückfahrt wird der Preis einer einfachen Karte be— rechnet. Hin- wie Rückfahrt sind gemeinsam auszuführen. Bei lůngerem Aufenthalt am See sind die Abonnement- hef te sehr zu empfehlen. Der Preis von„Einzelabonnements“ mit 200 Abschnitten von je I1 km beträgt für den I. Platz 9 M., für den II. Platz 6 M. ‚Familienabonnements“, die von dem Abonnenten und seinen Angehörigen benutzt werden können, enthalten 300 Abschnitte von je 1 km und kosten auf dem I. Platz 13 M. 50 Pf., auf dem II. Platz 9 M. Bei den Fahrten wird an der Schiffskasse jeweils die entsprechende Anzahl Kilometerabschnitte abgetrennt und dafür eine be— sondere Fahrkarte ausgegeben. Die Hefte sind ein Jahr lang gültig und berechtigen zu beliebigen Fahrten auf dem Bodensee, sowie für die Rheinfahrt bis Schaffhausen. Auf allen Bodenseedampfern ist Wirtschaftsbetrieb ein- gerichtet. Schiffspost. Die währendder Fahrt in die Schiffs- briefkästen eingelegten Briefe, Postkarten u. s. w. können mit den Wertzeichen eines beliebigen Uferstaates frankiert werden. doch darf eine Sendung nicht mit den Wertzeichen verschie- dener Staaten versehen werden, sonst wird sie als unfrankiert behandelt. Bei Berechnung des Portos kommt die Taxe des Ortes zur Anwendung, den das Schiff vor der Einlieferung de Sendung angelaufen hat. Ist die Sendung jedoch nach einem Ort gerichtet, der der Fahrtrichtung entgegengesetzt ist, so ist die Taxe des nächsten Anlaufhafens anzuwenden. Die Wwährendedes Aufenthalts des Dampfers in einem E nke 17 Hafen eingelieferten Briefschaften sind mit den Wertzeichen des Staates zu frankieren, zu dem der Hafenort gehört. Das Porto beträgt im Verkehr zwischen Deutschland und Gster reich: für Briefe bis 20 g 10 Pf.(10 h), bis 250 g 20 Pf.(20 h), für Postkarten 5 Pf.(5 h); im Verkehr zwischen Deutschland GsSterreich und der Schweiz: für Briefe bis 20 g 20 Pf.(25 ots), jede weitere 20g 10 Pf.(I5 cts), für Postkarten 10 Pf.(10 ets Zollverhältnisse. Der Bodensèe ist der Staatshoheit der fünk Uferstaaten unterstellt und somit internationales Gebiet. ndeutschen Häfen fällt die Zoll revision weg, wenn man das Gepäck bei der Kbfahrt mit Jollverschluß versehen ließ. Im Verkehr zwischen deutschen und österreichischen oder schweizerischen Häfen findet am Landungsplatz(im Sommer teilweise auf den Schiffen) Z OII Im Verkehr zwise n statt, die übrigens mild gehandhabt wird. Reise- Gegenstände zu persönlichem Gebrauch(soweit sie rößerer Menge eingeführt werden) sind meist 2ollfrei. Geldverhältnisse. Die Internationalität des Bodensees kommt auch im Geldverkehr zum Ausdruck, da in den Ufer orten sowohl deutsche als österreichische und schweizerische Münzen in Zahlung genommen werden, kleinere Beträge gewöhnlich ohne Aufgeld. Immerhin empfiehlt es sich, zumal das Umwechseln im Kleinverkehr zuweilen Schwierigkeiten macht, zur Vermeidung mn Kursverlusten den Bedarf an frer n U Bank einzutauschen V 100 Pfennig, Gsterreich nach K 8 hat den französischen Münzfu E 100 Centimes. Das Wertverhältnis hne Aufgeld ellt sich bei der Krone auf 85 Pf. 1 Fr 6 cts), beim Franken auf 80 Pf 94 Heller), bei der Mark ruf 1 Krone 18 Heller oder 1 Fr. ots. Kʒarten. Die dem Führer beigegebenen Karten sind mit Rücksicht auf die genaue Wegbeschreibung völlig aus— nd. Im übrigen sind als Ubersichtskarten zu empfehlen: die Erweiterte Generalkarte der Schwäbischen Alb, Blatt irg 1: 150 000, die Bodenseekarten 1: 200 000, heraus- Ravensk geben vom Württ. Statistischen Landesamt. Verkehrsvereine. Der Bodenseeverkehrsverein hat seinen Hauptsitz in Konstanz(Auskunftstelle Hofbuch— indlung Ackermann, Kanzleistrage). Außerdem bestehen den größeren Orten am See und in dessen Umgebung lokale rkehrs- und Verschönerungsvereine mit Auskunftstellen. is, Bodensee-Führer 2 — RPl 18 Reisepläne für den Bodensee. Reisepläne für den Bodensee. Ein wichtiges Erfordernis zum Gelingen einer Reise ist ein zweckmäßig eingeteilter Reise plan, der die schönsten Punkte einer Landschaft geschickt verbindet und die Lei stungen für jeden Tag genau regelt. Ohne einen solchen Plan besteht die Gefahr, daß man die Zeit nicht richtig ausnützt und vieles nicht sieht, was man bei geordneèter Einteilung mit Muhße hätte besuchen können. Mag auch durch die Ungunst der Witterung, durch einen versäumten Zug, durch Er— müdung oder dergleichen manchmal ein Strich durch die Rechnung gemacht werden, so wird man doch mit einem bestimmten Plan weit mehr erreichen, als wenn man planlos in der fremden Gegend sich aufhält und es dem Zufall über— läßt, wie weit man kommt. Freilich fehlt es manchen Reiselustigen an Zeit, Lust oder Geschicklichkeit, aus der Menge interessanter Städte, berühmter Aussichtsberge. schöner Landschaften nun die schönsten herauszusuchen und danach einen Reiseplan zu entwerfen. Diesem Mangel ab- zuhelfen und den Wanderern die Wege zu den schönsten Punkten zu weisen, soll vorliegender Führer versuchen. Obwohl der Führer in fertige Tagesausflüge eingeteilt ist, die sich nach Belieben aneinander reihen lassen, seien hier doch einige zweckmäßige Reisepläne für ein-, zwei- oder dreiwöchige Ausflüge zusammengestellt. Für I Woche. Wer die schönsten Uferlandschaften in einer Woche kennen lernen will, findet im I. Abschnitt„Ausflüge am See“ einen fortlaufenden Reiseplan, wobei am 3. Tag Konstanz und am letzten Tag Uberlingen besucht wird(vgl. Inhalts— verzeichnis S. 5). II. Für 2 Wochen. Wie in Nr I. Tag. Friedrichshafen-Lindau-Hoyerberg-Bad Scha- chen-Bregenz-Gebhardsberg-Bregeng..1 2. Bregenz-Pfänder-Bregenz-Fahrt Dornbirn-Rap— penlochschlucht-Alploch Dornbirin. 18 3. Ragaz-Pfäfers-Taminaschlucht-W artenstein- Ragas-Fahrt Rorschacg 14 Reisepläne für den Bodensee. 19 Wie in Nr 1. Tag. Rorschach-Annaschloß-Roßbühl-Heiden-Fahrt Rorschach-Arbon Romanshorn-Friedrichshafen 2 5. Tag. Friedrichshafen-Meersburg-Mainau-Konstanz 3 u. 4 6. Tag. Konstanz-Zeller See-Reichenau-Stein a. Rh.- Hobebiee eiöngngnnn 5 7. Tag. Stein Schaffhausen-Rheinfall-Fahrt Singen— Hohentwiel-Fahrt Radolfzell 6 8. Tag. Radolfzell- Fahrt Konstanz-Mainau— V. wrien- schlucht-Kargeck-Bodman RRERRRE 9. Tag. Altbodman- Frauenberg- Bodman-Ludwigsha- fen-Uberlingen-Heidenhöhlen-Mainau- Fried- richshafen 8 RRRRR 10. Tag. Friedrichshaf ten Marktierf⸗ Gehrenberg-Salem— Heiligenberg-Friedrichsh- ale N 1I. Tag. Friedrichshafen-Fahrt Ravensburg- Wei ingar- ten-Waldsee-Leutkirch-— 10 12. Tag. Isny-Schwarzer Grat-Ries- ntanne Alttr⸗ Wubh⸗ burg- Großholzleute im 4 11 13. Tag. Isny-Argenbrücke-Argenf fälle Hohenesk⸗ Fahrt VI2 14. Tag. Rückfahrt. III. Ffür 3 Wochen. 1.—3. Tag wie bei II. 1. Tag. Rorschach-Roßbühl-Heiden-Kaien-Trogen-Vö— gelinseck-St. Gallen. ö 5. Tag. St. Gallen-Appenzell- Weißbad- Hcher Kasten 16 6. Tag. Hoher Kasten-Weißbad-Wildkirchli— Seealpsee-Wasserauen-Weißbad 17 7. Tag. Weißbad-Wasserauen-Meglisalp-Säntis. 18 8. Tag. Säntis-Meglisalp-Seealpsee-Weißbad-Appenze 19 9. Tag. Appenzell- Gais- n-Altstetten- Rheineck 10. Tag. Rheineck-We alze uhause n- Meide gg- St. Margre— then-Fahrt Rorschach-Friedrichshafen.. 21 11.—19. Tag wie bei II. 5.—13. Tag. 20. Tag. Rückfahrt. I. Ausflüge am Bodensee. 1. Friedrichshafen-Lindau-Bregenz. Friedrichshafen St. Rundgang Schiff nach Lindau St. Aschach /iSt. Hoyerberg- 20 Min. Bad Schachen 5St. Lindau Schiff nach Bregenz 10 Min. Gebhards- berg /2 St. Bregenz, zus. 4ä St. lliezu Karte Seite 120 und am Schluß. Friedrichshafen, 405 m, 5400 Einw.(Deutsches Haus, beim Stadtbahnhof, mit Garten am See; Seehotel, beim Hafenbahn- hof, mit Garten; Sonne, unweit davon; Buchhorner Hof, Lamm, nahe beim Stadtbahnhof; Seehof, beim Schloßhafen, alle drei mit Gärten am See; Dreikönig, Stern, Rad, in der Altstadt; Hafenbahnhofwirtschaft mit Terrasse und schöner Aussicht). Friedrichshafen bildet den Endpunkt der württembergi— schen Hauptbahn und den Hauptspeditions- und Handels— platz Württembergs im Verkehr mit der Schweiz und Italien. Die Stadt hat eine herrliche Lage an der weiten nördlichen Zucht des Bodensees, etwa in der Mitte seiner Länge und zu— gleich an der breitesten Stelle des Sees, der hier, besonders wenn die Schweizer Ufer in einen Dunstschleier gehüllt sind, einen meerähnlichen Eindruck macht. Friedrichshafen be- sitzt den großen Vorzug der zentralen Lage, weshalb man bei den vortrefflichen Dampferverbindungen rasch nach den anderen Uferstädten gelangt, sei es nach Lindau, Bregenz, Rorschach, Romanshorn, Konstanz, Meersburg oder Uber— lingen. Im Durchgangsreiseverkehr steht Friedrichshafen in vorderster Reihe, aber auch als Kur- und Seebadeort erfreut sich die Stadt, die mit einiger Ubertreibung das Schwäbische Nizza genannt wird, lebhaften Besuchs. Der Kurgarten mit dem Kursaal bildet den Sammelpunkt der Badegäste; hübsch eingerichtete Seebäder befinden sich bei den städtischen An- 4 1. FriedrichshafenLindau-Bregenz 21 lagen und beim Seehof; Heilbäder(türkische, römische Bäder u. S. W.) in der Naturheilanstalt von Dr. Kay zwischen Kur haus und Schloßgarten. Ruderboote sind mietweise erhält lich im hinteren Hafen bei der Schiffswerft und beim Schloh hafen Postämter sind im Stadtbahnhof und beim Hafen. Der H a f e nist von zwei eisernen Pavillons, die als Leucht türme dienen, flankiert und hat einen überaus lebhaften Ver kehr; mehr als 50 Dampfer laufen täglich ein und aus; mit Romanshorn besteht Trajektverkehr für Bahnzüge. Vom Hafenkopf(wie von den städtischen Anlagen in der Neustadt) genießt man den grobhartigsten Blick auf den See und eine prachtvolle Alpenfernsicht: über der südöstlichen Bucht des Bodenseèes steigt der Pfänder auf, im Hintergrund die Kette der Vorarlberger Alpen mit dem Hohen Freschen; dann folgt das Rheintal, dahinter die Hohe Kugel und der Schafberg Uber dem langgestreckten Rücken des Rorschacher Be ragt die pyramidenförmige Zimbaspitze auf, nach rechts die Drusenfluh und die majestätische Sc esaplana mit dem Panüler Schrofen; rechts über Heiden der Dreischwesternberg, übel der Spitze des Roßbühls der Falknis, im Vordergrund der Kaien, dahinter das Zwillingspaar Hoher Kasten und Kamor dann die alles beherrschende Säntisgruppe mit Hundstein KItmann, Säntis, weiter rechts in der Ferne Glärnisch, Tödi und Mürtschenstock. Im hinteren Hafen bei der Schiffswerft befindet sich seit Kpril 1908 das Drachenschif f„Gna“(die„Geflügelte e: die windschnelle Botin der Frigg), ein äube hrendes Dampfschiff zum Auf— lassen von Drachen, die mit wissenschaftlichen Instrumenten versehen sind zur Erforschung der Luftverhältnisse in hohen Regionen. Die vom Reich gegründete Drachenstation ver dankt ihre Entstehung dem bekannten Meteorologen Prof. Dr. Hergesell-Straßburg; die Luftwarte steht unter Leitung von dessen bisherigem Assistenten Dr. Kleinschmidt und soll wichtige Forschungen besonders für die Luftschiffahrt aus- führen, zu deren Ubungsfeld der Bodensee durch Graf Zeppe— lin mit Erfolg ausersehen wurde(vgl. Manzell Nr. 3). Das rpedoartige weiße Drachenboot hat eine Länge von 26 m und ist mit 40 km Geschwindigkeit in der Stunde der schnellste Dampfer des Bodensces. Das Drachenschiff hat die Auf— gabe, durch seine große Schnelligkeit die Hargravedrachen (mit Seidenstoff umspannte kaminartige Bambusgestelle, an ach der nordischen Mytl schnell 5— 2 Srrele 22 I. Ausflüge am Bodensee denen die selbstregistrierenden meteorologischen Instrumente befestigt sind) in die Höhe zu treiben, ähnlich wie der Ssprin- gende Knabe seinen Papierdrachen steigen läßt. Bei Wind- stille erzeugt das Schiff durch seine rasche Fahrt den nötigen Jugwind, bei Sturm die nötige Verminderung des Wind- drucks. Friedrichshafen besteht aus dem ehemaligen Reichstädt- chen Buchhorn(der Altstadt) und dem früheren Kloster Hofen(dem Königlichen Schloß); zwischen beiden dehnt sich die Neustadt aus, die in der Hauptsache aus der Fried- rich-, Olga- und äußeren Karlstraße besteht. Den jetzigen Namen trägt die Stadt erst seit 1811, als König Friedrich Buchhorn und Hofen vereinigte und den- Hafen anlegen liegB. Von hier ging die Dampfschiffahrt auf dem Bodensee aus; 1824 ließ König Wilhelm von Württemberg das erste Dampf— schiff auf dem See(welches zugleich das erste in Deutschland war) bauen. Buchhorn wird schon 839 als Buochihorn urkundlich er- wähnt und war einst der Sitz der mächtigen Grafen des Argen- und Linzgaus, der Udalrichinger, die sich im 10. Jahrhundert in eine Buchhorner und eine Bregenzer Linie teilten. Die erstere starb schon 1089 mit dem Grafen Otto II. aus, worauf Buchhorn an die Welfen fiel(vgl. Ravensburg Nr. 10) und nach dem Tode Welfs VI. im Jahr 1191 an die Hohenstaufen. Nach der kaiserlosen Zeit wurde Buchhorn 1275 durch Kaiser zudolf von Habsburg zur freien Reichstadt erhoben und er- hielt 1299 durch König Albrecht weitere Freiheiten. Die Stadt trat im 14. Jahrhundert dem Schwäbischen Städtebund bei, hatte aber nur geringen Besitz und blieb die kleinste unter den Reichstädten. Während des 30jährigen Kriegs hatte Buchhorn schwer zu leiden; der schwedische Feld- marschall Gustav Horn besetzte und befestigte die Stadt 1634 und nannte sie Gustavsburg. Sogar eine Kriegsflotte schufen die Schweden und rüsteten einzelne Schiffe mit über 20 Kanonen aus. Infolge der unglücklichen Schlacht bei dlingen mußten aber die Schweden Buchhorn 1635 wieder räumen, worauf die Stadtmauern und Befestigungswerke größtenteils geschleift wurden; der Rest wurde 1643 zerstört. als die Schweden Uberlingen erobert hatten und die Stadt Buchhorn mit einer neuen Besetzung bedrohten. Durch die Kriegsnot war das Besitztum des Städtchens völlig zerrüttet, so daß der Kaiser 1655 den Bischof von Konstanz und den t E n h 1. Friedrichshafen-Lindau-Bregenz. 23 Bürgermeister von Rottweil mit der Ordnung des Finanz Die Münze von Buchhorn wurde 1705 wegen geringwertiger Prägungen im Auftrag des Reichs zer— stört. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte die Stadt ihre reichstädtischen Rechte fast ganz verloren und geriet durch die Koalitionskriege in immer tiefere Verschuldung. Nach Aufhebung der Reichsfreiheit kam Buchhorn 1802 an Bayern. 1810 an Württemberg, das die Schuldenlast übernehmen mußte. Seither hat die Stadt durch die Entwicklung des Verkehrs wie durch ihre landschaftlichen Vorzüge, hauptsäch- lich auch durch die Erhebung zur königlichen Sommer— residenz einen ungeahnten Aufschwung genommen und bildet Wichtigsten und verkehrsreichsten Städte am wesens beauftragte. heute eine der Bodensee. Das Kloster Hofen war als Nonnenkloster von der Gräfin Berta, der Gemahlin des letzten Grafen von Buchhorn, um 1050 gestiftet worden. Herzog Welf unterstellte das Klösterlein um 1130 der Abtei Weingarten, die einen Propst einsetzte und Buchhorn dem Kloster als Filial übergab. Das Nonnenkloster wurde 1420 aufgehoben, blieb aber im Besitz Weingartens, bis es die Schweden 1634 völlig nieder- brannten. Die jetzigen Klostergebäude wurden 1695— 1701 neu erstellt und mit Mönchen aus Weingarten besetzt. Das Kloster Hofen kam mit Weingarten 1802 an den Fürsten von Nassau-Oranien, der es aufhob, 1804 durch Tausch an Gster- reich und 1805 an Württembe Der dreiflügelige Kloster- bau ist als königliches Schloß eingerichtet und bildet seit 1824 die Sommerresidenz der württembergischen Königsfamilie. Die Schenswürdigkeiten der Stadt werden alle auf dem Weg zum Schloß berührt. Vom Sechafen, bei dem sich der Hafenbahnhof befindet, geht man am Hauptzollamt und Post- amt vorbei durch die Karlstraße, die Hauptstraße der Alt⸗- Stadt. Zur Rechten steht das neue Rathaus, ein schmucker Staffelgiebelbau von 1907 mit Wandgemälden„Huldigung kür König Friedrich I., den Gründer Friedrichshafens“ und sehenswertem Ratsaal mit Holzschnitzereien und Glasgemäl- den. Daneben steht die katholische Stadtkirche von 1750 mit Malereien von Kolb); der Turm trägt ein Satteldach. Bald betritt man die Neustadt, die das ehemalige Buch- horn mit dem Kloster Hofen(Schloß) verbindet. Hier be- ginnen die prächtigen Gärten, die sich bis zum Schloß zwischen der Straße und dem See hinziehen und reizende Durchblicke r—* FDSSSS. 24 I. Ausflüge am Bodensee auf See und Gebirge gewähren. Beim Antoniusstift gelangt man links durch die städtischen Anlagen, die zu den wenigen öffentlichen Plätzen am See gehören, zum Kaiser- Wilhelm Denkmal und zur Aussichtsplatte mit Orientierungs- tafel. Zwischen den Gärten hindurch erreicht man die Friedrichstraße, die Hauptstraße der Neustadt und der Schmuck Friedrichshafens. Die Straße führt an dem hübschen Bahnhofplatz(Stadtbahnhof) und dem Kal. Paulinenstift vorbei, stets herrliche Blicke über die Gärten hinweg auf den See und die Alpenkette bietend, zum Olgabrunnen beim städtischen Kurgarten, in dem sich die Kurhalle und das Denkmal des Dichters Gustav Schwab befinden. Von hier zieht sich die Friedrichstraße geradeaus unmittel bar zum Schloß; wir folgen der Olgastraße den Gärten ent- lang zum Schloßhafen, der mit dem in den See vor— springenden Pavillon einen reizenden Anblick und eine freie Aussicht bietet. Am Eingangstor sind zwei französische Ka- nonen aufgestellt, Beutestücke von 1871, die Kaiser Wilhelm R dem König Karl zum Geschenk machte. Kurz zurückkehrend, folgt man der Parkmauer bis zur großen Linde am Eingang des Schloßgartens, der durch seine Blumenpracht(be- sonders zur Zeit der Rosenblüte) und die hervor ragend schönen Bäume einen Glanzpunkt von Friedrichshafen bildet. Der Schloßgarten ist von 2—4 Uhr stets zugänglich; die Besichti- gung des Schlosses ist nur bei Abwesenheit des Hofes ge- stattet. Das Königliche Schloß hat eine wunder-— schöne Lage am See und enthält über 200 alte Glasmalereien (aus dem 14.— 17. Jahrhundert, darunter solche vom Kloster Hirsau), sowie Bilder von Hofmaler Gegenbaur(Wandgemälde im Speisesaal). Ein Schmuckstück des ehemaligen Klosters ist die doppeltürmige Klosterkirche, das Wahrzeichen Fried. richshafens, jetzt evangelische Stadtkirche, ein imposanter, geschmackvoller Barockbau mit reichen Stuckarbeiten. Durch die Friedrichstrage kehrt man zum Kurgarten zu— rück und kann bei genügender Zeit links durch die( bere Olga- straße einen Abstecher zum Riedlepark, auch„Olga- wäldchen“ genannt, einem Lieblingsaufenthalt der verstorbenen Königin Olga, machen, dann durch die Riedleparkstraße zur Friedrichstraße zurückkehren(½ St. Umweg). Man folgt nun der Friedrichstraße weiter am Stadtbahnhof vorbei zum Altertumsmuseum, das die Sammlungen des Ver- eins für Geschichte des Bodensees“ enthält(interessante IAOAINON SS0JHOS pun NAUNVNAOUNVII 1 ſiuu. 2 nnn ie Friedrichshafen Lindau-Bregenz 25 Pfahlbauten- und römische Funde, naturwissenschaftliche Gegenstände; Dienstag und Freitag von 11— 12 Uhr frei, Sonst 40 Pf., Schlüssel bei Kaufmann Breunlin, Karlstrahᷣe). Die Verlegung des Museums in das Kameralamt ist neuer dings geplant.) Vor dem Museum steht der hübsche Marien brunnen. Durch die Karlstraße gelangt man wieder zum Hafen zurück RAuf der Fahrt über die weite Seefläche, die hier ihre größte Kusdehnung hat, erblickt man links Eriskiroh an del Schussenmündung, landeinwärts Tettnang mit seinem großen hellglänzenden Schloß. An der Spitze der weit vor springenden Landzunge von Langenargen erscheint das zinnen- gekrönte Schloß Montfort. Auf der früheren Insel, die durch Auffüllung zu einer Halbinsel umgewandelt wurde, stand einst ein Römerbau, von dem noch einiges Mauerwerk erhalten ist. Später erhob sich hier eine Burg der Argengrafen, die 1116 und 1172 urkundlich genannt werden. Im Anfang des 14. Jahr- hunderts kam die Herrschaft Argen an die Tettnanger Linie der Grafen von Montfort. Auf den Grundmauern der alten Burg Argen baute Graf Wilhelm von Montfort 1332 ein neues Schloß, das 1647 von den Schweden durch Feuer zerstört, aber im Jahr 1660 wieder aufgebaut und 1720 erneuert wurde. 1779 kam die Grafschaft Montfort an Osterreich; das Schlob diente nun als Gefängnis, fiel 1805 an Bayern, wurde 1809 teilweise abgebrochen und an Württemberg verkauft. König Wilhelm I. ſieß 1858 das jetzige Schloß an Stelle der präch- tigen, aber baufälligen Ruine in maurischem Stil erbauen und b ihm den ursprünglichen Namen„‚Argen“; später er- hielt es wieder den Namen„Montfort“ zur Erinnerung an das einst so mächtige Grafengeschlecht(eine Seitenlinie der weitherrschenden Pfalzgrafen von Tübingen), das hier jahr- hundertelang seinen Sitz hatte. Seit 1874 war das Schlobh Sommersitz der Prinzessin Luise von Preußen, kam nach ihrem Tod 1901 an den Prinzen Friedrich von Hessen und ist seit 1902 im Besitz des Geheimrats Dr. von Leube in Würz- burg. Gleich hinter dem Schloß legt das Schiff im Hafen von Langenargen an, 398 m, 1405 Einw.(Schiff, Löwe, Engel, Krone). Der uralte Ort, der schon 773 einen eigenen Priester hatte, liegt an der Mündung der Argen, die im 8. Jahrhundert Krguna genannt wird; der Flußname ist vermutlich vor- deutsch. Das lang am See hingestreckte Dorf ist eine beliebte Ee—— WNEEEeeeee 26 I. Ausflüge am Bodensee Sommerfrische und bietet den Vorzug, das ausgedehnteste Waldgebiet am Bodenseèe zu besitzen. Bis in die Nähe von Tettnang dehnt sich der prächtige, von der schnurgeraden Römerstraße und vielen Spazierwegen durchzogene„Tett— nanger Wald“ aus. Die beim Hafen von Langenargen be— findliche Kirche(von 1721, mit wertvollem Altarbild) und das nahe Schloß verleihen dem Hafenbild einen besonderen Reiz. Auf der Weiterfahrt erblickt man bald nachher die Mün- dung der Argen, des in der Gegend von Isny im Algäu ent- springenden Zvillingsflusses, der bei Hochwasser ein„arger“ Strom werden kann; der Unterlauf ist neuerdings in ein geradliniges Bett gefaßt worden. Zur Rechten zeigt sich dem Auge am fernen Ufer Rorschach, darüber der Kaien als höchste Erhebung des Rorschacher Höhenzuges, im Hintergrund der massige Säntis. Die nächste Landestelle ist Krebronn(Schiff), eine kleine, patriarchalische Sommerfrische, der letzte württembergische Ort am See, dann folgt das uralte Wasserburg, auf dessen Friedhof der Tondichter Lindpaintner ruht. Die Kirche und eine reizende Villa liegen malerisch am Hafen. Die Insel- stadt Lindau kommt in Sicht. Der See ist in dieser Gegend viel durch Seemöwen belebt. Bald hält der Dampfer im lieb- lichen Bad Schachen(Freihof), das rings von prachtvollen Villen umrahmt ist. Der vielbesuchte Badeort besitzt eine heilkräftige Schwefelquelle sowie gut eingerichtete Seebäder und zählt durch seine prächtige Lage in villengeschmückter Umgebung zu den schönsten Grten am Bodensee. Von den reizenden Anlagen am See hat man einen entzückenden Blick auf Lindau und die Schneeberge ums obere Rheintal.— 5 Min. westlich von Schachen dehnt sich der berühmte Park der Villa Lindenhof aus, Eigentum der Lindauer Familie Gruber; Eintritt 1 M. zum Besten der Armen, Freitags von 2—7 Uhr frei, Sonntags geschlossen. An der burgartigen Luitpoldkaserne und dem reizenden Pulverturm vorbei erreichen wir nun die malerische Insel- stadt Lindau, 400 m, 5850 Einw.(Bayerischer Hof, Hotel Reutemann, Helvetia, Lindauer Hof, alle am Hafen; Krone, Sonne, Lamm). Lindau besitzt weitaus den schönsten Hafen am Bodenseèe. Der 4 ha große Seehafen wurde 1812 angelegt, 1856 er— weitert und ausgeschmückt. Bei der Hafeneinfahrt steht auf der Spitze des Hafendamms der 33 m hohe Leuchtturm, der 1. Friedrichshafen-Lindau-Bregenz 27 eine prachtvolle KAusschau auf die Inselstadt, den Bodensee und die Alpenkette gewährt(Eintrittskarten zu 40 Pf. sind im Hauptzollamt erhältlich). Auf dem gegenüberliegenden Hafenkopf erhebt sich ein 6½ m hoher Löwe, das bayerische Wappentier, als monumentales Staatshoheitszeichen, 1856 von Halbig aus Kelheimer Marmor gemeißelt. Am Hafen- platz steht der Alte Leuchtturm, ein Uberrest der einstigen Stadtbefestigung, sowie das Bronzestandbild des Königs Maximilian II. von Bayern(gest. 1864), 1856 von Halbig errichtet. Die vier Steinfiguren am Euß des Denkmals stellen Landwirtschaft, Handel, Kunst und Wissenschaft sinnbildlich dar. Auf der Ostseite des Hafens beim Löwendenkmal breitet sich die aussichtsreiche, in schöne Anlagen umgewandelte Römerschanze aus; eine Zundsichttafel erläutert die Alpenschau vom Pfänder bis zum Säntis. In der Nähe der Schanze ist das Frauenbad; das Herrenbad befindet sich auf der Hinteren Insel“ jenseits der Bahnlinie. Kuf der Insel hatten schon die Römer im Jahr 15 v. Chr. das Castrum Tiberiü, ein befestigtes Lager gegen die Vinde- lizier, errichtet und einen Hafen für ihre Flotte angelegt. Aus diesem Römerort, von dem noch die„Heidenmauer“ erhalten ist, entstand später eine alamannische Nieder- lassung, die schon in Urkunden von 724 und 774 erwähnt wird. Zur Karolingerzeit erscheint der Ort 882 urkundlich unter dem Namen Lintowa, zur Staufenzeit 1268 als Lindavia. Kaiser Rudolf von Habsburg erhob Lindau 1275 zur freien Reichstadt, die als solche bis 1803 bestand; doch besaßen die Grafen von Montfort im 14. Jahrhundert die Vogtei über die Stadt. Lindau trat 1331 dem Schwäbischen Städtebund, 1370 dem Bund der Seestädte bei und sah 1496 unter Kaiser Maximilian I. einen Reichstag in seinen Mauern, woran die Wandgemälde am Rathaus erinnern. Die Stadt führte 1525 die Reformation ein, schloß sich später dem Schmalkaldischen Bunde an und wurde von Karl V. wegen Ablehnung des Interims hart gestraft. Im 30jährigen Krieg war die Insel 1628—49 von den Kaiserlichen besetzt und zu einer fast un- einnehmbaren Festung umgewandelt worden; 1647 wurde sie von den Schweden unter General Wrangel vergeblich be- lagert. Am Rathaus ist das Bildnis des siegreichen Ver— teidigers, des Grafen von Waldburg-Wolfegg, angebracht. Die Festungswerke bestanden bis 1817 und sind jetzt in schöne Anlagen verwandelt. Durch die Kriegsnot, wie auch 28 I. Ausflüge am Bodensee. durch häufige Brände hatte die Stadt viel zu leiden. Bei der Stiftskirche befand sich ein reichsunmittelbares Frauen- stift, das angeblich 866 von Graf Adalbert von Bregenz als Frauenkloster gegründet, aber bald in ein adeliges Damen- stift verwandelt wurde, dessen AXbtissinnen gefürstet waren. Die Reichstadt mußte ihre Freiheit jahrhundertelang gegen die Abtissinnen verteidigen. Im Jahr 1803 vurde Lindau samt dem Stift dem Fürsten von Bretzenheim, einem natür— lichen Sohn des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor zu— geteilt, 1804 an Gsterreich vertauscht und 1806 Bayern ein— verleibt. Lindau bestand ursprünglich aus drei Inseln, wovon der Beiname„Schwäbisch-Venedig“ herrührt. Mit der Aus— dehnung der Stadt wurden jedoch die Seearme aufgefüllt und die Inseln zu einer einzigen vereinigt. Die Stadt besitzt gleich Friedrichshafen einen ausgedehnten Speditionshandel nach der Schweiz und Italien; auch die Fischerei ist bedeutend, ebenso die Herstellung kondensierter Milch, eine der groß- artigsten Anlagen dieser Art. Durch ihre wunderschöne Lage in dem weiten See mit den gewaltigen Bergketten im Hinter— grund, sowie durch die gut eingerichteten Seebäder erfreut sich die Stadt als Kur- und Badeort lebhaften Besuchs. Zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Lindaus emp- fiehlt sich folgender Rundgang: Vom Hafen geht man am Denkmal des Königs Maximilian vorbei durch die Anlagen vor dem RBahnhof, beim Postamt(hübsches Portal) rechts durch die Bahnhof- und Maximilianstraße. Diese Haupt— straße führt mitten durch die Stadt und weist viele mittel- alterliche Bauten auf, darunter den„Pflug“, ein altertüm— liches Erkerhaus mit Wandmalereien und einseitigem Staffel- giebel, daneben die‚Brotlaube“ mit Arkaden. Am Bismarck- platz, dem früheren Marktplatz, steht das Alte und Neue Rat- haus. Das letzte ist ein einfaches Amtsgebäude, dagegen ist das Alte Rathaus ein prächtiger mittelalterlicher Bau mit Wandmalereien, Staffelgiebel und Altane. Dieses Schmuckstück Lindaus stammt aus dem Jahr 1422 und wurde ursprünglich in gotischem Stil erbaut, 1578 im Renaissance- stil umgewandelt und 1885— 87 von Thiersch wiederhergestellt. Line bedeckte Freitreppe, an der die zehn Gebote in Bildern dargestellt sind, führt zur Altane, die eine Büste des Ritters von Abel enthält, der sich um die Verschönerung der Stadt großße Verdienste erworben hat. Sehenswert ist der Große und AVCGNII ‚ ö 1. Friedrichshafen Lindau-Bregenz Kleine Ratsaal mit reichen Schnitzwerken, sowie das städ tische Archiv und Museum(Sammlung von Altertümern; im Mai und Juni täglich von 10—12 Uhr geöffnet, vom 1. Juli bis 15. September von 9 12 und 3—5 Uhr, Sonntags 10½—12 und 2—5 Uhr; Eintritt 30 Pf.). Die Außenseiten sind reich mit Wandmalereien geziert, meist Darstellungen aus den Glanzzeiten der ehemaligen zeichstadt. Der Fries über dem Treppenaufgang zeigt ein Fest zu Ehren des Reichs tags, der im Jahr 1496 in Lindau abgehalten wurde; darüber erblickt man einige sinnbildliche Darstellungen. An der Hauptfront am Reichsplatz ist der Einzug des Herzogs Phi lipp des Schönen, des Vate Karls V., aus Anlaß dieses Jeichstags dargestellt. Den Reichsplatz schmückt der herrliche Rei chsbrunnen: die Lindavia mit vier präch tigen Erzfiguren(Fischerei, Schiffahrt, Weinbau und Land wirtschaft) von Thiersch und Rümann. Wir kehren zur Maximilianstraße zurück, in deren oberem Teil noch einige altertümliche Häuser sind, darunter die Engelapotheke, mehrere Arkadenbauten, besonders der Sünfzen“, chemals die Trinkstube der Junker, jetzt Gesell- schaftshaus. Von hier gelangt man linkshin durch die Cramergasse zum Marktplat 2, auf dem der Maxbrunnen mit dem Meergott Neptun steht. Das freskengeschmückte Eckhaus ist ein altes Patrizierhaus, der sogenannte„Ka Wazzen“, früher im Besitz der Junker Kawazz, nach dem Brand von 1728 den Herren Seutter von Lötzen gehörig. Der Arkadenbau gegenüber diente früher als Hauptwache. Da- neben stehen die beiden Stadtkirchen. Die katholische Stiftskirche, einst zum Frauenstift gehörig, wurde nach dem Brand 1748 im Barockstil neu erbaut; sie besitzt ein prächtiges Deckengemälde, reichen Chorschmuck und rder Xbtissinnen, ist aber ziemlich düster. mehrere Grabmà Die evangelische Stephanskire he nebenan steht an der Stelle einer im Jahr 1180 erbauten Kirche, die im Jahr 1609 abbrannte; sehenswert sind die prachtvollen Glasmalereien. Zwischen den beiden Kirchen hindurch geht's zur Max- Joseph-Kaserne(Schönes Portal), dann links zur„Heiden-— mauer“, dem ältesten Baudenkmal der Stadt. Der ge- waltige Zyklopenbau(Vermutlich ein Wartturm), von dem noch ein 9 m hoher Rest steht, wurde von den Römern er— richtet, die vom Jahre 15 v. Chr. Herren dieser Gegend waren. In den hübschen Landtoranlagen steht links von der 30 I. Ausflüge am Bodensee. Straße das Kriegerdenkmal, rechts eine Findlingsgruppe mit einem Denkmal Friedrich Grubers, des Schöpfers dieser An— lagen; hier befindet sich auch der vielbesuchte Schützen— garten. Durch das Landtor wandert man über die 219 m lange, im Jahr 1819 erbaute hölzerne Landtorbrücke(deren Erneuerung geplant ist) aufs Festland nach&Ss Cchach, einem freundlichen Dorf mit zahlreichen vornehmen Villen. Man folgt der Allee links, dem Seèe entlang(Wegw. Hoyerberg) und gelangt an einem sehenswerten Garten mit alpinen Pflan— z2en vorbei zum g; a hn damem, der in einer Länge von 550 m die Insel mit dem Festland verbindet. Der 10 m breite Damm ist aus mächtigen Granitblöcken erbaut. Die See— fläche zwischen den beiden Brücken wird der„Kleine See“ genannt und bildet im Winter eine prächtige Eisbahn. Der neuerdings aufgèetauchte Plan, den stark verschlammten Kleinen See auszufüllen und anzubauen, wurde mit Rücksicht auf die großen Kosten wie namentlich auch wegen der dadurch entstandenen Verunstaltung des so herrlichen Landschafts- bildes wieder aufgegeben. Wer auf den Hoyerberg vbil rich, sondern uberschreitet die Geleise und folot der Bahmnlinie J VLelirt nichit dber den Damm ⁊u- 0, spHAter heschrieben. Nach Lindau geht man über den Bahndamm, neben dem ein Fubßgängersteg angebracht ist, dann durch die Anlagen (ehemalige Lindenschanze) links, beim Paradiesplatz rechts, nachher wieder rechts zum fünfknöpfigen Diebsturm von 1380, einem malerischen Wartturm der alten Befestigung, chemals Stadtgefängnis. In der Näbe steht die einstige Peterskirche, die älteste Kirche Lindaus(angeblich um 600 erbaut), die noch Reste alter Malereien enthält und jetzt als Magazin dient. Am Diebsturm vorbei gelangt man rechts- hin wieder zum Bahnhof, dann durch die Anlagen zum Hafen zurück. Vom Bahnhof empfichlt sich noch der Abstecher zur„Hinteren Insel“, einer der drei Inseln, aus denen früher Lindau bestand und die durch Ausfüllen der Kanäle zueiner Insel vereinigt wurden. Uber den Bahnhofsteg kommt man an der Inselbrauerei vorbei zum Herrenbad. Dem See ent— lang führt der aussichtsreiche Weg zur Luit pold— kaserne, die zu den schönsten und eigenartigsten Ka- sernenbauten in Deutschland zählt; sie ist der malerischen Umgebung trefflich angepaßt und bietet besonders von der 1. Friedrichshafen-Lindau-RBregenz. 31 Seeseite auf der Fahrt von Bad Schachen her ein reizvolles Bild. An dem malerischen Pulverturm vorbei, der zu ermeister der Stadt einem lauschigen Sommersitz für den Bür eingerichtet wurde, gelangt man zur Kar!s bastion, die einen großartigen Blick auf den gröhten Teil des Sees und auf die Alpenkette bietet, alsdann an den großen Lagerschuppen vorbei zum Bahnhof zurück. Der Rundgang erfordert 1½/½—2 St. 3ei genügender Zeit und klarem Wetter empfiehlt sich ein Kbstecher auf den aussichtsberühmten Hoyerberg. Vom Alpengarten in Ischach kommend, überschreiten wir beim Bahndamm das Geleise und folgen nun längere Zeit dem Fußbh- weg neben der Bahnlinie, die zuerst rechts, dann links von uns ist. Vor dem Bahnübergang bei der Tettnanger Straßhe geht's rechts, dann gleich wieder links auf der Straße nach Hoyern; der Ort bleibt rechts. Nachher führt der Weg dem' Telegraphen entlang auf die turmgezierte Anhöhe zu, beim Wasserhäuschen folgt man dem Feldweg links aufwärts zum Turm. Der Hoyerberg, 465 m, ist einer der wenigen Punkte, von wo aus Lindau als Insel zu sehen ist. Auf der eisernen Aus- sichtswarte ist eine Orientierungstafel angebracht; der Blick schweift über den weiten See hinüber zur langen Kette der Schnéeberge. Uber der Bregenzer Bucht steigt breitmassig der Pfänder auf, weiter rechts über Bregenz der Gebhards- berg, im Hintergrund die Kette der Vor rlberger Alpen: Künzelspitze, Hochälpele, Mittagsspitze, Mörzelspitze, Hoher Freschen, davor die pyramidenförmige Staufenspitze, nach rechts die Hohe Kugel, an deren Fuß Dornbirn und rhein- aufwärts Hohenems lagern. Weiter zurück ragt die mäch- tige Scesaplana auf, daneben der Falknis. Den Abschluß des oberen Rheintals bilden der Calanda bei Chur und die Grauen Hörner mit der Ringelspitze bei Ragaz; im Vordergrund stellt sich breitspurig der Dreischwesternberg hin, der das Tal abzuschließen scheint. Rechts vom Rheintal steigt die gewaltige Säntisgruppe auf, vor der sich die mattenreichen Appenzeller Voralpen ausbreiten. Entzückend ist der Blick auf den hellglänzenden Silberspiegel des Bodensees von Breé- genz bis Konstanz. Am jenseitigen Ufer liegt Rorschach am Fuß des hochragenden Rorschacher Bergs, auf dem sich Heiden lieblich lagert. Rechts davon erblickt man die Ufer- städte Arbon und Romanshorn, in weiter Ferne Konstanz 32 I. Ausflüge am Bodensee. mit dem Münster, dahinter den Hohentwiel; links von Ror- schach erscheinen Rheineck und Fußach mit der neuen Rhein- mündung. Das diesseitige Ufer ist belebt durch Bregenz, die Inseistadt Lindau, Bad Schachen mit seinen Villen, Wasserburg, Langenargen und Friedrichshafen.— Der höhere Steinturm neben der Aussichtswarte ist in Privatbesitz. Auf dem Hoyerberg wurde im April 1908 eine Lingg-Linde gepflanzt zur ehrenden Erinnerung an den begeisterten Sänger des Bodensees und seiner Schönheiten, Hermann v. Lingg, eines gebürtigen Lindauers. Vom Türmchen kehrt man wenige Schritte zurück, dann führt der Fußweg links auf der Höhe weiter; nach 5 Min., kurz unterhalb der beiden Landhäuser, folgt man dem Pfad links hinab und gelangt über die Bahnlinie zur Straße, die wenige Schritte rechts, dann abwärts über die zweite Bahn- linie(Haltestelle Enzisweiler) in ½ Std. nach Bad Schachen führt(Näheres s. oben). Vom Bad Schachen kann man wieder zu Schiff nach Lindau. Will man zu Fuß zurück, so geht man vom Bad die Straße kurz aufwärts, dann rechts zwischen den Gärten hindurch, später an mehreren Villen vorbei, zuletzt am See hin zum Bahndamm und über den Damm, am Diebsturm vorbei, zum Hafen von Lindau. Auf der Weiterfahrt nach Bregenz rücken die Berge all- mählich in erdrückende Nähe. Bregenz, 400 m, 8200 Einw.(Montfort, Europa, Gster— reichischer Hof; Weißes Kreuz, Post, Schweizer Hof, Krone, Bregenzer Hof, Habsburger Hof, Goldener Löwe, Lamm, Tiroler Hof, Heidelberger Faß). Bregenz ist die Hauptstadt des österreichischen Kron— landes Vorarlberg(des Landes„vor dem Arlberg“) und der einzige österreichische Hafen am See. Die Stadt hat eine wunderschöne Lage an der südöstlichen Bucht des Sees, am Fuß des Gebhardsbergs und Pfänders; sie zerfällt in die alte Oberstadt(Altbregenzj und die neue Unterstadt, in der durch den Hafen und Bahnhof das regste Leben pulsiert. Bregenz ist durch die Bodenseegürtelbahn mit Lindau und St. Mar— grethen verbunden und bildet den Ausgangspunkt der Arl- bergbahn, der Bregenzer-Wald-Bahn und neuestens der Pfänderbahn. Unter den Sehenswürdigkeiten ist in erster Linie das Vorarlberger Landesmuseum(zwischen Bahn- hof und Hafen) zu nennen, dessen Prachtbau eine reiche uduyV IIονν)̃ᷓονpο uνονα zN4HNN Joian- Saqupοννννννον 11ιναν ν,ẽ Su¹νν’ Friedrichshafen-Lindau-Bregenz 33 Sammlung von Altertümern und Kunstschätzen aus dem ganzen Vorarlberg enthält. Die Funde aus der frühesten Geschichte der Menschheit, aus der Stein- und Bronzezeit, aus der Zeit der Pfahlbauer, der Kelten und Römer geben ein Spiegelbild von der Entwicklung der Kultur der Bodensee bewohner. Besonders reichhaltig sind die Gegenstände aus der Römerzeit, von den neueren Ausgrabungen in Bregenz n. altertümliche f mitze errührend. Kunstvolle Holzs Möbel, Waffen, Folterwerkzeug stände, Volkstrachten, reiche naturgeschichtliche Samm lungen, eine Bildersammlung(mit Werken von Angelika S. W. bieten kunstgewerbliche Gegen- Kauffmann), ein schönes Relief von Vorarlberg u. eine Fülle des Sehenswerten Das Museum ist täglich ge öffnet; Eintritt 50 h. Die schönen Hafenanlagen bilden einen beliebten Auf nthalt; die sehenswerte Trajektanstalt und das Trockendocłk finden sich östlich vom Hafen; der Gondelhafen ist westlich vom Landungsplatz, in der Richtung zum Bahnhof. In der Unterstadt steht die neuerbaute, prachtvolle Her2 Jesu— Kirche; sehr schön ist das neue Postgebäude. Neben dem erneuerten, mit Malereien geschmückten Rathaus ist die Seekapelle zu St. Georg von geschichtlichem Interesse, indem 9g de! Stadt iftet wurde. sie zur Erinnerung an die Abwehr einer Belagerur irch die Appenzeller B- 1407- 08 In der 0581 it steht die Galluskirche, deren Turm die schöne Chorstühle enthält. Der H tar ist ein Geschenk der Kaiserin Maria Theresia Cper dem westlichen Stadttor(oberhalb der Maura SS6 zt ein Relief der römischen Schutzgöttin pona eingemauert. In der Nähe steht der Martins turm, ein Uberrest der einstigen Stadtbefestigung, mit der im Jahr 1362 eingebauten Martinskapelle. Die in gotischem Stil erbaute evangelische Kirche, die den Sammelpunkt der wWeitzerstreuten Protestanten Vorarlbergs bildet, erhebt sich auf der Römerstätte. Xn der Stelle der Oberstadt stand das rö6mische Bri- gantium, nach dem der See von den Römern benannt wurde. Das Castrum gehörte zur Provinz Vindelizien und war vier Jahrhunderte lang der Standort einer römischen Besatzung gegen die Germanen. Zahlreiche Ausgrabungen ergaben namentlich in neuerer Zeit reiche Funde von rö— mischen Altertümern. Am Glrain wurde 1885 das Forum Wais, Bodensee-Führer 3 34 I. Ausflüge am Bodensee. Brigantii“ freigelegt; beim Bau der nahegelegenen evange- lischen Kirche wurde 1862 ein umfangreiche römisches Bad aufgedeckt, einige Jahre später ganz in der Nähe ein römischer Friedhof mit 50 Grabstätten. Die in den letzten Jahrzehnten veranstalteten Ausgrabungen förderten die Grundmauern zahlreicher Römerbauten, namentlich von Badanlagen, Wohnhäusern, auch eines Tempels, sowie viele Münzen, Ge— fäße und Schmucksachen zu Tage. Das Kastell Brigantium bildete den Hauptstützpunkt der Römer am Bodenseèe; hier trafen drei wichtige römische Hèerstraßen zusammen: von Mailand über den Splügenpaß nach Chur und durchs Rhein- tal an den Bodensee, nach Norden veiter über Kempten nach Augsburg, der Hauptstadt Vindeliziens, nach Westen über d Kastell Arbor felix(Arbon) nach der heutigen Schweiz. Uber 400 Jahre lang dauerte die Herrschaft der Römer am Bodensee, bis die Stürme der Völkerwanderung das weströmische Reich zertrümmerten. Im Jahr 609 kamen die irischen Glaubensboten Columban und Gallus an den Bodensee, um das Christentum auszu- breiten. Am Fuß des Gebhardsbergs soll Gallus, der Gründer des nach ihm benannten weitberühmten Klosters St. Gallen, der Sage nach in einer Felsgrotte sich niedergelassen haben. Uber der Grotte wurde später die Kapelle St. Gallenstein errichtet, die bis ins vorige Jahrhundert bestand. Die Pfarr- kirche in der Oberstadt ist gleichfalls dem heiligen Gallus geweiht. Im 10. Jahrhundert herrschte in Bregenz ein Zweig der alamannischen Grafen des Argengaus, eine Seitenlinie der Grafen von Buchhorn(Friedrichshafen). Sie erbauten auf der schroffen Felsenstirne des Gebhardsbergs, eines Aus— läufers des Pfänders, das Schloß Hohenbregenz und nannten sich nach ihrer Burg Grafen von Bregenz. Ihr Gebiet er- streckte sich bis nach Augsburg hin; lange Zeit waren sie die eiaflußreichsten Herren in Schwaben. Der berühmteste Sprohʒ dieses Adelsgeschlechts war Graf Gebhard, der im Jahr 946 auf der Felsenburg das Licht der Welt erblickte und 996 als Bischof von Konstanz starb. Auf der Rheinbrücke in Kon— Stanz steht sein Denkmal. Nach der später zu seinem Ge- dächtnis an der Stelle der Burg errichteten Wallfahrtskirche erhielt der Berg seinen jetzigen Namen, während der einstige zurgname verschwand, genau wie bei dem Welfenstamm- Schloß Ravensburg, das nach einer viel später errichteten Friedrichshafen-Lindau-Bregenz 35 kapelle den Namen Veitsburg trägt. Die Burg Hohen nz kam nach dem Aussterben der Grafen von Bregenz durch Erbschaft an die weithin im Schwabenland herrschenden Pfalzgrafen von Tübingen, von denen nun ein Zweig den Namen Grafen von Montfort annahm(vgl. Langenargen). Der bedeutendste Sproß dieser Linie war der Minnesänger sheld Hugo von Montfort, der fünfte seines Namen 1357. Er nahm 1377 an dem Zug Herzog Albrechts III. von Gsteérreich gegen die heidnischen Preußen te ward V und Krie geborer später österreichischer Kriegshauptmann, Landvogt in der Schweiz, dann Landeshauptmann von Steiermark und machte schließlich eine Pilgerfahrt nach dem Heiligen Lande. Trotz seines kriegerisch bewegten Lebens leistete dieser vielseitige Mann auch als Dichter Hervorragendes; er starb 142 Das mächtige Adelsgeschlecht der Montfort schwächte sich aber durch zahlreiche Teilungen, sowie durch langdauernde Strei— tigkeiten, besonders mit den Grafen von Werdenberg(deren noch gut erhaltenes Stammschloßs bei Buchs ins Rheintal schaut), so daß die Hälfte der Herrschaft Bregenz im Jahr 1451, der Rest 1523 an den Herzog Ferdinand von Gsterreich ver— kauft werden mußte. Das einst so vornehme Herrscher- zeschlecht trat seine übrigen Besitzungen 1780 an Gsterreich ab und erlosch 1787 in tiefster Armut. Mächtige Bollwerke, besonders die Bregenzer Klause, ein 5 befestigter Engpaß zwischen dem Bodensee und dem f lieben die Stadt r erscheinen. Gegen Ende hrigen Kriegs gelang es jedoch den Schweden unter General Wrangel durch Verrat, die Befestigungen zu er-— stürmen und die Klause zu zerstören. Nach einem vergeb— lichen Angriff auf Lindau ließ Wrangel vor seinem Abzug 1647 die Burg Hohenbregenz(zugleich mit Schloß Montfort bei Langenargen) in die Luft sprengen. Auher ihrer Felsenburg hatten die Grafen von Bregenz auf einem die Oberstadt be- krönenden Hügel eine feste Burg, das Stadtschloß Altbregenz, erbaut, das die Kriegstürme überdauerte und heute noch als starkes RBollwerk die Stadt überragt. Dieses trotzige Schlob bildete um die Mitte des vorigen Jahrhunderts den Musensitz des Romanschriftstellers Robert Byr(Rittmeister von Bayer) und des Dichters Alfred Meißner. Durch die Umwälzungen der napoleonischen Kriege kam Bregenz mit Vorarlberg und Nordtirol durch den Preßburger Frieden 1805 an Bayern. 36 I. Ausflüge am Bodensee. Die Stadt begünstigte jedoch den Tiroler Aufstand von 1809 und wurde mit diesen Landesteilen 1814 Osterreich wieder einverleibt. Uber den Bergpaß der Bregenzer Klause, von der noch ein Torturm und etliche Mauern erhalten sind, führte krüher die Straße von Schwaben nach Vorarlbe Nunmehr zicht sich die Straße samt der Bahn dicht am See hin, strecken- weise den Felsen und dem See abgerungen; auf eine Länge von 900 m mußte ein mächtiger Quaderdamm zum Schutz gegen die oft stürmische Brandung erbaut werden.— Bei der Klause, die wohl schon zur Römerzeit befestigt war, erhebt sich der hübsche Pavillon„Gravenreuthsruhe“, der eine reizende Aus- schau auf die Bregenzer Bucht und das Kheintal gewährt. Der beliebteste Ausflug von Bregenz führt auf den aus- sichtsreichen Gebhardsberg; auf dem Weg dorthin berührt man die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Vom Hafen führt der Weg am Postamt vorbei, beim Landesmuseum links, am Rathaus und an der Seekapelle vorüber, bei der Krone rechts, dann die Kirchstraße aufwörts, an der freskengeschmückten Wirtschaft Kinz zum Bürger- meister vorbei, zur Galluskirche in der Oberstadt. Von hier hat man einen schönen Uberblick über die Stadt; drüben ragt das stattliche alte Schloß auf. Man wandert die Straße aufwärts, beim Spital links zum Wald; hier kürzen Fußwege die Windungen der Straße. Der Weg zieht sich in leichter Steigung durch den Wald zur Höhe. Bei der Aussichtsplatte unterhalb der Wallfahrtskirche ist eine Orientierungstafel angebracht, die das Feststellen des wWunderschönen Panoramas erleichtert. Man überschaut den Bodensee in seiner ganzen Ausdehnung und den Alpenkranz von der Canisfluh bis zum Säntis, der einen gewaltigen Ab- Schluß bildet. Großartig ist der Tiefblick auf die Bregenzer Ach; sehr schön zeigt sich der Bregenzer Wald, an seinem zand das langgestreckte Dornbirn unter der Staufenspitze. Drüben glänzt der lange Silberstreifen des Rheins, den ge- waltigen Hintergrund bilden die Schneèeeberge des oberen Rheintals, das durch die Grauen Hörner bei Ragaz scheinbar abgeschlossen wird. Die Länge des Bodensees ist Sso bedeutend, daß das Auge das nördliche Ufer bei Ludwigshafen(Luftlinie 65 km) nicht mehr zu erkennen vermag. Mit wenigen Schritten erreicht man vollends die Wall- fahrtskirche und Wirtschaft auf dem Gebhardsberg, 600 m, Rorschach-Heiden-Romanshorn 575 rund 200 m über dem Bodensee. Der weit ins Rheintal vor— springende Kusläufer des Pfänders trug an der Stelle dei jetzigen, im Jahr 1723 erbauten Kirche die Felsenburg Hohenbregenz, deren ursprüngliche Anlage sich noch ziemlich deutlich erkennen läßt. Kirchlein und Mesnerhaus (Wirtschaft) wurden unter Benützung der Burgmauer er richtet; neben der Kirche steht noch eine stattliche Mauer. Den schönsten Anblick der efeuumrankten Burgreste wie des Kirchleins gewinnt man, wenn man vom Garten rechts durch die Maueröffnung tritt und kurz abwärts geht, bis man den lroffen, überhängenden Felsen mit dem malerischen Kirch- lein fast drohend über sich hat. Das düstere Mauerwerk ruht auf einer Nagelfluhschicht(einer aus Geröllsteinen zusammen- geballten Masse, deren Kiesel wie Nagelköpfe hervorstehen, aher der Name); den Untergrund bildet eine Sandsteinbank, ie Gletscherschliffe zeigt. Sechenswert ist auch das Innere es Kirchleins, namentlich das prächtige Altarbild und dio Wandgemälde. Der Gebhardsberg ist ein vielbesuchter Wall fahrtsort geworden; besonders am 27. August, dem Todestag des heiligen Gebhard, findet alljährlich eine großartige Wall- fahrt aus den umliegenden Ländern statt, wobei die Wall- fahrer meist in ihrer farbenreichen Landestracht erscheinen. Weit umfassender als vom Gebhardsberg ist die Rund sicht vom Pf änd er, worüber Näheres in Nr. 13 enthalten ist. XIs Abstieg wählt man denselben Weg. Will man am d d 0 gleichen T nach Friedrichshafen zurückkehren, so beachte man, daß in Bregenz das letzte Schiff um 6 Uhr abfährt. 2. Rorschach-Heiden-Romanshorn. Bregenz zu Schiff nach Rorschach 20 Min. Maria- berg ½½ St. Annaschloh 1 St. Roßbühl 50 Min. Heiden Bergbahn nach Rorschach zu Schiff über Romanshorn nach Friedrichshafen, zus. 2 St. 40 Min. lliezu Karte Seite 120 und am Schluß. Die Fahrt von Bregenz nach Rorschach geht mangels einer direkten Schiffsverbindung(die übrigens geplant ist) über Lindau, von wo die volle Breite des Sees durchkreuzt wird. Auf der Fahrt erblickt man bald nach Lindau zur 38 I. Ausflüge am Bodensee Linken die neue Rheinmündung, an der großen Fußbacher Zrücke kenntlich(Vgl. Nr. 20). Vor Rorschach sieht man die alte Rheinmündung mit dem weit vorgeschobenen Rhein spitz, den Schuttablagerungen des Alpenstroms. Rorschach, 402 m, 1I 000 Einw.(Anker, Hirsch, Bodan Schiff, Bahnhofhotel, Badhof, Grüner Baum, Krone, Ochse; Bahnhofwirtschaft mit Terrasse) ist für den Reiseverkehr der Haupthafen am Schweizer Ufer. Rorschach hat wie Fried richshafen zwei Bahnhöfe: den Hafenbahnhof, hauptsächlich für den Personenverkehr, und den Auhenbahnhof außerhalb der Stadt, ½ St. östlich vom Hafen, beim Zusammentreffen der Bahnlinien von Romanshorn, Rheineck und St. Gallen. Durch seine prächtige Lage an der weiten südlichen Bucht zu Füßben des mächtig ansteigenden Rohbühls, eingerahmt von Obstgärten, Wiesen und Tannenwäldern, ist Rorschach einer der schönsten Orte am Bodensèee und wird als Sommer— frische viel besucht(Seebäder und römischsirische Bäder; Gondelfahrten). Die Geschichte Rorschachs reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück, wo der Ort urkundlich als ein Hof erwähnt wird. Als Hafen für St. Gallen hat Rorschach schon früh eine Be— deutung erlangt, die mit dem Ansehen und der Macht des Klosters wuchs. Nachdem sich die Stadt St. Gallen im 15. Jahrhundert von der Herrschaft des Klosters befreit hatte, wollte Abt Ulrich, um die Stadt zu schädigen, 1486 die Abtei nach Rorschach verlegen und ließ hier das Kloster Mariaberg erbauen. Die Stadt wollte aber ihr Kloster, dem sie ihre Macht verdankte, nicht verlieren und ließ deshalb mit Hilfe der Appenzeller den neuen Klosterbau zerstören. Der Abt erzwang jedoch den Wiederaufbau, doch mußte die Abtei in St. Gallen verbleiben, während Mariaberg nicht als Kloster, sondern für Schulen benützt wurde. Mit der Aufhebung der Abtei 1805 wurde auch ihr Hafenort Rorschach dem Kanton St. Gallen einverleibt. Die zahlreich am Strand und am Rorschacher Ber, streuten Landhäuser geben dem Ort ein ungemein freund— liches Aussehen. Wenn auch der ganz städtisch gebaute Marktflecken nicht reich an Kunstbauten ist, so weist er doch einiges Sehenswerte auf. Aus älterer Zeit stammen die schmucken Erkerhäuser der Hauptstraße, sowie das im Jahr 1746 durch den berühmten Baumeister Bagnato, der auch das Schloß Mainau schuf, im Auftrag des Klosters 2. Rorschach-Heiden Romanshorn 39 St. Gallen errichtete Kornhaus. Die Bedeutung Rorschachs für den Kornmarkt der Schweiz, für den es früher tonangebend War, hat übrigens durch den Wettbewerb von Romanshorn in letzter Zeit so sehr nachgelassen daß das Kornhaus nun- mehr für andere Zwecke eingerichtet werden soll. Besondere zeachtung verdienen die beiden aus dem 15. Jahrhundert stammenden kirchlichen Bauwerke: die katholische Pfarr— kirche, die 1886 erneuert Wurde, und das ehemalige Kloster Mariaberg, jetzt Lehrerseminar des Kantons St. Gallen, mit schönem Kreuzgang und herrlichen gotischen Fenstern. Die beiden Prachtbauten der katholischen Jugendkirche und der reformierten Kirche gehören der neuesten Jeit an, ebenso das großartige Wasserwerk im Rietli unterhalb Ror- schach, durch welches die Stadt St. Gallen mit Trinkwasser aus dem Bodensee versorgt wird(1895 errichtet). Alle diese Bauten mit Ausnahme des Wasserwerks, das abseits liegt und mehr für Techniker von Interesse ist, werden auf dem Weg zum Roßbühl berührt. Am Hafenplatz steht rechts das palastartige Korn haus mit schönem Portal und einem sinnbildlichen Wappen im Giebelfeld; gegenüber erhebt sich der Neubau der Toggen- burger Bank. Die Hauptstraße führt zwischen diesen Bauten rechtshin in wenigen Minuten zu einem neuerrichtéten Mo— numentalbrunnen. Zum FHafen zurückkehrend, geht man an dem schönen Postamt vorbei durch die Hauptstraße weiter, an zahlreichen Erkerhäusern vorüher, beim Rathaus rechts „ur Hauptkirche, die ein herrliches Deckengemälde enthält. Vom Portal geht man geradeaus durch die Kirchstraße und die Mariabergstraße aufwärts zur katholischen Jugen d- kirche, einem schönen, in trübgotischem Stil stellten zau, dessen edle Einfachheit wohltuend ist. Die Kirche bi einen kunstvoll geschnitzten Hochaltar und ebensolche Seitenaltäre. Drüben steht ganz nahe die neue evange- lische Kirche, die sich gleichfalls durch gediegene Bau- art auszeichnet. Man folgt der Mariabergstraße weiter bis zu dem einen beherrschenden Abschluß bildenden Kloster Mari a ber g, 440 m. von wo man einen reizenden Blick auf den See genießt. Durch die Anlagen geht man um das Haus herum, dann an den Weihern vorbei das Sträßchen, später den Fußweg auf⸗ wärts. Der Weg bietet bald herrliche Zückblicke auf den See mit Rorschach, links davon zeigt sich Arbon und Romans— 40 I. Ausflüge am Bodensee horn, etwas rechts(jenseit des Sees) Meersburg, über Ror— schach Friedrichshafen und der Gehrenberg, nach rechts Langenargen mit Schloß Montfort, weiter rechts Lindau. Oberhalb des dritten Weihers geht man am Waldrand rechts (Wegw.) mit prachtvollen Ausblicken auf den zum nahen Annaschloß, 560 m, einst im Besitz der Abtei St. Gallen. Von den Wirtschaftssälen des neuen 8Sc S, das an die statt-— liche Ruine des Bergfrieds angebaut is hat man eine ent- zückende Ausschau auf den ganzen 833 die Vorarl- berger Alpen und die Rätikonkette. Vom Schloß folgt man dem anstèeigenden Fahrweg durch den Wald, hält bald nachher bei der Wegteilung links, wählt vor der Feldscheuer den ebenen Weg am Steinbruch vorüber, dann den aussichtsreichen Wiesenweg an der Wirtschaft zur Fernsicht vorbei. Bei den einzeln stehenden Häusern wird der Fahrweg überschritten und der Treppenweg links auf— wärts eingeschlagen(Wegw. Roßbühl) Der Weg führt zwischen den oberen Höfen hindurch und is mit roten Strichen bezeichnet. Am Wald wählt man nicht den Grasweg links, sondern den Fahrweg aufwärts, der bald wieder grohartige Ausblicke auf den See gewährt; oberhalb Rorschach zeigt sich die Rheinmündung mit den Geröllablagerungen, dahinter Lindau. Beim Erreichen des Hochwalds folgt man dem Fubpfad halblinks aufwärts(Wegw.) zur ebenen Strahße, dieser kurz links, dann dem ansteige nden F ußweg rechts(Wegw.). Auf der Höhe genießt man einen überrasc hend schönen Blick auf den ganzen Bodensee und die lange Kette der Schneeberge. Links vorgehend erreicht man an der Kapelle vorbei das Gasthaus zum Fünfländerblick auf dem Roßbühl, auch Roßbüchel genannt, 900 m, der zu den hervorragendsten Aussichtspunkten am Bodenseèe gehört. Tief unten lagert sich Rorschach, auf den dahinter liegenden Landzungen Horn, Steinach, das schön gelegene Arbon und weit vorspringend Romanshorn. Im Hintergrund erblickt man die Insel Mainau, weiter links Konstanz, dahinter den Zeller See. Hinter der Spitze von Romanshorn erscheint der Uberlingersee, rechts davon sehr deutlich Meersburg, weiter rechts die Luftschiffhalle des Grafen Zeppelin. Uber die rechten Häuser von Rorschach weg erblickt man Friedrichs- hafen, links dahinter den Gehrenberg. Uber der Fabrik rechts von Rorschach zeigt sich Langenargen mit Schlob Montfort, rechts von Rorschach tief zu Füßen der alte Rhein- Rorschach-Heiden-Romanshorr 41 lauf, im Hintergrund Lindau, ganz rechts Bregenz mit Geb hardsberg und Pfänder. Von hier bis über Heiden hinaus baut sich die Alpenkette auf, und zwar beginnen im Osten über dem Bregenzer Wald die Algäuer Alpen, daran reihen sich die Vorarlberger Gipfel. Den malerischen Vordergrund bilden die Appenzeller Voralpen, auf deren grünen Matten die schmucken Häuser Heidens weit zerstreut liegen. Uber den linken Häusern von Heiden ragt in der Ferne der Widderstein auf, nach rechts die Canisfluh, über der Kirche von Heiden die Mörzelspitze und rechts vom Ort als schöner Abschluß der Hohe Freschen. Die Spitze des Roßbühls, 959 m, zugleich der höchste Punkt des Rorschacher Bergs, ist bewaldet und bietet deshalb keine Rundsicht. Der Roßbühl ist ein ruhiger, billiger Er— holungsplatz. Bei der Kapelle folgt man dem Fußweg abwärts nach Katholisch-Grub, auch St.-Gallisch-Grub genannt, weil zum Kanton St. Gallen gehörig. Die Straße führt rechts zu dem kleinen Kirchlein mit spitzem Turm(die größere Kirche mit dem Zwiebelturm bleibt links) im nahen EVan gelisch-Grub, das zu Appenzell gehört. Etwas merk würdig erscheint der griechische Vorbau am Kirchenportal, eine Bauweise, die man übrigens in dieser Gegend öfters trifft(S6 auch in Heiden und Dornbirn). Gegenüber dem Kirchlein steht ein malerisches Haus von 1785 mit geschweif tem Giebel Beim Lõu weigt rechts ein Fuſßweg db(Wequb.), der auf der Höhe in den von Heiden łkommenden Pfad mundet und in 40 Min. auf den Katen führt, vyl. Nr. Iõ. Oberhalb des Kirchleins folgt man der Straße links nach dem berühmten Kurort Heiden, 810 m, 3750 Einw.(Freihof und Schweizerhof, Krone, Mose Sonnenhügel, Linde, Gletscherhügel, Neubad, Weiß, Nord, Paradies, Löwe, Schäfle, Ochse). Das freundliche, städtisch aussehende Appenzeller Dorf, das nach dem großhen Brand von 1838 ganz neu erbaut wurde, liegt 400 m über dem RBodensee und wird als Luft- und Milchkurort viel besucht; Kurtaxe täglich 30 cts. Die geschützte, sonnige Lage auf den grünen Matten der Appenzeller Voralpen und treffliche Einrichtungen für Heilkunde wie für Verpflegung machen Heiden zu einem der beliebtesten Kurplätze am Bodensee; zu seinem Ruhm als Kurort trug der berühmte Berliner Augenarzt Prof. Gräfe, eNn 2 Cru 42 I. Ausflüge am Bodensee der die gute Wirkung der Luft bei Augenleiden erkannte, wesentlich bei. Neben dem Fremdenverkehr blüht in Heiden wie in allen Appenzeller Orten hauptsächlich Weberei und Stickerei. Infolge seiner Lage auf einer von Bergen über— ragten Hochfläche gewährt Heiden keine weitreichende Lus- schau; der Blick auf den oberen Teil des Bodensees ist hübsch, dagegen sind von den Alpen nur einige Gipfel von Vorarl— berg zu sehen. Bei den ersten Häusern von Heiden zweigt von der Gruber Straße ein Fußweg links ab zu dem reizend angelegten Waldpark“ in dem tiefen Tobel des Mattenbachs; einer der schönsten Plätze, der zugleich eine liebliche Aussicht bietet, trägt den Namen Gräfeplatz. Im Kur garton befindet sich die in maurischem Stil erbaute Kurhalle, so— wie eine kleine Findlingsgruppe(Gletscherhügel) mit Alpen pflanzen, auf dem Kirchplatz das schenswerte naturgeschicht- liche Museum mit Altertumsammlung, davor ein hüb— scher Brunnen. Zum Bahnhof geht man am Kurgarten und an der Kirche vorbei, deren griechisches Portal seltsam zu den romanischen Fenstern sich ausnimmt, bei der Krone links zur Berg bahn die uns in aussichtsreicher Fahrt(rechts sitzen!) nach Ror— schach zurückbringt Von Rorschach fährt man zu Schiff entweder un— mittelbar nach Friedrichshafen, wobei man die volle Breite des Soes durchquert, oder an dem malerischen 8SchW EIZ e1 Ufer hin vorbei an der idyllischen Villa Seefeld der Fürstin Pauline zu Wied, der Tochter des Königs von Würt temborg nach dem reizenden Bad Horn mit dem Schloßb des Landgrafen von Hessen. Weiter geht die Fahrt nach dem auf einer Halbinsel wunderschön gelegenen Arbon, 106 m. 7000 Einw.(Bär, Engel, Kreuz, Krone, Linde), einem der ältesten und geschichtlich merkwürdigsten Orte am Sée. Die gewerbreiche Stadt, ein thurgauischer Bezirkshauptort, steht an der Stelle des römischen Arbor Felix glücklicher Baum. Die einst starke Römerfestung wurde im I. Jahr— hundert n. Chr. zum Schutz der Heerstraße nach Bregenz erbaut und im 5. Jahrhundert von den Alamannen zerstört. Das Schloß, dessen uralter Turm aus gewaltigen Find- lingsblöcken besteht und wohl aus der frühesten Zeit des NMittelalters(Merowingerzeit) stammt, kam später in den Be- sitz der Hohenstaufen und war im Jahr 1266 Aufenthaltsort 2. Rorschach-Heiden-Romanshorn 43 Konradins, des letzten Hohenstaufen, vor seinem Zug nach Italien. Jetzt ist das von Bischof Hugo von Landenberg um 1500 erneuerte Schloß zu einer Seidenbandfabrik eingerichtet. Von Arbon z0g der irische Glaubensendling Gallus im Jahr 614 in das waldige Hochtal an der Steinach, vo aus seiner Ein— siedlerzelle das heutige St. Gallen erwuchs; Arbon war auch sein Sterbeort. Die Galluskirche enthält schöne Glasgemälde. Sehenswert sind die Sammlungen der Funde aus der Pfahl bauer-, Römer- und Alamannenzeit. Prachtvoll ist die Aus— schau auf die gewaltige Fläche des Sees mit den am jenseitigen Ufer gelegenen Städten, sowie auf die Tiroler, Vorarlberger und Appenzeller Alpen. Als letzter, aber zugleich als bedeutendster Schweizer Hafen am Obersee folgt nun Romanshorn, 410 m, 4580 Einw. (Bodan, Falke, Hirsch, Hecht, Bahnhof), der Mittelpunkt des Bodensèeverkehrs. Der stattliche und wohlhabende Hafenort, angeblich das römische Cornu romanorum, ist der Haupteintrittspunkt in die Schweiz und besitzt den gröhten Hafen am Bodensee. Seine Bedeutung als wichtigster Handelsplatz des Bodensees hat Romanshorn freilich erst in neuerer Zeit erlangt durch die Bahnen nach Zürich, Konstanz und Rorschach, sowie durch den ausgedehnten Dampfschiff und Trajektverkehr hauptsächlich mit Friedrichshafen und Lindau. Der schweizerische Kornmarkt, der bisher Ror— kast ganz erobert schachs Stolz war, ist von Romanshorn worden. Sein Güterverkehr ist der umfangreichste am See und sein Hauptzollamt s einträglichste der Schweiz mit einer jührlichen Einnahme von etwa 7 Mill. Franken.— In land- schaftlicher Hinsicht ist Romanshorn allerdings weniger be— vorzugt, obgleich der See hier seine größte, meerähnliche Breite hat. Der Hafen, der rings von Lagerschuppen um— geben ist, ward mehr aus Zweckmäßigkeitsgründen als aus Schönheitsrücksichten angelegt. Sehenswert ist die große Schiffswerft, die bedeutendste am See. Das die Landzunge krönende, neuhergerichtete Schloß, von dessen Fenstern sich eine herrliche Aussicht auf den See und die Alpenkette öffnet, war einst im Besitz des Klosters St. Gal- len. Der auf einer Halbinsel zwischen Obstgärten halb versteckte, rasch aufgeblühte Marktflecken, zum Kanton Thurgau gehörig, hat gut eingerichtete Seebäder und ist neuerdings ein beliebter Aufenthalt von Sommergästen ge-— worden. 44 I. Ausflüge am Bodensee Auf der Fahrt nach Frie drichshafen durchquert man den Sèe in seiner größten RBreite(I4 km), zugleich kommt man auch in der Nähe der tiefsten Stelle des Sees vorbei m tief, etwa in der Mitte des Sees gelegen). 3. Meersburg-Mainau-Uberlingen. Friedrichshafen zu Schiff nach Meersburg(I St. Rund- gang)— zu Schiff auf die Mainau(I St. zundgang) zu Schiff nach Uberlingen(3 St. Rundgang), zus. 5 St. MHiezu Karte Seite 8S0 und am Schluß. Das Schiff umfährt im Bogen die Stadt und das Königliche Schlog, dessen doppeltürmige Klosterkirche das weithin sichtbare Wahrzeichen von Friedrichshafen bildet. Bald kommt die Luftschiffhalle des Grafen Zeppelin bei Manzell in Sicht. Mit sicherem Blick hat der berühmte Erfinder des besten lenkbaren Luftschiffs den Bodensee als geeignetsten Ubungs- platz für sein Flugschiff ausersehen. Eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben der Luftschiffahrt besteht be— kanntlich im sicheren„Landen“, welches Wagnis sich am besten auf der weiten, glatten Seefläche ausführen läßt. Mit unermüdlicher Ausdauer hat Graf Zeppelin seine Erfindung vervollʒkommnet, die einen neuen Zeitabschnitt in der Ge— schichte der Luftschiffahrt bedeutet. Nach jahrelangen Ver— suchen hatte der Erfinder im Juni 1900 sein erstes, 140 m langes Luftschiff fertiggestellt, und gleich die erste Fahrt am 2. Juli 1900 brachte ein vielversprechendes, wenn auch noch kein völlig befriedigendes Ergebnis. Die weiteren Versuchsfahrten im Herbst ließen eine Verstärkung des Aluminiumgerüstes und die Erzielung einer gröhßeren Fahr- geschwindigkeit notwendig erscheinen. Auf Grund dieser Erfahrungen baute Graf Zeppelin in den nächsten fünf Jahren ein zweites, stärkeres Fahrzeug, das jedoch bald ein tragisches Ende nahm. Beim zweiten Aufstieg am 17. Januar 1906 geriet das Steuer in Unordnung, ein he ftiger Wind trieb das steuerlose Fahrzeug landeinwärts, wo es bei Wangen im Algäu landete, durch einen nächtlichen Wintersturm aber völlig 3. Mèeersburg-Mainau-Uberlingen 45 Meersburg. zerstört wurde. Mit diesem Mißerfolg schien das Schicksal der Zeppelinschen Erfindung besiegelt zu sein, doch mit unerschütterlicher Siegesgewibheit ng Graf Zeppelin Sofort an den Bau seines dritten Luftschiffes, das schon am 9. Ok- tober 1906 glänzende Fahrten mit vollkommener Sicherheit ausführte. Mit weiteren Verbesserungen versehen, machte das Schiff im Herbst 1907 neue Versuchsfahrten, die wiederum ein glänzendes Ergebnis lieferten. Mit spielender Leichtigkeit ließsich das mächtige Fahrzeug nach Belieben lenken, die Fahrten wurden nicht nur über den ganzen See, sondern auch landeinwärts bis nach Ravensburg ausgedehnt.— Inzwischen ließ das Deutsche Reich im Sommer 1907 eine neue eiserne Luftschiffhalle um ½ Million Mark zur Förderung der Zep- pelinschen Erfindung erbauen. Die freischwimmende Ballon- halle ist 150 m lang, 22 m breit und ruht auf 38 beweglichen Pontons, wodurch sie jeder Windrichtung frei folgen kann, so daß die Aus- und Einfahrt des Ballons ganz erheblich er- leichtert ist. Gleichzeitig baute der erfolggekrönte Erfinder für diese Halle ein neues Luftschiff mit weiteren Vervoll- kommnungen. Beide Fahrzeuge sind in neuester Zeit an das FPPPRRR ———.— —— — 46 I. Ausflüge am Bodensée. Deutsche Reich übergegangen. In Anbetracht jener groß— artigen Erfolge erfüllte der Reichstag am 13. März 1908 eine Ehrenpflicht des deutschen Volkes, indem er als Gesamt- entschädigung für den Grafen Zeppelin und zur Erwerbung seiner beiden Luftschiffe den Betrag von 2 150 000 M. ein- stimmig verwilligte unter Dank und Anerkennung für die Leistungen des unermüdlichen Forschers, durch velche Deutschland einen Vorsprung vor anderen Ländern gewonnen hat.— Die von Graf Zeppelin gelöste Aufgabe der„Eroberung der Luft“ wird künftig eine wesentliche Förderung erhalten durch die neue„Luftwarte“(Drachenstation) in Friedrichs— hafen, die sich die wissenschaftliche Erforschung des Luft- raums in den höheren Schichten zum Ziel gesetzt hat und dadurch mittelbar auch der Luftschiffahrt dienen wird. Während die Luftschiffhalle den Blicken langsam wieder entschwindet, erscheint im Vorblick Fis ehbach, der letzte württembergische Ort am See; die in der Nähe befind- lichen Pfahlbautenreste wurden einst als Uberrest eines ver— sunkenen Eichenwaldes angesehen. Im Hintergrund erblickt man den bewaldeten Gehrenberg mit seinem Aussichtsturm. Das Schiff legt in Immenstaad(Adler) an, einem wohlhabenden badischen Dorf. Das rechts davon gelegene Schloß Helmsdorf war einst Sitz des Minnesängers Konrad von Helmsdorf und ist jetzt als Brauerei eingerichtet. Auf der Anhöhe zeigt sich Schlob6 Hersberg mit den beiden Staffelgiebeln, Eigentum des Fürsten Salm- Reiffer- scheidt, weiterhin das prächtige Schloßb Kirehberg, bis 1820 Sitz des letzten Abts von Salem, jetzt Eigentum des Prinzen Max von Baden. Die nächste Landungsstelle ist Hagnau, ein grohes Dorf mit ausgedehnten Weinbergen, dann folgt beim Ein- biegen in den Uberlinger See das malerisch gelegene, von seinen Schlössern mächtig überragte Meersburg, 446 m, 2000 Einw.(Seehof, Hecht, Wilder Mann, Schiff, alle am See; in der Oberstadt: Löwe, Bär, Schütze, Pension Frieden). Lage und Aussehen von Meersburg sind mit diesem Namen treffend bezeichnet. Wie eine Riesenburg thronen die beiden Schlösser, die mächtigen, kasernenartigen Schulbauten und die Oberstadt auf den hohen, steilen Felsen, die ganz nahe am See aufsteigen. Für mittelalterliche Begriffe hatte diese Felsenburg eine geradezu ideale Lage als uneinnehmbares Bollwerk, kein Wunder, daß dieser Platz schon sehr frühe 3. Meersburg-Mainau-Uberlingen 47 zu einer trutzigen Feste geschaffen wurde. Das Alte Schloßh liegt auf einem künstlich freigelegten, massigen Felsen und diente der Sage nach als Wohnsitz der fränkischen Könige; es ist 2weifellos eine der ältesten Burgen in Deutschland. Der Unterbau des Hauptturms besteht aus erratischen Blöcken (PFindlingen) und stammt aus fränkischer Zei Angeblich erbaute der Merowingerkönig Dagobert II. um 630 den hohen viereckigen Turm, der mit der Langmauer bei der Brücke den ältesten Teil des Schlosses bildet. Nach anderer Annahme Soll der erste Frankenkönig Karl Martell um 720 der Erbauer ser Königspfalz gewesen sein. Später kam die Burg samt m Ort an die Grafen von Rohrdorf, nach deren Aussterben 1211 an die Bischöfe von Konstanz. Meersburg wurde 1299 von König Albrecht zur Stadt erhoben. Die tiefe Kluft zwischen dem Alten und Neuen Schloß wurde 1334 durch Sprengung der Felsen hergestellt, um die Burg wehrhafter zu machen, die tatsächlich kurz darauf von Kaiser Ludwig dem Bayern vergeblich belagert wurde. Im Jahr 1509 ließ Bischof Hugo von Landenberg die Burg erweitern und die vier runden Ecktürme aufrichten. Meershurg bildete von da an die Sommerresidenz der Konstanzer Bischöfe bis 1802. Im 30jährigen Krieg wurde die Stadt gründlich ausgeplündert, jedoch vom Feuer verschont, obwohl der schwedische Befehls- haber zu Ravensburg 1647 einen(heute noch im Rathaus aufbewahrten) Zettel sandte, der an allen vier Ecken an⸗ gebrannt ist und die Stadt mit dem gleichen Schicksal be- drohte. Das jenseit der künstlichen Schlucht gelegene Neue Schloß wurde als Bischofsitz 1732 von dem berühmten Bau- meister Bagnato begonnen und 1750 im Rokokostil vollendet. Hier wohnte als letzter Bischof Karl Theodor von Dalberg, der spätere Fürstprimas des Rheinbundes. Im Jahr 1802 kam Meersburg an Baden; der Hafen wurde 1854 angelegt. In der Nähe des Hafens befindet sich das Seebad; ganz nahe am Ufer stürzt der Seegrund plötzlich etwa 180 m tief ab, Während er sich sonst meist nur langsam senkt. Der herr— liche, aussichtschöne Uferweg ist ein beliebter Spaziergang. Neben der Fischerei bildet der Weinbau eine Haupterwerbs- quelle der Einwohner. Vom Hafen führt der Weg am Gredhaus, einem statt- lichen Lagerhaus von 1509(umgebaut 1899), und dem alten Kaufhaus mit den Staffelgiebeln vorbei, beim Hecht links, di d 48 I. Ausflüge am Bodensee. an einigen altertümlichen Häusern vorüber, dann die Treppen rechts empor an den gewaltigen Stützmauern der Schlösser hin. In der tiefen Schlucht zwischen dem Alten und Neuen Schloß- liegt eine uralte Mühle; interessant ist das grobe oberschlächtige Wasserrad. An der Mühle vorüber steigt man die Treppen rechts empor zur ehemaligen Zugbrücke am Alten Schlobh, dessen Hauptsehenswürdigkeit der Dagobertturm(an den Staffelgiebeln kenntlich) bildet. Von 1838—55 war das Schloß im Besitz des Freiherrn Joseph von Laßberg, des berühmten Sprach- und Altertumsforschers; seine Schwägerin, die Dichterin Annette von Droste-Hülls. hoff, lebte hier von 1840—48. Beide liegen auf dem Friedhof in Meersburg begraben, ebenso der bekannte Entdecker des tierischen Magnetismus, Dr. Mesmer, gebürtig von Iznang am Zeller See. Im Jahr 1877 ging das Schloß in den Besitz des als Altertunisforscher bekannten Freiherrn von Mayerfels über; der jetzige Besitzer ist Herr von Miller-München. Der Eintritt in das Alte Schloß, das noch bewohnt wird, ist nicht gestattet. Von der Zugbrücke hat man einen interessanten Blick in den Schloßgraben mit der Mühle, sowie auf den See mit Konstanz. Mit wenigen Schritten erreicht man das Neue Sch 10 B, in dem seit 1865 eine Taubstummenanstalt untergebracht ist. Im Schloßhof steht das Denkmal der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Durch die Eingangshalle beim Denkmal gelangt man zur Gartenterrasse, die einen entzückenden RBlick auf den See gewährt; geradeaus erblickt man hinter der Landzunge die Türme von Konstanz, nach rechts die Insel Mainau; jenseit des Sees ragt die Säntisgruppe auf. Nicht zu versäumen ist die Besichtigung des Treppenhauses, das mit kunstvollen Stuckarbeiten und prächtigen Decken— malereien geziert ist. Durch den oberen und zwei weitere Torbogen gelangt man an der im Bau begriffenen Domänenverwaltung vorüber zu dem stattlichen rotgetünchten Seminar, 1732 von Bagnato als bischöfliches Seminar erbaut, seit 1838 Lehrerseminar. Daneben steht die umfangreiche Präparandenanstalt. Vom Känzele“ im Seminarhof genießt man wieder eine prächtige Aussicht auf den See. Zum Denkmal zurückkehrend, geht man durch den unteren Torbogen, das sogenannte Vorburgtor, zum Rathaus mit großem Ratsaal, der sehenswerte Altertümer enthält, dann 3. Meersburg-Mainau-Uberlingen 49 aufwärts zum Obertorturm. Hier stehen einige altertümliche Häuser, besonders das malerische Haus beim Bären und das kreskengeschmückte Gebäude neben dem Turm. Wilfk man der letzten Ruhestätte der drei berühmten Schloßbewohner von Meersburg einen Besuch abstatten, s0o wandert man durch den Obertorturm und zwischen den Gärten geradeaus aufwärts in 10 Min. zum Friedhof, auf dem die drei schönen, sinnigen Grabmäler nahe beisammen sind. Mainau Man kehrt zum Rathaus zurück und gelangt rechts zur Kirche, in der eine Gedenktafel der hier beigesetzten Bischöfe angebracht ist, dann entweder durch die Allee hinab zur unteren Stadt, oder wieder zum Rathaus zurück und an den Schlössern vorbei zum Untertorturm und zum Hafen. Auf der Weiterfahrt sieht man drüben wie einen Märchen— bau Schloß Mainau aus dem waldbedeckten Eiland erglänzen; weiter oben breitet sich das langgestreckte Uberlingen aus. Bald legt das Schiff an dem zierlichen Hafen der Mainau an. Jahlreiche Pfade ziehen sich durch den Park zum Schloß; der schönste Weg führt vom Hafen durch die Anlagen auf— würts, bald rechts an der künstlichen Tropfsteingrotte vor Wais, Bodensèe-Führer am Bodensee 50 I. Ausflüge über, beim großen Nußbaum die Treppen links empor zum Schloß. Mit Recht gilt die Mainau als die schönste der Bodensee inseln; der prachtvoll angelegte, terrassenförmige Schloß- garten mit seiner südlichen Pflanzenwelt erinnert an die be— rühmte Isola Bella(Schöne Insel) im Lago Maggiore. Der Name der Insel drückt schon di b it der Land- schaft aus: eine wonnige Maienau. h anderer Deutung soll zwar die ursprüngliche Schreibwe Maginowe 1241, Maiginowe 13 von dem alamannischen Personennamen Mago, der Kraftvolle, herrühren und somit„Au des Mago“ heihen. Doch ist diese Herkunft nicht sehr wahrscheinlich denn um dieselbe Zeit lautet der Name in Urkunden von 1257, 1266 und 1275„Maienowe“. Wie die Reichenau, die nach dem fränkischen Statthalter anfänglich Sintlasaue hieß, wegen der üppigen Fruchtbarkeit ihres Bodens die Richen Owe, die Reiche Aue, genannt wurde, so wird die Maienau ihren Namen von der reizenden Lage und schönen Gestalt der Insel erhalten haben. Ursprünglich war die Insel im Besitz des Klosters Reichenau, ben, denn lichke Später scheint hier ein Adelsitz bestanden zu 1241 wird ein Ritter Berthold von Maginowe erwähnt, der um 1257 unter dem Namen Berthold von Ma we in das Kloster. Salem eintrat. Im Jahr 1272 kam die Mainau durch Schenkung an den Deutschritterorden und blieb in dessen Besitz bis zu seiner KAuflösung 1805, wo die Mainau an Baden fiel. Fürst Esterhazy kaufte 1“ die Insel vom badischen Staat um 65 000 Gulden; nach seinem Tod kam sie in den Besitz seines Sohnes, des Freiherrn Nikolaus von Mainau, 1839 an die Gräfin von Langenstein, dann an deren Tochter, Gräfin Luise von Douglas. Im Jahr 1853 erwarb der Groß— herzog Friedrich von Baden die Mainau und ließ sie zu einem prachtvollen Fürstensitz einrichten. Die Insel! ein halbes Jahrhundert lang den Sommeraufenthalt des Groß— herzogs, bei dem Kaiser Wilhelm I. hier oft als Gast weilte. Nach dem Tod des Großherzogs Friedrich, der am 28. Sep— tember 1907 im hiesigen Schlosse starb, ging die Insel in den Besitz des regierenden Großherzogs über, sie wird aber auch künftig der Großherzogin-Witwe Luise, bekanntlich eine Kaiser Wilhelms J., als Sommersitz diene Das Schloß, ein schöner Barockbau aus rotem Sand- stein, wurde 1746 von dem Baumeister Bagnato(dem Erbauer 3. Meersburg-Mainau-Uberlingen 51 des Neuen Schlosses und Seminars in Meersburg und des Kornhauses in Rorschach) errichtet. Merky ürdigerweise trug der Ordenskomtur, der das Schloß bauen ließ, gleich dem jüngst verstorbenen Großherzog den Namen Friedrich von Baden, ohne aber mit dem badischen Herrscherhaus verwandt zu sein.— Das Schloß enthält viele altertümliche Möbel und eine Fülle von Kunstschätzen. Prachtvoll ist der grohe Speisesaal, der einstige Ordensaal. Im Treppenhaus Stollt eine Wappentafel die Wappen der 65 Ordenskomture dar, die im Lauf von über fünf Jahrhunderten hier ihren Sitz hatten. Neben dem Schloß steht die schön ausgestattete Kirche, davor eine Schutzengelsäule. Das Kleinod der Insel ist der 80 wit prächtige ehloßgarten voll seltener ausländischer Pflanzen, geschmückt mit reizenden Statuen aus Erz und Marmor; höchst eigenartig sind die Gartensitze in Form von Porzellanvasen, Pilzen, Baumstümpfen, Blumensträuben und dergleichen. Zwischen Schloß und Wirtschaft liegt ein erratischer Block mit der Inschrift: Auf der Ebenalp lag ich einst ahnungslos, Wo dann des frommen Ekkehards Wildkirchlein stand. Flut und Eis brachten mich hierher, „Jur Wacht lieg' ich nun am Weg. Diese dichterische Freiheit ist übr pnisse der Wissenschaft widerl war(vgl. Nr. 17). n zwei hervorragend schöne Bodenseestädte, die in entgegengesetzter Richtung liegen, zum Besuch: das altertümliche, einen idyllischen zuheplatz bil- dende Uberlingen und die vom neuzeitlichen Verkehr durchwogte chemalige Bischofstadt Konstanz. Wir lenken unsere Schritte zunächst nach Uberlingen, um am folgenden Tag Konstanz zu besuchen. Das Schiff quert den stromartigen Uberlinger der gegenüber dem vielbefahrenen, von bedeutenden Ver- kehrsplätzen umrahmten Obersee eine wohltuende Ruhe atmet. Reizend ist der Rückblick auf das allmählich ent- schwindende Eiland. Die meisten Dampfer legen in Unter- uhldingen an, einem hübschen Ort, der durch eine Stichbahn mit der Bodenseegürtelbahn verbunden ist. Auf der Weiterfahrt erblickt man das schön gelegene Schlo⸗ Obermaurach, bald Nußdorf, zur Linken Dingelsdorf und Wallhausen; dann landet das Schiff in Uberlingen, 410 m, ns durch die neuesten t, da die Ebenalp nicht Mainau aus locl Se 52 I. Ausflüge am Bodensee. 4400 Einw.(Badhotel, Löwe, Bahnhofhotel, alle drei am See; Krone, Engel, Schiff, Wilder Mann, Zähringer Hof, Adler, Anker). Uberlingen ist eine der schönsten und interessantesten Stüädte am Bodensee. Die ehemalige Reichstadt hat ihr mittelalterliches Aussehen vortrefflich erhalten, sie ist heute noch mit starken Rundtürmen und Mauern versehen; die gewaltigen Festungsgräben sind jetzt in herrliche Anlagen, die größten und schönsten am See, umgewandelt. Die Stadt hat eine überaus liebliche Lage in schöner, obstreicher Gegend Uperlingen. und steigt terrassenförmig über dem reizenden Scearm auf. Schon im frühesten Mittelalter war„Iburinga“, wie der Ort damals hießz, als alamannischer Herzogsitz von Bedeutung. Der Alamannenherzog Gunzo, von dem der berühmte Reichen— auer Abt Walafried Strabo in der Lebensbeschreibung des heiligen Gallus erzählt, erbaute hier 641 eine Burg, die seinen Namen bis in die Neuzeit trug. Aus der alamannischen Nieder- lassung entwickelte sich allmählich ein fester Ort, der im qahr 1155 urkundlich genannt wird und 1275 von Kaiser Rudolf von Habsburg ausgedehnte Freiheiten erhielt, jedoch erst 1397 zur freien Reichstadt erhoben wurde. Uberlingen schloß sich dem Schwäbischen Städtebund an und nahm 1377 3. Meersburg-Mainau-Iberlingen 53 am Städtekrieg gegen Graf Eberhard den Greiner von Würt— temberg teil. Im Bauernkrieg 1525, der am Bodensee mit Heftigkeit tobte, hielt sich die Stadt tapfer gegen die Auf- rührer, bezwang einen Aufstand bei Sernatingen(dem heu tigen Ludwigshafen) und befreite die von den Bauern belagerte Stadt Radolfzell. Die Reformation fand in Uberlingen keinen Eingang, vielmehr nahm die Stadt 1527 die aus Kon- stanz geflüchteten Domherren freudig auf, wofür sie von Kaiser Karl V. mit dem Löwenwappen ausgezeichnet wurde. Im 30jährigen Krieg wurde die Stadt schwer mitgenommen wie kaum eine zweite Stadt am Bodensee. Nach mancherlei Drangsalen durch das befreundete kaiserliche Kriegsvolk wurde die Stadt 1632 von Bernhard von Weimar erobert. Der schwedische General Horn hatte zwar 1634 einen ver— geblichen Sturm auf die befestigte Stadt unternommen, aber bald darauf wurde Uberlingen von den eigenen Freunden, einer kaiserlichen Besatzung, drei Jahre lang ausgepreßt. Im Januar 1643 machte Konrad Wiederhold, der verwegene Kommandant des Hohentwiels, einen Uberfall auf die Stadt, plünderte sie gründlich aus und überließ sie darauf den Fran- 208en. Im folgenden qahr wurde die ausgehungerte und verarmte Stadt von den Bayern nach viermonatlicher Belagerung er- obert, 1647 an die Schweden ausgeliefert, deren Abzug nach dem Westfälischen Frieden mit schwerem Geld erkauft werden mußte. Auch in den Franzosenkriegen um 1800 hatte die Stadt durch Plünderungen viel zu leiden. Nach Aufhebung der Reichsfreiheit kam Uberlingen 1803 an Baden und hat seitdem wieder einen bedeutenden Aufschwung genommen. Die Anlage des Hafens in Sernatingen am oberen Ende des Sees hatte zwar der Stadt einen Teil ihres Handelsverkehrs entzogen, der aber seit Eröffnung der Bodenseegürtelbahn wieder eine beträchtliche Steigerung erfuhr. Die Stadt hat zwei Bahnhöfe: den Hauptbahnhof im Westen und den kleineren, im Burgenstil erbauten Ostbahnhof, ebenso zwei Landeplätze: den Haupthafen an der Stadt und den Landeplatz unterhalb des Bahnhofs. Zwischen den beiden Bahnhöfen zicht sich ein 1700 m langer Tunnel durch den Molassefelsen unter der Stadt hin. Zu den ursprünglichen Erwerbszweigen: Schiffahrt, Fischerei und Obstbau ist rege Gewerbtätigkeit und Handel getreten. Als Kurort und Sommerfrische bildet Uberlingen ein wahres Paradies für Ruhebedürftige; neben vorzüglich eingerichteten Seebädern 2 —— eeeee iinnn 54 I. Ausflüge am Bodensee besitzt der Badeort eine eisenhaltige Mineralquelle, die zu den erdig-salzigen Heilwassern zählt und zu Trink- und Bade kuren gebraucht wird. Uberlingen ist der Geburtsort des berühmten Mystikers Suso, geb. 1300; sein Geburtshaus ste ht in der ihm zu Ehren benannten Susogasse Nr. 492. Zur Betrachtung der reichhaltigen Sehenswürdigkeiten empfiehlt sich folgender Rundgang: Am Hafen steht das nach links ziehen sich die schönen Garten— anlagen des städtischen Badhotels dem See entlang hin. Vom Hafen geht man am Gredhaus, dem alten Kornhaus rbei zur Hofstatt(Marktplatz). Hier steht links die Spa— das chemalige Zunftgebäude, ein altertümlicher Bau mit Staffelgiebel, Holzfachwerk und neuen Wandmalereien; schr. r das Rathaus(Eingang beim Münster) gleichfalls mit Staffelgiebel, daneben der Pfennigturm von 1490 Linkshin gelangt man mit wenigen Schritten zum Münster, der Hauptsehenswül it der Stadt. Das Münster eine fünfschiff Pfei hasilika in rein Gotik, gilt als die schönste Kirche am ensee. Das herrliche Gotteshaus wurde 1353 begonnen, 1408 vollendet, 1429 durch ZWei Auhßenschiffe erweitert; die Gewölbe were von 28 Säulen getragen. Die beiden Türme sind unvollendet; der früher ausgehaute Nordturm wurde in Kriegszeiten wieder teilweise abgetragen; im Südturm hängt die berühmte Osannaglo 177 Zentner schwer, aus dem Jahr 1444. Hervorrage nd schön ist der aus Lindenholz kunstvoll geschnitzte Hochaltar von 1618, die Geburt Christi darstellend; der Hochaltar ent- hält fünf Gruppen übereinander und nimmt fast dieé Höhe und Breite des Chors ein. Auch die Seitenal sonders der Marienaltar, die Kanzel, das Sakramenthäus und das Chorgestühl sind gediegene Kunstwerke. Sel ist der reiche Münsterschatz, der eine Menge wertvoller Alter— tümer und Kunstschätze birgt. Die Kirche wird gegenwärtig mit einem Aufwand von 1 Million Mark erneu Neben dem Münster steht in einem spätgotisc hen Pavillon ˖ein Glberg von 1493, auf der anderen Seite der—.— das Denkmal für Dekan Wocheler, den Stifter der bedeutenden Stadtbibliothek. Von hier kann man durch die Steinhaus— strabe zum sogenannten Steinhaus, einem massiven Bau aus dem 16. Jahrhundert, worin das kulturgeschichtliche Museum und die naturgeschichtliche Sammlung(geöffnet von 10—12 Uhr), sowie die reichhaltige Stadtbibliothek gegenüb . Meersburg-Mainau-Uberlingen 55 (30 000 Bände) untergebracht sind. Von da empfiehlt sich der kurze Abstecher durch die Franziskanerstraße zur Franzis- kanerkirche, die einen schönen Hochaltar und prãchtige Deckengemälde enthält. Gegenüber liegt das ehemalige Franzis- Kkanerkloster, jetzt städtisches Spital, das reichste Spital des Landes. Bei der Kirche erhebt sich der Wiestorturm. Zum Münster zurückkehrend, versäume man nicht den Besuch des Rathauses, zu dem der Eingang durch den kleinen Rundturm beim Chor des Münsters führt. Der pracht- volle Ratsaal ist weitberühmt durch die kunstvollen Holz- schnitzereien von Jakob Ruß von Ravensburg 1494, die als die schönsten Schnitzwerke Deutschlands angesehen werden. Die prachtvolle Hängewerkdecke hat herrliche Rankenver- zierungen; an den Wänden sind in 40 Statuen die Reichstände dargestellt und mit ihren Wappen in Holz geschnitzt. Die schönen Glasgemälde wurden 1899 angebracht. Hinter dem Münsterchor stehen zwei riesige Linden, da- neben befindet sich die alte Stadtkanzlei, eine Perle deutscher Renaissance von 1599; besonders schön ist das reichverzierte Portal und die wappengeschmückte Vorderseite. Vom Münsterplatz folgt man der Lindenstraße rechts, dann der Gradenbergstraße aufwärts bis zur Brücke über den tiefen Festungsgraben. Hier zeigt sich die gewaltige, gut erhaltene Stadtmauer; auch den massigen zundturm zur Rechten, den St.-Johann-Turm, der einen der Haupt- kestungstürme bildet, jedoch nicht zugänglich ist, kann man von hier aus am besten übersehen. Seinen Namen hat der Furm von der ehemaligen Johanniter- und Malteserkommende St. Johann. Bevor man den Graben erreicht, erblickt man rechts das chemals Meldeggsche Haus mit Turm und Wappen (von 1462). Links in der Krummenbergstraße steht der Reichlin von Meldeggsche Patrizierhof, jetzt Brauerei, ein stattlicher Bau mit sehenswertem Portal. Man wandert durch den Stadtgraben Zosenobelgraben), der die mächtigen Befestigungswerke erkennen läßt, abwärts, an dem runden, auch als Ruine noch stattlichen xosenobel- turm vorbei. Die Festungsgräben sind nach den Türmen benannt und meist in Anlagen umgewandelt. Vor der evan- gelischen Kirche, einem schmucken Neubau, geht's rechts durch den Ausfallgraben zum äußeren Festungsgraben (Gallergraben). Bevor man durch die Mauerpforte in diesen eintritt, gehe man den Fußpfad links aufwärts zur Uhlands- —————— 56 I. Ausflüge am Bodensee h 6he, einem reizenden Aussichtspunkt mit Orientierungs— platte für die Alpenfernsicht. Die Anlagen führen auf der Höhe weiter zum Gallerturm, einem gewaltigen, be— steigbaren Rundturm von 1503, der die gleiche Aussicht wie die Uhlandshöhe bietet. Beim Turm zieht sich ein Pfad an der Felswand hinab zum Gallergraben, dem bedeutendsten Festungs— graben der Stadt. Man versäume nicht, durch den Graben zwischen den gewaltigen Felswänden hin aufwärts zu gehen. Dieser riesige, in die Molassefelsen künstlich getriebene Graben stellt ein ungeheures Stück Arbeit dar. Oberhalb des Mauerpförtchens, das die Verbindung mit dem Ausfall- graben bildet, kommt der sogenannte Blatterngraben, dann das Aufkirchertor; an einem neuen runden Turm vorbei gelangt man in den Wagsautergraben, nach dem an der Ecke stehenden zerfallenen Wagsauterturm benannt. Eine kurze Strecke weiter oben hört der Graben auf, man kehrt daher im Graben wieder zum Fuß des Gallerturms zurück, wobei sich die mächtigen Befestigungswerke in neuen Bildern zeigen. Unterhalb des Gallerturms gelangt man zu den Unteren Anlagen, einem Prunkstück gärtnerischer Kunst. Diese Prachtvollen Anlagen lohnen allein schon einen Besuch Uber— lingens. In herrlichen Gruppen sind hier seltene Bäume und Pflanzen in Prachtexemplaren vertreten; hervorragend schön sind u. a. die Kaktusgruppen, wie man sie in dieser Reich- haltigkeit nicht einmal auf der Mainau trifft. An dem hüb— schen Springbrunnen vorbei geht man bei der Steinsäule aufwärts zur Scheffelhöhe, 420 m, einem lieblichen Aussichtspunkt mit schönem Blick auf den breiten Seearm und die bewaldete Bodanhalbinsel, sowie auf die Insel Mainau. Uber die Teufelstreppe geht's hinab zur Straße und auf dieser rechts zum Bahnhof. Bei genügender Zeit unterlasse man nicht den Besuch der Heidenhöhlen(/ St. hin und zurück). Aus dem Bahnhof tretend, folgt man der Straße(Fußweg) rechts dem See ent— lang, nach Uberschreiten der Bahn geht's dicht unter den gewaltigen, senkrechten Felswänden hin zu dem uralten Kirchlein von Goldbach, das zwar äußerlich ganz un- scheinbar, jedoch kunstgeschichtlich von hoher Bedeutung ist durch die neuentdeckten Wandgemälde, die vermutlich auf das qahr 990 zurückreichen und neben den Reichenauer Malereien die ältesten Bilder in Deutschland darstellen.— ———— . ,. 1 Len,, 8 80 2— — M⸗ Jug So⸗ 5— Burng 88 Wis mefers⸗ 8 εε(el. gHiailsen„— 84 AItr — K 4 1 Gole,, Schlacht haus 00 8 00 8 8 15 8 A 5 5 4⁴d 8* O YVN“ Zer N E. . 2 ane Makisll 4 CdhsN Wt⸗ . 4. Bude zonen, 6 vun, A Aunstdlteui ö —2fν+ν 27 . 4 * Maßstab-1.16000. 0 5⁰ 120— 20⁰⁰ 3ꝛß. 224 5⁰⁰ AIlster. Union, Deuts che Aeenee⸗eeecke in Stuttgart Ith. u ruck vLBode, Stuttgart ———+ ⏑++++— 1 1 4. Uberlingen-Mainau-Konstanz 57 Den Schlüssel zu den Grotten erhält man in der Wirtschaft neben der Kirche. Auf der Straße gelangt man in wenigen Minuten zu den Heidenhöhlen, einer Reihe höchst merk— würdiger Bauten. Die Heidenlöcher sind vorgeschichtliche Grotten und Günge, die auf halber Höhe in die senkrechten Felswände(weiche Molassefelsen) vermutlich von den Ur- bewohnern(Pfahlbauer?) künstlich eingehauen wurden und wohl als Zufluchtstätten dienten. Scheffel läßt in seinem Ekkehard Kaiser Karl den Dicken vor seinem Tod in diesen Höhlen hausen. Viele dieser interessanten Felsenwohnungen, die sich früher ½ St. lang am Séeufer hinzogen, sind leider dem Bahn- und Straßenbau zum Opfer gefallen. Von den Grotten genießt man einen entzückenden Blick auf den See und den langgestreckten Bodanwald. Rechts erscheint Sipp- lingen und Ludwigshafen, diesem gegenüber Bodman mit der zuine, drüben über dem See der Burghof im Wald, nach links Wallhausen und Litzelstetten. Den Rückweg nimmt man wieder auf der Straße unter den Felswänden hin zum Bahnhof. Will man zu Schiff weiter, so geht man auf der Straße zu den Unteren Anlagen, dann abwärts zum Badhotel und durch die Hotelanlagen dem See entlang zum Hafen. 4. Uberlingen-Mainau-Konstanz. Uberlingen zu Schiff über die Mainau nach Konstanz (3 St. Rundgang). Oder: Friedrichshafen zu Schiff nach Meersburg(I1 St. zundgang) zu Schiff auf die Mainau(I St. Rundgang) — zu Schiff nach Konstanz(3 St. Rundgang), zus. 5 St. lliezu Karte Seite 8S0 und Stadtplan Seite 56. Fahrt von Uberlingen oder von Friedrichshafen auf die Mainau wie in Nr. 3. Auf der Weiterfahrt berührt man Staad(Schiff), das bedeutendste Fischerdorf am See. In großen Scharen kann man(besonders morgens und abends) die Fischerboote zum Fang auf den See hinausziehen sehen, ein malerisches Bild.— Dann fährt das Schiff um die weit vorspringende Landzunge herum, çon der das Waldhaus Ja kob, ein Lieblingsausflugsort der Konstanzer, freund- lich herübergrüßt; mit einem Male wird die herrliche alte 58 I. Ausflüge am Bodensee chofstadt sichtbar. Bald landet der Dampfer in dem hübschen, vom Leuchtturm und dem Pegelhäuschen flan— kierten Hafen von Konstanz, 407 m, 24 800 Einw.(Insclhotel im ehemaligen Dominikanerkloster zwischen Stadtgarten und Rheinbrücke, Seehotel bei der Rheinbrücke, Halm, Schöne— beck beim Bahnhof; Hecht am Fischmarkt, Krone, Schneètzer an der Marktstätte, Barbarossa am Obermarkt, Badischer Hof in der Husenstraße, Falke in der Kreuzlingerst Bayeri- scher Hof in der Rosgartenstraße, Seblüssel in der Sigismund- straße, Hohes Haus in der Zollernstraße, Katholisches Ver— einshaus St. Johann bei Münster). Konstanz, die bedeutendste Stadt am Bodensee, hat eine reizende Lage am Ausfluß des Obersees durch den Rhein in den Untersee. Durch ihre günstige Lage als Mittelpunkt zwischen Ober-, Unter- und Uberlinger See hat die Stadt schon frühe große Bedeutung erlangt. Konstanz ist überaus reich an geschichtlichen Erinnerungen, die teilweise vom Schleier der Sage umwoben sind. Schon die Pfahlbauer, die Ur- bewohner am Bodenseèe, haben sich hier niedergelassen, wie die zahlreichen Funde von Pfahlbauten beim Hafen beweisen. Als Römeéransiedlung wahrscheinlich von Constantius Chlorus im 3. Jahrhundert gegründet, wurdeé das Kastell angeblich 378 erweitert, aber schon im 5. Jahrhundert von den Ala- manpen zerstört. Schon 511 soll hier ein Kloster gegründet worden sein. Um 570(ach anderen Angaben bereits um 525) wurdoe der Bischofsitz von Windisch hierher verlegt. Das Bistum dehnte sich allmählich zum größten bischöflichen Sprengel Deutschlands aus und erstreckte sich vom mittleren Neckar bis zum Gotthard und vom Rhein bis zur Iller. Die Bischöfe waren Reichsfürsten. Unter den 87 Bischöfen ragen im 10. Jahrhundert hervor: Bischof Konrad 976), der Stifkter des Klosters Kreuzlingen und Gebhard Graf von Bregenz(T 995), der Gründer des Klosters Petershausen; die Denkmäler der beiden Bischöfe stehen auf der Rheinbrückeè.“ Bereits im Jahr 764 erscheint Konstanz als Stadt, anfangs unter der Hoheit der Herzoge von Alamannien. Später war die Stadt öfters Sitz von Reichstagen. Kaiser Heinrich III. hielt sich 1043 hier auf; Friedrich Barbarossa schloß hier 1183 den Frieden mit den lombardischen Städten. Nach den Kreuzzügen ward Konstanz ein Haupthandelsplatz im Ver— kehr mit Italien und erlangte besonders auch durch die Leine- weberei einen Weltruf. Konstanz erhob sich unter Hein— KONSTAXNZ von de 1. Uberlingen-Mainau-Konstanz 59 rich VI. 1192 zur freien Reichstadt und trat 1331 dem Schwä— bischen Städtebund bei. Den Glanzpunkt in der Geschichte der Stadt bildet das 1414—18 abgehaltene Konzil. Die berühmte Kirchenver— sammlung sollte die kirchlichen Spaltungen unc die Ketzereien des böhmischen Reformators qohannes Hus beseitigen und eine Reformation der Kirche an Haupt und Glie dern herbeiführen. Auf Betreiben Kaiser Sigismunds ward das Konzil von Papst Johann XXIII. nach langem Widerstreben perufen. Außer dem Kaiser und dem Papet nahmen daran teil: die Gesandten der! genpäpste, 26 Rei hsfürsten, 140 Grafen, 29 Kar- dinäle,„Dischöfe, gegen 150 Bischöfe, 124 Abte, 750 Dok- toren, 18 000 Priester und Mönc Die Einwohnerzahl wurde damals auf 50 000 geschätzt, die der Be sucher auf das Dreifache. Die geistlichen und weltlichen Fürsten suchten sich in der Prachtentfaltung zu überbieten. Die Verhand- lungen fanden meist im Münster statt; die drei Gegenpäpste wurden abgesctzt, Kardinal Colonna als Martin V. zum Papst gewählt, Johannes Hus und sein Freund Hieronymus von 'rag wurden zum Feuertod verurteilt und vor den Toren der Stadt verbrannt. Die Reformation der Kirche kam aber nicht zu stande. Gleichzeitig mit dem Konzil fanden zwei Reichs- tage 1415 und 1417 statt, die aber gleichfalls zie mlich ergebnis- los verliefer Konstanz nahm 152 auf Veranlassung des Patriziers Ambros Blarer, eines ehemaligen Benediktinerpriors, die Re formation an, worauf der Bischof seinen Sitz nach Mee rsburg verlegte. Wegen Verweigerung des Interims wurde die Stadt 1548 von Karl V. in die Acht erklärt und von den Spaniern belagert. Die Uneinigkeit der Bürgerschaft führte zur Unter- verfung der freien Reichstadt unter das Haus Osteérreich und zur Rückkehr zum alten Glauben. Im 30jährigen Krieg verteidigte sich die Stadt 1633 siegreich gegen die Angriſie der Schweden unter General Horn. Von 1686- 97 vward die Freiburger Universität hierher verlegt. Von Gster reic h kam Konstanz 1806 an Baden und bildet heute das einzige reichs- deutsche Gebiet am linken Ufer des Bodens Das Bistum hatte schon 1803 seine Besitzungen verloren, wurde 1827 ganz aufgehoben und als E rzbistum nach Freiburg verlegt Der letzte Bischof war Karl Theodor von Dalberg, der berühmte Fürstprimas des Rheinbundes; als letzter Bistumsverweser waltete hier der edle Wohltäter der Stadt, Heinrich von 60 I. Ausflüge am Bodensee Wessenberg, der Stifter der Stadtbibliothek und sammlung. Der Name der Stadt lautète im 13. Jahrhundert Konstenze. später Costenz, dann Costanz, das Volk Spricht heute noch Costez; die Form Kostnitz ist böhmischen Ursprungs und unrichtig Gemälde Auſberhalb des Hafens beim Leuchtturm befinden sich die gut eingerichteten Seebäder; am Stadtgarten ist der Gondelhafen. Dicht am Hafen befindet sich der Bahnhof; das Postamt liegt gegenüber dem Bahnhof. Die zahlreichen Schenswürdigkeiten der Stadt besucht man am besten auf folgendem Rundgang: Vom Hafen geht man nicht über die Bahn, son- dern zwischen dem alter— tümlichen Kaufhaus und dem See durch die An— lagen zum Stadtgarten. einem derschönsten Plätze am See. In den Anlagen steht das Denkmal für Kaiser Wilhelm' I.(Mar- morbüste) zwischen dem Musikpavillon und der Rheintorturm 4. Uberlingen-Mainau-Konstanz. 61 Bahnlinie. Am See befindet sich die Orientierungsplatte für die Alpenfernsicht. Man überschaut die Alpenkette vom Hochvogel, der über Lindau aufsteigt, bis zum Säntis, der rechts vom Leuchtturm die massigste Erhebung bildet. Der Eingang zum Kaufhaus, dem Wahrzeichen der Stadt, ist auf der Seite gegen den Stadtgarten zu nehmen. Das mächtige, eigenartige Gebäude stammt aus dem Jahr 1388 und wird fälschlich Konziliumshaus genannt.(Die Sitzungen des Konzils fanden teils im Minster, teils im Dominikanerkloster statt.) Der 48 m ͤlange, 42 m breite Saal, in dem 1417 die Papstwahl vorgenommen wurde, ist mit Wandgemälden aus der Geschichte der Stadt geschmückt (Eintritt 20 Pf.). Uber dem Saal befindet sich eine Sammlung indischer Gegenstände(Eintritt 40 Pf.). Vom Stadtgarten wandert man dem Kanal entlang; links erblickt man die Gymnasiumskirche, das freskengeschmückte, sonst aber unscheinbare Theater und das hübsche Konradi- haus, eine Erziehungsanstalt. Bald erreicht man das Insel- hotel im chemaligen Dominikanerkloster, vorin Hus drei Monate lang gefangen lag. Im Kloster befindet sich das Grab des berühmten Griechen Manuel Chrysolaras. Der guterhaltene romanische Kreuzgang ist mit sehenswerten Wandgemälden aus der Geschichte des Klosters(von Prof. Häberlin-Stuttgart) geziert. Die einstige Klosterkirche ist in den Speisesaal des Inselhotels umgewandelt worden. Die zesichtigung des Kreuzgangs ist nur den Gästen gestattet; nicht billig. Dann geht's ül die Rheinbrücke, die mit den Standbildern der Bischöfe Konrad und Gebhard, des Herzogs Berthold I. von Zähringen und des Großherzogs Leopold von Baden geziert ist. Von der Brücke öffnet sich ein malerischer Ausblick auf die Konstanzer Bucht und über die weite See- fläche zum Gebirge. Der hier dem See entströmende Rhein jagt in raschem Lauf dahin. Jenseit der Rheinbrücke liegt Petershausen, ein Vorort von Konstanz. Das ehemalige Kloster dient jetzt als Kaserne; davor erhebt sich das Denkmal Kaiser Friedrichs. Man kehrt über die Rheinbrücke zuriick zum Rhein— torturm, einem malerischen Bau von 1198, der zu den ältesten Befestigungswerken der Stadt zählt. Hier führte früber die alte, 1857 abgebrannte Holzbrücke über den Rhein. — Von hier gelangt man durch die Rheingasse, dann rechts 62 I. Ausflüge am Bodensee durch die Inselgasse an einigen altertümlichen Gebäuden vor— bei zum chemaligen Schottentor, dessen Stelle durch einen Denkstein bezeichnet ist. Rechts steht der stattliche Neubau der Oberrealschule. Hier beginnen die sogenannten Lauben“, e Allèen, die an der Stelle der einstigen Befestigungs— gräben angelegt wurden. Wir gehen links durch die Untere Laube bis zum Deutschen Haus, einem schönen Bau mit Wandmalereien, nun vieéder links zum chemaligen Franziskanerkloster, in dem das Verhör von Hus stattfand. Uber den Stephansplatz gelangt man zur spätgotischen Stephanskirche(von 1485) mit alten Bild- hauerarbeiten und schönen Gemälden, dann durch die Wessen— bergstraße an dem zu einem Museum umgewandelten Wessenberghaus vorbei zur Hauptschenswürdigkeit von Konstanz, dem altehrwürdigen WMünster. Der Unter— bau reicht ins 10. Jahrhundert zurück. Die von 1052—68 in romanischeém Stil erbaute kreuzförmige Säulenbasilika wurde 1435 und 1680 durch Anbau von Chor, Quer- und iten- schiffen völlig umgestaltet. Der gotische Turm ward 1854 vollendet und gewährt eine prächtige Aussicht über die Stadt, ). ig hübse auf See und Alpen(Orientierungstafel oben, Eintritt 20 Pf Die geschnitzten Türen des Hauptportals enthalten in zwan Feldern Darstellungen aus dem Leben Christi, ein Meister wWerk von Lerch 1470; auch die Chorstühle aus derselben Zeit sind herrliche Kunstwerke, die der Ulmer Schule nahe kommen. Das Hauptschiff wird von 16 Säulen, die je aus einem Stein gefertigt sind, getragen. Noch zeigt man die Stelle, wWo Hus bei seiner Verurteilung gestanden haben soll. Reiche Kunstschätze birgt die Schatzkammer; auch einige Seiten- kapellen enthalten- manches Sehensverte. An die Kirche schliegen sich zwei Seiten des gotischen Kreuzgangs von 1480 an. Hinter dem Miinster steht die schöne Mariensäule, Erzguhb von 1682. Zur nahen Stephanskirche zurückkehrend, mache man den kurzen Abstecher durch die Zollernstraße links zum Gasthof zum Hohen Haus, der Herberge des Burggrafen Friedrich von Nürnberg, des Begründers des Hohenzollernschen Fürsten- hauses, während des Konzils 1414— 18. Daneben steht ein altertümlicher Arkadenbau, gegenüber der moderne Prachtbau des Stadlerhauses.— Man kehrt wieder gegen die Stephans- kirche zurück und gelangt durch die Wessenbergstraße links- hin am Geburtshaus des Generals Dufour vorbei, das durch 4. UberlingenMainau-Konstanz. 63 eine Gedenktafel bezeichnet ist(Haus Nr. 14), zum Ober- markt, einer geschichtlich bedeutsamen Stätte. Hier er- folgte die Belehnung des Burggrafen Friedrich von Nürnberg mit der Markgrafschaft Brandenburg durch Kaiser Sigis- mund am 18. Kpril 1417. Das Haus zum Hohen Hafen war die Herbe des Kaisers Sigismund während des Konzils und wurde in neuester t mit schönen Wandgemälden ge- schmückt. Daneben befindet sich der Barbarossa-Gasthof, Friedrich der Rotbart 1183 den Frieden mit genüber steht das Malhaus, ein- in dem Ka der Lombardei schlob. G stige Gerichtstätte, jetzt Hofapotheke. Durch die Paradiesstraße kommt man zur evangelischen Kirche, einem schmucken Gotteshaus in romanischem Stil. Von hier kann man bei genügender Zeit den Abstecher (20 Min. hin und zurück) zum Husenstein machen. Der Weg kührt über den Lutherplatz und durch die Gottliebenstraße; bald nach Erreichen der Allee wandert man beim Kinder- spielplatz durch die links abzweigende Allee zum Husens tein, einem gewaltigen Findling, der im gahr 1862 an die mutmaß- liche Stelle versetzt wurde, wo Hus am 6. Juli 1415 und Hierony- mus von Prag am 30. Mai 1416 den Feuertod erlitten haben. Man kehrt zur evangelischen Kirche zurück und gelangt durch die Obere Laube zum Hieronymushaus(Iinks), wo Hieronymus von Prag, der Glaubens- und Leidensgenosse von Hus, g gehalten wurde. Das Haus ist durch eine Gedenktafel mit Reliefbild bezeichnet. Bald erreicht man das Schnetztor, das um 1300 erbaut wurde, ein male- rischer Uberrest der alten Stadtbefestigung. Neben dem Turm steht das Kusenhaus, die Herberge des böhmischen veformators im Jahr 1414(Gedenktafel mit Bildnis). Durch die Husenstraſßᷣe geht's am Husenkeller vorbei wieder zum Hchen Hafen, von dort rechts durch die Kanzleistraße zum Rathaus, das schöne Wandgemälde aus der Geschichte der Stadt enthält. Die Fresken an der Außenseite stammen von Ferd. Wagner 1864. Ein malerisches Bild bietet der Hof des Rathauses mit den 3 Rundtürmen. Durch den ersten Turm gelangt man zu den geschichtlichen Wandgemülden in der Vorhalle(von Prof. Häberlin 1898). Zwischen den beiden anderen Türmen erblickt man im Hintergrund ein Bodensee- bild mit der Säntisgruppe. Durch die Kanzleistraße kommt man an der Auskunft- stelle des Bodenseeverkehrsvereins(Hofbuchhandlung Acker- fanger 64 I. Ausflüge am Bodensee mann) vorbei zum Kaiserbrunnee n auf der Marktstätte. Die Denkmäler stellen die Kaiser Heinrich III., Friedrich II., Maximilian I. und Wilhelm I. dar, die öfters hier weilten. Rechts erreicht man mit wenigen Schritten das hochinter— essante Rosgartenmuseum, das besonders Konstanzer Altertümer enthält. 3eachtenswert ist das schöne Portal. Freier Eintritt Mittwochs von 2—5, Sonntags 10½— 12 Uhr, Sonst 50 Pf., Gesellschaften mit über 15 Personen 20 Pf. Der Rosgarten diente früher als Zunfthaus der Metzger. Das neue Eckhaus schräg gegenüber tr getriebenem Kupfer. Uber die Marktstätte gelangt man am Kriegerdenkmal, sowie an dem Prachtbau der früheren Reichspost(jetzt städtische Kanzleien) vorbei zum Bahnhof und Hafen zurück. ägt eine schöne Kuppel aus 5. Zellersee-Reichenau-Stein am Rhein. Konstanz— zu Schiff auf die Reichenau(20 Min. Münster — 25 Min. Unterzell% St. Hafen) zu Schiff nach Stein am Rhein— 40 Min. Hohenklingen /½2 St. Stein am Rhein, zus. 2 St. 40 Min. Hliezu Karte Seite 80. Einen auserlesenen Genuß bietet die Rheinfahrt von Konstanz durch den Untersèee nach Stein am Rhein und Schaffhausen, eine der reizvollsten Stromdampferfahrten in deutschen Landen. In veitem Bogen verläßt das zierliche Rheinschiff den Konstanzer Hafen, um beim Inselhotel in den Rhein einzubiegen. Hier beginnen die Wasser zu fliehen; in kristallklarer Flut zieht der Rhein dahin, nachdem er sich in dem gewaltigen Klärbecken des Bodenseèes geläutert hat. Mit umgelegtem Kamin fährt der Dampfer unter der Rhein— brücke hindurch, wo der Strom eine Breite von 150 m hat, am Rheintorturm und Pulverturm vorbei. Rechts liegt Petershausen mit seiner großen Kaserne, einem ehemaligen Kloster, sowie das malerische Stromeyerdorf, stattliche Fabrikanlagen mit einer Gruppe schmucker Wohnhäuser. Auf der Waldhöhe zur Linken thront das prachtvolle Schloß Castel, 507 m; der burgartige, turmreiche Neubau, von 2u¹u“ννν⁰uναν NNαν]ανEVO0⁰ο 5. Zeller See-Reichenau-Stein am Rhein. 65 schönen Parkanlagen umgeben, gehört dem Herrn v. Stockar— Scherer. Die alte Burg Castel, von der ein Turm links vom Schloß aus dem Wald aufragt, war einst Sommersitz von Konstanzer Bischöfen und wurde im Schwabenkrieg 1499 von den Schweizern zerstört. Nach kurzer Fahrt landet das Schiff in Gottlieben, 403 m (Krone, Drachenburg). Das doppeltürmige Schloßh hat eine reichbewegte und geschichtlich denkwürdige Vergangenbeit. Die ursprüngliche Burg, von der die beiden altersgrauen Türme noch erhalten sind, wurde von dem Konstanzer Bischof Eberhard II., Truchseß von Waldburg, im Jahr 1250 erbaut, zugleich mit einer Rheinbrücke, die den Verkehr von Kon— stanz zur Strafe für die Stadt ablenken sollte, aber bald wieder einging. Bis zum Jahr 1510 diente die Burg als Sommersitz der Bischöfe; als nun diese ihre Residenz nach Meersburg verlegten, war Gottlieben bis 1798 Sitz der bischöflichen Obervögte. Während des Konstanzer Konzils 1415 saßen im westlichen Schloßturm Johannes Hus, Hieronymus von Prag und der abgesetzte Papst Johann XXIII. als Gefangene; auch der gelehrte Züricher Chorherr Felix Hämmerlin lag hier 1454 gefangen. Im 30jährigen Krieg hatte der schwe— dische Feldmarschall Horn während der vergeblichen Be— lagerung von Konstanz 1633 das Schloß besetzt. Im Jahr 1837 kaufte es Prinz Ludwig Napoleon(der nachmalige Kaiser Napoleon III.), als er sich als Flüchtling in der Schweiz auf- hielt, und ließ es in altertümlichem Stil wieder herstellen. Bald darauf kam das Schloß an die Grafen von Beroldingen und ist jetzt im Besitz des Herrn v. Fabrice.— Am Hafen steht ein bemerkenswertes altertümliches Haus. Unterhalb Gottlieben tritt der Rhein in den Zeller- oder Untersee, der die einem schwimmenden Garten gleichende Insel Reichenau umschließt. Das nördliche Ufer des Zeller Sees ist durchweg badisch; es ist meist flach und mit Wiesen oder Rebge ände bedeckt. Landschaftlich bevorzugter ist das der Schweiz(Kanton Thurgau) angehörige südliche Ufer; dieses steigt zu ansehnlicher Höhe auf, ist stark bewaldet und mit vielen maleèrischen Schlössern und Ruinen geschmückt. Die Hegauberge treten nun in den Gesichtskreis: drüben der wuchtige Felsklotz des Hohentwiels und der doppel- gipfelige Hohenstoffeln, nach rechts der spitzige, nie dere Hohenkrähen und der massige Hohenhöwen; im Rückblick zeigt sich Konstanz.— Der See weitet sich allmählich. Das Wais, Bodensee Führer 5 66 I. Ausflüge am Bodensee. stellenweise seichte Fahrwasser ist von zahlreichen Mar— kierungszeichen umsäumt, die dem Schiff den Weg weisen; auch die eigenartigen Einrichtungen für den Fischfang (Fachen, Böhren, Reiser), wie sie am Untersee benützt werden, gewähren einen merkwürdigen Anblick. Auf der Weiterfahrt berührt man das auf einer Landzunge freundlich gelegene Ermatingen, 417 m, 1730 Einw.(Adler), den Hauptort der Fischerei am Untersee. Durch seine reiz- volle Umgebung, vor allem durch die romantischen Schlösser, die von den Waldhöhen des Südufers herabgrüßen, eignet sich Ermatingen vorzüglich als Standort für Ausflüge. Die idyllischen Landschaftsbilder haben auch längst eine Künstler- kolonie angelockt; Maler und Dichter finden in diesen stim— mungsvollen Wald- und Wasserlandschaften am Untersee reichen Stoff für ihre Kunst. Ermatingen ist ein uralter Ort, der schon im qahr 724 von Karl Martell dem Kloster Reichenau bei dessen Gründung vergabt wurde. Am oberen Ende des Orts liegt das parkumrahmte Schloß Hard, aus dem Jahr 1756 stammend, seit 1895 in eine vielbesuchte Nervenheilanstalt(mit abstinenter Behandlung) umgewandelt. Auf der Waldhöhe unterhalb Ermatingen thront Schlob Wolfsberg, 516 m, gleichfalls als Kurhaus eingerichtéet, mit wunderschöner Aussicht auf den Zeller See und die Insel Reichenau. Kurz vor Mannenbach(Schiff) erblickt man zur Linken auf bewaldetem Hügel das bekannte Schloß Arenenberg, 467 m, wohin von der Haltestelle die Straße in/ St. hinauf- führt. Weniger das Schloß selber, das in seiner architekto— nischen Einfachheit nichts Bedeutendes biètet, als der ge- heimnisvolle Glanz napoleonischer Erinnerungen ist es, was diesen Landsitz zum berühmtesten am Untersee macht. Das Schloß hieß im Mittelalter Narrenberg, auch Nordenberg, dann Arenenberg, später latinisiert Arenaberg. Im Jahr 1818 erwarb die ehemalige Königin Hortense von Holland, die Tochter der Kaiserin Josephine, das Schloß und wohnte hier mit ihrem Sohne, dem späteren Kaiser Napoleon III., bis zu ihrem Tode 1837. Napoleon verkaufte Arenenberg 1839 während seiner Gefangenschaft zu Ham, doch wurde der Landsitz 1855 von der Kaiserin Eugenie zurückgekauft als Geschenk für ihren Gemahl. Nach dem Sturz der Napoleo— nischen Herrschaft weilte die unglückliche Kaiserin manchmal hier; im Jahr 1906 schenkte sie das von schönen Parkanlagen 5. Zeller See-Reichenau-Stein am Rhein 67 umgebene Schloß dem Kanton Thurgau, der die Okonomie- gebäude als landwirtschaftliche Schule einrichten ließb. Das dem Andenken der Kaiserfamilie geweihte Schloß enthält zahlreiche Erinnerungen an Napoleon I. und III.(Eintritt Fr., jede weitere Person 50 éts). Von der Kapelle, die mit einem Marmordenkmal der Königin Hortense geschmückt ist, genießt man eine prachtvolle Aussicht auf den See. Eber Arenenberg erhebt sich auf steilem Felsen, durch eine Schlucht getrennt, das malerische, zinnengekrönte Schlobh Salenstein, 505 m, schon im 12. Jahrhundert genannt. Das Schloß gehörte früher den Nachkommen Johann Gott-— fried v. Herders und ist jetzt im Besitz des aus der Kolonial- frage bekannten Herrn v. Tippelskirch. Der trapezförmige zau trägt Staffelgiebel und hat ein recht mittelalterliches Aussehen.— Unterhalb Mannenbach liegt im Wald versteckt auf der Höhe Schloß Eugensberg, 1821 von Eugen Beau- harnais, dem chemaligen Vizekönig von Italien, späteren Herzog von Leuchtenberg, einem Stiefsohn Napoleons I. und Bruder der Königin Hortense, erbaut, jetzt der Gräfin Zeichenbach gehörig. Das auf dem waldigen Hügel über Mannenbach gelegene Schloß Luisenberg ist jetzt in ein Hotel umgewandelt und trägt den Namen Wartburg. Beide Schlösser überschaut man am besten von der Reichenau. Von Mannenbach fährt man quer über den See zur Insel Reichenau, der größgten der Bodenseeinseln, die sich indessen weniger durch landschaftliche Vorzüge als durch ihre geschicht- liche Bedeutung und die reichen Kunstschätze ihrer drei mehr als tausendjährigen Gotteshäuser auszeichnet. Die zu Baden gehörige Insel ist 5 km lang, 2 km breit und östlich mit dem Festland durch einen pappelgeschmückten, I km langen Damm verbunden. Die lachenden Fluren dieses uralten Kulturlandes sind höchst ergiebig an Getreide, Obst und Trauben. Die Insel hieß zur Karolingerzeit Sintlasaue, später Augia Dives reiche Aue. Auf dem leichtgewölbten Eiland brèeiten sich drei Ortschaften aus: Ober-, Mittel- und Unterzell, mit zusammen 1500 Einw. Im Hauptort Mittelzell oder Münster(Aohren, Bär) stand einst die durch Wissenschaft und Reichtum hoch- berühmte Benediktinerabtei Reichenau, die 724 unter Karl Martell, dem Gründer des Karolingerhauses, durch den irischen Glaubensboten Pirmin(F 753) gestiftet wurde. Seine Blütezeit hatte das Kloster von 800— 1250; zu seinen be— 68 I. Ausflüge am Bodensee. rühmtesten Mönchen zählen Hatto(836), Walafried Strabo (849), Berno(1008), Hermann Contractus(der Lahme, 1054), der Dichter des schönen Liedes Salve Regina; Heinrich von Klingenberg u. a. Die Klosterschule war eine Hauptbildungs- stätté der vornehmen Jugend Deutschlands. Von der Höhe seiner Gelehrsamkeit und seines Reichtums fiel aber das Kloster sehr rasch, so daß schon 1417 der Abt durch den Papst ab- gesetzt werden mußte. Später geriet das Kloster durch Mißwirtschaft i in völlige Verarmung, wurde 1538 unter Karl V. dem Hochstift Konstanz einverleibt, 1799 aufgehoben und kam 1805 an Baden. Vom Hafen geht man am Gasthaus„Seeschau“ vorbei aufwärts nach Mittelzell, oben rechts bis gegen das Schloß Königseck, dem schönen Landsitz des Geheimen Hofrats Dr. v. Stiegele- Stuttgart. Der Bau stammt aus dem 16. Jahrhundert; die vier Seiten des Schlosses sind von Türmen flankiert.— Vor dem Schloß biegt man links und gelangt am Gasthaus zum Schiff und an der großen Dorflinde vorbei zum uralten Münster. Die ehem- alige Kloster- kirche wurde 806 eingeweiht; der jetzige Bau ist eine Pfeiler- basilika aus dem 1I. Jahrhundert, der spätgotische Chor stammt vom Jahr 1450. Beachtenswert ist der große roma- nische Torbogen; in der Vorhalle befindet sich ein sogenannter Olberg. Die in den letzten Jahren erneuerte Kirche ist mit schönen Deckengemälden geschmückt und enthält die Gruft Karls des Dicken(J 888), des Urenkels Karls des Großen. Im Chor, der durch ein kunstvolles Eisengitter aus dem 16. Jahr— hunde rt abgeschlossen ist, stellt ein Gibild die gewaltige Aus- dehnung des einstigen Klosters dar. Der reiche Kire henschatz birgt viele w— ertvolle Altertümer und merkwürdige Reliquien. Amn Sonntag nach Pfingsten findet eine vielbesuchte Wall⸗ fahrt zum heiligen Blut im Münster statt. Zur Linde zurückkehrend, folgt man der Straße rechts an der„Pfalz“ vorbei(gegenüber stand die ehemalige Kaiser- pfalz), zwischen den W eingärten hinab zur doppeltürmige n Kirche in Unterzell, auch Niederzell genannt. Die ro- manische Säulenbasilika reicht bis aufs Jahr 799 zurück(am Anfang des 12. Jahrhunderts umgebaut) und bildet somit eines der ältesten kirchlichen Baudenkmale auf deutschem Boden. Im Chor und in der Vorhalle des Kirchleins befinden sich die berühmten alten Wandgemälde, die in neuerer Zeit unter der Tünche entdeckt wurden, wahrscheinlich die ältesten 5. Zeller See-Reichenau-Stein am Rhein. 69 Wandgemälde in Deutschland. Die Decke wurde in den letzten Jahren prachtvoll bemalt. Der am Seeufer unmittelbar zum Hafen führende Fuhpfad ist bei hohem Wasserstand stellenweise unter Wasser; man kehrt daher am besten wieder zur großen Linde beim Münster und von da auf der Straße am Schloß vorbei zum Hafen zurück. Bei genugender Leit empfielilt sich der Abotechien àur Aus— Sch˙sνie und nach, Oberzell. Man gelit von der Linde gerdde— aus am Kirehhof, so˙ο ͤu Gasthiof zaum Mohren(Kunstler— hierhergqe) vorbhei, von ο ͤder Schilũtssel mitaunelimen ist, spdter den Faſiribeq recſ its, àuletat Iinhs hinduf auαmmn Aussticſitspd’en auf der Hochνcht, auch Luisenruhe oder FVriedrichis- rulie genannt, 4do m, dem hiöcheten Punlt der Insel. Die male— rische Rundsichit erstrecht sich ũber die ganee Insel und den Scſilòsserumraſimten Jeller See, besonders schön erscheint dus fiurgauische Ufer. Von der Hochuubuꝗανν, gelùangꝗt man auf dem Feldweg(oder voMittelxell unmittelbar auf der Straſe) hinab nach Ober— 2 e1, u%ο in der aus dem Jahr Sòòs stammenden St.-Georgs— Kirche, einer dreischiſfigen Sdulenbasiliba, gleichfalls hunst- geschuichtlich bedeutendèe Fandgemdlde qus dem IV. Jaſirhundert aιν decινο.nονñden. Beim Seedamm steht dièe Turmruine der uralten Burg SCοαẽƷ)jfeIN(Scobula). Die aus großen Findlingen erbaulte Jubingburg soll mit ihren Grumdmauern bis ins 4. Jahrhundert auruchreichen, der Hauptbau gehört der frànbischen Zeit an. Sydter um die Burꝗ in den Besitæ der Abtè und vwurde I1382 von den Konstanzern zerstört, veil der Abt Mangold einige auf Seinem Gebiet betroſfene Konstanzer Fischer erbarmunꝗ'slos liatte hlenden lassen. Auf dem unteren Fahrbe belirt man am Sudufer hi ννẽ«der zum Hafen auruck. Der Abstecher erfordert 1½—2 St. Auf der Weiterfahrt genießt man schöne Blicke auf die Mannenbacher Schlösser. Der Untersèe erreicht hier seine größte Breite(8 km); zur Rechten weitet sich die Zeller Bucht, hinter der sich Radolfzell ausbreitet. Dorthin findet nur zeitweise Schiffsverkehr mit der Reichenau statt, weshalb wir dem altertümlichen Städtchen mit der Bahn einen Besuch machen(Nr. 6). Zwischen Mannenbach und Berlingen grüßt von der, Höhe die Ruine Sande gg, eine der ältesten Burgen am Untersee. 70 I. Ausflüge am Bodensee Sie war am Anfang des 8S. Jahrhunderts Sitz des fränkischen Landvogts Sintlas, der die Gründung des Klosters Reichenau betrieb; im Jahr 1834 wurde die uralte Burg durch Feuer zerstört. Nach der Landungsstelle Berlingen(Krone) ver— engert sich der See zu einem mächtigen Strom, der nun ständig im Zickzackkurs durchquert wird. Das Schiff fährt zunächst ans rechte(badische) Ufer nach Gaienhofen, Land- sitz: des Dichters Ludwig Finckh, des Rosendoktors. Das vieltürmige Schloß am See dient jetzt als Erziehungsheim für Mädchen. Einen mittelalterlichen Eindruck macht Steckborn, 405 m, 2550 Einw.(Krone, Sonne), der Hauptort am Schweizer Ufer, durch den kastellartigen Bau, der von sechs Türmen flankiert ist. Die malerische Burg am See wurde von dem Reichenauer Abt Diethelm 1342 erbaut, war später Sitz eines stolzen Adels- geschlechts und ist jetzt Armenhaus! Steckborn ist eine uralte alamannische Niederlassung; der Ort hieh früher Steck- büren. Beachtenswert ist das hübsche Rathaus mit Türmchen und Torbogen, sowie der stattliche Rest der Befestigungs- mauer. Unterhalb Steckborn liegt das einstige Kloster Feld ba ch, jetzt Eisengieherei. Am rechten Ufer des stromartigen Sees erscheint das male- risch gelegene Schloß Marbach, jetzt Heilanstalt für Nervenleidende, gegenüber am linken Ufer Schloßb Glaris- egg, jetzt E rziehungshei im für Knaben. Weiter abwärts S0 aut von einem Hügel die Ruine Neuburg mit ihrem guterhaltenen Turm aus dem Wald heraus. Das Schiff fährt wieder an das badische Ufer nach Wangen, vo das erste Pfahlbautendorf am See aufgedeckt wurde, dann ans Schweizer Ufer nach Mammern. Das ehemalige Schloß, jetzt Wasse rheilanstalt, mit grobem Garten liegt reizend am 85 e. Uber Mammern erscheint im Hinter— grund Schloß Lie benfels, weiter abwärts die ehemalige Propstei Klingenzell, gestiftet 1356 von dem Minne- sänger Walther von Klingen, dann Schloßb Freudenfels, rings von Wald umgeben.— Gegenüber Mammern liegt die Burg Kattenhorn, einst ein berüchtigtes Raubnest. Stein am Rhein mit Burg Hohenklingen wird sichtbar. Auf der Weiterfahrt erblickt man am rechten Ufer O ber- staad mit ummauertem Schloß, jetzt Weberei. Strom— abwürts liegt rechts drüben das große Kloster Ohningen, 5. Zeller See-Reichenau-Stein am Rhein. 71 in dessen Nähe die berühmte Fundstätte tertiärer Versteine- rungen ist, gegenüber am Schweizer Ufer das Dorf Es ehenz, 1875 Fundort keltischer und römischer Altertümer; in der Nähe befand sich das Römerlager Tasgetium. Hier tritt der enger gewordene Untersee als Rhein aus; der Flußcharakter zeigt sich deutlich durch die Strömung. Mitten im Rhein liegt die durch ihre Pfahlbauten bekannte kleine Insel Wer d mit der Othmarskapelle; hier wurde Abt Othmar von St. Gallen bis zu seinem Tod 759 gefangen ge- halten. Nun kommt der Glanzpunkt dieser Strecke, das alter— tümliche, von der Burg Hohenklingen malerisch überragte Stein am Rhein, 404 m, 1790 Einw.(Sonne, Rheinfels, Rabe). Der Hafen befindet sich am rechten Ufer, der Bahnhof am linken Ufer im Dorf Burg(Steiner Hof, Hotel Bahnhof), wo in neuerer Zeit die Umfassungsmauern eines römischen Kastells mit vier Türmen freigelegt wurden. Beide Orte sind durch die hübsche Rheinbrücke verbunden, unter der der Dampfer mit umgelegtem Kamin durchfährt. Das Städtchen ist der erste schweizerische Ort am rechten Rheinufer. Als uraltes Eigentum der Burkhardinger fiel Stein nach dem Tode der Herzogin Hadwig 994 an Kaiser Heinrich II., der den Ort dem Bistum Bamberg schenkte. 1457 wurde Stein freie eichstadt, trat aber in ein Bundesverhältnis zur Eidgenossen- schaft und nahm 1484 das mächtige Zürich als Oberherrn an. Im Jahr 1803 kam dann Stein an den Kanton Schaffhausen. Stein am Rhein hat sein altertümliches Aussehen wie wenige Städte bewahrt. Beim Hafen steht links ein Eckturm der einstigen Befestigung. Man geht vom Landeplatz gerade- aus und die nächste Straße(Marktstraße) rechts; links steht das Untertor. Die Marktstraße hat zahlreiche altertümliche Häuser mit Erkern, Staffelgiebeln und bemalter Fassade, darunter Pelikan, Traube, Ochse, Krone(keine Wirtshäuser), Gasthof zur Sonne. Der altertümliche Marktplatz, auf dem ein hübscher Brunnen von 1601 steht, erhält einen stilvollen Abschluß durch das freskengeschmückte Rathaus, das in den letzten Jahren erneuert wurde. Die Wandgemälde von Prof. Häberlin- Stuttgart stellen dar: I. die Rückkehr der Steiner Krieger aus der Schlacht von Murten 1476; 2. den Uberfall durch den Hegauischen Adel 1478; 3. Zwingli predigt in der Kirche in Stein 1524. Das Rathaus enthält schöne Glasgemälde und eine wertvolle Waffensammlung. 72 I. Ausflüge am Bodensee Man gehe durch die Straße links vom Rathaus, an mehreren schön bemalten Häusern vorbei(Adler, Steinbock), vor der Schule rechts zur Kirche. Die romanische Stadtkirehe (reformiert) ist ziemlich kahl und schmucklos, birgt aber zwei treffliche Kunstwerke: Thorwaldsens Cbristus in Erzgußb, davor einen knieenden Engel mit Muschel(als Taufbecken). Das Schiff wird von vierzehn Säulen getragen, die durch roma- nische Bögen verbunden sind.— Zwischen Kirche und Rat- haus geht's abwärts zur Rheinbrücke; in der Mitte dieser Gasse befindet sich zur Linken die Hauptsehenswürdigkeit des altertümlichen Städtchens: das ehemalige Kloster St. Georgen, eines der besterhaltenen frühmittelalter— lichen Klöster in deutschen Landen. Das Kloster hatte seinen Anfang auf dem Hohentwiel, wo es in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts vom Gaugrafen Hatto gestiftet, um 970 von Herzog Burkhard II. von Schwaben erweitert wurde. Nach dem Tode der Herzogin Hadwig wurde das Kloster 1005 von Kaiser Heinrich II. nach Stein am Rhein verlegt. Sein berühmtester und zugleich letzter Abt war David von Winkels- heim, 1510— 24. Aus dieser Zeit stammen die schönsten Teile der Klosteranlage. Mit der Einführung der Reformation 1524 wurde das Kloster aufgehoben. Der jetzige Besitzer, Prof. Vetter in Bern, hat das Kloster stilvoll erneuern lassen. Be— sonders sehenswert ist das Speisezimmer des Abtes, der Ge— mäldesaal, das Refektorium, das reiche Schnitzwerk und der gotische Kreuzgang. Der Eintrittspreis beträgt für I3 Per- sonen je 1 Fr., für 4- 9 Personen je 75 cts, für 10 und mehr Personen je 50 ets; das Klosterbüchlein kostet 1 Fr. An der Rheinbrücke steht das ehemalige Gredhaus(Stapel- haus), jetzt Gasthof zum Rheinfels mit schöner Terrasse. Zur Burg Hohenklingen geht man in der Mitte des Markt- platzes die Gasse aufwärts und durch das Obertor, das auf der Rückseite einen Doppeladler und ein gemaltes Wappen trägt. Der Weg führt am Kirchhof vorbei, nachher nicht die Strage rechts, dagegen gleich danach beim Gartentürmchen den Fußweg aufwärts. Nachher folgt man entweder der aussichts- reichen Straße oder dem von dieser bald abzweigenden Fuß- pfad, der zwischen den Weinbergen, dann durch den Wald zur Höhe führt. Bei einer Bank genießt man einen schönen Blick auf die Schneeberge. Die Burg Hohenklingen, 593 m, zeigt heute noch das getreue Bild einer Ritterburg. Sie wurde von den Edlen NꝗUNIIINAHOH IA uν NIAIS N-2ISS WNο οοοᷓ uνν,ẽ,mꝓmd“ dp Bννjs⁊ĩx eeeeer e„„⸗„v,k§ 6. Rheinfall-Hohentwiel-Radolfzell. 73 von Klingen im 12. Jahrhundert erbaut; der bekannteste Sproß dieses Adelsgeschlechts war der Minnesänger Walther von Klingen, der um 1350 lebte. Die Zzurg wurde 1897 von der Stadt Stein teilweise wiederhergestellt.— Beim Aufgang ist das tragische Ende eines Hirsches in Bild und Reim ge- schildert. Das Innere der gut erhaltenen Burg ist sehenswert. Vom Wehrgang(Wirtschaft) öffnet sich eine herrliche Aussicht auf Untersee, Rhein und Alpen. Zu Füßen liegt Stein mit Burg, links Kloster Ohningen. Den schönsten Anblick bietet die Alpenkette, besonders in der Abendbeleuchtung. Uber den linken Häusern von Stein(gerade über Schlob Freudenberg) steigt der Säntis auf als erste bedeutende Erhebung. Nach rechts folgen Schafberg und Faullfirst; die Kurfirsten, sechs freistehende Kegel(der siebte ist verdeckt) steigen über dem Dorf Eschenz auf, weiter rechts in der Ferne der Piz Sol bei Ragaz. Genau über der Rheininsel Werd erscheint näher der Nägelisberg, weiter rechts Ringelspitze, Glaserhorn, Sardona und Mürtschenstock; links von der Klosterkirche sieht man die Tschingelhörner, gerade über der Klosterkirche den massi- gen Glärnisch, über der Rheinbrücke den Tödi, nach rechts folgen die Clariden, das Scheerhorn, die Windgälle, Uri— Rotstock und Titlis. Auch die Eisriesen des Berner Ober- landes: Eiger, Mönch und Jungfrau treten bei günstiger Be- leuchtung in die Erscheinung. Vom Hexenplätzchen in der Nähe des Eingangstors er- schließt sich ein ähnlicher Ausblick, der rheinabwärts noch freier ist. Von hier kann man um die Burg herumgehen zur zetrachtung der früher uneinnehmbaren Befestigungen. Beim Abstieg nach Stein ist die Straße bequemer als der Staffelweg. 6. Rheinfall-Hohentwiel-Radolfzell. Stein am Rhein— zu Schiff nach Schaffhausen- 1½/ St. Rundgang— Fahrt Neuhausen— 1½ St. Besuch des Rhein- falls, Fahrt nach Singen— 1/ St. Hohentwiel— 1 St. Singen Fahrt nach Radolfzell— ½ St. Rundgang, zus. 5/ St. lHliezu Karte Seite 80. Die Stromstrecke von Stein am Rhein nach Schaffhausen bietet Zwar einfachere Landschaftsbilder als die Glanzstrecke von Konstanz nach Stein; trotzdem zählt sie zu den schönsten 74 I. Ausflüge am Bodensee. deutschen Stromdampferfahrten. Bei der Weiterfahrt von Stein hat man schöne Rückblicke auf die Burg Hohenklingen und das entschwindende Städtchen. Bald fährt das Schiff unter der hohen Eisenbahnbrücke hindurch, rechts hat man zeitweilig Durchblicke auf die Hegauberge. Durch eine stille Wald- und Stromlandschaft kommt man nach dem thur— gauischen Städtchen Diessenhofen(Adler, Löwe), einem ur- alten, schon 757 genannten Ort, der 1260 zur Stadt erhoben wurde. Einen hübschen Anblick gewährt der Oberhof mit den Staffelgiebeln; der Rhein ist durch eine gedeckte Holz- brücke übe'rspannt. Kurz danach erscheint links das che- malige Kloster Kat n arinental, gegenüber die Villa Rhe inburg. Am rechten Ufer folgt nun das badische Dorf Büsingen mit der ältesten Kirche der Gegend, am linken Ufer das chemalige Nonnenkloster Paradies, dann als prächtiger Absc hluß der Stromfahrt das schöngelegene, von seinem Bollwerk Munot beherrschend überragte Schaff- hausen, 405 m, 16 500 Einw.(Hotel Müller, National, Rheini- scher Hof, Riese, Hotel Bahnhof, alle am Bahnhof; Schwane, Tanne, Löwe; Schiff am Landungsplatzy. Schaffhausen, die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons, ist das schönste und interessanteste Eingangstor der Nord- schweiz und trägt mit seinen B efestigunger n, seinen altertüm- lichen Erker- und Giebelhäusern(vielfach mit Malereien) heute noch das Gepräge einer mittelalterlichen Reichstadt, weshalb die Stadt das schweizerische Nürnberg genannt wird. Als chemalige schwäbische Reichstadt wird Schaffhausen auch das Schw. abentor genannt, wie einer der Tortürme heute noch heißt. Der sehr alte Ort entstand aus einer Ansiedlung um das„Schiffhaus“ einer Rheinfähre und erlangte um 1050 durch die Gründung des Klosters Allerheiligen größere Be- deutung. Im 12. Jahrhundert zur Stadt erhoben, machte sich Schaffhausen allmählich von der Herrschaft des Abtes frei und wurde unter den Staufern reichsunmittelbar, aber im Jahr 1330 von Ludwig dem Bayern an Habsburg ver— Pfändet. Infolge der Xchtung Herzog Friedrichs von Gster-— reich 1415 gewann die Stadt durch Freikauf wieder ihre Reichsunmittelbarkeit und schloß 1454, von Gsterreich wieder bedrängt, ein 25jähriges Bündnis mit den Eidgenossen, das 1479 erneuert— 1501 trat die Stadt förmlich dem —— der Eidgenossen bei. Mit Einführung der Reformation 29 kam die Abtei Allerheiligen an die Stadt. Bei der 6. Rheinfall-Hohentwiel-Radolfzell 75 Auflösung der alten Eidgenossenschaft 1798 wurde Schaff- hausen der helvetischen Republik einverleibt, erlangte aber 1803 die frühere Selbständigkeit wieder und vergrößerte das Gebiet des Kantons durch die Stadt Stein am Rhein. 1799 fanden bei Schaffhausen mehrere Gefechte zwischen Oster— reichern und Franzosen statt, wobei die letzteren die berühmte, 120 m lange hölzerne Rheinbrücke verbrannten. An deren Stelle steht jetzt eine mächtige Steinbrücke, weiter oben die stattliche Eisenbahnbrücke. Beim Mühlentor unterhalb der Stadt bildet der Rhein mächtige Stromschnellen, die sogenannten„Lächen“, deren Wasserkraft(über 3000 Pferdekräfte) durch riesige Turbinen- anlagen nutzbar gemacht worden ist. Die großartigen Wasser- werke, denen die Schaffhausensche Gewerbetätigkeit ihren Aufschwung verdankt, sind für Techniker sehr sehenswert. Auf dem Weg vom Hafen zum Bahnhof kommt man an den meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei. Wer Eile hat, kann den Weg unmittelbar durch die altertümliche Vordere Gasse in 10 Min. zurücklegen.— Der Besuch des Kastells Munot, eines gewaltigen Bollwerks, sollte jedoch nicht versäumt werden. Vom flafen geht man am Gredhaus vorbei, dann kurz rechts und die Treppen ‚Römerstieg“ aufwärts zum Munot, 431 m, dem Wahrzeichen der Stadt. Der Festungsgraben ist in einen Hirschpark umgewandelt. Der riesige Rundturm, der von kleinen Türmen flankiert ist, hat einen Durchmesser von 47 m, einen Umfang von 160 m; die Mauern sind 4-6 m dick und angeblich bombenfest. Der Eintritt kostet für 2 Personen zusammen 50 cts, für 3 und mehr Personen je 20 ots, aber nicht über 2 Fr.; für Besuch der unterirdischen Räume außerdem im ganzen 50 cts. Die ungeheuren Kasematten werden von vier gewaltigen Säulen getragen. Eine schneckenförmig gewundene Auffahrt führt zur Plattform, auf der einige alte Kanonen stehen. Ein Bild stellt den Zwinghof als römische Zitadelle des 4. Jahr- hunderts dar; erneuert wurde die Feste um 1080, erweitert 1350. Ein anderes Bild der alten Burg zeigt den Ivinghof mit dem Unnotturm(Ohn Not“, woraus der entstellte Name Munot entstand) von 1350; dieses Bollwerk wurde 1563 ge- schleift. Die jetzigen Festungswerke wurden 1564—85 er⸗ stellt, bis 1799 als Festung benützt und in jüngster Zeit er- neuert. In der Mitte der Furmterrasse steht ein Telldenkmal, in einer Nische eine Garibaldistatue aus Marmor. Ein 28 m 76 I. Ausflüge am Bodensee tiefer Ziehbrunnen und vier Luftschächte münden auf der kreis- runden Zinne, auf der im Sommer Volksfeste abgehalten werden. Im Aussichtsturm befindet sich eine Sammlung mittelalterlicher Waffen: Hellebarden, Partisanen, Streitäxte, Morgensterne, Steinkugeln, außerdem eine Reihe Lands- knechtsbilder von August Schmid 1906. Vom Turm genießt man einen schönen Blick über die Stadt, auf Rhein und Alpen. Vom Munot geht man den Hirschweg hinab zur Stadt unterhalb des Gefängnisses über die Brücke zur spätgotischen Hauptkirche 8St. Johann(angeblich die gröhte Kirche der Schweiz), die im 12. Jahrhundert begonnen, 1470 vollendet wurdeé und eine vorzügliche Orgel besitzt; das Innere ist wie bei allen reformierten Kirchen schmucklos. Durch die erkerreiche Vordere Gasse(in der links der sehenswerte Tell- brunnen steht) geht man aufwärts, bei der bemalten Ritter- apotheke, einem prächtigen gotischen Erkerbau von 1570, links durch die Münstergasse zur Gewerbehalle, früher Alte Kaserne, einem stattlichen Renaissancebau mit schönem Portal von 1617, dann abwärts zum Münster. Die frühromanische Säulenbasilika stammt aus den Jahren 1052- 1101 und war einst die Abteikirche des von den Grafen von Nellenburg gestifteten Klosters Allerheiligen. Das Gottèeshaus ist im Innern äußerst einfach und prunklos. Die im Seitenschiff befindliche Glocke ist nicht, wie vielfach an- gegeben, die berühmte Schillerglocke; diese steht im Hof, zu dem man durch den romanischen Kreuzgang, der mit wappen- geschmückten Grabmälern geziert ist, gelangt. Die Inschrift dieser Glocke:„Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango“ (Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich) bildet bekanntlich das Motto von Schillers Glocke. Die 1486 gegossene, nun zersprungene Glocke hing bis 1887 auf dem Münsterturm und ruht nun auf einem 170 Zentner schweren Granitblock.— Die andere Seite des Kreuzgangs ist in gotischem Stil gehalten und wurde 1904 erneuert. Vom Münster kehrt man wieder zum Ritter zurück und folgt der Vordergasse aufwärts zum Rathaus, das mit dem Wappentier geziert ist. Durch den Torbogen gelangt man zu dem kunstvoll getäfelten Ratsaal mit geschnitztem Portal von 1625(Eingang bei Nr. 10). Nebenan im Staatsarchiv (I1-12 Unr frei, sonst 1 Fr.) ist der berühmte 9 em lange Onyx(mit der Figur einer Friedensgöttin) aus der Zeit Neros 6. Rheinfall-Hohentwiel-Radolfzell zu schen, ein Beutestück von Grandson aus den Burgunder- kriegen. Man setat die vorige Straße fort zum Fronwagplatz, der mit einem Landsknechtsbrunnen geschmückt ist; links geht's zum Mus e um mit der Stadtbibliothek(30 000 Bände), der Naturgeschichtlichen und der Altertumsammlung mit berühmten vorgeschichtlichen Funden aus dem„Schweizers- bild“ undKeßlerloch“. Gegenüber steht das Imthurneum (Theater, Musikschule, Gemäldesammlung) am Herrenacker, dem chemaligen Schauplatz der Eitterspiele, eine Stiftung des aus Schaffhausen gebürtigen Londoner Bankiers J. C. Im- thurn(T 1881). Man mache den kurzen Abstecher geradeaus aufwärts zum Oberstadtturm; in den Parkanlagen jenseit der Bahn- linie, dem sogenannten Fäsenstaub, befindet sich das Denkmal des berühmten schweizerischen Geschicht- schreibers Johannes von Müller(1752— 1809), daneben die katholische Liebfrauenkirche, 1886 in gotischem Stil er- baut. Zum Fronwagplatz zurückkehrend, gehe man über den Platz vor zum Mohrenbrunnen von 1522 bei der Bank von Schaffhausen, dann in gleicher Richtung die erkerreiche Straße Vorstadt“ weiter am bemalten„Ochsen“ und„Käfig“ vorbei zum Schwabentor.— Man kehrt zum Mohrenbrunnen zurück und gelangt durch die Schwertstrabe zum Bahnhof. Vor dem Bahnhof befindet sich der freskengeschmückte Prachtbau des Postamts. Vom Bahnhof führt die elektrische Straßenbahn nach Neuhausen(Schweizerhof, Bellevue, Rheinfall), der Station für den Besuch des Rheinfalls. Von der Endstation geht man kurz abwärts, dann rechts über den Bahnsteg, die Straßge kurz hinab und den Fußweg links zur Eisenbahnbrücke, die oberhalb des Falls über den Rhein führt. Von der Brücke, neben der ein Fußgängersteg angebracht ist, schaut man in die wild dahinbrausenden Fluten des seinem Sturz entgegen- jagenden Stromes. Der Weg führt hinauf zu dem malerisch über dem Rheinfall aufsteigenden Schloß Laufen, 415 m. Schon 976 erhob sich hier eine Burg; das jetzige Schloß stammt von 1546 und gebörte früher dem Bischof von Kon- stanz, jetat der Schweizer Familie Bleuler. Im Schloß be- findet sich eine Sammlung alter Waffen, sowie eine Ausstellung verkäuflicher Gemälde(meist Rheinfallbilder aus einer frü⸗ heren Malschule im Schloß) und Schnitzwerke(aus dem 78 I. Ausflüge am Bodensee Berner Oberland); nicht billig. Der Anbau ist als Gasthof eingerichtet. Der Rheinfall, der mächtigste Wasserfall Europas, hat eine Breite von 115 m bei einer Höhe von etwa 20 m. Die Höhe des Sturzes ist nicht gerade überwältigend, der Haupt- reiz liegt in den Wassermassen, die donnernd über die Felsen stürzen, sowie in der malerischen Umgebung mit Schloh Laufen und Wörth. Die Gesamtansicht des Falls bietet sich am schönsten von den öffentlichen Anlagen Fischerhölzli“ bei den oberen Ruhebänken; hier hat man auch den schönsten Ineinfall. Anblick des Schlosses Laufen. Die prächtigsten Einzelbilder genießt man von Schloß Laufen, am grobartigsten vom Känzeli“, nicht zu versäumen! Eintritt 1 Fr., Schweizer 60 cts. Wer den Rheinfall nur vom Fischerhölzli oder nur von Laufen gesehen, hat kein richtiges Bild davon. Vom Schloß führen Fußwege hinab zum Känzeli, einer Felsgrotte dicht am Fall, und zur Fischetz, einem zum Fall hinausgebauten Eisengerüst. Es ist ein überwältigender Anblick(besonders bei Sonnenschein), wenn die blendend- weißen Wogen in wildem Gewirr mit Donnergetöse herab- stürzen und gewaltige Wolken von Wasserstaub explosions— artig aufwirbeln. Nur von hier gewinnt man den richtigen Eindruck von der Großartigkeit des Wassersturzes. In der Mitte des Falls stehen drei stattliche Felsen, von denen der mittlere mit Nachen(3 Fr.) erreicht und bestiegen werden kann.— Zur Besichtigung des Falls, der an Sommerabenden meist elektrisch beleuchtet wird, genügen 1½—2 St. Im Juni und Juli während der Schneeschmelze ist der Rhein am wWasserreichsten. 6. Rheinfall-Hohentwiel-Radolfzell. 79 Von der Fischetz kann man sich über den brausenden Strom zum Schlößchen Wörth rudern lassen, was gefährlicher aussieht als es in Wirklichkeit ist(50 cts). Oder man kehrt über die Rheinbrücke zum Bahnsteg zurück, folgt nach dessen Uberschreiten dem Fußweg links, der Bahn entlang, nachher der Straße abwärts unter der Bahnbrücke hindurch zu den oberen Anlagen am Fischerhölz li oberhalb des Schlöß- chens Wörth und unterhalb des Hotels Schweizerhof.— Man kehrt dann zum Bahndurchlaß zurück und folgt dem Treppen- weg aufwärts zum badischen Bahnhof Neuhausen beim Schweizerhof. Wer von Schaſfliausen mit der hadischen Bahin hierher fulir, hesucht den Rheinfall in umgebeſirter Richitung: beim Hotel Bellevue den Fuſbibeꝗ abhuudrts und unter der Visenbahinbrüche Mndurch hbis zad den Anlagen, dann entweder vom Schilöſchen Forth. unterhialb des Fischerhölalis mit Nachen àber den Strom zum Scploſ Laufen, oder auf dem bexeichmeten Fuſhibeꝗg dũben die Nhieinbrũche oherhalb des Falls nach Laufen und zurũch. Nachmittags fährt man mit der Bahn über Schaffhausen nach Singen; unterwegs oder in Singen findet Zollrevision statt. Singen, 428 m, 5720 Einw.(Krone, Adler, Alte Post, Schweizerhof, Scheffelhof, Ekkehard), ist ein uralter, schon 772 und 920 urkundlich erwähnter Ort(seit 1899 Stadt), hat aber ein durchaus neuzeitliches, gleichmäßiges Aussehen. Singen ist als Hauptknotenpunkt wichtiger Bahnlinien, wie neuerdings durch seine Maggifabriken weithin bekannt. Die Stadtkirche enthält schöne Malereien. Daneben steht das neuerrichtete Kriegerdenkmal, eines der schönsten und sin- nigsten Denkmäler dieser Art. IVom Bahnhof geht man links durch die Bahnhofstraße, dann durch die Scheffelstraße zum Kriegerdenkmal, nun an der Stadtkirche und am Rathaus vorbei, sodann die Mühlen- straße rechts. Bald wird die Aach und Bahn überschritten. Diese Hegauer Aach, die So Kraftgeschubellt dahuinströmt, ist ein gans merbbürdiges Getodsser, Sie ist nũmlich nichts Ge- ungeres als die— Do n au selber. Von der Hohentuielsteige erhlicht man rechits drubhen das hochihelegene, von weiten Waldern ungebene Stadtehen Aach, an dessen Fuſb die Donau aum zbeitenmal entspringt, nachidem sie hei Immendingen ihr Nasser zum größßten Leil, oft sogar völlig in den Jurahluften des Fluſſ- hetis verloren hat. Nach unterirdischem Lauf durch dds ⁊er— Fluiftete Gehirge tritt die Donau einig9e Tage Spdter in der Riesen- 80 J. Ausflüge am Bodensee. quelle des Aaclitopis als mũchitigꝶste Quelle Deutochilands vbiede- 27⁰ Tag, um nun als Auach dem Bodensee und dumit dem Hhein zνeilen. Die Donau-Aach fordert bei Mitteluasser 700 Liter in der Sehunde, hei Hochubusser dher 20 Oον Seſtunde nliter; Sie ſlieſt am Hofientioiel voruher und mùndet nach æuræem Lauj het Hadolfæell in den Bodensee. Die Donau heldet also, So merle- z0rdig dies Hungt, einen Nebenfluſb des Iheins. Man folgt der Straße aufwärts; die malerische, burgähn- liche Festspielhalle bleibt links.(Hier kam im Sommer 1906 das Hohentwielspiel„Unter der Reichsturmfahne mit Holientibiel. Mdigοαt Hoher Hoſienxrũhen berg. Stoffel.-nͥαοοον. 500 Darstellern aus den Hegaugemeinden als Volkschau— spiel zur Aufführung; die Festpiele sollen später wieder statt- finden.) Auf gleicher Höhe der Spielhalle biegt das Sträſichen zum Hohentwiel rechts ab und führt über die badisch-württem- bergische Grenze mit schönen Ausblicken zum Hohentwiel- gasthof, dessen Terrasse eine prächtige Ausschau auf Bodensee und Alpen bietet. Oberhalb des Gasthofs am Weg zur Festung wurde ein Kaisergedenkstein mit Reliefbild errichtet zur Erinnerung an den Besuch Kaiser Wilhelms am 6. Mai 1906. Unter den gewaltigen, schroff abstürzenden Felswänden hin gelangt man sodann mit schönen Ausblicken auf die Hegau- kegel zur Festung Hohentwiel, 688 m, der Perle des Hegaus. Eintritt 20 Pf.— Es ist ein langer Weg von den Rasteien bis zu den oberen Festungswerken; der Rundgang in Schwabens größter Burgruine nimmt wohl 1½ St. in Anspruch. Beim Betrachten dieser noch in ihren Trümmern gewaltigen Fe— stungswerke versteht man, daß der Gegner selbst nach Be- — —+ eeeeeee + 2 MRhit 23 hi 2 f N 3+ö inninge 9 8 Tnldlit„ ‚ 8 7 Sbien. änd N ean Ka Y All, N 3 CeN* 4 W. E. R⏑⏑ E 8322N— 2.— N 323. 9 4 V. 932 N ö 8 — K n 1 E 1 8 1— 2 Titlr u nruclt vL.Bode, Stuttgart. Union, Deutsche Verlagsgesells chaft in Stuttgart —„ 2532 83..—2—-23 2— ,⏑⏑-—2—— 6. Rheinfall-Hohentwiel-Radolfzell. 81 setzung der unteren Burg so gut wie nichts erreicht hatte. Bewundernd steht man vor den verwegenen Felsenbauten, mit denen Konrad Wiederhold die Feste zu einer unüber⸗- windlichen schuf, und ebenso vor der Tatkraft dieses hel- denmütigen Verteidigers, der die Hälfte des 30jährigen Krieges hindurch aushielt und fünf schwere Belagerungen abwies. Die frühere Einteilung der Burg ist durch Tafeln bezeichnet. Vermutlich suchten schon Kelten Zuflucht auf der Höhe des Twiels, wie die vorgeschichtlichen Funde zeigen. Wahr- scheinlich stand auch im 3.— 4. Jahrhundert ein römisches Ka- stell hier oben. Sichere Nachrichten erhalten wir erst vom 9, Jahrhundert an. Im Jahr 806 war der Twiel(damals in lateinischen Urkunden Duellium genannt) im Besitz Pipins, des Sohnes Karls des Großen. Später bestand hier eine Mönchsansiedlung, angeblich in der ersten Hälfte des 9. Jahr- hunderts vom Gaugrafen Hatto gestiftet, um 970 von Herzog Burkhard II., Hadwigs Gemahl, erweitert(nach anderer Les- art gegründet). Das Kloster wurde 1005 von Kaiser Hein- rich II. nach Stein am Rhein verlegt.— Im Jahr 915 wurde die Burg durch Konrad I. belagert, kam zwei Jahre später in den Besitz Burkhards, des ersten Herzogs von Schwaben, und bildete bis 1268 die schwäbische Herzogsburg. Die durch Scheffels Ekkehard berühmt gewordene Herzogin Hadwig wohnte hier als Witwe von 973— 994. Im Jahr 1095 fiel die Burg an Friedrich, den ersten Staufenherzog, später an die Klingen- berg, 1538 an Herzog Ulrich von Württemberg. Dessen Sohn Herzog Christoph ließ auf den Grundmauern der alten Burg 1554 die Feste erbauen, deren Ruinen noch vorhanden sind. Von 1634— 1648 wurde die Festung durch Wiederhold ruhm- voll verteidigt. Umso schmerzlicher berührt die schwach- köpfige Handlung Bilfingers, der die Festung 1800 ohne Schwertstreich an Vandamme auslieferte, durch den sie ver- tragswidrig zerstört wurde. Auch andere dunkle Blätter der Geschichtè tauchen vor dem Vaterlandsfreund auf; unauf- löslich verknüpft ist der Name Hohentwiel mit dem Märtyrer der württembergischen Verfassungskämpfe, Johann Jakob Moser, ebenso mit dem unglücklichen Rieger, die hier viele Jahre lang schmachteten. Genug davon. Lichtere Gestalten sollen uns hier oben umschweben. Hadwig und Ekkehard, Scheffel und Bismarck geben dem Berg die Weihe, im Schloh- hof fand Wiederhold ein würdiges Denkmal, sein schönstes Wais, Bodensee-Führer 6 82 I. Ausflüge am Bodensee. Denkmal ist die gewaltige Festung. Am Zeughaus sind die Reliefbilder von Bismarck und Scheffel angebracht. Beinahe vergißt man hier oben vor geschichtlichen Er— innerungen die Gegenwart, den herrlichen Ausblick auf die funkelnde Kette der Schnee— auf das Schwäbische Meer, dessen grüne Fläche von winzi Schiffen belebt ist. Scharf hebt sich die Insel Reichenau— 3 Konstanz mit dem Dom; jenseit des Sees erscheint Bregenz, nach links Lindau. Das ganze Ufer ist mit einer Perlenschnur von Ortschaften umsäumt. Links vom See ragt Schloß Heiligenberg auf, über Radolfzell die Zugspitze, hinter der Zeller Landzunge die Kette der Algäuer Alpen mit dem Hochvogel, über der Bregenzer Buch Pfänder und Gebhardsberg, im Hintergrund der Hohe Ifen; über Konstanz die Mädelegabel, weiter rechts der Widderstein. Rechts vom See folgen die Vorarlberger Alpen mit der Roten Wand, rechts über Singen weg Flucht- horn, Zimbaspitze, Scesaplana, dann der mächtig aufsteigende Säntis, links über Dorf Arlen die Kurfirstengruppe, rechts die Ringelspitze. Breitmassiger erhebt sich der Glärnisch, zur Rechten das hohe Trapez des li, niederer die Clariden, weiterhin Scheerhorn, Rochen, dieé beiden der Bristen- stock, dann die weiße Wand des Uri-Rotstocks und das breite Schneedach des Titlis. Im zeigen sich Rigi und Pilatus, zwischen diesen im Hintergrund die Eisriesen des Berner Oberlands: die Doppelkuppe des Finstèeraarhorns und Schreckhorns, die Pyramide des Aletschhorns, dann das gewaltig aufsteigende Dreigestirn: Eiger, Mönch und qungfrau. Hinter dem Pilatus türmt sich die Blümlisalp auf und selbst der Montblanc soll zeitweise sichtbar sein. Neben diesen gewaltigen Schneehäuptern tritt die übrige Rundschau, 80 grohartig sie ist, sehr in den Hintergrund. Im Westen zeigt sich zwischen den beiden Wäldern des Stofflerbergs der Feld- berg, links Belchen und Blauen. Vor uns ragen die burg- gekrönten Hegaugipfel auf: ganz nahe der spitzige Hohen- krähen, nach links der Mägdeberg und der doppelgipfelige Hohenstoffeln, zwischen beiden im Hintergrund der schön- geformte Hohenhöwen, dahinter der flache Neuhöwen, im Norden der Witthoh. Gegen Nordosten dehnt sich das weite Aachtal mit dem burgähnlichen Städtchen Aach(Donau— Aachquelle!) und der Burg Langenstein; links über Singen erblickt man das Raubnest Hohenfridingen.— Der che— malige Kirchturm des Twiels ist zum Aussichtsturm um— 6. Rheinfall-HohentwiebERadolfzell. 83 gestaltet und mit Fernrohr und Rundschauplatte versehen. Eine zweite Orientierungstafel befindet sich in der Wilhelms- wacht auf der Südseite der Festung. Den Abstieg nehme man beim Eugenstor links und gehe vor der Eugensbastion, von der man den schönsten Blick zu den Felsen und dem großen Rundturm genießt, einige Stufen hinab und auf dem guten Fußweg(nicht auf dem schmalen Graspfad dicht an den Felsen hin), der später an den jähen Klingsteinwänden der Ostseite hinführt, bis unterhalb des Gasthauses. Beim Erreichen der Fahrstraße folgt man dieser hinab nach Singen. Wer vom Hohentutel aus die anderen Hegauberge oder das ildromantische Nutach- oder Dondutal besuchen will, findet Vãhieres in des erfassers Alhbfiihiner, 3. Aufl.(Union Deutschee Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1908). Von Singen fahre man gegen Abend weiter nach Radolf- zell, 400 m, 5210 Einw.(Schiff, Sonne, Krone), auch kurzweg Zell genannt. Das mittelalterlich aussehende, von alten Mauern und Türmen umgebene Städtchen hat eine liebliche Lage am Nordende des Untersees, der nach der Stadt häufig Zeller See benannt wird. Westlich der Stadt mündet die Hegauer(Donau-) Aach in den See. In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts kam der ala- mannische Graf Ratolf oder Ratold aus Italien, wo er in Verona eine Zeitlang Bischof gewesen war, in die Heimat an den See zurück. Vom Abt des Klosters Reichenau, das damals schon in hohem Ansehen stand, erhielt Ratolf die Erlaubnis, in der Nähe eine Zelle mit einem Kirchlein zu bauen, daher der Name Ratoldi cella. Ratolf starb 874 und wurde in der von ihm erbauten Kirche beigesetzt. Aus den Ansiedlungen um das Klösterlein erwuchs allmählich ein gröberer Ort, der 1267 Stadtrecht erhielt und bald den Haupt- ort der Hegauer Ritterschaft bildete, woran noch mehrere Adelshäuser erinnern. Im 10. Jahrhundert entstand ein Chorherrenstift, das 1809 aufgehoben wurde; von 1625 bis 1805 bestand auch ein Kapuzinerkloster. Unter Kaiser Albrecht J. kam die Stadt an Gsterreich, erkaufte sich von Kaiser Sigismund 1415 die Erhebung zur freien Reichstadt, ward aber 1454 wieder österreichisch. 1576 war Radolfzell einige Zeit lang Universitätstadt, indem die Freiburger Uni- versität der Pest halber hierher fſüchtete. Im 30jährigen Krieg, besonders aber in den Franzosenkriegen um 1800 84 I. Ausflüge am Bodensee. erlitt die Stadt viele Drangsale. Radolfzell fiel 1805 an Württemberg, 1810 an Baden. Vom Bahnhof gehe man durch die Bahnhofstrage aufwärts bis zum früheren Schulhaus, ursprünglich ö6sterreichisches Schloß mit schönem Renaissanceportal von 1620(gegenüber vom Löwen), hier rechts über den alten Stadtgraben, bei dem die guterhaltene Stadtmauer zu sehen ist, zum sogenannten Stadtgarten mit dem Denkmal des Dichters Joseph Viktor V. Scheffel, f 1886.(Durch die Scheffelstraße gelangt man auf die Halbinsel Mettnau, die sich Scheffel als Dichter— heim ausgewählt hatte,) Dem Stadtgraben entlang führt der Weg durch die Allee an einem alten Rundturm vorbei, bei der Sparkasse links, wobei die einstige Stadtbefestigung schön vor Augen tritt. Am gegenüberliegenden Schulhaus ist ein Schillerrelief angebracht. Beim Postamt geht's links, am Pulverturm vorbei, zum Münster. Das schöne gotische Münster stammt teilweise aus dem II. Jahrhundert, wurde 1436 vollendet und 1903 erneuert. Uber dem linken Seitenaltar ist ein prächtiges Deckengemälde angebracht. In der Kirche befinden sich zahlreiche Grabmäler, darunter das des Stifters Ratolf und des berühmten letzten Abts des Georgenklosters in Stein am Rhein, David von Winkelsheim, sowie die vortreffliche Bronzeplatte des letzten Ritters von Homburg(1568). Die Glocken der Münsteruhr geben einen harmonischen Dreiklang. Neben dem Münster steht das sehenswerte Rathaus, 1848 in romanischem Stil erbaut. Den Ratsaal schmücken Wandgemälde aus der Geschichte Radolfzells: Die Gründung der Stadt durch Ratold, Bischof von Verona, 821; Albrecht, Abt der Reichenau, verleiht das Stadtrecht 1267; Besuch Kaiser Ferdinands IJ. 1563; Aus dem Bauernkrieg 1525.— Auf dem Münsterplatz steht ein sinniges Kriegerdenkmal, sowie der Bischofsbrunnen; hinter dem Münster befindet sich ein sogenannter Olberg.— Zwischen Münster und Rat- haus folgt man der Seetorstraße abwärts am Amtsgericht vorbei, dem früheren Schellenbergschen Ritterhaus mit Fresken(daneben die erkerverzierte Apotheke), zum Bahnhof. Radolfzell besitzt vorzüglich angelegte Seebäder auf der Halbinsel Mettnau. Mainau-Kargeck-Bodman 85 7. Mainau-Kargeck-Bodman. Radolfzell Bahnfahrt Konstanz Schiff Mainau— 1 St. Rundgang— 2% St. Wallhausen— ù St. Marien- schlucht St. Kargeck— /ö1 St. Othmarsruhe— 1½¼ St. Bodman, zus. 6 St. lHliezu Karte Seite 80. Von Radolfzell führt die Bodenseèegürtelbahn(rechts sitzen) meist am Ufer des Zeller Sees hin mit schönen Blicken auf den schlösserumrahmten See, in dem die Reichenau wie Mainau(Torbau) ein schwimmender Garten erscheint, nach Konstanz. Hier haben wir sofort Anschluß an den Dampfer, der uns in heiterer Fahrt an Meersburg vorbei auf die Insel Mainau bringt; Näheres über diese Perle des Bodensees in Nr. 3. 86 I. Ausflüge am Bodensee Vom Schloß folgt man der Straße(Allee), die sich oberhalb der Wirtschaft hinzieht und allmählich zur Seebrücke senkt. In der Mitte der Brücke, welche die Insel mit dem Festland verbindet, steht im See eine künstlerische Kreuzigungsgruppe aus Erz vom Jahr 1577, das sogenannte Schwedenkreuz. Nach Uberschreiten der Brücke hält man kurz links, quert die Straßge und gelangt durch die kleine Alleèe(Wegw. St. Katha- rinen; nur anfangs in dieser Richtung!) zum Wald. Bei der Quelle geht's rechts zum Wald, bei dessen Betreten nicht in Win- dungen aufwärts, sondern die Waldstraße weiter, die sanft ansteigend durch schönen Hochwald führt. Nach/ St. von der Quelle wird ein Weg überschritten; rechts ist Li t 2 e l- stettensichtbar, früher Wirkungsort des Pfarrers Schleyer, des Erfinders der Weltsprache Volapük. Die verlockenden Fußpfade vorher, die alle abseits führen, sind zu vermeiden. Nach weiteren 5 Min. wird die gute Straße erreicht, die am Waldrand, bald im Wald weiterführt. Man folgt dieser Straße 6 Min. lang; bevor der Wald rechtseitig aufhört. Vorsicht! Rechts zweigt ein Fußpfad ab(Wegw. Waldweg Wallhausen- Bodman, rote Pfeile), der nach wenigen Minuten ein Sträßchen überschreitet(rechts geht's zum Aussichtspunkt Purren). Gleich nachher gehe man beim Erreichen der Wiese nicht rechts aufwärts, sondern dreißig Schritt später den Fußweg halbrechts eben durch den Wald, bald darauf den Fahrweg, wenige Schritte später den breiten Grasweg leicht aufwärts (Wegw.). Nach weiteren hundert Schritten folgt man dem guten Fußweg halblinks aufwärts.— Der äußerst wechselvolle Pfad führt ständig durch Wald, bald durch finsteren Tannen- forst, bald durch lichten Buchenhochwald; er erfordert jedoch anhaltende Aufmerksamkeit, da er anfangs gar nicht, später nur ungenügend bezeichnet ist. Später wird eine Straße überschritten und der Fußpfad links der breiten Straße in bisheriger Richtung fortgesetzt. Gleich nach einem im Wald stehenden Pumpbrunnen folgt man der Straße weiter, die bald stark vergrast und beim Er— reichen der Waldwiese aufhört. Nun schlägt man den guten Fußweg durch den Wald in gleicher Richtung ein, quert später eine steinige Waldstraße und kommt nach weiteren 4 Min. an eine Straßenkreuzung. Man überschreitet die eine Straßge und folgt dem guten Fußweg(Wegw.) links der anderen Straßze leicht aufwärts. Auf der Anhöhe erblickt man über eine Lichtung weg(Erdbeerplatz) zur Rechten den Uberlinger 7. Mainau-Kargeck-Bodman 87 See, darüber hell glänzend Schloß Heiligenberg. Nun senkt sich der Pfad leicht, überschreitet nach 5 Min. wieder einen steinigen Waldweg, gleich darauf im Hochwald nochmals eine Straße. Der Fußweg steigt wieder sanft an; zeitweise schimmert der See zwischen den Bäumen hindurch. 10 Min. später wird wieder ein Sträßchen überschritten, bald danach eine gute Straße erreicht und in bisheriger Richtung hundert Schritte am Waldrand verfolgt; nun geht's wieder in den Wald, jedoch nicht den schlechten Fahrweg scharflinks, sondern zuerst halblinks, nach einigen Schritten den guten Fußweg links. Da der weitgedehnte Wald keine Orientierung über die einzuschlagende Richtung gestattet und weil bei den zahl- reichen Seitenwegen Vorsicht geboten ist, sei dieser herrliche, abwechslungsreiche Waldweg eingehend beschrieben, zumal die Bezeichnung teilweise spärlich ist. Später erblickt man ziemlich nahe den blauschimmernden See mit dem malerisch gelegenen Uberlingen. Nach einigen Minuten tritt man aus dem Wald und genießt hier einen überraschend schönen Blick auf den stromartigen See. Auf dem Wiesenpfad ge- langt man in wenigen Minuten nach Wallhausen(„Schiff“ mit Garten am See). Dicht am Séee folgt man dem Sträßchen linkshin(Wegw. Bodman). Am jenseitigen Ufer erblickt man rechts die Klosterkirche von Birnau, näher Nußdorf, gegenüber das breitgelagerte, turmreiche Uberlingen, daneben die Heiden- löcher in der Felswand, darüber Schloß Spetzgart, weiter links Sipplingen, am oberen Ende des Sees Ludwigshafen. — Der Fußweg führt vom„Schiff“ aus ständig am See hin, anfangs zwischen den Wiesen, bald am Waldrand, später durch den Wald mit reizenden Ausblicken. Zur Linken stehen schöne Felsen an; zahlreiche kleine Schluchten werden überschritten, jedoch immer ganz nahe am See. Nach ½ St. vom ‚Schiff“ geht's über eine größere Felsschlucht, dann führt der interessante Pfad unter den Felsen hin. 10 Min. später kommt eine weitere Felsschlucht, bald darauf wird die romantische Marienschlucht erreicht. Ein guter Dielen- pfad leitet zwischen den engen Felswänden durch die Schlucht empor. Nach Aufhören der Felsen zieht sich ein Jickzackweg am Schluchthang aufwärts; bald nach Wiedererreichen mäch- tiger Felsen steigt der Pfad vom Sattel links hinauf zur Ruine Kargeck, 492 m, von der noch stattliche Mauerreste erhalten — 88 I. Ausflüge am Bodensee sind. Die Aussicht von der Ruine ist verwachsen, dagegen Inet sich seitwärts von einer Bank ein freier Blick auf den See mit Uberlingen und Heiligenberg. Durch die Marienschlucht kehrt man zum Séee zurück. An bestimmten Vagen(Sonntag nachmittagꝗs, Mittwocli vormittags,; ab I. Juli Dienstag und Samstag nachmittags) fundet Uberfalirt mittels Motorboots nach und vo U erlingen Statt, der Fahrplan ist am Landungsteg angeschlagen. Man setzt den Waldweg in voriger Richtung dem See entlang fort unter gewaltigen Felsen hin, von denen einer einen riesigen romanischen Torbogen bildet, der durch eine glatte Felswand abgeschlossen ist— ein höchst merkwürdiges Naturgebilde. Nach ¼ St. kommt man an zwei Aussichts- bänken vorbei(gerade gegenüber liegt Sipplingen), 7 Min. später steigt halblinks ein Fußweg auf(Wegw. Othmarsruhe; nicht scharflinks nach Langenrain!). Der Pfad führt all- mählich durch eine intèeressante Fels- und Waldschlucht (Vorsicht stellenweise erforderlich) zur Höhe. Von der Aus- sichtsbank„Othmarsruhe“ hoch über dem See erschließt sich ein prächtiger Niederblick auf den(von hier aus grün— schimmernden) Uberlinger See und seinen Dörferkranz. Ganz links erblickt man Bodman, diesem gegenüber jenseit des Sees Ludwigshafen, uns gegenüber Sipplingen, rechts Uber— lingen, in der Mitte zwischen beiden Schloß Spetzgart, ganz im Hintergrund Schloß Heiligenberg. Der Ausblick von hier ist schöner und abgerundeter als von der Ruine Kargeck aus. Die Aussichtstelle trägt ihren Namen zu Ehren des Abtes Othmar von St. Gallen, der angeblich um 750 auf dem nahen Frauenberg bei Bodman von den Gaugrafen Warin und zudhard eingekerkert ward. Auf dem gleichen Weg, der namentlich bei Nässe stellen- weise nicht ungefährlich ist, zum See zurückkehrend, setat man den herrlichen Waldweg fort und kann nach/ St. entweder dicht am See weitergehen, was bei nicht großer Hitze vorzuziehen ist, oder den schattigen Weg am Waldrand einschlagen, der etwas weiter ist. Beide Wege treffen später wieder zusammen, dann geht's am Waldrand und See hin nach Bodman, 411 m, 900 Einw.(Linde). Der Ort erstreckt sich am Ufer 2 km lang hin. Im Dorf hält man links und kommt am gräflichen Schloß vorbei zum Landungsplatz bei der Linde.— Bodman ist eine der ruhigsten und lieblichsten Sommerfrischen am Bodensee, ein Paradies für Ruhebedürf— 8. Altbodman-Uberlingen-Mainau 89 tige. Im Gastzimmer der Linde befindet sich ein Relief der zodmangegend. Der ganze Weg von der Mainau bis Bodman führt unaus- gesetzt durch Wald und ist in ganz hervorragender Weise abwechslungsreich und aussichtschön. Diese Wanderung ist unstreitig die schönste am Bodensee, aber weil von der Haupt- verkehrstraße etwas abgelegen, fast ganz unbekannt. Das altgeschichtliche Dorf soll im Mittelalter dem Bodensee seinen Namen gegeben haben. Bodman zählt zu den ältesten Orten am See. Schon zur Zeit der Pfahlbauten stand hier eines der bedeutendsten Seedörfer, wie die reichen Funde in neuerer Zeit bewiesen. Auch römische Funde wurden in der Nähe gemacht. Der Sage nach soll der ale mannische Grohe Potamin den nach ihm t innten Ort gegründet haben; in den letzten Jahren wurden interessante Klamannengräber aufgedeckt. In der Karolingerzeit war Bodman zwei Jahrhunderte lang Palatium regium, Königspfalz, in der Ludwig der Fromme, Karl der Dicke, Ludwig III.(das Kind) und Konrad I. weilten. Die Grundmauern der königlichen Pfalz wurden durch Aus- grabungen im Jahr 1885 ploligelegt. Der Ort wird schon 757 als Sitz fränkischer Landvögte erwähnt. Uralt ist der Turm der Kirche, die durch einen freigelegten Säulengang, dessen Grundmauern karolingisch sind, mit der Königspfalz in Ver- bindung stand. Das schmuck erneuerte Kirchlein enthält schöne Glasmalereien. Die Edlen von Bodman treten urkundlich 1146 auf und hatten damals ihren Sitz auf dem Frauenberg. Dieses Schloß brannte 1307 ab, worauf sie die Burg Altbodman erbauten; nach deren Zerstörung 1643 wurde das jetzige Scbloß im Ort errichtet. Das Schloß ist von wohlgepflegten Anlagen umgeben, die dem freien Zutritt geöffnet sind, und birgt u. a. viele Funde aus den Pfahlbauten und als Merkwürdigkeit einen kupfernen Kessel, in dem der jüngste Sproß des Hauses beim Burgbrand 1307 gerettet wurde(vgl. Frauenberg Nr. 8). Das heute noch blühende Geschlecht der Grafen von Bodman bekleidet in Baden wichtige Staatsämter. 8. Altbodman-Uherlingen-Mainau. Bodman- 35 Min. Altbodman 25 Min. Lusthäuschen 1½ St. Frauenberg— 25 Min. Bodman— Schiff Ludwigs- hafen— Bahn Uberlingen— 20 Min. Heidenhöhlen— 2ʃ½ St. 90 J. Ausflüge am Bodensee. zundgang in Uberlingen, zus. 4% St.— zu Schiff über die Mainau nach Friedrichshafen. Hiezu Karte Seite 80. Von der Linde in Bodman folgt man der Straße kurz auf— wärts gegen den Ort, bei den ersten Häusern dem zweiten Feldweg reéchts(Wegw.); oberhalb des Wassertürmchens hält man am Zaun rechts(links geht's zum Frauenberg) und steigt auf gutem Fußweg durch den Wald empor. Oben gelangt man durch den Burggraben zur Ruine Altbodman, 628 m. Nach dem Brand ihres Stammschlosses auf dem Frauen— berg bauten die Herren von Bodman im 14. Jahrhundert hier eine neue Burg, die im 30jährigen Krieg 1643 von den Franzosen zerstört wurde. Uber dem Eingangstor ist ein altes Wappen aus Stein angebracht. Die gewaltige Ruine mit den hohen und dicken Mauern, zwischen denen stattliche Bäume stehen und üppiges Grün wuchert, würde man vom See aus nicht vermuten. Von der Burgterrasse öffnet sich eine herrliche Aussicht auf den See und seine Höhenzüge. Am oberen Ende des Sees erblickt man die Mündung der Stockach, zu Füßen Bodman, gegenüber Ludwigshafen, nach rechts Sipplingen und Uberlingen. Vom Eingangstor wandert man auf dem bewaldeten Grat weiter mit schönen Rückblicken zur Ruine.[VNach Min. ſann man bei der Wegteilung halblinbs leicht abiodrts dureh den Dralitaausm und den Pald dirett aum Frauenberg(IlSt.) und vo dort den Abstecher aæum Lustfiduschien machen.] Oder geht man geradeaus aufwärts, dann durch das Gatter und auf dem Wiesenpfad zum Hof Bodenwald. Hier schlägt man den zweiten Feldweg links ein(Wegw.), hält am Wald nicht ab- wärts, sondern folgt dem Grasweg auf der Höhe links zum Lusthäuschen, 681 m. Auf vier steinernen Rundsäulen erhebt sich ein Aussichtsgerüst, von dem man einen schönen Blick auf den Zeller See mit Konstanz, der Insel Reichenau und den Schlössern bei Ermatingen hat; am rechten Ende des Sees erscheint Radolfzell, rechts dahinter der Hohentwiel und die anderen Hegauberge; zu Füßen liegt Liggeringen. Bei klarem Wetter sind hinter Konstanz auch die Alpen zu schen. Vom Gerüst folgt man dem Fußipfad waldeinwärts(anfangs Wegw. Bodenburg), nicht am Bergrand, sondern am Saum des Hochwalds hin; nach 7 Min. wird ein Sträßchen erreicht 8. Altbodman-Uberlingen-Mainau 91 (das rechts zur chemaligen Bodenburg, von der indessen kaum noch etwas zu schen ist, sowie zu einem Aussichtspunkt auf den Uberlinger See führt). Wir folgen dem Strähßchen links, biegen nach einigen Minuten rechts(Wegw. Frauenberg) und gelangen durch das Gatter abwärts zu dem im Wald versteckten Schlößchen Frauenberg, 592 m. Hier stand einst die Stammburg der Edlen von Bodman, bis im Jahr 1307 das Schloß durch einen Blitzstrahl in Flammen aufging, wobei zehn Personen mitverbrannten. Ein Kostüm- bild der beim Brand umgekommenen Personen befindet sich an der Rückseite der Kapelle. Das jetzige Schlößchen ist ein schmucker Staffelgiebelbau mit Steinwappen über dem Portal und enthält eine Wallfahrtskapelle. In dem Gewölbe unter der Kapelle soll der Sage nach der heilige Othmar, Abt von St. Gallen, um 750 gefangen gewesen sein. Wer von der HRuine Altbodman ſiertam, rFann vom Schloſ Frauenberq geradeaus dufwärts durch den Wald(Wegub. Lig- ſeringen), oben durch den Zaun, dann am Paldrand 3 Min. lines, nun rechts am Saum des Hochwalds hin in weiteren Min. aum Lusthduschen, alsdann den gleichen Weg zurũcłb. Beim Abstieg vom Frauenberg geht man nicht mehr durch den unteren Zaun im Sattel zurück, sondern den Stationenweg (geschnitzte Bildstöcke) abwärts an einem Obelisken vorbei, der zur Erinnerung an den Schloßbrand vom 16. September 1307 errichtet wurde. Der Gedenkstein soll den Fundort des ehernen Kessels bezeichnen, in welchem das ein Jahr alte einzige Söhnchen des Burgherrn, Johann von Bodman, als einziger Uberlebender gerettet wurde. Die treue Amme hatte das Kind in den Kessel gepackt und diesen den Berg hinabrollen lassen, wobei der Knabe unverletzt unten ankam. Dieser Platz bildet zugleich einen lieblichen Aus- sichtspunkt. Der Stationenweg führt durch den Wald vollends hinab, dann kehrt man auf dem Feldweg am Wassertürmchen vor— bei nach BoOod man zurück. Von RBodman fährt man mit dem Motorboot in 10 Min. (15 Pf.) über den stromartigen See nach Ludwigshafen, 398 m (Adler, Löwe), einem hübschen Dorf am nördlichen Ende des Uberlinger Sees.(Bei stürmischem Wetter unterbleiben die Fahrten, in welchem Fall man die weitausholende Straße um das obere Ende des Sees nach Ludwigshafen einschlagen 92 I. Ausflüge am Bodensee mußb, I St. Vom Sommer 1908 ab werden zwischen Bod— man und Ludwigshafen(Uberlingen) nachmittags auch Dampf⸗ schiffe verkehren— diese natürlich bei jedem Wetter und zwar im Juli und August täglich, im Mai, Juni und Septem- ber Sonn- und Feiertags.) Der Ort hieß früher Serna— tingen; 1826 ließ Großherzog Ludwig von Baden den Hafen anlegen, worauf das Dorf seinen jetzigen Namen erhielt(ähnlich wie aus dem alten Buchhorn Friedrichshafen entstand). Der einst lebhafte Speditionsplatz hat seit Eröff. nung der Uferbahn seine Bedeutung als Hafen fast ganz verloren. Die Kirche enthält sehenswerte Glasmalereien. Von hier fährt man mit der Bodenseegürtelbahn(Techts sitzen) mit schönen Ausblicken zum See nach Uberlingen, einer der interessantesten Städte am Bodensèe. Nähere An- gaben über die Geschichte und Sehenswürdigkeiten von Uber— lingen sind in Nr. 3 enthalten, wo auch der Abstecher vom Bahnhof zu den Hei de nhöh le n beschrieben ist.— Vom Bahnhof geht man dann weiter gegen die Stadt, bald die Teufelstreppen aufwärts zur Scheffelhöhe, nun hinab zu den prachtvollen Unteren Anlagen(zu denen man auf dem Rundgang durch die Stadt wieder zurückkehrt). Von hier gehe man, wie in Nr. 3 angegeben, durch die Anlagen des Badhotels zum Hafen und mache wie dort beschrieben den Rundgang durch die Stadt zur Besichtigung der reichen Sehenswürdigkeiten. Will man mit der Uferbahn weiterfahren, die im Anfang hübsche Ausblicke auf den See bietet, ss kann man sowohl vom Hauptbahnhof wie vom Ostbahnhof, zu dem man vom Marktplatz durch die Kanzleistraße gelangt, die Fahrt an- treten. Statt mit der Bahn fährt man jedoch genußreicher mit dem Schiff über die Mai na u und Meersbur g(xgl. Nr. 3) nach Friedrichshafen zurück. ** * Auf diesen Ausflügen hat man die schönsten Uferlandschaf- ten und die interessantesten Städte am Bodensee kennen gelernt. Bei den meisten Orten wäre freilich ein längerer Aufenthalt zur eingehenderen Besichtigung wohl angebracht. Wer sich längere Zeit am See aufhält, mag dies nach Belieben ausdehnen. Il. Ausflüge in die Umgebung. Vom Bodensee aus lassen sich mit kürzerer oder längerer Bahnfahrt genußreiche Wanderungen in die Umge bung aus— führen, die sich leicht den im ersten Abschnitt geschilderten Bodenseefahrten angliedern lassen. A. Von Friedrichshafen aus. 9. Gehrenberg-Salem-Heiligenberg. Friedrichshafen— Bahn Markdorf—/ St. Gehrenberg — 40 Min. Markdorf— Bahn Salem— ½ St. Abstecher zum Schloß— Fahrt Leustetten— 1 St. Heiligenberg— ½ St. Altheiligenberg— 20 Min. Freundschaftshöhlen. Sieben Linden— 10 Min. Heiligenberg— 50 Min. Leustetten Fahrt Friedrichshafen, zus. 5 St. lliezu Karte am Schluß. Mit der Bodenseegürtelbahn fährt man nach Markdorf, 455 m, 2500 Einw.(Krone, Ochse, Adler, Lamm), einer badischen Stadt am Fuße des Gehrenbergs. Der Ort wird schon 817 urkundlich erwähnt, war seit 1138 Reichslehen der Ritter von Markdorf und kam nach deren Aussterben in der Mitte des 14. Jahrhunderts durch die Erbtochter an die Edlen von Homburg, 1414 durch Kauf an das Hochstift Konstanz, nach dessen Aufhebung 1802 an Baden. Durch große Brände wurde die Stadt dreimal, zuletzt 1842, schwer heimgesucht. Das um 1500 erbaute bischöfliche Schlob beim Untertorturm wurde im Bauernkrieg 1525 teilweise zerstört, später vielfach verändert und ist jetzt in Privatbesitz(Apo- theke). Vom Bahnhof geht man geradeaus durch die Bahnhof- strabe, an deren Ende ein Springbr unnen mit reizendem Idyll 94 II. Ausflüge in die Umgebung. steht; hier hält man links, bei der Krone(Wo der Schlüssel zum Aussichtsturm erhältlich ist; 20 Pf., Albvereinsmit- glieder frei) geht's rechts durch den Apothekerturm, einen Torturm von 1534, zur spätgotischen Kirche, die in letzter Zeit sehr schön erneuert wurde. Schrä gegenüber der Kirche steht das Rathaus mit bilderreichem Ratsaal, dahinter der Hexenturm, ein chemaliger Torturm, der jetzt als Gefängnis dient.— Vom Kriegerdenkmal auf dem Kirchplatz folgt man der Straße aufwärts, dann dem Fahrweg in gleicher Richtung weiter(blaue Striche). Einige Minuten oberhalb der letzten Häuser schlägt man bei den Weinbergen den ansteigenden Fußweg rechts ein. Bei zwei Feldhütten wird der Wald er- reicht(von hier an rote Striche). Man geht die Treppen empor durch den Wald, bald darauf bei den Wiesen links am Waldrand aufwärts. Der Pfad führt bald wieder in den Wald, nachher bei Wegteilung aufwärts zur Grobherzog- Friedrichs-Warte auf dem Gehrenberg, 750 m. Der 30 m hohe Eisenturm gewährt eine prachtvolle Aus— sicht auf den Bodensee und die Alpenkette von der Zugspitze bis zu den Eisriesen des Berner Oberlandes; die Fernsicht ist eine der umfassendsten und schönsten am Bodensee, da man See und Gebirge mit einem Blick überschaut. Der luftige Bau ist so angeordnet, daß die Seiten die vier Himmeéls- richtungen angeben. Den schönsten Blick hat man natürlich gegen Süden auf den Bodensee in seiner ganzen Ausdehnung, hinter dem sich als großartige Umrahmung das Hochgebirge aufbaut. Von Einzelheiten sind hervorzuheben: Friedrichs- hafen liegt genau südlich; über dem See erscheint Rorschach mit seiner Bergkette, nach links die weit vorspringende Land- zunge von Langenargen mit Schloß Montfort an der Spitze. Die Insel Lindau ist durch einige vorgelagerte Anhöhen ver— deckt. Rechts von Friedrichshafen zeigt sich die Luftschiff- halle des Grafen Zeppelin, rechts von Markdorf in der Ferne hinter der Landzunge Konstanz mit dem Münster, weiter rechts der Zeller See mit Ermatingen, Reichenau und Radolf— zell. Näher liegend dehnt sich der stromartige Uberlinger See in seiner ganzen Länge, dahinter erheben sich die Hegau- berge Hohentwiel und Hohenhöwen. Zwischen der nahen Waldlücke taucht das stattliche Kloster Salem auf, Hei- ligenberg ist durch den nahen Waldschopf verdeckt. Nach Norden und Osten ist der Blick durch die Waldhöhen be- grenzt. 9. Gehrenberg-Salem-Heiligenberg. 95 Nach Markdorf kehrt man auf dem gleichen Weg zurück und fährt mit de r Bahn weiter über Mimmenhausen(Wagen- wWechsel) nach Sa le m. Vom Bahnhof folgt man der Straße linkshin durch den Ort Stefansfeld zu dem chemaligen Kloster Salem, 445 m(Schwan), ursprünglich Salmannsweiler genannt. Das 1134 gestiftete Zisterzienserkloster e rlangte unter den Hohenstaufen große Rechte, wurde von Karl IV. zum freien Reichstift erhoben und schwang sich bald zu einer der reichsten Abteien des Landes auf, der gegen 60 Dör fer mit einem Gebiet von 330 qkm gehörten. Seine Blütezeit in Kunst und Wissenschaft erreichte das Kloster im 13. und 14. Jahrhundert. 1697 brannte die Abtei nieder, wurde 1706 neu erbaut und kam 1802 an Baden. Das einstige Reich- stift ist jetzt als Schloß eingerichtet und bildet den Sommer- sitz des Prinzen Max von Baden. Das Sch1o0ßB enthält prachtvolle Säle mit einer Fülle von Kunstwerken. Sehens- wert sind besonders die Bildergalerie und Geweihsammlung, der geräumige Kaisersaal im Rokokostil mit den lebensgroben Standbildern der deutschen Kaiser, die Prunkzimmer, das Refektorium(jetzt evangelischer Betsaal) mit kunstvoller Stuckdecke und berühmtem Ofen(Porzellanmalerei) von 1733 und der Kapitelsaal mit schönen Schnitzereien. Das prunkvolle Müns ter, ein Kleinod gotisc her Bau- kunst, stammt aus den Jahren 1282—1311 und erfuhr neuerdings eine gründliche Wiederherstellung. Das re ich- geschmückte Gotteshaus enthält 23 Altäre aus Alabaster und Marmor im Rokokostil, reich geschnitzte Chorstühle und eine herrliche Orgel mit prachtvollem Gehäuse, macht aber den Eindruck des Uberladenen. Im Kreuzschiff vor dem Chor befinden sich vier figurenreiche Marmorgruppen, Kkunst- volle Alabasterurnen mit Reliefbildern und ein schönes Sakramenthäuschen; den Chorabschluß bildet eine riesige Bildhauerarbeit: Mariä Himmelfahrt. Am Haupteingang, bei dem die gotischen Chorstühle und ein Gedenkstein für — mn Bildhauer Georg Dürr, den Schöpfer dieser Kunstwerke, tehen, sind neue Deckengemälde angebracht. An der Außen- seite des Langhauses bef findet sich ein künstlerisch ausgeführter Christus in Erzguß, darüber eine prachtvolle Rosette, ein Meisterwerk der Gotik, und ein reiches Giebelnetz. Die Kirchenglocken geben einen schönen Dreiklang. Von Salem fährt man mit der Bahn weiter nach Le u- stetten. Vom Bahnhof folgt man der Straße Fußweg) 96 II. Ausflüge in die Umgebung. rechtshin ins Dorf, biegt beim Löwen rechts(Wegw.), bald darauf führt der Feldweg links aufwärts zum Wald. Hier geht man rechts am Waldrand hin, nach 5 Min. das Sträß— chen am Waldrand links auf das schön gelegene Schloß zu. Der Weg bietet allmählich schöne Rückblicke auf See und Alpen und führt dem Park entlang zum Schloß Heiligenberg, einem der prachtvollsten Fürstensitze. Das Schloß stammt aus dem 13. Jahrhundert, fiel 1277 durch Kauf an die Grafen von Werdenberg, 1540 durch Heirat an die Fürsten von Fürstenberg, denen es heute noch gehört, und wurde 1569— 98 umgebaut und vergröhert. Durch den Vorhof gelangt man über die Brücke zum Tor— bau, an dem zwei fürstenbergische Standbilder und zwei Adler von dem berühmten Bildhauer Joseph Kopf angebracht sind. Das Schloß enthält zwei Hauptsehenswürdigkeiten: den prachtvollen Renaissancesaal im linken(südlichen) Schloßflügel und die Kapelle im entgegengesetzten Flügel unter dem Schloßturm. Hervorragend schön ist der 35 m lange, I3 m breite Ritters a a l mit kunstreich geschnitzter Decke aus Lindenholz, gleichartigem Mosaikboden und wert- vollen Glasmalereien. Die aus dem 16. Jahrhundert stam— mende Holzdecke gilt als die schönste in Deutschland. Vom Schloßbbalkon genießt man eine wundervolle Aussicht auf Hegau, Schwarzwald, Bodensee und Alpen(ähnlich wie vom Gehrenberg). Ein Glanzstück ist auch die prunkhafte Schloßbkapelle mit geschnitzter Decke, herrlichen Wandgemälden von Meister Ludwig Seitz und kostbaren Glasgemälden aus dem 14. Jahrhundert. Der Rittersaal wie die Kapelle wurden um 1880 erneuert.— Sonst wird im Schlosse nichts gezeigt, dagegen ist der schöne Schloßpark zugänglich. Das Dorf Heiligenberg, 728 m(Post, Winter, RBajer) liegt am Rand der steil abfallenden Linzgauer Berge, von weitgedehnten Wäldern umgeben, und hat sich in neuerer Zeit zu einem vielbesuchten Luftkurort entwickelt. Be- suchenswert sind die hinter dem Dorf befindlichen Freund— schaftshöhlen und die Burgstelle Altheiligenberg. Im Ort geht man bei der Post die Leustetter Straße abwärts, unter- halb der Apotheke den Fußweg halbrechts aufwärts.(VTILl man nur zu den Freundschiaftsſiohilen, deren Besuch am loh— nendsten ist, so folgt man der Straße nochi einige Minuten ab— drts, dann dem ansteigenden Fufhοον hecits(Wegi,) æονι‘,en 7 · 1 1 + 9. Gehrenberg-Salem-Heiligenberg. 97 Hohlen, 12 Min.) Der erste Weg führt an einer Aussichts- bank vorbei, die einen ebenso schönen Blick wie der Schloß- balkon bietet, dann eben weiter, bei Wegteilung nicht rechts- hin, sondern um das Waldtal herum. Nach etwa 25 Min. vom Schloß folgt man der breiten Straße rechts zum Karl- Egons- Platz, einem hübschen Rundell, nun dem Fußweg rechts empor zum Pavillon auf Altheiligenberg. Von hier genießbt man einen prächtigen Anblick des Schlosses und eine großartige Fernsicht auf Bodensee und Alpen; im Vorder— grund etwas rechts von Heiligenberg zeigt sich Kloster Salem. Die alte Burg wurde 992 erbaut und bestand bis gegen 1300; sie war der Stammsitz der Grafen von Heiligenberg, der einst mächtigen Gaugrafen des Linzgaus, die aber im 13. Jahrhundert verarmten und 1306 mit Graf Berthold,. Bischof von Chur, ausstarben. Von der einst bedeutenden Stammburg ist außer dem Burggraben nichts mehr zu sehen. Man kehrt nun auf dem gleichen Weg etwa 20 Min. zurück, dann biegt ein Fußpfad rechts ab zu den Freundschaftshöhlen, mehreèren Grotten in Nagelfluhfelsen, vielleicht vorgeschicht- liche Zufluchtstätten. Die Höhlen sollen noch in neuerer Zeit von armen Leuten bewohnt gewesen sein. Auch von hier hat man eine prächtige Aussicht. Man setzt den Fuß- weg fort zur Straße, die sich aufwärts nach Heiligenberg zieht. Am Gasthaus Bajer vorbei führt der Weg in kaum 10 Min. zur Amali e nh öh e bei den Sieben Linden, 786 m, einer der berühmtesten Aussichtstellen von Süddeutschland. Man verfolgt die prächtige Rundschau am besten an Hand des Panoramas von Steudel und Keller(in den Gasthöfen zu haben). Salem und Heiligenberg sind die interessantesten Punkte in weiter Umgebung, namentlich das erstere verdient größere Beachtung. Aus Unkenntnis wird es vielfach beiseite ge- lassen und nur das bekanntere Heiligenberg besucht, obgleich Salem weit mehr bietet und auch die Führung im Schloß eine viel eingehendere ist. Um die Fernsicht bei Sonnenuntergang und--aufgang, wo sie gewöhnlich am schönsten ist, genießen zu können, emp— fiehlt es sich, in Heiligenberg zu übernachten. Von Heiligenberg kehrt man sodann nach Leustetten zu— rück und fährt mit der Bahn nach Friedrichshafen. Wais, Bodensee-Führer. 7 33223 98 II. Ausflüge in die Umgebung 10. Ravensburg-Waldsee-Leutkirch. Friedrichshafen Bahn nach Ravensburg 3 St. Rund- gang Straßenbahn nach Weingarten St. Kloster Bahn nach Waldsee 2 St. Rundgang Bahn nach Leut kirch St. Rundgang Bahn nach Isny, zus. 6¼ St. lliezu Karte am Schluß. Von Friedrichshafen fährt man am besten mit dem ersten Eilzug nach Ravensburg, 449 m, 14 600 Einw.(Bahnhofhotel Hildenbrand, Kaiserhof, Waldhorn, Württemberger Hof Die im breiten Schussental gelegene Stadt bietet mit ihren 15 Türmen einen überaus malerischen Anblick dar. Ravens Ravensburg mit Veitsburg burg wird mit Recht die Metropole Oberschwabens, we des mittelalterlichen Aussehens auch das schwäbische Nürn- berg genannt. Keine zweite Stadt in Schwaben hat ihr alter— tümliches Gepräge so gut erhalten wie Ravensburg mit seinen zahlreichen Tor- und Mauertürmen, Wallgräkon, Stadt— mauern, alten Häusern. Der Rundgang durch die Stadt wird zweckmäßig wie folgt ausgeführt: Vom Bahnhof geht man geradeaus durch die Eisenbahnstraße zum Kaiser-Wilhelm Denkmal in den städti— D· 10. Ravensburg-Waldsee-Leutkirch. 99 schen Anlagen, die den einstigen Stadtgraben schmücken. Die ausdrucksvolle Marmorbüste stammt von dem berühmten Bildhauer Joseph v. Kopf(Rom), der von Unlingen am Bussen gebürtig, in Ravensburg Steinhauerlehrling war. Rechts gelangt man durch die Anlagen der alten Stadtmauer entlang zum Untertorturm, weiter durch die Olgastraße am Stadtgraben hin zum Eckturm(Spitalturm) und am Hirsch- graben weiter an einer malerischen Mauerbastion vorbei zum Hirschpark, der mit Damwild bevölkert ist. Von hier kann man entweder durch die Anlagen aufwärts unmittelbar zum Mehlsack, oder besser links zur evangelischen Kirche und dem Kgl. Landgericht, dem einstigen Karmeliterkloster, einem schmucklosen Bau von 1349. Bei dem stattlichen Kornhaus geht man rechts durch die Burgstraße zur Räuber— höhle, einem interessanten alten Gebäude mit Torbogen, dann die Staffeln aufwärts zum Mehls a ck, dem Wahrzeichen Ravensburgs. Der 50 m hohe, um 1280 erbaute Rundturm hat einen Umfang von 33 m und hieß früher der Weibe Turm; den jetzigen Namen trägt er von seiner Form und Farbe. In unmittelbarer Nähe steht das ehemalige Franziskanerkloster, jetzt Gymnasium und Oberrealschule. Durch die Anlagen führen bequeme Pfade am Schloßberg hinauf zur Veitsburg, 526 m, ursprünglich Rauenspurg d. i. zaben- oder Ravensburg genannt. Nach anderer Deutung soll der alte Burgname von dem Personennamen Rafo her— rühren; den jetzigen Namen trägt die Burg von der abgetra- genen Burgkapelle zu St. Veit, ähnlich dem Gebhardsberg, dessen einstiger Burgname Hohenbregenz der dem Heiligen geweihten Wallfahrtskirche zum Opfer fiel.— Die Burg zählt zu den ältesten des Landes und hat weltgeschichtlich eine hochinteressante Vergangenheit. Im 7. Jahrhundert war die Burg angeblich Sitz alamannischer Herzoge, später fränkischer Kammerboten und wurde um 780 von Karl dem Großen dem Grafen Isenbard, Stammvater der Welfen, ge— schenkt. Die Welfen, wohl das älteste Herrscherhaus Europas, regierten bis 1866 in Hannover, bis 1884 in Braunschweig und sitzen heute noch in England auf dem Thron. Welf II., Graf von Altdorf(1013—30), baute die Burg um; Welf III., Herzog von Kärnten(gest. 1055), war der erste Sprohß des berühmten Geschlechts, der den Beinamen„von Ravensburg“ annahm(den übrigens später auch welfische Dienstmannen führten). Sein Sohn Herzog Heinrich der Schwarze starb 100 II. Ausflüge in die Umgebung 1125 auf der Burg. Dessen Tochter Juditha, die Gemahlin des Schwabenherzogs Friedrich und Mutter Barbarossas, lebte hier. Herzog Heinrich der Löwe erblickte 1129 auf dieser Burg das Licht der Welt. Schon 1098 wird Ravens— burg,„die Ortschaft unter der Feste“ urkundlich erwähnt. Nach dem Tode Welfs VI. kam Ravensburg im Jahr 1191 mit den oberschwäbischen Welfengütern durch Kaiser Fried— rich J. an die Hohenstaufen, die bekanntlich die grimmigsten Gegner der Welfen waren. Sprichwörtlich war der Fehderuf: Hie Welf— hie Waiblingen! Herzog Philipp von Schwaben und der unglückliche Konradin, der letzte Hohenstaufe (1262—67) weilten gleichfalls hier. Kaiser Rudolf von Habsburg erklärte die Burg zu Reichseigentum, die Stadt wurde von ihm 1276 als Reichstadt urkundlich anerkannt. Sie trat 1331 dem Schwäbischen Städtebund bei und kam bald zu hoher Blüte durch ihren beträchtlichen Handel nach Italien, Spanien, den Niederlanden und Gsterreich. Ravens— burg war einer der frühesten Sitze der Papierbereitung in Deutschland(schon 1407) und einer der berühmtesten Orte für Leinwandweberei. Die Reichstadt fiel 1802 an Bayern, seit 1810 gehört Ravensburg zu Württemberg. Die Burg ging 1541 an Osterreich über und war Sitz eines Landvogts bis 1641. Gegen Ende des 30jährigen Kriegs(1647) brannte die ereignisreiche Welfenburg nieder, von einem Papier— arbeiter und einem östèerreichischen Soldaten angezündet, die für ihre Freveltat auf dem Berg gehängt wurden. Die Trüm— mer wurden 1748 von der Stadt erworben, 50 Jahre später wieder veräußert und 1875 zurückgekauft. Die Veitskapelle, die der Burg den Namen gab, wurde 1833 abgebrochen. Das jetzige Schlößbchen wurde 1750, der Aussichtsturm, an dem eine Geschichtstafel angebracht ist, 1885 von der Stadt erbaut. Von der alten Ravensburg sind noch einige Mauer— restèe erhalten. Die Fernsicht auf den Silberspiegel des Bodensees und die Hochgebirgskette von der Scesaplana bis zu den Berner Alpen ist entzückend. Die Alpenkette beginnt im Südosten mit den Vorarlberger Gipfeln: Canisfluh, Rote Wand, Mittagspitze; beherrschend steigt die Scesaplana auf, an die sich Panüler Schrofen, Schwarzhorn und Falknis reihen; dann folgt das Rheintal mit den Dreischwestern, dem Calanda(über der Kirche von St. Christina) und den Grauen Hörnern bei Ragaz. Mächtig erhebt sich die nahe Säntisgruppe: Hoher 10. Ravensburg-Waldsee-Leutkirch. 101 Kasten, Kreuzberge, Altmann, Säntisspitze. Im Vorder- grund er t der Bodenseèe, dessen Uferstädte Rorschach, Romanshorn und Friedrichshafen deutlich sichtbar sind. gechts vom Säntis erblickt man den Tödi, Glärnisch, Uri-Rot- stock, Titlis und bei hellem Wetter auch die Berner Alpen mit Schreck- und Wetterhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau. Gegen diese hehre Bergwelt fällt die übrige zZundschau, 80 anmutig sie sonst ist, stark ab. Gegen Westen zeigt sich der waldige Höhenzug vom Gehrenberg bis zum Höchsten, gegen Norden das einstige Kloster Weingarten, dahinter der:? Altdorfer Wald; im Osten ragt die altersgraue Waldburg auf, im Süden erscheint das ehemalige Kloster Weißenau. Man geht durch die Anlagen eine Strecke zurück, dann etwas rechts hin durch den Obertorturm und die Marktstraße abwärts, am alten Theater, der sogenannten„‚Brotlaube“ mit großem Torbogen vorbei, zum Ra thaus, einem spät⸗ gotischen Bau mit Staffelgiebeln; darin befindet sich die Altertumsammlung, Eintritt frei. Der Marktplat z, kurz Platz genannt, ist von einer Anzahl altertümlicher Gebäude umgeben. Neben dem Rat- haus befindet sich die Stadtpost im sogenannten Waghaus aus dem Jahr 1496. Daneben steht der Blaserturm, ein alter Wachtturm, dessen Name davon herrührt, daß die Hoch- wüchter ihre Zeichen durch Trompetenblasen zu geben hatten. Der Turm stürzte 1552 ein, ohne sonderlichen Schaden zu ver— ursachen, und wurde im folgenden Jahr wieder aufgebaut. Im Sommer 1907 wurde der Turm wieder neu hergerichtet. Dem Blaserturm gegenüber steht das Lederhaus von 1574 mit neuer Bemalung, früher Lederlagerhaus, jetzt Feuerwehr- magazin. Hinter diesem Bau befindet sich das alte Seelhaus von 1408, früher Spital, jetzt Eisenlager; die Außenseite ist mit Wandgemälden geschmückt. Man kehrt mit wenigen Schritten zum Platz zurück, in dessen linker Ecke der Grüne Turm steht, ein malerischer Rundturm im Winkel des kloster-— artigen Baus. Daneben steht der Frauentorturm bei der katholischen Frauenkirche. Die aus dem Ende des 13. Jahrhunderts stammende Kirche ist in den letzten Jahren erneuert worden und macht in ihrer edlen Einfach- heit einen würdigen Eindruck; sie enthält künstlerische Wandgemälde, eine zierlich geschnitzte Kanzeldecke und schöne Altäre; im Chor befinden sich kostbare Glasgemälde von 1415. 102 II. Ausflüge in die Umgebung. Vom Frauentor geht man an dem prächtigen Konzert- haus und den nèuen Schulbauten vorüber durch die An— lagen aufwärts, in denen drei erratische Blöcke liegen, zum Schellenbergturm. Der in sonderbarer Form er— baute Turm wurde gleich den meisten anderen Mauer- und Tortürmen am Ende des 13. Jahrhunderts erstellt. Man kehrt auf dem gleichen Weg zum Grünen Turm(Außenseite) zurück und setzt den Weg durch die Anlagen fort, die sich im einstigen Wallgraben rings um die Stadt der Stadtmauer entlang hinziehen, am Kriegerdenkmal und am bemalten Turm vorbei zum Kaiserdenkmal.(Von hier kann man den kurzen Abstecher am Kaiserhof vorüber zur Jodokskirche machen, einer gotischen Pfeilerbasilika von 1385, die in den letzten Jahren gleichfalls erneuert wurde und ein Olgemälde Madonna] von Gegenbaur, sowie schöne Glasgemälde enthält; über dem Seiteneingang befindet sich ein ölberg.) Vom Kaiserdenkmal kehrt man durch die Eisenbahnstraße zum Bahnhof zurück. Bei làngerem Aufenthalt, àu dem sic Ravensburg vorꝛglef eignet, Sindꝗ folgende Ausfluge in die Vmgebung sehr 2u emp- fehlen. Die meisten Wege sind gut hezeichnet. J. LVom Obertor fülirt ein herrlicher N aldwhweg(blaue Scheibe) in St. zum Fattbachwbertàe„‚ einem der vielen aus der Hiszeit auruchyehliebenen Seen in schòôner Umgebung. (Sadeanstalt, Kahinfalirten, Sommerivirtschiaft.) 2. An der Gasunstalt vorbet zum„Sennerbad“(Mineral. bad und Kuranstalt fur Heræ- und Nerventranbe) mit prũch- ligem Ausblich àauf Ravensburg, Weingarten, das Schussenta! und die Alpen. Von da in 1½ St. zur„Hölle“, einem in dem tertidren Pfofisand tief eingeschnittenen, dichtbeualdeten Lohel voll landschaftlicher Reixe und von geibaltiger AulSdeHI. Aussichitsreichier Ruchbeg uber den Karmeliterhof 30 Min. 3. Vom Konzerthaus in 10 Min.(rote Striche) z:um K d J- „arenberg hei der Benediſtinerbrauerei mit schönem Blich auf Havenshurg, Veitshurg, Gehire nberg und Höchsten. 4. Von der Veitsburꝗ in 10 Min. nach St. Cyrtste'n a, in dessen Ndiſie herrlicher Blich auf Bodensée, Sdntisgruppe, Glarner Alpen und Berner Oberland. 5. Lin hiibecher Spuztertpeq(blaues Kreua) füſirt in ½ St. zι er von Wassergrãben umgebenen„Burg“e bei Grohtobel, eĩnem uralten Rittersitæ, auſ dem einst ꝛbelſtoche Dienstmannen hausten. Die Burg ist heute noch beibohnt. 0. Ravensburg-Waldsèe-Leutkirch 103 6. Vom Obertor gelangt man über Albertshofen, Schlier und Seberatsreute den roten Strichen folge nd in 2 St. zu dler viel- heSνm-uten Waldburg, 797 m, einem der höchsten Punlié Oberschebubens mit grohartiger Fernsicht àuf Bodensee, Hegau und Alpen. Die guterhaltene mit lalterliche Burq, ein ein- facher Bau oline Furme, wur einst Sitæa des Truchsessen Georꝗ II. von Paldburg, des gefũrehtete N Bauernjörgs. Nicht zu unterlassen ist der Besuch der berühmten Klosterkirche in Weingarten, 485 m, 6920 Einw. (König Wilhelm, Sonne, Stern), wohin vom Bahnhof Ravens- burg eine elektrische Straßenbahn führt. Von der Endstation geht man durch die Schlohstraße, beim Hirsch die Stein- treppen aufwärts zu der beherrschend aufragenden Kloster- kirche. Das hochgelegene Kloster(jetzt Kaserne) und die Kirche machen durch ihre Größe einen imponierenden Ein- druck. In Altdorf, dem Stammsitz des Welfenhauses, stiftete der Welfe Heinrich mit dem goldenen Wagen im Jahr 910 ein Nonnenkloster, das zur Grablege der Welfen bestimmt war. Seine Nachkommen verwandelten dieses Klösterlein 1036 in ein Benediktinerkloster, das jedoch schon im Jahr 1053 abbrannte, worauf Herzog Welf III. den Mönchen seine Burg auf dem nahen Martinsberg überliesß. Das neue Kloster be- kam von den Rebenpflanzungen den Namen Weingarten und wurde von den Welfen, später von den Staufern und dem Adel ringsum reich ausgestattet, so daß sich Weingarten bald zur reichsten Abtei in ganz Schwaben aufschwang. Nach dem großen Brand von 1248 wurde das Kloster wieder neu erbaut; nach der Staufenzeit wurde es zur Reichsabtei erhoben. Im 30jährigen Krieg hatte das Kloster durch Plünderungen Schwer zu leiden. Durch die napoleonischen Umwälzungen kam die Abtei 1802 an die Fürsten von Nassau-Oranien, fiel aber schon 1806 an Württemberg und wurde 1865 mit dem früheren Reichsdorf Altdorf, dem ältesten, außerhalb des Klosters gelegenen Ort, vereinigt und mit dem alleinigen Namen Weingarten zur Stadt erhoben. Seit 1868 dient das chemalige Kloster als Kaserne des 6. Württembergischen Infanterieregiments. Die Klostergebäude stammen aus den Jahren 1708— 17, die einstige Benediktinerabtei, jetzige Martinskirche, wurde 1715-—24 unter Abt Sebastian Hiller erbaut und im Jahr 1880 erneuert. Die im Renaissancestil erbaute Kirche gilt als eine 104 II. Ausflüge in die Umgebung der schönsten in Deutschland. Hervorragend ist die be— rühmte Orgel über der Vorhalle mit 6666 Pfeifen; die Chor— orgel hat ein reichgeschnitztes Gehäuse und Pfeifen. Im linken Querschiff ist die Welfengruft, 1852 durch König Georg von Hannover umgebaut. Der Mittelaltar birgt den wichtigsten Kirchenschatz, die Reliquie des heiligen Blutes, die beim sogenannten Blutritt(am Freitag nach Himmelfahrt) in feierlicher Prozession getragen wird, an der einst über 30 000 Wallfahrer, darunter gegen 1000 Reiter, teilnahmen. Die in einem Prachtgefäſß aufbewahrte Reliquie(einige Trop- fen vom Blute Christi) wurde um 1090 dem Kloster von der Gemahlin Welfs IV. geschenkt. Sehenswert ist auch die kunstreiche Kanzel in üppigstem Rokoko; wegen ihres schönen Klanges berühmt ist die 138 Zentner schwere Hosannaglocke von 1490. Von der alten, 1217 erbauten Kirche sind noch kleine Mauerreste erhalten. Beachtenswert ist der südlich der Kirche anstoßende alte Kreuzgang mit sehr schönen Maß- werken. Vom Kloster geht man durch die Kirchstraße zum Schul—- haus, einem schönen Bau mit Staffelgiebeln, dessen Außen— seite mit Wandmalereien aus der Welfengeschichte geschmückt ist. Von hier gelangt man durch die Schulstraße in die Schloß- straße zur Straßenbahn. Von Ravensburg fährt man mit der Bahn durch eine schöne Waldlandschaft nach Aulendorf(Wagenwechsel). Im oberen Teil des Orts befindet sich das neu hergerichtete Schloß mit schönem Park der Grafen Königsegg. Bei der Weiterfahrt nach Waldsee erblickt man bald zur Linken den reichbesetzten gräflichen Damhirschpark. Die Bahn führt durch eine oberschwäbische Wald- und Riedlandschaft nach Waldsee, 588 m, 3030 Einw.(Post, Hirsch. Württemberger Hof). Die uralte Stadt hat ihren Namen zwar von ihrem See. nicht aber, wie es so naheliegend erscheint, vom Wald., indem die erste Silbe ursprünglich walah welsch bedeuteéte. Ver— mutlich sind hier wohl noch von der Römerzeit her Welsche ansässig geblieben. Nach alten Urkunden des Klosters Weißenburg im Elsaß, das schon 851 hier begütert War, haben die Ungarn bei ihrem Einfall 926 einen Hof bei Waldsee ver- wüstet. Eigener Ortsadel bestand seit 1171; die Burg erhob sich auf der heute noch so genannten Burghalde, auf der jetzt die evangelische Kirche steht. Im Jahr IIS1 wurde die Pfarr- 10. Ravensburg-Waldsee-Leutkirch. 105 kirche in ein Chorherrenstift verwandelt; später ward auch ein Frauenkloster errichtet. Die Herren von Waldsee ver- schafften ihrem Ort 1298 Stadtrecht und verkauften 1331 Burg und Stadt an Osterreich. Von 1386— 1680 war Waldsee an die Truchsesse von Waldburg verpfändet und wurde be- zeichnenderweise deren Kornhaus genannt. Berühmt ist Truchseß Georg III., der Bauernjörg, der Unterdrücker des großen Bauernaufstandes und der Reformation, f 1531. Die Stadt war eine der fünf Donaustädte“, die ansehnliche Frei— heiten hatten. Von Osterreich kam Waldsee 1806 an Württem- berg. Vom Bahnhof geht man rechtshin durch die Anlagen mit hübschem Blick auf See und Stadt, an der schön gelegenen evangelischen Kirche vorbei zur doppeltürmigen katholischen Stadtkirche, der früheren Stiftskirche. Die etwas düstere Kirche enthält einen Hochaltar mit dicken gewundenen Säulen und ein eigentümliches Deckengewölbe; in der Tauf— kapelle befindet sich ein Denkmal Georg I., Truchseß zu Waldburg-Zeil-Waldsce(F 1467) in prächtiger Ritter- rüstung. Durch die Hauptstraße gelangt man zum Rathaus, einem hübschen gotischen Giebelbau von 1426, und an dem fresken- geschmückten Spital, das gleichfalls Staffelgiebel trägt, vorbei. Hinter der Post geht man die Ravensburger Straße rechts, beim letzten Haus(wo der Schlüssel zum Turm mitzunehmen ist, 20 Pf.) durch die Anlagen aufwärts(blaue Striche) zum Kaiser-Friedrichs-Turm auf dem Dächtbühl, 620 m, einem Moränenhügel. Vom Turm hat man einen schönen Blick auf die zwischen den beiden Seen liegende Stadt, auf ein großes Gebiet von Oberschwaben und bei hellem Wetter auf die Alpenkette. Vom Turm geht man wenige Schritte zurück und den breiten Weg durch die Anlagen links abwärts zur Ravens- burger Strabe, die man kurz aufwärts verfolgt bis zum Kirch- lein. Dicht hinter dem Kirchlein führt ein Fußbpfad(Stationen- weg) abwärts zum Schloßsee und SchIO ßB des Fürsten von Waldburg-Wolfegg-Waldsee. Das Schloß wurde 1748 an Stelle des 1529 erbauten älteren Schlosses neu erstellt und ist von einem Wassergraben umgeben; im Torgang befindet sich eine schöne Geweihsammlung. Rings um das Schloß dehnt sich der wohlgepflegte Schloßgarten aus. Zwischen den Okonomiegebäuden hindurch gelangt man zu dem schön an- 106 II. Ausflüge in die Umgebung gelegten Hofgarten und durch diesen zum Schloßsee, der durch die Steinach mit dem Stadtsee verbunden ist. Gegen das Schloß zurückkehrend, geht man über die Brücke wieder zur Stadtkirche, dann zwischen Schule und Apotheke abwärts zu dem umfangreichen, prächtig um- rahmten Stadtsee. Am See hält man links über die Brücke, beim Storchen rechts. Der Weg führt an der Bade- anstalt vorbei durch die Allee in kurzer Entfernung vom See (dicht am See führt kein Weg hin) bis zu dem Wäldchen gegenüber von dem neuen, schöngelegenen Bezirkskranken— haus. Von hier hat man den schönsten Anblick des Sces. hinter dem sich die Stadt mit ihren Türmen malerisch aus dehnt. Man kehrt zum Bad zurück und gelangt über die Treppen unmittelbar zum Bahnhof. Weiterfahrt durch die mit zahlreichen Weihern bedeckte oberschwäbische Hochebene nach Leutkirch, 655 m, 3600 Einw. (Pflug-Post, Mohr; Bahnhofwirtschaft Kolb mit berühmter Küche). Wagenwechsel nach Isny. Bei genügender Zeit empfiehlt sich ein Gang durch die einstige Reichstadt, jetzige Oberamtstadt, die von dem Waldhügel Wilhelmshöhe ma- lerisch überragt wird. Leutkirch blickt auf ein hohes Alter zurück. Ursprünglich hieß der Ort Aufhofen und besaß schon frühe die Mutterkirche des großen Nibelgaus, die schon 797 urkundlich genannt wird. Dieser Kirche verdankt der Ort seinen jetzigen Namen, indem solche Mutterkirchen mit ausgedehntem Pfarrsprengel„Leutkirchen“ genannt wurden, welcher Name schlieglich auf die Aufhofener Niederlassung übertragen wurde. Bereits 848 wird der Ort mit diesem Namen erwähnt. Vor 1240 hatte sich das Dorf zur um— mauerten Stadt entwickelt, die bald der Mittelpunkt der reichsfreien Bauern der Leutkircher Heide ward. Nach Auf- lösung des Nibelgaus kam Leutkirch im 14. Jahrhundert an die Grafen von Montfort, erhob sich aber schon 1384 zur freien Reichstadt und schwang sich im 15. und 16. Jahrhundert zu hohem Wohlstand auf durch seine blühende Leinwand- weberei und seinen Handel nach dem Süden. Im 30jährigen Krieg wurde die Stadt 1632 von den Schweden erobert und 1646 vier Tage lang vollständig ausgeraubt. Die Stadt hatte unter häufigen Bränden zu leiden; 1540 legte das Feuer die ganze untere Stadt in Asche. Die Reformation wurde 1546 eingeführt; bis ins 19. Jahrhundert durften nie mehr als 25 katholische Bürger in der Stadt sein, jetzt bilden sie die 2, 11 Isny-Schwarzer Grat-Alttir auchburg. 107 Eberzahl. Die Reichstadt kam 1802 an Bayern, 1810 an Württemberg. Leutkirch ist der Geburtsort der berühmten Bürgermeistérin von Schorndorf, Barbara Walch-Künkelin, die 1651 als Tochter des Apothekers Agricola hier das Licht der Welt erblickte. Vom Bahnhof, der einen schönen Blick gegen Norden auf Schloß Zeil bietet, geht man gegen die Stadt, der Isnyer Bahn entlang, beim Amtsgericht links, am Marienbad vorbei zur evangelischen Kirche, hier rechts, beim Pflug den Fußweg aufwärts. am Pulverturm vorbei, durch die Anlagen zur Wilhelmshöhe(Festplatz). Auf der Südseite öffnet sich eine umfassende Alpenfernsicht. Man geht den Treppen- weg kurz zurück, dann rechts eben hin(Wegw.) an einer Aus- sichtsbank vorbei, die einen hübschen Blick auf die Stadt gewährt. Unterhalb des Wirtshauses zur Wilhelmshöhe geht man zwischen den Gärten links, beim Bockturm, neben dem ein guterhaltener Teil der Stadtmauer steht, die Treppen abwärts zum Rathaus, einem stattlichen Arkadenbau mit sehenswertem Saal und schönen Stuckarbeiten aus der Rokokozeit. Auch das gegenüberliegende Haus ist ein alter- tümlicher Arkadenbau. Von hier geht man links durch die Marktstraße an der Apotheke vorbei zum Pflug, nun der Eschach entlang abwärts und am Marienbad vorbei zum Bahnhof zurück. Weiterfahrt dem Gebirgszug der Adelegg entlang nach Isny, 704 m, 2880 Einw.(Alte Post, Ochse, Strauß, Blume, Traube, Hirsch). II. ISny-Schwarzer Grat-Alttrauchburg. Isny 1 St. Rundgang—/ St. Dürrenbach 1 St. Schletteralp— ½ St. Schwarzer Grat ½ St. Schletteralp 35 Min. Bolsternang—/ St. Riesentanne 20 Min. Alttrauchburg 50 Min. Großholzleute, zus. 6/ St. Oder: Isny St. Rundgang 1 St. Großholzleute 50 Min. Riesentanne 20 NMin. Alttrauchburg 50 Min. Bolsternang 50 Min. Schletteralp ½ St. Schwarzer Grat— ½ St. Schletteralp 3/ St. Großholzleute, 2us. 6 St. 35 Min.(nach Isny 1 St. mehr). Hiezu Karte Seite 112. 108 II. Ausflüge in die Umgebung. Isny, der Hauptort des schwäbischen Algäus(des einstigen Albigaus) ist eine interessante, altertümliche Stadt. Schon zur Römerzeit stand in der Nähe ein kleines Kastell, vermut- lich Vemania, wo viele Funde gemacht wurden. Nach dem Vordringen der Alamannen bildete Isny schon durch seine Lage wohl eine der ältesten Siedlungen. Der seltsame Name der Stadt wird auf den vordeutschen Flußnamen der Isnyer Ach, die ursprünglich Isenach, später Eisenach hießz, zurück- geführt. In alten Urkunden wird der Ort 1126 Isinium, Isny. Marktplatz und Rathaus. Mader nh. 1172 Lsenine, noch 1326Tsnina genannt. Im 1I. Jahrhundert besaſzen die weithin herrschenden“ Grafen von Veringen einen Fronhof im Dorf Isny und bauten dort 1042 einè Kirche. Im Jahr 1096 stifteten die Grafen, von denen ein Zweig den Zunamen Isny angenommen hatte, ein Benediktinerkloster. das mit Hirsauer Mönchen besetzt wurde. Ein damit ver- bundenes Frauenkloster wurde 1189 nach Rohrdorf verlegt. Um diese Zeit erweiterte Graf Wolfrad von Veringen-Isny den Ort, der dann ums Jahr 1200 zur Stadt erhoben wurdé. 1274 belehnte Graf Mangold von Nellenburg-Veringen den Truchseß von Waldburg mit der Stadt und der Klostervogtei, und im Jahr 1306 kam Isny ganz in den Besitz der Truchsessé von Waldburg. Doch kaufte sich die Stadt schon 1365 los zen on Ut- em ine me Ver m, 11. Isny-Schwarzer Grat-Alttrauchburg. 109 und erwarb die Reichsunmittelbarkeit. Als Reichstadt blieb Isny zwar ohne Gebiet, erlangte aber groben Wohlstand durch seine bedeutende Leinwandweberei und seinen Handel, der sich bis nach Italien und Spanien erstreckte. Durch die Veränderung des Welthandels im 16. Jahrhundert sank in- dessen der Reichtum der Stadt. Ein merkwürdiges Verhäng- nis waltet über Isny durch die großen Brände, die die Stadt 80 oft in Asche legten. Schon im Jahr 1284 brannte die ganze Stadt samt dem Kloster nieder, 1401 wieder mehr als die Hälfte der Häuser. Im 30jährigen Krieg brannten 1631 über 350 Gebäude ab, worunter wiederum das Kloster. In den letzten zwei Jahrhunderten(bis in die neueste Zeit) wurde die Stadt noch zehnmal von schweren Bränden heimgesucht, weshalb auch Isny nächst Reutlingen die erste organisierte Feuerwehr in Württemberg 1846 einführte. Die Reformation fand hier trotz des Klosters schon 1525 freudigen Eingang; bis zum Jahr 1806 durfte sich kein Katholik in Isny ansiedeln, Obwohl das Kloster bestehen blieb und die Umgebung rings- um beim alten Glauben verharrte; jetzt sind die Katholiken in der Mehrzahl. Isny blieb bis 1803 freie Reichstadt, in welchem Jahr sie samt dem Kloster als Entschädigung an den Reichsgrafen von Quadt fiel; im Jahr 1806 kam Isny an Württemberg. Die chemalige Benediktinerabtei(von 1639) ist jetzt als Schlob des Fürsten von Quadt-Wykradt-Isny ein- gerichtet; das alte Refektorium enthält sehenswerte Wand- gemälde. Die frühere Abteikirche ist Pfarrkirche von Isny—- Vorstadt. In der Gegenwart zeichnet sich Isny durch viel seitige Gewerbetätigkeit und bedeutenden Käséehandel aus. Die Seidenzwirnerei von C. U. Springer war die älteste des Landes. Die Besichtigung der altertümlichen, teilweise noch mit Mauern, Türmen und Gräben umgebenen Stadt geschieht am besten auf folgendem Rundgang: Vom Bahnhof gelangt man durch die Bahnhofstraße, die Ach überschreitend, zum Wassertor, einer Hochwacht der alten Stadtbefestigung. Zur Linken steht die evangelische Nikolaikirche, eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit gotischem Chor, schönen Holzdecken und Wandmalereien, daneben das Kriegerdenkmal, weiter oben die einstige Klosterkirche mit schönen Stuckarbeiten und Deckengemälden; 1880 erneuert. Die ehemalige Abtei hinter der Kirche ist besser von der Hohengrabenlinde zu sohen. Durch die Wassertorstraße aufwärts kommt man am evan— 110 II. Ausflüge in die Umgebung. gelischen Pfarrhaus, einem schönen Arkadenbau vorbei zum RNathaus, der Hauptsehenswürdigkeit der Stadt. Der malerische Arkadenbau mit dem reizenden Erkertürmchen stammt aus dem Jahr 1680 und birgt interessante Alter- tümer. Beachtenswert sind die geschnitzten Türen und die hervorragend schönen Stuckarbeiten: berühmt jst der pracht— volle Winterthurer Kachelofen von 1685 im Zatsaal. Gegenüber dem Rathaus erhebt sich der stattliche Gast- hof zum Ochsen. Auf dem Marktplatz steht ein weitéerer Arkadenbau, die Apotheke von Dr. Bauer(von hier schöner Blick durch die erkergeschmückte Espantorstraßge zum Espan torturm), ge— — 2 genüber das städtische Hallgebãude mit dem Bla- serturm (früher gleich- falls Hoch- wacht). Durch die in bisheri- ger Richtung N 7 weiterführen— MHader p;. de Obertor- straſhje gelangt man zu der prächtigen, 300 Jahre alten Obertorlinde. in deren Nähe einst der Obertorturm stand. Hier geht man rechts einige Stufen abwüärts und außerhalb der Stadtmauer an einem Rundturm vorbei zwischen den Gürten hin. Bei einer Ruhe- bank erblickt man die vier Seitenkanten des Es pantor- turms gleichzeitig, was durch die Trapezform des Turmes ermöglicht ist. Links des Wegs dehnt sich in kurzer Entfer- nung der ‚Rain“, eine hübsche Lindenallee, rechts zeigt sich die gut erhaltene Stadtmauer und ein weiterer Rundturm; der Stadtgraben ist durch einen Weiher ausgefüllt. Uber den Steg gelangt man durch die Mauerpforte wieder zur Stadt. Unterhalb des Wassertors geht man aufwärts, der Ach- weiher bleibt links, der Schloßgraben rechts; nach 5 Min. erreicht man die gewaltige Hohen grabenlinde, einen 900jährigen Baumriesen. Hinter der Linde breitet sich der Schloßgarten aus; das fürstliche SehIohB ist nur teilweise zugänglich.— Von der Linde kommt man mit wenigen Isny. Espantor. um Der hen ter- die ht- 'St- er ner 11. Isny-Schwarzer Grat-Alttrauchburg 144 Schritten am Schillerplatz(Turnplatz) vorbei aur Marien- kirche, der neuen katholischen Kirche, dann die Kempter Straße überschreitend, zum Zwinghofweiher mit dem male- rischen Di e bsturm. Durch die Allee erreicht man die Obertorlinde und kehrt durch die Obertorstraße zum Markt- platz zurũück Auf den Schwarzen Grat, der näch der beliebteste Ausflug von Isny ist, führen mehrere Anstiege, der begangenste über Dürrenbach. . Von Isny geht man unterhalb des Wassertors vorbei, der links bleibt, durch ISny- Vorstadt, einer mit Isny zusammengebauten, aber politisch und kirch- lich selbständigen Gemeinde, deren Eingemeindung nach Isny übrigens geplant ist. Nachher führt der Weg der elek- trischen Leitung entlang(rote Striche) am Friedhof vorbei. Sehenswert ist die merkwürdig gebaute Frie dhofkirche: das Schiff ist kreisrund, der Turm viereckig; die leichtgewölbte Decke ist prächtig bemalt. Der Weg führt an der Friedhof- mauer weiter, später an einem Tannenwäldchen hin; gleich darauf wird ein Feldweg überschritten. Der eigentümliche Hügel unmittelbar zur Linken deckt das Römerkastell Vemania, das leider dem Bahnbau von Isny gegen Kempten zur Gewinnung von Kuffüllmaterial(/) zum Opfer fallen soll. Man setzt den Grasweg geradeaus fort, der sich bald nach Roten bach senkt. Nun überschreitet man die Untere Argen und schlägt den Weg fluzaufwärts ein nach Dürrenbach. Hier Vorsicht! Bei den ersten Häusern gehe man nicht geradeaus aufwärts(der Wegw. zeigt falsch), sondern rechts, erst vor der Kapelle links aufwärts (Wegw). über den Grat, der bald s⸗höne Umblicke auf Adel- egg und Isny gewährt. Ast den Argenfällen am Ach- weiher 8 Nach 20 Min. von Dürrenbach er— reicht man den Wald(bei einem Gatter), hält 5 Min. später bei Wegteilung rechts aufwärts, ständig dem Grat folgend, nachher wähle man jedoch nicht den ebenen Weg rechts, Sondern steige in gleicher Richtung weiter. Nach 2 St. seit Betreten des Waldes verläßt man ihn bei der Einmündung des Aufstiegs von Holzleute her und gelangt über die Heide auf die sichtbare Schletteralp, eine alpine Sennhütte, bei der alle Aufstiege von der Isnyer Seite zusammen— treffen. II. Ausflüge in die Umgebung. 8 Von der Wirtschaft geht man geradeaus am Viehhaus vor— bei den ebenen Pfad über die Heide, später links am Wald- rand über den Grat, dann im Wald aufwärts(Wegw.), zuletzt rechts über die Matten weglos zum Aussichtstürmchen auf dem Schwarzen Grat, 1119 m, dem zweithöchsten Berg von Württemberg(die Hornisgrinde im nördlichen Schwarzwald ist 44 m höher). Seinen Namen hat der Schwarze Grat gleich dem Schwarz- wald von den dunklen Tannenwäldern, die die Abhänge des Berggrats bedecken. Wegen seines prachtvollen Panoramas führt der Schwarze Grat mit Recht auch den Namen„Schwä— bischer Rigi“. Im Pavillon, der 1905 von der Alpenvereins— sektion Schwarzer Grat in Leutkirch erbaut wurde, befindet sich ein Panorama von Prof. Steudel. Der Schwarze Grat gehört zum Voralpengebiet und besteht aus alpiner Nagel- fluh. Durch seine frèie, vorgeschobene Lage als Vorposten der Alpenkette gewährt der Schwarze Grat eine hervor— ragend schöne Aussicht, zumal die gewaltige, formenreiche Bergwelt der Algäuer und Vorarlberger Alpen schon nahe ge- nug ist, um in ihrer ganzen Gröhe zu wirken. Die Alpenschau umfaßt die ganze Kette von der Zugspitze bis zum Säntis. Sie beginnt im Südosten mit den Bergen bei Füssen; als erste bedeutende Erhebung steigt der Säuling auf, nach rechts ragt über einige Voralpenkuppen das gewaltige Massiv der Zug— spitze, die in einer schönen Pyramide gipfelt. Daran reihen sich die schroffen, vielgezackten Algäuer Alpen: Aggenstein, Köllespitze, Gimpel, Tanneller, das breite Geißhorn, im Vordergrund der Grünten bei Sonthofen, dann die Oberst- dorfer Berge: Daumen, Nebelhorn, Ofnerspitze, Krotten— kopf, Kratzer, die dreizackige Mädelegabel und der einzeln aufragende Biberkopf; im Vordergrund Steineberg, Stuiben, Bauernalpe, weiter zurück Widderstein und Hoher Ifen, davor Rindalphorn und der breite Hochgrat. Dann folgt der Bre— genzer Wald, im Hintergrund die Rote Wand, Winterstaude, Canisfluh(gerade über der nahen Ruine Alttrauchburg), Mittag- Spitze; weiter die Rätikonkette mit der schroff aufsteigenden Scesaplana und dem Falknis, näher der Hohe Freschen, dann die Ringelhörner, im Vordergrund Hochälpele und Hohe Kugel. Prachtvoll ragen die Berge ums obere Rheintal empor: Alvier, Faulfirst, Hoher Kasten; links davon in der Ferne der Tödi. Den prachtvollen Abschluß bildet im Westen der Alt- mann und Säntis. Rechts von diesem erglänzt über der 3 F 1. 5 35 4 W ——————— I Ri Pa⸗ 1+ ete 2— A EauubI0 7 Aaeuiet“ 55 3 Hun 3 10˙. + ö 3 ee h 3 ü Pig 2 4 0 X Auste⸗ I IEelauαν 6— — tes Æ 1085 23 4 8 3 bg0, 8. 3 7*— . 3„ 1 2 4 5—4 3 6 25 VTIC 1 2C ger e. 8 Alb e aleeih uN 2 Anliden 1 TTtt 7 F G * Auuι 106 F. 10 0 u 8 25 — NeIE * 1049 4 Siet 7Ii 565 In ad- A 2838 Krünie i0 HR„Averg 0 9 4 4 0 3* 2— 900 2 5 + 2 e 3 39 * 12 05 Se 5 10¹ 3 Sνο 005 ie eree 3 E Lbe. 18 38 13 Ahui e e Sen b W. 25 2 15 8 8 7 63 E 7. 44 Zuανανιυιονν άνυWοe, νuut 11. Isny-Schwarzer Grat-Alttrauchburg. E Schletteralp der langgezogene Spiegel des Bodensees zwischen Bregenz und Friedrichshafen. Weiter rechts erscheint ganz nahe Isny, darüber der Gehrenberg beim Bodensee. Aus dem oberschwäbischen Hügelland ragt im Nordwesten die Wald- burg bei Ravensburg auf, im Vordergrund Schloß Neutrauch-— burg, daneben schimmert das Silberband der Argen. In weiter Ferne taucht der Bussen auf, im Norden glänzt das hochgelegene Schloß Zeil bei Leutkirch. Man kehrt auf dem gleichen Weg, der anfangs nicht leicht zu finden ist(aus dem Pavillon tretend halbrechts, dann den Fußgweg links durch den Wald hinab, später wieder rechts über die Heide), zur Schletteralp zurück.—[“lier hat man die Wahl zwischen mehreren Abstiegen: der kürzeste Weg führt wie nachstehend durch den Wald nach Bolster— nang; etwas bequemer(nur anfangs steiler) ist der Waldweg nach Großholzleute(siehe am Schluß dieses Abschnittes), als dritter Abstieg kommt der aufwärts beschriebene Weg über Dürrenbach in Betracht.] Aus der Sennhütte tretend, geht man rechtshin, dem Hag entlang, nach 5 Min. durch das Gatter den Waldweg abwärts, an einer Aussichtsbank vorbei; südlich erblickt man die Ruine Alttrauchburg, nach rechts den Hengelesweiher, den kleineren Bleichenweiher, weiter rechts Isny. Später geht's wieder durch ein Gatter und den Fahrweg halblinks weiter; links unten liegt das Sanatorium, an dem unser Weg nachher nahe vorbei führt. Das Sanatorium Bolsternang wurde von der Versicherungs- anstalt Württemberg mit einem Aufwand von rund 2½ Mil- lionen Mark als Lungenheilstätte erbaut und wird im Juli 1908 eröffnet. Die ausgedehnte Häusergruppe liegt in einer schönen Waldbucht am Südhang des Schwarzen Grats und ist gegen die rauhen Nord- und Ostwinde völlig geschützt. Die schmucken Häuser machen einen freundlichen Eindruck und mildern das düstere Aussehen der steilen, mit dunklem Tannenwald ausgekleideten Bergwand.— Uber dem Sana- torium hin zieht sich der Weg hinab nach Bolsternang, 776 m (Kreuz, Schwarzer Grat). Hier folgt man der Straße rechts, bald dem kürzenden Fußweg geradeaus, bis zur Strahenkreuzung bei der Landes- grenze(zu der man nachher zurückkehrt). Die Kempter Straße links führt in wenigen Minuten zu dem bayerischen Weiler Nellenbruck. Nach Uberschreiten der Argen- Wais, BodenseeFührer. 8 114 II. Ausflüge in die Umgebung brücke folgt man dem mittleren Weg halblinks nach Kei n- weiler, geht am 8Sc hulhaus aufwärts, nachher bei der Weg— teilung anfangs dem Bach entlang, dann einen Weg über— — hreitend auf den Tannenschopf zu, den man von der linken Ecke betritt. Auf dem Waldweg gelangt man in Kürze zur Riesentanne, die sich durch ihren sonderbaren Wuchs aus— zeichnet. Der Baumriese wird aus zehn Stämmen gebildet, die vollʒkommen zusammengewachsen sind. Der gewaltige Hauptstamm steigt kerzengerade auf, die anderen Stämme zweigen in Mannshöhe als Riesenäste wagrecht ab, um in gleic hmäßige rEntfernung wieder senkrecht aufzusteigen. Zahlreiche Zwischenäste sind, vom H- zuptstamm ausge hend, mit den Seitenstämmen verwachsen. Die prächtige Rottanne hat eine Höhe von 35 m, einen Umfang von über 6m und be- schattet eine kreisrunde Fläche von über 300 qm. Den Hohlweg fortsetzend, wählt man nach einigen Minuten am Rand des Hochwalds den ebenen Grasweg links, an einer Quelle vorbei um die Schlucht herum, dann sofort den schma- len Pfad links abwärts, der bald ganz unkenntlich wird; man kommt nun ziemlich eben über eine Lichtung wieder in den Hochwald. Dort wird der Pfad wieder gut und führt in Bälde zur Ruine Alttrauchburg, 850 m. Etwas leichter zu finden, aber kaum besser ist folgender Pfad: Vom Brunnen geht man kurz am Zaun weiter, dann im Wald den Hohlweg? aufwärts, der bald stark überwuchert ist und wieder um eine Schlucht herumführt zur Ruine. Die Burg hieß ursprünglich Druchburg(1274) und kam mit Isny 1306 an die Truchsesse von Waldburg, im Jahre 1768 an die Fürsten von Zeil, die 20 Jahre später aus den Steinen der zerfallenden Burg ihr Schloß Neutrauchburg bei Isny erbauen ließen. Von der ansehnlichen Ruine hat man eine schöne Aussicht: gegenüber baut sich prächtig die Adelegg auf, in dem dunklen Waldkessel liegt das große Sanatorium Bolsternang, darüber die Schletteralp, rechts davon der Schwarze Grat mit Pavillon. Zu Füßen schaut man Klein- weiler und Holzleute, links davon hinter dem Waldschopf einige Türme von Isny. Im Rücken hat man die herrliche Waldwand des Sonnenecks. Zwischen Hof und Ruine folgt man dem Fußpfad abwärts, auf dem die stattlichen Mauern und Rundtürme schön zu Tage treten, zu dem unten liegenden Hof und gelangt auf dem Sträßzchen über Kleinweiler und Nellenbr uck zur Landes- 11. Isny-Schwarzer Grat-Alttrauchburg 115 n- grenze, weiter auf der Straße links nach Großholzleute, 723 m 8*(Adler). Der am bewaldeten Fuß des Schwarzen Grats ge- - legene Ort, der schon 1168 unter Gütern des Klosters Isny en genannt wird, bildet neuerdings einen beliebten Luftkurort ur und wird durch die neuerstellte Bahn von Isny nach Kempten 8- an Bedeutung gewinnen. Die Bahn wird im Sommer 1908 t, erbaut. Man hat die Wahl, hier Quartier zu nehmen oder g6 mit der Bahn nach Ls ny zu fahren, wohin man auch auf der ne Straße in ¾ St.(zum Bahnhof Isny 1 St.) gelangt. in n. II d. Diese Wanderung wird häufig auch in umgekehrter Rich- ne tung begangen. Vom Marktplatz in Ls ny geht man an der e- Marienkirche und dem Friedhof vorbei auf der Kempter Straße nach Gro hhOIlEz ILe ut e(oder mit der Bahn hierher) en und auf der Straße weiter nach Nellenbruck, dann er über die Riesentanne und Alttrauchburg zur A- Landesgrenze bei Nellenbruck zurück, wie vorhin beschrieben. an Von der Landesgrenze führt rechts das Sträßchen nach en Bolsternang. de Geubte Pfadſinden bõnnen von Alitrauchbur auch einen direlten Weg ſuerher einschlagen. Von der Ruine gelhit man er ꝛ0e vorhin zu dem unten liegenden Hof hinab, nun am Hof hurz m abꝛbdrts und den MWiesenoeg rechts, der bald linhs umbiegt. ist Nach, Uberschreiten des Bruchehens folgt man dem Fußpfud am Bachi abiodrts zum æaꝛbeiten Hof, geſt dann vor zaur Straße, m die man rechits bis zu den beiden Hdusern ve vſolgt. Nuu füſirt 68 der Peg linlhs, an dem Hof vorbei und am Rand des Faldehens aνο⁶ts zur Hòohe, danm auf der anderen Seite dureh den Wald inab nach BOlSternang. Beim„Kreuz“ folgt man der Straße aufwärts, gleich nachher dem Hohlweg halblinks, der nahe am Sana to- rium vorbei durch den Wald emporführt. Bei der Heide tritt man durch das Gatter, steigt halblinks durch Wald aufwärts(Iinks geht's nach Holzleute) und vermeide nachher den verlockenden ebenen Weg. Die mehrfach abzweigenden ansteigenden Wege führen in Kürze wieder zusammen. Man kommt an einer Aussichtsbank vorbei, von wo die ts, Schletteralp auf der Höhe sichtbar ist; südlich erblickt man zu die Ruine Alttrauchburg, nach rechts den Hengelesweiher, m den kleineren Bleichenweiher, weiter rechts Isny. Weiter- 8- steigend gelangt man durch ein Gatter, dann links dem Wald- 116 II. Ausflüge in die Umgebung. rand entlang zur Schletteralp. Der Abstecher zum Schwarzen Grat ist oben beschrieben.— Von der Schletteralp geht man alsdann hinter der Wirtschaft dem Hag entlang, dann in gleicher Richtung zum Wald, dort abwärts(Wegw.), anfangs steil, bald auf gutem Weg über den bewaldeten Grat, der auf beiden Seiten scharf abfällt. Bei Wegteilung halte man den gleichbeschaffenen Weg ein(rote Scheibe) und gelangt zuletzt auf dem Wiesenweg hinab nach Großholzleute, dann wie oben nach ISny. 12. Isny-Argenfälle-Wangen. Grobholzleute 50 Min. Maierhöfen ½ St. Argen- brücke St. Eistobelbrücke 10 Min. Hoheneck 1 St. Harbazhofen(Zzus. 3½ St.) Fahrt nach Wangen zund- gang 1 St., zus. 4½ St.; Fahrt nach Lindau. Oder: Isny 1/àSt. Argenbrũcke Loder Isn/ 1/ St. Riedholz—/ St. Argenbruche] 1 St. Eistobelbrücke 10 Min. Hoheneck 50 Min. Maierhöfen 1½ St. Isny, Zus. 5 St.[bezto. 5 ½/ S8J]. Hiezu Karte Seite 112. Der schönste Ausflugspunkt in der weiteren Umgebung von Isny sind die Argenfälle, der Glanzpunkt des schwä⸗ bischen Algäus. Der nächste und angenehmste Weg führt von Großholzleute(Näheres Nr. II) zu den Wasserfällen. Vom Adler geht man auf der Straße gegen Isny kurze Strecke zurück, nach Uberschreiten der Argenbrücke(untere Argen) links, beim ersten Hof halbrechts. Der Weg führt am Wald- rand an dem stattlichen Hengelesweiher vorbei, dann durch das Wiesental in gleicher Richtung weiter. Nach ½ St. von der Argenbrücke hält man an der Wegkreuzung bei einigen Höfen halbrechts und gelangt im Iolin-K 8 nach Maierhöfen(Löwe, Post), einem langgestreckten Algäuer Dorf. Bei der Kirche geht man geradeaus(rechts mündet die Straße von Isny her), nach 10 Min. bei einem Waldstück am Marterkreuz linkshin; rechts oben wird die kleine Ruine Ringenbergesichtbar. Kaum ½/ St. vom Kreuz erreicht man eine Wegkreuzung, bei der von rechts der(dritte) Fuß- weg von Isny zusammentrifft; hier hat man die Wahl, links 12. Isny-Argenfälle-Wangen 117 über Riedholz in die Argenschlucht abzusteigen oder geradeaus (Wegw. Grünenbach) unmittelbar zur Argenbrücke zu wan— dern. Zuvor sei die Wegbeschreibung von lsny eingeflochten. Vom Narktplatz geht man durch die Obertorstraße, bald nach der grogen Linde das Maierhöfer Sträßchen links(Wegw.). Nach 5 Min. kann man bei einer Ruhebank entweder auf dem Sträßchen geradeaus weiter nach Maierhöfen oder auf dem Fußweg halbrechts wie nachstehend beschrieben. Das Sträbchen führt nahe am Bleichenweiher vorbei, später an einigen Höfen hin und gewährt bald schöne Rückblicke auf den Schwarzen Grat und die Türme von Isny. Nach kaum 1 St. erreicht man Maierhöfen, läßt den Ort Iinks liegen und kommt am Marterkreuz vorbei zu obengenannter Weg— kreuzung. Der Fuſhibeꝶq von ISnνν dorthin aeigt hei vorqenannter Bunſt alhrecits ah(Megeb., hlaues Kreue) und fühirt dem Telegqraphien entlanq an einem ſibhschen Alpengdrteien vorbei. Beim Auf,- ſiczren der Telegqraphenleitungq gelit's hei der Megteilung im Mederen Wald halbhlinlis Ieichit alubdrts(Wegib.), nachhier hinter dem Maldibeihier rechits durch das Tannembdldehen. Nachͤ 10 Min. vom Meiher gelit man æibischien den Hòfen in gleicher Richtunq voeiter, weder lins alnbdrts noch recſits dufbͤrts, JMin. spditer bei einem Kreus nichi rechits, sondern am Hoſ vorbhei quer dber das Tal aufrt NVach. ibeiteren 15 Min. iat man beim letæten Hof die Hôhe erreicht und wandert ũber die haumlose Hoc Iuflde he Weiter 7 Nin. Spditer 96%¹, uαν nuieht durch das Gatter, Sondern rechtshin durch das Tannenwäldehen ahꝛodrts ins Tal von Materhöfen. Rechits drũuben wird die Hochhrucle Sichithar; Maierhöten Heibt weit lins. Man gelit in die Mitte des Tales vor aud vorsteliend genannter Meglereuaung (Meqib.): gerudeaus(quer uher das Tal) füſirt die Straße nach. Hiedhiola, rechts(in der Langsrichitung des Tals) aur Argen— hruche. Wir folgen letztgenannter Straße(das ist von Maierhöfen kommend, geradeaus) gegen Grünenbach. Gleich nach den letzten Häusern des nahen Weilers steht man vor dem tiefen Argentobel, über den sich in weitem Bogen die kühngeschwungene Argenbrücke spannt. Die Hochbrücke ist 204 mlang, 54 m hoch und wurde 1905- 07 von der Maschinen- fabrik Nürnberg erbaut. Sie ist die längste und böchste Straßenbrücke Bayerns. Alle drei Pfeiler sind als Pendel- 8 118 II. Ausflüge in die Umgebung pfeiler gebaut, um dem Winddruck standzuhalten, weshalb bei jedem Pfeiler der eine Fußpunkt fest verankert ist, während der andere mittels Rollenlagers dem Temperaturspiel frei folgen kann. Beim Bau stürzte ein Arbeiter in die schauer- liche Tiefe, woran eine ernste, sinnige Inschrift erinnert. Vor Erbauung der Brücke mußte der Verkehr zwischen Maier- höfen und Grünenbach in die tiefe Argenschlucht hinab- und auf der anderen Seite hinaufgeleitet werden. Man überschreitet die Brücke und folgt an deren Ende dem etwas steilen Fußpfad hinab ins Tal, wobei die Gröbe und Höhe der luftigen Brücke erst voll zur Geltung kommt. (Oder kann man nach Uberschreiten der Brücke auf dei Straße rechts hinab zur gedeckten Holzbrücke, vor dieser talaufwärts.) Unter der Hochbrücke hin wandert man ständig flußaufwärts. Nach 5 Min. erreicht man beim Einmünden einer Seitenschlucht, durch die man von Riedholz absteigt, den Argensteg, den wir jedoch nicht überschreiten. ill man vom Maierhöfer Tal uber Riedholz zur Arhen- Schuluchit, so gehit man bei der meſirqgenannten Wegltreuaung quer iher das Tal nach Riedholz, heim Adler rech its(Mequb.) aubischen den Hdusern yvuiurc, und sofort in die Seitenschlucht abwoärts 2ι einem Passerfall, der von einer mãchitigen Ve sν]nd? m˙- ahmt ist. Nach S Min. vom Adler Forsicht“ Man verldſßit den hreiten Meꝗ und folgt dem vergrasten Fuſpfud reclits dl. uirts(Meqib.), der hald uber den Argensteg in das eigentliche Argental(Obere Argen) fuhrt. Man gehie fluſabibärts æu der geibaltigen Argqenbruche, die sich in Iuſtiger Höoię über die hreite Schilucſit spannt, und beſire aum Argensteg æurũcł. Vom Argensteg folgt man dem Wiesenpfad flubaufwärts; bald letzter Rückblick zur Hochbrücke. Nach 12 Min. er— reicht man den ersten Wasserfall, der sich über eine breite Nagelfluhbank ergießt und eine Art Gletschermühle bildet. Man gehe auf der Kiesbank ganz links vor, um diesen und zu- gleich den zweiten Fall ganz zu übersehen. Vor dem hohen zweiten Fall, der wohl der schönste der Argenfälle ist, befindet sich eine Ruhebank. Dann geht's an senkrechten Felswänden hin zu den weiteren Fällen; der scharf abfallende Pfad er- fordert stellenweise Vorsicht. Zwischen gewaltigen Fels- blöcken zwängt sich der Fluß hindurch. Bald folgt ein präch- tiger dreifacher Fall, von einer gewaltigen Felswand umgeben. Gleich darauf steigt man auf zwei eisernen Leitern, die 1884 von der Alpenvereinssektion Isny erstellt wurden, an der Isny-Argenfälle-Wanger 119 senkreéchten Felswand hinab und kommt nach einigen Mi nuten zum oberen Wasserfall am Eistobel, über den sich die zierliche Brücke schwingt. Zwischen engem Felsspalt stürzt sich der milchweiße Fluß tosend in ein grünschim merndes Wasserbecken(das unten durch eine breite Nagel fluhbank abgeschlossen wird), um gleich wieder in zahlreichen kleinen Fällen weiybschäumend abzustürzen. Von der Brücke hat man einen prächtigen Blick in die Tiefe, auf dié Wasserfälle ober- und unter halb des Stegs: ein würdiger Abschluß der wildromanti schen Argenschlucht. Die Wanderung von der Hoch brücke den Fällen entlang bis zum Eistobel erfordert etwa 1 St Nach Uberschreiten des Brückchens folgt man dem grasigen Fußpfad halbrechts aufwärts am Jand der Schlucht hin mit schönen Blicken auf die Felswände. Kurz vor Erreichen des Sträß chens gehe man rechts Wegv mit wenigen Schritten hinauf zu der kleinen Ruine Hohen eck, 770 m. Der Bergkegel, auf dem die Burg stand, stürzt senkrecht zur Argen-—— 7 f 7 Mader ph. schlucht ab. Von der einstigen FS Burg sind nur noch geringe Mauerreste erhalten. An Stelle der Burg steht eine Kapelle mit einer überlebensgroßen Figur: der gefesselte Christus mit der Dornenkrone. Man geht kurz zurück und zum Sträßchen aufwärts. Will man nach Isπν zurüch, so folgt man dem Strdhchen Iinles aufubidrts, nachher hei der Pegteilung nicht dem anstei- henen Weg geradedus, hoch uber der Argenschlucht y¹. Bei einem Kreuæ ⁊ielit sich der Weg rechts hin, àur Linlen sieht man die Argenbrüche, einige eA. 7* Weg rechits Sondern dem 120 II. Ausflüge in die Umgebung. Höfe bleiben linhbs. Nach Min. von der Huine triſii man ſeuν vνν Hiediola eine Pegteilung, man folot dem Strd ſchen rechits(Wequo.) im Miesental nach Madaterhöfen. Bei der Kirchie biegt die Ienger Straſße rechits ab, quf die quel, folgender miſiere Huſhibeο fühirt. Man vannm Materhöfen linhs lassen und an den ersten Hdusern vorübher den Huſßveꝗꝗ geradeduts einsSchilaqen, der an einer grohen dohppelstäümmigen Linde vor— hei quer uber das Tal zau den oberen Hòôſen leitet. Hier folot man dem Jænijer Strũ ſichen gerudedus ꝛbeiter, genieſht allmdihlα Schine Bliche auf den Schuburꝛen Grat und die Nuirmée von IJons/ und gelangt nahe am Bleichenteiher vorbei nacht Isny. Wer zum Bodensèe strebt, geht oberhalb der Ruine Hohen— eck das Sträßchen rechts hinab, an hohen, aufgeschlossenen Nagelfluhwänden vorüber ins Argental und flußaufwärts nach Schüttetobel.(Vom Eistobel führt kein Weg im Tal hierher.) Am Ende des Orts überschreitet man nicht die Argenbrücke, sondern folgt der Poststraße rechts nach Ebratzhofen(Stern, Ochse). Der Kirchturm trägt nicht die zwiebelförmige Kuppel, die für Oberschwaben und Ober— bayern charakteristisch ist, sondern ein Satteldach. Schmucke Häuser und wohlgepflegte Gärten verleihen dem Ort, der auch ein hübsches Kriegerdenkmal aufweist, ein auffallend freund— liches Aussehen. An den letzten Häusern befinden sich einige sinnige Inschriften, z. B.: Laß allat gau, laß allat gau, 5 As hot's am End no allat tau. Aber jetz will ma's numma hau. Auhßerhalb des Orts genießt man herrliche Blicke auf die Algäuer Alpen. Später gehe man bei der Straßenteilung nicht links, sondern geradeaus weiter nach Harbats- hofen, beim Adler links zum Bahnbof. Mit der Bahn nach Lindau. Hat man genügend Zeit, so empfiehlt sich unterwegs von der Station Hergatz ein Absteécher mit der Seitenbahn nach Wangen i. A., 556 m, 4400 Einw.(Alte Post, Neue Post, Bahnhotel, Löwe). Die ehemalige Reichstadt hat ihr alter- tümliches Gepräge sehr gut erhalten und macht mit ihren Tortürmen, Stadtmauern, Erkerhäusern einen mittelalter- lichen Eindruck. Der uralte Ort wird schon 805 urkundlich genannt; seit 815 hatte das Kloster St. Gallen hier Besitz und übte das IAadl. K. 6 8 R 776 BREGENY. 0 V. N 8* 85 V Hast 2— E42 2 I C%6˖.E. 2 82 n 55 UVitti Verg ⁰ 8 fr Pu. 7 Roxschacher A4 K 12*— ο N 1 447. 8 brüt⸗ 82. 1 10 N PI5. 7 I1 3 Salcc,n. 0 Ar NEE 8 Rꝗod 2 SSSS 1 ü Fussach Fi 8 5* ◻* 8 8 E* 24 * Fussdcher Bucht. 1 N- 9˙ I 17/ CN 0 7 85U +N B WVII 145* Lanenees (IuntenIU. Lerchenα 0 U¹ W. J ˖⸗ st * 75 * Wenmiein 4 lie 18 25 h AK XA zien 4 — Efund terB. He S95 A e ö 4 Geh renbg 4 1 4§ Mislef, F 2 3 Kösler Kirst 5 Grels i12 28 8 5— 276 2)50 ue mit Eagendn 2 + W9 7 6 3 — 5—— 0 1—* 48 ——.9 2 1— 12 5 2 75 Maßstab 1:150 000 K—— ͤ 5 n sche Verlags ges ells chaftiin Stuttgart Tith.uhruck wIL. Bode, Stuttgart. 238 Union, Deutsche Verlags gesells chaft in uurttgar 12. Isny-Argenfälle-Wangen 121 Kirchenpatronat sogar bis 1608 aus. Wangen gehörte wohl im 11. Jahrhundert den Welfen, kam später mit deren ober- schwäbischem Besitztum an die Hohenstaufen, die den Ort vor 1217 zur Stadt erhoben. 1402 erlangte Wangen die Zeichsunmittelbarkeit. Durch ihren Leinwandhandel, der sich bis nach Italien ausdehnte, erwarb die Stadt im 15. Jahr— hundert großen Wohlstand, sie litt aber auch häufig durch große Brände und Uberschwemmungen. Im 30jährigen Krieg ward Wangen 1632 schwer bedrängt. Gleich dem größheren Teil Oberschwabens kam die Stadt 1802 an Bayern, 1810 an Württemberg. In neuerer Zeit hat Wangen als Hauptort der Algäuer Molkereiwirtschaft Bedeutung erlangt. Die Stadt liegt anmutig im flachen Tal der oberen Argen, die wir im Eistobel kennen lernten. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt berührt man auf fol- gendem Rundgang: Vom Bahnhof geht man an der schmucken evangelischen Kirche vorbei, die 1893 in gotischem Stil er— baut wurde, zum Gegenbaurdenkmal in den Anlagen im ehe- maligen Wallgraben. Der berühmte Hofmaler Joseph Anton Gegenbaur wurde 1800 in Wangen geboren und starb 1876 in Rom. Mit wenigen Schritten erreicht man das fresken- geschmückte Ravensburger Tor, das mit Wappen und Reliefbildern geziert ist; 1885 erneuert. Durch die Herrnstraße, in der malerische Erkerbauten und mehrere interessante Brunnensäulen zu sehen sind, gelangt man zur katholischen Martinskirche, einer gotischen Säulen- basilika. Die um 1468 erbaute, 1902 erneuerte Kirche ent- hält einen prachtvollen Hochaltar und schöne Deckengemälde, die Geschichte des Bischofs Martin darstellend, außerdem neue Apostelbilder, sowie Gemälde von Gegenbaur. An der Aubenseèite befindet sich ein sehenswerter Olberg. Neben der Kirche steht das malerische Rathaus, das im Giebel- aufbau dem Augsburger Rathaus nachgebildet ist; beachtens- wert ist der schöne Ratsaal und ein kunstvolles Eisengitter. — Von hier empfiehlt sich der kurze Abstecher zum Lin— dauer Tor, vor dem ein altertümliches Haus Wandmale- reien aus der Geschichte des Jonas trägt. Außerhalb des Tores steht in den Anlagen das Kriegerdenkmal. Man kehrt zum Rathaus zurück, vor dem der hübsche Marktbrunnen steht und neben dem sich die Altertumsamm— lung befindet, und gelangt durch das sogenannte Ratsloch, einen Torturm, auf den Postplatz. Nun geht's links an der 122 II. Ausflüge in die Umgebung Spitalkirche vorbei(gegenüber stehen zwei altertümliche Häuser), dann kurz aufwärts und rechts über den ehemaligen Stadtgraben, bei dem die guterhaltene Stadtmauer zu sehen ist; rechts steht der grün bedachte Pulverturm. Wir wenden uns links, folgen bei der Biegung des Stadtgrabens der Straße aufwärts zu den Anlagen B uc0h, die eine hübsche Aussicht auf die Stadt und ins Argental gewähren, und gelangen auf der Straße linkshin zum Bahnhof zurück. Der Bau einer Bahn von Wangen nach Isny ist geplant. B. Von Bregenz aus. 13. Pfänder-Dornbirn-Rappenlochschlucht. Bregenz 2 St. Pfänder 1½ St. Bregenz Fahrt nach Dornbirn St. Gütle— 20 Min. Rappenlochschlucht 35 Min. Alplochschlucht Wasserfall 1 St. 40 Min. Dornbirn, zus. 6 St. 35 Min. Bahn nach Bregenz(Anschluß Nr. 2) oder nach Ragaz(Nr. 14). Hiezu Karte Seite 120. Der höchste unmittelbar am See aufsteigende Berg ist der Pfänder, der neben seinem Ausläufer, dem Gebhards- borg, der besuchteste Berg am Bodensee ist. Wegen seiner prachtvollen Rundsicht wird der Pfänder mit Recht der „Rigi des Bodensees“ genannt. Der Aufstieg ist bequem und führt meist durch Wald. Durch die im Bau begriffene zergbahn wird der Besuch des Pfänders noch bedeutend gesteigert werden. Fußwanderer werden auch künftig den schönen Waldweg vorziehen. Vom Hafen in Bregenz geht man, wie bei Nr. I beschrieben, durch die Stadt bis zur Kirchstraße; oberhalb der Wirtschaft Kinz biegt man links ab durch die Talbachgasse und folgt nun der Amttorstraße aufwärts unter dem Schloß Altbregenz und der Fronfeste hin. Bald nach dem Amtplatz hat man schöne Ausblicke auf die Stadt, aus der die neue doppel- türmige Herz-Jesu-Kirche hervorragt. Man folgt dem an- steigenden Weg dem Telegraphen entlang, nachher dem Fuß- weg halblinks(weiße Striche) zum BergIsel; die Schieß- 13. Pfänder Dornbirn-Rappenlochschlucht. 123 stätte bleibt rechts. Bald betritt man den Wald, durch den der Fußweg links aufwärts führt; kaum 20 Min. später wird eine kleine Schlucht auf einem Steg überschritten, dann öffnet sich ein schöner Blick auf den Bodensee; tief zu Füßen sieht man Bregenz, drüben Lindau, im Rückblick die Säntiskette. Der Weg steigt nun in gleicher Richtung durch den Wald, der im sogenannten„G'schlief“ mit zahlreichen Felsblöcken bedeckt ist, die von einem früheren Bergsturz herrühren. Nach ½ St. vom Steg hat man oberhalb der Wiese wieder einen prachtvollen Blick auf den Bodensèe in seiner ganzen Ausdehnung und auf das von Schneebergen umrahmte obere Rheintal. Gleich danach kommt man an einigen Häusern vorbei; beim oberen Hof befindet sich ein Brunnen mit frischem Quellwasser. Der Weg zieht sich noch kurz durch den Wald; bei der nächsten Wiese wird das Pfänderhaus sichtbar, Lindau überschaut man von hier als vollständige Insel. Der Wiesenweg führt hinauf zum Sattel,. von dem man plötzlich einen entzückenden Blick auf die schneèeglänzende Alpenkette südlich des Pfänders genieht; der Umblick ist von hier teilweise freier als von der Spitze. Im Satte! mündet von rechts der F a hrονο οσν duf den Pifdinder, 2%½ St. Von Bregenæ führt die Straßße ie bei 3(„ an der Gallusbirche vorbeti zu]m Fuſß des Gebliardsberꝗs, dann an dessen Hang durch den Wald linhs hin(Wequb.; die Wall- fahirtsbirchie hleiht rechis oben) aum Dorfehen F. l d, Ju, JUο i, hõald nach den ersten Hdusern folgt man dem ansteigenden Faſiribe 7 Vinles, der Sch⁰ In NFindunge* dureh WaId Zuum Sattel aleht. Man vanm auch den Besuch des Gebhardsbergꝗs und Pfünders verbinden, indem man vom Kirchilein eine łure Streche zuruchbehrt, dann den bequemen Fahrue rechts einschldigt (Megub.), der hald in das Strũ ſhchen nach Fluli mündet. Vom Sattel, in dessen Vertiefung die sogenannte Pfänder- dohle liegt, folgt man dem Fahrweg links hinauf zum Pfän- derhaus. Vor dem Gasthaus, das nach Erstellung der Bergbahn bedeutend erweitert werden soll, ist eine Orien- tierungstafel angebracht. Hinter dem Gasthaus und der Scheuer leitet der gute Fußweg in wenigen Minuten vollends zur Spitze des Pfänders, 1064 m. Durch seine freie Lage hoch über dem See und dem breiten Rheintal gewährt der Pfänder eine umfassende und überaus malerische Rundschau. Wie ein Riesenspiegel erglänzt der Bodensee in einer Tiefe von fast 700 m, ringsum mit einer 124 II. Ausflüge in die Umgebung. Perlenschnur von Ortschaften umsäumt. Man überschaut den See in seiner ganzen Ausdehnung von Bregenz bis Ludwigs— hafen(64 km lang); sogar der Untersee glitzert hinter dem Münster von Konstanz hervor. Einen reizenden Anblick bieten die drei Inseln: die turmreiche Inselstadt Lindau in dem gewaltigen Becken des Obersees, die waldbekrönte Mainau im stromartigen Uberlinger See und die im Zeller See verschwimmende Garteninsel Reichenau. Dahinter steigt der Kranz der Hegauberge auf, als nächster der trotzige Felsklotz des Hohentwiels, weiter zurück die formschöne Kuppe des Hohenhöwen. Aus dem veitgedehnten Hügel— land rechts vom Uberlinger See ragt der Gehrenberg, hinter ihm das weißschimmernde Schloß Heiligenberg und veitel rechts(genau nördlich) die Waldburg bei Ravensburg beherr- schend empor. Den schönsten Teil der Rundschau bildet natürlich die Alpenkette, die im Osten mit den Algäuer Bergen beginnt. Neben dem nahen mattenreichen Hirsch- berg lagert sich der Sulzberg mit hochgelegener Kirche, im Hintergrund setzen die Berge bei Immenstadt ein. Rechts vom Sulzberg liegt im Talkessel der kegelförmige Hittisberg, hinter dem in vielen Zacken die Hauptgruppe der Algäuer Alpen aufsteigt und zwar links die schöne Pyramide des Hoch- vogels, rechts die drei Spitzen des Krottenkopfs, weiter rechts die Mädelegabel mit dem Hohen Licht. Vor diesen beiden erblickt man die zerrissenen Felsmauern der Gottesackerwände, nach rechts den senkrecht abstürzenden Hohen Ifen. Nun folgen die Bergzüge des Bregenzer Waldes, im Vordergrund die schönge formte W interstaude, dahinter links der Biber- kopf, rechts der Widderstein, weiterhin Mohnenfluh, Canisfluh, die mächtige Rote Wand und die steile Mittagspitze. Als massiger Abschluß des Dornbirner Achtals baut sich breit— gelagert der Hohe Freschen auf; links davon erhebt sich die Mörzelspitze, im Vordergrund das Hochälpele. Im breiten, von hohen Bergen umschlossenen Rheintal, durch das sich der Strom vie ein flatterndes Silberband windet, liegt zur Linken das langgestreckte Dornbirn, überragt von der pyra- midenförmigen Staufenspitze und der Hohen Kugel. Den Hintergrund bildet die gewaltige Rätikonkette; riesig steigt deren höchste Erhebung, die Scesaplana, zwischen Freschen und Staufenspitze in der Ferne auf; nach rechts folgt der Panüler Schrofen, jenseit der Kugel der Falknis bei Ragaz und der Felskopf des Calanda bei Chur. Im Vordergrund 13. Pfänder-Dornbirn- Rappenlochschlucht 125 des Rheintals erscheint der breitmassige Dreischwesternberg, zum Fürstentum Liechtenstein gehörig. Dann reihen sich wieder im Hintergrund die Schneeberge bei Ragaz: Graue Hörner, Ringelspitze, Piz Sol und Sardona; weiter rechts: Alvier und Faulfirst(über dem kleinen Kummerberg), in der Ferne das Trapez des Tödi(neben dem Hohen Kasten) und als gewaltiger Abschluß die Säntiskette. Bei klarem Wetter taucht rechts davon noch die Spitze des Uri-Rotstocks(beim Vierwaldstätter See) auf. An den Säntis schließen sich die grünen Appenzeller Berge an: Gäbris, Kaien und Roßbühl, dessen Fuß vom Bodensèe bespült wird. zei günstigem Wetter ist es empfehlenswert, die Wande- rung so einzurichten, daß man in dem guten Gasthaus auf dem Pfänder übernachtet zur Betrachtung des Sonnen- untergangs und--aufgangs, die beide wegen der verschieden- artigen Beleuchtung ein wechselvolles Naturschauspiel bieten. Doch rechne man wie bei allen Aussichtsbergen nicht zu sicher auf eine ungetrübte Fernsicht.— Im Fremdenbuch des Pfänderhauses stand einmal folgender halb wehmütige Ein- trag zu lesen: Von dem wunderschönen Pfänder Sicht man sonsten sieben Länder, Heute aber Wolken nur Und von Ländern keine Spur. Darin lag zugleich ein Rätselwort versteckt, da es bekannt- lich nur' fünf Länder sind, die sich in das Bodenseegebiet teilen, sofern man nicht das schweizerische Gebiet— wie die deutschen Uferstaaten auch in drei Kantone(Thurgau, St. Gallen, Appenzell) abteilt. Die beiden weiteren„Länder“ sind das(im oberen Rheintal gelegene) kleine Fürstentum Liechtenstein, das beim Wiener Frieden vergessen wurde, G8terreich einverleibt zu werden, und einige hohenzollernsche Gebietsteile, die Preußen im schwäbischen Oberland besitzt. Der Pfänder besteht aus Molasse(Nagelfluh). In der Nähe des Gipfels(gegen Norden) ist noch der Rest einer Schwedenschanze sichtbar. Den Abstieg nimmt man am besten auf dem gleichen Weg nach Bregenz; zum Bahnhof geht man beim Landesmuseum links(rechts geht's zum Hafen). Ein hervorragend schöner Nachmittagsausflug von Bregenz führt in die Ra pPenlOoChSe hlucht bei Pornbirn, 126 II. Ausflüge in die Umgebung. wohin uns die Bahn durchs Rheintal in kurzer Fahrt bringt. Dornbirn, 432 m, 14 000 Einw.(Hotel Weiß. Rhomberg, Dornbirner Hof, Hirsch, Mohr, Schloßbräu), ist eine lang- gestreckte österreichische Stadt am Ostrand des Rheintals, überragt von der Staufenspitze. Der nahezu 5 km lange, 2½ km breite Ort liegt an der Dornbirner Ach, die bei FuBach in den Bodensee mündet, und wurde erst 1901 zur Stadt er- hoben. Dornbirn, die größte Stadt Vorarlbergs, besitzt eine ausgedehnte Baumwoll- und Stickereiindustrie, sowie viele malerische Holzhäuser. Die Kirche hat ein griechisches Portal mit sechs Säulen und enthält schöne Malereien; gegenüber der Kirche stehen einige altertümliche Häuser. Vom Bahnhof geht man geradeaus, anfangs der Straßen- bahn folgend, bei der Kirche rechts, am Brunnen beim Mohren links durch die Schillerstraße, nachher beim Mühlbach vor der Achbrücke wieder links(Wegw.). Die Straße führt tal- einwürts der Dornbirner Ach entlang und bietet schöne Blicke auf die Staufenspitze(rechts), Mörzelspitze(im Hintergrund) und das Hochälpele(Iinks). Das Tal wird immer enger und wilder. Nach ¾ St. erreicht man das Gütle, große, hübsch gelegene Fabriken mit Gasthaus. In den Anlagen Oberhalb der Wirtschaft befindet sich ein sehenswerter 57 m hoher Springbrunnen, einer der höchsten in Europa. Oberhalb des Gasthauses folgt man dem Fuhßweg leicht aufwärts, der Wasserleitung entlang über eine Brücke, von der man einige schöne Wasserfälle überschaut. Nachher gehe man nicht über den nächsten Steg, sondern den Treppenweg aufwärts, bald über den Steg in die wildromantische Rappen- lochschlucht, die durch enge, hochgetürmte, überhängende Felsen gebildet wird, zwischen denen die Ach hindurch- schäumt. Die großartige, 70 m hohe Felsklamm wurde durch Stege, Brücken, Felsentunnel und-galerien erschlossen; über der Klamm spannt sich in schwindelnder Höhe die gedeckte Brücke. Am oberen Ende der Schlucht weitet sich der Tal- kessel; der Pfad führt hinauf zu dem reizenden Staufensee, der durch Stauwerke künstlich angelegt wurde. Man gehe nicht über den Eisensteg, sondern am Geländer weiter, an dem malerisch gelegenen Fallenhäuschen vorbei, rechts um den See herum zum Elektrizitätswerk, durch das die Stadt Dornbirn mit Licht und Kraft versorgt wird. Der Séee bietet Gelegenheit zu Kahnfahrten. 14. Ragaz-Taminaschlucht-Wartenstein. 127 Von hier führt der Fußpfad in wenigen Minuten aufwärts zum Alploch, einer kleineren, aber doch sehr romantischen Fels- schlucht, durch die man zwischen den engen, hohen Fels- wänden/ St. weiter steigt zum Großen Wasserfall, der über die Felswand 120 m hoch herabstürzt. Man kehrt zum Elektrizitätswerk zurück, nun entweder links um den Staufensee herum gegen das Fallenhäuschen, von wo der Fußweg(Wegw.) durch die sogenannte Buchenau zur gedeckten Rappenlochbrücke hinaufführt. Von hier ge- langt man durch den Wald, den grün-weißen Strichen folgend, zu der künstlichen Ruine Waldfrie d, die einen lieblichen Blick aufs Gütle gewährt, dann hinab zum Gütle.— Oder folgt man vom Hlektrizitätswerk dem Fußpfad am rechten Ufer des Staufensees zum Eisensteg und kehrt, was inter- essanter ist, auf dem gleichen Weg durch die Rappenloch- schlucht ins Gütle zurück, wobei die Felsszenerien sich in neuen Bildern zeigen.— Vom Gütle wandert man auf der Straße durchs Achtal wieder nach Dornbirn und kann von hier mit der Bahn entweder nach Bregenz oder gleich über Feldkirch und Buchs nach Ragaz fahren, falls man die berühmte Taminaschlucht besuchen will, die noch weit großartiger ist als die Rappenlochschlucht. 14. Ragaz-Taminaschlucht-Wartenstein. Von Bregenz(Dornbirn) oder von Rorschach aus: Bahnfahrt nach Ragaz 1 St. Bad Pfäfers— ½½ St. Besuch der Taminaschlucht— 1 St. Dorf Pfäfers— 20 Min. Wartenstein— 40 Min. Ragaz, zus. 3½ St.; Fahrt nach Ror- schach. Obwohl die Taminaschlucht eine längere Bahnfahrt er- fordert, zählt sie doch zu den beliebtesten Ausflügen vom Bodensee aus. Man fährt von Bregenz Dornbirn), häufiger von Rorschach aus(direktere Zugsverbindung) durchs obere Rheintal nach Ragaz, 520 m, 1870 Einw. (Quellenhof, Hof Ragaz, Bristol, Badhotel Tamina, Schweizer Hof; Lattmann, Krone, St. Galler Hof, Bayerischer Hof, Zentral, National, Rosengarten am Bahnhof, Ochse, Löwe, Post). 128 II. Ausflüge in die Umgebung. Der durch seine Thermalbäder weltberühmte Kurort hat eine prächtige Lage an der Mündung des Engtals der Tamina ins Rheintal, zu Füßen des schneeglänzenden Falknis und wird jährlich von 5000 Kurgästen und über 30 000 Durchreisenden besucht; Kurtaxe täglich 50 cts. Die zahlreichen Villen und Hotelpaläste geben dem Ort ein vornehmes Aussehen. Den Mittelpunkt des Badelebens bildet der schöne Kursaal mit dem Kurgarten, der Sammelplatz der Badegäste. Auf dem Friedhof bei der Bahnhofstraßze befindet sich das Grabdenkmal (Marmorbüste) des schwäbischen Philosophen Schelling(der 1854 hier starb), von König Maximilian II. von Bayern er— richtet. Uber dem Ort erhebt sich auf kleinem Hügel die Ruine Freudenberg, 584 m, die eine reizende Aussicht auf das Rheintal und die Schneeberge ringsum gewährt; die Burg wurde 1437 zerstört. Unterhalb Ragaz befindet sich am rechten Ufer der Tamina in der Nähe des Rheins der in den letzten Jahren künstlich angelegte Giegensee, der Gelegenheit zu Kahnfahrten gibt(teuer!). Ragaz besitzt fünf Bader: das Neubad und Helenabad beim Quellenhof, einem der prachtvollsten Kurhäuser Europas, das Mühlebad beim Hof Ragaz und das Dorfbad in der Bahn- hofstraße; Badepreis in den beiden ersten 2½, in den anderen 2 Fr.; ferner das Schwimmbad im Kurgarten, vormittags 2 Fr., nachmittags 1 Fr. Die Saison dauert von Anfang Mai bis Ende September. Das altberühmte Heilwasser(340 C.) gleicht dem von Wildbad und Gastein; es wird seit 1842 in hölzernen Röhren aus den in der Taminaschlucht hinter Bad Pfäfers entspringenden Quellen hergeleitet. Während Ragaz früher ein ärmliches Dorf war, hat sich jetat der Ort durch seine Bäder zu einem der besteingerichteten und besuchtesten Kurorte Europas aufgeschwungen. Der schon im Jahre 988 urkundlich erwähnte Hof Ragaz bildete ehemals die Statthalterei des Klosters Pfäfers, ward 1838 Staatsdomäne des Kantons St. Gallen und ging 1868 in Privat- besitz über. Bei Ragaz erfochten die Schweizer am 6. März 1444 einen Sieg über die Gsterreicher. Den Hauptanziehungspunkt bildet die wildromantische Taminaschlucht, eine der großartigsten Felsschluchten der Alpenwelt. Vom Bahnhof Ragaz gelangt man geradeaus durch die Platanenallee(Bahnhofstraße) am Friedhof vorbei in 10 Min. in das städtisch gebaute Dorf. Bei der Krone biegt man rechts ab ins Taminatal(ꝙeradeaus gelit's ũher die Tamind- 14. Ragaz-Taminaschlucht-Wartenstein 129 hruche in den Kurgarten). Durch ein enges Felsental, das nur für die Straße und die schäumende Tamina Platz läßt, führt der Weg dahin. Gleich am Eingang stürzt die Tamina in mächtigem Fall aus der Schlucht hervor. Der Fluß braust dicht unter den gewaltigen, senk- recht abstürzen- den Kalkschiefer- wänden hin. Nach 25 Min. seit Be- treten des Tals sieht man aus einer Seiten- schlucht den Schwattenbach in schönem Fall ab- stürzen; schon vorher kommt man an mehreren Wasserfällen vor— über, deren Form an den Uracher Wasserfall erin- nert. Die Berge werden höher, das Tal wird immer enger, s0 daß selbst im Hoch sommer die Sonne nur einige Stun— den lang über die Mittagszeit die Talsohle be- scheint. In vei- teren 20 Min. er— Taminaschlucht. reicht man durch ein Felsentor Bad Pfäfers, 685 m, in der Tiefe der düsteren Schlucht. ö Zum Besuch der Taminaschlucht(am besten zwischen 1I und 12 Uhr, wann die Sonne die Talsohle berührt) hat man im Hauptgang des klosterartigen Kurhauses(das man ganz zu durchwandern hat) für 1 Fr. eine Eintrittskarte zu lösen. Wais, Bodensee-Führer. 9 130 II. Ausflüge in die Umgebung. Hinter dem Bad öffnet sich die schauerliche Taminaschlucht, durch die ein Holzsteg über dem brausenden Fluß zu den heißen Quellen führt, wo der Weg aufhört. Der Pfad durch die dämmerige Felsschlucht ist vielfach schlüpfrig, daher Vorsicht; wegen des von der Felswand stark herabträufelnden Wassers ist ein Regenschirm oder Wettermantel nützlich. Die fast 100 m hohen, überhängenden Felsen neigen sich in der Mitte der Schlucht so eng zusammen, daß einè Natur- brücke, der sogenannte Beschluß, entstand, über die wir auf dem Weg nach Dorf Pfäfers kommen. Die Schlucht ist etwa 500 m lang, in der Höhe des Stegs nur 10 m breit. Zu den heißen Quellen gelangt man am Ende des Stegs seitwürts durch einen dunklen Felsgang; hier herrscht eine Temperatur wie im Dampfbad. Die Hauptquelle kommt aus einem 30 m tiefen Felsspalt und liefert in der Minute 3000 Liter Wasser von 37 C., das in Holzröhren nahezu 4 km weit nach Ragaz ge- leitet wird und dabei nur 3˙ Würme verliert. Das Wasser ist kristallhell, dabei geruch- und geschmacklos; es wird gegen rheumatische und nervöse Leiden angewendet und wWirkt allein durch seine natürliche Wärme; an Mineralstoffen sind die Thermen sehr arm. Die Quellen sollen im Jahr 1038 durch einen Jäger entdeckt worden sein(wie im Wildbad); aber erst 200 Jahre später wurde durch Mönche der Abtei Pfäfers das erste Badehaus errichtet, ein Holzbau über der tobenden Tamina, von wo die Kranken(darunter Ulrich von Hutten) an Stricken zur Quelle hinabgelassen wurden (ähnlich dem Gichtbrüchigen in Markus 2). Gegenüber der Quelle sieht man oben im Fels die Löcher für die Balkenlager und ein Kreuz, das die Stelle des einstigen Badehauses be- zeichnet. An Stelle des alten Baus wurden 1420 und 1628 neue Badehäuser errichtet; das jetzige Kurhaus stammt aus den Jahren 1704-— 16. Das Bad Pfäfers ging samt den Thermen 1838 bei der Aufhebung der Abtei Pfäfers in den Besitz des Kantons St. Gallen über, worauf viele Verbesserungen er— folgten, und wurde 1868 auf 100 Jahre verpachtet. Die Kunststraße durch das Taminatal zum Bad ward 1852 an Stelle eines mühsamen Fußwegs erbaut; 1842 wurde die Röhrenleitung nach Ragaz angelegt und 1860 eine neue Quelle erbohrt. Durch die Taminaschlucht kehrt man wieder zum Bad Pfäfers zurück und steigt beim Badeingang links aufwärts (anfangs rot-grüne Striche). Der Pfad führt oberhalb der 14. Ragaz-Taminaschlucht-Wartenstein. 131 Badgebäude hin; nach 7 Min. biegt man bei der Wegteilung links(Wegw.; grüne Striche) und gelangt auf dem anfangs ebenen Fußweg am Rand der Taminaschlucht hin zur Na-— turbrücke, die einen schönen Blick auf die Schneeberge gewährt; die Sohle der Schlucht ist nur zu einem kleinen Teil sichtbar. Der Pfad zieht sich am rechtseitigen Schluchthang ziemlich steil aufwärts; bei der Sommerwirtschaft geht's am Rand der Schlucht links. Im Rückblick zeigt sich der Felskoloß des Calanda, drüben der schneebedeckte Monteluna und die Kette der Grauen Hörner. Nach 10 Min. von der Wirtschaft erreicht man die Straße, die abwärts nach Dorf Pfäfers, 826 m, 1630 Einw.(Adler, Löwe, Taube) führt. Der uralte Ort liegt auf der Bergterrasse zwischen Rhein und Tamina, hoch über dem tiefgefurchten Tal. Beachtens- wert ist die schöne Dorflinde. Beim Ort befindet sich das ehemalige Kloster Pfäfers, jetzt Irrenanstalt 8S t. Pir- minsberg. Die schon im Jahr 721 vom hbeiligen Pirmin gestiftete, 831 durch König Ludwig den Frommen reichs- unmittelbar erklärte Benediktinerabtei Pfäfers wurde nach über 1100jährigem Bestehen im Jahr 1838 aufgehoben. Die stattlichen Klosterbauten stammen aus dem Jahr 1655 und wurden 1847 zur Irrenanstalt des Kantons St. Gallen ein— gerichtet. Unterhalb des Dorfes folgt man dem Fubweg rechts von der Straße abwärts, von dem nach 4 Min. ein ebener Pfad an einem Felsklotz hin zur St. Georgskapelle führt. Entzückend ist der Blick auf das breite, von Schneebergen umrahmte Rheintal; rechts oben erscheint Landquart, darüber der Hochwang. Drüben zeigt sich die Ruine Wartenstein, dahinter der Fläscherberg, rechts davon Maienfeld, beherr- schend überragt von dem schneebedeckten Falknis. Links vom Wartenstein erblickt man Ragaz, in der Ferne einige Ausläufer der Säntisgruppe, links über Ragaz den schnee- bekrönten Alvier und den schroffen Gonzen; zwischen diesem und dem Hotel Wartenstein in der Ferne die Kurfirsten. Das Panorama wird ergänzt vom Eingang der Kapelle aus, von wo man hinter der Kirche von Pfäfers den Vasaner Kopf, nach links die Grauen Hörner und den Monteluna überschaut. Von der Kapelle geht man eine kurze Strecke zurück, dann auf geringem Pfad hinab zur Ruine Wartenstein, 751 m, die einen ähnlichen Ausblick wie die Kapelle bietet; der Blick auf Ragaz und die Kurfirstenkette ist etwas freier. 132 II. Ausflüge in die Umgebung. Beim Abstieg kehrt man von der Ruine kurz zurück und kann auf dem Fußweg rechts hinab durch den Wald nach Ra ga 2z. Der Weg ist jedoch streckenweise steil und schlecht. Bequemer ist es, von der Ruine wieder zur Straße aufwärts zu gehen und dieser am Hotel Wartenstein vorbei, von dessen Terrasse man eine noch freiere Ausschau genießt, durch den Wald abwärts zu folgen, oder vom Hotel mit der Drahtseil- bahn nach Ragaz zu fahren. Abends fahre man wieder nach Rorschach zurück. C. Von Rorschach aus. 15. Rorschach-Kaien-St. Gallen. Rorschach 1 St. 50 Min. Roßbühl— 50 Min. Heiden 1 St. Kaien 35 Min. Rehetobel St. Wald—/ St. Trogen 2 St. Speicher /4 St. Vögelinseck— 1½ St. St. Gallen, zus. 7/ St. Hiezu Karte Seite 120. Der Aufstieg von Rorschach über den Ro0 ß;U bühl (Fünfländerblick) nach dem Kurort Heiden ist bei Nr. 2 be- schrieben. Wer Heiden schon kennt, kann beim Löwen in Grub dem Fuhßsteig rechts folgen, der unmittelbar zum Kaien führt.— In Hei den zweigt der Weg zum Kaien bald nach Betreten des Orts beim Feldschlöhchen rechts ab(rote Scheibe). Wer vom Bahnhof Heiden kommt, geht die Straße aufwärts, bei der Krone rechts über den Kirchplatz, am Kur- garten vorbei, beim Feldschlößchen links auf breitem Kies- weg aufwärts(Wegw.) mit prächtigen Umblicken auf See und Alpen. Bei den oberen Häusern hört der Kiesweg auf; nun folgt man dem Wiesenweg halbrechts aufwärts(Wegw.), überschreitet/ St. später oberhalb einer Häusergruppe den Fahrweg, der von Grub heraufkommt, und steigt auf dem Wiesenpfad weiter. Nachher geht's durch den Tannenwald in gleicher Richtung aufwärts zur Höhe des Kaien, 1125 m. Der Kaien gilt, wiewohl mit starker Ubertreibung, als einer der schönsten Aussichtsberge der Ostschweiz; den stolzen Beinamen ‚Rigi der Ostschweiz“ trägt er sicher mit Unrecht. 134 II. Ausflüge in die Umgebung. Speicher, 936 m, 3050 Einw.(Löwe, Krone), einem stattlichen Fabrikdorf mit bedeutenden Stickereien und Webereien. Der Ort hat drei Schwefelquellen und betreibt ausgedehnte Alpenwirtschaft. An der Kirche vorbei folgt man noch eine kurze Strecke der elektrischen Bahn, zuletzt dem Fuß— weg aufwärts nach dem aussichtsberühmten vögelinseck, 963 m. In den Anlagen beim Gasthaus befindet sich ein schönes Marmordenkmal zur Erinnerung an den glänzenden Sieg der Appenzeller über das Heer des Abts von St. Gallen am 15. Mai 1403, wodurch das Bergvolk den Grund zu seiner Unabhängigkeit legte. Das Schlachtdenkmal(von Steiger) wurde anläßlich der 500jährigen Jubelfeier im Jahr 1903 errichtet. Ein schön gewachsener keulenbewaffneter Appen— zeller Senne schaut kühn über die befreite Landschaft. Die Aussicht erstreckt sich auf St. Gallen, den Bodensèe in weiter Ausdehnung auf das häuserreiche Hochtal von Trogen und die Vorarlberger und Appenzeller Alpen; am schönsten ist der Blick auf den nahen Säntis. Vom Vögelinseck gelangt man auf der aussichtsreichen Straße mit reizenden Blicken auf den Bodensee, stets der Bahnlinie entlang(die Abzweigung beim Bären durch das Philosophental, am Weiher vorbei, ist etwas weiter) an dem Nonnenkloster Notkerseck vorüber nach St. Gallen, 669 m, 35 000 Einw., mit den Vorstädten 60 000 Einw.(Hecht. Walhalla, Hirsch, Schiff, Kinkelin, St. Galler Hof, Bahnhof- hotel). Die Stadt liegt in dem lieblichen Hochtal der Steinach und erinnert durch ihre schöne Lage zwischen reizenden Hügelketten lebhaft an Stuttgart. 16. St. Gallen-Appenzell-Hoher Kasten. St. Gallen(3 St. Rundgang) Fahrt nach Appenzell— 40 Min. Weibßbad 35 Min. Brülisau— 2 St. Hoher Kasten, Zzus. 6½/ St. Hiezu Karte Seite 120 und 136. Morgens Besichtigung der interessanten Stadt, die trotz ihres hohen Alters ein ganz neuzeitliches Aussehen hat. St. Gallen, die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons, ist die höchstgelegene Stadt der Schweiz und zugleich eine 15. Rorschach-Kaien-St. Gallen. 133 Eine Rundsicht bietet die bewaldete Kuppe nicht, der Ausblick muß von mehreren Punkten aus gesucht werden. Von der Zuhebank beim Signalstein auf dem Vorderen Kaien erblickt man zur Linken St. Gallen, geradeaus den Bodensee in weiter Ausdehnung, rechts die Vorarlberger, Montafoner und Rätikon- Alpen; der Blick zur Säntisgegend ist hier verwachsen, jedoch von der anderen Seite aus frei. zeim Signal folgt man dem Fußweg auf der Höhe weiter, anfangs durch niederen Wald, bald über die Bergwiesen(Sattel), wo sich die Ausschau auf See und Gebirge erweitert. Nach Durchschreiten eines kleinen Waldstücks trifft man bei der zZühebank auf dem Hinteren Kaien eine prächtige Ergänzung der Aussicht auf das Säntisgebiet; zu Füßen lagern sich im Hochtal Trogen, Speicher, weiter rechts St. Gallen. Der Pfad führt an der Hütte vorbei abwärts, nachher folgt man dem Wiesenweg links herum auf den Hof zu, dann dem Fahrweg weiter auf dem Bergkamm hin. Der Fahrweg tritt später in den Wald und senkt sich allmählich nach Rehetobel, 958 m(Hirsch), einem malerisch am Berghang gelagerten Dorf mit zahlreichen Stickereien. Vor der Kirche folgt man der guten Straße links, die in weitausholender Spitzkehre, mehrere tief eingeschnittene Tobel umgehend, über das Langeneck, 971 m(Wirtshaus) nach dem Dörflein Wald, 960 m(Schäfli, Krone), führt. So nahe dieser Ort von der Höhe aus erscheint, so weit entfernt ist er in Wirklichkeit inkolge der langgezogenen Straßenwindungen.— An der Kirche vorbei führt die Straße in vielfachen Bögen, wiederum eine Reihe von Taleinschnitten umgehend, hinab nach Trogen, 907 m, 2500 Einw.(Krone, Schäfli, Hirsch), dem Hauptort des Halbkantons Appenzell-Außer-Rhoden. Trogen bildet abwechselnd mit Hundwil(zwischen Appenzell und Herisau) den Versammlungsort der Landsgemeinde(vgl. Nr. 16). Das Rathaus enthält einen Teil des Landesarchivs. Der Ort hat eine hübsche Lage in dem weiten Hochtal am Nordfuß des Gäbris und wird in neuerer Zeit als Luftkurort viel besucht. Die Zellwegersche Kuranstalt für schwächliche Kinder ist das ganze Jahr offen. Hier wie in der ganzen Umgebung wird viel Maschinenstickerei und Baumwollweberei betrieben. Hat man Eile, so kann man von Trogen mit der elektri- schen Straßenbahn über Speicher und Vögelinseck nach St. Gallen fahren.— Die Straße führt von Trogen an der Kirche vorbei über die Säglibrücke in Windungen nach 16. St. Gallen-Appenzell-Hoher Kasten. 135 der höchstgelegenen gröberen Städte Europas. Als Stapel- platz für die Appenzeller Stickereien und durch seine eigene bedeutende Industrie(Weißwaren und Stickereien) nimmt St. Gallen unter den Welthandelsplätzen den zehnten Rang ein mit einer jährlichen Ausfuhr von 170 Millionen Franken. Die Stadt bildet den Mittelpunkt einer der gewerbefleißigsten Gegenden der Schweiz; ihr Handelsverkehr erstreckt sich über die ganze Erde, besonders aber nach den überseeischen Ländern. Schon im Mittelalter war St. Gallen durch sein blühendes Leinwandgewerbe, den Vorläufer der heutigen Stickereiindustrie, ein wichtiger Handelsplatz; die Grundlage seines Aufschwungs ist jedoch in seinem hochberühmten Kloster zu suchen. Das von dem irischen Glaubensboten Gallus ums Jahr 614 gegründete Kloster war eines der ersten in deutschen Gauen und bildete den Ausgangspunkt für die Christianisierung des Bodenseegebiets. Das Kloster wurde 720 vom Abt Othmar, der auch als eigentlicher Begründer angesehen wird, erweitert, unter Kaiser Pipin als Benediktinerabtei eingerichtet und durch König Ludwig den Frommen für unabbängig vom Gaugrafen und Bischof erklärt. Seine Glanzzeit begann 816 unter Abt Gozbert, dem Gründer der weltberühmten Stifts- bibliothek. Nach einem noch erhaltenen Bauriß von 830 bestand das Kloster aus 40 Gebäuden. Zu den berühmtesten Mönchen gehörten: der Musiker Notker Zalbulus(der Dichter des Liedes: Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen), der Sprachforscher Notker III., der Chronist Ekkehard(be- kannt durch Scheffel), der Bildschnitzer Tuotilo, der gelehrte Ratpertus, Walafried u. a. Im 9.—“I. Jahrhundert zählte das Kloster zu den gelehrtesten Bildungstätten Europas: der einstige Ruhm der Abtei wurde durch Scheffels EKkehard aufs neue verherrlicht.— Im Jahr 1206 wurden die Abte zu Reichsfürsten erhoben; ihr Gebiet erstreckte sich vom Züricher See bis Ulm. Aber unglückliche Fehden mit König Rudolf von Habsburg brachen um 1280 ihre Macht. Die allmählich um das Kloster entstandene, schon im 10. Jahrhundert mit Mauern umgebene Stadt, die ihren Namen und ihre Bedeutung vom Kloster erhalten hatte, machte sich nach manchen Kämp- fen 1415 von der Herrschaft der Xbte frei und trat 1454 dem Bund der Eidgenossen bei. Schon vorher hatten die Appen- zeller 1403—05 ihre Freiheit erkämpft, dagegen erwarben die Abte, die sich 1451 gleichfalls in die Eidgenossenschaft hatten 136 II. Ausflüge in die Umgebung. aufnehmen lassen, 1468 die Grafschaft Toggenburg. Ein Versuch des Abtes Ulrich, das Kloster nach Rorschach zu verlegen, scheiterte an dem heftigen Widerstand der St. Galler und Appenzeller, die den Neubau 1489 zerstörten(vgl. Maria- berg Nr. 2). Die Reformation fand unter dem Einfluß des berühmten Sprachgelehrten Vadian 1528 freudige Aufnahme in der Stadt, worauf Abt und Mönche flohen und das Kloster an die Stadt verkauft wurde. Nach der Schlacht von Kappel 1531 wurde jedoch die Abtei wieder hergestellt und der alte Glaube wieder eingeführt. Die Staatsumwälzungen des Jahres 1798 machten aber der Stiftsherrschaft ein Ende; 1805 fand nach nahezu 1200jährigem Bestehen die förm- liche Aufhebung der Benediktinerabtei durch den Großen Rat des Kantons statt. Bis 1836 war St. Gallen dem Bischof von Chur unterstellt. Die mit der Stiftskirche um 1760 er- neuerten Abteigebäude sind seit 1846 Sitz eines eigenen Bischofs; der Querflügel dient als Regierungsgebäude. Auf folgendem Rundgang berührt man die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt: Vom Bahnhof geht man zwischen Postamt und Walhalla geradeaus, an dem statt- lichen Neubau der schweizerischen Feuerversicherungsgesell- schaft Helvetia links durch die Leonhardstraße(zur Rechten erblickt man die neue gotische Leonhardskirche), an der Kantonalbank und dem Rathaus vorbei zum Prachtbau des Schweizerischen Bankvereins, in dem sich die Börse befindet. Hier wird jeden Mittwoch und Samstag vormittag die vielbesuchte Stickereibörse abgehalten. Vor dem Bankverein erhebt sich der monumentale Broder— brunnen von E. Bösch, 1898 errichtet zur Erinnerung an das bedeutsame Werk der Wasserversorgung, durch welches die Stadt mit Bodenseewasser(von Rorschach her) gespeist wird.— Gegenüber dem Brunnen befindet sich die Schwei— zerische Kreditanstalt und Handelsbank, daneben in der Vadianstraße das Industrie- und Gewerbemuseum (Sonntags 10— 12, sonst täglich außer Montags 9— 12 und 2—5 Uhr geöffnet), eine Mustersammlung von Spitzen und Stiockereien, deren Besuch für Damen hochinteressant ist. Durch die belebte Multergasse kommt man an dem Pracht- bau der Ostschweizerischen Mühlengesellschaft und an einem kleinen Bacchusbrunnen(vor dem Café Metropol) vorbei zur Marktgasse, die einige altertümliche Bauten mit reich orna- mentierten Erkern aufweist. Rechts gelangt man zur evange- f f 7—— uterbdn + 4 umfelboden N. Sube 4 Stoss um, Lih.uDruck vLBode, Stuttgart Schmdigaly νν u 4ROl. ο 200„ ondhen, Iluindlstein ihlute 44¹ 5¹ Gamι NI 1 Lelr 18 Rliguα. L0ö 5 A. * 8 APPE 15 35 * 1 2 4 bba Soltag⸗ 8 ad Nah 4b. — aiill e Miend, I Ven 2570 Ganten! E 6 7040 5 Schãiter 2 11* Jurme 5 ⏑ 333 7 1150 ee 8 N —* ahe. 7E˙% Rastese 5 Rantele, Vun lac. 5 7 f 105 önrli 72„ K0 * 8 1 —— —42 hh.. Te dien —997 0 35— Srelll Baldel Hundstein lnmie, u. 85 F E ‚ Aberl 3 1 240 ˖êwù 4, SarαEr. 8 Sckalberg⸗ bbe⸗ 5 4 7 Hadeum/ ————— Maßstab 1:150 000 1 14 — 16. St. Gallen-Appenzell Hoher Kasten. 137 lischen Laurenzenkirche, 1854 in gotischem Stil ausgebaut, mit schönem Portal und Turm, sowie kunstvollen Glasgemälden, weiterhin zur katholischen Stifts Kkirche, die über der Grabstätte des Gallus erbaut wurde. Die massige, doppeltürmige Kirche wurde 1765 in heiterem Rokokostil erneuert; sie ist im Innern reich geschmückt, enthält schöne Deckenmalereien, kunstvolle Chorgitter und Holzschnitzereien, der Chor erscheint indessen überladen. Die beiden 66 m hohen Türme, die den Chor flankieren, zeichnen sich durch ihren prächtigen Aufbau aus. Neben der Kirche stehen einige altertümliche Häuser mit Staffelgiebeln und Wand- malereien. An den einen Turm ist die bischöfliche Wohnung angebaut, ein einfaches schmuckloses Langhaus des ehemaligen Klosters. Im inneren Hof befindet sich die berühmte Stif t s- bibliothek(Montags, Mittwochs und Samstags von 9— 12 und 2—4 Uhr freier Eintritt) mit 30 000 Bänden und 1700 kostbaren uralten Handschriften, deren wertvollste in Schaukästen ausliegen. Den Türmen gegenüber befindet sich das Regierungsgebäude mit dem Torbogen; im dritten Stock ist ein schönes Relief der Kantone St. Gallen und Appenzell zu sehen; daselbst der Grobratsaal. Man geht nun durch den Torbogen abwärts, am ‚Schlößle“, einem altertümlichen, mit Rundtürmen und Wandgemälden versehenen Haus links durch die Speisergasse, die mehrere mittelalterliche Erkerhäuser enthält, zum Bärenbrunnen, dann am Freieck, einem malerischen Erkerhaus, rechts vorbei zur Marktgasse, der man abwärts folgt. Auf dem Marktplatz steht das Erzdenkmal Vadians (Joachim von Watt), des berühmten Sprachgelehrten und Stifters der Stadtbibliothek. Vor dem Hotel Hecht am unteren Ende des Platzes befindet sich der Neptunsbrunnen. Von hier geht man rechts, am Theater vorbei, zu den Brühl- anlagen an der Burggrabenstraße. Die Anlagen sind mit einem hübschen Springbrunnen und einem Denkmal für Ernst Götzinger geschmückt. An der Front der Anlagen steht die Kantonschule, in der bisher die berühmte Sta dit bibli o- thek(Vadiansche Bibliothek, mit 70 000 Bänden und 500 wertvollen Handschriften, besonders aus der Reformations- zeit) untergebracht war(jetzt im Neubau beim Stadtpark; Dienstags, Donnerstags, Samstags von 2— 4 Uhr freier Eintritt). Im Garten der Kantonschule steht das Denkmal Peter Scheit- lins, daneben der Prachtbau zum Burgstein. Auf der 138 II. Ausflüge in die Umgebung. Höhe ragt beherrschend das Notkerkloster auf als schöner Abschluß der terrassenförmig sich aufbauenden Häuser. Man folgt den Anlagen an der Kantonschule hin, die Ror— schacher Straße überschreitend, zum Stadtpark, der ebenso prächtig als praktisch angelegt ist. Sehr belehrend ist die Benennung sämtlicher Bäume und Pflanzen durch Täfel- chen, ein nachahmenswertes Vorbild! Im Botanischen Garten sind zahlreiche Alpenpflanzen zu sehen. Dem Schwanenteich gegenüber befindet sich das schöne Volksbad, auf der anderen Seite des Parks das hochinteressante Museum(Sonntags 10- 4, Dienstags und Freitags L— 3 Uhr frei, sonst LI-4 Per- sonen 50 cts, mehr Personen 1 Fr.) mit naturgeschichtlichen, geschichtlichen und Gemälde-Sammlungen. In der Vorhalle des ersten Stocks ist ein sehenswertes Relief des Säntis- gebiets von Prof. Heim ausgestellt. Auf dem Großen Brühl ganz nahe beim Museum erhebt sich die neuerstellte Stadt- bibliothek und die Tonhalle.— Durch die Rorschacherstraße (Straßenbahnlinie) kehrt man über den Marktplatz zum Bahn- hof zurück. Mit der Dampfstraßenbahn(rechts sitzen), die bald eine herrliche Ausschau auf die Säntiskette bietet, fährt man über das malerisch gelegene Teufen(auf der Anhöhe zur Linken sieht man das von Württembergern viel besuchte Ba d Sonder, 920 m) und den Kurort Gais(Näheres Nr. 20) nach Appenzell, 781 m, 4575 Einw.(Hecht, Löwe, Hirsch, Säntis, Krone, Hoferbad). Diese Bahnstrecke ist landschaft- lich genußreicher als die andere Appenzeller Bahn über Herisau; kurz vor Appenzell wird das Sittertal durch eine 240 m lange Brücke mit 32 Gewölben überspannt. Der im breiten Hochtal an der Sitter gelegene Flecken, der Hauptort des Landes, macht mit seinen alten Holzhäusern und seinen reinlichen Straßen einen überaus freundlichen Eindruck. Schon im 8. Jahrhundert stand das Appenzeller Land unter der Hoheit des Klosters St. Gallen, dessen Abte später am Hauptort ihren Sommersitz aufschlugen. Das im Jahr 1061 von Abt Nortbert erbaute Gotteshaus, Abbacella oder Abbatis cella, ‚des Abtes Zelle“ genannt, gab der um dasselbe entstandenen Gemeinde und allmählich der ganzen Gegend den Namen. Im Jahr 1345 erwarb das Kloster die volle Landeshoheit. Als später der Druck der Xbte die Berg- bewohner zum Aufstand reizte, schloß der Hauptort ein Bündnis mit den schwäbischen Städten. Die strenge Herr— 16. St. Gallen-Appenzell-Hoher Kasten 139 schaft des Abtes Kuno von Stoffeln(1379— 1411) trieb die Appenzeller im Jahr 1401 zur Empörung; sie zerstörten seine zurgen, gründeten den„Bund ob dem See“ und errangen am 15. Mai 1403 beim Vögelinseck und am 17. Juni 1405 am Stoß⸗ glänzende Siege über das Heer des Abtes und der mit ihm ver- bündeten Reichstädte und Ritter(vgl. Nr. 15 und 20). Bei der Belagerung von Bregenz 1407- 08 erlitten die Appenzeller zwar eine Niederlage durch die schwäbische Ritterschaft, wo- durch der„Bund ob dem See“ rasch zur Auflösung kam; doch hatte das tapfere Bergvolk durch seine entscheidenden Siege bereits seine Unabhängigkeit erworben. Das Land trat in ein Bündnis mit sieben Kantonen, wurde aber erst 1513 förmlich in die Eidgenossenschaft aufgenommen. Das Appenzeller Land, das von dem Kanton St. Gallen wie von einem Ring umgeben ist, ist seit dem Religionstreit von 1597 in die selbständigen Halbkantone Außer- Rhoden(mit dem Hauptort Trogen) und Inner— RhoOden(mit dem Hauptort Appenzell) getrennt(Rhoden Bezirk). Das protestantische Außer-Rhoden zählt 55 000 Bewohner und ist sehr gewerbereich(besonders Weberei und Maschinenstickerei), während das katholische, noch ganz patriarchalische Inner-Rhoden, das an den Säntis anlehnende Hinterland, nur 13 000 Einwohner hat und vorwiegend Alpen— wirtschaft treibt; gegen 30 000 Stück Rindvieh sömmern auf den Appenzeller Matten. Daneben werden jedoch die feinsten Handstickereien von den Inner-Rhoderinnen ge— fertigt; fast in jedem Haus sieht man die fleißigen, schönen Appenzellerinnen am Fenster über den Stickrahmen gebeugt und in ihre kunstvolle, aber augenmörderische Arbeit ver— tieft. Appenzell ist der Hauptort der Handstickerei, deren Erzeugnisse von St. Gallen aus in alle Weltteile versandt werden. Im Appenzeller Land, das glücklicherweise noch nicht verengländert ist, herrschen noch patriarchalische Sitten, die Leute machen einen gemütlichen, anheimelnden Eindruck. Malerisch ist die kleidsame, farbenreiche Tracht der Appen- zellerinnen, die schönste Landestracht der Schweiz. Anfangs August wird in Appenzell ein großes, interessantes Trachten- fest abgehalten.— Ein Besuch dieser schönen Gegend ist umso genußhreicher, als das biedere, treuherzige Volk der Appenzeller(das im Gegensatz zu manchen anderen Landes- teilen den Fremden nicht als Ausbeutungsgegenstand be- 140 II. Ausflüge in die Umgebung trachteét) den Aufenthalt zu einem höchst gemütlichen und angenehmen macht. Appenzell ist einer der ältesten Molkenkurorte der Schweiz und hat durch seine schöne Bergwelt lebhaften Fremdenverkehr. Beim Bahnhof befindet sich ein sehens— wertes Landesrelief, das einen anschaulichen Uber— blick über die Säntisgruppe gewährt, im Schloß eine Alter— tumsammlung(Eintritt je 50 cts). Besuchenswert ist die reich ausgestattete Kirche mit altem Turm und Glasmalereien, ferner das Rathaus mit altem Ratsaal und dem Uli— Rotach-Denkmal, sowie das Landesarchiv mit wert— vollen Handschriften der alten„Abtszelle“, alten Bannern u. S. W. Das Kapuzinerkloster war einst der Landsitz der Abte von St. Gallen. Auf dem Landsgemeindeplatz kommen im Frühjahr alle ‚ehr- und wehrfesten“ Bürger von Appenzell- Inner-Rhoden zur Wahl der Landesbehörden und zur Gesetz— gebung zusammen. Dieser volkstümliche Landtag, der dem altgermanischen Thing gleicht, ist durch die malerischen Trachten und die altertümlich feierlichen Bräuche von be— sonderem Interesse. Noch imposanter ist die Tagung der fast 10 000 Mann starken Landsgemeinde von Außer-Rhoden in Trogen oder Hundwil. Vom Bahnhof geht man unterhalb des Reliefs rechts, unter der Bahn hindurch, nachher bei der Wegteilung den Wiesen- pfad halbrechts(nicht das Sträßchen rechts). Der Pfad zieht sich durch die Wiesen aufwärts, zwischen einigen Häusern hin; die Telegraphenleitung dient als Richtungslinie. Nach 40 Min. erreicht man das anmutig gelegene Weißbad, 819 m, den Ausgangspunkt der Bergbesteigungen im Säntis— gebiet(Kurhaus Weißbad; Belvedere; Gasthaus Weißbad- brücke, gemütliches Standquartier; Gemsli). Trifft man dort zeitig ein, so kann man am gleichen Tag noch zum Hohen Kasten aufsteigen, dem dankbarsten Aus— sichtsberg der Säntisgruppe, lohnender als der Säntis selbst, weil er bequemer zu besteigen und das Gesichtsfeld abgerunde- ter und fast so umfassend ist als vom Säntis. Der Aufstieg zum Hohen Kasten, wie auch zur Ebenalp und auf den Säntis ist infolge der vorherrschenden Weidewirtschaft fast schattenlos, doch wird die Hitze bei der meist bewegten Höhenluft nicht gerade drückend.— Zwischen Kurhaus und Weißbadbrücke geht man dem Fluß entlang aufwärts, bei der Loosmühle die Straße links aufwärts(Wegw. Brülisau), bei Wegteilung das 16. St. Gallen-Appenzell-Hoher Kasten. 141 bessere Sträßchen einhaltend(der Bau einer neuen Straße ist geplant). Vor Brülisau öffnen sich rechts schöne Einblicke in das wildromantische Seealptal; zu dessen Linken steigen die gewaltigen Felswände des Alpsiegels und der Gloggeren auf, im Hintergrund die Girenspitze(nördlicher Säntisgipfel) mit dem Blauen Schnee und rechts ganz nahe die Ebenalp mit dem Wildkirchlein. In Brülisau, 924 m(Rößle, Krone) gehe man bei der Kirche nicht rechts, sondern an der Langseite hin. Bevor sich der Weg zum Bach senkt, steigt man rechts am Rand der Schlucht aufwärts, nach kaum 5 Min. einige Stufen empor; bald nach- her folgt man der Telegraphenlinie linkshin über die Matten. ur Rechten erblickt man die schneeumrahmte Säntispyramide als gewaltigen Abschluß des Seealptals; der ganze Gebirg- stock des Säntis enthüllt sich allmählich dem Auge; im Rück- blick zeigt sich Appenzell. Später genießht man herrliche Blicke ins Sämtisertal und auf die schroff aufsteigenden Kreuzberge. Man folgt dem Telegraphen über die Matten bis unterhalb des Wirtshauses, immer die Richtung auf die riesigen Felswände des Kamors links vom Hohen Kasten einhaltend. Nach 1 St. von Brülisau erreicht man, halblinks fast weglos ansteigend, die Wirtschaft Ruhesitz, 1371 m, unter den Kamorfelsen. Von hier folgt man dem Bergpfad rechts empor unter den gewaltigen Felsen hin. Bald erscheint zur Rechten der tiefgrüne Sämtisersee, im Rückblick der Bodensee. Der Pfad zieht sich in Windungen zum Sattel (1680 m) zwischen Kamor und Kasten, von Wo sich plötzlich ein überraschender Blick in das tiefe Rheintal und auf die lange Kette der Schneeberge öffnet. Linbs geſit's über die Matten in ½ St. zàum Gipfel des Kamor, 1750 m(eigentlich Campus Mauri) mit reicher Alpen- flord, docſi ist die Besteigung weniꝗ lol nend, da der Hohe Kàsten eine freiere Aussichil hietet. zechts führt der steinige Pfad im Zickzack empor zum Hohen Kasten, 1799 m. Es empfiehlt sich, in dem guten Berg- gasthaus(Telephon; 30 Betten zu 2½ Fr.) auf dem Gipfel zu übernachten und so den Sonnenuntergang und- aufgang zu genießen. Obwohl der Hohe Kasten— leich dem ebenso 2 ——— 5— hohen Rigi— nur eine mittlere Höhenlage hat, gehört er doch zu den hervorragendsten Aussichtsbergen der Schweiz und würde mehr als der Kaien den Ehrennamen ‚Rigi der Ost- schweiz“ verdienen. 142 II. Ausflüge in die Umgebung. Vom Gipfel erschließt sich dank der freien Lage eine grobhartige Aussicht: Prachtvoll ist der Einblick in die Säntis— gruppe, die von keinem anderen Standpunkt so vollständig überschaut werden kann. Tief unten schimmert der Sämtiser- See, dahinter erblickt man den Altmann, nach links die dolo- mitenartigen Kreuzberge, rechts die Säntispyramide mit dem Gasthaus. Links vom Säntisstock dehnt sich die vielgezackte Alpenkette, im Süden das obere Rheintal, das 1400 m tiefer liegt; im Hintergrund ragen die schneeglänzenden Bündner Alpen auf. Links vom Rhein erhebt sich ganz nahe der dunkle Dreischwesternberg, dahinter nach rechts der Falknis, nach links die Scesaplana und die Zimbaspitze. Hinter dem Wasserlauf links der Dreischwestern erglänzen die Eisriesen des unteren Engadins. Weiter links(über dem Gasthaus) er- blickt man die Parseier Gruppe, dann die Lechtaler und die Algäuer Alpen(Mädelegabel, Hochvogel). Im Norden dehnt sich die weite Fläche des Bodensees; rechts ist die Rhein- mündung sichtbar, in der Bucht Bregenz, darüber der Pfänder. sehr deutlich die Insel Lindau. Zwischen RBodensee und Säntis breitet sich das Appenzeller Hügelland aus; Appenzell Solbst lagert sich freundlich im breiten Sittertal. 7. Wildkirchli-Ebenalp-Weißbad. Hoher Kasten— 2 St. Weißbad— 1 St. 50 Min. Wild- kirchli- Min. Ebenalp 1% St. Weißbad, zus. 6 St. Oder von der Ebenalp— 20 Min. Xscher 50 Min. See- alpsee 50 Min. Wasserauen /4St. Weißbad, Zzus. 7 St. Hiezu Karte Seite 136. Vom Hohen Kasten kehrt man auf dem gleichen Weg über Brülisau nach Weiſß ba d zurück. Zwischen Kurhaus und Weihßbadbrücke geht man flußaufwärts, gleich danach rechts (Wegw. Wildkirchli) auf ansteigendem Weg in der Richtung auf die Ebenalp(rechts von dem bewaldeten Vorberg), deren Hütte auf den hellgrünen Matten über den schroffen Felsen sichtbar ist. Nach 10 Min. hält man bei einem einzelstehenden Hof rechts(Wegw.), nachher beim Bildstock geradeaus auf. wärts, statt rechts. Der Pfad steigt über die Matten empor, an der kleinen Wirtschaft Eugst(Ruhesitz) vorbei. Nach 17. Wildkirchli-Ebenalp-Weißbad 143 1 St. vom Weißbad erreicht man den Sattel der Bo mmen- a Ip, 1241 m, und steigt über die Matten gegen die Felswand der Ebenalp weiter. Bei einer Ruhebank beginnt ein stei. niger Zickzackweg, der an einem Brunnen vorbeiführt und sich nach ¼4 St. teilt: rechts führt der steinige, nicht zu empfehlende Fußweg(Vgl. den Rückweg) durch das Wäldchen unmittelbar zur Ebenalp; wir wandern links unter der schrof- fen Felswand des Wildkirchleins hin(stellenweise Vorsicht!) hoch über dem Seealptal zum Kscher, 1461 m. Das kleine Wirtshaus liegt auf schmalem Felsvorsprung und schmiegt sich an die hohe Felswand der Ebenalp an. Von hier gewinnt man ein prächtiges Echo. Reizend ist der Blick auf den saftgrünen Seealpsèe tief zu Füßen, während die schroffen Felswände des Alpsteins ringsum eher einen unheimlichen Eindruck machen. Zeim Xscher wurde im Juni 1902 eine Gedenktafel für Scheffel angebracht, der diese Stätten in seinem Ekkehard verherrlicht und die Dichtung hier vollendet hat. Das in Bronze ausgeführte Reliefbildnis des Dichters stammt von dem Bildhauer Bösch, dem Schöpfer des Broderbrunnens in St. Gallen.— Eine zweite Erinnerungs- tafel beim Wildkirchlein gilt„Unserem Ebel“, dem Sänger des Alpsteins, einem deutschen Arzt, der als einer der ersten in seinem Reisebuch von 1793 die Naturschönheiten der Schweiz pries. An der senkrechten Felswand führt ein durch ein Geländer gesicherter Pfad auf dem schmalen Felsenband in wenigen Minuten aufwärts zu dem dichterisch verklärten Wild- Kirchli, 1477 m. Die im Jahr 1621 gestiftete Kapelle liegt wie ein Schwalbennest in einer 10 m breiten Grotte an der Fels- wand und bietet einen schönen Blick in das tiefe Seealptal und auf den Bodensee. Durch den Appenzeller Pfarrer Ul- mann, der im September 1656 hier das erste Hochamt abhielt, wurde das Wildkirchli zu einem kleinen Wallfahrtsort er- hoben; noch jetzt wird im Sommer an bestimmten Tagen hier Gottesdienst gehalten.— Mit wenigen Schritten gelangt man zur zweiten Grotte, der Bruderhöhle, einer einstigen Einsiedlerklause, die jetzt als Wirtschaft eingerichtet ist. Die beiden Höhlen beim Wildkirchlein wurden in den Jahren 1906—08 durch Konservator Bächler in St. Gallen wissen- schaftlich untersucht und lieferten hochinteressante Ergeb- nisse. Die Grotten bilden den Fundort der ältesten Stein— werkzeuge, die bisher in Europa festgestellt wurden. Die 144 II. Ausflüge in die Umgebung Ausgrabungen ergaben auch sonst wichtige vorgeschichtliche Funde, unter anderem Knochen des Höhlenbären, womit er— wiesen ist, daß die Ebenalp— entgegen der bisherigen An- nahme— zur Eiszeit nicht vergletschert war. Um zur Ebenalp zu gelangen, muß man durch die etwa 100 m lange Bruderhöhle, zu welcher der Schlüssel und Fackeln(½ Fr.) beim Xscherwirt zu haben sind.(Falls man über das Wildkirchli zurückkehren will, bestelle man den Höhlenführer auf eine bestimmte Zeit an den Ausgang zur Ebenalp.) Tritt man aus der Bruderhöhle ins Freie, so steigt man links über die Matten pfadlos auf zur Ebenalp, 1644 m, die gleichfalls von Scheffel poetisch verklärt worden ist; einfaches Bergwirtshaus.„In der Schweiz sind alle Alpen eben, nur die Ebenalp nicht“, lautet ein bekanntes Wort- Spiel. Die Ausschau von dieser Höhe ist prächtig: der Säntis ist zwar durch den nahegelegenen runden Felskopf teilweise verdeckt, dafür steigt zu seiner Linken der Altmann, des hohen Säntis Kanzler und Busenfreund“(Scheffel) mächtig auf; zu seinen Füßen lagert sich traulich die Meglisalp. Drüben an den abschüssigen Grasbändern der Gloggeren zieht sich einem Seil gleich, fast schwindelerregend, der Säntispfad hin, der indessen nicht entfernt so gefährlich ist, wie er von hier aussieht, da die Matten immerhin so breit sind, um den unmittelbaren Blick in die Tiefe zu verdecken. Der Pfad leitet hinüber zur Meglisalp, deren Kapelle friedlich in dem wilden Felsenkessel lagert. Uber dem Seealptal ragen in langer Kette die steilen Felsen der Gloggeren und des Alpsiegels empor, daran reihen sich Hoher Kasten und Kamor, hinter denen die Vorarlberger Alpen sichtbar sind. Gegen Norden breitet sich das Appenzeller Hügelland und die weite Fläche des Bodensèes aus. Für den Rückweg nach Weißbad wählt man am besten den gleichen Weg über das Wildkirchli.— Weniger zu emp— fehlen ist der unmittelbare Abstieg zur Bommenalp, bei dem man von der Ebenalphütte über die Matten abwärts geht, beim kleinen Kreuz rechts in der Richtung auf die Waldkuppe. Der Pfad ist anfangs nicht gut erkennbar, wird aber später durch Richtungspfähle gekennzeichnet. Dann geht's auf sehr steinigem und ermüdendem Fußweg durch den Tannenwald hinab zum Wildkirchliweg, den man oberhalb der Bommenalp erreicht. Cusdiw 40ον avaÆM pu A 18. Weißbad-Meglisalp-Säntis. 145 Gute Fußgänger können auch vom Kscher auf schma- lem Pfad über die steilen Matten(Vorsicht!) absteigen zum grünschimmernden Seealpsee, I139 m, der rings von schroffen Felswänden eingeschlossen ist; als großartiger Hintergrund steigt die Säntispyramide mit dem Blauen Schnee(Gletscher) auf. Der idyllisch gelegene See bietet Gelegenheit zu Kahn- fahrten. Am Ausfiuß des Sees befindet sich das Gasthaus, dabei eine Gedenktafel für den berühmten Naturforscher und Staatsmann Friedrich von Tschudi, dessen„Tierleben der Alpenwelt“ eine mustergültige Darstellung bietet. Geübte Bergiwanderer kõnnen vom Seealpsee gleich aur Meglisalp aufsteigen, indem sie sich über den See rudern lassen und den Zichaachꝛoeg durch das Wäldehen einschlagen. Der Schimale, stelleneoeise schabindlige Pfad fuhirt bald an der Senb- rechiten Felstand yin, ĩst aber an den gefũhrlichen Stellen durch Drahtsei! gesichert. Im Schluchtinbel liegt bis zum Früf- sommer ein abschüũssiges Schneefeld, das Vorsicht erforderi; dann ꝛtehit sich der beguemer werdende Pſdd mit schöner Um- SchάMtüur Höhe und mundet in den Gloggerenweg, der rechis zaur Megiisalp füſirt(gutes Berggdsthaus; 1½ St. vom Seedlp- See). Der Weiterweg zum Sdnt's ist in Vr. IS beschrieben. Vom Seealpsee führt der Reitweg talabwärts hoch über dem Schwendebach hin, an einem schönen Wasserfall vor- über, durch die waldige Schlucht zum Appenzeller Elektri- zitätswerk. Auf gutem Fahrweg gelangt man dann durch das Schwendetal über Wasserauen(Gasthaus Alpen- rose und Wasserau), an dem mächtigen Escherstein vorbei nach SchwWen de(vgl. Nr. 18) und dem Fluß entlang nach Weißsbad. 18. Weißbad-Meglisalp-Säntis. Weißbad—/ St. Wasserauen— 2/ St. Meglisalp— 1½ St. Wagenlucke— 1½½᷑ St. Säntis, zus. 6 St. Hiezu Karte Seite 136. Der beherrschendste, wenn auch nicht der höchste Alpen- gipfel in der Umgebung des Bodensees ist der Sänt is, der Hauptberg des schönen Appenzeller Landes, der trotz seiner isolierten, vom Hauptverkehr entlegenen Lage zu den be- suchtesten Bergen der Schweiz zählt. Die Besteigung des Wais, BodenseeFührer 10 146 II. Ausflüge in die Umgebung. Säntis erfordert zwei Tage, ist aber, so verlockend sie auch erscheint, nur bei gutem Wetter anzuraten. Ein Bergführer*) ist für Ungeübte angenehm, aber im Hochsommer nicht not- wendig; dagegen ist an manchen Stellen Vorsicht erforderlich, besonders beim Schneefeld. Bergstöcke sind im Weißbad leihweise zu haben; man lasse sich über deren Gebrauch unterrichten. Ein selbstverständliches Erfordernis sind Nagel- schuhe; hat man keine besonderen Bergstieéfel bei sich, 80 lasse man die Schuhe jedenfalls mit Bergnägeln verschen (in Appenzell: Schuhmacher Schmidt, alte Weißbadstraße). Vom Weißbad geht man zwischen Kurhaus und Weißbad- brücke flußaufwärts, nach Uberschreiten der Brücke bei der Loosmühle rechts(Wegw.) dem Schwendebach entlang, der dem Seealpsee entflieht. Durch das idyllische Tal gelangt man in/ St. nach dem Dörfchen Schwende, 866 m(Kurhaus Felsenburg, Gasthaus Alpenblick und Frohe Aussicht), so- dann auf der Straße weiter in ½ St. nach Wasserauen, 874 m (Gasthaus Wasserau und Alpenrose). Auf dem Weg kommt man an dem riesigen Denkstein für den Geologen Arnold Escher von der Linth vorbei, dem wissenschaftlichen Er— forscher der Alpen, besonders der Säntisgruppe, einem Sohn Konrad Eschers, des berühmten Erbauers des Escher-Linth- Kanals am Walensee. Neben dem Escherstein stürzt ein hübscher Wasserfall zu Tal. Bis hierher ist der Weg fahrbar. Bei der Alpenrose fulirt der Reitibeq geradeaus am Appen— zellen Eleletrixitãtserle vorbei durch die waldige Schlucht dem Schnoendebach entlanq und an einem schiönen Vasserfall vor- iher zum Seealpsee, 1139 m, von b0ο Qman(ibie bei NVr. J7 be— chrieben) auf stellenpeise schbeundeligem Pfad æur Meglisaly aufsteigen hann. Der bequemere Weg führt beim Gasthaus Wasserau als sogenannter Katzensteig links aufwärts(Wegw.) mit pracht- vollen Blicken auf den Felsenkessel des Altmanns. Als ge- waltiger Abschluß des felsenstarrenden Seealptals erhebt sich der Säntisgipfel, dessen Wetterwarte deutlich sichtbar ist. Nach einigen Minuten tritt der Weg in den Wald und zieht sich am Rand der Schlucht empor, an hübschen Wasserfällen vorbei. Bei einem Brunnen wird der Tobel überschritten, ) Taxe 10 Fr.; als Führer sind zu empfehlen: Gebr. Büch- ler, Anton Huber, Jakob Koch, Gebr. Koster, Johann Nänni, Zeller; im Gasthaus zu bestellen. — 18. Weißbad-Meglisalp-Süntis. 147 dann geht's über die Matten aufwärts; rechts drüben erblickt man die Ebenalp mit Xscher und Wildkirchli, links die ge- waltigen Gloggerenwände; bald wird auch der Säntis wieder sichtbar. Nach 10 Min. vom Brunnen kommt man an der Unteren Hüttenalp, 1200 m, vorbei(Brot und Milch erhältlich); nach weiteren 5 Min. folgt die Obere Hüttenalp. Der schmale Pfad(sogenannter Schrennenweg) zieht sich nun fast eben an den abschüssigen Grashalden der Gloggeren hin, er ist aber ungefährlicher als er manchmal erscheint, zumal die vorspringenden Matten den schwindelerregenden Blick in die Tiefe verdecken. Unterhalb der Grashalden stürzen nämlich die Felswände senkrecht ab gegen den 400 m tiefer liegenden Seealpsee. Nach ½ St. von der oberen Hüttenalp sieht man den Seealpsee plötzlich unter sich, in dessen grünschimmernder Wasserfläche die Altenalptürme sich spiegeln; drüben ragt die Ebenalp auf, an deren senk- rechter Felswand das Xscherwirtshaus wie angeklebt er- scheint. Später kommt man an der kleinen Schutzhütte Schrennen“ vorbei und genießt herrliche Blicke auf den tief- gelegenen Seée, auf die schroffen Gloggerenwände über sich und den gewaltigen Felsenkessel des Talschlusses, der rechts vom Säntis, links vom Altmann flankiert wird. Nach/ St. von der Hütte kommt der Pfad vom Seealpsee herauf und nach weiteren 20 Min. erreicht man die Meglisalp, 1520 m, in einem großartigen Felsenrundell am Fuß des Altmanns. Die zahlreichen Hütten und die zierliche Kapelle geben der Meglisalp das Aussehen eines Dörfleins. Das gut eingerichtete Berggasthaus(Telephon) verfügt über 50 Betten(3½ Fr.), sowie Massenlager und bildet den Stützpunkt für eine Reihe von Hochgebirgswanderungen: auf den Säntis(3 St.), Alt- mann(3½ St.), Hundstein, Freiheit(je 3 St.), Fählensee (2½ St.), meist mit Führer. Aus der Wirtschaft tretend, steigt man an dem felsigen Berghang links aufwärts; nach 20 Min. öffnet sich unvermittelt ein großartiger Blick in das felsenumrahmte Seealptal. Der gute Weg führt in bequemer Steigung empor, die Talrinne bleibt links. Pflanzenfreunde finden eine reiche Auswahl reizender Alpenblumen, auch viele Alpenrosen. Nach einer weiteren Stunde erblickt man den Säntisgipfel mit dem Gast- haus. Bald danach erreicht man die neuerbaute Schutzhütte bei der sogenannten Wagenlucke, 2069 m. Die ober- halb der Hütte sichtbare Felsenlücke, ein an Versteinerungen 3 II. Ausflüge in die Umgebung. 8 8 reicher Gebirgsattel, heißt die Wagenlucke und bietet einen hübschen Blick in das jenseitige Tal. Von der Schutzhütte an führt der Weg über das große Schneefeld, das je nach der Jahreszeit mehr oder weniger weit herabreicht und einige Vorsicht erfordert; den Bergstock stets bergwärts einsetzen! Später zieht sich der Pfad über Felstreppen, die stellenweise mit Drahtseil versehen sind, aufwärts(rote Striche), nachher wieder durch Schnee zum Gasthaus auf dem Säntis, 2465 m, 5 Min. unter dem Gipfel. Das gute Berggasthaus(Telephon) hat 40 Betten(zu 4 Fr.), sowie Massenlager(1½ Fr.). Im Hochsommer ist telephonische Bettenbestellung, noch besser frühzeitiges Eintreffen ratsam, da das Gasthaus oft überfüllt ist. Von der Wirtschaft führt ein durch Geländer gesicherter Treppenweg auf die Spitze zur Wetterwarte, die sich in geschützter Lage an die Felsen anschmiegt und das ganze Jahr bewohnt ist. Der im Jahr 1887 errichtete Steinbau, der den gräßlichen Schneestürmen des Winters zu trotzen hat, ist mehr als die Hälfte des Jahres von jedem Verkehr ab- geschnitten und nur von dem Hüter der meteorologischen Station, einem einsamen Pionier der Wissenschaft, mit seiner Frau bewohnt. Der Säntis, 2504 m, der Beherrscher des Bodensees, bildet den höchsten Punkt des Alpsteins, einer isolierten Berggruppe die durch ihren Aufbau zu den eigenartigsten und lohnendsten Hochgebirgstrecken der gesamten Schweizer Alpen zählt. Das Alpsteingebirge gehört der Kreideformation an und glie- dert sich in drei gewaltige Parallelmauern(Ebenalp-, Glog- geren- und Kreuzbergkette), in deren tiefeingeschnittenen Talfurchen der Seealpsee, Sämtiser- und Fählensee sich betten. Die kahle Spitze des Säntis erhebt sich an der Grenze der Kantone St. Gallen, Appenzell Auherrhoden und Inner— rhoden. Die Rundsicht umfaßt den größten Teil der Alpenkette und reicht von der Zugspitze(genau östlich) und dem Ortler bis zu den Eisriesen des Berner Oberlands. Gewaltig ist der Anblick des reichgegliederten Alpsteinmassivs mit Altmann und Girenspitze. Vom nahen Rheintal erglänzt genau im Süden die Schneepyramide der Ringelspitze, umgeben von den Grauen Hörnern, der südlichste Teil des Kantons St. Gal- len. Beherrschend steigt im Südosten, jenseit des Rheintals die Rätikonkette(Scesaplana) auf, überragt von der weiß— schimmernden Silvrettagruppe. Nach rechts erscheint in 19. Säntis-Seealpsee-Appenzell. 149 n weiter Ferne die Ortler- und Berninagruppe. Mächtig ragen e drüben jenseit des lieblichen Toggenburger Tals die Zacken + der sieben Kurfirsten auf, hinter ihnen die breite Wand des e Glärnisch und das Trapez des Tödi, dann in langer Kette die 11 Sschneèebedeckten Urner und Berner Alpen. Anmutig dehnt sich im Norden das grüne Appenzeller Land mit seinen zahl- + reichen Ortschaften aus. Aus dem weiten Hügelland, das wie 1„ eine Landkarte ausgebreitet liegt, erglänzt der Riesenspiegel 1) des Bodensees und der langgestreckte, stromartige Züricher n See. Gegen Nordwesten schweift der Blick bis zum Schwarz- wald und dem Jura. Man verfolgt die Rundsicht am besten lt an Hand des vorzüglichen Panoramas von Prof. Heim, das im Gasthaus zu haben ist. h Es empfiehlt sich, auf dem Säntis zu übernachten, um den 8 Sonnenuntergang und-aufgang von dieser aussichtsreichen Hochwarte genießen zu können.— Der Bau einer Bergbahn t. auf den Säntis ist geplant. n* 19. Säntis-Seealpsee-Appenzell. t Säntis— 1½ St. Meglisalp— 1/ St. Seealpsee— 50 Min. 0 Wasserauen— St. Weißbad— 40 Min. Appenzell, zus. 5 St. lliezu Karte Seite 136. — Anderen Tags kehrt man am besten auf dem gleichen Weg über die Meglisalp nach Weißbad zurück, da die anderen Ab- n stiege(über den Blauen Schnee zum Xscher, über die Giren- spitze nach Urnäsch, oder nach Wildhaus im Toggenburg, 8 oder über den Lysengrat und den Altmann zum Fählensee) - meist schwierig und keinesfalls ohne Führer anzuraten sind. Geübte Bergwanderer können auch von der Meglisalp auf 0 interessantem, aber teilweise schwierigem Pfad zum See- alpsee absteigen. Man kehrt in diesem Fall von der Meglis- alp auf dem Gloggerenweg, den man von der Hüttenalp her- n kam, etwa 20 Min. zurück, wählt dann bei der Wegteilung den n unteren Weg linkshin(Wegw.), der nach 10 Min. unter schroffen n Felswänden hoch über dem grünen Seealpsee hinführt. Nach 1 weiteren 15 Min. kommt man in einen Felsenv inkel, in dem 8 bis zum Frühsommer ein ziemlich abschüssiges Schneefeld — liegt, eine etwas schwierige Stelle, die Vorsicht erbeischt. Man überschreitet den Schnee im Zickzack und steigt dann 150 II. Ausflüge in die Umgebung auf dem Felsenpfad in Windungen durch die Schlucht ab— wärts. Gleich nachher führt der Pfad, der an den schwie— rigen Stellen durch Drahtseil gesichert ist, auf schmalem Felsenband an der senkrechten Felswand hin, dann geht's auf bequemem Zickzackweg durch ein Wäldchen hinab zum Seealpsee, I139 m, der in idyllischer Lage von den schroffen Felsbergen eingeschlossen ist. Links erblickt man den Säntisgipfel mit der Wetterwarte und dem Gletscher. Am unteren Ende des Sees befindet sich das Gasthaus. Man kann Seealpsee den See auf dem Grasweg linkshin umgehen, um auf den jenseitigen besseren Weg zu gelangen, oder geht man rechts um den tiefgrünen See, in dem sich die Tannen und Felsen reizend spiegeln, dann um das untere sumpfige Ende des Sees weglos herum zu den Hütten und über den Steg ans linke Ufer des Schwendebachs. Oder kann man den am unteren Ende des Sees wohnenden Fährmann zur Uberfahrt anrufen. Näheres über den See und den Weiterweg nach Wei ß- ba des. Nr. 17.— Vom Weißbad kehrt man auf dem Fußweg, der hinter dem Kurhaus über den Bach und zwischen den Wiesen hindurchführt, nach Appenzell zurück. 20 Appenzell-Gäbris-Rheineck. 151 20. Appenzell-Gäbris-Rheineck. Appenzell Fahrt nach Gais— 1 St. Gäbris— 1½ò St. Ruppen 1/ St. Altstetten Fahrt nach Rheineck— ½ St. Burgstein ½ St. Rheineck, zus. 4 St. Hiezu Karte Seite 120. Von Appenzell fährt man mit der Stra ßenbahn nach Gais, 934 m, 2850 Einw.(Krone, Falke, Adler, Hirsch), einem vielbesuchten Kurort am Fub des Gäbris. Der zwischen grünen Matten anmutig, aber leider schattenlos gelegene Ort War der erste der Appenzeller Molkenkurorte, der als solcher schon seit 1750 besucht wird. An Stelle der früher viel- benützten Molkenkuren sind neuerdings Milchkuren getreten. In Gais werden wie in Appenzell feine Stickereien angefertigt. Vom Bahnhof folgt man der Straße rechts aufwärts bis zur Kirche, geht beim Gasthaus zum Falken in gleicher Rich- tung weiter, bei der Harmonie an der großen Linde links (Wegw.), kurz darauf wieder links und sofort hinter dem Haus den Wiesenweg rechts empor mit schönen Rückblicken auf die Säntisgruppe. Der Weg führt über den Bergkegel an dem Hof vorbei, dann in sanfter Steigung ständig dem Telegraphen entlang mit grobhartigen Blicken auf die Schneeberge des zätikons und Unterengadins. Nach ½ St. von der Linde hält man bei einer Heuhütte links zum Wald, durch den sich der Fußweg im Bogen hinaufzieht zum Gasthaus auf dem Gäbris, 1250 m. Der Gäbris zählt zu den hervorragendsten Aussichtsbergen des Appenzeller Landes; pesonders schön ist der Einblick in die reichgegliederte Säntiskette und ins obere Rheintal. Ein gutes Panorama ist beim Wirt zu haben. Im Westen ragt der Säntis als bedeutendste Erhebung auf; rechts von ihm zeigt sich als niedere Kette in der Ferne der Glärnisch, weiter rechts kommen noch Uri-Rotstock, Mythen, Rigi und Pilatus ein wenig herauf. Links vom Süntis steigt der Altmann auf, näher und niederer die Ebenalp, nach links Gloggeren und Alpsiegel, genau im Süden der Hohe Kasten. Links davon erblickt man die Dreischwestern, dahinter die Tschingelhörner, dann das Rätikon mit Scesaplana, Drusenfluh und Zimba- spitze als höchste Pyramide. Hinter dem Montafoner Tal glänzen in weiter Ferne die Schneeberge des unteren Engadins und die FHuchthörner. Weiter links steigt die Rote Wand als 152 II. Ausflüge in die Umgebung. gewaltige Pyramide auf, dann folgt der Schafberg und Hohe Freschen. Im Osten erscheinen gerade hinter dem Rhein- lauf die Klgäuer Alpen mit Widderstein, Geißhorn, dem steil abfallenden Hohen Ifen und der Kuppe des Hochvogels. Im Norden erglänzt der Bodensee von Langenargen bis Konstanz. Aus der Wirtschaft tretend, folgt man dem sanft fallenden Sträbehen links mit entzückenden Blicken auf die Alpenkette. Nach 7 Min. biegt man bei der Wegteilung rechts(Ilinks geht's nach Trogen, vgl. Nr. 15). Bald erblickt man zur Linken das Hochtal von Trogen mit Wald, Rehetobel und dem Kaien. dahinter den Bodensèee mit Romanshorn. 10 Min. später Vor- sicht! Man verläßt das Sträßchen und wählt den Fuhpfad halblinks(Wegw. Antonien) durch die Wiesen, bald am Wald- rand hin. An der Wirtschaft Ruhesitz vorbei führt der Wiesen- weg aufwärts mit prachtvollen Ausblicken auf das schnee- glänzende Hochgebirge, ein hervorragend schöner Panorama- weg! Bald öffnet sich auch der Blick ins Rheintal, in der Tiefe zeigt sich Altstetten. Nach 10 Min. vom Ruhesitz tritt der Weg in den Wald und führt in gleicher Richtung auf der Höhe weiter. Nach Verlassen des Waldes hat man wieder einen überraschend schönen Blick ins Rheintal und auf die Alpen. Der Weg zieht sich auf dem Berggrat des Ruppen, 1197 m, hin, zuletat leicht rechts über die Hèeide des sogenann- ten Saurückens, der seinem Namen alle Ehre macht, fast weglos abwärts zur Ruppenstraße. Die Straße fuhrt in enigen Minuten aufwrts zum Paſß Landmarb, 996 m, Gedenbstein bei der Virtschaft zum Schdſfle, dann linłks in Vindungen hinah nach, Frogen (20l. Vr. 15), vdhend das Strd hchen rechtshin d f7 dem Gehirgs- hamm zu der aussichtsberuhmten S t.-Antonι. K4 pelle, Ho m(Alpenhof in St. Anton) fuhrt, die einen prũchtigen Blich auf den Bodensee, das Rheinta! und die Alpenbette ge- ꝛ0 et. Lon hier gelangt man auf Hlaubezeichnetem Fuſhꝛbeg über den Bischiofberq, 944 m, unmittelbar nach Heiden(3½ S.. vom Gãbris; Ndheres NVr. 2). Wir folgen der Straße abwärts und haben nach wenigen Minuten die Wahl, kurz vor den ersten Häusern von Dorf Ruppe n, 936 m, den ziemlich steilen Fußweg einzuschlagen, der an der Kapelle vorbei dem Telegraphen entlang hinab- führt, oder der aussichtsreichen, aber langgezogenen und schattenlosen Straßze zu folgen. Der Fußweg ist zwar ziemlich steinig, kürzt aber die langgezogenen Windungen der Straße 8 20. Appenzell-Gäbris-Rheineck. 153 bedeutend ab und ist meist schattig. Bei genügender Zeit und nicht zu heißem Wetter ist jedoch die Straße vorzuziehen. Beide Wege führen hinab nach Altstetten, 470 m, 8740 Einw. (Dreikönige, Freihof, Splügen), einem wohlgebauten, gewerbe- reichen Städtchen im breiten, tiefeingeschnittenen Rheintal. Der Ort wurde 926 zur Stadt erhoben, kam 970 an das Kloster St. Gallen, 1460 an Appenzell und 1803 an den Kanton St. Gallen. Durch seine ausgedehnte Woll- und Baumwoll- industrie hat das Städtchen einen ansehnlichen Wohlstand erlangt. In Altstetten geht man die Straße abwärts, beim Falken links an zahlreichen Arkadenbauten vorbei zur katholischen Kirche, die früher für beide Konfessionen gemeinschaftlich war; gegenüber befindet sich das Rathaus und das Postamt. Hier wendet man sich rechts, an der evangelischen Kirche vorbei, nachher wieder rechts durch die Bahnhofstraße (Straßenbahn) zu dem ½ St. entfernten Bahnhof Alt- S8tetten. Statt über den Gdbris und Ruppen vann man von Gais auoh auf der daussichtsreichen Paßstraße ũber den& t o 6 Uν mittelhar nach Altstetten(2 St.). Bei der Kirche in Gais fol9t man der Altstetter Straße rechtshin, die sich ½ St. Iang ehen yuinziehi his zur Abaweigung des alten Strãſichens. Auf diesem gelangt man in 10 Min. aur Schlachit bapelle auj dem Sto b, 955„(Wirtschajt), von b00 sich eine entzüchende Ausschuu auf das von Schneebergen umrahmte Rheintal darbietet. Die Kapelle wurde aur Erinnerung an den Freiheitsthampf der Appenseller gegen die St. Gallere rrichtet(vgl. Võgelinsech Nr. I5). Am 17. Juni IdOõ trugen hier 400 Appenzeller Sennen unter dem Grafen Rudolf von Werdenberg einen glänzenden Sieg davon gegen das 3000 Mann starbe Ritterheer des Herxogs Fried- rich von Osterreich und des Abts von St. Gallen.— Der alte Paſßßbeg ũberschreitet nach eiteren 10 Min. die neue Straſße und Senkt sich teiliweise durch Wald nach, Altstetten. Mit der Bahn talabwärts nach Rheineck, 403 m, 2100 Einw. (Post mit Garten, Ochsen, Hecht), einem von Rebenhügeln umgebenen Städtchen am alten Rheinlauf. Eine gedeckte Holzbrücke überspannt das Strombett, das aber seit Durch- führung der Rheinkorrektion(1905) nur bei Hochwasser des Rheins eine größere Wassermenge führt, sonst aber nur von einigen Seitenbächen aus dem Appenzeller Bergland gespeist wird. Der wilde Hochrhein hatte bei seinem vielgewundenen 154 II. Ausflüge in die Umgebung. Lauf früher verheerende Uberschwemmungen verursacht, 2zu deren Beseitigung die Schweiz und Gsterreich auf gemein— same Kosten in den Jahren 1893—1905 den Strom in ein künstliches Bett fassen ließen. Wenige Kilometer oberhalb Rheineck wird nunmehr der Rhein durch einen geradlinigen Durchstich in die Fußacher Bucht abgeleitet; ein zweiter Rheinkanal wurde etwas weiter oben angelegt, um die grohe Schleife bei Diepoldsau abzuschneiden. Infolge dieser Xnde- rung des Strombetts bildet der Rheinlauf streckenweise nicht mehr die natürliche Landesgrenze der beiden Staaten, indem ein schweizerisches Dorf(Diepoldsau) nun rechts und drei österreichische Dörfer Fuhßach, Höchst und Gaisau) links des Rheins liegen. Das gewaltige Werk erforderte 17 Millionen Franken. Rheineck ist der Hauptort des Bezirks Unterrheintal im Kanton St. Gallen und hat eine blühende Gewerbetätigkeit, besonders Maschinenstickerei und Baumwollweberei. Im Rat- haus und in der Kirche befinden sich gemalte Wappenscheiben berühmter Meister aus dem 15. Jahrhundert.— Zwei Zzurghügel ragen über dem reizend gelegenen Ort auf. Nicht zu versäumen ist der Spaziergang zur Turmruine Burg— stein, zu der der Fußweg oberhalb der Kirche hinführt. Die im II. Jahrhundert von dem Abt Ulrich von St. Gallen erbaute Burg Rinegge wurde schon 1413 von den Appen- zellern zerstört. Ein altersgrauer Turm und moosbewachsene Mauern sind noch erhalten. Ganz eigenartig ist der Anblick des Bodensees, dessen Spiegel von hier aus in wunderbarem Blau erscheint, während sonst eine tiefgrüne Färbung vor- herrscht. 21. Walzenhausen-Meldegg-Rorschach. Rheineck 1 St. Walzenhausen—/ St. Meldegg— / St. St. Margrethen— Fahrt nach Rorschach— zu Schiff nach Friedrichshafen, zus. 2½ St. Hiezu Karte Seite 120. Der besuchteste Ausflugs- und Aussichtspunkt in der Um- gebung von Rheineck ist die aussichtsberühmte Melde gg. Der Weg führt über den Luftkurort Walzenhausen, wohin man mit der Drahtseilbahn oder auf der aussichtsreichen 21. Walzenhausen-Meldegg-Rorschach 155 Straße gelangt. Vom Bahnhof Rheineck geht man Iinks, beim Gästhaus zum Bahnhof rechts, dann wieder links, an der Kirche und dem Hotel Hecht vorbei. Nel man die Seilbahm benutꝛen, Sο uuανũert man vom Hechit geradeaus weiter, oherhalb der gedeclten FEieinbruche rechts àur Ahfaſirtstelle der Drallitse Ihahm, 10 Min. vom Bahinhiof. Mine Heſtrische Bahm vom Bahnhof Rheinech æaur Seilbahm ist im Bau.) Die Bahm füirt in starhber Steigung uber dreĩi Brũchen, die Sc u ber die tiefe Schlucht spannen, und dureh mehrere Tunnel nach Falgzenhausen; Fahirpreis 60 cts., abwdrts 40 cts. Die Straße nach Walzenhausen zweigt beim Hecht rechts ab und zieht sich mit schönen Ausblicken auf den Bodensee in Windungen empor. Auf halber Höhe ist mehrfache Straßen- teilung: rechts geht's hinab nach dem hübsch gelegenen Dorf Tal, geradeaus auf der Höhe über Wolfhalden nach dem Kurört Heiden, links in sanfter Steigung nach Walzen- hausen, 673 m, 3090 Einw.(Kurhaus, Rheinburg, Hirsch, zahnhofhotel, Löwe), einem vielbesuchten Luftkurort in schöner Lage. Am Bahnhof ist eine Entfernungstafel mit An- gabe der Wegbezeichnung angebracht. Von der Ferrasse des Kurhauses bietet sich eine vortreff- liche Aussicht: prächtig ist der Blick auf die gewaltige Fläche des Obersees, zu FühBen windet sich der alte Rheinlauf, an dessen scharfer Kehre Rheineck sich anmutig lagert. Rechts er- blickt man die neue Rheinmündung, in der Bucht Bregenz, nach links Lindau, Langenargen mit Schloß Montfort, Fried- richshafen(gerade über Rheineck), weiter links den Gehren- berg und Schloß Heiligenberg. Dann erscheint Meersburg und der stromartige Uberlinger See mit der Insel Mainau. Auf der weit vorspringenden Landzunge liegt Romansborn, näher Arbon. Rechts vom See erheben sich die Algäuer Alpen. Noch freier ĩst die Aussicht von der& e b hα, d s ju õ hue, 58Yν m(NMirtschaft), wohin die Straſe heim Kurhiaus(Wegw.) in /4 St. aufilrts fünrt.— FVon hier bunn man auf der Straſhe uüber Lachen nach Bad& cj õ n e n b ũ u, 757 m, dann au/ dem ũrzenden Fuſibeg in vestlichier Richtung uher die Höfe Strich, Fhnet und Bänaiger unmittelbar nach. Hei d en (1½ St.h). Zur Meldegg folgt man der ebenen Straße am Kurhaus und an der Kirche vorüber(von der Seilbahn kommend, links). Bald öffnen sich wieder schöne Ausblicke auf das Rheintal, 156 den See und die Alpen. Die ebene Panoramastraße führt streckenweise durch Wald an dem Nonnenkloster Grimmen- stein, 650 m(Löwen) und an zahlreichen Landhäusern vor— bei; bei Wegteilung vermeide man die beiden nach St. Mar- grethen hinabführenden Straßen. Nach ½ St. vom Kurhaus verläßt man die Straße beim Gasthaus zur Linde, wählt den Feldweg geradeaus aufwärts, der großartige Blicke auf die Schneeberge bietet und gelangt zuletzt über den bewaldeten Berggrat zur Meldegg, 648 m(Wirtschaft), einem Felsvor- sprung dicht über dem steil abfallenden Rheintal. Obwohl dieser Punkt nicht gerade hoch liegt, gewährt er doch eine hervorragend schöne Umschau. Zu Füßen dehnt sich das breite, von hohen Bergen umrahmte Rheintal, aus dem der Strom wie ein Silberstreifen heraufschimmert. Rechts erblickt man den Säntis und Altmann, zwischen beiden im Vordergrund die Ebenalp, dann die wildgezackten Kreuz- berge, das Zwillingspaar Kamor und Hoher Kasten. Nun folgen die Schneeberge des oberen Rheintals: Gamsberg, Faulfirst, Alvier, Ringelspitze. Links vom Rhein erheben sich die dunklen massigen Dreischwestern, rechts dahinter Calanda und Monteluna; links von den Dreischwestern steigt die Rätikonkette auf mit Falknis(hinter dem kleinen Kummer- berg), Panülerschrofen, Scesaplana und Zimbaspitze. Nach links kommen noch einige Zacken der Vorarlberger Alpen herauf, besonders der Hohe Freschen, davor der Schlafende Ritter. Die Aussicht auf den Bodensee von Bregenz bis Friedrichshafen, die man schon vom Berggrat aus genossen hat, ist beim Gasthaus verdeckt, nur von dessen Veranda aus frei.— In der Wirtschaft ist ein ausführliches Panorama zu haben. Hinter dem Gasthaus folgt man dem Fußweg abwärts auf den nahen Weiler zu. Man überschreitet die Fahrstraße und setzt den Fußweg links abwärts fort(Wegw. St. Mar- grethen). Bald darauf geht man beim oberen Haus rechts (Wegw.) zwischen den Wiesen hin mit schönen Blicken auf den Bodensee, nachher in der Mulde vor den Höfen rechts hinab. Später folgt man der Straße abwärts, unterhalb der Wirtschaft Schäflisberg dem kürzenden Fußweg hinab nach dem anmutig gelegenen St. Margrethen, 406 m, 1950 Einw. (Linde, Ochse, Sonne, Europa). Auf dem Weg zum Bahn- hof durchquert man den Ort. In St. Margrethen(Zollstation) zweigt die Bahn nach Bregenz von der Rheintalbahn ab und II. Ausflüge in die Umgebung. 21. Walzenhausen-Meldegg-Rorschach. 157 kührt dem Fußacher Durchstich entlang quer über das breite Rheintal. Von St. Margrethen fährt man mit der Rheintalbahn über Rheineck nach Rorschach Hafenbahnhof! Näheres Nr. 2), dann zu Schiff direkt oder über Romanshorn(in beiden Fällen über die breiteste Stelle des Bodensees) nach Frie drichs- hafen, Näheres Nr. 1. ** * Die von Konstanz aus lohnenden Ausflüge erstrecken sich vorzugsweise auf die Seefahrten, wozu die zentrale Lage der Stadt an der Vereinigung des Ober-, Unter— und Uber- linger Sees wie geschaffen ist; die in Betracht kommenden Wanderungen(2z. B. Bodanhalbinsel, Hohentwiel und allen- falls die Ermatinger Schlösser) wurden bereits bei den Boden- seefahrten eingeflochten. * Auf diese Weise hat man den Bodensee und seine Um- gebung an den schönsten Orten kennen gelernt und wird in der Erinnerung gewiß mit Befriedigung auf das Schwäbische Meer zurückblicken, wohl auch den Wunsch hegen, diesen oder jenen Lieblingsort später in längerem Aufenthalt ge- nießen zu können. Ortsverzeichnis. Alploch 127 Altbodman 90 Altdorf 103. Altheiligenberg 97. Altstetten 153. Alttrauchburg114.115 Amalienhöhe 97. Annaschloß 40 Appenzell 138. 151 Arbon 42 Arenenberg 66 Argen, Burg 25 Argen, Fluß 25 118 Argenbrücke 117 Argenwasserfälle 118. Aschach 30 Ascher 143. 145 Aulendorf 104. Außer-Rhoden 139 Berg Isel 122 Berlingen 70. Bleichenweiher 117. 120 Bodenwald 90. Bodman S8S. 91. Bolsternang 113. 115 Bommenalp 143 Bregenz 32. 122 Brülisau 141 Buchhorn 22 Burg bei Großtobel 102 Burg bei Stein 71 Burgstein 154. Büsingen 74 Castel, Schloß 64. Dächtbühl 105. Diessenhofen 74. Dornbirn 126. Dürrenbach 111 411. Ebenalp 144 Ebratzhofen 120 Eistobel 119 Enzisweiler 32 Eriskirch 25 Ermatingen Eschenz 71 Escherstein 146 Eugensberg, Schloß 67 Feldbach 70 Fischbach 46 Flattbachweiher 102 Fluh 123 Frauenberg 91 Freudenberg 128 Freudenfels 70 Freundschaftshöhlen 97 Friedrichshafen 20 44 Fünfländerblick 40 Cäbris 151 Gaienhofen 70 Gais 151. 153 Gebhardsberg 36. 123. Gebhardshöhe 155 Gehrenberg 94 Georgskapelle 131. Gießbenses 128 Glariseg Gloggeren 147 Goldbach 56 Gottlieben 65. Grimmenstein 156 + Großholzleute 115.116. Grub 41. 132 Grünenbach 117 Gütle 126. Hagnau 46. Harbatshofen 120 Hard, Schloß 66 Heiden 1863 Heidenhöhlen Heil nberg 96. Schloß 46 gelesweiher 116. Hergatz 120 Hersberg, Schloß 46 Hochwacht(Reichen Au) 69. Hofen, Kloster: Hohenbregenz Hoheneéck 119 Hohenklingen 72 llohentwiel 80 Hoher Kasten 141 Hölle 102 Horn, Bad 42 Hoyerberg 31 Hoyern 31 Husenstein 63 Hüttenalp 147 Jakob, Waldhaus 57 Immenstaad 46 Inner-Rhoden 139 Isel, Berg 122 Isny 107. 108. 115. 117 120 Isny-Vorstadt 111 Kaien 41. 132. Kalvarienberg 102 Kamor 141 Kargeck 87 Katharinental 74. Kattenhorn 70. Kirchberg, Schloß 46 Kleinweiler 114. Klingenzell 70. Königseck, Schloß 68 Konstanz 58. 157 Kreßbronn 26 Landmark 152 Langenargen 25 Laufen, Schloß 77 Leustetten 95. Leutkirch 106 Liebenfels 70 Lindau 26 Lindenhof 26 Litzelstetten 86 Ludwigshafen a. B. 91 Luftschiffhalle 44 Luisenberg, Schloß 67 Lusthäuschen 90 Maierhöfen 116. 120 Mainau 49. 85 Mammern 70 Mannenbach 66 Manzell 44 Marbach, Schloss 70 Mariabe Marienschlucht 87 Markdorf 93 Meersburg 46 Meglisalp 145. 147 Meldegg 156 Mettnau 84 Mittelzell 67 Montfort, Schloss 25 39 39 Munot 75 Münster(Reichenau 67 Nellenbruck 113 Neuburg 70 Neuhausen am Rhein— fall 2. 7 Notkersèeck 134 Oberstaad 70 Oberzell 69. Ohningen 70. Othmarsruhe 88 Paradies, Kloster 74 Petershausen 61. Pfäfers, Bad 129 Pfäfers, Dorf 131. Ortsverzeichnis. Pfänder 123 Pirminsberg 131 Radolfzell 69. 83 Ragaz 127. 132 Rappenlochschlucht 126. Ravensburg 98 Rehetobel 133 Reichenau Rheineck Rheinfall Riedholz 118 Riedlepark 24 Riesentanne 114 Ringenberg 116 Romanshorn 43 Rorschach 38. 42. 132 157 Rorschacher Berg 41 ROh5bühl 40 Rotenbach 111 Ruppen 152 Salem 95 Salenstein 67 Sandegg 69 St. Antonikapelle St. Christina 102 St. Gallen 134 St. Margreèten 156 Säntis 148 Schachen, Bad 26. 32 Schaffhausen 74 Schletteralp 111. 116 Schönenbühl 155 Schopfeln 69 Schüttetobel 120 Schwarzer Grat 112 116 Schwende 145. 146 Séealpsèe 115. 146 150. Sennerbad 102 Sernatingen 92 Sieben Linden 97 Singen 79. Sipplingen 88 159 Sonder, Bad 138 Speicher 134 Staad 57 Staufensèe 126 Steckborn 70 Stéefansfeld 95 Stein am Rhein 71 Stoß 153 Stromeyerdorf 64 Tal, Dorf 155 i hlucht 130 133. 152 überlingen 51. 92 Uberlinger Sée 51 Unteruhldingen 51 Untersèe 65 Unterzell 68 Veitsburg 99. Vögelinseck 134 Wagenlucke 147 Wald 133 Waldburg 103 Waldfried 127. Waldhaus Jakob 57 Waldsèee 104. Wallhausen 87 Walzenhausen 155 Wangen i. A. 120 Wangen a. B. 70 Wartburg 67 Wartenstein 131 Wasseèerauen 145 Wasserburg 26 Weingarten 103. Weißbad 110. 142. 145. 150. Werd, Insel 71. Wildkirchli 143. Wolfsberg, Schloß 66 Wörth, Schloß 79. 146 Zeller See 65 Union Deutsche Verlagsgesellschalt in Stuttgart, Berlin, Leipzig llustrierte Movellen ung ErZühlungen. Jeder Bund in farhigem Umschlug. preis 1, 2 u3Hurk. In dieser beljebten Sammlung sind bisher erschienen: Fritz Döring, Die Rexe. Rermann Schöͤne, Theater-Bohéeme. „— Die Hette. Richard Skowronnek, Die Frau Sduard Sngel, Des Lebens ürfel⸗ Leutnant. Doppelband.(Preis ſpiel. 2 Mark.) Ludwig Fulda, Die Rochzeitsreiſe Rudolph Stratz, Du und ich. Die nach Rom. Geſchichte eines armen Offiziers. J. C. Reer, Der Spruch der Fee. Doppelband.(Preis 2 Mark.) Reinz von Remskerk, Die Gewitter⸗—„— Der Stern von Angora. tante.—„ Samum. Paul Reyſe, Der Schutzengel.—„— Vorbei. Eine Geſchichte aus Rans v. Kahlenberg, Die Schweizer Heidelberg Reiſe. Broſch. 3 M., eleg geb. 4M„— Die Rand der Fatme. 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