Der Bodenſee und ſeine Umgebung, ſowie dos Rheinthac von Rheineck bis zur Via malda. Hiſtoriſch⸗ topographiſch geſchildert von Hermann Frölich. ‚ Mit einem in Farbendruck ausgeführten Kärtchen des Bodenſee's ‚ und des Rheinthal's. Aeu- Ulm. J. W. Hel b'ſche Buchhandlung. 1871. y„„ù. und ſeine Amgebung, ſowie das Rheinthal von Rheineck bis zur Bia mala. Hiſtoriſch⸗ topographiſch geſchildert von Hermann Frölich. Mit einem in Farbendruck ausgeführten Kürtchen des Bodenſee's und des Rheinthal's. —— Y pp—Y———— Heu-AUllm. J. W. Helbeſche Buchhandlung. 1871. ligneten Neen d fin h Druck der J. W. Hel b'ſchen Buchdruckerei, Neu-Ulm. Vorwort. Das vorliegende Werkchen über den Bodenſee, ſeine Umgebung und das Rheinthal hat einen doppelten Zweck, nämlich den Freund der Natur mit den Schönheiten bekannt zu machen, welche ſo zahlreich über jene Gegenden ausgebreitet ſind, und dann ihm als Führer durch dieſelben zu dienen. Aus erſterem Grunde beſchränkte ich mich nicht auf eine bloſe topographiſche Aufzählung der intereſſanten Punkte, ſondern ſchilderte den landſchaftlichen Charakter derſelben, wohl mit wenig Worten, aber ſo genau, als möglich und zwar ſowohl nach eigener Anſchauung, als mit Benützung der beſten Schriften, in welchen dieſelben von Andern beſchrieben wurden. Eine bloſe Aufzählung der lokalen Merkwürdigkeiten und eine Wirthshausſtati⸗ ſtik wollte ich ebenfalls nicht geben und ſchaltete deßhalb an den ge— eigneten Oertlichkeiten auch geſchichtliche Notizen ein, was den gebil⸗ deten Reiſenden, die ein höheres Bedürfniß haben, nur erwünſcht ſein wird. Daß bereits eine ziemlich bedeutende Bodenſee-Literatur vor⸗ handen, iſt mir nicht unbekannt, allein dieſelbe leidet, mit wenigen Ausnahmen, an den oben angegebenen Fehlern, wozu noch kommt, daß ſie ſelten ein ſelbſtſtändiges, abgeſchloſſenes Ganzes bildet, ſon⸗ dern meiſtens in größeren Reiſehandbüchern zerſtreut, und deßhalb für diejenigen, welche nur den Bodenſee und ſeine Umgebung ſowie 348 eſuchen wollen, unpraktiſch Der Herr Verleger vorliegenden Werkchen ein bequemes Format gegeben und auch die übrige Ausſtattung, namentlich das beigegebene Kärtchen des Bodenſee's mit dem Rheinthal iſt wegen ſeiner genauen und geſchmackvollen Ausführung nur zu rühmen. Indem wir nun hoffen, daß unſer Werkchen recht vielen Wan⸗ derern ſowohl ein unterhaltender Begleiter, als auch ein kundiger Führer ſein. wodurch unſere Abſicht vollſtändig erreicht wäre, wollen wir uns dem freundlichen Leſer auf's Beſte empfohlen haben. Stüttgart, den 1 Juli 1870. 8„ I. Der Bodenſee. Anblick deſſelben zu den verſchiedenen Tageszeiten.— Gränze.— Lage.— Name.— Geſtalt.— Länge.— Breite.— Flächenin⸗ halt.— Umfang.— Ausdehnung.— Tiefe.— Temperatur.— Waſſerſtand.— Aufſteigen.— Sinken.— Farbe.— Einflüſſe.— Fläche.— Blühen.— Schießen.— Winde.— Grundgewelle.— Fliegen.— Klima.— Luftſpiegelungen.— Nebel.— Rauchen.— Dampfen.— Schifffahrt.— Fiſcherei.— Fauna.— Flora.— Geognoſie.— Geſchichte.— Häfen.— Dampfſchifffahrt.— Tra⸗ ject⸗Anſtalt.— Aufenthaltsorte und Aufenthaltszeit. Seite 1 bis 13. II. Die Umgebung des Bodenſee's und das Rheinthal. Orts-Verzeichniß. Allmannsdorf... Seite 98 Beblinigen 1 Alt Aſpermont 42 Bernang Alk⸗Bodmann 489 Bernegg 33 Alteftßhein Biezß Alt Hohenfelss Biköſtejnßnß Alt Siis„ Blaäßfen Altſtätten„„%„„, Apfeldeng. 833 Blüftennegg 8 Arbon ii Bodtann Arbftäbersz 13 Bodmen Atzffovs.„ Bonaduz„ jj Büiszsz Bueherfß:; Befidern:½i 55 Buchholz s Beißßß;ß;ß; 9 Biſchhoezßzßzßß Belgſteimmm;; Buchs 806 BA66V***RRR Biirgensnnn. Calanda bei Chur Canova. Chü Clarisegg 8 5 Conſtenzß; Dieſſenhofen. Enge Ginn Ermatingen Eſchennzz 5 Freudenberg Gallen Freudenberg, Schlo bei Ragatz. Frölich Se 90 93— Fürſtenau Fürſtenberg. Fuſſach Gaienhofen. Gaiſſau Gebhardsberg Goldach. Goldbach Gottlieben, Dorf Gottlieben, Schloß Gesoo Gravenreuthsruhe * Seite 116 36. 106 44 46 43 115 90 122 33 45 126 70 112 116 114 66 62 8 46 97 54 121 54 35 2¹ 25 79 141⁴ 111 35 52 18 Greifenſtein. Grimmenſtein Gundolzen.. Futtenberg. G Haldenhof Haldenſtein Härd, Dorf Hard, Schloß. Heerbrugg Hegne „ Heidenlöcher Heidenmauer Heiligenberg. Hemme nhofen Aaberg H Herſchb U9100 R Hohe Fluh hen⸗Bodmann hohenklingen hohenrhätien. Hohenwart. Hohe Randen Horn, Bad Horn, Dorf Doruftaad Kargeck Karolinenruhe 8 harinenthal Katte Rorn — 22 Wichberg K Klauſe bei Bregenz Klingenzell Kobelwies.. Seite 24 * 1 „ 42. 43 121 113 113 — — — σο Reuinge 22. 32 36 35 86 54 79. 80 lün 5 Mſt tls — 8 Kreuzlingen Landquart Langenargen Langwieſen Laufen(Schloß) Lauterach Lichtenſtein Liebenfels Lienz Lindau Lindenhof Löwenthal Lorettoberg Ludwigshafen. Luſtnau Luzienſteig Malans Malix Mammern. Manzell Marbach Mariaberg Maria⸗-Hilf Maſans Maſtrils Mayenfeld Meersburg Mehrerau Meinau Meldegg Mettnau Meks Mittelzell Molinära Monſtein Montfort, Schloß Mörſchwyl Mötteliſchloß Mühlethal Münſterlingen Seite Neuenburg bei Chur„ Neuhauſen bei Schaff— hauſen J. 97 42 70 122. 13 28 5 42 116 35 33 59 68 97 85 33 36 42 44 115 67 121 16 34 43 42 41¹ 73 53 98 23 103 48 104 42 11 16 126 98 42 Neu⸗Hohenfels Neu⸗Sins Nieder⸗Juvalta Nonnenhorn. Ober⸗Bargen Ober⸗Juvalta Oberraderach Oberriet Oberſtaad Oberſteinach Oberzell Oeningen Orteſfkein Paradies bei Conſtanz Paradies bei Schaff⸗ hauſen. Paspels Petershauſen Pfäfers, Bad Pfäfers, Kloſter Pfänder Radolfzell Raefis Ragatz Rankweil Rebſtein. Reichenau, Inſel Reichenau, Schloß Rhäzüns Rheinau. Rheindorf Rheineck Rheinfall Rheinſpitze Rheinthal Rieden Rießegg Rohrſpitze Romanshorn Rongella Rorſchach Roſenburg Rotels eite 87 7 . 46 45 60 126 45 69 33. 1419 17 106 119 45 96 122 46 96 2 0 103 129 32 33 21. 127 21 32 54 21 3 47 1 3¹ 46 48 3. 34 32 Rothenbrunnen Rülti Ruch-Aſy bermont Rüthi Salem Salenſtein Salez Salmannsweil Sandegg Sargans Sbe Annaſchloß St. Fiden St. Gallen St. Joh Schaan Schachen Schaffhauſen Schäfflisberg Schlatt Schopfeln Seemoos Schwedi Seewald Sennwald Sernatingen Sevelen Singen Sonneberg Spechtshardt Staad Stazerhorn Steckborn Stein am Rhein Steinacherburg Steinachſchlucht Steinerner Tiſch 00 ο ο N Sο”t ι — — * S 0 8 0 O ann⸗Höchſt St. Margarethen St. Pirminsberg. St. Scholaſtika St. Valentinsberg — S ◻ν⏑e S D —— —— Sν= ◻ ο σ * Stockach. Tabor Thal Thuſis Trimmis Trübbach Tübach Ueberlingen Ueberſachſen Unnoth Unter⸗ Goldach Unterraderach Unterſteinach Unterzell Vaädißßsß Via mala Villa Allwinden Villa Amſee Villa Leuchtenberg Villa Seefeld Vilters Walzenhauſen Wangen Wangs Wartau Wartegg Wartenſee Wartenſtein Waſſerburg Weinburg Weinſtein Werdenberg Wiggen Wolfsberg Wolkenſtein Wörd, im Wörth Wyneck Zizers 85 41¹ 35 46 42 36 25 76 30 52 16 69 I 106 36 45 5 55 55 83 37 3 22, 121 37 317 30 20 20 40 60 24 34 36 24 113 149 11¹ 128 42 42 Nrrſli rlicen lb nit den Veſſenbe ſndenn aut Mnm ſtden ihres ß Wahn Uenn wn fänn Afhictl lice lemen 10 5 1 ſöche 1 Tuhe, 00l ſ0 Her Sodenſee. Euch grüß' ich, Uferfächer Des Bo denſee's, entzückt. Wie einen Freudenbecher Hat euch Natur geſchmückt. Gleich Hesperiden blühend, Lacht euer Zauberkreis, Im Schmelz der Farben glühend, Die Stirn im Gletſchereis. Wohl manchen See's Geſtade, Die Höh'n um manche Bucht, An manchem Strom die Pfade Hab ich mit Luſt beſucht; Doch, gleich dem Morgenfterne, Der ſtets erfreut den Blick, Zog mich dein Bild von Ferne O See! zu dir zurück. Wir können unſere Schilderung des reizenden See's und ſeiner herrlichen Umgebung mit keinen bezeichnenderen Worten beginnen, als mit den obigen des verewigten edlen Prälaten Freiherrn von Weſſenberg, welcher die Naturſchönheiten, nicht nur des See's, ſondern auch der Schweiz in mehreren ſeiner Gedichte ſo lebendig und warm beſungen hat. Wohl Viele, die ſchon an den lieblichen Ufergeſtaden weilten, haben dieſe Gefühle gewiß auch im Innerſten ihres Herzens mitempfunden, und werden es uns zu Danke wiſſen, wenn wir dieſe angenehme Erinnerungen wieder in ihr Gedächtniß zurückrufen. Diejenigen aber, welche die an Naturſchönheiten und geſchichtlichen Erinnerungen ſo reiche Bodenſee-Gegend erſt kennen zu lernen wünſchen, wollen wir im Voraus ſowohl mit den intereſ⸗ ſanteſten Punkten, als auch mit den wichtigſten Momenten ihrer Geſchichte und den noch vorhandenen Denkmalen derſelben bekannt machen, wodurch wir hoffen, ihnen einen doppelten Genuß bei ihren Beſuchen jener Gegend bereiten zu können. 1 *3 ſit den fef 0 Wir begeben uns mit dem fliegenden Dampfroß nach Fried richshafen. Schon ehe wir daſſelbe erreichen, erblicken wir ober⸗ Miiteiten halb des Städtchens den blaugrünen Spiegel des Boden-Sees, FE illicher“ umgürtet von den ſchneeigen Rieſen der ſchweizeriſchen Bergkette vor“ uns ausgebreitet, von welchen namentlich der Säntis ſein fürſtliches icen R. Haupt auf ſchroffen Felſenwänden erhebt. Nach wenigen Augenblicken 8 Gkrheift. ſind wir im Orte ſelbſt angekommen und nachdem wir den Bahnhofs verlaſſen, eilen wir, in einem der zahlreichen guten und comfortabeln l duen Werſſee. Gaſthöfe ein Unterkommen zu finden, um von hier, als unſerem Standquartier, die Wanderung um den See anzutreten. Von Friedrichshafen aus ſtellt ſich uns der Bodenſee am groß⸗ fe⸗ Vonn artigſten dar, während bei Conſtanz und Bregenz die Ufer mehr üln Pot. zuſammenrücken. Wahrhaft prachtvoll aber iſt der Anblick des lühiun. Ufergeländes bei dem Sonnen- Auf- oder Untergang, denn dann Eille R05 ziehen über die Höhen und Tiefen deſſelben wunderbare Lichter hin. Ar nchue Morgens zittern am Ende des blauen, ſanſt ſich hinunterwölbenden 10 Wön. Waſſerſpiegels die Thürme von Conſtanz wie frei über dem Waſſerſ Eidt ſchwebend vor unſerm Auge; des Mittags kleiden ſich die Berge/ mudel, je ſchöner und heller das Wetter iſt, in einen deſto zarteren und ibeneym ſchmelzenderen, aus Licht und Duft gewobenen Mantel über den grünen f iche Geländen und altersgrauen Schweizerbergen mit den ſpärlichen Silberſ Maſe ſcheitln. Abends dann ſieht man wie die Bregenzer Berge allen. Aud Schein und Wiederſchein des purpurrothen Feuerballs der Sonne il Wflbaß, ihrem weiten Buſen ſammeln, um vom Gebhards-Kirchlein bis hinauf We beut zur letzten Sennhütte in Licht und Glanz zu ſtrahlen, und dei) See gn Nachts zeigt ſich der Abendſtern und glänzt mit ſeinem klaren Juezun Lichte zwiſchen den beiden Thürmen der Schloßkirche von Friedrichs, libet, J hafen wie lauter Gottesfriede hindurch. Wenn dann zuletzt noch der lchen Unt Vollmond ſein ſanftes Silberlicht von Langenargen den See hinal ud in die glitzernde Straße ziehen läßt, und das Funkengewimmel, aus den Nalßze dieſer ſtille und doch ruhelos bewegte Seeweg beſteht, immer als lüchet de neues Funkenmeer links auftaucht und rechts in die dämmernde Der Fläche verſinkt, ſo haben wir ein über alle Beſchreibung ſchönerſ ug Jur idylliſches Bild des Bodenſee's. Aulhäct Der See ruht zwiſchen 5 Ländern germaniſcher Zunge und bil/ von W det das freundliche Vermittlungsglied von Deutſchland und dei füfte B Schweiz. Er gränzt nämlich an einen Kaiſerſtaat, Oeſterreich, a Jläthen zwei Königreiche, Bayern und Württemberg, an ein Großherzogthum in Unf Baden und an zwei Kantone der ſchweizeriſchen Eidgenoſſenſchaftl, Aiß St. Gallen und Thurgau. Dieſe Länder umgeben den See unz Alieh haben gemeinſame Anſprüche auf ſeinen Waſſerreichthum. Dreſ vißetg größere Inſeln, ſämmtlich bewohnt und durch Brücken oder Dämm e ſiht, U ennet hi Ftich mit dem feſten Land verbunden, liegen in dem See und zwar; die u Reichenau, Meinau und die Stadt Lindau. Der Bodenſee liegt zwiſchen dem 26“ 42“42“ und 4724“56“ öſtlicher Länge und zwiſchen dem 47 28“ 32“ und 47 48“45“ nörd⸗ licher Breite. Sein älteſter Name iſt lacus Brigantinus, Bregen⸗ zer⸗See, wie noch jetzt der von Lindau bis Bregenz ſich erſtreckende See heißt. Die uralte Stadt der Vindelicier Brigantium, Brigan- un tia, Bracantia, gab dem See den Namen, aber wohl nur dem Oberſee. Im 9. Jahrhundert führte der See einen andern Na⸗ men; er hieß im Jahre 890 lacus Podamicus, potamicus, Bodam⸗ ſee, Bodmerſee, Bodenſee und noch weit früher lag an dem See eine „ villa Potamum, Bodoma, ja ſchon im Jahre 839 eine fränkiſche Pfalz, Ue palatium Podamicum. Auch ſoll bereits im 7. Jahrhundert an der ½v Stelle des jetzigen Bodmann eine Stadt Bodung geſtanden haben. Wir nehmen nun an, daß wie der Oberſee von der Stadt Brigan⸗ Inagtia den Namen erhielt, der Bodenſee, auch Ueberlingerſee von der Stadt Ueberlingen genannt, von Bodungo oder Bodam benannt I worden, und im Laufe der Zeit dieſer Name auf den ganzen See übergegangen iſt. In gleicher Weiſe heißt der Unterſee von der In⸗ ſel Reichenau in einer Urkunde vom Jahre 1155 lacus Augiensis, Auerſee. Andere Namen des Bodenſee's haften an einzelnen Theilen deſſelben; den oberen Theil bei Bregenz und Lindau nennt man, „wie bereits erwähnt, den Bregenzer-See, auch Conſtanzer See genannt, er iſt der eigentliche Bodenſee, deſſen ununterbrochene „Fortſetzung der Ueberlinger⸗See mit der ſchönen Inſel Meinau bildet. Der Unterſeetheilt ſichdann ebenfalls wieder in den eigent⸗ lichen Unterſee, die Gegend, wo die liebliche Inſel Reichenau liegt, und in den Zeller-⸗See von der an ihm liegenden badiſchen Stadt Radolfszell ſo genannt. Beide, den Unter- und den Oberſee ver⸗ bindet der durch dieſelben ſtrömende Rhein. Der See hat eine längliche Geſtalt und dehnt ſich von Südoſt nach Nordoſt in einem großen Bogen, der nach Norden zu etwas ausweicht, in einer herrlichen Waſſerfläche aus. Seine größte Länge von Bregenz nach Ludwigshafen beträgt 17 Stunden und ſeine größte Breite von Friedrichshafen nach Rorſchach 5 Stunden. Sein Flächeninhalt belauft ſich auf 9½ Quadratmeilen und ſein gan⸗ zer Umfang auf 26 Meilen. Daß übrigens der See zu den Zeiten der Römer eine größere Ausdehnung gehabt habe, als gegenwärtig, können wir mit Ge⸗ wißheit annehmen. Namentlich ſtand der größte Theil jenes Thal⸗ bodens, welcher ſich an den See anſchließt und den Namen Höhgau oder führt, noch zur Zeit des römiſchen Geſchichtsſchreibers Ammianus 1* ˖ it des 5 iſt mit gyn dn unter Waſſer. Auch die Beſchaffenheit des Bodens, der meiſt mit auen du. Gerölle bedeck iſt, ſowie die beiden kleinen Seen, der Wendelſee bei ſhule Sin Möckingen und der bei Binningen, ſprechen dafür, denn man kann chelnd ei ſolche wohl als Ueberreſte der größeren Waſſerfluth betrachten, die un Genfer ſich nach und nach verlief. Auch die Volksſage ſteht hiemit in Ver⸗ bindung, daß in früheſter Zeit der Rhein einen ganz andern Lauf gehabt habe. Er ſoll ſtatt auf der ſüdlichen Seite des Schienerber⸗ ges, auf der nördlichen hin über das ſogenannte Ried, wo die Aach bei Radolfszell mündet, geſtrömt ſein, und ſomit hätte ſich damals ſein Ausfluß mehr über das Höhgau, als den Schweizerboden ver— breitet. Dieſe Veränderung geſchah in jener uralten Erdrevolution, wo durch eine gewaltige Gährung im Innern der Erde die Bergke⸗ gel des Höhgaus emporgetrieben wurden, deren Geſtalt und Forma⸗ tion deutlich ihre vulkaniſche Entſtehung beurkundet. Durch dieſe Eruption wurde der Rhein mehr nach Süden gedrängt, wo er jetzt fließt und dieſe vulkaniſchen Berge beherrſchten von nun an das Land, welches ſie durch eigene Thätigkeit trocken gelegt hatten. Die Tiefe des See's iſt ſehr verſchieden; zwiſchen Friedrichs⸗ hafen und Arbon erreicht er ſeine größte Tiefe mit 964 württemb. Fuß; zwiſchen Langenargen und Rorſchach beträgt ſie 693 Fuß, bei Meersburg und Staad 573 Fuß; dagegen bei Mehrerau und in der Nähe von Bregenz nur 201 Fuß; ja zwiſchen Reichenau und Woll— matingen kann man zu gewiſſen Zeiten trockenen Fußes hin- und hergehen⸗ In dieſen verſchiedenen Tiefenverhältniſſen liegt auch der Grund, warum der Oberſee ſelten, der Ueberlingerſee hingegen beinahe jedes Jahr zugefriert. Der ganze See aber iſt ſeit vier Jahrhunderten nur fünfmal zugefroren. Im Jahre 1695 hielt man zu Arbon ein Frei⸗ ſchießen auf dem zugefrorenen See. Das letztemal fror der See im Winter von 1829 auf 1830 zu; blos in der Mitte, wo die größte Tiefe ſich befindet, blieb ein kleiner Kreis offen, worin die Eisdecke nicht verſchloſſen war, ſondern nur unverbundene Eismaſſen ſich herumtrieben. Ein kühner, ritterlicher Anwohner am See, der Freiherr von Laßberg, fuhr damals bei Mondenſchein mit 2 Rappen von Immenſtaad aus über den See und wieder zurück. Die Temperatur des Waſſers im Sommer iſt an der Ober⸗ fläche gewöhnlich 17 R., in einer Tiefe von 370 Fuß dagegen nur 4˙ R. Der Waſſerſtand des See's iſt in den Monaten Juni und Juli, während der Schnee in den Alpen ſchmilzt am höchſten; er ſteigt dann oft in wenigen Tagen um mehrere Fuß, in ſehr ſeltenen Fällen bis 12 Fuß. Anfangs des Winters iſt er am niederſten. Eine eigenthümliche Erſcheinung hat der Bodenſee mit dem Genferſee gemein; es iſt das plötzliche Aufſtei gen des Waſſers Vodenſe⸗. W4b 1 Haulch⸗gei Lullen we guße Ette den Maſer nihtt den Den ſich unteth ihn erzieft luch Rord ſee und Mamünde Vodenſees Gee don die Juut münden i, Uunaler⸗ eließen Addlft A55 ſuch in d ſche; ſhhint uf lönnte. In ſif fine luube, d WRin einey fet Das ein e„ſ unn die iin der üte ſun ſe M Mäfihe * — 5—— gegen das Ufer ohne Vergrößerung der Waſſermaſſe, und das ebenſo ſchnelle Sinken ohne Sturm oder ſonſtige Veranlaßung, welches ab⸗ wechſelnd eine Zeitlang ſo fortfährt; man heißt es hier Ruhß, auf dem Genferſee Seiches; es bildet gleichſam die Ebbe und Fluth des Bodenſee's. Das Waſſer ſelbſt iſt in der Regel klar und hat eine ſchöne bläulich-grüne, jedoch nach Beſchaffenheit des Himmels und der Wolken wechſelnde Farbe, wie denn überhaupt auf weiten Flächen große Strecken eine ganz andere Farbe haben, als die ſie umgeben⸗ den Waſſer. Gerade aber dieſer Farbenwechſel des Seewaſſers ge— währt dem aufmerkſamen Beobachter ſtets einen eigenthümlichen Reiz. e die Den Hauptzufluß in den Bodenſee bildet der Rhein, der nſich unterhalb Rheineck bei Altenrhein mit einer breiten Mündung in ihn ergießt. Er durchſtrömt den See in gerader Richtung von Südoſt nach Nordweſt, bildet bei Conſtanz durch ſeinen Ausfluß den Unter⸗ ſee und ſetzt bei Stein ſeinen Lauf fort. Bei ſeinem Ein⸗ und Ausmünden unterſcheidet man deutlich ſein Waſſer von dem des Bodenſee's an der Farbe. Außer dem Rhein ergießen ſich in den See von Südoſt kommend: die Dornbirner-Aach, die Bregenzer⸗Aach, 6die Lauterach, die Goldach und die Steinach. Von Norden her münden in den Oberſee: die Laiblach, die Argen, die Schuſſen, die Urnauer- und die Seefelder-Aach. Die Stockach und die Goldach“ ergießen ſich in den Ueberlinger⸗See und die forellenreiche Aach bei Radolfszell in den Unterſee. 0 Als eine völlig ruhige Spiegelfläche iſt der See, ſo häufig 1auch in dieſer Gegend klarer Himmel und ſtilles Wetter iſt, faſt nie uun zu ſehen; immer gibt es Streifen, wo ein kleiner Wellenzug zu ſein „e ſcheint und wobei an unterirdiſche Ströme und Winde gedacht werden könnte. ö Im Frühjahr„blüht“ der See, d. h. man trifft oft weit innen wauf ſeiner Oberfläche ſchwimmende Inſeln von ſchwefelgelbem Blüthen⸗ ſtaube, den wohl der Wind von den am Ufer wachſenden Obſt⸗ und „wWaldbäumen hergetrieben, und der ſich ſammelt, wenn er einmal an u, einen feſten Anhaltspunkt gefunden hat. Oft hört man auch ein eigenthümliches Getöſe unter dem Waſſer, das einem fernen Kanonendonner gleicht und man ſagt dann der See„ſchieße.“ Dieſes Seeſchießen läßt ſich beſonders oft hören, lül wenn die Winde, wie die Umwohner ſie nennen, unfehlbare Vorbo⸗ An, ten der Stürme, ſich zeigen. Wahrſcheinlich fallen Felſenmaſſen von ſölhe, den unterirdiſchen Höhen des See's in die Tiefe und bilden ſo gleich⸗ ſam die Lawinen deſſelben. 7 10 Merkwürdig ſind auch, beſonders auf dem Oberſee, die regel⸗ ue mäßigen Winde; an heiteren Sommertagen weht gewöhnlich von und in u und Nll 63 hin⸗ Un 9 Uhr Morgens bis 4 Uhr Mittags der„Wetterwind“, welcher vom Mittelpunkt des See's auszugehen ſcheint, ſich in Friedrichshafen als nahezu Weſtwind, an dem thurgauer Ufer aber als Oſtwind ge⸗ ſtaltet. Gegen Abend tritt dann auf der nordöſtlichen Hälfte der „kalte Föhn“ ein, der Oſtwind, welcher auch morgens früh bei Bregenz und Lindau bis zu der Mündung der Argen hin zu we⸗ hen pflegt. Der Nordwind,„helle Luft“ genannt, macht gutes Wetter, wenn er bis in die Nacht hinein weht, alſo ſich nicht ſchon bei Tage legt. Dieſe regelmäßigen Winde dienen dazu, mit Hilfe der Segel ſchiffe bedeutende Laſten über den See zu führen. Der gefährlichſte Wind auf dem See aber iſt der Föhn. Sein Kommen verkündet ein röthlicher Schein auf den Alpen. Er ſtürzt ſich als heftiger Südwind mit furchtbarer Gewalt aus den Alpen durch das Rheinthal auf die Bodenſeefläche, deren Gewelle, Grund— gewelle genannt, dann ſehr gefährlich iſt. Letzteres entſteht, wenn eine große Waſſermaſſe durch die Gewalt des Föhnſturmes in die Ueberlinger Bucht geſchaltet und wieder zurückgetrieben wird. Nächſt dem Föhn kann auch der Nordweſt, ſowie der Oſtwind Gefahr brin— gen, doch hat ein Sturm auf dem See ſtets ſeine Vorboten, näm⸗ lich einen weißgrauen Nebel, Brähme genannt, welchem eine dick— ſchwarze Wolke folgt. Im Frühjahr gewährt der See oft auch einen furchtbar ſchönen Anblick wenn er„fliegt“, d. i. wenn die Wellen ſich überſtürzen und ihre Schaumkronen in Geſtalt breiter, weißer Bänke über die mächtig wogende, dunkelgrüne Waſſerfläche ſtäuben. Dieſe Erſchei— nung findet beſonders häufig bei Oſtſtürmen ſtatt, welche manchmal ſo heftig ſind, daß ſie kaum von dem Föhn übertroffen werden, Kein Segelſchiff dürfte ſich bei ſolchem Wetter hinauswagen, demn das ſtärkſte Segel würde bald in Fetzen zerriſſen werden und auch die Dampfſchiffe müſſen dann ihre Fahrten unterbrechen. And guc 5 5 3 Moß Das Klima am Bodenſee iſt im Allgemeinen ein geſundes zu. nennen, und es iſt kein Ort und keine Gegend an demſelben be— n lite kannt, welche durch epidemiſche Krankheiten verdächtig oder gefährlich in geworden wäre. Von den beiden Ufern hat das ſchwäbiſche ein ziemlich milderes Klima als das ſchweizeriſche, was jedoch von den in der Nähe des letzteren ſich befindlichen Hochgebirgen herrühren mag. Luftſpiegelungen des See's gehören zu den größten Selten⸗ heiten und ſcheinen nur nach einem ſehr raſchen und auffallenden Temperaturwechſel vorzukommen; in dieſem Falle treiben ſie ihr R0 neckiſches Spiel nicht nur unmittelbar auf dem Waſſerſpiegel, ſondernf 1f auch über demſelben. 5 u Eine große und zwar unangenehme Rolle ſpielen dagegen die häufigen Nebel, ferner das Rauchen und eigenthümliche Dam⸗ pfen des See's. Schon von Alters her bildeten die Schifffahrt und Fiſcherei die Hauptnahrungszweige auf und an dem Bodenſee. Der Verkehr von einem Seeufer zum andern wurde durch Segelſchiffe von mittlerer Größe, Lädinen genannt, ſowie durch kleinere die man Segner hieß, betrieben; auch gab es Halblä⸗ dinen und Halbſegner. Seit Einführung der Dampfboote im Jahre 1824 hat jedoch die Segelſchifffahrt ſehr abgenommen, wie denn auch nur noch in Lindau eine größere Schiffergeſellſchaft ſich befindet. Den Fiſchfang auf dem Bodenſee betrieben ſchon ſeit den früheſten Zeiten ebenfalls die Bürger von Lindau am thätigſten. Sie übten den Zunftzwang über die Fiſcherei am obern Theile des See's und ſchrieben allgemeine Fiſchertage aus, worauf beſtimmt wurde, zu welcher Zeit und nach welcher Art die Fiſcherei ausgeübt werden ſolle. Allein dieſe Lindauiſchen Vorrechte verſchwanden nach und nach und gingen zum Nachtheil der Fiſcherei endlich ganz ein. Jetzt richten ſich die Fiſcher nach den Verträgen, welche ſie mit ortsobrig⸗ keitlicher Bekräftigung in ihren Seebezirken errichtet haben, aber auch dieſe werden nicht ganz gehalten und man kann überhaupt ſa⸗ gen, daß die Fiſcherei ziemlich frei iſt. Die Fiſche werden mit verſchiedenen Werkzeugen gefangen. Um die größten Fiſcharten zu bekommen, wird die Legangel in die Tiefe des See's geſetzt. Zum Fang der Gangfiſche, Hechte, Forel⸗ len u. dgl. benützt man das Gangfiſchgarn, auch Watte oder Wolf genannt. Für Hechte, Brachſen u. ſ. w. braucht man das Laufergarn oder das Setznetz; fahndet man aber nach großen Karpfen, Rheinlanken und Hechten, ſo dient hiezu das Strickgarn und auch das Klettergarn. Bedeutend iſt die Fiſcherei beſonders in der Nähe von Conſtanz, im Unterſee und am Schweizerufer, weil hier das Waſſer durch den Weſtwind weniger beunruhigt wird. Einige dort gewonnene Fiſcharten, namentlich der Gangfiſch, werden geräuchert oder marinirt in Tönnchen weithin verſandt. Die Romanshorner legen ſich ebenfalls fleißig auf den Fiſchfang und auch Langenargen hat eine gute Lage für denſelben. Friedrichshafen iſt in dieſer Beziehung nicht ſo günſtig bedacht, obgleich zu Zeiten ſchon viele Centner Weißfiſche auf Einen Zug gefangen wurden. Der Bodenſee iſt äußerſt fiſchreich; er beherbergt in ſeiner Tiefe 26 Gattungen von Fiſchen und 20 von Schaalthieren. Auch hauſen auf ihm und an ſeinen Ufern 96 Arten von Waſſer⸗, Strand⸗ und Sumpfvögel; dazu kommen noch zur ſtrengen Winterszeit landesfremde Beſuche aus dem hohen Norden oder aus den benachbarten Hochgebirgen. So hielten ſich im Jahr 1833 meh— rere Lämmergeier im Argenthale auf und auch der Steinadler hat ſich ſchon an das Uferland des Bodenſee's verirrt. Die Flora des Bodenſee's ſteht im Oſten und Südoſten mit derjenigen der Vorarlberger- und Schweizeralpen, im Norden mit jener von Oberſchwaben und im Weſten mit der des ſchwäbiſchen Jura's in unmittelbarem Zuſammenhange. Im Allgemeinen läßt ſich das Pflanzenreich in drei nebeneinander liegende Regionen trennen, von welchen jede ihre beſonders durch die Bodenverhältniſſe bedingte Eigenthümlichkeiten beſitzt, nämlich in die Region des Rheinthals, durch viele Alpenflüchtlinge und ſeltenere Kalkpflanzen ausgezeichnet; in die Region des eigentlichen Bodenſeebeckens, ebenfalls durch einzelne Alpenpflanzen und durch Sumpfpflanzen bezeichnet und in die Region des Höhgau's, welche ihre ſeltenſten Erzeugniſſe mit dem Jura theilt. Ein eigenthümliches Gewächs des See's iſt auch eine Schwammart, das ſogen. Fiſchbrod, das nur auf dem tiefen Grunde gefunden und durch Stürme an das Ufer des Waſſers geworfen werden ſoll. In Beziehung auf Geognoſie des Bodenſee-Beckens, deſſen Grund tiefer liegt, als die tiefſten Gegenden des württembergiſchen Unterlandes, iſt noch folgendes zu bemerken: Das ganze Seebecken mit den Alpen und den nächſten ſchweizeriſchen Gebirgen iſt das Er⸗ gebniß eines der ſpäteſten Ereigniſſe jener Zeit, in welcher die ele— mentariſchen Mächte in übergewaltigem Ringen das telluriſche Gleich— gewicht herzuſtellen bemüht waren. Im Verlaufe dieſes Kampfes ſcheinen ungeheure Alpentrümmer zermalmt und von der Fluth zu Thale geſchwemmt ſich über die ganze Gegend ausgebreitet zu haben. Sämmtliches Land, vom Gebirgsſtock des hohen Säntis bis zum See, und von da bis zu dem großen Randengebirge iſt von neuer Formation. Wir finden bei dem ſolchergeſtalt angeſchwemmten Lande unter der oberſten Dammerde überall Rollſteine, Gerölle, Kies, in deſſen Schichten ſich häufig Granit- und Syenitblöcke als Findlinge zeigen. Hierauf folgt Nagelflue von verſchiedener Härte und Dichtig— keit, oft 40 bis 60 Fuß mächtig, und zuletzt kommt der Sand, die mächtigſte aller Schichtungen, welcher an manchen Orten wie bei Meersburg, Ueberlingen u. ſ. w. in feinkörnigen, haubaren Sandſtein übergeht, oder zum dichteren Sandfels erhärtet, wie bei Bregenz. In dieſer bei 100 und mehr Fuß ſich abſtufenden Schichte kommen häufig Braunkohlen, oft auch Goldſand vor. Das Ganze ruht zuletzt auf einem mächtigen Lager von Thon, der an vielen Stellen unmit— telbar den Grund des See's bildet und der ſich an einigen Orten, wie bei Oenningen bis zum Thonſchiefer verdichtet und verhärtet, it welhe Vleer. Jiter, liche Iu hedeutend deulſcher Gelutt. den Vin Jus und hundettz tius 6 Conſtarz Wllitier Gegend tͤch ſit Bihn.“ nd iht Moten Addeſfee Klöter! ch all Uunleß Hullure Uun Jul ſchen f. litheitt, Wiheng ſaliſ 0 Oalone h und He enaß Hundl, üö hi fin f Jun Ilhar Rihtz in welchem man die bekannten Fiſch- und Pflanzenabdrücke und zahlreiche Verſteinerungen findet. In der Geſchichte nimmt das Uferland des Bodenſee's eine bedeutende Stelle ein. An ſeinen Geſtaden liegt ein Spiegelbild deutſcher Volks- und Kulturgeſchichte im Kleinen und zwar ſo voll— ſtändig, wie in den Schickſalen größerer Länder. Den Römern wurde der See ſchon 58 Jahre vor Chriſti Geburt bekannt und ſie beherrſchten die ganze Umgegend bis zum Jahr 268 nach Chriſti Geburt. Hier kämpften ſie mit den Tigurinern, Rhätiern und den Vindeliciern; hier ertönten die weltbekannten Namen Dru— ſus und Tiberius. Nach ihnen kamen am Ende des 3. Jahr— hunderts die Alemannen und mit ihnen die Sueven; Conſtan⸗ tius Chlorus ſtritt gegen ſie und noch heute hat die Stadt Conſtanz ihren Namen von ihm. Dann ſtießen hier in wilden Stürmen Völker aus allen Richtungen aufeinander, Alemanen, Sueven, Vin— delicier und Franken, welch' letztere vom Jahr 500 bis 800 die Gegend beherrſchten. Unter Chlodwig, Klothar und Dagobert brach ſich nun neben Geſetz und Ordnung auch das Chriſtenthum die Bahn. Die Apoſtel Fridolin, Gallus, Willimar, Columban ſh und ihre Genoſſen Mang, Placidus, Siegmar und andere Boten des Evangeliums verbreiteten ihre Lehre von den Ufern des Bodenſee's in die wilden Wald- und Gebirgsthäler rings umher. Es erhoben ſich auf der Stelle der alten römiſchen und rhätiſchen Städte „Klöſter und Schulen des neuen Glaubens. Neben denſelben erſtanden auch allmälig Schlöſſer und Burgen an ſchönen und hoch gelegenen Punkten, und in dieſe Wohnſtätten tapferer Herren zog Geſittung und Kultur ein und verbreitete ſich unter den Karolingern, welche vom Jahr 800 bis 900 herrſchten, in immer größeren Kreiſen. Wir ſehen Karl den Großen in Conſtanz, wo er Freiheiten aller Art ertheilt. Die Blüthe gelehrter Bildung keimte beſonders in der Abtei Reichenau, in welcher Kaiſer Karl der Dicke ſein Grab fand. Später, vom Jahr 900 bis 1150, ſtand der Bodenſee unter dem ſaliſchen und ſächſiſchen Hauſe und es wird der Biſchof Salomo IIl. von Conſtanz als derjenige genannt, der mit den königlichen Kammerboten in Alemanien, den Brüdern Erchanger und Berthold den erſten Streit anfing. Auch die ſchöne Sage von Herzog Ernſt von Schwaben, die eine ſo blutige geſchichtliche Grundlage hat, fiel hier vor, ſowie nachher der Bodenſee im Jahr 1125 bis 1130 Zeuge der Ghibellinen und Welfenfehden ſein mußte. Nun kamen die hohenſtaufiſchen Zeiten und Kaiſer Friederich Barbaroſſa hielt Tag mit den verſammelten Fürſten in ſeines Reiches freier Stadt Conſtanz und ſchloß im Jahr 1183 den denk⸗ würdigen Frieden daſelbſt. Im Schloſſe zu Arbon ſagte der unglück⸗ liche Conradin, der letzte Hohenſtaufe, vor ſeinem verhängnißvollen Zuge nach Italien ſeinem deutſchen Vaterlande Lebewohl. Unter den Hohenſtaufen bildeten ſich die Städte aus, und eine Menge Burgen ſpiegelten ſich wie Adlerneſter in den Fluthen des See's, deren Beſitzer in dieſer Zeit vielfach als Meif nger, glänzten, worauf eine ruhigere Zeit unter Rudolf von Habsburg und ſeinem Sohne Albrecht folgte. Im 14. Jahrhundert kämpfte der Bürger mit den Adeligen um ſeine angeſtammten Rechte; die Städte erhoben ſich und vertrieben die Patrizier. Der Adel wurde gedemüthiget und ſein Glanz ging zu Ende; es war dieß die Zeit der Appenzeller Siege. Zwiſchen, dieſe Kämpfe ſchiebt ſich der traurigſte Akt des wüthendſten Fanatismus, denn Johannes Huß und Hieronimus von Prag ſterben auf dem Scheiterhaufen. Allein dieſem Verbrechen entkeimt hundert Jahre ſpäter die Glaubensfreiheit, die ſich raſch am Bodenſeegeſtade entwickelte, denn es berührte die Reformationszeit und in ihr beſonders der Bauernkrieg die Ufer des Bodenſee's; N585 von ihm ging das Manifeſt der Bauern, die bekannten 12 Artikel e der Bauernſchaft, aus. Im 17, Jahrhundert tobte der 30jährige— Krieg mit entſetzlicher Wuth am hieſigen Geſtade und zweimal kamen die Schweden hieher; ſogar kriegeriſche Flotten durchfurchten 1 den See. Der Schluß des letzten Jahrhunderts und der Anfang 5 des jetzigen, wo viel Altes verſchwand und ſich dagegen Neues und Gutes geſtaltete, erſchütterte zwar oft in ſehr fühlbaren Schlägen die. Orte des Seeufers, förderte aber Wohlſtand und Bildung. 5 46 6 haben in dieſem kurzen geſchichtlichen Abriß kaum das 8 Wichtigſte erwähnt, und müſſen daher bemerken, daß ſich die Geſchichte. des Bodenſees vorzugsweiſe an die hervorragendſten Uferorte deſſelben 4 knüpft. Da wir nun bei unſerer Wanderung in dieſelben noch manches Mal den Blick in ihre Vergangenheit ſchweifen laſſen müſſen, 30 ſo wollen wir mit dem Gegebenen den Ueberb ſchließen. u. Was die Seehäfen betrifft, ſo beſitzt Friedrichshafen wohl den Rauc bequemſten und beſten Hafen, der im Jahr 1862 noch durch die mellm Erbauung eines neuen ſteinernen Hafendammes und ſteinerner Ring⸗ mauern als Eindämmung bedeutend verbeſſert wurde; er hat einen hübſchen Leuchtthurm. Conſtanz hat den größten Hafen, Lindau den durch Bauart, Monumente und Umgebung ſchönſten und Bregenz 5 9 N unter den Hauptorten den kleinſten Hafen. Der Dampfſchifffahrt haben wir bereits flüchtig gedacht und bemerken hier noch, daß die Dampfboote Bayern, Württemberg, ih 7 5 N 8 41 9.8 Baden und der Schweiz angehören. Im Ganzen ſind es 25 Boote 80 und zwar 22 für den eigentlichen Boden-See und 3 für den Ueber⸗ 4 lingerſee und den Rhein. Sie berühren faſt ſämmtliche Uferorte und ihre Fahrten ſtehen in genauer Verbindung mit der Ankunft und dem Abgang der Eiſenbahnzüge in Lindau, Friedrichshafen, Schaffhauſen, Conſtanz, Romanshorn und Rorſchach. Alle Dampfſchiffe ſind ſehr zweckmäßig eingerichtet und ſtehen in keiner Beziehung den Dampf⸗ booten der größeren Schweizerſeen und des Rheines nach. An den Plätzen, wo die Dampfer nicht landen, ſind Kahnführer vorhanden, welche die Reiſenden, wenn die Witterung kein Hinderniß in den Weg legt, gegen Entſchädigung aufnehmen und am rechten Orte abſetzen. Seit Januar 1869 befindet ſich in Friedrichshafen auch eine Trajectanſtalt mit einem Trajectdampfſchiffe, welches den Zweck hat, beladene Eiſenbahngüterwagen ohne Umladung von den Schienen der württembergiſchen Bahn auf diejenige der ſchweizeriſchen Nordoſtbahn und umgekehrt zu überſetzen, und auf dieſe Art die bei⸗ den Endpunkte der durch den Bodenſee unterbrochenen Bahnen mit⸗ einander zu verbinden. Das Trajectſchiff wurde nach den Planen des bekannten bekannten Ingenieurs Scott-Ruſſel, dem Erbauer des Great-Caſtern, durch das Etabliſſement Eſcher, Wyß u. Comp. von Zürich in Ro⸗ manshorn ausgeführt. Es hat eine Länge von 230 Fuß und auf dem Verdeck zwei Bahngeleiſe für 14— 16 geladene Güterwagen. Der Schiffskörper, in einer Breite von 40 Fuß zwiſchen den beiden Radkäſten, iſt nebſt dem Verdeck ganz aus Eiſen und letzteres ſo kon⸗ ſtruirt, daß auch Lokomotiven nebſt Tendern auf demſelben befördert werden können. Die beiden Maſchinen des Schiffes arbeiten je mit 100 Pferdekräften abgeſondert für ſich und im Nothfalle kann es auch mit einer Maſchine und einem Rade die Ueberfahrt über den See ausführen. Vorder- und Hinterſeite des Schiffes haben die gleiche Form, auf beiden Seiten ſind die gleichen Steuerruder ange⸗ bracht, das Schiff kann alſo ſowohl vor- als rückwärts fahren, ohne gedreht zu werden. Die Ladungsfähigkeit des Schiffes bei einem Tiefgang von 6 Fuß iſt auf 4000 Centner berechnet; die Entfernung zwiſchen den beiden Häfen in Friedrichshafen und Romanshorn ſoll bei ruhiger Witterung in 1 Stunde zurückgelegt werden. Für die Uebertragung der Waggons von dem Bahnhoſgeleiſe auf das Schiff und umgekehrt von dieſen wieder auf die Schienen des Bahnhofes iſt in den beiden Häfen eine ſchiefe Ebene, die nach der Höhe des Waſſerſtandes regulirt werden kann, eingerichtet, welche mit ihrem äußerſten Punkte auf dem Schiff ruhend, ſo die Schienen des Schiffes mit denen des Bahnhofes verbindet. Die Betriebsleitung der Traject-Anſtalt hat die k. württember⸗ giſche Dampfſchifffahrts-Verwaltung in Friedrichshafen übernommen, „33 die Koſten des Baues und der Verwaltung werden von ihr, ſowie von der ſchweizeriſchen Nordoſtbahn gemeinſchaftlich getragen. In neuerer Zeit iſt auch die Direktion der kgl. bayeriſchen Ver— kehrs-Anſtalten dem Unternehmen beigetreten. Dieſelbe läßt zu glei— chem Zwecke mehrere Schleppboote ebenfalls ganz aus Eiſen herſtel— len, welche einfache Geleiſe erhalten und 8 Güterwägen aufnehmen können. Bereits am 28. Januar 1869 machte ein ſolches mit 8 Getreidewagen und Waggons beladenes Schleppboot eine glückliche Probefahrt über den See. Die Fahrpreiſe der Dampfboote z. B. von Friedrichshafen aus ſind folgende: nach Bregenz J. Cl. 1 fl. 15 kr., II. Cl. 51 kr.; Conſtanz J. Cl. 1 fl. 6 kr., II. Cl. 42 kr.; Langenargen I. Cl. 21 kr., II. Cl. 15 kr.; Lindau 1. Cl. 57 kr., II. Cl. 39 kr.; Ludwigshafen I. Cl. 1 fl. 48 kr., II. Cl. 1 fl. 12 kr.; Meersburg 1. Cl. 48 kr., II. Cl. 30 kr.; Romanshorn 1. Cl. 33 kr., II. Cl. 2 kr.; Rorſchach I. Cl. 54 kr., II. Cl. 36 kr.; Schaffhauſen I. Cl.8 fl., Uu. El. fl 3 kr.; Ueberlingen J. Cl. 1 fl. 21 kr., II. Cl. 54 kr. Retourbillete werden zu ermäßigten Preiſen abgegeben. Der erſte Platz iſt auch bei ſchönem Wetter zu wählen, da der zweite gewöhnlich mit Waa⸗ 1 angefüllt wird und für die Reiſenden wenig Raum mehr übrig läßt. Noch wollen wir den Freunden ſchöner Landſchaften und Be⸗ leuchtungen einige Winke über die beſte Aufenthaltsorte und Aufenthaltszeit am Bodenſee hier beifügen. Diejenigen, welche nicht zu Anfang des Sommers oder im Hoch— ſommer der Bäder wegen nach Friedrichshafen, Conſtanz, Lindau oder Bregenz gehen müſſen, ſondern ſich nur zur Erholung und zum Naturgenuß am Bodenſee aufzuhalten gedenken, thun wohl daran, ſich hiezu den Spätherbſt zu wählen denn nur zu dieſer Zeit genießt man wunderbare Beleuchtungseffecte, einen rein in's Blaue, Grüne und Tiefviolette gehenden Ton der ſchönen Säntis- und Bregenzer⸗ Alpenkette die den Bodenſee umgibt. Im Frühjahr und Sommer dagegen breiten die Waſſerdünſte und Sonnenblenden beinahe immer einen fahlen, grauen Schleier über die Berge aus. Erſt im Herbſt tritt die ganze Schönheit der Farben hervor und auch das Waſſer erſcheint klarer und tiefer. Der ſchönſte Ausſichtspunkt hiezu iſt auf dem Hügel jenſeits der Kirche von Weiſſenberg bei Lindau und der St. Gebhardtsberg bei Bregenz, letzterer nicht ſowohl auf den See ſelbſt, als auf den Eingang des Rheinthals, der Säntiskette und der Berge von Vorarlberg. Die Landſchaften dieſer beiden Punkte gehören, beſonders bei Sonnenauf- oder Untergang unſtreitig zu den herrlichſten am Bodenſee ⸗Ufer. In Betreff des Aufenthalts dürfte der Umgegend von Lindau Ue Vurzu inigen ſi halben ein hat zwor Negen J0h Reulthen Cine. hung it nchen, Hochgebit Mmalet liegen,! kine gre nmz bet gebung ichung gebunge Möſiht biligter ner N ſruchtha ſnd au Junkte wolen, der Vorzug vor vielen andern Orten gegeben werden, denn hier ver— einigen ſich das Hochgebirg, das Hügelland und die Ebene und ent⸗ halten einen Wechſel ſchöner Ausſichten in großer Anzahl. Bregenz hat zwar allerdings eine romantiſchere und ſchattenreichere Lage, da— gegen zeigen ſich hier vorherrſchend die flachen, einförmigen Ufer der deutſchen Staaten. Einen ſehr anmuthigen Aufenthalt bietet Rorſchach; die Umge— bung iſt ſchön und Spaziergänge laſſen ſich in reicher Abwechslung machen, doch fehlt es dafür an den großartigen Ausſichten in das Hochgebirge, welche das deutſche Ufer beſitzt. In Horn, Arbon und Romanshorn, welche ſämmtlich an dem ebeneren Geſtade des See's liegen, befinden ſich Bade- und Molkenkur⸗Anſtalten, ſie haben aber keine große Auswahl von Fernſichten und Spaziergängen. Was Con⸗ ſtanz betrifft, ſo iſt zwar nicht die nähere, jedoch die entferntere Um⸗ gebung der Stadt freundlich zu nennen, auch gehören die Badeein⸗ richtungen zu den beſten am Seeufer; reizend dagegen ſind die Um⸗ gebungen der Stadt Ueberlingen, während von Friedrichshafen die Ausſichten wieder großartig und weitumfaſſend ſich darſtellen. Den billigſten Aufenthalt bieten wohl Langenargen und die andern in ſei⸗ ner Nähe liegenden kleineren Orte dar; die Gegend iſt hier ſehr fruchtbar, aber etwas eben und daher eintönig; die Fernſichten jedoch ſind ausgezeichnet ſchön. Weitere ſchöne, nähere und entferntere Punkte werden wir auf unſerer Wanderung, die wir jetzt beginnen wollen, genugſam kennen lernen. R Die Umgebung des Bodenſees. Das ſchweizeriſche Ufer. Nachdem wir das Merkwürdigſte über den See ſelbſt geſchildert haben, beſteigen wir nun einen der großen und ſchönen Dampfer, um mit demſelben unſere Wanderung von Friedrichshafen aus zu beginnen und ſie ſpäter in Schaffhauſen zu beſchließen. Rorſchach iſt das erſte Ziel unſerer Fahrt. Eine unermeßliche Waſſerſtraße dehnt ſich vor uns aus, großartig und erhaben wie ein Meer, daher der Bodenſee nicht mit Unrecht das„ſchwäbiſche Meer“ genannt wird. Hinter uns bemerken wir das immer mehr in die graue Ferne ſich verlierende Friedrichshafen mit ſeinem weiß⸗ ſchimmernden Schloſſe, Langenargen mit der neuerſtandenen königli⸗ chen Villa Montfort und das entferntere Lindau. Weiter rauſcht das Boot und bald zeigt ſich uns das ſchöne obſtbaumbegränzte Ufer des Thurgau's neben welchem ernſt und ge⸗ waltig die Nieſen der Alpenwelt, der hohe Säntis mit ſeinen Nach⸗ barn, dem Kamor, Hohe⸗-Kaſten und Alte-Mann in die freie Luft hineinragen. Nur in der links gelegenen Schlucht des Rheinthales vüſtert es etwas, allein dennoch ſchimmert durch die Dünſte die Firnenpracht der Sceſaplana aus dem fernen Rhätikon und immer deutlicher ſteigt Rorſchach's weiße Häuſerreihe ſchwankend auf der Waſſerfläche empor. Schon erkennen wir die gebrochene Spiegelung der vorſpringenden Kornhalle in der Brandung und links bei Alten⸗ rhein dehnt ſich eine lange Erdzunge in das Waſſer. Hinter Rorſchach erhebt ſich als grünender Hintergrund der ſogenannte Rorſchacher Berg mit ſeinen Landhäuſern, Luſtſchlöſſern und Burgen, die wie zer⸗ ſtreute helle Punkte aus dem maleriſchen Grün hervorblicken und von denen beſonders das einſame frühere Kloſter Mariaberg und das St. Annaſchloß deutlich ſich darſtellen. Zur Rechten leuchten uns dagegen die hellen Fenſterreihen des Badeſchloſſes Horn entge— gen und weiterhin ſucht Arbon auf ſeinem Vorſprunge mit den ſchmu⸗ Malif eihet f die kei fihtf, In 1 Se Ohech cken Häuſern, grauen Ringmauern und dem uralten Wartthurm ſich bemerkbar zu machen, und nicht lange, ſo ſind wir im Hafen von Rorſchach angekommen. Rorſchach. Gaſthöfe: Seehof, Schweizerhof, Hirſch am Hafen, Krone mit Penſion, Grüner Baum mit Garten am See, Schiff, Löwe, Adler, Sonne u. ſ. w. Reſtaurationen und Bier: Koch's Hotel garni, Helvetia, Faller, Schäfle u. a. Sämmtliche Wirthſchaften ſind gut und haben mäßige Preiſe. Seebäder befinden ſich an der Straße nach Horn; ſie ſind alle reinlich und billig. Bei Rorſchach überſchaut man in der Richtung von Friedrichsha— fen, Langenargen und Lindau den Bodenſee in ſeiner größten Breite und herrlich erſcheint der Kontraſt der Felsufer bei Bregenz und der Voralberger Alpen mit den Matten des ſchweizeriſchen Ufergeländes. So groß aber auch das Erſtaunen derjenigen ſein mag, welche zum erſten Male dieſe große Waſſermaſſe erblicken, ſo wird dennoch die Einförmigkeit der breiten Seefläche, als auch die weite Entfernung und Flachheit der ſchwäbiſchen Ufer ſehr bald das Ge— fühl der Langenweile in ihnen erzeugen. Rorſchach iſt ein ſehr freundlicher, ſtädtiſch gebauter, großer Marktflecken des Kantons St. Gallen und hat eine ſchöne Lage in einer fruchtbaren Gegend, ſich an Höhen anlehnend, von denen man die reizendſten Ausſichten über den See hin genießt. Die Hauptſtraße, welche vom Hafen links nach dem Bahnhofe führt, beſitzt einzelne, ſehr anſehnliche Gebäude mit viereckigen Erkern und vielen äußerlichen Verzierungen, welche ſich durch ihr buntes Durcheinander und ihre eigenthümlichen Schnitzereien beſonders aus⸗ zeichnen. In den Erkern, Söllern und Fenſterbrüſtungen der Häu⸗ ſer Rorſchach's erblickt man einen großen Blumenreichthum und zwar beſonders rechtshin, wo es St. Gallen zugeht. In der Mitte des Ortes, welcher 2500 größtentheils katholiſche Einwohner hat, und zunächſt am See erhebt ſich das ſteinerne, pal⸗ laſtähnliche Kornhaus mit Bogengängen von Abt Cöleſtin Gugger von St. Gallen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts erbaut. Der neue, mit einem Molo verſehene Hafen iſt einer der größeren und beſuchteren des Bodenſees, namentlich am Donnerſtag, wo Frucht⸗ markt gehalten wird, der die ganze ſüdliche Schweiz mit Getreide verſorgt und befindet ſich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes. Die Pfarrkirche ſtammt aus dem fünfzehnten Jahrhundert; ſie beſitzt einige gute Altarblätter und Plafondgemälde, ſowie alte Grabmäler, auf welchen, ſowie auf denen des angrenzenden Fried⸗ hofes, mancher ariſtokratiſche Wappenſchmuck angebracht iſt. Hinter dem Orte zieht ſich eine breite Straße zu einem langen Gebäude in erhöhter Lage hinauf; es iſt dieß das frühere Kloſter Mariaberg mit Kirche, Kreuzgang und Refectorium, auch unter dem Namen„Statthalterei“bekannt, weil hier einſt der Statthalter von St. Gallen mit 5 Conventualen wohnte. Oben am Gewölbe des ſehens⸗ werthen Kreuzgangs befinden ſich erhabene Arbeiten in Stein, die gothi⸗ ſchen Fenſterbögen jedoch ſind leider in einem ſehr zertrümmerten Zuſtande; über der Eingangsthüre ſteht die Jahreszahl 1513. Gegenwärtig iſt in die⸗ ſem ehemaligen Kloſter eine gut eingerichtete Realſchule mit ſchönen und hel⸗ len Zimmern. Auch befindet ſich eine neue reformirte Kirche in Rorſchach, ſowie eine große Kunſt mühle, Paſtenfabrik und Aktienbierbrauerei. Ein Ort Rorsacum kommt ſchon im 8. Jahrhundert vor. Im Mittelalter vom 12. Jahrhundert an herrſchten hier die Edlen von Rorſchach auf dem St. Anna⸗Schloß, welche ſich auch von Roſenberg ſchrieben. Durch die immerwährenden Streitigkeiten zwiſchen dem Abt Ulrich VIII(von der Farbe ſeines Haares auch der rothe Uli genannt) und der Bürgerſchaft von St. Gallen veranlaßt, beſchloß erſterer das Kloſter nach Rorſchach zu verlegen und begann im Jahre 1487 deſſen Bau. Die St. Galler, aus Furcht, daß Rorſchach eine große Stadt und Concurrentin ihres Leinwandhandels werden könnte, ſtürmten und zerſtörten in Verbindung mit den Appenzellern und Rheinthalern den angefangenen Bau. Doch die That blieb nicht ungeahndet, denn der Kaiſer und der Pabſt ließen ſchwere Strafur⸗ theile über die Empörer ergehen; ſie ſollten das Kloſter wieder auf⸗ bauen und wurden mit dem Banne belegt. Das neue abermals er⸗ baute Kloſter erhielt den Namen Mariaberg und iſt die obengenannte Realſchule. Ebenfalls von einer Anhöhe über dem Orte herabſchauend zeigt ſich das Schloß Rorſchach, auch St. Annaſchloß genannt, ro⸗ mantiſch auf einem Felsvorſprung zwiſchen zwei kleinen Waldbächen gelegen. Seine alten Mauern, einen mächtigen Bau von Quadrat⸗ form mit einem viereckigen Thurm aus Findlingsſteinen bildend, die alte Burgkapelle vom Jahre 1509, die waldige Umgebung und be⸗ ſonders die ſchöne Fernſicht auf den See laden zum Beſuche ein. Eine der ſchönſten Ausſichten in der Nähe von Rorſchach bietet jedoch das nur ¼ Stunden entfernte Mötteliſchloß bei dem Dorfe Unter⸗Goldach dar; ein Weg über grüne Wieſen mit ſtattlichen Obſtbäumen führt dahin. Das Schloß beſteht aus einem ummauer⸗ ten, ziemlich großen Wohnhauſe mit einem viereckigen, breiten, aus großen Quaderſteinen erbauten Thurm, von deſſen oberen Gemächern man eine prachtvolle Ausſicht hat über die größte Breite des See's fflktr bi⸗ Aalblgsheſʒ Ge de8 W0 W Müirec cht he 100 9 Wbagles Kteſ A Slestgig M 1 Muttere ilget E Räte Weäſtol ttlthen Cböde W0n We fmnie i Had J. lhe 0 Af ac E l K 0 1 ſihtek! G50 93 Ull hinüber„bisl Friedrichshafen und hinunter! zur fernſten⸗ Seebucht bis Ludiwigshafen!(und den⸗Burgen des Höhgälsin Der! Baunſcheint dem Ende des(14 Jahrhundetts anzugehören; dis!zuntere Hans flur iſt noch im alten Standk, ſtarke hölzerne Säuleupfoſten trägen die⸗ Derke⸗ Imſävberen Stockf iſt det Einbau neu, doch findet man⸗Moch übel einer der Thuren das Wappen der⸗Mötteli⸗Kappenſteinlno! 21168 nü Dali Wir zuns vorgenominen haben, von jedein Hauptorké ves Bodenſees„wolchen wir“mit dem Dampfbdoter beſuchen/ auch“ die in⸗ tereſſanteſten Punkte in deren Umgebung(kenneni zu ilavnen/ ꝛſo llehren Wit“ wieder Rach⸗Rorſchäch zurück. Hier gehenwirnhurto am Ufer des Seeségegen den! Kunton'Thurgau zu und gelangen in ütwa 20 Minuten in ⸗das! thurgauiſche⸗ Dorf eund/ Bad Hro vn/Iwelches nahe am!Se⸗ liegt⸗! Wir kommen hiebei rlin der im Sommer⸗4 868 von dei Rönigin Mutter-von Württemberg erkauften, mil ſehr geſchmackvollen(Gurten⸗ „aülägen verſehenen Villa Sbefeld vorbei nHorn beſitzto ein hübſches Schloß zunid' eine ſtark beſuchte Schiffslände und das⸗zunmuthig, äus dichtem Bämſchatten hervorleuchtonde Badaus einem großen)rſchönen vierſtockihen Gebüude, gerade dem Schloße gegenübet acheſtehend/ Emit welchem eine Molkenkur⸗Anſtalt verbunden iſt, hat⸗gufiſeinenb Häupt⸗ ame gebällde ein Bekvedere und witdinden Sommerinonaten, nämentlich Forſhnt von! St./Gallen ſaus, ſehvaſtärkebeſucht⸗ Das DoörfüHorn⸗beſitzt raußßeb nerbenden Bad“ noch mehreré Gaſthäliſer„und⸗liſt wurch“die Schiffslände ſenſllenſowie durch dielLandſtraße voil Rorſchach nach St Wallen und ⸗Cb⸗ bleb nůb ſtden z ehr ⸗belabt 2ννν)2Q)dr mi L e i Radle Stuin 4½% Der Uferweg führt! uns(nun über Unterſtcika ch mit dem wohr uicer keindeinwätts lietzeüden⸗(Obevſtein achn nathenbemt Stadtchem Arbbnl eimbe, Bei erſterem Orke⸗mundet wic austden Votbergen Apponzells herunter⸗ un fließende Steinach un ben⸗Bodenſee welcher hiereinen ſtiefen Einſchtutt mit ſumpfigem Ufer bilbetl Beiß delll oejne chalbe Stunden von⸗AUnter⸗ cl lſteinach entfernten, inObſtgärten„und⸗ Laubholz( vetſteckten Dorfe Obekſteinach ſtand· die Site inachorburg Fhr(mächtigeryn aus un⸗ „behauenen Steinen Zund⸗ rieſenhaften⸗Felsblöchemnerbautet Grunbſrock gehört! wohllldem 18/ Jahthundert!anje eniſt⸗ dereinzige! Meboteeſt der Butg, denn ihr nunmehriget! Beſitzer' ließ.⸗ſief ubrechen; Uid Lns ihrel Steinen(einen Hoflerbauen;“Ob' der Mitineſangbt Bligget⸗ von Steinach⸗dieſeme oder.(dem Geſchlechte dev⸗Landfchademwvon Stkinach am Nockätl'angehb 51 ungswiß⸗ i⸗ MaAI0 vid 1 an bildet del Seseine zieinliche Bucht bis gegen 10 tint zHAl Ichlinotbom 2112 S,‚,„inhne tim fochſdrtiat 19 1131 11525½⁰:dn,ο οεινανte iH 880 mit 900 grbßtentheils“ reforniärten Einwohnörn.)0 Dis Oulge dei Stubte 116 chens ift fehr. veiglnd auf reiner Höhe initten im dinem Oöſtwaͤlde⸗ Aind 2 ernm it fatl U unnal 17 t Gntit es gewährt mit ſeinen theilweiſe noch vorhandenen Mauern und Juſfin Thürmen, mit ſeinen mit Erkern und Schnitzwerken verſehenen Häuſern ſh ä an manchen Stellen einen alterthümlichen Anblick, doch hat es auch it W. viele freie Plätze und hübſche Gärten. Leider liegt der Hafen von Wite Arbon ſehr ungünſtig, denn das Ufer iſt hier ſo flach, daß größere farzen Schiffe kaum landen können. Bei niederem Waſſerſtande treten in Uhlunt der Nähe des Gartenhauſes zum rothen Kreuz ganze Reihen von Steinblöcken zu Tage, welche wohl einer Hafeneinrichtung aus uralter, Manze vielleicht römiſcher Zeit angehörten. Auf einem kleinen Hügel zwiſchen du ſiſt der Stadt und dem See liegt das Sch lo ß mit einem großen, ſtarken] nugn Thurme, an deſſen Einbau von ſchweren Findlingsblöcken ſich die ien Bauart der merovingiſchen Könige zeigt, es iſt jedoch möglich, daß den N untere Theil des Thurmes römiſchen Urſprungs iſt. Das jetzige Wale Schloß hingegen wurde zu Anfang des 16. Jahrhunderts von dem Biſchof von Conſtanz, Hugo von Landenberg erbaut. Die im Jahr 1789 neugebaute Kirche beſitzt einen noch älteren gothiſchen Chor, ſowie drei neue 1853 errichtete Altäre mit ſchönen Gemälden, von nitz welchen der Hochaltar die Auferſtehung Chriſti enthält. Der von eerhn der Kirche freiſtehende Thurm ſleht gerade dem Schloſſe gegenüber Aimn und durfte oben nicht aus Stein gebaut werden, damit man von uiher ihm aus das Schloß nicht gefährden konnte. Auf dem Friedhofe bonm beſindet ſich eine ſehr alte, dem heil. Gallus geweihte Kapelle, Plen welche übrigens Nichts auf venſelben Bezügliches enthält. nitt. Arbon iſt ſehr alt. Bereits im 3. Jahrhundert ſtand hier ein Sees römiſches Kaſtell Arbor ſelik. Im Jahr 1190 lommen Edle von Tl⸗ Arbon vor, welche Miniſteriale des ſtaufiſchen Kaiſerhauſes waren dj und wohl die Stadt mit Mauern umgaben. Im Schloſſe weilte der der e letzte Hohenſtaufe Conradin zu verſchiedenen Malen und trat auch] hiſhe von hier aus ſeine verhängnißvolle Fahrt nach Italien an; der Stadtſ ſouie gab er einen Freiheitsbrief, worin er ihr Gericht und Bann verlieh. giuſ Im appenzelliſchen Freiheitskriege war Arbon ein öſterreichiſcher Wa, fenplatz, von welchem aus Herzog Friederich von Oeſterreich ſein 3000 ſn Mann ſtarles Heer gegen die Appenzeller führte, allein in den he Schlachten am Stoß und bei Wolfhalden mit großem Verluſt von lihe denſelben geſchlagen wurde. Früher war Arbon durch ſeinen Lein ſehj, wandhandel und große Kattundruckereien berühmt, an deren Stelle unh jetzt die Seidenfabrikation getreten iſt. Auch beſitzt Arbon eint in 8 Baumwollweberei, eine Baumwolldruckerei, eine Blaudruckfabrik und ſchen eine mechaniſche Werkſtätte mit Eiſengießerei. Ebenſo wird Land⸗ ühn wirthſchaft mit Getraide⸗, Obſt⸗ und Weinbau fleißig getrieben. enn Gaſthäuſer ſind: die Krone, das rothe und weiße Kreutz, der i Löwe, die Taube, der Engel gegen Norſchach und außerhalb des W1 Städichens an der Straße nach Romanshorn die Bierbrauerei„zum 5 — 19.— Frohſinn“. Im Garten des Gaſthauſes zum weißen Kreuz befindet ſich ein Pavillon ſo in den See hinausgebaut, daß er von 3 Seiten mit Waſſer umgeben iſt. Hier hat man den See in ſeiner ganzen Breite bis Friedrichshafen vor ſich, ſowie gegen Oſten hinauf ſeinen ganzen Abſchluß mit Lindau und Bregenz mit dem Gebirge hinter letzterer Stadt. Auf der ſüdlichen Seite ſtrecken die hohen Häupter n des Alpſteins, des Säntis und des Altmann ihre Gipfel aus dem Appenzell herüber. Das Blau des Himmels, der Schnee der Berge, das ſaftige Grün der Hügel und die Meerfarbe des blaugrünen See's wogen in fließenden Maſſen ineinander und gewähren einen herrli⸗ hedie chen Anblick. W Von Arbon aus beſuchen wir noch, über mehrere Dörfer und Weiler kommend, den zwei Stunden entfernten großen Flecken Ro mans h orn * mit 3000 Einwohner. Er iſt der Ausmündungspunkt der von Win⸗ terthur kommenden ſchweizeriſchen Nordoſtbahn, und liegt, wie auch Arbon, auf einer ſich in den See erſtreckenden Landzunge(Horn), woher ſein ſchon um 837 vorkommender Name, Romani Ccornu, kommen mag. Auf der äußerſten Spitze des Horns ſteht ein mit Reben bepflanzter Fels, der die Kirche, ſowie ein Schlößchen trägt. Der Hafen hier iſt einer der ſchönſten und größten des See's; auch hat er ein ſtattliches Lagerhaus. Eine unterſeeiſche Telegraphenleitung verbindet Romanshorn mit Friedrichshafen. Der uFiſchfang, namentlich der Blaufelchen, wird ſehr ſtark betrieben, ebenſo der Speditionshandel und die Frachtſchifferei. Der Ort hat einen hübſchen Eiſenbahnhof, eine Real- und Gewerbeſchule, ſowie eine Seebadanſtalt; er erſtreckt ſich mit ſeinen vielen neuen Häuſern bereits bis zu dem hinter ihm liegenden Dörfchen Hub. Den Namen Romanshorn wollte man früher von einer römi⸗ ſchen Niederlaſſung herleiten, allein die Nähe von Arbor felix läßt hier nicht ſchon wieder eine römiſche Station vermuthen. Der See bildet bei Romanshorn eine große Bucht, deren eines Ende der Ort ſelbſt, das andere Arbon einnimmt. Die Ausſicht hat beſonders da⸗ durch einen ganz neuen Reiz, daß hier der größte Theil des ſichtba— ren See's von den Alpen begränzt iſt, die ſich halbkreisförmig herum⸗ ziehen und deren ſcheinbaren Ausläufer der Bregenzerwald bildet, während die andere Hälfte des Kreiſes von Romanshorn ſelbſt mit ſeinen Rebhügeln und Obſtgärten eingenommen wird. Außer der Eiſenbahn führen von hier aus auch ſehr gut erhaltene Landſtraßen und Wege nach allen Richtungen des obſtreichen Thurgau's. Gaſt⸗ höfe ſind: Hotel Bodan beim Bahnhof, Hotel Römerhorn, das 0 Schwtiherherrls untetnS 0 151Die beiven genaünten Hotelchaben zugleich Ka nen? zaußerdem befindet ſich noch die Pöſtobeim Ba Wirthſchüftnisluch“ iſt die R eiſta liti on⸗ zur·B Undidie⸗gleiche zum Falken zu etwähnen. 42140 Die Eiſenbahnſttecke Ros 1869 8Eröffnet“0 Esliiſt Wadllich nach⸗Rorſchach uſthon Morgensns(Uhrazur Norſchach unach⸗⸗Zrich nöch Abbnds“ nach b⸗ ſchach lerteicht man bei“ der Abfahrt ſchon um 9 Uhr Zürich. Von Romans Cotiſtünz“ Weiter Jebaut! werden undn nicht zurferner Zeit'dann di das ganze ſchweizeriſche und ein Theil des badiſchen Uf Nachdem wir nun die anäthſtem: linken Seite oder das Thurgauer Uferland bef 0 ers ucht ha auch! dasjenige Verurechten!Seite: bder das St. Galleto Uferkand'bennen (LerndemuSeet emlang ˖ entfernten Dorfe 9 Sitdad, iwalthes durch'deine“ worzüglichen! 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Eine zweite Burg Rheineck, eine ſchöne Ruine mit einem hohen altersgrauen Thurme, liegt etwas entfernt von der erſten auf einem abgeſonderten waldigen Hügel; die Bewoh⸗ ner der Umgegend nennen ſie nur den Burgſtein. Beide wurden in den Freiheitskriegen der Appenzeller 1405 und 1445 von dieſen zerſtört und das Städtchen verbrannt. Eine der intereſſanteſten Parthien von Rheineck aus iſt dieje⸗ nige, zu dem 2072 Fuß hoch gelegenen Bergdorf Walzenhauſen, (Löwe, Hirſch), welches zum Kanton Appenzell-Außerrhoden gehört und nur eine Stunde von Rheineck entfernt iſt. Die hohe Lage die⸗ ſes Dorfes gewährt eine der großartigſten Fernſichten: ſtaunend blickt hier das Auge in die weite Welt, wir überſchauen Walzenhau- mlfe ſen und in der Nähe die epheuumkränzte Ruine des Schloſſes 0 5 Grimmenſtein an einem ſchroffen Abhang zwiſchen hohen Tannen. Unten am Fuße des Berges ſehen wir den Rhein mit St. Marga⸗ rethen am jenſeitigen und St. Johann-Höchſt am dieſſeitigen Ufer. Am öſtlichen Horizonte tauchen unzählige Bergſpitzen des Bregenzer⸗ Waldes und des Allgäus empor. Das ganze Rheinthal und der Auſt Bodenſee von Bregenz bis Conſtanz zeigt ſich unſern Blicken. Eine Menge von Städten, Dörfern, Landhäuſern, Schlöſſern und Ruinen Ahen liegen vor uns ausgebreitet und bei hellem Wetter ſollen 92 Kirchen aufgezählt werden können, welche in der Nähe und Ferne ſichtbar werden; ul! beſonders maleriſch nimmt ſich auch die benachbarte Stadt Lindau aus.] nl! Walzenhauſen war bis zum Jahr 1638 nach St. Margarethen] älken kirchgenöſſig; in Folge von Religionsſtreitigkeiten erbaute es ſich aber un dann eine eigene Kirche, welche am Rande eines ſcharf abgeſchnittenen] mufn Bergrückens ſteht. Ein gewiſſer Wohlſtand iſt überall ſichtbar und lülte in neueren Jahren ſind mehrere geſchmackvolle Häuſer aufgeführt] dat worden. Die Einwohner beſchäftigen ſich mit Wein⸗, Obſt⸗ und du Wieſenbau, ſowie Manufakturarbeiten. Die Burg Grimmenſtein wurde im Appenzeller Kriege 1405 zerſtört, denn ihre Beſitzer trie⸗ ben das Räuberhandwerk zu Waſſer und zu Lande. Sie ſcheint ſpä— aber ter jedoch wieder erbaut worden zu ſein, denn das Schloß wurde von luht den Conſtanzern während des Coneils gebrochen. Auch von dieſem] uht 1693 Fuß hohen Punkte genießt man eine prachtvolle Ausſicht. Hem In der Nähe von Walzenhauſen, am Wege nach dem im aken Rheinthale gelegenen Dorfe Au, befindet ſich ein von Franziska⸗ ſct nerinnen bewohntes Kloſter Grimmenſtein, das obgleich auf] ſus außerrhodiſchen Gebiet ſtehend, zu Innerrohden gehört. Bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts befand ſich nur eine Klauſe daſelbſt, it. welche aber durch Geſchenke nicht unbedeutende Güter erwarb; das ile gegenwärtige Kloſter wurde 1654 erbaut, ſeit welcher Zeit daſſelbe meiſt von Nonnen ſchwäbiſcher Herkunft bewohnt wird. W Verlaſſen wir die oben erwähnte Straße nach Au, ſo gelangen wir auf einem guten Wege in 10 Minuten auf die wunderſchöne Höhe der Meldegg. Es iſt dieß eine ſenkrechte Felswand am Rande eines ſchattigen Tannenwaldes, auf welcher einſt eine Burg des berühmten Hauſes Meldegg geſtanden hat. Es eröffnet ſich uns hier wie mit einem Zauberſchlag ein prachtvolles Panorama des Rheinthals. Tief zu unſern Füßen wogt der Rheinſtrom in großen Wendungen durch die Ebene, die bei 3 Stunden breit in einer Längenerſtreckung von 12 Stunden, nämlich von der Sarganſer⸗Luzien⸗ ſteiger Gegend bis zu der Bodenſee-Einmündung ſich entfaltet. Rings erblickt man den koloſſalen Gebirgswall, der mit der nahen Säntis⸗ gruppe beginnend, in den öſtlichen Churfirſten, den grauen Hörnern und der Rhäticonkette nach Oſten ſich fortſetzt und über die Vorarl⸗ berger⸗Alpen oder den Bregenzerwald allmälig zur bayeriſchen Hoch⸗ ebene verläuft. Weit ausgedehnt entfaltet ſich im Norden der Bo⸗ denſee, deſſen nördliches Ufer von Bregenz über Lindau und Fried⸗ richshafen bis Meersburg in ununterbrochener Linie der blauen Waſſerfläche entſteigt. Auf der Meldegg befindet ſich eine Wirthſchaft, in welcher man gute Weine, die bekannten Landjägerwürſte und Alpenkoſt haben kann. Von Rheineck könnten wir auch unſeren Weg durch einen Wald von Obſtbäumen nach St. Margarethen fortſetzen, wo ſich eine viel beſuchte Fähre über den Rhein nach dem gegenüber liegenden öſterreichiſchen St. Johann-Höchſt befindet; es iſt der Hauptweg von Rorſchach nach Bregenz. Das ſtattliche Dorf zählt 1100 Ein⸗ wohner und die Häuſer, deren Sonnenſeite hübſche Gärtchen mit buntem Blumenflor einfaſſen, liegen unter den Bäumen zerſtreut und verſteckt. Da uns jedoch eine ſolche Tour zu weit von unſerem Aus⸗ gangspunkte entfernen würde, und wir Bregenz ſpäter beſuchen, ſo kehren wir von Rheineck aus nach Rorſchach zurück, ſchlagen aber dießmal, um nicht den gleichen Weg wieder machen zu müſſen, einen andern ein, welcher in einer halben Stunde zu dem großen wohlha⸗ benden Dorfe Thal(Anker, Hirſch) führt. Der Ort hat 3000 Ein⸗ wohner und das größte Stickereigeſchäft der Schweiz, dem Herrn Euler-Bänziger gehörend, deſſen hochgelegener Pavillon mit enkauſtiſchen Wandgemälden aus dem Appenzeller Kriege ebenfalls ſehr ſehenswerth iſt. In der Nähe der Kirche befindet ſich ein Bade⸗ haus mit einer Mineralquelle und in großen Sandſteinbrüchen wer⸗ den gute Mühl-, Schleif- und Brunnenſteine gebrochen. Thal ver⸗ dient ſeinen Namen in jeder Beziehung, denn es liegt in Wahrheit in einem von den ſchönſten Obſtbäumen umgebenen, mit großen Fa⸗ brikgebäuden, Landſitzen und Gartenanlagen umgebenen Thale. Von Thal zieht ſich eine breite Landſtraße in vielen Wendun⸗ afdem Kuxort, Heiden, hinguf,„. zwonzwelcher ſiche eine kurze ter; iherſterem⸗ ein Nebenweg, zabzweigt, iguf; Welchen einer, klei fuftlung liegende, Horf, Bu chemn enrei⸗ in deſſen Rähen der, gaus Freundlichem Nebengeſände. ſich erhe⸗ ghemalige Cheift Rieß, Schlößchen, mit vier runden, i ch hexxliche Elicht ſteht. Auf idem⸗—ĩ̃Ä 9 35 chberges, oft be pflan jetzten Abhängel zan dein fe bexy, gehen wir, nun, bis zun dem dlichen Au gygtes liegendem⸗ Punkt, dem ſogen ft eän ꝓqe 15 7 ch lecht, wegen⸗ ſeiner ſaner 19900 ö ſoll⸗ hier 1 Tiſt und Ludwigs Fenze ing g 00 Wapen Im Mittelgrunde, enhck in itjſeiner alten Hurg,chinter dem ſich. er ſin dur mend Von dem Vorſprung der App eile M ſchaut. Peltenbauſen mit einer, Kirche; in, da inndie, Eber nez Schwabenß⸗„Der⸗ Hintergrund⸗ endlich 100 den St. Gebhtedsberg mit feinem Kirchlein, die 8 Shpesdn 1n. Jan. e aber, iſt, R 8 dwenn die, lohlen Felſen in dem dunklen. 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Reſtaurants und Cafd's: Hecht, Löwe, Löchlibad, neben dem Löwen; Café national, bei der Bank; Cafd de la Poste und Wal⸗ halla im Poſtgebäude; Sonne, Steinach u. ſ. w. Bierhäuſer: Café national, feinſte ausländiſche Biere und gute Küche; Löchlibad(Ulmer); Goldene Scheere(bayeriſch); Schül⸗— tzengarten, Felſenkeller, Falken u. a. Weinhäuſer: Valentinerhaus, feine Weine; Rabe; alte Poſt; Blumenſchein, vor der Stadt; Stahl. St. Gallen die Hauptſtadt des gleichnamigen Kantons liegt 2080 Fuß hoch über dem Meere und iſt nächſt Ilanz am Vorder— rhein in Graubünden, welches 2280 Fuß hoch liegt, die höchſte Stadt Europas. Sie hat 15,000 Einwohner und iſt einer der wich— tigſten Handelsplätze der Schweiz, beſonders in Weißwaaren und Stickereigeſchäften. Die Stadt St. Gallen, an der Steinach gelegen, verdankt ihre hohe, rauhe Lage dem heiligen Gallus, welcher im Jahre 610 mit Columbanus aus Irland bei dem frommen Pfarrherrn Willimar zu! Arbon erſchien, um auch in diefer Gegend das Chriſtenthum zu ver— breiten. Willimar ſandte Gallus zuerſt nach Bregenz, um das dor— tige Bethaus der heil. Aurelia, welches von den heidniſchen Alema— nen wieder dem Götzendienſte übergeben war, herzuſtellen. Nach längerem Aufenthalt in dieſer Gegend begab ſich Gallus auf den Rath des Diakon Hildebold in die waldige Einöde der Steinachſchlucht. Auf der Wanderung dahin ſtrauchelte Gallus in der Nähe eines Waſſerfalls am Steinachbache und fand darin einen göttlichen Finger— zeig, hier eine Einſiedelei zu gründen. Er weihte den Platz und be⸗ gann mit Hilfe einiger Genoſſen aus Arbon den Wald zu lichten und baute eine Hütte da, wo jetzt die St. Galluskapelle ſteht. Die Einſiedelei wuchs zu einem ſtattlichen Gotteshauſe mit Zellen für 19 Brüder, welche ſich nach und nach um Gallus geſammelt hatten heran und im ganzen Lande wurde der Name des Apoſtels der Alemanen hoch geprieſen. Nach allen Richtungen ſandte er ſeine Schüler aus, um zu lehren, zu predigen, zu heilen und die Götzenbilder zu ver⸗ tilgen. Als ein 95jähriger Greis zog ſich Gallus bei einem Beſuche in Arbon, wo er am St. Michaelstage vor einer großen Volksmenge gepredigt hatte, eine Krankheit zu und ſtarb daſelbſt. Sein Leichnam ward unter dem Zuſtrömen unzähligen Volkes nach ſeiner Zelle am Steinachbache hinaufgeführt und in Kurzem wallfahrtete man dahin wie zum Grabe eines Heiligen. 5 Die Sage trug ſich bald mit Wundern, die der Todte verrichtet haben ſollte und Vergabungen aller Art wurden an das Gotteshaus gemacht. uf dhen it lchthechſ Vddeſſfe Achr fl heuchht, Lahfe Dae doch det Aid Kit Wnkt, kunde, klihke N d Rotert gfet fuch de Et. G⸗ J56 i1 Hch Mffth tetgrtt ehiete wetbe eihet, 7 0 F fhete Mirge Elidt⸗ Uk ſe uheſ ſirkete el Alein ihr G hann ſhige ſht, Owek füſr 0 ſe hit Auf dieſe Weiſe kam denn die Stiftung im Laufe der Zeit in einen äußerſt blühenden Zuſtand; ſie wurde die Pflanzſchule der Ge⸗ Nh lehrſamkeit und das Evangelium verbreitete ſich von den Ufern des Bodenſee's über Europa. Das Kloſter ward im Jahre 895 von mehr als hundert Brüdern und vielen Studirenden und Pfründnern „Ie bewohnt; es beſaß über 160 Morgen Güter und über tauſend Köpfe zahlten ihm Zins. Das Leben der Kloſterbrüder war ganz dem Geiſtigen geweiht, ie doch verlegten ſie ſich neben dem Gottesdienſte auch auf Handwerke und Künſte. Sie laſen die Bibel, die Schriften der Griechen und ok“ Römer, ſowie die alten Kirchenlehrer, trieben die Erd- und Himmels⸗ enn kunde, Arzneiwiſſenſchaft, befonders Kunde heilſamer Kräuter. Herrlich „blühten unter ihnen die Künſte der Muſik, Malerei und Bildnerei. Nach der Mitte des 11. Jahrhunderts welkte jedoch die Blüthe des Kloſters. Finſtere, kriegeriſche Zeiten folgten; Aebte und Mönche er⸗ griffen ſelbſt die Waffen, Gottesdienſt und Kloſterleben ſank, ſowie auch der Wohlſtand des Kloſters. Dagegen aber erhob ſich die Stadt St. Gallen, welche anfänglich nur ein Flecken durch Abt Anno, 954 in eine Stadt umgewandelt wurde, deren Häuſer jedoch nur von 1e Holz und mit Schindeln bedeckt waren. Sie kam immer mehr in Aufnahme, ſo daß ihre Bürger dem durch Krieg und Verſchwendung elm verarmten Stifte Geld vorſchoſſen und dafür Rechte und Freiheiten Wi erhielten. Die Zahl der Bürger vermehrte ſich, ſo auch die Ge⸗ werbe und der Handel; ſelbſt das geiſtige Leben kam immer mehr empor, während es im Kloſter faſt erſtorben war. Mit dieſem geiſtigen Aufſchwunge ſtiegen auch ſtets die Rechte und Freiheiten der Stadt, da Kaiſer und Abt ſie reichlich damit be⸗ ſchenkten. So hatte ſie ſchon zu Ende des 13. Jahrhunderts einen Bürgermeiſter und Rath; ſeit 1312 ſchloß ſie Bündniſſe mit anderen Städten und im Appenzeller-Kriege gegen Abt Kund 1403— 1417 war ſie, mit weniger Ausnahme, mit dieſem kräftigen Hirtenvolke ver⸗ bunden. Nach dem Tode dieſes Abtes hatte das in Schulden ver— ſunkene Kloſter nur noch zwei Konventherren und leicht wäre es nun den St. Gallern geweſen, es ſammt deſſen Gebiet ſich zuzueignen. Allein da es eine heilige Stiftung war, ſo wollten ſie nicht gegen ihr Gewiſſen handeln, ſondern huldigten dem von den Konventherren ernannten Abt Heinrich von Gundelfingen und dieſer gab der Stadt einige neue Rechte. Ihr Gewerbe und Handel kam immer mehr empor, indem während der Kirchenverſammlung in Conſtanz viele Gewerbs⸗ und Handelsleute nach St. Gallen zogen und der Handel dieſer Stadt ging ſelbſt in fremde Länder. Die Bürgerſchaft ſtrebte jedoch ſtets nach eigener Freiheit und Unabhängigkeit und erreichte ſie wirklich, denn durch einen Rechtsſpruch vom 5. Februar 1457 85 7 85ů Fhien; 5 25 Wilen 2A— 8 8 5 85— 8 22— K „Heli ſige P.— ee, An⸗ ackpollen, inghyunnen, Kl 10 Jege„durch 1, 15 chlaffeg. 184 0 8 8 3 815 W% 5 5 5 7—05 90 15 6 J5 dee, e S. 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Sie wurde in den Jahren 1850 bis 55 im gothiſchen Styl faſt ganz neu aufhe⸗ baut; doch iſt ihr Inneres etwas düſter, weil ſie nicht auf einem freien, offenen Platze ſteht. Ihr Inneres ſchmücken ausgezeichntt ſchöne Glasgemälde von Gſell in Paris, ſowie ſehr gelungene Blld⸗ hauerarbeiten. Eine Hauptzierde iſt der Thurm und das in dem— ſelben aufgehängte harmoniſche Geläute, ſowie die Statuen der vier Evangeliſten an der äußeren Facgade. Die andern reformirten Kirchen ſind: St. Ma ngen, ein zwar beſcheidenes, aber freundliches Gotteshaus; Linſenbühl im Oſten und St. Leonhardt im Weſten der Stadt, jede mit einem Fried⸗ hofe; ferner die franzöſiſche Kirche im ehemaligen Katharinen⸗ kloſter. Die Marktgaſſe vom Kloſterhofe aus hinabgehend, gelangen wir zu dem Rathhaus, welches die Straße ſchließt. In ſeiner Nähe befindet ſich der Gaſthof zum Hecht mit einem runden Eckthurm, neben dieſem das neue Theater mit guten Dekorationen und treff licher Einrichtung und dieſem gegenüber, neben dem Rathhaus, das literariſche Muſeum mit reich ausgeſtatteten Leſeſälen und be— quemen Converſations-Zimmern. Ein im Jahr 1808 gegründetes ſtädtiſches Waiſenhaus liegt in der Nähe des Bahnhofes. Das auf dem vordern Brühl gelegene— ſtädtiſche Schulgebäude enthält in ſeinem weſtlichen Flügel die Vadianiſche oder Stadtbib—⸗ liothek mit 25,000 gedruckten Bänden und 430 Manufkripten, eine Wappenſammlung und ein naturhiſtoriſches Muſeum. Im oberſten Stocke befindet ſich die Gemäldeſammlung des Kunſt⸗ vereins mit ausgezeichneten Nummern; im Mittelgebäude die In⸗ duſtrieſchule und im öſtlichen Flügel die Realſchule. Außerhalb der Stadt ſteht das großartige, trefflich eingerichtete Bürgerſpital und ihm gegenüber das neuerbaute Gemeindekrankenhaus, ſowie das große, maſſive Zuchthaus zu St. Jakob, eines der beſten der Schweiz. Weitere ſchöne Neubauten ſind: ein großes Poſtge— bäude, ein ſchönes Kornhaus, ſowie ein großes Zoll⸗ und Niederlagsgebäude. Ein neues Rathhaus und eine neue Ka⸗ ſerne werden gebaut. Ein katholiſches Schullehrer-Seminar und mehrere große Maſchinenwerkſtätten und Fabriken beſin⸗ den ſich in dem nahe liegenden Dörfchen St. Georgen. Die Umgebung von St. Gallen iſt ſehr reich an ſchönen Punkten, von welchen wir zunächſt den Freudenberg erwähnen. Er liegt /24 Fuß u. d. M. und beinahe 700 Fuß über der Stadt. Der 16 W9 ſiſ den wchem Uoden ſhelon, W f8 c 8 elem finem Heulch 0 Raſfl i01 linich gg Nt Ehrl nit ei ſiht il ſin Ef 9 0 90 f i Uur h. ſcüe 9 Ml ui ͤ0 00 Ur he figen Auntl Bät ſhig bon der Itol i0 I gr 5 Wſeer kalih Weg führt am Berggelände empor bis zu einem Fußpfade, der zu den„drei Linden“ führt. Hier iſt ein ſchönes Ruheplätzchen, von Stin welchem ſich bereits ein erweiterter Blick über das Steinachthal, den Bodenſee und deſſen Ufer darbietet. Von hier führt ein ſchattiger Waldweg weiter hinauf bis zu dem Gaſthaus des Berges, von deſſen /Balkon man mit guten Fernröhren ein großes Rundpanorama genießt. Es zeigen ſich die Appenzeller Alpen, der Glärniſch, Wiggis, Rauti⸗ ſpitz, Speer, Blackenſtock, Titlis, Urirothſtock, der Engelberger Roth⸗ uus ſtock, Sätteliſtock, Rigidalſtock, die Wallenſtöcke u. ſ. w., bei ganz mun hellem Wetter auch der Eiger im Berner Oberlande. Namentlich an einem heiteren, wolkenloſen Abend oder bei Sonnenuntergang iſt der herrliche Genuß, den dieſe Höhe darbietet, ein unvergeßlicher. ˖ Eine andere ſchöne Ausſicht bietet der Roſenberg, öbgleich ſie „derjenigen auf dem Freudenberg weit nachſteht. Sie hat aber wieder ihren Reiz durch das ſchöne Steinachthal, das ſich am ſüdlichen Fuße hinzieht und die ſchönen Ausſichten auf die Säntiskette und die Sit⸗ „„glaß tergegend. Auf dem weſtlichen Endpunkt des Berges, bei der Taub⸗ ſtummen⸗Anſtalt, iſt die Ausſicht gegen Südweſt am umfaſſendſten. 6Sehr beſucht iſt auch der öſtliche Endpunkt St. Peter und Paul uun mit einem neuen Gaſthaus, von welchem ſich eine ausgebreitete Fern⸗ in ſicht über den Bodenſee und einen Theil des Thurgau's, ſowie über ein Stück der Alpenkette darbietet. 40 Auch ein Gang auf die bewaldete Berneck iſt ſehr lohnend und gewährt dem Auge eine ſcharf begränzte, partielle Säntisanſicht, eh, auf ihr befindet ſich das Gaſthaus zur Falkenburg; der öſtliche Abſatz der Berneck führt den Namen Solitude und zeigt ein reiches und ſſchönes abgeſchloſſenes Bild von den Appenzeller Bergen. Der ſchönſte aller Ausſichtspunkte in der Nähe St. Gallens und viel umfaſſender noch als der vom Freudenberg iſt jedoch Frö⸗ „„lichseck, ein 2900 Fuß hoher, 1 Stunde entfernter Höhenpunkt. ½% Er bietet einen überraſchenden Blick auf das ganze Säntisgebirge, Jeinen Theil des Appenzeller-und St. Galler Landes, die Tyroler⸗, Vorarlberger- und Graubündner Alpen, ſowie auf den Bodenſee. Bei ſehr klarer Witterung will man ſogar Glarner- und Schwyzer⸗ gebirge beobachtet haben. Dieſer ſchöne Punkt erhielt ſeinen Namen von dem als Botaniker bekannten früheren Beſitzer deſſelben, Apotheker Frölich in Teufen, und wird in den Sommermonaten ſehr zahlreich von Fremden beſucht. Ein gutes Fernrohr läßt in den Zimmern des hier befindlichen Gaſthauſes die erwähnte ſchöne Ausſicht klar und deutlich in die Augen faſſen. Wir verweilten bei der Schilderung St. Gallens etwas länger, Jallein wir konnten nicht umhin, der durch ihren Handel und Ge⸗ “ werbofleiß, ſowie wegen ihrer Lokalitäten, beſonders aber wegen ihrem acberühmten Kloſter⸗nntereſſanten Stadt Kusführlicher) ll ndluglauben! dieſes auch!(Zanzzim Sinne der Beſucher uẽ haben 17 1197190¼ ch1 Das Rhei nthal. 219 111 115 3757 1 Hochbomantiſchen Naturſchönheiten und geſchithtlich interef ſanten Panktenhteiche Gegendliſt zauch vüs-Rheinthal vonRheitkecl bis Chut, und kaͤum wird es ein! Beſucher des Bodenſeeſs vorſäumen abenfalls zeinli Ausflug⸗ in daſſelb“ zu machen“ Wir“ geben Kus die⸗l ſem Grunde auch von Tieſer Bahnſtteck““eine Schilderung und kehren urütk,aunnvon letztétem deßhalb wißden ⸗nach!Rorſchath' und Rheineck aüs(das⸗Rheinthali zu beſuchen!⸗ N 2 11% 1% z54 Die, Gutfernung vdn Rheinock'mach Chur beträgt der Bahnlinie nãch 16 Stunden belchs in letwag:Stunden mit den Perſonenzügen und in 5,Stunden umit den Gütorzügen zurückgelegt werden! Bei letzteren! hat Amam den Vortheil/ daß“ auf'faſt jeder Station einigs Minuten„Zeit uzum ⸗Ausfteigen⸗worhanden iſt, um ünſelnem fveien Rundblitke die ſchöne! Begend zu betrachten. Aüf, dieſer Bähnſtrecke ſucheßmani⸗einen!Fenſiorplatz zuterhalten, und( zwar Vormittatzs auf dern rechten und Nächmiitags⸗lduf“ der linken Seite des Waggons weil um dieſe Tageszeit die Beleuchtlung der Gegelnd moffonden Seiteunt ſchönſtön ⸗iſt.%% e ba, e Achi[ Das Rheinkhallchildet' die Grenze zwiſchen dör zöſtlichen Schweiz mudelLem öſterreichiſchetl⸗Vorarlberg, ſowie“ dem Fürſtenthum Lichten⸗ ſtein. Ini der Nähe⸗des Bodenſeels hatudus! Thal' einen weichen lieb⸗ lichen Charakter, abeiter hinauf aber bahnte ſich derRhein ein flaches nom Schüttwällen ⸗herlbgeſchwemmter Geſteine umgebenes Bett; auch beſitzt, es„unten üppige Maisfelder mit ärefflichen Rebengeländen, wühnvend(oben ein reicher alpiner Charakter mit herrlichen Hochtzebirgs⸗ profpektent worherpſchendriſt u b 11dit 174171d 10 „Al Betkeits“ bei⸗Rhhe inleck öffnet! iſich dieEinſicht in die voratl⸗ bergiſchei Gebirge und der Danm aufwelchem adie Bahn läuft wurdedemenStromgebiets des Rheins mabgewonnen, derl hier eink BogenkrümmungimachtlunAn dein linken Ufer im Oeſterreichiſchen erblickt ünanden⸗ Kirchthilrm von StFohannehöchſt und der Gebhärdsbetg.ſowiendet Pfänder bei Bregenzizeichnen ſich“in(ſcharfen Umriſſen ab, rechtsIdagegennzeigt'ſich der!epheyumrankte, verwittette Thurm! des) zerſtörten Bergſchloſſes Grimmeſniſt ein, in deſſen Nähe das Frauenkloſter gleichen Namens und unoch höher die Kirche“ von Wallizle nhamſen⸗Uia 1³ Uu21i8 190 1½ ROfIISU%h Litll 0 Die kbonfälls am rechten Rheinuferliegende Station Se⸗ Mar⸗ garbithen mit⸗den Gaſthäuſern Sonnle, Baum und Ochts nthält 1191590 13 d Herk fehtdos; ts de chealt ſhoſt.“ feeltt, 0 5 den gus⸗ tiler nt ibenuſh bündter Men M halheh. Ue f in den de deſ ſolerz N5 Nö Te 9 Wepgt 0 feh de hre Venek Woſenk Ae W Raf Mer ſ 5 Rurnh Wachem hen 100 0 u lutht. U Ben große Molaſſeſandſteinbrüche und eine Schwefelquelle. Der Ort Zliegt, wie ſchon früher erwähnt, in einem wahren Obſtbaumwalde und erzeugt verhältnißmäßig das meiſte Obſt in der Schweiz. Von dem Bahnhofe aus bietet ſich ein ſchöner Rundblick dar, und zwar im Vordergrund neben dem Gebhardsberg die Thaleinſenkung der Bregenzerach, dann auf einem Vorberge die Wallfahrtskirche Bild⸗ ſtein und hinter ihr der Steinsberg, Loſen und Loreno; dann wie⸗ der mehr vornen der pyramidenförmige Staufenſpitz, das Hochälpli und der breitgeſtreckte ſchöne Mann. An der Bergeshalde rechts oben ſteht das reſtaurirte Schlößchen Bergſteig mit einem runden Thurme, rechts davon das frühere Schlößchen Apfelberg und höher links der s ehemalige Ritterſitz Schäflisberg, jetzt ein Bauernhaus mit Wirth⸗ ſchaft. Eine Eiſenbahn von St. Margarethen nach Bregenz iſt pro⸗ Balh jectirt. In einer ſtarken Krümmung wendet ſich nun die Bahn um den ausgeſprengten Felſenpfeiler Monſtein mit einem Schloß und leiner neuen Rheinbrücke und eröffnet hier den erſten, freien und ſenſtüberraſchenden Einblick auf die Appenzeller⸗, Montafoner⸗ und Grau⸗ Hihün bündner Bergrieſen, worauf man die Station Au erreicht. Den Na⸗ lhs men Monſtein(Mondſtein) wollen Manche von einem noch ſichtbaren Uaheß halben Monde herleiten, den der fränkiſche König Dagobert, gleich— lewie auf Frauenberg bei Bodmann, im Jahre 630 als Grenzzeichen in den Fels habe hauen laſſen. In der Gegend von Au wachſen Ehüß die beſten Weine des unteren Rheinthals und finden ſich ſolche be— Aül ſonders in dem Gaſthaus zum Schiff. Außer dieſen iſt hier noch lͤ das Rößli und eine bedeutende Cichorienfabrik. Rechts in der h Tiefe des Thalkeſſels liegt das ſtattliche Pfarrdorf Berneck oder Bernang, in welchem bedeutende Märkte gehalten und die edelſten u und feinſten Weine des Landes gebaut werden. Gaſthäuſer ſind hier: ſhliß die drei Eidgenoſſen, der Ochs und der Hirſch— Südlich von Berneck ſtehen auf einem vertretenden Rebenhügel die Ruinen der Ualrl Roſenburg, deren letzte Beſitzer Rudolf und Eglolf 1405 in der Kälf Appenzeller Freiheitsſchlacht am Stoß fielen und weithin zeigen ſich l die zerfallenden Trümer des Schloſſes Buchholz. Am andern Rhein⸗ eihſc ufer liegen die Orte Rheindorf, Luſtnau und tiefer im Thale ub das öſterreichiſche, beſonders von Iſraeliten bewohnte Städtchen n Dornbirn. Die Bahn tritt nun in einen größeren Thalkeſſel, in h welchem die Stationen Rebſtein, Altſtätten und am Ausgang deſſelben Oberriet liegen. Sie zieht ſich im Angeſicht eines herr⸗ lichen Gebirgspanoramas das Rheinthal hinauf, am Fuße des Ka⸗ mors und Hohenkaſten vorbei bis zur Rückſeite des Säntis; dieſe /Parthie der Appenzeller Gebirge entfaltet ſich beſonders vollkommen gaht bei dem hübſchen Landſitz Heerbrugg. Links erblickt man die zer⸗ 3 klüfteten drei Schweſtern im Fürſtenthume Lichtenſtein, im Hinter⸗ fl nt e grunde die kühn geformte Rhätikonkette, aus der Tiefe die hervorro⸗ genden Felſenhörner des Sceſaplana, 9600 Fuß hoch, mit dem leuch⸗ tenden Brandner-Ferner, den Calanda bei Chur und die prachtvolle Gebirgskette der 8764 Fuß hohen Grauen-Hörner. Die rechtsliegende fi Station Rebſtein beſteht aus einem großen Dorfe mit 1600 Ein⸗ wohnern, einer evangeliſchen Kirche und katholiſchen Kapelle. Es hat ſuat viele ſchöne Landſitze und beträchtlichen Wein-, Getreide- und Ta⸗ baksbau; auch wird viel Weißſtickerei getrieben. Gaſthäuſer ſind hier: lf der grüne Baum und Hirſch. Auf einer Anhöhe über den Reb⸗ ſufe bergen ſteht das Schloß Weinſtein mit einer Thurmruine, einem Ritterſaal mit Glasgemälden und einer Wirthſchaft und noch höher das ehemalige Schlößchen Sonneberg, jetzt ein Armenhaus. Die gen. Station Altſtätten iſt ein gutgebautes Städtchen und der Haupt⸗ ort des St. Gallen'ſchen Bezirks Oberrheinthal mit 7300 Einwohner, Es enthält eine große gemeinſchaftliche Kirche, treffliche Schulen und ſl Wohlthätigkeitsanſtalten, ſowie bedeutende induſtrielle Fabriken. Hier Man 0 war während der Reformation der Bilderſtürmer Carlſtadt Prediger, gume Auch exiſtirten früher 3 Burgen, Hoch, Alt- und Neu⸗Altſtät⸗ ten, die erſtere lag auf dem Kronberg, die beiden letzteren hingegen ſtanden an der Straße nach dem Stoß. Hoch- und Alt-Altſtätten wurden im Appenzeller⸗Kriege 1405 gebrochen, Neu⸗Altſtätten iſt jetzt ein Bauernhaus. Auch war Hochaltſtätten wohl die Heimath des Minneſängers Conrad von Altſtätten. Nächſt dem Städtchen ſteht ſe 50 das 1673 erbaute Nonnenkloſter Maria-Hilf und auf dem ſogen. ſle Forſt eine Kapelle mit einer der reizendſten Ausſichten über das ganze obere Rheinthal. Als Gaſthäuſer ſind zu nennen: die 3 Kö— nige, der Freihof, der Löwe und die Sonne. Ueber die Sumpfebene des Eiſenriedes läuft nun die Bahn nach der Station Oberriet. Sie bietet links herrliche Blicke auf die K Rhätikonkette, den Säulenſpitz, die Druſenfluh und Sulzfluh; ferner auf den Hochgerach und rechts auf die Fähnern und am Waldesrande auf den Eichberg. Oberriet hat 400 Einwohner und iſt ein großes wohlhabendes, faſt eine halbe Stunde langes Dorf mit Wein- und Obſtbau. Auf einem Bergvorſprung des Kamor ſtehen die Ruinen des Schloſſes Blatten, welches 1270 von Abt Berchthold von St. Gallen zum Schutz gegen die Grafen von Montfort erbaut wurde, J ſpäter dann in den Beſitz der Edlen von Ramſch wag überging, die d ge aber ſo verarmten, daß ſie 1423 das Schloß zu einer Schenkwirth⸗ ſchaft machten und daſſelbe 1456 vergantet wurde. Ein viereckiger ö mit Moos, Epheu und Gebüſch bekleideter Thurm zeugt noch von der ehemaligen Stärke dieſer Veſte, die einer weiten Ausſicht genießt, Unter den Ruinen ſteht eine dem heiligen Fridolin geweihte Ka— 9 5 ul Sem Lechnan. le Lſcla 1b illekeß ſgei d eb lele Re bergiſhe 9ö00 ſ 1 Tahttekth 8 zelle mit einigen Häuſern. Gaſthäuſer zu Oberriet ſind: der Adler, kſeie Krone und die Sonne. Rechts zur Seite am Berge liegt utnerner hinter Waldung verſteckt das Badeörtchen Kobelwies, mit iner Kalkſpathhöhle, die unter dem Namen„die Kryſtallhöhle“ bekannt t, und ſeitwärts der Eiſenbahn erhebt ſich ein bewaldeter, ſteiler ut Ilopf, der in ſeiner Mitte durch eine Erdrevolution geſpalten, ein „hierkwürdiges Felſen⸗Deſilée enthält und„der Hirſchenſprung“ heißt. Man gelangt nun zu der Station Rüthi, einem katholiſchen zfarrdorf mit 1500 Einwohner, deſſen Kirche und Pfarrwohnung ußerhalb dem Orte links auf einem Hügel, St. Valentinsberg enannt, ſtehen. Die dem Rheinbett zunächſt liegenden Aecker, Wieſen und nie⸗ rigen Landſtriche werden leider bei eintretender Waſſergröße oft berſchwemmt und mit Kies bedeckt. Die Ausſicht von dem St. zalentinsberg auf das Thal und die Gebirge iſt prachtvoll; links m Eingange des Illthals zeigen ſich die Dörfer Klaus, Röthis, tankweil und in der Höhe das Kirchlein Ueberſachſen, im Mittel⸗ ſbrunde der Hochfreſchen und in der Tiefe des Rheinthales der Ca⸗ anda. Gaſthäuſer in Rüthi, von welchem eine Zweigbahn nach ſeldkirch projectirt iſt, ſind die Krone, der Hirſch und das reuz. Von Rüthi führt die Bahn durch eine fruchtbare Gegend über 0 FGalez zu der Station des von der Bahnlinie etwas entfernt gele⸗ enen Haag. Auf dieſer Strecke gelangt man an dem 1853 bei⸗ zahe ganz abgebrannten, jetzt wieder aufgebauten Dorfe Lienz und n Sennwald vorüber, auf deſſen Kirchthurme der unverweste ſeichnam des 1596 von ſeinem Neffen auf dem Maiengericht zu Sa⸗ ez erſchlagenen Freiherrn Philipp von Hohenſax in einem Glasſarge ufbewahrt wird. Salez hat eine neue Kirche und ein ſchönes Pfarr⸗ aus; ſeine Bewohner nähren ſich von Ackerbau, Viehzucht und Spinnerei. Auch dieſer Ort iſt oft den Ueberſchwemmungen des ſtheins ausgeſetzt. Haag liegt an dem Kreuzungspunkt der aus dem Toggenburg und von Feldkirch kommenden Straßen und hat eine ieue Rheinbrücke, welche nach dem am andern Ufer liegenden vorarl⸗ ergiſchen Grenzdorf und Prämonſtratenſer-Kloſter Bendern führt. Im März 1799 rückten hier die Franzoſen über den Rhein auf iner Fähre in das Lichtenſteiniſche ein. Der Einblick in die Tiefe bes Rheinthales wird hier immer großartiger; bereits ſchauen Spi⸗ en des wilden 7500 Fuß hohen Falknis hervor. Die rechts breit ufſteigende, mit Hütten und Häuſern überſäte, friſchgrünene Halde ſt der Grabſer⸗Berg, an deſſen Fuß das große, mehr als 1000 Einwohner ählende Dorf Grabs liegt; links ſteigen die furchtbar zerklüfteten und erwitterten drei Schweſtern, auch Landsknechte genannt, empor. 3 R Buchs mit vielen ſchönen Gebäuden und 1600 reformirten Einwoh nern. Der große Ort iſt von dem nahen Städtchen Werdenbergl nur durch einen Bach getrennt und enthält die Gaſthäuſer zun Man gelangt nun durch ein ſumpfiges Riedfeld nach der Station te Hörnli(Poſt), Rößli und zur Sonne. Werdenberg hat einſe auf einem mäßigen Rebhügel ſtehendes hiſtoriſch-merkwürdiges Schloßſl! deſſen Einrichtung ganz mittelalterlich iſt. Aus dieſem Schloße gings das einſt ſo mächtige und tapfere Ritter- und Grafengeſchlecht del Werdenberg und Montfort hervor und entſtammte der heldenmüthige Graf Rudolf von Werdenberg, der Helm und Harniſch ablegte, um in Hirtenhemd die Appenzeller 1405 im Kampfe am Stoß gegen dal Ritterheer Oeſterreichs anzuführen. Jenſeits des Rheins liegen diſ Dörfer Blanken, Schaan mit einer neuen Rheinbrücke, und wei ter vornen Vaduz, die Hauptſtadt des Fürſtenthums Lichtenſtein, mif dem hochliegenden Schloſſe gleichen Namens. Die Station Sevelen, welche jetzt folgt, hat 1600 Einwoh ner und liegt mit den Ortſchaften Burgerau und Räfis in manns hohen Maisfeldern und beinahe ganz unter Obſtbäumen verſteckt an Fuße des vom 7274 Fuß hohen Alvier abſinkenden Sevelerberges In der Nähe des letzteren ſind noch wenige Trümmer des ehemaligel Schloſſes Herrenberg vorhanden. Die Bahn biegt nun um eineß breiten, grünen Hügel, hinter welchem in einer Einſenkung der Thunſ, der alten Burg Wartau auf dem Martinsberg hervorſchaut; recht dagegen in den Bergwinkel eingebettet, liegt das Pfarrdorf Atzmoos mit Wartau und einigen andern Dörfern eine Gemeinde von 300l Einwohnern bildend, die in ihrem Bezirke mehrere Getreide⸗ un Schneidemühlen, zwei Eiſenhammerwerke und eine Ziegelbrennere enthält. Sie iſt fruchtbar an Getreide jeder Art, futter⸗ und obft reich und es wächſt hier auch ein guter Wein. Die nächſte Station Trübbach iſt ein hübſches Dörfchen dich am Ahein mit einer Fähre über denſelben nach Balzers, welcheh am Fuße der Mittagsſpitze liegt. Die anderen Berge jenſeits del Rheins ſind der Gallinakopf, Mattlerkopf und Ochſenberg. Die Bahh wird jetzt durch den Schollberg auf einem feſtgebauten Damm in den Rhein gedrängt und es erſchließt ſich eine ganz neue Gebirgswell Gerade aus zeigen ſich die zerſpaltenen Grauen Hörner, links den jähe Falknis und rechts ſteil aufſtrebend der Gonzen. Ueber dem Rhein iſt die noch im vorigen Jahrhundert bewohnte Ruine Gutten berg und der ſenkrecht mit ſeinen Felſenwänden in den Fluß abfal f lende Fläſcherberg, hinter welchem der ſtarkbefeſtigte Engpaß Luzien/ ſteig aus dem Lichtenſteiniſchen in den Kanton Graubünden führtſil Die jetzt erſcheinende Station Sargans, ein Städtchen miß 1100 katholiſchen Einwohnern liegt am Fuße des 5791 Fuß hohen achertte Reben il um Juß ters, ſ0 00 2 2 Et. Let 0 1 ſenke ebtac 4 S 0 it en g unantf Und etu 00 lile em Ml enaunte ſhnkeg i988 J cso muliger Unhen, ine u oͤfrttz NfN0 IR5 f e 9 0 f Füb5 lel Relert Gonzenberges und am Eingang des breiten Seizthales; hier zweigt die Wallenſeebahn von der Rheinthalbahn ab. Von dem alten auf Janeiner Anhöhe über dem Städtchen liegenden Schloſſe, einſt Woh⸗ änung der Grafen von Werdenberg-Sargans, dann von 1482—1798 Sitz der eidgenöſſiſchen Bundesvögte, hat man eine anziehende Aus⸗ ſicht. Da in Sargans die Lokomotive mit dem Zuge längere Zeit hält, ſo hat man Gelegenheit auszuſteigen, um einen Rundblick von der großartigen Gebirgslandſchaft zu erhalten: Gaſthäuſer ſind hier: die Krone, der Löwe und das Lamm. Die Bahn führt nun über ebenes Land nach dem 2 Stunden entfernten Ragatz; zur Linken erſcheint der vielgezackte Falknis, neben ihm der Augſtenberg oder Mont Vilan und zur Rechten die am Fuße der Grauen Hörner liegenden Dörfer Wangs und Vil⸗ ters, ſowie die Thurmſplitter und Mauertrümmer des 1437 zerſtör⸗ ten Schloſſes Freudenberg, vor welchem ſich die uralte Kirche St. Leonhardt befindet, und zwar auf dem Schlachtfelde, wo die Schweizer im Jahre 1446 über die Oeſterreicher ſiegten; eine zum Andenken an dieſen Kampf erbaute Kapelle wurde vor längerer Zeit abgebrochen. Rag a tz An e der Tu.. 8 3 1. ein großer Marktflecken mit 1500 Einwohner und liegt in höchſt Aöntromantiſcher Umgebung an der Mündung der Tamina in den Rhein und etwa fünf Minuten von den Stationsgebäuden entfernt. Eine mit Trottoir's und Allee'n verſehene ſchöne Straße, an der eine Anzahl neuerbauter Gaſthöfe und Penſionen ſtehen, führt von dem Bahnhofe zu dem berühmten Bade- und Kurort. Ragatz iſt ein alter, ſchon 998 von Pabſt Gregor in einer Bulle „genannter Ort, welcher außer den in neueſter Zeit errichteten ge— ſchmackvollen Kuranſtalten und der neuen Badehalle wenig Merkwür⸗ diges darbietet. Auf dem Friedhof befindet ſich das Grabmal des Philoſophen Schelling von weißem Marmor, welches ihm ſein ehe— maliger Schüler, der nun verſtorbene Maximilian IIl. König von Bayern ſetzen ließ. Was Ragatz beſonders berühmt machte, das ſind ſeine warmen Bäder, deren Waſſer durch Röhren von dem 1 Stunde entfernten Pfäfers hergeleitet werden. Das eigentliche Kurhaus Hof⸗-Ragatz mit einem ſchönen Garten, früher die Statthalterei des Kloſters Pfäfers, iſt eine großartige Bade-Anſtalt und enthält alle jene Annehmlichkeiten, welche man von einer ſolchen zu erwarten be— rechtigt iſt. Nach ihm folgt das 1867 vergrößerte und verſchönerte Hotel und die Penſion Tamina(Hotel erſten Ranges) dicht bei dem neuerrichteten Badhaus und der Trinkhalle gelegen und mit demſel— 9 38 ben 8 einen beſonderen Eingang verbunden, hat eine der ſchän ſten Lagen mit prachtvoller Fernſicht. t. Es enthält Leſe⸗ und Raulh zimmer, Billard und Garten. Auch findet eine regelmäßige Omm bus-Verbindung mit dem Bahnhof ſtatt. Das Hotel iſt das ganzf hen. Jahr geöffnet; neben ihm befindet ſich auched das Hotel Calanda M Uhr ſtauration. Weiter aufwärts in der 28. des Hofes ſteht das ein hin fache aber gute Hotel Anderes ihm geger iber die 5 ein ſehr beliebtes Haus. Nach dieſen folgen: der Bär, Löwe, Hirſch und die Sonne, ſämmtlich einfach und billig. An der neue Bahnſtraße befindet ſich der Schweizerhof mit Reſtauration und Biläed und Aületühe der Neuhof ebenfalls mit Reſtauration; an Bahnhof liegt der Roſengarten und an dem Wege den Freuf min denberg die einfache, als ſtiller Aufenthalt zu empfehlende Penſiolf de f Schedler mitten in einem Garten. Bierwirthſchaften ſind: deſ ud l Freudenberg, Schweizerhof, eifehekerkerf der Löwe unff Etane Ochs. Das Klima von Ragatz iſt wegen der faſt von alleſ ſun Seiten umgebenden Bergen fehr milde und die 8585 rein und ſtärf llue kend, nur des zuweilen etwas friſch, und es vereinigt deß halb der Ort alle Vortheile eines Alpenkurorts mit denen einer ſon nigen Ebene. Die Kurzeit beginnt im Mai und dauert bis zum Oktober Wir können Ragatz nicht verlaſſen, ohne auch das wegen ſeinen wildromantiſchen Lage merkwür rdige Bad Pfäfers beſucht zu 15 4 ben. Der Weg dahin führt durch eine unmittelbar hinter den Härf aſ ſern des Ortes ſich öffnende Bergſchlucht, auf einem 1839 größtentheils in Felſen geſprengten Fahrwege. Gleich am Einganſ dee in dieſelbe brfinden ſich ſche Mühlen und ein 40 Fuß hoheif fsne Waſſerfall, während der Tamina graugefärbtes Gletſcherwaſſer miſ hh betäubendem Gertuſch über große, ſchwarze Felsblöcke tobt. Himmelf uth 8 hoch thürmen ſich die ſenkrechten 3— 400 Fuß hohen Felswände bald rechts, bald links auf; Grün auf Grau iſt der herrſchende Far⸗ benton, der nur da abweicht, wo die Felswände alles Ueberz zuges entblöst in ſchwarzem Geſtein mit weiß durchzog rn zu Tage liegen. Schon oft wurde deßhalb dieſe Felſengaſſe der Tamina die kleine Vi Via mala genannt. Bei einer kaum bemerkbaren Steigung führt ſo die ebeneſ nn Straße 8 dem Bade Pfäfers, welche— aus 4 lesssgerdc Ge⸗ bäuden beſteht und 140 Zimmer enth in denen etwa 300 Kur⸗] 65 gäſte logirt werden können. lih Die Bäder befinden ſich im Erdgeſchoß und 4 große derſelbenf m ſind zum gemeinſchaftlichen Ba 9t Die Trinkhalle befin und iſt für Jedermann geb gen der großen Kuranſtalt 2+ ptgebäudes ebrigen ſind alle Einrichtun⸗ )hie Korridor's bilden Kreuz⸗ gänge, der Trinkſaal eine kirchenähnliche Halle und viele Zimmer er⸗ innern an das Zellenleben; doch ſind auch zwei Speiſeſäle, Salons für Damen, ein Billard-Leſezimmer u. ſ. w. vorhanden. Wegen den hohen Felſen haben die Sonnenſtrahlen im Hochſommer nur von 10 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags Zutritt in die Felſenſchlucht, und im Auguſt ſogar nur von 11—3 Uhr; demungeachtet iſt das Klima während dieſer Zeit im Allgemeinen milde und die Luft ſehr geſund. Des Bades größte Merkwürdigkeit und zugleich eine der berühm⸗ teſten Stellen der Schweiz iſt die hinter dem Kurgebäude ſich öffnende ſchauerliche Schlucht, in welcher die warmen Quellen entſpringen. Um dieſe zu beſichtigen, iſt die günſtigſte Zeit der Vormittag zwiſchen 11 und 12 Uhr. Aus dem Trinkſaal tretend, erblickt man ſogleich die tiefe Felſenenge, aus welcher die Tamina ſich hervorarbeitet und betritt eine neue ſteinerne Bogenbrücke über dem tobenden Strome, deſſen Lauf aufwärts verfolgend. Immer dichter rücken die ſchwarzen, thurmhohen Wände zuſammen, immer ſchmaler wird der blaue Himmelsſtreifen, der von oben hereinblickt und immer brau⸗ ſender das Wühlen der Tamina. Bald wird auch der letzte Licht⸗ ſtrahl dem Felſengrabe entzogen und die naſſen, ſchwarzen Steinwände wölben ſich in bedeutender Höhe zuſammen, ſo daß bei dem ſogen. „Beſchluß“ Fußwege über dieſelben führen. Wenn auch hie und da ein Lichtblick hereindringt, ſo dient er nur dazu, das Grauenhafte zu erhöhen. In der Kluft befinden ſich auch einige Höhlen, deren merk⸗ würdigſte die beinahe runde Marmor⸗ oder Magdalenenhöhle, ſpäter die„Suſt“(Siſta) hieß und wo der Abt Jodokus vom Kloſter Pfäf⸗ fer's eine Büßerkapelle zu bauen beabſichtigte; ſie liegt unter dem Beſchluß, links über der Tamina. An den Felswänden befinden ſich noch Spuren des Balkenlagers, auf welchen die früheren Badgebäude unmittelbar über den Quellen ruhten, welche da ſind, wo die Felſen hinter dem Beſchluß ſich wieder etwas öffnen; ihre Faſſung iſt äußer⸗ lich ſehr einfach, in der Tiefe aber äußerſt künſtlich angelegt. Der Weg hört hier auf und nur auf weiten Umwegen kann man an's Ende der Schlucht gelangen. Das Waſſer iſt ohne Geruch und Geſchmack, dabei kryſtallhell, rein und leicht, ſetzt nie einen Bodenſatz ab und kommt an der Quelle mit 30e Wärme zu Tage; in der Trinkhalle zu Pfäfers fließt es mit 29½“, und in den Bädern zu Ragatz mit 28e Wärme. Es wird ſchon Jahrhunderte lang gegen ſerophulöſe, rheumatiſche und nervöſe Uebel, Magen- und Hämorrhoidalleiden, alte Wunden und Luxationen, ſowie gegen weibliche Krankheiten mit großem Erfolg gebraucht. Die Heilquelle von Pfäfers wurde nach der Sage von einem Jäger der Abtei, Carl von Hohenbalken, beim Ausnehmen eines Ra⸗ benneſtes entdeckt. Als Bad kam ſie jedoch erſt im Jahre 1242 40 unter dem Fürſtabt Hugo von Villingen in Anwen 400 Jahre lang keine andere Gelegenheit, als in d von der Höhe hinab gelangten. Erſt im Jahr 163 Pfäfers ſteht. Den Bau der gegenwärtigen Gebäud nifacius Tſchupp im Jahr 1704 ausgeführt. Die Kantons St. Gallen, welche nach der im Jahre 1838 mangelte nicht, dieſer Anſtalt die gehörige Aufmerkſ beſſerungen und Verſchönerungen zu ſchenken. Ragatz, dem Quellengebiete und Bade zu Pfäfer's un im Dorfe Ragatz durch Kauf in den Beſitz des He Simon über und zwar mit der Bedingung, daß eren Nach dieſem Plane bildet den Mittelpunkt der ſchiedenſten, mit den neueſten Bade⸗Einrichtungen verſ binette auf jedem Flügel den Abſchluh. Auch dieſe Anlage vervollſtändigen wird. Wir kehren nun wieder nach Ragatz zurück, um Ragatz beginnt die Straße, welche 1 Stunde in große durch Buchenwald hinauf nach dem ehemaligen Kloſt früher zum Kloſter gehörenden Schloſſes Wartenſteir tzungen erbaut wurde. Die im Jahre 721 von dem gegründete und mit 12 Mönchen aus dem Kloſter Reich Benedictiner⸗Abtei war eine der reichſten der Schweiz hatte ſeit 119 die Fürſtenwürde. Das 1655 erbaute gebäude iſt zum Theil mit Marmor bekleidet und dung. Es gab er ſchauerlichen Felſenſchlucht ſelbſt zu baden, wohin die Kranken auf hölzerner Stiege 0 ließ der Abt Jodokus Höslin die Quelle an die Stelle leiten, wo jetzt das Bad e hat Abt Bo⸗ Regierung des erfolgten Auf— hebung des Kloſters Pfäfers in den Beſitz des Bades gelangte, er— amkeit in Ver⸗ Seit dem 26. März 1868 ging das geſammte Areal von Hof 9 der Badhalle rrn Architekten ach einem vor⸗ gelegten Plane großartige Neubauten und Anlagen ausführe. neuen Anſtalt ein Curſaalgebäude für öffentliche Unterhaltung, Lektüre, Concerte, Bälle u. ſ. w., welches von Pavillons und Blumenrabatten umge⸗ ben iſt. Gegen den bewaldeten Bergabhang im Hintergrunde bildet ferner die Colonnade einer großen Trinkhalle mit 42 der ver⸗ ehenen Badka⸗ 5 Gebäude iſt mit Bouquets und engliſchen Anlagen, ſowie mit Springbrunnen und Statuen u. ſ. w. umgeben. Links gegen den Hof Ragatz ſteht zu⸗ letzt ein neues, großes Curhotel erſten Ranges, wele ches allen An⸗ forderungen der Jetztzeit entſpricht, und dem enſprechend ſpäter auf der gegenüberliegenden Seite des Curſaals ein ähnliches Hotel die von hier aus ſeine weiteren Umgebungen zu beſuchen. Gleich hinter dem Hotel Hof n Windungen er St. Piis⸗ minsberg führt. Beinahe oben kommt man an der Ruine des nvorbei, wel⸗ ches 1386 von Abt Conrad II. zum Schutze der klöſterlichen Beſi⸗ heil. Pirmin enau bezogene und der Abt große Kloſter— die Kirche hat mehrere gute Altargemälde, nebſt einer von 8 ſchwarzen, weißgeader— ten Marmorfäulen unterſtützten Gallerie. Von der Kirche, ſowie von ſch Wl Tule n ff de ach W R i Geh dem Prälaturgebäude, genießt man eine prachtvolle Ausſicht. Der finanzielle Verfall des Kloſters führte im Jahre 1838 ſeine Aufhe⸗ bung herbei, worauf es 1847 in die Kantonal⸗Irren-Anſtalt St. Pirminsberg umgewandelt wurde. Die Stiftung des ehemaligen Kloſters iſt folgende. Gleich wie der heil. Luzius ſchon im 2. Jahrhundert unter römiſcher Herrſchaft das Evangelium in Rhätien verkündet, wie im Anfang des 7. der heil. Gallus daſſelbe am Bodenſee verbreitete und der heil. Sigisbert es hoch in die rhätiſchen Alpen an die Quellen des Vorderrheins verpflanzte, ſo kam auch in das alte Rhukanien am Anfang des 8. Jahrhunderts aus Franken der heil. Pirminus, Biſchof von Meaux. Er wollte am linken Ufer der Landquart bei Marſchlins ein Kloſter bauen; ein Zimmermann wurde beim Holzfällen verwundet, worauf eine weiße Taube einen blutigen Span ergriff und ihn über den Rhein nach dem jenſeitigen Walde auf der Höhe trug. Pirminus ſah dieß als eine höhere Bedeutung an und an dem Orte, wo die Taube den Span von einem Lerchenbaume fallen ließ, ſoll er geſpro⸗ chen haben:„Hier will Gott ſeine Wohnung haben,“ weßhalb denn auf der jetzigen Stelle das Kloſter errichtet worden ſei. Daher ſtammt auch die fliegende Taube mit dem Span im Wappen des Kloſters Pfäfers. Die Gegend umher war wüſt und öde, die Mönche ſchufen ſie aber in fruchtbares Land um. Eine Viertelſtunde oberhalb dem Kloſter erhebt ſich der Aus⸗ ſichtspunkt Tabor, der einen umfaſſenden Einblick auf die Gebirge am Wallenſee, im Appenzell und Vorarlberg, ſowie im Prättigau darbietet. Das nahe bei dem Kloſtergebäude ſich befindliche Dorf Pfäfers liegt mit demſelben auf einem Bergrücken, welcher mit üppigem Graswuchs, ſchönen Feldern und Obſtbäumen umgeben iſt. Die Dächer der Häuſer des Dorfes ſind der hohen, windigen Lage wegen mit großen Steinen beſchwert, die hölzernen Gebäude ſelbſt haben meiſtens ein ſchwärzliches Ausſehen. Es ſticht deßhalb auch das frühere Kloſter, welches ein großes, wohlgebautes Viereck bildet, ſehr gegen das Dorf ab. Der Ort hat eine gute Schule und eine eigene kleine Pfarrkirche. Gaſthäuſer ſind: die Taube und der Löwe. Indem wir nun unſere Reiſe mit der Eiſenbahn von Ragatz nach Chur fortſetzen, gelangen wir auf einer gedeckten Brücke über den Rhein zuerſt nach der Station Mayenfeld, der erſten Stadt im Gebiete des Kantons Graubünden mit 1300 Einwohnern, deren Häuſer bereits den bündneriſchen Charakter in ihrem Steinbau, den kleinen Fenſtern und den an der Außenſeite emporführenden Trep⸗ pen zeigen. Ein uralter, zerfallender Thurm am Eingange der Stadt ſoll im 4. Jahrhundert unter Kaiſer Konſtantius erbaut wor⸗ den ſein und ein großes, ruinenartiges, theilweiſe noch bewohntes Schloß wurde im 14. Jahrhundert von den Grafen von Toggenburg erbaut und ſpäter der Sitz der Herren von Brandis, ſowie der bündneriſchen Landvögte. Die alte Stadt iſt eng und winkelig und hat noch Mauern, Thore und Gräben, welch' letztere jetzt übrigens theilweiſe in Gärten und Weinberge umgewandelt ſind. In der Kirche, welche ſehenswerth iſt, befindet ſich das Grabmal des Ritters und Oberſten Hans Lucius von Gugelberg, das in der Nähe des Taufſteins die Gruft der Grafen von Toggenburg und der Herren von Brandis deckt. Gaſthäuſer ſind in Mayenfeld das Rößli, die Sonne und die Reſtauration zur Eiſenbahn—⸗ Die Bahn führt nun an den links liegenden Dörfern Jenins und Malans vorüber, wo der vorzügliche feurige, weiße Wein, Com⸗ pleter genannt, wächſt, über die wilde Landquart nach der Station gleichen Namens. Ueber erſterem Orte liegen auf einem Felsvor⸗ ſprunge die Trümmer des früher anſehnlichen Schloſſes Alt⸗ Aſpermont, und weiter links die Ruinen der Burg Wyneck, wo einſt der berühmte Hiſtoriker und Staatsmann Guler von Wyneck wohnte. Malans liegt am Fuße des Augſtenberges und beſitzt das Schloß Bodmen, in welchem der Dichter Gaudenz von Salis lebte und ſtarb. Auf die Station Landquart folgt nun der rechts liegende Maſtrilserberg mit dem Dorfe Maſtrils, ſowie links der ſtattliche Landſitz Rußhof und das unter Obſtbäumen verſteckte Dorf Igis, deſſen ſteinerne Häuſer ein ganz italieniſches Anſehen haben. In ſeiner Kirche befindet ſich das Grabmal des Marſchalls Ulyſſes von Salis. Die Station Zizers, welche nun erſcheint, iſt ein ſehr alter Marktflecken, deſſen Gebäude ebenfalls ganz im Graubündner Style erbaut ſind; ſie haben ein hohes Erdgeſchoß, zu welchem 4—6 Stu⸗ fen hinaufführen, große abwärts in den Hof gehende Thorfahrten und wenige kleine Fenſter. Einſt ſtand hier das alte Schloß Fried⸗ nau, von dem nur noch ein großer, viereckiger Thurm vorhanden iſt. Nahe bei Zizers beſindet ſich die dem Bisthum Chur gehörende ſchöne Meierei Molinära und darüber auf einem Felſenkopf der alte Schloßthurm von Ruch-Aſpermont, einſt Sitz der biſchöflichen Landvögte. Jenſeits des Rheins, an deſſen Ufer jetzt die Bahn dicht vorüber läuft, ſteht die Ruine Neuenburg aus dem 9. Jahrhundert, welche früher Wohnung der Thummen war und Anfangs des 16. Jahrhunderts zerſtört wurde. Links liegt das große Dorf Trimis mit 900 Einwohner, woſelbſt der berühmte Coſtamſer oder Conſtanzer Wein wächſt. Rechts von der Bahn erſcheint nun das neuere noch bewohnte Schloß Haldenſtein mit dem reformirten Dorfe gleichen Namens und auf einer hervorragenden Felsecke die Ruine des Schloſſes Lichtenſtein, Stammburg der Fürſten von Lichtenſtein. ⁰ Renen NIm Etwas weiter entfernt zeigt ſich das alte Schloß Haldenſtein, —— im 12. Jahrhundert erbaut wurde und ſeit 1769 unbewohn⸗ iſt. Es war einſt 7 Stockwerk hoch und mit Gewölben, Burg⸗ —— Gefängniſſen und Folterkammer verſehen, und iſt jetzt Eigen⸗ thum der Familie von Salis, welcher auch das neue Schloß im Dorfe gehört. An dem links liegenden Dörfchen Maſans, das früher ein kleines Kloſter hatte und an dem Waiſenhaus von Chur vorbei, erreicht man nun in wenigen Minuten den Bahnhof der Hauptſtadt des Kantons Graubünden 65 f Chur. Ga f aſthöfe: Hotel Steinbock, außerhalb der Stadt, elegant und gut; Hotel Lukmanier, nächſt dem Bahnhof; Weißes Kreuz und Freieck, beide vereinigt und altrenommirt; Rother Löwe, Stern und Sonne, gut und billig. Reſtaurationen und Cafe's: Café Calanda; Café zur Poſt, beide gut; die Bahnhofreſtauration und obige Hotels. Weinhäuſer: Kellnerei auf dem biſchöflichen Hof; Meßmerei, Rebleuten; ſämmtlich mit ausgezeichneten Weinen. zunächſt dem Markt; Bierhalle; Felſen⸗ keller; Café zur Poſt, Löwe. Gartenwirthſchaft: Cafd Roſenhügel, vor der Stadt, mit ehr ſchöner Ausſicht Die Stadt Chur, das alte Curia Rhaetorum der Römer, iſt ſchon ſeit dem 5. Jahrhundert ein Biſchofsſitz und hat 7400 meiſt re⸗ formirte W 8 8 5 Sie liegt in einem ſchönen von dem Calanda, dem felszackigen Hochwang und dem bis zum Gipfel bewaldeten Pic⸗Okel umgebenen und vom Rhein durchfloſſenen Thale an der Pleſſur. Die Straßen und Gaſſen der inneren Stadt ſind eng und ſinſter und haben alte und hohe Gebäude. Die früheren Ringmauern, Thürme und Thore ſind jetzt größ tentheils verſchwunden, wie denn 3. B. an der Stelle zweier letzteren ſich ein neues Zeughaus und ein ſchönes Poſthaus erhe ebt. In geringer Höhe über der Stadt 1 auf einem Vorſprunge des Mittenberges der 8 Chur, die Reſidenz des Biſchofs und eines Domkapitels. as 8 chofsſchloß enthält eine uralte g0 belle, ein wichtiges Archiv und Reſte eines Todtentanzes e an den Wänden der unteren Gänge; ferner mehrere Säle, worunter einer mit den Portraits der Biſchöfe. Angebaut an das Schloß ch. von Epheu umrankter Römerthurm,„Marſöl“ genannt, e der Sitz römiſcher Prokuratoren; ihm gegenüber ſtand ein zweiter Thurm, der„Spinöl,“ vormals Wohnung der ſpaniſch⸗ öſterreichiſchen Ge ſandtſchaft und jetzt ein Privathaus. Sehenswerth 1 1 1 1 — iſt auch die katholiſche Domkirche des Hofes in bycantiniſchem Style von Biſchof Tello im 8. Jahrhundert erbaut. Die Säulen und Löwen ihrer Gruftkirche ſollen Ueberreſte einer ſchon im 4. Jahrhundert auf demſelben Platze erbauten Kirche ſein, und ebenſo die 4 Evangeliſten als Träger des Vorthores aus dem 5. Jahr⸗ hundert ſtammen. An dem Hauptaltare der Domkirche befinden ſich Holzſchnitzwerke aus der altdeutſchen Schule und als Altarbilder ſind Gemälde von Alb. Dürer, den beiden Holbein, Tiſoni, Calvari und Rubens vorhanden. In der Sakriſtei werden verſchiedene An⸗ tiquitäten aufbewahrt, worunter ein Meßgewand und Biſchofsſtab aus dem 8. Jahrhundert; ferner ſtehen in der Kirche eine Anzahl von Grabdenkmalen, unter denen ſich der Sarkophag des Biſchofs Ortlieb von Brandis in röthlichem Marmor auszeichnet. Ein dem verſtorbenen ultramontanen Agitator Pater Theodoſius gewidmetes ſteinernes Kreuz mit Inſchrift beſindet ſich vor der Kirche. Oberhalb dem Hofe liegt das Prieſterſeminar St. Luzius und neben dem⸗ ſelben die neue Kantonsſchule, welche die Kantonsſchulbiblio— thek und ein Naturalienkabinet mit einer einheimiſchen Fauna und vorzüglichen geognoſtiſchen Sammlung enthält. Auf dem Kirch— hofe von Chur befindet ſich das Salisdenkmal, eine koloſſale Portraitbüſte in karrariſchem Marmor ausgeführt. Andere merkwür⸗ dige Gebäude der Stadt ſind: die proteſtantiſche Hauptkirche St. Martin, groß und ſchön gebaut, die Kirche St. Regula mit einem ſpitzen Thurme, das weniger ſchöne, aber anſehnliche Regie— zrungs⸗Gebäude, ziemlich frei gelegen, mit einem hübſchen Garten; das alterthümliche, unregelmäßig gebaute Rathhaus mit farbigen Fenſtern und Gemälden im Saal und einem ſehr künſtlichen Dach— ſtuhl, ſowie der Herrenſitz St. Margarethen vor dem früheren obern Thore und das in italieniſchem Geſchmacke errichtete, ehemals Schwarz'ſche Haus auf dem Sand. Die Umgebung von Chur iſt reich an nahen Spaziergängen und entfernteren Ausflügen, von welchen die wichtigſten ſind: auf der neuen Straße am Mittenberge zu der St. Luziuskapelle mit reizender Fernſicht; zum Lürlibad am Fuße des Mittenberges mit Wirthſchaft und einer der ſchönſten Einblicke in's Oberland; die Wald⸗ ſpaziergänge, Maienſäſſe genannt, am Piz⸗Okel; die neue Straße ge— gen das 1865 von einem Brande ſtark heimgeſuchte Dorf Malix hinauf; im Thal der Pleſſur bis zum Waſſerfall; in's Scalära— tobel, einem finſteren, ſpuckreichen Felſenthal, mit ſchroffen Wänden, düſterem Tannengehölz und üppigen Farren und Mooſen in ſeiner Tiefe; auf den 9659 Fuß hohen Calanda, zu welchem jedoch min— deſtens ein voller Tag nöthig iſt, indem man 6 Stunden von Chur bis zu ſeiner Spitze braucht. Kürzere Zeit und weniger Mühe be— ſtüct Ate ſh t et Thäit u M ile obei lät. D ſt Re Relheif ſn efe 51 Tilen Gebit i. Ml, I0 f9 9 r l 9 ich ſelle a5 lthen Il Hilei anſprucht die Beſteigung des Stazerhorn, 3 Stunden von Chur, welche ſehr zu empfehlen iſt, um ſich in der Graubündner Gebirgs⸗ welt orientiren zu können; auch ein Spaziergang nach Felsberg gehört zu den kürzeren Ausflügen, um die bekannten Felsſtürze in der Nähe zu ſehen, welche einen Theil des Dorfes zerſtört haben. Eine der vielbeſuchteſten Partien in der Umgebung von Chur iſt jedoch diejenige zu der berühmten 5 Stunden entfernten Felſen⸗ ſchluct der Via mala. Der Weg dahin führt an einer Kaſerne und dem Exerzierplatz, ſowie an dem in der Nähe befindlichen Dorfe Felsberg vorbei nach dem romaniſchen Ort Ems mit weithin blin⸗ kendem Kirchthurme und von hier nach Reichenau in 2 Stunden, wobei man links den Malixerberg und rechts den Calanda zur Seite hat. Das Schloß zu Reichenau gehört dem Herrn A. von Planta und war einſt eine Erziehungs⸗Anſtalt in der Zſchokke lehrte und im Jahre 1793 Ludwig Philipp unter dem Namen Chabot ein Aſyl fand. Noch zeigt man ſein Zimmer und zwei Bildniſſe von ihm; das eine als Flüchtling, das andere als König. Im Schloßgarten iſt der Zuſammenfluß des trüben Hinterrheins mit dem klaren Vor⸗ derrhein zu ſehen. Eine 220 Fuß lange und 80 Fuß hohe Holz⸗ brücke führt über den vereinigten Strom, welcher in der Richtung gegen Chur dem Bodenſee zufließt. Von Reichenau zieht die Straße den Vorderrhein überſchreitend in einer /'OStunde nach Bon aduz, einem katholiſchen Dorfe in fruchtbarer Gegend, und in einer wei⸗ teren Viertelſtunde nach Rhäzüns, ebenfalls einem romaniſchen Dorfe mit einem Schloſſe gleichen Namens auf einem vorſpringenden Felſen im Rheine, deſſen Erbauer der mythiſche König Rhätus ge— weſen ſein ſoll. In dem Schloſſe reſidirten zu Anfang des 18. Jahrhunderts die öſterreichiſchen Geſandten in Graubünden und von ſeinen Fenſtern genießt man eine herrliche Ausſicht auf die hohen Gebirgswälle, ſowie auf die umliegenden Dörfer und namentlich aber in das reizende Domletſchgerthal, welches hier beginnt. Dieſes Thal, durch das die Straße zur Via mala führt, iſt ſehr romantiſch und reich an maleriſchen Ruinen und Dorfſchaften; rechts befindet ſich der Heinzenberg, links der Malixer- und Dreibündnerberg. Un⸗ ter letzteren liegen jenſeits des Rheins die Ruinen von Ober⸗ und Nieder-Juvalta, das Dorf Rothenbrunnen mit einer Eiſen⸗ quelle und gut eingerichteter Bade-Anſtalt, und rechts auf einem ho— hen Felſenvorſprung das noch bewohnte Schloß Ortenſtein mit ſchönen Gartenanlagen und Blumenteraſſen. Nicht ſehr entfernt, auf der Höhe eines bewaldeten Hügels, befindet ſich das ſagenreiche Kirchlein St. Lorenz, welches einſt von Euſebius Scotus F 884, als Einſiedler 30 Jahre lang bewohnt war. Nun gelangt man, immer den Rhein zur Linken, in das große, mitten in einem Obſtwalde liegende Dorf Katzis am Fuße des Heinzenberges, mit einem Nonnenkloſter, das um's Jahr 700 von Escopea, der Gemahlin des Biſchofs Paſchalis, geſtiftet wurde. Das Kloſter iſt ſehr einfach und nur die Kirche und der Thurm, mit einem bunten, glänzenden Dache geben ihm einiges Anſehen. Jenſeits des Rheins liegen die Orte Paspels mit den Ruinen von Alt- und Neu⸗Sins und Canova, Rotels und Fürſtenau mit den Rui⸗ nen gleichen Namens, ſowie ein alter Thurm, der„Haſenſprung“ ge— nannt. Im Hintergrunde des Thales zeigt ſich das Mutterhorn und der Pic-Beverin. Von Reichenau nach Katzis ſind es 2 Stunden und nach aber⸗ mals„eſtündiger Wanderung erreicht man den freundlichen Markt⸗ flecken Thuſis am Eingang der Via mala, welcher nach dem großen Brande im Jahre 1845 ſtädtiſch wieder aufgebaut wurde. Der Ort hat 780 meiſt reformirte Einwohner und ſoll vor 2400 Jahren von den hieher geflüchteten Tusciern gegründet und Tuscia genannt worden ſein, wovon ſein Name herſtamme. In der Nähe fließt ein wilder Bergbach, die Nolla in den Hinterrhein, welcher von den Höhen des Pic⸗Beverin herabſtürzt, und ſo klein er auch ſcheint, dennoch gleich der Albula und dem Rhein, ſchon furchtbare Verhee— rungen angerichtet hat. Gaſthöfe in Thuſis ſind: das Hotel Via mala, Hotel Rhätia, der goldene Adler,(Poſt) ſämmtlich mit ausgezeichneten Veltiner-Weinen, namentlich Montagner, und vor⸗ züglichen Rheinforellen; ferner der Roſenhügel mit reizender Aus⸗ ſicht und der Felſenkeller mit Bier außerhalb dem Flecken. Der Weg zu der Via mala führt zwiſchen dem Johannis⸗ ſtein und dem ihm gegenüber liegenden bewaldeten Berg Crapteig hindurch, ſowie dem Laufe des unten fließenden Rheins entgegen in die düſtere Gebirgsklauſe hinein. Auf der rechten Seite des Fluſſes ſteigt ſenkrecht die Felswand von Hohenrhätien empor. Die ge— brochene Burg war einſt ihrer Lage nach die ſtärkſte des Thales, welches ſie ganz beherrſchte, den ſie ſtand 596 Fuß über dem unten vorbeifließenden Rhein; von ihren vier Thürmen ſteht nur noch einer. Hohen-Rhätien oder Hohen⸗Rhealta ſoll ebenfalls von dem ſagenhaften König Rhätus erbaut worden ſein; die Burg wurde im Jahre 1450 im Schamſerkriege vom Volke gebrochen, wobei der letzte Burgherr zu Pferde ſich über die hohe, ſenkrechte Felswand hinab in den Rhein geſtürzt haben ſoll. Nahe bei ihr ſtehen auch die Trüm⸗ mer der uralten Johanniskapelle, der erſten chriſtlichen Kirche des Thales, von welcher der ganze Felſenkoloß, auf dem die Burg und Kapelle ſtand, den Namen Johannisſtein erhielt. Die Schlucht, durch welche der Hinterrhein aus dem Schamſer— thale hervorkommt, beginnt unmittelbar unter dem Johannisſtein und Kune lückend, Aulde 0 18 Rer ill Ehluht Gtoſ Oet un zueite nd9 10 Wgun Felſend Seiten ſigt er ſchen d elbuute Von de nach de lebläch 0 ſchluch Gubetz ihßn d bät, 0 den erſt den de allaſt, lhe N undgg Aatthen N Id 9 fir hfe Wͤſing b W. Wige 0 in 0 ehen 91 00 8 iung f am Rande derſelben windet ſich die Straße, die Kluft dreimal über⸗ brückend, 2 Stunden lang hin. Zuerſt erſcheint in einer halben Stunde das ſogenannte„Verlorene Loch,“ eine 216 Fuß lange und 18 Fuß breite in den Fels geſprengte Gallerie und bald darauf der in einer kleinen Thalweitung liegende Hof Rongella. Die Schlucht verengt ſich nun wieder und nimmt den Charakter impoſan⸗ ter Großartigkeit an, beſonders jenſeits der 1738 erbauten erſten oder unterſten Brücke. Nach einigen hundert Schritten kommt die zweite oder mittlere, 183“ erbaute Brücke, noch kühner geſprengt und noch wilder gelegen führt ſie über den hier 399 Fuß tiefen Abgrund in welchem die Wellen des Stromes ſich drängen. Ein Felſendurchbruch dient auch dieſer Brücke als Thor und zu beiden den Seiten ſteigen die Felſenwände ſo hoch hinan, daß man ihre Höhe „I nicht ermeſſen kann. Nachdem die Straße ſich noch eine Strecke zwi⸗ gahns ſchen dem Strom und den Felſen 1 hat, führt eine 1834 ianſ erbaute dritte Brücke auf das rechte Ufer zurück und man erblickt lüs von der nächſten Höhe die grünen Fluren des Schamſerthales, welche nach der düſteren Erhabenheit des durchwanderten Felſenpaſſes einen lieblichen Anblick gewähren. In den früheſten Zeiten führte der Weg hoch über dem Felſen⸗ ſchlunde an der Nolla aufwärts über das Gebirge und kam erſt bei Suvers in das Thal herab. Im Jahre 1470—1472 machte man ihn durch Anlegen hölzerner Brücken von Zillis bis Rongella gang— bar, worauf im Jahr 1738—39 von Ch. Wildner in Davos die bei⸗ den erſten ſteinernen Brücken erbaut wurden. Die Strecke von Ron⸗ gella bis Thuſis durch das„Verlorene Loch“ iſt im Jahre 1822 von dem teſſiniſchen Ingenieur Pocobelli erbaut worden. Beſonders zu erwähnen iſt auch die Färbung der Via mala in den verſchiedenen Tageszeiten durch die manigfaltige Beleuchtung ver⸗ anlaßt; es ändert ſich dieſelbe überraſchend. Eine ganz außerordent⸗ liche Wirkung aber macht die blaßgelbe Beleuchtung einer hellen Voll— mondnacht auf die in geiſterhaftem Blau ſtarrenden einſamen Felſen⸗ parthien, welcher Anblick ſchauerlich ſchön iſt. Noch haben wir ein trauriges Ereigniß zu verzeichnen. Der 28. und 29. Sept. ſowie der 3. und 4. Okt. des Jahres 1868 waren für die Cantone Graubünden, St. Gallen, Teſſin, Uri und Glarus verhängnißvolle Schreckenstage, denn ſie wurden in dieſer Zeit von durch Wolkenbrüche und unaufhörlichen Regengüſſen entſtandenen ge— waltigen Hochwaſſern heimgeſucht. Im Stromgebiete des Rheins und im Canton Graubünden brachten dieſelben viele Thäler, ganz beſonders aber über das St. Gallen'ſche Rheinthal große Noth. Das Dorf Haldenſtein in der Nähe von Chur, hatte die gänzliche Ver⸗ wüſtung ſeines fruchtbaren Geländes zu beklagen. Der Schaden an · Privat- und öffentlichem Gut war ein ſehr großer; Straßen und Brücken wurden theils ganz fortgeriſſen, theils ſtark beſchädigt. Der Telegraphen- und Eiſenbahn-Verkehr durch das Rheinthal war gänz⸗ lich unterbrochen und es bedurfte längere Zeit zu ſeiner Wiederher⸗ ſtellung. Auch der ganze Kurort Ragatz ſchwebte wegen der außer⸗ ordentlichen Anſchwellung der reißenden Tamina in großer Gefahr— Von Ragatz bis Sargans und Mels bildete die weite Ebene nur Einen See. Die Stationsplätze und Bahnhöfe ſtanden tief im Waſ⸗ ſer und je weiter ſtromabwärts, deſto größer war die Noth. In St. Gallen'ſchen Rheinthal hatten auf beiden Seiten viele Dammbrüche ſtattgefunden und es überſchwemmte der Rhein die ganze Thalſohle, Viele Dörfer mußten den ſich heranwälzenden Wellen preisgegeben werden und mehrere hundert Menſchen eiligſt Haus und Hof verlaſ— ſen, um nur ihr nacktes Leben zu retten; manche wurden mit knap⸗ per Noth vermittelſt Kähnen und Flößen aus ihren bis zum Dache von reißenden Wogen umſpülten Häuſern dem naſſen Grabe entriſſen, Die Orte Burgerau, Montlingen, Krieſern u. a. ſtanden in der größten Noth und Gefahr; Burgerau wurde vom Rheinſtrom eigentlich überfluthet und im Waſſer begraben, und mehrere Menſchen fanden, vom hereinſtrömenden Waſſer überraſcht, oder beim Retten von Habſeligkeiten ihren Tod in den Wellen. Auch zwiſchen Seve— len und Salez war Alles unter Waſſer. Eiſenbahnarbeiter, welche bei Heerbrugg beſchäftigt waren, entrannen mit knapper Noth dem andringenden Elemente. Von Monſtein bis Balgach war eben— falls ein dunkelgrauer, von Strömungen durchzogener See; ſelbſt in Berneck ſtanden mehrere Häuſer im Waſſer. Die Bevölkerung von Au und Wildenau flüchtete auf Anhöhen, Dächer und Bäume, und das Stationsgebäude in Au, ſowie die Rheinbrücke wurden weg— geſchwemmt. Man kann ſich einen Begriff von der Größe des Un— glücks machen, wenn man die große Ausdehnung der Verwüſtungen überſchaut und bedenkt, daß eine zahlreiche Bevölkerung, ſo viele Tauſende, ihren Herbſtſegen theils auf dem Felde vernichtet und theils, was bereits geerntet, in Haus und Scheuer zu Grunde gehen ſehen mußte. Zudem waren manche Gebäulichkeiten ſpurlos ver— ſchwunden, andere dem Einſturze nahe, viele ſchwer beſchädigt und alle, welche vom Waſſer überfluthet worden, auf Wochen hinaus un— bewohnbar. Zahlreiche Familien wurden plötzlich aller Exiſtenzmittel beraubt, ſie waren ohne Wohnung, ohne Kleidung und ohne Nahrungs⸗ Vorräthe und dieß alles im Angeſicht des nahenden Winters. Der Schaden an Gütern, Uferbauten, Brücken und Pripat⸗Eigenthum war ſo groß, daß trotz der größten Anſtrengungen der Hilfeleiſtung es noch lange Zeit erfordern wird, die traurigen Spuren zu verwiſchen, Um unſere Rundreiſe auf dem Bodenſee fortzuſetzen, kehren wit liebet' Ulche! Wdalt len. M en, Wͤatlhe ſih erh 00 Schwur ſeht'ſ der Se R Krone; kpele 9 Rulh, ner Gr Vrnuer D des 9. bekeitz i fe D fiit ein r bibe S1 n fiſhen 0 dh 8 wieder nach Rorſchach zurück und beſteigen hier eines der Dampfboote, welche nach Ankunft der Bahnzüge von Chur und St. Gallen nach Lindau und Bregenz abfahren, um uns nach letzterer Stadt zu be⸗ geben. Das öſterreichiſche Ufer. Nach kurzer Fahrt ſind wir in der ſchattenreichen Bucht ange⸗ u kommen, in welcher terraſſenförmig am Fuße des Gebhardsberges die vorarlbergiſche Stadt Bregenz l ſich erhebt. Gaſthöfe: Oeſterreichiſcher Hof, am Hafen, modern und bequem; „een Schwarzer Adler mit einer Seebadanſtalt; Krone, mit neuem, großem, ſluh ſehr ſchönem Tanzſaal; Weißes Kreuz; Goldener Adler(Poſt) bei der Seekapelle; Löwe, Lamm, Rad. Reſtaurationen und Café6's: Sonntag in der Nähe der Krone; Kirchner beim Hauptzollamt, Wittwe Braun bei der See⸗ kapelle und die Weinwirthſchaft von Feßler. Bierhäuſer: Forſter, mit Sommerwirthſchaft; ebenſo der Juh! Hirſch; Gmeinder'ſche Brauerei bei der alten Kaſerne, mit ſehr ſchö⸗ nar bner Gartenwirthſchaft am See und herrlicher Ausſicht; Hörburger'ſche Brauerei mit Weinſchank und Gartenwirthſchaft. Der Hafen von Bregenz iſt eine Zierde dieſes öſtlichen Theiles gumdes Bodenſee's; er wurde aus ſchweizeriſchem Sandſtein, von den nunbereits erwähnten Steinbrüchen von Staad bei Rorſchach erbaut und Wzwei ſtarke Leuchtthürme befinden ſich an ſeinem Eingang. Der Hafendamm iſt ringsum mit großen Steinplatten belegt, mit einem eiſernen Geländer verſehen, ſowie mit Bäumen bepflanzt; er bildet den ſchönſten Spaziergang für Einheimiſche und Fremde. Bregenz enthält etwa 4000 Einwohner und iſt in eine obere und untere Stadt natürlich abgetheilt. Letztere war urſprünglich eine Fiſcheranſiedelung und dehnte ſich nach und nach immer mehr aus, ſo daß ſie jetzt die eigentliche Stadt bildet. Sie iſt der Sitz ver⸗ ſchiedener geiſtlicher und weltlicher Behörden des öſterreichiſchen Krei⸗ ſes Vorarlberg und hat eine Kornhalle am See, in welcher ſchon ſeit dem Jahr 1548 jeden Freitag ein ſehr belebter Kornmarkt ge⸗ halten wird. Bereits im Jahr 40 nach Chriſtus nennt der Geograph Strabo das alte Brigantium eine Stadt der Vindelicier und 100 Jahre ſpä⸗ ter wird ſie ſogar als die Hauptſtadt des mit Vindilicien zu einer 4 römiſchen Provinz vereinigten Rhätien aufgeführt. Unter den Rö⸗ mern erſcheint Brigantium erweitert worden zu ſein und größere Wichtigkeit als Seeſtadt erlangt zu haben. Im 3. Jahrhundert zog ſich die aus Italien nach Augusta Vindelicorum(Augsburg) führende römiſche Hauptſtraße über Brigantium, und von hier längs dem Seeufer eine Seitenſtraße über das römiſche Kaſtell Arbor felix (Arbon) nach Helvetien und Gallien. Im Mittelalter war Bregenz der Sitz des Grafengeſchlechts derer von Bregenz und Linzgau, ſpäter der Grafen von Montfort. Die obere Stadt erhebt ſich auf einem freiſtehenden Hügel; ihre Um⸗ faſſungsmauern, größtentheils aus dem 13. Jahrhundert, ſtehen noch und trotzen der Zeit, dagegen verſchwanden die Außenwerke und manche andere Ueberreſte der ehemaligen Burg der Montforts, die hier wohnten. Ueber dem Thore, das von der obern in die untere Stadt führt, befindet ſich ein ſehr verſtümmeltes römiſches Basre⸗ lief, welches die Göttin Epona, Schutzgöttin der Pferde, vorſtellen ſoll. Auf einem Hügel ſteht die katholiſche St. Galluspfarrkirche in modernem Style, aber mit altem Thurme, erbaut. Sie enthält ſchöne Bildhauerarbeiten und Chorſtühle, ſowie reich verzierte Altäre mit ſchönen Altarbildern und hübſche Deckengemälden. Das Gemälde des Hochaltars ſtellt die Anbetung der Hirten und das große Decken— gemälde im Schiff der Kirche die Himmelfahrt und Krönung Mari vor; ferner finden ſich mehrere Denkmäler mit ſonderbaren Grab⸗ ſchriften. Die Kirche iſt von dem ſogenannten Wintergottesacker um⸗ geben und in ihrer Nähe ſteht auch das Dekanats- und das Meßner⸗ haus. Zwiſchen der obigen Kirche und der Stadt befindet ſich das Frauenkloſter Thalbach von Schweſtern des St, Clarenordens bewohnt. Auch beſitzt Bregenz ein Kapuzinerkloſter und ſeit mehreren Jahren eine hübſche evangeliſche Pfarrkirche. Letztere wurde in den Jahren 1860 bis 1863 im gothiſchen Style erbaut; ſie enthält eine Holzdecke in Hängwerk, gute Glasgemälde, eine ſchöne Orgel und iſt von dem evangeliſchen Gottesacker umgeben. Auch das einer Kapelle, mehreren Altären und Heiligenbildern aus dieſem Orden, Auf dem ſogenannten Oelrain zwiſchen der alten und neuen Straße nach Lauterach ſteht die Friedhofskapelle mit dem Sommergottesacker, auf welchem die Verſtorbenen von Georgi bis Martini beerdigt worden. Er wurde im Jahre 1798 angelegt, bil— det ein längliches Viereck und enthält 128, Niſchen. Sehenswerth iſt auch das erſt ſeit neueren Jahren beſtehende Landesmuſeum in der unteren Stadt; es iſt in beſondere Theile getheilt, welche die Antiquitäten, Kunſtgegenſtände u. ſ. w. enthalten, und man findet hier eine reiche Sammlung römiſcher und deutſcher Werhtt hüäſtlet n App Mlggett W. Ethe h ef . Dit i0K Nel Sö10 d El, tl deſ i denteft, An B wel Talbe bergan lühppe, jeht d. nif elchen ſült, mit de Aler Wolkeſ Elltif Reſche 0 Meſte ltt. 5 5„r ei 1636 erbaute Kapuzinerkloſter am Schloßberg beſitzt eine Kirche mit T Keän. Bon 8 Ind S ägle h 9 i fenh fe eche Aler: Aſüte Alterthümer und Münzen, ſowie werthvolle Gemälde vorarlbergiſcher Künſtler, intereſſante Schriften über die Umgegend u. dgl. m. Am See ſteht die ſogen. Seekapelle, welche in dem bekann⸗ ten Appenzellerkriege geſtiftet wurde. Es beſchloſſen nämlich bei der Belagerung von Bregenz im Jahre 1408 die hartbedrängten Bürger die Erbauung einer Kapelle, im Falle ſie entſetzt würden. Dieß ge⸗ ſchah endlich durch die Ritterſchaft des ſchwäbiſchen St. Jörgenſchil⸗ des. Die Appenzeller wurden geſchlagen, ſie flohen und ließen ſogar ihr Belagerungswerkzeug zurück. An der Stelle, wo die letzten Schweizer fielen, ward aus Dankbarkeit und dem Gelübde gemäß die St. Georgskapelle erbaut, welche mehrmals reſtaurirt wurde und nun der Schuljugend zum Gottesdienſte dient. Einer der ſchönſten Punkte von Bregenz iſt der nur/ Stun⸗ den entfernte Gipfel des St. Gebhardsberges und wir wählen zum Beſuche deſſelben die Zeit eines Sonnenauf⸗ oder Untergangs, weil da die Ausſicht am herrlichſten iſt. Wir ſteigen am Kloſter Thalbach vorbei auf einem von uralten Eichen beſchatteten Wege bergan und erreichen bald die von dunklen Tannen umgebene Felſen⸗ kuppe, auf welcher einſt bas Schloß Hohenbregenz ſtand, und die jetzt das bekannte Wallfahrtskirchlein mit ſchlankem Thürmchen und im Innern mit ſchönen Gemälden gezierten Altären trägt, von welchen dasjenige des Hochaltars die Geburt des heil. Gebhard dar⸗ ſtellt; die beiden andern auf den Seitenaltären zeigen die Madonna mit dem Jeſuskinde und Jeſus ſegnet die Kinder. Ueber dem Hoch⸗ Altar befindet ſich noch ein Glasgemälde, der heil. Gebhard auf Wolken ſitzend und den Segen ſpendend. Ein weiteres Bild in der Sakriſtei zeigt das Schloß, wie es in früherer Zeit als Veſte aus⸗ geſehen hatte. Das Kirchlein, ſowie das nebenſtehende kleine Wirthshaus, (Meßnerhaus) wurde von den Steinen des zerſtörten Schloſſes er⸗ baut. Von letzterem ſind nur noch wenige Trümmer vorhanden und zwar einiges Mauerwerk und ein Thor mit der Madonna aus Sand⸗ ſtein und dem Wappen der Grafen von Bregenz, aber auch dieſe von Schlingpflanzen umrankten Reſte zeugen noch von der Größe und Schönheit der einſtigen Burg. Von der Altane des neben dem Kirchlein ſtehenden kleinen Wirthshauſes genießt man eine reizende, nach 3 Seiten freie Ausſicht. Die allmälige Beleuchtung des rechts und links von den höchſten Bergen begrenzten Rheinthals, deſſen An⸗ fang man hier in der nächſten Nähe vor ſich hat, iſt durch die auf⸗ ul gehende Sonne überraſchend. Es zeigen ſich die Vorarlberger⸗, St. Galler⸗, Oberlands- und Appenzeller Alpen, ſowie die weitgedehnte Seefläche des Bodenſee's bis Conſtanz. Dieſe Fernſichten ſind beſon⸗ ihders des Morgens am ſchönſten, weil dann der Spiegel des See's 4* gegen Weſten nicht von dem Dunſte, der ſich des Nachmittags und Abends im Gefolge der untergehenden Sonne einſtellt, verhüllt iſt, ſondern klar und überſehbar vor den Blicken ſich ausbreitet. Doch iſt auch ein Sonnenuntergang ſehr ſchön, beſonders zeigt ſich dann das Rheinthal äußerſt maleriſch in der weichen Abendbeleuchtung. Wollen wir aber den St. Gebhardsberg in ſeiner vollen Pracht ſchauen, ſo müſſen wir am 27. Auguſt, dem Tage des heil. Gebhard, hinauf gehen. An dieſem Wallfahrtstage ſteht alsdann in dem alten Burggemäuer ein mit Blumen geſchmückter Altar, an welchem ein Kapuziner oder ſonſtiger-Geiſtlicher Meſſe liest und Predigt hält. Groß iſt dann die Zahl der Andächtigen und Neugierigen, welche aus dem Bregenzerwalde, dem Montafon, Rheinthal und aus dem Allgäu in ſchöner bunter Sonntagstracht herbei ſtrömen und dem heil. Geb⸗ hard, deſſen Bild beſonders ausgeſtellt iſt, ihre Andacht und Ge⸗ ſchenke darbringen. Hoch oben auf dem Berge, im verfallenen ſchat— tigen Burghofe, auf den verſchiedenen Waldpfaden und in den Straßen der Stadt wogt die bunte Menſchenmenge, aus welcher be— ſonders die Bregenzer„Schmelgen“ mit ihren faltigen Röcken aus ſchwarzer Glanzleinwand, ihren mit Otterfellen verbrämten Kappen Nund goldbortigen Miedern hervorleuchten. Eine weitere ſchöne Fernſicht genießt man von der nur eine Viertelſtunde von der Stadt entfernten ſogen: Klauſe oder Klaus⸗ burg. Dieſe war ein ſtark befeſtigter, jetzt aber verfallener Gebirgs⸗ paß und lag in öſtlicher Richtung gegen Lindau zu. Sie beſtand aus drei übereinander liegenden Bollwerken, welche auf Felſen ruhten und war mit Schanzen verſehen. Durch dieſen Paß führte einſt die Straße aus Italien nach Lindau und Schwaben, während jetzt eine ſehr ſchöne Kunſtſtraße unter ſchattigen Bäumen faſt längs dem See dahin führt. Im 30jährigen Kriege 1646 ward die Bregenzer Klauſe von den Kaiſerlichen, ſowie von den Bauern des Bregenzerwaldes beſetzt, welche ſich muthvoll gegen die Schweden vertheidigten, aber doch zuletzt weichen mußten. Als Guſtav Wrangel ein Jahr da⸗ rauf unverrichteter Dinge von der belagerten Stadt Lindau abziehen mußte, ſprengte er am Chriſtabend die Bregenzer Klauſe ſammt der Neuſchanze und nahm auch die Stadt Bregenz ſelbſt ein, worauf ſich ohne weiteren Widerſtand das Schloß Hohenbregenz ebenfalls ergab, welches Wrangel im März 1647 durch Pulverminen ſprengen und in Flammen aufgehen ließ. Bei der Klauſe befindet ſich auch Graven⸗ reuthsruhe, ein Denkmal in Form eines Tempels, das in den Zeiten des bayeriſchen Regiments dem verdienſtvollen damaligen Prä⸗ ſidenten der Landesdirektion, Freiherrn von Gravenreuth, von den Bregenzern errichtet wurde, und von welchem, ſowie von dem in der Nähe befindlichen Wirthshauſe an der Unnoth man eine entzü⸗ äde. hlin! Cin . Mn Eunne g ſcht. U foch' Maliuf Sunde I ög Punkt. genden die 0 gegzen 0 Gee h Venedi Augiä Waſe fellif Stelle Gage Aitcht don B. it ſe U9s K leſt Andal Ouut nachde Hallet Und der er lüige. ſiufer⸗ 00 Anfal ulhe; Shle — 3 Q ckende Ausſicht hat; jetzt wird obiges Denkmal zu Ehren der Ge⸗ mahlin des Beſitzers der Klausburg Karolinenruhe genannt. Ein beſonders ſchönes Schauſpiel gewährt letzterer Punkt am 22. Mai und 22. Juli Abends gegen/ auf 8 Uhr, wo man die Nehr⸗ gerade zwiſchen den beiden Thürmen von Lindau untergehen ieht. Einer der höchſten Punkte in der Umgebung von Bregenz iſt jedoch der 3360 Fuß hohe Pfänder; er iſt der letzte weſtliche Ausläufer der vorarlberger und allgäuer Berge und in etwa 2½ Stunden zu erſteigen. Auf ſeinem Gipfel befand ſich eine Schanze, die ſogen. Schwedenſchanze, der höchſte im 30jährigen Kriege befeſtigte Punkt. Die Ausſicht von dem Pfänder iſt nach allen vier Weltge⸗ genden hin eine unbeſchränkte und herrliche, denn ſie erſtreckt ſich über die Hochgebirge der Schweiz, Tyrols und Vorarlberg's, über den ganzen Bodenſee und über das Ebenen- und Hügelland Schwabens. Gehen wir nun auf der andern Seite von Bregenz längs dem See hin, ſo gelangen wir in einer Viertelſtunde zu dem ehemaligen Benediktiner⸗Kloſter Mehrerau, Augia major genannt zum Unterſchied von dem Prämonſtratenſerſtift Weiſſenau bei Ravensburg, welches Augia dives hieß. Das Kloſter ſoll im Jahre 611 von den Heiligen Gallus und Columban an der Stelle der Kapelle der heil. Aurelia geſtiftet worden ſein, welche der Sage nach durch Attila 453 hier den Martertod erlitt. Es kam aber durch widrige Schickſale ſo ſehr in Zerfall, daß es Graf Ulrich VIIII. von Bregenz im Jahre 1097 auf's Neue gründete und auch daſelbſt mit ſeiner Gemahlin Bertha begraben wurde. Im Jahr 1806 ward das Kloſter unter der bayeriſchen Regierung aufgehoben, die Kirche nebſt Thurm abgebrochen und die Quaderſteine zum Hafenbau in Lindau verwendet, wobei leider auch Grabſteine, Monumente ꝛc. zu Grunde gingen. Im März 1854 kauften jedoch die Ciſtereienſer, nachdem ſie aus ihrem bisherigen Kloſter Wettingen im Canton Aar⸗ gau vertrieben worden waren, die noch vorhandenen Gebäulichkeiten und bauten die Kirche und den Thurm wieder auf. Der das wie⸗ der erſtandene Convent umgebende Ort heißt Vorkloſter; er beſitzt einige gewerbliche Gebäude, eine Badeanſtalt und ein paar Wirths⸗ häuſer. Gegenwärtig iſt eine höhere Erziehungs- und Bildungs⸗ Anſtalt für die männliche Jugend mit dem Kloſter verbunden, welche ſich eines ſehr guten Fortgangs erfreut. Die in bycantiniſchem Style erbaute ſchöne Kirche iſt ſehr ſehenswerth; ſie enthält einen Hochaltar mit einem Gemälde, die Himmelfahrt Mariens, ſowie zwei Seiten⸗Altäre im Chor; ferner zwei weitere Altäre im Sthiff, hübſche Chorſtühle, ſehr ſchöne Dekorationen und Glasmalereien, ſowie eine gute Orgel. Ueber dem Eingang der Kirche befinden ſich auſſen drei ſchöne ſteinerne Statuen, Maria, Petrus und Paulus vorſtellend, aus Kehlheimer Sandſtein gearbeitet. Links von Mehrerau, nicht weit von der Mündung der Bregenzerach, über welche eine 756 Fuß lange hölzerne Brücke führt, liegt auf einem ſanft anſteigenden freien Hü⸗ gel das ehemalige Schlößchen Riedenburg mit dem Dorfe Rieden. Es wurde von Hans Schnabel von Schönſtein, einem Waffengenoſſen des berühmten Ritters Max Sittich von Ems im Jahr 1750 im itg⸗ lieniſchen Styl mit Thürmchen und Zinnen und zwar ſo erbaut, daß im Laufe des Tages alle vier Seiten von der Sonne beſchienen wer⸗ den können. Im Jahr 1853 erkauften es die Frauen vom Herz Jeſu aus Günzheim bei Colmar und errichteten eine höhere Lehr⸗ Anſtalt für Mädchen darin, zu welchem Zwecke einige weitere Neu⸗ bauten aufgeführt wurden. Dieſelben beſtehen aus zwei vierſtöckigen Seitenflügeln, welche mit dem Mittelbau, dem früheren Schloſſe, durch Säulengänge verbunden ſind und einen ſchönen Anblick gewähren; ferner wurde außerhalb den Kloſtermauern ein Pfarrhaus für den Geiſtlichen und ein Schulhaus für die Mädchen der Umgegend er— baut, welche von den Kloſterfrauen freien Unterricht empfangen. Der ſchönſte Neubau aber iſt die in den Jahren 1863 bis 1865 errichtete herrliche gothiſche Kirche, welche einen ſchönen aus Eichenholz ge— ſchnitzten Altar, einen hübſchen Moſaikboden und mit 40— 50 FJuß hohen Glasmalereien gezierte Fenſter enthält. Die Anſtalt ſelbſt ent⸗ ſpricht allen vernünftigen Anforderungen und bietet der weiblichen Ju⸗ gend eine gute Erziehung und mütterliche Sorgfalt. Ueber die erwähnte Aachbrücke gehend können wir noch die Dör⸗ fer Lauterach, Hard und Fuſſach beſuchen, welche theilweiſe Fabriken haben, aber ſonſt nichts Bemerkenswerthes beſitzen, es wäre denn zu erwähnen, daß bei Hard, einem ſtattlichen Dorfe mit etwa 1700 Einwohner, welche meiſtens Fiſcher, Schiffer und Schiffsbauleute ſind, die Eidgenoſſen im Jahre 1499 einen wichtigen Sieg über die vereinigten ſchwäbiſchen und öſterreichiſchen Bundesvölker erfochten wobei allein 5000 Schwaben auf dem Harderriede fielen. Bei einem der beiden öſterreichiſchen Grenzdörfer, bei Gaiſſan oder St. Joha un⸗Höchſt haben wir Gelegenheit, über den Rhein zu fahren, der ſich hier aus dem Schooße des Rheinthales hervor— wälzt, und gelangen, wenn wir den letzteren, beſuchteren Ueberfahrts⸗ Ort benützen, nach dem freundlichen St. M argarethen, das wir bereits kennen lernten. Eine Bahn ſoll von Bludenz über Feldkirch und Bregenz an die öſterreichiſch-bayeriſche Grenze bei Leiblach mit Peigbal Auternd Hen.u ſüühtt; en nd Tbetgeber 0 gaegent NM N denS lungen eullang Getzer Mlla ſorben ſchnde das ni noch'e ſattli Weher Und. hleiter Rulchſt Nath tintt darbie Shieß Ukalter die er den j Vott welche Wurde lult, N(Zweigbahnen von Feldkirch an die Rheingrenze bei Buchs und von ILauterach an die öſterreichiſch-ſchweizeriſche Grenze bei St. Margare⸗ then zum Anſchluß an die bayeriſchen und ſchweizeriſchen Eiſenbahnen geführt werden. Der Bau muß noch in dieſem Jahre(1870) begin⸗ nen und binnen 3 Jahren vollendet und dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Das bayeriſche Ufer. Von Bregenz wollen wir die nur 2 Stunden entfernte weſtlich gelegene bayeriſche Stadt Lindau beſuchen, und zwar dieſesmal auf dem Landwege, weil derſelbe in mancher Beziehung einer Fahrt auf dem See vorzuziehen iſt. Wir kommen bei dieſer Wanderung auf einem eine halbe Stunde langen Trottoir für Fußgänger, beinahe immer am Ufer des See's entlang, unter ſchattigen Obſtbäumen an Karolinenruhe und der Bre⸗ genzer Klauſe vorüber. Bald erſcheint links am Wege die ſchöne Villa Leuchtenberg emit Gartenanlagen, zuletzt Eigenthum des ver⸗ ſtorbenen Grafen Wilhelm von Württemberg(nunmehr deſſen Schwieger⸗ ſohn dem Grafen von Enzenberg in Innsbruck gehörig, und ihr gegenüber das niedliche Landgut des Herrn Albert Weber. Nicht lange darauf, nur noch eine kürze Strecke von der Stadt Lindau entfernt, zeigt ſich die ſtattliche Villa Am See, Eigenthum des Prinzen Luitpold von Bayern, und nach dieſer das Gaſthaus zum Hirſch in hübſcher Lage und ſehr gut eingerichtet. Nun kommen wir zu der 300 Schritte langen und 13 Schritte breiten mit Fußpfaden und Ruhebänken verſehenen Holzbrücke und durchſchreiten das neue ſogen. Landthor. Ein ziemlich geräumiger Platz zwiſchen dieſem und den erſten Häuſern der Stadt wurde zu einer hübſchen Anlage benützt, welche ſehr anziehende Standpunkte darbietet. Links befindet ſich die auf einem ehemaligen Wall erbaute Schießſtätte mit ſchönem Garten und rechts ſtehen die Reſte eines uralten Wacht-und Wartthurmes, die Heidenmauer. Früher bildete die erwähnte Holzbrücke den einzigen Landeingang in die Stadt; ſeit⸗ dem jedoch der großartige 1986 Fuß lange und 28 Fuß breite, mit Trottoirs verſehene und mit Quadern eingefaßte Eiſenbahndamm, welcher ebenfalls das Feſtland mit der Inſelſtadt verbindet, erbaut wurde, iſt es Fußgängern unter beſonderen Vorſichtsmaßregeln er— laubt, auch dieſen Weg zu benützen. Lind a u. Gaſthöfe: Bayeriſcher Hof am Hafen und Bahnhof; deutſches Haus, am Hafen; Krone(Poſt), altes, wohlbekanntes Hotel; See⸗ 8 hof und Sonne, beide am Fiſchmarkt; Helvetia; Engel; Lamm u. ſ. w. Reſtaurationen mit Café6's und Bier ſind in allen Gaſt⸗ höfen zu finden; ebenſo gibt es viele Weinwirthſchaften, in welchen ſelbſterzeugter oder erkaufter reiner Wein billig ausgeſchenkt wird. Die Seeweinſchenken oder Rädles, wo nach beſtimmter Reihenfolge jeder Bürger ſeinen ſelbſtgezogenen Wein verzapfen kann, ſind kenntlich durch ein blau und weiß gemaltes Rädchen. Vergnügungsorte ſind a) in der Stadt: die Brauereien von Schlechter und zum Storchen in der Carolinenſtraße; der Bier⸗ garten zur Helvetia; der Schützengarten beim Landthor und der Brücke; b) auf dem Feſtlande: die Sommerwirthſchaft zum Hirſch bei der Lerche in Aeſchach; der Biergarten von Köchlin zum Adler bei Reutin; die Bierbrauerei zur Steig von Harder mit ſchattigem Garten und das Gärtchen auf der Mauer mit Bier und Café, zwi⸗ ſchen der Holzbrücke und dem Eiſenbahndamm gegen Schachen zu. Lindau, Lindavia, Lindauvia, hat wohl ſeinen Namen von den ſchönen Linden erhalten, welche jetzt noch auf der Inſel wachſen. Auch das Wappen der Stadt iſt eine Linde mit gebogenen Zweigen; die Wurzeln ſtehen im goldenen Felde. Wenn der Ort, welcher ſchon in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts vorkommt, zuerſt auch nur eine Villa, wie die meiſten wichtigeren Niederlaſſungen am See war, ſo erhielt er doch mit der Gründung des Frauenſtifts, welche wohl noch in das 9. Jahrhundert fällt, ſeine erſte Bedeutung. Nach einer Sage ſoll nämlich ein rhätiſcher Graf Adelbert auf einer ſtürmiſchen Fahrt über den See der Jungfrau Maria eine Kirche gelobt haben, und ſo ſoll dieſe und das damit verbundene Frauenſtift entſtanden ſein. Früher beſtand Lindau aus drei Inſeln, welche durch Gräben und Brücken getrennt waren; jetzt iſt aber Alles ſo ausgefüllt, daß das Ganze nur Eine Inſel bildet. Um den größeren Theil der Stadt führt ein ſehr angenehmer Spaziergang, indem man mehrmals an Baſtionen und Thurmreſten vorbeigelangt, von welchen aus ſich eine immer wechſelnde ſchöne Fernſicht darbietet. Die Stadt hat 4500 meiſt proteſtantiſche Einwohner; ſie iſt der Sitz eines Landgerichts, Hauptzollamts, Bezirksamts, Poſt⸗, Eiſenbahn⸗ und Telegraphen⸗Amts, einer Hafendirektion, einer Dampfſchiffahrts⸗ Verwaltung, zweier Pfarrämter u. ſ. w. Auch beſitzt Lindau mehrere intereſſante Kirchen, Thürme und Gebäude, worunter das im Jahre 1422 erbaute und 1578 reſtaurirte alterthümliche Rathhaus mit freier Treppe und bedeckter Altane, ſchönen Fresken und hübſchen Holzvertäfelungen; ferner den mit vier Eckthürmchen verzierten Diebsthurm am Schrannenplatz, welcher zur reichsſtädtiſchen Zeit das Gefängniß war, das Gredhaus, eine alte mit Wappen und architektoniſchem Zierrath verſehene Getreidehalle; das ſogenannte Aloäner 0 1271 le ſo ſchllich lbe der tlen ſch det,! indes d ſie Papt Rer Sta Wüͤbttge hinaufte und zwe lnt monum Uid M rdenz. Uitethar Wäißem die Ku ſchine 94 Fuß R Dumme gen aut deſem fibſchen lut beſt Möſct Rehed Innen De ſht wei Romne Ufrr. 6 66 t gin B chfeiler 0 Lar fi Hlett. N5 —— Klosmen am Schrannenplatz, welches einſt ein Beguinenkloſter war Nund 1271 erbaut wurde. Auch iſt das in der Manimiliansſtraße ge⸗ legene ſogen. Sünfzenhaus bemerkenswerth. Es bildet ein großes, anſehnliches Gebäude mit Bogen, welches im Jahre 1378 als Trink⸗ ſtube der Junker errichtet und mehrmals reſtaurirt wurde; es beſitzt einen ſchönen gewölbten Unterſtock, in welchem ſich eine Wirthſchaft befindet, während der obere Stock als Geſellſchaftslokal des Handels⸗ ſtandes dient. An den Treppen und im Saale dieſes Gebäudes ſind die Wappen der Lindauer edlen Geſchlechter aufgehängt. Im Innern der Stadt befindet ſich übrigens noch eine beträchtliche Anzahl von Privatgebäuden, deren Bauart, Bogengänge und bis zu den Gibeln hinaufreichende architektoniſche Ausſchmückung ſehr an das Mittelalter und zwar an die Zeit der Blüthe Lindau's erinnert. Unter den weiteren Merkwürdigkeiten der Stadt iſt das Königs⸗ monument zu nennen. Dieſes iſt ein aus Erz gegoſſenes Stand— bild Maximilians II. von Bayern im Coſtüm des Hubertus⸗Ritteror⸗ ordens. Es erhebt ſich auf einem aus dunklem Syenit errichteten Unterbau und iſt von vier allegoriſchen in ſitzender Stellung aus weißem Kehlheimer Marmor ausgeführten Figuren umgeben, welche die Kunſt und Wiſſenſchaft, Handel und Gewerbe darſtellen. Das ſchöne Monument befindet ſich dicht am Hafen und hat im Ganzen 34 Fuß Höhe. Zunächſt der Hafeneinfahrt, an der Spitze des weſtlichen neuen Dammes ſteht ferner ein Leuchtthurm; er ruht auf einem mächti⸗ gen aus Nagelfluhquadern errichteten Fußgeſtell und erhebt ſich von dieſem 105 Fuß hoch in runder Form und wird oben durch einen hübſchen Zinnenkranz gekrönt, welcher in einen für den Leuchtappa⸗ rat beſtimmten achtfäuligen Pavillon endet. Eine überraſchend ſchöne Ausſicht bietet ſich über den See, über die Inſelſtadt und auf eine Reihe der höchſten Bergkuppen Vorarlbergs und der Schweiz von den Zinnen dieſes Thurmes dar. Der Hafen von Lindau ſelbſt iſt groß und geräumig; er be⸗ „ſitzt zwei Molos oder Hafendämme und iſt nach demjenigen von Conſtanz, „KRomanshorn und Friedrichshafen der umfaſſendſte der Orte am Bodenſee⸗ Ufer. Ein unterſeeiſches Telegraphentau führt von Lindau nach Rorſchach. Gegenüber dem Leuchtthurm ruht auf einem ähnlichen, ebenfalls mit Zinnen verſehenen an den öſtlichen alten Damm ſich anſchließen⸗ den Bau ein ganz aus Nagelfluhquadern erbautes Poſtament mit Eckpfeilern, worauf ein 20 Fuß hoher Lömwe in ſitzender Haltung, das Landeshoheitszeichen, ſteht. Die Außenſeiten des Piede⸗ ſtals ſind mit Wappen, dem Namenszuge M und der Königskrone geziert. Als älteſtes Denkmal Lindau's, und zwar aus der Zeit der Römer, ſind die Heidenmauer und die auf der ſogenannten Burg, einer früheren kleinen Inſel ſich befindlichen, jedoch ſehr veränderten Feſtungswerke zu nennen. Erſtere iſt das koloſſale Bruchſtück eines rieſenhaften Thurmes, welchen wir ſchon beim Eintritt in die Stadt beim Landthor bemerkt haben. Er beſteht aus grob behauenen Blö⸗ cken, bildet ein Quadrat von 28 Fuß Höhe, 38 Fuß Breite und hat an mehreren Stellen eine Dicke von 8½ Fuß. Er enthält eine Gedenktafel mit der Inſchrift:„Dieſe Mauer wurde von den Rö⸗ mern erbaut, die im Jahre XV vor Chriſti Geburt faſt 4 Jahrhun⸗ derte Herren dieſer Gegend waren.“ Die Ueberreſte der Befeſtigun⸗ gen auf der Burg ſollen einem römiſchen Caſtell angehört haben, und entweder von Tiberius oder Conſtantius Chlorus herrühren. Nicht ohne Grund ſetzt man auch den erſten bewohnten Punkt der Stadt hieher. Nach den ſoeben angeführten Alterthümern ſoll die St. Peters⸗ kirche das älteſte Bauwerk der Stadt ſein, und ſogar einen großen Brand im Jahre 948 überlebt haben. Sie wurde angeblich von Childerich, dem Frankenherzog, im Jahre 597 erbaut und hat ſehens⸗ werthe, aber beſchädigte Wandgemälde, wohl aus der ſchwäbiſchen Schule von Zeitblom. Jetzt wird dieſe Kirche als Fruchthalle odet Getreidemagazin benützt; ſie enthält ebenfalls eine Gedenktafel mit folgender Inſchrift:„Aelteſte Kirche zum heil. Petrus in Lindau 600 nach Chriſtus.“ Noch älter war die Stifts- oder Marienkirche, eben jene, welche der rhätiſche Graf Adelbert im 9. Jahrhundert ge⸗ ſtiftet und gebaut haben ſoll. Sie war mit 12 ſteinernen Säulen geziert und hatte ein Portal von ausgezeichneter Schönheit. Im Jaht 1728 brannte ſie bis auf den Chor und das hintere Gewölbe ab, und wurde 1750 mit drei reichgeſchmückten Altären, ſchönen Deckengemäl den und dem Denkmal des Stifters der Kirche und ſeiner Brüder Ulrich und Mangold wieder hergeſtellt. Das dabei befindliche ehemalige Damenſtiftsgebäude und nachherige königliche Schloß iſt jetzt die Lokalität des Stadt⸗ und Landgerichts, des Bezirks⸗ und Rentamts und hat einen ſchönen, großen Garten. Intereſſantiſt ferner noch die Dreifaltigkeits-Kirchelehemalige Barfüßerkloſterkirche); ſie wurde im Jahre 1241 erbaut und iſt ſeit 1799 eingegangen. In dem früheren, daran ſtoßenden Kloſter, jetz.⸗ ger Gewerbs- und Handelsſchule, befindet ſich ein Saal mit Bildniſſen von um Stadt und Kirche verdienter Lindauer, und in einem andern Lokal ein großes Frescobild, das jüngſte Gericht darſtellend, wohl aus dem 16. Jahrhundert. Die Stadtbibliothek beſindet ſi ebenfalls in dieſem Gebäude; ſie beſteht aus mehreren Tauſend Bäl⸗ den und beſitzt einige Inkunabeln, Mönchsſchriften, vorlutheriſche Mün Onbmäle It 186 ſit der läkeinget erhe u Nel M halbe.e Hoherk ken, die Lern au liegt, it Klblickn Heägenz Otaubi thal. lec, h0 U. J% 1 Lund, von N. Lodenf ⁰ W00 S Oee, Au5 5 egenüb el. J i10 ſht en er, Se Nuſchl ehwin Ige n fheren llͤt, M Hiten Mh.5 deutſche Bibeln, zwei handſchriftliche Chroniken von Lindau, ein klei⸗ nes Münz kabinet u. ſ. w. Die Bibliothek wurde im Jahre 1538 gegründet und iſt am Mittwoch und Samſtag Nachmittags 3 Noch wollen wir der evangeliſchen St. Stephanskirche, im Jahre 1180 erbaut, mit einem guten Bilde Luther's, mehreren Grabmälern und einer vorzüglichen großen Orgel von 1571, reſtau⸗ rirt 1860, erwähnen; ferner den ſchönen Maximilia nsbrunnen mit der Statue des Neptun; das Spital, eines der reichſten und beſteingerichteten der Gegend; der freundlichen 1806 erbauten Ka⸗ ſerne und der Zoll- und Bahnhofgebäude mit einer im Schwei⸗ zerſtyl erbauten Einſteighalle. W Nicht verſäumen ſollte der Freund der Natur auch den nur eine halbe Stunde von der Stadt entfernten, von Reben umgrünten Hoyerberg zu beſuchen, wo zwei Belvedere eine Fernſicht gewäh⸗ leth ren, die großartig und anmuthig zugleich iſt und nicht leicht einer an⸗ dern am See nachſteht. Wir haben das Inſelland, worauf die Stadt (Aeliegt, in ſeiner ganzen maleriſchen Ausdehnung zu unſern Füßen, wir erblicken links über Aeſchach und Reuti hinaus das Pfändergebirge, Bregenz, mehrere Bergkuppen des Bregenzerwaldes, Würarlhesgs und Graubündens und ſchauen tief in das vom Rhein durchſtrömte Rhein⸗ thal. Gerade vor uns liegen die ſchweizeriſchen Uferorte, hier Rhei⸗ neck, hoch oben Heiden, dann Rorſchach, Horn, Arbon, Romanshorn u. ſ. w. Weiter rechts ſchweifen die Blicke über anſcheinend flacheres Land, über Waſſerburg und Langenargen hinüber bis in die Gegend von Markdorf und Meersburg, bis zu dem Gehrenberg, während der „)J Bodenſee ſich in ſeiner ganzen Länge bis Conſtanz darſtellt. Vom Hoyerberg führt uns ein angenehmer Weg hinab in das Bad Schachen mit einer Schwefelquelle und herrlicher Lage am See, welches im Sommer ſehr zahlreich von Fremden beſucht wird. Das Bad hat hübſche Gartenanlagen mit ſchöner Fernſicht auf das gegenüber liegende Rheinthal und eine gute Wirthſchaft zum Schwa⸗ nen. Das Mineralwaſſer des 1474 entdeckten Bades enthält als ½Hauptbeſtandtheile Schwefel, Eiſen und enſaures Natron; es be⸗ ſitzt eine etwas blaue Farbe, iſt klar und ſchmeckt geſalzen und bit⸗ „ter. Seine Heilkräfte dienen beſonders gegen Hypochondrie, Hyſterie, Verſchleimung, Bleichſucht, Hämorrhoiden, Rheumatismus und Gicht, Schwindel u. ſ. w. Auch befindet ſich in der Nähe von Schachen am Wege nach Lindau die Wirthſchaft zum Engel, welche aus einem 9— Schlößchen mit Rundthürmchen und Umfaſſungsmauern eſteht. Nach, wenigen Schritten von Schachen zeigen ſich die bekannten ſchönen Landſitze der Familie Gruber, der Lindenhof und Alwin⸗ den. Das ganze etwas aufſteigende, unmittelbar am See gelegene Terrain des Lindenhofes umfaßt 20 Morgen und iſt meiſterhaft be⸗ nützt, denn eine Parthie übertrifft die andere an köſtlicher Ausſicht, und die Gärten ſind reich an ſeltenen Blumen, Pflanzen und Bäu⸗ men. Eine ſchöne Zierde bilden auch die im Schweizerſtyl errichteten Oekonomie⸗Gebäude, die großartigen Gewächshäuſer, die im italieni⸗ ſchen Geſchmack aufgeführte Villa mit koſtbaren Gemälden, der Lin⸗ dengang am See und die mächtige Seemauer mit einem Gedenkſtein und ſchön gefertigter Urne von weißem Marmor auf den Gründer des Gutes, den Banquier Friedrich Gruber zu Genua, gebürtig aus Lindau, der 1855 aus der Welt ſchied. Jetzt iſt dieſe prachtvolle Beſitzung Eigenthum des Herrn A. Gruber in Genua. Zunöächſt weſtlich vom Lindenhof liegt die andere Villa Allwinden, ihren Na⸗ men von allen Winden führend, denen ſie ausgeſetzt iſt, ebenfalls im italieniſchen Style erbaut und elegant eingerichtet. Auch von iht hat man eine der ſchönſten und weitumfaſſendſten Fernſichten; ihr Beſitzer iſt ein Herr G. Gruber. Beide Villen ſind am Dienſtag und Freitag Jedermann frei zum Beſuche geöffnet; an den übrigen Tagen, mit gänzlicher Ausnahme der Sonn- und Feiertage, jedoch nur gegen Löſung einer Einlaßkarte zu 30 kr. für die Armen, die man in jedem Gaſthofe erhalten kann. Am Ufer des See's entlang führt in einer halben Stunde von Allwinden ein hübſcher Fußweg nach dem romantiſchen auf einer Halbinſel gelegenen freundlichen Pfarrweiler Waſſerburg. Das hie⸗ ſige Schloß, die Kirche, das Schul⸗ und Pfarrhaus und die beiden Wirthshäuſer zur Krone und Traube liegen hart am See und zwar das Pfarrhaus ſo nahe, daß bei Stürmen die Wellen ſogar bis an die Fenſter des erſten Stockwerks ſchlagen. Die Pfarrkirche, um welche herum der Gottesacker liegt, hat 3 Altäre; die zwei ſtarken Säulen des Schiff's der Kirche enthalten In⸗ ſchriften, welche ſich auf den Bodenſee beziehen. Auf dem Kirchhofe ruht der im Sommer 1856 in dem nahen Nonnenhorn geſtorbene württembergiſche Hofkapellmeiſter Lindpaintner, deſſen Ruheſtätte ein von Mitgliedern ſeiner früheren Kapelle errichtetes ſchönes Denkmal ziert. Waſſerburg hat etwa 50 Einwohner und beſitzt auch eine Schiffslände. Die vorgeſchobene Lage des Weilers gewährt herrliche Ueberblicke über den See und das denſelben öſtlich und ſüdlich um⸗ gebende Gebirge. Nonnenhorn, welches 1½ Stunde von Waſſerburg entfernt iſt, beſteht aus einem großen bayeriſchen Dorfe mit etwa 650 Ein⸗ wohnern und hat zum Theil ſehr hübſche Häuſer. Der Ort liegt auf einer breiten Landzunge, beſitzt eine Schiffslände, ſowie mehrere gute Gaſtwirthſchaften und Weinhandlungen, da die Umgegend ſehr obſt⸗ und weinreich iſt. Der Sage nach ſoll hier das Kloſter ge⸗ uuden. Latdnin u die he käkt n en 0 aun gel luge mi n die. U. Iqh Uld an 0 ng feälfet n mir göpu u9 die Die r ſchö Twäbiß len unt Dabbu fiaee§ Mrint ſhönſt Heſeht A es ait Mfaſ Wwergle 1 U I ſtanden ſein, welches von den Gaugrafen Eckbert, Mangold und Wordwin im 9. Jahrhundert gegründet und nach ſeiner Zerſtörung durch die Hunnen nach Lindau verlegt wurde, wo es ſpäter als das adelige Frauenſtift vorkommt. Die hieſige Kirche, eine Art Kapelle, beſitzt mehrere gothiſche Fenſter und einen ſchönen neuen Altar mit „gutem Gemälde, Chriſtus beim heil. Abendmahl darſtellend. Nonnen⸗ horn gehörte in früherer Zeit den Grafen von Montfort und war lange mit der Herrſchaft Argen verbunden; im 14. Jahrhundert wa⸗ ren die Herren von Schellenberg eine kurze Zeit ſeine Beſitzer;? im 17. Jahrhundert kam es an die von Fugger, von dieſen kam der Ort an Oeſterreich und nach dem Revolutionskrieg 1806 an Bayern. Wir kehren von obigen Ausflügen wieder nach Lindau zurück „und nachdem wir nun den größten Theil des ſchweizeriſchen Boden⸗ „ſee⸗Ufers, ſowie das Ufer des Bregenzerſee's geſchildert haben, bege— ben wir uns abermals mit einem Dampfer zu unſerem erſten Aus⸗ „gangspunkt, nach Friedrichshafen, um ſowohl dieſen ſelbſt näher, als auch die Umgebung des untern Bodenſee's kennen zu lernen. Die Waſſerfahrt von Lindau nach Friedrichshafen gewährt einen der ſchönſten Genüſſe, denn das Dampfboot bewegt ſich ſo nahe am ſchwäbiſchen Ufer, daß alle Dörfer und Weiler, alle Schlöſſer, Vil⸗ len und Kapellen, alle waldumkränzten Hügel, welche ſich bis zur „Waldburg hinauf ziehen, ſichtbar werden. Einen beſonderen Reiz auf dieſer Fahrt gewährt aber das unaufhörliche Ineinanderſchieben und Verändern der in der Ferne ſich zeigenden Hochgebirge, welche im cſchönſten Profil ſich darſtellen. Jeden Augenblick verändert ſich die Ausſicht in die Alpenwelt, Berge erſtehen plötzlich, Hügel verſchwin⸗ den; es iſt ein ſtets wechſelndes Spiel, eine reichbelebte Scenerie, die am frühen Morgen und auch bei untergehender Sonne, wo der ganze Waſſerſpiegel im goldenen Glanze und farbiger Pracht leuchtet, ein unvergleichliches Bild darbietet. O0 U ſoit b ingehe 1 Das württembergiſche Ufer. Friedrichshafen. Gaſthöfe: Deutſches Haus(Höteél d'Allemagne); Schwan, (Hötel Nestle); König von Württemberg; Krone; Sonne; Grüner Baum; Kreuz; Rad; Drei Könige. Reſtaurationen: Leuthi am Hafen und Schafmeier zum Adler. Sommerwirthſchaften: Garten des deutſchen Hauſes; Gar⸗ ten vom Hotel Neſtle, Kronen-Garten und Fricks Garten am Schloß. Friedrichshafen hat einſchließlich der Filiale etwa 2350 Einwoh⸗ ner und iſt der Sitz eines Hauptzollamtes, einer Hafendirection, eines Poſt⸗, Eiſenbahn- und Telegraphenamtes, einer Dampfſchifffahrts⸗ Verwaltung, eines Amtsnotariats und eines proteſtantiſchen und ka⸗ tholiſchen Pfarramts. Es beſitzt außerdem eine neue Schiffswerfte, eine Maſchinenwerkſtätte, eine Latein⸗ und Realſchule, ſo⸗ wie Töchterpenſionat. Die Lage des Städtchens iſt eine der ſchönſten, der Bodenſee breitet ſich faſt in unüberſehbarer Fläche aus; in duftiger Ferne er⸗ blickt man bei heiterer Witterung jenſeits die Schweizerufer mit ihren freundlichen Städtchen und Dörfern; in ihrem Rücken erheben ſich die grünen Vorberge der Cantone St. Gallen und Appenzell und hinter ihnen der hohe Säntis und die entfernteren Alpenketten mit ihren beſchneiten Häuptern. Friedrichshafen beſteht aus dem ehemaligen Reichsſtädtchen Buch— horn, dem früheren Priorat Hofen und der ſogenannten Neuſtadt, einer ſtattlichen Häuſerreihe, welche ſich von der Altſtadt gegen das Schloß und den Bahnhof hinzieht. Stadt und Schloß Friedrichsha— ſen liegen hart am See, jedes auf einem ausſpringenden Bogen des Seegeſtades. Nahe an der Altſtadt iſt der geräumige Hafen mit einem ſchlanken Leuchtthurm und dem großen Zollgebäude mit dem Nuf De Mige lathes ſch fgten Wcheg, Dem i ſor, Rucheft hen. * leiten, Aen de Jade Modhe 9 Dit, G8 U1 gaul, hen. Gahn! flihte ſler G fihte Wen.d , det I un uher i Wal Welf Krade Wllzm 0 00 iler f M, U erleh out aufgemauerten Landungsquai. Eine Zweigbahn geleitet die Rei⸗ ſenden ſehr bequem zum eigentlichen Bahnhof und umgekehrt von dieſem direct an die Dampfſchiffe, ohne daß ein ſtörender Wechſel und Aufenthalt damit verbunden iſt. Die eng⸗ und unregelmäßig gebaute Altſtadt ſelbſt hat nur wenige Gebäude von Bedeutung und bietet überhaupt wenig Sehens⸗ werthes dar. Auf der Land⸗ und Nordſeite des Städtchens beſin⸗ den ſich noch Spuren von Stadtmauern, Thoren und Gräben, die letzten Zeichen aus älterer Zeit. Bereits im Jahre 837 kommt Buchhorn als Buachihorn vor, welchen Namen es wohl von ſeiner Lage am See, beſonders von dem in denſelben auslaufenden Land, Horn genannt, wie Romans⸗ horn, Argenhorn u. ſ. w. erhalten hat. Vielleicht reichte einſt ein Buchenwald in den See, bis dahin, wo jetzt Stadt und Schloß Zaan ſtehen. Die Anſicht, daß der Name Buchhorn von Buche und Horn her⸗ zuleiten, wird wohl auch dadurch unterſtützt werden, daß das Wap⸗ pen der Stadt rechts eine grüne ausgeriſſene Buche im goldenen Felde zeigt, während die linke Seite des Schildes ein ſchwarzes Jagdhorn mit goldenem Beſchläg im rothen Felde darſtellt. Buchhorn war ſchon im 9. Jahrhundert ein nicht unbedeutender Ort, an welchem öffentliche Verhandlungen vorgenommen wurden. Es war eine Thing⸗ oder Malſtätte und Sitz der Grafen des Linz⸗ gau's, zwiſchen dem Höhgau und dem Argen und Schuſſengau gele⸗ gen. Im Jahre 900 erſcheint ein Graf Ulrich von Buchhorn, ein Sohn Ulrichs, des Grafen vom Linz⸗ und Argengau, welcher die Ge⸗ ſchichte Buchhorns eröffnet. Von dieſem Grafen Ulrich und ſeiner Gemahlin Wendilgard, einer Enkeltochter Kaiſer Heinrich's J. wird nachſtehende ſeltſame Ge⸗ ſchichte erzählt. Indem er nämlich im Jahre 916 ſeine Beſitzungen gegen die Ungarn, welche damals einen Einfall in Deutſchland mach—⸗ ten, vertheidigte, wurde er in der Schlacht von ſeinen Feinden gefan⸗ gen und von den Seinigen für todt gehalten. Seine Gattin ging daher in das Frauenkloſter nach St. Gallen, kehrte aber jährlich ein⸗ mal nach Buchhorn zurück, um am vermeintlichen Todestage Ulrichs daſelbſt Almoſen auszutheilen. Nach drei Jahren war Wendilgard gerade wieder in dieſer frommen Beſchäftigung begriffen, als aus der Volksmenge hervor ſich ein zerlumpter Bettler an ſie drängte, und nach empfangenem Almoſen ſie in die Arme ſchloß. Tief beleidigt über ſolche Frechheit wollte die Gräſin eben den Bettler züchtigen Aäle laſſen, als derſelbe ſeine Lumpen abwarf und ſich als ihren Gemahl ſflt e m. zu erkennen gab. Nun war die Freude allgemein und wurde nur daͤdurch getrübt, daß Wendilgard den Schleier trug. Graf Ulrich wollte deßhalb ebenfalls in ein Kloſter gehen, allein Biſchof Salo⸗ mon von Conſtanz entſchied, daß das Ehegelübde Wendilgards älter ſei, als ihr Kloſtergelübde, und ſo wurde ſie dem Grafen Ulrich zu⸗ rückgegeben. Dieſer Graf hinterließ drei Söhne mit Namen Adelhard, Ulrich und Burkhard, welch' letzterer ſich der Kirche weihte und ſpäter Abt des Kloſters St. Gallen wurde. Die beiden älteren Söhne Ulrich's aber theilten ſich nach des Vaters Tode in das Erbe; Ulrich erhielt Bregenz, Adelhard Buchhorn und dieſer pflanzte den Namen der Buchhorner Grafen fort. Die Gemahlin ſeines Enkels Otto I., Ber⸗ tha, gründete das Kloſter Hofen. Nach dem Tode des kinderloſen ſie 1189 an die Hohenſtaufen, unter welchen ſich Buchhorn den Weg zur Freiheit bahnte und aus den Wirren des Zwiſchenreichs als un⸗ abhängige Reichsſtadt hervorging. Die Kaiſer Rudolf, Adolf und Albrecht beſtätigten die Freiheiten der Stadt und fügten noch neue hinzu. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde von ihr noch ein kleines Gebiet durch den Ankauf der Ortſchaften Baumgar⸗ ten und Erichskirch erworben. So trat Buchhorn in die Reihe der freien Reichsſtädte, obgleich es nur eine kleine Einwohnerzahl hatte. Seine erſte Befeſtigung ſtammt wohl aus der Zeit der Ungareinfälle im Jahre 916. Im 30jährigen Kriege hatte es viel Schweres zu ertragen. Im Jahre 1643 wurde Buchhorn von den Weimaranern und 1645 von Wiederhold, dem Kommandanten von Hohentwiel, ge— plündert; 1787 brannte ein Theil der Stadt nieder. Im Jahre 1805 kam das Priorat mit dem dazu gehörenden Amt Hofen durch den Preßburger Frieden an Württemberg und 1810 auch Buchhorn, worauf ſämmtliches unter dem Namen„Stadt und Schloß Friedrichshafen“ zu Einer Gemeinde vereinigt wurde, und ſomit dasjenige wieder verbunden, was in den älteſten Zeiten ſchon zuſammengehört hatte. Um eine Verbindungsſtraße zwiſchen beiden Punkten herzuſtellen, wurde der Bau der Neuſtadt, der ſogen. Corſo begonnen. Der Handel und die Schiffahrt erhielten ſehr we⸗ ſentliche Begünſtigungen und die beiden Häfen Buchhorn und Hofen wurden gleichfalls unter dem Namen Friedrichshafen zu Freihäfen erklärt. Der Hauptflor der Stadt entwickelte ſich unter der Regie⸗ rung des verewigten Königs Wilhelm durch die Erbauung von Dampf— booten, die Errichtung einer Eiſenbahn u. ſ. w., deren ſegensreiche Folgen noch jetzt nachwirken. In neueſter Zeit hat ſich Friedrichs:( hafen auch zu einem Seebadeort erhoben, welcher wohl den erſten Rang am See einnimmt. Der gegenwärtige König Karl ſchenkte, um den Badeleben einen Mittelpunkt zu geben, der Gemeinde einen großen, ſchönen, hart am See gelegenen Garten, welcher in hübſche Ulcgen ende Mäöle Der u der Ahrete Audenn ſihclten, lhem Aähnun auwoff Otto II. nahmen die Welfen ſeine Güter in Beſitz; von dieſen kamen n 9 Seeba Iatten v Metalb ah fin die l detſt N0 fuchte, tbeſtt, uffſch Wäch,“ ſhlagh, übet, hiltge., 4 Por e Abn 9 in ei ſlen, in W u Fieh ahhn e nit ſuß nut Anlagen mit Spazierwegen verwandelt wurde und wenn die zu er⸗ bauende Kurhalle errichtet ſein wird, dürfte Friedrichshafen auch im Auslande einen verdienten Ruf erhalten. Der Kurſaal kommt hart an den Rand des See's zu ſtehen. In der Mitte erhebt ſich eine Säulenhalle, geräumig genug, um mehrere hundert Perſonen zugleich aufzunehmen. Rechts und links werden Seitenflügel angebracht, welche Billard⸗, Cafézimmer u. dgl. enthalten. An dieſe ſchließen ſich luftige Veranda's an, die von wildem Rebenlaub umrahmt und beſchattet werden. Die ſchönen Zeichnungen des Kurſaales ſind vom Prof. Bäumer in Stuttgart entworfen. In der Nähe des Gartens zum deutſchen Hauſe befindet ſich die Seebade-Anſtalt für Herren, und diejenige für Damen beim Garten vom Hotel Neſtle. Eine Bade⸗Anſtalt für warme Seebäder, Mineralbäder, Sturz- und Sprudelbäder iſt gleichfalls vorhanden. Auch findet ſich jedes Jahr Gelegenheit zum Molkentrinken, in⸗ dem die Ziegenmilch aus dem Appenzell bezogen und die Molken aus derſelben von einer Appenzellerin bereitet werden. Was aber Friedrichshafen einen beſonderen Ruf als Kurort brachte, iſt das im Jahre 1862 errichtete und ſeitdem erweiterte und verbeſſerte türkiſche Bad. Dieſe Bäder unterſcheiden ſich von den ruſſiſchen Dampfbädern dadurch, daß in ihnen kein Dampf entwickelt wird, der die Badenden beläſtigt, oder ſich auf ihren Körper nieder⸗ ſchlägt, ſondern daß in ihnen, obwohl eine erhöhte Temperatur ſtatt⸗ findet, doch durch eine zweckmäßige Ventilation ſtets eine reine, wohl⸗ thätige Luft bei einer angenehmen, erquickenden Wärme, welche in alle Poren des Körpers eindringt, erhalten bleibt und die Badenden mit dem größten Wohlbehagen erfüllt. Dieſes wird durch Abreibun⸗ gen, Abwaſchungen und Douchen noch bedeutend erhöht und ſteigert ſich bei dem darnach erfolgenden Ruhen nach vollbrachten Abwaſchun— gen in einer gemäßigten Temperatur. Groß iſt das Heer der Krank⸗ heiten, in denen ſie ſich ſchon heilſam erwieſen haben, daher trat das Bedürfniß ſolcher Bäder auch in Deutſchland auf, und wie ſehr das in Friedrichshafen gegründete Bad durch die herrlichſte, reizendſte Naturanlage, durch die unmittelbare Nähe des Bodenſee's und durch die mit dem türkiſchen Bade verbundenen Seebäder begünſtigt iſt, darf nur angedeutet werden. Zu den größeren Gebäuden Friedrichshafen's gehören: die ka⸗ zhtholiſche Pfarrkirche zum heil. Nikolaus mit mehreren Altären; ſie Inſwurde im Jahre 1750 vom Kloſter Weingarten erbaut. Der Thurm ſall ſſt 1863 mit einer neuen Spitze und neuen, maſſiven Gibeln verfehen eitd„worden, wodurch die Kirche ein beſſeres Ausſehen erhalten hat. Der in ſproteſtantiſche Gottesdienſt wird in der Kirche des Schloßes gehalten. 5 „ Das ſogen. Ka meralamtsgebäude, jetzt Zollbeamten-⸗Wohnung, b auch„Statthalterei“ genannt, ein anſehnliches ſteinernes Haus, wel⸗ 808 ches früher dem Kloſter Kreuzlingen bei Conſtanz gehörte; das Rath⸗ N haus im Jahre 1228 auf dem Grund des ehemaligen Kornhauſes c erbaut, mit einem Thürmchen; das Spital, hart am See liegend, Wt und ſchon ſehr frühe geſtiftet, enthält eine kleine Kapelle, welche ſl dl die ſicherſte Kunde über das hohe Alter des Spitals gibt. An ihrem ſſes, Altare befindet ſich nämlich eine noch lesbare lateiniſche In— liſ ſchrift, wornach am 14. September 1284 das Spital mit andern a 0 Gebäuden vom Feuer zerſtört, bald aber wieder aufgebaut wurde. Ihn In der Neuſtadt ſteht der hübſche Bahnhof mit Nebengebäuden und 105 ö0 bis an den See ſich erſtreckenden Gartenanlagen, ſowie manches mda⸗ ſchöne und geſchmackvolle Privatgebäude. Auch an dem Corſo befin⸗ um f den ſich mehrere hübſche und moderne Häuſer. Abden. Das eine kleine Viertelſtunde unterhalb dem Städtchen liegende i tönigliche Schloß, die frühere Probſtei Hofen, liegt auf einem ab⸗ ſiſti hängigen Vorſprunge des Seeufers und bildet einen der ſchönſten ſahun Ausſichtspunkte. Ein von einer großen Linde mit Ruhebank beſchab eg teter Eingang führt in einen großen, mit Blumenbeeten und Spring⸗Alne brunnen gezierten Hofraum. Dem Schloßgebäude und der an das- ſech ſelbe ſich anſchließenden Kirche gegenüber liegen die Wirthſchafts⸗ ſut un und Dienſt⸗Gebäude mit dem ehemaligen Pfarrhaus. Vorwärts und t i zur Seite breiten ſich ſchöne Garten-Anlagen aus, die rundum mit Abalt einer hohen Kloſtermauer umgeben ſind und einen Flächenraum von ſeflim 13½ Morgen umfaſſen. 1 Das Schloß iſt hoch und geräumig erbaut und bildet mit der ſuen, Kirche ein Viereck, in deſſen Mitte der ehemalige Conventhof ſich be— ö findet. Ein auf Bögen ruhender Gang mit einem Thürmchen ver⸗el bindet das Schloß mit den Oekonomiegebäuden. Das Innere dezſle Schloſſes iſt geſchmackvoll und in Uebereinſtimmung mit der ſchönen l Natur eingerichtet. Die Zimmer des Königs enthalten zahlreiche lunn Gemälde von deutſchen, italieniſchen und niederländiſchen Meiſtern ſin, und in den ſehr ſchön ausgeſtatteten Zimmern der Königin befinden ſich ebenfalls vorzügliche Bilder aller Art. Beſonders ſchön aber iſt ſ die offene Ausſicht von der Säulengallerie des Salons im 20. Stockwerk. Man befindet ſich hier eigentlich im Mittelpunkt derſln Seelänge, erſchaut den Obſtgarten St. Gallens und des Thurgaus mit zahlreichen Ortſchaften, Höhen, Burgen und Landhäuſern undet die im Hintergrund derſelben aufſteigende Kette grüner Hügel mit( den Felswänden des hohen Säntis, ſowie des ganzen ſich weit aus: J. dehnenden Alpſteins. Feden Morgen und Abend bietet ſich hierlun eine neue Naturſcene dar, indem nach Jahres- und Tageszeit dielleg Beleuchtung beſtändig wechſelt und der See, ſowie die Hochgebirgenmt durch den Einfluß der Witterung ſich bald in Klarheit und Ruhe, bald wolkenverhüllt und aufgeregt zeigen. Die übrige Einrichtung des Schloſſes iſt ebenfalls geſchmackvoll und ohne alle Ueberladung; einige Fenſterſcheiben in den Gängen ſind mit ſchönen werthvollen Glasgemälden geſchmückt, die bei günſti⸗ ger Beleuchtung ein bunkfarbiges Licht ausſtrahlen. An Treppen, Niſchen, Corridoren u. ſ. w. erkennt man noch hier und dort die frü— ¼here klöſterliche Beſtimmung des Schloſſes. Seine jetzige Geſtalt iſt ganz das Werk des verewigten Königs Wilhelm, geſchaffen in den Jahren 1823—1830. Viele Jahre nahm der König und die könig⸗ liche Familie gewöhnlich einige Monate ihren Sommeraufenthalt hier und es ſcheint dieſer mit ſo vielen Reizen geſchmückte Wohnſitz auch 0 K dun König Karl durch alljährliches längeres Verweilen begünſtigt zu wer den. 0 Die frühere Kloſterkirche, welche ſich an das Schloß an— ſchließt iſt jetzt eine evangeliſche Stadtpfarrkirche und aus ſchönen Sand⸗ ſteinquadern, welche bei Rorſchach gebrochen wurden, in neurömiſchem Style aufgeführt. Sie hat zwei hohe mit Kuppeln verſehene gleiche Thürme, ihr Inneres iſt reich an Stukkaturarbeit und ſie beſitzt auſ⸗ ſer ſechs Seiten⸗Altären einen ſchönen mit Figuren verzierten Hoch— waltar und viele Gemälde. Kirche und Schloß wurden nach einer In⸗ ſchrift über dem Portal von 1695—1701 von der Abtei Weingarten erbaut und eingeweiht; zur evangeliſchen Pfarrkirche wurde ſie 1812 beſtimmt. Um die weitere Umgebung von Friedrichshafen kennen zu oet ni lernen, gehen wir unmittelbar vom Schloſſe hart am Ufer, welches ſch ſchon öfters von Stürmen ſehr gelitten und an Land manche Ein⸗ n'ebuße erlebte, einen angenehmen, die herrlichſten An- und Fernſichten lbietenden Fußweg durch Wieſen und Gebüſch, ſowie an ſchattigen Badeplätzen vorüber, nach dem nahe am See liegenden Weiler See⸗ moos mit etwa 50 Einwohnern, die Fiſcherei, Feld- und Obſtb au treiben. Von hier aus ſchlängelt ſich der Pfad durch ein ſchattiges Wäld— ſchen nach Manzell mit einem königlichen Privatgut, welches eine 120 Morgen große Schweizerei mit ausgezeichnetem Viehſtande bildet. In dem Hauptgebäude, einem nach Berner Art aufgeführten Schweizerhaus, iſt ein Abſteigquartier für die königliche Familie ein⸗ gerichtet und auch der Fremde findet auf Verlangen im Pächterhauſe Milch, Brod und Käſe, welch' letzterer nach Schweizerart bereitet wird. 11 Manzell, noch jetzt vom Volke Mangenzell genannt, hat ſeinen 6Namen von Magni cella, Zelle des Magnus, einem Schüler des % heil. Gallus, in welcher er ſich ſeinem frommen Berufe widmete. Es 6„6(kommt wiederholt ſchon frühe in Urkunden vor; eine ſolche vom 5* — Aau 68 Jahr 818 iſt im Orte ſelbſt ausgeſtellt und im Jahr 897 wird die n mn Kirche in Manunzell genannt; ſie war Eigenthum des Kloſters St. 1hſf Gallen. Noch gegen Ende des letzten Jahrhunderts fand am zwei⸗ ſ ten Pfingſttage der ſogen. Magnusritt ſtatt, wobei der im Kloſter gem Weiſſenau aufbewahrt geweſene Theil von dem heil. Blute Chriſti gn d in feierlicher Prozeſſion zu Pferde nach Manzell gebracht und dort al zur Anbetung ausgeſetzt wurde. Von Manzell führt ein hübſcher mit Obſtbäumen beſetzter Weg dm nach Fiſchbach mit 240 Einwohnern, einer Wirthſchaft zur Traube, ſen zwei Weinſchenken und einer kleinen Bierbrauerei. Der Ort liegt ankige m der Landſtraße von Friedrichshafen nach Meersburg und wenige Mie m. nuten weſllich iſt die badiſche Grenze. Das Dorf, welches ſchon in Urkunden vom Jahre 764, 778 u.h f 817 als eine nicht unbedeutende Villa im Linzgau aufgeführt wird gn hat eine gute, fruchtbare Lage, wird aber häufig vom Mühlbacht überſchwemmt. 85555 ihle Wegen der vorzüglichen Güte des blauen Thons, der ſich in der gſen, — 0 Nähe findet, ſind hier mehrere Ziegelhütten errichtet, die guten Ab. Jn ſatz, beſonders in die Schweiz, haben. U. Von Fiſchbach können wir noch Ausflüge auf die benachbarken unn badiſchen Schlöſſer Herſchberg und Kirchberg unternehmen. Er⸗ ihn ſteres ſteht auf einer weinreichen Anhöhe und hat eine ſehr freie ſct Lage mit herrlicher Ausſicht über den See nach ſeiner Länge und Breite, ſo⸗ ſh gar bis über den Unterſee, wo man die Inſeln Meinau und Reie 0 chenau, ſowie die Burgen des Höhgäu's erblickt. Das Schloß enten hält eine geſchmackvolle Einrichtung und eine Kapelle mit Gemäldenſg 0 von Deſchwanden; es iſt Eigenthum des Fürſten Leopold von Salm⸗ 15 Reifferſcheid⸗Krautheim. Kirchberg iſt ein markgräfliches badiſcht 1 Schloß mit einer Terraſſe und einer ſchattigen Reblaube mit ebem g falls ſchöner Fernſicht. In dem dabei befindlichen Oekonomie-Gebäude n, wird eine gute Wirthſchaft getrieben. Dicht am See befindet ſich ein ih ſchattiges Buchenwäldchen, deſſen äußerſte in den See auslaufendt In Spitze mit einem rundgeformten Luſthäuschen geziert iſt. In den. Schloſſe ſind alte Holzgemälde mit Darſtellungen aus dem Leben dese heil. Antonius, welche von Martin Schäffler aus Ulm gefertigt wul 8 den, aufbewahrt. Wir machen nun, um auch die landeinwärts liegenden Umge— 0 bungen von Friedrichshafen kennen zu lernen, noch einen kleinen Aus⸗ 15 flug nach dem Weiler Löwenthal, welcher an der Aach liegt und früher ein Dominikaner⸗Frauenkloſter enthielt. Der Ort hat zwal, noch ein klöſterliches Ausſehen, allein von der früheren Kirche und ſe den Kloſtergebäuden iſt keine Spur mehr vorhanden. An der Stelkkeu, des Kloſters ſtand einſt die Burg Aiſtegen, der Stammſitz eines begü f terten und berühmten Edelgeſchlechtes. Ritter Dieto von Aiſtegen, am Hofe Kaiſers Friedrich I., Babaroſſa ſehr wohl gelitten, verhei— rathete ſich im Jahre 1153 mit des Kaiſers erſter von ihm geſchiede⸗ Inen Gemahlin, Adelheid, geborene Markgräfin von Vohburg. Die uk“ Söhne oder Enkel Dieto's änderten ſpäter ihren Namen in den von Löwenthal, und einer derſelben mit Namen Johann, überließ die Burg in ſeinen älteren Jahren einer Sammlung frommer Schweſtern des Dominikaner⸗Ordens, nachdem er ſeine Gattin zur erſten Priorin deſſelben gemacht hatte. Das Kloſter wurde von mehreren Kaiſern be— chützt und beſchenkt, im 30jährigen Kriege aber zerſtört und ver⸗ rannt. Später wieder hergeſtellt, kam es 1806 an Württemberg und wurde noch im gleichen Jahre aufgehoben. Die Güter und Ge⸗ „, Übäude kamen in den Jahren 1825 und 1826 in den Beſitz von Pri⸗ (üvaten, von welchen das Conventsgebäude und die Kirche abgebrochen llbewurde. In der in der Nähe von Löwenthal ſich befindlichen Trau⸗ tenmühle mit guter Wirthſchaft ſind von den Fremden Erfriſchungen zu haben. 1l gule Der berühmteſte Punkt jedoch in Beziehung auf die Ausſicht iſt in der Umgebung von Friedrichshafen das etwa 1 Stunde entfernte, ſauf ſonniger, rebenumpflanzter Höhe liegende Dorf Berg mit ſeiner aweithin ſichtbaren, hellen und freundlichen Kirche, bei welcher die ine ſchFernſicht am beſten genoſſen werden kann. Berg macht in dieſer ud hͤhinſicht dem Gebhardsberg bei Bregenz, dem Hoyerberg bei Lindau ſund den andern ſchönen Ausſichtspunkten am Bodenſee-Ufer den ang ſtreitig; in Beziehung auf Größe und Umfang iſt übrigens erg jedenfalls der Vorzug zu geben, dagegen aber ſchwächt die wei⸗ re Entfernung der Hochgebirge und der weniger reiche und abwech⸗ nde Vordergrund den Eindruck der Landſchaft. Das Dorf theilt ſich von alten Zeiten in Oberberg, Unterberg, Keſtenbach und Grützel. (In dem erſteren befindet ſich eine Bierbrauerei, Brantweinbrennerei, ſſigfabrik u. ſ. w. Kirche, Pfarr- und Schulhaus wurden in neueren ahren reſtaurirt und theilweiſe neu erbaut. In Berg ſoll früher bauch ein Schloß geſtanden haben, wohl in denjenigen Theil des Ortes, welcher Keſtenbach heißt und ganz das Anſehen eines ehema— gen Kaſtells hat, wovon vielleicht der Name herrührt. In einer montfortiſchen Urkunde vom Jahre 1265 ſtehen als Zeugen Werner Aülvon Raderach und Albrecht von Keſtenbach, Ritter. Als ſchöne Ausſichtspunkte ſind nach Berg auch die Weiler Un⸗ ſhliter- und Oberraderach zu nennen. Erſteres liegt an der badiſchen U(Grenze, hat ungefähr 200 Einwohner und beſaß früher ſeine eigenen un litEdelleute, welche ihren Sitz in dem nur eine kleine halbe Stunde In dezutfernten Oberraderach hatten, wo noch Reſte ihrer Burg ſtehen. ſſheul Die Herren von Raderach und Roderay, wie ſie gewöhnlich genannt — wurden, gehörten zu den bedeutenderen Geſchlechtern von Oberſchwa⸗ ben und kommen häufig in Urkunden des 12. und 13. Jahrhunderts vor. Werner von Raderach, der letzte ſeines Stammes, ſchenkte die Burg nebſt Zugehör ſeinem Verwandten Ulrich von Schöneck; ſpäter kam ſie an das Hochſtift Conſtanz und mit dieſem an Baden, wäh⸗ rend Unterraderach an Württemberg fiel. Man hat von beiden Orten die Ausſicht über den Bodenſee mit zahlreichen Städten und Dörfern( an ſeinem Ufer, auf den Bregenzer Wald mit dem Gebhardsberg und dem Rheinthal, auf die grünen Vorberge von Appenzell und St. Gallen und die beſchneiten Alpen Tyrols und der Schweiz. Zur Seite und rückwärts überſchaut man das Land im weiten Umkreiſe vom Heiligenberg und Gehrenberg bis zur Waldburg und von hier hinauf bis nach Vorarlberg. Doch wir kehren wieder nach Friedrichshafen zurück um uns dem zweitſchönſten und dazu hiſtoriſch-merkwürdigſten Orte des württem bergiſchen Antheils am Bodenſee zuzuwenden. Eine hübſche ſchattige Allee führt uns zuerſt von Friedrichshe⸗ fen über das Flüßchen Ach, dann an dem Muſterhof Seewald vor un bei in einer halben Stunde in das mitten in einem Garten voß Obſtbäumen etwas abwärts vom See an der Schuſſen gelegene ld Pfarrdorf Eriskirch, aus welchem der alte Kirchthurm hoch hervor t ragt. Die hieſige Kirche mit alter Glasmalerei, zur heil. Marig genannt, war ehemals eine Wallfahrtskirche, wurde im Jahte ſhene 1750 reſtaurirt und ſoll eine der älteſten am See ſein. Eriskirth treibt ziemliche Schifffahrt; die Schiffslände befindet ſich in der Jll Schuſſen. Der Ort hat etwa 320 Einwohner und ein ſehr beſuchtes lit, Wirthshaus zum Adler. Eriskirch ſoll ſo viel bedeuten, wie erſte n Kirche, das Volk aber ſpricht„Erliskirch.“ Eine hübſche gedecktk n Holzbrücke führt von hier über die raſch fließende Schuſſen und wir gehen entweder der ziemlich abwärts führenden Landſtraße zu über Schlatt, einem Weiler, oder wir ſuchen den Fußweg längs der Schuſſen auf und gelangen über den hart an der Ausmündung der⸗. ſelben gelegenen kleinen Zinken Schwedi, wo die Schweden eine Schanze gehabt haben ſollen, in kürzeſter Zeit nach dem Marktflecken n Langenargen, früher nur Argen genannt. Es theilt ſich eigentlich in Ober-Argen, t Stadt Argen und Unter-Argen und iſt von Friedrichshafen 2 und l. von Lindau 3 Stunden entfernt. Wegen ſeiner guten Lage am W See iſt es ebenfalls als Badeort geeignet und wird deßhalb auch die zahlreich beſonders von ſolchen Badegäſten beſucht, welche ein Still, Leben vorziehen. Die Bade⸗-Einrichtungen ſind zweckmäßig an ver⸗“ ſchiedenen Punkten vertheilt, auch fehlt es nicht an guten Gaſthö⸗ fen wie die Krone, der Löwe, der Hirſch mit Bierbrauerei, der En⸗ gel, die Fahne und das Schiff. Letzteres Gaſthaus iſt wegen der herrlichen Fernſicht von ſeinem Balkone aus, welcher in den See hi⸗ nausgebaut iſt, ſowie wegen ſeiner zweckmäßigen Badeeinrichtung zu empfehlen; auch ſind in ſeinem hinteren Saale mehrere montfort'ſche Porträte aufgehängt. Sehenswerth iſt in Langenargen die Kirche zum heil. Martin mit mehreren Altären und ſchönen Altargemälden, im Jahre 1718 bis 1721 erbaut; das zwar kleine, aber gut gebaute Lager⸗ und Kornhaus, ſowie die ſchöne Schiffslände. Das Spital hier hat ſehr reiche Stiftungen, das im Jahre 1714 errichtete Gebäude hängt mit der Pfarrkirche zuſammen. Ein Kapuziner⸗Kloſter wurde im Jahre 1696 von Graf, Anton von Montfort und ſeiner Gemahlin Anna erbaut, aber 1811 aufgehoben und auf den Abbruch verkauft. An ſeiner Stelle ſteht nun der Gaſthof zum Löwen mit dem Klo⸗ ſtergarten. Im Jahr 1853 wurde von Schweizern eine Parquet⸗ fabrik gegründet, welche aus allen Holzarten Parquetböden, Tiſch⸗ platten und Ornamente verfertigt, welche reichlichen Abſatz in das „Ausland finden. Die hieſigen Fiſcher gehören zu den thätigſten und geſchickteſten am Bodenſee und der Fremde verſäume nicht, die am Ausfluſſe der Argen und der Schuſſen gefangenen vorzüglichen Trei⸗ ſchen oder Trüſchen kennen zu lernen. 0 Was jedoch Langenargen beſonders auszeichnete, waren die ge⸗ ſchichtlich-merkwürdigen Ruinen des ehemaligen Schloſſes Mont⸗ fort, welche auf einer weit in den See vorſpringenden Inſel lagen, die in ſpäterer Zeit durch einen Damm mit dem feſten Lande ver⸗ bunden wurde. Dieſe kleine Inſel führte den Namen Argenhorn und es ſtanden auf ihr zwei dicht aneinander gebaute mächtige, runde Thürme, welche aus der Römerzeit ſtammten. Dieſe zerfielen und auf ihren Grund wurde eine deutſche Burg geſetzt, aber auch dieſe erlag den Stürmen der Zeit, bis der reiche Graf Wilhelm von Montfort in den Jahren 1332— 1345 wieder eine Burg erbaute, die lange für eine bedeutende Veſte galt. Zu gleicher Zeit erbaute er einen Münzhof, in dem ſilberne und ſpäter ſogar goldene Münzen geprägt wurden; denn die Grafen von Montfort hatten von uralten Zeiten her das Münzrecht. Im Jahre 1720 ließ Graf Anton von Montfort die Feſtungswerke abbrechen, das Schloß aber neu herſtel⸗ len. Sein Nachfolger, Graf Ernſt, ſchuf nicht allein das Schloß, ſondern ganz Langenargen zu einem Seeſitze um, und machte dabei großen Aufwand, ſo daß ſeine beiden Söhne, von Schulden gedrängt, ſich genöthigt ſahen, zum Aeußerſten zu ſchreiten, und alle ihre Be⸗ ſitzungen an Oeſterreich zu verkaufen. Dieſe beiden letzten von Mont⸗ * fort ſtarben bald darauf, der ältere, Franz Kaver, im Jahre 1780, zu Mariabrunn in dem ſchönen Pfarrhaus, das ſein Vater Ernſt erbaut hatte; er bewohnte hier ein Kämmerlein mit der Ausſicht auf den Gottesacker. Er ruht in der Kirche unter einem Denkſtein. Graf Anton ſtarb ſieben Fahre ſpäter in einem Privathauſe zu Tett⸗ nang, wo in der Kirche daſelbſt ebenfalls ein Grabmal von ihm ſteht. So endete eines der mächtigſten und angeſehenſten Geſchlech— ter Oberſchwabens, deſſen Name mehr als 600 Jahre ein glorreicher geweſen war. Im Jahre 1805 kam Langenargen an Bayern; die bayeriſche Verwaltung verkaufte das noch wohlerhaltene Schloß im Jahre 1809 an vier Ortsbürger auf den Abbruch und dieſe begannen leider das Werk der Zerſtörung. Als jedoch im nächſten Jahre der Ort an Württemberg kam, mußte auf beſtimmten Befehl des Königs Frie⸗ drich der weitere Abbruch ſofort eingeſtellt werden und es wurden wenigſtens die Ruinen des Schloſſes, welche jedoch nur noch aus den vier Umfaſſungsmauern, mit zwei hohen, ſtaffelförmigen Gibeln ohne Dach beſtanden, als eine romantiſche Zierde der Gegend erhalten. In den letzten Jahren ſeines Lebens hatte der verewigte König Wilhelm den Entſchluß gefaßt, auf dieſem reizenden Eilande einen königlichen Landſitz zu erbauen und die Ruinen wurden deßhalb vol⸗ lends abgebrochen. Leider wurde dieſer kunſtſinnige Fürſt durch ſeinen Tod an der Vollendung dieſes Baues gehindert, allein König Karl übernahm nun die Ausführung dieſes Planes und hat das geſchmack— volle, von einem hohen Thurme überragte, mit Zinnen und Eckthürm⸗ chen verzierte neue Schloß Montfort vollendet. Da dieſes neue Schloß Montfort eine der ſchönſten Villen am Bodenſee iſt, ſo können wir nicht umhin, es näher zu ſchildern. Auf einem weitausgedehnten, mit rorſchacher Sandſteinquadern einge— faßten, mit hübſchen Garten-Anlagen, Springbrunnen u. ſ. w. ver⸗ ſehenen Plateau erhebt ſich der terraſſenförmig aufſteigende Bau. Sowohl von den Gemächern aus mit ihren bedeckten Balkonen, als insbeſondere von den beiden Terraſſen und dem Thurme iſt der volle Genuß der ſchönen Ausſicht ermöglicht. Dieſer moderne Prachtbau iſt mit den Materialien der Gegend, die Mauern aus Schichten dunkler und heller Backſteine, die Thür⸗ und Fenſtergeſtelle aus Formſteinen, ein Theil der Geſimſe, Thürvorbauten und der Sockel aus rorſchacher Werkſteinen, die Verzierungen, Brüſtungsplatten, Geſimsconſolen u. ſ. w. aus Terracotta-Fabrikaten, alſo ganz im ſog. Rohbau, ohne Verputz hergeſtellt. Wie die innere Einrichtung, ſo hat auch das Aeußere mit ſeinem bunten Materiale einen heiteren Charakter trotz der an den Ecken des Baues ſich befindlichen, an das Mittel⸗ alter erinnernden Zinnenbekrönungen. Ein mit Schranken eingefaßter b ſit! f elh Die ſilt fit eiler Wagkgel Naö. Mlens, en da In und I ſiehbil ſie D . f. Mfh N˙ Wit l und mit hübſchen Candelabern verſehener Damm verbindet die Inſel auf welcher die Villa ſteht, mit dem feſten Lande. Die Lage des neuen Schloſſes iſt äußerſt freundlich und wett⸗ eifert mit den ſchönſten am Bodenſee. Man überſchaut denſelben faſt von einem Ende zum andern, ja von Nordweſt her winken noch die Bergkegel des Höhgäu's, namentlich Hohentwiel. Man ſchaut tief in das Rheinthal hinein, erblickt die Höhen in der Umgebung St. Gallens, als den Freudenberg, Vöglinseck, Gäbris u. ſ. w., über denen das ganze Alpſteingebirge, der hohe Säntis mit den Churfir⸗ ſten und im Hintergrunde die Glarner Schneeberge emporſteigen. In Langenargen ſtarb 1812 der Maler Andreas Brugger aus Kreßbrunn; das Oelgemälde am St. Martinsaltar zu Langenargen, die Deckengemälde in den Kirchen zu Rorſchach, Tettnang, Gattnau u. ſ. w. ſind ſeine Werke. Das badiſche ÜUfer. —— Wir kehren nun wieder nach Friedrichshafen zurück und ſetzen unſere Reiſe auf dem See mit einem Dampfboote nach der badiſchen Stadt Meersburg fort. Gaſthöfe: a) in der Unterſtadt: Schiff; Wilder Mann an der alten Schiffslände; Hecht am Hafen; b) in der Oberſtadt: Bären mit Poſtſtallmeiſterei und Löwe am Marktplatz; Schütze, Krone, Frieden, Glaſerhaus außerhalb der Stadt. Bierbrauereien: Schiff und Wilder Mann, beide mit Gar⸗ tenwirthſchaften; ebenſo Löwe, Bären, Krone, Frieden, Schütze, ſämmtlich mit Gärten. Die Stadt liegt dicht am See an der Abſtufung einer hohen Felſenwand und war bis zu der unter dem berühmten Karl Theodor von Dalberg erfolgten Säkulariſation die Reſidenz der Fürſtbi⸗ ſchöfe von Conſtanz, welche einſt das alte, in den letzten Jahrhunder⸗ ten aber neue Schloß in der obern Stadt bewohnten. Die älteſten Theile des alten Schloſſes ſind ein ſehr hoher, viereckiger 40 Fuß dicker Thurm und eine wie dieſer aus großen Findlingen er⸗ baute, ſich gegen die Zugbrücke ziehende Mauer; beide ſind fränkiſch und an dem Thurme die Buchſtaben C. M. eingehauen, was auf Carl Martell deutet. Das eigentliche Schloßgebäude, auf den vier Ecken mit Thürmen befeſtigt, wurde erſt im Jahr 1508 von Hugo von Landenberg erbaut. Die tiefe Kluft zwiſchen dem alten und neuen Schloſſe, durch welche ſich ein gepflaſterter Fußweg in die untere Stadt hinabzieht, entſtand im Jahr 1334 als Biſchof Nikolaus von Kenzingen mit Graf Rudolf von Hohenberg und Kaiſer Ludwig dem Bayer im Felde lag. Der Biſchof ließ damals durch 400 Bergknappen den Fels zwiſchen dem alten Schloſſe und der oberen Stadt bis auf die nunmehrige Tiefe abſchroten und dadurch ſeiner Burg mehr Feſtigkeit geben. Dieſe Burg bewohnten die Biſchöfe von Conſtanz bis auf Biſchof Anton von Sickingen-Hohenburg, welcher in den Jahren 1743 bis 1750 das neue Schloß, jetzt Taubſtummen⸗Anſtalt, erbaute, das auf einer anſteigenden Terraſſe in impoſanter Lage ſteht. Im zweiten Stock deſſelben befindet ſich eine ſchöne Zimmerreihe; das Getäfel iſt von Eichenholz mit Gold und an den Wänden ſind ge— wobene Tapeten mit bildlichen Darſtellungen. Bezaubernd iſt die Ausſicht von den Fenſtern des Schloſſes; das Auge ſchweift über den weiten See vom Dome zu Conſtanz und der Inſel Meinau bis zu den dunklen Tannenwäldern von Bregenz, dazwiſchen erheben ſich in ſanft anſteigenden Höhen die grünen Vorlande der Schweiz und da— hinter ihre ſchneeigen Berghäupter vom mächtigen Säntis und den Churfirſten bis zu den blauen Hochwarten Tyrol's und Vorarlberg's. Auch das ehemalige biſchöfliche Seminar, ein anſehnliches, ganz maſſives Gebäude auf einem Hügel im öſtlichen Theile der Stadt gewährt eine ausgezeichnete Fernſicht. Es iſt jetzt Sitz eines katholi— ſchen Schullehrer-Seminars und hat ein Thürmchen und eine hübſche, kleine Kirche. Das weithin bis in's Appenzellerland hinein ſichtbare Leuchten der großen, ſchrägliegenden Treibhausfenſter in dem zu obigem Seminar gehörenden Garten erzeugte in der Schweiz die ſprichwörtliche Redensart:„es glänzt wie Meersburg.“ In den feuerfeſten Gewölben des alten Schloſſes, welches der hochverdiente Alterthumsforſcher Freiherr von Laßberg von 1838 bis 1855, in welch' letzterem Jahre er ſtarb, bewohnte, bewahrte derſelbe die unſchätzbarſten klaſſiſchen und altdeutſchen Manuſeripte, eine aus⸗ erleſene Bibliothek, herrliche Glasgemälde, altdeutſche und altitalie⸗ niſche Bilder und viele andere Seltenheiten, welche nach ſeinem h• Uhet h Rüler en kel Met lit“ lalſe W W. biel el ell ſud, flehf fh0 l ff lutd ſhtt llet 0 ſete e 5 ‚ Tode theils nach dem fürſtlich fürſtenberg'ſchen Schloſſe Heiligenberg, theils nach dem Schloſſe zu Donaueſchingen gekommen ſind. Unter den alten Gebäuden von Meersburg ſind ferner noch ſehenswerth: das Rathhaus mit einem hellen, geräumigen Saal, einem hübſchen Theater und dem ſtädtiſchen Archiv; das ehe⸗ malige Dominikaner⸗Frauenkloſter, jetzt ein Schulhaus; der frühere Kapitelhof, jetzt Gaſthof zum Schiff, ein ſteinernes, maſ⸗ ſives Gebäude; die katholiſche Pfarrkirche auf der Höhe bei der obern Stadt mit mehreren Altären, hübſchen Wandtafeln und Gräbern von Fürſtbiſchöfen von Conſtanz; die St. Nikolauskapelle in der untern Stadt mit einem ſchönen altdeutſchen Altarbilde, die Taufe des Herrn vorſtellend, Holzmalereien und Holzſchnitzwerk, und in welcher Kapelle die Fiſcherzunft alljährlich zu Ehren ihres Schutz⸗ patrons, des heil. Nepomucks, einen Gottesdienſt zu halten pflegt. Ferner das Getraidehaus(Gredhaus), welches uralt iſt und am Hafendamm liegt, es bildet“ zugleich den Durchgang zum See; die alterthümlichen Thore der Stadt mit vielen geſchichtlichen Erinner⸗ ungen; das Spitalgebäude, früher der Schuſſenrieder-Hof, wo⸗ mit die Reichspoſt verbunden war. Auf dem mit einer Bethalle verſehenen Gottesacker beſinden ſich die Ruheſtätten des Herrn von Laßberg, des bekannten Magnetiſeurs Dr. Meßmer, der Dichterin Anette Droſte von Hülshof, ſämmtlich mit Denkmälern, und noch viele andere Gräber einſt hoher und verdienſtvoller geiſtlicher und weltlicher Perſonen. Der Fremde verſäume auch nicht, den herrſchaftlichen Wein⸗ keller zu beſuchen, in welchem ausgezeichnete Seeweine zu haben ſind; die großen, ſchönen Gewölbe und die koloſſalen Fäſſer ſind ebenfalls bemerkenswerth. Meersburg iſt Sitz mehrerer Behörden und hat etwa 1400 meiſt katholiſche Einwohner, welche ſich beſonders von Wein⸗, Obſt⸗ und Feldbau, Gewerbe, Tranſitohandel und etwas Fiſcherei nähren. Auch befindet ſich eine Seebadeanſtalt hier und in den neueren Jahren wurden zweckmäßige Hafenbauten vorgenommen, da früher die Ein⸗ fahrt bei Stürmen gefährlich war. Der Name Meersburg, Burg am Meer, wird von Manchen von dem altdeutſchen Wort Meere, Lände, Landungsplatz, abgeleitet und zwar ſoll die untere Stadt vor der oberen geſtanden haben und von Schiffern und Fiſchern bewohnt geweſen fein. Von Volksfeſten, öffentlichen Spielen und Beluſtigungen aus biſchöflicher Zeit ſind noch manche Spuren, beſonders auf dem Lande, übrig geblieben. Von Meersburg gelangen wir nun ebenfalls mit einem Dampf⸗ ſchiffe am Ufer des Sees entlang, der hier einen länglichen Einſchnitt *VEö in die badiſchen Landestheile macht, nach dem 2 Stunden entfernten Ueberlingen, einer ehemaligen freien Reichsſtadt, welche dem Buſen des Sees, an welchem ſie liegt, den Namen gab. Gaſthöfe: Löwe, am See mit ſchöner Ausſicht; Krone, in der Stadt; Adler; Schiff: Anker; Traube; Wilder Mann u. ſ. w. Bierbrauereien: Veirer; Birkenmaier, mit Sommerwirthſchaft; Hähnle; Teufel. Reſtaurationen und Cafés: Roſe; Schütze; Carl Müller; Philipp Beck. Wohl nach Bodungo die älteſte alemaniſche Niederlaſſung am Bodenſee erſcheint Ueberlingen bereits am Anfang des 7. Jahrhun⸗ derts unter dem Namen Iburningä und iſt zuerſt in der Geſchichte des heil. Gallus bekannt geworden, welcher Friedburga, die Tochter des Frankenherzogs Gunzo in Ueberlingen von einer Krankheit be⸗ freite. Später ward die Stadt Eigenthum der Hohenſtaufen und während des Interregnums 1397 freie Reichsſtadt. Im Bauernkriege ſiegten die muthigen Bürger unter Reichlin von Meldegg im Jahr 1525 und ließen auf dem Marktplatz 150 Gefangene enthaupten; ein Gemälde im Rathhaus ſtellt dieſen Akt dar, auch zeigt man noch das Richtſchwert. Die Ueberlinger erhielten deßhalb 1528 und 1537 von Kaiſer Karl V. Privilegien und im goldenen Schild einen auf⸗ rechtſtehenden Löwen mit entblößtem Schwerte in das Stadtwappen. Im Jahr 1634 erlitt die Stadt von den Schweden unter Guſtav Horn eine vergebliche Belagerung und 1643 wurde ſie durch den Kommandanten Wiederhold von Hohentwiel eingenommen und ge⸗ plündert. Auch der 7 jährige Krieg, die franzöſiſchen Kriege und die Kriegsereigniſſe der neueren Zeit verhängten manches Ungemach über die Stadt und die dazu gehörende Landſchaft. Ueberlingen hat zwei Vorſtädte, genannt„das Dorf“ und die „St. Galler⸗Vorſtadt“, etwa 3400 meiſt katholiſche Einwohner und iſt der Sitz mehrerer badiſchen Behörden. Die Stadt zieht ſich vom See bergan und iſt mit Mauern, Thürmen und einem Graben um⸗ geben, der in und durch die Felſen gehauen iſt, welche ſich viele Klafter hoch ſenkrecht erheben und von Geſträuch und Epheu um⸗ rankt ſind. Schöne Weinberge und Obſtgärten umgeben den Ort, deſſen jeden Mittwoch ſtattfindender Fruchtmarkt ſehr beſucht wird. Zu den intereſſanteſten und bedeutendſten Gebäuden Ueberlingens gehört die fünfſchiffige Münſterkirche zum heil. Nikolaus. Sie wurde im Jahr 1350 im gothiſchen Style zu bauen angefangen. Inm Aak! t 116 U aft . el fil Abet luen ſiet Meil er In b Ube Mur eint lere Nta St. Ulit Mät alet n eüffmnt e und di nch ibht fl ohner In Ritd. rlingel U hEB Ihr Inneres hat 5 hohe Gewölbe, die auf 28 Säulen und 81 Pfeilern ruhen, zwiſchen denen zu beiden Seiten 12 Kapellen und 4 Portale angebracht ſind. Die Kanzel und das Tabernakel bilden ausgezeichnete architektoniſche Kunſtwerke, weniger die Altäre, ausge⸗ nommen der Hochaltar, ein reich verziertes meiſterhaftes Schnitz⸗ werk und der Ablöſungsaltar mit einem ſehr gelungenen Gemälde, die Kreuzabnahme Chriſti darſtellend; erſterer wurde im Jahre 1618 aus Anlaß der Peſt vom Magiſtrat errichtet. Auf beiden Seiten des Chores befinden ſich zwei Glockenthürme, von welchen der Hauptthurm viereckig iſt, 230 Fuß Höhe und eine herrliche Ausſicht hat. Neben ihm rechts ſteht noch ein anderer unvollendeter Thurm, in welchem die große Glocke Oſanna hängt; ſie wurde im Jahr 1444 gegoſſen und iſt 177 Centner ſchwer. Die Kirche ſelbſt, und zwar ihr älteſter Theil, der Chor, wurde von dem Baumeiſter Eberhard Raben laut Inſchrift am ſüdlichen Thurm, wie erwähnt, 1350 zu bauen angefangen, und 1408 eingeweiht. Das Langhaus entſtand ſpäter; ſeine Baumeiſter ſollen bis 1505 Matthäus Böblinger und Meiſter Lorenz und bis 1508 Meiſter Conrad geweſen ſein. Vor der Kirche befindet ſich ein ſchöner, aus Ueberlinger Molaſſeſandſtein im bycantiniſchen Style ausgeführter Oelberg, wohl die ſchönſte Arbeit dieſer Art in der Seegegend; das Werk befand ſich früher im Münſterkreuzgang zu Conſtanz. Als weitere Kirchen ſind zu nennen: die Spitalkirche mit einem von 12 Säulen getragenen Langhauſe, ſchönen Altären, Ma— lereien und Grabmälern; die St. Jodokskirche mit mehreren Altären und Hängtafeln, welche das Leiden Chriſti darſtellen; die St. Luziuskapelle mit reichverziertem Altar, einer Statue des hl. Luzius und mehreren Wappen, ſowie die Gottesackerkapelle mit Altären und Tafeln, worunter die Verurtheilung Chriſti, Grab— mälern u. ſ. w. Der freie Platz vor der Münſterkirche gewährt mit ſeinen grünen Lindenbäumen und der mittelalterlichen Facade des alten Kanzlei⸗ gebäudes einen ſehr maleriſchen Anblick. Ferner iſt der mit den herrlichſten Schnitzwerken verzierte alt⸗ deutſche Rathhausſaal aus dem 15. Jahrhundert zu erwähnen; ſeine Decke iſt flach gewölbt, von braunem Holze und theilweiſe ver⸗ goldet. Ueber dem Eingang prangt das Reichs- und das Stadtwappen; auf der einen Seite ſteht die Figur der Gerechtigkeit, auf der andern der heil. Nikolaus als Stadtpatron. Dieſe ſchönen Arbeiten werden dem Ulmer Holzſchnitzer Hans Syrlin d. J. zugeſchrieben. Auch be— finden ſich auf der rechten Seite des Saales eine Reihe gemalter Kaiſerbilder und zwar von Rudolph II. bis Maria Thereſia. Außer⸗ dem enthält das Rathhaus noch verſchiedene andere merkwürdige Gegenſtände, welche ſehenswerth ſind. Im Jahr 1865 wurden die Metallfarben der Wappen und größeren Figurenbilder des Saales aufgefriſcht, ein neuer Fußboden gelegt, neue Bänke und Tiſche an⸗ geſchafft, ſowie ſchöne Glasgemälde eingeſetzt. Neben dem Rathhaus befindet ſich der aus Quadern maſſiv erbaute ſogen. Pfennigthurm, in welchem die Gunzen⸗ pfennige unter Herzog Gunzo geſchlagen worden ſein ſollen und in dem das ſtädtiſche Archiv und das oben erwähnte Richtſchwert auf⸗ bewahrt wird. Weitere intereſſante Gebäude ſind: das Steinhaus am obern Markt mit einer Hauskapelle; es war früher die Herberge der hier durchreiſenden Kaiſer, gehörte dem Kloſter Salem und hieß deßhalb auch Salmansweilerhof; erbaut wurde es im Jahr 1530; die ehe⸗ malige Rittercommende St. Johann am äußerſten Punkte der öſtlichen Anhöhe über der Stadt, mit einem tiefen Graben, einem mächtigen runden Wachtthurm und einer wallartigen Erhöhung, von welcher man eine herrliche Ausſicht über See und Land genießt. Der Gallerthurm liegt auf dem oberſten Theile der Stadt über dem tiefen in Felſen gehauenen Graben und iſt aus der Zeit des Herzog Gunzos und des heil. Gallus. Er ſoll ſeine Benennung von einem früher hier geſtandenen Nonnenkloſter erhalten haben, welches Fried— burga, Gunzos Tochter, nach ihrer Heilung geſtiftet und dem heil. Gallus gewidmet, im Jahr 1524 aber abgebrochen und an den Berg verſetzt wurde. Auf dem Thurme ward in neuerer Zeit eine Warte errichtet, von der man den reizendſten Ausblick, ſowohl über den See, als auch auf die Alpen des tyroler und ſchweizeriſchen Hochlandes genießt. Auch die Leopold⸗Sophien-Bibliothek im alten Zeughauſe iſt zu erwähnen, in der beſonders die ſogen. Reutlinger Chronik, eine Sammlung verſchiedener geſchichtlicher Aufſätze und Ge⸗ dichte über die Seegegend aus dem Jahr 1580 merkwürdig iſt; ferner das Reichlin-Meldegg'ſche Haus, ein maſſives, anſehn⸗ liches Gebäude mit Zinnengiebeln und einer hübſchen Kapelle; es wurde im Jahr 1462 erbaut und liegt auf der öſtlichen Anhöhe über der Stadt; das Pflum mern'ſche Haus, von ſtattlichem Aeußern, mit den Wappen der ehemaligen Beſitzer auf der einen Seite; die andere Façade zeigt eingemauerte Kanonenkugeln, welche von der ſchwediſchen Belagerung herrühren; das Löwenzunfthaus am Marktplatz, früher Geſellſchaftshaus der Adeligen und Patrizier, jetzt Wirthſchaft von Carl Müller; die Gaſtſtube enthält Wappen der in Ueberlingen wohnenden adeligen Geſchlechter; das Balbaſch'ſche Haus, jetzt Bierwirthſchaft von Anton Birkenmeier; der Peters⸗ hauſer Hof, der unter Abt Johannes Merk von Petershauſen um 1520 erbaut wurde. Das Heiliggeiſt-Spital mit einer ſchön erhaltenen gothiſchen Kapelle, es war einſt ſehr reich und beſaß viele felt ch ſle lit ß Ul. fg ſihte n⸗ dt f — Dörfer und Höfe; das Kornhaus am See mit 8 Thoren und einer Schiffslände, es wurde 1788 renovirt und vergrößert. Vom Gallerthurm führt ein ſchöner Weg zu dem in der Vor⸗ ſtadt gelegenen Bade mit dem Gaſthaus zum Schwanen und einem 5 Morgen großen Garten am Seegeſtade, welcher herrliche Anlagen, fremde und einheimiſche Blumen und Geſträuche, liebliche Raſenplätze und ſchattige Waldparthien, eine Trinkhalle, einen Pavillon im See, einen Gartenthurm mit hübſchen Zimmern und prachtvoller Ausſicht, ſowie eine Landungsbrücke für die Dampfſchiffe enthält. Die Mineralquelle befindet ſich außerhalb der Stadtmauer; ſie enthält Eiſen und Alkali, gebundene Schwefelſäure und ſchwefel⸗ oder ſalzſaure Mittelſalze, ſowie Kalkerde. Die Quelle iſt ergiebig, erfriſchend und angenehm zu trinken, mäßig kalt und von klarer Farbe. Sie iſt für alle Krankheiten, denen Schwäche zu Grunde liegt gut, ſo für Gicht, Steinſchmerzen, chroniſche Flechtenausſchläge, Bleichſucht, Rheumatismus, weibliche Krankheiten, Hautgeſchwüre u. ſ. w. Die Quelle war ſchon im Jahr 1505 bekannt und benützt, und er⸗ freut ſich noch jetzt eines ſehr zahlreichen Beſuches. Für Seebäder iſt ebenfalls eine zweckmäßige Einrichtung getroffen und zwar durch eine Herren- und Damen-Badeanſtalt, welche vermittelſt einer Brücke mit dem Badegarten verbunden iſt. Jede derſelben enthält eine größere Anzahl Badkabinette nebſt Wartſaal und treffliche Vorrichtun⸗ gen zu Douchebädern. Das große, ſchöne Badehaus hat einen hellenSpeiſeſaal, einen eleganten Converſations- und Tanzſaal mit Gallerien und gut einge⸗ richtete Badzimmer mit blechernen Wannen, die durch metallene Röh⸗ ren⸗ und Hahnenleitungen unmittelbar von der Quelle mit kaltem und von dem Wärmekeſſel mit warmem Mineralwaſſer verſehen wer⸗ den. Außer den Badzimmern enthält das Gebäude noch eine große Anzahl ſchön möblirter Gaſtzimmer. Die Stallungen und Remiſen bildeten ehemals Lokalitäten des eingegangenen Kapuziner⸗Kloſters. Der Hafen iſt ſehr belebt, beſonders durch den wöchentlichen Fruchtmarkt, auf welchem ſehr viel Getreide in die Schweiz ausge⸗ führt wird; ebenſo bedeutend iſt der Handel mit Obſt, das die ganze Umgegend liefert und namentlich in das Württembergiſche und Hohenzollern'ſche abgeht. Das Merkwürdigſte in der Umgebung Ueberlingens ſind die ſogen. Heidenlöcher. Um zu denſelben zu gelangen, ſchlagen wir den Weg nach Goldbach ein, einem kleinen Dorfe, welches etwa hundert Einwohner hat. Das Kirchlein hier ſoll eines der älteſten der Gegend ſein und iſt dem Pabſt Sylveſter geweiht. Oberhalb dem Orte liegt das dem Spital zu Conſtanz gehörende Hofgut und Schlößchen Spechtshard mit einer Wirthſchaft und — herrlicher Ausſicht. Die Straße, welche von Ueberlingen nach Gold⸗ bach führt, iſt ganz in den Molaſſefelſen gehauen; ſie wird in der Nähe des Dorfes, nur wenige Schritte breit, und die mit Schling⸗ pflanzen umwucherten Felswände, aus denen ſtets eine Feuchtigkeit ſickert, ſind über 20 Fuß hoch. Von Goldbach gelangen wir in kürzeſter Zeit zu den Heiden⸗ löchern, welche ſich in dem hart an das Seegeſtade herantretenden Felſen 20—30 Fuß hoch über dem Waſſerſpiegel befinden. Nur ſehr wenige Reſte ſind noch von ihnen zu ſehen, weil der neuen Straße nach Ludwigshafen ein Theil des Felſenvorſprunges weichen mußte, auch iſt der Zugang bei einigen ſchwierig und kann nur vermittelſt Leitern geſchehen. Früher konnte man eine vordere öſtliche und eine hintere weſtliche Abtheilung dieſer Höhlen unterſcheiden. Die erſteren Höhlen hatten eine regelmäßigere und feinere Ausarbeitung, welche dem ſpätrömiſchen Bauſtyl gleich kam. Die von der vordern etwa 60 Schritte entfernte zweite Höhlenabtheilung zeigt geringere Spuren kunſtreicher Bauart, denn die Gelaſſe ſind unregelmäßig, die Gewölbe flach und die äume nur 5— 6 Fuß hoch, während die der erſten Abtheilung eine Höhe von 11—12 Fuß haben. Ueber den Urſprung und Zweck dieſer Höhlen hat man keine geſchichtliche Nachrichten, gewöhnlich hält man ſie für Zufluchtsſtätten der älteſten Chriſten in der Bodenſeegegend, andere halten ſie für römiſche Gräber aus ſpäterer römiſcher Zeit. Im erſteren Falle fällt ihr Urſprung in den Anfang des 7. Jahrhunderts, wo das Chriſten⸗ thum hier ſeine erſte Pflanzſtätte, aber auch viele Feinde fand, wohl in jene Zeit, wo die alte Burg zu Meersburg von dem fränkiſchen König Dagobert erbaut wurde. Von Ueberlingen aus können wir auch einen der ſchönſten Punkte der ganzen Bodenſee-Gegend, das prachtvolle fürſtenberg'ſche Schloß Heiligenberg mit ſeinem berühmten Ritterſaal beſuchen. Der Weg hieher führt uns in 3 Stunden über das ehemalige Eiſtercienſer⸗ Reichsſtift Salmannsweil, jetzt Salem genannt. Dieſes wurde im Jahr 1134 von dem Ritter Guntram von Adelsreute geſtiftet und es ſtanden von Frewin, dem erſten Abte an, der von 1137 bis 1165 regierte, 40 Aebte dem Kloſter vor, welche meiſt Generalvikare des Ciſtercienſer⸗Ordens in Oberdeutſchland waren. Salem war ſehr reich, es beſaß 58 Dörfer, 10 Schlöſſer, viele Weiler und einzelne Höfe, ſowie mehrere Schaffnereien. Der Kloſterbau, von Abt Stephan im Jahre 1700 neu aufgeführt, iſt jetzt m Sommeraufenthalte der Markgrafen von Baden geſchmack— voll eingerichtet, namentlich befindet ſich in den Zimmern eine große Zahl intereſſanter Antiquitäten und Gemälde auf Goldgrund, welche die Stammhäupter der Familie von Bodmann darſtellen, und die gl Iumil ſint .9 erd e i i ihe Ulie, gr Mil — Originale der im Schloſſe Bodmann ſich befindlichen ſind. Beſonders zu erwähnen iſt in dem Kloſterbau der blendend weiße und reichver⸗ goldete hohe Kaiſerſaal mit lebensgroßen Statuen in Stukkaturarbeit von ſämmtlichen deutſchen Kaiſern und 5 Deckengemälden; ferner der ſogen. Bilderſaal mit 2 großartigen Gemälden, die Anbetung der drei Weiſen und die Himmelfahrt Mariä vorſtellend; auch finden ſich hier die lebensgroßen Bildniſſe der früheren Salemer und mehrere der Petershauſer Aebte, ſowie einige von Erzbiſchöfen von Salzburg. Dann iſt dieſer Bilderſaal auch noch ſehr reich an vielen andern Gemälden, Tafeln und ſonſtigen Anſichten. Auch ſind in dem Kloſter⸗ bau die Lokalitäten der Bibliothek zu erwähnen, welche aus zwei eundh übereinander befindlichen Sälen beſtehen, von denen der obere De⸗ eten kengemälde, ſchöne Stukkaturarbeiten und eine rings herumlaufende velt Gallerie mit einem vergoldeten Eiſengeländer beſitzt. Von dieſem en eibe Saale führt eine Treppe in den unteren, welcher gleichfalls mit Ge— dmälden geziert iſt. Die Bücherſammlung dieſer beiden. Säle befin⸗ (bet ſich jedoch jetzt auf der Univerſität Heidelberg. „Itr eſ Sehenswerth iſt noch die ſogenannte evangeliſche Kirche, das frühere Sommerrefectorium des Kloſters bildend, mit zahlreichen uvon ehemaligen Kloſterbrüdern gefertigten Heiligenbildern, ſowie der einſtige Marſtall bei dem unteren Thore, der viele Malereien und ſunſ Statuen enthält, und zuletzt der Schloßgarten mit einem Glashaus, 90 vielen Zierbäumen, ſeltenen Blumen u. ſ. w. Auch hat Salem ſehr he bedeutende Kellereien, in denen ſtets Wein zum Kaufe vorhan⸗ den iſt. ö Ein Theil der Kloſtergebäude dient jetzt als Sitz eines Be⸗ zirksamts, eines Forſt⸗ und Rentamts, einer Schule und zu einem Wirthshaus zum Schwanen. Außerdem befinden ſich in dem Orte, welcher über 500 Einwoh⸗ ner zählt, noch mehrere andere badiſche Behörden. Die Kloſterkirche mit einem Haupt⸗ und zwei Nebenſchiffen als Säulengänge ſtammt aus dem 14. Jahrhundert und iſt im rein⸗ gothiſchem Style erbaut; ausgezeichnet ſchön ſind die Fenſterroſe und die Fenſterbögen. Der baufällig gewordene Thurm wurde abgebro⸗ ſchen. Das Innere der Kirche iſt durch Zierrathen von Brongçe und Gypsmarmor, beſonders auch durch Seiten-Altäre von weißem Ala⸗ baſter, auf denen Figuren ſtehen, ſehr überladen. Auch der Haupt⸗ Altar mit Pyramiden und Stufen iſt von Marmor und im Chor ,“ befinden ſich viele Basreliefs aus der bibliſchen Geſchichte. Das in die Höhe ſich thürmende Tabernackel iſt eine der ſchönſten Bildhauer⸗ , Arbeiten des 15. Jahrhunderts. Sehenswerth ſind auch die geſchnitz⸗ (ten Chorſtühle, die Tafeln mit der Reihe der Aebte und die ſchöne „ Orgel. Die Kirche dient jetzt der Gemeinde Salem als Pfarrkirche 6 — 3 und iſt mit der früheren Abtei und allen übrigen Gebäuden ſammt dem ſchönen Kloſtergarten mit einer Mauer umgeben und Thoren verſehen. Bereits von Salem aus winkt uns das Schloß Heiligenberg, allein wir haben noch eine gute Stunde meiſtens aufwärts zu ſteigen, bis wir dasſelbe mit dem Dorfe gleichen Namens erreichen. Das Schloß und Dorf haben zuſammen etwa 600 katholiſche Einwohner und in letzterem gewähren mehrere Gaſthäuſer gute Bewirthung; das größere derſelben, der Adler,(Poſt), eignet ſich auch zu einem Nacht⸗ lager, um bei Sonnenauf- oder Untergang die herrliche Ausſicht ge— nießen zu können. In den älteſten Zeiten, wohl bald nach der Einführung des Chriſtenthums, ſtand auf der Weſtſeite des Berges, auf dem das Schloß ſteht, eine mit vielen Heiligthümern gezierte Kirche zu welcher häufig gewallfahrtet wurde. Die Burg der alten Grafen von Heili⸗ genberg ſtand dagegen auf einem eine Viertelſtunde nördlich entfern⸗ ten Berge, den man noch jetzt den alten Heiligenberg nennt. Die Grafen durch Stiftungen und Vergebungen an Klöſter ver⸗ I ſlhenbe T 1 ö bett ſer il ket K6 lag de ſles, 5 tden u1 fe en! Aſett fnle 0 vie Ion den Me, en armt, ließen ſich im 13. Jahrhundert durch die Tempelherren, denen n ei ſie ſchon obige Kirche abgetreten hatten, überreden, ihnen auch noch nuh ihre väterliche Burg zu überlaſſen und zogen den Berg hinab in einen n2 kleinen Burgſtall bei dem Dorfe Frickingen. Nachdem der letzte Graf von Heiligenberg im Jahre 1277 die Grafſchaft an Graf Hugo von Werdenberg⸗Sargans verkauft hatte, bauten die Werdenberger auf dem Berg bei der Wallfahrtskirche eine neue Burg, von welcher noch der Flügel des jetzigen Schloßes, der den Eingang bildet, ein Ueberreſt iſt. Chriſtoph, der letzte Werdenberger, hinterließ nur eine Tochter, Anna, deren Gemahl, Graf Friedrich von Fürſtenberg, von Kaiſer Karl V. mit dem Werdenberg'ſchen Erbe belehnt wurde. Der erſt⸗ geborne unter ſeinen 10 nachgelaſſenen Kindern, Graf Joachim Egon von Fürſtenberg, brach im Jahre 1569 die Werdenberg'ſche Burg ab und führte einen neuen, regelmäßigen Bau im Viereck auf. Das obere Schloß oder den ſogenannten Vorhof baute erſt nach beendig⸗ tem 30jährigem Kriege Joachim's Sohn, der Graf Egon von Fürſten⸗ berg, welcher ſich in demſelben vielen Ruhm erworben hatte. Hierauf geſchah, weil die Fürſten meiſtens anderswo reſidirten, lange Zeit nichts mehr und es kam das Schloß Heiligenberg allmälig in un⸗ verdienten Verfall. Da endlich beſchloß die Wittwe des in dem Tref⸗ fen bei Liptingen 1799 gefallenen Fürſten Aloys, die Fürſtin Cliſa⸗ g, iren. flich 1 ilbe en 1 9 Ae 0 f 906 I t Relt, ii N l ſtt i beth, geb. Fürſtin von Thurn und Taxis, ihre Wittwenzeit auf dem Heiligenberg zuzubringen. Jetzt wurde das verwahrloste Schloß wie⸗ der hergeſtellt; ſie ſchuf auch die herrlichen Park⸗ und Garten⸗Anla⸗ gen um daſſelbe, ſammelte die noch aufzutreibenden Ahnenbilder des fürſtenberg'ſchen Hauſes und ließ ſie im Ritterſaale aufſtellen, pflegte die Wiſſenſchaften und war noch beſonders eine ſehr große Wohlthä⸗ terin der Armen, daher bei ihrem 1822 erfolgten Tode eine wahr⸗ haft große Trauer um ſie ſtatt fand. Eine vollſtändige Wiederher⸗ ſtellung des ganzen Schloſſes und beſonders eine glänzende des Rit⸗ terſaales, erfolgte jedoch erſt durch den Fürſten Karl Egon, der auch den aus vielfarbigen, verſchiedenen Holzarten beſtehenden ſchönen Fußboden des Saales und die Wappentafel, den fürſtlichen Stamm⸗ baum, fertigen, ſowie die ſchönen eichenen Ruheſtühle und die mit ſeltenem Schmuck, Silbergeſchirr, Pokalen, Waffen, Erzgüſſen, Statuen, Kunſtwerken, Raritäten u. ſ. w. angefüllten alterthümlichen Wand⸗ ſchränke aufſtellen ließ, wodurch ein Prachtſaal entſtand, wie nicht bald wieder einer zu finden iſt. Von dem Dorfplatze gelangt man auf einem Fahrweg in einen von den Wohnungen und Geſchäftslokalen der fürſtenberg'ſchen Be⸗ amten, ſowie von dem Marſtalle eingenommenen Hofraum und von dieſem zu einer Brücke, welche einen tiefen Graben überſpannt. Das den Eingang zum Schloſſe bildende, 1587 aufgeführte Thor wurde durch ein neues erſetzt, unter welchem ein langes Thorgewölbe zu den Treppen hinläuft, die in die oberen Stockwerke und zu einem von allen Seiten durch die Schloßgebäude eingeſchloſſenen Hofraum „In, führen. Das Schloß ſelbſt hat 100 Gemächer, von welchen die fürſtlichen mit Geſchmack und Eleganz eingerichtet ſind; auf der ſüd⸗ (lichen Seite iſt es tief in die Erde gebaut, hat mehrere Keller und Gewölbe übereinander, ſowie zwei Kirchen und ein Grabgewölbe, in welchem ſeit über 100 Jahren mehrere fürſtenberg'ſche Leichen ru⸗ hen. In dem ſüdlichen Flügel des Schloßes befindet ſich der be⸗ kannte Ritterſaal; jetzt iſt er zwei Stockwerk hoch, 119 Fuß lang, 34 Fuß breit, nimmt in ſeiner Ausdehnung ein ganzes Stockwerk ein und empfängt von allen Seiten durch 11 Fuß hohe Fenſter Licht. Zwiſchen den oberen und und unteren Fenſtern läuft ein reiches in Holz geſchnitztes Fries herum, welches die Wappen und Namen der ganzen Familie des Erbauers, des Grafen Joachim von Fürſtenberg und ſeiner Gemahlin Anna von Zimmern gleich einem Stammbaum % darſtellt. In dem Saale befinden ſich ſämmtliche Ahnenbilder des Ffürſtlichen Hauſes, welche noch zu erhalten waren und von den Fen⸗ „/ſtern deſſelben genießt man eine in ihrer Art ſeltene Ausſicht, die fuld ſich nahe an 100 Stunden weit erſtreckt. Sie zerfällt in zwei große 6 Haupttheile, von welchen der ſüdliche einen großen Theil des Boden⸗ 0 6* ſee's und die Alpenkette, der weſtliche die ſchwäbiſche Hochebene mit der Begränzung des badiſchen Schwarzwaldes umfaßt. Gegen Nor⸗ den beſchränken einige Höhen und gegen Oſten eine waldige Berg⸗ wölbung den Horizont. Die Ausſicht gegen Süden macht uns mit allem Herrlichen und Schönen bekannt, was uns die Natur am Ufer des Bodenſee's bieten kann. Wir erblicken das Schweizerufer mit einer Unzahl von Höhen, Städten, Dörfern und Burgen, die Tyro⸗ ler⸗, Vorarlberger- und Graubündner⸗Alpen, die Berge Appenzells⸗ und Toggenburgs, die Glarnereisgipfel, die Surenen, den Urirothſtock, die Mythen und den Titlis; ferner die Berneroberländer Alpen, vom Ufer des Luzerner⸗See's den Rigi und Pilatus. Auch die Berge des Höhgäu's und die höchſten Kuppen des ſüdlichen Schwarzwaldes, der Feldberg, Belchen und Blauen zeigen ſich unſern Blicken. An den Saal ſtößt die Schloßkapelle, welche gleichfalls eine in Form eines Kreuzgewölbes geſchnitzte und gemalte hölzerne Decke hat und wo der Leib des heil. Papſtes Felix aus dem Geſchlechte der Grafen von Heiligenberg in einer Mauerniſche ruht. Unter die⸗ ſer Kirche befindet ſich die gleich große Todtenkapelle der neueren fürſtenberg'ſchen Linie, in welcher auch die Wiederherſtellerin det alten Burg, die 1822 geſtorbene Fürſtin Eliſabeth von Fürſtenberg beigeſetzt iſt. Der Schloßberg iſt mit ſchönen Anlagen umgeben und größten⸗ theils mit Eichen bepflanzt. Mehrere angenehme Spaziergänge füh⸗ ren an Quellen, Ruheplätzen, Eremitagen, Grotten und Höhlen vor⸗ bei und zu den beiden Seiten des Berges ſchließen ſich abwechſelnd mit romantiſchen Felswänden die ſchönſten Buchenwälder an. Eine ſchöne Parthie iſt beſonders auch die auf der weſtlichen Seite des Schloßberges gelegene ſogen. Freundſchaftshöhle. Man verfolgt hiebei die Salemerſtraße bis unter das Gaſthaus zum Ad—⸗ ler und gelangt dann rechts durch Buchenwaldung zu der Höhle, welche ſich in einem ſenkrechten Nagelfluhfelſen befindet in der früher ein Einſiedler haußte. Ein Geländer ſchützt den am Rande ſtehenden Beſucher vor Schwindel bei dem jähen Abfalle. Man hat hier die reizendſte Ausſicht auf das Schloß, den kühnen Bogen ſeiner Brücke, das Schweizer⸗Ufer und den Bodenſee. In gleicher Weiſe führt dann der Weg nordöſtlich durch dichten Buchenwald auf den alten Heiligenberg, dem früheſten Sitze der Grafen, von welchem je⸗ doch nur noch wenige Mauertrümmer vorhanden ſind. Die Ausſicht gegen Weſten und Südoſten iſt hier noch umfaſſender, als vom erſteren Punkte. Wir kehren wieder nach Ueberlingen zurück und wollen nun die nordweſtliche Bucht des Ueberlingerſee's beſuchen. Zu dieſem Zwecke ſetzen wir unſere Reiſe auf demſelben fort und gelangen zu dem hart am Geſtade gelegenen f6 f 10 Wie 069 iſten ſcherte Neld N. lenb Ae E 50 Rühm N U den. hpelle ihtet Ier Au es Ahfen Ger en fr Wi 0 l ike 85 OY1 Ludwigshafen, früher Sernatingen genannt. Es hat eine liebliche Ausſicht auf den See und die grünen Waldberge zu beiden Seiten, ſowie einen ziem⸗ lich geräumigen Hafen mit einem Hauptzollamts⸗Gebäude und einer ſchönen, großen Lagerhalle von dem verſtorbenen Groß⸗ herzog Ludwig von Baden erbaut, von welchem es auch ſeinen Na⸗ men erhielt. Ludwigshafen beſitzt ungefähr 800 Einwohner, welche beſonders Spedition, Handel, Acker- und Obſtbau, ſowie Viehzucht treiben. Auch hat der Ort Weinbau, etwas Fiſcherei und Schiffahrt. Von den Wirthshäuſern iſt der Adler am See mit ſchöner Ausſicht auf die bewaldeten Berge und der Löwe zu empfehlen. Nach der Sage wäre Sernatingen eine der erſten Stätten des Chriſtenthums geweſen und ſeine Kirche auf den Grundmauern eines Heidentempels errichtet; der vorhandene Bau iſt jedoch aus' dem Mittelalter. Das Dorf gehörte früher mit Sipplingen zu der Grafſchaft Nellenburg, deren Hauptort Stockach war; beide Orte verbindet eine neue Straße⸗ Im Jahre 1457 ſtiftete Biſchof Heinrich von Conſtanz hier eine Frühmeßpfründe, welche 1661 zur ſelbſtſtändigen Curatie und 1781 zur Pfarrei erhoben wurde. Im Bauernkriege ſpielte Ludwigshafen eine bedeutende Rolle, hatte aber auch Vieles durch denſelben zu lei⸗ den. Einige hundert Schritte von dem Dorfe ſteht eine Gottesacker⸗ kapelle, welche nach einer großen Viehſeuche im 17. Jahrhundert er⸗ richtet wurde. Im Jahr 1800 fiel ein kleines Treffen zwiſchen den (Oeſterreichern und Franzoſen bei dem Orte vor. .M Aus dem Bauernkriege iſt der Frühmeſſer von Sernatingen, Jo⸗ hannes Heuglin, wegen ſeinem tragiſchen Geſchicke beſonders zu er⸗ hih wähnen. Dieſer unglückliche Mann wurde ohne hinlängliche Gründe 1,Wals der Verfaſſer der bekannten 12 Artikel der Bauernſchaft, die das Loſungswort aller Aufrührer wurden, angeſehen, zur Verantworkung „In] gezogen und durch die Intriguen des katholiſchen Stadtpfarrers ſ Schlüpf zu Ueberlingen im Jahr 1527 in Meersburg lebendig verbrannt. Er ſtarb wie Johannes Huß als ein feuriger Zeuge der Wahrheit. A“ Die obigen berühmt gewordenen 12 Artikel der Bauernſchaft ſind mit Einſicht, Beſonnenheit und Mäßigung von dem Memminger Prediger Schappler aus St. Gallen verfaßt, welcher allen“ glücklich in ſeine Vaterſtadt entkam. Stockach iſt nur 1/ Stunde von Lüdwigshafen entfermt und war einſt der Hauptort der Landgrafſchaft“ Nellenburg“ Die Staͤdt zu liegt auf einer kleinen Anhöhe und bildet den Vereinigüngspunkt der 16 Landſtraßen von Conſtanz, Radolfzell, Ueberlingen, Schaffhauſen, Freiburg, Tuttlingen, Mößkirch und Ulm, wodurch der Ort viel Le⸗ l ben und Verkehr erhält. Stockach war früher befeſtigt, und noch führt l um die Stadt, welche nur zwei Thore hat, ein Graben, der jedoch 01 größtentheils überbaut iſt; die Hauptſtraße iſt ziemlich breit und in a ihr ſtehen die Kirche, das Rathhaus und einige andere öffentliche ul Gebäude. Vor der Stadt befindet ſich am Fuße des Nellenberges das ſchwefelhaltige ſogenannte Nellenbad und ein aufgehobenes Kapuzinerkloſter. Gaſthäuſer ſind: der Adler und die Krone. Sehenswerth iſt der hieſige Gottesacker mit den Gräbern und Denk. malen der am 25. März 1799 in der Schlacht bei Stockach gefalle⸗ nen Franzoſen und Oeſterreicher, worunter die der öſterreichiſchen Generale von Fürſtenberg und Anhalt⸗Bernburg. In Stockach blühte mehrere Jahrhunderte hindurch eine Narren⸗ zunft mit Privilegien und Statuten. Sie wurde am Schluße des vorigen Jahrhunderts aufgehoben, dann 1829 durch einen öffentlichen Umzug wieder erneuert, und dauert, jedoch in veränderter Form, bis auf den heutigen Tag fort. Kuoni von Stockach, der Hofnarr Her⸗ zogs Leopold von Oeſterreich ſoll das Recht zu der Stiftung deſſelben ſun erhalten haben. Als man im Kriegsrathe ſich eifrig berieth, wie man in in die eidgenöſſiſche Stellung bei Sempach im Jahre 1386 eindrin⸗ n gen wolle, hatte Leopold ihn gefragt:„Nun, Kuoni, ſag' auch deine dr Meinung!“— Der Narr erwiederte:„Die Herren ſprechen alle, wie laüih man hinein, keiner aber, wie man wieder herauskommen wolle.“ Leider befolgte der Herzog den klugen Rath des Narren nicht. Eine cleg andere Feier iſt das Schweizerfeſt, welches zum Andenken an die Rettung der Stadt im Jahre 1525, wo Herzog Ulrich von Württem⸗ mler berg dieſelbe mit Schweizerſöldnern belagerte, am achten Tage nach ffnd dem Frohnleichnamsfeſte gehalten wird. Die meiſten Drangſale ver⸗ de hängte die neuere Zeit, namentlich der Revolutionskrieg über Stockach; ihe dieſe kleine Stadt hatte von 1796—1815 über eine Million Solda⸗ ll ten in Einquartirung und der Schaden, welchen ſie in dieſer Zeit an n Gütern und Häuſern erleiden mußte, wurde auf 161,000 fl. ange: ſchlagen. 0 Zu Ende des Jahres 1805 fiel die Stadt an Württemberg, fh 1810 wurde ſie an Baden abgetreten. i Eine Stunde öſtlich von Ludwigshafen und 1½ Stunden nord⸗ weſtlich von Ueberlingen liegt auf dem Rande der ausgedehnten wal⸗ digen Hügelkette, die hier das Geſtade des Ufers bildet, der Halden⸗ hof, und eine Strecke über demſelben auf einer hervorragenden ihr Bergſpitze beſinbet ſich die Stelle, von welcher man eine der herrlich h ſten Fernſichten am Bodenſee hat. Man überblickt hier die untere aen und obere Seegegend; rechts die Burgen des Höhengäu's und gerade ſiße aus die breite Landzunge, der Rück genannt, die den Unterſee vom ud. Ueberlingerſee trennt. Der ganze Bodenſee in ſeiner Länge von Ludwigshafen bis Bregenz liegt zu unſern Füßen nnd den Hinter⸗ grund bildet die Gebirgskette von den Vorarlberger-Alpen bis zu den äußerſten Punkten des Berner⸗Oberlandes. Es erfordert jedoch dieſe großartige Ausſicht jene ſeltene Beleuchtung, die meiſtens nur unmit⸗ telbar vor oder nach einem Regen eintretend, die Vortheile eines hei⸗ tern, wolkenloſen Aethers und einer dunſtloſen Atmosphäre zugleich gewährt. Auf halber Bergeshöhe, unterhalb dem Haldenhof, feſſelt den Blick der Reſt der alten, grauen Sängerburg, Althohenfels, deren große Thurmruinen auf dem Vorſprung eines mit herrlichen Buchen bewachſenen Berges über einem fruchtbaren Thale ſich erhalten ha⸗ ben. Der viereckige Thurm iſt noch zur Hälfte vorhanden; die gothi⸗ ſchen Fenſter des erſten Stockwerks ſind theilweiſe erhalten und laſſen ein ſchönes Bauwerk erkennen. Unterhalb des Thurmes ſtehen noch die Trümmer einer doppelten Ringmauer, welche ſich jedoch nur die Seeſeite entlang zog, denn die Rückſeite des Schloßes bedurfte keiner Mauer, da ſie ſo ſteil iſt, daß man kaum hinaufklet⸗ tern kann. Das Geſchlecht der Herren von Hohenfels erſcheint ſchon ſeit dem Jahre 1223; welcher von den Burkharden, die in den Jahren 1226, 1228, 1269, 1285 und 1291 vorkommen, der berühmte Minneſänger Burkhard von Hohenfels geweſen, iſt ungewiß; im Jahr 1426 ſcheint jedoch das Geſchlecht derſelben bereits wieder ausgeſtorben zu ſein. Die Burg Hohenfels, von der ſich noch der Hohenfelſer⸗Hof unterhalb des Berges nennt, machte einſt mit den in der Nähe ſich befindlichen Ruinen der Klausburg und Heldenburg, ſowie mehreren Dörfern im Bezirksamt Ueberlingen die Herrſchaft Alt-⸗Hohenfels aus, während Neu-Hohenfels ein nahegelegenes, noch wohlerhaltenes Schloß iſt, das von dem deutſchen Orden in den Beſitz der Fürſten von Hohenzollern überging. Von Ludwigshafen machen wir nun eine Fahrt auf dem See durch die ſtille Bucht, deren ziemlich hohe, ſteilen Bergwände, die ſich faſt bis zum See herab erſtrecken, beinahe überall mit ſchönen Bu⸗ chenwäldern geziert ſind nach dem Marktflecken Bodmann, über welchem die beiden Burgen Frauenberg und Alt-Bodmann ſich erheben. Erſteres iſt ein Schlößchen aus mittlerer Zeit, letzteres der eigentliche Stammſitz der Familie, eine ehrwürdige Ruine, 33 uch deß große Flecken ſelbſt, welcher in einem Walde von 60 1155 Ahte 15 Ohſtbaän und Feld⸗ und Weinbau treibt, enthält ein W E**VV* Anlagen umgebenes Schloß der Herren von Bodmann, in welchem noch der Keſſel von Erz gezeigt wird, in welchem einſt der kleine Hans von Bodmann gerettet wurde. Dieſe Begebenheit iſt folgende. Das Stammſchloß auf dem Berge wurde im Jahre 1307 durch einen Blitzſtrahl entzündet und brannte ab. Das ganze zahlreiche Geſchlecht der Bodmann, das gerade bei einem Feſte verſammelt war, wurde ein Raub der Flammen bis auf den jüngſten Sprößling der Familie. uen Dieſen nahm während des Brandes ſeine Amme, legte ihn in einen ün kupfernen Keſſel und ließ ihn den Berg hinabrollen. So wurde das(ün Kind gerettet und der Sage nach auf der nahen Burg Kargeck bei ot Seitenverwandten erzogen. Dieſer Hans von Bodmann vermählte ſich m ſpäter mit Beatrix, der Tochter eines Edlen von Klingenberg und de war der zweite Begründer ſeines Geſchlechtes. Zwei alte Oelgemälde men zeigen alle Ritter und Frauen, welche bei dieſem Schloßbrande um-( kamen; ſie ſind vom Jahr 1520 und die Kopieen der bereits erwähn⸗ en be⸗ ten im Kloſter zu Salmannsweiler befindlichen Originale. Der Keſſel wn ſoll derſelbe ſein, in welchem der kleine Hans von Bodmann gerettet ſher wurde; er iſt von ganz eigener Form, oben ſich verengend, man kann lftt bequem mit beiden Füßen hineinſtehen. In der Nähe des Fleckens der befindet ſich der ſogen. Königsgarten, ein einzeln gelegener Weinberg, D den Karl der Dicke während ſeines Aufenthalts zu Bodmann zuerſt jüſte mit Reben bepflanzt haben ſoll, daher auch der daraus gewonnene me Wein der Königswein heißt. eſie Wir ſteigen nun von dem neuen Schloſſe zu Bodmann die waldige Anhöhe zu dem der Ruine Alt-Bodmann in geringer Entfernung ge⸗ in genüber liegenden Frauenberg hinan. Auf der Stelle, wo ſich in das jetzige Schlößchen befindet, ſtand zuverläßig in früheſter Zeit das m alte Palatium Potanicum, wo die fränkiſchen Könige, beſonders Karl Fjn der Dicke, öfters verweilten. Hier war es auch, wo um das Jahr z 750 der heil. Ottmar, verfolgt von den beiden Gaugrafen Alemanniens Warin und Ruodhard, in's Gefängniß gelegt wurde, das er ſpäter mit ſeinem Exil auf der kleinen Rheininſel bei Stein vertauſchte. Noch jetzt zeigt man in dem unteren Theile des Schlößchens ein kleines Gewölbe mit der in Stein gehauenen Inſchrift: Vestigium carceris St. Ottmari. Später war die Burg der Wohnſitz der Kammerboten Erchanger und Berthold, welche durch die Gefangennahme des Bi— ſchof's Salomon III. von Conſtanz die Urſache ihrer Zerſtörung wurden. An die Stelle des zerſtörten Pallatiums, vielleicht auf ſeine Grund⸗ mauern, baute man dann das jetzige Schlößchen und das gegenüber liegende, Bodmann wurde das eigentliche Stammhaus des jetzigen Bodmann. Für die Anſicht, daß hier einſt das frän⸗ 100 Pälliztitein geſtanden ſei, ſpricht am gewichtigſten die Entdeckung beczt tberſtötbenen“ Freiherrn von Laßberg. Dieſer fand unmittelbar unter dem Garten des Frauenberg's in Sandſtein daſſelbe Zeichen eingegraben, das König Dagobert an der rhätiſchen Gränze bei Mon⸗ ſtein im Rheinthal einhauen ließ, nämlich einen die Hörner aufwärts kehrenden Mond. In der Kapelle des Schlößchens findet ſich auf einer Tafel ebenfalls der Brand von Bodmann im Jahr 1307, ſo⸗ wie die Errettung des Hans von Bodmann abgebildet. Die Ausſicht vom Frauenberg iſt ausgedehnt und frei und zwar viel mehr als von Alt⸗Bodmann; ſie iſt am bequemſten von den Zimmern des Schlöß⸗ chens zu genießen. In früherer Zeit war hier eine Wallfahrtskirche, an welcher ein Mönch vom Kloſter Salem als Prieſter ange— ſtellt war. Die Ruine Alt⸗Bodmann beſteht faſt nur noch aus den Re⸗ ſten eines alten Thurmes und einigem daran ſtoßendem Gemäuer; das Alter dieſer Trümmer reicht höchſtens in das 14. Jahrhundert. Von beiden Standpunkten ſind die Fernſichten ausgezeichnet zu nen⸗ nen; wir überſehen die grünen Vorländer mit Städten und Klöſtern, welche mit dunklen Waldbergen gekrönt ſind; wir finden die lieblichen Doörfer mit den ſchönſten Baumgruppen umgeben und rechts dehnt ſich der ſchimmernde See allmälig zu ſeiner größten Breite aus. Das Dorf Bodmann hat etwa 900 katholiſche Einwohner, eine hübſche Kirche, eine Schiffslände, eine Zollſtation und meh⸗ Rrere Wirthſchaften, worunter die Linde mit Sommerwirthſchaft zu empfehlen iſt. Anh In der Nähe von Alt-Bodmann ſtehen auf Felſen die großarti⸗ gen Ruinen der ehemaligen Burg Kargeck; ſie gehört den Herren von Bodmann und ſoll im Bauernkriege zerſtört worden ſein. Die öden Trümmer überblicken ebenfalls weithin den Ueberlinger-See, die jenſeitigen Felſen⸗Geſtade und die fruchtbaren Ufergeländer. Die Die Sage läßt große Schätze in der Burg verſchüttet ſein, darunter ein Kegelſpiel vom reinſten Golde. Mehr waldeinwärts liegt der Bodmann'ſche Pachthof Kargeck. Der See ſoll in dieſer Gegend eine außerordentliche Tiefe haben. Ein Schriftſteller des 6. Jahrhunderts berichtet, daß neben an⸗ dern alemanniſchen Städten am Bodenſee auch eine Stadt Bodungo daſelbſt geſtanden ſei, welches auf Bodmann hinzudeuten ſcheint, das vom 9. bis 12. Jahrhundert Bodoma, Potama geſchrieben wurde. Schon in den älteſten Zeiten tritt das edle Geſchlecht der Bodmann in der Geſchichte auf; der erſte dieſes Namens, welcher genannt wird, kommt im Jahre 1146 vor. Als damals der edle Arnold von von Brescia über die Alpen gegangen war, um in Rom ſeine neue Republik zu gründen, bat er den Kaiſer Barbaroſſa, mehrere ein— ſichtsvolle Männer zur Vertheidigung ſeines Reichs gegen den Pabſt nach Rom zu ſenden und nannte darunter ausdrücklich den Eberhard von Bodmann. Unter Conrad von Bodmann trafdasGeſchlecht jenes trau⸗ rige Brandunglück, deſſen wir bereits gedachten. Die nach dem Brande wieder erbaute Burg mag einigen Schaden im Jahre 1335, wo ein Ritter von Klingenberg gegen ſie zog, am meiſten aber im Jahre 1499, wo die Schweizer in's Höhgau einfielen, erlitten haben, allein zerſtört wurde ſie nicht. Auch im Bauernkriege 1525 entging ſie dem Verderben, und noch im 36jährigen Kriege wird ſie als Wohnſitz der Bodmann erwähnt. Wahrſcheinlich zerfiel die Burg von ſelbſt, nachdem die Herren von Bodmann in ſpäterer Zeit ſich in dem Dorfe ein neues Schloß erbaut hatten. Die Beſitzungen der Herren von Bodmann erſtreckten ſich ſchon in früherer Zeit bis auf die andere Seite des Ueberlinger-See's; ſie erbauten ſich auch da eine Burg und hießen ſie Hohen-Bodmann, Es iſt das 2 Stunden landeinwärts bei dem Dorfe Hochbodmann lie— gende zerfallene Schloß, deſſen gewaltiger, hoher, runder Thurm noch erhalten wird, weil er den Schiffern auf dem Bodenſee, als weithin ſichtbar, zum Maaßſtab der Seebreite dient. Wir verlaſſen nun, nach Ludwigshafen zurückgekehrt, dieſen Ort, und wenden uns, den Ueberlinger-See nochmals in ſeiner ganzen Länge durchſchiffend und an der reizend gelegenen Inſel Meinau, die wir ſpäter beſuchen werden, vorüberkommend nach der alten Conciliums⸗ ſtadt Conſtanz. Gaſthöfe: Hecht am Fiſchmarkt; Badiſcher Hof in der Pauls⸗ ſtraße, Adler, Krone und Schiff an der Marktſtätte; Hotel und Pen⸗ ſion Halm am See; Barbaroſſa am obern Markt; Vodan in der Auguſtinerſtraße; Steinbock in der Rheinſtraße; Falke in der Kreuz⸗ linger Vorſtadt u. ſ. w. Reſtaurationen und Cafés: Goldener Löwe; Roſengarten in der Plattenſtraße; Dietrich und Kreuzer, an der Marktſtätte; Walſer im Bahnhof. Bierhäuſer: Sonne in der Paulsſtraße; Silberner Mond an der Hofhalde; Buck in der Johanngaſſe, Kees an der Marktſtätte; Schweizerhaus in der Kreuzlinger Vorſtadt. Conſtanz iſt der Hauptort des badiſchen Seekreiſes und zu— gleich die größte Stadt am Bodenſee. Ihre Umgebung iſt freundlich und fruchtbar und ſie liegt am linken Ufer des Rheins, der hier in einer lebhaften Strömung den Oberſee verläßt, ſich im Unterſee aus⸗ breitet und zwiſchen Stein und Eſchenz wieder in einem gleichmäßi⸗ gen Flußbette weiter fließt. Die Stadt iſt ſehr gewerbſam und ein reges Leben und Treiben herrſcht in ihren Straßen; ſie iſt der Sitz verſchiedener großherzoglich badiſcher, geiſtlicher und weltlicher Staats⸗ flitz Ae 0 9 11 V 6 Kſes 01 hen bet tinet Tſei fung Akol lith lbek Uun fatl niſch 110 Hche Kton Jes, telal ſime Ude ſhen Unge Eicdt der 16 1 Uaſt Atl. behörden, ſowie einer Garniſon und hat etwa 9000 meiſt katholiſche Einwohner. Conſtanz iſt urſprünglich eine römiſche Schöpfung. Als Kaiſer Conſtantius Chlorus im Jahr 304 die Alemannen bei Vindoniſſa(Windiſch) geſchlagen hatte, erbaute er auf der ſchma⸗ len Erdzunge, die zwiſchen dem Ober- und Unterſee hinläuft, ein feſtes Caſtell, das nach ſeinem Namen Constantia genannt wurde. Im Jahr 1552 bei Erbauung des Kreuzlinger Thores und im 30jäh⸗ rigen Kriege ſtieß man beim Graben auf die alten römiſchen Rippen der Stadt und maſſenhafte Bauanlagen, ſowie die koloſſalen Bögen einer ſteinernen Brücke kamen an's Licht. Auch führt noch jetzt ein Theil der Stadt den Namen„Niederburg,“ wohl nicht ohne Bezie— hung auf das alte Caſtell. Erſt im 6. Jahrhundert, als der Fran⸗ kenkönig Lothar J. das Bisthum Vindoniſſa nach Conſtanz verlegte, wird die Stadt in der Geſchichte genannt, doch war ſie damals noch unbedeutend und hieß noch 628 eine Villa regia(Reichsdomaine). Von nun an wurde ſie immer bedeutender, ſo daß die Stadt von Karl dem Großen bis auf Heinrich V. von allen Häuptern des rö⸗ miſchen Reiches beſucht wurde. Heinrich III., Friedrich Barbaroſſa und Maximilian 1. hielten hier Rath und Reichstag und als der Hohenſtaufe Friedrich II. mit ſeinem Gegenkönig Otto IV. um die Krone Deutſchlands im Streite lag, da war das alte Conſtanz beru— fen, Richterin zwiſchen Beiden zu ſein. Die Geſchichte der Stadt iſt reich an lebensvollen Bildern mit⸗ telalterlichen Strebens, ihre gewaltigen Kämpfe um das Gemeindere⸗ giment zwiſchen dem Patrizierthum und den Zünften, ihre gräßlichen Judenverfolgungen, ihrer Söhne Thaten in dens Zügen des ſchwäbi⸗ ſchen Städtebundes, ihr Antheil am Appenzeller-Kriege, ihre Belage— rungen und Stürme ſind mit blutiger Schrift in das Zeitbuch der Stadt eingetragen, die einſt 40,000 Einwohner gezählt haben ſoll. Der Glanzpunkt ihrer Vergangenheit aber fällt in die Jahre 1414 bis 1418, wo das berühmte Concilium hier abgehalten wurde. Pabſt Johannes XXIII. und Kaiſer Sigismund 1., 22 Kardinale, 4 Patriarchen, 19 Erzbiſchöfe, 300 Biſchöfe 100 Prälaten, 1800 Prie⸗ ſter, gegen 300 Doktoren und eine zahlloſe Menge von Fürſten, Grafen und Rittern mit Gefolge beherbergte damals die Stadt, ſo daß man die Summe der Fremden im erſten Jahre des Concils auf 80,000 ſchätzte mit 30,000 Pferden. Drei Päbſte lagen um die Tiara im Streit und Martin V. ward zum Oberhaupt der Chriſtenheit erwählt, nachdem Johannes XXIII. nach Schaffhauſen entflohen war. Womit aber die Geſchichte der Stadt für alle Zeiten gebrand— markt wird, iſt die Hinrichtung der Glaubenskämpfer Johannes Huß und Hieronymus von Prag. Erſterer ſtarb am 8. Juli 1415 nur 42 Jahre alt auf dem Scheiterhaufen vor der Stadt in der Nähe des Thores, welches nach Gottlieben führt, auf dem ſogen. kleinen Brühl, ungeachtet des freien Geleites, das ihm der wortbrü— chige Kaiſer Sigismund zugeſagt hatte. Ein gleiches Schickſal traf nicht lange darauf ſeinen Freund und Schüler Hieronymus von Prag; auch dieſer ſtarb wie einer aus der Schule der Weiſen, den gleichen Tod für die Glaubensfreiheit. Das Bisthum von Conſtanz erſtreckte ſich früher von Ulm bis zum Kniebis auf dem Schwarzwald und bis über Winterthur, Ap⸗ penzell und den Bodenſee. Der letzte Biſchof war Karl Theodor von Dalberg, einer der beſten Menſchen ſeiner Zeit. Das Schickſal er⸗ hob ihn ſpäter zum Fürſten-Primas und Großherzog von Frankfurt, welche Stelle er in Folge ſpäterer Ereigniſſe wieder verlaſſen mußte, worauf er ſich nach Regensburg zurückzog und dort ſtarb. Als in Conſtanz die Reformation Anklang fand, verlegten die Biſchöfe ihren Wohnſitz nach Meersburg, woſelbſt auch der Bisthumsverweſer, welcher auf Dalberg folgte, der nicht minder edle Freiherr von Weſſenberg wohnte, bis im Jahre 1828 das Erzbisthum Conſtanz aufgelöst und nach Freiburg im Breisgau verlegt wurde. Weſſenberg, der als Hu⸗ maniſt, Pädagog und Dichter allgemein geachtet und beliebt war, zog ſich hierauf in das Privatleben zurück und nahm ſeinen Aufenthalt in Conſtanz, in welcher Stadt er im Jahre 1860 ſtarb. Gleich am Eingang zur Stadt, vom Hafen aus, rechts an der Ecke ſtehend, tritt uns ein Gebäude vor allen deutlich in die Augen. Es iſt das Kaufhaus, fälſchlich der Conciliumsſaal genannt, denn nicht hier, ſondern im Münſter wurden die Sitzungen des Concils ge⸗ halten. In dieſem Hauſe das im Jahre 1388 erbaut wurde und einen hölzernen Ueberbau mit einem mächtigen Dache hat, ward 1417 Pabſt Martin V. durch das Cardinalsconclave gewählt. In dem hier be⸗ findlichen, mit Städtewappen verzierten großen Saal mit 11 Fenſter⸗ ſtöcken auf jeder Seite und zwei Reihen von Säulen aus Cichenholz in der Mitte, ſind mehrere intereſſante Antiquitäten aufgeſtellt, die ſich meiſtens auf Huß beziehen. Ueber dem Eingang zu dieſem Ge⸗ bäude befindet ſich eine auf die Pabſtwahl bezügliche alte Inſchrift. Der merkwürdigſte Bau von Conſtanz iſt jedoch der Münſter oder die Domkirche, die größte Kirche am Bodenſee. Sie wurde zwiſchen 1052 und 1056 von Biſchof Rumoald im gothiſchen Style erbaut und der heil. Jungfrau geweiht. Die Kirche hat die Form eines Kreuzes und ihr hohes Gewölbe wird von 16 maſſiven ſteinernen Säulen getragen, deren jede 30 Fuß hoch und 3 Fuß dick iſt. In der Mitte der Vorderſeite der Kirche, über dem Haupteingang, erhebt ſich eine mächtige, weithin ſichtbare, ebenfalls im gothiſchen Style er⸗ richtete Steinpyramide als Hauptthurm noch 50 Fuß über dem dem ſche At ſine A nd Heltt ipen Uch IN iſ. Ei ftiger Mhetr At beſ ſic , un Apon hüber ſlign; ſite di dan. chilt. z ſlihuien tden lnter d deſſe ſirdiſch Anes f̃ f. Gra. inJ Wber 0mer iders A des , Re glt aben, 8 Me. 9 Wfeh U örg Kb** leh. 9 alten Dom, welchem auf beiden Seiten kleinere Thürme mit Stein⸗ ſpitzen ſich anſchließen, die den Unterbau des Mittelthurmes erweitern und im Kranze umgeben. Auf der Altane des Hauptthurmes genießt man eine überraſchend ſchöne, weitumfaſſende Ausſicht über den Ober⸗ und Unterſee, ſowie ihre nähere und fernere Ufer. Betreten wir das Innere der Kirche zwiſchen den beiden Sei⸗ tenthürmen, ſo gelangen wir zu der Vorhalle mit einem in Eichen⸗ holz geſchnitzten Portal, auf deſſen Thorflügeln die Leidensgeſchichte Chriſti in 20 kunſtreichen Darſtellungen in erhabener Arbeit ange⸗ bracht iſt. Eine Inſchriftnennt Simon Hayder oder Bainder 1470 als den Verfertiger. Von künſtleriſchem Werthe ſind auch die 72 mittelalterlichen Domherrnſtühle im Chor des Mittelſchiffes. Das Innere des Domes beſteht aus einem Mittel- und zwei Seitenſchiffen, längs welchen ſich zu beiden Seiten durch Gitter abgeſchloſſene Altäre hin— ziehen, unter denen einige recht gute Gemälde enthalten, z. B. links der Nepomukaltar. Der Hochaltar beſteht aus vergoldetem Silber und über demſelben befinden ſich vier große, ſilberne Statuen von Heiligen; der Nebenaltar links beſitzt zwei Bildhauerarbeiten, deren größere die ſterbende Maria umgeben von den 12 Apoſteln darſtellt; dicht daneben befinden ſich zwei Grabmäler. Die Schatzkammer enthält in verſchloſſenen Wandſchränken verſchiedene Koſtbarkeiten, Reliquien, Monſtranzen, Kirchengeräthe, Pergamente u. ſ. w. In den beiden Sakriſteien befinden ſich zwei alte merkwürdige Gemälde. Unter den verſchiedenen Kapellen zeichnet ſich die des heil. Konrad wo deſſen Leichnam geruht haben ſoll, aus. An dieſe ſtößt eine un⸗ terirdiſche Krypta, welche auf kurzen Säulen ruht, deren jede ein eigenes Capitäl hat; ſie iſt wohl der älteſte Theil der Kirche aus Biſchof Rumoald's Zeit herrührend. In der Grabkapelle iſt ein heil. Grab nach dem Muſter desjenigen zu Jeruſalem; hier befindet ſich ein Marmorſtein aus der Römerzeit mit dem Namen Diocletian und der Stadt Vitodurum(Winterthur). In den Nebenhallen und im Innern der Kirche ſind mehrere Grabmäler berühmter Männer, beſonders der Biſchöfe. Im Chor bezeichnet eine Metallplatte das Grab des während des Concils geſtorbenen Biſchofs von Salis⸗ bury, Robert Halme, des engliſchen Geſandten beim Coneil. Auch der unglückliche Herzog Ernſt von Schwaben liegt in der Domlirche begraben, doch kennt Niemand ſein Grab mehr; ebenſo fand der ehe— malige Bisthumsverweſer Freiherr von Weſſenberg hier ſeine Ruhe— ſtätte. In der Mitte der Kirche iſt eine weiße Platte, auf welcher ſell, Huß ſeiner geiſtlichen Würden entkleidet wurde. Im Kreuzgang an 1 0 der nördlichen Seite des Domes befindet ſich in eigener Kapelle das Grab des im Jahr 139s verſtorbenen Biſchofs Burkhardt von Hö⸗ e10 wen. Der Kreuzgang ſelbſt war früher mit Wandmalereien geziert welche aber wahrſcheinlich in der Reformationszeit übertüncht wurden. Auf dem Platze vor dem Münſter ſteht eine Marmorſäule mit einem Marienbild, welches aus einem Theile des Metalls gegoſſen ſein ſoll, das bei einem Brande des Münſterthurms i. J. 1511 aus den geſchmolzenen Glocken wieder geſammelt wurde. Die zweite Pfarrkirche iſt die St. Stephanskirche, früher Collegiatsſtiftskirche. Sie wurde von Biſchof Salomon IIl. im Jahr 831 geſtiftet, befand ſich vor dem Jahre 900 noch außerhalb der Stadt und kam erſt bei der dritten Erweiterung, 919, innerhalb der⸗ ſelben zu ſtehen. Biſchof Otto III. ſtellte den alten Bau von Grund aus wieder her und zierte ſeine Fenſter mit Glasgemälden, von wel⸗ en ie chen noch Reſte vorhanden ſind. Zur Zeit der Reformation, i. J. 5 fet 1529, wurde ſie ihres Schmuckes an Bildſäulen, Grabmälern und Pederb Gemälden faſt ganz beraubt. Der Hochaltar enthält ein Gemälde, ihif die Weiſen aus dem Morgenlande, von Ph. Memberger, auch finden f0le ſich mehrere gute Arbeiten des Bildhauers Hans Moring. In dieſer Nit Kirche liegt auch der Biſchof Theodor begraben. Aſtbil Zu den weiteren Merkwürdigkeiten der Stadt Conſtanz gehören ſen ferner: die Spitalkirche mit drei Altären. Sie war einſt die flis U Kirche des Auguſtinerkloſters, welches Biſchof Eberhard I., Truch- dtiß ſeß von Waldburg, im Jahr 1268 ſtiftete. Ihren Namen hat ſie ſhoſen von dem Spital der Stadt erhalten, welches in das verlaſſene Klo⸗ f li ſter verlegt wurde; in ihr befinden ſich ſehr ſchöne Altarbilder, Jeſus ferlle der Kinderfreund, von der bekannten Malerin Marie Ellenrieder und ſhönet die Kreuzabnahme Chriſti von Chriſtoph Storer; die Lyce umskirche ſuhe! frühere Jeſuitenkloſterkirche, mit gleichfalls mehreren Altären, guten 15 00 Altarbildern und Malereien aus dem Kloſterleben; hier befindet ſich 00 auch hinter dem Hochaltar eine Brunnenquelle; das ſtädtiſche Rath⸗ ln haus mit einer ſchönen alten Portalverzierung, aus dem 15. Jahr⸗ umlun 1 l zier Ien de hundert ſtammend und ſchönen 1864 gefertigten Frescomalereien aus beſt der Geſchichte der Stadt; es enthält auch das ſtädtiſche Archiv mit en Kö mehreren Tauſend Urkunden; die Stadtkanzlei, eines der ſchönſten Gebäude, beſonders durch ſeine Bauart merkwürdig, hier iſt die be⸗ C 0 kannte Chronik des Ulrich von Reichenthal über die Kirchenverſamm⸗ n lung, eine Papierhandſchrift mit etwa 150 Gemälden, zu ſehen. Fer⸗ ner: das hohe Haus, welches im Jahre 1293 Albrecht von Klingen⸗ kunt berg, Biſchof Heinrich's Bruder, in Stein von oben nach unten er⸗ lülen baute, jetzt Wein- und Speiſewirthſchaft von S. Feiner; das Haus 10 zur Katz, ein uraltes, aus großen Quadern erbautes Haus, einſt Wön Zunfthaus der Adeligen, in der Sackgaße; in demſelben befindet ſich* noch ein ſchöner, gothiſcher Saal mit hohen Bogenfenſtern; das Uin. Wohnhaus Weſſenberg's mit der Weſſenberg'ſchen Bibliothek von 0 f 12,855 Nummern, ſammt Gemälde- und Kupferſtichſammlung beim Ub, f ſdet! n, 115 bñ ah Münſter; die Vincent'ſche Kunſt⸗ und Antiquitätenſamm⸗ lung in einem ſchönen gothiſchen Saale neben der Domkirche beim Lyceum. Sie enthält Glasgemälde vom Jahre 1492— 1560, meiſt bibliſche Darſtellungen, ein ausgezeichnetes Mineralienkabinet, ſeltene Petrefacten, Marmorarten von verſchiedener Farbe in ſchön geſchliffe⸗ nen Stücken und Metalle von allen Schweizergebirgen. Die ganze Sammlung iſt geſchmackvoll aufgeſtellt und ſehr ſehenswerth. Weiter ſind zu erwähnen: das Theatergebäude, früher Jeſuiten⸗Gymna⸗ ſium es wurde i. J. 1863 reſtaurirt und enthält auf der Rückſeite eine Malerei, welche den Olymp mit dem geflüge'ten Pegaſus und den neun Muſen, ſowie den Sturz des Hanswurſt(Harlekin) durch das neue Schauſpiel darſtellt; in der Schreibergaſſe, bei der ſogen. Niederburg iſt das Haus Biſchof Conrads des Heiligen mit der Inſchrift: Domus S. Conradi. In der Paulsſtraße, nahe beim Schnetzthor, befindet ſich das Haus, in welchem Johannes Huß im Winter 1414 wohnte und ergriffen ward, an demſelben iſt ſein Bruſtbild in Stein ausgehauen. Das Gaſthaus Barbaroſſa am obern Markt iſt ebenfalls zu erwähnen; es trägt die Inſchrift: Curia pacis Constaniae, anno 1183; in dieſem Hauſe wurde von Kaiſer Friedrich Barbaroſſa der Frieden mit den lombardiſchen Städten ge— ſchloſſen; weiter: das Kreis- und Hofgerichtsgebäude, einſt erſte biſchöfliche Pfalz, dann Domherrnhof; das frühere Dominika⸗ nerkloſter auf der ſogenannten Inſel, jetzt eine Fabrik mit ſehr ſchöner, alter Kirche, Kreuzgangskapelle und einer am Sakriſteiein⸗ gange befindlichen Grabſchrift des bycantiniſchen Philologen Chryſolo⸗ ra's, der im Jahre 1415 auf dem Concilium ſtarb; hier befand ſich auch das Gefängniß des Johannes Huß. Das Muſeum, ein Ver⸗ ſammlungsort der zahlreichſten geſchloſſenen Geſellſchaft von Conſtanz iſt an der Stelle der alten, abgebrochenen biſchöflichen Pfalz erbaut und beſteht aus einem eleganten, ziemlich umfangreichen Gebäude mit hübſchen Garten-Anlagen. An Bibliotheken, wiſſenſchaftlichen Anſtal⸗ ten, Schulen, Wohlthätigkeits-Anſtalten u. ſ. w. hat Conſtanz eben⸗ falls keinen Mangel. Im See befindet ſich eine gut eingerichtete Badeanſtalt mit einer Schwimmſchule, ſie liegt zwiſchen dem Hafen und der Rheinbrücke. Letztere, auch die Petershauſer Brücke genannt, brannte im Jahre 1856 ſammt den an ihr angebrachten Mühlen ab; dadurch wurde der Abfluß des Rheins aus dem Boden⸗ ſee freier und deßhalb die Brücke, aber nicht die Mühlen wieder aufgebaut. Dieſe neue Rheinbrücke iſt zugleich Eiſenbahnbrücke und von Eiſen errichtet. Sie ſtützt ſich auf mächtige Strompfeiler und hat eine ſolche Höhe und Weite der drei Bogen, daß die Dämpf⸗ boote bei jedem Waſſerſtand unter ihr durchfahren können. Ueber dem mittleren Bogen erheben ſich vier Pfeiler mit den Standbildern des Großherzogs Leopold von Baden, des Herzogs Berthold von Zähringen und der Biſchöfe St. Conrad und St. Gebhard in Sandſtein ausge⸗ führt. Die Brücke hat Raum für zwei Schienengeleiſe, ſowie zwei Bahnen für Fuhrwerke mit Trottoir für Fußgänger zu beiden Sei⸗ ten; die Ausſicht von ihr auf den Oberſee und das Höhgäu iſt äußerſt lieblich. Der geräumige Hafen mit ſtattlichen Hafenbauten beſitzt einen geſchmackvollen Leuchtthurm mit ebenfalls herrlicher Fernſicht. In kurzer Zeit wird eine neue proteſtantiſche Kirche, deren Bau vor einigen Jahren begann, der Stadt zu einer weiteren Zierde gereichen. Als eine Art Vorſtadt von Conſtanz iſt die aufgehobene Reichs⸗ abtei Petershauſen, Petri domus, jetzt Infanterie-Kaſerne, zu betrachten. Sie gehört dem Benedictiner-Orden und liegt unmittel⸗ bar an der Rheinbrücke zwiſchen dem Ober- und Unterſee an der ſchmalſten Abflußſtelle des Flußes in letzteren See. Als Stifter wird Gebhard II., Biſchof von Conſtanz genannt, der ein Sohn des Grafen Ulrich von Bregenz war und im Jahr 983 den Grund zu der Kloſterkirche legte. Das Kloſter gehört zu den reichsunmittelba— ren Stiftern, der Abt hatte auf dem Reichstag Sitz und Stimme auf der ſchwäbiſchen Prälatenbank. Eine lateiniſche Chronik erzählt die Schickſale der Abtei von ihrer Gründung bis zum Jahre 1203. Das Wappen des Stifts bildet ein ſilberner Schlüſſel in blauem Felde und ein blauer Fiſch im ſilbernen Felde. Nach mancherlei Schickſalen fiel das Kloſter durch Säkulariſation an Baden und wurde 1803 aufgehoben, die Mönche penſionirt, das Kloſtergebäude in eine Kaſerne verwandelt, und die ſchöne Kirche aus uralter Zeit, welche ein merkwürdiges Portal aus dem Jahr 1171 hatte, leider abgebrochen. Eine weitere kleine Vorſtadt von Conſtanz iſt das ſogen. Para⸗ dies. Der Name rührt von dem früher hier geſtandenen Frauen⸗ kloſter Paradisus animae, und nicht von dem Reize der Gegend her, denn dieſer von Gärtnern und Fiſchern bewohnte Ort beſitzt weder in Beziehung auf die Natur, noch auf die Lokalität etwas Schönes. Seine Bewohner haben zwar dieſelben Rechte, wie jene in der Stadt, ſind aber durch Sprache, Kleidung und Sitte ganz verſchieden von den Städtern. Hier wie auf dem ſogen. Brühl war im 14. Jahr⸗ hundert der Turnierplatz. Im Paradies, auf dem Wege nach Gottlieben, bezeichnet ein großer Findlingsſtein mit Inſchriften den Platz, auf welchem Johan-⸗ nes Huß und Hieronymus von Prag lebendig verbrannt wurden. Die aufgeklärte Bevölkerung ſetzte i. J. 1862 in dieſem Huſſen⸗ ſtein der grauſamen prieſterlichen Verfolgungswuth ein Schandmal. In früherer Zeit ſtand hier ein 1647 abgebrochenes Kapuziner⸗Kloſter.“ 0 ſc00 muunnt In ſht ſt wu 0 Ueb in Kö en hitt Woettor Finſamk W0 Hliter Rferes Ihne ve u, ge die 6 Kre Ahum hhihett ing un * bed lboſer 15 Kle ſerung In das Ude ee W fein 0 beft Mu f6 Re Her ei —— Zu den weiteren Umgebungen der Stadt, zum Theil mit ſchönen Ausſichtspunkten, gehören der Fürſtenberg, eine halbe Stunde von Conſtanz über dem Rhein gelegen, mit guter Wirthſchaft und ſchöner Fernſicht in das nahe Thurgau; der Lorettoberg, ſo genannt von einer Kapelle, die von der Stadt nach der Befreiung vom ſchwediſchen Kriegsheer im Jahr 1637 der heil. Jungfrau er⸗ baut wurde. Hier überſchaut man den größten Theil des Boden⸗ und Ueberlingerſee's mit deren Umgebungen. Ferner: die Wirthſchaft zum Königsbau am Stockacker gegen die Meinau; der Rheingar⸗ ten mit Bad, gegen die Reichenau; die Wirthſchaft zum Jakob am Lorettowalde, mit herrlicher Ausſicht; St. Katharina, in waldiger Einſankeit, gegen Litzelſtetten. Von Conſtanz führt auch eine große Landſtraße über die ehem. Klöſter Kreuzlingen und Münſterlingen nach Romanshorn. Erſteres iſt zugleich ein ſtattlicher Ort, deſſen Häuſer bis vor die Thore von Conſtanz reichen und beſitzt ein hübſches Zollgebäude, eine neue, geräumige Gewerbehalle, ſowie mehrere Gaſthäuſer, worun⸗ ter die Krone, der Löwe, Schweizerhof, Hirſch, Helvetia u. ſ. w. Kreuzlingen, welches in Urkunden unter dem Namen Cou- nike cilinum vorkommt, war früher eine Abtei regulirter Auguſtiner⸗ e1 Chorherren. Sie wurde von Biſchof Conrad dem Heiligen von Con⸗ inllut ſtanz um 936 nach ſeiner Rückkehr aus Paläſtina geſtiftet. Von dort⸗ munchel her brachte er ein Stückchen des Kreuzes Chriſti mit, wovon das nen! Kloſter ſeinen Namen erhalten haben ſoll. Urſprünglich ſtand jedoch das Kloſter vor den Thoren von Conſtanz; nach zweimaliger Ein⸗ äſcherung deſſelben im Schwaben- und im Schwedenkriege verſetzte man das neue Gebäude an die jetzige Stelle. Im Jahre 1848 wurde es mit andern Klöſtern des Kantons Thurgau aufgehoben J5 und ſein bedeutendes Vermögen zu wohlthätigen Zwecken beſtimmt. ſul Jetzt befindet ſich ein Schullehrer⸗Seminar und eine landwirthſchaft⸗ ſb“ liche Muſterſchule in ſeinen Räumlichkeiten, während die Kloſterkirche Nan die katholiſche Gemeinde Kreuzlingen als Pfarrkirche überging. Die Kirche enthält vier Altäre mit ſchönen Altarbildern, wo— runter eines von Philipp Memberger und ein kunſtreiches eiſernes, ſeh! hohes Gitter, welches den Chor von der Kirche ſcheidet. Das Intereſ⸗ I.M ſanteſte jedoch iſt die Kalvarienkapelle mit einer plaſtiſchen Darſtellung der Leidensgeſchichte Chriſti. Die Figuren ſind äußerſt ſ“ zierlich geſchnitzt, ohne Farben, ein Schuh hoch und zeigen vielen n Ausdruck, namentlich die des Pontius Pilatus, der Henkersknechte und unmd die des Heilandes ſelbſt. Ein Tyroler ſoll dieſe kunſtreiche Paſſion, huſtt, welche über tauſend Figuren zählt, binnen 18 Jahren verfertigt ha⸗ zhule ben. Auch iſt noch eine ſchöne mit Perlen geſtickte Inful zu ſehen, lällk welche Pabſt Johann XXIIlI., als er am Abend vor ſeinem Einzug 7 — in Conſtanz im Jahre 1414 die Wohnung im Kloſter nahm, dem z damaligen Abte Wildt zum Geſchenk machte. en Die ehemalige Benedictiner-Frauenabtei Münſterlingen liegt ihhn 2 kleine Stunden von Conſtanz entfernt auf einer Anhöhe am Boden⸗ mie ſee. Der Name ſoll von Monasteriolum herkommen und nach der de Sage verdankt die Abtei ihre Gründung einem Gelübde Angelas, der iit d Tochter des engliſchen Königs Eduard I., welche auf einer Reiſe mn zu ihrem Bruder Gregor, Abt von Einſiedeln, auf der See vom nde Sturm überfallen, an der Stelle, wo ſie glücklich landen würde, ein ute. Kloſter zu bauen gelobte. Nach der Geſchichte aber verlegte Biſchof 5460 Gebhard Il. von Conſtanz das zu Kreuzlingen befindliche Spital hie⸗ Zunt her, und erbaute ein Frauenkloſter, welches Anfangs nach der Regel tte 4 des heil. Benedikt lebte, im Jahre 1243 aber die des heil. Auguſtin en 9 annahm. 105 ᷑ Das Kloſter ſtand hart am Ufer des See's und litt durch 1 Feuchtigkeit, daher es 1711 etwas höher hinauf an die jetzige Stelle Wei verlegt wurde. Im Jahr 1310 erhielt Münſterlingen von der Köni⸗ 21 gin Agnes von Ungarn, Tochter des ermordeten Königs Albrecht, f1 viele Schenkungen und 1418 geſchah hier die Ausſöhnung zwiſchen Im d Kaiſer Sigismund und dem geächteten Herzog Friedrich von Oeſter⸗ mnenl reich. Zur Reformationszeit verließen die Nonnen das Kloſter und ufhil nach Beſetzung mit andern aus Engelburg flüchteten ſich dieſe 1633 vor den Schweden, welche die Abtei unter Guſtav Horn eine Zeit' n 8 lang beſetzt hielten. Im Jahre 1847 wurde es aufgehoben und das ſunt thurgau'ſche Kantonsſpital darin eingerichtet. Der Platz, wo das alte then n Kloſter ſtand, iſt noch jetzt mit Mauern und Gräben umgeben und 1 die aus früherer Zeit hier befindlichen Gebäude ſind mit einigen 10 f Neubauten in eine Irrenanſtalt umgewandelt worden. Nahe bei der⸗ Jin ſelben ſteht auch das Gaſthaus zum Kreuz. Die hieſige Kloſter⸗ f kirche iſt hübſch und der Ort ſelbſt ſehr ſchön gelegen und bietet eine 8 herrliche Ausſicht dar. en Schließlich wollen wir noch einen Beſuch auf der reizend gelegenen 115 Inſel l6 Mein a u Mi f N.. 0 machen. Sie liegt 1/ Stunden von Conſtanz da, wo der Oberſee ihn ſchmal zuſammenlaufend die Waſſerzunge bildet, welche der Ueberlin⸗ f gerſee genannt wird. Von Petershauſen führen nähere Fußwege 0 durch den St. Catharinenwald, die Landſtraße aber führt über St. Loretto, Allmannsdorf und Egg. Der Umfang der ganzen Inſel,, 10 die durch eine 400 Fuß lange, 12 Fuß breite, auf 15 eiſernen Trä. g gern ruhende und mit einem Gitterthore verſehene eiſerne Brücke mit 0 dem feſten Lande verbunden iſt, beträgt eine ſtarke halbe Stunde e und ſie ſteigt terraſſenförmig bis zu 89 Fuß über den gewöhnlichen Waſſerſtand des See's empor. In den älteſten Zeiten war die In⸗ ſel Meinau Eigenthum der Abtei Reichenau, deren Aebte das ſchöne, fruchtbare Eiland den Rittern von Langenſtein zu Lehen gaben und von dieſen kam es an den Deutſchorden. Die Volksſage erzählt dieß jedoch anders. Nach derſelben ge⸗ hörte die Inſel Meinau einem Fräulein von Bodmann, die mit dem tapfern Ritter Hugo von Langenſtein verlobt war, welcher jedoch kurz vor der Vermählung für ſeinen Vater einen Kreuzzug unternehmen mußte. Er wurde hiebei gefangen und verdankte ſeine Befreiung einem Gelübde, in den deutſchen Orden einzutreten. Auch ſeine Braut war, da ſie ihn umgekommen wähnte, in ein Kloſter gegangen, hatte aber das Schloß, auf welchem ſie einſt mit ihrem Gatten zu leben gedachte, dem Orden, deſſen Ritter er wurde, mit der Bedin⸗ gung geſchenkt, daß er daſelbſt als Komthur wohnen ſolle. In einem Zeitraum von 1272— 1805 reſidirten 66 Komthure zu Meinau; der Preßburger Frieden brachte den Orden um ſeine Selbſtſtändigkeit und die Inſel an Baden; von Baden kam ſie durch Kauf nacheinander an mehrere Beſitzer und iſt ſeit 1853 Privateigen⸗ thum des Großherzogs Friedrich von Baden, welcher ſich ſehr oft, namentlich im Sommer, längere Zeit mit ſeiner Familie hier— aufhält. Von den Gebäuden zeichnet ſich die ehemalige Kommende, ein Schloß im Style des vorigen Jahrhunderts aus. Mit der Haupt⸗ front nach Oſten ſchließt es mittelſt zweier weſtlich laufender Flügel einen weiten Hof von drei Seiten ein; es beſteht aus rothem Sand⸗ ſtein und iſt mit einigen Vorwerken umgeben, die noch aus alter Zeit ſtammen. An der Treppe des Schloßes befinden ſich zwei ſchöne Schnitzwerke, das eine iſt ein Faun mit einem jungen Bachus auf der Schuͤlter, das andere ein Bachus, der einen Faun bekränzt. Das Schloß enthält 2 große Säle, 57 Zimmer und ſonſtige Räum⸗ lichkeiten, im zweiten Stocke befinden ſich die mit großem Geſchmacke gbgcle hergerichteten Wohngemächer der fürſtlichen Familie mit herrlichen Ausſichten. Manche Zimmer enthalten noch Reſte ehemaliger Deko⸗ ration, in Oel gemalte Tapeten mit idylliſchen Darſtellungen im Ge⸗ ſchmacke der Zeiten Ludwigs XIV., Sammttapeten, mit Gold und Silber durchwirkte Stoffe, maſſives Mobiliar von Mahagoni und Nußbaum u. ſ. w. Eine ſteinerne Treppe führt in den dritten Stock, wo der große Ordensſaal mit zwei Altanen an den Seitenwänden ſich befindet; die Wände und Decken ſind in Roccoco leicht verziert. Eine große Flügelthüre führt hinaus auf den luftigen Balkon, von welchem ſich uns ein prachtvolles Naturgemälde entrollt. In ſeiner ganzen Länge * — 100— und Breite liegt der herrliche Oberſee von den letzten badiſchen Ufer— orten Meersburg und Kirchberg und dem württembergiſchen Friedrichs— hafen, bis wo die Fürſten des Hochlandes am Horizonte ſtehen, vor uns. Ueber Lindau und das Waldgebirge von Bregenz, über die ſchneeloſen Kalkfelſen der Vorarlberger Alpen und die Vorgebirge Tyrols, ſowie über die höchſten Bündner Berge ſchweift der Blick. Dann beginnen über dem weichanſteigenden Schweizer-Ufer bei Arbon und Romanshorn die Appenzeller Berge, deren höchſter, der Säntis, die übrigen kühn beherrſcht, unter ihnen der Altmann und der Gy⸗ renſpitz, zur Linken die niedrigen Fähnern, der Kamor, Hohenkaſten und andere; zur Rechten die Schwägalp und weiter die Berge des Toggenburgs und die kahlen Zinnen der ſieben Churfirſten, hinter ihnen der beſchneite Spitzweiler, der Tſchinger und der Ofen bis wo die glänzenden Eisberge von Glarus ſich in die Luft erheben— Im Stiegenhaus des Mittelbaues befindet ſich eine heraldiſche Stammtafel der Kommandeurs und Statthalter der Reichskommende Meinau von 1264—1678, von der heil. Jungfrau mit dem Jeſus⸗ kinde beſchirmt, ihr zur Seite der heil. Georg und die heil. Marga— retha. Ein zweites Gemälde führt die Reihenfolge der Komthure weiter bis zum Letzten, Karl von Reichenſtein-Brombach im Jahre 1805, mit dem die Kommende endete. Außerhalb des Schloſſes liegt die frühere Ordenskirche, in glei— chem Style wie das Schloß erbaut. Ihr Thurm hat ein hübſches Zwiebeldach, auf deſſen Spitze das goldene Ordenskreuz angebracht iſt. Das Innere ſchmücken drei den Ordensheiligen geweihte Altäre; rechts in einem Seitenbau des Chors befindet ſich die Gruft der Ritter, und im Langhauſe die der Beamten, in welcher auch der Er— bauer des Schloſſes und der Kirche, J. C. Bagnato, geſtorben 1757, begraben liegt; von ihm wurde das Kornhaus in Rorſchach, ſowie das neue Schloß in Meersburg ebenfalls erbaut. Neben der Kirche ſtand früher das Zeughaus, aus welchem die Franzoſen Kanonen und Rüſtungen entführten; ein früherer Thurm, der zum Gefängniß diente, und die Katze hieß, wurde abgebrochen und an deſſen Stelle ein Treibhaus errichtet; ein wohlerhaltenes Gebäude iſt der Reitſtall, hinter welchem ſich früher noch mehrere gewerbliche Werkſtätten befan⸗ den. Die ehemaligen Befeſtigungswerke erlitten große Veränderungen und wurden theilweiſe zu Garten-Anlagen benützt; der älteſte Theil ſoll ein viereckiger Thurm an der Schloßhalde ſein; der jetzt mit einer Plattform verſehen iſt. Es diente wohl dieſer maſſive Bau mit der einſt um 20 Fuß höheren Ringmauer dem alten Schloſſe zur Vertheidigung, denn unten am Ufer waren auch Schanzen ange⸗ bracht. Der Hafen iſt zwar klein, aber er war dennoch ſchon oft bei heftigen Stürmen und hochgehendem Grundgewelle, das beſonders Au Iu Ju Aſel en Di And. v falls der he M 00 lindet, llene er l Sheul liner g lil iht hie.J ligter ludt n Vot 20 Uh, U Ra ang lͤchhe ſe uh U gus hen Die dle Re wühen, Rllän, 8 — 101— in der Gegend der Meinau höchſt gefahrvoll werden kann, ein retten⸗ des Aſyl für bedrängte Schiffer. Den Hafeneingang ziert ein über der Mauer angebrachtes Bildniß der heil. Jungfrau. Zwiſchen dem Hafen und dem viereckigen Thurme befanden ſich früher auch die großen Landkomthurkeller mit den nöthigen Werkſtätten und mehrere Getreidemagazine. Der Ufermauer entlang führt der Weg durch eine ſchattige Ahorn- und Nußbaum⸗Allee zum Badeplatz, welcher noch von früher her mit ſteinernen Treppen und Platten belegt iſt. An das Schloß ſchließt ſich ferner ein lieblicher Park an, der viel ro— mantiſche Parthien enthält und bis an den See hinabreicht. Außer dem Schloß und ſeinen Nebengebäuden befindet ſich auf der Inſel auch eine bedeutende Meierei und das Gaſthaus zur Inſel Meinau, wo man ein gutes Unterkommen findet. Die mei⸗ ſten Dampfer landen auf ihrer Fahrt von Conſtanz nach Meersburg und Ueberlingen an der Inſel und Luſtfahrten hieher werden eben⸗ falls ſehr oft ausgeführt. Der Beſuch des fürſtlichen Schloßes und der herrlichen Garten-Anlagen iſt den Fremden bereitwillig geſtattet. An der eiſernen Brücke, welche die Inſel mit der Landzunge ver⸗ bindet, befindet ſich rechts im See ein großes und zwei kleinere me⸗ tallene Kreuze, an erſterem Chriſtus, an den beiden andern die Schä⸗ cher; laut einer Inſchrift ſind ſie im Jahr 1555 von dem Komthur Schenk von Stauffenberg geſtiftet, und zwar nach der Sage wegen einer glücklich vollbrachten Meeresfahrt. Einſt wollten die Schweden bei ihrem Abzug von der Inſel die drei Kreuze mitnehmen, aber ihre Pferde vermochten die Laſt nicht zu ſchleppen, die ſpäter mit leichter Mühe von zwei Ackerpferden wieder an ihre alte Stelle ge⸗ bracht wurde. Von der Meinau nach Conſtanz zurückgekehrt, haben wir die Wahl, unſere Reiſe mit der Eiſenbahn, welche nach Schaffhauſen und von da nach Waldshut und Baſel führt, dem Ufer des Unterſee's entlang nach der an ſeinem nordweſtlichen Ende liegenden Stadt Radolfzell fortzuſetzen. Wir wählen aber die viel romantiſchere Waſſerſtraße und gelangen mit einem Dampfer auf dem Rheine zu⸗ erſt nach Gottlieben, wo der Fluß in den Unterſee mündet und von hier aus an der großen Inſel Reichenau vorüber, welche wir ſpäter beſuchen werden, ebenfalls nach Radolfzell. Die Bahnlinie von Conſtanz nach Schaffhauſen führt über die Orte Reichenau, Allensbach, Markelfingen, Radolfzell, Rickelshauſen, Singen, Gottmadingen, Thayingen(der höchſtgelegenen Stelle) und Herblingen. Die Fahrpreiſe ſind in I. Cl. 2 fl. 3 kr.; in II. Cl. 1 fl. 21 kr. und in III. Cl. 54 kr. — 102— Radolfzell liegt in einer wieſenreichen Gegend und hat mit ſeinen Thoren und Mauern ein ſehr mittelalterliches Ausſehen. Gaſthöfe: Krone,(Poſt) Hirſch, Sonne, Schiff, Lamm. Die Stadt erhielt ihren Namen von dem heil. Ratoldus, einem vornehmen Alemannen, welcher der Nachfolger des Biſchofs Egino von Verona war, und wie dieſer, von Sehnſucht getrieben, wieder in ſein Vaterland zurückkehrte. Mit Bewilligung des Abtes Hatto von der Reichenau baute er am Unterſee eine klöſterliche Zelle; als Reliquien brachte er die Gebeine der Heiligen Syneſius und Theo⸗ pontus, ſowie das Haupt des heil. Zeno dahin. Sein Tod fällt in das Jahr 874 und er wurde in der von ihm gegründeten Pfarrkirche in Radolfzell beigeſetzt. Unter den Gebäuden iſt die alte, in gothiſchem Style erbaute Stadtkirche zuerſt zu nennen. Sie wurde wohl an der Stelle aufgeführt, wo der heil. Ratold ſeine Zelle erbaut hatte. Am Lang⸗ haus, das von einfachem Geſchmacke iſt, trägt die an dem Chor ſte⸗ hende unterirdiſche Kapelle die Spuren eines höheren Alters, als der Chor. Dieſer wurde, wie eine Inſchrift an ihm ſagt, 1436 von dem Reichenauer Abt Friedrich von Wartenberg erbaut, rechts im Langhaus befindet ſich das ſteinerne Grabmal Ratolds. Das Innere iſt ſehr geräumig und hoch, der Chor durch ein Eiſengitter von der übrigen Kirche getrennt, welche auch das Reliquiarium der genannten drei Heiligen enthält, zu welchem früher viel gewallfahrtet wurde. Auch einige altdeutſche Gemälde, ſowie mehrere broncene Grabmäler ſind beachtenswerth. Der Thurm, auf deſſen Gallerie ſich eine ſchöne Ausſicht auf den Unterſee und über das Höhgau darbietet, war frü⸗ her um ein Stockwerk höher, er brannte, vom Blitze entzündet, zum Theil ab. Auf dem Marktbrunnen, der eine Zierde des Platzes bildet, ſteht die Figur des Kirchengründers und einige mittelalterliche Gebäude in der Nähe zeichnen ſich vortheilhaft aus. Radolfzell zählt 1600 Einwohner, deren Erwerbszweig Weinbau, Obſtzucht und Gartenbau iſt; auch findet jeden Mittwoch ein lebhaf⸗ ter Kornmarkt ſtatt, wo viele Frucht in die Schweiz ausgeführt wird. Im 30jährigen Kriege, ſowie in der Revolutionszeit wurde die Stadt ſehr bedrängt; das größte Unglück aber traf ſie im Jahre 1826, wo ſie durch einen ſchrecklichen Brand beinahe zur Hälfte verzehrt wurde. Die Stadt hat ein geräumiges Rathhaus und viele Ritter des Höhgau's hatten hier ihre Häuſer und Ritterſchaftskanzleien, daher f viele anſehnliche Gebäude aus dem 17. Jahrhundert in ihr be⸗ nden. Von Radolfzell zweigt ſich die Bahn nach Stockach ab; ſie 0 i1 URenz Ael, 9 I. deg.“ 8 O n nie 10.2 K lich, Unllen, Aeſh lllten Rluthe ſihes, Jen Oh en, nſch D Ahwoh 1 fell ut D. ür h en intl Hmin n 40 . 5 Juer. 1on d enatte t wutd ſchöſt wot ſt det, wurde im Jahr 1867 eröffnet und führt über Stahringen, Wahlwies und Nenzingen nach Stockach, von wo ſie nach Meßkirch weitergebaut werden wird. In öſtlicher Richtung von der Stadt erſtreckt ſich eine Landzunge in den See. Sie heißt die Mettnau, Augia Metae, iſt eine halbe Stunde lang, Kägt an ihrem Anfang Wein, und endet mit einem niedrigen, oft überſchwemmten Ried, wo eine ſtädtiſche Meierei ſteht. Die Landzunge hing, der Sage nach, in früherer Zeit mit der Reichenau zuſammen und voch jetzt hat der See in dieſer Richtung bei niederem Waſſerſtande ſichtbare Untiefen. Von den höher gelegenen Weinbergen genießt man eine freie Rundſchau; rückwärts ſchweift der Blick in's grüne Höhgau, wo in zarten Umriſſen die Schloßberge Hohentwiel, Krähen und Stoffeln ſtehen. Rechts ſehen wir den mächtigen Schienerberg und die leuchtenden Villen Thurgau's; links an der niederen, waldbedeckten Hügelkette Markelfingen und Allens⸗ bach, und vor uns in blauer Fluth die Reichenau und über dem dunklen violetten Waſſerſtreifen Conſtanz, gleichſam am Fuße der Hochgebirge, Am Ende der Mettnau haben wir Gelegenheit, uns durch Schiffer um billigen Fuhrlohn auf die Inſel Reichenau überführen zu loſſen und ſäumen nicht, dieſe Gelegenheit zu be⸗ nützen. Mit allem Recht führt dieſes Eiland, das mitten aus den Fluthen des Unterſee's emporragt den Namen Reichenau, Augia dives, denn es iſt in Wahrheit eine reiche Aue, die mit ihren üppi⸗ gen Obſlgärten, Rebhügeln und Wieſen, ihren Gärten und Feldern, ihren freundlichen Häuſern und Hütten Alles darbietet, was man wünſchen kann. Der Weinbau bildet den Hauptnahrungszweig der etwa 1500 Einwohner der Inſel, die in drei beſondere Gemeinden eingetheilt ſind und zwar in Mittelzell mit dem ehemaligen Kloſter und meh— reren Gaſthäuſern, worunter die Krone zu empfehlen iſt, in Ober⸗ zell und in Unterzell. Die Reichenau erſcheint zuerſt urkundlich im 8. Jahrhundert und zwar im Beſitze des auſtraliſchen Landvogts Sintlas, der auf der nahen Burg Sandegg wohnte, von ihm hieß die Inſel urſprünglich Sintlas⸗Aue. Durch dieſen Sintlas wurde der fromme Biſchof Pirminus veranlaßt, auf der noch öden, wüſten Inſel, unterſtützt von 40 Brüdern eine geiſtliche Niederlaſſung zu gründen, welche bald die Zierde der ganzen Gegend wurde. Der Stiftungsbrief wurde —— — 104— von Karl Martell im Jahre 724 ausgeſtellt. Ein ungewöhnlicher Segen begleitete die Stiftung; die Beſitzungen derſelben wurden ſo ausgebreitet, daß nach der Sage der Abt, wenn er nach Rom reiſte, jede Nacht auf eigenem Grund und Boden übernachten konnte. Nicht weniger als 125 Ortſchaften gehörten zum Kloſter und 4 Erzherzoge von Oeſterreich, 20 Pfalzgrafen und Markgrafen und 51 Grafen, Freiherren und Ritter trugen von der Abtei Lehen. Kaiſer, Könige und Päbſte kamen nach Reichenau zum Beſuche und im Pallaſte des Fürſt⸗ Abtes ging es wie an einem Hoflager glänzend einher. Auch in wiſſenſchaftlicher Beziehung nahm das Kloſter in den erſten Jahr— hunderten eine hervorragende Stelle ein; es war wie St. Gallen, Hirſchau und Fulda eine Hochſchule, wo die Fürſten ihre Söhne ſtu⸗ diren ließen und die Mönche gehörten zu den bedeutendſten Chroni— ſten, Dichtern und Bücher-Abſchreibern ihrer Zeit. Nicht weniger als 160 Mönche und Prieſter waren zur Zeit Ludwig's des From⸗ men von der Reichenau abhängig. Im Mittelalter jedoch führten die Mönche ein wüſtes Leben und verſetzten ein Bisthum nach dem an— dern, um ihren Lüſten fröhnen zu können, ſo daß die Abtei endlich in gänzliche Armuth verſank. Im Jahre 1799 wurde ſie aufgehoben, und da die noch wenigen Conventualen nicht gutwillig gehen wollten, wurden ſie zwangsweiſe mit Begleitung nach ihrem neuen Aufenthalts— orte abgeführt. Von den Gebäuden der Inſel iſt die i. J. 806 von dem Abt Hatto in Mittelzell aufgeführte Kloſter- oder Münſterkirche mit 6 Altären ſowohl durch ihre alterthümliche Bauart, als auch durch ihre Monumente merkwürdig. Sie ſteht an der Stelle, wo Pirminus das älteſte Gotteshaus aufführte, und es ſcheint der alte Thurm und das Mittelſchiff noch aus Hattos Zeit zu ſtammen. Links am Ein⸗ gang iſt ein altes Schnitzwerk aus dem 15. Jahrhundert, Chriſtus am Oelberg darſtellend. Das Innere der Kirche iſt düſter; auf bei— den Seiten an den Pfeilern ſind Gemälde von geringem Kunſtwerthe aufgehängt, welche die Geſchichte des heil. Blutes darſtellen, auch befindet ſich in ihr das Grab Kaiſer Karls des Dicken, vor der Sa— kriſtei ſoll ſeine Ruheſtätte ſein. Außerdem finden ſich noch verſchie⸗ dene andere Grabdenkmale von Aebten und Biſchöfen. Im Chor der Kirche ſind noch ſehenswerth das Sakramenthäuschen und eine Madonna, beide von Stein, ſowie die gothiſchen Chorſtühle und die Stätte der ehemaligen Markuskapelle, in welche Vertiefung ſich fromme Pilger ſetzen, die mit Fußleiden behaftet ſind, um Heilung zu erhalten. In der Sakriſtei werden die wichtigſten Alterthümer aufbewahrt; es ſind dieß z. B. die Reliquien des heil. Markus, des Patrons der Kirche, in einem ſilbernen und vergoldeten Sarge von ſchöner Arbeit, der Sage nach von Viſchof Egino i. J. 830 aus hie beiße Mi o l zu fich Urd W hab'e 1in getn Rheriie bel, In En A mit her ſigthum un golt Anach In M Aggtun . Eu iöftie Hof Wöoh En Juh it des nic ſihbo ine un ſtihle el fn lohe, il 9 ſchen. utgog 10 W . 80• len le m Mbiſ l0 U det 0 — 105— Italien hieher gebracht und noch mehrere andere alte Reliquienſärge; eine weiße Urne von Marmor mit einem hübſchen Reif von Silber in der Mitte, welche durch den griechiſchen Fürſten Simon Bardo i. J. 910 auf die Reichenau geſtiftet wurde, angeblich ein Krug der Hochzeit zu Kana; ferner: ein ſogen. Smaragd von 28 Pfund, der jedoch nichts weiter, als ein Glasfluß von außerordentlicher Größe iſt; ein uraltes Evangelienbuch auf Pergament, ohne Jahreszahl, der Band hat ein ſilbernes und vergoldetes Beſchläge mit ſchönen Figu⸗ ren in getriebener Arbeit; ein Cimborium von Elfenbein mit ſchönen Schnitzereien; eine Monſtranz aus dem Jahre 1680 aus Silber und vergoldet, die ringsherum mit vielen Edelſteinen beſetzt und von ſchönen Emaillgemälden umgeben iſt; ein Kreuzpartikel maſſiv von Silber mit Edelſteinen; ein Meßgewand aus dem 11. Jahrhundert, mit einer Stickerei, den Gekreuzigten darſtellend. Das wichtigſte Heiligthum der Reichenau, das heil. Blut, wird im Hochaltar in einem goldenen mit Edelſteinen verzierten Kreuze aufbewahrt und mn] kam nach einer Chronik im Jahre 923 auf die Reichenau. Hinter dieſem Altar ſteht ein ſchönes, altdeutſches Gemälde auf Holz und Goldgrund mit den meiſten Kirchenheiligen aus dem 15. Jahrhun⸗ lldert. Ein anderes ſchönes Gemälde links im Chor ſtellt eine Jubi— Ahleläumsfeier aus dem Jahr 1738 dar und zeigt die damalige Pracht desfürſtli⸗ ſchen Hofes; ein drittes Oelbild im Seitenchor bezieht ſich auf die m Ml, Beſitznahme der Inſel durch den heil. Pirmin; es iſt aus dem vori⸗ he ulngen Jahrhundert und ohne Kunſtwerth, ſtellt aber die ganze Lokali⸗ chAuhl tät des Kloſters mit der abgebrochenen alten Pfalz und der gleich—⸗ Iünmndfalls nicht mehr vorhandenen Johanniskirche getreu dar. Der Chor unlͤſkiſt ſpitzbogig und wurde im Jahre 1453 vollendet; er enthält einige n Einſchöne und guterhaltene Glasmalereien in den Fenſtern, ſowie gothiſche Fbtt Chorſtühle. Das einſt aus drei Flügeln beſtehende Kloſtergebäude, von welchem ein Flügel abgebrochen wurde, iſt jetzt zu Privat- und Schulzwecken eingerichtet. Die Bibliothek, das jetzige Gaſthaus zur Krone, war äußerſt reichhaltig an ſeltenen Handſchriften. Mit dem Verfall des Kloſters kamen dieſe Schätze in Vergeſſenheit bis ſie im vorigen Jahrhundert der Abt Martin Gerbert von St. Blaſien,(im badiſchen Schwarzwald) der gründlichſte Forſcher ſeiner Zeit, wieder hervorzog und theilweiſe an's Licht brachte. Die meiſten der werth⸗ vollen Werke kamen in die Bibliotheken nach Carlsruhe und Heidel— berg. Bei einer Wanderung über die Höhen des geſegneten Eilan— des zeigen ſich uns herrliche Fernſichten. Hier das eben verlaſſene Kloſter mit dem Dorfe Mittelzell, der See und die Waldhöhen bei Allensbach im Rücken. Gegen Morgen, zwiſchen Baumgrün Oberzell auf lichtſchimmerndem Grunde des See's, aus dem in zarten Umriſ⸗ ſen der Dom von Conſtanz und die Hochgebirge Tyrols emporſteigen. auf b ſſwah „ 100 der e „ Dort die ſchlanken Thürme von Niederzell und weithin über der waſſerblauen Fläche Radolfzell und die Vorpoſten des Schwarzwaldes, der mächtige Hohentwiel und ſeine Nachbarn.-Südwärts zeigen ſich die Städtchen und Edelſitze des nahen Thurgau's auf der Rheinſeite die ſchweizeriſchen Kreisorte Gottlieben und Ermatingen, über letzterem die Schlöſſer Hardt und Wolfsberg; unſerem Standpunkt gegenüber, auf einer vorſpringenden maleriſchen Terraſſe die napoleoniſche Villa Arenaberg, das Schloß Salenſtein und das Dorf Mannenbach mit den Schlöſſern Eugensberg und Sandegg und weiter das Dorf Ber⸗ lingen und das Städtchen Steckborn.— In Oberzell, am öſtlichen Ende der Inſel, befindet ſich eine Wh in architektoniſcher Hinſicht höchſt merkwürdige Kirche; ſie iſt mit ihrer Krypta im reinſten bycantiniſchen Styl erbaut. Früher hieß die Kirche Hattoszell, weil ſie von Abt Hatto im Jahr 888 gegrün— det wurde; es war eine Probſtei mit 6 Chorherren damit verbunden, ahe Patron der Kirche iſt der heil. Georg, deſſen Haupt hier aufbewahrt ſlfen wird; auch beſitzt ſie im Oſtchor ein ſchönes, gothiſches Sakrament-. d häuschen; ferner ein metallenes Prozeſſionskreuz von altbycantiniſcher nö ne Form und fünf Altäre, welche jedoch ohne Kunſtwerth ſind. Sehech Das Dörfchen Unterzell liegt am weſtlichen Ufer der Inſel mäge und hat eine hübſche Kirche zu St. Peter mit zwei Thürmen. Sie noch wurde von Biſchof Egino von Verona im Jahr 799 erbaut und ſkeref ebenfalls mit einer Probſtei verſehen. In der Mitte des Chors, un R vor dem Hochaltar, iſt ſeine Ruheſtätte mit einer Meſſingplatte und 0 lateiniſcher Inſchrift; ſein Tod fällt in's Jahr 802. Die Kirche iſt 5n 9 eine Säulenbaſilika in ſpätromaniſchem Style und mit nur wenig er— Hages höhtem Chor; ſie enthält vier Altäre. 5 M. 00 Unweit von Unterzell liegt das Schlößchen Bürglin oder 0 Windeck, einſt ein Erholungsort der Mönche; es hat einen geräu⸗ füblta migen, hellen Saal mit ſchöner Ausſicht auf das untere Thurgan lͤlle und die Höhgauer Berge. 5 un i Am äußerſten Punkt der Reichenau gegen Oſten ſtehen die Rui⸗ ſude nen der Burg Schopfeln(Scopula) deren Erbauer unbekannt iſt, ſü und welche oft in Urkunden als Nufenthalt der Aebte genannt wird. Ahe Jedenfalls iſt die Burg ſchon ſehr alt, denn 1056 ſaß hier Biſchof 8 Gebhard von Regensburg wegen beleidigter Majeſtät in Haft. Im I. Jahr 1382 ſiel die Burg unter den Händen des durch eine empö⸗ muln rende Grauſamkeit zur Rache entflammten Volkes. Der Abt Man⸗ 1 gold von Brandis hatte nämlich einige Conſtanzer Fiſcher, welche 3 ihre Netze auf ſeinem Gebiete ausgeworfen hatten, gefangen genom⸗ feſt: men und ihnen mit eigener Hand die Augen ausgedrückt. Ergrimmt 2 darüber erhob ſich die ganze Zunft der Fiſcher, überfiel die Reichenau n und verheerte und zerſtörte Schopfeln und die Beſitzungen des Abtes. 0 gl — 107— Noch ſteht von der Burg eine große Ringmauer aus großen Findlin⸗ gen, die aus dem 13. Jahrhundert ſtammt; der Hauptbau aber, an den ſich die Mauer anſchließt, gehört wohl der fränkiſchen Zeit an. Zur bequemen Ueberſchau der Seelandſchaft wurde auf dem höch⸗ ſten Punkte des Eilandes ein Belvedere errichtet, die Hohenwart, jetzt Friedrichshöhe genannt, 1469 Fuß über dem Meere, auf dem ſich ein Tubus befindet, vermittelſt deſſen man eine weitumfaſ⸗ ſende Fernſicht genießt. Bei der Burg Schopfeln ſind wir wieder auf dem Wege nach Conſtanz; wir können uns nämlich hier über den Rhein führen laſ⸗ ſen und gelangen dann in die kleine Vorſtadt Paradies, welche wir bereits erwähnten. Auch können wir bei der ſogen. Kindlikapelle überſetzen und kommen dann auf einer Vicinalſtraße und einem dem Seeufer entlang führenden Wege über die andere Vorſtadt Peters⸗ hauſen ebenfalls wieder nach Conſtanz. Doch wir kehren nach Radolfzell zurück und machen von hier aus nech einen Ausflug auf den in naturgeſchichtlicher und hiſtoriſcher Beziehung merkwürdigen Berg Hohentwiel im Höhgau um ſein groß⸗ artiges und herrliches Rundgemälde zu genießen. Hierauf geben wir noch eine kurze Schilderung der am Rhein und Unterſee liegenden intereſſanten Punkte und ſetzen dann unſere Wanderung von Stein am Rhein nach Schaffhauſen fort, um ſie hier zu beſchließen. Der nächſte Weg von Radolfzell auf den Hohentwiel führt über den Marktflecken Singen,(Krone oder Poſt), welcher am Fuße des Berges liegt, und zwar können wir dieſe Strecke am kürzeſten mit der dahin führenden Eiſenbahn zurücklegen. Der Ort kommt ſchon in einer Urkunde vom Jahre 787 unter dem Namen Sisinga villa publica vor und im Jahre 900 gab König Heinrich I. einem Babo, Vaſallen des Grafen Burkhard im Zürchgau, ein Lehen im Orte Si⸗ ſinga im Hegowe als Eigenthum. Singen ging ſpäter durch viele Hände, kam im 30jährigen Kriege an die Familie von Roſt und von dieſer an die Grafen von Enzenberg, die hier ein ſchönes Schloß be— wohnten. Im Pfarrhauſe zu Singen wurden am 1. Mai 1800 die Ver⸗ handlungen zwiſchen General Vandamme und dem Gouverneur von Hohentwiel, Bilfinger, ſowie dem Feſtungskommandanten Wolf geführt, in deren Folge die unüberwindliche Bergfeſtung übergeben und ge— ſchleift wurde. Die Umgegend von Singen iſt beſonders dadurch merkwürdig, daß man auf dem Blachfelde, welches ſich gegen die zu Hohentwiel gehörende Beſitzung Bruderhof hinzieht, ſchon Spuren von römiſchen und alemanniſchen Niederlaſſungen fand. — 108— Von Singen führt der nicht ſehr ſteile und auch fahrbare Weg zu der zertrümmerten württembergiſchen Bergfeſte Hohentwiel. Der Bergkegel hat eine Höhe von 2174 Fuß ü. d. M. und 10 ragt ſchroff und frei aus dem Höhgau gleich einem Rieſendom empor. al Auf der Hälfte des Verges erreicht man den Meiereihof der Feſte, fi welcher aus einem Gaſthaus und dem eigentlichen Hofe beſteht, bei welchem ſich auch das Pfarrhaus mit einem Betſaal und der Schule befindet. In dem Gaſthaus mit guter Bewirthung, iſt falls man das Belvedere auf der Höhe beſteigen will, eine Karte zu löſen und ein Führer zu haben. Nun ſteigt von der ſchönen Linde bei dem Gaſthauſe eine gepflaſterte Heerſtraße aufwärts und führt an dem Gottesacker vorbei, welcher noch einige alte Grabmäler beſitzt. In etwa 20 Minuten ſind wir am erſten Eingang der früheren Feſtung angekommen von dem ſich rechts und links die ſchönſte Ausſicht e öffnet. Dieſer Eingang führte in einen unter Baſtionen hinlaufenden h Gang zu dem erſten, nun zerſtörten Thorhauſe; in geringer Entfer⸗ Rulki nung folgte ein zweites Thorhaus, welches bis auf das Thor eben- lageſe falls zerſtört iſt, das jetzt den Haupteingang in die Veſte bildet. ihten Sind wir durch daſſelbe getreten, ſo befinden wir uns in dem ſogen. iunde Vorhof, welcher bis zu der erſten in den Felſen führenden Zugbrücke ede auch die untere Feſtung heißt. In dieſer ſtanden die Offiziers⸗ Wen, wohnungen, die Kaſerne, Kellerei, Apotheke, das Wirthshaus u. ſ. w. ſchtr welche nur noch Trümmer bilden. Drei Brücken, ehemals Zugbrücken, Nit führen nun über jähe Felſen zur obern Feſtung; links von der itte zweiten Brücke befand ſich die Friedrichsbaſtion, die den ſteilſten gen Theil der Burg deckte. Der ſenkrechte Felſen iſt hier 400 Fuß hoch ſieh, und gewährt eine herrliche Fernſicht über die anderen Burgen des dunt Höhgau's. Wir überſchreiten die dritte Brücke und erreichen das oberſte Laften Feſtungsthor mit den dazu gehörenden Gebäuden, welche dem Kom- h. der mandanten zur Wohnung dienten. Durch das Portal getreten, ge— langen wir zu einem ſich im Halbkreis um die ſüdliche Seite der 1113 Burg ziehenden Gebäude, welches von dem früheren Kloſter, das einſt At, hier ſtand, noch den Namen Kloſterbau führt und Reſte eines(ſen; alten Kreuzganges zeigt. An daſſelbe ſchloß ſich die von Widerhold iht erbaute Kanzlei und der ſogen. Neubau an. Gegenüber ſtehen deut noch die vier Wände der Kirche, welche Widerhold ebenfalls mitten öf in den Kriegsſtürmen erbauen ließ. Geſträuche aller Art haben ihren Reger Boden überwuchert und durch die offenen Fenſterwölbungen ſchaut udn der Himmel hoch herein. An ihre Mauern lehnt ſich der noch am dilhe⸗ beſten erhaltene Thurm, von welchem einſt 10 Glocken in das u 109— 1Thal hinab erklangen. Dieſe oberen Gebäude zuſammen umſchloſſen einen ſchönen Hofraum, der zum Paradeplatz diente und in deſſen Mitte eine große Linde ſtand. Auf der Zinne des Thurmes wurde das erwähnte Belvedere errichtet. Man gelangt zu demſelben durch ein geräumiges Gemach, in dem ſich ein aus Eiſen gegoſſenes Bildniß Widerholds befindet und von welchem eine eichene Treppe mit einer Fallthüre oben hin⸗ aus führt. Das Belvedere bildet eine Plattform, in deren Mitte ein Frauenhofer'ſches Fernrohr aufgeſtellt und welche von einer ſteinernen Brüſtung eingefaßt iſt. Zu unſeren Füßen lagern ſich rings um den Thurm die rieſigen Schattengeſtalten der alten Burg; hoch hinein ſchaut man in die obdachloſen Gemächer der fürſtlichen Veſte, und der Raum der alten Kirche iſt zum ſchwindelnden Ab— grund geworden. Aber über dieſe Ruinenſtätte hin ſchweifen die Blicke in einem der großartigſten und lieblichſten Rundgemälde. Nach Süden und Norden, nach Oſten und Weſten erſchauen wir Ober⸗ ſchwaben. Und es iſt hier nicht nur die Fernſicht auf das ganze Alpengebirge, von den Walliſer- und Berner-Alpen bis zu den fernſten Tyrolergipfeln höchſt prachtvoll und feſſelnd, ſondern auch die ent⸗ gegengeſetzte Ausſicht auf die Hohentwiel umgebenden Bergeskuppen [mit ihren Ritterburgen, beſonders aber der Niederblick auf die ſchim⸗ mernde Fläche des Bodenſees und die Ebene hin, lachender und reizender als irgendwo. Alles vereiniget ſich, um ein Gemälde zu bilden, das mit allem Recht den ſchönſten Panoramen an die Seite geſetzt werden kann. Wir ſteigen wieder von der Warte herab und gehen wenige Schritte vom Thurme etwas aufwärts; hier befinden wir uns vor ſel[der ſogen. fürſtlichen Burg. Sie bildet ein Gebäude mit drei Flügeln, das die nördlich laufende Mauer zu einem Viereck verbindet. Die Burg hatte nur zwei Thürme, einen runden und einen eckigen; der erſtere war in früherer Zeit der Hauptthurm, iſt, ſeiner Bauart nach, der älteſte Theil des Schloſſes, auch wohl noch der einzige Ueber⸗ reſt der Burg, auf deren Grundmauern Herzog Chriſtoph im Jahr 1554 das jetzige Schloß erbaute. Der Flügel, welcher ſich dem See zukehrte, enthielt den Ritterſaal nebſt der Küche und einigen kleineren Gelaſſen; über dieſen befanden ſich in den oberen Stockwerken die durch ihre Gefangenen berühmt gewordenen Gemächer, die Kerker eines deutſchen Patrioten J. J. Moſer, des preußiſchen Werbeoſſiziers L. v. Knobelsdorf, der 30 Jahre hier oben ſaß und des Oberſten v. Rieger, in deſſen Kerkerloch weder Sonne noch Mond ſchien. Unter der fürſtlichen Burg dehnen ſich lange, meiſt in Felſen gehauene 5 167 Gewölbe aus, welche theils zu Kellern, theils zu Magazinen verwen— 550 det wurden. 4 — 140— Noch wollen wir das ſogen. Rondell auf der weſtlichen Seite der Feſtung beſuchen. Es bildet eine Baſtion, zu welcher man durch ein kleines Portal auf einer Leiter in die Tiefe hinabſteigt und iſt ein meiſt aus Backſteinen aufgeführtes Gewölbe, in dem ringsum Schieß⸗ ſcharten angebracht ſind. Durch eine Fenſteröffnung ſchaut man über— die jähe, ſenkrechte Felswand hinab. Herzog Chriſtoph erbaute dieſes Rondell wohl, um dieſe weniger verwahrte Seite der Burgfeſte beſſer zu decken. In einer der ſpäteren geologiſchen Bildungsperioden der Erde, war das Höhgau der Schauplatz vulkaniſcher Erſchütterungen und Ereigniſſe, durch welche das Klingſtein- und Baſaltgebirge emporge⸗ trieben wurde, und zu den Bergkegeln dieſes Gebirges gehört der Hohentwiel. Seine ſteil abſtürzenden Felſen gewähren einen eigen⸗ thümlichen Anblick, ſie geben das Bild von geborſtenen, mit dem Ganzen nicht in Verbindung geſtandenen Schichtengliedern. Der Felſen ſteigt majeſtätiſch unmittelbar aus den ihn umgebenden Ge⸗ röllbildungen auf; ſeine Hauptmaſſe iſt Klingſtein oder Phono⸗ lith und ſein oberer, nackter Theil mit Furchen eingeſchnitten. In un dem phonolitiſchen Teige des Berges liegen übrigens auch Bruchſtücke aſ. verſchiedener anderer Felsarten eingeſchloſſen, beſonders Granit und an Gneiß, Molaſſe und Corallenkalk. Ferner findet ſich in den Spalten mnde. und Höhlungen des Hohentwieler Berges auch der bekannte Natrolith 8 und zwar in der Geſtalt von Kugelabſchnitten von der Größe einer Erbſe bis zur Größe einer welſchen Nuß, hie und da auch einge: u ſprengt und angeflogen, ſelten aber in einzelnen, nadelförmigen* Cryſtallen. Die meiſten Natrolithe ſind orangegelb; rothe, beſonders um blutrothe, ſind ſehr ſelten. Kleinere Exemplare von Natrolith ſind 564 im Gaſthauſe am Berge zu haben. Ebenſo ſchön tritt der Phono— ulte lithtuff auf; man findet ihn beſonders am Fuße des Berges, ali theils dem Phonolith aufgelagert, theils mit demſelben wechſellagernd Ueft in zollmächtigen Schichten. In ihm haben ſich Kalkſpath, Quarz, Hornſtein, Chalcedon, Jurakalk u. ſ. w. eingelagert. 15 Wer auf dem ſteilen Felſenkegel zuerſt eine Burg erbaute und ihr den Namen Twiel gegeben habe, iſt nicht bekannt. Sollte der aun Name Duellium urkundlich ſein, ſo wieſe er auf römiſchen Urſprung. Geſchichtlich erſcheint der Berg zuerſt Ende des 9. Jahrhunderts und 2 zwar in der Empörung der Kammerboten Erchinger und Berchthold, t wo dieſe den Berg beſetzten und befeſtigten. Am Schluſſe des 10. muiß Jahrhunderts hauste darauf die ſchöne, ſtrenge und gelehrte Herzogin hal Hadewig von Alemannien, die Wittwe Burkhards II. bis Alemannien h, oder Schwaben wieder ein Herzog gegeben ward. Damals ſtand auf u0 0 Twiel ein von einem unbekannten Gründer geſtiftetes Kloſter, das mue aber unter Kaiſer Heinrich II. im Jahr 1005 in das mildere Stein 8 Wurdh luſte Mirt Weihe Aifelgſ Akti ftrah 11 0 Aem 3 fu luftn, 0 — 111— am Rhein verlegt wurde; Twiel blieb indeſſen ein feſtes Schloß. Schon um dieſe Zeit ſchrieben ſich Dienſtmannen der Burg Herren von Twiel, die auch im 12. und 13. Jahrhundert erſcheinen, während das Schloß ſelbſt noch immer Eigenthum der Herzoge von Schwaben war. Erſt nach des letzten Hohenſtaufen Conradin's Ende gab ſie der Kaiſer Rudolf als ein heimgefallenes Lehen dem Hauſe ſeines Kanzlers Heinrich von Klingenberg— Bei dieſem Geſchlecht blieb ſie, bis im Jahre 1515 auch ein Heinrich von Klingenberg dem Herzog Ulrich von Württemberg das Oeffnungsrecht und den freien Gebrauch der Veſte überließ, und Johann Caſpar von Klingenberg ſie 1538 ganz an den Herzog ver⸗ kaufte. Seitdem iſt ſie, obgleich im badiſchen Lande gelegen, immer in Württemberg's Hände geblieben, hat im 30jährigen Kriege durch Widerhold's heldenmüthige Vertheidigung und auch im ſpaniſchen Erbfolgekriege ihre Ehre bewahrt und erſt im franzöſiſchen Revolu⸗ tionskriege verloren, wo die unbezwingliche Feſtung leider von zwei ſchwachſinnigen Alten, dem Kommandanten, General Bilfinger und Oberſt Wolf, mit ihrer Invaliden-Beſatzung dem General Vandamme übergeben und im Mai 1801 von den Franzoſen geſchleift wurde. So fiel die weitgeprieſene Feſte, 262 Jahre nachdem ſie an Württemberg gekommen, und 166 Jahre nachdem der treue Wider⸗ hold ſie ſo ruhmvoll vertheidigt hatte. Aber war das Loos der Fe⸗ ſtung ein trauriges, ſo war nicht minder traurig das Schickſal der Garniſon, beſonders der Offiziere, die alle, bis auf Einen, der gegen jede Kapitulation geweſen war, infam kaſſirt wurden. Am ſchwerſten mußte General Bilfinger und Oberſt Wolf büßen; erſterer wurde le⸗ benslänglich in das Dorf unter Hohenasberg confinirt, und letzterer ebenfalls zu lebenslänglicher enger Haft auf der Feſtung Hohenas— berg verurtheilt, bis er endlich nach 16jähriger Gefangenſchaft und im 73. Lebensjahre begnadigt wurde. Vom Hohentwiel zurückgekehrt, wollen wir nun die oben bemerkte kurze Schilderung der am Rhein und Unterſee liegenden intereſſan— ten Punkte geben. Der erſte bedeutende Ort, an welchem wir auf unſerer Fahrt von Conſtanz nach Raͤdolfzell vorüber kamen, iſt der bereits flüchtig erwähnte Marktflecken Gottlieben(Krone, Schiff,) 1 Stunde un⸗ terhalb Conſtanz gelegen. Der Ort hat ein ſehr alterthümliches An⸗ ſehen, denn Thürmchen, Erker, Schießſcharten und Zinnen befinden ſich noch an den älteren Wohnhäuſern. Das hieſige merkwürdige Schloß wurde im Jahre 1250 von Biſchof Eberhard von Waldburg erbaut, welcher durch Streitigkeiten mit der Stadt Conſtanz hiezu veranlaßt wurde, und ſeinen Biſchofsſitz hieher verlegte. In dem linken der — QQ beiden viereckigen Thürme ſaß einſt Johannes Huß während dem Coneilium gefangen. Hölzerne Treppen führen in den Thurm hinauf bis unter das Dach, wo ein aus dicken Tannenbohlen gezimmerter, hölzerner Verſchlag mit kleinem Eingang ſteht, in dem man kaum aufrecht gehen kann. Dieß war das Gefängniß von Huß; auch ſein Schickſalsgenoſſe, Hieronymus von Prag, theilte mit ihm längere Zeit hier ſein Loos; ebenſo mußte Pabſt Johann XXIII., den die Kirchenverſammlung der Tiara verluſtig erklärte, einige Tage in dem Schloſſe gefangen ſitzen, und 38 Jahre ſpäter wurde Chorherr Felix Hämmerlein, wohl der gelehrteſte Eidgenoſſe ſeiner Zeit hier in den Kerker geworfen, welcher dann 1457 zu Luzern im Gefängniß ſeiner grimmigſten Feinde, der Franziskaner, ſtarb. Im Jahre 1633 ſchlug Guſtav Horn zu Gottlieben eine Brücke über den Rhein, die aber nach der Belagerung der Stadt Conſtanz von den Kaiſerlichen wieder zerſtört wurde und 1692 ſtürzten vier Wohnhäuſer des Orts bei heftigem Winde in den Rhein, deſſen Waſ⸗ ſer ihr Fundament unterfreſſen hatte, und der hier in raſcher Strö— mung und in bedeutender Tiefe dem Unterſee zueilt. Kaiſer Napoleon III. führte, während er als Flüchtling in der Schweiz lebte, das zwiſchen beiden obengenannten Thürmen liegende neue Schloß im gothiſchen Style auf, deſſen inneren Ausbau der letzt verſtorbene Graf von Beroldingen in Stuttgart beendete. Gottlieben iſt ein thurgauiſcher Bezirkshauptort; ſein Gebiet dehnt ſich bis an die Thore von Conſtanz aus. Rebenreiche Hügel, Kornfelder und Wieſen, von Dörfern, Schlößern und Landhäuſern unterbrochen, wechſeln in dieſer ſo fruchtbaren und ſchönen Gegend, deren Reize durch die blaue Fluth des Ober- und Unterſees noch er⸗ höht werden. Nach Gottlieben iſt Ermatingen zu erwähnen. Dieſes große Pfarrdorf hat einen ſehr beſuchten Landungsplatz und zählt 2800 Einwohner. Es liegt auf einer Art Halbinſel, welche ſich gegen die Inſel Reichenau hin erſtreckt; zum Theil hart am Ufer des Unterſee's. Die Bewohner des oberen Dorfes treiben Landbau und Handel mit Getreide, Obſt, Hanf und Wein, auch gibt es Handelsleute, die be— trächtliche Verſendungsgeſchäfte machen; die des untern Dorfes ſind meiſtens Schiffer und Fiſcher und legen ſich beſonders auf den Fang der Gangfiſche, welche in marinirtem und geräuchertem Zuſtande einen bedeutenden Handelsartikel bilden. Ermatingen war ſchon unter den fränkiſchen Königen ein Tafel⸗ gut und einer der erſten Orte, die Karl Martell im Jahre 724 dem neugeſtifteten Kloſter Reichenau mit 24 thurgauiſchen Leibeigenen ſchenkte; er war damals unter dem Namen Erfmuotingen bekannt. Im Hauſe des Leutprieſters hier machte der aus Conſtanz fliehende Nurn Aferg fuch ken f 0 wt Uigen. n 4 n i Wupel 0 Mh L — 113— Pabſt Johann XXIIl. im Jahre 1415 einige Stunden Raſt, und ſetzte dann in einem Schifflein ſeine Flucht rheinabwärts fort. Im Schwabenkriege wurden zu Ermatingen 73 Schweizer von Schwaben erſchlagen, aber bei Schwaderloch blutig gerächt. Von Ermatingen an ſind die linken felſigen Ufer des Unterſee's mit Schlöſſern und Landhäuſern geziert, die miteinander durch freund⸗ I. liche Lage und ſchöne Einrichtung wetteifern. Zunächſt oberhalb Er⸗ ene matingen liegt das hübſche Schloß Hard, welches um die Mitte des dhar ü vorigen Jahrhunderts von dem Landeshauptmann Zollikofer von ſferünl St. Gallen neu erbaut wurde, dann von einem General Lindſay und duße, zuletzt an einen Engländer mit Namen Trehern⸗Thomas kam. Das Schloß iſt von mehreren Oekonomie⸗Gebäuden umgeben und liegt halb verſteckt in ſeinem reizenden Park. Einſt ſollen die Edlen von Landenberg hier ein altes Schloß gehabt haben. Unweit Hard liegt ſüdlich der Landſitzz Wolfsberg, ebenfalls dem Engländer Thomas gehörend. Früher war das Schloß, welches gleichfalls Anlagen mit herrlichen Ausſichten beſitzt, Eigenthum eines Herrn von Breitenlandenberg, worauf es Parquin, Oberſt der alten Kaifergarde in eine Penſions⸗Anſtalt für Fremde verwandelte, welche jedoch bald wieder aufgegeben wurde. Hier wie auf anderen Land⸗ ſitzen in der Nähe ſindet man Gelegenheit, zu einem anmuthigen Sommer⸗Aufenthalte. 900 Von hier an wird das Ufer reizloſer, anf dem gegenüberliegen⸗ den, jenſeits der Inſel Reichenau, aber zeigt ſich das Schloß Hegne, früher ein Land⸗ und Jagdſitz der Biſchöfe von Conſtanz, jetzt ein Hgal, neu eingerichtetes Kreiswaiſenhaus und landwirthſchaftliche Anſtalt, ßes und weiter zurück erblickt man das Thurmdach des Dorfes Wollma⸗ tingen. In der Schloßkapelle befinden ſich zwei ſchöne Basreliefs Jvon Marmor, welche Arbeiten des Bildhauers Hans Moring ſind, fihtE der im 17. Jahrhundert in Conſtanz lebte. 01 In nur geringer Entfernung von Wolfsberg ragt auf einer Iitt(“ Höhe einer der ſchönſten Landſitze am Bodenſee, das kaiſerliche Are⸗ hlot naberg empor. Es iſt ein modernes Landhaus von mittlerer Größe, 1 M.“ neben ihm ſteht eine kleine gothiſche Kapelle und freundliche Oekono⸗ hulfcgmiegebäude und Parkanlagen umgeben die Villa. den J Einer der reizendſten Punkte iſt die Ringbank unter einem kräf⸗ ſueäll tigen Kaſtanienbaum, der nahe am Abhange ſteht und eine freie Ausſicht gewährt. Arenaberg iſt berühmt durch den Aufenthalt der 6% Herzogin von St. Leu, und ih res Sohnes, des Prinzen Lud⸗ An wig Napoleon, jetzigen Kaiſers der Franzoſen, welcher den Landſitz, der bhe“ von 1843—1855 in andere Hände übergegangen war, wieder käuflich er⸗ bil, warb und ſorgfältig ſo herſtellen ließ, wie er einſt zu Hortenſien's ſchl Zeiten ausſah. Die herrliche Villa mit ihren ſchönen Gemälden, 8 — 114— Statuen und den vielen Erinnerungen an die liebenswürdige und geiſtreiche Königin Hortenſie und die Napoleoniden iſt in jeder Be⸗ ziehung eines Beſuches werth. Ueber einer Waldſchlucht, von einem ziemlich weit vorſpringen⸗ den Hügel blickt die altersgraue Burg Salenſtein herab, die be⸗ ſonders wegen ihrer alterthümlichen Bauart ſehenswerth iſt. Sie ge⸗ währt noch ganz den Anblick einer alten Ritterburg mit Graben und Zugbrücke und ihren vielen mit Zinnen verſehenen Gibeln. Im Jahre 1840 erwarb ſie ein Herr Amann von Ermatingen, reſtaurirte ſie ge⸗ ſchmackvoll und verkaufte ſie 1853 an eine verwittwete Lady Temple, nach welcher das Schloß an einen engliſchen Oberſt Bruen kam. Un⸗ ter der Burg liegt das Dorf gleichen Namens an einem obſt⸗ und weinreichen Bergabhange; es hat ein ſehr bedeutendes Gemeindever⸗ mögen. Vor Zeiten ſollen ſich zwei Schlöſſer hier befunden haben, welche den Edlen von Salenſtein gehörten, die Schenken in der Rei⸗ chenau waren und im 12. Jahrhundert in Urkunden vorkommen, aber ſchon im 14. Jahrhundert erloſchen. Nach ihnen hatten die Mundpratten zu Conſtanz die Burg eine Zeit lang im Beſitz. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts ſaß ein Herr von Breitenlanden⸗ berg auf dem Schloſſe; in neuerer Zeit gehörte die Burg dem ſchon genannten Oberſten Parquin, von dem ſie an Hrn. Amann überging. Auf dem gleichen Höhenzuge, durch einen wilden Tobel getrennt, liegt eine halbe Stunde weſtwärts das von dem ehemaligen Vicekönig von Italien, Eugen Beauharnais im Jahre 1821 erbaute ſchöne Schloß Eugensberg. Das Schloß iſt ſehr gut erhalten und lange, ſchattige Laubgänge umgeben den lieblichen Landſitz, welcher eine herrliche Ausſicht, beſonders überraſchend von ſeinem Balkon aus darbietet. Nach einer Viertelſtunde weiter gelangt man zu dem auf einem freundlichen Hügel gelegenen Schloß Sandegg mit einem Weiler und einer der reizendſten genußvollſten Ausſichten über den Boden⸗ und Unterſee und ſeine Umgebungen. Das Schloß iſt ſeiner urſprüng⸗ lichen Grundlage nach wohl die älteſte Burg am Unterſee; auf ihr wohnte im Jahre 724 der fränkiſche Landvogt Sintlas, welcher wahr⸗ ſcheinlich die ganze Landſchaft am Unterſee im Namen des auſtrali⸗ ſchen Königs verwaltete. Er berief den heil. Pirminus in dieſe Ge⸗ gend, um das Chriſtenthum zu verbreiten und von hier aus das Kloſter auf der Inſel Reichenau zu gründen. Sandegg war ſpäter Eigenthum der Reichenau, die Aebte wohnten oft darauf und unter⸗ zeichneten Urkunden daſelbſt, ſo in den Jahren 1264 und 1282. Nachdem es mehrmals ſeine Beſitzer gewechſelt, wurde es 1693 an das Kloſter Muri in Aargau und dann an einen Herrn v. Kieſow verkauft, von deſſen Erben es an einen Grafen von Reichenbach kam. Ab zäth ffl len. Acbt Aler chte I e 90 6 Rat fg0 0 che ei ft. 10 A f *¹ 7760 .% 901 4 1. Während der Ausſchmückung im Innern brannte Sandegg im Som⸗ mer des Jahres 1834 ab, und ein gothiſcher Pavillon ſteht jetzt auf den Grundmauern der zerſtörten Burg. Von Sandegg gehen wir hinab nach Berlingen,(Krone) einem freundlichen, auf einer Landzunge gelegenen Dorfe mit ſchönen Häuſern und einer neuen i. FJ. 1842 erbauten Kirche, deren ſchöner, hoher Thurm weithin ſichtbar iſt. Die meiſt wohlhabenden Bewoh⸗ ner beſchäftigen ſich mit Wein⸗ und Obſtbau, Viehzucht, Schifferei und Fiſchfang. Namentlich iſt auch die Induſtrie der Küfer bedeu⸗ tend, welche ihre Waare weithin verſenden. Das Dorf ſoll ſchon durch Kaiſer Karl den Großen und ſeine Gemahlin Hildegard an das Kloſter Reichenau verſchenkt worden ſein. In einer halben Stunde kommen wir nun in das thurgauer Städtchen Steckborn(Löwe, Sonne) mit 1500 Einwohner, welche ebenfalls Fiſcherei, Weinbau, Gerberei, Wollenmanufaktur u. ſ. w. treiben. Schon im 12. Jahrhundert wird Steckabüron, Steckboren, Steckbüren genannt, und es hatte im 13. Jahrhundert ſeine eigene Edelleute. Auch das Kloſter Reichenau muß ſchon ſeit alter Zeit Rechte und Beſitzungen daſelbſt gehabt haben. Im Jahr 1342 hatte Abt Diethelm viel Widerſtand von ſeinen eigenen Conventbrüdern, die ihn nicht dulden wollten; er wohnte deßhalb oft zu Steckborn, wo er einen feſten Thurm und ein wohlverwahrtes Haus erbaute. Dieſe Burg ſteht noch und iſt zu einem Kauf⸗ und Vorrathshauſe eingerichtet. Wir haben nur wenige hundert Schritte von dem Städchen zu gehen, um in das im Jahr 1252 geſtiftete und 1847 aufgehobene ehemalige Ciſterzienſer-Frauenkloſter Feldbach zu kommen, das gleichfalls auf einem in den Unterſee ſich erſtreckenden Horn gelegen iſt. Das Kloſter hatte die Freiheit, aus ſich ſelbſt eine Aebtiſſin zu wählen und noch im letzten Jahrhundert waren 30 Nonnen in ihm. Das Kloſtergebäude iſt alt und unregelmäßig, beſitzt aber einen ſchö⸗ nen Garten. In der Kloſterkirche liegt ein Walter von Klingen be⸗ graben, deſſen koloſſales Standbild in neuerer Zeit nach Zürich ge⸗ bracht wurde. Das Kloſter ſteht auf der Stelle einer vormaligen Ritterburg, welche die Edeln von Feldbach von den Freiherrn von Klingen zu Lehen trugen. Unweit Feldbach, an einer Bergeshalde, liegt der hübſche von Weinbergen umgebene Landſitz Clarisegg und auf waldiger Höhe die ſchöne Ruine der Neuburg oder Neuenburg mit einem Weiler. Eine halbe Stunde weiter an dem immer mehr flußartig wer⸗ denden, zuſammengedrängten Unterſee folgt der ort Mammern, deſſen Häuſer theils in der Niederung liegen, theils ſich an den Bergab⸗ 8 — 116— hang hinauf erſtrecken. Auch befindet ſich hier eine Waſſerheil⸗ Anſtalt von Freuler-Ringk, ſowie eine Dampfbootſtation und ein Telegraphenbureau. Gerade über Mammern, an einer wilden Schlucht, ſteht das Schloß Liebenfels, eher einem Raubſchloß gleichend um den See zu beunruhigen, als dem Sitze einer adeligen Familie. Es beſitzt einige unterirdiſche Gewölbe und mehrere obere Gemächer mit alten Malereien. Gegenüber dieſem Schloſſe, ebenfalls auf einer Anhöhe, lagert in friedlicher Ruhe die ehemalige Probſtei Klingenzell mit prachtvoller Fernſicht auf das Gelände des Unterſees. Johann Wal⸗ ter von Hohenklingen ſtiftete ſie im Jahr 1336 an demſelben Platze, wo er kurze Zeit zuvor von einem Eber an dieſer damals dicht be⸗ waldeten Stelle in Lebensgefahr gebracht wurde. Die Wallfahrten nach Klingenzell in die Kirche zur ſchmerzhaften Mutter Maria waren früher ſehr zahlreich, haben aber in neuerer Zeit bedeutend abgenom⸗ men. In geringer Entfernung, gleichfalls auf einem Bergabhange, liegt das Schloß Freudenfels, von welchem ſich in alten Zeiten ein Geſchlecht ſchrieb. Die letzten Zweige der urſprünglichen Beſitzer und Herren von Freudenfels ſcheinen in Hermann und ſeinen zwei Söhnen in der Schlacht bei Sempach, in dem Abte von Muri, Heinrich(T 1363) und dem Abte Heinrich von St. Blaſien(1391) erloſchen zu ſein. Seit 1623 gehört das Schloß dem Kloſter Ein⸗ ſiedeln, das einen Conventualen als Statthalter hier unterhält. Mit Freudenfels ſchließt ſich die Reihe der zunächſt am linken Ufer liegenden Schlöſſer und am Geſtade des See's folgt nur noch das aus zwei Dörfern Ober- und Unter⸗Eſchenz beſtehende Dorf Eſchenz(Adler) ſchon in einer Urkunde vom Jahr 800 Castrum Exientiae genannt. Eſchenz ſoll aus der Aſche des alten römiſchen Gaunodurum entſtanden ſein. Auch wurden auf verſchiedenen Stellen römiſche Münzen und geſchnittene Steine aus Ringen ausgegraben und noch unter dem Volke hat ſich die Sage erhalten, es habe vor Zeiten hier eine Stadt geſtanden. Zu Eſchenz ſtand vordem eine Burg, von der ſich Edle ſchrieben, welche Unterbeamte der Freiherrn von Klingen waren; von der Burg die ſie bewohnten, ſind jedoch keine Spuren mehr vorhanden. Eine Viertelſtunde entfernt liegt auf einem kleinen Hügel das alterthümlich merkwürdige Burg, die Vorſtadt der ſchaffhauſen'ſchen Stadt Stein. Sie beſteht aus einer Kirche mit Pfarrwohnung und einigen an der Vorbrücke bei Stein gelegenen Häuſern, deren Bewoh⸗ ner das Bürgerrecht in Stein haben. Das Pfarrhaus iſt auf den Grundmauern eines römiſchen Kaſtells erbaut, von welchem ſich eine mehr als mannshohe, ungemein dicke, aus mächtigen Kieſeln erbaute Mauer in einer Länge von 150 Fuß Ule 1— hhe el von Norden nach Süden zieht. Es iſt unzweifelhaft, daß hier einſt eine wichtige römiſche Niederlaſſung geweſen, den man ſtieß ſowohl in der Umgegend von Burg, alsauch bei Eſchenz beim Graben auf römi⸗ ſches Gemäuer und auf römiſche Monumente, auch fand man Ueber⸗ reſte einer römiſchen Brücke, welche nach der kleinen Rheininſel Wörd hinüberführte; ferner Münzen und Marmorſteine, von welch' letzteren ſich in der alten Pfarrkirche am Antritt des Chors einige aufgeſtellt befinden. Nach einer ſehr gewagten Meinung ſtand hier eine von jenen Burgen, welche die alten Helvetier vor der Auswanderung unter Diviko, 50—60 Jahre vor Chriſti Geburt nach Gallien abbrannten, und die nachher entweder von ihnen ſelbſt, oder von den Römern wieder aufgebaut wurde. Als letztere dann hier herrſchten, ward ſie als gegen die Vindelicier und ſpäter gegen die Alemannen ge⸗ raucht. Die kleine, nur hundert Schritte von Burg entfernte Rheininſel „Im Wörd,“ von dem Chroniſten Hermanus Concractus im 11. Jahrhundert Insula Rheni genannt, bildet einen Theil der oben ge⸗ nannten römiſchen Niederlaſſung und ſcheint ſowohl mit Burg, als mit dem jenſeitigen Ufer durch eine Brücke verbunden geweſen zu ſein. Um die Mitte des 8. Jahrhunderts diente dieſe Inſel dem heil. Ottmar von St. Gallen als Verbannungsort. Er wurde durch die Ränke des Biſchofs Sidonius von Conſtanz den Kammerboten Wa⸗ rin und Ruodhart zur Beſtrafung angeblicher Verbrechen übergeben. Dieſe legten ihn, wie früher erwähnt, zuerſt in die königliche Pfalz, bei dem Flecken Bodmann gefangen, brachten ihn aber endlich auf die Fürbitten eines frommen Fürſten mit Namen Gozbert auf die kleine Rheininſel bei Stein, wo er bei kärglicher Nahrung mit Andacht und Bußübungen beſchäftigt im Jahr 759 ſtarb. Sein Leich⸗ nam wurde 10 Jahre ſpäter nach St. Gallen gebracht und dort bei⸗ geſetzt. An der Stelle, wo er ſeine letzten Lebenstage zugebracht hatte, ward eine Kapelle erbaut und ihm zu Ehren St. Ottmars⸗ kapelle genannt. Gegenüber der Vorſtadt Burg liegt die Stadt Stein auf der rechten Seite des Rheins, der von hier an wieder ſeinen urſprüngli⸗ chen Namen führt, weßhalb Stein auch Stein am Rhein genannt wird. Gaſthöfe: Schwanen an der Brücke; Krone, Rabe. Die ſchon im Jahr 945 mit Stadtrechten begabte, etwa 1500 Einwohner zählende Stadt hat einen ziemlichen Umfang und wohl⸗ gebaute Häuſer, von welchen viele mit aus Stein gehauenen Wap⸗ pen an den Erkern und mit bunten altdeutſchen Fresken auf der Seite gegen die Straße hin geziert ſind. Eine gut gebaute hölzerne Brücke überſpannt den Fluß; Schiff⸗ fahrt und Spedition, nebſt dem wöchentlichen Kornmarkte bringen den Einwohnern manche weſentliche Vortheile, auch nähren ſie ſich, außer dem Acker- und Weinbau, von Handwerken und Gewerben. Schon im 8. Jahrhundert ſtand hier ein ſtarker anſehnlicher Flecken, der von Herzog Burkhard von Alemannien im Jahre 966 mit Mauern umgeben und mit Marktgerechtigkeit begabt wurde. Die Stadt hob ſich beſonders, als im Jahre 1005 das Benedictiner⸗Klo⸗ ſter St. Georgen zu Hohentwiel hieher verlegt wurde, und welches man nach vielen Streitigkeiten in der Reformationszeit 1597 mit der Abtei Petershauſen vereinigte. Der Herrſchaft über die Stadt bemächtigten ſich die Herren von Klingen, welche ſich über derſelben die gewaltige und feſte Burg Hohenklingen erbauten. Später, 1419 und 1433, kam die ganze Stadt an die Herren von Klingenberg, von welchen ſich Stein 1459 freikaufte und 1461 mit Schaffhauſen und Zürich verbündete.“ Nach Ablauf dieſes Bündniſſes begab ſich die Stadt im Jahre 1484 mit Vorbehalt ihrer Freiheiten in den Schutz des Standes Zürich, unter dem ſie blieb, bis ſie 1799 dem Kanton Schaffhauſen einverleibt wurde. Bereits im Jahre 1523 fand in Stein die evangeliſche Lehre bei vielen Bürgern Eingang und 1528 wurde die Kloſterkirche für den evangeliſchen Gottesdienſt eingeräumt. Im Jahre 163s litt Stein von den Kaiſerlichen und von dem Durchmarſch des ſchwedi— ſchen Feldmarſchalls Horn, welcher die erſtern in Conſtanz belagerte. Im Frühling 1799 ging hier und bei dem Kloſter Paradies das ganze öſterreichiſche Heer unter Erzherzog Karl über den Rhein und drang in die Schweiz ein, und am 1. Mai 1800 ging Moreau's Heer un⸗ terhalb Stein bei Reichlingen auf das rechte Ufer hinüber. Merkwürdig und ſehenswerth iſt in der Stadt der Saal des Amtshauſes im alten Kloſter, der nach der Jahreszahl über der Thüre 1516 eingerichtet und gemalt wurde. Seine hölzerne Decke iſt gekippert und gewölbt mit verſchlungenen Sprüchen, Emblemen und Arabesken bunt verziert. Die Wände ſind grau in grau mit gut erhaltenen Frescogemälden ausgeſchmückt; in den Niſchen der Fenſter ſind große Figuren von Männern und Frauen in der eigen— thümlichen Kleidung ihrer Zeit, ebenfalls grau in grau abgebildet. Dieſer Saal und das anſtoßende Gemach wurde von Abt Winkelheim erbaut; unten war ſein mit ſchönem Schnitzwerk verziertes Speiſezim⸗ * lfh f fiſz ihl Hite fahte ſr ſhhe 10 fſ en 9 f ſit 90 50 U Nn U0t — 119— mer. Neben der Rheinbrücke, beim Eingang in die Stadt, befindet ſich das ehemalige Zunfthaus der Adeligen zum Klee genannt; es iſt ſehr alterthümlich gebaut und enthält eine große Anzahl treff⸗ licher Glasgemälde; ſolche ſind auch auf dem Schützenhauſe jen⸗ ſeits der Stadt zu ſehen. Die hieſige Stiftskirche war urſprünglich bycantiniſch erbaut, hat aber durch öftere Reſtaurationen dieſen Styl faſt ganz verloren. Ein hübſcher Punkt mit ſchöner Ausſicht iſt die Rheinbrücke; hier beginnt bereits die Schaffhauſer Tracht. Die Stadt hoch überragend liegt die Burg Hohenklingen mit ſchöner Fernſicht; ſie iſt noch ziemlich gut erhalten und wird von einem Feuerwächter bewohnt. Im Schloßhof iſt an der Wand ein Hirſch abgebildet, und nebenſtehende, zum Theil verwitterte Reime erzählen, daß einſt bei einer Belagerung dieſer Hirſch aus freiem Antriebe in die Burg gekommen ſei, um ſich den hungernden Be⸗ wohnern zur Speiſe anzubieten. Ein ſchöner Waldweg geleitet von hier zu dem Schlößchen Wolkenſtein, deſſen Pavillon reichlich be⸗ lohnende Ausſichten gewährt. Von Stein aus verfolgen wir nun das rechte Ufer des Rheins und des Unterſees aufwärts, welches übrigens wenig beſonders In⸗ tereſſantes darbietet. Wir gelangen zuerſt zu dem Dorfe Oenin⸗ gen mit einer früheren großen und geräumigen Benedictiner⸗Abtei mit ſchönem Garten, welche im Jahre 1805 an Baden kam und auf⸗ gehoben wurde. Das Dorf liegt in einer freundlichen Weingegend, und wird ſchon in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts als ein Hof (curtis) genannt. Hier war der Sitz der alten Grafen von Oenin⸗ gen, obgleich auch nicht die geringſte Spur von ihrer Burg mehr vorhanden iſt; zuverläßig ſtanden die beiden Grafenhäuſer Achalm und Oeningen in naher Verwandtſchaft miteinander. Von den letzten Grafen wurde die jetzt aufgelöste Probſtei regulirter Chorherren nach der Regel des heil. Auguſtinus ſchon im Jahre 965 geſtiftet. Die Einkünfte der Probſtei wurden jedoch 1534 zu den Tafelgeldern des Biſchofs von Conſtanz gezogen und im Jahr 1428 plünderte Biſchof Otto von Conſtanz mit einigen Höhgäuer Rittern das Kloſter und Dorf. Ida von Oeningen war die Gemahlin des Gegenkaiſers Rudolf von Rheinfelden. Hart am See unterhalb Oeningen liegt die Burg Oberſtaad, eine der ſchönſten am Unterſee und noch ganz wohlerhalten. Aus der Mitte derſelben ragt ein Thurm mit gothiſchen Fenſtern und von ziemlicher Höhe hervor, deſſen Zinnen die ſchönſte Fernſicht ge⸗ währen. Die Burg wechſelte ihre Beſitzer ſehr oft und ſchnell hinter⸗ einander; man findet deren Wappen in einem kleinen Gemach am Plafond gemalt. 1 Vermöge ſeiner Lage am Ausfluß des Rheins aus dem Unter⸗ ſee war Oberſtaad ein gelegener Ort, um den Waaren, die auf dem Waſſer kamen, aufzulauern, denn Oberſtaad war früher eine Art Raub⸗ ſchloß. Im Jahr 1499 wurde ſie von den in das Höhgau ziehenden Schweizern angegriffen und zerſtört; doch ſcheint dieß nur eine ober⸗ flächliche Zerſtörung geweſen zu ſein, denn ſie war bald darauf wie⸗ der bewohnbar. Dem Verderben des Bauernkrieges, ſowie dem des 30jährigen Krieges ſcheint dieſes Schloß vor vielen Burgen der Ge⸗ gend entgangen zu ſein; jetzt iſt daffelbe eine Fabrik. Gehen wir das rechte Seeufer weiter aufwärts, ſo gelangen wir bald zu der alten Burg Kattenhorn mit einem Dorfe gleichen Namens. Die Herren von Landenberg hausten früher als Raubritter auf dieſem Schlößchen, das ſchon im Jahre 1155 urkundlich mit dem kleinen Dorfe vorkommt, und in ſeinem Innern dunkle, holzgetäferte Gemächer enthält. Aufwärts von Kattenhorn, dem Fuße des Schiener Berges zu, liegen die Steinbrüche von Oeningen und Wangen, welche früher durch ihre vielen und ſchönen Verſteinerungen berühmt waren, jetzt aber ſo ausgebeutet ſind, daß ein ſolcher Fund zu den Seltenheiten gehört. Der Oeninger Steinbruch liegt öſtlich von dem Dorfe gleichen Namens, an der ſüdlichen Seite des Schiener Be und an dem Ende eines ſanften Abhanges, wenigſtens 500 Fuß über dem rechten Ufer des Unterſee's. Schon im Jahr 1680 kam dieſer Steinbruch durch Kauf an das Kloſter, aber er war damals ſchon lange bekannt, denn er lieferte der Umgegend ihre Kalk- und Bau⸗ ſteine. Auch alle Gänge des ehemaligen Stiftes Oeningen und der Kirche ſind mit ſolchen Platten von glimmerreichen, grauen Schiefer— ſteinen belegt, und der Altar zu Unterbühl aus dieſen Steinen ge⸗ baut, ſowie daraus einige Statuen zu Petershauſen verfertigt. Doch erſt im Jahre 1708 wurde die Aufmerkſamkeit der Gelehrten auf den Oeninger Steinbruch mit ſeinen merkwürdigen Foſſilien und Petrefakten gelenkt, ſeit welcher Zeit dieſelben aber mehr ein Han⸗ delsartikel der Steinhauer, als ein Gegenſtand wiſſenſchaftlicher Für⸗ ſorge wurden. Der Wangener Steinbruch liegt eine Viertelſtunde von erſterem entfernt, mehr ſüdlich und näher gegen den See, an einem ſteilen Bergabhang, welcher ſich nach dem Thale von Wangen hin verliert. Der Weg zu ihm iſt etwas mühſam, doch wird man durch die herrliche Ausſicht belohnt. Der hier gefundene Kalkſchiefer iſt von dem Oeninger durch ſeine weißlich, theils bläulichgrüne Farbe etwas verſchieden, iſt härter und hat keinen Geruch, während jener beim Reiben einen ſtinkenden Geruch verbreitet. Die Foſſilien, welche in Schichten von Thon- und Kalkſteinen in beiden Steinbrüchen ge⸗ funden werden, ſind: Skelette von verſchiedenen Säugethieren, Am⸗ — 421— phibien und Fiſchen, ferner Abdrücke von Inſekten, Land⸗ und Waſ⸗ ſerſchnecken, von Wurzeln, Blättern, Blüthen und Früchten. Von dem Dorfe Wangen, welches unterhalb dem Steinbruche von Obſtbäumen beſchattet liegt, erreichen wir das eine halbe Stunde entfernte, auf einer kleinen Anhöhe liegende Schloß Marbach, wel⸗ ches von dem verſtorbenen Grafen Grimaldi in ein hübſches Luſtſchloß umgewandelt wurde. Es iſt maſſiv gebaut und enthält ſchöne und hohe Gen von ſeinem Balkon hat man eine reizende Ausſicht auf den b Thurgau bis über Conſtanz hinaus. Marbach en Adel, der urkundlich im Jahre 1254 ge⸗ hörte es den Herren von Ulm. In den vieder in andere Hände, bis end⸗ aſſelbe im Jahr 1598 wieder an ¹nh E8 t der Weg zuerſt nach dem kleinen, früher zrigen und dem Schweizerſtädtchen Steckborn hemmenhofen, dann nach dem Schloß art am See gelegen, mit ſchönſter und Inſel Reichenau und die Stadt Conſtanz. Jahrhundert angehörende Schloß in neuerer en erlitt, ſo erkennt man doch das frü⸗ on ſeinen vielen Thürmen wurde es nur das 1 e ſechs Fuß dicke Mauer, bgenommen wurde, ſowie ein Graben, früher N hürmen genannt. Ein mit einer Zugbrücke, umgibt das Schloß, das im Jahr 1499 von den Eidgenoſſen erobert und beſetzt wurde. Von Gaienhofen nördlich liegt Horn, deſſen hochgelegene Dorf— kirche eine weite und herrliche Fernſicht gewährt. Wir ſehen die Reichenau vor uns, weſtlich den Münſter von Conſtanz, darüber hi— naus ſchimmert der große Oberſee, der graue Gürtel der Alpen und das Ufergelände der Schweiz mit im See ſich ſpiegelnden Städten, Dörfern und Schlößern. Näher am See liegt Hornſtaad, ein kleines, halb zerfallenes Schloß. Von Horn und dem nahe gelegenen Gundolzen findet man eine bequeme Ueberfahrt nach der, Inſel Reichenau. Wir haben nun die bedeutenderen Orte geſchildert, an denen wir auf unſerer Fahrt von Radolfzell nach Stein am Rhein entwe⸗ der unmittelbar vorüber gelangen, oder welche wir in der nächſten Nähe an den ſich nahe gerückten Ufern des Unterſee's und Rhein's bemerken und wollen nun unſere Reiſe von Stein aus auf dem Rheine nach Schaffhauſen fortſetzen. Strenge genommen ſollten wir übrigens unſere Schilderung des See's bei Stein am Rhein beendigen, denn hier hört das Waſſer — 122— auf, Bodenſee zu ſein, und fängt der eigentliche Rhein an. Allein, da beinahe alle Reiſenden, welche ſich einmal in Conſtanz oder Stein befinden, höchſt ſelten verſäumen, die nicht zu ſehr entfernte Stadt Schaffhauſen wegen dem in ihrer unmittelbaren Nähe befindlichen Rheinfall zu beſuchen, ſo wollen auch wir unſere Wanderung bis zu demſelben ausdehnen und eine Schilderung von ihm geben. Der nächſte Ort, an welchem wir von Stein am Rhein aus vorüberkommen, iſt das Dorf Bibern. In ſeiner Nähe haben wir eine überraſchende, jedoch nur kurze Ausſicht auf die Feſtungsruine Hohentwiel und einige andere Bergkuppen des Höhgäu's, denn das Dampfboot eilt ſchnell dem thurgauiſchen Städtchen Dieſſenhofen zu,(Adler, Löwe). Es liegt in dem in vielen Krümmungen ſich abwärts ziehenden Rheinthale erhöht am linken Ufer des Stromes, hat ungefähr 1600 Einwohner und iſt ein handeltreibender, gewerb— reicher und freundlicher Ort mit hübſchen Gebäuden. Die Mauern und Thürme geben dem Städtchen ein alterthümliches Anſehen; be— merkenswerth iſt der ſogen. untere Hof, mit ſeinem alten, aus ro⸗ hen Steinen erbauten Thurme, dem Sitz der ehemaligen Truchſeſſe von Dieſſenhofen; das Rathhaus iſt aus neuerer Zeit und wenig anſehnlich die alte Dionyſiuskirche. Der Gründer der Stadt war Hartmann von Kyburg, welcher ſie im Jahre 1178 mit Stadtrechten begabte. Im Jahr 1415 erkaufte Dieſſenhofen die Reichsfreiheit von Kaiſer Sigismund, unterwarf ſich jedoch 1142 wieder freiwillig dem angeſtammten Hauſe. Im Jahr 1460 wurde die Stadt von den acht alten Orten und Schaffhauſen erobert, unter de⸗ ren Hoheit ſie bis 1798 blieb, ſich aber dann an den Kanton Thurgau anſchloß. Auf Dieſſenhofen folgt zunächſt das Dominikanerinnen⸗Kloſter Katharinenthal; es wurde im Jahre 1242 von Williburga von Hünikon, welche als Vorſteherin eines Vereins frommer Schweſtern von Winterthur hieher kam, geſtiftet. Mehrere Jahrhunderte lang zeichneten ſich die Kloſterfrauen durch ſtrenge Beobachtung ihrer Ordensregeln aus. Das ſchöne, beſonders von der Rheinſeite ſich ſtattlich ausnehmende Kloſtergebäude und die mit Prunk aber nicht mit Geſchmack verzierte Kirche ſtammen beide aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Das Kloſter iſt nebſt dem Stifte zu Biſchofs⸗ zell das einzige, welches der Aufhebung im Jahr 1848 entging, doch verlor es viel von ſeinen Rechten und Beſitzungen. Von hier gelangen wir an dem nur 1 Stunde unterhalb Katha⸗ rinenthal gelegenen ehemaligen Frauenkloſter des Clariſſenordens Pa⸗ radies und dem Dörfchen Langwieſen vorbei nach Schaffhauſen. Paradies gehört zu dem Kanton Thurgau, welcher hier zwiſchen dem Rhein und Kanton Zürich in eine Landſpitze ausläuft. Der Sage nach wurde in der Nähe bei dem längſt verſchwundenen Dorfe Uüwbe lücke Wein fath 60 — 123— Schwarzach im Jahre 992 eine große Schlacht zwiſchen den leibeige⸗ nen Bauern und dem Adel geliefert. Zum Andenken des Sieges und Heil der Erſchlagenen erbaute der letztere eine Kapelle, die St. Pe⸗ ter genannt ward, und bei welcher Graf Hartmann von Kyburg 1253 das Kloſter für Schweſtern des Clariſſenordens gegründet haben ſoll. Gewißer aber iſt, daß die Bewohnerinen des Conſtanzer Paradieſes im Jahre 1314 ihre Beſitzungen daſelbſt verkauften und ihr Kloſter nebſt dem Namen deſſelben hieher verpflanzten. Im Jahre 1578 wurde das Kloſter nach einem Brande ſchöner wiederhergeſtellt, dann zerfiel es nach und nach und hatte endlich ſo ſehr gelitten, daß die Aufnahme von Novizen unterbrochen und die Verwaltung der Güter mit derjenigen des Kloſters Katharinenthal vereinigt wurde. Im Jahr 1856 ward es endlich an den ſchweizeriſchen Creditverein in Zürich verkauft. Das Dörſchen Langwieſen liegt am linken Ufer des Rheins und am bewaldeten Fuße des Kohlfirſts, es hat guten Weinbau und ſeine Bewohner beſchäftigen ſich beſonders mit Landwirthſchaft. Auch befindet ſich hier eine zugleich als Wirthſchaft eingerichtete Sennerei, in welcher man außer den ländlichen Erzeugniſſen derſelben, einen vorzüglichen Wein erhalten kann. Schaffhauſen. Gaſthöfe: Schiff bei der Rheinbrücke; Krone am Markt: Löwe beim Schwabenthor; Rabe; Schwan; Hirſch jenſeits der Rhein⸗ brücke in Feuerthalen, mit Terraſſe und ſchöner Ausſicht auf den Rhein. Reſtaurationen und Café's: Schaffhauſer Hof; Oberer⸗ und unterer Rüden; Rieſe; Blume; Gartenwirthſchaft im Mühlethal; Thalgarten. Wir landen an der Rheinbrücke von Schaffhauſen und haben uns gegenüber auf einem maleriſchen Rebenhügel die Unnoth, un⸗ richtig Munoth genannt. Sie iſt ein großes, mit einem runden Thurme verſehenes Kaſtell am Ende der Stadtmauer, welches 1564 an der Stelle eines fränkiſchen Wartthurms erbaut wurde. Die Mauern ſind aus großen Quadern, 16½ Fuß dick und vermittelſt eines 6 Fuß breiten, gewölbten, ſchneckenförmigen und gepflaſterten Ganges kann man zu der hochliegenden, hofartigen Bruſtwehr hinauf reiten. Die bombenfeſten Gewölbe mit 12 Fuß dicken Säulen, die unterirdiſchen Verbindungswerke, die drei ſteinernen im Graben vor⸗ ſpringenden Thürme, ſowie überhaupt die ganze Anlage der Feſtung iſt von Intereſſe. Der Bau liegt auf einem Vorſprung des Emmer⸗ berges, wird aber von größeren Anhöhen beherrſcht, daher ihm ſchon bei ſeiner Erbauung der Spottname Unnoth, d. h. unnöthiges Werk, gegeben wurde. Im Jahre 1799 hatten die Franzoſen den Unnoth beſetzt, wur⸗ den aber darin von den Oeſterreichern beſchoſſen. Die Stadt ſelbſt ſieht noch alterthümlich mit ihren Thürmen und Ringmauern aus. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts ſoll in Schaffhauſen kein Haus bis auf den Grund mehr abgebrannt ſein, daher Gebäude aus dieſem nnd den folgenden Jahrhunderten hier in größerer Anzahl, als in irgend einer andern Schweizerſtadt gefunden werden. Die ſteinernen Treppengiebel, die vielen Erker mit Wap⸗ pen, die Frescomalereien und Verzierungen mancher Häuſer u. ſ. w. geben der Stadt, beſonders am linken Rheinufer, ein romantiſches Anſehen. Uebrigens verſchönerte ſich Schaffhauſen auch durch Weg⸗ ſchaffung enger und krummer Gaſſen, baufälliger Gebäude, durch Ab⸗ tragung der Wälle, ſowie durch neue Bauten. Die meiſten Häuſer ſind von Stein und beſitzen die erwähnten Erker von ſehr verſchiede— ner Größe, im Innern zwar bequem, von Außen aber der Front des Hauſes ein eigenthümliches Anſehen verleihend. Einige Häuſer haben grelle, bunte Frescomalereien, viele ſind mit dem Emblem ihres Namens, z. B. Blume, Traube, Fels geziert. Bei einer großen Anzahl Häuſer waren früher in den oberen Stockwerken die Fenſter mit runden Scheiben verſehen, bei noch mehreren die Fen— ſter nicht gleich groß. Die meiſten Gebäude haben drei Stockwerk Höhe und zwei Kreuzſtöcke Breite. Die Stadt hat außer zwei an⸗ 45• langen Hauptſtraßen mehrere Nebenſtraßen und öffentliche Plätze. Schaffhauſen, die Hauptſtadt des Kantons gleichen Namens, zählt 11,000 Einwohner, darunter mehrere Hundert Katholiken. Sie liegt am nördlichen Ufer des Rheins, wie denn überhaupt der Kanton der nördlichſte der Schweiz iſt. Der Name bedeutet wohl Schiffhau⸗ ſen, Scaphhauſen, scapha, Nachen, daher auch die lateiniſche Benen⸗ nung Scaphusia oder Scaphusium, und verdankt dieſen Namen und ſeine Erbauung wahrſcheinlich den Alemannen, welche hier wegen der Nähe des Rheinfalles die vom Bodenſee kommenden Waaren von den Schiffen umladen mußten. Wie Stein und Dieſſenhofen, ſo hatte auch Schaffhauſen ſein Emporkommen größtentheils den Klöſtern und dem Adel zu verdanken. Im 13. Jahrhundert wurde es zuerſt mit Mauern und Gräben umgeben, mit einer Rheinbrücke verſehen und in das Verzeichniß der freien Reichsſtädte eingetragen. Im Jahre 1411 erhielt ſie eine ſtädtiſche Verfaſſung, die 1689 erneuert wurde und bis 1798 fortbeſtand. Von dem benachbarten Adel häufig befeh⸗ det und von Oeſterreich bedrängt, trat ſie im Jahre 1454 in das Bündniß mit der Schweiz und wurde 1501 in deren Staatsbund als ung in det en 8 Juulert If, d n un D Rüßte de K t. lräth hormer 1535 Hneſe hter, 4 005 9 un 9 Noßen il ger — 125— 12. Kanton aufgenommen. Durch die Reformation gewann Schaff— hauſen die Stifte Allerheiligen und St. Agnes und beſchränkte die Rechte desjenigen Adels, der nicht vorgezogen hatte, die proteſtantiſche Stadt zu verlaſſen. In den franzöſiſchen Kriegen wurde Schaffhau— ſen von den Truppen Qudinot's beſetzt, welche das Zeughaus leerten und die ſchöne Grubenmann'ſche Brücke über den Rhein verbrannten, als ſie ſich vor der öſterreichiſchen Armee zurückzogen. Als das älteſte Gebäude Schaffhauſens iſt der untere viereckige Thurm der Unnoth zu betrachten, welcher aus den Zeiten der erſten fränkiſchen Könige, der Karolinger, ſtammt. Dann folgt die Münſter⸗ oder Allerheiligenkirche, welche zur Zeit des erſten Kreuzzuges im Jahr 1101 im bycantiniſchen Style erbaut, 1753 zu ihrem Nachtheil ſehr verändert, aber 1856 auf paſſende Weiſe wie⸗ der hergeſtellt wurde. Sie hat die Form eines Kreuzes und vier hohe, künſtliche Bogen; in ihr befinden ſich 12 ſteinerne Säulen, welche die Namen der 12 Apoſtel tragen; diejenige mit dem Namen Judas iſt von oben her geſpalten. Dicht an die Kirche ſtößt der Kreuz⸗ gang mit vielen Epitaphien aus dem 17. und 18. Jahrhundert; an der nördlichen Seite hat er gothiſche, an der öſtlichen und ſüdli⸗ chen Seite bycantiniſche Bogenfenſter. Er umſchließt den ſogenannten Junkern⸗Todtenacker; hinter dieſem Gang befindet ſich ein viereckiger Hof, der früher mit einer zierlichen bycantiniſchen Gallerie umge⸗ ben war. Die zweite Kirche, die gothiſche St. Johanniskirche, iſt die größte Kirche der Schweiz; ſie ward im Jahr 1120 von einem Abte des Kloſters Allerheiligen erbaut und ſteht beinahe mitten in der Stadt. In ihr befindet ſich der Sarkophag eines Biſchofs; der hohe Kirchthurm iſt ſehr ſtark. Sie iſt unregelmäßig und ohne gefällige Formen erbaut, doch hat ſie durch bedeutende Reparaturen im Jahr 1835 viel gewonnen. Außer dem Kloſter Allerheiligen und dem Agneſenkloſter gab es vor der Reformation in Schaffhauſen noch mehrere Klöſter, ſowie auch ein Deutſchordenshaus. Als weitere erwähnenswerthe öffentliche Gebäude ſind zu nennen: das Bibliothekgebäude am Poſtplatz mit vielen Handſchriften Johann von Müllers, Ikunabeln, Glasmalereien u. ſ. w.; das 1412 erbaute Rathhaus, deſſen Rathszimmer ein kunſtreiches Getäfel be⸗ ſitzt; auch iſt die Decke des Vorſaales ſehenswerth; das Haus zum Ritter mit Fresken aus dem 16. Jahrhundert; das Zunfthaus zum Rüden mit einem, ſehr hübſche Stuckaturarbeit enthaltenden großen Concertſaale, das Zeughaus mit mehreren Kanonen, welche Napoleon J. der Stadt zum Geſchenk machte; das gut eingerichtete Waiſenhaus; das 1824 aus einer Kirche in ſeine jetzige Geſtalt umgewandelte Armenſpital, welches ebenfalls ſehr zweckmäßig ein⸗ — gerichtet iſt; das Naturalienkabinet; die Schulgebäude; das neue Krankenhaus u. ſ. w. Seit dem 16. Januar 1868 beſitzt Schaffhauſen auch ein Thea⸗ ter; es iſt dieß das Imthurneum, ſo genannt, weil zu ſeinem Bau ein in London lebender Schaffhauſer, der Kaufmann Johann Konrad Imthurn die bedeutende Summe von einer Viertelsmillion ſchenkte. Die Vorderſeite des Theaters, welche mit dem Hauptein⸗ gang etwa 56 Fuß lang iſt, blickt nach dem Herrenacker, einem freien, in der oberen Stadt liegenden Platze, während die Seitenfronte mit mehreren Eingängen 120 Fuß meſſend, nach der Tannenſtraße ſieht. Das Gebäude iſt zweiſtockig und von einer umfangreichen Kuppel überragt, welche den Kronleuchter des Zuſchauerraumes enthält. Die zur Seite des Haupteingangs befindlichen, mit ſymboliſchen Figuren gezierten Niſchen deuten bereits auf den künſtleriſchen Zweck des Ge⸗ bäudes. Der Vorplatz beim Eintritt durch das Portal iſt geräumig: von ihm führen Thüre und Gänge nach dem Parterre und den Gal— lerien. Der Zuſchauerraum hat eine Eiform, Arabesken und Blumen, Bildniſſe von Dichtern und Künſtlern, der Muſen und Grazien ſchmü⸗ cken die Säulen und den Bogen der Kuppel des gegen 700 Perſonen faſſenden Theaters, welches neben dem theatraliſchen Zwecke auch jedem andern Kunſtzwecke dienen ſoll, beſonders für Conzerte und Kunſtausſtellungen. Es befindet ſich deßhalb auch bereits in den übrigen Räumlichkeiten des Gebäudes eine Muſikſchule, um den Sinn für Muſik möglichſt zu nähren und auszubilden. Die ſchönſte Promenade Schaffhauſens liegt in dem oberen Theile der Stadt bei dem Caſind im Fäſenſtaub; ſie iſt jedoch nicht die einzige, denn auch die alten Befeſtigungswerke, Stadtgräben u. ſ. w. wurden theilweiſe in ſchöne Alleen umgewandelt. Inmitten der erſten Anlagen ſteht auf hohem Poſtamente die Marmorbüſte von Schaffhauſens größtem Bürger Johannes von Müller. Weitere berühmte Schaffhauſer ſind; der Chroniſt Berthold, Mönch zu Aller⸗ heiligen,(C1100); Gailer von Kaiſersberg; Wagner, genannt Hof⸗ meiſter, Reformator; die Aerzte Wepfer; Johannes v. Müller von 1752— 1789 und ſein Bruder J. G. Muͤller; Kirchhofer, Hurter, D. Schenkel, Gelzer u. ſ. w. Von den weiteren Umgebungen Schaffhauſens verdient das wildromantiſche Mühlethal erwähnt zu werden. Es beginnt am Nord⸗Ende der Stadt und wird von einem Bache durchfloſſen, welcher verſchiedene kleine Waſſerfälle über Felſen bildet und erſtreckt ſich von Schaffhauſen aus 3 Stunden weit bis Ober-Bargen am Fuße des Hohen⸗Randen. Ausgedehnte Fernſichten aber bieten die Hohe Fluh und die Enge. Von letzterer überblickt man Schaffhauſen mit ſeinen Umgebungen, das Rheinthal bis Stein; die Baſaltberge des Höh⸗ Wuldtan das het ga De ,“ lifer de ſh fiſt N000 Si Az, d. lu, fi Jund. ſit it D. ſuſen Au, w. Aon Ih ſt In ei 190 ft h un de Munt u flaächt „Hlb 1604 Rewo Stun ſeber liede ͤ Rotd Sttl line bih — 127— gäu's, das untere Thurgau, die Appenzeller Alpen und die ganze Kette vom Glärniſch bis zur Blümlisalp. Auf der Hohen Fluh vermißt man zwar den Anblick der Appenzeller Gebirge, überſieht jedoch den Kanton Zürich und die Berner Alpen bis gegen das Waadtland hin. Der zu den Füßen der Fluh ſtrömende Rhein be⸗ lebt das Ganze, welches ſich beſonders bei der Abendbeleuchtung in ſeiner ganzen Pracht zeigt. Die ſchönſte Aus⸗ und Fernſicht bietet jedoch der Hohe Ran⸗ den, 3 Stunden nördlich von Schaffhauſen gelegen. Er iſt ein Aus⸗ läufer des Jura und hat keinen eigentlichen Gipfel, ſondern bildet ein faſt baumloſes Hochplateau mit ſtark verwitterter Oberfläche, das ſich 2000 bis 2800 Fuß hoch erhebt. Sehr ſchön iſt die Ausſicht bei dem Signal; man überſieht hier den öſtlichen Schwarzwald, die Baar, das Höhgau bis an die ſchwäbiſche Alp, das Klettgau, Thur⸗ gau, faſt den ganzen Kanton Zürich, den Bodenſee und im Hinter⸗ grund die Alpenkette vom Arlberg bis zum Montblanc. Die Aus⸗ ſicht iſt ringsum offen und nirgends von Wald unterbrochen. Das merkwürdigſte Naturſchauſpiel in der Umgebung von Schaff⸗ hauſen bietet jedoch der Rheinfall dar, welcher etwa 3 Viertelſtunden von der Stadt entfernt iſt. Geht man an dem rechten Ufer des Fluſſes hin, ſo gelangt man bald zu den ſogen. Lächen, früher der obere Laufen genannt. Dieſen bil⸗ den eine Menge Kalkfelſen, die auf einer großen Strecke 2—4 Fuß hoch aus dem Stromgebiet hervorragen und über welche der Fluß mit rauſchendem Toben hinunter braust. Am Ende der Lächen ſpringt von der Züricher Seite plötzlich ein großer Felſen an 80 Fuß in das Rheinbett vor, ſo daß dieſes kaum noch 126 Fuß Breite beſitzt. To⸗ ſend und ſchäumend ſchießt die Waſſermaſſe durch das enge Thor und macht zu gleicher Zeit einen Fall von mehreren Fuß. Gleich unter⸗ halb dieſes Felſenthores erweitert ſich das Rheinbett wieder bis auf 560 Fuß, wendet ſich dann plötzlich nach Süden und der nun ruhig gewordene Strom fließt zwiſchen ſanft abhängigen Ufern eine halbe Stunde weiter fort. Dann zieht er ſich wieder weſtlich, ſeine Ufer heben ſich und rücken näher zuſammen, in ſeinem Bette erſcheinen wieder Felſen, welche über das Waſſer hervorragen und ſeinen Lauf ſtören. Da, wo das Gefälle bedeutender und die Richtung eine nordweſtliche wird, überſpannt die ſchön gebaute Eiſenbahnbrücke den Strom, welcher einige Fuß weiter in ſeiner ganzen Waſſermaſſe über eine Felſenbarre von 500 Fuß Breite und abwechſelnd 50—80 Fuß Höhe in einen tiefen Keſſel hinunter ſtürzt. Unterhalb des Falles wird der Strom wieder ziemlich ruhig, wendet ſich abermals nach Süden und verläßt den Kanton Schaffhauſen in der Nähe des Schlößchens Wörth. Schon aus der Ferne mit ſeinem Donnergetöſe vernehmbar, erbebt noch mehr, wer in der Nähe des Falles ſich befindet, nur übertönt ihn zuweilen der Hammer der nahen Eiſenſchmiede. Näher betrachtet zerfällt das koloſſale Ganze in 5 einzelne Fälle, die durch 4 mitten aus dem Sturze hervorragende Felſen gebildet werden. Unter letzteren hebt beſonders ein Zwillingspaar ſich kühn aus der Fluth empor; Schaum und Flocken ſtäubt von ihren Häuptern als Zeichen, wie des Stromes vereinte Wuth ſie beſtürmt; Tannen ſtan⸗ den einſt auf ihnen an der Stelle, wo jetzt Gebüſche von Laubholz ſtehen. Einen überraſchenden Eindruck macht die Anſicht des Rheinfal⸗ les aus den Fenſtern oder von dem Balcone des gegenüber auf einer Anhöhe ſtehenden Hotel Schweizerhof,(früher Hotel Weber) von dem aus man mit Einem Blicke das ganze große Panorama mit dem Kranze der Schweizeralpen vom Säntis bis zur Jungfrau überſehen kann. Am Fuße des Berges, auf welchem obiges Hotel ſteht, und ge— genüber dem Rheinfall beſpülen die Wellen das auf einer Inſel er⸗ baute thurmartige Schlößchen Wörth mit guter Wirthſchäft. Die hier aufgeſtellte Camera obscura gibt bei hellem Wetter ein hübſches Bild des Rheinfalles. Bei gewöhnlichem Waſſerſtande kann man von hier ohne Gefahr mit einem Kahne bis an den mittleren Felſen des Rheinfalles fahren und dieſen beſteigen. Gegenüber auf der linken Seite des Rheins erhebt ſich auf einem ſteil abfallenden Kalkfelſen das Schloß Laufen, Hotel und Penſion, mit Thürmchen, Balconen und feſten Gebäuden. Vom Belvedere deſſelben ſchaut man unmittelbar in den Fall hinab. Eine Höhle unter dem Schloſſe, die Karolinengrotte und ein Pavil⸗ lon auf halber Bergeshöhe gewähren andere intereſſante Bilder der wirbelnden Waſſermaſſen. Noch tiefer aber iſt eine Gallerie, die ſogenannte Fiſchez, in den Strom hinausgebaut, wo man mitten im Sturme des donnernden Sturzes ſteht. Grün und blau jagen die Gewäſſer herab, der zu Milch gepeitſchte Rhein bläst Waſſerrauch⸗ ſäulen empor, die bis zum Schloſſe aufſteigen. Man wäre im Au⸗ genblick gänzlich durchnäßt, wenn nicht ſchützende Wachstuchmäntel in der Gallerie bereit gehalten würden. Durch den Felſen, auf dem das Schloß ſteht, wurde wegen der nach Zürich führenden Eiſenbahn ein Tunnel gebrochen, der 200 Fuß lang iſt. Die mit dieſem zuſammenhängende Brücke oberhalb des Rheinfalles iſt 594 Fuß lang und überſpannt 9 in Stein gewölbte Oeffnungen. Nahe demUferderrechten Seite, befinden ſich großartige Eiſenham⸗ mer⸗ und Schmelzwerke, ſowie eine Waggon und Gewehrfa⸗ brik, unter dem Dorfe Neuhauſen. Unterhalb des Rheinfalles iſt im Som⸗ k ein. ut. Ml hwärtz inhen, fihet fi Der ſit, 90 0 N8 1 dem atn Re N1 Pof Ehlee! ghen,bis Aufertt Whelbal Die Mli u et W. TWähte ſlen faſirz ſt dwa I. lhferer en. ſben Wurſ ein Hhie Jus fieg nz, 1d 9 iel 1 ſh n 0 5 Geſc n n ſe mer ein ergiebiger Fang der Lachſe, deren Weiterreiſe der Fall hin⸗ dert. Auch kann man in einem Kahne eine intereſſante Fahrt ſtrom⸗ abwärts nach der maleriſch gelegenen zürich'ſchen Abtei Rheinau machen, welche 778 geſtiftet und 1852 aufgehoben wurde. Hier be⸗ findet ſich eine ſchöne ſehenswerthe Kirche. Der Rheinfall bietet bei Tage jederzeit einen merkwürdigen An⸗ blick, doch iſt zu rathen, ihn im Sommer des Morgens vor 8 Uhr und Nachmittags nach 3 Uhr zu beſuchen, weil die Sonnenſtrahlen in dem aufwirbelnden Waſſerſtaub einen um ſo ſchöneren und deutli⸗ cheren Regenbogen bilden, je horizontaler ſie auffallen. Im Winter iſt der Waſſerſtand viel niedriger als im Sommer, und der Rheinfall, von Schnee und Eis, Eiszapfen und kryſtalliſirten Nebelniederſchlägen um⸗ geben, bietet auch zu dieſer Zeit einen immer noch ſchönen Anblick dar. Der Waſſerſtaub iſt dann, beſonders an klaren Wintertagen, gleich einer Nebelbank weit umher ſichtbar und ſteigt oft über 100 Fuß in die Höhe. Die beſte Jahreszeit zum Beſuche des Rheinfalles iſt im Juni, Juli und Auguſt, weil alsdann des geſchmolzenen Schnee's wegen der Waſſerſtand des Bodenſee's und Rhein's am höchſten iſt, doch gewähren auch bei niedrigem Waſſerſtande die emportretenden Felſen⸗ ſtollen und Riffe, die zwiſchen ihnen in vermehrten Rinnſalen ein⸗ herſtürtzenden Gewäſſer einen intereſſanten Anblick. Der Fall ſelbſt iſt etwa 350 Fuß breit und durchſchnittlich 50 Fuß hoch. Indem wir nach Schaffhauſen zurückkehren, ſind wir am Ziele unſerer Wanderung um den Bodenſee und ſeine Umgebung angekom⸗ men. Es iſt eine ſchöne Strecke Weges, welche wir zurückgelegt haben und reich an vielen geſchichtlich intereſſanten Punkten und an Naturſchönheiten. Wir beſuchten die Ufer des ſchwäbiſchen Meeres, wo einſt ſchon die Römer ihre Weltherrſchaft gründeten und das Chriſtenthum auf den Trümmern des Heidenthums manches Gottes— haus erbaute, wo ferner auf der einen Seite der blühende Garten des Thurgau's, St. Gallen's und des Rheinthal's ſich in den Wellen abſpiegelt, auf der andern ein Kaiſerthum, zwei Königreiche und ein Großherzogthum die Gränze bilden. Dann gelangten wir nach Con— ſtanz, in die alte deutſche Concilienſtadt, auf die Inſeln Meinau und Reichenau, beſuchten den denkwürdigen Heiligenberg und Hohent— wiel und kamen zuletzt nach Schaffhauſen, wo Europa's erſter Strom ſich mit mächtiger Gewalt in das Grab der Wellen ſtürzt. Wir ha⸗ ben auf dieſer Wanderung viele der ſchönſten Gegenden des Boden— ſee's beſucht, Punkte, welche durch die Erhabenheit ihrer Natur und Geſchichte die Aufmerkſamkeit der Wanderer erregen und verabſchie⸗ den uns nun mit dem Wunſche von dem geneigten Leſer, daß ihm an ſeine Reiſe recht viele angenehme Erinnerungen bleiben mögen. Bodman Coldb 13 e Flafilon o etrilon- Verhältniss-1:600,000. * 3 gengrahln, Aoclen. Karte DES BODENSEES und seiner Umsebuns nebst dem RKheinthale bis ur Via mala Jerlaq den J. V. Helb ncben In elilandlnnꝙ in, Hæu, Llmus E Hercli in Itutęqart.