8 W. Heilige Geſchichte von Erſchaffung der Welt bis zu dem ökumeniſchen Concilium von Crient. Von Karl Georg Krafft, Caplan in Altenbanz in der Erzdiöceſe Bamberg. Zweiter Band. Mit zwei Illuſtrationen zu den letzten Offenbarungen des Propheten ECzechiel. — 600ö0• Schaffhauſen. Verlag der Friedr. Hurter'ſchen Buchhandlung. 185 4. nach den Quellen pragmatiſch und chronologiſch bearbeitet von Karl Georg Krafft, Caplan in Altenbanz in der Erzdiöceſe Bamberg. Zweiter Band. Vun der Rücktkehr der Zuden, aus der bahylrnisthen Grkungrn⸗ Ichnkt bis zur Prkestigung Perodrs des Grossen auk dem jüdiachen Rünigathrone. Mit zwei Illuſtrationen zu den letzten Offenbarungen des Propheten Ezechiel. 3 5 90090 Schaffhauſen. Verlag der Friedr. Hurter'ſchen Buchhandlung. 1854. Druck von J. P. Himmer in Augsburg. Inhaltsverzeichniß zum zweiten Bande der heiligen Geſchichte. Fünfte Periode. Von der Abführung der Juden in die babhloniſchk Gefangenſchaft bis zur vollendeten Gründung des macedoniſchen Weltreiches. CXXVIII. CXXIX. CXXX. CXXXI. CXXXII. CXXXIII. CXXXIV. CXXXV. Das babyloniſche Exil. Die Propheten Dantel und Czechtel Das babyloniſche Exil(Fortſetzung). Die Propheten Daniel und Ezechiel. Zweiter Traum Nabuchodonoſor's. Das babyloniſche Eril(Fortſetzung). Die Propheten Daniel und Ezechiel. Freilaſſung des gefangenen Königs Jechonja Das babyloniſche Exil(Fortſetzung). Der Prophet Daniel. Zwei Geſichte Daniel's Das babyloniſche Exil(Sne Babylons Eroberung Das babyloniſche Exil(Fortſetzung). Der Wb 8 Daniel. Babylons Eroberung Das babyloniſche Exil unter perſiſcher Der 355 phet Dantel. der Löwengrube Das babyloniſche Exil unter 8 0 Der Prophet Daniel Der Prophet Daniel. Zweitmalige wunderbare Erhaltung Daniel's in Seite 1 10 14 21 25 28 91 CXXXVI. CXXXVII. CXXXVIII. CXXXIX. CXL. CXLI. CXLII. CXLIII. CXLIV. CXLV. CXLVI. CXLVII. CXLVIII. CXLIX. CLI. CLII. CLIII. VI Ende des babyloniſchen Cxils. Perſiſche Landeshoheit Fort⸗ ſetzung). Des Propheten Daniel letzte Offenbarungen. Perſiſche Landeshoheit Fortſetzung). Der Prophet Daniel Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Ende des Propheten Daniel Perſiſche Landeshoheit CFortſetzung). Erſte Rückkehr der Juden nach Paläſtina. Der Hoheprieſter Joſue Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Erbauung des zweiten Tempels. Hoherprieſter Joſue Perſiſche Landeshoheit Cortſetzung). Erbauung des zwetten Tempels. Der Hoheprieſter Joſue. Die Propheten Haggäus und Zacharias 8 4 Perſiſche Landeshoheit Der Hoheprieſter Joſue. Einweihung des zweiten Tempels. Der Prophet Zacharias Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Der Hoheprieſter Joſue. Der Prophet Zachartas. 8 Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Der Hoheprieſter Joſue. Der Prophet Zacharias 4 Perſiſche Landeshoheit CFortſetzung). Die Joſue und Jojakim. Eſther. Perſiſche Landeshoheit Fortſetzung). Der 3 ie Eſther. Esdra. Zweite Rückkehr der Juden nach Paläſtina Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Der Hoheprieſter Jojakim. Eſther. Esdra 1 Perſiſche Landeshoheit 0 Die.rnemithe Jojakim und Eltaſib. Eſther. Esdra Perſiſche Landeshoheit Cortſetzung). Der Glleſt. Eſther. Esdra Perſiſche Landeshoheit Der Hoheprieſter Eliaſib. Eſther. Esdra 5 0 f 8 Perſiſche Landeshoheit Der Hoheprieſter Eliaſib. Eſther. Esdra 3 4 4 2 8 2 Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Der Hoheprieſter Eliaſib. Eſther. Aman's Sturz. Esdra 8 Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Der Hoheprieſter Eltaſib. Eſther. Esdra 8 8 8 1 Seite 50 54 56 63 67 69 82 84 87 90 93 97 Ll CLIV. CLV. CLVI. CLVII. CLVIII. CLIX. CLX. CLXI. CLXII. CLXIII. CLXIV. CLXV. Von der Theilung des macedoniſchen Weltreiches bis zur Verfolgung CLXVI. CLXVII. Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Der Hoheprieſter Eliaſib. Eſther. Esdra Perſiſche Landeshoheit Der Hoheprteſter Eoſt Esdra. Nehemias Perſiſche Landeshoheit(Fortſetz 5 Der— 2 Giüſt⸗ Esdra. Nehemias f 5 1 Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Der Hoheprieſter Eliaſib. Esdra. Nehemias. Wiederherſtellung der Mauern Jeruſalems Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Der Hoheprieſter Eliaſib. Esdra. Nehemias Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Der ntr Glſo⸗ Esdra. Gründung der Synagoge. Nehemias Perſiſche Landeshoheit Fortſetzung). Der Hoheprieſter Eltafib. Esdra. Nehemias. Einweihung der Mauern Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Der Hoheprieſter Güſte Nehemias. Die Wiederauffindung des heiligen Feuers. Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Die Hohenprieſter Eliaſib und Jojada. Nehemias. Abfall Manaſſe's zu den Samarita⸗ nern. Der Prophet Malachtas. 8 Perſiſche Landeshoheit(Fortſetzung). Die Hohenprteſter Jojada, Johanan und Jaddua. Entweihung des Tempels durch den perſiſchen Feldherrn Bagoſes 4 8 1 2 Perſiſche Landeshoheit(Schluß). Gründung des macedoniſchen Weltreiches. Der Hoheprieſter Jaddua(Fortſetzung). Gründung des macedoniſchen Weltreiches. Der Hoheprieſter Jaddua(Fortſetzung) Sechste Periode. Juden unter Antiochus IV. Epiphanes. Theilung des macedoniſchen Weltreiches. Die Hohenprieſter Jaddua und Onias I. Bündniß der Juden mit den Lace⸗ dämoniern 8 5 5 5 Paläſtina, Grenzland zwiſchen 5 und 55 Die 99 103 105 107 110 112 3 121 12² 127 128 131 138 CLXVIII. CLXIX. CLXX. CLXXI. CLXXII CLXXIII. CLXXIV. CLXXV. CLXXVI. 4 Hohenprieſter Simon I. der Gerechte und Eleazar. Gründung des Sanhedrin. Erſte Ueberſetzung der hebrätſchen Schriften des Alten Teſtamentes in die griechiſche Sprache durch die ſo⸗ genannten ſiebenzig Dollmetſcher. 4 Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und— Fort⸗ ſetzung). Die Hohenprieſter Manaſſe und Ontas II. Ent⸗ ſtehung des ſadducäiſchen Schisma⸗ Anfang kriegeriſcher Rei⸗ bungen zwiſchen den beiden Nachbarſtaaten. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien CFort⸗ ſetzung). Der Hoheprieſter Onias II. Joſephus, der Sohn des Tobias, egyptiſcher Steuereinnehmer 80 8 Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien(Fort⸗ ſetzung). Die Hohenprieſter Onias II. und Simon II. Ver⸗ folgung der Juden durch Ptolemäus IV. Philopator Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien(Fort⸗ ſetzung). Die Hohenprieſter Simon II. und Ontas III. Die Schlacht bei Magneſia 5 1 Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien Gor⸗ ſetzung). Der Hoheprieſter Onias III. Anfang innerer Un⸗ ruhen durch die Familie der Tobiaden 5 Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien(Fort⸗ ſetzung). Der Hoheprieſter Onias III. Des Heliodorus Tempel⸗ einbruch. 1 8 4 1 1 8 Paläſtina, Grenzland zwiſchen 1 und Syrien 5 ſetzung). Die Hohenprieſter Jaſon und Menelaus. Beginnen⸗ der Abfall 1 Paläſtina, Grenzland f00 en VooI5. und Syrien(Fort⸗ ſetzung). Der Hoheprieſter Menelaus. Demüthigung des Königs Antiochus IV. Epiphanes durch den römiſchen Legaten Popi⸗ lius Länas. Judenverfolgung nebſt Entweihung des Tempels Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien Fort⸗ ſetzung). Der Hoheprieſter Menelaus. Judenverfolgung. Mar⸗ tyrtod des Eleazar und der ſogenannten ſieben maccabäiſchen Brüder 0 f 1 60 146 156 161 188 CUÆN (Anhpn CLXXVII. CLXXVIII. CLXXIX. CLXXX. CLXXXI. CLXXXII. CLXXXIII. CLXXXIV. CLXXXV. CLXXXVI. CLXXXVII. CLXXXVIII. Siebente Periode. Der maccabäiſche Unabhängigkeitskrieg. Der Hoheprieſter Menelaus Fortſetzung). Die Schilderhebung des Prieſters Mathathias, des Stammvaters der Hasmonäer. Die Congregation der Aſſidäer „„ Der Hoheprieſter Menelaus Fortſetzung). 5 des jüdiſchen Unabhängigkeitskrieges. Der Heerführer Judas Maccabaus Der Hoheprieſter Menelaus Fortſetzung). Beginn des jüdiſchen Unabhängigkeitskrieges. Der Heerführer Judas Maccabäus. Tempelreinigung und Feſt der Tempelerneuerung. 8. Der Hoheprieſter Menelaus Cortſetzung). Jüdiſcher Unab⸗ hängigkeitskrieg. Der Heerführer Judas Maccabäus Der Hoheprieſter Menelaus Cortſetzung). hängigkeitskrieg. Jüdiſcher Unab⸗ Der Heerführer Judas Maccabäus Der Hoheprieſter Menelaus(Fortſetzung). Jüdiſcher Unab⸗ hängigkeitskrieg. Der Heerführer Judas Maccabäus. Antiochus Epiphanes' Lebensende Der Hoheprieſter Menelaus CFortſetzung). hängigkeitskrieg. Jüdiſcher Unab⸗ Der Heerführer Judas Maccabäus Des Hohenprieſters Menelaus Lebensende. Jüdiſcher Unab⸗ hängigkeitskrieg(Fortſetzung). Der Heerführer Judas Macca⸗ bäus. Erſter Angriff auf die Burg Acra 4 Der Hoheprieſter Alcimus. Jüdiſcher Unebhengthtteen(Fort⸗ ſetzung). Der Heerführer Judas Maccabäus 8 Der Hoheprieſter Aleimus(Fortſetzung). Jüdiſcher Unabhängig⸗ keitskrieg. Der Heerführer Judas Maccabäus. Sieg über Nicanor. Der Hoheprieſter Aleimus(Fortſetzung). Jüdiſcher Unabhängig⸗ keitskrieg. Judas Maccabäus' Lebensende Des Hohenprieſters Alctmus Lebensende. Hohenprleſterliches Interim. Jüdiſcher Unabhängigkeitskrieg(Fortſetzung). Bünd⸗ niß zwiſchen Juden und Römern. Heerführer Jonathas. Der egyptiſche Filialtempel 4 Seite 195 199 20⁴4 209 216 222 234 241 246 3 CLXXXIX. CXC. CXCI. CXCII. CXCIII. CXCIV. CXCV. CXCVI. CXCVII. CXCVIII. CXCIX. CC. Der Hoheprieſter Jonathas. Jüdiſcher Unabhängigkeitskrieg. (Fortſetzung) Der Hoheprieſter und Heerführer Jonathas. Jüdiſcher Unab⸗ hängigkeitskrieg(Fortſetzung) Der Hoheprieſter und Heerführer Jonathas. Jüdiſcher Unab⸗ hängigkeitskrieg(Fortſetzung). Wiederholter Angriff auf die Burg Acra Des Hohenprleſters und Heerführers Jonathas' Gefangenneh⸗ mung. Erneuertes Bündniß mit Rom. Jüdiſcher Unabhängig⸗ keitskrieg(Fortſetzung) Des Hohenprieſters Jonathas' Lebensende. Jüdiſcher Unab⸗ hängigkeitskrieg(Fortſetzung). Simon, Heerführer Glücklicher Ausgang des jüdiſchen Unabhängigkeitskrieges. Ein⸗ nahme der Burg Acra. Der Heerführer und Hoheprteſter Simon III. der Maccabäer Achte Periode. Die Zeit der hasmonäiſchen Prieſterſchaft. Der Hoheprieſter Simon III. der Maccabäer(Fortſetzung). Nachträgliche Ueberbleibſel aus dem maccabäiſchen Unabhängig⸗ keitskriege 4 5 Des Hohenprieſters Simon III. des Maccabäers Lebensende. Nachträgliche Ueberbleibſel aus dem maccabätſchen Unabhängig⸗ keitskriege(Fortſetzung). Der Hoheprieſter Johannes Hyrcanus I. Nachträgliche Ueber⸗ bleibſel aus dem maccabäiſchen Unabhängigkeitskriege(Schluß). Unterwerfung und zwangsweiſe Bekehrung der Edomiter Der Hoheprieſter Johannes Hyrcanus I. CFortſetzung). Der Hoheprieſter Johannes Hyrcanus I.(Schluß). Der Pha⸗ riſäer Eleazar. 4 Der Hoheprieſter und König Ariſtobulus I. Tod des Anti⸗ gonus. Prophezeiung des Eſſeners Judas. 261 265 269 273 280 291 2 00 Uuunn CCl. CClI. ClII. CCIV. CCV. CCVI. CCVII. CCVIII. CCIX. CCX. CCXI. CCXII. CCXIII. CCXIV. 101 CXxV. XI Der königliche Hoheprieſter Alexrander Jannäus. f Der königliche Hoheprieſter Alexander Jannäus(Schluß). Kreuzigung von 800 Rebellen Königin Alexandra. Der Hoheprieſter Hyrcanus II. Der königliche Hoheprieſter Ariſtobulus II. Beginnende Thron⸗ ſtreitigkeiten Der königliche Hoheprieſter Ariſtobulus II.(Schluß). Ende der hohenprieſterlichen Souveränität durch Pompejus Der Hoheprieſter Hyrcanus II.(Fortſetzung) 8 Der Hoheprieſter Hyrcanus II.(Fortſetzung). Beraubung des Tempels durch den römiſchen Proconſul Craſſus und deſſen Lebensende 8 8 8 8 Der Hoheprieſter Hyrcanus II.(Fortſetzung). Schlacht bei Pharſalus. Pompejus' Lebensende 2 Der Hoheprieſter Hyrcanus II.(Fortſetzung). Antipater, jüdi⸗ ſcher Reichsverweſer. Herodes vor dem Hohenrathe. Cäſar's Lebensende 8 Der Hoheprieſter Hyrcanus II.(Fortſetzung). Antipater's Lebensende. Herodes' Verſchwägerung mit der hohenprieſter⸗ lichen Familie. 8 8 Der Hoheprieſter Hyrcanus II.(Fortſetzung). Schlacht bei Philippi. Phaſael und Herodes, jüdiſche Vierfürſten. Antigonus, königlicher Hoheprieſter. Herodes, Gegenkönig. Bürgerkrieg. Vermählung Herodes' mit Mariamne. Eroberung von Jeruſalem. Antigonus' Hinrichtung. 8 Der Hoheprieſter Ananeel mit dem Zwiſchenhohenprleſter Ariſto⸗ bulus III. Herodes, König von Judäa. Des Hohenprieſters Ariſtobulus III. Ermordung. 8 Der Hoheprieſter Ananeel(Fortſetzung). Herodes, König von Judãda 5 8 8 Der Hoheprieſter Ananeel(Fortſetzung). Herodes, König von Judäg. Erdbeben. Schlacht bei Actium. Hyrcanus II. Hinrichtung. 5 8 8 5 Krieg mit den Arabern. Seite 331 339 343 346 353 363 369 384 390 395 SSSSSSCCCCCCC Der Hoheprieſter Ananeel(Fortſetzung). Herodes, König von Judäa. Octavianus' Kriegszug nach Egypten. Antonius' und Cleopatra's Lebensende „ CCXVII. Der Hoheprieſter Ananeel(Fortſetzung). Herodes, König von Judäa. Hinrichtung der beiden letzten hasmonätſchen Familien⸗ glieder, Mariamne und Alexandra Chronologiſche Tabelle Genealogiſche Tabellen Künfte Periode. Von der Abführung der Juden in die babyloniſche gefan⸗ genſchaſt bis zur vollendeten gründung des macedoniſchen Weltreiches. Von 3515— 3775. CXXVIII. Das babyloniſche Exil. Die Propheten Daniel und Szechiel. §. 573. Ezechiel cp. 35— 36. Die Hoffnung auf eine dereinſtige Wiederauferſtehung der politiſchen Nationalunabhängigkeit des israelitiſchen Volkes war nicht ſobald auf dieſe Weiſe, menſchlich zu reden, zu Grabe gegangen, als der Prophet Czechiel bereits den göttlichen Auftrag bekam, verbunden mit einer an⸗ gedrohten gänzlichen Verwüſtung für das benachbarte Gebirge Seir, deſſen idumäiſche Bewohner zur Strafe für ihre über den Fall der iſraeli⸗ tiſchen Nachbarn geäußerte Schadenfreude ebenſo ſchonungslos wie jene vertilgt werden ſollten, den israelitiſchen Bergen eine baldige fröhliche Wiederherſtellung zu verkündigen. Als Beweggrund zu allmäliger Ein⸗ leitung eines ſo erfreulichen Umſchwunges offenbarte Gott jedoch dem Propheten, Sich nicht etwa durch eine dem israelitiſchen Volke in Seinen Augen einwohnende ſittliche Würdigkeit, als vielmehr nur durch die Rück⸗ ſicht auf die geeignete Wiederherſtellung Seiner theils durch die böswilligen Läſterungen der heidniſchen Nachbarvölker über das israelitiſche Land gröblich verunglimpften, theils durch das von den in die Gefangenſchaft abgeführten Israeliten ſelber gegebene ärgerliche Beiſpiel völlig bloß⸗ geſtellten Namensehre wollen beſtimmen zu laſſen. Uebrigens wird den zur Rückkehr berufenen Israeliten zugleich mit dieſem unverdienten Gnaden⸗ Krafft, heil. Geſchichte. 11. 1 —— ä 6 2 beweiſe eine zukünftige innere Herzenserneuerung verheißen, kraft deren ſie von jetzt an den Geboten Gottes mit unverbrüchlicher Treue anhängend, ſich auch eines ununterbrochenen zeitlichen Segens erfreuen würden. §. 574. Ezechiel cap. 37. Die nämliche Weisſagung von der zu erwartenden Wiederherſtellung der israelitiſchen Nationalwohlfahrt wurde dem Propheten Czechiel hier⸗ auf in Form eines Geſichtes gegeben, vermöge deſſen er ſich im Geiſte plötzlich auf ein großes, mit dürren Todtengebeinen bedecktes Schlachtfeld verſetzt glaubte, bei deren Anblick Gott dem Propheten die Frage vor⸗ legte, ob er wohl ein Wiederaufleben dieſer Todtengebeine für möglich halte? Auf die zweifelnde Antwort des Propheten befahl ihm Gott, die nämlichen daliegenden Gebeine prophetiſch anzureden und ihnen eine durch Gottes Allmacht an ihnen ſich vollziehende Wiedererzeugung von Nerven, Fleiſch und Haut und eine damit verbundene Rückkehr ihres ehemaligen Lebens anzukündigen. Kaum hatte der Prophet die ihm aufgetragene Botſchaft beendigt, als auch unter einer mit großem Klappern verbunde⸗ nen allgemeinen Bewegung die zerſtreut liegenden einzelnen Gebeine ſich zu vollſtändigen Gerippen zuſammenſetzten, worauf unmittelbar Nerven, Fleiſch und Haut nacheinander darauf wuchſen, bis endlich die vollſtän⸗ digen menſchlichen Leiber, jedoch noch in lebloſem Zuſtande daliegend, ſich ausgebildet hatten. Hierauf erhielt der Prophet den Auftrag, dem Winde im Namen Gottes zu befehlen, von allen vier Weltgegenden her⸗ beizukommen, und die daliegenden Leiber in das Leben zurückzurufen, worauf dieſelben ſich vom Boden aufrichteten und ein großes unzählbares Heer bildeten. Dieſes von Gott dem Propheten mitgetheilte Geſicht hatte die Beſtimmung, dem durch die letzten Erfahrungen im gegenwärtigen Augenblicke ganz entmuthigten israelitiſchen Volke einen Begriff von Gottes wunderbarer Allmacht zu geben, welcher, ſobald es ihm gefallen werde, das gedemüthigte Volk aus dem Grabe der gegenwärtigen Er⸗ niedrigung wieder hervorzurufen, und ſie im wiedererlangten Beſitz ihres eigenen Landes auf's Neue zu Seinem Volke zu machen beabſichtige. Bei dieſer nämlichen Gelegenheit bekam Ezechiel den Auftrag, zwei höl⸗ zerne Stäbe ſo zuzuſchneiden, daß ſie zuſammengefügt nur Einen Stab auszumachen ſchienen, und bevor er ſie vor den Augen des Volkes wirk⸗ lich zuſammenfügte, auf den einen von beiden den Namen„Juda und ſeine Angehörigen unter den Kindern Israel,“ auf den andern„Joſeph bſichtige wei hil⸗ n Etab ͤ nül⸗ d Juch 3 für den Stamm Ephraim und ſeine isrtielitiſchen Hausangehörigen“ dar⸗ aufzuſchreiben. Wenn ihn dann ſeine mitgefangenen Landsleute über die Bedeutung dieſer Handlung befragen würden, ſo ſollte er ihnen dieſelbe alſo auslegen, daß Gott dadurch die Verheißung gebe, die Angehörigen der beiden ſeit Salomo getrennten Königreiche aus allen Weltgegenden in ihr Vaterland dereinſt zurückführen, und ſie zu einem einzigen und dabei ewigen Königreiche unter David's Scepter vereinigen, unter ihnen als Seinem Ihm eigenthümlichen Volke wiederholt Seine Wohnung auf⸗ ſchlagen, und ſie dadurch vor aller Welt als Sein auserwähltes Volk wieder bekennen zu wollen. Das im Paragraphen erzählte prophetiſche Geſicht von dem Wieder⸗ aufleben der bereits ausgedürrten Todtengebeine hat außer ſeiner näch⸗ ſten buchſtäblichen Bedeutung auch noch einen tiefer liegenden figürlichen Sinn. Das von dem Propheten vorausgeſagte politiſche Wiederaufblühen des israelitiſchen Reiches iſt nämlich ſelbſt wieder als Thatſache betrachtet ein typiſches Vorbild der zukünftigen allgemeinen Todtenauferſtehung des ganzen Menſchengeſchlechtes, welche nämlich nach der übereinſtimmenden Auslegung, der berühmteſten Kirchenväter unter dieſem wundervollen Gleichniſſe ebenfalls prophetiſch vorausgeſagt wird. Der zweite Theil der im Paragraphen erzählten Weisſagung, die dereinſtige Vereinigung der ſeither getrennten Hälften des geſammten israelitiſchen Reiches iſt, ſowie die ſämmtlichen nachfolgenden Prophezeiungen, als eine noch nicht erfüllte prophetiſche Thatſache zu betrachten. §. 575. Ezechiel cap. 38— 39. Unmittelbar an dieſe glückliche Verheißung, deren Erfüllung, weil ſie bisher noch nicht ſtattgefunden, erſt in Zukunft zu erwarten ſteht, knüpft ſich die Ankündigung eines in eben dieſer fernen Zukunft zu er⸗ wartenden letzten feindlichen Ueberfalles, welchen die bereits in friedlichen Beſitz ihres Landes wieder eingetretenen Israeliten dereinſt von einem aus verſchiedenen Völkerſchaften zuſammengeſetzten, unter der Herrſchaft Gog's, des Königs über das Land Magog, vereinigten zahlloſen Kriegs⸗ heere zu gewärtigen haben würden. Dieſelben würden, da die israeltti⸗ ſchen Städte und Ortſchaften ohne alle Befeſtigung blieben, durch Hoff⸗ nung auf reiche Beute angelockt, im Vertrauen auf ihre unermeßliche Kriegsmacht unaufhaltſam herbeikommen, das ganze Unternehmen aber damit endigen, daß das fämmtliche Heer theils durch Uneinigkeit unter ſich ſelbſt, theils durch ein unerhörtes göttliches Strafgericht, ähnlich jenen zehn von Moyſes über Egypten verhängten Plagen, oder auch dem über Sodom und Gomorrha hereingebrochenen Feuerregen, bis auf den letzten 1* ˖ 6 ů—— ſtammenden Leviten, deren Voreltern ſich mit Götzendienſt verunreinigt hätten, ſollten jedoch in Folge einer neuen Beſtimmung auf immer der prieſterlichen Weihe beraubt bleiben, und anſtatt deſſen außer der ge⸗ bräuchlichen Hilfleiſtung bei den von dem Volke dargebrachten Opfern mit dem Wächter⸗ und Aufſeherdienſte am Tempel ausſchließlich beſchäf⸗ tigt werden, welcher in der Zwiſchenzeit mißbräuchlicher Weiſe ſogar aus⸗ ländiſchen, nicht einmal als Proſelyten durch die Beſchneidung in den israelitiſchen Bund aufgenommenen und deßwegen auch in ſittlicher Be⸗ ziehung für ein ſolches Amt durchaus ungeeigneten Perſonen anvertraut worden war. §. 578. Ezechiel cp. 42, 15— 20. ep. 45— Ch. 46, 18. cp. 48, 8— 22. Zu feſterer Begründung des fortan unverbrüchlich zu beobachtenden geſetzlichen Tempeldienſtes offenbarte Gott dem Propheten Ezechtel ferner ſeinen dahingehenden Willen, daß bei der erneuerten Eintheilung des Landes ein Landſtrich von 25,000 Ellen im Geviert, der zugleich mit dem 500 Ellen im Geviert meſſenden Tempel auch ein Quadrat von 5000 Ellen als zukünftige Gemarkung der mit dem Tempel verbundenen Hauptſtadt in ſich enthalten ſollte, für den Stamm Levi vorab in der Art ausgeſondert werde, daß zwei Fünftel davon den Prieſtern aus dem Geſchlechte Sadoc, zwei weitere Fünftel dem übrigen Stamme Levi zu⸗ fallen, das letzte Fünftel aber mit ſammt der Stadt und ihrer Gemarkung jedoch für Anſiedler aus ſämmtlichen israelitiſchen Stämmen offen bleiben müſſe. Die die nördliche und ſüdliche Grenze des Heiligthums bildenden beiden Parallellinien, in der nämlichen Breite von 25,000 Ellen darnach in beiden Richtungen, ſowohl öſtlich landeinwärts, als nach Weſten bis an das Ufer des mittelländiſchen Meeres weiter fortgeführt, beſchrieben ſodann zwei weitere von einander durch das zwiſchenliegende Heiligthum getrennte Landſtriche, welche von Gott ein⸗ für allemal zu einem bleibenden königlichen Hauseigenthum in der doppelten Abſicht beſtimmt wurden, damit einmal der ferneren Bedrückung des Volkes durch die Habſucht der Könige für alle Zeiten vorgebeugt, und dieſe doch wiederum hinreichend zur Verſorgung ihres Hauſes und zu einer anſtändigen Hofhaltung aus⸗ geſtattet würden. Ueberdieß ſollten dem zukünftigen Könige ein beſtimm⸗ ter Theil der Ernte und eine jährliche Abgabe von der Heerde als Erſt⸗ lingsſteuer entrichtet werden, wogegen dieſer die Beſtreitung der gebräuch⸗ lichen regelmäßigen Opfer werde übernehmen müſſen. Hinſichtlich der Verwaltung des königlichen Hausgutes beſtimmte Gott ferner, daß ein 7 von dem Könige einem ſeiner eigenen Kinder geſchenktes liegendes Gut von demſelben erblich dürfe beſeſſen und wieder auf ſeine Nachkommen vererbt werden, während ein königlicher Beamter ein ſolches empfangenes Geſchenk allemal im Erlaßjahre der königlichen Familie wieder zurück⸗ geben müſſe. Um ſich die im Paragraphen beſchriebene Eintheilung des für den Stamm Levi, für die königliche Hauptſtadt, ſowie zugleich auch für das Heiligthum des Tempels ausgeſonderten Quadrates von 25,000 Quadrat⸗ ellen anſchaulicher zu vergegenwärtigen, müſſen wir uns dasſelbe durch zwei von Oſt nach Weſt laufende Querlinien in der Weiſe durchſchnitten denken, daß drei verſchiedene Landſtreifen, zwei von je 10,000 und einer von 5000 Ellen Breite herauskommen. Eine ſolche in oſtweſtlicher Richtung beabſichtigte Unterabtheilung ſcheint wenigſtens aus cp. 48, 18., wo die Dimenſionen der Stadt näher angegeben werden, hervorzuleuchten. Da die ebenfalls in einem Quadrate zu erbauende beabſichtigte Hauptſtadt nicht ganz 5000, ſondern nur 4500 Ellen im Geviert bekommen ſoll, ſo bleibt für die Vorſtädte rings nach allen vier Weltgegenden ein ſchmaler Streif von 250 Ellen Breite und 5000 Ellen Länge übrig. Die Stadt ſoll übrigens gerade in den Mittelpunkt des zu ihr gehörigen Längen⸗ ſtreifes hineinfallen. Eine Schwierigkeit bleibt dabei, zu erklären, wie das 500 Ellen im Geviert haltende Tempelgebäude zu einem von der Stadt geſonderten Gebiete gehören, und doch vermuthlich mit derſelben wie auch bisher ſoll in unmittelbarer Verbindung bleiben? Um dieſe ſowie alle ſonſtigen denkbaren Schwierigkeiten ſo muthmaßlich wie mög⸗ lich zu heben, ſoll folgende Figur ungefähr die Eintheilung des Ganzen verſinnlichen: N. 25,000 Ellen Länge. 2 E Le vi. S S ————— 8 — — S— 2 2 S 5 5 8 8 Sadoe. 5 S — — FFFFFFCR 374— f 134—— — 91 1 8 5 2 44 D 8 1. Das innere eigentliche Stadtgebiet, 4500 Ellen im Quadrat. 2. Der rings umlaufende Raum für die Vorſtadt, jede Seite 5000 Ellen lang, 250 Ellen breit. 3. Der Tempel, 500 Ellen im Geviert. Wie die gegebene Figur zeigt, haben wir den Tempel der neuen Hauptſtadt unmaßgeblich in dem der Vorſtadt angewieſenen Raume in der Art untergebracht, daß er mit einem nur unbedeutenden Ecke in das Gebiet der Stadt ſelber hineinragt, und fügen als Bemerkung hinzu, daß einer denkbaren Verwirklichung dieſes Syſtemes auf Grund und Boden des alten Paläſtina überhaupt und der Hauptſtadt Jeruſalem insbeſondere eine uns bekannte übermäßige topographiſche Schwierigkeit keineswegs entgegenſteht. §. 579. Ezechiel à7, 1— 12. Nachdem Czechiel dieſe ſämmtlichen mündlichen Offenbarungen an der nördlichen Tempelpforte erhalten hatte, wurde er durch den äußeren Vorhof des Tempels, um ihm noch einige Einzelheiten zu zeigen, zum 0 mag uons 000701 haꝗd ſisn 906˙61 Aoaq 0668 auibe, dn, 222 zun er, auufßen, u, Amzemee, g. auue, U. umeibeg, guuc, lul., aulumm deuueen, Al, 22 duueU, I. uih 2 2, 6. 9 2 — zweiten Male herumgeführt. der äußeren Tempelpforte, welche auf der Oſtſeite angebracht war, an, bei deren Ueberſchreitung er eines unter der Thorſchwelle rechts nach Süden ſich ergießenden reichlichen Waſſerſchwalles gewahr wurde, welcher einen in ſeinem Verlaufe immer tiefer werdenden Bach bildend, auf eine Entfernung von 4000 Ellen bereits ſo tief war, daß Czechiel nicht mehr von einem an das andere Ufer hinüberzuwaten vermochte. Von dieſem Bache, deſſen Ufer herrlich mit Bäumen bewachſen waren, weisſagte ihm ſein Begleiter, daß er ſich dereinſt in das todte Meer ergießen, und deſſen Waſſer auf eine beſtimmte Ausdehnung beſonders in der Mitte des See⸗ ſpiegels wieder trinkbar und reich an großen Fiſchen machen, zugleich aber auch ſchon vor ſeiner Einmündung an ſeinen beiden Ufern eine neue Gattung von Obſtbäumen, welche das ganze Jahr hindurch ihre wohl⸗ ſchmeckenden und heilſamen Früchte trügen, erzeugen werde. Der im Geſichte des Propheten unter dem Tempel hervorbrechende Waſſerſchwall, von welchem auch in anderen prophetiſchen Stellen 8. und im neuen Teſtamente(Apocal. 22, 1.84.) die Rede iſt, wird von den Kirchenvätern in figürlichem Sinne einſtimmig als eine Weisſagung von dem in der chriſtlichen Kirche ge⸗ ſtifteten heiligen Sakramente der Taufe, ſowie von der Ausgießung des heiligen Geiſtes als eines von Jeruſalem aus ſich in alle Welt ver⸗ breitenden Stromes ausgelegt. Auf dieſe nämliche Weisſagung ſcheint Chriſtus der HErr an zwei Stellen im Evangelium Johannis(ep. 4, 10. 13. 14. und op. 7, 38.) ſelber anzuſpielen. (Joel 3, 18. Zachar. 14, Ezechiel 47, 13— cp. 18, 8. 22— 29. Nach dieſen vorausgeſchickten beſonderen weisſagenden Beſtimmungen wurde dem Propheten die zukünftige allgemeine mit der unter König Salomo beſtanden habenden ziemlich übereinkommende Landesgrenze ge⸗ nauer angegeben, von welcher ſie ſich zunächſt nur dadurch unterſchied, daß ſie in drei wahrſcheinlich ſchnurgerade zu denkenden„rechtwinklich aufeinander fallenden Linien das ganze Stromgebiet des Jordaus auf der öſtlichen und weſtlichen Seite ſeines Laufes umſchließen ſollte. Die Eintheilung dieſes ſämmtlichen Landgebietes ſoll, wie die beigefügte Zeich⸗ nung darſtellt, durch von Oſten nach Weſten parallel laufende gerade Horizontallinien ebenſo, wie bei der Ausmeſſung des für das Heiligthum und für das königliche Hausgut ausgeſonderten Mittelſtriches in der Art bewerkſtelligt werden, daß dabei kein Theil kleiner als der andere aus⸗ fallen und auch die mittlerweile unter dem israelitiſchen Volke eingebür⸗ 9 Zuletzt kam er mit ſeinem Begleiter bei §. 580. — gerten Fremdlinge gegenüber den gebornen Israeliten in der Theilung nicht dürfen weder übergangen noch verkürzt werden. Die geographiſche Aufeinanderfolge der einzelnen Stammgebiete wäre nach dieſer von der ehemaligen durchaus abweichenden Neueintheilung in der Richtung von Norden nach Süden folgende: Das Gebiet des Stammes Dan bildet die Nordgrenze. Ihm folgen Aſer, Nephthali, Manaſſe, Ephraim, Ruben, Juda. Auf Juda folgt der das Heiligthum nebſt dem königlichen Haus⸗ eigenthum umfaſſende Mittelſtrich. Hierauf wieder Benjamin, Simeon, Iſſachar, Zabulon, worauf Gad mit der Südgrenze den Schluß bildet. §. 581. Ezechiel 48, 30— 35 Auf die erzählte neue Landeseintheilung folgt eine kurze Beſchreibung der neu zu erbauenden Hauptſtadt, welche der ganzen zuſammenhängenden Offenbarung den Schlußſtein aufſetzt. Die Mauern der Stadt, welche den Namen„Wohnung Gottes“ bekommt, ſollen ein Quadrat von vier Seiten, jede zu 4500 Ellen Länge, bilden, jede Seite mit drei Thoren, deren jedes den Namen irgend eines der zwölf Söhne Jacob's erhalten ſoll. Auf der nördlichen Seite befinden ſich die Thore: Ruben, Juda und Levi; öſtlich Joſeph, Benjamin und Dan; ſüdlich Simeon, Iſſachar und Zabulon, und weſtlich Gad, Aſer und Nephthali. CXXIX. Das babyloniſche Exil.(Fortſetzung.) Die Propheten Daniel und Ezechiel(Fortſetzung). Zweiter Traum Nabuchodonoſor's. §. 582. Ezechiel 29, 17— op. 30, 19. Während dieſer letzterzählten von Gott dem Propheten Ezechiel ge⸗ gebenen Offenbarungen war Nabuchodonoſor, einer bei Flavius Joſephus aufbewahrten Nachricht des griechiſchen Geſchichtsſchreibers Philoſtratus zufolge(Antiqd. Iib. X. ep. 11. am Schluß), mit einer dreizehnjährigen Belagerung der Stadt Tyrus beſchäftigt, deren er ſich auch, wie es ſcheint, im Jahre 3526 endlich glücklich bemächtigte. In Beziehung auf die Er⸗ oberung dieſer Stadt, deren langwierige Belagerung durch die damit ver⸗ bundenen Strapatzen das chaldäiſche Heer ſtark mitgenommen hatte, ohne r Eum daß die Einnahme derſelben ihnen eine entſprechende Beute gewährt hätte (ogl. Anm. zu§. 587.), empfing der Prophet Czechiel ungefähr den 21. März des Jahres die letzte ſeiner in der heiligen Schrift erwähnten Offenbarungen, des Inhalts, daß Nabuchodonoſor's Kriegsleute durch die bald darauf erfol⸗ gende wiederholte Eroberung Egyptens ſollten entſchädigt werden, woran un⸗ mittelbar ein neues Klagelied über den Untergang Egyptens geknüpft iſt. Zu⸗ gleich mit dieſer iſt auch noch die Weisſagung eines für das jüdiſche Volk hoffnungsreichen Umſtandes verknüpft, daß nämlich um dieſelbe Zeit dem⸗ ſelben ein neuer fürſtlicher Sprößling werde geboren werden, ein Ereig⸗ niß, welches den gefangenen Juden über die Wahrheit der gemachten göttlichen Zuſicherung zum erſten Male die Augen öffnen, und ſie zur bereitwilligen Anerkennung auch ſeiner eigenen perſönlichen Prophetenehre werde geneigt machen. Die im Paragraphen erzählte Weisſagung iſt die letzte, welche wir von dem Propheten Czechiel haben. Er war, nachdem er in ſeinem 30. Lebensjahre die erſte göttliche Offenbarung empfangen, damals be⸗ reits in ſein ungefähr 52. Lebensjahr eingetreten. Bald darauf ſoll er einer Tradition nach, und zwar von der Hand eines jüdiſchen Richters, deſſen Abgötterei er ſtrafte, des Martyrtodes geſtorben ſein. Seine Lebens⸗ umſtände ſind uns zu wenig bekannt, um einen Rückblick auf dieſelben werfen zu können. Er war ebenſo wie Jeremias prieſterlichen Standes. An ſeinen Geiſtesgaben muß uns die ſeltene Vereinigung einer äußerſt ſchöpferiſchen Einbildungskraft mit einem tiefen Gemüthe und einer durch⸗ dringenden Verſtandesſchärfe, an ſeinem Charakter die Tugend der helden⸗ müthigſten Selbſtoerleugnung, verbunden mit einer eminenten Geiſtes⸗ bildung, ehr⸗ und bewunderungswürdig ſein.— Die letztangeführte Prophezeiung bezieht ſich vielleicht bloß auf des gefangenen Jechonja's Freilaſſung, oder, was den genealogiſchen Umſtänden nach am Ende noch das Wahrſcheinlichſte von allen, darauf, daß Jechonja, obwohl er Ge⸗ fangener blieb, unter der ſiebenjährigen Zwiſchenverwaltung Evilmerodach's dennoch ſo viele Freiheit errang, um zur Fortpflanzung des königlichen Ge⸗ ſchlechtes entweder ſich neu vermählen, oder den ehelichen Umgang mit ſeinen ebenfalls gefangenen Gemahlinen wieder beginnen zu können. Es bleibt uns auf dieſe Weiſe gerade Zeit genug übrig, um natürlich zu erklären, wie Zorobabel, der Anführer der heimkehrenden Juden, bereits ein Enkel Jechonja's ſein konnte. §. 583. Daniel 4, 1—15. Vielleicht noch im nämlichen Jahre von Egypten aus nach ſeiner Reſidenzſtadt Babylon zurückgekehrt, hatte Nabuchodonoſor einen zweiten bedeutungsvollen Traum, an deſſen Auslegung ihm, ſobald er erwachte, dringend gelegen war. Er ſah nämlich im Traume einen Baum von rieſenhafter Höhe und unerhörter Ausdehnung in der Breite, ſeine Aeſte 12 voll behängt mit lieblichen Blättern und eßbaren Früchten, mittelſt deren er einer Menge Vögeln, ſowie auch vierfüßigen und kriechenden Thieren Nahrung und Obdach gewährte. Plötzlich erſchien ihm ein vom Himmel herabſchwebender Bote Gottes, der mit lauter Stimme das im Rathe der himmliſchen Wächter beſchloſſene Urtheil verkündigte, daß zu einem überführenden Beweiſe von der Allmacht des Höchſten, welcher die Reiche dieſer Welt gebe, wem Er wolle, und auch den Niedrigſten über ſie zu ſetzen vermöge, der fruchttragende Baum gefällt, ſeine Aeſte abgeſägt, ſeine Zweige ihrer Früchte und Blätter beraubt und ſämmtliche Thiere aus ſeinem Bereiche verſcheucht werden ſollten. Nur der Stamm ſollte mit der Wurzel noch in der Erde bleiben, jedoch mit eiſernen und ehernen Ketten an den Erdboden angebunden. In dieſem Zuſtande ſollte diejenige Perſon, welche durch dieſen Baum vorgebildet werde, ſieben Jahre lang ihrer menſchlichen Vernunft beraubt, bloß ihren thieriſchen Trieben über⸗ laſſen bleiben, und während dieſer Zeit ſich wie ein wildes Thier von Wurzeln und Kräutern nähren, ſowie auch ohne Obdach die Nacht über dem Thau des Himmels ausgeſetzt bleiben. Dieß war der Traum, den Nabuchodonoſor empfangen, mit deſſen Deutung er, da ihm die chaldäiſchen Wahrſager denſelben entweder nicht auslegen konnten oder ihm die wahre Auslegung nicht zu geben den Muth hatten, zum zweiten Mal ſeinen vertrauten Freund und Rathgeber Daniel beauftragte. Die chronologiſche Beſtimmung der im Paragraphen erzählten Be⸗ gebenheit hängt hauptſächlich von Nabuchodonoſor's Todesjahr ab, von welchem eine Summe von wenigſtens ſieben vollen Jahren, denn ſo lange dauerte ſeine Geiſteskrankheit, abgezogen werden muß. Da derſelbe nach §., 587. erſt im Jahre 3536 geſtorben, ſo wäre der Zeit nach nicht un⸗ möglich, was der griechiſche Geſchichtsſchreiber Megaſthenes erzählt, daß Nabuchodonoſor vor ſeiner Rückkehr aus Egypten ſein Heer durch Lybien an der ganzen Nordküſte von Afrika bis an die Meerenge von Gibraltar fortgeführt habe, und von dort nach Spanien überſetzend erſt durch Europa wieder zurückgekehrt ſei. Es müſſen jedoch, um dieſe Erzählung glaub⸗ haft erſcheinen zu laſſen, erſt Spuren dieſes Zuges in anderen geſchicht⸗ lichen Denkmälern ausfindig gemacht werden.(Vergl. Stolberg's Reli⸗ gionsgeſchichte 4. Theil, III, 14, 45.) §. 584. Daniel à, 16— 25. Daniel nahm ſich, nachdem er die Erzählung des Traumes aufmerk⸗ ſam angehört, eine Stunde Zeit zum Nachdenken, und erklärte darnach ſein innigſtes Bedauern, dem Könige dießmal eine unglückliche Voraus⸗ ſagung auf Grund des Traumes machen zu müſſen. Der zum Fällen 13 verurtheilte Baum ſei keine andere Perſon, als Nabuchodonoſor ſelber, welcher um zu lernen, daß er die Erlangung einer ſo ausgedehnten Herr⸗ ſchaft wie die ſeinige, nicht ſowohl ſeinem eigenen perſönlichen Verdienſte, als vielmehr einer freien Fügung der göttlichen Güte zu verdanken habe, von Gott mit einer ſiebenjährigen Geiſteskrankheit ſolle heimgeſucht wer⸗ den, in welchem Zuſtande er wie ein wildes Thier auf freiem Felde lebend, vom Thau des Himmels durchnäßt werden, und ſich von Wurzeln und Kräutern werde ernähren müſſen, doch unter derjenigen Milderung, daß ſein Reich ihm während deſſen unangetaſtet bleiben, und er nach wieder erlangter Geſundheit die Regierung desſelben ungehindert werde wieder antreten dürfen. Ueberdieß rieth Daniel dem Könige, die verwirkten zeit⸗ lichen Strafen ſeiner Sünden durch Almoſen und durch mitleidige Ver⸗ ſorgung der Armen loszukaufen, indem es ihm auf dieſem Wege mög⸗ licher Weiſe gelingen dürfte, eine über ihn verhängte ſo augenfällige Demüthigung noch zu rechter Zeit von ſich abzulenken, ein gegebener Rath, welcher aber von Nabuchodonoſor nicht befolgt worden zu ſein ſcheint. §. 585. Daniel 4, 25— 30. Mehrere Monate verliefen ſeit dieſem Tage ohne eine beſondere Ver⸗ änderung, bis dem Könige am Ende des zwölften Monats nach dem babyloniſchen Kalender, wahrſcheinlich im Laufe des Jahres 3527, wäh⸗ rend er zufällig auf der Altane ſeines Palaſtes luſtwandelte, einmal der Gedanke kam, den er ſich auch wörtlich auszudrücken die Freiheit erlaubte, die Erbauung einer ſolchen rieſenhaft majeſtätiſchen Reichshauptſtadt, wie ſie in dem gegenwärtigen Momente ihm vor Augen zu ſeinen Füßen ſich aus⸗ breitete, ſeiner eigenen perſönlichen Thatkraft als Verdienſt beilegen und darin ein Denkmal ſeines unſterblichen zeitlichen Ruhmes erblicken zu wollen. Kaum war das Wort aus ſeinem Munde, ſo erſcholl vom Himmel eine Stimme, welche Nabuchodonoſor beim Namen rief, und ihm die alsbaldige ge⸗ zwungene Niederlegung ſeiner Herrſchaft, und die an ihm vorgehen wer⸗ dende ſchließliche Erfüllung des gehabten Traumes verkündigte. In der nämlichen Stunde bewahrheitete ſich auch die gemachte Verkündigung, in Folge deren er wie ein Wahnſinniger von ſeinen eigenen Beamten aus ſeinem Palaſte und aus der Stadt hinausgetrieben, ſieben Jahre lang wie ein wildes Thier auf freiem Felde lebte, ſo daß in dieſer Zeit ſeine Haare wie Adlersfedern wuchſen und ſeine Nägel ſich zu Vogelkrallen formten. 14 §. 586. Daniel 3, 98— 100. cp. J, 31—34. Nach Ablauf der erwähnten ſiebenjährigen Friſt, während welcher uns kein wichtiges anderweitiges Ereigniß aus der heiligen Geſchichte bekannt iſt, alſo wahrſcheinlich im Jahre 3534, bekam der verwilderte Nabuchodonoſor einen lichten Augenblick, in welchem er ſeine Augen gen Himmel erhob, und dem allerhöchſten Gott Himmels und der Erde die Ihm gebührende Ehre zurückgab, in Folge welcher inneren Selbſtdemüthi⸗ gung er mit Einem Male wieder vollkommen zu ſeiner ehemaligen ver⸗ nünftigen Beſinnung zurückkehrte, und auch von ſeinen inzwiſchen mit der Führung des Staatsruders beſchäftigten Beamten unverzüglich ehrfurchts⸗ und vertrauungsvoll als ihr rechtmäßiges Oberhaupt wieder begrüßt und aufgenommen wurde. Als Erinnerungszeichen dieſer denkwürdigen Be⸗ gebenheit erzählte Nabuchodonoſor dieſelbe in einem eigenhändigen Re⸗ gierungserlaß, welcher im Texte des von dem Propheten Daniel hinter⸗ laſſenen und unter die Bücher der heiligen Schrift aufgenommenen Buches ausführlich enthalten iſt. CXXX. Das babyloniſche Exil.(Fortſetzung.) Die Propheten Daniel und Ezechiel(Fortſetzung). Freilaſſung des gefangenen Rönigs Jechonja. §. 587. 4. Reg. 25, 27— 30. Jeremias 52, 31— 34. Nabuchodonoſor erfreute ſich ſeiner wieder erlangten Geſundheit nicht mehr lange Zeit, indem er nach einer, wie Joſephus angiebt, Jgjährigen Regierung(vergl. Antiqq. lib. X. cp. 11. gegen das Ende) wahrſchein⸗ lich im Jahre 3536 mit Tod abging. Ungefähr am 16. März des Jahres 3537 fühlte ſein Sohn und Nachfolger Evilmerodach, unbekannt aus welcher Veranlaſſung, ſich bewogen, den damals etwa 54jährigen ehemaligen jüdiſchen König Joachin oder Jechonja aus ſeiner Gefangen⸗ ſchaft zu befreien, und ihm an ſeinem eigenen Hofe einen anſtändigen, mit einem ehrenvollen Gnadengehalte verbundenen Aufenthalt zu ge⸗ währen. Bei dieſer Gelegenheit ging wahrſcheinlich die von Czechiel (Vergl.§. 582.) gegebene Weisſagung in Erfüllung, daß Jechonja ſich in vorgerücktem Alter noch einmal vermählte und auf dieſe Weiſe das königliche Geſchlecht David's weiter fortpflanzte. 15 Obwohl ſeiner Abſtammung nach dem israelitiſchen Volke nicht an⸗ gehörig, greift doch die Perſönlichkeit Nabuchodonoſor's in die Geſchichte des Volkes Gottes viel zu tief ein, als daß wir die Mühe ſcheuen ſoll⸗ ten, einem zumal auch ſonſt ſchon ſo intereſſanten, und man darf hinzu⸗ fügen, ehrenwerthen Charakter einen kurzen Rückblick zu widmen. Sein Beruf in der heiligen Geſchichte war, dem jüdiſchen Volke, welches ſeine politiſche Nationalunabhängigkeit ſeit der letzten von Joſias durchgeführten Cultusreformation neuerdings wieder zu einer planmäßigen Uebertretung aller göttlichen und menſchlichen Geſetze mißbraucht, und ſich ſomit je länger je unverbeſſerlicher in der augenſcheinlichſten Hintanſetzung ſeines geſchichtlichen Berufes gezeigt hatte, als eine von Gott geſendete Zucht⸗ ruthe zum erſten Male die Freiheit zu nehmen, und es einem fremden Reiche wobl oder übel gewaltſam zu unterwerfen. Dazu gehörte ein Mann, welcher nicht allein eine überlegene kriegeriſche Waffenmacht, wie diejenige des damaligen chaldäiſchen Heeres, in Händen hatte, fondern zugleich damit, obwohl Heide von Geburt und Erziehung, auch die hin⸗ reichende Mäßigung beſaß, ein unterworfenes Volk zu ſchonen, und auf dieſe Weiſe die Erhaltung ſeiner nationalen Exiſtenz und Eigenthümlich⸗ keit auch in der Gefangenſchaft demſelben möglichſt zu erleichtern. Es gehörte mit anderen Worten einer jener in der Geſchichte ſeltenen großen Männer dazu, welche, wie Chrus, Alexander der Große, Cäſar und andere, gleichzeitig große Eroberer, ſich dennoch zugleich die unwillkührliche Achtung und das Zutrauen der ihnen unterworfenen Völker zu ver⸗ ſchaffen im Stande geweſen ſind. Mit dieſem aus den Tugenden eines Philoſophen gleichzeitig mit den Fehlern eines Eroberers eigenthümlich verwebten Charakter ausgerüſtet, wird Nabuchodonoſor noch bei Lebzeiten ſeines Vaters ausgeſendet, um das durch den einige Jahre zuvor ſtatt⸗ gefundenen Einfall des Königs Pharao Nechao(vergl. Anmerkung zu §. 482.) in Syrien verlorne politiſche Uebergewicht der Chaldäer wieder herzuſtellen. Schon dieſer erſte, durch die Schlacht bei Carchemiſh oder Circeſium alsbald glücklich entſchiedene Feldzug führte in ſeinem weiteren Verlaufe den jugendlichen Thronerben damals ſogleich nach Jeruſalem, der Hauptſtadt des jüdiſchen Reiches, welches ſeit der unglücklichen Schlacht bei Maggeddo bereits dem egyptiſchen Reiche zinsbar, nunmehr ohne Weiteres genöthigt wurde, unter die chaldäiſche Botmäßigkeit überzugehen. Als Unterpfand für die Treue ſeiner neuunterworfenen Unterthanen nahm Nabuchodonoſor, durch die Nachricht von dem inzwiſchen erfolgten Ab⸗ leben ſeines Vaters Nabopalaſſar zur ſchleunigen Rückkehr beſtimmt, wie aus der Vergleichung der zu§. 482. angeführten bibliſchen Beweisſtellen erſichtlich, den König Joakim perſönlich nebſt einem Theile der im Königs⸗ palaſte wie im Tempel vorfindlichen Gold⸗ und Silbergeräthe, ſowie end⸗ lich eine Anzahl jüdiſcher Vornehmen als Gefangene nach Babylon mit ſich fort. Indeſſen wurden ſie in der chaldäiſchen Hauptſtadt ganz gut behandelt, die Tempelgefäße in keiner Hinſicht entweiht, ſondern auf möglichſt ehrenvolle Weiſe im Tempel des Bel aufbewahrt, und der König Joakim ſelbſt bald darauf mit ſammt ſeiner Begleitung gegen das eidliche Verſprechen der Treue nach Jeruſalem wieder zurückentlaſſen. Nur vier Jünglinge aus königlichem Geblüte, Daniel, Ananias, Azarias und Miſael behielt er als Geißeln bei ſich, welche er als ſpätere Hof⸗ 16 beamte auf die ſorgfältigſte Weiſe erziehen ließ, und dadurch, ohne es ſelber zu wiſſen, eine von dem Propheten Iſajas gemachte göttliche Straf⸗ ankündigung in Erfüllung brachte(vergl.§. 467.). In dieſer ſeiner erſten Regierungszeit, in welcher Nabuchodonoſor wahrſcheinlich noch ſehr jung war, hatte derſelbe die Ehre, einer über⸗ natürlichen göttlichen Offenbarung in Form eines Traumes gewürdigt zu werden, deſſen von Daniel ihm gegebene treffende Auslegung ihm, wie es ſcheint, zum erſten Male die richtigen Grundbegriffe einer wahren auf Offenbarung gegründeten Gotteserkenntniß im Gegenſatze zu der Unzulänglichkeit aller heidniſchen Weltweisheit zur Einſicht brachte. Der davon empfangene unmittelbare Eindruck war ein überaus heftig über⸗ wältigender, welcher auf Lebenslang ein Band der Freundſchaft und des Vertrauens zwiſchen Nabuchodonoſor und Daniel gründete, und des Letzteren ſowie ſeiner drei Freunde Anſtellung in den wichtigſten und einflußreichſten Hofämtern zur Folge hatte. Dennoch war die religiöſe Erkenntniß des von Jugend auf im Götzendienſte erzogenen Königs noch immer ſo beſchränkt, daß es, wie die drei in jene Zeit ungefähr zu rech⸗ nenden Erzählungen vom Bel und vom Drachen zu Babel und von den drei Männern im feurigen Ofen zeigen, noch mehr als Eines thatſäch⸗ lichen Beweiſes bedurfte, um ihn endlich zu überzeugen, daß Gott Seiner Natur nach Ein Einziges Weſen, daß alle unter den heidniſchen Völkern herkömmliche Abgötterei ebenſo widerfinnig als unſittlich zu betrachten, demnach unbedingt zu verwerfen, ja daß es, um der Majeſtät des gött⸗ lichen Weſens nicht zu nahe zu treten, einer von dem Könige aufgeſtell⸗ ten goldenen Bildſäule auch nicht einmal zum Scheine aus bloßer Etikette fußfällige Verehrung zu erweiſen erlaubt ſei. Seit dieſer Zeit finden wir auch in dem ganzen ſpäteren Leben Nabuchodonoſor's keine Spur einer ferneren Abgötterei, vielmehr im Gegentheil die größte Achtung, Rückſicht und Schonung aller den Cultus des allein wahren zu Jeruſalem ſich offenbarenden Gottes Israels betreffenden Angelegenheiten. Der bald hierauf eintretende Abfall Joakim's veranlaßte zugleich mit der Nachricht neuer von Könitzz Pharao angeordneter Kriegsrüſtungen Nabuchodonoſor zu einem zweiten Feldzuge, in welchem der König von Jeruſalem, un⸗ bekannt auf welche nähere Weiſe, ſein Ende fand, und auch ſein Sohn und Nachfolger Joachin oder Jechonja durch freiwillige Uebergabe der ganzen Stadt in chaldäiſche Gefangenſchaft gerieth. Jechonja mochte allenfalls auf dieſem Wege zum wiederholten Male ſich Nabuchodonoſor's Zutrauen zu erwerben, und gegen erneuertes eidliches Unterthanverſprechen als König in Jeruſalem bleiben zu dürfen hoffen. Nabuchodonoſor aber ſchenkte ihm das gehoffte Zutrauen nicht, ſondern nahm vielmehr im Gegentheil in der Abſicht, um die Stadt Jeruſalem und den jüdiſchen Staat ſoviel als möglich zu ſchwächen, ohne ihn bereits vernichten zu wollen, den jungen hoffnungsvollen Fürſten mit ſammt ſeiner Mutter Noheſta und 10,000 der tüchtigſten und angeſehenſten Bürger der Haupt⸗ ſtadt und des übrigen Landes als Gefangene nebſt allem noch übrigen Gold⸗ und Silbergeſchirr ſowohl im Tempel als im Königspalaſte als ein neues Unterpfand der Treue mit ſich nach Babhylon fort. Den ſchwächſten und unanſehnlichſten Theil des Volkes ließ er mit Abſicht in Paläſtina zurück, und ſtellte Sedecias unter neuerdings eidlich auferleg⸗ 17 ten Vaſallenverpflichtungen als König über ſie auf. Dieſe Maßregel beweiſt außer dem überlegenen Feldherrntalent ein bei Nabuchodonoſor gleichzeitig vorhandenes ausgezeichnetes politiſches Adminiſtrationsgenie. Die neuerdings erbeuteten Tempelgefäße wurden wiederum zur Auf⸗ bewahrung in den Belustempel eingebracht, und die jüdiſchen Gefangenen, wie glaublich, wiederholt auf das Beſte behandelt; nur ſcheint er ſie zur Mitwirkung am Ausbau der Mauern, der Feſtungswerke und der ſonſti⸗ gen öffentlichen Gebäude der Stadt Babylon gezwungen zu haben, in welchen ſich Nabuchodonoſor's eigenthümliche Bauluſt auf eine unerhört großartige Weiſe, wie vielleicht bei keinem anderen ſeither in der Welt aufgetretenen Monarchen manifeſtirt hat. Leider find, wenn wir anders ein ſolches Opfer der unſerem menſchlichen Geſchlechte angebornen Eigen⸗ liebe zu beklagen wirkliche Urſache haben, ſeine großartigen Schöpfungen ſo traurig als nur immer möglich zu Grunde gegangen, indem die da⸗ mals ſo unermeßlich reiche Stadt und üppig blühende Umgegend von Babylon ſeitdem als ein wahres Scheuſal der widerwärtigſten fumpfigen Einöde und Wüſtenei beſchrieben wird, aus welcher nebſt anderen kleineren Trümmern nur die Reſte des erſt von Kerxes eingeriſſenen babyloniſchen Thurmes in Form eines von wildem Dorngeſträuch bewachſenen Ruinen⸗ hügels bemerklich hervorragen, nur im Winter zugänglich, weil derſelbe im Sommer unzähligen giftigen Schlangen zum Aufenthaltsort und Schlupfwinkel dient. Die verſchiedenen zuſammenwirkenden Urſachen dieſer damals unglaublichen, von den beiden Propheten Iſajas und Jeremias aber bereits längſt im Geiſte vorhergeſehenen und ausdrücklich geweis⸗ ſagten ſchauderhaften Verwüſtung werden ſpäter in der Anmerkung zu §.5602. namhaft gemacht werden. Eine ſolche radikale dereinſtige Ver⸗ wüſtung mußte deßwegen namentlich damals unglaublich ſcheinen, weil zu einer, wie ſie uns von Herodot beſchrieben wird, beiſpielloſen damaligen Bodenfruchtbarkeit eine durch Nabuchodonoſor's aufgewendete Fürſorge unerhörte Stärke ſeiner Befeſtigungswerke hinzukam, indem ſchon die aus Backſtein errichteten Mauern bis zu einer Höhe von nicht weniger als 350 Fuß Höhe(nach Prideaux's Berechnung) nebſt einer Dicke von 87 Fuß aufgeführt waren, und niedriger durften ſie auch ſchon der Proportion wegen beinahe nicht ſein, indem ſie in Form eines gleich⸗ ſeitigen rechtwinkligen Vierecks einen Flächenraum von beinahe 9 geogra⸗ phiſchen Quadratmeilen in ſich ſchloſſen. Man denke ſich ein ſolches Rieſenquadrat von Mauern, deren eine jede Seite gegen 5 Stunden lang, in eine ganz ebene Gegend des fruchtbarſten Bodens verſetzt, ſo wird man einſehen, daß dieſelben auch auf den Fall einer denkbaren Belagerung den Einwohnern der Stadt noch immer eine beträchtliche Ausdehnung des beſten Getreidfeldes zu jährlicher ungeſtörter Bewirth⸗ ſchaftung übrig ließen. Nachdem in dieſer Weiſe einige Jahre aus Nabuchodonoſor's Lebens⸗ lauf, wie es ſcheint, friedlich verſtrichen waren, veranlaßte ihn der nach getroffener Verabredung mit ſämmtlichen Nachbarſtaaten zugleich mit der Ausſicht auf egyptiſche Hilfe bewerkſtelligte wiederholte Abfall des Königs Sedecias zu einem dritten Kriegszuge, im Verlaufe deſſen ſein erprobtes Heer nach einer unglaublich hartnäckigen achtzehnmonatlichen verzweifelten Gegenwehr der belagerten Juden ſo glücklich war, unter Nabuzardan's Krafft, heil. Geſchichte. II. Oberbefehl ſich der aufrühreriſchen Stadt endlich gewaltſam zu bemäch⸗ tigen. Jeruſalem wurde von jetzt an nicht länger verſchont. Die Stadt wurde vielmehr planmäßig ausgeraubt, die Mauern bis auf den Grund eingeriſſen, die leerſtehenden Gebäude mit ſammt dem Tempel in Brand geſteckt, und ihre Einwohner zu den übrigen Gefangenen nach Babylon abgeführt. Bezeichnend für Nabuchodonoſor's Charakter iſt dabei jedoch die im Gegenſatze zu der gegen König Sedecias und ſeine Großen geband⸗ habten unerbittlichen Strenge gleichzeitig beobachtete ehrfurchtsvolle Rück⸗ ſicht auf das fernere Schickſal des bisher in der Stadt gefangen gehaltenen Propheten Jeremtas, ſowie das neuerdings auf die Redlichkeit des rechtzeitig zu ihm übergegangenen Godoljas geſetzte unbefangene Vertrauen, den er über den im Lande noch übrig bleibenden ärmſten Theil des Volkes zum Statthalter aufgeſtellt, aus eigenem Antriebe gutwillig zurückließ. Dieß Alles geſchah übrigens nur in Nabuchodonoſor's Auftrag und nicht in ſeiner Anweſenheit, indem er damals in Syrien mit anderen kriegeriſchen Unternehmungen, insbeſondere, wie es ſcheint, mit den vorbereitenden Maßregeln zu einer bald darauf beginnenden 13jährigen Belagerung der alten, bisher noch niemals eroberten, damals noch auf dem Feſtlande befindlichen Stadt Tyrus beſchäftigt war. Nach der Eroberung von Tyrus, welche, da die Einwohner ſich mittlerweile auf einer der Stadt gegenüber liegenden Meeresinſel neuerdings angeſiedelt, und dort, wohin Nabuchodonoſor's Waffengewalt ſich nicht erſtreckte, ihr Vermögen in Sicherheit gebracht hatten, die Mühe der Belagerung ſo gut wie gar nicht belohnte, ſetzte der chaldäiſche Eroberer ſeinen Kriegszug nach Egyp⸗ ten weiter fort, woſelbſt er nach der im H. 582. erzählten Prophezeiung des Propheten Ezechiel ſich reichlich zu entſchädigen Gelegenheit fand, und die Egypter die volle Wirkung ſeines lange aufgeſparten Rachedurſtes für die bisherige beſtändige Aufhetzung ſeiner Vaſallen zum Abfall reich⸗ lich empfinden ließ. Erſt aus dieſem Kriegszuge kehrte er zu einem nochmaligen ruhigen Lebensgenuſſe nach Babylon zurück, wohin indeſſen ſein Feldherr Nabuzardan in ſeinem Auftrage auch den letzten noch übrigen Theil der jüdiſchen Einwohner Paläſtina's als Gefangene abgeführt hatte. Durch die nachtheilige Wirkung langwieriger kriegeriſcher Ereigniſſe, wie es ſcheint, einigermaßen in ſeinem Charakter verwildert, begegnet dem Könige in ſeinem Alter, ungeachtet ein neuerdings noch einmal von Gott geſchenkter außerordentlicher Traum ihn zum Voraus gewarnt hatte, die ſtrafbare Schwäche, den Ruhm der Herſtellung einer ſo glänzend groß⸗ artig angelegten Hauptſtadt, wie er dieſelbe von der höchſten Terraſſe ſeiner ſchwebenden Gärten aus zu ſeinen Füßen ausgebreitet liegen ſah, nicht auf den ihn ſichtbar von Schritt zu Schritt begleitenden unverkenn⸗ baren Segen des allmächtigen Gottes dankbar zurückführen, ſondern ſich eigennützig als ein ſelbſt erworbenes perſönliches Verdienſt zuſchreiben zu wollen, für welche ſtolze Selbſterhebung er augenblicklich von dem allwiſſenden Gott mit einer ſiebenjährigen thieriſchen Geiſteszerrüttung beſtraft wird. Nach Ablauf dieſer ſiebenjährigen Strafzeit kommt er, wie in§. 586. erzählt wurde, wieder zu Vernunſt, und klagt ſich in einem öffentlichen Regierungserlaſſe mit demüthiger Reue ſelber ſeines Fehlers offenherzig an, überlebt aber die glückliche Stunde ſeiner Ge⸗ neſung nur mehr um kurze Zeit. Vor ſeinem Tode ſoll er nach einer 19 bei Euſebius aufbehaltenen Sage(Jahn's Archäblogie II. Theil 1. Band politiſche Alterthümer§. 46.) den bevorſtehenden Untergang des chal⸗ däiſchen Reiches durch die Meder und Perſer noch ſelber prophetiſch voraus angekündigt haben. Nabuchodonoſor giebt uns, wie bereits in der Anmerkung zu. 494. bemerkt, ſowohl als Menſch wie auch als Fürſt betrachtet, ein in mehr als Einer Beziehung erwecklich erbauliches Beiſpiel. Wir haben ge⸗ gründete Urſache vorauszuſetzen, daß er, wenn auch nicht in die ſicht⸗ bare Gemeinſchaft des altteſtamentlichen Bundesvolkes aufgenommen, nichts deſto weniger wie Naaman und andere Heiden das Ziel unſerer ewigen menſchlichen Beſtimmung glücklich dürfte erreicht haben. Die am Schluſſe des Paragraphen erzählte Vermählung Jechonja's nach ſeiner Befreiung aus der Gefangenſchaft durch Nabuchodonoſor's Sohn und Nachfolger Evilmerodach leiten wir theils aus der§. 582. ausgelegten Prophezeiung(Ezech. 29, 21.), theils aus dem doppelten thatſächlichen Umſtande her, daß einmal bei der Erzählung von der Ge⸗ fangenabführung des Königs Jechonja im Jahre 3500(Vergl.§. 504.) zwar Weiber, aber keineswegs Kinder Jechonja's erwähnt werden, und daß es andererſeits im hohen Grade unwahrſcheinlich iſt, daß Jechonja während der Dauer ſeiner Gefangenſchaft den ehelichen Umgang mit ſeinen Gemahlinen habe fortſetzen dürfen. Ueber dieſen letzten Punkt wollen wir jedoch nicht ganz aburtheilen, indem aus Baruch 1538 her⸗ vorgeht, daß dem gefangenen Könige der Umgang mit ſeinen Landsleuten im Allgemeinen wenigſtens nicht ganz abgeſchnitten war. Iſt jedoch unſere Vermuthung begründet, ſo geht zuͤgleich daraus hervor, daß diejenigen bis⸗ herigen Bearbeiter der bibliſchen Geſchichte Unrecht haben, welche aus den Worten 4. Reg. 25, 30. Jerem. 52, 34.„ounctis diebus vitae ejus“ den Schluß ziehen, daß Jechonja die kurze Regierung Evilmerodach's nicht könne überlebt haben, und ihn deßwegen bereits im darauffolgenden Jahre 3538 nach unſerer Rechnung ſterben laſſen. Denn da 1. Paral. 3, 17. 18. nicht weniger als acht Söhne Jechonja's aufgezählt werden, ſo erhellt von ſelbſt, daß er, ſelbſt wenn er mehrere Gemahlinen ge⸗ nommen, nicht ſo viele Kinder in ſo kurzer Zeit hätte erzeugen können. Das in dem angeführten Terxte befindliche Pronomen„ejus“ läßt ſich unſerer Meinung nach ebenſo gut auf Evilmerodach, als auf Jechonja beziehen, und ſelbſt wenn es auf Jechonja abſolut bezogen werden müßte, ſo iſt es ja nicht undenkbar, daß Nerigliſſar, obwohl er Evilmerodach gewaltſam um das Leben brachte, nichts deſto weniger die dem gefangenen jüdiſchen Fürſten einmal beſtimmte Appanage könnte fortbezahlt haben. Wir erwähnen bei dieſer Gelegenheit eine beim heiligen Hieronymus (Comment. in Isaj. 14, 19.) erhaltene geſchichtliche Sage, welcher zufolge Coilmerodach durch den beſonderen Umſtand zur Freilaſſung des ge⸗ fangenen jüdiſchen Königs bewogen wurde, weil er im letzten Jahre der Regierung ſeines Vaters Nabuchodonoſor im Gefängniſſe zufällig ſeine Betanntſchaft gemacht habe. In das Gefſängniß aber ſoll Evilmerodach von ſeinem eigenen Vater geworfen worden ſein von wegen der erbärm⸗ lich ſchlechten Reichsverwaltuͤng, die er während der ſiebenjährigen Krank⸗ heit Nabuchodonoſor's ſich habe laſſen zu Schulden kommen. Obwohl der Glaubwürdigkeit dieſer Tradition gerade keine innere Schwierigkeit ent⸗ gegenſteht, ſo halten wir es dennoch bei der geringen Wichtigkeit des dadurch gegebenen Aufſchluſſes für gerathener, dieſelbe ganz auf ſich be⸗ 10 unt, d ruhen zu laſſen. §. 588. Sußnutt J. Esdra ep. 3— 16.)9 Evilmerodach's Regierung dauerte nach dem von Joſephus' Angabe abweichenden, aber durch größere chronologiſche Präciſion ſich empfehlen⸗ 0 den Berichte der Profanſchriftſteller nur zwei Jahre, nach deren Ablauf er, ungefähr im Jahre 3538, durch ſeinen eigenen Schwager Nerigliſſar J1 vom Throne geſtoßen und getödtet wurde. Unter Nerigliſſar's Regierung fallen ungefähr in das Jahr 3540 die angeblichen Viſionen und Offen⸗ barungen des Propheten Esdra, welche in dem 4. Buche Esdra erzählt werden. Den an die Spitze unſeres Paragraphen geſtellten Text des vierten Buches Esdra haben wir, da wir uns der handgreiflichen im ganzen Buche zerſtreuten Anachronismen halber von ſeiner fraglichen Aechtheit ſelber nicht überzeugen können, abſichtlich in Klammern eingeſchloſſen. Wir dürfen uns daher durch die auffallende Rednergabe des Auctors, ſowie durch einige unverkennbar darin enthaltene Anſpielungen auf einige neuteſtamentliche Terte(op. 1, 30. 38. 39. ep. 2, 45.) über den Werth des Buches, deſſen eigentliche Entſtehung zu wiſſen uns wohl intereſſant wäre, nicht blenden laſſen. Cp. 2, 35. finden ſich auch jene in die Liturgie der Missa Requiem als Antiphon aufgenommenen Worte:„lIux perpetua lucebit vobis.“ §. 589. Dan. 5, 10— 12. Nerigliſſar's Regierung dauerte nach der Angabe der Profanſchrift⸗ ſteller ebenfalls nur kurze Zeit, nämlich vier Jahre, alſo beiläufig bis zum Jahre 3542, in welchem er in einer großen Feldſchlacht von dem mediſch⸗perſiſchen Heere unter Cyrus geſchlagen, zugleich ſein Leben ein⸗ büßte. Nach ihm regierte, und dieß iſt das Einzige, worin Joſephus (Antiqd. lib. X. op. 12.) mit den Profanſchriftſtellern genau überein⸗ kommt, neun Monate lang ſein Sohn Laboroſoarchod, nach deſſen Er⸗ mordung das Reich an Baltaſſar, den Sohn des vor fünf Jahren er⸗ mordeten Cvilmerodach und der noch lebenden Königin Nitokris ungefähr im Jahre 3513 zurückfiel. Nitokris, welche von dem griechiſchen Ge⸗ ſchichtsſchreiber Herodotus als eine Frau von großer Weisheit und That⸗ kraft geſchildert wird, iſt wahrſcheinlich die nämliche Königin, welche ſpäter in der Nacht der Eroberung Babylon's dem Könige Baltaſſar den Rath gab, die an der Wand des Speiſeſaales erſcheinende wunderbare 21 Schrift ſich durch Daniel enträthſeln zu laſſen(vergl.§. 599.), indem auch Fl. Joſephus(Antiqg. X, cp. 12.) hinſichtlich derſelben ausdrücklich bemerkt, daß es nicht die Gemahlin, ſondern die Mutter(wielleicht auch Großmutter lανν]ν M des Königs geweſen ſei. CXXXI. Das babyloniſche Exil.(Fortſetzung.) Der Prophet Daniel(Fortſetzung). Zwei Geſichte Daniel's. 6. 590. Daniel 7, 1 14. 21. 22. Bisher hatte Daniel, welcher am babyloniſchen Hofe beſtändig eine angeſehene Stellung beibehalten, ſich durch die richtige Auslegung der Träume Anderer ausgezeichnet. In dem erſten Regierungsjahre des Königs Baltaſſar empfing er ſelber ein göttliches Traumgeſicht. An das Ufer des Meeres im Geiſte verſetzt, ſah er erſt eine Zeit lang dem Kampfe zu, welchen die losgelaſſenen vier Winde der Welt durch gegen⸗ ſeitiges Aufthürmen der Meereswellen miteinander aufführten. Hierauf ſah er nacheinander vier wunderbar geſtaltete Thiere verſchiedener Art aus dem Meere an das Ufer ſteigen. Das erſte war eine geflügelte Löwin, deren Adlersflügel aber zuletzt ausgerauft, und ſie ſelbſt wie ein Menſch auf zwei Füße geſtellt wurde, bei welcher Gelegenheit ſie auch menſchliche Vernunft bekam. Das zweite war eine Art Bär mit drei großen Stoßzähnen, welchem die Erlaubniß gegeben wurde, nach Herzens⸗ luſt ſich an Fleiſch ſatt zu freſſen. Ihm folgte ein Leopard mit vier Fittigen geflügelt und vier Köpfe tragend, welchem Gewalt gegeben wurde. Endlich ſah er ein viertes ebenſo furchtbares als bewunderungswürdiges Thier von unüberwindlicher Stärke aus dem Meere aufſteigen, welches mit eiſernen Zähnen bewaffnet Alles fraß und zermalmte, und was es nicht freſſen mochte, mit den Füßen zu Boden trat, und von allen be⸗ kannten Thieren verſchieden zehn Hörner zur Auszeichnung auf dem Haupte trug. Später wurden jedoch drei aus dieſen Hörnern durch ein neues kleines Horn verdrängt, welches zuletzt Augen wie ein Menſch und auch einen menſchlichen Mund bekam, mittelſt deſſen das Thier furcht⸗ bare Worte ausſprach, welches zugleich die Heiligen Gottes mit blutiger Verfolgung bekriegte, und ſie unter ſeine Gewalt brachte ſo lange, bis Throne aufgeſtellt wurden, und der Alte der Tage(Antiquus dierum), 22 der ewige Richter, ein in ein ſchneeweißes Gewand gehüllter Greis mit einem Haupthaare wie reine Wolle, ſich auf einem feuerglühenden, auf flammenden Rädern ruhenden Throne zu Gericht ſetzte, von deſſen Antlitz ein lebendiger Feuerſtrom ausging, und deſſen Winkes, während ihm Zehnmalhunderttauſende zur Seite ſtanden, Hunderttauſende vor ihm ge⸗ wärtig waren. Das Gericht ſelbſt wurde nach Büchern gehalten, welche aufgeſchlagen wurden, und der Entſcheid desſelben fiel dahin aus, daß ſowohl die Zeit der übrigen Thiere nunmehr abgelaufen ſei, als daß insbeſondere jenes vierte Thier zur Strafe für die von dem kleinen Horne ausgeſtoßenen Gottesläſterungen getödtet und ſein Leichnam dem Feuer übergeben werde, worauf eines Menſchen Sohn vor den Richter gebracht und ihm alle zeitliche Gewalt auf Erden in Form eines unvergänglichen Königreichs, an deſſen Herrlichkeit auch alle übrigen Heiligen Theil neh⸗ men durften, übertragen wurde. §. 591. Daniel 7, 15— 20. 23—28. Der erſchütternde Eindruck, welchen der Anblick ſolcher Vorgänge auf Daniel's Seele hervorbrachte, veranlaßte ihn, ſich an einen der dem Richter zur Seite ſtehenden Diener mit der Bitte zu wenden, ihm von allem dem Geſehenen die richtige Auslegung zu geben. Derſelbe belehrte ihn, daß die vier Thiere im Allgemeinen die nämlichen vier Weltreiche bedeuteten, welche nach der dem Könige Nabuchodonoſor bereits gegebenen früheren Offenbarung(vergl.§. 493.) auf dieſer Welt entſtehen würden, deren Macht aber zuletzt auf das unvergängliche Reich der Heiligen Gottes überzugehen beſtimmt ſei. Auf beſondere weitere Befragung über das vierte Thier und die an ſeinen Hörnern beobachteten außerordentlichen Veränderungen antwortete derſelbe, daß das durch dasſelbe bedeutete vierte Weltreich mächtiger als alle übrigen Reiche, die durch dasſelbe theils verſchlungen, theils auch würden vernichtet werden, zehn neuen Reichen ihren Urſprung geben werde, deren drei durch einen nachfolgenden König gedemüthiget einem neuen Reiche Platz machen würden, deſſen Oberhaupt ſich die gräulichſten Läſterungen gegen Gott und die Heiligen werde laſſen zu Schulden kommen, und dabei zur Einführung einer neuen Zeit⸗ eintheilung und neuer ihm beliebiger Geſetze Anſtalt treffen. Seine Herr⸗ ſchaft aber werde nur Eine Zeit, Zwei Zeiten und eine Halbe Zeit, d.h⸗ 3½ Jahr dauern, darnach aber durch ein ſichtbares göttliches Strafgericht geſtürzt werden, worauf das unvergängliche Reich Gottes und Seiner Uthen J und u ihntt inb nte Aühnkt on ſilhg zetginq der den ihm von e belehtte u würden, Kllae r Heiligen Heiligen, welchem alle übrigen Könige gehorchen ſollten, unmittelbar ſeinen Anfang nehmen werde. Nach Empfang dieſes Beſcheides kehrte Daniel wieder in wachen Zuſtand zurück, und behielt alles Geſehene und Gehörte in lebendiger Erinnerung, obwohl der Eindruck davon ſein Ge⸗ müth heftig erſchüttert und ſogar in ſeinem Ausſehen eine merkliche Um⸗ wandlung hervorgebracht hatte. Das im gegenwärtigen Paragraphen ausgelegte Traumgeſicht hat ſeinem prophetiſchen Inhalte nach unverkennbar Aehnlichkeit mit jenem von Daniel ſelbſt ausgelegten Traume Nabuchodonoſor's(vergl.§§. 492. 493.). Es kommen nur hinſichtlich des aus dem vierten, d. h. aus dem römiſchen Weltreiche entſpringenden modernen Zeitverlaufes einige neue prophetiſche Beſtimmungen über ein zu erwartendes 3½jähriges Reich der erklärteſten Gottloſigkeit hinzu, deſſen genauere Erörterung wir erſt bei Gelegenheit der in gleicher Beziehung zu beſprechenden neuteſtament⸗ lichen Prophezeiungen namentlich in den Briefen des Apoſtels Paulus und in der Offenbarung Johannis in die Hand zu nehmen beabſichtigen. §. 592. Daniel 8, 1—8. Ungefähr zwei Jahre ſpäter, alſo beiläufig im Jahre 3545, hatte Daniel, welcher inzwiſchen über die Provinz Suſiana im ſüdweſtlichen Theile des heutigen Perſiens als Statthalter geſetzt worden zu ſein ſcheint, in ſeiner Reſidenzfeſtung Suſa ein zweites Geſicht, welches ihn im Geiſte an das Ufer des benachbarten Fluſſes Ulai verſetzte, in deſſen Graſe er einen Widder, der zwei ungleich große Hörner auf dem Kopfe trug, da⸗ mit beſchäftigt fand, ſämmtliche Thiere von Norden, Süden und Weſten her zum Kampfe herauszufordern, welche ſämmtlich von ihm überwunden wurden. Ueberdem kam vom fernen Weſten her ein Ziegenbock ſo leicht über die Ebene hergeſprungen, daß er kaum den Boden mit ſeinen Füßen zu berühren ſchien, welcher nur ein einziges, aber bedeutend anſehnliches Horn mitten auf der Stirne tragend, den Widder in vollem Anlaufe überraſchte, ihm ſeine beiden Hörner zerbrach, ihn über den Haufen rannte und mit ſeinen Füßen ſchonungslos zu Boden trat. Hierauf wuchs der Ziegenbock zu einem großen Raumumfange, als plötzlich das große Horn von ſelbſt zerbrach, und ſtatt deſſen vier neue kleinere Hörner nach den vier Weltgegenden aus ſeinem Kopfe hervorwuchſen. Die lateiniſche Verſion weicht in dem angegebenen bibliſchen Abſchnitte von dem hebräiſchen Grundtexte unbedeutend darin ab, daß erſtere ſtatt am Fluſſe Ulat, oberhalb des Ulaithores überſetzt. Da der in einiger Entfernung an Suſa vorbeifließende Strom den Namen Ulat oder Euläus wirklich hatte, ſo bleiben wir bei dem hebräiſchen Grundtexte ſtehen, ob⸗ wohl es möglicher Weiſe auch ein Ulaithor gegeben haben und der Schau⸗ platz des erzählten Geſichtes recht gut ein oberhalb des Ulaithores be⸗ findlicher freier Platz geweſen ſein kann. 856593. Daniel 8, 9— 14. Unter den angegebenen vier Hörnern zeichnete ſich eines beſonders dadurch aus, daß es anfangs klein gegen Morgen, gegen Mittag und gegen das heilige Land Paläſtina hin immer größer wurde, unter deſſen ausgezeichneten, den Sternen des Himmels vergleichbaren anſehnlichen Männern es mehrere niederwarf und zermalmte. Ja zur Strafe für die von dem Volke begangenen Sünden durfte das erwähnte Horn ſogar den damaligen Fürſten des heiligen Landes zum Gegenſtand ſeiner Verfolgung machen und ihn von der Darbringung des täglichen Opfers abhalten, ohne daß es an dieſer frevelhaften Handlung durch irgend ein dazwiſchen⸗ tretendes Zeichen der göttlichen Allmacht wäre verhindert worden. Ueber⸗ dem hörte Daniel einen der Heiligen an einen andern die Frage richten, wie lange die Unterbrechung des täglichen Opfers und die Entweihung des Heiligthums dauern werde, worauf ihm dieſer zur Antwort gab, daß nach einem Kreislaufe von 2300 Tagen, alſo beiläufig ſechs und einem halben Jahre, das Heiligthum wieder werde gereinigt werden. §. 594. Daniel 8, 15— 27. Während nun Daniel über die nähere Bedeutung dieſes Geſichtes nachdachte, hörte er eine vom Fluſſe her ertönende Stimme dem Erzengel Gabriel zurufen, mit der Aufforderung, dem als Zuſchauer gegenwärtigen Propheten über die beobachteten Vorgänge das Verſtändniß zu eröffnen. Hierauf ſah Daniel eine Mannsgeſtalt auf ſich zukommen, aber von ſolch einem majeſtätiſchen Gewaltausdruck, daß Daniel beim erſten zu⸗ traulichen Worte, welches der Engel an ihn richtete, kraftlos zu Boden ſank. Eine leichte mit der Hand verübte Berührung des Engels gab ihm jedoch die Kraft, mit ſeiner Hilfe vom Boden wieder aufzuſtehen und die Auslegung des gehabten Geſichtes aufmerkſam anzuhören. Der Widder war der König der Medier und Perſer, der Ziegenbock der zu⸗ künftige König der Griechen, deren erſter Beherrſcher inſonderheit durch das mitten auf der Stirne des Bockes befindliche anfängliche große Horn bedeutet werde. Nach deſſen Tode würden vier kleinere Könige, ent⸗ ſprechend den vier neu entſproſſenen Hörnern, ſich in ſein Reich theilen WIS duuent 25 und von einander abgeſonderte einzelne Königreiche bilden. Eines unter denſelben werde im Laufe der Zeit unter der Regierung eines ebenſo welt⸗ klugen als gottloſen Königs beſonders aufblühen, welcher das ſeiner Zeit im heiligen Lande wieder eingebürgerte jüdiſche Volk mit einer blutigen Verfolgung heimſuchen, dem rechtmäßigen Hohenprieſter hinderlich in den Weg treten, darnach aber nicht durch feindliche Uebermacht, ſondern durch eine unſichtbare Fügung der Allmacht Gottes werde zu Grunde gehen, wobei ſich die angegebene Zahl der Tage hinſichtlich der zeitweiligen Ent⸗ weihung des Heiligthums wenn auch erſt in weiter Zeitentfernung pünkt⸗ lich verwirklichen werde. Zugleich bekam Daniel den Auftrag, dieſe ge⸗ habte Offenbarung zur Ermuthigung ſeiner in jener Zeit lebenden Stammgenoſſen ſchriftlich aufzuzeichnen. Nach dieſer empfangenen Aus⸗ legung kehrte Daniel wieder zu ſeinem gewöhnlichen wachen Bewußtſein zurück, und fühlte ſich auch ſtark genug, die laufenden Geſchäfte ſeines Amtes zu verſehen, obwohl er von der gehabten Aufregung eine länger dauernde Entkräftung davontrug. In dieſem Paragraphen tritt zum erſten Male der heilige Erzengel Gabriel handelnd auf. Er iſt ſeinem Namen nach der nämliche Schutz⸗ geiſt und Gottesbote, welcher bei Gelegenheit auch in der neuteſtament⸗ lichen Zeit zwei Mal, nämlich bei Verkündigung der Geburt Johannes des Täufers und bei Verkündigung der Menſchwerdung Jeſu Chriſti handelnd in die heilige Geſchichte eingreift. Er genießt deßhalb die be⸗ ſondere Verehrung der katholiſchen Kirche. Sein Feſt fällt auf den 18. März. Ueber die geſchichtliche Verwirklichung der in dieſem Geſichte ausführlicher enthaltenen, das perſiſche und das griechiſche macedoniſche Weltreich betreffenden Einzelnheiten vergl. die nachfolgenden§§. 742— 758. und 792., 793 u. flg., 841 u. flg. CXXXII. Das babyloniſche Exil. Cortſetzung.) Gabylon's Exoberung. Der Prophet Daniel(Fortſetzung). §. 505. Daniel cp. 5, 1. In die von Fl. Joſephus mit den Profanſchriftſtellern übereinſtim⸗ mend zu 17 Jahren angegebene Regierung Baltaſſar's fällt die Geſchichte der allmälig immer ausgedehnteren Eroberungen Cyrus, des ſeit Kurzem neuerwählten Königs der Perſer, eines Volkes, welches in inniger Ver⸗ bindung mit dem Reiche der Meder für den Augenblick noch in einer gelinden verhältnißmäßigen Abhängigkeit von demſelben befindlich war, ä8 ——— 26 eine Thatſache, welche dem Fortbeſtande des babyloniſchen Reiches, das mit den Medern ſchon ſeit längerer Zeit im Kriege begriffen war, mit der Zeit gefährlich wurde. Durch immer größere den Chaldäern abge⸗ rungenen Vortheile ermuthigt, wagte es Cyrus zuletzt, im 15. Jahre der Regierung Baltaſſar's, alſo beiläufig im Jahre 3558, bis zu welchem Daniel ſich perſönlich wieder in Babylon befand, ſogar eine Belagerung der durch unerhörte Feſtungswerke geſchützten Hauptſtadt in Angriff zu nehmen. Da die Stadt außer dem Vorrathe eines nach der Angabe der Profanſchriftſteller zwanzigjährigen Nahrungsbedarfes auch noch eine be⸗ deutende Flurgemarkung in ihrer Ringmauer einſchloß(vergl. Anmerkung zu§. 587), ſo wurde das gewöhnliche ſorgenfreie Leben im Innern der Stadt durch die vorgehende Belagerung nicht merklich geſtört, weßwegen Baltaſſar, obſchon dieſelbe bereits in das dritte Jahre hinein dauerte, keinen Anſtand nahm, im Jahre 3560 an einem jährlich wiederkehrenden Feſttage der Babylonier für eine Anzahl von 1000 ſeiner vornehmſten Beamten in ſeiner königlichen Burg ein übliches ſchwelgeriſches Gelage zu veranſtalten. §. 596. Daniel 5, 1— 3. Wie hoch trotz aller von Seite des bisher unüberwindlichen perſiſchen Eroberers Cyrus drohenden Gefahr die übermüthige Sicherheit der Baby⸗ lonier um dieſe Zeit geſtiegen war, das beweiſt der Befehl des Königs, welcher, zwar bereits im Zuſtande der Trunkenheit gegeben, ſich nichts deſto weniger nur aus einer um die Gegenwart, wie um die Zukunft gänzlich unbekümmerten Gemüthsſtimmung hinlänglich erklären läßt. Er befahl nämlich, die goldenen und ſilbernen Tempelgeſchirre, welche ſein Großvater Nabuchodonoſor in den Jahren 3492 und 3500(vergl.§§. 482 und 504.) von Jeruſalem mitgebracht und im Tempel des Bel zu Babel aufgeſtellt hatte, herbeizubringen, um dieſelben in Geſellſchaft ſeiner Großen nebſt ihren zugleich anweſenden Gemahlinen und Concubinen zu weiterer Befriedigung ihrer Trunkſucht ihren heidniſchen Götzen zu Ehren mißbrauchen zu können, ein Vorhaben, welches nach der Abſicht Bal⸗ taſſar's auch unverzüglich von ſämmtlichen Anweſenden, ohne ſich vor der Strafe Gottes zu fürchten, maßlos in Ausübung gebracht wurde. §. 597. Daniel 5, 5. 6. Kaum war mit der allgemein vollzogenen Verübung dieſer tempel⸗ ſchänderiſchen Handlung in dem Taumel der aufgeregten Sinnenluſt auch Figſt het wunt Sülle d 27 die entfernteſte Ahnung irgend einer drohenden Strafe verſchwunden, als an einer dem großen Kronenleuchter gegenüber befindlichen, dem Könige gerade in die Augen fallenden Stelle des nämlichen Saales, in welchem ſämmtliche Feſtgenoſſen verſammelt waren, unverſehens eine Art Menſchenhand ſicht⸗ bar wurde, welche regiert von einem unſichtbaren Führer in geräuſchloſer Stille einige unverſtändliche Schriftzeichen an die Wand ſchrieb, und darauf verſchwindend dieſelben als leſerliche Spuren Jedermann ſichtbar zurückließ. Der König, welcher dieſen übernatürlich wunderbaren Vor⸗ gang mit eigenen Augen aufmerkſam begleitete, wurde dadurch plötzlich mit einem ſo heftigen Schrecken erfüllt, daß ſein bis daher glühendes Antlitz eine bleiche Todesfarbe bekam und unter den Zeichen der pein⸗ lichſten Gemüthserſchütterung ſeine Kniee zu ſchlottern begannen. §. 508. Daniel 5, 7. 8. Nachdem ſich das Gefühl des Schreckens den Nächſtſtehenden und mittelſt deren auch den ſämmtlichen übrigen Anweſenden mitzutheilen be⸗ gonnen, befahl der König, welcher inzwiſchen wieder einige Faſſung be⸗ kommen, die chaldäiſchen Wahrſager herbetzurufen, denen er öffentlich das Verſprechen gab, daß derjenige unter ihnen, welcher dieſe geſchriebenen Zeichen zu leſen und von denſelben die richtige Auslegung zu geben ver⸗ möchte, von ihm dem Könige mit Purpur gekleidet, mit einer goldenen Kette am Halſe geſchmückt, und zum drittoberſten Reichsbeamten ſolle erhoben werden. Es befand ſich aber keiner unter ihnen, welcher die erwähnte Schrift auch nur zu leſen, geſchweige denn richtig auszulegen verſtanden hätte. §. 599. Daniel 5, 9— 12. In ſeiner durch dieſe entweder nur ſcheinbar erheuchelte oder auch wirkliche Unbeholfenheit der Magier erſt auf ihre empfindlichſte Höhe ge⸗ ſteigerten peinlichen Beſtürzung, welche durch die Theilnahme der übrigen anweſenden Großen ſeines Reichs nicht im Mindeſten gelindert wurde, kam dem Könige unverhofft die Königin Mutter zu Hilfe, welche von dem veranſtalteten Gelage bisher ſich ferne gehalten hatte, auf die Nach⸗ richt von dem, was vorgefallen, jedoch eilends herbeikam. Sie bat den König, ſich der augenblicklichen Schreckenempfindung nicht ſo rückhaltslos hinzugeben, indem ſie ihm wenigſtens einen Mann in ſeinem Reiche zu nennen wiſſe, welcher von ſeinem Großvater Nabuchodonoſor zur An⸗ erkennung ſeiner untrüglichen prophetiſchen Traumauslegungskunſt über alle chaldäiſche Wahrſager und Zeichendeuter als Oberſter erhoben worden ſei. Dieß war nämlich kein anderer, als der Hebräer Daniel, welcher von Nabuchodonoſor den Namen Baltaſſar, alſo den nämlichen, wie der gegenwärtige König, empfangen hatte. CXXXIII. Das babyloniſche Exil.(Fortſetzung.) Eroberung Vabylon's. Der Prophet Daniel(Fortſetzung). F. 600. Daniel 5, 13— 17. Auf König Baltaſſar's augenblicklichen Befehl zur Auslegung der wunderbaren Schrift eiligſt herbeigerufen, antwortete der greiſe, nunmehr bereits gegen Sojährige Daniel dem Könige mit einer beſcheidenen Ab⸗ lehnung der auch ihm in gleichem Inhalte, wie den bisher zu Rathe gezogenen Chaldäern gemachten Verſprechungen, wogegen er die wahre Auslegung der geſchriebenen Worte ihm geben zu wollen aus freiem An⸗ triebe unverzüglich ſich anſchickte. 6. 601. Daniel 5, 18 28. Um dem Könige das rechte Verſtändniß der an der Wand geſchrieben ſtehenden Schrift zu eröffnen, erinnerte er ihn an die unerhörte zeitliche Macht und Herrlichkeit, welche ſein Großvater Nabuchodonoſor ſich nicht etwa ſelber gegeben, ſondern von Gott in einem ſo unbegrenzten Maße erhalten habe, daß alle Völker, Geſchlechter und Zungen der Menſchen vor demſelben gezittert hätten. Zur Strafe dafür, daß Nabuchodonoſor ſich dieſem Gnadengeſchenke Gottes gegenüber undankbar bewieſen, und die Ehre dieſes zeitlichen Glückes für ſich ſelber frevelhafter Weiſe in Anſpruch genommen, habe derſelbe bekanntlich eine von Gott als gerechte Demüthigung über ihn verhängte ſiebenjährige, von allen Aeußerungen der tiefſten menſchlichen Erniedrigung begleitete Geiſteskrankheit zu er⸗ leiden bekommen, durch welche er über den wahren Urheber ſeines zeit⸗ lichen Glückes zu einer nachträglichen würdigen Anerkennung ſich auch gutwillig habe beſtimmen laſſen. Dieſes von Gott ſelbſt an ſeinem Groß⸗ vater ſo handgreiflich gegebene warnende Beiſpiel habe nun König Bal⸗ taſſar leider nicht zu Herzen genommen, ſondern dadurch, daß er die dem labot ge Uf deuf u0 fl Raſt f IEg. 14 le Ule g. 0 ſich 110 inem G⸗ König er die d 29 Tempel zu Jeruſalem angehörigen heiligen Gefäße zu mißbräuchlicher Entweihung im Dienſte todter Götzenbilder habe herbeiſchaffen laſſen, vielmehr den Zorn des lebendigen einzig wahren Gottes über ſich herab⸗ gerufen, deſſen unnachſichtiges Strafurtheil ihm nunmehr durch die wun⸗ derbar geſchriebenen Worte: Mane, Thecel, Phares verkündigt werde. Mane, auf deutſch:„gezählt,“ bedeute, daß Gott die Tage ſeines Reiches gezählt und ſie ihrem Ende zugeführt, Thecel:„gewogen,“ daß er ſeinen Ver⸗ dienſt auf die Waagſchale gelegt und ihn ſtrafwürdig befunden habe, Phares:„getheilt,“ daß ſein Reich getheilt, und den Medern und Perſern olle gegeben werden. ſole ges§. 602. Daiel 5, 29. 30. Je demüthigender Daniel's gegebene Auslegung in jeder Beziehung für den König Baltaſſar ausgefallen war, deſto größere Ehre macht es dem ehrliebenden Wahrheitsſinne dieſes Letzteren, daß er die bewieſene Freimüthigkeit des hebräiſchen Propheten nicht allein nicht übel aufnahm, ſondern überdieß ihm die verſprochene Belohnung augenblicklich, ungeachtet ſeines Widerſtrebens, ertheilen ließ. Die Erfüllung des von Daniel ihm angekündigten göttlichen Strafgerichtes wurde jedoch durch dieſe an ſich ehrenhafte Handlung des Königs nicht aufgehalten, indem die mittlerweile durch das mittelſt einer künſtlichen Waſſerableitung gangbar gemachte Flußbett des Euphrats in die Stadt eingedrungenen perſiſchen Truppen noch in der nämlichen Nacht einen Angriff auf die Reſidenz des Königs machten, in welchem Kampfe der König gewaltſam ſein Leben einbüßte. Der tiefere pfychologiſche Erklärungsgrund für ein an ſich ſo ſchwer begreifliches Ereigniß, wie die Eroberung der Stadt Babylon, liegt nebſt zufälligen Nebenumſtänden hauptſächlich gerade in der die moraliſche Thätigkeit erſchlaffenden Wirkung, welche das Vorhandenſein zu vollkom⸗ mener Sicherheitsmaßregeln naturgemäß auf das menſchliche Gemüth auszuüben pflegt. Die erwähnten begünſtigenden Nebenumſtände waren übrigens von der Art, daß ohne diefelben Cyrus, menſchlich zu reden, ſchlechterdings nichts hätte anfangen können.— Da nämlich die ganze Rieſenhauptſtadt nicht aus natürlichem Geſtein, ſondern aus gebrannten Backſteinen gebaut war, ſo liegt die Vermuthung nicht ferne, daß gerade die zur Erzeugung des erforderlichen Baumaterials bisher dienende Lehm⸗ grube es war, welche nach der Erzählung der Profanſchriftſteller von Nitokris, der Königin Mutter, zu einem Baſſin benutzt wurde, um mittelſt eines hergeſtellten Verbindungskanals die zu Zeiten Ueberſchwemmung dro⸗ hende Waſſermenge des Euphratfluſſes, welcher die Stadt durchſtrömte, in dasſelbe ableiten zu können. Die Größe dieſes Baſſins, welches ebenfalls wie die Hauptſtadt in Quadratform geſtaltet war, wird zu dem erſtaunlichen Flächeninhalt von nicht weniger als 8 deutſchen Meilen, circa 12 Weg⸗ 30 ſtunden im Geviert(macht alſo beinahe 64 Quadratmeilen), nach der geringſten Schätzung angegeben. Da nun inzwiſchen durch dieſe für Friedenszeiten freilich außerordentlich wohlthätige Einrichtung handgreiflich die Sicherheit der babyloniſchen Hauptſtadt bedeutend abgenommen hatte, indem ſich vorausſehen ließ, daß, wenn auf keinem anderen Wege, doch wenigſtens durch das abgelaſſene Strombett ein feindliches Heer einmal in die Stadt einzudringen verſuchen könnte, ſo hatte die gleiche Königin an beiden Seiten die Steindämme des Stromufers befeſtigen und nur X zwiſchen ehernen Thoren, die alle Nacht ſorgfältig verriegelt werden mußten, Zugänge vom Strome aus an das Ufer übrig gelaſſen. Dieſe E ehernen Thore zu verſchließen war aber an dem im Paragraphen er⸗ IuIn 0 wähnten Feſttage aus übermüthigem Leichtſinn und Nachläſſigkeit eben 0 unterlaſſen worden, und ſomit mußte, wie es oft bei den entſcheidendſten Begebenheiten der Weltgeſchichte zu beobachten Gelegenheit giebt, alles zuſammenhelfen, daß Cyrus außer der empfangenen Nachricht von der an dieſem Tage am erſten ſich eröffnenden Ausſicht zur Einnahme der berühmten Hauptſtadt auch noch die ſeinem Charakter eigenthümliche Ge⸗ ſchicklichkeit, Geiſtesgegenwart und Keckheit miteinander verband, um die Ableitung des Fluſſes ſpät Abends genug vornehmen zu laſſen, daß das Sinken des Waſſerſpiegels nicht mehr bei Tageslicht bemerkt werden Pnt konnte, und doch früh genug, um noch vor Mitternacht unbemerkt in die Stadt einrücken zu können, und endlich um ſelbſt nach allen dieſen Vor⸗ b f bereitungen ſich noch der Gefahr auszuſetzen, daß das Unternehmen nicht Nuulls! etwa zufällig noch entdeckt und dadurch in ſeinem Gelingen auf die heil⸗ loſeſte Weiſe völlig vereitelt wurde. Denn was hätten die Perſer, wären auch erſt im letzten Moment noch die Thore gegen den Fluß zu verſperrt worden, von einem Strombette aus zu ihrer Vertheidigung unternehmen können?— Nachdem ſomit auch dieſe letzte Schwierigkeit noch über⸗ wunden worden, iſt auch die Einnahme der Stadt keine weiter zu ver⸗ wundernde Thatſache, indem Baltaſſar auf keinen feindlichen Ueberfall auch nur im Geringſten gefaßt war. Sobald ſein Tod bekannt wurde, ergab ſich auch die Stadt nothgedrungener Weiſe, indem ſie der Auf⸗: forderung Cyrus' zur Waffenablieferung gegen Zuſicherung von Leben und Eigenthum ſich nicht zu widerſetzen wagte. Somit behielt die Stadt für den Augenblick auch noch ihre Größe und ihren Glanz dem äußeren Anſcheine nach unvermindert bei; indeſſen war gerade durch die gewalt⸗ ſame plötzliche Ableitung des Euphratſtromes aus ſeinem natürlichen Bette auch der Keim zu dem allmäligen totalen Ruin gelegt, der, wie in der Anmerkung zu§. 587. erwähnt, dieſelbe nachmals betroffen hat. Denn(e da die einmal ſchadhaft gewordenen Uferdämme bei der Eingangsmündung des erwähnten Ableitungskanales in jener erſten Zeit, wo es noch am N550 erſten möglich geweſen, auszubeſſern unterlaſſen wurde, ſo verſiegte das Wffoß Strombett ſo gut wie ganz und gar, anſtatt deſſen die überſchwemmte Umgegend auf eine für die Geſundheit der Landesbewohner begreiflich ebenſo nachtheilige, wie für die Bodencultur unheilbare Weiſe verſumpfte. Babylon erhielt ſich demungeachtet noch mehrere hundert Jahre als be⸗ deutende Stadt, bis das im Jahre 293 v. Chr. von Seleucus in der Nähe am Ufer des Tigris angelegte Seucia die letzten Einwohner Ba⸗ bylon's noch zu ſich hinüberzog. Die noch übrigen Mauern und Ge⸗ Ihlerder 31 bäude ſind dann bei verſchiedenen Gelegenheiten zu Grunde gegangen. Giehe über die Geſchichte der Stadt Babylon die drei leſenswerthen Ab⸗ handlungen in Prideaux's Connexion ꝛc. 2. Buch ad ann. 573, ad ann. 539, und 8. Buch ad ann. 293. CXXXIV. Das babyloniſche Exil unter perſiſcher Landeshoheit. Der Prophet Daniel(Fortſetzung). Zweitmalige wunderbare Erhaltung Daniel's in der Löwengrube. §. 603. Daniel 5, 31— cp. 6, 4. Cyrus war nach dem Berichte der die Eroberung von Babylon er⸗ zählenden Profanſchriftſteller uVm jene Zeit noch nicht ſelbſtſtändiger Regent, ſondern zunächſt nur Oberfeldherr ſeines jedoch nur eine Tochter als Kind beſitzenden Oheims, des mediſchen Königs Cyaxares, welcher damals bereits 62 Jahre alt, auf ſeine Einladung, indem er ihn aus Dankbarkeit zugleich zu ſeinem Schwiegerſohne erhob, unter dem Namen Darius von der eroberten Hauptſtadt, und mit ihr zugleich von dem ganzen Umfange des noch übrigen babyloniſchen Reiches Beſitz nahm. Er theilte hierauf ſein ganzes Reich in 120 abgeſonderte Provinzen, welche durch ebenſo viele Statthalter unter dem Titel von Satrapen ſoll⸗ ten verwaltet werden. Die bisher von Daniel dem babyloniſchen Reiche geleiſteten Dienſte gereichten demſelben bei dieſer Gelegenheit ſo wenig zum Schaden, daß Darius ihn vielmehr ſogleich von Anfang zu einem der drei oberſten Bevollmächtigten erhob, welchen die aufgeſtellten Satrapen an des Königs Stelle von ihrer Verwaltung Rechenſchaft ablegen mußten. Ja ſein Vertrauen auf Daniel's Redlichkeit und Weisheit wuchs ſogar auf einen ſolchen Gipfel, daß er mit dem Gedanken umging, die Be⸗ ſorgung der Regierungsgeſchäfte für das ſämmtliche eroberte Reich ſeinen Händen allein anzuvertrauen. §. 604. Daniel 6, 4— 8. Esther 1, 19, Ein ſo hohes Lebensalter Daniel um jene Zeit auch bereits erreicht haben muß, ſo entging er doch dem Schickſal nicht, durch eine ſo auf⸗ fallende Auszeichnung den Neid und die Eiferſucht der übrigen königlichen Beamten rege zu machen, welche ſich nicht ſchämten, alle Mittel und Wege, durch welche ſie ihn ſtürzen könnten, angelegentlich aufzuſpüren. Da ſie ihm nun auf keine andere Weiſe beizukommen Ausſicht hatten, ſo legten ſie dem Könige ſelber eine Falle, indem ſie mit Bezugnahme auf eine im mediſch perſiſchen Reiche beſtehende Rechtsgewohnheit, daß ein unter ge⸗ wiſſen Förmlichkeiten ergangener königlicher Befehl auf keine Weiſe wieder durfte zurückgenommen werden, in Darius eindrangen, er möge auf eine Friſt von 30 Tagen das königliche feierliche Verbot ergehen laſſen, daß keiner ſeiner Unterthanen während dieſer Zeit weder an die Götter, noch an Menſchen, außer an den König ſelber, irgend eine Bitte richten dürfe, wobei er zugleich als Strafe für den Uebertreter dieſes Verbotes be⸗ ſtimmen mußte, daß derſelbe den im königlichen Zwinger unterhaltenen Löwen lebendig zum Fraße vorgeworfen werden ſolle. §. 605,. Daniel 6, 9— 16. Trotz der unermeßlichen Arbeitsgeſchäfte, mit welchen Daniel von Jugend auf in königlichen Dienſten war überhäuft worden, hatte er es ſich zu einer feſtſtehenden Gewohnheit gemacht, täglich dreimal knieend mit nach Jeruſalem zugewendetem Antlitze ſeine regelmäßigen Gebete zu verrichten. Von der gewiſſenhaften Beobachtung dieſer frommen Uebung wollte er ſich daher durch das inzwiſchen ergangene königliche Verbot nicht abhalten laſſen, ſondern ſetzte auch nach erlangter Kenntniß des⸗ ſelben innerhalb ſeines Hauſes zu den beſtimmten Zeiten, noch dazu mit Gröffnung der nach Jeruſalem hin gerichteten Fenſter, ſeine gewöhnlichen Gebete fort. Hierüber von ſeinen Feinden ertappt, wurde er dem Könige angezeigt, und der König auf dieſe Art gezwungen, Daniel zum Tode in der Löwengrube zu verurtheilen. §. 606. Daniel 6, 16— 18. Schon auf dem Wege zum Löwengraben, auf welchem Darius ſeinen treuen Diener Daniel begleitete, äußerte er gegen ihn die ſtillgehegte Hoffnung, der Gott Daniel's, gegen welchen er in ſeinem Dienſte ſo un⸗ ermüdlich treu ſei, werde ihn am Ende in der Gefahr nicht ohne Hilfe laſſen, und gebrauchte in dieſer muthmaßlichen Vorausſetzung überdieß die Vorſicht, durch Verſiegelung des die Oeffnung des Zwingers ver⸗ ſchließenden Steines das Leben des bereits hinuntergelaſſenen Daniel gegen jede anderweitige Nachſtellung im Voraus zu ſichern. Gleichwohl ließ ihm die Gefahr, in der er ihn zurücklaſſen mußte, keine Ruhe, ſo 33 daß er die ganze Nacht ungegeſſen, ohne Trank und ohne ſeine Kleider zu wechſeln, ſchlaflos zubrachte. Die wenn auch ſchwache Hoffnung, welche Darius auf eine möglicher Weiſe wunderbare Lebenserhaltung Daniel's ſetzte, dient ihrerſeits eben⸗ falls zur Beſtätigung unſerer in der Anmerkung zu§. 494. aufgeſtellten geſchichtlichen Vermuthung von zwei verſchiedenen Werfungen Daniel's in die Löwengrube; indem es ſich wenigſtens ſchwer erklären läßt, wor⸗ auf, wäre eine ähnliche Begebenheit nicht bereits einmal vorgegangen, der heidniſche König Darius ſeine erwähnte Hoffnung hätte ſtützen können. Daß er inzwiſchen ungeachtet einer ſolchen Erinnerung auf der anderen Seite für Daniel wiederum in lebhafter Beſorgniß ſchwebte, iſt ebenfalls leicht erklärlich, indem es mit Beſcheidenheit nicht erwartet werden konnte, daß Gott, durch die Bosheit der Menſchen herausgefordert, zweimal ganz das nämliche Wunder verrichten werde. §. 607. Daniel 6, 19— 27. Sobald der Tag graute, erhob ſich Darius vom Lager, und verfügte ſich eilends zum Löwengraben, woſelbſt er mit kläglicher Stimme Daniel beim Namen rief, voll Beſorgniß, ob er auch eine Antwort von ihm werde zu hören bekommen. Wirklich erhielt er eine ſolche, indem Daniel geſund und wohlbehalten ihm den üblichen Gruß, womit man dem Könige langes Leben wünſchte, entgegen rief und ihm erzählte, wie er zum Zeugniſſe ſeiner unbeſcholtenen Rechtſchaffenheit durch einen von Gott ihm zuge⸗ ſendeten Engel vor der freßgierigen Wuth der Löwen ſei beſchützt worden, worauf der König ſofort Anſtalt traf, ihn aus der Grube wieder heraus⸗ ziehen zu laſſen. Statt Dantel's wurden ſodann auf Darius' Befehl ſeine Ankläger zugleich mit ihren Weibern und Kindern in die Grube geworfen, welche, bevor ſie noch den Erdboden erreicht, ſchon von den Löwen waren zerriſſen worden. Auf dieſen Anlaß erließ Darius ferner einen königlichen Befehl an ſeine ſämmtlichen Unterthanen, durch welchen er ihnen die Verehrung des Gottes Daniel's zur Pflicht machte, ein ſchriftliches Denkmal, welches zugleich für die geſchichtliche Wahrheit des ganzen Ereigniſſes zu urkundlicher Beglaubigung dient. Krafft, heil. Geſchichte. II. CXXXV Das babyloniſche Exil unter perſiſcher Landeshoheit.(Fortſetzung.) Der Prophet Daniel.(Fortſetzung). §. 608. Daniel 9, 1— 19. Rurch ke + Entweder noch in dem nämlichen Jahre der Eroberung Babylon's 1 4 oder in dem darauffolgenden Jahre 3561 beobachtete Daniel, daß die 151 0 70 Jahre, welche nach der Prophezeiung des Propheten Jeremias(vergl. 68. 484 u. 507.) der Aufenthalt der Juden als Gefangene in Babylon dauern ſollte(Jerem. 25, 11. op. 29, 10.), nunmehr wenigſtens in Be⸗ zug auf ihn ſelbſt bereits in Erfüllung gegangen waren. Dieſe Wahr⸗ nehmung bewog ihn, in Hinſicht auf den fortwährenden Verwüſtungss zuſtand, in welchem ſich die Stadt Jeruſalem befand, unter Faſten und F. Kaſteiung mittelſt eines demüthigen Bußgebetes unter Bekenntniß ſeiner N und ſeines Volkes Schuld, Gott um nunmehrige Beendigung der ü ber 13 die Stadt Jeruſalem und über das Heiligthum gerechter Weiſe verhäng⸗ 1 ten Züchtigung anzurufen. §. 609. Daniel 9, 20— 23. 0 Noch im Gebete begriffen erhielt Daniel eine zweite Erſcheinung des hafft ihm ſchon einmal zu Geſicht gekommenen heiligen Erzengels Gabriel Gvergl.§. 594.), der ihn von der im Rathe Gottes ſogleich mit dem Be⸗ ginne ſeines Gebetes beſchloſſenen Erhörung desſelben benachrichtigte. Er kündigte ihm jedoch zugleich an, daß die Erfüllung ſämmtlicher gegebener Weisſagungen über das endliche Aufhören der bisher von dem Volke verübten groben Sünden, über den Beginn der fortan ununterbrochenen treuen Geſetzesbeobachtung, und über die Salbung des geweisſagten höch⸗ ſten Königs eine Dauer von nicht weniger als 70 Jahrwochen, alſo un- gefähr vollen 490 Jahren, werde hinwegnehmen. Fin §. 610. Daniel 9, 25—27. Dieſe angegebenen 70 Jahrwochen wurden nunmehr zu genauerer Be⸗ lehrung Daniel's von dem ihm zugeſendeten göttlichen Botſchafter in drei abgeſonderte Perioden von 7, von 62 und von 1 Jahrwoche abgetheilt. Während der erſten beiden Perioden von 69 Wochen oder 483 Jahren ger erſtſcha 35 von dem Beginne der neuerdings unternommenen Befeſtigung Jeruſalems als jüdiſcher Hauptſtadt an gerechnet, werde ununterbrochen unter allerlei Wechſel ungünſtiger drückender Zeitumſtände an dem Bau der Mauern und der Straßen Jeruſalems fortgefahren werden. In der letzten Woche werde aber endlich der verheißene Geſalbte eines gewaltſamen Todes ſterben, und in Folge deſſen das heilige Land und der neuerbaute Tempel einer neuen durch die kriegeriſche Uebermacht eines zukünftigen Volkes über dieſelben verhängten lang andauernden Verwüſtung preisgegeben werden. Nichts deſto weniger werde während der letzten 70ſten Woche ein großer Theil des Volkes durch das Verdienſt des ihnen geſendeten Retters in dem Bunde mit Gott beſtärkt werden, jedoch ſo, daß dabei in der Mitte der angege⸗ benen Woche eine beſonders auffallende Entweihung des Tempels während der Opferhandlung ſelber ſich ereignen würde, das unmittelbare Vorſpiel einer endlichen neuen Verwüſtung, welche bis an das Ende der Tage in ihrer Fortdauer nicht werde weiter unterbrochen werden. Die im gegenwärtigen Paragraphen enthaltene meſſianiſche Haupt⸗ weisſagung iſt nach unſerer Aufzählung die vierzehnte(ſ. die Anmerkung zu§. 571.). CXXXVI. Ende des babyloniſchen Exils. Perſiſche Landeshoheit. Der Prophet Daniel(Fortſetzung). §. 611. 2. Paralip. 36, 22. 23. Daniel 13, 65. 1. Esdra 1, 1—4. Im darauffolgenden Jahre 3562 ſtarb Darius der Meder, und hinterließ die Regierung des ganzen Reiches ſeinem Schwiegerſohne, dem Perſerkönige Cyrus. Derſelbe erließ in dieſem nämlichen, ſeinem erſten Regierungsjahre, einen ſchriftlich abgefaßten königlichen Befehl, in welchem er unter ausdrücklicher Berufung auf einen durch den Gott des Himmels ihm ertheilten Auftrag zur Wiedererbauung ſeines in Jeruſalem befind⸗ lich geweſenen Tempels, dem Volke der Juden die Erlaubniß ertheilte, mit ihrer ſämmtlichen Habe in ihr verlaſſenes Heimathland Paläſtina wieder zurückkehren zu dürfen. Auch wurde ihnen erlaubt, zur Erleich⸗ terung ihrer Reiſe bei ihren Ortsnachbarn freiwillig beigeſteuerte Beiträge einzuſammeln. Der Umſtand, daß Cyrus in ſeinem Edict ſich auf einen empfangenen ausdrücklichen Befehl des höchſten Gottes beruft, leitet mit Recht auf die 3* Vermuthung, daß der perſiſche König aus der im Propheten Iſajas cp. 44, 28. enthaltenen Weisſagung, wie auch Fl. Joſephus Antiqq. lib. XI. ep. 1. ausdrücklich behauptet, einen ſolchen für ſich abgenommen habe. Dieſelbe mag allenfalls durch Daniel zu ſeiner Kenntniß gelangt ein.— Auch dürfen wir nicht überſehen, in welche präeiſe Erfüllung mit dieſem Edicte die Weisſagung des Propheten Jeremias von einer 70jährigen Dauer der babyloniſchen Gefangenſchaft gegangen iſt, indem wiſchen dem Jahre 3492, in welchem nach der Erzählung von 6. 482. die erſten jüdiſchen Gefangenen von Jeruſalem nach Babylon deportirt worden waren, und dem gegenwärtigen Jahre 3562 gerade ein Zwiſchen⸗ raum von 70 Jahren in der Mitte liegt. Ueber eine zweite Art der Erfüllung dieſer Prophezeiung vergl. die Anmerk. zu§. 646. §. 612. Daniel 1, 21. cp. 6, 28. cp. 10, 1—9. In dieſem nämlichen Jahre, welches zugleich Daniel's letztes Lebens⸗ jahr, empfing derſelbe auch ſeine letzte ausführliche Offenbarung, auf welche er ſich durch eine vorausgehende dreiwöchentliche Faſten und Buß⸗ übung vorbereitet hatte, worauf er ſich, unbekannt von welchem Aufent⸗ haltsorte aus, ungefähr in der Mitte April des genannten Jahres, in der Geſellſchaft einiger Begleiter an das Ufer des Fluſſes Tigris ver—⸗ fügte. Es dauerte nicht lange, ſo erſchien ihm der Engel Gabriel zum dritten Male in der Geſtalt eines in ein leinenes Gewand gekleideten, mit einem goldenen Gürtel aufgeſchürzten Mannes, deſſen Leib durch⸗ ſcheinend wie Topas, ſein Antlitz aber electriſch leuchtend wie der Blitz war. Seine Augen waren zwei ſtrahlende Flammenſcheine. Seine Arme und Beine wie ein ſich lebendig gliederndes glühendes Metall, und ſeine Stimme dröhnend wie der Ruf einer Volksmenge. Kaum war der Engel Gottes ſichtbar geworden, als Daniel's Begleiter in Eile davon fliehend ihn allein ließen, er ſelbſt aber durch den erſchütternden Eindruck wiederholt übermannt in regungsloſer Ohnmacht zu Boden ſank. §. 613. Daniel 10, 10— 14. Kaum hatte Daniel, durch die Handberührung des Engels wunder⸗ bar geſtärkt, auf ſeinen Füßen ſtehend ſich wieder aufgerichtet, ſo empfing er von demſelben nebſt einer ermuthigenden Anſprache die Mittheilung, daß auch dießmal wiederum ſein Gebet ſchon von Anfang an erhört und ihm die Ankündigung ſeiner im Rathe Gottes beſchloſſenen Gewährung nur durch den Umſtand verzögert worden ſei, daß er ſelbſt, der Ueber⸗ bringer dieſer freudigen Botſchaft, 21 Tage lang durch einen mit dem ſel et! ibet di gaß bi ghr Ler Lul lt 37 Schutzengel des perſiſchen Reichs zu beſtehenden Kampf davon abgehalten worden ſei. Auch jetzt ſei ihm die beabſichtigte Vollendung ſeines empfan⸗ genen Auftrages nur dadurch, daß Michael, einer der oberſten Engel, ihm zu Hilfe gekommen, der an ſeiner Stelle den Kampf gegen den unab⸗ läſſig widerſtrebenden Perſerfürſten fortſetzte, möglich geworden. Deßhalb ſei er nun endlich gekommen, um Daniel in aller Kürze ausführlicher über die Zukunft zu belehren, und ihn namentlich darauf vorzubereiten, daß die Erfüllung ſeiner Wünſche noch keineswegs ſo nahe, als er hoffte, vor der Thüre ſtehe. In dieſem Paragraphen wird der heilige Erzengel Michael zum erſten Male namentlich aufgeführt. Er wird außer dem Propheten Daniel nur noch an zwet Stellen des Neuen Teſtaments im Briefe Judä und in der Offenbarung Johannis namentlich erwähnt, nirgends aber eigent⸗ lich als handelnd aufgeführt. In der katholiſchen Kirche genießt er be⸗ ſondere Verehrung als Schutzpatron der abgeſchiedenen Seelen im Reini⸗ gungsorte. Seine beiden ihm zu Ehren gefeierten Feſte fallen auf den 8. Mai— zum Gedächtniß einer am Ende des fünften Jahrhunderts dem Biſchof der Sipontiner am Fuße des Monte Gargano in Süditalien zu Theil gewordenen Engelerſcheinung— daher apparitio S. Michaelis, und auf den 29. September. Dedicalio S. Michaelis, d. h. Einweihungs⸗ feſt wahrſcheinlich der Gottesackerkirche in Rom St. Michele. Ueber das myſteriöſe Eingreifen der Engel in die Entwicklung der weltgeſchichtlichen Begebenheiten, wie dasſelbe in dieſem und den nächſtfolgenden Para⸗ graphen geſchildert, müſſen wir uns aller weiteren Bemerkungen enthalten als über Gegenſtände, welche über das Gebiet unſeres irdiſchen Beobach⸗ tungskreiſes ihrer Natur nach erhaben ſind.(Vergl. über die Natur und Wirkſamkeit der Engel überhaupt die in der Anmerkung zu§. 457. gegebene Auseinanderſetzung.) §. 614. Daniel 10, 15— 21. cp. 11, 1. Der niederſchlagende Eindruck, welchen die gemachte Mittheilung auf Daniel's Gemüth hervorbrachte, bewirkte, daß er ſeine Augen unwill⸗ kührlich ſtillſchweigend zu Boden ſenkte. Ja ſogar als ihm der Mund abſichtlich geöffnet und er dadurch zum Reden ausdrücklich veranlaßt wor⸗ den, brachte er nicht mehr hervor, als ſoviel, daß er ſich bei der völligen Entkräftung, welche er in ſich empfinde, zum Reden gänzlich unfähig fühle, und erſt durch eine neuerdings an ihn gerichtete ermuthigende An⸗ ſprache des Engels geſtärkt, bat er ihn endlich, in ſeinen begonnenen Er⸗ läuterungen weiter fortzufahren, worauf ihm der Engel erwiederte, daß er auch wirklich keine Zeit zu verlieren habe, indem er bei ſeinem Ab⸗ gange überdieß auch den Schutzengel der Griechen habe erſcheinen ſehen, weßwegen er in aller Eile, von keinem anderen als bloß dem heiligen Michael, dem Schutzengel des jüdiſchen Vollkes, unterſtützt, dem er ſeiner⸗ ſeits ebenfalls ſeit Anfang der Regierung Darius' zu Hilfe gekommen, ihm den geoffenbarten Willen Gottes über die in Zukunft zu erwartenden politiſchen Ereigniſſe des heiligen Landes verſtändlich auseinanderzuſetzen beginnen wolle. CXXXVII. Perſiſche Landeshoheit. Der Prophet Daniel.(Fortſetzung.) §. 615. Daniel 11, 2. 3. Die Kette der zukünftigen Ereigniſſe, welche Gabriel dem Propheten durch übernatürliche Offenbarung zum Voraus überblicken ließ, war fol⸗ gende: Das Perſerreich werde drei mächtige Könige haben, unter denen es noch beſtändig an Macht zunehme. Der vierte, außerordentlich reich, werde ſeine Macht in einem Kampfe mit Griechenland erſchöpfen. Denn gerade aus Griechenland werde ein neuer tapferer König aufſtehen, wel⸗ cher das ausgezeichnete Glück haben werde, ſeine unerſättliche Eroberungs⸗ ſucht nach voller Herzensbegierde befriedigen zu dürfen. Ueber die Erfüllung der im Paragraphen erzählten Weisſagungen vergleiche die nachfolgenden 69. 630— 750. Der in vierter Stelle ge⸗ weisſagte reiche, im Kriege aber unglückliche perſiſche König iſt nämlich Kerxes; der angekündigte griechiſche Eroberer iſt Alexander der Große, König von Macedonien. §. 616. Daniel 11, I. 5. Das Reich des neuen Eroberers, fuhr der Engel in ſeiner Offen⸗ barung fort, werde jedoch in dem Augenblicke, wo es auf dem Gipfel ſeiner Macht angekommen, bereits wieder verfallen, und in vier getrennte Reiche, die noch dazu nicht einmal von ſeinen eigenen Leibeserben, ſon⸗ dern mit deren ausdrücklicher Uebergehung von anderen ſich neu auf⸗ werfenden Königen regiert werden würden, ſich ausſcheiden. Unter dieſen werde der den ſüdlichen Theil des ehemals vereinigten Reiches beherr⸗ ſchende König mächtig aufblühen, aber dennoch das unmittelbar nördlich daran ſtoßende zweite Theilreich noch mächtiger werden. Das aus dem ſüdlichen Theile der macedoniſchen Weltherrſchaft her⸗ vorgehen ſollende neue Reich iſt Egypten unter der Herrſchaft der Ptole⸗ mäer. Das nördliche noch mächtigere iſt das ſeleucidiſche Königreich über Syrien. Hinſichtlich der Erfüllung vergl.§§. 751758. lhet u Ru ubm 39 F. 617. Daniel 11, 6— 16. Von dieſen beiden genannten Königreichen, welche, wie der Engel deutlich bezeichnete, gerade an der Grenze von Paläſtina zuſammenſtoßen ſollten, weisſagte derſelbe nun ferner, daß ſie ſich im Laufe der Zeit anfangs einander freundſchaftlich begegnen und durch Heirath den Frieden unter ſich zu befeſtigen ſuchen, gerade aber bei dieſer Gelegenheit mitein⸗ ander in eine deſto unverſönlichere Uneinigkeit gerathen und in eine un⸗ aufhörliche Reihe von wechſelſeitigen Bekriegungen würden verflochten werden. In dieſem Wechſelkampfe werde es ſich ereignen, daß auch gott⸗ loſe Angehörige des bis zu jener Zeit längſt zurückgekehrten jüdiſchen Volkes ſich zu Gunſten des nördlichen gegen das ſüdliche egyptiſche Reich an dem Kampfe mit betheiligen, und gerade dadurch das vorausgeſagte Unglück des Landes herbeiführen würden. Indeſſen werde für den Augen⸗ blick die bürgerliche Wohlfahrt des Landes von dem neuen Regenten des Landes eine Zeit lang kräftig befördert werden. ˖ Die Erfüllung dieſer geweisſagten Begebenheiten findet ſich erzählt in den nachfolgenden§§. 759— 779. Die im Texte erwähnte Ehe ſcheint die nach der Erzählung des§. 767 u. flg. zwiſchen Antiochus II. Theus und Berenice, der Tochter Ptolomäus II. Philadelphus geſchloſſene ge⸗ weſen zu ſein. Die thätliche Einmiſchung von Juden zu Gunſten des ſyriſchen Königs Antiochus III. des Großen gegen die Egypter erzählt 779. §. 618. Daniel 11, 17— 19. Ueber den nämlichen König, welcher fortan die Oberhoheit über Paläſtina behaupten würde, erfuhr Daniel ferner aus dem Munde des mit ihm redenden göttlichen Botſchafters, daß er nach einem vergeblichen Verſuche, Egypten durch liſtige Politik an ſich zu bringen, einen An⸗ griffskrieg auf die im mittelländiſchen Meere gelegenen Inſeln unternehmen, aber zu einem ſchmachvollen Rückzuge genöthigt werden, und nicht lange darnach in ſeinem eigenen Lande eines gewaltſamen unrühmlichen Todes ſterben werde. Vergleiche wegen der Erfüllung dieſer Weisſagungen§§. 779—782. Antiochus der Große begann gegen Ende ſeiner bisher ausnehmend glück⸗ lichen Regierung einen unglücklichen Angriffskrieg gegen die Römer, in welchem er in der Schlacht bei Magneſia in Kleinaſien durch den römi⸗ ſchen Conſul Scipio Aſiaticus auf das Haupt geſchlagen, zur Abſchließung eines ſchimpflichen Friedens gezwungen, und kurze Zeit darauf bei Ge⸗ legenheit der beabſichtigten Plünderung eines reichen Götzentempels in Perſien nächtlicher Weile erſchlagen wurde. Daniel 11, 20— 22. An ſeine Stelle werde ein unbedeutender, ſelber durch harte Zah⸗ lungsauflagen gedrückter Fürſt an die Regierung kommen, welcher ſich durch nichts als durch Ausſendung von Beamten zum Behufe von Er⸗ preſſungen bemerklich machen und darnach ebenfalls unrühmlich ſterben werbde. Deſſen Nachfolger wiederum werde ſich ſein Reich mit großer Kriegsmacht blutig erkämpfen, bei welcher Gelegenheit auch der mit des Königs Feinden ungerechter Weiſe in Ein gleiches Schickſal verwickelte Hohenprieſter ſein Amt einbüßen werde. Der Nachfolger Antiochus III. des Großen war Seleucus III. Pbilo⸗ pator, welcher, um die im Frieden von Magneſia dem ſyriſchen Reiche auferlegte Contributionsſumme beizutreiben, ſeinen Schatzmeiſter Heliodorus zur Confiscation der im Tempel deponirten Gelder ausſendete. Onias III., der damalige Hohenprieſter, verlor ſein Amt bei Gelegenheit des Regie⸗ rungsantrittes des darauffolgenden ſyriſchen Königes Antiochus IV. Epi⸗ phanes.(Vergl.§8. 783- 798.) §. 620. Daniel 11, 23— 31. Von dieſem neuen ſyriſchen Könige ſagt der Engel in dem weiteren Verlaufe ſeiner Offenbarung voraus, daß derſelbe, anfangs gegen Jeru⸗ ſalem Freundſchaft heuchelnd, ſich ſpäter hinterliſtiger Weiſe mittelſt ge⸗ ringer Mannſchaft der Stadt gewaltſam bemächtigen und von da an eine allmälige planmäßige Ausbeutung und völlige ſclaviſche Unterjochung des ganzen heiligen Landes beabſichtigen werde. Seine zugleich gegen Egyp⸗ ten gerichteten eroberungsſüchtigen Abſichten würden gleichzeitig durch Verrätherei egyptiſcher Beamten unterſtützt, ſo glücklich voranſchreiten, daß er ſogar den König von Egypten perſönlich in Gewalt bekommen, ihn aber nicht allein großmüthig verſchonen, ſondern ſogar, wenn auch in einer gegenſeitig nur erheuchelten Vertraulichkeit, als Tiſchgenoſſen behalten werde. Auf dem Rückwege von dieſem gleichwohl vor der Hand noch immer erfolgloſen egyptiſchen Feldzuge werde er ſodann mit der Ausführung ſeiner gegen das Volk Gottes gehegten tyranniſchen Anſchläge bereits den Anfang machen. Recht arg aber werde er es erſt dann treiben, wenn er auf einem in Folge der Ankunft von Schiffen aus den mittelländiſchen Meerinſeln ihm abgenöthigten, unverrichteter Dinge an⸗ getretenen Rückzuge von einem nochmaligen auf Egypten gerichteten kriegeriſchen Angriffe zum zweiten Male ſeinen Heimweg über Judäa Wt luch her ſuht m 41 nehmen werde. Denn dann werde er mittelſt kriegeriſcher Uebermacht erſt das Heiligthum planmäßig entweihen, und der Verrichtung des täglichen Opfers hindernd in den Weg treten, ſtatt deſſen aber den Gräuel der Verwüſtung im Tempel aufpflanzen. Die im Paragraphen geweisſagten Begebenbeiten ſind ausführlich er⸗ zäblt§§. 793—803. Der verrätheriſche egyptiſche Beamte iſt Ptolemäus Macron(§. 797.). §. 621. Daniel 11, 32— 34. In Folge dieſer von dem Könige angeordneten gottloſen Gewalt⸗ maßregeln weisſagte der Engel eine unter dem Volke Gottes ſelber in der Zukunft hervortretende Spaltung, von welchem der eine Theil, wenn auch heuchleriſch, ſich zur Theilnahme an abgötteriſchen Neuerungen werde verleiten laſſen, wogegen auf der anderen Seite aber auch das ſeinem Geſetze treu bleibende Volk durch Gottes Segen beſchützt und erhalten bleiben werde, doch alſo, daß einzelne beſonders verdienſtvolle Perſonen ihre treue Anhänglichkeit an das Geſetz mit dem Tode durch das Schwert oder durch Feuersgewalt, oder auch mit Verkaufung in die Gefangen⸗ ſchaft würden zu büßen bekommen. Indeſſen werde, nachdem eine Zeit lang die blutige Verfolgung fortgedauert, ein kleiner Anfang von Hilfe ſich bemerklich machen, und durch heimlichen Zuwachs bald bedeutend verſtärkt werden. Vergleiche die Erfüllung anlangend§§. 804—815. 816. flg. F. 622. Daniel 11, 35— 39. Obwohl auf dieſem Wege der Anfang zur Abhilfe gemacht worden, fuhr der weisſagende Engel in ſeiner Offenbarung fort, werde die Prü⸗ fung doch noch eine beſtimmte Zeit lang dauern, und dadurch, daß ein⸗ zelne Häupter der treu an Gott haltenden Volkspartei im Kampfe er⸗ liegen würden, erſt recht fühlbar werden. Um jene Zeit werde dann auch der regierende König das Maß ſeines alle Grenzen der Gottes⸗ furcht und der menſchlichen Scheu überſchreitenden Uebermuthes vollmachen. Nicht einmal ſeine eigenen Landesgötter würden von ihm geachtet, ſon⸗ dern an deren Stelle der Dienſt eines neuen fremden Götzen mit Namen Maozim eingeführt und mit allem Eifer unter ſeinen Unterthanen be⸗ fördert werden. Der Götze Maozim iſt ein prophetiſcher Name für Jupiter Capitoli⸗ nus, diejenige heidniſche Gottheit, welcher Antiochus IV. Epiphanes allein ben ſoll, weßwegen unter allen gegenüber eine Art Devotion gehabt ha eiche wollte er, wie§. 803. erzählt, denſelben allein in ſeinem ganzen R verehrt wiſſen. §. 623. Daniel 11, 40— 45. Hierauf iſt in der Weisſagung des Engels noch einmal die Rede von einem Feldzuge gegen Egypten, von dem man jedoch nicht weiß, ob damit ein neuer Krieg gemeint iſt, oder bloß in Beziehung auf die früheren egyptiſchen Kriegszüge des nämlichen Königs, als ein beſonderer Umſtand nachträglich hervorgehoben wird, daß von allen ringsumliegen⸗ den Ländern nur Edom, Moab und ein Theil des ammonitiſchen Landes vor ſeiner Grauſamkeit und Raubſucht würden verſchont bleiben. Hier⸗ auf aber werde ein Kriegsgerücht denſelben nach Norden abrufen, von wo aus er in ſchonungslos blutgieriger Abſicht ſich nochmals nach Jeru⸗ ſalem auf den Weg machen, aber trotz ſeines auf dem berühmten heili⸗ gen Berge zwiſchen den beiden Meeren bereits errichteten feſten Schloſſes einen hilfloſen Untergang finden ſollte. Das den König Antiochus Epiphanes vom Kriege gegen Paläſtina abhaltende Kriegsgerücht war die unverhofft plötzliche Nachricht eines in Armenien und Perſien ausgebrochenen Aufſtandes(vergl.§. 821.).— Das auf dem heiligen Berge zwiſchen zwei Meeren errichtete feſte Schloß iſt nach Prideaur's Auslegung die auf Antiochus Befehl erbaute Burg Acra in Jeruſalem(ſ.§. 802.). Des Königs Antiochus unglückliches Lebensende iſt erzählt 6. 841—844. Vergleiche zu dem ganzen Kapitel Prideaur's Abhandlung Connexion II. Thl. 3. Buch add ann. 164. CXXXVIII. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Der Prophet Daniel.(Schluß.) F. 624. Daniel 12, 1. Von dieſer in verhältnißmäßig näherer Zeit bevorſtehenden vorüber⸗ gehenden Bedrängniß des auserwählten Volkes führt den weisſagenden Engel der unaufhaltſam weiter verlaufende Strom der inneren Offen⸗ barung zur Verkündigung einer in ſpäter Zukunft erſt für dasſelbe zu erwartenden, alle bisherigen an Ausdehnung und Heftigkeit weit über⸗ bietenden letzten Verfolgung, in welcher aber Michael, der große Engel⸗ fürſt, alle Israeliten, deren Namen im Buche des Lebens verzeichnet ſtünden, endlich völlig erlöſen werde. §. 625. Daniel 12, 2. 3. In Verbindung mit jener ſchließlichen Befreiung des israelitiſchen Volkes weisſagte der offenbarende Engel zum Schluſſe auch eine Auf⸗ erſtehung der Todten, unter denen der eine Theil das ewige Leben ererben, der andere dagegen ewigen Schimpf und Schmach als Strafe davon tragen werde. Die Vorgänger und Unterrichter Anderer auf dem guten Wege treuer Geſetzesbefolgung würden von Gott mit einem beſonderen unver⸗ gänglichen himmliſchen Sternenglanze belohnt werden. Die im Paragraphen enthaltene Weisſagung von der Auferſtehung der Todten weiſt theils unverkennbar auf jene dem Propheten Czechiel zu Theil gewordene ähnliche Offenbarung zurück(vergl.§. 574.), theils beziehen ſich ebenſo unverkennbar die neuteſtamentlichen Stellen(Ev. Matth. 25, 31— 46. 1. Cor. 15, 41.) darauf hin. Behufs der Aus⸗ legung dieſer Weisſagung haben wir wahrſcheinlich auch hier wiederum einen doppelten Sinn zu unterſcheiden, einen buchſtäblichen, der ſich in einer dereinſtigen Scheidung der guten und ſchlechten Elemente im israeli⸗ tiſchen Volke, und einen geiſtig figürlichen, der ſich in dem letzten End⸗ gerichte über das ewige Schickſal aller einzelnen Menſchen verwirklichen wird. §. 626. Daniel 12, 4. Die hiedurch geſchloſſene Weisſagung übergab ſomit der redende Engel dem Propheten Daniel mit dem Auftrage, dieſelbe ſchriftlich auf⸗ zuzeichnen, damit ſie für ſpätere Leſer dereinſt zu zeitgemäß nothwendiger Belehrung diene, indem ſie auf mehr als bloß Eine Weiſe ſich erfüllen werde. §. 627. Dan. 12, 5— 7. Während der offenbarende Engel, von welchem jetzt erſt bemerkt wird, daß er während ſeiner Rede auf der Waſſeroberfläche des Tigris ſeinen Standort genommen, alſo zu ſprechen fortfuhr, erblickte Daniel zwei andere Engelsgeſtalten, welche der eine auf dieſem, der andere auf dem jenſeitigen Ufer harrten, gleichſam in der Abſicht, um den redenden Engel als Begleiter wieder mit ſich fortzunehmen. Deßwegen beeilte ſich Daniel, den in Linnen gekleideten, auf dem Waſſer ſtehenden Engel ſchließlich zu fragen, wie lange Zeit die Erfüllung dieſer wunderbaren Begebenheiten würde in Anſpruch nehmen? Hierauf erhob der erwähnte mittlere Engel beide Hände gegen Himmel, und ſchwur bei dem leben⸗ digen Gott, daß nicht mehr als eine, zwei Zeiten und eine halbe Zeit darüber hingehen, und daß bis zu dem Ende der Zerſtreuung des heiligen Volkes auch alle übrigen geweisſagten Begebenheiten mit eintreffen würden. n 9 Die im gegenwärtigen Paragraphen entbaltene iſt die zweite Er⸗ wähnung jener apocaloptiſchen Periode von 3½ Jahren, von denen be⸗ reits§. 591. die Rede geweſen. Da in beiden Stellen nicht gerade der beſtimmte Ausdruck„Jahr,“ ſondern der unbeſtimmte„Zeit“(nämlich eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit), d. h. Zeitraum, gebraucht iſt, ſo läßt ſich außer dem buchſtäblichen Sinne von 3½ wirklichen 440 Kalenderjabren vielleicht auch ein figürlicher anderweitiger Doppelſinn in 35 dieſer Zeitbeſtimmung finden. Es iſt eine uralte chriſtliche Anſchauung, T die muthmaßliche Dauer der ganzen Weltgeſchichte als einen Zeitraum 8 von ſieben Jaährtauſenden anzunehmen. Da nun Daniel gerade in die 1 Mitte des Werten Jabrtauſends hineinfällt, ſo könnte der heilige Erzengel Gabriel mit dieſer Zeitbeſtimmung indirect auf die fernere Dauer der ganzen Weltgeſchichte überhaupt bildlich hingedeutet haben. §. 628. Daniel 12, 8— 12. Daniel, welcher dieſe gegebene Zeitbeſtimmung nicht hinreichend ver⸗ ſtand, faßte ſich das Herz, noch einmal das Wort zu ergreifen und zu fragen, was denn nach dem geſchehen werde? erhielt aber zur Antwort, daß er ſich an dem bisher Geoffenbarten begnügen laſſen möge, indem 0 das Weitere bis auf beſtimmte Zeit müſſe unbekannt und verſchloſſen bleiben. Diejenigen, welche in den bevorſtehenden Zeiten der Verfolgung die Probe ihrer Treue beſtünden, würden die niedergeſchriebene bisherige Offenbarung bei gründlichem Nachdenken auch deutlich verſtehen, den Gottloſen aber dieſelbe inzwiſchen ein ewiges Räthſel bleiben. Hierauf wiederholte er, daß die Zahl der Tage, während welcher das tägliche Opfer unterbrochen, 1290 Tage betragen, diejenigen alsdann lebenden Zeitgenoſſen aber, welche 1335 Tage geduldig abwarteten, den Anfang eines glückſeligen Zeitalters erleben würden. §. 629. Daniel cp. 12, 13. Dieſe zuletzt gemachte Offenbarung war zugleich diejenige, mit wel⸗ cher ſich der redende Engel von Daniel wieder verabſchiedete. Er richtete an ihn zum Schluſſe die Ermahnung, daß er ſich mit dem Geſagten zu⸗ frieden geben, und die Zeit, wenn er ſelber von der Erde abgerufen wer⸗ den würde, geduldig abwarten möge, wobei er für ihn perſönlich die tröſtliche Verheißung hinzufügte, daß er am Ende der Tage an der fröh⸗ lichen Auferſtehung mit Antheil nehmen werde.— Von Daniel wiſſen 45 wir aus ſeinem übrigen Leben weiter nichts, als daß er noch in dem gleichen Jahre geſtorben iſt(vergl.§. 612.). I. Der in dieſen drei Capiteln(Dan. op. 10—12.) enthaltene pro⸗ phetiſche Abſchnitt wird, obwohl zu den von proteſtantiſcher Seite als kanoniſch anerkannten Büchern der heiligen Schrift Alten Teſtamentes inlt gehörig, nichts deſto weniger in neuerer Zeit heftig in ſeiner Aechtheit . Kcu angegriffen, auf den originellen Grund bin, weil ſich der prophetiſche Wüklöe Inhalt derſelben mit allzu großer Präciſion verwirklicht habe. Gleich als ob, wenn wir überhaupt eine Engelerſcheinung, deren doch ſo viele auch im Neuen Teſtamente erzählt werden, einmal als wirklich zulaſſen, wir einem aus göttlichem Auftrage Offenbarung verkündigenden Engel eine andere, als eine präciſe Vorausſicht zukünftiger Dinge zuzutrauen berechtigt wären!— Den ſcharfſinnigen Einfall, auf dieſen Grund hin die Aechtheit der erzählten Engeloffendarung anzugreifen, hat zuerſt der chriſtenfeindliche neuplatoniſche Philoſoph Porphyrius ſchon im dritten Jahrhundert nach Chriſtus gehabt, und nichts deſto weniger wird der⸗ ſelbe, wenn wir ihn anders richtig verſtehen, von Ewald auch heute noch nachgebetet. Glücklicher Weiſe wird die Aechtheit des in Frage geſtellten Abſchnittes gerade von proteſtantiſchen Theologen orthodoxer Richtung, wie Hävernick und Hengſtenberg, auf der anderen Seite ausnehmend gründlich wiederum vertheidigt und in Schutz genommen, ſo daß wir den Kampf den Gegnern füglich unter ſich ſelber auszumachen überlaſſen können. Nur glauben wir bei dieſer Gelegenheit zu dem auffallend ſchwachen Erklärungsverſuche, welchen Ewald über die muthmaßliche ſchrift⸗ ſtelleriſche Entſtebung dieſer angeſtrittenen Capitel anſtellt, nicht ſtill⸗ ſchweigen zu dürfen. Wer wird ſich menſchlich nämlich überreden können, daß in einem ſo bedrängten Zeitmomente, wie im Anfange der makka⸗ bäiſchen Schilderhebung, in welchem man alle vorhandenen Exemplare der heiligen Schrift planmäßig zu confisziren und zu vernichten von Seite der ſyriſchen Herrſchaft bemüht war, Jemand auch nur die Zeit und die Ruhe, um dieſe prophetiſchen Capitel abzufaſſen gebabt haben ſollte? und wie wäre es erſt möglich geweſen, daß mehr als 350 Jahre nach Daniel's Tode ein ſolches, wie Ewald will, nicht einmal aus böſer Abſicht entſtandenes, alſo ſeiner eigentlichen Entſtehung nach pfychologiſch den Anfin vollkommen unerklärliches betrügeriſches Machwerk bei dem jüdiſchen Hohen⸗ rathe unbeſtrittene Aufnahme, ja, noch mehr! vollends auch in die be⸗ reits ſeit mehr als hundert Jahren angefangene Ueberſetzung der 70 Doll⸗ metſcher noch nachträglichen Eingang ſollte gefunden haben? 2. Mit Daniel ſchließt ſich die Reihe derjenigen Propheten, welche der der babyloniſchen Gefangenſchaft vorhergehenden Zeit ihren Urſprung verdanken, in einer Weiſe ab, daß wir durch ſeine Lebensgeſchichte und durch die ganze Richtung ſeiner unermüdlichen Thätigkeit uns von ſelbſt auf einen neuen Boden weiterer geſchichtlicher Entwicklung verpflanzt fühlen. Seiner Herkunft aus David's königlichem Geſchlechte halber be⸗ reits in jugendlichem Knabenalter als eine Art Geißel in chaldäiſche Ge⸗ fangenſchaft abgeführt, und dortſelbſt für den babyloniſchen Staatsdienſt, in welchem er, die drei letzten Jahre abgerechnet, lebenslänglich verblieb, erzogen, ſchien er gleichſam gar nicht für ſein eigenes jüdiſches Stamm⸗ volk, ſondern nur für die ehrgeizigen Intereſſen chaldäiſcher und perſiſcher 0 denen ſein Leben zum Opfer bringen zu lbſtüberwindung gekoſtet de durch dieſe eigenthüm⸗ Eroberer geboren zu ſein, müſſen ihm ein genug hartes Opfer der Se haben mag. Nichts deſto weniger bekam er gera lich günſtige Stellung auf der anderen Seite die beſte Gelegenheit, ſeinem Volte wiederum erſt recht nützlich zu werden, indem ohne ſeinen perſön⸗ lichen Einfluß die jüdiſche Nation ſich ſchwerlich einer ſo ſchonenden Be⸗ handlung und verhältnißmäßig günſtigen Aufnahme von Seiten der Chaldäer zu erfreuen gehabt haben würde. Denn daß dieſe Behandlung der Juden im Allgemeinen eine ſehr ſchonende geweſen ſein muß, geht unzweideutig aus den beiden Thatſachen hervor, daß dieſelben erſtlich in ihrer Religionsfreiheit auf keine Weiſe behindert wurden, ſowie zweitens, daß von der ſpäter unter Cyrus' Regierung ertheilten Erlaubniß zu un⸗ gehinderter Rückkehr in die Heimath ein ſo bedeutender, wahrſcheinlich der größere Theil gar nicht einmal Gebrauch machte. Somit bezeichnet die Stellung Daniel's in der israelitiſchen Geſchichte einen recht eigent⸗ lichen hiſtoriſchen Wendepunkt, deſſen Wirkung in der ganzen nachfolgen⸗ den nicht allein heiligen, ſondern auch Profangeſchichte durchzuſpüren iſt. Was nämlich bisher nur in einzelnen, beinahe ſo zu nennenden Aus⸗ nahmsfällen, z. B. bei Naaman dem Syrer(bergl. Anmerk. zu§. 407.) und bei Jonas mit den Niniviten(vergl. Anmerk. zu§. 439.) ſtatt⸗ gefunden hatte, das trat jetzt im Ganzen und Großen ein, nämlich eine innige Wechſelberührung zwiſchen dem Judenvolke, dem Träger der bis⸗ herigen Stufenfolge der allein wahren göttlichen Offenbarung, und den⸗ jenigen Völkern, welche unter den damals lebenden unbeſtritten den erſten Rang einnehmen, den Chaldäern und den Perſern. Hiedurch entſtand ein wechſelſeitiger Austauſch von Einſichten und Fertigkeiten, deſſen nach⸗ haltige Bedeutung für die ganze fernere Culturentwicklung des ganzen menſchlichen Geſchlechtes gar nicht zu berechnen iſt. Ohne gerade ge⸗ ſchichtliche Nachweiſe dafür beibringen zu können, dürfen wir wenigſtens ſoviel als höchſt wahrſcheinlich annehmen, daß nach einer ſolchen geſchicht⸗ lichen Vergangenheit überhaupt, und insbefondere nach ſolchen Geſetz⸗ gebern wie Moyſes und Samuel, nach ſolchen Königen wie David und Salomo, nach ſolchen Propheten wie Elias und Eliſeus, nach ſolchen Dichtern, Rednern und Geſchichtsſchreibern in Einer Perſon wie Iſajas und Jeremias, und im Beſitze einer ſolchen Literatur, deren Ueberreſte noch jetzt im Canon der hebräiſchen Schriften Alten Teſtaments vor uns liegen, die Juden den Chaldäern und Perſern in Beziehung auf Geiſtes⸗ reife und natürliche Charakterdurchbildung entſchieden voraus waren. Es kommt uns deßwegen als ein nicht überaus gewagter Schluß vor, wenn wir annehmen, daß eine in dem damaligen geſchichtlichen Augenblicke der politiſchen Unterdrückung der Juden wahrſcheinlich von denſelben auf die chaldäiſchen Eroberer ausgehende geiſtig intelligente übermächtige Rück⸗ wirkung von dieſen wieder ſpäter auf die erobernden Perſer, von den Perſern auf die Griechen, von den Griechen auf die Römer und von den Römern zuletzt auf ſämmtliche nordiſche celtiſche, germaniſche und flaviſche Völker auf dem Wege einer Art von geiſtiger Fortpflanzung übertragen worden iſt, ſo daß wir den letzten geſchichtlichen Urſprung eines Theils unſerer noch heute obwaltenden politiſch ſocialen Ideen in der That nirgends anders ſicherer als in der dem jüdiſchen Volke in N kitk litt 08 Vn uin bn 47 ſeiner bisherigen Abgeſchloſſenheit vorausgehend angehörigen eigenthüm⸗ lichen Culturentwicklung zu ſuchen haben. Daniel, unter deſſen Ver⸗ mittlung alſo gleichſam, wie wir annehmen, die erſte dieſer für die ganze ſpätere Culturentwicklung ſo fruchtbar gewordenen praktiſchen Combina⸗ tionen zweier einander bisher fernſtehenden nationalen Bildungsſtufen glücklich zu Stande gekommen, Daniel, ſagen wir, iſt ſelber das Ideal eines im höchſten Grade weltgebildeten Mannes, weßwegen wir uns nicht lange die verwunderte Frage aufzuſtellen nöthig haben, warum er der erſte Staatsmann am Hofe Nabuchodonoſor's, und warum er nach dem Sturze Babylon's ſogleich wieder der erſte Vertraute und Freund Darius des Meders geworden iſt, und wodurch es ihm gelungen, Cyrus den Perſer zu überzeugen, daß die Wiederherſtellung des jüdiſchen Landes und die Wiedererbauung des Tempels zu Jeruſalem, wie er in ſeinem Edicte offen bekennt, ein ihm vom höchſten Gotte des Himmels ſelber zu Theil gewordener Auftrag ſei? Höchſtens iſt das an Daniel nicht ſo⸗ wohl zu verwundern, als vielmehr bewundernd zu verehren, wie ein ſo feiner, in alle Geheimniſſe der Politik und Diplomatie nothwendiger Weiſe eingeweihter Staatsmann und Regierungsbeamte zu gleicher Zeit ein ſo aufrichtiger, durch kindliche Frömmigkeit ausgezeichneter Israelite ſein konnte, ſo daß er bereits im Alten Teſtamente das Geheimniß, Schlangenklugheit und Taubeneinfalt zu verbinden(ok. Ev. Matih. 10, 46.) ſcheint im höchſten Grade beſeſſen zu haben. Die ganze damalige in jeder anderen Beziehung ſo troſtlos finſtere Zeitepoche wird mit einem wahrhaft claſſiſchen Glanze verherrlicht durch drei ſolche Geſtirne, welche wie Jeremias, Ezechiel und Daniel zu gleicher Zeit den geiſtigen Horizont Israels erleuchtet haben. In einem derartigen, im Verhältniß zu der geringen damaligen Volkszahl gewiß höchſt auffallenden Phänomen ſpricht ſich, wie uns ſcheint, unverkennbar jener übernatürliche göttliche Segen aus, welcher von Anfang an auf die Nachkommenſchaft der drei Patriar⸗ chen Abraham, Iſaac und Jacob von Gott ausgegoſſen worden iſt. CXXXIX. Perſiſche Landeshoheit. Fortſetzung.) Erſte Rückkehr der Zuden nach Paläſtina. Der Hohenprieſter Joſue. §. 630. 1. Esdra 6, 2 5. 3. Esdra 6, 23— 26. Dem nämlichen Jahre 3562, in welchem Daniel ſtarb, verdankt außer dem§. 611. erwähnten königlichen Regierungserlaſſe ein weiterer, als ſchriftliches Document in dem königlich mediſchen Archive zu Ecbatana hinterlegter königlicher Beſchluß ſeinen Urſprung, dem zufolge Cyrus ver⸗ ordnete, daß außer der zur Wiedererbauung des Tempels bereits gegebenen Erlaubniß nicht allein die ſeiner Zeit von Nabuchodonoſor aus Jeruſalem nach Babylon fortgeſchafften, und in dem Tempel des Bel aufgeſtellten 48 goldenen und ſilbernen Tempelgeräthe den zurücklehrenden Juden wieder ausgeliefert, ſondern auch die Koſten des wieder herzuſtellenden Baues auf königliche Rechnung ſollten beſtritten werden. Dabei enthält die er⸗ noch die beſondere Beſtimmung, daß das wähnte königliche Verordnung r neuaufgeführte Tempelgebäude bei drei Stockwerken von unbehauenen Steinen und einem vierten von neugefälltem Bauholze ſowohl eine Höhe als auch Breite von 60 Ellen bekommen ſollte. Da das im Paragraphen erwähnte, im Archive zu Eebatana vor⸗ gefundene königliche Edict zu dem nach§. 611. bereits gewährten noch hinzukommende bedeutende weitere Begünſtigungen enthält, ſo iſt es nicht unwahrſcheinlich, daß dasſelbe einen von demſelben getrennten Urſprung hatte. Ob dasſelbe eine bloße Eintragung des von Cyrus erlaſſenen Befehls in die königliche mediſch perſiſche Hauschronik, oder wer der eigentliche Urheber desſelben geweſen, können wir ſomit nicht mit Klar⸗ heit ergründen. Unwillkührlich erinnert uns dieſes ſchriftliche Document an eine im 3. Buche Esdra cp. 3—4. ep. 5, 6. enthaltene Erzählung, welche als geſchichtlich glaubwürdig auch von Joſephus(Antiqg. lib. XI. ep. J.) beigebracht, jedoch offenbar fälſchlich unter die Regierung Darius Hystaspis verſetzt wird,— über einen ſolchen mündlich ſowohl als ſchrift⸗ lichen Befehl, der bereits von Darius(alſo wahrſcheinlich von Darius dem Meder) ergangen ſei. Von Zorobabel, dem Anführer des Zuges, wird nämlich darin erzählt, daß er, eine Zeit lang Page am mediſchen Hofe, durch einen ſiegreichen Wettkampf mit zwei Nebenkämmerern um den Vorrang dichteriſcher Beredtſamkeit, den König Darius dermaßen bezaubert habe, daß derſelbe ihm freie Wahl ließ, was er nur immer verlange, als Belohnung ſich auszubitten. In dieſem günſtigen Augen⸗ blicke foll Zorobabel den König an ein Gelübde erinnert haben, das er gethan, ſobald er das Reich bekommen(ein zweideutiger Ausdruck, der entweder ausgelegt werden kann:„ſobald er an die Regierung,“ oder „ſobald die Stadt Babylon und das babhloniſche Reich in ſeinen Beſitz gekommen“), dem Reiche der Juden und der Stadt Jeruſalem ihre Exiſtenz wieder zu geben. Hierauf ſei Darius auch bereitwillig eingegangen und habe Zorobabel zur Ausführung dieſes Beſchluſſes ſogleich entlaſſen. Ueber die innere Glaubwürdigkeit dieſer geſchichtlichen Ueberlieferung ein Urtheil zu fällen iſt ſchwer; die mitgetheilten Proben der Beredtſamkeit ſind jedoch der Mühe nicht unwerth, geleſen zu werden. §. 631. 1. Paralip. 3, 17. 1. Esdra 1, 5— op. 2, 67. 2. Esdra 7, 6— 69. cp. 12, 1— 8—15. cp. 5, 1— 43. Auf die ergangene Bekanntmachung ſowohl der gegebenen Erlaubniß zur Rückkehr der Juden nach Paläſtina überhaupt, als insbeſondere der zu leichterer Bewerkſtelligung derſelben gewährten außerordentlichen Ver⸗ günſtigungen, meldete ſich eine Seelenzahl von im Ganzen 42,360 Ab⸗ köͤmmlingen der ehemaligen jüdiſchen Reichsangehörigen, welche ſich an⸗ 9. 3. Esdra 2, ſhicten, u Gkchehue fingniſe e r ober, Kaſr in! ths ſer uu h u iſem G. bſtlih Wahen 75) 60 Cfl. U 49 ſchickten, unter Anführung Zorobabel's, eines Sohnes Salathiel und Enkelſohnes des erſt im Jahre 3537(vergl.§. 587.) aus ſeinem Ge⸗ fängniſſe entlaſſenen ehemaligen jüdiſchen Königs Joachin oder Jechonja, der aber, wie es ſcheint, ſchon bis daher unter dem Titel eines Saſſa⸗ baſar in perſiſchem Dienſte geſtanden und auch gegenwärtig mit dem Amte eines perſiſchen Landpflegers oder Atherſatha war bekleidet worden, wel⸗ chem unter andern auf Cyrus Befehl auch die erwähnten goldenen und ſilbernen Tempelgeräthe in einer Anzahl von 5400 einzelnen Stücken durch den perſiſchen Schatzmeiſter Mithridates waren perſönlich ausgehän⸗ digt worden, von der erhaltenen Erlaubniß Gebrauch zu machen. Als der Angeſehenſte unter dem bei dieſer Gelegenheit zurückkehrenden Theile des prieſterlichen Geſchlechtes iſt Joſue, auch Jeſus genannt, der Sohn Joſedec namhaft zu machen. Ein Theil der den Zug begleitenden Nach⸗ kommen prieſterlicher Geſchlechter konnten ihre Abſtammung nicht mehr durch ſchriftliche genealogiſche Documente nachweiſen, und wurden auf dieſen Grund hin von Zorobabel bis auf eine in Zukunft zu erwartende prieſterliche Entſcheidung durch das, wie es ſcheint, damals verloren ge⸗ gangene und noch nicht wieder erlangte heilige Loos ihrer prieſterlichen Privilegien für verluſtig erklärt. Außer der erwähnten Perſonenzahl werden 7337 Sclaven, 736 Pferde, 245 Maulthiere, 435 Kameele und 6720 Eſel als weitere Beſtandtheile des Zuges angegeben. Wenn man die im angeführten Schrifttexte aufzezählten einzelnen Poſten zuſammenrechnet, bringt man eine Geſammtzahl von nur 29,818 Seelen heraus. Verſchiedene Ausleger nehmen an, die übrigen 12,542, welche an der 1. Esdra 2, 64. angegebenen Geſammtſumme fehlen, ſeien Angehörige des vormaligen Reiches der zehn Stämme geweſen. Es ſcheint uns aber einfacher anzunehmen, daß unter dieſer Zahl die Frauen und Kinder der Rückkehrenden zu verſtehen find. §˖.632. 1. Esdra 2, 68— 70. 2. Esdra 7, 70— 73. 3. Esdra 5, 41— 46. Die aus den angegebenen Beſtandtheilen zuſammengeſetzte, unter Zorobabel's Anführung vereinigte israelitiſche Karawane legte den Weg von Babylon nach Paläſtina glücklich zurück, und kam wahrſcheinlich erſt im Laufe des darauffolgenden Jahres 3563 auf der verlaſſenen Brand⸗ ſtätte von Jeruſalem an. Dort auf dem Platze, wo der Tempel ehedem geſtanden hatte, veranſtalteten ſie alsbald unter ſich eine Sammlung von freiwilligen Beiſteuern zu ſeiner Wiedererbauung, welche unter den be⸗ drängten Umſtänden doch immer eine Summe von 61,000 Goldſtücken, Krafft, heil. Geſchichte. I. 4 50,000 Silberminen und 100 prieſterlichen Feieranzügen zum Ergebniß r duch hatte. Von da aus vertheilten ſie ſich im Lande, und nahmen jeder von ſtnem dem urſprünglichen Wohnorte ſeiner Vorfahren auf's Neue Beſitz. jils witd 3. Esdra 5, 2. 8. erzählt, die Rückkehrenden ſeien durch eine be⸗ ſlutt vud n unter Pauken⸗ und kihafſ 1000 königlichen Reiter waffnete Bedeckung von aläſtina zurückbegleitet worden. 15 kuen Trompetenſchall nach P CXL. Perſiſche Landeshoheit. Fortſetzung.) Erbauung des zweiten Tempels. Hohenprieſter Joſue Fortſetzung). §. 633. 1. Esdra 3, 1—6. 3. Esdra 5, 47— 53. Das jährliche Laubhüttenfeſt fällt, wie§. 65. bemerkt, in den An⸗uu n fang des Monats Oktober. Bis zum Anbruch dieſes von dem ganzen ech Volke zum nächſten Verſammlungstage beſtimmten allgemeinen Feſtes nuſſhe hatten Joſue, der Sohn Joſedec's, der inzwiſchen neuerwählte Hoheprieſter, K un und der als perſiſcher Bevollmächtigter die bürgerliche Verwaltung des nnle Landes fortwährend leitende Zorobabel, der Sohn Salathiel's, Sorge un getragen, noch in dem nämlichen Jahre 3563 vor allen den ehemaligen m⸗u der vorgeſchriebenen täglichen Opfer kühmnth Brandopferaltar zur Verrichtung (vergl.§. 55.) auf ſeiner alten Stelle wieder aufzurichten, von welcher Arbeit ſie ſich durch ihnen dabei widerfahrende böswillige Drohungen von Seite benachbarter Völker nicht abhalten ließen. Von dem erſten Tage dieſes Feſtes wurde der regelmäßtge ununterbrochene Gang der im Geſetze Moyſes vorgeſchriebenen gottesdienſtlichen Feſtordnung auf's Neue eröffnet. Bei Gelegenheit des neuerdings in das Werk geſetzten täglichen Brand⸗ opfers entbehrten die Juden des bisher im Tempel gebrauchten heiligen Feuers, ohne daß erzählt wird, auf welche Weiſe ſie dieſem Nothſtande abzuhelfen ſuchten. Es gingen dem neuen Tempel überhaupt mehrere weſentliche Stücke des bisherigen Ceremonialdienſtes, namentlich die Bundeslade und das Urim und Thummim, das heilige Loos ab(vergl. . 63.), von welchem auffallender Weiſe aber auch ſchon ſeit der Er⸗ bauung des erſten Tempels unter Salomo in der iſ2raelitiſchen Geſchichte keine weitere Rede iſt.(Vergl. über dieſe ſämmtlichen Fragen Prideaux's Connexion ꝛc. 3. Buch ad ann. 536.) §. 634. 1. Esdra 3, 7— 13. 3. Esdra 5, 54 65. Haggaeus 2, 19. Bei Gelegenheit dieſes nämlichen Feſtes, wie es ſcheint, trafen Zoro⸗ babel und Joſue ungeſäumte Anſtalt, um mit unverdroſſener Benutzung 51 der durch Cyrus' königliches Edict ihnen eröffneten Hilfsquellen den noch in ſeinem Schutte daliegenden Tempel binnen möglichſt kurzer Zeit eben⸗ falls wieder emporzubringen. In dieſer Abſicht theilten ſie an Stein⸗ hauer und Bauleute Geld aus und ſchloſſen mit den Tyriern wegen Her⸗ beiſchaffung des nöthigen Cedernholzes aus dem Libanongebirge einen neuen Vertrag ab, welch letzterer auch ſo pünktlich erfüllt wurde, daß be⸗ reits im Monate Mai des nächſten Jahres 3564 mit den Vorarbeiten zu der Gründung des neuen Tempels konnte begonnen werden. Bei Gelegenheit der ungefähr in der Mitte Dezember des nämlichen Jahres ſtattfindenden Grundſteinlegung, ein Ereigniß, welches durch eine eigends dazu angeordnete allgemeine Volksverſammlung feſtlich begangen wurde, beobachtete man eine merkwürdige Miſchung der dadurch im Volke her⸗ vorgerufenen Gemüthsſtimmung, indem der unaufhaltſame von der da⸗ durch in die ausgelaſſenſte Fröhlichkeit verſetzten jüngeren Generation erhobene Freudenruf durch ein von den noch Augenzeugen des alten ſalo⸗ moniſchen Tempels geweſenen älteren Familienhäuptern bei dem Anblicke dieſer neuen Grundſteinlegung auf der anderen Seite ausgeſtoßenes durch⸗ dringendes Klagegeſchrei ſo jämmerlich im Gleichgewichte erhalten wurde, daß nur der gleichzeitige zur Ehre Gottes kräftig angeſtimmte, von Hör⸗ ner⸗ und Trompetenſchall begleitete levitiſche Pſalmengeſang das Letztere einigermaßen zu übertönen im Stande war. §. 635. 1. Esdra 4, 1—5. 3. Esdra 5, 66— 73. Ein ſo kümmerlicher Fortſchritt dieſes Ereigniß auch auf dem Wege der wiederangebahnten jüdiſchen Nationalwohlfahrt zu nennen war, er⸗ regte es nichts deſto weniger den gehäſſigen Neid und die feindſelige Eiferſucht der zuerſt durch Salmanaſſar und zuletzt, wie es ſcheint, durch Aſſarhaddon in die Nachbarſchaft des jüdiſchen Reiches verpflanzten, folg⸗ lich ſeit etwa 180 Jahren(vergl.§. 458.) in dem Gebiete des ehemaligen ephraimitiſchen Stammlandes wohnenden, gegenwärtig ebenfalls unter perſiſcher Landeshoheit ſtehenden ſamaritaniſchen Völkerſchaften, welche, um gleichen Antheil an den den Juden gewährten Rechten zu genießen, vorerſt zu thätiger Mitwirkung an dem begonnenen Tempelbau auf den Grund hin zugelaſſen zu werden verlangten, weil ſie ja ſeit Aſſarhaddon's Zeiten den nämlichen Gott wie die Juden ebenfalls verehrt hätten. Da ihnen nun aber die Erfüllung dieſer Bitte, inſoferne ſie neben dem Dienſte des wahren Gottes bekanntlich zugleich Götzendiener a ct gewährt werden konnte, ſo ſuchten ſie der Fortſetzung des begonnenen Baues alle erdenklichen Hinderniſſe in den Weg zu legen, und verlegten ſich unter andern namentlich auf den Kunſtgriff, Geſetzeskundige zu beſtechen, um ihnen über die beſte Art und Weiſe Rath zu geben, wie ſie das ange⸗ fangene Werk von Seite der perſiſchen Regierung wieder zu hintertreiben im Stande wären. Die Erbitterung der Samaritaner gegen die Juden erklärt ſich zum Theil aus dem zufälligen Umſtande, daß Cyrus, wie auch ſpäter Darius Hystaspis, die den Juden zugeſicherten königlichen Unterſtützungsgelder aus den Steuererträgniſſen der benachbarten Provinz Samaria zu er⸗ heben Anweiſung gab, wodurch es oberflächlich betrachtet den Anſchein gewann, als ob die Samaritaner den Juden zinspflichtig geworden wären (ok. Joseph. Antiqq. lib. XI. cp. 1. ep. 4.). §. 636. 1. Esdra 4, 5— 16. 3. Esdra 2, 16— 24. Unter der Regierung des Königs Cyrus, deſſen der Angabe der Profanſchriftſteller zufolge ſiebenjährige Alleinherrſchaft mit ſeinem etwa 3569 erfolgten Tode ihr Ende erreichte, ſcheint es den Samaritanern nicht gelungen zu ſein, etwas zum Schaden ihrer neu erwachſenen jüdi⸗ ſchen Nebenbuhler bei dem perſiſchen Hofe durchzuſetzen. Auch unter der ſieben Jahre und fünf Monate, wie der griechiſche Geſchichtsſchreiber Herodot angiebt, dauernden Regierung ſeines Sohnes und Reichsnach⸗ folgers Cambyſes(T 35761 denn dieſer ſcheint der im Texte genannte Aſſuerus zu ſein), brachten ſie es nicht weiter, als eine gehäſſige Klage⸗ ſchrift aufzuſetzen, welche ſie aber nicht abzuſchicken den Muth hatten. Erſt unter der darauffolgenden ſiebenmonatlichen Regierung des nach deſſen Tode ſich zum Könige aufwerfenden Pfeudoſmerdis, des in unſerem Terte genannten Artaxerxes, ließen ſie eine von Mithridates und Thabeel und einigen anderen beſtochenen Rathgebern ihnen aufgeſetzte ſyriſch ge⸗ ſchriebene Klageſchrift gegen die Juden wirklich abgehen, wodurch ſie die⸗ ſelben als unbezweifelte Unternehmer einer den Einkünften des perſiſchen Reiches nachtheiligen Selbſtaufwerfung zu einer empöreriſchen Landes⸗ verdächtigen ſuchten. Dieſe vorgeblich von denſelben unabhängigkeit zu beabſichtigte Verrätherei ſuchten ſie damit zu beweiſen, daß ſie den König erſuchten, in den Jahrbüchern des Reiches nachſchlagen zu laſſen, in wel⸗ chen man finden werde, daß die Vorfahren der ſeither zurückgekehrten Juden eben nur ihrer unberbeſſerlichen Treuloſigkeit halber mit Verbren⸗ nung der Stadt Jeruſalem beſtraft worden ſeien. 50 Ueber Cyrus, deſſen Lebensende im Paragraphen gelegentlich erwähnt wird, können wir uns um ſo kürzer faſſen, je weniger er in der heiligen Geſchichte unmittelbar perſönlich auftritt, und in je höherem Grade die bei den Profanſchriftſtellern über ihn vorhandenen Nachrichten auf eine auffallende Weiſe verworren ſind. Seine ausgezeichneten Feldherrneigen⸗ ſchaften gehen aus der Geſchichte der Eroberung von Babylon(vergl. Anmerk. zu§. 602.) von ſelbſt hervor. Zugleich wird er als milder Behandler der unterworfenen Nationen tzerühmt, ein Charakterzug, wel⸗ cher auch in der freigebigen Loslaſſung der Juden— ein in der Welt⸗ geſchichte beinahe beiſpielloſes Ereigniß— um deſto unverkennbarer her⸗ vortritt. Somit würden wir ihm trotz der mangelhaften Nachrichten über ſeine Lebensgeſchichte wohl ſehr Unrecht thun, wenn wir an ſeiner voll⸗ kommenen geiſtig ſittlichen Befähigung, das geiſtige Reſultat des baby⸗ loniſchen Staatsorganismus in ſeiner dermaligen Vollendung in ſich auf⸗ zunehmen, und dasſelbe durch zweckmäßige Regierungsmaßregeln auf ſeine ſämmtlichen ihm eigenen Völker überzutragen, auch nur im mindeſten zweifeln wollten, eine Aufgabe, welcher wir ihn in einem um ſo voll⸗ kommeren Grade dürfen gewachſen glauben, je auffallender von Kenophon im erſten Capitel der Cyropädie der willige Gehorſam gerühmt wird, welchen ſämmtliche unterworfenen Völker ihm einmüthig ſollen geleiſtet haben. Seiner Geburt nach ſcheint er nach neueren Unterſuchungen keineswegs ein Sohn der angeblichen Tochter des mediſchen Königs Aſtyages, der Mandane, wohl aber Stammhalter eines perſiſchen Fürſten⸗ hauſes(der möglicher Weiſe als Geißel an Aſtyages Hofe lebte, ſo daß ſeine von Herodot und Xenophon auf eine im Ganzen zwar ſehr ab⸗ weichende, aber doch in manchen Stücken zufällig übereinſtimmende Weiſe erzählte Jugendgeſchichte auch nicht gerade ganz auf Erdichtung zu be⸗ ruhen braucht) geweſen zu ſein, und anfangs in zinsbarer Abhängigkeit vom mediſchen Reiche, durch eine glückliche Schilderhebung ſich unter der Oberleitung des ohne männliche Nachkommenſchaft befindlichen Cyaxares II. zu deſſen Mitregenten aufgeſchwungen zu haben, deſſen Tochter Amytis er allerdings bei dieſer Gelegenheit wahrſcheinlich geheirathet haben wird. Ueber ſeinen Tod iſt das Wahrſcheinlichſte, daß er zwar in einem Kriege gegen nördliche Völkerſchaften um das Leben kam, aber nicht in der Weiſe, wie Herodot erzählt, ſondern ſo, daß er in der nämlichen Schlacht, in welcher er das Leben verlor, wenigſtens den Sieg behielt; denn ſonſt wäre es unerklärbar, wie ſein Leichnam in der Grabſtätte der perſiſchen Könige zu Paſargada hätte beigeſetzt werden können.— Seinem perſön⸗ lich ſittlichen Charakter nach ſcheinen ihm eigentlicher Stolz und Herrſch⸗ ſucht fremde, wohl aber ehrgeizige Kriegsluſt ſeine Leidenſchaft geweſen zu ſein, welche verbunden mit ſeinem Talente geltend zu machen er in den eiferſüchtigen Reibungen der mediſchen und babyloniſchen Monarchie die günſtigſte Gelegenheit fand.(Vergl. Leo, Univerſalgeſchichte Zte Aufl. 1. Bd. Seite 206. 222 u. flg.) §. 637. 1. Esdra 4, 17—24. 3. Esdra 2, 25— 31. cp. 5, 73. Mag nun Pſeudoſmerdis die Anklage der Samariter als aus guter Abſicht hervorgehend betrachtet, oder vielmehr auf einem ähnlicher Weiſe 54 wie er zu der Regierung des Reiches gekommen, ſich auch in das Privatintereſſe der Ankläger haben hineinziehen laſſen,— Gott ließ es zu, daß die künſtlich angelegte Intrigue für den Augenblick einen glücklichen Erfolg hatte. Der König gab den Samaritanern ſchrift⸗ liche Antwort, daß die von ihnen beantragte Unterſuchung der Reichsjahr⸗ bücher in Betreff der bisherigen Geſchichte des jüdiſchen Volkes auf ſeinen Befehl ſtattgefunden habe, und ihre Angaben über dasſelbe richtig ſeien befunden worden. Deßwegen ermächtigte und beauftragte er ſie be⸗ ziehungsweiſẽ, in ſeinem Namen den begonnenen Bauunternehmungen der Juden ſo ſchnell als möglich energiſchen Einhalt zu thun. Kaum hatten dieß die Samaritaner erfahren, als ſie auch mit Waffengewalt die Fort⸗ ſetzung der am Tempelbaue gerade im Gange befindlichen Arbeiten zu hindern herbeieilten, wodurch ſie in dem Fortgange einer ohnehin durch viele kleine anderen Plackereien aufgehaltenen Unternehmung eine mehr⸗ jährige gänzliche Unterbrechung hervorbrachten. ungerechten Wege, CXLI. Perſiſche Landeshoheit. Fortſetzung.) Erbauung des zweiten Tempels. Der Hohenprieſter Zoſue(Fortſetzung). Die Propheten Haggäus und Zacharias. §. 638. 1. Proph. Haggaei 1, 1 11. 3. Esdra 6, 1. 1. Esdra 5, An die Stelle des erwähnten Pfeudoſmerdis, der ungefähr gegen den Anfang des Jahres 3577 geſtorben ſein mag, trat in der Regierung des perſiſchen Reiches der berühmte König Darius Hystaspis. In deſſen zweitem Regierungsſahre, alſo ungefähr 3578 nach Erſchaffung der Welt gegen Ende des Monats September, trat unter den zu Jeruſalem woh⸗ nenden Juden neuerdings ein Prophet auf mit Namen Haggäus, welcher den beiden Vorſtehern des Volkes Zorobabel und Joſue im Namen Gottes es als eine eigenliebig unredliche Saumſeligkeit zum Vorwurfe machte, daß ſie ſich ſelber getäfelte Häuſer bauen, den Fortbau des Tempels aber unter der vorgeblichen Entſchuldigung, als ſei zu ſeiner Wiederaufnahme die rechte Zeit noch nicht gekommen, inzwiſchen unthätig liegen ließen. Ein in dem nämlichen Jahre in Folge ungewöhnlicher Dürre eingetretener auffallender Mißwachs in Beziehung auf Getreide, Oel und Wein, ſowie alle übrigen zum Leben erforderlichen Naturerzeugniſſe, wurde von dem men, ſt Propheten als Strafe des Volkes für die eingetretene Lauheit in der ſch Fortſetzung des Tempelbaues gedeutet, und ihnen die ſchleunige Wieder⸗ aufnahme der unterbrochenen Arbeit dringend an das Herz gelegt. §. 639. 1. Esdra 5, 2— 17. Haggaeus 1, 12— chp. 2, 1. 3. Esdra 6, 1— 22. Durch dieſe an ſie gerichtete göttliche Aufforderung anfangs beſtürzt, darnach aber durch die Verheißung des göttlichen Beiſtandes wieder auf⸗ gerichtet, nahmen die beiden genannten Fürſten Zorobabel und Joſue mit ſammt dem übrigen Volke den in Stocken gerathenen Tempelbau mit neuem Eifer in die Hand, wurden aber auch ſogleich wieder durch Thathanai, den Statthalter der dieſſeits des Euphratfluſſes gelegenen perſiſchen Provinz, nebſt Stharbuzanai, den oberſten ſeiner ihn begleiten⸗ den Räthe, wegen der Fortſetzung dieſes Unternehmens, jedoch ohne daß ſie es ihnen förmlich zu verwehren ſich erlaubten, zur Rede geſtellt. Auf dieſe ergangene obrigkeitliche Befragung gaben die Vorſteher des Volkes unverzüglich ihre Namen und die Veranlaſſung zu dem gegenwärtigen Bau an, bei welcher Gelegenheit ſie ſich auf den bekannten, im erſten Jahre der Alleinregierung des Königs Cyrus erlaſſenen Regierungsbefehl beriefen, deſſen wirklichen Ergang ſie auch durch die thatſächlich geſchehene oulſckuh. und doch nicht anders als aus einem ausdrücklichen königlichen Befehle erklärbare Auslieferung der heiligen Tempelgefäße zu erweiſen ſuchten. Alle dieſe gemachten Angaben nahm Thathanai ausführlich zu Protokoll, um an den König Darius Hystaspis über dieſe Angelegenheit einen um⸗ ſtändlichen Bericht auszufertigen. §. 640. Haggaeus 2, 2— 10. Ungefähr in der Hälfte Oktober des nämlichen Jahres 3578 bekam Haggäus eine zweite für die beiden Vorſteher des Volkes beſtimmte gött⸗ liche Offenbarung, durch welche er beauftragt wurde, denſelben über die im Vergleiche mit dem früheren weit minder prächtige Einrichtung des gegenwärtigen Tempelgebäudes Troſt einzuſprechen, indem ja alles Gold und Silber auf dieſer Welt, auch dasjenige, welches nicht zur Ausſtattung des Tempels verwendet werde, ohnehin Gottes Eigenthum ſei. Hievon aber abgeſehen werde dieſer zweite Tempel im Vergleich mit dem erſten in anderer Beziehung ungleich höher durch den Vorrang ausgezeichnet, daß er durch die perſönliche Gegenwart des allen Völkern verheißenen Heilandes werde verherrlichet werden. Die in dem gegenwärtigen Paragraphen enthaltene meſſianiſche Weis⸗ ſagung von der perſönlichen Gegenwart des verheißenen Meſſias in dem neu zu errichtenden Tempel, eines der ſchlagendſten Argumente für die Hartgläubigkeit der Wahrheit der chriſtlichen Religion gzegenüber der iſe Juden, iſt nach unſerer Aufzählung die fünfzehnte(ſ. Anmerk. zu§. 610.). 10 figh b. 641. Achung Prophetia Zachariae 1, 1— 6. Gelkes Ende Oktober oder Anfang November des gleichen Jahres erhielt M auch der Prophet Zacharias, der Sohn des Barachias des Sohnes Addo, Wn eine Offenbarung, die erſte, welche unter ſeinem Namen ſchriftlich ver⸗ zeichnet iſt, nämlich den Beruf, dem Volke Buße zu verkündigen, und ſie gütlich zu ermahnen, daß ſie ſich an dem traurigen Schickſale, welches ſich ihre Voreltern durch hartnäckige Widerſetzlichkeit gegen die Warnungen der Propheten zugezogen hätten, möchten ein Beiſpiel nehmen. §. 642. Haggaeus 2, 11— 24. In der Mitte Dezember des nämlichen Jahres 3578 und zwar an dem gleichen Monatstage, an welchem vierzehn Jahre zuvor der Grund⸗ ſtein des neuen Tempels gelegt worden war lek. K. 635.), erhielt endlich der Prophet Haggäus die beiden letzten Offenbarungen, welche unter ſeinem Namen aufgezeichnet ſind, von denen die erſte eine Warnung und Ermahnung an das Volk iſt, daß ſie zu fortaniger Vermeidung des in der letzten Zeit auf all ihrem Thun und Laſſen gelegenen göttlichen Un⸗ ſegens die levitiſchen Reinigkeitsgeſetze, namentlich in Beziehung auf die darzubringenden Opfer, mit größerer Aufmerkſamkeit wie bisher, beziehungs⸗ weiſe mit unverbrüchlich ſtrenger Gewiſſenhaftigkett beobachten möchten; die zweite, eine Verheißung an Zorobabel, daß unter den in der Zukunft bevorſtehenden politiſchen Reichsumwälzungen ſein Geſchlecht und ſeine Familie als ein ganz beſonders werthes eigenthümliches Kleinod bei Gott in Ehren gehalten werden ſolle. CXLII. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Ver Hohenprieſter Joſue. Erbauung des zweiten Tempels. Der Pro⸗ phet Bacharias.(Fortſetzung.) 6.643. Zacharias 1, 7— cp. 6. Im Februar des darauffolgenden Jahres 3579 beginnt eine Reihe von acht wahrſcheinlich kurz aufeinander folgenden Viſionen, deren der * Prophet Zacharias zugleich mit einer unmittelbar daran geknüpften Aus⸗ legung durch einen ihm geſendeten Engel gewürdigt wurde. Sie be⸗ treffen theils im Allgemeinen die zukünftige politiſche Wiederherſtellung des jüdiſchen Königreiches, theils insbeſondere die zukünftige Verherr⸗ lichung des Prieſterthums durch den zu erwartenden auserwählten Knecht Gottes, eine neue Ausgießung des Geiſtes Gottes über das jüdiſche Volk, die dereinſtige allmälige Ausrottung der betrügeriſchen und meineidigen Volksgenoſſen, die Ausſcheidung ſonſtiger verderbter Elemente unter dem Volke, welche als Fremdlinge unter anderen Völkern ihren Aufenthaltsort aufſchlagen würden; endlich, wie es ſcheint, die zukünftige Aufeinander⸗ folge politiſcher Reiche bis zur Entſtehung des durch den neuauftretenden Hohenprieſter zu gründenden Friedensreiches, von welchem geweisſagt wird, daß er den Ausbau des Tempels mit Hilfe fern herkommender Stammgenoſſen vollenden werde. Die im Paragraphen erwähnten, dem Propheten Zacharias gewährten göttlichen Offenbarungsgeſichte ſind nach unſerer unmaßgeblichen Auf⸗ faſſung des Gedankenzuſammenhanges in kurzem Auszuge etwa folgende: Zacharias erblickt in der Nacht einen Reiter auf rothem Roſſe, welchem viele verſchiedenfarbige andere Pferde folgen. Ein dem Propheten als Begleiter gegebener Engel belehrt ihn, es ſei dieß derjenige Heerhaufen, welcher von Gott zur Durchwanderung des ganzen Erdkreiſes ausgeſendet ſei. Von dem Sinne dieſer gegebenen Erklärung hängt das Verſtändniß dieſer gegenwärtigen erſten Offenbarung ab. Wir vermuthen, es ſei darunter das perſiſche Heer des Darius Hystaspis zu verſtehen, welcher nach urkundlichen Geſchichtsdenkmalen ſogleich im Anfange ſeiner Regie⸗ rung eine Menge Kriege in den verſchiedenſten Provinzen des perſiſchen Reiches zur Befeſtigung ſeines eben erſt beſtiegenen Thrones zu kämpfen hatte(vergl. Leo, Univerſalgeſchichte Zte Aufl. Bd. 1. S. 225 u. flg.). Die perſiſche Heeresmacht konnte in der That nicht beſſer als unter dem Symbole einer Schaar von verſchiedenfarbigen Pferden, der Hauptſtärke der perſiſchen Armee, dargeſtellt und der Ausdruck„der ganze Erdkreis“ recht wohl als der Umfang des ſo unermeßlich ausgedehnten, beinahe alle damaligen gebildeten Länder der Welt umfaſſenden perſiſchen Welt⸗ reiches verſtanden werden.— Auf die eingeholte Antwort des dem Reiter⸗ zuge beigegebenen Anführers, daß alle Länder ſich in Ruhe befänden, klagt der Engel in Gegenwart des Propheten gegen Gott, warum doch Jeruſalem unter dieſen Umſtänden ſich in einem noch immer ſo erbärm⸗ lichen kümmerlichen Zuſtande befinde? Hierauf empfängt der Prophet durch denſelben Engel unmittelbaren Auftrag, von jetzt an der nunmehr 70 volle Jahre in Schutt dagelegenen Stadt einen raſchen Fortſchritt ihrer wiederauflebenden Wohlfahrt zu verkündigen. Ein zweites unmittelbar nachfolgendes Geſicht ſtellt die bisherigen politiſchen Feinde Israels unter dem Bilde von vier Hörnern dar, vor denen Niemand ſein Haupt zu erheben gewagt habe; aber vier unmittel⸗ bar darnach erſcheinende Schmiede mit Hämmern ſtehen ſchon in Bereit⸗ — Ein fünftes prachtvolles Geſicht zeigt dem Propheten einen ſieben⸗ armigen goldenen Leuchter in Mitte zweier fruchttragenden Oelbäume, aus deren Zweigen das zur Unterhaltung der brennenden Lampendochte erforderliche Oel mittelſt eigener goldener Röhren geleitet in das Behält⸗ niß der Lampe abfloß. Der Sinn dieſes Geſichts iſt eine zunächſt an Zorobabel, den damaligen weltlichen Vorſtand der Juden, gerichtete gött⸗ liche Offenbarung, daß nicht in Folge der Aufbietung eines angeſtreng⸗ ten politiſchen Einfluſſes oder Anwendung ſonſtiger materieller Kraft⸗ mittel, ſondern durch Wirkung des im Oel verſinnlichten göttlichen Geiſtes die Wiederherſtellung des Gottesdienſtes in ſeinem alten Glanze zu er⸗ warten ſtehe. Es wird ihm dabei perſönlich zugeſichert, daß er ſelbſt, der den Grundſtein gelegt, dem Tempelgebäude auch noch den Schlußſtein aufſetzen werde. Die ſieben Lampen des Armleuchters werden als ſieben Augen Gottes, welche die Welt durchlaufen, geheimnißvoll ausgelegt. Hierauf fragt der Prophet, was denn unter den beiden Oelbäumen und insbeſondere unter den zwei Oelfruchtzweigen, die ihr Oel in die goldenen Schnäbel der Verbindungsröhren herabträufeln ließen, zu verſtehen ſei, und erfährt, es ſeien dieß die beiden Söhne des Oels, welche vor Gott ſtehen. Dieſe letztere myſtiſche Ausdrucksweiſe hilft jene erſtere etwas deutlicher verſtehen. Wenn nämlich die beiden Kinder des Oels, welche vor Gott ſtehen, offenbar nichts Anderes als die hohenprieſterliche und königliche Succeſſionsfolge zu bedeuten haben, weil dieſe beiden Aemter eine Salbung mit heiligem Oele erforderten, ſo können die ſieben Augen Gottes, welche die ganze Welt durchlaufen, unter dem Bilde von ſieben Oelflammen dargeſtellt, auch nichts Anderes als ſieben ausſtrahlende Kraftäußerungen des nämlichen göttlichen Geiſtes ſein, welcher durch die Salbung mit heiligem Oele mitgetheilt wurde, ſo daß man entweder die ſogenannten ſieben Gaben des heiligen Geiſtes(ok. Isaj. 11, 2. 3.) im Allgemeinen, oder insbeſondere die im Neuen Bunde geſtifteten heiligen ſieben Sacramente der katholiſchen Kirche darunter nach unſerer chriſt⸗ lichen Auffaſſung verſtehen kann.(Vergl. als Parallelſtellen Apocal. 1, 4. cp. 5, 6.) Das ſechste Geſicht zeigt dem Propheten eine einem Segeltuche an Größe ähnliche im Winde flatternde Papierrolle. Dieſe verſinnlicht ein über ſämmtliche Betrüger und Meineidige im Lande Paläſtina von Gott erlaſſenes Strafurtheil, deren Häuſer von dieſem fliegenden Briefe nur berührt zu werden brauchten, um in ſich ſelbſt zerfallend nach und nach mit ſammt ihren Steinen und Balken zu Grunde zu gehen. Im ſtebenten Geſichte wird die ſonſtige Gottloſigkeit der Landesein⸗ wohner unter einem wahrſcheinlich nackend zu denkenden Weibe vorgeſtellt, welches in einer mit zwei Henkeln verſehenen großen Urne ſitzend, mit bloßem Kopfe aus deren Halſe hervorſieht, und für den einzigen allen Gottloſen am Herzen liegenden Freudengegenſtand erklürt wird. Ein zugleich gegenwärtiger Träger hat aber bereits einen zentnerſchweren Bleiklumpen in Bereitſchaft, mit welchem die Oeffnung des Eimerkruges zugepfropft und derſelbe von zweien raubvogelartig geflügelten Weibern in das Land Sennaar, d. h. nach Babhlonien, fortgetragen wird, um dort auf ſeinen eigentlichen Unterſatz geſtellt zu werden. Dieſe beiden Geſichte ſcheinen auf die temporäre Verwerfung des jüdiſchen Volkes von 1. Esdra 6, 1— 13. 3. Esdra 6, 23— ep. 7, 3. Im Laufe dieſes Jahres traf auf den ergangenen Bericht des Statt⸗ halters Thathanai auch die Antwort des perſiſchen Königs Darius Hys⸗ taspis ein, welcher, nachdem er ſich durch eigens angeordnete Unterſuchung der königlich mediſchen Jahrbücher von der vollkommenen Richtigkeit der von dem Könige Cyrus im erſten Jahre ſeiner Alleinregierung erlaſſenen Verordnung hinſichtlich der Erlaubniß zur Rückkehr der Juden nach Pa⸗ läſtina und zur Wiedererbauung des Tempels überzeugt hatte, dem be⸗ richtenden Statthalter nicht allein ſtrenge verbot, der begonnenen Arbeit irgend ein Hinderniß in den Weg zu legen, ſondern überdieß ihnen aus den königlichen Einkünften der von ihm verwalteten Provinzen alle er⸗ forderliche Beiſteuer ſowohl zur Vollendung des Tempelbaues, als zur Beſtreitung der Unkoſten des regelmäßigen Opferdienſtes zu ertheilen den erneuerten Befehl gab, unter der einzigen Bedingung, daß man bei Ge⸗ legenheit des Gottesdienſtes für die Wohlfahrt des königlichen Hauſes beten müſſe, und mit der beigefügten Drohung, daß Jeder, der es wagen würde, an dieſem königlichen Beſchluſſe etwas abzuändern, mit Auf⸗ knüpfung an einem herausgeriſſenen Pfahle ſeines eigenen Hauſes ſolle beſtraft werden. Dadurch, daß Thathanai und Stharbuzanai dieſem königlichen Befehle pünktlich Folge leiſteten, geſchah es, daß der Tempel⸗ bau mit neuem Eifer fortgeführt raſch ſeiner Vollendung entgegenreifte. b. 645. Zacharias cp. 7 8. Ende Dezember des wahrſcheinlich nächſtfolgenden Jahres 3580, er⸗ fahren wir aus dem Buche des Propheten Zacharias, daß Abgeordnete der in Babylon zurückgebliebenen Juden mit Geſchenken in Jeruſalem eintrafen, welche den Auftrag hatten„bei den hier befindlichen Prieſtern und Propheten Anfrage zu ſtellen„ob der Jude in Babylon, nachdem der Tempel nun wieder ſoweit hergeſtellt, noch zur Beobachtung des ſeit dem Jahre 3510 unter den Ausgewanderten üblich gewordenen Trauer⸗ faſtens zum Andenken an die Verbrennung des ſalomoniſchen Tempels verpflichtet ſei? Es geht aus dem Texte nicht klar hervor, was der eigentliche endliche Beſcheid auf die geſtellte Frage geweſen ſei. Es ſcheint beinahe, als ob die dem Propheten Zacharias bei dieſer Gelegenheit ge⸗ gebene göttliche Offenbarung nicht allein die genannten, ſondern auch noch drei andere ſeither üblich gewordene Faſttage, nämlich einen im vier⸗ ten Monate zur Betrauerung der Einnahme von Jeruſalem, einen zweiten im ſiebenten Monat von wegen der Ermordung Godolja's, und einen im zehnten Monate zum Andenken an den Anfang der Belagerung Jeru⸗ ſalems durch die Chaldäer, für die babyloniſchen Juden wenigſtens zugleich mit für aufgehoben erklärt habe. Uebrigens wurde bei dieſer Gelegenheit die geringe innere Bußfertigkeit, mit welcher ſie ihre üblichen Faſten beobachtet hätten, von dem Propheten den babyloniſchen Juden im Namen Gottes zu ernſtem Vorwurfe gemacht, indem auch ſie gleich ihren Voreltern den beſtän⸗ digen Ermahnungen der bisherigen Propheten, mit den äußeren Bußübungen zugleich auch die Tugenden der Barmherzigkeit und gerechter Billigkeit gegen Wittwen, Waiſen und Fremdlinge zu verbinden, die nämliche Herzenshärtig⸗ keit entgegengeſetzt hätten, und ſomit die nämlichen Sünden fortwährend begingen, für welche jene mit der Verwüſtung ihres Erblandes beſtraft worden ſeien. Mit dieſer ernſten Strafpredigt für die babyloniſchen Ju⸗ den verbindet der Prophet Zacharias eine tröſtliche Aufmunterung für die Bewohner der Stadt Jeruſalem, welchen in Folge treuer Geſetzesbeobach⸗ tung eine ſo glückliche Zukunft verheißen wird, daß ſeiner Zeit ſelbſt fremde mächtige Völker mit ihnen im Dienſte des wahren Gottes wett⸗ eifern, und ihrer zehn einen Juden mit der Bitte am Saume ſeines Kleides ergreifen würden, ihnen auf dem Wege nach dem heiligen Lande als Führer zu dienen. §. 646. 1. Esdra 6, 14— 22. 3. Esdra 7, 3— 15. Durch ſolche und ähnliche Offenbarungen der beiden erwähnten Pro⸗ pheten Haggäus und Zacharias kräftig aufgemuntert und durch königliche Freigebigkeit reichlich unterſtützt, waren die nach Paläſtina zurückgekehrten Juden ſo glücklich, den begonnenen Tempelbau bis ungefähr den 24. Fe⸗ bruar des Jahres 3583 zu Ende zu bringen, ein Ereigniß, welches mit feierlicher Darbringung von 100 Kälbern, 200 Widdern, 400 Lämmern als Brandopfer und 12 Ziegenböcken als Sündopfer für die zwölf Stämme Israels feſtlich begangen, und bei dieſer Gelegenheit den Leviten ihre be⸗ ſonderen nach dem Geſetze Moyſes ihnen zukommenden regelmäßigen Ver⸗ richtungen am Tempeldienſte unabänderlich übertragen wurden. Das kurz darauf in den Anfang April des gleichen Jahres fallende Paſſafeſt wurde ebenfalls mit beſonders fröhlicher Dankbarkeit feierlich begangen, bei welcher Gelegenheit man die erfreuliche Beobachtung machte, daß der warnenden Ermahnung des Propheten Haggäus(vergl. H. 643.) ein⸗ flal, ſiuntlt Ar 6 lknm 63 gedenk, die vorgeſchriebenen Bedingungen der levitiſchen Reinigkeit von ſämmtlichen Feſtgenoſſen pünktlich in Erfüllung gebracht worden waren. In dieſe Zeit gehört der in der Vulgata vorhandenen Ueberſchrift nach zu ſchließen, deren Ausſage kein innerer Grund der Nichtannahme entgegenſteht, die Abfaſſung der drei Pſalmen 145. 146. und 147. Das Ereigniß der Einweihung des in dieſem Jahre vollendeten neuen Tempels verwirklicht zugleich die Weisſagung des Propheten Jeremias von einer 70jährigen Gefangenſchaft des jüdiſchen Volkes und einer damit verbundenen ebenſo lange währenden Verödung des heiligen Landes außer dem in der Anmerkung zu§. 611. angedeuteten, noch in einem hinzu⸗ kommenden zweiten Sinne, indem von dem Jahre 3510, in welchem der ältere ſalomoniſche Tempel von den Chaldäern verbrannt worden war, bis zu dem gegenwärtigen 3583ſten Jahre der Erſchaffung etwas mehr als 70 Jahre verlaufen.(Vergl. Prideaur's Connexion adl ann. 518. CXLIII. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Der Hohenprieſter Joſue. Der Prophet Zacharias.(Fortſetzung). F. 647. Zacharias 9, 1— 10. Es folgt nach dieſen erzählten Ereigniſſen in dem weiteren uns er⸗ haltenen Texte des Propheten Zacharias eine Reihe von Weisſagungen, welche, unbekannt in welchem Jahre gegeben, aus der nächſt bevorſtehen⸗ den in die entfernteſte prophetiſche Zukunft hinausragen. Der nächſte Gegenſtand ſeiner Vorherverkündigung iſt ein von Norden her über die ſyriſche dieſſeits des Fluſſes Euphrat gelegene Provinz des perſiſchen Reiches hereinbrechender kriegeriſcher Ueberfall, in Folge deſſen Damascus, Sidon, Tyrus und die ehemals von den Philiſtern bewohnte Niederung in die Hände des Siegers fallen, das jüdiſche Land und die Stadt Jeru⸗ ſalem aber dabei durchaus von aller feindſeligen Mißhandlung werde verſchont bleiben. Der Sieger, welcher in den Augen des Propheten zu⸗ gleich als Vorbild einen ähnlichen friedlichen Einzug des zukünftigen Meſſias im Voraus bedeutungsvoll vergegenwärtigt, werde auf einem Eſel reitend in Jeruſalem einziehen, und auch unter der neuen Herrſchaft das Land Paläſtina ſich fortwährend eines gedeihlichen Friedens erfreuen. Die im gegenwärtigen Paragraphen enthaltene, ſowohl von den Juden anerkannte, als in der heiligen Schrift Neuen Teſtaments ausdrücklich in Anſpruch genommene meſſianiſche Weisſagung(Eyv. Maith. 21, 5. Ev. „ biß Nu 116—8 300 iſt nach unſerer Aufzählung die ſtebenzehnte.(S. Anmerk. 45 ſih⸗ zu§.. Der als näher bevorſtehendes politiſches Ereigniß geweisſagte kriegeriſche Einfall iſt der bereits von Daniel mehrfach angekündigte Eroberungskrieg Aleranders des Großen.(Vergl.§. 742—-748.) §. 648. Zacharias 9, 11— cp. 10. Im weiteren Verlaufe dieſer von dem Propheten im nächſten Vor⸗ dergrunde erblickten, für Paläſtina jedoch gefahrlos vorübergehenden poli⸗ tiſchen Umwälzung erkennt derſelbe einen zwiſchen Griechen und Juden in Zukunft einmal ausbrechenden Krieg, in welchem dieſe letzteren Sieger, von Gott mit einem in großer Ausdehnung mächtig wieder aufblühenden Wohlſtande des jüdiſchen Landes würden beglückt werden, welcher dazu Veranlaſſung geben werde, daß auch aus noch größerer Entfernung als bisher die durch die erlebte Gefangenſchaft zerſtreuten Israeliten wieder in ihr Vaterland zurückkehren würden. Während dieſer Periode wird zu⸗ gleich dem um jene Zeit in den ehemals aſſyriſchen Ländern befindlichen, ſowie auch dem gleichzeitigen egyptiſchen Reiche, der Untergang durch ein Volk vorausverkündigt, welches um ſie zu bekriegen ſeine Truppen über das Meer werde ſetzen laſſen. Das ſowohl Egypten als das ehemalige Aſſyrien in der ſpäten Zeit ſeiner Herrſchaft unterwerfende Volk waren bekanntlich die Römer, welche einmal Egypten nicht anders als von der Seeſeite aus angreifen konn⸗ ten; darnach aber, um gegen das ehemalige Aſſyrien, d. h. im Orient überhaupt Krieg zu führen, über den Hellespont, alſo ebenfalls über eine Meerenge zu ſetzen genöthigt waren. Der von Zacharias geweisſagte zukünftige Unabhängigkeitszuſtand des Landes in Folge eines von den Juden über die Griechen zu erkämpfen⸗ den Sieges bezieht ſich handgreiflich auf die Zeit des makkabäiſchen Un⸗ abhängigkeitskrieges, in deſſen Verlaufe die zahlreiche Rückkehr im Aus⸗ lande zerſtreut lebender hebräiſcher Familien auch als eine beſonders bedeutungsvolle Thatſache unter andern hervortritt.(Vergl. die nach⸗ folgenden Paragraphen 831. 837—839.) §. 649. Zacharias 11, 1—6, Nach Beendigung dieſer für Paläſtina glücklichen Periode erblickt Zacharias im Geiſte eine allmälige ſittliche Charakterverſchlechterung der mittlerweile unter dem jüdiſchen Volke zur Herrſchaft gekommenen welt⸗ lichen Obrigkeit, welche in mörderiſcher Mißhandlung der ihnen anver⸗ trauten Heerde endlich ſo weit gehen, daß ſich dadurch Gott genöthigt ſehen werde, einen neuen Propheten, deſſen Perſon hier Zacharias ſelber vergegenwärtigt, damit zu beauftragen, die Hut der Schafe als der ver⸗ Kiſee! t K I U ſt hen t, 5 Ruben! akehttt 50 65 heißene wahre Hirte, äußerlich betrachtet jedoch zunächſt mit Unterordnung unter die um jene Zeit das obrigkeitliche Anſehen behauptenden menſch— lichen Oberhirten, alſo gleichſam auf Probe auf eine Zeit lang ſelber in die Hand zu nehmen. Es wird dabei dem neuen Hirten vorausgeoffen⸗ bart, daß ihm die Rettung der Schafe von dem ihnen drohenden Ver⸗ derben doch nicht gelingen werde, ſondern vielmehr Hirten und Schafe zu gerechter Strafe ihrer ſeitherigen Entſittlichung einem neuerdings von Norden her über das Land hereinbrechenden unvermeidlichen Strafgerichte entgegengingen. Die im gegenwärtigen, ſowie in den folgenden Paragraphen bis §. 652. enthaltene offenbare, nach unſerer Aufzählung achtzehnte meſſia⸗ niſche Weisſagung, welche auch an mehreren Stellen des Neuen Teſta⸗ mentes(Ev. Matih. 26, 31. ep. 27, 9. Ev. Marci 14, 27.) als ſolche ausdrücklich beanſprucht wird, hat eine unverkennbare Aehnlichkeit mit einer bereits durch Ezechiel gegebenen(vergl.§. 561.), als deren weitere Ausführung ſie zu betrachten ſein dürfte. In der Erklärung des Schrift⸗ tertes benützen wir ein bei dem hochwürdigen Herrn Profeſſor am römi⸗ ſchen Collegium in Rom, P. Patrizi, nachgeſchriebenes Collegienheft. §. 650. Zacharias 11, 7— 11. Der Prophet erzählt hierauf in der Perſon des von Gott ſelbſt mit der Hut der Schafe beauftragten außerordentlichen Hirten, wie er in einem Geſichte ſein ihm aufgetragenes Amt im Dienſte der erwähnten treuloſen Oberhirten übernammen, und mit Hilfe zweier Hirtenſtäbe, welche er ſich zu dem Ende geſchnitzt, und von denen er den einen„Segen Gottes,“ den anderen„brüderliche Eintracht“ genannt, die Heerde ge⸗ weidet habe, darüber jedoch bald mit den erwähnten Oberhirten in Streit gekommen ſei, ſo daß er deren bis zu drei in einem Monat aus ihrem Amte zu entfernen ſich habe genöthigt geſehen. Endlich habe er, der vergeblichen Arbeit müde, ſein durch gegenſeitig zwiſchen ihm und den Oberhirten genährten Widerwillen ihm verleidetes Amt durch eine förm⸗ liche Verzichtleiſtung wieder aufgegeben, und zum Zeichen ſeiner gefaßten ernſten Willensentſchließung den erſten Stab, den„Segen Gottes“, zer⸗ brochen, eine Handlung, welche ſelbſt die treuloſen Oberhirten ſtutzig ge⸗ macht und ſie darüber, daß hinter derſelben eine beſondere Fügung der göttlichen Vorſehung Gottes verborgen ſein müſſe, zur Erkenntniß ge⸗ führt habe. In dem für den gegenwärtigen Paragraphen angezeichneten bibliſchen Terte tritt P. Patrizi einer unſeres Wiſſens von Jahn in ſeiner Ein⸗ Krafft, heil. Geſchichte. II. 5 leitung in das Alte Teſtament gelegentlich zuerſt aufgeſtellten Terteon⸗ jectur unbedenklich bei, ſtatt der hebräiſchen Worte:„laken anije haon“ v. 7. und„ken anije hazon“ v. 11. in Ein Wort zuſammengezogen „liknaanije“ und„Knaanije hazon“ zu leſen, eine Lesart, deren ſichere Glaubwürdigkeit theils durch die in der Septuaginta gegebene Verſion: „elg 2ιν XGVC“ννινν theils aus der Parallelſtelle Zachar. 14, 21., in welcher das hebräiſche Wort ungetheilt übrig geblieben, verbürgt und, wir dürfen ſagen, ſo gut wie zur Gewißheit erhoben wird. Dieſes Bei⸗ ſpiel beweiſt, daß wir der ſerupulöſen Gewiſſenhaftigkeit der Maſorethen in der Reinbewahrung des hebräiſchen Tertes kein allzu unbedingtes Ver⸗ trauen ſchenken dürfen, indem dieſe an ſich ſchwer bemerkliche Textes⸗ abänderung gar zu ſehr die Spur einer abſichtlichen Entſtellung an ſich trägt, hervorgehend aus dem gekränkten Stolze der ſpäteren Hohenprieſter und Schriftgelehrten, die es nicht vertragen konnten, ſich in dem Terte eines prophetiſchen Buches mit dem Ausdrucke:„Viehhändler“ und noch obendrein„Chanaaniter“ bezeichnet zu ſehen. §. 651. Zacharias 11, 12. 13. Nachdem einmal der Vertrag gekündigt, unterhandelt der von Gott geſendete Hirte mit den erwähnten Oberhirten von wegen des für ſeine geleiſteten Dienſte ihm gebührenden Lohnes, doch alſo, daß er aus man⸗ gelndem Zutrauen auf ihre redliche Geſinnung es ihnen von vorneherein freigeſtellt, ob ſie bei ihrer obwaltenden Unzufriedenheit mit ſeiner Amts⸗ führung ihm überhaupt nur einen Lohn bezahlen wollten. Auf dieſen Antrag wird ihm ein Lohn von 30 Silberſeckeln von ihnen ausbezahlt. Dieſen elenden Lohn, welchen Gott zugleich als einen Beweis der von den treuloſen Oberhirten auch gegen Ihn ſelber gehegten Geringſchätzung betrachtet, befiehlt Er dem treuen Hirten in dem Tempel für den Töpfer niederzuwerfen. §. 652. Zacharias 11, 14. op. 13, 7. Nachdem dieß geſchehen, zerbricht der treue Hirte auch ſeinen zweiten Stab„brüderliche Eintracht,“ um damit die zukünftige Auflöſung der Einigkeit unter den verſchiedenen israelitiſchen Stammgenoſſen ſelber an⸗ zudeuten. In dieſen nämlichen prophetiſch vorausgeſehenen zukünftigen Augenblick fällt eine ſpäter gegebene Weisſagung des nämlichen Prophe⸗ ten, nach welcher er vorausſagt, daß ein feindliches Schwert ſich gegen den treuen Hirten erheben und zugleich auch die dem treuen Hirten noch übrig gebliebenen treuen Schafe auf zerſtreuten Wegen in die Flucht jagen werde; jedoch ſo, daß ſie fortwährend unter dem auch aus der Entfernung nicht ausgeſetzten Schutze des Hirten bleibend, mit dem bloßen Schrecken glücklich würden davon kommen. hier Geſchkes es Keut 5 inn gi 0 1 che Wfmt r ft Wü wün uulg Wan e Zacharias 11, 15— 17. cp. 13, 8. 9. Hierauf endlich empfängt der Prophet im weiteren Verlaufe ſeines Geſichtes den Auftrag, anſtatt der bisher ſinnbildlich vorbedeuteten Perſon des treuen, fortan vielmehr die Rolle des unbarmherzigen und grauſamen Hirten zu übernehmen, welcher von Anfang an bereits auf die plan⸗ mäßige Ausrottung der Heerde ausgehen werde. Als nähere Beſchreibung des ſomit der Stadt Jeruſalem gedrohten zweiten Zerſtörungsgerichtes folgt in einer ſpäteren Offenbarung, daß zwei Dritttheile der Schafe, d. h. der alsdann lebenden Landeseinwohner, umkommen und nur ein Dritttheil zur Erleidung unzähliger Prüfungen aufgeſpart, am Leben übrig werde erhalten bleiben. Unter dem unbarmherzigen und grauſamen Hirten iſt zunächſt wahr⸗ ſcheinlich die römiſche Oberherrſchaft über Paläſtina zu verſtehen, welche ſeit der Kreuzigung Chriſti unter der Regierung der erſten römiſchen Kaiſer je länger je rückſichtsloſer mit dem Lande verfuhr, bis ſie bei er⸗ folgter Rebellion die ganze Nationalität des Volkes, ſoviel als in ihrer Macht ſtund, völlig vernichtete. In weiterer Entfernung dürfte unter dieſer nächſten buchſtäblichen auch noch eine typiſche Vorherſagung des dereinſtigen auch von Daniel bereits geweisſagten Fürſten der Gottloſig⸗ keit(vergl.§. 591.) verborgen liegen. CXLIV. Perſiſche Landeshoheit. CFortſetzung.) Der Hohenprieſter Joſue. Der Prophet Bacharias.(Fortſetzung). §. 654. Zacharias 12, 1— 9. cp. 14, 1— 8. 12— 15. Nach dieſen erzählten Vorgängen erblickt der Prophet Zacharias in ferner Zukunft eine Wiederherſtellung der alten Königsſtadt, welche aber auch bei ihrer dritten Wiedererneuerung von Seite benachbarter Völker nicht ohne Beunruhigung gelaſſen, ja vielmehr mit größerer Heeresmacht wie jemals, an welcher ſich ſogar geborene Juden mit betheiligen würden, auf's Neue werde kriegeriſch angefeindet werden. Als Erfolg dieſes An⸗ griffes wird ſogar, wenn wir die Weisſagung richtig verſtehen, eine dritte Einnahme der Stadt mit allen Gräueln einer kriegeriſchen Eroberung vorausgeſagt, doch alſo, daß ſelbſt nach dieſem augenblicklich günſtigen Gelingen der feindlichen Unternehmungen die eigentliche Abſicht der Wider⸗ ſacher durch ein unmittelbar handgreifliches der gött⸗ lichen Allmacht, begleitet von einem unerhörten Erdbeben und von anderen außergewöhnlichen Naturerſcheinungen, in der Weiſe vereitelt, daß das feindliche Heer theils durch Krankheit aufgerieben, theils durch gegenſeitige mörderiſche Zwietracht werde vernichtet werden. Als Andenken an dieſe denkwürdige Begebenheit würden zwei Quellen in Jeruſalem entſpringen, von denen die eine ſich in ihrem weiteren Verlaufe in das todte, die andere in das mittelländiſche Meer ergießen würde. Dieſe wie die nächſtfolgenden Weisſagungen gehören allem Anſcheine nach zu den noch nicht erfüllten, weßwegen manche Einzelheiten darin nothwendig dunkel bleiben müſſen. Die prophetiſche Vorherſagung einer von Jeruſalem aus in das todte Meer abfließenden reichlichen Waſſer⸗ quelle findet ſich bereits bei Ezechiel(vergl.§. 579.). §. 655. Zacharias 12, 7. 8. 10— 14. Auf dieſe letzte Kataſtrophe folgt dann endlich in der geiſtigen An⸗ ſchauung des Propheten eine in jeder Beziehung glückliche Zeitperiode, in welcher die Einwohnerſchaft von Jeruſalem und das Haus David's auf eine beſonders auffallende Weiſe von Gott begnadigt und ein Geiſt der Gnade und des Gebetes über dieſelben werde ausgegoſſen werden, welcher ſich unter andern durch eine beſonders reumüthige Bußfertigkeit des Volkes und durch eine demüthig aufrichtige bittere Beklagung ſeiner gegen den treuen Hirten bewieſenen mörderiſchen Undankbarkeit in einer ähnlichen herzzerreißenden Weiſe werde zu erkennen geben, wie in jener allgemeinen Volksklage, zu welcher ehemals das unglückliche Lebensende des Königs Joſtas in der Schlacht bei Maggeddo Veranlaſſung gegeben habe(ergl. §. 475.). §. 656. Zacharias 13, 1— 6. cp. 14, 9— 11. 16— 21. Die zukünftige Wohlfahrt der Stadt Jeruſalem wird nach der fer⸗ neren Weisſagung des Propheten Zacharias darin beſtehen, daß ſie die Hauptſtadt eines von Gott ſelber regierten Reiches ſein, deſſen Ausdeh⸗ nung ſich über alle Länder der Erde erſtrecken, und als welche ſie wieder zahlreich bevölkert eine weitere Beunruhigung nicht mehr zu fürchten haben wird. Eine in derſelben entſpringende offene Quelle werde alle Verunreinigung des Volkes abwaſchend mit ſich fortnehmen. Götzendienſt und falſches Prophetenthum werde von den eigenen Angehörigen eines ſolchen Frevlers unnachſichtig beſtraft, nicht mehr aufkommen. Alle übri⸗ gen Völker würden zur Anerkennung der von Gott ſelbſt verwalteten P ü bu, 5 Ldl helgten. Aler, 0 hit 90 Güln e ltt dlen ſil Mgkeß 9 Uffn 7 u m Men grt flabe d Un Cen 410 Wüfthlt Wülntz a un ne uhalh n 69 Landesoberherrlichkeit nach Jeruſalem kommen„um dortſelbſt das Laub⸗ hüttenfeſt jährlich mitzufeiern, und diejenigen, welche den Beſuch des Feſtes unterließen, mit Regenmangel und Dürre des Landes beſtraft werden. Was über den Zaum des Pferdes, werde Gott heilig, und für das Bedürfniß der Feſtgenoſſen ein überreicher Vorrath von Gott ge⸗ heiligten Tempelgefäßen vorhanden, einem Händler und Verkäufer(Ca⸗ naniter, ſ.§. 650.) aber kein weiterer Aufenthalt im Tempel geſtattet ſein. Der im Paragraphen zuletzt erwähnte prophetiſche Zug erinnert un⸗ willkührlich an die zweimalige von unſerem Heilande vorgenommene Reinigung des Tempels von allen Käufern und Verkäufern, welche wir Ev. Joh. 2, 14— 22. und ferner Matth. 21, 12—16. Marci 11, 15—17. Luc. 19, 45. 46. geſchildert finden. CXLV. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Die Hohenprieſter Joſue und Jojqakim(Fortſetzung). Eſther. §. 657. Esther 1, 1. cp. 11, 2. cp. 13, 1. Schon unter Darius Hystaspis, dem dritten unter jenen drei Köni⸗ gen, unter welchen ſich die perſiſche Macht auf einen immer höheren Gipfel erheben ſollte, und welcher nach einer, wie die Profangeſchichtſchreiber angeben, 36jährigen Regierung im Jahre 3612 ſtarb, waren die perſiſchen Waffen gegen das Ende ſeines Lebens im Kampfe wider das verhältniß⸗ mäßig kleine Griechenland unglücklich geweſen. Erſt unter ſeinem Nach⸗ folger Kerxes jedoch, deſſen Regierung von dem Jahre 3612 bis 3633 dauerte, ſollte die mangelhafte Beſtändigkeit des perſiſchen Kriegsglückes in einem neuen, mit vergeblicher Aufbietung ſeiner ganzen Heeresmacht gegen Griechenland unternommenen Angriffskriege auf eine recht auf⸗ fallende Weiſe an den Tag kommen, wodurch zugleich die von dem heili⸗ gen Erzengel Gabriel dem Propheten Daniel gegebene Offenbarung (§. 615.) über die nächſt bevorſtehende Zukunft des perſiſchen Reiches in buchſtäbliche Erfüllung ging. Ein bei Josephus contra Apionem lih. 1. erhaltenes Fragment des griechiſchen Dichters Chörilus erwähnt unter dem Namen der Solymer, die er als phöniziſch redende Einwohner eines zugleich Seen enthaltenden Gebirgslandes beſchreibt, diejenige jüdiſche Truppenabtheilung, von welcher man ohnehin vorausſetzen darf, daß ſie einen Beſtandtheil des von Ferxes angeführten perſiſchen Kriegsheeres müſſe gebildet haben. Wahrſcheinlich deſſen Sohn und Nachfolger Ar⸗ taxerxes Longimanus iſt jener Aſſuerus, welcher im Buche Eſther als König des perſiſchen Reiches genannt, in den beiden erſten Büchern Esdra aber unter dem hebräiſchen Namen Arthaſaſtha, und in zwei in der griechiſchen Ueberſetzung der ſiebenzig Dollmetſcher befindlichen, auch in die lateiniſche Ueberſetzung der Vulgata übergegangenen Stellen ſogar ausdrücklich unter dem Namen Artaxerxes erwähnt wird.— In das zweite Regierungsjahr des Kerxes, mithin in das Jahr der Erſchaffung 3613 wird der erſte nach der Rückkehr der Juden mit dem Tode Joſue's ein⸗ tretende Hohenprieſterwechſel gerechnet, welchem nach einer angeblich 53jährigen Amtsverwaltung ſein Sohn Jojakim im Amte nachfolgte. (S. Prideaur's Connexion J. Buch ad ann. 483.) In die Regierungszeit Darius Hystaspis und zwar beiläufig in deſſen 35ſtes Regierungsjahr, das Jahr der Welt 3611, gehört nach der über⸗ einſtimmenden Angabe orientaliſcher Geſchichtsſchreiber das Lebensende des in ſeiner Weiſe berühmten Zoroaſter, Oberprieſters der Magier in Bactra und Reformators der in kleinen und zerſtreuten Reſten noch heute übrigen Secte der ſogenannten Feueranbeter oder Magier, nachdem das Anſehen derſelben durch den entdeckten Betrug des Magiers Smerdis, der, wie §. 636. erzählt, unter dem Vorgzeben, er ſei der überlebende Bruder des verſtorbenen Cambyſes, ſieben Monate lang das Regiment des perſiſchen Reiches an ſich geriſſen, einen bedeutenden Stoß im Lande erlitten hatte. Ote Urſache ſeines ſowohl an ihm ſelbſt als an allen ſeinen Unterprie⸗ ſtern durch eine gewaltſame Hinrichtung herbeigeführten Todes ſoll die Rachſucht eines benachbarten ſcythiſchen Königs geweſen ſein, welcher von demſelben auf allerlei Weiſe zum Uebertritte von der ſabäiſchen zu ſeiner neugeſtifteten magiſchen Secte verleitet ſich ſeiner zudringlichen Bekehrungs⸗ ſucht zuletzt auf keine andere Weiſe, als durch einen förmlichen Kriegs⸗ zug zu erwehren wußte. Dieſer Zoroaſter iſt nämlich der anerkannte Verfaſſer jenes bis auf das zwölfte Buch, das jedoch ſelber wieder nur in einer bisher kaum hinreichend ergründeten Ueberſetzung in der Pelvi⸗ ſprache erhalten geblieben, verloren gegangenen Religionsbuches Zend Aveſta, welches, wenn wir der beſtimmten Verſicherung Prideaux's(vergl. Connerion ꝛt. 4. Buch adl ann. 486. Seite 225. in der zu Berlin 1725 herausgekommenen Ueberſetzung) Glauben ſchenken dürfen, auffallende Spuren nicht allein einer genauen Bekanntſchaft mit der altteſtament⸗ lichen Geſchichte und mit dem Lehrinhalte der heiligen hebräiſchen Schrif⸗ ten, ſondern ſogar förmliche ganze Stücke daraus, wie z. B. Pſalmen David's, in das Perſiſche überſetzt unter ſeinen religtbſen Hymnen ent⸗ halten ſoll. Es iſt demnach ſo unwahrſcheinlich nicht, wenn ihm nach⸗ geſagt wird, daß er urſprünglich hebräiſcher Abkunft(wenn auch ſchwer⸗ lich noch ſelber in Paläſtina geboren) und ein wahrſcheinlich mittelbarer Prophetenſchüler aus der Schule des Jeremias und Baruch geweſen ſei, der aber ähnlich wie Daniel auch die Wiſſenſchaften der Chaldäer und Magier zu erlernen in Babylonien, Medien oder wo immer Gelegenheit gefunden haben mag, ſo daß wir ihm ſchwerlich Unrecht thun, auf ſolche Vorausſetzungen hin als wahrſcheinliches Urtheil über ihn auszuſprechen, K. 0 d ufſche muftrch hellgu Netil Stile flch 0 . Mfnit Nüulch ü üttte Mfan N 9 7¹ daß er mit Hilfe ſolcher begangener Plagiate als ein förmlicher Betrüger und Verführer jener armen in religiöſe Unwiſſenheit verſenkten Völker aufgetreten iſt. Seine aufgeſtellte Moral in vieler anderer Beziehung muſterhaft, verräth ihren unſittlichen Urſprung unter andern durch die Heiligung der größten nur denkbaren Blutſchanden, indem wie Philo, Tertullianus und Clemens Alexandrinus in den bei Prideaux eitirten Stellen angeblich verſichern, in der Prieſterkaſte z. B. gerade der von einer Mutter mit ihrem eigenen leiblichen älteren Sohne erzeugte jüngere Bruder nach den Geſetzen der zoroaſtriſchen Magier für vorzugsweiſe würdig zum prieſterlichen Amte geachtet wird, weßwegen wir uns auch über die außer⸗ ordentliche Verachtung und Bedrückung nicht wundern dürfen, welche die betrogenen Anhänger dieſer Seete bis auf den heutigen Tag im ganzen Oriente zu erleiden haben. Außerdem wird Zoroaſter perſönlich jedoch auch heute noch von den Orientalen als einer der größten Gelehrten, welche jemals dort geblüht haben, anerkannt, der mit Hilfe eines gewiſſen Loraſp, wahrſcheinlich eines jüngeren Bruders des Darius Hystaspis, der ſchon frühzeitig als eines der eifrigſten Mitglieder der Secte bei⸗ getreten war und in dieſer Abſicht ſogar die Reiſe nach Indien antrat, auch die wiſſenſchaftlichen Kenntniſſe der Brahmanen mit ſeinen übrigen bereits erlangten Einſichten vereinigt haben ſoll. Es wird außerdem, daß er das Dogma von der Unſterblichkeit der Seele nebſt der Auf⸗ erſtehung der Todten verbreitete(ein Umſtand, welcher ziemlich ſtark an die in§. 625. erzählte, Daniel gegebene göttliche Offenbarung erinnert), nach einer von dem arabiſchen Chriſten Abulpharagius und dem Moha⸗ medaner Shariſtani übereinſtimmend wiedergegebenen vrientaliſchen Sage als der beſtimmtere Wiederholer jener bereits von Balaam gemachten ächten Prophezeiung von der dereinſtigen Erſcheinung eines wunderbaren Sternes(ſ.§. 92.) genannt, auf welche hin die drei Magier bei der Geburt Jeſu Chriſti den Weg nach Jeruſalem wirklich eingeſchlagen haben, eine Ueberlieferung, deren innere Glaubwürdigkeit in Anbetracht des bereits bei Balaam conſtatirten Beiſpiels, daß auch ein Betrüger übernatürliche Offenbarungen bei Gott bekommen kann, durchaus nicht unbedingt zu verwerfen iſt.— Unrichtig ſcheint es, wenn jener babylo⸗ niſche Weiſe Zabratus, Zaratus oder Nazaratus, welcher nach dem Be⸗ richte der betreffenden Biographen der Lehrer des Pythagoras geweſen ſein ſoll, der bloßen Namensähnlichkeit wegen mit Zoroaſter verwechſelt wird, indem das Zeitalter des Pythagoras überhaupt und namentlich die Zeit ſeiner im Oriente gemachten Reiſen um beinahe 100 Jahre weiter zurückgeht. Ein Einfluß hebräiſcher Weisheit auf die Lehre und Dis⸗ eiplin des Pythagoras iſt, obgleich er zu derſelben Zeit mit Daniel in Babylon ſich aufgehalten haben muß, ſchwerlich anzunehmen, wogegen jedoch die Spuren einer indiſch⸗brahmaniſchen Seelenwanderungetheorie, die bisherigen Ergebniſſe der in Babylon vorgetragenen mathematiſchen Wiſſenſchaften und der dem Oriente überhaupt eigenthümliche mit Ge⸗ heimlehren verknüpfte ariſtokratiſche Kaſtengeiſt, unverkennbar aus des Pythagoras Wirkſamkeit hervorleuchten. Jener Zabratus oder Nazaratus könnte demnach ein in Babylon, dem damaligen Centrum der eigentlichen Wiſſenſchaften, zufällig anweſender brahmaniſcher Philoſoph geweſen ſein. Die Entſtehung der neuen magiſchen Secte, welche durch den der Liſt Zoroaſter's zugeſchriebenen Beitritt des Darius Hystaspis ihren rechten Aufſchwung erſt genommen haben und von da an perſiſche Reichsreligion geworden ſein ſoll, iſt für die Cultur⸗ und Sittengeſchichte der ganzen Welt überhaupt, ſowie für die des Orients inſonderheit von der unbe⸗ rechenbarſten geſchichtlichen Bedeutung. Aus dem Grunde nämlich, weil die zoroaſteriſchen Magier der bei den Sabiern üblichen abgöttiſchen Ver⸗ ehrung von Götzenbildern, unter welchen dieſe urſprünglich ebenfalls jedoch nicht gerade Holz und Stein, ſondern eigentlich die Planeten gött⸗ lich verehrten, überall mit Feuer und Schwert entgegentraten, iſt es zu erklären, warum Kerres bei Gelegenheit ſeines unglücklichen nach Griechen⸗ land unternommenen Feldzugs und namentlich auf ſeinem Rückwege aus demſelben ſo viele Götzentempel, worunter auch den berühmten babyloni⸗ ſchen Thurm(vergl. Anmerk. zu§. 587.) von Grund aus zerſtörte, aus deren Schätzen er ſich für den erlittenen Verluſt wieder einigermaßen entſchädigte. Ueber die bei dieſer Gelegenheit mit auffallender Präciſion ſich erfüllenden Weisſagungen des Propheten Jeremias(0p. 50, 2. cp. 51, 44. 47. 52.) vergl. Prideaux's Connexion 4. Buch adl ann. 479. 6. 658. Esther 2, 5— 7. 15. cp. 9, 29. op. 11, 2— 12. Dieſer nämliche Artaxerxes Longimanus hatte unter den an ſeinem Hofe zu Suſa angeſtellten Kriegsleuten einen Juden aus dem Stamme Benjamin mit Namen Mardochai, einen Abkömmling jenes Cis, welcher unter dem jüdiſchen Könige Jechonja im Jahre 3500 durch Nabuchodo⸗ noſor in die babyloniſche Gefangenſchaft mit abgeführt worden war(ver⸗ gleiche§. 504.), und welcher, nachdem er die zugleich vater- und mutter⸗ los hinterlaſſene Tochter ſeines verſtorbenen Bruders Abihail mit Namen Ediſſa, perſiſch: Eſther, als Tochter angenommen hatte, in Suſa in an⸗ ſehnlichen Verhältniſſen lebte. Derſelbe erblickte ungefähr den 21. März des zweiten Jahres der Regierung des Königs, alſo im Jahre 3635, in einem Traume zwei große Schlangen, welche unter einem furchtbaren Getümmel von allerlei verworrenen Stimmen, begleitet von Finſterniß, Donner und Erderſchütterungen, unter gleichzeitiger Erhebung ſämmtlicher übriger Völker gegen das Volk Gottes, in einem mörderiſchen Zweikampfe begriffen waren. Während nun das in Todesgefahr ſchwebende Volk Gottes Denſelben um Hilfe anrief, erwuchs eine kleine Quelle nach und nach zu einem großen Strome, der ſie ſchützend, ſich in viele Bäche theilte. Zugleich trat die Sonne ſichtbar aus dem Dunkel hervor, und die Ge⸗ demüthigten bekamen Gewalt, ihre mächtigen Bedränger zu vertilgen. Dieß war der Inhalt des beſagten Traumes, welcher, obwohl von Mar⸗ dochäus in ſeiner Bedeutung für den Augenblick nicht erkannt, nichts deſto weniger ſeinem Gedächtniß tief und lebendig eingeprägt blieb. fller leet L 73 Ueber die Frage, unter welches perſiſchen Königs Regierung die im Buche Eſther erzählten Begebenheiten zu verſetzen ſind, iſt es für den nüchternen und unbefangenen Geſchichtsforſcher vielleicht nicht ſo ſchwer, eine auf gediegene Wahrſcheinlichkeit gegründete eigene Ueberzeugung zu bekommen, als das Reſultat einer ſolchen Unterſuchung durch allfeitige Begründung auch in der Ueberzeugung des Leſers feſtzuſtellen. Trotzdem nämlich, daß Fl. Joſephus, Sulpicius Severus, Bellarmin, Petavius, Prideaur und Stolberg, mithin eine ganze Reihe der gründlichſten Ge⸗ lehrten, welche ſich mit der Erörterung dieſer Frage beſchäftigten, ſich ein⸗ ſtimmig für Artaxerxes Longimanus ausgeſprochen haben, findet ſich nichts deſto weniger in der Gegenwart die von Scaliger und Baumgarten auf⸗ geſtellte Anſicht vorherrſchend vertreten, Eſther mit Hameſtris, einer Ge⸗ mahlin des Xerres, für Eine Perſon zu halten, welche bei Herodot öfter erwähnt, aber nicht das Mindeſte, was die auf einer oberflächlichen Namensähnlichkeit beruhende Vermuthung irgendwie näher begründen könnte, erzählt wird. Die einzige Ideenverbindung, welche man zwiſchen beiden Perſonen künſtlich aufgefunden hat, iſt eine angebliche Charakter⸗ ähnlichkeit, indem, während Eſther durch ihre wegen Rettung der jüdiſchen Nationalexiſtenz bei dem Könige eingelegte Fürbitte entfernte Urſache eines allerdings anſehnlichen Blutbades im ganzen perſiſchen Reiche ge⸗ worden, Hameſtris ihrerſeits jedoch als eine von Haus aus grauſame und blutdürſtige, daneben aber überdieß, und dieß iſt wohl zu beachten, als eine ehebrecheriſche und götzendieneriſche Fürſtin geſchildert wird, zwei Züge, von denen man einmal den letzteren auf jeden Fall nur höchſt unpaſſend auf den Charakter Eſther's anzuwenden im Stande wäre. Denn eben die nämliche jüdiſche Bigotterie, von welcher man vorausſetzt, daß Eſther zur Grauſamkeit verleitet worden, hätte ſie doch wenigſtens von jenen Gräueln der Abgötterei zurückhalten müſſen, welche Herodot VII, 114. erzählt werden. Hiegegen könnte man nun freilich bemerken, daß ſolche Er⸗ zählungen bei Herodot als aus Nationalhaß gegen die Perſer hervorgegan⸗ gene Uebertreibungen, die deßwegen keinen unbedingten Glauben verdienen, allenfalls könnten betrachtet werden. Aber wir ſehen dagegen auf unſerer Seite gar keinen Grund ein, auf eine bloße Namensähnlichkeit hin eine ernſtliche Combination zwiſchen dieſen beiden Perſonen anzuſtellen. Denn geſetzt, daß man Eſther wegen der erwähnten Handlung auch wirklich blutdürſtige Grauſamkeit zum Vorwurf machen könnte, was nach unſerer Ueberzeugung ſchlechterdings der Fall nicht iſt, wer zweifelt dann an der Möglichkeit, daß es am perſiſchen Hofe unter der Regierung zweier auf⸗ einander folgender Könige zwei verſchiedene Königinen habe geben können, welche außer ihrem beiderſeits als grauſam und blutdürſtig ge⸗ ſchilderten Charakter auch eine zufällige Namensähnlichkeit hätten haben können? Dieſe Hypotheſe ſcheint ſomit in der That von vorneherein nur deßwegen ſo in Aufnahme gekommen zu ſein, weil gewiſſe Feinde der bibliſchen Geſchichte, denen ein ſolcher Charakter, wie derjenige der Königin Eſther, ein Stein des Anſtoßes iſt, den ſie nicht verdauen kön⸗ nen, es in ihrem Intereſſe finden, durch gefliſſentliche Verbreitung der⸗ ſelben den Charakter der Eſther in der Meinung des unbefangenen Bibel⸗ leſers möglichſt herabzuſetzen, in welcher argliſtigen Abſicht ſie ſich dar⸗ nach zuweilen durch die kurzſichtige Halsſtarrigkeit orthodorer Theologen, 7⁴ welche, ohne die verborgene Schlinge zu ahnen, einer ſolchen Meinung einmal beigetreten ſind, vortrefflich ſecundirt finden. Eine nüchterne und unbefangene Unterſuchung fordert von uns daher, daß wir in der Frage nach der chronologiſchen Feſtſtellung der im Buche Eſther erzählten und in ihrer geſchichtlichen Glaubwürdigkeit, ſoviel uns bekannt, von Nieman⸗ den angefochtenen Thatſachen von dieſen beiden zufälligen Nebenumſtänden zunächſt abſehen, und unſer Urtheil vielmehr von dem möglichſten Ein⸗ klange der in unſerem Buche enthaltenen chronologiſchen, genealogiſchen und ſtatiſtiſchen Anhaltspunkte mit den aus der Profangeſchichte bekann⸗ ten politiſchen Ereigniſſen beſtimmen laſſen. Von einem ſolchen Stand⸗ punkte ausgehend finden wir aber ſogleich an der Thüre die unwiderleg⸗ lichſten Thatbeweiſe, daß Hameſtris und Eſther ein und die nämliche Perſon gar nicht einmal geweſen ſein können, indem letztere im ſiebenten Regierungsjahre des Aſſuerus erſt zur perſiſchen Königin erhoben worden iſt, während Hameſtris, die Mutter des Artaxerrxes Longimanus, der be⸗ reits ihr dritter Sohn geweſen, im ſiebenten Regierungsjahre des Kerxes wahrſcheinlich einen bereits erwachſenen Sohn hatte, der, wie aus dem Geſpräche des Kerxes mit ſeinem Bruder Maſiſthes hervorgeht, mit einer Tochter des Letzteren verheirathet war.(ek. Herodot lib. IX. cp. 111.) Schon im ſiebenten Buche des Herodot, alſo vor dem Beginne des ſo⸗ genannten perſiſchen Krieges, wird Hameſtris als Kerxes Gemahlin er⸗ wähnt, und ihrem Vater Otanes, einem perſiſchen Fürſten aus den vor⸗ nehmſten adeligen Geſchlechtern, der auch eine Heeresabtheilung in jenem Kriege commandirte, außer Hameſtris auch noch ein Sohn mit Namen Anaphes beigelegt(Herodot Iib. VII. cp. 61. 62.); lauter Umſtände, mit denen keine Spur von Uebereinſtimmung im ganzen Buche Eſther zu finden iſt. Ebenſo ſchlecht, wie die Angaben des Herodot in den Zuſammenhang des Buches Eſther, paſſen nun aber auf der anderen Seite auch die Angaben dieſes letzteren Buches in die aus Herodot und anderen Schriftſtellern uns bekannte damalige Weltgeſchichte. Denn ge⸗ ſetzt auch, daß ein gänzliches Stillſchweigen im Buche Eſther über den gleichzeitigen ſogenannten dritten perſiſchen Feldzug durchaus erklärlich wäre, ſo iſt es doch unbegreiflich, warum der geſchwätzige Herodot, dem die Begebenheit von Vaſthi's Verſtoßung nicht unbekannt hätte ſein kön⸗ nen, darüber ein gänzliches Schweigen ſollte beobachtet haben. Im Buche Eſther ſehnt ſich Aſſuerus nach der verſtoßenen Vaſthi wieder zurück, kann aber des mediſchen Reichsgeſetzes wegen ſein ausgeſprochenes Urtheil nicht zurücknehmen. Bei Herodot iſt er von Anfang an im Beſitz der Hameſtris, und hat deßwegen keine Urſache, ſich nach dem Beſitz einer verſtoßenen früheren Gemahlin zurückzuſehnen. Endlich hätte die§. 663. erzählte Ausſchreibung und Aufnahme der für das königliche Serail be⸗ ſtimmten perſiſchen Jungfrauen, nebſt der über ein ganzes Jahr erfor⸗ dernden körperlichen Pflege derſelben doch natürlicher Weiſe nicht eher vor ſich gehen können, als bis Kerxes aus ſeinem Feldzuge von Griechen⸗ land wieder glücklich nach Suſa wäre nach Hauſe gekommen. Da nun aber Kerres erſt im achten Jahre ſeiner Regierung von dem griechiſchen Feldzuge wieder nach Suſa zurückkam, ſo hätte ſeine Vermählung mit Eſther, da doch bereits die Aufſuchung der Jungfrauen wenigſtens ein halbes Jahr fortnahm, nicht wohl vor ſeinem zehnten Regierungsjahre lttkt iin Mez 0 1 K4 10 75 ſtatthaben können, während wir doch im Buche Eſther dieſelbe ſchon im ſiebenten Regierungsjahre des Aſſuerus und ſogar mit genauer Angabe des Monats und des Monatstages eingetragen finden.— Wenn ſomit die Betrachtung der äußeren geſchichtlichen Umſtände einer derartigen Hypotheſe durchaus ungünſtig iſt, ſo kommen noch obendrein von pfycho⸗ logiſch moraliſcher Seite unüberſteigliche innere Hinderniſſe hinzu, indem es bei ruhiger Ueberlegung unſerer Ueberzeugung nach unmöglich iſt, in dem zwar jähzornigen, aber ſeiner ganzen Gemüthsart nach vorherrſchend genußliebenden, dabei für zartere Eindrücke durchaus nicht unempfäng⸗ lichen Charakter des Aſſuerus den zwar wollüſtigen, aber in ſeiner Charaktereigenthümlichkeit mehr kriegeriſch ſtürmiſchen Kerxes wiederfinden, und dieſen letztern mitten unter durch ſeine Angriffsunternehmung noth⸗ wendig herbeigeführten enormen Kriegsentwürfen zugleich mit ſo zarten Empfindungen der Sehnſucht nach häuslichem Glücke ſich beſchäftigt vor⸗ zuſtellen.— Diejenigen Leſer, welche es uns gelungen ſein ſollte, von der nach unſerer Ueberzeugung wiſſenſchaftlich höchſt unbegründeten Hypotheſe, welche Aſſuerus mit Kerxes verwechſelt, durch unſere gegebene Darlegung abzubringen, werden, wie ſich erwarten läßt, hinſichtlich der glaubwürdi⸗ gen Subſtitution des Artaxerxes Longimanus zum Voraus keine großen Einwendungen machen, indem eine mögliche erhebliche Schwierigkeit in Beziehung auf dieſe Annahme uns wenigſtens ſelber nicht bekannt iſt. Beſonders paſſend für Artarerxes Longimanus ſcheinen uns die im Buche Eſther angeführten einzelnen Umſtände: 1) daß das damalige perſiſche Reich in demſelben als in noch ungemindertem Beſitzſtand ſeiner 127 Sa⸗ trapien erwähnt wird(Esther 1, 1.); 2) die beſonders gütige Geſinnung des Aſſuerus gegen die Juden, welche aus der an Ezra ertheilten Rück⸗ kehrerlaubniß, ſowie aus der ſpäteren Entlaſſung des Nehemias aus ſeinem Hofdienſte auch anderweitig hervorleuchtet; 3) endlich die einzelnen Züge von Freigebigkeit, Unterthanen⸗ und Gerechtigkeitsliebe, welche mit der Schilderung ſeines Charakters von Seite der Profanhiſtoriker durch⸗ aus übereinkommen. Uebrigens geben wir unſere Meinung ebenfalls nicht als Gewißheit, ſondern vorläufig wiederum nur als Hypotheſe hin. Wer die Frage noch gründlicher unterfuchen will, bediene ſich deſſen, was Prideaur(Connexion 4. Buch ad ann. 477 und 469) und Stolberg (Religionsgeſchichte 4. Band XXIV, 3— 14.) darüber zuſammengeſtellt haben, worin unter andern die verſchiedenen ſonſtigen Hypotheſen über den Aſſuerus des Buches Eſther ihre bereits erſchöpfende Widerlegung finden dürften. F. 659. Esther 1, 1— 9. Im darauffolgenden Jahre 3636, dem dritten Jahre ſeiner Regierung, beliebte es dem Könige, unbekannt aus welcher Veranlaſſung, ſämmtlichen Fürſten und Statthaltern ſeines Reiches 180 Tage lang, alſo ein volles halbes Jahr hindurch, ein glänzendes Feſt zu geben zugleich in der Ab⸗ ſicht, um ſie in ihrer vorausgeſetzten Anhänglichkeit an ein ſo überſchwäng⸗ lich reiches und wirthlich gaſtfreies Herrſcherhaus zu befeſtigen. Nach 76 Ablauf dieſes Hoffeſtes lud er auch noch ſämmtliche Einwohner ſeiner Reſidenzſtadt Suſa vom Größten bis zum Kleinſten zu einem Volksfeſte ein, welches ſieben Tage lang unter prachtvoll ausgeſchmückten, aus den edelſten Stoffen gewirkten Zelten im königlichen Luſtgarten in der Weiſe gehalten wurde, daß ſämmtliche Gäſte die unbeſchränkte Freiheit genoſſen, auf ſilber⸗ und goldgeſchmückten Ruhebänken gelagert, ſich an reichlich aufgetragenen beſten Speiſen ſatt zu eſſen und aus goldenen Pokalen den beſten Wein aus dem königlichen Keller nach Belieben zu trinken, ſo daß keinem etwas verwehrt, und doch wieder Niemand zu übermäßigem Trin⸗ ken angeleitet oder überredet wurde. Um vollkommene Ordnung zu er⸗ halten, hatte Artaxerxes ſeine eigenen Fürſten zu Vorſitzern an den ein⸗ zelnen Tiſchen aufgeſtellt. Ueberdieß waren, wie es ſcheint, bei dem ganzen Feſte die beiden Geſchlechter in der Weiſe abgetheilt, daß, während die Männer draußen im Garten ſich erluſtigten, inzwiſchen die Frauen innerhalb des königlichen Palaſtes auf ähnliche Weiſe von der Königin Vaſthi bewirthet wurden. Kerres, durch den Hauptmann ſeiner eigenen Leibwache Artabanus gewaltſam getödtet, hinterließ nach einer 21jährigen Regierung drei er⸗ wachſene Söhne. Der jüngſte derſelben, welcher alſo gerade die geringſte Anwartſchaft auf die Nachfolge gehabt hätte, war Artarerxes Longimanus. Er ſoll die Abſicht, ſich auf den Thron zu ſchwingen, anfänglich gar nicht gehabt haben, wenn er ſich nicht von dem hinterliſtigen und ehr⸗ geizigen Artabanus, der ihn zuerſt glauben machte, der an ſeinem Vater Kerxes verübte Todtſchlag ſei auf des älteſten Prinzen Darius Anſtiften begangen worden, und als Artaxerxes im Zorne darüber ſeinen älteren Bruder eigenhändig getödtet hatte, ihn gegen die drohende Rache des zweiten getzenwärtig abweſenden Prinzen mit Namen Hystaspes zu unterſtützen verſprach, dazu hätte bereden laſſen. Nach ehe er darüber mit ſeinem die Statthalterſchaft Bactrien verwaltenden zweiten Bruder in Krieg kam, entdeckte er jedoch des Artabanus Verrätherei, welcher mit Hilfe ſeiner ſieben Söhne nichts Geringeres, als ſich ſelber des perſiſchen Thrones zu bemächtigen im Schilde führte, und tödtete auch dieſen, worauf er das Glück hatte, binnen Kurzem auch ſowohl mit der Armee ſeines Bruders Hys⸗ taspes, als mit der zurückgelaſſenen Partei des Artabanus zu einem ſieg⸗ reichen Ende zu kommen. Hierauf verabſchiedete er in ſeinem ganzen Reiche ſämmtliche Verwaltungsbeamte, auf deren treue Ergebenheit er ſich nicht glaubte verlaſſen zu dürfen, um ſich ſodann in friedfertiger Weiſe mit mehr Ruhe und Sammlung den Geſchäften der Regierung hin⸗ geben zu können. In dieſen Zeitmoment fällt nach allem Anſchein das in dem laufenden Paragraphen erzählte Hoffeſt, zu welchem unter andern auch die zugleich damit verbundene Neuvermählung mit der Königin Vaſthi Veranlaſſung gegeben haben dürfte. Ueber die aus den Profan⸗ geſchichtsſchreibern uns bekannten, hier erzählten politiſchen Begebenheiten vergl. das Nähere bei Prideaux's Connexion 4. Buch ad ann. 469, 5. Buch addl ann. 468 und 462. 77 §. 660. Esther 1, 10— 12. Schon neigte der ſiebente, mithin letzte Tag des ganzen Feſtes all⸗ mälig ſich ſeinem Ende zu, ohne daß die Freude desſelben bisher durch irgend einen widrigen Zufall geſtört worden wäre, als der König durch übermäßigen Genuß des Weines zu übertriebener Heiterkeit aufgeregt, endlich auf den Gedanken verfiel, dem Feſte dadurch die Krone aufzuſetzen, daß er zum Schluſſe desſelben ſämmtlichen anweſenden Fürſten zuſammt dem Volke die berühmte Schönheit der Königin Vaſthi zu bewundern geben wollte, welche mit dem königlichen Diadem geſchmückt auf ſeinen Befehl vor den Augen aller Anweſenden ihr Angeſicht entſchleiern ſollte. Deßwegen ſandte er, ohne lange zu überlegen, ſieben ſeiner ihm aufwar⸗ tenden königlichen Kammerdiener an dieſelbe ab, um ſie dem Könige zu Gefallen herbei zu begleiten. Königin Vaſthi aber zeigte ſich nicht ge⸗ neigt, dem Willen des Königs zu willfahren, ſondern beſchränkte ſich, unbekümmert um die Folgen darauf, die abgeſendeten Boten des Königs mit einer kurzen abſchlägigen Antwort wieder abgehen zu laſſen. §. 661. Esther 1, 12— 22. Dieſe abſchlägig beſchiedene Bitte des Königs verſetzte denſelben in einen außerordentlich heftigen Zorn, ſo daß er mit ſeinen gerade verſam⸗ melten Räthen augenblicklich Unterſuchung hielt, was in dieſem Falle nach perſiſchem Rechte die Königin Vaſthi für die begangene Verachtung des königlichen Willens für eine Strafe verwirkt habe. Einer ſeiner ver⸗ trauten Oberbeamten mit Namen Mamuchan gab den Rath, ſie zum ab⸗ ſchreckenden Beiſpiele für ſämmtliche Eheweiber im ganzen Königreiche, von denen zu fürchten ſei, daß ſie bei vorkommender Widerſpänſtigkeit gegen ihre Männer ſich auf das Beiſpiel der Königin Vaſthi berufen wollen möchten, ein⸗ für allemal durch ein unwiderrufliches königliches Edikt von der Ehre der weiteren Zulaſſung zu der Gegenwart des Königs auszuſchließen, und hiemit die bereits erlangten Rechte der Königin mit der Zeit von Vaſthi auf eine würdigere Nachfolgerin überzutragen. Dieſer Rath Mamuchan's wurde befolgt und der betreffende Entſchluß in ſämmt⸗ lichen Provinzen des Königreiches öffentlich bekannt gemacht. CXLVI. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Der Hohenprieſter Jojakim, Eſther.(Fortſetzung.) Esdra. Zweite Rückkehr der Zuden nach Paläſtina. §. 662. Esther 2, 1—8. Der Zorn des Königs legte ſich allmälig wieder, ſo daß ſeine ver⸗ trauten Beamten, als ſie ihn einige Zeit darnach bei genauerer Beobach⸗ tung öfters in Gedanken mit ſehnſüchtiger Erinnerung an die verſtoßene Vaſthi beſchäftigt fanden, ihm den Vorſchlag machten, in ſeinem ganzen Reiche eine Art Aushebung neuer ſchöner Jungfrauen für ſeinen Harem veranſtalten zu laſſen, und unter den ihm nach vorausgegangener geeig⸗ neter Ausſchmückung vorgeführten Frauen diejenige, welche ihm am meiſten gefiele, ſodann an Vaſthi's Stelle zur Königin zu erheben. Dieſer gemachte Vorſchlag wurde von dem Könige gebilligt, und bei der ver⸗ anſtalteten Nachſuchung nach ſchönen Frauen auch Eſther, die angenom⸗ mene Tochter des Mardochäus, ihrer ausgezeichneten Schönheit wegen unter die Zahl der dem Könige zur Muſterung ausgewählten Bewer⸗ berinen mit aufgenommen. Die im Paragraphen geſchilderte perſiſche Landesſitte zeugt allerdings von einer vorherrſchenden Geringachtung des weiblichen Geſchlechtes über⸗ haupt. Indeſſen gehen erfahrungsgemäß die Frauen überall ſo vollſtändig rückhaltslos auf die herrſchenden Meinungen ein, daß ſich vorausſetzen läßt, daß eine junge Perſerin das Schickſal, lebenslänglich in den Harem eingeſperrt zu werden, gar nicht ſo drückend werde empfunden, ſondern vielmehr im Gegentheil darin eine lebenslängliche ehrenvolle Verſorgung, was es in gewiſſem Sinne auch wirklich war, werde erblickt haben. §. 663. Esther 2, 9— 14. 19. 20. Jede dem Könige der Reihe nach darzuſtellende Jungfrau mußte ſich erſt ſechs Monate lang mit Morrhenöl ſalben, und ſechs Monate darnach beſtimmte andere wohlriechende Salben gebrauchen, wornach ſie überdieß an dem Tage, an welchem die Reihe der Vorführung an ſie kam, mit allem, was ſie zu ihrem weiteren Schmucke verlangte, von dem Käm⸗ merer des ihnen angewieſenen Hauſes verſehen, ſobald ſie aber des anderen Morgens von dem Könige entlaſſen war, in dem Harem der königlichen Concubinen verſchloſſen wurde. Bevor Mardochäus ſeine Pflegetochter Eſther in das Haus der auserleſenen Jungfrauen überlieferte, ſchärfte n Set 1 nat erd Ahndt Act Ri l K iſerke U ihefr 79 er ihr ſtrenge ein, ihr Volk und Vaterland geheim zu halten, ein Verbot, welches dieſelbe auch mit kindlichem Gehorſam pünktlich beobachtete. Um ihr jedoch die Bewahrung des ihr auferlegten Geheimniſſes auf der an⸗ deren Seite zu erleichtern, verſäumte Mardochäus keinen Tag, an welchem er nicht im Vorhofe des erwähnten Hauſes auf⸗ und abging, bis er irgend Jemanden traf, bei welchem er ſich nach Eſther's Wohlbefinden erkundigen, und ihr nach Umſtänden auch von ſeiner Seite Botſchaft aus⸗ richten laſſen konnte. §. 664. 1. Esdra 7, 7. 10— 28. 3. Esdra 8, 1— 29. Um die gleiche Zeit— es war nämlich über den Vorbereitungen zur Auswahl einer neuen Königin bereits das Jahr 3640„ das ſiebente Regierungsjahr des Königs angebrochen— erhielt der jüdiſche Prieſter Esdra, ein zu Babylon wohnhafter Abkömmling aus der hohenprieſter⸗ lichen Familie des Phinees, des Sohnes Aaron's(Gergl.§. 93.), von dem Könige Artaxerres Longimanus die nachgeſuchte Erlaubniß, einen zweiten Zug von israelitiſchen Stammgenoſſen, welche zur Rückkehr nach Paläſtina geneigt wären, anführen und auch den Ertrag einer gleichzeitig bewilligten Sammlung freiwilliger, von ſämmtlichen jüdiſchen Einwoh⸗ nern der babyloniſchen Provinz zu erhebenden Beiſteuer mit ſich fortnehmen zu dürfen. In dem nämlichen ſchriftlichen Erlaſſe des Königs wurden die Statthalter der jenſeits des Fluſſes Euphrat liegenden Provinzen an⸗ gewieſen, auf Esdra's Forderung unverzüglich 100 Talente Silber, gegen 175 Schäffel Getreide, 50 Eimer Oel und Salz in beliebiger Menge aus den Reichseinkünften für den Bedarf des regelmäßigen Tempeldienſtes abzuliefern, und überdieß die am Tempel angeſtellten Prieſter und Leviten von jeder Steuer freigeſprochen. Esdra bekam zugleich von dem Könige den Auftrag, nach ſeinem eigenen beſten Ermeſſen Richter und Vorſteher über das jüdiſche Volk aufzuſtellen, welche je nach Umſtänden die Un⸗ wiſſenden unterrichten, die Widerſpänſtigen aber mit Gefängniß, Ver⸗ mögensconfiscation, Verbannung, ſowie endlich auch mit Hinrichtung ſoll⸗ ten beſtrafen dürfen. Dieſes Edict des Artaxerres Longimanus iſt nach unſerer, mit Pri⸗ deaur und Stolberg genau übereinſtimmenden Auffaſſung zugleich die anfängliche Erfüllung jener dem Propheten Daniel nach§§. 609. 610. gegebenen göttlichen Offenbarung. Von hier aus gerechnet gehen die dort erwähnten 69 Jahrwochen ſo ziemlich präcis in das Jahr 23 nach Chriſti Geburt nach unferer gewöhnlichen Zeitrechnungsepoche, welche aber, ſoviel wir in Sepp's Leben Jeſu nachgewieſen geleſen zu haben uns er⸗ innern, um 7 Jahre ungefähr zu ſpät angeſetzt iſt, ſo daß unſer Heiland im Jahre 23 unſerer Zeitrechnung 30 Jahre alt, bereits ſein öffentliches Lehramt antrat. Von dieſem Momente des angetretenen Lehramtes zählt dann nach unſerer in dieſem Punkte von Prideaux abweichenden, aber mit Sepp übereinſtimmend gegebenen Auslegung die 70ſte Jahrwoche, die aber durch das nach 3½jähriger Dauer des Lehramtes eingetretene Leiden Chriſti in der Mitte abgebrochen wird. Eine gründlichere Er⸗ örterung dieſer berühmten exegetiſchen Streitfrage glauben wir mit Rück⸗ ſicht auf die bei unſerer Arbeit uns vorgenommene möglichſt eingeſchränkte Ausdehnung den theologiſchen und chronologiſchen Fachgelehrten überlaſſen zu dürfen, und erlauben uns nur folgende drei allgemeine Bemerkungen hinzuzufügen: 1) Das Dercret des Artaxerxes Longimanus als muthmaßlicher Aus⸗ gangspunkt der von Daniel geweisſagten 70 Jahrwochen, empfiehlt ſich in jeder Beziehung um ſo mehr vor jedem anderen, als die ſpätere Unter⸗ nehmung des Nehemias als eine reine Fortſetzung des von Esdra be⸗ gonnenen Werkes betrachtet werden kann. 2) Die in der Prophezeiung Daniel's bezeichnete erſte Periode von 7 Jahrwochen oder 49 Jahren würde ſonach nach unſerer Rechnung bis in das Jahr der Erſchaffung 3689, das 15te Regierungsjahr des Darius Nothus, hineinreichen, demnach ungefähr gerade den Zeitpunkt, in wel⸗ „der Erbauer der Mauern Jeruſalems, mag geſtor⸗ en ſein. 3) Uebrigens ſetzt unſere Hypotheſe als bereits geſchichtlich erwieſen voraus, daß derjenige perſiſche König, unter welchem Esdra die Erlaub⸗ niß zur Rückreiſe nach Jeruſalem bekam, nicht Kerxes, wie Fl. Joſephus und einige ſpätere. angeben, ſondern Artarerxes Longimanus geweſen, was jedoch nicht allein, ſoviel uns bekannt, heutzutage allgemein ange⸗ nommen wird, ſondern auch durch den einfachen Umſtand von ſelbſt als nahezu gewiß hervorgeht, daß der erſt im 20ſten Regierungsjahre ſeines Königes nach Jeruſalem zurückgekehrte Nehemia, der aus ander⸗ weitigen chronologiſchen Urſachen auf keinem Falle Kerxes geweſen ſein kann, Esdra nicht allein lebend, ſondern noch in voller Manneskraft und Thätigkeit dortſelbſt antrift. Ein ſpäterer perſiſcher König als Axtaxerxes Longimanus iſt aber von keinem bisherigen Ausleger unſeres Wiſſens als der den beiden genannten Männern gemeinſame perſiſche Könit in Vorſchlag gebracht worden. Vergleiche über die ganze Frage eine ſehr ausführliche Abhandlung bei Prideaur, Connexion 5. Buch acl ann. 458, und eine kurze, aber überſichtliche bei Stolberg, Religionsgeſchichte 4. Bd. XIV, 17- 25. §. 665. 1. Esdra 8, 1— 20. 24— 30. 3. Esdra 8, 30— 50. 55— 60. 1426 Familienväter hatte Esdra ungefähr bis zum 21. März des nämlichen Jahres 3640 bereits zuſammengebracht, und mit denſelben an einem Nebenfluſſe des Euphrat ein Lager aufgeſchlagen, als er bei näherer Muſterung der verſammelten Volksgenoſſen gewahrte, daß außer ihm ſelber nicht ein einziger Prieſter oder Levite unter der Zahl der vorhaben⸗ Ugel, W. Wäeſtr⸗ Fumilten u fahe lg fi WIf 0. n ge 1 Jl N 0 Ium 90 den Rückwanderer befindlich war. Es mußten demnach, da Esdra daran lag, auch eine hinreichende Zahl von Leviten für die Verſehung des Tempeldienſtes mitzunehmen, einige in einer benachbarten Stadt anſäſſige levitiſche Familien durch eine beſondere an ſie abgeſendete Deputation erſt ausdrücklich zur Betheiligung am Zuge eingeladen werden, eine Maß⸗ regel, welche aber auch einen Zuwachs von nicht weniger als 258 neuen Prieſter⸗ und Levitenfamilien, alſo im Ganzen das Ergebniß von 1684 Familien, eine Perſonenzahl von wahrſcheinlich mehr als 3000 Seelen zur Folge hatte. Der Betrag des durch die gleichzeitig erhobene Samm⸗ lung freiwillig beigeſteuerten Tempelſchatzes war 100 Talente in Gold, 650 Talente in Silber, 20 ſchwere goldene Becher, 100 ſilberne und 2 von ſchönem goldglänzenden Erze gefertigte Vaſen. Dieſelben wurden zwölf von Esdra auserleſenen Prieſtern zu ſorgfältiger Obhut und ſpä⸗ terer gewiſſenhafter Ueberantwortung an die Vorſteher des Tempelſchatzes in Jeruſalem anvertraut. §. 666. 1. Esdra 7, 7— 10. cp. 8, 31— 38. 3. Esdra 8, 5—8. 61— 68. Zu größerer Sicherheit auf der Rückreiſe hätte Esdra, wenn er darum gebeten, von dem Könige wohl auch eine bewaffnete Bedeckung von Reitern zum Schutze gegen die Nachſtellungen der Räuber erlangen können. Er ſchämte ſich aber darum zu bitten, wegen der großen Zu⸗ verſichtlichkeit des Tones, mit welchem er nebſt denen, die ſich ſeinem Bittgeſuche angeſchloſſen, ſich auf den allmächtigen Schutz des Gottes Israels über Alle, welche ſeinen Offenbarungen gehorchen, berufen hatte. Statt deſſen ordnete er im Lager der zum Aufbruche gerüſteten Israeliten ein Faſten an, um den Schutz Gottes für die Reiſe zum Voraus in An⸗ ſpruch zu nehmen. Auch ging dieſelbe ganz glücklich von Statten, indem ſie, ungefähr den 3. April des gleichen Jahres ihren Weg antretend, etwa den 21. Juli glücklich und wohlbehalten ohne einen weiteren Un⸗ fall in Jeruſalem eintrafen. Am vierten Tage nach ihrer Ankunft wurde der mitgebrachte Tempelſchatz den dermaligen Bewahrern des Schatzes ausgehändigt. Hierauf folgte ein für die glückliche Rückkehr abgehaltenes Dankfeſt, bei welchem für das ganze israelitiſche Volk 12 Kälber als Bitt⸗, 12 Ziegenböcke als Sündopfer, außerdem aber 96 Widder und 77 Schafe als Brandopfer geſchlachtet wurden. Bald darauf wurden auch von den königlichen Statthaltern der Provinz die für den Tempel bewilligten Beiſteuern pünktlich abgeliefert. Krafft, heil. Geſchichte. II. 82 CXLVIII. Perſiſche Lan deshoheit.(Fortſetzung.) un ln ˖ Gith chy Der hohenprieſter Joakim. Eſther. Esdra.(Fortſetzung.) i eile §.667. Fdern (0 1. Esdra 9, 1— J. op. 10, 18— 24. 3. Esdra 8, 69— 73. cp. 9, 18— 25. Gidta g einigen gutgeſinnten an⸗ hhett e darnach erhielt Esdra von bende Anzeige, daß die nach Paläſtina Puhnt willkührlich mit Weibern aus den Bevölkerung, ſowie mit abiterinen verehelicht, 1 * Einige Monat geſehenen Männern die betrü zurückgekehrten Juden mittlerweile ſich zurückgebliebenen Reſten der alten canaanitiſchen pterinen, Ammoniterinen und Mo abgöttiſchen Egy und durch den vertrauten Umgang mit denſelben wieder ſich zu abgötti⸗ 18 ſchen und unſittlichen Gebräuchen neuerdings hätten verführen laſſen. 0 W Das Uebel war im Volke um ſo tiefer bereits eingewurzelt, als in Be⸗ 51 ſten Familien, ſogar Prieſter 160 zug auf dasſelbe mehrere aus den angeſehen und Leviten, mit ihrem böſen Beiſpiele vorangegangen waren. Dieſe* k erſchütterte Esdra dermaßen, daß er mit zer⸗ 0 Eohnes ſchreckenerregende Nachrich riſſenem Gewande ſich die Haare ausraufend hinſetzte, und durch die Run Verſammlung derjenigen Israeliten, bei denen die Gottesfurcht noch 05 war, nur wenig getröſtet, den ganzen Tag in laut⸗ N Aldlll 00 lebendig geblieben loſem Kummer bis an den Abend zubrachte. §. 668. 1. Esdra 9, 5— ch. 10, 1. Erſt um die Zeit des täglichen Abendopfers erhob ſich Esdra von Uun d. Iun ben 3. Esdra 8, 74 92. ſeinem Sitze, und breitete, nachdem er ſich in den Vorhof des Tempels verfügt hatte, knieend ſeine Hände zum Gebet aus, wobei er mit tiefſter Beſchämung über die unabläſſig unter dem israelitiſchen Volke fortdauern⸗ den rückſichtsloſen Geſetzesübertretungen, und mit wehklagendem Bekennt⸗ niſſe dieſer neuen Schuld zugleich mit der dadurch bewieſenen Undankbar⸗ m h keit für die neueſten von Gott dem Volke gewährten Wohlthaten Gott( 10 um Verzeihung anrief. Dieß Gebet brachte unter dem ſich allmälig ver⸗z ſammelnden Volke einige Rührung hervor, ſo daß ſie mit Esdra zugleich umh zu weinen anfingen. lik. §. 669.* n Kl 1. Esdra 10, 2— 4. 3. Esdra 8, 93— 96. 0 5 Unter dem wohlthätigen Einfluſſe dieſer augenblicklich reumüthigen Stimmung des Volkes trat Sechenjas, ein gewöhnlicher israelitiſcher · 10 Bürger, mit dem Vorſchlage auf, zu rückgängiger Erſtattung des began⸗ W5 * VR 80 genen gemeinſamen Unrechts miteinander ein ö Gott abzuſchließen, durch welches ſie ſi 45 der eine Ausländerin zur Ehe habe, dieſelbe mitſammt ihren gebornen Kindern wieder von ſich zu entlaſſen. Zu dieſem Endzwecke forderte er Esdra auf, mit den ihm verliehenen Vollmachten feſt und männlich ein⸗ zuſchreiten, indem er ſelbſt und ſeine Gleichgeſinnten ihn in allen an⸗ geordneten Maßregeln nach beſten Kräften unterſtützen würden. ffentliches Bündniß mit ch verpflichten wollten, ein Jeder, 1. Esdra 10, 5—8. 3. Esdra 8, 97— cp. 9, 4. Durch dieſe unerwartete Aufforderung ermuthigt, ſtand Esdra auf und nahm den verſammelten Prieſtern„Leviten und übrigen israelitiſchen Stammgenoſſen, inſoweit ſich dieſelben mit dem gemachten Vorſchlage des Sechenjas einverſtanden erklärten, über ihre verſprochene thätliche Mit⸗ wirkung einen Eid ab, worauf er, noch immer zum Zeichen ſeiner Trauer ein ſtrenges Faſten beobachtend, ſich in die Wohnung des Johanan, des Sohnes Eliaſib, verfügte. Von dort aus erließ er eine eindringliche Mahnung an ſämmtliche in Paläſtina wieder anſäſſig gewordenen israeli⸗ tiſchen Bürger, ſich bei angedrohter Einziehung ihres Vermögens und bei Dag it Verluſt des israelitiſchen Landesbürgerrechtes binnen drei Tagen zu einer von dem Rathe der Fürſten und Aelteſten zu eröffnenden Volksverſamm⸗ lung einzufinden. Anſtatt des Namens Johanan, 3. Esdra 9, 1.: K. 4783.) der Sohn Eliaſib, finden wir in Wer die betreffende Per⸗ Die bei dieſer Ge⸗ geleitete Cultusreformation iſt die fünfte(vergl. Jonathas, der Sohn Naſabi. ſon geweſen, iſt uns in beiden Fällen unbeka legenheit von Esdra ein 1. Esdra 10, 9— 14. 3. Esdra 9, 5— 13. Der 10. Dezember, d. i. ungefähr derjenige Tag, auf welchen die von Esdra vorgeladenen israelitiſchen Stammgenoſſen ſämmt war zufällig ein kalter Regentag, an welchem ͤ man ſich von ſeiner vollzähligen Anweſenheit überzeugt hatte, unter freiem Himmel verweilend nicht wenig zu leiden in Jeruſalem erſchienen, das verſammelte Volk, bi hatte. Um ſo leichter erklärbar iſt der ohne weiteren Widerſpruch ſich erhebende einſtimmige Zuruf, mit welchem ſämmtliche Anweſende von Esdra mit kurzen Worten auf ihr begangenes Unrecht und auf die Pflicht einer ſchleunigen Trennung von ihren eingegangenen Familienverbindun⸗ gen aufmerkſam gemacht, ſich zur Erfüllung der an ſie gerichteten Auf⸗ forderung allgemein vollkommen bereit erklärten. Das Einzige, deſſent⸗ 6* wegen ſie vorbaten, war, daß man, da es im Augenblicke regne, und zugleich der Winter angebrochen ſei, während deſſen man ein ſolches Vorhaben überhaupt nicht beſchleunigen könne, die Bereinigung dieſer wichtigen Gewiſſensangelegenheit dem Einzelnen nicht unbedingt anheim⸗ geben, ſondern durch eine eigens aufgeſtellte Commiſſion von Richtern und Aelteſten, welche zu dieſem Zwecke eine Rundreiſe im Lande vor⸗ nehmen könnten, erleichtern möge. §. 672. 1. Esdra 10, 15— 44. 3. Esdra 9, 14— 36. Auf dieſe für billig erkannte eingelegte Bitte des Volkes wurden Jonathan und Jaaſia, zwei Richter nebſt zwei Leviten mit Namen Me⸗ ſollam und Sebethai, mit der Ausführung dieſes beſonderen Geſchäftes beauftragt, welche unter Esdra's Leitung gegen den 21. Dezember noch des gleichen Jahres 3640 den Anfang machend, damit bis zum 21. März des folgenden Jahres 3641 glücklich zu Ende kamen. Es werden am Schluſſe des erſten Buches Esdra nicht weniger als 123 Familienväter namentlich aufgeführt, welche ſich durch Heirath einer götzendieneriſchen Ausländerin verſündigt hatten. Mehrere derſelben hatten bereits mit denſelben Kinder erzeugt. Die vom Prieſtergeſchlechte mußten bei dieſer Gelegenheit jeder einen Widder als Sündopfer darbringen. CXLVIII. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) ZJoakim und Eliaſib. Eſther. Esdra.(Fortſetzung.) §. 673. Estler 2, 15— 18 Im Laufe des nämlichen Wintervierteljahres„entweder noch Ende Die Hohenprieſter des Jahres 3640 oder im Januar 3641 traf Eſther die Reihe, als königliche Braut dem Könige Artaxerxes vorgeführt zu werden, und hatte, obwohl ſie zu ihrer beſonderen Ausſchmückung an den Kämmerer des Jungfrauenpalaſtes gar keine Forderung geſtellt, ſondern ſich unbedingt deſſen eigenen Anordnungen unterworfen hatte, nichts deſto weniger das Glück, von dem Könige in beſondere Zuneigung genommen, ihren ſämmt⸗ lichen Mitbewerberinen vorgezogen und mit bedeutungsvoller Aufſetzung des königlichen Diadems an Vaſthi's Stelle zur Königin erhoben zu wer⸗ den. Artaxerxes fühlte ſeine beſonderen Anſprüche durch Eſther's perſön⸗ lihe Uun finntlthe Guunmnal G uhiub file le Halh, f len fal Fantitz 18 krig h The Wüſu in Nn f e Hihe NA nt lr I pmz Aitnt, Imüg ge Eß 5 Imn ſthen nm Am Wthe W Iö liche Vorzüge dermaßen befriedigt, daß er zur Feier ſeiner Hochzeit ſeinen ſämmtlichen Provinzen ein zweites großartiges Feſtgelage, verbunden mit Steuernachlaß und beſonderen mildthätigen Geſchenken, veranſtaltete. §. 674. Esther 2, 19— 23. cp. 12, 1—5. Eſther bewahrte, auch nachdem ſie Königin geworden, das von Mar⸗ dochäus ihr auferlegte Geheimniß treulich bei ſich; Mardochäus aber ſetzte ſeine bereits erzählte bisherige Weiſe„ſich mit ihr in Verbindung zu er⸗ halten, fort. Dieſe fortdauernde Gewohnheit, ſich im Vorhofe des könig⸗ lichen Palaſtes aufzuhalten, gab ihm Gelegenheit, von einer Verſchwörung Kenntniß zu bekommen, welche um dieſe Zeit von zwei zu Thürhütern des königlichen Palaſtes aufgeſtellten Kämmerern mit Namen Bagathan und Thares gegen das Leben des Königs angeſponnen wurde. Mar⸗ dochäus theilte dieſe gemachte Entdeckung der Königin Eſther und dieſe im Namen des Mardochäus als eines ihr zufällig bekannten Mannes dem Könige Artaxerxes unmittelbar mit, worauf Mardochäus, nachdem die beiden Verräther ihres beabſichtigten Verbrechens geſtändig am Leben geſtraft worden waren, nebſt Bezahlung der gewöhnlichen Anzeigegebühren mit der Wache im Hauptthore des königlichen Palaſtes beauftragt wurde. Die ganze Begebenheit wurde ſowohl von Mardochäus privatim aufge⸗ zeichnet, als auch auf königlichen Befehl ausführlich beſchrieben in die Annalen des königlichen Hauſes eingetragen. §. 675. Esther 3, 1— 4. cp. 12, 6. cp. 13, 6. cp. 16, 10. 11. Um dieſe Zeit fing Aman, der Sohn Amadathi's, ein geborener Amalekiter aus dem Geſchlechte des Königs Agag(vergl.§. 220.) und in Uebereinſtimmung mit ſeiner Geburt ein geſchworener Feind des jüdi⸗ ſchen Volkes, durch Anwendung aller derjenigen Mittel, welche ihn beliebt und angenehm machen konnten„in der Gunſt des Königs zu ſteigen an, ſo daß er, obwohl als Fremdling am perſiſchen Hofe aufgenommen, nichts deſto weniger von Artaxerxes unter dem Titel eines königlichen Vaters zu ſeinem oberſten Stellvertreter über ſämmtliche übrige Hofbeamte er⸗ koren wurde, welche auf des Königs Befehl ſogar vor Aman ſo gut, wie vor dem Könige ſelber die Knie beugen mußten. Nur Mardochäus, der nämliche Israelite, auf welchen Aman bisher bereits von wegen ſeiner gegen die beiden verſchworenen Königsmörder gemachten Anzeige, ſei es aus Neid wegen des dadurch von ihm bei dem Könige erlangten Ver⸗ 8* trauens oder gar aus Mit ſonderen Haß geworfen hatte, und entſchuldigte ſich gegen die durch ſeine ge⸗ Befolgung eines unmittelbaren königlichen Be⸗ die fußfällige Verehrung, machte Ausnahme in der fehls verwunderten Mithofb ſtehenden Vorſchriften ſeine wiſſenſchaft mit ihrem Verbrechen einen be⸗ — Mardochäus allein verweigerte Aman eamten, daß er als Jude durch die entgegen⸗ 8 göttlichen Geſetzes ſich von der Befolgung der königlichen Vorſchrift für hinreichend dispenſirt halte. In dem letzten dieſer Geſchichte angehörenden von Mardochäus ver⸗ faßten Decrete Weiſe geſagt, geweſen, welches mit der des Artarerxes Longimanus wird über Aman auffallender er ſei ſowohl von Geburt als Geſinnung ein Macedonier viel genaueren Angabe ſeiner eigentlichen amale⸗ kitiſchen Abkunft Esther 3, 1.) in Widerſpruch zu ſtehen ſcheint, und auch ſonſt im erſten Augenblick auffällt, damals noch viel zu un kannt geweſen ſein könn geſchichte 4. Bd. XXX, lich, indem er annimmt, uns erhaltene Decret d ein Wort gehabt haben chen und Macedonier zugleich bezeichnete, der Ueberſetzer wahrſcheinlich zu einer Zeit, weil die Macedonier als ein bedeutendes Volk in Perſien kaum gehörig be⸗ en. Stolberg in einer Anmerkung zur Religions⸗ 16. löſt uns dieſes letztere Räthſel ganz vortreff⸗ daß das nur in einer griechiſchen Ueberſetzung es Artaxerres in dem muthmaßlichen Grundterte dürfte, welches wie das hebräiſche Chittim, Grie⸗ aus welchem Grundwort dann in welcher die Macedonier unter Alexander des Großen Anführung den Orient bereits erobert hat⸗ ten, erſt den Ausdru ck Macedonier entnommen hat. Der Grundtert lautete demnach wahrſcheinlich:„von Geburt und Geſinnung ein Grieche,“ ein Ausdruck, durch welchen der auf dem bereits verurthellten und hin⸗ gerichteten Aman laſtende Abſcheu der Perſer ganz vortrefflich bezeichnet wird. Dürfte ſomit dieſe naheliegende Hypotheſe unſere Anſ prüche in jeder anderen Beziehung befriedigen, ſo braucht uns der ſcheinbare Widerſpruch in der Angabe der Ab verurſachen, indem der des ſchon bei ſtammung keine weitere erhebliche Schwierigkeit zu vielleicht in ſeiner Perſon allein noch übrige Reſt David's Zeiten landesflüchtig gewordenen amalekitiſchen Volkes im gewöhnlichen Leben nicht wohl anders, als von ſeinem der⸗ maligen Domicile ſcheint in konnte benannt werden. der That irgendwo in Griechenland gelebt, und ſein Sohn Amadathi, Aman's Vater, Aman gerade dort ſich die Bildung und ſonſtige erforderliche Fertigkeit, um ſich am Hofe des Artaxerxes inſinuiren zu können, weil er dort offenbar die beſte unte Aman hatte dieſe v zufällig nicht einmal ſelber mit eigenen Augen wahrgenommen. wachthabenden übrigen r allen Gelegenheiten dazu hatte, erworben zu haben. §. 676. Esther 3, 4. 5. on Mardochäus ihm verweigerte Ehrenbezeugung Erſt die königlichen Kriegshauptleute, welche theils aus Aerger, theils aus Leichtſinn die Charakterbeſtändigkeit des Mardochäus auf die Probe ſtellen wollten, machten ihn ausdrücklich darauf aufmerk⸗ l, in Gfabt dl Wſe del Mcet e Uährigen ühen. Iunn b. nichtſt Nunm f ſifi Uhche ung,! iſt ſ let lat Waäſuch Rche d 87 ſam, in Folge deſſen Mardochäus in der That genöthigt wurde, auf die Gefahr aller derjenigen unangenehmen Folgen hin, welche ſich natürlicher Weiſe davon erwarten ließen, durch ſeine unbewegliche Feſtigkeit, mit welcher er bei der nächſten Gelegenheit von dem allgemeinen Beiſpiele der Uebrigen eine Ausnahme zu machen fortfuhr, öffentliches Aufſehen zu erregen. Wohl mochte bei dieſer Gelegenheit Mardochäus den wüthenden Zorn bemerken, welcher ſich Aman's in dem nämlichen Augenblicke be⸗ mächtigte, ſchwerlich aber dachte er ſich die Art und Weiſe, auf welche Aman ſich an ihm zu rächen beabſichtigte. Lien mnl§. 677. Leint. u Esther 3, 6. 7. Mardochäus war durch ſein erworbenes Verdienſt um die Erhaltung der perſönlichen Sicherheit des Königs und durch die hinſichtlich ihrer Urſache dem Aman zwar unbekannte Gunſt der Königin Eſther befeſtigt genug, um die Rache Aman's auf dem gewöhnlichen Wege der Beſchwerde nicht ſonderlich fürchten zu brauchen. Eine deſto willkommenere Gelegen⸗ heit bot dem ränkeſüchtigen Amalekiter dieſer Vorfall, ſeine perſönliche Rachſucht durch eine hinterliſtige Intrigue auf das ganze im perſiſchen Reiche zerſtreut lebende Volk der Juden ausdehnen zu können. Schon war der Plan in ſeiner Seele vollkommen gereift, nur der Aberglaube hielt die Ausführung desſelben noch zurück, indem er den Tag, an wel⸗ chem es ihm gelingen müſſe, das ganze Volk der Juden gleichſam mit Einem Schwertſtreiche zu vertilgen, erſt durch das Loos ſeiner Wahrſager erfahren wollte. Der Tag, an welchem Aman in der Hoffnung einer glücklichen Erreichung ſeiner gottloſen Abſicht das Loos werfen ließ, war der 21. März des Jahres 3645, Artaxerxes zwölften Regierungsjahres. Das Loos fiel auf den 13. des Monats Adar, d. t. nach unſerer Zeit⸗ rechnung ungefähr der 3. März des darauffolgenden Jahres 3646. In dem gleichen Jahre 3645 ſtarb nach einer 30jährigen Amtsver⸗ waltung der jüdiſche Hohenprieſter Joakim. Ihm folgte ſein Sohn Eliaſib. (S. Prideaur Connerion 5. Buch adl ann. 453). CXLIX. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Der Hohenprieſter Eliaſib. Eſther. Esdra.(Fortſetzung.) §. 678. Esdra 3, 8. 9. Kaum war Aman hinſichtlich des Tages, den er zur Ausübung ſeiner Rache wählen wollte, mit ſich einig geworden, ſo ging er bei der nächſten 88 günſtigen Gelegenheit den König mit der Bitte an, ihm zur Vertilgung eines gewiſſen in ſeinem Reiche verbreiteten Volkes, deſſen Namen er ihm jedoch nicht nannte, die erforderliche Vollmacht ertheilen zu wollen, das er aber als ein ſowohl unter ſich ſelber in Zwietracht lebendes, als auch durch beſondere religiöſe Gebräuche von allen übrigen Unterthanen des Reiches verſchiedenes Geſchlecht ſchilderte, auf welche gottesdienſtlichen Ge⸗ bräuche hin ſie ſich ſogar über die Befolgung der königlichen Befehle hinausſetzten. Dieſer aufrühreriſche Uebermuth, ſtellte er dem Könige vor, dürfe nicht unbeſtraft gelaſſen werden, und verſprach ihm zugleich, bei dieſer Gelegenheit nicht weniger als 10,000 Talente aus der Ein⸗ ziehung des dieſem Volke gehörenden Vermögens für den Staatsſchatz herausſchlagen zu wollen. §. 679. Esther 3, 10— 15. cp- 13, 1—- 7. König Artaxerxes war nicht ſo habſüchtig, ſich durch die blendende Ausſicht auf einen ſolchen reichlichen Gewinn zu einer ſo grauſamen Maßregel beſtimmen zu laſſen, weßwegen er ſeinem bevollmächtigten Stell⸗ vertreter die in Ausſicht geſtellte finanzielle Ausbeute ſogleich von vorne⸗ herein als Privateigenthum zuſprach. Er war aber auf der anderen Seite nicht umſichtig genug, um in einer ſo wichtigen Angelegenheit zu ſeiner eigenen gewiſſeren Ueberzeugung genauere Rechenſchaft von dem angegebenen Thatbeſtande einzufordern, ſondern ließ ſich von dem über⸗ wältigenden Eindrucke des Augenblicks hinreißen, ohne Weiteres Aman zur Ausfertigung des betreffenden Decretes ſeinen Siegelring, den er an der Hand zu tragen pflegte, unbedachtſam anzuvertrauen. Das Decret wurde ungefähr den 3. April des gleichen Jahres durch die königlichen Schreiber ausgefertigt, des Inhalts, daß bis zum 3. März des künftigen Jahres diejenige Nation, welche Aman nennen würde— denn auch in dieſem Regierungsedicte iſt der Name der Juden keineswegs ausgedrückt— überall wo ſie ſich fände, zur Strafe ihrer Aufrührerei mit Weib und Kind ausgerottet werden ſolle— ein königlicher Befehl, welcher augen⸗ blicklich ſowohl in der Hauptſtadt Suſa ſelbſt öffentlich angeſchlagen, als auch in ſämmtlichen Provinzen des Reiches durch reitende Boten amtlich bekannt gemacht wurde. §. 680. Esther à, 1— 6. Die Nachricht von dem neuergangenen königlichen Erlaſſe rief unter den im perſiſchen Reiche wohnenden Juden, welche, obwohl nicht genannt, lung h ſN Mtel Ghſtt 0 J lier i zu Wuh Tun 0 Which Aüm ult Ayy e 89 doch recht wohl wußten, daß gerade ſie von Aman gemeint ſeien, begreif⸗ licher Weiſe eine maßloſe Beſtürzung hervor. Vor allen zeichnete ſich aber Mardochäus durch die Aeußerungen ſeiner Trauer aus, indem er mit zerriſſenem Gewande, das Haupt mit Aſche beſtreut, laut wehklagend durch die Straßen der Hauptſtadt einherging, und ſelbſt vor dem Ein⸗ gange des königlichen Palaſtes, den er jedoch in dieſem Traueraufzuge zu betreten dem Geſetze nach nicht wagen durfte, den Aeußerungen ſeines grimmigen Schmerzes freien Lauf ließ. Eſther, durch die davon ihr mitgetheilte Nachricht heftig erſchreckt, ließ ihm, nur um die Urſache dieſer plötzlichen Aenderung zu erfahren, ſogleich einen friſchen Anzug überſenden, den er aber anzunehmen ſich weigerte. So blieb ihr denn nichts übrig, als ihren Kämmerer, Athach mit Namen, ausdrücklich zu beauftragen, ſich von Mardochäus auf offener Straße die Urſache ſeines auffallenden Benehmens mündlich erzählen zu laſſen. §. 681. Esther à. 7— 14. Mardochäus machte dem Boten der Königin kein Geheimniß, weder aus dem auf Aman's Eingebung erfolgten königlichen Befehle, den er in Abſchrift demſelben mitgab, noch aus der auf was immer für einem Wege in Erfahrung gebrachten enormen Geldſumme, welche derſelbe dem Könige für die Erlaubniß zur Niedermetzelung der Juden in ſeine Schatz⸗ kammer einliefern zu wollen verſprochen habe. Deßwegen möge Eſther in dieſer dringenden Gefahr alles aufbieten, um auf eine möglichſt wirk⸗ ſame Weiſe ihre Fürbitte geltend zu machen. Eſther, durch dieſe gemachte Mittheilung heftig beſtürzt, ließ ihm nichts deſto weniger erwiedern, daß ſie bereits ſeit 30 Tagen nicht mehr vor den König gerufen, nicht einſehe, was ſie für den Augenblick thun könne, indem ein allbekanntes perſiſches Geſetz Jedermann ohne Ausnahme, der ſich ungerufen vor dem Könige blicken laſſe, zum Tode verurtheile, außer in dem Fall, daß der König ihm zum Zeichen ſeiner Milde die goldene Ruthe entgegenſtrecke. Aber Mardochäus ließ ſich durch dieſe Erwiederung nicht abſchrecken, ſondern ſeiner ehemaligen Pflegetochter vielmehr durch eine erneuerte Botſchaft die verhängnißvolle Thorheit an das Herz legen, welche ſie begehen würde, in einer ſolchen allgemeinen Gefahr des ganzen Volkes auf ihre eigene perſönliche Privatſicherheit überhaupt einen Werth zu legen. Würde ſie im gegenwärtigen Augenblicke ſchweigen, ſo ſagte er ihr voraus, daß das jüdiſche Volk deſſenungeachtet auf eine oder die andere Weiſe errettet wer⸗ den, ſie ſelbſt aber und ihres Vaters Haus zur Strafe ihrer Feigheit würde zu Grunde gehen. Es ſei ja nicht ſo ſehr undenkbar, daß Gott gerade zu dem Zwecke, um ſie als Werkzeug zur Errettung ſeines Volkes zu gebrauchen, ſie habe Königin werden laſſen. §. 682. Esther à, 15. 16. So wenig Zeit Eſther gegönnt war, ſich auf einen ſo hochherzigen Entſchluß vorzubereiten, ſo wenig bemerkt man, daß es denſelben zu faſſen ihr Mühe koſtete. Sie ließ ihren Pflegevater Mardochäus bitten, ſämmtliche Juden zu Suſa bei ſich zu verſammeln, und drei Tage und Nächte mit ihnen gemeinſchaftlich zu faſten. Sie ſelbſt verſprach das Nämliche mit ihren Kammerfrauen beobachten und darnach im Vertrauen auf Gottes Schutz auf die Gefahr des Todes hin, einen Beſuch beim Könige wagen zu wollen. CL. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Der Hohenprieſter Eliaſib. Eſther. Esdra.(Fortſetzung). §. 683. Esther à, 17. ep. 13, 8— ep. 13. Das uns aufbehaltene Gebet des Mardochäus, welches derſelbe ſo⸗ fort auf Eſther's Anweiſung in Gegenwart ſeiner zu gemeinſchaftlichem Faſten vereinigten Volksgenoſſen verrichtete, enthält eine vertrauensvolle Berufung an Gottes Allmacht, welcher, wenn Er Israel zu erretten be⸗ ſchloſſen habe, keine menſchliche Gewalt ohnehin zu widerſtehen vermöge. Dieſem Eingange folgt eine Betheuerung, daß er die gegen Aman vor⸗ geſchriebene Ehrenbezeugung nicht etwa aus trotzigem Uebermuthe, ſondern aus ernſtlicher Gewiſſensbedenklichkeit, um nicht gegen irgend ein gött⸗ liches Geſetz zu verſtoßen, unterlaſſen habe, worauf es mit der eindring⸗ lichen Bitte endigt, daß Gott unter dieſen Umſtänden das zu ſeinem Erbtheil erkorene Volk nicht verlaſſen möge. Zugleich betete Eſther in ihrem königlichen Gemache in dem Aufzuge einer Büßenden zu Gott, daß er die dem Volke Gottes zur Strafe auferlegte Knechtſchaft unter dem Joche eines abgöttiſchen Volkes nicht ſo weit kommen laſſen möge, daß die Ehre Seines Namens darüber in Vergeſſenheit geriethe. Deßwegen möge Gott ihr um ſo mehr die Gnade verleihen, die Befreiung ihres Mis d Kitacktet Arache du Mundo⸗ am on fihem! fruck, Klchee üittt, Mnätg b 0 fiftat Aug; uN K iu iſnt ſ 91 Volkes durchzuſetzen, je weniger ſie außerdem bisher an ihrer äußerlich betrachtet ſo glänzenden Lage in ihrem Herzen Gefallen gefunden habe. §. 684. Esther 5, 1— 5. cp. 15. Durch dieſes Gebet geſtärkt und durch eine nochmalige Botſchaft des Mardochäus in ihrem begonnenen Unternehmen angefeuert, legte Eſther am dritten Tage ihre Trauerkleider ab, und vertauſchte dieſelben mit einem königlichen Prachtanzuge, worauf ſie in Begleitung zweier Kammer⸗ frauen, auf deren eine ſie ſich ſtützte, deren andere indeß die Schleppe ihres Kleides tragen mußte, durch ſämmtliche Vorthüren hindurch in den Saal eintrat, deſſen Eingang gegenüber der König in ſeinem gewöhnlichen Prachtgewande in einer Niſche thronte, und für den Augenblick vielleicht etwas trübe gelaunt die eintretenden Frauen mit dem Ausdruck eines finſteren zornigen Blickes bewillkommte. Eſther ſchrak bei dieſer Beobach⸗ tung zuſammen und fiel in Ohnmacht. Dieß überzeugte, wie es ſcheint, den König, daß keine gewöhnliche weibliche Zudringlichkeit die Königin zu ihm geführt haben könne. In ängſtlicher Beſorgniß um ſie ſprang er vielmehr eilends vom Throne herab, und redete ſie, indem er ſie in ſeinen eigenen Armen hielt, auf liebreich freundlichſte Weiſe an, daß ſie ſich doch nicht fürchten und nicht glauben ſolle, als ob er das bekannte Geſetz auch nur im Entfernteſten auf ſie in Anwendung zu bringen be⸗ abſichtige. Kaum zu ſich gekommen, ſank ſie nach einigen Worten noch einmal in Ohnmacht, bis ſie endlich, nachdem ſie die entgegengeſtreckte Spitze der goldenen Ruthe geküßt hatte, von dem Könige zu freier Aeuße⸗ rung ihres Begehrens aufgemuntert, ſich das Herz faßte, ihn mit Aman zugleich auf heute Mittag zu Tiſch einzuladen, was ihr der König gerne bewilligte, und auch ſogleich an Aman Botſchaft abgehen ließ, er möge ſich bis zu der beſtimmten Stunde bei der Königin Eſther zur Tafel einfinden. 5 §. 685. Esther 5, 5—8. Artaxerxes und Aman trafen an dem gleichen Tage richtig als Gäſte bei der Königin ein, woſelbſt der König, nachdem er an Speiſe und Trank ſich hinreichend erlabt hatte, Eſther aufforderte, unumwunden ihre Bitte auszuſprechen, indem er ihr ſelbſt die Hälfte ſeines Königreichs zu geben, wenn ſie es wollte, ſich bereit erklärte. Eſther aber ließ ſich mer⸗ ken, es ſei der Gegenſtand ihrer Bitte zu wichtig, als daß ſie heute be⸗ reits die Faſſung habe, dieſelbe offenherzig vorzutragen, weßwegen ſie, wofern es dem Könige nicht ungelegen käme, ſich auf morgen noch ein⸗ mal von beiden Gäſten die Ehre und das Vergnügen ihrer Tafelgeſell⸗ ſchaft ausbat, bei welcher Gelegenheit ſie ihr eigentliches Bittgeſuch nicht weiter zurückhalten wolle— eine Bitte, deren Gewährung ihr ebenfalls von dem Könige bewilligt wurde. §. 686. Esther 5, 9— 15. Aman war auf dem Nachhauſewege außergewöhnlich fröhlich und heiter. Nur das Einzige ärgerte ihn wiederholt in doppeltem Grade, daß Mardochäus, während er durch den Haupteingang des Palaſtes hinausging, nicht allein wie bisher nicht fußfällig vor ihm niederfiel, ſondern nicht einmal zu gewöhnlicher Begrüßung von ſeinem Sitze auf⸗ ſtand. Dieſen ſeinen Verdruß klagte er, zu Hauſe angekommen, ſeiner Gemahlin Zares und ſeinen vertrauten Freunden, denen er übrigens nicht genug von ſeiner heute empfangenen Auszeichnung, daß er allein in Ge⸗ ſellſchaft des Königs bei der Königin Eſther zur Tafel geweſen, zu rühmen wußte, eine Ehre, welche er morgen noch einmal zu gewärtigen habe. Nur das Einzige quälte ihn alſo, den beſagten Juden Mardochäus als wachthabenden Kriegshauptmann im Thore des königlichen Palaſtes ſitzen ſehen zu müſſen. §. 687. Esther 5, 14. cp. 7, 9“ In dieſem eigenthümlichen Gemüthskummer gab Zares, Aman's Gattin und ſeine übrigen Freunde dem beleidigten Günſtling des Königs den Rath, nur einſtweilen ein Balkengeſtelle von 50 Ellen Höhe auf⸗ richten zu laſſen, und ſich morgen von dem Könige die Erlaubniß aus⸗ zubitten, den Juden Mardochäus daran aufzuhängen. Daß der König ihm dieſe Bitte allenfalls abſchlagen könnte, daran ſchien gar nicht zu denken, und auf dieſe Weiſe könne er doch ruhig des andern Tags mit dem Könige und der Königin zu Mittag ſpeiſen. Dieſer Vorſchlag fand bei Aman Gehör, weßhalb er augenblicklich einen Bauſtamm von 50 Ellen Höhe mit einem Querholze im Hofe ſeines Palaſtes errichten ließ. Ne Kbi Uähem Uuch k Wuigt Wiz feh glkite CLI. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Der Hohenprieſter Eliaſib. Eſther. Esdra.(Fortſetzung.) F. 688. Esther 6, 1—3. Die darauffolgende Nacht ereignete es ſich, daß der König keinen Schlaf finden konnte, weßwegen er, wach im Bette liegend, die Annalen des königlichen Hauſes herbeiholen und ſich zu ſeiner Unterhaltung daraus vorleſen ließ. Zufällig kam der Vorleſer an diejenige Stelle, in welcher die erwähnte Rettung des Königs aus der durch Verſchwörung ſeiner beiden Kämmerer Bagathan und Thares ihm drohenden Lebensgefahr durch die Treue des Mardochäus umſtändlich beſchrieben ſtand. Der König erkundigte ſich bei dieſer Gelegenheit, welche Belohnung dem Mar⸗ dochäus für dieſe verdienſtliche Handlung ertheilt worden ſei, und erfuhr zu ſeiner Verwunderung, daß eine beſondere belohnende Anerkennung dieſes geleiſteten Dienſtes bisher noch nicht ſtattgefunden habe. Dieſe zweckmäßig vernünftige Benutzung einer ſchlafloſen Nacht, und die im folgenden Paragraphen erzählte angelegentliche Sorge des Königs für die nachträgliche würdige Belohnung eines verdienſtvollen Unterthanen verdienen als ein beſonders edler Zug an dem Charakter des Artaxerxes Longimanus hervorgehoben zu werden. §. 689. Esther 6, 4. 5. Durch dieſe am perſiſchen Hofe ſonſt, wie es ſcheint, nicht übliche Vergeßlichkeit in der Belohnung erworbener Verdienſte der Unterthanen unangenehm berührt, fragte der König, ob nicht allenfalls im Warteſaal irgend einer ſeiner vertrauten Beamten, mit dem er ſich über dieſen Gegenſtand näher bereden könnte, vorhanden ſei? Aman war zugegen, welcher den Augenblick nicht erwarten konnte, bis er Gelegenheit zu einer Unterredung mit dem Könige bekam, in welcher er ſich die Erlaubniß zur Vollſtreckung des beabſichtigten Todesurtheiles gegen Mardochäus hätte verſchaffen können. Der König hatte nicht ſobald erfahren, Aman ſei zugegen, als er auch vorgelaſſen wurde. §. 690. Esther 6, 6— 9. Der König, welcher, wie Aman ſogleich beim Eintritte bemerkte, mit einer ihm dringend anliegenden Sache in ſeinen Gedanken beſchäftigt 94 war, legte Aman die Frage vor, was er in der Abſicht, um einen ver⸗ dienſtvollen Unterthan auf eine ſeinen höchſten Wünſchen entſprechende Weiſe zu ehren, ihm als König zu thun den Rath ertheile? Aman, der insgeheim bei ſich muthmaßte, daß keinem andern als ihm ſelber eine ſolche außerordentliche königliche Auszeichnung zugedacht ſein könnte, antwortete mit ſcheinbar gleichgültiger Geläufigkeit, daß ein Unterthan nicht hõher von dem Könige geehrt werden könne, als wenn er ihn in königliche Prachtgewänder gekleidet, ſein königliches Roß und ſeinen Sattel be⸗ ſteigen, ihm zugleich das königliche Diadem aufſetzen und durch einen der erſten Fürſten ihn zu Fuß durch die Straßen der Stadt hindurchführen ließe, der vor ihm ausrufen müſſe: Seht den Mann, dem der König Ehre zu erweiſen beſchloſſen hat. §. 691. Esther 6, 10. 11. Durch dieſe Antwort im höchſten Grade befriedigt, befahl ihm der König augenblicklich, die betreffenden Gegenſtände zu nehmen, und dieſe Ehre dem Juden Mardochäus, dem wachthabenden Kriegshauptmanne im Eingangsthor des königlichen Palaſtes, mit pünktlicher Sorgfalt perſön⸗ lich erweiſen zu wollen.— Was blieb Aman anders übrig, als dem königlichen Befehle Gehorſam zu leiſten, und zu einer ſo unerhörten könig⸗ lichen Auszeichnung eines Juden, den er über alle andere bis zum Tode haßte, ſich ſelber geduldig als Werkzeug herzugeben? §. 692. Esther 5, 12— 14. Kaum war Aman mit Mardochäus wieder an dem Eingangsthore des königlichen Palaſtes angelangt, als er nach vollendeter Beſorgung ſeines empfangenen Auftrages nicht mehr in den Vorſaal des königlichen Sprachzimmers, ſondern in vollkommenſter Beſtürzung mit bedecktem Haupte zum Zeichen ſeiner Betrübniß nach Hauſe eilte, und ſeiner Ge⸗ mahlin Zares, ſowie ſeinen übrigen Freunden und Rathgebern ſein Leid klagte. Seine Wahrſager erwiederten ihm, daß, wenn Mardochäus, deſſen ſteigende Gunſt in den Augen des Königs ſeinem bisherigen Glücke Ab⸗ bruch zu thun begonnen habe, von Abſtammung ein Jude ſei, er nichts gegen ihn ausrichten, ſondern vorausſichtlich rettungslos ganz durch ihn werde geſtürzt werden. Es blieb übrigens Aman nicht viel Zeit, über dieſe auffallende, alle ſeine bisherigen Pläne ſo ſchnöde durchkrenzende Wendung der Umſtände ſich leidenſchaftlichen Betrachtungen hinzugeben, em di At gute Aiictete get 558 Hühlz In 9 ft an f, u Mlinunt it 0. 1 li Müuf ſitt. ſün fn 95 indem die Kämmerer des Königs ſchon bereit ſtanden, ihn, wenn nicht mit gutem Willen, wenigſten gerichteten Tafel der Königin s mit Gewalt begleitend, zur bereits an⸗ mit ſich fortzuführen. Die nach Erzählung des Paragraphen dem Aman von ſeinen Wahr⸗ ſagern gegebene Antwort iſt ein zu mehreren bereits hervorgehobenen hinzukommendes auffallendes neues Beiſpiel, wie oft heidniſcher Aber⸗ glaube und Wahrſagerei au ch mit einer gelegentlich richtigen, im letzten Grunde auf wahrer Offenbarung ruhenden Einſicht verknüpft ſein kann. Vergleiche das Beiſpiel der (ſ. Anmerkung zu§. 42.), egyptiſchen Zauberer Jannes und Jambres des Propheten Balaam(§§. 90— 92.) und das muthmaßliche des Zoroaſter(ſ. Anmerk. zu§. 657.). Die griechi⸗ ſchen und egyptiſchen Orakel, welche um die Zeit der Geburt Chriſti be⸗ kanntlich alle verſtummten, Beweiſe ihrer höheren Einſi haben nicht allein zahlreiche unwiderlegliche cht in den Gang der Weltgeſchichte überhaupt gegeben, ſondern ſollen ſämmtlich um den angegebenen Zeitpunkt auch mit einer Weisſagung auf Chriſtus und die chriſtliche Religion ihre Thätigkeit geſchloſſen haben. ſammenklange der vorausſe beruhenden unächten Offen ſamſt überzeugende factiſche einer geſchichtlich wirklichen zogen werden. Aus dieſem unleugbaren geſchichtlichen Zu⸗ tzungsweiſe ächten mit der auf Verfälſchung barung wird vielleicht noch einmal der wirk⸗ Beweis für das nothwendige Vorhandenſein übernatürlichen Offenbarung überhaupt ge⸗ CLII. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung). Der Hohenprieſter Eli aſib. Eſther. Esdra.(Fortſetzung). §. 693. Esther 7, 1— 4. Nachdem der König heute zum zweiten Mal mit Aman zugleich bei der Königin gegeſſen und getrunken hatte, erſuchte er Eſther wiederholt, ihm den Gegenſtand ihrer Bitte auszudrücken, indem er ihr alles, was ſie von ihm verlange, zu ge ſie, wofern es der König gut meinung nicht entgegenſtehe, u um ihr Leben zu bitten habe und Verwegenheit ihres Feind Gut wäre es noch, fügte ſie bei, wenn ſie doch wenigſtens als Sclaven verkauft würden, in welchem hätte. Nun ſeyen aber die Sachen ſo weit gekommen, daß ihr Wider⸗ ſacher ſich kein Gewiſſen daraus mache, unter treuloſem, noch dazu zum offenbaren Schaden des Reiche währen bereit ſei. Eſther antwortete, daß aufnehme, und es ſeiner ſonſtigen Willens⸗ m weiter nichts, als für ſich und ihr Volk „ indem dasſelbe bereits durch die Bosheit es ſo gut wie verkauft und verrathen ſei. Falle ſie ſich noch nichts zu ſagen getraut s ausſchlagenden Mißbrauche ſeiner Amts⸗ gewalt, die er von dem Könige ſelber empfangen, ſogar ein ganzes ihm treuergebenes, fleißiges und wohlhabendes Volk bis auf den letzten Mann ausrotten und vom Erdboden vertilgen zu wollen. §. 694. Esther 7, 5— 7. Ganz erſtarrt vor Zorn fragte Artaxerxes, wer denn derjenige Menſch ſei, der ſich ſo etwas in ſeinem Reiche unterſtehen könne? Eſther ant⸗ wortete: Niemand anders als dieſer gegenwärtige nichtswürdige Aman. Dieſe plötzliche Enttäuſchung über den Charakter eines Mannes, dem der König bisher ſo viel Vertrauen geſchenkt hatte, durch das verſtummende Erbleichen Aman's zur beſtätigten Gewißheit erhoben, war für Artaxerxes zu grell empfindlich, als daß er ſogleich ſich hätte zu faſſen wiſſen, weß⸗ wegen er, Aman mit Eſther allein laſſend, aufſtand und auf einige Augen⸗ blicke in den anſtoßenden Garten luſtwandeln ging, um die allzu heftige Aufwallung in der friſchen Luft ein wenig verkühlen zu laſſen. §. 695. Esther 7, 7. 8. Kaum war der König aus Aman's Augen, als dieſer Letztere nun⸗ mehr bereits das Aergſte fürchtend, ſich aus nothgedrungener Beherztheit ebenfalls aufrichtete, und Eſther, von deren Herzensgüte er allein noch eine Rettung hoffte, fußfällig um ihre Fürſprache zur Erhaltung ſeines Lebens anrief, eine Zudringlichkeit, welche Eſther, um die Heftigkeit eines Auftrittes, deſſen Herbeiführung ihr ohnehin bereits die größten Opfer der Selbſtüberwindung gekoſtet hatte, nicht unnöthiger Weiſe zu ſteigern, ſich geduldig ſtillſchweigend mußte gefallen laſſen. Was ſie aber ſelbſt nicht beabſichtigte, das bewirkte der unerwartete neue unwiderſtehlich heftige Gemüthseindruck, welchen der ſoeben erſt einigermaßen wieder be⸗ ruhigte König in dem Momente, wo er aus dem Garten in den Speiſe⸗ ſaal wieder eintrat, bei dieſem Anblicke empfangen mußte, von welchem übermannt, er Aman gar erſt für frech genug erachtete, ſich ſelbſt nach ſeiner Entlarvung noch an der Königin, überdieß in ſeiner Gegenwart in ſeinem eigenen Königspalaſte perſönlich vergreifen zu wollen. Kaum hatte dieß der König geſagt, als auch die anweſenden Kämmerer ſich beeilten, Amaw's Antlitz, damit ihn der König nicht mehr im Geſicht habe, mit Tüchern zu bedecken. Aus der im Paragraphen erzählten Handlung Aman's ziehen wir unſeren ſchlagendſten Rechtfertigungsbeweis für den tadelloſen Charakter der K nilet fit Aſtet üintt Mig kont Iu. ſigt 0 9 An, Michen Achen le mißſche nuheh N5 Kt 0 1 A de eimt Lähe; Vunt Un frt Giche f datl 0 Il 90 der Königin Eſther überhaupt, gegen welche, wäre ihm der aufrichtig mitleidige Grund ihres Gemüthes nicht allzu zweifellos bekannt geweſen, er ſich eine ſolche Frechheit nicht würde unterſtanden haben. Aus keinem anderen Grunde, als eben, weil ſie der ſprechend lebendige Ausdruck eines liebenden Gemüthes war, kann ſie natürlicher Weiſe auch ſchon Artaxerxes ihren ſämmtlichen Mitbewerberinen um die perſiſche Königs⸗ krone vorgezogen, aus keinem anderen auch ſchon der Kämmerer im Jungfrauenpalaſte, wie Esther 2, 8. 9. erzählt wird, beſonders begün⸗ ſtigt haben. §. 696. Esther 7, 9. 10. In dieſem Augenblicke fiel einem der anweſenden königlichen Käm⸗ merer, Harbona mit Namen, zufällig der 50 Ellen hohe Galgen bei, welchen Aman erſt geſtern für Mardochäus in ſeinem Hauſe hatte zurecht richten laſſen, von dem er ſich die Freiheit nahm, in der gegenwärtigen maßloſen Aufregung des Königs eine kurze gelegentliche Erwähnung zu machen. Kaum hatte der König davon vernommen„als er auch Befehl ertheilte, Aman ſelber daran aufzuhängen. Dieß geſchah, worauf ſich des Königs Zorn wieder zur Ruhe legte. In dieſer eigenthümlichen Wendung der Umſtände, daß Aman gerade an dem nämlichen Galgen, an den er Mardochäus aufzuknüpfen im Sinne hatte, ſelber ſo plötzlich ſein, wir dürfen wohl urtheilen, verruchtes Leben enden mußte, liegt eine unverkennbare Ironie der Vorſehung, deren Beimiſchung uns bei einem auch noch ſo tragiſch ernſten Ereigniſſe nicht allzu empfindſam berühren darf. Dieſe Löſung des Knotens iſt ſelbſt für unſere moderne Empfindungsweiſe eine immer noch in weit höherem Grade erträglichere, als wenn Artaxerxes, was unter andern Umſtänden ſich doch wenigſtens ebenſo leicht hätte ereignen können, den elenden Heuchler in Eſther's Gegenwart eigenhändig erſtochen hätte. CLIII. Perſiſche Landeshoheit. Cortſetzung.) Der Hohenprieſter Eliaſib. Eſther. Esdra.(Fortſetzung.) §. 697. Esther 8, 1— 8. Nachdem an dem gleichen Tage Eſther das Haus Aman's von dem Könige zum Geſchenke erhalten hatte, Mardochäus aber, welchen ſie fetzt erſt dem Könige als ihren Oheim nannte, an Aman's Stelle zum Be⸗ wahrer des königlichen Siegelringes ernannt worden war, blieb denſelben nichts deſto weniger es noch immer als eine drückende Sorge übrig, den unter Aman ergangenen königlichen Befehl zur Unterdrückung der jüdiſchen Krafft, heil. Geſchichte. 11. 7 98 Nation in ſämmtlichen Provinzen des perſiſchen Reiches auf irgend eine ſttetr ſchickliche Weiſe außer Kraft zu ſetzen. Eſther ward dadurch veranlaßt, in hte noch einmal durch einen ungerufenen Eintritt in das königliche Sprach⸗ 6 Probe zu ſtellen. Artaverres nahm Unn zimmer die Gunſt des Königs auf die jedoch ihren wiederholten Beſuch nicht allein nicht übel, ſondern ermächtigte ſogar in ihrer Gegenwart Mardochäus, ein mit ſeinem königlichen Siegel verſehenes zweites Rundſchreiben, um den Inhalt des erſten ſo ſchleunig als möglich zu entkräften, nach ſeinem beſten eigenen Gutdünken abgefaßt und ausgefertigt in Umlauf zu ſetzen. §. 698. Esther 8, 9— 13. op. 16. 15 Das zweite in dieſem Betreffe erlaſſene königliche Edict, deſſen um⸗ l w ſtändliche Ausfertigung und getreue Ueberſetzung in ſämmtliche in den unf verſchiedenen Provinzen des Reiches übliche Landesſprachen nicht weniger n. als eine Zeit von ungefähr zwei Monaten, bis gegen den 14. Juni des 2 lů gleichen Jahres 3645 in Anſpruch nahm, erhielt nach einer entſchuldigen⸗ ngl den Einleitung über die große Gefahr der Täuſchung, welcher wohl⸗ fün ſhme, Seite ränkeſüchtiger Regierungsbevollmächtigten be⸗ fihe l geſinnte Fürſten von eine förmliche amtliche Anzeige über die an Aman, ſtändig ausgeſetzt ſeien, 1 als einem entlarvten Verräther, welcher in ſchnöder Undankbarkeit für die Whs N0 gaſtliche Aufnahme, die er als Fremdling am perſiſchen Hofe gefunden, ſogar ſo weit gegangen ſei, das perſiſche Reich in fremde Hände ſpielen ln zu wollen, vollzogene Todesſtrafe, in Verbindung mit welcher Anzeige Waſ der König auch den unter Aman gegen die Juden, als eine mit durchaus ungerechten Beſchuldigungen überhäufte Nation, erlaſſenen Ausrottungs⸗ befehl einfach wieder zurücknahm. Ingleichen wurde den Juden durch gegen⸗ wärtiges Decret nicht allein unbedingte Freiheit zu fortgeſetzter Beobach⸗ tung ihrer religiöſen Gebräuche ausdrücklich auf's Neue gewährleiſtet, 10 ſondern zugleich die Freiheit ertheilt, auf den nämlichen 3. März des folgenden Jahres, auf welchen ihre Vertilgung war anberaumt worden, ſich in den einzelnen Städten, in welchen ſie zerſtreut lebten, in bewaff⸗ N neten Schaaren zu verſammeln, und ihre ſämmtlichen als erklärte Wider⸗ i ſacher ihnen bekannten Feinde und Verfolger mit Weib und Kind zu⸗ uſhn ſammt der Beraubung ihres Vermögens aus dem Wege zu räumen. Am ith Schluſſe des erwähnten Edictes wird ihnen ſogar erlaubt, den nämlichen W. 3. März, an welchem ihr Untergang beſchloſſen war, zur Feier ihrer Nn Errettung feſtlich zu betehen, und ſämmtlichen Städten und Provinzen wißt 99 bei ſchwerer Strafe angedroht, den anzuordnenden Feſtlichkeiten der Juden kein Hinderniß in den Weg zu legen. Der 18. Vers des 16. Capitels des Buches Eſther in der lateiniſchen Ueberſetzung der Vulgata enthält einen kleinen Anachronismus, indem laut den Worten desſelben nicht bloß Aman's, ſondern auch ſeiner Söhne Leichen als am Pfahle aufgehangen darin erwähnt werden, während die Aufhängung der zuvor erſchlagenen Söhne Aman's(vergl.§. 701.) erſt im nächſten Jahre darauf ſtattfinden konnte. Dieſe Worte haben ſich wahrſcheinlich durch einen Abſchreibefehler in den Text eingeſchlichen. §. 699. Esther 8, 13— 17. Das den durch Aman erlaſſenen Mordbefehl widerrufende königliche Edict wurde gleich jenem augenblicklich ſowohl durch öffentlichen Anſchlag in der Reſidenzſtadt Suſa, als durch reitende Boten in ſämmtlichen Pro⸗ vinzen des Königreichs bekannt gemacht, und nicht allein bei den dabei am nächſten betheiligten jüdiſchen, ſondern auch bei der weitaus über⸗ wiegenden Mehrheit aller ſonſtigen perſiſchen Unterthanen mit ſo ent⸗ ſchiedenem Beifall aufgenommen, daß der unwillkührliche tiefere Gemüths⸗ eindruck, welchen eine ſo merkwürdige vorſehungsvolle Fügung der Um⸗ ſtände hinterließ, ſogar viele einzelne Uebertritte anderer Volks⸗ und Religionsangehörigen zur israelitiſchen Glaubens⸗ und Bundesgemeinſchaft zur Folge hatte. In der Hauptſtadt Suſa wurde die auf Mardochäus gefallene perſönliche Wahl zu Aman's Amtsnachfolger mit beſonderem Wohlgefallen der Einwohner begrüßt. CIV. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Det Hohenprieſter Etiaſib. Eſther. Esdra.(Fortſetzung.) §. 700. Esther 9, 1— 10. 16. Da die jüdiſche Nation in der damaligen ungeheueren Ausdehnung des perſiſchen Reiches ſehr viele mächtige Feinde zählte, ſo konnte es trotz der ſchleunig angeordneten Maßregeln zur Verbreitung des widerrufenden köntglichen Ediets nicht fehlen, daß dieſe Letzteren zumal in größerer Ent⸗ fernung von der Hauptſtadt ſich des noch unter Aman erlaſſenen, in friſchem Andenken ſtehenden Mordbefehls zum Untergange der Juden wenigſtens in ihrer nächſten Umgebung zu bedienen in Folge welcher feindſeligen Geſinnung bei einer durch gegenſeitige Reibungen immer höher ſteigenden Erbitterung ein endliches blutiges Zerwürfniß zwiſchen den in Parteien geſchiedenen Unterthanen für den kommenden 3. März des folgenden Jahres 3646 zu den nicht mehr menſchlich zu vermeidenden Dingen gehörte. Die perſiſchen Satrapen und ſonſtigen Provinzialbehörden verhielten ſich im Ganzen begreiflicher Weiſe neutral, doch ſo, daß ſie ſchon aus Furcht vor dem täglich ſteigenden Anſehen des Mardochäus überall, wo es nöthig war, die Sache der Juden mittelbar zu unterſtützen ſich befliſſen zeigten, ſo daß den Juden der Ruhm der Tapferkeit ungeſchmälert bleibt, an dieſem Tage in einer furchtbaren Schlacht ihre ſämmtlichen Feinde in allen Theilen des Reichs ſiegreich überwunden und nicht weniger als 75,000 derſelben, unter denen 500 allein in der Hauptſtadt Suſa, und unter dieſen wiederum ſämmtliche zurückgelaſſenen Söhne Aman's, deren Namen ausdrücklich aufgeführt werden, getödtet zu haben, jedoch ſo, daß ſie von der ihnen zugleich aus⸗ drücklich ertheilten Erlaubniß zur Plünderung auch nicht den geringſten Gebrauch machten. Daß die Juden von der ihnen geſetzlich ertheilten Erlaubniß, die Häuſer ihrer erſchlagenen Feinde zu plündern, ausdrücklich und abſichtlich keinen Gebrauch machten, iſt nicht allein das Zeichen einer lobenswerthen Mäßigung überhaupt, ſondern auch ein Beweis dafür, daß ſie ihre ge⸗ waltſame Selbſthilfe als gerechte RNothwehr und nicht als aus irgend einer Art von entfernter Rachſucht hervorgehend wollten betrachtet wiſſen. §. 701. Esther 9, 11—18. Der König, welcher ſeine an dieſem, nach unſeren heutigen Begriffen freilich barbariſch zu nennenden Ereigniſſe gehegte, jedoch auf unge⸗ heuchelter aufrichtiger Theilnahme beruhende Herzensfreude nicht verbergen konnte, fragte, nachdem er ſich die Zahl der zunächſt in ſeiner Hauptſtadt an dieſem Tage erſchlagenen 500 Judenfeinde ſich hatte berichten laſſen, die Königin, was er im Hinblicke auf einen ſo augenſcheinlichen Beweis ſeiner unparteiiſchen Gerechtigkeitsliebe noch weiter zu ihrer deſto völlige⸗ ren Genugthuung hinzufügen könne? Dieſe natürlicher Weiſe keine kleine Gewiſſensverlegenheit mit ſich führende Frage erwiederte die dadurch jedoch nicht im mindeſten aus der Faſſung gebrachte Eſther mit der beſcheidenen Bitte, Artaxerrxes möge, um ſeine Gnade voll zu machen, die den Juden an dem heutigen Tage gewährte Erlaubniß für die Hauptſtadt Suſa auch noch auf morgen ausdehnen, und die Leichen der erſchlagenen zehn Söhne lutt Alltke! hun Gl beit 90 1 00 leht Jun 1 lüche uähn U W f en. lol Ane Aihn dlen Kent In kun wiſt ſet Uiſe Aum ſt Ualh Aman's öffentlich laſſen an den Pfahl hängen. Auch in dieſe letzte Bitte willigte der König von ganzem Herzen ein, in Folge deſſen auf den fol⸗ genden Tag noch 300 weiter erſchlagene Feinde der Juden zu den geſtrigen 500 hinzukamen. Die eigenthümliche Art und Weiſe, auf welche Eſther die dargebotene Gelegenheit zu weiterer Ausdehnung der den Juden eingeräumten Frei⸗ heit der Selbſtvertheidigung benutzte, kann in jedem Falle nur unter Berückſichtigung aller Zeitumſtände billig beurtheilt, und verdient deß⸗ wegen keineswegs ſo voreilig, als von vielen geſchieht, ihr zum Schaden gedeutet und als Zeichen einer blutdürſtigen Geſinnung von ihrer Seite betrachtet zu werden. Daß nach Aman's Ableben eine mächtige den Juden feindliche Partei, deren gänzliche Vertilgung ihr als Königin ſchon aus politiſchen Gründen am Herzen liegen mußte, im Reiche übrig ge⸗ blieben, wird gewiß Niemand unwahrſcheinlich finden. Es fragt ſich daher eigentlich nur, ob und in wiefern ſie über dieſe blutige Wendung der Dinge einer verkehrten Schadenfreude in ihrem Herzen Raum ge⸗ geben, oder ſich derſelben enthalten habe? Einen thatſächlichen Beweis dafür, daß ſie überhaupt über den Fall ihrer Feinde Schadenfreude empfunden, wird man aus ihrer dem Artaxerxes vorgelegten wieder⸗ holten Bitte, und ſelbſt aus dem Verlangen, daß auch die Leichen von Aman's Söhnen an den Pfahl gehängt werden möchten, noch nicht ent⸗ nehmen können, ſondern höchſtens nur ſo viel daraus herleiten, daß ſie einen gewiſſen vollen Antheil an der Verantwortlichkeit für dieſe an⸗ geordnete Regierungsmaßregel ebenfalls zu übernehmen ſich bereit zeigte. Nun hatte ſie aber auch, um dem Könige ein ſolches Zeichen ihrer voll⸗ kommenen inneren Uebereinſtimmung mit ſeiner beobachteten Handlungs⸗ weiſe zu geben, eine nächſtliegende dringende Veranlaſſung, indem, hätte ſie auf ſeine ihr vorgelegte Frage irgend eine auch nur mindeſte Ge⸗ wiſſensbedenklichkeit etwa derart als:„es ſei nun genug, und er möge nunmehr dem ſchrecklichen Blutbade Einhalt thun,“ durchblicken laſſen, ſie dadurch nicht allein unfehlbar den König, der auf eine ſolche Be⸗ merkung gar nicht gefaßt war, im höchſten Grade beleidigt, ſondern auch die ſo mühſam errungene rechtliche Sicherheit ihres Volkes dem nächſten feindſeligen Angriffe auf's Neue bloßgeſtellt hätte. Wir glauben daher die von Eſther gegebene Antwort durch den Grundſatz:„zwiſchen zwei Uebeln wähle das vorausſichtlich kleinere“ nicht allein vollkommen rechtfertigen zu können, ſondern es ſcheint uns auch ebenſo ungeſchickt als unbillig, antike Verhältniſſe nach modernen oft übertrieben ſentimen⸗ talen Begriffen richten, und eine ſoeben aus dem Serail zur Königin erhobene jüdiſche Gefangene für die damals geltenden politiſchen Admini⸗ ſtrativgrundſätze des perſiſchen Reiches verantwortlich machen zu wollen. Ueberdem ergreifen wir die Gelegenheit, den denkenden Leſer wiederholt auf den verkehrten Ausgangspunkt aufmerkſam zu machen, von welchem aus, wie wir glauben, die ganze über Eſther ergehende Ungunſt ihren Urſprung genommen hat, auf jenen unwillkührlichen Zirkelſchluß, der ſich allenfalls in folgenden beiden Fragen und Antworten deutlich veran⸗ ſchaulichen läßt: Frage 1. Warum war Eſther ein grauſames und blutdürſtiges Weib? Antwort: Weil ſie mit der Königin Hameſtris Eine und die 10 nämliche Perſon iſt. Frage 2. Warum iſt Eſther mit der Königin 100 Hameſtris Eine und die nämliche Perſon? Antwort: Weil ſie im Buche Eſther als ein ebenſo grauſames und blutdürſtiges Weib wie Hameſtris uft bei Herodot geſchildert wird!— §. 702. de! Esther 9, 18— 32. p. 10. U An dieſem nämlichen Tage, dem 4. März 3646 nach Erſchaffung der Welt, wurde nach vollendeter Wiederherſtellung der jüdiſchen National⸗ 1 ſicherheit im perſiſchen Reiche in ſämmtlichen Provinzen desſelben das im erwähnten letzten königlichen Edicte bewilligte Freudenfeſt gefeiert, deſſen feierliche Abhaltung für die Hauptſtadt Suſa wegen des fortgeſetzten Kampfes erſt am darauffolgenden 5. März nachgeholt wurde. Zugleich J0 f wurden dieſe beiden Tage von Mardochäus und Eſther für alle Zukunft unter dem Namen des Purimfeſtes, d. h. das Feſt der beiden Looſe zu gebotenen Feiertagen erhoben. Der Name Purim rührt theils von dem zufälligen Umſtande her, daß der Tag zur beſchloſſenen Niedermetzelung 9 der Juden, welcher darnach gerade der Tag ihrer Befreiung wurde, in ufi Folge von Aman's abergläubiſcher Behutſamkeit durch das Loos beſtimmt bami worden war. Die andere damit in Verbindung ſtehende weit wichtigere Gtle Urſache iſt jedoch, daß Mardochäus jetzt erſt nach vollendeter Begebenheit nh darin die Erfüllung jenes vor eilf Jahren gehabten Traumes(eergl. üm §. 658. erkannte, in welchem ihm das Schickſal des Volkes Gottes auf ſtnüin der einen, dasjenige der demſelben feindlich gegenüber geſchaarten übrigen W Völker auf der anderen Seite gleichſam wie der ungewiſſe Ausfall zweier Mk; geworfenen Looſe als einer gefährlichen Entſcheidung entgegengehend ges Ifig offenbart worden war. Unter den beiden Schlangen, welche im Anfange Ig jenes Traumes miteinander im Zweikampf begriffen waren, erkannte er bun ſt ſich ſelber und Aman. Die kleine Quelle aber, welche zu einem großen u Strom erwachſend das Volk Gottes beſchützen ſollte, war Eſther, welche Iüm zuvor eine unbekannte jüdiſche Jungfrau, von Artaxerxes zur Königin luuch h 6 10 erhoben worden war. Der Verfaſſer des Buches Eſther iſt wahrſcheinlich kein anderer als Mardochäus ſelbſt, von welchem wenigſtens ausdrücklich bemerkt wird, daß er den Verlauf dieſer ſämmtlichen Begebenheiten um⸗ ſtändlich aufgezeichnet, zugleich mit der erwähnten Anordnung des jähr⸗* lich zu feiernden Purimfeſtes unter allen Juden des perſiſchen Königreiches n habe verbreiten laſſen. t, Wt Die zu einer der unwiderleglichſten Beglaubigungen der geſchichtlichen mih Wahrheit des Buches Eſther dienende Feier des Purimfeſtes iſt bekannt⸗ E lich noch heute bei den Juden in Gebrauch.— Wir zählen Mardochäus und Eſther, von deren ferneren Lebensgeſchichte uns nichts weiter bekannt iſt, unbedingt zu den hervorragendſten ſittlichen Erſcheinungen, welche auf dem Boden der altteſtamentlichen Geſchichte erwachſen ſind. Es kann Eſther recht wohl die nämliche Königin ſein, welche im 1. Capitel des 2. Buches Esdra(ſ.§. 706.) vorkömmt. In dieſem Falle ſcheint ſie die Mutter Kerxes' II. geweſen zu ſein, welcher, nachdem ſeine beiden Eltern Artaxerres und die Königin an Einem Tage geſtorben waren, die Regierung zwar antrat, aber nach 45 Tagen von ſeinem Halbbruder Sogdianus erſchlagen, bereits ebenfalls mit Tod abging.(S. Prideaur ad ann. 424.) CLV. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Ler hohenprieſter Eliaſib. Esdra.(Fortſetzung.) Nehemias. §. 703. 2. Esdra 1, 1— 3. 11. Im zwanzigſten Regierungsjahre des Königs Artaxerxes Longimanus, ungefähr Ende November oder Anfang Dezember des Jahres 3652, kam Hanani, einer der zu Jeruſalem wohnenden Leviten von prieſterlichem Geſchlechte in Begleitung anderer Juden auf einer, unbekannt in welcher Angelegenheit unternommenen Reiſe, glücklich in Suſa an, und ſtattete ſeinem am Hofe des Königs in der Eigenſchaft eines königlichen Mund⸗ ſchenken angeſtellten Vetter mit Namen Nehemias einen gelegentlichen Beſuch ab. Nehemias erkundigte ſich angelegentlich nach der Lage der Dinge zu Jeruſalem, erfuhr aber zu ſeinem ebenſo großen Leidweſen als zu ſeiner Ueberraſchung, daß die Nationalwohlfahrt der zurückgekehrten Juden im Ganzen ſich noch auf einer ſehr niederen Stufe befände, in⸗ dem ſie bei ihren Nachbarn noch immer in großer Verachtung ſtünden, und die Stadtmauern und Thore Jeruſalems fortwährend in dem näm⸗ lichen verſchütteten und verbrannten Zuſtande dalägen, in welchen ſie durch die Einnahme der Chaldäer verſetzt worden ſeien. §. 704. 2. Esdra 1, 4— 11. Der niederſchlagende Eindruck, welchen dieſe Schilderung der gegen⸗ wärtigen Zuſtände Jeruſalems auf das Gemüth des Nehemias hervor⸗ brachte, war kein bloß oberflächlich vorübergehender, ſondern bewirkte viel⸗ mehr eine dauernde tiefer wurzelnde Seelenbekümmerniß, welche ſich in demüthigen Bußübungen und anhaltendem Gebete zu Gott um endliche 3 Erfüllung ſeiner Verheißungen in Beziehung auf die vollſtändige Wieder⸗ herſtellung der israelitiſchen Nationalwohlfahrt thatſächlich zu erkennen gab. Insbeſondere rief er Gott um gnädigen Beiſtand für ſein beabſich⸗ tigtes Unternehmen an, durch eigene perſönliche Verwendung bei dem perſiſchen Könige ſelber etwas zur ſchnelleren Erfüllung der gegebenen Weisſagungen mit beitragen zu dürfen. §. 705. 2. Esdra 2, 1— 3. 6. Soviel Muth und Hoffnung Nehemias auch im Gebete geſchöpft haben mag, ſo ſichtbar war nichts deſto weniger ſein Aeußeres angegriffen, ſo daß Artaxerres im März oder Anfang April des folgenden Jahres 3653 ihn in Gegenwart der Königin ernſtlich darüber beredete, und aus ſeinem üblen Ausſehen ſogar nichts Geringeres als geheim gehaltene ver⸗ dächtige Anſchläge bei ihm folgern wollte. Glücklicher Weiſe behielt Nehemias, trotz ſeines durch den Verdacht des Königs erzeugten heftigen Schreckens Faſſung genug übrig, mit anſcheinend unbefangener Geläufig⸗ keit dem Könige die wahre Urſache ſeines Gemüthsleidens offen heraus⸗ zuſagen, und ihm den verwahrloſten Zuſtand Jeruſalems, der Grabſtätte ſeiner Väter, in ſo eindringlicher Klage vorzuſtellen, daß er dadurch den gefaßten Argwohn des Königs wieder zu zerſtreuen das Glück hatte. §. 706. 2. Esdra 2, 4— 6. Artaxerxes, durch die beredte Klage ſeines Mundſchenken zum Mit⸗ leiden umgeſtimmt, ging unmittelbar dazu über, ihm bei der nämlichen Gelegenheit vielmehr die Freiheit zu verſtatten, ſich einen beliebigen Be⸗ weis ſeiner königlichen Gunſt zu leichterer Erfüllung ſeines Wunſches auszubitten. Mit einem kurzen Aufſchwunge ſeines Gemüthes im Gebete zu Gott bat Nehemias ſich von dem Könige die Gunſt aus, mit ſeiner gnädigen Bewilligung und in ſeinem beziehungsweiſen Auftrage eine Reiſe nach Judäa zu endlicher Wiederherſtellung der Mauern und Thore Jeru⸗ ſalems antreten zu dürfen. Der König und die Königin fragten ihn, wie lange er auszubleiben Willens ſei, worauf er ihnen eine beſtimmte Friſt angab, auf welche hin der König ſeine geneigte Einwilligung zu Nehemias Vorſchlag nicht länger zurückhielt. §. 707. 2. Esdra 2, 7. 8. op. 5, 14. cp. 10, 1. Nachdem der König ihm einmal die Erlaubniß zur Reiſe gegeben, benutzte Nehemias den günſtigen Augenblick, um ſich von demſelben auch f el Khiche Shlllbe I1 8 näb I1 W eint der ih I6 Ahaft 51 00 50 In 1tf. I19 Hts h. Mfit W n U ibſe h g Aeke! Wuunn 1 f 0 8 In 01 —3 einen allerhöchſten Geleitsbrief an die perſiſchen Provinzialverwaltungs⸗ behörden jenſeits des Fluſſes Euphrat, ſowie ein weiteres königliches Schreiben an einen gewiſſen Aſſaph, den damaligen Verwalter der könig⸗ lichen Forſten in Paläſtina zu dem Endzwecke auszubitten, um aus den benachbarten Waldungen das erforderliche Bauholz für die zu errichten⸗ den Thüren und Mauern mitſammt ihren nothwendigen Bedeckungen ge⸗ liefert zu erhalten. Auch hierin ließ ſich der König nicht vergeblich bitten, der ihn durch ſeine ihm mitgegebenen Vollmachten zugleich zu der Würde eines perſiſchen Landpflegers über die jüdiſche Nation„ eines ſogenannten Atherſatha(vergl.§. 631.) zu erheben die Gnade hatte. Mit der Würde eines Atherſatha war unter andern, wie aus 2. Esdra 5, 15. hervorgeht, das Recht zur Erhebung verſchiedener Emolumente aus der betreffenden Provinz verbunden, von welchen Rechten Nehemias jedoch, wie aus der Folge der Erzählung hervorgeht, im Anfange wenig⸗ ſtens keinen Gebrauch machte. CLVIL Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Der Hohenprieſter Eliaſib. Esdra. Uehemias. Fortſetzung.) §. 708. 2. Esdra 2, 11— 15. Am dritten Tage nach ſeiner wahrſcheinlich noch im Laufe des näm⸗ lichen Jahres erfolgten glücklichen Ankunft zu Jeruſalem begab ſich Nehe⸗ mias in Geſellſchaft einiger weniger Begleiter, ohne Jemanden noch ſeine Abſicht mitgetheilt zu haben, in einer hellen Mondnacht zu Pferde auf den Weg, um von dem wahrſcheinlich an der Weſtſeite der Stadt befind⸗ lichen Thalthore aus in ſüblicher, öſtlicher nördlicher, weſtlicher und zu⸗ letzt wieder ſüdlicher Richtung um die ganze Stadt die Runde machen, und ſich bei dieſer Gelegenheit von dem verwüſteten Zuſtande der Mauern durch eigenen Augenſchein überzeugen zu können. Der Abhang an der Oſtſeite der Stadt gegen den Bach Cedron hin war dermaßen mit Stein⸗ trümmern überſchüttet, daß Nehemias allein durch das Rinnſal des Baches ohne Gefahr ſein Pferd durchführen konnte. Die bei den Türken gegenwärtig den Namen Alkuds führende Stadt Jeruſalem liegt der Beſchreibung der Geographen zufolge(ſ. Paläſtina von Raumer) auf dem Rücken einer im Allgemeinen nach Süden ab⸗ hängenden felſigen Bergzunge, an deren ſüdöſtlicher Spitze ſich das an der Oſtſeite der Stadt verlaufende Cedron⸗ und das von Weſten aus in einem ſüdlichen Kreisbogen die Stadt umgebende Gehonthal miteinander vereinigen. Gerade vom Vereinigungspunkte aus ſieht man ſodann in die Oeffnung einer engen Schlucht, welche die natürliche Fortſetzung einer den Rücken des Berges der Länge nach durchtheilenden Sattelniederung die beiden hervorragendſten Punkte der Stadt, den öſtlich gelegenen Tempelberg, und den ſüdlich vom Standpunkte des Beobachters beziehungs⸗ weiſe weſtlich gelegenen Berg Sion am deutlichſten unterſcheiden läßt. Auch außer dieſen beiden hatte die Stadt ehemals noch andere nicht un⸗ bedeutende Unebenheiten, welche aber durch die vielen ſtattgefundenen Zerſtörungen derſelben gegenwärtig beinahe unmerklich ausgeglichen ſein ſollen. Die die Stadt umgebenden Thäler werden als ſo ſteil abſchüſſig beſchrieben, daß ein feindlicher Angriff auf dieſelbe im Allgemeinen nur don Norden oder nordweſtlicher Richtung her möglich iſt. Vergleiche über die Lage Jeruſalems im Allgemeinen den auf der Karte von Paläſtina beigefügten Plan der Stadt. §. 709. Esdra 2, 9. 10. 16— 20. Sogleich des anderen Morgens, wahrſcheinlich nach zurückgelegtem nächtlichen Rundwege, berief Nehemias eine Verſammlung der Prieſter und ſonſtigen Vorgeſetzten und angeſehenſten Männer des Volkes, in welcher er ihnen den Zweck ſeiner Reiſe und die von Seite des Königs ihm zugeſicherte amtliche Unterſtützung eröffnend, ſie ſämmtlich zum un⸗ verweilten Aufbau der Stadtmauern von Jeruſalem aufforderte; ein Antrag, welcher ſich der ungetheilten lebhafteſten Zuſtimmung des Volkes zu erfreuen hatte. Es verſuchten zwar Sannaballat der Horoniter, Tobias der Ammoniter und Goſſem der Araber, drei mächtige den Juden be⸗ ſonders aufſäſſige Nachbarn, welchen des Nehemias Ankunft bereits ein Gegenſtand des Verdruſſes geweſen, gegen dieſen gefaßten Gemeinde⸗ beſchluß als gegen eine aufrühreriſche Maßregel in Beziehung auf die perſiſche Landesobrigkeit laute Einſprache zu erheben, wurden jedoch von Nehemias mit der Erklärung abgefertigt, daß ſie als Nichtangehörige der wahren israelitiſchen Religion überhaupt zu gar keiner Einmiſchung in die inneren Angelegenheiten der Stadt Jeruſalem berechtigt ſeien. §. 710. 2. Esdra 3— cp. 4, 15. Während die Errichtung der Ringmauer von Jeraſalem an vierzig Stellen zu gleicher Zeit von verſchiedenen ausdrücklich namhaft gemachten Erbauern in Angriff genommen wurde, beſchränkten ſich Sannaballat und Tobias, welche unter dem den Juden ohnehin feindlich geſinnten Volke der Samaritaner eine Art obrigkeitliches Anſehen in perſiſchen Dienſten genoſſen zu haben ſcheinen, anfangs darauf, über das begonnene Unter⸗ Whun ſiunt ſt ¹ miiche hleit möſf hi chthit Rahnt hüͤlkt t Rriſt f ſ; Uk Hilfe Kauht Lahäft af E Wh Afkg 0 A — nehmen als über ein vorausſichtlich unausführbares mit verbiſſenem In⸗ grimme zu ſpotten. Als ſie aber einige Zeit darnach erfuhren, daß der begonnene Bau raſch fortſchreitend und in ſeinen verſchiedenen Beſtand⸗ theilen unmittelbar aneinanderſtoßend bereits die halbe Mauerhöhe zu erreichen im Begriffe ſtehe, wurden ſie untereinander eins, durch einen zugleich in Verbindung mit ammonitiſchen und philiſtätſchen Hilfsvölkern auszuführenden feindlichen Ueberfall die Fortſetzung des Baues gewaltſam zu hindern. Glücklicher Weiſe wurde der boshafte Anſchlag den Juden rechtzeitig zur Kenntniß gebracht, in Folge deſſen die Feinde durch die Nachricht, daß das Volk, in Eile bewaffnet, unter Nehemias' Anleitung hinter der Mauer zur Abwehr des beabſichtigten heimlichen Ueberfalles gerüſtet ſtehe, zur Aufgebung ihres Vorhabens veranlaßt wurden. §. 711. 2. Esdra 4, 16— 23. cp. 5, 16—18. Von dieſer Zeit an traf Nehemias zu ſchleunigerer Vollendung des einen Augenblick unterbrochenen Baues die Anordnung, daß das begonnene Werk nicht allein Tag und Nacht fortgeſetzt werden, ſondern auch die Hälfte der zur Arbeit verwendeten Mannſchaft jeden Augenblick zum Kampfe gerüſtet Wache ſtehen mußte. Auch die unmittelbar beim Baue Beſchäftigten mußten ein Jeder mit einem Schwerte umgürtet, und auf das erſte mit der Trompete gegebene Nothzeichen bereit ſein, von allen Seiten auf den Gefahr leidenden Punkt zur Hilfe herbeizueilen. Um die Arbeitskräfte zu verſtärken, betheiligten ſich die angeſehenſten Männer der Stadt auf Nehemias' Aufforderung und gegebenes perſönliches Beiſpiel ebenfalls ſammt ihren Knechten ſowohl am Kriegsdienſt, als an der bei dem Bau erforderlichen Handarbeit. Nehemias ſelber hielt um dieſe Zeit täglich offene Tafel, an welcher für eine Anzahl von 150 zum Theil aus den angeſehenſten Männern der Stadt, zum Theil aus ſoeben zurück⸗ gekehrten Stammgenoſſen beſtehenden Gäſten täglich ein ganzer geſchlach⸗ teter Ochſe, ſechs fette Widder, eine Menge Geflügel und zehnerlei Wein aufgetragen wurde. CLVII. Perſiſche Landeshobeit.(Fortſetzung.) Der Hohenprieſter Eliaſib. Esdra. Rehemias.(Fortſetzung.] §. 712. 2. Esdra 5, 1— 5. Die beim Bau der Mauern beſchäftigten Juden waren keineswegs lauter Einwohner von Jeruſalem; es arbeitete vielmehr ſo ziemlich das ganze Volk daran. Es konnte daher nicht ausbleiben, daß die Vermögens⸗ umſtände der weniger Bemittelten, welchen durch dieſe augenblicklich dringendere Angelegenheit ihr gewöhnlicher Erwerbszweig entzogen wurde, auf eine ernſtlich bedenkliche Weiſe rückgängig gemacht werden mußten, ohne daß ihnen deßwegen die Laſt ihrer üblichen Steuern und Abgaben an die perſiſche Landesregierung erleichtert wurde. Sie wendeten ſich in 1 ihrer Noth zunächſt an ihre eigenen wohlhabenden Stammgenoſſen, welche WLecht jedoch, da ſie ihren ärmeren Mitbrüdern nicht länger ohne ein entſprechen⸗ 25 u1 d. des Pfand oder irgend eine derartige Sicherheit zu borgen ſich bereit Wlatin dt zeigten, dieſelben zuletzt dahin brachten, daß die einen nothgedrungen I ihre eigenen Söhne und Töchter in Knechtſchaft verkaufen, die anderen ILLE ihre liegenden Gründe und Häuſer dem Darleiher zum Pfande ausliefern EE wollten, die dritten endlich gar ebenfalls mit bedingter Abtretung liegen⸗ der Gründe ſich gegen ſchwere Zinſen Geld zu verſchaffen Anſtalt mach⸗ ten. Dieſe mißliche Lage der Dinge erzeugte natürlicher Weiſe unter dem ärmeren Theile der Bevölkerung eine außerordentlich bittere Verſtimmung, von welcher erfüllt ſie bei Nehemias über den unbeugſamen Eigennutz lünuit furn ihrer reicheren jüdiſchen Mitbürger heftige Klage führten. N §. 713. 2. Esdra 5, 6— 8.. 1. Nehemias, von der Gerechtigkeit dieſer Beſchwerde ſelber lebhaft u geit durchdrungen, machte anfangs gelegentlich erſt in einzelner Privatunter⸗ n redung den angeſehenen Männern und Vorſtehern des Volks über ihre unedle Härte eindringliche Vorſtellungen. Darnach aber hielt er in dieſer Angelegenheit eine öffentliche Volksverſammlung, in welcher zu ihrer Be⸗ ſchämung er ihnen die kitzliche Frage vorlegte, ob ſie denn, wohl wiſſend, n Pun 9 wieviel Geld es ihm ſowohl als ſeinen Gleichgeſinnten bereits gekoſtet Wichn ſt habe, einzelnen in fremder Dienſtbarkeit geſtandenen Israeliten gelegentlich uti 00 ihre Freiheit zu erkaufen, nichts deſto weniger erwarteten, daß dieſelben in Folge ihres Eigennutzes nun erſt zum zweiten Male aus der Gefangen⸗ ſchaft ihrer eigenen Stammgenoſſen durch eben die nämlichen Wohlthäter wiederum losgekauft werden ſollten? Dieß war eine Frage, auf welche ſie keine Antwort zu geben die Faſſung hatten. §. 714. 2. Esdra 5, 9— 13. Da die Angeredeten ſomit ihre Antwort auf die an ſie gerichtete Frage nothgedrungener Weiſe ſchuldig blieben, ſo ermahnte ſie Nehemias 109 in dieſem günſtigen Augenblicke mit Hinweiſung auf ſein eigenes Beiſpiel, gleichwie er ſelbſt nebſt ſeinen Verwandten und Begleitern ſchon vielen ihrer bedrängten Volksgenoſſen mit bereitwilliger Darleihung von Geld und Getraide auf bloße Treue und Glauben ausgeholfen hätte, nun auch an ihrem Theile nicht allein heute die in Beſit genommenen Aecker, Weinberge, Oelbaumgärten und Häuſer zurückzugeben, ſondern eingedenk der Billigkeit und des göttlichen Geſetzes(vergl.§. 116.) auch für die Zukunft die bereits geforderten Zins⸗ und Abgabenleiſtungen ſelbſt auf die Gefahr gänzlicher Einbuße des gemachten Darlehens aus eigenem Antriebe gutwillig erlaſſen zu wollen. Bewältigt durch Nehemias' perſönliche Ueberlegenheit, deſſen Erhabenheit über alle Regungen eines zeitlichen Eigennutzes ſchon aus der ſtillſchweigenden Art und Weiſe unwiderſprechlich hervorleuchtete„mit der er zum Unterſchiede von allen ſeinen bisherigen Vorgängern trotz ſeiner bedeutenden eigenen Leiſtungen für das allgemeine Beſte unter den gegenwärtigen bedrängten Umſtänden auf die üblichen Abgaben und Ge⸗ bühren eines perſiſchen Landpflegers nicht allein für ſeine Perſon, ſondern auch für ſämmtliche ſeinem Beiſpiele freiwillig nachfolgenden Amtsgehilfen Verzicht geleiſtet hatte, verſprachen dieſelben ſeinem Antrage Folge geben und die bedungenen Leiſtungen ihren ärmeren Stammgenoſſen erlaſſen zu wollen. Um jedoch nicht durch ein trügeriſches, oder wenigſtens im Ver⸗ laufe der Zeit der Gefahr der Zurücknahme bloßgeſtelltes Verſprechen hintergangen zu werden, nöthigte ſie Nehemias unter zugezogener Mit⸗ wirkung der anweſenden Prieſter, ihr gegebenes Verſprechen mit einem feierlichen Eide zu bekräftigen, wozu er noch überdieß in bedeutungsvoller ſinnbildlicher Handlungsweiſe ſeinen leeren Buſen öffentlich ausſchüttelte mit der feierlichen Verwünſchung, auf eine ähnliche leere Weiſe möge Gott einen Jeglichen ſeiner Zeit in Beziehung auf ſein eigenes Haus und Aecker ausſchütteln, welcher ſeinem gegebenen Worte nicht nachkommen würde. §. 715. 2. Esdra 5, 13. cp. 6, 15. Dieſes rückſichtslos entſchiedene Auftreten des Nehemias wurde ihm keineswegs übel gedeutet. Es ſtimmte vielmehr das ganze Volk mit einem lauten Amen in ſeine ausgeſprochene Verwünſchung ein. Zugleich hörte man Aeußerungen lobender Dankbarkeit gegen Gott, daß ein ſolcher Stein des Anſtoßes auf eine ſo wohlfeile Weiſe aus dem Wege geräumt worden. Das angelobte Verſprechen wurde auch pünktlich gehalten, und durch dieſe glückliche Beilegung einer drohenden inneren Zwiſtigkeit der 110 Fortſchritt des im Gange begriffenen Baues weſentlich beſchleunigt, ſo daß die ganze Stadtmauer, deren Herſtellung ungefähr den 26. Juli des gleichen Jahres 3653 begonnen, in der unglaublich kurzen Zeit von 52 Tagen bis beiläufig den 16. September des gleichen Jahres vollendet wurde. CLVIII. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Der Hohenprieſter Eliaſib. Esdra. Uehemias.(Fortſetzung.) §. 716. 2. Esdra 6, 1. 2. 4. 16— 19. Der fittliche Eindruck, welchen die Nachricht von der plötzÜichen Wiederaufrichtung der Mauern Jeruſalems unter den benachbarten heid⸗ niſchen Völkern hervorbrachte, war ähnlich einem unwillkührlich nieder⸗ ſchmetternden Donnerſchlage. Nichts deſto weniger ließen Sannaballat, Tobias und Goſſem, unter denen Tobias durch ſeine doppelte Verſchwäge⸗ rung mit zweien der angeſehenſten jüdiſchen Familien auch unter dem überwiegenden Einfluſſe des Nehemias demungeachtet von Jeruſalem aus beſtändig durch vertraute Mittheilungen von allem, was daſelbſt vor⸗ ging, genau unterrichtet wurde, von dem Verſuche nicht ab, das nun ſchon ſo weit gediehene Werk wenigſtens ſo lange, als die dazu beſtimmten Thürflügel in die betreffenden Thore der Stadt noch nicht eingehängt worden waren, noch wieder völlig rückgängig zu machen. Deßwegen ſchickten Sannaballat und Goſſem bei vier verſchiedenen Malen hinterein⸗ ander Botſchaft nebſt Einladung an Nehemias, zur Abſchließung eines vorgeblichen Freundſchaftsbündniſſes zwiſchen ihnen auf die Dörfer in der Ebene Ono hinauszukommen, bei welcher Gelegenheit ſie ihn durch hinterliſtige Nachſtellungen auf die Seite zu ſchaffen den Plan hegten. §. 717. 2. Esdra 6, 3. 5—8. Schon viermal hatte Nehemias auf die an ihn ergangene Einladung abſchlägige Antwort mit der höflichen Entſchuldigung, daß er bei der unerhörten Arbeit, deren ununterbrochene Anordnung zunächſt auf Ihm ruhe, ſchlechterdings nicht abkommen könne, ſagen laſſen, als er endlich zum fünften Male einen eigenhändigen Brief von Sannaballat erhielt, des Inhalts, es gehe die allgemeine Rede, die Juden hätten die Mauer von Jeruſalem in der Abſicht wiederherzuſtellen unternommen, um ſich K 1 fl uſh⸗ In N üügh dem ü ſuun Ilk N fl le kilk Uhpur U 90 909 000 in 1 7 Halhl Fahn Wich ſihſt m Unt küke, Men Wh et iüu 0 un: Rülh In von der königlich perſiſchen Landesoberherrlichkeit unabhängig zu machen, zu welchem Endzwecke ferner Nehemias im Rufe ſtehe, ſich an die Spitze des jüdiſchen Königreiches ſtellen zu wollen, weßwegen er ſogar bereits Propheten aufgeſtellt habe, welche ihn als von Gott erwählten König dem Volke anpreiſen ſollten. Dieſes auch von Goſſem dem Araber be⸗ ſtätigte Gerücht werde, ſei nun an demſelben was da wolle, unfehlbar dem Könige zu Ohren kommen, weßwegen Sannaballat in Nehemias eigenem Intereſſe ihm eine vertraute Beſprechung und Berathung gemein⸗ ſamer Maßregeln wiederholt dringend in Vorſchlag bringe. Nehemias dankte ihm jedoch auch dießmal wiederum für den ertheilten freundſchaft⸗ lichen Rath mit der Bemerkung, daß ihm die Urtheile ihrer Nachbarn ſo gut bekannt ſeien, als Sannaballat ſelber, und mit der Bitte, daß er ſich keine vergebliche Hoffnung machen möge, ihm die Erfindungen ſeines eigenen Scharfſinns als wirklichen Thatbeſtand glaubhaft machen zu können. Sannaballat's Brief war, menſchlich zu reden, in der That klug ab⸗ gefaßt, indem, wäre Nehemias überhaupt eines Gedankens an Empörung gegen die perſiſche Obrigkeit fähig geweſen, eine ſolche Sprache allerdings ihn am erſten wenigſtens dazu, dem Urheber dieſes Briefes Vertrauen zu ſchenken, hätte verführen können. §. 718. 2. Esdra 6, 10— 14. Da Nehemias im Verein mit ſolchen Antworten auch in ſeiner Handlungsweiſe unverändert nur um ſo kräftiger auftrat, je mehr An⸗ ſtrengungen aufgeboten wurden, ihn unbegründeter Weiſe in Schrecken zu verſetzen, ſo hatte endlich ein von Sannaballat und Tobias gedungener jüdiſcher Prieſter wahrſcheinlich, mit Namen Semaja die Keckheit, unter einem erlogenen Auftrage Gottes als Prophet demſelben anzukündigen, daß noch dieſe Nacht Mörder kommen und ihm nach dem Leben trachten würden, weßwegen er ihm anbot, ihn zur Sicherung ſeines Lebens in den Tempel führen zu wollen, woſelbſt ſie ohne Gefahr ſich ausführlicher miteinander unterreden könnten. Nehemias aber antwortete, daß er es für eine Schande halte, in einer ſo unermeßlich dringenden Angelegenheit aus Furcht vor Gefahr fliehen, oder gar im Widerſpruche mit dem gött⸗ lichen Geſetze den Tempel durch ſeine Gegenwart entweihen zu wollen. Außer Semaja machten auch Noadia und andere vorgebliche Propheten fruchtloſe Verſuche, Nehemias durch Einjagung grundloſen Schreckens in ſeiner Thätigkeit lähmen zu wollen. 112 §. 719. 2. Esdra cap- 7. Nachdem nicht lange nach der Vollendung der Mauern auch die fertigen Thürflügel in die Thore eingehängt worden waren, kam es Nehe⸗ mias in den Sinn, bei der auffallend geringen Häuſer⸗ und Einwohner⸗ zahl der Stadt im Vergleich zu dem durch die Mauern eingeſchloſſenen Flächenraum eine genaue Volkszählung zu veranſtalten, zu welchem Ende er die ſoeben eingeſetzten Thürflügel einen halben Tag lang durch ver⸗ traute zuverläſſige Männer unter den Leviten ſorgfältig verriegelt be⸗ wachen ließ. Die Volkszählung wurde nach dem Verzeichniſſe jener Einwanderer veranſtaltet, welche zugleich mit Zorobabel und Joſue den Rückweg nach Paläſtina angetreten hatten. Nach vollendeter Zählung ſcheinen die bisher noch immer ziemlich vollzãhlig verſammelten neuen Einwohner des jüdiſchen Landes wieder jeder an ſeinen heimathlichen Wohnort zurückgekehrt zu ſein. CLIxX. Perſiſche Landeshoheit. Fortſetzung.) Der Hohenprieſter Eliaſib. Esdra. Aehemias. Fortſetzung.) §. 720. Levitic. 23, 26. 25. Numeri 29, 1— 6. 2. Esdra 8, 1—8. 3. Esdra 9, 37—19. Den darauffolgenden 23. September ungefähr des gleichen Jahres 3653, welcher als der erſte Tag des ſiebenten Monats nach jüdiſchem Kalender ein beſonderer Feſttag war, verſammelte ſich das ganze Volk neuerdings in Jeruſalem und baten den Prieſter Esdra, der, wie es ſcheint, bisher unausgeſetzt ſeinen Aufenthaltsort zu Jeruſalem beibehalten hatte, ihnen das Geſetz Moyſes, durch deſſen gründliche Kenntniß er ſich einen hohen Ruhm zu ſeiner Zeit erworben, einmal bei Gelegenheit öffent⸗ lich vorleſen zu wollen. Esdra willfahrte ihrer Bitte mit größter Be⸗ reitwilligkeit, und las den Text des Geſetzes von einem erhöhten Stand⸗ orte aus laut und deutlich vor, wobei ein Theil der angeſehenſten Männer des Volkes ihm rechts und links zur Seite ſtanden, während die Leviten mit Erhaltung ruhiger Stille unter dem zuhörenden Volke beſchäftigt waren. Die auf die Bitte des verſammelten Volkes nach der Erzählung des Paragraphen durch den nach längerer Zwiſchenzeit hier zum erſten Male wieder erwähnten Schriftgelehrten Esdra erfolgende öffentliche Geſetzes⸗ verleſung bietet uns Veranlaſſung zu mehrfachen der Natur der Sache nach ſowohl in Beziehung auf die Art und Weiſe der Handlung ſelbſt, als auch auf Ver gangenheit und Zukunft von ſelbſt daran ſich anknüpfen⸗ den Betrachtungen. Im Rückblick auf die Vergangenheit finden wir nämlich vorab in dieſer ſchlichten Begebenheit eine thatſächliche Erfüllung der nach§§. 573 u. 575. von Gott durch den Propheten Czechiel ge⸗ machten Vorherſagungen, anſtatt der verſtockten Herzenshärtigkeit, mit welcher die damals in Gefangenſchaft abgeführten Juden ſich jedem tiefe⸗ ren durch die Predigt des Propheten auf ſie beabſichtigten Eindrucke widerſetzten, den dereinſtigen Rückwanderern ein gelehriges, zum Gehor⸗ ſam bereitwilliges Herz geben zu wollen. Denn das auf die im Para⸗ graphen erzählte Weiſe geäußerte wißbegierige Intereſſe, den Umfang ſeiner Pflichten näher kennen zu lernen, verräth bereits auch die Geneigt⸗ heit, ſich den Verbindlichkeiten, welche dieſelben uns auflegen, bereitwillig fügen zu wollen. Was die Handlung ſelbſt anbelangt, ſo iſt die darüber geltende An⸗ ſicht folgende, daß die frühere hebräiſche Landesſprache nämlich in der Dauer der babyloniſchen Gefangenſchaft bei der jüngeren Generation wenigſtens allmälig in Vergeſſenheit gerathen, und an deren Stelle der chaldäiſche Dialeet die herrſchende Volksmundart geworden ſei. Da dieſe Annahme in der That in jeder Beziehung auf innere Wahrſcheinlichkeit gegründet iſt, ſo dürfen wir die im Paragraphen erzählte uns nicht als eine bloße einfache Vorleſung denken, wie ſie dem Geſetze nach auch bis⸗ her ſchon im jedesmaligen Erlaßjahr am Laubhüttenfeſte vorgeſchrieben war(ſ.§. 104. Deuteron. 31, 913.), und wie ſie unter König Joſias z. B.(f.§. 476.) auch wirklich ſtattgefunden hatte, ſondern der beider Sprachen kundige, ſomit ſchriftgelehrte Vorleſer mußte das Geleſene aus dem hebräiſchen Grundterte jedesmal zugleich in den dermalen üblichen Landesdialect verdollmetſchen. Aus dieſem Zeitbedürfniſſe wird die Ent⸗ ſtehung jener zweckmäßigen weiteren Einrichtung abgeleitet, daß die unter Esdra's anleitender Fürſorge neuerdings und zwar mit Anwendung der ebenfalls neueingeführten und heute noch üblichen eleganten chaldälſchen Quadratſchriftzeichen hergeſtellten Copien der altteſtamentlichen Bücher durch beſtimmte Abtheilungszeichen C Soph Pasuk genannt, in Verſe voneinander abgetrennt wurden, ſo daß nach Vorleſung jedes einzelnen im Grundtexte bezeichneten Verſes die Ueberſetzung in die lebendige Um⸗ gangsſprache ſogleich nachfolgen konnte. Andere Zeichen, wie z. B. die Vocale und Aceente, ſcheinen in den Tert der heiligen Schriftexemplare damals noch nicht hineingekommen, ſondern erſt im Laufe der Zeit durch die ſogenannte Schule der Maſorethen, eine von Esdra's Zeiten ſich durch nicht weniger als vierzehn Jahrhunderte, bis in das Jahr 1036 n. Chr. hindurchziehende Succeſſionsreihe von gelehrten grammatiſchen Kritikern, welche zugleich die Vervielfältigung der heiligen Schriftexem⸗ plare beſorgten, anfangs zum Privatgebrauche für den Unterricht ihrer Schüler erfunden und zuletzt auch in den Tert der Privatexemplare ein⸗ gerückt worden zu ſein, indem die in den Synagogen der Juden gebrauch⸗ ten heiligen Schriftrollen noch heutzutage aller dieſer Nebenzeichen ent⸗ behren. Auch die Capiteleintheilung der einzelnen Bücher war damals ebenfalls in den hebräiſchen Bibeln noch keineswegs angewendet, welche Krafft, heil. Geſchichte. ii. 8 115 der gottesdienſtlichen Verrichtungen. Was die letzteren anbelangt, ſo be⸗ ſtand der, wie bereits bemerkt, von dem den fortwährenden eigentlichen Centralpunkt des moſaiſchen Cultus bildenden Tempeldienſte räumlich durchaus unabhängige Gottesdienſt der Synagoge vollſtändig aus drei Stücken, aus liturgiſchen Gebeten, bibliſcher Leſung und aus einer daran⸗ gefügten, mit paſſenden Anwendungen verknüpften homiletiſchen Text⸗ erklärung. Unter der im Laufe der Zeit zu einer, wie man behauptet, ermüdenden Anzahl angeſchwollenen Menge regelmäßiger liturgiſcher Ge⸗ bete ragen die noch heute üblichen ſogenannten Shemoneh Esreh, die achtzehn Gebete Esdra, in der Zeit der 73ꝗ der chriſtlichen Kirche, um ein neunzehntes dem Wachsthume derſelben entgegengerichtetes ver⸗ mehrt, bereits aus jener anfänglichen Zeit durch ihr Alter und ihre ſchlichte Einfalt bemerklich hervor. Bei der darauffolgenden regelmäßig dreigetheilten bibliſchen Leſung machte das ſogenannte„Kiriath Shema,“ d. h. die Verleſung der drei Mahnſtücke: Deuteron. 6, 4— 9. cp. 11, 13— 21. und Num. 15, 37— 41. jedesmal den Aufang, worauf die Leſung eines Abſchnittes aus dem Geſetze und eines zweiten aus dem Propheten nachfolgte, welche, um ſie binnen 54 Wochen, welche das durch Einrechnung des Schaltmonates ungefähr alle drei Jahre überzählige jüdiſche Mondjahr in ſich ſchloß, im Kreislaufe beendigen zu können, beiderſeits in 54 Sectionen oder, wie man ſie gegenwärtig nennen würde, Pericopen abgetheilt waren. Der Verleſung und Verdollmetſchung der laufenden bibliſchen Lection, derenthalben hin und wieder ein beſoldeter Dollmetſcher bei der Synagoge unterhalten wurde, folgte nun endlich die Predigt, welche aber, wie einzelne Beiſpiele des Neuen Teſtaments be⸗ weiſen, nicht immer von einem beſtimmten Mitgliede der Verſammlung gehalten, ſondern in welcher auch zuweilen Gäſte aufzutreten veranlaßt wurden. Den Schluß des Ganzen machte der Segen, welcher wo immer möglich durch einen anweſenden Leviten prieſterlicher Abkunft aus dem Geſchlechte Aaron's mußte gegeben werden(H. 70, Num. 6, 23—26.).— Die Hauptämter an der Synagoge waren zwei, nämlich 1) das Amt eines Synagogenvorſtandes oder„Archisynagogus,“ welcher jedoch durchaus nicht von prieſterlicher oder levitiſcher Abkunft zu ſein brauchte, ſondern nur eine außerdem hinreichend gelehrte und ſittliche Vorbildung zu ſeinem Amte haben mußte, und dabei, wie aus einigen Stellen des Neuen Teſta⸗ ments erhellt, wahrſcheinlich wegen vermehrter Seelenzahl der zu einer Synagoge gehörigen Judengemeinde hin und wieder auch einen oder mehrere Standesgehilfen zur Seite haben konnte. Einer unter denſelben ſcheint jedoch jederzeit als der Oberſte unter ihnen und ſomit als eigent⸗ licher Stellvertreter der ganzen Gemeinde im Angeſichte Gottes ſtehend betrachtet und in dieſer Beziehung„Shliach Zibbor“ Engel der Gemeinde genannt worden zu ſein. Unter den Synagogenhäuptern ſtanden dann 2) gewiſſe durch Handauflegung ausdrücklich eingeweihte Diaconen oder Diener(Helfer) der Gemeinde, welchen als beſonderes Amt oblag, die heiligen für den Synagogendienſt beſtimmten Schriftrollen aufzubewahren, und von Amtswegen auch die öffentliche Leſung der bibliſchen Abſchnitte mit zu verrichten, an welcher letzteren jedoch je nach Zeiten und Um⸗ ſtänden auf ergangene Aufforderung des Archiſynagogus auch einzelne Gemeindeglieder ſich betheiligen durften. Die nähere zeitgemäße An⸗ 8* 116 wendung von allen dieſen Notizen zu machen verſparen wir auf die unter Erwartung des göttlichen Beiſtandes im weiteren Verlaufe dieſes Werkes von uns beabſichtigte Bearbeitung des apoſtoliſchen Zeitalters, und verweiſen inzwiſchen den lernbegierigen Leſer zur genaueren Er⸗ gründung des Gegenſtandes auf die beiden ebenſo gelehrten als ausführ⸗ lichen Abhandlungen bei Prideaur, Connexion ꝛc. 5. Buch add ann. 446 und 6. Buch add ann. 445. §. 721. 2. Esdua 8, 9—12. 3. Esdra 9, 50— 55. Die mit geſpannter Aufmerkſamkeit erfolgende Anhörung der ſeit langer Zeit einmal wieder in Erinnerung gebrachten ausführlichen Ge⸗ ſetzesbeſtimmungen nebſt ihren angehängten Segensverheißungen für die Beobachter, ſowie Fluchverkündigungen für die Uebertreter des Geſetzes hatte auch dießmal wiederum, ähnlich wie zur Zeit des Königs Joſias (Lergl. H. 476.), die Wirkung, daß das Volk dadurch im innerſten Grunde ſeines Herzens erſchüttert wurde. Schon wollten ſie in lautes Weinen und Wehklagen ausbrechen, wenn nicht Esdra und der ebenfalls an⸗ weſende Nehemias mit Hilfe der Leviten ſie hauptſächlich durch die Be⸗ merkung zur Ruhe gebracht hätten, daß ſie den heutigen, Gott beſonders geheiligten Feſttag durch keine Trauerzeichen entweihen dürften, weßwegen ihnen befohlen wurde, ſich vielmehr im Gegentheil durch reichlicheren Genuß von Speiſe und Trank in Geſellſchaft ihrer Stammgenoſſen ſoviel ſie könnten ſelber aufzuheitern. Durch dieſe zeitgemäße Ermahnung wurde die angeregte Betrübniß vielmehr in eine freudige zuverſichtliche Gemüths⸗ ſtimmung umgewandelt, indem ſich das Volk von Herzen freute, einmal eine gründlichere Einſicht von dem Hauptinhalte des Geſetzes bei dieſer Gelegenheit glücklich erlangt zu haben. §. 722. Levitic. 23, 40— 43. 2. Esdra 8, 13— 17. Des anderen Tages, mithin ungefähr den 24. September des gleichen Jahres, begaben ſich die angeſehenſten Familienhäupter mit den Prieſtern und Leviten zu Esdra, um von demſelben über verſchiedene Geſetzesbeſtin⸗ mungen ſich eine dem Zeitbedürfniſſe entſprechende nähere Auslegung zu erbitten. Bei dieſer gemeinſchaftlichen Prüfung des von Gott durch Moyſes gegebenen Geſetzbuches entdeckte man unter andern, daß eine über die Feier des nächſtbevorſtehenden Laubhüttenfeſtes von Gott gegebene ge⸗ ſetzliche Beſtimmung, daß nämlich bei dieſem Feſte Lauben von grünen Zweigen zur Erinnerung an die von den Vätern in der Wüſte geführte 165 Wu, 4 0 In, wandernde Lebensweiſe errichtet werden ſollten, ſeit Joſue's Zeiten bis daher gar noch nicht einmal zur Beobachtung gekommen war. Esdra verfehlte daher den günſtigen Zeitpunkt nicht, dem Volke bei dieſer Ge⸗ legenheit durch die Leviten einſchärfen zu laſſen, daß ſie zur Errichtung der vorſchriftsmäßigen Laubhütten auf das bevorſtehende Feſt Oel⸗, Myr⸗ then⸗ und andere Baumzweige mitbringen ſollten. 2. Esdra 8, 17. 18. 3. Esdra 9, 56. Die von Esdra an das Volk gerichtete Ermahnung wurde pünktlich ausgeführt, und das dießjährige Laubhüttenfeſt vom 8. bis zum 15. Okto⸗ ber zum erſten Male ganz nach den im Geſetze Moyſes enthaltenen Vor⸗ ſchriften, zufolge welcher die Israeliten während dieſer Zeit in den errichteten Lauben wohnen mußten, unter unbeſchreiblicher Freude des verſammelten Volkes ausgeführt. Sämmtliche Feſttage hindurch wurde zu beſtimmten Tagesſtunden das Geſetz Moyſes von Esdra dem Volke öffentlich vorgeleſen. CLX. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Ler Hohenprieſter Eliaſib. Esdra. Uehemias. Fortſetzung.) §. 724. 2. Esdra 9, 1— 3. Durch die bei Gelegenheit des dermaligen Laubhüttenfeſtes unter dem Volke verbreitete genauere Geſetzeskenntniß ſtellte ſich heraus„daß das Verbot der Vermiſchung der Israeliten mit fremden, namentlich götzen⸗ dieneriſchen Völkern ſeit der letzten unter Esdra's Anordnung(vergl. §§. 667— 672.) vorgenommenen Reinigung neuerdings wiederum war hin und wieder übertreten worden. Die Schuldigen mußten zwei Tage nach Beendigung des Feſtes, alſo beiläufig den 17. Oktober des gleichen Jahres, ſich nochmals in Jeruſalem einfinden, und daſelbſt im Sack und in der Aſche ihre Buße verrichtend, ſich eine wiederholte Trennung von ihren ungeſetzlich erworbenen Familienangehörigen gefallen laſſen. Es wurde dieſer nämliche Tag zu einer ferneren viermaligen Leſung des Geſetzes nach beſtimmten Abſchnitten mit abwechſelndem Gebet und Lob⸗ geſang benützt. §. 725. 2. Esdra 9, 4— 88. Von dem nämlichen Tage iſt uns ein ausführliches Bußgebet auf⸗ behalten, welches von den Leviten bei dieſer Gelegenheit im Namen des ganzen Volkes öffentlich verrichtet, die Wohlthaten Gottes gegen das Volk Israel auf der einen Seite aufgezählt und die bisher unabläſſig bewieſene ſtrafbare Undankbarkeit des Volkes auf der anderen dagegen⸗ hält, in Folge deren alles bisherige Elend, von welchem ſie ſeien betroffen worden, ſowie noch die gegenwärtige zinsbare Abhängigkeit vom Könige der Perſer als ein gerechtes göttliches Strafgericht reumüthig anerkannt wird. Das Gebet ſchließt mit der Aufforderung zur Abſchließung eines neuen Bündniſſes, durch welches ſich das Volk zur fortanigen unverbrüch⸗ lichen Beobachtung des göttlichen Gebotes verpflichten ſollte. K. 726. 2. Esdra cp. 10. cp. 13, 1 Nach Aufzählung einer von Nehemias eigenhändig eröffneten Liſte von 84 Vertragsunterzeichnern, unter denen 22 Prieſter und 17 Leviten namentlich erwähnt werden, folgt eine genauere Angabe derjenigen ein⸗ zelnen Geſetzesbeſtimmungen, deren Beobachtung für den Augenblick eine beſonders dringende Einſchärfung erforderte. Dieß waren nämlich 1) die Reinhaltung des jüdiſchen Volksſtammes von götzendieneriſcher Verſchwäge⸗ rung, 2) die Unterlaſſung aller Marktgeſchäfte an Sabbathen und ſonſti⸗ gen hohen Feiertagen, 3) die Beobachtung des Sabbathjahrgeſetzes. Hiezu kam 4) eine freiwillig von dem Volke übernommene Kopfſteuer von dem dritten Theile eines Seckels jährlich zur Beſtreitung der durch den regel⸗ mäßigen Opfer⸗ und Ceremoniendienſt herbeigeführten laufenden Unkoſten. Es wurde 5) eine Zahl einzelner Prieſter, Leviten und ſonſtiger wohl⸗ habender Männer aus dem Volke feſtgeſtellt, welche der Reihe nach das zur Unterhaltung des ewigen Feuers auf dem Brandopferaltar erforder⸗ liche Brennholz in beſtimmtem Maßumfang liefern mußten. Hiezu kam endlich 6) und 7) die durchgängige Einführung der nach dem Geſctze Moyſes auf alle Bodenerzeugniſſe und nutzbaren Hausthiere ſich erſtrecken⸗ den Erſtlings⸗ und Zehntenſteuer zur Unterhaltung des ohne eigenes Erbtheil verbleibenden Stammes Levi, von welch letzterem Zehntenertrag die gemeinen Leviten wiederum den Zehnten zum Unterhalte der Prieſter an die Schatzkammer des Tempels einzuliefern hatten. In die nämliche Zeit fällt vielleicht auch eine ſpäter erwähnte Ausſcheidung von urſprüng⸗ lich moabitiſchen und ammonitiſchen Abkömmlingen, welche gegen den ausdrücklichen Wortlaut des Geſetzes Moyſes(vergl.§. 111.) widerrecht⸗ licher Weiſe in den israelitiſchen Bund ſeither waren aufgenommen worden. Ual utl, uohnkt fach de Wohnu Hifint ſft fiſ Jſek Id d t eht Aule Rem E Aſch Rulfk ke W. un W mſfiaf tgehel ärlch hche l f ſitgehn ſumnt tun l Wahl „ 52 2. Esdra 11— ch. 12, 26. Wahrſcheinlich bei der nämlichen Gelegenheit wurde ferner aus⸗ gemacht, daß zu ſchnellerer Bevölkerung der für den Augenblick noch dünn bewohnten Hauptſtadt außer den vornehmſten Familienhäuptern noch der nach dem Looſe zu beſtimmende zehnte Theil des übrigen Volkes ſeine Wohnung in Jeruſalem zu nehmen ſich verpflichten mußte, zu welcher beſtimmten Anzahl auch freiwillige einzelne Ueberſiedler ſich noch dazu einfanden, deren Entſchluß mit der wärmſten Dankbarkeit von dem Volke begrüßt wurde. Unter einer Zahl von 3044 als damalige Einwohner Jeruſalems aufgezählten Familienhäuptern werden 468 aus dem Stamme Juda, 928 aus dem Stamme Benjamin, gegen 1200 Prieſter, 284 Levi⸗ ten und 172 Thürhüter ausdrücklich voneinander unterſchieden und zugleich mit einigen genaueren genealogiſchen Angaben auch die Namen der übrigen damals wieder erbauten Städte ſowohl aus dem Stamme Juda, als aus dem Stamme Benjamin aufgeführt. §. 728. 2. Esdra 12, 27— 42. Wahrſcheinlich erſt, nachdem die neu hinzukommenden Einwohner von Jeruſalem ihre betreffenden Wohnhäuſer erbaut hatten, alſo ungefähr im Laufe des nächſtfolgenden 3654ſten Jahres, fand eine feierliche Einweihung der neuerbauten Mauern ſtatt. Die zu dieſem Ende aus dem ganzen Lande nach Jeruſalem zuſammenberufenen levitiſchen Sänger und Spieler muſikaliſcher Inſtrumente wurden bei dieſer Gelegenheit in zwei Chöre eingetheilt, welche, in entgegengeſetzter Richtung vom Thalthore wahr⸗ ſcheinlich ausgehend, unter Anführung von Esdra in Begleitung anderer angeſehener Juden auf der einen, von Nehemias auf der anderen Seite unter fortwährendem Spiel und Lobgeſang ſtets über die breite Randober⸗ fläche der Mauer einherſchreitend, am entgegengeſetzten Schafthore wieder zu⸗ ſammentrafen. Nach abgehaltenem Umgange wurden unter Begehung eines lebhaften allgemeinen Freudenfeſtes zahlreiche Dankopfer Gott im Tempel dargebracht. Ueber die topographiſche Erklärung dieſes Capitels vergleiche v. Rau⸗ mer's Paläſtina, Mauern und Thore Jeruſalems 3. Auflage S. 255 und 256. §. 729. 2. Esdra 12, 43— 46. An dem gleichen Tage wurde ein Theil der bei der letzten Volks⸗ verſammlung gefaßten Beſchlüſſe in der Weiſe in Ausführung gebracht, 120 daß eine zum Tempel gehörige Schatzkammer zum Empfange der regel⸗ mäßigen Erſtlings⸗ und Zehntenſteuer eingerichtet und zuverläſſigen Män⸗ nern zur Verwaltung übergeben wurde. Aus derſelben mußten auch die von David bereits aufgeſtellten levitiſchen Sänger und Thürhüter beſoldet werden. Da der im vorhergehenden Paragraphen erzählte feierliche Mauer⸗ umgang die letzte Handlung iſt, bei welcher Esdra öffentlich mitwirkend auftritt, ſo fügen wir ſeinetwegen bei dieſer Gelegenheit folgenden kurzen Nekrolog bei. Sowie bei vielen anderen der wichtigſten bibliſchen Per⸗ ſonen, ſo geht es uns auch bei Esdra, daß uns, um einen hinreichenden Ueberblick über ſeine Lebensgeſchichte zu haben, ſeine beſonderen Lebens⸗ umſtände und Privatverhältniſſe zu wenig bekannt ſind. In Babylon wahrſcheinlich von edler hohenprieſterlicher Familie geboren, und mit ausgezeichneten Geiſtesanlagen von Gott ausgeſtattet, ſcheint er rein auf Privatweg durch das mit Gebet verknüpfte Studium der heiligen Schrift diejenigen hohen Einſichten erlangt zu haben, die ihm ſpäter allmälig hinreichendes Anſehen gewährten, um bei König Artaxerxes ſich die Er⸗ laubniß zur Anführung eines zweiten Zuges von jüdiſchen Rückwanderern nebſt allen übrigen ihm gutwillig noch dazu verliehenen Vollmachten auswirken zu können. Mit ſeinen Begleitern glücklich im Heimathlande angelangt, unterzog er ſich ſodann ſeine ganze fernere Lebenszeit hindurch dem umſtändlichen Geſchäfte einer durchgreifenden Kirchenreformation, welche von allen bisherigen dieſer Art ſich dadurch zu ihrem Vortheile unterſchied, daß ſie für ihren von nun an nicht weiter unterbrochenen Fortbeſtand durch die unter den veränderten Zeitumſtänden ſich von ſelbſt geſtaltende neue Schöpfung der Synagogen(vergl. Anmerk. zu§. 720.) eine Art innere Gewährleiſtung mit ſich führte. Indeſſen ſcheint er, ſeiner ganzen geiſtigen Natur und inneren Gemüthsart nach mehr wiſſen⸗ ſchaftlicher Denker und friedliebender Gelehrter, als praktiſcher Geſchäfts⸗ mann, auf die Dauer der Größe des begonnenen Unternehmens nicht mehr in jeder Beziehung gewachſen geweſen zu ſein. Deßwegen mußte ihm der in dieſer Beziehung durch ſeine ausgezeichnete Weltkenntniß und praktiſche Energie überlegene Nehemias mit der Zeit zu Hilfe kommen, um das, was Esdra innerlich auferbaut hatte, durch materielle Bollwerke gegen äußere Angriffe zu ſichern. Auf ſolche Weiſe erreicht die göttliche Vorſehung durch das organiſche Zuſammenwirken zweier oder noch meh⸗ rerer verſchieden gearteter Perſonen oft einen Zweck, deſſen Erlangung unter verwickelten Zeitumſtänden Einer einzigen zu ſchwer fallen würde.— Esdra wird, außerdem daß die Gründung der Synagoge auf ihn zurück⸗ geführt, noch als Sammler und Herſteller des Canons der hebräiſchen Bücher des Alten Teſtaments namhaft gemacht, um welchen er ſich auch als gelehrter Kritiker und exegetiſcher Theologe, insbeſondere auch durch die Stiftung der beiden gelehrten Schulen der Maſorethen und Kabba⸗ liſten(ſ. Anmerk. zu§. 720.)— welches letztere Wort erſt in ſpäterer Zeit einen üblen Klang bekommen— unſtreitig die größten Verdienſte erworben hat.— Seinem eigenthümlichen perſönlichen Verdienſte nach gehört Esdra ſomit recht eigentlich unter die Claſſe der Geſetzgeber, und iſt alſo als der würdige dritte Nachfolger von Moyſes und Samuel zu UI We 5 121 betrachten, hinter denen er vielleicht nur dadurch, daß keine ihm von 7 Gott unmittelbar ertheilten übernatürlichen Offenbarungen bekannt ſind, 82 zurückſteht. Sonſt aber darf man annehmen, daß der jüdiſchen Ver⸗ i faſſung diejenige letzte ſelbſtſtändige Vollendung, welche dieſelbe bedurfte, um der chriſtlichen Kirche als Baſis dienen zu können, durch Fügung der göttlichen Gnade hauptſächlich unter Esdra's Mitwirkung ertheilt worden iſt. CLXI. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Der Hohenprieſter Eliaſib. Uehemias. CFortſetzung.) §. 730. 2. Esdra 5, 14. cp. 13, 6. 2. Maccab. 1, 20. cp. 2, 13. . Zwölf Jahre hatte Nehemias vom Könige Artaxerxes Longimanus e Erlaubniß zum Ausbleiben erhalten. Nehemias benützte dieſe Zeit unter andern zur Errichtung einer Bibliothek, in welcher die bisher geſchriebenen Bücher der heiligen Schrift ſorgfältig aus allen Gegenden zuſammen⸗ geſucht, mit anderen geſchichtlichen Documenten zugleich für die Zukunft aufbewahrt wurden. Die nähere Bekanntſchaft mit den hinterlaſſenen Schriften der Propheten, deren Nehemias ſich ſelber, wie es ſcheint, eifrig befleißigte, beſtimmte ihn unter andern, die Nachkommen jener Prieſter, welche dem Propheten Jeremias bei Verbergung des heiligen Feuers (Eergl.§. 556.) behilflich geweſen waren, zur Aufſuchung jener verbor⸗ genen Brunnenſtube auszuſenden. §. 781. 2. Maccab. 1, 20— 29. Die ausgeſendeten Prieſter fanden die erwähnte leere Brunnenſtube wohl, aber kein Feuer darin, ſondern ſtatt deſſen eine auf dem Boden derſelben ausgegoſſene zähe Flüſſigkeit, von welchem Ergebniſſe ihres Suchens ſie dem Nehemias Bericht erſtatteten. Nehemias ließ hierauf auf einem vielleicht an der nämlichen Stelle erſt neu errichteten ſteinernen Altare Opfer zurichten und auf trockenes Holz legen, worauf beides mit jenem aufgefundenen zähflüſſigen aus der Brunnenſtube geſchöpften Waſſer auf ſeine Anordnung übergoſſen wurde. Kurz darauf trat die bisher in Wolken gehüllte Sonne hervor, in welchem Augenblicke, ſobald die Strah⸗ len der Sonne die Opferſtücke berührten, zur Verwunderung aller An⸗ weſenden ein großes Feuer ſich auf dem Altare von ſelber entzündete. Während dieſes wunderbaren Ereigniſſes iſt uns dasjenige feuerige Dank⸗ 122² gebet aufbehalten, welches von Nehemias unter Begleitung eines levitiſchen Chores verrichtet wurde. §. 732. 2. Maccab. 1, 18. 30— 36. cp. 2, 16. Nachdem das Opfer unter fortgeſetzten Lobgeſängen der anweſenden Prieſter ſich nach und nach verzehrt hatte, ließ Nehemias den Reſt des in der Brunnenſtube befindlichen heiligen Waſſers auch auf die Steine des Altars ausgießen, aus welchen ebenfalls eine große Flamme, die ſich aber mit der Flamme des noch brennenden Opfers vereinigte, hervorbrach. Auf dieſe Weiſe waren ſomit die in ihre Heimath zurückgekehrten Israe⸗ liten im Wiederbeſitze eines Schatzes, den ſie ſeit etwa 150 Jahren ent⸗ behrt hatten. Die Kunde dieſes merkwürdigen Ereigniſſes verbreitete ſich unter andern auch bis zu den Ohren des perſiſchen Königs Artaxerxes, welcher nach einer angeordneten genauen Unterſuchung eine Art Capelle an dieſem Orte zur Erinnerung erbauen ließ, und die jüdiſchen Prieſter reichlich beſchenkte. Unter den Juden ſelber wurde von dieſer Zeit an ein beſonderes Feſt zur Erinnerung an dieſe Begebenheit gefeiert. Die auf Unkoſten des Königs Artaxerxes errichtete Capelle war den griechiſchen Texte der Septuaginta zufolge eine freie Umzäumung, ſomit wahrſcheinlich nichts anders als das, was im Neuen Teſtamente an mehreren Stellen(Ex. Luc. 6, 12. Act. apost. 16, 13. 16.) rοẽ&ůxuν und 1. Maccab. 3, 46. locus orationis genannt wird. Solche untet freiem Himmel beſonders häufig auf lieblichen Anhöhen befindlichen ein⸗ gezäunten Gebetsorte waren, wie aus Kenophon's Memorabilia 3. Buch Vill, 10. bervorzugehen ſcheint, den Juden mit den Griechen gemeinſam, und ſcheinen bereits von Anfang der Beſitznahme des Landes Canaan an allen durch irgend eine erbauliche Erinnerung geheiligten Orten in Gebrauch geweſen zu ſein. Vergl. die Anmerk. zu§. 170. Ueber dieſe mit den Synagogen keineswegs zu verwechſelnden Andachtsörter vergl. Pridcaur's Connerion 6. Buch adl ann. 445 gegen das Ende der Ab⸗ handlung in der Ueberſetzung(Berlin 1725) Seite 384—386. CLXIl Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Die Hohenprieſter Eliaſib und Jojada. Nehemias. Fortſetzung.) Der Prophet Malachias. §. 733. 2. Esdra 13, 3.—6. 10. Nachdem auf dieſe Weiſe Nehemias die pünktliche Geſetzesbeobachtung ſoviel als möglich in einen regelmäßigen Gang gebracht hatte, kehrte er U Jhr ffiht ch gelg dhiſb, Ten Kolden dr m Halht! he h hlth, Mhel! Galnu Heinathe lubiß Woſt! N f flie Mnun u uh Rnkke g ürm l Man fe Alb Alhitht Mfn Wlen daibg Wüitn Güthe U. des Nehemias eigene Dienſtangehörige die gewiſſenhafte Befolgung des im Jahre 3665 an den perſiſchen Hof zu Artarerxes Longimanus zurück, erfuhr aber bald darauf zu ſeiner tiefſten Betrübniß, daß eine neue grenzenloſe Unordnung in Jeruſalem eingeriſſen ſei. Der Hohenprieſter Cliaſib, welcher inzwiſchen mit der Einnahme und Verwaltung der in den Tempelſchatz einlaufenden Erſtlings⸗ und Zehentſteuer beauftragt worden war, hatte im Einverſtändniß und unter Mitwirkung des durch die ungeſetzliche Heirath einer Israelitin aus dem Prieſtergeſchlechte, welche wahrſcheinlich nicht hatte können rückgängig gemacht werden, ihm nahe verſchwägerten Ammoniters Tobias ſich ſelbſt einen Privatſchatz angelegt, und den Leviten und aufgeſtellten Sängern am Tempel ihren Antheil nicht ausbezahlt, wodurch dieſelben ſogar genöthigt waren, zur Erwerbung ihres Unterhaltes wiederum auf ihre im Lande zerſtreuten Heimathsorte zurückzukehren. Nehemias bat daher den König um Er⸗ laubniß, von Babylon, ſeinem damaligen Aufenthaltsorte aus eine zweite Reiſe nach Jeruſalem antreten zu dürfen. §. 704 2. Esdra 13, 7— 19. 11— 14. Mit erhaltener königlicher Bewilligung zum zweiten Male zu Jeruſa⸗ lem glücklich eingetroffen, verſäumte er keinen Augenblick, die Schatz⸗ kammer des Tempels zu unterſuchen und ſämmtliche darin befindliche, auf den Ammoniter Tobias Bezug habende Geräthſchaften ohne Umſtände hinauswerfen zu laſſen. Die vor ihm verſammelten Vorſteher der Stadt⸗ gemeinde wurden bei dieſer nämlichen Gelegenheit ernſtlich von ihm wegen der eingeriſſenen Unordnungen zur Rede geſtellt, und anſtatt des von ſeinem Amte als Schatzaufſeher entſetzten Eliaſib vier andere zuverläſſige Männer, nämlich der Prieſter Selemias, der Schriftgelehrte Sadoe und die beiden Leviten Phadaja und Hanan zu Verwaltern aufgeſtellt. 3 2. Esdra 13, 15— 22. Bald darauf ſah Nehemias gelegentlich jüdiſche Stammgenoſſen am Sabbathtage knechtiſche Arbeit verrichten, ingleichen tyriſche Handelsleute mit Fiſchen und anderen käuflichen Artikeln am Sabbath durch die Thore Jeruſalems auf den Markt kommen. Sogleich berief er eine neue Ver⸗ ſammlung der Stadtvorſteher, in welcher dieſelben unter Ertheilung eines ernſtlichen Verweiſes zu ſorgfältiger Schließung und Bewachung der Stadtthore am Sabbathtage angewieſen wurden, bei welcher Gelegenheit gefaßten Gemeindebeſchluſſes überwachen mußten. Die auf dieſe Weiſe in ihrer Hoffnung auf Einlaß getäuſchten Handelsleute hielten ſich am nächſten, ſowie am nächſtdarnachfolgenden Sabbath den ganzen Tag bis zum Abend vor dem Thore auf. Nehemias duldete dieß jedoch ebenfalls nicht, ſondern brachte ſie durch die Drohung, ſie das nächſte Mal, wenn ſie ſich am Sabbath ſehen laſſen würden, durch bewaffnete Hand davon jagen zu laſſen, dahin, daß ſie fortan am Sabbathtage keinen weiteren Einlaß begehrten. Die an ihren Dienſt zurückgerufenen, mit der Thor⸗ wacht beauftragten Leviten wurden bei dieſer Gelegenheit von Nehemias ermahnt, jeder derartigen Entweihung des Sabbaths für die Zukunft nachdrücklich vorzubeugen. §. 736. 2. Esdra 13, 23— 30. Eine weitere ärgerliche Beobachtung, welche Nehemias in jener Zeit zu machen Gelegenheit hatte, war, daß einzelne auf dem Lande zerſtreut lebenden Juden in der Zwiſchenzeit wiederum philiſtäiſche, ammonitiſche und moabitiſche Weiber geheirathet und mit⸗ denſelben Kinder erzeugt hatten, welche auf eine lächerlich anſtößige Weiſe, der reinen Landes⸗ ſprache nicht mehr mächtig, fremdländiſche und jüdiſche Worte durchein⸗ ander mengten. Nehemias nahm keinen Anſtand, dieſelben dafür zur Strafe eigenhändig durchzuprügeln und ihnen die Haare vom Kopfe herunterzuraufen, wobei er ihnen unter derben Scheltworten die Schwere ihrer begangenen Sünden vor Augen ſtellte, und ſie auf dieſe Weiſe zwang, den begangenen Mißbrauch wieder abzuſtellen. Um dieſe Zeit ſchloß er auch einen Sohn des nachmaligen Hohenprieſters Jojada und Enkel Eliaſib's aus der jüdiſchen Gemeinde förmlich aus zur Strafe dafür, weil er eine Tochter Sannaballat's des Horoniters geheirathet hatte. §. 7837. 2. Esdra 13, 30— 31. Wie lange Nehemias, der ſich gleichzeitig die vollkommene Wieder⸗ herſtellung der neueingeführten gottesdienſtlichen Anordnungen ernſtlichſt angelegen ſein ließ, noch lebte, iſt unbekannt. Wahrſcheinlich überlebte er den König Artaxerxes Longimanus, welcher nach der Angabe von Profanſchriftſtellern im Jahre 3674 geſtorben iſt. Unter der Regierung ſeines Nachfolgers Darius Nothus ſcheint zufolge der chronologiſch etwas verworrenen Erzählung des jüdiſchen Geſchichtsſchreibers Fl. Joſephus (Antiqd. Jud. lib. XI. ep. VII. am Ende und cp. VIII.) Sannaballat ſeinem Ehlth Gſchibt mefkrthl lI Sich Uilſchen 1 M Wl ih chein⸗ ch orhu. feinen 125⁵ Schwiegerſohne, welcher den Namen Manaſſe getragen haben ſoll, zur Entſchädigung für die verlorne Anwartſchaft auf das jüdiſche Hohen⸗ prieſterthum einen eigenen Tempel auf dem Berge Garizim in der Nähe von Sichem erbaut zu haben, an welchem derſelbe die Stelle eines ſchis⸗ matiſchen Oberprieſters verſehend, die Religion der Samaritaner nach den fünf Büchern Moyſes neu organiſirte, und unter beſtändiger bereit⸗ williger Aufnahme aller Juden, welche durch die ſtrenge Disciplin des reinen jüdiſchen Geſetzesdienſtes abgeſchreckt, bei ihm ihre Zuflucht ſuchten, den Herd einer fortdauernden religiöſen Widerſetzlichkeit gegen die ächte Ueberlieferung der auf wahrer Offenbarung beruhenden israelitiſchen Religion gründete.— Sein Vater Jojada hatte im elften Regierungs⸗ jahre des Darius Nothus, ſomit im Jahre 3685, inzwiſchen an der Stelle des verſtorbenen Eliaſib ſein hohenprieſterliches Amt angetreten. In die Zeit dieſes Paragraphen rechnen wir das Lebensende des Nehemias, deſſen Verdienſt als unentbehrlichen Ergänzers des von Esdra unternommenen Kirchenreformationswerkes wir bereits in der Anmerkung zu§. 729. nach Gebühr hervorzuheben uns Mühe gegeben haben. Das von dem angeblich den Namen Manaſſe geführt habenden Schwieger⸗ ſohne Sannaballat's geſtiftete ſamaritaniſche Schisma iſt nach unſerer Auffaſſung der zweite(vergl.§. 657. Anmerk.) auf wiſſentlich falſche Principien gegründete Religionsorganismus, welcher nach der Lehre Zoroaſter's aufgekommen iſt, und durch ſeine täuſchende Gewalt auch in der Ueberzeugung des gegenwärtig in einem kleinen Häufchen noch übrigen Volkes der Samaritaner unverwüſtlich feſte Wurzel geſchlagen hat. Der noch jetzt exiſtirende und in die Polyglotte aufgenommene ſamaritaniſche, eigentlich aber in hebräiſcher Sprache nur mit ſamaritaniſchen Schrift⸗ zeichen geſchriebene Coder der fünf Bücher Moyſes, welcher ſich im Gan⸗ zen durch ſeine exacte Uebereinſtimmung mit dem hebräiſchen auszeichnet, iſt wahrſcheinlich von Manaſſe bei Gelegenheit ſeines Abfalles nach Samaria mit hinübergenommen worden. Ueber die Kritik der bei Flav. Joſephus(Antiqq. Iib. XI. cp. 8.) gegebenen Erzählung von der Grün⸗ dung des ſamaritaniſchen Schisma vergl. Prideaux's Connexion 6. Buch ad ann. 409. Auch die erſte Beilage zum 4. Bande von Stolberg's Religionsgeſchichte, von den Religionsſpaltungen bei den Israeliten be⸗ titelt, enthält über die Samaritaner leſenswerthe Notizen. §. 738. Prophetia Malachiae cp. 1— 4. Wahrſcheinlich in die Regierungszeit des nämlichen Königs Darius Nothus fallen, dem Inhalte nach zu ſchließen, die Weisſagungen des Propheten Malachias, welche in die damaligen ſittlichen Zuſtände des jüdiſchen Volkes eine höchſt anſchauliche Einſicht verſtatten. Der neuein⸗ geführte Gehorſam gegen das durch Moyſes gegebene göttliche Geſetz war — 126 bei Vielen nicht viel mehr als ein Zwangsgehorſam, welcher ſich der obliegenden Verpflichtungen ſo wohlfeil als möglich ſelbſt auf Koſten des Ehrgefühls und der Gewiſſenhaftigkeit zu entledigen ſuchte. An die Stelle der durch mancherlei Umſchweife von den damaligen Juden ver⸗ höhnten Opfergeſetze verheißt Gott durch den Propheten die Stiftung eines neuen, keiner weiteren Verunreinigung ausgeſetzten Opfers, welches dem Namen Gottes allerorten dereinſt ſolle dargebracht werden. Zu ſitt⸗ licher Reinigung ſowohl des mit dem übelſten Beiſpiele vorangehenden Prieſterſtandes, als des durch denſelben verleiteten Volkes, wird ein be⸗ ſonderer Bote Gottes verheißen, welcher der Ankunft des Meſſias un⸗ mittelbar vorhergehen ſoll; der Meſſias ſelbſt aber werde über die hart⸗ näckißen Geſetzesübertreter ein ſtrenges Gericht halten. Am Schluſſe des Buches weisſagt Malachias das mit der Erlöſung der Frommen ver⸗ bundene endliche Gericht über ſämmtliche gottloſe Feinde des Volkes, welchem jedoch noch die zeitliche Ankunft des Propheten Elias voraus⸗ gehen werde. Die verhältnißmäßig guten und frommen Israeliten wer⸗ den inzwiſchen zu unermüdlich beſtändiger gewiſſenhafter Beobachtung der Vorſchriften des moſaiſchen Geſetzes aufgefordert. Die Malachias 1, 11. enthaltene Ankündigung eines zukünftig aller⸗ orts darzubringenden reinen Speiſeopfers wird von der katholiſchen Kirche(concil. Trident. sess. XXII, cp. 1.) laut der einſtimmigen Er⸗ klärung der Kirchenväter von dem in der chriſtkatholiſchen Gemeinſchaft dargebrachten heiligen Meßopfer ausdrücklich interpretirt, eine Aus⸗ legung, welche, da die Worte„in omni 1000 sacrificatur“ im Texte aus⸗ drücklich dabei ſtehen, von Seite heterodoxer Theologen auch ſchwerlich aus exegetiſchen Gründen dürfte können angefochten werden. Wir glauben überdieß nicht mit Unrecht die ſo oft gerade zum Angriffe auf die katho⸗ liſche Ritualtradition mißbrauchten Worte unſeres Heilandes an die Samaritanerin(Ev. Joh. 4, 22— 24.) als eine, zwar nicht auf das Verſtändniß ſeiner im damaligen Augenblicke allein gegenwärtigen Zu⸗ hörerin, welcher der Text des Propheten Malachias ohnehin auf keinen Fall bekannt war, berechnete, wohl aber unverkennbar mentale Anſpielung gerade auf dieſe prophetiſche Stelle auffaſſen zu dürfen. Es bildet dieſe zugleich mit der op. 3, 1—5. enthaltenen Ankündigung des Vorläufers Johannes des Täufers, die nach unſerer Aufzählung neunzehnte und zu⸗ gleich überhaupt die letzte der meſſianiſchen Hauptweisſagungen. Siehe Anmerk. zu§. 649.— Die Worte:„veniet ad templum suum Domi- nator“ u. ſ. w. ſind zugleich eine gelegentliche Wiederholung der bereits von Haggäus(op. 2, 3—10.) geweisſatten zukünftigen perſönlichen An⸗ weſenheit des Meſſias in dem gegenwärtigen Tempel(vergl.§. 640.). 0 Ji 6 Iepb. 4 Auf All Weun Ileter. unt, ngen Hem Alt v Päc Uuth lch luthe Vuſt. Uiſe! dle ge 1 Un N * Ahm N0⁰ Rulte fd 127 CXLIII. Perſiſche Landeshoheit.(Fortſetzung.) Die Hohenprieſter J30ojada, Johanan und Jaddua.(Fortſetzung.) §. 739. Joseph. Antidd. lib. XI. cp. 7. Prideaux Connexion lib. VII. ab ann. 405— ad ann. 366. Auf Darius Nothus, welcher im Jahre 3693 ſtarb, folgte in der Regierung des perſiſchen Reiches Artaxerxes Mnemon, in deſſen 32. Re⸗ gierungsjahre, alſo beiläufig im Jahre der Erſchaffung 3725, dem Hohen⸗ prieſter Jojada ſein zweiter Sohn Johanan, bei Joſephus Johannes ge⸗ nannt, im Amte nachfolgte. Derſelbe gab im Jahre 3733, da ſein jüngerer Bruder Jeſhua im Vertrauen auf die Gunſt des perſiſchen Feld⸗ herrn und Statthalters Bagoſes ihn aus dem Amte zu verdrängen An⸗ ſtalt machte, das unerhörte Aergerniß, denſelben bei Gelegenheit eines zwiſchen beiden ausgebrochenen Wortwechſels eigenhändig noch dazu im Tempel zu erſchlagen, für welches nicht allein er, ſondern mit ihm zu⸗ gleich auch das ganze Land auf doppelte Weiſe einmal dadurch beſtraft wurde, daß Bagoſes ſich auf eine die Geſetze des Heiligthums kränkende Weiſe den Eingang in den Tempel erzwang, und daß er auf eine ge⸗ wiſſe Reihe von Jahren auf jedes im Tempel zu ſchlachtende Opferlamm eine gewiſſe Geldſteuer legte. Da uns die bibliſchen Quellen von jetzt an auf eine Zeit lang ſo gut wie gänzlich verlaſſen, ſo ſind wir genöthigt, uns auf ſo lange eines anderweitigen Führers zu bedienen, unter deren Mehrheit wir Prideaux un⸗ bedingt den Vorzug geben, und deßwegen bei ſeinen Reſultaten auch in ſolchen Punkten, in welchen die Angaben anderer Bearbeiter von ihm abweichen, unmaßgeblich ſtehen bleiben. Diejenigen wißbegierigen Leſer, welchen dieſes gegenwärtig in Deutſchland wahrſcheinlich etwas ſeltene Buch nicht zugänglich ſein ſollte, werden auch im 4. Bande von Stolberg's Reli⸗ gionsgeſchichte hin und wieder dankenswerthen umſtändlicheren Aufſchluß finden. §. 740. Prideaux Connex. lib. VII. ab ann. 363— ad ann. 341. Nachdem Artaxerxes Mnemon zu Ende einer nach Prideaux's Be⸗ rechnung 46jährigen Regierung, alſo beiläufig im Jahre der Erſchaffung 3740 mit Tod abgegangen, folgte ihm Artaxerres Ochus, welcher im neunten Jahre ſeiner Regierung, alſo beiläufig im Jahre 3748, der Selbſt⸗ ſtändigkeit Egyptens durch einen glücklichen Feldzug ein ſchließliches Ende machte. In ſeinem 18. Regierungsjahre ſtarb der Hoheprieſter Johanan, welchem ſonach im Jahre 3755 ſein Sohn Jaddua im Amte nach⸗ folgte. 128 8.. Prideaux Connex. ab ann. 338— ad ann. 336. In ſeinem 22. Regierungsjahre, folglich im Jahre 3761, wurde Artaxerxes Ochus von ſeinem eigenen Feldherrn Bagoas, welchen Stol⸗ berg mit dem im§. 739. erwähnten Bagoſes für Eine und die nämliche Perſon hält, aus Rachſucht vergiftet, aber auch ſeine ganze Familie bis auf den einzigen Arſes ausgerottet, welchen derſelbe an ſeiner Stelle auf den perſiſchen Thron erhob. Nachdem er aber auch dieſen zwei Jahre darnach, im Jahre 3763, aus dem Wege geräumt, wurde er von Darius Codomannus, einem Urenkel des Darius Nothus, den er nach dieſem auf den Thron erhoben, gezwungen, zur Strafe ſeiner fortgeſetzten Verrätherei ſelber den Giftbecher auszuleeren. Bagoas war ein Egypter von Geburt. Seine Rachſucht gegen Ochus gründete ſich nicht ſowohl auf ſonſtige Grauſamkeiten, als insbeſondere auf die Religionsbeſchimpfungen, welche ſich Artaxerxes Ochus bei der Eroberung von Egypten, wo er unter andern den heilig gehaltenen Stier Apis eigenhändig erlegt, ſich hatte laſſen zu Schulden kommen. CLXIV. Perſiſche Landeshoheit.(Schluß.) Gründung des macedoniſchen Weltreiches. Der Hoheprieſter Jaddua. (Fortſetzung). §.. 742. Prideaux Connex. ab ann. 33— ad ann. 333. Darius Codomannus war bereits von Anfang ſeiner Regierung an genöthigt, der erklärten Eroberungsſucht des jungen macedoniſchen Königs Alexander gegenüber, welchem durch den Sieg bei Chaeronea bereits die In ſämmtlichen Streitkräfte von ganz Griechenland zu Gebote ſtanden, auf ſeine Vertheidigung zu denken, hatte aber trotz einer ebenſo umſichtigen als tapferen Gegenwehr das Unglück, im zweiten und dritten Jahre ſeiner Regierung in den beiden aufeinander folgenden Schlachten am Granicus önli 3764 und bei der Stadt Iſſus 3765 vollkommen geſchlagen und mit fef Verluſt der werthvollſten Provinzen ſeines Reiches in das innere Aſien zurückgeworfen zu werden. Wahrſcheinlich ſeiner phantaſtiſchen Grille 0 zuliebe, um jeden Preis dem Orakel des Jupiter Ammon in Lybien Un einen Beſuch abſtatten zu wollen, verſchmähte es Alexander jedoch, ſeinen Uun 15 errungenen Sieg für den Augenblick unmittelbar weiter zu verfolgen, j ſondern beeilte ſich vor allen Dingen, längs der ſyriſchen Meeresküſte Lite mit ſeinem Heere die Richtung nach Egypten einzuſchlagen. Jabdu⸗ 129 §. 743. Prideaux Connex. ad ann. 333. Unter allen auf ſeinem Wege gelegenen Städten hatte Thyrus allein, d. h. die unter dieſem Namen auf einer, dem Meeresufer benachbarten Inſel angelegte und vortrefflich befeſtigte neue Stadt den Muth, anſtatt dem Croberer ihre Thore zu öffnen, ihm vielmehr nur Geſchenke und Freundſchaft anbieten zu laſſen. Aber der Stolz Alexander's, deſſen Seele ſchon damals von der fixen Idee, ſich für den leibhaftigen Sohn des höchſten Gottes zu halten beherrſcht war, vertrug es nicht, eine die ſeiner Oberherrſchaft, wie er glaubte, gebührende Anerkennung ver⸗ weigernde Stadt auf ſeinem Zuge hinter ſich zu laſſen, weßwegen er weder Zeit noch Mühe ſparte, um ſie auf die um jeden Preis durch⸗ zuſetzende gewaltſame Unterwerfung dieſes bisher unter perſiſcher Obrigkeit geſtandenen, für ihn ſonſt ziemlich werthloſen Hafenplatzes daranzuwenden. Vergleiche zu dieſem und den nächſtfolgenden Paragraphen die Weis⸗ ſagungen des Propheten Zacharias§. 647.— Der vorgebliche Grund, auf welchen hin Alexander in Tyrus eingelaſſen zu werden beanſpruchte, war ſein Verlangen, im Tempel des Herkules Opfer darbringen zu wollen. Während der Belagerung träumte es ſpäter einem Tyrier, er ſähe die Statue des Apollo Tyrus verlaſſen und zu Alexander über⸗ gehen, durch welches ungünſtige Zeichen erſchreckt, die Thrier dieſelbe mit goldenen Ketten an dem Altare des Herkules feſtbanden. Nach erfolgter Einnahme wurde die ganze Stadt bis auf den Tempel des Herkules von Grund aus zerſtört, und demſelben, nachdem der Apolloſtatue ihre gol⸗ denen Feſſeln wieder abgenommen worden waren, von Alexander die be⸗ abſichtigten Opfer dargebracht. §. 744. Flav. Josephus Antiqd. lib. XI. op. 8. Prideaux Connex. ab ann. 333— ad ann. 332. Da Alerander keine Schiffe zu ſeiner Verfügung hatte, ſo konnte er die auf einer Inſel gelegene Stadt auch nicht im eigentlichen Sinne des Wortes belagern. Es blieb ihm vielmehr nichts Anderes übrig, als vom Feſtlande her gegen die Inſel zu einen breiten Damm anlegen zu laſſen, zu deſſen Aufführung ihm ſowohl die benachbarten Wälder des Libanon, als insbeſondere der von der Zerſtörung von Alt⸗Tyrus unter Nabucho⸗ donoſor(vergl.§. 582.) noch daliegende Schutt vortreffliche Dienſte leiſtete. Da nun dieſe enorme noch jetzt vorhandene Arbeit nicht weniger als ſieben Monate jedoch zu ihrer Vollendung nöthig hatte, die Stadt Tyrus aber von jeher der eigentliche Marktplatz für die in Paläſtina in vorzüglicher Güte und Menge gewonnenen Bodenerzeugniſſe geweſen war(ſ. Ezech. 27, 17.§. 553.), ſo iſt nichts glaublicher, als was Joſephus erzählt, Krafft, heil. Geſchichte. il. 9 daß Alexander während dieſer Zeit eine Aufforderung an den Hohen⸗ prieſter Jaddua zu Jeruſalem zur Unterſtützung ſeines Heeres mit Ge⸗ traidelieferungen habe ergehen laſſen. Der jüdiſche Hoheprieſter ſoll ſich inzwiſchen mit Berufung auf ſeine gegen den perſiſchen König eingegan⸗ genen eidlichen Unterthanenpflichten deſſen geweigert und dadurch den Zorn Alexander's in einem ſo hohen Grade gereizt haben, daß er ſchwur, ſo⸗ bald er Tyrus in ſeine Gewalt bekommen, auch an dem jüdiſchen Volke und Lande unerbittliche Rache zu nehmen. §. 745. Fl. Joseph. Antidd. lib. XI. cp. 8. Prideaux Connex. ad ann. 332. Von Tyrus aus zog Alexander der Große nach deſſen im Jahre 3766 erfolgter Eroberung der Erzählung des Fl. Joſephus zufolge nicht gerade direct nach Jeruſalem, ſondern vielmehr zunächſt nach der Philiſter⸗ ſtadt Gaza, welche auf ſeinem Wege nach Egypten gelegen, von ihm ebenfalls nach zweimonatlicher Belagerung genommen wurde. Von dort aus aber ſcheint er mit einer kleineren Heeresabtheilung in der Abſicht, um ſeine angedrohte Rache an den Juden auszuüben, eine Diverſion nach Jeruſalem gemacht zu haben. Durch die Nachricht von der An⸗ näherung Alexander's in die ängſtlichſte Beſorgniß verſetzt, wendete ſich der Hoheprieſter im Gebete um Hilfe zu Gott, und empfing im Traume Offenbarung, daß er ſich nur nicht fürchten, ſondern getroſten Muthes in hohenprieſterlichem Ornate, begleitet von einem zahlreichen Gefolge von Prieſtern und feſtlich gekleideten Perſonen aus allen übrigen Stän⸗ den, dem Eroberer friedlich ſolle entgegenziehen. §. 746. Josephus ibid. Prideaux ibid. Sobald Alexander des in Proceſſion ihm entgegenziehenden Hohen⸗ prieſters anſichtig geworden, verwandelte ſich ſein Zorn unerklärlicher Weiſe in eine ganz entgegengeſetzte, unwillkührlich ſanfte verehrungsvolle Gemüthsſtimmung, in welcher er vor dem auf dem Bruſtſchilde desſelben eingecrabenen Namen des Gottes Israel zur größten Ueberraſchung aller Anweſenden ſogar anbetend auf ſeine Kniee niederfiel. Als nun Par⸗ menio, der einzige unter ſeinen Feldherrn, welcher dazu den Muth hatte, ſich die Freiheit nahm, Alexander wegen eines ſo unerwarteten Benehmens um die Urſache zu fragen, ſo erhielt er von demſelben zur Antwort, daß er in der Perſon des jüdiſchen Hohenprieſters die bereits in Macedonien gehabte Traumerſcheinung eines Mannes wiedererkenne, der ihm im Na⸗ I ul Wogt ſier f 1 I enehmel ort, Rf thonml 131 men Gottes die Eroberung des Perſerreiches verſprochen habe, weßwegen er von jetzt an gar nicht zweifele, daß ihm die Erreichung ſeines Wun⸗ ſches binnen Kurzem wirklich gelingen werde. CLXV. Gründung des maeedoniſchen Weltreiches. Der Hoheprieſter Zaddua.(Fortſetzung.) 8.3747. Josephus g. a. O. Prideaux Conncx. ad ann. 332. Alexander umarmte den Hohenprieſter und zog mit ihm friedlich in Jeruſalem ein, woſelbſt er im Tempel nach Vorſchrift des Geſetzes Opfer verrichtete, und bei dieſer Gelegenheit von dem Hohenprieſter auch über die im Propheten Daniel enthaltenen, auf ihn perſönlich zielenden Weis⸗ ſagungen angeblich aufgeklärt und näher unterrichtet wurde. Hierüber hoch erfreut forderte ihn Alexander unmittelbar vor ſeinem, des andern Tages angetretenen Abzuge auf, ſich eine beliebige königliche Gunſt⸗ bezeugung auszubitten, worauf derſelbe unbeſchränkte Religionsfreiheit für die Juden ſowohl in Paläſtina als in allen übrigen Theilen des noch zu erobernden Weltreiches und das Recht der Steuerfreiheit im Erlaßjahr unverweilt bei dem Könige auswirkte. Auf Alexander's Aufforderung ſollen einzelne Juden auch in ſeinen Kriegsdienſt eingetreten ſein. Die Samaritaner, welche ſich kurz darauf die nämlichen Vergünſtigungen bei Alexander ausbaten, erreichten aber, wie erzählt wird, ihren Zweck nicht, ſondern wurden mit einem unbeſtimmt aufſchiebenden Beſcheide wieder entlaſſen. Die im Propheten Dantel enthaltenen, auf Alexander den Großen bezüglichen Weisſagungen ſind erzählt in den§§. 493. 590. 592. 593. 615. §. 748. Josephus contra Apionem II. Pg. 4. Prideaux ad ann. 332. Von der Stadt Gaza aus, bei deren Eroberung Alexander ſich ähn⸗ licher zwecklos übertriebener Grauſamkeiten, als bei derjenigen von Tyrus ſchuldig gemacht hatte, ſetzte derſelbe ſchleunig ſeinen beabſichtigten Feld⸗ zug nach Egypten fort, deſſen Einwohner, der drückend auf dieſem Lande laſtenden perſiſchen Herrſchaft überdrüſſig, ihm überall mit bereitwilliger Unterwerfung freudig entgegengingen. Da ſomit keine Schwierigkeiten 9* 132 für ihn in dieſem Lande zu überwinden waren, ſo verlor er keinen Augen⸗ blick, um von dort aus den weiteren äußerſt gefahrvollen Zug in die Oaſe des Jupiter Ammon in der Abſicht anzutreten, um ſich, wie auch wirklich geſchah, von den Prieſtern desſelben als für einen von Jupiter auf übernatürliche Weiſe erzeugten Sohn erklären zu laſſen. Auf dem Wege zu dieſem ebenſo abentheuerlichen als anſtößigen Ziele hatte er jedoch den äußerſt klugen und glücklichen Gedanken, an einer von ihm für geeignet erkannten Stelle des Meeresufers eine neue, nach ſeinem Namen zu nennende Stadt, das noch heute ſogenannte Alexandria, an⸗ legen zu laſſen, welche von ihm mit beſonderen Rechten begünſtigt, namentlich in Folge der Zerſtörung von Tyrus unter Mitwirkung anderer glücklicher Zeitumſtände ſehr ſchnell mächtig heranblühte. Den aus ſeiner Begleitung dortſelbſt ſich anſiedelnden Juden ſoll er vor ſeinem Abzuge gleiche Rechte mit den Macedoniern eingeräumt haben. §. 749. 1. Maccab. 1, 1—8. cp. 6, 1. 2. Prideaux Connex. lib. 8. ad ann. 331 et 330. Nachdem er den Winter über mit Anordnung der egyptiſchen An⸗ gelegenheiten zugebracht, rückte Alexander im Frühling des darauffolgen⸗ den Jahres 3767 neuerdings in das Feld, um die beabſichtigte Eroberung des perſiſchen Reiches zu vollenden. Da ſich die Samaritaner mittler⸗ weile gegen einen von Alexander aufgeſtellten Statthalter, den ſie zugleich ermordeten, empört hatten, ſo wurden ſie gewaltſam aus der Stadt Samaria vertrieben, von wo aus ſie in Sichem am Berge Garizim eine kümmerliche Zuflucht fanden, während Samaria von macedoniſchen Colo⸗ niſten bevölkert wurde. Bis in den Monat Oktober des gleichen Jahres traf Alexander endlich mit Darius, deſſen Friedensvorſchläge er zu drei verſchiedenen Malen verworfen hatte, bei dem jenſeits des Tigris ge⸗ legenen Flecken Gaugamela wieder zuſammen, deſſen geſammte Waffen⸗ macht er durch dieſen letzten Hauptſtreich ſo gut wie vernichtete. Ein Jahr darauf fiel Darius auf der Flucht in Parthien von ſeinen eigenen Unterbefehlshabern verrätheriſcher Weiſe ermordet im Jahre 3768. Alexan⸗ ders weitere Feldzüge, im Laufe deren er ſtets ſiegreich bis nach Indien vordrang, gehören in die Profangeſchichte. In die Zeit dieſes Paragraphen gehört die 1. Maccab. 6, 2. er⸗ wähnte, von Seite Alexander's erfolgende unerhört reiche Beſchenkung des Tempeis von Elymais in Perſien. Klet Nalt Hk 11 4 F c W0 i1. In fich ſl, lac Prideaux Connex. lib. 8. ad ann. 324 et 323. Aus ſeinen ſämmtlichen mit unerhörten Strapatzen verbundenen Feld⸗ zügen glücklich zurückgekehrt, ging Alexander damit um, die noch immer in ihrer Anſehnlichkeit ſich ähnliche Stadt Babylon zu ſeines Reiches bleibender Hauptſtadt zu machen. Er traf dieſerhalb unter andern An⸗ ſtalten, die unter Cyrus demolirten Uferdämme des Euphratſtromes wie⸗ der herſtellen, und beabſichtigte ſogar, den von Kerxes zerſtörten Belus⸗ thurm größer und prächtiger als bisher wieder aufführen zu laſſen. Die zu dieſer Arbeit unter andern beorderten jüdiſchen Armeeſoldaten ſollen ſich bei dieſer Gelegenheit derſelben geweigert haben, ohne daß ſie für ihre bewieſene Widerſetzlichkeit mit etwas Anderem, als mit Entlaſſung aus dem Dienſte beſtraft wurden. Noch bevor aber dieſe beiden Arbeiten zu einem günſtigen Reſultate gediehen waren, ſtarb Alexander plötzlich im Frühling des Jahres 3775. Obwohl eine ihm eigenthümliche, äußerſt unregelmäßige Lebensweiſe ſeinen Tod auch natürlich erklären würde, wird nichts deſto weniger nicht unglaubwürdig behauptet, daß ein von Caſſan⸗ der, ſeines Feldherrn Antipater älteſtem Sohne ihm gereichtes Gift die nächſte Urſache desſelben geweſen ſei. Der Charakter und die geſchichtliche Bedeutung Alexander's, eines Mannes, welcher beinahe ebenſo folgenreich wie Nabuchodonoſor und Cyrus und zwar auf eine höchſt wohlthätige Weiſe in die Geſchichte des jüdiſchen Volkes eingegriffen hat, iſt trotz dem, daß die einzelnen Be⸗ gebenheiten ſeines Lebens ſo genau wie bei irgend einem anderen ge⸗ ſchichtlichen Helden bekannt ſind, dennoch auch bei näherer Unterſuchung ziemlich räthſelhaft und ſchwer zu zeichnen. Seine unläugbar höchſt fruchtbare allſeitige perſönliche Wirkſamkeit beſteht im Allgemeinen in der Begründung einer neuen Epoche, in welcher orientaliſche Beſchaulichkeit und Gemüthsruhe, die Grundlage aller großen Friedensunternehmungen, den zahlreich eindringenden macedoniſchen Eroberern in dem nämlichen Augenblicke unwillkührlich ſich mittheilte, in welchem dieſelben die Formen der griechiſchen Cultur überhaupt und insbeſondere die griechiſche Sprache auf orientaliſchem Boden zu verbreiten beſchäftigt waren. Der weite griechiſch orientaliſche Bildungskreis, das eigentliche Terrain, auf welchem die chriſtliche Urkirche zuerſt erwachſen iſt, kann auf keinen andern ur⸗ ſprünglichen Schöpfer, als gerade auf Alexander den Großen mit größerer geſchichtlicher Wahrheit zurückgeführt werden. Aus dieſer unleugbaren Thatſache ſchließen wir denn mit vollem Rechte zurück, daß die unver⸗ kennbar im Plane der göttlichen Vorſehung gelegene theilweiſe organiſche Wiedervereinigung von Völkerſchaften, welche urſprünglich von Einer menſchlichen Familie entſprungen, erſt im Laufe der Zeit theils zufolge angeborner verſchiedener Neigungen, theils durch den Einfluß verſchiedener Klimate und verſchieden frühzeitiger Cultur in verſchieden geartete Popu⸗ lationen zerfahren waren, wahrſcheinlich auch Alexander's unwillkührlich beherrſchende Grundidee geweſen ſei, ein Plan, in deſſen gleichſam pro⸗ phetiſcher, zeitgemäß richtiger Erfaſſung er noch obendrein trotz ſeiner Jugend ſeinen ſämmtlichen griechiſchen Zeitgenoſſen und unter dieſen wiederum ſelbſt den hervorragendſten Geiſtern bei weitem überlegen ge⸗ weſen ſein muß. Denn trotz der außerordentlichen perſönlichen Anhäng⸗ lichkeit und Veneration, welche ſich Alexander unter ſeinen macedoniſchen Waffenbrüdern erworben, war vielleicht kein Einziger unter ihnen, welcher in dieſer Tendenz aus freiem Willen vollſtändig mit ihm harmonirt hätte; wir finden vielmehr, daß ein guter Theil derſelben im Gegentheil erſt durch förmliche moraliſche Gewalt von Alexander zur Ablegung ihres macedoniſch helleniſchen Nationalſtolzes gezwungen werden konnte. Am Ende folgten dennoch ſämmtliche Feldherrn Alexander's, welche nach ſeinem Tode durch die Natur der Umſtände von ſelbſt auf den Gedanken, ſich in ihren betreffenden Provinzen unabhängig zu machen, kommen mußten, gutwillig dem von ihrem Meiſter gegebenen Beiſpiele, ſo daß wir uns in dieſer Beziehung auch gar nicht darüber zu wundern brauchen, warum die göttliche Vorſehung es zugelaſſen hat, daß nicht etwa ein bloßer leiblicher Nachkomme Alexander's, deſſen geiſtige Befähigung zu dieſer Aufgabe vielleicht ſehr zweifelhaft geweſen wäre, im ganzen un⸗ getheilten Reiche, ſondern vielmehr die aus Alexander's Geiſtesſchule hervorgegangenen Feldherren in den einzelnen Theilen des zerſtückelten Reiches an das Ruder der Regierung gekommen ſind. Indem wir ſomit in Alexander dem Großen, abgeſehen von ſeinen heroiſchen Feldherrneigenſchaften und ſittlich religiöſen Charaktertugenden, ein politiſch adminiſtratives Genie vom erſten Range erblicken, deſto höher zu taxiren, auf einen je kürzeren Lebenszeitraum gleich ähnlichen domini⸗ renden Geiſtern auf anderen Gebieten ſeine ganze Wirkſamkeit zuſammen⸗ gedrängt war, ſo würden wir uns jedoch einer großen wiſſenſchaftlichen Einſeitigkeit ſchuldig machen, wenn wir gegen den gleichzeitigen wider⸗ wärtig demüthigenden und beſchämenden Eindruck, welchen die Betrachtung der Unvollkommenheiten und Fehler Alexander's auf den unbefangenen Beobachter hervorbringen muß, muthwilliger Weiſe unſere Augen ver⸗ ſchließen wollten, ein Eindruck, welcher uns beinahe zu der allgemeinen Behauptung veranlaſſen möchte, daß excentriſche Vollkommenheiten bei einem menſchlichen Individuum nach einem gewiſſen uns verborgenen Gleichgewichtsgeſetze beinahe regelmäßig auch das Vorhandenſein exeen⸗ triſcher Mängel vorausſetzen. Wir meinen darunter z. B. jenen nach unſerer Auffaſſung nicht ſowohl kindiſch originellen Einfall, als vielmehr halsſtarrig bornirten phantaſtiſchen Uebermuth, mit welchem ein in Be⸗ ziehung auf das Bedürfniß und den eigentlichen Beruf ſeiner Zeit ſchon in früher Jugend ſo auffallend hellſehender und mit ſo ausgezeichneten Mitteln zu allſeitiger Verfolgung ſeiner Zwecke reichlich ausgeſtatteter Geiſt ſeine Eitelkeit darein ſetzt, ſich in der Meinung ſeiner Zeitgenoſſen mit den fabelhaften Helden Bacchus, Herkules und Achilles verglichen ſehen zu wollen, und dieſem doch ziemlich geiſtloſen Ideale zuliebe, wel⸗ ches für ſich allein betrachtet eher auf einen Ritter Don Quichote, als auf einen der Heroen adminiſtrativer Politik zurückſchließen laſſen ſollte, nicht allein die ausgeſuchteſten Grauſamkeiten begeht, wie z. B. an den 135 Einwohnern der eroberten Stadt Tyrus und an dem in ſeine Gefangen⸗ ſchaft gerathenen tapferen Belis, dem Vertheidiger von Gaza, ſondern noch überdieß mit gleichzeitiger Verleugnung aller ſchicklichen Rückſichten der Schamhaftigkeit, Pietät und Gottesfurcht ſich von dem Orakel des Jupiter Ammon halb durch Zwang, halb durch Beſtechung, man weiß nicht im Ernſt oder im Scherz, für einen von demſelben übernatürlich erzeugten Halbgott erklären läßt. Es ſcheint dieſer Fehler beinahe in der Natur jener treibhausmäßigen Privaterziehung ſeinen Urſprung zu haben, zufolge welcher vorzugsweiſe gerade Prinzen, ſowie auch ſonſt Söhne aus bevorzugten Häuſern und Familien der Gefahr ausgeſetzt ſind, ihre natürlichen Jugendfehler in einem Alter, in welchem dieſelben in der Schule des gewöhnlichen Lebens ſchon längſt abgeſtreift worden wären, in unverminderter Stärke beizubehalten, ſo daß ſie dieſelben zu⸗ weilen ihr ganzes Leben lang zu ihrem größten eigenen Schaden nicht mehr los werden. Noch demüthigender und betrübender als dieſe am Ende vielleicht nicht ganz zurechnungswürdige, natürliche partiale Geiſtes⸗ ſchwäche ſind uns aber ſeine von dieſer nämlichen Zeit an gleichfalls erſt recht hervortretenden eigentlich ſittlichen Fehler, ſeine täglich zu größerer Gewohnheit ihm werdende unmäßige Trunkſucht und unnatürliche Wolluſt, ſowie die aus Exceſſen dieſer beiden fortgeſetzten Laſter mehrfach ent⸗ ſpringenden einzelnen verbrecheriſchen Handlungen, hinſichtlich deren jedoch immer wiederum als bewunderungswürdig anzuerkennen bleibt, mit wel⸗ cher unverhohlenen Aufrichtigkeit er, in den Zuſtand der Nüchternheit zurückgekehrt, dieſelben in der Regel wieder ſelber bereute, ſowie daß durch dieſelben fernerhin weder ſeine unerhörte energiſche Thätigkeit gelähmt, noch ſeine ihm einmal eigenthümlichen ſittlichen Charaktertugenden, unter denen wir eine unverkennbar tiefe Religioſität und eine ſeltene innerlich ſelbſt⸗ beherrſchende Mäßigung, vermöge welcher er auch tadelnde, ſogar ſpöttiſche Bemerkungen von ſeinen Waffengefährten zuweilen zu ertragen wußte, als beſonders lobenswürdig hervorheben, im Weſentlichen darunter ver⸗ kümmert wurden. Alexander der Große iſt daher überhaupt, wie wir gleich anfangs bemerkt haben, einer der räthſelhafteſten Menſchen, welche jemals unter der Sonne geboren worden ſind, indem man mit voller Wahrheit von ihm behaupten kann, daß er zu gleicher Zeit und in Einer Perſon vier dem Anſcheine nach pfychologiſch höchſt widerſprechende Dinge, nämlich ein ſchwärmeriſcher Phantaſt, ein den größten Laſtern ergebener Sünder, ein großer Politiker und zuletzt als Heide betrachtet ſogar ein wirklich anſehnlicher ſittlicher Tugendheld geweſen iſt. Die einzelnen Thatſachen, welche über Alexander's Lebensgeſchichte den verhältnißmäßig günſtigſten Ueberblick gewähren, ſind allenfalls folgende: Er wurden im dritten Regierungsjahre des Artaxerxes Ochus, alſo nach unſerer Rechnung beiläufig im Jahre der Erſchaffung 3742, dem Könige Philippus von Macedonien, ſeinem ebenfalls eroberungs⸗ ſüchtigen Vater, geboren, und von demſelben, welcher von ſeiner Seite ebenfalls eine griechiſche Jugendbildung genoſſen, griechiſchen Erziehern, unter welchen nebſt andern auch dem berühmten Philoſophen Ariſtoteles zum Unterrichte übergeben. Die frühzeitige Lectüre der Fliade des Homer machte auf ſeine heißblütige Phantaſie einen unverwüſtlich tiefen Eindruck. Nebenher ſcheint er auch noch des Kenophon's Anabaſis, ein Buch, deſſen Notizen ihm ſchon zur Führung ſeines beabſichtigten Krieges ſpäter bei⸗ nahe unentbehrlich waren, mit Begierde verſchlungen, und manche in dieſem Buche enthaltene, über den gewöhnlichen helleniſchen Geſichtskreis weit hinausgehende praktiſche Ideen(man⸗vergleiche die erſte von Keno⸗ phon an die im Lager verſammelten Griechen gehaltene Rede Anabasis III. 2., ſowie ſeine ſpäteren Coloniſationsprojecte Anab. V. 6, 15 sd. VI. 2, 1 8.) ſich ganz und gar angeeignet zu haben. Sobald er König geworden, brach die bei ihm von Jugend auf als Leidenſchaft gehegte Eroberungsſucht ſo unaufhaltſam los, daß er ſeinen erſten Angriff auf das perſiſche Reich mit einer nur ſehr kleinen Armee von 35,000 Mann und mit einer nur ſehr dürftig beſtellten Kriegskaſſe zu eröffnen den Muth hatte. Sobald er das erſte perſiſche Heer in einer wenigſtens fünffachen Ueberzahl auf dem anderen Ufer des Fluſſes Granicus vor⸗ theilhaft gegenüber gelagert anſichtig geworden, ſtürzt er gegen den Rath ſeines Feldherrn Parmenio auf ſeinem Lieblingsroſſe Bucephalus als der erſte in den Strom, um den Feind anzugreifen, und wäre ihm ſein Jugendfreund Clitus nicht mit eigener höchſter Lebensgefahr noch zu rechter Zeit zur Hilfe gekommen, ſo würde er bereits bei dieſem erſten verwegenen Streiche unfehlbar ſein Leben eingebüßt haben. Seine ihm inzwiſchen nachgefolgten macedoniſchen Waffengefährten warfen ſich unter⸗ deſſen, durch ſein kühnes Beiſpiel angefeuert, muthig auf den vortheilhaft aufgeſtellten Feind, und errangen nach heißem Kampfe unter ſeiner An⸗ führung ihren erſten glänzenden Sieg. Die in den Paragraphen bereits kurz berührten weiteren Kriegsoperationen Alexander's intereſſiren uns gerade für ſeinen Charakter nicht. Charakteriſtiſch iſt aber für ihn ſein unbedingtes Vertrauen in die Redlichkeit ſeines Arztes, von deſſen Hand er, gefährlich erkrankt, vor der Schlacht bei Iſſus den dargebrachten Trank beherzt ausleert, indem er ihm unterdeſſen einen ſoeben empfangenen Brief, in welchem ihm derſelbe als ein von Darius beſtochener Verräther, der ihn vergiften wolle, verdächtigt worden, unbefangen zu leſen gibt. Ebenſo charakteriſtiſch für ihn iſt ſein gegen Darius und deſſen ganze in ſeine Gefangenſchaft gerathene Familie beobachtetes perſönliches Ver⸗ halten, indem er den erſteren nach ſeinem unglücklichen Tode ehrenvoll als König begraben läßt, und darnach ſeine überlebende Mutter ſein ganzes Leben lang ſo rückſichtsvoll behandelt, daß ſie nach Alexander's eigenem Ableben aus Verzweiflung an einer weiteren erträglichen Zukunſt ſich ſelber den Tod gibt. Alexander's drei Hauptverbrechen ſind 1) die muthwillige Verbren⸗ nung von Perſepolis, welche man wenigſtens um deſſentwillen, weil er dieſelbe auf den Vorſchlag der Thats, einer athenienſiſchen Hetäre, an⸗ ordnete, als ein ſolches betrachten kann. 2) Die wenn auch im Zuſtande der Trunkenheit verübte eigenhändige Tödtung des nämlichen Clitus, welcher ihm ehemals das Leben gerettet hatte, aus Wuth über deſſen verwegene fortgeſetzte Beſtreitung ſeiner von ihm als dem vorgzeblichen Sohne Jupiter's nach dem Muſter der perſiſchen Könige ſogar von den ihn begleitenden Macedoniern in Anſpruch genommenen fußfälligen Ehren⸗ bezeugung. 3) Die auf Eingebung ſeines ihm unentbehrlich gewordenen Eunuchen Bagoas befohlene Hinrichtung des in Alexander's Dienſte über⸗ getretenen verdienſtvollen perſiſchen Statthalters Orſines, welcher dem⸗ Lerich Nler 137 ſelben ſehr bedeutende Dienſte geleiſtet, und nur ſeinen Kämmerer da⸗ durch, daß er ihn aus Verachtung abſichtlich mit Geſchenken übergangen, beleidigt hatte. Es kommen jedoch außer dieſen und einigen bereits früher erwähnten noch eine ziemliche Zahl weniger auffallender verbrecheriſcher Handlungen hinzu, wie z. B. die auf ſeinen Befehl erfolgende meuch⸗ leriſche Ermordung ſeines Feldherrn Parmenio, aus der allerdings nahe— liegenden Beſorgniß, daß ihm derſelbe wegen der Beſtrafung ſeines bereits als Aufrührer verurtheilten Sohnes Philotas untreu werden möchte, die Hinrichtung des ihn begleitenden Philoſophen Calliſthenes, welcher eben⸗ falls, jedoch in ruhig tadelnder Weiſe, die von Alexander in Anſpruch genommenen göttlichen Ehrenbezeugungen mißbilligt hatte, und endlich die grauſame Marterung eines Arztes, an welchem Letzteren er dafür, daß es ihm nicht gelungen war, ſeinen Buſenfreund Hephäſtio vom Tode zu retten, eine höchſt unedle grauſame Rachſucht ausübte. Ein Theil dieſer letzteren Handlungen muß ſogar deßwegen, weil er ſie mit kaltem Blute anordnete, als noch viel ſtrafbarer im Vergleich mit den erſt⸗ genannten betrachtet werden. Wenn es wahr iſt, daß er zuletzt Gift bekommen, ſo hatte er dadurch Gelegenheit, einen Theil der durch ſeine Sünden verwirkten zeitlichen Strafen bereits hier auf Erden abzubüßen; und bei ſeiner beinahe unverwüſtlichen Körperconſtitution ſollte man in der That kaum glauben, daß ſeine zwar durch außerordentliche Exceſſe überreizte, aber durch ebenſo große dazwiſchen ertragene Strapatzen immer wieder in das rechte Geleiſe zurückgeführte Lebenskraft bereits in ſolcher Jugend erſchöpft geweſen ſein könnte. Sein allenfallſiges ſpäteres Leben würde indeſſen vorausſichtlich weiter nichts als eine Art mechaniſche Fort⸗ ſetzung ſeines bisherigen geweſen ſein.— Schade dafür, daß dieſer mit einer ſo unerſchöpflichen geiſtig ſittlichen Naturkraft ausgeſtattete Königs⸗ ſohn in ſeinem ganzen Leben, wie es ſcheint, weder zu einer genügend klaren Selbſterkenntniß gekommen, noch über ſich ſelber jemals recht Herr geworden iſt, ein Uebelſtand, deſſen Hauptſchuld wir wohl der polytheiſtiſchen Abgötterei der Hellenen und der im Allgemeinen tief herabgeſunkenen Sittlichkeit der ganzen damaligen Zeit zuzuſchreiben be⸗ rechtigt ſind. Der Beſitz der zu einem Gemeingut für alle Völker der Erde beſtimmten chriſtlichen Religion ſichert uns gegenwärtig im Allge⸗ meinen vor ähnlichen abnormen Zeiterſcheinungen, legt uns dagegen auf der andern Seite auch eine deſto größere Verantwortlichkeit auf, wenn wir von derſelben keinen gewiſſenhaften Gebrauch machen. Ueber Alexan⸗ der's geſchichtliches Auftreten vergleiche die vortrefflich überſichtliche Zu⸗ ſammenſtellung der Thatſachen bei Prideaux's Connexion 7. und 8. Buch ab ann. 334— 323. und bei Jahn's Bibliſche Archäologie, politiſche Alterthümer§§. 70—73. Sechste Periode. Von der Theilung des macedoniſchen Weltreiches bis zur Uerfolgung der Juden unter Antiochus IV. Eniphanes. Von 3775— 3933. CLXVI. Theilung des macedoniſchen Weltreiches. Die Hohenprieſter Jaddua und Onias l. §. 751. 1. Maccab. 1, 6—8. Prideaux Connex. lib. 8. ann. 323. 322. Mit dem unerwartet jähen Tode Alexander's des Großen hörte die Einheit des neugegründeten macedoniſchen Reiches zwar noch nicht alsbald auch bereits wieder auf; es trat aber, da die Perſerin Roxane, Alexan⸗ der's einzige rechtmäßige Gemahlin, den Sohn, welchen ſie mit ihm er⸗ zeugt, noch nicht einmal geboren hatte, unter Perdiccas, dem vormund⸗ ſchaftlichen Reichsverweſer über dieſen, ſowie über Arrhidäus, einen von Alexander hinterlaſſenen blödſinnigen Halbbruder, nicht lange darauf eine grenzenloſe Verwirrung ein. Von ſämmtlichen Feldherren Alexander's, welche gegenwärtig natürlicher Weiſe als macedoniſche Statthalter in die Verwaltung der einzelnen Reichsprovinzen eintraten, ſtand nur der ein⸗ zige Eumenes, Alexander's geweſener Geheimſchreiber, auf Perdiccas' Seite, während die übrigen ſich theils aus Anlaß eines von Perdiccas gehegten Vermählungsprojectes mit der verwittweten Cleopatra, Alexan⸗ der's leiblicher Schweſter, zu einem feindſeligen Angriffsbündniſſe gegen die beſtehende Reichsverweſung vereinigten, theils in dem hierauffolgenden Kriege neutral verhielten. Arrhidäus, Alexander's hinterlaſſener Halbbruder, nahm den Zu⸗ namen Philippus an. Von ihm alſo benannt, beginnt mit dieſem Jahre die ſogenannte philippiſche Aera. 90 hfne fach m btecht mz! Aähenen Lunm Reſe. Ucheh! Ohaf Rertk lllic III ſicfhe 0 0 06 ül U 0 der t Fen 9 9 olle Rk fg eh f Wäghe Wchhrt Aue äz 0 9 Mgif K eichtl 139 g. 752. Prideaux Connex. ad ann. 321. Der in das dritte Jahr ſeiner Amtsverwaltung, das Jahr der Er⸗ ſchaffung 3777, das nämliche Jahr, in welchem der Hoheprieſter Jaddua ſtarb und ſein Sohn Onias I. ihm im Amte nachfolgte, fallende Krieg, erreichte ein baldiges Ende, indem Perdiccas im Kampfe gegen Ptole⸗ mäus Lagi, den Statthalter von Egypten, durch eine Verſchwörung ſeiner eigenen macedoniſchen Truppen ſein Leben einbüßte, welche bereits zum Voraus für Ptolemäus gewonnen, unmittelbar hierauf demſelben die Reichsverweſung antrugen, welches Amt er jedoch aus Mangel an Nei⸗ gung dafür ablehnte, und vielmehr zwei andere macedoniſche Feldherren Pithon und Arrhidäus an ſeiner Stelle in Vorſchlag brachte. Aber auch dieſe beiden wurden der Laſt dieſes Amtes bald überdrüſſig und über⸗ ließen dasſelbe dem von Alexander in Macedonien ſelber zurückgelaſſenen Oberfeldherrn Antipater, welcher, da Eumenes wegen ſeiner dem Per⸗ diccas in Kleinaſien geleiſteten ausgezeichneten Dienſte inzwiſchen das Unglück gehabt hatte, zu einem Feinde des macedoniſchen Staates erklärt zu werden, den zwar talentvollen aber dabei ſelber ehrgeizigen und ränke⸗ ſüchtigen Antigonus mit dem Kriege gegen Eumenes beauftragte. Eumenes hatte nämlich die beiden ihm entgegengeſendeten macedoni⸗ ſchen Feldherren Craterus und Neoptolemus in einer Schlacht vollkommen überwunden, in welcher beide Feldherren ihren Tod fanden. Beſonders der Tod des Craterus, welcher bei dem macedoniſchen Heere vorzüglich geachtet und beliebt war, zog dem Eumenes eine tiefwurzelnde gehäſſige Feindſchaft zu. §. 753. Josephus Antiqd. lib. XII. cp. 1. Prideaux Connex. ad ann. 320. Im Laufe des nächſtfolgenden Jahres 3778, während deſſen Anti⸗ gonus mittelſt ſeiner überlegenen Heeresmacht den Eumenes ein ganzes Jahr lang auf der Bergfeſtung Nora in Cappadocien belagert hielt, ge⸗ lang es dem auf dieſe Weiſe völlig freie Hand bekommenden Ptolemäus, ſich des benachbarten, dem Feldherrn Laomedon zur Verwaltung über⸗ tragenen Syrien mit Paläſtina gewaltſam zu bemächtigen. Da die Ein⸗ wohner von Jeruſalem dem in Gefangenſchaft befindlichen Laomedon ihre Treue nichts deſto weniger nicht brechen wollten, ſo bediente ſich Ptole⸗ mäus eines Sabbathtages, um auf die Mauern der Stadt einen feind⸗ lichen Angriff zu unternehmen, welcher, indem die belagerten Juden aus religiöſer Gewiſſensbedenklichkeit keinen Widerſtand zu leiſten wagten, ihm den Beſitz der Stadt leichten Kaufes in die Hände ſpielte. Weit entfernt übrigens, die unterworfenen Juden wegen ihres außerdem ge⸗ leiſteten tapferen Widerſtandes zu mißhandeln, beſchränkte er ſich vielmehr nur darauf, unter Beſtätigung ſämmtlicher von Alexander dem Großen ihnen bewilligten Freiheiten und Vorrechte, eine Zahl von angeblich 100,000 Mann aus denſelben theils als Coloniſten, theils als Soldaten für ſeine Armee nach Egypten abzuführen, welchen letzteren er ihrer er⸗ probten Treue wegen gerade die wichtigſten feſten Plätze ſeines Landes anvertraute. §. 754. Prideaux Connex. ann. 319— 315. Der im darauffolgenden Jahre 3779 zwiſchen Antigonus und Eume⸗ nes geſchloſſene Friede befreite dieſen letzteren nicht allein von der un⸗ ſchuldiger Weiſe über ihn verhängten Reichsacht, ſondern die Umſtände drehten ſich binnen Kurzem gerade um, indem Eumenes von Polyſperchon, dem älteſten aus der Schule Alexander's noch lebenden macedoniſchen Feldherrn, welcher von dem im Laufe des nämlichen Jahres verlebten Antipater inzwiſchen, und zwar mit Uebergehung ſeines eigenen Sohnes Caſſander, zum Nachfolger in der Reichsverweſung beſtimmt worden war, nunmehr den Befehl erhielt, unter Anweiſung von Truppen und Geld⸗ mitteln vielmehr den Antigonus ſeiner inzwiſchen an den Tag gekommenen Verrätherei wegen aus dem Lande zu verjagen. Da aber Antigonus einerſeits an Ptolemäus und ſpäter an Seleucus mächtige Bundesgenoſſen bekam, Eumenes aber von keiner Seite freiwillig und dabei im Ganzen nothdürftig unterſtützt wurde, ſo zog ſich der Krieg anfangs in die Länge und endete zum Schluſſe für den Letzteren höchſt unglücklich, indem er im Jahre 3783, im fünften Jahre von Polyſperchon's Reichsverweſung, nach einer Schlacht, in welcher er noch dazu den Antigonus vollkommen überwunden hatte, von ſeinen eigenen Soldaten demſelben verrätheriſcher Weiſe ausgeliefert wurde, aus Rache nämlich dafür, daß das Gepäck derſelben nebſt ihren in's Lager mitgeführten Weibern und Kindern dem Feinde in die Hand gefallen war. Es war inzwiſchen in Alexander's eigener Familie eine traurige Veränderung eingetreten, indem Arrhidäus Philippus, Alexander's Halbbruder, von Olympias, der verwittweten Ge⸗ mahlin Philippus' des Macedoniers und Mutter Alexander's des Großen, aus Eiferſucht für den Sohn der Roxane, mitſammt ſeiner Gemahlin Euridice noch dazu in Geſellſchaft Nicanor's, eines dem Caſſander ge⸗ hörenden Bruders, und über hundert anderer ſeiner Freunde gewaltſam getödtet worden war. Aus Rachſucht dafür hatte der einen Augenblick du Mühet kün 0 Cülunt Mlen amn Wug 141 aus Macedonien verdrängte Caſſander Olympias hingerichtet, Roxane aber mit ihrem Sohne Alexander Aegus, obwohl der Letztere den könig⸗ lichen Titel fortbehielt, in die Feſtung Amphipolis gefänglich eingeſetzt. Die Perſon des Eumenes, welcher noch einige Zeit nach ſeiner ver⸗ rätheriſchen Ueberlieferung von Antigonus gefangen gehalten und zuletzt gar, weil er ihm auf öffentliche Weiſe nichts anzuhaben wagte, auf dem Wege der Aushungerung heimlich aus der Welt geſchafft wurde, erſcheint bei näherer Betrachtung nicht allein als eines jener deſto wirkſameren Triebräder, deren ſich die göttliche Vorſehung in der Leitung der menſch⸗ lichen Schickſale zu bedienen pflegt, je weniger auffallendes Geräuſche dieſelben verurſachen, ſondern er verdient zugleich, namentlich als Heide betrachtet, auch unſere ſittliche Hochachtung als ein Heros wenig⸗ ſtens politiſcher Rechtſchaffenheit. Dieſe namentlich von den Römern lange Zeit geübte claſſiſche Tugend, welche im Grunde genommen in nichts Anderem beſteht, als daß unſer gegebenes Wort und unſere Hand⸗ lungen beſtändig untereinander in Einklang bleiben, deren Ausübung jedoch nichts deſto weniger nicht allein bei den Heiden ſchon ſehr ſelten war, ſondern ſogar in chriſtlichen Kreiſen hin und wieder manchmal in förmlicher Verachtung zu ſtehen ſcheint, ſchließt freilich an und für ſich die Beimiſchung von unrein eigennützigen Nebenmotiven noch keineswegs aus, ſo daß man unter andern auch aus dieſem tragiſchem Ende des Eumenes unbedenklich die Folgerung ziehen darf, hätte derſelbe ſich nicht unberufener Weiſe ſo tief in die politiſchen Wirren ſeiner Zeit eingelaſſen, ſo hätte auch ſein Lebensſchickſal keinen, menſchlich zu reden, ſo unglück⸗ lichen Ausgang genommen. Seine von ſeinen Zeitgenoſſen nicht ſowohl anerkannten, als eigentlich vielmehr nur gefürchteten eminenten Geiſtes⸗ eigenſchaften berechtigten ihn noch nicht, als Vertreter politiſcher In⸗ tereſſen nach Perdiccas' Tode eine eigene ſelbſtſtändige Rolle ſpielen zu wollen, indem er wahrſcheinlich ſeiner Jugend und anderer damit in Verbindung ſtehender zufälliger Urſachen wegen ja doch nicht als eigent⸗ lich ebenbürtig mit ihnen anerkannt wurde. Er mußte aber in der Hand der Vorſehung dazu dienen, die überwachſenden Anſprüche einzelner Feld⸗ herren Alexander's gleich anfangs ſo nachdrücklich wirkſam zu beſchneiden und im Schach zu halten, daß dadurch die ruhig allmälige Entwickelung einzelner Theilreiche aus dem ganzen neueroberten Ländercomplexe nicht ſogleich von vorneherein zerſtört und unmöglich gemacht wurde. §. 755. Prideaux Connex. lib. 8. ann. 315— 312. Der durch den Sturz des Eumenes inzwiſchen übermächtig gewordene Antigonus erhielt bald darnach einen Feind an ſeinem bisher als Statt⸗ halter von Babylonien ihm untergeben geweſenen eigenen Anhänger Seleucus, welcher aus Furcht vor des Antigonus wankender Gunſt zu Ptolemäus nach Egypten entflohen, durch ſein Zureden zwiſchen dieſem letzteren und zwiſchen Caſſander und Lyſimachus ein Kriegsbündniß gegen Antigonus zu Stande brachte. Der nächſte Erfolg des Krieges war jedoch für die Verbündeten ungünſtig, indem Antigonus dem Ptolemäus Phönizien abgewann und ſich bei dieſer Gelegenheit eine bedeutende See⸗ macht verſchaffte. Der erſte bedeutende Schaden, den er erlitt, wurde ihm erſt im Jahre 3786, dem achten Jahre der dem Polyſperchon über⸗ tragenen Reichsverweſung, von Seleueus zugefügt, welcher mit einer kleinen, von Ptolemäus zum Geſchenke erhaltenen Truppenabtheilung das Glück hatte, unter der durch die vereinigten Anſtrengungen der Verbündeten herbeigeführten Verwirrung ſich ſeiner ehemaligen Statthalterei von Ba⸗ bylon wieder zu bemächtigen, deren Einwohner ihm wegen ſeiner von früherer Zeit her ihnen noch in guter Erinnerung ſtehenden Bildung und perſönlichen Liebenswürdigkeit zum Voraus mehr als dem ſtolzen und ge⸗ waltthätigen Antigonus geneigt waren. Zwar kam die Stadt Babylon in Abweſenheit des bald darauf gerade in Medien beſchäftigten Seleucus noch einmal auf kurze Zeit in die Hände des Demetrius Poliorcetes, Antigonus' Sohnes, welcher zu ihrer Wiedereroberung von ſeinem Vater beordert worden war. Da jedoch Demetrius perſönlich nicht länger verweilen konnte, und ſeine auf dem Abzuge ihn begleitenden Soldaten ſich unter⸗ wegs Mißhandlungen der Babylonier erlaubten, ſo traten hierauf auch die bisherigen Anhänger des Antigonus in Babylonien auf Seleucus' Seite, welcher von dieſer Zeit an den Namen Niecator führend, im Früh⸗ ling des folgenden Jahres 3787 das ſyriſche Königreich gründete. Von dieſem letzteren Ereigniſſe datirt ſich, wie es ſcheint, die im erſten Buche der Maccabäer gebrauchte ſogenannte ſeleueidiſche Zeitrechnung, welche auch ſonſt weit und breit im Ortent in Gebrauch, gewöhnlich, ſowie unter andern auch im zweiten Buche der Maccabäer vom Herbſte des voraus⸗ gegangenen Jahres 3786 an berechnet wird. 6. 756. Prideaux Gonnex. ann. 310— 308. Durch einen im nächſt darauffolgenden Jahre 3788 zu Stande kom⸗ menden Friedensvertrag ſchien die Lage der Dinge auf eine für Antigonus verhältnißmäßig ſehr günſtige Weiſe entſchieden zu ſein, indem er zwar Babylonien verloren, dafür aber Kleinaſien und Syrien nebſt Paläſtina gewonnen hatte, hätte Caſſander, der Nämliche, welchem die Vergiftung Alexander's des Großen Schuld gegeben wird, und welcher in dem letzten Friedensſchluſſe als weiter nichts denn als ſtellvertretender Verwalter Macedoniens im Namen des gefangen gehaltenen Prinzen Alexander Aegus(vergl.§. 754.) anerkannt worden war, nicht durch meuchleriſche Guglt t KN fimlch ffl HA Chltz⸗ Algene lthe. anle, f n ibenmf fgtt flähne kchn den 8 en J Echheſ 0 N lb bel Ite Mihnt J. Reh Cthch f00 1 0 El; dl. Ar 0 ſ m U Uliſte W R 143 Ermordung desſelben ſammt ſeiner Mutter, der Königin Roxane, die Ein⸗ heit des macedoniſchen Reiches noch im Laufe des nämlichen Jahres förmlich aufgelöſt. Denn nunmehr wurde Antigonus, deſſen Uebermacht von allen Uebrigen gefürchtet wurde, durch ein neues zwiſchen Plolemäus, Caſſander und Lyſimachus, dem Statthalter von Thrazien, abgeſchloſſenes Schutz⸗ und Trutzbündniß von allen Seiten neuerdings angegriffen. Die allgemeine Verwirrung ſteigerte ſich noch dadurch, daß Polyſperchon, der letzte rechtmäßige Reichsverweſer und gegenwärtige Statthalter im Pelo⸗ ponnes, Anſtalt machte, Caſſander für ſeine begangene Verrätherei züch⸗ tigen und Macedonien für den gleich anfangs von der Thronfolge un⸗ widerruflich ausgeſchloſſenen Herkules, den Sohn Alexander's von der gefangenen Barſinoe, in Anſpruch nehmen zu wollen. Er ließ ſich jedoch alsbald von Caſſander bereden, zum allgemeinen Aergerniſſe auch dieſen letzten königlichen Erben, der ſich nebſt ſeiner Mutter ſoeben erſt arglos dem Schutze Polyſperchon's anvertraut hatte, ebenfalls gewaltſam aus dem Wege zu räumen. Es war nun von Alexander's Familie noch ſeine Schweſter Cleopatra übrig, die nämliche, welche nach§. 751. ehemals von Perdiccas, dem erſten Reichsverweſer, zur Ehe begehrt worden war, und welche Ptolemäus, um ſein Anſehen zu verſtärken, nunmehr zwei Jahre darnach, im Jahre 3790, von Sardes aus, wo ſie ſich unter des Antigonus Herrſchaft aufhielt, einlud, ſich zu ihm hinüber insgeheim auf die Reiſe zu begeben. Da jedoch ihre Flucht unglücklicher Weiſe durch Entdeckung vereitelt worden war, ſo wurde auch ſie auf Antigonus' Be⸗ fehl, wiewohl er ſich ſelber nicht öffentlich dazu bekennen wollte, ebenfalls insgeheim hingerichtet. Auch Theſſalonice, Caſſander's Gemahlin, war eine Schweſter Alexan⸗ der's. Auch ſie wurde einige Jahre ſpäter, noch dazu von ihrem eigenen Sohne Antipater ermordet.(S. Prideaux's Connerion I. 8. Buch ad ann. 298 und 294.) §. 757. Prideaux Connex. ann. 306— 303. Der nunmehr mit größerer Heftigleit als jemals zwiſchen Antigonus und ſeinen Rivalen wieder entbrennende Krieg blieb lange unentſchieden. Die durch Demetrius Poliorcetes im Jahre 3792 glücklich vollführte Entreißung der ſeither unter Ptolemäus geſtandenen Inſel Cypern ver⸗ anlaßte jedoch ſeinen Vater Antigonus, ſich zum erſten Male die Königs⸗ krone aufzuſetzen, in welchem Vorgange er unverzüglich von ſämmtlichen übrigen regierenden Statthaltern nachgeahmt wurde. Gerade Ptolemäus 14⁴4 war es jedoch, der ſeinen Stolz alsbald wieder demüthigte, indem er im darauffolgenden Jahre 3793 ein bedeutendes Land⸗ und Seeheer des Antigonus auf ähnliche Weiſe wie ehemals die Streitmacht des Perdiccas (ſ.§. 752.) an den Grenzen Egyptens zu Grunde richtete, und deſſen Bundesgenoſſen, die Rhodier, im nächſten Jahre darauf, 3794, durch ſeinen Beiſtand eine volljährige Belagerung durch Demetrius Poliorcetes glücklich überſtanden. Von der Aufhebung dieſer Belagerung bekam der nunmehrige egyptiſche König Ptolemäus I. den Beinamen Soter, durch welchen er von den gleichnamigen ſpäteren egyptiſchen Königen unter⸗ ſchieden wird. Aus den bei dieſer Belagerung zurückgelaſſenen Kriegsmaterialien, welche ſie für 300 Talente verkauften, ſollen die Rhodier den berühmten Coloß, eine 150 Schuh hohe eherne Bildſäule, über dem Eingange des Hafens errichtet haben.(S. Prideaux's Connexion II. ad ann. 222.) §. 758. Prideaux Connex. ann. 303— 301. Der in dieſer Weiſe bei wechſelndem Glücke beider Parteien ſich in das Unabſehbare fortſpinnende Krieg würde vielleicht noch lange Zeit gedauert haben, wofern nicht der erneuerte Beitritt des Seleueus, welcher ſeitdem ſein Reich bis an die Grenzen von Indien erweitert, und von Sandrocottus, dem indiſchen Könige, 500 Clephanten als Friedens⸗ bedingung überkommen, ein entſcheidendes Gewicht in die Waagſchale der Verbündeten geworfen hätte. Nur mit Lyſimachus vereinigt, indem Caſſander ſich in Europa gegen die Angriffe des Demetrius Poliorcetes zu wehren vollauf beſchäftigt war, bot Seleucus im Jahre 3799 dem Antigonus bei Ipſus in Phrygien die Schlacht an, in welcher der Letztere, obwohl durch ſeinen Sohn Demetrius eben zu rechter Zeit noch verſtärkt, vollkommen geſchlagen den Tod fand, und Demetrius, welcher ſich mit nur wenigen Truppen durch die Flucht retten konnte, außer der Inſel Cypern nebſt Tyrus und Sidon nichts weiter übrig behielt. Da Peole⸗ mäus während des Krieges in dieſem nämlichen Jahre ſo glücklich ge⸗ weſen war, Paläſtina nebſt Cöloſhrien neuerdings ſeinem Reiche einzu⸗ verleiben, ſo zerfiel das ganze neugegründete macedoniſche Weltreich in dem hierauffolgenden Friedensſchluſſe, getreu der von Daniel gehabten prophetiſchen Offenbarung(ſ.§. 592—594. 616), in vier kleinere blei⸗ bende Reiche, indem Caſſander und Lyſimachus in ihrer bisherigen Herr⸗ ſchaft beſtätigt, dem Ptolemäus außer Egypten noch Paläſtina und Cölo⸗ ſyrien zugetheilt, Seleucus aber außer ſeinen bisher von Babylon aus Loll — eroberten Ländern auch noch als König über ſämmtliche übrigen von Antigonus beſeſſenen Provinzen anerkannt wurde. In dem gleichen Jahre ſtarb auch zu Jeruſalem der Hohenprieſter Onias I., welchem ſein Sohn Simon I. Juſtus in der Regierung folgte. Unter die Regierung des Hohenprieſters Onias I. gehört nach Pri⸗ deauxr's höchſt gegründeter Vermuthung(ſ. Connexion II. 2. ad ann. 183.) jenes von Areus, dem Könige der Lacedämonier, an den jüdiſchen Hohen⸗ prieſter gerichtete, durch einen gewiſſen Demoteles überbrachte freund⸗ ſchaftliche Begrüßungsſchreiben, welches 1. Maccab. 12, 7— 10. und Jos. Antidd. XII. 4. gegen Ende und cp. 5. erwähnt wird. Der In⸗ halt dieſes Schreibens iſt auf den erſten Anſchein ſehr auffallend, weil der ſpartaniſche König als Beweggrund zu dieſer freundſchaftlichen An⸗ näherung die vorgebliche Thatſache anführt, daß ſich aus der Unterſuchung alter Urkunden zwiſchen dem Volke der Spartaner und der Juden eine Abſtammungsverwandtſchaft herausgeſtellt habe, zufolge welcher ſie ihren Urſprung ebenfalls von der Familie Abraham's herleiteten. Aus dieſer Urſache werden die gegenwärtigen Juden in dieſem Briefe als Brüder der Spartaner anerkannt, und ſie zur Eingehung eines nationalen Freund⸗ ſchaftsbündniſſes aufgefordert.— Es iſt bei dieſer Gelegenheit in der That ſchwer einzuſehen, ſowohl welcher Beweggrund die Spartaner zur Nachſuchung eines Freundſchaftsbündniſſes mit dem ziemlich entfernt wohnenden und abgeſchloſſen lebenden Judenvolke angetrieben, als auch welche Spur ſie auf die Vorausſetzung einer gemeinſchaftlichen Abſtam⸗ mung von Angehörigen der Familie Abraham's geleitet habe?— Es wäre allenfalls möglich, daß die Lacedämonier, ein urſprünglich als Bundesgenoſſen mit den eigentlichen Spartanern zugleich in den Pelo⸗ ponnes eingewandertes Volk, ihren Namen wenigſtens von den Kadmeonen ererbt haben könnten, welche ihrerſeits wiederum hinſichtlich ihres Ur⸗ ſprunges auf eine von Kadmus, dem ſagenhaften phöniziſchen Einwan⸗ derer in Theben gegründete Niederlaſſung zurückgeführt werden. Da nun der Name Kadmus wirklich ein unverkennbares hebräiſches Wort iſt (Kedem: Oſten: Oſtländer, Orientale), die den alten Phöniziern mit den Juden gemeinſame hebräiſche Sprache aber gegenwärtig nur in Paläſtina noch fortlebte, ſo könnte vielleicht der Name Kadmus das ganze Mißoverſtändniß herbeigeführt haben. Denn eine ſolche verwandte Ety⸗ mologie im Volksnamen konnte natürlicher Weiſe die Spartaner verleiten, ſich auch eine Abſtammungsverwandtſchaft mit den Juden beizulegen. Es könnte zur Noth auch der Name der Pelasger, jenes einen nicht unbe⸗ trächtlichen Theil der lacedämoniſchen Landesbevölkerung ausmachenden Urvolkes und zwar nicht ſo gar unwahrſcheinlich auf Phaleg, den Stamm⸗ vater Abraham's, von welchem Genes. 11, 19. ausdrücklich erzählt wird, daß er außer Reu noch viele andere Kinder erzeugt habe, zurückgeführt werden, von welchem nämlichen Patriarchen Genes. 10, 25. nicht un⸗ bezeichnend hervorgehoben wird, daß er ſeinen Namen von der zu ſeiner Zeit geſchehenen außerordentlichen Vertheilung der Völker bekommen habe.— Es kann endlich aus den bei Joſephus a. a. O. aufbewahrten Worten des von Areus geſchriebenen Briefes:„Eοσονοννενε οννον αν- cUοοE, õg 25 K/0o· Elν yevoug Iovqνꝓον ανανναναuipedαοννj⁰ν, Krafft, hel. Geſchichte. u. 1⁰ 0 146 2u vng οοε Aραν ονεσοονννοσ e“ im Uebrigen bei näherer Er⸗ wägung derſelben noch bezweifelt werden, ob damit eine Blutsverwandt⸗ ſchaft im ſtreng genommenen Sinne behauptet werden ſollte. Denn der thatfächlich richtige Umſtand, daß Abraham mit den zu ſeiner Zeit in Paläſtina lebenden canaanitiſchen Einwohnern auf freundſchaftlichem Fuße gelebt hatte, konnte in der Meinung der gegenwärtigen Spartaner an und für ſich ſchon hinreichen, um ſich unter Anwendung eines ſo weit ausdehnbaren Ausdruckes wie„Osονν“ mit Berufung auf ihre Ab⸗ ſtammung von phöniziſchen Einwanderern eine Wiederanknüpfung des ehemaligen Freundſchaftsbündniſſes von Seite der Juden wieder auszu⸗ bitten.— Was den Erfolg dieſer von Areus erlaſſenen Geſandtſchaft anbelangt, ſo wird 1. Maccab. 12, 8—11. erzählt, daß Demoteles von dem Hohenprieſter Onias ſehr ehrenvoll in Jeruſalem aufgenommen, das Volk der Lacedämonier von jener Zeit an wirklich als in einem brüder⸗ lichen Verhältniſſe zu den Juden ſtehend betrachtet, und bei Gelegenheit des Opferdienſtes für dasſelbe regelmäßig Fürbitte bei Gott eingelegt wurde. Ueber die zwar nicht unintereſſanten, aber geſchichtlich unbedeutenden Nachrichten über Judäa, welche in den Fragmenten des griechiſchen Ge⸗ ſchichtsſchreibers Hecatäus und bei Diodorus Siculus aus jener Zeit auf⸗ behalten ſind, vergleiche Jahn's Archäologie II., politiſche Alterthümer K 79, CLXVII. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien. Die Hohenprieſter Simon J. der Gerechte und Eleazar. §. 759. Joseph. Antiqd. XII. cp. 3. im Anfang. Prideaux Connex. ann. 300. 293. In der auf Antigonus Ende nunmehr folgenden Friedenszeit ſtanden Ptolemäus Soter und Seleucus Nicator, die gegenwärtigen politiſchen Oberhäupter des fortwährend in großer Zerſtreuung lebenden jüdiſchen Volkes, nicht allein untereinander in freundnachbarlichem Verhältniſſe, ſondern hatten beide auch eine den Juden günſtige Geſinnung, welche Letzterer namentlich dadurch, daß denſelben in ſeiner am Fluſſe Orontes in Oberſyrien neuerbauten Hauptſtadt Antiochia, ſowie auch in den zahl⸗ reichen übrigen in ſeinem Reiche neuerbauten Städten mit den Macedo⸗ niern gleiche Rechte eingeräumt wurden, ſichtbar bethätigte. Er war es, dem unter andern die Stadt Seleucia am Fluſſe Tigris, deren Gründung zum völligen Ruin des alten Babylon, wie in der Anmerkung zu§. 602. erwähnt, am meiſten beigetragen, ihren Urſprung zu verdanken hat. F. 760. Prideaux Connex. ann. 292. Im 21. Jahre der ſeleucidiſchen Zeitrechnung, folglich im Jahre der Erſchaffung 3807, ſtarb Simon I. der Gerechte, Hohenprieſter zu Aſch, e umige Hcbtit hüt, WPital Mgl S2 8 K Unhit 5 0 U N0 Sun Ahte W Nfiht t A ghpten 147 Jeruſalem, welchem, da ſein Sohn Onias noch minderjährig war, ſein Bruder Eleazar im Amte nachfolgte. Ob er der nämliche Simon ge⸗ weſen, deſſen Lobrede Eocles. cp. 50. uns aufbehalten, iſt ungewiß, weil es zwei verſchiedene Hohenprieſter Simon, beide Söhne zweier gleich⸗ namiger Väter, gegeben hat. Soviel ſcheint gewiß, daß er an den hebräiſchen Canon der Bücher Alten Teſtaments die letzte Hand gelegt hat, weßwegen er auch in der jüdiſchen Tradition als das 120ſte letzte Mitglied der ſogenannten großen Synode verherrlicht wird. Unter der ſogenannten großen Synagoge verſteht man eine von der Rückkehr der Juden aus dem babyloniſchen Exilitum an durch mehrere Jahrhunderte ſich durchziehende Succeſſion von 120 Geſetzesgelehrten, welche, wie Haggat, Zacharias, Esdra, Nehemias und Malachias zu ihrer Zeit ſich um die vollſtändige Wiederherſtellung der jüdiſchen Geſetzes⸗ beobachtung verdient gemacht haben. Simon der Gerechte ſcheint wenig⸗ ſtens das zweite Buch Esdra, welches auch das Buch Nehemias genannt wird, ſeinem letzten Theile nach etwa ſelber verfaßt, ſowie den Propheten Malachias in den Canon der heiligen Schrift Alten Teſtaments auf⸗ genommen zu haben.— Aus der anſchaulichen, einen Augenzeugen als ihren muthmaßlichen Verfaſſer verrathenden Schilderung des Hohen⸗ prieſter Simon, Onias Sohnes(Eecles. cp. 50.), läßt ſich nicht un⸗ wahrſcheinlich ſchließen, daß nicht der gegenwärtige, ſondern der ſpätere Simon Il. Gegenſtand derſelben geweſen, inſofern wenigſtens aus Eooles. 1, 8., wo das 38. Regierungsjahr des Ptolemäus Euergetes erwähnt wird(folglich des Ptolemäus Euergetes II., auch Physcon genannt, in⸗ dem Ptolemäus Euergetes I. nicht ſo lange regiert hat) mit Beſtimmtheit hervorzugehen ſcheint, daß die Zeit der Abfaſſung des Buches Jeſus Sirach erſt gegen 190 v. Chr., alſo ungefähr 3910 nach unſerer Rech⸗ nung geweſen iſt. §. 761. Prideaux Connex. ann. 291. Bei der nämlichen Gelegenheit wird in der jüdiſchen Tradition auch der Sanhedrin, ein wahrſcheinlich aus dem griechiſchen 9 οσοονον Mcor⸗ rumpirter Name, d. i. ein jüdiſcher Nationalrath, der Rath der Aelteſten, der hohe Rath zuerſt erwähnt, ein oberſter Gerichtshof, welcher für das ganze Land aus 72 Mitgliedern beſtand, in welchem der von dem Hohenprieſter Simon bisher geführte Vorſitz nicht auf Eleazar, ſondern auf den Schrift⸗ gelehrten Antigonus von Socho vererbte, welch' Letzterer als der erſte Begründer der Miſhna, einer bis gegen das Jahr 150 n. Chr. fort⸗ geführten Sammlung der mündlich fortlebenden Geſetzestraditionen, ge⸗ nannt wird. Außer dem großen Sanhedrin für die ganze jüdiſche Nation bildete ſich in jeder Stadtgemeinde ein kleiner Sanhedrin von 32 Mit⸗ gliedern. Das ganze Inſtitut trägt den Charakter einer vielleicht erſt 10* unter Simon's Einfluß neuerdings ins Leben gerufenen älteren Geſetzes⸗ einrichtung, deren erſte Urſprünge in den§§. 72. und 108. erzählt ſind. An den Namen des Hohenprieſters Simon I. Juſtus, welchen wir in der vorhergehenden Anmerkung als den muthmaßlichen Vervollſtändiger ſ des hebräiſchen Canons kennen gelernt haben, ſcheint ſich ein auch in legislativer und politiſcher Beziehung überhaupt höchſt bedeutungsvoller Entwicklungsmoment der aus der babyloniſchen Kataſtrophe allmälig mühſam ſich wieder emporringenden jüdiſchen Geſchichte anzuknüpfen, auf welchen wir um ſo dringender aufmerkſam machen zu müſſen glauben, je leichter derſelbe bei der großen Undeutlichkeit der von Joſephus aus dieſer Zeit gegebenen zugleich höchſt lückenhaften Nachrichten unter dem Getümmel der begleitenden politiſchen Zeitereigniſſe könnte überſehen wer⸗ den. Es iſt dieß eine aus den geänderten Zeitverhältniſſen unmerklich hervorgehende politiſche Rolle, welche wir mit unerwarteter Selbſtſtändig⸗ keit zum erſten Male von dem ſeiner urſprünglichen Beſtimmung nach für politiſche Zwecke gar nicht beſtimmten hohenprieſterlichen Amte be⸗ kleidet ſehen. So lange die Abhängigkeit der Juden von der perſiſchen Landesobrigkeit gedauert, hatte, da das ganze Land weiter nichts als der bloße Theil einer perſiſchen Provinz war, das hohenprieſterliche Amt 50 keine andere als eine rein gottesdienſtliche Bedeutung gehabt. Sobald aber das perſiſche Verwaltungsſyſtem aufgelöſt worden war, ſehen wir den Hohenprieſter der neuen macedoniſchen Obrigkeit als den natürlichen politiſchen Vertreter des ganzen Volkes gegenüberſtehen, welcher von nun an, namentlich ſeit dem Frieden von Ipſus, in welchem Paläſtina als A bleibender Beſtandtheil zu dem neuen egyptiſchen Königreiche geſchlagen b Kfl wurde, unter den dadurch nothwendig hervorgerufenen neuen Organiſations⸗ Räen maßregeln auch in den Augen ſeines eigenen Volkes das bisher noch Wan nicht gehabte Anſehen einer politiſchen Mittlerobrigkeit erlangen mußte. Dieſe politiſche Uebergangsepoche, alſo gerade diejenige Zeit, welche dem ffk Unternehmungsgeiſte ſowie des einzelnen Menſchen, ſo auch eines ganzen Euh Volkes immer am meiſten Ausſicht auf gewinnreichen Fortſchritt eröffnet, ſcheint Simon I. Juſtus zweckmäßig ausgebeutet, und da der Augenblick i f dazu günſtig war, zur Herſtellung einer möglichſt ſelbſtſtändigen natio⸗ Ert 0 nalen Juſtiz ſowohl, als auch Adminiſtration des Landes alles, was in 11 K ſeinen Kräften ſtand, aufgeboten zu haben. Deßwegen mag, weil wohl 13 keiner ſeiner Vorgänger im Vergleiche mit ihm eine ebenſo günſtige Ge⸗ fgt legenheit dazu hatte, auch ihm am erſten das Verdienſt gebühren, das ſht Inſtitut des ſogenannten Sanhedrins oder Hohenrathes, eines zu gleich⸗ küthre mäßiger Regelung der Gerichtsbarkeit im ganzen Lande aufgeſtellten oberſten Gerichtshofes nach dem Muſter einer noch von Moyſes ſelbſt Wn angeordneten, aber im Laufe der Zeit ſchon längſt untergegangenen ähn⸗ Wähe lichen Inſtitution ins Daſein gerufen zu haben. Zugleich trat er in 15 adminiſtrativer Beziehung eine Art ſelbſtſtändige egyptiſche Statthalterei 5— über Judäa an; denn ſonſt wäre es unerklärlich, woher der Hoheprieſter Me mit Einem Male, wie wir aus der Geſchichte Onias' II. bei Joseph. hett Antiqq. XII, 3. am Ende erſehen, jährlich 20 Talente in Silber nach Um Alexandria zu zahlen ſollte bekommen haben, deren Zahlungsunterlaſſung dem Hohenprieſter Onias II. von Seite der Juden ſelber ſo übel ge⸗ 5 nommen wurde. Der im Paragraphen erwähnte Umſtand, daß Simon M5 149 Juſtus, der als der muthmaßliche Schöpfer des Hohenrathes nothwendiger Weiſe darin auch den lebenslänglichen Vorſitz zu führen hatte, dieſen letzteren nicht auf den nachfolgenden Hohenprieſter, ſondern auf den Schriftgelehrten Antigonus von Socho vererbte, trägt ebenfalls den An⸗ ſchein einer von demſelben getroffenen höchſt weiſen geſetzgeberiſchen Ein⸗ richtung, mittelſt deren er vorbeugte, daß der Inhaber des Hohenprieſter⸗ amtes, deſſen fernere Thätigkeit von nun an außer dem Ceremoniendienſte ohnehin durch die politiſche Adminiſtration des Landes hinlänglich in Anſpruch genommen war, weder zu ſehr mit Geſchäften überladen werden, noch eine zu große Amtsgewalt in ſeiner einzigen Hand vereinigen durfte. Dieſe ganze Epoche erinnert unwillkührlich an die Geſchichte des in ſpäterer Zeit auf ähnliche Weiſe auch dem päpſtlichen Stuhle allmälig zuwachſenden politiſchen Anſehens bis zu ſeiner zuletzt eintretenden förm⸗ lichen politiſchen Souveränität, welche ihrerſeits ebenfalls, obwohl nicht im ſtricten Umkreiſe der urſprünglichen göttlichen Stiftung dieſes Amtes gelegen, im Laufe politiſcher Umwälzungen nichts deſto weniger als ein unabweisbares Zeitbedürfniß ſich nothwendig dazugeſellte. Die Aehnlichkeit iſt um ſo augenſcheinlicher, als man auch für die römiſche Curie z. B. kaum ein treffenderes geſchichtliches Vorbild als den ehemaligen Sanhedrin finden wird. §. 762. Joseph. Antidd. Iib. XII. cp. 2. Prideaux Gonnex. ann. 284— 277. Dieſer nämliche aus 72 Mitgliedern zuſammengeſetzte hohe Rath iſt es vielleicht, welcher zur herkömmlichen Benennung der unter Eleazar's Hohenprieſterthum angeblich zu Stande gekommenen erſten Ueberſetzung des Alten Teſtaments aus der hebräiſchen in die griechiſche Sprache die erſte entfernte Veranlaſſung gegeben hat, indem, wenn dieſelbe durch den Sanhedrin eine allenfallſige Approbation muthmaßlich erhalten hat, ſehr leicht im Laufe der Zeit die ſowohl innerlich als äußerlich unwahrſchein⸗ liche, alſo wahrſcheinlich irrige geſchichtliche Tradition entſtehen konnte, als ob 70 Dollmetſcher an derſelben gearbeitet hätten. Dieſes für die heilige Geſchichte überhaupt, ſowie insbeſondere für die theologiſche Wiſſen⸗ ſchaft höchſt folgenbringende Ereigniß ſteht in einem durchaus glaub⸗ würdigen Zuſammenhange mit der durch Ptolemäus I. Soter auf den gegebenen Rath ſeines Günſtlings Demetrius Phalereus bewerkſtelligten Gründung der berühmten alexandriniſchen Bibliothek, zu deren Bereicherung ſein im Jahr 3815 ihm in der Regierung folgender Sohn Ptolemäus II. Philadelphus im Jahre 3823 die zweckdienliche Einleitung, um eine authentiſche Ueberſetzung wenigſtens der fünf Bücher Moyſes zunächſt zu bekommen, getroffen haben ſoll. Drei Jahre zuvor, alſo im Jahre 3820, war auch Seleucus I. Nicator, der letzte aus Alexander's Zeit noch übrige Feldherr, geſtorben, 150 und hatte ſeinen Sohn Antiochus I. Sidetes, auch Soter genannt, als König des ſyriſchen Reiches hinterlaſſen. Unter dem Jahre 277 v. Chr. enthält Prideaux's Connepion II. Thl. 1. Buch gegen das Ende eine ausführliche gelehrte kritiſche Abhandlung über die Entſtehung, ſowie die fernere Geſchichte der griechiſch alerandri⸗ Rüien niſchen Bibelüberſetzung, in welcher er die Gründe gegen die Glaub⸗ würdigkeit jener bekannten Tradition von 70 Dollmetſchern mit großer Schärfe auseinander gelegt hat. Den ſtärkſten Eindruck muß unter uhe z andern die innige Vereinigung zweier an ſich ſchon ſtarken Argumente iöt f auf den unbefangenen Leſer hervorbringen, daß Ptolemäus Philadelphus für ein Buch, deſſen Inhalt nachmals eine ſo auffallend geringe Be⸗ kanntſchaft unter den gebildeten Leſern der damaligen, ſowie der nach⸗ folgenden Zeit noch durch mehrere Jahrhunderte hindurch gefunden hat, doch unmöglich die enormen Koſten aufgewendet haben kann, welche die von Joſephus und andern Gewährsmännern noch dazu unter ſich höchſt widerſprechend angegebenen Umſtände der Ueberſetzung nothwendig herbei⸗ geführt haben müßten. Auch zweifelt Prideaux wohl nicht ohne Grund, ob in damaliger Zeit 70 Schriftgelehrte, welche doch außer ihrer theo⸗ logiſch exegetiſchen Gelehrſamkeit zugleich auch eine gründliche Kenntniß ◻ der griechiſchen Sprache zu dieſem Geſchäfte müßten nothwendig gehabt r in haben, damals in ganz Paläſtina überhaupt nur aufzutreiben geweſen Agls ſein möchten. Es iſt endlich nicht mit Stillſchweigen zu übergehen, daß 5 einige der älteſten Talmudiſten(vergl. nach Prideaux's Citation Tract. Wüch Sopherim. cp. 1.) im Gegenſatze zu dieſer herkömmlichen Angabe er⸗ J fehe zählen, es ſeien nur fünf Schriftgelehrte bei dieſer Ueberſetzung thätig geweſen.— Die Thatſache einer in der That kaum begreiflichen Unwiſſen⸗ heit über die jüdiſche Geſchichte, die wir ſelbſt bei ſo allſeitig weit tragen⸗ den Geiſtern, wie z. B. bei Tacitus(Historiar. 5, 2—13.), wieder fin⸗ den— um ſo ſchwerer erklärlich, als doch wenigſtens des Joſephus Antiquitates dem gelehrten Römer nicht unzugänglich ſein konnten— berechtigt uns zu der Vermuthung, daß eine abſichtliche Geringſchätzung jene hervorragenden Männer wenigſtens theilweiſe von einer näheren Be⸗ kanntſchaft mit den Quellen der hebräiſchen Geſchichte abgehalten habe, eine Ungerechtigkeit, welche ihrerſeits wiederum theils aus der für ſie abſtoßenden Fremdartigkeit des Gegenſtandes überhaupt im Vergleiche mit der Geſchichte aller übrigen Völker, theils aus einem dem jüdiſchen Volke in ihren Augen noch überdieß zufällig anklebenden unmittelbar perſönlich widerwärtigen Ausdrucke pſychologiſch zu erklären iſt. CLXVIII. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien.(Fortſetzung.) Die Hohenprieſter Manaſſe und Onias lII. Wn §. 763. f Joseph. Antiqd. XII. cp. 3. gegen Ende. Prideaux Connex. ann. 274. 273. Im Jahre 3824 ſtarb der Hoheprieſter Eleazar, welchem auch dieß⸗ l mal wiederum nicht Onias, der Sohn Simon's des Gerechten, ſondern I 151 vielmehr Manaſſe, ſeines Vaters Bruder, im Amte nachfolgte, unter deſſen Regierung die Juden eines dauernden Friedens ſich zu erfreuen fortfuhren. Um dieſe Zeit begann die im Jahre 3826 von den Römern glücklich durchgeſetzte Vertreibung Pyrrhus', des Königs von Epirus, aus Italien zum erſten Mal die Aufmerkſamkeit des Orientes auf dieſe da⸗ mals ihrem Raumumfange nach noch ziemlich eingeſchränkte Republik rege zu machen, ſo daß es Ptolemäus II. Philadelphus unter andern nicht für unter ſeiner Würde fand, dieſelbe um ihre Freundſchaft zu bitten, in Folge welches Anſuchens auch im darauffolgenden 3827ſten Jahre ein derartiges Freundſchaftsbündniß zwiſchen Rom und dem Hofe von Alexan⸗ dria geſchloſſen wurde. §. 764. Prideaux Connex. ann. 263— 260. Im Jahre 3837 der Erſchaffung ſtarb der§. 761. erwähnte Anti⸗ gonus von Socho, deſſen Schüler Sadoc die nach ihm benannte Secte der im Neuen Teſtamente häufig erwähnten Sadducäer ihren Namens⸗ urſprung verdanken ſoll. Zwei Jahre ſpäter, im Jahre 3839, ernannte Antiochus J. Sidetes ſeinen Sohn Antiochus II. Theus noch bei Lebzeiten zu ſeinem Reichsnachfolger und ſtarb das Jahr darauf 3840. Mit der Entſtehung der Secte der Sadducäer hängt diejenige der ſogenannten Phariſäer von ſelbſt ungefähr in folgender Weiſe natürlich zuſammen. Es war von Esdra bereits(vergl.§. 720.) eine doppelte theologiſche Schule, die der ſogenannten Maſorethen und der Cabbaliſten, gegründet worden. Dieſe mußten unter den eingetretenen günſtigen, durch den Frieden von Ipſus befeſtigten politiſchen Zeitänderungen nothwendiger Weiſe einen lebhaften Aufſchwung nehmen, und dadurch Jeruſalem unter dem Hohenprieſter Simon I. Juſtus der Sitz einer blühenden theologiſch juriſtiſchen Hochſchule werden, an welcher der genannte Antigonus von Socho der erſte Lehrer von bedeutendem perſönlichen Anſehen geweſen zu ſein ſcheint. Dieſer Letztere ſoll nach einer talmudiſtiſchen Ueberlieferung als oberſten Moralgrundſatz aufgeſtellt haben, daß man die Gebote Gottes nicht auf knechtiſche Weiſe bloß aus Rückſicht auf die dafür zu hoffende künftige Belohnung, ſondern aus kindlicher Liebe und Ehrfurcht gegen Gott, den Urheber des Geſetzes ſelber zu erfüllen ſich beſtreben müſſe,— ein Satz, welcher vorſichtig aufgefaßt, auch unbeſtreitbar richtig und ſogar nach Moyſes' eigener ausdrücklicher Erklärung die im Allge⸗ meinen zur Haltung des ganzen Geſetzes als Grundbedingung voraus⸗ zuſetzende rechte israelitiſche Gefinnung iſt(ok.§. 104.).— Nun be⸗ fanden ſich aber zu damaliger Zeit in Jeruſalem zwei ſich dem Studium der Theologie widmenden jungen Männer mit Namen Sadoc und Baithus, welche aus dieſem richtigen Moralgrundſatze kein Bedenken trugen, auf die Glaubenslehre ſogleich den grundverkehrten Rückſchluß zu machen, 152 daß wir, wofern wir nur aus dem rechten ſittlichen Beweggrunde, näm⸗ lich aus Liebe zu Gott das Geſetz erfüllen und das Rechte thun, wir auf die Hoffnung einer Belohnung im zukünftigen Leben auch gar nicht weiter zu reflectiren brauchen,— deßwegen die Grundlage dieſer Hoff⸗ nung, die Lehre von der Auferſtehung der Todten, auch nicht weiter gläubig feſtzuhalten verpflichtet, ja dieſelbe nicht einmal für hinlänglich in ihrer Glaubwürdigkeit begründet zu halten veranlaßt ſind, indem ein ſolcher frommer Irrthum nach ihrer muthmaßlichen Meinung wohl nur bei denjenigen Menſchen, welche keinen hinreichend bewegenden Antrieb zum Guten in ſich ſelber trügen, ſeine ſittliche Wirkung zu äußern be⸗ ſtimmt war.— Sie geriethen daher aus einem, wie es ſcheint, urſprüng⸗ lich richtigen, aber mit rigoriſtiſcher Uebertreibung ſchief aufgefaßten Moralgrundſatze in dogmatiſch ſpeculativer Hinſicht unmittelbar in das entgegengeſetzte Extrem eines ſeichten Rationalismus, in welchem ſie mit der Lehre von der Auferſtehung der Todten zugleich die Fortdauer der Seele nach dem Tode, mit dieſer die Inſpiration, d. h. mit andern Worten, die dogmatiſche Auctorität derjenigen Bücher des Alten Teſta⸗ mentes, in welchen von ſichtbaren Erſcheinungen abgeſchiedener Seelen die Rede iſt(wie z. B. 1. Reg. cp. 28., vergl.§§. 238, 239.), mit der geſchichtlichen Glaubwürdigkeit dieſer Todtenerſcheinungen auch die Glaubwürdigkeit ſämmtlicher in dieſen Büchern überhaupt erzählten über⸗ natürlichen Engelerſcheinungen(womit die Verwerfung ſämmtlicher Bücher Alten Teſtaments mit Ausnahme der fünf Bücher Moyſes von ſelbſt gegeben war, deren vorkommende Gottes⸗ und Engelserſcheinungen ſie wahrſcheinlich durch eine ſinnbildliche Auslegungsweiſe zu entkräften wuß⸗ ten), und ſomit endlich auch die Exiſtenz aller Engel und höheren Weſen überhaupt in Abrede ſtellten, für welche letztere Behauptung ſie ſich auf einen angeblich ſpeculativ metaphyſiſchen Grundſatz beriefen, daß es außer Gott allein kein weiteres rein geiſtiges Weſen geben könne, und aus welcher eine der ſpäter von Pelagius wiederholten ähnliche Leugnung aller übernatürlichen Wirkungseinflüſſe auf den menſchlichen Willen von Seite ſowohl guter als böſer Geiſter von ſelbſt folgte.— Nachdem ſie nun mittelſt einer ſolchen conſequenten Reihe fehlerhafter, aus ihrem erſten rationaliſtiſchen Fehlſchluſſe folgender Lehrbehauptungen ſich mit der Auctorität der bisher unveränderten und einſtimmigen jüdiſchen Lehr⸗ tradition in innerlichen Zwieſpalt verſetzt hatten, machten ſie ſich kein Gewiſſen daraus, um ihre einmal begonnene Privatoppoſition deſto er⸗ folgreicher auch äußerlich praktiſch durchführen zu können, eine öffentliche Schule zu gründen, in welcher es unter Gottes Zulaſſung und unter dem mitwirkenden Einfluſſe von allerlei bereits in der Zeit gelegenen verderbten Lebenskeimen ihrer ſectireriſchen Induſtrie gelingen ſollte, einen zahlreichen Anhang zu finden, und mittelſt desſelben in Jeruſalem ſelber, dem Mittelpunkte der bisherigen theocratiſchen Offenbarung den feſten Boden eines bleibenden Einfluſſes zu gewinnen. Dieſer glückliche Erfolg iſt auch aus mehr als Einer Urſache nicht beſonders zu verwundern, indem ſie einmal, trotz ihrer eingeſchlagenen zweifelſüchtigen Richtung, an dem Geſetze Mohſes' wenigſtens als einer göttlichen Willensoffen⸗ barung mit unverbrüchlicher Strenge feſthielten, in Verbindung womit ſie auch die beiden Glaubenslehren von der Erſchaffung der Welt durch l ftohen 153 Gottes freie Allmacht, ſowie von der Vorſehung Gottes über die zeit⸗ lichen Schickſale der Menſchen zugaben, durch welche eigentliche Incon⸗ ſequenz ſie jedoch allein ſich noch zu ihrem Vortheile von der gleich⸗ zeitigen griechiſch philoſophiſchen Schule der Epikuräer unterſcheiden ließen. Da nun im Alten Teſtamente ein von Gott eingeſetztes, mit ſchieds⸗ richterlicher Gewalt zur Entſcheidung auch einzelner theologiſcher Streit⸗ fragen ausgerüſtetes Glaubensgericht einmal noch nicht vorhanden war, ſo konnten ſie ferner um dieſer Urſache willen auch nicht ſofort aus⸗ geſtoßen, ſondern mußten unter dieſen Umſtänden tolerirt werden. Ihre Moral war dabei endlich für den ſinnlichen Menſchen in vieler Beziehung ſehr einladend, indem er einerſeits ſich vor keiner zu leiſtenden weiteren Verantwortung in der andern Welt mehr zu fürchten, und in dieſer an keine andere, als bloß die im Geſetze Moyſes ausdrücklich enthaltenen ceremoniellen Vorſchriften zu binden brauchte, weil die Sadducäer mit dem göttlichen Anſehen der übrigen Bücher Alten Teſtaments natürlicher Weiſe aus um ſo ſtärkerem Grunde zugleich auch alle bloß mündlich überlieferten, ſowohl in Beziehung auf die Lehre, als auch auf den Ritus bereits in Uebung gekommenen Traditionen weit von ſich wegwarfen. In dieſem letzteren Punkte liegt auch wirklich ein zu ſchonender Beurthei⸗ lung der Sadducäer beſtimmender verhältnißmäßiger Milderungsgrund, indem die mit der unter Esdra's und Nehemias' erfolgten wiederholten Einführung einer pünktlichen Geſetzesbeobachtung zugleich eingeſchlichene Aengſtlichkeit dieſe äußeren Lebensvorſchriften wohl ſchon damals hin und wieder zu einer unnöthig drückenden Laſt für den Israeliten gemacht haben dürfte. Mögen nun dieſe neuen Lehrpunkte alle noch von Sadoc ſelber, der zuletzt ſeine Zuflucht zu den Samaritanern zu nehmen gezwungen worden ſein ſoll, oder ein Theil derſelben erſt nach ſeinem Tode ihre ſpätere vollendete Entwickelung bekommen haben, in beiden Fällen iſt nichts natürlicher, als daß die bisher allein gültige, allgemeine und unveränderte jüdiſche Lehrtradition ſich dieſer neuaufkommenden Richtung nicht allein mit aller Macht gegenüberſtemmte, ſondern es iſt auch nicht zu verwun⸗ dern, wenn in der Abſicht, um das verlorene allgemeine Anſehen wieder zu gewinnen und wenigſtens den erlittenen Verluſt auf eine andere Weiſe zu erſetzen, gewiſſe ſchon bisher zum Uebermaße neigende Moralcon⸗ ſequenzen, namentlich hinſichtlich der verbindlichen Auctorität ſolcher eere⸗ moniellen Gebräuche, von denen ſich eine Spur göttlicher Einſetzung in der heiligen Schrift Alten Teſtaments durchaus nicht nachweiſen ließ, von nun an ebenfalls auf das Extrem getrieben wurden. Es bildete ſich ſomit der allerdings gefährlichen Secte der Sadducäer gegenüber eine zahlreiche religibs ſociale Congregation unter dem anfangs durchaus ehrenwerthen Namen„Chasidim,“„Aſſidäer“(die Frommen), welche die Feſthaltung nicht allein der unverkürzten bisherigen hebräiſchen Glaubens⸗ und Sittenlehre ſammt ihren als göttlich inſpirirt anerkannten ſchrift⸗ lichen Documenten, ſondern auch der mündlichen Lehren und Ritual⸗ traditionen in dem Stande, in welchem ſie ſich damals befanden, als Grundſatz aufſtellten. Aus dieſen Aſſidäern ſcheinen dann ſpäter die ſogenannten„Phariſäer,“„Pharasim“(die Abgeſonderten), eine den Sadducäern diametral entgegengeſetzte, im Laufe der Zeit ebenfalls zu 154 einem bedeutenden, ſogar politiſchen Einfluſſe gelangende, durch affectirt ſerupulöſe Cultur der mündlichen Traditionen ſich bemerklich machende neue Secte erſt hervorgegangen zu ſein. Die im damaligen Zeitpunkte, wenn auch niemals thatſächlich äußer⸗ lich durchgeführte, doch wenigſtens innerlich vollkommen unter den Juden ausgebrochene religiöſe Spaltung war im Laufe der Zeit für die neuauf⸗ lebende jüdiſche Nationalentwicklung von wenigſtens ebenſo nachtheiligen Folgen begleitet, als jene unter Rohoboam ſtattgefundene politiſche Thei⸗ lung für das alte israelitiſche Königreich geweſen war. Wir haben aber auch hier wiederum den gleichen Troſt, daß gleichwie damals das geiſtig politiſche Ergebniß des davidiſchen Königthums gleichſam als Erbſchaft auf die nachfolgende Entwicklung der großen politiſchen Weltreiche über⸗ gegangen zu ſein ſcheint, ſo auch das religiös kirchliche und theologiſch wiſſenſchaftliche Ergebniß dieſer zweiten Geſchichtsepoche des jüdiſchen Volkes gewiß nicht ohne ſegensreichen Erfolg für die auf dieſelbe ſich unmittelbar erbauende chriſtliche Kirche geblieben iſt. Namentlich ſcheint der theologiſche Lehrvortrag in Folge des zwiſchen Sadducäern und Pha⸗ riſäern ausgebrochenen Lehrſtreites erſt von dieſer Zeit an unter An⸗ wendung der durch Ariſtoteles ſeither neugeſchaffenen logiſch dialectiſchen Hilfsmittel ſeine erſte eigentlich wiſſenſchaftliche Ausbildung erlangt zu haben. §. 765. Prideaux Connex. ann. 265. 264. 258— 256. Drei Jahre darauf, alſo im Jahre 3843, legte die ebenſo unver⸗ nünftige als ungerechte Rachſucht eines verbuhlten Weibes den erſten Grundſtein zu einer in ihren Folgen auch für das zwiſchen innegelegene Paläſtina verhängnißvollen Zwietracht zwiſchen Syrien und Egypten, zwei Königreichen, welche bis dato noch immer in leidlicher Eintracht zu einander verblieben waren. Es war dieß nämlich die in ihrer Sinnlich⸗ keit und Herrſchſucht gleich unerſättliche Apama, die Schweſter des Königs Antiochus II. Theus und Wittwe des ſoeben verlebten Magas, geweſenen egyptiſchen Statthalters von Cyrene, welcher einen mit Ptolemäus Phila⸗ delphus geführten mehrjährigen Unabhängigkeitskrieg, in welchem aller⸗ dings Antiochus I. Sidetes bereits ſein Bundesgenoſſe geweſen war, zu⸗ letzt unter der Bedingung geendigt hatte, daß Berenice ſeine und der Apama einzige Tochter den älteſten Prinzen von Egypten zu heirathen bekommen ſolle. Als nun Magas geſtorben war, ſo ließ Apama den abgeſchloſſenen Vertrag ſo lange nicht zur Erfüllung kommen, bis ſie endlich nach gewaltſamer Vereitlung ihres Planes, ſich an der Seite des jugendlichen Demetrius, eines inzwiſchen eigentlich für Berenice als Ge⸗ mahl herbeigerufenen macedoniſchen Prinzen noch ſelber eine Zeit lang auf dem Throne behaupten zu wollen, von ihrer eigenen Tochter dazu gezwungen, und ſomit unverrichteter Dinge noch in ihrem bereits vor⸗ 155 0 geſchrittenen Alter ihrem Bruder Antiochus II. Sidetes wieder zugeſendet wurde. Unfähig, eine in ihren Augen ſo ſchimpfliche Wendung ihrer Glücksumſtände geduldig zu ertragen, bot ſie alles auf, um ihren Bruder vom nächſt darauffolgenden Jahre 3844 an mit Ptolemäus in einen muthwilligen Krieg zu verwickeln. So wenig die im Paragraphen kurz erwähnten, die Perſon der Apama betreffenden häuslichen Ereigniſſe an und für ſich auch erbaulich, ſo intereſſant und wichtig iſt ein kurzer Abriß derſelben als Beitrag für die damalige griechiſch macedoniſche Sittengeſchichte. Apama war ver⸗ muthlich mit Antiochus II. Theus zugleich eine Tochter des Antiochus I. Sidetes von der Stratonice, einer Tochter des Demetrius Poliorcetes, welche urſprünglich von Seleucus Nicator, dem Vater des Sidetes, zur Ehe genommen, auf den Rath des Arztes, der die verborgene Urſache einer den Sidetes befallen habenden tödtlichen Krankheit in hoffnungs⸗ loſer Liebe erkannt hatte, ſeiner Zeit auf eine ebenſo originelle als ſittlich anſtößige Weiſe vom Vater an ſeinen Sohn großmüthig abgetreten wor⸗ den war. Auf eine ſolche unglücklich verkehrte Weiſe bereits ins Daſein gerufen, ſcheint die verblendete Apama in nichts anders, als in die Be⸗ friedigung ſinnlicher Verliebtheit von vorneherein den Zweck ihres ganzen Daſeins geſetzt zu haben. Nachdem ſie ſomit dem etzyptiſchen Statthalter von Cyrene, Magas, dem ſie zur Ehe gegeben worden, noch mit ziem⸗ lich unverſehrter Reputation bis an ſeinen Tod hausgehalten hatte, ſo ſchämte ſie ſich daher nicht, den jungen macedoniſchen Prinzen Demetrius, den ſie, wie geſagt, aus Unzufriedenheit mit dem von Magas abge⸗ ſchloſſenen egyptiſchen Vertrage eigentlich nur als Gemahl für ihre Tochter Berenice herbeigerufen, ſobald ſie ſeiner anſichtig wurde, als Wittwe nunmehr für ſich ſelbſt in Beſchlag zu nehmen. Zu dieſem von Seite der Apama gegebenen öffentlichen Aergerniſſe hinzukommend hatte nun Demetrius überdieß den unerträglich thörichten Uebermuth, ſowohl gegen die Prinzeſſin Berenice ſich öffentlich geringſchätzig zu beweiſen, als auch die egyptiſch cyrenenſiſchen Hofbeamten ſämmtlich durch ein ſtolzes und trotzig anmaßendes Betragen gegen ſich aufzubringen. Durch dieſe rohe Behandlung empfindlich berührt, machten dieſelben im Einverſtändniſſe mit Berenice eine Verſchwörung gegen des Demetrius Leben, welchen ſie, von Berenice perſönlich in ihrer Mutter Schlafgemach geführt, auch wirklich, trotz Apama's verzweifelter Gegenwehr, ſchonungslos ermordeten. Es wurde hierauf der egyptiſche Vertrag mittelſt der Heirath des jungen Ptolemäus Euergetes mit Berenice ungehindert vollzogen, Apama jedoch, ohne ihr weiter etwas zu Leide zu fügen, da ſie ſchwerlich ſelber länger in Cyrene zu verweilen Luſt hatte, ihrem mittlerweile zur Regierung gekommenen Bruder Antiochus II. zurückgeſchickt. §. 766. Joseph. Antiqd. XII, 3. gegen das Ende. Prideaux Connex. ann. 255— 850. Obwohl der Krieg glücklicher Weiſe im Anfange läſſig betrieben wurde, gereichte er nichts deſto weniger dem ſyriſchen Reiche zu unermeß⸗ lichem Schaden, indem dadurch, wie es ſcheint, ermuthigt, die beiden 156 mächtigen Provinzen Parthien und Baktrien unter Arſaces und Theodotus ſich von demſelben im Jahre 3850 losriſſen und ihre Unabhängigkeit glücklich erzwangen. In dem gleichen Jahre ſtarb der jüdiſche Hohe⸗ prieſter Manaſſe, welchem der bereits zweimal übergangene Onias II. nunmehr im Amte nachfolgte. §. 767. Prideaux Connex. ann. 249. Eben dieſer, ſowie mehrerer anderen gleichzeitig im Oriente aus⸗ gebrochenen Rebellionen wegen wurde Antiochus II. Theus gezwungen, mit Ptolemäus II. Philadelphus im darauffolgenden Jahre 3851 Frieden zu ſchließen, jedoch auf die unglückliche Vertragsbedingung hin, daß erſterer ſeine bisherige königliche Gemahlin Laodice, obwohl er von der⸗ ſelben bereits Kinder hatte, zu verſtoßen und anſtatt ihrer Berenice, eine Tochter des Ptolemäus Philadelphus, zu heirathen ſich verbindlich machte, was natürlich nicht ohne großes Aergerniß und heimlich genährten Wider⸗ willen geſchehen konnte. In dieſem Ereigniſſe findet ſich die buchſtäbliche Erfüllung einer von dem Erzengel Gabriel dem Propheten Daniel gegebenen prophetiſchen Vorherſagung(vergl.§. 617.). CLXIX. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien.(Fortſetzung.) Der Hoheprieſter Onias IIl.(Fortſetzung.) F. 768. Joseph. contra Apion. lib. II. Prideaux Connex. ann. 247. 246. Ptolemäus II. Philadelphus war kaum zwei Jahre darnach 3853 mit Tod abgegangen, als Antiochus II. Theus 3854 auf die davon empfangene Nachricht Berenice verſtieß und ſeine frühere Gemahlin Laodice wieder zu ſich nahm, welche jedoch aus mangelndem Vertrauen auf ſeine Charakterbeſtändigkeit ihn ſogleich zu vergiften die Undankbarkeit und aus Eiferſucht für die Rechte ihres von der Thronfolge ausgeſchloſſenen erſtgebornen Sohnes Seleucus II. Callinicus Berenice ſammt ihrem neu⸗ gebornen Sohne hinrichten zu laſſen die Grauſamkeit hatte. Ein furcht⸗ bares Aergerniß, verbunden mit Rebellion im eigenen Lande war zugleich mit einem augenblicklich unternommenen Angriffskriege des neuen egypti⸗ ſchen Königs Ptolemäus III. Euergetes die unmittelbare Folge dieſes Klet 0 8 Iſcle Wutgebts b. 6 In 9 Madg kah ghnin 157 ſchrecklichen Doppelereigniſſes, im Verlaufe deſſen Ptolemäus nicht allein die in ſeine Gewalt gekommene Laodice ebenfalls hinrichten ließ, ſondern auch nach Eroberung von beinahe allen aſiatiſchen Ländern bis an den Tigris und das Taurusgebirge in Kleinaſien mit unermeßlicher Beute wieder nach Egypten zurückkehrte. Auf ſeinem Rückwege ſoll er ſich in Jeruſalem aufgehalten und dem Gott Israels im Tempel Dankopfer dargebracht haben. Ptolemäus Philadelphus, ein vorzüglicher Bauliebhaber, wird als der Wiedererbauer der in Paläſtina gelegenen ehemaligen Hafenſtadt Ace genannt, welche von ihm den Namen Ptolemais empfangend, ſich bis auf den heutigen Tag durch alle dazwiſchen liegenden geſchichtlichen Wechſel⸗ ereigniſſe unter dem Namen Acon, Acre oder Saint Jean d'Acre er⸗ halten hat. Der von ſeinem Sohn und Nachfolger Ptolemäus III. unter⸗ nommene, ſeiner Zeit von dem Erzengel Gabriel dem Propheten Daniel (ep. 11, 7— 9.) mit auffallender Deutlichkeit vorausgeſagte aſiatiſche Feldzug wurde unter andern auch die Veranlaſſung zur Erlangung ſeines Beinamens Euergetes, welchen ihm die Egypter deßwegen beilegten, weil er neben einer unzähligen anderweitigen Beute auch eine bedeutende Zahl urſprünglich egyptiſcher goldener und ſilberner Götterſtatuen, welche be⸗ reits von dem Perſerkönig Cambyſes vor mehr als 200 Jahren auf ſeinem egyptiſchen Feldzuge mit fortgeſchleppt worden waren, bei dieſer Gelegen⸗ heit glücklich wieder mit nach Hauſe brachte. Daß er auf ſeinem Durch⸗ zuge durch Jeruſalem unterwegs gelegentlich im Tempel Opfer darbrachte, dazu mag ihn nicht unwahrſcheinlich der Umſtand, daß ihm die im Pro⸗ pheten Daniel über ihn enthaltenen Weisſagungen gezeigt wurden, be⸗ wogen haben. Bei ſeiner glücklichen Rückkehr entledigte ſich ſeine, gelegentlich(§. 765.) bereits erwähnte Gemahlin Berenice eines eigen⸗ thümlichen bei Gelegenheit ſeines Auszuges abgelegten Gelübdes, indem ſie nämlich aus Dankbarkeit gegen die Götter ihr Haupthaar abſchnitt. Da dasſelbe kurz darauf im Tempel der Venus Zephyrina auf der Inſel Cyprus, in welchem es aufbewahrt wurde, zufällig verloren ging, ſo wurde es von dem Aſtronomen Conon als ein neues Sternbild an den Himmel verſetzt, als welches es noch heute unter dem Namen„Coma Berenices“ auf aſtronomiſchen Karten verzeichnet iſt. F. 769. 2. Maccab. 8, 20. Prideaux Connex. ann. 245— 241. Seleucus II. Callinicus ließ ſich indeſſen durch einen ſo unglücklichen Regierungsantritt nicht abſchrecken, zur Unterwerfung der in Aufſtand begriffenen Küſte von Syrien eine Flotte auszurüſten, welche er jedoch ſofort durch einen gewaltſamen Seeſturm wieder einzubüßen das Unglück hatte. Gerade dieſes neu hinzukommende Mißgeſchick ſchlug jedoch zu ſeinem Vortheile aus, indem jetzt erſt die aſiatiſchen Städte halb aus Mitleiden mit ſeinem Unſtern, halb wahrſcheinlich aus Ueberdruß an ihrer dermaligen bisher ungewohnten abhängigen Lage als Provinzialſtädte des entfernten egyptiſchen Reiches, im Jahre 3855 freiwillig unter ſeine Bot⸗ mäßigkeit wieder zurückkehrten. Der in Folge dieſer günſtigen Wendung neuerdings mit Ptolemäus angeſponnene Krieg endigte nun zwar bereits 3856 mit einem verhältnißmäßig vortheilhaften auf zehn Jahre abge⸗ lbet ſchloſſenen Friedensvertrag, dieſer ſelber aber legte wieder den Grund zu liht il einer unverſöhnlichen blutigen Feindſchaft zwiſchen Seleucus und ſeinem Uitlafe als Bundesgenoſſen zu Hilfe gerufenen jüngeren Bruder Antiochus Hierar, lautn welcher letztere in der Hoffnung auf den ihm verſprochenen unabhängigen fiß apſbittr Beſitz der ihm als Statthalterſchaft übertragenen kleinaſiatiſchen Provin⸗ zen getäuſcht, vier Jahre lang zu ſeinem eigenen ſowohl als zu des Reiches äußerſten Schaden ſeinen älteren Bruder kriegeriſch zu behelligen nicht nachließ. Eine dem Seleucus untergebene, aus 8000 babhyloniſchen Juden beſtehende Truppenabtheilung zeichnete ſich bei dieſer Gelegenheit dadurch beſonders aus, daß ſie nebſt 4000 Macedoniern eine zehnmal ſtärkere feindliche Truppenmacht, beſtehend aus 120,000 im Dienſte des Antiochus Hierax befindlichen Galatern, gänzlich zu beſiegen das Glück hatte. e t Die im Texte erwähnten Galater waren Abkömmlinge von im Jahre der Erſchaffung 3823 nach Phrygien eingewanderten Galliern(ſ. Pri⸗ deaux's Connexion add ann. 277.), welche um dieſe Zeit durch ihre kriege⸗ riſche Tüchtigkeit als Miethtruppen beſonders beliebt waren. An ihre Nachkommen hat der heilige Apoſtel Paulus den bekannten neuteſtament⸗ lichen Brief geſchrieben. §. 770. Prideaux Gonnex. ann. 240— 230. Obwohl in Folge deſſen Seleueus mit dem Jahre 3860 ſeinen un⸗ ruhigen Bruder für immer los wurde, ſo war er doch in ſeinen ferneren auf die Wiedereroberung der abgefallenen Provinzen gerichteten Kriegs⸗ unternehmungen keineswegs glücklich, im Laufe deren er im Jahre 3870 ſogar von Arſaces, dem Heerführer der Parther, gefangen genommen, übrigens in der Gefangenſchaft ſchonend von ihm behandelt wurde. Von dieſem Momente nahm Arſaces den Königstitel an, und wurde dadurch der Stifter eines neuen mächtigen, des ſogenannten parthiſchen Reiches, welches alle übrigen damaligen orientaliſchen Staaten lange überdauert hat. 15 §. 77 u Joseph. Antiqd. XII, à. Prideaux Connex. ann. 226. Heſen In Wahrſcheinlich vier Jahre darnach, ſomit im Jahre der Er⸗* ſchaffung 3874, wurde das jüdiſche Land einer drohenden Gefahr von 1 159 Seite der bisher ſtets dasſelbe mild behandelt habenden egyptiſchen Obrig⸗ keit glücklich überhoben. Aus einer Miſchung von Geiz und eigenſinniger Beſchränktheit, ſo wie der Charakter des dermaligen Hohenprieſters Onias II. geſchildert wird, hatte derſelbe nämlich ſeit ſeinem Regierungsantritte die bisher üblichen 20 Talente Steuern dem Könige zu bezahlen hartnäckig unterlaſſen, und als nun Ptolemäus III. Euergetes endlich ſeinen Hof⸗ beamten Athenion mit geeigneten Zwangsdrohungen zur Einforderung des Rückſtandes, ſowie zur Betreibung der ferneren Fortbezahlung des erwähnten Tributes nach Jeruſalem abgeordnet hatte, ſelbſt da nicht nach⸗ geben wollen. Ernſtliche Beſorgniß um den ruhigen Fortbeſtand ihres heimathlichen Beſitzes hatte bereits die Gemüther in die lebhafteſte Auf⸗ regung verſetzt, als Joſephus, der Sohn des Tobias, eines mit dem Hohenprieſter nahe verwandten Juden aus dem Stamme Benjamin, eben vom Lande hereinkommend ſich rechtzeitig in das Mittel legte, und von ſeinem Oheim wenigſtens die Bevollmächtignng auswirkte, in ſeinem Namen eine Reiſe an den egyptiſchen Hof zu allenfallſiger Ordnung dieſer Angelegenheit antreten zu dürfen. Mit dieſer ausgerüſtet gelang es demſelben, vorläufig ſowohl das Volk zu beruhigen, als auch bei Athe⸗ nion, den er während ſeines Aufenthaltes in Jeruſalem mit aller zuvor⸗ kommenden Aufmerkſamkeit bewirthete, ſich auf dem Wege friedlicher Unterredung in Gunſt und Vertrauen zu ſetzen. Joſeph, der Sohn des Tobias, wird deßwegen nach dem Stamme Benjamin benannt, weil ſein muthmaßlicher Sohn, der ſpätere Tempel⸗ vorſteher Simon(vergl.§. 786.) 2. Maccab. 3, 4., als„de tribu Ben- jamin“ bezeichnet wird. Es iſt jedoch dieſe Bezeichnung, aus anderen Gründen zu ſchließen, vermuthlich nur von dem der Familie eigenthüm⸗ lichen, wahrſcheinlich im ehemaligen Grenzgebiete des Stammes Benjamin gelezenen Wohnorte Phichola zu verſtehen(Joseph. Antiqd. XII, 4.), während die Familie des Tobias nicht wohl anders als ebenfalls wenig⸗ ſtens levitiſcher, vielleicht ſogar ebenfalls direct hohenprieſterlicher Ab⸗ ſtammung geweſen ſein dürfte. Die Worte„de tribu Benjamin“ be⸗ weiſen wenigſtens für die benjaminitiſche Abſtammung des dort genann⸗ ten Simon noch nichts, indem Elcana der Vater des Propheten Samuel, über deſſen levitiſche Abſtammung gar kein Zweifel obwaltet, nichts deſto weniger in der Stelle 1. Reg. 1, 1. von ſeinem im Stamme Ephraim gelegenen Wohnorte Ramathaim Sophim ebenfalls„Ephrathaeus“ d. h. aus dem Stamme Ephraim, genannt wird. Wäre die ſogenannte Familie der Tobiaden, welche auch im Anfange des 1. Buches de bello Judaico von Fl. Joſephus erwähnt wird, von anderer als levitiſcher Abkunft ge⸗ weſen, ſo bleibt es unbegreiflich, warum gegen den ſpäteren Hohenprieſter Menelaus(vergl.§. 795.), welcher 2. Maccab. 4, 23. ausdrücklich ein Bruder des Simon, folglich wahrſcheinlich ein zweiter Sohn des in un⸗ ſerem gegenwärtigen Paragraphen erwähnten Jofephus genannt, nirgends eine getzen ihn aus dieſem naheliegenden Grunde erhobene ausdrückliche Einwendung in Erwähnung gebracht wird. §. 772. Joseph. Antidd- XII, 4. Prideaux Connex. ann. 226. Sobald Athenion Jeruſalem wieder verlaſſen hatte, nahm Joſephus 20,000 Drachmen Geld in Samaria auf, mit welchem er ſich unverzüg⸗ lich auf den Weg machte, auf dem er mit einer anderen nach Alexandria reiſenden Karawane zufällig zuſammentraf. Die Hauptperſonen dieſer Reiſegeſellſchaft waren reiche und vornehme Capitaliſten aus Cöloſyrien und Phönizien, welche in der Abſicht, die königlichen Einnahmen in dieſen Provinzen gegen eine beſtimmte Abtragsſumme ebenſo wohlfeil als bisher wiederum zu pachten, unterwegs in Folge ihrer unvorſichtig untereinander gewechſelten Reden dem mitreiſenden Joſephus in den wahren Ertrag der königlichen Einkünfte eine genaue Einſicht verſtatteten. Nachdem nun der durch dieſe gewonnene Kenntniß hinlänglich für die ſonſtige über⸗ müthige Behandlung von Seite ſeiner Mitreiſenden entſchädigte Joſephus in Egypten angelangt, durch Athenion's Vermittlung Zutritt zum Könige bekommen, und bei dieſer Gelegenheit das Glück gehabt hatte, ſich ſowohl bei Ptolemäus, als bei der Königin in Gunſt zu ſetzen, ſo durfte er bei dem bevor⸗ ſtehenden Auctionstermin, bei welchem die ſämmtlichen Einkünfte von Cölo⸗ ſyrien, Phönizien, Samaria und Judäa in Einem Poſten an den Meiſt⸗ bietenden feilgeboten wurden, ſich herausnehmen, anſtatt der angebotenen 8000 Talente jährlich ſogleich ein Aufgebot von 16,000 Talenten, nebſt Confiscirung der auf dem Strafwege einzuziehenden Privatgüter darauf zu ſetzen, und wegen der abgeforderten Caution gelang es ihm, den König durch einen kecken Scherz zufrieden zu ſtellen. Auf dieſem Wege wirklich zum Generalpächter der königlichen Einkünfte in den betreffenden Ländern ernannt, ſing er zunächſt damit an, mittelſt eines in Alexandria erhobenen weiteren Anlehens von 500 Talenten den bisherigen Rückſtand des von ſeinem Oheim, dem Hohenprieſter Onias II., unbezahlt gelaſſenen Tributes mit Einem Male vollkommen abzutragen, worauf er alsbald ſeine Rück⸗ reiſe antretend damit fortfuhr, unverzüglich ſeine Functionen anzutreten. In Ascalon, ſowie ſpäter in Seythopolis, trug er kein Bedenken, mit⸗ telſt 2000 Mann egyptiſcher Miliz, die ihm auf ſeine Forderung bei⸗ gegeben worden waren, auf dem Wege der Execution ernſtliche Exempel zu ſtatuiren, und widerſpänſtige Privateigenthümer, deren confiscirtes Ver⸗ mögen er alsbald an den König einſchickte, ſogar am Leben zu ſtrafen. Auf dieſe Weiſe verſchaffte er ſich binnen Kurzem das zur Ausübung bun U 101 ſeines Amtes erforderliche perſönliche Anſehen, und erhob im Laufe ſeiner Njährigen Amtsführung, indem er zugleich alle Jahre reicher wurde, auch ſeine ganze Familie zu einer für ganz Judäa mit der Zeit immer anſehnlicheren politiſchen Bedeutung. Die von Joſephus als einzigem Gewährsmanne beigebrachte, im Paragraphen wiedergegebene Erzählung empfiehlt ſich in jeder Beziehung als glaubwürdig. Er begeht dabei den einzigen Fehler, daß er den Na⸗ men der Königin Berenice, welche damals noch lebte und erſt einige „Jahre ſpäter von ihrem eigenen Sohne ermordet wurde, mit Cleopatra irrig verwechſelt. Der mit großem Scharfſinne von Prideaux heraus⸗ gebrachte chronologiſche Beſtimmungsgrund für die ganze Begebenheit beſteht in dem accuraten Zuſammentreffen der 500 Talente, welche Joſe⸗ phus in Alexandria borgte, um einen gerade 25jährigen Steuerreſt ſeines Oheims Ontas damit decken zu können, mit den 22 ihm von Joſephus am Ende des exwähnten Capitels beigelegten Amtsjahren als egyptiſcher Steuereinnehmer, welche von hier an gezählt genau in das Jahr 3897 hineinveichen, in welchem Antiochus der Große zum erſten Male Paläſtina dem egyptiſchen Königreiche bleibend entriß, in Folge welches Ereigniſſes die egyptiſche Steuereinnahme begreiflicher Weiſe von ſelbſt aufhörte. (Vergl.§. 778.) CLXX. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien.(Fortſetzung.) Die Hohenprieſter Onias Il. und Simon ll. §. 773. Prideaux Connex. ann. 225— 223. Seleucus Callinicus, welcher das Jahr darauf, alſo 3875, in parthi⸗ ſcher Gefangenſchaft ſtarb, hinterließ zwei noch junge Söhne, welche ebenfalls den Namen Seleucus und Antiochus führten. Der ältere, welcher unter dem Namen Seleucus III. Ceraunus den Thron beſtieg, lebte nur bis zum Jahre 3877, in welchem er verrätheriſcher Weiſe von zweien ſeiner eigenen Feldherren durch Gift aus dem Wege geräumt wurde. Die Anſtifter dieſes Meuchelmordes wurden jedoch am Leben beſtraft, und das Reich durch Vermittlung des Achäus, ſeines Oheims, der die vom Heere ihm angebotene ſyriſche Königskrone ausſchlug, auf den jüngeren Bruder Antiochus übertragen. Die zarte Gewiſſenhaftigkeit des Achäus wurde von Seite ſeines Neffen Antiochus ſpäter mit grober Undankbarkeit erwiedert, indem er durch unbegründete üble Nachreden gegen ihn aufgehetzt, ihn in ſeiner Statthalteret bekriegte und im Jahre 3885 hinrichten ließ. Vergl. Pri⸗ deaux's Connex. ann. 215. Krafft, heil. Geſchichte. II. 11 §. 774. Prideaux Connex. ann. 222— 218. Im nächſtfolgenden Jahre 3878 ſtarb Ptolemäus III. Euergetes, welchem der ebenſo wollüſtige als grauſame Ptolemäus IV. Philopator auf dem egyptiſchen Throne nachfolgte. Durch dieſen Regierungswechſel ſchöpfte der junge König Antiochus III., ſpäter der Große genannt, Hoff⸗ nung, die unter ſeinem Vater Seleucus Callinicus von dem ſyriſchen Reiche abgeriſſenen Provinzen nicht allein ſeiner Herrſchaft wieder unter⸗ werfen, ſondern auch ſeine Reichsgrenzen auf Koſten Egyptens weiter ausdehnen zu können, fand aber die Päſſe des Libanongebirges im Jahre 3879 ſo vortrefflich durch den egyptiſchen Befehlshaber Theodotus be⸗ wacht, daß er für den Augenblick es für zweckmäßiger erachtete, ſich zurück⸗ zuziehen, um einer inzwiſchen in den Provinzen Medien und Perſien ausgebrochenen Empörung ſeiner eigenen Feldherren Alexander und Molon ein Ende zu machen. Erſt nachdem ihm dieß im folgenden Jahre 3880 glücklich gelungen, machte er einen zweiten Verſuch, bei welchem Theodotus aus Verdruß über eine inzwiſchen in Alexandria ihm widerfahrene un⸗ dankbare Behandlung durch Ueberlieferung der beiden Seeſtädte Tyrus und Ptolemais im Jahre 3881 dem ſyriſchen Könige zuerſt von der Meeresſeite her den Eingang nach Cöloſyrien bahnte, worauf er auch zu Lande ſich den Durchgang durch die Päſſe des Libanon zu erkämpfen und im darauffolgenden 3882ſten Jahre Galiläa nebſt dem linken Jordan⸗ ufer zu erobern das Glück hatte. In dieſem Jahre ſcheint auch Onias ll., der Hoheprieſter, geſtorben zu ſein. §. 775. Prideaux Connex. ann. 217. Durch die reißenden Fortſchritte Antiochus des Großen aus ſeiner genußſüchtigen Trägheit aufgerüttelt, führte Ptolemäus IV. Philopator im Frühling des darauffolgenden Jahres 3883 perſönlich ein ſtarkes Heer ins Feld, und hatte das Glück, in der Schlacht bei Rapphia, einer Stadt an der Grenze von Paläſtina und Egypten, über Antiochus den Sieg davon zu tragen, wodurch der Letztere gezwungen wurde, ſich mit dem Reſte ſeiner Truppen gänzlich ſogar bis nach Antiochia, ſeiner Haupt⸗ ſtadt, wieder zurückzuziehen. Bei dieſer Gelegenheit ſcheint Ptolemäus IV. Philopator eine Rundreiſe in den neuerdings wiedereroberten Ländern ge⸗ macht zu haben, bei welcher er auch in Jeruſalem einkehrend mit aller ergebenen Theilnahme empfangen wurde, und gleich ſeinem Vater Euer⸗ Its, en e Aa J mutlige ſitte getes nebſt reichen Geſchenken im Tempel Opfer darbrachte. Da er aber gegen das Geſetz in das Innere des Tempels einzudringen und ſogar das Allerheiligſte betreten zu wollen Anſtalt machte, ſo wurde er nach hart⸗ näckiger Nichtbeachtung der lebhaften Einwendungen ſowohl des ganzen Volkes, als des neuen Hohenprieſters Simon II. durch das Dazwiſchen⸗ treten einer übernatürlichen Gewalt davon abgehalten. Von hier aus nach Alexandria zurückgekehrt, bekam er von Antiochus III. Friedens⸗ anträge, welchen zufolge er, da er nichts weiter begehrte, in den unbe⸗ ſtrittenen Beſitz der in Frage ſtehenden Grenzländer wieder eintrat. Dieſer Simon II. iſt alſo zufolge der in der Anmerkung zu§. 760. angeſtellten Deduction der von Jeſus dem Sohne Sirach geſchilderte (ek. Eecles. 50, 1— 23.). In dieſe und die nächſtfolgende Zeit ſcheint daher die Entſtehung des ſogenannten urſprünglich in hebräiſcher Sprache abgefaßten Buches Eeclesiasticus hinein zu gehören. §. 776. Josephus contra Apionem II. Prideaux Connex. ann. 216. Im darauffolgenden Jahre 3884 ſoll Ptolemäus IV. Philopator aus Verdruß über die ihm zu Jeruſalem widerfahrene ſelbſtverſchuldete De⸗ müthigung das erſte förmliche Verfolgungsedict gegen die zu Alexandria wohnenden Juden erlaſſen, und nur denen unter ihnen, welche ſich zur Abgötterei verführen laſſen wollten, die Beibehaltung ihrer von Alexander dem Großen und Ptolemäus I. Soter ihnen ertheilten Privilegien(vergl. §F. 748. 753.) gewährleiſtet haben. Dreihundert ließen ſich wirklich zum Abfalle bewegen, die übrigen wurden ihrer Widerſetzlichkeit halber auf Ptolemäus' Befehl in die öffentliche Pferderennbahn eingeſperrt, um dort⸗ ſelbſt zum allgemeinen Schauſpiel von wuthgereizten Elephanten zertreten zu werden. Die erwartete Scene ſchlug aber mit auffallender Verſchonung der jüdiſchen Bekenner nur zum Schaden der von dem Könige mit der Execution Beauftragten und der Zuſchauer aus, in welcher Wendung ein Gottesgericht erkennend Ptolemäus ſeinen erlaſſenen ungerechten Befehl freiwillig wieder zurücknahm. §777. Joseph. Antigq. XII. cp. 3. Prideaux Connex. ann. 215— 205. 198. Die nächſten elf Jahre verfloſſen für Paläſtina friedlich, indem Antiochus III. während dieſer Zeit mit beſtändigen, im Ganzen glücklichen Kriegen in Kleinaſien, Medien, Parthien, Bactrien— zwei Königreiche, deren Unabhängigkeit er jedoch am Ende gutwillig ſelber anerkennen mußte— und in Indien beſchäftigt war, aus welchem 1 Lande er 1 464 im Jahre 3895 nebſt dem Namen des Großen eine Anzahl von 150 Elephanten zu weiterem kriegeriſchen Gebrauche mit zurückbrachte. In dieſem Feldzuge zeichneten ſich die in ſeinem Kriegsdienſte ſtehenden baby⸗ loniſchen Juden durch ihre Tapferkeit und Treue neuerdings vortheilhaft aus, weßwegen Antiochus bei ſeiner Rückkehr ſich bewogen fand, 2000 jüdiſche Familien unter den vortheilhafteſten Bedingungen in ſeine klein⸗ aſiatiſchen Provinzen zu verlegen, deren dienſtfähigen Glieder ihm ſeine wichtigſten Feſtungen zu bewachen bekamen. CLXXI. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien.(Fortſetzung.) Die Hohenprieſter Simon II. und Onias III.(Fortſetzung.) §. 778. Joseph. Antiqd. XII. ep. 3. Prideaux Connex. ann. 204— 198. Antiochus III. der Große hatte den 3883 geſchloſſenen Frieden (ſ.§. 775.) bisher ziemlich gewiſſenhaft beobachtet. Erſt der im Jahre 3896 erfolgende frühzeitige Tod Ptolemäus Philopator's, welcher einen nur fünfjährigen Sohn mit Namen Ptolemäus V. Epiphanes als Thronerben zurückließ, erregte in ihm neuerdings die leidenſchaftliche Begterde, ſich der ſchon einmal eroberten Grenzländer wiederum zu bemächtigen, zu welchem Ende er noch überdieß im Jahre 3897 mit Philippus, dem Könige von Macedonien, ein gemeinſchaftliches Angriffsbündniß abſchloß. Im Vertrauen auf dieſen Bund überſchritt Antiochus im Laufe des gleichen Jahres die Grenze und nahm ganz Cöloſyrien und Paläſtina neuerdings in Beſitz.— Dieſe Gefahr und das durch den ſoeben glück⸗ lich beendigten zweiten puniſchen Krieg mittlerweile ins Unglaubliche ge⸗ wachſene Anſehen der römiſchen Republik vermochte den egyptiſchen Hof, ſich im nächſtfolgenden 3898ſten Jahre zum zweiten Mal an den römi⸗ ſchen Senat zu wenden, und demſelben dießmal ſogar die Vormundſchaft über den unmündigen ptolemäiſchen Thronfolger anzutragen. Auch ſäum⸗ ten die Römer nicht, welche das ihnen angetragene Amt gerne über⸗ nahmen, im Jahre 3899 an die beiden verbündeten Könige Geſandtſchaft abgehen zu laſſen, und in Alexandria ſelbſt den tüchtigen und erfahrenen Ariſtomenes als oberſten Verwaltungsbevollmächtigten einzuſetzen. Dieſer ſeinerſeits ſendete 3901 den neuangeworbenen ätoliſchen Feldherrn Scopas nach den ſtrittigen Provinzen, welcher dieſelben in Abweſenheit des An⸗ Iypten m tiochus ſfämmtlich wieder eroberte. Während ſeines Aufenthalts in Jeru⸗ ſalem, allwo er in der mittlerweile neuerdings angelegten Burg Sion eine egyptiſche Beſatzung hinterließ, ſoll Scopas als der gedungene Feld⸗ herr bezahlter Miethtruppen ſich allerlei Räubereien und ſonſtige Miß⸗ handlungen gegen die Stadteinwohner haben zu Schulden kommen laſſen. Mit dem im Jahre 3897 ſtattfindenden Einfalle Antiochus' des Großen muß laut Prideaux's in der Anmerkung zu§. 772. angeführten Berechnung die angeblich 22jährige Amtsthätigkeit Joſeph's, des könig⸗ lichen egyptiſchen Generalſteuereinnehmers, ausgelaufen ſein, doch ſo, daß er zehn Jahre darauf im Jahre 3907, wie in der Anmerkung zu§. 780. bemerkt, in eine ähnliche Amtsthätigkeit wieder zurückgetreten zu ſein ſcheint. 3 Joseph. Antiqd. XII. 3. Prideaux Connex. ann. 198. Im darauffolgenden Jahre 3902 brach Antiochus, welcher ſich da⸗ mals an die Einwendungen der Römer noch wenig kehrte, bereits zum dritten Male in Cöloſyrien ein.,, und zwang den Aetolier Scopas, nach⸗ dem er ihn bei Paneas an den Jordanquellen aufs Haupt geſchlagen, von Sidon aus zu einem ſchimpflichen Abzuge. Das von den ätoliſchen Miethſoldaten beobachtete ſchlechte Betragen ſchadete dem egyptiſchen Reiche bei dieſer Gelegenheit ebenſo ſehr, als die von Antiochus den babyloni⸗ ſchen Juden gelegentlich bereits gewährte ehrenvolle Auszeichnung, indem die Juden wenigſtens ihm überall die feſten Plätze bereitwillig überliefer⸗ ten und namentlich auch in Jeruſalem zur Vertreibung der egyptiſchen Beſatzung aus der Burg Sion ihm thätigen Beiſtand leiſteten. Aus Erkenntlichkeit für dieſen neugeleiſteten Dienſt, ſowie für die ſeinem Heere widerfahrende gute Aufnahme überhaupt gewährte ihnen Antiochus III. neuerdings bedeutende Privilegien, unter welchen auch das, daß kein Fremder den inneren Tempelvorhof zu überſchreiten ſich die Freiheit her⸗ ausnehmen dürfe. Zugleich beobachtete er Egypten gegenüber die Staats⸗ klugheit, Friedensunterhandlungen in Alexandria auf die Bedingung hin anzuknüpfen, daß Ptolemäus V. Epiphanes ſpäter Cleopatra, Antiochus' Tochter heirathen und bei dieſer Gelegenheit die eroberten Länder als Mitgift zurückempfangen ſollte, woran ſich die dermalige vormundſchaft⸗ liche Regierung vorläufig begnügen ließ. Aus der Stelle 2. Maccab. 4, 11. geht hervor, daß ein gewiſſer Johannes, der Sohn Jacob's, deſſen Sohn Eupolemus Mitglied einer ſpäter von Judas Maccabäus an die Römer abgeordneten Geſandtſchaft geworden(1. Maccab. 8, 17.), den Juden in Paläſtina hauptſächlich zur Erlangung der im Paragraphen erwähnten neuen Privilegien, die — aber leider nicht lange währten, behilflich geweſen iſt. Es ſcheint dieſer Johannes ein griechiſch gebildeter, vielleicht antiocheniſcher Jude, allenfalls ein verdienſtvoller militäriſcher Befehlshaber aus des Antiochus eigener Armee geweſen zu ſein. Vergleiche die durch die im Paragraphen er⸗ zählte Begebenheit in buchſtäbliche Erfüllung gehende Weisſagung des Erzengels Gabriel§. 617. §. 780. Prideaux Connex, ann. 195. 193. Es verſtrichen von dieſem Augenblicke an mehrere Jahre ohne ein für Paläſtina bedeutungsvolles Zwiſchenereigniß, außer daß Antiochus III. der Große durch den empfindlichen Widerſtand, welchen der damals zu⸗ ſehends wachſende politiſche Einfluß der Römer ſeiner Vergrößerungsſucht entgegenſtellte, erbittert, endlich durch die im Jahre 3905— dasſelbe Jahr, in welchem Simon II. ſtarb, und ihm ſein Sohn Onias III. im hohenprieſterlichen Amte nachfolgte— erfolgende Ankunft des von den Römern peinlich verfolgten carthagiſchen Feldherrn Hannibal ſich unab⸗ änderlich zum Kriege wider dieſelben beſtimmen ließ. Um ſich inzwiſchen von Seite Egyptens den Rücken frei zu halten, gab er im Jahre 3907 ſeine Tochter Cleopatra dem Ptolemäus V. Epiphanes verſprochenermaßen wirklich zur Ehe und wies derſelben die Hälfte der Einkünfte von Cölo⸗ ſyrien und Paläſtina als Mitgift an. Die mit der Vermählung ſeiner Tochter Cleopatra an Ptolemäus Epiphanes von Seite Antiochus“ des Großen verbundene Anweiſung der halben Einkünfte von Cöloſyrien und Paläſtina war eigentlich keine Er⸗ füllung ſeines im Jahre 3902(vergl.§. 779.) gegebenen Verſprechens, ſondern vielmehr eine mit um ſo größerem Rechte ſo zu nennende halbe Maßregel, als er die ſyriſchen in die feſten Plätze Judäas verlegten Be⸗ ſatzungen keineswegs bei dieſer Gelegenheit zurückgezogen zu haben ſcheint. Es erklärt ſich aus dieſer letzteren Annahme wenigſtens am einfachſten, warum unter der Regierung Seleucus IV. Philopator's, des von Antiochus dem Großen hinterlaſſenen Thronnachfolgers, Ptolemäus Epiphanes neuer⸗ dings ſein Recht auf Paläſtina und Cöloſyrien durch einen Krieg geltend machen zu wollen ſich bewogen fühlte. Daß Ptolemäus ſich aber für den gegenwärtigen Augenblick auf eine derartige Weiſe von, Antiochus abſpeiſen ließ, dieſe Vermuthung rechtfertigt ſich ihrerſeits pfycho⸗ logiſch theils aus ſeiner großen Jugend, theils aus der natürlichen, lebensluſtigen und ſorgenloſen Gemüthsſtimmung, mit welcher ein jeder junge Erbprinz mit einem mächtigen Schwiegervater in eheliche Familien⸗ verbindung eintreten wird, der noch überdieß im getzenwärtigen Falle bei ſeinem beabſichtigten Kriege gegen die Römer für den Augenblick ſo be⸗ deutende Geldkräfte vonnöthen hatte. Die Ueberlieferung der von An⸗ tiochus ſeinem Schwiegerſohne angewieſenen halben Einkünfte von Cölo⸗ ſyrien und Paläſtina ſcheint nach Prideaux's Vermuthung wiederum dem ehemaligen egyptiſchen Steuereinnehmer Joſeph übertragen worden zu ſein, durchaus wahrſcheinlich von wegen des Umſtandes, daß letzterer ſich einige Jahre ſpäter im Jahre 3913 ein§. 783. erzähltes egyptiſches Hoffeſt mittelſt ſeines Sohnes Hyrcanus zu beſchicken veranlaßt ſah. §. 781. Prideaux Connex. ann. 193— 190. Obwohl Hannibal's Ankunft bei Antiochus den Ausſchlag zum Kriege gegen die Römer gegeben hatte, fügte es die Vorſehung, daß gerade im Beginne des Krieges nichts deſto weniger eben Hannibal's, des geſchwo⸗ renen Römerfeindes Treue durch die Schlauheit des römiſchen Legaten Publius Villius dem ſyriſchen Könige verdächtig wurde, ſo daß er, zu⸗ gleich eiferſüchtig auf ſeinen eigenen Feldherrnruhm, den er durch den perſönlichen Glanz Hannibal's nicht wollte in Schatten geſtellt ſehen, nicht allein deſſen Vorſchlägen kein Gehör gab, ſondern noch überdieß in ſeinen genommenen eigenen Maßregeln anfing, alle Rückſichten der Energie und Klugheit bei Seite zu ſetzen. Auf dieſe Weiſe geſchah es, daß er trotz ſeiner überlegenen Land- und Seemacht von Seite der Römer eine Schlappe nach der andern erlitt, bis er durch die im Jahre 3910 von dem römiſchen Conſul Scipio Aſiaticus gewonnene Hauptſchlacht bei Magneſia zum Frieden genöthigt, Kleinaſien bis an das Taurusgebirge abtreten und ſich zur Zahlung von 15,000 Talenten Kriegsunkoſten ver⸗ ſtehen mußte, von denen er 500 ſogleich, 2500 bei der Ratification des Vertrags zu erlegen, die übrigen 12,000 aber in jährlichen Raten von 1000 Talenten abzutragen ſich anheiſchig machte. Außerdem mußte er ſich auch noch die Tödtung ſeiner Elephanten und Zerſtörung ſeiner Schiffe bis auf zwölf gefallen laſſen, und niemals eine größere Zahl derſelben unterhalten zu wollen ſich verbindlich machen. Für die pünktliche Ein⸗ haltung der feſtgeſetzten Friedensbedingungen mußte er nebſt mehreren anderen Geißeln auch einen ſeiner eigenen Söhne mit Namen Antiochus als Geißel ſtellen, welcher in Rom erzogen, ſpäter der berüchtigte An⸗ tiochus IV. Epiphanes geworden iſt. Das einfache Mittel, deſſen ſich der ſchlaue Römer, um Hannibal bei Antiochus zu verdächtigen, bediente, war, daß er ihm unter allerlei nichts⸗ bedeutenden Vorwänden häufig vertraulichen Beſuch abſtattete. Man ſieht, wie ſelbſt Hannibal in der Schlauheit bei dieſer Gelegenheit noch ſeinen Meiſter finden ſollte. Vergleiche überdieß die bei dieſer Gelegen⸗ heit erfüllte, dem Propheten Daniel gegebene Weisſagung§. 618. 2. Maccab. 1, 13— 16. cp. 9, 23. 24. Prideaux Connex. ann. 187. Außer dem natürlichen Verdruſſe über den unglücklichen Ausgang des Krieges ſcheint die Aufbringung der bedungenen Entſchädigungsſumme dem Antiochus auch große und beſchwerliche Mühe gemacht zu haben, weßwegen er im Jahre 3913 mit Hinterlaſſung ſeines zum Thronfolger deſignirten Sohnes Seleucus IV. Philopator in der Abſicht, um Geld aufzubringen, ſich mit einem Heere nach dem Oriente verfügte. Dortſelbſt ließ er ſich durch die im Tempel der Göttin Nanea in der Provinz Perſis aufgehäuften reichen Schätze verführen, zum Behufe der Plünderung der⸗ ſelben eine vorgebliche Vermählungsfeier mit der Göttin zu veranſtalten, bei welcher nämlichen Gelegenheit er aber von den durch eine verborgene Thüre in den von außen verſchloſſenen Tempel eingedrungenen Prieſtern nächtlicher Weile erſchlagen wurde. Die Mehrzahl der Profanſchriftſteller nebſt dem heiligen Kirchenvater Hieronymus erzählen das Lebensende Antiochus' des Großen ähnlich, wie in unſerem Paragraphen, nur daß ſie anſtatt des Tempels der Naneg denjenigen des Jupiter Belus namhaft machen. Wir glauben uns auf die Richtigkeit der aus 2. Maccab. 1, 13— 16. beigebrachten Erzählung unbedingt verlaſſen zu dürfen, eine Stelle, welche wir nicht allein ganz ungehindert auf Antiochus den Großen anwenden können, ſondern dazu auch in gewiſſem Sinne uns ſchlechterdings genöthigt ſehen, indem die⸗ ſelbe, auf Antiochus IV. Epiphanes angewendet, welcher gegen Ende ſeines Lebens ebenfalls den erfolgloſen Verſuch eines Tempelraubes in Perſien, vielleicht ſogar bei dem nämlichen Tempel angeſtellt hat, die bibliſche Erzählung mit ſich ſelber in einen unauflösbaren geſchichtlichen Widerſpruch verwickeln würde. CLXXII. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien.(Fortſetzung.) Der Hoheprieſter Onias Ill. Anfang innerer Unruhen. §. 783. Josephus Antidd. XII. cp. 4. Prideaux Connex. ann. 187. In dem gleichen 3913ten Jahre der Erſchaffung, in welchem An⸗ tiochus III. der Große ſtarb, und ihm ſein Sohn Seleucus IV. Philo⸗ pator in der Regierung von Syrien nachfolgte, hatte Ptolemäus V. Epi⸗ phanes die Freude, von der Königin Cleopatra die Geburt eines Sohnes zu erleben, welcher als Ptolemäus VI. Philometor ſpäter den egyptiſchen n deh eg en de ſcherk vr ehlt Ver. en Rut det An I Reft n Cghl 169 Thron beſtieg. Ihn auf die übliche Weiſe beglückwünſchen zu laſſen, ſchickte der, wie es ſcheint, mit dem Jahre 3907(vergl.§. 780.) in ſein Amt als königlich egyptiſcher Generalſteuereinnehmer wieder eingetretene, zunehmenden Alters wegen aber an der Unternehmung dieſer Reiſe ſelber verhinderte Joſephus ſeinen jüngſten Sohn Hyrcanus nach Alexandria an den egyptiſchen Hof, welcher durch den tollen Aufwand, den er auf ſein bei dieſer Gelegenheit üblicher Weiſe dem Könige zu machendes Ge⸗ ſchenk verſchwendete, zwar die königliche Beſtätigung, wie es ſcheint, in dem Amte ſeines Vaters erlangte, dafür aber das Vertrauen und die Zuneigung desſelben, ſowie noch mehr ſeiner ſieben älteren Brüder in einem ſolchen Grade verſcherzte, daß er auf ſeinem Rückwege nichts Ge⸗ ringeres, als in einem von den Letzteren ihm gelegten feindlichen Hinter⸗ halte ſich ſeines Lebens und ſeiner Freiheit gegen ſie zu wehren hatte, ein Kampf, welcher jedoch unter dem Schutze einer von ihm mitgebrachten militäriſchen Bedeckung zweien unter den angreifenden Brüdern ſelber das Leben koſtete. Dieſes ernſte Zwiſchenereigniß wurde das Hinderniß, deſſent⸗ wegen Niemand den zurückkehrenden Hyreanus in Jeruſalem aufnehmen wollte, wodurch er ſeinen ferneren Wohnſitz im Lande jenſeits des Jor⸗ dans aufzuſchlagen veranlaßt wurde. Die von Flav. Joſephus am angezeigten Orte ausführlich mitgetheilte, für den damaligen ſittlichen Zuſtand des jüdiſchen Volkes bezeichnende und für die ganze Verkettung der nächſt darauffolgenden verwickelten Ereigniſſe höchſt bedeutungsvolle Jugendgeſchichte des Hyrcanus iſt in kurzem Auszuge folgende: Das Verhängnißvollſte an derſelben iſt näm⸗ lich ſogleich von vorneherein derjenige Moment, welcher bei aufmerkſamer geſchichtlicher Beobachtung ſich überhaupt als einer der nachdrücklichſt wirkſamen pfychologiſchen Factoren der Menſchengeſchichte erkennen läßt, nämlich eine ſittlich abnorme Art und Weiſe, auf welche dieſer excentriſche Menſch ins Daſein gerufen wurde. Nachdem Joſeph, der egyptiſche Steuereinnehmer, mit ſeiner erſten Gemahlin bereits ſieben Söhne ehelich erzeugt hatte, unter denen ſich ſpäter Simon, Menelaus und Lyſimachus alle drei leider auf eine höchſt ſchimpflich ärgernißvolle Weiſe im Verlaufe der jüdiſchen Geſchichte be⸗ merklich machten, trat er in Geſellſchaft ſeines Bruders Solymius, wel⸗ cher ſeinerſeits eine im Alter der Mannbarkeit befindliche erwachſene Tochter in der Abſicht, dieſelbe an irgend einen alexandriniſchen Juden zu verheirathen, in Begleitung mit ſich führte, wahrſcheinlich bereits gegen Ende ſeiner erſtmaligen 22jährigen Amtsführung eine Reiſe nach Alexan⸗ dria an. Dort ſah er zufällig am Hofe des Ptolemäus eine griechiſche Tänzerin, deren in künſtleriſcher Bewegung zur Schau geſtellten natür⸗ lichen Formen ſeine Einbildungskraft dermaßen erhitzten, daß ſeine da⸗ durch entzündete ſinnliche Begierlichkeit eine natürliche Befriedigung ge⸗ bieteriſch forderte. Was nun dem Menſchen im Augenblicke einer ſchweren 0 Verſuchung überhaupt leicht begegnet, daß er ſich nämlich nicht die Zeit nimmt, um unter allenfallſiger Zuziehung eines geeigneten erfahrenen Rathgebers, oder wenigſtens unter Anwendung ſeiner eigenen vernünftigen Ueberlegung dem von Gott uns niemals verſperrten Wege nachzuſpüren, auf welchem wir die gleichzeitige Berückſichtigung der Rechte der Natur zugleich mit den Anforderungen unſeres Gewiſſens und des göttlichen Geſetzes noch am thunlichſten untereinander vereinigen können, das begegnete dieſem außerdem ſo verdienſtvollen Hebräer ebenfalls, welcher den unmittelbaren Gegenſtand ſeiner Augenluſt, deſſen nähere Berührung ihm nach dem Geſetze unbedingt verboten war, unaufhaltſam verfolgend ſich nicht entblödete, ſeinen Bruder zuletzt ausdrücklich zu bitten, daß er ihm wenigſtens insgeheim zu einer nächtlichen Zuſammenkunft mit derſelben behilflich ſein möchte. Anſtatt ihm nun von einem ſo unſittlichen Vorhaben ernſtlich abzureden, benützte Solymius ſeinerſeits dieſe entdeckte Schwäche ſeines Bruders vielmehr nur dazu, ihn auf eine bloß menſchlich kluge Weiſe in der Art zu hinter⸗ gehen, daß Joſeph allerdings dem Buchſtaben nach gegen das göttliche Gebot nicht ſo grell und ſchreiend verſtieß, und dennoch ſeinen eigentlichen Wunſch und wirkliche Abſicht vollkommen erreicht zu haben wähnte. Es ließ ſich Solymius freilich die Erreichung dieſes ſeines Endzweckes für den Augenblick ein Opfer koſten, aber ein ſolches, welches, wenn er weiter nichts, als ſeinem Bruder damit aus einer augenblicklichen Ver⸗ legenheit zu helfen beabſichtigte, ihm zur Schande, wenn er aber ſtatt deſſen ſeinen eigenen allenfallſigen zeitlichen Vortheil im Auge hatte, be⸗ reits im Voraus wenigſtens nicht zur Ehre gereicht. Da ſomit auch bei Solymius, ebenſo gut wie bei ſeinem Bruder Joſeph, die bloß menſchliche Klugheit über die wahrhaft vernünftige rechtſchaffene Gewiſſenhaftigkeit den Sieg davon getragen hatte, ſo überredete er nämlich ſeine eigene mitgebrachte Tochter, die der Tänzerin zugedachte Rolle übernehmen zu wollen, welche, da ſie ſich ihrerſeits aus der Einwilligung in die Abſichten ihres Vaters ebenfalls kein großes Gewiſſen machte, durch ihre willfährige Nachgiebig⸗ keit den alten Hebräer dermaßen bethörte, daß er nach mehrmaliger Zu⸗ ſammenkunft mit ihr ſeinem Bruder Solymius klagte, er ſehe nicht ein, wie er ſich von dem Gegenſtande ſeiner ſündlichen Neigung jemals wieder trennen könne. Jetzt erſt entdeckte ihm Solymius den geſpielten Betrug und erlebte dabei den keineswegs ehrenhaften Triumph, ſeinen reichen Bruder dafür, daß er, was nämlich nach dem hebräiſchen Geſetze erlaubt war, ihm ſeine Tochter zur Ehe geben durfte, ſich noch obendrein zum lebhafteſten Danke verpflichtet zu ſehen. Der aus dieſer ſonderbaren, aber dem Geſetze nach, wie geſagt, keineswegs unſtatthaften zweiten Ehe hervorgehende männliche Sprößling war Hyrcanus, ein Knabe, der ſich durch außerordentliche Geſchicklichkeit und Energie vor ſeinen fämmtlichen älteren Brüdern auszeichnete, dafür aber auch in dem nämlichen Grade, in welchem er in der Gunſt ſeines Vaters ſtieg, den bei einem Stiefbruder ohnehin natürlich entſtehenden Neid und die Eiferſucht derſelben rege machte. Nichts deſto weniger be⸗ fand ſich keiner unter ihnen, welcher in einem ſo wichtigen Falle, wie bei Gelegenheit der dem Könige Ptolemäus Epiphanes darzubringenden Gratulation den Auftrag zur Vertretung ſeines Vaters hätte übernehmen mögen, ſo daß ſie dieſes in ihren Augen läſtige Geſchäft gleichſam aus brl Mißgunſt einhellig dem jüngſten Bruder zuwälzten, der ſich in ſeiner kühnen Dreiſtigkeit daraus eine ſchwere Auftzabe gar nicht einmal machte. Man kann auch nicht in Abrede ſtellen, daß er die ihm zugetheilte Rolle bewunderungswürdig originell, aber mit großer Rückſichtsloſigkeit zugleich ſpielte. Nachdem er nämlich anfangs mit aufrichtiger Beſcheidenheit ſich nur ein unbedeutendes Zehrgeld von 20,000 Drachmen(ungefähr 8000 fl.) zu dieſer Reiſe von ſeinem Vater ausgebeten, ſpäter aber in der Wahr⸗ nehmung, ſich bereits in vollkommenen Beſitz des väterlichen Vertrauens geſetzt zu haben, denſelben erſucht hatte, ihm ſtatt ſonſtiger aus Judäa mitzunehmender Koſtbarkeiten lieber einen freien Wechſelbrief an ſeinen alexandriniſchen Geſchäftsvertreter mit Namen Arion auszuſtellen, damit er auf dem Markte von Alexandria das Schönſte und Beſte, was ſich zum üblichen Geſchenke für den König und die Königin eigne, ſelber käuflich ausſuchen könne, ſo mißbrauchte er dieſen von ſeinem Vater ihm wirklich anbertrauten offenen Wechſel bei ſeiner Ankunft in Alexandria in der Weiſe, daß er ſogleich auf einmal nicht weniger als 1000 Talente (eine Summe von mehr als zwei Millionen Gulden nach Prideaux's Be⸗ rechnung) von Arion forderte, und als ſich derſelbe deſſen weigerte, ihn durch eine gerichtlich über ihn ausgewirkte gefängliche Einziehung ihm zu zahlen förmlich ſittlich nöthigte. Nachdem er nun mittlerweile am Hofe zugleich mit vielen anderen aus gleicher Urſache anweſenden Fremden zur königlichen Tafel gezogen, ſich aus einer ihm durch Feinde ſeiner Familie bereiteten Verlegenheit durch einen witzigen Scherz glücklich her⸗ ausgeholfen hatte, indem er einen ihm zum Spott vor den Teller ge⸗ legten großen Knochenhaufen, welchen dieſe Uebelredner als ein Vild der nackten Armuth darzuſtellen ſich bemühten, auf welche Joſeph, des Hyr⸗ canus Vater, durch ſeine rückſichtsloſe Strenge ganz Syrien und Paläſtina nach ihrer Angabe heruntergebracht habe, auf die Frage des verwunderten Königs vielmehr als das natürliche Reſultat ſeines beobachteten ſittſamen Anſtandes erklärte, indem, während die übrigen Tiſchgenoſſen die Knochen, wie die Hunde, mitſammt dem Fleiſche hinuntergeſchlungen, er allein die Bildung gehabt habe, dieſelben ſauber abgeſchält neben ſeinen Teller hinzu⸗ legen, ſo ſoll er am Tage der feierlichen Aufwartung nicht weniger als 100 ausgezeichnet ſchöne, geſchmackvoll gekleidete Selaven und ebenſo viele Sela⸗ vinen, jeder und jede einzelne noch dazu mit je einem Talente in der Hand, dem Könige und der Königin zum Geſchenk gemacht und ſich unter reichlicher Austheilung weiterer Geſchenke an einflußreiche Hofleute in der Abſicht, um ſich gegen fernere Angriffe des Neides zu ſchützen, auf dieſe Weiſe in der Gunſt des allerhöchſten Herrſcherpaares ſicher geſtellt haben. Ein ſolches nicht naturgemäß abgewartetes, fondern nur durch unſinnigen Aufwand künſtlich erzwungenes Glück konnte aber begreiflicher Weiſe dennoch keine feſte Wurzel ſchlagen, indem er, was auf der einen Seite in Alexandria gewonnen worden, im gleichen Verhältniſſe auf der anderen in Judäa an Zutrauen und bereitwilligem Entgegenkommen verlieren mußte. Die Umſtände ſeines ferneren Lebens erhellen, ſo weit ſie be⸗ kannt, aus dem weiteren Verlaufe der Geſchichte von ſelbſt. Sein ganzes Auftreten hat die nächſtliegende geſchichtliche Bedeutung, daß eine durch ſeinen excentriſch rückſichtsloen Unternehmungsgeiſt, wenn auch ohne böswillige Abſicht, wie es ſcheint, gegebene äußere Veranlaſſung die an 172² kleinlich materiellen Privatintereſſen hängende, aber unter Joſephus reich und mächtig gewordene Familie der ſogenannten Tobiaden in einen un⸗ heilbaren inneren Zwieſpalt verwickelte, deſſen nach dem Tode Joſephus verfolgte, leidenſchaftliche intrigante Fortſetzung zuletzt nicht allein die bisherige theokratiſche Unabhängigkeit des hohenprieſterlichen Stuhles untergrub, ſondern zugleich das ganze jüdiſche Volk bei der ſyriſchen Landesobrigkeit in eine ſo bodenloſe Verachtung ſtürzte, daß der ſyriſche König Antiochus Epiphanes ſich aus einer aus purer Bosheit über das⸗ ſelbe verhängten hartnäckig blutigen Religionsverfolgung kein Gewiſſen machte. Die aus dieſer Geſchichte hervorgehende ohnehin naheliegende Moral iſt, daß einerſeits bloß für die Erregung der Sinnlichkeit berechnete Tänze und Ballete auf die politiſche Wohlfahrt eines bis daher noch ſo ziemlich unverdorbenen Kernvolkes auf die Dauer nicht anders als höchſt nach⸗ theilige Wirkungen äußern können, ſowie daß anderſeits in leichtſinnig aufgeregter Gemüthsſtimmung ausgeübter ungeregelter Umgang mit dem andern Geſchlechte vorzugsweiſe excentriſche Menſchen auf die Welt zu ſetzen droht, welche im Laufe der Zeit ſich ſelber und andere ins Unglück ſtuͤrzen. Uebrigens dürfen wir bei alle dem nicht vergeſſen, daß aus allen, ſelbſt den fehlerhafteſten Zeitereigniſſen die göttliche Vorſehung demungeachtet in der Zukunft jederzeit ein von ihr bereits im Voraus beabſichtigtes größeres Gute hervorzulocken gewohnt iſt, eine Wahrheit, welche ſich auch im Verlaufe dieſer Begebenheit ſichtlich bethätigen wird. §. 784. Joseph. Antiqd. XII. cp. 5. Prideaux Connex. ann. 187. 180. Nachdem bald darauf Joſephus geſtorben, brach wegen der Erbſchaft zwiſchen Hyrcanus, der unbeirrt durch das Vorgegangene ſein Schatz⸗ meiſteramt in jener Gegend ausgeübt zu haben ſcheint, und ſeinen älteren Brüdern neuerdings Krieg aus, indem die Letzteren jene 1000 Talente, die Hyrcanus auf den Namen ſeines Vaters in Alexandria zwangsweiſe erborgt hatte, wahrſcheinlich wieder heraus haben wollten,— ein Krieg, in welchem ſie jedoch nicht mehr ausrichteten, als daß Hyrcanus, der ſich um dieſe Zeit anſehnlich zu bereichern begann, ſich im Jahre 3919 unter dem Namen Tyrus ein feſtes Bergſchloß anlegte, in welchem er ſicher vor feindlichen Ueberfällen ſich politiſch ſo gut wie völlig unabhängig machte. Da inzwiſchen das Steuereinnahmsgeſchäft für Rechnung des egyptiſchen Hofes in Stocken gerathen ſein dürfte, ſo erklärt ſich dar⸗ aus am einfachſten, warum Ptolemäus V. Epiphanes, welcher dieſe ganze Zeit über wahrſcheinlich ohnehin weiter nichts, als bloß die halben Ein⸗ künfte von Cöloſhrien und Paläſtina bekommen hatte, während die feſten Plätze noch immer von ſyriſchen Truppen beſetzt geblieben zu ſein ſcheinen, ſich zu einem Kriege gegen Seleucus IV. Philopator veranlaßt fand, um ſeine Rechte auf dieſe im Jahre 3902 ihm gutwillig verſprochenen Grenz⸗ derudt lel, nit 1n J000 178 länder mit den Waffen geltend zu machen(vergl. Anmerk. zu§. 780.). Bevor er aber noch die erforderlichen Zurüſtungen zu dieſem Kriege betreiben konnte, wurde er im Jahre 3920 bereits von ſeinen eigenen Hofbeamten vergiftet, worauf Ptolemäus VI. Philometor, ein noch fünfjähriges Kind, ihm im Königreiche nachfolgte. Die chronologiſche Beſtimmung der Erbauung des Bergſchloſſes Tyrus beruht auf der von Joſephus angegebenen ſiebenjährigen Zeitdauer, wäh⸗ rend welcher Hyrcanus ſich dortſelbſt bis zu ſeinem ungefähr im Jahre 3925 erfolgten Tode(ſ.§. 792.) aufgehalten hat. §. 785.1 2. Maccab. 3, 11. Prideaux Connex. ann. 187 gegen Ende. Da die Brüder des Hyrcanus nichts gegen ihn ausrichten konnten, ſo ſcheint es in Rückſicht auf die Aergerlichkeit dieſes ganzen Auftrittes wahrſcheinlich auf dem Wege einer von dem gegenwärtigen Hohenprieſter Onias III. eingeleiteten gütlichen Vermittlung zuletzt zum Frieden gekom⸗ men zu ſein, zufolge deſſen Hyrcanus mit Ausſchluß aus der ſonſtigen Erbſchaft ſeines Vaters überdieß lebenslänglich aus Jeruſalem verbannt blieb, während ſeine älteren Brüder auf die Erſtattung der oben erwähn⸗ ten 1000 Talente nothgedrungen Verzicht leiſteten. Dieſen Vergleich be⸗ nutzend fing Hyrcanus an, ſein neuerworbenes Vermögen in dem der Aufſicht des Hohenprieſters übergebenen Tempelſchatze zu Jeruſalem nieder⸗ zulegen, welcher an ſolchen Privatdepoſitengeldern damals im Ganzen jedoch nicht mehr als eine Summe von 400 Talenten in Silber und 200 in Gold in ſich enthielt. §. 786. 2. Maccab. 3, 1— 6. Prideaux Connex. ann. 187 gegen das Ende, ann. 176. Wahrſcheinlich um noch nachträglich ſeine ebenſo unerſättliche Rach⸗ als Habſucht befriedigen zu können, ſcheint Simon, der gegenwärtige weltliche Tempelvorſtand, von welchem nicht ohne Grund vermuthet wird, daß er der älteſte unter des Joſephus zurückgelaſſenen Söhnen geweſen (Gergl. Anmerk. zu§. 791.), an den Hohenprieſter Onias III., ſeinen nahen Verwandten, das ernſtliche Anſinnen zur Herausgabe der von Hyr⸗ canus deponirten Gelder geſtellt zu haben, ein Verlangen, welches der⸗ ſelbe jedoch mit Abſcheu zurückwies. Die Vereitelung dieſes“ gehäſſigen Planes beſtimmte denſelben jedoch zu weiter nichts, als zur Entwerfung eines zweiten, noch ungleich niederträchtigeren, indem er wohlbekannt mit der in Folge des Friedens von Magneſia(ſ.§. 781.) während der ganzen Seleueus IV. Regierungszeit Philopator die ſyriſche Regierung drückend klemmenden Geldbedrängniß ſich ſo weit heruntergab, dem königlichen Statthalter Apollonius von dieſen nicht zum eigentlichen Tempelſchatze gehörigen, ſondern nur darin niedergelegten Geldern ſogar eine förmliche Anzeige zu machen, als von einem unermeßlich großen unnützen Capitale, deſſen ſich die ſyriſche Regierung in ihrer gegenwärtigen Verlegenheit allenfalls mit gutem Gewiſſen werde bemächtigen dürfen. CLXXIII. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien.(Fortſetzung.) Onias III. Hoherprieſter(Fortſetzung). Des Heliadorus Tempeleinbruch. §. 787. 2. Maccab. 3, 7— 14. Apollonius hatte von dieſer gemachten vertraulichen Mittheilung dem Könige Seleucus nicht ſobald Bericht erſtattet, als derſelbe auch ſeinen Schatzmeiſter Heliodorus alsbald mit der Beſchlagnahme dieſer Gelder beauftragte, der unter dem Scheine einer bloßen Viſitationsreiſe durch Cöloſyrien und Phönizien nicht lange darnach in Jeruſalem richtig ein⸗ traf. Onias III., welcher denſelben in aller Argloſigkeit freundſchaftlich empfangen, glaubte, auch nachdem ihn Heliodorus bereits ausdrücklich über die betreffenden Gelder befragt hatte, denſelben anfangs noch durch Vernunft⸗ und Billigkeitsgründe beſchwichtigen zu können, bis derſelbe zu des Hohenprieſters Schrecken ihm zuletzt ankündigte, daß er an dem und dem Tage kommen werde, um im beſtimmten Auftrage ſeines Königs die be⸗ treffenden Gelder unnachſichtig in Beſchlag zu nehmen— eine Nachricht, welche nicht den Hohenprieſter allein, ſondern auch die Bevölkerung der ganzen Stadt begreiflicher Weiſe mit tiefſter Trauer und Beſtürzung erfüllte. Junth Aön §. 788. 2. Maccab. 3, 14— 23. An dem beſtimmten Tage, auf welchen Heliodorus ſeinen beabſich⸗ tigten Eintritt in den Tempel angekündigt hatte, bot dieſer, ſowie die ganze Stadt, einen traurigen Anblick dar, indem an allen öffentlicen Plätzen Haufen von in Trauer gekleideten Männern, Frauen und Jung⸗ frauen öffentliches Klaggeſchret um Schutz der Tempelehre und des von derſelben abhängigen Lebens der Wittwen und Waiſen gegen den Himmel erhoben, während im Tempelvorhofe Onias und ſeine ihn umgebenden Kaijn en Enn 125 Prieſter in feierlichem Schmucke zur Erde niedergeworfen, unter dem Ausdrucke der tiefſten Herzenstrauer ihre Gebete um die Bewahrung des Eigenthums der in dieſen Tempel niedergelegten Habſeligkeiten miteinander vereinigten. Unterdeſſen war Heliodorus mit bewaffneter Begleitung im Tempelvorhofe bereits eingetroffen und war nicht weit mehr von dem Schatzkaſten entfernt, den er zu eröffnen im Sinne hatte. §. 789. 2. Maccab. 3, 24— 34. Plötzlich erſchien, unbegreiflich woher, ein mit goldenen Waffen um⸗ gürteter, von Kopf bis zu Fuß regelmäßig gepanzerter Reiter, deſſen Pferd mit ſeinen Vorderhufen den königlichen Schatzmeiſter zurückwarf. Zugleich ſtanden ihm zwei koſtbar gekleidete Jünglinge von edlem Wuchſe plötzlich zur Seite, welche mit Geißeln bewaffnet unbarmherzig auf ihn einhieben, und ihn, der in plötzlichem Schwindel wehrlos zu Boden ſank, auf einen Lehnſtuhl geladen, zum Vorhofe hinaustrugen. Da nun die bei dieſem Auftritte für das Leben des Heliodorus beſorgten Begleiter desſelben in den Hohenprieſter drangen, daß er bei Gott Fürbitte für ihn einlegen, Onias aber um ſo lieber ſich dazu verſtand, als er ſelber ernſt⸗ lich befürchtete, daß der ſyriſche König außerdem irgend eine ausgeübte hinterliſtige Bosheit bei dieſer Gelegenheit den Juden zur Laſt legen möchte, ſo kündigten die nämlichen Jünglinge bald darauf dem zum Tode ermatteten Heliodorus an, daß um der Fürbitte des Hohenprieſters Onias willen ihm das Leben unter der Bedingung geſchenkt ſei, daß er ſelber von dem erfahrenen Beweiſe der göttlichen Allmacht ein unverhohlenes Zeugniß ablegen werde. Mit dieſen Worten verſchwanden ſie, während in demſelben Augenblicke Heliodorus ſich nach und nach leidlich wieder hergeſtellt fühlte. Auf die im gegenwärtigen Paragraphen erzählte wunderbare Begeben⸗ heit werden nicht unwahrſcheinlich einige gelegentlich bei Joseph. Antiqq. XII. cp. 3. uns aufbewahrten Worte des Profanſchriftſtellers Polybius bezogen, wenn er von einer Lο ονν,L, d. h. einer wunderbaren Er⸗ ſcheinung im Tempel zu Jeruſalem redet, welche er bei einer anderen Gelegenheit ausführlicher verſpricht erzählen zu wollen. Vergleiche übri⸗ 256 1 der ganzen Begebenheit die Weisſagung des Erzengels Gabriel 619. §. 790. 2. Maccab. 3, 35— 10. Ungeachtet der erfahrenen Demüthigung zeigte ſich Heliodorus für die empfangene Lebensrettung nicht undankbar, ſondern brachte nebſt auf⸗ richtiger Dankſagung an den Hohenprieſter Onias überdieß dem wahren Gotte Israels im Tempel Dankopfer dar, worauf er ſich zur Ablegung eines umſtändlichen wahrheitsgetreuen Berichtes an den König unverzüg⸗ lich auf den Rückweg begab. Der König bedauerte ihn aufrichtig wegen des ihm zugeſtoßenen Unfalles, frug ihn jedoch nichts deſto weniger um Rath, welche andere Perſon er wohl an ſeiner Stelle in dieſer Angelegen⸗ heit zum zweiten Male nach Jeruſalem abſenden könne, worauf ihm Heliodorus ſcherzhaft erwiederte, daß, wenn er irgend einen Beamten habe, auf deſſen Treue er ſich nicht hinreichend verlaſſen zu dürfen glaube, er in der Abſicht, ihm eine empfindliche Strafe, wenn nicht gar den leiblichen Tod zuziehen, nichts Beſſeres thun könne, als ihn mit dieſem Auftrage nach Jeruſalem zu ſenden, weil der wahre Gott des Himmels dort ſichtbar ſeine Wohnung aufgeſchlagen habe, und mit eiferſüchtiger Strenge alle diejenigen heimſuche, welche ſeinem Tempel irgend einen Schaden zuzufügen beabſichtigten. §. 791. 2. Maccab. 4, 1 6. Prideaux Connex. ann. 176. Stolberg's Religionsgeſch. 4. Thl. LIX, 1. Die auf die erzählte Weiſe zum zweiten Mal in ihrem beabſichtigten Erfolge vereitelte Rachſucht des erwähnten Tempelvorſtehers Simon wen⸗ dete ſich nunmehr gegen den Hohenprieſter Onias ſelbſt, den er bei Apollo⸗ nius, dem Statthalter über Syrien und Phönizien, durch verleumderiſche Reden nicht allein als den böswilligen Urheber der Heliodorus wider⸗ fahrenen übeln Behandlung, ſondern ſogar als einen vorhabenden eigen⸗ mächtigen Rebellen gegen die ſyriſche Oberherrſchaft zu verdächtigen ſuchte, wodurch Onias, zumal da die in Jeruſalem zurückgebliebenen Anhänger Simon's ſich ſogar durch öffentliche Meuchelmorde furchtbar zu machen anfingen, zu ſeiner Rechtfertigung bei dem Könige perſönlich die Reiſe nach Antiochia anzutreten genöthigt wurde, bei welcher Gelegenheit es ihm auch gelungen ſein ſoll, die Verbannung des Simon als eines un⸗ verträglichen Bürgers aus Judäa auszuwirken. Um dieſe Zeit ſendete Seleucus IV. Philopator im Jahre 3924 ſeinen Sohn Demetrius nach Rom, ohne daß die beſtimmte Urſache dieſer ſeiner Handlungsweiſe be⸗ kannt wäre, wogegen er ſeinen nunmehr bereits 15 Jahre dort geweſenen Bruder Antiochus zurückverlangte. Dieſer Letztere war bereits auf der Heimreiſe begriffen, als Seleucus der regierende König im darauffolgen⸗ den Jahre 3925 von Heliodorus, welcher ſich ſelber der Krone zu be⸗ mächtigen im Sinne hatte, vergiftet wurde. IAI 6 7 Daß der Hoheprieſter Onias bei Gelegenheit ſeiner vor dem Könige abgelegten perſönlichen Rechtfertigung zugleich die Verbannung des Simon ausgewirkt habe, ſteht zwar weder im 2. Buche der Maccabäer, noch in den Antiquitäten des Joſephus. Es ſcheint aber aus einer im Anfange des erſten Buches de bello Judaico befindlichen freilich ſehr ungenauen Periode:„Onias quidam ex pontiſicibus, postquam praevaluit, Tobiae filios expulit civitate“ hervorzugehen, mit welcher eine von Stolberg angeführte Beweisſtelle aus dem Chronikon des Euſebius übereinkommt. Dieſer nämliche Satz iſt zugleich auch der zu Grunde liegende Anhalts⸗ punkt, aus welchem mit Wahrſcheinlichkeit auf das perſönliche Familien⸗ verhältniß des Tempelvorſtehers Simon zu dem bloß aus Joſephus be⸗ kannten egyptiſchen Steuereinnehmer Joſeph geſchloſſen wird, indem nämlich dieſer Letztere Antiqq. XII. cp. 4. im Anfang ebenfalls ein Sohn des Tobias genannt wird.— Die wahrſcheinliche Urſache der Abſendung des Demetrius nach Rom von Seite ſeines Vaters Seleucus Philopator iſt, nach 2. Maccab. 8, 10. 36. zu ſchließen, der Umſtand, daß die Zah⸗ lung der im Frieden von Magneſia feſtgeſtellten Entſchädigungsſumme mit dem Jahre 3924, in welches der zwölfte und letzte Termin fiel, noch keineswegs beendigt, ſondern ein bedeutender Rückſtand noch übrig war. CLXXIV. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien.(Fortſetzung.) Die Hohenprieſter Jaſon und Menelaus. Beginnender Abfall. §. 792. 1. Maccab. 1, 11. 2. Maccab. à, 7. Joseph. Antidd. XII. cp. 5. Heliodorus erreichte ſeinen Zweck nicht. Denn obwohl er ſich eine mächtige Partei geſchaffen, zu welcher unter andern auch der an der öſt⸗ lichen Grenze von Paläſtina noch weilende Hyreanus gehalten zu haben ſcheint, ſo gelang es gleichwohl dem eben auf dem Rückwege befindlichen Antiochus, mit Hilfe ſeiner zu dieſem Zwecke gewonnenen Bundesgenoſſen den unrechtmäßigen Bewerber zu verdrängen, und ſich unter dem Namen Antiochus IV. Epiphanes ſelber die Krone auf das Haupt zu ſetzen, in Folge welcher Wendung Hyrcanus aus Furcht vor Antiochus Rache ſich ſelber entleibte. Da Antiochus Epiphanes nicht der Sohn, ſondern nur der jüngere Bruder des verlebten Seleucus Philopator war, ſo ſcheint er in der That nicht einmal der rechtmäßige Thronerbe geweſen zu ſein. §. 793. 1. Maccab. 1, 12— 16. 2. Maccab. 4, 7— 20. Prideaux Connex. ann. 175.1 174. Auf dieſen durch ſeine ſittliche Verſunkenheit bei den Griechen eben⸗ ſowohl als bei den Juden berüchtigt gewordenen König von Syrien konnte Krafft, heil. Geſchichte.. 12 des Hohenprieſters Onias III., Joſue mit Namen, gleich zu Anfang ſeiner Regierung bei ihm eintraf und ſich durch Beſtechung und Schmeichelei zugleich die Beſtallung mit der von ſeinem eigenen Bruder ſo ehrenvoll bekleideten Hohenprieſterwürde an dieſes letzteren Stelle zu erkaufen ſuchte. Am verführeriſchſten wirkte bei dieſer Gelegenheit auf Antiochus, wie es ſcheint, das von Joſue, der ſeinen hebräiſchen Namen von nun an mit dem griechiſchen Jaſon vertauſchte, für die Summe von 150 weiteren Talenten, die er ihm noch überdieß zu zahlen verſprach, gemachte An⸗ erbieten, mit königlicher Erlaubniß ein ſogenanntes Gymnaſium, d. h. eine Art griechiſche Bildungsanſtalt für die jüdiſche heranwachſende Generation anlegen zu wollen, in welchem hebräiſche Jünglinge zur Annahme aller griechiſchen Sitten und Gebräuche, ſelbſt derjenigen, welche ſich am wenigſten mit der bisherigen Landesſitte vertrugen, planmäßig angeleitet werden ſollten, wobei er ſich zugleich das Privilegium ausbat, diejenigen, welche in der griechiſchen Bildung die weiteſten Fortſchritte gemacht haben würden, zur Belohnung mit dem antiocheniſchen Bürger⸗ rechte präſentiren zu dürfen. Eine furchtbare Vernachläſſigung des regel⸗ mäßigen Gottesdienſtes auch von Seite der übrigen Prieſter, und eine im Zuſammenhange damit einreißende unheilbare Sittenloſigkeit in der großen Menge des Volkes waren die nächſten Wirkungen, welche mit der von dem Könige bereitwillig ertheilten Erlaubniß zu dieſen Neuerungen ver⸗ bunden waren, denen auch der bisherige Hoheprieſter Onias III., da er von nun an als Verbannter in der ſyriſchen Hauptſtadt Antiochia zu leben gezwungen war, keinen Einhalt zu thun vermochte. Unter dieſen veränderten Zeitumſtänden hörten die von Antiochus dem Großen im Jahre 3902(vergl.§. 779.) gemachten Bewilligungen nicht allein von ſelbſt auf, ſondern der neue Hoheprieſter Jaſon fügte als beſonders gege⸗ benes öffentliches Aergerniß noch dieß hinzu, daß er zu den im darauf⸗ folgenden Jahre 3926 in Tyrus dem Herkules zu Ehren gefeierten griechiſchen Wettkampfſpielen eigene jüdiſche Abgeordnete ſendete, welche eine Summe von 3300 Drachmen auf ſeine Rechnung für dem Herkules darzubringende Götzenopfer verwenden ſollten, ſo daß ſelbſt dieſe außer⸗ dem muthmaßlichen Geſinnungsgenoſſen Jaſon's aus Furcht, das Aerger⸗ niß zu weit zu treiben, es zweckmäßiger erachteten, dem mitgebrachten Gelde eine gemeinnützigere anderweitige Beſtimmung zu geben. Man ſieht, daß der ſeitherige Zuwachs eines, wie in der Anmerkung zu§. 760. bemerkt, nicht bereits im Umkreiſe der urſprünglichen Stiftung des Hohenprieſterthumes enthaltenen politiſchen Anſehens für den Augen⸗ blick dem Lande mehr Schaden als Nutzen brachte; indem gerade dadurch der hohenprieſterliche Stuhl Gegenſtand einer eiferſüchtigen Bewerbung ehrgeiziger Parteihäupter geworden war, welche die Freiheit der geiſtlichen Gewalt untergrub, und ihre Ausübung von dem politiſchen Einfluſſe einer noch dazu heidniſchen Obrigkeit abhängig machte. Vergleiche über⸗ dieß zugleich die Weisſagung des Erzengels Gabriel§. 619. §. 794. 2. Maccab. 4, 21. 22. Prideaux Gonnex. ann. 173. In dem folgenden Jahre 3927, in welchem die verwittwete egyptiſche Königin Cleopatra, die Schweſter des Antiochus Epiphanes und Vor⸗ münderin ihres Sohnes Ptolemäus VI. Philometor mit Tod abging, be⸗ gingen deſſen neue Vormünder die Unklugheit, gerade in dieſem Zeitpunkte die Anſprüche des jnngen Königs auf die Herausgabe von Paläſtina und Cöloſyrien von Seite Antiochus Epiphanes in ausdrücklich wieder⸗ holte dringende Erinnerung zu bringen. Dieſer Letztere ſendete bei Ge⸗ legenheit der in dem gleichen Jahre mit dem Antritte ſeiner Mündigkeit (er war übrigens erſt 14 Jahre alt) gefeierten Thronbeſteigung ſeinen Beamten Apollonius(vielleicht den nämlichen, welcher ſchon im§. 786. erwähnt wird) nach Alexandria, welcher unter dem Vorwande, den neuen egyptiſchen König zu beglückwünſchen, den Auftrag hatte, deſſen Abſichten in Beziehung auf die betreffende Streitfrage auszuforſchen. Antiochus, welcher auf dieſem Wege erfuhr, daß man ſich in Alexandria zum Kriege gegen ihn rüſte, beſuchte in dieſem Jahre die nach der Grenze von Egyp⸗ ten hin gelegenen paläſtinenſiſchen Grenzfeſtungen, und wurde, da er bei dieſer Gelegenheit zufällig auch Jeruſalem berührte, mit unerhörten öffent⸗ lichen Ehrenbezeugungen von Jaſon aufgenommen. §. 795. 2. Maccab. 4, 23— 26, Joseph. Antidd. XII, 6. Prideaux Connex. ann. 172. Nach dem einmaligen öffentlichen Aergerniſſe, welches Jaſon durch die Art und Weiſe, wie er zur Hohenprieſterwürde gekommen, gegeben hatte, fehlte es ihm nicht an einem Nachfolger, welcher ihn darin wo möglich noch zu überbieten wußte. Er war dieß Onias, ein angeblicher Bruder des unter der Regierung Seleucus Philopator's(vergl.§. 791.) landesverwieſenen Tempelvorſtehers Simon, welcher im nächſtfolgenden Jahre 3928 von Jaſon mit dem Auftrage nach Antiochia geſendet, den dem Könige verſprochenen Tribut zu zahlen, dieſe Gelegenheit dazu miß⸗ brauchte, durch ein gemachtes noch höheres Steueranerbieten die Ertheilung 2 . dieſer Würde ſich ſelber zu erſchleichen. Die einfache königliche Bewillt⸗ gung reichte zwar, obwohl er auf eine ihm ergebene Partei in Jeruſalem rechnen durfte, noch nicht hin, um mit ſeinen Anſprüchen auch durchzu⸗ dringen. Erſt nachdem er, einmal bereits mit Gewalt aus Jeruſalem vertrieben, mit ſeinen noch übrigen Brüdern dem Könige verſprach, der moſaiſchen Religion gänzlich entſagen und nur dem griechiſchen Cultus ſich ergeben zu wollen, ſcheint er von Antiochus Epiphanes, welchem natürlich durch ein ſolches Verfahren eine noch tiefere Verachtung gegen die Nation der Juden eingeprägt werden mußte, hinreichende Waffen⸗ macht, um Jaſon zu vertreiben, empfangen zu haben, welch' letzterer ſich zu ſeiner Sicherheit in das ehemalige Gebiet des ammonitiſchen Landes zu flüchten genöthigt wurde. Aus dem Umſtande, daß Menelaus mit ſeiner Bewerbung um das Hoheprieſterthum in Jeruſalem endlich durchgedrungen, ſchließt Prideaux voreilig, daß die 2. Maccab. 4, 23. über ihn enthaltene genealogiſche Angabe, er ſei ein Bruder des Tempelvorſtehers Simon geweſen, irrig, und die entgegengeſetzte Angabe bei Joſephus(Antiqg. XII. ep. 6.), welcher ihn zu einen dritten jüngeren Bruder des Hohenprieſters Onias IIl. macht, richtig ſein müſſe, indem ein Jude aus einem anderen Stamme als aus dem Stamme Levi von vornherein auf die Anerkennung als rechtmäßiger Hoherprieſter keinen Anſpruch habe machen können. Die Anmerkung zu§. 771. weiſt jedoch nach, daß eine levitiſche Abſtammung der Familie der Tobiaden trotz der dort angeführten Stelle 2. Maco. 3m, 4. recht wohl denkbar iſt. §. 796. 2. Maccab. à, 27— 22. Prideaux Connex. ann. 171. Onias, welcher aber als Hoherprieſter ſeinen Namen nicht behielt, ſondern ſtatt deſſen ſich Menelaus nannte, wurde wegen nicht erfüllter Zahlungsbedingungen ſogleich im nächſten Jahre 3929 ſammt dem Be⸗ fehlshaber der in der Burg Sion liegenden ſyriſchen Beſatzung nach An⸗ tiochia vorgefordert. Da aber Antiochus in dieſem Augenblicke ſelber durch die nothwendige Dämpfung eines in Cilicien ausgebrochenen Auf⸗ ſtandes ſeine Hauptſtadt Antiochia auf einige Zeit zu verlaſſen genöthigt wurde, ſo gewann Menelaus dadurch Zeit, mit Hilfe ſeines ihm einſtweilen als Stellvertreter geſetzten Bruders Lyſimachus eine nicht unbeträchtliche Tempelräuberei zu begehen, in Folge deren er durch Verkauf der ent⸗ wendeten Gegenſtände in Tyrus ſoviel Geld herausſchlug, um bei ſeiner Ankunft in Antiochia nicht allein die verſprochene Summe entrichten, ſondern überdieß auch noch Andronicus, den von Antiochus zurückgelaſſenen Reichsſtatthalter, zu ſeinen Gunſten beſtechen zu können. Onias III., 8— 43 welcher als eine ſehr angeſehene Perſon damals in Antiochia in der Ver⸗ bannung lebte, ſcheint dieſen Tempelraub zuerſt entdeckt und dem Mene⸗ laus darüber freimüthige Vorwürfe gemacht zu haben, welche derſelbe jedoch nicht achtend, im Vertrauen auf die Gunſt des Augenblickes zu dem weiteren Vertheidigungsmittel griff, den einzig rechtmäßigen Hohen⸗ prieſter mit Hilfe ſeines Freundes Andronicus ſogar meuchleriſch um das Leben bringen zu laſſen, der ſich nicht ſchämte, ihn zu dem Ende noch obendrein aus dem Aſyle bei Daphne durch heuchleriſches Zureden her⸗ vorzulocken. Dieſe Schandthat erregte bei Griechen und Juden in An⸗ tiochia eine ſolche allgemeine Entrüſtung, daß der bald darauf heim⸗ kehrende Antiochus Epiphanes dadurch beſtimmt wurde, Andronicus an eben der Stelle, an welcher er den Mord begangen, öffentlich hinrichten zu laſſen. Die von der Urſache dieſes begangenen Meuchelmordes ſich ſchleunig auch nach Jeruſalem verbreitende Nachricht erregte in Folge der durch Lyſimachus fortwährend weiter ausgedehnten Tempelberaubung dort⸗ ſelbſt ſogar einen verzweifelten Volksaufruhr, in welchem dieſer letztere trotz einer ſyriſchen Bedeckung von 3000 Mann ſein Leben einbüßte. Von dem in dieſem Paragraphen erzählten Aufſtande in Jeruſalem ſcheint die von Daniel(ep. 8, 14.) geweisſagte Entweihungsperiode von 2300 Tagen, wenn die Lesart ſicher iſt, gerechnet werden zu müſſen. Vergl.§. 593. §. 797. 2. Maccab. 4, 42— 50. Prideaux Connex. ann. 171. 170. In dem gleichen Jahre rückte Antiochus Epiphanes gegen Ptolemäus Philometor ins Feld, deſſen Heer er zwiſchen Peluſium und dem caſiſchen Gebirge zu überwinden das Glück hatte, nach dieſem Siege aber vor⸗ gerückter Jahreszeit wegen ſich nach Tyrus in das Winterquartier zurück⸗ zog. Dortſelbſt traten drei Abgeſandte des jüdiſchen hohen Rathes bei ihm vor, welche hinſichtlich des begangenen Tempelraubes eine Unter⸗ ſuchung über den gleichfalls in Tyrus anweſenden Menelaus beantragten. Da derſelbe jedoch einen ſehr einflußreichen anderen Beamten des Königs mit Namen Ptolemäus Macron durch weitere Beſtechungen auf ſeine Seite gebracht hatte, ſo bewirkte dieſer, daß obwohl Menelaus bereits überwieſen war, anſtatt ſeiner gerade ſeine drei Ankläger verurtheilt und mit öffentlicher Hinrichtung beſtraft wurden. Selbſt die dabei ganz un⸗ betheiligten Tyrier hatten mit denſelben Mitleiden und gewährten ihnen wenigſtens ein ehrliches Begräbniß, während Menelaus daraus den Vor⸗ theil zog, ſich im ungeſchmälert rechtskräftigen Beſitze des hohenprieſter⸗ lichen Amtes neuerdings beſtätigt zu ſehen. Dieſe letztere Begebenheit fällt wahrſcheinlich bereits in den Anfang des folgenden Jahres 3930. Dieſer Ptolemäus Macron war ein ehemaliger egyptiſcher Statthalter über die Inſel Cypern, welcher ſich durch ſeine erſt in den letzten Jahren verübte verrätheriſche Ueberlieferung der Inſel in der Gunſt und dem Vertrauen des Königs Antiochus befeſtigt hatte. Vergl. 2. Maccab. 10, 18. und Syrien.(Fortſetzung.) Der Hoheprieſter Menelaus.(Fortſetzung.) Judenverfolgung. §. 798. 1. Maccab. 1, 17— 22. 2. Maccab. 5, 1— 14. Josephus Antidd. XII, 7, bell. Judaic. 1, 1. Prideaux Connex. ann. 170. Das Uebermaß des durch die göttlich eingeſetzte hoheprieſterliche Obrig⸗ keit ſelber gegebenen öffentlichen Aergerniſſes konnte auch in Hinſicht auf die politiſche Wohlfahrt des Landes nicht lange ohne nachtheiligen Ein⸗ fluß bleiben, als deſſen ungünſtige Vorbedeutung im Frühling des Jahres Tyrus aus ſeinen zweiten Kriegszug nach Egypten antrat, 40 Tage lang Um dieſe üblen Anzeigen in deſto ſchleunigere Erfüllung zu bringen, mußte in einem Augenblicke, in welchem Antiochus gerade im reißendſten Fortſchritte mit der Einnahme von ganz Egypten bis auf die befeſtigte Hafenſtadt Alexandria beſchäftigt war, in Paläſtina das falſche Gerücht entſtehen, als ob der ſyriſche König in Egypten geſtorben ſei, welches den vertriebenen Jaſon alsbald in der Abſicht, ſich des ihm entriſſenen Hohenprieſterthums mit Gewalt wieder zu bemächtigen, aus ſeinem Ver⸗ ſtecke hervorlockt.. Mit 1000 Mann Soldaten überfiel er die Stadt Jeruſalem, und ſchloß mit Hilfe ſeiner Partei den Menelaus in die Sionsburg ein, während die übrige Stadt gleich einer eroberten Feſtung kriegeriſch von ihm mißhandelt wurde. Die Nachricht von dieſem Auf⸗ weile der König Philometor, wie es ſcheint, aus eigenem Antriebe ſogar frei⸗ willig perſönlich ergeben hatte, ſchleunig nach Judäa zurückzukehren, und ſo unſchuldig die Stadt ſelber an den vorgefallenen Unruhen auch war, ſelbſt nachdem Jaſon ſich auf die Nachricht von Antiochus' Heranrücken ſchleu⸗ nigſt wieder entfernt hatte, über dieſelbe eine exemplariſche Strafe zu CLXXV. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten 3930, gerade um die nämliche Zeit, in welcher Antiochus Epiphanes von bereits allerlei auffallende kriegeriſche Lufterſcheinungen beobachtet wurden. ſtande beſtimmte den in Egypten verweilenden Antiochus, dem ſich mittler⸗ 1 dchnlr Wuuß en Eznt verhängen. Er ließ binnen dreien Tagen nicht weniger als 40,000 Ein⸗ wohner von Jeruſalem tödten und 40,000 andere in Gefangenſchaft verkaufen. Aehnliche Lufterſcheinungen wurden bekanntlich auch vor der letzten Zerſtörung Jeruſalems durch die Römer beobachtet.— In der Ver⸗ kaufung der Einwohner von Jeruſalem als Gefangene, welche ſich zwei Jahre darauf nochmals wiederholte, liegt zugleich eine partielle Erfüllung des von Moyſes bereits auf die Uebertretung des göttlichen Geſetzes ge⸗ legten Fluches(ſ.§. 132.).— Die Stelle 2. Maccab. 5, 7— 10. ent⸗ hält auch die Erzählung von Jaſon's ferneren Lebensſchickſalen, welcher von da an landesflüchtig, nach mehrjährigem Herumirren zuletzt bei den Spartanern von wegen ihrer eingegangenen Bundesgenoſſenſchaft mit den Hebräern(ſ. Anmerk. zu§. 758.) eine Zufluchtsſtätte ſuchte, aber auch dort in großer Verachtung ſtehend, endlich ſein Leben in einer Weiſe beſchloß, daß er nicht einmal eines ehrlichen Begräbniſſes gewürdigt wurde.— Der in der lateiniſchen Ueberſetzung augenſcheinlich verderbte Text von 2. Macc. 5, 14. muß in der durch die im Paragraphen ge⸗ gebene Auslegung angedeuteten Weiſe nach dem griechiſchen Texte ver⸗ beſſert werden. §. 709. 1. Maccab. 1, 23— 29. 2. Maccab. 5, 15— 23. Prideaux Connex. ann. 170. gegen Ende. Durch dieſes unerwartete Begegniß ſchienen Judäa und Jeruſalem bereits hart genug beſtraft zu ſein, und dennoch war dieß erſt der Ueber⸗ gang zu einer Reihe von noch viel härteren Demüthigungen, Leiden und Verfolgungen, welche hiemit für ſie ihren Anfang nahmen. Der durch Antiochus' Ankunft in ſeiner Hohenprieſterwürde neuerdings befeſtigte Menelaus ſchämte ſich nicht, in eigener Perſon den ſyriſchen König in den Tempel einzuführen, um ihm bei ſeiner Ausplünderung förmlich be⸗ hilflich zu ſein, aus welchem derſelbe an Gold und Silber nicht weniger als 1800 Talente auf einmal hinaustragen ließ. Bet ſeinem Abzuge nach Antiochia ließ er den blut⸗ und habgierigen Phrygier Philippus als Befehlshaber in der Sionsburg zurück. In dieſem nämlichen Jahre er⸗ wählten die Einwohner von Alexandria aus Verdruß darüber, daß Pto⸗ lemäus VI. Philometor ſich der Uebergewalt des Antiochus Epiphanes freiwillig ergeben hatte, ſeinen jüngeren Bruder Ptolemäus VII. Physcon zum Könige, welcher ſpäter auch den Beinamen Euergetes II. zugleich angenommen hat. §. 800. Prideaux Connex. ann, 169. Die Nachricht dieſer von Seite der Alexandriner ergriffenen Gegen⸗ wehrmaßregel beſtimmte Antiochus VI. Epiphanes im Laufe des nächſten Jahres 3931 zu einem neuen, ſeinem dritten egyptiſchen Feldzuge, auf welchem es ihm neuerdings gelang, ganz Egypten mit einziger Ausnahme des ſtark befeſtigten Alexandria in Beſitz zu nehmen, deſſen Eroberung ihm aus eben dieſer Urſache nicht ſo ſchnell gelingen wollte. In den von Seite des Ptolemäus Physcon angeknüpften Friedensunterhandlungen zeigte ſich daher Antiochus nicht abgeneigt, Frieden einzugehen, im Falle die Alexandriner Antiochus“ Anſprüche auf Cöloſyrien und Paläſtina un⸗ abänderlich anerkennen und Ptolemäus VI. Philometor zu ihrem Könige wieder aufnehmen würden. Da nun aber die Alexandriner dazu ihrerſeits nicht geneigt waren, ſo gebrauchte Antiochus Epiphanes die Liſt, dem Ptolemäus Philometor das ganze egyptiſche Land mit Ausnahme der be⸗ feſtigten Hafenſtadt Peluſium dem Anſcheine nach wieder zu erſtatten, in der vermuthlichen Erwartung, daß die beiden Brüder den Krieg um die Krone gegeneinander fortſetzen, und er ſelbſt mittelſt des Beſitzes von Peluſtium einen ungehinderten Zugang nach Egypten behalten würde. Dieſe ſchlaue Berechnung ſchlug jedoch zu Antiochus' eigenem Schaden aus, indem der durch den hinterliſtigen Vorbehalt von Peluſium über deſſen verrätheriſche Abſichten aufgeklärte Ptolemäus Philometor in Ab⸗ weſenheit des Antiochus nicht ſäumte, mit ſeinem Bruder Physcon, der inzwiſchen neuerdings auch den römiſchen Senat bereits um Schutz an⸗ gegangen, auf die Bedingung Frieden zu machen, daß ſie von nun an gemeinſchaftlich über Egypten regieren wollten. F. 801. Prideaux Connex. ann. 168. Der Verdruß und wüthende Aerger des Antiochus Epiphanes über den unerwartet ungünſtigen Erfolg ſeiner Intriguen veranlaßte denſelben, ſogleich im nächſten Jahre 3932 ſeinen vierten Feldzug gegen Egypten anzutreten, welches Land, nachdem einmal außer der Inſel Cypern auch Peluſium, der Schlüſſel desſelben, in ſeinem Beſitz war, ihm bei dieſer Gelegenheit nach menſchlicher Wahrſcheinlichkeit unfehlbar hätte ganz zur Beute werden müſſen. Eine um ſo ſchnödere Demüthigung bereitete ihm daher das nach dem Willen der göttlichen Vorſehung ſeine räuberiſche Unternehmung gerade erſt im letzten Momente noch rechtzeitig durch⸗ kreuzende politiſche Anſehen der römiſchen Republik, deren Senatsabgeord⸗ neter Popilius Länas vier Meilen vor Alexandria ihm begegnend durch eine in Sand um ihn gezogene Kreislinie ihn ſittlich nöthigte, auf das leidenſchaftlich angeſtrebte Ziel mehrfähriger koſtſpieliger Kriegsunterneh⸗ mungen binnen Einem Augenblick feierlich Verzicht zu leiſten. Antiochus J S22 ſin b, dl in Et Mihte N Mhe! fllß; ſt fi 185 behielt zwar Cöloſyrien und Paläſtina, aber Egypten mußte er ganz mit ſammt der Inſel Cypern an die Ptolemäer wieder herausgeben. Die von Livius(Histor. lib. XLV., cp. 12.) erzählte originell peremptoriſche Weiſe, auf welche der römiſche Legat den ſyriſchen König zu augenblicklicher ſchimpflicher Nachgiebigkeit nöthigte, war folgende: Die römiſchen Geſandten, Popilius Länas an der Spitze, begegneten Antiochus Epiphanes bei Leuſine, einem kleinen, vier Meilen von Alexan⸗ dria entfernt gelegenen egyptiſchen Städtchen, bei welchem er ſoeben ſein Heer über einen vorbeifließenden Arm des Nil hatte überſetzen laſſen, unter freiem Himmel. Antiochus, mit Popilius Länas von Rom her perſönlich bekannt, bot ihm in burſchikoſer Art ſogleich beim erſten An⸗ blicke die Hand, welche aber Popilius gleichgiltig ablehnte mit der Bitte, daß er zuvor das von dem Senat für ihn beſtimmte mitgebrachte Schreiben durchleſen möchte. Als nun Antiochus nach flüchtiger Ueberlaufung der römiſchen Forderungen kurz antwortete, er werde nach gepflogener Be⸗ rathung ihm Antwort geben, ſo unterſtand ſich der auch in Rom durch ſeine exceſſive perſönliche Grobheit durchaus nicht beliebte Popilius, mittelſt eines in ſeiner Hand getragenen Spazierſtockes im Sande einen Kreis um den König umherzuziehen, verbunden mit der gebieteriſchen Zu⸗ muthung, ihm, bevor er aus dieſem Kreiſe heraustrete, die betreffende Antwort an den Senat ſogleich ertheilen zu wollen, worauf ſodann An⸗ tiochus zaghaft erwiederte, daß er ſich der Willensmeinung des Senates zu fügen bereit ſei. §. 802. 1. Maccab. 1, 30— 42. 2. Maccab. 5, 24— 27. Prideaux Connex. ann. 168. So widernatürlich dieſer innere Hergang auf den erſten Augenblick zu ſein ſcheint, ſo unverkennbar geht aus Antiochus' Handlungsweiſe her⸗ vor, daß nur eine vermehrte Grauſamkeit gegen ſeine eigenen Unterthanen im Stande war, ihm für die gewaltſame Dämpfung ſeiner nach außen gerichteten Eroberungsſucht eine Art Genugthuung zu gewähren. Da er nun zufällig keine Unterthanen hatte, welche in höherem Grade als ge⸗ rade die Juden ſeiner Gewaltthätigkeit preisgegeben, ſo waren ſie es vor allen übrigen, an denen er ohne Rückſicht auf die Geduld, mit welcher ſie ſeine bisherigen Mißhandlungen bereits ertragen hatten, Anſtalt machte, ſeine durch Verachtung und muthwillige Abneigung noch erhöhte Bosheit in vollem Maße auszulaſſen. Sein Feldherr Apollonius mußte mit einem Truppenchor von 22,000 Mann unter heuchleriſcher Beobachtung eines ganz friedlichen Anſcheines ſeinen Rückweg über Jeruſalem einſchlagen, und dort arglos aufgenommen, gerade am Sabbathtage ein ebenſo feiges als grauſames allgemeines Blutbad veranſtalten, deſſen lebende Ueber⸗ bleibſel neuerdings zum Verkaufe in die Knechtſchaft gefangen genommen wurden. Die Stadt wurde bei dieſer Gelegenheit ſchonungslos geplün⸗ dert, die Mauern niedergeriſſen, die Häuſer in Brand geſteckt, der Tempel verwüſtet, der regelmäßige Opferdienſt förmlich abgeſtellt, und um die Fortſetzung des Cultus gewaltſam zu hintertreiben, dem Tempel gegen⸗ über auf einer bisher als Stadttheil bewohnt geweſenen Anhöhe eine neue Akropolis, die Burg Acra mit einer ſyriſchen Beſatzung angelegt, von welcher aus die ſyriſchen Truppen es ſich zur beſonderen Aufgabe machten, auf jeden, der in der Abſicht, um ſeine Andacht zu verrichten, ferner den Tempelvorhof beſuchen würde, blutige Ausfälle zu unternehmen, in Folge deren ſie einerſeits das Heiligthum durch Vergießung menſch⸗ lichen Blutes geſetzlich völlig entweihten, anderſeits der ganzen Stadt durch Beſetzung mit ausländiſchen Einwohnern ein völlig heidniſches Ge⸗ präge aufdrückten. Bis zur Zeit dieſer Kataſtrophe ſcheint Judas Macca⸗ bäus in Jeruſalem geweſen und aus derſelben mit zehn anderen Gefähr⸗ ten glücklich nach Modin, dem Aufenthaltsorte ſeiner Familie, entkommen zu ſein. Von dieſer durch Apollonius angeordneten Tempelverheerung geht die zwiefach angegebene Gräuelperiode von 1290 und 1335 Tagen, auch 3½ Jahre genannt, an, die in Dan. 12, 11. 12. geweisſagt iſt. Vergl. 628 Ueber das mit der ehemaligen Sionsburg ſchlechterdings nicht zu ver⸗ wechſelnde, in einem ganz anderen Stadttheil von den Syriern neu an⸗ gelegte Caſtell Acra, nach deſſen bald erfolgter gänzlicher Abtragung das hierauf wieder neu angelegte gewöhnliche Stadtviertel den Namen Acra beibehielt, vergleiche die gründliche Abhandlung von Raumer, Paläſtina 1. Beilage: die Acra der Syrer. §. 803. 1. Maccab. 1, 43— 53. 57— 64. 2. Maccab, 6, 1— 5. 8— 10. Prideaux Connex. ann. 168. Gut wäre es noch, wenn es nur bei dieſer einmaligen feindſeligen allgemeinen Unterdrückungsmaßregel geblieben und nicht förmliche An⸗ griffe auf die Gewiſſensfreiheit des Einzelnen hinzugekommen wären. Aber nunmehr ließ ſich Antiochus Epiphanes, wie es ſcheint, auf den Rath des ſchon aus§. 797. bekannt gewordenen Ptolemäus Macro be⸗ ſtimmen, durch ein gemeſſenes königliches Edict Einheit der Religion, und zwar öffentliche Ausübung derjenigen, welche zufällig ihm beliebte, ſeinen ſämmtlichen Unterthanen in allen zu ſeinem Königreiche gehörenden Pro⸗ vinzen zur Vorſchrift machen, und Widerſetzlichkeit gegen dieſes Edict mit der unerbittlichen Todesſtrafe belegen zu wollen. Um dieſen hauptſächlich gegen die in ſeinem Reiche zerſtreut lebenden Juden gerichteten Befehl in Jeruſalem, wo ihm am meiſten daran gelegen war, zur Geltung zu bringen, ſendete er einen eigenen bereits bejahrten königlichen Abgeord⸗ Relen m 187 neten mit Namen Athenäus dorthin, welcher, um das Maß des Aerger⸗ niſſes voll zu machen, durch ſeine planmäßigen Anordnungen dafür ſorgte, daß das Tempelgebäude nicht allein außer dem Todſchlage auch noch durch die laſterhafteſte Unzucht öffentlich entheiligt, ſondern neben Er⸗ bauung einer Menge anderer Götzenaltäre auch auf dem bisherigen Brandopferaltar in der Hälfte Dezember des gleichen Jahres noch das Götzenbild des Jupiter Olympius aufgerichtet, und demſelben nebſt anderen namentlich reichliche Opfer von Schweinfleiſch dargebracht wur⸗ den. Gleichzeitig mit Athenäus wirkten königliche Abgeordnete in ganz Paläſtina planmäßig darauf zuſammen hin, daß ſämmtliche aufgegriffenen Exemplare des göttlichen Geſetzbuches confiscirt und mit Feuer vernichtet, ſämmtliche gottesdienſtlichen Gebräuche, namentlich die Beſchneidung und die Beobachtung des Sabbaths gewaltſam abgeſchafft, und die Zuwider⸗ handelnden mit dem Tode wirklich beſtraft wurden. Es wurden zwei Frauen von Jeruſalem unter andern zur Strafe dafür, daß ſie an ihren neugebornen Knaben heimlich die Ceremonie der Beſchneidung eigenhändig vorgenommen hatten, öffentlich durch die Straßen umhergeſchleift und zu⸗ letzt mitſammt ihren Kindern über die Mauer hinabgeſtürzt. Der Verfaſſer des zweiten Vuches der Maccabäer macht(2. Maccab. 6, 12—17.) zu dieſer über die Juden verhängten gräulichen Verfolgung die ebenſo ſchlichte als triftige Bemerkung, daß eine ſolche Zulaſſung von Seite Gottes nicht ſowohl als ein Beweis nachläſſiger Fürſorge, als vielmehr im Gegentheil als eine beſonders günſtige Berückſichtigung ſeines auserwählten Volkes in Anſchlag zu bringen ſei, zufolge welcher er nicht, wie bei andern Völkern, die mit demſelben abzuhaltende Rechenſchaft bis auf das Ende verſpare, vielmehr im Gegentheil durch ſchnelleres Ein⸗ ſchreiten mit ſcharfen zeitlichen Züchtigungen den Sünden ſeines Volkes bälder Einhalt thue, in der Abſicht, ſie für eine deſto bälder darauf⸗ folgende wiederholte Offenbarung ſeiner Gnade neuerdings empfänglich zu machen. Als einen bemerkenswerthen Zug religiöſer Charakterloſigkeit erwähnt Joſephus(Antiqq. XII. cp. 7.), daß die Samaritaner zu dieſer Zeit durch eine eigens an Antiochus abgeſendete Unterwürfigkeitserklärung al der auch ihnen drohenden Verfolgung rechtzeitig zu entziehen gewußt ätten. In der Stelle 1. Maccab. 1, 57. ſcheint, wenn man dieſelbe mit 1. Maccab. 4, 52. 54. vergleicht, ein in den Tert eingeſchlichener Ab⸗ ſchreibefehler angenommen und anſtatt quintadecima vielmehr vigesima quinta geleſen werden zu müſſen. §. 804. 1. Maccab. 1, 54— 56, 65— 67. 2. Maccab. 6, 6. 7. Prideaux Connex. ann. 168. Hand in Hand mit der in zunehmender Strenge gehandhabten Voll⸗ ſtreckung des königlichen Edicts wurde nunmehr gegen Ende dieſes und den Anfang des darauffolgenden 3933ſten Jahres zuletzt der ganzen jüdiſchen Stadtgemeinde, ſowie den einzelnen Bürgern allmälig zugemuthet, außer der freiwilligen Enthaltung von allen vorgeſchriebenen jüdiſchen Gebräuchen, ſich auf Befehl des Königs auch an dem neueingeführten Götzendienſte öffentlich perſönlich zu betheiligen und dadurch ihre gutwillige Unterwerfung unter das gottloſeſte und ſchändlichſte aller jemals bis dahin erlaſſenen Geſetze auch thatſächlich zu erkennen zu geben. Dieß war namentlich am Geburtstage des Königs Antiochus der Fall, an welchem dem Götzen Bacchus zu Ehren eine öffentliche Proceſſion, an der ſie ſämmtlich ohne Ausnahme mit Epheukränzen geſchmückt ſich betheiligen ſollten, veranſtaltet wurde. Leider fehlte es nicht an einzelnen Juden, welche anfangs gezwungen, zuletzt aber auch gutwillig in ganzen Schaaren ſich zur Theilnahme an dieſen götzendieneriſchen Gebräuchen verführen ließen. Diejenigen, welche ihrer bisherigen Ueberzeugung und den Grund⸗ ſätzen ihres Gewiſſens hingegen getreu blieben, mußten ihre Standhaftig⸗ keit entweder mit dem Leben büßen oder Haus und Hof verlaſſen und zu ihrer Sicherheit ſich in die Höhlen des Gebirges flüchten. CLXXVI. Paläſtina, Grenzland zwiſchen Egypten und Syrien. Der Hoheprieſter Menelaus. Judenverfolgung(Fortſetzung). Martyrtod des Eleazar und der ſogenannten ſieben maccabäiſchen Brüder. §. 805. 2. Maccab. 6, 18— 22. Das Elend einer aus muthwilliger Ungerechtigkeit über das Volk der Juden verhängten religiöſen Verfolgung hatte ſeinen höchſten Gipfel erreicht,— es fing die ſcheinbar unwiderſtehliche Gewalt derſelben an dem heldenmüthigen ſittlichen Widerſtande einzelner hervorragender hebräi⸗ ſchen Martyrer ſich nunmehr zu brechen an. Den Vorgang ſcheint der Schriftgelehrte Eleazar, ein demzufolge wahrſcheinlich in Jeruſalem wohn⸗ hafter, durch ſein hohes Alter von 90 Jahren, ehrwürdiges Aeußere und untadelhaften Ruf ausgezeichneter gebildeter Mann aus den angeſehenſten höchſten Ständen gemacht zu haben, welchem wahrſcheinlich gegen Anfang des Jahres 3933 öffentlich der Mund gewaltſam aufgeriſſen wurde, in der Abſicht, um ihn zwangsweiſe Schweinefleiſch eſſen zu machen. Er n Egin 189 ließ ſich aber einmal nicht dazu bringen, und zeigte auch wenig Beklom⸗ menheit, ſich dafür zum Martyrpfahle abführen zu laſſen. Dieſe uner⸗ ſchrockene Entſchloſſenheit eines ſo bejahrten Mannes blieb ſelbſt auf die⸗ jenigen königlichen Beamten, welche mit der Vollſtreckung des Edictes beauftragt waren, nicht ohne einen erſchütternden augenblicklichen Ein⸗ druck, von welchem überwältigt ſie ihm wohlmeinend anboten, aus Rück⸗ ſicht auf ſeine ſonſtigen ihnen an ihm von länger her bekannten perſönlich unübertrefflichen Eigenſchaften, anderes Fleiſch bringen laſſen, und auf deſſen Genuß hin unter dem Vorwande, als ob er dem königlichen Befehle Folge geleiſtet, ihn nicht weiter behelligen zu wollen. Die gegenwärtige und nachfolgende Martyrergeſchichte findet ſich außer im Terte des zweiten Buches der Maccabäer auch wiedererzählt in einem eigenen Buche des Fl. Joſephus: de Maccabaeis, siye de imperio rationis. §. 806. 2. Maccab. 6, 23— 28. Eleazar, durch die plötzliche menſchliche Stimmung ſeiner Henker überraſcht, beſann ſich einen Augenblick, antwortete aber ſogleich, er ziehe es vor, bevor er dieß thun würde, ſich lieber in die andere Welt hinüber⸗ ſchicken zu laſſen, und damit man ihm dieß nicht als Starrſinn auslegen möchte, ſo gab er auch ſeine Gründe dazu an. Ließe er ſich durch ein ſolches Anerbieten zu einer auch nur ſcheinbaren Nachgiebigkeit verleiten, ſo ſei zu fürchten, daß andere jüngere Männer an ihm ein Aergerniß nehmen, und ſich für den Mangel an eigener Standhaftigkeit zur Entſchuldigung auf ſein Beiſpiel berufen würden. So komme es denn in Abſicht auf ſeine Straffälligkeit vor Gottes Richterſtuhl beinahe auf Eines heraus, ob er der zwingenden Verſuchung von Anfang an feige nachgegeben, oder derſelben nur durch eine Nothlüge widerſtanden habe. Deßwegen halte er es für klüger, lieber die zeitliche Gewaltthätigkeit von Seite der Menſchen tapfer zu ertragen, und nebſt der unbefleckten Ehre ſeines Alters auch den Troſt eines gegebenen guten Beiſpiels mit in das andere Leben hinüber zu nehmen. §. 807. 2. Maccab. 6, 29— 31. Anſtatt ſeine Henker durch eine ſo einleuchtend folgerichtige Recht⸗ fertigung zu beſänftigen, hatte dieſelbe vielmehr die Wirkung, ſie im Gegentheil erſt recht heftig gegen ihn zu erbittern, und ſie ihm, weil ſie dieſelbe nicht zu würdigen fähig waren, als die Aeußerung eines ver⸗ ſtockten geiſrlichen Trotzes anrechnen zu laſſen. Er wurde ſomit unbarm⸗ 5 Holah bie herzig an einen Pfahl gehängt und mit Schlägen zu Tode geprügelt, unter welcher peinlichen Mißhandlung er allerdings ſeufzte, aber dennoch ine mit den Worten des Gebetes verſchied, daß er aus Ehrfurcht für Gottes 0 Gebot ſich dieſelbe gerne wolle gefallen laſſen. 1 igend e §. 808. ſmöhef 2. Maccab. 7, 1. 2. elhet fut Hatte auf dieſe Weiſe Cleazar für ſeine einzige Perſon zu Jeruſalem ein für die untrügliche Wahrheit der göttlichen Offenbarung ehrenvolles perſönliches Zeugniß abgelegt, ſo ereignete es ſich wahrſcheinlich kurz darauf, daß auch zu Antiochia, alſo in der. Hauptſtadt des ſyriſchen 00 Königreiches, noch dazu unter den Augen des Königs Antiochus Epipha⸗ wilnz nes, eine aus acht Perſonen, einer Mutter nebſt ihren ſieben leiblichen üheßt Söhnen, beſtehende ganze jüdiſche Familie ſich in der wiederholten lb⸗ Alnch Gegenwart des Königs ſämmtlich Schweinefleiſch zu eſſen vorgeſetzt, zu ſſet deſſen Annahme ſie durch ſchonungsloſe körperliche Züchtigung mit Geißeln fleh f und Riemen ſollten gezwungen werden. Dieſer fortwährenden Mißhand⸗ 0 lung müde, erklärte der älteſte unter dieſen Brüdern dem Könige rund heraus, er möge doch einmal endlich Einhalt thun laſſen, indem ſie ſämmtlich unabänderlich entſchloſſen ſeien, lieber zu ſterben, als ihren von Alters her empfangenen göttlichen Geſetzen zuwider zu handeln. Da die Gräber der ſieben maccabäiſchen Brüder zur Zeit des heiligen Hieronymus in der Gegend von Antiochia noch gezeigt wurden, ſo iſt aus dieſem Umſtande zu ſchließen, daß dieſe Begebenheit nicht zu Jerun⸗ ſalem, ſondern vielmehr in der Hauptſtadt des ſyriſchen Reiches ſtatts 1 gefunden hat, in welcher, wie§. 759. erzählt, die Juden einen anſehn⸗ lichen Theil der Bevölkerung ausmachten. Man braucht daher keineswegs nn, mit Stolberg(Religionsgeſch. IV. Thl. LXIII, 1.) anzunehmen, 4 dieſelben zu dieſem Endzwecke erſt von Jeruſalem nach Antiochia gefäng⸗ lich ſeien abgeführt worden. Die ſieben maccabäiſchen Brüder werden tenh bereits in dem Gottesdienſte der katholiſchen Kirche als Heilige verehrt. niff,. Ihre Erwähnung fällt auf den 1. Auguſt. Der Name„maccabäiſche 13 Brüder“ rührt von dem zufälligen geſchichtlichen Zuſammenhange her, in 0 welchem dieſelben mit der Zeit der eigentlichen Maccabäer befindlich ſind. Af F. 809. 10 2. Maccab. 7, 3— 6. Durch dieſe männliche Anrede erbittert, ließ Antiochus Epiphanes U große metallene Pfannen und Keſſel in Feuergluth ſetzen, und hierauf legung des nämlichen Zeugniſſes vereinigte. Auch ihnen hatte man in in filte 0 ‚ 600 der König Antiochus, am Leben bleiben zu dürfen.“ dem älteſten Bruder, welcher zuerſt geſprochen, in Gegenwart der übrigen vorab die Zunge ausſchneiden, hienach die durch einen Einſchnitt abgelöſte Kopfhaut gewaltſam herunterzerren, und zuletzt, nachdem ihm Hände und Füße abgehauen worden, ihn noch überdieß lebendig in der Pfanne röſten, ein Anblick, durch welchen ſich jedoch weder Mutter noch Brüder irgend einſchüchtern, ſondern vielmehr zu gegenſeitiger Aufmunterung zu ſtandhafter Erduldung eines gleichen Schickſals unter gewiſſer Erwartung einer zukünftigen lohnenden Vergeltung beſtimmen ließen. §. S10. 2. Maccab. 7, 7— 9. Nachdem der erſte unter dieſen Martern geſtorben„ergriff man den zweiten, und frug ihn, nachdem ihm die Kopfhaut mitſammt den Haaren abgeriſſen worden, ob er nicht doch lieber eſſen„als auf ſolche Weiſe an allen Gliedern ſeines Leibes ſich wolle mißhandeln laſſen? Er antwortete in ſeiner Landesſprache mit einem kurzen„Nein,“ auf welches Wort er ebenſo wie der erſte zu Tode gepeinigt wurde. Im letzten Augenblicke blieb ihm demungeachtet jedoch noch die Kraft übrig, mit ſchwacher Stimme dem Könige zuzurufen, es kümmere ihn wenig, ob er durch des Königs himmelſchreiende Gottloſigkeit ſein zeitliches Leben auch ver⸗ lieren müſſe, indem er zuverſichtlich erwarte, von dem Könige der Welt dafür zu einem ewigen Leben wieder auferweckt zu werden. §. 811. 2. Maccab. 7, 10— 14. Dem dritten der Brüder wurde hierauf befohlen, die Zunge aus dem Munde hervorzuſtrecken, worin derſelbe auch ſogleich nicht allein voll⸗ kommenen Gehorſam leiſtete, ſondern ſeine beiden Hände zugleich hinhielt mit den Worten, daß er alle dieſe Gegenſtände, welche er von Gott ſeiner Zeit empfangen habe, und nun aus Gehorſam gegen das Geſetz hergeben ih müſſe, dennoch einmal wieder zu empfangen ſicher überzeugt ſei; eine umuthige Entſchloſſenheit, welche auch den König in Erſtaunen verſetzte. Der vierte, welcher hierauf in ähnlicher Weiſe zu Tode gemartert wurde, ſprach kurz vor ſeinem Verſcheiden:„Es iſt unter allen Umſtänden immer noch beſſer, von Menſchen getödtet mit der Hoffnung auf eine ſelige Auf⸗ erſtehung ſterben zu müſſen, als ohne dieſe tröſtliche Ausſicht, wie z. B. 2. Maccab. 7, 15— 19. Gahlet Der fünfte Bruder ſah unter den Martern dem Könige feſt in das Antlitz und warnte ihn, er möge ungeachtet ſeiner augenblicklich als menſchlichen Richter ihm zuſtehenden übermächtigen Strafgewalt das Volk Gottes nicht von Gott verlaſſen glaubenz er ſolle nur zuwarten und ſehen, 5 welche Strafen er ſelbſt von Seite der göttlichen Gerechtigkeit ſowohl für Anii ſeine eigene Perſon, als auch für ſeine Nachkommen ſich zuziehen werde. Mk Der ſechste gab, bereits in den letzten Zügen, dem Könige zu bedenken, daß dieſe von Gott über ſie verhängte peinliche Todesſtrafe auf der einen Seite zwar gerechter Weiſe von ihnen verſchuldet, nichts deſto weniger die verruchte Abſicht des Königs, in welcher er ſich zum Werkzeuge der göttlichen Gerechtigkeit hergebe, ebenſo ſtraffällig ſei, als ob ſie ganz un⸗ ſchuldig von ihm gemartert würden. K0 Aahen §. 813. 2. Maccab. 7, 20— 26. Je unempfindlicher der König Antiochus innerlich gegen dieſe Vor⸗ ſtellungen geblieben war, um ſo kränkender war es für ihn, ſich durch die ſittliche Standhaftigkeit eines Volkes, das er ſo tief verachtete, nicht allein völlig entwaffnet, ſondern auch in Hinſicht auf die Erfolgloſigkeit ſeiner angeordneten Zwangsmittel der Verachtung und dem Gelächter ſeiner Zeitgenoſſen preisgegeben zu ſehen, und dieſe öffentliche Demüthi⸗ gung war für ihn in gewiſſer Beziehung dadurch um ſo fühlbarer, als U0%N es gerade ein Weib war, die Mutter der ſieben Jünglinge, welche durch un die Vereinigung einer in dieſem Augenblicke ihr zu Hilfe kommenden m außerordentlichen männlichen Herzhaftigkeit mit weiblicher Beredtſamkeit 0 W.a unter fortgeſetzten Zuſprüchen in hebräiſchem Dialecte ſichtbar das Meiſte dazu beitrug, ihre Söhne alle Drohungen und Gewaltmaßregeln des 1 0 Königs ſtandhaft verachten zu machen. Deßwegen glaubte der König bei]“ Ee dem jüngſten noch übrigen Bruder, um ſich nicht dem Haſſe und Geſpötte W, der Menſchen vollends preiszugeben, andere Saiten aufziehen zu müſſen, und A0 bot deßwegen nebſt guten Worten, Ermahnungen, ja ſogar Eidſchwüren alles] i auf, um den Knaben unter den glänzendſten Anerbietungen von der An⸗ ö hänglichkeit an den Gehorſam gegen das jüdiſche Geſetz gutwillig abzu⸗ n bringen. Da ihm der Knabe jedoch durchaus kein Gehör ſchenken wollte, fi ſo nahm er ſogar deſſen Mutter noch zu Hilfe, und brachte ſie durch 85 08 Adujf 198 viele gute Worte auch dahin, daß ſie endlich wirklich verſprach, ihrem Sohne ebenfalls zureden zu wollen. §. 814. 2. Maccab. 7, 27— 29. Kaum war die Mutter mit ihrem einzigen noch lebenden Kinde wieder vereinigt, ſo ſchüttete ſie in hebräiſcher Sprache, die der König natürlicher Weiſe nicht verſtehen konnte, die übrige Fülle ihres durch die ſtandhaften Leiden von ſechs leiblichen Söhnen noch ungebrochenen mütterlichen Her⸗ zens über ihn aus. Sie bat ihn, Erbarmen mit ihr haben und ihr ihre Mutterliebe, mit welcher ſie ihn in ihrem Leibe getragen, mit ihrer Muttermilch geſäugt und ihn bis zu ſeinem gegenwärtigen Alter auch ſonſt ernährt und aufgezogen habe, in dieſer Stunde dankbar vergelten zu wollen. Sie bat ihn ſich zu erinnern, wie Gott der Herr dieſe ganze Welt mitſammt den Menſchen aus Nichts hervorgebracht habe, damit er ſich im gegenwärtigen Augenblicke vor ſeinem Henker nicht fürchten und ſich nicht ſchlechter als ſeine Brüder bewähren möge. Darum beſchwor ſie ihn, mit ſeinen Brüdern gutwillig ſterben zu wollen, damit ſie ihn in der zu⸗ künftigen Stunde der göttlichen Erbarmung nicht unter ihren übrigen Kindern werde zu vermiſſen brauchen. F. 815. 2. Maccab. 7, 30— 42. Kaum hatte die Mutter ausgeredet, ſo rief der Knabe voll Ungeduld, warum man ihn ſo lange warten laſſe, während er doch ſchon aus eige⸗ nem Vorſatze keinem königlichen, ſondern nur dem göttlichen Geſetze ge⸗ horchen wolle. Hierauf ſagte er dem Könige mit dürren Worten voraus, daß er als der böswillige Quäler des hebräiſchen Volkes ſeiner Strafe bei Gott nicht entgehen werde. Sie als Hebräer hofften, wenn ſie ihre Sündenſtrafen abgebüßt, bei Gott wieder zu Gnaden angenommen zu werden, aber ein ſo nichtswürdiger und ſchamlos laſterhafter König, wie er, habe nichts Gutes bei Gott zu hoffen. Er und ſeine Brüder würden zeitlich gemartert dereinſt das ewige Leben, der König dagegen die ge⸗ rechte ewige Beſtrafung empfangen. Er lege, indem er mit ſeinen Brü⸗ dern zugleich ſeinen Geiſt und ſeinen Leib für den Gehorſam gegen das göttliche Geſetz dahingebe, auch ſeine Fürbitte bei Gott mit dahin ein, ſich deſto bälder mit ſeinem Volke ausſöhnen, und dem Könige Antiochus durch Qualen und Schläge noch das gutwillige Bekenntniß, daß Er der Krafft, heil. Geſchichte. II. 13 allein wahre Gott ſei, abnöthigen zu wollen. Er ſchloß mit der Pro⸗ phezeiung, daß er im Geiſte vorausſehe, daß das über ſein Volk ergangene Strafgericht des allmächtigen Gottes mit ſeinem und ſeiner Brüder Martyr⸗ tode ſein Ende zu erreichen im Begriffe ſtehe. Es wird erzählt, daß der über dieſe Worte eines Kindes entbrennende heftige Zorn des Königs Antiochus um ſo furchtbarer geweſen, als er ſich dadurch allein ſchon, namentlich aber erſt durch die damit verbundene klägliche Erfolgloſigkeit ſeiner aufgebotenen Mühe vollends dem öffent⸗ lichen Geſpötte preisgegeben ſah. Deßwegen ſchämte er ſich auch nicht, an dieſem Knaben ärger als an allen ſeinen Brüdern ſeine grauſame Rachſucht auszuüben, ohne jedoch dadurch ſeine Standhaftigkeit erſchüt⸗ tern zu können. Nach ihren ſämmtlichen Söhnen wurde zuletzt auch die Mutter hingerichtet. A de —— ·———— U1 u0 Ge Ulaht n at waige u u fle; hſ ittha inBaz Wlaßt ſat Wäg Ronch Iſtir W. füth Siebente Periode. Der maccabäiſche Anabhängigkeitskrieg. Von 3933— 3959. CLXXVIII. Der Hoheprieſter Menelaus.(Fortſetzung.) Die Schilderhebung des Prieſters Mathathias, des Stammvaters der Hasmonäer. §. 816. 1. Maccab. 2, 1— 26. Die von Antiochus IV. Epiphanes gegen die bürgerliche Religions⸗ und Gewiſſensfreiheit der Juden planmäßig angeordneten tyranniſchen Unterdrückungsmaßregeln bildeten den natürlichen unmittelbaren Uebergang zu deren neuerdings wiedererſtehenden, von dem Propheten Czechiel ſeiner Zeit(vergl.§. 573.) geweisſagten völligen politiſchen Nationalunabhängig⸗ keit,— eine um ſo denkwürdigere Fügung der göttlichen Vorſehung, je weniger ein derartiges, vor der Hand noch ſo weit entlegenes Ziel in der urſprünglichen bewußten Abſicht derjenigen Werkzeuge, deren ſich Die⸗ ſelbe zu ſeiner Herbeiführung bediente, enthalten war. Für nichts anderes wenigſtens als für eine plötzliche unwillkührliche Ueberſtürzung ſeiner ſelbſt iſt es anzuſehen, was den auf der einige Meilen von Jeruſalem entfern⸗ ten Bergſtadt Modin mit ſeinen fünf Söhnen Johannes, Simon, Judas, Eleazar und Jonathan anſäſſigen bejahrten Prieſter Mathathias wahr⸗ ſcheinlich im Laufe des nämlichen Jahres 3933 vermochte, in einem Augenblicke, wo er für die verweigerte Befolgung des königlichen Reli⸗ gionsedictes ſelber zur Todesſtrafe gezogen zu werden befürchten mußte, zu ſeiner Nothwehr den erſten Juden, welcher ſich dem Altare in der Abſicht näherte, das vorgeſchriebene Götzenopfer darzubringen, in der un⸗ bändig zornigen Gemüthsaufregung, welche ſich bei 30 Wht ſeiner trägen ebenfalls in die andere Welt hinüberzuf gemächlich der aufgerichtete Götzenaltar mit Rumpf und Stumpf aus ganz dem Erdboden herausgeriſſen und jede Spur ſeines geweſenen Vorhanden⸗ ſeins vertilgt wurde. 196 bemächtigte, unverzüglich todt zur Erde niederzuſchlagen, und als Fort⸗ ſetzung ſeiner einmal zur Maßregel erhobenen gewaltſamen Nothwehr auch ſogleich den anweſenden königlichen Bevollmächtigten mitſammt ſeinen Auf⸗ chicken, worauf zum Schluſſe Die Nachkommen des Prieſters Mathathias werden Hasmonäer ge⸗ nannt, angeblich von einem gewiſſen Asmoni oder Asmonäus, welcher nach Joſephus(Antiggd. lib. XII. cp. 8.) der Vater des Simon, folglich nach 1. Macc. 2, 1. des Mathathias Urgroßvater geweſen iſt. Er ſtammte nach 1. Macc. 14, 29. von Jarib oder Jojarib.— Dieſer pſychologiſch originelle und nichts deſto weniger unwillkührlich Ehrfurcht erweckende, ſo zu ſagen, heilige Jähzorn des Prieſters Mathathias, welcher in dem gegenwärtigen, geſchichtlich unermeßlich bedeutungsvollen Augenblicke den politiſchen Umſchwung eines auf dem ganzen Volke laſtenden verhängniß⸗ vollen Druckzuſtandes moraliſch vermittelte, kann, ſchon im Charakter des Stammvaters Levi unverkennbar austeprägt(vergl. Anmerk. zu§. 28.), als ein eigenthümlich werthvolles Stamm btheil der levitiſchen Prieſter⸗ familie betrachtet werden. Mehrere zum heil auch fehlerhafte Züge finden ſich davon in dem Charakter Mo(ſ. 6§. 39. 57. 72. 85.) Einer im Charakter des Hohenprieſters Phin§. 93.) Einer in dem Charakter des ganzen levitiſchen Stammes(8 57. 58.) Fernere Bei⸗ ſpiele auffallend politiſch energiſcher Charaktereigenthümlichkeit unter den ſpäteren Nachkommen des Stammes Levi ſehen wir an dem Propheten Samuel, an dem Hohenprieſter Jojada(§9. 424—427), an Nehemias (§§8. 703—737.), an dem Hohenprieſter Jaddua(ö0. 744- 747.), an Simon J. Juſtus(ſ. Anmerk. zu§. 761.), an dem Tobiaden Joſeph(2) (F. 771 u. flg.), an Simon II.(§. 775.) und Onias III.(§. 785— 791.) Auf dieſe nämliche, von jetzt an in der maccabäiſchen Familie wirklich großartig hervortretende eigenthümliche Ader getrauen wir uns auch einige Charaktererſcheinungen des Neuen Teſtamentes, als z. B. das rückſichtslos dreiſte Auftreten des heiligen Vorläufers Johannes des Täufers, und das ſittliche Benehmen der beiden ſogenannten Donnerſöhne, der Söhne des Zebedäus, der heiligen Apoſtel Jacobus des Aelteren und Johannes Cvangeliſt(Ey. Luc. 9, 52—56.) unbedenklich zurückzuführen, hinſicht⸗ lich welcher letzteren eine levitiſche Abkunft unſeres Wiſſens wenigſtens als ſicher angenommen wird. §. 817. 1. Maccab. 2, 27— 38. 7 2. Maccab. 6, 11. Mathathias fühlte, ſobald mit dem völligen Gelingen dieſer erſten förmlichen Nothwehrhandlung die ruhige Beſinnung bei ihm zurückgekehrt war, darüber ſo wenig Gewiſſensbedenklichkeit, daß er vielmehr im Gegen⸗ theil dadurch muthig erhoben, in der Stadt alsbald bekannt machen ließ es möge, wer noch Eifer und Theilnahme an der Aufrechthaltung der ilt L fller g Rat i ngehu ger ib d0ö Huni W R Ruhll, ſihugtt Eültn fuch dr dce Muſt zut E fithem ſih bff Funchktt ebm b de f f WMle 2 0 0 10 J Ml fſl ſcht 900 Uelſt f fuch ji fiäe Wna 197 israelitiſchen Religion in ſich trage, ſich gefälligſt zu einem gemeinſchaft⸗ lichen Vertheidigungsauszuge bereit machen, welchem er verſprach, ſich ſelber an die Spitze ſtellen zu wollen. Der ungetheilte Anklang, welchen dieſer in unſcheinbar geringem Maßſtabe ergehende Aufruf in der nächſten Umgebung zur Folge hatte, gab ſich dadurch zu erkennen, daß eine Menge ganzer Familien mit all ihrer beweglichen Habe ſich auf einſamen Wegen in das benachbarte Gebirge zurückzogen, und dort in verſchiedenen ge⸗ räumigen Höhlen, deren Eingang leicht vertheidigt werden konnte, für den Augenblick eine nothdürftige Unterkunft ſuchten. Philippus der Araber, der Befehlshaber der in der neuerrichteten Burg zu Jeruſalem einquartierten ſyriſchen Beſatzung, war nicht ſobald von dieſer neuen Schutzmaßregel der verfolgten Juden in Kenntniß geſetzt worden, als er auch am darauffolgenden Sabbathtage eine Truppenabtheilung an eine dieſer nächſtgelegenen Höhlen beorderte, in welcher nicht weniger als 1000 Menſchen, Männer, Weiber und Kinder nebſt ihrem Eigenthum an Vieh zur Stunde ſich aufhielten, und ſie bei augenblicklicher Todesſtrafe auf⸗ fordern ließ, dem Befehle des Königs Folge zu leiſten. Sie weigerten ſich deſſen, und hatten doch auf der andern Seite nicht den Muth, aus Furcht vor Uebertretung des Sabbathgeſetzes etwas zu ihrer Vertheidigung vornehmen zu wollen. So kam es denn, wie ſie auch ſelber vorausſahen, daß ſie ſammt und ſonders wehrlos erſtickt im Rauchdampfe eines in der Höhle angezündeten Feuers ihren Tod fanden. §. 818. 1. Maccab. 2, 39— 48. Dieſer die für ihre Glaubens⸗ und Gewiſſensfreiheit auf die Spitze der Nothwehr getriebenen Juden augenblicklich betreffende ſchmerzliche Unfall ermangelte auf der anderen Seite jedoch nicht, für dieſelben er⸗ ſprießliche Folgen zu haben, indem dadurch Mathathias ſelber zur Ein⸗ ſicht gebracht, wie weit die rechten Grenzen einer vernünftig begründeten Gewiſſensbedenklichkeit gehend zu betrachten ſeien, mit ſeinen Gefährten bei dieſer Gelegenheit Eins wurde, daß ſie an Sabbathtagen feindlich angegriffen, nicht weiter ſich unthätig verhalten, ſondern zur Rettung ihres Lebens die Waffen gebrauchen wollten. Daß dieſer einſtimmige Beſchluß auch den ſtrenggläubigſten Juden in damaliger Zeit keinen Anſtoß ver⸗ urſachte, erſteht man daraus, daß gerade die mittlerweile zu einer be⸗ trächtlichen Anzahl herangewachſene Congregation der Aſſidäer(ergleiche Anmerk, zu§. 764.) ſich von da an enge an die Partei des Mathathias anſchloß, durch welche, ſowie überhaupt durch alle ſittlich noch unverdor⸗ benen Elemente im Volke verſtärkt, dieſelbe allmälig zu einem anſehn⸗ lichen Heere heranwuchs. Anſtatt daher in ängſtlicher Verzagtheit etwa bloß auf ſeine Vertheidigung zu denken, ging Mathathias auf ſolche Grundlagen hin zu förmlichen durch das Land veranſtalteten Angriffszügen über, auf welchen er ſämmtliche ſowohl abtrünnige Juden, als königliche Beamten, die, mit der Durchführung der angeordneten Religionsmaßregeln beſchäftigt, ihm zerſtreut in die Hände fielen, kurzweg um das Leben bringen, die neugebornen Knaben beſchneiden ließ, und zugleich die noch übrigen Exemplare der heiligen Schriften Alten Teſtaments ihrem Unter⸗ gange zu entreißen, angelegentliche Vorſorge traf. Daß Mathathias mit ſeinen Gefährten Eins wurde, ſich auch an Sabbathtagen gegzen feindliche Ueberfälle zur Wehre ſetzen zu wollen, darf in keinem Falle als eine laxe Auffaſſung des ſtrengen Arbeits⸗ verbotes an Sabbathtagen aufgefaßt werden, indem einerſeits abgedrungene Nothwehr als keine eigentliche Arbeit anzuſehen, und in der alten jüdi⸗ ſchen Geſchichte, in welcher doch mehrjährige kriegeriſche Ereigniſſe, wie z. B. die Belagerung von Jeruſalem durch die Chaldäer erzählt werden, durchaus keine Spur von dieſer ſo ſtrengen Auffaſſung des Sabbathgeſetzes von Seiten der Propheten zu entdecken iſt. Es iſt daher dieſe ganze Meinung vielmehr nur als ein aus Mißverſtändniß entſprungenes ängſtliches Vor⸗ urtheil zu betrachten, welches erſt ſeit der allgemein planmäßigen Wieder⸗ 0 Wurzel faſſend, einen eigenthümlichen pfychologiſch intereſſanten Gegenſatz 0 bildet gegen die rohe Hartnäckigkeit, mit welcher die älteren Israeliten bis zur Zeit der babyloniſchen Gefangenſchaft ſich der Einführung einer durchgreifenden Geſetzeszucht widerſetzt hatten. Für den Geiſt aber, von welchem die Aſſidäer im gegenwärtigen Augenblicke beſeelt wurden, iſt es ein gutes Zeichen, daß ſie ſich über ein ſolches nicht hinreichend be⸗ gründetes Vorurtheil mit der Hilfe Gottes thatkräftig zu erheben wußten. §. 819. 1. Maccab. 2, 49— 70. Mathathias, der erſte thätige Begründer dieſer bei der für den Augenblick noch geringen Anzahl der im Lande befindlichen ſyriſchen Be⸗ ſatzungstruppen ſich in reißendem Fortſchritte entwickelnden religiöſen Schilderhebung, erlebte den Verlauf desſelben nur noch bis in das nächſt darauffolgende Jahr 3934, in welchem er von einer plötzlichen Alters⸗ In dieſem Zuſtande berief er ſeine fünf Söhne noch einmal vor ſich und ermahnte ſie zur Beſtändigkeit in der weiteren Verfolgung des einmal begonnenen Vertheidigungskrieges. Insbeſondere traf er die Verfügung, nicht als die wahre, im Geſetze ausgedrückte Abſicht des Geſetzgebers, ſondern einführung der Geſetzesbeobachtung unter Esdra und Nehemias im Volke ſchwäche überfallen, binnen wenigen Augenblicken ſein Ende vorherſah. Rüh Ein Wullnnt ſhen de Eiſaffe athlle er gefen ſubt N Ulbanmt Unt Wihg m U Wüef uhn, thget lt f de. Tu⸗ 199 daß Simon, als der umſichtigſte unter den fünf Brüdern, beſtändig in vorkommenden Fällen als Rathgeber anerkannt werden, Judas aber, der ſchon damals den Beinamen Maccabäus, der Hammer, führte, als der Schlagfertigſte die Leitung der Ausführung bekommen ſollte. Hierauf ertheilte er ſeinen Söhnen den väterlichen Segen, und wurde, nachdem er geſtorben, unter allgemeiner Trauer der Gutgeſinnten in ſeiner Vater⸗ ſtadt Modin feierlich beerdigt. Dieſer urſprüngliche Beinamen des Judas iſt offenbar der wahre geſchicht⸗ liche Ausgangspunkt für die Bezeichnung des Wortes Maccabäer überhaupt, welche von Judas zuerſt auf ſeine Brüder und ihre ganze leibliche Nach⸗ kommenſchaft— alſo gleichbedeutend mit„Hasmonäer“— darnach aber auch auf jene ſieben Brüder, deren Martyrtod in den vorhergehenden §§. 808— 815. erzählt wurde, eben nur aus dem zufälligen Grunde, weil das ganze Buch von ſeinem vorherrſchenden Inhalte aus ſchlechtweg das zweite Buch der Maccabäer heißt, in erweiterter Ausdehnung über⸗ tragen worden iſt. Eine andere von Grotius vielleicht zuerſt aufgeſtellte und von Prideaurx(Connex. ann. 167.) adoptirte Ableitung von den angeblichen Anfangsbuchſtaben der maccabäiſchen Standarte„Mi Camo ka Baelim, Jehovah!“(Wer iſt dir gleich unter den Göttern, o Jehovah!) rechtfertigt ſich nicht, weil die hebräiſchen Radicalbuchſtaben, welche dieſe Inſchrift gehabt haben müßte, mit den auf Münzen und ſonſtigen Denk⸗ mälern erhaltenen nicht übereinkommen. CLXXVIII. Der Hoheprieſter Menelaus.(Fortſetzung.) Beginn des jüdiſchen Unabhängigkeitskrieges. Der Heerführer Judas Maccabäus. F. 820. 1. Maccab. 3, 1— 24. 2. Maccab. 8, 1— 7. Das von Judas Maccabäus nach dem Ableben ſeines Vaters mit unvermindertem Eifer und in ſtets zunehmender Ausdehnung fortgeführte Werk der gewaltſamen Landesreinigung, welches mit einer planmäßigen Beſetzung nächtlicher Weile eroberter feſter Plätze Hand in Hand ging, bekam nunmehr die erſte Feuerprobe zu beſtehen, indem Apollonius, der unterdeſſen, wie es ſcheint, zum Statthalter der Provinz Samaria auf⸗ geſtellte Feldherr des Königs Antiochus keine Zeit verlor, ſich dem weiteren Fortgange desſelben mit einem bedeutenden wohlbewaffneten Kriegsheere entgegenzuſtellen. Der Erfolg davon war, daß Apollonius von Judas mit ſeiner ſchlecht bewaffneten Mannſchaft zuerſt angegriffen, völlig in die Flucht geſchlagen, nebſt einem bedeutenden Verluſt an Menſchen von Judas eigenhändig getödtet, und das ihm abgenommene eigene geführte Schwert fortan von ſeinem Ueberwinder zu ſeiner lebenslänglichen Hand⸗ waffe erkoren wurde. Ein anderer ſyriſcher Provinzialbevollmächtigter mit Namen Seron, welcher auf die unglaubliche Nachricht von dieſer Begebenheit darin eine glückliche Gelegenheit zu erkennen glaubte, durch einen mittelſt ſeiner überlegenen Heeresmannſchaft, wie er unbezweifelt vorausſetzte, leicht zu erringenden Sieg ſich bei König Antiochus in be⸗ deutende Gunſt und Anſehen zu verſetzen, wurde von der von Judas durch eine kurze vorhergehende Anrede angefeuerten, noch immer ſchlecht bewaffneten und dazu noch durch einen langen Marſch ermüdeten jüdiſchen Mannſchaft ebenfalls zuerſt angegriffen, getödtet, und ſein ganzes Heer mit Verluſt von 800 Mann in ſchimpfliche Flucht gejagt. Aus der Vergleichung von 1. Maccab. 3, 10. und 2. Maccab. 5, 23. wagen wir die Vermuthung, daß in letzterer Stelle anſtatt des Namens Andronicus, Apollonius zu leſen ſein dürfte. §. 821. 1. Maccab. 3, 25— 37. 2. Maccab. 8, 8. Prideaux Connex. ann. 166. Die Nachricht von dieſen zwei kurz nacheinander errungenen voll⸗ ſtändigen Siegen beſtimmte Philippus, den Befehlshaber der ſyriſchen Burg in Jeruſalem, ſich an Ptolemäus Macron, den königlichen Statt⸗ halter von Cöloſyrien und Phönizien, mit der Bitte um ſchleunige Ab⸗ hülfe zu wenden. Inzwiſchen hatte die gleiche Nachricht auf dem nächſt unmittelbaren Wege auch bereits die Perſon des Königs Antiochus ſelber erreicht, welcher dadurch begreiflicher Weiſe in raſende Wuth verſetzt, zu ſeiner empfindlichen Demüthigung obendrein noch bei einer ſogleich vor⸗ genommenen Unterſuchung ſeiner Kriegscaſſa dieſelbe zufällig für den Augenblick in einem erbärmlichen Ebbezuſtand befindlich entdecken mußte. Dieſer ungewöhnliche Geldmangel ſoll außer der dieſem Könige eigen⸗ thümlichen maßloſen Verſchwendungsſucht hauptſächlich in einem doppelten Abfall, ſowohl der Armenier, als namentlich der über das königliche Religionsedict ebenfalls auf das äußerſte erbitterten Perſer ſeine Urſache gehabt haben, welche die ſeit Zoroaſter(Vergl.§. 657. Anmerkung) bei ihnen landesübliche magiſche Religion nicht fahren laſſen wollten. Antiochus ließ übrigens durch dieſes Zuſammentreffen widriger Umſtände ſich an der beabſichtigten Befriedigung ſeiner wüthenden Rachſucht gegen die ihre Religionsfreiheit vertheidigenden Juden nicht abhalten, deren völlige Vernichtung und gründliche Zerſtörung der Hauptſtadt Jeruſalem er als gemeſſenen Auftrag dem in ſeiner Abweſenheit die Vormundſchaft ſler A 00 fiht Mintzen INNN Mutn ff iht Numnor Hern zu n Abh 10 uche möng hen gac Wute l lulhbitt Jm Rälhe m ſſch fehahet Himf uh he⸗ et ſum n. Wikgalt oh We An über den jungen Antiochus(den nachmaligen König Antiochus V. Eupa⸗ tor) führen ſollenden Lyſias, einem nahen Verwandten des königlichen Hauſes, nebſt der Hälfte der ganzen ſyriſchen Armee und der Kriegs⸗ elephanten zurückließ, während er ſelbſt in ſchleuniger Eile zur Dämpfung der ausgebrochenen Empörungen noch in dem nämlichen Jahre 3934 an⸗ fangs in nördlicher und darnach ſüdöſtlicher Richtung ſich auf den Weg machte. b. 822. 1. Maccab. 3, 38— 57. 2. Maccab. 8, 9— 15. Gegen Ende noch des nämlichen Jahres 3934 oder bereits gegen Anfang des folgenden 3935 ſendete Lyſias und in ſeinem unmittelbaren Auftrage Ptolemäus Macron, der ſyriſche Statthalter von Cöloſyrien und Phönizien, unverweilt eine neue Armee von 40,000 Mann Fußvolk und 7000 Reitern unter dem Oberbefehle zweier erprobter Feldherren mit Namen Nicanor und Gorgias nach Judäa, welche in ſtolzem Vertrauen auf ihre vermeintliche kriegeriſche Ueberlegenheit ſo weit gingen, daß Nicanor eine beträchtliche Anzahl reicher Selavenhändler ſchon von vorne⸗ herein zu ſich in das Lager beſtellte, denen er in der Hoffnung, den Reſt von 2000 den Römern noch von der Niederlage bei Magneſia her(vergl. §. 781.) ſchuldigen Talenten bei dieſer Gelegenheit aufzubringen, das Verſprechen gab, ihnen nicht weniger als eine Kopfzahl von je 90 Juden um Ein Talent verkaufen zu wollen. Dieſem in der Ebene von Emmaus, dem nachmaligen Nicopolis lagernden Angriffszuge gegenüber verſammelte Judas Maccabäus ſein 7000(2) Mann zählendes, noch immer höchſt nothdürftig(vergl. 1. Maccab. 4, 6.) bewaffnetes Heer vorab in Maspha bei Jeruſalem, einem von Alters her durch ehrwürdige Erinnerungen ge⸗ heiligten Andachtsorte(vergl. die Anmerk. zu§. 732.) in der Abſicht, um ſich durch einen allgemeinen Buß⸗, Bet⸗ und Faſttag zu dem bevor⸗ ſtehenden verzweifelten Kampfe in außerordentlicher Weiſe vorzubereiten. Hierauf organiſirte Judas ſein Heer, wie es ſcheint, zum erſten Male nach der damals üblichen helleniſchen Kriegsmethode, und ließ ſogar, auch hierin noch das göttliche Geſetz(vergl.§. 126.) mit pünktlicher Gewiſſen⸗ haftigkeit beobachtend, bei dieſer Gelegenheit alle noch unvermählten Hochzeiter, alle Bebauer eines neuen Weinberges, ſowie endlich alle Furcht⸗ ſamen und Verzagten in Gottes Namen nach Hauſe gehen, von welcher Gelegenheit zum Theil aus unedlen Beweggründen nicht weniger als 4000 Gebrauch machten. So blieben ihm alſo nur noch 8000 übrig, mit denen er unverzüglich dem Feinde in der Richtung nach Emmaus entgegenrückte. Die Zahlenangabe von 7000 Mann, welche Judas Maccabäus an⸗ fänglich aufgebracht haben ſoll, befindet ſich in der lateiniſchen Verſion von 2. Maccab. 8, 16. Im griechiſchen Texte ſteht nur 6000. Der gegenwärtige Text des zweiten Buches der Maccabäer unterliegt in ſolchen ſtatiſtiſchen Angaben einer ziemlich großen Unſicherheit; ein Umſtand, welcher jedoch der Glaubwürdigkeit des leider uns in einem verhältniß⸗ mäßig mangelhaften Zuſtande aufbehaltenen Originals im Allgemeinen keinen Eintrag thun kann, indem ohnehin auf derartige Zahlen für die Sache ſelber ſo gut wie nichts ankommt. §. 823. 1. Maccab. 3, 58— cp. 4, 26. 2. Maccab. 8, 16— 36. Nachdem Judas Maccabäus ſeine Gefährten durch fromme Beredt⸗ ſamkeit zu tapferem Kampfe ermuthigt hatte, erfuhr er glücklicher Weiſe, daß Gorgias in der nämlichen Nacht mit 5000 Mann ausgewählten Fußtruppen nebſt 1000 Reitern ſich auf den Weg gemacht habe, um, angeführt von einigen abtrünnigen in der ſyriſchen Burg in Jeruſalem ſich ſeither aufgehalten habenden jüdiſchen Apoſtaten, auf einem Umwege ihn mit einem nächtlichen Ueberfalle zu überraſchen. Dieſe Nachricht benutzte Judas, um das ſomit bedeutend geſchwächte ſyriſche Hauptlager zu Emmaus in der nämlichen Nacht auf dem nächſten Wege unmittelbar anzugreifen. Während daher Gorgias zu ſeiner Ueberraſchung das jüdiſche Lager leer fand, und in dem Glauben, daß ſie ſich geflüchtet, noch tiefer in das Gebirge hineindrang, ſtand mit Anbruch des anderen Morgens das jüdiſche Heer bereits vor dem ſyriſchen Hauptlager, aus welchem der entgegenleuchtende Anblick der vortrefflich bewaffneten Reiter und Fußgänger im erſten Augenblicke die jüdiſchen Kämpfer, welche zum Theil nicht einmal einen Schild oder Schwert hatten, doch einigermaßen einſchüchterte. Inzwiſchen hatte Judas das Glück, durch eine feurige, von glaubensvoller Erinnerung an die in früheren gemachten Erfahrungen des wunderbaren göttlichen Schutzes durchlebte Anrede ihren Muth noch einmal im letzten Augenblicke wieder zu entflammen, in Folge deſſen ſie auf das durch einen Prieſter mit Namen Esdra angeſtoßene Trompeten⸗ ſignal unter einem erhobenen lauten Kriegsgeſchrei auf die aus dem Lager ihnen entgegenkommenden Syrer losſtürzten. Nicanor wurde geſchlagen, und ſein ganzes Heer löſte ſich, von den ſiegreichen Juden verfolgt, in eine allgemeine wilde Flucht auf, in welcher bereits gegen 3000 Syrer ihren Tod fanden. Nichts deſto weniger erlaubte Judas keinem, das be⸗ veits eroberte und zum Theil in Flammen geſetzte Lager zu plündern, bevor nicht auch der noch im Rücken ſtehende Gorgias ebenfalls über⸗ Uulben Uuuthes Hanmit Fult! ſtläge Shite feh be filigen Hehem; ſurt K Wünh malk, Immk Wittre er d Aumun jihung Wle j Rft, dens fe ruuf Aurhel U ün 06 UU Wche PW V 203 wunden ſein würde, welcher ſeinerſeits von einem Bergabhange des Lager⸗ brandes und des flüchtigen ſyriſchen Heeres anſichtig, im Angeſichte der heranrückenden jüdiſchen Kriegsſchaar ſein eigenes Heer ebenfalls von der Flucht nicht weiter zurückhalten konnte. Jetzt erſt, nachdem alles ge⸗ ſchlagen und zerſtreut war, wurde das Lager unterſucht und unermeßliche Schätze an Waffen, Gold, Silber und koſtbaren Handelsartikeln, letztere vielleicht den Sclavenhandelſpeculanten gehörig, von denen ein Theil eben⸗ falls in jüdiſche Gefangenſchaft gerieth, darinnen vorgefunden. Da der Sieg an einem Freitage ſtattgefunden, ſo hinderte der einbrechende Sab⸗ bath die Juden an weiterer Verfolgung ihrer Feinde, durch welchen zu⸗ fälligen Umſtand unter andern Nicanor Gelegenheit hatte, in Sclaven⸗ kleidern glücklich nach Antiochia perſönlich zu entkommen, woſelbſt er zu ſeiner Entſchuldigung von dem über die geſetzeseifrigen Juden ſichtbar waltenden wunderbaren Schutze der Vorſehung nicht wenig Aufhebens machte, während die ſiegreichen Juden den Sabbath mit lautem Lob und Dank gegen Gott zubrachten, und bei der Theilung der Beute auch der Wittwen, Waiſen und Greiſe nicht vergaßen. An dieſem Feldzuge ſcheinen unter den 2. Maccab. 8, 9. erwähnten 20,000 Fremdländern beſonders Ammoniter und andere jenſeits des Jordans wohnende Völker unter An⸗ führung von Timotheus und Bacchides ſich freiwillig betheiligt zu haben, welche für dieſe Verrätherei zu ſtrafen der Krieg gegen dieſelben fort⸗ geſetzt, und nebſt neuer reichlicher Beute ein gewiſſer, den Juden beſon⸗ ders feindlicher Philarches, ein Freund des Timotheus, getödtet, bei dem hierauf zu Jeruſalem gefeierten Siegesfeſte aber ein anderer, gottloſer Tempelſchänder mit Namen Calliſthenes, der die Thüren des Tempels verbrannt hatte, zur Strafe dafür in ſeinem Schlupfwinkel, den er ſich ſelber gewählt, ebenfalls durch angelegten Brand erſtickt wurde. §. 824. 1. Maccab. 4, 27— 35. Obwohl mit dieſem Siege, namentlich von wegen der bei dieſer Gelegenheit erbeuteten ſyriſchen Waffen, das jüdiſche Heer eine bereits anſehnliche Kriegsmacht geworden, ſo ließ der durch die Nachricht davon heftig beſtürzte Lyſias demſelben darum nicht lange Zeit, ſich des er⸗ rungenen Vortheils zu freuen, indem er im Laufe des Jahres 3935 mit einem Heere von 60,000 Mann zu Fuß und 5000 Reitern aufs Neue in eigener Perſon in Judäa einbrach und bei Bethoron ſein Lager ſchlug. Aber auch hier hatte Judas Maccabäus wiederum das Glück, mit ſeinen aufgebrachten 10,000 Begleitern nach einem verrichteten inbrünſtigen Ge⸗ bete zu Gott den Sieg davon zu tragen, und das ſyriſche Heer mit einem Verluſt von 5000 Mann in die Flucht zu treiben, ſo daß Lyſias ge⸗ nöthigt war, nach Antiochia zurückzukehren, von wo aus er erſt im nächſt darauffolgenden Jahre den Feldzug zu erneuern beabſichtigte. Nach dem griechiſchen Texte von 1. Maccab. 4, 29. iſt nicht Beth⸗ horon, ſondern Bethzur oder Bethſura als Lagerort des Lyſias angegeben, an welchem Orte 2. Maccab. 11, 5. ebenfalls ein zwiſchen Judas und Lyſias ſtattgefundenes, für erſteren ſiegreiches Treffen berichtet, welch' letzteres, im Falle von zwei verſchiedenen Feldzügen des Lyſias die Rede iſt, in dem erſten Buche der Maccabäer ganz mit Stillſchweigen über⸗ gangen wird. So ſehr nun dieſe Umſtände oberflächlich betrachtet für die Identität des beiderſeitigen Erzählungsgegenſtandes und für die richtige Lesart des griechiſchen Textes in 1. Maccab. 4, 29.(Bethzur) aber auch zu ſprechen ſcheinen, ſo ſind gleichwohl die in beiden Erzählungen an⸗ gegebenen Nebenumſtände überhaupt und vor allem die Schilderung des durch die beiderſeitig erzählte Niederlage auf Lyſias hervorgebrachten per⸗ ſönlichen Eindrucks zu verſchieden, als daß wir uns fuür die Wahr⸗ ſcheinlichkeit dieſer Annahme ausſprechen könnten. Es iſt auch pſycho⸗ logiſch betrachtet wahrſcheinlicher, daß Lyſias nicht bereits auf die erſte, ſondern erſt auf die empfangene zweite Niederlage ſich zur Abſchließung eines Friedens mit den Maccabäern geneigt zeigte. Iſt nun aber der Gegenſtand der beiderſeitigen Erzählung ein verſchiedener, ſo hat die Les⸗ art Bethhoron auch größere innere Wahrſcheinlichkeit für ſich, als Beth⸗ ſura, weil es natürlicher iſt, daß dieſe beiden ſonſt ſo ähnlichen Schlachten auf verſchiedenen Schlachtfeldern ausgekämpft wurden, während die Lesart Bethſura im griechiſchen Texte ſehr leicht aus dem zweiten in das erſte Buch der Maccabäer hinübergetragen worden ſein kann. Uebrigens wollen wir nichts entſcheiden, indem wir gerne zugeben, daß unter andern auch die chronologiſche Ordnung der im zweiten Buche der Maccabäer erzählten Begebenheiten, ſo viel als wir bei genauerer Vergleichung mit der Erzählung des erſten Buches uns überzeugen konnten, keine durchaus zuverläſſige iſt. CLXXIX. Der Hoheprieſter Menelaus.(Fortſetzung.) Jüdiſcher Unabhängigkeitskrieg. Der Heerführer Judas Maccabäus. (Fortſetzung.) Feſt der Tempelerneuerung. §. 825. 1. Maccab. 4, 36— 58. 2. Maccab. 10, 1— 5. Da durch den augenblicklichen gänzlichen Rückzug des ſyriſchen Reichs⸗ verweſers Lyſias Judäa eine Zeit lang Ruhe bekommen hatte, ſo machte Judas Maccabäus ſeinen Mitbürgern den zeitgemäßen Vorſchlag, den gegenwärtigen günſtigen Augenblick zur Reinigung der Stadt Jeruſalem ö fr fflhe th die! gun N fug Jüu en Ahan ueng ß fl Aahmn Mtte O Juhn Wr, das Wescumt Muher nigd. h Mul Ruchtt Vuhnn üch. 205 und zur Erneuerung des unterbrochenen Tempeldienſtes anzuwenden. Der in Folge dieſes Vorſchlags unverzüglich angetretene Zug nach Jeruſalem ließ die Stadt und insbeſondere den Tempel in dem Zuſtande einer ſo gräulichen Verwüſtung erkennen, daß die Anweſenden ſich beim erſten Anblicke des lauten Wehklagens nicht enthalten konnten. Während nun die Arbeit der Tempelreinigung und baulichen Wiederherſtellung unter der Aufſicht von Judas ausgewählter geſetzesbeſtändiger Prieſter unver⸗ droſſen vor ſich ging, beorderte derſelbe zugleich eine Abtheilung ſeines Heeres, welche beſtändig der ſyriſchen Burg gegenüber zur Abwehr jedes zu fürchtenden plötzlichen Ueberfalles auf der Wache ſtehen mußte. Die ganze Wiederherſtellungsarbeit mit Einſchluß der gänzlich neuen Anferti⸗ gung eines neuen Brandopferaltars(an deſſen Stelle der durch Götzen⸗ dienſt entweihte alte zertrümmert, die Steine davon jedoch an einem ge⸗ eigneten Orte einſtweilen aufbewahrt wurden), ferner die Herſtellung eines neuen goldenen Räucheraltars, Schaubrodtiſches und ſiebenarmigen Leuch⸗ ters nebſt allen übrigen auf den Tempeldienſt bezüglichen Geräthſchaften, nahm den Reſt des Jahres mit ſich fort, gegen deſſen Ende ungefähr Mitte Dezember an demſelben Tage, den 25. Casleu, an welchem drei Jahre zuvor die erwähnte Götzenſtatue im Tempel aufgeſtellt worden war, das Feſt der neuen Tempelweihe unter unausſprechlichem Jubel des verſammelten Volkes mit neuerdings eröffneter Darbringung des täglichen Morgen⸗ und Abendopfers feierlich begangen wurde. Da das von Nehe⸗ mias wieder aufgefundene heilige Feuer in der Zwiſchenzeit zum zweiten Male verloren gegangen war, ſo wurde der Docht des ſiebenarmigen Leuchters, in welchem das ewige Licht brannte, von welchem alle übrigen Lampen im Tempel angezündet wurden, mittelſt eines aus Feuerſtein friſch geſchlagenen Feuers in Flamme geſetzt. Mit dem in dieſem Paragraphen erzählten Ereigniſſe der Tempel⸗ reinigung findet die in den Offenbarungen des Erzengels Gabriel an den Propheten Daniel zweimal geweisſagte myſtiſch apokalyptiſche Periode von 3½ Jahren(bergl.§§. 591. und 627. mit den betreffenden An⸗ merkungen) ihre erſtmalige geſchichtliche Erfüllung, indem die auf Befehl des Königs Antiochus Epiphanes durch ſeinen Feldherrn Apollonius im Jahre 3932 durchgeſetzte förmliche Unterbrechung des täglichen Opfer⸗ dienſtes(vergl.§. 806.) bis zum gegenwärtigen 25. Casleu des Jahres 3935 gerade ungefähr 3½ Jahr gedauert haben muß. „Die 2. Maccab. 10, 3. erwähnte feierliche Anzündung der Lampen mit einem aus Feuerſtein friſch geſchlagenen Lichte iſt eine Ceremonie, welche wahrſcheinlich bereits durch die heiligen Apoſtel aus dem hebräiſchen Cultus in den altchriſtlichen Ritus der katholiſchen Kirche übergetragen, noch heutzutage alljährlich am heiligen Charſamstage wiederholt wird. 206 Dieſe zufällige Erwähnung hilft die Glaubwürdigkeit jener 86.730—732. fflen fi erzählten Auffindung des heiligen Feuers durch Nehemias inſofern be⸗ alflchr ſtätigen, als ſie mit unverkennbarer Abſichtlichkeit darauf mittelbar zu⸗ Wt rückweiſt. FWe §. 826. 1. Maccab. 4, 59— 61. 2. Maccab. 10, 6—8. Die unermeßliche geſchichtliche Wichtigkeit dieſes bereits längſt von 7 den Propheten voraus verkündigten Ereigniſſes, indem die im gegen⸗ Mulbut wärtigen Augenblicke neuerdings in Wirklichkeit geſetzt Tempelordnung von nun an nicht eher als bei der zweiten Zerſtörung Jeruſalems durch die Römer wieder unterbrochen wurde, verdiente es wohl, daß dieſes nicht durch eine unmittelbare Offenbarung Gottes angeordnete, ſondern durch einen freien Gemeindebeſchluß eingeführte religiöſe Feſt nicht allein ſo⸗ gleich acht Tage hintereinander gefeiert, ſondern auch die jährliche Be⸗ Jubsb obachtung desſelben mitſammt ſeiner Octave unter dem Namen: Feſt der U Dedication oder Weihe, Encänien, Feſt der Lichter oder auch zweils r d Laubhüttenfeſt für immer in der jüdiſchen Gemeinde zur geſetzlichen Vor⸗ lt ſchrift erhoben wurde. Um die nämliche Zeit wurden auch die Mauern dar der Stadt Jeruſalem und insbeſondere die Sionsburg wieder in den Aim vorigen feſten Stand geſetzt, und ſowohl in dieſe Hauptfeſtung als in das den Engpaß nach Idumäa beherrſchende neuangelegte Fort Bethſura i gl eine bleibende jüdiſche Beſatzung gelegt. 8.4 Mn n 006 Das Feſt der Tempelweihe, welches gerade in den Anfang des Win⸗ ters hineinfallend, natürlicher Weiſe nicht unter eigentlichen Laubhütten(lhſche konnte gefeiert werden, wurde wahrſcheinlich nur uneigentlich Laubhütten⸗ ihheg feſt genannt, weil es nämlich ſeiner feſtlichen Fröhlichkeit wegen mit dem 0 4 eigentlichen Laubhüttenfeſte die meiſte Aehnlichkeit hatte. ih kuuge, §. 827. tn tiß 1. Maccab. 5, 1—6. ſ nt Während ein ſolcher unendlich bedeutungsvoller Fortſchritt der jüdi⸗ Lunhn ſchen Nationalwohlfahrt den damaligen, wahrſcheinlich am Hofe des An⸗ Iu, Ur tiochus zu Antiochia befindlichen Hohenprieſter Menelaus völlig gleich⸗Utn gh giltig gelaſſen zu haben ſcheint, zeigt das Betragen der umliegenden; ig hi Nachbarvölker das erneuerte Beiſpiel(vergl.§. 716.) einer mit maßloſer; itket Wuth entbrennenden gehäſſigen Eiferſucht. Daher kam es, daß nament⸗ ſlf kin lich die mittlerweile allmälig weit in das ehemalige Stammgebiet Juda ir ſih vorgedrungenen Idumäer, aber ebenſo auch das jenſeits des Jordans lln. wohnende ammonitiſche Miſchvolk, ebenſo die Bewohner der Umgegend 9 von Ptolemais, Tyrus und Sidon auf die Nachricht davon über die unter 207 ihnen zufällig einzeln zerſtreut lebenden Juden um die Wette mit un⸗ erbittlicher Grauſamkeit herfielen, und aus eigenem Antriebe, ohne erſt dazu einer königlichen Aufforderung zu bedürfen, zu ihrer gänzlichen Ver⸗ tilgung ſich einmüthig gegenſeitig die Hand reichten. Dieſe bedauerlichen Vorgänge veranlaßten mit dem Beginne des Jahres 3936 von Seite Judas Maccabäus' eine zuſammenhängende Reihe ſiegreicher, in der Nachbarſchaft Judäas geführter Feldzüge, im Laufe derer er mit der Unterjochung der Edomiter beginnend, ſofort ſich in das oſtjordaniſche Land begab, woſelbſt er mit dem ſchon einmal beſiegten Timotheus(vergl. §. 823.) zum zweiten Male handgemein wurde. §. 828. 1. Maccab. 5, 7— 15. Es folgte nunmehr ein, wie es ſcheint, in der heiligen Schrift nicht näher beſchriebener kurzer Feldzug, in welchem Timotheus in mehreren Schlachten überwunden, zurückgedrängt und die feſte Stadt Jazer oder Jaeſer nebſt ihren umliegenden Ortſchaften eingenommen wurde, nach welchem einſtweiligen Erfolge Judas Maccabäus wieder nach Judäa zurückkehrte. Kaum hatte er jedoch den Jordan überſchritten, als die im Lande Galaad, alſo in der angrenzenden Nachbarſchaft des ammonitiſchen Gebietes wohnenden heidniſchen Völkerſchaften die unter ihnen wohnenden Juden neuerdings überfielen, und dadurch, daß ſie in der Gegend Tubin (wahrſcheinlich das ehemals ſogenannte Tob[Judio. 11, 3.]) gegen 1000 jüdiſche Männer hingeſchlachtet, die Weiber und Kinder derſelben aber nebſt ihrer ſonſtigen Habe gefangen abgeführt hatten, die Uebrigen zwangen, zu ihrer Sicherheit in einem Caſtell mit Namen Datheman eine einſtweilige Zufluchtsſtätte zu ſuchen. Von dort aus ließen ſie, weil ſie unter Anführung wahrſcheinlich des nämlichen bereits genannten Timotheus von einer überlegenen feindlichen Heeresmenge belagert wur⸗ den, durch einen noch zu rechter Zeit glücklich entkommenden brieflichen Boten Judas Maccabäus um ſchleunigen Entſatz bitten. Kaum war aber dieſer Brief noch zu Ende geleſen, als zu gleicher Zeit eine münd⸗ liche Botſchaft aus Galiläa bei Judas eintraf, welche ihn von dem auch auf dieſer Seite gleichzeitig ſtattgehabten zahlreichen feindlichen Einfalle der heidniſchen Einwohner von Ptolemais, Tyrus und Sidon zum erſten Male in Kenntniß ſetzte. In der Stelle 1. Macc. 5, 8. weichen der griechiſche und der latei⸗ niſche Text in der Ortsbenennung von einander ab, indem ſtatt des in 0000% der lateiniſchen Ueberſetzung befindlichen Gazer, in der Septuaginta Jazer geleſen wird. Letzteres iſt, aus geographiſchen Urſachen zu ſchließen, die richtige Lesart. Vergl. v. Raumer, Paläſtina. 3. Aufl. S. 229. Jaeſer, §. 829. 1. Maccab. 5, 16— 20. Durch dieſen doppelten dringenden Hilferuf von zwei verſchiedenen Seiten her zu gleicher Zeit in Anſpruch genommen, wurden die macca⸗ bäiſchen Brüder in einer unmittelbar zuſammenberufenen Rathsverſamm⸗ lung unter ſich eins, ſich für den Augenblick von einander zu trennen, indem Simon mit 3000 Mann unverzüglich ſich auf den Weg nach Galiläa zu begeben anheiſchig machte, um den dortigen feindlichen Ein⸗ bruch abzuwehren, während Judas und ſein jüngerer Bruder Jonathan nebſt 8000 Mann ſtehenden Fußes über den Jordan nach der Landſchaft Galaaditis wieder zurückzukehren ſich anſchickten. Das überzählige Heer blieb unter dem Oberbefehle zweier der maccabäiſchen Familie nicht an⸗ gehörigen Hauptleute mit Namen Joſephus und Azarias in Judäa zum Schutze des Landes zurück, welchen übrigens Judas ſtrenge verbot, ſich in der Zwiſchenzeit irgendwie mit anderweitigen benachbarten Feinden in eine muthwillige Fehde einzulaſſen. §. 830. 1. Maccab. 5, 21— 23. Der erſte von beiden Maccabäern, deſſen kriegeriſche Thätigkeit mit ſiegreichem Erfolge gelohnt wurde, ſcheint Simon geweſen zu ſein, welcher die in Galiläa angehäuften feindlichen Maſſen unter Erlegung von 3000 derſelben bis an die Thore der Stadt Ptolemais zurücktrieb, und nach angeordneter Plünderung der Gefallenen von ihren Waffen und ſonſtigen Habſeligkeiten, ſämmtlichen damals an der Grenze von Galiläa einzeln anſäſſigen Juden den ſtaatsklugen Rath ertheilte, ſich nebſt ihrer Familie und Habe vielmehr lieber mit ihm nach Judäa auf den Weg zu machen, woſelbſt er ihnen die zu ihrer neuen Anſiedelung erforderlichen Ländereien oder ſonſtigen Erwerbszweige zu verſchaffen ſich zum Voraus durch ſein gegebenes Wort Die ſeinem von den jüdiſchen Stamm⸗ genoſſen mit Freuden befolgten Rathe zu Grunde liegende Rückſicht ſcheint die doppelte geweſen zu ſein, daß ſie einestheils in größerer Nähe von während als Bürgſchaft verbindlich machte. Jeruſalem leichter gegen feindliche Ueberfälle zu ſchützen waren, ſie auf der anderen Seite die Kopfzahl der Nation weſentlich verſtärken halfen. U Ren Slt ihen Ne Kintt N ulk fi Gritgetke W Juhaß de flt Am Wte dul I Wahuung! fhake W0n W8 K K „ W5 ie Tut U b0 Alhi Iuſfft 209 §. 831. 1. Maccab. 5, 24— 29. Judas Maccabäus und ſein Bruder Jonathas waren inzwiſchen über den Jordan ſetzend drei Tagereiſen weit in der Wüſte vorgerückt, woſelbſt ihnen Nabuthäer, ein von Nebajoth, dem Sohne Ismael's(Genes. 25, 13.), ſeinen Namen tragendes, den Israeliten ſomit blutsverwandtes Nomaden⸗ volk friedlich begegneten, und ihnen nebſt gaſtlicher Aufnahme von der dringenden Lebensgefahr, in welcher eine Menge jüdiſcher Gefangener in den benachbarten galaaditiſchen Städten ſchwebte, nähere Auskunft gaben. Judas verlor deßwegen keinen Augenblick, die nächſtgelegene dieſer Städte mit Namen Boſor unverſehens aus der Wüſte zu überfallen, und dem Rechte verdienter Wiedervergeltung gemäß, nach erfolgter Einnahme und Tödtung ihrer ſämmtlichen männlichen Einwohnerſchaft zu plündern und in Brand zu ſtecken. Von hier aus verwendeten ſie die nächſt darauf⸗ folgende Nacht dazu, um unbemerkt das Caſtell Datheman erreichen zu können. In die Zeit dieſes Paragraphen ſcheint der Inhalt von 2. Maccab. 12, 10— 12., eine, wie es ſcheint, chronologiſch nicht an ihrer rechten Stelle befindliche Erzählung, hinein zu gehören, wie aus dem ſachlichen Zuſammentreffen der beiderſeits unmittelbar im Texte nachfolgenden Be⸗ gebenheiten wenigſtens als wahrſcheinlich hervorgeht. Demzufolge hätten dieſe Araber dem Zuge des Judas Maccabäus wahrſcheinlich aus Miß⸗ verſtändniß ſich anfänglich feindlich widerſetzt, und erſt nachdem ſie in einem Treffen beſiegt worden, dem jüdiſchen Heerführer ihre Gaſtfreund⸗ ſchaft angeboten. CLXXX. Der Hoheprieſter Menelaus.(Fortſetzung.) Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg. Der Heerführer Judas Maccabäus. (Fortſetzung.) §. 832. 1. Maccah. 5, 30— 35. Gerade zu rechter Zeit traf Judas mit ſeinem Heere noch an Ort und Stelle ein, indem ſie nämlich bei Anbruch des Tages gewahr wur⸗ den, daß das unermeßlich zahlreiche Heer der Belagerer unter einem den ganzen Luftkreis erſchütternden überlauten Kriegsgetümmel und Trompeten⸗ ſchall ſoeben in einem allgemeinen Sturme auf das wehrlos eingeſchloſſene Caſtell begriffen war. Deßwegen griff Judas, ſein eigenes Heer in drei Abtheilungen bringend, nach einer kurzen an dasſelbe gerichteten Ermah⸗ Krafft, heil. Geſchichte. II. 14 210 nung die Belagerer unverzüglich an, und ſchlug dieſelben, welchen bereits der Name Judas Maccabäus furchtbar war, in eine allgemeine unauf⸗ haltſame Flucht, auf welcher 8000 Mann unter ihnen das Leben ein⸗ büßten. Nachdem er auf dieſe Weiſe Datheman entſetzt hatte, begab ſich Judas in ſeitwärts liegender Richtung nach Maspha, der nächſtgelegenen unter jenen Städten, deren Einwohner die in der Gegend anſäſſigen Juden in Gefangenſchaft hielten, über welche er als Vergeltung ihrer Feindſeligkeit das nämliche Strafgericht der Zerſtörung wie über Boſor (vergl.§. 831. ergehen ließ. 1. Maccab. 5, 36. 2. Maccab. 12, 13— 16. Von der nunmehr folgenden Belagerung der Stadt Casbon, auch Casphin genannt, wird uns als einzelner Zug berichtet, ihre Mauern und Thürme ſeien ſo feſt geweſen, daß die Einwohner derſelben aus trotzigem Vertrauen auf die Stärke ihrer Feſtungswerke ſich nicht einmal der gehörigen Sorgfalt in ihrer Vertheidigung befleißigt, anſtatt deſſen vielmehr den belagernden Juden nur allerlei läſterliche Spottreden ent⸗ gegenzuſchleudern ſich beeifert hätten. Judas hingegen machte, nach vor⸗ ausgeſchickter Anrufung des nämlichen allmächtigen Gottes, welcher einſt die Mauern von Jericho geſtürzt habe, ſeinerſeits einen Sturm auf die⸗ ſelbe, und richtete nach erfolgter Einnahme der Stadt ein ſolches Blutbad unter den Feinden an, daß ein daranſtoßender, eine kleine Viertelſtunde im Umfange haltender Weiher von dem aus der Stadt ablaufenden Blute geröthet nicht mehr aus Waſſer, ſondern ganz aus Blut nur zu beſtehen ſchien. Auf Casbon folgte die Eroberung und Zerſtörung von Mageth, einem zweiten Boſor, und mehreren anderen in der Landſchaft Galaad gelegenen Städten, deren Namen uns nicht aufbehalten ſind. Ueber die durch die in jener Gegend vorherrſchende Baſaltformation der Gebirge erklärliche beſondere Stärke der damaligen feſten Städte vergleiche v. Raumer, Paläſtina. 3. Aufl. S. 68 u. flg. §. 834. 1. Maccab. 5, 37— 39. 2. Maccab. 12, 17— 21. Judas, welcher von hier aus zum Schutze ſeiner bedrängten Volks⸗ genoſſen einen weiteren Weg von angeblich 750 Stadien(das wären gegen 20 deutſche Meilen) in das Land Tubin(ek.§. 828.) zu machen hatte, ſcheint von ſeiner 8000 Mann ſtarken Heerestruppe(ok,§. 829.) um dieſe Zeit 2000 Mann abgelöſt und dieſelben dem Oberbefehle zweier vertrauter Feldoberſten mit Namen Doſitheus und Soſipater hauptſächlich in der Att Abſicht anvertraut zu haben, weil er ſich des in jene Gegend bereits von Datheman aus geflüchteten feindlichen Anführers Timotheus zu be⸗ mächtigen hoffte. Dieſer hatte ſich jedoch ſeinerſeits auch aus dieſer Gegend wieder weiter zurückgezogen, und nur an einem beſonders günſti⸗ gen feſten Platze eine Beſatzung von angeblich 10,000 Mann zurück⸗ gelaſſen, welche aber ſofort von Doſitheus und Soſipater überfallen, ſo⸗ gleich aufgehoben und ſämmtlich niedergemacht wurde. Statt deſſen erfuhr Judas, daß Timotheus von einer andern Seite her mit einem durch neue Anwerbung arabiſcher Söldlinge bis auf 120,000 Mann zu Fuß und 25,000 Mann zu Roß verſtärkten Heere im Anzuge begriffen ſei, welchen er nichts deſto weniger mit ſeinen bloß 6000 Mann Beglei⸗ tern furchtlos entgegen ging. Auch hatte Timotheus trotz ſeiner unerhörten Uebermacht nicht den Muth, die Weiber und Kinder nebſt dem übrigen Hausrathe ſeiner Soldaten nach damaligem Kriegsgebrauche in ſein auf dem jenſeitigen Ufer wahrſcheinlich des Baches Jarmuk der Stadt Raphon gegenüber geſchlagenes Lager mit aufzunehmen, welche er ſtatt deſſen vielmehr in einer durch ihre natürlich unzugänglichen Lage beinahe unangreifbare Feſtung mit Namen Carnaim oder Carnion zurückzulaſſen für gut fand. §. 835. 1. Maccab. 5, 40— 44. 2. Maccab. 12, 22— 26. Als Timotheus des heranrückenden jüdiſchen Heerhaufens anſichtig wurde, gab er, unbekannt auf welche Gewährſchaft hin, ſeinen verſam⸗ melten Kriegshauptleuten über den Ausgang des bevorſtehenden Treffens folgendes beſtimmte Wahrzeichen an, daß im Falle Judas nebſt ſeinen Begleitern den Muth hätte, die durch den zwiſchenfließenden Bach ge⸗ bildete ſteilabſchüſſige Thalſchlucht zu überſchreiten, er für dießmal wieder den Sieg davon tragen wogegen im Falle, daß er ſich damit begnügte, auf dem jenſeitigen Thalrande ein Lager zu ſchlagen, er unausbleiblich vielmehr ihnen in die Hände fallen würde. Ohne hievon begreiflicher Weiſe auch nur die mindeſte Ahnung zu haben, fügte es ſich, daß Judas am Ufer des Baches angelangt, die ſein Heer begleitenden Schreiber be⸗ auftragte, indem er ſelbſt unverzüglich die erſte ſeiner Truppenabtheilungen hinüberzuführen ſich anſchickte, am dieſſeitigen Ufer ſo lange ſtehen zu bleiben, bis auch der letzte Mann den Bach überſchritten hätte. Kaum ſtand ſomit die erſte jüdiſche Schlachtlinie den Feinden gegenüber, als ein ſich derſelben bemächtigender paniſcher Schrecken ſie plötzlich in eine ſolche Verwirrung brachte, daß ſie trotz ihrer unverhältnißmäßigen Ueber⸗ 14* 4 212 zahl die Waffen theils wegwerfend, theils ſogar gegeneinander ſelber kehrend, in wilder Flucht der Feſtung Carnaim zueilten, und von Judas heftig verfolgt nicht weniger als angeblich 30,000 Todte auf der Wahl⸗ ſtatt zurückließen. Die Feſtung Carnaim wurde von den mit den Flücht⸗ lingen wahrſcheinlich zu Einem Zuge vermiſchten Siegern ſogleich eben⸗ falls eingenommen, und ein darin befindlicher geräumiger Tempel ſammt allen denen, welche in demſelben ihre Zuflucht geſucht hatten, in Brand geſteckt, bei welcher Gelegenheit neuerdings 25,000 Mann angeblich ihr Leben einbüßten. Timotheus hatte den Weg ſeiner Flucht zwar nicht in der Richtung nach Carnaim eingeſchlagen, war aber dafür Doſitheus und Soſipater in die Hände gerathen, welche ihn ebenfalls zu tödten Miene machten, und nur durch die von ihm gemachte Angabe, es ſeien noch viele jüdiſche Gefangene in ſeiner Gewalt, welche nunmehr, woferne ſie ihm das Leben ſchenkten, ebenfalls wieder frei werden, welche aber im Falle ſeines Todes für immer um ihre Freiheit betrogen bleiben würden, ſich zu ſeiner Freilaſſung bewegen ließen. §. 836. 2. Maccab. 12, 27. 28. 1. Maccab. 5, 15— 51. Durch dieſe raſch aufeinander folgenden Siege unumſchränkter Meiſter in der Landſchaft Galaad geworden, befolgte Judas auch hier das gleiche Syſtem nationaler Politik, was ſein älterer Bruder Simon in Galiläa (ſ.§. 830.) ins Werk geſetzt hatte, daß er nämlich ſeine ſoeben theils durch Waffengewalt befreiten, theils wie es ſcheint, von Timotheus am Ende auch gutwillig freigelaſſenen jüdiſchen Stammgenoſſen in der ganzen Gegend überredete, zum Behufe einer zeitgemäßen Ueberſiedlung mit ihm nach Judäa zurückzukehren. Indem das auf dieſe Weiſe gemiſchte zahl⸗ reiche Heer wahrſcheinlich dem Laufe des Fluſſes Jarmuk folgte, begegnete dasſelbe einer ſtark befeſtigten Stadt mit Namen Ephron, welche das enge Thal dermaßen ausfüllte, daß kein anderer Weg als mitten durch die Stadt für dasſelbe übrig blieb. Da nun die aufrichtigſten beſten Verſprechungen, daß ſie weiter nich nicht die mindeſte Kränkung gegen die Einwohner derſelben erla wollten, nichts halfen, indem die Stadt ihnen einmal hartnäckig den Durchzug verweigerte, ſo blieb Judas nichts anders übrig, als unter nochmaliger Anrufung des allmächtigen göttlichen Beiſtandes au dieſe, wie geſagt, ſehr feſte Stadt einen Sturm zu unternehmen, welcher nach einer 2Iſtündigen Dauer endlich auch ihre Eroberung nebſt völliger Vertilgung ihrer männlichen Einwohner und Plünderung zur uben ts als bloß durchziehen, und ſich auch ch auf N Jidts itect Nenac (598 uchric Muchen fſch Gke mach Filitch Nen Nn Wäh iet fufch in ſchit Mrrcch A Wlit A c00 0 lbeſhet Shhe mült Mgß elchn Wuuneg ſiß u kgaſ fhut n 0. Folge hatte. Gahe 213 §. 837. 1. Maccab. 5, 55— 63. 2. Maccab. 12, 32. Die von den Heldenthaten der drei maccabäiſchen Brüder Simon, Judas und Jonathas ſich mittlerweile im Lande Juda vorläufig ver⸗ breitenden Nachrichten erregten indeſſen die ungeregelte Eiferſucht der zur Bewachung von Judäa zurückgelaſſenen Hauptleute Joſephus und Azarias (ſ.§. 829.), von welcher geſtachelt ſie der Verſuchung nachgaben, dem ausdrücklichen Verbote Judas Maccabäus zuwider ſich mit den heidniſchen Nachbarn in einen muthwilligen Angriffskrieg einzulaſſen, in welchem ſie ſich einen dem der Maccabäer ähnlichen Waffenruhm zu erringen hofften. Sie machten einen Angriffszug gegen Jamnia, eine Stadt, welche in der philiſtäiſchen Ebene gelegen zugleich mit der benachbarten Gegend unter dem Namen Idumäa der Statthalterſchaft des im§. 823. zuletzt er⸗ 6 wähnten Gorgias unterworfen war, wurden aber von demſelben mit dem empfindlichen Verluſt von gegen 2000 Mann in der Richtung nach Judäa in ſchimpfliche Flucht gejagt,— eine Thatſache, welche das Anſehen der Maccabäer beim Volke beträchtlich zu erhöhen beitrug. CLXXXI. Der Hoheprieſter Menelaus.(zFortſetzung.) Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg. Der Heerführer Judas Maccabäus. (Fortſetzung.) §. 838. 1. Maccab. 5, 52— 54. 64. Der von Judas Maccabäus angeführte Heereszug der aus der Land⸗ ſchaft Galaad rückwandernden Stammgenoſſen hatte inzwiſchen den Jordan⸗ fluß kurz unterhalb ſeines Ausfluſſes aus dem See Geneſareth bereits überſchritten und in der von dort nicht weit mehr entfernten Stadt , Scythopolis, dem alten Bethſean, deren Einwohner zum Unterſchiede von attl, den übrigen heidniſchen Pflanzſtädten ſich auch in den Zeiten der Be⸗ 7%, drängniß ſtets freundſchaftlich gegen die in ihrer Mitte wohnenden Juden zun, benommen hatten, eine freundliche Aufnahme gefunden. Von dort aus „,glich der übrige Reſt des angeblich noch 600 Stadien(etwa 15 Meilen) betragenden Weges nach Jeruſalem einem wahren Triumphzuge, woſelbſt ſie bereits gegen Ende Mai des gleichen Jahres 3936 gerade auf das (ſogenannte Wochenfeſt(vergl.§. 65. 3.) und zwar mit um ſo größerer „Dreude unter allgemeiner Bewillkommnung des ganzen Volkes eintrafen, 214 als ſie nicht einen einzigen Mann auf dem ganzen Zuge verloren hatten. Es wurden dieſerwegen bei der gleichen Gelegenheit reichliche Dankopfer im Tempel dargebracht. Die im 6. 830. und im gegenwärtigen Paragraphen erzählte glück⸗ liche Rückkehr hebräiſcher Gefangener aus den Nachbarländern war als ein in dieſer 89 zu erwartendes beſonderes 99 ſeiner Zeit von dem Propheten Zacharias(vergl.§. 648.) ausdrücklich geweisſagt worden. 6. 839. 2. Maccab. 12, 32— 37 Die empfangene Nachricht von der einige Zeit zuvor durch Gorgias erlittenen Schlappe ſcheint Judas ſogleich nach dem Wochenfeſte zu einem neuen Kriegszuge gegen die Stadt Jamnia beſtimmt zu haben, bei deren Ueberfall einige jüdiſche Krieger mehr aus unwiſſendem Leichtſinn, wie es ſcheint, als aus directer böswilliger Abſicht ſich dadurch gegen das Geſetz Moyſes(vergl.§. 106. 1.) verſündigten, daß ſie koſtbare den Götzen zum Geſchenke dargebrachte Weihgegenſtände heimlich als Kriegs⸗ beute ſich aneigneten. Dieſer Verſchuldung wurde es ſpäter zugeſchrieben, daß bei einem bald darauf zwiſchen Gorgias, der angeblich nicht mehr als 3000 Soldaten zu Fuß und 400 Reiter mit ſich führte, und Judas ſich entſpinnenden Gefechte die Juden in entſchiedenen Nachtheil kamen. Judas, welcher ſich das widrige Schickſal des eingegangenen Treffens nicht zu erklären wußte, glaubte nichts Beſſeres thun, als durch lautes Hilferufen zu Gott und Anſtimmung hebräiſcher Hymnen den Muth der Seinigen möglichſt zum Kampfe wieder entflammen zu können, in Folge deſſen ein erneuerter Angriff endlich den Feind zum Weichen brachte. Den Schluß des Treffens bildete jedoch wiederum ein eigenthümlicher, wenn auch nicht gerade als erheblicher Schaden, doch wenigſtens als eine bitter getäuſchte Hoffnung in Anſchlag zu bringender Zufall. Ein Miter aus Judas“ Heer mit Namen T zeichnete ſich nämlich bei dürfer Gelegenheit dadurch namhaft aus, daß er Gorgias perſönlich nachſetzend nicht abließ, als bis er bereits 1990 und daran war, ihn, wie er hoffte, ebenſo wie vor kurzem erſt Timotheus lebendig gefangen zu nehmen. Da mußte gerade im letzten Augenblicke erſt ein feindlicher thraziſcher Reiter dem bedrängten Feldherrn zu Hilfe kommen, welcher Doſitheus mit Einem Schwertſtreich den Arm abhieb, wodurch Gorgias weiter ungehindert in der Richtung nach Mareſa zu entkommen Gelegenheit fand. 156. Acg. Uintte lunle en K 215 §. 840. 2. Maccab. 12, 38— 46. Das erzählte Gefecht hatte nach unſerer Wocheneintheilung berechnet zufällig an einem Freitage Nachmittag ſtattgefunden, ein Zeitumſtand, durch welchen Judas ſich genöthigt ſah, nach Beendigung des Kampfes bei annäherndem Sonnenuntergange ſein Heer nach der in der Nähe ge— legenen Stadt Odollam zurückzuziehen, um dortſelbſt den darauffolgenden Sabbath dem Geſetze gemäß in Ruhe unter Beobachtung der üblichen Reinigungsvorſchriften zubringen zu können. Die Tags darauf vor⸗ genommene Beerdigung der auf der Wahlſtatt gebliebenen Leichen führte ſonach erſt jetzt zur Entdeckung der von den Gefallenen begangenen Ge⸗ ſetzesübertretung, welche ſofort als die zweifelloſe Urſache des ſtattgehabten augenſcheinlichen Mißgeſchickes betrachtet wurde. Obwohl nun im Ganzen eine unverhohlene Freude darüber herrſchte, daß durch ſchleunige Be⸗ ſtrafung der Schuldigen Gott die rechtzeitige Entdeckung des verhängniß⸗ vollen Geheimniſſes ſelber herbeigeführt hatte, wurden die Todten ſelber nichts deſto weniger keineswegs lieblos gerichtet. Vielmehr bewog die Theilnahme an ihrem unglücklichen Looſe die Ueberlebenden, den Extrag einer unverzüglich untereinander veranſtalteten mildthätigen Sammlung von 12,000 Drachmen(eine Summe von gegen 4800 fl.) auf Judas' gemachten Vorſchlag nach Jeruſalem zu ſenden, um unter Darbringung von Sündopfern das zukünftige Schickſal der Gefallenen in Bezug auf ihre dereinſtige Aufnahme im Reiche der Auferſtehung durch eingelegte prieſterliche Fürbitte der Barmherzigkeit Gottes dringend anempfehlen zu laſſen. Die nach der Erzählung des Paragraphen von Judas Maccabäus an⸗ geordnete Darbringung von vorſchriftsmäßigen Opfern und Fürbitten zu Gunſten der in einem gerechten Kampfe verſtorbenen Volksgenoſſen iſt ein Beweis, daß der katholiſche Glaube an die Nützlichkeit ſolcher ge⸗ troffenen Anordnungen bereits in der israelitiſchen Glaubensüberzeugung in der Zeit des Alten Teſtaments als eine unzweifelhafte Wahrheit feſt⸗ ſtand. Ein um ſo größeres Recht haben wir, die von der katholiſchen Kirche behauptete Wirkſamkeit des heiligen Meßopfers für verſtorbene Gläubige als einen altapoſtoliſchen Glaubensartikel anzuſehen, welcher, wofern er mit der Lehre Chriſti nicht übereinſtimmte, von den heil. Apoſteln keineswegs aus der jüdiſchen in die Tradition der chriſtlichen Lehre mit hätte können aufgenommen werden. Das einzige abzuwehrende Mißver⸗ ſtändniß beſteht darin, als ob nach der Meinung dieſer Lehre durch Opfer und Fürbitten eine förmliche Vergebung der Sünden bei Gott könnte herbeigeführt werden; es handelt ſich vielmehr nur von einer thunlichen Abkürzung oder Verminderung der durch die begangenen Sün⸗ den verwirkten, auch nach ihrer bereits vorausgeſetzten eigentlichen Ver⸗ 216 gebung nachträglich noch zu erſtehenden zeitlichen Strafen,— eine Vor⸗ ausſetzung, welche mit unabweisbarem Nachdrucke auf einen nach dieſem Leben zu gewärtigenden Aufenthalt im Reinigungsorte hinweiſt. Das Wort„peccala“ 2. Maccab. 12, 46. iſt ſomit, wie auch in ähnlichen anderen Stellen A. T., z. B. Tob. 12, 9. Dan. 4, 24. nicht mit Sün⸗ den, ſondern Sündenſtrafen zu überſetzen. CLXXXII. Der Hoheprieſter Menelaus.(Fortſetzung.) Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg. Der Heerführer Judas Maccabäus. Fortſetzung.) Antiochus Epiphanes“ Lebensende. §. 841. 1. Maccab. 5, 65. cp. 6, 1— 7. 2. Maccab. 9, 1— 4. Während Judas Maccabäus im Laufe des nämlichen Sommers ſeinen begonnenen Feldzug gegen Gorgias, den Statthalter der Provinz Idumäa, in weiterer Ausdehnung fortſetzte, befand ſich Antiochus Epi⸗ phanes, der ſyriſche König, in deſſen ausdrücklichem Auftrage oder wenig⸗ ſtens im Vertrauen auf deſſen unbezweifelte Gutheißung ſämmtliche bisherige Angriffe benachbarter heidniſcher Völker auf die in ihrer Mitte lebenden Juden waren gerichtet worden, um dieſe Zeit gerade in Perſien, woſelbſt er nach einem in Armenien glücklich beendigten Feldzuge ſich mit dem Plane beſchäftigte, wahrſcheinlich den nämlichen Tempel der Nanäa in Elymais, bei deſſen verſuchter Plünderung ſein Vater Antiochus der Große ſein Leben eingebüßt hatte(vergl.§. 782.), ebenfalls und zwar dießmal nicht mit Liſt, ſondern unter Anwendung offenbarer Gewalt ſeiner Schätze berauben zu wollen. Was man kaum für möglich halten ſollte, gelang den Einwohnern der Stadt, welche eiferſüchtig auf die Ehre und den Reichthum ihres Tempels in einem ausgebrochenen Volksaufſtande Antiochus ſammt ſeinem ganzen Heere mit ſolchem Nachdrucke aus der Stadt hinauswarfen, daß dem durch die dabei erlittenen beträchtlichen Verluſte von einem wiederholten Verſuche abgeſchreckten Könige nichts anders übrig blieb, als in trauriger Stimmung mit dem Reſte ſeines Heeres den Rückweg nach Babylon einzuſchlagen. In dieſer nieder⸗ geſchlagenen Gemüthsverfaſſung erreichten ihn nun vollends die gerade jetzt ihm zukommenden erſten Nachrichten von einem Theile der unglaub⸗ lichen Fortſchritte, welche in der Zwiſchenzeit die jüdiſche Empörung ge⸗ macht, und von der wehrhaften Wiederherſtellung der Stadt Jeruſalem Käng! l00 uff ſf cue W0 U6 s g falkz, Narge uß d ö n g Amlit fiſe u der Auhgt 217 und der Erneuerung des regelmäßigen israelitiſchen Gottesdienſtes, welche in dem ſeither gereinigten und wieder brauchbar gemachten Tempel zu Jeruſalem ſtattgefunden hatte. Dieſe ſämmtlichen ſeiner Erwartung ſo durchaus widerſprechenden Thatſachen verſetzten den ohnehin bereits ge⸗ reizten Charakter des Königs in einen ſolchen maßloſen Zorn, daß er von der unſittlichen Leidenſchaft beſeelt, ſich zum zweiten Male von wegen ſeines auswärts erlittenen Mißgeſchickes an ſeinen eigenen jüdiſchen Unter⸗ thanen rächen zu wollen(vergl.§. 802.), ſeinem Wagenführer den Be⸗ fehl gab, ohne Aufenthalt im ſtärkſt möglichſten Trabe die Reiſe zu be⸗ ſchleunigen, um zu ſeinem Vergnügen je eher je lieber aus der Stadt Jeruſalem für die ganze jüdiſche Volksraſſe einen Grabhügel machen zu können. §. 842. 2. Maccab. 6, 8— 9. 2. Maccab. 9, 5— 12. Kaum war dieß Wort dem Munde des Königs entſchlüpft, als er ſich von einem unerklärlich heftigen Leibſchmerz befallen fühlte, welcher ihn ſchonungslos verfolgend deſſenungeachtet ſeine einmal gegen das Volk der Juden bei ihm eingetretene leidenſchaftliche Erbitterung ſo wenig be⸗ ſänftigte, daß er, anſtatt die anbefohlene Beſchleunigung der Reiſe zu leichterer Ertragung ſeiner Schmerzen ermäßigen zu laſſen, vielmehr die⸗ ſelbe noch zu erhöhen den Befehl ertheilte. Erſt ein äußerer Zufall trat ſeiner Abſicht hinderlich in den Weg, indem ein allenfalls auf der Straße liegender Stein das darauf zufällig hinprallende Wagenrad ſammt dem Wagen mit ſolcher Federkraft emporſchnellte, daß der im Wagen ſitzende König mit Gewalt hinausgeworfen, vor Schmerz und Ohnmacht regungs⸗ los auf den Erdboden ſtürzte. Indem er ſich nunmehr vom Platze aus auf einer Sänfte weiter tragen ließ, brachen Geſchwüre, in welchen ſich noch dazu lebendige Würmer erzeugten, an den Weichtheilen ſeines Kör⸗ pers auf, und zwar unter Verbreitung eines ſolchen unerträglichen Ge⸗ ſtankes, daß nicht allein die dienſtthuenden Laſtträger, ſondern auch das ganze nachziehende Kriegsheer, ſowie am Ende der König ſelbſt ſich da⸗ durch auf die unerhörteſte Weiſe beläſtigt fühlte. Jetzt erſt kam er auch zur Erkenntniß ſeines frevelhaften Uebermuthes, deſſen er ſich von Anfang ſeiner Regierungszeit an in Beziehung auf die Gott von allen Menſchen ohne Unterſchied, alſo auch von Seite der Könige zu leiſtende Pflicht demüthiger Unterwürfigkeit ſchuldig gemacht hatte. Von da an ſcheint er ſeine weitere Reiſe auch vorläufig eingeſtellt und ſich in Tabä, einer Stadt an der Grenze von Babylonien, mit ernſtlichen Gedanken an ſein ihm drohendes baldiges Lebensende zu Bette gelegt zu haben. §. 843. 1. Maccab, 6, 10— 15. 2. Maccab. 9, 13— 27. Dieſe ebenſo furchtbare als ſchleunige Aenderung ſeiner Glücks⸗ umſtände ſchrieb der der Hoffnung auf ſeine Wiedergeneſung zuſehends beraubte König am Ende ſelber als eine ausdrückliche Strafe jener rück⸗ ſichtsloſen Bosheit zu, mit welcher er den Tempel zu Jeruſalem beraubt und die Einwohner von Judäa mißhandelt habe. Deßwegen ſuchte er auch in der letzten Hoffnung, dadurch allenfalls ſich ſeine körperliche Wiedergeneſung erkaufen zu können, den begangenen Schaden in der Weiſe wieder gut zu machen, daß er ernſtlich davon ſprach, Jeruſalem zu einer Freiſtadt erheben, den gebornen Juden die anſehnlichſten politi⸗ ſchen Vorrechte ertheilen, den ausgeraubten Tempel zu Jeruſalem neuer⸗ dings prächtig ausſtatten, die von ſeinem Vater Antiochus dem Großen (vergl.§. 779.) ehemals verſprochene Beiſteuer zur Unterhaltung des ge⸗ ſetzlichen Opferdienſtes nachträglich wieder entrichten, ja ſogar in eigener Perſon die jüdiſche Religion annehmen und die Allmacht des den Juden ſich offenbarenden Gottes allerorts in der ganzen Welt laut und öffent⸗ lich verkündigen zu wollen. Als er nun aber endlich ſich überzeugte, daß alle dieſe frommen Gelübde den erwünſchten Erfolg nicht hatten, ſo ließ er einen ſeiner vertrauten Freunde mit Namen Philippus vor ſich rufen, den er unter Ueberreichung der Abzeichen königlicher Gewalt mit der ſtellvertretenden Regierung im Namen ſeines zu Antiochia hinter⸗ laſſenen unmündigen Sohnes Antiochus V. Eupator beauftragte. Gleich⸗ zeitig ſcheint er demſelben einen in ſeinem Namen geſchriebenen, an die zu Jeruſalem wohnenden Juden gerichteten Brief eingehändigt zu haben, in welchem er dieſe letzteren auf die ehrenvollſte Weiſe begrüßend, zugleich dringend erſuchte, im Falle ſeines Ablebens ſeinem Sohne Antiochus Eupator, den er in dem gleichen Briefe mittelbar zu ſchonender Behand⸗ lung der Juden aufforderte, die gleiche Unterthanentreue wie ihm ſelber beweiſen zu wollen. §. 844. 1. Maccab. 5, 65. op. 6, 16. 2. Maccab. 9, 28. cp. 10, 9. 12— 19. Um die nämliche Zeit mit Antiochus Epiphanes, welcher kurz dar⸗ auf ſeinen Geiſt aufgab, ſtarb auch Ptolemäus Macro, der ſyriſche Statthalter von Cöloſyrien(vergl.§. 821.), indem er nämlich aus Ver⸗ druß und Furcht vor der Rache des jungen Antiochus Eupator, bei dem er wegen einer in neueſter Zeit angenommenen billigeren Verhaltungs⸗ weiſe gegen die Juden als Verräther ſeines Königs angeſchwärzt, und 219 ihm dieſes Benehmen als eine conſequente Fortſetzung ſeiner ſchon einmal gegen den egyptiſchen König Ptolemäus Philometor begangenen Ver⸗ rätherei ausgelegt wurde(vergl. Anmerk. zu§. 797.), ſich ſelber vergiftete. Deſto unverſöhnlicher beharrte inzwiſchen Gorgias, der Statthalter von Idumäa, bei ſeiner einmal ihm zum Grundſatze gewordenen Feindſeligkeit, in deren Ausübung er auch theils ſogar durch abtrünnige aus Jeruſalem verjagte Juden, theils durch das mittlerweile in das ehemalige Gebiet des Stammes Juda weit vorgedrungene Volk der Edomiter auf das lebhafteſte unterſtützt wurde. Dieſe letzteren benützten beſonders mehrere günſtig gelegenen feſten Plätze, um von dort aus in das benachbarte Judäa verheerende Einfälle zu machen. Deßwegen vereinigte Judas Maccabäus ſeine Streitkräfte, um unter Anrufung des göttlichen Bei⸗ ſtandes dieſe Plätze einen nach dem andern durch Sturm wegzunehmen, bei welcher Gelegenheit bereits nicht weniger als 20,000 Idumäer um das Leben kamen. Zuletzt blieben noch zwei ſtarke Feſtungen übrig, deren Belagerung er, von anderer Seite neuerdings in Anſpruch genommen, in der Eile ſeinem Bruder Simon und zwei Hauptleuten mit Namen Joſephus und Zacharias überließ, unter welchen beſagten beiden feſten Plätzen die ehemalige Stadt Hebron im Stamme Juda ſich befunden zu haben ſcheint. Ueber den in einer pſychologiſch allerdings höchſt eigenthümlichen Weiſe entarteten Charakter des Königs Antiochus Epiphanes, welcher ſeiner grenzenloſen Unſittlichkeit halber auch bei den Profanſchriftſtellern in geringer Achtung ſteht, brauchen wir bei Gelegenheit ſeines unglück⸗ lichen Lebensendes nicht viel Worte zu verlieren. Sein Hauptſtreben beſtand darin, die Scheu vor dem Heiligen ſo rückſichtslos als möglich mit Füßen zu treten,— ein Fehler, zu welchem ihm das ärgerliche Bei⸗ ſpiel des jüdiſchen Hohenprieſters Jaſon freilich die nächſte verführeriſche Veranlaſſung gegeben zu haben ſcheint. Wenn nun die auf ſeinem Sterbebette gegebenen Zeichen von Reue auch allerdings ein gewiſſes unwillkührliches Mitleiden mit ihm rege machen, ſo iſt jedoch hiebei nicht zu vergeſſen, daß es ihm, da er den Juden ohnehin einmal nichts mehr anhaben konnte, ſchon aus bloßem Familieneigennutze daran gelegen ſein mußte, dieſelben wenigſtens ſeinem unmündigen Sohne Antiochus Eupator namentlich in ſeiner vorauszuſehenden Colliſion mit Demetrius Soter als getreue Unterthanen zu erhalten, weßwegen die im letzten Briefe enthaltenen Freundſchaftsverſicherungen des ſterbenden Königs in der That ſo hoch nicht anzuſchlagen ſein dürften. §. 845. 1. Maccab. 5, 66. 2. Maccab. 10, 24— 37. cp. 12, 2. Derjenige Feind, welcher, wie es ſcheint, die nächſte Thätigkeit des jüdiſchen Heerführers in Anſpruch nahm, war Timotheus, welcher neuer⸗ 220 dings ein anſehnliches Heer fremder Miethtruppen zugleich mit einer zahlreichen aſiatiſchen Reiterei zuſammengebracht hatte, und wie man fürchtete, damit einen unmittelbaren Angriff auf Judäa ſelber beabſichtigte. Judas bereitete ſich auf dieſen neuen Krieg durch einen in Jeruſalem angeordneten Buß⸗ und Faſttag vor. Hierauf rückte er mit ſeinem Heere dem Timotheus neuerdings über den Jordan entgegen, und ſchlug erſt im Angeſichte des Feindes, wahrſcheinlich am Abende des Tages, ſein Lager auf. Als nun mit Anbruch des anderen Morgens die Schlacht ihren Anfang nahm, erſchienen in der Hitze des Kampfes fünf vom Himmel geſendete in goldenen Harniſchen gepanzerte Reiter dem Judas zu Hilfe, von welchen zwei denſelben zum beſonderen Schutze in die Mitte nahmen, übrigens gleich den anderen dreien am Kampfe ſelber auf die wirkſamſte Weiſe mit Antheil nahmen. 20,500 Mann feindliches Fuß⸗ volk und 600 Reiter lagen nach errungenem Siege erſchlagen auf der Wahlſtatt. Timotheus flüchtete ſich in einen benachbarten feſten Platz mit Namen(wahrſcheinlich?) Gadara. Eine von Judas Maccabäus unmittelbar darauf vorgenommene viertägige Belagerung der Stadt hatte vorläufig keinen anderen Erfolg, als daß die Belagerten in keckem Ver⸗ trauen auf die Feſtigkeit ihrer Mauern unerträgliche Schimpf⸗ und Läſterreden gegen die Belagerer zu ſchleudern ſich wetteifernd erſchöpften. Durch dieſen Hohn erbittert hatten am fünften Tage aber 20 Kriegs⸗ männer aus Maccabäus' Heer das Glück, die Mauern endlich wirklich zu erſteigen, denen dann die übrigen nachfolgend durch Brandlegung der Feſtungsthürme die Eroberung der Stadt vervollſtändigten, und zwei Tage lang dieſelbe zu verwüſten nicht müde wurden. Timotheus fanden ſie in einem Kellerloche verſteckt, welchen ſie nebſt ſeinem Bruder Chäreas und einem gewiſſen Apollophanes, wahrſcheinlich die nämliche Perſon mit Apollonius, dem Sohne des Gennäus, ſammt allen übrigen Einwohnern der Stadt bei dieſer Gelegenheit zu Tode brachten. Daß der im Paragraphen erwähnte feſte Platz, in welchem Timotheus getödtet wurde, nicht Gazara, wie er 2. Maccab. 10, 32. angegeben ſteht, ſondern Gadara geweſen ſei, ſchließen wir aus den Gründen, welche uns beſtimmen, dieſe ganze Begebenheit als jenſeits des Jordans vor⸗ gefallen zu betrachten. Dazu beſtimmt uns nämlich erſtlich der Ausdruck 1. Maccab. 5, 66.„et movit castra, ut iret in Lerram alienigemurum“ verbunden mit dem Umſtande, daß diejenige Seite, von welcher aus Timotheus einen Einfall in das jüdiſche Land beabſichtigte(advenit, quasi armis Judaeam capturus, 2. Maccab. 10, 24.), der natürlichen geographiſchen Wahrſcheinlichkeit nach keine andere, als das oſtjordaniſche Land geweſen ſein kann. In dem oſtjordaniſchen Lande iſt aber kein b6 Hher ucht 0 Ache Ektthn un Ulden, 22¹1 Gazara, wohl aber ein Gadara als feſter Platz bekannt, ein Name, der gelegentlich auch im Neuen Teſtamente vorkommt.— Die ſcheinbare Zu⸗ ſammenhangsloſigkeit und der Mangel an einer deutlichen chronologiſchen Ordnung in den Erzählungen des zweiten Buches der Maccabäer er⸗ ſchwert es dem Bearbeiter ausnehmend, den fortlaufenden Faden der Geſchichte hier feſtzuhalten, deſſen richtig gegebene Fortſpinnung wir deß⸗ halb ſelber nicht verbürgen können. Die Urſache dieſes Uebelſtandes ſcheint die aus der fortlaufenden peinlichen Gefahr, in welcher das all⸗ gemeine Beſte ſchwebte, ſowie aus dem unaufhörlichen Wechſel der kriege⸗ riſchen Tagesereigniſſe hervorgehende allgemeine Unruhe der Gemüther geweſen zu ſein, welche auch denjenigen, die zu einer ſchriftſtelleriſchen Aufzeichnung derſelben Gabe und Luſt gehabt hätten, keine Zeit und Muße dazu übrig ließ. §. 846. 1. Maccab. 5, 65— 67. 2. Maccab. 10, 20— 23. 38. Von dieſer zweiten Expedition gegen Timotheus unter fröhlicher Lob⸗ preiſung Gottes glücklich über den Jordan wieder zurückgekehrt, hatte Judas Maccabäus einige Zeit in der Landſchaft Samaria zu thun, aus welcher Zeit ein dazwiſchen ſich ereignender kleiner Unfall erwähnt wird, daß nämlich einige auf ihre eigene Fauſt ſich in irgend ein gelegentliches Gefecht einlaſſenden Kämpfer von prieſterlicher Abſtammung ihre Toll⸗ kühnheit mit ihrem Leben büßen mußten. Von dort aus ſcheint Judas die erſte Nachricht empfangen zu haben, daß aus einer der beiden fortwäh⸗ rend belagerten letzten edomitiſchen Feſtungen mittlerweile einige den Juden beſonders gefährliche Feinde mittelſt Beſtechung einiger Kriegsleute aus Simon's Heer, welche von ihnen eine Summe von angeblich 70,000 Doppeldrachmen(etwa 28,000 fl.) angenommen hatten, noch dazu wahr⸗ ſcheinlich unter Verluſt an Menſchenleben auf jüdiſcher Seite entkommen waren. Dieſer Umſtand bewog ihn zu ſchleunigſter Rückkehr an Ort und Stelle der Belagerung, woſelbſt er alsbald einen Kriegsrath zuſam⸗ menberufend, die Begeher des betreffenden Frevels öffentlich belangte und durch richterlichen Spruch nachſichtslos auch als Verräther zum verdienten Tode verurtheilte. Die bei dieſer Gelegenheit wieder vereinigte jüdiſche Streitmacht brachte hierauf auch die beiden noch übrigen idumäiſchen Feſtungen alsbald zum Falle, wobei neuerdings 20,000 Feinde erlegt wurden. CLXXXIII. Der Hoheprieſter Menelaus.(Fortſetzung.) Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg. Ver Heerführer Zudas Maccabäus. (Fortſetzung.) §. 847. 2. Maccab. 11, 1— 12. Kaum war Judas Maccabäus mit den Edomitern fertig geworden, ſo ſtand Lyſias, der von Antiochus Epiphanes noch bei Lebzeiten zurück⸗ gelaſſene ſyriſche Statthalter, welcher aber in dieſer Abſicht noch vor Empfang der Nachricht von Antiochus' ſtattgehabtem Lebensende auf⸗ gebrochen zu ſein ſcheint, im Anfange des darauffolgenden Jahres 3937 mit einem Heere von 80,000 Mann Fußvolk und ſeiner ganzen ihm zu Gebote ſtehenden Reiterei nebſt 80 Elephanten neuerdings im Feld, wel⸗ cher dießmal die Beſiegung der Juden und Eroberung der neubefeſtigten Stadt Jeruſalem mit ſolcher Sicherheit erwartete, daß er zum voraus bereits ſich auf eine reiche Einnahmsquelle zuverſichtliche Rechnung machte, die er ſich durch wiederholte Vergebung des hohenprieſterlichen Amtes an dem neueingeweihten Tempel an den Meiſtbietenden zu eröffnen hoffte. Indem er in dieſer Abſicht von Idumäa aus in das jüdiſche Land ein⸗ zudringen trachtete, war es vor allem die in einer Entfernung von etwa 6 Wegſtunden von Jeruſalem neuangelegte Feſtung Bethſura, deren er als Schlüſſel zu der jüdiſchen Hauptſtadt ſich zu bemächtigen ſuchte. Judas empfing die erſte Nachricht von dem auf Bethſura gerichteten An⸗ griffe zu Jeruſalem, woſelbſt er ſeiner Gewohnheit nach durch Gebet und Bußübungen, wobei er beſonders die Hilfe guter Engel erflehte, ſich mit den Seinigen zum Kampfe vorbereitete. Hierauf muthig ausziehend hatten ſie von der Stadt Jeruſalem an einen ſichtbaren vom Himmel geſendeten Wegweiſer, einen mit weißen Kleidern geſchmückten und mit goldenen Waffen gerüſteten Reiter, deſſen Erſcheinung dem ganzen Heere einen ſolch unerſchütterlichen Löwenmuth einflößte, daß ſie ſelbſt gegen die wildeſten Elephanten zu kämpfen und eiſerne Mauern zu ſtürmen ſich zugetraut hätten. Der unmittelbar hierauf erfolgende Angriff auf die Armee des Lyſias fiel auch äußerſt glücklich aus, indem ſie mit Erlegung von 11000 Mann Fußvolk und 600 Reitern das ſämmtliche übrige Heer mitſammt ihrem Anführer Lyſias in ſchimpfliche Flucht jagten. §. 848. 1. Maccab. 6, 17. 2. Maccab. 10, 10. 11. cp. 11, 13— 38. Mit der Nachricht von dem unerwartet plötzlichen Lebensende des Königs Antiochus Cpiphanes war mittlerweile gleichzeitig auch das Ge⸗ 223 rücht eines in Syrien ausgebrochenen bedenklichen Aufſtandes bis nach Rom gedrungen, und hatte dort um ſo regere Aufmerkſamkeit geweckt, als die Römer, welche vom Frieden von Magneſia her fortwährend noch 2000 Talente Kriegsentſchädigungskoſten zu fordern übrig hatten(2. Maecc. 8, 10. vergl.§. 822.), einerſeits bei der Erhaltung des ſyriſchen Staates ſelber betheiligt waren, andererſeits der fortwährend als Geißel in Rom zurückgehaltene Demetrius Soter, der eigentliche rechtmäßige Erbe des ſyriſchen Reiches(vergl.§. 791.), davon Anlaß nahm, ernſtlich in den Senat zu dringen, ihn bei dieſer Gelegenheit endlich doch einmal in ſein erbliches Königreich zurückkehren zu laſſen. Wahrſcheinlich der erwähnte Umſtand einer rückſtändigen bedeutenden Geldforderung, welcher den Römern die fortdauernde Anweſenheit einer als Geißel zurückgehaltenen Perſon der königlichen Familie dringend wünſchenswerth machte, war die Urſache, derentwegen dieſelben, unbekümmert um das nähere oder ent⸗ ferntere Recht der ſyriſchen Thronfolge, auf Demetrius' Forderung nicht eingingen. Anſtatt deſſen bemühten ſich aber zwei wohl nur gelegentlich etwa von Egypten herbeigekommene und ſomit zufällig in der Nähe des Kriegsſchauplatzes anweſende römiſche Legaten mit Namen Quintus Mem⸗ mius und Titus Manilius im Intereſſe des Senates zur möglichſten Ordnung der ſyriſchen Angelegenheiten das Ihrige beizutragen. Da die⸗ ſelben nun Lyſias, welcher durch den wiederholten unwiderſtehlichen Ein⸗ druck des beſtändigen Waffenglückes, das alle bisherigen Anſtrengungen der Hebräer begleitet hatte, augenblicklich einigermaßen umgeſtimmt, gegen Mitte März des laufenden Jahres 3937 einen eigenen Brief an die Juden geſchrieben, bereits in Friedensunterhandlungen, die derſelbe in zuverſichtlicher Hoffnung auf die zu erwartende königliche Beſtätigung mit Judas Maccabäus angeknüpft hatte, welchen dieſer letztere in Berück⸗ ſichtigung der gefährlichen Zeitumſtände auch von ſeiner Seite bereitwillig entgegengekommen war, bereits begriffen fanden, ſo fügten auch ſie einen in gleichem Sinne geſchriebenen, etwa von Anfang Mai desſelben Jahres datirten Brief an die Juden bei. Aus derſelben Jahresperiode ſtammen zwei andere, von dem jungen ſyriſchen Könige Antiochus V. Eupator in gleichem Betreffe geſchriebenen friedlich gehaltenen Briefe, einer an Lyſias, der zweite unmittelbar an die Juden gerichtet, aus deren letzteren hervor⸗ geht, daß der fortwährend in Antiochia verweilende Hoheprieſter Mene⸗ laus die geänderten Zeitumſtände gleichfalls bei dieſer Gelegenheit zu ſeinem Privatvortheil auszubeuten ſich bemühte, indem er ſich eine Art Mittlerrolle zwiſchen dem Könige und ſeinen jüdiſchen Landsleuten an⸗ eignete, und den in Antiochia anſäſſig geweſenen, mittlerweile nach Judäa geflüchteten Juden in der That ihre dortſelbſt vormals beſeſſenen Privi⸗ legien ungeſtörter Religionsfreiheit für den Augenblick wieder auszuwirken das Verdienſt hatte. §. 849. 1. Maccab. 5, 68. 2. Maccab. 12, 1— 10. In dem weiteren Verlaufe des gleichen Jahres 3937 wird erzählt, daß die Juden verhältnißmäßige Ruhe genoſſen, und deßwegen Zeit hatten, ſich der regelmäßigen Bebauung ihrer Felder hinzugeben. Nur ein kleiner Streifzug des jüdiſchen Heerführers an die Küſte des mittelländiſchen Meeres ſcheint in dieſes Jahr zu gehören, mittelſt deſſen er eine von den Einwohnern der Stadt Joppe verübte hinterliſtige Ermordung von 20⁰0 in ihrer Mitte friedlich wohnenden Juden durch Zerſtörung ihres Hafens, nebſt Tödtung der Hafeneinwohner und Verbrennung der im Hafen vor Anker liegenden Schiffe an denſelben rächen zu müſſen glaubte. Ein gleiches Strafgericht vollzog er an den Einwohnern der Stadt Jamnia, weil er erfuhr, daß dieſelben die gleiche Bosheit auch an den in ihrer Mitte lebenden Hebräern auszuüben im Sinne gehabt hatten, bei welcher Gelegenheit bemerkt wird, es habe der Brand der angezündeten Schiffe einen ſo hellen Schein am Himmel verbreitet, daß man denſelben in der nämlichen Nacht zu Jeruſalem habe beobachten können. Von dort aus ſcheint Judas Maccabäus endlich auch einen Angriff auf die benachbarte ehemals philiſtäiſche Stadt Asdod gemacht zu haben, deren Götzentempel er nach dem Geſetze verwüſtete, und darauf mit reicher Beute beladen nach Judäa zurückkehrte. Die Erzählung des gegenwärtigen Paragraphen iſt einer der von uns gemachten Verſuche, zwiſchen den verſchiedenen Einzelnerzählungen des erſten und zweiten Buches der Maccabäer die Ordnung eines richti⸗ gen chronologiſchen Zuſammenhanges, deſſen Ermittelung der Verfaſſer des zweiten Buches der Maccabäer offenbar bei ſeinem zunächſt nur auf religiöſe Erbauung abzweckenden ſchriftſtelleriſchen Unternehmen gar nicht einmal beabſichtigt zu haben ſcheint, nachträglich herzuſtellen. Dieſe Rück⸗ ſicht veranlaßt uns nämlich zu dem Verſuche, die zwiſchen dem erſten und zweiten Abſatze des Verſes 2. Maccab. 12, 10. obwaltende, allem An⸗ ſcheine nach unchronologiſche Verbindung kurzweg von einander zu trennen, und die Anfangsworte„inde cum jam abiissent novem stadiis,“ nach⸗ dem ſie von hier aus neun Stadien weiter gegangen waren, mit der Stelle 1. Maccab. 5, 68. in eine muthmaßliche künſtliche Gedanken⸗ verbindung zu bringen, weil die Stadt Azot oder Asdod, von welcher an dieſer Stelle die Rede iſt, nicht ſo ſehr weit von Jamnia entfernt lag, daß nicht in der Entfernung von bereits neun Stadien von dort ligt Naſſc, Aeen f. Wöngf ſſche be. 0 Mihe irgend ein neues kriegeriſches Zwiſchenereigniß, deſſen ſpecielle Kenntniß uns aber verloren gegangen, den natürlichen Uebergang von dem einen zu dem andern könnte gebildet haben, während der Vorfall mit den nabathäiſchen Arabern, den wir im§. 831. erwähnt haben, aus geogra⸗ phiſchen Urſachen unmöglich in ſo großer Nähe von Jamnia ſtattfindend gedacht werden kann. Vielleicht gehören auch ſchon die erwähnten An⸗ fangsworte in einen anderen Zuſammenhang, ſo daß in der gegenwärtig uns aufbehaltenen Geſtalt dieſes Buches zwiſchen V. 9. und 10. nicht unwahrſcheinlich ſich eine Lücke in Bezug auf den Inhalt der Geſchichts⸗ erzählung vermuthen läßt. §. 850. 1. Maccab. 6, 65. 66. 2. Maccab. 8, 29. Um das Bild der Zeit zu vervollſtändigen, muß nachträglich bemerkt werden, daß der nach dem letzten Willen des verlebten Königs Antiochus Epiphanes zum Reichsverweſer und Vormund des jungen Königes An⸗ tiochus Eupator aufgeſtellte Philippus, der nebſt den königlichen Inſignien zugleich die Leiche des Königs nach Antiochia zu transportiren beſchäftigt war, bei ſeiner Annäherung an die Hauptſtadt dort alles ſo ſehr zum Vortheile des ſeitherigen Reichsſtatthalters Lyſias präoccupirt fand, daß er ſich aus Furcht vor deſſen Einfluß auf den jungen König an den Hof des egyptiſchen Königs Ptolemäus Philometor zu flüchten für gerathen fand, von dem er hoffte, allenfalls zur Geltendmachung ſeines Rechtes auf die vormundſchaftliche Reichsregierung kräftig unterſtützt zu werden. Da aber derſelbe mit ſeinem Bruder Physcon in lebhaften Streit ver⸗ wickelt, für den Augenblick ſeinen Anträgen kein Gehör zu ſchenken ge⸗ neigt war, ſo begab ſich Philippus von Egypten aus nach Medien und Perſien, von wo aus er Gelegenheit fand, wahrſcheinlich aus den Ueber⸗ reſten des von Antiochus Epiphanes dorthin geführten Heeres ſich ſo viel bewaffnete Macht zu verſchaffen, um damit auf eigene Hand einen kriege⸗ riſchen Einfall in das ſyriſche Reich in der erwähnten Abſicht allmälig in der Stille vorbereiten zu können. CLXXXIV. Des Hohenprieſters Menelaus Lebensende. Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg. Der Heerführer Zudas Maccabäus. (Fortſetzung.) §. 851. 1. Maccab. 6, 18. 19. Die im Intereſſe der hebräiſchen Nation unternommene Schild⸗ erhebung der maccabäiſchen Brüder hatte, ſich bis daher ſtrenge innerhalb Krafft, heil. Geſchichte. Il. 1⁵ 226 der Grenzen gerechter Nothwehr in nothgedrungener Vertheidigung ihrer rechtmäßigen Religions⸗ und Gewiſſensfreiheit haltend, im Ganzen mit unerhörtem Glücke voran bewegt. Sie war durch den letzten mit An⸗ tiochus Eupator eingegangenen Vertrag, deſſen Bedingungen jedoch nicht genau bekannt ſind, auf einem Punkte angelangt, von welchem aus ein eigenmächtiges Weiterſchreiten in ſoferne bedenklich erſcheinen darf, als religiöſe und politiſche Anſprüche von jetzt an entweder durch muthwillige Vermengung, oder durch unwillkührliche aus Mißverſtändniß hervorgehende Verwechslung leicht ineinander übergehen konnten. Es ſcheint nicht, daß Judas Maccabäus unter den in ſeine freie Wahl geſtellten Friedens⸗ bedingungen die gutwillige Zurückziehung der ſyriſchen Beſatzung aus der Burg Acra in Jeruſalem zu verlangen den Muth gehabt hatte, eine Forderung, welche menſchlichem Anſehen nach ihm auch ſchwerlich wäre bewilligt worden. Obwohl nun dieſelbe fortwährend nach wie vor ſich böswillige Störungen des Tempelbeſuches erlaubte, ſo dürfte es nichts deſto weniger als ein voreiliger Schritt erſcheinen, daß Judas zur Ab⸗ wehr dieſer letzteren gegen Anfang Herbſt des gleichen Jahres 3937 ſo⸗ gleich das ganze jüdiſche Volk zu dem Endzweck aufbot, um auf die Burg Acra einen gemeinſchaftlichen Sturm zu unternehmen, in Folge deſſen er wahrſcheinlich rechnete, daß ihm die Einnahme dieſes feſten Platzes ebenſo wenig, als die bisherige Eroberung ſo vieler im Auslande ge⸗ legenen feſten Städte werde mißlingen können. Mag Judas Maccabäus in Betreff ſeines Angriffs auf die Burg Acra von dem Fehler eigenmächtiger Uebereilung freigeſprochen werden können oder nicht, ſo viel iſt gewiß, daß dieſer Schritt der jüdiſchen Sache außerordentlich geſchadet, und dieſelbe auf eine äußerſt peinliche Stufe der Erniedrigung zurückgeworfen hat. Denn der hiedurch veranlaßte Feldzug des Königs Antiochus Cupator entriß einmal erſtlich den Juden das ſo bedeutungsvolle Bethſura, den Schlüſſel zum Eingang nach Jeru⸗ ſalem, welchen ſie ganzer 18 Jahre bis zum Jahre 3955(vergl.§. 890.) nicht wieder heraus bekamen, und hatte darnach zweitens eine wenn gleich verrätheriſcher Weiſe verübte Zerſtörung der in letzterer Zeit erſt neu⸗ angelegten Befeſtigungswerke von Jeruſalem ſelber zur Folge, welche den ſpäter eindringenden ſyriſchen Feldherren jedesmal, ſo oft ſie wollten, den Eintritt in die jüdiſche Hauptſtadt eröffnete. Zudem iſt drittens zu berückſichtigen, daß gerade gleichſam zur Strafe für dieſen voreiligen ge⸗ waltſamen Angriff zugleich die Einnahme der ſyriſchen Burg Acra, deren Fortbeſtand allerdings als ein unerträglich läſtiges und unbilliges Hin⸗ derniß für die volle Wiederherſtellung der rechtmäßigen israelitiſchen Religionsfreiheit zu betrachten war, nichts deſto weniger um volle 21 Jahre, noch bis zum Jahre 3958(GVergl.§. 903.) hinausgeſchoben wurde. Deßwegen liegt auch, dem Erfolge nach wenigſtens zu urtheilen, der Ge⸗ beſ der 1 luz, Nuil be 6 lüſftn, Rlonmn Mtt h Wikboz Wlgez 227 danke nicht ferne, daß Judas Maccabäus bei aller ſonſtigen perſönlichen Vortrefflichkeit, und unbeſchadet ſeiner auch in dieſem Stücke jedenfalls nur als ein verzeihlicher Fehler anzurechnenden voreiligen Ungeduld, klüger daran gethan hätte, zuerſt auf dem Wege friedlicher Unterhandlungen mit dem Könige Antiochus Eupator die Räumung der Burg Acra nachdrücklich zu verlangen, und erſt dann, wenn dieſelben, wie allerdings zu fürchten, zu keinem Reſultate führten, zur Ergreifung offener Feindſeligkeiten über⸗ zugehen. Durch eine derartig angewendete Vorſicht wäre wenigſtens der böſe Schein aufrühreriſcher Geſinnung vermieden, und dadurch mittelbar möglicher Weiſe auch der üble Erfolg des ſich hieran knüpfenden ſyriſchen Feldzuges verhütet worden. §. 852. 1. Maccab. 6, 20— 29. 2. Maccab. 13, 3—8. Noch ehe die Burg Acra durch die unter Judas' Anleitung vor⸗ genommenen Belagerungswerke völlig eingeſchloſſen worden war, gelang es einigen darin befindlichen Syrern und abtrünnigen Juden, glücklich nach Antiochia zu entkommen, woſelbſt namentlich die Letzteren bei dem Könige über ihre glaubenseifrigen Stammgenoſſen, und zwar wegen einer, wie ſie in der That nicht mit Unrecht behaupteten, lediglich um ihrer Fügſamkeit gegen das von Antiochus Epiphanes erlaſſene Religionsediet willen über ſie verhängten blutigen Verfolgung bittere Klage führten, verbunden mit der dringenden Bitte um ſchleunige Hilfe, damit es für den König, ſobald einmal die erwähnte Burg in die Hände der Macca⸗ bäer übergegangen wäre, nicht zu ſpät werden möchte, denſelben ferner etwas anzuhaben. Dieſe Nachricht verſetzte den jungen König in einen ſo heftigen Zorn, daß es, um ihn zum erneuerten Kriege gegen die Juden zu beſtimmen, keiner weiteren Anreizung bedurfte. Deßwegen wurde auch der noch immer in Antiochia verweilende dermalige Hoheprieſter Mene⸗ laus, welcher in der Hoffnung, ſich bei dieſer Gelegenheit die wiederholte Ausübung ſeines Amtes neuerdings erſchleichen zu können, den König um die Gunſt bat, ſich dem beabſichtigten Feldzuge gleichfalls anſchließen zu dürfen, mit ſeiner unzeitigen Bewerbung nicht allein ſehr ungnädig auf⸗ genommen, ſondern überdieß auf den Rath des Lyſias, der ihn in Gegen⸗ wart des Königs offen als die einzige Perſon, welche an dieſen wider⸗ wärtigen Zerwürfniſſen die Schuld trage, hinſtellte, gerade bei dieſer Gelegenheit ergriffen und zum Tode im Aſchenthurme verurtheilt. Der Tod im Aſchenthurme war eine von der perſiſchen Criminal⸗ juſtiz her im Oriente noch übliche Weiſe der Hinrichtung, vermöge wel⸗ cher der betreffende Delinquent, zufolge der Beſchreibung 2. Maccab. 13, 5. 6., auf das oberſte Stockwerk eines 50 Ellen hohen Thurmes hinauf⸗ gebracht, von oben herab an den Füßen aufgehangen, kopfabwärts in 15* ein finſteres Loch hinabgelaſſen, und in dieſer Lage hängend durch Auf⸗ wühlung eines den Boden bedeckenden Aſchenhaufens gewaltſam erſtickt wurde. Dieſes ſchreckliche Lebensende, welches der bekannte jüdiſche Hoheprieſter nehmen mußte, diene allen Gottloſen zu einem warnenden Beiſpiel, wor⸗ aus ſie lernen mögen, daß ſie dem nämlichen zeitlichen Verderben, in welches ſie andere Unſchuldige hineinſtürzen, ſeiner Zeit, wenn es Gottes Wille iſt, ſie mögen dagegen anfangen, was ſie wollen, ebenfalls nicht entrinnen können. Ueber ſeine wahrſcheinliche Abſtammung aus der Familie des Steuereinnehmers Joſeph vergl— die Anm. zu§ß. 771. u. 795. §. 853. 1. Maccab. 6, 30— 46. 2. Maccab. 13, 9— 17. Das nach einer nicht ganz übereinſtimmenden Angabe 110,000 Mann Fußvolk, 20,000 Reiter und 32 Kriegselephanten ſtarke ſyriſche Heer brach nebſt Lyſias von dem Könige in eigener Perſon angeführt, allen⸗ falls gegen Ende des Jahres 3937 auch dießmal wieder von dem ſüdlich gelegenen Idumäa aus nach Judäa ein, woſelbſt es mit der Belagerung von Bethſura wiederholt den Anfang machte, und dadurch Judas zwang, die Belagerung der Burg Acra vorläufig wieder aufzuheben. Nach einer auch dießmal wiederum vorgängig angeordneten dreitägigen Buß⸗ und Bittfeier, hauptſächlich in Rückſicht auf den unverſöhnlichen Zorn des jungen Königs, welcher die gottloſe Abſicht geäußert hatte, bei dieſer Gelegenheit das Volk der Juden noch grauſamer, als es von ſeinem Vater Antiochus Epiphanes geſchehen ſei, mißhandeln zu wollen, ging Judas Maccabäus dem Könige entgegen, und lagerte ſich dem ſyriſchen Heerlager gegenüber bei einem gewiſſen, nicht weiter bekannten Orte Namens Bethzachara. Eine furchtbare Schlacht entſpann ſich des anderen Morgens, in welcher Judas neuerdings zwar 600 Mann des königlichen Heeres zu tödten, aber keineswegs einen entſcheidenden Sieg zu erkämpfen das Glück hatte. Eine an dieſem Tage verrichtete beiſpiellos tapfere Heldenthat fiel überdieß inſofern, als ſie ihren Zweck verfehlte, entſchieden unglücklich aus, indem Eleazar, einer der fünf maceabäiſchen Brüder, durch die ausnehmende Größe und glänzende kriegeriſche Bewaffnung eines ihm gegenüberſtehenden Elephanten getäuſcht, den König Antiochus irriger Weiſe auf demſelben perſönlich befindlich glaubte, und eben durch dieſen Wahn verführt, ſich rechts und links durch lauter Leichen den Weg bah⸗ nend, nicht eher abließ, als bis er unter den Beinen des Thieres angelangt war, und dasſelbe durch einen von unten heraufgeführten Schwertſtoß erlegend, ſich ſelber zugleich mit dem Thiere ſammt allen auf dem Thurme, den der Elephant zu tragen hatte, befindlichen und umſtehenden Feinden durch einen gemeinſchaftlichen Sturz begraben hatte. lict fichut Ulcge oc Ulk, e Wahn 0K Hurde tert Wöil c M alni ſ FWithe ite fhug 229 Der Wahrſcheinlichkeitsbeweis, daß der als Urheber der im Para⸗ graphen erzählten Heldenthat genannte Eleazar einer der fünf macea⸗ bäiſchen Brüder(1. Maccab. 2, 5.) geweſen, beruht auf dem Zuſam⸗ mentreffen mehrerer Umſtände, nämlich 1) daß er von Joſephus(Antiqq. XIII. cp. 14.) ohne weiteres als ſolcher aufgeführt, daß von ihm 2) in der ganzen weiteren Geſchichte der Maccabäer keine fernere Erwähnung gethan wird, und daß endlich 3) ſeine in unſerem Texte befindliche Be⸗ zeichnung als Sohn des Saura(1. Maccab. 6, 43.) ſich recht leicht als aus einem Abſchreibefehler entſtanden erklären läßt, indem der Beiname Abaron, welchen Eleazar nach 1. Maccab. 2, 5. trug, von demſelben recht wohl mißverſtändlich als der Name ſeines Vaters konnte betrachtet, aus Abaron aber nicht undenkbarer Weiſe das Wort Saura konnte ge⸗ macht werden. Die Heldenthat ſelber muß in ihrer Weiſe bewundert, darf übrigens von ſittlichem Standpunkte aus betrachtet im höchſten Falle mit mangelnder Einſicht entſchuldigt, nicht aber ſittlich gerechtfertigt werden. §. 854. 1. Maccab. 6, 47— 50. 2. Maccab. 13, 18— 22. Da Judas nach dem zweifelhaften Erfolge des Tages den König nicht zum zweiten Male anzugreifen den Muth hatte, ſo gewann An⸗ tiochus durch des erſteren freiwillig angetretenen Rückzug freie Hand, die Belagerung von Bethſura fortzuſetzen, deſſen Einnahme durch Sturm ihm jedoch von wegen der überaus günſtigen Lage der Feſtung nicht gelingen wollte, während die der Beſatzung zum Aushalten einer längeren Be⸗ lagerung nothwendigen Vorräthe an Lebensmitteln derſelben auf Seiten⸗ wegen von Judas zugeführt wurden. Eine von dem Juden Rhodocus von Bethſura aus mit dem Feinde angeknüpfte verrätheriſche Verbindung wurde dabei glücklicher Weiſe rechtzeitig entdeckt, und derſelbe durch Ein⸗ kerkerung unſchädlich gemacht. Nichts deſto weniger gingen die Speiſe⸗ vorräthe in der Feſtung, welche von wegen des in dieſem Jahre zufällig eingefallenen Sabbathjahres(vergl.§. 66.) in Folge der geſetzlichen Unterlaſſung des Ackerbaues ungewöhnlich kärglich vorhanden waren, allmälig aus, ſo daß die Beſatzung zuletzt aus Mangel an Lebensmitteln gegen freien Abzug zu capituliren, und dieſen ſo wichtigen Platz dem Könige gutwillig einzuräumen genöthigt war, welcher von ſeiner Seite nicht unterließ, denſelben ſofort durch eine eingelegte ſtarke ſyriſche Be⸗ ſatzung für ſich ſelbſt in Beſchlag zu nehmen. F. 855. 1. Maccab. 6, 51— 63. 2. Maccab. 13, 23— 26. Nach der Einnahme von Bethſura rückte der König unverweilt zur Belagerung von Jeruſalem vor, deſſen gewaltſame Eroberung ihm jedoch in Folge der heldenmüthigen Vertheidigung der Juden ebenfalls nicht gelingen ſollte. Dabei wurde zugleich der Mangel an Lebensmitteln, obwohl die Belagerten eigentlich noch mehr darunter zu leiden hatten, jedoch auch dem zahlreichen Heere der Belagerer allmälig immer drücken⸗ der, ſo daß in Folge der vollends dazu kommenden Nachricht von einem inzwiſchen ſtattgehabten unverhofften kriegeriſchen Einfalle des§. 850. erwähnten Philippus der junge König von Lyſtas ſich gerne überreden ließ, ſtatt der fortgeſetzten Belagerung ſich lieber auf dem Wege eines zeitgemäßen Vergleiches friedlich mit den Maccabäern abzufinden, kraft deſſen er den Juden nebſt einer wiederholt verſtatteten vollkommenen Religionsfreiheit auch den ruhigen Fortbeſitz Jeruſalems als eines feſten Platzes, unter königlicher ſyriſcher Landesoberherrlichkeit natürlicher Weiſe und unter Vorbehalt der Burg Acra in Jeruſalem gutwillig gewähr⸗ leiſtete, und überdieß Judas Maccabäus bei dieſer Gelegenheit zum könig⸗ lichen Unterſtatthalter von Ptolemais bis nach Gerar(2), alſo vermuth⸗ lich zum Nachfolger des inzwiſchen allenfalls mit Tod abgegangenen Gorgias zu ernennen die Gnade hatte. Nachdem in Folge dieſes Friedens⸗ ſchluſſes Antiochus gutwillig in Jeruſalem eingelaſſen worden, bewies er ſich, nachdem er anfangs im Tempel ſogar geopfert und demſelben Ge⸗ ſchenke dargebracht hatte, jedoch dadurch wieder treulos, daß er die ſtarken Befeſtigungswerke des Tempelberges, ſowie der beſtändig von den Juden behaupteten Sionsburg, welche die eigentliche Akropolis der Stadt bildete, nebſt den Ringmauern der ganzen Stadt nachträglich zu ſchleifen den Befehl gab, hierauf jedoch, ohne eine weitere Unbill hinzuzufügen, ſchleunig mit ſeinem Heere nach Hauſe eilte. Von Lyſias wird noch insbeſondere gemeldet, daß er bei Gelegenheit ſeines Durchzuges durch Pltolemais von Seiten der Einwohner dieſer Stadt heftige Vorwürfe darüber zu hören bekam, daß den Juden bei dieſem Anlaß neuerdings ſo viel eingeräumt worden ſei, daß es ihm aber gelungen, durch öffentliche Darlegung der Beweggründe den gegen ihn erhobenen Sturm der Unzufriedenheit wieder gütlich zu beſchwichtigen. Die Worte„a Ptolemaida usque ad Gerrenos“ 2. Maccab. 13, 24. bezeichnen die beiden Endpunkte einer Küſtenſtrecke, über welche Antiochus Eupator, wahrſcheinlich jedoch nur illuſoriſch, um deſto eher den Eingang in die Stadt zu erlangen, Judas Maccabäus zum ſyriſchen Heerführer ernannte. Da an der Südgrenze von Paläſtina nach Egypten zu eine Stadt mit Namen Gerar gelegen war, ſo iſt es nicht unwahrſcheinlich, daß unter den Gerrenern die Einwohner dieſer Landſchaft zu verſtehen ſind. J0 flag fhint Mitſ 1 231 CLXMKXXV. Der Hoheprieſter Aleimus. Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg. Der Heerführer Judas Maccabäus. (Fortſetzung.) §. 856. 1. Maccab. 6, 63. cp. 7, 1. Nachdem Philippus bei der Rückkunft des Königs und des ſeinen Einfluß auf ihn fortwährend behauptenden Lyſias ſogleich aus Antiochia wieder war vertrieben worden, trafen im Jahre 3938 neuerdings drei römiſche Geſandte in Antiochia ein, welche wahrſcheinlich im ausdrücklichen Auftrage des Senates gemäß dem Friedensvertrage von Magneſia(§. 781.) darauf drangen, daß die über die damals ſtipulirte Zahl von dem Könige von Syrien im gegenwärtigen Augenblicke unterhaltenen Elephanten ge⸗ tödtet, und ebenſo auch die überzähligen Kriegsſchiffe nachſichtslos mußten verbrannt werden. Dieſes Ereigniß rief bei den Syrern eine ſolche Er⸗ bitterung hervor, daß einer der Geſandten mit Namen Cneius Octavius, der Stammvater des ſpäteren römiſchen Kaiſers Octavianus, darüber von einem gewiſſen Leptines meuchelmörderiſch im Bade erſchlagen wurde. Lyſias ſchickte aus dieſem Anlaß in der Abſicht, um ſowohl ſich ſelbſt als den König von allem Verdacht einer Theilnahme an dieſem Morde zu rechtfertigen, eiligſt Geſandte nach Rom, welche im Senate zwar ange⸗ hört, aber ohne Antwort wiederum entlaſſen wurden. Auch dieſe Ge⸗ legenheit wurde von dem fortwährend als Geißel in Rom zurückgehaltenen Demetrius benutzt, um von dem Senate ſeine endliche Entlaſſung in die Heimath neuerdings nachdrücklich zu fordern, welches Verlangen ihm aber auch dießmal wiederum abgeſchlagen wurde. Wohl einſehend, daß er auf dieſe Weiſe niemals vom Rom loskommen würde, ſchlug deßwegen Deme⸗ trius noch in dem gleichen Jahre 3838 auf den Rath ſeiner Freunde zuletzt den Weg der Flucht ein, auf welchem es ihm endlich auch richtig gelang, mittelſt eines von dem Hafen von Oſtia aus nach der Küſte von Phönizien ſegelnden carthaginienſiſchen Kauffartheiſchiffes, noch bevor die Nachricht von ſeiner Flucht in Rom bekannt wurde, bereits um die Süd⸗ ſpitze Italiens glücklich herum zu kommen. §. 857. 1. Maccab. 7, 2 7. 2. Maccab. 14, 1— 11. Kaum in der Seeſtadt Tripolis glücklich an das Land geſtiegen, ſtreute Demetrius mit Abſicht das falſche Gerücht aus, als ob er mit ausdrücklicher Bewilligung und unter verſprochener Unterſtützung der römiſchen Republik ſein väterliches Reich in Beſitz zu nehmen gekommen ſei, durch welchen Irrthum verleitet nicht allein die ganze benachbarte Gegend ihm augenblicklich zufiel, ſondern in Folge ſeines zuſehends ſich vergrößernden Anhanges zuletzt Antiochus Eupator und Lyſias gewaltſam ergriffen ihm als Gefangene zugeſchleppt wurden, welche er aber kraft eines entgegengeſendeten Befehles, noch bevor ſie ihm zu Geſicht gekommen, beide unverzüglich hinrichten ließ.— Unter anderen Perſonen, welche dem neuen Könige Demetrius I., der bald darauf den Zunamen Soter bekam, ihre bereitwillige Huldigung entgegenbrachten, machte ihm auch ein Jude aus prieſterlichem Geſchlechte von aaronitiſcher Abſtammung, mit Namen Aleimus, welcher griechiſche Name jedoch aus dem hebräiſchen Worte Eliacim umgewandelt zu ſein ſcheint, ſeine Aufwartung, bei welcher Gelegenheit er in der Abſicht, um ihn für ſeine Bewerbung um die Ver⸗ leihung der Hohenprieſterwürde im Voraus günſtig zu ſtimmen, einſt⸗ weilen eine goldene Krone, einen goldenen Palmzweig und einige andere, wie es ſchien, aus dem Tempel zu Jeruſalem ſeiner Zeit geſtohlene, wie Zweige geſtaltete goldene Zierrathen ihm zum Geſchenke darbrachte. Nachdem er ſich auf dieſem Wege bei Demetrius in Gunſt und Vertrauen geſetzt, trat er einige Tage darauf in Geſellſchaft mehrerer anderer ihm ähnlich geſinnten Volksgenoſſen bei Demetrius gegen Judas Maccabäus insbeſondere, zugleich aber auch gegen die ganze Congregation der Aſſidäer (Vergl.§. 764.) klagbar auf, welche er beſchuldigte, unter ſchonungsloſer grauſamer Verfolgung der ganzen dem ſyriſchen Könige ergebenen Volks⸗ partei, unter andern auch ihn, den durch ſeine Geburt aus einer hohen⸗ prieſterlichen Familie, ſowie durch eine, wie es ſcheint, von Seiten des verlebten Königs Antiochus Eupator bereits erfolgte Ernennung zur Nachfolge im Hohenprieſterthume berechtigten Bewerber, bisher von dem Antritte ſeiner Würde gewaltſam zurückgehalten zu haben. Um ſich von dem durch Judas Maccabäus mittlerweile angerichteten Schaden genauer zu überzeugen, trug er zugleich bei dem Könige darauf an, durch irgend einen zuverläſſigen glaubwürdigen Mann unter ſeinen Beamten denſelben durch eigenen Augenſchein beſichtigen zu laſſen. Daß dieſer ſeiner Charakterrichtung nach ſeinem Vorgänger Menelaus ſo ähnliche neue jüdiſche Hoheprieſter Aleimus direct hoherprieſterlicher Abſtammung war, iſt aus 1. Maccab. 7, 14. gewiß. Sollte derſelbe ſeiner Geburt nach allenfalls auch der Familie der Tobiaden angehört haben, ſo würde die in der Anmerkung zu§. 771. aufgeſtellte Ver⸗ muͤthung, daß dieſe ganze Familie möglicher Weiſe aaronitiſcher Abkunft war, dadurch zur Gewißheit erhoben werden. lſtchet 1 fe fe f9‚ Hig erſon ſalbe e fuffeh Wwich Huh in Ochen Raicht N en Heiſt Rſke. 90 Rücfen Aen ſl Mfal Wue 5 2 §. 858. 1. Maccab. 7, 8— 20. Zu dieſem Geſchäfte wählte der König, welcher durch die vortheil⸗ hafte Darſtellung der Sache ganz zu Gunſten des Klägers eingenommen, Aleimus ſofort im hohenprieſterlichen Amte beſtätigte, einen gewiſſen aus Meſopotamien abſichtlich deßwegen herbeigerufenen Bacchides aus, welchem er den Auftrag gab, mittelſt eines ihm anvertrauten zahlreichen Kriegs⸗ heeres den ihm beigegebenen Alcimus unter ſtrenger Züchtigung der Wider⸗ ſtrebenden ſogleich in ſeine hoheprieſterliche Würde einzuſetzen. Um dieſen Zweck deſto wohlfeiler zu erreichen, verſuchten dieſelben, vorab durch heuchleriſch freundſchaftliche Botſchaft die maccabäiſchen Brüder hinter⸗ liſtiger Weiſe in ihre Gewalt zu bekommen, welche aber, da Bacchides zu gleicher Zeit ein ſo mächtiges Kriegsheer anführte, ihren glatten Wor⸗ ten keinen Glauben ſchenkten. Weniger vorſichtig zeigten ſich die übrigen angeſehenen Mitglieder der ſtrenggläubigen Volkspartei, unter denen nicht weniger als 60 Aſſidäer in die Falle gelockt, zur Belohnung ihres guten perſönlichen Zutrauens, das ſie ſeiner hohenprieſterlichen Abſtammung halber auf Alcimus geſetzt hatten, verrätheriſcher Weiſe ergriffen und ohne weiteren Aufenthalt getödtet wurden. Unter dem natürlichen Ein⸗ fluſſe des Schreckens, welchen dieſe Nachricht im ganzen Volke verbreitete, bemächtigte ſich Bacchides ſofort des ganzen jüdiſchen Landes und ſeiner Hauptſtadt Jeruſalem, an deren Nordſeite er auf dem Hügel Bezetha ſein Lager aufſchlagend, Aleimus nach dem Auftrage des Königs als Hohenprieſter einſetzte, und durch Verhängung zahlreicher blutiger Straf⸗ gerichte das Volk nach ſeinem Willen zur Ruhe brachte. Nachdem er ſeinen Zweck vorläufig erreicht zu haben glaubte, kehrte er ſodann, in⸗ dem er dem Aleimus eine hinreichende Waffenmacht, um ſich, wie er meinte, fortan ſelber behaupten zu können, zurückgelaſſen hatte, mit dem Reſte des Heeres wieder zum Könige zurück. §. 859. 1. Maccab. 7, 21— 25. Zu Alcimus ſammelten ſich, ſobald er hinreichend auf dem hohen⸗ prieſterlichen Stuhle befeſtigt ſchien, ſogleich aus allen umliegenden Län⸗ dern alle abtrünnigen Juden, welche durch die maccabäiſchen Brüder ihres Abfalles vom geſetzlichen Gehorſam wegen entweder ausdrücklich landes⸗ verwieſen worden, oder nur ſo aus Furcht vor Strafe entflohen waren, und nunmehr die Gunſt des Augenblickes zur Befriedigung ihrer wieder⸗ 234 vergeltenden Rachſucht in ihrem Vortheile wieder auszubeuten ſuchten. Es gelang ihnen dieß jedoch nicht ſo gut, als ſie erwarteten, indem Judas auf die Nachricht hievon aus ſeinen für den Augenblick wahr⸗ ſcheinlich wieder in der Wüſte genommenen verborgenen Aufenthaltsörtern hervorbrechend, neuerdings Streifzüge im Lande machte, und an den zurückgekehrten abtrünnigen Volksgenoſſen in wiederholter Schärfe ſein übernommenes Strafamt zu verwalten fortfuhr. Alcimus ſah ſich hie⸗ durch genöthigt, in Beziehung auf die reißenden Erfolge des maccabäiſchen Heerführers durch eine eigens angetretene Reiſe nach Antiochia auch ſeiner⸗ ſeits aufs Neue den König Demetrius um nachdrückliche Hilfe zu bitten. CLXXXVI. Der Hoheprieſter Aleimus.(Fortſetzung.) Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg. Der Heerführer Judas Maceabäus. §. 860. 1. Maccab. 7, 26— 29. 2. Maccab. 13, 12— 25. Wahrſcheinlich im Laufe des darauffolgenden Jahres 3939 beauf⸗ tragte König Demetrius auf dieſe neue von Aleimus erhobene Klage ſeinen oberſten Elephantenaufſeher mit Namen Nicanor(vermuthlich den nämlichen mit dem bereits§§. 822. 823. erwähnten), mit einer an⸗ ſehnlichen Waffenmacht in Judäa einzubrechen und mittelſt derſelben zur endlichen Beilegung dieſer ihm verdrießlichen beſtändigen Nationalſtreitig⸗ keiten, ſowie zur unabänderlichen Befeſtigung des Aleimus auf ſeinem hohenprieſterlichen Stuhle Judas Maccabäus perſönlich gefangen zu neh⸗ men. Simon, des Judas Bruder, ſuchte den durch Schaaren von ver⸗ triebenen heidniſchen Fremdlingen verſtärkten Zug Nicanor's vergeblich aufzuhalten, indem er durch die allzu plötzliche Ankunft desſelben über⸗ raſcht, vielmehr ſelber zum Rückweichen gezwungen wurde. Indeſſen ſchien auch eine gewaltſame Abwehr dieſes neuen Einfalles für den Augenblick in der That nicht einmal nothwendig, indem Nicanor für den unwillkührlich günſtigen Eindruck, welchen die heldenmüthige Aufopferung des Judas und ſeiner Waffengefährten für ihr Vaterland auf die Zeitgenoſſen hervorbrachte, keineswegs unempfänglich, ganz im Gegenſatze eigentlich zu dem empfangenen königlichen Auftrage drei angeſehene Hauptleute ſeines Heeres an Judas abſendete, um ihn zu einer friedlichen Beſprechung ein⸗ zuladen, indem er alles, was er im Vortheile des Königs beabſichtigte, wirklich noch auf dem Wege freundſchaftlicher Ueberredung ausrichten zu dhen eſcl luberh gu Wüig deß en Ma Hnge M h Miach Wuig ſ U den 285 können die Hoffnung hegte. Auf dieſe empfangene Einladung begab ſich Judas, zwar nicht ohne zur Vorſicht gegen einen allenfallſigen verräthe⸗ riſchen Ueberfall eine bewaffnete Schutzwache heimlich in der Nähe auf⸗ geſtellt zu haben, im Einverſtändniſſe mit den Seinigen an Ort und Stelle, bei welcher Gelegenheit die verabredete Beſprechung wirklich ab⸗ gehalten, indeſſen nichts anderes Erhebliches dabei ausgerichtet, als daß Nicanor, jedoch mit Zurücklaſſung des größten Theiles ſeiner Truppen, nach Jeruſalem gutwillig eingelaſſen wurde, woſelbſt er mit Judas Macca⸗ bäus längere Zeit ſogar auf freundſchaftlich vertraulichem Fuße lebte, und ihn durch Ueberredung bewog, in der Ausſicht auf eine hoffentlich bald anbrechende friedliche Zukunft noch überdieß in den Eheſtand ein⸗ zutreten. §. 861. 2. Maccab. 14, 26. 27. Dieſe zwar höchſt eigenthümliche, für Aleimus auf der anderen Seite jedoch darum nur deſto unerträglichere neue Wendung der Dinge ver⸗ mochte dieſen letzteren, ſich augenblicklich zum dritten Male zu dem Könige Demetrius auf den Weg zu begeben, um nunmehr auch Nicanor zu ver⸗ klagen, als ob derſelbe den unverkennbar empöriſch geſinnten Judas offenbar begünſtigend, ihn ſogar an ſeiner eigenen Stelle als Hohen⸗ prieſter in Jeruſalem einzuſetzen im Begriffe ſtehe. Durch dieſe gemachte Anzeige wirklich ernſtlich entrüſtet, ſchrieb Demetrius an Nicanor ſogleich einen Brief, in welchem er demſelben über ſein mit Judas inzwiſchen ab⸗ geſchloſſenes Freundſchaftsbündniß zwar ſeine höchſte königliche Ungnade in unverhohlenem Ausdrucke offen zu erkennen gab, indeſſen unter Anbetracht der augenblicklichen Zeitumſtände die Nothwendigkeit ausdrückte, ſich in Bezug auf Nicanor vorläufig wenigſtens auf die wiederholte Ertheilung des erneuerten verſchärften Auftrages beſchränken zu müſſen, Judas Maccabäus endlich einmal in eigener Perſon ſo ſchleunig als möglich gefangen nach Antiochia mitzubringen. §. 862. 1. Maccab. 7, 29 32. 2. Maccab. 14, 28— 30. Nicanor hatte bisher wirklich friedliche Abſichten gehabt, weßwegen er, in der Hoffnung auf eine zu erlangende nachträgliche Ratification von Unterhandlungen, welche gleichwohl dem ausdrücklichen Auftrage des Königs zuwider angeknüpft worden waren, plötzlich getäuſcht, ſich nur ſehr ungerne ſelber dazu nöthigte, aus Furcht vor des Königs fortgeſetzter Ungnade Judas Maccabäus gegenüber eine trotzigere Amtsmiene anzu⸗ 236 nehmen, ſo daß letzterer aus gegründeter Beſorgniß vor einem nachträg⸗ lich ihm bereiteten Hinterhalte ſich nicht allein Nicanor nicht weiter zu nähern getraute, ſondern im Gegentheil vielmehr aus Furcht vor einer einzuleitenden perſönlichen Nachſuchung ſich zu verbergen für nöthig hielt. Da nun Nicanor bei erlangter Einſicht, daß ſchlaue Heuchelei ihn bereits nicht mehr zum erwünſchten Ziele führe, allmälig wieder allgemeine kriegeriſche Anſtalten traf, ſo kam es bei einem Orte mit Namen Caphar⸗ ſalama in dem gleichen Jahre 3939 zur Schlacht, in welcher Judas Maccabäus, obwohl er nach ſeinem gewohnten Kriegsglücke dem Feinde auch dießmal wiederum volle 5000 Mann getödtet hatte, nichts deſto weniger endlich doch zum Weichen gezwungen, ſeinen Rückzug nach der mittlerweile nothdürftig wieder hergeſtellten Sionsburg in Jeruſalem bewerkſtelligte. ů Die Worte„et kugerunt in civitatem David“ 1. Maccab. 7, 32. müſſen nach dem Zuſammenhange nicht auf das Heer des Nicanor, ſon⸗ dern vielmehr auf dasjenige des Judas Maccabäus bezogen werden, ſo daß der ganze Vers nach dem wahrſcheinlichen Sinne des Verfaſſers einen Gegenſatz ausdrückt: Obwohl 5060 Mann aus dem Heere Nica⸗ nor's fielen, ſo mußten des Judas' Begleiter nichts deſto weniger in die Sionsburg zurückweichen. §. 863. 1. Maccab. 7, 33— 35. 2. Maccab. 14, 31— 38. Indem Nicanor des Judas Rückzug verfolgend in Jeruſalem wieder eintraf, kamen ihm die dienſtthuenden Prieſter in einer Art Proceſſion vom Berge Sion entgegen, in der Abſicht, um durch Nachweiſung ihrer täglichen für die Wohlfahrt des ſyriſchen Königs dargebrachten Bittopfer ſich als getreue Unterthanen, die deßwegen von Seite Nicanor's keine kriegeriſche Mißhandlung⸗verdienten, unzweideutig zu beurkunden. Nicanor aber verlangte in barſchem Tone von ihnen, vor allem die Perſon des Judas Maccabäus zum Beweiſe ihrer Treue ihm auszuliefern. Da ſie nun aber unter einem feierlichen Eidſchwur verſicherten, daß ſie des letz⸗ teren(der ſich wahrſcheinlich inzwiſchen von Jeruſalem insgeheim bereits wieder entfernt hatte), augenblicklichen Aufenthaltsort mit beſtem Willen nicht anzugeben im Stande ſeien, ſo hob Nicanor in höhniſcher Erbitte⸗ rung eine ſeiner beiden Hände gegen den Tempel auf und ſchwur auch ſeinerſeits, wofern Judas und ſeine Anhänger ihm nicht gutwillig über⸗ liefert würden, nach Beendigung des Krieges dieſen gegenwärtigen Tempel in Brand ſtecken, ſeine Mauern bis auf den Erdboden niederreißen, einen neuen Altar an der Stelle des zerſtörten Tempels aufrichten, und einen Rril lſſt 9 liſſen Pe Rnt t filige N5 7 in füune Hu N un ilt 1 b Iller 1 g R Naf 237 darüber erbauten neuen Tempel dem Götzen Bacchus zu Chren einweihen laſſen zu wollen. §. 864. 1. Maccab. 7, 35— 38. 2. Maccab. 14, 34— 46. Nachdem Nicanor mit dieſen trotzigen Worten den Schauplatz ver⸗ laſſen hatte, legte er vielleicht noch an demſelben Tage, während die Prieſter durch dieſe ausgeſtoßenen gottloſen Drohungen heftig erſchüttert, gemeinſchaftlich zur Erde niedergeworfen ihre Gebete um Erhaltung des Tempels zu Gott richteten, ſeine einmal angenommene unerſättliche Bos⸗ heit durch einen ferneren thatſächlichen Beweis an den Tag, indem er einen der angeſehenſten Aelteſten von Jeruſalem mit Namen Razias, der mit der äußerſten Aufopferung die Sache der Maccabäer bis kcher be⸗ ſtändig unterſtützt hatte, auf eine ihm gemachte verrätheriſche Anzeige ſeines gewählten verborgenen Aufenthaltsortes augenblicklich durch eine Heeresabtheilung von 500 Mann aufzugreifen den Befehl gab, durch deſſen lebendige Gefangennehmung er die weſentlichſten augenblicklichen Vortheile über die maccabäiſche Sache zu erwerben ſich Rechnung machte. Sobald Razias aber erkannte, worauf es abgeſehen, hielt er ſich für be⸗ rechtigt, durch einen gegen ſich ſelber geführten Schwertſtoß der Abſicht ſeiner Feinde zuvorzukommen. Da er nun jedoch in der Eile ſich zu⸗ fälliger Weiſe nicht geſchickt traf, ſo ſprang er in dem Augenblicke, als die zu ſeiner Gefangennehmung ausgeſchickten Kriegsknechte bereits die Thüre ſeines Aufenthaltsortes erbrochen hatten, unverzüglich auf die ein⸗ zäunende Mauer, von welcher er ſich köpflings mitten unter die am Hauseingange verſammelt ſtehenden bewaffneten Schaaren herab, und da dieſe vor ihm auswichen, mitten auf den Nacken ſtürzte. Trotzdem war er auch nach dieſem Sturze nicht allein am Leben, ſondern oben⸗ drein noch ſtark genug, um trotz ſeiner ſtromweiſe blutenden weit klaffen⸗ den Wunden ſich aufrichtend noch einmal durch die Menge durchzureißen und ein benachbartes Felsſtück zu erklettern, von deſſen Rand aus er unter heftigem Gebete zu Gott, daß Er als der Urheber des Lebens und des menſchlichen Geiſtes ihm ſeinen menſchlichen Körper einmal wieder zu geben die Güte beweiſen wolle, ſich mit beiden eigenen Händen die Eingeweide aus dem Leibe herausriß, und indem er dieſelben über ſeine Verfolger ſchleuderte, den Geiſt aufgab. Die im Paragraphen erzählte Selbſtaufopferung des Aelteſten Razias (d. h. eines dem von Judas Maccabäus neu conſtituirten hohen Rathe, dem Sanhedrin angehörigen einflußreichen Mitgliedes) hat einige Aehn⸗ lichkeit mit der§. 853. erwähnten Heldenthat des Eleazar, jedoch mit dem Unterſchiede, daß, während über die ſittliche Tadelhaftigkeit dieſer letzteren Handlung(obwohl wir dieſelbe noch immer von altteſtament⸗ lichem Standpunkte wenigſtens aus angeſehen, als einen verzeihlichen Fehltritt betrachten dürfen) wohl kaum ein Zweifel obwalten kann, die Stimmen der competenten Richter über unſeren gegenwärtigen Fall ge⸗ theilt ſind(ſ. Allioli Anmerkung zur betreffenden Stelle), ein Umſtand, der um ſo erheblicher heraustritt, je gewichtigere Auctoritäten, wie die⸗ jenigen des heil. Auguſtinus und des heil. Thomas, welche dieſe That als einen Selbſtmord geradezu verdammen ſollen, dem Anſcheine nach auf der entgegengeſetzten Seite ſtehen. Die betreffenden von uns bisher noch nicht nachgeleſenen Stellen des h. Auguſtinus, welche jedoch bei ſeiner vorherrſchend polemiſchen Stellung zu der Secte der Donatiſten, die bekanntlich den Selbſtmord dem Gewiſſen der Gläubigen als eine höhere chriſtliche Berufspflicht aufzudrängen ſich ein Geſchäft machten, mit vorausgehender entſprechender Vorſicht zu benutzen ſein dürften, ſind nach Prideaux's Citation: epist. 61. und lib. II. contra Gaudentium.— Sofern es uns nun zuſteht und beziehungsweiſe obliegt, über dieſe in⸗ tereſſante Frage bei vorliegender Veranlaſſung auch unſere unmaßgebliche Meinung rückhaltslos auszuſprechen, ſo glauben wir nach der dargelegten Sachlage und in Berückſichtigung des bei einer geringeren Stufe von Einſicht auch einen verhältnißmäßig höheren Grad von objectiver inner⸗ lich perſönlicher Freiheit geſtattenden altteſtamentlichen Standpunktes die Handlung des Razias, ohne uns damit begreiflicher Weiſe auch nur der mindeſten Hinneigung zum Donatismus verdächtig machen zu wollen, unbedingt in Schutz nehmen zu dürfen. Wir ſtützen nämlich unſere Anſicht auf die vorausſetzende Vermuthung, Razias ſei bei dieſer Hand⸗ lung durchaus von keinem leidenſchaftlichen Ehrgeize, welcher als Neben⸗ beweggrund bei Eleazar nach 1. Maccab. 6, 44. ausdrücklich zugeſtanden wird, ſondern vielmehr ſchlechterdings von der Rückſicht auf das zu fürch⸗ tende Aergerniß unbedingt geleitet worden, welches die ſchwachen Gemüther ſeiner israelitiſchen Landsleute an einem ſo unverhofft widrigen Unfalle, als an ſeiner bevorſtehenden perſönlichen Gefangennehmung vorausſichtlich würden genommen haben, welches zu verhüten er ſich nicht allein aus der eigenmächtigen Aufopferung ſeines Lebens nach dem damaligen Stand⸗ punkte der israelitiſchen Denkungsweiſe ſchlechterdings kein Gewiſſen machte, ſondern überdieß durch ſeine bewieſene unerſchütterliche Todesverachtung denſelben muthige Standhaftigkeit im unverbrüchlich treuen Bekenntniſſe der wahren israelitiſchen Religion einzuflößen beabſichtigte. Auf dieſen vorausgeſetzten Umſtand hin glauben wir wenigſtens die zur Rechtferti⸗ gung des Razias allerdings ausdrücklich erforderliche augenblickliche innere Inſpiration unbedenklich als wirklich ſtattgefunden annehmen zu dürfen, und wir halten uns hiezu verhältnißmäßig für deſto berechtigter, je miß⸗ licher es im entgegengeſetzten Falle herauskommt, wenn wir eine an ſich verdammliche Handlung in der Erzählung der heiligen Schrift in ein ſo zweideutig vortheilhaftes Licht geſtellt ſehen müßten, daß man ebendeßwegen, weil ſie in der heiligen Schrift auch nicht im Entfernteſten getadelt wird, dieſelbe aus purem Mißverſtändniſſe auch für ein heroiſches Tugend⸗ beiſpiel zu halten ſich könnte verſucht fühlen. 9 Eamt fchft ba ſchen fik Je helr ilet Ml nüge W0 che fl fllaf f b Aitt ftlet, Nl G. mf! achf iet t In9 U ſch G0h. 239 F. 865. 1. Maccab. 7, 39. 40. 2. Maccab. 15, 1— 5. Nicanor bekam hierauf Nachricht, daß Judas ſich in der Landſchaft Samaria befinde, den er ſomit wahrſcheinlich bereits im Beginne des nächſtfolgenden Jahres 3940 neuerdings mit ſeinem Heere verfolgte, und bei dieſer Gelegenheit ſich mit einer mittlerweile ihm nachgerückten ſyri⸗ ſchen Heeresabtheilung, der er bei Bethhoron begegnete, bedeutend ver⸗ ſtärkte. Außer anderen hatte er unter ſeinem zahlreichen Heere auch Juden für dieſen Feldzug zwangsweiſe mit ausgehoben. Als er nun das Heer des Judas, welcher ſich bei Adaſa mit nur 3000 Mann ihm gegen⸗ über gelagert hatte, abſichtlich gerade auf einen Sabbath anzugreifen Anſtalt traf, machten ihm dieſe letzteren freimüthige Vorſtellungen, er möge doch die Ehre des allmächtigen Gottes, der ſich dieſen Tag zur Heiligung ſeines Namens auserſehen, nicht ſo rückſichtslos auf die Seite ſetzen. Hierauf fragte Nicanor ironiſch, ob es denn einen derartigen allmächtigen Gott des Himmels, der ein ſo unvernünftiges Sabbathsgeſetz erlaſſen habe, auch wirklich gebe? worauf die Juden ſich alles Ernſtes dar⸗ auf beriefen, daß das Sabbathsgeſetz allerdings einer ausdrücklichen über⸗ natürlichen Offenbarung des im Himmel wohnenden allmächtigen Gottes ſeinen Urſprung verdanke. Wenn es denn nun wirklich im Himmel einen allmächtigen Gott gebe, verſetzte Nicanor, ſo ſei die irdiſche Macht und Gewalt hingegen für den Augenblick wenigſtens in ſeiner Hand, zugleich mit der ihm aufgeladenen Verantwortung, die königlichen Befehle zu un⸗ nachſichtlicher Ausführung zu bringen, weßwegen er auch ernſtlich auf ſeinem Vorſatze beharrte, in der Ausführung desſelben jedoch durch das einſtimmige Widerſtreben ſeiner eigenen Heerestruppen gehindert wurde. §. 866. 1. Maccab. 7, 41. 42. 2. Maccab. 15, 6— 24. Während auf dieſe Weiſe Nicanor in ſtolzem Vertrauen auf ſeine dem Anſcheine nach allerdings unverhältnißmäßige kriegeriſche Uebermacht mit der Perſon des Judas Maccabäus zugleich des ganzen jüdiſchen Volkes zu bemächtigen ſich zuverſichtliche Rechnung machte, beſchäftigte ſich Judas auf der anderen Seite damit, durch öffentlich angeordnete Gebetsverrichtungen und durch ſeine aus dem tiefen inneren Frieden ſeiner Seele hervorquellende, in hinreißenden Ermahnungen ausſtrömende leben⸗ dige Beredtſamkeit ſeine für den Augenblick in der That wieder nur nothdürftig bewaffneten Gefährten zu ermuthigen, denen es ihm auch ge⸗ 240 lang, durch Erzählung eines eigenthümlichen, ihm von Gott geſchenkten Traumes ganz beſonderen Muth und Vertrauen einzuflößen. Er hatte nämlich im Traume den letzten frommen Hohenprieſter Onias III.(vergl. §§. 780—796.) erblickt in der Stellung eines bei Gott ſeine angelegent⸗ liche Fürſprache einlegenden Heiligen, und nach dieſem noch einen zweiten durch Alter und Würde ausgezeichneten Mann, den ihm Onias als den Propheten Jeremias zu erkennen gab, mit der Bemerkung, daß dieſer Prophet einer der wirkſamſten Fürbitter für das ganze Volk und für die heilige Stadt insbeſondere bei Gott ſei. Jeremias habe ſodann den Arm ausgeſtreckt, und ihm ein goldenes Schwert dargereicht, und mittelſt des⸗ ſelben ihm zugleich über die Feinde Israels den Sieg verſprochen. §. 867. 1. Maccab. 7, 43— 49. 2. Maccab. 15, 25— 38. Tags darauf, den 13. Adar, d. i. ungefähr Anfangs März des Jahres 3940 brach die Schlacht an, welche durch die neuerdings mit⸗ gebrachten ſyriſchen Elephanten den Juden beſonders furchtbar zu werden drohte. Zufälliger Weiſe war jedoch gerade Nicanor einer der allererſten, der im Kampfe ſein Leben einzubüßen das Unglück hatte, in Folge deſſen allmälig ſein ganzes Heer an kein Oberhaupt mehr gebunden, mit Weg⸗ werfung der Waffen ſich auf die Flucht begab. Die Juden, die Urſache dieſes unerklärlichen Vortheils gar nicht wahrnehmend, beuteten denſelben in unaufhaltſamer Verfolgung ihres Angriffes nach Herzensluſt aus, und machten, durch hinzukommende neue Verfolger von allen Seiten unter⸗ ſtützt, nicht weniger als 35,000 Feinde an dieſem Tage nieder. Nach einem in vaterländiſcher Sprache Gott dargebrachten freudenreichen Lob⸗ geſang ließ Judas dem aufgefundenen Leichname Nicanor's das Haupt und denjenigen Arm abſchlagen, mit welchem er ſeine Drohung aus⸗ ſtoßend(vergl.§. 863.) auf den Tempel gedeutet hatte, welche beiden Reſte er den Prieſtern und ſeinen übrigen treugeſinnten Stammgenoſſen zu Jeruſalem vorzuzeigen ſich den Troſt gewährte. Die Zunge wurde hierauf aus dem Kopfe Nicanor's ausgeſchnitten und in Stücken zertheilt den Vögeln zum Fraße vorgeworfen, ſein Arm aber an einer dem Tempel gegenüber befindlichen Stelle ſichtbar angebracht, und endlich das Haupt als kenntliches Zeichen der allmächtigen göttlichen Strafgerechtigkeit hoch auf der Burg Sion auf einer Stange ausgeſteckt. Der Siegestag wurde, weil er mit dem unter Eſther und Mardochäus eingeführten Purimfeſte (vergl.§. 702.) auf ein und dasſelbe Datum fiel, mit demſelben zugleich Jü0 ben li niſt tilen fingh ſht Wach 0 er 9 Rg I I zöhet ge Eah f Mt 241 zu einem beſtändigen Erinnerungsfeſte erhoben, und es bildet dieſes Er⸗ eigniß, wie der Verfaſſer des zweiten Buches der Maccabäer bemerkt, auch wirklich diejenige Epoche, von welcher an die Hebräer wegen Er⸗ haltung der Stadt und ihres Tempels ſich vorläufig keiner weiteren Be⸗ ſorgniß mehr hinzugeben nöthig hatten. CLXXXVIL Der Hoheprieſter Aleimus.(Fortſetzung.) Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg.(Fortſetzung.) ZJudas Maccabäus Lebensende. §. 868. 1. Maccab. 8, 1— 19. 2. Maccab. 4, 11. Die wenigen ruhigen Tage, welche auf dieſen Sieg folgten, benutzte Judas dazu, um in Anbetracht des unglaublichen Aufſchwunges, den ſeit den letzten Jahrzehnten das politiſche Anſehen der Römer nach außen hin im ganzen Oriente genommen hatte, und im Vertrauen auf die zweck⸗ mäßige bürgerliche Einrichtung, welche der römiſchen Republik nach innen einen dauernden Beſtand ſicherte, verbunden mit der ungehinderten Zu⸗ gänglichkeit, welche die Römer Jedem gewährten, der ſich um ihre Freund⸗ ſchaft bewerben wollte, zuſammt der unerſchütterlichen Ausdauer, mit welcher ſie die einmal geſchloſſenen Freundſchaftsbündniſſe aufrecht hielten, und den unermeßlichen Vortheilen, welche die bisherigen Bundesgenoſſen der Römer bereits aus ſolchen Bündniſſen erlangt hatten, um nach ge⸗ pflogener Berathung mit ſeinen eigenen Volksgenoſſen dieſelben durch zwei eigens an ſie abgeſendete jüdiſche Bevollmächtigte ausdrücklich um ihre Freundſchaft bitten zu laſſen, zu dem offen ausgeſprochenen End⸗ zwecke, um den Hebräern zu allmäliger rechtskräftiger Abſchüttelung des ſo lange bereits ohne Ausſicht auf irgend eine billige Erleichterung ge⸗ tragenen ſyriſchen Joches ſich behilflich zu beweiſen. Eupolemus, der Sohn Johannes(vergl. Anmerk. zu§. 779.) und Jaſon, der Sohn eines gewiſſen Eleazar, waren die beiden jüdiſchen Abgeordneten, welche Judas dieſerwegen nach Rom ſendete. Ob Judas Maccabäus Recht oder Unrecht daran gethan habe, aus den im Paragraphen erwähnten Beſtimmungsgründen im Intereſſe der Wiedererkämpfung einer von Seite der ſyriſchen Landesobrigkeit fort⸗ während tyranniſcher Weiſe bedrückten rechtmäßigen israelitiſchen Religions⸗ freiheit mit den Römern, alſo mit einem ebenfalls heidniſchen Volke ein Schutz⸗ und Trutzbündniß nachzuſuchen, kann eigentlich von vornherein Krafft, heil. Geſchichte. u. 16 242 als eine müßige Frage erſcheinen; denn gerade eine derartige innere Ungewißheit würde ihn ſchon von vornherein unmaßgeblich berechtigt haben, im Vertrauen auf die göttliche Lenkung der Umſtände zum Be⸗ hufe ſeiner eigenen Vergewiſſerung zur Anknüpfung eines ſolchen einen einſtweiligen entfernten Verſuch zu machen. Da nun aber in neuerer Zeit an einer derartigen von den Maccabäern gebrauchten Gewiſſens⸗ freiheit förmlicher Anſtoß genommen, und ihnen dieſe Neigung zu einem Bündniſſe mit Rom als Zug einer vorherrſchenden weltlichen Klugheit und mangelnden Herzenseinfalt zur Laſt gelegt wird, welchen, wie Ewald z. B. behauptet, jeder beſſere Prophet aus älterer Zeit, in der Gegenwart um Rath gefragt, unbedingt widerrathen hätte, ſo glauben wir bei dieſer Gelegenheit jene allgemeine moraliſche Principienfrage, von deren Ent⸗ ſcheidung die Beurtheilung ſowie dieſer, ebenſo auch unzähliger anderer chriſtlichen Handlungen auch in der Gegenwart noch unbedingt abhängt, um ſo weniger von unſerem Standpunkte aus unbeſprochen laſſen zu dürfen, je charakteriſtiſcher gerade auch in confeſſioneller Hinſicht, wenn wir nicht irren, die ganze allgemeine chriſtliche Lebensanſchauung in dieſem Punkte auseinander geht. Da nämlich in gerade denſelben Fall, in welchem ſich damals die Maccabäer befanden, alle Tage auch wir kommen, und in Gewiſſensverlegenheiten gerathen können, in welchen uns ebenſo wenig der Recurs an eine unmittelbar göttliche Entſcheidung auf dem Wege übernatürlicher Prophetie offen ſteht, ſo iſt natürlicher Weiſe dieſelbe Frage auch für uns noch von einer ebenſo unermeßlichen Wichtigkeit, die Frage nämlich, ob und inwiefern wir berechtigt ſind, unter folchen Umſtänden in zuverſichtlichem Vertrauen auf eine für dieſen Zweck ausdrücklich von Gott erbetene höhere Leitung der Dinge experi⸗ mentirungsweiſe ſelbſtſtändig verfahrend voranzugehen. Die proteſtan⸗ tiſche Moral, welche, ſoweit wir dieſelbe verſtehen, die ſittliche Zuläſſigkeit aller menſchlichen Entſchließungen in einem ſolchen Falle von einer be⸗ reits im Voraus vollkommen zuverſichtlich erkannten deutlichen Entſchei⸗ dung des geſchriebenen göttlichen Wortes unbedingt abhängig zu machen den Grundſatz verfolgt, iſt genöthigt, ein ſolches muthiges, wenn auch noch ſo vorſichtiges Voranſchreiten rückſichtslos zu verdammen, während nach katholiſcher Auffaſſung ein ſolches Verfahren nicht etwa als bloß mit der allgemein einleuchtenden Regel der praktiſchen Vernunft harmo⸗ nirend unmittelbar indieirt erſcheint, ſondern zu einem ſolchen überdieß der einzelne Chriſt und zwar gerade in Berückſichtigung des Ermangelns einer äußerlichen Auctorität, welche ſeine Entſchließungen leiten könnte, mittelbar ſich von Gott ſelbſt ausdrücklich aufgefordert fühlen darf. In dieſer Freiheit, unter ſolchen Umſtänden mit einem entſchloſſenen Unter⸗ nehmungsgeiſte vorangehen zu dürfen, beſteht nach katholiſcher Auffaſſung, die uns von Chriſtus ſelbſt ausdrücklich gewährleiſtete praktiſche chriſtliche ſubjective Denk- und Handlungsfreiheit(Ev. Joh. 8, 31—36.), während dieſelbe nach proteſtantiſchem Ideengange, trotz des enormen Aufhebens, welches man von dieſem Schibboleth in der Reformationsepoche gemacht hat, in der That ſich auf weiter nichts reducirt, als auf die auch von der katholiſchen Kirche nicht weiter beanſtandete ſubjective ſittliche Er⸗ mächtigung, unrechtmäßig übernommene Gewiſſensverbindlichkeiten, die man einmal aus Gottes Wort als rechtlich unbegründet erkannt hat, 243 unbedenklich wieder abſchütteln und ſich von aller urſprünglich bloß menſchlichen Auctorität in Glaubens⸗ und Gewiſſensſachen frei machen zu dürfen. Eben darin alſo, weil, wie Ewald ſelbſt geſteht, es damals keine Propheten mehr gab, welche Judas Maccabäus hätte können zu Rathe ziehen(ſowie es auch in der ganzen Zeit der chriſtlichen Kirche keine ſolchen mehr gibt), lag für ihn nach dem Grundſatze einer wahren innerlichen religiös ſittlichen ſubjectiven Gewiſſensfreiheit eine ausdrück⸗ liche Bevollmächtigung, falls er im Vertrauen auf Gott den Muth und die Freudigkeit dazu hatte, ſich eines in den damaligen Zeitverhältniſſen begründeten offenbaren politiſchen Vortheiles zur Förderung ſeines ihm einmal als göttlicher Beruf angewieſenen löblichen Endzweckes wenigſtens verſuchsweiſe zu bemächtigen, und hätte er anſtatt dieſen einfachen und naheliegenden Weg des praktiſchen Experimentes einzuſchlagen, eine directe höhere Eingebung auf was immer für einem ſelbſtgeſuchten Wege ertrotzen wollen, würde er ſich dadurch von dem nämlichen Grundſatze aus nicht allein einer unverzeihlich engherzigen Beſchränktheit, ſondern zugleich auch einer ſchwer verantwortlichen offenbaren Verſuchung Gottes ſchuldig gemacht haben. Wir ſehen daher nicht ein, mit welchem Rechte und welcher Conſequenz man, ohne doch zugleich die ganze maccabäiſche Schilderhebung von vornherein als etwas Unzöttliches und Frevelhaftes zu verdammen, gerade nur bei dieſer einzelnen Handlung über die mangelnde Lauterkeit und israelitiſche Herzenseinfalt ihres Urhebers könnte den Stab brechen? Man wendet uns vielleicht ein, daß die aus einem derartigen Schritte hervorleuchtende politiſche Weltklugheit mit der ge⸗ bührenden israelitiſchen Herzenseinfalt einen in der Wirklichkeit unver⸗ einbaren pſychologiſchen Contraſt bilde. Dem ſetzen wir die perſönliche Auctorität unſeres Heilandes entgegen, welcher in ſeinen Vorſchriften an ſeine Jünger doch gewiß der lauteren chriſtlichen Herzenseinfalt nichts ver⸗ geben wollte, und ihnen nichts deſto weniger die ausdrückliche Anweiſung, in Einer Perſon, in Einer und derſelben Stunde, und ſo viel als möglich auch in Einer und der nämlichen Handlung Schlangenklugheit und Taubeneinfalt mit einander zu verbinden, hinterlaſſen hat.(Ev. Matth. 10, 16.) Solche höchſt zufällige Veranlaſſungen ſind natürlicher Weiſe nicht der geeignete Platz, um über derartige unausſprechlich wichtige principielle chriſtliche Lebens⸗ und Gewiſſensfragen einen kurzweg improviſirten Ab⸗ ſchluß herbeizuführen. Um ſo nachdrücklicher halten wir uns berechtigt, den denkenden religiös empfänglichen Leſer auf ſolche enorme Probleme, weil ſie einmal leider Gottes in der Wirklichkeit beſtehen, auch abſichtlich aufmerkſam zu machen, und erlauben uns bei dieſer Gelegenheit, den noch unbefangenen Theil unſerer allenfallſigen proteſtantiſchen Leſer unter andern auch darauf ausdrücklich hinzuweiſen, erſtens einmal, in welchem widerlichen Contraſte das triviale Klaggeſchrei über Knechtſchaft und Ge⸗ wiſſenstyrannei in der katholiſchen Kirche gerade zu dem natürlichen Freiheitsbegriffe ſteht, welcher der ganzen katholiſchen Praxis, da wo ſie in Ermangelung beſtimmter göttlicher Vorſchriften bewährte menſchliche (ſogenannte kirchliche) Einrichtungen an ihre Stelle ſetzt, zu Grunde liegt,— darnach aber zweitens darauf, wie ſicher dieſe nämliche religiöſe Lebensauffaſſung, von welcher der Katholicismus durchdrungen iſt, eben⸗ 16* falls im Gegenſatze zu den herrſchenden proteſtantiſchen Vorurtheilen wo nicht unmittelbar in der heiligen Schrift(als deren Beſtandtheile eben die ſogenannten deuterokanoniſchen Bücher des Alten Teſtaments von den proteſtantiſchen Theologen zufällig nicht anerkannt werden), doch wenig⸗ ſtens unleugbar in den Thatſachen der dem Neuen Teſtamente bereits vorausgehenden heiligen Geſchichte begründet iſt. F. 869. 1. Maccab. 9, 1— 10. Noch ehe jedoch die hebräiſchen Geſandten in Rom eingetroffen ſein konnten, hatte Demetrius auf die empfangene Nachricht von der unglück⸗ lichen Schlacht, in welcher Nicanor gefallen war, ſchleunig ein neues Heer unter Bacchides und Aleimus nach Judäa einrücken laſſen, welches unterwegs bereits eine in Galiläa befindliche Gebirgshöhle unter Er⸗ würgung einer zahlreichen darin geflüchteten jüdiſchen Menſchenmenge erobert hatte, und noch im Monate April des gleichen Jahres 3940 vor Jeruſalem ſein Lager aufſchlug, nach deſſen erneuerter Beſetzung ſie von dort aus mit 20,000 Mann Fußvolk und 2000 Reitern nach einer Ort⸗ ſchaft mit Namen Berea weiter vorrückten. Judas, bei Laiſa(Lachis?) ihm gegenüber gelagert, hatte dießmal wiederum nicht mehr als 3000 Mann, welche noch überdieß, durch die ihnen neuerdings drohend ent⸗ gegenſtehende feindliche Uebermacht verdroſſen, keinen Stand hielten, ſon⸗ dern bis auf ledige 800 Mann ſich allmälig einzeln aus dem Lager davonſchlichen. An dieſem Tage fühlte ſich Judas Maccabäus zum erſten Mal von einem eigentlichen Herzenskummer befallen, indem er bei dieſer ſchlechten Haltung der Seinigen ſelber auf den glücklichen Ausgang der bevorſtehenden Schlacht kein rechtes Vertrauen ſetzte. Nichts deſto weniger forderte er auch dieſe letzten 800 Mann auf, im Vertrauen auf Gott noch einmal das Glück der Schlacht mit ihm zugleich auf die Probe zu ſtellen, und als ſeine Gefährten ihn davon abzubringen ſuchten, indem mit ſo wenigen Leuten, wie ſie ſeien, den Kampf zu beginnen es offenbar nicht der Mühe werth und darum klüger ſei, durch einen zeitgemäßen Rückzug zu ihren Kriegsgefährten ihr Leben für eine andere Gelegenheit aufzuſparen, widerſetzte ſich Judas ihnen mit der brüderlichen Erinnerung, daß ſie ſich auf dieſe Weiſe doch nicht ſelber vor Gott und Menſchen beſchimpfen, ſondern wenn einmal die Zeit dazu gekommen, muthig mit einander in den Tod gehen möchten. cte Ulet Sil 0 f f g Miht Wn F in hle fl d f WWol M Uich on0 n t ic — 245 §. 870. 1. Maccab. 9, 11— 18. Bacchides hatte ſein Fußvolk nebſt der Reiterei in zwei Flügel ge⸗ theilt, von denen er den linken Flügel Aleimus übergab, während er den rechten in eigener Perſon befehligte, und eröffnete hierauf das Treffen unter allgemeiner Erhebung eines ſo alles erſchütternden gegenſeitigen Schlachtrufes, daß davon der Erdboden erzitterte. Einen ganzen Tag von früh an hielten 800 Hebräer die Gewalt des ſyriſchen Heeres aus mit ſolcher Standhaftigkeit, daß gegen Abend der ſtärkere von Baechides angeführte rechte Flügel durch einen ebendeßwegen um ſo ſtärkeren An⸗ griff von Judas' Seite allmälig zum Weichen gebracht, und in der Rich⸗ tung nach dem Berge Azot(Asdod?) endlich förmlich in die Flucht ge⸗ trieben wurde. Gerade aber dieſer theilweiſe bereits errungene Sieg verurſachte den Verluſt der Schlacht, indem der durch Verfolgung der Fliehenden freie Hand bekommende linke Flügel nunmehr den Verfolgern in den Rücken fiel. Auf dieſe Weiſe umzingelt büßten von nun an auch viele Juden, jedoch auch ſo noch dasſelbe theuer verkaufend, ihr Leben ein. Zuletzt fiel auch Judas im Kampfe, nach deſſen Sturz die übrigen die Flucht ergriffen. §. 871. 1. Maccab. 9, 19— 22. Trotz des Sieges, den Bacchides auf eine ſo ſchimpflich wohlfeile Weiſe davon getragen, fanden Jonathan und Simon Gelegenheit, den Leichnam ihres Bruders unter dem Leichenhaufen herauszuholen, den ſie ſonach in ihrem Familiengrabmal in Modin unter einer allgemeinen Trauerfeſtlichkeit des ganzen Volkes ehrenvoll beſtatteten. Es wird bei dieſer Gelegenheit bemerkt, daß viele unter Judas' einzelnen Helden⸗ thaten, eben ihrer unerſchöpflichen Menge wegen, keine ſchriftliche Auf⸗ zeichnung gefunden haben. Ohne über den zwar kurzen, aber äußerſt verwickelten Lebenslauf des Judas Maccabäus, welcher ohnehin mit der der heiligen Geſchichte an⸗ gehörigen, durch die Zeitumſtände nothgedrungen hervorgerufenen ſittlichen Selbſthilfe des ganzen jüdiſchen Volkes ſo gut wie in Eines zuſammen⸗ fällt, uns in einen ausführlicher betrachtenden Rückblick einzulaſſen, wollen wir doch wenigſtens das glorreiche Ende ſeiner Heldenlaufbahn nicht übergehen, ohne der eindringlichen Schmerzempfindung, welche die Er⸗ zählung dieſes letzten Ereigniſſes in der Seele des Bibelleſers zu ver⸗ urſachen geeignet iſt, ihren natürlichen Ausdruck zu leihen. Es hat übrigens dieſer Schmerz, wenn wir die Fügung der Zeitumſtände in der Hand der Vorſehung im Verlaufe der weiteren heiligen Geſchichte zu⸗ ſammenhängend überblicken, nicht viel Bitteres mehr an ſich, indem Alles in Allem betrachtet dieſe Todesart für einen Mann wie Judas Macca⸗ bäus auf der anderen Seite wieder immer noch eine der glücklichſten zu nennen war, welche uns eben deßwegen billiger Weiſe am Ende mehr zu einem unſchuldigen Neide, als zum Mitleiden ſtimmen darf. Mit voller Einſicht in die augenblicklich dringende Sachlage, mitten in ſeinem Berufe, in Geſellſchaft Gleichgeſinnter, nach ſolchen erlangten bleibenden Verdienſten ehrenvoll freiwillig das Leben laſſen, ſcheint uns wenigſtens verhältnißmäßig ein ungleich beneidenswertheres Loos im Vergleiche mit der Todesart, welche unter anderen weniger ungünſtigen Zeitumſtänden die gewöhnliche iſt, vermöge welcher auch die ſonſt glücklichſten Menſchen erſt im Alter nach Erſtehung eines harten Krankenlagers, körperlich, vielleicht auch geiſtig geſchwächt, zwiſchen Todesfurcht und Lebenshoffnung ſchwebend, und deßwegen nur halb entſchloſſen und zuletzt nothgedrungen in die andere Welt hinüberzugehen pflegen, um dort eine im Verhältniſſe mit derjenigen eines ſolchen entſchloſſenen Martyrers für die gute Sache, unendlich ausgedehntere, verwickeltere und ſomit im Ganzen genommen vielleicht auch ſchwerere Verantwortung vor dem Richterſtuhle Gottes an⸗ zutreten. Ein ſolcher plötzlicher ſchuldloſer Tod ſcheint uns auch aus dem Grunde für Maccabäus ein beſonderes Glück geweſen zu ſein, weil er unter den noch immer verzweifelten Umſtänden der damaligen Gegen⸗ wart an einer ferneren Fortſetzung ſeines mühe ⸗Nund kampferfüllten Lebens in der That in zeitlicher Hinſicht wenig zu verlieren hatte. CLXXXVIII. Des Hohenprieſters Aleimus Lebensende. Hohenprieſterliches Interim. Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg(Fortſetzung.) Das Bündniß zwiſchen Zuden und Römern. Heerführer Jonathas. Der egyptiſche Kilialtempel. §. 872. 1. Maccab. 8, 19— 32. Was die Juden an der Perſon des Judas Maccabäus inzwiſchen verloren hatten, das gewannen ſie auf der anderen Seite durch den glück⸗ lichen Erfolg der nach Rom abgegangenen jüdiſchen Geſandten, welche im römiſchen Senate bereitwillig angehört, mit denſelben ein ſchriftlich abgefaßtes in ein doppeltes Exemplar eherner Tafeln eingegrabenes Schutz⸗ und Trutzbündniß abzuſchließen das Glück hatten, von welchen ihnen das eine von beiden zum Rücktransport nach Jeruſalem eingehändigt wurde. Der Vertrag lautete ungefähr darauf hin, daß keiner von beiden Theilen die Feinde des anderen weder mit Getreide, noch mit Waffen, Geld oder Schiffen unterſtützen, beide ihre zu treffenden allenfallſigen gegenſeitigen Uhe Ib hife t fan betkt Dun J0 An I f9 fa G0 Gß Halc c Nr it 0 II 0 f‚ her Aut N mus 247 Uebereinkünfte mit unverbrüchlicher gewiſſenhafter Aufrichtigkeit beobachten, und einer dem anderen je nach gelegener Zeit und Umſtänden auch thätige Hilfe leiſten wollten, ohne ſich durch dieſen Vertrag jedoch hinſichtlich einer zukünftigen zeitgemäßen Erweiterung oder Vereinfachung desſelben einander die Hände binden zu wollen. Als Beweis ſeiner thätigen Hilfs⸗ bereitwilligkeit ließ der römiſche Senat ſogleich einen Brief an König Demetrius ausfertigen, mit der ausdrücklichen Forderung, daß er die Juden als Bundesgenoſſen der Römer fortan reſpectiren und ſich bet Vermeidung eines ihm von Rom aus angekündigten Krieges aller weiteren ungerechten Bedrückung derſelben enthalten möchte. §. 873. 1. Maccab. 9, 23— 30. Bevor jedoch die Nachricht von dieſem zwiſchen Römern und Juden abgeſchloſſenen Bündniſſe nebſt dem Briefe dieſer letzteren in Antiochia noch eingetroffen war, hatte Bacchides in Judäa die durch ſeinen letzten Sieg errungenen Vortheile bereits in der Art planmäßig ausgebeutet, daß er gerade die irreligiöſeſten und charakterloſeſten Männer des Volkes, welche aus Furcht vor der ſtrengen Sittenaufſicht des Judas Maccabäus ohnehin ſchon bisher ihre Zuflucht zu ihm genommen hatten, überall durch Ertheilung einflußreicher Aemter neuerdings begünſtigte, und auf dieſem Wege die bisherigen Anhänger der maccabäiſchen Schilderhebung mittelſt hunderterlei Chicanen auf die ſchimpflichſte Art einzeln nachein⸗ ander um ihre Exiſtenz brachte. Zu allen bisherigen Uebeln kam nun unglücklicher Weiſe auch eine im Lande ausbrechende Hungersnoth noch hinzu, unter deren zwingenden Einfluſſe nun vollends die bisherigen Ge⸗ ſetzeseifrigen ſich in großer Anzahl dem Bacchides gegen Ertheilung der nothwendigen Lebens⸗ und Betriebsmittel zu ergeben anfingen. Da nun unter dieſen ungünſtigen Zeitumſtänden mehr denn jemals der Anhang der Maccabäer ſeinem unvermeidlichen Untergange augenſcheinlich ent⸗ gegenging, ſo verloren die noch übrigen Mitglieder der nationalgeſinnten Partet weiter keine unnöthige Zeit, um an der Stelle des gefallenen Judas ſeinen Bruder Jonathas durch eine erneuerte Wahl zu ihrem Heerführer zu ernennen. §. 874. 1. Maccab. 9, 31— 49. Jonathas, der neuernannte maccabäiſche Heerführer, wählte bei den ungünſtigen Zeitumſtänden, unter welchen er ſein Amt übernehmen mußte, in Gemeinſchaft mit ſeinem Bruder Simon vor allem einen ſicheren Platz in der zwiſchen Jeruſalem und dem todten Meere gelegenen an das letztere angrenzenden Wüſte von Thecue, von wo aus er, um ſich wegen der von Seite Bacchides' gegen ihn bereits angeordneten Verfolgung deſto ſicherer zu ſtellen, überdieß die Vorſicht gebrauchte, ſämmtliches werthvolle Gepäcke ſeines Heeres unter einer bewaffneten Bedeckung, angeführt von dem älteſten maccabäiſchen Bruder Johannes Gaddis(1. Maccab. 2, 2 den von Judas beretts zu Bundesgenoſſen gewonnenen jenſeits des Jor⸗ dans wohnenden Nabuthäern(vergl.§. 831.) zu einſtweiliger Aufbewah⸗ rung zuzuſenden. Leider gerieth die abgeſendete Karavane in den von einem arabiſchen Stamme mit Namen Jambri gelegten Hinterhalt, in welchem außer dem Verluſte des Eigenthums der ganzen maccabäiſchen Partet auch Johannes perſönlich im Kampfe das Leben einbüßte. Dieſer in Anbetracht der Zeitumſtände doppelt empfindliche Schaden wurde bald darauf indeſſen den Jambritern von Seite Jonathan's ebenſo bitter wie⸗ der vergolten, indem ein von dieſen letzteren mit vielem Pompe unter⸗ nommener Hochzeitzug, welcher eine reiche Braut aus dem den Jambritern zugehörigen Orte Madaba mit ihrem ganzen Brautſchatze einem vor⸗ nehmen chananäiſchen Bräutigam zuzuführen die Beſtimmung hatte, durch einen von Jonathas gelegten Hinterhalt aufgegriffen, und unter Tödtung des größten Theiles ſeiner Begleiter als Schadloshaltung in Beſchlag genommen wurde. Jonathas hatte indeſſen keine geringe Mühe, die er⸗ oberte Beute glücklich nach Hauſe zu bringen, indem er bei ſeiner be⸗ abſichtigten Rückkehr über den Jordan Bacchides mit einem auserleſenen Heere auf der anderen Seite des Fluſſes gerüſtet fand, ihm den Ueber⸗ gang zu verwehren, welcher noch obendrein die Abſicht verrieth, ihn ge⸗ rade auf einen Sabbath zu einer blutig entſcheidenden Schlacht zu zwingen. Jonathas ließ ſich indeſſen gemäß der einmal unter den Aſſidäern ge⸗ troffenen Verabredung(vergl.§. 818.) durch dieſe eintretende Gewiſſens⸗ verlegenheit nicht einſchüchtern, im Einverſtändniſſe mit ſeinen Waffen⸗ gefährten gerade am Sabbathtage ſelber über den Jordan zu ſetzen, um in dieſer dringenden Noth ſogar von ſeiner Seite auf Bacchides den erſten Angriff zu machen, in Folge deſſen er auch denſelben zu ſchlagen und mit einem Verluſte von 1000 Mann zum Rückzuge nach Jeruſalem zu nöthigen das Glück hatte. §. 875. 1. Maccab. 9, 50— 56. Bacchides ſtand in Folge dieſes erneuerten Zwiſchenereigniſſes von einer weiteren Verfolgung Jonathan's ab, und beſchränkte ſich anſtatt Rſeh ſotrh, I. Ei Juſft del frehe in N fé0 che f lltihtt Autit Hölke, La n 6 8 Acheh, I ihet Piet Wh ün an ſche Sefͤt Wuh 0* f fert Neiſ 06„ 249 deſſen darauf, die in Judäa befindlichen Städte Jericho, Emmaus, Beth⸗ horon, Bethel, Thamnath, Phara und Thopo als Feſtungen anzulegen, und nachdem er beſonders Bethſura und Gazara noch ſtärker befeſtigt, die Söhne der vornehmſten hebräiſchen Familien in die Burg Acra in Jeruſalem als Geißeln hineinzuverlegen. Dieſe neuen beträchtlich hem⸗ menden Maßregeln für die Wiederentwicklung der jüdiſchen National⸗ freiheit wurden indeſſen im Laufe des nächſtfolgenden Jahres 3941 etwa im Monat April in ihrer ungünſtigen Bedeutung einigermaßen wieder aufgewogen durch den plötzlichen Todesfall des Hohenprieſters Aleimus, welcher in dem bezeichnenden Augenblicke, in welchem er zur Niederreißung einer Mauer den Befehl gab, welche auf Anordnung der letzten Propheten errichtet, die im äußerſten Tempelvorhofe anweſenden Heiden von dem Zutritte zu den geſetzlichen Opferhandlungen abzuwehren die Beſtimmung hatte, augenblicklich vom Schlage getroffen niederſtürzte, und mehrere Tage darnach lahm und ſprachlos, zuletzt unter qualvollen Körperleiden den Geiſt aufgab. 6. 876. Joseph. Antiqd. XIII. cp. 6. Prideaux Connex. ann. 149. Der Tod des Hohenprieſters Alcimus brachte indeſſen der volksthüm⸗ lichen Wiederherſtellung des jüdiſchen Landes für den Augenblick inſofern nur wenig Vortheil, als ja demungeachtet keine Freiheit gegeben war, über die Nachfolge im hohenprieſterlichen Amte eine perſönliche Wahl vorzunehmen, indem der einzige Nachkomme der bisherigen aaronitiſchen Prieſterfamilie, welcher kraft ſeiner Geburt die nächſten Anſprüche auf Belehnung mit dem Hohenprieſterthume in jenem Zeitraume gehabt hätte, ein gewiſſer Onias, der gleichnamige Sohn des letzten ſrommen verſtor⸗ benen Hohenprieſters Onias III., ſeit längerer Zeit bereits bei dem egyp⸗ tiſchen Könige Ptolemäus Philometor ſeine Zuflucht geſucht und Schutz gefunden hatte, und deßhalb auf Uebertragung des Hohenprieſterthumes von Seite des Königs Demetrius ſich wohl ſchwerlich eine wahrſcheinliche Rechnung machen konnte. Es hatte derſelbe inzwiſchen, wahrſcheinlich in der gutgemeinten Abſicht, um für das in den Zeiten des Verfalles in fremde Hände gerathene Heiligthum zu Jeruſalem eine Art Erſatz herzuſtellen, unter erlangter Bewilligung des egyptiſchen Königs und unter gleichzeitiger Berufung auf eine prophetiſche Stelle des Alten Teſtamentes (Isaj. 19, 18. 19.) zunächſt für das geiſtliche Bedürfniß der zahlreichen egyptiſchen Judenſchaft in der Stadt Heliopolis einen dem in Jeruſalem 251 weder aus Mangel an Altersreife, oder an den für die erwähnte politiſche Rolle erforderlichen ſonſtigen perſönlichen Eigenſchaften für die hohe⸗ prieſterliche Würde untauglich erſchien, ein anderes Glied der Familie ohne Weiteres an ſeiner Stelle ſubſtituiren zu dürfen. Wahrſcheinlich aus dieſem Grunde ſehen wir wenigſtens ſogleich nach Simon I. Juſtus Ableben nicht ſeinen unmündigen Sohn Onias, ſondern ſeinen Bruder Eleazar, und nach deſſen Tode wiederum Manaſſe, ſeines Vaters Bruder, an ſeine Stelle rücken, und erſt nach deſſen Ableben Onias II. in das Amt des Hohenprieſters eintreten. Das der egyptiſchen Regierung zu⸗ erkannte Beſtätigungsrecht ging ſodann wahrſcheinlich bei Gelegenheit der definitiven Eroberung Paläſtinas durch Antiochus den Großen im Jahre 3902(vergl.§. 779.) ſtillſchweigend an das ſyriſche Reich über. Der erſte von Syrien aus beſtätigte Hoheprieſter Onias III. war aber leider zugleich auch der letzte rechtlich gewählte, indem derſelbe auf dem durch⸗ aus unrechtlichen Wege der Beſtechung in Folge eines von Antiochus Epiphanes verfügten Gewaltſtreiches durch ſeinen eigenen Bruder Jaſon aus der hohenprieſterlichen Würde verdrängt wurde, der dann bald dar⸗ auf ſelber wieder einem neuen Bewerber, dem Tobiaden Menelaus weichen mußte(§. 795.), deſſen Abſtammung zwar ungewiß, unſerer in der Anmerkung zu§. 771. ausgeſprochenen Vermuthung nach jedoch ebenfalls von Aaron, nämlich von einer anderen Linie der nach§. 727. ſo zahlreich verzweigten Prieſterfamilie abzuleiten iſt. Ebenſo kann die von dem Aaroniten Alcimus nach Menelaus' Tode erlangte Beſtätigung im Hohenprieſterthume von Seite des Königs Demetrius I. Soter wiederum als eine durchaus unrechtmäßig erſchlichene betrachtet werden; und dennoch würde derſelbe ungeachtet der intriguant verdächtigen Art und Weiſe, auf welche er, durch ein ſyriſches Heer geſchützt, in das Land einbrach, von Seite der Aſſidäer bereitwillig als rechtmäßiger Hoherprieſter an⸗ erkannt worden ſein, wofern er nicht durch verrätheriſche Hinrichtung derſelben alles gute Zutrauen auf die Redlichkeit ſeiner Berufsabſichten im ganzen Lande muthwillig würde ſelber vernichtet haben. Nachdem nun auch dieſer Räuber des hohenprieſterlichen Stuhles geſtorben, war es allerdings in der That um ſo ſchwerer einzuſehen, auf welchem Wege die jüdiſche theokratiſche Republik neuerdings zu einem rechtmäßigen hohenprieſterlichen Oberhaupte kommen ſollte, als der eigentlich nächſt berechtigte Bewerber Onias, ein Sohn Onias III., auf die Beſtätigung im Amte von Seite der ſyriſchen Oberherrſchaft durch ſeine eigenthüm⸗ liche Handlungsweiſe ſelber offenbaren Verzicht geleiſtet hatte.— Dieſe fühlbare Verlegenheit ſollte nun bald darauf durch den günſtigen Um⸗ ſtand gehoben werden, daß Jonathas, der Bruder des Judas Maccabäus, ebenfalls ein Aaronite, von dem neuen ſyriſchen Thronbewerber Alexander Balas unaufgefordert mit der hohenprteſterlichen Würde bekleidet wurde, welche, da er, wie geſagt, ebenfalls von aaronitiſcher Abkunft durch Phi⸗ nees war, er auch mit vollem Rechte annehmen durfte. Seinem Bruder und Nachfolger Simon III. wurde dann endlich durch Hohenrathes⸗ und Volksbeſchluß die hoheprieſterliche Würde ein⸗ für allemal als erbliches Vorrecht ſeiner Familie zugleich mit der ſouverainen Regierungsgewalt zugeſichert, durch welchen Beſchluß ſonach die temporäre Abhängigkeit des hohenprieſterlichen Succeſſionsrechtes von der Zuſtimmung einer aus⸗ 252 ländiſchen heidniſchen Obrigkeit ſo gut wie rechtskräftig wieder aufgehoben wurde(ſ.§. 905.). Uebrigens wurde auch dieſer Beſchluß wiederum nur als ein proviſoriſcher betrachtet, und die ſchlüßliche Regelung dieſer, ſowie aller übrigen noch fraglichen Punkte der altteſtamentlich theokrati⸗ ſchen Verfaſſung erſt von der bevorſtehenden Ankunft des Meſſias als des geweisſagten großen Propheten abgewartet. 2. Ueber die Berechtigung des Aaroniten Onias zur Errichtung eines für die Juden in Egypten beſtimmten Filialtempels könnte man aus dem Grunde in Zweifel ſein, weil nach dem Wortlaute des moſai⸗ ſchen Rechtes nur ein einziger Tempel als Verſammlungsort des ganzen Volkes beſtehen durfte(ſ.§. 107.). Nichts deſto weniger ſcheint dieſer weder in der heiligen Schrift, noch auch von Seite des jüdiſchen hohen Rathes, ſoviel als bekannt, ausdrücklich mißbilligte Schritt aus dem dop⸗ pelten Grunde muthmaßlich gerechtfertigt werden zu können, weil nämlich einerſeits die im moſaiſchen Geſetze gegebenen, doch zunächſt eigentlich nur auf den Zuſtand der Dinge in Paläſtina ſelber berechneten göttlichen Vorſchriften unter den geänderten Zeitumſtänden für den auswärts leben⸗ den Hebräer nicht alle als unbedingt verbindlich betrachtet, andererſeits jedoch in der angeführten prophetiſchen Stelle ein bedingt hinreichender Berechtigungsgrund zu demſelben allenfalls durfte gefunden werden. Aus dem erſten dieſer beiden Gründe läßt es ſich auch entſchuldigen, daß Onias ſogar die Ueberreſte eines ehemaligen Heidentempels für den Zweck des moſaiſchen Cultus benutzte, was natürlich in Paläſtina unter keiner Be⸗ dingung hätte geſchehen dürfen. 3. Für die durchaus geſetzliche Geſinnung der dieſen Tempel fortan beſuchenden egyptiſchen Juden ſpricht unter andern jene aus der gleichen Zeitperiode von Joſephus(Antiqq. lib. XIII. cp. 6.) berichtete Begeben⸗ heit einer zwiſchen Juden und Samaritanern in Gegenwart des Königs Ptolemäus Philometer angeblich abgehaltenen öffentlichen Disputation über die Frage, welcher gon beiden, ob der Tempel zu Jeruſalem oder derjenige auf dem Berge Garizim bei Sichem(vergl.§. 787.) als der wahre und rechte Tempel zu betrachten ſei. Es iſt aber wohl ſehr un⸗ wahrſcheinlich, daß die bei dieſer Gelegenheit den jüdiſchen Geſetzesgelehrten unterliegenden Samaritaner durch den egyptiſchen König gemäß einer bereits dem Kampfe vorausgehend als Bedingung getroffenen Verabredung mit dem Tode ſollten beſtraft worden ſein. §. 877. 1. Maccab. 9, 57— 68. Unter dieſen Umſtänden glaubte Bacchides, da die Erledigung dieſer Frage die Juden für den Augenblick hinreichend untereinander beſchäftigte, ſich nach Antiochia zum Könige Demetrius zurückziehen, und dieſelben nach erfolgtem Tode des von dieſem letztern eingeſetzten Hohenprieſters Alcimus ihrem eigenen Schickſale vorläufig überlaſſen zu können. Erſt auf fremden Antrieb, durch eine von abtrünnig geſinnten Juden ihm ge⸗ machte Anzeige, ließ er wahrſcheinlich Ende des darauffolgenden Jahres 3942 ſich verführen, neuerdings mit einem ſtarken Heere ganz unverſehens 10 J flr ſchen 90 ſhrf eſch n Kinm ſhe! ſle liſch, Hläb lhehe W0 leſſt fchnt Wähkt 05 8 Fie ſtk * ſc 1 4 halkt fclaf Nih fug Jric Jm lfit fcht 253 in Judäa einzubrechen, in der Hoffnung nämlich, den mittlerweile wieder freier ſchaltenden maccabäiſchen Heerführer durch Ueberrumpelung auf⸗ heben zu können. Der begangene Verrath kam aber noch rechtzeitig ge⸗ nug an den Tag, daß Jonathas, bevor er ſich in das durch ſeine Lage ſehr feſte Bergſchloß Bethbeſſen zurückzog, noch Gelegenheit fand, fünfzig desſelben Schuldige dafür noch mit dem Leben büßen zu laſſen. Da nun Bacchides bei ſeiner Ankunft inne wurde, daß Jonathas ihm mit ſeinen Vorſichtsmaßregeln bereits zuvorgekommen, wollte er wenigſtens eine Belagerung von Bethbeſſen, ein Ort, deſſen Befeſtigungswerke in aller Eile erſt hatten ausgebeſſert werden müſſen, nicht unverſucht laſſen, zu welchem Ende er nach erlaſſenem Aufgebote eines jüdiſchen Hilfsheeres auf einem das auf dem Gipfel eines Bergvorſprunges ge⸗ legene Bergſchloß noch überragenden höheren Punkte ſein Lager aufſchlug. Während nun Bacchides Angriffsmaſchinen zur Erſtürmung von Beth⸗ beſſen anlegte, ließ Jonathas mit einem Theile ſeines Heeres aufbrechend, ſeinen Bruder Simon zur Behauptung des Platzes zurück, und übte, während dieſer letztere mittelſt kühner Ausfälle die Belagerungsthürme des Bacchides in Brand zu ſtecken das Glück hatte, an ſeinen auswärtigen Feinden glänzende Waffenthaten aus, bis endlich Bacchides in der Ein⸗ ſicht, daß er nicht zum Zwecke kommen werde, voller Zorn und Verdruß die Belagerung von ſeiner Seite freiwillig wieder aufhob, und anſtatt ſich mit den Maccabäern weiter in Kampf einzulaſſen, vielmehr die ſchlech⸗ ten Rathgeber, welche ihn zu dieſem erfolgloſen Unternehmen verleitet hatten, maſſenweiſe am Leben ſtrafte. Bevor er nun aber ſeinen be⸗ ſchloſſenen Rückzug nach Syrien bewerkſtelligte, knüpfte Jonathas überdieß Friedensunterhandlungen mit ihm an, in Folge deren beiderſeits die Ge⸗ fangenen herausgegeben, und von Bacchides' Seite die Beobachtung ewigen Friedens beſchworen wurde. In Folge dieſes Friedensſchluſſes ſchlug Jonathas ſeinen Wohnſitz in Machmas auf, und übte unter neuerdings verfügter ſtrenger Beſtrafung der Geſetzübertreter von da an eine Art friedliche Verwaltung über das Land aus. 2⁵²⁴ CLXXXIX. Der Hoheprieſter Jonathas. Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg.(Fortſetzung.) §. 878. 1. Maccab. 10, 1—14. Prideaux Connex. ann. 160—153. Nachdem von jetzt an mehrere Jahre mit Ereigniſſen, welche für die hetlige Geſchichte geringere Bedentung haben, vorübergegangen waren, traf im Jahre der Erſchaffung 3947 den König Demetrius das Loos der Wiedervergeltung, inſofern als ein gewiſſer Alexander Balas, der von Heraclides, einem überlebenden Beamten des Königs Antiochus Epiphanes aufgeſtiftet, ſich mittlerweile für einen Sohn dieſes letzteren ausgegeben, uhr und ſogar im Senate zu Rom das Verſprechen vollkommener Neutralität und mittelbarer Unterſtützung erlangt hatte, in dieſem Jahre in Pltole-⸗ mais landete, und mit eben der nämlichen Bereitwilligkeit wie einſt 0 Demetrius in der nächſten Umgebung als rechtmäßiger ſyriſcher König ſ91 anerkannt und bewillkommt wurde. Dieſe für Demetrius zu beſtehende 13 Gefahr brachte der jüdiſchen Sache mit einem Male einen neuen under⸗ hofften Aufſchwung, indem letzterer ſeinem Nebenbuhler mit einem Heere Bit entgegengehend, es in ſeinem eigenen augenblicklichen Vortheile dringend nothwendig erkannte, durch bedeutende in einem eigenhändigen Briefe an 1 Jonathas den Juden eingeräumte Zugeſtändniſſe dieſelben von einem 4 allenfallſigen Uebergange zur Partei des Alexander noch rechtzeitig abzu⸗ ſnih halten. Außer der Herausgabe der auf Bacchides' Anordnung in der 15 Burg Acra in Jeruſalem gefangen gehaltenen jüdiſchen Geißeln gewährte 1 er Jonathas perſönlich das Recht, im Namen des ſyriſchen Königs ein ſ Heer anzuwerben und ihm als Bundesgenoſſen im Kriege Hilfe zu leiſten. mif Jonathas ſchlug nach erfolgter Zurückgabe der Geißeln ſeine Wohnung 1 in Jeruſalem auf, und ließ die Mauern der Stadt und inſonderheit die 5 Vertheidigungswerke der Burg Sion aus großen Quadern gemächlich 0 wieder herſtellen. Gleichzeitig fielen, da die darin verlegten ausländiſchen 1 Beſatzungstruppen unter dieſen Umſtänden den Muth verloren, ſich auf 60 W; die Dauer im Beſitz derſelben behaupten zu können, auch ſämmtliche von Bacchides in Judäa neuangelegten Feſtungen Gergl.§. 875.) auf fried⸗ lichem Wege in ſeine Hände mit Ausnahme des einzigen Bethſura, wel⸗ ches, wie die Burg Acra, vorzugsweiſe durch abtrünnige Juden beſetzt, denſelben zu einer beſtändigen Zufluchtsſtätte diente. l0 Demetrius hatte ſein trauriges Loos durch eine doppelte Verſchuldung reichlich verdient, einmal durch die nachſichtsloſe Grauſamkeit, mit welcher i 255 er ſeinen Vorgänger Antiochus Eupator nicht allein um ſeinen Thron, ſondern auch um das Leben gebracht, darnach aber durch die muthwilligen Intriguen, welche er ſeiner Zeit dem Ariarathes, König von Cappadocien geſpielt, dem er ebenfalls einen unbefugten Nebenbuhler in der Perſon des Holophernes aufgeſtiftet hatte.(S. Prideaux Connex. ad ann. 160.) Ebendeßwegen wurde Alexander Balas auch theils als Vergeltung hiefür von Ariarathes, theils auch von Ptolemäus Philometor aus Rache dafür nachdrücklich unterſtützt, daß Demetrius vor Kurzem einen Angriff auf die Inſel Cypern unternommen hatte(Prid. Connex, ad ann. 154).— Daß Alexander Balas 1. Maccab. 10, 1. ausdrücklich ein Sohn des Antiochus Epiphanes genannt wird, iſt noch kein Beweis, daß der Ver⸗ faſſer des Buches denſelben auch wirklich dafür wollte gehalten wiſſen. Dieſe Benennung ſcheint bloß den Umſtand, daß er als ſolcher von Seite der Juden anerkannt wurde, ohne auf den Thatbeſtand ſelber einzugehen, ausdrücken zu wollen. F. 879. 1. Maccab. 10, 15— 21. Prideaux Connex. ann. 153. Das nach§. 872. zwiſchen Römern und Juden abgeſchloſſene Freund⸗ ſchaftsbündniß verpflichtete dieſe letzteren, die Bundesgenoſſen der Römer in gewiſſem Sinne bis auf einen beſtimmten Grad zu reſpectiren. Es iſt daher begreiflich, daß Jonathas auf einen bald hierauf von Alexander Balas, dem unter offenbarem römiſchen Schutze eingedrungenen, wenn auch ſeiner Geburt nach noch ſo zweideutig berechtigten ſyriſchen Kronbewerber empfangenen Brief, in welchem derſelbe gerade in der Abſicht, ihn als einen wenigſtens neutralen Bundesgenoſſen von Demetrius auf ſeine Seite hinüberzuziehen, ihm die königliche Freundſchaft, die Auszeichnung des Purpurmantels nebſt der goldenen Krone und überdieß ſogar noch die jüdiſche Hohenprieſterwürde zu verleihen ſich beeilte,— kein Bedenken trug, die gewährten Vergünſtigungen, ſoweit als er es wenigſtens mit gutem Gewiſſen konnte, bereitwillig auch anzunehmen. Die durch eine ſeltſame Fügung der Zeitumſtände auf ihn fallende hoheprieſterliche Wahl konnte er aber auch um ſo eher annehmen, als er, im Beſitz der recht⸗ mäßigen Abſtammung von Aaron, zugleich das volle Vertrauen ſeiner Volksgenoſſen in ſeine perſönliche Tüchtigkeit und alleinige augenblickliche Befähigung zu erfolgreicher Behauptung dieſes Amtes durfte vorausſetzen. Deßwegen ließ er bis gegen das in dem Oktober des gleichen Jahres 3947 fällige Laubhüttenfeſt die Ceremonien der Weihe an ſich vornehmen, und trat an dieſem Feſte ſelber zum erſten Male als fungirender Hoher⸗ prieſter öffentlich auf. Zugleich benutzte er die von Demetrius ihm er⸗ theilte Vollmacht dazu, um während dieſer Zeit eine anſehnliche ſtehende hebräiſche Heeresmacht auszurüſten. 256 ——— §. 880. 1. Maccab. 10, 22— 50. Prideaux Connex. ann. 152— 150. Trotz des bedeutenden Gewichtes, welches Jonathas nunmehr durch ſeinen thätigen Beitritt auf die eine oder die andere Seite in die Waag⸗ ſchale des Krieges hätte werfen können, enthielt ſich derſelbe für den Anfang an dem von jetzt an zwiſchen den beiden ſyriſchen Thronbewerbern ausbrechenden Kampfe aller unmittelbaren Betheiligung, in Folge deſſen König Demetrius bei allmälig wankendem Kriegsglücke ſich endlich in die Nothwendigkeit verſetzt ſah, in einem neuen an Jonathas gerichteten Briefe, in der Abſicht, um ihn aus ſeiner bisherigen ſtrengen Neutralität heraus⸗ zulocken, ſeine bereits gemachten königlichen Anerbietungen auf eine un⸗ glaubliche Höhe zu ſteigern. Es wird zwar Jonathas im Texte dieſes Briefes nicht gerade mit ausdrücklichen Worten in dem von Alexander Balas ihm verliehenen hohenprieſterlichen Amte namentlich beſtätigt, dem fortanigen jüdiſchen Hohenprieſter aber außer einem für ganz Judäa in Ausſicht geſtellten ausgedehnten Steuernachlaſſe nebſt Gewährung uner⸗ hörter Privilegien für die Stadt und den Tempel zu Jeruſalem, Frei⸗ laſſung aller im ganzen ſyriſchen Reiche als Sclaven gehaltenen jüdiſchen Volksgenoſſen, Ertheilung beſonderer gerichtlicher Privilegien in Beziehung auf die jüdiſchen Feſt⸗ und Sabbathtage, nebſt bevorzugter Aufnahme von 30,000 Hebräern unter das ſtehende ſyriſche Kriegsheer, Erweiterung des jüdiſchen Landgebietes und dem Verſprechen reichlicher königlicher Beiſteuer ſowohl zur regelmäßigen Abhaltung des Tempeldienſtes als zur vertheidigungsfähigen Wiederherſtellung der Mauern von Jeruſalem, end⸗ lich auch die Herausgabe der Burg Acra in Jeruſalem zu dem Ende zugeſichert, damit der Hoheprieſter dieſelbe nach eigenem Ermeſſen mit zuverläſſigen vertrauten Truppen beſetzen könne. Eben dieſer ins Ueber⸗ triebene geſteigerte Wortlaut der nur in der Noth gemachten königlichen Verſprechungen war jedoch eine der mitwirkenden Urſachen, durch welche Jonathas wahrſcheinlich durch die herrſchende Meinung ſeiner eigenen Anhänger mit fortgeriſſen, die ſich durch eine ſo auffallend herablaſſende königliche Sprache mehr beleidigt und empört, als geſchmeichelt und ver⸗ traulich mochten berührt fühlen, ſich verleiten ließ, gerade erſt von dieſem Augenblicke an es öffentlich mit Alexander zu halten. Die entſcheidende Schlacht, von welcher jedoch nicht gerade erzählt wird, daß auch jüdiſche Truppen daran förmlichen Antheil genommen hätten, fiel vor im Jahre der Erſchaffung 3950, in welcher König Demetrius nach langer tapferer Gegenwehr zuletzt in einem Sumpfe ſein Leben einbüßte. Zur Sicherheit fit) Dunt frurde Kecalt elbl Nao Rißt lch Utt, ſügel Uite. ſhitke he i 6 Ellk 7 Age 6 Mlg Rel like M lf 257 für die Zukunft hatte er indeſſen zwei Jahre zuvor ſeine beiden Söhne Demetrius und Antiochus mit reichen Schätzen bereits nach der ihm be⸗ freundeten Stadt Cnidus in Kleinaſien zu einſtweiliger verborgener Auf⸗ bewahrung abgeſendet. §. 881. 1. Maccab. 10, 51— 66. Alexander Balas, durch dieſen gewonnenen Sieg für den Augenblick auf dem ſyriſchen Throne befeſtigt, benachrichtigte hievon alsbald durch eine eigens abgeſchickte Botſchaft den egyptiſchen König Ptolemäus Philo⸗ metor mit der Bitte, ihm nunmehr ſeine Tochter Cleopatra zur Gemahlin geben, und hiedurch den Grundſtein zu einer neuen dauerhaft freund⸗ ſchaftlichen Verbindung zwiſchen beiden benachbarten Reichen legen zu wollen. Ptolemäus erklärte ſich hiezu auch mit Freuden bereit, verlangte jedoch von Alexander, er möge ihm dieſerhalb zu einer friedlichen Be⸗ grüßung bis nach Ptolemais entgegengehen. Dortſelbſt wurde vermuth⸗ lich noch im Herbſte des gleichen Jahres 3950 das königliche Beilager abgehalten, eine Feierlichkeit, zu deren Verherrlichung durch ſeine Gegen⸗ wart auch der neuernannte jüdiſche Hoheprieſter Jonathas von Alexander eingeladen worden war. Es brachte derſelbe für beide anweſende Könige reiche Geſchenke mit, und befeſtigte ſich bei dieſer Gelegenheit ſo uner⸗ ſchütterlich in ihrer Gunſt, daß anſtatt angehört zu werden, ſeine ihm nachreiſenden klagenden Volksgenoſſen zu ihrer völligen Entmuthigung ihn vielmehr mit Purpur geſchmückt als Freund des Königs an ſeiner Seite ſitzen, und ein ausdrückliches Verbot, daß Niemand während dieſer Tage klagbar gegen ihn auftreten dürfe, vernehmen mußten. CXC. Der Hoheprieſter und Heerführer Jonathas. Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg.(Fortſetzung.) §. 882. 1. Maccab. 10, 67 73. Prideaux Connex. ann. 148. Alexander Balas, durch ſeine Verſchwägerung mit Ptolemäus Philo⸗ metor noch feſter als bisher auf dem ſyriſchen Königsthrone eingewurzelt, genoß ſein irdiſches Glück ohne äußere Störung bis zum Jahre 3953, in welchem Demetrius Nicator, einer der beiden von Demetrius Soter hinterlaſſenen Prinzen(vergl.§. 880.), mittelſt eines auf der Inſel Creta angeworbenen Hilfsheeres den Verſuch machte, durch einen Einfall in die ſyriſche Provinz Cilicien ſich des väterlichen Reiches neuerdings zu Krafft, heil. Geſchichte. II. 17 bemächtigen. Während Alexander durch dieſe Nachricht gezwungen dem neuen Thronbewerber in nordweſtlicher Richtung mit einem Kriegsheere entgegenzog, trat ſein eigener über Phönizien und Cöloſyrien aufgeſtellter Statthalter Apollonius öffentlich auf Demetrius' Seite, und erdreiſtete ſich, da er Jonathas als einen erklärten Anhänger Alexander's im jüdi⸗ ſchen Gebirgslande ſelber anzugreifen keine Luſt hatte, denſelben von Jamnia aus durch eine höhniſche Einladung zu einem Kampfe in der Ebene herauszufordern, bei welcher Gelegenheit er ſicher darauf rechnete, ihn, namentlich durch ſeine ihm zu Gebote ſtehende überlegene Reiterei unfehlbar zu Grunde zu richten. §. 883. 1. Maccab. 10, 74— 89. Wahrſcheinlich um einem wiederholten Einfalle feindlicher Truppen in Judäa vorzubeugen, nahm Jonathas die an ihn ergangene Heraus⸗ forderung an, und zog mit einem ausgehobenen Heere von 10,000 Mann Fußvolk in Begleitung ſeines Bruders Simon ihm in die Ebene ent⸗ gegen, wobei er gleich anfangs das Glück hatte, die befeſtigte Hafenſtadt Joppe dem Apollonius in ſeiner Abweſenheit wegzunehmen. Nachdem er ihm auf dieſe Weiſe gleichſam den Rückweg nach Syrien abgeſchnitten, verfolgte er ihn unverweilt in der Richtung nach Azot, auf welchem Wege Apollonius ihm mit 3000 Reitern entgegenrückend, ihn durch einen ver⸗ ſtellten Rückzug ſo weit lockte, daß er ihn mit 1000 Reitern, die er im Lager verborgen gehalten, von hinten umzingelnd, ihm konnte in den Rücken fallen. Augenblicklich gebot Jonathas ſeinem Heere Stillſtand, und indem er dadurch, daß er einen Theil ſeines Heeres rückwärts ſchwenken ließ, eine Art Carré bildete, hielt das eingeſchloſſene jüdiſche Heer einen ganzen Tag lang den Pfeil- und Lanzenregen der umgebenden Feinde mit vorgehaltenen Schilden ruhig aus, bis, nachdem die Reiterei der erfolgloſen Arbeit endlich müde geworden, Simon gegen Abend einen neuen Angriff machte, durch welchen das ganze feindliche Heer in der Richtung nach Azot in die Flucht geſchlagen wurde. Die Feinde flohen, um ihr Leben zu retten, in den zu Azot befindlichen Tempel des Dagon, wurden aber von dem verfolgenden jüdiſchen Heere, welches dem heid⸗ niſchen Tempel kein Aſylrecht zuerkannte, mitſammt der Stadt und dem Tempel dem Feuer preisgegeben, ſo daß man den Verluſt des Feindes an dieſem Tage auf 8000 Mann berechnete. Von dort aus rückte Jona⸗ thas nach der Stadt Ascalon vor, deren Einwohner jedoch aus Furcht vor einem ähnlichen Schickſale ihm unter einem feierlichen Empfange n 0 g ſch n in n Am. Kuge Ohe Wͤte Hut lurch Wlne mmt 05 0f0 Wülit Welch IA er h. Aafen ſ0 W9 ſe f6 ſb, Vche W0 259 gutwillig die Thore öffneten, worauf Jonathas mit reichlicher Beute nach Jeruſalem zurückkehrte. Auf die Nachricht von dieſem Siege wurde Jo⸗ nathas auch von Alexander noch obendrein königlich beſchenkt, und das ihm als Statthalterſchaft bereits übertragene jüdiſche Gebiet zur Beloh⸗ nung noch anſehnlich erweitert. §. 884. 1. Maccab. 11, 1— 12. Da der zwiſchen Alexander und Demetrius in Cilicien geführte Krieg ſich mittlerweile in die Länge zog, ſo erſah König Ptolemäus Philometor im darauffolgenden Jahre 3954 ſich den gelegenen Zeitpunkt, um unter dem Vorwande, ſeinem bedrängten Schwiegerſohne Alexander Hilfe bringen zu wollen, mit einem bedeutenden Heere über Paläſtina nach Syrien einzubrechen, bei welcher Gelegenheit die Einwohner von Azot vergebliche Anſtrengung machten, durch Vorbringung ihrer Klagen unter Hinweiſung auf den durch den letzten Krieg verurſachten Schaden den durchziehenden egyptiſchenͥKönig gegen Jonathas einzunehmen. Es nahm vielmehr derſelbe die von Joppe aus ihm dargebrachte feierliche Bewill⸗ kommnung dieſes letzteren durchaus gnädig auf, und ließ ſich von Jona⸗ thas ganz gerne bis an den Fluß Eleutherus begleiten, auf welchem Wege er jedoch ſeine gegen Alexander gehegte hinterliſtige Abſicht bereits dadurch hinlänglich zu erkennen gab, daß er in ſämmtlichen ſyriſchen Küſtenſtädten, welche ihm auf Befehl ſeines Schwiegerſohnes Alexander bereitwillig waren eröffnet worden, kleine egyptiſche Beſatzungen zurückließ. So kam er bis nach Seleucia am Ausfluſſe des Orontes, von wo aus er zum erſten Male offen mit der Sprache herausrückend, dem Demetrius Bot⸗ ſchaft zuſendete, mittelſt welcher er ihm unter vorgeblicher Beſchuldigung des Alexander, als habe ihm dieſer nach dem Leben getrachtet, ein Freund⸗ ſchaftsbündniß antragen ließ, als deſſen Beſiegelung er ihn nicht allein als rechtmäßigen König von Syrien anerkennen zu wollen das Verſprechen gab, ſondern ihm noch überdieß ſeine Tochter Cleopatra, die nämliche, welche er bereits dem Alexander vermählt hatte, nach erfolgter Beſiegung dieſes letzteren zur Ehe anbot. Fl. Joſephus(Amiqq. XIII. cp. 8.) ſtellt die Sache etwas anders dar, als der Verfaſſer des erſten Buches der Maccabäer, als ſei Ptole⸗ mäus Philometor wirklich in wohlmeinender Abſicht ſeinem Schwieger⸗ ſohne Alexander zu Hilfe kommend, erſt durch ein erfolgloſes Attentat des im Dienſte des letzteren ſtehenden Ammonius demſelben abwendig gemacht worden. Hiemit ſtreitet aber der Umſtand, daß er egyptiſche Beſatzungen in die ſyriſchen Hafenſtädte verlegte, was laf keinen Fall 17 eine gute Abſicht verräth. Ohnedem kann die unbedingte Glaubwürdigkeit des erſten Buches der Maccabäer in ſolchen Angaben am allerwenigſten durch eine bei Fl. Joſephus zufällig vorfindliche entgegenſtehende Erzählung entkräftet werden.(Aus dem Berichte des erſten Buches der Maccabäer ſcheint hervorzugehen, daß Jonathas die verrätheriſchen Abſichten Philo⸗ metor's zwar wohl durchſchaute, dieſelben aber auf keine Weiſe zu durch⸗ kreuzen ſich berufen fühlte.) Ebenſo wenig glauben wir der bald hier⸗ auf von Joſephus gemachten Angabe, als habe Philometor die ihm angebotene Krönung über Syrien von ſich beſcheiden abgelehnt, Glauben ſchenken zu dürfen. §. 885. 1. Maccab. 11, 13— 19. Joseph. Antiqd. lib. XIII. cp. 8. Pprideaux Connex. ann. 146. Durch die Geſchicklichkeit, mit welcher dieſe Verrätherei von Seiten Ptolemäus Philometor's begangen worden war, hatte er es leicht, von Seleucia aus mit ſeinem Heere in die Hauptſtadt Antiochia einzurücken, woſelbſt er von den der Herrſchaft Alexander's mittlerweile überdrüſſig gewordenen Syrern noch dazu mit Freuden empfangen, ſich ganz gerne über Egypten und Syrien zugleich zum Könige krönen ließ. Auf die Nachricht hievon kehrte Alexander ſchleunig aus Cilicien nach ſeiner Haupt⸗ ſtadt zurück, wurde aber, bevor er dieſelbe erreicht hatte, in einem von Ptolemäus ihm gelieferten Treffen gänzlich geſchlagen, in welchem jedoch Ptolemäus ſelber, zufällig von ſeinem Pferde abgeworfen, eine tödtliche Verwundung davon trug. Alexander, welcher inzwiſchen mit nur 500 Reitern zu dem Araberfürſten Zabdiel ſeine Zuflucht genommen, wurde von demſelben verrätheriſcher Weiſe getödtet, und ſein abgeſchlagenes Haupt dem Ptolemäus zugeſendet. Aber kaum hatte ſich Plolemäus an dieſem Anblicke geweidet, als auch er in Wirkung der erhaltenen Wunden ſein Leben einbüßte, in Folge deſſen Demetrius II. Nicator in dem gleichen Jahre unbeſtritten zu dem ungeſchmälerten Beſitze ſeines väterlichen Reiches gelangte, indem auch die in den ſyriſchen Feſtungen zurückgelaſſenen egyp⸗ tiſchen Beſatzungen auf die Nachricht von dem erfolgten Lebensende des Ptolemäus Philometor unverzüglich von den Einwohnern der betreffenden Städte getödtet wurden. In Egypten aber trat unter Vermittlung eines gerade anweſenden römiſchen Geſandten Ptolemäus VII. Physcon, der Bruder des Philometor, welcher in Folge einer mittlerweile mit ſeinem Bruder vorgenommenen Theilung bisher nur Cyrene beſeſſen hatte, die Regierung des ganzen egyptiſchen Reiches gegen die Bedingung an, daß er Cleopatra, Philometor's Wittwe heirathen, und die neuerworbenen Länder zu Gunſten des von ſeinem Bruder hinterlaſſenen Sohnes lebens⸗ länglich als Vormund verwalten müſſe. Er mißbrauchte jedoch die ihm Wbin 5 It fb Auhe In Lunm me lan lhen! ſith, lüchts Aen W U dadurch gegebene Gelegenheit, indem er gerade am Hochzeittage den Sohn des Philometor in den Armen ſeiner Mutter eigenhändig ermordete. CXCl. Der Hoheprieſter und Heerführer Jonathas. (Fortſetzung.) Jüdiſcher Unabhängigkeitskrieg.(Fortſetzung.) §. 886. 1. Maccab. 11, 20— 24. Die neueingetretene politiſche Conſtellation machte dem hohenprieſter⸗ lichen Heerführer Jonathas Muth, auf die nach allen bereits errungenen Vortheilen noch immer in der Hand einer ſyriſchen Beſatzung übrig ge⸗ bliebene Burg Acra in Jeruſalem im Jahre 3955 einen erneuerten. An⸗ griff zu machen, aus welcher aber auch dießmal es einigen in derſelben zugleich befindlichen abtrünnigen Juden gelang, in der Abſicht, um über Jonathas, den angeblichen Staatsverräther, bei dem jungen Könige Demetrius Klage zu führen, eben noch zu rechter Zeit heimlich zu ent⸗ kommen. Demetrius verfügte ſich auf die hierüber erhaltene Anzeige ſchleunigſt nach Ptolemais, von wo aus er Jonathas gemeſſenen ſchrift⸗ lichen Befehl zuſendete, unter augenblicklicher Einſtellung der begonnenen Belagerung zum Behufe einer perſönlichen Unterredung ihm nach Ptole⸗ mais entgegenzureiſen. Dieſe kritiſch verantwortliche Doppelverlegenheit beſtimmte Jonathas zu dem Entſchluſſe, die Belagerung der Burg einer⸗ ſeits zwar unermüdet in ſeiner Abweſenheit einſtweilen fortſetzen zu laſſen, nichts deſto weniger aber der Einberufung des Königs zu einer perſön⸗ lichen Zuſammenkunft auf der anderen Seite, wiewohl ausgerüſtet mit reichlichen Geſchenken, aber in Begleitung eines anſehnlichen Gefolges von hochgeſtellten Hebräern, auf jede Gefahr unverzügliche Folge zu leiſten. In dieſer allerdings heldenmüthigen Handlung des hohenprieſterlichen Heerführers liegt bereits der eigenthümliche Charakterzug einer übrigens vielleicht allzu gefahrliebenden perſönlichen Entſchloſſenheit ausgeprägt, durch welche allein noch, wie der weitere Verlauf der Geſchichte lehrt, in der Regel nicht nur keine dauernden Reſultate erzielt, ſondern je nach Umſtänden zuweilen auch allzu wichtige Intereſſen auf das Spiel geſetzt werden. Unter den augenblicklichen Zeitumſtänden mochte jedoch ein Mann wie Jonathas gerade an ſeiner rechten Stelle ſein. §. 887. 1. Maccab. 11, 24— 37. Die dreiſte Unerſchrockenheit, mit welcher Jonathas dem Könige in dieſer Weiſe offen entgegentrat, wirkte zu ſeinem Vortheile alſo, daß es mittelſt des günſtigen perſönlichen Eindruckes, den er auf den König zu machen ſo glücklich war, ihm gelang, durch unbefangene Darlegung der ihn dabei leitenden billigen Beſtimmungsgründe die gereizte Erbitterung des Königs über die unternommene Belagerung der Burg Acra nicht allein ſo vollkommen zu beſchwichtigen, daß er dadurch mittelbar zugleich auch ſeinen in Ptolemais perſönlich gegenwärtigen Anklägern das Maul ſtopfte, ſondern daß er den König bei dieſer Gelegenheit auch zur Ab⸗ ſchließung eines für den Augenblick unermeßlich vortheilhaften Vertrages überredete, kraft deſſen gegen eine jährliche Abfindungsſumme von 300 Talenten, für deren regelmäßige Zahlung ſich der Hoheprieſter perſönlich verbürgte, alle weitere Verpflichtung zur Entrichtung verſchiedener Ab⸗ gaben, welche unter verſchiedenen Titeln bisher im Lande waren erhoben worden, von nun an für die ganze dem maccabäiſchen Heerführer anver⸗ traute jüdiſche Provinz gänzlich aufhören ſollte, und zwar in der vollen Ausdehnung, in welcher ſie bereits von Alexander Balas(vergl.§. 883.) demſelben war zugeſprochen worden. Dieſes dem Jonathas einſtweilen mündlich ertheilte königliche Verſprechen wurde bald nach ihrer friedlichen Trennung durch ein von Demetrius an ſeinen oberſten Staatsbevollmäch⸗ tigten Laſthenes gerichtetes eigenes Handſchreiben, das in beglaubigter Abſchrift dem Jonathas ſofort nach Jeruſalem überſendet wurde, auch ſtaatsrechtlich bekräftigt. §. 888. 1. Maccab. 11, 38— 43. Der in dieſer Weiſe für den Augenblick einigermaßen aufgeheiterte politiſche Horizont fing inzwiſchen noch im Laufe des gleichen Jahres 3955 ſich aufs Neue wieder dadurch zu trüben an, daß eine von König Demetrius, der ſich auf ſeinem Throne bereits allzu ſehr geſichert glaubte, vorgenommene Reduction ſeines zahlreichen Kriegsheeres, von welchem er gerade nur die von Creta mitgebrachten ausländiſchen Hilfstruppen in ſeinem Solde behielt, unter den entlaſſenen ſyriſchen Kriegsvölkern leb⸗ hafte Unzufriedenheit rege machte. Dieſer Umſtand erregte nämlich in einem im Dienſte des letztverſtorbenen ſyriſchen Königs Alexander Balas geſtandenen Hofbeamten Namens Tryphon(auch Diodotus genannt) die ehrgeizige Begierde, durch Aufſtellung eines ſyriſchen Gegenkönigs in der Perſon des von Alexander zurückgelaſſenen unmündigen Prinzen Antiochus, welchen der Araberfürſt Emalchuel(der mit dem F§. 885. erwähnten Zabdiel für Eine Perſon gehalten wird) an ſeinem Hofe unterhielt, Demetrius womöglich vom Throne zu ſtoßen. Während nun bei dem erſten Gerüchte von einer in dieſer Abſicht von Tryphon unternommenen Reiſe ſogleich in Syrien ein ſich bis in die Hauptſtadt Antiochia hinein verzweigender Aufruhr losbrach, traf zufällig in dieſem Augenblicke gerade eine von Jonathas nach Antiochia geſendete Botſchaft bei Demetrius ein, mit der Bitte, daß der König zu ſchnellerer Beendigung der ſich in die Länge hinausziehenden Belagerung der Burg Acra, ſowie zu gleichzeitiger Abſtellung der von mehreren anderen ſyriſchen Beſatzungstruppen im Lande verübten Plackereien, durch eigenhändigen Befehl dieſelben zurückzuziehen die Güte haben möchte. Eine zweckmäßigere Gelegenheit konnte es für Demetrius nicht geben, ſich in der drückenden Verlaſſenheit, in welcher er für den Augenblick ſich ſelber befand, unter Ertheilung nicht allein dieſer, ſondern auch vieler anderer weiteren Verſprechungen ſich von Jonathas ſchleunige Hilfe auszubitten. Auf welchem beſtimmenden Grunde die Vermuthung, Zabdiel und Emalchuel für Eine Perſon zu halten, beruht, wiſſen wir, da uns nicht alle Quellen zu Gebote ſtehen, ſelber nicht anzugeben. Jedermann ſieht übrigens, daß nicht viel darauf ankömmt. b. 889. 1. Maccab. 11, 44— 55. So ungern Jonathas in der Gegenwart eine für ihn ſo bedeutende Kriegsmannſchaft im Augenblicke ſelber entbehren mochte, ſendete er dem bedrängten Könige nichts deſto weniger 3000 Mann augenblicklich zur Hilfe zu, welche gerade im rechten Augenblicke eintreffend, den in ſeiner königlichen Burg belagerten Fürſten ſo nachdrücklich vertheidigten, daß ſie von 120,000 Mann, welche geradezu in der Abſicht, den König zu ermorden, im Sturmanzuge begriffen waren, 100,000 an Einem Tage unter Einäſcherung der Stadt erſchlugen, und ſich unter des Königs Einwilligung bei dieſer Gelegenheit mit ſchwerer Beute bereicherten. Dieß war aber auch der einzige Vortheil, den ſie davon trugen, indem der einmal befreite König ſich an ſein in der Noth gegebenes Verſprechen nicht weiter zu binden für der Mühe werth erachtete, und wenn Flavius Joſephus(Antiqd. XIII. 9.) uns zuverläſſig berichtet, ſogar die bereits firirten läſtigen Steuern unter beigefügter Kriegsandrohung nachträglich neuerdings wieder einfordern ließ. Zur Strafe für dieſe undankbare Wortbrüchigkeit erlebte er aber auch bald darauf die Schande, von dem mit ſeinem Plane nunmehr offen hervortretenden Tryphon, welchem die Ueberbleibſel der von Demetrius entlaſſenen ſyriſchen Miethvölker alsbald zufielen, noch im Laufe des gleichen Jahres 3955 aus Antiochia unab⸗ 26⁴ änderlich vertrieben zu werden, an deſſen Stelle ſofort der junge Antiochus zum ſyriſchen Gegenkönige gekrönt wurde. §. 890. 1. Maccab. 11, 56— 74. Nachdem Tryphon durch glückliche Eroberung der königlichen Elephan⸗ ten ſich im Beſitze der neuen Herrſchaft befeſtigt hatte, ſchrieb der junge Antiochus auf ſeine Anleitung einen an Jonathas gerichteten Brief, mittels deſſen er ihn in den von Demetrius gewährten Vergünſtigungen unter Hinzufügung ähnlicher für ſeinen Bruder Simon beſtätigte, welch letzterer vom Libanongebirge an bis an die egyptiſche Grenze darin zum bevollmächtigten königlichen Truppenoberbefehlshaber ernannt wurde. Durch ſolche gewährten Vortheile gewonnen ließ ſich Jonathas beſtimmen, augen⸗ blicklich auch das ganze übrige Paläſtina von Demetrius weg auf An⸗ tiochus' Seite bringen zu helfen, eine Aufgabe, deren Löſung ihm hin und wieder, wie z. B. bei der Aufforderung der ehemals philiſtäiſchen Stadt Gaza vorausgeſchickte ernſtliche Demonſtrationen koſtete, indem die Bürger derſelben erſt durch die Einäſcherung und Plünderung der um⸗ liegenden Dorfſchaften eingeſchüchtert, ſich zum Beitritte auf die Seite des neuen Regiments bewegen ließen. Dieſes nämliche Jahr zeichnete ſich auch durch zwei hinzukommende glänzende Waffenthaten der beiden noch übrigen maccabäiſchen Brüder aus, von denen Simon nach längerer Belagerung endlich das unermeßlich wichtige Bethſura zur Uebergabe zu nöthigen das Glück hatte, Jonathas aber mit einem dem fortan in der Hafenſtadt Seleucia ſich behauptenden Demetrius dienenden Heere in Krieg verwickelt, im nördlichen Galiläa unverſehens in einen Hinterhalt gerieth, bei deſſen Entdeckung ſeine erſchreckten Begleiter beinahe alle in wilder Flucht davon eilten, mit Ausnahme von nur 50 beherzten Män⸗ nern, welche nach Angabe des Fl. Joſephus(Antiqd. XIII. 9.) unter ihren Anführern Mathathias und Judas in der Gefahr bei ihm Stand hielten. In dieſer furchtbaren Bedrängniß auf das Aeußerſte gerüſtet griff Jonathas in heftigſter Gemüthsaufregung mit dieſen 50 Mann den Feind entſchloſſen an, und brachte durch ſeinen kecken Angriff in der That eine ſolche Verwirrung im feindlichen Heere hervor, daß er mit Hilfe der noch rechtzeitig wieder zurückkehrenden Flüchtlinge an dem gleichen Tage unter Erſchlagung von 3000 Feinden einen vollſtändigen Sieg erkämpfte, mit welchem hinreichenden Erfolge vorläufig zufriedengeſtellt er mit ſeinem Heere nach Jeruſalem zurückkehrte. ſik ber (l flbe 10 in Mn in dt Ih 6b 1 f ſchun balſ fl A 5 Maiß Gun Rſen Mube 0 6 Glach Gllt Aaſt! ſhr ‚ CXCII. Des Hohenprieſters und Heerführers Jona⸗ thas Gefangennehmung. Erneuertes Bündniß mit Rom. Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg. (Fortſetzung.) §. 891. 1. Maccab. 12, 1— 34. Nachdem Jonathas wahrſcheinlich noch zu Ende des Jahres 3955 eine zweite jüdiſche Geſandtſchaft zur Erneuerung des im Jahre 3940 abgeſchloſſenen Bündniſſes(vergl.§§. 868. 872.) nach Rom abgeordnet hatte, welche nach glücklich erreichtem Zwecke in ſeinem weiteren Auftrage auf ihrem Rückwege auch die Stadt Sparta zu dem Endzwecke berühren ſollte, um durch einen ihr mitgegebenen Brief, deſſen Originaltext uns im erſten Buche der Maccabäer noch erhalten iſt, die Erinnerung an eine bereits vor 150 Jahren ungefähr eingegangene nationale Brüderſchaft (Vergl.§. 788. Anmerkung) auch dort wieder aufzufriſchen, erfuhr der⸗ ſelbe wahrſcheinlich im Anfange des darauffolgenden Jahres 3956, daß ein von Demetrius ausgeſendetes noch weit zahlreicheres Heer als das im vorigen Jahre neuerdings gegen Paläſtina im Anzuge begriffen ſei. Jonathas zog demſelben ſchleunig entgegen, konnte aber trotz ſeines Wun⸗ ſches mit demſelben nicht einmal handgemein werden, indem der Feind auf die gemachte Wahrnehmung, daß Jonathas auch zur Nachtzeit in ſeinem Lager ſchlagfertig gerüſtet daſtand, um einen von dem Feinde beabſichtigten, aber rechtzeitig bereits ausgekundſchafteten nächtlichen Ueber⸗ fall desſelben ſogleich mit kräftiger Gegenwehr zu empfangen, noch vor Tagesanbruch ſchleunig den Rückzug antrat, und zwar in ſolcher Eile, daß Jonathas, durch die abſichtlich im Lager brennend unterhaltenen Nachtfeuer getäuſcht, des andern Morgens ſie nicht mehr dieſſeits des die Grenze bildenden Fluſſes Eleutherus zu ereilen im Stande war. Statt deſſen benutzte er die gegenwärtige Expedition, um den benachbarten Araberſtamm der Zabadäer für begangene Feindſeligkeiten zu züchtigen, von wo aus er über Damascus allmälig wieder den Rückweg einſchlug. Gleichzeitig durchſtreifte Simon, der Bruder Jonathas' das ehemalige Gebiet der Philiſtäer, und traf eben noch rechtzeitig in Joppe ein, um dieſe erſt vor Kurzem von Jonathas beſetzte Hafenſtadt(vergl.§. 883.) vor einer beabſichtigten verrätheriſchen Auslieferung an Demetrius in erneuerten Beſchlag nehmen zu können. Die beiläufige Erwähnung von Damascus ſcheint nach Joſephus (Antiqd. XIII. op. 9.) den Sinn zu haben, daß Jonathas in dieſer Handelſtadt die den Zabadäern abgenommene Beute verkauft hat. §. 892. 1. Maccab. 12, 35— 38. Von ſeinem Feldzuge glücklich in Jeruſalem wieder angelangt, berief Jonathas eine Aelteſtenverſammlung(d. h. wahrſcheinlich eine Sitzung des Hohenrathes), in welcher er ſeinen Landsleuten den Vorſchlag machte, zu fernerer deſto nachdrücklicherer Behauptung der erlangten politiſchen Vortheile nicht allein ſonſtige feſte Plätze in Judäa anzulegen, ſondern namentlich auch in Jeruſalem ſelber die Burg Acra, auf deren gewalt⸗ ſame Eroberung er nach den gemachten Erfahrungen Verzicht leiſtete, wenigſtens mit einer anſehnlichen Mauer zu umzingeln, zu dem Endzwecke, um der darin liegenden ſyriſchen Beſatzung alle weitere Zufuhr von Lebensmitteln gewaltſam abzuſchneiden. Beide Vorſchläge wurden begierig aufgenommen, und der erſtere derſelben unter Simon's, der letztere unter Jonathas' Anleitung in alsbaldige Ausführung gebracht, bei welcher Gelegenheit auch die verfallenen Stellen an der Ringmauer von Jeru⸗ ſalem wieder hergeſtellt wurden. §. 893. 1. Maccab. 12, 39— 41. Die anfangs nur zu nothgedrungener Vertheidigung der auf gött⸗ lichem Geſetze ruhenden israelitiſchen Religions-und Gewiſſensfreiheit unternommene, erſt im Laufe der Zeit daher unwillkührlich auch eine politiſche Natur angenommen habende maccabäiſche Schilderhebung(vergl. §. 816.) ſchien mittels ſolcher unaufhaltſam reißenden Fortſchritte von dem erſehnten Ziele einer neuerdings errungenen völligen politiſchen Landes⸗ unabhängigkeit ſomit bereits nicht mehr weit entfernt zu ſein, als ſie zu guter Letzt noch einmal auf eine neue verzweifelte Probe geſtellt wurde. Der dieſelbe bedrohende Feind war nämlich kein anderer, als eben jener Tryphon, welcher der maccabäiſchen Sache in der letzten Zeit zwar die weſentlichſten Dienſte geleiſtet hatte, dem aber bei ſeiner von Anfang an insgeheim gehegten verrätheriſchen Abſicht, die Perſon des unmündigen Prinzen Antiochus nur zu einem Fußſchemel zu mißbrauchen, um ſich nach ſeiner dereinſtigen Ermordung ſelber auf den ſyriſchen Königsthron ſchwingen zu können, nunmehr gerade die ihm wohlbekannte unerſchütter⸗ liche Ehren⸗ und Charakterfeſtigkeit des um ſeine Religionsfreiheit kämpfenden jüdiſchen Volkes und ſeines gegenwärtigen Hohenprieſters als das einzige Hinderniß zur Erreichung ſeines verbrecheriſchen Endzweckes 11 1 fl I min Kegont bomt fihre iz Mn ſch. ller U g Gllit g, auen r! ſ0 0 267 im Wege ſtand. Um dieſes Hinderniß möglichſt wohlfeil aus dem Wege zu räumen, bot derſelbe alle mögliche Geſchicklichkeit und Thatkraft auf, um in der Hoffnung, ſich Jonathas' perſönlich bemächtigen zu können, mitten im Frieden an der Spitze eines zahlreichen Heeres im Laufe des begonnenen Jahres 3956 ſo tief als möglich in Paläſtina einzudringen, konnte jedoch der unübertrefflichen Wachſamkeit des maccabäiſchen Heer⸗ führers keinen ſolchen Vorſprung abgewinnen, daß ihm derſelbe nicht be⸗ reits bis Bethſan(Scythopolis) mit einem jüdiſchen Heere von 40,000 Mann ſchlagfertig gerüſtet entgegengekommen wäre. §. 894. 1. Maccab. 12, 42— 47. Durch das von Jonathas bei dieſer Gelegenheit bewieſene unerhörte Maß von Thatkraft und Geiſtesgegenwart zu nothgedrungener Aufgebung ſeines nächſten Zweckes veranlaßt, beſaß Tryphon leider nur zu viel in⸗ nerlich durchtriebene Gewandtheit, um nicht nach Vereitelung ſeines erſten ſogleich zur Anlegung eines zweiten, je verſteckteren deſto gefährlicheren Planes, der ihm für den Augenblick am nächſten lag, überzugehen. In⸗ dem er nämlich augenblicklich ſeine Rolle wechſelnd, dem heerführenden Hohenprieſter unter den Zeichen der ſcheinbar ungeſuchteſten Ehrerbietung mit erheuchelter Zutraulichkeit entgegenging, ſuchte er ihn wegen ſeines unvermutheten Einbruches mit dem aus dem Stegreife erſonnenen Vor⸗ geben zu beruhigen, als ſei er nur in der Abſicht gekommen, um ihm außer einigen anderen fortwährend von ſyriſchen Truppen beſetzten feſten Plätzen in Paläſtina namentlich die wichtige Hafenſtadt Ptolemais fried⸗ lich zu überliefern, weßwegen er ihn einlud, unter Entlaſſung ſeines zahl⸗ reichen Heeres ihn nur in Geſellſchaft weniger vertrauter Angehörigen dorthin begleiten zu wollen. Eine ſolche in ſeiner Vorſtellung unvermuthet ſich ihm eröffnende glänzende Ausſicht machte auf Jonathas einen zu überraſchenden Eindruck, als daß er ſein anfänglich in Tryphon's redliche Geſinnung geſetztes Mißtrauen länger zu behaupten wäre fähig geweſen, weßwegen er, um eine ſo günſtige Gelegenheit zur Vergrößerung ſeines Gebietes nicht unbenutzt zu laſſen, wirklich den Mangel an Vorſicht be⸗ ging, von ſeinem ganzen Heere nur 3000 Mann übrig zu behalten, von denen er überdieß noch 2000 in der galiläiſchen Ebene zurücklaſſend, mit nur 1000 Mann dem Zuge Tryphon's in der Richtung nach Ptolemais ſich anſchloß. CEs iſt eine eigenthümlich wehe thuende pfychologiſche Beobachtung, einen außerdem ſo ausgezeichneten Mann wie Jonathas in Beziehung auf perſönliche Menſchenkenntniß im gegebenen Falle an einer ſo auf⸗ fallend kurzſichtigen Beſchränktheit leiden zu ſehen. Gerade jene in der Anmerkung zu§. 886. gerügte übertriebene Geneigtheit zu raſchen Ent⸗ ſchließungen ſcheint den Uebelſtand im Gefolge zu haben, daß man leichter als andere Menſchen von durchtriebenen Betrügern hintergangen wird. 6. 895. 1. Maccab. 12, 48— 54. Jonathas' Begleiter waren kaum in die Stadt Ptolemais eingerückt, ſo wurde das Thor hinter ihnen geſchloſſen, und auf ein gegebenes Zeichen das jüdiſche Heer von allen Seiten verrätheriſch überfallen und bis auf den letzten Mann niedergemacht. Jonathas allein blieb als lebender Gefangener in Tryphon's Gewahrſam, welch letzterer in der Hoffnung, auch die übrigen in Galiläa zurückgebliebenen 2000 Gefährten des macca⸗ bäiſchen Heerführers mit Einem Schlage ebenfalls zugleich mit zu Grunde zu richten, unverzüglich Fußvolk und Reiterei gegen dieſelben ausſchickte. Es ſetzten ſich jedoch dieſelben, von der verrätheriſchen Einkerkerung ihres Feldherrn bereits zum Voraus unterrichtet, mit ſolcher Erbitterung zur Wehre, daß die angreifenden Feinde es für gerathener fanden, ſelber den Rückweg einſchlagend, auch ſie ungekränkt ihrer Wege gehen zu laſſen. Nachdem dieſelben glücklich in Jeruſalem eingetroffen waren, wurde, wie⸗ wohl Jonathas noch lebte, nichts deſto weniger bereits eine allgemeine Trauerfeierlichkeit ſeinetwegen veranſtaltet, zu welcher auch ein um ſo gerechterer Anlaß deßwegen vorhanden war, weil bei der erſten Nachricht von dieſem unglücklichen Vorfall ringsumher bei den benachbarten heid⸗ niſchen Völkern neuerdings Judenverfolgungen auszubrechen anfingen. Dieſe denkwürdige Begebenheit der Ueberrumpelung Jonathas in den Mauern der Stadt Ptolemais dient, da wir uns auf eine andere Weiſe eben nicht darüber zu tröſten wiſſen, zu einer ewigen Warnungstafel für alle Vertreter einer guten Sache, neben der tapferen Hingebung für die⸗ ſelbe doch auch die Tugend kluger Wachſamkeit ſelbſt bis zum letzten Augenblicke nicht unbeachtet zu laſſen, indem es kaum denkbar iſt, daß dieſe 1000 Mann, im Fall ſie vorſichtig genug auf ihrer Hut geweſen wären, nicht wenigſtens noch vor den Thoren der Stadt ihrem unglück⸗ lichen Schickſale hätten entgehen können. Und ſelbſt wenn Jonathas in die Stadt einzuziehen ſich ermuthigt fühlte, ſo hätte er ſich doch durch Beſetzung des Thores wenigſtens den Rückzug frei halten können. Ge⸗ rade im Umgange mit ſolchen zweideutigen Freunden, wie Tryphon einer war, muß man auf Schritt und Tritt gemeſſene Vorſichtsmaßregeln er⸗ greifen, durch welche dieſelben, im Falle ſie ſich auch dadurch könnten beleidigt fühlen, doch wenigſtens immer gerade und ehrlich zu handeln gezwungen werden. Uebrigens darf man, wenn in der Vertheidigung einer guten Sache in dieſer Weiſe ein noch ſo ſchreiender Mißgriff be⸗ 90 1 4 UAcl Adiſ Gahl Ih Kitet Wüultt ſhas hert Werht lihen Vuge er! U s ducht lhe 0 Aüm 01 Guch üch W 10 269 gangen worden, dem Beiſpiele des Simon Maccabäus nachahmend, den Muth und die Hoffnung darum keineswegs aufgeben. Solche von jeher von den Guten begangene, und wohl auch in Zukunft muthmaßlich wie⸗ der begangen werdende Fehler kommen vielmehr, wie der Verlauf der Geſchichte zeigt, demungeachtet auf doppelte Weiſe wiederum der Sache ſelber zu Gute, indem einmal durch ſolche bittere Erfahrungen wenigſtens für den Augenblick die moraliſche Einſicht eines ganzen Volkes merklich geſchärft, anderſeits aber die Entwicklung der menſchlichen Ereigniſſe überhaupt in einen beſchleunigten Gang gebracht wird, welche im gegen⸗ wärtigen Falle den Hebräern das erſehnte Ziel gänzlicher politiſcher Un⸗ abhängigkeit in der That weit früher noch zu Wege brachte, als dasſelbe ohne dieſen an ſich allerdings traurigen Zwiſchenfall in Ausſicht geſtan⸗ den wäre. CXOCIII. Des Hohenprieſters Jonathas Lebensende. Züdiſcher Unabhängigkeitskrieg. Simon Heerführer.(Fortſetzung.) §. 896. 1. Maccab. 13, 1—9. Die durch Jonathas' Gefangennehmung plötzlich herbeigeführte kritiſche Sachlage, welche von Tryphon ſofort noch im Spätherbſte des gleichen Jahres 3956 zu einem von Ptolemais aus erſt recht planmäßig einge⸗ leiteten allgemeinen Angriffe auf die Exiſtenz des ganzen jüdiſchen Volkes benutzt wurde, machte ſich dadurch um ſo fühlbarer, daß, ſo lange Jona⸗ thas noch lebte, ſeine Stellung ſowohl als Hoherprieſter als auch als oberſter Heerführer nicht eigentlich durch einen anderen konnte erſetzt werden. Dieſer verlegene Umſtand trug bei dem niederſchlagenden ſitt⸗ lichen Eindrucke, welchen das ganze Ereigniß nothwendiger Weiſe zur Folge gehabt, begreiflich das Seinige wenigſtens mit dazu bei, um zu der peinlichen Rathloſigkeit, welche ſich des ganzen Volkes augenblicklich bemächtigt hatte, auch eine gefährliche Unthätigkeit hinzukommen zu laſſen, aus welcher ſie der zu dieſem Endzwecke aus der Provinz nach Jeruſalem ausdrücklich herbeieilende Simon, der unter den maccabäiſchen Brüdern letzte noch übrig gebliebene, einigermaßen erſt mußte hervorrütteln. Er that dieſes, indem er nämlich ſofort eine Volksverſammlung in Jeruſalem zuſammenberief, in welcher er als Redner auftretend, mit Hinweiſung auf die Verdienſte, welche ſich die maccabäiſche Familie überhaupt um die Sache des israelitiſchen Volkes bisher erworben, und auf die Opfer, welche dieſelbe ohnehin deßwegen bereits gebracht habe, ſich ſelber zum Nachfolger ſeiner Brüder Judas und Jonathas anbot, und als ſolcher mit ebenſo bereitwilliger Aufopferung ſeines Lebens, wie jene, die Sicher⸗ heit, Freiheit und Ehre des jüdiſchen Heiligthums, ſowie der dem ganzen Volke angehörenden Kinder und Weiber in der gegenwärtig ſich neuer⸗ dings erhebenden allgemeinen Gefahr ſchützen und vertheidigen zu wollen das Verſprechen gab. Simon hatte noch nicht ausgeredet, als er unter einem förmlich ſturmweiſe hervorbrechenden einſtimmig allgemeinen Volks⸗ zurufe zum oberſten Heerführer an Judas' und Jonathas' Stelle ernannt und als ſolcher ohne Aufſchub mit unbedingter adminiſtrativer und richter⸗ licher Vollgewalt bekleidet wurde. In welchem Claſſiker werden ſo leicht Darſtellungen ſolcher charakteri⸗ ſtiſcher wahrer Volksſcenen, als wie wir deren nun ſchon eine ziemliche Zahl im ganzen Alten Teſtamente aufgefunden haben, wieder angetroffen? F. 897. 1. Maccab. 13, 10— 16. Nachdem Simon noch vor dem von Seite Tryphon's bewerkſtelligten Auszuge aus Ptolemais eben Zeit gefunden hatte, die noch nicht beendigte Herſtellung der Ringmauern Jeruſalems in aller Eile nothdürftig zu vervollſtändigen, während deſſen Jonathas, der Sohn Abſalom's, einer ſeiner Kriegshauptleute, den Auftrag hatte, die Stadt Joppe von einem neuerdings ſich geltend machenden aufrühreriſchen Elemente unter der dortigen Stadtbevölkerung zu reinigen, trafen Simon und Tryphon end⸗ lich beiderſeits an einem Orte mit Namen Addus ſchlagfertig gerüſtet aufeinander, von denen der letztere den gefangenen Jonathas gleichſam im Triumphe mit ſich umherführte. Da nun Tryphon durch die un⸗ erwartet ſchleunig erfolgte Einrückung Simon's in das Amt ſeines noch lebenden Bruders überraſcht, auch dießmal wieder entſchiedene Abneigung fühlte, den Ausgang des Krieges auf die Spitze eines offenen Kampfes zu ſtellen, nahm er wiederholt zu heuchleriſcher Verſtellung ſeine Zuflucht, mittels deren er unter Fortſpielung ſeiner einmal angenommenen vertrau⸗ lichen Rolle Simon durch Geſandte die vorgeſchützte Botſchaft ausrichten ließ, daß er Jonathas aus keiner anderen Urſache, als bloß wegen rück⸗ ſtändiger Zahlung von dem Könige geforderter Landesabgaben einſtweilen feſtzunehmen ſich genöthigt geſehen habe, weßwegen er bereit ſei, gegen Erlegung einer Caution von 100 Talenten in Silber und gegen Aus⸗ lieferung der beiden Jonathas angehörenden leiblichen Söhne, denſelben wieder auf freien Fuß zu ſetzen, um auf dieſe gegebene Grundlagen hin deſto feſtere neue Unterhandlungen zwiſchen dem Könige Antiochus und dem jüdiſchen Volke anknüpfen zu können. 1 fl ſe enn nach fele Edhah ſch g flch Run al 271 §. 898. 1. Maccab. 13, 17— 19. Nichts konnte das natürlich perſönliche Selbſtgefühl in Simon be⸗ greiflich wohl auf eine demüthigender kränkende Weiſe herabdrücken, als die ſchamloſe Zumuthung dieſes elenden Heuchlers, ſeine Anerbietungen wenn auch nicht für Ernſt halten, doch wenigſtens dem äußeren Scheine nach als ernſtlich gemeinte Vorſchläge gelten, und ſolche neuerdings ge⸗ ſtellte ſchimpfliche Forderungen, zumal auf die Gefahr eines zu dem Schaden noch begreiflicher Weiſe hinzukommenden herzloſen Spottes hin, ſich gutwillig gefallen laſſen zu ſollen. Gleichwohl mußte Simon nicht allein zu dieſer ihm gebotenen offenbaren Verhöhnung ſtillſchweigen, ſon⸗ dern aus Rückſicht auf den unter ſeinen Volksgenoſſen noch immer ob⸗ waltenden hartnäckigen Mangel an tieferer Menſchenkenntniß überdieß ſogar auch ſeine Einwilligung noch dazu hergeben, indem, im Falle er dieſelbe verweigert, er hätte befürchten müſſen, daß das ſo wie ſo voraus⸗ ſichtliche unglückliche Lebensende Jonathas' auch ihm ſelber noch als Er⸗ folg ſeiner mangelnden brüderlichen Aufopferung förmlich zur Laſt gelegt, und aus wer weiß was für ſelbſtſüchtigen und ehrgeizigen Abſichten würde hergeleitet werden. Somit erhielt Tryphon in der That, was er verlangt hatte, ohne jedoch einen anderen für die jüdiſchen Volksgenoſſen aus dieſem Opfer hervorgehenden nützlichen Erfolg, als daß ihnen über die wahre Beſchaffenheit von Tryphon's Charakter bei dieſer Gelegenheit endlich einmal die Augen des Geiſtes hinreichend geöffnet wurden. Eine eigenthümlich belehrende weitere geſchichtliche Beobachtung zeigt uns, wie dieſes dem Simon begreiflicher Weiſe gegenwärtig ſo nahe gehende weitere Opfer ihm ſelber in anderer Beziehung gerade zum ent⸗ ſchiedenſten Vortheil gereichen ſollte, indem, da keiner der übrigen macca⸗ bäiſchen Brüder Leibeserben hinterließ, in Folge dieſer Auslieferung der beiden Söhne des Jonathas ſeine eigene, Simon's, als einzige Familie übrig blieb, auf welche ſeiner Zeit die erbliche Landesſouveränität konnte übertragen werden. b. 899. 1. Maccab. 13, 20— 22. Nachdem Tryphon durch die wortbrüchige Zurückbehaltung ſowohl des gefangenen Jonathas, als auch ſeiner auf Treue und Glauben ihm anvertrauten beiden Söhne ſich endlich doch wenigſtens als den ehrloſen Verräther, der er war, einmal unzweideutig entlarvt hatte, rückte er, die⸗ ſelben beſtändig als Gefangene mit ſich führend, mit ſeiner überlegenen Heeresmacht nach Judäa vor, ohne jedoch, da er dem Schritt vor Schritt auf dem Fuße ihm nachfolgenden Simon nirgends eine Gelegenheit zu offener Schlacht darzubieten den Muth hatte, etwas Erkleckliches auszu⸗ richten. Nur von ſeinem bei Ador(einem ſüdweſtlich von Hebron ge⸗ legenen, damals zu Idumäa gerechneten feſten Platze, ſiehe v. Raumer's Paläſtina 3. Aufl. S. 152.) geſchlagenen Lager aus hätte er den Juden einen beträchtlichen Schaden zufügen können, indem er auf einen dort erhaltenen dringenden Hilferuf, welchen die Beſatzung der Burg Acra in Jeruſalem um Zuſendung von Lebensmitteln an ihn hatte ergehen laſſen, ſich anſchickte, mit ſeiner ganzen Reiterei noch in derſelben Nacht auf dem kürzeſten Wege nach der jüdiſchen Hauptſtadt aufzubrechen. Es trat aber unvermuthet glücklicher Weiſe in demſelben Zeitpunkte ein ſo tiefer Schnee⸗ fall ein, daß er ſein Vorhaben nothgedrungen wieder aufgeben mußte. §. 900. 1. Mabcab. 13, 22— 30. Dieſe nämliche plötzlich eingetretene rauhe Witterung ſcheint Tryphon zugleich zum Entſchluſſe eines ſchleunigen Rückzuges veranlaßt zu haben, welchen er wahrſcheinlich auf dem Wege um das Südende des todten Meeres herum ſofort bewerkſtelligte. Bevor er jedoch die Grenze von Paläſtina überſchritt, beliebte es ihm, da der Beſitz des gefangenen Jona⸗ thas und ſeiner beiden Söhne ihm zur Erreichung ſeines beabſichtigten Zweckes keinen weiteren Vorſchub leiſten konnte, dieſelben an dem Orte Bascama in der Landſchaft Galaad abſchlachten zu laſſen. Simon, welcher den Zug Tryphon's fortwährend begleitet zu haben ſcheint, holte die körperlichen Ueberreſte derſelben dort ab, und überbrachte ſie, von dort aus zurückkehrend, in das Grab ſeiner Väter nach Modin, woſelbſt er nach Abhaltung eines von dem ganzen Volke mit unbeſchreiblicher Theil⸗ nahme begangenen Trauerfeſtes ein prachtvolles Mauſoleum mit ſieben Pyramiden darüber errichtete, in ſo großartigem Bauſtyle, daß es weit vom Meere aus von den vorbeifahrenden Schiffern konnte geſehen werden. In v. 22. des angezeigten bibliſchen Abſchnittes iſt die lateiniſche Ueberſetzung nach der griechiſchen zu verbeſſern, deren Sinn ungefähr folgender iſt: daß Tryphon in Folge des erwähnten plötzlichen Schneefalls nicht allein ſeine beabſichtigte Dazwiſchenkunft zum Beſten der belagerten Syrer in der Burg Acra, ſondern zugleich aüch die Fortſetzung des ganzen Feldzuges gänzlich aufzugeben ſich genöthigt geſehen, und deß⸗ wegen ſogleich in der Richtung nach dem Lande Galaad ſeinen definitiven Rückzug angetreten habe. Es müßten alſo die lateiniſchen Worte eigent⸗ lich vervollſtändigt ungefähr alſo lauten:„et non venit, sed abiit in Galaaditim.“— Die Thatſache ſelber beweiſt, wie ſolche gottloſe Intri⸗ guanten, als Tryphon einer war, mitſammt ihrer überlegenen durch⸗ triebenen Schlauheit demungeachtet vermöge göttlicher Leitung der guten Sache nichts anhaben können.— Ueber die geographiſche Lage von Modin beſteht nach v. Raumer(Paläſtina 3. Aufl. S. 194.) einige Ungewiß⸗ heit, indem zwei verſchiedene Orte dieſes Namens gefunden werden. Das wahre Modin der Maccabäer, die Spitze eines vom Meere aus ſichtbaren Gebirgsvorſprunges ſcheint in der Nähe von Diospolis oder Lydda im Gebiete des ehemaligen Stammes Dan gelegen zu haben. Joſephus und ſogar Euſebius wollen das maccabäiſche Grabmal, welches demnach noch bis in das vierte Jahrhundert nach Chriſtus geſtanden wäre, mit eigenen Augen geſehen haben(ſ. Prideaux's Connex. ann. 143.)— Ueber das im Paragraphen zugleich erwähnte Lebensende des Hohenprieſters Jonathas haben wir weiter keine Bemerkung hinzuzufügen, als daß wir es auch hier wiederum ebenſowohl als wie bei Judas Maccabäus, für kein Un⸗ glück anſehen, ſelbſt als natürliche Strafe einer begangenen eigenen groben Unvorſichtigkeit überdieß noch durch die Hand eines elenden Verräthers in einer ſolchen Zeit wie die damalige auf ſchimpflich gewaltſamem Wege ſein Leben laſſen zu müſſen. Jonathas bleibt ſeiner eingeſtandenen per⸗ ſönlichen Unvollkommenheiten ungeachtet eines der ausgezeichnetſten Werk⸗ zeuge, beziehungsweiſe einer der glorreichſten Märtyrer für die gute Sache, deren ſich Gott im ganzen Alten Teſtamente bedient hat. CXCIV. Glücklicher Ausgang des jüdiſchen Unab⸗ hängigkeitskrieges. Der Heerführer und Hoheprieſter Simon III. der Macrcabäer. §. 901. 1. Maccab. 13, 31. 32. cp. 14, 40. Das Opfer, welches mit der Perſon des letzten Hohenprieſters und maccabäiſchen Heerführers Jonathas für die Wiedererſtehung der hebräi⸗ ſchen Volksunabhängigkeit von Gott gefordert worden, war unter allen bisherigen vielleicht das ſchmerzlichſte, aber auch das letzte, indem das ſo lange unter unzähligen gegebenen Beweiſen thätiger Selbſtverleugnung angeſtrebte Ziel von nun an mit raſchen Schritten ſeiner endlichen Ver⸗ wirklichung entgegenging. Einer der erſten weſentlichen Fortſchritte, wel⸗ chen die maccabäiſche Sache machte, war, daß Tryphon durch die bald nach ſeiner Rückkehr, wahrſcheinlich im Anfange des darauffolgenden Jahres 3957 ſtattfindende wirkliche Verübung ſeines ſchon lange beabſich⸗ tigten verrätheriſchen Königsmordes alle ſittlichen Verbindlichkeiten eigen⸗ händig aufhob, welche auch nach ſolchen Vorgängen noch Jonathas' Nachfolger gegen die Perſon des unglücklichen Prinzen Antiochus zu be⸗ obachten übrig geblieben wären, worauf er durch eine nachfolgende in jeder Beziehung tadelnswerthe Regierung auch in den Augen der Heiden ſeine ſittenlos perſönliche Nichtswürdigkeit öffentlich an den Tag legte. Krafft, heil. Geſchichte. II. 18 274 F. 902. 1. Maccab. 13, 33— 18. Simon, welcher in der Zwiſchenzeit mit der Anlegung und Verpro⸗ viantirung tauglicher feſter Plätze in Judäa emſig fortgefahren hatte, be⸗ nutzte dieſen Umſtand, um ſogleich im Laufe dieſes Jahres unter Bei⸗ fügung einer goldenen Krone nebſt Palmzweig mit dem längere Zeit verlaſſenen Könige Demetrius II. Nicator erneuerte Unterhandlungen anzuknüpfen, welcher in der fortwährenden Bedrängniß, in der er ſeitdem Tryphon gegenüber ſich befunden hatte, allenfalls unter gleichzeitiger Berückſichtigung des in letzter Zeit neuerdings zwiſchen Juden und Römern beſtätigten Bündniſſes(vergl.§. 891.) ſich endlich zur Ertheilung voller Amneſtie, Abgabenfreiheit und zur Anerkennung ſelbſtſtändiger National⸗ rechte des jüdiſchen Volkes, indem er zugleich Simon die Hoheprieſter⸗ würde verlieh, in der ganzen Ausdehnung des von den Juden in Anſpruch genommenen Landgebietes gutwillig herbeiließ. Obwohl bei alle dem dem ſyriſchen Könige noch immer eine Art Landesoberherrlichkeit übrig blieb, wurde dieſe Thatſache gleichwohl als der Anfang der wieder erlangten Volksunabhängigkeit betrachtet, und zum Ausgangspunkte einer neuen Zeitrechnung erhoben. In dem gleichen Jahre wurde die Stadt Gazara für in neueſter Zeit begangene Feindſeligkeiten von Simon mit einem Belagerungskriege heimgeſucht, in Berückſichtigung ihrer nachträglichen freiwilligen Unterwerfung aber mit weiteren Feindſeligkeiten verſchont, nur mit dem Vorbehalte, daß aller Götzendienſt gewaltſam in derſelben abgeſchafft und dieſelbe unter Ausbeſſerung ihrer Befeſtigungswerke zu einer neuen fortan jüdiſchen Feſtung erhoben wurde. In der Stelle 1. Maccab. 13, 43. muß aus mehreren bei Prideaur ann. 143 angeführten Gründen nicht Gaza, ſondern Gazara geleſen werden, was auch in den Zuſammenhang der nachfolgenden Geſchichte unbedingt beſſer hineinpaßt. Hoz F§. 903. 1. Maccab. 13, 49— 54. In dem darauffolgenden Jahre 3958 wurde endlich auch die in der Burg Acra zu Jeruſalem eingeſchloſſene feindliche Beſatzung durch Hunger zur Capitulation genöthigt, und in Folge derſelben gegen Mitte Mai d. FJ. mit freiem Abzug ungekränkt entlaſſen. Simon beſtimmte den Tag des feierlichen Einzuges, an welchem dieſelbe zugleich von allen abgöttiſchen Gräueln gereinigt wurde, zu einem beſtändigen Gedenktage. Joſephus erzählt(Amiqq. XIII. 11. gegen das Ende), daß auf ſeinen in der jüdi⸗ u füäh 15 f Ruke 1 if der 38 ſchen Rathsverſammlung gemachten Vorſchlag der Beſchluß gefaßt wurde, nicht allein die Burg ſelber, ſondern auch die ganze derſelben zur Unter⸗ lage gedient habende Anhöhe völlig abtragen zu laſſen, damit an dieſer Stelle niemals wieder ein derartiges Hinderniß für die freie Ausübung des Tempeldienſtes könnte errichtet werden,— eine Arbeit, welche drei volle Jahre in Anſpruch nahm. Für ſich ſelbſt erbaute Simon unmittel⸗ bar auf dem Tempelberge und zwar auf der nördlichen Seite des Tem⸗ pels einen Palaſt, den er zu ſeiner Reſidenz machte. Einen ſeiner Söhne mit Namen Johannes Hyrcanus, welcher ſich durch kriegeriſche Tüchtigkeit auszeichnete, erhob er zum Kriegsoberbefehlshaber, und wies ihm die neubefeſtigte Stadt Gazara als Wohnung an. Ueber die Acra der Syrer befindet ſich in v. Raumer's Paläſtina im Anhange eine gründlich ausführliche topographiſch hiſtoriſche Abhandlung. §. 904. 1. Maccab. 14, 1— 23. Ein im darauffolgenden Jahre 3959 dazukommendes auswärtiges politiſches Ereigniß trug zur Vermehrung der politiſchen Unabhängigkeit der Juden weſentlich bei, indem nämlich König Demetrius auf einem zum Schutze ſeiner Reichsgrenze gegen die Vergrößerungsbeſtrebungen des parthiſchen Königs Arſaces(ſonſt auch Mithridates genannt) unter⸗ nommenen Feldzuge jenſeits des Euphrats von demſelben gefangen ge⸗ nommen, und ſomit das ſyriſche Reich für den Augenblick neuerdings eines rechtmäßigen Landesoberhauptes verwaiſt wurde. Hiemit gleich⸗ laufend fingen in dem nämlichen Jahre unter Simon's umſichtig milder, kräftiger Landesregierung die Segnungen des Friedens an, ſich in jeder Beziehung auch im Inneren des Landes fühlbar zu machen, wovon die kurz nach der Trauerbotſchaft von Jonathas' unglücklichem Lebensende zu deſto größerer Ueberraſchung ſich verbreitende Nachricht die Bürger von Sparta veranlaßte, an ihre jüdiſchen Stammfreunde ein eigenes Beglück⸗ wünſchungsſchreiben ergehen zu laſſen. 5§. 905. 1. Maccab. 14, 24—49. Um dieſelbe Zeit fand Simon es geeignet, zu zeitgemäßer Auf⸗ friſchung des ſchon mehrmals mit den Römern abgeſchloſſenen Schutz⸗ und Trutzbündniſſes einen der beiden bereits von Jonathas zu dieſem Zwecke verwendeten jüdiſchen Abgeordneten mit Namen Numenius noch einmal wieder nach Rom zu ſenden, und ihm einen maſſiv goldenen Schild im Gewichte von 1000 Minen(ungefähr eine halbe Million Gulden an 18² 276 Werth) bei dieſer Gelegenheit als Geſchenk für die Römer mitzugeben, eine Ausgabe, welche er ganz aus eigenen Privatmitteln, wie es ſcheint, zu beſtreiten ſich zur Ehre rechnete. Eine ſolche enorme Aufopferung erweckte denn aber nun auch im Volke der Juden die lebhafte Empfindung, daß die ganze Nation ihrem gegenwärtigen Hohenprieſter für die beiſpiel⸗ loſen Verdienſte, welche ſich die Familie der Maccabäer um das Wohl des Vaterlandes erworben habe, auch einen außerordentlichen Beweis von Dankbarkeit ſchuldig ſei, welchen ſie dadurch öffentlich zu geben ſich an⸗ ſchickten, daß ſie in einem allgemeinen Rathsbeſchluſſe einmüthig die Familie Simon's zum bleibenden Inhaber der hohenprieſterlichen Würde erhoben, und in Verbindung damit auch mit dem Vorrange der erblichen Landesſouveränität bekleideten. Die Giltigkeit dieſes Beſchluſſes ſollte ſo lange dauern, bis der verheißene große Prophet, welchen die Nation ſeit jener von Moyſes gegebenen figürlichen Weisſagung(vergl.§. 109.) erwartete, aufgeſtanden ſein und über die fernere politiſche Regierungsform des Landes eine neue geeignete Verfügung getroffen haben werde. Dieſer Beſchluß wurde in doppeltem Exemplar in eherne Tafeln eingegraben, von denen das eine im Vorhofe des Tempels, das andere als Unterpfand für Simon und ſeine Familie in der öffentlichen Schatzkammer auf⸗ gehangen wurde. Mit dieſem friedlichen Ereigniſſe kann der 26 Jahre lang gedauert habende maccabäiſche Unabhängigkeitskrieg als vorläufig geſchloſſen be⸗ trachtet werden. Gerade der Ausbruch einer alle Rückſichten der Ge⸗ rechtigkeit und Menſchlichkeit mit Füßen tretenden Religionsverfolgung hatte nach dem unerforſchlich weiſen Rathſchluſſe der göttlichen Vorſehung als nächſte Brücke gedient, um das mit der erſten Zerſtörung Jeruſalems unter König Sedecias im Jahre der Erſchaffung 3510 erloſchene Vorrecht politiſcher Nationalunabhängigkeit mittels des beherzten Entgegentretens einer einzelnen dem Geſetze Gottes und ihrem Herzen treu gebliebenen Prieſterfamilie, auf eine in jeder Hinſicht ehrenvolle Weiſe für den Augenblick wieder in das Leben eintreten zu laſſen. Sämmtliche Ausleger zu 1. Maccab. 14, 24. ſtimmen überein, daß die in der lateiniſchen Ueberſetzung befindliche Lesart„populus Romanus“ als Abſchreibefehler zu betrachten, und dafür der griechiſchen und ſyriſchen Lesart gemäß„Popaulus“ ſchlechthin, worunter dem Zuſammenhange nach nämlich das jüdiſche Volk verſtanden werden muß, zu leſen iſt. Vergl. Allioli zur betreffenden Stelle. A4⁰ luchri 22 W2 RE ſlfet hift ; Achte Periode. Die Zeit der hasmonäiſchen Prieſterherrſchaft. Von 3959— 4074. CxcCv. Der Hoheprieſter Simon III. der Maccabäer. (Fortſetzung.) Nachträgliche Ueberbleibſel aus dem maetabäiſchen Unabhängigkeitskriege. §. 906. 1. Maccab. 15, 1. Prideaux Connex. ann. 141. In einem je glücklicheren Aufſchwunge ſoweit das kleine Judäa unter den Auſpicien ſeines neuerwählten ſouveränen Hohenprieſters Simon III. begriffen war, eine deſto traurigere Ausſicht in die Zukunft bot dagegen die dermalige Lage des großen ſyriſchen Reiches dar, deſſen zunehmende innere Zerrüttung auch die Wohlfahrt und ſo theuer errungene Unab⸗ hängigkeit Paläſtinas noch immer zu bedrohen nicht aufhörte. Für den Augenblick ſchien zwar die Gefahr nicht groß, indem der durch Deme⸗ trius II. Nicator's Gefangennehmung vorübergehend in Vortheil geſtellte Uſurpator Tryphon die in Seleucia reſidirende Königsgemahlin Cleopatra (die ehemalige Ehegattin des geſtürzten Alexander Balas, vergl.§. 881.) demungeachtet von Antiochia aus gänzlich zu verdrängen nicht mächtig genug war, und ſomit der Beſitz der königlichen Oberherrſchaft fortwäh⸗ rend ein ſtrittiges Gut blieb. Da übrigens Cleopatra ernſtliche Beſorg⸗ niß hegte, in einem allenfallſigen Aufſtande von den Einwohnern von Seleucia verrätheriſcher Weiſe an Tryphon ausgeliefert zu werden, wendete ſie ſich inzwiſchen im Jahre 3960 mit einem Briefe an Antiochus Sidetes, des gefangenen Königs jüngeren Bruder, welcher einſt in Geſellſchaft desſelben von ihrem Vater Demetrius I. Soter nach Cnidus abgeſendet (U. 880.), für den Augenblick in Rhodus als Privatmann lebte. Der Inhalt dieſes Briefes war, daß Cleopatra unter den augenblicklichen be⸗ drängten Zeitumſtänden den jüngeren Bruder ihres bisherigen Ehegemahls gegen Tryphon um Hilfe bat, und da ſie dem gefangenen Demetrius II. Nicator, welcher inzwiſchen, wie ſie erfahren, ſich mit einer Tochter des parthiſchen Königs neuerdings im Exil vermählt hatte, keine Treue mehr ſchuldig zu ſein glaubte, ihm ihre Hand nebſt der ſyriſchen Königskrone zugleich antrug. Judäa war um dieſe Zeit immer noch eigentlich kein freies Land, ſondern vielmehr nur eine mediatiſirte Republik, welche zwar von nun an ſich das Recht einer inneren Verwaltung nach eigenen Grundſätzen errungen hatte, indeſſen der ſyriſchen Krone auch ſo noch(ogl.§. 902.) fort⸗ während die Anerkennung einer gewiſſen Landesoberherrlichkeit ſchuldig blieb. §. 907. 1. Maccab. 15, 1— 9. Antiochus VI. Sidetes, welcher in die Abſichten Cleopatra's unver⸗ züglich einwilligend ſich ſofort unter Annahme des ſyriſchen Königstitels mit kriegeriſchen Rüſtungen beſchäftigte, ſchickte ſogleich von Rhodus aus, wie es ſcheint, im darauffolgenden Jahre 3961 an den Hohenprieſter Simon einen Brief, in welchem er die von ſeinem Bruder Demetrius demſelben und der ganzen jüdiſchen Nation gewährten Vergünſtigungen unter Hinzufügung des Münzrechtes ausdrücklich und förmlich beſtätigte, und noch weitere Gunſtheweiſe, ſobald er einmal in unbeſtrittenen Beſitz ſeines Königreiches gelangt ſein werde, dabei für die Zukunft in Ausſicht ſtellte. Seine vorherrſchende Abſicht bei dieſem Schritte ſcheint jedoch nur eine eigennützige Berechnung geweſen zu ſein, vermöge deren er in einem Augenblicke, wo er einen Kampf auf Tod und Leben mit Tryphon zu beſtehen hatte, ſich die Juden auf alle Fälle geneigt zu machen ſich Mühe gab. Indeſſen hatte dieſes königliche Decret den Erfolg, daß von dieſer Zeit an Simon von dem gewährten Münzrechte wirklich, wovon noch ziemlich viele vorhandene Exemplare zum Zeugniß aufgeführt wer⸗ den, fortan Gebrauch machte. §. 908. 1. Maccab. 15, 10— 24. Der Kampf zwiſchen Antiochus Sidetes und Tryphon war bald ent⸗ ſchieden, indem der letztere ſogleich beim erſten Erſcheinen ſeines Gegners beinahe von ſeinem ganzen Heere verlaſſen, durch die Flucht ſich zu retten genöthigt ſah. Zufällig führte ihn ſein Weg nach einer in Paläſtina im Gebiete des ehemaligen Stammes halb Manaſſe gelegenen feſten See⸗ fult fihe 00 6 Sie il di 279 ſtadt mit Namen Dora, in welcher er von Antiochus Sidetes, der ihn ſtehenden Fußes mit einem Heere von 120,000 Mann Fußvolk und 8000 Reitern verfolgte, von beiden, ſowohl von der Land- als von der Seeſeite eingeſchloſſen, eine ſcharfe Belagerung auszuhalten bekam. Gerade in dieſem Zeitpunkte traf zufällig der jüdiſche Geſandte Numenius, wel⸗ cher zwei Jahre zuvor in Simon's Auftrage nach Rom abgegangen war (ſ.§. 905.), mit einer durchaus günſtigen ſchriftlichen Antwort des römi⸗ ſchen Senates auf ſeinem Rückwege wieder in Paläſtina ein, kraft welcher ſämmtlichen benachbarten Königen und Republiken die Juden als römiſche Bundesgenoſſen in Ruhe und Frieden zu laſſen geboten, und insbeſondere auch allenfallſige flüchtige Rebellen jüdiſcher Abkunft unverzüglich an den Hohenprieſter auszuliefern im Namen der Römer dringend aufgegeben wurde. F. 909. 1. Maccab. 15, 25— 31. Wahrſcheinlich weiter nichts als das bisher gehabte reißende Kriegs⸗ glück hatte jedoch den Sinn des neuen ſyriſchen Königs den Juden in⸗ zwiſchen wiederum abwendig gemacht, ſo daß er nicht allein von der erwähnten römiſchen Botſchaft wenig Notiz nahm, ſondern anſtatt ein gerade in dieſem Augenblicke von dem jüdiſchen Hohenprieſter nebſt reichen Geſchenken an Gold und Silber ihm gutwillig zugeſendetes 2000 Mann ſtarkes jüdiſches Hilfschor gütig aufzunehmen, dasſelbe vielmehr vornehm von ſich abwies, und noch überdieß einen ſeiner vertrauten Beamten mit Namen Athenobius unverzüglich mit dem Auftrage nach Jeruſalem ent⸗ ſendete, die bereits gewährten königlichen Vergünſtigungen ohne Weiteres wieder zurückzunehmen. Er trug ihm nämlich auf, im Namen des Königs unverzüglich die drei Feſtungen Joppe, Gazara und die Burg Acra in Jeruſalem als ſyriſches Eigenthum zurückzuverlangen, oder aber dafür eine Entſchädigungsſumme von 500 Talenten ſich ausbezahlen zu laſſen, nebſt 500 weiteren Talenten Erſatz für den Schaden, welchen die jüdi⸗ ſchen Streifzüge in der als zum ſyriſchen Reiche gehörig betrachteten ebenen Gegend an der Meeresküſte, der ehemaligen philiſtäiſchen Ebene, angerichtet hatten, im Weigerungsfalle aber den Juden unverzüglich den Krieg anzukündigen. §. 910. 1. Maccab. 15, 32— 35. Athenobius war bei ſeiner Ankunft zu Jeruſalem erſtaunt über die fürſtliche Pracht und Gemächlichkeit, in deren friedlichem Genuſſe er Simon antraf, noch mehr aber über die abgemeſſene Antwort, welche er 280 auf des Königs ausgerichtete Forderung von demſelben zu hören bekam. Simon ſtritt dem ſyriſchen Botſchafter alle Anſprüche auf das von ihm als königliches Gut zurückgeforderte Landgebiet rund heraus ab, als welches, ein urſprünglich israelitiſches Stammeigenthum, ihnen nur durch eine vorübergehende feindliche Oecupation widerrechtlich entriſſen, ſie nun⸗ mehr, nachdem ſie ſich desſelben endlich wieder glücklich bemächtigt, auch zu vertheidigen entſchloſſen ſeien. Nur wegen der Städte Joppe und Gazara zeigte er ſich bereit, obwohl dieſelben nur zur Strafe für ihre böswillig erhobenen widerrechtlichen Feindſeligkeiten von Seite der Juden ſeien unterworfen worden, eine Entſchädigungsſumme von allenfalls 100 Talenten entrichten zu wollen. §. 911. 1. Maccab. 15, 35— 39. Zu der äußerſten Erbitterung, welche ſich bei Empfang dieſer Ant⸗ wort des Königs Antiochus bemächtigte, geſellte ſich überdieß der empfind⸗ liche Verdruß über den zufällig hinzukommenden Umſtand, daß trotz aller angewendeten Wachſamkeit Tryphon Mittel und Wege fand, auf einem Schiffe verſteckter Weiſe aus der belagerten Stadt glücklich zur See zu entkommen, in Folge deſſen der König genöthigt wurde, den Flüchtling ſogleich in nördlicher Richtung gegen Phönizien hin weiter zu verfolgen. Um jedoch ſeine gegen die Juden ausgeſprochene Drohung nicht unerfüllt zu laſſen, beauftragte er inzwiſchen einen ſeiner Hauptleute mit Namen Cendebäus, den er zugleich zum ſyriſchen Truppenbefehlshaber an der Meeresküſte von Paläſtina ernannte, mit einem zahlreichen Heere an Fußvolk und Reiterei, welches er ſeinem Oberbefehle anvertraute, zu dem Endzwecke, um von dort aus Judäa zu bekriegen, nach der philiſtäiſchen Ebene aufzubrechen. CXCVI. Des Hohenprieſters Simon III. des Macca⸗ bäers Lebensende. Uachträgliche Ueberbleibſel aus dem maccabäiſchen Unabhängigkeits- Kriege.(Fortſetzung.) §. 912. 1. Maccab. 15, 40— cp. 16, 5. Joseph. Antidd. XIII. cp. 12. 13. Während nun Antiochus Sidetes ſeinerſeits das Glück hatte, an dem in der Stadt Apamea in Syrien endlich einmal bewältigten Uſur⸗ erllt Oalbh Afuöl Ahes n llur⸗ pator Tryphon die verdiente Todesſtrafe vollziehen zu können, begann Cendebäus die Erfüllung ſeines übernommenen Auftrages damit, den Ort Gedor(Cedron, Gederoth? S. Paläſtina v. Raumer S. 176.) in der philiſtäiſchen Ebene zu befeſtigen, und gegen die Freiheit des auf der Straße aus dem eigentlichen jüdiſchen Gebirgslande an die Meeresküſte getriebenen lebhaften Verkehrs hemmend einzuſchreiten, wovon Johannes Hyrcanus, der nach§. 903. neu aufgeſtellte Befehlshaber von Gazara ſich veranlaßt ſah, unverzüglich ſeinem Vater dem Hohenprieſter Simon die erforderliche Anzeige zu machen. Simon, gegenwärtig nun ſchon ziemlich bejahrt, forderte dieſerhalb unter Ertheilung ſeines väterlichen Segens ſeine beiden Söhne Judas und Johannes auf, ſich einem zu dieſem Behufe ihnen anvertrauten jüdiſchen Heere von 20,000 Mann un⸗ bedenklich an die Spitze zu ſtellen, mit welchem dieſelben ohne Aufſchub Cendebäus entgegengehend auch den Muth hatten, auf dem gegenüber befindlichen Thalrande eines zwiſchen beiden Heeren verlaufenden Gieß⸗ baches ihr Lager aufzuſchlagen. Bei Gelegenheit von Tryphon's Tode iſt die höhere Wiedervergeltung zu beobachten, welcher zufolge dieſer durchtriebene Schurke trotz ſeiner perſönlichen Fähigkeiten ein ſo unrühmliches Ende nehmen mußte. Auch der entgegengeſetzte Umſtand verdient Beachtung, wie oft gerade den un⸗ rühmlichſten Perſönlichkeiten in der Profangeſchichte es durch die göttliche Vorſehung zugelaſſen wird, ſo tiefſchneidend in die Kette der heiligen Begebenheiten einzugreifen. Bei dem im Paragraphen erzählten Treffen gegen Cendebäus läßt Joſephus(Antiqq. XIII. 13. und bell. Judaic. I. 2.) den bejahrten Hohenprieſter Simon perſönlich gegenwärtig ſein, eine Angabe, welche aber mit den Worten 1. Maccab. 16, 2. 3. in unvereinbarem Wider⸗ ſpruche befindlich, nicht als glaubwürdig betrachtet werden kann. §. 913. 1. Naccab. 16, 6— 10. Was von jeher die Schwäche des jüdiſchen Heeres geweſen, bildete auch dießmal wieder die verhältnißmäßig überlegene Stärke des Feindes, nämlich eine zahlreiche wohlgeübte Reiterei. Nichts deſto weniger ver⸗ mochte Johannes Hyrcanus durch ſein gegebenes kühnes Beiſpiel, ſeine jüdiſchen Volksgenoſſen, ihm unbedenklich nachgehend auf das andere Ufer des erwähnten Thalgrundes hinüberzufolgen, woſelbſt er das Wenige, was er von Reiterei beſaß, wie auch andere Feldherren in ähnlichen Fällen gethan haben, geſchickt unter das Fußvolk zu vertheilen die Anordnung traf, vermuthlich in der Abſicht, um die Vortheile beider Waffengattungen miteinander vereinigen zu können. Alſo ſein Heer in Schlachtordnung —. aufgeſtellt, ließ er durch die heiligen Drommeten(Num. 19, 9.§. 71.) das Zeichen zum Angriff geben, welcher muthig unternommen auch dieß⸗ mal wieder über Cendebäus zum vollſtändigſten Siege führte. Judas, 1 der ältere Sohn Simon's hatte zwar das Unglück, bei dieſer Gelegenheit 0 verwundet zu werden; aber Johannes ließ ſich in der Verfolgung des einmal geſchlagenen Feindes nicht aufhalten, bis Gedor erobert, die kleinen weiteren Feſtungsthürme in der Gegend von Azot, in welche ſich die 1 Feinde zu ihrer Sicherheit geflüchtet, mit Feuer verbrannt waren, und auf dieſe Weiſe 2000 Feinde ihr Leben eingebüßt hatten. Nachdem durch dieſen Erfolg der gegenwärtige Feldzug glücklich beendigt worden, kehrte 4 das Heer in friedlichem Triumphe wieder nach Judäg zurück. §. 914. ſit 1. Maccab. 16, 11— 18. A Drei ganzer Jahre nach dem Siege verfloſſen friedlich für Judäa, indem Antiochus Sidetes, theilweiſe noch auswärts beſchäftigt, nicht daran dachte, für die in Judäa unter Cendebäus empfangene Niederlage Rache 6 nehmen zu wollen, während Simon ſeinerſeits ebenfalls auf keine weiteren ſu Feindſeligkeiten rechnend erſt um dieſe Zeit, wie es ſcheint, die Unvorſich⸗ ffe tigkeit beging, einen zwar reichen, aber ſehr heimtückiſchen Mann, wahr⸗ ihe ſcheinlich jüdiſcher Abkunft, mit Namen Ptolemäus den Sohn Abob's, ſb ft den er zum Befehlshaber in der befeſtigten Stadt Jericho ernannt hatte, Wig zugleich zu ſeinem Schwiegerſohne zu erheben. Derſelbe baute nämlich 110 auf dieſes ihm vielleicht unverhofft widerfahrene Glück den verrätheriſchen K Plan, ſich mit Hilfe eines angeknüpften geheimen Einverſtändniſſes mit ſüit Antiochus Sidetes unter gewaltſamer Beiſeiträumung der hohenprieſter⸗ lehtte lichen Familie ſelber zum Herrn über Judäa aufwerfen zu wollen. Als f0 nun im Anfange des Jahres 3965 Simon in Geſellſchaft zweier Söhne ſit mit Namen Judas und Mathathias gelegentlich einer Rundreiſe auf dem 655 Schloſſe Doch bei ſeinem Schwiegerſohne als Gaſt einſprach, ließ er ilt dieſelben richtig mitten unter den Freuden der Tafel plötzlich meuchel⸗ Uſ mörderiſch überfallen, und nebſt einigen ihrer Begleiter ſchonungslos um mif das Leben bringen, worauf er unverzüglich an den ſyriſchen König einen f Brief abgehen ließ mit dem Verſprechen, ihm, wofern ihm derſelbe ein Ur ſyriſches Hilfsheer ſchleunig zuſenden werde, das ganze Land unter den fl ehemaligen Provinzialabhängigkeitsverhältniſſen und Tributverpflichtungen n neuerdings wieder unterwürfig machen zu wollen. 50 Ueber den Charakter und die perſönliche Bedeutung eines ſo aus⸗ gezeichnet verdienſtvollen Mannes wie Simon III. der Maccabäer, bleibt 283 bei Gelegenheit ſeines unglücklichen Lebensendes wenig hinzuzufügen. In der Erhebung des genannten Ptolemäus zu ſeinem Schwiegerſohne ſcheint er jedoch einen aus dem fehlerhaften Beweggrunde einer vorherrſchend weltlichen Klugheit hervorgehenden Mißgriff begangen zu haben, welcher ſich ſodann auf die im Paragraphen erzählte Weiſe an ihm ſelber rächte. Das ganze Ereigniß iſt ein betrübendes Zeichen von dem baldigen Ein⸗ reißen erneuerten Sittenverderbniſſes, und ein Beweis, wie ſchwer ein auch mit ſo noch ſo großen Opfern erkauftes zeitliches Glück in dieſer Welt behauptet zu werden pflegt. Mit dem Hohenprieſter Simon III. reißt der Faden der bibliſchen Erzählung auf eine bedeutungsvolle Weiſe wieder ab, indem auch die Begebenheiten des heiligen Landes von jetzt an bis zur Geburt Chriſti einen der Profangeſchichte entſchieden ſich nähernden Charakter annehmen.— In die Zeiten Simon's III. ſcheint unter andern auch das zuletzt unter den altteſtamentlichen Büchern in einem blühenden griechiſchen Style ge⸗ ſchriebene, das Buch der Weisheit, unbekannt von welchem Verfaſſer und an welchem Orte entſtanden zu ſein. §. 915. 1. Maccab. 16, 19— 24. Joseph. Antiqd. XIII. 15. bell. Judaic. I. 2. Glücklicher Weiſe war von der ganzen maccabäiſchen Familie einer, und zwar wohl der tüchtigſte von allen, Johannes Hyrcanus, der Be⸗ fehlshaber von Gazara am Leben noch übrig, welcher durch eine recht⸗ zeitige Botſchaft von dem, was indeſſen vorgefallen, vorab unterrichtet, ſich trotz ſeines Schreckens eben noch vorbereiten konnte, um die gleich⸗ zeitig auch gegen ihn ausgeſendeten Trabanten des Ptolemäus, welche zugleich mit Briefen an die Hauptleute der jüdiſchen Beſatzung in Gazara in der Abſicht, um dieſelben durch Beſtechung auf Ptolemäus“ Seite hinüberzuziehen, verſehen waren, ſogleich bei ihrer Ankunft gefangen⸗ nehmen und hinrichten zu laſſen. Ebenſo traf er auch Anſtalten, um die Stadt Jeruſalem und den Tempelberg gegen die in dem nämlichen Augen⸗ blicke auch auf dieſe beiden Punkte gerichteten verrätheriſchen Abſichten des Ptolemäus ſo ſchleunig als möglich in Schutz zu nehmen. Piole⸗ mäus, welcher ſich in dieſer Weiſe in der Hoffnung auf Erreichung ſeiner nächſten Endabſicht demnach vollkommen getäuſcht hatte, ſah ſich ſomit genöthigt, Judäa zu verlaſſen und zu einem gewiſſen Zeno Cotylas, ſeinem in Philadelphia(dem alten Rabbath Ammon, der ehemaligen Hauptſtadt des ammonitiſchen Reiches) wohnenden Gaſtfreunde ſeine Zu⸗ flucht zu nehmen, während Johannes Hyrcanus I. indeſſen ungehindert gemäß jenes einmal gefaßten Volksbeſchluſſes(ſ.§. 905.) zum Hohen⸗ prieſter an Simon's Stelle in Jeruſalem erhoben wurde. Joſephus erzählt in den beiden angeführten Stellen von einer Be⸗ lagerung der Feſtung Doch durch Hyrcanus, bei welcher Ptolemäus ſich nur dadurch behauptet habe, daß er die gefangene Mutter nebſt den beiden nach dieſer Erzählung noch lebenden Brüdern desſelben bei jedem verſuch⸗ ten Sturme im Angeſichte des Belagerers mißhandelte, und ſie vom Thurme herabſtürzen zu laſſen Miene machte, bis er endlich durch das Eintreten des Sabbathjahres, nachdem er zuvor die Gefangenen endlich wirklich getödtet, glücklich zu entkommen Gelegenheit gefunden habe. Dieſe Er⸗ zählung ſteht zwar nicht in abſolutem Widerſpruche mit dem Texte der heiligen Schrift, iſt aber doch an ſich zu abentheuerlich und überdieß von zu geringer innerer Bedeutung, um als glaubwürdig erachtet zu werden, ſowie ſie auch von keinem ſpäteren Bearbeiter der Geſchichte nach Joſephus unſeres Wiſſens für glaubwürdig betrachtet wird. CXCViI. Der Hoheprieſter Johannes Hyrcanus I. Uachträgliche Ueberbleibſel aus dem mactabäiſchen Unabhängigkeits⸗ ſiriege.(Schluß.) §. 916. Prideaux Connex. ann. 135. Obwohl Antiochus Sidetes dieſe begangene niederträchtige Verrätherei des Ptolemäus wahrſcheinlich im Herzen ſelber verabſcheute, verſchmähte er darum noch nicht, von der erhaltenen Anzeige desſelben zur Verfolgung eines, wie er glaubte, ihm vollkommen zuſtehenden Beſitzrechtes auf das jüdiſche Land und ſeine Hauptſtadt Gebrauch zu machen, indem er nach der Erzählung des Fl. Joſephus(Amigg. XIII. 16. bell. Judaic. I. 2.) noch im Laufe des gleichen Jahres 3965 dasſelbe mit Krieg zu überziehen ſich anſchickte. Er drang mit einem zahlreichen Heere ungehindert bis vor Jeruſalem und brachte die Stadt durch eine den ganzen Sommer unausgeſetzt fortgeführte Belagerung unter allmäliger Abnahme der in der Stadt vorhandenen Lebensmittelvorräthe zuletzt in ernſtliche Bedräng⸗ niß. Ein zufälliger Umſtand rettete die Stadt von dem Schickſale einer, menſchlich zu reden, unvermeidlichen kriegeriſchen Eroberung, indem näm⸗ lich auf Anlaß des in dieſe Tage einfallenden jährlichen Laubhüttenfeſtes Johannes Hyrcanus ſich die Freiheit nahm, von Antiochus einen acht⸗ tägigen Waffenſtillſtand auszubitten, den der König, vielleicht in der Ab⸗ ſicht, um die Belagerten zu deſto gutwilligerer Unterwerfung geneigt zu ſtimmen, nicht allein ohne Umſtände augenblicklich bewilligte, ſondern überdieß noch zahlreiche Schlachtopfer und reiche goldene und ſilberne Geſchenke zu deſto feierlicherer Begehung des Feſtes aus eigenem Antriebe beiſteuerte. Dieſer Beweis von Chrerbietung gegen das Heilige, welcher Wel Getke ochm nlt de Oi A Uuterme Uufen Vbl Suil 90 lähtet uf! M u Uul N b gut! fir wuhe un1 285 dem ſyriſchen Könige im Munde des jüdiſchen Volkes den Beinamen des Gottesfürchtigen erwarb, ermuthigte Hyrcanus, ſich wegen gutwilliger nochmaliger Unterwerfung unter die ſyriſche Oberherrlichkeit neuerdings mit dem gegenwärtigen Könige in Unterhandlung einzulaſſen. Die zugängliche Milde, welche Antiochus Sidetes bei Gelegenheit der Waffenſtillſtandsunterhandlungen an den Tag legte, iſt ein günſtiges Zeichen für die Ehrenhaftigkeit der Beweggründe, aus welchen er den ganzen Angriffskrieg unternommen hatte. Das von den Römern zu Gunſten der Juden erlaſſene Rundſchreiben(ſ.§. 909.) hatte von vorn⸗ herein ſchon deßwegen auf ihn vermuthlich keinen ſonderlichen Eindruck gemacht, weil es nicht an ihn perſönlich, ſondern nur an ſeinen Bruder Demetrius(1. Maccab. 15, 22.), der inzwiſchen in parthiſche Gefangen⸗ ſchaft gerathen, gerichtet war.— In dieſem Jahre heirathete ein gewiſſer Matthias Aphlias, ein Prieſter aus der Ordnung Joarib, eine zurück⸗ gelaſſene Tochter des maccabäiſchen Hohenprieſters und Heerführers Jona⸗ thas, und wurde dadurch Stammvater des Geſchichtſchreibers Joſephus. Vergl. Prideaux a. a. O. Prideaux Connexion ann. 135. Die Bedingungen, auf welche hin Antiochus Sidetes die friedliche Unterwerfung der Juden acceptirte, waren folgende: Auslieferung der Waffen, Einreißung der Mauern don Jeruſalem, Zahlung eines jährlichen Tributs für Joppe und andere in neuerer Zeit von den Juden beſetzte Städte, und wiederholte Aufnahme einer ſyriſchen Beſatzung in Jeruſalem. Zu allen dieſen Forderungen verſtand ſich Hyrcanus mit Ausnahme der letzteren, an deren Stelle er in den König drang, lieber Geißeln und eine auf 500 Talente erhöhte Contribution annehmen zu wollen, von denen, da er den König wirklich zu überreden ſo glücklich war, 300 auf der Stelle ausgezahlt und unverzüglich zur wiederholten Niederreißung der Mauern Jeruſalems geſchritten wurde,— ein Friede, durch welchen zwar die ſo theuer erkaufte politiſche Unabhängigkeit Judäas auf eine kurze Zeit noch einmal wiederum eingebüßt, dafür auf der anderen Seite doch für den Augenblick wenigſtens wieder Ruhe und Sicherheit geſchaffen wurde. Bei Gelegenheit dieſes Friedens, welchen Hyrcanus anzunehmen wohl ſehr klug daran that, obwohl der gehäſſige Erfolg der Verrätherei des Plolemäus auch ſo noch ärgerlich genug aus der ganzen Begebenheit hervorleuchtet, erzählt Joſephus(Antiqq. XIII. 16. und bell. Judaic. I. 2.), Hyrcanus habe das Grab David's öffnen laſſen, und 3000 Talente, welche darin verborgen lagen, herausgenommen; eine Angabe, welche jedoch als innerlich durchaus unwahrſcheinlich von Prideaux a. a. O aus mehreren Gründen beſtritten wird. Als eine ziemlich bedeutungs⸗ loſe Bemerkung wird von Joſephus beigefügt, daß Hyreanus auch zuerſt fremde Miethtruppen in Sold genommen. K. 918. Prideaux Connexion ann. 132— 130. Nachdem aus den unmittelbar nächſtfolgenden für Judäa weniger bedeutenden Jahren nur das einzige Ereigniß herauszuheben, daß ein im Jahre 3968 von Jeruſulem nach Egypten reiſender Jude, ein Enkel des Jeſus Sirach, des Verfaſſers des Buches Eeclesiaslicus ſich das Verdienſt erwarb, das urſprünglich hebräiſch geſchriebene der heiligen Schrift an— gehörige Buch bei Gelegenheit in das Griechiſche zu übertragen, begab es ſich im darauffolgenden Jahre 3969, daß Antiochus Sidetes, angeblich zu dem Endzwecke, um ſeinen Bruder Demetrius II. Nicator aus der parthiſchen Gefangenſchaft zu befreien, einen maſſenhaften Feldzug nach Parthien unternahm, auf welchem ihn unter andern auch Johannes Hyrcanus mit einem jüdiſchen Hilfsheere begleiten mußte, dabei aber das Glück hatte, noch vor Anbruch des Winters, während deſſen Antiochus ſein Heer in Feindesland einquartierte, mit erhaltener königlicher Erlaub⸗ niß nach Hauſe zurückkehren zu dürfen. Denn da das zahlreiche Heer beſonders durch die unglaubliche Anzahl des mitziehenden Troſſes dem Lande in einem unerhörten Grade zur Laſt fiel, ſo wurden die Einwohner untereinander eins, an einem insgeheim verabredeten beſtimmten Tage gleichzeitig über die zerſtreuten einzelnen Abtheilungen des ganzen Heeres herzufallen, wodurch es ihnen auch gelang, im Anfange des darauf⸗ folgenden Jahres 3970 den größten Theil desſelben zu Grunde zu rich⸗ ten. Hiebei ereignete es ſich, daß unter andern auch Antiochus VI. Sidetes ſelber, während er ſich in aller Eile ſo tapfer als möglich zu wehren ſuchte, im Kampfe ebenfalls zugleich mit erſchlagen wurde. Wceben Prideaux Connexion ann. 130. 129. Durch dieſen plötzlichen Todesfall kam Demetrius II. Nicator nach einer elffährigen Gefangenſchaft ſehr unverhoffter Weiſe wieder an die Regierung des ſyriſchen Reiches, indem nämlich der parthiſche König Phraates in der Abſicht, um ſeinem Feinde dem Könige Antiochus Side⸗ tes einen Nebenbuhler zu erwecken, kurz vor dieſem Ereigniſſe ſeinen ge⸗ fangenen Bruder aus eigenem Antriebe wieder frei gab, den er zwar auf die Nachricht von Antiochus Tod nachträglich durch ausgeſendete Truppen wieder verfolgen ließ, die ihn aber nicht mehr einholen konnten. Zugleich wurde er auch von ſeiner bereits früher gehabten nunmehr zum zweiten Nl Kellett Wllche der be NN Iht. ſche ſchaft 0 a 8 7 287 Mal verwittweten Gattin Cleopatra, der Tochter Ptolemäus Philometor's neuerdings zum Gemahl wieder angenommen. Johannes Hyrcanus, welcher dieſem neuen Thronfolger gegenüber ſich nicht an die Beobachtung der von Antiochus Sidetes ihm auferlegten Friedensbedingungen weiter gebunden glaubte, benützte überdieß das gegenwärtige ſowie das folgende Jahr 3971, um mehrere auf ehemals israelitiſchem Grund und Boden ſtehenden ſyriſchen Städte, worunter Medaba und Samega, ſeiner Herr⸗ ſchaft zu unterfen. Auch eroberte er Sichem, die gegenwärtige Haupt⸗ ſtadt der Samaritaner, und legte ihren von Manaſſe auf dem Berge Garizim erbauten Tempel(vergl.§. 737.) in Aſche. Ingleichen zwang er die im Süden des jüdiſchen Landes eingebürgerten Idumäer durch die Drohung gewaltſamer Vertreibung aus ihren Wohnſitzen, zugleich mit der Beſchneidung auch alle übrigen bürgerlichen und ceremoniellen Geſetze der israelitiſchen Religion anzunehmen, von welcher Zeit an die Edomiter mit den Juden zu Einem Volke gerechnet wurden. Das von Hyrcanus gegebene iſt das erſte Beiſpiel einer Verbreitung der wahren Religion durch Waffengewalt, eine Maßregel, welche ſich jedoch in der Folgezeit durch die tyranniſche Unterdrückung empfindlich rächte, die das ganze jüdiſche Land und insbeſondere die regierende Familie der Hasmonäer von Seite der Herodianer, einer urſprünglich idumäiſchen, alſo ebenfalls wahrſcheinlich mit Gewalt zu Proſelyten ge⸗ machten Familie zu erleiden bekam. Ein ähnliches geſchichtliches Gegen⸗ beiſpiel aus der Neuzeit fürchten wir beinahe in dem Hergange der ſo⸗ genannten deutſchen Kirchenreformation erblicken zu müſſen, indem gerade von dem Stamme der Sachſen aus, welche unter Karl dem Großen be⸗ kanntlich ebenfalls mit Waffengewalt zur Annahme des katholiſchen Glaubens gezwungen wurden, die Reaction ausgehen ſollte, welche bis auf den heutigen Tag die Freiheit und Exiſtenz der katholiſchen Kirche in Europa zu bedrohen nicht aufgehört hat. §.920. Prideaux Connexion ann. 129— 127. Während um dieſe Zeit, d. h. im darauffolgenden Jahre 3972, Demetrius Nicator, von Cleopatra, der geſchiedenen Gemahlin des egyp⸗ tiſchen Königs Ptolemäus VII. Physcon, ehemaliger Wittwe Philometor's und Mutter der ſyriſchen Königin Cleopatra gegen ihren eigenen damals auf der Inſel Cypern als Flüchtling lebenden Gemahl zur Hilfe gerufen, mit der Belagerung von Peluſium beſchäftigt war, ſendete Hyrcanus in dem nämlichen Jahre eine neue Geſandtſchaft nach Rom, um das bereits wiederholt abgeſchloſſene Schutz⸗ und Trutzbündniß zwiſchen Römern und Juden neuerdings bekräftigen zu laſſen, in Folge deſſen die letzteren von allen ſeither gegen Antiochus Sidetes eingegangenen Verbindlichkeiten ein⸗ für allemal rechtskräftig freigeſprochen, ſomit für politiſch völlig unab⸗ hängig, was ſie ſeit Antiochus Sidetes' Tode wirklich bereits waren, auch förmlich erklärt wurden. Selbſt das Recht, im Kriege mit Egypten ihre Heere durch das jüdiſche Gebiet durchführen zu dürfen, wurde in Kraft dieſes vertragsmäßigen Beſchluſſes den ſyriſchen Königen abgeſprochen. Das Jahr darauf 3973 wurde dieſe neuerdings eingegangene nationale Freundſchaft durch einen von Hyrcanus den Römern wiederholt zum Ge⸗ ſchenke gemachten goldenen Schild im Werthe von 50,000 Goldſtücken noch wirkſamer befeſtigt. In die Zeit dieſes gegenwärtigen Paragraphen und alſo die unter Regierung Hyrcanus I. gehört ein von Joſephus(Antiqq. XIV. 16) mitgetheilter römiſcher Senatsbeſchluß, welcher nach Prideaux's gegebener Beweisführung von dem jüdiſchen Geſchichtſchreiber irriger Weiſe unter die Regierung Hyrcanus II. verlegt iſt.— Das kriegeriſche Zerwürfniß zwiſchen Ptolemäus Physcon und ſeiner erſten Gemahlin Cleopatra, der nämlichen, deren Sohn von ihrem erſten Gemahl, Ptolemäus Philometor, Physcon bereits im Jahre 3954(vergl.§. 885.) getödtet hatte, hatte nach Prideaur's Erzählung(Connex. ann. 130. 129.) folgenden Ur⸗ ſprung: Physcon hatte ſie nämlich, nachdem er einen Sohn mit Namen Memphitis mit ihr erzeugt, ſeitdem verſtoßen, und an ihrer Stelle eine ihrer Töchter von Philometor, ebenfalls mit Namen Cleopatra geheirathet. Hierauf hatte er durch verſchiedene ganz unſinnige Grauſamkeiten ſeine Unterthanen dermaßen gegen ſich empört, daß er zur Rettung ſeines Lebens mit ſeiner neuen Gemahlin, zugleich ſeinen Sohn Memphitis (vielleicht'als eine Art Geißel) mit ſich führend, nach Cypern die Flucht ergriff, worauf das Volk der verſtoßenen Cleopatra die Regierung an⸗ bot.— Seit dieſer Zeit rüſtete er ſich in der Abſicht, ſeine verlorene Herrſchaft wieder zu erkämpfen, zum Kriege, und eröffnete während der allmäligen Vorbereitungen zu demſelben die Reihe ſeiner Gewaltmaßregeln damit, daß er erſtens einen ſeiner eigenen Söhne, den er ſelber in früherer Zeit zum Statthalter über Cyrene aufgeſtellt hatte, aus Furcht, es möchte derſelbe an ſeiner Stelle von den Egyptern zum Könige er⸗ hoben werden, meuchleriſch ermorden ließ, und als die darüber erbitterten Einwohner von Alexandria ſämmtliche ihm dort aufgeſtellten öffentlichen Bildſäulen demolirten, aus Rache dafür, in der Meinung, es habe ihm Cleopatra dieſen Spott angethan, derſelben zweitens ſeinen eigenen mit ihr erzeugten Sohn Memphitis ebenfalls getödtet, und den zerhackten Leichnam in eine Kiſte gepackt, als Geburtstagsgeſchenk zuſendete. Dieſe letzte Gräuelthat verſetzte denn die Alexandriner in eine wahre Raſerei, in welcher ſie nicht ſäumten, unter Marſyas, dem Truppenbefehlshaber der Königin gegen Physcon ein Heer auszuſenden, welches aber ge⸗ ſchlagen, und Cleopatra dadurch zu ihrem Schwiegerſohne Demetrius II. Nicator ihre Zuflucht zu nehmen genöthigt wurde.— Sie war eine leibliche Schweſter Physcon's, eine Tochter Ptolemäus V. Epiphanes von Cleopatra, einer Tochter des ſyriſchen Königs Antiochus III. des Großen, d he ID le Ceeht Nu Wde kihln Ml. 0 Hur U Uacht Uon Dan C (8 cf0 ſer 1 Wr Ran 11 als welche ſie nach einer am alerandriniſchen Hofe einmal eingeriſſenen unſittlichen Gewohnheit zuerſt ihren älteren Bruder Philometor, und nach deſſen Tode den jüngeren Physcon geheirathet hatte. CXCVIII Der Hoheprieſter Johannes Hyreanus I. (Fortſetzung.) §. 921. Prideaux Connex. ann. 127. 126. Während auf dieſe Weiſe die politiſche Macht der jüdiſchen Republik ſich in zuſehends ſteigendem Grade befeſtigte, ſanken die beiden Nachbar⸗ ſtaaten Syrien und Egypten mit ebenſo ſchnellen Schritten allmälig auf jene Stufe des Verfalls, welche es den Juden nicht mehr ſchwer werden ließ, denſelben gegenüber ihre Unabhängigkeit weiter aufrecht zu halten. Noch in dem nämlichen Jahre 3973 mußte Demetrius Nicator, durch einen Aufſtand in ſeinem eigenen Reiche abgerufen, die Belagerung von Peluſium aufheben und ſich nach Syrien wieder zurückziehen. Hiedurch verlor die verſtoßene egyptiſche Königin Cleopatra ihren Bundesgenoſſen, und ward gezwungen, zu Schiffe bei ihrer Tochter, der ſyriſchen Königin Cleopatra, welche für den Augenblick in Ptolemais reſidirte, ihre Zuflucht zu nehmen. Ptolemäus Physcon aber, welcher unter dieſen Umſtänden wieder ungehinderten Eingang in Egypten erlangte, ſtiftete aus Rache einen gewiſſen Alexander Zebina, der ſich für einen Sohn des Alexander Balas ausgeben mußte, auf, mittels eines ihm anvertrauten egyptiſchen Heeres Demetrius Nicator die ſyriſche Krone als Nebenbuhler ſtreitig zu machen, welcher ſomit im darauffolgenden Jahre 3974 von zwei Seiten, von vorne und von hinten zugleich angegriffen in einer Schlacht bei Damascus beſiegt, und da ihm als Flüchtling ſeine eigene Gemahlin Cleopatra aus nachgetragener Eiferſucht von wegen ſeiner ehelichen Untreue (,§. 906.) das Thor von Ptolemais verſperrt hielt, in Tyrus aufgegriffen und ebenfalls gewaltſam getödtet wurde, worauf dann Alexander Zebina, ein ſehr menſchenfreundlich gearteter Mann, mit welchem unter andern auch Johannes Hyrcanus in Bundesgenoſſenſchaft eintrat, mit der verwittweten Königin Cleopatra hinſichtlich des ſyriſchen Reiches eine Art friedliche Theilung vornahm. §. 922. Prideaux Connex. ann. 124. Cleopatra, Demetrius II. Nicator's Wittwe hatte drei Söhne, zwei von Demetrius Namens Seleucus und Antiochus Grypus, und einen Krafft, heil. Geſchichte. II. 19 von Antiochus VI. Sidetes, ebenfalls mit Namen Antiochus, welchen letzteren ſie aber ſeit der Rückkehr des Demetrius Nicator aus der parthi⸗ ſchen Gefangenſchaft aus Furcht vor deſſen partetiſcher Eiferſucht in Cyzicus in Kleinaſien erziehen ließ. Gleichwohl wollte ſie, ſo lange als ſie lebte, keinen ihrer Söhne anders, als höchſtens nur dem Namen nach an die Regierung kommen laſſen, durch welche leidenſchaftliche Herrſchſucht ſie ſich zwei Jahre darnach 3976 zu dem Aergerniſſe verleiten ließ, den älteſten unter denſelben, Seleucus V., welcher ſich eigenmächtig zum Re⸗ genten aufwerfen wollte, im Zorne mit eigener Hand durch einen Spieß um das Leben zu bringen. §. 923. Prideaux Connexion ann. 123. 122. Im darauffolgenden Jahre 3977 rief Cleopatra ihren zweiten in Athen erzogenen Sohn Antiochus Grypus ausdrücklich nach Ptolemais zurück, und ließ ihm aus eigenem freien Antriebe, jedoch nur zum Scheine die Königskrone aufſetzen, was ſich derſelbe in Hoffnung auf eine der⸗ einſtige friedliche Erbſchaft auch ganz gutwillig gefallen ließ. Auch hatte derſelbe das Glück, im darauffolgenden Jahre 3978 bei Gelegenheit eines zwiſchen Ptolemäus Physcon und ſeinem Schützling Alexander Zebina ausbrechenden Zerwürfniſſes zu des letzteren Nachtheil des erſteren Eidam zu werden, indem ihm Physcon Tryphäna, eine Tochter ſeiner zweiten noch lebenden ebenfalls Cleopatra heißenden Gemahlin zur Ehe gab. Auch ſendete derſelbe ihm ein egyptiſches Hilfsheer zu einem Kriege gegen Alexander Zebina, in welchem dieſer endlich auch ſeinen Tod fand, und ſomit ganz Syrien auf dieſem Wege wieder zu Einem Reiche ergänzt wurde. §. 924. Prideaux Connexion ann. 120— 117. Auf dieſes unverhoffte Glück ihres eigenen Sohnes Antiochus' VII. Grypus eiferſüchtig, reichte ihm Königin Cleopatra im Jahre 3980 einen Giftbecher, mußte aber, da letzterer rechtzeitig gewarnt, nicht davon trinken wollte, ihn ſelber leeren. Drei Jahre darauf im Jahre 3983 ſtarb auch Ptolemäus VII. Physcon, König von Egypten, nach einer im Ganzen genommen 53jährigen Regierung, welchem ſodann ſein Sohn Ptolemäus VIII. Lathyrus in der Regierung nachfolgte. Es iſt der Beobachtung nicht unwerth, welche auffallende Fügung der Vorſehung es iſt, daß ein wegen ſeiner auffallenden Laſterhaftigkeit ſo gehaßter König wie Ptolemäus Physcon in damaliger Zeit nichts deſto weniger ſo lange an der Regierung bleiben und eines friedlichen D CX fihrud In G Mlig berfag fletkt Rtg Ille Nſen mit Ult 9 eh 284 Todes ſterben durfte. Er führte nebenher zugleich den von ihm ſelber angenommenen Namen Euergetes II., unter welchem Namen er auch in der heiligen Schrift Eecles. 1, 8. erwähnt wird. CXCIX. Der Hoheprieſter Johannes Hyreanus I. Fortſetzung.) Der Phariſäer Eleazar. §. 925. Prideaux Connexion ann. 117— 111. Ptolemäus Physcon hatte außer ſeiner an Antiochus Grypus ver⸗ mählten Tochter Tryphäna noch zwei andere mit Namen Cleopatra und Selene hinterlaſſen, von denen die erſtere nach einer am egyptiſchen Hofe einmal eingeriſſenen Unſitte mit ihrem leiblichen Bruder, dem gegenwär⸗ tigen Könige Ptolemäus Lathyrus bereits vor ſeinem Regierungsantritte verehelicht, nach dem Willen der Königin Mutter Cleopatra gerade jetzt erſt ſich eine Trennung von demſelben mußte gefallen laſſen. Dieſelbe wählte ſich anſtatt deſſen nunmehr den jüngeren Stiefbruder des ſyriſchen Königs Antiochus Grypus, welcher ebenfalls den Namen Antiochus führend, durch den Beinamen Cyzicenus von demſelben unterſchieden wird, zum Ehegemahl, und brachte demſelben, da er zur Abwehr eines von Antiochus Grypus aus purer Eiferſucht gegen ihn beabſichtigten Mord⸗ verſuches im Jahre 3987 als öffentlicher Nebenbuhler gegen ihn aufzu⸗ treten im Begriffe ſtand, ein angeworbenes Heer als Mitgift zu. Der Krieg zwiſchen beiden Brüdern dauerte mit abwechſelndem Glücke zwei Jahre lang, bis derſelbe im Jahre 3989 mit einem Frieden endete, kraft deſſen ſie das ganze Reich neuerdings in der Art theilten, daß Grypus mit dem Beſitze der übrigen Provinzen in Antiochia, Cyzicenus aber, den wir Antiochus VIII. nennen wollen, als König über Phöntzien und Cölo⸗ ſyrien in Damascus ſeinen Wohnſitz aufſchlug. Die näheren Einzelnheiten des Krieges zwiſchen Grypus und Chzi⸗ cenus liefern einen intereſſanten Beitrag zur damaligen heidniſchen Sitten⸗ geſchichte. In dem erſten Treffen, welches die beiden Brüder einander lieferten, in die Flucht geſchlagen, ließ Cyzicenus ſeine neuvermählte Gattin Cleopatra, Tryphänas' Schweſter, in Antiochia zurück in der Hoffnung, ſie werde ſich in der feſten Stadt ſo lange halten können, bis er mit neuen Verſtärkungen zur Fortſetzung des Krieges, derenthalben er ſich noch weiter zurückziehen wollte, glücklich wieder eingetroffen ſein werde. Da jedoch Antiochia in ſeiner Abweſenheit unglücklicher Weiſe in Grypus' Hände fiel, ſo war die gefangene Cleopatra der Gnade des 19* M 292 Siegers preisgegeben. Nichts deſto weniger würde ihr Grypus, ſchon deßwegen, weil er von ihr nichts zu fürchten hatte, auch nie etwas zu Leide gethan haben. Nur ſeine ihn begleitende Gemahlin Tryphäna verlangte mit unerbittlicher Grauſamkeit ihren Tod, aus Rachſucht dafür, daß ſie den Feind ihres Ehemannes geheirathet und ihm noch dazu ein Heer angeworben habe, und als ſich Grypus beharrlich weigerte, ſo ſchickte ſie auf ihre eigene Verantwortung Kriegsknechte gegen ſie ab, welche die unglückliche Cleopatra noch dazu mit rückſichtsloſer Verletzung des Aſylrechtes in dem nämlichen Tempel, zu welchem ſie ihre Zuflucht genommen hatte, um das Leben brachten. Als nun das Jahr darauf Cyzicenus das Glück hatte, mit ſeinem neuangeworbenen Heere nunmehr auch Grypus eine Niederlage beizubringen, erhaſchte er zufällig Tryphäna auf der Flucht, deren Leben er nun ſeinerſeits ebenfalls den Manen ſeiner verſtorbenen Gemahlin zum Opfer brachte. §. 926. Joseph. Antiqd. XIII. 18. bell. Jud. I. 2. Prideaux Connexion ann. 111. 110. Hyrcanus, welcher während dieſes Bruderzwiſtes die ungeſtörteſte Ruhe genießend an Macht und Reichthum beſtändig zugenommen, ſandte in dieſem nämlichen Jahre ſeine beiden älteſten Söhne Ariſtobulus und Antigonus zu einem Belagerungskriege gegen die reiche und blühende Stadt Samaria aus, welche ſeit Alexander's des Großen Zeit nicht mehr von Samaritanern, ſondern vielmehr von macedoniſchen Anſiedlern be⸗ wohnt(vergl.§. 749., ſich Bedrückungen gegen die benachbarte jüdiſche Colonie Mariſſa hatte laſſen zu Schulden kommen, und ſich nun⸗ mehr in ihrer Noth an Antiochus Cyzicenus nach Damascus um Hilfe wendete. Derſelbe erſchien auch mit einem Heere ihnen zum Ent⸗ ſatz, mit welchem er aber von den beiden Brüdern gänzlich auf das Haupt geſchlagen wurde, ein Ereigniß, von welchem der Hoheprieſter Hyrcanus, zufällig gleichzettig mit einer gottesdienſtlichen Function im Tempel zu Jeruſalem beſchäftigt, eine übernatürliche Ahnung gehabt haben ſoll. Das Jahre darauf 3990 noch einmal zu Hilfe gerufen, erbat ſich Cyzi⸗ cenus zuerſt von Plolemäus Lathyrus egyptiſche Hilfstruppen, welcher ihm 6000 Mann auch wirklich zuſendete, hatte aber auch dießmal trotzdem wieder ſo ſchlechten Erfolg, daß der eine der beiden Feldherren, welche er zuletzt in ſeinem Namen den Krieg fortzuführen beauftragte, Callimander, gänzlich geſchlagen und getödtet wurde; Epicrates aber, der andere, vollends durch Geld beſtochen, Seythopolis, ſowie alle übrigen dieſſeits des Carmel⸗ gebirges von den Syrern beſetzten Städte gutwillig den jüdiſchen Heer⸗ führern auslieferte. Ebendeßwegen mußte endlich auch Samaria aller weiteren Hilfe beraubt, ſich am Ende im Jahre 3991 nothgedrungen ergeben, und wurde zur Strafe der von ihren Einwohnern bewieſenen Jit dan Ren 293 Feindſeligkeiten ſo von Grund aus planmäßig verwüſtet, daß lange Zeit darnach bis zur Regierung Herodes des Großen, welcher die Stadt unter dem Namen Sebaſte wieder aufbaute, niemand dort wohnen mochte. F. 927. Josephus Antiqd. XIII. 18. Prideaux Connex. ann. 108. Im darauffolgenden Jahre 3992 finden wir die erſte deutliche Spur von der Secte der Phariſäer, als einer gelehrten und geſetzeseifrigen Schule jüdiſcher Theologen, bei denen laut dem Berichte des jüdiſchen Geſchichtsſchreibers Fl. Joſephus der gegenwärtige Hoheprieſter Hyrcanus ſelber ſeiner Zeit Unterricht und Erziehung empfangen, und ſich als Schüler ihrer beſonderen Gunſt zu erfreuen gehabt hatte, in Folge deſſen er auch ſeinerſeits zu denſelben eine beſondere perſönliche Zuneigung hegte. Eben aus dieſer, wie es ſcheint, übertriebenen Zutraulichkeit hatte Hyr⸗ canus bei Gelegenheit eines Gaſtmahls, zu welchem er die Lehrer der in neuerer Zeit zu Jeruſalem, wie es ſcheint, vollſtändig in ihrem ehemaligen Flor wieder hergeſtellten theologiſchen Hochſchule eingeladen hatte, im Laufe freimüthiger Unterhaltung die Unbeſonnenheit, denſelben die offen⸗ herzige Frage vorzulegen, ob ſie, nachdem ihnen ſeine Abſicht, in allen Stücken dem Geſetze Gottes nachzukommen, einmal hinlänglich bekannt ſei, in irgend einem Punkte etwas an ſeiner Handlungsweiſe auszuſetzen übrig hätten, indem er alles, worin er allenfalls bisher unwiſſender Weiſe noch geirrt, ſoviel als immer in ſeinen Kräften ſtehe, noch nachträglich wieder gut zu machen bereit ſei? Es war dieß unter allen Umſtänden eine ſehr unbeſonnene Frage, welche nie ein Vorgeſetzter an ſeine Untergebenen richten ſoll, indem dieſelbe in der That auch auf nichts anderes, als auf ein indirect ge⸗ fordertes Selbſtlob hinausläuft. Unter anderen mißlichen Opfern, mit welchen jeder Vorgeſetzte in dieſer Welt ſeine äußerlich bevorzugte Stellung bezahlen muß, befindet ſich auch dieſes, daß derſelbe fortan von Niemand, als höchſtens etwa von ſeinem Beichtvater die unparteiiſche Wahrheit zu erfahren eine weitere Gelegenheit hat. Es iſt daher eine ebenſo ver⸗ kehrte als lächerliche Thorheit, in dieſer Welt überhaupt nach dem Range eines Vorgeſetzten leidenſchaftlich begierig zu ſein, indem die damit ver⸗ bundenen Opfer und die darauf laſtende Verantwortung in der Regel weit größer ſind, als der auf der anderen Seite daran geknüpfte haupt⸗ ſächlich nur zeitliche Vortheil werth iſt. §. 928. Joseph. Antiqd. XIII. 18. Prideaux ibidem. Auf dieſe kitzliche Frage zur Ertheilung einer ausdrücklichen Antwort aufgefordert, ſollen alle eingeladenen Gäſte in ihrer lauten Anerkennung einer in allen Stücken an Hyrcanus zu beobachtenden vollkommenen Geſetzmäßigkeit untereinander übereingeſtimmt haben bis auf einen ein⸗ zigen Phariſäer mit Namen Eleazar, welcher von Joſephus als ein wunderlicher Kopf geſchildert, richtig die höchſt unzarte Taktloſigkeit be⸗ wies, über einen unter den verwichenen Zeitumſtänden jedenfalls nur unweſentlichen Nebenumſtand eine ſehr grelle Gegenbemerkung laut werden zu laſſen. Er griff nämlich, den politiſchen Verdienſten und Anſprüchen des Hyrcanus an die weltliche Landesoberherrſchaft von der einen Seite vollkommene Gerechtigkeit widerfahren laſſend, von der anderen um ſo ſchonungsloſer ſein perſönliches Recht an die Nachfolge im hohenprieſter⸗ lichen Amte auf den angeblichen Grund hin an, daß er von einer Mutter geboren, welche dem göttlichen Geſetze, das dem Hohenprieſter nur die Ehe mit einer freien israelitiſchen Jungfrau(ck. Levit. 21, 13. 14.) geſtatte, zuwider eine Zeit lang Kriegsgefangene geweſen ſei, weßwegen er Hyrcanus von dem Standpunkte ſtrenger Geſetzlichkett aus in dieſem Augenblicke wirklich förmlich zumuthete, mit Beibehaltung ſeiner politiſchen Souverainität auf die Hoheprieſterwürde Verzicht zu leiſten. Das von Eleazar gebrauchte Argument ſcheint darauf hinausgelaufen zu ſein, daß man eine geweſene Kriegsgefangene nicht mehr als Jung⸗ frau betrachten könne. Joſephus ſtellt inzwiſchen die behauptete Thatſache ſelber in Abrede. In jedem Falle darf die von Eleazar erhobene Ein⸗ wendung gegen Hyrcanus' rechtmäßige Hohenprieſtergewalt als eine um ſo leerere Spitzfindigkeit betrachtet werden, je weniger man unter ſo außerordentlichen Zeitumſtänden, wie unter der Regierung des Königs Antiochus Epiphanes, zu einer übertriebenen Preſſung des geſetzlichen Buchſtabens überhaupt berechtigt, und je geſetzmäßiger durch jenen in §. 905. erzählten gemeinſchaftlichen Hohenrathes- und Volksbeſchluß, bei welchem ſämmtliche damalige Geſetzesverſtändige thätig mitgewirkt hatten, das Recht der hohenprieſterlichen Erbfolge in der Familie des Hohen⸗ prieſters Simon III. einmal begründet war. §. 929. Josephus ibid. Prideaux ibid. Mag nun dieſe von Eleazar gegen Hyrcanus' perſönliche Berechti⸗ gung zum Hohenprieſterthume erhobene Einwendung auf Wahrheit be⸗ gründet, oder vielmehr eine, wie Joſephus behauptet, nicht ohne Bös⸗ willigkeit aufgeworfene völlig unbegründete Nachrede geweſen ſein, ſie verurſachte begreiflicher Weiſe nicht allein eine höchſt peinliche Störung der bei dem erwähnten Gaſtmahle herrſchenden argloſen Vertraulichkeit, ſondern ſie bildete zugleich auch den Anfang einer langen Verkettung ſehr leidiger und folgenreicher innerlicher Mißhelligkeiten in der ganzen jüdi⸗ nuthigt berfüng Salegkt Ulche ur feit Sllft Aben. ſchen Republik, welche auf die ganze Zukunft der hasmonäiſchen Prieſter⸗ herrſchaft einen höchſt nachtheiligen Einfluß ausübten. Denn obwohl alle übrigen zugleich geladenen Mitglieder der phariſäiſchen Secte alles auf⸗ boten, um durch laute Mißbilligung einer ſo rückſichtsloſen öffentlichen Bemerkung den dadurch auf Hyrcanus hervorgebrachten üblen Eindruck ſo gut als möglich wieder zu verwiſchen, gelang es nichts deſto weniger dem zugleich eingeladenen Sadducäer Jonathan, einem ebenfalls mit Hyrcanus engbefreundeten Manne, ihm bei dieſer Gelegenheit Zweifel an der redlichen Anhänglichkeit der ganzen Secte der Pariſäer ihm als Hohenprieſter gegenüber beizubringen, indem er dieſelbe offen beſchuldigte, Eleazar zu einer ſo liebloſen Ehrenkränkung, wenn nicht geradezu un⸗ mittelbar aufgeſtiftet, doch wenigſtens durch die der ganzen Secte eigene anmaßende Altklugheit ſchon von lange her mittelbar angeleitet und er⸗ muthigt zu haben. Deßwegen gab er auch Hyrcanus ohne Weiteres den verfänglichen Rath, die verdächtige Geſinnung der Phariſäer bei dieſer Gelegenheit nur einmal auf eine entſcheidende Probe ſtellen zu wollen, welche ſich in der Antwort auf die ihnen vorgelegte Frage, was Eleazar für ſeine gegen den Hohenprieſter ausgeſtoßene Ehrenkränkung für eine Strafe verdient habe, ſchon von ſelber zur Genüge ſich werde zu erkennen geben. §. 930. Josephus ibid. Prideaux ibid. Hyrcanus war, ſeiner übrigen perſönlichen Vorzüge unbeſchadet wirk⸗ lich ſchwach und kurzſichtig genug, in die von dem Sadducäer ihm gelegte Falle einzugehen, und den Phariſäern die erwähnte Frage vorzulegen, welche gemäß der im Allgemeinen gelinden Denkungsweiſe, deren ſie ſich nach dem Zeugniſſe des Joſephus in damaliger Zeit in der Beurtheilung gewöhnlicher ſittlicher Fehltritte befleißigten, die Anſicht aufſtellten, daß eine Ehrenkränkung, wie dieſe, im Grunde genommen nicht als ein Majeſtäts⸗ verbrechen, das mit dem Tode beſtraft werden müßte, angeſehen, wohl aber mit der im Geſetze für begangene Verleumdung vorgeſchriebenen Strafe von 40 Stockſchlägen, ſowie außerdem noch mit beliebiger Gefäng⸗ nißſtrafe geahndet zu werden verdiene. Dieſes Urtheil ließ aber die Er⸗ wartungen durchaus unbefriedigt, welche Hyrcanus in ſeiner Gereiztheit ſich von dem unparteiiſchen Gutachten des phariſäiſchen Gerichtshofes gebildet hatte, weßwegen er in der von Jonathan ihm beigebrachten üblen Meinung von den Phariſäern ernſtlich beſtärkt, ſich denſelben von dieſer Zeit lan gänzlich ab und den Sadducäern ausſchließlich zuwendete, ein Schritt, welcher dem ganzen hasmonäiſchen Prieſtergeſchlechte im Vertrauen und in der guten Meinung des Volkes, das den Phariſäern als den wahren Auslegern des göttlichen Geſetzes unbedingt ergeben war, unermeß⸗ lichen Schaden brachte. CC. Der Hoheprieſter und König Ariſtobulus I. Tod des Antigonus. §. 931. Josephus Antiqq. XIII. 19. bell. Judaic. I. 8. Prideaux Connex. ann, 107. Mit dem Tode des Hohenprieſters Johannes Hyrcanus I., welcher im nächſten Jahre 3993 erfolgte, fing Judäa trotz ſeiner erſt ſeit ſo kurzer Zeit aufſtrebenden Blüthe an, in den Strudel innerlicher Zerrüttungen, welcher die Nachbarländer ſchon ſeit längerer Zeit ergriffen hatte, nun— mehr bereits ebenfalls mit hineingeriſſen zu werden, indem leidenſchaftlich eiferſüchtige unmäßige Herrſchbegierde innerhalb der hasmonäiſchen Familie ſelber ſich nicht entblödete, in von nun an immer gewaltſameren Zer⸗ reißungen der bisherigen Eintracht hervorzubrechen. Ariſtobulus I., der älteſte Sohn des Hyrcanus und unbeſtrittener Nachfolger im hohenprieſter⸗ lichen Fürſtenthume, ein wegen ſeiner auffallenden Vorliebe für alles Griechiſche, Philellen benannter Sohn der hohenprieſterlichen Familie, welcher im Einklange mit dieſer verkehrten Neigung durch ſadducäiſche Grundſätze, wie es ſcheint, verführt, ſich auch kein Gewiſſen daraus machte, ſogleich zum Antritte ſeiner Regierung unter gewaltſamer Um⸗ ſtoßung der bisherigen theokratiſch republikaniſchen Landesverfaſſung ohne Weiteres aus eigener Vollmacht ſich ſelber die Königskrone auf das Haupt zu ſetzen, eröffnete die Reihe ſeiner Regierungshandlungen damit, daß er augenblicklich ſowohl ſeine eigene Mutter, die Wittwe des Hohen⸗ prieſters Hyrcanus, als ſeine drei jüngeren Brüder(von denen der älteſte der ſpätere König Alexander Jannäus, der jüngſte ein gewiſſer Abſalom, der Name des mittleren aber nicht bekannt iſt), als der freien Ausübung ſeiner fürſtlichen Vollgewalt hinderlich im Wege ſtehend, in das Gefäng⸗ niß werfen ließ, wozu er die beſondere Grauſamkeit hinzufügte, die Mutter, welche durch eine wohl ziemlich unkluge letzte Beſtimmung des ſterbenden Hyrcanus an die Spitze der weltlichen Geſchäfte geſtellt worden war, durch Hunger zu Tode zu martern. In dem gleichen Jahre wurde Ptolemäus Lathyrus, und zwar angeblich bloß ſeiner ohne Befragung ſeiner herrſchſüchtigen Mutter, der Königin Wittwe Cleopatra, dem An⸗ I uh Glt Te 297 Vüun tiochus Cyzicenus geleiſteten Hilfe halber(ſ.§. 926.), aus Egypten verdrängt, dls dr und während dieſelbe ihren jüngeren Sohn Alexander, alſo Ptolemäus IX. wenigſtens dem Scheine nach auf den egyptiſchen Thron erhob, einſtweilen mit dem Beſitze der Inſel Cypern, wohin er ſich geflüchtet, auf längere Zeit vorlieb zu nehmen genöthigt. lus 1 Dem nach Erzählung des Paragraphen unter den erwähnten im Ganzen glücklichen Umſtänden verſtorbenen Hohenprieſter Hyreanus J. werden von Joſephus drei Vorzüge nachgerühmt: daß er in Einer Per⸗ ſon weltlicher Landesvorſtand, Hoherprieſter und endlich auch ein durch die Gabe der Prophetie ausgezeichneter Liebling Gottes geweſen ſei, kraft welcher er unter andern auch das baldige unglückliche Lebensende ſeiner beiden älteſten Söhne vorausgeſehen habe. Ebenſo hatte er, wie Antiqg. XIII. 20. erzählt wird, auch hinſichtlich ſeines dritten Sohnes Alexander, daß dieſer der eigentliche Erbe ſeiner Macht und ſeines Glückes ſein werde, von Gott Offenbarung bekommen, weßwegen er ihn, den er ge⸗ rade weit weniger als ſeine beiden älteſten Söhne liebte, abſichtlich ferne von ſeinem Hofe in Galiläa erziehen ließ.— Seiner ſeltenen natürlichen Begabung und ſeiner eigenthümlich glücklichen aus energiſcher Thatkraft und kluger Nachgiebigkeit im rechten Verhältniſſe zuſammengeſetzten poli⸗ tiſchen Staatskunſt gemäß dürfte Johannes Hyrcanus unter allen ſeinen Vorgängern wohl mit keinem anderen, als gerade mit Salomo würdiger verglichen werden. Leider iſt er demſelben auch in ſeiner fehlerhaften Seite dadurch treffend ähnlich geworden, daß er erſt mit zunehmendem Alter vermuthlich ebenfalls in den Fehler übermüthig eitler thörichter Selbſterhebung verfiel, und ſcheint theils hiedurch, theils durch eine ver⸗ kehrte Kinderziehung, ſowie endlich durch ein zu guter Letzt gänzlich un⸗ geſchickt abgefaßtes Teſtament, obwohl er der erſte eigentliche Erbe der durch die maccabäiſchen Brüder mühſam erworbenen Errungenſchaften, doch zugleich in eigener Perſon die erſte Veranlaſſung zu dem nach⸗ maligen jähen Sturze des hasmonäiſchen Regentenhauſes gegeben zu haben. Daß Ariſtobulus I. bei ſeinem Regierungsantritte ſich eigenmächtig die Königskrone auf das Haupt ſetzte, darf in der That als eine un⸗ rechtmäßige, geſetz- und verfaſſungswidrige Handlung, eine Art Staats⸗ ſtreich betrachtet werden, durch welchen die theokratiſche Republik mit erb⸗ lichem Hohenprieſterthume mit einem Schlage in eine abſolute Monarchie At gewaltſam umgewandelt wurde, was nach dem göttlichen Geſetze(ſiehe §. 110.) höchſtens auf dem Wege freier Wahl von Seiten der Unter⸗ thanen ſelber hätte geſchehen dürfen. §.K932. Josephus Antigd. XIII. 19. bell. Judaic. I. 3. Prideaux CGonnex. ann. 106. Entweder wegen ſeines begangenen Muttermordes nicht gerade be⸗ ſonders in ſeinem Gewiſſen gefoltert, oder allenfalls in der Abſicht, die Erinnerung an denſelben ſich deſto nachdrücklicher aus dem Sinne zu ſchlagen, unternahm Ariſtobulus das Jahr darauf 3994 in Geſellſchaft ſeines Bruders Antigonus, des einzigen, welcher ſein Vertrauen und ſeine Anhänglichkeit in gewiſſem Grade zu beſitzen ſo glücklich war, unbekannt auf welche Veranlaſſung hin einen erfolgreichen Feldzug gegen die Land⸗ ſchaft Ituräa, welche von Jethur, einem Sohne Ismael's(Genes. 25, 14.) ihren Namen tragend, ſich zwiſchen Damascus und der Landſchaft Galaad in nordöſtlicher Richtung erſtreckte, deren Einwohner er ähnlich, wie ſein Vater Hyrcanus die Idumäer durch das Schwert und durch angedrohte Vertreibung aus ihren Wohnſitzen zur Annahme der Beſchneidung und der israelitiſchen Religion nöthigte. Durch eine während dieſes Er⸗ oberungskrieges ihn plötzlich überfallende Krankheit an der weiteren unmittelbar perſönlichen Betreibung desſelben verhindert, übertrug er ſeinem Bruder Antigonus deſſen Beendigung, und kehrte zu ſeiner einſt⸗ weiligen Wiederherſtellung inzwiſchen allein nach Jeruſalem zurück, wo⸗ ſelbſt er in ſeiner Reſidenz Baris glücklich angelangt, jedoch längere Zeit mußte das Bett hüten. Dieſe hilfloſe Lage ſetzte ihn denn der peinlichen Nothwendigkeit aus, von Seite der Königin und eines dem Intereſſe derſelben blindlings ergebenen Anhanges ſich beſtändig zum Mißtrauen gegen die redlichen Abſichten des abweſenden Antigonus aufgeſtachelt zu ſehen, welche ſich auf dieſe Weiſe durch fortwährende Verdächtigungen auch ihn noch in der Gunſt ſeines Bruders um jeden Preis zu ſtürzen ein angelegentliches Geſchäft machten. §. 933. Josephus ibid. Prideaux ibid. Ariſtobulus widerſtand dieſer Verſuchung lange Zeit aus allen Kräften, war aber, als er am Laubhüttenfeſte desſelben Jahres plötzlich mit der Nachricht überraſcht wurde, daß Antigonus nach glorreich be⸗ endigtem Kriege mit dem ganzen Heere einen glänzenden Einzug in Je⸗ ruſalem gehalten, und ſich mit voller Waffenrüſtung nicht zuerſt unmittel⸗ bar zu ſeinem Bruder, ſondern in Gegenwart des ganzen Volkes vorab, dem Anſcheine nach, um dortſelbſt ſeine Andacht zu verrichten, zunächſt erſt in den Vorhof des Tempels begeben habe, dennoch nicht ſtark genug, um die Möglichkeit einer verrätheriſchen Geſinnung ſeines Bruders, welche demſelben von Seite der Erzählenden auch ausdrücklich Schuld gegeben wurde, bei dieſer Gelegenheit ganz aus ſeinem Vorſtellungskreiſe entfernt zu hal⸗ ten, indem es oberflächlich betrachtet allerdings ſcheinen konnte, als gehe Antigonus damit um, das durch ſeinen glänzenden Aufzug in Bewunde⸗ rung verſetzte Volk allenfalls für den Fall eines bereits vorbereiteten offenen Aufſtandes ſchon zum Voraus für ſich gegen Ariſtobulus einzu⸗ nehmen. Er verfiel deßhalb, um ſich von dieſer quälenden Ungewißheit f00 1 fl Un M uur K ihtig bald möglichſt zu befreien, auf den gefährlichen Plan, die Geſinnungs⸗ treue ſeines Bruders auf eine augenblicklich entſcheidende Probe zu ſtellen, indem er ihm Botſchaft zuſchickte, ſogleich nach verrichteter Anbetung mit abgelegter Waffenrüſtung vor ihm perſönlich zu erſcheinen. Zugleich aber ſtellte er in einem von dem Tempelvorhofe in die Burg Baris unmittelbar hinüberführenden engen und dunkeln Gange, in deſſen unmittelbar an⸗ ſtoßender Nähe ein der Burg Baris angehörender Thurm zufällig den Namen„Stratonsthurm“ führte, bewaffnete Kriegsknechte auf mit dem gemeſſenen Befehle, im Falle ſie Antigonus in Waffenrüſtung erſcheinen ſehen würden, denſelben nachſichtslos todt zur Erde niederzuſtrecken. K. 934. Josephus ibid. Prideaux ibid. Die übereilten Anordnungen des krankhaft aufgeregten Königs wur⸗ den von ſeiner Umgebung leider auf eine ſehr gewiſſenloſe Weiſe nur zur Hälfte in Ausführung gebracht, indem nämlich die Königin nebſt den übrigen Neidern des Antigonus in denſelben zu ſeinem erſehnten Sturze gerade die zweckmäßigſte und wohlfeilſte Gelegenheit erblickten. Sie ließen demnach Ariſtobulus' Beſtellung an ſeinen Bruder gerade umgekehrt aus⸗ richten, als ob der kranke König, welcher von ſeiner glänzenden neuen Waffenrüſtung habe erzählen hören, ſich von ihm das Vergnügen aus⸗ bäte, ſich ſobald als möglich in derſelben vor ihm ſehen zu laſſen. Der argloſe Antigonus hatte demnach nichts Eiligeres zu thun, als nach Beendigung ſeiner im Tempel verrichteten Andacht ſich ſobald als möglich auf dem erwähnten kürzeſten Wege allein in die hohenprieſterliche Reſidenz zu verfügen, auf welchem er nun aber in dem erwähnten finſteren Gange gerade bei dem ſogenannten Stratonsthurme richtig unverſehens überfallen und wehrlos erſchlagen wurde. Hiedurch ging die Prophezeiung des Eſſeners Judas in eine durch ihre buchſtäbliche Genauigkeit merkwürdige Erfüllung, indem derſelbe gerade auf dieſen Tag bereits ſeit längerer Zeit das unglückliche Ende des Antigonus und zwar als ein bei Stratons⸗ thurm ſich ereignen ſollendes vorausgeſagt,— da er jedoch unter Stra⸗ tonsthurm ſelber irriger Weiſe die gleichnamige an der mittelländiſchen Meeresküſte, ziemlich weit von Jeruſalem entfernt liegende Hafenſtadt, das ſpäter ſogenannte Cäſarea verſtanden, bereits die Erwartung des wirklichen Eintreffens ſeiner Vorherſagung ſelber wieder aufgegeben hatte. Da die im laufenden Paragraphen erzählte Prophezeiung des Eſſe⸗ ners Judas die erſte, vielleicht die einzige Gelegenheit iſt, bei welcher ein Mitglied dieſer Secte geſchichtlich auftritt, ſo benutzen wir dieſelbe, das Wenige, noch immer Räthſelhafte, was ſich über ſie ermitteln läßt, zu⸗ gleich auf Joſephus(Anligg. XVIII. 2. bell. Judaic. II. 7.) und die bei Prideaur add ann. 107. vorfindliche Abhandlung uns berufend, ge⸗ rade hier ſo klar und kurz als möglich zuſammenzuſtellen. Die Ab⸗ leitung des Namens Eſſener iſt ſehr unſicher, indem die von Philo gegebene Ableitung von dem griechiſchen Worte„00log;“ der zufolge Eſſener ungefähr mit„Pietiſt“ oder„Heiliger“ im ironiſchen Sinne des Wortes ßleichbedeutend wäre, zu ſehr allen Sprachgeſetzen widerſpricht, um auf Glaubwürdigkeit Anſpruch machen zu können. Auch ſcheint der ganze Ableitungsverſuch mehr eine Sach- als eine Worterklärung von Seite Philo's zu beabſichtigen. Um ſo größere Wahrſcheinlichkeit hätte demnach die verſuchte zweite Ableitung für ſich, nach welcher das Wort Eſſener aus dem ehemaligen„Aſſidäer,“„chasidim“ corrumpirt, mit demſelben zugleich ein und die nämliche Sache, d. h. die fortwährend noch beſtehende Congregation der Aſſidäer(vergl. Anmerk. zu§§. 764. 818.) bezeichnen würde. Aber auch dieſe Erklärung ſcheint zu gewalt⸗ ſam, um ihr beipflichten zu können, weßwegen wir, ohne zu wiſſen, ob dieſer Verſuch vielleicht ſchon einmal von anderer Seite gemacht worden iſt(les werden übrigens nach Guerike's Kirchengeſchichte I.§. 8. 3. auch 10 noch zwei andere Ableitungsverſuche aus dem Syriſchen und dem Chal⸗ 6 däiſchen gemacht), unbedenklich eine dritte Hypotheſe aufſtellen. Da näm⸗ 5 lich das Wort:„200⁰ oνe mit jenem in der Anmerkung zu§. 63. erwähnten„200½% p,«“ dem nach Joſephus ſo benannten hohenprieſter⸗ lichen Bruſtſchilde, welches griechiſch mit„J0%, lateiniſch mit„ratio- nale“ oder„oraculum“ wieder gegeben wird, durchaus übereinkommt, ſo leiten wir Beides am Ende am wahrſcheinlichſten von dem hebräiſchen Worte„chesen“(J)N apparitio, visio, rad. IN)) ab, ſo daß„eοοον dem Wortlaute nach eine Secte bezeichnet, welche ſich einer höheren ſpiri⸗ tualiſtiſchen göttlichen Erkenntniß und insbeſondere der Gabe der Pro⸗ phezeiung ſelber rühmte, für deren Inhaber ſie nach Joſephus' Zeugniß durch das beinahe ausnahmslos regelmäßige pünktliche Eintreffen, ihrer gemachten Prophezeiungen, für welches wir auch in unſerem gegenwärtigen Paragraphen ein auffallendes Beiſpiel beſitzen, wenigſtens wirklich von dem Volke gehalten wurden. Unter dieſem Namen„Eſſener,“ alſo d. i. ungefähr ſo viel als„Hellſeher“ oder„Erleuchtete“ haben wir uns eine in Judäa hauptſächlich auf dem platten Lande und namentlich in der Wüſtengegend am weſtlichen Ufer des todten Meeres in der Anzahl von mehreren Tauſend Mitgliedern verbreitete philoſophiſch religiöſe Secte vor⸗ zuſtellen, welche bei einer eigenthümlich abgeſchloſſenen inneren bürger⸗ lichen Verfaſſung durch ſtreng ſittliches Verhalten und friedliche Arbeit⸗ ſamkeit ausgezeichnet, zugleich von gewiſſen aſcetiſchen Lebensgrundſätzen, durch deren Befolgung ſie unverkennbar einer gewiſſen höheren menſch⸗ lichen Vollkommenheit entgegenſtrebten, ſowie zu gleicher Zeit auch von der Heilung verſchiedener Körperkrankheiten durch Anwendung von Arznei⸗ kräutern eine Art öffentliche Profeſſion machten. Von Paläſtina aus allmälig in alle verſchiedenen Länder, in welchen das jüdiſche Volk zerſtreut lebte, weiter ſich ausbreitend, unterſchieden ſie ſich dabet nach Philo's Zeugniß in eine doppelte Claſſe, in die der praktiſch thätigen Eſſener, welche weitaus die Mehrzahl bildend überall durch Handarbeit 301 ſich ernährten, und in diejenige der beſchaulich ſpeculativen Eſſener, oder die ſogenannten Therapeuten, welche kloſterartig vereinzelt innerhalb der gartenmäßig angelegten Umgebungen egyptiſcher Städte in einſamer Zurückgezogenheit ihr ganzes Leben mehr oder weniger der Betrachtung widmeten.— So viel iſt, was über das Auftreten und die Verbreitung dieſer Secte im Allgemeinen ungefähr ſich erkennen läßt; was wir über ihre eigenthümliche Verfaſſung und Lebenseinrichtung im Einzelnen wiſſen, faſſen wir der leichteren Ueberſicht wegen in folgende Hauptpunkte zuſammen: 1) Die eigenthümliche Verfaſſung und Lebenseinrichtung der Eſſe⸗ ner in ihren beiden Claſſen der thätigen und beſchaulichen Eſſener oder der ſogenannten Therapeuten hing mit gewiſſen Geheimlehren zu⸗ ſammen, welche, obwohl längſt zuvor in ſchon aus älterer Zeit herſtam⸗ menden Büchern niedergeſchrieben, nichts deſto weniger ſowohl ihrem Inhalte, als auch ihrem Urheber nach bei Vermeidung der ſtrengſten Strafen jedem außerhalb ſtehenden Uneingeweihten mußten verſchwiegen bleiben. Wer unter ihnen ſelber, ein Fall, der wohl ſelten vorgekommen ſein mag, von dem Geſetzgeber, deſſen Namen und Perſon ſomit unbe⸗ kannt geblieben iſt, übel redete, wurde nach einem eigens dazu unter ihnen ſelber veranſtalteten Gerichtsverfahren, zu welchem eine Zahl von hundert Richtern erfordert wurde, mit dem Tode beſtraft. Außer der Todes⸗ ſtrafe ſcheint die Ausſchließung aus ihrer gemeinſamen bürgerlichen Lebens⸗ ordnung die ſtrengſte Strafe geweſen zu ſein, durch welche ſie die Auf⸗ rechthaltung ihrer Anordnungen unter ſich ſelber zu behaupten wußten, eine Strafe, welche jedoch den dadurch Betroffenen, die, wie Joſephus angibt, durch die tyranniſchſten Eide in ihrem Gewiſſen gebunden, auch nach erfolgter Ausſchließung von Niemanden andern außer von Mitgliedern der Seete weitere Speiſe anzunehmen ſich getrauten, auf eine ſo uner⸗ träglich drückende Weiſe zur Laſt fiel, daß die meiſten derſelben eines elenden Todes ſtarben, wenn ſie nicht, was manchmal geſchah, aus Mit⸗ leiden kurz vor dem erfolgten Hungertode in die Gemeinſchaft der übrigen wieder aufgenommen wurden. 2) Dieſe nach innen zu ſonach mit einer ſo unerhört unumſchränkten Disciplinargewalt ausgerüſtete Secte, welche noch dazu in vier verſchie⸗ denen caſtenartigen Abtheilungen von einer ſo durchaus ſchroff ariſtokrati⸗ ſchen Abgeſchloſſenheit organiſirt war, daß jede zufällige körperliche Be⸗ rührung einer tiefer ſtehenden von den Mitgliedern einer höheren Caſte als eine förmliche Verunreinigung durch eigens angeordnete Waſchungen gleichſam gebüßt und wieder ausgeglichen werden mußte, erfreute ſich demungeachtet bei dem niederen Volke wenigſtens, nicht allein einer hohen Achtung, ſondern zugleich, wahrſcheinlich zum Theil in Folge ihrer be⸗ währten Heilkunſt auch eines ungemeſſenen perſönlichen Zutrauens. Sonſt hätten ſich die Eſſener ſchlechterdings nicht in ihrer zahlreichen Stärke behaupten können. Denn da ſie mit Ausnahme einer kleinen unter ihnen ſelber beſtehenden Partei, welche jedoch ihrerſeits ebenfalls nur unter beſchränkenden Umſtänden ſich verehelichte, im Allgemeinen die Ehe als etwas Unreines verwarfen, ſo ergänzten ſie ſich in der Regel nur theils durch die Erziehung angenommener fremder Kinder, theils durch die Aufnahme freiwilliger erwachſener Beitreter, welche letztere ſich jedoch, bevor ſie zu ihrer Gemeinſchaft förmlich zugelaſſen wurden, eine mehr⸗ jährige novizenartige Prüfung mußten gefallen laſſen.— Die Verpflich⸗ tungen, welche nun aber der geprüfte Proſelyt bei der förmlichen Auf⸗ nahme als Gelübde auf ſich nehmen mußte, ſind theils ihrer Geheimthuerei halber ſehr befremdender Natur, theils enthalten ſie auffallende innere Widerſprüche. Sie mußten z. B. mit den furchtbarſten Schwüren ſich verbinden, den Namen ihres Sectenſtifters, die Bücher, welche die Ge⸗ heimlehren der Secte enthielten, ja ſelbſt die Namen perſönlicher Secten⸗ vorſteher vor jedem Auswärtigen ſtrenge geheim zu halten, auch außer⸗ dem noch von Niemanden weiter in ihrem ferneren Leben als von Mit⸗ gliedern der Secte Speiſe und Trank anzunehmen, und dennoch mußten ſie nicht allein in allen gewöhnlichen Unterhaltungen ſich der ſtrengſten offenherzigen Wahrhaftigkeit befleißigen, ſondern es galt außerdem auch noch das Schwören in ihren Augen für eine förmliche Sünde, indem ſie den Grundſatz aufſtellten, daß man denjenigen, der erſt Gott zum Zeugen ſeiner Behauptung aufzurufen ſich genöthigt ſehe, ſchon von vornherein als einer treuloſen Geſinnung verdächtig zu betrachten berechtigt ſei. Ebenſo verwarfen ſie nach ihren Grundſätzen nicht allein alle förmliche Sclaverei, ſondern auch alle im Geſetze begründete temporäre bürgerliche Knechtſchaft(vergl.§. 66.), und nichts deſto weniger verlangten ſie nicht allein von ihren Sectenangehörigen, der jeweiligen politiſchen Regierung, die ſie als eine göttlich eingeſetzte Obrigkeit anerkannt wiſſen wollten, wie billig und recht, den pünktlichſten Gehorſam zu leiſten, ſondern hielten überdieß auch ihre eigenen Untergebenen fortwährend in einer ſo ſclavi⸗ ſchen Zucht, daß dieſelben, ausgenommen in Beziehung auf Werke dienſt⸗ fertiger Nächſtenliebe und Barmherzigkeit, ſchlechterdings nichts ohne Wiſſen und Willen ihrer Vorgeſetzten vornehmen durften, weßwegen dieſelben in ihrem äußeren Auftreten auch beſtändig den Ausdruck von Menſchen, welche niemals zu einer rechten perſönlichen Selbſtſtändigkeit gelangen können, an ſich trugen.— Ein auffallender dritter Widerſpruch läßt ſich ins⸗ beſondere auch darin finden, daß die Eſſener durch die erwähnte unbe⸗ ſchränkt gegebene Erlaubniß zu Dienſtleiſtungen der Nächſtenliebe und Barmherzigkeit doch offenbar als eine beſonders menſchenfreundliche Secte gelten, während ſie den ausgeſtoßenen Mitzliedern der Secte nicht einmal die Freiheit zur Annahme von Speiſe und Trank aus der Hand eines der Secte Nichtangehörigen geſtatten wollten. 3) Die übrigen ausdrücklichen Verpflichtungen, welche der Beitretende zu übernehmen hatte, waren jedoch alle von der Art, daß ſie unfehlbar den Credit der Secte bei den Außenſtehenden beſtändig in einer gewiſſen Höhe zu erhalten geeignet waren, indem er Gott zu dienen und fleißig im Gebete anzurufen, ſich der Gerechtigkeit im Umgange mit allen Men⸗ ſchen zu befleißigen, die Gottloſen zu verabſcheuen, aber den Frommen und Gerechten hilfreich beizuſtehen, alles entbehrlichen Lurus, auch wenn er ein Ehrenamt erhalten ſollte, ſich zu enthalten; Wahrhaftigkeit in Worten zu beobachten und ſein Gewiſſen von Diebſtahl und allem un⸗ rechtmäßigen Gewinne rein zu bewahren ausdrücklich verſprechen mußte. Eine auf dieſem Wege erzeugte hohe Meinung von ihrer ſittlichen Tugend⸗ haftigkeit mag wohl eines unter den hauptſächlichſten Anreizungsmitteln zum Beitritt zu der Secte geweſen ſein. Als ein zweites mehr äußer⸗ liches kam begreiflicher Weiſe die vollkommene Sorgenfreiheit des Ein⸗ 303 zelnen in Hinſicht auf ſeine tägliche körperliche Verpflegung hinzu, welche ihm durch die unter den Eſſenern herkömmliche gütergemeinſchaftliche Lebens⸗ weiſe geboten wurde. Beide, der Reiche wie der Arme lieferten nämlich bei ihrem Eintritte ihr Vermögen in eine gemeinſchaftliche Caſſe ab, aus welcher dann die ganze Communität, deren arbeitsfähige Mitglieder überdieß zu angeſtrengter Theilnahme am Feldbau, ſowie an allen übri⸗ gen erforderlichen Handarbeiten angehalten wurden, um ſo leichter er⸗ halten werden konnte, eine je größere Einfachheit und Frugalität von vornherein nach ihren aſcetiſchen Grundſätzen in ihrer ganzen Lebensweiſe herrſchte. Die in Egypten lebenden beſchaulichen Eſſener oder Thera⸗ peuten, welche nun freilich bei ihrer ausſchließlich betrachtenden Lebens⸗ weiſe keine ſo kräftige Nahrung brauchten, ſollen nach Philo's Zeugniß nie etwas anderes als Brod, Salz und Qſop gegeſſen, und ebenſo auch kein anderes Getränk außer Waſſer getrunken, vor dem Weine dagegen einen grundſätzlichen Abſcheu gehabt haben. 4) Eine derartige in ſich abgeſchloſſene zahlreiche Secte bedurfte außer einer ſonſtigen genau vorgeſchriebenen Tagesordnung auch eines regel⸗ mäßigen täglichen Gottesdienſtes, und wirklich leſen wir bei Joſephus, daß tägliche vorgeſchriebene Gebete vor Sonnenaufgang, vor und nach der gemeinſamen Mittagstafel und ebenſo bei dem Abendeſſen bei ihnen in üblichem Gebrauche geweſen ſeien. Trotz dieſer löblichen religiöſen Einrichtung, zu welcher überdieß eine beinahe affectirt übertriebene Heili⸗ gung des Sabbaths hinzukam(wenn es wenigſtens wahr iſt, was Joſe⸗ phus ihnen nachſagt, daß ſie am Sabbath ſogar ihre gewöhnliche Noth⸗ durft zu verrichten ſich zur Sünde rechneten), zeigten ſie ſich auf der anderen Seite, und dieß iſt ein neuer innerer Widerſpruch, der zu den bereits erwähnten viertens hinzukommt, darin auffallend lax, daß ſie ſich kein Gewiſſen daraus machten, dem ausdrücklichen Buchſtaben des gött⸗ lichen Geſetzes entgegen(vergl.§. 107.) in ſeparatiſtiſcher Eigenmächtig⸗ keit an Ort und Stelle ihres Communalaufenthaltes nach Joſephus' An⸗ gabe(Antiqd. XVIII. 2.) Privatopfer darzubringen, und im Zuſammen⸗ hange damit den im Geſetze ausdrücklich gebotenen perſönlichen Beſuch der drei hohen Feſte in Jeruſalem(ſ.§. 107.) aus bloßer eigenſinniger Vorliebe für ihre beſonderen Reinigkeitsvorſchriften, welche ſie durch die unausweichliche Berührung mit den übrigen zuſammenſtrömenden Feſt⸗ genoſſen zu übertreten ſie ſich freilich nothgedrungen ſahen, indem ſie übrigens ihre Gaben und Opfer an den Tempel abweſend pünktlich ent⸗ richteten, förmlich zu unterlaſſen. In dieſem letzterwähnten Nebenumſtande liegt auch die wahrſcheinliche Auflöſung derjenigen Schwierigkeit, welche man gegen das Geſagte daraus erheben könnte, daß doch der im Para⸗ graphen erwähnte Eſſener Judas als bei dem in dieſem Jahre gefeierten Laubhüttenfeſte perſönlich gegenwärtig erwähnt wird, indem derſelbe ver⸗ muthlich der zufällige Ueberbringer derjenigen Gaben und Opfer war, welche in dieſem Jahre von der Secte der Eſſener zum Laubhüttenfeſte eingeliefert wurden. Mittels einer ähnlichen Eigenmächtigkeit erhoben unter andern die Therapeuten nach Philo's Zeugniß, wenn anders Pri⸗ deaux die betreffende Stelle desſelben(ſ. Connexion 2. Thl. S. 364.) richtig auslegt, jeden ſiebenten Sabbath im Jahre zu einem eigenen Feſt⸗ tage, den ſie mit beſonderer Feierlichkeit zu begehen pflegten. 5) In fernerer Uebereinſtimmung mit dieſem geſetzwidrigen thätigen Verhalten war auch die Glaubenslehre der Eſſener nichts weniger als einfach ſchlicht rechtgläubig orthodor, ſondern charakteriſirt ſich vielmehr bei näherer Betrachtung als ein zwar in jüdiſche Formen eingekleidetes, übrigens ſpiritualiſtiſch, pantheiſtiſch, fataliſtiſch und zuletzt entſchieden rationaliſtiſch heidniſch philoſophiſches Syſtem. Da die Mitglieder der höheren Caſten unter den Eſſenern durch berechnete Enthaltung von Speiſe und Trank bei einer durchaus kloſterartig geregelten übrigen Lebensweiſe, das jedem Menſchen überhaupt erfahrungsmäßig angeborene und im gewöhnlichen Laufe der Dinge in der Regel eben nur in ſeiner Entwicklung unterdrückte, mit dem Nervenleben zuſammenhängende natür⸗ liche Ahnungsvermögen bis auf eine anerkannt ſtaunenswerthe that⸗ ſächliche Höhe zu treiben die Uebung beſaßen, und ſich daraus ein eigent⸗ liches Geſchäft machten, ſo iſt es pfychologiſch leicht erklärbar, warum ſie den Begriff einer abſoluten göttlichen Providenz, welche die innere Frei⸗ heit aller menſchlichen Handlung geradezu aufhebt, einen Begriff alſo, welcher mit der proteſtantiſchen Grundanſchauung von der Gnade genau betrachtet beinahe präcis übereinkommt, als erſten Ausgangspunkt an die Spitze ihrer Theologie zu ſtellen ſich verleiten ließen. Mit dieſem über⸗ triebenen Einfluſſe, welchen ſie der göttlichen Weltregierung auf Koſten der menſchlichen Willensfreiheit einräumten, in eonſequentem innerlichem Zuſammenhange kamen ſie denn allmälig dahin, den Sadducäern darin ähnlich zu werden, daß ſie an dem buchſtäblichen Sinne der göttlichen Offenbarungsurkunden zweifelnd, das doch ſchon in den Zeiten der ſieben maccabäiſchen Martyrer(vergl.§. 808—815.) in die Ueberzeugung und das religiöſe Volksbewußtſein unverkennbar übergegangene Dogma von der zukünftigen Auferſtehung des Leibes fallen ließen, indem nämlich, je voll⸗ kommener ſie bereits in dieſer Welt den von Seite Gottes mit der Er⸗ ſchaffung derſelben verbundenen letzten Endzweck nach ihrer ſpiritualiſti⸗ ſchen Auffaſſung erreichen zu können ſich zutrauten, deſto werthloſer die gegebene Verheißung einer neuen zukünftigen phyſiſch moraliſchen Welt⸗ ordnung in ihren Augen erſcheinen mußte. Anſtatt der zukünftigen Auferſtehung des Leibes hielten ſie dabei zwar die Unſterblichkeit der Seele feſt, faſelten jedoch zugleich von einer höchſt abgeſchmackten heidniſch mythologiſchen Glückſeligkeit, welche die von den ſclaviſchen Banden des Leibes dereinſt erlöſte Seele auf den Inſeln des Oceans unter einem fabelhaft milden Clima in unaufhörlicher Dauer zu empfinden bekommen werde. Darnach können wir uns ungefähr einen annähernden Begriff von jenen geiſttödtenden allegoriſchen Auslegungen des altteſtamentlichen Vibeltertes machen, mit welchen die betrachtenden Eſſener, die ſogenannten Therapeuten, insbeſondere bei ihren von Philo beſchriebenen ſabbathlichen Zuſammenkünften zu ihrer Erbauung ſich wechſelſeitig zu unterhalten ſuchten; indem ſie nämlich mit den Sadducäern hierin wetteifernd den einfach buchſtäblichen wirklichen Sinn der heiligen Schrift mit allem nur möglichen Scharfſfinne allegoriſirend zu verwäſſern wußten.— Von dieſem hiſtoriſchen Beiſpiele halten wir uns berechtigt, auf die Geſchichte des Proteſtantismus die pragmatiſche Nutzanwendung zu machen, daß wir uns auf dieſe Weiſe es ganz wohl pſychologiſch zurecht legen zu können glauben, wie die Lehre Luther's vor der Gnade, welche noch heute das 305 Grunddogma des ganzen Proteſtantismus bildet, nachdem dieſelbe eine Zeit lang mit erbitterter Hartnäckigkeit als die allein giltige theologiſche Lehrmeinung von Seite der ſogenannten orthodor proteſtantiſchen Theo⸗ logen der katholiſchen Kirchenlehre gegenüber feſtgehalten und vertheidigt worden, nach und nach allmälig in den modernen philoſophiſchen Ent⸗ wicklungsgang von Kant an umſchlagen, und zuletzt in dem rationaliſtiſch fataliſtiſchen Pantheismus Hegel's ihre geiſtesverwandte Spitze finden konnte, nur daß das erzeugte uneheliche Kind von ſeinem Vater heuch⸗ leriſcher Weiſe für gewöhnlich nicht anerkannt, ſondern vielmehr im Gegentheil möglichſt leidenſchaftlich desavouirt wird. Die charakteriſtiſche innere Geiſtesverwandtſchaft zwiſchen beiden gibt ſich übrigens nur zu oft unzweideutig auch äußerlich zu erkennen, durch die zwar ſchimpflich unnatürliche aber nichts deſto weniger wunderbar zuſammenklingende, rührende Harmonie, mit welcher die entſchiedendſten pietiſtiſchen Partei⸗ führer in der Wirklichkeit mit den allergraſſeſten Hegelianern in ent⸗ ſcheidenden ſocialen und politiſchen Lebensfragen beinahe regelmäßig in ein und das nämliche Horn blaſen. 6) Nachdem ſich im Lichte dieſer thatſächlichen Umſtände die Secte der Eſſener als eine zwiſchen den Phariſäern und Sadduzäern(vergl. Anmerkung zu F. 764.) gewiſſermaßen die Mitte haltende herausſtellt, indem ſie nämlich in ſittlicher Hinſicht ſich von der frivolen Weltlichkeit der Sadduzäer entfernt haltend, in Beziehung auf die Wahrung des überlieferten Glaubens in wiſſenſchaftlicher und religiöſer Beziehung den Phariſäern jedoch entſchieden nachſtanden, können wir über den geſchicht⸗ lichen Urſprung der Eſſener bei der gefliſſentlichen Geheimhaltung des⸗ ſelben leider nur ſehr vage und unbeſtimmte Vermuthungen aufſtellen. Es wäre wohl nicht unmöglich, daß die Entſtehung dieſer räthſelhaften Secte mit derjenigen des ebenſo räthſelhaften ſogenannten vierten Buches Esdra(vergl. Anmerk. zu§. 588.), das ſich allenfalls ganz wohl als ein untergeſchobenes eſſeniſches Machwerk betrachten laſſen dürfte, geſchicht⸗ lich zuſammenhinge. Jedenfalls verdankt dieſe Secte keiner göttlich pro⸗ phetiſchen Stiftung, ſondern vielmehr wohl nur dem ſchöpferiſchen Er⸗ findungsgeiſte eines noch dazu wahrſcheinlich nicht von den reinſten Triebfedern in ſeinem Gewiſſen geleiteten menſchlichen Betrügers ihr Daſein, ſonſt würde der geſchichtliche Urheber derſelben wohl weder ſeinen Namen in ein ſo undurchdringliches geſchichtliches Dunkel einzuhüllen, ſich bewogen gefunden, noch ſein geſtiftetes Werk die auffallenden Spuren einer künſtlichen Zuſammenſetzung aus gar ſo heterogenen Beſtandtheilen, wie orientaliſche Geheimwiſſenſchaft, griechiſche Mythologie und jüdiſche Geſetzesgelehrſamkeit an ſich haben. Um die geſchichtliche Möglichkeit einer ſo eigenthümlichen originellen Compoſition uns klarer vorzuſtellen, glauben wir auf jene Zeit zurückgehen zu müſſen, in welcher auf Betrieb des unrechtmäßig auf dem Wege der Beſtechung eingedrungenen Hohenprieſters Jaſon(pergl.§. 793.) eine griechiſche Bildungsanſtalt in Jeruſalem ge⸗ gründet, und dadurch der jüdiſche und helleniſche Ideenkreis zum erſten Wale in eine Art gewaltſame praktiſche Wechſelberührung gebracht wurde. Denn da die im damaligen Augenblicke ſich ſchaarenweiſe mit offenen Armen der neuen helleniſchen Richtung in die Arme werfenden Söhne jüdiſcher Familien ihre bisherige ſelbſtſtändige Nationaleigenthümlichkeit Krafft, heil. Geſchichte. 1. 20 deßwegen doch weder ganz verleugnen konnten, noch wollten, ſo mögen um jene Zeit die erſten Verſuche zu einer thunlichen Verſchmelzung der beiderſeitigen religiöſen Grundanſchauungen gemacht worden ſein. Dieſe ganz und gar frivolen vorläufigen Ausgleichungsbeſtrebungen wurden nun zwar durch die als ächt geſunde Reaction darauffolgende macca⸗ bäiſche Schilderhebung des Prieſters Mathathias und ſeiner Söhne frei⸗ lich ſogleich mit Feuer und Schwert gewaltſam wieder unterdrückt. Nichts deſto weniger zeigt die Geſchichte des maccabäiſchen Unabhängigkeitskrieges unverkennbar an dem Beiſpiele eines Mitgliedes ſogar der maccabäiſchen Familie ſelber, an dem Beiſpiele Eleazar's nämlich(ſ.§. 853. nebſt Anmerkung, und Anmerkung zu§. 864.), daß helleniſcher Ehrgeiz in Form einer Art donatiſtiſch eigenmächtigen Lebensverachtung ſogar in die edelſten Kreiſe des dermaligen Judenthums unmerklich eingedrungen war, woraus wir mit um ſo groͤßerem Rechte den Schluß ziehen können, wie unaufhaltſam tiefe Wurzeln der helleniſche Zeitgeiſt bereits in weiteſter Ausdehnung im jüdiſchen Volke mochte geſchlagen haben. Und eben dieſe auf eine übertriebene Verachtung des Sichtbaren ausgehende helleniſch philoſophiſche Geiſtesrichtung glauben wir denn zuletzt in den Eſſenern wiederzufinden, von denen Joſephus bell. Judaic. II. 7.) ausdrücklich berichtet, welche beinahe übermenſchliche ſtandhafte Todesverachtung die⸗ ſelben bei Gelegenheit einer im letzten Eroberungskriege unter Vespaſianus von Seite der Römer über ſie verhängten peinlichen Verfolgung an den Tag gelegt hätten. Einer ſolchen donatiſtiſch aufgeregten ſittlich ver⸗ kehrten Geiſtes- und Gemüthsrichtung mag ſich nun in den uuter der Regierung Simons III., des erſten fürſtlichen Hohenprieſters aus der maccabäiſchen Familie eintretenden Friedenszeiten irgend ein wohl ſelber davon ergriffener erfinderiſcher Kopf, deſſen Namen wir aber, wie geſagt, nicht kennen, bemächtigt, und daraus eine derartige originelle neue Seete geſchaffen haben, welche, da ſie ſich der beſtehenden Ordnung im Allge⸗ meinen wenigſtens nicht ſchlechterdings opponirte, ebenſo gut wie die Sadducäer ebenfalls unter den unvollkommenen öconomiſchen Verhältniſſen der altteſtamentlichen theokratiſchen Republik für den Augenblick tolerirt werden mußte. Es mag dem Stifter derſelben bei der Ausführung ſeines Projectes unter andern allenfalls die Wiederherſtellung jener alten von Samuel gegründeten und bis zur Zeit des babyloniſchen Exiliums ſich fortpflanzenden Prophetenſchule(vergl. Anmerk. zu§. 231.) als Ideal vor Augen geſchwebt haben, mit welcher, der äußerlichen Einrichtung nach betrachtet, das Inſtitut der Eſſener, welches ebenfalls die Gabe der Pro⸗ phezeiung anſtrebte, allerdings einige unverkennbare Aehnlichkeit hatte. In dieſer Beziehung iſt es denn, wie geſagt, unter andern nicht ganz undenkbar, daß der Urheber eines derartigen Unternehmes in der Abſicht, um die Unwiſſenden und Unbefangenen deſto gründlicher zu täuſchen, und um ſich trügeriſcher Weiſe an die Auctorität des mit Recht hoch⸗ verehrten Esdra's anzulehnen, ſich auf die unächte Abfaſſung ſolcher Bücher, wie etwa das vierte Buch Esdra, hinterliſtiger Weiſe dürfte ver⸗ legt haben. 7) Trotzdem daß wir uns ſomit von dem Urſprunge und der wahren verborgenen Tendenz dieſer Secte nach dem Wenigen, was wir von der⸗ ſelben wiſſen, einen eigentlich ehrenwerthen Begriff nicht bilden können, glauben wir auf der anderen Seite jedoch den nebenher gehenden be⸗ trächtlichen Nutzen, den dieſelbe durch zweckmäßige Verſorgung, nützliche Beſchäftigung und ſittliche Erziehung vieler ſonſt der gezwungenen Un⸗ thätigkeit preisgegebener Arbeiter aus der niederen Volksclaſſe geſtiftet, nicht überſehen, und im Zuſammenhange damit derſelben auch ihre ge⸗ ſchichtliche Bedeutung und einen gewiſſen höheren Beruf, um deſſentwillen ſie von der göttlichen Vorſehung, ähnlich wie andere in ihrem Grunde verkehrten Zeiterſcheinungen, abſichtlich zugelaſſen worden ſein mag, nicht abſprechen zu dürfen. Deßwegen mag dem Eſſenismus immerhin das Verdienſt ungeſchmälert bleiben, in ſolchen praktiſchen ſocialen Lebens⸗ aufgaben, wie Armenpflege und Volkserziehung, deren praktiſche Löſung ein ganz charakteriſtiſcher fortwährender Berufsgegenſtand der chriſtlichen Religion iſt, mehr als jede andere bisherige Schule derſelben vorgearbeitet, ja wir dürfen hinzuſetzen, die richtige Bahn, in deren Fußſtapfen eine Religion, welche den Anſpruch machte, Weltreligion zu ſein, nothwendig eintreten mußte, unverkennbar vorgezeichnet zu haben. Hiezu kommt als fernerer auffallender Beziehungspunkt zur chriſtlichen Religion die den Eſſenern eigenthümlichen Uebungen in den Tugenden der freiwilligen Armuth, der Enthaltſamkeit vom ehelichen Umgange und des Gehorſams, ſowie überhaupt die damit verbundene Einrichtung des gemeinſamen Lebens, in welchen wir bei unbefangenem Nachdenken ein einſtweiliges geſchichtliches Vorbild der ſpäter in der katholiſchen Kirche in ſo aus⸗ gedehnte Anwendung gekommenen klöſterlichen Inſtitute unmöglich ver⸗ kennen können. Mit dieſem Zugeſtändniſſe iſt es jedoch keineswegs, wie wir uns kaum zu verwahren nöthig haben, unſere Abſicht, etwas zur Bekräftigung jenes bereits vor 200 Jahren von deiſtiſchen Neologen er⸗ hobenen Einwurfes beitragen zu wollen, welche in der Abſicht, um die chriſtliche Religion ihres göttlichen Charakters zu entkleiden, dieſelbe als einen im Laufe der Zeit aus der eſſeniſchen Secte hervorbrechenden neuen Bildungskeim zu erklären den hiſtoriſchen Verſuch gemacht haben. Denn obwohl es wirklich einigermaßen auffallend iſt, daß weder in den neu⸗ teſtamentlichen Evangelien von den Eſſenern die mindeſte Notiz genom⸗ men, noch bei Joſephus in den angeführten beiden Stellen, wo er die Secten der jüdiſchen Religion abſichtlich aufzählt, das Chriſtenthum namentlich aufgeführt, und nur an einer anderen, bei näherer Betrach⸗ tung aber ſowohl mit dem vorhergehenden als mit dem nachfolgenden Contexte ganz zuſammenhangslos daſtehenden, und eben deßwegen in ihrer Aechtheit kritiſch angefochtenen Stelle(Antiqq. XVIII. 4.) eine höchſt nothdürftige beiläufige Erwähnung von Chriſtus und ſeinen An⸗ hängern beigebracht wird, ſo ſind dieſe zufälligen auffallenden Neben⸗ umſtände nichts deſto weniger gerade der deiſtiſchen Hypotheſe ſelber nicht allein nicht günſtig, ſondern es würden dieſelben dadurch erſt vollends unerklärlich, daß man einerſeits ſich unmöglich vorſtellen kann, wie der vorgebliche geſchichtliche Zuſammenhang des Chriſtenthums mit der damals voch ſchon über 100 Jahre im Lande exiſtirenden Secte der Eſſener in den CEvangelien ſo geſchickt hätte können verdeckt werden, und auf der anderen Seite auch kein vernünftiger innerer Beweggrund ſich denken läßt, um deſſentwillen Joſephus eine ſolche weltbedeutende organiſche Um⸗ wandlung, von welcher man vorausſetzen müßte, daß ſie kurz vor ſeiner 20* Zeit in der Secte der Eſſener vorgegangen wäre, ganz mit Stillſchweigen hätte übergehen ſollen. Es ſcheint, daß weder während der irdiſchen Lebens⸗ dauer unſeres Heilandes Jeſu Chriſti geſchichtlich bedeutſame Berührungen zwiſchen Ihm und den Eſſenern ſtattgefunden, noch dürften die Apoſtel als Vorſteher der erſten Chriſtengemeinde, indem ſie behufs der Armen⸗ pflege eine der eſſeniſchen ähnliche Einrichtung trafen, das geſchichtliche Vorbild der Eſſener anders, als wie überhaupt irgend ein ſonſt unſerer Erinnerung vorſchwebendes geſchichtliches Beiſpiel, ſich zum Muſter ge⸗ nommen haben, womit im Zuſammenhange wir auf die Auffindung einer nachweisbaren Spur über die als früher oder ſpäter doch unfehlbar wenigſtens gelegentlich ſtattgefunden vorauszuſetzende zufällige Wechſel⸗ berührung zwiſchen dieſen beiden intereſſanten Zeiterſcheinungen wahrſchein⸗ lich werden verzichten müſſen. Um uns indeſſen, auf irgend eine Weiſe den Eſſenern Unrecht zu thun, auch nicht einmal der entfernten Gefahr auszuſetzen, wollen wir bei dieſer Gelegenheit nicht mit Stillſchweigen übergehen, daß die hiſtoriſchen Viſionen der ſtigmatiſirten Auguſtinernonne Anna Katharina Emmerich(T 1824) über das Leben der heiligen Jung⸗ frau Maria(aus den Papieren des ſeligen Clemens von Brentano her⸗ ausgegeben, München 1852) von den Eſſenern ganz im Gegenſatze zu unſerer Auffaſſung ein höchſt ehrwürdiges Bild entwerfen, und indem ſie unter andern den heil. Joachim und die heil. Anna, die Eltern der heil. Jungfrau ſogar unter die verheiratheten Mitglieder dieſer Secte rechnen, dieſelbe mit der Entſtehung der chriſtlichen Religion in die innigſte unmittelbare Berührung bringen. Im Uebrigen jedoch leidet die ganze Geſchichte der Eſſener von ihrem Anfange bis zu ihrem Ende offenbar an einer beklagenswerthen räthſelhaften Dunkelheit, aus welcher, weil ſie ſelber nicht hervortreten wollten, wir ſie zu unſerem eigenen Leidweſen auch nicht können hervorziehen. Als Literatur über dieſen eben deßwegen unergiebigen und in dieſem Sinne eben deßwegen auch wenig erquicklichen verworrenen Gegenſtand ſind außer der an der Spitze genannten Ab⸗ handlung von Prideaur eine von Stolberg in der erſten Beilage zum vierten Bande chriſtlicher Religionsgeſchichte, ſowie zwei in derſelben S. 524 citirte lateiniſche Abhandlungen von Johann Joachim Lange (Profeſſor in Halle, T 1744) nachträglich noch namhaft zu machen. 6. 935. Josephus ibid. Prideaux ibid. Zugleich mit dem üblen Ausgange der angeſtellten Probe konnte dem krank darnieder liegenden Ariſtobulus auch die gänzliche Schuldloſigkeit des Antigonus und ſomit die furchtbare Bosheit derer nicht verborgen bleiben, welche ihn auf dieſe Weiſe von Anfang an hinter das Licht ge⸗ führt hatten, welcher letztere entſchuldigende Umſtand aber auf ſein er⸗ ſchrecktes Gemüth ſo wenig beruhigend einwirkte, daß er vielmehr durch den ganzen Vorfall zugleich an die an ſeiner Mutter begangene Frevel⸗ that erinnert in einen wüthenden Krankheitsanfall gerieth, der ſich erſt durch ein entſetzliches Blutbrechen, das ihn plötzlich überfiel, einigermaßen Kther nchl benuft hurchſ Glnltt Veätn Uiſcht ſhall gcheutt le k flkuct g fel a wohr hlke, de feächſam fuer N Ae au flem k L M Shum flikt fih, Buibem Reähf fnbh Wubgz ifutt Uumitte n hel An, utz wieder ausglich. Nun mußte als zufälliges Ereigniß an dieſem Tage noch hinzukommen, daß der mit der Hinaustragung des erbrochenen Blutes beauftragte Diener, welcher gerade den nämlichen finſteren Gang zu durchſchreiten hatte, an der nämlichen Stelle, wo die von Antigonus' Ermordung noch übrige Blutlache befindlich, ausglitt, ſo daß, indem das Becken umkippte, das Blut beider Brüder ſich unglücklicher Weiſe ver⸗ miſchte. Dieſes von den Anweſenden irriger Weiſe als eine dem un⸗ ſchuldigen Antigonus noch im Tode zugefügte abſichtliche Beſchimpfung gedeutete Ereigniß wurde von denſelben mit einem ſo furchtbaren Ge⸗ heule begleitet, daß Ariſtobulus ſelber von dem ſich erhebenden Getöſe men get erreicht wurde, und dennoch trotz aller nachdrücklich ernſtlichen Aufforde⸗ Eulr rung keine Aufklärung von den Umſtehenden darüber bekommen konnte. W Als er nun aber endlich erſt durch peinliche Drohungen das Geſtändniß der wahren Urſache einer ihm unerklärlichen neuen Aufregung erzwungen hatte, da war es dieſer eigentlich geringfügige Nebenumſtand, welcher ihm gleichſam den Reſt gab, indem er ſich freiwillig ſelber als den Mörder ſeiner Mutter und ſeines Bruders bekennend zugleich ſein eigenes längeres Leben aus voller Seele verwünſchte, und unter jämmerlichen Gewiſſens⸗ foltern kurz darauf auch wirklich ſeinen Geiſt aufgab. CCI. Der königliche Hoheprieſter Alexander Jannäus. §. 936. Joseph. Antiqd. XIII. 20. 21. bell. Judaic. I. 3. Prideaux Gonnex. ann. 106— 102. Mit dem unglücklichen Lebensende der beiden älteſten Söhne des Hyrcanus ſchien der Segen Gottes und das bisherige auffallende Waffen⸗ glück von der Familie der Hasmonäer für den Augenblick gewichen zu ſein. Alexander Jannäus, der als der älteſte von den noch übrigen Brüdern, welche nunmehr alle drei von Salome, der Königin Wittwe, gleichzeitig ihrer Haft entlaſſen wurden, im Hohenprieſterthume nach⸗ folgend ſeinen Regierungsantritt ſogleich mit der Hinrichtung des vierten Bruders, der ihm nach dem Reiche geſtrebt haben ſoll, bezeichnete, er⸗ öffnete zwar, ſeiner angeerbten kriegeriſchen Neigung folgend, in dem unmittelbar darauffolgenden Jahre 3995 einen Angriffskrieg gegen die von beiden ſyriſchen Königen, welche fortwährend miteinander im Kriege lagen, für den Augenblick verlaſſene Hafenſtadt Ptolemais, konnte aber, da die Cinwohner derſelben Ptolemäus Lathyrus von Cypern aus(vergl — K. 931) zu Hilfe riefen, nicht allein nichts gegen die Stadt ausrichten, ſondern gerieth noch überdieß zugleich mit dieſem letzteren in einen ge⸗ fahrvollen Krieg, im Laufe deſſen er nach erlittenen bedeutenden ander⸗ weitigen Verluſten in Galiläa, zuletzt im nächſt darauffolgenden Jahre 3996 in einer mörderiſchen Schlacht am Jordanfluſſe, in welcher nicht weniger als 30,000 Juden auf der Wahlſtatt liegen blieben, auf das Haupt geſchlagen wurde. Nur die zeitige Dazwiſchenkunft der als Bun⸗ desgenoſſin zu Hilfe gerufenen egyptiſchen Königin Cleopatra, welche aus Furcht, Lathyrus möchte von Ptolemais aus ſich Egyptens mit Gewalt wiederum bemächtigen, im Jahre 3997 mit einem zahlreichen Heere gegen denſelben nach Paläſtina einrückte, rettete den jüdiſchen Hohenprieſter für dießmal vom Untergange, und als kurz darauf Cleopatra, welche im Jahre darauf(3998) für ſich Ptolemais erobert hatte, auf Einflüſterung böſer Rathgeber hin Luſt bezeigte, zur Erwerbung Paläſtinas den gerade mit Geſchenken auf Beſuch bei ihr anweſenden Alexander Jannäus ſelber umbringen zu laſſen, ſo war es wieder nur die Fürbitte und freimüthige Einſprache von Cleopatra's eigenem Heerführer, einem gebornen Juden mit Namen Ananias, der er die Erhaltung ſeines Lebens zu verdanken hatte. 1) Das kurz aufeinander folgende unglückliche Lebensende dreier has⸗ monäiſcher Fürſten erinnert unwillkührlich an die weisſagenden Worte des Propheten Zacharias(ep. 11, 8.) zet suceidi ires pastores in mense uno“(of.§. 650.) 2) Der genannte Ananias war nebſt ſeinem Bruder Helcias, welcher aber ſoeben erſt in dieſem Kriege unglücklicher Weiſe ſein Leben eingebüßt hatte, ein Sohn jenes Prieſters Onias, welcher den Filialtempel in Egypten(vergl.§. 876.) errichtet hatte. Er und ſein Bruder hatten, wie Joſephus(Antiqq. XIII. 18.) erzählt, in einer bei Gelegenheit der Vertreibung des Königs Ptolemäus Lathyrus aus Alexandria in Egyp⸗ ten zu deſſen Gunſten ausbrechenden Beamtenrevolution allein bei Cleo⸗ patra treu ausgehalten, und waren dieſerwegen von da an mit dem Oberbefehle der ganzen egyptiſchen Heeresmacht von der regierenden Königin Mutter betraut worden. §. 937. Joseph. Antiqd. XIII. 21. bell. Judaic. I. 3. Prideaux Gonnex. ann. 101— 97. So überflüſſig auch Alexander Jannäus durch die ſchamloſe ver⸗ rätheriſche Wortbrüchigkeit, aus welcher er ſich nirgends, wo er einen auch noch ſo unbedeutenden augenblicklichen Vortheil dadurch zu erhaſchen hoffte, ein Gewiſſen machte, ſolche ſchwere Demüthigungen billiger Weiſe verdient hatte, ſo wenig ließ er ſich dadurch von ſtets neuen muthwilligen kriegeriſchen Unternehmungen abhalten, in denen er zwar eine ihm angeborene Itn flen ilbe Nach G0bät Veod Fäln Sn dh en Rt ¹ Wunlos llich g ellehen 0 amnen ſcher vitlg ge hut) 1109 lun be Mls Mläch ün Ladät i hu hrieſe ſüink W0 Cüi in unermüdliche Tapferkeit an den Tag legte, aber nichts deſto weniger mit allen Opfern an Geld und Menſchenleben, die er oft nutzlos daran⸗ wendete, keinen eigentlich erheblichen politiſchen Erfolg zu Wege brachte. Nachdem er nach einer zehnmonatlichen Belagerung im Jahre 3999 Gadara jenſeits des Jordans, eine damals in Beſitz des Tyrannen Theodorus, eines Sohnes des Zeno Cotylas,(ſ.§. 915.) befindliche Feſtung eingenommen, gelang es ihm kurz darauf, auch die Feſtung Amathus mitſammt den darin befindlichen reichen Schätzen desſelben noch dazu zu erobern, und kehrte nichts deſto weniger, da Theodorus ihm auf dem Rückzuge auflauernd 10,000 Mann tödtete, und das ganze Gepäck wieder abnahm, mit leeren Händen nach Jeruſalem zurück. Ebenſo ge⸗ winnlos war für ihn die im Jahre 4003 nach einjähriger Belagerung endlich gelungene Eroberung der Stadt Gaza, indem die Einwohner der Stadt im letzten Augenblicke ſich aufraffend noch während der Einnahme ein bedeutendes Blutbad unter Alexander's Heere anrichteten, dabei, was ſie von ihren Habſeligkeiten nicht mehr retten konnten, durch eigenhändige Brandanlegung wenigſtens unbrauchbar machten, und zugleich ſogar ihre eigenen Weiber und Kinder, damit ſie nicht in jüdiſche Gefangenſchaft geriethen, ſchonungslos um das Leben brachten. §. 938. Josephus ibid. Prideaux Connex. ann. 97— 95. Im Jahre 4003 ſtarb zugleich Antiochus VII. Grypus eines gewalt⸗ ſamen Todes von der Hand eines gewiſſen Heracleon, und hinterließ von ſeiner erſten Gemahlin Tryphäna(nach deren Tode er die dem gegen⸗ wärtig vertriebenen ägyptiſchen Könige Ptolemäus Lathyrus widerrechtlich abgenommene Selene von ihrer Mutter Cleopatra zur Ehe bekommen hatte), nicht weniger als fünf Söhne mit Namen Seleucus, Antiochus und Philippus, Zwillinge, Demetrius Eukärus und Antiochus Dionyſius, von denen der älteſte unter dem Namen Seleucus VI. den Thron ſeines Vaters beſtieg, aber ſchon das Jahr darauf 4004 von ſeinem Oheim Antiochus Cyzicenus, welcher ſich bei dieſer Gelegenheit des ganzen Reiches zu bemächtigen beabſichtigte, aus ſeiner Hauptſtadt Antiochia gewaltſam verdrängt wurde. Indeſſen behielt er beſtändig einen mächtigen Anhang in der Provinz. In dieſer Zeit erfuhr Alexander Jannäus als Hoher⸗ prieſter bei Gelegenheit des jährlichen Laubhüttenfeſtes die öffentliche Be⸗ ſchimpfung, daß er noch dazu mitten in ſeiner Dienſtverrichtung am Brandopferaltar von dem Pöbel mit Citronen geworfen, und mit allerlei Schimpfreden, unter andern namentlich mit dem Vorwurfe, daß er ſeiner Geburt nach ein Sclave ſei, überhäuft wurde. Er rächte ſich dafür damit, daß er durch ſeine ausgeſendeten Soldaten 8000 Mann, worunter natürlich viele Unſchuldige ſich befanden, grauſam erſchlagen ließ. Zur Verhütung der Wiederkehr ähnlicher Scenen ließ er zwiſchen dem Prieſter⸗ vorhofe und dem Standorte der anweſenden Zuſchauer eine hölzerne Scheidewand errichten und umgab ſich von dieſer Zeit an mit einer aus Piſidiern und Ciliciern, zwei kleinaſiatiſchen Völkern, angeworbenen 6000 Mann ſtarken Leibwache. In das in die Zeit unſeres gegenwärtigen Paragraphen hineinfallende Jahr 4005 rechnet Prideaur die Vermählung der in der Geſchichte der Darſtellung des Knaben Jeſus im Tempel erwähnten Prophetin Anna, der Tochter eines gewiſſen Phanuel aus dem Stamme Aſer(vergl. Ey. Luc. 2, 36. 37.) auf den Grund hin, weil von derſelben v. 374 ge⸗ ſchrieben ſteht, daß ſie nach ihrem ſiebenjährigen Eheſtande eine Wittwe bis zu 84 Jahren geweſen ſei;„et haec vidua usque ad annos octo- ginta quatuor,4„α ανννν νE“α ͥos&r⁰ 6%οονάοννννο νεεοοα 00⁰,“ welche Worte Prideaux nämlich ſo verſteht, als ob ihr Wittwenſtand 84 Jahre gedauert hätte. Da dieſe 84 Jahre jedoch der größeren inneren Wahrſcheinlichkeit nach von dem Lebensalter der frommen Büßerin zu verſtehen ſein dürften, ſo mag ſie um die gleiche Zeit wohl erſt geboren worden ſein, ihre Vermählung aber allenfalls 20 Jahre ſpäter unter der Regierung der Königin Alexandra ſtattgefunden haben. §. 939. Joseph. Antiqd. XIII. 21. bell. Judaic. I. 3. Prideaux Gonnex. ann. 94. 93. Während Alexander Jannäus im Jahre 4006 auf neue kriegeriſche Unternehmungen ausgehend über den Jordan ſetzte, und nebſt anderen unbedeutenden Erfolgen wirklich die gegenwärtigen Einwohner der ehe⸗ maligen Wohnſitze der Ammoniter und Moabiter auch zinsbar zu machen das Glück hatte, kam es 4007 zwiſchen Seleucus VI. und Antiochus VIII. Cyzicenus zu einem entſcheidenden Haupttreffen, in welchem dieſer letztere geſchlagen, gefangen genommen, auf Befehl ſeines Neffen Seleucus hin⸗ gerichtet und die Hauptſtadt Antiochia wieder erobert wurde. Inzwiſchen gelang es Antiochus Euſebes, dem Sohne des Cyzicenus, bei der Ein⸗ nahme von Antiochia den Händen des Siegers glücklich zu entrinnen, und ſich in einer Stadt mit Namen Aradus als Antiochus IX. neuer⸗ dings über Syrien krönen zu laſſen. Er hatte ferner das Glück, in demſelben Jahre Seleucus zu ſchlagen, welcher in die Feſtung Mopsveſtia in Cilieien geflüchtet, noch obendrein von den Einwohnern der Stadt aus Erbitterung über ſeine gegen ſie ausgeübten Bedrückungen durch Brand⸗ legung ſeines Wohnhauſes getödtet wurde. An ſeiner Stelle ergriffen dann ſeine nächſten Brüder, die Zwillinge Antiochus X. und Philippus flod N den en U Imn n bet g euhf VI U 90 313 das Ruder der Regierung gemeinſchaftlich, von denen beiden aber An⸗ tiochus ſogleich in dem nämlichen Jahre noch in Folge einer neuen von Antiochus Euſebes ihnen beigebrachten Niederlage auf der Flucht über den Fluß Orontes ſetzend zu ertrinken das Unglück hatte, ſo daß von dem gegenwärtigen Augenblicke an nur Antiochus IX. Euſebes und Phi⸗ lippus als Thronbewerber einander gegenüberſtanden. K. 940. Joseph. Antiqd. XIII. 21. bell. Judaic. I. 3. Prideaux Connex. ann. 92. Unter dieſen Wirren hatte neben andern auch Selene, des Antiochus Grypus hinterlaſſene Wittwe einen Theil von Syrien an ſich geriſſen, in deſſen Beſitz ſie ſich nunmehr durch eine mit Antiochus IX. Euſebes ein⸗ gegangene drittmalige Vermählung noch mehr zu befeſtigen Anſtalt machte. Dieſer Zug von leichtfertigem Eigennutz ſoll aber ihren beſtändig in Cypern als Verbannter ſich aufhaltenden erſten Ehegemahl, den egyptiſchen König Ptolemäus Lathyrus dermaßen verdroſſen haben, daß er um dieſer Urſache willen, wie erzählt wird, ſich bewegen ließ, den vierten hinter⸗ laſſenen Sohn des Antiochus Grypus, einen bisher in Cnidus erzogenen unmündigen Prinzen mit Namen Demetrius Eukärus, unter dem Namen Demetrius III. im Jahre 4008 den beiden bereits vorhandenen als dritten ſyriſchen Thronbewerber mit einem Kriegsheere ausgerüſtet beizugeſellen. In dem nämlichen Jahre hatte Antiochus IX. Euſebes das Unglück, von Philippus völlig auf das Haupt geſchlagen und zur Flucht nach Parthien gezwungen zu werden, worauf dann Demetrius Eukärus und Philippus das Reich für den Augenblick friedlich miteinander theilten. In dem gleichen Jahre ſcheint es auch geweſen zu ſein, daß Alexander Jannäus im Kriege mit dem Araberhäuptling Obedas ſo furchtbar geſchlagen wurde, daß er nach einem angeblichen Verluſte von 50,000 Mann mit genauer Noth nach Jeruſalem zurückkam. Dort wurde er jedoch unter dem ihm nachtheiligen Einfluſſe, welchen der Eindruck einer ſolchen trau⸗ rigen Nachricht auf ſeine Unterthanen ausübte, mit ſolchem Mißvergnügen empfangen, daß ein völliger Bürgerkrieg daraus entſtand, im Laufe deſſen Alexander die von ſeinen Feinden zu Hilfe gerufenen Ammoniter und Moabiter, um ihrer los zu werden, gutwillig von der ihnen auferlegten Zinspflichtigkeit wieder zu entbinden genöthigt wurde. Dieſen letzteren Umſtand erwähnt Jahn im dritten Bande ſeiner Archäologie. Polit. Alterth.§. 106. S. 500. CCII. Der königliche Hoheprieſter Alexander Jannäus.(,Fortſetzung.) §. 941. Joseph. Antiqd. XIII. 21. 22. bell. Judaic. I. 3. Prideaux Connexion ann. 89. Die mit der von Seite Alexander's allerdings gehaßten Secte der Phariſäer angeblich zuſammenhängende ihm feindliche Partei war trotz ihrer leidenſchaftlichen Erbitterung dem kriegsgeübten Hohenprieſter bei weitem nicht gewachſen, weßwegen ſie bei jedem Angriffe geſchlagen, und ihre gefangenen Anführer jedesmal als Empörer hingerichtet wurden. Dieſe dem Landesfürſten als Nothwendigkeit auferlegte Grauſamkeit ward ihm trotz ſeines ziemlich unempfindlichen Charakters jedoch am Ende ſelber überdrüſſig, ſo daß er, um einmal Ruhe zu bekommen, die Empörer auf⸗ forderte, ſie möchten, anſtatt ihn mit einer ſo unverſönlichen Feindſchaft unaufhörlich zu verfolgen, doch einmal beliebige Bedingungen aufſtellen, denen er, um ſie zufrieden zu ſtellen, ſich gutwillig unterwerfen wollte. Durch die gegebene Antwort, daß er ſie nicht anders, als durch eigen⸗ händige Selbſtentleibung befriedigen könne, mußte aber natürlicher Weiſe der Krieg zwiſchen Landesherrn und Unterthanen unerbittlicher denn jemals wieder heraufbeſchworen werden. Doch kam derſelbe im Jahre 4011 dadurch zu einer gewiſſen merkwürdigen Entſcheidung, daß Alexan⸗ der Jannäus durch den von Seiten der Empörer herbeigerufenen Deme⸗ trius III. Eukärus mit Hilfe einer Armee von 40,000 Mann zu Fuß und 3000 zu Roß bei Sichem vollkommen geſchlagen wurde. Dieſes ihm unverhofft zuſtoßende Unglück bewog nämlich 6000 unter den Aufrührern aus einer Art Mitleiden, zu Alexander Jannäus, welcher ſich inzwiſchen zu ſeiner Sicherheit auf das Gebirge geflüchtet hatte, aus freien Stücken zurückzutreten, ſo daß, indem heimiſche Streitigkeiten den fremden ſyriſchen König zu ſeiner eigenen Vertheidigung gegen ſeinen Bruder Philippus alsbald nach erfochtenem Siege wieder abriefen, gerade die empfangene Niederlage dazu diente, um das erſchütterte Anſehen des hasmonäiſchen Prieſterkönigs unerwartet nachdrücklich in Paläſtina wieder herzuſtellen. In dem nämlichen Jahre noch wurde eben der nämliche Demetrius Eukärus, welcher ſiegreich aus Paläſtina zurückgekehrt war, von ſeinem Bruder Philippus geſchlagen, und zur Flucht nach Parthien genöthigt, wo er bald darauf an einer Krankheit eines natürlichen Todes ſtarb. In dem gleichen Jahre hatte Ptolemäus VIII. Lathyrus, nachdem ſeine Mutter Cleopatra zur Strafe eines von ihr ſelbſt auf ihn zuerſt angelegten da⸗ Kl. Jun Wit K t Uodh floc 00 b0⸗ ben lche 0 det 315 Mordverſuches von ihrem zweiten Sohne Ptolemäus IX. Alexander hin⸗ gerichtet, dieſer ſelbſt aber von den Egyptern landesvertrieben worden war, das Glück, auf den ſeit 18 Jahren entbehrten Thron des egyptiſchen Königreiches wieder zurückkehren zu dürfen. Unter dem Jahre 89 v. Chr. Geb. erzählt Prideaux die Umſtände genauer, unter denen Ptolemäus IX. Alexander von ſeinen eigenen Unterthanen aus dem Lande vertrieben wurde, nämlich eben jenes Mutter⸗ mordes wegen, den er ſich an der regierenden Königin Cleopatra hatte laſſen zu Schulden kommen. Im darauffolgenden Jahre unternahm er einen Angriff auf die Inſel Cypern, verlor aber bei dieſer Gelegenheit in einem Seetreffen ſein Leben. Ein demſelben gehöriger gleichnamiger Sohn, der ſpätere Ptolemäus X. Alexander, wurde in dem nämlichen darauffolgenden Jahre auf der Inſel Coos, auf welche er ſeiner Zeit von ſeiner Großmutter Cleopatra mit einem koſtbaren Schatze zu ſeiner Erziehung geſendet worden, von dem eben kriegführenden Mithridates dem Könige von Pontus aufgegriffen und an ſeinem Hofe zurückgehalten, von wo aus er ſpäter nach Rom zu entfliehen Gelegenheit fand. Vergl. Prideaux's Connexion ann. 88 und 80. §. 942. Joseph. Antigd. XIII. 22. 23. bell. Judaic. I. 3. Prideaux Connex. ann. 88. 87. 83. So gut als in Judäa trotz der inzwiſchen in der Lage Alexander's Jannäus eingetretenen Beſſerung, der Bürgerkrieg darum noch keineswegs aufhörte, von einem Theile der Empörer vielmehr unverſöhnlicher als jemals fortgeſetzt wurde, ebenſo erlangte auch Syrien, ungeachtet Deme⸗ trius Eukärus indeſſen vom Schauplatze abgetreten war, auch ſeinerſeits noch keine Ruhe, indem aller geſchichtlichen Wahrſcheinlichkeit nach An⸗ tiochus IX. Euſebes(deſſen Gattin Selene ſich ſeitdem von ihm wieder getrennt, und mit zwei Söhnen mit Namen Antiochus Aſiaticus und Seleucus Cybioſactes, die ſie demſelben in dieſer kurzen Zeit bereits ge⸗ boren(ſ. Prideaux ann. 73.), auf ihren Wittwenſitz Ptolemais zurück⸗ gezogen hatte), von Parthien aus Mittel und Unterſtützung fand, um den für den Augenblick allein regierenden Philippus weiter kriegeriſch zu behelligen. Während auf dieſe Weiſe Philippus im Norden ſeines Reiches die Hände gebunden waren, benützte der jüngſte der hinterlaſſenen Söhne des Antiochus Grypus(vergl.§. 938.) zum Ueberfluſſe die eröffnete Gelegenheit, um unter dem Namen Antiochus XI. Dionyſius im Jahre 4013 ſich mit der Einnahme von Damaseus ein neues ſyriſches König⸗ reich zu gründen. In demſelben Jahre kam es zwiſchen Alexander Jan⸗ näus und den jüdiſchen Rebellen zu einer entſcheidenden Hauptſchlacht, in welcher die letztern völlig beſiegt, und der Ueberreſt derſelben, welcher ſich zu ſeiner Sicherheit in eine Feſtung mit Namen Bethome hineingeworfen, in derſelben mit unerbittlicher Schärfe von dem ſiegreichen Könige be⸗ lagert wurde. §. 943. Joseph. Antiqd. XIII. 22. bell. Judaic. I. 3. Prideaux Connexion ann. 86. Das folgende Jahr 4014 war es endlich, welches nach einem ſechs⸗ jährigen Bürgerkriege, welcher nicht weniger als 50,000 Juden das Leben gekoſtet haben ſoll, die innere Ruhe in Judäa dauernd wieder herſtellte. Die Feſtung Bethome fiel, und 800 mit ihren Weibern und Kindern in Alexander's Hände gerathende Gefangenen wurden von ihm nach Jeru⸗ ſalem zurückgebracht, und dort erſt auf einem freien Platze in der Nähe der Hauptſtadt mit abſichtlicher Grauſamkeit zu einem für alle Zeiten abſchreckenden Beiſpiele in der Weiſe öffentlich hingerichtet, daß im Bei⸗ ſein des königlichen Hohenprieſters, welcher indeſſen in Geſellſchaft ſeiner Concubinen ſich den Freuden der auf einer Anhöhe, von der aus man die ganze Scene überblicken konnte, angerichteten Tafel ergeben hatte, zuerſt die gefangenen Familienväter gekreuzigt, und darnach ihre Weiber und Kinder vor ihren Augen in Stücken gehauen wurden. Von dieſer Regierungshandlung, zu welcher ihm ein gewiſſer ſpäter gelegentlich wieder erwähnter Diogenes gerathen haben ſoll, bekam er den Beinamen eines Thraziers, mit welchem er, um durch dieſes Wort den Abgrund des tief⸗ ſten perſönlichen Abſcheues auszudrücken, fortan im Munde des Volkes belegt wurde. Dieſe berüchtigte Gräuelthat des jüdiſchen königlichen Hohenprieſters kann natürlich auf keine Weiſe gerechtfertigt und nur in einem ſehr ent⸗ fernten Sinne in Berückſichtigung ſeiner eigenthümlichen Perſönlichkeit und der ganzen damaligen Zeitverhältniſſe mit einer allerdings drängen⸗ den Nothwendigkeit in der Art entſchuldigt werden, daß, wenn Alexander Jannäus an den gefangenen Rebellen kein abſchreckendes Exempel ſtatuirt, er ſein ganzes Leben hindurch wohl keine Ruhe von ihnen bekommen hätte. Hatten dieſelben ja doch, wie§. 941. erzählt, auf ſein entgegen⸗ kommendes aufrichtig gemeintes Anerbieten, alle ihre Forderungen, welche ſie an ihn ſtellen würden, gutwillig eingehen zu wollen, mit der herzlos gehäſſigen Zumuthung geantwortet, er könne ſie nur dadurch, daß er ſich ſelber das Leben nähme, zufrieden ſtellen!— Der ſittliche Eindruck, welchen dieſe ſchreckliche Maßregel im nächſten Augenblicke hervorrief, war indeſſen ſo ſtark, daß 8000 dem Hohenprieſter abgeneigte Unter⸗ thanen in der nächſt darauffolgenden Nacht von Jeruſalem aus die Flucht ergriffen und ſich bis zu ſeinem Tode freiwillig in der Verbannung aufgehalten haben ſollen. Rlikli ilg lähert Rathuf len filh Reh deng deſin 0 W fin fchet ffüc ſutz Möt Mß Herlt r il fl W5. 317 b. 94l. Joseph. Antidd. XIII. 23. bell. Judaic. I. 4. Prideaux Connex. ann. 85. Im nächſt darauffolgenden Jahre 4015 kam Alexander Jannäus mit den Syrern in eine neue jedoch unbedeutende Berührung, indem der junge König von Damasecus Antiochus XI. Dionyſius in der Abſicht, um mit Aretas dem Könige von Arabien Krieg anzufangen, Anſtalt traf, über die gegenwärtig zu Judäa gehörige philiſtäiſche Ebene mit ſeinem Heere ſeinen Weg einzu⸗ ſchlagen. Um dieſen feindlichen Durchzug zu verhindern, hatte der könig⸗ liche Hoheprieſter von dem nächſtgelegenen Gebirgsvorſprung in der Richtung nach der Hafenſtadt Joppe eine Mauer aufführen laſſen mit hölzernen Thürmen, welche aber Dionyſius auf den erſten Angriff ohne Weiteres zu durchbrechen und mit Einäſcherung der Thürme niederzureißen das Glück hatte; dagegen kurz darauf in der Schlacht gegen Aretas un⸗ glücklicher Weiſe das Leben verlor, worauf ſein ganzes Heer kurz darnach völlig aufgerieben wurde. Der nach ſeinem Ableben von den Damas⸗ cenern freiwillig zu ihrem Fürſten erwählte König Aretas hatte bald darauf eine Fehde mit Alexander Jannäus, welche aber nach einer dem⸗ ſelben beigebrachten Niederlage ebenfalls alsbald wiederum durch einen gütlichen Vergleich geſchlichtet wurde. §. 945. Joseph. Antidd. XIII. 23. bell. Judaic. I. 4. Prideaux Connex. ann. 84— 82. Durch ſolche verſchiedene bittere Begegniſſe allmälig einigermaßen gewitzigt, ſcheint Alexander Jannäus in ſeiner Politik erſt mit zunehmen⸗ dem Alter eine größere Gerechtigkeitsliebe angenommen zu haben, in Folge deſſen auch das alte maccabäiſche Waffenglück im Laufe ſeiner weiteren, jenſeits des Jordans fortgeführten kriegeriſchen Unternehmungen neuer⸗ dings ſchien ſich wieder einſtellen zu wollen. Auf dieſe Weiſe hatte er das Glück, im Jahre 4018 bei Gelegenheit ſeiner Heimkehr aus einem ſiegreichen Feldzuge gegen Demetrius, den Tyrannen von Gamala, von ſeinen jüdiſchen Unterthanen zu Jeruſalem ſogar mit freudigem Zuruf feſtlich empfangen zu werden. Ein ſolcher allerdings auffallender Wechſel ſeines Lebensſchickſales hatte nun aber die eigenthümliche beklagenswerthe pſychologiſche Wirkung auf ſeinen Charakter, daß er ſich durch das Ueber⸗ maß ſeiner Freude zur Untugend der Unmäßigkeit im Eſſen und Trinken verleiten ließ, welchem täglich fortgeſetzten Fehler es zugeſchrieben, daß er in dem gleichen Jahre von einem hartnäckigen viertägigen Wechſelfieber befallen wurde. Ueber Syrien iſt aus dem Jahre 4017 nachzutragen, daß der ewigen blutigen Thronſtreitigkeiten unter den ſeleueidiſchen Fami⸗ lienangehörigen müde die Syrer endlich unter ſich eins wurden, ihr Land dem damals mächtigen benachbarten Könige Tigranes von Armenien frei⸗ willig als Provinz anzutragen, welcher ſodann mit einem Heere in Syrien einrückend Antiochus IX. Euſebes für immer vertrieb, der darnach in einem abgelegenen Aufenthaltsorte in Cilicien bis an ſeinen Tod ver⸗ borgen blieb. Von Philippus iſt gar nicht einmal bekannt, wo er hin⸗ gekommen, oder was aus ihm geworden iſt. F. 946. Prideaux Connexion ann. 81. 80. Im Jahre 4019 ſtarb hierauf der egyptiſche König Ptolemäus VIII. Lathyrus, und hinterließ als Thronerbin ſeine einzige rechtmäßige Tochter Berenice, welcher aber ein hinterlaſſener Sohn des Ptolemäus IX. Alexan⸗ der, der ſich ebenfalls Alexander ſchreibend, gegenwärtig gleichſam als Verbannter in Rom aufhielt(vergl. Anmerk. zu§. 941.), im darauf⸗ folgenden Jahre 4020 auf die Empfehlung des dermaligen römiſchen Dictators Sulla hin, das Recht der Thronfolge ſtreitig machte. Die beiderſeitigen Anſprüche wurden demnach in der Art verſuchsweiſe aus⸗ geglichen, daß Alexander unter dem Titel Ptolemäus X. Berenice hei⸗ rathen, und beide die Regierung gemeinſchaftlich führen ſollten, welches ſcheinbar einfache Auskunftsmittel ſich jedoch in der Wirklichkeit nichts deſto weniger ſo übel bewährte, daß die junge Königin bereits am neun⸗ zehnten Tage ihres angetretenen Cheſtandes von Ptolemäus, wahrſcheinlich aus keinem anderen Beweggrunde als aus purer beharrlicher Eiferſucht in der Behauptung ſeiner, wie er wahrſcheinlich glaubte, höher begründeten Anſprüche an die Landesregierung, unbarmherzig getödtet wurde. §. 947. Joseph. Antiqd- XIII. 23. bell. Judaic. I. 4. Prideaux Connex. ann. 79. Alexander Jannäus, welcher indeſſen von ſeinem Wechſelfieber mit fortwährend ſteigender Heftigkeit geplagt wurde, glaubte am Ende ſich nicht einfacher als durch neue kriegeriſche Unternehmungen helfen zu kön⸗ nen, indem er das Jahr darauf 4021 die Feſtung Ragaba jenſeits des Jordans ſich zu unterwerfen Anſtalt machte. Dadurch wurde jedoch ſein körperlicher Zuſtand nicht allein nicht beſſer, ſondern verſchlimmerte ſich vielmehr im Gegentheil dermaßen, daß ſeine ihn in das Lager begleitende Gemahlin Alexandra im Angeſichte ſeines nahen Todes ſich des lauten Jammerns und Wehklagens nicht enthalten konnte, namentlich im Hin⸗ blick auf den drohend bevorſtehenden Ausbruch einer unverſöhnlich furcht⸗ frth ech I Auf; U ſe Heln fuh Hage, A lolher ſteit fller n baren Rachſucht, welche, wie man vorausſetzen mußte, Alexander Jannäus' fortwährende ſtrenge Regierungsmaßregeln in den Herzen ſeiner zahl⸗ reichen Feinde theils gepflanzt, theils beſtändig wach und rege erhalten hatten. Der ſterbende Hoheprieſter hinterließ ihr aber, da er ihr ohnehin auf andere Weiſe nicht mehr helfen konnte, wenigſtens einen guten Rath, bei deſſen treuer Befolgung er ihr gleichſam prophetiſch vorherſagte, daß ſie nicht allein keine feindſelige Mißhandlung zu gewärtigen haben, ſon⸗ dern nicht einmal wegen der Erhaltung des Staatsruders ſowohl in ihrer eigenen Hand— denn er hatte ſie in ſeinem letzten Willen als lebens⸗ längliche Regentin nach ſeinem Tode aufgeſtellt, zugleich mit dem Auf⸗ trage, erſt bei ihrem eigenen Ableben wiederum denjenigen unter ihren beiden Söhnen, welchen ſie für den dazu tüchtigſten erkennen würde„als König zu hinterlaſſen— als auch in der Hand ihrer Kinder einer ängſt⸗ lichen Beſorgniß hinzugeben brauchen werde. Er befahl ihr nämlich an, ſeinen Tod bis zum vorausſichtlichen baldigen Sturz der feindlichen Feſtung ſorgfältigſt zu verheimlichen, und darnach erſt im Triumphzuge zurückkehrend, ſeine Leiche öffentlich nach Jeruſalem mitzubringen. Dort angekommen ſollte ſie, das war ſein ausdrücklicher Wille, die Häupter der von ihm während ſeiner ganzen Regierungszeit ſo grauſam verfolgten phariſäiſchen Partei unverzüglich zu ſich berufen, und indem ſie ihnen freiſtellte, an dem todten Leichname auf jede beliebige Weiſe, wie, oder ob ſie ihn überhaupt nur zu begraben Willens wären, ihre Rachbegierde auszulaſſen, ihnen zugleich das Verſprechen geben, ſich in allen ihren Schritten und Tritten nach ihrem gegebenen Rathe unverbrüchlich richten zu wollen. Mit dieſen Worten, welche auch in der That nicht allein eine bewunderungswürdige bis zum letzten Augenblicke ſich gleichbleibende per⸗ ſönliche Geiſtesſtärke verrathen, ſondern zugleich auch auf ſeine Charakter⸗ eigenſchaften als Familien⸗ und Landesvater ein ungeachtet aller ſeiner vorhergehenden Regierungshandlungen entſchieden günſtiges Licht werfen, ſcheint ſich Alexandra auch wirklich beruhigt, und Alexander Jannäus ſelber das Glück und die Gnade eines ruhigen Hinſcheidens erlangt zu haben. Ueber den ſterbenden Hohenprieſter Alexander Jannäus, der ſeine langjährige unglücksſchwangere Regierung zu guter Letzt mit einem ver⸗ hältnißmäßig ſo günſtigen Ausgange beſchließen durfte, einen kurzen biographiſchen Ueberblick zu entwerfen, iſt eine Aufgabe, deren Löſung uns vielleicht zum Voraus manche Leſer gerne erlaſſen würden, welche einestheils über dieſen ganzen wenig erbaulichen Zeitraum möglichſt ſchnell hinwegzuſchreiten, in ſich den natürlichen Antrieb empfinden, anderſeits aber durch den übeln Ruf, welcher in Folge der namentlich§. 943. er⸗ zählten Grauſamkeiten auf unſerem Helden laſtet, zum Voraus ſo ent⸗ ſchieden gegen ihn eingenommen und von ihm abgeſchreckt ſein mögen, daß ſie dasjenige, was man allenfalls zu ſeinen Gunſten vorbringen könnte, gar nicht einmal zu wiſſen begierig ſein dürften. Nichts deſto weniger iſt das gänzliche Ignoriren einer geſchichtlich ſo bedeutungsvollen Perſönlichkeit bloß aus ſittlicher Abneigung gegen ſeine hervortretenden fehlerhaften Charakterzüge einmal eine wirkliche Ungerechtigkeit, welche ſich der gewiſſenhafte Geſchichtsſchreiber ſchon aus menſchlichem Mitgefühl für ſeines Gleichen, indem Alexander Jannäus ja doch auch ein Menſch war, nicht zu Schulden kommen laſſen darf, und überdieß iſt es denn auch noch des hiſtoriſchen Schriftſtellers eigentlicher wiſſenſchaftlicher Be⸗ ruf, ohne Rückſicht auf den Dank oder Undank ſeiner Leſer, alle lehr⸗ reichen geſchichtlichen Ereigniſſe ohne Unterſchied, und namentlich diejenigen, aus denen ſich für unſer gegenwärtiges Zeitbedürfniß die beſten Lehren entlehnen laſſen, in den Kreis ſeiner Betrachtung abſichtlich hineinzuziehen. Wir muthen ohnedem dem geneigten Leſer ja nicht zu, im Falle es ihm eine zu große Ueberwindung koſtet, ſich mit einem Charakter, wie der⸗ jenige Alexander's Jannäus in Gedanken aufmerkſamer zu beſchäftigen, in dieſer für uns ſelber mühſamen Unterſuchung uns Schritt für Schritt folgen, d. h. die weitere Fortſetzung dieſer begonnenen Anmerkung über⸗ haupt leſen zu ſollen. Wer einmal ſo tief in den inneren Gang der Geſchichte einzudringen keine Luſt, oder wenigſtens in der Ausmeſſung ſo räthſelhafter pſychologiſcher Abgründe zu unſerer unmaßgeblichen Füh⸗ rung nicht das erforderliche perſönliche Vertrauen hat, der mag dieſelbe unſerthalben ungeleſen laſſen. Diejenigen aber, welche ſie leſen wollen, mögen ſich zum Voraus erinnern, daß dieſes ganze Buch nicht etwa zu einer bloßen anregenden Unterhaltung unſerer für religiöſe Eindrücke noch empfänglichen Zeitgenoſſen, ſondern vorzugsweiſe und hauptſächlich zur möglichſten geſchichtlichen Aufhellung der im darauffolgenden Neuen Teſtamente erzählten geſchichtlichen Begebenheiten geſchrieben iſt; daß aber eine ſolche geſchichtliche durchgängige Aufhellung der neuteſtamentlichen Begebenheiten ſchlechterdings unmöglich iſt, wenn wir ein in die ganze Gemüths⸗ und Denkungsart des jüdiſchen Volkes ſo tief eingreifendes Zwiſchenereigniß, wie die langjährige Regierung des jüdiſchen Hohen⸗ prieſters Alexander Jannäus, ſo lichtvoll, als es uns nur immer mög⸗ lich zu beſprechen, abſichtlich unterlaſſen haben würden. Alexander Jannäus in ſeinem ganzen geſchichtlichen Auftreten unpar⸗ teiiſch überblickt, iſt ein Menſch, von dem man nach unſerer unmaßgeb⸗ lichen Auffaſſung nicht ſagen kann, ob wir ihn in einem gewiſſen Sinne mehr zu beneiden oder zu bemitleiden Urſache haben. Beneidenswerth iſt er nämlich in unſeren Augen um den Beſitz eines, wenn wir nicht irren, ihm von Geburt an unleugbar eigenthümlichen außergewöhnlich reichen Capitals an einer, um uns ſo auszudrücken, unverwüſtlich üppigen menſchlichen Naturkraft, deren unverkennbares Hervortreten in einem durch die natürliche Aeußerung eines frühzeitig entwickelten geſteigerten perſönlichen Selbſtgefühls ſich von ſelber geltend machenden, wohl bereits von ſeiner Kindheit an ihm eigenen raufboldigen Weſen— der näm⸗ liche Charakterzug, der ſich durch ſein ganzes ſpäteres Leben bis an ſeinen Tod hindurchzieht— es wohl am natürlichſten erklärt, warum er, wie Wuu 9 in 0 M N 1 1 110 i 321 Joſephus Antiqg. XIII. 20. im Anfange erzählt, bereits von Haus aus ſchon als Kind bei ſeinem Vater, dem Hohenprieſter Hyrcanus I. weniger als ſeine Brüder beliebt war, unter denen die beiden älteſten hingegen, Ariſtobulus und Antigonus, welche von Natur etwas viel Sanfteres an ſich müſſen gehabt haben, wie Joſephus erzählt, in ſeiner vorherrſchenden Gunſt ſtanden. Glich nun der verhältnißmäßige Vortheil, welchen Jan⸗ näus von Natur vor ſeinen beiden älteren Brüdern voraushaben mochte, auf dieſe Weiſe ſogleich von vornherein für ihn durch den verhältniß⸗ mäßig nachtheiligen Umſtand ſich wieder aus, daß ihm in entſprechendem Maße die elterliche Gunſt und Zuneigung dafür abging, ſo wird derſelbe dadurch nun wirklich erſt zu einem Gegenſtande unſeres verdienten förm⸗ lichen Mitleidens, daß ein hinzukommendes ebenfalls von Joſephus er⸗ zähltes zufälliges Ereigniß durch höhere göttliche Fügung die bisherige väterliche Gleichgiltigkeit gegen ihn in förmliche leidenſchaftliche Abneigung umſchlagen machte, indem nämlich eine im Traume dem Hohenprieſter Hyrcanus gewährte Gotteserſcheinung auf ſein angelegentliches Befragen, wer unter ſeinen Söhnen der zukünftige Erbe ſeines Glückes ſein werde, gerade auf dieſen bei dem Vater weniger beliebten Sohn hindeutete. Dieſer gehabte Traum, hinſichtlich deſſen Hyrcanus ſelber übrigens wohl kaum mit ſich völlig im Reinen geweſen ſein mag, ob er denſelben für eine ernſtliche göttliche Offenbarung oder bloß für ein bedeutungsloſes Spiel nächtlicher Phantaſie halten dürfe, bewirkte nämlich nichts deſto weniger, daß der hoheprieſterliche Vater gegen ſeinen bisher durch keine begangene böſe Handlung noch gebrandmarkten Sohn ſich der förmlichen Ungerechtigkeit ſchuldig machte, daß er, angetrieben von einem ebenſo grundlos thörichten als ſittlich tadelnswerthen eigenſinnig ärgerlichen Ver⸗ druſſe, ihn ohne Weiteres von Hof entfernen, und in einer einſamen Gegend in Galiläa, in abſichtlich verborgener Abgeſchloſſenheit erziehen ließ. So war denn der erſte, auf einen ſolchen bereits an ſich hinreichend gefährlichen Charakter fallende ſittliche Erziehungseindruck, eine offenbar ungerechte, ihm von ſeinem eigenen leiblichen Vater widerfahrende ge⸗ waltſame Zurückſetzung, welche es denn ganz und gar mit pfychologiſcher Natürlichkeit erklärbar macht, wie der mit außergewöhnlicher ſittlicher Willensſtärke begabte Knabe, ſchlechterdings außer Stande, von dieſer ihm widerfahrnen unbilligen Behandlung auch nur die wahre Urſache zu er⸗ rathen, von den ihm natürlich angebornen Waffen zur Erkämpfung deſſen, was ihm die elterliche Billigkeit verſagt hatte, in einer deſto planmäßigeren Ausdehnung gleichſam nothgedrungen Gebrauch machte. Es war dem⸗ nach der ſittliche Fehler einer übermäßig geſteigerten natürlichen Herrſch⸗ und Gewinnſucht, zu dem Jannäus ohnehin bereits ſeiner individuellen Natur nach hinneigte, und welcher ſich namentlich im Anfange und in der ganzen erſten Hälfte ſeiner Regierung in einer ſo peinlich unverhoh⸗ lenen Weiſe zu erkennen giebt, durch eine ebenſo unberantwortliche als ungeſchickte, verkehrte pädagogiſche Behandlung in der That ſeinem Charakter erſt recht förmlich eingeprägt worden, während ſeine in den letzten Jahren ſeines Lebens deutlicher hervortretenden tiefen Gemüthseigenſchaften es mit pſychologiſcher Wahrſcheinlichkeit erwarten laſſen, daß, hätte ſein Vater, anſtatt ihn gewaltſam zu unterdrücken, vielmehr, wie es Vernunft und Billigkeit erforderten, im Gegentheile auf die ſtattgehabte Offenbarung Krafft, heil. Geſchichte. 1. 2¹ hin zu dereinſtiger allenfallſiger Uebernahme des Seepters wenigſtens indirect allmälig pädagogiſch angeleitet, ſeine ſpäteren groben ſittlichen Verirrungen ihm zu einem guten Theile von vornherein wären erſpart geblieben. Das war alſo die Erziehung, welche Alerander Jannäus, der noch dazu durch eine Art göttlicher Offenbarung ausdrücklich zum Voraus angekündigte dereinſtige königliche jüdiſche Hoheprieſter, empfangen ſollte, daß ihm mit einer wirklich unverantwortlichen, herzlos grauſamen väter⸗ lichen Gewaltthätigkeit alle Erziehung zum Voraus abſichtlich war ver⸗ weigert worden. Wer wird alſo unter ſolchen Umſtänden es wohl wagen dürfen, gegen einen Charakter, der nach ſolchen Erziehungsanfängen doch noch immer ſo werthvolle Seiten hat, in Gedanken den erſten Stein aufzuheben? Wohl möchte uns auf der anderen Seite unwillkührlich die entgegengeſetzte Frage beſchleichen, wie es denn zu erklären, daß Gottes Vorſehung zuweilen ſolche eigenthümliche Verwicklungen in Staat und Familie noch dazu unter ſeinem eigenen auserwählten Volke zulaſſen konnte, aus denen eine ſolche abnorme Charaktererſcheinung gleichſam mit einer gewiſſen ſittlichen Naturnothwendigkeit mußte hervorgehen? Aber die göttliche Vorſehung ließ nicht etwa nur damals, ſondern läßt auch heute noch mitten in der Chriſtenheit ſittliche Verwicklungen zu, welche ebenſo ſchwer als die damaligen unſerem kurzſichtigen Menſchenverſtande zu begreifen ſind. Hat der Weg großer und ſchwerer Verirrungen, welchen gar viele Menſchen zu gehen beſtimmt ſind, unſeren gegenwärtigen Geſchichtshelden zuletzt doch noch zum richtigen Ziele hindurchgeführt, ſo mag es nach dem unerforſchlichen Rathſchluſſe der göttlichen Weisheit für ihn immerhin noch der zweckmäßigſte geweſen ſein. Wer hingegen in ſeiner eigenen Lebensführung vor ſolchen Abwegen bewahrt geblieben, hat auf der Einen Seite freilich alle Urſache, ſich dazu Glück zu wün⸗ ſchen, auf der anderen iſt es aber eine verhängnißvolle Thorheit, das Verdienſt einer ſolchen Bewahrung ſich ſelber zuzuſchreiben, indem dieſer dünkelhafte Stolz, welcher ſich der Verſuchung zu liebloſem Richten des Nächſten in der Regel gar nicht weiter zu erwehren auch nur einmal der Mühe für werth findet, wohl einer der gerade am ſicherſten zur Ver⸗ fehlung unſerer eigenen ewigen menſchlichen Beſtimmung führenden Ab⸗ wege ſein mag, eine Beſtimmung, von welcher wir erſt nicht einmal wiſſen können, ob ſie von einem Manne wie Alexander Jannäus, trotz aller ſeiner vorausgegangenen beinahe beiſpielloſen Verirrungen nicht am Ende durch Gottes Barmherzigkeit wirklich noch erreicht worden iſt.(Vergl. Ev. Matth. 7, 1. ep. 20, 16.) CCIII. Königin Alexandra. Der Hoheprieſter Hyrcanus II. 6. 048. Joseph. Antiqq. XIII. 24. pell. Judaic. I. 4. Prideaux Connexion ann. 78. 17. Was der ſterbende Alexander Jannäus vorausgeſagt, traf richtig ein, daß nämlich die Phariſäer, von der regierenden Königin Wittwe ſußet urich Hinig Renes, Hebent en dus de Aemlz W + Vx. linen Jabt fefel Iſtr Welch .0 wuet f 0 uft ſinne W0 W0 tieſtet 328 ſelber unverhofft aus freiem Antriebe zu unbedingt entſcheidenden Rath⸗ gebern in der Führung des Staatsruders berufen, die lobenswerthe Mäßi⸗ gung an den Tag legten, nicht allein den Anſprüchen der hasmonäiſchen Familie an die Regierung des Landes auf keinerlei Weiſe hinderlich in den Weg zu treten, ſondern überdieß noch dem Leichname des verſtorbenen Hohenprieſters das ehrenvollſte und glänzendſte Leichenbegängniß zu Theil werden zu laſſen. Wären ſie nur auch bei dieſer edlen anfänglichen Mäßigung verharrt, und nicht, durch die Gewohnheit des Herrſchens ver⸗ leitet, bald darauf zu gehäſſigen tyranniſchen Parteimaßregeln, durch welche ſie neuerdings den Samen unheilbarer bürgerlicher Zwietracht im Lande ausſtreuten, allmälig übergegangen! So aber begnügten ſie ſich nicht damit, die gefangenen Mitglieder ihrer Partei in Freiheit zu ſetzen, ihre Verbannten in das Land, und gewiſſe unter Alexander Jannäus außer Kraft geſetzte phariſäiſche Traditionalvorſchriften in das Leben zurückzurufen, ſondern ſie mißbrauchten zugleich ihren Einfluß auf die Königin, deſſen ſich dieſelbe nicht zu erwehren vermochte, um mit Dio⸗ genes, dem im F§. 943. genannten Rathgeber des verſtorbenen königlichen Hohenprieſters den Anfang machend, ſämmtliche einflußreiche Männer aus der letztvergangenen Zeit als ebenſo viele Mitſchuldige an jenem damals angerichteten mörderiſchen Blutbade, nun auch ihrerſeits wiederum zu blutiger Rechenſchaft zu ziehen. Alexandra hatte inzwiſchen mit dem Jahre 4022 den älteren ihrer beiden Söhne mit Namen Hyrcanus II., einen Mann, welcher aber als mit geringer Einſicht und Thatkraft be⸗ gabt geſchildert wird, als Nachfolger im hohenprieſterlichen Amte auf⸗ geſtellt. §. 949. Joseph. Antiqd. XIII. 24. bell, Judaic. I. 4. Prideaux Connex. ann. 73. 71. Als nun die Verfolgung der bisher am Ruder geweſenen Partei, unter welcher ſich namentlich viele kriegeriſch tüchtige Männer befanden, welche Alexander Jannäus weſentliche Dienſte in ſeinen Kriegen gegen die Nachbarvölker geleiſtet hatten, denſelben anfing unerträglich zu werden, wendeten ſie ſich unter dem Schutze des ſelber kriegeriſch gearteten jünge⸗ ren Königsſohnes Ariſtobulus, den ſie zu ihrem Fürſprecher gewählt hatten, an die Gnade der regierenden Königin mit der dringenden Bitte, wofern ſie ihnen an ihrem eigenen Hofe keinen weiteren Schutz gewähren könne, ihnen Befehlshaberſtellen über die in den verſchiedenen jüdiſchen Feſtungen einquartierten Beſatzungstruppen verleihen zu wollen, zu dem Endzwecke, damit ſie ferne vom Hofe wenigſtens vor ihren Feinden ruhig leben könnten. Die Königin fand keine Urſache, ihnen dieſe Bitte abzu⸗ ſchlagen, und räumte ihnen mit Ausnahme von Hyrcanium, Alexandrium und Machärus, drei Schlöſſern, in welchen ſie ihre eigenen werthvollſten Koſtbarkeiten aufbewahrte, ſämmtliche feſte Plätze in Judäa ein, eine Maßregel, welche für den Augenblick dem Lande, wie es ſcheint, einen doppelten Nutzen zu gleicher Zeit gewährte, indem dadurch nicht allein Ruhe im Innern geſchaffen, ſondern auch nach außen die ſtehende jüdiſche Heeresmacht fortwährend in einem Achtung gebietenden Stande erhalten wurde. Ariſtobulus, welcher indeſſen fortwährend in Jeruſalem geblieben, bekam mittlerweile im Jahre 4029 von ſeiner Mutter den Auftrag zu einem Kriege gegen Ptolemäus Mennas, den Tyrannen von Chaleis, deſſen er aber ſich auf eine nur unvollkommene Weiſe dadurch entledigte, daß er ſich darauf beſchränkte, die demſelben damals unterworfene Stadt Damascus erobert zu haben, wogegen er die Zeit und günſtige Gelegen⸗ heit vielmehr auf Verabredung neuer politiſcher Parteimachinationen für den bevorſtehenden Todesfall der ganz den Einflüſſen der Phariſäer preis⸗ gegebenen gegenwärtigen Regentin verwendete. §. 950. Joseph. Antiqd. XIII. 24. bell. Judaic. I. 4. Prideaux Connex. ann. 70. Im darauffolgenden Jahre 4030 brach König Tigranes von Arme⸗ nien mit einem ſtarken Heere von angeblich 500,000 Mann in Paläſtina ein, in der Abſicht, um an der Königin Wittwe Selene Vergeltungsrecht zu üben, welche für ihre beiden nunmehr erwachſenen Söhne Antiochus Aſiaticus und Seleucus Cybioſactes anfangs vergebliche Anſtalten, um ihnen auf den egyptiſchen Thron zu verhelfen, getroffen, in der letzten Zeit aber in der Hoffnung, denſelben ein ſyriſches Königreich zu erobern, einen verwegenen Angriff auf Tigranes' neuerworbene ſyriſche Provinzen gerichtet hatte. Während nun der armeniſche König mit der Belagerung von Ptolemais beſchäftigt war, gebrauchte Alexandra die Vorſicht, in der Hoffnung, ihn dadurch von allenfallſigen weiteren Eroberungsplänen gütlich abzubringen, ihm durch eine abgeordnete jüdiſche Geſandtſchaft reiche Geſchenke darbringen, und ihn um ſeine Freundſchaft bitten zu laſſen. Tigranes nahm die dargebotenen Geſchenke bereitwillig an, und wurde, nachdem er kurz darauf Ptolemais wirklich eingenommen hatte, überdieß durch die empfangene Nachricht eines feindlichen Angriffs, wel⸗ chen die mit ſeinem Schwiegervater, dem Könige Mithridates von Pontus in Krieg verflochtenen Römer inzwiſchen auf Armenien ſelber gerichtet hatten, zu einem ſchleunigen Rückzuge beſtimmt. Die gefangene Königin 9 Wihn Ralchet Wt ſlah gleikt 0 ſehl Stlle ilbexn iſen nn Renon Anus Wich M 0 Lamt fuf Uächen ſiht' 0 1 325 Selene wurde unterwegs auf ſeinen Befehl in der Stadt Seleucia in Meſopotamien(2) hingerichtet. Ihre beiden Söhne jedoch ſcheinen den Händen des Siegers glücklich entkommen zu ſein. Das von Selene in der Abſicht, um ihre Söhne auf den egyptiſchen Thron zu bringen, angewendete Mittel war, dieſelben mit vielem Gelde nach Rom zu ſchicken, um ſich bei einer in Egypten inzwiſchen laut ge⸗ wordenen Unzufriedenheit der Unterthanen mit ihrem neuen Herrſcher Ptolemäus X. Alexander die Ertheilung der egyptiſchen Königsherrſchaft, auf welche ſie nämlich ihrer nahen Verwandtſchaft zu der Ptolemäiſchen Königsfamilie halber Anſpruch machten, gleichſam beim Senate erkaufen zu ſollen, ein Beſtreben, in welchem ſie aber, wie Prideaux adl ann. 73 erzählt, von dem regierenden Könige Ptolemäus ebenfalls käuflich über⸗ boten wurden. Auf dem Rückwege hatten ſie dann noch überdieß das Unglück, von dem berüchtigten römiſchen Prätor von Sicilien, mit Namen Verres, gegen welchen ſpäter Cicero in einer berühmten Rede klagbar auftrat, völlig ausgeraubt zu werden.— Seleucia in Meſopotamien wird von Strabo J, 16. als der Ort, wo Selene's Hinrichtung ſtatt⸗ gefunden, bezeichnet. F. 951. Joseph. Antiqd. XIII, 24. XIV, 1. bell. Judaic. I, 4. Prideaux Connexion ann. 70. In dem gleichen Jahre 4030 erkrankte zu Jeruſalem die regierende Königin Alexandra, und gerieth in Folge deſſen alsbald in einen Zuſtand, welcher bei ihrem vorgerückten Alter von 73 Jahren ihr alsbaldiges Lebensende in unausbleibliche nahe Ausſicht ſtellte. Dieſer Umſtand ver⸗ anlaßte Ariſtobulus, plötzlich in der Nacht, nur von Einem Diener be⸗ gleitet insgeheim Jeruſalem zu verlaſſen, und ſich der jüdiſchen Feſtungen ſo ſchleunig wie möglich zu verſichern in der Abſicht, um ſich an der Stelle ſeines von der Mutter bereits förmlich zum Nachfolger ernannten älteren Bruder Hyrcanus II. alsbald zum Könige öffentlich ausrufen zu laſſen. Die kranke Königin ſcheint, obwohl durch die erſte Nachricht davon heftig erſchreckt, keinen eigentlich inneren Antheil an der Sache genommen zu haben, gab jedoch auf die dringenden Vorſtellungen Hyr⸗ canus' und der ihn unterſtützenden Phariſäer ihre Einwilligung dazu, die zurückgelaſſene Familie Ariſtobulus' einſtweilen als Geißeln in der Burg Baris in Gewahrſam bringen zu laſſen. Außerdem aber miſchte ſie ſich auch auf ausdrückliches inſtändiges Bitten ihrer Umgebung in dieſe reine Parteiangelegenheit nicht weiter ein, ſondern überließ, indem ſie ſich dar⸗ auf berief, durch thätige Fürſorge für eine ſtarke Armee und für einen reichen Staatsſchatz das Ihrige zur Wahrung der ferneren Landeswohl⸗ fahrt hinreichend beigetragen zu haben, den Brüdern, dieſe Thronſtreitig⸗ keit unter ſich ſelber auszumachen. Nachdem die Königin kurz darauf geſtorben, entſpann ſich zwiſchen den beiden Brüdern ein dreimonatlicher Krieg, welcher aber, da die den Phariſäern mittlerweile abgeneigt ge⸗ wordene Volksſtimmung für den Augenblick im Allgemeinen entſchieden für Ariſtobulus günſtig war, alsbald mit der Schlacht von Jericho zu Hyrcanus' Ungunſten ſich entſchied, indem nämlich während der Schlacht ſelber der größte Theil ſeines Heeres zu Ariſtobulus überging. Selbſt in Jeruſalem, wohin Hyrcanus in Eile ſich flüchtete, blieb ihm nur die Burg Baris und der Tempelberg als letzte Verſchanzung noch übrig, welche letztere er jedoch bald darauf, überdieß von ſeinen letzten Anhängern verlaſſen, ebenfalls noch an ſeinen jüngeren Bruder übergeben mußte. In einem darauf abgeſchloſſenen friedlichen Vergleiche trat Hyrcanus ſein bisheriges königliches Hohenprieſterthum mitſammt der Reſidenz in der Burg Baris an Ariſtobulus gutwillig ab, wogegen ihm vom letzteren deſſen bisher benutztes Wohnhaus bereitwillig als Privateigenthum über⸗ laſſen wurde. Alexandra, die Wittwe des Hohenprieſters Alexander Jannäus wird von allen Schriftſtellern einſtimmig als eine Frau geprieſen, welche ſich in dieſer wichtigen Uebergangsepoche als eine durchaus tüchtige Regentin bewährt habe.— Daß Ariſtobulus II. ſeinen älteren Bruder Hyrcanus[l. zugleich mit dem Königthume auch aus dem hohenprieſterlichen Amte ver⸗ drängte, war, wie Joſephus Autiqd. XV. 3. im Anfange bemerkt, ein gegen alle bisherige hebräiſche Rechtsgewohnheit gegebenes übles Beiſpiel, anſtatt deſſen er wohl ohne Frage beſſer daran gethan haben würde, mit demſelben eine Art Theilungsverſuch in der Art vorzunehmen, daß er die Königswürde für ſeine Perſon in Empfang genommen, das Hohen⸗ prieſterthum aber Hyreanus gelaſſen hätte. CCiV. Der königliche Hoheprieſter Ariſtobulus II. 6. 952. Prideaux Connexion ann. 69. 65. In dem nächſtfolgenden Jahre 4031 hatte Tigranes, der König von Armenien das Unglück, von dem römiſchen Feldherrn Lueullus in ſeinem eigenen Heimathslande ſo empfindlich geſchlagen zu werden, daß er zu wei⸗ terer Fortſetzung des Krieges ſich genöthigt ſah, alle ſeine Beſatzungstruppen aus Syrien zurückzuziehen. Dieſer Umſtand gab dem älteſten der beiden zurückgelaſſenen Söhne der Königin Selene, mit Namen Antiochus Aſia⸗ ticus Gelegenheit, als Antiochus XIII. ſich noch einmal als ein ſeleueidiſcher Schattenkönig des ſyriſchen Landes wieder zu bemächtigen. Sein Reich dauerte jedoch nur vier Jahre, bis zum Jahre 4035, in welchem der iini Iſ Grolt Mſcl Uün Muoct clö, ſurb, NAl länfic Elt, Mius J ſehnetd Nubll tuekn, fahober hen Anen Hiffg Gabke i0f Uih dike blig llck W 0 018 U. römiſche Feldherr Pompejus nach Beendigung ſeines Krieges mit Tigranes ihm dasſelbe wieder ab⸗, und Syrien als eine von Tigranes gemachte Eroberung in Form einer neuen Provinz für die römiſche Republik in Beſchlag nahm, über welche auch, nach Pompejus“ baldigem Abzuge, zwei römiſche Unterfeldherren mit Namen Scaurus und Gabinius ſogleich als Procuratoren zurückblieben. Auf dieſe Weiſe wurde Antiochus XII. Aſiati⸗ cus, der letzte ſeleucidiſche König über Syrien, genöthigt, in den Privat⸗ ſtand, aus welchem ſich Seleucus I. Nicator einſt auf den Thron ge⸗ ſchwungen, wieder zurückzukehren. Das gleiche Schickſal hatte um die nämliche Zeit Ptolemäus X. Alexander, König von Egypten, an deſſen Stelle, nachdem er von ſeinen eigenen Unterthanen vertrieben, Ptole⸗ mäus XI., ein außerehelicher Sohn des Ptolemäus Lathyrus, der von ſeiner durchaus würdeloſen Haltung, mit welcher er, um den Beifall des Publikums buhlend, kein Bedenken trug, öffentlich als Flötenbläſer aufzu⸗ treten, den Beinamen Auletes davon trug, auf den egyptiſchen Thron erhoben wurde. Cypern trennte ſich bei dieſer Gelegenheit von Egypten, indem die Inſel einen anderen außerehelichen Sohn des Lathyrus mit Namen Ptolemäus zu ihrem Könige machte. Der aus ſeinem Reiche vertriebene Ptolemäus X. Alexander nahm ſeine nächſte Zuflucht zu Pompejus, welchen er unter Anerbietung reicher Geſchenke um Wiedereinſetzung in ſein Königreich erſuchte. Nachdem er aber von demſelben eine abſchlägige Antwort erhalten, zog er ſich als Privatmann nach Tyrus zurück, woſelbſt er bald darauf ſtarb, vor ſeinem Tode jedoch noch die Römer in ſeinem Teſtamente über das ganze egyp⸗ tiſche Reich zu Erben einſetzte, ein Legat, von welchem dieſelben indeſſen aus Furcht vor einer allzu üblen Reputation, welche ſie ſich dadurch auf den Hals würden geladen haben, vorläufig keinen Gebrauch machten. Vergl. Prideaux Connex. ann. 65 und 58. §. 953. Joseph. Antidd. XIV, 2. bell. Judaic. I, 5. Prideaux Connex. ann. 65. In dem gleichen Jahre 4035 brachen auch in Judäa diejenigen ge⸗ häſſigen Unruhen aus, welche nach der eine Zeit lang mühſam gehand⸗ habten künſtlichen Erhaltung des Gleichgewichtes zwiſchen den verſchiedenen im jüdiſchen Volke gährenden politiſchen Parteibeſtrebungen die ſo glor⸗ reich errungene hebräiſche Nationalunabhängigkeit mit reißender Geſchwin⸗ digkeit ſchimpflich wieder untergraben halfen. Es ging jedoch die neuer⸗ dings beabſichtigte Staatsumwälzung nicht etwa von der für den Augen⸗ blick wieder unterdrückten Partei der Phariſäer, und überhaupt von keinem gebornen Juden, ſondern vielmehr von einem urſprünglich idumäiſcher Abkunft naturaliſirten Proſelyten aus, von dem energiſch tüchtigen aber ränkevollen Hofbeamten Antipas oder Antipater, welcher, der Sohn eines gleichnamigen Truppenbefehlshabers, der ſich unter der Regierung Alexan⸗ der Jannäus' durch ſein kriegeriſches Verdienſt emporgeſchwungen, ſeit der Regierung der Königin Wittwe Alexandra ſich in deren Gunſt er⸗ halten, und beſonders in dem perſönlichen Wohlwollen des anfangs alle Ausſicht auf die Thronfolge beſitzenden älteren Bruders und Hohenprieſters Hyrcanus II. zu befeſtigen, alle Mühe gegeben hatte. Hiedurch dem neuen königlichen Hohenprieſter Ariſtobulus II. verhaßt, ließ er nicht ab, dem auf einem allerdings ungeſetzlichen Wege aus dem hohenprieſterlichen Amte wenigſtens verdrängten Hyrcanus auf alle Weiſe zuzuſetzen, um ihn zu überreden, ſeine Anſprüche auf die verlorene hoheprieſterliche Königs⸗ krone von Neuem wieder geltend zu machen. §. 954. Joseph. Antiqd. XIV. 2. bell. Judaic. I, 5. Prideaux Connex. ann. 65. Der Weg, auf welchem Antipater dem der hohenprieſterlichen Königs⸗ würde entſetzten älteren Bruder eine Ausſicht auf deren Wiedererlangung eröffnete, beſtand hauptſächlich darin, daß er in Folge vertraulich nach⸗ barlicher Beziehungen zu Aretas, dem Könige über das peträiſche Arabien, welche er bereits von ſeinem über die Provinz Idumäa als Statthalter geſtandenen gleichnamigen Vater ererbt hatte, die Hoffnung hegte, den⸗ ſelben leicht dahin zu bereden, wofern Hyrcanus durch eine heimliche Flucht ſich ihm herzhaft anzuvertrauen den Muth bewieſe, zu ſeiner ge⸗ waltſamen Wiedereinſetzung auf den hohenprieſterlichen Königsſtuhl einen kriegeriſchen Einfall in Judäa unternehmen zu wollen, ein Unternehmen, von welchem er ſich in der Folge ſichere Rechnung machte, daß die Ver⸗ wirklichung desſelben auch bei einer zahlreichen dem gegenwärtigen Herr⸗ ſcher abgeneigten Partei im Volke endlich treuliche thätige Unterſtützung finden werde. Zugleich ſuchte er Hyrcanus einzureden, daß ſogar ſein Leben ſowohl von Seite ſeines Bruders Ariſtobulus, als beſonders von Seite ſeiner Anhänger in beſtändiger Gefahr ſchwebe. Alle dieſe Ein⸗ flüſterungen ſollen bei dem nach Joſephus' Schilderung theils gutmüthigen, theils zu moraliſcher Trägheit hinneigenden Charakter Hyrcanus' lange nichts gefruchtet haben. Endlich gewann die Kunſt und Beharrlichkeit des idumäiſchen Emporkömmlings über ihn die Oberhand, ſo daß er nach getroffener vorbereitender Einleitung wirklich heimlich aus Jeruſalem flüchtete, und noch dazu dem Könige Aretas das ſchimpfliche Verſprechen gab, ihm eine ganze Reihe arabiſcher Grenzfeſtungen, welche ſein Vater Gil Helt fihiſe hollen; ſih el mh ſchn 4005 helch ugte uig läbet eſtl Aufſt fn ätz IN fin lijßt dute 6 ln 329 Alexander Jannäus ſeiner Zeit demſelben im Kriege abgenommen, aus Erkenntlichkeit für ſeine geleiſteten Dienſte wieder zurückſtellen zu wollen. §. 955. Josephus Antiqd. XIV. cp. 3. 4. 5. bell. Judaic. I, 5. Prideaux Connex. ann. 65. Auf ſolche Anerbietungen hin überſchritt Aretas wirklich mit einem Heere von angeblich 50,000 Mann zu Fuß und zu Roß unverzüglich die jüdiſche Grenze, und ſchloß Ariſtobulus, nachdem er ihn auf freiem Felde gänzlich auf das Haupt geſchlagen, zuletzt durch zahlreiche Heerhaufen jüdiſcher Nation freiwillig verſtärkt, in Jeruſalem ſelber auf dem Tempel⸗ berge gänzlich ein. Dabei zeigte ſich auf Seite der mit Aretas ver⸗ bündeten Juden insbeſondere eine ſolche unverſöhnliche Gehäſſigkeit, daß ſie einen gewiſſen Onias, der als ein frommer Mann im Rufe ſtand, durch ſein Gebet bereits wunderbare Wirkungen zum Vorſchein gebracht, wie z. B. einmal nach langer dürrer Witterung das Eintreten eines recht⸗ zeitigen reichlichen Regens vermittelt zu haben, bloß deßwegen zu Tode ſteinigten, weil er ſich weigerte, den im Tempelvorhofe eingeſchloſſenen Prieſtern von der Partei des Ariſtobulus auf ihr Begehren fluchen zu wollen; und als kurz darauf bei Anbruch des Paſſafeſtes die Belagerten ſich anheiſchig machten, wenn man ihnen die für die Begehung desſelben nöthigen Opferthiere gewähren würde, jeden geforderten Preis für die⸗ ſelben entrichten zu wollen, denſelben 1000 Drachmen(alſo ungefähr 400 fl.) für das Stück abverlangten, und nach empfangenem Gelde, welches ihnen an Seilen über die Mauer herabgelaſſen wurde, die ver⸗ langten Opferthiere dennoch vorenthielten. Erſt die nachgeſuchte Vermitt⸗ lung der beiden in Syrien zurückgebliebenen römiſchen Truppenbefehls⸗ haber Scaurus und Gabinius machte der Belagerung ein Ende, indem dieſelben durch ein dargebotenes Geſchenk von 400 und 300 Talenten auf Ariſtobulus' Seite gebracht, dem arabiſchen Könige, wofern er ſeine Trup⸗ pen nicht gutwillig würde zurückziehen, im Namen der römiſchen Republik den Krieg ankündigten. Auf ſeinem unverweilten Abzuge ſcheint Aretas nichts deſto weniger von Ariſtobulus nochmals feindlich überfallen worden zu ſein, bei welcher Gelegenheit 6000 Juden, und unter dieſen zugleich ein leiblicher Bruder Antipater's mit Namen Cäphalion, ſein Leben ein⸗ büßte; und als bald darauf Pompejus zufällig in eigener Perſon auf kurze Zeit nach Damascus kam, erhielt er nebſt reichen Geſchenken von den Geſandten benachbarter Länder, wie es ſcheint auch von Ariſtobulus II. einen goldenen Rebſtock im Werthe von 500 Talenten, welcher ſpäter unter dem darauf eingegrabenen Namen ſeines Vaters Alexander Jannäus im Capitolium zum Rom aufbewahrt wurde. Der fromme Onias hatte auf die Forderung des Volkes, daß er der auf dem Tempelberge eingeſchloſſenen Partei des Ariſtobulus fluchen ſollte, die Antwort gegeben, er bitte Gott von ganzem Herzen, daß Er keines von beiden Theilen Gebete gegen den andern erhören möge. Ein kurz darauf ſich ereignender furchtbarer Hagelſchlag, welcher die dießjährige Ernte dermaßen beſchädigte, daß er ſogar eine fühlbare Theuerung der Getreidefrüchte zur Folge hatte, wurde, wie Joſephus Antiqd. XIV. 3. erzählt, als ein Gottesgericht betrachtet, welches über Onias' ungerechte Steinigung verhängt worden ſei. Wenn die politiſche Parteiwuth eines Volkes einmal ſo weit geht, ſogar religiöſe Mittel zur Befriedigung ihrer leidenſchaftlichen Feindſeligkeit in Anſpruch zu nehmen, ſo iſt dasſelbe in ſittlicher Beziehung bereits auf eine Stufe herabgekommen, auf welcher man wohl behaupten darf, daß es ſeiner bisherigen politiſchen Unabhängig⸗ keit nicht mehr würdig iſt.— Ebenſo iſt auch in Bezug auf den der⸗ maligen königlichen Hohenprieſter Ariſtobulus Il. jener nachträgliche plötz⸗ liche Ueberfall, den er auf das bereits im Abzuge begriffene Heer des Aretas richtete, ein Zug, welcher genauer geprüft keineswegs zu ſeiner Ehre gereichen dürfte. §. 956. Josephus Antiqd: XIV, 5. bell. Judaic. I. 5. Prideaux Connexion, ann. 64. Obwohl der Hilfe des Araberkönigs beraubt, gaben Hyrcanus und Antipater ihre einmal öffentlich erklärte Sache darum noch nicht auf, ſondern letzterer verfügte ſich im darauffolgenden Jahre 4036 in Hyr⸗ canus' Namen nach Cöloſyrien in der Abſicht, um den ſoeben zum zweiten Male in dieſer Gegend vorübergehend anweſenden römiſchen Oberfeldherrn Pompejus nunmehr unmittelbar um Hilfe anzuſprechen. Aber auch von Ariſtobulus' Seite war ein gewiſſer Nicomedes als Fürſprecher ſeiner Angelegenheit zugegen, nur daß derſelbe die Taktloſigkeit beging, ſich vor Pompejus' Ohren ausdrücklich darauf zu berufen, daß Scaurus und Gabinius für die ſeinem Gebieter geleiſteten Dienſte bereits eine Summe von 700 Talenten empfangen hätten, wodurch dieſe beiden Männer natür⸗ licher Weiſe einigermaßen bloßgeſtellt, ſich Ariſtobulus zu keinen ferneren Dienſtleiſtungen verbunden erachteten. Pompejus nahm übrigens, für den Augenblick mit den nothwendigen Vorbereitungen zu einem Kriege mit Aretas dringend in Anſpruch genommen, weder von dem ganzen Erbfolgeſtreite, noch von den auf beiden Seiten bisher angewendeten Rechtsmitteln irgend eine nähere Notiz, ſondern beſchränkte ſich vielmehr darauf, die beiden königlichen Brüder auf ſeine nächſte Anweſenheit in Damascus einſtweilen perſönlich zu beſtellen, bei welcher Gelegenheit er icht 1 ihm I eattif W Rui N Min ſch fien Wuhet n Met.; ſele ſil, W9 U das Verſprechen gab, zwiſchen ihren beiderſeitigen Anſprüchen den Schieds⸗ richter abgeben zu wollen. CCV. Der königliche Hoheprieſter Ariſtobulus II. (Schluß.) Ende der hohenprieſterlichen Souveränität. §. 957. Josephus Antidd. XIV, 5. bell. Judaic. I, 5. Prideaux Connex. ann. 63. Pompejus hatte das ganze gegenwärtige und einen Theil des darauf⸗ folgenden Jahres mit der Beendigung des dritten pontiſchen Krieges zu thun gehabt, weßwegen ſeine beabſichtigte perſönliche Unterredung mit den beiden Thronbewerbern erſt im Jahre 4037 zu Damascus zu Stande kam. Dort ließ ſich jedoch außer den beiden um die Regierung ſich ſtreitenden Brüdern auch noch eine dritte, wahrſcheinlich unter vorherr⸗ ſchend phariſäiſchem Einfluſſe ſtehende hebräiſche Nationalpartei dahin vernehmen, daß ſie vor allen Dingen das Königthum ſelbſt als eine mit der geſetzlichen Amtswürde des Hohenprieſters gar durchaus nicht noth⸗ wendig zuſammenhängende, nur zum Verderben des Landes im Laufe der Zeit dazugekommene, eigentlich der theokratiſchen Verfaſſung ganz zuwider⸗ laufende politiſche Dreingabe abgeſchafft zu ſehen wünſchten. Nach dieſen trat ſodann Hyrcanus auf, und beſchuldigte ſeinen Bruder Ariſtobulus, ihm als dem älteren die geſetzlich gebührende Hoheprieſterwürde mitſammt dem in letzter Zeit daran geknüpften ſouveränen Fürſtenrechte gewaltſam entriſſen, und dieſe ehrenvolle Stellung noch überdieß durch vielfache in der Nachbarſchaft verübte Land⸗ und Seeräubereien ſchimpflich herab⸗ gewürdigt zu haben, für welche letztere Behauptung er durch Antipater's Betriebſamkeit nicht weniger als gegen 1000 anweſende angeſehene jüdiſche Männer zu Zeugen aufſtellte. Dieſer Anklage gegenüber verantwortete ſich endlich Ariſtobulus II. damit, daß er ſeinen älteren Bruder Hyrcanus ſeinem Charakter nach als einen Mann ſchilderte, der zur Regierung eines Landes einmal ſchlechterdings nicht tauge, weßwegen er als der jüngere, um die erbliche fürſtliche Hoheprieſterwürde nicht aus der Familie kom⸗ men zu laſſen, eigenhändig die Zügel der Regierung zu ergreifen ſich habe genöthigt geſehen, und berief ſich ferner darauf, daß der Königs⸗ titel, den er führe, nicht etwa von ihm erſt aufgebracht, ſondern bereits von Alexander Jannäus, ſeinem verewigten Vater, geführt worden ſei. Für die Richtigkeit dieſer Ausſagen führte er auch ſeinerſeits eine Anzahl junger Männer aus edlen Geſchlechtern zu Zeugen auf, welche jedoch durch ein affectirt vornehmthuendes Weſen, das ſie in der Abſicht, um dadurch Ariſtobulus' Anſprüchen mehr Anſehen zu verleihen, bei dieſer Gelegenheit ſogar in ihrer Kleidung und in ihrer Haarfriſur zur Schau trugen, einen weit mehr ungünſtigen als vortheilhaften Eindruck hervor⸗ gebracht, und dadurch ſeiner Sache wenigſtens ebenſo viel, als ſie außer⸗ dem derſelben hätten Nutzen bringen können, ſollen geſchadet haben. Nach dieſem angeſtellten Verhöre ſprach Pompejus ſich dahin aus, Ariſtobulus ſcheine ihm, abgeſehen von der Frage nach der rechtmäßigen Begründung ſeiner Anſprüche ſelber, über welche er für den Augenblick nicht urtheilen wolle, jedenfalls etwas zu gewaltſam aufgetreten zu ſein. Uebrigens entſchied er zunächſt weder für noch gegen Ariſtobulus, ſondern verſprach vielmehr anſtatt deſſen, ſobald er mit der Beſchwichtigung des Stammes der nabathäiſchen Araber, mit denen er ſoeben in Krieg verwickelt, zu Ende gekommen ſein werde, zu reiflicher Prüfung und gedeihlicher Ent⸗ ſcheidung dieſer wichtigen Angelegenheit in eigener Perſon ſelber nach Judäa kommen zu wollen. Bis dahin verlangte der römiſche Eroberer von beiden Brüdern, übrigens unter reichlicher Ertheilung der freund⸗ ſchaftlichſten Verſicherungen, daß ſie ſich ruhig verhalten ſollten, mit welchen letzteren er beſonders gegen Ariſtobulus nicht ſparſam war, in der muthmaßlichen Abſicht, damit ihm derſelbe die Zugänge in das jüdiſche Land nicht verſperren möchte. §. 958. Josephus Antiꝗd. XIV, 5. 6. bell. Judaic. I, 5. Prideaux Gonnex. ann. 63. Ariſtobulus II. fühlte ſich durch den erzählten Ausgang dieſes öffent⸗ lichen Geſpräches nicht wenig beleidigt, indem er als thatſächlich regieren⸗ der Landesfürſt, an deſſen gegründeter Berechtigung zu ſeiner fürſtlichen Stellung er einen ernſtlichen Zweifel gar nicht für möglich gehalten hätte, ſich ſchämte ſo weit einem ausländiſchen heidniſchen Feldherrn gegenüber perſönlich erniedrigt zu haben, weßwegen er auch, ohne den Verlauf weiterer gütlicher Unterhandlungen erſt abzuwarten, mit einer auffallenden Eile nach Judäa wieder abreiſend, ſogleich energiſche Kriegsrüſtungen zu betreiben den Befehl gab, eine Handlung, welche ihm von Pompejus natürlicher Weiſe nicht anders, als ſehr übel konnte gedeutet werden. Eben deßwegen rückte letzterer auch bald darauf zum erſten Male mit einem römiſchen Heere in Paläſtina ein, und ſetzte ſich auf der geraden Straße nach Jeruſalem, welche damals von Scythopolis aus ſüdwärts ſich in ziemlich gerader Richtung an dem Saume der weſtjordaniſchen G0l gung J0 9get 0 run, tn Oher Ralh 0 i Uktnt Gliſche N1 LN0 Stike ſich fi dieſeJ in dfn Iü Mlle Wäüh W Nſft gehrt Miin Gult II ſhm 1 fgt W5 fuf Ruf lihe btt 51 333 Gebirgskette hingezogen zu haben ſcheint, in ungehinderte weitere Bewe⸗ gung, bis er die auf dem Gipfel eines Gebirgsvorſprunges gelegene, das Jordanthal majeſtätiſch überragende Feſtung Alexandrium, Ariſtobulus' gegenwärtigen Aufenthaltsort gewahr wurde. Pompejus ließ Halt machen und ſchickte dem königlichen Hohenprieſter die höfliche Einladung, zu einer freundſchaftlichen Unterredung zu ihm herabzukommen. Ariſtobulus wagte es nicht, durch eine abſchlägige Antwort den ſieggekrönten römiſchen Er⸗ oberer zu erbittern, und entblödete ſich daher auch nicht, zugleich auf den Rath ſeiner Freunde nicht bloß auf das erſte, ſondern auch zum zweiten und dritten Male im römiſchen Lager Beſuch abzuſtatten, wobei er in der trügeriſchen Hoffnung, durch ſeine äußerlich kundgegebene geſchmeidige Unterwürfigkeit Pompejus doch noch im Guten zu einer ihm günſtigen Entſcheidung zu vermögen, überdieß verſprach, allen ſeinen Wünſchen auf das Bereitwilligſte zu wollen entgegenkommen, während'er auf der anderen Seite doch jedesmal bei ſeiner Rückkehr keinen Augenblick verſäumte, um ſich für alle Fälle in möglichſten Vertheidigungsſtand zu ſetzen. Eben dieſe Wahrnehmung beſtimmte denn zuletzt Pompejus zu der an Ariſtobulus in Form einer gebieteriſchen Forderung gerichteten peinlichen Zumuthung, ihm nicht allein ſämmtliche paläſtinenſiſchen Landesfeſtungen mit Einem Male gutwillig ausliefern, ſondern noch obendrein an die verſchiedenen WN Befehlshaber derſelben, welche ihm außerdem keine Folge leiſten würden, den eigenhändigen ſchriftlichen Befehl darüber ausfertigen zu wollen. Ariſtobulus mitten im feindlichen Lager befindlich, ſcheint nur noth⸗ gedrungenen Gehorſam geleiſtet zu haben, fühlte aber über dieſe in ſeiner Meinung ihm zugefügte empörende Mißhandlung eine ſolche ingrimmige Erbitterung, daß er für den Augenblick zum äußerſten Widerſtand ent⸗ ſchloſſen, ſich von Alexandrium aus unverzüglich insgeheim nach Jeru⸗ ſalem auf den Weg machte. §. 959. Josephus Antiqd. XIV, 68. bell. Judaic. I, 5. Prideaux Connex. ann. 63. Pompejus, welcher dem fliehenden Ariſtobulus auf dem Fuße nach⸗ folgend bei Jericho die für ihn erfreuliche Botſchaft von dem Ableben des Königs Mithridates von Pontus empfangen hatte, bekam überdieß auf ſeinem weiter fortgeſetzten Zuge nach Jeruſalem unterwegs auch noch Ariſtobulus II. leichten Kaufes in ſeine Gewalt, indem der hoheprieſter⸗ liche König, aus Furcht vor dem wahrſcheinlich üblen Ausgange des drohenden Krieges plötzlich umgeſtimmt, ſich ihm endlich freiwillig auf Gnade und Ungnade anvertraute, und zugleich nicht allein allen ſeinen Ver⸗ — fügungen ſich gutwillig zu unterziehen, ſondern überdieß noch, nur um die nachtheiligen Folgen eines Krieges abzuwehren, eine anſehnliche Summe Geldes zu bezahlen ſich anheiſchig machte. Da jedoch die bisher mit Ariſtobulus in Verbindung geſtandene, hauptſächlich aus Familien prieſter⸗ fu licher Abkunft beſtehende ariſtokratiſche Partei in der Stadt mit dieſem verzweifelten Entſchluſſe ihres Anführers, von welchem ſie wahrſcheinlich l gar nicht einmal zum Voraus unterrichtet worden war, keineswegs über⸗ füf einſtimmte, ſo ließen die Mitglieder derſelben den von Pompejus zur 0 Empfangnahme des verſprochenen Geldes vorausgeſendeten Unterbefehls⸗ haber Gabinius, indem ſie die Thore der Stadt ſperrten, mit leeren Händen wieder abziehen, eine Beſchimpfung, welche Pompejus dadurch 110 zu rächen für gut fand, daß er den fürſtlichen Hohenprieſter mehr als 8 Gefangenen behandeln, und durch beigegebene Kriegsknechte ſtrenge be⸗ In wachen ließ. Unter ſolchen Umſtänden vor die Stadt gerückt, welche er b0 bei näherer Beſichtigung ihrer überaus vortheilhaften Lage wegen nur b6 von Norden her angreifbar erkannte(ſ. den Plan der Stadt Jeruſalem), heiktt traf er dann in derſelben obendrein eine in zwei mit erbitterter Feind⸗ Walche ſeligkett einander gegenüberſtehende Parteien geſpaltene Bevölkerung an, 5 von denen die Anhänger des Hyrcanus, verſtärkt durch den großen Haufen m des gemeinen Volkes, während die weitaus an Zahl geringeren Prieſter 0 1 wenigſtens den Tempelberg, welcher in der Stadt ſelber wieder eine eigene W abgeſonderte Feſtung bildete, einſtweilen zu beſetzen vollauf beſchäftigt 0 waren, ungehinderte Freiheit erlangten, Pompejus mit ſeinem ganze Heere in einzulaſſen, worauf hin die ganze Stadt, bloß mit Ausnahme des Tem⸗ 1i0 pels, alſo ſogar mit Einſchluß der königlichen Burg Baris binnen Kurzem 10 von römiſchen Truppen beſetzt, und dieſe letztere, welche unmittelbar an In den Tempelhof angrenzte, einem römiſchen Unterfeldherrn mit Namen n Piſo zur Behauptung übertragen wurde. 4 Es iſt wirklich jammervoll, einen bisher ſouveränen hebräiſchen Landes⸗ 1 fürſten, noch dazu den letzten, welchen mit einigem legitimen Scheine das f5. jüdiſche Volk in ſeiner ganzen bisherigen Geſchichte gehabt hat, nach der Ille Erzählung des vorhergehenden und gegenwärtigen Paragraphen, von der luth materiellen und geiſtigen Uebermacht eines ehrgeizigen römiſchen Eroberers 1 gleichzeitig erdrückt, ſich ſo gutwillig ſelber zu Grunde richten zu ſehen. mn Das allein charakteriſirt bereits hinreichend den von der Politik eines I Landes weichenden göttlichen Segen, wenn der Regent desſelben in der ſeſ Stunde der Gefahr keine ſittliche Entſchloſſenheit zu beharrlicher Ver⸗ 18 ſolgung eines einheitlich, gexegelten Planes über ſich gewinnen kann. fft „Quem Deus vult perdere,“ ſagt das lateiniſche Sprüchwort,„prius ſge demental.“ W0 Josephus Antiqd. XIV, S. bell. Judaic. I, 5. Prideaux Connex. ann. 63. Die trotz ihrer Minderzahl noch immer anſehnlich bedeutende Prieſter⸗ partei hatte, um den Tempelberg beſſer zu vertheidigen, rings um den⸗ ſelben alle Brücken niedergeriſſen, Pompejus aber ſeinerſeits, welcher auch hier wiederum einen einzigen, ebenfalls an der Nordſeite befindlichen günſtigen Angriffspunkt erkannte, die tauglichen Wohngebäude in der Nachbarſchaft der Reſidenz zu ebenſo vielen Angriffsbollwerken umgewan⸗ delt. Nichts deſto weniger begann er, erſt nachdem neuerdings angebotene Friedensvorſchläge von der eingeſchloſſenen Ariſtokratie verworfen worden waren, eine regelmäßige Belagerung, welche, obwohl er dabei von Hyr⸗ canus eifrig unterſtützt, überdieß noch eigene Sturmwerkzeuge bis von Tyrus hatte herbeiſchaffen laſſen, doch erſt durch die religiöſe Scrupu⸗ loſität zu einer allmäligen Entſcheidung führte, mit welcher, wie Pompejus bald beobachtete, die Belagerten jedesmal am Sabbathtage alle jene Ar⸗ beiten ruhig gewähren zu laſſen ſich in ihren Gewiſſen verbunden fühlten, welche zwar nicht unmittelbar ihr Leben in Gefahr ſetzten, aber doch, wie z. B. die Ausfüllung des Grabens und die Erhöhung der damals üblichen Belagerungsthürme ihnen die Aufgabe der Vertheidigung gegen die römiſche Uebermacht zuſehens erſchweren mußten. So kam es denn, da Pompejus in Folge deſſen den Befehl gab, alle Sabbathe und ſonſtigen Feſttage die Belagerten außerdem in Ruhe zu laſſen, und nur an den übrigen Belagerungsarbeiten emſig fortzufahren, nach drei Monaten dahin, daß die Mauer des Tempelberges zufällig am Gedächtnißtage der Eroberung Jeruſalems durch Nabuchodonoſor, welcher mit einem vor⸗ ſchriftsmäßigen Faſten begangen wurde, trotz der verzweifelt tapferen Gegenwehr der Belagerten endlich richtig erbrochen wurde, worauf Römer und insbeſondere Juden von der Partei des Hyrcanus mörderiſch über ihre Landsleute herfielen, und bis gegen 12,000 von ihnen hinſchlachteten, ohne daß ſich die gerade mit ihren Dienſtverrichtungen beſchäftigten Prieſter durch das begonnene Handgemenge davon abhalten, ſondern lieber noch mitſammt ihren Opferthieren zugleich erwürgt zu werden ſich gefallen ließen. Viele der Beſiegten gaben ſich auch ſelber den Tod, indem ſie ſich entweder vom Rande der Mauer den Abhang des Felſens hinab⸗ ſtürzten, oder Nebengebäude, in welchen ſie ſich zu eben dieſem Endzwecke eingeſchloſſen hatten, eigenhändig in Brand ſteckten. Unter den Gefange⸗ nen befand ſich Abſalom, der jüngſte Sohn des weiland Hohenprieſters Hyrcanus I., folglich jüngſter Bruder des Alexander Jannäus, welcher als Oheim ſeinem Neffen Ariſtobulus ſeine Tochter zur Ehe gegeben hatte. Die nach Erzählung des Paragraphen von Seite der Belagerten un⸗ ausgeſetzt ſtattfindende ängſtliche Beobachtung des Sabbathsgeſetzes wollen wir denſelben, namentlich in Berückſichtigung des zur ſittlichen Würdigung einer jeden menſchlichen Handlung, nothwendig mit in Rechnung zu bringenden ſubjectiven Gewiſſensſtandes, begreiflicher Weiſe nicht gerade zum Vorwurf machen. Indeſſen macht es immerhin einen peinlichen Eindruck, das Volk Gottes ſich durch ſolche in Beziehung auf ihre geſetz⸗ liche Begründung noch gar ſehr zweifelhafte Nebendinge in den Augen heidniſcher Belagerer förmlich ſelber lächerlich machen zu ſehen. Unwill⸗ kührlich fällt einem dabei das„Mückenſeigen und Kameelverſchlucken“ ein, welches unſer Heiland(Ey. Maith. 23, 24.) den Phariſäern und Schrift⸗ gelehrten zum Vorwurf macht. Der Uebermacht eines heidniſchen Er⸗ oberers für den Augenblick zu weichen, welcher nicht etwa wie Antiochus Epiphanes eine religiöſe, ſondern höchſtens nur eine politiſche Unter⸗ drückung des jüdiſchen Volkes beabſichtigte, war im Geſetze keineswegs verboten. Davon hatte erſt in neueſter Zeit Hyrcanus I. ſelber nach der Erzählung von§. 916. das Beiſpiel gegeben. Ein fortgeſetzter hart⸗ näckiger Widerſtand von Seite der Belagerten, ſelbſt nachdem ihr An⸗ führer Ariſtobulus II. ſich bereits gutwillig ſelber an den Feind ergeben hatte, kommt in der That nicht als religiöſe Charakterfeſtigkeit, ſondern nur als die unwillkührliche Aeußerung einer gewiſſen fanatiſchen Bigotterie heraus, mit welcher manchmal ſolche Menſchen, von denen der Segen Gottes im Zeitlichen handgreiflich gewichen, denſelben gleichſam mit Ge⸗ walt wieder ertrotzen zu wollen ſich das Anſehen geben. §. 961. Josephus Antiqd. XIV, 8. bell. Judaic. I, 5. Prideaux Gonnex. ann. 63. An dem gleichen Tage gab der ſiegreiche römiſche Eroberer der damaligen übertriebenen religiöſen Gewiſſensängſtlichkeit des jüdiſchen Volkes das unerhörte Aergerniß, daß er ſich nicht entblödete, als der Dritte, welcher ſich deſſen unterſtanden(der erſte war nämlich Bagoſes, 8 7393 der zweite Antiochus Epiphanes,§. 799.), in Begleitung meh⸗ rerer anderer heidniſchen Perſonen ſich die heiligen Räume des Tempels, und zwar nicht allein das Heilige, ſondern auch das durch einen Vor⸗ hang von demſelben noch abgetrennte Allerheiligſte, welches dem Geſetze nach überhaupt alljährlich nur einmal am Verſöhnungstage, und zwar bloß von dem Fuße des Hohenprieſters betreten werden durfte(F§. 65, 4), ſich zu einer neugierigen Beſichtigung eröffnen zu laſſen, bei welcher Ge⸗ legenheit aber der Umſtand, daß das der Bundeslade entbehrende Aller⸗ heiligſte weder ein Götterbild noch irgend einen anderen eigentlich heiligen Gegenſtand enthielt, alſo eigentlich leer ſtand, einen höchlich überraſchen⸗ den Eindruck auf ihn hervorgebracht haben ſoll(vergl. Tacit. Histor. V, 9.), 337 der ihm die halsſtarrige Bigotterie dieſes Volkes erſt vollends unerklärlich machte. Uebrigens bewies Pompejus die lobenswerthe Selbſtbeherrſchung, die reichen Schätze des Tempels an gemünztem Golde, ſowie an goldenen Geſchirren, koſtbaren Spezereien und ſonſtigen Koſtbarkeiten durchaus unangetaſtet zu laſſen, und gab überdieß Tags darauf den Befehl, daß der Tempel von aller ihm durch das angerichtete Blutbad widerfahrenen Entheiligung gereinigt werden, und der gewöhnliche Opfer- und Räucher⸗ dienſt nach wie vor ſeinen regelmäßigen Fortgang nehmen ſollte. Daß Pompejus ſich erkühnte, den Tempel perſönlich zu betreten, wird ihm von Prideaur als eine frevelhafte Handlung angerechnet, und das ſofortige Aufhören ſeines bisherigen Kriegsglückes als eine von Gott über denſelben verhängte zeitliche Strafe daraus hergeleitet. Wir können uns jedoch unſererſeits nicht überzeugen, daß Pompejus als Heide, welcher demnach nicht an die Befolgung des moſaiſchen Ceremonialgeſetzes ge⸗ bunden war, ſich durch einfache Bedienung ſeines Siegerrechtes einer Geſetzesübertretung ſchuldig gemacht haben ſollte; und glauben ſein aller⸗ dings merkwürdiges ſpäteres Kriegsunglück aus ganz anderen ſittlichen und natürlichen Urſachen hinreichend erklären zu können. Die perſön⸗ liche Betretung des Tempels durch den römiſchen Feldherrn Pompejus war nicht ſowohl eine dem göttlichen Geſetze zugefügte Ehrenkränkung, als vielmehr eine von Gott wohl abſichtlich für das jüdiſche Volk zuge⸗ laſſene empfindliche Demüthigung, welche übrigens ſelber wiederum wohl ſchwerlich hätte ſtattfinden dürfen, im Falle das Heiligthum der Bundes⸗ lade noch an ſeiner alten dafür beſtimmten Stelle befindlich geweſen wäre, §. 962. Josephus Antiqd. XIV, 8. bell. Judaic. I, 5. Prideaux Connexion 63— 61. Nachdem hierauf Pompejus unter den gemachten Gefangenen die Urheber dieſes Krieges mit Hinrichtung beſtraft hatte, zeigten erſt ſeine, übrigens weder unbilligen noch unzweckmäßigen, aber unermeßlich tief einſchneidenden ferneren Anordnungen, welch' unberechenbarer Schaden dem jüdiſchen Volke mittelſt der Intriguen des Idumäers Antipater dadurch zugefügt worden war, daß er Hyrcanus dazu, bei den Römern ſeine Zu⸗ flucht zu ſuchen, verleitet hatte. Anſtatt einer politiſch unabhängigen theokratiſchen Republik mit erblichem hohenprieſterlichen Fürſtenthume, zu welcher glorreichen Höhe Judäa ſich unter Simon III. dem Maccabäer emporgeſchwungen hatte, war das Land ſchon ſo bald nunmehr auf die niedere Stufe eines mediatiſirten römiſchen Bundesgenoſſenſtaates, der von einem tributpflichtigen Hohenprieſter regiert wurde, ungefähr in der Art, wie unter den Ptolemäern und Seleuciden, wieder herabgeſunken, überdieß mit dem höchſt belangreichen Unterſchiede, daß dem jüdiſchen Hohenrathe von nun an ſchlechterdings kein weiterer Einfluß auf die Krafft, heil. Geſchichte. U. 22 würdige Beſetzung eines auch ſo noch immer unſchätzbar wichtigen Poſtens vergönnt blieb. Anſtatt des nun ebenfalls auch ſeinerſeits der Hohen⸗ prieſterwürde entſetzten Ariſtobulus II., welchen Pompejus nebſt ſeinen zwei Söhnen Alexander und Antigonus und zwei Töchtern, von denen die ältere Alexandra hieß, in der Abſicht, ihn nach Rom mit ſich zu führen, fortwährend in Gefangenſchaft hielt, ſetzte er ſofort den älteren Bruder Hyrcanus II. zum zweiten Male wieder als Hohenprieſter ein, dem er jedoch nicht weiter die Abzeichen der königlichen Gewalt zu tragen erlaubte, und welcher ſich obendrein auch die Einſchränkung des von ihm verwalteten Gebietes auf die Grenzen des eigentlichen Judäa gutwillig mußte gefallen laſſen, während die ſeitherigen bedeutenden Grenzerweite⸗ rungen ſämmtlich entweder zu der benachbarten römiſchen Provinz Syrien geſchlagen, oder, was die eroberten Land⸗ und Seeſtädte anbelangt, den früheren Einwohnern derſelben als freies Cigenthum, jedoch unter dem Schutze der römiſchen Republik wieder zugeſtellt wurden, in Folge welcher Anordnungen dieſelben, wie es ſcheint, fortan ebenſo viele kleine Repu⸗ bliken bildeten. Auch wurden auf Pompejus' Befehl die Mauern von Jeruſalem neuerdings wieder abgetragen. Unter den fortgeführten Ge⸗ fangenen aus der hohenprieſterlichen Familie ſoll es dem älteren Sohne Ariſtobulus', mit Namen Alexander, während der Reiſe ſelber noch glück⸗ lich durch die Flucht zu entkommen gelungen ſein. Dafür erlebten die übrigen Mitglieder derſelben zwei Jahre darnach im Jahre 4039 die Schmach, zugleich mit 324 anderen edeln Gefangenen den öffentlichen von Pompejus in Rom veranſtalteten Triumphzug durch ihre gezwungene perſönliche Theilnahme an demſelben mit verherrlichen helfen zu müſſenz worauf überdieß, während alle übrigen Gefangenen die ausnahmsweiſe Erlaubniß erhielten, noch dazu auf öffentliche Koſten in ihre Heimath wieder zurückreiſen zu dürfen, außer Tigranes, dem gleichnamigen Sohne des Königs von Armenien, gerade nur Ariſtobulus von dieſer Vergünſti⸗ gung ausgeſchloſſen blieb. Auf dieſe Weiſe ließ die göttliche Vorſehung durch die nämlichen Römer, welche das Zuſtandekommen des neuen jüdiſchen Staatsgebäudes ſeiner Zeit ſo thätig befördert hatten, dasſelbe im weiteren Verlaufe der geſchichtlichen Begebenheiten allmälig wieder zu Grunde richten, nach unſerer chriſtlichen Auffaſſung in der unverkennbaren höheren Abſicht, um die Gemüther des Volkes zu einer deſto eifrigeren thätigen Betheili⸗ gung an dem Baue der chriſtkatholiſchen Univerſalkirche einſtweilen vor⸗ zubereiten, welche von dem gegen Ende der dem Propheten Daniel ge⸗ offenbarten Friſt von 70 Jahrwochen, alſo in einer nicht gar ſo großen Entfernung mehr zu erwartenden Meſſias neu gegründet, den tsraelitiſchen 339 Staatskörper des Alten Teſtamentes von nun an wenigſtens auf eine gewiſſe Zeit lang zu erſetzen beſtimmt war, bis zuletzt mit der am Ende der Tage noch zu hoffenden allgemeinen Bekehrung des hebräiſchen Volkes auch die politiſche Wiederherſtellung des israelitiſchen Reiches laut der Ankündigung der Propheten ebenfalls noch einmal zu erwarten ſteht. CCVI. Der Hoheprieſter Hyreanus II. Gortſetzung.) F. 963. Josephus Antidd. XIV, 9. bell. Judaic. I, 6. Prideaux Connex. ann. 63— 58. Pompejus hatte bei ſeinem Abzuge Scaurus als Landesverwalter über Syrien zurückgelaſſen, welcher durch einen im Jahre 4038 unbedacht⸗ ſam veranſtalteten Kriegszug gegen Aretas, den König der Araber, dem ränkevollen Antipater Gelegenheit gab, ſich neue Verdienſte um die römi⸗ ſchen Intereſſen zu erwerben, indem er einmal Hyrcanus dazu beredete, dem auf dem Marſche bedrängten römiſchen Feldherrn rechtzeitig mit Proviantlieferungen zu Hilfe zu kommen, und darnach im Intereſſe des⸗ ſelben mit dem ihm perſönlich befreundeten Aretas ſo glücklich unter⸗ handelte, daß der letztere nur um mit weiteren Angriffen von Seite der Römer verſchont zu bleiben, ſich gerne zur Zahlung von 300 Talenten überreden ließ. Dem Scaurus war im Jahre 4040 Mareius Philippus, und dieſem wiederum 4041 Lentulus Marcellinus in der Verwaltung des Landes nachgefolgt. Im darauffolgenden Jahre 4042 erhielt durch die von dem Volkstribunen Clodius in Rom geleiteten Wahlumtriebe Gabi⸗ nius die Verwaltung über Syrien, der nämliche, welcher unter Pompeſus die orientaliſchen Provinzen mit Scaurus zugleich hatte erobern helfen. Das gleiche Jahr brachte in Folge anderer Umtriebe deſſelben Clodius dem benachbarten egyptiſchen Reiche zwei wichtige Veränderungen, indem nämlich die Inſel Cypern auf den Grund eines von dem vertriebenen Ptolemäus X. Alexander(ſ. Anmerk. zu§. 952.) kurz vor ſeinem bald darauf zu Tyrus erfolgten Tode aufgezeichneten Teſtamentes„durch wel⸗ ches er die römiſche Republik zur Erbin des egyptiſchen Reiches eingeſetzt hatte, kraft eines auf Clodius' Vorſchlag gefaßten Volksbeſchluſſes ohne Weiteres confiscirt, und gerade nur, um dieſer gehäſſigen Maßregel einen beſchönigenden Mantel umzuhängen, der durch ſeine ſtrenge Rechtlichkeit bekannte römiſche Senator Cato mit der Ausführung derſelben beauf⸗ tragt wurde. Auf die Nachricht hievon drangen die Egypter in Alexan⸗ dria in Ptolemäus XI. Auletes, Cypern bei dieſer Gelegenheit für ſich in Anſpruch zu nehmen, und den Römern„im Falle ſie ſeine Forderung 3 340 verweigern würden, ohne Weiteres den Krieg anzukündigen. Da aber der König auf ihr Begehren nicht eingehen wollte, ſo wurde er aus dem Lande vertrieben, und einige Zeit darauf ſeine älteſte Tochter Berenice an ſeiner Stelle auf den Thron erhoben. Es iſt für die damalige Sittengeſchichte der Mühe werth, die Ge⸗ ſchichte der Confiscirung der Inſel Cypern durch die Römer, hauptſäch⸗ lich von wegen des verwickelten Intriguengewebes, welches Clodius bei dieſem Antrage leitete, bei Prideaur näher nachzuleſen. Ptolemäus, der König von Cypern, wurde bei dieſer Gelegenheit anfänglich von Cato zu gutwilliger Verzichtleiſtung aufgefordert, konnte aber, namentlich ſeiner ausnehmend reichen Schätze wegen, an denen ſeine ganze Seele hing, den Entſchluß dazu nicht über das Herz bringen. Unfähig auf der anderen Seite jedoch, den Römern Widerſtand zu leiſten, ließ er ſeine Reichthümer ſämmtlich auf ein Schiff laden in der Abſicht, um ſich zugleich mit ihnen in den Abgrund des Meeres verſenken zu laſſen. Hintennach reute es ihn jedoch wieder, ſeine Schätze ſo erbärmlich zu Grunde gehen zu ſehen, weßwegen er ſeinen Entſchluß ändernd, den Schatz in die Schatzklammer wieder zurücklegte, und anſtatt deſſen lieber durch Gift ſeinem Leben ein Ende machte. §. 964. Prideaux Connex. ann. 58. 57. Um Berentce'n einen ebenbürtigen Gemahl zu geben, ordneten die Egypter eine Botſchaft nach Syrien ab, um dieſelbe dem erwähnten letz⸗ ten ſeleucidiſchen Könige Antiochus XII. Aſiaticus zur Ehe anzubieten, welcher aber inzwiſchen als Privatmann bereits geſtorben war. Wohl aber lebte noch ſein jüngerer Bruder Seleucus Cybioſactes, welcher trotz aller Mühe, welche ſich der römiſche Landpfleger Gabinius gab, ihn in Syrien zurückzubehalten, nichts deſto weniger im darauffolgenden Jahre 4043 nach Egypten zu entkommen, und die königliche Braut heimzuführen das Glück hatte. Er betrug ſich aber dieſes Glückes ſo unwürdig, daß er, um ſeine niedrige Habſucht zu befriedigen, ſich nicht einmal ſchämte, die Gebeine Alexander's des Großen, deſſen Leiche ſeinem ausdrücklichen letzten Willen gemäß ſeiner Zeit von Babylon nach Alexandria überbracht worden war, ihres goldenen Sarges, welcher dieſelben umſchloß, berauben zu laſſen, auf welches gegebene Aergerniß hin er auf Anſtiften ſeiner eigenen Gemahlin getödtet wurde. Mit ihm endigte zugleich die ganze ſeleueidiſche Königsfamilie. An ſeiner Stelle heirathete ſie ſodann einen gewiſſen Archelaus, den fürſtlichen Oberprieſter von Comana in Pontus, welcher erſt in neuerer Zeit von Pompejus zur Belohnung ſeiner im Kriege ihm geleiſteten Dienſte zu dieſer Würde war erhoben worden(ſiehe Prideaux Connex. ann. 64). lic 11J * Rß ſch lam il den f Hilf Wun befehl . 00 90 Mult Wud. Tla Huſes Haubſ Set. Pil 15 her. Gdbt Reon 9 Mhte Rüiſ kben fula Iun Wit 0 Josephus Antiqd. XIV, 10. bell. Judaic. I, 6. Prideaux Connex. ann. 57. Erſt in dieſem Jahre erregte Alexander, der auf der Reiſe nach Rom glücklich entkommene Sohn des gefangenen Hohenprieſters Ariſtobulus II. in Judäa neue Unruhen, indem er an der Spitze von 10,000 Mann Fußvolk und 1500 Reitern, welche er mittlerweile in der Stille angeworben, ſich der drei Feſtungen Alexandrium, Hyrcania und Macchärus bemäch⸗ tigte. Von dort aus einen demnächſtigen Ueberfall auf die wehrloſe jüdiſche Hauptſtadt befürchtend, ging Hyrcanus II. damit um, die auf Pompejus' Befehl niedergeriſſenen Mauern von Jeruſalem wieder auf⸗ zubauen, ein Plan, an deſſen Ausführung er jedoch durch die gebieteriſche Einſprache des Landpflegers Gabinius verhindert wurde. Anſtatt deſſen kam ihm derſelbe mit einem Heere, deſſen Reiterei von Marcus Antonius, dem ſpäteren römiſchen Triumvir befehligt wurde, in eigener Perſon zu Hilfe, und ſchlug in Verbindung mit einem jüdiſchen Hilfsheere, welches von zwei hebräiſchen Hauptleuten mit Namen Pitholaus und Malichus befehligt wurde, Alexander in der Nähe von Jeruſalem dermaßen auf das Haupt, daß derſelbe nach einem Verluſte von 6000 Mann, von denen dik Hälfte in Gefangenſchaft gerathen war, ſich genöthigt ſah mit dem Reſte ſeiner Truppen nach Alexandrium zurückzuziehen. Während Gabi⸗ nius nun die dortſelbſt gegen denſelben eingeleitete Belagerung durch einen Theil ſeines Heeres fortführen ließ, benutzte er ſeine gelegentliche An⸗ weſenheit in Paläſtina, um die verſchiedenen, urſprünglich von fremd⸗ ländiſchen Coloniſten im Lande angelegten Pflanzſtädte, welche in neuerer Zeit von den Juden zerſtört, auf Pompejus Anordnung wieder mit der Freiheit beſchenkt worden waren(vergl.. 962.), da dieſelben fortwährend als Ruinen dalagen, ſchneller wieder emporzubringen. Bis ſich ſodann der belagerte Alexander allmälig zur Uebergabe geneigt zeigte, ließ ſich Gabinius von der in Paläſtina zurückgebliebenen, ihm inzwiſchen bekannt gewordenen Gemahlin des gefangenen Ariſtobulus bei ſeiner Rückkehr vor Alexandrium überreden, ihrem Sohne Alexander Amneſtie zu ge⸗ währen, jedoch ſo, daß die erwähnten Feſtungen, und zwar auf den aus⸗ drücklichen Wunſch der um das Schickſal ihrer Familie bekümmerten Fürſtin, eben damit dieſelben zu keiner weiteren Störung der Landesruhe Ver⸗ anlaſſung geben möchten, geſchleift wurden. Von dort aus ſich nach Jeruſalem verfügend fand ſich Gabinius, unbekannt durch welche Beweg⸗ gründe bei der gleichen Gelegenheit dahin beſtimmt, in die bisherige Landesverfaſſung einen im Vergleiche mit Pompejus noch gewaltthätigeren Eingriff zu machen, indem er den Hohenprieſter Hyrcanus II. rein auf ſeine geiſtlichen Functionen beſchränkend, die Landesregierung fünf ver⸗ ſchiedenen an getrennten Orten wohnenden, neu eingeſetzten richterlichen Collegien übergab, welche neue Regierungsform im Vergleiche mit der bisherigen abſolut monarchiſchen als eine mehr oligarchiſch ariſtokratiſche betrachtet wurde. §. 966. Josephus Antiqd. XIV, 11. bell. Judaic. I, 6. Prideaux Connex. ann. 615 Während deſſen hatte der gefangene Hoheprieſter Ariſtobulus II. ſelber, Alexander's Vater, ohne wie es ſcheint, aus der erlittenen De⸗ müthigung etwas Nützliches gelernt zu haben, nebſt ſeinem zweiten Sohne Antigonus aus Rom nach Paläſtina zu entkommen Mittel und Wege gefunden, und da nebſt einer Anzahl anderer Unzufriedenen auch Pitho⸗ laus mit 1000 Mann zu ihm übergegangen, nach Gabinius' Rückkehr das ſoeben geſchleifte Alexandrium wiederholt zu befeſtigen Anſtalt ge⸗ troffen. Um dieß zu hindern entſendete Gabinius ſeinen Sohn Siſenna zugleich mit Antonius nach Paläſtina, welche Ariſtobulus zwangen, un⸗ verrichteter Dinge von Alexandrium aus nach dem wahrſcheinlich noch nicht völlig demolirten Macchärus ſeine weitere Zuflucht zu nehmen. Unterwegs aber kam es bereits zu einer Schlacht, in welcher das 8000 Mann ſtarke Heer des Ariſtobulus unter Erlegung von 5000 Mann gänzlich geſchlagen wurde, ſo daß er mit nur 1000 Mann nach Machärus glücklich entkam, aber auch dieſen feſten Platz nach zwei Tagen verzwei⸗ felter Gegenwehr, in welcher er ſelbſt viele Wunden davon trug, endlich übergeben mußte. Er wurde deßhalb zum zweiten Mal als Gefangener nach Rom wieder abgeführt, ſeinem Sohne Antigonus jedoch und ſeinen beiden Töchtern bei dieſer Gelegenheit freie Rückkehr nach Paläſtina ge⸗ ſtattet, und zwar bloß deßwegen, weil Gabinius an den Senat geſchrieben, daß er bei der Uebergabe von Alexandrium der Gemahlin des Ariſtobulus das perſönliche Verſprechen, darauf hinwirken zu wollen, gegeben habe. Ungefähr um die nämliche Zeit mag Alerander, des Erhohenprieſters Ariſtobulus II. älteſter Sohn auch allenfalls die ſpäter in der Geſchichte öfter vorkommende Alexandra, des regierenden Hohenprieſters Hyrcanus II. einziges Kind, zur Ehe bekommen haben. 343 CCVII. Der Hoheprieſter Hyreanus II.(Fortſetzung.) Die Ceraubung des Tempels durch den römiſchen Proconſul Craſſus. §. 967. Joseph. Antidd. XIV, 11. bell. Jud. I, 6. Prideaux Connexion ann. 56— 55. Nachdem auf dieſe Weiſe die Ruhe in Paläſtina wieder hergeſtellt ſchien, ließ ſich Gabinius im Jahre 4044 von Mithridates, dem Bruder des gegenwärtig regierenden Partherkönigs Orodes bereden, ihm durch einen Kriegszug zur Eroberung des parthiſchen Thrones behilflich ſein zu wollen, ein Unternehmen, zu welchem er ſich aber nicht etwa durch allen⸗ fallſige auf Mithridates' Seite anzunehmende größere Rechtsanſprüche, ſondern lediglich durch die lockende Ausſicht auf den Gewinn einer reich⸗ lichen Beute in den damals blühenden Provinzen des parthiſchen Reiches verleiten ließ. Kaum hatte er jedoch den die damalige Grenze zwiſchen Syrien und dem parthiſchen Reiche bildenden Euphrat mit ſeinem Heere überſchritten, als ein von dem vertriebenen egyptiſchen Könige Ptolemäus XI. Auletes(ſ.§. 963.), welcher nach mehrjährigen vergeblichen Bemühungen, von Rom aus eine bewaffnete Intervention in Egypten zu ſeinen Gunſten zu Wege zu bringen, ſich zuletzt mit der Bitte, ihn in ſein heimathliches Königreich wieder einzuſetzen, an Gabinius wendete, gemachtes Anerbieten von 10,000 Talenten ihn zur Umkehr auf dem eingeſchlagenen Wege, und zur Veranſtaltung eines Zuges nach Egypten beſtimmte. Auch auf dieſem Zuge leiſtete Antipater den Römern weſentliche Dienſte, indem er namentlich die in Peluſium, der den Eingang nach Egypten beherrſchen⸗ den befeſtigten Seeſtadt wohnenden Juden überredete, dem von Gabinius vorausgeſendeten Befehlshaber der Reiterei M. Antonius zur Einnahme derſelben behilflich zu ſein. In Egypten ſelbſt kam es zwiſchen Gabinius und dem dort für den Augenblick das Scepter führenden Archelaus im Anfange des darauffolgenden Jahres 4045 zu einem hitzigen Kampfe, in welchem der erſtere das Leben einbüßte. Der auf dieſem Wege in ſein Königreich wieder eingeſetzte Ptolemäus Auletes ließ ſofort ſeine Tochter Berenice hinrichten, zur Strafe dafür, daß ſie in ſeiner Abweſen⸗ heit die Königskrone getragen hatte. Aus Caesar bell. civile III, 4. geht hervor, daß unter andern Gallier und Germanen, alſo Deutſche als Miethſoldaten im Heere des Gabinius befindlich waren. Schon 50 Jahre alſo ungefähr vor Chriſti Geburt iſt Paläſtina bereits wahrſcheinlich zum erſten Male von gebornen Deutſchen betreten worden. Es iſt dieß, beiläufig geſagt, auch die nämliche Zeit⸗ periode, in welcher Julius Cäſar mit der Führung des galliſchen Krieges beſchäftigt war. Joseph. Antiqd. XIV, 11. bell. Judaic. I, 6. Prideaux Connex. ann. 55. Unterdeſſen war auch in Judäa die Ruhe des Landes wiederum ge⸗ ſtört worden, indem Alexander, der Sohn Ariſtobulus“ II., der nämliche, welcher durch die Fürſprache ſeiner Mutter ſchon einmal ſtraflos durch⸗ gekommen war, neuerdings ein zahlreiches jüdiſches Heer aufgebracht hatte, an deſſen Spitze im Lande umherziehend er alle einzeln auf⸗ gegriffenen Römer tödten ließ, und eine Anzahl derſelben, welche ſich auf den Berg Garizim geflüchtet hatten, mit kecker Feindſeligkeit belagerte. Ihm wurde einſtweilen Antipater entgegengeſendet, welchem es bereits durch gütliches Zureden gelang, einen Theil ſeiner Anhänger ihm wieder abwendig zu machen. Und als hierauf Gabinius ſelbſt aus Egypten zurückgekehrt war, kam es zwiſchen ihm und Alexander bei dem Berge Tabor in Galiläa zu einem entſcheidenden Treffen, in welchem das aus 30,000 Mann beſtehende Heer des letzteren mit Verluſt von 10,000 Mann völlig geſchlagen und zerſtreut wurde. Von dort aus ſoll Gabinius wie⸗ der Jeruſalem beſucht, und einige neue Staatseinrichtungen nach dem Wunſche Antipater's getroffen haben, worauf er nach einem unterwegs auch noch über die Nabathäer erfochtenen Siege nach Syrien zurückkehrte. Von Syrien aus trat er bald darauf die Reiſe nach Rom an, indem er die Verwaltung der orientaliſchen Provinzen an den römiſchen Proconſul Craſſus abtreten mußte; denn die Verwaltung gerade dieſer Länder war es, um deren Uebertragung ſich Craſſus angelegentlich beworben, und mittelſt eines im Verein mit den beiden übrigen Triumvirn Pompejus und Cäſar betriebenen Volksbeſchluſſes ſie auch richtig überkommen hatte. §. 969. Joseph. Antidd. XIV, 12. bell. Judaic, I, 6. Prideaux Gonnex. ann. 54. 53. Obwohl von Haus aus einer der reichſten römiſchen Privateigen⸗ thümer, hatte Craſſus nichts deſto weniger ſchon von Rom aus einen Kriegszug nach Parthien, und zwar zu keinem anderen Zwecke vorbereitet, als um durch eine völlig ungerechte Bekriegung dieſes blühenden Reiches ſeine unerſättliche Leidenſchaft nach Vermehrung ſeiner zeitlichen Reichthümer in immer zügelloſerem Maße befriedigen zu können. Deßwegen ſchämte er ſich auch nicht, zur Beſtreitung derjenigen bedeutenden Ausgaben, welche ihm die Ausrüſtung eines geordneten Kriegsheeres verurſachte, den Antritt ſeiner im Jahre 4046 beginnenden Landesverwaltung mit einem ebenſo ſchimpflichen als empörenden Tempelraube, mit der Plünde⸗ rung nämlich der im Tempel zu Jeruſalem angehäuften reichen Schätze Hlitke Abltte Wäch Mal felhen G56 Glitz elekt Wiöhert Muuhe 0J00 dieſen Ab.z ach geſcht hluthe UA Mutt allete 2 Nmit IU Gbenm hte fihen Reſr üer Gu ſeh ſ ſhun, M Mche Ua 345 zu bezeichnen. Nachdem er ſich gleich Pompejus den Eintritt in das Heilige erzwungen hatte, machte ihm der Prieſter Eleazar, welcher als Schatzmeiſter des Tempels unter andern die reichgewirkten Vorhänge des⸗ ſelben unter ſeiner Aufſicht hatte, in der Hoffnung, die übrigen Orna⸗ mente und Schätze des Tempels vor ſeiner Habſucht zu retten, das An⸗ erbieten, eine ihm allein bekannte Goldſtange von 300 Minen Gewicht, welche in einem ausgehöhlten Tragbalken, welcher dem Vorhange des Allerheiligſten vermuthlich zum Stützpunkte diente, verborgen ſtack, dem⸗ ſelben gutwillig ausliefern zu wollen, wofern er ihm ſchwüre, die übrigen Schätze des Tempels unangetaſtet zu laſſen. Craſſus legte den Eid ab, den er aber, ſobald er die beſagte Goldſtange in Empfang genommen, wiederum brach, und außer 2000 Talenten in gemünztem Golde, welche Pompejus bereits hatte liegen ſehen, an Goldeswerth noch 8000 fernere, alſo im Ganzen 10,000 Talente aus dem Tempel herausſchleppte. Mit dieſen Geldmitteln ausgerüſtet trat er gegen Ende des gleichen Jahres, und zwar ohne eine erſt vorausgeſchickte Kriegserklärung ſeinen Feldzug nach Parthien an, führte denſelben aber mit einer ſo auffallenden Un⸗ geſchicklichkeit, daß er im Anfange des darauffolgenden Jahres 4047 zwei blutige Schlachten hintereinander verlor, in deren zweiten, welche bei Carrhä(dem alten Haran) in Meſopotamien geſchlagen wurde, 10,000 Römer in Gefangenſchaft geriethen, und er ſelbſt perſönlich nebſt 20,000 anderen erſchlagen wurde. §. 970. Josephus Antidd. XIV, 12. bell. Judaic. I, 6. Prideaux Connex. ann. 52. Durch dieſe dem römiſchen Waffenruhm beigebrachte auffallend demüthigende Schlappe angefeuert machten die Parther das Jahr darauf 4048 einen Einfall in Syrien, in der kühnen Hoffnung, ſich durch Er⸗ oberung dieſes Landes auf eine noch empfindlichere Weiſe für den unge⸗ rechten Angriff, welchen Craſſus auf ſie gemacht hatte, rächen zu können, fanden aber den römiſchen Unterfeldherrn Caſſius, welcher die zerſtreuten Reſte des römiſchen Heeres indeſſen geſammelt hatte, dermaßen ſchlagfertig wieder gerüſtet, daß ſie ſelber ſich mit Schimpf und Schande über den Euphrat wieder mußten zurückziehen. Von dort aus Paläſtina wieder ſich zuwendend hatte Caſſius mit der Beſchwichtigung neuer Unruhen zu thun, welche Alexander wahrſcheinlich auf die Nachricht von jenen Craſſus in Meſopotamien zugeſtoßenen Unglücksfällen neuerdings erregt hatte, bei welcher Gelegenheit die am See Geneſareth gelegene Stadt Tarichäa er⸗ obert und zerſtört, 3000 ihrer Einwohner in die Sclaverei verkauft, Alexander zu Friedensbedingungen genöthigt, und auf Antipater's Rath der zugleich gefangen genommene jüdiſche Feldherr Pitholaus hingerichtet wurde. §. 971. Caesar. bell. civ. III, 108. Prideaux Connex. ann. 51. 50. Durch die verzögerte Ankunft des für das nächſte Jahr 4049 über Syrien zum Landpfleger ernannten Calpurnius Bibulus länger in der Provinz aufgehalten, hatte Caſſius ſich in dieſem Jahre eines neuen er⸗ bitterten Angriffs der Parther zu erwehren, welche in überlegener Zahl einfallend ihn mit allen ſeinen Truppen in der Landeshauptſtadt Antiochia zu belagern die Keckheit an den Tag legten. Aus dieſer bedrängten Lage rettete ihn die umſichtige Energie des damals gerade zum Proconſul über das benachbarte Cilicien aufgeſtellten berühmten Redners Marcus Tullius Cicero, welcher durch rechtzeitige Sendung eines römiſchen Hilfsheeres eine Wendung in dem Kriege hervorbrachte, in Folge deren die Parther auch dießmal wieder mit bedeutendem Verluſte über den Euphrat zurück⸗ getrieben wurden.— Das Jahr darauf 4050 ſtarb der egyptiſche König Ptolemäus XI. Auletes mit Hinterlaſſung zweier Söhne und zweier Töchter, hinſichtlich deren er in einem ſchriftlich abgefaßten Teſtamente verordnete, daß der älteſte Sohn Ptolemäus XII. Dionyſus, die älteſte Tochter Cleopatra die nachmalige letzte egyptiſche Königin ehelichen, und beide unter römiſcher Vormundſchaft gemeinſchaftlich die Regierung führen ſollten. CCIII. Der Hoheprieſter Hyreanus II. CFortſetzung.) Schlacht bei Pharſalus. Pompejus“ Lebensende. §. 972. Joseph. Antidd. XIV, 13. bell. Judaic. I, 7. Prideaux Connexion ann. 50. 49. 42 gegen Ende. Noch in dem gleichen Jahre 4050, gegen deſſen Ende Bibulus, nach⸗ dem er einen erneuerten Einfall der Parther dadurch, daß er in dem parthiſchen Reiche ſelber Uneinigkeit ausſäte, abzuwehren ſo glücklich ge⸗ weſen, wieder nach Rom zurückgekehrt war, brach in Italien zwiſchen den beiden noch übrigen Triumvirn Pompejus und Julius Cäſar der bekannte, von dieſem letzteren eigenhändig beſchriebene Bürgerkrieg aus, der in ſeinem weiteren Verlaufe auch auf die heilige Geſchichte nicht ohne be⸗ deutenden Einfluß geblieben iſt. Pompejus, in deſſen Dienſte Bibulus ſogleich eintrat, und welcher im Anfange überhaupt den ganzen Senat auf ſeiner Seite hatte, beſtellte ſeinen Schwiegerſohn Metellus Scipio zu deſſen Nachfolger in der ſyriſchen Provinzialverwaltung zu dem Be⸗ hufe, um dadurch die bedeutenden Hilfsquellen dieſer Länder ſogleich zum Voraus im Kampfe mit Cäſar einſtweilen für ſich in Beſchlag zu nehmen. Ihm von Paläſtina aus ebendieſelben ſtreitig zu machen, fand es ſomit Cäſar ſeinerſeits in ſeinem Intereſſe, nachdem er noch im Laufe des gegen⸗ wärtigen Jahres Pompejus gänzlich aus Italien zu verdrängen ſo glück⸗ lich geweſen, im Beginne des darauffolgenden(4051) den noch immer in römiſcher Gefangenſchaft ſchmachtenden jüdiſchen Hohenprieſter Ariſto⸗ bulus II. nicht allein ſeiner Haft zu entlaſſen, ſondern er ging ſogar damit um, ihn an der Spitze von zwei Legionen(oder Cohorten?) zur Wiedererkämpfung ſeiner Würde nach Paläſtina zurückzuſenden. Eine ſo auffallend überraſchende ſchmeichleriſche Glückshoffnung ging jedoch bald dadurch wieder zu Schanden, daß Ariſtobulus II. wahrſcheinlich noch während ſeines Aufenthaltes in Italien von zurückgebliebenen An⸗ hängern des Pompejus vergiftet wurde, in Verbindung womit der neue ſyriſche Landpfleger Scipio im Auftrage des Pompejus auch den fort⸗ während unruhigen Alexander, den älteſten Sohn des gefangenen Hohen⸗ prieſters ergreifen und in dem gleichen Jahre zu Antiochia hinrichten ließ. Ariſtobulus' II. Leichnam wurde übrigens von Cäſar's Anhängern ſorgfältig einbalſamirt, aufbewahrt und ſpäter unter Antonius“' Vermitt⸗ lung zu ehrenvoller Beſtattung nach Jeruſalem zurückgebracht. Sein jüngerer Sohn Antigonus und ſeine beiden zurückgelaſſenen Töchter aber fanden um dieſe Zeit eine unverhoffte Zuflucht bei Ptolemäus Mennas, dem Tyrannen von Chaleis im Libanongebirge(vergl.§. 949.), welcher durch ſeinen Sohn Philippion Ariſtobulus' Familie von Aſcalon aus, dem gegenwärtigen Aufenthaltsorte ſeiner Wittwe, zu ſich entbieten ließ, und ſogar eine der beiden Töchter mit Namen Alexandra, obwohl auf eine ſchimpfliche Weiſe, zur Ehe nahm, indem er nämlich ſeinen eigenen Sohn Philippion, der ſich unterwegs mit ihr vermählt hatte, bloß zu dem Ende, um ſie ihm abzunehmen, gewaltſam aus dem Wege räumte. Trotz des auffallenden Unglückes, von welchem Ariſtobulus II. bis an ſeinen Tod verfolgt wurde, können wir uns bei der im Ganzen doch ziemlich würdeloſen Haltung, welche ſeine Politik an ſich trug, zu keinem rechten Mitleiden mit ihm entſchließen. Sein ebenſo unglücklicher Sohn Alexander hatte mit Alexandra, der Tochter des regierenden Hohenprie⸗ ſters Hyreanus II., zwei Kinder erzeugt mit Namen Mariamne und Ariſtobulus, welche an des letzteren Hofe erzogen wurden. Caesar bell. civil. III, 102. Prideaux Connex. ann. 49. 48. Während Pompejus, der mit ungebrochenem Stolze ſämmtliche von Cäſar ihm gemachten Friedensvorſchläge hartnäckig von der Hand wies, das ganze laufende Jahr zu anſehnlichen Kriegsrüſtungen verwendete, gelang es Cäſar, der den Sommer über das in Spanien ſtehende Pom⸗ pejaniſche Heer zu überwinden und aufzulöſen ſo glücklich geweſen war, Anfangs Herbſt des gleichen Jahres von der italieniſchen Hafenſtadt Brunduſium aus ſeine Ueberfahrt über das adriatiſche Meer nach der auf der jenſeitigen griechiſchen Halbinſel gelegenen Provinz Epirus er⸗ folgreich zu bewerkſtelligen. Der bevorſtehende Winter aber verhütete für den Augenblick den endlichen Zuſammenſtoß der beiderſeitigen Waffen⸗ macht. Erſt im darauffolgenden Frühjahre 4052 kam es in der Ebene von Pharſalus in Theſſalien zu einer entſcheidenden Hauptſchlacht, in welcher Pompejus geſchlagen ſich genöthigt ſah, in ſchleuniger Flucht ſein Heil zu ſuchen. Sein Glück war indeſſen durch dieſen unerwarteten Schlag mit Einem Mal ſo furchtbar vernichtet, daß er in keiner römiſchen Provinz überhaupt und auch in Syrien nicht einmal eine weitere Aufnahme fand, indem der ſyriſche Landpfleger Scipio, welcher Pompejus ſeitdem mit einem Heere zu Hilfe gezogen, mit ihm zugleich aller weiteren Hilfsmittel beraubt worden war, ſo daß unter andern die Einwohner der Stadt Antiochia auf die Nachricht von der ſtattgefundenen Entſcheidung jedem Anhänger des Pompejus, der ſich bei ihnen blicken laſſen würde, zum Voraus mit dem Tode drohten. Daß Pompejus von Cäſar, obwohl dieſer letztere ſeinen 47,000(Cnach bell. civile IIi, 88. 89.) nur 22,000 Mann entgegenzuſetzen hatte, nichts deſto weniger bei Pharſalus vollkommen geſchlagen wurde, iſt ein Er⸗ eigniß, welches im Grunde genommen gerade keine Auffuchung eines tieferen Erklärungsgrundes dringend erfordert. Cäſar, dem es im Ver⸗ gleiche mit ſeinem Gegner namentlich an Reiterei mangelte, war eben in Bezug auf ſeinen Schlachtplan ſcharfſichtig genug, zum Voraus eine un⸗ bemerkt abgeſonderte vierte Schlachtlinie von ſechs Cohorten zurückzube⸗ halten, welche in dem nämlichen Augenblicke, in dem die feindliche Rei⸗ terei ſeinen rechten Flügel zu umzingeln drohte, derſelben unverſehens in die Flanke fiel, die denn dadurch zum Weichen gebracht der bewährten Tapferkeit der bereits in Gallien ſich ausgezeichnet habenden Cäſariani⸗ ſchen Legionen die endliche Erkämpfung des Sieges über das Heer des Pompejus als eine fortan wenigſtens nicht mehr unmögliche Aufgabe übrig ließ. Für Pompejus war übrigens dieſer Hergang in der That zutzleich eine unverkennbare gerechte Strafe ſeines unbeugſamen Hoch⸗ mutßes, mit welchem er jede von Cäſar verſuchte verſöhnliche Annäherung zum Voraus hartnäckig zurückgewieſen hatte. uuigt ffe Wee 50 etbt Chri Ruh rn il het N e dem the⸗ f hitkr zur G Whoin Wet Whe Ueni A0 Mll W dilkt I1 G5 349 §. 974d. Caesar bell. civil. III, 103. 104. Prideaux Connex. ann. 48. Um dieſe nämliche Zeit war auch im egyptiſchen Reiche ein Krieg ausgebrochen, indem der 13jährige Ptolemäus XII. Dionyſus auf An⸗ ſtiften ſeiner beiden Hofbeamten, ſeines Hausmeiſters Photinus und des Kriegsoberbefehlshabers Achillas ſeine mehrere Jahre ältere Schweſter und Mitregentin Cleopatra mehrere Monate zuvor aus der Regierung verdrängt, dieſe letztere in Folge deſſen daher die Flucht ergriffen und in Syrien ein Heer angeworben hatte, mit welchem ſie in der Abſicht, ihre Rechte mit Waffengewalt geltend zu machen, gerade in dieſem Augenblicke ihrem Bruder feindlich entgegenrückte. Während nun die beiden Heere in der Nähe von Peluſium nicht weit vom Meerufer einander bereits gegenüber gelagert waren, näherte ſich zufällig der flüchtige Pompejus mit einer kleinen Flotte dem Lande, und ſendete, in der Hoffnung, bei dem jungen Könige Ptolemäus, deſſen Vater Auletes er ſeiner Zeit wich⸗ tige Dienſte geleiſtet hatte, nunmehr aus Dankbarkeit Schutz und Hilfe zu finden, Botſchaft an denſelben, durch welche er ihn um Aufnahme bitten ließ. Die Frage wurde jedoch nicht ſowohl dem jungen Könige zur Entſcheidung vorgelegt, als vielmehr nur von ſeinen Hofbeamten Photinus und Achillas, welche zugleich den den König unterrichtenden rhetoriſchen Lehrmeiſter Theodotus zu Rathe zogen, verhandelt, auf deſſen Letzteren Einſchlag ſie zu dem Entſchluſſe kamen, Pompejus durch einen verrätheriſchen Handſtreich bei dieſer Gelegenheit gewaltſam aus dem Wege zu räumen. Dieſer Plan kam in der Weiſe zur Ausführung, daß Achillas ſelber in Begleitung eines in egyptiſchem Dienſte ſtehenden römiſchen Feldhauptmanns mit Namen Septimius ihn unter dem Scheine einer ehrenvollen Abholung auf ein kleines Boot lockten, worauf ſie ihn im Angeſichte ſeiner eigenen Flotte während der kurzen Ueberfahrt vom Schiffe bis an den Strand meuchleriſch überfielen und unbarmherzig um das Leben brachten. Pompejus, deſſen merkwürdig tragiſches Lebensende der Paragraph erzählt, wird in der Geſchichte gemeiniglich der Große genannt, und ver⸗ dient dieſen Namen in der That von wegen der eminenten Intelligenz ſeines Geiſtes und der energiſchen Beherrſchung niederer Leidenſchaften, welche wir an ſeinem Charakter zu bewundern Gelegenheit haben. Nichts deſto weniger litt er indeſſen zugleich an dem ſittlichen Fehler eines leiden⸗ ſchaftlich unerſättlichen egoiſtiſchen Hochmuthes, hinſichtlich deſſen wir Cäſar'n den Umſtand, daß derſelbe ihn nicht zu ertragen vermochte, in der That nicht übel nehmen können. In einem vepublikaniſchen Staatshaushalte, wie der damalige römiſche, hatte jeder Bürger das Recht, für ſein per⸗ ſönliches Verdienſt eine gleichmäßige öffentliche Anerkennung zu bean⸗ ſpruchen, ein Recht, deſſen Anerkennung Cäſar ſomit auch von Pom⸗ pejus fordern durfte, ohne welches Pompejus ſeiner Zeit ja ebenſo wenig hätte aufkommen können. Würde man Pompejus mit der allenfalls denkbaren Annahme rechtfertigen wollen, als ſeien die Zeiten in Rom im damaligen Augenblicke bereits ſo weit gekommen geweſen, daß er zu ſeiner eigenen Behauptung in ſeinem rechtmäßig erworbenen politiſchen Einfluſſe einen ſo gefährlichen Rivalen, wie Cäſar, nicht neben ſich habe dulden dürfen, ſo halten wir dieß zwar ſchon an und für ſich für einen äußerſt ſchlechten macchiavelliſtiſchen Grundſatz, der von vorn⸗ herein einer eigentlichen Beantwortung gar nicht einmal würdig iſt. Nichts deſto weniger antworten wir: in einer wohlgeordneten Republik muß ein guter Bürger um des allgemeinen Beſten willen und namentlich zur Erhaltung des Friedens im Notifalle ſelbſt einen Theil ſeines rechtmäßig erworbenen politiſchen Einfluſſes gutwillig können zum Opfer bringen, und wer dieß nicht thun will, nun denn, dem geſchieht es ganz recht,— das halten wir wenigſtens unmaßgeblich für die geſchichtliche Lehre, welche auch die göttliche Vorſehung bei dieſer Gelegenheit hat geben wollen,— dem geſchieht, ſagen wir, ganz recht, wenn es ihm ebenſo ergeht, als wie es Pompejus dem Großen ergangen iſt, welcher über dem eiferſüch⸗ tigen Beſtreben nach Erhaltung ſeines politiſchen Einfluſſes nicht allein dieſen, ſondern zugleich damit auch Leben und Freiheit noch dazu ver⸗ lieren mußte, welche, wofern er ſich mit Cäſar auf gutwillige Vergleichs⸗ unterhandlungen eingelaſſen hätte, von demſelben ihm wahrhaftig nicht angetaſtet worden wären.— Nachdem Pompejus meuchelmörderiſcher Weiſe um das Leben gebracht worden, wurde dem Leichnam obendrein der Kopf abgeſchlagen, der Rumpf aber ohne Weiteres auf den Strand geworfen, woſelbſt ein zufällig anweſender alter freigelaſſener römiſcher Selave des Pompejus denſelben kümmerlich verſcharrte, und aus zer⸗ brochenen Stücken eines alten Bootes, das am Ufer zerfallen lag, ein kleines Monument über ihm aufrichtete. Der abgehauene Kopf wurde Cäſar bei Ueberbringung der erſten Nachricht vorgezeigt, ein Anblick, den der ſiegreiche Feldherr jedoch nicht unerſchütterten Gleichmuthes ertragen konnte, ſondern mit unwillkührlichem Abſcheu unter Thränen ſich abwen⸗ dend das Haupt des Pompejus baldigſt und zwar auf die möglichſt ehrenvolle Weiſe zu beerdigen Befehl ertheilte.(Vergl. Prideaux a. a. O.) §. 975. Caesar bell. civile III, 106— 108. Prideaux Connex. ann. 48. Der mit Pompejus' tragiſchem Lebensende der Hauptſache nach für Cäſar ſoeben glücklich beendigte Bürgerkrieg verwickelte denſelben unmittel⸗ bar darauf in einen zweiten eigentlich noch weit gefährlicheren, indem er mit nur 3200 Mann zu Fuß und 800 Reitern, die er zu Pompejus“ Verfolgung in der Eile von Rhodus aus auf 10 Schiffen mit ſich ge⸗ nommen, zu einer Zeit in Alexandria anlangte, zu welcher der in den Hundstagen regelmäßig blaſende Nordwind den Auslauf ſeiner Flotte ver⸗ hinderte, ſo daß er auch nach empfangener Nachricht von Pompejus' Tode ſſh K Auffe lthtt Ifin lh tt dilott Rer lulch machtt ftnhek, Nfnni aunant du E Mgl gegeher ſchiebs ſillich mitent 5 ffh ucalt Mudt Mlle, Wniſ Hurbe. 351 ſich demungeachtet unter der gegenwärtig im Lande gährenden politiſchen Aufregung zu einem unfreiwilligen längeren Aufenthalt in Egypten ge⸗ nöthigt ſah. Cäſar fürchtete ſich jedoch nicht, trotz der mißlichen Zeit⸗ umſtände weder eine von Seiten des verlebten Königs Auletes an ihn noch reſtirende Schuld von 5000 Talenten gerade in dieſem Augenblicke einzutreiben, noch die Schlichtung des obſchwebenden Thronſtreites bei dieſer Gelegenheit förmlich in die Hand zu nehmen, wozu er ſich auch durch den doppelten Umſtand, daß die Vollſtreckung des von Auletes ge⸗ machten königlichen Teſtamentes einerſeits ausdrücklich den Römern über⸗ tragen, Cäſar aber anderſeits auf die Nachricht von der Schlacht bei Pharſalus in ſeiner Abweſenheit in Rom zum lebenslänglichen Dictator ernannt worden war, ſich bedingter Weiſe ſogar ausdrücklich berufen fühlte. Der Stolz der egyptiſchen Hofbeamten ließ es jedoch nicht zu, daß der jugendliche Ptolemäus, welcher ſich ihrem leitenden Einfluſſe völlig hin⸗ gegeben, auf Cäſar's Forderung ſein Heer entlaſſen, und ſich vor Cäſar's ſchiedsrichterlichem Tribunale, um den Streit in Güte auszumachen, per⸗ ſönlich geſtellt hätte; anſtatt deſſen die Sache der beiderſeitigen Kron⸗ prätendenten nur in ihrer Abweſenheit durch Advocaten vertreten wurde, bis endlich, nachdem Cleopatra, die nach dem Wortlaute des Teſtamentes durchaus in ihrem Rechte gekränkte Königstochter perſönlich zu Cäſar ihre Zuflucht genommen, und ſich gleichſam demſelben förmlich ausgeliefert hatte, der über dieß Ereigniß wuthentbrannte königliche Prinz von den römiſchen Soldaten ergriffen und ebenfalls in Cäſar's Gewalt gebracht wurde. Angeblich zu dem Zwecke, um in Cäſar's Gegenwart ihre Streitſache deſto zweckmäßiger in eigener Perſon führen zu können, bat Cleopatra den römiſchen Feldherrn insgeheim um Erlaubniß, ihm einen perſönlichen Beſuch abſtatten zu dürfen, auf deren erhaltene Ertheilung ſie mit einer durchaus unwürdigen Herablaſſung ihrer ſelbſt ſich in einen Waarenballen einbinden, und auf dieſe Weiſe als Frachtgut auf einem kleinen Laſt⸗ ſchiffe gegen Abends in den Hafen von Alexandria einführen ließ. Hier glücklich angekommen nahm der mitreiſende Diener den beſagten Waaren⸗ ballen auf die Schulter und legte ihn vor Cäſar's Füßen nieder, der ſodann nach ſeiner Eröffnung ſich mit eigenen Augen von ſeinem Inhalte zu überzeugen Gelegenheit hatte. Trotz dieſer niedrigen Buhlerei, welche ungeachtet ihrer ſinnreichen Ausführung einer retzierenden Königin natür⸗ licher Weiſe nur in einem deſto ſchimpflicheren Grade zur Laſt fällt, mangelte Cäſar'n die perſönliche Selbſtbeherrſchung, ſich der Gelegenheit zur Einerntung eines ihm ſo auffallend wohlfeil dargebotenen rohen Sinnengenuſſes— denn mehr war es nicht, was ihm dargeboten wurde— aus edlerem Antriebe gutwillig enthalten zu wollen.— Vergl. zur Landung Cäſar's in Alexandria die Weisſagung des Propheten Zacharias§. 648. §. 976. Caesar bell. civil. II, 109— 112. Prideaux Connex. ann. 48. Trotzdem, daß Cäſar die allerdings zudringliche Vertraulichkeit Cleo⸗ patra's gleich anfangs auf unerlaubte Weiſe mißbraucht hatte, hielt er es nichts deſto weniger für ſeine Pflicht, das einmal übernommene ſchieds⸗ richterliche Amt ſo gerecht und billig als möglich zu Ende zu führen. Deßwegen hielt er, nachdem er ſich eines über dieſer Gewaltmaßregel ausgebrochenen Aufſtandes glücklich erwehrt hatte, eine öffentliche Volks⸗ verſammlung, in welcher er zwiſchen beiden königlichen Thronerben in der Mitte ſtehend das Teſtament des verlebten Königs öffentlich vorlas, und dadurch, daß er beide Geſchwiſter untereinander verſöhnt, fortan über Egypten als König und Königin einſetzte, auch förmlich zur Ausführung brachte; wozu hinzukommend er an dem nämlichen Tage zugleich Ptole⸗ mäus den Jüngeren und Arſinoe, die beiden kleineren Geſchwiſter, über die bereits ſeit mehreren Jahren confiscirte Inſel Cypern aus didaktori⸗ ſcher Freigebigkeit nachträglich als königliche Gebieter wieder einſetzte. Jedermann wäre mit dieſer Entſcheidung zufrieden geweſen, wenn nicht Photinus, welcher an Cleopatra's Zurückſetzung die Hauptſchuld ge⸗ tragen, von ihrer Wiederherſtellung in die königliche Gewalt das Aergſte für ſich befürchtet hätte, weßwegen er durch geheime Botſchaft den Feld⸗ herrn Achillas veranlaßte, mit ſeinem 20,000 Mann ſtarken Heere plötz⸗ lich gegen Alexandria aufzubrechen, durch welchen unvermutheten Ueberfall Cäſar große Mühe hatte, ſich in einem glücklicher Weiſe dem Hafen benachbarten Stadttheile von Alexandria in der Art zu behaupten, daß er zugleich ſeine Flotte vertheidigen und ſich gegen weitere Ueberfälle nachdrücklich verſchanzen konnte. Photinus jedoch, der Anſtifter dieſes Verrathes, wurde bald darauf als ſolcher von Cäſar entdeckt, und auf ſeinen Befehl hingerichtet. Ebenſo fand auch Achillas, zu welchem in⸗ deſſen die jüngere Schweſter der Cleopatra, mit Namen Arſinoe, in der Hoffnung eines baldigen ſiegreichen Erfolges ihre Zuflucht genommen hatte, durch die verrätheriſche Anklage eines anderen Hofbeamten mit Namen Ganymedes, welcher aus Eiferſucht nach dem Oberbefehle trachtete, ſeinen unerwarteten baldigen Untergang. Cäſar war von Achillas zu Land und zur See zugleich angegzriffen worden, in welchem letzteren innerhalb des Hafens ſelber gelleferten Kampfe erſterer das Glück hatte, die egyptiſche Flotte in Brand zu ſtecken. Daß dieß ihm durch Verrätherei des Achillas erſt möglich geworden, ſoll die Anklage geweſen ſein, mittelſt welcher Ganymedes den Sturz ſeines Rivalen durchſetzte. Der im Hafen ausgekommene Schiffsbrand 0C alf die Weahe W11 anhen ten 9 Pelaſf Diſ nilih glubte Uſe gleſt Juher burte lihet Wlet Hchris hie alkt R K fer tth Eu0 N heſſen Ur, fii ſihe 353 ergriff in ſeinem weiteren Verlaufe auch die benachbarten Häuſer der Stadt, wobei ein großer Theil der berühmten Alexandriniſchen Bibliothek zufällig zugleich durch Feuer vernichtet wurde. CCIX. Der Hoheprieſter Hyreanus II. Fortſetzung.) Antipater, jüdiſcher Reichsverweſer. §. 977. Joseph. Antidd. XIV, 14. 15. 17. bell. Judaic. I. 7. contra Apion. lih. II. Prideaux Connex. ann. 48. 47. Unter den verſchiedenen Verſtärkungen, welche Cäſar, um ſich dieſes auf die Dauer für ihn immer gefährlicher werdenden Krieges zu erwehren, unterdeſſen beſtellt hatte, war ein gewiſſer Cäſar ergebener Mithridates von Pergamus ſo glücklich geweſen, mit einem in Cilicien und Syrien angeworbenen Heere längs der Meeresküſte bis an die Grenze von Egyp⸗ ten vorzudringen; da er aber zu ſchwach war, die befeſtigte Seeſtadt Peluſium zu erobern, an ſeinem weiteren Fortſchritt aufgehalten worden. Dieſe zweckmäßige Gelegenheit, um nach Pompejus' Fall ſo ſchleunig als möglich ſich bei dem neuen römiſchen Machthaber in Gunſt zu ſetzen, glaubte der ebenſo unternehmende als ſchlaue Antipater nicht außer Acht laſſen zu dürfen, weßwegen er, nachdem er ſich von Seiten des Hohen⸗ prieſters Hyrcanus geeignete Sendſchreiben an die in Egypten anſäſſigen Juden ausgewirkt hatte, keine Zeit verlor, nicht allein bei den benach⸗ barten Arabern insbeſondere, ſowie auch bei anderen Nachbarn anſehn⸗ liche weitere Verſtärkungen für dieſen Feldzug anzuwerben, ſondern auch unter voller Einwilligung des jüdiſchen Hohenprieſters ſich mit 3000 Mann hebräiſcher Truppen perſönlich an Mithridates anzuſchließen. Bei dem hierauf glücklich unternammenen zweiten Angriff auf Peluſium ſoll Anti⸗ pater ſich durch bewunderungswürdige Tapferkeit ausgezeichnet, und er die erſte Lücke in die Mauer der Stadt zuwege gebracht haben. Von hier aus bewog er die dem weiteren Vordringen des ſyriſchen Hilfsheeres anfangs ſich widerſetzenden egyptiſchen Juden durch die mitgebrachten Sendſchreiben, ſich anſtatt deſſen dem unternommenen Zuge ebenfalls mit anzuſchließen, und zuletzt gelang es ihm, nach Erkämpfung eines Sieges, deſſen günſtige Entſcheidung wiederum hauptſächlich Antipater's Verdienſt war, indem er, nachdem Mithridates auf dem rechten Flügel bereits ge⸗ ſchlagen war, mit dem linken die Schlachtreihe wieder herſtellte, auch ſeine endliche Verbindung mit Cäſar glücklich zu bewerkſtelligen. Eine Krafft, heil. Geſchichte. II. 23 im Anfange des darauffolgenden Jahres 4053 zwiſchen Ptolemäus XII. Dionyſus(welcher, indeſſen von Cäſar in der Hoffnung auf eine gütliche Beilegung des Streites freiwillig losgelaſſen, anſtatt deſſen zu den Auf⸗ rührern förmlich übergegangen war) und zwiſchen Cäſar am Ufer des Nil erfolgende Hauptſchlacht entſchied den ganzen Krieg, indem der erſtere geſchlagen noch überdieß auf der Flucht im Strome zu ertrinken das Unglück hatte. An ſeiner Stelle wurde ſodann von Cäſar, der ſich des errungenen Sieges nicht weiter zum Nachtheil des egyptiſchen Reiches zu bedienen gerade verſucht fühlte, ſein jüngerer Bruder Plolemäus XIII., ein eilfjähriger Knabe, der letzte egyptiſche König mit Cleopatra gemeinſchaftlich über Egypten zu Regenten eingeſetzt. Nur die im Laufe der Zeit neuer⸗ dings in Cäſar's Gewalt gerathene jüngere Schweſter Arſinoe wurde zur Ausſchmückung ſeines dereinſt in Rom abzuhaltenden Triumphzuges einſt⸗ weilen in Gefangenſchaft aufbewahrt. Den Alexandriniſchen Juden hin⸗ gegen wurden zur Anerkennung ihrer Cäſar bewieſenen Dienſte ihre von Alexander dem Großen ausgeſtellten Privilegien(vergl.§. 748.) neuer⸗ dings von Cäſar gewährleiſtet. §. 978. Joseph. Antiqd. XIV, 15. bell. Judaic. I, 7. S. Prideaux Connex. ann. 47. Nachdem Cäſar den ganzen Winter in Alexandria zugebracht hatte, führte ihn ſein auf die Nachricht von einem unterdeſſen in Kleinaſien mit Pharnaces, dem Sohne des verlebten Mithridates, Königs von Pontus, ausgebrochenen neuen Kriege im April des Jahres 4053 angetretener Abzug von Egypten aus zu Lande über Paläſtina. Bei dieſer Gelegenheit von Anti⸗ pater, deſſen geleiſtete Dienſte Cäſar noch in friſcher Erinnerung vorſchwebten, perſönlich begrüßt, ſcheint erſt ein auf die von Cäſar ihm geſchenkte Gunſt gerichteter rückſichtsloſer Angriff den letzteren zu recht auffallenden Be⸗ weiſen ſeiner warmen Erkenntlichkeit und ſeines auf ihn geſetzten perſön⸗ lichen Vertrauens bewogen zu haben. Es benutzte nämlich auch Anti⸗ gonus, der bisher ſich ziemlich ruhig verhalten habende zweite Sohn des abgeſetzten Hohenprieſters Ariſtobulus II. die gegebene Gelegenheit, um mit Berufung auf die beiden Thatſachen, daß ſein Vater Ariſtobulus um Cäſar's willen von Anhängern des Pompejus vergiftet, und ſein älterer Bruder Alexander von Scipio hingerichtet worden(vergl.§. 9720, bei Cäſar im gegenwärtigen Augenblicke ſeiner perſönlichen Anweſenheit auf Wiedereinſetzung in die, wie er behauptete, ihm allein von Rechts wegen gebührende erbliche Hoheprieſterwürde anzutragen, wogegen er Hyrcanus II. und Antipater als unrechtmäßig eingedrungene Gewalthaber 6 900 lhle Ule face ſeſt fehle helke f ſfal U li Gun Mk Neh el welc ſe lheſt uit K In Ohrie Autüc fdg dgee fn 9r N Iln uf Wagech nißt Wi 0. bug⸗ zu verdächtigen ſuchte, welche das Volk vielfach bedrückten, und in letzterer Zeit nur in der Abſicht, um ſich wegen ihrer bisher bewieſenen Anhäng⸗ lichkeit an Pompejus' Sache in Cäſar's Augen rein zu waſchen, in aller Eile den bewußten Feldzug nach Egypten unternommen hätten. Eine ſolche taktloſe Anſchuldigung abzuwehren konnte aber dem noch obendrein perſönlich anweſenden Antipater keine große Mühe machen, indem er, um ſeine an Cäſar's Sache genommene aufrichtige Theilnahme zu bewahr⸗ heiten, bloß die zahlreichen Wundennarben aufzuzeigen brauchte, welche er im letzten Kriege davongetragen hatte. Zudem machte er Antigonus offenbaren Neid und Undankbarkeit zum Vorwurfe, indem er, anſtatt ſich mit den von Hyrcanus ihm gutwillig überlaſſenen Privateinkünften begnügen zu laſſen, den Geber zu verdächtigen ſich bemühe, während er doch als Sohn und Bruder zweier notoriſcher Unruheſtifter zufrieden ſein dürfte, nur am Leben und in Freiheit gelaſſen zu werden. Durch dieſe gegebene Rechtfertigung durchaus gewonnen beſtätigte Cäſar die Linie des Hyrcanus bei dieſer Gelegenheit in dem Rechte der hohenprieſterlichen Erbfolge, mit welcher er obendrein auch die fürſtliche Landesherrlichkeit in der Art, wie ſie vor der Verfaſſungsänderung durch Gabinius beſtanden, neuerdings hergeſtellt wieder in Verbindung brachte, doch ſo, daß Antipater, zugleich mit dem römiſchen Bürgerrechte beſchenkt, unter Hyreanus' Oberaufſicht zum Procurator über Judäa erhoben wurde. §. 979. Joseph. Antiqdd. XIV, 16. 17 im Anf. bell. Judaic. I, 8. Prideaux Connex. ann. 47. Antipater begleitete hierauf den römiſchen Machthaber, welcher über Syrien einen Verwandten mit Namen Sextus Cäſar als Landpfleger zurückließ, auf ſeinem Feldzuge in Kleinaſien, nach deſſen glücklicher Be⸗ endigung er ſich von ihm verabſchiedend in ganz Judäa die von Cäſar angeordnete neue Organiſation in das Werk ſetzte, zu welchem Endzwecke er außer ſeiner ihm eigenthümlichen energiſchen Rührigkeit es auch an der Anwendung ſonſtiger Ueberredungsmittel nicht fehlen ließ, indem er allen jenen Landeseinwohnern, welche ſich allenfalls aus eigennütziger Privatſpeculation zur Betheiligung an neuen politiſchen Ruheſtörungs⸗ verſuchen verleiten hätten laſſen können zum Voraus zu bedenken gab, daß der gegenwärtige römiſche Gewaltherrſcher eine obendrein ſo zweck⸗ mäßig angeordnete Regierung, als die nunmehr von ihm ſelber in Judäa gegründete, auf keine Weiſe fallen laſſen würde, in Folge deſſen ſie, wäh⸗ rend bereitwillige Unterthänigkeit ihnen Ruhe und Wohlſtand ſichere, durch Widerſetzlichkeit das ihnen einmal aufgeladene Joch der Abhängig⸗ 23* keit ſich ſelber auf eine nur immer drückendere Weiſe erſchweren würden. Von ſeinen vier Söhnen Phaſael, Herodes, Joſephus und Pheroras, welche Antipater mit Cyprus, einer vornehmen Araberin, als Gemahlin erzeugt hatte, ſtellte er damals die beiden älteſten, Phaſael über Judäa, Herodes aber, den nachmaligen König der Juden, der unter dem Bei⸗ namen der Große noch die Geburt Jeſu erlebte, über Galiläa zu Regie⸗ rungsbevollmächtigten auf. §. 980. Josephus Antidd. XIV, 17. bell. Judaic. I, 8. Prideaux Gonnex, ann. 47. Herodes, welcher trotz ſeiner Jugend(er war damals ohngefähr 20 Jahre alt) bereits in vollem Maße den Geiſt und die Entſchloſſenheit ſeines Vaters Antipater geerbt zu haben ſchien, zeichnete ſich ſogleich zum Antritte ſeiner Verwaltung dadurch namhaft aus, daß er einen gewiſſen Ezechias, einen geborenen Juden und Anführer einer gefährlichen in Libanon hauſenden Räuberbande mitſammt ſeinen zahlreichen Spießgeſellen aufzugreifen ſo glücklich war, welche er allſofort ſtehenden Fußes durch das Schwert auch zum Tode befördern ließ. Dieſe Handlung machte ihn nicht allein bei den Syrern, welche von Ezechias“ Räubereien am meiſten zu leiden gehabt hatten, ausnehmend beliebt, ſondern empfahl ihn auch in Sertus Cäſar's des ſyriſchen Landpflegers perſönliche Gunſt, und erwarb ihm, als ritterliche Handlung von der einen Seite betrachtet, überhaupt ſo viele Anerkennung, daß dadurch mittelbar, wie Joſephus behauptet, auch Antipater's Anſehen in Judäa merklich gehoben, und ſo⸗ gar ſein älterer Bruder Phaſael dadurch zu einem lobenswerthen Wett⸗ eifer in der guten Behandlung ſeiner Unterthanen mit Herodes entzündet wurde. Gleichwohl hatte Herodes der Form des Geſetzes nach ein nicht unbedeutendes Unrecht darin begangen, daß er über geborne Juden, mochte das von ihnen getriebene Handwerk ſo ſtrafbar ſein als es auch immer wollte, Standrecht geübt, und dieſelben nicht vorher, wie er doch wahrſcheinlich recht wohl gekonnt, dem regelmäßigen Gange des Gerichtes über Leben und Tod, welches dem Hohenrathe zukam, überliefert hatte, weßwegen er nun auf der anderen Seite von einer Anzahl geborner Juden, welche auch aus anderen Urſachen, namentlich aus Eiferſucht mit dem ſteigenden Glücke der Herodianiſchen Familie unzufrieden waren, bei Hyrcanus II. mit heftiger Bitterkeit ausdrücklich verklagt, und dieſer durch die beſtändig zunehmenden Klagen derſelben, in welche auch die Genug⸗ thuung fordernden Mütter der mit Ezechias hingerichteten Räuber eben⸗ falls mit einſtimmten, endlich zu einer Vorladung Herodes vor den Hohen⸗ liche ihn, Wun Jel. in fch Woah f90 Gum Danſ ul, 00 Aub reke Gelt lathg iö1 U WI u den. flhe f ſitg 1 2 357 rath, um ſich der begangenen Geſetzesübertretung halber zu verantworten, halb und halb genöthigt wurde. Herodes erſchien, aber in einem beinahe königlichen Schmucke und an der Spitze einer imponirenden bewaffneten Bedeckung, zahlreich genug, um ihn gegen Gewaltthätigkeit zu ſchützen, wenn auch nicht groß genug, um Hyrcanus einen gerechten Argwohn gegen ſeine ſtaatsrechtlichen Abſichten einzuflößen. Ueberdieß war er von Seite Sextus Cäſar's mit einem förmlichen Empfehlungsſchreiben an den Hohen⸗ prieſter Hyrcanus ausgerüſtet, in welchem derſelbe um die Gefälligkeit, Herodes von der Anklage auf Todſchlag freiſprechen zu laſſen, ausdrück⸗ lich und ernſtlich von dem ſyriſchen Landpfleger gebeten wurde. K. 981. Josephus Antigd. XIV, 17. bell. Judaic. I, 8. Prideaux Connex. ann, 47. Hyrcanus, welcher ſeiner eigentlichen Herzensneigung nach den jugend⸗ lichen Herodes ſelber liebte und begünſtigte, war leicht dazu zu bringen, ihm, nachdem er der Form Genüge geleiſtet, für ſeine Perſon wenigſtens von vornherein vollkommen zu verzeihen, nicht aber ebenſo auch die übri⸗ gen Mitglieder des Hohenrathes, welche demſelben zum Voraus vielmehr ungünſtig geſtimmt, bei ſeiner perſönlichen Erſcheinung in dieſem Aufzuge jedoch nichts deſto weniger den Mund nicht zu öffnen wagten. Aus dieſer peinlichen Demüthigung entriß die Hoherathsverſammlung einer der Bei⸗ ſitzenden, der wegen ſeiner Gerechtigkeitsliebe angeſehene Schriftgelehrte Sameas(hebräiſch Schammai), welcher von einigen mit dem bei der Darſtellung Jeſu im Tempel erwähnten Simeon dem Gerechten(ok. Ev. Lue. 3, 25— 35) für Eine Perſon gehalten wird, indem er ſeine Colle⸗ gen und den anweſenden fürſtlichen Hohenprieſter mit aller freimüthigen Unbefangenheit aufmerkſam machte, daß ſie bei einem derartigen Auf⸗ treten des klagbar Vorgeladenen vergeblich ihr richterliches Anſehen zur Geltung zu bringen verſuchen würden, indem ſie im Falle einer etwaigen nothgedrungenen Verurtheilung anſtatt des Schuldigen vielmehr ſelber ihre unparteiiſche Gewiſſenhaftigkeit mit dem Tode zu büßen zu bekommen befürchten müßten. Dieſe mißliche Beſchränkung ihrer amtswirklichen Unabhängigkeit machte er inzwiſchen nicht ſo ſehr Herodes, als vielmehr dem Hohenprieſter und denjenigen übrigen Mitgliedern des Hohenrathes ſelber zum empfindlichen Vorwurf, welche dem kecken Jüngling zur Er⸗ langung eines ſo gefährlichen politiſch übermächtigen Einfluſſes verholfen hätten, hinſichtlich deſſen er ihnen zum Voraus prophezeite, daß ihn Hero⸗ des unter Gottes Zulaſſung zum Danke für die gegenwärtig ihm gewährte nothgedrungene Freilaſſung einmal zu ihrem eigenen Untergange miß⸗ brauchen werde. §. 982. Josephus Antidd. XIV, 17. bell. Judaic. I, S. Prideaux Connexion. ann. 47. 46. Dieſe zeitgemäßen Worte des gerechten Sameas bewirkten, daß auch die übrigen Beiſitzer des Hohenrathes Muth bekamen, ihre Meinung aus⸗ zuſprechen, ſo daß vorauszuſehen war, daß, eben in der Abſicht, um ſich gegen eine ſpätere undankbare Rache von Seite Herodes' rechtzeitig ſicher zu ſtellen, über den Beklagten bei dieſer Gelegenheit nach aller Strenge des Geſetzes das Urtheil würde geſprochen werden. Durch eben dieſe Wahrnehmung fühlte ſich aber Hyrcanus veranlaßt, die Fortſetzung der gegenwärtigen Hohenrathsſitzung auf den nächſtfolgenden Tag anzube⸗ raumen, und gab in der dazwiſchen verlaufenden Nacht dem Angeklagten ſelber den Einſchlag, ſich durch die Flucht aus dem Staube zu machen. Herodes, auf dieſe Weiſe unverurtheilt, gab, nachdem er zu Sextus Cäſar nach Damascus entronnen, nicht allein öffentlich zu verſtehen, einer wie⸗ derholten perſönlichen Vorladung des Hohenrathes keine weitere Folge mehr leiſten zu wollen, ſondern traf, nachdem er im nächſtfolgenden Jahre 4054 anſtatt ſeiner wahrſcheinlich nunmehr verlorenen Verwaltung von Galiläa ſich durch Beſtechung die römiſche Verwaltung der Provinz Cölo⸗ ſyrien erkauft hatte, offene Anſtalt, um ſich für die im Hohenrathe gegen ihn genährte mißgünſtige Stimmung durch eine förmliche Bekriegung des gegenwärtigen Hohenprieſters Hyrcanus, der doch eigentlich nur ſein Gönner und Wohlthäter, empfindlich zu rächen, ein rückſichtslos undank⸗ bares Unternehmen, von deſſen Ausführung er ſich jedoch durch das Zu⸗ reden ſeines eigenen Vaters Antipater und ſeines Bruders Phaſael güt⸗ lich wieder abbringen, und mit ſeinem bereits auf dem Marſche nach Jeruſalem befindlichen Heere wieder zum Rückzuge bewegen ließ. Wäre Herodes für die erwähnte ungeſetzliche Handlung zum Tode verurtheilt worden, ſo würde die Ausführung dieſes Urtheils wenigſtens in Anbetracht der weſentlichen Dienſte, welche der Beklagte bei dieſer Gelegen⸗ heit dem allgemeinen Beſten geleiſtet, allerdings wohl unbillig und er auf jeden Fall einer vollkommenen Begnadigung würdig geweſen ſein. Inſofern kann durch die auf Seite des Hohenrathes offenbar obwaltende perſönliche Animoſität ſowohl das rückſichtsloſe Gegenbenehmen des jugend⸗ lichen Herodes, als das charakterloſe Schwanken des allmälig alternden Hyrcanus bis auf einen gewiſſen Grad Entſchuldigung finden. Ueberdieß erzählt Joſephus in der Stelle bell. Judaic. 1, 8. zu Herodes' Ent⸗ ſchuldigung, es ſei derſelbe mit der ihm wohlmeinenden Abſicht des Hohen⸗ prieſters unbekannt geblieben, woraus wir ſchließen, er müſſe, bevor ihm le I Eht f Uath In Rf c Pr ſtet Mald ¹ ſt Ihn W Un eh Gi⸗ e Wht J Ult fch0 Nat ſnh dun I l ö 80h 359 noch Hyrcanus' betreffende vertraute Botſchaft ausgerichtet werden konnte, bereits aus eigenem Antriebe auf der Flucht befindlich geweſen ſein. §. 983. Joseph. Antiqd. XIV, 16. 17. bell. Judaic. I, 8. Prideaux Connex. ann. 46— A. In dem gleichen Jahre 4054 erregte, während Cäſar in Afrika die letzten Reſte der Pompejaniſchen Partei unter Scipio und Cato nieder⸗ zukämpfen beſchäftigt war, der Pompejaner Cäcilius Baſſus auch in Syrien erneuerte Unruhen, indem er mit einem unter anderem Vorwande angeworbenen Heere Sextus Cäſar bekriegend, denſelben durch Meuchel⸗ mord aus dem Wege räumte. Auch diefe Gelegenheit ergriff Antipater, um durch Abſendung eines von ſeinen beiden Söhnen befehligten jüdiſchen Hilfsheeres, welches ſich mit Antiſtius Vetus, dem Feldherrn der Cäſari⸗ niſchen Truppen vereinigte, ſeine unerſchütterliche Anhänglichkeit an Cäſar's Partei neuerdings unzweideutig zu beurkunden. Trotzdem waren ſie nicht ſtark genug, um Cäcilius Baſſus aus der befeſtigten Stadt Apamia, in welche er ſich geworfen, wieder herauszutreiben. Selbſt eine Verſtärkung von drei neuen römiſchen Legionen, welche der von Cäſar neuernannte ſyriſche Landpfleger Statius Marcus oder Murcus im darauffolgenden Jahre 4055 mitbrachte, gab dem Kriege keine günſtige Entſcheidung, indem zwei von Baſſus zu Hilfe gerufene fremde Kriegsheere, ein arabiſches und ein parthiſches vielmehr die Römer nöthigten, die Belagerung gutwillig wieder aufzuheben. Im nächſt darauffolgenden Jahre 4056, in welchem Cäſar ſein fünftes Conſulat antrat, rüſtete ſich derſelbe in eigener Perſon, angeblich um den Tod des Craſſus an den Parthern zu rächen, zu einem nochmaligen Feldzuge in den Orient, bei welcher Gelegenheit er ohne Zweifel auch Cäcilius Baſſus endlich einmal zu überwältigen rechnete, wurde aber während ſeiner Rüſtungen den 15. März des Jahres unver⸗ ſehens von Männern einer ihm feindlich entgegentretenden republikaniſchen Partei in Rom, an deren Spitze Brutus und der ſchon öfter erwähnte Caſſius ſtanden, meuchelmörderiſch im Senate angefallen und wehrlos ermordet. Kurz vor ſeinem Tode hatte Antipater, der ſich fortwährend bei Cäſar zum Theil durch unredliche und unedle Mittel in Gunſt zu erhalten ge⸗ wußt, unter mehreren anderen Vergünſtigungen von ihm auch die Er⸗ laubniß ausgewirkt, die Mauern der Stadt Jeruſalem wieder herſtellen zu dürfen, ein Plan, zu deſſen Betreibung ihm der von ſeinem eigenen Sohne Herodes jüngſt unternommene Angriff auf die Hauptſtadt unter andern die nächſtliegende Veranlaſſung dürfte gegeben haben. 1) Obwohl Cäſar's directe Berührung mit dem Volke der Juden nicht ſo genau war, daß man von ihm ſagen könnte, er habe, außerdem daß er die von Pompejus eingeführten beſchränkenden politiſchen Maß⸗ regeln theilweiſe wieder aufhob, auf das innere Schickſal Paläſtinas einen weſentlich bedeutenden inneren Einfluß ausgeübt, wogegen man mit weit größerem Rechte im Gegentheile behaupten könnte, daß das Volk der Juden durch ſeine unter Antipater dem römiſchen Diktator im Alexan⸗ driniſchen Kriege geleiſtete Hilfe, vielmehr zur Entſcheidung von Cäſar's perſönlichem Schickfale, und im Zuſammenhange damit auch zur endlichen Regelung ſämmtlicher mit Cäſar's Perſon zuſammenhängenden welthiſto⸗ riſchen fraglichen Intereſſen einen weſentlich mitwirkenden Beitrag geliefert habe, ſo bleibt nichts deſto weniger die ganze geſchichtliche Erſcheinung Cäſar's auch für die heilige Geſchichte in ihrer weiteren indirecten Be⸗ deutung ein viel zu wichtiger Gegenſtand, als daß wir es bei Gelegenheit ſeines tragiſch heroiſchen Lebensendes verantworten zu können glaubten, einen auch noch ſo mangelhaften Verſuch zur Charakteriſtik dieſes in ſeiner Art einzigen Mannes trotz der natürlichen Schwierigkeiten, mit welchen dieſelbe verbunden ſein mag, unterlaſſen zu wollen. Cajus Julius Cäſar iſt nach unſerem unmaßgeblichen Dafürhalten ein für die ganze Weltgeſchichte überhaupt, und zwar nicht bloß von Adam bis auf unſere Zeit, ſondern vorausſichtlich auch von heute an bis an den jüng⸗ ſten Tag unermeßlich denkwürdiger Menſch, und nur der Umſtand, daß er dieß wirklich, iſt, wenn wir nicht irren, gerade die pſychologiſche Ur⸗ ſache, derentwegen mittelſt einer Art optiſcher Täuſchung unſerer geiſtigen Sehkraft uns ſeine für die Profangeſchichte ſo unendlich wichtige Be⸗ deutung leicht zu entgehen pflegt. Gerade in die Uebergangsepoche zwiſchen Alterthum und Neuzeit hinein geboren vereinigt er in einer höchſt bedeutungsvollen ſcheinbar zufälligen Verbindung damit ſämmtliche individuellen angeborenen Eigenſchaften, welche ihn in den Stand ſetzen, dieſen welthiſtoriſchen Uebergang des ganzen menſchlichen Geſchlechtes aus dem Jünglings⸗ in das Mannesalter, wenn es uns anders verſtattet iſt, unter dieſem ſchonenden Vergleiche den ganzen damals ſtattgehabten hiſto⸗ riſchen Umſchwungsproceß ſinnbildlich zu veranſchaulichen, ſelber in eigener Perſon thätig zu vermitteln, und auf dieſe Weiſe eine menſchliche Central⸗ perſon darzuſtellen, welcher ſämmtliche Geſchichtsfäden, die die alte und neue Zeit untereinander verbinden, gleichſam durch die Hände laufen. Er ſteht, mit anderen Worten, ſeiner Geburt und Erziehung nach noch ganz auf dem Boden der alten römiſchen Republik, welche im Laufe der Zeit jedoch eine beinahe unnatürliche geographiſche Ausdehnung erlangend, ſämmtliche übrigen Reiche vom Schauplatze der politiſchen Bedeutung ſchon ſo ziemlich allmälig verdrängt hatte, und hinterläßt als Frucht ſeines perſönlichen Auftretens und Wirkens die politiſch bereits ſo gut wie vollkommen reif organiſirte römiſche Univerfalmonarchie, das von ſeinem zufälligen Familiennamen Cäſar ſo benannte römiſche Kaiſer⸗ thum, ein ſchöpferiſches Ideal, deſſen Verwirklichung zwar bereits von Nabuchodonoſor, Cyrus und Alexander dem Großen ebenfalls mit theil⸗ weiſe glücklichem Erfolge angeſtrebt, aber in derjenigen Vollendung, als es in dieſer unvollkommenen Welt möglich, wohl erſt von Cäſar und zwar nunmehr dauernd hergeſtellt worden iſt, indem dasſelbe im weiteren 361 Verlaufe der Zeit mittelſt im Ganzen unweſentlicher Modificationen unter Conſtantinus Magnus und Carl dem Großen chriſtlich umgeſtaltet, die leitende Idee bildet, welche auch heute in den beſtehenden europäiſchen und amerikaniſchen chriſtlichen Kaiſerſtaaten nicht allein als bloßer Titel dem Namen nach fortlebt, ſondern auch zum Behufe einer thatſächlich praktiſchen Durchführung noch immer verfolgt wird. Es iſt nämlich die Idee des Schutzes der Civiliſation durch ein aus der Mitte des Volkes in Folge einer entſprechenden Kundgebung der öffentlichen Meinung auf den Thron erhobenes einheitliches Individuum, welches im Beſitz des all⸗ gemeinen Vertrauens, als das anerkannt geiſtig und ſittlich höchſt be⸗ fähigte aus freiem Antriebe des Volkes mit der höchſten Staatsgewalt bekleidet wird. Diejenige Modification, welche die Idee des Kaiſerthums durch Conſtantin und Carl den Großen erfahren hat, iſt, daß der Kaiſer inſonderheit als Schutzherr der wahren Religion im Namen und Intereſſe ſeiner ſämmtlichen chriſtlichen Mitbrüder über die Erhaltung der chriſt⸗ lichen Kirche im unverkümmerten Beſitze ihrer unveräußerlichen Rechte zu wachen, und auf ihre gedeihliche Blüthe bedacht zu ſein verpflichtet erſcheint. Dieſe, von dem mehr patriarchaliſchen Inſtitute des König⸗ thums weſentlich verſchiedene monarchiſche Idee wurzelt ihrem eigentlichen letzten Urſprunge nach in nichts anderem als in Cäſar's unerſchöpflich ſcharfſinnigem Erfindungsgeiſte, obwohl ſie ihm perſönlich vielleicht nie⸗ mals zu einem völlig klaren Bewußtſein gekommen, und er ſelber, nach⸗ dem von ihm zu dieſem unvergleichlichen geiſtigen Rieſenbau kaum erſt das Fundament gelegt worden, ſeinem geſchichtlichen Berufe bereits zum Opfer gefallen iſt. In dem Vergleiche, deſſen wir uns bedient haben, um Cäſar's ge⸗ ſchichtliches Wirken bildlich darzuſtellen, indem wir von ihm ausſagten, daß er den in ſeiner Zeit eintretenden Uebergang des geſammten menſch⸗ lichen Geſchlechts aus dem Jünglings⸗ in das Mannesalter in ſeiner Perſon thätig vermittelt habe, ſehen wir den unmaßgeblichen Schlüſſel zu einer unparteiiſchen ſittlichen Würdigung ſeines ganzen politiſchen Auftretens. Der unverkümmerte Fortbeſtand einer allen Theilnehmern zu Gute kommenden unbeſchränkten republikaniſchen Bürgerfreiheit iſt eben, wenn wir nicht irren, in dieſer Welt eine jugendlich phan⸗ taſtiſche Chimäre, welche von dem Menſchen im fortſchreitenden Verlaufe der inneren Entwicklung feines ſittlichen Selbſtbewußtſeins einmal als ſolche wohl oder übel gutwillig eingeſehen zu werden, und der praktiſch wirklichen Anerkennung eines mehr oder minder monarchiſch geregelten Staatshaushaltes überall da wenigſtens, wo eine pſychologiſche Noth⸗ wendigkeit dazu beſteht, Platz zu machen beſtimmt iſt. Ebenſo entfernt als wir daher ſind, Cäſar auf der einen Seite bloß wegen ſeiner genialen Glückslaufbahn ungebührlich erheben und vergöttern, ebenſo wenig glauben wir ihn auf der anderen Seite als einen Freiheitsmörder ſchonungslos verdammen zu dürfen. Er war eben ein unverkennbares Werkzeug in der Hand der göttlichen Vorſehung, ſowie es Nabuchodonoſor, Cyrus und Alexander der Große bereits vor ihm ebenfalls geweſen waren; und obwohl ſolche Ausnahmsmenſchen deßwegen von der Beobachtung des allgemeinen menſchlichen Sittengeſetzes noch keineswegs entbunden ſind, ſo iſt es doch ſehr ſchwer, über ihr ſittliches Verhalten ein alle Umſtände 362 gleichzeitig billig berückſichtigendes unparteiiſches Urtheil zu fällen. Je weniger es uns ſomit von Cäſar's Charakter, zumal in den Grenzen einer ſo kurzen beiläufigen Unterſuchung einen ausreichend erſchöpfenden klaren Begriff herzuſtellen möglich iſt, ein deſto nachdrücklicherer ſittlich perſönlicher Einfluß Cäſar's auf ſeine ganze nächſte Zeit ſcheint uns indeſſen aus den thatſächlichen Wirkungen hervorzuleuchten, ein Einfluß, welcher ſelbſt durch das verhängnißovolle Dazwiſchentreten ſeiner meuchleriſchen Ermor⸗ dung nur wenig unterbrochen oder geſchwächt wurde. Cäſar hatte, das mußten alle tiefer Blickenden einſehen, wenn auch die Früchte ſeines mit beiſpielloſem Glücke errungenen Sieges nur ſpärlich genoſſen, darum nicht minder wenigſtens ſeinen nächſten perſönlichen Zweck erreicht, und von der erfolgreichen ſchließlichen Bemeiſterung ſittenloſer republikaniſcher Anarchie zu Gunſten einer auf die Nachwelt mit vernünftiger Ueber⸗ legung fortzupflanzenden wohlberechneten monarchiſchen Autokratie das erſte lehrreiche Beiſpiel gegeben. Das heißt mit anderen Worten ſoviel, als eine derjenigen Alexander's des Großen ähnliche neue politiſche Geiſtes⸗ ſchule ſtiften, in welcher jeder, der die erforderlichen Geiſtesfähigkeiten und Willenstraft beſaß, es zu etwas Erklecklichem in der Welt zu bringen ſich mit der Hoffnung ſchmeicheln durfte. Während nun auf der einen Seite dieſe unwillkührliche geiſtige Anregung auf eine in kleinliche Privat⸗ intereſſen nur allzu zerſplitterte Gegenwart einen entſchieden heilſam wohl⸗ thätigen Einfluß ausgeübt haben dürfte, ſo mag dieſer dadurch auf der anderen Seite theilweiſe wieder aufgewogen worden ſein, daß viele, welchen die großen ſittlichen Tugendeigenſchaften Cäſar's, ſeine Sanftmuth nämlich und ſeine Gerechtigkeitsliebe abgingen, den großen Mann, wie es häufig zu gehen pflegt, nur in ſeinen Fehlern, in ſeinem unerſättlichen Ehrgeize und in ſeiner leichtfertigen unſittlichen Genußſucht nachzuahmen ſich befliſſen zeigten. So haben wir unter andern an Antonius das Beiſpiel eines ſeiner Schüler, welchen, obwohl Cäſar kein vorherrſchender Wollüſtling geweſen, doch wohl erſt hauptſächlich Cäſar's Vorgang ver⸗ leitete, ſich zu einer rückhaltslos ungezügelten, alle Rückſichten des per⸗ ſönlichen Ehr⸗ und Schamgefühls mit Füßen tretenden, öffentlich gepflogenen ſchwelgeriſchen Geſchlechtsvertraulichkeit mit Cleopatra her⸗ unterzugeben, die ihm ſpäter nicht allein ſein Glück, ſondern auch alle ſeine noch übrige Ueberlegung und zuletzt ſein Leben koſtete. Ebenſo ſcheint auch der damals eben im lebhafteſten Feuer jugendlicher Einbildungskraft ſtehende Herodes der Große gerade Cäſar's Beiſpiel ſich als Ideal vorgeſteckt, und von dieſem erſt geblendet durch ſeine ungerechte Uſurpation des jüdiſchen Königsthrones ſich ſelber, ſowie zum zweiten Male auch dem ganzen jüdiſchen Volke ſeinen tragiſchen Untergang be⸗ reitet zu haben. Es ſind dieß im Grunde genommen übrigens nur zu⸗ fällig nebenhergehende ſchädliche Wirkungen während im Ganzen und Großen das Bild Cäſar's, mag man in Beziehung auf ſeinen höchſt verwickelten Lebensgang aus was immer für einem Grunde gegen ihn perſönlich empfinden, haben und ausſprechen, was man will, fortwährend nichts deſto weniger als eine hehre Erſcheinung vor unſerer Seele ſteht, deſſen geiſtig gemüthliche Charakterindividualität in ſeinen uns noch er⸗ haltenen ſchriftlichen Aufzeichnungen ſeiner eigenen erfahrenen Lebens⸗ ereigniſſe, ſein körperliches Bild mit unübertrefflich ausdrucksvoller Majeſtät 363 und dennoch zugleich liebenswürdiger Anſpruchsloſigkeit in jener Porträt⸗ ſtatue abgeprägt iſt, welche, wahrſcheinlich die nämliche, die ihm bei Ge⸗ legenheit ſeiner Rückkehr aus dem Orient durch Senatsbeſchluß auf dem Capitolium geſetzt wurde, heute im Hofraume des rechten capitoliniſchen Seitengebäudes noch aufbewahrt ſteht. Wir erblicken, um das über ihn Geſagte noch einmal in wenig Worten zuſammenzufaſſen, vom Stand⸗ punkte der heiligen Geſchichte aus betrachtet, in Cäſar einen nach dem Plane der göttlichen Vorſehung aus dem Schooße des Heidenthums er⸗ wachſenen unmittelbaren natürlichen Vorläufer Jeſus Chriſtus', des menſchgebornen Gottesſohnes ſelber, mit der unverkennbaren Beſtimmung, ähnlich wie König David dereinſt das jüdiſche Volk durch Einführung einer feſten politiſchen Ordnung allmälig dazu vorbereitet hatte, um unter einſtweiliger pünktlicher Beobachtung des moſaiſchen Geſetzes dereinſt atr zu einem tauglichen Werkzeuge für die Ausbreitung der chriſtlichen Reli⸗ Dette gion dienen zu können(vergl. Anmerk. zu§. 307, 1. gegen das Ende), 950 ſo Cäſar, ſämmtliche gebildete Völker der damaligen Welt unter Ein⸗ führung einer einheitlich geordneten ſtrenge geregelten politiſchen Reichs⸗ verwaltung zur Aufnahme der chriſtlichen Religion einſtweilen im Voraus allmälig empfänglich zu machen. 1 2) Obwohl Joſephus in ſeiner von Antipater gegebenen Charakter⸗ tbmr ſchilderung ihn im Ganzen genommen als einen honetten Mann in ‚ Schutz nimmt, ſo gereicht es demſelben doch keineswegs zur Ehre, wenn er Antiqd. XIV, 17. von ihm gelegentlich berichtet, er habe eine gewiſſe bedeutende Geldſumme, hinſichtlich deren er Hyrcanus überredet hakte, ſie bei Gelegenheit der ferneren von Cäſar fortgeführten Kriegsunterneh⸗ mungen dem römiſchen Imperator als freiwillige Beiſteuer zukommen zu laſſen, an dieſen letzteren gleichſam als ein in ſeinem eigenen Namen dargebrachtes Geſchenk überſendet, eine Unredlichkeit, über welche jedoch Hyrcanus ſelber, anſtatt bei der empfangenen Nachricht davon ſich zu erzürnen, vielmehr zu lachen die Schwäche zeigte. CCxX. Der Hoheprieſter Hyreanus II.(Fortſetzung.) Antipater's des jüdiſchen Reichsverwallers Lebensende. §. 984. Joseph. Antiqd. XIV, 18. bell. Judaic. I, 9. Prideaux Connexion ann. 44. Durch Cäſar's Ermordung, deren ſich verbreitende Nachricht jedoch auf den Krieg in Syrien keinen unterbrechenden Einfluß ausübte, ge⸗ riethen die Angelegenheiten des römiſchen Reiches für den Augenblick in eine gräuliche allgemeine Verwirrung, welche mit der Zeit auch auf die bürgerliche Ruhe und Wohlfahrt des jüdiſchen Landes ihre höchſt nach⸗ theilig ſtörende Wirkung nicht verfehlen konnte. Die Verſchworenen, welche in dem aus vorherrſchend bedeutungsloſen Individuen zuſammengeſetzten römiſchen Senatscollegium für den Augenblick entſchieden die Oberhand beſaßen, hatten zwar für die Urheber des begangenen Attentats ſogleich eine öffentliche Amneſtie durchgeſetzt; da jedoch die beiden Conſuln des Jahres, Antonius(der frühere Befehlshaber der Reiterei unter Gabinius in Syrien, vergl.§. 965.) und Dolabella, welcher letztere zwar durch Senatsbeſchluß mit dem Auftrage, Statius Murcus in der ſyriſchen Provinzialverwaltung abzulöſen, ſich ſogleich von Rom entfernte, zwei entſchiedene Anhänger Cäſar's, ſich in Verfolgung ſeiner auf Gründung einer ſouverainen Militärherrſchaft abzielenden Politik ſehr thätig be⸗ wieſen, und obendrein der jugendliche Cajus Octavius, der als Cäſar's nächſter Anverwandte in deſſen Teſtamente eingeſetzte Haupterbe und nach⸗ malige römiſche Kaiſer Auguſtus, bet Gelegenheit ſeines unter dem an⸗ genommenen neuen Namen Cajus Julius Cäſar Octavianus in Rom gehaltenen prächtigen Einzuges das römiſche Volk und den größten Theil des Heeres entſchieden für ſich zu gewinnen ſo glücklich war, ſo war dadurch der Ausbruch eines neuen äußerſt verwickelten allgemeinen Bürger⸗ krieges in unvermeidliche Ausſicht geſtellt, zu deſſen bevorſtehender ernſt⸗ licher Entſcheidung die Häupter der beiden beſtehenden Parteien ſich in den verſchiedenen Provinzen des ausgedehnten Reiches einſtweilen mit Geld und Waffen möglichſt in Bereitſchaft ſetzten. Was Syrien anbe⸗ langt, ſo kam der durch ſeine frühere Thätigkeit unter Craſſus' Ober⸗ befehl in dieſer Gegend noch in gutem Rufe ſtehende Caſſius dem mittler⸗ weile in Kleinaſien beſchäftigten Conſul Dolabella glücklich in der zeitigen Beſitznahme des Landes zuvor, und machte noch in dem gleichen Jahre 4056 der neuerdings wiederholt vorgenommenen Belagerung von Apamea dadurch ein friedliches Ende, daß er die Truppen beider, ſowohl des be⸗ lagerten Baſſus als des belagernden Murcus überredete, mit ihm im Kampfe gegen die Cäſarianer gemeinſchaftliche Sache zu machen. §. 985. Joseph. Antiqd. XIV, 18. bell. Judaic. I, 9. Prideaux Connex. ann. A4. 43. Während im darauffolgenden Jahre 4057 die in Italien nunmehr übermächtigen Häupter der Cäſarianiſchen Partei mit Namen Octavianus, Antonius und Lepidus, angeblich zur geordneten Herſtellung des römiſchen Staatsweſens ein ſogenanntes Triumvirat unter ſich eingegangen hatten, ein Bündniß, unter deſſen Namen ſie vorderhand jedoch ſich nur unter blutiger Verfolgung ihrer Partei- und Privatfeinde auf deren Koſten ſchonungslos zu bereichern ſich geſchäftig zeigten, legte Caſſius, der inzwiſchen durch glück⸗ liche Aufhebung von vier neuen Legionen, welche Cleopatra dem Conſul Dolabella zur Hilfe geſendet, ſein Heer binnen Kurzem auf zwölf Legio⸗ em U, On liht ls En00 Aunm W 0 l ertz Nu i t 365 nen(ungefähr 72,000 Mann) gebracht hatte, der ganzen Provinz zu deren Unterhalt unerhörte Contributionen auf, von denen Judäa allein 700 Talente herbeizuſchaffen behelligt wurde. Bei dieſer Gelegenheit gaben Antipater und ſeine Söhne von ihrer politiſch elaſtiſchen Geſchmel⸗ digkeit einen neuen Beweis, indem namentlich der vorläufig in der Ver⸗ waltung Cöloſyriens belaſſene Herodes dadurch, daß er ſeine ihn betref⸗ fenden 100 Talente zuerſt einlieferte, ſich in Caſſius' Gunſt ausnehmend zu befeſtigen wußte. Da die Aufbringung einer ſo beträchtlichen außer⸗ ordentlichen Abgabe binnen kurzer Zeit noch dazu zu einem den Intereſſen des Landes ſo ferne liegenden Zwecke begreiflicher Weiſe nur auf dem Wege tyranniſcher Erpreſſung möglich war, ſo ſcheinen die Bewohner der übrigen jüdiſchen Landestheile ſich nicht überall rechtzeitig in die un⸗ vermeidliche Nothwendigkeit gefügt zu haben, weßwegen Caſſius die Grau⸗ 4 ſamkeit beging, zur Aufbringung der geforderten Summe die Bewohner W mehrerer jüdiſcher Städte mit Confiscation ihres ſämmtlichen Vermögens in die Selaverei verkaufen zu laſſen. Malichus, einen der von Antipater mit der Einforderung von ebenfalls 100 Talenten beauftragten jüdiſchen Beamten(wahrſcheinlich den nämlichen ſchon§. 965. erwähnten) würde Caſſius ſeiner bewieſenen Saumſeligkeit halber haben hinrichten laſſen, wofern nicht Antipater die betreffende Summe aus ſeinem eigenen Ver⸗ mögen vorgeſtreckt hätte. §. 986. 5 Joseph. Antiqd. XIV, 18. 19. bell. Judaic. I. 9. Prideaux Connex. ann. 43. Durch dieſe wirklich edelmüthige Handlung gerade zog ſich Antipater vermöge einer verborgenen Fügung der göttlichen Vorſehung jene Strafe zu, welche er dadurch, daß er die Freiheit des Landes an die römiſche Herrſchaft verrathen, reichlich verwirkt hatte, indem Malichus in ſchimpf⸗ licher Undankbarkeit für dieſe ihm erzeigte Lebensrettung gerade jetzt erſt, als kurz darauf Caſſius dem Conſul Dolabella, welcher mittlerweile die Stadt Laodicea in Syrien in Beſitz genommen, entgegenzog, unter dem Vorwande, die Rechte des Hohenprieſters Hyreanus gegen Antipater's Uebergriffe zu ſichern, gegen des letzteren Leben geheime Pläne ſchmiedete, und ihn dadurch veranlaßte, jenſeits des Jordans zu ſeiner Sicherheit ausländiſche Truppen in Sold zu nehmen. Seine ſomit durch Antipa⸗ ter's Wachſamkeit für den Augenblick vereitelten Anſchläge waren Statius Murcus, dem von Caſſius aufgeſtellten Befehlshaber eines in Damaseus zurückgelaſſenen Beſatzungsheeres nicht ſobald zur Kenntniß gelangt, als dieſer Malichus ohne Weiteres zum zweiten Male zum Tode verurtheilte, 366 und nichts deſto weniger mußte es demſelben gelingen, durch ſeine unver⸗ ſchämte Keckheit, mit welcher er, ſo lange Phaſael und Herodes in dem Beſitze ihrer gegenwärtigen Gewalt befindlich, auch nur die Möglichkeit eines ſolchen Gedankens bei ſich ableugnete, gerade erſt durch die Fürbitte ſeiner eigenen beiden Söhne Phaſael und Herodes nicht allein mit Anti⸗ pater wieder ausgeſöhnt zu werden, ſondern Antipater mußte obendrein durch ſeine eigene Fürſprache bei Statius Murcus zum zweiten Male ſeinem Feinde das Leben retten. Wahrſcheinlich hatte Malichus unter dieſen Umſtänden ſeinen verbrecheriſchen Gedanken ſelber wieder aufge⸗ geben. Als er aber kurze Zeit darauf erfuhr, daß Herodes inzwiſchen ſo hoch in Caſſius' Gunſt geſtiegen, daß ihm derſelbe in ſeiner Abweſen⸗ heit eine bedeutende Land⸗ und Seemacht anvertraute, zugleich mit dem gegebenen Verſprechen, ihn, im Falle er die Cäſarianer zu beſiegen das Glück hätte, ſogar über JIudäa zum Könige einzuſetzen, da gab es keine weitere Rückſicht, welche ſeinen unauslöſchlichen Neid und Eiferſucht zu bändigen wäre im Stande geweſen, weßwegen er einen in Hyrcanus' Dienſten ſtehenden Mundſchenken beſtach, bei der nächſten Gelegenheit, bei welcher Antipater mit ihm zugleich bei dem Hohenprieſter zu Tiſche geladen war, demſelben Gift beizubringen, an welchem Antipater auch wirklich im Laufe des gleichen Jahres 4057 das Leben einbüßte. Antipater wäre ſeines tragiſchen Lebensendes halber wirklich zu be⸗ dauern, wären ſeine vielen gelegentlich nebenhergehenden Verdienſte um das Land in ihrer letzten Wurzel aus etwas anderem als aus reinem Privateigennutze hervorgegangen. §. 987. Joseph. Antiqd. XIV, 19. 20. bell. Judaic. I, 9. Prideaux Connex. ann. 43. Phaſael und Herodes hatten von dieſem in der That abſcheulichen Verbrechen, welches Malichus indeſſen auch jetzt noch immer mit frecher Stirne ableugnete, kaum die erſte Nachricht empfangen, als Herodes, zumal in Anbetracht einer für ſeine Perſon ſehr zweideutigen Unthätig⸗ keit, welche auch der Hoheprieſter Hyrcanus bei dieſer Gelegenheit an den Tag legte, ohne Weiteres Malichus kriegeriſch zu überfallen Anſtalt machte, und nur durch Phaſael's Rath, welcher zur Vermeidung alles böſen Scheines lieber ebenfalls auf dem Wege geheimer Nachſtellung ſich an ihm zu rächen den Vorſchlag machte, ſich davon wieder abbringen ließ. Anſtatt deſſen berichtete er jedoch das Vorgefallene brieflich an Caſſius, und erhielt von demſelben die einſtweilige geheime Erlaubniß, Malichus nunmehr unabänderlich am Leben ſtrafen zu dürfen. Um ihn N All 0 Un c1 lſt I Ohn iltt Herl Wlle A. zuh en feſi e l0 u0 uß U Wb eů Rene f Wi daher deſto ſicherer in ſeine Falle zu locken, ließ ſich Herodes bei Gelegen⸗ heit des bevorſtehenden Laubhüttenfeſtes, bei welchem er trotz eines von Malichus bei dem Hohenprieſter ausgewirkten Verbotes, daß keine Fremd⸗ linge die Stadt während des Feſtes betreten dürften, ſich mit bewaffneter Begleitung Eintritt in Jeruſalem erzwungen hatte, ſeine wahre Abſicht nicht merken, ſondern des Malichus' heuchleriſch verſtellte Klagen über Anti⸗ pater's unverhofft plötzliches Lebensende, als ob ihm dieſelben vollkommen ernſt wären, vielmehr gutwillig gefallen. Erſt als kurz darauf bei der Nachricht der Einnahme von Laodicea durch Caſſius, und von dem bei der nämlichen Gelegenheit erfolgten Tode des Cäſarianiſchen Conſuls Dolabella der Hoheprieſter Hyrcanus, Malichus und Herodes zu dritt in der Abſicht, um Caſſius zu beglückwünſchen, eine gemeinſchaftliche Reiſe nach Laodicea antraten, benutzte Herodes die Gelegenheit, kurz vor ihrem Eintreffen in Tyrus, und zwar in einem Augenblicke, in welchem Mali⸗ chus mit dem Gedanken umgegangen ſein ſoll, gerade zaus dieſem Orte erſt ſeinen dort als Geißel in römiſchem Gewahrſam befindlichen Sohn zu guter Letzt noch glücklich mit ſich entführen, und mit Entthronung Hyrcanus' in Abweſenheit Caſſius' ſich am Ende ſelber zum Regenten über Judäa aufſchwingen zu wollen,— gerade dieſen Augenblick benutzte Herodes, um durch abgeſendete Diener, welche unter dem Scheine, einſt⸗ weilen die Mahlzeit zu beſtellen, vorauseilen mußten, ſich von der in Tyrus liegenden römiſchen Beſatzung einen bewaffneten Hinterhalt aus⸗ zubitten, von welchem nun Malichus ſeinerſeits ebenfalls überfallen und meuchelmörderiſch erſchlagen wurde. Hyrcanus, durch dieſes in ſeiner perſönlichen Gegenwart vorgehende blutige Ereigniß begreiflicher Weiſe in einen paniſchen Schrecken verſetzt, ſoll bei dieſer Gelegenheit eine ziem⸗ lich unwürdige Haltungsloſigkeit an den Tag gelegt, und auf die Nach⸗ richt, daß Malichus' Ermordung auf Caſſius' Befehl erfolgt ſei, ſich ſo ausgeſprochen haben, als ſchätze er es ſich zum Glück, durch Caſſius' Verdienſt von den gefahrvollen Ränken eines gegen ihn ſelbſt, ſowie gegen das Vaterland verrätheriſch geſinnten Mannes erlöſt zu ſein. §. 988. Josephus Antiqd. XIV, 20. bell. Judaic. I, 10. Prideaux Connex. ann. 42. Die peinliche Beſtürzung, welche ſich Hyrcanus' bei der Ermordung des Malichus bemächtigt hatte, war nicht ohne ihren beſonderen verbor⸗ genen Grund, indem der Hoheprieſter ſeit Antipater's Ermordung einer auf den ſteigenden Einfluß der Herodianiſchen Familie eiferſüchtigen national jüdiſchen Partei, an deren Spitze Malichus bisher geſtanden, ſich insgeheim entſchieden angenähert, und ſeinem in Jeruſalem zurück⸗ gebliebenen Bruder Felix in dieſer Abſicht unbedenklich einſtweilen die größere Mehrzahl der jüdiſchen feſten Plätze bereits ausgeliefert hatte. Deßwegen brach auch, ſobald Caſſius mit dem Beginn des folgenden Jahres 4058, ſich aus Syrien hinweg, Macedonien, dem eigentlichen Schauplatze des nunmehr bald ſich unabänderlich entſcheidenden Bürger⸗ krieges zugewendet hatte, in Judäa unter Felir“ Anführung offene Empörung gegen Phaſael aus, an welchem man für die Ermordung des Malichus gleichſam Blutrache zu nehmen beabſichtigte. Durch eine von Hyrcanus' Seite bei dieſer Gelegenheit an das offenbare Tageslicht her⸗ vortretende unredliche Achſelträgerei, welche ihm von Phaſael auch mit rückſichtsloſer Freimüthigkeit als Falſchheit und Undankbarkeit gegen ſeinen Wohlthäter Antipater zum Vorwurfe gemacht wurde, in ernſtliches Ge⸗ dränge gebracht, fügte es ſich zum Unglück für den letzteren, daß ſelbſt ſein Bruder Herodes, welcher in dieſem Augenblicke zufällig durch Krank⸗ heit abgehalten, bei dem inzwiſchen in Damascus an Mureus' Stelle getretenen römiſchen Befehlshaber Fabius zu Bette lag, ihm nicht einmal konnte zu Hilfe kommen. Nichts deſto weniger arbeitete er ſich glücklicher Weiſe ſoweit durch alle Gefahren durch, daß er auch nur auf ſeine eigene Perſon angewieſen dennoch Felix jenſeits des Jordans hinüberdrängte, worauf dann Herodes ihm bald darnach zu Hilfe eilend, demſelben auch die letzten feſten Plätze, die er noch in Händen hatte, gewaltſam ab⸗ nöthigte. §. 989. Joseph. Antidd. XIV, 21. bell. Judaic. I, 10. 17. Prideaux Gonnex. ann. 42. Dieſer die Waffen des Herodes begleitende ſiegreiche Erfolg ſtimmte ſofort den Hohenprieſter Hyrcanus plötzlich wieder um, ſo daß er gerade in dieſem Augenblicke demſelben ſeine einzige Erbenkelin Mariamne, eine Tochter des im Jahre 4051 hingerichteten Alexander Cſ.§. 972.) von Hyrcanus' Tochter Alexandra, zur Ehe verlobte. Dieſer letzte Schritt entflammte nun aber dafür auch den Zorn der unterdrückten jüdiſchen Gegenpartei in einem Grade, daß ſie von nun an auch Hyrcanus ab⸗ wendig, auf den einzigen noch übrigen erwachſenen männlichen Sprößling der Hasmonäiſchen Familie, Antigonus, ihre letzte Hoffnung ſetzte, wel⸗ cher von Piolemäus Mennas, Marion dem Tyrannen von Thrus und ſogar von dem durch Geld erkauften römiſchen Befehlshaber Fabius gleich⸗ zeitig unterſtützt gerade in dieſem nämlichen Augenblicke einen Einfall in Paläſtina verſuchte, jedoch an der Grenze bereits durch eine von Herodes ſ uff A flch ſte fl ff 369 ihm beigebrachte totale Niederlage zum Rückzuge genöthigt wurde. Von dieſem Feldzuge heimkehrend ſoll Herodes eben unter dem Eindrucke ſeines auffallenden Waffenglückes von der Bevölkerung in Jeruſalem ſogar mit Zuruf empfangen worden ſein. Mariamne war damals wahrſcheinlich noch zu jung, um mit Herodes in Cheſtand treten zu können; anſtatt ihrer wird eine vornehme Idumäerin mit Namen Doris, mit der er ſeinen älteſten Sohn Antipas bereits erzeugt hatte, als Herodes' erſte Gemahlin auf⸗ geführt, welche er jedoch gegenwärtig um Mariamnewss willen verſtoßen mußte. Wenn Alerander, der Sohn des abgeſetzten Hohenprieſters Ariſtobu⸗ lus II. erſt im Jahre 4043 Alexandra, Hyrcanus' II. einzige Tochter zur Ehe bekam(vergl. Anmerk. zu§. 966.), ſo kann Mariamne im günſtigſten Falle im gegenwärtigen Jahre 4058 erſt 14 Jahre alt ge⸗ weſen ſein. CCXI. Der Hoheprieſter Hyrcanus II.(Fortſetzung.) Phaſael und Herodes, jüdiſche Vierfürſten. §. 990. Josephus Antiqd. XIV, 22. 23. bell. Judaic. I, 10. Prideaux Connex. ann. 42. 41. Der zwiſchen Cäſarianern und Republikanern indeſſen zum Ausbruch gekommene Bürgerkrieg war in dieſem nämlichen Jahre 4058 durch die Schlacht bei Philippi, in welcher Caſſius und Brutus vollſtändig beſiegt, beide zugleich auch ihren Tod fanden, einſtweilen zum Vortheile der Cäſarianiſchen Partei vorläufig entſchieden, und in einer zwiſchen den beiden Siegern Octavianus und Antonius getroffenen Privatübereinkunft alle orientaliſchen Provinzen, folglich ganz Aſien dem Antonius überlaſſen worden. Auch bei dieſer Gelegenheit gelang es Herodes, den im Laufe des nächſten Jahres 4059 in eigener Perſon ſeine Provinzen bereiſenden neuen römiſchen Machthaber, der ohnehin von ſeinem früheren Aufenthalte in Paläſtina unter Gabinius“ Oberbefehl her(ſ.§. 965.) mit dem Hauſe Antipater's, in welchem er damals gaſtliche Aufnahme gefunden, noch in freundſchaftlichem Verhältniſſe ſtand, durch ein rechtzeitig dargebrachtes reichliches Geldgeſchenk vollkommen wiederum für ſich einzunehmen, ſo daß derſelbe einer gleichzeitig gegen ihn klagbar auftretenden jüdiſchen Parteideputation gar nicht einmal Zutritt verſtattete. Eine bald darauf im Auftrage Hyrcanus' an ihn abgehende hoheprieſterliche Geſandtſchaft hatte dagegen das Glück, die Wiedererſtattung einiger von Caſſius will⸗ kührlich abgeriſſenen jüdiſchen Landestheile, und die Freiheit der auf Befehl deſſelben in Gefangenſchaft verkauften jüdiſchen Volksgenoſſen Krafft, heil. Geſchichte. n. 2⁴ 370 ungehindert nachträglich auszuwirken. Durch dieſe bereitwilligen Ge⸗ währungen zum Voraus einer günſtigen Aufnahme verſichert, reiſte auch Hyrcanus dem Antonius bis nach Antiochia entgegen, und traf daſelbſt wahrſcheinlich zufällig mit einer zweiten Deputation von ungefähr 100 angeſehenen Juden zuſammen, welche neuerdings über den überwiegenden Einfluß der Söhne Antipater's bittere Beſchwerde führten. Ihre Reiſe war jedoch auch dießmal wiederum von ſchlechtem Erfolge begleitet, in⸗ dem, da Hyrcanus, von Antonius befragt, welche von beiden Parteien die zur Regierung des Landes geſchicktere? Herodes und Phaſael den entſchiedenen Vorzug zuerkannte, dieſelben ohne Weiteres über das Land als ſogenannte Tetrarchen oder Vierfürſten eingeſetzt, die Kläger dagegen neuerdings unbedingt abgewieſen, ja 15 derſelben ſogar in das Gefängniß geworfen wurden; und hätte Hyrcanus ſeine Fürſprache für dieſelben nicht eingelegt, auch unbarmherzig getödtet worden wären. Hiedurch aber noch immer nicht abgeſchreckt machten ſie, während Antonius mittlerweile bis Tyrus vorangerückt war, nochmals in einer Proceſſion von nicht weniger als 1000 Mitgliedern einen dritten verzweifelten Verſuch, ihren Einfluß gegen die Herodianiſche Familie geltend zu machen, wurden aber, von dem römiſchen Triumvir ohne Weiteres als Aufrührer gegen eine von ihm rechtskräftig bereits eingeſetzte Obrigkeit betrachtet, auf ſeinen Befehl mit bewaffneter Macht überfallen und theils getödtet, theils ver⸗ wundet in die Flucht gejagt, theils auch gefangen genommen, und da die Partei zu Jeruſalem ſich immer noch nicht zufrieden geben wollte, ebenfalls nachträglich im Gefängniſſe noch hingerichtet. 1) Nicht allein Brutus und Caſſius, ſondern auch ſämmtliche übrigen Mörder Cäſar's ſtarben im Laufe der Zeit nach und nach eines gewalt⸗ ſamen Todes, ein Umſtand, worin Prideaur ein Gottesgericht erblickt, im Zuſammenhange womit die Ermordung Cäſar's überhaupt als ein ſchändliches Verbrechen von ihm gebrandmarkt wird.(Siehe Prideaux Connex. ann. 44.) 2) Von Kleinaſien aus, bis wohin ihm Herodes entgegenreiſte, führte den römiſchen Triumvir Antonius ſein nach Antiochia eingeſchlatzener Weg über Tarſus in Cilicien, eine Stadt am Ausfluſſe des Cydnus, die ſpätere Geburtsſtadt des hl. Apoſtels Paulus. Dorthin hatte Anto⸗ nius unter andern Cleopatra, die Königin von Egypten beſchieden, um ſich wegen einer ihr jedoch durchaus ungerechter Weiſe ſchuldgegebenen Unterſtützung der Partei der Mörder Cäſar's vor ihm perſönlich zu verantworten; indem ſie vielmehr im Gegentheil alles, was in ihrer Macht geſtanden, zum Vortheile der Cäſarianer aufgeboten hatte. Cleo⸗ patra mißbrauchte dieſe Gelegenheit, um ähnlich, wie ehemals Cäſar, ſo nun auch ſeinen Nachfolger Antonius in das Netz ihrer ſchamlos ſchwel⸗ geriſchen öffentlich freigebigen buhleriſchen Umgangsvertraulichkeit hinein⸗ W deſt Ukke bft Vunl Uit! Uute N lift Mißen he t in 0 bit lh O. 374 zuziehen, zu welchem Endzwecke ſie ſich nicht entblödete, am hellen lichten Tage in einem halbnackt phantaſtiſchen Aufzuge als Aphrodite(Venus, Liebesgöttin) verkleidet, von einem ebenfalls halbnackten weiblichen Dienſt⸗ perſonale, welches dienende Nymphen vorſtellen ſollte, umgeben, auf einer Barke den Cydnus hinaufzufahren, um im Angeſichte der ganzen bei dieſem Schauſpiele ſich verſammelnden Straßenbevölkerung der Wohnung Antonius gegenüber öffentlich an das Ufer auszuſteigen. Eine der erſten Gunſtbezeugungen, welche ſich Cleopatra auf dieſe Weiſe bei Antonius auswirkte, war, daß er, wie Joſephus Antiqd. XV, 4. gegen das Ende des Capitels erzählt, auf ihr Anſtiften ſich dahin bringen ließ, zuerſt an dem angeblich 15jährigen Bruder Ptolemäus XIII., ihrem nach§. 977. von Cäſar gegebenen königlichen Ehegatten, und darnach an ihrer noch übrigen einzigen Schweſter Arſinoe, welche damals in Epheſus lebte, an letzterer noch dazu mit Verletzung des dem Tempel der Diana da⸗ ſelbſt zukommenden Aſylrechtes, zu welchem dieſelbe im letzten Augenblicke vergeblich ihre Zuflucht genommen, einen erbarmungsloſen Hinrichtungs⸗ befehl vollziehen zu laſſen. Man ſieht aus dieſem Hergange, daß ſcham⸗ loſe geſchlechtliche Schwelgerei und herzlos grauſame Mordluſt zwei ein⸗ ander pfychologiſch ſehr nahe berührende Verbrechen ſind, während wahres edelmüthiges Mitgefühl mit dem Nächſten mit unwillkührlicher Liebe zur Enthaltſamkeit von wenigſtens allen unerlaubten Fleiſchesbergnügungen in der Regel verbunden auftreten wird. §. 99ͤ. Josephus Antiqd. XIV, 23. 24. bell. Judaic. I, 11. Prideaux Gonnex. ann. 41. 40. Je unerſchütterlicher auf dieſe Weiſe das bisher in gewiſſer Hinſicht rechtmäßig erworbene Anſehen der Herodianiſchen Brüder befeſtigt ſchien, deſto gefährlicher war die Probe, welche dasſelbe nunmehr durch eine unverhoffte, neue, durch Antonius ſelber verſchuldete Friedensſtörung zu beſtehen bekam, welcher, anſtatt nach Cäſar's Beiſpiel die Ehre und den Vortheil der römiſchen Republik in den überkommenen Grenzprovinzen mit wachſamer Thätigkeit im Auge zu behalten, dieſelben vielmehr durch Unterfeldherren, welche in ſeinem Auftrage dem Lande noch dazu ſchwere Abgaben abnöthigten, regieren ließ, während er ſelber in ſchwelgeriſchen Ausſchweifungen, zu denen er ſich durch Cleopatra, die mittlerweile zur tiefſten Unſittlichkeit herabgeſunkene verwittwete egyptiſche Königin mit fort⸗ reißen ließ, abweſend in Alexandria die Zeit vergeudete. Bewohner einer kleinen Inſel an der ſyriſchen Küſte, mit Namen Aradus, welche die römiſchen Steuereinnehmer im Aufruhr ermordet hatten, riefen nämlich im Einverſtändniſſe mit mehreren anderen Unzufriedenen noch während dieſes Jahres die Parther zu Hilfe, welche im Vertrauen auf Antonius' Unthätigkeit unter Anführung ihres Königsſohnes Pacorus und des Satrapen Barzaphanes im darauffolgenden Jahre 4060 mit zahlreicher Macht einen Einfall wagend, nunmehr auch an dem in ſeinen Beſtre⸗ 2⁴ 372 bungen wiederholt gedämpften Antigonus, dem Sohne des ehemaligen jüdiſchen Hohenprieſters Ariſtobulus einen beſonders gefährlichen Bundes⸗ genoſſen erhielten, der zugleich von Lyſanias, dem Sohne des mittlerweile mit Tod abgegangenen Ptolemäus Mennas thätig unterſtützt, ſich nicht entblödete, als Lohn ſeiner Wiedereinſetzung in das fürſtliche jüdiſche Hohenprieſterthum dem parthiſchen Thronfolger außer einer Summe von 1000 Talenten die Auslieferung von angeblich 500 ſchönen jüdiſchen Frauen anzubieten, welche er hauptſächlich aus der Familie ſeines Oheims Hyrcanus und aus dem Hauſe Herodes' zu wählen beabſichtigte. Durch ſolche ſchimpfliche Vertragsbedingungen gewonnen ſäumte Pacorus auch nicht, von Ptolemais aus, ſeinem gegenwärtigen Hauptquartier, den ihm gleichnamigen Feldherrn Pacorus als Befehlshaber eines anſehnlichen Beobachtungsheeres mit Antigonus gleichzeitig in der Richtung nach Jeru⸗ ſalem aufbrechen zu laſſen. Eine für Antonius beſonders ſchimpfliche Begebenheit aus dieſer Zeit iſt ein in ſeinem Auftrage von ſeiner Reiterei auf die reiche zwiſchen Damascus und dem Cuphrat gelegene damalige Handelsſtadt Palmyra (es iſt die nämliche urſprünglich von Salomo erbaute Stadt, deren Ruinen in§. 320. erwähnt ſind) ausgeführter räuberiſcher Ueberfall, an deren Beute ſie für rückſtändigen Sold ſich ſchadlos halten ſollten. Da die Einwohner der Stadt rechtzeitig davon unterrichtet, ihre beſten Habſelig⸗ keiten bereits über den Euphrat zu ſchaffen hinreichende Vorkehrung ge⸗ troffen hatten, ſo blieb die ganze Expedition ohne ihren beabſichtigten eigentlichen Erfolg, anſtatt deſſen die Palmyrener nach Abzug der Römer alsbald von denfelben abſielen und ſich unter parthiſchen Schutz ſtellten. §. 992. Joseph. Antidd. XIV, 24. 25. bell. Judaic. I, 11. Prideaux Connex. ann. 30. Antigonus war mit einem ihm theils von Lyſanias übergebenen, theils aus unterwegs ſich ihm beigeſellenden Juden von dem Gebirge Carmel beſtehenden Heere dem parthiſchen Feldherrn voraneilend, nicht ſobald vor Jeruſalem erſchienen, als er, von einer in der Stadt ſich zu ſeinen Gunſten erhebenden Partei unterſtützt und alsbald in dieſelbe auch eingelaſſen, einen unmittelbaren Angriff auf die von Hyrcanus bewohnte Burg Baris unternahm, die aber von Herodes' Anhängern lebhaft ver⸗ theidigt nicht allein nicht in ſeine Hände fiel, ſondern er überdieß auch mit den Seinigen auf dem Tempelberge vorläufig eingeſchloſſen wurde. In dem hierauf in der Stadt ſelber fortgekämpften blutigen Bürgerkriege führte auch das einbrechende jüdiſche Wochen⸗ oder Pfingſtfeſt(ſ.§.51.) keine friedliche Entſcheidung herbei, ſondern es dehnte ſich derſelbe viel⸗ mehr im Gegentheil dadurch noch immer weiter aus, daß von den herbei⸗ Wänt licht dem mithe heit; er h. wil lit kr. g Rujm leter ſitz ün l Kin kelen U N 373 ſtrömenden Gäſten die einen für Antigonus, die andern für Herodes und Hyrcanus Partei nahmen. Erſt eine von Phaſael begangene thörichte Nachgiebigkeit gab endlich dem Kampfe einen für Herodes nachtheiligen Ausſchlag, indem erſterer nämlich auf Antigonus' Bitte ſich bereit finden ließ, den parthiſchen Feldherrn Pacorus, der ſich bis daher abſichtlich neutral verhalten, und von deſſen geheimem Einverſtändniſſe mit Antigonus ſeitdem noch nichts verlautet hatte, als Vermittler zwiſchen beiden Parteien mit 500 Reitern nach Jeruſalem einzulaſſen, welchen er arglos genug ſogar in ſeinem eigenen Hauſe als Gaſt beherbergte. Dieſer überredete bald darauf Phaſael ſowohl, als auch den Hohenprieſter Hyrcanus, gegen Herodes' ausdrückliche Warnung, welcher der Ehrenhaftigkeit der Parther kein Vertrauen ſchenkte, ſich in ſeiner eigenen Begleitung zu dem Satrapen Barzaphanes, dem gegenwärtigen parthiſchen Statthalter über Syrien auf die Reiſe zu begeben. Barzaphanes hatte die beiden jüdiſchen Reiſen⸗ den nicht ſobald mit allen Zeichen äußerer Ehrerbietung empfangen, als Pacorus unverzüglich mit dem geheimen Auftrage, ſich baldmöglichſt auch Herodes' perſönlich zu bemächtigen, wieder nach Jeruſalem zurückeilte. §. 993. Josephus Antidd. XIV, 25. bell. Judaic. I, 11. Prideaux Connexion ann. 40. Obwohl es bereits halb und halb zu ſpät war, aus dieſer Wahr⸗ nehmung einen Nutzen zu ziehen, ſo entging es doch wenigſtens Phaſael nicht, daß ſie verrathen ſeien, indem ihm der zwiſchen Antigonus und dem Königsſohn Pacorus abgeſchloſſene geheime Vertrag im Vertrauen mitgetheilt und ihm durch Freundeshand ſogar eine bereitſtehende Gelegen⸗ heit zu augenblicklicher Flucht eröffnet wurde. Nichts deſto weniger war er treuherzig genug, um nicht Hyrcanus einer grauſamen Mißhandlung preiszugeben, lieber einen anderen Weg einzuſchlagen und Barzaphanes mit ungeſchminkten Worten förmlich deßwegen zur Rede zu ſtellen, wobei er darauf rechnete, durch noch größere eventuelle Geldanerbietungen als diejenigen des Antigonus denſelben von ſeiner Parteilichkeit für dieſen letzteren wieder abzubringen. Barzaphanes indeſſen beſchränkte ſich ſeiner⸗ ſeits darauf, unter meineidigen Betheuerungen alle verrätheriſchen Ab⸗ ſichten rundweg abzuleugnen, ließ aber demungeachtet gerade jetzt erſt, nachdem er in eben dieſem Augenblicke eine Reiſe zu Pacorus, dem Königsſohne, angetreten, Hyrcanus und Phaſgel durch ſeine zurückgeblie⸗ benen Beamten gefangen ſetzen, ſo daß Phaſael kaum noch Gelegenheit fand, durch einen getreuen Boten Herodes von dieſem Hergange unver⸗ züglich in Kenntniß zu ſetzen. Auf dieſe empfangene Mittheilung ſäumte Herodes nicht, den mittlerweile nach Jeruſalem zurückgekehrten parthiſchen Feldherrn Pacorus auch ſeinerſeits dieſer begangenen Treuloſigkeit halber zur Rede zu ſtellen, beſchloß aber, aus der auffallenden beſtürzten Ueber⸗ raſchung, welche trotz ihrer Uebung im Leugnen an dem Benehmen der Parther hervortrat, auf ſeine eigene perſönliche Gefahr hinlänglich auf⸗ merkſam gemacht, auf den Rath ſeiner Braut Mariamne und deren Mutter Alexandra in der nächſt darauffolgenden Nacht die Flucht zu ergreifen, welche er in Geſellſchaft der ſämmtlichen in Jeruſalem noch befindlichen hohenprieſterlichen und ſeiner eigenen Familie nach dem am füdweſtlichen Rande des todten Meeres ausnehmend feſtgelegenen Berg⸗ ſchloſſe Maſada, wiewohl unter Beſtehung der gefährlichſten Abentheuer, auch glücklich bewerkſtelligte. Herodes empfing die von Phaſael an ihn abgeſendete Botſchaft eigent⸗ lich nicht mehr, ſondern nur die Nachricht, ein von Phaſael ihm zuge⸗ ſchickter Bote ſei unterwegs von parthiſchen Reitern aufgehoben worden, eine Thatſache, welche ihn natürlich über die Abſichten der Parther nichts Gutes zu hoffen mehr übrig ließ. Auf die dem Feldherrn Pacorus darüber von Herodes gemachten Vorſtellungen leugnete derſelbe, wie be⸗ reits geſagt, alles ab, und machte ſtatt deſſen demſelben den Vorſchlag, in ſeiner Begleitung dem heute noch ſicher eintreffenden Boten eine Strecke Wegzs von Jeruſalem entgegenzugehen, eine indeſſen zu plumpe Falle, als daß ſich Herodes darinnen hätte fangen laſſen. Die ganze Politik der Parther charakteriſirt ſich bei dieſer Gelegenheit als eine überaus ſchimpfliche und niederträchtige. §. 994. Joseph. Antigd. XIV, 25. bell. Judaic. I, 11. Prideaux Connex. ann. 40. Kaum hatte Herodes auf dieſe Weiſe ſich und die Seinigen vorläufig in Sicherheit gebracht, als die Parther ihre bisherige Maske abwerfend auch ſofort die Stadt Jeruſalem als einen eroberten feindlichen Platz zu behandeln anfingen. Beſonders die leerſtehenden Häuſer der Anhänger Herodes' wurden von ihnen mit Ausnahme von 300 Talenten, welche dem Hohenprieſter Hyrcanus gehörten, rein ausgeplündert, und da die Beüte in Folge der klugen Vorſicht Herodes'“, der ſein Hauptvermögen ſchon ſeit einiger Zeit für alle Fälle zu größerer Sicherheit insgeheim bei Seite geſchafft hatte, ihren habgierigen Erwartungen nicht entſprach/ ſo entſchädigten ſie ſich durch ſchonungsloſe Verwüſtung der Umgegend, in welcher Abſicht lediglich ſie unter andern auch die damals blühende in Judäa gelegene Stadt Mariſſa(vergl. Paläſtina von Raumer A.A ufl. S. 192)) dem Erdboden gleich machten. Auf die Herausgabe der ver⸗ ſprochenen 500 Jüdinnen wurde indeſſen nicht beſtanden, weil die Frauen cht Gß e fſed a ſchinh N0 cht Hete loch! fichth fllen ehter Nher M hhunz, emtt U Wit 5 375 aus Hyrcanus' und Herodes' Familie mitſammt ſeinem Vermögen eben⸗ falls von dem letzteren in Sicherheit waren gebracht worden. Auf dieſe ſchimpfliche Weiſe wurde denn Antigonus von den Parthern als königlicher Hoherprieſter in Jeruſalem eingeſetzt, und Phaſael und Hyrcanus ihm gebunden überliefert, von welchen beiden er den letzteren, den bald darauf die Parther als Gefangenen in ihre Heimath mit ſich abführten, um ihm den wiederholten Zutritt zur Hohenßrieſterwürde geſetzlich unmöglich zu machen(vergl. Levitic. 21, 16—24.), durch Abſchneidung ſeiner Ohren verſtümmelte. Phaſael in der ſicheren Vorausſicht, daß ihm Antigonus ohnehin das Leben nehmen würde, kam dadurch ſeinem Schickſale zuvor, daß er den Kopf mit ſolcher Gewalt an die Mauerwand ſeines Gefäng⸗ niſſes anſtieß, daß er an der erhaltenen Contuſion ſeinen Tod fand. Es iſt tragiſch, Phaſael in Folge einer bloßen begangenen gutmüthigen Unvorſichtigkeit ein ſo trauriges Lebensende nehmen zu ſehen. Trotz aller unverkennbar moraliſchen Beſtrebungen, welche die Herodianiſche Familie an den Tag legte, lag einmal doch kein eigentlicher göttlicher Segen auf derſelben. CCXII. Antigonus, königlicher Hoherprieſter. Herodes jüdiſcher Gegenkönig. 993. Josephus Antiqd. XIV, 25. 26. bell. Judaic. I, 11. Prideaux Connex. ann. 40. Kaum hatte Antigonus, wenn auch unter Eingehung von deſto ſchimpflicheren anderweitigen Verbindlichkeiten das auf dem Lande laſtende Joch der Römer für den Augenblick wenigſtens allerdings glücklich wieder abgeworfen, als die bisherige Stütze, welche ihm die Nähe der parthiſchen Heeresmacht gewährt hatte, bereits auch wieder zerbrochen wurde, indem noch während des gleichen Jahres 4060 ein von Antigonus abgeſendeter tüchtiger Feldherr aus der Schule Cäſar's, mit Namen Ventidius, die⸗ ſelben mit ſo wirkſamem Nachdrucke angriff, daß er ſie nach Verluſt mehrerer Schlachten aus Kleinaſien und Syrien glücklich über den Euphrat wieder zurücktrieb. Nichts deſto weniger beließ derſelbe, von dort aus nach Paläſtina vorrückend, Antigonus in ungeſtörtem Beſitze ſeines Fürſten⸗ thums, dem er nur in der unedlen Abſicht, möglichſt viel Geld von ihm herauszupreſſen, gelegentlich ſeine kriegeriſche Uebermacht fühlbar machte.— Herodes hatte inzwiſchen von Maſada aus, woſelbſt er nur 800 ſeiner Kriegsgefährten unterbringen konnte, zu Malichus, dem Nachfolger des Aretas im peträiſch arabiſchen Königthume ſeine nächſte Zuflucht genom⸗ 376 men, anfangs nur in der Abſicht, um zur Loskaufung ſeines damals noch lebenden Bruders Phaſael 300 Talente Löſegeld aufzubringen. Da aber Malichus in treuloſer Wankelmüthigkeit ihm ſogleich zum Voraus das Verbot, ſich in ſeinen Grenzen aufzuhalten, entgegenſchickte, ſo hatte Herodes, ſchleunig von dort umkehrend, über Alexandria zur See die Reiſe nach Italien und Rom angetreten, wo er dem römiſcher Reichs⸗ angelegenheiten halber zufällig dort anweſenden Antonius, ihn zugleich dringend um Hilfe bittend, ſein Leid klagte. Da nun Herodes das Ver⸗ ſprechen gab, für eine im Augenblicke ihm zu dringendem Bedürfniſſe gereichende nachdrückliche Hilfleiſtung ſich in der Folgezeit durch eine ent⸗ ſprechende anſehnliche Geldſumme dankbar beweiſen zu wollen, ſo ging Antonius nicht ſowohl auf Herodes' klugen und billigen Vorſchlag ein, welcher nämlich an Antigonus“ Stelle den jugendlichen Bruder der Mariamne, mit Namen Ariſtobulus, alſo einen Enkelſohn der beiden zuletzt vegiert habenden Hohenprieſter aufſtellen, ihn ſelber aber in ſeinem Rechte als römiſcher Vierfürſt ſchützen zu wollen beantragte, ſondern er machte Octavianus' den Vorſchlag, Herodes um ſeiner eigenen und ſeines Hauſes Verdienſte willen vielmehr ſelber zum Könige zu erheben, ein Plan, welcher, obwohl dem bisherigen römiſchen Staatsgrundſatze, das königliche Erbfolgerecht in den bisher ihrem Einfluſſe unterworfenen Ländern gewiſſenhaft innerhalb der bisher regierenden Familie aufrecht zu erhalten, ſchnurſtracks entgegen, nichts deſto weniger im Senate ernſt⸗ lich zur Verhandlung gebracht, und unter dem überwiegenden perſönlichen Einfluſſe der beiden Triumvirn ſofort auch ohne Umſtände zum Geſetze erhoben, durch den nämlichen Senatsbeſchluß aber zugleich Antigonus ſeines früheren und gegenwärtigen Verhaltens wegen zum Feinde der römiſchen Republik erklärt wurde. Noch an dem nämlichen Tage wurde Herodes ſodann unter feſtlicher Darbringung von Opfern in Gegenwart von Octavianus und Antonius auf dem Capitolium zu Rom feierlich gekrönt, und ſeiner neuerlangten Würde zu Ehren von Antonius gegen Abend ein prächtiges Zweckeſſen veranſtaltet. Man mag zu Herodes' Entſchuldigung anführen, was man will, es macht einen peinlichen Eindruck, daß er als aufgenommener jüdiſcher Proſelyt es über ſein Gewiſſen brachte und zu gleicher Zeit nicht unter ſeiner Würde fand, ſich die jüdiſche Königskrone, auf welche er dem moſatſchen Königsgeſetze nach einmal keinen rechtmäßitzen Anſpruch machen durfte(vergl.§. 110.), von einer auswärtigen heidniſchen Staatsgewalt zum Geſchenke machen zu laſſen. Auch würde er, wäre er mit ſeinem einmal rechtmäßig erlangten politiſchen Einfluſſe zufrieden auf, ſeinem urſprünglichen Vorſchlage beſtanden, ſich ſein ganzes ſpäteres häusliches 9 Im f icſ ſilen Ier u Nul. An;g Uent I Fe kön ſeinr f ch 0 Wh Milt 10 Ll fiht. filk. 377 Unglück vorausſichtlich haben erſparen können.— Schon die als be⸗ gleitende ceremonielle Formalitäten veranſtalteten heidniſchen Götzenopfer hätten einen gewiſſenhaften jüdiſchen Proſelyten abhalten müſſen, in die Annahme der ihm bei dieſer Gelegenheit verliehenen zeitlichen Würde einzuwilligen. Dieſer Umſtand bringt, obwohl wir in Herodes' Seele im damaligen Augenblicke der Natur der Sache nach nicht gerade können hineinblicken, uns beinahe auf die Vermuthung, daß es ihm mit ſeinem Antonius' gethanen Vorſchlage hinſichtlich der Uebertragung der bisherigen königlichen hohenprieſterlichen Würde auf den jugendlichen Ariſtobulus nicht einmal völlig ernſt geweſen ſein, ſondern dieſes von ihm vorläufig beantragte ſcheinbar nächſtliegende Auskunftsmittel in ſeiner eigentlichen Abſicht vielmehr nur zu einem geſchickten Kunſtgriffe gedient haben dürfte, um den römiſchen Triumvir ſelber zuerſt auf dieſen Gedanken zu bringen. Herodes' Erhebung auf den jüdiſchen Königsthron war jedenfalls auch von Seite der Römer betrachtet ein bei dieſer Gelegenheit begangenes förmliches Staatsunrecht, welches demnach nicht verfehlen konnte, nach der Waagſchale der göttlichen Gerechtigkeit im Laufe der Zeit auch ihnen, ebenſo gut wie Herodes ſelber, empfindlich wieder vergolten zu werden. §. 996. Josephus Antiqd. XIV, 27. bell. Judaic. I, 12. Prideaux Connex. ann. 40. Trotz dieſer für Herodes vorläufig ſo günſtigen Wendung hatte er, um ſich ſeines dem äußeren Anſcheine nach ihm ohne ſein Verlangen gleichſam aufgedrungenen Königreiches thatſächlich zu bemächtigen, vorab einen mehrjährigen, nicht allein unſäglich mühſamen, ſondern auch in jeder anderen Beziehung an ſchwerem Verdruß und Aergerniß unerhört fruchtbaren Krieg zu führen. Seine erſte Sorge nach ſeiner Landung in Ptolemais war, das fortwährend indeſſen von Antigonus hart bedrängte Bergſchloß Maſada zu entſetzen, wohin er aber, bevor er ſich nach Er⸗ oberung von Galiläa auch des auf ſeinem Wege zwiſcheninneliegenden Joppe bemächtigt hatte, nicht vorzudringen wagte. Nachdem er denn ferner auch Joppe mit Hilfe des ihm zu thätigem Beiſtande beorderten römiſchen Unterbefehlshabers Silo genommen, gelang es ihm endlich, ſeinen Bruder Joſephus, welcher indeſſen die Beſatzung von Maſſada be⸗ fehligt hatte, nebſt allen ſeinen in der Feſtung mittlerweile verwahrten Schätzen und Familienangehörigen wieder in Freiheit zu ſetzen, nachdem Joſephus, obwohl außerdem mit allen Lebens⸗ und Kriegsbedürfniſſen reichlich verſorgt, endlich durch einen eingetretenen drückenden Waſſermangel doch ſchon einmal zu dem verzweifelten Entſchluß gebracht, zu den ihrer Treue halber verdächtigen benachbarten Arabern zu entfliehen, dieſes ge⸗ fährlichen Nothhilfsmittels durch einen erſt in der letzten Nacht eintreten⸗ den reichlichen Regenguß, der die Ciſternen der Feſtung neuerdings an⸗ füllte, glücklicher Weiſe wieder war überhoben worden. Von dort in Begleitung Silon's unmittelbar vor Jeruſalem rückend, forderte Herodes vorab unter Ertheilung der beſten Verſprechungen, indem er ſelbſt ſeinen ärgſten Feinden Verzeihung zuſicherte, die Stadt zu gutwilliger Unter⸗ werfung auf. Seine Bemühungen wurden aber dadurch vereitelt, daß auf Befehl des Antigonus, welcher ſich, ohne Herodes einer Antwort zu würdigen, leidenſchaftlich gegen die Römer beſchwerte, daß ſie das jüdiſche Königthum nicht allein aus der bisher berechtigten Familie genommen, ſondern ſogar auf einen Menſchen von nicht einmal jüdiſcher Abkunft übertragen hätten, Herodes' Begleiter durch ſeine Schleuderer aus der Nähe der Mauern wieder zurückgetrieben wurden. §.997, Josephus Antidd, XIV, 27. bell. Judaic. I, 12. Prideaux Connex. ann. 40. 39. Eine der größten Verdrüßlichkeiten für Herodes war, daß er ſich in gewiſſem Sinne gerade auf ſeine römiſchen Bundesgenoſſen am wenigſten verlaſſen durfte, indem dieſelben, durch gelegentliche geheime Geldſpenden von Seiten Antigonus' in beſtändiger Unzufriedenheit und einer muth⸗ willigen nachtheiligen Unthätigkeit erhalten, für Herodes nicht leicht etwas Entſcheidendes thun mochten, und deſſenungeachtet dabei in ihrer Ver⸗ pflegung an ihn unerhörte Anſprüche machten. Eine deſto bewunderungs⸗ würdigere unermüdliche Thätigkeit entwickelte dagegen Herodes in ſeiner eigenen Perſon, kraft deren er, ſobald er die römiſchen Truppen in ihren Winterquartieren hinlänglich untergebracht hatte, ſich ſelber nicht einmal in der rauhen Jahreszeit einige Ruhe gönnte, ſondern dieſelbe dazu ver⸗ wendete, um verſchiedene während dieſer unruhigen Zeiten in den Höhlen des galiläiſchen Gebirges einheimiſch gewordene zahlreiche Räuberbanden durch wiederholte Angriffe ſowohl auf freiem Felde, als auch in ihren verborgenen Schlupfwinkeln nach und nach gänzlich auszurotten, eine Arbeit, welche auch einen Theil des darauffolgenden Jahres 4061 noch für ſich in Anſpruch nahm. Im Laufe dieſes neuen Jahres, in welchem Ventidtus zugleich die Kriegsmacht der Parther durch eine dritte mörde⸗ riſche Hauptſchlacht, in welcher auch der Königsſohn Pacorus das Leben einbüßte, für den Augenblick völlig zu Grunde zu richten das Glück hatte, bereitete ein von Ventidius hierauf mit zwei Legionen und 1000 Reitern Herodes zu Hilfe geſendeter römiſcher Unterfeldherr Machäras demſelben durch ſeine aufbrauſende Rückſichtsloſigkeit einen neuen peinlichen Verdruß. Es hatte derſelbe nämlich auf eine von Antigonus ihm zugeſendete ver⸗ führeriſche Botſchaft, mittelſt deren ihn dieſer letztere unter Anbietung eines reichlichen Geldgeſchenkes auf ſeine Seite hinüberzuziehen den Ver⸗ Itt t lti Hand br be Hithe t'ſ hitkck. t Hh0 jchen lager des Auh fleſtt Gele W lichen fö˙ i0 ffſ n Nlg 910 0 6 I0J Ag zütſ t ſ Wele Uun 379 ſuch machte, der Verſuchung der Beſtechlichkeit zwar ernſtlich widerſtanden, ſtatt deſſen aber gegen Herodes' Rath, den er von ſeinem Plane in Kenntniß ſetzte, ſich mit einer kleinen römiſchen Truppenabtheilung den Mauern Jeruſalems in der Abſicht unvorſichtiger Weiſe genähert, um unter dem Scheine einer nachgiebigen Bereitwilligkeit eine Recognoscirung der Stadt vornehmen zu können, war aber, da Antigonus ſeine Abſicht errieth, nicht allein nicht eingelaſſen, ſondern überdieß mit bewaffneter Hand ſchimpflich wieder davon gejagt worden, worüber heftig erbittert er beides, Freund und Feind, was ihm unterwegs von Juden in die Hände fiel, über die Klinge ſpringen ließ. Auch Herodes war ſeinerſeits nicht ſo ſehr Meiſter über ſeinen Zorn, daß er bei der erſten Nachricht hievon nicht gute Luſt gehabt hätte, mit Machäras ſelber einen Krieg anzufangen, beſchränkte ſich jedoch, durch eine von demſelben ihm geleiſtete baldige Abbitte mit ihm wieder ausgeſöhnt, anſtatt deſſen darauf, auf jeden Fall zu Antonius, dem im gegenwärtigen Augenblicke mit der Be⸗ lagerung der am Euphrat gelegenen Stadt Samoſata, der Hauptſtadt des Landes Commagene, beſchäftigten römiſchen Triumvir eine Reiſe an⸗ zutreten, um ſich von demſelben eine wirkſamere Hilfe, als die bisher geleiſtete, zur Eroberung ſeines Königreiches auszubitten. An ſeiner Stelle ließ er indeſſen in ſeiner Abweſenheit ſeinen Bruder Joſephus als Befehlshaber über die jüdiſchen Truppen zurück, jedoch mit dem ausdrück⸗ lichen gemeſſenen Auftrage, ſich in der Zwiſchenzeit zwar mit Machäras auf gutem Fuße zu halten, indeſſen ſchlechterdings weder allein, noch auch in ſeiner Geſellſchaft in irgend einen Kampf einzulaſſen. §. 998. Joseph. Antiqd. XIV, 27. bell. Judaic. I, 13. Prideaux Connex. ann. 39. Auch bei dieſer Gelegenheit war Herodes wiederum ſo glücklich, ſich den römiſchen Triumvir beſonders durch ſeinen thätigen Antheil an der Belagerung von Samoſata, welches unter ſeiner Mitwirkung ſich um dieſe Zeit auch wirklich ergeben mußte, neuerdings angelegentlich zu verbinden, ſo daß derſelbe, indem er bei ſeiner hierauf angetretenen Abreiſe Soſius zum Provinzialverwalter über ganz Syrien und Paläſtina einſetzte, ihm zugleich gemeſſene Anweiſung zu nachdrücklicher Unterſtützung des Herodes zurückließ. Indem dieſer Letztere nun mit zwei Legionen, welchen Soſius mit ſeiner ganzen übrigen Heeresmacht ſpäter nachzufolgen verſprach, einſt⸗ weilen auf dem Rückwege befindlich war, erhielt er unterdeſſen die bereits im Traume von ihm vorausgeahnte Unglücksbotſchaft, daß ſein Bruder Joſe⸗ phus, der ſich in der Abſicht, um die in der Ebene von Jericho gerade zum Schnitt reife Ernte in ſeine Gewalt zu bringen, nebſt fünf Cohorten des Machäras dorthin auf den Weg gemacht hatte, mittlerweile von einem in Antigonus' Dienſten ſtehenden jüdiſchen Heere war umzingelt und niedergehauen worden. Sein auf Antigonus' Befehl abgeſchnittenes Haupt hatte inzwiſchen Pheroras, Herodes' vierter Bruder, um 50 Talente bereits wieder ausgelöſt. Zugleich war auf die Nachricht von dieſer Niederlage Galiläa von Herodes abgefallen, die Landſchaft Samaria aber von Pappus, des Antigonus' Oberfeldherrn, welcher Joſephus eigenhändig getödtet hatte, militäriſch beſetzt worden. Durch dieſe traurigen Nach⸗ richten zu größerer Eile beſtimmt, rückte Herodes einſtweilen mit einer der beiden ihm anvertrauten Legionen, durch 800 Juden aus dem Gebirge Libanon unterwegs verſtärkt, in Galiläa ein, nach deſſen baldiger Er⸗ oberung er in der nächſten Abſicht, den Tod ſeines Bruders Joſephus zu rächen, alsbald bis nach Jericho glücklich vordrang, durch die in den dort auslaufenden Engpäſſen aufgeſtellten jüdiſchen Schleuderer jedoch einigermaßen bedrängt und ſelber perſönlich verwundet wurde. Nachdem er übrigens von dort aus fünf Städte binnen Kurzem eingenommen, ſchlug er die Richtung nach Samaria ein, woſelbſt'er durch zahlreiche ankommende Freiwilligen aus dem ganzen Lande verſtärkt, Pappus mit ſeinem ganzen Heere aufzureiben das Glück hatte, und in Folge dieſes Sieges auch Jeruſalem damals bereits in ſeine Gewalt bekommen hätte, wäre die fernere Fortſetzung des Krieges nicht zum Glücke für den ſchon reiſefertigen Antigonus durch den ungewöhnlich frühzeitigen Anbruch eines ausnahmsweiſe ſtrengen Winters verhindert worden. Herodes entging nach Joſephus' an beiden angeführten Orten mit⸗ getheilter Erzählung während dieſer Zeit zweimal auf eine beinahe wunder⸗ bare Weiſe einer ihm augenſcheinlich drohenden Lebensgefahr, einmal, indem die Decke eines großen Speiſeſaales, in welchem er zu Jericho ein Gaſtmahl veranſtaltet hatte, unmittelbar, nachdem er ſeine Gäſte wieder hinausbegleitet hatte, einſtürzte, das andere Mal dadurch, daß nach der Schlacht bei Samaria, als er Abends bei Licht in einem abgelegenen Zimmer ein Bad nahm, plötzlich drei bewaffnete Kriegsknechte von Pappus' Heere, welche ſich in dem nämlichen Raume verſteckt hielten, ſichtbar her⸗ vortraten, jedoch, anſtatt den ganz entkleideten Herodes zu überfallen, ſich voller Schrecken weiter flüchteten. Man zog aus dieſen Begebenheiten den Schluß, daß Herodes bei Gott in beſonderer Gunſt ſtehen müſſe. Vielleicht war indeſſen die wahre Abſicht der göttlichen Vorſehung keine weitere, als in ſeiner Perſon nur denjenigen Gegner zu erhalten, welcher allein die auf unſittlicher Grundlage beruhende Macht des gegenwärtigen Hohenprieſters Antigonus brechen konnte. J55 alf E gs Keſch Wuum t K. E dus nl un ih 0 ſe Oue begzte der ö eg W5 b hurth b Guht * W N8 Gile en S g S090 large fe ſc Luſte 2 leler 0 chül Witht Eiht Miß Aum f fr. un 1 Joseph. Antidd. XIII, 27. 28. XV, 1. bell. Judaic. I, 13. Prideaux Gonnexion ann. 38. 37. Erſt im darauffolgenden Jahre 4062 begann daher die von Herodes beabſichtigte Belagerung Jeruſalems, indem er nämlich gegen die Nordſeite der Stadt als die einzig angreifbare drei verſchiedene Wälle mit Belage⸗ rungsthürmen zu errichten Befehl gab. Während der längeren Dauer, welche dieſe Arbeit in Anſpruch nahm, fand Herodes erſt Zeit, ſeine Vermählung mit Mariamne in Samaria zu vollziehen, eine Handlung, mit welcher er zugleich eine Art Demonſtration beabſichtigte, daß er ſich des Sieges zum Voraus gewiß glaube. Während er nun von Samaria aus mit neu angeworbenen 30,000 Mann wiederholt vor Jeruſalem rückte, kam ihm endlich auch Soſius mit ſeinen übrigen Legionen zu Hilfe, ſo daß ſie zuſammen 11 Legionen und 6000 Reiter(etwa 70,000 Mann im Ganzen) zu ihrer Verfügung hatten. Trotzdem währte in Folge der verzweifelten Gegenwehr der Belagerten, welche ſich durch die Einſprache der zwei Phariſäer Pollio und des ſchon aus§. 981. bekannten Sameas, die zur Uebergabe riethen, nicht ſtören ließen, die Belagerung bis tief in das dritte Jahr 4063, in welchem, da dasſelbe ein Sabbathjahr war, durch die hinzukommende Hungersnoth der zuletzt nach Einnahme der Stadt von den Anhängern des Antigonus noch behauptete feſte Punkt, der Tempelberg zufällig am nämlichen Tage, an welchem Pompejus 27 Jahre zuvor die Stadt erobert hatte, zur Uebergabe genöthigt wurde. Eine ſchreckliche Gräuelsſcene bezeichnete den endlich ſo mühſam errunge⸗ nen Sieg, indem die Juden von Herodes' Partei ebenſo mörderiſch über ihre gegneriſch geſinnten Volksgenoſſen herfielen, als ſich die römiſchen Soldaten räuberiſch und plünderungsſüchtig zeigten, und was als das Aergerlichſte hinzukam, die Heiligkeit des Tempels ſo wenig achteten, daß ſie ſchaarenweiſe zur Befriedigung ihrer frevelhaften Neugierde in den Tempel einzudringen Anſtalt machten, ſo daß Herodes kaum mit bewaff⸗ neter Hand, geſchweige denn mit bloßen Bitten oder Drohungen, ſie davon abzubringen im Stande war. Zuletzt wendete er, da das Rauben und Plündern kein Ende nehmen wollte, ſich an Soſius mit der Bitte, ſeinen Soldaten doch endlich einmal Einhalt zu thun, indem es ja nicht der Mühe werth und eine Schande für die Römer ſei, ihn über eine Wüſtenei zum König einzuſetzen, und machte, als Soſius dagegen die Plünderung für den Soldaten zur Entſchädigung ſeiner ausgeſtandenen Mühe und Lebensgefahr als ein Recht in Anſpruch nahm, ſich anheiſchig, die Legio⸗ nen aus ſeinem eigenen Vermögen entſchädigen zu wollen, ein Verſprechen, welches er auch mit wahrhaft küöniglicher Freigebigkeit ſpäter vollhielt. Soweit war das Schickſal Paläſtinas und Jeruſalems für den Augenblick zu Herodes“ Guuſten entſchieden. Es war eben nur ſein Nebenbuhler Antigonus, der letzte fürſtliche hasmonäiſche Hoheprieſter noch am Leben, welcher mit unwürdiger fußfälliger Geberde unter Bitten und Thränen um ſein Leben flehend, ſich an Soſius auf Gnade und Ungnade ergeben hatte. In Beziehung auf dieſen gab Herodes bei dieſer Gelegenheit das erſte öffentliche Beiſpiel ſeiner ſpäteren auffallenden Charakterverſchlechte⸗ rung. Nachdem nämlich Soſius eine goldene Krone als Weihgeſchenk für den Gott Israels in Jeruſalem hinterlaſſen, hatte er, da Antonius denſelben für ſeinen ſpäter in Rom zu feiernden Triumph aufzuſparen beabſichtigte, den gefangenen Hohenprieſter einſtweilen nach Antiochia transportiren laſſen. Da aber die Beſorgniß Herodes keine Ruhe ließ, daß, wenn nicht Antigonus ſelber, doch ſeine Erben wenigſtens einmal von Rom aus den jüdiſchen Thron reclamiren könnten, ſo ließ er aus Furcht vor der wankelmüthigen Unbeſtändigkeit des jüdiſchen Volkes ſelber mit Bitten und Beſtechungen bei Antonius nicht ab, als bis er es dahin gebracht hatte, daß der letzte fürſtliche Hoheprieſter aus dem hasmonäiſchen Hauſe auf eine abſichtlich möglichſt ſchimpfliche Weiſe öffentlich hingerichtet worden war, indem er vorerſt nackend ausgekleidet, mit Ruthen gepeitſcht und ihm darnach durch das Beil das Haupt von dem Rumpfe getrennt wurde. 1) Mariamne war im damaligen Augenblicke ihrer Vermählung un⸗ gefähr 18 Jahre alt. Vergl. Anmerk. zu§. 989. 2) Das 6. 66. von uns erwähnte, von Joſephus in der Stelle Antiqd. III, 10. gegen das Ende des Capitels(nach unſerer Ausgabe) beſchriebene Geſetz über das alle ſieben Jahre fällige Sabbaths⸗, ſowie über das alle fünfzig Jahre einmal eintretende Jubeljahr könnte, wenn wir mehrere geſchichtliche Erwähnungen deſſelben hätten, weſentlich zur Berichtigung unſerer chronologiſchen Berechnungen beitragen. Es kommen dieſelben aber leider zu ſpärlich vor, um uns für die ganze altteſtament⸗ liche Geſchichtsperiode wenigſtens dieſen Dienſt leiſten zu können, wobei als beſonders mißlicher Nebenumſtand hinzukömmt, daß ſeit der Rückkehr aus dem babyloniſchen Erile, gemäß einer von Ideler(Lehrbuch der Chronologie S. 209 u. f.) gegebenen Erörterung, wahrſcheinlich aus dem Grunde, weil man ſich wegen der allzu großen Beſchwerlichkeit unter den eingetretenen politiſchen Abhängigkeits⸗ und Zinsbarkeitsverhältniſſen davon für dispenſirt hielt, das Jubeljahr nicht mehr gefeiert worden iſt, wodurch anſtatt der bisherigen 50- nur 49jährige Jubelperioden herauskommen, Die Richtigkeit dieſer Annahme vorausgeſetzt, ſtimmen jedoch, was die nach⸗ exiliſche jüdiſche Geſchichtsperiode anbelangt, die vorhandenen geſchichtlichen Angaben der Sabbathsjahre, ſoviel als wir bemerken können, mit den betreffenden ſiebenjährigen Diſtanzen wirklich eract überein, indem die Jahre 3938(vergl.§. 854.)— hinſichtlich welcher Angabe begreiflicher Weiſe jedoch das vorausgehende 3937ſte Jahr als eigentliches Sabbaths⸗ jahr in Betrachtung kommen muß, da der im Winter 3938 ſich ereig⸗ nende Feldzug des ſyriſchen Königs Antiochus V. Eupator das Land in einem Zuſtande antraf, in welchem die Winterfrucht noch nicht zur Reife gekommen ſein konnte— das Jahr 3965(vergl. Anmerk. zu§. 915.) und das gegenwärtige Jahr 4063 genau in Zeitabſchnitten von ſolchen durch 7 theilbaren Zwiſchenzeiträumen zuſammentreffen.— Aus der vor⸗ eriliſchen Periode, in welcher, wie§. 545. bemerkt, das geſetzliche Erlaß⸗ jahr überhaupt nur ſelten zur Beobachtung gekommen zu ſein ſcheint, für welches wir aber 50jährige Jubelperioden als Grundlage der Berech⸗ nung anzunehmen genöthigt ſind, erinnern wir uns nun aber nur zwei beiläufiger ausdrücklicher Erwähnungen, nämlich eine aus dem Jahre 3389(§. 463.), bei welchem zugleich das darauffolgende 3390ſte Jahr als eigentliche Jubeljahrepoche zu betrachten, und eine zweite aus dem Jahre 3509(§. 545.). Dieſe beiden Zahlen können wir jedoch leider nicht in genauer Uebereinſtimmung erkennen, weil ſie zwar nach dem nacheriliſchen Modus(3509— 3390 419:4% 17), aber nicht nach dem voreriliſchen chronologiſch zuſammentreffen, wobei ſie übrigens überdieß noch mit den nachexriliſchen Zeitangaben zufälliger Weiſe beinahe eract übereinkommen(4063— 3390 ⸗ 678:67/ 96½). Es kommt indeſſen auf ſolche kleinere Differenzen für den Augenblick wenigſtens nicht viel an, weil wir eine unbedingte vollſtändige Herſtellung der bibli⸗ ſchen Chronologie nach dem gegenwärtigen Stande der bibliſchen Ge⸗ ſchichtsbearbeitung ohnehin noch nicht für möglich erachten. Wollen wir denn nun aber vom Jahre 3390 wenigſtens an in 50jährigen Jubel⸗ perioden rückwärts gehend unbedingt weiter zurückrechnen, ſo iſt uns aus dieſer ganzen Zwiſchenzeit zwar weder aus der heiligen Schrift, noch bei Joſephus irgend eine weitere ausdrückliche Erwähnung des Sabbaths⸗ jahres mehr erinnerlich; wir kommen jedoch auf dieſem Wege nach 16 ſolchen Jubelperioden bei dem Jahre 2590, dem Todesjahre Joſue's, als dem muthmaßlichen Ausgangspunkte an, von welchem aus denkbarer Weiſe die Jubelperioden überhaupt berechnet worden ſein dürften, weil erſt mit dem Augenblicke der von Joſue kurz vor ſeinem Ableben ver⸗ anſtalteten letzten israelitiſchen allgemeinen Volksverſammlung(ſ.§. 160.) der reiflich überlegte Vorſatz, das göttliche Gebot in allen ſeinen einzelnen Punkten treulich zu beobachten, dem ganzen damals noch wohlgeſinnten israelitiſchen Volke zum einhelligen Bewußtſein gekommen ſein mag.— Es iſt bei der chronologiſchen Unterſuchung der gelegentlichen Bemerkung nicht unwerth, daß ſämmtliche drei aus chronologiſchen Urſachen von uns hypothetiſch angenommenen Adoptlonen von jüdiſchen Königsſöhnen zu Mitregenten in ſolche nach dieſer Berechnung herauskommenden Sab⸗ bathsjahre, nämlich in das Jahr 3234(32332 denn dieß iſt genau genommen die eigentliche Sabbathsjahreszahl; vergl.§. 407. nebſt An⸗ merkung), in das Jahr 3304(§. 438.) und in das Jahr 3361(§. 446.) hineinfallen. Es wäre der Natur der Sache nach wohl nicht unmöglich, daß ſolche Adoptionen vorzugsweiſe gerne im Erlaßjahre vorgenommen zu werden gepflegt hätten. 3) Bei ſeiner nothgedrungenen Uebergabe an Soſius ſoll der beſiegte 384 königliche Hoheprieſter ſich ſo weibiſch benommen haben, daß Soſius da⸗ durch zum Spott geſtimmt, ſtatt Antigonus vielmehr den Namen Antigone, die weibliche Form dieſes Eigennamens nach der griechiſchen Sprache, ihm beilegte. Es iſt hiebei, gelegentlich bemerkt, freilich traurig, den Sprößling einer ſo erlauchten Familie ein ſo ſchimpfliches Lebensende nehmen zu ſehen. Indeſſen kann man, wenn man die Art bedenkt, auf welche er ſich in das Hohenprieſterthum eingedrängt hatte, kaum ſagen, daß er ein beſſeres verdient habe. 4) Es darf endlich bei Gelegenheit der Eroberung Jeruſalem's durch Herodes die ſpäter(§. 1022.) kurz nacherzählte Begebenheit mit den ſogenannten Söhnen des Babas nicht unerwähnt gelaſſen werden, einer nach der Erzählung bei Joſephus(Amiqq. XV, 1I.) in Jeruſalem an⸗ geſehenen jüdiſchen Familie, welche die Sache des Antigonus mit beſon⸗ ders aufopferndem Eifer unterſtützt, und durch ihren Widerſtand haupt⸗ ſächlich die freiwillige Uebergabe der Stadt verhindert hatte. Herodes hatte, um bei der endlichen gewaltſamen Eroberung der jüdiſchen Haupt⸗ ſtadt niemanden unter ſeinen Feinden entwiſchen zu laſſen, einen Idumäer mit Namen Coſtobarus, dem er ſpäter auch ſeine Schweſter Salome zur Ehe gab, die Ausgänge der Stadt zu bewachen gegeben, dieſer aber, da er insgeheim ſich und ſeine Stammgenoſſen von Herodes unabhängig zu machen mit dem Gedanken umging, die Söhne des Babas, von denen er ſich thätige Mitwirkung verſprach, gerade zu dieſem Endzwecke abſicht⸗ lich am Leben gelaſſen, weßwegen er dieſelben, auch nachdem Herodes ausdrücklich einen namhaften Preis auf ihre Häupter geſetzt hatte, noch immer nicht herausgab, ſondern noch 12 Jahre lang auf ſeinen Land⸗ gütern bei ſich verborgen hielt. CCxIII. Der Hoheprieſter Ananeel mit dem Zwi⸗ ſchenhohenprieſter Ariſtobulus III. Herodes König von Zudäa. §. 1000. Joseph. Antidd. XV, 1. 2. bell. Judaic. I, 13. Prideaux Connex. ann. 37. 36. Trotz dieſes beklagenswerthen wiederholten Unterganges der ſo theuer erkauften jüdiſchen Nationalfreiheit fing das Land unter Herodes' ebenſo kräftiger als zweckmäßiger Regierung vor der Hand an, wenigſtens einige Ruhe zu bekommen. Es mußten eben, um die Ruhe vollkommen herzu⸗ ſtellen, nur eine nicht unbeträchtliche Anzahl weiterer Opfer fallen, indem nämlich ſämmtliche Anhänger des Antigonus, und insbeſondere ſämmtliche Mitglieder des gegenwärtigen Hohenrathes, mit Ausnahme der beiden Phariſäer Pollio und Sameas, welche während der Belagerung den Muth gehabt hatten, für die gutwillige Uebergabe der Stadt an Herodes, deſſen Regiment als einer von Gott über die Sünden des Volks verhängten 1 Wud fihn ſbet eel fſfen (Iut inftttt We chen b69 As“ fillg ll, Muhelh W Mutg Rft U Wil W flla Lrn Iu t des J 1 385 Strafe ſie ſich doch nicht entziehen könnten, ihre Stimme abzugeben, ihre dem Herodes feindlich entgegengeſetzte bisherige politiſche Richtung mit dem Tode zu büßen bekamen, worauf ihr Vermögen von Herodes confis⸗ cirt und zu reichlichen Geſchenken für Antonius und Cleopatra verwendet wurde. Pollio, welcher in der jüdiſchen Tradition den Namen Hillel führt, und Sameas(Schammai) wurden dagegen von Herodes als Prä⸗ ſident und Vicepräſident an die Spitze eines neuerwählten Hohenrathes geſtellt, zwei Männer von ſolcher Wiſſenſchaft und Beredſamkeit, daß es ihnen gelang, das mit dem Hohenrathe nach der Abſicht ſeines Stifters (Simon J. Juſtus, vergl.§§. 761. 764.) verbundene theologiſche Lehr⸗ inſtitut in einem bis daher noch nicht geweſenen Glanze allmälig wieder herzuſtellen. Unter ihrem Einfluſſe ſcheinen um jene Zeit die berühmten beiden chaldäiſchen Paraphraſen der heiligen Schrift alten Teſtaments, das Targum des Onkelos und dasjenige des Jonathan entſtanden zu ſein. Als Hohenprieſter an Antigonus' Statt beſtellte Herodes einen ihm zu⸗ fällig bekannten Prieſter von babyloniſcher Heimath, mit Namen Hana⸗ neel, den er eben ſeiner unbekannten Herkunft wegen am wenigſten als Nebenbuhler für ſein fürſtliches Anſehen zu fürchten brauchte. Der Uebergang der politiſchen Landesregierung aus denen der Has⸗ monäer, welche ſich in letzterer Zeit wenigſtens wirklich nicht anders, denn als treuloſe Hirten benommen hatten, in Herodes' Hände iſt nicht unwahrſcheinlich einer der weſentlichſten prophetiſchen Gegenſtände, welche dem Propheten Zacharias bei ſeiner Ankündigung eines dereinſtigen unbarmherzigen und grauſamen Hirten(vergl.§. 653.) vor der Seele ſchwebte.— Ueber die Targumim überhaupt, d. h. die unter dieſem Namen bekannten paraphraſtiſchen Ueberſetzungen der hebräiſchen Bücher des Alten Teſta⸗ mentes in die im damaligen Augenblicke in Paläſtina übliche ſy rochal⸗ däiſche Landesſprache, unter welchen die beiden in unſerem Para⸗ graphen genannten ganz beſonders angelegentlich zum Studium der altteſtamentlichen Eregeſe überhaupt von Prideaurx empfohlen werden, vergleiche ſeine gründliche Abhandlung am Anfange des 8. Buches, Connexion II. Theil ann. 37. §. 1001. Josephus Antidd. XV, 2. Prideaux Connex. ann. 36. Der noch lebende ehevorige Hoheprieſter Hyrcanus II. hatte bei dem neuen parthiſchen Könige Phraates inzwiſchen eine gaſtliche Aufnahme gefunden, indem derſelbe ihn ſeiner Gefangenſchaft gutwillig entließ, worauf ihm unter der in Babylonien zerſtreut lebenden zahlreichen jüdiſchen Bevölkerung faſt die nämlichen Ehren und Annehmlichkeiten freiwillig dargeboten wurden, welche er als fürſtlicher Hoherprieſter in Jeruſalem ſelber genoſſen hatte. Nichts deſto weniger war er mit dieſer unerwartet Krafft, heil. Geſchichte. II. 2⁵ günſtigen Wendung ſeines Schickſals nicht ſo zufrieden, daß er nicht, von der Eroberung Jeruſalems durch Herodes und von des letzteren zugleich erlangter neuen Königswürde in Kenntniß geſetzt, den lebhaften Wunſch empfunden hätte, die Früchte eines Sieges, zu deſſen Erringung er das Seinige ebenfalls beigetragen, mit demſelben nunmehr auch theilen zu dürfen. Da er aber Herodes' Charakter nicht gehörig durchſchaute, ſo trafen des letzteren Wünſche zufällig aus einem ganz entgegengeſetzten Grunde mit den⸗ ſeinigen zuſammen, indem derſelbe, deſto leidenſchaftlicher auf die Behauptung ſeiner neuen Königswürde erpicht, je empfindlicher er ſich bereits von anfänglichen Gewiſſensbiſſen hinſichtlich der Erwerbung derſelben geſtachelt fühlte, aus Furcht vor der wankenden Gunſt des nach einer 126fährigen Regierung nunmehr an die hasmonäiſche Familie ein⸗ mal gewöhnten Volkes die Perſon Hyrcanus' auf alle Fälle in ſeine Gewalt zu bringen das Verlangen trug, um je nach Umſtänden, ſo gut wie alle ſeine übrigen Nebenbuhler, auch ihn gelegentlich gewaltſam aus dem Wege räumen zu können. In dieſer Abſicht ſchrieb er demnach heuchleriſche Briefe ſowohl an Hyrcanus ſelber, er möchte ſich doch von ſeinen dortigen Verhältniſſen in Babylonien mit guter Art losmachen, um ſich von der dankbaren Erkenntlichkeit ſeines ihm durch ſo viele Wohlthaten verpflichteten Schwiegerſohnes durch eigene Erfahrung über⸗ zeugen zu können, ſowie an den parthiſchen König Phraates, welchen er zugleich durch Geſchenke beſtach, ſeinen Wohlthäter Hyrcanus doch ohne Umſtände gutwillig nach Paläſtina zurückkehren zu laſſen. Es ſchien auch, da er ſeiner ſtattgehabten Verſtümmelung halber ein⸗ für allemal zum Wiederantritte der Hohenprieſterwürde geſetzlich untauglich geworden, von einer allenfalls bei Herodes erwachenden Eiferſucht kaum etwas für ihn zu fürchten übrig zu ſein. Durch ſolche Erwägungen, verbunden mit einer gewiſſen natürlichen Anhänglichkeit an die Seinigen und an das Heimathland, ließ er ſich demnach trotz der warnenden Einrede ſeiner ihn ungern davon laſſenden in Babylonien anſäſſigen Volksgenoſſen leicht überreden, mit erlangter Bewilligung des parthiſchen Königs im darauf⸗ folgenden Jahre 4064 nach Jeruſalem zurückzukehren, woſelbſt er im Anfange auch durchaus ehrerbietig empfangen, und mit der größten Aus⸗ zeichnung und Rückſicht von Herodes behandelt wurde.— In dem näm⸗ lichen Jahre ſchlug ein von Antonius noch immer unter dem Vorwande eines für die Craſſus beigebrachte Niederlage ſchuldigen Rachekrieges gegen die Parther unternommener Feldzug unglücklich aus, indem er mit kaum dem dritten Theile ſeines zahlreichen Heeres nothgedrungen über det 056 nt blt G19 Gic hir em guke lube. Herlt War U geich hech Mbrr iiez bie9 in 00 Sfügt Gigel Mdr t f Miffl Mſic Walten W toſttz bkän Reſem ‚ mlt ant 387 den Euphrat wieder zurückkehrte. Deſto glücklicher war in eben dieſem Jahre der andere römiſche Triumvir Cäſar Octavianus, indem derſelbe mit Hilfe des Triumvir Lepidus, welcher bis daher die Provinz Afrika verwaltet hatte, nicht allein Sextus Pompejus, den Sohn Pompejus des Großen, der ſich mittlerweile noch eine Zeit lang als Beherrſcher von Sicilien behauptet hatte, in die Flucht ſchlug, ſondern in einem unmittel⸗ bar darnach zwiſchen den Siegern ausgebrochenen Zerwürfniſſe mit Lepi⸗ dus' Heer zugleich auch ſeine ſämmtlichen Provinzen in ſeine Gewalt bekam, ſo daß in Folge einer neuerdings vorgenommenen Theilung das ganze römiſche Reich nur von Antonius und Octavianus weiter regiert wurde. §. 1002. Joseph. Antidd. XV, 2. 3. bell. Judaic. I, 17. Prideaux Connexion ann. 35. Derjenige männliche Sproſſe der hasmonäiſchen Familie, von dem Herodes am meiſten in ſeiner ängſtlichen Eiferſucht zu beſorgen hatte, war übrigens nicht Hyrcanus, ſondern vielmehr deſſen an ſeinem Hofe lebender, durch körperliche Schönheit mit ſeiner Schweſter Mariamne gleich ausgezeichneter Enkelſohn Ariſtobulus. Herodes würde demſelben jedoch kaum ſobald etwas zu Leide gethan haben, wofern ſeine Schwieger⸗ mutter Alexandra, welche ſich ebenſo wenig als Hyrcanus in den Charakter ihres Schwiegerſohnes gehörig hineinzudenken vermochte, ſich nicht durch die vermeintliche Zurückſetzung ihres Sohnes, weil Hananeel demſelben im Hohenprieſterthume war vorgezogen worden, ſo gekränkt und beleidigt gefühlt hätte. Sie machte ſich daher in dem Unmaße ihrer weiblichen Eigenliebe weder ein Gewiſſen daraus„noch trug ſie ein vernünftiges Bedenken, zu leichterer Erreichung ihres Wunſches die ſittenloſe Cleopatra brieflich in ihr Vertrauen zu ziehen, und durch ihre Vermittlung bei dem römiſchen Triumvir Antonius um das Hohenprieſterthum für ihren Sohn Ariſtobulus anzuhalten. Ebenſo wenig ſchämte ſie ſich, da dieſer erſte Verſuch wenig fruchtete, auf den Rath eines gewiſſen Delltus, eines ver⸗ trauten Günſtlings des Antonius, welcher auf einer Reiſe zufällig in Jeruſalem anweſend, Alexandra mit der Verſicherung ſchmeichelte, daß An⸗ tonius, wofern er die gemalten Porträte ihrer beiden Kinder zu Geſicht bekäme, ihr keine weitere Bitte abzuſchlagen vermöchte, wirklich zu eben dieſem Behufe ihre Bilder malen, und Antonius durch Dellius überſenden zu laſſen. Antonius, welcher in dieſer Artigkeit eine weit ſchimpflichere coquettirende Erniedrigung erblickte, als Alexandra wahrſcheinlich ſelber damit beabſichtigte, verzichtete zwar darauf, die Gemahlin ſeines Günſt⸗ 2⁵* 388 lings Herodes zu deſſen Verdruß und Schaden ehebrecheriſch mißbrauchen zu wollen, bat ihn jedoch dagegen brieflich, wofern es ihm nicht beſchwer⸗ lich fiele, den jugendlichen Ariſtobulus einmal bei Gelegenheit auf Beſuch zu ihm kommen zu laſſen, worauf denn Herodes in ſeiner Antwort ſich dringend entſchuldigte, daß er, ohne einen allgemeinen Aufſtand des ohne⸗ hin der Hoffnung auf eine neue Regentſchaft ſich nur allzu leicht hin⸗ gebenden jüdiſchen Volkes befürchten zu müſſen, den jungen Hasmonäer nicht über die Grenze laſſen dürfe. Da er nun aber durch Alexandra einmal in die peinliche Nothwendigkeit, dem römiſchen Triumvir eine abſchlägige Antwort ertheilen zu müſſen, verſetzt worden war, und über⸗ dieß ſeine eigene Gemahlin Mariamne ihn wegen des Hohenprieſterthums für ihren Bruder zu beſtürmen nicht aufhörte, ſo willigte er in einem abgehaltenen Familienrathe endlich darein, mit einer aller bisherigen Rechtsgewohnheit ſchnurſtracks zuwiderlaufenden Entſetzung Ananeel's den erſt 17jährigen Ariſtobulus III. im Jahre 4065 wirklich mit dem Hohen⸗ prieſterthume zu bekleiden, jedoch nicht ohne zugleich Alexandra ihre heim⸗ lichen Intriguen, mit welchen ſie ihm ſo ſehr zum Schaden gearbeitet habe, zum bitteren Vorwurfe zu machen. Es gehörte von Seiten Alexandra's in der That ſowohl eine völlige Verleugnung alles israelitiſchen religiöſen Nationalehrgefühls,— eine Triebfeder, welche um dieſe Zeit freilich mehr oder weniger im ganzen Volke ſehr darniedergedrückt geweſen zu ſein ſcheint— als insbeſondere eine ganz gleichgiltige Hinwegſetzung über alle Rückſichten der fürſtlichen Familienehre dazu, um in einer ſo zarten Angelegenheit, wie die Nach⸗ ſuchung des hohenprieſterlichen geiſtlichen Amtes für ihren Sohn Ariſto⸗ bulus zu der Vermittlung eines heidniſchen Machthabers überhaupt, noch dazu auf einem ſo ſchimpflichen Wege, wie derjenige des von einer ſo öffentlich entarteten Perſon wie Cleopatra auf ihn ausgeübten unſittlichen Privateinfluſſes, ihre bittweiſe Zuflucht zu nehmen. Wir finden eine ſolche gelegentliche Privathandlung von unſerem unmaßgeblichen Stand⸗ punkte aus in ihrer Art für ſchwerer zu vertheidigen, als z. B. jene berüchtigte grauſame Execution, welche ſich Alexander Jannäus nach Erzählung von§. 943. hatte zu Schulden kommen laſſen. §. 1003. Josephus Antidd. XV, 3. Prideaux Connexion ann. 35 Dieſe augenblickliche Befriedigung ihres ungezügelten Ehrgeizes kam Alexandra jedoch theuer zu ſtehen, indem Herodes, beſeelt von einem in jedem Falle übertriebenen Mißtrauen gegen die eigentliche Grundabſicht ihres Herzens, Maßregeln traf, durch welche ihre Freiheit, ſich aus dem königlichen Palaſte zu entfernen, von jetzt an beſchränkt, und überdieß noch innerhalb ihrer Wohnung den ganzen Tag hindurch ihr Thun und f l ih ff10 U mac ffl ihn U1 lith Rg Mith Nels abde abſi Zuh gehre f Cleh Ml hN 000 Gel⸗ helc Ahil Wa9 riät ff füt dihen lem W0 en fl5 Aun leht ſ 389 Laſſen durch eigens beſtellte Aufſeher überwacht wurde, eine Behandlung, welche geduldig zu ertragen ſie ſich unfähig fühlte, und deßwegen in einem nächſten vertrauten Briefe gegen Cleopatra, die ſie um Rath und Hilfe erſuchte, mit den ſchmerzlichſten Aeußerungen darüber ihr Herz ausſchüttete. Cleopatra gab ihr den gefährlichen Rath, ſich mitſammt ihrem Sohne nach Egypten auf die Flucht zu begeben, ein Anſchlag, deſſen Bewerk⸗ ſtelligung ſie auch wirklich in der Art unternahm, daß ſie ſich ſelbſt und ihren Sohn in zwei Särge eingeſchloſſen aus der Reſidenz und aus der Hauptſtadt hinausfahren zu laſſen veranſtaltete, von wo aus ſchnell dem nächſten Hafenorte zueilend ſie zu Schiffe zu entkommen rechnete. Allein die göttliche Vorſehung fügte, daß der ganze Plan durch einen zufälligen Mitwiſſer mit Namen Sabbion, der bis daher wegen Mitwirkung an der Vergiftung ſeines Vaters Antipater dem Herodes verdächtig, ſich ge⸗ rade bei dieſer Gelegenheit in ſeine Gunſt und Vertrauen zu ſetzen be⸗ abſichtigte, demſelben verrathen, und das Flüchtlingspaar bereits im beſten Zuge unterwegs, aufgegriffen und nach Jeruſalem vor Herodes zurück⸗ gebracht wurde, doch ſo, daß dieſer letztere, obwohl im Geheimen dadurch auf das Unerbittlichſte gefoltert, ſchon aus Furcht vor der Rache der Cleopatra ſich äußerlich den Anſchein gab, als halte er es nicht der Mühe für werth, von der ganzen Sache auch nur eine eigentliche Kennt⸗ niß zu nehmen. Wirklich mag Herodes bis dahin alle eigentlichen Rache⸗ gedanken noch in ſeiner Seele zurückgehalten haben, bis er endlich bei Gelegenheit des in dieſes Jahr 4065 einfallenden Laubhüttenfeſtes, an welchem die edle Geſtalt des hohenprieſterlichen Jünglings, unter dem erhöhenden Eindrucke eines koſtbaren Ornates und eines bezaubernden perſönlichen Anſtandes in allen ſeinen hohenprieſterlichen Opferdienſtver⸗ richtungen, die von Bewunderung und Zuneigung erfüllten Herzen des anweſenden Volkes zu förmlichen öffentlichen Zurufsäußerungen mit ſich fortriß, ſich derſelben nicht weiter erwehren konnte. Darum ließ er, zu einem von Alexandra in Jericho veranſtalteten Gaſtmahle eingeladen, an einem heißen Herbſtnachmittage zur Beluſtigung des hohenprieſterlichen Jünglings anfangs in ſeiner Gegenwart von ſeinen Bedienſteten in einem benachbarten Baſſin allerhand Schwimmkünſte zum Beſten geben, und als ſich hierauf Ariſtobulus ſelber durch das Beiſpiel und Zureden der Anweſenden verleiten ließ, zu ſeiner eigenen Erfriſchung ebenfalls ein Bad nehmen zu wollen, ſo wurde ihm in Herodes' Auftrage von denſelben, ihn gleichſam zum Scherz untertauchend, der Kopf ſo lange unter Waſſer gehalten, bis er richtig ertrunken war. CCXIV. Der Hoheprieſter Hananeel. Herodes König von Judäa.(Fortſetzung.) §. 1004. Josephus Antiqd. XV, 3. 4. Prideaux Connex. ann. 35. 34. Ebenſo jämmerlich, als es iſt, ſich die ſchmerzliche Aufregung vor⸗ zuſtellen, welche bei dem erſten Empfange dieſer Nachricht ſich nicht allein Alexandra's und Mariamne's, der nächſten Blutsverwandten des ge⸗ meuchelten Jünglings, ſondern auch des ganzen jüdiſchen Volkes bei weiterer Verbreitung derſelben bemächtigen mußte, ebenſo eckelhaft berührt den menſchlich fühlenden Leſer der jüdiſchen Geſchichte die Schilderung der heuchleriſch erkünſtelten leidenſchaftlichen Schmerzensäußerungen, deren Hero⸗ des auch ſeinerſeits ſich bediente, um, wenn auch nicht den naheliegenden Ver⸗ dacht, doch wenigſtens allen äußeren Anſchein einer ſtattgefundenen abſicht⸗ lichen Veranſtaltung dieſes himmelſchreienden Vorfalles von ſich ferne zu halten, zu welchem Endzwecke er unter andern auch zur feierlichen Beerdigung der fürſtlichen Leiche allen nur erdenklichen Pomp aufbot. Nur die ein⸗ zige Erwägung mildert einigermaßen dieſen widerlichen Eindruck, daß nämlich die peinliche Nothwendigkeit, zu ſeiner Selbſterhaltung zu ſo entſetzlichen, fluchbeladenen Opfern ſeine Zuflucht nehmen zu müſſen, ſogar einem ſo eigennützig verhärteten Manne, wie Herodes, der außerdem dem arglos unerfahrenen Jünglinge wohl nicht gerade feindlich geſinnt war, möglicher Weiſe doch noch bis auf einen gewiſſen Grad ſelber zu Herzen ging. Um ſo betrübender iſt es daher auf der anderen Seite, die ver⸗ waiſte Alexandra auch durch ſo durchdringend erſchütternde Lebenserfah⸗ rungen noch nicht gewitzigt, eigentlich nur aus Rachſucht gegen Herodes der Verſuchung zum Selbſtmorde widerſtehen, und unter gezwungener Zurückhaltung ihrer freien Empfindungsäußerung neuerdings zu Cleopatra ihre geheime Zuflucht ergreifen zu ſehen, welche ſie auch dießmal wiederum brieflich von dem Vorgefallenen in Kenntniß ſetzend, zur Erreichung ihrer rachedurſtigen Abſichten um Hilfe bat.— An Ariſtobulus' III. Stelle war inzwiſchen Hananeel neuerdings in das hoheprieſterliche Amt wieder ein⸗ gerückt. §. 1005. Josephus Antiqd. XV, 4. Prideaux Connex. ann. 34. Der wahre Beweggrund, aus welchem Cleopatra bereitwillig auf alle Wünſche Alexandra's einging, war nicht ſowohl aufrichtige Theil⸗ nahme an ihrem allerdings traurigen Schickſale, als vielmehr unerſättliche ſihe ict Fit 1 fibe f0 Iun fitfe feink uim Dud ſunf haſe labe Rle iüm bein M 0 g· fioſ ſchet ¹ linen We Wöö l m nt Ki eigene Bereicherungsſucht, vermöge deren ſie Antonius anlag, die unerhörte rückſichtsloſe Grauſamkeit, mit welcher ein von ihm über Judäa eingeſetzter König gegen die bisherige königliche Familie wüthe, nicht ungeſtraft zu laſſen, wobei ſie zugleich mit Herodes' Tödtung das jüdiſche Land ihr ſelber beizulegen bei dem römiſchen Triumvir den Antrag ſtellte. Wirk⸗ lich berief Antonius auf ſeinem im nächſtfolgenden Jahre 4066 unter⸗ nommenen zweiten parthiſchen Feldzuge, auf welchem ihn Cleopatra bis an den Euphrat begleitete, unterwegs von Laodicea, einer Stadt an der ſyriſchen Meeresküſte aus, Herodes wegen des ihm vorgeworfenen Mordes zu perſönlicher Verantwortung; durch welche Vorladung Herodes trotz ſeiner augenſcheinlich gefahrvollen Lage gegenüber den Ränken der Cleo⸗ patra auch zu erſcheinen ſittlich genöthigt wurde, doch ſo, daß er aus Furcht, Mariamne möchte nach ſeinem Tode Antonius zur Beute werden, hinſichtlich deſſen er ohnehin nicht ohne Argwohn war, es möchte ihm derſelbe etwa gar wegen Mariamne's anerkannter Schönheit nach dem Leben ſtehen, dem Bruder ſeines Vaters mit Namen Joſephus, der, zu⸗ gleich als Ehegemahl ſeiner Schweſter Salome auch ſein Schwager, von ihm in ſeiner Abweſenheit als Viceregent aufgeſtellt worden war, insge⸗ heim den ſchärfſten Auftrag hinterließ, beim erſten Empfange der Nach⸗ richt ſeiner allenfallſigen Hinrichtung durch Antonius unverweilt auch Mariamne gewaltſam um das Leben zu bringen. §. 1006. Josephus Antiqd. XV, à. bell. Judaic. I, 17. Prideaux Connex. ann, 34. Die Gefahr für Herodes von Seiten Antonius“' war indeſſen nicht ſo groß, als er gefürchtet hatte, indem derſelbe nicht allein die von dem jüdiſchen Könige auch bei dieſer Gelegenheit mitgebrachten reichlichen Ge⸗ ſchenke mit gewohnter Ungezwungenheit ohne Umſtände in Empfang nahm, ſondern ſich auch Herodes' vorgebrachte Verantwortungsgründe ganz gutwillig gefallen ließ, welcher für ſich geltend machte, daß man einen König für allenfallſige auch noch ſo anſtößig herauskommende Regierungshandlungen, welche aber einmal aus Staatsgründen unver⸗ meidlich, von vornherein, wenn man nicht zugleich alle Rechte und Privi⸗ legien des Königstitels wolle mit Füßen treten, nicht dürfe verantwortlich machen. Deßwegen meinte er, daß diejenigen, welche ihm die königliche Gewalt einmal anvertraut hätten, ihm ſelbſtredend zugleich damit auch den freien Gebrauch derſelben einzuräumen verpflichtet ſeien, und es ſei überdieß noch um ſo unbilliger, auf Cleopatra's Vorſchlag die Grenzen der dem Königthume gebührenden Rückſichten zu überſchreiten, je gegründetere Urſachen zur Beſorgniß vor einer genauen Unterſuchung ihrer eigenen Regierungshandlungen gerade Cleopatra ſelber beſitzen dürfte. Auf ſolche Gegengründe wurde denn Cleopatra wirklich von Antonius für den Augen⸗ blick auch nicht weiter angehört, und in der Abſicht und unter der aus⸗ drücklichen Bedingung, daß ſie auf Judäa keine weiteren Anſprüche machen dürfe, einſtweilen mit Cöloſyrien abgefertigt.— Leider kamen aber dieſe von Herodes eiligſt brieflich nach Jeruſalem gemeldeten günſtigen Nachrichten zu ſpät, um einem neuen mittlerweile in der königlichen Familie aus Mißverſtändniß vorgefallenen gefahrvollen Zwiſchenereigniſſe vorzubeugen, indem die beiden hasmonäiſchen Frauen Alexandra und Mariamne durch eine von Joſephus begangene verhängnißvolle Unbeſon⸗ nenheit, mit welcher er gerade aus dem von Herodes gegebenen geheimen Mordbefehle deſſen Liebe zu Mariamne, deren gutmüthige Betheuerung von denſelben anfänglich mit Lachen erwiedert worden wat, beweiſen wollte, von dem über ihren Häuptern ſchwebenden drohenden Schickſale zu ihrem größten Schrecken in Kenntniß geſetzt, bei Gelegenheit eines bald darauf zufällig ausgeſprengten falſchen Gerüchtes, als ſei Herodes von Antonius wirklich mit dem Tode beſtraft worden, inzwiſchen unver⸗ hohlene Anſtalt, ſich gerade in den Schutz einer in der Nähe von Jeru⸗ ſalem ſtationirten römiſchen Legion begeben zu wollen, getroffen hatten. Dieſer Umſtand an und für ſich hätte indeſſen allein noch nicht ſo viel Unheil anrichten können, wenn nicht Cyprus, ſo hieß Herodes' Mutter, und insbeſondere ſeine Schweſter Salome, erbittert durch die gelegentlichen geringſchätzigen Anſpielungen, welche ſie von den Hasmonäerinnen in Bezug auf ihre urſprüngliche geringe Herkunft zu ertragen hatten, Herodes bei ſeiner Rückkehr von dem beabſichtigten Vorhaben derſelben unverweilt in Kenntniß geſetzt, und letztere überdieß noch Mariamne eines ehebreche⸗ riſchen Umganges mit ihrem eigenen Ehegemahl, dem ſeither von Herodes aufgeſtellten Vieeregenten Joſephus, durchaus verleumderiſcher Weiſe be⸗ zichtigt hätte. Hiedurch in furchtbarſtem Grade aufgebracht hatte Hero⸗ des gleichwohl für den Augenblick noch ſo viel Gewalt über ſich, um Mariamne über die ihr gemachte böswillige Anſchuldigung nur einſtweilen zu vertrauter Rechenſchaft zu ziehen, vermöge welcher ihr geſtatteten Frei⸗ heit ſie ſich im Stande ſah, ſowohl durch mündliche Betheuerung ihrer Unſchuld, als auch durch, wie es ſcheint, beigebrachte förmliche That⸗ beweiſe(vergl.§. 120.) jeden Verdacht der Untreue ſo weit von ſich zu entfernen, daß Herodes in bitterer Reue ſie wegen ſeines voreilig gehegten Argwohns ſogar wieder um Verzeihung bat, und in gänzlicher Um⸗ f eil Gb V C00 398 ſtimmung ſie durch Liebkoſungen zu begütigen ſichtbar alle Mühe aufbot. Was nun aber die boshafte Verleumdung ihrer Feindin nicht dahin ge⸗ bracht hatte, das bewirkte Mariamne's eigene Unklugheit und unbeſonnen reizbare Empfindlichkeit, mit welcher ſie, ſich nunmehr ſicher wähnend voreilig über die rückſichtsloſe Grauſamkeit beſchwerte, vermöge deren Herodes aus Urſachen, die ſie im Augenblick freilich nicht ergründete, im Falle ſeines eigenen Unglücks ſie zugleich in dasſelbe mit zu verwickeln über ſein Gewiſſen gebracht habe. Denn eine Verrathung dieſes Geheim⸗ niſſes konnte ſich Herodes in demſelben Augenblicke nicht anders, als auf dem Wege ehebrecheriſcher Vertraulichkeit wiederum zurecht legen, durch welchen neuerdings geſchöpften Verdacht in eiferſüchtige Wuth verſetzt er nur durch die unüberwindlich entgegenſtehende ſinnliche Anhänglichkeit, mit welcher jeder Menſch überhaupt ſich an den Gegenſtand ſeiner ge⸗ ſchlechtlichen Neigung gefeſſelt fühlt, von ihrer augenblicklichen Ermordung ſich abhalten ließ. Seinen Oheim Joſephus dagegen ließ er, ohne ihn auch nur einer weiteren Unterredung zu würdigen, augenblicklich hinrichten, und ſeine Schwiegermutter Alexandra in das Gefängniß werfen. Bisher haben wir laut der Anmerkung zu 6. 995. vorläufig nur zügellos ungebührliche Herrſchſucht als erſte verkehrte Grundrichtung in Herodes' Charakter wahrgenommen. In den Begebenheiten unſeres gegenwärtigen Paragraphen ſehen wir Jähzorn und insbeſondere eigen⸗ ſinnige Rechthaberei als gefährliche Nebenregungen ſich pfychologiſch dazugeſellen, welcher letztere Fehler namentlich dadurch begangen wird, wenn der zeitlich Bevorrechtigte, was natürlicher Weiſe ohne ungerechte Grauſamkeit nicht möglich, ſich zu ſeiner eigenen beſſeren Belehrung ab⸗ ſichtlich ſelber den Weg abſchneidet. Hätte Herodes, ebenſo gut als Mariamne, auch ſeinen Oheim Joſephus zu ſeiner perſönlichen Verant⸗ wortung vor ſich laſſen wollen, ſo ſcheint es wenigſtens unmöglich, daß einem ſo ſcharfſichtigen Manne, als er doch außerdem war, die richtige Einſicht in den wahren Hergang, unter welchem das Geheimniß aus⸗ gekommen war, hätte entgehen können.— Wir glauben, nebenbei geſagt, in den im Anfange des Paragraphen angeführten, von Herodes zu ſeiner Verantwortung gegen Antonius gebrauchten Vertheidigungsgründen die Urſprünge der ſpäteren ſogenannten macchiavelliſtiſchen Politikgrundſätze nicht verkennen zu können. §. 1007. Joseph. Antiqd. XV,. 4. 5. bell. Judaic. I, 13. VII, 28. Prideaux Connex. ann. 34. Cleopatra ließ indeſſen ſeit Herodes' Rückreiſe nicht nach, durch weitere unerſättliche Anſprüche Antonius' ſchwache Seite zu immer neuen Erwerbungen mit unermüblicher Thätigkeit zu bearbeiten, zu welchem Behufe ſie ihn unter andern verleitete, Lyſanias, den Tyrannen von Chaleis, den ehemaligen Beſchützer des hingerichteten Hohenprieſters Anti⸗ gonus, als einen parthiſchen Bundesgenoſſen ebenfalls ergreifen und hin⸗ richten zu laſſen, und da ſie, je mehr ſie bekam, deſto unbeſcheidener wurde, ſo ſchämte ſie ſich zuletzt nicht, ganz Judäa und das peträiſche Arabien, die beiden benachbarten Herodes und Malichus zugehörigen Königreiche, neuerdings von Antonius ſich auszubitten. Hierauf ging jedoch der römiſche Triumvir, ſeinem einmal gegebenen Worte getreu, durchaus nicht ein, ſondern beſchränkte ſich anſtatt deſſen, um ihrer be⸗ harrlichen Zudringlichkeit endlich einmal los zu werden, wenigſtens dar⸗ auf, gewiſſe freilich ganz beſonders werthvolle Beſitztheile aus beiden Reichen, und zwar aus Judäa den damals berühmten Palmengarten von Jericho, in welchem in jener Zeit ein ganz beſonders koſtbarer Balſam gewonnen wurde, und ſämmtliche Küſtenſtädte von Paläſtina mit Aus⸗ nahme von Tyrus und Sidon(welche nach wie vor Republiken blieben) zu ihren Gunſten auszuſcheiden, was ſich denn beide Könige aus Furcht vor Autonius' Uebermacht auch gutwillig mußten gefallen laſſen. Nach⸗ dem ſie auf dieſe Weiſe Antonius, wie bereits geſagt, bis zum Euphrat⸗ fluſſe begleitet hatte, berührte ſie auf ihrer von dort aus angetretenen Rückreiſe auch Jeruſalem, woſelbſt von Herodes ehrenvoll empfangen und durch reiche Geſchenke mit ihm ausgeſöhnt— bei welcher Gelegenheit er ihr auch die neuerworbenen Beſitzungen ſowohl in Judäa als in Arabien um 200 Talente jährlich wieder abzupachten ſo glücklich war— ſie ſich ſogar ſo weit erniedrigte, demſelben unehrbar geile Anträge zu machen, welche dem Anſcheine nach in der That aus unerſättlicher wollüſtiger Be⸗ gierlichkeit hervorzugehen ſchienen, während indeſſen auf der anderen Seite doch zu fürchten ſtand, daß ſie am Ende bei dieſer Gelegenheit nur Nach⸗ ſtellungen gegen Herodes' Leben im Sinne hatte. Von eben dieſem Arg⸗ wohne wenigſtens lebhaft durchdrungen lehnte derſelbe ihre ſchimpflich freigebige Einladung nicht allein mit einer ausdrücklich abſchlägigen Ant⸗ wort von ſich ab, ſondern ging bei dieſer Gelegenheit überdieß auch noch mit ſeinen vertrauten Freunden zu Rathe, ob er, da Cleopatra für den Augenblick einmal in ſeiner Gewalt, nicht in Antonius' eigenem Vortheile am beſten daran thun dürfte, ſie lieber vorab, ehe daß ſie ihm beizukom⸗ men rechnete, lieber ſelber von ſeiner Seite aus der Welt zu ſchaffen, indem ſich Antonius vorausſichtlich ebenſo wenig als in dieſem, auch in allen übrigen Punkten auf ihre treue Ehrlichkeit werde verlaſſen können. Dieſes ernſtliche Vorhaben wurde ihm jedoch von ſeinen Freunden ent⸗ ſchieden widerrathen, indem ſich vorherſehen ließ, daß ihm von Antonius dieſer auch noch ſo gut gemeinte Dienſt wenig werde gedankt werden. i b b f ◻⏑ Nachb Whg0 C0 9 kr gehe Wulfe! ihth helbi, gu kuhft Kuärfh Mgte Wuut Wihrg ſin! fſt gf Mh Dült 0à 395 Darum ſchlug er auch vielmehr den entgegengeſetzten Weg ein, ſie nach wie vor als Gaſt mit aller nur möglichen Auszeichnung zu behandeln, und ihr ſogar bis nach Peluſium das Geleite zu geben. Auch ſeinen bedungenen Pachtzins entrichtete er derſelben pünktlich, während ſein Nachbar Malichus nur inſoweit, als er mußte, ſich zur Leiſtung ſeiner Abgaben bereit zeigte. 1) Um dieſe Zeit ſoll Herodes, nach Joseph. bell. Judaic. VII, 28., als Zufluchtsort gegen die beſtändigen Nachſtellungen, welche er von Seiten Cleopatra's fürchtete, das Caſtell Maſſada am ſüdweſtlichen Rande des todten Meeres(vergl.§. 993.) mit beſonders künſtlichen Befeſtigungs⸗ werken verſehen haben. 2) Aus der Antiqq. XV, 8. aufbewahrten Rede Herodes' an ſeine Truppen geht hervor, daß Herodes bei Gelegenheit ſeines eigenen mit Cleopatra eingegangenen Pachtvertrages zugleich denjenigen ſeines Nach⸗ bars Malchus, des Königs der peträiſchen Araber, einſtweilen vermittelte, indem er ſich für die jährliche Bezahlung von ebenfalls 200 Talenten Pachtſchilling auch von deſſen Seite vorläufig ſelber verbürgte. CCXV. Der Hoheprieſter Hananeel.(Fortſetzung.) Herodes König von Judäa.(Fortſetzung.) §. 1008. Prideaux Gonnex. ann. 34— 32. Verſchiedene Urſachen, alle jedoch von der Art, daß Antonius, wofern er gewollt, dieſelben recht gut hätte vermeiden können, führten theils im Laufe dieſes, theils des folgenden Jahres 4067 zwiſchen den beiden noch übrigen Triumvirn Antonius und Octavianus ein neues Zerwürfniß herbei, welches nach dem Rathe der göttlichen Vorſehung dem Schickſale der ganzen alten Welt ſeine endliche Entſcheidung geben ſollte. Eine der empfindlichſten Octavianus' von dem erſteren zugefügten perſönlichen Kränkungen war, daß Antonius den Cäſarion, Cäſar's mit Cleopatra erzeugten unehelichen Sohn, welcher von Cäſar ausdrücklich in ſeinem Teſtamente umgangen worden war, für rechtmäßig erzeugt erklären wollte, während Octavianus, als dem von Cäſar ſelber eingeſetzten Haupterben ſeines Privatvermögens, begreiflicher Weiſe doch weit mehr als hieran, erſt an der Erbſchaft ſeiner politiſchen Rechtsanſprüche gelegen ſein mußte. Nebendem mochte ihm auch die ehrenkränkende Zurückſetzung ſeiner Schweſter Octavia, welche er erſt vor Kurzem zur Befeſtigung des bisher zwiſchen ihnen beſtandenen leidlich guten Einvernehmens Antonius zur Che ge⸗ geben, verbunden mit der ebenſo ſchimpflichen Bevorzugung einer aus⸗ ländiſchen Buhlerin, der Königin Cleopatra, welche trotz ihrer königlichen Abkunft durch ihren ſittenloſen Charakter allmälig bereits ſelbſt unter den Griechen Gegenſtand einer allgemeinen Verachtung geworden war, empfind⸗ lich zu Herzen gehen. Endlich aber war, wie wenigſtens behauptet wird, Octavianus auch an und für ſich ſchon für ſeine eigene Perſon ehrgeizig und herrſchſüchtig genug, um, wenn es darauf ankam, bei gegebener günſti⸗ ger Gelegenheit nach dem Beiſpiele ſeines Großoheimes Julius Cäſar deſto unverhohlener eher nach einer völlig unumſchränkten militäriſchen Allein⸗ herrſchaft zu trachten, als ihn Antonius durch ein ähnliches ehrgeiziges Beſtreben ſchon von vornherein zu ſeiner eigenen Selbſtvertheidigung gleichſam dazu herausforderte. Eben deßwegen trug Octavianus auch kein Bedenken, im Jahre 4068, bis zu welchem beide Theile bereits zum Kriege ſich zu rüſten angefangen hatten, eine durch den Senat ausge⸗ fertigte förmliche Kriegserklärung gegen ſeinen Nebenbuhler veröffentlichen zu laſſen, welche übrigens des beſſeren Anſcheines halber nicht ſowohl gegen Antonius perſönlich, ſondern zunächſt nur gegen Cleopatra deß⸗ wegen ausdrücklich gerichtet war, weil ſie für ihre mit Antonius erzeugten Kinder römiſche Provinzen von dieſem letzteren, zugleich unter willkührlich eigenmächtiger Ertheilung des Königstitels von demſelben zum Geſchenk angenommen habe. Auf dieſe Maßregel hin wurde denn die Betreibung der beiderſeitigen Kriegsrüſtungen ſowohl zu Waſſer als zu Lande in erhöhtem Maßſtabe fortgeſetzt, und nur durch den Anbruch des Winters der Zu⸗ ſammenſtoß der beiderſeitigen Streitkräfte bei vorgerückter Jahreszeit in dieſem Jahre noch aufgehalten. §. 1009. Joseph. Antiqd. XV, 6. bell. Judaic. I, 14. Prideaux Connex. ann. 32. Als natürlicher Bundesgenoſſe auf Antonius' Seite ſtand Herodes in dem gleichen Jahre bereit, demſelben auch ſeinerſeits mit einer anſehn⸗ lichen Heeresmacht, und namentlich mit bedeutenden Geldkräften und Getreidelieferungen zu Hilfe zu eilen. Eine eigene über Antonius' Haupte bereits zum Voraus ſchwebende höhere Vergeltung hinderte jedoch dieſe ihm mehr, als vielleicht alle übrigen Beſtandtheile ſeiner Heeresmacht, weſentliche Hilfleiſtung, anſtatt deren Antonius ſich von der in ihrer Länderſucht fortwährend unerſättlichen Cleopatra bereden ließ, Herodes vielmehr gegen ſeinen Nachbar Malchus von wegen verweigerter Steuer⸗ zahlung mit einem Kriege zu beauftragen, wobei Cleopatra ſicher darauf ech ähn U Aefet 01 el ftiche berett ick fffe ‚ im gt ein un Cihfet W5 U Wäeh Wch ch Hehr lachleg dert, Rur y er N Mith Glich Heth Haßen I5 90 10 der dy Wüff, 397 rechnete, ſobald der eine der beiden Könige bei dieſer Gelegenheit zu Fall gekommen, als glückliche Erbin in den Beſitz ſeines Landes einzutreten. Dem empfangenen Auftrage gemäß machte denn Herodes noch in eben dieſem Jahre 4068 einen Einfall nach Arabien, wobei er im erſten Treffen bei Diospolis zwar dieſelben zu ſchlagen ſo glücklich war, in dem zweiten bei Canatha in Cöloſyrien dagegen, in welchem ſeine Truppen aus über⸗ triebener Kampfluſt in ihrem Angriffe zu voreilig waren, und zwar nach bereits erfochtenem Siege, von Athenio, einem über Cöloſyrien als Pro⸗ vinzialverwalter aufgeſtellten Feldherrn der Cleopatra, verrätheriſch ange⸗ griffen und mit ſchwerem Verluſt in die Flucht gejagt wurde. §. 1010. Joseph. Antidd. XIV, 7. 8. bell. Judaic. I, 14. Prideaux Connex. ann. 32. Zu dieſer unglücklichen Wendung des begonnenen Krieges geſellte ſich im Frühling des darauffolgenden Jahres 4069 für Herodes obendrein ein unerhörtes neues Mißgeſchick, ein furchtbares Erdbeben, welches durch Einſturze von Gebäuden nicht weniger als 30,000 Landeseinwohnern das Leben koſtete, und durch den unermeßlichen auch ſonſt damit verbun⸗ denen Schaden den Muth der Juden ſo ſehr niederdrückte, daß Herodes wegen Anknüpfung von Friedensunterhandlungen Geſandte an die Araber abgehen ließ, von welchen dieſelben jedoch, da ſie ſich ihres Sieges nun⸗ mehr für verſichert hielten, ohne Weiteres mit Verletzung des Völker⸗ rechtes ergriffen und getödtet wurden. So mußte denn Herodes mit feinem Heere, welches indeſſen in Zelten gelagert von dem erwähnten Erdbeben nur wenig Schaden genommen hatte, nothgedrungen einem neuen Angriffe der Araber abwehrend entgegengehen, hatte aber trotz der anfänglichen Muthloſigkeit, welche ſeine Waffengefährten an den Tag legten, das Glück, ſie durch eine bei Joſephus aufbewahrte, ihres Inhalts wegen für Herodes' Charakter und Denkungsweiſe äußerſt bezeichnende Rede der⸗ maßen wieder zu entflammen, daß er in einer dritten jenſeits des Jor⸗ dans gelieferten Hauptſchlacht die Araber neuerdings völlig bemeiſterte, und bald darauf unter Eroberung der Feſtung Philadelphia, in welche ſich der Reſt des feindlichen Heeres geflüchtet hatte, ſich zinsbar und unter⸗ würfig machte. Die von Joſephus an beiden angeführten Orten aufbewahrte Rede iſt, den Gedankengang derſelben anlangend, eines der ausgezeichnetſten Meiſterſtücke von Beredſamkeit, das wir irgend uns geleſen zu haben erinnern. Prideaux Connex., anu. 31. In dem gleichen Jahre 4069 kam es bis zum 2. September auch zwiſchen Octavianus und Antonius bei der Stadt Actium am Eingange des ambraciſchen Meerbuſens in Epirus zu einem entſcheidenden See⸗ treffen, in welchem hauptſächlich durch Cleopatra's voreilige Flucht, welche auf Antonius' Flotte perſönlich gegenwärtig, aus bloßer feiger Verzagt⸗ heit gleich zu Anfang der Schlacht mit ihren egyptiſchen Schiffen davon eilte, da denn hievon benachrichtigt auch Antonius keinen weiteren Stand hielt, ein vollſtändiger Sieg auf Octavianus' Seite herbeigeführt, und dieweil in Folge dieſes Seeſieges auch ſein ganzes Landheer bald darauf in Octavianus' Gewalt gerieth, Antonius zur Flucht nach Alexandria ge⸗ nöthigt wurde. Octavianus verlegte indeſſen ſein Heer auf der Inſel Samos in die Winterquartiere. §. 1012. Josephus Antiqd. XV, 9. bell. Judaic. I. 15. Prideauk Connex. ann. 30. Herodes war von dem für Antonius unglücklichen Ausgange dieſes Krieges und von ſeiner Flucht nach Alexandria nicht ſobald in Kenntniß geſetzt worden, als er, wie er wenigſtens ſpäter gegen Octavianus ſelber behauptete, demſelben durch eine vertraute Botſchaft den Rath gab, Cleo⸗ patra ohne Weiteres zu tödten, in welchem Falle er ihm verſprach, zur Fortſetzung des Krieges, den er mit den Hilfsquellen Egyptens recht gut noch weiter hätte können hinausführen, mit allen ferneren Opfern, welche die Noth erheiſchte, unverdroſſen behilflich ſein zu wollen. Da jedoch Antonius es nicht über ſich brachte, dieſem Rathe Gehör zu geben, ſo beſchloß Herodes, nunmehr auch an ſeinem Theile nicht weiter mit Anto⸗ nius gemeinſchaftliche Sache machen, ſondern dagegen den ferneren Fort⸗ beſtand ſeines eigenen Glückes fortan von einer freien Willensentſcheidung des ſiegreichen Octavianus, dem er zu eben dieſem Behufe friedlich ent⸗ gegen zu reiſen ſich anſchickte, unbedingt abhängen laſſen zu wollen. Vorher beſchloß er jedoch, den einzigen aus der hasmonäiſchen Familie noch übrigen männlichen Stammhalter, den bereits 80jährigen ehemaligen Hohenprieſter Hyrcanus, damit in ſeiner eigenen Abweſenheit kein Auf⸗ ruhr zu ſeinen Gunſten unter den Juden entſtehen könne, mit Gewalt aus dem Wege zu räumen, eine Maßregel, zu deren Ergreifung ihm derſelbe, laut Herodes' in ſchriftlicher Aufzeichnung niedergelegter aus⸗ drücklicher Angabe, noch obendrein eine dringende Veranlaſſung durch ſeine eigene Schuld ſelber an die Hand bot. Denn da in jener auf⸗ ihn er di Wgut dlich Ubr Ugnt Lül ibelt U ghet habe kaut Wüi Nun geregten Zeit Niemand an die Müöglichkeit, daß Herodes auch dieſen Sturm ſeines Lebensſchickſals noch glücklich überſtehen dürfte, zu glauben wagte, ſo ließ Alexandra, Hyrcanus' Tochter und Herodes' Schwieger⸗ mutter, in dieſem verhängnißvollen Augenblicke nicht nach, bis ſie durch allerlei fortgeſetzte Ueberredungskünſte den ſchwachen, wankelmüthigen Greis dahin gebracht hatte, an Malchus, den König der Araber einen geheimen Brief zu ſchreiben, in welchem er ihn bat, ihm zur Flucht unter ſeinen Schutz für alle Fälle behilflich zu ſein. Aber auch dießmal wurde das betreffende Schreiben wiederum an Herodes verrätheriſcher Weiſe ausgeliefert, und auf dasſelbe hin Hyrcanus trotz ſeines Alters und ſeiner hohen Geburt auf Herodes' Befehl öffentlich hingerichtet. Aus den bei Joſephus Antiqd. XV, 9. gelegentlich erwähnten ſchrift⸗ lichen Aufzeichnungen geht hervor, daß Herodes auch in ſchriftſtelleriſcher Beziehung ſeinem Vorbilde Cäſar, namentlich in Hinſicht auf des letzteren eigenthümliche ſchriftſtelleriſche Offenherzigkeit nachzuahmen den Verſuch gemacht hat.— Wegen Hyrcanus' II. Lebensende können wir im Grunde genommen nicht viel anders, als hauptſächlich darüber unſer Bedauern ausſprechen, daß wir an ſeinem leider nur zu ſehr ſelber von Anfang an verſchuldeten Unglück mit dem beſten Willen ſo wenig innere Theil⸗ nahme in uns zu erwecken im Stande ſind. Er hätte eben den ver⸗ führeriſchen Lockungen Antipater's, des Vaters Herodes'(ſ.§5. 953. 954.) ſeiner Zeit ernſtlich widerſtehen follen, ſo wäre nicht allein ihm ſelber, ſondern auch dem ganzen Lande ohne Zweifel viel Unheil erſpart geblieben. §. 1013. Josephus Antidg. XV, 9. 10. bell. Judaic. I, 15. Prideaux Connexion. ann. 30. Auch nach Hyrcanus' Tode fürchtete Herodes, daß ſelbſt Alexandra ihm in ſeiner Abweſenheit immer noch Gefahr bereiten könnte, weßwegen er dieſelbe nebſt Mariamne, ſeiner Gemahlin, unter Aufſicht zweier ver⸗ trauter Heeresoberſten mit Namen Joſephus und Sohemus in die neu⸗ errichtete Feſtung Alexandrium verlegte, während er ſeine eigene Mutter Cyprus und ſeine Schweſter Salome, mit welchen ſich ohnehin die Has⸗ monäerinnen je länger je weniger friedlich vertragen konnten, unter dem Schutze ſeines Bruders Pheroras nach Maſſada ſendete. Dieſem Letzteren überließ er im Falle eines unglücklichen Erfolges ſeiner Wagefahrt, die jüdiſche Krone ſelber an ſich zu reißen, während er Joſephus und Sohemus ins⸗ geheim wiederholt ſtrengen Befehl ertheilte, in dieſem Falle auch die beiden hasmonäiſchen Frauen nicht länger am Leben zu laſſen. Zugleich benutzte er eine, unbekannt auf welche Art ſich ihm eröffnende Gelegen⸗ heit, einem von Octavianus' Feldherrn mit Namen Capidius im Kriege gegen aufrühreriſche Gladiatoren(2) einſtweilen gelegentliche Dienſte zu leiſten, worauf er ſich dann in möglichſter Eile im Jahre 4070 nach Rhodus, Octavianus' dermaligem Aufenthaltsorte, perſönlich auf die Reiſe machte. CCXVI. Der Hoheprieſter Hananeel.(Fortſetzung.) Herodes König von Zudäa.(Fortſetzung.) §. 1014. Joseph. Antiqd. XV, 10. bell. Judaic. I, 15. Prideaux Connexion ann. 30. Herodes' nunmehr bereits ſo oft bewährte meiſterhafte diplomatiſche Beredſamkeit feierte auch jetzt wieder, das letzte Mal, daß es deſſen be⸗ durfte, ihren glänzenden Triumph über ſämmtliche Schwierigkeiten und Hinderniſſe, welche der ferneren Fortdauer ſeines bisherigen zeitlichen Glückes ſcheinbar im Wege ſtanden. Er hatte nämlich nicht ſobald zu Octavianus Zutritt erlangt, als er vor demſelben ſein Diadem nieder⸗ legend, ohne ſich jedoch außerdem durch die mindeſte unwürdige Schmeichelei oder kriechende Aengſtlichkeit vor ihm zu erniedrigen, ſich ſeiner Uebermacht gleichſam offen auslieferte, ſeinem freien Ermeſſen anheimſtellend, ob es ihm mehr beliebe, ſich an ihm wegen ſeiner bisherigen Anhänglichkeit und Treue gegen Antonius zu rächen, oder ihm allenfalls die nämliche Tugend von jetzt an vielmehr gegen ihn ſelber an den Tag zu legen, Gelegenheit zu geben, da er, nachdem Antonius ſeinen gegebenen Rath, Cleopatra zu tödten, verſchmäht habe, ſelber auf deſſen Sache kein weiteres Vertrauen ſetze. Dieſe freimüthige Offenheit wurde von Octavianus nicht allein nicht übel aufgenommen, ſondern machte vielmehr auf ihn einen deſto vortheilhafteren Eindruck, als ihn die von ſeinem Feldherrn Capidius indeſſen bereits mitgetheilten Dienſte, welche Herodes demſelben im Kriege gegen die Gladiatoren geleiſtet(ſ. H. 1013.), Octavianus ſchon zum Voraus für Herodes günſtig geſtimmt hatten, weßwegen er ihm auch ohne Umſtände nicht allein volle Verzeihung gewährte, ſondern ihn zu⸗ gleich auch wiederholt in ſeinem Königreiche beſtätigte, worauf hin letzterer zum höchſten Erſtaunen ſeiner Volksgenoſſen mehr als jemals in ſeiner Macht befeſtigt von ſeiner Reiſe nach Hauſe zurückkehrte. §. 1015. Joseph. Antidd. XV,. 10. 11. bell. Judaic. I, 15. 17. Prideaux Connex. ann. 30. Dieſes enorme Glück, durch welches Herodes von nun an auf Lebens⸗ zeit in ſeinem königlichen Anſehen befeſtigt wurde, mußte derſelbe jedoch ſhrer be nen! dießma Hehaltene alchen Murinm Kußkere finer ne U W A en ict et ſch de flnält tilather hot der Mllen Munkei n J ich haͤſele Aaher ft du In. fn Mz 1 Huſc Mer uie Sreff gleichſam mit einem ſchweren Opfer theuer bezahlen, indem ſeine mit leidenſchaftlicher Anhänglichkeit von ihm verfolgte Gemahlin Mariamne, welcher von einer früheren ähnlichen Veranlaſſung her auch dießmal nichts Gutes ſchwante, im Verein mit ihrer Mutter Alexandra den einen ihrer beiden Wächter, Sohemus, durch Beſtechung dahin gebracht hatte, ihnen das Geheimniß eines bedingungsweiſe gegebenen Mordbefehles auch dießmal wiederum gutwillig zu verrathen, worauf Mariamne ihren Ehe⸗ mann von nun an als einen unerträglichen Tyrannen mit völligem Ab⸗ ſcheu von ſich wegwerfend, ein förmliches Gelübde machte, daß er niemals wieder glücklich zurückkehren möchte, und inzwiſchen auf weiter nichts, als auf Maßregeln zu ihrer eventuellen Befreiung Bedacht nahm. Eine größere Demüthigung konnte demnach Herodes als unmittelbaren Ueber⸗ gang von dem ſoeben erreichten Gipfel ſeines Glückes wohl kaum erleben, als den kühlen Empfang, und die förmlich vernehmlichen, nicht zurück⸗ gehaltenen, aus dem Grunde des Herzens emporſteigenden Seufzer, mit welchen die in ihrer Hoffnung getäuſchte und von Furcht geängſtigte Mariamne, obwohl zuerſt unter ſeinen übrigen Gemahlinnen, deren er mehrere hatte, von Herodes nach ſeiner Rückkehr aufgeſucht, die Erzählung 1976 ſeiner neueſten Erlebniſſe ſchweigend entgegennahm. Deßwegen fühlte er bei der unzweideutigen Beobachtung, daß ſeine noch dazu ſo auffallend 111 zu erkennen gegebene vorherrſchende Neigung von Seiten Mariamne's nicht erwiedert wurde, ſich auch ſo tief in ſeinem Stolze gekränkt, daß ſich dieſelbe unwillkührlich in eine entgegengeſetzte tödtliche Abneigung allmälig umzuwandeln den Anfang machte, nur daß er zwiſchen beiden einander entgegengeſetzten heftigen Leidenſchaften in der Mitte ſchwebend vor der Hand mit ſich ſelber zu keiner rechten Einigkeit gelangen konnte. Mittlerweile rief Octavianus' Ankunft, welcher von Syrien herab der Meeresküſte entlang Egypten mit ſeinem Heere ſich annäherte, ihn für den Augenblick wieder ab, indem er es ſich angelegen ſein ließ, den ſieg⸗ reichen römiſchen Gewalthaber in der Ebene von Ptolemais, in welcher derſelbe eine Heerſchau veranſtaltete, nebſt ſeinem ganzen Heere mit glän⸗ zender königlicher Gaſtfreiheit zu bewirthen, und dafür von demſelben, der ihm beſtändig an ſeiner Seite zu reiten erlaubte, auch mit der größ⸗ ten Auszeichnung aufgenommen zu werden die Ehre hatte. Herodes lebte Mariamne'n gegenüber in der ſehr gewöhnlichen Selbſt⸗ täuſchung, eine pure, eiferſüchtig begierliche, geſchlechtliche Anhänglichkeit an dieſelbe für Liebe zu halten. Anerkennung vorhandener Vorzüge gegründete, uneigennützig theilnehmende, freie perſönliche Zuneigung, welche mit einer die Bedürfniſſe und gerechten Krafft, heil. Geſchichte. 11. 401 Erſt eine auf Einſicht und unparteiiſche 26 Wünſche des geliebten Gegenſtandes entſprechend berückſichtigenden bereit⸗ willigen Dienſtfertigkeit natürlich verknüpft iſt, kann einigermaßen auf den Namen wahrer Liebe billigen Anſpruch machen. §. 1016. Josephus Antiqd. XV, 10. bell. Judaic. I, 15. Prideaux Connex. ann. 30. Auch auf ſeinem weiteren Zuge gegen Egypten wurde Cäſar Oeta⸗ vianus bis nach Peluſtum noch von Herodes perſönlich begleitet, und durch rechtzeitige Herbeiſchaffung von Lebensmitteln, und insbeſondere durch Ermittlung friſchen Waſſers in den zwiſcheninneliegenden Wüſten⸗ ſtrecken dem ganzen Heere, ſowie dem Heerführer durch eine bereitwillige Geldbeiſteuer von 800 Talenten ein bedeutender weiterer Dienſt geleiſtet. Einmal glücklich in Egypten angelangt fiel dem Octavianus die Unter⸗ drückung ſeines Nebenbuhlers um ſo leichter, als die Verrätherei Cleo⸗ patra's ſelber, welche zu guter Letzt zwar nicht Antonius auf Octavianus' Anſuchen tödten wollte, nichts deſto weniger jedoch auf ſeine Koſten ſich ſelber ſicher zu ſtellen ſuchte, ihm dabei die hilfreichſte Hand leiſtete. Hierüber zeigte ſich denn Antonius, da ſeine letzten Truppen auf Cleo⸗ patra's Betrieb allmälig zu Octavianus überzugehen anfingen, ſo auf⸗ gebracht, daß Cleopatra aus Furcht vor ſeiner Rache ſich in einen Thurm einſperrte, und überdieß noch ein falſches Gerücht, als ob ſie ſich ſelber das Leben genommen hätte, ausſtreuen ließ. Dieſe falſche Nachricht war nun aber für Antonius auf der andern Seite zu ſchmerzlich, als daß er geglaubt hätte, dieſelbe überleben zu können, weßwegen er aus Verzweif⸗ lung über Cleopatra's vermeintlichen Tod ſich ſelber einen tödtlichen Streich verſetzte, und bald darauf über ſeinen Irrthum aufgeklärt gleich⸗ wohl der Verſuchung nicht widerſtehen konnte, von Cleopatra's eigenen Händen an das Feuſter des Thurmes, an den er ſich, um ſie noch ein⸗ mal zu ſehen, hatte tragen laſſen, hinaufgewunden, ſich das letzte Mal in ſeinem Leben ihrer Umarmung erfreuen zu dürfen. Somit ſtarb An⸗ tonius am 1. Auguſt dieſes Jahres 4070 an einem aus Mißverſtändniß begangenen Selbſtmorde, während am 29. des gleichen Monats auch Cleopatra, da ſie ſich überzeugte, dem Schickſale der Gefangenſchaft auf keine Weiſe entrinnen zu können, nach einem, wie ihr Schuld gegeben wird, nochmaligen vergeblichen Verſuche, auch Octavianus in das Netz ihrer Verführungskünſte hineinzuziehen, durch den zugelaſſenen Biß einer giftigen Schlange ſich ſelber ebenfalls mit berechneter Ueberlegung den Tod gab.— Das ptolemäiſch egyptiſche Königreich, dieſer letzte Ueberreſt der von Alexander dem Großen geſtifteten Weltmonarchie wurde ſofort 403 in eine römiſche Provinz umgewandelt. Dieſer nämliche Moment kann auch als der wahre Anfang der von Cäſar Octavianus, dem nunmehrigen Kaiſer Auguſtus endlich verwirklichten neugegründeten unumſchränkten römiſchen Alleinherrſchaft betrachtet werden. Antonius und Cleopatra, die beiden berühmten geſchichtlichen Namen, welche auch in der heiligen Geſchichte ſo oft genannt werden, und deren gleichzeitiges Lebensende im Paragraphen erzählt wird, haben als Werk⸗ zeuge in der Hand Gottes auch auf das Schickſal des jüdiſchen Volkes gegen das Ende des altteſtamentlichen Offenbarungshaushaltes einen keineswegs unbedeutenden, leider jedoch in politiſcher, ſowie wahrſcheinlich auch in moraliſcher Beziehung durchaus ungünſtigen, ja ſogar ohne Zweifel ſehr nachtheiligen Einfluß ausgeübt. Antonius iſt es, welcher dem Ehrgeize des Herodes zur ungerechten Erwerbung der jüdiſchen Königs⸗ krone die kräftigſte Hilfleiſtung gewährt, Cleopatra aber, deren eigen⸗ nützige Betheiligung an den hasmonäiſchen Familienparteiintereſſen den gänzlichen Untergang dieſes, freilich im Laufe der Zeit ſeinem hohen Berufe ſehr untreu gewordenen erlauchten Hauſes beſchleunigt hat. So⸗ wie dieſelben anderen ſomit zu ihrem Glücke nicht nützlich geweſen, ſo waren ſie für ihre eigene Perſon ebenfalls nicht glücklich, ſondern zeigen uns vielmehr das warnende Beiſpiel, wie folgerecht frivole, ausſchweifend epikuräiſche Denk⸗ und Handlungsgrundſätze, zu welchen beide ſich in ihrer Lebensweiſe öffentlich bekannten, auch das irdiſche Lebensglück, deſſen ſie außerdem genoſſen, mit der Zeit unfehlbar müſſen zu Grunde richten. Könnten wir uns nur, da dieſelben in gewiſſer Hinſicht doch noch immer zu den gefeierten Namen der Weltgeſchichte gehören, auch der berühmte engliſche Schauſpieldichter Shakeſpeare unter andern ihr Gedächtniß als treuer Liebenden durch ein eigens gedichtetes Schauſpiel zu verewigen, nicht unter der Würde ſeines dichteriſchen Berufes gefunden hat, ihret⸗ wegen der Hoffnung hingeben, daß ſie über dem zeitlichen Lebensgenuſſe, welchem ſie auf eine die Grenzen nicht allein der Schicklichkeit, ſondern auch der geſunden Vernunft überſchreitend ausſchwelfende Weiſe fröhnten, ihre ewige perſönliche Beſtimmung, welche jedem entwickelten Menſchen⸗ bewußtſein in Vernunft und Gewiſſen unauslöſchlich eingeprägt iſt, nicht vergeſſen, und über ihrem zeitlichen nicht zugleich auch ihr ewiges Glück verloren hätten— eine Frage, über welche wir als kurzſichtige Menſchen uns freilich nicht zum Richter aufwerfen dürfen. Nur Eines glauben wir ohne Gefahr eines vermeſſenen Urtheils ausſprechen zu können: Solchen Gegnern gegenüber, wie Antonius und Cleopatra, konnte Cäſar Octavianus die Auftzabe, auf den von ſeinem Großoheim C. Jul. Cäſar gelegten Fundamenten das Gebäude der römiſchen Univerſalmonarchie auf⸗ zuführen, verhältnißmäßig nicht ſchwer fallen. CCXVII. Der Hoheprieſter Hananeel.(Fortſetzung.) Herades, König von Judäa. Lebensende der beiden letzten hasmonäi⸗ ſchen Familienglieder. §. 1017. Josephus Antiqd. XV, 11. Erſt bei ſeiner inzwiſchen von Peluſium aus angetretenen Rückkehr ſcheint Herodes auch mit ſeiner Mutter Cyprus und ſeiner Schweſter Salome wieder zuſammengetroffen zu ſein, welche, da ſie den König in Bezug auf Mariamne fortwährend in einer aufgeregten unruhigen Stim⸗ mung fanden, kein Mittel unverſucht ließen, um das Feuer eiferſüchtigen Haſſes, das in ſeiner Seele glimmte, durch die ſchwärzeſten Verleum⸗ dungen immer lebhafter anzuſchüren— Geſpräche, denen Herodes, ſo wenig er auch an dieſelben glaubte, nichts deſto weniger nicht ungerne Gehör ſchenkte. Indeſſen fühlte er ſich bei dem allen je länger, je ärger gequält, indem er über den in ſeiner Seele einmal eingetretenen Zwieſpalt nicht wußte hinauszukommen, ſo daß es ihm wohl ſehr gelegen kommen mochte, durch die Nachricht von dem erfolgten Tode des Antonius und der Cleopatra, ſowie von Octavianus' bevorſtehender Rückkehr aus Egypten, aufs Neue zu des letzteren Bewillkommnung abgerufen zu werden. Bei dieſer Gelegenheit hatte er ſogar die Nachgiebigkeit, eine von Mariamne an ihn gerichtete gelegentliche Bitte zu erfüllen, indem er Sohemus, dem ſie ſich für ſeine treue Aufmerkſamkeit und ergebene Sorgfalt während ihres Aufenthaltes in Alexandrium zum lebhafteſten Danke verpflichtet erklärte, auf ihre Verwendung einen kleinen Landbezirk in Judäa zur Verwaltung anvertraute. Mariamne, welche ſich vor Herodes fürchtete, machte ſich wahrſchein⸗ lich vergebliche Hoffnung, durch Sohemus Mitwirkung ſich irgendwie mit guter Art von den Feſſeln ſeiner Gewalt endlich einmal frei machen zu können. §. 1018. Josephus Antidd- XV, 1I. bell. Judaic. I, 15. 17. Prideaux Connex. ann. 30. Herodes demnächſtiges, bereits in Egypten mit dem ſiegreichen römi⸗ ſchen Machthaber ſtattfindendes, wiederholtes perſönliches Zuſammentreffen bezeichneten mehrere von dieſem letzteren aus dankbarer Erkenntlichkeit ihm er⸗ wieſene anſehnliche Gunſtbezeugungen, indem er ihm einmal 400 Gallier oder Galater, deren ſich Cleopatra als Leibwache bedient hatte, überließ, dar⸗ nach aber ſämmtliche letzthin von Antonius den Anſprüchen Cleopatra's zu Liebe von Judäa abgeriſſenen Landestheile, unter denen insbeſondere de Kh 0• lichr h fach er nangech mirtiſ ſcher! huh fſ Khte unt al elc Tiil 1I bͤllem tine in! u ginm mſem zu mithung, guchm 1 lche berſet, Dlen lile det Klen ke Nagde it eh Aen,. Io iſt Aurückhe atheß A ſcung Wüntt Wge 405 die wichtigen See- und Binnenſtädte Joppe, Stratonsthurm, Samaria und Gadara befanden, zum erneuerten Geſchenk machte. Aber je glück⸗ licher Herodes in dieſer Beziehung nach außen war, um ſo höher ſtieg nach erfolgter wiederholter Rückkehr bei ihm das peinliche Gefühl einer mangelnden inneren häuslichen Zufriedenheit, indem er ſeiner täglich mürriſcher auftretenden Ehehälfte ſchlechterdings keine weitere Erwiederung ſeiner leidenſchaftlichen Neigung mehr abzugewinnen ſich im Stande fühlte. §. 1019. Josephus Antidd. XV, 11. bell. Jud. I, 17. Prideaux Connex. ann. 29. Dieſer häusliche Unfriede, welcher ungefähr ein ganzes Jahr hin⸗ durch fortdauerte, kam im Jahre 4071, in welchem Octavianus, der letzte unter den drei Triumvirn, ſeinen feierlichen Einzug in Rom hielt, bei welcher Gelegenheit er von dem Beifall rufenden Volke mit dem neuen Titel„imperator,“ d. h.„römiſcher Kaiſer“ begrüßt wurde, dadurch zu vollem Ausbruche, daß es Herodes eines Nachmittags in der Abſicht, ſich eine in den Rechten des ehelichen Standes begründete körperliche Erholung zu gönnen, zufällig in den Siunn kam, Martamne in ſein Schlafzimmer rufen zu laſſen. Die Königin erſchien, wiederholte aber, als er die Zu⸗ muthung, ihm die eheliche Pflicht zu leiſten, ihr zu erkennen gab, ihre gewohnten Vorwürfe, daß er ihren Großvater und ihren Bruder ermordet habe, mit ſolcher Bitterkeit und Schroffheit, daß der König durch eine ſolche ſchimpfliche Abweiſung ſeines Verlangens in die äußerſte Wuth verſetzt, ſich kaum der Thätlichkeiten gegen ſie zu enthalten vermochte. Dieſen geräuſchvoll aufgeregten Augenblick benutzte die ſchon längſt auf eine derartige Gelegenheit lauernde Salome, um einen von ihr abgerich⸗ teten königlichen Mundſchenken eintreten zu laſſen, welcher dem Könige gerade jetzt die erdichtete Anzeige machen mußte, er ſei von Mariamne mit einem reichlichen Geſchenke, dem Könige einen Liebestrank beizubrin⸗ gen, insgeheim gedungen worden, und habe auch ein derartiges Pulver von ihr bekommen, das er aber, weil er ſeine Wirkung nicht kenne, lieber zurückbehalten, und anſtatt deſſen dem Könige davon eine Anzeige zu machen, für ſicherer erachtet habe. §. 1020. Josephus Antidd. XV, 11. bell. Jud. I, 17. Prideaux Connex. ann. 29. Da Herodes in ſeiner verzweifelten Wuth einmal die Selbſtbeherr⸗ ſchung verloren, ſo befahl er augenblicklich den vertrauten Kämmerer der Königin, einen zu ihrer Bedienung beſtimmten Caſtraten, der Mariamne's ganzes Vertrauen beſaß, auf die Folter zu ſpannen. Man konnte aber aus demſelben weiter nichts, als daß die Verſtimmung der Königin gegen ihren Ehegemahl von einer Unterhaltung herrühre, welche ſie mit Sohe⸗ mus gehabt habe, herausbringen. Kaum hörte Herodes den Namen Sohemus ausſprechen, ſo verrannte er ſich aufs Neue in den nämlichen Fehlſchluß, dem bereits ſein Oheim Joſephus, Salome's erſter Ehegemahl, zum Opfer gefallen war(vergl.§. 1006.), indem er laut ausrufend, ohne eine ſtattgefundene ehebrecheriſche Zuſammenkunft könne ein ſo treuer Diener, wie Sohemus, unmöglich ein ſolches Geheimniß ſich habe ent⸗ wiſchen laſſen, auch dieſen wiederum augenblicklich tödten ließ, und über⸗ dieß dasmal auch Mariamne ohne Weiteres wegen angeſchuldigten Ehe⸗ bruchs vor ein aus vertrauten Anhängern zuſammengeſetzes Gericht ſtellte, welche aus Furcht vor des Königs Zorn ſie einſtimmig als des ihr an⸗ gedichteten Ehebruchs ſowohl, als wahrſcheinlich auch des ihr zugleich ſchuldgegebenen Giftmordverſuches ſchuldig, zum Tode verurtheilten. Gleichwohl hatten weder Herodes, noch die Richter vor, das verhängte Todesurtheil wirklich an ihr vollziehen zu laſſen, ſondern beabſichtigten vielmehr, ſie nur in irgend ein Gefängniß einzuſperren. Hiegegen aber wendeten die beiden Herodianerinnen ein, daß in dieſem Falle ein un⸗ ausbleiblicher Aufruhr im Volke zu Gunſten der Königin zu befürchten ſtehe, und dieſe Rückſicht gab denn endlich in Herodes' Erwägung den entſcheidenden Ausſchlag, daß ſie auf ſeinen Befehl wirklich zur Hinrich⸗ tung abgeführt wurde. Dieſer Hergang beweiſt, daß von einer aufrichtigen herzlichen Liebe zu Mariamne bei Herodes bereits zum Voraus keine Rede geweſen ſein kann. §. 1021. Josephus Antidd. XV, 11. Prideaux Connex. ann. 29. Auf dem Wege zum Richtplatze zeigte Mariamne eine Bewunderung erregende männlich unerſchrockene Haltung, indem man nicht einmal eine Aenderung ihrer Geſichtsfarbe an ihr wahrzunehmen im Stande war. Nichts deſto weniger ſtand ihr noch eine letzte bittere Kränkung bevor und zwar von einer Seite, von der man es am wenigſten hätte erwarten ſollen. Ihre Mutter Alexandra nämlich, welche freilich in Mariamne's Loos wahrſcheinlich ihr eigenes baldiges Schickſal deutlich vorherſah, entblödete ſich nicht, ſich von ihrer Tochter in dieſem feierlichen Augen⸗ blicke auf eine Weiſe zu verabſchieden, daß ſie eben in der Abſicht, um jeden Verdacht einer Theilnahme an den ihr vorgeworfenen Verbrechen von ſich abzulenken, ſich ſtellte, als ob ſie ernſtlich daran glaube, und deßwegen mit angenommenen wüthenden Worten und Geberden, gleichſam Keknnt offffunt der Kin ohnehin Baß auc Ammen enem Aoment fir He Mlafſn iitd Nun Kebäut detfelh eßlg lunn heez ie un9 ſce Afttg Mh Uihe; G409 lloße s f dl im Begriff, ihr die Haare auszuraufen, öffentlich über ihre Tochter her⸗ zufallen Miene machte; Mariamne begnügte ſich jedoch ihrerſeits, ſtill⸗ ſchweigend, und ohne ſie anzuſehen, an ihrer Mutter vorüberzugehen. §. 1022. Joseph. Antiqd. XV, 11. Prideaux Connex. ann. 29— 26. Mariamne's Hinrichtung hinterließ nicht allein in Herodes' Seele den Stachel einer furchtbaren Gewiſſensfolter, deſſen peinliche Empfind⸗ lichkeit er vergeblich durch veranſtaltete Mahlzeiten, Trinkgelage und andere Zerſtreuungsmittel zu übertäuben ſich abmühte, ſondern es ſtellte ſich kurz darauf im Jahre 4072 auch eine unter allen Ständen ver⸗ heerende Seuche im Lande ein, welche von dem ganzen Volke als ein offenkundiges Gottesurtheil von wegen der unſchuldig verübten Hinrichtung der Königin Mariamne betrachtet wurde, und ihrerſeits die auf Herodes ohnehin bereits laſtenden Gemüthsbeſchwerden auf einen ſolchen Grad ſteigerte, daß auch er ſelber während eines mittlerweile in der Nähe von Samaria ge⸗ nommenen einſamen Erholungsaufenthaltes von einer ſchweren Krankheit, einem mehrmonatlichen tödtlichen Fieber, verbunden mit Symptomen momentaner Geiſtesverwirrung befallen wurde. Die mit dieſer Krankheit für Herodes verbundene naheliegende Todesgefahr bot denn die Ver⸗ anlaſſung, welche auch Alexandra noch das Leben koſtete, welche, auch jetzt noch immer mit der Hoffnung auf eine nochmalige Befriedigung ihres herrſchſüchtigen Ehrgeizes ſich ſchmeichelnd, unter ziemlich geſuchten Vorwänden die Befehlshaber zweier in Jeruſalem befindlichen feſten Haupt⸗ gebäude, die den Eingang zum Tempel beherrſchten, zur Ueberlieferung derſelben zu überreden ſuchte, welche jedoch, obwohl dieſe Vertrauens⸗ bezeugung ausdrücklich nur zu Gunſten von Herodes' eigenen mit Ma⸗ riamne erzeugten beiden Söhnen mit Namen Ariſtobulus und Alexander ihren Worten nach in Anſpruch genommen worden war, in ihr Vorhaben keineswegs einwilligend, vielmehr alsbald nach ſeiner Geneſung den König von Alexandra's gehegten Abſichten in Kenntniß ſetzten. Herodes' ver⸗ ſetzte dieſer wiederholt gegebene Anlaß neuerdings in eine ſolche wüthende Aufregung, daß er nicht allein Alexandra ſogleich hinrichten ließ, ſondern auch mehrere Jahre darnach im Jahre 4074 fünf andere ihm bis daher nahe ſtehende Männer mit Namen Coſtobarus, Lyſimachus, Antipater, Gaddias und Doſittheus ebenfalls zur Hinrichtung verurtheilte, auf die bloße von ſeiner Schweſter Salome gemachte Anzeige, als hätten dieſelben aus fortwährender Zuneigung für die nunmehr ausgeſtorbene hasmonäiſche Familie eine Verſchwörung gegen ſein Leben untereinander verabredet,— von denen jedoch der erſte, ein Idumäer, Coſtobarus mit Namen, der zweite Gemahl der Salome, dem Könige von früherer Zeit her allerdings einige nicht ungegründete Urſachen zum Argwohn dadurch gegeben hatte, daß er die bekannten Anhänger des Hohenprieſters Antigonus, die ſoge⸗ nannten Söhne des Babas, trotz eines großen Preiſes, welchen Herodes auf ihr Leben geſetzt, dieſe ganze Zeit über bei ſich auf ſeinen Land⸗ beſitzungen hatte verborgen gehalten(ſ. Anmerk. zu§. 999, 4.), welche bei eben dieſer Gelegenheit ebenfalls erſt nachträglich noch getödtet wur⸗ den.— In dem zwiſchenfallenden Jahre 4073 hatte der Kaiſer Octa⸗ vianus durch Senatsbeſchluß den Namen Auguſtus(der Erlauchte) er⸗ halten, unter welchem er fortan beſtändig in der Geſchichte erwähnt wird. Das Schickſal Mariamne's, des erſten gekrönten Hauptes, welches, wie ſpäter Maria Stuart, Karl I. von England und Ludwig XVI. von Frankreich durch ein ungerechtes Todesurtheil fallen ſollte, erregt in uns natürlicher Weiſe höchſt gemiſchte Empfindungen. Wir können ihr in⸗ deſſen im Grunde genommen nicht anders als Glück wünſchen, daß ſie auf dieſem wenn auch noch ſo gewaltſamen Wege von allen weiteren unerträglichen Widerwärtigkeiten, die ihr bei längerem Leben doch einmal unmöglich erſpart bleiben konnten, wenigſtens mößlichſt kurz und ſchmerz⸗ los befreit wurde. Indeſſen gehört die unſchuldige Hinrichtung eines gekrönten Hauptes, ein unwillkührliches Vorſpiel im Kleinen von dem, was bald darauf an Jeſus Chriſtus dem Sohne Gottes ſich im Großen wiederholen ſollte, immerhin ihrer Natur nach zu der Claſſe der größeſten Verbrechen, welche von wem immer auf dieſer Welt können begangen werden; und in dieſem Sinne glauben wir den natürlichen Eindruck, welchen der Schluß desjenigen Zeitraumes, deſſen Bearbeitung wir im zweiten Bande unſerer bibliſchen Geſchichte nunmehr mit Gottes Hilfe zu Ende gebracht haben, auf uns ſelber hervorbringt, nicht beſſer als den einer ähnlichen ſittlichen Kataſtrophe bezeichnen zu können, als jene politiſche gänzliche Kataſtrophe war, mit welcher das ehemalige mit David und Salomo ſo glanzvoll beginnende israelitiſche Königthum im erſten Bande endigte. Es ſollte eben, das war— wenn es uns anders verſtattet iſt, über die allenfallſigen Abſichten der göttlichen Vorſehung bei ſolchen Zulaſſungen unſere unmaßgeblichen Vermuthungen aufzuſtellen— der eigentliche wahre göttliche Endzweck, um uns Menſchen den Werth der Erſcheinung Jeſu Chriſti, des verheißenen Welterlöſers gehörig ermeſſen zu lehren, vorerſt der Abgrund des ſittlichen Verderbens, in welches das ganze Menſchen⸗ geſchlecht verſunken war, an ſolchen thatſächlichen Beiſpielen in ſeiner ganzen Tiefe aufgedeckt werden, ein Zweck, zu deſſen Erreichung keine andere perſönliche Individualität, als diejenige Herodes' des ſogenannten Großen, wohl beſſer dienen konnte. Es gehört nämlich derſelbe bekanntlich zu den größten menſchlichen Böſewichtern, deren Namen wie Cain, Pharao, Saul, Achab und Antiochus Epiphanes bisher in der heiligen Geſchichte Erwähnung gefunden haben, als welchen er ſich nicht allein durch den bisherigen doppelten Hohenprieſter⸗(Antigonus und Ariſtobulus III.) und fgit ſhich Königsmord(Hyreanus II. und Mariamne), ſondern auch ſpäter noch erſt recht eigentlich durch den beabſichtigten Meſſiasmord, eine Begeben⸗ heit, die wir im dritten Bande unſeres Werkes erzählen wollen, unzwei⸗ deutig gekennzeichnet hat,— letzteres eine in doppelter Weiſe um ſo verruchtere Handlung, als er einmal ſeine perſönliche Ueberzeugung von der wahrhaft göttlichen Sendung des neugebornen Chriſtuskindleins durch ausdrückliche Befragung der oberſten Prieſter und Schriftgelehrten von wegen ſeines verheißenen Geburtsortes(Ex. Matth. 2, 4—8.) ſelber unverhohlen beurkundet und ihm nichts deſto weniger nach dem Leben geſtrebt, und zugleich damit, wie beinahe natürlich, aus der grauſamen Hinſchlachtung ſo vieler ſonſtiger unſchuldiger Kinder, welche zu gleicher Zeit ſeiner mörderiſchen Herrſchereiferſucht zum Opfer fallen mußten, ſich kein Gewiſſen gemacht hat. Und nichts deſto weniger iſt dieſer nämliche Herodes auf der anderen Seite betrachtet ein Mann, dem wir im Hin⸗ blick auf die unbeſtrittenen Verdienſte ſeines Hauſes ſowohl, als ſeiner Perſon um die politiſch ſociale Wohlfahrt des Landes billiger Weiſe wiederum unſere gerechte Anerkennung nicht verſagen, und namentlich unter andern auch gewiſſe Anſprüche auf eine bevorzugte politiſche Stel⸗ lung im Lande, zu deren Einnehmung er durch ſein unter den obwal⸗ tenden Zeitumſtänden unverkennbar hervortretendes eminentes Regierungs⸗ talent in der That unmaßgeblich ſich durfte berufen fühlen, nicht abſprechen können. Aus dieſem ſcheinbaren Widerſpruche könnten kurzſichtige Be⸗ obachter oberflächlicher Weiſe den Schluß ziehen, als thue man Herodes allenfalls Unrecht, ihn unter die ſogenannten ausgemachten Böſewichter zu zählen, indem er durch die unausweichliche Gewalt der Umſtände an die Spitze des jüdiſchen Volkes gerufen, der naheltegenden Verſuchung zu ſolchen ſchweren Frevelthaten im Intereſſe ſeiner eigenen Selbſt⸗ behauptung moraliſch nicht habe widerſtehen können. Aber geſetzt, daß man mit ſolchen Gegengründen allenfalls auch ſeine gegen die Ueber⸗ bleibſel der hasmonäiſchen Familie erlaſſenen Hinrichtungsbefehle bis auf einen gewiſſen Grad entſchuldigen könnte, ſo wird man doch auf der anderen Seite damit keineswegs noch die blutige Verfolgung des wahren Meſſias, der ja nicht in der Abſicht, um ihn ſogleich bei ſeiner Geburt bereits vom Throne zu ſtoßen, auf die Welt gekommen war, in ihrer Abſcheulichkeit mildern können; denn obwohl der Meſſias nach der da⸗ maligen vorherrſchenden Auffaſſung der Juden als ein zunächſt allerdings weltlich auftretender König mißverſtändlich erwartet wurde, ſo war der⸗ ſelbe doch nach den übrigen von den Propheten gegebenen Schilderungen, in welch' roher Unwiſſenheit Herodes immer darüber im Einzelnen be⸗ fangen geweſen ſein mag, in jedem Falle ſchon zum Voraus eine ſo geheiligte Perſon, daß eine mehr denn gewöhnliche unmenſchliche Gott⸗ loſigkeit dazu gehörte, um als ein bereits am Rande des Grabes ſtehender ergrauter König von wegen des Anſpruches auf den kurzen Reſt der ihm vorausſichtlich noch übrigen Regierungszeit mit dem verheißenen gott⸗ geſandten Retter des jüdiſchen Volkes ſelber auf eine ſolche blutig eifer⸗ ſüchtige Weiſe rechten zu wollen, Dieſe herodianiſche Gottloſigkeit, deren eigenthümliches Weſen darin beſteht, daß ſie ein vorausgehendes aus⸗ gezeichnetes perſönliches Verdienſt, welches an Herodes' bisheriger Ge⸗ ſchichte hervorzuheben wir uns ebendeßwegen abſichtlich alle gebührende Mühe gegeben haben, keineswegs ausſchließt, ſondern vielmehr im Gegen⸗ theile gewiſſermaßen vorausſetzt, weßwegen eben ſie aber gerade den größten Gipfel der Gottloſigkeit darſtellt, welcher überhaupt von Menſchen erſtiegen werden kann, iſt nur leider mit Herodes dem Großen in der Welt nicht allein nicht ausgeſtorben, ſondern hat mit demſelben vielmehr im Gegentheil erſt ihren eigentlichen Anfang genommen, von welchem aus als von einem unerſchöpflich fruchtbaren Keime ſie im Verlaufe der Zeit ſich einmal über die ganze politiſche Welt allmälig immer weiter ausgebreitet, und unter andern namentlich auch in den Schooß der chriſt⸗ lichen Geſellſchaft einzudringen, den unabläſſig wiederholten Verſuch ge⸗ macht hat. Indem wir ſomit zur geeigneten Herſtellung eines allgemeinen Zeit⸗ überblickes ſchon jetzt, ehe noch die Thatſachen aus Herodes' Lebensgeſchichte vollendet, durch Anticipirung einer einzigen derſelben den vorläufigen Verſuch einer Schilderung ſeines Charakters in ſeinen Grundzügen einſt⸗ weilen vorausgeſchickt haben, fühlen wir uns zugleich mit dem wahrſchein⸗ lich ebenfalls ermüdeten Leſer erfreut, hier endlich einmal abbrechen, und in ſeiner Geſellſchaft eine Zeit lang ausruhen zu können. Wir hoffen wenigſtens ſo viel erreicht, und vor der Hand zwiſchen dem bibliſchen Alterthume und der Geſchichte der Offenbarung Gottes im Neuen Teſta⸗ mente eine Brücke geſchlagen zu haben. Relcge Chronologiſche Tahelle zum zweiten Vande der bibliſchen Geſchichte. Mit gelegentlicher Rückweiſung auf die die einzelnen Daten begründenden Anmerkungen. Vor Chriſti Geburt 575. Im Jahre der Erſchaffung 3524. Offenbarung Gottes an Ezechiel über die bei der zukünftigen Rückkehr der zwölf Stämme Israel beabſichtigte neue Landes⸗ organiſation. 573. 3526 Eroberung der Stadt Tyrus durch Nabuchodonoſor. Letzte Offenbarung Gottes an Ezechiel des Inhalts, daß Nabuchodo⸗ noſor für die geringe in Tyrus gemachte Beute durch die Er⸗ oberung Egyptens werde entſchädigt, und um dieſe Zeit der gefangene König Jechonia aus ſeinem Gefängniſſe entlaſſen werden. Czechiel. 3527 Zweiter Traum Nabuchodonoſor's nebſt ſeiner von Daniel ge⸗ gebenen Auslegung. Nabuchodonoſor's ſiebenjährige Geiſtes⸗ krankheit. 3534 Regierungserlaß nach wiedererlangter Ge⸗ ſundheit. 563. 3536 Nabuchodonoſor T. Coilmerodach, König von Babylon. 3537 Entlaffung des jüdiſchen Königs Jechonja aus ſeinem Gefängniſſe. 561. 3538 Evilmerodach geſtürzt. Nerigliſſar, König von Bahylon. 3540 Die angeblichen Viſtonen des Propheten Esdra. 557. 3542 Nerigliffar fällt in einem Treffen gegen Cyrus. Laboroſoarchod, König von Babel. 556. 3543 Laboroſoarchod getödtet. Baltaſſar oder Nabonnedus, König von Babylon. Daniel's erſtes Traumgeſicht von vier aus dem Meere aufſteigenden Thieren. 3545 Zweite Viſion Daniel's über den Kampf des Widders mit dem Ziegenbocke. Erſte Erſcheinung des Erzengels Gabriel. 541. 3558 Belagerung Babhlon's durch Cyrus. 5375 530. 523. 522. 487. 466. 3560 Eroberung von Babylon. Baltaſſar 1. Gründung des per⸗ ſiſchen Weltreiches. Darius der Meder König. Daniel, einer der drei oberſten mediſchen Bevollmächtigten. Zweitmalige wunderbare Errettung Daniel's aus der Löwengrube. 3561 Neue dem Daniel und zwar wiederum durch den Erzengel Gabriel gegebene göttliche Offenbarung. Vierzehnte meſſianiſche Hauptweisſagung(ſ. Anmerk. zu H. 610.) 3562 1 Darius der Meder. Cyrus Alleinherrſcher erlaubt den Juden die Rückkehr nach Paläſtina. Letzte Offenbarung Gottes an Daniel durch den Erzengel Gabriel. Daniel 7. Ein in das königliche Archiv zu Erbatana niedergelegter Beſchluß übernimmt die Unkoſten der Wiedererbauung des Tempels zu Jeruſalem. 42,000 Juden treten unter Anführung Zorobabel's den Rück⸗ wetz nach Paläſtina an. Joſue Hoherprieſter. 3563 Ankunft der Rückwanderer auf der Brandſtätte von Jeruſalem. Wiedererrichtung des zum täglichen Opfer unentbehrlichen Brand⸗ opferaltars am Laubhüttenfeſte. Erſte Einleitung zur Wieder⸗ erbauung des Tempels. 3564 Grundſteinlegung des neuen Tempels. Abweiſung der von den Samaritanern auf Mitbeſitz des Tempels erhobenen Anſprüche. Intriguen derſelben. 3569 Cyrus T. Cambyſes oder Aſſuerus, König von Perſien. 3576 Cambyſes T. Pſeudoſmerdis oder Artaxerxes, König von Perſien. Einreichung einer von den Samaritanern gegen die Juden aufteſetzten Klagſchrift. Unterbrechung des Tempelbaues auf königlichen Befehl. 3577 Pſeudoſmerdis F. Darius Hyſtaſpis, König von Perſien. 3578 Auftreten der Propheten Haggäus und Zacharias. Wiederauf⸗ nahme des Tempelbaues und Bericht des perſiſchen Statthalters darüber an den König. Fünfzehnte meſſianiſche Hauptweis⸗ ſagung(ſ. Anmerk. zu§. 641.) 3579 Die erſten Viſionen des Propheten Zacharias. Sechzehnte meſſianiſche Hauptweisſagung(J. Anmerk. zu§. 644.) Be⸗ ſtätigung der von Cyrus gegebenen Erlaubniß zum Aufbau des Tempels durch Darius Hyſtaſpis. 3580 Antwort des Propheten Zacharias im Auftrage Gottes auf eine von den Juden in Babylon hinſichtlich einiger mittlerweile ein⸗ geführten jüdiſchen Faſttage geſtellte Anfrage. 3583 Feierliche Einweihung des unterdeſſen vollendeten Tempels. Letzte Offenbarungen Gottes an den Propheten Zacharias. Sieben⸗ zehnte und achtzehnte meſſianiſche Hauptweisſagung(ſ. die An⸗ merkungen zu§§. 648 und 650.) 3611 Sturz des magiſchen Oberprieſters Zoroaſter. Erſter Religions⸗ betrug(ſ. Anmerk. zu§. 658.) 3612 Darius Hyſtaſpis T. Kerxes, König von Perſien. 3613 Joſue der Sohn Joſedee T. Joakim Hoherprieſter. 3633 Kerres 1. Artaxerxes Longimanus, König von Perſien. 3635 Traum des Mardochäus. . 96 950. W 0 ö51. 9 406. 359. 357. 551. Alts 3636 Verſtoßung der Königin Vaſtht. Aufnahme der Eſther in das königliche Serail. 3640 Zweiter Zug von jüdiſchen Rückwanderern aus Babylon nach Paläſtina unter Anführung des Schriftgelehrten Esdra. Fünfte Cultus⸗ und Geſetzesreformation(ſ. Jahr 3459.) 3641 Eſther's Erhebung zur perſiſchen Königin. Entdeckung durch Mardochäus und Beſtrafung eines auf das Leben des Königs Artaxerxes gerichteten Attentates. Aman's des Amalekiters Er⸗ hebung zum oberſten Günſtling und Bevollmächtigten des Königs. 3645 Aman beſtimmt durch das Loos den Tag zur beabſichtigten Ver⸗ tilgung des jüdiſchen Volkes und bewirkt ein deßfallſiges könig⸗ liches Ediet. Eſther von Mardochäus aufgefordert legt Fürbitte für die Erhaltung des jüdiſchen Volkes beim Könige ein. Sturz Aman's. Erhebung des Mardochäus an ſeine Stelle zum königlichen Siegelbewahrer. Widerrufendes königliches Edict. Der jüdiſche Hoheprieſter Joakim J. Eliaſib Hoherprieſter. 3646 Sieg der Juden über ihre ſämmtlichen Feinde im ganzen per⸗ ſiſchen Reiche, in Form einer ihnen geſetzlich erlaubten noth⸗ gedrungenen Selbſthilfe. Einführung des Purimfeſtes. 3653 Nehemias“', des Artaxerres Mundſchenken, Erhebung zum Ather⸗ ſatha von Judäa, nebſt ertheilter Vollmacht zur Wiedererbauung der Stadtmauern von Jeruſalem. Glückliche Wiederherſtellung derſelben und Bevölkerung der Stadt durch neue Anſiedler. Oeffentliche Verleſung des Geſetzes durch den Schriftgelehrten Esdra. Gründung der Synagoge(ſ. Anmerkung zu§. 720.) Fortſetzung der im Jahre 3640 begonnenen Cultusreformation. 3654 Feierliche Einweihung der Mauern nebſt Einrichtung der Tempel⸗ ſchatztammer. Esdra 1. Auffindung des heiligen Feuers. 3665 Rückkehr des Nehemias an den Hof des Königs Artaxerxes. Neue Unordnungen in Jeruſalem, in Folge deren Nehemias ſeine zweite Reiſe nach Paläſtina antritt. Beendigung der von Esdra begonnenen Cultusreformation. Manaſſe der Sohn Jojada, des nachmaligen Hohenprieſters, wird aus der jüdiſchen Gemeinde ausgeſtoßen. 3674 1 Artaxerxes Longimanus. Darius Nothus, König über Perſien. 3685 Cliaſib J. Jojada Hoherprieſter. Erbauung des Tempels auf dem Berge Garizim und Gründung des ſamaritaniſchen Schisma durch den Apoſtaten Manaſſe. Zweiter Religionsbetrug(ſiehe Anmerk. zu§. 737.) Nehemias 7. Der Prophet Malachias. Neunzehnte meſſianiſche Hauptweisſagung. 3693 Darius Nothus F. Artaxerres Mnemon, König über Perſien. 3725 Jojada 7. Johanan Hoherprieſter. 3733 Johanan's an ſeinem Bruder Jeſhua im Tempel verübter Todt⸗ ſchlag. Beſtrafung deſſelben durch den perſiſchen Feldherrn Bagoſes. 3740 Artaxerxes Mnemon 7. Artaxerxes Ochus, König über Perſien. 3742 Alexander der Große geboren(ſ. Anmerk. zu§. 750.) 3748 Gänzliche Vernichtung der Selbſtſtändigkeit Egyptens durch einen Feldzug des Artaxerxes Ochus. 338. 336. 334. 383. 332. 331. 330. 323. 320. 319. 318. 317. 315. 312. 311. 310. 3755 Johanan 5. Jaddua Hoherprieſter. 3761 Artaxerres Ochus T von Bagoas vergiftet. Arſes, König über Perſien. 3763 Arſes 7 gleichfalls von Bagoas getödtet. Darius Codomannus, König über Perſien. Bagoas muß zur Strafe eines auch gegen ihn gerichteten Vergiftungsverſuches ſelber den Giftbecher ausleeren. 3765 Darius von Alexander an Granicus das erſte Mal geſchlagen. 3766 Schlacht bei Iſſus. Belagerung von Tyrus. Der Hoheprieſter Jaddua verweigert die von Alexander in Anſpruch genommenen Getreidelieferungen. 3767 Eroberung von Tyrus und Gaza. Friedlicher Einzug Alexan⸗ der's in Jeruſalem nebſt bereitwilliger Gewährung der von dem Hohenprieſter verlangten Privilegien. Eroberung Egyptens. Beſuch Alexander's bei dem Orakel des Jupiter Ammon. Gründung der Stadt Alexandria. 3768 Vertreibung der Samaritaner aus Samaria. Sturz des per⸗ ſiſchen Reiches durch die Schlacht bei Gaugamela. 3769 Darius durch Verrath getödtet. Alexander's weitere Feldzüge. 3776 Alexander T zu Babylon. Perdiecas Reichsverweſer. Ver⸗ theilung der einzelnen Provinzen unter die Feldherren Aleran⸗ der's als macedoniſche Statthalter. Anfang der Philippiſchen Aera. 3778 J Jaddua. Onias I. Hoherprieſter. Perdiccas im Kriege gegen Ptolemäus Lagi getödtet. Antipater, der neue Reichsverweſer, beauftragt den Feldherrn Antigonus zum Kriege wider den ge— ächteten Eumenes. 3779 Ptolemäus vertreibt aus Paläſtina den Statthalter Laomedon, und bemächtigt ſich der Stadt Jeruſalem, nimmt angeblich 100,000 Juden mit ſich nach Egypten, und beſtätigt denſelben ihre von Alexander dem Großen gewährten Privilegien. 3780 Antipater ſtirbt. Polyſperchon Reichsverweſer. Der durch ſeinen mit Antigonus abgeſchloſſenen Frieden von der Reichs⸗ acht befreite Eumenes erhält von Polyſperchon den Auftrag zur Bekriegung des Antigonus. 3781 Olympias, die Mutter Alexander's des Großen, tödtet den Phi⸗ lippus Arrhidäus ſeinen hinterlaſſenen Halbbruder. 3782 Olympias wird von Caſſander hingerichtet, Roxane aber, Alexan⸗ der's Gemahlin, mit ihrem Sohne Alexander Aegus gefänglich eingeſetzt. 3784 Eumenes wird durch Verrath dem Antigonus ausgeliefert. Se⸗ leucus der Statthalter von Babylon entflieht zu Ptolemäus Lagi nach Egypten und ſtiftet ein Angriffsbündniß zwiſchen Ptolemäus, Caſſander und Lyſimachus gegen Antigonus. 3787 Seleucus erobert Babylonien wieder. 3788 Gründung des ſyriſchen Reiches. Anfanz der Seleucidiſchen Aera. 3789 Erſter Friedensſchluß zwiſchen Antigonus und ſeinen Angreifern. Caſſander tödtet Roxane und Alexander Aegus. Wiederanfang des Krieges. Polyſperchon tödtet den Herkules, den Sohn Alexander's von der gefangenen Barſinoe. 3790 Antigonus tödtet die Schweſter Alexander's, Cleopatra. 0 NB. 9 W. 3 A0 93. Bl.“ 307. 306. 305. 301. 276. 274. 273. 263. 261. 257. 250. 249. 247. 246. 415 3792 Bei Gelegenheit der Eroberung von Cypern durch ſeinen Sohn Demetrius Poliorcetes ſetzt ſich Antigonus die Königskrone auf. Seinem Beiſpiele folgen die übrigen macedoniſchen Statthalter. 3793 Des Antigonus Heer wird an der Grenze von Egypten auf⸗ gerieben. 3794 Demetrius Poliorcetes wird genöthigt, die Belagerung der von Ptolemäus unterſtützten Stadt Rhodus aufzuheben. Coloß zu Rhodus. Kriege des Seleucus I. Nicator in Indien. Onias J. ſtirbt. Simon Juſtus Hoherprieſter. 3799 Seleucus und Lyſimachus überwinden den Antigonus in der Schlacht bei Ipſus. Antigonus T. Friede zwiſchen den vier Verbündeten. Seleucus I. beſchenkt die Juden von Antiochia mit dem macedoniſchen Bürgerrecht. 3807 4 Simon Juſtus. Eleazar Hoherprieſter. Antigonus von Socho, Vorſteher des Hohenrathes. Ptolemäus I. Lagi ſtiftet auf den Rath des Demetrius Phalereus die Alexandriniſche Bibliothek. 3815 Ptolemäus I. Lagi Soter tritt kurz vor ſeinem Tode die Re⸗ gierung ab an ſeinen Sohn Ptolemäus II. Philadelphus. 3820 Seleucus I. Nicator F. Antiochus I. Sidetes Soter, König von Syrten. 3823 Ueberſetzung des Alten Teſtaments in das Griechiſche durch die ſogenannten ſiebenzig Dollmetſcher(ſ.§. 762.) Einwanderung der Gallier in Phrygien(ſ. Anmerk. zu§. 769.) 3824 Eleazar J. Manaſſe Hoherprieſter. 3826 Vertreibung des Pyrrhus, Königs von Epirus, aus Italien. Steigendes politiſches Anſehen der römiſchen Republik. 3827 Freundſchaftsbündniß zwiſchen Rom und dem Hofe von Alexandria. 3837 + Antigonus von Socho. Sein Schüler Sadoe ſtiftet die Secte der Sadducäer. 3839 Antiochus I. Sidetes ernennt kurz vor ſeinem Tode ſeinen Sohn Antiochus II. Theus zum Reichsnachfolger über Syrien. 3843 Apama die Schweſter des Antiochus II. Theus, Wittwe des egyptiſchen Statthalters Magas, aus Cyrene vertrieben, ſtiftet Krieg zwiſchen Syrien und Egypten. 3850 Parthien unter Arſaces und Baktrien unter Theodotus reißen ſich vom ſyriſchen Königreiche los. Manaſſe T. Onias II. Hoherprieſter. 3851 Friede zwiſchen Antiochus II. Theus und Ptolemäus II. Phila⸗ delphus. Erhebung der egyptiſchen Prinzeſſin Berenice zur Königin von Syrien. 3853 Ptolemäus II. Philadelphus T. Ptolemäus III. Euergetes, König über Egypten. 3854 Antiochus II. Theus verſtößt die Berenice zu Gunſten ſeiner erſten Gemahlin Laodice, und wird von dieſer vergiftet; Berenice ebenfalls mit ihrem Sohne hingerichtet. Seleucus II. Callini⸗ cus, Sohn der Laodice, König über Syrien. Rebellion der ſyriſchen Seeſtädte. Kriegeriſcher Angriff von Seite Ptolemäus III. Euergetes, welcher auf ſeinem Eroberungszuge die gefangen ge⸗ 245. 244. 225. 223. 221. 2²0. 219. 218. 217. 216. 205. 416 nommene Laodice ebenfalls hinrichten läßt. Ptolemäus opfert auf dem Rückwege im Tempel zu Jeruſalem. 3855 Die ſyriſchen Seeſtädte kehren gutwillig unter Seleucus II. Callinicus' Scepter zurück. 3856 Zehnjähriger Friedensvertrag zwiſchen Seleucus Callinicus und Ptolemäus Euergetes. Innerer Krieg zwiſchen Seleueus und ſeinem jüngeren Bruder Antiochus Hierax. Ausgezeichnete Waffenthat von 8000 babyloniſchen Juden im Dienſte des Königs Seleucus. 3860 Antiochus Hierar vertrieben. Weitere Kriege zur Wieder⸗ eroberung abgefallener Provinzen. 3870 Seleucus II. Callinicus geräth in parthiſche Gefangenſchaft. Arſaces nimmt den parthiſchen Königstitel an. 3874 Ptolemäus III. Euergetes ſendet ſeinen Hofbeamten Athenion nach Jeruſalem zur Eintreibung des rückſtändigen hohenprieſter⸗ lichen Tributs. Joſephus der Sohn des Tobias vollführt mit hoherprieſterlicher Vollmacht eine Reiſe nach Alexandria, auf welcher er ſo glücklich iſt, zum Generalpächter der königlichen Einkünfte in Paläſtina und Cöloſyrien ernannt zu werden. 3875 1 Seleucus II. Callinicus. Seleucus III. Ceraunus, König über Syrien. 3877 Seleucus III. Ceraunus getödtet. Sein Oheim Achäus überträgt das Reich an Antiochus III. den Großen. 3878 + Ptolemäus III. Euergetes. Ptolemäus IV. Philopator, König über Egypten. 3879 Antiochus verſucht das erſte Mal über den Libanon in Cölo⸗ ſyrien einzubrechen, wird aber von Theodotus, dem egyptiſchen Befehlshaber, zurückgeſchlagen. 3880 Antiochus unterdrückt glücklich den Aufſtand ſeiner Feldherren Alexander und Molon in Medien und Perſien. 3881 Bei dem zweitmaligen Verſuche des Antiochus gegen Cöloſyrien übergiebt Theodotus freiwillig die beiden Seeſtädte Tyrus und Ptolemais und eröffnet dadurch dem Könige den Zugang. 3882 Antiochus der Große erobert Galiläa und das linke Jordanufer. Onias II. T. Simon II. jüdiſcher Hoherprieſter. 3883 Ptolemäus IV. Philopator liefert dem Antiochus ein Treffen bei Rapphia an der Grenze Egyptens und zwingt ihn, unver⸗ richteter Dinge nach Antiochia zurückzukehren. Ptolemäus ver⸗ ſucht widerrechtlich in das Innere des Tempels zu Jeruſalem einzudringen, und wird nach lebhaften Proteſtationen von Seite des Hohenprieſters Simon II. durch übernatürliche Gewalt da⸗ von zurückgehalten. Friede mit Antiochus, welcher auf Cölo⸗ ſyrien und Paläſtina Verzicht leiſtet. 3884 Ptolemäus IV. Philopator verhängt über die Juden zu Alexan⸗ dria eine Glaubensverfolgung, läßt ſich aber durch das Da⸗ zwiſchentreten eines übernatürlichen Ereigniſſes zur Zurücknahme des ungerechten Befehls beſtimmen. 3895 Antiochus des Großen glückliche Feldzüge in Parthien, Baktrien und Indien. Antiochus verlegt 2000 babyloniſche Juden, die l 202.1 All. 3 l57. 204. 203. 202. 201. 199. 198. 190. 187. 3896 3897 3898 3899 3901 3902 3910 3913 Krafft, heil. Geſchichte. U. 417 ſich in dieſen Feldzügen ausgezeichnet hatten, unter vortheilhaften Bedingungen als Beſatzung in die kleinaſiatiſchen Grenzfeſtungen. Ptolemäus IV. Philopator 7. Ptolemäus V. Epiphanes, König über Egypten. Antiochus III. der Große ſchließt mit Philippus, dem Könige von Macedonien, ein Angriffsbündniß gegen Egypten, und be⸗ ſetzt auf ſeinem dritten Einfall Cöloſyrien und Paläſtina. Bei dieſer Gelegenheit verliert Joſephus ſein Amt als königlich egyptiſcher Generalſteuereinnehmer. Der egyptiſche Hof wendet ſich, dem Senate zugleich die Vor⸗ mundſchaft über Ptolemäus V. Epiphanes antragend, zum zweiten Mal um Schutz nach Rom(ſ. 3827)1 Die Römer ordnen die Alexandriniſchen Angelegenheiten und ſenden an die beiden angreifenden Könige abwehrende Geſandt⸗ ſchaften. Der Aetolier Scopas erobert im Dienſte des egyptiſchen Hofes Cöloſyrien und Paläſtina wieder. Mißhandlung der Einwohner von Jeruſalem durch die von Scopas in die Burg Sion ver⸗ legte egyptiſche Beſatzung. Viertmaliger Angriff des Antiochus auf Cöloſyrien. Scopas bei Paneas aufs Haupt geſchlagen, wird von Sidon aus zu einem ſchimpflichen Rückzuge nach Egypten gezwungen. Antiochus beſetzt zum dritten Mal Paläſtina, und wird von den Juden überall mit Vorliebe aufgenommen. Er beſtätigt den Juden zu Jeruſalem ihre von Alexander dem Großen gewährten Pri⸗ vilegien, und vermehrt dieſelben mit neuen. Zugleich knüpft er mit dem Hofe von Alexandria glückliche Friedensunterhandlungen an, in Folge welcher der Letztere ſich mit dem gegebenen Ver⸗ ſprechen, daß Ptolemäus Epiphanes bei erreichter Mannbarkeit die eroberten Länder mit Cleopatra, des Antiochus Tochter, als Mitgift wieder bekommen ſollte, vorläufig zufrieden giebt. Simon II. 1. Onias III. Hoherprieſter. Antiochus III. der Große läßt ſich durch die Ankunft Hannibal's zu einem An⸗ griffskriege gegen die Römer beſtimmen. Antiochus vermählt ſeine Tochter Cleopatra an Ptolemäus V. Epiphanes, giebt ihm aber bei dieſer Gelegenheit nicht mehr, als wie die Hälfte der bloßen aus Cöloſyrien und Paläſtina gewonnenen königlichen Einkünfte.(Bei dieſer Gelegenheit er⸗ hält Joſephus zum zweiten Mal das egyptiſche Steueramt.) Unglücklicher Verlauf ſeines Krieges mit den Römern. Antiochus III. der Große bei Magneſia von dem römiſchen Conſul Scipio Aſiaticus vollkommen geſchlagen, tritt im Friedens⸗ ſchluſſe Kleinaſien bis an den Taurus ab und verſpricht Zahlung der Kriegskoſten im Betrage von 15,000 Talenten. Zugleich giebt er ſeinen Sohn Antiochus den Römern als Geißel mit. Antiochus, ſeinen Sohn Seleueus IV. Philopator als Nach⸗ folger auf dem Throne zurücklaſſend, unternimmt, um Geld aufzubringen, einen Feldzug nach dem Oriente, und wird bei Gelegenheit der beabſichtigten Plünderung des Tempels der 27 181. 180. 3920 3919 Nanaä in Perſien von deren Prieſtern erſchlagen. Der Cleo⸗ patra, königlichen Gemahlin des Ptolemäus Epiphanes, erſte Niederkunft mit einem männlichen Prinzen, zu deren Beglück⸗ wünſchung Joſephus ſeinen Sohn Hyrcanus nach Alexandria ſendet. Hyrcanus erlangt durch verſchwenderiſchen Mißbrauch des väterlichen Credites die Beſtätigung im egyptiſchen Steuer⸗ einnahmsamte, wird aber bei ſeiner Rückkehr in Jeruſalem nicht aufgenommen. Joſephus T. Krieg zwiſchen Hyrcanus und ſeinen Brüdern. Hyrcanus erbaut zu ſeiner Sicherheit das Bergſchloß Tyrus jenſeits des Jordanfluſſes. Wegen Stockung der egyytiſchen Einkünfte bereitet ſich Ptolemäus V. Epiphanes zu einem Kriege gegen Syrien. Während der Kriegszurüſtungen wird Ptolemäus V. Epiphanes vergiftet. Ptolemäus VI. Philometor, ein ſechsjähriges Kind, unter Vormundſchaft ſeiner Mutter Cleopatra König über Egypten. Frieden zwiſchen Hyrcanus und ſeinen Brüdern. Hyrcanus deponirt eine namhafte Summe im Tempelſchatze zu Jeruſalem. Der Tempelvorſteher Simon, ein Sohn des Joſe⸗ phus, verlangt vom Hohenprieſter Onias III. die Herausgabe der von Hyrcanus deponirten Summe, und macht aus Rache für die empfangene abſchlägige Antwort von dem ganzen De⸗ poſitum eine gehäſſige Anzeige bei dem ſyriſchen Statthalter Apollonius. Der mit der Confiscation ſämmtlicher im Tempel deponirten Gelder beauftragte ſyriſche Schatzmeiſter Heliodorus wird durch eine übernatürliche Erſcheinung an der Erreichung ſeines Zweckes verhindert.— Der Tempelvorſteher Simon denuncirt aus Rachſucht den Hohenprieſter Onias III. als einer beabſichtigten Rebellion gegen die ſyriſche Oberherrſchaft ver⸗ dächtig. Onias reiſt zu ſeiner Verantwortung nach Antiochia und bewirkt die Verbannung Simon's als eines hartnäckigen Unruheſtifters. 176. 3924 Seleucus IV. Philopator ſendet ſeinen Sohn Demetrius nach Rom, gegen welchen er ſeinen Bruder Antiochus zurückfordert. 175. 3925 Seleucus IV. Philopator wird von Heliodorus verrätheriſcher 174. 3926 Weiſe vergiftet, welcher ſich mit Hilfe des Hyrcanus auf dem Throne von Syrien zu behaupten ſucht, aber von dem rück⸗ kehrenden Antiochus IV. Epiphanes verdrängt wird. Hyrcanus entleibt ſich ſelbſt.— Joſue, ein Bruder des Hohenprieſters Onias III. erſchleicht ſich durch Beſtechung die Hohenprieſter⸗ würde. Onias III. nach Antiochia verbannt. Joſue, von nun an unter dem Namen Jaſon Hoherprieſter, errichtet im Namen des ſyriſchen Königs in Jeruſalem ein griechiſches Gymnaſium. Aufhören der von Antiochus III. dem Großen im Jahre 3902 gemachten Bewilligungen. Planmäßige Anleitung des Volkes zum Abfalle vom jüdiſchen Geſetze. Jaſon ſendet jüdiſche Abgeordnete zu den in Tyrus gefeierten öffentlichen Spielen mit einer zur Darbringung von Opfern für den thriſchen Herkules beſtimmten Geldſumme. 12. 100. 419 173. 3927 7 Cleopatra, die Mutter und Vormünderin des Ptolemäus VI. Philometor. Der in dem gleichen Jahre mündig erklärte Ptole⸗ mäus fordert von Antiochus Epiphanes die endliche Herausgabe von Cöloſyrien und Paläſtina. Antiochus auf einer zur Unter⸗ ſuchung der paläſtinenſiſchen Grenzfeſtungen unternommenen Rundreiſe wird von dem Hohenprieſter Jaſon in Jeruſalem un glänzend empfangen. 172. 3928 Der im Auftrage des Hohenprieſters Jaſon nach Antiochia 5 reiſende neue Tempelvorſteher Onias, ein Bruder des Simon und Sohn des früheren königlich egyptiſchen Steuereinnehmers Joſeph, erſchleicht ſich durch ein noch höheres Steueranerbieten die Hohenprieſterwürde, und vertreibt mit Hilfe ſyriſcher Trup⸗ pen den Hohenprieſter Jaſon in das ehemalige Land der Ammo⸗ niter. Onias unter dem Namen Menelaus jüdiſcher Hoherprieſter. 3 U 271. 3929 Menelaus, wegen nicht geleiſteter Zahlung nach Antiochia vor⸗ gefordert, begeht mit Hilfe des in ſeiner Abweſenheit ihn ver⸗ tretenden Lyſimachus, eines dritten Bruders aus Joſeph's Familie, beträchtliche Tempelräubereien, aus deren Verkaufsertrag er nach erfüllter Zahlungsbedingung Beſtechungen am Hofe des eben abweſenden Antiochus Epiphanes ausübt. Onias III., welcher den begangenen Tempelraub entdeckt und dem Menelaus zum Vorwurf macht, wird auf deſſen Veranſtalten von Andronicus, des Antiochus hinterlaſſenen Regierungsbevollmächtigten, eigen⸗ händig meuchleriſcher Weiſe ermordet. Antiochus läßt bei ſeiner Rückkehr den Andronicus hinrichten. In Jeruſalem bricht ein durch die nunmehr entdeckten fortgeſetzten Tempelräubereien des Lyſimachus hervorgerufener Volksaufruhr aus, in Folge deſſen Lyſimachus ſeinen Tod findet. Antiochus Epiphanes beſiegt gegen Ende des Jahres Ptolemäus VI. Philometor zwiſchen Peluſium und den caſiſchen Bergen, und zieht ſich in das Winter⸗ quartier nach Tyrus zurück. 170. 3930 Drei Abgeordnete des jüdiſchen Hohenrathes, welche den Hohen⸗ prieſter Menelaus bei dem Könige Antiochus in Tyrus ver⸗ klagen, werden kraft fortgeſetzter Beſtechungen deſſelben un⸗ gerechter Weiſe mit dem Tode beſtraft und Menelaus neuerdings in ſeiner Hohenprieſterwürde befeſtigt. Während Antiochus ſeinen zweiten Feldzug nach Egypten antritt, werden vierzigtägige kriegeriſche Lufterſcheinungen in Jeruſalem beobachtet. Während Antiochus ganz Egypten bis auf Alexandria einnimmt, entſteht in Paläſtina das falſche Gerücht von ſeinem Tode, auf welches hin Jaſon mit 1000 Mann Jeruſalem neuerdings überfällt, und nachdem er Menelaus in die Burg eingeſchloſſen, die Stadt kriegeriſch mißhandelt. Antiochus, dem ſich inzwiſchen Ptole⸗ mäus VI. Philometor freiwillig ergeben, kehrt auf die Nachricht von einem in Jeruſalem ausgebrochenen Aufſtande ſchleunig zurück, und verhängt, ſelbſt nachdem der enttäuſchte Jaſon wie⸗ der abgezogen, nichts deſto weniger über die Stadt eine exem⸗ plariſche Strafe. 40,000 Einwohner von Jeruſalem werden getödtet und 40,000 in die Gefangenſchaft verkauft. Der von 27* — 169. 168. 167. 166. 3931 3932 dem Hohenprieſter Menelaus in eigener Perſon in den Tempel eingeführte König Antiochus kehrt mit einer Beute von 1800 Talenten nach Antiochia zurück. Inzwiſchen wählen die Ein⸗ wohner von Alexandria anſtatt des zu Antiochus übergegangenen Ptolemäus Philometor ſeinen Bruder Ptolemäus VII. Physcon oder auch Euergetes II. zum Könige. Dritter Feldzug des Antiochus Epiphanes nach Egypten. Ver⸗ gebliche Belagerung von Alexandria. Fruchtloſe Friedensunter⸗ handlungen. Antiochus übergiebt vor ſeiner Rückkehr das ganze neuerdings wiedereroberte Land an den bis daher beſtändig ihm ergeben gebliebenen Ptolemäus VI. Philometor mit Ausſchluß des ihm ſelbſt vorbehaltenen Hafenplatzes Peluſium. Ptole⸗ mäus VII. Physcon ſendet um Schutz nach Rom. Ptolemäus VI. Philometor, ſein älterer Bruder, ſchließt in Abweſenheit des Königs Antiochus Friede mit ihm unter der Bedingung fortaniger gemeinſchaftlicher Regierung. Vierter Feldzug des Antiochus Epiphanes gegen die vereinigten Brüder, aufgehalten und vollkommen vereitelt durch die Geſandt⸗ ſchaft des Römers Popilius Länas. Antiochus Epiphanes be⸗ hält im darauf abgeſchloſſenen Frieden zwar Cöloſyrien und Paläſtina, muß aber Peluſium und die Inſel Cypern an die Ptolemäer wieder herausgeben. Antiochus beſchließt auf dem Rückwege eine grauſame Verfolgung der Juden, zu welchem Endzwecke Apollonius im Auftrage des Königs mit 22,000 Mann Jeruſalem kriegeriſch überfällt und nebſt ſonſtiger grauſamer Mißhandlung der Stadteinwohner die Mauern derſelben ſchleift. Anlegung eines neuen Caſtells in der Stadt gegenüber dem Tempel unter dem Namen der Burg Aera zum Behuf gewalt⸗ ſamer Hintertreibung alles ferneren Tempelgottesdienſtes. Auf⸗ hören des täglichen Opfers. Planmäßig angeordnete hebräiſche Religionsverfolgung unter Anleitung des königlichen Hofbeamten Athenäus. Entweihung des Tempels durch Unzucht und Auf⸗ richtung eines dem Jupiter Olympius gewidmeten Götzenaltars unmittelbar auf dem ehemaligen Brandopferaltar. Peinlicher Befehl an die Juden zur Betheiligung ſowohl überhaupt an götzendieneriſchen Gebräuchen als insbeſondere an der an dem königlichen Geburtstage zu Ehren des Götzen Bacchus veranſtal⸗ — öffentlichen Proceſſion. Schaarenweiſer Abfall einzelner uden. 3933 Martyrtod des Schriftgelehrten Eleazar zu Jeruſalem und der ſogenannten ſieben maccabäiſchen Brüder nebſt ihrer Mutter zu Antiochia. Erfolgreiche Schilderhebung des Prieſters Ma⸗ thatias und ſeiner Söhne in Modin. Beitritt der Aſſidäer. Philippus der Araber läßt 1000 in eine Höhle in der Nähe von Jeruſalem geflüchtete Fuden am Sabbath angreifen und durch Feuer erſticken. Beſchluß der Maccabäer, auch am Sab⸗ bath kriegeriſche Nothwehr zu gebrauchen. 3934 Mathatias J und hinterläßt Judas Maccabäus als Heerführer, Simon als Rathgeber. Judas beſiegt und tödtet 1) Apollonius, 105. l 421 den königlichen Statthalter über Samaria, und ſchlägt darnach 2) Seron, den ſyriſchen Heeresoberſten. Auf die Nachricht hie⸗ von hinterläßt Antiochus Epiphanes, durch den gleichzeitigen Abfall der Armenier und Perſer zu einem Feldzug in nörd⸗ licher und öſtlicher Richtung genöthigt, ſeinem Statthalter Lyſias den gemeſſenen Auftrag zu gänzlicher Vertilgung des jüdiſchen Volkes und ſeiner Hauptſtadt. Judas Maccabäus beſiegt 3) ein neues ſyriſches Heer unter Nicanor und Gorgias bei Emmaus. Verfolgung des Timotheus und Bacchides. Siegesfeſt in Jeruſalem. Vierter Sieg des Judas über Lyſias ſelbſt bei Bethhoron. Reinigung und Wieder⸗ herſtellung des Tempels zu Jeruſalem, nebſt Einſetzung eines achttägigen Erinnerungsfeſtes zu Ehren derſelben. Befeſtigung der Burg Sion und Anlegung der Schutzfeſtung Bethſura. Der Ausbruch von Judenverfolgungen unter den benachbarten Heidenvölkern veranlaßt Judas Maccabäus zu einem Rachekriege gegen die Idumäer und Ammoniter, von welchem kaum über den Jordan zurückgekehrt, und zum zweiten Mal von zwei ver⸗ ſchiedenen Seiten um Hilfe angerufen, er ſein Heer in drei Abtheilungen bringt, von denen die eine unter zwei nicht der maccabäiſchen Familie angehörigen Hauptleuten mit Namen Joſephus und Azarias zum Schutze von Judäa zurückbleibt. Mit der zweiten Abtheilung wehrt Simon einen feindlichen von Phönizien aus nach Galiläa gerichteten Einfall glücklich ab, und überredet die dort zerſtreuten Juden, ihm zur Ueberſiedelung nach Judäa ſich anzuſchließen. Judas Maccabäus ſelbſt geht in Begleitung ſeines Bruders Jonathas mit der dritten Heeres⸗ abtheilung zum zweiten Mal über den Jordan, und überfällt, von den unterwegs zu Gaſtfreunden gewonnenen nabuthäiſchen Arabern über die Größe der Gefahr rechtzeitig unterrichtet, die von Timotheus angeführten Belagerer des Caſtells Datheman, in welches ſich die verfolgten Juden aus der Landſchaft Galaad geflüchtet hatten. Fünfter Sieg des Judas Maccabäus, Auf⸗ hebung der Belagerung nebſt Eroberung und Zerſtörung mehrerer feindlich geſinnter Feſtungen. Doſitheus und Soſipater, zwei jüdiſche Feldhauptleute, heben im Dienſte Judas' einen von Timotheus beſetzten feſten Poſten in der Landſchaft Tubin auf, ohne aber den beſiegten feindlichen Feldherrn, wie ſie gehofft hatten, ſelber aufgreifen zu können, welcher anſtatt deſſen bereits von einer andern Seite mit einem neuen überaus zahlreichen Heere im Anzug iſt. Sechster Sieg des Judas über Timotheus bei Raphon im Thalgebiete des Fluſſes Jarmuk, nebſt Eroberung von Carnaim. Timotheus auf der Flucht von dieſer zweit⸗ maligen Niederlage von Doſitheus und Soſipater gefangen auf⸗ gegriffen, rettet ſein Leben nur durch das gegebene Verſprechen der Freilaſſung zahlreicher jüdiſcher Gefangenen. Sämmtliche jüdiſche Einwohner der Provinz Galaad folgen dem zurückkeh⸗ renden maccabäiſchen Heerführer zu dem Zweck, um ſich in Judäa mit größerer Sicherheit niederlaſſen zu können. Erſtürmung der Stadt Ephron, welche den Durchzug verweigert. Gute Aufnahme des Wanderzuges in Bethſean dieſſeits des Jordans und feierlicher Triumpheinzug in Jeruſalem auf das in dieſem Jahre gefeierte Wochenfeſt.— Feldzug des Judas Maccabäus gegen Jamnia, in der Abſicht eine Schlappe zu rächen, welche ſich die zurückgebliebenen jüdiſchen Befehlshaber Joſephus und Azarias inzwiſchen durch ihren ſubordinationswidrigen Angriff auf dieſe Stadt zugezogen hatten. Der anfängliche zweifelhafte Erfolg eines mit Gorgias, dem ſyriſchen Statthalter von Idu⸗ mäa zu beſtehenden ſiebenten Treffens erweiſt ſich im Verlaufe als göttliche Strafe für die von einigen jüdiſchen Kriegern be⸗ gangene geſetzwidrige Beraubung abgöttiſchen Tempelgutes. An⸗ ordnung eines mit Fürbitte um Nachlaß der Sündenſtrafen verbundenen, in Jeruſalem für die gefallenen Kämpfer abzu⸗ haltenden Todenfeſtes. Inzwiſchen empfängt Antiochus Epiphanes auf dem Rück⸗ wege von ſeinem verunglückten Angriff auf den Tempel der Nanäa in Elymais die erſte Nachricht von dem ſiegreichen Fort⸗ ſchritte der jüdiſchen Empörung und ſchwört den Juden neuer⸗ dings grauſame Verfolgung. Seine Krankheit und Reue. Vor ſeinem Tode übergiebt er ſeinem Vertrauten Philippus die könig⸗ lichen Inſignien und das Recht der vormundſchaftlichen Regie⸗ rung über Syrien. Unter Antiochus V. Eupator, König über Syrien, giebt Ptolemäus Macro ſich ſelbſt den Tod durch Ver⸗ giftung. Der Krieg des Judas gegen Gorgias und die Idu⸗ mäer wird inzwiſchen fortgeſetzt, Judas aber genöthigt, zur Abwehr eines neuen von Timotheus verſuchten übermächtigen Angriffs auf Judäa die Belagerung der zwei noch übrigen idumäiſchen Feſtungen ſeinem Bruder Simon nebſt den Haupt⸗ leuten Joſephus und Zachäus zu überlaſſen. Judas geht zum dritten Mal über den Jordan, und erringt unter ſichtbar wun⸗ derbarem Beiſtande ſeinen achten Sieg über Timotheus. Hier⸗ auffolgende Belagerung und Erſtürmung von Gadara, nach deren Einnahme der darin verborgene Timotheus nebſt Chäreas und Apollophanes getödtet werden. Auf ſeiner Rückkehr von dieſer dritten Expedition fällt in Samaria in Judas' Abweſen⸗ heit ein unglückliches kleines Zwiſchentreffen vor. Von dort bekömmt Judas die erſte Nachricht von einem inzwiſchen bei der fortgeſetzten Belagerung der noch übrigen idumäiſchen Haupt⸗ feſtungen ſtattgefundenen Verrathe, kraft deſſen jüdiſche Kriegs⸗ hauptleute unter Annahme von Beſtechungen, idumäiſche Feinde aus der belagerten Feſtung hatten entkommen laſſen. Kriegs⸗ rechtliche ſtrenge Beſtrafung derſelben und endliche Eroberung der beiden noch übrigen Feſtungen(von denen die eine Hebron geweſen zu ſein ſcheint.— Die letzteren dieſer innig zuſammen⸗ hängenden Begebenheiten fallen vermuthlich bereits in den Winter des darauffolgenden Jahres.) 163. 3937 Zweiter Einfall des ſyriſchen Reichsſtatthalters Lyſias in Judäa, verbunden mit einem Angriffe auf Bethſura. Neunter Sieg öd.“ 423 Judas des Maccabäers über denſelben unter wunderbarem Bei⸗ ſtande. Lyſias knüpft Friedensunterhandlungen mit Judas Maccabäus an, in welchen er von zwei auf der Reiſe nach Antiochia begriffenen, zufällig bei ihm anweſenden römiſchen Legaten Q. Memmius und T. Manilius unterſtützt wird. Antiochus V. Eupator beſtätigt den geſchloſſenen Frieden. Hin⸗ terliſtige Feindſeligkeiten der Einwohner von Joppe, Jamnia und Asdod auf vereinzelte in ihrer Mitte wohnende Hebräer, nebſt deren Beſtrafung durch Judas Maccabäus.— Der die Leiche des Königs Antiochus Epiphanes zurückbegleitet habende Philippus begiebt ſich, in der Abſicht um ſeine Anſprüche auf die zu führende Vormundſchaft des jungen Königs Antiochus Eupator, von welcher er durch Lyſias ausgeſchloſſen war, geltend zu machen, anfangs an den Hof des Königs Ptolemäus Philo⸗ metor, und bei eingeſehener Erfolgloſigkeit ſeiner Reiſe wieder nach Perſien, um zur Ausführung ſeiner Abſicht die dort zurück⸗ gelaſſenen Reſte des ſyriſchen Kriegsheeres zu ſammeln. Ver⸗ gebliche Reclamationen des in Rom als Geißel zurückgehaltenen Demetrius Soter um Erlaubniß zur Rückkehr in ſein Reich.— Die Nachricht von einem Angriffe des Judas Maccabäus auf die fortwährend dem Tempeldienſte hinderliche Burg Acra in Jeruſalem veranlaßt den König Antiochus Eupator zu einem Kriegszuge gegen Judäa, vor deſſen Beginn jedoch noch der in Antiochia befindliche Hoheprieſter Menelaus, als die wahre Ur⸗ ſache dieſer ſämmtlichen Unruhen durch Lyſias angeklagt, von dem Könige zu einer martervollen Hinrichtung verurtheilt wird. Antiochus Eupator, von Lyſias begleitet, zwingt durch einen mit enormer Heeresmacht unternommenen Einfall Judas zur Aufhebung der Belagerung der Burg Acra, und belagert Beth⸗ ſura. Zehnte von Judas gelieferte Schlacht von zweideutigem Ausgange. Eleazar's Selbſtaufopferung. Antiochus Eupator erobert Bethſura durch Hunger und belegt die Feſtung mit einer ſyriſchen Beſatzung. Erfolgloſe Belagerung von Jeruſalem. Durch die Nachricht eines von Philippus unternommenen Ein⸗ falls in Syrien beſtimmt, ſchließt Antiochus einen für die Juden im Ganzen vortheilhaften Vergleich ab, mißbraucht aber den⸗ ſelben vor ſeinem Abzuge, um nach gewährtem Einlaſſe in die Stadt die neu angelegten Befeſtigungswerke ſchleifen zu laſſen. Lyſias ſieht ſich bei Gelegenheit ſeines Durchzuges durch Ptole⸗ mais genöthigt, ſich wegen der den Juden eingeräumten Ver⸗ günſtigungen gegen die Anklagen der Ptolemäenſer ausdrücklich zu rechtfertigen.— Nach der glücklichen Vertreibung des Phi⸗ lippus erſcheint eine römiſche Geſandtſchaft in Antiochia zu dem Endzwecke, um die ſyriſche Heeresmacht zu Waſſer und Land auf den im Frieden von Magneſia ſtipulirten Fuß zu reduciren. In Folge der durch dieſe Maßregel hervorgerufenen Erbitterung wird der römiſche Geſandte Cnejus Octavius meuchleriſch er⸗ mordet. Demetrius Soter benützt dieſe ſtattgefundene Völker⸗ rechtsverletzung, um beim römiſchen Senate neuerdings auf ſeine 161. 160. 3939 42⁴ Entlaſſung zu dringen, und ergreift, da ſeine Forderungen nicht beachtet werden, die Flucht. In Tripolis an der ſyriſchen Küſte gelandet, finden ſeine auf den ſyriſchen Thron erhobenen An⸗ ſprüche bereitwillige Anerkennung, in Folge deren Antiochus Eupator und Lyſias ihm ausgeliefert und auf ſeinen Befehl hingerichtet werden. Demetrius I. Soter, König von Syrien, ernennt den Apoſtaten Aleimus von aaronitiſcher Abkunft zum Hohenprieſter und beauftragt Bacchides, mit einem anſehnlichen Kriegsheere denſelben nach Paläſtina zu begleiten und ihn dort in ſeine hoheprieſterliche Würde einzuſetzen. Alcimus läßt 60 Aſſidäer, welche ihm arglos entgegenkommen, verrätheriſch hinrichten. Bacchides ſetzt Aleimus gewaltſam in Jeruſalem ein, und kehrt mit dem größten Theile ſeines Heeres unmittel⸗ bar darauf zu Demetrius zurück. Blutiger Bürgerkrieg zwiſchen Aleimus' Anhang und der maccabäiſchen Partei. Auf einen neuen Hilferuf des Hohenprieſters Aleimus beauf⸗ tragt Demetrius den Elephantenoberſten Nicanor mit einem neuen Kriegszuge nach Paläſtina nebſt dem gemeſſenen Befehl, Judas Maceabäus gefänglich einzuziehen. Simon ſucht denſelben ver⸗ geblich aufzuhalten. Nicanor knüpft unerwarteter Weiſe mit den Maccabäern freundſchaftliche Unterhandlungen an, in Folge deren er, mit Zurücklaſſung jedoch des größten Theiles ſeiner Truppen gutwillig in Jerufalem eingelaſſen, Judas zum Ein⸗ tritt in den Eheſtand beredet. Hierüber von Aleimus bei dem Könige der Verrätherei angeklagt, erhält er von Demetrius verſchärften Befehl zur Ausführung der empfangenen königlichen Aufträge. Judas verbirgt ſich aus Furcht vor der bei Nicanor eingetretenen Geſinnungsänderung. Cilfte von Judas gelieferte Schlacht bei Capharſalama mit zweideutigem Erfolge. Nicanor auf der Verfolgung des Judas zum zweiten Male in Jeruſalem eingerückt, ſtößt die Drohung aus, wofern ihm Judas nicht ausgeliefert werde, den Tempel zum zweiten Mal götzendieneriſch zu entweihen. Verfolgung des zur Partei der Maccabäer ge⸗ hörenden Aelteſten Razias, und deſſen heldenmüthige Selbſt⸗ aufopferung. 3940 Zwölfte Schlacht und totaler Sieg des Judas Maccabäus bei Adaſa im Anfang März, getreu einer zuvor empfangenen gött⸗ lichen Offenbarung im Traume. Nicanor fällt im Kampfe. Sein rechter Arm und ſein Haupt werden in Jeruſalem öffent⸗ lich ausgeſteckt. Judas Maccabäus ſendet die Hebräer Eupolemus und Jaſon nach Rom mit der Bitte um Eingehung einer Bun⸗ desgenoſſenſchaft. Demetrius ſendet inzwiſchen ein neues ſyriſches Heer unter Baechides und Aleimus nach Paläſtina, welche unterwegs eine zahlreiche Menge jüdiſcher Flüchtlinge in einer Gebirgshöhle von Galiläa niedermetzeln laſſen, und noch im Monat April Jeruſalem wiederholt beſetzen. Dreizehnte und letzte Schlacht des Judas Maccabäus bei Laiſa. Judas fällt nach theilweis bereits erfochtenem Siege, und wird in ſeinem Familiengrabe in Modin ehrenvoll beſtattet.— Glücklicher 160, 158. 159 153. 3941 4 Abſchluß des von Judas Maccabäus eingeleiteten Bündniſſes mit den Römern, welche dem Könige Demetrius weitere Be⸗ feindung der Juden ausdrücklich verbieten. Bacchides hat in⸗ zwiſchen bereits Aleimus auf dem hohenprieſterlichen Stuhle befeſtigt, und die Partei der jüdiſchen Apoſtaten überall an das Ruder gebracht, welche die Verfolgung der glaubenstreuen Juden auf die höchſte Spitze treiben. Jonathas demzufolge von der treugeſinnten Partei zum maccabäiſchen Heerführer ernannt, zieht ſich, alsbald von Bacchides verfolgt, in die Wüſte Thecue zurück, und entſendet von dort den älteſten der maccabäiſchen Brüder Johannes Gaddis mit ſämmtlichem entbehrlichen Ge⸗ päcke, um daſſelbe dem Schutze der befreundeten nabuthäiſchen Araber anzuvertrauen. Derſelbe wird unterwegs von dem Stamme der jambritiſchen Araber hinterliſtig überfallen, ge⸗ tödtet und die Caravane zur Beute gemacht. Jonathas übt Vergeltungsrecht an einem von den Jambritern veranſtalteten Hochzeitszuge. Auf dem Rückwege macht ihm Bacchides den Uebergang über den Jordan ſtreitig, wird aber, noch dazu am Sabbath, von ihm geſchlagen und zur Rückkehr nach Jeruſalem genöthigt.(Erſtes von Jonathas geliefertes Treffen.) Bacchi⸗ des läßt im darauffolgenden Herbſte und Winter verſchiedene Feſtungen in Judäa anlegen, und verlegt jüdiſche Geißeln in die Burg Acra in Jeruſalem. Der Hoheprieſter Aleimus wird in dem Augenblicke, wo er die den Vorhof der Heiden einzäumende Mauer einzureißen den Befehl giebt, vom Schlage gerührt und ſtirbt eines qualvollen Todes. In Abweſenheit des aaronitiſchen Prieſters Onias, Sohnes des Hohenprieſters Onias III., welcher inzwiſchen in Heliopolis in Egypten einen Filialtempel errichtet hatte, bleibt der hoheprieſterliche Stuhl für den Augenblick unbeſetzt. In dieſer Verwirrung kehrt Bacchides zu König Demetrius zurück. 3942 In der Hoffnung, den mittlerweile wieder freier ſchaltenden maccabäiſchen Heerführer Jonathas durch Ueberrumpelung auf⸗ heben zu können, bricht Bacchides auf eine ihm gemachte ver⸗ rätheriſche Einladung wiederholt in Paläſtina ein. Jonathas, welcher auf rechtzeitig davon gemachte Anzeige 50 der Verräther zuvor noch hinrichten läßt, zieht ſich zunächſt in das Bergſchloß Bethbeſſen zurück, welches von Simon gegen Bacchides erfolg⸗ reich vertheidigt wird, während Jonathas nachträglich von Beth⸗ beſſen wieder ausgezogen, nach wie vor frei im Lande ſich be⸗ wegt. Hierüber ungehalten giebt Bacchides unter obendrein verfügter Beſtrafung ſeiner ſchlechten Rathgeber nicht allein den ganzen Feldzug wieder auf, ſondern läßt ſich mit Jonathas ſo⸗ gar in ein Friedensbündniß ein, worauf Letzterer in Machmas ſich als Richter öffentlich niederläßt. 3947 Alexander Balas, ein Abentheuerer von unbekannter Herkunft, giebt ſich, von Rom und von Ptolemäus Philometor unterſtützt, bei ſeiner in Ptolemais vorgenommenen Landung für einen 150. 147. 146. 3950 3953 3954 426 zurückgelaſſenen Sohn des Antiochus Epiphanes aus, als welcher er von den nächſt liegenden Provinzen auch bereitwillig an⸗ erkannt wird. Aus Furcht, Jonathas möchte ſich zu ihm ſchlagen, verfügt König Demetrius in einem Briefe an Letzteren die gutwillige Herausgabe der in der Burg Acra aufbewahrten hebräiſchen Geißeln, und ernennt ihn zum ſyriſchen Heerführer. Jonathas, ſeinen Wohnſitz nach Jeruſalem verlegend, ſtellt die Feſtungswerke Jeruſalems wieder her, und erlangt, durch frei⸗ willigen Rückzug der darein verlegten ſyriſchen Beſatzungen, ſämmtliche von Bacchides neu angelegten feſten Plätze mit Aus⸗ nahme von Bethſura und der Burg Acra. Bald darauf nimmt er die von Alexander Balas ihm ertheilte Belehnung mit dem hohenprieſterlichen Amte nebſt anderen ihm verwilligten Be⸗ günſtigungen ebenfalls an, und rüſtet als neuerwählter Hoher⸗ prieſter und Heerführer in Einer Perſon ein ſtehendes hebräiſches Heer aus. Ein mit übertriebenen Verſprechungen angefüllter weiterer königlicher Brief des Demetrins hat die entgegengeſetzte Wirkung, daß der bisher noch ziemlich neutrale Jonathas öffent⸗ lich auf Alexander's Seite übertritt. Demetrius ſendet zur Vorſorge ſeine beiden noch unmündigen Söhne Demetrius und Antiochus nebſt reichen Schätzen nach Cnidus in Kleinaſien. Demetrius fällt in der entſcheidenden Hauptſchlacht. Alexander Balas, König in Syrien, bewirbt ſich um Cleopatra, die Tochter des Königs Philometor. Feierliches königliches Beilager in Ptolemais, zu deſſen größerer Verherrlichung auch Jonathas anweſend erſcheint. Demetrius Nicator, der ältere unter beiden von Demetrius I. Soter hinterlaſſenen Söhnen macht einen kriegeriſchen Angriff auf Cilicien. Apollonius der ſyriſche Statthalter von Phönizien und Cöloſyrien ſendet, nach ſeinem öffentlich erklärten Beitritt auf die Seite des neuen Thronbewerbers, an Jonathas eine Herausforderung zum Kampfe in der Ebene. Jonathas, die⸗ ſelbe annehmend, nimmt zuerſt die Hafenſtadt Joppe weg, und überwindet darnach Apollonius in ſeiner zweiten offenen Feldſchlacht bei Azot mit Hilfe ſeines Bruders Simon. Zer⸗ ſtörung von Azot. Freiwillige Uebergabe von Ascalon. Alexan⸗ der Balas erweitert dem Hohenprieſter Jonathas auf die Nach⸗ richt hievon zur Belohnung das jüdiſche Statthaltergebiet. Unter dem Vorwande, ſeinem bedrängten Schwiegerſohne Hilfe zu bringen, dringt Ptolemäus Philometor mit einem zahlreichen Heere von Egypten aus längs dem Rande der Meeresküſte in Syrien ein, nimmt aber die auf Alexander's Befehl ihm gut⸗ willig eröffneten befeſtigten Hafenplätze durch hineinverlegte egyptiſche Beſatzungen ſogleich in Beſchlag. Eine von den Ein⸗ wohnern von Azot gegen Jonathas angebrachte Klage hört er nicht an, ſondern nimmt ſtatt deſſen vielmehr die von Letzterem ihm erwieſene Ehre der Begleitung bis an den Fluß Eleutherus freundſchaftlich auf. In Seleucia am Ausfluſſe des Orontes angelangt, knüpft er mit Demetrius Nicator öffentlich verräthe⸗ 145. 3955 427 riſche Unterhandlungen an, und wird in Antiochia in Abweſen⸗ heit des in Cilicien beſchäftigten Alexander Balas bereitwillig ein⸗ gelaſſen, welch Letzterer durch die Nachricht hievon zu ſchleuniger Rückkehr gezwungen in der darauffolgenden Hauptſchlacht gänz⸗ lich beſiegt, und kurz darauf von dem Araberfürſten Zabdiel, zu welchem er ſeine Zuflucht genommen, getödtet wird. Auch Ptolemäus Philometor ſtirbt an den Folgen einer empfangenen Verwundung. Demetrius II. Nicator heirathet Cleopatra, des Alexander's hinterlaſſene Wittwe, und wird König über Syrien. Ptolemäus VII. Physcon, Philometor's Bruder, wird Allein⸗ regent von Egypten. Die egyptiſchen Beſatzungen in den ſyri⸗ ſchen Seeſtädten werden von den Einwohnern niedergemacht. Jonathas wagt einen erneuerten Angriff auf die Burg Acra in Jeruſalem. Zur Rechenſchaft hierüber von Demetrius nach Ptolemais vorgefordert, verantwortet er ſich ſo glücklich, daß er zugleich den König zur Gewährung völliger Abgabenfreiheit gegen Erlegung einer jährlichen Geſammtabgabe von 300 Ta⸗ lenten überredet. Eine von König Demetrius voreilig vor⸗ genommene Armeereduction erzeugt Unzufriedenheit, durch welche ermuthigt, ein am Hofe des Alexander im Dienſte geſtandener Beamter Namens Tryphon eine Reiſe zu dem Araberfürſten Zabdiel in der politiſchen Abſicht unternimmt, um einen hinter⸗ laſſenen Sohn des Alexander, den unmündigen Antiochus Theus, welcher von dem Araberfürſten an ſeinem Hofe unterhalten wurde, nach erlangter Auslieferung von Seite des Letzteren als ſyriſchen Gegenkönig aufzuſtellen, ein Unternehmen, bei deſſen erſtem Verlauten eine unter den verabſchiedeten ſyriſchen Truppen aus⸗ brechende allgemeine Empörung den König in die heftigſte Be⸗ drängniß verſetzt. Aus derſelben rettet ihn ein von Jonathas eben zu rechter Zeit ihm geſendetes jüdiſches Hilfsheer, ein ge⸗ leiſteter Dienſt, den aber Demetrius mit dem ſchnödeſten Un⸗ danke erwiedert, und nicht allein die dem Jonathas zugeſagte Bitte um Zurückziehung der ſyriſchen Beſatzung der Burg Acra unerfüllt läßt, ſondern auch die bereits erlaſſenen königlichen Gefälle und Abgaben nachträglich wieder zu erpreſſen Anſtalt macht. Er wird indeſſen trotz des augenblicklich erlangten Vor⸗ theils alsbald durch Tryphon, welcher inzwiſchen Antiochus Theus zum König von Syrien proclamirt, aus Antiochia ver⸗ drängt, auf deſſen Seite nunmehr, durch gewährte bedeutende neue Vergünſtigungen dazu beſtimmt, Jonathas öffentlich über⸗ tritt, ganz Paläſtina mit Gewalt ebenfalls von Demetrius' auf Antiochus' Seite mit ſich hinüberzieht, und noch durch einen glänzenden in Galtläa erfochtenen Sieg, ſeine dritte Waffenthat, des Demetrius Truppen über die Grenze von Paläſtina zurück⸗ treibt. In dem gleichen Jahre wird auch die Feſtung Bethſura durch den Maccabäer Simon zur Uebergabe genöthigt. Nach dieſem Kriegsereigniſſe wird von Jonathas endlich noch eine zweite jüdiſche Geſandtſchaft in der Abſicht, um das von Judas 428 abgeſchloſſene Bündniß zu erneuern, und die befreundeten Ein⸗ wohner von Sparta zu begrüßen, nach Rom abgeordnet. 3956 Jonathas treibt durch ſeine bloße Wachſamkeit ein zweites Heer des gegenwärtig in Seleucia reſidirenden Königs Demetrius unverrichteter Dinge über den Fluß Eleutherus, welcher die Grenze von Cöloſyrien bildete, zurück, und züchtigt auf dem Heimwege den Araberſtamm der Zabadäer. Während deſſen rettet Simon das in neuerer Zeit erſt eroberte Joppe von einer beabſichtigten verrätheriſchen Uebergabe an Demetrius. Auf einen hierauf von Jonathas in der Aelteſtenverſammlung ge⸗ machten Vorſchlag werden nicht allein an verſchiedenen Stellen in Judäa unter Simon's Anleitung neue Feſtungen angelegt, ſondern insbeſondere auch die Befeſtigung von Jeruſalem theils an den ſchadhaften Stellen ausgebeffert, insbeſondere aber die Burg Acra ihrer ſchwer angreifbaren Lage halber mit einer Ringmauer umzingelt, und durch dieſelbe die Zufuhr an Lebens⸗ mitteln der Beſatzung abgeſchnitten. Während deſſen bewerk⸗ ſtelligt Tryphon in der Abſicht, um die ſeinen verrätheriſchen Anſchlägen auf den ſyriſchen Königsthron, den er unter vor⸗ ausgehender Ermordung des Prinzen Antiochus Theus ſich ſelber zu erſchleichen beabſichtigte, im Wege ſtehende Perſon des Hohen⸗ prieſters Jonathas aus dem Wege zu räumen, einen plötzlichen feindlichen Einfall in Paläſtina, deſſen nächſter Zweck jedoch durch die Wachſamkeit des Letzteren, der ihm mit 40,000 Be⸗ waffneten nach Seythopolis ſogleich ſchlagfertig entgegenrückt, vereitelt wird. Nichts deſto weniger iſt Jonathas unvorſichtig genug, den in Folge einer mit unbegreiflicher Geſchicklichkeit plötzlich geänderten Politik ihm gemachten freundſchaftlichen Ver⸗ ſicherungen Tryphon's, daß er nur in der Abſicht, ihm die Stadt Ptolemais einzuräumen, gekommen ſei, Glauben und Vertrauen zu ſchenken, durch welches Verſprechen geblendet, er ſein mitgebrachtes Heer bis auf 3000 Mann entläßt, und auch von dieſen nur 1000 Mann als Begleitung mit ſich bis in die Thore der Stadt Ptolemais hineinnimmt, in welcher dieſelben plötzlich überfallen und bis auf die einzige Perſon des Jonathas ſämmtlich verrätheriſch niedergemetzelt werden. Die übrigen 2000 in Galiläa zurückgebliebenen erkämpfen ſich auf die Nach⸗ richt hievon einen ehrenvollen freien Rückzug nach Jeruſalem, woſelbſt ein Trauerfeſt über Jonathas gehalten wird. Unter den gegenwärtig mit erneuerter Heftigkeit rings um Paläſtina wieder ausbrechenden Judenverfolgungen, und im Angeſichte eines ſofort neuerdings von Tryphon gegen die Juden beabſichtigten gänzlichen Vertilgungskrieges bietet Simon in einer in der Cile berufenen Volksverſammlung ſich den Juden ſelber als Heer⸗ führer an, wird von denſelben durch allgemeinen Zuruf an Jonathas' Stelle mit der oberſten Vollgewalt begleitet, und begegnet, nachdem er ſich neuerdings der Stadt Joppe verſichert, dem heranziehenden Tryphon, welcher Jonathas gefangen mit ſich führt, ſchlagfertig gerüſtet bei Addus. Tryphon, welcher 112. 3 429 kein Treffen wagt, fordert ſtatt deſſen unter neuerdings erſon⸗ nenen Vorwänden 100 Talente Caution und die beiden Söhne des Hohenprieſters Jonathas als Geißeln, angeblich zu dem Behufe, um zur Regulirung einer rückſtändigen Zahlung von Landesabgaben Unterhandlungen einleiten zu können, welche Bedingungen Simon aus Furcht vor der mißtrauiſchen Kurz⸗ R ſichtigkeit ſeines eigenen Volkes ihm zu gewähren, auch ſittlich 4 genöthigt iſt. Tryphon, im Beſitze deſſen, was er wollte, ſetzt ſeinen Kriegszug in Judäa, jedoch erfolglos fort, da er ſelbſt nirgends Simon Gelegenheit zu einer entſcheidenden Schlacht darbietet. Seine Abſicht, von Ador bei Hebron aus der von Mangel an Lebensmitteln bedrängten Beſatzung der Burg Acra in Jeruſalem Zufuhr zu bringen, wird durch einen plötzlichen tiefen Schneefall vereitelt, und er ſelbſt, wahrſcheinlich durch die eingetretene rauhe Jahreszeit zur Rückkehr nach Syrien ge⸗ nöthigt, auf welcher er, noch vor der Ueberſchreitung der Grenze von Paläſtina Jonathas nebſt ſeinen beiden Söhnen das Leben nehmen läßt, deren Reſte ſofort unter einem allgemeinen Trauer⸗ feſte von Simon abgeholt und in dem Familienbegräbniſſe der Maccabäer in Modin beſtattet werden. 143. 3957 Tryphon tödtet nach ſeiner Rückkunft den Prinzen Antiochus Theus und wirft ſich ſelbſt zum Könige über Syrien auf, wo⸗ durch Simon veranlaßt wird, mit Demetrius II. Nicator er⸗ neuerte Unterhandlungen anzuknüpfen, welche nicht allein die Gewährung einer unbedingten Amneſtie, ſondern auch Abgaben⸗ freiheit und die Beſtätigung Simon's ſowohl im Heerführer⸗ als im Hohenprieſteramte an Jonathas' Stelle zur Folge haben, eine Thatſache, welche als der Anfang völliger Volksunabhängig⸗ keit betrachtet wird. Simon erobert und befeſtigt Gazara. 142. 3958 Die Beſatzung der Burg Aera in Jeruſalem wird durch Hunger zur Capitulation genöthigt, und auf Simon's Vorſchlag der Beſchluß gefaßt, nicht allein die Feſtungswerke derſelben zu ſchleifen, ſondern auch den ganzen Hügel, der derſelben als Fundament gedient hatte, ein⸗ für allemal abtragen zu laſſen. Simon erbaut die Burg Baris auf dem Tempelberge zu ſeiner eigenen Reſidenz und verſetzt ſeinen Sohn Johannes Hyrcanus als Kriegsoberbefehlshaber nach Gazara. 141. 3959 Demetrius II. Nicator wird auf einem zum Schutze ſeiner Reichsgrenze unternommenen Feldzuge jenſeits des Euphrats von Mithridates, dem Könige der Parther, gefangen genommen. Die Nachricht von den auffallenden Fortſchritten der hebräiſchen Landeswohlfahrt unter Simon's weiſer Regierung beſtimmt die Bürger von Sparta zu einem ausdrücklichen Beglückwün⸗ ſchungsſchreiben an den Letztern. Ein von demſelben neuerdings für das allgemeine Beſte dargebrachtes bedeutendes Opfer, näm⸗ lich ein als beifolgendes Geſchenk einer wiederholt an die Römer abgeordneten jüdiſchen Geſandtſchaft mitgegebener maſſiv goldener Schild von 1000 Minen Gewicht bewegt die jüdiſche Nation, ihre Dankbarkeit für die durch die maccabäiſche Familie empfan⸗ — 140. 3960 139. 3961 135. 3965 genen Wohlthaten durch einen öffentlichen Beweis an den Tag zu legen, zu welchem Ende durch einen allgemeinen Volksbeſchluß dieſelbe mit dem ſouverainen Vorrechte des erblichen Hohen⸗ prieſterthums bekleidet wird. Cleopatra, die fortwährend in Seleucia reſidirende königliche Gemahlin Demetrius II. Nicator's, wendet ſich, von Tryphon bedrängt, an den Bruder des Königs, Antiochus Sidetes, um Hilfe, und bietet ihm zugleich mit der ſyriſchen Königskrone ihre Hand an. Antiochus VI. Sidetes beſtätigt von Rhodus aus, während ſeiner Kriegsrüſtungen, in einem Briefe an den Hohenprieſter Simon III. ſämmtliche von Demetrius II. Nicator den Juden gewährten Vergünſtigungen mit Hinzufügung des Münzrechts, ſendet aber, ſobald er ſeinen Gegner Tryphon in die Flucht geſchlagen und in der befeſtigten Seeſtadt Dora in Paläſtina eingeſchloſſen, ſeinen Beamten Athenobius nach Jeruſalem mit dem Auftrage, die Burg Acra in Jeruſalem, Joppe und Ga⸗ zara als königlich ſyriſches Eigenthum zurück, oder anſtatt deſſen eine Entſchädigungsſumme von 500 Talenten einzufordern, im Weigerungsfalle aber den Krieg anzukündigen. Durch die bald darauf von Tryphon glücklich bewerkſtelligte Flucht zum Abzuge genöthigt, läßt der ſyriſche König nach erhaltener abſchlägiger Antwort ſeinen Truppenbefehlshaber Cendebäus mit einem ſtarken Heere zum Kriege gegen die Juden in Paläſtina zurück, der aber bald darauf in einem Treffen von Johannes Hyreanus, dem Sohne des Hohenprieſters Simon, geſchlagen wird. Unter⸗ deſſen wird Tryphon von Antiochus Sidetes in Apamea auf⸗ gegriffen und getödtet. Nach einer mehrjährigen friedlichen Zwiſchenzeit erbietet ſich der von Simon zu ſeinem Eidam erhobene Ptolemäus, der Befehls⸗ haber von Jericho, Judäa neuerdings dem ſyriſchen Könige ver⸗ rätheriſch auszuliefern, zu welchem Endzwecke er ſeinen Schwieger⸗ vater, den Hohenprieſter Simon, nebſt zweien ſeiner Söhne meuchelmörderiſch ermorden läßt. Seinen Nachſtellungen glück⸗ lich entgehend, bemächtigt ſich Johannes Hyrcanus noch recht⸗ zeitig Jeruſalems, und zwingt Ptolemäus zur Flucht. Der neue Hoheprieſter Hyrcanus J. wird hierauf von Antiochus be⸗ kriegt und in Jeruſalem belagert, und leiſtet nebſt einer Ab⸗ findungsſumme zugleich mit einer eingegangenen neuen Tribut⸗ pflichtigkeit, friedliche Unterwerfung. 132. 3968 Ein Enkel des Verfaſſers des Buches„Eecleſiaſticus,“ Jeſus Sirach, zugleich Ueberſetzer deſſelben in das Griechiſche, reiſt von Paläſtina nach Egypten. 131. 3969 Antiochus Sidetes unternimmt einen Feldzug nach Parthien, auf welchem ihn Hyrcanus als Vaſalle begleitet, aber mit er⸗ haltener königlicher Erlaubniß vor Anbruch des Winters wieder nach Paläſtina zurückkehrt. 130. 3970 Das in den Winterquartieren zerſtreut liegende Heer des An⸗ tiochus wird überfallen und vernichtet, und Antiochus ſelber bei 15. 12. 3 149. g6 1A. 120 . 3 tll. 129. 128. 127. 120. 1 126. 12⁴4. 123. 122. 3971 3972 3973 3974 3976 3977 3978 3980 3983 431 dieſer Gelegenheit zugleich erſchlagen. Der kurz zuvor freige⸗ laſſene Demetrius II. Nicator kehrt glücklich nach Syrien als König zurück, und wird von Cleopatra, ſeiner früheren Ge⸗ mahlin, neuerdings wieder als Gemahl aufgenommen. Der durch den Fall des Königs Antiochus aus ſeiner Abhängitz⸗ keit wieder frei gewordene Hyreanus erobert außer mehreren ſyriſchen Städten auch Sichem, die Hauptſtadt der Samariter, und legt den auf dem Berge Gartzim befindlichen Tempel der⸗ ſelben in Brand. Er zwingt die Idumäer, unter Annahme der Beſchneidung zur moſaiſchen Religion überzutreten. Cleopatra, die Wittwe Ptolemäus Philometor's und geſchiedene Gemahlin des gegenwärtig als Flüchtling auf der Inſel Cypern lebenden Königs Ptolemäus Physcon, ruft ihren Schwiegerſohn Demetrius II. Nicator gegen denſelben zu Hilfe. Demetrius Nicator belagert Peluſium, Hyreanus erneuert durch eine noch⸗ malige Geſandtſchaft nach Rom wiederholt das ſchon mehrmals eingegangene Schutz- und Trutzbündniß, und wird von Rom aus von aller weiteren Verbindlichkeit gegen Syrien freige⸗ ſprochen. Hyrcanus ſendet zur Bekräftigung dieſes Bündniſſes einen zwei⸗ ten maſſiven goldenen Schild nach Rom als Geſchenk. Deme⸗ trius Nicator wird durch die Nachricht eines in Syrien aus⸗ gebrochenen Aufſtandes gezwungen, die Belagerung von Peluſium wieder aufzuheben. Seine Schwiegermutter Cleopatra flieht vor Physcon's Uebermacht zu ihrer gleichnamigen Tochter der ſyri⸗ ſchen Königin nach Ptolemais. Aus Rachſucht gegen Demetrius Nicator ſendet Physcon einen vorgeblichen Sohn des Alexander Balas mit Namen Alexander Zebina mit einem Heere nach Syrien, um dem Erſteren das Reich ſtreitig zu machen. Demetrius von Zebina bei Damas⸗ cus geſchlagen, flüchtet nach Ptolemais, und von dort von ſeiner eigenen Gemahlin Cleopatra abgewieſen, nach Tyrus, woſelbſt er aufgegriffen und getödtet wird. Cleopatra und Zebina ſchließen wegen des ſyriſchen Reiches untereinander einen Theilungsvertrag. Der gegen den Willen ſeiner Mutter Cleopatra inzwiſchen auf den ſyriſchen Thron Anſpruch erhebende älteſte Sohn des Deme⸗ trius Nicator mit Namen Seleucus V. wird von derſelben eigenhändig ermordet. Antiochus VII. Grypus, der zweite Sohn des Demetrius, wird von ſeiner Mutter Cleopatra auf den ſyriſchen Thron erhoben. In einem zwiſchen Ptolemäus Physcon und ſeinem bisherigen Schützling Alexander II. Zebina ausbrechenden Streit erhält An⸗ tiochus Grypus, für den Erſtern Partei nehmend, Tryphäna Physcon's Tochter zur Ehe, und vereinigt nach Ueberwindung und Tödtung ſeines Gegners Syrien neuerdings zu Einem Reiche. Antiochus Grypus zwingt ſeine Mutter Cleopatra, den für ihn bereiteten Giftbecher ſelber auszuleeren. ö Ptolemäus VII. Physcon J. Ptolemäus VIII. Lathyrus, König von Egypten. 113. 111. 110. 109. 108. 107. 106. 105. 432 3987 Antiochus Cyzicenus, der Sohn der verlebten ſyriſchen Königin Eleopatra von Antiochus VI. Sidetes, erhebt ſich gegen ſeinen Bruder, den regierenden König Antiochus VII. Grypus als Nebenbuhler. 3989 Nach einem zweijährigen Kriege ſchließen ſie Frieden und theilen Syrien. Grypus reſidirt in Antiochia. Antiochus VIII. Cyzi⸗ cenus beherrſcht von Damascus aus Cöloſyrien. Hyrcanus I. ſendet ſeine beiden älteſten Söhne Ariſtobulus und Antigonus gegen die von macedoniſchen Anſiedlern bewohnte Stadt Samaria, von deren Einwohnern Antiochus Cyzicenus zu Hilfe gerufen, von den beiden Söhnen des jüdiſchen Hohenprieſters geſchlagen wird. 3990 Im Laufe eines für Antiochus Cyzicenus ebenſo unglücklichen zweiten, zum Entſatze des belagerten Samaria unternommenen Hilfsfeldzuges machen die Juden bedeutende weitere Erwerbungen. 3991 Samaria wird von ihnen erobert und gänzlich verwüſtet. 3992 Durch den Phariſäer Eleazar bei einer zufälligen Gelegenheit beleidigt, ſchließt ſich Hyrcanus einſeitig an die Partei der Sadducäer an. 3993 Hyrcanus I. ſtirbt. Ariſtobulus I., Hoherprieſter, nimmt eigen⸗ mächtig den Königstitel an, läßt ſeine Mutter im Gefängniß Hungers ſterben, und hält ſeine drei jüngſten Brüder in Ge⸗ fangenſchaft. Ptolemäus VIII. Lathyrus wird von ſeiner Mutter Cleopatra, der hinterlaſſenen Königin Wittwe, aus Egypten nach Cypern vertrieben, und ſein Bruder Ptolemäus IX. Alexan⸗ der an ſeine Stelle als Zwiſchenkönig über Egypten erhoben. 3994 Ariſtobulus I. eröffnet in Begleitung ſeines Bruders Antigonus einen Eroberungskrieg gegen die Landſchaft Ituräa, deren Ein⸗ wohner gewaltſam zur Annahme der Beſchneidung und der israelitiſchen Religion genöthigt werden, ſieht ſich aber, die Be⸗ endigung dieſes Feldzuges ſeinem Bruder Antigonus überlaſſend, durch Krankheit genöthigt, nach Jeruſalem zurückzukehren. Anti⸗ gonus kehrt nach beendigtem Kriege am Laubhüttenfeſte glücklich nach Jeruſalem zurück, und wird in Folge eines aus Mißver⸗ ſtändniß gegebenen, durch Intriguen herbeigeführten königlichen Mordbefehles unſchuldig bei dem Thurme Stratons in der königlichen Burg Baris hingeſchlachtet. Erfüllung der von dem Eſſener Judas gemachten Wahrſagung. Bei der Entdeckung der Unſchuld ſeines Bruders giebt der ohnehin durch Krankheit ge⸗ ſchwächte königliche Hoheprieſter Ariſtobulus I. unter dem Ein⸗ fluſſe erhöhter Gewiſſensqual ſeinen Geiſt auf. Unter den nunmehr ihrer Haft entlaſſenen drei jüngeren Brüdern beſteigt Alexander Jannäus den hohenprieſterlichen Stuhl, und eröffnet ſeine Regierung mit der Hinrichtung ſeines vierten Bruders. 3995 Ein von Alexander Jannäus auf die Stadt Ptolemais gerich⸗ teter Angriff wird durch den von den Einwohnern von Cyprus aus zu Hilfe gerufenen König Ptolemäus Lathyrus vereitelt, und Alexander mit demſelben in Krieg verwickelt. 104. 3996 Alexander Jannäus wird von Ptolemäus Lathyrus in einer mörderiſchen Schlacht am Jordan auf das Haupt geſchlagen. 103 105 f0l. 90, 4 102. 101. 5 96. 94. 93. 92 103. 3997 3998 3999 4003 400⁴ 4006 4007 4008 433 Die regierende Königin Wittwe Cleopatra kommt von Egypten aus dem jüdiſchen Hohenprieſter mit einem Heere zu Hilfe und rettet ihn dadurch von dem Untergange. Cleopatra bekommt bei Gelegenheit der Eroberung von Ptole⸗ mais den jüdiſchen Hohenprieſter auf zufällige Weiſe in ihre Gewalt, und bezeigt Luſt, in der Abſicht, Paläſtina für ſich ſelbſt zu erwerben, denſelben hinterliſtig um das Leben bringen zu laſſen, läßt ſich aber durch die Einſprache ihres Feldherrn Ananias, eines gebornen Juden, davon wieder abbringen. Alexander Jannäus erobert Gadara und kurz darauf Amathus mit den darin befindlichen reichen Schätzen des Tyrannen Theo— dorus, kehrt aber, auf dem Rückwege in einen Hinterhalt ge⸗ rathend, unter Verluſt von 10,000 Mann nebſt ſeinem ſämmt⸗ lichen Gepäck, ſonach alſo mit leeren Händen nach Jeruſalem zurück. Gewinnloſe Eroberung der Stadt Gaza durch Alexander Jan⸗ näus, deren Einwohner noch während der Eroberung unter dem jüdiſchen Heere ein mörderiſches Blutbad anrichten. Antiochus VII. Grypus, der in Antiochia reſidirende ſyriſche König wird von einem gewiſſen Heracleon ermordet. Seleueus VI., König von Syrien. Seleueus VI. wird von ſeinem Oheim Antiochus VIII. Cyzi⸗ cenus, dem zu Damascus reſidirenden ſyriſchen Könige, aus Antiochia verdrängt. Alexander Jannäus rächt ſich für eine am Laubhüttenfeſte dieſes Jahres erlittene öffentliche Beſchimpfung durch ein in Jeruſalem angerichtetes Blutbad von 8000 Men⸗ ſchen, und nimmt eine ausländiſche 6000 Mann ſtarke Leib⸗ wache in ſeinen Sold. Alexander Jannäus unterwirft auf einem neuen Croberungs⸗ feldzuge die Einwohner der ehemaligen ammonitiſchen und moabitiſchen Wohnſitze, und macht dieſelben zinsbar. Seleucus VI. überwindet in einer Schlacht ſeinen Oheim An⸗ tiochus VIII. Cyzicenus, und läßt ihn als Gefangenen hin⸗ richten. Der Sohn des Letzteren, Antiochus IX. Euſebes, läßt ſich, nachdem er glücklich aus Antiochia entkommen, über das Reich ſeines Vaters zum Könige krönen, und ſchlägt Seleucus VI. in die Flucht, der in der Stadt Mopsveſtia von deren Ein⸗ wohnern, ſeinen eigenen Unterthanen getödtet wird. Seine nächſten Brüder, die Zwillinge Antiochus X. und Philippus führen an ſeiner Stelle den Krieg gegen Antiochus Euſebes weiter fort, werden aber am Fluſſe Orontes ebenfalls geſchlagen, bei welcher Gelegenheit Antiochus X. als Flüchtling im Fluſſe zu ertrinken das Unglück hat. Antiochus IX. Euſebes und Philippus ſtehen fortwährend als ſyriſche Thronbewerber ein⸗ ander feindlich gegenüber. Selene, des Antiochus Grypus hinterlaſſene Wittwe, und ehe⸗ vorige, widerrechtlich demſelben abgenommene Gemahlin des fortwährend in ſeiner Verbannung auf der Inſel Cypern leben⸗ den egyptiſchen Königs Ptolemäus Lathyrus heirathet, um ſich Krafft, heil. Geſchichte. I. 2 in dem Beſitze eines von ihr erworbenen ſyriſchen Landſtriches zu befeſtigen, Antiochus IX. Euſebes. Aus Verdruß hierüber rüſtet Ptolemäus Lathyrus den vierten hinterlaſſenen Sohn des Antiochus Grypus mit Namen Demetrius III. Eukärus mit einem Heere zur Eroberung Syriens als dritten Thronbewerber aus. Antiochus IX. Euſebes wird indeſſen von Philippus geſchlagen, und zur Flucht nach Parthien genöthigt. Demetrius Eukärus und Philippus theilen das ſyriſche Reich friedlich miteinander. Alexander Jannäus kehrt aus einem neuen gegen den Araber⸗ häuptling Obedas unternommenen Feldzuge unter einem furcht⸗ baren Verluſt an Menſchenleben mit genauer Noth nach Jeru⸗ ſalem zurück. Aus Unzufriedenheit hierüber bricht in Judäa ein bürgerlicher Empörungskrieg gegen ihn aus, in welchem er, um ſich dieſelben fern zu halten, die von ſeinen Feinden zu Hilfe gerufenen Ammoniter und Woabiter von der ihnen auf⸗ erlegten Zinspflichtigkeit wiederum freiſpricht. Die mit der phariſäiſchen Partei politiſch zuſammenhängenden jüdiſchen Empörer rufen nach mehrjährigen erfolgloſen Be⸗ mühungen Demetrius III. Eukärus als Bundesgenoſſen zu Hilfe, von welchem Alexander Jannäus bei Sichem geſchlagen, ſich auf das Gebirge flüchtet. Da aber aus Mitleiden mit ſeinem Unglücke gerade in dieſem Augenblicke 6000 Aufrührer frei⸗ willig unter Alexander's Botmäßigkeit zurückkehren, ſo dient die erhaltene Niederlage mittelbar zur befeſtigten Wiederherſtellung ſeines geſchwächten königlichen Anſehens. Demetrius Eukärus wird in dem gleichen Jahre nach ſeiner ſiegreichen Rückkehr von ſeinem Bruder Philippus geſchlagen und zur Flucht nach Par⸗ thien genöthigt, woſelbſt er bald darauf an einer Krankheit eines natürlichen Todes ſtirbt. In Egypten wird die regierende Königin Wittwe Cleopatra von ihrem zweiten Sohne Ptole⸗ mäus IX. Alexander zur Strafe eines auf ihn angelegten Mordverſuches hingerichtet, er ſelber von den Egyptern landes⸗ vertrieben, und anſtatt feiner dem älteren Bruder Ptolemäus VIII. Lathyrus nach 18jährigem Exil der unverhoffte wiederholte Zu⸗ tritt zu dem egyptiſchen Königsthrone eröffnet. Während Philippus, der für den Augenblick allein regierende ſyriſche König, im Norden ſeines Reiches mit der Abwehr eines wahrſcheinlich von Antiochus IX. Cuſebes neuerdings von Par⸗ thien aus verſuchten Einfalles in Syrien beſchäftizt iſt, wirft ſich ſein jüngſter Bruder, der fünfte hinterlaſſene Sohn des Antiochus Grypus unter dem Namen Antiochus XI. Dionyſius mit der Einnahme von Damascus als neuer ſyriſcher König auf. Alexander Jannäus überwindet in einer Hauptſchlacht den noch übrigen unruhigen Theil der Rebellen und belagert den Reſt derſelben in einer Feſtung mit Namen Bethome. Der ſechsjährige jüdiſche Bürgerkrieg wird mit der Eroberung von Bethome glücklich beendigt, die gefangenen übrigen 800 Re⸗ bellen aber auf den Rath eines gewiſſen Diogenes in, der Nähe von Jeruſalem auf eine ſchimpflich grauſame Weiſe hingerichtet. S 83. 81. 80. 835 78. 745 4015 4017 4018 4019 4020 4021 4022 4029 435 Antiochus XI. Dionyſius durchbricht auf ſeinem angetretenen Kriegszuge gegen Aretas den König des peträiſchen Arabiens eine auf Befehl des Alexander Jannäus zu ſeiner Abwehr quer über die philiſtäiſche Ebene aufgeführte Schutzmauer, verliert aber im Kampfe gegen Aretas ſein Leben, welcher von den Einwohnern von Damascus freiwillig zu ihrem Landesoberhaupte gewählt wird. Der ewigen blutigen Thronſtreitigkeiten müde bieten die Unter⸗ thanen des übrigen ſyriſchen Reiches dem benachbarten mächtigen Könige von Armenien, Tigranes mit Namen, freiwillig ihr Land als Provinz an. Derſelbe vertreibt den mittlerweile doch wieder zurückgekehrten Antiochus IX. Euſebes für immer. Phi⸗ lippus iſt bereits gänzlich verſchollen. Alexander Jannäus erfreut ſich bei Gelegenheit ſeiner glücklichen Heimkehr aus einem neuerdings angetretenen ſiegreichen Feldzuge gegen Demetrius den Tyrannen von Gamala von Seite ſeiner Unterthanen eines unerwartet freundlichen feſtlichen Empfanges, und verfällt aus übermäßiger Freude darüber in den Fehler der Unmäßigkeit im Eſſen und Trinken, durch welchen er ſich ein hartnäckiges Wechſelfieber zuzieht. Ptolemäus VIII. Lathyrus 7. Seine Tochter Berenice Königin von Egypten. Ptolemäus Alexander, ein Sohn des gleichnamigen bereits ge⸗ ſtorbenen egyptiſchen Zwiſchenkönigs drängt ſich, auf Empfehlung des römiſchen Dictators Sulla geſtützt, der Königin als Ge⸗ mahl, und dem Lande unter dem Namen Ptolemäus X. als König auf, läßt aber, um allein regieren zu können, kurz dar⸗ auf Berenice um das Leben bringen. Um ſich gegen die langwierige Dauer ſeiner Krankheit durch eine Art Veränderung weniger empfindlich zu machen, unter⸗ nimmt Alexander Jannäus einen neuen Feldzug gegen die Feſtung Ragaba jenſeits des Jordans, woſelbſt er aber, ſeine ihn in das Lager begleitet habende Gemahlin Alexandra als Regentin zurücklaſſend, an der vermehrten Heftigkeit ſeines Lei⸗ dens den Tod findet. Die regierende Königin Alexandra ſchließt ſich nach dem Rathe des ſterbenden Hohenprieſters ſofort eng an die Partei der Phariſäer an, welche demſelben ein glänzen⸗ des Leichenbegängniß feiern. Alexandra erhebt den älteren ihrer beiden Söhne Hyrcanus II. zum Hohenprieſter. Allmälige Verfolgung der dem verlebten Könige zur Seite geſtandenen Rathgeber. Alexandra verlegt auf Bitten ihres jüngeren Sohnes Ariſtobulus die bisherigen königlichen Parteianhänger, um ſie vor der Verfolgungsſucht der Phariſäer zu ſchützen, in die jüdiſchen Grenzfeſtungen. Ariſtobulus bekommt von ſeiner Mutter Alexandra den Auf⸗ trag zur Bekriegung des Tyrannen Ptolemäus Mennas von Chalcis, deſſen er ſich jedoch nur nachläſſig entledigend, anſtatt deſſen mit ſeinen vertrauten Parteifreunden eine Verſchwörung für den dereinſtigen Sterbefall ſeiner Mutter Alexandra vorbereitet. 28* 70. 69. 65. 4030 4031 4035 436 Die zuerſt an Ptolemäus Lathyrus, darnach an Antiochus Grypus und zuletzt an Antiochus IX. Euſebes verheirathet ge⸗ weſene ſyriſche Königswittwe Selene, welche von dieſem Letzteren zwei Söhne mit Namen Antiochus Aſiaticus und Seleucus Cybioſactes geboren hatte, erfährt zur Strafe eines verunglück⸗ ten Angriffs auf die ſo eben erſt von Tigranes, dem Könige von Armenien erworbenen ſyriſchen Provinzen, einen mit Ueber⸗ macht ausgeführten Gegenangriff auf ihren Wittwenſitz Ptole⸗ mais. Die Stadt wird von Tigranes erobert, und die ge⸗ fangene Königin Selene, deren Söhne jedoch glücklich entkommen, auf dem Heimwege des Siegers hingerichtet. Alexandra, welche den armeniſchen König inzwiſchen durch Geſchenke ſich günſtig geſtimmt hatte, erkrankt tödtlich, bei welcher Gelegenheit Ariſto⸗ bulus plötzlich von Jeruſalem zu ſeinen Freunden entflieht. Alexandra ſtirbt, ohne über den Thronſtreit zu entſcheiden. Hyrcanus II., königlicher Hoherprieſter, rüſtet ſich gegen ſeinen mit offenen Feindſeligkeiten hervortretenden Bruder Ariſtobulus zum Kampfe, von welchem er aber bei Jericho überwunden, demſelben nach drei Monaten die hohenprieſterliche Königskrone gutwillig abtritt. Ariſtobulus II. königlicher Hoherprieſter. Tigranes, durch den römiſchen Feldherrn Lucullus in ſeinem Heimathlande heftig angegriffen, zieht ſeine in Syrien gelaſſenen Beſatzungstruppen nothgedrungen nach Armenien zurück, wodurch Antiochus XII. Aſiaticus freie Hand bekommt, ſich zum letzten Mal über Syrien als ſeleucidiſcher König aufzuwerfen. Der Lucullus inzwiſchen im Oberbefehle nachgerückte römiſche Feldherr Pompejus der Große zwingt, indem er Syrien als römiſche Provinz in Beſchlag nimmt, Antiochus XII. Aſiaticus, in den Privatſtand zurückzukehren, anſtatt deſſen die römiſchen Unterfeldherren Gabinius und Scaurus als Verwaltungsbeamte über Syrien aufgeſtellt werden. Ptolemäus X. Alexander wird von ſeinen eigenen Unterthanen aus Egypten vertrieben, und anſtatt ſeiner Ptolemäus XI. Auletes, ein unehelicher Sohn des Lathyrus, auf den Thron erhoben. Cypern trennt ſich unter einem andern Ptolemäus, ebenfalls einem unehelichen Sohne des Lathyrus, von Egypten.— Der vertriebene Ptolemäus X. ſetzt vor ſeinem bald darauf in Tyrus erfolgenden Lebensende die Römer in ſeinem Teſtamente zu Erben ſeiner Anſprüche auf Egypten ein, dieſe Erbſchaft wird von den Römern aber vorläufig nicht angenommen.— Von Jeruſalem flüchtet Hyr⸗ canus, von dem Idumäer Antipater überredet, zu dem durch des Letzteren Betriebſamkeit bereits für einen neuen Staats⸗ ſtreich zum Voraus zum Bundesgenoſſen gewonnenen peträiſchen König Aretas, welcher auf einem erfolgreichen Einfalle den regierenden Hohenprieſter Ariſtobulus II. ſchlägt und auf dem Tempelberge belagert. Gabinius und Scaurus aber, die beiden von Pompejus zurückgelaſſenen ſyriſchen Landpfleger, gebieten, von Ariſtobulus beſtochen, dem Könige Aretas im Namen der römiſchen Republik, ſich mit ſeinem Heere nach Arabien zurück⸗ 00. 437 zuziehen. Pompejus erhält bei einer bald darauf ſich ereignen⸗ den zufälligen Anweſenheit in Damascus von Ariſtobulus das Geſchenk eines maſſiv aus Gold getriebenen Rebſtockes im Werthe von 500 Talenten. 64. 4036 Bei Gelegenheit einer zweiten vorübergehenden Anweſenheit des Pompejus erſcheint Herodes von Hyrcanus', und Nicomedes von Ariſtobulus' Seite in ſeiner Gegenwart, um ihre beiderſeitigen Anſprüche zu begründen, werden aber von demſelben auf eine ſpätere Gelegenheit beſchieden. 63. 4037 Bei einer dritten Anweſenheit des Pompejus in Damascus er⸗ ſcheinen die beiden hasmonäiſchen Brüder perſönlich, um ihre Rechtsanſprüche geltend zu machen, werden aber unter freund⸗ ſchaftlichen Verſicherungen darauf beſchieden, Pompejus' eigene baldige Ankunft in Paläſtina abzuwarten. Ariſtobulus hiedurch beleidigt, reiſt plötzlich ab, und rüſtet ſich zum Krieg, überliefert aber nichts deſto weniger von der Feſtung Alexandrium aus, da er keinen Angriff wagt, auf Pompejus' Forderung gutwillig ſämmtliche Landesfeſtungen. Trotz dieſer nachgiebigen Maßregel flüchtet er neuerdings nach Jeruſalem, in der Abſicht die Stadt bis zum letzten Augenblicke ritterlich zu vertheidigen, und er⸗ giebt ſich endlich, bei der Nachricht von Pompejus' Anrücken neuerdings völlig umgeſtimmt, demſelben völlig auf Gnade und Ungnade, noch dazu mit Anerbietung einer Entſchädigungs⸗ ſumme. Der dieſelbe einfordernde römiſche Unterbefehlshaber wird jedoch von Ariſtobulus' zurückgebliebenen Anhängern mit leeren Händen von Jeruſalem wieder zurückgeſendet, worauf der regierende königliche Hoheprieſter in Feſſeln geſchlagen, und hierauf eine feindliche Belagerung der Stadt Jeruſalem in An⸗ griff genommen, deren Thor ihm ſogleich bei ſeinem erſten Erſcheinen von Hyrcanus' Parteigängern geöffnet, und nur der von Ariſtobulus beſetzte Tempelberg erſt nach dreimonatlicher Belagerung durch Sturm erobert wird. Pompejus betritt das Innere des Tempels, ſetzt an der Stelle des entfernten Ariſto⸗ bulus ſeinen älteren Bruder Hyrcanus neuerdings als Hohen⸗ prieſter wieder ein, dem er jedoch nicht allein die Abzeichen der Küihn E Königswürde zu tragen verbietet, ſondern zugleich auch einen Almin jährlichen Tribut auferlegt, die Mauern Jeruſalems ſchleifen b läßt, und überdieß ſämmtliche außerhalb Judäa gemachten Land⸗ erwerbungen davon abtrennt. Zuletzt nimmt Pompejus den Hohenprieſter Ariſtobulus nebſt zwei Söhnen und zwei Töchtern als Gefangene mit ſich nach Rom, von denen aber der älteſte Sohn Alexander auf der Reiſe glücklich durch die Flucht zu entkommen Gelegenheit findet. 62. 4038 Der ſyriſche Landpfleger Scaurus unternimmt einen Krieg gegen Aretas, in welchem Hyrcanus auf Antipater's Betrieb demſelben mit Proviantlieferung zu Hilfe kommt, und Aretas ſich von Antipater zur Abſchließung eines günſtigen Vergleichs über⸗ reden läßt. Ariſtobulus wird mit ſeinen drei Kindern nebſt 324 anderen Gefangenen von Pompejus in ſeinem Triumphzuge öffentlich aufgeführt. Marcius Philippus folgt dem Scaurus in der ſyriſchen Landes⸗ verwaltung. Lentulus Marcellinus folgt dem Marcius Philippus. Gabinius erhält auf Betrieb des römiſchen Volkstribunen Clo⸗ dius die ſyriſche Landesverwaltung. Durch einen zweiten eben⸗ falls von Clodius durchgeſetzten Volksbeſchluß erhält Cato den Auftrag, auf Grund des von Ptolemäus X. Alexander hinter⸗ laſſenen Teſtaments(vergl. 4035) die Inſel Cypern nachträg⸗ lich zu confisciren. Die Egypter dringen bei dieſer Nachricht in Ptolemäus XI. Auletes, Cypern für ſich in Anſpruch zu nehmen. Auf ſeine Weigerung wird er Landes vertrieben, und ſeine Tochter Berenice an ſeiner Stelle auf den Thron erhoben. Berenice heirathet den allein am Leben noch übrigen Seleuciden Seleucus Cybioſactes, läßt ihn jedoch ſeines ſchimpflichen Be⸗ tragens halber bald darauf tödten, und vermählt ſich an ſeiner Stelle mit Archelaus, dem Oberprieſter von Comana. In Judäa erregt Alexander, der glücklich auf der Flucht entkom⸗ mene ältere Sohn des gefangenen Hohenprieſters Ariſtobulus II. eine Empörung gegen Hyrcanus II., welche aber durch den zu Hilfe eilenden römiſchen Landpfleger Gabinius unterdrückt, und Alexander auf der Feſtung Alexandrium belagert wird, dem Gabinius jedoch auf die Fürbitte von Ariſtobulus' in Paläſtina zurückgebliebener Gemahlin Amneſtie gewährt, jedoch ſo, daß er Alexandrium ſchleifen läft. Während Gabinius von hier aus nach Jeruſalem vorrückend, anſtatt der Bitte des Hohenprieſters Hyrcanus entſprechend, zur Wiederherſtellung der Mauern Jeruſalems zum Schutze der Hauptſtadt vor einem plötzlichen Ueberfalle ſeine Einwilligung zu ertheilen, vielmehr ſich noch tiefere Eingriffe in die bisherige Landesverfaſſung als ſelbſt Pompejus zu Schulden kommen läßt, indem er mit Auflöſung des bisherigen Hohenrathes fünf neue oligarchiſche Regierungs⸗ Collegien an fünf getrennten Orten über das Land aufſtellt, ſetzt Ariſtobulus II., dem es ſammt ſeinem Sohne Antigonus inzwiſchen aus ſeiner Haft in Rom glücklich zu entkommen gelungen war, die Schilderhebung ſeines Sohnes Alexander in eigener Perſon thätig fort, wird aber noch in dem gleichen Jahre geſchlagen, und zum zweiten Mal nach Rom in Gefangen⸗ ſchaft abgeführt. Gabinius miſcht ſich aus purer Gewinnſucht auf den Hilferuf des parthiſchen Königsſohnes Mithridates in einen parthiſchen Thronſtreit, läßt ſich aber, bereits unterwegs, durch das Ver⸗ ſprechen von 10,000 Talenten von Ptolemäus Xl. Auletes über⸗ reden, augenblicklich umzukehren, um denſelben in ſein egyptiſches Königreich wieder einzuſetzen, wobei Antipater ihm zur Er⸗ oberung von Peluſium behilflich iſt. Schlacht in Egypten zwiſchen Gabinius und Archelaus, in welcher der Letztere das Leben einbüßt. Ptolemäus XI. Auletes, 50. 4046 4049 4050 —439 auf ſeinem Throne wieder befeſtigt, läßt ſeine Tochter Bereniee, die ſeitherige Zwiſchenkönigin, hinrichten.— Inzwiſchen begeht Alexander, der Sohn des Hohenprieſters Ariſtobulus II. in Paläſtina in Gabinius' Abweſenheit neue Feindſeligkeiten gegen die Römer und Hyrcanus II., wird aber von Gabinius bei ſeiner Rückkehr beim Berge Thabor völlig aufs Haupt geſchlagen. Gabinius kehrt nach Rom zurück, um die ſyriſche Landes⸗ verwaltung an ſeinen Nachfolger den Triumvir Craſſus zu übergeben. Craffus plündert und entweiht den Tempel zu Jeruſalem zum Behufe ſeiner betriebenen Kriegsrüſtungen gegen die Parther, gegen welche er ohne eine vorausgeſchickte Kriegserklärung und ohne die mindeſte gerechte Urſache aus bloßer Habſucht ſeinen beabſichtigten Feldzug eröffnet. Craſſus wird zweimal von den Parthern vollſtändig geſchlagen, und verliert in dem zweiten Treffen bei Carrhä ſein Leben. Durch den errungenen Sieg ermuthigt greifen die Parther Syrien an, werden aber von Caſſius, des Craſſus geweſenen römiſchen Unterfeldherrn nachdrücklich zurückgetrieben. Derſelbe hat das Glück, gleichzeitige auch in Paläſtina von Alexander neuerdings erregte Unruhen ebenfalls zu beſchwichtigen. Mit verſtärkter Heeresmacht einfallend ſchließen die Parther Caſſius in Antiochia ein. Der berühmte Cicero, damals zu⸗ fällig Verwalter über das benachbarte Cilicien, rettet ihn durch Sendung eines Hilfsheeres, unter deſſen Mitwirkung die Par⸗ ther wiederholt zurückgetrieben werden. Ptolemäus Xl. Auletes ſtirbt und hinterläßt ein Teſtament, in welchem er verordnet, daß Cleopatra ſein älteſtes Kind den älteſten Sohn Ptolemäus XII. Dionyſus heirathen und unter römiſcher Vormundſchaft beide gemeinſchaftlich über Egypten regieren ſollten. Der in dem gleichen Jahre zwiſchen Pompejus und Cäſar ausbrechende römiſche Bürgerkrieg ruft Bibulus, den neu ernannten ſyriſchen Landpfleger, als einen Anhänger des Erſteren ſogleich nach Italien zurück, an deſſen Stelle Metellus Scipio von Pompejus mit der ſyriſchen Provinzialverwaltung beauftragt wird. Cäſar vertreibt noch in dieſem Jahre Pom⸗ pejus mit ſeinem Heere gänzlich aus Italien. Cäſar entläßt, um im Orient einen Bundesgenoſſen zu be⸗ kommen, den gefangenen Hohenprieſter Ariſtobulus II. ſeiner Haft, und beabſichtigt denſelben mit einem Heere nach Paläſtina zurückzuſenden, anſtatt deſſen derſelbe jedoch von zurückgebliebenen Anhängern des Pompejus noch in Italien vergiftet wird. Gleich⸗ zeitig wird auf Pompejus' Befehl auch ſein älteſter Sohn Alexander durch den neuen ſyriſchen Landpfleger Scipio er⸗ griffen und in Antiochia hingerichtet. Der jüngere Bruder Antigonus und ſeine beiden hinterlaſſenen Töchter des Hohen⸗ prieſters finden Zuflucht bei Ptolemäus Mennas, dem Tyrannen von Chalcis, der eine derſelben mit Namen Alexandra heirathet. Cäſar erobert in dieſem Jahre Spanien und ſetzt, nach Italien zurückkehrend, bei Brunduſium über das adriatiſche Meer, um den Krieg gegen Pompejus in Epirus weiter fortzuführen. 48. 4052 Ptolemäus XII. Dionyſus verdrängt ſeine Gemahlin und ältere Schweſter Cleopatra aus der Regierung, welche mit einem in Syrien angeworbenen Kriegsheere Egypten wieder zu erobern ſich anſchickt. Inzwiſchen wird Pompejus bei Pharſalus in Theſſalien von Cäſar auf das Haupt geſchlagen und bittet, bei Peluſium landend, den ſeiner Schweſter entgegengerückten König Ptolemäus XII. als Flüchtling um Aufnahme, von deſſen Feld⸗ herrn Achillas er aber bei dieſer Gelegenheit verrätheriſch er⸗ mordet wird. Cäſar, auf der Verfolgung des Pompejus in Alexandria landend, beſchäftigt ſich als inzwiſchen abweſend er⸗ nannter römiſcher Dictator mit der Schlichtung des eben an⸗ hängigen egyptiſchen Thronſtreites, zu welchem Ende er beiden ſtreitenden Parteien aufgiebt, unter Einſtellung des Krieges ſich perſönlich bei ihm einzufinden. Anfangs durch einen Sach⸗ walter vertreten, geht Cleopatra im Laufe der Verhandlungen perſönlich zu Cäſar über, worauf hin der darüber in Wuth verſetzte Ptolemäus XII., gewaltſam ergriffen, ebenfalls in Cäſar's Hände überliefert wird. Cäſar verſucht eine friedliche Vermitt⸗ lung, indem er Ptolemäus mit Cleopatra ausſöhnend über Egypten, die beiden jüngeren Geſchwiſter aber Ptolemäus den Jüngeren und Arſinoe, ebenfalls als ein fortaniges Ehepaar, aus nachträglicher dictatoriſcher Freigebigkeit wiederholt über das bereits confiscirte Cypern in einer anberaumten öffentlichen Volksverſammlung zu Königen einſetzt. Der dadurch geſtiftete Friede wird jedoch geſtört durch die Intriguen des königlichen Haushofmeiſters Photinus, der aus Furcht vor Cleopatra's Rache Achillas durch geheime Botſchaft überredet, mit ſeinem 20,000 Mann ſtarken Heere gegen Alexandria aufzubrechen, wodurch Cäſar ſich in einem dem Hafen benachbarten Stadt⸗ theile zu verſchanzen gezwungen wird. Photinus wird wegen ſeiner entdeckten Verrätherei auf Cäſar's Befehl hingerichtet. Ebenſo wird auch Achillas geſtürzt durch Ganymedes, den Hof⸗ beamten der jüngeren Schweſter Cleopatra's, Arſinoe, welche nämlich in der Hoffnung ſeines baldigen Sieges mittlerweile 5 zu demſelben ihre Zuflucht nehmend, auf eine verrätheriſche Anklage des Ganymedes hin, welchem ſelber nach dem Ober⸗ befehle des Heeres gelüſtete, ſich zur Ertheilung eines Hinrich⸗ tungsbefehles gegen Achillas hatte verleiten laſſen.— Ein in⸗ zwiſchen auf Cäſar's dringendes Verlangen ihm zur Verſtärkung herbeieilender ihm ergebener kleinaſiatiſcher Feldherr, Mithridates von Pergamus, dringt inzwiſchen längs der ſyriſchen Meeres⸗ küſte gegen Egypten vor, und hat das Glück unter Antipater's eifrigſter Mitwirkung, ſich mit der Eroberung von Peluſium den Eingang nach Egypten zu erkämpfen, und nach einer durch Antipater's Verdienſt gewonnenen Schlacht über eine egyptiſche Heeresabtheilung ſeine Verbindung mit Cäſar herzuſtellen. 47. 4053 Der von Cäſar in der Hoffnung auf eine gütliche Beilegung 46. 40⁵5 441 des Bürgerkrieges abſichtlich freigelaſſene Ptolemäus XII. Diony⸗ ſus ſchlägt ſich zu den Empörern, wird aber von Cäſar ge⸗ ſchlagen, und ertrinkt auf der Flucht im Nil. Sein jüngerer Bruder Ptolemäus XIII. wird an ſeiner Stelle von Cäſar mit Cleopatra gemeinſchaftlich zum König über Egypten eingeſetzt. Arſinoe wird gefangen gehalten. Den alexandriniſchen Juden beſtätigt Cäſar ihre von Alexander dem Großen gewährten bürgerlichen Privilegien. Nach einem mehrmonatlichen müßigen Aufenthalte in Alexandria wird Cäſar durch die Nachricht eines von Pharnaces in Pontus erhobenen Aufſtandes zum Aufbruch nach Kleinaſien beſtimmt. Auf ſeinem Durchzuge durch Palä⸗ ſtina wird Cäſar gerade durch eine von Antigonus, dem zwei— ten Sohne des verſtorbenen Exhohenprieſters Ariſtobulus II., gegen Hyrcanus und Antipater vorgebrachte gehäſſige Klage bewogen, Hyrcanus II. in ſeinem hohenprieſterlichen Amte, noch dazu mit Wiederherſtellung ſeines fürſtlichen Anſehens unter Zurücknahme der von Gabinius eingeführten Abänderungen zu beſtätigen, und Antipater, mit dem römiſchen Bürgerrechte be⸗ ſchenkt, unter ſeiner Oberaufſficht zum Procurator von Judäa zu ernennen. Auf ſeinem weiteren Zuge wird Cäſar, der einen Verwandten mit Namen Sextus Cäſar als Landpfleger in Sy⸗ rien zurückläßt, von Antipater begleitet, und von dieſem Letzteren nach ſeiner Zurückkunft die neue Landesorganiſation energiſch durchgeführt. Seinen älteſten Sohn Phaſael ſtellt er dabei über Judäa, und ſeinen zweiten Herodes über Galiläa als Unterſtatthalter auf. Herodes zeichnet ſich aus durch ſchleunige Vertilgung einer gefährlichen Räuberbande, wird aber, weil er gegen das Geſetz jüdiſche Volksgenoſſen durch das Standrecht hatte zum Tode verurtheilen laſſen, vor den hohen Rath eitirt. Da der Hoherath, durch die freimüthigen Bemerkungen des Schriftgelehrten Sameas aufmerkſam gemacht', ſich anſchickt, Herodes zu verurtheilen, ſo wird derſelbe durch eine Incon⸗ ſequenz des Hohenprieſters Hyrcanus II. ſelber gerettet, welcher ihm, obwohl er ihn förmlich vorgeladen, durch ſeinen nachträg⸗ lich ertheilten vertrauten Rath ſelber zur Flucht behilflich iſt. Nachdem Herodes bei Sextus Pompejus durch Beſtechung die Verwaltung von Cöloſyrien erlangt hat, unternimmt er zur Rache für die von dem Hohenrathe ihm vermeintlich zugefügte Ehrenkränkung einen Feldzug gegen Jeruſalem, wird aber durch ſeinen Vater Antipater und ſeinen Bruder Phaſael gutwillig davon abgebracht. Der ſyriſche Landpfleger Sextus Cäſar wird von dem Pompejaner Cäcilius Baſſus meuchlings ermordet, und von Antiſtius Vetus, dem Anführer der Cäſarianiſchen Truppen, mit welchem ſich auch ein jüdiſches Heer unter Pha⸗ ſael und Herodes vereinigt, vergeblich in Apamea belagert. Der von Cäſar neu ernannte ſyriſche Landpfleger Statius Murcus oder Marcus wird trotz ſeiner mitgebrachten neuen Streitkräfte durch den Heranzug zweier feindlicher Hilfsheere, eines parthi⸗ ſchen und eines arabiſchen, gezwungen, die Belagerung aufzuheben. 43. 44. 4056 4057 Cäſar wird am 15. März dieſes Jahres, nachdem er kurz zu⸗ vor Antipater die nachgeſuchte Erlaubniß zum Wiederaufbau der Mauern von Jeruſalem ertheilt hatte, in Begriff, einen wiederholten parthiſchen Feldzug anzutreten, noch in Rom ſelber von verſchworenen ariſtokratiſchen Republikanern unter Anführung von Brutus und Caſſius ermordet. Die beiden Conſuln des Jahres Antonius und Dolabella, zwei entſchiedene Cäſarianer verfolgen eifrig Cäſar's Plan zur Gründung einer ſouveränen Militärmonarchie. Der zwiſchen beiden Parteien ſchwankende Senat überträgt dem Conſul Dolabella die Verwaltung von Syrien an der Stelle des Statius Mareus. Caſſius kommt ihm jedoch in der Beſitznahme der Provinz zuvor, und beredet die bei der Belagerung von Apamea beiderſeits einander gegen⸗ überſtehenden feindlichen Truppen, mit ihm gemeinſchaftliche Sache gegen die Cäſarianer zu machen. Die Stadt Rom ent⸗ ſcheidet ſich inzwiſchen allmälig immer beſtimmter zu Gunſten der Cäſarianer, d. h. insbeſondere zu Gunſten des jugendlichen Cajus Octavius, Cäſar's nächſten leiblichen Verwandten, und in ſeinem Teſtamente eingeſetzten Haupterben, welcher unter dem angenommenen Namen Cajus Julius Cäſar Octavianus einen prachtvollen Einzug in Rom haltend, zugleich als der nächſte Erbe der von Cäſar hinterlaſſenen politiſchen Anſprüche betrachtet wird. Octavianus ſchließt mit dem ihm anfangs aus Ciferſucht feind⸗ lich gegenüberſtehenden Antonius und mit Lepidus ein neues Triumvirat zur Ordnung des römiſchen Staatsweſens, unter welchem Vorwande ſie die ganze in Italien noch übrige repu⸗ blikaniſche Partei, verbunden mit einer gleichzeitigen Einziehung ihres ſämmtlichen Privatvermögens, gewaltſam unterdrücken. Caſſius ſammelt, ſich unterdeſſen in Syrien befeſtigend, ein Heer von zwölf Legionen, zu deſſen Unterhalt er dem Lande ſchwere Contributionen auferlegt. Durch ſchleunige Einlieferung der ihm als Verwalter von Cöloſyrien auferlegten 100 Talente hat Herodes das Glück, ſich bei Caſſius in beſondere Gunſt zu ſetzen, ſein Vater Antipater aber die Großmuth, für den mit der Einſammlung der von Judäa geforderten Contributions⸗ ſumme beauftragten jüdiſchen Feldherrn Malichus, der ſich in dieſem Geſchäfte ſaumſelig bewieſen, die betreffende Summe aus ſeinem Privatvermögen vorzuſtrecken, wodurch er ihn vor dem Tode rettet. Malichus iſt undankbar genug, in einem Augenblicke, in welchem Caſſius dem Cäſarianer Dolabella nach Laodicea in Syrien entgegenzuziehen genöthigt, ſeinem Wohl⸗ thäter Antipater aus Eiferſucht auf deſſen Macht und Anſehen nach dem Leben zu ſtreben, und wird nichts deſto weniger, nachdem ſeine verrätheriſchen Abſichten unerwarteter Weiſe ver⸗ lautet waren, zum zweiten Mal durch Antipater's eigene Für⸗ ſprache von der Todesſtrafe, welche ihm der in Caſſius' Dienſten in Damascus zurückgebliebene römiſche Unterfeldherr Statius MWareus bereits unnachſichtlich zugedacht hatte, errettet. Nichts 42. 4 A. 4 42. 41. 4058 4059 443 deſto weniger wird Antipater in dem gleichen Jahre von Mali⸗ chus aus Eiferſucht über neue von Caſſius dem Herodes ge⸗ währte Begünſtigungen, denen zufolge er ihn nach glücklicher Beendigung des Krieges ſogar zum Könige von Judäa zu er⸗ heben verſprochen hatte, endlich wirklich hinterliſtiger Weiſe ver⸗ giftet. Herodes erwirkt ſich auf die Nachricht davon bei Caſſius auf brieflichem Wege die geheime Erlaubniß, MWalichus, der inzwiſchen das begangene Verbrechen hartnäckig ableugnete, am Leben ſtrafen zu dürfen, und benützt auf einer durch die Nach⸗ richt der Einnahme von Laodicea und des zugleich dabei erfolg⸗ ten Todes des Cäſarianers Dolabella in des Hohenprieſters Hyrcanus' II. und Malichus' Geſellſchaft angetretenen Beglück⸗ wünſchungsreiſe die dargebotene günſtige Gelegenheit, Malichus in der Nähe von Tyrus unverſehens tödten zu laſſen. Auf die Nachricht von Caſſius“ Abzuge, welcher von Syrien aus ſich Macedonien, dem eigentlichen Kriegsſchauplatze, zuge— wendet hatte, bricht unter Felix, des Malichus zurückgebliebenem Bruder, welchem als dem gegenwärtigen Haupte der national⸗ jüdiſchen Partei ſich unter andern Hyrcanus II. ſelber insgeheim angenähert und ihm die jüdiſchen Landesfeſtungen überliefert hatte, gegen Phaſael eine Empörung aus, welche aber von Phaſael trotz ſeiner augenblicklichen Verlaſſenheit glücklich im Anfange gedämpft, und unter ſpäterer Mitwirkung ſeines Bru⸗ ders Herodes gänzlich unterdrückt wird. Unter dem ſittlichen Einfluſſe dieſes politiſchen Umſchwunges wendet ſich Hyrcanus II. wieder entſchieden den Herodianern zu, unter denen er dem Herodes jetzt gerade ſeine einzige Enkelin Mariamne, eine Toch⸗ ter des von Scipio hingerichteten Alexander(vergl. 4051) von Alexandra, ſeiner eigenen einzigen Tochter, als zukünftige Ge⸗ mahlin anverlobt, wogegen die bisherige jüdiſche ariſtokratiſche Partei ſich von Hyrcanus II. völlig abwendend, auf den bei Ptolemäus Mennas lebenden Antigonus, den jüngeren Sohn Ariſtobulus' II. ihr Augenmerk richtet, der aber bei einem in dem gleichen Jahre verſuchten Einfalle in Paläſtina ſogleich von Herodes geſchlagen und zum Rückzuge genöthigt wird. In dem nämlichen Jahre entſcheidet ſich unterdeſſen durch die Schlacht bei Philippi und Macedonien, in welcher Brutus und Caſſius, beide ihren Tod finden, der römiſche Bürgerkrieg zu Gunſten der beiden Cäſarianiſchen Feldherren Oetavianus und Antonius, von denen der Letztere nach einer zwiſchen ihnen getroffenen Privatübereinkunft ſogleich die römiſchen Provinzen in Aſien als das ihm zufallende Verwaltungsgebiet in Beſitz nimmt. Auf einer durch die vrientaliſchen Provinzen angetretenen Rund⸗ reiſe nimmt Antonius den Beſuch des ihm mit reichlichen Ge⸗ ſchenken entgegenreiſenden Herodes ganz günſtig auf, und ebenſo auch eine Geſandtſchaft des Hohenprieſters Hyrcanus II., während er einer gegen Herodes klagbar auftretenden Deputation der jüdiſchen Nationalpartei von vornherein den Zutritt verweigert. Nachdem er inzwiſchen in Tarſus die erſte Bekanntſchaft der 40. 4060 ihn ebenfalls mit Geſchenken bewillkommnenden egyptiſchen Königin Eleopatra gemacht hatte, reiſt ferner Hyrcanus II. ſelber, und zugleich mit ihm zufällig zuſammentreffend auch eine 100 Per⸗ ſonen ſtarke zweite Deputation der Nationalpartei dem Antonius bis nach Antiochia entgegen, welche Letztere aber auf das von Hyrcanus den Söhnen Antipater's ertheilte günſtige Zeugniß unter Beſtätigung derſelben zum zweiten Mal abgewieſen wird. Eine dritte 1000 Mitglieder ſtarke Parteideputation wird in Tyrus, wo ſie wiederholt ſich Zutritt zu Antonius zu ver⸗ ſchaffen ſucht, auf Befehl deſſelben mit bewaffneter Hand ge⸗ waltſam in die Flucht gejagt, und ein Theil derſelben gefangen genommen und als Empörer hingerichtet. Während nun nach einem verunglückten Unternehmen gegen die Stadt Palmyra Antonius in Alexandria ſeinen Aufenthaltsort wählend, ſich den durch Cleopatra's Einladung ihm eröffneten ſchwelgeriſchen Aus⸗ ſchweifungen ergiebt, rufen die Einwohner der durch römiſche Steuereinnehmer in Aufruhr verſetzten Inſel Aradus im Ein⸗ verſtändniß mit anderen Unzufriedenen die Parther zu Hilfe. Im Vertrauen auf die Hilfe der Parther, welche mittlerweile unter ihrem Königsſohne Pacorus und Satrapen Barzaphanes in Syrien eingebrochen waren, mit denen Antigonus einen ge⸗ heimen Vertrag abgeſchloſſen hatte, bricht dieſer Letztere zum zweiten Mal gegen Jeruſalem auf, und hat das Glück, durch die Anhänger ſeiner Partei einmal eingelaſſen, ſich in der Stadt zu behaupten, und auf dem Tempelberge, auf dem er jedoch von Herodes belagert wird, feſtzuſetzen. Da die wechſelſeitigen Feind⸗ ſeligkeiten ſich in die Länge ziehen, läßt ſich Phaſael unvorſichtiger Weiſe von Antigonus bereden, den mit einem Beobachtungs⸗ heere in der Nähe befindlichen parthiſchen Feldherrn Pacorus nach Jeruſalem einzulaſſen, und überdieß noch auch von dieſem wiederum verleiten, in Geſellſchaft des Hohenprieſters Hyrcanus, welcher die Argliſt des Parthers ebenſo wenig durchſchaut, auf ſeinen Rath dem Schutze des einige Tagereiſen entfernten Sa⸗ trapen Barzaphanes ſich anzuvertrauen, von welchem dieſelben jedoch alsbald nach ihrer Ankunft als Gefangene behandelt wer⸗ den. Herodes eben noch rechtzeitig von den verrätheriſchen Ab⸗ ſichten der Parther in Kenntniß geſetzt, hat das Glück, den Nachſtellungen des Pacorus in Geſellſchaft der noch übrigen Mitglieder der hasmonäiſchen und ſeiner eigenen herodianiſchen Familie zu entfliehen, und dieſelben unter einer Bedeckung von 800 Mann in der Feſtung Maſada unterzubringen. Dem auf dieſe Weiſe indeſſen durch die Parther zum Hohenprieſter in Jeruſalem eingeſetzten Antigonus werden Hyrcanus und Pha⸗ ſael als Gefangene ausgeliefert, dem erſteren, um ihn aller Anſprüche auf die fernere Bekleidung des hohenprieſterlichen Amtes gewaltſam zu berauben, die Ohren abgeſchnitten, und er in dieſem Zuſtande als Gefangener nach Parthien abgeführt. Phaſael aber kommt dem ihm zugedachten Tode durch eigene Selbſtentleibung zuvor. Während nun ein in Antonius' Auf⸗ , Aht g0 39. 4061 38. 4062 445⁵ trag gegen die Parther geſendeter römiſcher Unterfeldherr mit Namen Ventidius dieſelben glücklich über den Euphrat zurück⸗ drängt, iſt Herodes, mit ſeinem Hilferufe von dem Könige der peträiſchen Araber, Malichus, dem Sohne des Aretas, ſchnöde abgewieſen, genöthigt, über Egypten nach Rom ſeine Zuflucht zu nehmen, woſelbſt der gerade mit Octavianus zufällig zu⸗ ſammen anweſende Antonius ihm bereitwilliges Gehör ſchenkend, im Einverſtändniſſe mit ſeinem Collegen im römiſchen Senate beantragt, an der Stelle nicht allein des unrechtmäßig einge⸗ drungenen Antigonus, ſondern auch des von Herodes vorläufig noch in Vorſchlag gebrachten jungen Hasmonäers Ariſtobulus, des jüngeren Bruders der mit Herodes verlobten Mariamne, vielmehr Herodes ſelbſt zum König von Judäa, und Antigonus für einen Feind der römiſchen Republik zu erklären. Nach einer auf dem Capitolium ſtattgefundenen feierlichen Krönung ſchleunig nach Paläſtina heimkehrend, hat Herodes das Glück, Maſada zu entſetzen und mit Hilfe römiſcher Truppen den Krieg mit Antigonus beginnen zu können. Erfolgloſer Ver⸗ ſuch, die Einwohner von Jeruſalem auf dem Wege der Ueber⸗ redung zu friedlicher Unterwerfung zu bringen. Mutlwillige Unzufriedenheit der römiſchen Truppen in ihren Winterquar⸗ tieren. Die Winterszeit wird von Herodes zur Säuberung des galiläiſchen Gebirges von zahlreichen Räuberhorden verwendet. Ventidius ſendet, nachdem er die Parther in einer dritten Haupt⸗ ſchlacht, in welcher auch der Königsſohn Pacorus fiel, vollkom⸗ men gedemüthigt, ſeinen Unterfeldherrn Machäras dem Herodes zu Hilfe, mit welchem jedoch Herodes ſelbſt in Uneinigkeit ge⸗ rathend, einſtweilen ſeinen Bruder Joſephus als Befehlshaber der jüdiſchen Truppen in Geſellſchaft des Machäras, jedoch mit dem gemeſſenſten Auftrage, ſich in keinen Kampf mit Antigonus einzulaſſen, in Paläſtina zurückläßt, und inzwiſchen dem römi⸗ ſchen Triumvir Antonius in der Belagerung von Samoſata Hilfe leiſtet. Nach erfolgter Einnahme der Stadt beauftragt Antonius, im Begriffe ſelber wieder abzureiſen, ſeinen auf⸗ geſtellten Unterfeldherrn Soſius, in ſeiner Abweſenheit Herodes kräſtig zu unterſtützen. Herodes überkömmt von demſelben ſo⸗ gleich zwei römiſche Legionen, mit welchen er nach Paläſtina vorauseilend unterwegs von der Unglücksbotſchaft, daß ſein Bruder Joſephus in einem mittlerweile unvorſichtig begonnenen Treffen bei Jericho ſeinen Tod gefunden, überraſcht wird. Nichts deſto weniger hat er das Glück, bei ſeiner Ankunft nicht allein das aufrühreriſche Galiläa ſogleich wieder zu erobern, ſondern auch in der Nähe von Samaria die unter Pappus' Oberbefehl vereinigte jüdiſche Heeresmacht des Hohenprieſters Antigonus völlig zu Grunde zu richten. Im Laufe dieſes Jahres beginnt Herodes gegen Jeruſalem eine regelmäßige Belagerung, während deren er indeſſen Zeit findet, ſeine Vermählung mit Martamne endlich in Samaria zum Voll⸗ zuge zu bringen. Soſius kommt ihm allmälig mit ſeinen 36. 35. 37. 4063 4064 4065 PR übrigen Legionen zu Hilfe, mit denen er nebſt einer Anzahl von 30,000 Mann neuangeworbener eigenen Truppen verſtärkt, die Belagerung mit verdoppeltem Eifer fortſetzt. Die beiden in Jeruſalem zugleich eingeſperrten Schriftgelehrten Pollio und Sameas rathen vergeblich zur Uebergabe. Da das laufende Jahr ein Sabbathsjahr iſt, ſo kommt zu den Bedrängniſſen des Krieges auch noch Hungersnoth zugleich für die Stadt dazu. Die endlich erfolgte Einnahme bezeichnet ein ſchreckliches Blutbad. Nur mit den Waffen in der Hand ge⸗ lingt es Herodes, die Entweihung des Tempels durch römiſche Soldaten zu verhindern, und durch das Verſprechen freiwilliger reichlicher Belohnung von Soſius den Befehl zur Enthaltung von weiterer Plünderung der Stadt auszuwirken. Antigonus wird von Soſius, in deſſen Gewalt er ſich auf Gnade und Ungnade ergeben, als Gefangener nach Antiochia geſendet, um den Triumph des Antigonus ſpäter zu ſchmücken, aber auf Herodes' angelegentlichen Betrieb bereits dort mit dem Beile öffentlich hingerichtet. Die Anhänger des Antigonus, und unter andern ſämmtliche Mitglieder des Hohenrathes werden ebenfalls auf Herodes' Befehl getödtet, mit Ausnahme der beiden Schrift⸗ gelehrten Pollio und Sameas, welche an die Spitze eines neuen Hohenrathes geſtellt, jedoch den wiſſenſchaftlichen Ruhm der zu Jeruſalem beſtehenden Lehrſchule bald in einem mehr als je blühenden Flore wiederherſtellen. Entſtehung der beiden Tar⸗ gum's des Onkelos und Jonathan. Hananeel ein unbekannter von Babylonien gebürtiger Jude aus Aaron's Familie wird von Herodes, dem gegenwärtigen unbeſtrittenen jüdiſchen Könige auf den hohenprieſterlichen Stuhl erhoben. Hyrcanus II., der ſeither in Babylon in durchaus ehrenvollen Verhältniſſen lebende jüdiſche Exhoheprieſter kehtt auf Herodes' ſchmeichleriſche Einladung nach Jeruſalem als Privatmann an deſſen Hof zurück. Antonius unternimmt einen Krieg gegen die Parther, aus dem er aber mit äußerſt geringem Erfolge und ſchwerem Verluſte unverrichteter Dinge zurückkehrt. Octa⸗ vianus hat inzwiſchen im Occident das Glück, ſowohl Sextus Pompejus, den letzten noch übrigen Sohn Pompejus' des Großen zu unterdrücken, als auch das Heer und die Provinzen des Triumvir Lepidus in ſeinen Beſitz zu bekommen. Aus Verdruß darüber, die Ehre des hohenprieſterlichen Amtes ihrer Familie entzogen zu ſehen, ſchreibt Alexandra, Hyrcanus' Tochter und Mutter der Königin Mariamne, an LCleopatra einen vertrauten Brief, mit der Bitte, für Ariſtobulus, Ma⸗ riamne's jüngeren Bruder bei Antonius um die Hoheprieſter⸗ würde anzuhalten. In der gleichen Abſicht ſendet ſie auf den Rath eines zufällig in Paläſtina auf der Reiſe anweſenden gewiſſen Dellius, eines von Antonius' Günſtlingen, demſelben die gemalten Porträte ihrer beiden Kinder, auf welches Geſchenk hin Antonius in einem Briefe an Herodes den jungen Ariſto⸗ bulus auf Beſuch bei ſich einladet. Herodes ſchlägt in ſeiner . 400 34. 4066 Antwort an Antonius zwar die Bitte des römiſchen Triumvirs unter einem dringenden Vorwande ab, ſieht ſich aber dadurch genöthigt, auf der andern Seite mit zeitweiliger Entfernung Ananeel's den 17jährigen Ariſtobulus III. in das hoheprieſter⸗ liche Amt einrücken zu laſſen. Von jetzt an dagegen ſtrenge in ihrem ganzen Verhalten bewacht, macht die dadurch empfind⸗ lich gedemüthigte Alexandra auf Cleopatra's Rath in Gemein⸗ ſchaft mit Ariſtobulus einen Fluchtverſuch, der jedoch mißlingt. Herodes nimmt von demſelben vor der Hand noch keine Notiz. Erſt die am Laubhüttenfeſte dem hohenprieſterlichen Jüngling während ſeiner amtlichen Verrichtungen unverholen zu Theil werdenden öffentlichen Beifallsbezeugungen des Volkes beſtimmen Herodes, ihn kurz darauf auf hinterliſtige Weiſe um das Leben bringen zu laſſen. Den dadurch hervorgebrachten ſchmerzlichen Eindruck ſucht der König durch Veranſtaltung einer deſto glän⸗ zenderen Leichenfeier zu übertäuben. Ananeel rückt aufs Neue in das Hoheprieſterthum ein. Cleopatra, wiederholt von Alexandra um ihre Beihilfe erſucht, überredet Antonius, gelegentlich eines unternommenen neuen parthiſchen Feldzuges, auf welchem ſie ihn bis an den Euphrat perſönlich begleitet, Herodes unterwegs von Laodicea aus von wegen des ihm zur Laſt gelegten Mordes an Ariſtobulus zur Verantwortung vorzuladen. Herodes hinterläßt ſeinen Oheim Joſephus, den erſten Ehegemahl ſeiner Schweſter Salome, als Viceregenten mit dem geheimen Auftrage, im Falle er ſelber von Antonius getödtet werden ſollte, auch Mariamne nicht am Leben übrig bleiben zu laſſen. Herodes rechtfertigt ſich bei Antonius aus allgemeinen Staatsgründen. Cleopatra wird für ihre bei dieſer Gelegenheit gehegten Hoffnungen auf die Erwerbung von Paläſtina einſtweilen mit Cöloſyrien und zu⸗ letzt ſogar mit einigen beſonders werthvollen Beſitztheilen von Paläſtina ſelber und von dem benachbarten peträtſchen Arabien von Antonius abgefertigt. Alexandra und Mariamne machen inzwiſchen in Herodes' Abweſenheit, durch eine von Joſephus begangene tactloſe Offenherzigkeit von Herodes' gegebenem Mord⸗ befehle in Kenntniß geſetzt, bei einer zufällig dazu kommenden falſchen Nachricht von Herodes' ſtattgefundener Hinrichtung einen Fluchtverſuch zu den in der Nähe ſtationirten römiſchen Truppen. Dieſe in ihrer Ausführung jedoch unterbliebene Maßregel wird von Salome dem glücklich wiederkehrenden Könige ſogleich unter Hinzufügung der ſchwärzeſten Beſchuldi⸗ gungen, als habe Mariamne ihren eigenen Ehegemahl Joſephus zu ehebrecheriſchem Umgange verleitet, hinterbracht. Von Hero⸗ des deßwegen zur Rede geſtellt, rechtfertigt ſich Mariamne in ſoweit gegen den Vorwurf ehelicher Untreue, daß der König ſie ſogar um Verzeihung bittet, dagegen aber durch den nun von ihrer Seite ihm gemachten Vorwurf, von wegen des gegen ſie hinterlaſſenen bedingten Mordbefehls aufs Neue in eine ſolche wüthende Aufregung verſetzt wird, daß er Joſephus augenblick⸗ 33. 4067 32. 4068 31. 4069 2 lich unverhört hinrichten läßt, auf den angeblichen Grund hin, es ſei undenkbar, daß er Mariamne jemals dieſes ihm anver⸗ traute unverletzliche Geheimniß anders als auf dem Wege ehe⸗ brecheriſcher Vertraulichkeit habe verrathen können. Indeſſen wird Cleopatra auf dem Rückwege vom Euphrat Jeruſalem berührend, von Herodes glänzend empfangen, und auf dem Wege gütlicher Unterhandlungen derſelben die Nutznießung der erwähnten paläſtinenſiſchen Beſitzungen gegen 200 Talente jähr⸗ lichen Zins wieder abgepachtet. Eine von Cleopatra ihm bei dieſer Gelegenheit gemachte unkeuſche Einladung höflich ablehnend geht Herodes damit um, ſie vielmehr bei diefer Gelegenheit, da ſie einmal in ſeiner Gewalt, in Antonius' eigenem Intereſſe ermorden zu wollen, läßt ſich aber durch den Rath ſeiner ver⸗ trauten Freunde davon wieder abbringen. Antonius und Cäſar Octavianus, die beiden noch übrigen Triumvirn und einzigen römiſchen Machthaber rüſten ſich unter dem Einfluſſe eines langjährig genährten allmälig ſeinem Gipfel⸗ punkte entgegenreifenden unheilbaren perſönlichen Zerwürfniſſes zu einem neuen, dem letzten entſcheidenden römiſchen Bürgerkriege. Der römiſche Senat veröffentlicht auf Octavianus' Antrag eine Kriegserklärung gegen Cleopatra deßwegen, weil ſie von Anto⸗ nius römiſche Provinzen für ihre mit demfelben erzeugten Kin⸗ der, unter eigenmächtiger Hinzufügung des Königstitels zum Geſchenke angenommen habe. Herodes, im Begriff Antonius mit einem anſehnlichen Hilfsheere zu verſtärken, wird von dem⸗ ſelben anſtatt deſſen auf Cleopatra's Anſtiften mit einem Kriege gegen ſeinen Nachbar, den König Malichus von Petra beauf⸗ tragt, erringt bei Diospolis einen Sieg, wird aber bei Canatha in Syrien durch die verrätheriſche Feindſeligkeit des Athenio, eines in Cleopatra's Dienſten ſtehenden Feldherrn, mit empfind⸗ lich ſchwerem Verluſt in die Flucht geſchlagen. Ein zu der erlittenen Niederlage hinzukommendes 30,000 Men⸗ ſchenleben forderndes Erdbeben veranlaßt Herodes, zur An—⸗ knüpfung von Friedensunterhandlungen Geſandte nach Arabien zu ſchicken, welche aber mit Verletzung des Völkerrechtes er⸗ griffen und getödtet werden. Der hierauf neuerdings entbren⸗ nende Krieg wendet ſich zu Herodes' Gunſten, der in einer dritten Hauptſchlacht die Araber unterwirft und zinsbar macht. Den 2. September dieſes Jahres ereignet ſich die Schlacht bei Actium im ambraciſchen Meerbuſen in Epirus, in welcher Anto⸗ nius aus fetger Verdroſſenheit voreilig ſich aus dem Kampfe entfernend, nicht allein zur See vollſtändig geſchlagen, ſondern kurz darauf auch ſeiner ganzen Landmacht beraubt, und ſomit zur Flucht nach Alexandria genöthigt wird. Herodes giebt ihm den Rath, Cleopatra zu tödten, und verſpricht in dieſem Fall, ihm mit allen Opfern zu weiterer Fortſetzung des Krieges be⸗ hilflich zu ſein. Da Antonius hierauf nicht eingeht, trifft Herodes Anſtalt, zu Oetavianus überzugehen. Bevor er abreiſt, findet er noch eine rechtliche Veranlaſſung, den greiſen Exhohen⸗ 90. 40, 30. 4070 449 prieſter Hyrcanus II., den einzigen noch übrigen Hasmonäer, zu deſſen Gunſten in Herodes Abweſenheit eine allenfallſige empöreriſche Volksbewegung zu fürchten war, am Leben ſtrafen zu laſſen, indem ſich derſelbe durch das Zureden ſeiner Tochter Alexandra, der Mutter Mariamne's zu einem Fluchtverſuche zu Malichus, dem Könige der Araber— ein Verſuch, welcher aber ebenfalls Herodes wiederum mit verrätheriſcher Dienſtfertigkeit angezeigt worden war— hatte verleiten laſſen. Vor ſeiner im angezeigten Betreffe bewerkſtelligten Abreiſe theilt Herodes die weiblichen Mitglieder der königlichen Familie in der Art, daß er ſeine eigene Mutter und Schweſter unter dem Schutze ſeines vierten Bruders Pheroras in die Feſtung Maſſada verlegt, dem er zugleich für den Fall eines unglücklichen Aus⸗ ganges ſeiner Reiſe die jüdiſche Königskrone zuſpricht, Alexandra und Mariamne dagegen von zwei vertrauten Kriegshauptleuten Joſephus und Sohemus in der Feſtung Alexandrium zugleich mit dem wiederholten geheimen Auftrage zu ihrer eventuellen Tödtung, im Falle er ſelber das Leben verlieren würde, bewachen läßt. Hierauf dem ſiegreichen Oetavianus nach Rhodus ent⸗ gegenreiſend, gelingt es ihm durch ſeine Beredſamkeit, neuer⸗ dings ſich auch dießmal wieder bei dem Sieger in Gunſt und Vertrauen zu ſetzen, und in ſeinem Königreiche beſtätigt, nach Judäa zurückzukehren, bei welcher Gelegenheit er aber von Mariamne, welche inzwiſchen mit ihrer Mutter Alexandra auf dem Wege der Beſtechung zum zweiten Male hinter den ihren beiden Wächtern auferlegten geheimen Auftrag gekommen war, trotz der ausgezeichneten Aufmerkſamkeit, mit welcher ſie Herodes unter allen ſeinen übrigen Gemahlinen zuerſt begrüßt hatte, mit ſolcher Kälte aufgenommen wird, daß ſeine leidenſchaftliche Anhänglichkeit an ſie, da er die Urſache der mangelnden Er⸗ wiederung nicht zu errathen ſcharfſinnig genug iſt, ſich in feind⸗ ſeligen Haß zu verwandeln anfängt. Inzwiſchen wird er durch Octavianus' raſche Annäherung, welcher zur Beendigung des obſchwebenden Krieges der ſyriſchen Meeresküſte entlang mit ſeinem Heere gegen Egypten vorrückt, veranlaßt, demſelben nach Ptolemais ſchleunig wiederum entgegenzureiſen, woſelbſt er, ihm und ſeinem Heere eine glänzende Aufnahme vorbereitend, auch von Octavianus' Seite mit der größten Auszeichnung behandelt wird, und demſelben, ihn auch auf der Fortſetzung ſeines Zuges bis an die Grenze von Egypten begleitend, fortwährend die wichtigſten Dienſte leiſtet. In Egypten kommt dem ſiegreichen Octavianus Cleopatra ſelber durch ihre verrätheriſchen Maß⸗ regeln gegen Antonius am wirkſamſten zu Hilfe, in Folge deren der Letztere am Ende ernſtlich gegen ſie aufgebracht, ſie dazu bringt, ſich durch das abſichtlich verbreitete falſche Gerücht, als habe ſie ſich das Leben genommen, vor ſeiner feindlichen Ver⸗ folgung ſicher zu ſtellen, eine Nachricht, durch welche aber Antonius nicht allein nicht erfreut, ſondern ſogar jetzt erſt um dieſer durchaus ganz und gar nichts bedeutenden Urſache willen Krafft, heil. Geſchichte. II. 29 29. 4071 28. 4072 zur Verzweiflung getrieben, und zu einem Selbſtmordverſuche veranlaßt wird, in Folge deſſen er, noch unmittelbar vor ſeinem Tode mit Cleopatra wieder ausgeſöhnt, kurz darauf auch den Geiſt aufgiebt. Cleopatra's bald an eigener Vergiftung nach⸗ folgender Tod beendigt den ganzen Krieg. Von Egypten aus auf dem nämlichen Wege ſeinen Rückmarſch antretend wird Cäſar Octavianus an der Grenze von Paläſtina neuerdings von Herodes bewillkommt, und überhäuft denſelben während ſeines wiederholten Durchzuges durch Paläſtina mit allerlei Geſchenken und ſonſtigen ausnehmenden Gunſtbezeugungen. Trotzdem beobachtet Mariamne ihrem glücklicher als jemals heimkehrenden königlichen Ehegemahle gegenüber eine unerſchüt⸗ terliche Kälte und Gleichgiltigkeit. Octavianus wird bei Gelegenheit ſeines in dieſem Jahre ge⸗ haltenen Einzuges in Rom von dem beifallrufenden Volke mit dem Titel„Imperator,“ d. h. römiſcher Kaiſer begrüßt.— Mariamne verweigert Herodes bei Gelegenheit eines von dem⸗ ſelben ſich ausgebetenen vertraulichen Beſuches, die eheliche Pflicht. Herodes hierüber mit ihr in Streit gerathend, em⸗ pfängt in dieſem Augenblicke durch einen von Salome auf⸗ geſtifteten königlichen Mundſchenken die erdichtete Anzeige, als ob Mariamne einen Vergiftungsverſuch gegen ihn unternom⸗ men habe. Ein auf Herodes' Befehl in Folge deſſen peinlich gefolterter Kämmerer der Königin giebt mit kurzen Worten ein zwiſchen der Königin und Sohemus ſtattgehabtes vertrautes Geſpräch als die einzige Urſache der hartnäckigen Verſtimmung Mariamne's gegen den König an. Auf dieſes abgepreßte Ge⸗ ſtändniß wird nicht allein Sohemus allſogleich als überwieſener Ehebrecher auf Herodes' Befehl hingerichtet, ſondern auch die Königin Mariamne vor ein aus vertrauten Anhängern des Königs zuſammengeſetztes Gericht geſtellt, welche ſie einſtimmig zum Tode verurtheilen. Das anfangs nach Herodes' Abſicht zur Umwandlung in lebenslängliches Gefängniß beſtimmte Todes⸗ urtheil wird jedoch wider allgemeine Erwartung durch den Einfluß der beiden Herodianerinen Cyprus'(Herodes“' Mutter) und Salome's in thatſächlichen Vollzug geſetzt, und der Tod von der Königin Mariamne, mit Ausnahme einer von ihrer eigenen Mutter Alexandra im letzten Augenblicke ihr noch zu⸗ gefügten ebenſo widerſinnigen als ungebührlichen Beſchimpfung ſtandhaft ertragen, von Herodes aber mit furchtbaren Gewiſſens⸗ biſſen empfunden, welche er allmälig durch allerlei ſinnliche Zerſtreuungen zu übertäuben vergebliche Anſtrengung macht. Eine in Paläſtina ausbrechende verheerende Seuche wird von dem Volke allgemein als ein über Mariamne's ungerechte Hin⸗ richtung gefälltes Gottesurtheil betrachtet. Herodes ſelbſt er⸗ krankt tödtlich auf längere Zeit. Alexandra verſucht während dieſer Zeit die in Herodes' Dienſte ſtehenden Befehlshaber zweier in Jeruſalem befindlicher feſter Schlöſſer zur Heraus⸗ J. 40, B. 10 451 gabe derſelben zu verleiten, wird aber zur Strafe dafür von Herodes nach ſeiner endlich erfolgten völligen Geneſung ſogleich ebenfalls hingerichtet. Durch Senatsbeſchluß erhält der römiſche Kaiſer zu ſeiner per⸗ ſönlichen Amtsauszeichnung den Beinamen Auguſtus. Auf eine von Salome gemachte Anzeige entdeckt Herodes, daß ſein eigener Schwager der Idumäer Coſtobarus, Salome's zweiter Ehegemahl, die ſogenannten Söhne des Babas, eine Familie, welche ſich durch ihre leidenſchaftliche Anhänglichkeit an den im Jahre 4063 geſtürzten Hohenprieſter Antigonus ausgezeichnet hatte, trotz aller von Seite des Königs veranſtal⸗ teten angelegentlichen Nachſuchungen auf ſeinen Gütern bishes verborgen gehalten habe, worauf hin ſowohl die Söhne der Babas, als auch Coſtobarus ſelber und mit ihm zugleich eine Anzahl mehrerer anderer bisher dem Könige nahe geſtandener Männer auf Salome's Anklage als Majeſtätsverbrecher hin⸗ gerichtet werden. 1 Druckfehler und Berichtigungen. Seite 40. Anmerk, zu§. 619. Zeile 1. anſtatt: Seleucus III., lies: IV. 80. Anmerk, zu§. 664. Z. 9. v. u. lies: auf keinen Fall. §. 665. Z. 1. v. u. anſtatt: nicht ein einziger Prieſter oder Ledite, lies; wohl einige Prieſter 11l, aber kein Levite. „ 106. Anmerk. zu§. 708. Z. 5. ſetze nach: ſüdlich, ein Komma. 118. Z. 2. anſtatt; aufgezählt, lies: aufzählt. 127. in der Ueberſchrift anſtatt: CXIIII. lies: CLXIII. „ 148. Anmerk. zu§. 761. Z. 14. anſtatt: gar nicht, lies: nicht gerade. 196. Z. 5. anſtatt: gemächlich.... ganz, lies: ganz gemächlich. 1 „ 202. Z. 11. v. u. lies: in früheren Zeiten. „ 229. Anmerk. zu§. 853. Z. 7. v. u. anſtatt: aus einem Abſchreibefehler, lies: aus dem Fehler eines Abſchreibers. 4 „ 242. 3. 8. v. u. anſtatt: chriſtliche ſubjective, lies: chriſtlich poſitive, und Zeile 3. v. u. anſtatt: ſubjective ſittliche, lies: negative chriſtliche. 265.§. 891. 3. 9. anſtatt 788, lies: 758. 276.§. 905. Z. 3. v. u. anſtatt: und, lies: in ihrem Herzen. 304. Z. 1. v. u. anſtatt; vor, lies: von der Gnade. „ 343.§. 967. Z. 4. v. u. anſtatt; der erſtere, lies: der letztere. 346. in der Ueberſchrift anſtatt CCIII., lies: CCVIII. 369.§. 990. Z. 4. u. 5. anſtatt; einſtweilen... vorläufig, lies: mittlerweile... vollkommen. 68. 396. Z. 9. v. ob. anſtatt; unverhohlener eher, lies; unverhohlener. 6 J 7 1³⁵ Ven 107 log. Gencalogiſche Tabellen zum ll. Lande der bibliſchen Geſchichte. Neunte Tafel. Von Joſedec bis auf die Beiten der Makkabäer. 2. Esdra 12, 10. 11. 26. cap. 13, 28. Hohenprieſter von vor Ehr. bis vor Chr. Joſedec. 536ͤ)P.P.P.P“„½„—— Joſue. 7JUUPPoooo·⸗ ⸗ ·„·((( Joakim. 453535)„² kte⸗ 433ͤ„%„ //··ô// ·˖CçCçCC*ͤ Jojada. 1. Manaſſe(ſ. S. 736. 7837.). 373.— 341 2. Johanan oder Jonathan. 3. Jeshua(ſ.§. 739.). J Jaddua. all. I 5 300„ 29mm!:!˖˖ Simſn E Jüßtne ———— ĩ 2. Eleazar(.). %„„„„. Meſſe 5TURPRAA Onias II. 217 n.··· ·ů·ß··· Simon II. ——— 195„ 175 ieless 1. Onias III. ſtirbt im Eril 171. Chr.(§. 796.). 17„ ‚272. Joſue ſtirbt im Eril in Sparta(§. 798. Anm.). —————— (142„ 163 Meenelaus. Onias, der Erbauer des ägyptiſchen Filialtempels(§. 876.). 163„ 159 Aleimus. 159„ 153 hohenprieſterliches Interim.) 1. Helcias. 2. Ananias(8. 936. Anm.). Zehnte Tafel. Stammbaum der Makkabäer oder Hasmonäer. 1 Paralip. 9, 10. cap. 24, 7. 2 Esdra 11, 10. 1 Maccab. 2, 1—5. Joseph Antid. XII., S. im Anfang. Makkabäiſche Heerfü ö 801 h 8 25 15 Jojarib oder Joarib zur Zeit David's. ————-iP;r — Idaja 2 Aſamonaeus. Simeon. Joannes. 4% J ſMaͤthethies 166„4701 1. Johannes Gaddis G. 874.). 3. Judas Maccabaus.. Eleazar(ſ.§. 853.). eeeeenee 5. Jonathas. Hohenprieſter. „ 144 1443„ 13] ⁵ò, 2 Simon. ——— 8 Tas(N 12. 914. 140,% an“ W Hyrcanus I. Hohenprieſter und König.—— 9335 106%„„ ͤ V. 926, 932. 66.n. 55 5 2. ede Jannaeus. 4. Ein Ungenannter. 5. Abſalom(§§. 931. 960.). , waen eorcantte II. Pid 5n Ariſtobulus II. geſtürzt(§. 951.). 69 5 63 2. Ariſtobulus II. von Pompejus abgeſetzt(§. 962.), ſtirbt im Exil(§. 972.). 63„ 40 Hyrcanus II. wieder entefth 570 9 10l 0 ͤ eſetzt, darauf noch einm I. Alerander, vermählt mit Alerandra, einer Tochter Hyrcanus II., ſtirbt den Parthern geſtürzt(§. 994.), ſtirbt zu⸗ e Scipio hingerichtet(§. 972.). tzt von Herodes hingerichtet G6. 1012.). . Antzonus, geſtürzt von Herodes(§. 999.). (allf Herodes Anſtiften getödtet§. 1003). 2. Mariamne, Hero⸗ des' Gemahlin von demſelben hingerichtet(§. 1021.). 40„ 367„6* 37 35 Hananeel; im Jahre 35 v. Chr... 1. Ariſtobulus III. 45⁴ Eilfte Tafel. Das Davidiſche Haus von der babyloniſchen Gefangenſchaft bis zur Zeit Herodes des Großen. J. Joachim, oder Jechonja König von Judäa(von§. 503— 587.). 1. Paralip. 3, 17— 24. Ev. Matth. 1, 12 — 16. echon ea 4. Phadaja. I. C.o f d A. Ev. Lucae 3, 23— 28. 2. Salathiel. 5 2 3 8 5— 8 0 S 5 0 15* 2 ————.2 —————ů—e.— Zorobabel(Atherſatha§. 631.. ——————— J I500 2 2. Hananja. 9. Abind. 8 2 2 K 2 2 8—2. J 8 3.35 5 „„„ E Phaltias. Eliacim. Jeſejas. Azor Raphaja. Sadoe Arnan. ͤ Achim. Obdias(pielleicht= Abiud?) Eliud Sechen jas. Cliazar. Semejas. 19 4 Mathan. ————— Jacob. Joſeph, 1. Oduja. 1. Hattus. 2. Jegaal. — 5. Saphat e„„n 2 2 Hf ni 3. Ezricas. Jeſu Nährvater. Coſan. ——..— Addi. Melchi. Neri. Salathiel. Zorobabel. Reſa. Joanna. Juda. Joſeph. Semei. Mathathias. Mahath. Nagge. Hesli. Nahum. Amos. Mathathias. Joſeph. Janne. Melchi. Levi. Mathat. Heli, (wahrſcheinlich Eine Perſon mit dem h. Joachim, dem Vater der h. Jung⸗ frau Maria.) 3 304 284 246 22¹ 20⁴4 180 169 145 89 81 8⁰ 65 58 55 51 „7 Könige von Aegypten von vor Chr. bis vor Chr. 284 246 221 204 180 169 145⁵ 117 107 89 8¹1 80 65 58 55 51 31 455 3 Wölfte Tafel. Stammbaum der Ptalemäer. Pto allein 1. Cleopatra III., vermählt: à) mit Alexander Balas(§. 881.), mit welchem ſie den Antiochus Theus erzeugt, welcher von Try⸗ phon ermordet wird(§. 901.); b) mit Demetrius II. Nicator G88. S84, 885.) c) mit Antiochus VI. (§. 906, 907); d) zum zweiten Mal mit Deme⸗ trius Nicator(F. 919.), ſtirbt, von ihrem Sohne Anttochus VII. Grypus zur Ausleerung des Giftbechers gezwungen (C924). gemeinſchaftlich mit ſeinem Bruder Alleinregent. Sidetes 1. Memphitis, von Phys⸗ 2. con mit Cleopatra II. erzeugt, und grauſam ermordet.(Anmerkung zu K. 920.. 15 3. 5 I. Lagi oder Stter. emäus II. Philadelphus 1. Ptolemäus III. Euergetes. 2. Berenice 68. 767, 768.) 2„.„„ Piskemene W. Philegabr. Ptolemäus V. Epiohanes, vermählt mit Cleopatra I. einer Tochter Antiochus des Großen. 1. Ptolemäus VI. Philometor. Ein unge⸗ 3. Eleopatra V., 2. * nannter Physcon's Sohn, wel- zuveite Gemah⸗ cher von R(§. 920. Physcon er⸗ Unmerkung), mordet wird ſtirbt, hingerich⸗ te von ihrem (§, 885.). zueiten Sohne Polemäus IX. Alexander (. 941.). 3 Cleopatra II., vermählt zuerſt mit Philo⸗ metor, darnach mit Physcon, lebt, von dieſem verſtoßen(Anmerkung zu§. 920.), zuletzt bei ihrer älteſten Tochter Cleopatra III. in Ptolemais(§. 921.). ä———————— 2. Ptelemäus VII. Physcon, oder Euergetes II. mit Antiochus VII. Gryopus 535, ſtirbt, hingerihtet von Antiochus VIII. Cyzi⸗ cenus.(Anmerkung zu §. 925.). 2. Ptolemäus VIII. Lathyrus wird von ſeiner Mutter, der Königin Wittwe Cleopatra IV. verjagt(§. 931.), und lebt 18 Jahre in Cypern als Verbannter. Seine Kinder ſnd: 1. Berenice, erzeugt mit Selene, einzige rechtmäßige Tochter. S. unten. 2. Ptolemäus Xl. Auletes, ein außerehel. Sohn. S 3. Ptolemäus, König von Copern, ebenfalls 7 erzeugt, vergiftet ſich ſelbſt.(Anm. zu§. 963 Nach Ptolemäus IX. Alerander Vertrelbung J10 We auf den ägyptiſchen Thron zurück. Berenice, vermählt mit Plolemäus X. demſelben hingerichtet(§. 946.). 1. Berenice, vermählt: à) mit Seleucus Cybioſactes, welcher auf ihren Befehl hingerichtet wird(§. 964.); b) mit Archelaus(§. 964.), von ihrem Vater Auletes geſtürzt und hingerichtet (§. 967.). regiert Ptolemäus Auletes, von Gabinius zum zwetten Mal in ſein Köni 2. Cleopatra VI., vermäͤhlt: a) mit Ptolemäus XIIl. Dionyſius(F. 974.); 3 30 8 XIII. 977.), vergiftet ſi ſelbſt(§. 1016.). 8 Alexander und von geſetzt(§. 967.). 3. Ptolemäus Ptolemäus X. A hinrichten 5 1 8 d' trieben und ſtirbt bald da Ptolemäus XI. Auletes, zweiter Sohn des Lathyrus lebt, von ſeinen Unterthanen landesvertr Dionyſus, ver⸗ mählt mit Cleo⸗ er⸗ Cleopatra VI., hinge⸗ Tryphäna, vermählt 5. Cleopatra V., verehe⸗ licht zuerſt mit Lathy⸗ rus, darnach mit An⸗ tiochus Cyzicenus, ſtirbt auf Befehl ihrer Schweſter Tryphäna ermordet.(Anmerkung zu§. 925.). patra IV. an Lathyrus ben, und nach ihrer (§. 941), ſtirbt im E J. Plolemäus XII.4. Arſinoe(§8. 976, 977.), ſtirbt auf Be⸗ trieb ihrer Schweſter, patra VI., trinkt im Nil richtet.(Anmerkung zu 6. 977.(5. 9909. J. Selene, vermählt: 8 a) mit Ptol. VIII. Lathyrus; b) mit Antiochus VI. Grypus (§. 938.);] c) mit Ankiochus IX. Euſebes (C. 940.), lebt zuletzt als Wittwe in Ptol.(§. 942.), ſtirbt, hingerichtet von Tig⸗ ranes, König von Armenien (§. 950.). IX. Alexander, von ſeiner Mutter Cleo⸗ Stelle auf den Thron erho⸗ Hinrichtung landesvertrieben ril.(Anm. zu§. 941.). lexander(Anmerk. zu§. 491), läßt Berenice wird von ſeinen Unterthanen landesver⸗ rauf zu Tyrus(§. 952 nebſt Anm.). ichen(8. 963.). drei Jahre im Exil. greich ein⸗ 5. Plolemäus XIII. ver⸗ mählt mit CleopatraVI. (§. 977), mit Arſinoe um die gleiche Zeit auf Cleopatra's Betrieb ebenfalls hingerichtet. (Anm. zu(§. 990). 312 279 261 2⁴6 2²⁵ 223 187 175 164 162 150 146 140 130 126 12³ (11⁴ 97 93 7 (87 (83 79 1 Könige über Syrien von vor Chr, bis vor Chr. 279 261 246 12⁵ 22³ 187 175 164 162 150 146 141 130 126 12⁴ 97 9 93 83 88) 850 60) „ 65 456 Dreizehnte Tafel. Stammhaum der Seleuciden. Seleucus I. Nicator. * Untiochus I. Sidetes. A 1 —ü„———— J. Antiochus II. Theus. 2. Apime(§. 765 nebſt Anm.). 3. 1. Seleucus II. Callinicus. 2. Antiochus Hierax(§§. 769, — ——— I. Seleucus III. Ceraunus, verſtftet(§. 773.). 1. Seleucus IV. Philopator. ——— 2. Antiochus IV. Epiphanes. —————— —————— „ Antiochus V. Eupator, 2. Antiochus III. der Große. 3. Cleppatra I. vermählt mit Ptolemäus V. Laodict, des Theus erſte Gemahlin(Prideaux ann. 249.) 770.4 Epiphanes (§. 780.). von ſeinem Vetter Demetrius J Soter geſtürzt und hingerichtet(§. 857.). —— Demetrius J. Soter, geſtürzt von Alexander Balas(§. 880.). ——ů—— II.... Alerander I, Balas Feſtürzt don Demetrius II. Nieator(885.). — EÜAÆꝓꝑ 1. Demetrius II. Nicator, von Tryphon aus Antiochia vertrieben(§. 889.), und ge⸗(Inzwiſchen regieren Tryphor des Alexander Balas in Antiochia 143— 139.). räth darauf in Parthiſche Gefangenſchaft (§. 904). Nach einer neunjährigen Gefangmſchaft kommt Demetrius II. Nicator zum zwetten Mal an die ſyriſche Regierung(§. 919.). Demetrius II. Nicator, ſtirbt auf der Flucht vor Alexander Zebina getödtet(§. 921.). ——ññ——ů—¶QAQñ——— 15 Seleucus V., von ſeiner Mutter Cleopatra III. eigen⸗ händig ermordet(§. 922.). 2. Antiochus VII. Grypus, ermordet(§. 938.), vermählt mit Tryphäna(§. 923.), mit welcher er erzeugt: 1. Seleucus W., von ſeinen Unſerthanen durch Brand⸗ legung getödtet(§. 938, 939.) 2. und 3. Antiochus X. und Philppus, Zwillinge, von denen Antiochus X. von Euſebes geſchlagen, auf der 6555 im Fluſſe Orontes verunglückt(§. 939.). Phi⸗ ippus, von Tigranes verttieben, verſchwindet aus der K Iii C. 945.). III. Eukaerus, etobert, von Ptolemäus VIII. bel Olchenterſtüst Damaheue(§, Sac Aleander in den jüdiſchen König und 55 Portdtennteus, wird von ſeinem Bruder Philippus 1 hien in die Flucht gejagt, und ſtirbt allda 8. Autohnn In cedes&. Balh. fällt Dioenoſius, erobert Damascus G 9⁴²⁰, peträiſchen Arabiens ſyriſchen Thron erhoben(88. 906, 907.), ſtirbt im par⸗ n und Antiochus Theus, der Sohn Antiochus VI. Sidetes, von Cleopatra III. auf den tiſchen Kriege(§. 918.). (Inzwiſchen regiert als Gegenkönig Alexander II. Zebina 126— 122 vor Chr.§0. 921— 923.). Antiochus VIII. Cyzicenus, Sohn des Antiochus VI. Sidetes von Cleopatra III.(§. 922.), kommt an die Regierxung in Damascus(F. 925.), ſtirbt als Gefan⸗ gener von Seleucus VI., von ſeinem Neffen hingerichtet (&339.). ———— ———— Anttochus IX. Euſebes, ſyriſcher Gegenköntg von 92 vor Chr.(§. 939.), wird von Philippus nach Parthien in die Flucht getrieben(§. 940.), kehrt von dort noch einmal nach Syrien zurück(§. 942.), und wird endlich von Tigranes zum zweiten Male nach Eilicien verjagt, woſelbſt er im Eril ſtirbt(§. 945.), it ſeiner Gemahlin Selene ———v— Cregiert über Syrien Tigranes, König von Armenien §§. 945— 952.). I. Antiochus XII. Aſia⸗ 3. Seleucus Cybioſactes, P.s von Pompejus vermählt mit Berenice abgeſetzt, ſtirbt bald und von derſelben hin⸗ derauf(§. 952.). gerichtet(§. 964.). — —————— 18 — * 1 8 5 25 * * 2 24 5 f * — 6.. R * 15 * 4 — — * 64 7 * * 1 4— 4 E 0 4 * 27 U τ 44 1 * 4 — 7 3* 0*