— 88 lderbuch — Heh, 55— 5 rweese XV] , wa, Vierf. Thierc. XXVI. „ ——— Nro. 1. Das wilde Pferd. Nach der Behauptung der Naturforſcher giebt es itzt keine urſpruͤnglich wilde Pfer⸗ de mehr, ſondern nur verwilderte, oder nur wieder wild gewordene, ohne Wartung der Menſchen lebende. Von dieſen giebt es große Heerden in den polniſchen Waͤldern, in dem ſchottiſchen Hochlande, in der Tartarei/ und ſonderlich eine unermeßliche Menge in Pa⸗ raguay und Patagonien. Gewoͤhnlich haben dieſe wild gefangenen Pferde ſehr große Dauer und Leichtigkeit. Nro. 2. Das zahme Pferd. Kein Thier von allen har ſich ſo ſehr an den Menſchen und deſſen Beduͤrfniſſe gewoͤhnt, und iſt ihm ſo erſtaunlich nuͤtzlich geworden. Als Hausthier, wie es dieſe Figur dar⸗ ſtellt, hat es ſich uͤber den ganzen Erdboden verbreitet, und daher auch vom Futter und Klima viele Abaͤnderungen in Groͤße, Farbe, Figur, Stärke und Geſchwindigkeit angenommen. Die beruͤhmteſten Pferde Raſſen, die wir kennen, ſind die ſpaniſchen, engliſchen, neapoli⸗ taniſchen, Barben, Perſtaner und arabiſchen. Die Araber, deren groͤßter Reichthum die Pferde ſind, tragen die hoͤchſte Sorgfalt fuͤr die Reinhaltung der Raſſen, und fuͤhren daher mit groͤß⸗ ter Sorgfalt den Stammbaum ihrer edeln Pferde fort. Sie haben eigentlich 2 Raſſen Pferde, wovon die eine Kadiſchi, das iſt: Pferde von unbekannter Abkunft heißt, die ſte nicht ſonderlich ſchaͤtzen; die andern aber Koͤchloni, das iſt: Pferde, deren Stammbaum man be⸗ reits uͤber 200⁰0 Jahre aufgeſchrieben hat. Dieſe ſollen urſpruͤnglich aus dem Geſtuͤtte des Koͤnigs Salomo abſtammen, und werden gemeiniglich um ſehr hohe Preiſe verkauft. Unter den europaͤiſchen Pferden ſind vorzuͤglich die engliſchen, wegen ihrer unglaublichen Schnel⸗ ligkeit in Wettrennen, beruͤhmt. Nro. 3. Der Oſchiggetai. Der Dfſ gel oder wilde Halbeſel, iſt eine Mittelgattung zwiſchen Pferd und Eſel, und macht gleichſam den Ubergang von einem zu dem andern. Er hat Schwanz und Ohren vom Eſel, gleicht an Geſtalt und Groͤße ziemlich dem Maulthiere, und iſt licht⸗ gelb braun von Farbe. Er lebt wild in großen Heerden in den weiten kraͤuterreichen Ebe⸗ nen der Mongolei, daher ſein Rame auch mongoliſch iſt. Er uͤbertrift an Schnelligkeit alles, was man ſich denken kann, iſt aber nicht zahm zu machen. Die Mongolen und Lunguſen ſchießen ihn als Wildprett, und halten ſein Fleiſch fuͤr eine Leckerſpeiſe. iztes Heft. A — ů ꝙ— Nro. 4. Der Dnager. Der Ona ger iſt eigentlich der urſpruͤnglich wilde oder Waldeſel, von welchem der zahme Eſel, deſſen Bild auf der folgenden Tafel ſteht, abſtammt. Er iſt groͤßer, ſchlanker gebaut als der zahme Eſel, hat lange Ohren, einen faſt nackten Schwanz, iſt gelbbraun und grau gezeichnet, und hat uͤber den Schullern ein ſchwarzes Kreuz. Er lebt heerden⸗ weiſe in der Tartarei, wo er jaͤhrlich im Herbſte ſudwaͤrts gegen Indien und Perſien zieht, und dort uͤberwintert. Sa wil dee f⏑ (Zquus caballus foerlis.) Seine mannichfaltigen und vortrefflichen Eigenſchaften haben dem Pferde mit Recht den erſten Rang unter den Hausthieren verſchafft. Eine anſehnliche Groͤße, eine ausnehmend ſchoͤne Geſtalt, Staͤrke, Schnelligkeit, Dauer, Muth und Kuͤhnheit, ingleichem Gelehrig⸗ keit, Schaͤrfe der Sinnen, Gedaͤchtniß, Folgſamkeit, Treue und Anhaͤnglichkeit an den Menſchen, erheben es ſogar uͤber alle andere Thiere. Es nuͤtzt dem Menſchen nicht blos auf vielerleh Art, ſondern es vergnuͤgt ihn auch, und außerdem beſitzt es noch die Eigen⸗ ſchaft, mit dem Menſchen beynahe in jedem Klima auszudauern. Wie alle andern Thiere, welche der Menſch jetzt ſeiner Herrſchaft unterworfen, und dem Zuſtande der Wildheit entriſſen hat, ſo lebte das Pferd auch urſpruͤnglich, und zwar vermuthlich in Heerden, in den gemaͤßigtern Gegenden Aſiens wild. Dergleichen Heerden wilder Pferde ſteht man noch jetzt haͤufig in jenen Gegenden, vornaͤmlich in der Latarei. Bewaͤhrte Naturfor⸗ ſcher behaupten indeß, daß das urſpruͤnglich wilde Pferd nirgends mehr auf dem Erdboden anzutreffen, und daß jene Heerden in der Wildheit lehender Pferde nur ver wälderte ſeyn. Palla's“) glaubt, daß die in der Jaikiſchen und Doniſchen Steppe und anderwaͤrts herum⸗ ſtreifenden wilden Pferde groͤßtentheils keine andern, als Nachköͤmmlinge verwilderker Kirgiſt⸗ ſcher und Kalmuͤckiſcher, oder ehemals hier herumziehenden Hirtenvoͤlkern gehoͤriger Hengſte ſind, welche theils einzelne Stuten, theils ganze Heerden entfuͤhrt, und mit dieſen ihre wilde Art fortgepflanzt haben. Hieraus laͤßt ſich auch die Verſchiedenheil der Farbe jener wilden Pferde erklaͤren. Das wilde Pferd ſteht in Anſehung der Schoͤnheit dem zahmen weit nach. Es iſt merklich kleiner, hat einen dickern Kopf und längere Ohren, deren Spitzen ſtark nach vor⸗ wärts zuruckgebogen ſind. Die Stirn iſt ſehr gewoͤlbt und das Maul ſtark mit Haaren be⸗ ſetzt; die Mähne dichter und buſchichter, der Schweif nicht ſo vollkommen. Die Farhe iſt ) Siehe deſſen Reiſe, Ausluß, Th. III. S. 176. 3— A 4 4 meiſtens fahlbraun, gelblich oder iſabelfarben. Doch ſind, wie geſagt, hierin nicht alle gleich. Das Haar liegt nicht ſo glatt an, wie beym zahmen Pferde, ſondern iſt kraus ge⸗ wellt, beſonders am Hintertheile. Das wilde Pferd iſt ſehr unbaͤndig, ſchnell und ſcheu vor dem Menſchen, und kann daher nicht leicht lebendig gefangen werden). Es bewohnt in der Tatarei, in Sibirien u. ſ. w. die großen wüſten Sleppen. Im Sommer geht es nordwaͤrts, theils weil es voim Un⸗ geziefer geplagt wird, theils weil die Quellen in Suͤden vertrocknen, und die Weide durch die Sonnenhitze verdorrt. Ungeheure Heerden wilder Pferde trifft man auch in Amerika, naͤmlich in Patagonien ſuͤdwaͤrts vom Platafluſſe an. Sie ſind aber ebenfalls etſt von den zahmen entſtanden, welche die Spanier nach der Entdeckung von Amerika aus Europa da⸗ hin brachten. Auch auf Ceylon giebt es viele wilde Pferde. Daß man ſie in Polen finde, iſt ungegruͤndet. Man ſieht daſelbſt wohl eine Menge Pferde in den Waͤldern auf der Wei⸗ de; allein ſie ſind dahin gejagt, und bleiben fo lange da, bis es den Eigenthuͤmern gefaͤllt, ſie nach Hauſe zu treiben. Eben ſo mag es vielleicht in den ſchottiſchen Hochlaͤndern ſeyn; denn ganz wilde, die Riemanden gehoͤren, giebt es auch hier nicht. Die wilden Pferde in der Tatarei zwiſchen dem Don nud Dnieper, in der ÜUkrai⸗ ne und anderwaͤrts werden von den Tataren, Koſaken und Kalmuͤcken im Winter gejagt und gegeſſen. Das Fleiſch achten ſie noch hoͤher, als das von zahmen. Fleiſch von jungen Pferden iſt eine große Leckerey fuͤr ſie, „ (Zquus cabhαιννiue domestious.) Die Regelmaͤßigkeit im Baue der Glieder, die ſchon das wilde Pferd von andern Thieren auszeichnet, treffen wir am zahmen Pferde noch in einem hoͤhern Grade an. Der Kopf des Pferdes hat zwar lange Kinnbacken wie der Eſel; aber dennoch hat es nicht die Miene des letztern, ſondern ein frehes Anſehen, das durch die großen muntern Augen noch erhoͤhet wird. Die Ohren ſind regelmaͤßig weder zu lang, wie beym Eſel, noch zu kurz, wie beym Ochſen. Der Leib iſt ſchoͤn gebogen, und die Fuͤße ſind ausnehmend wohl proportionirt. Die Maͤh⸗ ) Doch bewerkſtelligen es die wilden Amerikaner, welche im Laufen den Pferden an Schnelligkeit gleich kommen, auf folgende Art: ſie jagen die Pferde in dichte Buͤſche, worin ſich dieſelben bald verwickeln; ſodann werfen ſte ihnen einen Strick um die Fuͤße, ſpringen ihnen in einem Augenblick auf den Rücken, halten ſich an der Mähne feſt, und baͤndigen ſie ſolchergeſtalt nach und nach, S. Charlevoir Geſchichte von Paraguai. Th. I. B. 1. 35 ne, welche den Hals, und der langhaarige Schweif, welcher das ſchoͤn gewoͤlbte Hintertheil deckt, ſind eine beſondere Zierde dieſes Thieres. ö Die Farbe des Haares iſt ſehr verſchieden. Man theilt ſie in einfache, zuſammenge⸗ ſetzte und außerordentliche ein. Braun, ſchwarz, weiß und iſabellfarben iſt das Haar der Pferde von einfacher Farbe; grau und wolfsgrau ſind die zuſammengeſetzten; Tigerfarbe, Schäͤckenfarbe, Porzellanfarbe u. ſ. w. ſind außerordentliche Farben. Überdieß giebt es noch eine große Mannichfaltigkeit in der Schattirung. Da ſich das Pferd, wie ſchon geſagt, beynahe an alle Klimate gewoͤhnt, und mitlen auch verſchiedene Nahrungsmittel genießen Kluß; ſo iſt leicht zu erachten, daß es ſich in der Groͤße, dem Wuchſe und der Proportion der einzelnen Theile des Leibes nicht gleich gehlie⸗ ben ſeyn kann. Nach den Laͤndern, wo Futter, Erziehung und Pflege eine auffallende Ver⸗ aͤnderung in der Bildung hervorgebracht haben, theilt man die Pferde in gewiſſe Hauptraſ⸗ ſen ein. Die beruͤhmteſte unter allen iſt die arabiſche, und zwar ſchon ſeit den aͤlteſten Zei⸗ ten. Auf das Geſchlechtsregiſter der Pferde verwenden die Araber vielen Fleiß. Es werden bey der edelſten Raſſe ſogar Zeugen gewaͤhlt, welche beſtaͤtigen muͤſſen, daß ein Pferd wirk⸗ lich von dieſem und keinem andern Hengſt erzeugt worden ſey. Obwohl es mehrerley Sor⸗ ten arabiſcher Pferde giebt; ſo ſind doch alle von mittler Groͤße, mehr mager als fett; leicht, geſchmeidig, feurig, ſtolz und dauerhaft. Naͤchſt den arabiſchen werden die barbariſchen Pferde am hoͤchſten geſchaͤtzt. Sie haben einen kleinen wohlproportionirten Kopf, und einen langen, jeboch wohlgeformten Hals, eine duͤnne Maͤhne, einen ſchlanken Koͤrper und eine mittlere Groͤße. Die ſpaniſchen Pferde, welche der Guͤte nach den dritten Rang behaupten, haben einen ſtarken Hals und eine dicke Maͤhne, der Kopf iſt groß, die Ohren ſind lang, die Bruſt iſt breit, und das Kreuz rund. Von Farbe ſind ſie gemeiniglich ſchwarz, an der Stirn aber weiß. Sie haben einen ſtolzen, kuͤhnen Gang, und dienen uͤberhaupt trefflich zur Parade. Die engliſchen Pferde ſind durch arabiſche und barbariſche Hengſte ſehr verſchoͤnert wor⸗ den, kommen aber doch den ſpaniſchen nicht gleich. Sie haben einen kleinen Kopf und kleine ſteife Ohren, der Leib iſt lang geſtreckt und hoch; die Beine ſind duͤnn. Die Farbe iſt ver⸗ ſchieden. Man hat braune, gelbe, gefleckte ꝛe. Ihre Vorzuͤge ſind: große Schnelligkeit, ein feſter Tritt und weiter Schritt. Zur Parforce⸗Jagd ſind ſie die beſten. Man hat. be⸗ rechnet, daß ein gutes engliſches Pferd in einer Secunde 46, 54 bis 88 pariſer Fuß läuft. Folglich werden hierin die barbariſchen Pferde von den engliſchen uͤbertroffen; denn dieſe durchlaufen nur 37 Fuß in gleicher Zeit. )Aus den am mittellaͤndiſchen Meere liegenden Kuͤſtenlaͤndern von Afrika. RNach den eN moͤgen unſtreitig wohl die neapolitaniſchen und venetianiſchen Pferde die vorzuͤglichſten ſeyn. Sie haben einen großen Kopf, einen dicken Hals, hohen und vollkommnen Wuchs und ſtolzen Anſtand, daher dienen ſie denn auch am Uesden zu Kulſchpferden. Sie ziehen und laufen gut, ſind abet ungelehrig, unbaͤndig und boshaft. Außerdem kennt man noch verſchiedene Raſſen guter 3 z. B. die olniſchen, frieslaͤndiſchen, ungariſchen, u. ſ. w. Die Beſtimmung der Guͤte, Brauchbarkeit und Schoͤnheit der Pferde erfodert beſon⸗ dere Kenntn niß. Hierbey muß vorzuͤglich auf das Alter Ruͤckſicht kgenommen werden. Man hat ſich daher bemuͤhet, untruͤgliche Kennzeichen deſſelben aufzufinden. Das ſicherſte, das man bis jetzt weiß, geben die Zaͤhne; doch beſtimmen ſie das Alter eines Pferdes nicht uͤber das rote Jahr hinaus mit Gewißheit. Das männliche Pferd hat 40 Zaͤhne, näͤmlich 12 Vorderzaͤhne, 4 Hundszaͤhne, und 24 Backenzaͤhne. Der Stute fehl en entweder die Hundszaͤhne ganz, oder ſie ſind nur klein. Selten bringt ein Pferd Zähne mit auf die Welt; meiſtens keimen einige Tage nach der Ge⸗ burt oben und unten 2 Vorderzaͤhne, bald darauf noch viere und nach 3 bis 4 Monaten kom⸗ men alle uͤbrigen hervor. Oft ſtehen dieſe Zaͤhne bis zum zten Jahre, da ſie dann bis zum 42 Jahre in derſelben Ordnung alle wieder ausfallen, wie ſte entſtanden. Von den 4 Vor⸗ derzaͤhnen, welche zuletzt ausfallen, kommen die obern zuerſt wieder. Sie werden Eckzaͤhne genannt, und zeigen das Alter des Pferdes bis ins gte Jahr an. Dieſe haben eine Hoͤh⸗ lung mit einem darin befindlichen ſchwarzen Fleck, welche Pferdekenner die Bohne oder den Kern nennen. Bekommen die Pferde nicht blos Gras ſondern auch Koͤrner, ſo waͤchſt nach und nach dieſe Hoͤhlung zu, und der ſchwarze Fleck vergeht. Nach der Abnahme deſſelben in den Eckzaͤhnen der untern Kinnlade berechnet man das Alter des Pferdes bis ins gte Jahr. Bis zum oten Jahre ſind dieſe Zaͤhne ſpitzig. Von der Zeit an werden ſie—— immer—— pfer, und endlich im loten Jahre ganz ſtumpf. Wie lange uͤberhaupt ein 2 lebe, läßt ſich nicht beſtimmt angeben, weil bey 38 ſen Thieren viel von beſondern Umſtaͤnden abhaͤngt. Inſonderheit kommt ſehr viel darauf an, ob ein Fuͤllen ſchnell oder langſam heranwaͤchſt, und ſich ausbildet. Geſchiehet das letz⸗ tere, und erreicht z. B. ein Fuͤllen erſt im öten Jahre ſeine vollige Ausbildung, ſo kann es nicht nur 20 bis 24 Jahr gebraucht werden, ſondern es erreicht auch wohl ein Alter von 40 Jahren, da es ſonſt kaum halb ſo alt wird. Verſchiedene innere und äͤußere Umſtaͤnde wirken bey der oder ſpaͤtern Aushilslnng mit. Die Btauchbarkeit des Pferdes zu Geſchäſten! des Lebens iſt ſo groß, daß chm inn wohl kaum ein andres Thier gleich kommt. Man braucht das Pferd im Kriege und im Frieden zum Ziehen, zum Reiten und zum Tragen. Der Ochſe zieht zwar, aber zum Tta⸗ gen iſt er nicht geſchickt; der Eſel hingegen dient nur zum Tragen. Beyde Thiere bewegen ſich — 7 überdies ziemlich langſam fort, indeß ein wohlgenaͤhrtes Pferd ſeine Geſchaͤfte mit Schuel⸗ ligkeit verrichtet. Dabey iſt es muthig und unerſchrocken. Kein Thier gewoͤhnt ſich an das Getümmel der Schlacht; keins haͤlt aus im Gewehrfeuer. Das Pferd trotzt den Gefahren, geht ruͤſtig dem Feinde entgegen, und erſchrickt weder vor dem Pfeile und der Lanze, noch vor den Kugeln und dem Knalle der Schießgewehre Wenn es verwundet wird, hoͤrt man kein Angſtgeſchrey, kein Wehklagen. Von den alteſten Zeiten her haben deswegen auch alle kriegeriſche Voͤlker ſich des Pferdes im Kriege bedient. Die uͤbrigen Tugenden dieſes Thieres ſind nicht minder lobenswerth. Das Pferd gehoͤrt zu den kluͤgſten Thieren, und laͤßt ſich daher vortrefflich abrichten. Es verſteht die Worte und den Ton ſeines Herrn, laͤßt ſich dadurch lenken, und zwar lieber als durch Schlaͤge. Sein Gefuͤhl iſt fein. Gute und zweckmaͤßige Behandlung kann es bis zu einem bewunderungswuͤrdigen Grade veredeln. Die Stimme des Pferdes iſt ein Wiehern, welches nach Verſchiedenheit der Leiden⸗ denſchaften, die es ausdruͤckt, auch verſchieden modificirt wird. Bald bezeichnet es Freude, oder Verlangen, bald Muth, Zorn u. ſ. w. Stuten und Wallachen laſſen es weit ſeltener hoͤren als Hengſte.— Die Ratur verlieh dem Pferde auch Waffen und zwar ſehr ſurcht⸗ bare. Gewoͤhnlich bedient es ſich der Hinterfuͤße zur Vertheidigung. Es ſchlaͤgt mit den⸗ ſelben hinten aus, und oft mit ſolcher Gewalt, daß Menſchen und Thiere durch Einen Schlag getodtet werden. Das Gebiß des Pferdes iſt ebenfalls gefaͤhrlich. Einige dieſer Thiere ſind ſo beißig, daß man ihnen Maulkoͤrbe umlegen muß. — Zur Fortzucht wäͤhlt man Stuten von guter Art, vorzuͤglieh abet edle Hengſte. Die Paarung geſchieht vom April bis zum Juni. Es iſt fuͤr die Dauer und Staͤrke der Pferde zutraͤglich, die Begattung nicht zu fruͤh zu geſtatten. Unter vier Jahren darf weder der Hengſt noch die Stute alt ſeyn. In Spanien laͤßt man erſtere wohl 6 bis 7 Jahre alt werden. Der Hengſt iſt bis zum 20ſten faͤhig; die Stute aber nur bis ins 1àte oder 16te Jahr fruchtbar. Waͤhrend das Mutterpferd traͤchtig geht, muß es ſehr in Acht genommen und von beſchwerlicher Arbeit befreyet werden. Es geht 11 Monate, und wirft im 1aten, in der Regel nur Ein Junges, welches man Fuͤllen oder im gemeinen Fohlen nennt. So viel man weiß, iſt das Mutterpferd das einzige Saͤugethier, welches ſein Junges ſtehend zur Welt bringt. Das Fuͤllen laͤßt man 6 Wochen ſaͤugen, und giebt ihm ſodann Kleyen und feines Heu. Nach 3 Jahren richtet man die jungen Pferde zu den Geſchäͤften ab, zu wel⸗ chen man ſie brauchen will, d. i. entweder zum Reiten, oder zum Ziehen. Man lehrt ſie gallopiren, den gewoͤhnlichen Schritt halten, traben, gewoͤhnt ſte an Sattel und Zaum u. ſ. w. Weil viel darauf ankommt, daß das Pferd eine feine Empfindung habe, und beſon⸗ ders auch die Haut empfindlich bleibe; ſo waͤſcht man die jungen Fuͤllen fleißig mit reinem Waſſer. Ein gutes Pferd laͤßt ſich nicht gern an die Ohren greifen; guch muß es den 3 Schweif an den Hintertheil feſt anſchließen, wenn derſelbe beruͤhrt wird. Da es dem Pferde ein vorzuͤgliches Anſehen giebt, wenn daſſelbe den Kopf hoch traͤgt, ſo gewoͤhnt man es zei⸗ tig, das Futter aus einer hohen Krippe zu nehmen. Zu dem Ende erhoͤhet man dieſelbe mit zunehmendem Wachsthum von Zeit zu Zeit. In Europa glaubt man, die Hengſte nicht gut regieren zu koͤnnen, weil ſie zu wild und unbaͤndig ſind, und hat daher eine unnatuͤrliche Gewohnheit, naͤmlich das Verſchneiden eingefuͤhrt, welches auf verſchiedene Weiſe zu geſchehen pflegt. Ein ſolches Pferd nennt man einen Wallachen. In Arabien weiß man hiervon nichts. Eben ſo unnatuͤrlich iſt die Mode, die Pferde ihrer Zierde des Schweiſs zu berauben. Man nennt dies engliſiren, weil es ehemals in England am meiſten geſchah. Dieſe Operation iſt nicht nur aͤußerſt ſchmerzhaft fuͤr das Thier, ſondern benimmt demſelben auch das ihm von der Ratur gegebene Vertheidigungsmittel gegen Fliegen und anderes Ungeziefer. Die Nahrung der wilden Pferde iſt Gras. Die zahmen beduͤrfen aber nach Be⸗ ſchaffenheit ihrer Beſtimmung auch anderes Futter. Ein Pferd, das viele und ſtarke Arbei⸗ ten verrichten muß, braucht noch einmal ſo viel, als ein müſſiges. Man giebt ihm taͤglich etwa 5 Pfund Heu und 2 Pfund Hafer und Hechſel. Die Weideplätze, auf welchen Pferde gehalten werden, muͤſſen nicht tief liegen und feucht ſeyn, denn das Gras von den⸗ ſelben iſt ihnen nicht zutraͤglich. Hochliegende Wieſen, beſonders die reich an allerley Klee⸗ arten ſind, geben ihnen das beſte Futter. Im Herbſt und Fruͤhjahr muß man mit gruͤnem Fut⸗ ter und Heu abwechſeln, weil der ploͤtzliche Übergang von dem einen zu dem andern ſchaͤdlich iſt. Bey naſſer Witterung giebt man, um allen Nachtheil zu verhuͤten, lieber lauter trock⸗ nes Futter. Die Zeit der Fuͤtterung, wenn ſte nicht auf die Weide gehen, iſt Morgens, Mittags und Abends. Alsdann traͤnkt man ſie auch mit klarem kaltem Fluß⸗ oder Brun⸗ nenwaſſer.— Viele hieſige Pflanzen ſind den Pferden ſchaͤdlich. Dahin gehoͤrt unter an⸗ dern die Wolfsmilch, der Hahnenfuß, der Pferdeſchwanz, der Gundermann und andere. Auch alles junge Laub von Bäumen, inſonderheit aber vom Taxus, macht ſie ungeſund. Rach Linnes Beobachtungen ſollen die Pferde 262 Kräuter freſſen, und 212 unberuͤhrt laſſen. Brenneſſeln lieben ſte vorzuͤglich, und gedeihen auch ſehr darnaeh. Sonderbar iſt es, daß das Pferd nicht frißt, wenn man ihm die Zaͤhne mit Talch oder Seife beſtreicht⸗ Betruͤgeriſche Wirthe pflegen dies zuweilen zur Erſparung des Futters zu thun, Man reiht ſolchen Pferden die Zaͤhne mit Salz ab, wenn ſle wieder fteſſen ſollen⸗ Der Aufenthalt der Pferde bey uns iſt meiſtentheils in Staͤllen. Dieſe muͤſſen ge⸗ raͤumig, bequem, luͤftig und reinlich ſeyn. Reinlichkeit liebt das Pferd vorzuͤglich Daher muß es nicht nur fleißig gekaͤmmt und geſtriegelt, ſondern auch ſein Stall muß oͤfters aus⸗ gemiſtet und gelͤͤftet werden. In einigen Ländern, z. B. in Polen kommen die Pferde Winter und Sommer nicht von der Weide, und man müß ſte einfangen, wenn ſte ge⸗ braucht werden ſollen. 8 So ſtark und dauerhaft in anderer Hinſicht das Pferd auch' ſeyn mag, ſo empfind⸗ lich und zaͤrtlich iſt es in geweſſen Faͤllen. Faſt kein Thier iſt ſo vielen Unfaͤllen unterwor⸗ ſen, als das Pferd. Zur Zeit des Haͤrens, welche im Herbſte und Fruͤhjahr faͤllt, werden dieſe Thiere matt und mißmuthig, und koͤnnen leicht, wenn ſie nicht etwas geſchont und gut gepflegt werden, verunglücken. Sonſt ſind ſie einer Menge wirklicher Krankheiten unterwor⸗ fen. Eine ſehr gewoͤhnliche iſt die Druſe oder der Kropf, wie man es auch nennt. Sie entſteht theils aus Mangel an gehoͤriger Verdauung, theils aus Erkaͤltung und zuruͤckgetrete⸗ nem Schweiße. Sie gleicht dem Schnupfen. In einem unter dem Kinn zwiſchen den bey⸗ den Kieferknochen befiudlichen Knoten ſammelt ſich dann eine gewiſſe Fluͤſſigkeit. Wenn der Knoten aufbricht, dringt ſie aus beyden Raſenloͤchern hervor. Durch Befoͤrderung der Aus⸗ duͤnſtung kann man dieſem Ubel bald abhelfen. Zu dem Ende gibt man dem kranken Thiere laues Waſſer mit Honig und Gerſtenmehl vermiſcht ein, haͤlt den Stall warm, und bedeckt es mit warmen Decken. Man hat auch ein gewiſſes(Raumanniſches) Druſenpuloer, wel⸗ ches, wenn es aͤcht iſt, hilft. Weit ſchlimmer und weit anſteckender iſt eine andere Krankheit, der Rotz genannt. Er ſoll vom Saufen allzu kalten Waſſers entſtehen. Eine weißliche, gruͤnliche, gelbliche, oder roͤthliche Feuchtigkeit fließt anfangs aus einem, hernach aber aus beyden Raſenloͤchern. Wenn ſie noch nicht aus beyden fließt, iſt das Pferd munter, und frißt wie gewoͤhnlich. Hernach aber wird es kraͤnklch. Bisweilen hoͤrt der Rotz eine Zeitlang auf. So lange noch keine Geſchwuͤre in der Raſe befindlich ſind, kann dem Pferde, obgleich mit Muͤhe ge⸗ holfen werden.— Der Wurm, ebenfalls eine anſteckende Krankheit, beſteht in Knoten, von der Groͤße kiner Haſelnuß, welche vornehmlich entweder am Halſe, oder an den Beinen, doch auch an⸗ dern Theilen des Korpers hervorkommen. Wenn ſie aufbrechen, ſehen ſie wie Speck aus, und geben eine fette Feuchtigkeit yon ſich. Zuweilen finden ſich an einer Stelle des Koͤrpers viele ſolche Knoten, welche in der Folge Ein großes Geſchwuͤr werden, das gleich dem Krebfe nach und nach in mer weiter um ſich frißt. Hengſte ſind dieſem Übel am meiſten unterwor⸗ fen. Es entſteht unter andern auch dadurch, wenn ein Pferd nach ermüdender Arbeit yploͤtz⸗ lich zur Ruhe kommt; oder auch, wenn es nach einer uͤberſtandenen Krankheit gleich auf ein⸗ mal zu viel frißt. lbrigens iſt dieſe Krankheit eher zu heilen, als der Rotz, und man kennt verſchiedene Mittel, die einen guten Erfolg ſichern. Der Koller iſt von zweyerley Art: ein ſtiller und ein raſender. Bey der erſten Art iſt das Pferd ſtill, ſieht vor ſich hin, geht blind auf alles los, und ſtöͤßt an. Man kann es anrühren, wo und wie man will, ohne daß es ſich widerſetzt. Der raſende Koller macht, daß das Pferd tobt und wüthet, und niemanden ohne Gefahr an ſich kommen läßt. Bey⸗ de Arten ſind meiſtens unheilbar. Außerdem giebt es noch andere Pferdekrankheiten; z. B⸗ Durchlauf, Straͤngel, Darmgicht u. ſ. w.— zstes Heſt. — Das Pferd wird aber auch von mancherley aͤußerlichen und innerlichen Feinden ge⸗ plagt. In den Gegenden, wo es noch Woͤlfe und Baͤren giebt, fallen dieſe oͤfters ſowohl die Fuͤllen als die alten Pferde auf der Weide an. Gefaͤhrlicher und plagender ſind jedoch gewiſſe Inſekten fuͤr das Pferd. Die fliegende Pferdelaus(hippoposca equina) nährt ſich von den Saften des Thieres. Ein gleiches thut die eigentliche(ungefluͤgelte) Pferdelaus. Beyde vertreibt man durch Waſchen mit einer Lauge von Tabak. Der Afterkriecher, eine Gattung Bremſen(oestrus haemorrhoidalis), iſt ein hoͤchſt beſchwerliches Inſekt. Das Weibchen legt, wenn das Pferd miſtet, ſeine Eyer in die Falten des Maſtdarms, wo ſie durch die natuͤrliche Waͤrme bald ausgebruͤtet werden. Die Larven ſollen ſich von hier in den Magen hinauf begeben. Man findet ſte daſelbſt bey geoͤffneten Pferden im Fruͤhjahre in großer Menge mit den ſpitzigen Enden ihres der Form und Groͤße nach einem Dattelkern aͤhnlenden, Koͤrpers angehakt. Rach Andern ſollen dies die Larven der Naſenbraͤme ſeyn, welche von der Naſe aus in den Magen kommen. Bey magern Pferden freſſen dieſe Lar⸗ ven zuweilen den Magen durch, und verurſachen den Tod. Man bedient ſich, um ſte zu vertilgen, verſchiedener brennbarer Spitituſſe; imgleichen Ole, und geſaͤttigter Aufloͤſungen von Kochfalz. Sonſt verurſachen Spulwuͤrmer, Fadenwuͤrmer, Bandwuͤrmer und andere dene Thiere innerlich viel Beſchwerlichkeit. Vom Rutzen des Pferdes, ſo lange es lebt, iſt oben das Noͤthigſte erwaͤhnt worden. Es nuͤtzt dem Menſchen aber auch, wenn es todt iſt. Sein Fleiſch wird zwar in Europa von den kultivirten Nationen verabſcheuet, und hoͤchſtens nur im Nothfall, z. B. in Belage⸗ rungen, gegeſſen, dagegen findet es anderwo ſeine Liebhaber. Die Lappen⸗ z3. B. ſchlachten die Pferde, und eſſen ſie. Die Samojeden ſollen ſogar gefallne eſſen. In Schweden konnke man die Leute nicht dazu vermöͤgen. Im Jahre 1784 that der Hof, um dem Fleiſchman⸗ gel abzuhelfen, den Vorſchlag, Pferde zu eſſen, und ging den Unterthanen mit ſeinem Bey⸗ ſpiele vor; allein es war alles vergeblich. Die größten Liebhaber vom Pferdefleiſch muſt man in Aſten, vornaͤmlich in der Tatarei ſuchen. Die Kalmuͤcken eſſen Pferde, auch ſelbſt, wenn ſie gefallen ſind. Aus der Stutenmilch ziehen ſte einen ſtarken Brandtwein ab⸗ Fuͤl⸗ lenfleiſch iſt fuͤr ſie Leckerey. Sie laſſen dafuͤr Rind⸗ und Schoͤpfenfleiſch ſtehen. Hieraus laͤßt ſich vermuthen, daß das Pferdefleiſch, wenn es nur nicht von ganz alten Thieren iſt, ſo unſchmackhaft und hart nicht ſeyn muͤſſe, wie gewoͤhnlich behauptet wird.— Einige Lataren ſollen es unter den Sattel legen, und durch anhaltendes Reiten ſehr muͤrbe machen. Sonſt eſſen noch viele aſtatiſche Voͤlker, z. B. die Chineſer, Pferdefleiſch. Auf Guineg wird es von den Regern, und in Amerika von den Chileſern und Patagoniern ſehr geſucht. Außer dem Fleiſche benutzt man noch die Haut zu Leder und zu Schagrin. Die Zaͤhne brauchen die Buchbinder zum Glaätten; auch verarbeitet man einige wie Elfenbein. Das Fett, die Blaſe und die Sehnen werden ebenfalls auf mancherley Weiſe von Handwer⸗ kern und Kuͤnſtlern benutzt. Die Haare aus den Mähnen und dem Schweife ſind ein wich⸗ 11 tiget Gegenſtand des Handels. Man bedient ſich ihrer nicht nur zu berſchiedenen Gewͤͤr⸗ ken, z. B. Hals⸗ und Armbaͤndern, Knoͤpfen, Sieben u. ſ. w., bezieht Fiedelbogen und dergleichen damit; ſondern ſie werden auch geſotten, und in Betten, Polſtern, zum Aus⸗ ſtopfen der Buchdruckerballen und anderweitig gebraucht. Aus dem Huf verfertigen die Beindrechsler und Kammmacher mancherley Waaren. Caleinirt wird er zum Berlinerblau verwendet, und geraſpelt giebt er fuͤr Orangerie und alle andere Gewaͤchſe einen der vortrefflichſten Duͤnger. Wie nuͤtzlich der Pferdemiſt fuͤr die⸗ Gaͤrtner zu den Treibbeeten iſt, weiß jedermann. Bey Bereitung des Bleyweißes bedient man ſich deſſelben ebenfalls. In der Mediein braucht man Milch, Blut, Schweiß, Huf und andere Theile vom Pferde nicht mehr, wie ehemals. er ieidiiggg„ i (Zquus hemionus.) Der Dſchiggetai, oder Dſchiggetei d. i. Langohr, iſt ein Mittelgeſchoͤpf zwiſchen Pferd und Eſel; aber allerdings eine beſondere Gattung und kein Maulthier. Dieſem kommt es an Groͤße nicht ganz bey, uͤbertrifft es jedoch an Schoͤnheit. Sein Koͤrper iſt uͤberaus leicht und ſchlank gebauet; das Anſehen wild und fluͤchtig. Die Ohren ſind ſchoͤner als am Maul⸗ thiere, wohl geformt und aufgerichtet. Der Kopf ſcheint etwas ſchwerfaͤllig, der Ruͤcken iſt gerade und eckicht, der Sehweif gleicht dem Kuhſchwanze, die Hufe ſind klein und faſt ſo, wie am Eſel. Die Maͤhne iſt kurz und ſtraubicht, die Bruſt und die Vorderſchenkel ſind ſchmal und nicht ſo fleiſchicht, wie beym Pferde, auch das Hintertheil iſt mager. Das Haar ſieht lichtgelbbraun aus, an der Raſe und Innenſeite der Glieder aber fahlgelblich, Maͤhnen und Schweif ſind ſchwaͤrzlich, laͤngs dem Ruͤckgrad laͤuft ein braunſchwarzer Riemen, der im Kreuz eiwas breiter, und gegen den Schweif zu wieder ſchmal iſt. 8 Wenn der Dſchiggetai ſteht, ſo traͤgt er den Kopf hoch, im Laufe aber ſoll er die Naſe ganz in die Luft ſtrecken. Nach allen Berichten uͤbertrifft die Schnelligkeit deſſelben alle Vorſtellung, daher iſt ſie auch bey den Mongolen zum Sprichwort geworden. Keinem Pferde iſt es jemals gelungen, den Oſchiggetai einzuholen. Ein ſolches Thier lebendig zu er⸗ jagen, ſcheint daher unmoͤglich. Man kann ihm ſchlechterdings nicht anders, als im Hin⸗ terhalte verſteckt, beykommen, und auch hier haͤlt es ſchwer, unbemerkt zu bleiben. Dieſe Thiere haben naͤmlich einen ausnehmend feinen Geruch, und wittern ihren Feind, wenn er nicht unter dem Winde ſteht. Man erlegt ſie mit dem Schießgewehr. Mit Klapperjagden, 2 12 wenn ſte auch aus noch ſo zahlreichen Partheyen beſtehen, erreicht man ſelten ſeinen Zweck. Merkt die Heerde die Gefahr nur von fern, ſo pflegt der Hengſt, der ſte anfuͤhrt, gemeiniglich zwey bis dreymal gegen dasjenige, was ihm verdaͤchtig ſcheint, in einem großen Zirkel anzu⸗ ſprengen, und alsdann erſt mit der ganzen Heerde die Flucht zu nehmen. Dadurch geſchieht es denn, daß man Hengſte noch am erſten erlegt. Hat die Heerde ihren Anfuͤhrer verlo⸗ ren, ſo zerſtteut ſie ſich, und man ſchießt dann wohl noch hin und wieder eine Stute, die ſich verlaufen hat, in der Gegend.—— Koͤnnte man die Dſchiggetai's zaͤhmen und abrichten, ſo muͤßte es keine ſchnellfuͤßi⸗ gern Klepper geben, als dieſe; ſo aber iſt es ganz unmoͤglich, ſie zu baͤndigen, und ihnen ihre Wildheit zu benehmen. Man faͤngt oöͤfters Fuͤllen, und die Koſaken haben ſich auch ſchon alle nur erſinnliche Muͤhe gegeben, ſie zu baͤndigen; allein vergebens. Pallas er⸗ zaͤhlt ein Beyſpiel von den nertſchinskiſchen Koſaken, welche ein Fuͤllen mehrere Jahre lang erzogen und futterten. Es blieb wikd, und toͤdtete ſich ſelbſt durch gewaltſame Spruͤnge. Das einzige Mittel, den Dſchiggetai zum Hausthiere umzuſchaffen, waͤre vielleicht, daß man Verſuche mit ganz jungen Fuͤllen machte, die man gleich nach der Geburt in ſeine Gewalt zu bekommen ſuchte. Rahrung und Lebensart ſcheint der Oſthiggelai ſo ziemlich mit den wülden Pferden gemein zu habten. Man trifft dieſe Thiere am haͤufigſten in der Mongolei, beſonders in der weiten waf⸗ ſerarmen Gobeeſteppe. Sie ziehen in Heerden zu 20, 30 und mehrern umher. Innerhalb der ruſſiſchen Grenzen ſollen ſie nur ſelten, und zwar mehrentheils einzeln, angetroffen werden⸗ Die dortigen Voͤlkerſchaften ſtellen dieſen Thieren ſehr nach, weil das Fleiſch ihnen ein Leckerbiſſen iſt. 5 BWWW.CC.. (Equlus onager.) Der Onager, oder wilde Eſel, den man ſonſt auch wohl Waldeſel nennt, iſt der wahrk Stammoater des zahmen Eſels, welchen er jedoch— wenigſtens den in unſern kaͤltern Ge⸗ genden— an Gröoͤße uͤbertrifft. Auch iſt ſein Koͤrperbau ſchlanker und geſchickter, und fein Lauf weit ſchneller. An den Seiten ſieht das Haar braungelb aus, eben ſo am Kopfe und auf den Hinterſchenkeln. Die kurze dicke Maͤhne und der dem Kuhſchwanze aͤhnliche Schweif iſt ſchwarz. Der Unterhals, die Bruſt, der Bauch und die Fuͤße ſind grauweiß⸗ U FWnn nne Von der Maͤhne bis herunter nach dem Schwanze erſtteckt ſich ein ſchwatzer Streif, der ungefaͤhr uͤber den Schulterblaͤttern ein Kreuz bildet, und zu beyden Seiten mit einem grau⸗ weißen Streifen eingefaßt iſt. In der Lebensart gleicht der Onager dem Dſchiggetat und dem zahmen Eſel. Er lebt ebenfalls in den Steppen der Tatarei in ganzen Heerden. Die Kirgiſen nennen ihn Kulan. Er liebt, wie der zahme Eſel, ein warmes Klima, daher ziehen dieſe Thiere im Herbſte aus der Tatarei nach Indien und Perſten, um daſelbſt zu uͤberwintern. Im ſüdli⸗ chen Sibirien, ſo wie in der Tatarei findet das Fleiſch des Onagers viel Liebhaber. Es wird fuͤr eine Leckerey gehalten, daher ſtellen auch die Kirgiſen, die Kalmuͤcken und benach⸗ V barte Ruſſen dem Thiere ſehr nach. Der wilde Eſel in Aftika, welcher um Angola und anderwäͤtts vorkommt, iſt wahr⸗ ſcheinlich nicht mit dem aſiatiſchen von Einer Gattung, ſondern vielleicht, wie Hert For⸗ ſter vermuthet, der Quagga. 8 8 r t. it . ‚ο 9 Eagag ⸗ FPERRRr S — Vierf. Thiere. XXV. Der Eſel und ſeine Abarten. Nro. 1. Der zahme Eſel. Der zahme Eſel ſtammt, wie wir bey der vorigen Tafel geſehen haben, bon dem Ona⸗ ger oder wilden Eſel ab. Er iſt zwar ſchon ſehr weit in allen Welttheilen verbreitet, allein, er gedeiht doch, wie der Onager nirgends beſſer, als in warmen Laͤndern, und hat daher bis itzt noch nicht in das noͤrdliche Eutopa verpflanzt werden koͤnnen. Seine Hoͤhe iſt ungefaͤhr 45 Fuß, und ſeine Farbe gewoͤhnlich grau mit einem ſchwarzen Kreuze uͤber den Schultern. Der zahme Eſel iſt zwar langſam und traͤge, und daher ein Symbol der Faulheit, allein deſſen ungeachtet ein ſehr nuͤtzliches und ſchaͤtzbares Hausthier; denn er begnuͤgt ſich mit ſchlechtem Futter, als Diſteln und andern ſtachlichten Pflanzen, und iſt daher mit geringen Koſten zu erhalten; iſt ſchr wenigen Krankheiten unterworfen, geht ſanfter und ſicherer als das Pferd, kann ſtarke Laſten tragen, wird ungefaͤhr 30 Jahre alt, und iſt auch faſt ſo lange zur Arbeit brauchbar. Man hat ſeine Raſſe durch Begattung mit dem Pferde zu verbeſſern geſucht, und daraus ſind 2 neue Baſtard⸗Raſſen, naͤmlich das Maulthier und der Mauleſel entſtanden, welche beyde vorzuͤglich in Europa gebraucht werden. Nro. 2. Das Maulthier. ä8989—— Das Maulthier iſt ein Baſtard, deſſen Vater ein zahmer Eſel, und die Mutter ein Pferd iſt. Sie ſind an 5 Fuß hoch, braun, grau, und ſogar auch weiß von Farbe, und ſehen dem Pferde an Geſtalt ſehr aͤhnlich; allein ſie haben lange Ohren, und wiehern nicht wie das Pferd, ſondern yanen wie der Eſel. Man ſchaͤtzt ſie ſowohl zum Fahren als Reiten, als auch zum Laſttragen, ſonderlich im ſuͤdlichen Europa ſehr hoch. Die ſchoͤnſten Eſelhengſte zur Maulthierzucht findet man in Spanien. Nro. 3. Der Mauleſel. Der Mauleſel iſt ein Baſtard, deſſen Vater ein Pferd, und die Mutter eine zahme Eſelin iſt. Er iſt kleiner als das Maulthier, nur etwa 41 Fuß hoch, und naͤhert ſich an Geſtalt mehr dem Eſel als Pferde. Er iſt gewoͤhnlich ſchmutzigbraun von Farbe, und uͤbrigens ſo wie das Maulthier von großer Dauer und Staͤrke, daher er auch gewoͤhnlich zum Laſttragen gebraucht wird, 5 45 Nro. 4. Der Quagga. Der Quagga iſt der Waldeſel von Afrika, wo er, ſonderlich in den Laͤn⸗ dern der Kaffern, heerdenweiſe wild lebt. Er gleicht etwas dem Zebra, iſt jedoch we⸗ ſentlich von demſelben verſchieden; denn er iſt groͤßer und ſtaͤrker, laͤßt ſich auch zahm machen, und zum Zuge abrichten, welches beym Zebra unmoͤglich ſcheint. Er iſt grau, braun, und hat am Kopfe und Halſe ſchwatze Streifen wie der Zebra. Der Bauch und die vier Beine ſind weiß; uͤbrigens hat er alle Eigenſchaften des Efels. 4* Oet: a h m C er (Zquuus deinue.,) Wer kennt nicht— wenigſtens dem Namen nach— das mit Unrecht ſo verachtete und von Menſchen oft ſo gemißhandelte Thier, den Eſel? Daß der Eſel zu dem Geſchlechte des edlen Roſſes gehoͤre, ſteht jeder auf den erſten Blick. Nicht nur die Bildung der Zaͤhne und der ungetheilte Huf, ſondern uͤberhaupt die ganze Form des Koͤrvers giebt ihm Ahnlich⸗ keit mit demſelben. Jedoch fehlt ihm der ſchoͤne und regelmaͤßige Wuchs, die langhaarige Maͤhne und der Schweif, der bey ihm einem Kuhſchwanze gleicht. Seine Ohren ſind viel laͤnger, und uͤber dem Ruͤcken lauft, wie wir dies ſchon am Waldeſel gefunden haben, ein ſchwarzer Streif hin. Die Farbe unſers hieſtgen Eſels iſt ein nach ihm genanntes Grau doch ſieht man auch aſchfarbene, braune, ſchwaͤrzliche, gefleckte u. ſ. w. Urſpruͤnglich ſtammen dieſt Thier⸗ ohne Zweifel aus dem mittlern Aſien, von woher man ſte nach Griechenland, nach Italien, Frankreich u. ſ. w. brachte Sie vertragen nicht jedes Klima. Ein noͤrdlicheres, als das deutſche, kann ihnen unmoͤglich zutraͤglich ſehn, da ſie ſchon hier bey weitem die Vollkom⸗ menheit nicht erreichen, wie in waͤrmern Gegenden Unſere ſogenannten Muͤllereſel werden wenig geachtet. Sie haben ſchlaffe Ohren, eine demuͤthige traurige Stellung, einen langſa⸗ men plumpen Gang. Ihre ganze Geſtalt iſt unanſehnlich; ſte ſind faul und traͤge. Doch muß man alle dieſe ſo wenig empfehlenden Eigenſchaften der deutſchen Eſel nicht blos auf die Wirkung des Klimas ſetzen. Vernachlaͤſſtegung, Ausartung, elendes Futter und ſchlechte Behandlung haben unſtreitig großen Antheil daran. Die Eſel im ſuͤdlichen Europa, z. B. in Italien und Spanien, ſind von ganz anderer Beſchaffenheit. Dort ſind ſie nicht ſo traͤge und langſam, ihr Haar iſt nicht ſo ſtruppicht, und das ganze Anſehen nicht ſo traurig. Ein mailändiſcher oder ſpaniſcher Eſel kommt daher nicht ſelten mehrere 00 Kthlr. zu ſte⸗ hen, und Spanien iſt auf ſeine Eſelzucht ſo eiferſuͤchtig, daß es keinen Zuchthengſt aus dem Lande laͤßt. Roch vollkommner und dem wilden aͤhnlicher ſind die orientaliſchen, beſonders die arabiſchen Eſel. Sie ſind nicht nur ſchnell und ſtark, ſondern haben auch einen ſchö⸗ nern Wuchs. Man erkannte von Alters her den Werth dieſer Thiere im Morgenlande. dch R ⁰⁹ πι Æε 17 —Daort ſchäͤmten ſich die Vornehmſten des Landes im geringſten nicht, auf Eſeln zu reiten. Wir finden Belege hierzu ſelbſt in der Bibel. Der Eſel hat vortreffliche Sinneswerkzeuge. Sein Geruch iſt aͤußerſt fein; ſein Geſicht und ſein Gehoͤr ſind ſehr ſcharf.— In der Jugend zeigen dieſe Thiere auch in un⸗ ſern Gegenden viel Lebhaftigkeit. Sie waͤlzen, uͤberſchlagen ſich, machen mancherley poſſier⸗ liche Spruͤnge, und gallopiren auch bisweilen. Im Alter aber werden ſie muͤrriſch und ver⸗ droſſen, weil man ihnen bey harter Arbeit meiſtens elende Koſt und viele Schlaͤge giebt. Durch die tyranniſche Behandlung ihrer Treiber werden ſie unempfindlich und dumm ge⸗ macht. Sie ſind geduldig, und ertragen die unbarmherzigen Schlaͤge ihrer Fuͤhrer ohne Murren, kehren ſich aber auch nicht viel daran. An ſeinen Herrn gewoͤhnt ſich der Eſel ſehr bald und weiß ihn unter Hunderten zu etkennen. Er liebt Reinlichkeit, und geht nicht gern durch Koth und Waſſer; doch ſcheuet er beydes nicht, und geht ſogar ins Feuer, wenn ün Zärllichkeit gegen ſeine Jungen ihn dazu auffordert. te dez enden inſonderheit ein ſehr nüͤtzlichts Thi 0 Zäͤhn Der Eſel iſt fuͤr gebirgichte Gegen en inſonderheit ein ſehr nuͤtliches Thier. Er hat hnlich⸗ einen ungemein ſichern Tritt. Mit den ſchwerſten. Laſten erſteigt er ſteile Felſenwege/ ohne A ſtraucheln, und geht unbeſchlagen auf der glaͤtteſten Eisflaͤche, ohne zu gleiten. Den 10 vie⸗ Weg, den er einmal oder einigemal gegangen iſt, findet er wieder, ohne zu irren. ÜUberla⸗ n, ein dung gibt er durch Niederſenkung des Kopfs und der Ohren, imgleichen durch Aufſperrung des Mauls und Einziehen der Leſzen zu erkennen. Bindet man ihm die Augen zu, ſo weicht er nicht vom Platze. Er ſchlaͤft noch weniger als das Pferd, naͤmlich nur 4 Stun⸗ K den des Tages. Thier⸗ 2 5 talien, Zur Fortzucht. waͤhlt man einen guten und ſtarken Hengſteſel, der zwiſchen 3 und 10 5 das Jahre alt iſt. Die Brunſtzeit faͤllt im Fruͤhlinge, und aͤußert ſich durch ein fuͤrchterliches llkom⸗ Geſchrey/ welches ſo lange dauert, bis man die Paatung geſtattet. Dies pflegt man ge⸗ woͤhnlich im Mai oder Juni zu thun. Die Stute iſt 11 Monate und einige Tage traͤchtig. erden 82 5 8 mgfa⸗ Wenn ſie gebaͤhren will, ſucht ſie aͤngſtlich einen verborgenen Winkel, in welchem ſie ein, Tofle 32 Iie 7577 iere 1 f ärkli Doch ſelten zwey Fuͤllen wirft. Dieſe find poſſierliche Thiere, und gar nicht zaͤrtlich noch ſchwer Athri 75 Mofat 5— ͤ auf Suffabringen⸗ Sie ſaugen 5 Monate, und nehmen ſodann, wie die Mutter, mit geringer lechte Koſt vorlieb. Die Alten genießen das ſchlechteſte Futter Mageres, duͤrtes Gtas, oder Heu, urig. Diſteln und allerley ſtachlichte Gewaͤchſe ſind ihre gewöͤhnliche Rahrung. Miſcht man u ſte⸗ Kleien darunter, ſo giebt das ein recht gutes Fulter fuͤr ſte. Im Trinken ſind ſie delikater. dem Sie laſſen ſich auch mit Schlaͤgen nicht zwingen, truͤbes Waſſer zu nehmen; es muß ganz ders klar und hell ſeyn. Eben ſo lieben ſie auch äußerlich die Reinlichkeit. Wenn man einem ſchö⸗ alten Eſel ſein Fell lange nicht gereinigt hat, ſo pflegt er ſich auf dem Ruͤcken zu walzen, ande⸗ um dadurch gleichſam ſein Verlangen nach Reinigung zu erkennen zu geben. Dieſer Ur⸗ ſache wegen bedarf er auch eines reinen und lrocknen Stalles. 15tes Heſt. C kern gegeſſen. Heut zu Tage verſchmaͤht man es zwar bey uns, ab Der Nutzen des Eſels ergiebt ſich zum Theil ſchon aus ſeiner Geſchicklichkeit, in un⸗ wegſamen Gegenden ſtcher zu gehen. Dieſerwegen haͤlt man ihn in Gebirgen mit großem Vortheil. Er traͤgt nicht nur Menſchen, ſondern auch andere Laſten ohne Gefahr uͤber Ber⸗ ge und ſteile Wege. Man bedient ſich ſeiner aber auch haͤufig in ebenen Ge ders in Muͤhlen, zur Fortſchaffung der Mehlſaͤcke. Ein guter Eſel traͤgt uͤber drey Centner Laſt, alſo nach Verhaͤltniß ſeiner Groͤße ſehr viel. Eine ganze Heerde mit der Ladung kann von einem Knaben regiert und an Ort und Stelle gefuͤhrt werden; denn dieſe Thiere gehen ſtill ihren Weg fort, ohne ſich von demſelben zu entfernen, oder un den Pflug ſpannt man ihn ſeltner, doch zieht er gut in leichtem ſandigem Boden. Außerdem nuͤtzt der Efel noch auf andere Art. E am naͤchſten kommen. Sie iſt duͤnn, nicht fett und kaͤſtcht. Daher dient ſie in mancherley Krankheiten, beſonders in der Schwindſucht, vortrefflich; doch muß ſie gleich, wenn ſte ab⸗ gemolken iſt, getrunken werden). Da die Eſelin⸗Milch weder fettig noch kaͤſicht iſt, ſo kann man auch weder Butter noch Kaͤſe davon machen, folglich widerlegt ſich die Meinung hierdurch von ſelbſt, daß der Parmeſankaͤſe aus dieſer Milch verfertiget werde. Das Fleiſch des Eſels wurde ſchon ehemals von den Agytern und andern alten Voͤl⸗ er in Spanien und Ita⸗ lien nicht. In beyden Laͤndern haͤlt man das Fleiſch von Eſelsfüͤllen fuͤr ſehr wohlſchmeckend. In China wird Eſelsfleiſch auf allen Maͤrkten verkauft, und die Einwohner dieſes Landes ſollen es dem Kapaun und Faſan vorziehen. Die Haut des Eſels, welche ſehr ſtark iſt, wird beitet. Man macht davon inſonderheit ſehr ſchoͤnes Pe Perſten und der Tuͤrkey vortrefflichen Schagrin, gehaͤuſen und dergleichen gebraucht wird. Das giebt in feuchtem Boden eine gute Duͤngung. zu verſchiedenen Lederſorten verar⸗ rgament, und aus dem Ruͤcken in der zu Degen⸗ und Meſſerſcheiden, zu Uhr⸗ ) In den oͤkonomiſchen Heften Bd. 1, H. 2. lieſt man ein Mittel, kuͤnſtliche Eſels⸗Milch aus Ger⸗ ſtenkraupen, gerafpeltem Hirſchhorn, Mannstren(Eryngium) und zerquetſchten Gartenſchnecken zu machen. Die Miſchung wird in Waſſer zu Gallert gekocht und mit Milch getrunken. Sis ſoll eben die Dienſte thun, wie die natuͤrliche. genden, beſon⸗ baͤndig zu werden. Vor ſelin⸗ Milch ſoll der menſchlichen Haar dient zum Ausſtopfen, und der Miſt Ge eee Ult⸗ ßem Ber⸗ ſon⸗ itner ann ehen Vor chen rley ab⸗ ſo ung voͤl⸗ Fta⸗ end. des Ar⸗ in 9 Le⸗ * iſt Ek⸗ ſoll 19 S MRa u et hi e (Mluluss.) Wenn auch die aͤußere Geſtalt die nahe Verwandtſchaft des Eſels mit dem Roſſe nicht ankündigte, ſo ſaͤhe man ſie doch daraus unwiderſprechlich, daß ſich beyde Thiere mit einan⸗ der begatten und Junge erzeugen. Es giebt zwey Baſtarden, welche aus der Vermiſchung des Pferdes mit dem Eſel entſpringen. Einer derſelben entſteht durch Paarung des maͤnn⸗ lichen Eſels mit dem weiblichen Pferde, und heißt das Maulthier. Man waͤhlt, um gute Maulthiere zu erhalten, einen großen, ſtarken und geſunden Eſelshengſt, der etwa 5 Jahr alt iſt. Die Pferdeſtute muß ebenfalls ſtark, munter und jung ſeyn. Beyde Thiere duͤrfen ſich noch nicht mit ihrer eignen Gattung gepaart haben, ſonſt begehen ſie ſich nicht mit einander. Man blendet die Stute durch Verbindung der Au⸗ gen, und giebt ihr eine bequeme Stellung. Aber aller Muͤhe und Sorgfalt ungeachtet ge⸗ lingt die Begattung doch nicht immer. Die Stute traͤgt das Eſelsfuͤllen etwas länger, als das vom Pferde. Wenn es zur Welt kommt, iſt es gleich munter und friſch auf den Beinen. Es ſaugt 6 bis 7 Monat, und entwoͤhnt ſich alsdann von ſelbſt. Sein Wachsthum iſt ſchneller, als das Wachsthum des Pferdefuͤllen; doch erreicht es die Groͤße des Pferdes nicht; wohl aber ein höͤheres Alter. Es fallen unter den Maulthieren mäͤnnliche und weibliche. Erſtere pflegt man zu verſchnei⸗ den, weil ſie zu unbaͤndig ſind. SHii M a u e fel⸗ (Ainnus.) Der andere Baſtard entſpringt aus der Vermiſchung eines maͤnnlichen Pferdes mit einer Eſclin; er heißt der Mauleſel. Auch hier muß das weibliche Thier getaͤuſcht werden, wenn es das maͤnnliche zulaſſen ſoll. Der Mauleſel iſt gemeiniglich größer und ſchöͤner, her auch hoͤher geſchäͤßzt. In Spanien und Italien fallen ſo treffliche Stuͤcke, mit eilichen hundert Thalern bezahlt. Beyde Baſtarde ſind darin dem Eſel gleich, daß ſie 36 Zäͤhne haben, welche aber den Pferdezähnen gleichen, und eben ſo, wie dieſe, das Alter. anzeigen. Sie find wenigen 2 als das Maulthier, und wird da⸗ daß man eins 820 Krankheiten unterworfen, und können 20 bis 30 Jahre gebraucht werden.— Der Ge⸗ ungerwo 30 Jn 0 ſchlechtstrieb iſt bey ihnen heftig; auch ſollen ſie ſich mit Pferden und Eſeln fortpflanzen koͤn⸗ kof nen. Daß aber ein Maulthier oder ein Mauleſel mit ſeines Gleichen Junge erzeugt haͤtte, ein davon hat man keine oder nur hoͤchſt ſeltene Beyſpiele. Fk 8 In der Wahl der Rahrungsmittel ſind beyde nicht ekel. Das beſte Futter fuͤr ſte iſt eine Miſchung von Pferde⸗ und Eſelskoſt. Sie ſaufen nur klares Waſſer, und verlan⸗ gen Reinigkeit und warme Staͤlle. 3—— zu Unter den Mauleſeln fallen bisweilen ſehr unfoͤrmliche Geſchöpfe. Von dieſen glaubt man, daß ſie Veranlaſſung zur Fabel von den Jumarn gegeben haben, die man fuͤr Baſtarden von Pferden und Stieren ausgiebt. 1 6 8 80 ih 9¹ er ng (Eguus quiaggd.) Ehemals hielt man den Quagga fuͤr das Weibchen vom Zebra. Neuere Nakurforſcher fau⸗ u den aber, daß er eine eigne Gattung ausmacht. Er iſt gröͤßer und ſtaͤrker als das Zebra. Zwiſchen dieſem und dem Onager ſcheint er gleichſam mitten inne zu ſtehen. Er hat kuͤr⸗ zere Ohren als das Zebra, und nicht ſo viele Streifen auf dem Fille. Am Kopf, am Hal⸗ ſe, an dem obern Theile des Leibes und an den Schenkeln iſt das Haar hellbraun, die Strei⸗ fen ſind ſaͤmmtlich ſchwarz; der Bauch, die Beine und das Ende des Schweifes weiß; die Maͤhne ſchwarz, die Ohren hellroth und die Stirn weißlicht. Die Streifen fehlen dem Quagga nicht nur an den Vorderſchenkeln, ſondern auch am ganzen Hintertheile des Leibes. Die Stute hat dieſelbe Zeichnung, nur iſt ihre Farbe weniger lebhaft. Hierin gleicht alſo dieſes Thier dem Zebra. Vielleicht findet man auch verſchieden gezrichnete Quaggas. Seinen Namen ſoll das Thier von dem Geſchrey erhalten hahen, welches wie Qua! Qua! klingt. Man findet es in Heerden im Innern von Aftika, vorzüglich im Lande der Kaffern und der Hottentotten. Sonſt war es am Vorgebirge der guten Hoffnung haͤufig; — jett aber hat es ſich der Nachſtellungen wegen von da zuruͤckgezogen. Der Quagga iſt nicht ſo wild wie das Zebra, und laͤßt ſich eher zͤhmen. Am Cap fangen ihn die Koloniſten ein, bandigen ihn, und ſpannen ihn vor den Wagen. Sparr⸗ mann ſah einen Quagga, welcher nebſt mehrern Pferden zum Ziehen gebraucht wurde. Er glaubt, daß das Thier auch zum Reiten abgerichtet werden köͤnne. Zu Swellendam fand man einen Quagga, der als Fuͤllen gefangen und aufgezogen war; dieſer ſchien nicht im Ge⸗ koͤn⸗ haͤtte, ir ſte rlan⸗ ieſen fuͤr fau⸗ ebra. kuͤr⸗ Hal⸗ trei⸗ die dem ibes. alſo Aua! det ufig; Cap ATr⸗ ürde. dam t im —— 21 lo, er kam vielmeht von ſelbſt zu den Menſchen, und ließ ſich von ihnen lieb⸗ koſen. Der Oberſte Gordon, der im Lande der Hottentotten reiſte, ſtieß einmal auf eine Menge dieſer Thiere. Er ritt mit ſeinem Pferde unter ſie, ſie zerſtreueten ſich, und ein Fuͤllen blieb zuruͤck, welches, als es ſich von ſeiner Geſellſchaft berlaſſen fand, dem Pferde Gordons nachlief. geringſten wi Die duͤrre⸗trockne Weide im mittägigen Afrika ſcheint recht fuͤr den Quagga geeignet zu ſeyn Pferde und Rinder befinden ſich auf derſelben lange nicht ſo wohl, als auf euro⸗ päͤiſchen fetten Wieſen. Daher ſind auch beyde Thiergattungen am Cap ſchwaͤcher; der Quagga hingegen, ſo wie das Zebra, iſt fleiſchicht und felt. Unruͤhmliche Eigenſchaften an dem Quagga, als Hausthier betrachtet, ſind: Tuͤcke und die Neigung zum Beißen und Ausſchlagen. Aber es hat dieſe Vertheidigungsmittel ge⸗ gen Raubthiere noͤthig. Ein Hund darf dem Quagga nicht zu nahe kommen. Er ſchlaͤgt ihn mit dem Hinterhufe, faßt ihn auch wohl mit den Zaͤhnen und beißt ihn heftig. Sogar gegen die Hyaͤne weiß er ſich zu vertheidigen, ſo daß dieſe es nicht wagl, einen Quagga an⸗ zugreifen. Das Fleiſch von dieſem Thiere finden die Hottentotten vortrefflich, und eſſen es be⸗ gierig; die Koloniſten aber moͤgen nichts davon, weil es ihnen unſchmackhaft und wenig naͤhrend ſcheint. Fiſche. XI. v — — 2 Wallfi ſſch 6 Die Wallfiſch⸗Arten, deren es berſchiedene giebt, haben die beſondere Eigenſchaſl— daß ſie ihre Jungen lebendig gebaͤhren, und ſie wie andere bierfuͤßige Thiere auch faͤugeß Sie werden daher eigentlich nicht zu den Fiſchen, ſondern zu den Saͤugthieren gerechnt wenn man ſie nach dieſer Eigenſchaft klaffiftzirt. fif (Physeter Macrocephalus.) Nro. 1. Das Maͤnnchen. Nro., 2. Das Weibchen. Der Pottfiſch oder Caſchelott iſt nach dem eigentlichen Wallſtſche der groͤßt⸗ im Weltmeere. Er hat einen ungeheuern weiten Rachen, und kann oft 8 Fuß lange Hay. fiſche, von welchen er ſich vorzuͤglich naͤhrt, verſchlingen. Er hat nur in der untern Kinn lade Zaͤhne, in der obern aber Löcher, in welche die untern Zaͤhne einpaſſen. Auf dem Kopfe hat er ein Spritzloch. Das Maͤnnchen Nro. 1 iſt gewoͤhnlich 78 bis 80 Fuß lang, das Weibchen Nro. 2. kuͤrzer, meiſt nur 60 Fuß lang und dicker. Es hat am Bauche 2 Zitzen, mit welchen es ſeine Jungen ſaͤugt. Es giebt einige Abarten des Caſche⸗ lotts, davon wir ſchon eine auf Tafcl und Nro. 7. im erſten Bande unſers Bilderbuches ge⸗ ſehen haben, welche aber mehr dem Finnfiſche gleicht Gegenwaͤrtige Figuſen aber ſind die wahre Abbildung des maͤnnlich⸗ und weiblichen Pottfiſches. Man faͤngt ihn wie den Wall⸗ ſiſch mit Harpunen, und die Wallfiſchjaͤger ſtechen ihn, wenn er auf die Oben flaͤche des Meeres heraufkömmt, um auszuruhen. Man faͤngt den Pottfiſch theils ſeines Thrans, vor⸗ zuͤglich aber des Wallraths(sperma ceti) wegen, welches in Geſtalt eines milchweßen Ols in ſo großer Menge in gewiſſen Hoͤhlungen ſeines Kopfes liegt, daß oft ein einzigen Fiſch bis 50 Tonnen davon liefert. Dies Ol gerinnt an der Luft zu einem ſchoͤnen weißen Talg. In den Daͤrmen dieſes Fiſches ſinden ſich auch große Klumpen grauer Ambra, 10 wlches wahrſcheinlich ein wohleiechendes Erdharz vom Grunde des Meeres iſt, das der 1 Siſch gefreſſen, und welches ſich mit ſeinem Unrathe verhaͤrtet hat. I Nro. 3. Der Nordea ꝓer. (Balaena musculus) Der Rordeaper lebt im ſchottiſchen Meere, iſt 78 Fuß lang, und hat einen ſo ungeheuern weiten Rachen, daß 14 Menſchen darin aufrecht ſtehen, und ein Boot mit der Fluih gerade hineinfahren koͤnnte. Seine Zunge iſt 15 Fuß und 8 Zoll lang, und am fſchaff faͤugeß rechnel groͤßt Haye. Kinnf if denn 0 Fuß )at am Laſche⸗ gł⸗ nd die Wall⸗ e des bor⸗ veißen nziger%, beißen 6 N mbra, 5 der Re 1 eeee,. eeeee, ll. 160„K . NN. ie IMN 33 M—— am dickſten Theil eben auch 15 Fuß breit. Er hat keine Zaͤhne im Rachen, ſondern Baar⸗ ten, wie der Wallfiſch. Er ſteht auf dem Ruͤcken ſchwarz, und am Bauche weißlich aus, wo er auch viele bewegliche Falten hat. Er lebt vorzuͤglich von Heringen, giebt aber wenig Thran, daher ihn auch die Wallfiſchjaͤger nicht ſehr achten. Nro. 4. Das Kleinauge. (Fhyseter microps.) Das Klein auge iſt eine Art von Caſchelott, der zwiſchen 60 und 70 Fuß lang iſt, bey Groͤnland lebt, eine ſchwarze, glatte Haut, und dicken Speck hat, aber wenig Thran giebt. Er lebt von Seehunden, Schnabel⸗ und Braunfiſchen, die er truppenweiſe angreift, verfolgt, und oft auf das Eis jagt. Er wird eben ſo wie der Wallfiſch harpunirt und ge⸗ fangen. Der 0 Sngseten macrocepfialus.) Man weiß jetzt, daß es vom Pottfiſche oder Eaſchelott drey Abarten giebt, die oft mit ein⸗ ander verwechſelt worden ſind. Dieſe See⸗Saͤugethiere haben alle in der untern Kinnlade ſehr ſpitzige Zaͤhne. Die Luftroͤhre hat nicht bey allen gleiche Lage. Bey einigen liegt ſte nahe am Racken auf dem Scheitel, bey andern aber vorn an der Schnautze. Der große Kopf hat eigentlich den Namen veranlaßt. Er uͤberſteigt an Groͤße das gewoͤhnliche Ver⸗ haͤltniß der Theile an thieriſchen Koͤrpern ſo ſehr, daß er faſt die Haͤlfte des ganzen Leibes ein⸗ nimmt. Dazu iſt dieſer ungeheure Kopf nach den gewoͤhnlichen Begriffen ſehr ungeſtaltet, und vorn beſonders ungewoͤhnlich breit. Rachen und Schlund ſind fo groß, daß, wie Cranz in ſei⸗ ner Beſchreibung von Groͤnland ſagt,„wohl ein Ochſe durchginge;“ das Maul hingegen iſt klein. Rach Eranz gab ein angeſchoſſener Pottfiſch in der Angſt einen verſchluckten Hayfiſch ganz wieder von ſtch, der 6 Ellen lang war. Als man ihn hernach aufſchnitt, fand man noch uͤberdies viele Knochen und Graͤten in ſeinem Magen, wovon einige eine Klafter lang waren. Das Maul der Pottſiſche iſt ganz gerade abgeſtumpft, und ſo breit, als der Kopf in der Mitte. Die Zunge iſt klein und zugeſpitzt. Die Zaͤhne im Unterkiefer 30 bis 50 an der Zahl, find einen halben Fuß lang und Armsdick. Der Oberkiefer ent⸗ haͤlt keine eigentlichen Zaͤhne, ſondern knoͤcherne Gruben oder Vertiefungen, in welche die Zaͤhne des Unterkiefers einpoſfen. Doch findet man auch bey einigen ganz hinten im Ober⸗ kiefer ſtumpfe Backenzaͤhne. 4 Oben iſt der Kopf gerundet, wie ein Backofen. Das Blaſeloch oder die Luftroͤhte, welche aus zweyen zuſammengeſetzt zu ſeyn ſcheint, liegt vor den Augen vorn auf der Naſe. Der Ruͤcken erhebt ſich in der Mitte bogenfoͤrmig, und bildet eine Art von Buckel. An je⸗ der Seite hinter den Augen liegt eine Finne, neben welcher die Haut ſo duͤnn iſt, daß das Thier leicht verwundet werden kann. Sonſt iſt die Haut faſt uͤberall ſo fett und zaͤhe, daß ſie undurchdringlich ſcheint. Die Farbe der Haut iſt verſchieden; bey einigen ſchwarz, bey andern ſchwarzgruͤn, bald heller bald dunkler. Eben ſo iſt auch die Groͤße ſehr verſchieden. Einige meſſen 40 4 it ein⸗ inlade egt ſte große Ver⸗ s ein⸗ , und in ſei⸗ gegen ückten hnitt, eine breit, kiefer ent⸗ e die ber⸗ oͤhre, Naſe, n je⸗ das daß E run, 140 25 bis 50, andere wohl 60 Fuß. Nach Cranz ſoll es ſogar Caſchelotte von 100 Fuß Laͤnge geben. Die Hauptbenutzung dieſes Thieres iſt zwar der Wallrath, wovon einige 20 und mehrere Tonnen haben ſollen; indeß iſt auch der Speck gut zu gebrauchen. Er giebt einen vortrefflichen Thran, und iſt oft uͤber eine halbe Elle dick. Von einem großen Caſchelott erhaͤt man an 100 Tonnen Thran. Der Ambra liegt im Unterleibe in beſondern Beuteln, welche mit den Geſchlechtsglie⸗ dern und den Rieren zuſammenhaͤngen. Er beſteht aus harten Kuͤgelchen, die in einer oͤlich⸗ ten Feuchtigkeit von gelblicher Farbe ſchwimmen. Man findet 1 bis 4 ſolcher Kuͤgelchen in einem Beutel. 3 Es iſt hier der Ort etwas mehr vom Ambra zu ſagen. Man belegt mit dieſer Be⸗ nennung verſchiedene wohlriechende Subſtanzen, von Harz⸗ oder gummiaͤhnlicher Beſchaf⸗ ſenheit. Einige meinen, der Bernſtein habe urſpruͤnglich dieſen Namen gefuͤhrt; allein dafuͤr laͤßt ſich kein Grund anfuͤhren, obgleich die Franzoſen und Italiener noch jetzt den Bernſtein gelben Ambra nennen. Man hat weißen, braunen, geſorengten, ſchwarzen, rothen Ambra und mehrere Ar⸗ ten. Der graue Ambra, oder Fiſchambrä iſt es aber eigentlich, den man bisweilen im Ca⸗ ſchelott findet. Von ſeinem Üiförung weiß man, wie ſchon an einem andern Orte bemerkt worden iſt, noch immer nichts Gewiſſts. Von Einigen wurde er fuͤr Auswurf gewiſſer Voͤgel, von Andern für Auswurf von Wallfiſchen gehalten. Wieder Andere meinten, es ſey gar keine animaliſche Subſtanz, ſondern ein Baumharz, oder eine Art Kampfer. Viele glaubten ſogar, daß es ein Gemiſch von Schaum, Wachs und Honig ſey, welches durch die Bewegung des Meeres und durch die Sonnenwaͤrme zur Vollkommenheit gebracht wuͤrde. ̃ Schon die Alten kannten die Subſtanz, und waren ungewiß uͤber ihren Urſprung. Plin ius hielt ſie fuͤt ein Fichtenharz. Theophraſt war der erſte, welcher ſie fuͤr einen mineraliſchen Körper erklaͤtte. Dies that auch in den neuern Zeiten RNeumann. Er un⸗ terfuchte den Ambra chemiſch, und fand, daß er aus einer Miſchung von Waſſer, einem ſauern Geiſt, einer Art von Steinoͤl, einem feinen erdigen Staub und etwas wenigem fluͤch⸗ tig ſaurem Salze beſteht.— Abeleven, ein holläͤndiſcher Statthalter auf Lernate meint, der Ambra ſey urſpruͤnglich ein fluͤſſiges Erdöl, welches aus dem Meeresgrunde her⸗ vorquille, ſich bis zur Oberflaͤche erhebe, und daſelbſt durch die Wellen in beſtaͤndiger Be⸗ wegung erhalten werde, bis es endlich durch das Meerſalz und die Sonnenhitze eine ge⸗ wiſſe Feſtigkeit erhalte, und nach und nach die Geſtalt annehme, in der man es findet. Dieſer Urſprung des Ambra, ſagt Abele ven, erhaͤlt dadurch Wahrſcheinligkeit, daß ihm oft ſo viele fremde Koͤrper beygemiſcht ſind. Man findet zum Beyſpiel darin kleine 15tes Heft. D 26 Steinchen, Muſcheln, Schnecken, Inſekten e. Rumpf bezeugt auch, daß er von einen al Fiſcher ganz weichen Ambra bekommen habe. E tet Es wäre leicht, noch andere Meinungen uͤber den Urſprung des Ambra anzufuͤh⸗ ren; aber das Reſultat von allen iſt blos Vermuthung, und nichts weniger als Ge. wißheit. da Man darf uͤbrigens nicht glauben, daß aller Ambra im Caſchelott oder uͤberhaußt in Wallfiſchen gefunden werde. Eine betraͤchtliche Menge wird aus dem Meere gefiſcht. Man findet hauptſaͤchlich in Oſtindien, an den molukkiſchen und maldiviſchen Inſeln ꝛc, in Amerika, z. B. am Geſtade von Florida; ferner an den afrikaniſchen Kuͤſten, am Vor⸗ gebirge der guten Hoffnung, bey Madagaſcar ꝛc. vielen Ambra. Selbſt an den Kuͤſten von Frankreich, England und Rorwegen ſoll bisweilen, beſonders nach heftigen Stuͤrmen, Ambra gefunden werden. 8 Der graue wird fuͤr den beſten gehalten, und iſt auch der theuerſte. Er ſieht A lichtgrau aus, und hat feine weißliche Streifen; auch hie und da kleine gelbe Punkte. Sein Geruch iſt lieblich. Dem Gefuͤhl ſcheint er hart; ſein ſpeciftſches Gewicht iſt ſehr gering. Guter unverfaͤlſchter Ambra zeigt ſich auf dem Bruche uneben. Wenn man eine Radel oder ein Meſſer heiß macht, und hineinſteckt, ſo muß der beruͤhrte Punkt wie W Talg zerfließen und ein Ol geben, das ſehr angenehm riecht. In einem ſilbernen Loͤffel di uͤber Wachslicht geſchmolzen, muß der Ambra leicht zerfließen, aber keine Blaſen werfen. 5 Die Farbe der Fluͤſſigkeit muß braun ſeyn. An bloßem Feuer gehalten, brennt er hell, bis alles ohne Ruͤckſtand verzehrt iſt. Verfaͤlſchter Ambra hinterlaͤßt eine kohlenarkige Ar Subſtanz. Der graue Ambra iſt ein koſtbarer Handelsartikel. Die Holländer bringen den ohr meiſten nach Europa, und verkaufen ihn in Unzen. Seiner erwaͤrmenden Eigenſchaften En wegen dient er auch in den Apotheken zu mancherley Arzneyen; doch war ſein Verbrauch Gr ſonſt haufiger, als jetzt. Runmehr wendet man den meiſten zur Verfertigung wohlriechen⸗ der Eſſenzen und Pomaden an. Auch der Wallrath iſt eine anſehnliche Handelswaare. Seine Zubereitung geſchieht ſo: wenn man ihn aus dem Caſchelott genommen hat, wird er in einen Trog geworfen, mit Salz und Waſſer vermiſcht, und fleißig umgeruͤhrt. Hierdurch wird das unreine We⸗ ſen, Blut und dergleichen, nach oben hin getrieben, und kann abgeſchaͤumt werden. Je oͤfter man dieſe Arbeit wiederholt— wobey immer reines Waſſer zugegoſſen und Salz in f beygemiſcht werden muß— deſto reiner wird der Wallrath von fremdartigen Subſtanzen. Me Gereinigt ſieht er weiß aus. Hierauf wird ſo lange reines Waſſer zugegoſſen, bis alles une Salz heraus iſt. Run ſeigert man ihn vier bis fuͤnfmal durch Loͤſchpapier, und preßt ihn endlich; wodurch eine blaͤtterige Subſtanz wird.— Guter Wallrath muß rein weiß einen jufuͤh⸗ haupt fiſcht. n ꝛc., Vor⸗ ruͤſten rmen, ſieht unkte. ſehr eine t wie Loͤffel erfen. hell, aktige den aften rauch chen⸗ rfen, We⸗ Je Salz nzen. alles preßt weiß ö ausſehen, und keinen Thrangeruch von fich geben. Man braucht ihn in der Medizin in mancherley Bruſtkrankheiten, beym Huſten, bey Leibſchmerzen ꝛc. In England werden Lich⸗ ter davon gegoſſen. Sie brennen vortrefflich, find aber theuer. Die Groͤnländer ziehen noch einen Vortheil vom Caſchelott; ſie eſſen ſein Fleiſch, das freylich unſerm Gaumen nicht wohlſchmecken wuͤrde. Secoese Der e (Balaend muscullss.) Der Name Nordeaper kommt von Rordeap her, dem aͤußerſten Vorgebirge im Rorden von Norwegen. Hier ſoll es dergleichen Seethiere, die man Nordeaper nennt, in vorzuͤglich großer Anzahl geben. Daß man dieſe Benennung mehreren ſaͤugenden Seethieren gibt, wird wei⸗ ter unten beym eigentlichen Rordcaper, einer Delphinengattung, noch bemerkt werden. Das hier abgebildete Thier gehoͤrt zu dem Geſchlecht des eigentlichen groͤnlaͤndiſchen Wallfiſches. Mit demſelben hat es alſo auch die weſentlichen Kennzeichen gemein, naͤmlich die hornartigen Blaͤtter, welche in dem Oberkiefer liegen, und ſtatt der Zaͤhne dienen; in⸗ gleichen zwey Luftroͤhren im Nacken. Durch ſeine Fettfloſſe und durch verſchiedene Runzeln am Bauche iſt es von den verwandten Gattungen verſchieden.— An einem Thiere dieſer Art, welches man genau unterſuchte, fand ſich, daß der Kopf noch einige Zoll uͤber 3 Fuß in der Laͤnge betrug. Der offne Rachen glich einem gleichſeitigen Dreyeck. Vierzehn Men⸗ ſchen konnten in demſelben nebeneinander ſtehen, und ein kleines Fahrzeug fuhr mit der Fluth ohne Anſtoß hinein. Die Zunge war 15 Fuß und beynahe 8 Zoll lang und am dickſten Ende 15 Fuß breit Das Zeugeglied des Maͤnnchens hielt 5 Fuß in der Laͤnge und am Grunde 4 Fuß im Umfange. Die Haut war einen halben Zoll dick. In Anſehung der Lebensart kommt uͤbrigens dieſer Wallſiſch mit dem gemeinen großen hicht Wallſiſch ſehr uͤberein. Er iſt aber nicht ſo groß, und hat auch lange den Werth nicht. Seine Nahrung ſind Haͤringe und andere Fiſche, die er Tonnenweiſe verſchluckt. Man erhält nichts Brauchbares von ihm als Thran, und auch dieſen hat er nicht in ſo großer Menge bey ſich, wie andere ſeiner Groͤße.— Wenn die Fiſcher ihn auf dem Meere ankommen ſehen, ſo verſprechen ſie ſich einen guten Haͤringsfang; denn er folgt den unermeßlichen Schaaren dieſer Fiſche, um ſich von ihnen zu ſäͤttigen. 23 le it un ν ⏑—rfgg (Pfyecten micropo.,) Aus dem Geſchlechte des Caſchelotts; daher er auch der kleine Caſchelott heißt. Ma kennt von dieſen Thieren einige Verſchiedenheiten. Die eine Art hat ſtchelfoͤrmig gebogen Zähne, die andere grade ſpitzige. Das Luftloch, aus welchem der Waſſerſtrahl ſtroͤmt, bi ſindet ſich vorn uͤber der Naſe; der Kopf iſt ungeheuer dick und groß. Auf dem Ruͤcken er hebt ſich eine lange zugeſpitzte Finne. Die Laͤnge dieſes Thiercs ſoll bisweilen an 48 Fiß betragen. Es lebt im noͤrdlichen Ocean, und naͤhrt ſich von Haͤringen und andern Fiſchen Dieſer Wallfiſch iſt ſo eifrig in Verfolgung derſelben, daß er oft auf Untiefen geraͤth, un ſtrandet. Weit nach Suͤden herab pflegt er nicht zu kommen. Selten ſieht man ihn die ſeits Island. 5 Die Fiſcher, welche auf den Wallfiſchfang ausgehen, bekuͤmmern ſich nicht ſehr un ihn, und fangen ihn nur alsdann, wenn es an andern gebricht. Er hat wenig und nog dazu ſchlechten Speck; ſein Fleiſch ſoll jedoch beſſer ſchmecken, als das vom eigentlichen Ca ſchelott.— ebogen mt, be ken et 8 Fuß jiſche h, un on die hr un 1d noc en Ea öiſche. XII. 70 —— Nerkwürdige Fluß Fiſche⸗ = Nro. 1. Der Hauſen. Der Hauſen iſt beinahe der groͤßte unter den Fluß⸗Fiſchen; denn man ſindet ihn 8 bis 24 Fuß in der Laͤnge. Er wohnt vorzuͤglich in Rußland in der Wolga, in Ungarn in der Donau, und geht gewoͤhnlich des Winters wie der Lachs ins Meer. Er gehoͤrt unter die Raubfiſche, und iſt ſehr geftaͤßig. Sein Ruͤcken, wo er auch drey knoͤcherne Schilde hat, iſt ſchwarz, der Bauch weiß, und die Seiten blaͤulicht und wellenfoͤrmig gezeichnet, äbrigens iſt ſeine Haut glatt und ohne Schuppen. Fuͤr Rußland, wo er Beluga heißt, iſt er ein wichtiger Handlungsartikel. Man faͤngt ihn im Fruͤhjahr und Herhſte entweder in großen ſtarken Netzen, oder mit Harpumnen. Sein Fleiſch iſt ſo wohlſchmeckend, als wie vom Lachſen, und man verkauft es entweder friſch, oder verfuͤhrt es eingeſalzen oder mari⸗ nirt ins Ausland. Aus ſeinem Rogen wird, wie vom Stoͤr Caviar bereitet, und aus ſei⸗ ner Luftblaſe und Eingeweiden die bekannte Hauſenblaſe gemacht, welche man als den beſten Leim häufig zu allerley Leim⸗ und Lakfarben, Abklaͤren der Farbebruͤhen, der Weine und anderer Dinge, desgleichen zu Mundleim, Kitten, zu kleinen heiligen Bildern, ſo wie auch, um verſchiedenen ſeidenen und wollenen Zeugen den Glanz oder die Appretur zu geben, ge⸗ braucht. Nro. 2. Der Stoͤr. Der Stoͤr bewohnt ſo wie der Hauſen im Winter das Meer, und im Sommer die großen Fluͤße, in Deutſchland beſonders die Elbe und Oder, und wird auch eben ſo ge⸗ fangen. Er iſt eben ſo groß wie der Hauſen, und hat ſowohl am Wohlgeſchmack ſeines Fleiſches, als auch ſonſt vieles mit dieſem Fiſche gemein. Bey den alten Gliechen und Roͤmern wurde der Stoͤr fuͤr eine ſo hohe Delikateſſe gehalten, daß ein Gericht Stoͤr immer die Brat⸗ ſchuͤſſel bey ihrem Gaſtmahle war. Sein Rogen wird in Rußland eingeſalzen, und davon ſo wie vom Hauſen der beruͤhmte Caviar gemacht, der als eine Leckerſpeiſe durch ganz Euro⸗ va verſendet wird. Der Scoͤr iſt gleichfalls ein Raubfiſch, und naͤhrt ſich vorzuͤglich von Haͤringen, Mackrellen und Lachſen, obgleich ſein Maul zahnlos iſt. Er hat 5 Reihen knoͤ⸗ cherne, ſtachlichte Schilde auf ſeiner Haut, die ihm ein zeckiges Anſehen geben. Seine Farbe iſt am Ruͤcken und Bauche braun, und an den Seiten blaugrau. Nro. 3. Der Sterlet. Der Sterlet iſt der kleinſte von allen Stoͤren, denn er wird nicht uͤber 4 Fuß lang, aber auch der delikateſte von allen, und uͤberhaupt der ſchmackhafteſte Fiſch unter al⸗ 3 len, die Rußland hat, daher er auch dort ſehr theuet verkauft wird. Er lebt von Wuͤrmg. und Fiſchbrut, des Sommers in Fluͤßen, des Winters im Kaspiſchen Meere. Aus ſeint Rogen wird ebenfalls Cayiar gemacht, der aber, weil der Fiſch nur klein iſt, nicht in Mu ge bereitet wied; und weil er ungleich beſſer als der vom Hauſen und Stoͤr iſt, nur an di kaiſerlichen Hof kommt. Nro, 4. Der Wels. Der Wels iſt nebſt dem Hauſen der groͤßte Fiſch der ſuͤßen Waſſer. Er lebt Deutſchland in der Elbe, der Donau, Weſer und Oder der Ruͤcken iſt ſchwarzgruͤn, un der Bauch weißgelb von Farbe. Er naͤhrt ſich gleichfalls vom Raube, liegt aber immer trä ge auf dem Grunde im Schlamme. Sein Fleiſch iſt weiß, ſuͤß und wohlſchmeckend, un wird ſonderlich marinirt gegeſſen. De den dere boge unter verſe — e—..———————— 430 ſehr foͤrn ſtoß. wele der. Gla Bar ven, unſt faͤne die Rot den auc vorl 0 10 Wuͤrme 08. S s ſeing in Mel an di lebt it in, un Se Haa u fen. ner träͤ d, un(Aoipenser hulsb.) Der Hauſen gehoͤrt, nebſt den beyden folgenden Fiſchen, zu Einem Geſchlechte, welcheß den Ramen Stoͤr fuͤhrt. Man erkennt dieſe Fiſche daran, daß die Kiemenoͤffnung auf je⸗ der Seite eine ſenkrechte Spalte macht, das zahnloſe Maul in einen runden unten zuruͤckge⸗ bogenen Ruͤſſel verlaͤngert und der Koͤrper gleichſam fuͤnfkantig iſt. Vor dem Maule liegen unten 4 Bartfaͤden. Der Rumpf hat 7 Floſſen, und iſt mit einigen Reihen von Schildern verſehen. Es ſind Zugfiſche, welche, um zu laichen, wie die Lachſe, die Fluͤſſe hinaufziehen. Der Hauſen hat einen ſtumpfern Ruͤſſel, auf dem Ruͤcken 13 und auf dem Schwanze 43 Schildhoͤcker. Seine Kiemendeckel ſind ſo kurz, daß ſie die Offnung nicht ganz bedecken. Der Koͤrper iſt lang geſtreckt, der Kopf länglich viereckicht, die Schnauze kurz, das Maul ſehr weit, und oͤffnet ſich unten in die Quere. Die Lippen, welche durch zwey halbmond⸗ förmige Knorpel gebildet werden, ſind ſtark, und der Fiſch kann ſie nach Willkuͤhr hervor⸗ ſtoßen und zuruͤckziehen. Die Theile der Schnauze ſind ausnehmend elaſtiſch. Kugeln, welche daraus verfertigt, und zur Erde geworfen werden, ſpringen mehrmals auf und nie⸗ der. Die Schilder verlieren ſich mit zunehmendem Alter, und alsdann nennt man den Fiſch Glattdick. Die Farbe des Ruͤckens iſt ſchwarz, der Seiten blaͤulich und wellenſoͤrmig, des Bauchs weiß, der Floſſen blau, ins Graue ſpielend. Der Koͤrper hat gar keine Schup⸗ pen, ſondern iſt mit einem klebrichten Schleim uͤberzogen. An Groͤße uͤbertrifft der Hauſen unſtreitig alle Flußfiſche. Sein gewoͤhnliches Gewicht betraͤgt gegen tauſend Pfund; man faͤngt aber auch Stuͤcke, die zwehtauſend Pfund und druͤber ſchwer ſind. Sein Aufenthalt iſt das mittelläͤndiſche, ſchwarze, kaſpiſche ꝛc. Meer, von wo er in die Wolga, den Jaik, und die Donau geht. Seine Laichzeit iſt im März. Er legt ſeinen Rogen im Gtunde an ſchnellfließenden Stellen ab. Viele laichen aber auch im Meere an den Kuͤſten, wo das Meerwaſſer durch die ausſtroͤmenden Fluͤſſe verſuͤßt wird. Doch gehen auch dieſe alsdann in die Fluͤſſe, um des Raubes willen. Im April, wenn die Laichzeit vorbey iſt, begeben ſich alle Hauſen wieder ins Meer. Ein großer Theil kehrt im Herbſt nach den Fluͤſſen zuruͤck, um den Winter uͤber an tiefen Stellen zu ruhen. 3—— Dieſe Fiſche ſind ſehr gefraͤßig. Sie haben einen ungemein großen Magen, welcht ſie mit Fiſchen, wilden Enten, Seekaͤlbern, ja ſogar mit Holzwerk, Schilf und dergleich anfuͤlen. Zwey Seekaͤlber nebſt einigen Fiſchen haben vollkommen Platz darin. Nach B ſchaffenheit der Groͤße hat der Hauſen in Rußland, wo man ſeinen Fang am ſtaͤrkſten treibt, und große Vortheile daraus zieht, verſchiedene Ramen. Er wind auf mancherley Art gefangen. In der Donau wirft man ihn, wenn er der Tiefe liegt, mit Harpunen; befindet er ſich an der Oberflaͤche, mit Speeren. Wenn getroffen iſt, naͤhert man ſich ihm, zieht ihm einen Sttick durch das Maul und die Kieme oͤffnung, und ſchleppt ihn ſo ans Fahrzeug, woran er befeſtiget wird. Die meiſten faͤnl man jedoch in Retzen, die ſehr weite Maſchen haben, und von zwey Kaͤhnen quer uͤber de Fluß geſtellt und fortgezogen werden. Befindet ſich ein Hauſen im Netze, ſo ſtoͤßt er n dem Kopfe gegen die Maſchen, und faͤhrt zuruͤck, indeß geben die Fiſcher mit dem Retze lange nach, bis er auf eine flache Stelle geraͤth, wo er nicht fortkommen kann. Hier b maͤchtigt man ſich ſeiner, zieht ihm ebenfalls einen Strick durch das Maul, und ſchleppt iß lebendig ans Land. Viele zieht man, an den Fahrzeugen befeſtigt, die Donau aufwaͤrts h Wien, wo ſie wie Schlachtvieh zerhauen und verkauft werden. In Rußland faͤngt man den Hauſen in der Wolga und dem Jaik ſehr haͤufig. Mi bedient ſich hierzu der Retze, Angeln Fiſchfallen und Wehre. Zum Fange werde ſolche Stellen ausgeſucht, wo das Waſſer vom lifer an bis in die Mitte nur flach iſt. Hit ſtoͤßt man eine Reihe von Pfaͤhlen quer uͤber einen Theil des Flußes, theils gerade, theil in ſtumpfen Winkeln, die ſich ſtromabwaͤrts oͤffnen. Dieſe Pfaͤhle muͤſſen aber noch uͤbe das Waſſer oder Eis mit ihren Koͤpfen hervortagen. Darauf laͤßt man Horden, die unte mit Steinen beſchwert ſind, ſo in den Grund nieder, daß ſte der Strom gegen die Pfaͤhl treibt. Sie muͤſſen bis an die Oberflaͤche des Waffers reichen. Dieſe Verzaͤunung noͤthiſ den Fiſch laͤngs derſelben hinzuſtreichen, und einen Durchgang zu ſuchen. Bey dem win lichten Wehre iſt eine Offnung von einigen Faden, ſie fuͤhrt aber zu einer viereckichten al drey Seiten mit Pfaͤhlen und Horden verſchloſſenen Kammer, worin der Fiſch gefangen iſl wenn er hinein ſtreicht. Ben den geraden Wehren iſt in der Mitte an der ſtromabwärts gehenden Seite ein ſolche doppelte Kammer ſo angelegt, daß die Offnungen gegen das Ilfer gerichtet ſind. Ilbes dieſe Kammern wird im Winker das Eis offen gehallen, und eine Strohhuͤtte uͤber die Off nung gebauet, worin ſo viel Raum iſt, daß die Arbeiter darinn herumgehen und ſich beh einem Feuer waͤrmen koͤnnen. In jeder Kammer ſind gewiſſe Vorrichtungen angebracht, wo⸗ durch die Arbeiter nicht nur die Ankunft des Fiſches in derſelben wiſſen, ſondern ſich auch ſeiner bemaͤchtigen koͤnnen. Auf dem Glunde liegt ein ſtarker Rahmen aus Stangen; er iſt viereckig und im Winter mit Stricken gegattert, im Sommer aber mit Korbwerk geflochten. Dieſer Rahmen fuͤllt den ganzen Raum der Kammern aus. An ſeinen vier Ecken ſind ſtarke Seile, wodurch man ihn vermittelſt zweyer zu beyden Seiten angebrachten Haſpeln in di⸗ des! Siel Sal ſchla went aller der feſt z 16 welch Hoͤhe windet. über der Offnung der Kammer iſt ein aus Stangen und Korbwerk beſtehen⸗ rgleichh des Fallgatter, oder auch ein Retz, das in Stangen geſpannt iſt, aufgehaͤngt. Sobald mam tach B. bemerkt, daß ein Fiſch durch die Offnung in die Kammern gegangen iſt, laͤßt man das Fall⸗ kſten) gitter oder das Netz nieder, und ſchneidet dadurch dem Fiſche den Ruͤckzug ab. Hierauf haſpelt man das unten auf dem Grunde liegende Gitterwerk mit dem Fiſche in die Hoͤhe, nimmt dieſen herunter, und ſetzt alles wieder in den vorigen Stand. Drey Arbeiter ſind im un er] Stande die ganze Maſchinerie zu regieren. Zur Nachtzeit ſind noch beſondere Anſtallen ge⸗ Wenn troffen, nach welchen der Fiſch ſelbſt, wenn er ſich in den Kammern befindet, durch ſeine Kieme Bewegungen verurſachen muß, daß das Fallgitter niederfinkt. Dabey werden zugleich Gloͤck⸗ n faͤn chen bewegt, welche durch ihren Schall die ſchlafenden Arbeiter aufmecken. uͤber di er n In Aſtrachan bedient man ſich eines Sackneß bey Faden lang und zwey Ellen Retze breit, und faͤngt damit den Hauſen in den tiefen Stelle wö'rin er ſich den Winter über auf⸗ dier hhaͤlt. Auch des Grundſeils bedient man ſich daſelbſt de in Hauſenfang. Dieſes Soeil be⸗ eppt ih ſteht aus mittelmaͤßigen, 72 Ellen langen Tauen, an welchen 8 anderthalb Faden lange aͤrts) Stricke mit großen Angelhaken befeſtigt werden. Die Angelhakenſtricke werden, ſo wie das ganze Seik, mit Steinen niedergehalten, und Weißfloſſen als Köder, an die Haken befeſti⸗ get. Taͤglich ſieht man zweymal nach, ob ſich Fiſche gefangen haben. Die gefangenen Ma hakt man ab, bindet ſte an, und zieht ſte lebendig ans Land. Hier hauet man den Kopf werdt mit einem Beile auf, ſchneidet den Leib bis an die Afterfloſſe auf, und nimmt die Einge⸗ Hit weide, den Rogen, die Schwimmblaſe und die Ruͤckenſehne heraus. Der unterſte Magen⸗ „theil theil und die Gedaͤrme werden weggeworfen, der ſehr weite und fleiſchichte Schlund wird h üͤbe zur Speiſe abgehauen und eingeſalzen und die Schwimmblaſe den Leimbereitern uͤbergsben. unte Die Ruͤckenſehne oder das Ruͤckenmark wird gewaſchen, auf Stangen gehaͤngt und an der⸗ Pfaͤhl Luft getrocknet. Das Fett wird durch Ausſteden erhalten, und ſtatt Butter oder Sl ge⸗ noͤthih Fraucht. Den uͤbrigen Theil des auf dieſe Art gereinigten Fiſches poͤkelt man⸗ hierauf in winl Eiskellern 12 Stunden lang in ſcharfen Satzlaken ein, beſtreuet ihn dann mit Salz, und ſchichtet ihn auf. Die Seite und der Ruͤcken werden auch zu Riemen geſchnitten, und an der Luft getrocknet. Das eingeſalzene Fleiſch vom Hauſen ſchmeckt faſt wie Lachs; getrock⸗ net kommt es dem Kalbfleiſche bey. Es iſt weiß, fett und ſuͤßlich; und viele Menſchen naͤh⸗ ren ſich groͤßtentheils davon. en al ien iſ e ein Ilbet Von den Hauſen erhaͤlt man auch den beruͤhmten Eaviar. Dieß iſt der Nogen Hff des Fiſches, welcher, um ihn von den Haͤuten und Blutgefaͤßen zu rrinigen, durch ein großes h beh Sieb gepreßt und dann in einen Trog geworfen wird, worin man ihn einſalzk. Iſt er vom „ wo⸗ Salz⸗ hinlaͤnglich durchdrungen, ſo bringt man ihn in ein engeres Sieb zum Ablaufen, und auch ſchlaͤgt ihn endlich in Faͤſſer, welche dicht zugeſpundet werden. Der Sack⸗Caviar wird, er iſt wenn man ihn vom Siebe nimmt, erſt noch in ſpitzige Saͤcke gefuͤllt, und durch Ringen von chten, aller Lake befreyt. Auch er wird ſodann in Faͤſſer geſchlagen, und von einem Meunſchen, ſtarkt der lederne Struͤmpfe an den Fuͤßen hat, eingetreten; die Faͤfſer werden getheert und danm in di feſt zugemacht. Der armrniſche oder turkiſche Eaviar wird ganz ſo, wie en als Rogen iſt, 1Stes Heft⸗ 24— ſchichtweiſe mit Salz in Kaſten gethan, dann mit den Haͤnden geklopft, ein mit Steinen be⸗ ſchwerter Deckel darauf gelegt, und ſo 4 bis 8 Monate ſtehen gelaſſen. Nach Verlauf die⸗ ſer Zeit iſt er faſt ganz trocken und mit Salz uͤberzogen. Er wird nun mit Waſſer abge⸗ ſpuͤhlt, von neuem an der Sonne und Luft getrocknet, und in Faͤſſer geſchlagen. Vom Hauſen erhalt man ferner den unter dem Namen Hauſenblaſe bekannten Fiſchleim. Er wird vornehmlich aus der Schwimmblaſe des Fiſches bereitet. Iſt dieſe Blaſe aus dem Leibe genommen, ſo wird ſie durch Waſchen vom Blute gereinigt, der Länge nach aufgeſchnitten und die äͤußere Haut abgezogen. Hierauf wird ſte in Leinwand gewickelt und mit den Haͤnden ſo lange geknetet, bis ſie ſo weich wird, wie Teig. Run bildet man Taͤfelchen und dergleichen daraus. Dieſe haben in der Mitte ein Loch, durch welche Schnuͤ⸗ re gezogen werden, um ſte an der Luͤft zum Trocknen aufzuhängen. Mit Candelzucker ge⸗ ſchmolzen und zu einem gelben durchſichtigen Leim gekocht, erhaͤlt man Mundleim davon. Mit Brandtwein vermiſcht, entſteht ein Leim oder Kitt, mit welchem man Glas und Por⸗ zellain zuſammenkitten kann. Außer der Schwimmblaſe braucht man noch den klebrichten Schleim von der Haut, den Floſſen und den Eingeweiden zum Leim. Sowohl dieſen als die Blaſe kocht man auch uͤber einem gelinden Feuer zum Leim, und bringt dieſen in Formen. Die ruſſiſche Hauſenblaſe iſt die feinſte, weißeſte und durchſtchtigſte. Sie wird jaͤhr⸗ lich in ſo großer Menge gemacht, daß davon wohl fuͤr 100000 Rubel ausgefuͤhrt werden koͤnnen. Die polniſchen Juden bringen ſie in großen Quantitaͤten nach den Meſſen zu Leip⸗ zig, Frankfurt u. ſ. w. Man hat auch in Amerika angefangen dieſes wichtige Produkt zu bereiten. Die Benutzung der Hauſenblaſe iſt mannichfaltig. Sie wird zu allerley Lackfarben, zum Abklaͤren der Farbebrähen, der Weine und anderer Fluͤſſigkeiten gebraucht. Ferner be⸗ dient man ſich derſelben, um ſeidnen Zeugen Glanz und Steifigkeit zu geben, vornehmlich aber zum Kitten und Leimen feiner Inſtrumente. Zu Augsburg macht man Heiligenbilder davon, welche in Menge von den Katholiken gekauft werden. Die Haut des Hauſen wird von den Ruſſen und andern Voͤlkern ſtatt der Fenſter⸗ ſcheiben gebraucht. Auch ſoll ſie, gehoͤrig zubereitet, die beſten Riemen fuͤr Pferdegeſpann geben. In den Nieren ſehr großer Hauſen findet ſich oft ein Stein von der Groͤße eines Huͤhnereyes, den man Belugenſtein nennt. Wenn er herausgenommen wird, iſt er feucht und weich; an der Luft aber verhaͤrtet er bald. n be⸗ die⸗ abge⸗ itten dieſe aͤnge ickelt man Hnuͤ⸗ ge⸗ Abon. Por⸗ chten u als men. jaͤhr⸗ erden Leip⸗ kt zu rben, r be⸗ nlich ilder tſter⸗ hann eines eucht 35 e S t ör. (Acipenser gtlurio.) Der gemeine Stoͤr iſt von ſehr verſchiedener Große. Man findet Fiſche dieſer Gatkung bon 2 bis 3; aber auch von 1s bis 20 Fuß in der Laͤnge; letztere wiegen auf 800 Pfund. Der Stör hat auf ſeinem Koͤrper 5 Reihen parallel laufender Schilder, deren An⸗ zahl veräͤnderlich iſt, und eine rauhe Haut. Die Schilder ſind geſtrablt, knochenartig, und laufen oben in eine Spitze aus, die nach hinten zu gebogen iſt. Zwiſchen dieſen Schildern iſt die Haut mit ganz kleinen Schildern, ſtatt der Schuppen bedeckt, wodurch ſie rauh wind. Das Maul iſt zahnlos und roͤhrenfoͤrmig, und ſteht faſt immer offen; iſt aber mehr zum Saugen, als zum Schlingen und Kaͤuen eingerichtet. Statt der Lippen iſt es mit zwey Knorpeln eingefaßt, wie beym Hauſen. Der Fiſch kann es ebenfalls wie einen Ruſſel ein⸗ ziehen, und hervorſtoßen. Mit dem geſpitzten Oberkiefer kann er den Sand und Schlamm aufwuͤhlen, um die darin liegenden Fiſche und Gewuͤrme zu finden Seine Grundfarbe iſt blaͤulich grau, oben mit braunen, unten mit ſchwaͤrzlichen Punkten beſtreut. Der Bauch iſt gerade, breit und weiß von Farbe. Der Aufenthalt dieſes Fiſches erſtreckt ſich ſehr weit. Er lebt in der RNord⸗ unb Oſtſee, im mittelläͤndiſchen und rothen Meere und noch in andern Gegenden des Weltmeeres. Seine Nahrung ſind Fiſche und Gewuͤrme. Im Nordmeer geht er hauptſaͤchlich den Haͤ⸗ ringen, Lachſen und Makreelen nach. Da nun der Genuß dieſer verſchiedenen Fiſche auf ſein Fleiſch und Fett Einfluß hat, ſo nennt man ihn auch Haͤrings⸗Lachs⸗ und Mak eelen⸗ Stör. Er iſt ein Zugſiſch. Im Winter haͤlt er ſich in der Tiefe des Meeres auf; im Som⸗ mer begiebt er ſich in die Fluͤſſe.— Er zieht die Donau, den Rhein, die Elbe, die Oder u. ſ. w. hinauf, und kommt auch bisweilen in die kleinern Fluͤſſe z. B. in die Havel. Er geht ſo hoch, daß man ihn zuweilen bey Deſſau in der Elbe gefangen hat. Auch in Land⸗ ſeen, die mit dem Meere in Verbindung ſtehen, kommt er. Der Stör vermehrt ſich ungeheuer. Ein Eyerſtock wiegt nicht ſelten 200 Pfund, und in einem Weibchen will man ſchon 150000 Millionen Eyer gefunden haben Der Fang geſchieht in offner Seenicht haͤufig, ſondern mehr an den Kuͤſten, in Landſeen und Fluͤſſen, wenn der Fiſch des Laichens wegen ſich da aufhaͤlt. Man bedient ſich dazu ſtarker, aus Bindfaden geſtrickter Retze, die einem Sacke gleichen. Im Necze liegt der Fiſch ſtill, und äßt ſich leicht mit einem durch das Maul gezogenen Strick an den Kahn anbinden; doch muß man ſich huͤten, dem Schwanze zu nahe zu kommen, denn er hat darin wie der Hauſen, viel Stärke. Ein unvorſichtiger Knabe erfuhr dies einmal; denn ein Stoͤr, den er ans Land ziehen wollte, ſchlug ihm die Beine entzwey. Im Januar iſt der beſte Fang. E wid unter dem Eiſe mit Haken betrieben. Die Koſaken beſißen hierin eine beſondere Geſchicklichkeit. Eine Perſon faͤngt oft den Lag 10 Stuͤck. E 2 — 4 Der Stoͤr hat ein fettes, wohlſchmeckendes Fleiſch, welches beſonders im Sommet am beſten iſt, wenn er in den Fluͤſſen ſich aufgehalten hat. Es wird mit dem Kalbflriſche verglichen. Man ſalzt es ein, ißt es friſch, und trocknet es auch an der Luft. Die Grie⸗ chen und Roͤmer ſchaͤtzten es ſehr. Aus dem Rogen macht man ebenfalls Caviar. Von Rußland aus wird jaͤhrlich eine Menge deſſelben davon nach Conſtantinopel, nach Italien und in andere Laͤnder verſchickt. Er wird ziemlich auf dieſelbe Art zubereitet, wie der Ca⸗ viar vom Hauſen. Der Genuß des Caviars verurſacht einigen Schleim, doch kann er nur dann ſchaͤdlich werden, wenn man ihn unmaͤßig ißt.— 2. — EEETUTE (Aeipensern Ruthienus,) Ein viel kleinerer, aber nicht minder nutzbarer Fiſch! Er wird g Fuß lang, und hat nur drey Reihen Schilder am Rumpfe, naͤmlich auf dem Ruͤcken einen und auf jeder Seite einen. Zum Unterſcheidungsmerkmale nimmt man gewoͤhnlich 15 Ruͤckenſchilder an, deren Anzahl jedoch veraͤnderlich iſt. Sie ſind nicht, wie bey dem Stoͤr, ſo hervorragend und ſpitzig. Am Bauche ſitzen 2 Reihen ganz kleiner Schildchen. Der ganze Rumpf iſt von kleinen Stacheln rauh, der Kopf lang, unten und oben flach, die Schnautze ſtumpf und knorplicht. Seine Farbe iſt grau und gelb geſprengt; der Ruͤcken dunkelgruͤn, der Bauch weiß mit ro⸗ ſenrothen Flecken, die Schilde ſind gelb.——. Der Sterlet lebt in der Oſtſee, am haͤuftgſten aber im kaſpiſchen Meere. Im Mat und Juni laicht er, und zieht alsdann die Fluͤſſe hinauf. Er vermehrt ſich ebenfalls ſtark. Seine Nahrung beſteht vorzuͤglich in Gewuͤrmen und Fiſchbrut. Den Storen zieht er nach, um ſich von ihrem Laich zu ſaͤttigen. In Pommern und der Mark Brandenburg lebt er in Landſeen und Fluͤſſen, wohin er verſetzt iſt. Man faͤngt ihn in Retzen. Sein weißes, ſuͤßes, leicht verdauliches Fleiſch iſt ſehr ſchmackhaft und giebt ſelbſt Kranken eine geſunde Nah⸗ rung. In Petersburg wird ein Sterlet von zwey Fuß Laͤnge mit zwey Rubeln bezahlt. Der Caviar, den man aus dem Rogen dieſes Fiſches bereitet, iſt der beſte. Da man nicht viel gewinnt, ſo kommt er mehrentheils an den kaiſerlichen Hof. Mmer iſche Hrie⸗ Von alien Ea⸗ nur nur nen. zahl itzig. inen icht, ro⸗ Mai ark. ach, rin bes, ah⸗ ihlt. icht 8* e (Selaunuts glanis) Die Walsgattungen erkennt man an dem großen plattgedruckten Kopfe, den langen Barl⸗ faͤden am Maule und dem ſchuppenloſen ſchleimichten Koͤrper. Sie haben meiſtens eine Fetl⸗ floſſe am Ruͤcken, und ſind Raubfiſche. Der gemeine oder europaͤiſche Wels hat eine einzige Ruͤckenfloſſe und 6 Bartfaſern am Maule. Sein Kopf iſt ſchwarzgruͤn und das Maul ſehr groß; in demſelben ſtehen vier hervorragende Knochen, die mit kleinen Zaͤhnen beſetzt ſind. Auf jeder Seite der Unterlippe iſt eine laͤnglich glatte Vertiefung. Der Ruͤcken iſt rund, von Farbe ſchwarzgruͤn; heller grän ſind die Seiten bis an die Linien, unter den Linien blaßgrün und der Bauch weißlich. Der ganze Koͤrper iſt mit Schleim uͤberzogen, und mit ſchwarzen Flecken bezeichnet. Die Bruſtfloſſen ſind am Grunde und am Ende blau; in der Mitte gelb; die Ruͤcken⸗ und die Bauchlloſſen ſind am Grunde gelb und am Ende eben⸗ alls blau. Der Wels hat eine große Menge Rogen. In einem 3 Pfund ſchweren fand man 17300 kleine gruͤnliche Eyer. Sein Aufenthalt iſt faſt in allen ſuͤßen Gewaͤſſern in Euro⸗ pa; ſelten trifft man ihn im Meere an. Er liegt im Grunde und lauert auf die voruͤber⸗ gehenden Fiſche, die ihn wegen der grunlichen Farbe vom Schlamme kaum unterſcheiden. Mit ſeinen langen Bartfaſern macht er mancherley wurmfoͤrmige Bewegungen. Dadurch werden die Fiſche angelockt, und dann von ihm verſchlungen. Vorzuͤglich gern haͤlt er ſich unter verſunkenen Kaͤhnen, abgefaulten Pfaͤhlen und dergleichen auf. Er ſchwimmt nur langſam, auch iſt er uͤberhaupt traͤge, und kann das Faulthier unter den Fiſchen genannt werden. Nächſt dem Hauſen iſt der Wels der groͤßte Fiſch des ſuͤßen Waſſers. Oft iſt er 8 Ellen lang. In der Donau fing man einen Wels, der 300 Pfund ſchwer und ſo dick war, daß zwey Menſchen ſeinen Bauch nicht umklaftern konnten. In Pommern wurde ein⸗ mal einer gefangen, deſſen Rachen ſo groß war, daß ein ſechs bis ſiebenjaͤhriger Knabe hin⸗ einkriechen konnte. Auch hat man ſchon Theile vom menſchlichen Koͤrper in ihm gefunden. In der Donau, Elbe und Weichſel iſt der Wels nicht ſelten. Er kommt aber ſelbſt in kleinern Fluͤſſen vor. In der Mulde bey Deſſau wurde einer von 150 Pfund gefangen. Gewoͤhnlich liegt er im Grunde, und kommt nur bey Gewitterluft an die Oberflaͤche. Sein Laich wird von vielen Fiſchen aufgeſucht; ſeine Jungen, die ſehr langſam wachſen, haben an den Froͤſchen gierige Feinde. Man faͤngt den Wels in Netzen, meiſtens mit der Angel; bisweilen mit Speeren. Er ſcheint wenig Empfindungen zu haben. Sein Fleiſch iſt weiß, fett und ſuͤßlich. Viele eſſen es gern, es iſt aber ſchwer zu verdauen. Marinirt ſoll es vorzuͤglich gut ſchmecken. Vögel. XXV. Faſanen verſchiedener Arnt. 5 Der europaͤiſche ð a ſa n. Chasianus colchicus.) Nro. 1. Der Hahn. Nro. 2. Die Henne. Der Faſan lebt wild in Mingrelien und Georgien, und muß in Europa erſt durch Kunſt und Wartung in Faſanerien gezogen werden. Er iſt mit dem Schwanze 2 bis 3 Fuß lang, die Henne graubraun gezeichnet, der Hahn von praͤchtigem Geſteder. Die Faſanen lieben zu. ihrem Aufenthalte ebene, lichte Waldung mit niedrigem Gehuͤſche. Sie naͤhren ſich von al, lerley Gartengewaͤchſen, Getreide, Inſekten und Schnecken, und uͤbernachten auf hohen Baͤumen. Die Henne legt jaͤhrlich nur einmal 12 bis 1 gruͤnlich graue und braungefleckte K Eyer, und bruͤtet 20 bis 25 Tage. Das Fleiſch der Faſanen iſt eine vorzuͤgliche Delika⸗ teſſe. Nro. 3. Der afrikaniſche Kronenfaſan. (Phasianus africanus.) Iſt in Oſtindien zu Hauſe, und wegen ſeines ſtahlblauen Gefteders und ſeiner ſilber⸗ 1 farben Federkrone ein ſehr ſchoͤner Vo gel. Auf den Fluͤgeln hat er einen braunen, und auf dieſem wieder einen weißen Fleck. Er iſt etwas kleiner als unſer gewoͤhnlicher Faſan. Nro. 4. Der Hoizin. (Phasianus cristatus.) 0 Dieſer ſchoͤne Faſan, deſſen Gefteder aus Roth, Gelb und Schwarz ſchöͤn gezeichnet iſt, * 16 und welcher einen Federbuſch auf dem Kopfe hat, bewohnt Reuſpanien, und halt ſich auf 710 Baͤumen nahe dem Waſſer auf. Er naͤhrt ſich von Schlaugen, Ameiſen, Würmern und 4 16 andern Inſekten, und wird leicht zahm. Nr᷑o. 5. Der Faſan von Cayenne. Lebt in Cayenne, hat ſchr ſchoͤn gezeichnetes, gruͤnes Geſteder, eine rothe Kehle, und ßPbeochrothe Feder um die Augen. Sein Fleiſch iſt ſehr wohlſchmeckend * Kunſt lang, ben zu on al⸗ hohen efleckte elika⸗ ſtlber⸗ d auf und und — 39 Nro. 6. Der Faſan von Guyane. Sein Vaterland iſt Guyane. Seine Nahrung ſind Saamen von Kräutern, Reis und Getreide. Kopf, Hals, Ruͤcken und Schwanz ſind hellbraun, Bruſt und Bauch apfel⸗ gruͤn. Nro. 7. Der Faſan vom Ca p. (Phasianus capitis bonae spei.) Dieſer ſchoͤne Faſan hat eine ſilberweiße Bruſt und Bauch, graubraunen Kopf und Ruͤcken, ſchwarze Schwingen und Schwanz, ſchwarze und gelbe Schenkel, einen hinterwaͤrts auf dem Racken liegenden Federbuſch, und hochrothe Federn um die Augen. Seine Heimath iſt das Vorgebirge der guten Hoffnung. Er iſt ſeiner ganzen Geſtalt nach ein ſehr ſchoͤnes und zierliches Thier. Der europäiſche Faſan. (Slastanl⁰t colcuuu. 4 Zweß Voͤgel aus dem Faſangeſchlechte, der Gold⸗ und Silberfaſan ſind ſchon oben be⸗ ſchrieben worden. Das Geſchlecht iſt daffelbe, wozu auch unſer Haushuhn gehoͤrt. Alle he Gattungen deſſelben zeichnen ſich durch die nackte, glatte Haut an den Wangen aus. Der gemeine oder colchiſche Faſan laͤßt ſich am deutlichſten an den Waͤrzchen und 10 16 den einzelnen Federn auf den Wangen, ingleichen an dem keilfoͤrmigen Schwanze erkennen. 00 Er gehoͤrt zu den ſchoͤnen Voͤgeln. An Größe ubertrifft er den Haushahn nicht, doch iſt de 089 er etwas dicker. In den Manieren hat er viel Ahnlichkeit mit dem Pfau. Vom Kopfe bis zur Schwanzſpitze betraͤgt die Laͤnge 3 Fuß und 6 Zoll; der Schwanz allein mißt 2 Fuß und die ausgeſpannten Fluͤgel klaftern Fuß 6 Zoll. Zuſammengelegt reichen ſie ein wenig E, + 0 über den Anfang des Schwanzes. Der Schnabel iſt etwas gekruͤmmt, der Federrand um 10 35 denſelben oben ſchwarz und rothglaͤnzend, an den Seiten und unten borſtig und ſchwarz und gruͤn glaͤnzend. Die Haut um die Augen iſt purpurroth; der Stern gelb. Die 4 Zoll hohen Beine ſind geſchuppt und nebſt Zehen und Klauen graubraun. Das Gefieder am 5 ar Kopfe und am obern Theile des Halſes iſt dunkelblau auf dem Scheitel, an der Kehle und m im Nacken glaͤnzend gruͤn; vorn und an den Seiten des Halſes glanzend purpurfarben. n1 h Der untere Theil des Halſes, die Bruſt, der Bauch und die Seiten ſind braͤunlich gelbroth ſtz 6 mit ſchwaͤrzlicher Einfaffung. Der Rücken und die kleinern Deckfedern der Fluͤgel ſind roth⸗ fö 0 braun mit einem Purpurglanze; die größern Deckfedern der Fluͤgel Rrau; die Schwungfe⸗ 5 dern graubraun; Der Schwanz iſt grau und braunroth geraͤndet. Die 12 mittelſten Fe⸗ dern ſind mit ſchwarzen Querſtrichen ungleich durchſchnitten. Die Henne unterſcheidet ſich vom Hahn in vieler Ruͤckſicht ungemein. Sie hat nicht das majeſtaͤtiſche Amfehen, und iſt auch kleiner. Dem Geſtrder mangelt der Gold⸗ glanz und die Verſchiedenheit der Farben. Kopf und Hals ſind ſchwarzbraun, jede Feder hat einen rothgrauen und weißen Rand; daher er ſchwarz und grangeflockt erſcheint. Der Hals iſt vorn und an den Seiten weißgrau und ſchwarz bandirt Hdie Bruſt und die uͤbri⸗ gen Theile des Unterleibes ſind roͤthlich aſchfarhen; die Fluͤgel dunkelbraun und roſtgelb ge⸗ be⸗ Alle und inen. h iſt opfe Fuß enig um und Zoll am und ben. roth oth⸗ gfe⸗ Fe⸗ hat Id⸗ der Der⸗ ri⸗ ges⸗ 4 ſtreift, gewellt und gefleckt. Der Schwanz iſt viel kuͤrzer als beym Haͤhn, rothgrau auf der Mitte der Fahne mit breiten ſchwarzbraunen Querbaͤndern, an den Seiten aber mit feinge⸗ zackten dunkelbraunen Wellenlinien gezeichnet. Der Faſan iſt wild und ſcheu. Er flieht den Menſchen; doch fliegt er nicht leicht auf, wenn er nicht ploͤtzlich uͤberfallen wird, ſondern läͤuft lieber. Sein Lauf iſt viel ſchnel⸗ ler, als der Lauf des Haushuhns. Wenn er auffliegt, ſo erregt er ein ſtarkes Geraͤuſch. Seine Stimme iſt unangenehm, und gleicht faſt dem Geſchrey des Pfauen. Es iſt falſch, daß man ſein Alter an den ſchwarzen Querbinden des Schwanzes erkennen koͤnne. Übri⸗ gens lebt er ungefaͤhr ſo lange, wie das Haushuhn. Urſpruͤnglich iſt er nicht in Deutſchland einheimiſch, ob er ſich gleich jetzt ſehr in un⸗ ſerm Vaterlande verbreitet hat. Er ſtammt aus dem alten Colchis, dem heutigen Mingre⸗ lien, einer tuͤrkiſchen Provinz, ab. Die Gegend um den Fluß Phaſis war beſonders ſein Aufenthalt; daher der Rame Faſan oder Phasianus. Sowohl wegen ſeiner Schoͤn⸗ heit, als ſeines koͤſtlichen Fleiſches wegen, ſchaͤtzten ihn ſchon die Alten, und verpflanzten ihn aus ſeinem Vaterlande nach Europa. Zu den Zeiten der erſten roͤmiſchen Kaiſer war die⸗ ſer Vogel in Italien beruͤhmt. Der verſchwenderiſche Heliogabal ſoll ſeine Loͤven mit dem Fleiſch von Faſanen gefuͤttert haben. Gegenwaͤrtig ſind ſie in ganz Europa und in vie⸗ len Ländern von Aſien und Afrika) verbreitet. In manchen Gegenden Deutſchlands iſt der Faſan ſogat verwildert; doch wird er meiſtens in Menagerien oder Faſanerien gehalten. Faſanerien nennt man bekanntlich Orter, wo Faſanen mit Fleiß gehegt werden. Es gibt zweyerley Arten: wilde und zahme. Letztere fuͤhren auch den Ramen Faſanengaͤr⸗ ten, und ſind zum Theil ſehr koſtbare Anſtalten. Die wilden Faſanerien erfordern weniger Aufwand. Das Klima, unter welchem ſie angelegt werden ſollen, muß gemaͤßigt ſeyn. Es mäſſen ſich in der Gegend kleine Gehoͤlze mit niedrigen Buſchwerken, bruchigen und ſchilfigen Plätzen, mit warmen Quällen und ge⸗ nugſamen Getreidefeldern befinden. In einer ſolchen Gegend ſetzt man hie und da Faſanen⸗ ſtände hin, welche auf folgende Art eingerichtet werden. Es wird ein ebner Platz von unge⸗ faͤhr 6 Fuß Laͤnge und 2 Fuß Beeite zubereitet. Auf jede Laͤngenſtiie werden drey 62 Fuß lang⸗ Saäͤulen 2 Fuß tief eingeg aben; auf ſede von den ſchmalen Seiten aber eine un⸗ gefaͤhr 1 Fuß hohe Saͤule» Fuß tief. Auf dieſe langen und kurzen Saͤulen legt man Querbalken und Spa ren, welche mit Rohr, Stroh, oder Schilf gedeckt ein Dach ausma⸗ chen. Dieſe Hutte dient zum Stande der Faſanen. Um dieſelben vor den Augen der FVorſter haͤlt die afrikaniſchen Faſanen für andre Gattungen. In Amerika trifft man den ge⸗ meinen Faſan nirgends. 15tes Heft.§ 4* Raubvoͤgel in Sicherheit zu ſetzen, lͤͤßt man das Dach bis auf moder Fuß nach der Erde 2 herablaufen. Vor allen Dingen aber muß die Gegend von Raubthieren gereinigt werden. Im Frühjahr, wenn der Schnee geſchmolzen iſt, ſetzt man in jeden Stand 7 bis 9 Huͤhner mit einem Hahn. Damit ſie ſich nicht gleich anfangs zu weit von der Huͤtte entfernen, badet man ſte vorher ſtark im Waſſer; wirft reichlich Futter, z. B. Gerſte und Weizen umher, und raͤuchert mehreremale mit Haferſtroh, Hanfſpreu, Kampfer, Anis und dergl. Dies Raͤuchern dient dazu, die entfernten Faſanen herbeyzulocken; denn ſie wittern den Rauch. Bis zur Faltzzeit hat man Urſach alle Vorſicht anzuwenden, um ſte zuſammen zu halten. Nachmals entfernen ſie ſich nicht weit. Im Sommer braucht man ſte, wenn ſte ſich erſt an den Stand gewoͤhnt haben, nicht zu fuͤttern; im Winter aber iſt dies durchaus nothwendig. Sie vermehren ſich, wenn nicht widrige Umſtaͤnde eintreten, ziemlich ſtark. Viel umſtäͤndlicher iſt eine zahme Faſanerie. Sie erfordert die naͤmliche Gegend und daſſelbe Klima. Man umgiebt einen großern oder kleinern Platz mit einer 8 bis 9 Fuß hohen Wand von Holz, Steinen oder Lehm. In derſelben werden unten hie und da Loͤcher angebracht, und inwendig Fallen davor aufgeſtellt, um die Raubthiere, wilde Katzen, Marder, Fuͤchſe, u. ſ. w. wegzufangen. Desgleichen muß man auch fuͤr Anſtalten zum Wegfangen der Raubvögel ſorgen.— Zu einer Faſanerie werden mehrere Vorrichtungen erfordert. 1) Ein Haus, worin die Faſanen Winter und Sommer ihren Aufenthalt nehmen koͤnnen. Es iſt daſſelbe von verſchledener Größe und von beſonderer Einrichtung, deren naͤ⸗ here Beſchreibung hier zu weitlaͤuftig waͤre Inwendig muͤſſen zweh Abtheilungen angebracht werden, die man durch einen Ofen erwaͤrmen kann. In den Abtheilungen ſind Stangen ..— angebracht, auf welchen die Faſanen ſitzen koͤnnen, und auf einer Seite des Fußbodens wirft man ihnen Futter hin. 2) Iſt ein Zwinger noͤthig. Er iſt nach Erforderniß von verſchiedener Groͤße, und wird mit einer breternen Wand umgeben. In dieſen Zwinger gehen aus dem Hauſe durch die Wand deſſelben aus jeder Abtheilung oder Stube zwey Loͤcher von 15 Zoll Hoͤhe und 12 Zoll Breite. Sie haben auswendig breterne Aufzuͤge, um die alten Faſanen aus⸗ und einlaſſen zu koͤnnen. 3) Das Bruͤthaus. Es iſt viel laͤnger, als breit, und nur„Fuß hoch. Inwen⸗ dig befinden ſich zwey Abtheilungen, zu deren jeder eine Thuͤr fuͤhrt. Zum Einlaſſen des Lichts dienen einige Glasfenſter mit Drahtgittern, und an de cher angebracht, worin die Hennen ungeſtoͤrt bruͤten koͤnnen. n Waͤnden werden die Bruͤtfaͤ. Erde bis Huͤtte und und bittern mimen aben, wenn egend bis 9 nd da atzen, zum ungen hmen unaͤ⸗ racht ingen wirft und durch und und Wen⸗ des uͤtfaͤ⸗ 43 Außerdem wird noch ein Wachſtuͤbchen und eine beſondere Wohnung in der Naͤhe der Faſanerie erfordert. Es muͤſſen auch Zwinger oder Abtheilungen mit Staͤnden da ſeyn, in deren jeden man im Fruͤhjahr 7 bis 8 Hennen nebſt einem Hahn ſetzt. Des Abends wer⸗ den die Faſanen eingetrieben, und des Morgens wieder herausgelaſſen. An Futter und Waſſer darf es nie fehlen. Das Gebuͤſch, in welchem die Faſanerie liegt, muß vornäm⸗ lich aus ſolchem Laubholze beſtehen, das Beeren traͤgt, welche den Faſanen zur Nahrung dienen. Des Abends muͤſſen die Eyer aufgeleſen und geſammelt werden. Hat man einige hundert beyſammen, ſo legt man ſie im Bruͤtehauſe den Hennen zum Bruͤten unter. Man nimmt hierzu am liebſten Truthuͤhner, deren jeder man etwa 20 Eyer unterlegt. Nach 24 oder 26 Tagen ſchluͤpfen die jungen Faſanen aus den Eyern, auf welchen Zelipunkt man wohl Acht haben muß, damit die Bruthennen die Jungen nicht erdtuͤcken. Einen oder zwey Tage laͤßt man die jungen Faſanen noch unter der Bruthenne Dann nimmt man ſie weg, und traͤgt ſie in das Faſanenhaus, welehes bey⸗ kuͤhler Witterung geheizt werden muß. Am Tage, wenn die Sonne ſcheint, werden ſie in die freve Luft getragen. Die erſte Nahrung, die man ihnen gibt, beſteht in dem Weißen von geſottenen Eyern. Dieſes wird klein gehackt, und mit Peterfilie, Schaafgarbe, Beenneſſeln und harten, in Milch geweichten Semmelkrumen vermengt. Rach 14 Tagen kann man ihnen Hirſe in Milch gekocht und Heidegruͤtze geben. Sie freſſen auch Quarkkaͤſe. Beſonders zutiaͤglich ſind ihnen die Ameiſenpuppen und uͤberhaupt Inſekten. An reinem und friſchem Waſſer darf es nie fehlen. Zur Verhuͤlung des Durchfalls wirft man bisweilen ein wenig Rha⸗ barber hinein. Nach 6 Wochen kann man die jungen Fafanen an haͤrteres Futter gewoͤhnen. Sie lernen alsdann ſchon Weizenkraupen, Hirſe, Gerſtenſchrot und dergl. freſſen. Man thut wohl, wenn man unter jenes Futter immer etwas Leinſaamen miſcht.— 4 flegt man ſte ſorgfaͤltig, und ſchuͤtzt ſte vor Raͤſſe und andern Unfaͤllen, ſo wachſen ſte bald heran. Den ausgewachſenen lähmt man, wenn ſie im Garten bleiben ſollen, die Fluͤgel. Hiebey muß man vorſichtig zu Werke gehen, damit die Thiere nicht erkranken. Am beſten iſts, wenn man den Fluͤgel in der Gegend des erſten Gelenkes berupft, ſodann den Obertheil über dieſem Gelenke mit einer Schnur ſtark zuſammenbindet, und nun den Theil des Fluͤ⸗ gels in dem Gelenke mit einem ſcharfen Meſſer abſchneidet. Um das Verbluten zu ver⸗ hindern, brennt man die Wunde zu. Nach dieſer Operation muͤſſen die Faſanen fleißig abgewartet, gut gefuͤttert und vor Kaͤlte und Raͤſſe bewahret werden. Wenn die Wunden geheilt ſind, laͤßt man ſie am Tage austreiben, und wirft ihnen nunmehr Koͤrner vor. Sie freſſen alles, was ſonſt die Haushuͤhner freſſen; Gerſte, Hafer, Weizen, Erbſen, Sa⸗ lat, Kohl, Ruͤben u. ſ. w. Die frey herumlaufenden Faſanen ſucht man, wie bey den wilden Faſanerien, durch Raͤuchern nach dem Stande hinzulocken, wenn ſte ſich zu weit entfernen. 8§ 2 — waͤhnt worden. Viele halten es aber auch fuͤr ſehr geſund. Im Herbſt ſind dieſe Voͤgel Außer dieſer beſchriebenen Art von Faſanengaͤrten, gibt es noch andere, ſimplt ſind, und alſo weniger Koſten erfordern. Im Maͤlz paaren ſich die Faſanen, und gegen das Ende des Aprils legen die Heh nen gewoͤhnlich das erſte Ey. Laͤßt man die Eyer liegen, ſo erhaͤlt man e bis 24 Stuͤck nimmt man ſte aber weg, ſo legt eine einzige Henne wohl 30. Das Neſt macht ſte ft ſelbſt aus Laub, Heu und Stroh in einem verborgnen Winkel ihres Aufenthalts. Es f kunſtlos zuſammengetragen. Die Faſanen⸗Eyer ſind faſt ſo groß, wie gemeine Huͤhne Eyer, und haben eine ſehr zarte weißlichgelbe Schale. ö Man hat an den Faſanen die Bemerkung gemacht, daß die Henne nach dem Lege⸗ und Bruͤten bisweilen das ſchoͤnere Geſteder und ziemlich das Anſehen des Hahns bekomm und daß der Hahn ſte alsdenn gar nicht mehr achtet. So gewiß die Sache iſt, ſo weni weiß man ſie zu erklaͤren. Etwas Ahnliches bemerkt man indeß auch bisweilen an de Pfauhenne“). In England gibt es ſehr viele wilde Faſanen. Sie pflanzen ſich dort, wie andere wilde Gefluͤgel fort. Die ausgebruͤteten Jungen folgen der Mutter, wie junge Repphuͤhner Die zahmen Faſane ſind mancherley Krankheiten unterworfen. Dahin gehoͤrt z B. der Pips, der bey ihnen aus den naͤmlichen Urſachen entſteht, wie bey den Haushuͤh nern. Man befreyet ſie auch auf dieſelbe Art davon, indem man ihn mit einem ſcharfen Meſſer von der Zunge hinwegnimmt, und hierauf den Schnabel mit Knoblauch, der mi weichem Harz zerſtoßen iſt, einreibt. Wenn man den Faſanen die noͤthige Freyheit und im mer friſches Waſſer gibt, ſo bleiben ſie frey von dieſem Ubel. Schlimmer iſt eine andt Krankheit, die Darre. Bey derſelben entſteht öͤfters über dem Schwanze eine weiße Blat ter, welches nichts anders als die verſtopfte Fettdruͤſe iſt. Sie muß mit einer Radel geoͤffne und dann ausgedtuͤckt werden. Bey andern Krankheiten gibt man ihnen geſtoßene und mit Butter vermiſchte Senf, koͤrner ein. Daß man das Fleiſch von Faſanen zu den leckerſten Speiſen rechnet, iſt ſchon er⸗ am fetteſten. Man kann ſie auch maͤſten, wie die Kapaunen. Die Eyer ſchmecken eben⸗ falls ſehr gut, und kommen den gemeinen Huͤhnereyern am Geſchmack bey. In der Me⸗ 8 dizin braucht man weder Galle noch Fett mehr. ) Noch merktuͤrdiger iſts, daß ſich Faſanen mit dem Haushuhn begatten, gen, die ein vortreffliches Fleiſch haben ſoll. Dieſe Baſtarde ſind bruͤten nicht, und legen keine befruchtete Eyer. n, und eine Baſtardart zeu⸗ jedoch voͤllig unfruchthar, ſie n Lege⸗ kommf weniz an de andere⸗ huͤhner hoͤrt z ushuͤh charfen der miſ ind im alldte Blat⸗ eoͤffnel Senf⸗ on er⸗ Voͤgel eben⸗ Me⸗ rt zeu⸗ ar, ſte 45 In Faſanerien koſtet das Einfangen der Faſanen wenig Muͤhe. Wo ſie wild ſind, ängt man ſie auf verſchiedene Art, und beluſtigt ſich zugleich damit. Man ſucht ſie durch kleine dazu abgerichtete Hunde auf. Wenn der Hund einen Faſan auf einem Bau⸗ me antrifft, ſo laͤuft er um den Baum herum, und bellt, bis der Jaͤger kommt und den Vogel erlegt. Auch ſchießt man ſie des Nachts, wenn man ſich vorher die Stellen auf den Baͤumen bemerkt hat, wo ſie zu ſitzen pflegen. Sonſt faͤngt man ſie noch im Garn und in Schlingen, oder beizt ſie mit Falken. Es gibt ſehr viele Abaͤnderungen in der Farbe, z. B. weiße, bunte, tuͤrkiſche Fa⸗ ſanen u. ſ. w. . ö O Der afrikaniſche Kronenfaſan. (Fhasianus corohdtus,) Er iſt nicht ganz ſo groß, wie der gemeine Faſan. Sein kurzer Schnabel iſt ſtark und gelb. Die Krone auf dem Kopfe dient ihm zur beſondern Zierde. Sie beſteht aus einer Menge feiner, in der Mitte brauner und an den Spitzen ſilberweißer Federn, und iſt groß und buſchicht; der Schwanz iſt ſehr kurz, die Fuͤße ſind blaͤulich, und das ganze Gefteder iſt ſchoͤn ſtahlblau; die Deckfedern der Fluͤgel ausgenomnien, welche braun ſind, und im Braunen einen großen weißen Fleck haben. Die großen Schwanzfedern ſind ſchwaͤrzlich. Man kennt dieſen Faſan noch wenig. Nur weiß man, daß er in Aftika einhei⸗ miſch iſt. S · (Pfasianus oriα]“.) Der Hoizin, oder Hokko iſt gleichfalls etwas kleiner, als unſer Faſan. Er hat ein ſchoͤ⸗ nes Gefieder. Der Federbuſch, womit der Kopf geziert iſt, beſteht aus langen und kuͤr⸗ zern Federn. Die laͤngſten meſſen 3 Zoll. Sie haben aber eine ſchmutzig braune ins Weißliche fallende Faebe; unten ſind ſie ſehwarz. Die Kreiſe um die Augen ſind ganz kahl und von roͤthlicher Farbe. Der Oberleib iſt in der Figur ſchwaͤrzlich, nach andern Exemplaren aber eigentlich braun; der Unterleib bis an den Bauch iſt geibröthlich ins Der Groͤße nach gleicht er einem kleinem Haushuhn. Sein Geſteder iſt a ubrige Unterleib iſt graugruͤnlich; Schnabel und Beine ſind roͤthlich. Wrifliche ſaland; Bauch und Alter ſind hochgelhroch, Vam Hinkekopf bis zum unten und hintern Theile des Halſes hat jede Feder laͤngſt der Mitte herab einen weißen Streifen; die Spitzen der mittlern und groͤßern Deckfedern der Fluͤgel ſind weiß, und bilden Streiſen an den Fluͤgeln; der Fluͤgelrand iſt zur Haͤlfte vom Buge an weiß; die Schwung⸗ federn ſind gelbroth. Der keilfoͤrmige Schwanz iſt 10 Zoll lang und mit dem Ruͤcken von gleicher Farbe; ſeine ſaͤmmtlichen Federn haben gelbe Spitzen. Die Fuͤßte ſind ohne Spom einige und ſchwaͤrzlich. Das Vaterland dieſes Vogels iſt Mexiko, wo er ſich auf Baͤumen an den Fluͤſſen aufhaͤlt. Er lebt von Wuͤrmern, Inſekten und Schlangen. Sein Geſchrey iſt heulend, und ſoll ſeinen Ramen veranlaßt haben. Die Einwohner halten ihn fuͤr einen Ungluͤcksvo⸗ gel; doch ſollen ſie ihn gezaͤhmt um ſich hegen. Sοο— ⏑ Der Faſan von Cayenne, (Sbasianue caναι.) muf dem obern Theile des Leibes ſchwarzgruͤn. Der lange Schwanz hat gleiche Farbe, und ſeine Federn lind von ungleicher Laͤnge. Der Kreis um die Augen iſt von weitem Umſange, kahl und roth; die Kehle iſt ebenfalls roth; die Bruſt ſchwaͤrzlich mit weißen wellenfoͤrmigen Zeichnungen; der Bauch und After graugelb; die Beine und der Schnabel ſind roth. Man ſcheint dieſe, ſo wie die folgenden Gattungen, nur noch ſehr unvollkommen zu kennen. . O) Der Faſan von Guyane. (D 4729565 Suulahentçis.) Er gleicht an Größe dem vorigen; nur iſt ſein Sch Der ganze Oberleib, die Kehle bis auf die Bruſt herab und der Schwanz ſind braun; der SR wanz von anderer Geſtalt und kuͤczer. 2 ret K W. de ſir w. lie Untetn reifen; Elntge wung⸗ n von Sporn luͤſſen ulend, icksbo⸗ Ser F aſann Ca p. (Phiasianus capitis Sondé Hel.) Der Stellung wegen, die dieſer Faſan annimmt, ſollte man ihn kaum zu dieſem Geſchlechte rechnen. Er gleicht an Groͤße dem Haushahn. Seine Augen ſind mit einem großen rothen Kreiſe umgeben. Vom Hinterkopfe haͤngt ein ſchwarzbrauner Federbuſch nachlaͤſſig herab, welches ihm ein ſchoͤnes Anſehen gibt. Der Oberleib iſt graubraun; die Schwungfedern der Fluͤgel ſind ſchwaͤrzlich. Aus dem Schwanze gehen in der Mitte zwey lange Federn her⸗ aus, welche, gleich den uͤbrigen, eine ſchwärzliche Farbe haben. Kehle, Bruſt und Bauch ſind weiß; weiß iſt auch die Grundfarbe der Schenkel, welche uͤbrigens mit ſchwaͤrzlichen, wellenfoͤrmigen Linien bezeichnet ſind. Die Beine haben, wie der Schnahel, eine gelb⸗ liche Farbe. Pflanzen. XXV. Fllaſches 1 Da Flachs oder Lein, und der Hanfeſind lür das menchliche Leben wo höc)ſt wich⸗ tige Pflanzen, weil ſie uns Zwirn, Leinwand, Bindfaden, Stricke und Seile, und endlich auch Papier, ihre Samenködener aber Ol geben. Ihr Anbau ſowohl, als ihre weitere. Verarbeitung beſchaͤftigt daher auch in allen Laͤndern von Europa eine große Menge Men⸗ ſchea, und ſie liefern die wichtigſten und einnaͤglichſten Handelsartikel. Nro. i. Flachs oder Lein. (Linum usitatissimum L.) Der gemeine Flachs oder Lein findet ſich noch in Spanien, in der Schweiz und andern fuͤdlichen Laͤndern Europens wild wachſend; er wird aber gewoͤhnlich bey uns als eine Sommerfrucht ſorgfaͤltig auf dem Acker gebaut. Er treibt einen duͤnnen einfachen Stengel 2 bis 3 Fuß hoch, bluͤht graublau, Eig. 1.) und traͤgt ſeine glatten, braunen Samenkörner(Fig. b) in braunen Knoten,(Fig a.) welche bey der einen Gattung, dem Klangleine, an der Sonne aufſpringen, bey der andern, dem Droſchleine, aber zer⸗ droſchen werden muͤſſen. Die feine Haut oder der Baſt des holzigen Stengels, welcher ſich durch das Roͤſten von dieſem abloͤſet, giebt eigentlich den Flachs, welcher, wenn er gehörig vorbereitet iſt, geſponnen wird, und leinenes Garn gibt. Von dieſem wird Leinwand ge⸗ webt, welche, wenn ſie verbraucht und zerriſſen iſt, Lumpen giebt, woraus dann endlich Pa⸗ pie“ gemacht wird. Aus dem zerſtampften Leinſamen wird Ol gepreßt, welches theils zum Biennen, theils aber auch zum Olfirniſſe fuͤr die Mʒahler gebraucht wird. Die uͤbrigblei⸗ benden ausgepreßten Huͤlſen, oder ſogenannten Leinkuchen aber geben ein ſehr gutes Futter fuͤr Pferde, Rind⸗ und Schaafvieh. Solch eine gemeinnuͤtzige Pflanze iſt der Lein. Nro. 2. u. 3. Der Han,f. (Canabis sativa.) Das eigentliche Vaterland des Hanfes iſt Perſten; er treibt gewöhnlich 8 bis 9gFuß hohe und fingersdicke Stengel in gutem Boden, und iſt eben ſo wie der Flachs nur eine Sommerpflanze auf unſern Ackern. Der Hanf traͤgt ſeine verſchiedenen Geſchlechter nicht auf iner, ſondern auf verſchiedenen Pflanzen. Die maͤnnliche Pflanze(Eig. 2.) wel⸗ che eiwas breitere Blätter hat, und blos maͤnnliche Blöthen, aber keine Samenkoͤrner tiaͤgt, heißt ſchlechtweg der Hanf; die weibliche Pflanze(Fig. 3.) aber, welche die grauen Samenkoͤrner(Fig. c.) bringt, die Hänfin, oder die Fimmel. Sobald auf einem Hanffelde der maͤnnliche Samenſtaub zu Anfang des Auguſts verſtreut iſt und die weiblichen Pflanzen befluchtet hat, ſtirbt er ab, wird ausgerauft und eingeſammelt. Die Haͤnfin reift erſt 4 bis 5 Wochen ſpaͤter. Übrigens geben beyderley Pflanzen einerley Baſt, der wegen ſeines langen, ſehr zaͤhen, faſtigen Gewebes vorzuͤglich zu Bindfaden, Stricken, Schifſſei⸗ len, Aakerthauen, Segeln, Zeltleinwand u. dgl. gebraucht wird. Der Hanf iſt fuͤr Ruß⸗ land, Deutſchland und mehrere europaͤiſche Reiche ein ſehr wichtiger Handelsartikel. —¹.6 56.————— zztes Heſt. 4 F lach 3 d d err (Linum uoitatiScimum.) Es konnte wohl nicht leicht ein paſſenderes Beywort fuͤr den Flachs gewaͤhlt werden, als Uusitatissimum. Dieſe Pflanze verdient unſtreitig in Ruͤckſicht auf den großen Nutzen, welchen der Menſch daraus zieht, nach den Getreidearten den erſten Platz. Man kennt 24 Gattungen von Gewaͤchſen, die zu dem Geſchlechte des Flachſes gehoͤren, und ſaͤmmt⸗ lich folgende Kennzeichen mit einander gemein haben: einen bleibenden fuͤnfblaͤtterigen Kelch, eine trichterfoͤrmige fünfblaͤtterige Blumenkrone und fuͤnf Staubgefaͤße. Die Pflanze gehoͤrt in die fuͤnfte Klaſſe(Pentandria). Nach der Bluͤthe entſteht eine fuͤnfeckige rundliche Samenkapſel mit 10 Fächern, in deren jedem ein Samenkorn ſitzt. Von allen übtigen Gattungen laͤßt ſich der gemeine hier abgebildete Flachs oder Lein an ſeinen zuge⸗ ſpitzten Kelchen und Samenkapfeln, an den gekerbten Blumenblaͤttchen, und an den lanzet⸗ ſoͤrmigen, wechſelsweiſe ſtehenden Blaͤttern unterſcheiden. Die Pflanze treibt meiſtentheils nur einen Stengel, der nach Verſchiedenheit des Kli⸗ ma und des Bodens eine verſchiedene Hoͤhe und Dicke erlangt. In Agypten ſoll er 4 Fuß hoch und: Zock dick werden. Doch ſcheint es, daß er als Flachs betrachtet, in heißen Lendern nicht ſo gut gedeihe, als in gemaͤßigten Gegenden. Sein wahres Vaterland iſt nicht genau bekannt; denn ſchon ſeit langer Zeit kultivirt man ihn. Die ſuͤdlichen Laͤnder Europens, z. B. Spanien, werden gemeiniglich für die urſpruͤngliche Heimath deſſelben ge⸗ halten. Er ſoll dort noch jetzt unter dem Getreide wildwachſend gefunden werden. Auch bey uns trifft man hin und wieder einzelne Flachspflanzen in Feldern und Gaͤrten wild an; allein ſie ſind nur verwildert, und durch Verſtreuung des Samens entſtanden. Heut zu Tage wird der Flachsbau in noͤrdlichen Laͤndern am ſtaͤrkſten und mit dem beſten Erfolg betrieben. Irland nimmt unter den Flachslaͤndern die erſte Stelle ein. Hier wird er nicht nur in ungeheurer Menge, ſondern auch von ganz vorzuͤglicher Guͤte und Feinheit gewonnen. Kein Flachs ſoll in dieſer Hinſicht dem irlaͤndiſchen gleichen. Er wird aber nicht roh, ſondern nur verarbeitet ausgefuͤhrt. Nach dem irlaͤndiſchen foll der in Flan⸗ dern der beſte ſehn. Ia Liefland und Curland, in einigen Gegenden von Polen, im Groß⸗ 51 herzogthum Litthauen u. ſ. w. wird ebenfalls viel und ſehr guter Flachs gebauet. Manche Provinzen Deutſchlands erzielen eine große Menge. Dahin gehoͤren Boͤhmen, Maͤhren, Schleſten, Weſtphalen, Sachſen und Schwaben. Man kennt zwey Hauptarten, die gewoͤhnlich angebauet werden, den Klanglein und den Dorſchlein. Jener wird auch Springflachs genannt, weil die reifen Samen⸗ kapſeln von ſelbſt mit einem Gekniſter aufſpringen. Er unterſcheidet ſich nicht allein durch den hellern Samen und kuͤrzern Stengel, ſondern auch dadurch, daß er eher reif wird, als der Dorſchlein. Überdies liefert er feinern, weichern und weißern Flachs, als dieſer.— Der Dorſchlein hat dunkelfarbigen Samen; ſeine Stengel, und folglich auch die Flachsfaͤ⸗ den ſind laͤnger, von Farbe gruͤnlich, doch mit Ausnahme. Wenn man ihn lange roͤſtet, ſo nimmt er eine ſchwaͤrzliche Farbe an, die ſich aber beym Bleichen wiederum verliert. Die⸗ ſe Art wird haͤuftger gebauet, als die erſtere. Nach der Guͤte des Bodens richtet ſich auch die Guͤte des Flachſes. Zu ſeinem Anbau muß man daher auf gutes und zugleich wohlbearbeitetes Land bedacht ſeyn. Trock⸗ nes und magres Land taugt nicht fuͤr den Flachs. Eben ſo wenig gedeihet er in einem fe⸗ ſten Boden. Ein feuchtes— aber nicht naſſes— lockeres und fettes Erdreich iſt ihm das zutraͤglichſte. Wenn gleich die Flachspflanze nur ein Sommergewaͤchs iſt, ſo muß man doch den Boden ſchon im Herbſt graben, oder pfluͤgen, und gut duͤngen. Letzteres kann zwar auch erſt im Fruͤhjahr geſchehen; allein man thut es doch nur dann, wenn man mehr auf eine reichliche Leinenſamenärnte, als auf den Flachs ſelbſt ſteht, welcher im friſch ge⸗ duͤngten Boden nicht ſo gut geraͤth. Roch beſſer iſts, wenn man ein gut geduͤngtes Feld erſt mit Kohl bepflanzt, und es dann im folgenden Jahre mit Lein beſaͤ:et. Ehe man ſaͤet, muß der friſch gepfluͤgte Boden ein paar Wochen ruhen, damit er ſich ſetze. Die Ausſaat ſelbſt geſchieht, wenigſtens nach dem Rathe erfahrner Landwirthe zu drey verſchiednen malen; und zwar darum, weil die Witterung ſo ſtarken Einfluß auf das Gedeihen des jungen Flachſes hat, daß, wenn dieſelbe nicht guͤnſtig iſt, oft gar nichts aus dem Samen wird. Die Zeit der erſten Ausſaat faͤlt am Ende des Maͤrzes, oder zu Anfange des Aprils; die zweyte in den letzten Tagen des Aprils oder im Anfange des Mai's, welche die gewöhnliche und we⸗ nigſtens in vielen Foͤllen die bequemſte Saatzeit iſt. Die dritte geſchieht 4 Wochen ſpaͤter. Wie beym Getreide und bey andern Gewaͤchſen, ſo kommt auch beym Flachs viel auf guten Samen an. Man muß alſo beym Anbau des Flachſes auf deſſen Anſchaffung bedacht ſeyn. Der Lieflaͤndifche Leinſamen, den man aus Riga erhaͤlt, wird allgemein in Deutſchland fuͤr den beſten gehalten. Dicjenigen Laͤnder, welche zur Verfertigung ihrer fei⸗ nen leinenen Produkte, vorzuͤglich guten Flachs bedürfen, zichen ihren Lein aus Liefland. Er iſt theuer, und kann nicht von jedem Landmanne bezahlt werden. Indeß ſchadet dies nichts, denn man wriß jetzt, daß die Guͤte des lieflaͤndiſchen Leinſamens nicht ſowohl auf G 2 2 gewiſſen Eigenthümlichkeiten des Bodens oder der Behandlung, ſondern auf dem Alter be⸗ ruhet. Man hat mit einheimiſchem Samen die Erfahrung gemacht, daß, wenn man ihn mehrere Jahre alt werden laͤßt, er eben die Dienſte leiſte, wie der lieflaͤndiſche. Man hat ferner bemerkt, daß die lieflaͤndiſchen Samenhaͤndler den Lein 5 bis 0 Jahre liegen laſſen, che ſie ihn verkaufen; ja, daß ſie ſogar deutſchen Leinſamen nach Liefland ziehen, und ihn mit großem Proftt nach 6 bis 7 Jahren den Deutſchen wieder verkaufen. Folgender Vor⸗ fall, deſſen Wahrheit verbuͤrgt wird, beſtaͤtigt dieſen letztern Umſtand. Eine gewiſſe Dame pflegte auch Leinſamen aus Liefland kommen zu laſſen. Einſtmals tauſchte ſie ihren einhei⸗ miſchen gegen lieflaͤndiſchen um, und zahlte dem Kaufmanne eine beträͤchtliche Summe in baarem Gelde nach. Nicht lange nachher vermißte ſie ihren Ring, fiel aber nicht darauf, bey welcher Gelegenheit er koͤnnte verloren gegangen ſeyn. RNach 6 oder 7 Jahren ließ ſie wiederum Leinſamen aus Liefland kommen, und fand in demſelben ihren Ring wieder. Nun erinnerte ſie ſich, daß ſte behm Ausmeſſen des Leins einigemal mit der Hand in den Sack gegriffen hatte, in welchem ihr Lein befindlich war. Man kann alſo das Geld, welches man ſonſt alle 4 oder 5 Jahre— denn ſo oft artet der Lein nach der bisherigen Behandlung aus— fuͤr lieflaͤndiſchen Samen hingeben mußte, erſparen, und ſich ſelbſt guten Leinſamen erziehen. Zu dem Ende darf man nur 2 oder 3 Jahre guten Samen anſchaffen, und den in jedem Jahre geaͤrnteten 6 bis/ Jahre zur Ausſaat liegen laſſen. Guter Leinſamen hat eine glaͤnzende braunrothe Farbe, iſt lang und ſo glatt, daß er leicht uͤber die Finger gleitet, wenn man ihn anfaßt. Daß er rein ſey, iſt ein Haupterforderniß, da das Unkraut den Pflanzen aͤußerſt nachtheilig iſt.— Um gu⸗ ten Samen zu ärnten, muß man gleich beym Saͤen die noͤthige Vorſicht gebrauchen. Dieſe beſteht theils darin, daß man, wie oben erwaͤhnt wurde, den Acker friſch duͤngt; theils daß man nicht zu dick ſaͤe. Man beſtimmt daher am bequemſten ein eignes Stuͤck von dem Flachslande zum Samen. Das Land, bey welchem man mehr auf den Flachs ſteht, wird dicker beſaͤet; doch richtet ſich auch hier das mehr oder weniger nach der Guͤte des Bodens; denn es gilt beym Lein, wie beym Getreide, die Regel: auf leichten Boden muß dicker, auf fettem Boden duͤnner geſaͤet werden. Doch ſagen auch einige, daß es umgekehrt ſeyn muͤſſe, weil gerade das fette Land mehr Pflanzen zu ernaͤhren im Stande ſey, als der magre Bo⸗ den. Wie viel Scheffel oder Metzen Ausſaat auf ein Stuͤck Acker von beſtiminter Groͤße gehöre, laͤßt ſich nicht ſo genau angeben; weil man dabey auf verſchiedene Umſtaͤnde Ruͤck⸗ ſicht nehmen muß. Rach Riem gehoͤren auf einen Morgen Acker von 1606 Quadratru⸗ then Rheinl. Maaß ungefaͤhr 9 oder 10 Metzen; nach andern, namentlich nach Bo⸗ rowsky, 16 bis 20 Metzen. Wenn die jungen Flachspflanzen 4 bis 5 Zoll hoch ſind, muͤſſen ſte vorſichtig bom Unkraute gereinigt werden. An manchen Orten pflegt man das Ackerſtuͤck in ſchmale Beete einzutheilen, zwiſchen welchen ſchmale Wege laufen, die man beym Jaͤten betritt; allein dies iſt nicht nothwendig, man darf nur behutſam ſeyn. Nachtheilig iſts, wenn der Flachs vom Winde oder Regen umgeſchlagen wird. Dadurch wird das Wachsthum verhindert. 53 Die Mittel zur Verhuͤtung dieſes Übels ſind muͤhſam, aber doch auch belohnend. In Flan⸗ dern und Brabant, wo wegen der feinen Gewebe, die dort verfertigt werden, ſo viel auf guten Flachs ankommt, verhuͤtet man das Umlegen folgendermaßen. Man ſteckt auf das Flachsſtuͤck reihenweiſe eine hinlaͤngliche Anzahl von Pfloͤcken, die 20 Zoll lang ſind, und ſich oben in eine Gabel endigen. Auf dieſe Gabeln werden lange duͤnne Stöcke gelegt und quer uͤber die Stuͤcke duͤnne Reifen. Dies geſchieht zeitig, wenn die Flachspflanzen etwa fin⸗ gerslang ſind. So wie ſte groͤßer werden, ſo wachſen ſte durch das uͤber ihnen befindliche Reis durch, und dieſes ſchuͤtzt ſte vor dem Umfallen. Man nennt dieſes Verfahren das Stengeln. Rach dem Jaͤten hat man mit dem Flachſe weiter keine Muͤhe. Er bleibt nun bis zur Reife ſich ſelbſt uͤberlaſſen. Die Reife der Stengel erkennt man daran, wenn die Sa⸗ menkoͤpfe anfangen eine braͤunliche Farbe zu bekommen. Die Stengel ſelbſt muͤſſen nicht ganz abſterben, ſondern nur gelblich werden. Nun rauft man die reifen Stauden mit der Wurzel aus, bindet ſie in ein Bund, und bringt ſie nach Hauſe. Hier breitet man ſte wie⸗ der auseinander, ſtellt ſie an einen ſonnigen Ort, und laͤßt ſie nachreifen und trocknen. Die trocknen Flachsſtengel beſtehen aus einer duͤnnen Haut, aus den Faſern, und dem Kern oder dem Holze. Dieſe 3 Theile ſind unter einander vermittelſt einer klebrigen Subſtanz verbunden. Die naͤchſte Behandlung der Stengel beſteht darin, daß man dieſe Ver⸗ bindung aufloͤſet, und die Faſern als den eigentlichen brauchbaren Theil det Pflanzen, den Flachs, von den uͤbrigen Theilen abſondert. Dieſer Zweck wird durch das Roͤſten im Waſſer erreicht. Rachdem man vermittelſt eines eignen Inſtruments, die Reſſe genannt, die Sa⸗ menkapſeln(Knoten) von den Stengeln abgeriſſen hat, legt man dieſe zwiſchen kingeſchlag⸗ nen Pfaͤhlen in ein fließendes oder ſtehendes reines Waſſer. Damit ſie untertauchen, beſchwert man ſte mit Steinen. In dieſem Zuſtande bleibt der Flachs 6 bis„ Tage liegen. Anſtatt des Roͤſtens im Waſſer ſchlagen andere die Thauroͤſte vor. Man ſoll nämlich den Flachs auf niedrige Wieſen ausbreiten, und ihn vom Thau und Regen benetzen laſſen. Auf die Art den Flachs zu roͤſten, kommt ſehr viel an. Reines, weiches Flußwaſſer iſt unſtreitig das beſte. Der Flachs wird darin weiß, und nimmt hernach als Garn die Bleiche deſto eher an. Indeß iſt es nicht imier thunlich, in dergleichen Waſſer zu roͤſten. Das Waſſer muß keinen ſchmutzigen ſchlammigen Gtund haben, weil dadurch ebenfall die Farbe des Flachſes leidet. Am beſten iſts, einen kleinen Graben aus dem Fluſſe oder Bache zu leiten, und zwar auf einen reinen Sandgrund. Hat man viel Flachs nach einander zu roͤſten, ſo muß vorher das ſchmußige Waſſer immer erſt abgeleitet werden, weil auch dieſes der Farbe nach⸗ theilig iſt. Jemehr das Waſſer, worin der Flachs roͤſten ſoll, der Sonne ausgeſeßt iſt, deſto beſſer geht das Roͤſten von ſtatten. Damit die Faſern nicht verfaulen, iſts noͤthig, daß man von Zeit zu Zeit nachſieht, und probirt, ob der Flachs genug geroͤſtet iſt. Man bemerkt dies, wenn beym Umwinden eines Stengels um den Finger ſich die Haut leicht abloͤſet. Iſt dies der Fall, ſo nimmt f .5 man den Flachs heraus, und breitet ihn auf dem Graſe duͤnn aus, damit ihn die Sonne und der Thau recht treffe, und das Roͤſten vollende. Endlich bindet man ihn nach einem warmen Sonnenſcheine wieder zuſammen, und doͤrret ihn entweder in einem Back⸗ ofen, oder auf einer hiezu beſonders eingerichteten Flachsdarre ſo hart, daß die aͤußere Haut von den Faſern leicht abſpringt. ̃ Die bisherige Behandlung, das Roͤſten und Darren, ſollten nur Mittel ſeyn, die Befreyung der Faſern von den unbrauchbaren Theilen zu erleichtern. Dieſe Arbeit wird nun mit dem Flachſe vorgenommen. Man nennt ſie Brechen oder Braken, und bedient ſich dazu eines eignen Inſtruments, die Breche oder Brake, welches aus zwey Hoͤlzern mit einem Falze beſteht. Hiermit quetſcht man die Stengel, und durch das Quetſchen loͤſen ſich die Faſern, welche ihrer Biegſamkeit und Weiche wegen ganz bleiben, von dem innern Kerne, der zer⸗ brochen wird, ab. Viele verrichten dieſe Arbeit mittelſt eines Klopfholzes, mit welchem ſie den Kern zerſchlagen. Dem Brechen folgt das Schwingen. Dies geſchieht auf dem Schwingeblock, auf welchen man die Stengel legt, und dann mit einem flachen Holze, die Schwinge, daruͤber hinſchlägt, bis ſich auch die zerbroͤckelte Haut von den Faſern ſondert, und als Schewen zu Boden faͤllt.— Es iſt nunmehr von den Stengeln nichts uͤbrig als die Faſern, welche den Flachs ausmachen. Man bindet ſie in Buͤnde, und ſo iſt der Flachs zum Verkauf fertig. So oft er auch bisher von der Ausſaat an durch die Haͤnde der Menſchen ging, und ſo viel Muͤhe er koſtete, ſo iſt er doch noch nicht zum Spinnen tauglich. Die Faſern ſind naͤmlich theils nicht alle von gleicher Guͤte und Feinheit, theils enthalten ſie noch man⸗ che Unreinigkeit(Schewen). Daher muß der Kaͤufer neue Muͤhe daran wenden. Er muß den Flachs hecheln. Die Einrichtung der dazu gehoͤrigen Werkzeuge(Hechel) iſt bekannt. Man unterſcheidet groͤbere und feine, d. i. weitere und engere. Die groben Faſern, welche in der Hechel zuruͤckbleiben, bilden verwirrte Klumpen, die man Werrig oder Werg nennt. Sowohl dieſes, als die feinern Faſern(Riſten), werden zu Garn geſponnen. Das Werg gibt gröͤberes, die feinern Faſern ein feineres Garn. Man hat in den neuern Zeiten die wichtige Entdeckung gemacht, daß man den Flachs ſo veredeln kann, daß er der Seide gleicht, und weiß und wollartig wird. Es befin⸗ det ſich naͤmlich in demſelben, wie geſagt, eine harzige Subſtanz, verbunden mit einem leim⸗ artigen Weſen, welches die Steifigkeit der Faſern verurſacht. Von dem letztern wurde der Flachs ſchon durch das Roͤſten befrehet; es bleibt aber noch das Harz zuruͤck, welches nicht durch Waſſer, ſondern durch Behandlung mit Laugenſalze wegzuſchaffen iſt. Man ſchlaͤgt hierzu mehrere Mittel vor, von denen nur einige hier angefuͤhrt werden ſollen. Man bereitet eine ſtarke Aſchenlauge, nimmt auf jedes Pfund Flachs, das man ver⸗ edeln will, etwa fuͤr einen Groſchen venetianiſche Seife, fuͤr 6 Pfennige Glasgalle, gelbes 55 Hatz und Weißwwurz, ebenfalls fuͤr 6 Pfennige, und eine Hand voll gemeines Kuͤchenſalz, alles dies vermiſcht, und groͤblich gepuͤlvert wirft man in die Lauge. Run nimmt man den Flachs, der rein gehechelt ſeyhn muß, windet ihn locker und duͤnn auf runde Stoͤcke, thut ihn in den Laugenkeſſel, und laͤßt ihn ſo 48 Stunden lang beizen. Anfangs macht man ſo viel Feuer unter dem Keſſel, daß die Lauge ſiedet, bald laͤßt man aber nach, und erhaͤlt ſte nur heiß. Nach Ablauf der beſtimmten Zeit wird der Flachs herausgenommen, auf den Stoͤcken, in reinem kalten Waſſer abgeſpuͤlt, und 6 bis 7Lage lang gebleicht. Hierauf nimmt man das Beizen auf dieſelbe Art noch einmal vor, bleicht dann wiederum, und ſo iſt die ganze Arbeit fertig. ö Nach einer andern Vorſchrift ſoll man ſo verfahren. Man gießt Salzlauge in einen kupfernen, aber wohl verzinnten Keſſel, und miſcht darunter ſo viel Birkenaſche und fein zer⸗ ſtaͤubten ungeloͤſchten Kalk— von beyden gleich viel— bis die Lauge zu einem duͤnnen Brey wird. In denſelben legt man eine Schicht feinen Flachs, der wieder mit Aſche und Kalk bedeckt wird; hierauf folgt abermals eine Schicht Flachs und ſo faͤhrt man abwechſelnd fort, bis der Keſſel ſo weit angefuͤllt iſt, daß der Rand noch 1 Fuß uͤberſteht. Die ganze Maſſe wird 10 Stunden lang mit einem gleichmaͤßigen Feuer im Sieden erhalten. Ver⸗ duͤnſtet die Fluͤffigkeit, ſo gießt man waͤhrend dem Sieden friſche Lauge zu. Nachher wird der geſottene Flachs mit Salzlauge ausgewaſchen, dann behutſam mit den Haͤnden gerieben, wieder mit Seife in reinem Waſſer gewaſchen, und endlich wohl eingeſeift auf die Bleiche gelegt. Waͤhrend dem Bleichen darf man es nicht an Beſprengen mit Waſſer fehlen laſſen. Wenn man zuletzt den Flachs trocknet, ſo hat man eine Are von kuͤnſtlicher Baumwolle, die ein vortreffliches ſehr ſchoͤnes Garn gibt. 5 Es iſt bekannt, daß leinene Gewebe nach unſern jetzigen Sitten und Beduͤrfniſſen ein allgemein geſuchter Handels⸗Artikel ſind. Die Menge der verſchiedenen Sorten von Geweben, die aus Flachs verfertigt werden, iſt unglaublich groß; beſonders findet ein unge⸗ meiner Unterſchied ſtatt in Hinſicht auf Feinheit und Kunſt. Unter allen Geweben ſind Brabanter Kanten oder Spitzen die beruͤhmteſten. Man verfertigt in Brabant ſo feine Ar⸗ beiten dieſer Art, daß man aus einem einzigen Pfunde Flachs an ſteben tauſend Gulden ge⸗ winnt. Der Werth der feinſten Spitzen uͤberſteigt den Werth des Goldes weit. Andere ſehr feine Gewebe aus Flachs ſind der Batiſt, das Kammertuch u. ſ. w. Ein nicht minder wichtiger Vortheil, den man vom Flachſe zieht, iſt das Papier, welches in ſo ungeheurer Menge verbraucht und bekanntlich aus leinenen Lumpen verfertigt wird. Auch der Leinſamen iſt von großem Rutzen. Er liefert das bekannte Leinoͤl, welches zum Anſtreichen und zu andern Zwecken dient. eRF. (Canabis galcva.) Von beynahe eben ſo großem Nutzen fuͤr das Beduͤrfniß des Menſchen iſt der Hanf, eine Pflanze, die, ſich ſelbſt uͤberlaſſen, einen 6 bis 8 Fuß hohen Stengel treibt, aber mit Sorg⸗ ſalt und in gutem Boden cultivirt wohl 16 Fuß hoch und Daumens dick wird. Sie ge⸗ hoͤrt nicht, wie der Flachs zu den Zwitterpflanzen, ſondern zu den mit ganz getrennten Ge⸗ ſchlechtern. Fig. 2. iſt die mannliche Pflanze. Sie hat, wie die weibliche, fingerfoͤrmige, etwas gekerbte längliche Blätter, welche ſich von den Blaͤttern der weiblichen Pflanze nur dadurch unterſcheiden, daß ſie etwas breiter ſind. Ihr Geruch iſt widrig. Die maͤnnliche Bluͤthe hat einen fuͤnfmal getheilten Kelch mit hohlen Blaͤttchen; die Krone fehlt. Der Staubgefaͤße ſind fuͤnf. Der Hanf gehoͤrt daher nach der neuen Eintheilung in die zte Klaſſe; nach der alten aber in die 22ſte Dioccia Zweyhaͤuſige). Die weibliche Pflanze Fig. 3. wird auch Fimmel genannt. Ihre Bluͤthen haben einen einblaͤttrigen, zugeſpitz⸗ ten, auf der einen Seite der Laͤnge nach aufſpringenden Kelch; aber ebenfalls keine Krone. Der kleine Fruchtknoten iſt mit zwey Staubwegen verſehen. Rach der Bluͤthe entſteht in⸗ nerhalb des geſchloßnen Kelchs ein zweyſchaliges Ruͤßehen von bekannter Groͤße. Man kennt nur dieſe einzige Gattung. Sie waͤchſt urſpruͤnglich in Oſtindien, in Perſten und einigen Theilen von Rußland wild. Ihres großen Nutzens wegen bauet man ſie ſchon ſeit undenklichen Zeiten mit derſelben Sorgfalt an, wie den Flachs. Bey dem Anbau des Hanfes muß man gleichfalls vor allen Dingen auf guten Sa⸗ men bedacht ſeyn. Dieſen erzielt man ſelbſt, und zwar auf dieſe Art: Man legt gute Hanf⸗ koͤrner auf ein fettes, gut gegrabenes und lockeres Gartenbeet zwey Fuß von einander ent⸗ fernt. Zur Vorſicht wirft man in jedes Loch elwa 2 bis 3 Koͤrner, und belegt hierauf das Erdreich mit verfaultem Duͤnger. Wenn die Samenkörner aufgegangen ſind, ſo zieht man die ſchwaͤchſten von den jungen Pflanzen und die zu dicht ſtehenden aus. Die uͤbrigen wer⸗ den vom Unkraute gereinigt, und wenn ſte ung ⸗ſahn zwey, Fuß hoch ſind, behackt. In gu⸗ tem Boden werden die Stengel vierzehn Fuß hoch und druͤber. Sie liefern ſehr guten Samen. Will man nun Hanf im Felde bauen, um ihn ſo wie den Flachs zu benutzen, ſo ſaͤet man den Samen in ein gutes, nicht feſtes, etwas feucht liegendes Land am Ende des Mai oder mit Anfang des Juni, nicht zu dick, damit jede Pflanze ſtch gehoͤrig ausbreiten koͤnne. Hierauf reinigt man, ſo viel es noͤthig iſt, die jungen Pflanzen ebenfalls vom Unkraute, und läͤßt ſie ſtehen, bis die mäͤnnlichen Pflanzen ihren Samenſtaub verſtreuet haben und zu wel⸗ ken anfangen. Dieſes pflegt im Auguſt zu geſchehen. Rach vollendeter Beftuchtung wer⸗ den alle maͤnnliche Hanfſtengel, als unnuͤtz, mit der Wurzel ausgeriſſen. Dieſe Arbeit nen⸗ 2 nen die Landleute Fimmeln, weil ſte aus Verwechſelung die Benennung Fimmel, die eigent⸗ lich dem weiblichen Hanf zukommt, auf die maͤnnlich⸗ Pflanze uͤbertragen. Nach 4 bis 5 Wochen kommt auch der weibliche Hanf, der eigentliche brauchbare Theil zur Reift, welcher wie der Flachs ausgezogen und geroͤſtet wird. Auch beym Hanf ſttzen die zu Geweben brauchbaren Faſern, wie beym Flachs, auf dem Kern unter einer Haut. Auch ſie ſind durch ein gummiartiges Harz unter einander und mit den uͤbrigen Theilen der Pflanze verbunden. Angeſtellte Verſuche haben dieſes unwider⸗ ſprechlich bewieſen. Prozet unterſuchte die Beſchaffenheis des Hanfes. Er legte vier Loch von der Schale in einen Deſtillirkolben, goß eine hinlaͤngliche Menge rektifizirten Weingeiſt darauf, und ließ die Maſſe 24 Stunden lang bey gelinder Waͤrme digeriren. Der Wein⸗ geiſt faͤrbte ſich etwas gelb. Er goß ihn ab und neuen darauf, und wiederholte dieſes ſo oft, bis der Weingeiſt ſich nicht mehr faͤrbte. Hierauf goß er die geſammelten Tinkturen zu⸗ ſammen, filtrirte ſte, und trieb ſie uͤber einen Helm. Er fand auf dem Boden des Deſtillir⸗ kolbens 48 Gran Harz, welches einen Ekel erweckenden Hanfgeruch von ſich gab. Prozet kochte hernach die Schale, aus welcher er das Harz ausgezogen hatte, noch verſchiedene male mit deſtillirtem Waſſer, und fand, als er das Ausgekochte reducirte, 86 Gran eines trocknen gummiartigen Extraktes von brauner Farbe. Es war alſo durch den Weingeiſt noch nicht alles Harz herausgezogen worden. Prozet wiederholte die naͤm⸗ lichen Verſuche mit den Hanfſtengeln mehrere male, und das Reſultat war immer daſſelbe. Aus dieſen Verſuchen leitete er nun eine neue Methode her, den Hanf zu roͤſten, wovon wir Einiges bemerken. Wenn man den Hanf im Waſſer roͤſtet, ſagt Prozet, ſo loͤſet ſich das Gummi deſſelben auf, und kommt in Gaͤhrung, wodurch die Faſern von einander abgeſondert wer⸗ den, ſo daß ſie ſich nachher leicht trennen laſſen. Da aber das im Hanf befindliche Harz derjenigen Bewegung, welche die Fermentation begleitet, nicht faͤhig iſt, ſo bleibt es an den Faſern ſitzen, und macht ſie beym Roͤſten ſchmutzig, und der Staub davon faͤllt dem Arbei⸗ ter beym Weben beſchwerlich. Es muß folglich ein Mittel aufgeſucht werden, wodurch nicht nur das Gummi, ſondern auch das Harz aus dem Hanfe geſchafft wird, und dieſes Mittel iſt ganz einfach. Es iſt entweder das feſte Alkali der Pottaſche oder Sode, oder Seife, oder die aus der Aſche von neuem und friſchem Holze gewonnene Lauge. Dieſes Mittel zer⸗ ſetzt das Harz, verwandelt es durch ſeine Verbindung mit demſelben in eine ſeifenartige Ma⸗ terie, und ſondert es von den Faſern ab. Demnach muß man das Waſſer, worin Hanf geroͤſtet werden ſoll, alkaliſtren. Die Proerdur iſt zwar im Allgemeinen einerley, richtet ſich jedoch nach der Beſchaffenheit des Waſſers. Es kommt naͤmlich darauf an, ob man Brunnenwaſſer oder Flußwaſſer u. ſ. w. zum Roͤſten braucht. ꝛ5tes Heft. H Das allgemeine Verfahren iſt folgendes: Man nimmt ein Pfund Potlaſche und eben ſo viel ungelöſchten Kalk. Hiermit kann man 200 Pinten oder Pariſer Bouteillen Brun⸗ nen⸗ Fluß⸗ oder Ciſternenwaſſer alkaliſiren. Hat man keine Pottaſche, oder ſpaniſche Sode, ſo kann man an deren Statt 6 Pf. ausgebrannter Aſche von friſchem Holze dazu nehmen; dann muß man aber ſtatt 1 Pfund ungeloͤſchten Kalk, 1* Pfund beymiſchen. Fehlt es aber auch an einer ſolchen Aſche, ſo ſammelt man das Jahr hindurch das Laugen⸗ waſſer, laßt es kochen, abdünſten und ſich verdicken. Beym Gebrauche reinigt man dieſe Lauge von der Fettigkeit, die ſich beym Waſchen des Zeugs damit verbunden hat, dadurch, daß man ſie uͤber eine hinlaͤugliche Menge ungeloͤſchten Kalk gießt, und wendet ſie, ſo wie die vorhergenannten Mittel, auf ſolgende Art an: Man ſucht einen Graben oder ein Waſ⸗ ferloch auf, das einen thonichten Grund hat, damit ſich das Waſſer nicht einziehe. Dieſer Behaͤlter muß nach oben angegebener Art mit alkaliſchem oder beizendem Waſſer angefuͤllt werden. Um das Verunreinigen des Hanfes, der in das Waſſer gelegt wird, zu verhuͤten, breitet man eine Lage von Stroh oder Binſen auf den Boden. Nur vier Tage darf der Hanf im Waſſer liegen. Rach Verlauf derſelben nimmt man ihn heraus, und ſpuͤlt ihn ab mit reinem Waſſer.— In Ermangelung einer Ciſterne kann man auch ein großes Gefaͤß brauchen. Die Vortheile, welche aus dieſer Behandlung des Hanfes entſtehen, ſind ſehr be⸗ trächtlich. Der Hanf bekommt dadurch eine viel weißere Farbe, als wenn er nach der ge⸗ woͤhnlichen Methode in bloßem Waſſer geroͤſtet wird, und mithin geht auch das Bleichen leichter von ſtatten. Er laͤßt ſich auch leichter zu Garn ſpinnen und verweben; beſonders aber iſt der Vortheil fuͤr die Arbeiter ſehr groß. Man hat wahrgenommen, daß in den Ge⸗ genden, wo ſtarke Hanſwebereyen ſind, die Arbeiter, befonders die, welche ſich mit dem He⸗ cheln beſchaͤftigen, von trocknem Huſten, Magendruͤcken, Cacherie und andern Übeln geplagt werden. Der Grund davon liegt in dem ſtaubigen Abgange des Hanfes, beſonders in den harzigen und vom Röͤſten herruͤhrenden ſchlammigen Theilen; dieſe werden in die Lunge ge⸗ bracht, und verurſachen dieſelben Congeſtionen, welche man in den Lungen der Steinhauer wahrnimmt. Von der Behandlung des Hanfes nach dem Roͤſten iſt nicht noͤthig, etwas zu ſagen. Sie iſt dieſelbe, wie beym Flachſe. Der Hanf iſt bon dem Flachſe darin unterſchieden, daß er ſich ſchwerer ſpinnen und auch nicht leicht zu ſo feinem Gewebe verarbeiten laͤßt, als dieſer. Dagegen mißraͤth er aber auch nicht ſo leicht, und die daraus verfertigten Gewebe ſind dauerhafter. Die Menge des Hanfes, die jährlich verbraucht wird, iſt ungeheuer groß. Die Schifffahrt koͤnnte, ſo zu ſagen, nicht ſtatt finden ohne Hanf. Stricke, Seile, Taue, Retze, Pack⸗ und Segeltuch u. ſ. w. werden vom Hanf gemacht. Der nordiſche Hanf iſt der beſte. Überhaupt ſcheint dieſe Pflanze unter einem nöͤrd⸗ lichen Klima beſſer zu gedeihen, als in heißen Laͤndern. Preußen, Polen und Rußland ver⸗ fehen faſt alle uͤbrigen europaͤiſchen Laͤnder mit dieſem Produkte. Das Werg wird vornaͤm⸗ 69 lich zum Kalfatern der Schiffe und zum Verſtopfen der Ritzen, Fugen in Gefaͤßen u. ſ. w. gebraucht.— Aus dem Samen wird Ol gepreßt, das zum Brennen und ſonſt in der Haushaltung dienlich iſt. In Rußland und Polen iſſet man auch den Samen geroͤſtet auf Brod. Er iſt bekanntlich ein vortreffliches Futter fuͤr Voͤgel, inſonderheit werden die Kana⸗ rienvoͤgel damit ernaͤhrt. In der Gelbſucht wird er als Medizin empfohlen, in welchem Fal⸗ le man ihn zerquetſcht, und im Weine oder Waſſer kocht.— Die Bläͤtter wirken, ihrer be⸗ taͤubenden Eigenſchaften wegen, wie Opium, und ſollen auch an deſſen Statt im Orient ge⸗ braucht werden. Der ſtarken Stengel bedienen ſich in einigen Gegenden Italiens Frauen⸗ zimmer zu Spazierſtöcken. Pflanzen. XXIV. 2 Sr zun EGR Nro. 1. Der Opium⸗Mohn. Dieſe Pflanze, welche das bekannte Opium liefert, iſt der weißbluͤhende einfache Mohn, der in Deutſchland auch haͤufig gebaut wird, deſſen Saft aber nur in der Tuͤrkey, Syrien und Agypten das Opium gibt. Man macht naͤmlich dort in die gruͤnen Mohnkoͤpfe, ſo⸗ bald die Blume abgebluͤht hat, leichte Einſchnitte mit dem Meſſer. Aus dieſen Ritzen tre⸗ ten nun einige Tropfen Milchſaft heraus, die man daran haͤngen läßt, bis ſie ſich verdicken, dann ſorgfaͤltig ſammelt, in kleine fingerdicke Kuchen zuſammendrückt, in Mohnblätter wickelt, und ſo verkauft. Das aͤchte Opium iſt ſchwer, dicht, ſieht ſchwaͤrzlich aus, hat einen un⸗ angenehmen Geruch und beiſſenden Geſchmack. Es macht, wenn man es einnimmt, vor⸗ zuͤglich Schlaf, und verurſacht, ſo wie Wein und alle geiſtigen Getraͤnke, einen Rauſch mit angenehmer Begeiſterung, ſtaͤrker genommen aber eine Art von Wuth; daher nehmen es ge⸗ woͤhnlich die Tuͤcken, ehe ſte den Feind angreifen. Es wird uͤberhaupt in der Tuͤrkey, Agyp⸗ ten und Kleinaſien ſo ſtark gebraucht, daß man es faſt taͤglich nimmt. Wir erhalten es nach Europa aus der Levante. Nro. 2. Der Tragantſtrauch. Der Tragantſtrauch, oder Bocksdorn waͤchſt ſowohl in der Levante, als auch in dem ſuͤdlichen Frankreich und Oberitalien, und iſt ein niedriger, ſehr dornichter Strauch, welcher weiße Bluͤthen traͤgt. Das bekannte Gummi Tragankt, welches er liefert, und ſowohl in den Apo⸗ theken, als auch von den Konditorn, Faͤrbern, Mahlern und andern Fabrikanten haͤufig ge⸗ braucht wird, wird an ſeinen Wurzeln, in einem bis 2 Zoll langen, krummen, wurmfoͤrmi⸗ gen Stuͤcke(Fig. a. und b.) geſammelt, und koͤmmt hauptſaͤchlich aus der Inſel Candia. Man hat gelbes und weißes. Das letztere iſt das beſte. 6* r SSS Y Y Y Y————ꝙ——˖ ·FzÄ— Der Dy ien Mo b„ Hapaver Fommferum. Es wachſen in Deutſchland theils in Gaͤrten, theils wild auf den Feldern mehrere Gat⸗ tungen von Mohn. Die vorzuͤglichſte und nuͤtzlichſte darunter iſt der Opium⸗Mohn, den man bey uns unter dem Ramen gemeiner Mohn kennt, und haͤufig in Gaͤrten bauet. Er unterſcheidet ſich von andern durch ſeine glatten Blumenkelche und Samenkapſeln, und durch eingeſchlitzte den Stengel umfaſſende Blaͤtter. Die Bluͤthe, welche im Juni und Ji.uli erſcheint, iſt urſpruͤnglich weiß, doch hat man mehrere Spielarten von roſenrothen, dunkelrothen und andern Farben. Sie haben einen zweyblaͤtterigen abfallenden Kelch, eine bierblaͤtterige Krone und viele Staubgefaͤße. Der Mohn ſteht in der 1gten Klaſſe des Linneeiſchen Syſtems(Polyandria, Vielmaͤnnige). Der Bau der Samenkapfel iſt bekannt. 8 Der gemeine Mohn ſtammt zwar aus Aſien, doch iſt er wahrſcheinlich auch im ſuͤdlichen Europa einheimiſch und waͤchſt daſelbſt wild. Jetzt bauet man ihn in Europa faſt allenthalben. In Deutſchland trifft man ihn nicht nur in Gaͤrten an, ſondern man beſaͤet auch in mehreren Provinzen ganze Felder damit, wie z. B. in der Pfalz, in Ba⸗ den ꝛc. Er verlangt eben keinen fetten Boden; doch gedeihet er deſto beſſer, wenn man „ das Land vorher ein wenig duͤngt. Man ſaͤrt ihn in Deutſchland im April. Dabey hat man wohl Acht zu geben, daß er nicht zu dick geſaͤet werde, denn faſt jedes Koͤrnchen geht auf, wenn der Same gut iſt, und aus zu dicht ſtehenden Pflanzen wird wenig; man reißt daher auch die uͤberfluͤſſigen zeitig genug aus. Da, wo der Mohn geſaͤet iſt, muß er ſtehen bleiben. Faſt kein anderes Gewaͤchs vertrgt die Verſetzung ſo wenig wie 5 der Mohn. Wenn man die verſetzten Pflanzen auch mit vieler Muͤhe fortbringt, ſo wer⸗ den es doch ſchlechte Stauden, die weit weniger Samen bringen als die unverſetzten. Soll der Eetrag deſto reichlicher werden, ſo reinigt man den Acker mehrmals von allein Unkraute und behaufelt und behackt die Mohnpflanzen. Sonſt pflegt man den Samen auch haͤufig mit den Mohrruͤben zugleich auszuſaͤen und beyde auf demſelben Acker wach⸗ ſen zu laſſen. Je weitläauftger die Pflanzen ſtehen und jemehr man ſie vom Uakraute reinigt und hackt, deſto mehr und groͤßere Samenkapſeln oder Mohnkoͤpfe erhaͤlt man. —— 6² Es iſt unglaublich, welche reichliche Arnte man von einer einzigen Handvoll Sa⸗ menkörner bey guter Wartung erhaͤlt. Im Auguſt oder gegen das Ende deſſelben reift der Mohn. Die vorher gruͤnen Koͤpfe werden weißgrau, bräunlich ꝛc. und das Raſſeln der Samenköener zeigt an, daß man ſte abſchneiden koͤnne. Man breitet ſie nach dem Einſammeln noch einige Tage auf einem luftigen Boden zum Trocknen hin, und ſchuͤttelt ſodann die Koͤrner heraus. Die weißen Koͤrner ſind die beſten und wohlſchmeckendſten. In Europa benutzt man den Mohn oder Magſamen vorzuͤglich zum Ole, das er reichlich gibt. Man kann aus einem Pfunde Samen wenigſtens 4 Unzen Ol erhalten. Das Mohnoͤl braucht man in der Malerey, an Speiſen u. ſ. w. Es kommt dem Baum⸗ öle nahe und wird in Frankreich demſelben haͤufig beygemiſcht. Außerdem aber benutzt man auch den Samen zu Mandelmilch, und ißt ihn roh und auf Kuchen. Von der einſchlaͤfernden Kraft, welche den uͤbrigen Theilen der Mohnpflanze, inſonderheit den Sa⸗ menkapſeln eigen iſt, nimmt man nicht das Geringſte an dem Samen ſelbſt wahr. Wenn ihn daher die Dichter Schlummerkoͤrner nennen, ſo beweiſen ſie dadurch, wie in manchen gandern Faͤllen, ihre Unkunde der Natur. Man kann die Mohnkoͤrner taͤglich in ſo großer Portion genießen, wie man will, und man wird keine nachtheilige Wirkungen davon ver⸗ ſpuͤren. Sonſt benutzt man den Mohnſamen auch noch als Vogelfutter. Die Stengel dienen zur Feurung. Im Orient wird der Mohnbau viel eifriger betrieben. Dort iſt der Mohn ſchon von den äͤlteſten Zeiten her beliebt, aber nicht ſowohl um des Samens als um des Safts willen, aus welchem das bekannte Opium bereitet wird. Dieſer Saft wird vornehm⸗ lich aus den Stengeln und Koͤpfen erhalten. Um dieſe recht groß und ſtark zu ziehen, wendet man viel Sorgfalt auf die Kultur der Pflanze. Dieſe und das fruchtbare Klima machen denn auch, daß ein Mohnſtengel im Drient bis 40 Fuß erreicht und verhaͤltniß⸗ maͤßig dick wird. Es ſoll daſelbſt Mohnkoͤpfe geben, wovon einer auf zwey Pfund Waſ⸗ ſer faſſen kann. Den Saft, der im Orient weit ſchaͤrfer iſt, als bey uns, erhaͤlt man dadurch, daß man die noch gruͤnen Mohnkoͤpfe mit einem vielſchneidigen Meſſer am Abend auſſchlitzt. Während der Nacht fließt der weiße Saft heraus und ſetzt ſich um die Wunde herum an. Am Morgen ſchabt man die an der Luft verdickte Subſtanz ab, thut ſie in ein Gefaͤß und knetet ſie ſo lange durch einander, bis ſte die gehoͤrige Steifigkeit erhaͤlt. Hierauf bildet man runde Kuchen oder auch Kuͤgelchen daraus, trocknet dieſe und wickelt ſie in Blaͤtter ein. Dies nennt man Opium. Es ſteht braunroth aus, iſt leicht und zaͤhe und hat einige Ahnlichkeit mit Gummi. Der Geruch iſt ſtark, aber unangenehm. Der Ge⸗ ſchmack bitter; der Genuß deſſelben erregt Schlaf und Vetäͤubung. Außexlich aufgelegt, zeigt es nur geringe Wi'kung. Dasjenige Opium, welches man durch Auspreſſen und Auskochen der Blaͤtter, Stengel und ausgelaufnen Koͤpfe erhaͤlt, iſt ſchlechter. 63 Mit dem Opium wird im Orient, votzuͤglich unter den Muhamedanern ein aus⸗ gebreiteter Handel getrieben. Dort dient er ſtatt geiſtiger Getraͤnke. Die Muhamedaner in der Tuͤrkey, in Perſten, Indien ꝛc. brauchen ihn noch weit haͤuftger, als die Europaͤet den Wein und Brandtwein. Viele haben ſich ſo ſehr an den Genuß deſſelben gewoͤhnt, daß ſie eine ganze Unze davon auf einmal nehmen koͤnnen.) Ja man hat Perſonen geſehen, welche Stuͤcke wie eine Waͤlſchenuß groß auf einmal genoſſen. Bald nach dem Genuß erfolgt ungewoͤhnliche Munterkeit und Staͤrke in den Gliedern. Die Menſchen verfallen gleichſam in Trunkenheit, und haben allerley ſuͤße entzůckende Vorſtellungen, und außerordentlichen Muth und Kuͤhnheit*). Daher pflegen auch die Krieger unter den Tuͤr⸗ ken, bevor ſie ins Trefſen gehen, Opium zu nehmen, um deſto unerſchrockner dem Feinde entgegen zu gehen und alle Gefahren zu verachten. Doch der ſuͤße Rauſch, wo man ſich ſo gluͤcklich fuͤhlte, wo die reizendſten Bilder der Phantaſie vorſchwebten, iſt von ſehr kurzer Dauer. Nach der heftigen widernatuͤrlichen Spannung erfolgt deſts groͤßere Erſchlaffung, Traͤgheit, Verdroſſenheit zu allen Geſchaͤften und Kraftloſigkeit. Dieſen unbehaglichen Zu⸗ ſtand ſucht man durch wiederholten Gebrauch des Opiums zu entfernen. Hieraus entſteht nun ein ſteter Wechſel von Spannung und Erſchlaffung. Dabey leidet der Leib und nicht minder die Seele. Magerkeit, Zittern in den Gliedern, Schwaͤche und zunehmende Kraͤnk⸗ lichkeit, ingleichen Stumpfſinn und endlich gar Berſtandloſtgkeit ſind die endlichen Folgen des immerwaͤhrenden Gebrauchs des Opiums. In der Gegend von Erzerum in Armenien koͤnnen die Muhamedaner das wahre Opium, des hohen Preiſes wegen, nicht bezahlen, da⸗ her eſſen ſte die gruͤnen Mohnkoͤpfe, um ſich zu berauſchen. Hier hat freylich der Mohn weit weniger Schaͤrfe, als in ſuͤdlichern Gegenden z. B. in Indien. Man weiß, daß ein Englaͤnder, der im Garten eines indiſchen Rabobs ſpaziren ging, und in Gedanken einen gruͤnen Mohnkopf abbrach und aß, einſchlief und nie erwachte. In China und in andern Provinzen Aſtens raucht man Tabak mit Opium vermiſcht. ) Welchen Einfluß dieſe Gewohnheit ſelbſt auf die Geſundheit und das Leben ſolcher Perſonen hat, zeigt folgende Anekdote: Einem indianiſchen Prinzen, der in Geſellſchaft einiger Europaͤer reiſete, ging unter Wegs ſein Vorrath von Opium aus. Er verftel bald in die aͤußerſte Kraftloſtgkeit, und war nicht im Stande, die Reiſe fortzuſetzen. Man gab ſich alle Muͤhe, Opium aufzutreiben; da man aber in der Naͤhe nichts bekommen konnte, und der ausgeſchickte Bote erſt nach 24 Stunden zuruͤck kam, war der Peinz unterdeß ſchon geſtorben. 5) Es iſt in mehrern Staͤdten Indiens, vorzuͤglich aber in Batavia Sitte, daß, wenn jemand einen todtlichen Haß gegen einen Andern hegt, er ſich durch Opium in eine Art von Raſerey ſetzt, und den Mord oͤffentlich vollführt. Am gewoͤhulichſten iſt dies der Fall mit Selaven, die von ihren Herren mißhandelt worden ſind. Dieſe Ungluͤcklichen, durch den Genuß des Opiums wuͤthend ge⸗ macht, laufen mit gezuͤcktem Dolch überall umher bis ſte den Gegenſtand ihrer Nache finden; ſte ſtoßen aber auch jeden andern darnieder, der ſich den Weg ſtellt. In Batavia neunt man dieſe kuͤnſtliche Raſerey das Muckrennen. Jeder hat das Recht, einen ſolchen Muckrenner zu toͤdten, wenn er kann. Allein daran dachte bisher die Hbrigkeit nicht, den freyen Verkauf des Opiums, als der Quelle dieſes übels, einzuſchränken, weil der Handel der Kompagnie darun⸗ ter leiden würde! Das durch den Handel nach Europa kommende Opium wird als ein treffliches Arz⸗ neymittel in alle ley Krankheiten gebraucht, jedoch darf dies nur unter der Leitung eines ge⸗ ſchickten Arzies geſchehen, weil man Beyſpiele hat, daß unvorſichtiger Gebrauek e ſchlim⸗ me Zufaͤlle, ja den Tod verurſachen kann. Zerſchnittene Stuͤcke von ausgeſchuͤ en trock⸗ nen hieſigen Mohnkoͤpfen in Milch gekocht und die Bruͤhe davon einem Hunde eingegeben, errsgie Zuckungen und tiefen Schlaf, der vermuthlich nur mit dem Tode aufgehoͤrt haben wuͤrde, wenn man dem Hunde nicht durch wiedecholtes Eiafloͤßen von Butter zu Huͤlfe ge⸗ kommen waͤre. SSeS 5 Diert T ra gan fſter an ch. (Aotragalus tragacdntlia.) Der Bocksbart oder Tragant iſt ein kleiner Strauch mit baumartigem Stamme, der hoͤch⸗ ſtens 1 Zoll im Durchmeſſer dick und 2 bis 3 Fuß hoch wird. Er iſt mit Stacheln beſetzt, in wlche die Blattſtiele uͤbergehen. Die Blumenaͤhren ſtehen auf Stielen von der Laͤnge der Blätter. Die Bluͤthen ſind weiß, ſchmetterlingsfoͤrmig und haben einen SZzaͤhnigen Keleh. Das Gewaͤchs gehoͤrt in die 17 te Klaſſe(Diadelphia, Zweybruͤdrige). Nach der Bluͤthe ſolgt eine Samenkapſel oder Huͤlſe, die meiſtens zweyfaͤcherig und hoͤckericht iſt und einen einzelnen runden Samen enthaͤlt. Der Strauch waͤchſt im ſuͤdlichen Europa, in der Levante und in andern Gegenden Aſtens. Wenn man den Stamm deſſelben aufritzt, ſo fließt ein klebriger Schleim heraus, der an der Luſt verdichtet. Dies iſt der Gummi Tragant oder Tragacant. Die europaͤi⸗ ſchen Tragantſtraͤuche geben wenig oder gar nichts. Wir erhalten den Gummi aus dem Drient in wurmfoͤrmigen Stuͤcken. Er hat nicht einerley Farbe; der weiße iſt der beſte. Man braucht ihn theils in der Medicin, theils in der Faͤiberen. Waͤſcherinnen bedienen ſich deſſelben ſtatt der Staͤrke beym Spißenwaſchen. r— Pflanzen. XXIII. E aus deren Fruͤchten oder Wurzeln man n andern Welttheilen, eſſen. Zu den Vaterland eigemlich Suͤdamerika iſt, rdie Hams⸗Wurzel, die Die beyden letzten zeigl ge⸗ E⸗ gibt außer dem Getreide noch mehrere Pflanzen, Brod macht, und welches viele Nationen, ſonderlich i letztern gehöͤren vorzuͤglich die Kartoffeln, deren die aber nunmehr auch in ganz Europa eingefuͤhrt ſind; ferne Kaſſava⸗ oder Manioc⸗Wurzel und die Batatten. genwaͤrtige Lafel. Nro. 1. Die Kaſſava⸗ oder Manioe⸗Wurzel. Die Kaſſava, Manioc oder Manichot iſt eine Staude, welche in dem ganzen ſuͤdlichen Amerika theils wild waͤchſt, theils auch auf den Ackern gebaut wird, etliche Fuß hoch wird und knollige Wurzeln hat, die faſt wie Ruͤben geſtaltet, 15 bis 20 Zoll lang und 4 bis 5 Zoll dick ſind, und von auſſen gelb, innerlich aber weiß ausſehen. Friſch aus⸗ gegraben kann man ſie nicht eſſen, weil ihr Saft Gift iſt. Allein man reibt ſte, preßt den Saft ſorgfaͤltig aus, und trocknet oder backt hernach den gepreßten Taig als duͤnne Kuchen auf heiſſen Blechen, und dies gibt ein geſundes und wohlſchmeckendes Brod, welches die mei⸗ ſten Einwohner von Weſtindien und Suͤdamerika eſſen. Die Blaͤtter der Pflanze ißt man auch als Gemuͤſe. Der ausgepreßte Saft toͤdtet, wenn er roh getrunken wird, Menſchen und Thiere; ſobald er aber gekocht iſt, gibt er einen unſchaͤdlichen geſunden Trank. Nro. 2. Die Batatten. Die Batatten ſind in beyden Indien zu Hauſe, und werden itzt auch in Spa⸗ nien und Portugal haͤufig gebaut. Es ſind die knolligen Wurzeln der Bat atten⸗Winde, welche bluͤht und ſich gewaltig weit fortflicht, und um ſich greiſt. Die Wurzel hat die Ge⸗ ſtalt einer kleinen Ruͤbe, ſteht äͤußerlich roth, innerlich aber gelb aus, und hat einen liebli⸗ chen Geſchmack faſt wie Kaſtanien. Sie werden in beyden Indien häufig angebaut, und man benutzt ſie dort eben ſo, wie bey uns die Kartoffeln zu Mehl und Brod, zu Gemuͤſe und zu einem geiſtigen Getränke, welches Moby heißt. Sie koͤnnen unſer Klima nicht aushalten; man bringt ſie aber theils getrocknet, theils auch in Zucker eingelegt meiſtens aus Spanien im Handel zu Uns. 8 5 ———oreeeeeeeseses er Die Kaſſaba oder Manioc⸗Wurzel. (Latropha maniliot.) Ein wohlthätiges Geſchenk der Ratur, wo der Brodbaum nicht wächſt, und kein Getteide⸗ bau getrieben wird! Die Kaſſava⸗Wurzel oder Manioc iſt eine ſtrauchartige Staude, die Fuß hoch waͤchſt, und einen zarten markichten, dem Hollunder aͤhnlichen Stamm von braun⸗ roͤthlicher Farbe hat. Die Blaͤtter ſind handfoͤtmig, und haben lanzelförmige, glatttaͤndige, glatte Lappen. Beyde Geſchlechter wachſen auf Einem Stamme, aber in verſchiedenen Bluͤthen; daher der Manihot nach Linneiſcher Eintheilung in die 21ſte Klaſſe(Monoecia, Einhäuſtge) gehoͤrt. Die Bluͤthen ſind ohne Kelch; die maͤnnliche hat eine einblaͤttrige, trich⸗ terfoͤrmige Krone, mit zehn wechſelsweiſe bald läͤngern, bald kuͤrzern Staubgefaͤßen. Die weibliche Bluͤthe hat 5 offenſtehende Blumenblätter und 3 Staubwege, ſie hinterlaͤßt eine dreyknoͤpfige, einſamige Samenkapfel. Der Manihot waͤchſt urſpruͤnglich im ſuͤdlichen Ame⸗ rika. Man benutzt die Blaͤtter wie Spinat. Den groͤßten Vortheil gewaͤhrt die Wurzel der Pflanze. Sie beſteht in mehrern ruͤbenaͤhnlichen Knollen, die wohl einen Fuß lang und 4 bis 5 Zoll dick werden, und eine gelbliche Farbe haben. Nach einem Jahre ſind ſie zum Gebrauche gut. Es gibt ſuͤße und bittere. Jene koͤnnen zwar gleich friſch gegeſſen werden, man gebraucht ſie aber doch nicht ſo haͤuftg, wie dieſe, weil ſie ſchwammicht ſind, und ſoaͤter reifen. Der Manihot wird nicht nur wild in Menge gefunden, ſondern auch mit Sorgfalt auf Feldern angepflanzt. Die bittern Wurzeln enthalten einen giftigen Saft, den man vor⸗ her abſondern muß, ehe man ſie genießen kann. Man pflegt zu dem Ende die Wurzel zu ſchaben, oder zu zerreiben, die Maſſe einige Zeit im Waſſer ſtehen zu laſſen, und ſie ſodann durch einen Sack zu preſſen, oder auch bloß das Waſſer ablaufen zu laſſen, damit ſte trockne. Rach dem Trocknen iſt die Maſſe mehlartig, und liefert, in einer heißen Pfanne gebacken, ein wohlſchmeckendes Brod, welches das gemeinſte Rahrungsmittel der Amerikaner iſt. Das Brod wird von ihnen Kaſſave genannt. Außerdem macht man von der ftiſchen zerrie⸗ benen oder zerquetſchten Wutzel auch noch ein ſtarkes berauſchendes Getraͤnk, deſſen ſich die Einwohner ſtatt des Brandtweins bedienen, Man ſagt, ein Morgen Landes mit Manioc bepflanzt, gebe ſo viel Brodſtoff, als ſechs dergleichen mit Getreide heſaͤet. Wäre dies, ſo muͤßte es die Muͤhe lohnen, zu verſu⸗ 67 chen, ob dieſes Gewäͤchs unſern Boden und und unſer Klima vertruͤge. Hiezu kommt noch, daß es ſehr leicht durch Samen und Wurzeln fortgepflanzt werden kann, und daß es, wo es einmal ſteht, ſtark wuchert. Sie Batatie n 5 Convolvulus batatas.) Die Batatten gehoͤren zu einem bekannten Pflanzengeſchlecht, zur Winde, wovon einige Gattungen theils wild bey uns wachſen, theils zur Zierde, der ſchoͤnen Blumen wegen, in Gaäͤrten gezogen werden. Winde werden dieſe Pflanzen genannt, nicht ſowohl weil ſich ihre rankichten Stengel um andere Gegenſtaͤnde winden, als vielmehr darum, weil die Bluͤthen, ehe ſte aufbrechen, zuſammengewunden ſind. Alle haben einen fuͤnftheiligen Kelch, eine glockenartige Krone und 5 Staubgefaͤße. Die Winde gehoͤrt daher in die zte Klaſſe(Pen⸗ tandria, Fünfmännige). RNach der Bluͤthe entſteht eine zwey⸗ bis dreyfaͤcheriche Samen⸗ kapfel, in welcher jedes Fach zwey Samen enthaͤlt. Die Batatten⸗Winde hat meiſtentheils große, dunkelgruͤne, herzförmige Blätter; an manchen Pflanzen gleichen ſie einigermaßen einem Spondon. Sie ſind oͤfters in Lappen von verſchiedener Groͤße und Geſtalt getheilt; doch findet man auch haͤufig ungetheilte. Sie haben ſtarke Adern, ſind aber uͤbrigens glatt, und ſtehen in abwechſelnder Ordnung. Die Blumen ſind am Rande meiſtens weiß, und oben zur Haͤlfte in fuͤnf Falten gelegt; die Röhre iſt nach außen fleiſchfarbig, inwendig purpurroth. Der Stengel kriecht, und iſt wie mit Borſten beſetzt. Man kennt noch nicht genau die Beſchaffenheit der Samenkapſel und des Samens; denn die Pflanze ſetzt ſelbſt in ihrer Heimath ſelten Samen und faſt eben ſo ſelten Bluͤ⸗ then an. länder ꝛc. iſt ſie auch in andere Gegenden verpflanzt worden. Man findet ſie daher jetzt durch ganz Afrika, ſo weit es den Europaͤern bekannt iſt, ferner in allen Provinzen von Oſt⸗ indien, vom 40ſten Grade der noͤrdlichen Breite an, durch ganz Amerika, wo es nur das Klima erlaubt, und ſelbſt in einigen Theilen von Portugal und Spanien. Vermuthlich iſt auch die Batatte, die man auf den Inſeln in der Suͤdſee findet, dieſelbe Gattung, nur mit einiger Verſchiedenheit. Hieraus ergibt ſich folglich, wie nuͤtzlich und woßlthaͤtig die Batatte fuͤr einen großen Theil der Erdbewohner iſt. Weie bey den Kartoffeln und einigen andern Gewaͤchſen, ſind es auch an der Batatten⸗ Winde die Wurzel⸗Knollen, welche die naͤhrenden Theile enthallen. Die Groͤße derſelben 2 Das währe Vaterland der Vatatten⸗Winde ſind die Laͤnder innerhalb der Wende⸗ kreiſe, wo ſie in niedrigem ſandigem Boden wächſt. Durch die Spanier, Porlugieſen, Eng⸗ 68 iſt verſchieden: die meiſten ſind aber eine Spanne lang und in der Mitte dicker, als an den Enden. Sie haben einige der Laͤnge nach laufende unordentliche Rinnen, oder Vertiefungen. Die Farbe iſt ebenfalls verſchieden: roͤthlich, weißlich u. ſ. w. In einem guten Boden wird die Wurzel wohl 6 Pfund ſchwer; ja Kapitain Cook fand auf den Sandwichsinſeln Stuͤcke, die zwoͤlf bis 14 Pfund wogen. In Anſehung des Geſchmacks verſichert man, daß die Batatten mit andern Wurzelgewaͤchſen gar nicht verglichen werden koͤnnen. Er iſt ſuͤß⸗ lich und ſihr angenehm. Am naͤchſten ſollen ſie den geſottenen Kaſtanien kommen, nur ſol⸗ len ſie viel zarter und nicht ſo trocken und mehlicht ſeyn, ſondern gleichſam auf der Zunge zergehen. Das Fleiſch oder das Mark iſt gelblich und einigermaßen faſerich. Gemeiniglich pflegt man die Batatten in ihrem Vaterlande in heißet Aſche zl braken. So zubereitet ſollen ſie ein unvergleichlich geſundes, wohlſchmeckendes Nahrungs⸗ mittel geben, welches eben ſowohl auf die Tafeln der Vornehmen kommt, als es vom ge⸗ ringſten Sclaven genoſſen wird. Außerdem ſiedet man ſie in Waſſer, ſchaͤlt ſie, und kocht ſie, in Stuͤckchen geſchnitten, an Fleiſch und Fiſche. Sie werden aber auch in laͤngliche Stuͤcke zertheilt, und auf dem Roſt, oder in Butter und Fett gebraten. Der ärmere Theil der Einwohner in den amerikaniſchen Kolonien genießt die Batatten auf die einfachſte Weiſe zubereitet, als taͤgliche Speiſe, ſtatt des Brods. Vornehme und Reiche laſſen ſie zerreiben, den Saft auspreſſen, die zuruͤckbleibende mehlartige Maſſe mit Zucker und Gewuͤrz vermi⸗ ſchen, und wie Torten im Ofen backen. Sonſt machen Leckermaͤuler noch allerhand Conft⸗ tuͤren daraus. Friſch zerſtoßen und mit etwas Waſſer vermiſcht, liefern die Batatten ein angeneh⸗ mes Getraͤnk, worin ſich ſogar Europäͤer berauſchen. In den Engliſchen Beſttzungen in Weſtindien wird ein Getraͤnk davon bereitet, welches dem ſchwachen engliſchen Biere gleicht, und Moby genannt wird. Die jungen Sproſſen der Pflanze werden als Salat gegeſſen. Mit den Blaͤttern und Siengeln fuͤttert man Schweine, Ziegen, Schafe und andere Thiere. Die Kultur der Batatten richtet ſich nach dem Klima. In den Laͤndern zwiſchen den Wendekreiſen iſt das Gewaͤchs ausdauernd; in ſolchen Laͤndern aber, wo der Winter von ſtarken Froͤſten begleitet iſt, wuͤrden die Knollwurzeln erfrieren, und folglich ruͤrde das Gewaͤchs zu Grunde gerichtet werden, wenn man nicht dafuͤr ſorgen wollte, ſte gegen die Kaͤlte zu ſichern. Dies iſt nun aber gerade der ſchwierigſte Punkt, weil die Wurzeln im Winter gar zu leicht verderben, und faſt nicht die geringſte Feuchtigkeit vertragen. In den fuͤdlichern Staaten von Amerika bewahrt man die Batatten den Winter hindurch auf folgende Art auf: Man macht einen erhoͤheten rundlichen Platz, und belegt ihn mit Fichtennadeln ganz dicht; darauf haͤuft man 5 bis 20 Scheffel der Wurzeln pyramidenfoͤrmig auf. Nun wird der ganze Haufe wieder dick mit Fichtennadeln bedeckt, auf dieſelben wird dan Fichten⸗ rinde gelegt und zuletzt noch eine Lage trockner Erde daruͤber geworfen. Dabey braucht man 69 hie Borſicht, daß man oben auf der Spitze des Haufens eine kleine Offnung aus dem Iu⸗ nern deſſelben hervorgehen laͤßt, damit die Ausduͤnſtung freyen Ausgang habe. In den noͤrd⸗ lichen Staaten iſt dieſe Methode nicht anwendbar, weil die Wurzeln von der Kaͤlte leiden wuͤrden. Hier reinigt man ſie ſorgfaͤltig im Herbſt von aller Erde, ohne ſie jedoch zu wa⸗ ſchen, und ſchichtet ſie in trocknen Sand in Kaſten, welche den Winter uͤber in temperirte Zimmer geſtellt werden. Die Kultur iſt leicht, beſonders in den tropiſchen Laͤndern, wo die Pflanze pertenirt, und beſtaͤndig gruͤn iſt. Hier beduͤrfen ſie faſt gar keiner Pflege. Sie wachſen von ſelbſt, und man braucht ſie nur herauszunehmen. Bey Anpflanzung eines Batattenfeldes ſieht man darauf, daß ſie in der Regenzeit geſchieht, weil das Gewaͤchs dann am beſten fortkommt. In Weſtindien pflanzt man die Batatten vorzuͤglich durch Ranken fort, welche bald Wurzel ſchlagen. Das Erdreich wird dazu nicht einmal gepfluͤgt, ſondern nur mit einer Hacke auf⸗ geriſſen, und von allem Unkraut gereinigt. Die Ranken legt man ohne alle Ordnung hin⸗ ein, und kuͤmmert ſich 3 bis 4 Monate gar nicht weiter um die Pflanzung, ſondern uͤberlaͤßt ſte ganz der Ratur. Nach Verlauf dieſer Zeit, wenn die Blaͤtter anfangen gelblich zu wer⸗ den, graͤbt man nach, und nimmt die groͤßten Knollen heraus. Die locker geriſſenen Wur⸗ zeln und Ranken tritt man mit den Fuͤßen feſt, und ſo laͤßt man ſte fortwachſen. So oft man Luſt hat, graͤbt man nach, und nimmt die groͤßern Wurzeln heraus, ohne weiter etwas zu thun, als die Pflanzen wieber einzutreten. Man benutzt ein Feld ſo lange, als es noch Kraft hat, die Pflanzen zu naͤhren. Iſt dieſe aufgezehrt, ſo fangen die Blaͤtter an kleiner zu werden, und alsdann iſts Zeit eine neue Pflanzung anzulegen. In noͤrdlichen Gegenden wird das zur Anpflanzung der Batatten beſtimmte Feld mit dem Pfluge bearbeitet. Gute Landwirthe duͤngen auch ein ſolches Feld, weil der Ertrag de⸗ ſto reichlichet ausfaͤlt. Man macht hierauf mit der Hacke kleine, drey bis vier Fuß weit Von einander entfernte Huͤgel, welche den Maulwurfshaufen gleichen, und ſteckt darin die Wurzeln ein. Dabey kann man eben ſo verfahren, wie bey der Anpflanzung eines Erdaͤpfel⸗ Feldes. Man kann naͤmlich die groͤßern Wurzeln in mehrere kleine Stücke zerſchneiden, und ſie ſo pflanzen. In waͤrmern Laͤndern, wo der Boden und das Klima das Wachsthum ſehr beguͤnſtigen, erhaͤlt man von 10 Scheffeln Ausſaat 4 bis 500 Scheffel wieder. Eine ein⸗ G8 Pflanze iſt mit ihren Haupt⸗ und Rebenzweigen 40 bis 50 Wurzeln zu erzeugen im tande 78 In Portugal und Spanien verfaͤhrt man mit der Kultur der Batatten ungefaͤhr auf die nämliche Weiſe, wie in den ſuͤdlichen Staaten von Amerika. Von dem Überfluß, wel⸗ chen man in jenen Laͤndern gewinnt, werden viele theils friſch, theils eingemacht, nach an⸗ dern Laͤndern, nach London, Hamburg nnd anderu Staͤdten verfuͤhrt, Man hat auch Verſuche gemacht, ſie in Deutſchland zu erziehen. In den kaiſerli⸗ chen Garten zu Schoͤnbrunn pflanzte man ſie im Jahre 17 88 und die folgenden Jahre auf gemeinen Gartenbeeten von 30 Fuß Laͤnge und 4 Fuß Breite, und brachte ſie auf folgende 15tes Heft. K —.— Art durch den Winter: Im Herbſt legte man die unreifen und kleinſten Wutzeln, die weite Eller nicht zu gebrauchen waren, mit einem Theile der daran befindlichen Ranken(welche man, damit ſie deſto laͤnger bleiben koͤnnten, ſchraubenfoͤrmig wand) in Blumentöpfe, fuͤllte die⸗ ſe mit leichter ſandiger Erde an, und ſtellte ſie in gewoͤhnliche Winterhaͤuſer, wo ſie zwar hinlaͤnglich gegen den Froſt geſichert waren, aber doch auch des geringen Grades der Wärme wegen nicht wachſen konnten. Sobald keine ſtarken Froͤſte mehr zu fuͤrchten waren, nahm man die Wurzeln heraus, und verpflanzte ſie auf die Gartenbeete, ohne weitere Bedeckung. Man erhielt hier oft ſo große und ſchoͤne Wurzeln, wie die ſind, welche in den mittlern Staaten von Nordamerika gewonnen werden.