Secge, Fg e, Ludeube 1 4 * lniee Pflanzen XXVI. at ben(aszzzen *◻νν Nro. 1. Der Orlean, oder Rocou⸗ Baum. Der Orlean, oder Rocoubaum waͤchſt in Weſtindien, Mexiko, und Brafllien, in der Groͤße eines Apfelbaumes. Er hat immer gruͤne Blätter, blaßrothe, und weiße Bluͤ⸗ then, und traͤgt ſtachlichte Samenkapſeln, faſt wie die Kaſtanien, welche innerlich voller Samenkoͤrner, ſo groß wie Wicken ſind. Dieſe Koͤrner haben eine hochro'he, dicke, weiche Haut, welche eigentlich der Gegenſtand iſt, warum dieſer Baum angebaut wird. Mran weicht nämlich dieſe Koͤrner in Waſſer ein, bis dieſe Haut ſich davon abloͤſet; dann waͤſcht man ſte mit den Haͤnden ab, nimmt die abgelöſten Köͤrner heraus, und laͤßt nun den rothen Brey ſich zu Boden ſetzen, dann gießt man das klare Waſſer ſanft ab, trocknet den Bodenſatz an der Sonne, macht Kugeln oder Kuchen daraus, die man in Schilfbkaͤtter wickelt, und dieß iſt nun die ſchoͤne rothe Farbe, die wir unter dem Namen Orlean, oder Rocou kennen, und welche ſowohl von Faͤrbern, als Mahlern gebraucht wird. Nro. 2. Der aͤchte Safran. Der aͤchte Safran iſt ein Zwiebelgewaͤchs, das ſowohl im Oriente als auch im ſuͤdli⸗ chen Europa auf Bergen wild waͤchſt. Er wird aber auch als eine wichtige Handelswaare, anitzt in den meiſten Läͤndern von Europa, und ſonderlich in der Löͤrkey, in Spanien, Frank⸗ reich, England, Irland, und Riederoͤſterreich an der Donau gebaut. Der wilde Safran bluͤht auch bey uns im Fruͤhjahre ſchon im Maͤrz, weisgelb und blau in Gäͤrten; der aͤchte oder Herbſtſaftan aber bluͤht gemeiniglich erſt im Oktober roͤthlich, und treibt ſeine Blume ohne Kraut, gerade aus der Zwiebel. In der Blume, die wie eine Linie ausſieht, ſtehen drey am Griffel vereinigte Rarben des Staubweges, von rothgelber Farbe und ſtarkem Geruch. Dieſe find es nun, welche ſorgfaͤltig abgezwickt, geſammelt, getrocknet, und unter dem Ra⸗ men Safran, als die bekannte Waare verkauft werden. Sie ſtehen hier neben der Pflan⸗ ze beſonders gezeichnet. Gleich nach der Blume, welche nur einen Tag bluͤht, kommen ihre grasaͤhnlichen Blaͤtter hervor. Sehr weſentlich von dieſer Pflanze iſt der unaͤchte Safran, oder Saflor unterſchieden als welcher kein Zwiebelgewaͤchs, ſondern eine Diſtelart iſt. ——— e,jÜ 2.22 vökrs Heſt. Der Orlean oder Ruku⸗ Baum. (Blæa O/ellanαν) Unter dem Ramen Orlean oder Ruku erbalten wir aus Amerika einen violetrothen getrock⸗ neten Teig, der als Farbenſtoff gebraucht wird. Man glaubte ſonſt, der Orlean ſey eine Erde, und nannte ihn daher terra orellana, unter welcher Benennung ihn vielleicht noch jetzt Apotheker und Materialiſten verkaufen. Jetzt weiß man, daß er ein Produkt des Pflanzenreichs iſt.—— —— Das Gewaͤchs, welches dieſen Farbenſtoff liefert, iſt ein Baum, der an Groͤße unſern Aepfelbaͤumen gleicht; oft aber auch nur ein Buſch oder Strauch von 8 bis 9 Fuß Hoͤhe bleibt. An den Kuͤſten von Cayenne, wo der Boden recht fuͤr ihn geeignet iſt, giebt es Baͤume von 20 Fuß. Er hat herzfoͤrmige langſtielige Blatter, die vorn ſehr ſpitzig zulau⸗ fen, und das ganze Jahr uͤber gruͤn am Stamme bleiben. An den Enden der Zweige kom⸗ men in Buͤſcheln ſchoͤne große roͤthlich weiße Bluͤthen hervor Sie haben einen kleinen fuͤnf⸗ mal gezaͤhnten Kelch, eine doppelte Blumenkrone, wovon jede aus 5 Blaͤttern beſteht, und viele Staubfaͤden. Die Klaſſe der Gewaͤchſe, in welche der Orlean- Baum gehoͤrt, iſt die 13te(Polyandria, Vielmännige.) Die Blumen gleichen den Bluͤthen der ſchwarzen Ries⸗ wurzel, oder Chriſtsblume(Helleborus niger) am meiſten. Rach der Bluͤthe entſteht eine eyfoͤrmige, etwas zuſammengedruͤckte Flucht, welche uͤberall mit weichen Borſten, wie die Kaſtanie, beſetzt iſt. Es ſoll auch eine Abart mit glatter Frucht geben, die nur mit Muͤhe geoͤffnet werden kann. Die gewoͤhnliche oͤffnet ſich reif von ſelbſt der Laͤnge nach in zwey Haͤlften. Es ſind darin die zahlreichen Samen, in einem ſcharlachrothen Marke gehuͤllt, ein⸗ geſchloſſen. Dies Mark iſt es nun, woraus der Farbenſtoff bereitet wird. Die waͤrmern Gegenden von Amerika ſind das Vaterland des Orleanbaums. Er liebt niedrige feuchte Gegenden, und komunt daher an den Kuͤſten ſehr gut fort. Jetzt pflanzt man ihn auch auf den weſtindiſchen Inſeln als einen nuzbaren und ſchoͤnen Baum an. Vor den Haͤuſern dient er beſonders zur Zierde, da er immer gruͤn iſt, und jaͤhrlich zweymal bluͤhet. Zu Cayenne legt man Baumſchulen von dieſem Baume an. Zu dem Ende zuͤndet man alle auf einem Platze befindliche Baͤume und Straͤucher an, ſtreuet die Aſche umher, und lockert den Boden auf. Sodann ſaͤet man in kleine, 8 bis 0 Fuß weit von einander entfernte Gruben 4 bis 6 Samenkoͤrner. Die aufgegangenen Baͤuncchen werden, wenn ſie groß ge⸗ nug ſind, in Reihen 10 Schritt weit von einander gepflanzt, und nun meiſt der Natur uͤber⸗ laſſen. Nach 10 Monaten fangen ſie ſchon an Fruͤchte zu tragen. Jedes Jahr kann man zweymal ärnten, naͤmlich um Johannis und Weihnachten. In manchen Gegenden hat man faſt das ganze Jahr hindurch Fruͤchte. Sobald ſich einige von den Fruͤchten oͤffnen, oder gelblich zu werden beginnen, ſammlet man ſie ein. Werden ſie fruͤhzeitig abgenommen, ſo muß die Verarbeitung in den erſten 14 Tagen geſchehen; laͤßt man ſte aber voͤllig reif werden, ſo kann man wohl ein halbes Jahr warten, ehe man ſie verarbeitet; doch erhaͤlt man in dieſem Falle geringere und ſchlechtere Waare. Das Alter eines Baums iſt nach den Gegenden verſchieden. Im Innern des Landes ſoll der Baum nur drey Jahre tragen, an den Kuͤſten ober 10 Jahre. Man hat ſchon Ver⸗ ſuche gemacht, ihn in Europa zu ziehen; es iſt dies aber, wie ſich leicht denken laͤßt, nur in Gewaͤchshaͤuſern möͤglich, und auch hier bleibt er nur Strauch, traͤgt ſelten Bluͤthen, und Fruͤchte ſetzt er gar nicht an. Bey der Bereitung des Farbenſtoſſes verfaͤhrt man ſaſt auf die naͤmliche Weiſe, wie beym Indigo; wenigſtens beruht ſie auf denſelben Gruͤnden. Das erſte, was vorgenommen werden muß, iſt, daß man die Samenkoͤrner, welche die Groͤße einer kleinen Erbſe haben, mit dem Marke aus der Kapſel druͤckt, ſie in Troͤge wirft, und mit Waſſer begießt. Hierin werden ſie nun mit hoͤlzernen Keulen ſo lange bearbeitet, bis ſte das haͤutige und fleiſchichte Weſen, oder das ſie umgebende Mark, fahren laſſen. Die Maſſe wird mehrmals in andere Tröͤge gegoſſen und noch immer bearbeitet. Hierauf laͤßt man die Maſſe in Gaͤhrung kom⸗ men. Sie riecht anfangs widrig, nimmt aber hernach einen veilchenartigen Geruch an. Waͤhrend dieſer Bearbeitung veſfli ßen zwey und mehrere Wochen. Rachher gießt man das ſtinkende mit den Farbentheilchen g ſchwängerte Waſſer aus den Troͤgen durch ein Haarſteb n geſch in einen kupfernen Keſſel, daß die Koͤener zurück bleiben. Die abgegoſſene Bruͤhe wird langſam uͤber dem Feuer gekocht, und der Schaum, der ſich in Menge oben anfetzt, abge⸗ nommen, in einen andern Keſſel gethan, und bis zur noͤthigen Dicke eingekocht. Dieſes Sieden erfordert große Aufmerkſamkeit und Sorgfalt. Das Feuer muß gleichmaͤßig und nicht zu heftig ſeyn; die Maſſe muß im Keſſel un aufho lich und fleißig umgeruͤhrt und in beſtaͤndiger Bewegung gehalten werden, weil ſte ſonſt anbreunt, ſchwarz wird, und verdirbt. Das Eindicken dauert etwa 10 bis 12 Stunden. Ilt di⸗ Maſſe zu einem Teige ge⸗ worden, ſo breitet man ſie auf Breter aus, laͤßt ſie e 8 Stunden erkalten, und daun von den Negern zu Kugeln oder Kuchen ballen, welche ſich dazu die Haͤnde mit Oel ſchmieren. 2 17 * 1 — 4—— Die Kuchen oder Kugeln werden mit Rohrblaͤttern umwickelt und zur Befeſtigung derſelben mit Dornen beſteckt. In den erſten 2 bis 3 Monaten trocknet der Kuchen noch nach, und verliert alſo in dieſer Zeit viel von ſeinem Gewichte, welches aber hernach beſtändig bleibt. Wegen des unausſtehlichen Geruchs, der oft Kopfweh erregt, iſt die Beſchaͤftigung mit dem Orlean eine beſchwerliche Arbeit; die armen Reger ſind indeß genoͤthigt, ſie zu uͤbernehmen. Die wilden Amerikaner ſollen aus dem Orlean eine weit ſchoͤnere Farbe heraus zu brin⸗ gen wiſſen. Sie bedienen ſich dazu weder der Gaͤhrung noch des Siedens, ſondern zerquet⸗ ſchen das Mark, welches die Samen umgiebt, indem ſie dieſelben zwiſchen den Haͤnden rei⸗ ben und druͤcken, und von Zeit zu Zeit den Schleim, der ſich an den Haͤnden anſetzt, und der die feinſten Farbentheile enthaͤlt, mit einem Meſſer abſchaben. Wenn der Orlean gut iſt, ſo laͤßt er ſich noch mit den Fingern druͤcken, ohne jedoch feucht zu ſeyn. Auf der Oberflaͤche iſt ſeine Farbe braun, faſt violett, im Bruche aber ſchoͤn roth. Der Geruch muß veilchenartig ſeyn; ſtinkt er, ſo zeigt dies an, daß er in der Gaͤh⸗ rung Schaden gelitten hat. Er kommt gemeiniglich in runden Kuchen von 2 bis 3 Pfund nach Europa. In Holland hat man dergleichen von zu fund: Den mriſten erhalten wir aus Cayenne, wo ſchon im Jahre 1ga ſo viel gewonnen wurde, daß 260541 Pfund aus⸗ gefuͤhrt werden konnten. In Ameerika bedienen ſich die Eingebornen des Orleans zum Beſtreichen ihres Leibes, um dieſen dadurch gegen die Sonnenſtrahlen zu ſchuͤtzen und gegen Inſcktenſtiche zu verwah⸗ ren, welche durch den Geruch abgehalten werden. Dies gab den Europaͤern Veranlaſſung, ihn in der Faͤrberey zu berſuchen, wo er denn auch ſehr ſtark gebraucht wird; doch mehr zum Färben der Seide als der Wolle. Weingeiſt loͤſet das Pigment beſſer auf, als Waſſer, wie⸗ wohl auch dieſes im Sieden rothgelb davon gefaͤrbt wird, und den Geruch und Geſchmack annimmt Ein Zuſat von Laugenſalz macht das Dekokt orangegelb, lieblicher und klärer. Seide faͤrbt man mit dem Orlean auror⸗ orangegoldgelb und iſabell. Sonſt braucht man ihn auch zu Firniſſen, welche durch Orlean eine ſchoͤne Goldfarbe erhalten, und auf Meſſing und andere Metalle aufgetragen werden, um ihnen das Anſehen des edelſten Metalles zu geben. Auch zum Faͤrben der Speiſen wendet man dieſes Pigment an. Die Indianer bedienen ſich des Holzes von dem Baume, um damit durch Nilalgg Feuer anzuzuͤnden. Der aͤchte Safran. (Crocus auctumnalis). In bielen Gärten findet man im März, ſobald der Schnee geſchmolzen iſt, eine kleine Blu⸗ me von roͤthlicher, gelber und weißer Farbe, welche in der Geſtalt dem Safran gleicht, und Crocus genannt wird. Dieſe Blume gehöͤrt zu dem Geſchlechte des Safrans, hat aber kei⸗ nen weitern oͤkonomiſchen Rutzen, ſondern dient blos zur Zierde. Sowohl ſie als der aͤchte Safran iſt ein Zwiebelgewaͤchs. Die Blume, welche unmittelbar aus der Zwiebel hervor⸗ treibt, iſt lilienartig, ſechsmal getheilt, ohne Kelch, und ſteckt, ehe ſte aufbluͤhet, in einer haͤu⸗ tigen durchſichtigen trocknen Huͤlle, welche einhlaͤttrig iſt, und die Blumenſcheide heißt. Sie hat 3 Staubgefaͤße, und gehöͤrt in die gte Klaſſe(Triandria, Dreymäunige). Die Blaͤt⸗ ter ſind lilienfoͤrmig und zuruckgeſchlagen. Sie kommen nicht immer gleich mit der Bluͤ⸗ the zum Vorſchein. Wild woͤchſt die ächte Safranpflanze auf Bergen in Aſien und Europa. In Deutſch⸗ land trifft man ſie im Baieriſchen und Oeſterreichiſchen an. Schon in alten Zeiten wurde ſie als Gartenpflanze ordentlich kultivirt, und noch jetzt baut man ſie im Orient, in Italien, Deutſchland, Frankreich, Spanien, Eugland u. ſ. w. in Menge auf Feldern. Der Deutſche Safran, der in Riederöſterreich an der Donau, und in Baiern gewonnen wird, iſt ſehr gut. Die Safranpflanze bluͤhet im September bis gegen das Ende des Oktobers. Die Blume iſt faſt ſo groß, wie eine mittelmaͤßige Tulde; ihre Farbe iſt roͤthlich⸗ lilafarben; inwendig ſind die Blätter mit dunkelvioletten Streifen gezeichnet. Der Staubweg oder weibliche Geſchlechtstheil endigt ſich oben in 3 faſerichten Narben, und dieſe ſind es, welche den Safran geben. Wenn man eine reichliche Aernte halten will, ſo muß das Land, welches bepflanzt werden ſoll, dazu ausgeſucht und zubereitet werden. Ein fruchtbares lockeres Sandland iſt das beſte. Es muß wie ein Garten umzaͤunt und mit kurzem verfaulten Duͤnger geduͤngt werden. Hierauf graͤbt man es tief, legt mit dem Anfange des Auguſts die Zwiebeln in Reihen 3 bis 4 Zoll weit aus einander, und druͤckt eine jede gehoͤrig ein. Rach Beſchaffenheit der Witte⸗ rung fangen ſie im September bald eher bald ſvaͤter an zu bluͤhen, welches, wie geſagt, bis gegen das Ende des Oktobers dauert. Während dieſer Zeit nimmt man alle Tage die Blumen ab, welche im Begriff ſtehen aufzubrechen; den ſte bluͤhen nur einen Tag. Die abgepfluͤckten trägt man nach Hauſe, zupft die Narben oder den eigentlichen Safran heraus, und trocknet dieſen mit großer Vorſicht auf Papier uͤber einem Ofen, der nur gelinde geheizt wird. Dieſes Geſchaͤft dauert etwa 24 Stunden, und der Safran iſt dann zum Verkauf kertig. Er beſteht, wie bekannt, aus feinen purpurrothen, angenehm gewuͤrzhaft riechenden Faſern. Die Blaͤtter der Pflanzen, welche entweder mit, oder nach der Bluͤthe erſcheinen, erhal⸗ len ſich den ganzen Winker uͤber gruͤn, und vertrocknen erſt im Fruͤhjahre. Die Zwiebeln bleiben liegen, und vermehren ſteh, indem ſte Rebenzwiebeln anſetzen, ziemlich ſtark. Im zweyten Herbſt eſcheint daher eine noch groͤßere Menge Blumen, und im dritten ſteht man oft auf dem Fleck, wo anfangs nur eine Zwiebel hingelegt war, 10 bis 12 Blumen hervorkommen. Nach Verhaͤltniß der Vermehrung, zu weleher guter Boden und Duͤnger viel beyträgt, fällt auch die Aernte reichlich aus. Länger aber als 3 Jahre läaͤßt man das Safranfeld nicht ſte⸗ hen, ſondern man nimmt die Zwiebeln im Fruͤhlinge des vierten Jahres heraus, ſobald die Blatter ve welkt find, ſortirt ſie nach der Groͤße, und trocknet ſie an einem luftigen Orte ab. Sie bleiben bis zum Auguſt liegen, wo man ein neues zubereitetes Feld damit bepflanzt. Ungeachtet der Safran ſelbſt in Deutſchland auf großen Feldern waͤchſt, ſo iſt er dennoch ſheuer. Dies kommt aber daher, weil das Auszupfen der Narben ſo muͤhſam und langwei⸗ lig iſt. Der Gebrauch dieſes Produkts iſt bekannt. Man wuͤrzt theils die Speiſen damit, theils giebt man ihnen durch Beymiſchung deſſelben eine gelbe Farbe. Der Safran faͤrbt naͤmlich, ob er gleich getrocknet purpurroth ausſteht, die Feuchtigkeit gelb, worin er aufgeloͤſt wi d. In der Medizin bedient man ſich deſfelben zu verſchiedenen Zwecken innerlich und aͤuſ⸗ ſerlich. Er zertheilt, etoͤffnet und loͤſt auf. Auch in der Faͤrberey wird er benutzt, jedoch des hohen Preiſes wegen nur zu ſeidenen Zeugen. Der beſte kommt aus Perſten. In Deutſchland und andern europaͤiſchen Laͤndern pflegt man ihn mit dem Saflor zu verfaͤlſchen. Vierf. Thiere. XXVII. Oſchſen verſchiedener Art. Nro. i. Der Auerochſe. (Bos urus). Der A leroch ſe lebt noch itzt wild in Pohlen, Lithauen, und Sibirien, iſt ſchwarzbraun 4 von Farſe, ind hat am Vordertheile des Leibes ſchwarze, zottige Haare. Hoͤchſt wahsſchein⸗ lich ſtauent inſer zahmes Rindvieh von dem Ausrochſen ab. Er iſt unbaͤndig, und ſo ſtark 0 und kuͤln, daß man Auerochſen in Thierkaͤmpfen mit Loͤwen und Baͤren oftmals ſiegen ſah⸗ Aus ihten gkoßen und dicken Hoͤrnern machten die alten nordiſchen Voͤlker gewoͤhnlich ihre T inkgſchure. Die rothe Farbe ſetzt ſte in Wuth, daher man ſie durch einen rothgekleideten Strohnann anzulocken, und ſie dann zu fangen, oder zu erlegen pflegt. Der za hme Och ſe. (Bos taurus). Unſer zahmes Rindvieh, welches, wie gedacht, vom wilden Auerochſen, und dem Biſon alſtammt, iſt uͤber den ganzen Erdboden verbreitet, und gehoͤrt wegen ſeines mannig⸗ faltigen Nutzens unter die wichtigſten, nuͤtzlichſten Hausthiere. Sein Fleiſch und ſeine Milch gben uns die mannigfaltigſten Speiſen, ſeine Haut Leder, ſeine Hoͤrner mancherley Geraͤthe ſein Miſt das beſte Duͤngmittel fuͤr den Ackerbau; und außerdem ackert der Ochſe auch noch unſere Felder, und zieht unſere Laſtwaͤgen, ja in Aſten ſogar die Staats waͤgen der Großen. Es giebt ganze Voͤlker, die blos von der Rindviehzucht leben. Gewoͤhnlich hat das Rindvieh Hoͤrner, allein es giebt in England und Schottland auch welches ohne Hoͤrner. Man fndet es von vielerley Farben, als rothbraun, ſchwarz, weiß, grau, gelb und gefleckt. (Bos bison). Der Biſon lebt wild in großen Heerden in ſumpfigen Waͤldern von Nordamerika, und iſt das groͤßte Landthier der neuen Welt. Er iſt braunſchwarz von Farbe, und hat den Winter himurch uͤber den ganzen Leib dickes, langes Haar; im Fruͤhjahre aber wird er am Ruͤcken unß Hinterleibe kahl, und behaͤlt blos ſeine ungeheuere Maͤhne an Bruſt und Nacken. Sein Fläſch iſt wohlſchmeckender, als das von gemeinen Ochſen, und mit den Haͤuten wird ein ſtar⸗ ken Handel nach Europa getrieben. Dieſe Thiere finden ſich in ſo ungeheuerer Menge, daß 1500 bis 2000 auf einer Jagd getöͤdtet werden. 4 Nro. 4l, Der Zebu. (Bos indicus). Der Zebu oder Zwergbuͤffel lebt in Oſtindien, iſt von der Groͤße eims halbjaͤh⸗ rigen Kalbes, hat kleine Hoͤrner, und iſt graublau, und ſchoͤn braungefleckt von Farbe. Auf dem Ruͤcken hat er einen Hoͤcker. Man rechnet ihn zur Rage der Buͤffel, und nꝛenat ihn da⸗ 18* her den Zwergbuͤffel. Nro. 5. Der Büffel. (Bos Bubalus). Den Buͤffel ſtammt aus Libet, und lebt im'gröͤßten Theile von Aſten, ſo wie auch in Ungarn, S und Jalien zahm, und als Haus ⸗ und Laſtthier, wo er ſehr wichtige Dünſte leiſtet; denn» Buͤffel koͤnnen eine Laſt ziehen, die 6 Pferde kaum bewegen wuͤrden. Der Buͤffel 8 hat eine ſchwarze duͤnnbehaarte Haut, die ausnehmend dick iſt, und ſehr ſtarke, plattligende Eck Hoͤrner. Das Fleiſch, ſo wie auch die Milch, Kaͤſe und Butler von Buͤffeln iſt wät ſchmack⸗ Poh hafter, als von unſerm gewoͤhnlichen Rindvich.— 0 1 ſchre Thie gew Sib dicke Trin zarn, ſtet; uͤffel ende lack⸗ r ch f (Bos umnus L. ſ. bos taurus ferlle Blumb.) Das Geſchlecht des Rindviehes enthaͤlt Thiere, welche dem Menſchen auf vielfaͤltige Weiſe nuͤtzen. Sie ſind gehoͤrnt, und haben nur in dem Unterkieſer acht Schneide⸗ und gar keine Eckzaͤhne. Ihre Hoͤrner— die auch den. Weibchen nicht fehlen— ſind glatt, inwendig hohl, und nach vorn zu halbmondfoͤrmig gebogen. Sie wiederkaͤuen und haben geſpal⸗ tene Hufen. Der Auer⸗ oder Urochſe hat ſeinen Ramen von dem alkdeutſchen Worke Ur, d. i. Wald. Man ſieht ihn fuͤr den Stammoater des zahmen Rindviehes an, von welchem er ſich uͤbrigens in mancher Hinſicht unterſcheidet. Er iſt groͤßer als der zahme Stier. Seine Hoͤhe betraͤgt 32 Elle; die Laͤnge 31 Elle, und ſein Gewicht bisweilen 2000 Pfund. Die Hoͤrner ſind kurz, ſichelförmig und von ſchwarzer Farbe. Der Hals iſt kurz und ſtark; Schul⸗ tern, Genick und Bruſt ſind mit langen krauſen Haaren von blauſchwarzer Farbe beſetzt. Die Farbe des Fells iſt beſtaͤndig, wie uͤberhaupt bey den allermeiſten wilden Thieren. Er ſieht ſchwarzfahl aus, und hat maͤuſefahlfarbene Streifen. Der Auerochſe iſt ein furchtbares und grimmiges Thier. Sein Blick verraͤth Uner⸗ ſchrockenheit und Muth. Im Halſe beſitzt er eine unglaubliche Staͤrke„und traͤgt daher in Thiergefechten gewoͤhnlich den Sieg davon, denn er nimmt Bären und andere wilde Thiere auf die Hoͤrner, wirft ſte uͤber ſich in die Hoͤhe, und reißt ihnen den Bauch auf. Außer der gewooͤhulichen Rahrung des Rindviehes frißt der Auerochſe auch Baumrinden. Mit dem zah⸗ men Rindoieh vermehrt er ſich. Er wurde ehemals in Deutſchland, in Thuͤringen, und auf dem Harzwalde angetrofſen. Jetzt findet man ihn noch in den polniſchen Waͤldern und in Sibirien wild. Das Fleiſch kann gegeſſen werden. Sehr nuͤßlich iſt die außerordentlich dicke Haut; ſie dient bortrefflich zu Kollets. Aus den Hoͤrnern verfertigten die Alten Trinkgefaͤße. bites Heft. B Deer z a hmi e Oſch ſe. (Bos taurus domeèesti Clus). Der zahme Ochſe, oder vielmehr Stier, iſt vornämlich an der ſchlaffen Haut kenntlich, d r kann ganz wohl, ungeachtet aller Verſchiedenheit, vom Aue ochſen abſtammen; denn man weiß ja, welche Aenderung die Domeſtikation bey den Thi ren hervorbringt, und welchen Einfluß uͤberdieß Futter, Klima, Behandlung und dergleiche ̃ Selbſt das zahme Rindvieh iſt in dieſer Hinſich ſehr verſchieden, und theilt ſich in zahlreiche Spielarten oder Raſſen. Wir bemerken davl nur die vornehmſten. ihm an der Kehle haͤngt. E auf ihre Groͤße, Geſtalt und Farbe hat. Das Friesländiſche Rindvieh hat meiſt ein rothes Haar, nirdrige Füße, und ein, langen, breiten und dicken Leib. Gemaͤſtete wiegen nicht ſelten an 12 Centner, und die Ki⸗ giebt zu manchen Zeiten 20 bis 24 Maaß Milch des Tages. Das Schweizeriſche. Seine Farbe iſt mehrentheils ſchwarz. Der Geſtalt 0 es groß, lang und hoch⸗—*— Das Daͤniſche und Juͤtlaͤndiſche iſt dickleibig, hat kurze Fuͤße, und wenig geb gene Hoͤrner. Die Farbe iſt theils ſchwarz und weiß, theils roth und weiß. 5 Das Polniſche iſt niedrig von Beinen, hat einen dicken und ſtarken Leib und el weißliche Farbe. 4 Das Ungariſche iſt hochbeinigt, hat weit aus einander ſtehende Hoͤrner, und ei bläuliche oder ins Fahle fallende Farbe. Letztere beyde Arten koͤnnen gemaͤſtet ein Gewil von 9 Centnern erlangen. Außerdem giebt es noch andere, obwohl weniger beruͤhmte Spielarten vom Rij vieh. Man nennt ein Rind gut und ſchoͤn, wenn es einen kurzen breiten Kopf, lange he rke und mittelmaͤßig lange Hoͤrner, ein breites und flaches Maul, we ſchwarze Lippen, einen ſtarken dicken Hals, breite, fleiſchichte und di und einen bis zu den Knieen hinabhaͤngenden Schlat Der Bauch muß groß und hangend, der Ruͤcken gerade, der Schwanz la Beine und Schenkel muͤſſen ſtark, die Klauen breit, und das Haar m⸗ Bey der Kuh ſieht man vorzuͤglich darauf, daß ſie rige Ohren, glatte, ſta geöffnete Naſenlöcher, Schultern, eine gr (Wammen) hat. und ſtark behaart, auf dem Leibe dick und weich ſeyn. oße und breite Bruſt, gutes Euter und ſtarke Milchadern habe. Die rothbraune Farbe iſt, wie es ſcheint, die! tuͤrlit ſehr Die hand und ſowo vieln Dur plun doch bewi mag ſeltel auch und bar, ter nen. Ene; paff ſteh beke gen Tag mitt end ſein dad laſſ⸗ Se zu, — 11 tuͤrliche; und es ſollen Rinder von dieſer und der ſchwarzen Farbe vom Ungeziefer nicht ſo ſehr gequaͤlt werden, als andere. Das gewoͤhnliche deutſche Rindvieh iſt etwas kleiner, als die angefuͤhrten Raſſen. ich, d Die Läͤnge beträͤgt gegen 8 Fuß, und die Hoͤhe etwa 43 Fuß; doch macht auch hier Be⸗ Außg handlung, Futter, und dergleichen einen merklichen Unterſchied. 1 Thit gleiche Schönheit, Gewandtheit und Proportion in allen Gliedmaßen, desgleichen Hurtigkeit Hinſich und Lebhaftigkeit, die man am Pferde ſo hewundert und ſchaͤtzt, wuͤrde man am Rindvieh, davo ſowohl maͤnnlichen als weiblichen Geſchlechts, vergebens ſuchen. Der ganze Koͤrperbau iſt vielmehr unfoͤrmlich, und hat faſt nichts Gefaͤlliges. Der Blick iſt ſtarr, und verraͤth mehr Dummheit als Klugheit. Alle Wendungen und Bewegungen ſind ſteif; auch der Gang iſt id eim plump und ungeſchickt. So wenig geiſtige Talente auch der Stier beſitzt, ſo fehlt es ihm die Ki doch nicht an Muth und heimlicher Tuͤcke. Die Kraft, die er in ſeinem Halſe beſitzt, iſt zu bewundern, und die Stöße, die er mit ſeiner Stirn und mit den Hoͤrnern anzubringen ver⸗ mag, ſind furchtbar. Die Kuh iſt ſanfter und weniger ſtark. Sie zeigt ſich traͤge und ſtill; nach ſelten iſt ſie tückiſch und ſtoͤßig. Außer den Hoͤrnern bedient ſich das Rind im Rothfalle auch noch der Hinterbeine zu ſeiner Vertheidigung.— Der Schlaf dieſer Thiere iſt leiſe, und dauert nur kurze Zeit. lig geb Ihre Lebenszeit erſtreckt ſich kaum auf 30 Jahre. Zwoͤlf Jahre ſind ſte nur recht nutz⸗ bar, und das zwanzigſte iſt ſchon druͤckend fuͤr ſie; daher man ſie auch lange vor dieſem Al⸗ und el ter zu ſchlachten pflegt. Man kann das Alter des Rindviehes auch an den Zaͤhnen erken⸗ nen. Es finden ſich, wie geſagt, nur in der untern Kinnlade 8 Schneide⸗ oder Vorderzaͤh⸗ ne; die obere iſt dafür mit einer harten Haut bedeckt, auf welche die untern Zaͤhne genau ind el paſſen. Jede Kinnlade hat nun noch außerdem„6 Backenzaͤhne auf jeder Seite; folglich Gewi ſtehen im ganzen Maule 3e Zaͤhne. Das Kalb bringt bey der Geburt nur 4 Zaͤhne mit, bekommt nach 44 Tagen noch zwey, und hat im erſten Vierteljahr alle g Vorderzaͤhne. Ge⸗ gen das Ende des erſten Jahres fallen davon die beyden mittlern aus, werden aber binnen 14 »Rin Tagen durch zwey andere erſetzt. Nach etwa 16 Monaten fallen auch die auf die beyden ige hu mitklern folgenden zwey Vorderzaͤhne aus, die bald wieder erſetzt werden; im dritten Jahre ul, we endlich die vier letzten. Rach Jahren ſind alle Milchzaͤhne ausgefallen, und das Thier hat und di ſeine gehoͤrigen Schneidezaͤhne, die ſich durch ihre geringere Weiße, groͤßere Feſtigkeit, und Schla dadurch, daß ſie enger ſtehen, von den ſogenannten Milchzaͤhnen unterſcheiden. anz la 5 1 Um gute Zucht zu erhalten, darf man die jungen Rinder nicht mehr bey der Heerde ſie laſſen, wenn ſie 15 Jahr alt ſind, weil ſte ſich zu fruͤhzeitig unter einander begatten, wodurch die! Schwaͤchlinge entſtehen. Jungen Stieren laͤßt man am beſten nach 4 Jahren die Paarung zu, und den Kuͤhen nicht vor dem dritten Jahre. Bis zum 9 Jahre iſt der Stier zur Be⸗ B 2 gattung tuͤchtig, dann maͤſtet und ſchlachtet man ihn lieber. Ein einziger Stier iſt hin, länglich eine Heerde von 60 und mehr Kuͤhen zu befruchten; doch iſt es beſſer, ihm nicht ſich viel zu geſtatten. Das Frühjahr iſt die gewoͤhnliche Zeit, wo das Rindvieh ſich zu paarty— pflegt; manche Kuͤhe empfinden aber auch zu andern Zeiten den Reiz des Geſchlechtstriebe au Man hat uͤberdieß noch kuͤnſtliche Mittel, ihn zu erwecken. Dahin gehoͤren z. B. die Grüng 335 linge(Fiſche aus unſern Gewaͤſſern), zerſtoßner Hanfſamen, oder Hafer mit Salz vermiſchl Wi und geroͤſtet. Die Kuh iſt 283 bis 23.5 Tage traͤchtig. Ein Kalb, das zur Fortzucht dit beh nen(abgeſetzt werden) ſoll, muß 3 Monate an der Mutter ſaugen. Das dritte, vierte un geſe fuͤnfte Kalb von einer Kuh iſt das tauglichſte zum Abſetzen; auch muß es vor, oder bald nat du— Weihnachten geboren ſeyn. Viele Kaͤlber werden geſchlachtet, wenn ſie 2, 4 bis 6 Wöo naͤf chen geſogen haben. Man kann dieſe auch mit einem laulichten Getraͤnk von Mehl ull det Waſſer maͤſten. 8115 geh In der Schweiz hat man eine eigne Methode, junges Rindvieh aufzuziehen. Sobal lich naͤmlich das neugeborne Kalb von der Mutter beleckt iſt, nimmt man es ihr, melkt die Kuh lich und ſetzt dem Kalbe die Milch in einem irdenen Gefaͤße vor. Damit es ſaufen lerne, beuß beth man ihm das Maul herunter, legt die Hand in die Milch, ſo daß der Daumen nur unbt plöͤß deckt bleibt. Faͤngt nun das Kalb an, am Daumen zu ſaugen=ſo ſenkt man dieſen unde nen merkt tiefer, bis das etbſt diẽ Mi erührk, und ſo ſaugt oder trinkt das Kalb fotl futt. Man giebt ihm taͤglich dreymal zu trinken, und wiederholt jenen Kunſtgriff ſo lange, bi das Kalb allein ſaͤuft. Drey Wochen lang bekommt es reine Milch; hernach faͤhrt ma fort bis zur ſiebenten Woche nach und nach immer etwas mehr lauliches Waſſer dazu Rat gießen. Dann giebt man ihm Molken, und nach 3 Monaten ſchon Nachkorn, Oelkuche laͤn⸗ und dergleichen. Nach 4 Monaten futtert man gutes Heu und Hafergarben, und tran Höl es mit Molken. Im zweyten Jahre faͤngt die Futterung mit Gras oder Klee an. W. zu man dem Kalbe 4 Wochen nach ſeiner Geburt nicht mehr viel Milch geben, ſo kann ma ſen ein Getraͤnk von Brod, Waſſer und etwas Milch durch einander gemiſcht und gekocht futter Str 5 Da Die Guͤte dieſer Methode zeigt ſich in ihren Folgen. Das Kalb ſaugt keine Haare en wen ein, und aͤngſtigt ſich nicht bey der Entwoͤhnung; ferner wird auch die Milch rein aus dey und Euter gezogen, und dann wird vorzuͤglich auf dieſe Art das Kalb gröͤßer und ſtaͤrker. die iſts Maͤnnliche Rinder, die weder als Zuchtſtiere gebraucht, noch als Kalber geſchlacht 5 werden ſollen, pflegt man entweder gleich in den erſten Wochen, oder beſſer im zweyll den Jahre zu verſchneiden. Wartet man laͤnger, ſo verwildern ſte theils, oder wachſen aul nicht ſo gut. Verſchnittne maͤnnliche Rinder werden eigentlich Ochſen genannt Weiblich Rinder heißen nach dem erſten Jahre Faͤrſen. Nach dem vierten Jahre erhalten die Hoͤrne der Kuͤhe an der Wurzel einen Ring, und dies erfolgt jedes Jahr; daher man auch hiel nach das Alter beſtimmen koͤnnte, wenn nicht Ausnahmen ſtatt faͤnden. E 13 iſt hin Die Nahrung des Rindviehes beſteht b ekanntlich bl oß in Vegetabilien;). Man bedient nicht f ſich jetzt zweyerley ihe der Futterung. Die eine iſt die, wo neben de m Austreiben paart auf Weiden das Vieh auch noch im Stalle Futter bekommt; die andere ſchraͤnkt ſich bloß auf Futterung im Stalle ein, und heißt daher auch Stallfutkerung. Es iſt z war nicht zu Grän laͤugnen, daß in einigen Gegen den, beſonders in waldichten, und wo nicht hinlängliche rmiſcht Wieſen und Aecker zur Gewinnung des Futters vorhanden ſind, die erſtere A Aet bequem bey⸗ cht dit behalt en werden kann, beſonders wenn das Weiden in dem Walde mit der noͤthigen Vorſicht rte un geſchicht; allein uͤberhaupt genommen hat die Stallfutterung entſchiedene Vortheile. Denn ald nal dure h das Weiden auf nutzbaren Wieſen wird viel Futter vertreten, ur id wenn die 5 6 WI naͤſſig iſt, wird auch der Bode en verdorben; ferner, wenn eine ſolche Wieſe einmal abgeweil⸗ ehl un det iſt, bringt ſie das Jahr kein gutes, nahrhaſtes Futter wieder. Die Kuh ſelbſt, die oft einen weiten Weg nach der Weide machen muß, ermuͤdet, und verliert die Milch; auch 2 geht der Duͤnger, der doch ein ſo unentbehrliches Huͤlfsmittel zur Oekonomie iſt, faſt gaͤnz⸗ Sobal l. lh verloren. Außer dem iſt das Austreiben des Rindviehes auf die Weide eine der gewoͤhn⸗ ie Kuh lichſten Urfachen von macherley Seuchen und gefaͤhrlichen Zufaͤllen. Bereifte, beregnete und e„ beuß bethaute Kraͤuter ſind dem Vieh hoͤchſt ſchaͤdlich. Hiezu kommt noch, daß das Vieh den ir unbe ploͤtzlichen Ver fänderung gen in der Witterung, Kales, Hitze, Regen, und brennenden Son⸗ unoe nenſtrahlen ausgeſ h6t it, und Waöf leiden muß Alle dieſe Uebel werden beh der Stall⸗ alb f00 futterung vermieden; doch muß auch dieſe mit gehöͤriger Vorſicht betrieben werden. ge, bi hrt ma Die Staͤlle muͤſſen geraͤumig genug ſeyn. Jede Kuh muß wenigſtens zwey Ellen breit dazu[Raum inne haben. Die Hoͤhe der Staͤlle kann Balſehicde ſeyn, je nachdem der Duͤnger 1 laͤngere oder kuͤrzere Zeit liegen bleibt. Wo er nur einige Tage ſich ſammelt, iſt die nöthige d traͤn Hoͤhe g Fuß. Der Boden muß gepflaſtert und a0hänog ſeyn, damit die nuͤtzliche Jauche Wᷓ ezu dem Duͤngerhaufen fließen kann. Um dem Vieh friſche Luft beſtaͤndig zuzufuͤhren, muͤſ⸗ in ma ſen hinlaͤngliche Welfte und wo moͤg lich, auch Dunſtroͤhren angebracht werden. Fuͤr futten Streue muß man fleißig ſorgen, damit das Vich ein trocknes und reinliches Lager habe.— Das Rind verlangt eben ſo ſorgfaͤltige Pflege, wie das Pf— und gedeihet deſto beſſer, aare nwenn es gehörig abgewartet wird. Es befindet ſie 5 ſchr wohl, wenn es bisweilen geſtriegelt 8 deß und gewaſchen, oder geſchwemmt wird. Auch muß man de Schwanz, die Lenden und die Klauen bisweilen reinigen. Wenn die Kuͤhe nicht auf die Weide werden, ſo iſts noͤthig, das man ſie in dem Hofe— ingehen laſſe, damit ſte nicht ſteif werden. Feder⸗ chlacht vieh taugt nicht im Kuhſtalle. Die Federn, welche unter das Futter kommen, und von zweyte den Kuͤhen mit gefreſſen werden, koͤnnen ihnen gefaͤhrliche Zufaͤlle, ja den Tod zuziehen. ſen aul Beiblich Hoͤrnt ich hie Doch laͤßt es ſich auch an Nahrung aus dem Thierreiche gewoͤhnen. Hoch im Norden futtert man das Rindvieh mit gedoͤrrten Fiſchen den größten Theil des Jahres hindurch. Pferde ſollen ebenfalls dazu gebracht werden koͤnnen, Fleiſch u. dergl. anzunehmen. Beh der Futterung ſelbſt muß dahin geſehen werden, daß das Gras, der Klee, oder die Eſparſette nicht zur Unzeit abgemaͤhet, auch dem Vieh nicht zuviel davon vorgeworfen werde. Im Fruͤhjahre und Herbſte muß man nicht ploͤtzlich von trockner zu gruͤner, und umgekehrt, von gruͤner zu trockner Futterung uͤbergehen, ſondern den Uebergang durch Vermiſchung von beyden allmaͤhlich machen. Gruͤnes Futter giebt man taͤglich lieber fuͤnf⸗ mal und wechſelt ab, wenn die eine Art zum Ekel wird. Der rothe oder ſpaniſche Klee iſt das gemeinſte Futter, deſſen man ſich bey der Stallfuͤtterung bedient. Der Anbau dieſes nuͤtzlichen Gewaͤchſes hat in der neuern Zeit ungemein viel zum Wohlſtande der Viehzucht und des Ackerbaues Dreißig Morgen Landes, mit Klee beſaͤet, ernaͤhren 23 Kuͤhe, und nach ſichern Erfahrungen ſollen dieſe 30 Morgen Landes, auf ſolche Art benutzt, mehr einbringen, als 90 Morgen mit Getreide beſtellt.— Bey der Winterfutterung muß, wenn die Kuh viel und gute Milch geben ſoll, noch mehr abgewechſelt werden, als im Sommer. Man giebt ihnen taͤglich 4mal abwechſelnd getrockneten Klee, Heu, Grummet, Hafer⸗ oder Gerſtenſtroh und dergleichen; auch Ruͤben, Kohlblaͤtter, Kartoffeln und Ab⸗ gang. Dabey muß die Kuh viel friſches Waſſer bekommen. Salz mit Kleye dient gleichſam als Arzney, und kann zu allen Zeiten gegeben werden. Die Ochſen futtert man, weut loß mit Hrund Stroh zu gleichel Theilen; muͤſſen ſie aber ziehen, ſo 91 man Ionen nchr Heu und auch zur Staͤrkung et⸗ was Hafer 5 Dieſe nüßlt chen Thiere ſind mancherleh Krankheiten und gefaͤhrlichen Zufaͤllen unter⸗ worfen. Das fuͤrchterlichſte Uebel fuͤr das Rindvieh iſt die unter dem Ramen Hornvieh⸗ ſeuche bekannte peſtartige Krannkheit, welche vornaͤmlich ſeit 17 1 uin Deutſchland wuͤthet Man nimmt lange anhaltende Düne, beſtäͤubtes oder durch ungeſunde Rebel ꝛc. verdorbe nes Futter, das Trinken aus Moräſten und Pfuͤtzen und dergleichen, als Urſachen davol an. Es entſteht naͤmlich dadurch eine Stockung und Faͤulniß der Säfte i im Koͤrper del Thieres, und dieſe verurſacht Entzuͤndungen. Das Thier faͤngt an traurig zu werden, del Appetit zu verlieren, und bald Hitze bald Froſt zu empfinden. Aus Maul und Raſe fließ ein duͤnner Schleim, und die Augen ſchwellen auf, das Athemholen wird beſchwerlich und geht endlich in ein Keuchen uͤber. Wenn ſich dieſe Umſtaͤnde zeigen, ſo iſt der Tod nich mehr fern. Wenige Rinder uͤberſtehen dieſe fuͤrchterliche Krankheit.——— welche wirklich davon kommen, werden auch nie wieder davon angefallen. Man iſt eben dahe⸗ auf den Gedanken gekommen, dem Rindvieh die Seuche ſo einzuimpfen, wie Kindern di Pocken, und es ſoll auch ſchon geſchehen und gegluͤckt ſeyn. Das beſte, was man thun kann, iſt, daß man ſein Vieh davor zu bewahren ſucht. Dies geſchieht beh der Stallfuͤtte⸗ rung ſehr leicht, denn hier kommt es erſtlich nicht in Gefahr, ungeſunde Nahrung zu genief ſen; zweytens wird es dadurch am ſtcherſten vor Anſteckung geſichert. Sind. in Naͤhẽ di Kühe mit dem Uebel behaftet, ſo verhindert nan alle Kommunikation, und raͤuchert laͤglich verſchiedenen malen den Stall mit Eſſig aus, den man auf eine erhitzte eiſerne Plate, au eine ter che mit von Vie die zeig Zur gefa dil 23R Fruͤ viel Ueb heit ſtnd fall Kre nen aue run Rit ode die odet borfen und durch fuͤnf⸗ lee iſt dieſes hzucht en 23 enutzt, muß, als im Hafer⸗ Ab⸗ miſcht leichen ung el⸗ Unter⸗ envieh⸗ vuͤthel rdorbe⸗ davol her del „ de e fließ erlich 9 nich welcht dahe ern di n thun llfuͤtte⸗ genieſ aͤhs di lich z e, aüf RRRRRRRRRR 15 eine Schippe oder dergleichen gießt. Auch Wacholderbeeren verbeſſern die Luft. Salz ins Fut⸗ ter gethan und zu dem Getraͤnk etwas Vitriolſpiritus oder ſcharfen Eſſig gegoſſen, ſind innerli⸗ che Vorbeugungsmittel. Außerdem hilft Reinlichkeit ſehr viel.— Iſt ein Stuͤck Rindvieh mit der Seuche behaftet, ſo kann man als Rettungsmittel ſaure Aepfel oder den Extrakt da⸗ von verſuchen. Auch iſt es gut, dem Thiere das Maul mit Salz und Eſſig auszuwaſchen. Vieh, welches an der Seuche ſtirbt, muß tief vergraben und mit Kalk bedeckt werden, damit die Ausduͤnſtungen die Luft nicht verpeſten. rn Ot 57 Weniger gefaͤhrlich ſind die ſogenannten Peſtblattern. Nach großer Hitze und Duͤrre zeigt ſich naͤmlich eine Art von Geſchwuͤre, von der Groͤße einer Haſelnuß, am After an der Zunge, oder zwiſchen dem Huf. Dieſe Blatter iſt zwar nicht anſteckend, wird aber doch auch gefaͤhrlich und toͤdtlich. Salz in Waſſer aufgelöſt und die kranke Stelle damit beſtrichen, hilft dagegen. Das Blutharnen iſt ein bekanntes Uebel beym Rindvieh. Aberglaͤubiſche Leute ſchreiben es der Hexerey zu. Es entſteht gewoͤhnlich von dem Blumenſtaube der Fichten, der im Fruͤhjahre auf das Gras faͤllt; oder auch vom Genuß des Hahnenfußes, wenn deſſen zu viel auf der Weide ſteht. Durch Schweinfett, das man dem Vieh eingiebt, kann das Uebel vertrieben werden. Die ſogenannten Franzoſen des Rindviehes, welche man ſonſt fuͤr eine ekelhafte Krank⸗ heit hielt entſtehen auf die naͤmliche Weiſe, wie die Finnen im Schweinefleiſche!“), und ſind folglich eben ſo unſchäaͤdlich. Bisweilen geben uͤbrigens geſunde Kuͤhe ploͤtzlich blaue oder blutige Milch, welche eben⸗ falls von Unwiſſenden der Hexerey zugeſchrieben wird. Die Urſache iſt aber bloß in gewiſſen Kraͤutern zu ſuchen, welche das Vich gefreſſen hat, 5. B. der kleine Sauerampfer, giftige Hah⸗ nenfuß ꝛc.; doch kann auch unordentliche Futterung Schuld ſehn. Das Uebel wird daher auch durch abwechſelnde gute Nahrungsmittel gleich gehoben. Als an vielen Orten die Kleefutterung eingefuͤhrt wurde, und man noch nicht aus Erfah⸗ rung wußte, daß dabey gewiſſe Vorſtchtsregeln beobachtet werden muͤßten, ſah man ofters das Rindvieh wie eine Trommel davon aufſchwellen und ſterben. Man fand bald, daß naſſer oder bethauter Klee, wie auch andere Kraͤuter, und inſonderheit uͤbermaͤßiger Genuß derſelben die Urſache war. Wenn das Uebel noch nicht einen hohen Grad erreicht hat, ſo hilft Pfund ) Die Finnen bey den Schweinen und die Franzoſen bey dem Rindovieh ſind die Waſſerzellen eines kleinen Blaſenband wurms(Taenia Linn.). Sie machen das Fleiſch nicht im minde⸗ ſten unbrauchbar. 5 FEEIEEE Leinoͤl mit einem Noͤßel laulichter Milch vermiſcht und eingegeben. Iſt aber die Geſchwulſ ſchon ſehr hoch geſtiegen, ſo muͤſſen die Weichen geoͤffnet werden. Andre weniger gefaͤhrliche Krankheiten des Rindviehes uͤbergehen wir hier, und bemttund ken nur noch, daß auch das Rindvieh von einigen Inſekten z. B. von der Ochſenbrenſſ. ko. (Oeſtrus bovis) und von der ſogenannten Viehfliege(Musca nemorum)) ſehr geplagddereit wird. Durch erſtere entſtehen die Daſſelbeulen. Letztere muß dem Thiere einen hoͤchſt em pfindlichen Schmerz verurſachen, denn es wird faſt wuͤthend, und laͤßt vor Angſt den Han 5 fahren, wenn es von dem Inſekte verfolgt wird. 185 Der Nutzen des Rindviehes fuͤr den Menſchen iſt ſehr groß. Der Ochſe dient zul 3 Ziehen. Er geht zwar langſam; arbeitet aber gut und braucht nicht ſo koſtbares Futten liger wie das Pferd. Auch iſt er darum noch dem Pferde in dieſer Hinſicht vorzuziehen, weſ man ihn, wenn er ausgedient hat, maͤſten und ſchlachten kann. Im Morngenlande brauch te man Ochſen ſchon in den fruͤheſten Zeiten zum Ausdreſchen des Getreides, und noc heutiges Tages bedient man ſich ſeiner zu eben dieſem Zwecke, ſo wie zum Reiten und Tr gen in einigen Gegenden Aſiens und Afrikas. Auch die Kuͤhe pflegen Einige anzuſpannen und zum Ziehen zu gebrauchen. Dieſe bringen jedoch weit mehr Rutzen durch die Milch Eine gute Kuh giebt in unſern Gegenden taͤglich 10 bis 12 Maß Milch. —— Das Fleiſch des Rindbiehes iſt ein vortreffliches Rahrungsmittel. Man genießt 4(. friſch, geſalzen und geraͤuchert, und auf mancherley Weiſe zubereitet. Es gehoͤrt zu de Bit nahrhafteſten und geſundeſten Fleiſcharten. Fett und Mark geben die kraͤftigſten Bruͤhen. paͤi 8 bewi Die Haut gehoͤrt zu den vornehmſten Artikeln dieſer Art. Aus den Kalh⸗ Ochſen des und Kuhfellen werden eine Menge verſchiedener Lederarten von Roth⸗ und Weißgerbern be amer -reitet, und zu mancherley Kleidungsſtuͤcken und andern Sachen verarbeitet Das Haar de ſehen Felle wird zum Ausſtopfen der Polſter gebraucht; auch wird es unter den Kalk gemiſcht. Au Spi dem Abgange von den Fellen, Sehnen und dergleichen wird der Tiſchlerleim gekocht. Di Hoͤrner, beſonders von den Ochſen oder verſchnittenen Stieren, verarbeiten der Drechsler, de Kammmacher und andere Hornarbeiter zu mancherley nuͤtzlichen Geraͤthſchaften. Auch dl ſen großen Knochen dienen zur Verfertigung ähnlicher Arbeiten. Die Abgaͤnge vom Horn od Rück die Hornſpaͤne, ingleichen viele andere Abgänge geben einen vortrefflichen Duͤnger. jenig gene meh 5 ) So wird ſie von Hrn. Schroͤter und Bechſtein genannt. Allein Hr. Goͤz e un— Meyer ſprechen die mulca nemorum(Biſſelmucke oder Viehfliege) von dem Verdacht frey, daß ſie das Rindvieh plage. Nach ihren Erkahrungen iſt es viefmehr eine Art Rufſel deſſe bräme(rhingia Fabricii), von weſcher das Vieh verfolgt wird. S. Voigts Magazinff Haag das Neueſte aus der Phyſtk ꝛc. B. IX. St. 2. S. 73. dauß Kan 10 *+ chwulf Das Blut wird in Zucker⸗und Salzſiedereyen, desgleichen in den Berlinerblaufabriken bemerund zu vielen andern Dingen gebraucht. Auch die Eingeweide, Galle, Blaſe, Gedaͤrme u. w. ſind zu benutzen. Vom Maſtdarme zieht man in England ein feines Haͤutchen ab, und geblalbereiet davon die Goldſchlaͤgerformen. ſt en Hoͤchſt wichtig fuͤr den Acker⸗ und Gartenbau iſt die Rutzung des Duͤngers vom Rind⸗ Hal ieh. Ohne denſelben wuͤrden wir bey weitem den Rutzen aus unſern Feldern nicht ziehen, den ſie uns jetzt gewähren. Außerdem brauchen ihn auch die Landleute noch als Umſchlaͤge bey f1. Entzuͤndungen und Brandſchaͤden, und er thut bisweilen wirklich gute Dienſte. Schwindſuͤch⸗ Funn tigen Perſonen ſoll die Ausduͤnſtung des Kuhmiſts ſehr heilſam ſeyn. „ wel brauch id noſ id Tra 5 errBDi fo n. Milch. (Bos Biſon americ.) ieſit( u deſ Billig nennen wir dieſen Biſon den amerikaniſchen, zum Unterſchiede von dem euro⸗ hen. päiſchen Biſon. Ob er eine eigene Gattung ſey, ſcheint noch immer nicht hinlaͤnglich bewieſen. Einige Naturforſcher halten ihn dafuͤr. Es herrſcht uͤberhaupt in der Geſchichte chſen des Rindergeſchlechts noch manche Verwirrung. Auerochs, Bonaſus, europaͤiſcher Biſon, rn bt amerikaniſcher Biſon und Zebu werden von Vielen fuͤr lauter verſchiedene Gattungen ange⸗ ar de ſehen. Andere, und unter ihnen vorzuͤglich Buͤffon halten ſie insgeſammt nur fuͤr . Au Spielarten. Di er, di Der Biſon, ſowohl in Europa als in Amerika, iſt nach ihm keine von den Aueroch⸗ ich di ſen verſchiedene Gattung, ungeachtet des Unterſchiedes, der ſich bey beyden Thieren in n odl Ruͤckſicht auf äͤußere Bildung, Haar und dergleichen findet. Er meint, man habe alle die⸗ jenigen Ochſen, welche zwiſchen beyden Schultern eine Art von Buckel tragen, Biſonten genennet. Da es nun aber ausgemacht ſey, daß beyde Ochſenarten ſich mit einander ver⸗ mehren, und daß bey der erſten Zucht, die davon fäͤllt, der Buckel kleiner iſt, und bey „ der zweyten und dritten ganz verſchwindet, ſo ſey der Buckel offenbar nur ein zufaͤlliges und 150 veränderliches Merkmal, und der Buckelochs oder Biſon mache alſo mit unſerm Ochſen und Rüſſel defſen Stammvater, dem Auerochſen, nur Eine Gattung aus. Was den Unterſchied des zinfl Haares betrifft, welches bey den Biſonten am Halſe, an den Schultern und an der Kehle Qaaußerordentlich lang iſt, ſo ſey er noch zufaͤlliger, da man wiſſe, wie ſehr Schaafe, Ziegen, Kaninchen u. ſ. w. nach Beſchaffenheit des Klima und anderer Umſtaͤnde das Haar veraͤndern. 16tes Heft. C Vom amerikaniſchen Biſon vermuthet nun Buͤffon, daß er von dem europaͤiſchen al, ſtamme, weil er mit demſelben faſt alle Merkmahle in der aͤußern Bildung gemein hal und, wie er ſagt, bloß kleiner iſt“)— Den Kopf, den Hals und den ganzen Vorderthel des Leibes ſteht man beym amerikaniſchen Biſon bis uͤber die Schultern hinaus mit einen kreppartig krauſen Haar bedeckt, welches ſehr weich, elaſtiſch und dicht iſt, der Woll gleicht, und eine braunſchwarze Farbe hat. Auf dem Kopf ſitzt es ſo reichlich, daß es ein A. Art von Krone oder vielmehr Muͤtze bildet, aus welcher die Hoͤrner nur mit der Spitze hei Bl vorſteheu. Unter der Kehle haͤngt es wie ein Bart herab, und uͤber den Schultern liegt egefe ſo dick, daß das Thier bucklicht ſcheint. Der hintere Theil des Leibes iſt mit einem kurzen roll glatten, ſammtartigen Haar bedeckt, das ganz ſchwarz ausſieht. An Groͤße ſchien das il ſind Europa gezeigte Thier, von welchem hauptſaͤchlich dieſe Beſchreibung genommen iſt, di⸗ groͤß Mi ten frieslaͤndiſchen Stiere zu uͤbertreffen, ob es gleich noch ſehr jung war. In Rordamerz beſi ka uͤbertrifft der Biſon alle Landthiere an Groͤße. Sein Anſehn iſt furchtber und wild ſchn Die Hoͤrner ſind kurz, niedergeſenkt und ſchwarz. Im Vordertheile hat er anſehnliche Slaͤckt bey Die ſumpfigen Waͤlder von Nordamerika ſind ſein Aufenthalt. Man trifft ihn daſelbſt i unglaublicher Anzahl an, ſo daß oft auf einer Jagd oo0 bis 500 getoͤdtet werden ſollen iſt? Beym Anblick des Menſchen nimmt der Biſon die Flucht, und ein Jagdhund treibt eine gan ren ze Schaar vor ſtch bin. Bis- auf2 fich- hym Richt anders naͤhern, al lich, gegen den Wind, weil er eine uͤberaus frine Witterung hat. Iſt ein Stier angeſchoſſen, un die Wunde iſt nicht toͤdtlich, ſo geht er wuͤthend auf den Jaͤger los, der dann auf ſeine Rel tung bedacht ſeyn muß. 15 1 0 6 Der amerikaniſche Biſon vermehrt ſich mit dem dorthin gebrachten europaͤiſchen Ring Me vieh. Man darf aber nicht glauben, daß er erſt durch Verwilderung von dieſem abſtammt ſtar denn er wurde ſchon bey der Entdeckung von Amerika gefunden. Eben ſo wenig kann mal ben ſeine Vermehrung mit unſerm zahmen Rindvieh fuͤr einen guͤltigen Beweis anſehen, daß d Mi nur eine Spielart von demſelben ſey, da auch der Buͤffel ſich mit demſelben vermehrt. Das Fleiſch dieſes Thieres wird von Einigen fuͤr weit wohlſchmeckender, als das vof nich unſerm zahmen Rindvieh gehalten. Andere hingegen geben es fuͤr ſchlechter aus. Ohm Zweffel macht Alter und Geſchlecht einen großen Unterſchied.— Das lange ktauſe Hacl am Vordertheile des Biſon koͤnnte vermuthlich zu mancherley Manufaktur waaren ange nen wendet und verarbeitet werden. Die Haͤute ſind eben ſo gut zu gebrauchen, wie von Zeb europäiſchen Rindvieh. ſche gem 83 2 Andere ſagen, der amerikaniſche Biſon ſey viel groͤßer, als der europaͤiſchen,— 8 hen ab, 0 e derthel(Bos indicus.) tetnen Woll⸗ es kin, Auch dieſer wird von Buͤffon nur fuͤr eine Spielart unſers Rindviehes gehalten. Herr tze hei Blumenbach hingegen zweifelt, daß er dieß ſeh.— Der Groͤße nach gleicht der Zebu un⸗ egt eſ gefaͤhr einem halbjaͤhrigen Kalbe. Die Farbe des ſehr kurzen Haares iſt weiß mit gelb und kurzen roth vermiſcht. Das Kreuz iſt runder und voͤlliger, als am gemeinen Rinde. Die Hoͤrner das in ſind ungefaͤhr einen Fuß lang, von gewoͤhnlicher Farbe und nur an den Spitzen ſchwarz. ie groͤß Mitten am Halſe haͤngt eine etwa 3 bis 4 Zoll lange Wamme herab. Ueber der Schulter dameri beſindet ſich ein fleiſchichter Hoͤcker von etwa 6 Zoll ſenkrechter Hoͤhe, der oben mit d wild ſchwaͤrzlichen, anderthalb Zoll langen Haaren bedeckt, und beym Stiere groͤßer iſt, als Staͤcke bey der Kuh. ſelbſt i Das ganze Anſehen des Zebu, ſeine Farbe und Geſtalt(den Buckel ausgenommen) ſollen iſt gar nicht uͤbel. Das Thier zeigt ſich nicht im mindeſten ſcheu oder wild; wenigſtens wa⸗ ne gan ren es die nicht, welche man in Europa ſehen ließ. Es iſt vielmehr gegen jedermann zutrau⸗ n, al lich, und leckt dem Menſchen die Hand, wie ein Hund. 'n, un ne Ret China und Oſtindien ſind das Vaterland des Zebu. Man bedient ſich feiner daſelbſt auch zum Reiten. Obgleich das Klima, das die Natur ihm angewieſen hat, ſehr heiß iſt, ſo haͤlt es ſich dennoch in Europa. In England gab es, nach Coliſons Bericht, eine Rind Menge dieſer Thiere in mehreren Menagerien. Sie pflanzten ſich fort und vermehrten ſich tammt ſtark. Das Kalb ſaugt an der Mutter, wie ein gewöhnliches Kalb; aber die Milch derſel⸗ n mal ben vertrocknet in unſerm Klima ſehr bald, und man muß, um die Jungen aufzubringen, daß a Milch von unſern Kuͤhen dazu nehmen. Das Fleiſch des Zebu fand man in England, wo ein ſolches Thier geſchlachtet wurde, is bol nicht ſo gut, wie unſer Ochſenfleiſch. Ohne 50 In den Wuͤſten der noͤrdlichen Afrika lebt ein Chier, welches man Lant oder Lempt ange nennt, und welches ebenfalls an Geſtalt einem Ochſen gleicht, auch ungefaͤhr die Groͤße des e von Zebu hat. Buͤffon vermuthet, daß es mit dieſem eine Gattung ausmache. Es unter⸗ ſcheidet ſich nur in der Farbe einigermaßen. Sein Lauf iſt ſo ſchnell, daß man es mit einem gemeinen Pferde nicht einholen kann. Im Sommer aber faͤngt man das Thier leicht, weil es dann ſeine Klauen in dem heißen Sande abnutzt, und vor Schmerz mitten oſt im Lau⸗ fen ſtill ſtehen muß, E 2 Die Haut des Lants wird ſehr geſchaͤtzt und theuer bezahlt. Das Fleiſch, welches eü iſt f wenig ſuͤßlicher, als das gemeine Ochſenfleiſch ſchmeckt, eſſen die Mohren ſehr gern. Buͤf in f ‚ vegi D 3 B U 5 f f K l. lenk (Bos bubalis.) Ain, Me Den Buͤffel kannten weder Griechen, noch Roͤmer. Es findet ſich daher auch weder in d und griechiſchen noch lateiniſchen Sprache eine Benennung fuͤr dieſes Thier. Ganz unrichtig Fall es folglich, den Buͤffel mit Linnee und andern Bubalis zu nennen. Unter dieſer Bene Der nung verſtanden die Alten eine, wie Buͤffon meint, ganz beſondere Thiergattung“), naͤn mei lich den Bubalus, der ſich in Afrika aufhaͤlt. Beſſer iſts alſo, den Buͤffel mit Herrn Bll menbach Bos buffellus zu nennen. 8 er Er macht ganz unſtreitig eine eigne Gattung aus, die folglich vom Auerochſen und de uͤber davon abſtammenden zahmen Rinde ſich⸗ un idet.— Sein Kopf iſt verhaͤltnißmaͤf oder klein. Was ihn aber vorzuͤglich unterſcheidet, ſind die Hoͤrner. Dieſe ſind vorn und hinl hun platt, am Ende zugeſpitzt, und drehen ſich vorwaͤrts. Der Groͤße und Staͤrke nach mi cher dem Buͤffel der Platz nach dem Elephanten, dem Rashorn und Flußpferde angewieſen wü bur den. Er uͤbertrifft naͤmlich an Groͤße den gemeinen Ochſen um Vieles 60. Auch die Stä geb ke und das Gewicht des Buͤffels iſt weit betraͤchtlicher. Sein gewoͤhnliches Gewicht bett Ge 1000 Pf,, doch giebt es auch viel ſchwerere, und die Haut allein wiegt 100 Pfund.& Det den ½) Der Bubalus gehoͤrt eigentlich zu dem Geſchlechte der Antilopen(antilope bubalus) 1 findet ſich weiter unten unter dieſen Thieren, 639 In dem zweyten Bande der neueſten nordiſchen Beytraͤge ꝛc. bemerkt Pallas, daß in de viel Journale des D. An der ſons Nachricht von einem neu entdeckten großen Judianiſchen Bͤfl nur Arni genannt, ertheilt werde. Dieſes rieſenmaͤßige Thier ſoll von der Erde bis auf den Rück befi gegen 14 Fuß hoch ſeyn, unds bis 4000 Pfund wiegen. Die Farbe iſt ſchwarz und nur zwiſchh W. den Hoͤrnern haben ſie einen kleinen Buͤſchel von langen rothen Haaren. Mal ftadet diefe Thit ipei nur in dem obern gebirgichten Theile von Hindoſtan, wo ſie gezaͤhmt und zum Reiten gebrall werden Sie ſollen eben dieſenigen ſeyn, von welchen die ungeheuren Schaͤdel mit den Gebein— von Elephanten und Rhinocern vermiſcht, laͤngs den Sibiriſchen Flüſſen und an andern Oeten Jey der Erde gefunden werden. Hr. P. hat dieſe Schaͤdel des ihm ſonſt unbekannten Thieres ſchon J. 1768 beſchrieben und abgebildet.— So gehoͤrte denn alſo auch vermuthlich der verſteinerte Ochſenkopf, den man im Jahre 1772 bey Ry ber aus grub(ſ. meine Nat. G. Th. III. S. 10.) dieſer Thiergattung zu. Einen jungen Arnt will u 5 neuerlich unterhalb Calcutta, wo ſie ſonſt nicht zu finden ſind, getoͤdtet haben. Er wog 14 f Pfund. Sein Schädel iſt nach England gebracht worden. ſcht 2E4 ſches ehiſt faſt ſchwarz, und nur ſparſam mit borſtenartigen Haaren beſetzt. llebrigens gleicht det rin d chtig Bene „naͤh Bll ind de iß maͤß d hint ich mi ſen wi ie Sta 9 betroͤ 3 us) i0 in de 1 Buͤff Ruͤc zwiſch Thic ebrallt Bebeil Ortenf ſchon bey Ru Will m og 14 Buͤffel dem gemeinen Ochſen ſehr. Er iſt ein unbaͤndiges und ßorniges Thier. Beym Anblick der rothen Farbe ſoll er in fürchterliche Wuth geralhen. Wögen ſeiner Staͤrke und Wildheit koſtet es Muͤhe ihn zu regieren. Man muß ihm, wie dem Bären, einen Ring durch die Naſe ſtecken, und ihn daran lenken. Seine Kraft im Halſe iſt ſo groß, daß er einen Menſchen auf einen einzigen Stoß zer⸗ quetſcht. Man laͤßt ihn daher in Indien mit Loͤwen und Ligern kaͤmpfen. Vor dem Feuer hat er eine große Furcht, und wird dadurch leicht in die Flucht gejagt. Alle ſeine Bewegungen und Manieren ſind plump und ungeſchickt. Naͤchſt dem Schweine iſt er das ſchmutzigſte und unreinlichſte Thier, das man kennt; wenigſtens iſt dieß bey den zahmen Buͤffeln der Fall, die ſich gar nicht ſtriegelm und reinigen laſſen. Der Blick des Buͤffels iſt ſcheudumm. Den Kopf trägt er niedergeſenkt. Sein Gebruͤll iſt tiefer und viel ſtaͤrker, als das vom ge⸗ meinen Ochſen. Nach Hrn. Blumenbachs Vermuthung ſtammt der Buͤffel aus Tibet, von wo er ſich in das uͤbrige Aſten und nach Aftika verbreitet haben ſoll. Buͤffon wriſet ihm uͤberhaupt die heißeſten Gegenden von Aſten und Afrika zum Aufenthalte an. Sumpfige oder doch feuchte Gegenden ſcheinen ſeiner Ratur angemeſſen zu ſeyn. In ſiebenten Jahr⸗ hundert brachte man ihn nach Italien, und ſeir der Zeit wird er daſelbſt, ſo wie in Gnie⸗ chenland, in Ungarn ꝛc. als Hausthier gezogen. Auch in Deutſchland, z B. im Salz⸗ burgiſchen, trifft man Buͤffel, die zahm gemacht zum Ziehen und zu andern Geſchaͤften ebraucht werden. Der beruͤhmte Brenkenhof ließ einmal 60 Sluͤck Buͤffel beyderlet Geſchlechts aus der Tuͤrkei kommen, und verſuchte ſte im Brandenburgiſchen fortzupflanzen. Der Verſuch gelang ſehr gut. Sie vermehrten ſtch, und Brenkenhof verkaufte von den gemaͤſteten das Stuͤck zu 90 Rthlr. Bey der Landwirthſchaft ſind dieſe Thiere ausnehmend gut zu gebrauchen. Sie ziehen viel mehr als gemeine Ochſen. Zwey Buͤffel ziehen dieſelbe Laſt, welche ſonſt vier Pferde nur fortbringen. Hierzu kommt noch der Vortheil, daß ſie mit dem ſchlechteſten Futter befriediget werden koͤnnen. Erbſen⸗Bohnen⸗ Hirſeſtroh und dergleichen frſſen ſtie ohne Weigerung. In Toskana und im Kirchenſtaate laͤßt man die Buͤffel frey auf dem Felde weiden. Will der Landmann ein Paar davon an den Wagen ſpa nen, ſo ſchickt er einen großen ſtarken Hünd ab, die Buͤffel aufzuſuchen. Der Hund faßt eins von dieſen Thie en bey einem Ohr, und fuͤhrt es ſo zum Herrn, worauf er umkehrt und den andern auch holt. In Aſten bediente man ſich der Buͤffel langſt ſchon als Hausthiere, melkte ſte, und bereitete Butter und Kaͤſe von Buͤffelmilch. Auch in Europa ahmte man darin nach. An⸗ fangs iſt es beſonders ſchwer die Buͤffelkuͤhe zu melken: haben ſte ſich aber erſt an den Men⸗ ſchen gewoͤhnt, ſo laſſen ſie es willig geſchehen. Sie geben zwar nicht ſo viel Milch als ge⸗ meine Kuͤhe, doch iſt die ihrige viel fetter, und giebt dreymal mehr Sahne. Die Buf aus dieſer Milch bereitet, hat den Fehler, daß ſie ſich nicht lange haͤlt; ſte ſchmeckt aberſ gut, beſonders wenn ſie mit Sahne von gemeinen Kuͤhen vermiſcht wird. An dem Pfluge iſt der Buͤffel nicht zu gebrauchen j deſto beſſer aber zum Fortſchleh großer Liſten.— Sein Fleiſch hat faſt nach allen Zeugniſſen einen widrigen Geruch! Geſchmack, iſt zaͤhe, hart und von ſchwarzer Farbe. Rur ganz arme Leute genießen Blumenbach widerſpricht hierin; denn nach ihm ſoll Buͤffelfleiſch ungleich ſchmackhi ſeyn, als gewoͤhuliches Rindfleiſch. Nuͤtzlicher iſt am Buͤffel die Haut. Es gehen jaͤhrlich viele tauſend ſolcher Haͤute der Tuͤrkei nach Europa. Ihrer Feſtigkeit wegen werden ſie zu Kollets fuͤr die Reiten zu Degen⸗ und Saäͤbelgehenken, Patrontaſchenriemen Handſchuhen, Jaͤgertaſchen undd gleichen verarbeitet. In Frankreich ſind mehrere Manuſakturen, in welchen Buͤffelhä zubereitet werden. Man benutzt auch die Hoͤrner zu Roſenkraͤnzen, Tabaksdoſen, Rin und aͤhnlichen Sachen. ie Buf aberf ſchleh ruch! ießen ꝛackh aͤute Reiten und) iffelhoͤ Ring ie gefan bon lunge Ruͤck he ur ein ihren Wie a änter Fiſche XIII. LAckelha ſiis Fiſche. Nro. i. Die Lamprete. (Peitromyzon marinus). Die Lamprete iſt eigentlich ein Fiſch der Nordſee, der aber im Maͤrz, April und Mah in die Floͤſſe, und ſonderlich in die Elbe, Havel und Sale herauſſteigt, und da in großer Menge gefangen wird. Er iſt gewoͤhnlich 14 Fuß bis 2 Fuß lang, erreicht aber auch oft die Gloͤſie bon z Fuß, und ein Gewicht von 3 Pfund. Er iſt außerordentlich leckerhaft von Geſchmack, und wird theils friſch geſotten, wie der Aal, vorzuͤglich aber eben ſo, wie die Reunaugen gebra⸗ ten, und mit Gewuͤrz in Eſſig gelegt, in kleine Faͤßchen geſchlagen, und ſo als ein Hand⸗ lungsartikel von Bremen und Lüneburg aus, durch ganz Deutſchland verſendet. Auf dem Rücken iſt die Lamprete gruͤn und ſchwarz gefleckt, hat, wie der Aal, keine Schuppen, beyna⸗ he unmerkliche Graͤten, braunrothe Floſſen, einen roͤthlich weißen Bauch, und im Nacken ein Spritzloch. Nro. 2. Das RNeunauge. (Petromyzon fluviatilis). Das Neunauge, oder die Bricke, iſt der Lamprete ſehr aͤhnlich, nur kaum halb ſo zroß, und duͤnner, und nicht gefleckt, wie die Lamprete, ſondern auf dem Ruͤcken braun, und am Bauche weißgelb. Ungeachtet ſte ein Seefiſch iſt, ſo lebt ſie doch faſt in allen großen Fluͤſſen von Deutſchland, wird vom Rovember an, bis zum Maͤrz, wo ſie nur wohlſchmeckend iſt, haͤufg gefangen, eben ſo wie die Lamprete gebraten und marinitt, und als eine Delikateſſe berſendet. Nro, 3. Die ordinaͤre Zunge. (Pleuronectes Solea). Nro. 4. Die bandirte Zunge. (Pleuronectes Zebra.) Die Zunge, deren es mehrere Acten giebt, iſt eine Gittung der Schollen, und hat hren Namen von ihrer laͤnglichten, platten Form, welche einer Zuſige gleicht. Sie hat, vie alle Schollen beyde Augen nur auf einer Seite, und wied wegen ihres Whlg⸗ſchmacks ünter die leckerhafteſten Seefiſche gerechnet. 25 24 Die ordinͤͤre Zunge N. 3. iſt braun von Farbe, hat rauhe Schuppen, lelbt allen noͤrdlichen Gewäſſern von Europa ſowohl, als auch im mittellaͤndiſchen Meere, nährt ſich von Eiern und der Brut anderer Fiſche. Die bandirte Zunge, oder das Meer⸗Zebra, iſt in Oſtindien einheimiſch, wegen ſeiner Zeichnung und Farben ein ſehr ſchoͤner Fiſch. Sie iſt uͤbrigens eben ſo un⸗ ſchmeckend und leckerhaft, wie die ordinaͤre Zunge. Nio. z. Di!: Müreuk (Muraena Helena). 2 Die Murene, welche an das Geſchlecht der Aale gräͤnzt, iſt gleichfalls ein ſeht Meh kater Seeſiſch, der ſowohl im oſt⸗ als weſtindiſchen, als auch im mittellaͤndiſchen Meere ſchen Er naͤhrt ſich von Fiſchbrut und Krebſen, wird ungefaͤhr 2 Fuß lang, und am Meertsnende ſonderlich in Sardinien, häͤufig gefangen. Bey den Leckermäͤulern der alten Roͤmer ſtuſt S ſchon vor Zeiten in hohem Werthe. eh 1 he bet 4h de moch⸗ —— 8 ern ſi. e jetzt 5 on aa aben, erſelb. un He h im krinl n. endig unge ugen D id de 8 h von 16tes üiſch, ſo Die Lamprete. Fetromxos marinud. ſehr Mehrere Fiſchgeſchlechter wurden wegen gewiſſer Abwweichungen von den allgeineinen Kenn⸗ Neere Neeres er ſtuft eichen der Fiſche ſonſt von einigen Raturforſchern zu den Amphibien gezaͤhlt, und ſchwim⸗ nende Amphibien oder Knorpelfiſche genannt. Von dieſer Art ſind die Hayen([qualus), ie Stoͤte(acipenſer) und andere ſchon oben beſchriebene Fiſche. Auch die Lamprete gehöͤrt ieher Die Hauptunterſcheidungszeichen liegen in den Werkzeugen zum Athemholen, wel⸗ he bey den Knorpelfiſchen weder gewoͤhnliche Fiſchkiemen, noch wirkliche Lungen ſind, wie ey den Amphibien. Außerdem haben ſte auch keine wahren Graͤten, ſondern knorpelartige nnochen. Die Floſſen ſind ben vielen kaum von der Haut zu unterſcheiden. Uebrigens naͤ⸗ ern ſie ſich im Weſentlichen den Fiſchen doch mehr, als den Amphibien, und man rechnet e jetzt mit Recht zu jenen. Das Geſchlecht der Pricken oder Steinſauger, wozu die Lamprete gehoͤrt, begreift Fiſche 3 aalfo miger Geſtalt. Sie ſind weder mit Schuppen noch mit Stacheln bedeckt, ſondern aben, wie der Aaal eine glätte, fchluͤpfrige Haut.] Die Kiemen fehlen ihnen ganz; ſtatt zſelben haben ſie auf jeder Seite ſteben lungenaͤhnliche Saͤcke, und eben ſo viele Oeffnungen m Halſe, wovon jede einem der Saͤcke zugehoͤrt. Durch die Saͤcke geht eine Roͤhre„die ch im Scheitel oͤffnet, und dazu dient, das Waſſer einzuſaugen, welches ſie, nachdem die lrin befindliche Luft heraus gequetſcht iſt, durch die Oeffnung im Genick wieder von ſich ge⸗ n. Der Kopf iſt duͤnner als der Koͤrper. Das Maul iſt faſt zirkelrund, und hat in⸗ endig orangefarbene Zaͤhne, die nach oben etwas gekruͤmmt, unten aber breit ſind. Die unge iſt hart, halbmondfoͤrmig, und hat verſchiedene ſaͤgenartige Zaͤhne, die beym An⸗ ugen dienen. Dieſe Fiſche haben ein ſehr zaͤhes Leben. Man kann ihnen den Bauch aufſchneiden, id dennoch leben ſie im Waſſer noch einige Stunden; ja ſie ſaugen ſich ſogar noch an. Die Lamprete iſt gewohnlich anderthalb Fuß lang und einen Zoll dick. Sie unterſcheidet h von andern Steinſaugern durch mehrere Reihen Zaͤhne/ die in Kreiſe geordnet im Munde ſte⸗ D 8 16tes Heft. Weihnachtsgeſchenke uͤberreichen. Da nun dieſe Fiſche um dieſe Zeit meiſtens ſehr 9 chen. Die Farbe des Kopfes iſt braungruͤnlich. Ruͤcken und Seiten ſind gränlich eiten ſind gruͤnlich blau marmorirt; der Bauch iſt weiß. Die Ruͤckenfloſſen ſind braun und orangefarbenzur Ei Schwanzfloſſe iſt blaͤulich. licken ach! Der Aufenthalt der Lamprete iſt die Nordſee und das mittellaͤndiſche Meer. Sie r ſich im Frühjahre, um zu laichen, in die Fluͤſſe, und wird daher in der Elbe, Saale, Mulhllgen Rhein, in der Oder und vielen andern Fluͤſſen gefangen. Man findet bisweilen armil ſo und 6 Pfund ſchwere Lampreten. Sie ſaugen ſich än Steitze fö feſt an, daß man 1 2 Pfund ſchweren Lamprete einen Stein von 2 Pfunden in die Hoͤhe heben kann, daß ſie loslaͤßt. Mehrere Lampreten fleſſen ſich bisweilen in den Leib des Hayf hinein, und verlaſſen ihn nicht eher, bis ſie ihn getodtet haben. Die Lampreten im d a zoneufluſſe ſollen elektriſche Kraft beſitzen, ſo daß man einen Schlag empfindet pree man ſie anruͤhrt. kſe F llda Die Lamprete lebt vom Raube, und verzehrt Inſekten, Wuͤrmer, kleine Fiſche; ie R frißt ſte auch Schlamm ꝛc. Sie vermehrt ſich ausnehmend. Der Rogen nimmt faln ganze Bauchhoͤhle ein, und beſteht aus ſehr duͤnnen Scheiben oder Blaͤttern, die am m S e grade befeſtigt ſind. ſer wiſſe In England muß die Stadt Glouceſter dem Koͤnige eine Lampreten paſtete ugen ſind, ſo wird das Stuͤck oft mit einer Guinee bezahlt. Ihr Flaeiſch iſt bekanntlich große Delikateſſe. Im Fruͤhjahte hat es den angenehmſten Geſchmack. Friſch kochleten, bratet man es. In Gegenden wo⸗ ſte haͤlfig gefangen werden, marinirt man ſi⸗ die Pricken, ein, und berſendet ſie. Die zum Manriniren beſtimmten roͤſtet man liche de auf Kohlenſeuer, kocht ſie ab, laßt ſie kalt werden, packt ſie mit Lorbeeren undtsen derm Gewüͤͤrz in Faͤſſer ein, und gießt Weineſſig darauf. Auch ſalzt man ſte ein„ ſt chert ſie, und doͤrrt ſie an der Luft. So angenehm auch das Fleiſch ſchmeckt, ſo doch nicht leicht zu verdauen. Heinrich der Erſte von England mußte ſterben, weil⸗ viel davon gegeſſen hatte. Zaſſer luͤber — R D licht z Das Neunauge.'an f 33 8 eckere (Fetromyxon fuviatilis). 9 Das Reunauge oder die Flußvricke wiid 12 bis 15 Zoll lang, und ſo dick, 6 1 Daumen. Ganz faͤlſchlich nennt man die ſieben Luftloͤcher an den Seiten Augen. S ſi 27 änlich 5 8„ rbe Eine Reihe im Zirkel ſtchender Zaͤhne. Der Kopf iſt gruͤnlich; das Genick und der icken ſchwaͤrzlich; der Bauch weißlich; die Seiten ſind gelblich, und die Floſſen violett. ach Beſchaffenheit des Waſſers iſt die Farbe jedoch heller oder dunkler. Laͤngs dem Koͤr⸗ Sie vſteht man mehrere in die Quere laufende faſt geſchlaͤngelte Seitenlinien. Die Neunaugen Mulollgen ſich eben ſo an Steinen und Pfaͤhlen im Waſſer an, wie die Lampreten. Sie hal⸗ 1 ſo feſt, daß man ſte mit Haäͤnden greifen und fangen kann. Richt ſelten findet man narmeh, an anich mehrere, die ſich an einander angeſogen haben. ann, 5 Hayf Das Neunauge lebt in den meiſten europaiſchen Fluͤſſen von Wuͤrmern, Inſekten im ud allerley verfaulten, im Waſſer geſtorbenen Thieren; auch von Fiſchbrut. In der det, zpree und Habel, in der Oder, in den Fluͤſſen Preußens und anderer Laͤnder findet man kſe Fiſche in Menge. Vorzuͤglich haͤufig iſt er im Luͤneburgiſchen, wo man ganze Faͤſſer ll davon marinirt. Man verfaͤhrt dabeh eben ſo, wie beym Mariniten der Lampreten. iſche; ie Neunaugen ſind nur im Winter ſchmackhaft, und werden auch nur alsdann gefangen. mit faln Maͤrz und April kommen ſie an die Ufer der Fluͤſſe, um ihren Laich daſelbſt zwiſchen am nn Steinen abzulegen. Im Sommer wohnen ſie in den Tiefen, ſind auch alsdann nicht eſſen. Ihr Fleiſch iſt naͤmlich um dieſe Zeit geſchmacklos und zaͤhe, und es finden ſich wiſſe Auswuͤchſe am Koͤrper, die man Raͤude nennt. Auch ſoll ein Inſekt ſich auf die haſtettugen des Fiſches ſetzen und ihn blind machen. ſe 0 ntli Man faͤngt die Neunaugen theils mit dem Hamen, theils in Reuſen; an einigen kochleten, z. in England, in ungeheurer Menge. Vier bis 300000 werden allein jaͤhr⸗ ſiih an die Hollaͤnder zum Kabeljau⸗ und Steinbuttenfang verkauft, ohne die zu rechnen, 15681 elche zu eben deim Zweck anderweitig abgeſetzt werden. In Kurland ſaͤngt man die Reun⸗ u undigen dadurch, daß man Löcher ins Eis hauet, und durch dieſelben Birkenreiſer ins Waſ⸗ ſteckt. Die Fiſche ziehen ſich nach den Reiſern, umſchlingen dirſelben, und ſaugen ſich ſo nan feſt). Auf dieſe Weiſe werden eine Menge herausgezogen. Man packt ſte daſelbſt W6 Schnee ein, und verſchickt ſie viele Meilen weit. Wenn ſie herausgenommen und ins zaſſer gelegt werden, ſo bewegen ſie ſich dennoch wieder, denn das Leben dieſer Thiere uͤberhaupt ſo zaͤhe, daß man ſie einige Tage außer dem Waſſer lebendig erhalten kann. Das Fleiſch derſelben iſt wohlſchmeckend, fuͤßlich, aber etwas hart, und daher nicht zicht zu veidauen. Man ißt es geſotten mit Butterbruͤhe und gebraten. In Iltalien legt lan ſie lebendig in Malvaſier und laͤßt ſie darin ſteiben. Sie ſollen alsdann eine beſondere eckerey ſeyn. ) Die Neunaugen ſaugen ſich uͤberhaupt faſt an alles an, was ins Waſſer geworken wird, ſo⸗ gar an todte Koͤrper. Als Karl XII. mit ſeiner Armee die Ruſſen in die Düng ſprengte, ck, und die Fiſcher hernach viele von den todten Koͤrpern mit ihren Netzen herauszogen, fanden Sſie daran eine große Menge Neunaugen, die ſich feſt auaeſogen hatten⸗ DS 2 Die ordinäre Zunge. Aeuronecotes ſoled). Die Zungen gehoͤren zu dem Geſchlechte der Schollen oder Seitenſchwimmer, welche dieſen letztern Namen davon haben, weil ſie mit der platten Flaͤche auf dem Waſſer ſchwimmen. Eine Gattung iſt ſchon oben beſchrieben worden. Sie haben beyde Augen auf einer Seite. Die obere Flaͤche iſt etwas erhaben und von dunkler Farbe„die untere ganz platt und weiß. Ruͤcken und Bauch ſind ſchneidenfoͤrmig. Überhaupt ſteht die Scholle faſt aus, wie die Haͤlfte eines durchſpaltenen Fiſches.——ç Die Zunge hat ihren Namen von ihrer zungenaͤhnlichen Geſtalt. Ihr Koͤrper iſt faſt dreymal ſo lang, als breit. Die Augen liegen auf der rechten Seite. Der ganze Koͤr⸗ per iſt mit kleinen harten, gezaͤhnelten, faſt in der Haut ſitzenden Schuppen bekleidet und davon rauh. Der obere Theil des Leibes iſt olivenfarbig; der Kopf klein und oben abge⸗ ſtumpft; der Oberkiefer mondförmig abgeſchnitten, und nur der untere mit ſehr kleinen beweglichen, ſpitzigen Zaͤhnen beſetzt. Im Schlund befinden ſich oben zwey runde, un⸗ ten zwey laͤngliche raſpelartige Knochen. Dicht am Rande des Mundes ſitzen die beiden roͤhrenfoͤrmigen Naſenloͤcher„eins an der untern, das andere an der obern Seite. Die Seitenlinie liegt dem Ruͤcken naͤher, als dem Bauche. Die Floſſen ſind klein, und erſtre⸗ cken ſich nach der ganzen Laͤnge des Körpers. Ueber der Mundoͤffnung faͤngt die Ruͤcken⸗ floſſe an, und endigt ſich an der Schwanzfloſſe; eben ſo die Afterfloſſe. R Das Rordmeer, die Oſtſee und das mittellaͤndiſche Meer ſind die Gewaͤſſer, in welchen die Zunge ſich findet. An den Pommerſchen Kuͤſten iſt ſie nicht ſelten. Ihre Nahrung beſteht vorzuͤglich in Fiſchbrut. Man faͤngt Zungen, die uͤber 2 Fuß lang und 8 Pf. ſchwer ſind. Uebrigens hat dieſer Fiſch viel mit der Scholle gemein; ſein Fleiſch aber iſt von feine⸗ rem Geſchmacke; beſonders von denen, die am Vorgebi ge der guten Hoffnung gefangen werden. Die bandirte Zunge. Mleuronectes Zebro). 5 5 Man nennt dieſen Fiſch auch ſonſt noch Meerzebra, wegen der Querſtreifen, die, wie beym Zebra, quer über ſeinen Koͤrper laufen. Dis bandirte Zunge gehoͤrt ebenfalls zu den Seitenſchwimmern, und hat mit ihnen die allgemeinen Eigenſchaften gemein. An Groͤße — Æ ̃ 22 dieſen imen. Seite. weiß. e die faſt Koͤr⸗ und bge⸗ inen un⸗ iden Die ſtre⸗ Kken⸗ chen Ung wer ine⸗ den. en, ills öße 5 gleicht ſie den ordinaͤren Zungen, iſt aber etwas ſchmaler, und üͤberhaupt, beſonders nach hiaten zu, anders geſtaltet. Die nen ſchmalen Floſſen gehen laugs dem Koͤrpor hin, und vereinigen ſich mit der Schwanzfloſſe ſo, daß dieſe gar nicht geſchieden iſt. Die braunen Sureifen laufen oberwaͤrts faſt parallel, unterwärts ſind ſie unregelmaͤß ger. 9 8 Die bandirte Zunge lebt in den oſtindiſchen Gewaͤſſern, und giebt ein ſehr leckeres Gericht. S i R Muradend helend). Das Aaalgeſchlecht, wozu die Muräͤne gehoͤrt, hat einen runden ſchluͤpfrigen und ſchlangen⸗ artigen Koͤrper. Der Kopf iſt platt, die Kiemenhaut hat zehn Stacheln, und die Kiemenoͤff⸗ nung iſt roͤhrenfoͤimig. Ruͤcken⸗Schwanz⸗ und Afterfloſſen ſind mit einander verwachſen. Die Muraͤne wird auch Mutteraal(Mural) genannt, wegen der außetordentlichen Frucht⸗ barkeit des Weibchens, das faſt immer Junge bey ſich hat. Sie wird an 3 Fuß lang, und unter⸗ ſcheidet ſich durch den Mangel der Bruſt und Bauchfloſſen. Die uͤbrigen Floſſen ſind haͤutig, fangen am After an, umgeben den Schwanz, und hoͤren auf dem Ruͤcken in einer ziemlichen Entfernung vom Kopfe auf. Sie beſtehen, wie die Fettfloſſen bey andern Fiſchen, aus der verlaͤngerten Haut, die den Körper bedeckt. Bey juͤngern Muränen iſt der Koͤ per rund, bey äͤltern zuſammengedruͤckt. Der Kopf iſt klein, die Mundoͤffnung groß; beyde Kinnladen ſind mit ſpitzigen aus ernander ſtehenden und in einandergreifenden Zaͤhnen beſetzt; auch im Gau⸗ men ſind Zaͤhne. Die Kiemenoͤffnung hat weder Deckel noch Haut; ſte iſt ſchmal, und nach der Laͤnge gerichtet. Die Farbe äͤndert haufig ab. Oft iſt der Grund braun, und mit ſchmalen kettenfoͤrmigen, in die Quere laufenden Streifen oder Linien von weißer Farbe gezeichnet. Bis⸗ weilen iſt er aber auch gruͤn, oder weiß mit ſchwatzen Punkten in gelben Flecken. Um Sardi⸗ nien ſieht die Muraͤne gelb gefleckt und ſchwarz und weiß marinorirt aus. Wenn ſich die Muraͤne fortbewegen will, ſo kann ſie dies nicht anders hewerkſtelligen, als durch einen Stoß mit dem Hintertheile des Leibes Sie hat ein ſo zaͤhrs Leben, daß ſte einige Tage außer dem Waſſer ſeyn kann, und doch nicht ſtirbt. Da ſte ſehr geftaͤßig iſt, und nicht immer Futter genug findet, ſo ſoll ſie, wie man ſagt, in der groͤßten Hungersnoth ihren eignen Schwanz freſſen, ohne davon zu ſterben. Ihre gewoͤhnliche Rahrung ſind Krebſe und andere Inſekten; auch Polypen. Im Winter haͤlt ſie ſich im Grunde des Waſſers auf. Im Fruͤhjahr begiebt ſie ſich nach den Kuͤſten, um zu laichen. Man trifft ſie im miullaͤndiſchen Meere und in den oſt⸗ und weſtindiſchen Gewaͤſſern an. 30 Der Fang geſchieht mit Grundſchnuren; auch mit hoͤlzernen Reiſen oder Koͤrben, man in den Geund ſenkt. Das Fleiſch der Muraͤne iſt ſehr zart und von vortrefflichem Geſchmack. Es wun ſchon von den alten Roͤmern ſehr geſchaͤtzt, und man pries die Einwohner von Meſſina gluͤcklic weil ſte die Müraͤne aus der erſten Hand haben konnten. Sie laͤßt ſich auch im fuͤßen Waſß helten, und ſoll ſogar zahm werden, und herbeykommen, wenn man ſte. futtern will. Tl Noͤmer maͤſteten ſie in Teichen mit dem Fleiſche ihrer Sklaven, die oft um geringer Verhl chen willen, ja wohl gar aus bloßem Uebermuth von ihren Herrn dazu verurtheilt wurde Daß die Muraͤnen nach Menſchenfleiſch begierig ſind, ſteht man aus ſolgendem Vorfall: Ef Matroſe ſaß auf der Inſel Aſcenſton am Meeresufer auf einem Felſen, und angelte. Er haf te ſeine Fuͤße am Felſen uͤber dem Waſſer herunterhaͤngen, und ward auf einmal in den Zehen gebiſſen. Er ſchlenkerte den Fuß in die Hoͤhe, und warf zugleich eine Muräaͤne heraus a das Ufer.— Wie hoch die Röͤmer dieſen Fiſch ſchäͤtzten, ſcheint auch daraus zu erhellen, dif ſte Ringen und Armbaͤndern die Geſtalt der Muraͤne gahen. 8 en, 9 Wwunh luͤcklich Waft D Verbl wurden ll: Ei Er hat Zehe us au en, daß Hiet. Thiere. XXVIII 2 RNarder und Wieſeln⸗ (Mustela putorius L.). Der Iltis oder das(Staͤnkerratz) lebt in Europa und Aſien u unter Steinhaufen, in Stallen, Scheuern, nd 3 8 Baͤnmen, ſchlaft am Tage, und raubt des Rachts Kaniunchen, Maͤuf ſe, Mäülwürfe, Hühner, Eier, Fiſche und Froͤſche. Es iſt ungefähr 18 Zoll lang, und hat einen dunkeln, kaſtanienbraunen Balg, der aber einen widrigen Geruch hat, und daher 35 gutes Pelzterk giebt. Nro. 2. Der Tiger ⸗Fltis. (Mustela sarmatica). Der Tigeriltis hat ſehr viele Aehnlichkeit mit dem gemeinen Iltis, iſt aber kleiner, ettva 4 Zoll lang, und ſchoͤn geheichnet, daher auch ſein Pehwerk hoch geſchaͤtzt wird. Er wohnt in Pohlen, und Volhynien, in den Steppen, und naͤhrt ſich von Hamſtern, Zieſel⸗ maͤuſen, Voͤgeln u. dgl., die er des Rachts beſchleicht, weil er beym Tage in den Hoͤhlen ſchlaft. Nro. 3. Das Frett oder Frettchen. (AMustela Furo L.) Das Frettchen iſt ein ſehr artiges Thierchne, etwa 14 Zoll lang, blaßgelb von Farbe, und hat rothe Augen. Sein Vaterland iſt die Barbarey, von wo man es nach Spanien ge⸗ bracht hat, um die ſe olick hen wilden Kaninchen zu vertilgen, und von da hat es ſich weiter in Europa verbreitet. ch leicht zaͤhmen, und in Haͤuſern in großen Kiſten halten, wo man es dann mit Sdmel, zrod, Kleyen, und Milch fuͤttert. Die Jaͤger halten die Frettchen vorzuͤglich dazu, um mil ihnen die wilden Kaninchen aus ihren Bauen zu jagen, und zu fangen, als worauf man ſie abrichtet, ſo daß man ſie faſt, wie die Dachshunde hrauchen kann. Nro. 4i, Der Kulon. (Mustela sibirica). Der Kulon iſt eine Mittelgattung zwiſchen dem Marder und Wieſel; etwa 12 Zoll lang, und lebt 5 Sibirien in den Waͤldern. Sein Fell iſt hoch rothgelb, und ſein Schwanz langhaa⸗ richt. Er iſt erſtaunlich gefraͤßig, und raubt daher den Bauern aus den Doͤrfern immer das Fl aus den Haͤuſern. Sein Pelzwerk geht beſonders in China. Nro. 6. Das große Wieſel oder Hermelin. (Mustela erminea). E Das große Wieſellckt allein im kalten Norden von Europa, Aften, und Amerika, l vorzuͤalech aber in Sibirien. Es iſt o Zoll lang, hat im Sommer ein rochbraunes Fell, Kehle und B uch aber ſind weiß, und die Spitze des Schwanzes ſchwarz. Im Winter aber wird ſein Pelz ganz weiß, hehaͤlt aber die ſchwarze Schwanzſpitze, und nach dieſer Verwandlung heißt es nun der Hermelin, wie wir es ſchon Tab. 9. Seite 3i des J. Bandes unſers Bil⸗ derbuchs geſehen haben. Als Hermelin wird ſein Balg unter das edle Pelzwerk gerechnet, 0 und war ſonſt die auszeichnende Tracht der Fuͤrſten, und großen Herren zu ihren Maͤuteln und Bireten. 8 Nro. 6. Das gemeine Wieſel. (Mustela vulgaris). Das gemeine Wie ſel lebt gleichfalls im Rorden von Europa, Aſten und auch ſehr 109 haͤuſig in Deutſchland, in Haͤuſern, Steinhaufen, und hohlen Baͤumen. Es iſt nur 7 Zoll lang, gelbbraun, und die Schwanzſoitze nicht wie bey dem Hermelin ſchwarz; aͤndert aber auch, wie jener die Farbe. Es naͤhrt ſich von den Eiern der Huͤhner und andern Voͤgeln, jungen Haa⸗ ſen, Maͤuſen u. dgl. raubt des Rachts, und ſchlaͤft beym Tage. So klein es iſt, ſo muthig iſt es doch, und vertheidigt ſich ſogar gegen dit Katze. Es laͤßt ſich leicht zahm machen, und iſt dann ſehr artig, und ſpielhaft. ſeht ng, wie aa⸗ thig d iſt — Von den Kennzeichen der Thiere dieſes Geſchlechts iſt ſchon an einem andern Orte geredet worden. Der Iltis oder Ratz unterſcheidet ſich von den verwandten Gattungen hinlaͤnglich durch ſeine Farbe, inſonderheit aber durch den weißen Mund und die weißen Raͤnder an den Ohren. Mit dem Steinmarder hat er viel Aehnlichkeit in der Bildung, nur iſt ſein Kopf dicker, das Haar ſchwarzbrauner und die Groͤße geringer. Die Laͤnge des Leibes— den Schwarz ungerechnet, betraͤgt 1 Fuß 8 Zoll; die Hoͤhe 5 und die Laͤnge des Schwanzes 7 Zoll. Das Geſicht dieſes Thieres verraͤth die Liſt des Fuchſes, ſo wie uͤberhaupl der Kopf viel Aehnlichkeit mit dem Fuchskopfe hat. Der Mund iſt mit ſchwarzbraunen Barthaaren beſetzt; das Gebiß iſt ziemlich ſcharf, und gleicht dem Gebiß des Hundes. Die 6 Vorderzaͤhne in dem Oberkiefer ſind rund zugeſpitzt; der vordere auf jeder Seite ragt merklich hervor; naͤchſt dieſem folgt ein großer gekruͤmmter, aber abgeſtumpfter Eckzahn, und hierauf 4 Backzaͤhne, die abgeſtumpft ſind, und vorwaͤrts liegen; die auf beyden Seiten darneben ſtebenden Eckzaͤhne ſind nicht ſo groß, wie oben. Auf ſie folgen 5 Backenzaͤhne. Die Augen ſind dunkelbraun, hervorſtehend, und ſehen ſehr ſcharf. Auch hat das Thier ein leiſes Gehoͤr. Der Hals iſt dick, der Ruͤcken breit, die Beine ſind kurz, und die Zehen mit weißen ſchwarzgeſpitzten Klauen bewaffnet. Der Pelz, womit der ganze Leib bedeckt iſt, beſteht aus einer kurzen dichten Wolle von weißlicher Farbe und aus laͤngern Haaren, die unten graulich, oberwaͤrts dunkel kaſta⸗ nienbraun ſind, und an der Spitze glaͤnzend ſchwarz auslauſen. Merkwuͤrdig ſind zwey Druͤſen, die ſich unter dem Schwanze des Thiers befinden, und eine widerlich ſuͤße, nach Honig riechende Feuchtigkeit enthalten. Das Weibchen iſt vom Mannchen bloß durch 4 Saugewarzen, und dadurch, daß Mund und Ohren ganz weiß ſind, unterſchieden. Die Sitten und Manieren, fo wie die Lebensart uͤberhaupt, hat der Iltis ziemlich mit dem Steinmarder gemein. Er iſt ſchnell und behende, unaufhoͤrlich in Bewegung, und ꝛ6tes Heft. E hat einen ſpringenden Lauf. Wie der Marder, ſcheuet er Geraͤuſch, beſonders Wetzen if Klirren. Seinen Raub'weiß er eben ſo geſchickt zu erhaſchen als zu belauſchen. Die Saäm, h me iſt verſchieden. Im Zorne gleicht ſie dem Kleffen junger Hunde, zur Zeit der Begaß 856 M tung iſt ſie ein Knurren.— 5 Die Begattung pflegt im Februar, und beſonders gegen das Ende deſſelben, vor ſih 1 zu gehen. Wenn mehrere Mannchen zuſammentreffen, ſo gerathen ſte nicht ſelten hart g Krt einander, und beißen ſich. Nach 8 Wochen macht ſich das Weibchen ein Neſt von Mob 1 und Heu, entweder in einer Höhle, oder unter einem Reishaufen, und bringt hier 4 bl 5 Junge zur Welt. Die Murtter iſt aͤußerſt ſorgſam fuͤr ihre Jungen, und pflegt ſie auf zäͤrtlichſte. Im Rothfall vertheidigt ſte dieſelben auch gegen Feinde, die ſich dem Reſte naͤhern Sie traͤgt aus Beſorgniß entdeckt zu werden, den uͤbelriechenden Koth vom Lager weg. 10 Man kann die Jungen ſo zahm wie Katzen machen, doch legen ſie ihr blutduͤrſtige 8 Naturell auch im zahmen Zuſtande nicht ganz ab. Zur Verhuͤtung des Mordens untt 9 8 dem Hausgefluͤgel bricht man ihnen daher die Eckzaͤhne weg, und gibt ihnen hinläͤngliche be 14 Futter. Man hat Beyſpiele, daß junge Iltiſſe an Katzen ſogen. In der Freyheit werden wW. dieſe Thiere etwa 10 Jahre alt. Sie bewohnen Haͤuſer, Felder und Woͤlder. Ihre Lager ſchlagen ſie auf Böden„il Scheunen, unter Holz⸗ und Reishaufen, in Erdhoͤhlen, in hohlen Baumſtaͤmmen u. ſe auf. Sie graben auch, und wohnen in den ausgegrabenen Vertiefungen. In Gebaͤuden wirf der Iltis oftmals große Erdhaufen auf, und unterwuͤhlt die Schwellen. Viele wiſſen nichſ 9 woher die aufgeſtoßnen Erdhaufen kommen, und ſchreiben ſte den ſogenannten Hausunkt zu, worunter Manche ſich ein gar ſonderbares Thier vorſtellen. Im Klettern iſt der Ill⸗ ſehr geſchickt; doch findet man ihn nicht haͤufig auf Baͤumen. Seiner Nahrung geht er, wie der Marder, des Nachts nach. Er iſt räuberiſch un ˖6 R gefraͤßig, wagt aber doch ſo viel nicht, wie der Marder. Auch wuͤrgt er nicht alles Gefl d. gel, was er vorfindet, ſondern begnuͤgt ſich mit Einem Stuͤck. Voͤgel und ihre Eyer ſiñ 30 ſeine liebſte Speiſe. Er erwuͤrgt den Vogel, den er uͤherfaͤll, faßt ihn mit den Zähm. im Genick, und ſchleppt ihn fort. Eyer von Huͤhnern und andern Voöͤgeln traͤgt er in 1 Menge zuſammen; auch fäͤngt er Froſche. Im Winter ſind Ratten, Maͤuſe, Maulwürf * und andere kleine Saͤugethiere ſein Fraß. Wenn der Iltis zu Bienenftanden gelangen kann 5 ſo zerbeißt er entweder die Körbe, oder wirft ſie um, und verzehrt den Honig. Er graͤbtſo⸗ gar den Kaninchen nach, und wuͤrgt ſie. Im Winter belauert er die Fiſche unter dem Eiſſ 1 Dafür ſtellt man dieſem Raͤuber aber auch wiederum auf allerley Art nach. Er wil in Fallen, in Eiſen und in Schleifen gefangen. Da er weniger behutſam iſt als der Mardel ſo wird er auch leichter beruͤckt. Wenn er gefangen iſt, nagt er, ſelbſt in Gegenwart do en un Slum⸗ Begaß vor ſih hart g 00⁰ T 4 bi ie auf ähern . uͤrſtige § unte gliche werdeß 'en, il u. ſ. lh n wirſ 1 nich Sunke⸗ er Illi ch Unh Geflu er ſtnd zaͤhnen t er in ilwuͤrf 1 kann raͤbt ſo⸗ m Eiſt er win ardet, art de⸗ 35 Menſchen das eingeklemmte Bein ab, und ſucht zu entflichen. Wenn man der Faͤhrte nach⸗ geht, die zu ſeiner Hoͤhle fuͤhrt, ſo kann man ſich des Iltis auch vermittelſt des Ausgrabens bemaͤchtigen. Durch Klirren mit Schellen und durch Wetzen mit Meſſern kann man ihn aus ſeinem Schlupfwinkel hervortreiben, und dann todtſchießen. Die Hunde ſind natuͤrliche Feinde des Iltis. Sie faſſen ihn begierig im Genick, und erwürgen ihn. Wenn der Iltis nicht entfliehen kann, ſo ſetzt er ſich mit Beißen zur Wehre, und ſchreyet dabey fuͤrchterlich. Der Schaden, den dieſe Thiere unter zahmen und wilden Gefluͤgel anrichten, iſt zwar bettͤͤchtlich; doch werden ſie auch dadurch nützlich /daß⸗ fer eine roßr Meuge Ungeziefer weg⸗ fangen. Ihr Fleiſch- iſt eigenttich nicht zu genißen, ob es gleich einige Liebhaber findet, und von gewiſſen ruſſiſchen Nationen gegeſſen wird. Seloſt der Hund laͤßt es unberuͤhrt. Der Pelz iſt im Winter gut zu gebrauchen. Das Haar deſſelben iſt feſt und das Fell dick. Wird aber das Thier im Zorne oder zur Zeit der Begattung getoͤdtet, ſo ſtinkt der Balg, und behaͤtt dieſe widrige Eigenſchaft auch ziemlich lange Zeit, und dies iſt beſonders Urſache, warum das Fell vom Iltis ſo wenig geachtet wird. SDer Tiger II. (Muſlellæ Sarmattcd). Er iſt kleiner, als der gemeine Iltis. Die Laͤnge ſeines Körpers betraͤgt 13 Zoll, die Laͤnge des Schwanzes 6 Zoll. Der Geſtalt nach gleicht er dem vorigen ſehr, unterſcheidet ſich aber durch die Farbe des Pelzes hinlaͤnglich von ihm und den verwandten Gattungen. Der gan⸗ ze. Oberleib iſt hell kaſtanienbraun mit weißlichen Streifen und Flecken. Die Bruſt, der Bauch und die Beine ſind ſchwarz; der Schwanz iſt ſchwaͤrzlich mit einigen laͤngern Haa⸗ ren von weißer Farbe. Auch in der Lebensart gleicht er dem gemeinen Iltis. Er beſitzt einen feinen Geruch. Rur des Rachts geht er auf Raub aus. Den Tag uͤber haͤlt er ſich ſtill in ſeiner eignen oder in anderer Thiere Hoͤhlen. Er iſt zornig. Seine liebſte Speiſe ſind Voͤgel und Eyer. Das Vaterland dieſes Thieres iſt Polen und Kleinrußland; vorzuͤglich häͤlt es ſich in den Steppen am Don, an der Wolga ꝛc. auf.— Man achtet ſein Fell in jenen Gegenden faſt gar nicht; dech faͤngt man das Thier, und— das Pelzwerk nach dem uͤbrigen 2 36 Europa, wo keine Tiger ⸗Illiſſe angetroffen werden. Namen Perewoſtſchik, und bezahlt es in Deutſchland ziemlich theuer. eeeeen 5 Das Frett oder Frettchen. (Ilahclla Furo). Dieſe Gattung wird von Blumenbach fuͤr eine Spielart vom Iltis gehalten, wofuͤr ſich wegen der Aehnlichkeit mit demſelben freylich Manches ſagen läßt. Wir betrachten es hier als eine beſondere Gattung, und als ſolche unterſcheidet es ſich vornaͤmlich durch die weißlich gelbe Farbe des Pelzes, und durch den blaßtothen Stern im Auge. Das Frettchen wird 1 Fuß und J Zoll lang; Haͤlſte. Der aͤußern Bildung nach gleicht er ganz dem Iltis; nur iſt der Ko ſchmaler, und der Leib geſtrekter. Das Gebiß iſt, wie beym Iltis. truͤbe, und haben wie geſagt, einen blaßrothen Stern. Dieſer Umſtand macht, daß einige dieſes Thier fuͤr einen Kakerlaken in ſeiner Att halten. Die runden Ohren ſtehen aufge⸗ richtet, die kurzen Beine ſind an den Zehen mit weißen Naͤgeln verſehen. Das Haar iſt nicht an allen Thieren gleich. der Kopf ein wenig Die Augen ſind Vom Maͤnnchen unterſcheidet ſich das Weibchen nur allein durch ſeine geringere Groͤße. Das Thierchen bewegt ſich ſchnell und mit großer Leichtigkeit. Es iſt gelehrig, lernt aber ſeinen Herrn nicht leicht von andern unterſcheiden. Im Zorne iſt es unbaͤndig, und zeigt verhaͤltnißmaͤßig viel Stärke. Sein Laut iſt ein Murren; der Schlaf feſt und tief. Das urſpruͤngliche Vaterland iſt die Barbarey. hier brachte man es zur Vertil⸗ gung der Kaninchen nach Spanien, aus welchemvande es ſich weiter in Europa verbreitet hat. Es findet ſich jedoch bey uns nicht eigentlich wild, ſondern wird als Hausthier gehalten. Es begattet ſich in Europa zwehmal des Jahres. Das Weibchen bringt nach öWo⸗ chen 5 bis 9 Junge zur Welt, die es bisweilen gleich nach der Geburt auffrißt. Wenn man das Frettchen mit dem Iltis zuſammenſperrt, ſo vermiſchen ſich beyde, und erzeugen braͤunliche Baſtarde. Im Stande der Wildheit hat das Frettchen mit dem Iltis faſt ˖ einerley Lebensart. Es faͤngt Voͤgel, kleine Saͤugethiere ꝛc., und ſaugt ihnen das Blut du rch eine Wunde im Na⸗ Man kennt es im Handel unter dem ſein Schwanz mißt etwas mehr als dir dett til⸗ at. zo⸗ Un Ell 37%4 Een aus. Als Hausthier, wo man es in Kaſten oder in Faͤſſern hält, frißt es auch begetabiliſche Nahrung, Semmel, Brot und geſchrotne Koͤrner. Es ſaͤuft gern Milch. Wenn man ihm ein Stuͤck Gefluͤgel oder ein Kaninchen uͤberlaͤßt, ſo faßt es daſſelbe im Genick, ſaugt ihm begierig das Blut aus, und wird bald darauf ſehr boͤſe. Der Rutzen, den man von dieſem Thiere zieht, iſt der, daß man es auf den Kanin⸗ chenfang abrichtet. Die Kaninchen ſind ſeine natürlichen Feinde. Sie gerathen auch beym Anblick des Frettes in entſetzliche Todesfurcht. Man ſchickt dieſes, mit Schellchen behan⸗ gen, in die Hoͤhlen und Gaͤnge der Kaninchen, nachdem man vorher den Platz, den ſte bewohnen, mit Retzen umſtellt hat. Sobald die furchtſamen Thiere ihren Todtfeind merken, ſuchen ſte ſich ploͤtzlich durch die Flucht zu-retten, Und rennen aus den Hoͤhlen blindlings in das Garn. Man muß däbey die Vorſicht brauchen, dem Frettchen, welches die Kanin⸗ chen in der Hoͤhle zu freſſen pflegt, einen Maulkorb anzulegen.— Auf aͤhnliche Weiſe kann man ſich dieſes Thiers auch zur Vertilgung der Ratten bedienen. Meckwärdig iſt, daß das Frettichen im Zorne ſtark nach Biſam riecht. FVECXXXC.. (Mustela Sibiriod.) Kulon oder vielmeht Kulonky iſt der Rame, den dieſes Thier in der Tartarei fuͤhrt. Er ſoll einen Vielfraß bedeuten, weil man bemerkt haben will, daß der Kulon außerordentlich viel freſſe, und alle in Schlingen gefangenen Thiere verzehre, wenn der Jäger nicht bald herbey eilt, um ſie herauszunehmen. Der Geſtalt nach gleicht er mehr dem Wieſel, doch ſind ſeine Beine und der Schwanz laänger. Er inißt nur 12 Zoll, der Schwanz aber 6 Zoll. Der Pelz iſt rothgelb. Er wird in Rußland faſt gar nicht geachtet; aber haͤufig nach China geſchickt. Die waldigen Gegenden Sibiriens, inſonderheit um den Jeniſei, ſind die Heimath des Kulon. Er lebt vom Raube, und ſoll ſogar zu den Bauern in die Doͤrfer kommen, und Fleiſch und Butter aus ihren Vorrathskammern ſtehlen. ——— Dis gruße Wiefl'ober Hermel (Muotela ermlnca). Die⸗ ausfuͤhrliche Geſchichte dieſer Gattung iſt bereits oben(Band J. Taf. 31. Fig. 5.) beſchrie⸗ ben worden. Hier iſt nur noch zu bemerken, daß die Wieſel in waͤrmern Laͤndern, z. B. im ſuͤdlichen Eu opa, ihr Haar gar nicht veraͤndern. In Rußland und Siberien ſind die Herme⸗ line in ung huerer Menge in den Waldungen anzutreffen. Man hat ſchon an 20000 Stuͤck Felle in kuzer Zeit zuſemmen gebracht. Wenn man dieſe Thiere einſperrt und futtert ſo muß man uͤber die Menge erſtaunen, reizt, ſetzt es ſich zornig zur Wehre, und ziſcht. Das gemeine Wieſel. (Musctela 2ulgarto). Das gemeine Wieſel, oder das Heermaͤnnchen, unterſcheidet ſich dadurch, das der Schwanz mit dem Oberleibe gleichfarbig und ohne Haarbüͤſchel iſt. Der Geſtalt nach iſt es dem großen Wieſel ziemlich gleich. Seine Laͤnge betraͤgt 7, die Hoͤhe 12 Zoll. Der breitgedruͤckte Kopf hat mit dem Halſe und Leibe faſt gloiche Dicke. Letzterer läuft gerade aus. Das Gebiß iſt ſcharf. Die Augen ſind blitzend. Die kurzen Beine haben ſehr zarte Föͤßchen, deren Zehen mit ſchar ſen RNaͤgeln verſehen ſind. Die Druͤſen unter dem After geben einen biſamaͤhnlichen Geruch von ſich. Auf dem Oberleibe, an den Beinen, und am Schwanze iſt das Haar graubraun; am Unterleibe weiß. Das Weibchen iſt vom Maͤnnchen nur durch die Saugwarzen und Geburtstheile zu unterſcheiden. Diefe Thierchen haben ein außerordentlich gefaͤlliges Anſehen. Sie ſind ſehr behende, ſchnell in allen Bewegungen und ftͤͤchtig. Wenn ſte laufen, ſo bewegen ſte den Kopf unaufhoͤrlich von ei⸗ ner Seite zur andern. Sie geben, wenn ſte verfolgt und in die Enge getrieben werden, einen quickenden Laut von ſich. Vermoͤge ihres ſchlanken, geſchmeidigen Koͤrpers ſind ſie im Stande durch eng⸗ Loͤcher zu kricchen. Im Klettern ſind ſte ſehr geſchickt, auch ſchwimmen ſte gut. Wie alt ſie werden, weiß man nicht genau; doch ſcheinen ſie mit dem großen Wieſel gleich lange zu le⸗ 7 ben. Munterkeit und Lebhaftigkeit iſt ein ihnen ganz eigenthuͤmlicher Eharakter. 2 die ein einziges in einem Tage verzehren kann. Die taͤgliche Rah ung betraͤgt mehr am Gewicht, als der ganze Koͤrper des Thieres. Wenn man es prie⸗ im me⸗ ruͤck ktert, Die n es 3³ Sie haben mit dem großen Wieſel gleiches Vaterland; doch lieben ſie den Wald weniger, als dieſes, und halten ſich lieber in Gebaͤuden auf; beſonders ziehen ſie ſich im Winter hieher. Man trifft ſie in engen unzugaͤnglichen Loͤchern und Kluͤften an, zwiſchen Waͤnden, unter Schwellen, in Scheunen, Ställen, und unter Holzhaufen. In hohlen Baumſtaͤmmen und anter Baumwurzeln ſchlagen ſie ebenfalls ihre Wohnung auf. Am Ende des Märzes begatten ſie ſich, und nach 5 Wochen bringt die Mutter 4 bis Jun⸗ ge zur Welt, fuͤr die ſie ein Lager von Moos, Laub, und andern weichen Materialien zubereitet. Sie liebt ihre Jungen zärtlich, und ſorgt aͤngſtlich fuͤr ihre Erhaltung. Glaubt ſie, daß iht Reſt entdeckt ſey, ſo traͤgt ſie die FJungen im Maule fort. Dieſer Umſtand hat zu der ſonder⸗ baren Meinung der Alten Anlaß gegeben⸗ da ſte ibre Jungen durch den Mund gebaͤhren Die Jungen ſiud ebenfalls niedliche Tthierchen, und koͤnnen zahm gemacht werden. Ihre Nahrung ſind Maͤuſe, die ihnen die Mutter lebendig bringt. Maͤuſe, Maulwuͤrfe, Ratten, und insbeſondere Gefluͤgel, und die Eyer derſelben machen die Rahrung der Alten aus. Sie ſind eben ſo arge Raͤuber, wie andere ihres Geſchlechts. Be⸗ ſonders muß man die Taubenſchlaͤge vor ihnen verwahren; denn ſte richten oft große Rieder⸗ lagen darin an. Das junge Gefluͤgel wird mehrentheils aufgefreſſen; dem alten ſaugen ſte durch eine Wunde im Genick das Blut aus. Rach Eyern ſind ſte ſehr begierig. G oͤßere zer⸗ brechen ſie auf der Stelle, und leeren ſie aus; kleinere tragen ſie in die Hoͤhlen. Sie ſelbſt werden von Hunden und Katzen verfolgt und erwuͤrgt. Der Nutzen dieſer Thiere ergibt ſich aus ihren Nahrungsmitteln; eben daher auch der Schade, den ſie anrichten. Des letztern wegen ſucht man ſie daher zu vertilgen, und ſtellt ih⸗ nen nach. Dies geſchieht vornaͤmlich vermittelſt Fallen, in welche man ſie durch einen Vo⸗ gel oder eine Maus lockt. In Mexiko ſoll das Fleiſch von dieſem Wieſel gegeſſen werden. Das Fell wird zu ſchlechtem Pelzwerke benutzt. Vierf. Thiere XXX. Oſchſen berſchiedener Art. 0 Nro, w et 2. Der Sarluck oder Grunzochſe. 8 (Bos grunniens). Der Sarluck der auch 3 iegenochſe, oder der Buͤffel mit dem Pferdeſchweife genannt KN wird, lebt allein zahm als Hausthier in Tibet. Er iſt kleiner, als unſer gewoͤhnliches Horn⸗ ö vich, und zeichnet ſich durch ſeine grunzende Stimme, und durch ſeine langen, feinen, und bey⸗ nahe bis auf die Erde herabhangendenHaare, ſo wie auch durch den langen, dickbehaartengSchwanz vorzuͤglich aus. Es giebt zweyerley Gattungen davon. Die eine N. 1. hat Hoͤrner, und am 1A K Lieibe ſchwarzes Haar, allein Kopf, Schwanz, Ruͤcken, Hals, und Bauch ſind weiß. Die an⸗ WM dere Gattung R. 2. iſt ganz ſchwarz, und hat keine Hoͤrner. Man verſichert, daß von den feinen Schwanzhaaren der erſten Gattung die koſtbaren oſtindiſchen Schaals gefertigt werden. Nro. 3. Die indiſche Kuh. (Bos indicus ſemina). Die indiſche Kuh iſt eine Abart vom oſtindiſchen Zwergbuͤffel, hat aber keine Hoͤ⸗ ker auf dem Kuͤcken, und anſtatt der Hoͤrner nur kleine Kolben. Sie iſt uͤbrigens eben ſo klein, als der Zwergbuͤffel, ſchoͤn lichtbraun von Farbe, und von feinen, weichen Haaren. Nro. 4. Der afrikaniſche Buͤffel, (Bos Cafler). 5 Der afrikaniſche Büͤffel iſt uͤber g Fuß lang, ſchwaͤrzlich von Farbe, und lebt wild in dem Innern von Afrika. Er iſt nicht zu zaͤhmen, aͤußerſt boshaft, und ſo ſtark, 1 daß oftmals der Loͤwe vor ihm erkiegen muß; er rennt mit großer Leichtigkeit durch das ſtärkſte Gebuͤſch, uͤberfaͤllt oft aus einem Hinterhalte plotzlich Menſchen und Thiere, wirft ſie nie⸗ der, zerquetſcht ſie mit Hoͤrnern und Fuͤſſen, und leckt ſelbſt nach ihrem Tode ihnen das Eleiſch zu wiederholtenmalen ah. Sein Fleiſch iſt zwar eßbar, aber ſehr hart. Nrö. z3. Der Moſchusochſe. (Bos moschatus). Der Moſchusoch ſe, oder Biſamſtier bewohnt blos die kalten Laͤnder im aͤußer⸗ ſten Nordamerika, wo er in kleinen Heerden lebt; liebt oͤde und felſichte Gegenden, wo er mit vieler Geſchicklichkeit klettert. Er iſt ſo groß, als der afrikaniſche Buͤffel, fieht ſchwarzbraun aus, hat uͤber den ganzen Koͤrper ſehr lange, feine Haare, die oft bis zur Erde reichen, auf 6 dem Ruͤcken einen weißen Fleck; Schwanz und Fuͤſſe aber ſind kutz, und braunroth. Seine 5 Hoͤrner find abwärts gebogen, und die Spitzen wieder in die Hoͤhe gekruͤmmt, ſo, daß ſie 1 faſt wie ein Joch ausſehen. Sie treten an der Wurzel hart zuſammen, und ſind ſo groß und ſtark, daß oft ein Paar 60 Pfund waͤgen. Sein Fleiſch, und beſonders das Herz riecht ſehr ſtark nach Moſchus, wovon er auch den Ramen hat. 16tes Heſt. Ren 66 60 0 „% I, jen ——2 0 0105 ee. . 380 Der Sarluck oder Grunzochfe. (Bos grunmi ens). Der Grunzochſe, den man auch ſonſt den tibetaniſchen Buͤffel nennt, iſt einem Widder aͤhnlich; hat aber gleichwohl alle Kennzeichen des Rindviehes. Er kommt dem Buͤffel am naͤchſten, unterſcheidet ſich jedoch von demſelben durch den einem Pferdeſchweife aͤhnlichen Schwanz und uͤberhaupt durch die langen Haare, womit der Leib bedeckt iſt. Die gewoͤhnliche Läͤnge dieſes Thieres betraͤgt etwas üͤber 6 Fuß. Die Hoͤrner ſind einwaͤrts gebogen. Der Leib gleicht dem Leibe der gemeinen Küh. Der Ruͤcken erhebt ſich zu einer Art von Hoͤcker. Das Haar auf dem Kopfe und am Leibe iſt ſchwarz; vor der Stirn aber, auf dem Ruͤcken und dem Untertheile des Leibes iſt es weiß. Im Racken ſitzt eine Maͤhne, und am Leibe iſt das Haar ſo lang, daß es bis auf die Knie reicht; daher die Fuͤſſe auch ſehr kurz zu ſeyn ſcheinen. Das Haar am Schwanze iſt ebenfalls weiß. Die Stimme dieſes Rindes gleicht nicht dem gewoͤhnlichen Bruͤllen des Stieres, ſondern dem Grunzen des Schweins. Dies hat ihm auch den Ramen Grunzochſe verſchafſt. Sein Raturell iſt wild und unbändig; ja man kann es tuͤckiſch nennen, denn ſeinen Waͤrter ausgenommen, ſtoͤßt der Grunzoſche jeden Menſchen, der ihm zu nahe kommt,. Mit dem gemeinen Rindvieh lebt er nicht vertraͤglich. Sobald er ein ſolches anſichtig wird, grunzt er. Sonſt hoͤrt man ſeine Stimme ſelten. In der Tatarei nennt man ihn Sarlu xk. Eine Spielart davon, die Eheinik genannt wird, iſt ungefaͤhr von derſelben Groͤße; hat aber keine Hoͤrner, und iſt ganz ſchwatz. Beyde Thiere gehoͤren in dem noͤrdlichen Aſten zu Hauſe. Dort ſind ſie nicht nur wild anzutreffen, ſondern auch gezaͤhmt, wie ſie denn den Mongolen als Hausthiere dienen. In dieſem Zuſtande verändern ſie ſich aber merklich; denn man findet außer denen von ſchwarzer und weißer Farbe, auch rothbraune und andere. Die mit dem ſchneeweißen Haare auf dem Ruͤcken und dem Schwanze ſchätzen die Mongolen am meiſten, weil das weiße Haar in großem Werthe bey ihnen ſteht.— Die zahmen bleiben, wie geſagt, dennoch unbändig, und leiden es nicht, daß fremde Perſonen ſich ihnen nahen. Sie werden beſon⸗ ders grimmig, wenn ſie Jemanden ſehen, der ein rothes oder gelbes Kleid an hat, Im Zorne ſchuͤtteln ſie ſich, heben den Schwanz in die Hoͤhe, und bewegen ihn hin und her. Dabey zeigen ſie eben den wilden Blick, wie der Buͤffel. Sie haben einen ziemlich ſchnellen Gang, üund ſind hurtig in ihren Bewegungen. Die Sonnenhitze köͤnnen ſie nicht gut vertragen, und ziehen ſich daher nach dem Schatten ins Kuͤhle, oder gehen ins Waſſer, worin ſie Stundenlang ſtehen, oder liegen bleiben. Auch ſchwimmen ſte gut. Das Fleiſch vom Grunzochſen ſoll zwar fett, aber nichs weniger als wohlſchmeckend ſeyn; doch eſſen es die Kalmuͤcken gern. Die weißen Schweife werden in Hindoſtan zu Kriegspanieren gebraucht, auch zu Quaſten, um Staats⸗Elephanten und Pferde damit zu zieren. Vornehme bedienen ſich ihrer zu Fliegenwedeln. RNach Bellons Berichte ſollen die Roßſchweife der Tuͤrken nichts anders ſeyn, als die weißen ſeidenhaften Schwaͤnze der Grunzochſen. Die Chineſer faͤtben das weiße Haar brennend roth, und tragen dann den Schweif als Quaſten auf ihren geflochtenen Sommerhuͤten. Die Indiſche Kuh. (Sos iudẽcuse fEm.)7 Wir haben ſchon oben den Indianiſchen 3Zwergbuͤffel, oder Zebu, beſchrieben. Die⸗ ſes iſt nun die Kuh von derſelben Gättung. Sie hat ziemlich eben die Größe und eine hell⸗ braune Farbe. Es fehlen ihr die Hoͤrner und der Hoͤcker. Statt jener hat ſie bloß kleine Kolben. In Indien wird ſie, ſo wie der Zebu, ſehr geſchaͤtzt, und mit Sorgfalt erzogen. Ihre Geſtalt und ihr ganzes Aeußere ſoll ſehr ſchoͤn ſeyn. * 5 YiYSS Der Afrikaniſche Büffel. (Bos cafer). Wenn auch dieſer Buͤffel ſonſt in keinem Stuͤcke vom gemeinen Buͤffel verſchieden waͤte, ſo iſt er es doch voͤllig im Bau und in der Biegung der Hoͤrner. Dieſe haben eine ganz be⸗ ſondere Geſtalt. Sie ſind näͤmlich nach dem Grunde zu breit, und zwar faſt 13 Zoll; auch ſtehen ſie ſo nahe beyſammen, daß kaum uͤber ein Zoll ſtatt findet. Die Rin⸗ 44— ne, welche beyde Hoͤrner vor der Stirn laſſen, iſt bisweilen mit Haaren bewachſen. Von der Rinne an gehen die Hoͤrner gewoͤlbt fort; aber hoͤchſtens nur 3 Zoll in die Hoͤhe. Sie be⸗ decken einen großen Theil des Kopfs, vom Racken bis gegen die Augen hin. Von hier beu⸗ gen ſie ſich an beyden Seiten des Halſes nieder, nehmen eine mehr walzenſöͤrmige Geſtalt an, und bilden einen Bogen, von welchem die gewoͤlbte Seite ſich zur Erde, die Spitze aber in die Höhe kehrt. Von Farbe ſind ſie ſchwarz. Die Hberflaͤche iſt ein Drittheil von der Grundflaͤche an ſehr rauh, und hat bisweilen einen Zoll tiefe Gruben. Dieſe Gruben oder die zwiſchen ihnen befindlichen Erhoͤhungen ſcheinen zufaͤllig zu ſeyn: denn ſie ſind zwar an beyden Hoͤrnern einander gleich; aber bey den verſchiedenen Buͤffeln verſchieden. Die Ohren ſind 1 Fuß lang, und auf verſchiedene Art gekrauſet, welches wahrſchein⸗ lich vom Stoßen und vom Durchſtreifen der Dickichte hertuͤhrt. Die Geſtalt des Leibes iſt den übrigen Buͤffeln ſo ziemlich gleich; doch iſt der afrikaniſche Büffel viel grobgliedriger und plumper. Seine Hoͤhe betraͤgt gemeiniglich uͤber 5 Fuß, die Laͤnge 8 Fuß. Die Beine ſind etwas kuͤrzer, als an dem gewoͤhnlichen Buͤffel. Das Haar des Leibes iſt von ſchwarzbrauner Farbe, ſtruppig, 1 Zoll lang, und bey alten Thieren nur duͤnn, beſonders mitten auf den Seiten und unter dem Bauche. Der Blick und das Anſehen des afrikaniſchen Buͤfſels iſt wild und furchtbar. Er ver⸗ räth viel Tuͤcke und Falſchheit durch ſeine Mienen, und beſitzt ſie auch wirklich. In den Waͤldern laͤßt er ſich nicht eher ſehen oder hoͤren, bis man nahe an ihm iſt; ſo lange lauſcht er naͤmlich gleichſam im Hinterhalte. D. Thunberg und ſeine Begleiter erfuhren dieß einſt, als ſie im Houtniquas⸗Lande ihre Pferde durch eine waldichte Gegend leiteten. Die Huͤffel, denen ſie ſich unvermerkt genähret hatten, rannten auf ſte los. Die Reiter hatten kaum Zeit genug auf Bäume zu ſteigen, indeß ihre Pferde von den Buͤffeln todt geſtoßen und zer⸗ treten wurden.— Der Grimm des Thieres ſoll ſo weit gehen, daß er einen Menſchen, der ihn angriff, auch noch dann, wenn er ihn ſchon voͤllig getodtet hat, zerſtoͤßt und zerdrückt, mit den Fuͤßen ihn zerſtampft, und ſogar die Haut durch Lecken mit der rauhen Zunge ab⸗ zieht. Er ſcheint ſich recht zu weiden an der Rache, denn er zerfleiſcht und zerquetſcht den tod⸗ ten Leichnam nicht auf einmal, ſondern verlaͤßt ihn zu verſchiedenen malen, und kehrt von neuem zutück, um ſeine Mordluſt noch mehr zu ſtillen. Der Gefahr ungeachtet jagt man in Afrika dieſes Thier denndch haufſtg. Es flieht auch vor dem Menſchen, je nachdem es gelaunt iſt; doch kehrt es oft ploͤtzlich um, und wendet ſich gegen den Jaͤger. Dieſer iſt ohne Rettung verloren, wenn ſein Pferd nicht fluͤchtig ge⸗ nug iſt, um dem racheſchnaubenden Thiere zu entkommen. Bergan holt der Buͤffel den Jaͤ⸗ ger nicht leicht ein; denn ſein ſchwerfaͤlliger Koͤrper macht ihn unfaͤhig, Anhoͤhen ſchnell zu erſteigen. Wenn der Buͤffel des Verfolgens muͤde iſt, kehit er um, und der Jaͤger jagt ihn von neuem, und ſo wechſelt er ab, bis er eine bequeme Gelegenheit wahrnimmt, ihn zu ſchießen. Trifft der Schuß nicht, oder verwundet er nur leicht; ſo iſt der Jaͤger 45 abermals in Gefahr ſein Leben einzubuͤßen, wenn nicht die Schnelligkeit ſeines Pferdes ihn rettet. Der Buͤffel rennt wuͤthend vor Zorn auf ſeinen Feind los, und verfolgt ihn aufs aͤußerſte. Seine ungeheure Skaͤrke laͤßt ſich daraus abnehmen, daß er mit Leichtigkeit durch dickes Gebuͤſch rennt, durch welches ſich gemeines Rindvich nicht durcharbeiten kann. Mehrere Augenzeugen verſichern, daß er die dickſten Dorngebuͤſche ſo durchlaͤuft, als waͤren es Saat⸗ felder. In dieſem Falle kommen ihm ſeine breiten Hoͤrner trefflich zu Statten, denn er trägt den Kopf niederwaͤrts gebeugt, macht ſich ſo mit den Hoͤrnern Platz, und beſchuͤtzt durch ſie zugleich ſeine Augen. Einen andern Beweis ſeiner Kraft giebt das Thier durch ſeinen Kampf mit dem Loͤwen. Dieſer, welcher einem gemeinen Rinde mit einem einzigen Schlage den Ruͤckgrad zu zer⸗ brechen im Stande iſt, verliert nicht ſelten im Kampf mit dem Buͤffel, und muß wohl gar ſein Leben laſſen, wenn derſelbe ihn mit den Hoͤrnern ſaſſen kann. Die Afrikaner erzaͤhlen, daß der Loͤwe anders nicht den Buͤffel uͤberwaͤltige, als dadurch, daß er ihm die Klauen in die Seite ſchlaͤgt, ſodann mit einer Tatze die Naſe und das Maul zuhaͤlt, und den Buͤſſel durch Hemmung des Odems entkräͤftet. Wirklich findet man auch ſelten einen alten Buͤffel, ber nicht Rarben von eingefchlagnen Löͤwentatzen auf der Raſe haͤtte. Es lebt dieſes fuͤrchterliche Thier, ſo viel man weiß„nur im Innern von Afrika, im Kafſernlande u. ſ. w. Am Vorgebirge der guten Hoffnung ſteht man es nicht.— Gezaͤhmt konnte es bisher nicht werden. Hemmi ug, ein Untergouverneur am Cap, ließ einmal einen Verſuch machen, einen ſolchen Buͤffel zu baͤndigen. Man ſpannte ihn mitzahmen Ochſen vor einen Wagen; aber alle Muͤhe war vergeblich. Ein Kalb, welches kurz nach der Ge⸗ burt eingefangen wurde, ſahe man am Cap zahm unter andern Kaͤlbern laufen. Es gieng mit auf die Weide, und kam zuruck. Als es 4 Tage alt war, hatte ſein Herr, ein ſtar⸗ ker Mann, Muͤhe genug es zu leiten. Das Fleiſch des afrikaniſchen Buͤſſels iſt zwar grob und nicht ſehr fett, aber doch ſaftiz und von gutem Geſchmack. Die Hottentotten eſſen es gern, und auch reiſende Europäͤer verſchmaͤhen es nicht Die Haut iſt ungemein dick, und dient vortrefflich zu Collets⸗ Wagenriemen und dergleichen. —— Der Moſchusoſch ſe. (Bos mosclhdtlls.) E⸗ hat die Gööͤße einer Hirſchkuh. Seine Hoͤrner,, welche ſehr lang ſind, und an der Wunzel Fuß im Umfange haben, kruͤmmen ſich nach unten, und treten am Kopfe beynahe zuſurmen. Sie haben ſcharfe Enden, und wiegen nicht ſelten 60 Pfund. Die Fuͤße und de Schwanz ſind kurz; die Farbe der Haare iſt eigentlich braunroth, doch auch ſchwaͤrzlich. DO. Haare gleichen der Wolle, und ſind ſo lang, daß ſie faſt bis auf die Erde reichen. Nordamerika iſt das Vaterland dieſes Ochſen. Er findet ſich vornaͤmlich zwiſchen dem 58ſen und 6 ſten Grad der Breite in Reuwallis, an der Hudſonsbay; alſo in ſehr kalten Laͤn⸗ dern. In die waldichten Thaͤler kommt er ſelten herab, fondern er liebt mehr die felſichten oͤden Gegenden, wo er mit großer Geſchicklichkeit von Felfen zu Felſen ſteigt. Man ſieht oft Heerden von 20 und 30 beyſammen. Die Eingebornen ſchießen eine Menge davon, und blingen viel Fleiſch zum Verkauf an die Engländer. Allein dieſes hält man des heſtigen Moſchusgeruchs wegen fuͤr ungeſund. Zu manchen Zeiten iſt der Geruch ſo ſtark, daß man das Fl iſch gar nicht genießen kann; inſonderheit ſchmeckt das Herz unausſtehlich widrig nach Moſchus. Iue XIV. V, e X 1 77 6 6. 8 2 5 0 8 3 N ee Hei E 7* A 4 Fiſche XIV. W̃ůu nderbare Fiſche. Nrxo. 1. Der Einhorn⸗Fiſch. (Balistes Monoceros). Der Einhorn⸗Fiſch iſt ein Bewohner der Chineſiſchen und Braſtliſchen Gewaͤſſer. Er iſt ohngefaͤhr 8 bis 10 Zoll lang, auf beyden Seiten zuſammen gedruͤckt, und ſo duͤnn, daß ſeine beyden Seiten oben und unten in eine Schneide auslaufen. Auf dem Kopfe, gerade über den Augen, hat er ein Horn. Er ſieht grau und braun marmorirt aus, und hat gelbe Floſſen. Er naͤhrt ſich von Seewuͤrmern, ſein Fleiſch iſt aber nicht eßbar. Nro. 2. Der Meſſer⸗Fiſch. (Centriscus scutatus). Dieſer Fiſch lebt im oſtindiſchen Meere, iſt nicht uber 6 bis 8 Zoll lang, und macht wegen ſeiner harten, und glatten Schalen, die ihm faſt das Anſehen eines zuſammengelegten Taſchenmeſſers geben, das Mittel zwiſchen Fiſchen und Muſcheln. Er nimmt ſeine Nahrung, die in einer fetten Erde, und Fiſchlaich beſteht, bloß durch Einſaugen zu ſich. Fleiſch hat er faſt gar nicht, und iſt daher auch nicht eßbar. Seine Schaale hat uͤber und uͤber einen ſehr ſchoͤnen Goldglanz, als wenn ſie mit Goldlak uͤberzogen waͤre, welches ihm ein uͤberaus ſchoͤ⸗ nes Anſehen giebt. Nro. 3. Der Seedrache. (Pegasus draconus). Dieſer wunderbare Fiſch wird nicht uͤber 6 Zoll lang, lebt in dem oſtindiſchen Meere, und naͤhrt ſich von der Brut anderer Fiſche. Seine knotige, blaulichtgruͤne Schale, ſeine großen Bruſtfloſſen, welche 2 Fluͤgel vorſtellen, und uͤberhaupt ſeine ſonderbare widrige Ge⸗ ſtalt, haben Anlaß zu feinem Ramen gegeben. Nro. 4. Das See⸗Pferdchen. (Syngnatus Hippocampus). Das Seepferdchen, deſſen wunderbare Geſtalt faſt wie ein gedoͤrrter Fiſch ausſieht, lebt vorzuͤglich im mittelläͤndiſchen Meere wird 8 bis 12 Zoll geoß, und naͤhrt ſich von Waſſer⸗ inſckten. Es hat eine braune, knorpliche, und mit vielen Hoͤkern und Ecken verſehene Scha⸗ le. Die Alten, welche dieſen Fiſch ſchon unter dem Namen Hippocampus kannten, hiel⸗ 48 ten ihn fuͤr ein wirkſammes Arzneymittel in verſchiedenen Krankheiten; aber allen Anſehen nach iſt dieſes Thierchen weder nuͤtzlich, noch ſchaͤdlich, und nur ſeine ſonderbare Geſtalt, und auffallende Bildung daran Schuld, daß man ihm ſolche auszeichnende Eigenſchaften beilegte. Nro g6. Deii e Aalmutter. (Flennius viviparus). Dieſer Fiſch, welcher viel ahnliches mit dem Aale hat, iſt ein Bewohner der Nord⸗ und Oſtſee, und beſonders deswegen wunderbar, weil er bey ſeiner Fortpflanzung vom ordentli⸗ chen Wege abgeht, und nicht Laich, oder Eyer von ſich giebt, ſondern gleich lebende Fiſchchen gebährt, darum er auch die Aaalmutter heißt. Er wird 15 bis 18 Zoll lang, und ſieht gruͤnlichbraun aus. Er naͤhrt ſich im Mecresgrunde von Krebsbrut. Sein Fleiſch iſt weiß, ſeſt, wird aber wenig geachtet, und nur von gemeinen Leuten gegeſſen, Oert Einhornn fi ſ ch. (Baliſtes monoceros). Er gehört zu dem Geſchlechte der Hornfiſche. Dieſe haben einen ſcharfräͤndigen, plattzuſam⸗ mengedruͤckten Korper. Ihre Haut iſt rauh, und mit ganz kleinen, dicht an der Haut anlie⸗ genden Sehuppen beſetzt. Das Maul iſt klein, und beyde Kinnladen haben zuſammen 16 Zaͤhne. Die Kiemenoͤffnung liegt unter den Bruſtfloſſen. Die erſte Ruͤckenfloſſe beſteht gemeiniglich aus einer oder einigen ſtachelartigen Sproſſen, die man Hoͤrner nennk. Der Einhornfiſch, den man zur Unterſcheidung von einem andern dieſes Namens, den bahamiſchen nennen kann, hat nur Eine ſolche ſtachelartige Sproſſe, die zwiſchen den Augen an der Stelle der erſten Ruͤckenfloſſe ſtcht. Er wird 2 bis 4 Fuß lang. Sein an beyden Seiten zuſammengedruͤckter Leib iſt ſehr duͤnn und rauh Die graue Grundfarbe iſt braun marmorirt. Seine Lippen ſind beweglieh Hinter dem Kopfe liegt oben eine lange knochenartige Graͤte, welche der Fiſch nach Willkuͤhr bewegen kann. Die Afterfloſſe hat 51„ die Bruſtfloſſe 15„die Schwanzfloſſe 22, und die zweite Ruͤckenfloſſe 48 Strahlen. Alle Floſſen ſind gelb, und nur die Schwanzfloſſe hat drey braune Querſtreifen. Man findet dieſen Fiſch in den chineſtſchen und braſtliſchen Gewoͤſſern; auch um Afrika. Seine Rahrung iſt Krebsbrut und mancherley Seegewuͤrme. Man faͤngt ihn mit der Angel und mit dem Hamen, achtet aber das Fleiſch nicht, weil es zaͤhe und der Fiſch uͤberhaupt ſehr duͤnn iſt. Auch haͤlt man ihn fuͤr giftig. 18tes Heft. BDii Meffeifiſ. Tentriscus ſeutatud). Die wenigen Gattungen der Meſſerfiſche, die man auch Schneppenfiſche nennt, unterſcheiden ſich vornaͤmlich durch ihren in einen langen engen Schnabel ſich endigenden Kopf. Auch ihr Koͤrper iſt zu beyden Seiten zuſammengedrückt. Das Maul iſt ohne Zaͤhne, der Unterkieſer ſteht vor; der Bauch iſt ſcharf geraͤndet, uud beyde Bruſtfloſſen ſind ver⸗ wachſen. Der Meſſerfiſch, welcher die zweyte Figur vorſtellt, hat den Beynamen: der gehar⸗ niſchte; weil ſein Koͤrper mit glatten Schildern, wie mit einem Panzer, bedeckt iſt. Er gleicht der Geſtalt nach einem laͤnglichen Meſſer, beſonders aͤhnelt er der Muſchel ſehr, die man das Meſſerheft nennt. Seine laͤnglich gekruͤmmte Schnautze laͤuft nach oben aus, und hat nur eine ſehr kleine Oeffnung. Der Ruͤcken iſt braͤunlich, und endigt ſich in einen langen Stachel, welcher dem Fiſche wahrſcheinlich zur Vertheidigung dient. Die Seiten ſind gelb und einigermaßen ſilberfarben; nach dem Bauche zu fallen ſie ins Roͤthliche. Die von oben nach unten zu laufenden Linien ruͤhren von dem Zuſammenſchluſſe der Schilder ber, welche ſo dicht an einander liegen, daß ſte ein einziges auszumachen ſcheinen. Die ganze aͤußere Bedeckung hat einen firnißartigen Goldglanz. Er lebt im indiſchen Meere, und naͤhrt ſich von kleinen Gewuͤrmen und Juſekten, die er, da die Kieſer ſo klein ſind, aus dem Schlamme faug.Mun bringt ihn unter dem Ramen J— 7 ihn uͤppige Wolluͤſtlinge getrocknet in Wein werfen, und den Wein abtrinken. A—————E————2—⏑——————— Der Seedrache. (Segasus draconis). Ein ſonderbarer Fiſch! Unter dem ſchnabelfoͤrmigen gefranzten Kopfe liegt das Maul, wel⸗ ches zuruͤckgezogen werden kann. Der Koͤrper iſt gegliedert, oder wenigſtens die Bedeckung deſſelben, welche einem Panzer gleicht. Er hat keine Schuppen, und iſt breit und viereckig. Die Ruͤckenfloſſe ſteht im Nacken hoch in die Hoͤhe; hinter derſelben faͤngt der Koͤrper an breiter zu werden. Die Bruſtfloſſen gleichen Fluͤgeln, und haben daher auch den Ramen veranlaßt. ülber jeder Bruſtfloſſe befindet ſich ein langer Strahl, welcher dem Fiſche ver⸗ muthlich wie eine Angel dient, um damit kleine Fiſche anzulocken, die ſeine Rahrung aus⸗ machen. Oſtindien iſt ſeine Heimathh AE—— Das Seepferdchen. UHungnatlius Hippocampus). Man nennt das Geſchlecht, zu welchem dieſes niedliche Thierchen gehoͤrt, ſonſt auch Nadelfiſche. Der Koͤrper dieſer Thiere beſteht aus mehreren Gliedern, und iſt ſehr duͤnn und lang. Ihr Kopf endigt ſich in einen roͤhrenfoͤrmigen Schnabel oder Ruͤſſel, deſ⸗ ſen Oeffnung mit einem an die untere Kinnlade befeſtigten Deckel auſwaͤrts verſchloſſen wird. Das Maul iſt zahnlos und ohne Zunge. Statt der Schuppen hat der Rumpf vieleckige Schilder. Die ſaͤmmtlichen Floſſen ſind klein und die Strahlen ungetheilt. Merkwuͤrdig iſt die Art ihrer Fortpflanzung. Sie gebäͤhren lebendige Junge. Dieß ge⸗ ſchieht auf folgende Ait: Im Frühjahre gehen dicht hinter dem After nach dem Schwanze zu die Schilder mitten von einander, und indem ſie ſich auf beyden Seiten empor heben, ſo bilden ſie zwey parallel laufende Waͤnde, zwiſchen welchen man eine Menge Eyer in einer kleinen Blaſe ringeſehloſſen ſteht. Dieſe Blaſe wird von dem Sack, welcher den Rogen ümgiebt, gebilbet, und in derſelben eniſtehen aus den Eyern die Jungen Die⸗ Muͤtter geben die Jungen nach und nach von ſich. Das See⸗ oder Meerpferdchen unterſcheidet ſich von den uͤbrigen Gattungen durch den hoͤckrichten Koͤrver. Sein Kopf iſt im Verhaͤltniß zum Koͤrper groß, und gleicht einem Pferdekopfe. Der Bauch ragt ſehr hervor, und laͤuft in eine gzackte Schneide aus. Das viereckige Schwanzende endigt ſich in einer ſtumpfen Spitze. Die Stellung, welche der Fiſch in der Figur hat, nimmt er erſt nach dem Tode an. Seine gartze Laͤnge betraͤgt hoͤchſtens 12 Zoll. Die Farbe des Ruͤckens und der Seiten iſt braun, mit vielen ſchwarzen und weißen Punkten beſprengt. Sein Aufenthalt ſind die europaͤiſchen Gewäͤſſer. Er findet ſich aber auch in Oſt⸗ und Weſtindien. Man ſieht ihn haͤufig in Raturalien⸗Kabinetten. Seine Rahrung ſind kleine Waſſerinſekten. In einigen Gegenden, vornaͤmlich in Weſtindien, wild er gegeſſen. Den Bauch hält man fur giftig. Nach einigen ſoll er ein wirkſames Heilmittel gegen ve'ſchiedene Krankheiten ſeyhn. Sonſt braucht man ihn auch zum Koͤder, andere Fiſche damit zu fangen. G 2 Die Aalmutter. Blennius vlviparud. Die Fiſche, zu welchen die Aalmutter gehoͤrt, haben einen lanzenfoͤrmigen Koͤrper, deſſen Oberflaͤche ſchleimig iſt. Ihr Kopf laͤuft ſchraͤge, und iſt abgeſtumpft. Einige haben einen kammaͤhnlichen Auswuchs am Kopfe. Dieſe Fiſche fuͤhren uͤberhaupt den Ramen Schleim⸗ oder Rotzfiſche⸗ Die Aalmutter hat keinen Kamm auf dem Kopfe, aber roͤhrenfoͤrmige Naſenloͤcher. Ihre Mundoͤffnung iſt klein, und mit zwey kleinen Fuͤhlfaͤden verſehen. Die obere Kinnlade ragt hervor; beyde ſind mit kleinen Zaͤhnen beſetzt. Im Schlunde befinden ſich zum Feſt⸗ halten der Beute zwey rauhe Knochen. Der Koͤrper iſt meiſtentheils gelb, auch roͤthlich braun und ſchwarz gefleckt, Man findet dieſen Fiſch in der Nord⸗ und Oſtſee und in andern Gegenden. Er wird 15 Zoll lang und 1 Zoll breit. Das Weibchen gebiert die Jungen lebendig; man hat ſchon 2 bis 300 Junge in ſeinem Bauche beyſammen gefunden. Im Juni iſt die Zeit, wo die Jungen hervorſchluͤpfen. Alsdann braucht man nur den Bauch ein wenig zu druͤcken, ſo kommt eins nach dem andern aus einer an demſelben befindlichen Oeffnung hervor. Die Jungen haben 1 Zoll Laͤnge, und ſind munter in ihren Bewegungen, ſobald ſie geboren werden. Die Mutter haͤlt ſich im Grunde des Meeres auf, und lebt von Krebsbrut. Man faͤngt ſie mit Retzen und Angeln, achtet aber das Fleiſch waenigß wielleicht, weil die Graͤten brym Kochen rint geknne Farbe augehemen und we faules Holz im Finſtern leuchten. 5550 0 25 P I — 3— Pflanzen. XXVIII Deutſche Giftoflanzen. ◻ Unter Pflanzen und Kraͤutern, welche Menſchen und Thieren theils zur Nahrung, theils als Arzney dienen, giebt es auch verſchiedene Giftyflanzen, deren Genuß den Tod unaus⸗ bleiblich zur Folge hat. Auch Deutſchland hat deren mehrere, welche durch ihre große Aehn⸗ lichkeit mit unſern Kuͤchenkraͤutern und Gemüſen ſich unter dieſelben miſchen, und es vergeht ſchwerlich ein Jahr, wo nicht in jeder Stadt, und auf dem Lande einige Hausfamilien, oder einzelne Perſonen, am meiſten aber Kinder, durch Verſehen, oder Richtkennen der einheimi⸗ ſchen Giftpflanzen ein klaͤgliches Schlachtopfer des Todes, oder fuͤrchterlicher Krankheiten wer⸗ den. Um alſo Kinder, und Jedermann, der ſich unterrichten will, mit dieſen gefaͤhrlichen Ge⸗ genſtaͤnden, die uns ſo nahe liegen, und augenblicklich aufſtoßen koͤnnen, bekannt zu machen, und ſie zu warnen, werde ich die wichtigſten Giftpflanzen hier abgebildet liefern. Ich fange mit den 3 Sorten des S chierlings, als dem gefaͤhrlichſten Feinde un⸗ ſerer Küchen, an, weil ſeine Blaͤtter, ſonderlich Rr. 2. dem Kraute der Peteiſtlie uͤberaus gleichen und er ſich haͤufig in Gaͤrten unter dieſelben miſchet. Nro. 1. Der kleine Schierling. (Aéthusa cynapium). Der kleine Schierling, der auch Hundspeterſilie heißt, waͤchſt wild in den Gaͤrten als Unkraut auf gebautem Lande. Seine Wutzel iſt etwa fingersdick, eine Span⸗ ne lang, weiß und ſtinkend. Der Stengel iſt ſehr ſchwach, nicht uͤber 2 Fuß hoch. Seine Blaͤtter ſind der Peterſilie uͤberaus ahnlich, doch oben dunkelgruͤn, und auf der untern Seite mehr weiß, und beynahe glaͤnzend. Er bluͤht weiß. Die ganze Pflanze iſt ein Gift, welches innerilch genoſſen, betaͤubende, und ſehr heftige Wirkungen, blaue Geſchwulſt des Leibes, ent⸗ ſetzliche Bauchſchmerzen, und ſehr oft den Tod hervorbringt. Nro. 2. Der gefleckte Schierling. (Conium maculatum). Dieſe Giftpflanze(welche am haͤufigſten von Koͤchen und Gemuͤsweibern mit Koͤrbel, Pe⸗ terſilie und Paſtinak verwechſelt wird) waͤchſt wild auf Gartenlaͤndern, gebauten, und unge⸗ bauten Feldern, Wieſen, an Straßen und Graͤben. Seine Wurzel iſt beynahe fo dick, wie eine Paſtinakwurzel, runzlicht, zaſericht, gelbweiß, und riecht wie die Paſtinakwurzel. Der Sten⸗ gel wird z bis 4 Fuß hoch, 1 Zoll dick, iſt glatt, rund, inwendig hohl, und knotig, und von 5⁴ unten hinauf roth, und ſtark mit blutrothen Flecken beſprengt, welches ſein Hauptkenn⸗ zeichen iſt. Die Blaͤtter, welche der großen Peterſtlie ſehr gleichen, und wie Paſtin ken rie⸗ chen, haben gleichfalls rothgefleckte Stiele, und ſehen oberhalb glaͤnzend ſchwirzgruͤn. Er bluͤht im Juli und Auguſt weiß, und und iſt der wahre Schierling der Alten, mit welchem ſte ihre Staatsverbrecher hinrichteten. In den Haͤnden erfahrner Aerzte iſt er itzt ein ſehr kraͤf⸗ tig wirkendes Arzneymittel geworden. Nro. 3. Der Waſſerſchierling. 8(Cicuta virosa). Dieſe Giftpflanze vom erſten Range in Europa, wächſt an Waſſergraͤben, Suͤmpfen, und wäͤſſerigen Wieſen. Ihr Stengel Fig. 3. a. iſt uͤber 4 Fuß hoch, dunkelgruͤn, gefurcht, und von unten herauf faſt 2 Zoll, inwendig hohl und weiß Fig. 3. b. Die Blatter ſind ſehr ausgebreitet. Sie bluͤht im Juli und Auguſt weiß. Ihr meiſter Gift liegt in der Wurzel, wel⸗ che ſehr groß im Fruͤhling und Sommer rund und knolligt, Fig. 3. C. beynahe wie Sellerie, im Herbſt aber lang wie Paſtinaken iſt, und deshalb oft von gemeinen Landleuten mit wilden Sel⸗ lerie und Paſtinaken verwechfelt, und ungluͤcklicherweiſe gegeſſen wird. Die Wurzeln ſind in⸗ nerhalb weißgelb, und haben, wenn man ſie durchſchneidet, viele Hoͤhlungen, wie Fig. 3. d. jeigt, und ſind daran vorzuͤglich kenntlich. Deutſche Giftpflanzen. Das Gewaͤchsreich erzeugt eben ſo wohl Gifte, wie das Thier⸗ und Mineralreich. Es giebt Pflanzen, deren Gift ſo ſcharf iſt, daß die bloßen Ausdüunſtungen derſelben den Menſchen be⸗ täuben. Die ſtarkſten Pflanzengifte ſind den Gewaͤchſen heißer Länder eigen. Es fehlt indeß auch in noͤrdlichen Gegenden nicht an heftig wirkenden Giftpflanzen. Unſer Deutſchland bringt deren mehrere hervor. Da viele Menſchen dieſe Pflanzen, die doch in unſerer Naͤhe auf Wieſen, in Gaͤrten ꝛc. wachſen, nicht kennen, und nicht wiſſen, welche Kraͤfte ſie beſitzen; ſo iſt es nicht zu verwundern, daß oͤfters großes Ungluͤck durch den unvorſichtigen Gebrauch derſel⸗ ben entſteht. Dieß geſchieht um ſo leichter, da einige von dieſen Gewaͤchſen mit manchen ge⸗ nießbaren Gartenkraͤutern große Aehnlichkeit haben. Eine richtige Kenntniß dieſer ſchaͤdlichen Pflanzen kann allein der Gefahr vorbeugen, ſich oder andere damit zu vergiften. Es ſollen daher die hier folgenden drey Gattungen ge⸗ nau beſchrieben werden. Ree 0. Der kleine Schierling. (Aethiusa Ynapium). Der kleine Schierling, oder Geecſe, iſt, wie die beyden folgenden Pflanzen, ein Doldenge⸗ wächs(umbellifera) oder eine Schirmoflanze. Sie unterſcheidet ſich von andern aͤhnlichen Gewaͤchſen dadurch, daß ihre allgemeine Dolde gar keine Huͤlle, die beſondern aber eine ſolche haben, die nur halb, und zwar auf der Außenſeite herumgeht, und aus drey, auch fuͤnf li⸗ nienförmigen zuruͤckgebognen Blaͤttchen beſteht. Die Blumenkrone beſteht aus fuͤnf faſt herz⸗ foͤrmigen, aber ungleichen Blaͤttern, und enthaͤlt fuͤnf Staubgefaͤße; daher die Gleiſſe ihren Platz nach ſyſtematiſcher Eintheilung in der fünften Klaſſe einnimmt. Die Frucht iſt ein faſt kugeltunder, geſtreifter achtkantiger Same. Die Blätter ſind doppelt oder dreyfach gefiedert, gleichförmig und unten glaͤnzend. Nach Beſchaffenheit des Bodens treihl die Pflanze einen 1 bis 4 Fuß hohen Stengel, der hohl, glatt, und geſtreift iſt. Aus den Blattwinkeln kommen die Dolden hervor, welche im Juli und Auguſt bluͤhen, und weiß ausſehen. 56 Dieſe giftige Pflanze iſt ſehr gemein in Gemuͤsgaͤrten. Man findet ſie haͤuftg unter der Peterfilie als Unkraut. Da ſte mit derſelben viel Aehnliehkeit hat, ſo iſt ſie auch ſchon oft da⸗ mit verwechſelt und an Speiſen genoſſen worden. Durch den Glanz der Blaͤtter kann ſie ein Aufmerkſamer leicht unterſcheiden. Auch am Geſchmack iſt ſie zu erkennen. Sie hat gar kei⸗ nen Geruch, und ragt, da ſte nur eine einjährige Pflanze iſt, bald uͤber die Peterfilie hervor, Ihr Geauß hat nicht immer gleiche Folgen. Es kommt ſowohl auf die Portion an, die man genießt, als auf die Jahrszeit. Zuweilen iſt ſie tödtlich. Man erzaͤhlt, daß in einem Kloſter die Moͤnche aus Unwiſſenheit die Gleiſſe ſtatt der Peterfilie zu gebrauchen pflegten, worauf ſte allerley ſchlimme Zufaͤlle bekamen, die einigen ſogar toͤdtlich wurden. Endlich fand man den Grund dieſes llebels, welches auch ſogleich aufhoͤrte, da ſie die Giftyflanze aus ihrem Garken vertilgten. Gewiß iſt es, daß bey Manchen die ſchmerzhaften Empfindungen im Magen und in den Gedaͤrmen von der unter Peterſtlie und andern Kuͤchenkraͤutern mit genoßnen Gleiſſe herruͤhren. Der gefleckte Schierling. (Conium maculatum). Disrſer Schierling kreibt einen knotigen, runden und glatten Stengel von 2 bis 3 Fuß Hoͤhe. Inwendig iſt er hohl, oft einen Zoll dick, und mit dunkelrothen Flecken dicht beſprengt. Die Blaͤtter ſind groß, dreyfach gefiedert, glatt und glänzend auf der Oberflaͤche, und von ſchwarz⸗ gruͤner Farbe. Sie kommen aus einer rothgefleckten Scheide hervor. Die kleinen Blaͤttchen, woraus die Blaͤtter beſtehen, ſitzen gegenuͤber auf kleinen Stielen, und ſind wiederum in klei⸗ nere am Rande gezaͤhnte, aber ſtielloſe Blaͤttchen zerſpalten. Dieſe letztern gleichen den Peter⸗ filienblaͤttern; nur ſind ſie feiner und ſpitziger eingeſchnitten, und haben einen ekelhaften widri⸗ gen Geruch. Aus den Knoten des Stengels entſpringen die Zweige, welche ebenfalls knotig find, und die Schirmbluͤthe enthalten. Dieſe hat eine aus drey bis acht ſchmalen zuruͤckgebo⸗ genen Blaͤttchen beſtehende Huͤlle, welche abfaͤllt, wenn der Same reift. Der ganze Schirm beſteht gemeiniglich aus neun bis dreyzehn Strahlen, deren jeder einen kleinern aus einer Mon⸗ ge Bluͤmchen zuſammengeſetzten Schirm hat. Die Blumenkrone enthaͤlt fuͤnf der Laͤnge nach mit einem erhabenen Mittelſtriche bezeichnete herzfoͤrmige Blaͤttchen von ungleicher Große und weißer Farbe. Sie ſchließt fuͤnf Staubgefaͤße in ſich, und gehoͤrt daher, wie die vorige Gift⸗ pflanze, in die§te Linneeiſche Klaſſe(Pentandria). Die Bluͤthe hinterlaͤßt eine faſt kugel⸗ runde, fuͤnfſtre ſig · Frucht/ welche zwey getuͤpfelte, halbgewoͤlbte, geſtreifte, auf der einen Sei⸗ te glatte, auf der andern in der Quere gerippte Samen enthaͤlt. Dieſer hat, ſo wie die gan⸗ 5˙ Pflanze, einen widrigen Geruch, durch welchen er ſich leicht kenntlich macht, Die Wurzel der Pflaußze iſt ruͤbenfoͤrmig, fingersdick, und riecht faſt wie die Paſtinake. 5△— Man weiß nicht gewiß, ob dieſe Pflanze diejenige iſt, welche beym Hippokrates und andern Alten unter dem Ramen Koe(Conium) vorkommt. Man verwechſelte haͤu⸗ ſig einige aͤhnliche Giftpflanzen, z. B. die Cicuta mit bieſer. Den Ramen Cicuta gaben ſie üͤberhaupt faſt jeder Giftpflanze. Auch wurde der Gifttrank ſo genannt, Athen dir⸗ jenigen lriũken 0 Aerhe man am eben ſteafen wollte. 25 J. Beſtimmung der Eigenſchaften des Schier lings(Sonittth) ſcheint man noch nicht uͤbereingekommen zu ſeyn. Einige ruͤhmen ſie als heilſam, andere geben ſte fuͤr ſehr ſchaͤdlich aus. Gewiß iſt es, daß der Schierling giſtige Theile enthalt, dieß läßt auch ſchon der wi⸗ drige Geruch erwarten, den man beſonders recht empfindet, wenn man die Blaͤtter zwiſchen den Fingern reibt. Ob aber der Trank aus dieſer Pflanze bereitet wurde, den Sokrates neh⸗ men mußte, iſt eine Frage, die wohl ſchwerlich ausgemacht werden duͤrfte, da, wie geſagt, die Alten in der Beſtimmung und Beſchreibung der Gewaͤchſe ſo nachlaͤſſig ſind. Der große Haller und andere Raturforſcher und Aerzte haben viele Zeugniſſe geſam⸗ melt, welche die ſchaͤdliche Wirkung des gefleckten Schierlings beſtaͤtigen. Der Extrakt davon hat Lähmung der Glieder, Unempfiadlichkeit derſelben, Verdunkelung des Ver⸗ ſtopfung, Fieber, u. ſ. w hervorgebracht; er hat die Sprache gehemmt, Kopfſchmerzen, Schwindel, ja ſogar Convulſionen erregt. In gewiſſen Krankheiten, wobey er als Linderungs⸗ mittel gebraucht wurde, hat er ſich ebenfalls verdaͤchtig bewieſen; ſtatt dieſelben zu heilen, hat er vielmeht den Patienten noch verſchlimmert. So wenig man hiernach die Schaͤdlichkeit des Schierlings in Zweifel ziehen da ſo viele glaubwuͤrdige Maͤnner eigene Erfahrungen daruͤber anſtellten, ſo iſt es doch auf der andern Seite auch nicht zu daß man die ſchaͤdlichen Wirkungen deſſelben zu fehr uͤbertrieben hat. Zu denen, welche den Schierling als ein heilſames Arzneymittel 85 gehoͤrt vor⸗ nämlich der Freyherr von Stork. Er brauchte insbeſondere den eingedickten Saft des Krau⸗ tes, das er vor dem Aufbluͤhen der Pflanze— ſie bluͤhet im Juli und Auguſt— ſammeln ließ. Na ich ſeiner Verſicherung verduͤnnet er die Saͤfte, loͤſt Verſtopfungen auf, ertheät Verhaͤr⸗ tungen, oder bewirkt doch gutartige Eiterung. Er heilt ſogar den Krebs an der Bruſt, oder hemmt wenigſtens ſeinen Fortgang. Auch in der Gicht, in veneriſchen und andern Krank⸗ heiten hat er ſich wit kſam bewieſen. Dagegen fehlt es aber auch wo er nichts wirkte. Oe is kein Vieh den gefleckten Schierling anruͤhrt, zeigt meines Erachtens hinlaͤnglich, daß er verdaͤchtig ſeh, und daß man ſich vor dem Genuß deſſelben huͤten muͤſſe. Der Ziege ſoll man indeß keine Unpaͤßlichkeit anſehen koͤnnen, wenn ſts ihn gefreſſen hat. Auch ſagt man, daß er getrocknet unter dem Heu weder den Schaafen dem Rindoich ſonderlich aachhrlis h 5 ꝛstes Heft. Der Waſſerſchierling. (Cicuta uirora). Eine der gefaͤhrlichſten deutſchen Giftpflanzen! Sie treibt einen 3 bis 4 Fuß hohen Staͤu⸗ gel, der geſtreift oder gefurcht und unten nach der Wurzel zu roͤthlich iſt. Aus ſeinen Knoten⸗ abſaͤtzen ſproſſen mehrere Nebenzweige hervor. Die Bluͤthen ſind gefiedert, ihre Blaͤttchen lanzetfoͤrmig und ſaͤgeartig gezaͤhnt. Die weißlichen runden Blumendolden ſtehen den Bläͤt⸗ tern gegenuͤber, und kommen im Juli und Auguſt hervor. Die Blumenkrone beſteht aus fuͤnf gleichen ſpitzigen Blaͤttern. Sie haben fuͤnf Staubgefaͤße; daher dieſe Pflanze ebenfalls in die ste Klaſſe(Pentandria) gehoͤrt. Die Frucht iſt glatt, eyrund, und theilt ſich in zwey Saamen. Man trifft den Waſſerſchierling in ſtehenden Gewaͤſſern an den Ufern von Landſeen, Teichen und Suͤmpfen an. Er giebt einen ſellerieartigen Geruch von ſich, der doch aber nicht das Gewuͤrzhafte des Sellerie, ſondern etwas Widriges, Ekelerregendes bey ſich fuͤhrt. Der Stengel wird oft 13 Zoll im Durchmeſſer dick. Er iſt hohl und waͤſſericht. Der gif⸗ tigſte Theil der Pflanze iſt die knollichte Wurzel, welche mit mehreren Faſerwurzeln nur leicht in dem waͤſſerigen Grunde anwaͤchſt. Sie iſt im Fruͤhling und Sommer am meiſten knoll⸗ aͤhnlich. Im Herbſt wird ſie laͤnglich. Aeußerlich ſteht ſie aus wie aͤhnliche Knollwurzeln; beym Durchſchneiden aber zeigen ſich parallellaufende Zellen, aus deren Zwiſchenwaͤnden ein ſcharfer milchartiger Saft quillt, der an der Luft verdickt, und ſafrangelb wird. Er iſt ein gefährliches Gift, und vergiftet ſelbſt das Waſſer, womit er ſich vermiſcht. Die alten Wurzeln theilen dem Waſſer, in welchem ſie ſtehen, eine ölichte Feuchtigkeit mit, die oben auf ſchwimmt. Dieſe Pflanze oder die Wurzel derſelben, iſt es wahrſcheinlich, woraus die Alten den Schierlingstrank bereiteten. Auch haͤlt man mit Grunde dafuͤr, daß ſie in Verbindung mit dem Mohnſafte gebraucht wurde, um ſich einen leichten Ausgang aus der Welt zu verſchaffen. Der Geſchmack der Wurzel iſt etwas ſcharf und heiß. Im Fruͤhling wirkt ihr Gift am ſtaͤrkſten. Wenn man ſte mit Waſſer deſtillirt, ſo erhaͤlt man einen betaͤubenden fluͤchtigen Geiſt, welcher einen widrigen Geruch im ganzen Zimmer verbreitet. Was nach der Deſtil⸗ lation zuruͤckbleibt, iſt ohne Geruch, und man ſah es einen Vogel ohne Schaden freſſen. Von den ſchaͤdlichen Wirkungen der Wurzel, wenn ſie Menſchen genoſſen, weiß man viele Beyſpiele. Murray in ſeinem Vorrathe von einfachen, zubereiteten und gemiſchten Arzneymitteln erzaͤhlt unter andern folgende: Zwey Knaben und ſechs Maͤdchen hatten die Wurzel, welche das Vieh aus der Erde gewuͤhlt hatte, fuͤr Paſtinaken gegeſſen. Die meiſten ſtarben, und nur wenige erhielten ſich — 8 35 durch ſtarkes Erbrechen. Dieſe Kinder empfanden Betaͤubung, Schwindel, Schmerzen und heftiges Brennen im Magen. Sie bekamen Zuckungen und gar epilepliſche Zufaͤlle, Verdrehungen der Augen, Bluten aus den Ohren, Reigung zum Erbrechen, wozu aber ei⸗ nige nicht kommen konnten. Der Unterleib ſchwoll auf, es entſtand Schluchzen und Krampf in den Kinnladen. Noch ſind zwey andere Faͤlle bekannt, wo der Genuß Zuckungen, Epilepfie und darauf ſchnellen Tod bewirkte. In Holland ſtarben drey Knaben an dem Genuß der Wur⸗ zel. Ein Maͤdchen wurde durch ein Breehmittel gerettet. Bey denen, welche am Genuſſe der Wurzel ſtarben, fand man den Magen und die Gedarme entzuͤndet, auch wohl brandig und zer⸗ freſſen; der Unterleib war geſchwollen, die Blutgefaͤße waren ſtrotzend. Auch Thieren, obgleich nicht allen, iſt die Wurzel ein toͤdtendes Gift. In Schweden ſtarben mehrere Ochſen daran. Den Pferden ſoll ſie nach Gmelin unſchaͤdlich ſeyn. An⸗ dere hingegen meinen das Gegentheil. Ziegen und Schweine ſollen ſie nach ſichern Beobach⸗ tungen ohne Nachtheil freſſen; Hunden aber ſchadet ſie. Innerlich als Arzneymittel gebraucht iſt der Waſſerſchierling nicht anzurathen. Aeußerlich aber hat er ſchon manche Dienſte geleiſtet. Die Einwohner in Sibirien pflegen mit Umſchlaͤ⸗ gen von dem Brey, den ſie aus den zerſtoßnen Wurzeln machen, veneriſehe Flechten zu heilen, Getrocknet verliert die Wurzel ihre giftige Eigenſchaft. 8 U L e, „. e,,, e,„é,,,. n, Pflanzen XXVIIIl. Getreide Artben 9 ———————— Das Gerreide iſt das erſte, wichtigſte, und unentbehrlichſte Nahrungsmittel fuͤr Menſchen und Thiere. Man findet zwar in andern Welttheilen noch ganze zahlreiche Rationen, welche unſere Getreidearten weder kennen, noch zu ihrer Nahrung brauchen; allein ſie erſetzen ihren Mangel entweder durch die Brodftucht, oder einige mehlreiche Wurzeln, woraus ſie immer ein unſerm Getreidbrode aͤhnliches Nahrungsmittel bereiten. Wir nennen Getreidarten hauptſachlich Korn, oder Roggen, Gerſte, Wei⸗ zen, Hafer, Spelz, Mais, oder turkiſch Korn, Buchweizen, oder Haide⸗ korn; hingegen Erbſen, Linſen, Hirſen, Wicken, ſo wie auch Reis, gehoͤren unter dit Huͤlſenfruͤchte. f Alle unſere Getreidſorten ſind Grasarten, deren Vaterland Nordaſten iſt,, wo ſte wild wachſen, aber ſeit undenklichen Zeiten ſchon von den Menſchen durch ſorgfaͤltigen Anbau veredelt und verbeſſert worden ſind. 8 Alte Getreidarten ſind nur einjaͤhrige Pflanzen, d. h ſolche, die in einem Jahre ge⸗ ſaͤet werden, wachſen, bluͤhen, reifen, Samen tragen, und abſterben. Von allen benutzen wir zweyerley, den reifen Samen, den wir unter dem allgemeinen Ramen Getreide begreifen, und ihr Stroh. Ich habe daher die erſten vier Getreidarten in ihrem reifen Zuſtande, oder als volle Aehren abgebildet, weil ſie unſerm Auge auf dieſe Art am kenillichſten ſind. 8 NTro. 1. Der Weizen. (Triticum). Der Weizen iſt eine vorzuͤgliche Getreidart, welche feines, und vortreffliches Mehl lle⸗ fert, woraus ſuͤßes, weißes Brod, Semmeln, und alle Sorten Backwerk bereitet werden. Sei⸗ ne Bluͤthe zeigt Fig. a. und ſein Samenkorn Fig. b. Die reife Achre ſieht rothbraun, und ſein Korn roͤthlich gelb aus. Es giebt Weizen mit und ohne Grannen. Der Spelz, der auch Dinkel und Veſen, triticum spelta heißt, iſt auch eine Sorte Weizen, und giebt unter allen das ſchoͤnſte und vortrefflichſte Mehl. Nro, 2. Der Roggen oder das Korn. (Secale cereale). Unter allen Getreidarten waͤchſt der Roggen am hoͤchſten, indem er einen 4 bis 5Fuß hohen Halm teeibt, und wird am häufigſten gebaut. Sein Mehl giebt unſer gewoͤhnli⸗ *28 61 ches fauerliches, und kraͤftig naͤhtendes Hausbrod, und iſt daher das unentbehrlichſte Lebensmittel de iſchen in Europa. Seine Bluͤthe ſieht roͤthlich⸗gruͤn, Fig. e., und ſein Samenkorn F§ig. k. braͤuttlich grau aus. Er macht den Hauptgegenſtand unſers Ackerbaues, und des Handels oer meiſten europaͤiſchen Razionen aus. Nro. 3. Die Gerſte. 58(Hordeum distichon). 2 Die Gerſte iſt eine geringere Getreidart als Korn und Weizen. Sie giebt kein gutes Brod, und wird daher vorzuͤglich zum Bierbraͤuen, oder zum Futter fuͤrs Vieh gebraucht. Es werden auch daraus auf beſonderen Muͤhlen die bekannten Gerſtengraupen gemacht, und auf dieſe Art gekocht, iſt ſie eine ſehr geſunde und nahrhafte Seiſe fuͤr den Menſchen. Ihre Bläthe Fig. C. iſt grün, und ihr Samenkorn Fig. d. läͤnglich viereckig, und blaßgelb. Sie hat unter allen Gelreidarten die laͤngſten und ſtaͤrkſten Grannen. Nro. 4. Der Hafer. (Avena sativa). Der Hafer iſt unter den gewoͤhnlichen Getreidarten die getingſte, und wird gewoͤhnlich zum Futter für Pferde und anderes Vieh gebraucht. Doch dient er auch, als Hafergruͤtze zubereitet, den Menſchen zur Nahrung. Er waͤchſt nicht in Aehren, ſondern in Rispen. Seine Bluͤthe Fig. 8. ſieht gruͤn, und ſein langes ſpitziges Samenkorn(Fig. h.) gold⸗ gelb aus. 5 Getreide⸗ Arten. Weizen, Gerſte, Roggen und Hafer ſind fuͤr uns die nuͤtzlichſten und wichtigſten Ge⸗ treidearten. Sie machen daher auch nicht nur in Deutſchland, ſondern uͤberhaupt in dem groͤßten Theile von Europa, ja ſelbſt in manchen Gegenden anderer Erdtheile, den Hauptge⸗ genſtand des Ackerbaues aus. Der Ackerbau iſt bekanntlich eines der allernoͤthigſten und wohlthaͤtigſten, und eben deßwe⸗ gen auch eines der ehrwuͤrdigſten Gewerbe, mit welchem ſich in Europa wohl unſtreitig die groͤßte Anzahl vom Menſchen beſchaͤftigt. Er erfordert vornämlich zweyerley Arten von Ar⸗ beiten, naͤmlich zweckmaͤßige Zubereitung des Landes, welches Getreide tragen ſoll, und rechte Behandlung des Getreideſamens. Erſtere beruht hauptſaͤchlich auf Fruchtbarmachung des Bodens durch Auflockern und Duͤngen. Je ſorgfaͤltiger man hiebey zu Werke geht, deſto ergiebiger wird der Boden ſeyn.— In Ruͤckſicht auf die Behandlung des Sa⸗ mens hat man beſonders dahin zu ſehen, daß er ſeine voͤllige Reife erlangt habe, und gut, d. i. nicht roſtig oder brandig ſey. Ferner muß man dafuͤr ſorgen, daß der Same nicht mit fremden Koͤrnern, oder Saͤmereyen von Unkraut vermiſcht ſey. Das Saͤen ſelbſt, die Art, wie, und, die Zeit, wann es geſchehen muß, ſind fuͤr den Landwirth wichtige Gegenſtaͤnde. Die Zeit des Ausſaäͤens iſt nicht nur nach Verſchiedenheit der Getreideart, ſondern auch nach der Lage und Beſchaffenheit des Feldes, und nach der Witterung verſchieden. Sehr viel iſt ferner daran gelegen, daß das Getreide weder zu duͤnn, noch zu dick geſaͤet werde. Im erſtern Falle beſtaudet ſich zwar jede einzelne Getreidepflanze; allein ein Acker, der noch viele unnuͤtze leere Zwiſchenraͤume behaͤlt, kann natuͤrlicherweiſe im Ertrage ſo reichlich nicht ſeyn, als ein Acker, der gehoͤrig beſetzt iſt; auch pflegt das uͤberall ſich einfindende Unkraut deſto mehr Platz zu ge⸗ winnen. Iſt dagegen die Saat zu dick auf das Land geſtreuet, ſo kann es ſich nicht nur nicht hinlaͤnglich ausbreiten, ſondern die einzelnen Halme erſticken auch, und bleiben kleinlich und ſchwach. Es muß alſo ebenfalls der Ertrag kaͤrglicher ausfallen. Ein erfahrner Ackermann muß die Mittelſtraße zwiſchen beyden Extremen zu finden wiſſen. Daß es aber eben nicht leicht ſey, das rechte Maß im Ausſtreuen des Samens zu treffen, laͤßt ſich leicht ſchließen, da das Saͤen aus freyer Hand geſchieht. Indeß weiß ein geſchickter Saͤe⸗ man ſich dadurch die Arbeit zu erleichtern, daß er ſeine Schritte mit dem Stuͤcke Landes, das er im Saͤen beſchreitet, mit der Menge der Koͤrner, die er auffaßt, und mit der Zahl der Wuͤrfe in richtiges Verhaͤltniß zu bringen ſucht.— Der Same wird unmittelbar nach dem Pfluͤgen des Ackers quer uͤber die Furchen geſtreuet, alsdann wird der Acker mit der Egge, welche die Stelle — 8833 4„„ ——— 3 — 6³ des Rechens oder der Harke vertritt, geegget, und dadurch der Same bis auf wenige Koͤrner, die eine Beute der Voͤgel werden, unter die Erde gebracht. Liegt der Same in der Erde, ſo hat der Landmann faſt gar nichts mehr daran zu thun, bis zur Aernte. Alles haͤngt nun von der Witterung ab, die, wenn ſie guͤnſtig, d. i. nicht kalt und weder zu naß noch zu trocken iſt, eine reichliche, im Gegentheil aber eine Mißäͤernte bewirken kann. Die Unvollkommenheiten und Maͤngel, welche noch bey der jetzigen Beſtellung des Ackers ſtatt finden, zu vermeiden, und die Arbeit zu erleichtern, hat man in unſern Zeiten eine Ma⸗ ſchine in Vorſchlag gebracht, vermittelſt welcher man Pfluͤgen, Saͤen und Eggen auf einmal beſtreitet. Man nennt ſie Säemaſchine. Sie beſteht aus einem Kaſten, der in ſeinem Boden Löͤcher von der Groͤße der Getreidekoͤrner hat; dieſe ſind reihenweiſe geordnet und ſtehen in gehoͤri⸗ ger Entfernung von einander. Vorn vor dem Kaſten iſt der Pflug, und hinten an demſelben die Egge angebracht. Indem die Pferde dieſe Maſchine fortziehen, reißt der Pflug die Erde auf, in diefelbe fallen die Koͤrner aus dem durchloͤcherten Boden des Kaſtens, und werden durch die hinten nachſchleppende Egge untergeegget. So ſchoͤn und vielverſprechend die Idee hievon auch war, ſo hat doch die Ausfuͤhrung derſelhen den Rutzen nicht geleiſtet, den man hoffte; indeß iſt die Erfindung nicht zu verachten. Sollte auch ſie nicht anwendbar ſeyn, ſo iſt doch zu er⸗ warten, daß ſte auf andere Entdeckungen leiten werde. Der wuͤrde ſich gewiß um das menſchliche Geſchlecht ſehr verdient mochen, welcher ein leichtes und bequemes Mittel zeigte, die ungeheure Menge von Samen zu erſparen, die jaͤhrlich beym Ausſäͤen verdirbt, und von Voͤgeln und andern Thieren weggezehrt wird. Um von einem Stücke Acker eine recht reichliche Aernte zu halten, bedarf es bey weitem ſo vieler Koͤrner nicht, wie gewoͤhnlich ausgeſtreuet werden. Durch Zertheilung und Verpflanzung vermehrt ſich das Getreide unglaublich. Ein Beyſpiel davon giebt das Verfahren eines Gaͤrtners zu Cam⸗ bridge, Karl Millers. Er ſaͤcte im Juni Weizen, zertheilte nachher die jungen Pflanzen, jede in 18 Theile, und pflanzte jede beſonders. Im Septemter nahm er die Theiſung noch ein⸗ mal vor, desgleichen im April des folgenden Jahres, und aͤrntete dann von einem einzigen Korne 21109 Achren und 576840 Koͤrner. Die Getreidearten, welche wenigſtens in Europa am häufigſten gebauet werden, gehoͤ⸗ ren zu der Familie der Graͤſer. Dieß lehrt auch ſchon der bloße Anblick; noch mehr aber fin⸗ det man dies, wenn man ihren Bau unterſucht. Sie ſind ferner nur einjaͤhrig, d. i. ſie wer⸗ den in der Zeit von einem Jahre geſaͤrt, ſchießen auf in Halme, treiben Aehren, bluͤhen und ſterben allmaͤhlig ab. Die vornehmſte Getreideart, obgleich nicht die wichtigſte fuͤr unſere Gegenden iſt EE e W.!ViéLizen (Jriticum diſt ateum). Es giebt eine Menge Spielarten des gemeinen Weizens, die bald in dieſem, bald in jenem Um⸗ ſtande von einander abweichen. Die allgemeinen Kennzeichen deſſelben ſind zweyſpaͤlzige!) Kel⸗ che, welche einzeln ſttzen, und drey oder mehrere Bluͤmchen enthalten. Die eine Bluͤthenſpelze iſt bauchig und zugeſpitzt, oder begrannt), die andere platt. Der gemeine Weizen hat vier⸗ bluͤthige Achrehen, welche am Boden rauch ſind. Seine Kelchſpelzen ſind abgeſtumpft und nur in I der Mitte mit einer Spitze verſehen. Die Samen ſind ausfallend. Der Weizen gehoͤrt, ſo wie die drey folgenden Getreidearten, in die dritte Klaſſe(Triandria, Dreymaͤnnige). Bey uns bauet man den gemeinen Winterweizen am meiſten, welcher theils begrannt, theils unbe⸗ grannt gefunden wird. Dieſe Weizenart iſt wenigſtens in Deutſchland die beſte, und giebt das meiſte und ſchoͤnſte Mehl. Man kennt davon wieder mehrere Abarten, naͤmlich weißen, gelb⸗ halmigen und Bartweizen. Außer dem Winterweizen giebt es auch noch Sommerweizen, der aber ebenfalls nur eine Spiclart iſt. Er wird erſt, wie Gerſte und Hafer, im Fruͤhjahre geſaͤet, da jener ſchon im Herbſte in den Acker kommt. Man pflegt ihn jedoch nur im Nothfalle zu bauen, weil er hey weitem ſo ſchoͤne Koͤrner nicht hat, und nicht ſo weißes Mehl giebt, wie der Winterweizen. Weizen kann nicht auf jedem Boden gebauet werden. Sandiges Erdreich taugt nicht fuͤr ihn. Er muß einen fetten und dabey dennoch nicht feſten Boden haben, wenn er gut gedeihen ſoll. Eine bekannte Krankheit des Weizens iſt der Brand. Er beſteht darin, daß die Samen⸗ körner in den Aehren ſchwarz und nach und nach ganz weich werden, bis ſie zuletzt trocknen, und in Stiub zerfallen, der einen aͤußerſt widrigen Geſchmack und Geruch hat. Roch weiß man nicht genau die eigentliche Urſache ſeiner Entſtehung. Nur wahrſcheinlich iſt es, daß er davon herruͤhrt, daß der Same nicht reif und trocken genug war. Hierauf beruhet denn auch das Mittel, wel⸗ ches man noch bis jetzt am bewährteſten gegen den Brand befunden hat, daß man naͤmlich denſenigen Weizen, der zu Samen dienen ſoll, recht reif werden, und ſodann gleich aus⸗ dreſchen laͤßt, ehe er in den Garben in Gaͤhrung geraͤth. Von den ausgedroſchenen Koͤrnern nimmt man blos den Voeſprung, das iſt, diejenigen, welche auf die erſten Schlaͤge herauskom⸗ men, und breitet ſie duͤnn auf einem luftigen Boden aus einander.— Sonſt pflegen mehrere Oe⸗ konomen auch den Samen vor der Ausſaat in eine aus Kalk und Huͤhnermiſt hereitete Lauge einzuweichen; allein dieſes Mittel hilft nur dann, wenn der Same an ſich gut iſt. Unreifen, ſchlechten Samen bewahrt keine Lauge vor dem Brande. Daß uͤbrigens der Genuß des brandi⸗ 8 815 8 heißen bey den Graͤſern oder grasartigen Gewaͤchſen die Huͤlſen, woraus der Kelch beſteht. Grannen ſind die Borſten, in welchen ſich die Kelchſpelzen zu endigen pflegen. — 65 gen Weizens der Geſundheit nicht nachthelig ſeh, ſcheint die Erfahrung zu beweiſen; freilich hat ihn wohl noch Riemand in Menge genoſſen, da die brandigen Koͤrner ſchon in der Scheune beym Dreſchen zu Staub zerfallen, oder doch hernach beym Waſchen des Weizens zuruͤckbleiben. Der grutzen dieſer edeln Getreidrart iſt ſehr groß. Die vortrefflichſten Backwerke und unver⸗ gleichliche Biere werden davon bereitet. Auch Staͤrke⸗ oder Kraftmehl macht man aus Weizen. Der Roggen oder das Korn. (Secale cereale). Der Roggen iſt fuͤr Deutſchland und mehrere andere europaͤiſche Laͤnder unſtreitig unter allen Guͤtern der Ratur das wohlthaͤtigſte und nothwendigſte. Er iſt, wo nicht das einzige, doch das Hauptnahrungsmittel fuͤr Millionen Menſchen, iſt leicht zu bauen, eintraͤglich auch auf gerin⸗ germ Boden, und giebt uͤberdieß beſonders dem arbeilenden Theile des Volks eine geſunde und ſehr nahrhafte Speiſe. Man erkennt den Roggen an den zweyſpelzigen, und zwey⸗ auch dreybluͤthigen Kelchen, die einzeln und einander gerade gegenuͤber ſtehen. Der gemeine Roggen, der in unſern Gegen⸗ den auf allen Feldern anzutreffen iſt, hat am Rande ſeiner Spelzen ſcharfe Haare. Keine an⸗ dere Getreideart erreicht eine ſolche Hoͤhe wie er; ſie iſt nach Beſchaffenheit des Bodens verſchie⸗ den, und uͤbertrifft in gutem Erdreich oft die Größe eines Menſchen von mittelmaͤßiger Statur. Man kennt ebenfalls mehrere Spielatten. Der gemeine Winterroggen, der bey uns am häuftgſten gebauet wird, und den man im Herbſt ausſäͤet, ſcheint doch den Vorzug vor andern Arten, beſonders vor dem Sommerroggen, zu verdienen. Er hat hoͤhere Halme und groͤßere Koͤrner als dieſer, und giebt ein beſſeres Mehl. Eine andere Spielark, der archangeliſche Rog⸗ gen, treibt zwar einen 6 bis 8 Fuß hohen Halm, und ſcheint viel zu verſprechen; allein die Erfahtung hat gelehrt, daß er dennoch unſerm gemeinen Roggen an Guͤte nachſteht, Seine Koͤrner ſind kleiner, und dieſe geben weniger und ſchlechteres Mehl. Man hat daher auch bald aufgehoͤrt dieſe Art zu bauen. Weit beſſer iſt der ſogenannte Staudenroggen. Ein einziges Korn macht, wenn es ihm nicht an Platz fehlt, eine anſehnliche Staude von vielen Aehren. Die Koͤrner ſind faſt noch beffer und mehlreicher, als die vom gemeinen; allein das Stroh, welches lang und ſteif iſt, taugt nicht gut zur Futterung; doch giebt es gute Strohdaͤcher. Auch der wallachiſche Rog⸗ 1 5 eine vortreffliche Art. Er beſtaudet ſtch ebenfalls ſehr, und gewaͤhrt eine reichli⸗ che Aernte. zꝛ6tes Heft. 3 6b Außer dieſen giebt es noch viele andere Abarten, die jedoch fuͤr unſer Klima und fuͤr un⸗ ſern Boden nicht ſo geeignet ſind, wie der gemeine Roggen. Schon ſeit undenklichen Zeiten bauet man Roggen, und bedient ſich des Mehls deſſelben zum Brode. Dieß iſt aber auch die Urſache, warum man nicht mehr weiß, welcher Him⸗ melsſtrich oder welche Gegend das urſpruͤngliche Vaterland des Roggens iſt. Man findet zwar jetzt allenthalben wilden Roggen, weleher ſich durch niedrigere Halme, duͤnnere und kuͤzere Aehren, und durch kleinere und nicht mehlreiche Koͤrner auszeichnet. Dieſer iſt aber nur ver⸗ wildert. Linnee glaubte, Candien ſey das Vaterland. Allein dieß iſt darum nicht wahr⸗ ſcheinlich, weil dieſe Getreideart unter einem ſolchen Himmelsſtrich, worin Candien liegt, nicht ſo gut gedeihet, als unter einem noͤrdlichern. Alſo iſt vermuthlich der Norden von Aſten oder Europa die urſpruͤngliche Heimath des Roggens. Der ungeheuern Conſumtion wegen wird er bey uns am allerhäuftgſten gebauet. Er iſt weit weniger zaͤrtlich, als andere Getreidearten, und nimmt auch mit ſandigem Boden vorlieb. Je mehr Fleiß indeß auf ſeine Kultur verwandt wird, deſto reichlicher traͤgter. Beſonders hat man darauf zu ſehen, daß man den Saatroggen nicht immer von dem in der Gegend ge⸗ aͤrnteten nimmt, denn der Roggen hat das mit den uͤbrigen Getreidrarken gemein, daß er befſer geraͤth, wenn man alle 4 oder 5 Jahre Samen aus entfernten Gegenden kommen laͤßt doch muß dabey die bekannte Regel beobachtet werden, daß man Samen aus geringerm Boden in beſſern, und nicht umgekehrt, aus gutem in ſchlechten bringt. Eine aͤhnliche Krankheit, wie der Brand im Weizen, findet ſich auch beym Roggen. Man trifft naͤmlich beſonders in feuchten Jahren, in vielen Aehten ein oder mehrere oft 1— 8—— einen Zoll lange, gekruͤmmte, auswendig ſchwarze Körner an, die anfangs weich, trocken aber viel haͤrter ſind, als andere Roggenkoͤrner. Sie haben ein bläulich weißes Mehl von ſuͤßlichem aber widrigem Geſchmack. Man nennt dieſe Auswuͤchſe Hahnenſporn oder Mutterkorn. Daß die Urſach hiervon Feuchtigkeit und Raͤſſe ſey, iſt außer Zweifel; denn auf ſumpfigem Boden findet man das Mutterkorn alle Jahr, wenn auch die Wit⸗ terung noch ſo vortheilhaft und guͤnſtig iſt. Ohne Zweifel wird durch zu viele Feuchtigkeit eine Gäͤhrung in den Saͤſten verurſacht, und dadurch der unnatürliche Auswuchs bewirkt. Da das Mutterkorn nicht, wie der vom Brande angegriffene Weizen, in Staub zerfaͤllt, ſondern meiſtens beym Ausdreſchen mit unter die⸗ uͤbrigen Koͤrner ſich miſcht, ſo wird es haͤu⸗ figer von Menſchen mit genoſſen, und erregt, beſonders feiſch, die ſogenannte Kriehel⸗ krankheit; welche davon ihren Namen hat, weil der Patient dabey ein Kriebeln in den Gliedern und bald darauf krampfhafte Zuckungen empfindet, die endliceh Arme und Beine 5) Dieß iſt wenigſtens die gemeine Meinung vieler Oekonomen. Des Hru. Direkt. Achards mit Hafer angeſtellte Verſuche haben indeß Ewieſen, daß dieſe Meinung ein bloßes Vor⸗ urtheil ſey. 5 3 EERrg 67 itterkorn zu genießen, dieſes Uebel lebenslaͤnglich; ja oft erfolgt ſogar unter heftigen Konvulſionen in kurzer Zeit der Tod. Di eé Geſr ͤſte. (Hordeum diſsichon.) Eine geringere, doch deßwegen nicht weniger nuͤtzliche, Getreideart iſt die Gerſte. Sie er⸗ reicht lange nicht die Hoͤhe des Weizens und Roggens. Der Bluͤthenkelch iſt ſechsblaͤtterig, und ſchließt 3 Bluͤthen ein. Die Bluͤthchen ſind zweyſpelzig, und ihre aͤußern, baͤuchigen eckigen Spelzen ſind begrannt. Die hier abgebildete wird die zweyzeilige Gerſte genannt, weil ſie 2 Reihen Koͤrner hat. Ihre Aehren ſind platt und die Koͤrner groß. Wenn dieſe Gerſte bluͤhet, ſo hat ſte zwar 6 Bluͤthenreihen; aber vier davon ſind unfruchtbar. In un⸗ ſern Gegenden iſt ſte die gemeinſte, obwohl ſie ſchon einen guten Boden verlangt, wenn ihr Ertrag reiehlich ausfallen ſoll. Man ſaͤet ſie im Fruͤhjahr, und daher gehoͤrt ſte zu dem ſoge⸗ nannten Sommergetreide. Vorzuͤglich gut iſt dieſe Gerſte zum Malz, und mithin zum Bierbrauen zu gebrauchen; auch giebt ſte geſchroten, ſo wie andre Gerſte, ein vortreffliches Futter fuͤr Schweine und anderes Vieh. Arme Leute backen Brod von Gerſtenmehl, oder miſchen es unter das Roggenmehl; aber das Gerſtenbrod iſt nicht ſo milde, als das vom Roggen. Fuͤr die urſpruͤngliche Heimath der Gerſte nimmt man die Gegend um den Fluß Saa⸗ mara in der Tatarei an. Außer der zweyzeiligen kennt man auch viet ⸗und fuͤnfzeilige Gerſte, wovon jedoch die letztere, wenigſtens zum Bierbrauen, weniger tauglich iſt. An Fruchtbarkeit uͤbertrifft die Himmelsgerſte alle uͤbrige Arten. Sie ſieht zwar vierzeilig aus, hat aber 6 Zeilen. Ihre Koͤrner fallen leicht aus. Sie kommt ſelblt auf magerm Boden gut fort, und gibt ein vor⸗ treffliches weißes Mehl, das zu mancherley wohlſchmeckenden Backwerken angewendet wer⸗ den kann. ν Deeur ,. (Avena saliva). Der Hafer iſt ebenfalls niedriger von Halmen, als der Roggen und Weizen; doch kann er auf gutem Boden auch ziemlich hoch werden. Er waͤchſt nicht in Aehren, ſondern buͤſchel⸗ weiſe, und dieſe Buͤſchel heißen bey den Graͤſern Riſpen. Der Hafer hat einen zweyſpelzigen Kelch, der meiſtens vielbluͤthig iſt, und eine zuſam⸗ mengedrehte Ruͤckeng,anne. Von den vielen Gattungen, welche man kennt, wird der abge⸗ bildete gemeine Haſer am meiſten angebauet. Seine Riſpe iſt zerſtreut, und die Kelchſpel⸗ zen ſind groͤßer als die zweyſpelzigen mit einer Granne verſehenen Bluͤthen. Auch ſein Vaterland weiß man nicht genau anzugeben; doch ſoll er auf der Inſel Juan. Fernandez wild wachſen. Von den Spielarten ſind die merkwuͤrdigſten der engliſche und der ungariſche Hafer. Jener hat in Anſehung der Groͤße und Schwere den Vorzug vor allen andern Sorten. Er iſt nicht nur ergiebig, ſondern ſeine Koͤrner haben auch viel Mehl; die Halme ſind hoch und dick, und die Blaͤtter breit. Er iſſt ſo nahrhaft und ſaͤttigend, daß man den Pferden nur halb ſo viel als vom gemeigen Hafer zu geben braucht. Der ungariſche Hafter unterſcheidet ſich durch ſeine einſeitige Riſpe, an welcher die Koͤrner dicht uͤber einander ſitzen. Er bekommt 10 bis 16 Halme, ſtarke Blaͤtter, und naͤhert ſich in der Guͤte uͤberhaupt dem engliſchen. Sein Stroh iſt gelb und fuͤttert vortrefflich. Wenn nun aber auch gleich die ausländiſchen Arten von Hafer mehr Ertrag verſprechen, ſo iſt es doch nicht thunlich, daruͤber die Kultur des gemeinen liegen zu laſſen. Dieſer iſt doch mehr fuͤr unſern Boden geeignet, erfordert weit weniger Aufwand, und artet nicht aus, welches der Fall bey fremden Sorten iſt. Beſſer iſt es, auf die Kultur des inländiſchen Hafers deſto mehr Fleiß zu wenden, und ihn durch gute Behandlung des Ackers zu veredeln. Daß man aus Hafer eine gute Gruͤtze und auch an einigen Orten Weißbier bereitet, iſt bekannt. Die alten Deutſchen bedienten ſich des Hafermchls zum Brode; jetzt pflegt man es nur in der Roth oder in Gegenden, wo man kein anderes Getreide gewinnt, dazu anzuwenden.