2 be, U, el, 7. A. 4 F be. 3 , Te. 7 7 * D 3 I 8 010 668'F70(600 18 3595 N K 4 00 ‚ Dießes Eichhorn, welches groͤßer und ſtaͤrker als das gemeine Europai Vierſuͤßige Thiere. XIRR Eichhoͤrnchen vetſchiedener Artt No. 1. Das Birginiſche Eichhorn⸗ (Sciurus cinereus L.) ſche iſt, lebt in Vir⸗ llang, ſieht auf dem Ruͤcken und an und hat einen dunk⸗ Nuͤſſen und ginien und faſt in ganz Nordamerika. Es iſt 12 30 den Seiten grau, an Maul, Obren und Bauch aber roͤthlich gelb aus, lern, dickern Schwanz. Es naͤhrt ſich wie das Europaͤiſche von Fruͤchten, Saamen. No. 2. Das Favaniſche Eichhorn. (Sciurus Javensis L) Eslebt auf der Inſel Java, iſt 13 Zell long, und hat dreyerley Farben; Kehle, Bauch und Schwanz ſind lichtbraun und fuchsroth, Kopf und Ruͤcken aber ſind ſchwarzbraun. No. 3. Das Zeyloniſche Eichhorn. (Sciurus macrourus L.) Dieſes Eichhoͤrnchen, welches man auf der Juſel Zeylon findet, iſt dreymal ſo groß, als das gemcine Eichhörnchen. Ruͤcken und Seiten ſiud ſchwarz, Kopf, Kehle, Bauch und Beine aber blaßgelb. Es iſt 20 Zoll lang, ſein Schwanz aber noch einmal ſo lang, als der Leib, gtau, und ſehr dick behaaret. No. 4. Das Malabariſche Eichhorn⸗ (Sciurus maximus L.) Dieſes iſt das größte Eichhorn, das wir kennen, 22 Zoll lang, dick hehaart, hat einen dicken Schwanz, und ſieht auf dem Räcken roͤthlich ſchwarzbraun, an Kopf, Kehle und Bauch aber roſtgelb aus. Es lebt auf der Kuͤſte Malabar, und naͤhrt ſich vorzuͤglich gern von der Milch der Cocosnuͤſſe, welche es aufbeißt und aus ſaͤuſt. No. 5. Das Coqualin⸗ (Sciurus variegatus L) Das Coqualin lebt in Mexico, iſt 11 Zoll lang/ orangenfarbig und röthlich ge⸗ wäͤſſert, auf dem Ruͤcken aber ſchwarzbraun mit Querſtreifen. Es wohnt in der Erde, Zates Heſt, nühtt ſich vorzkglich von Mais, und trägt in ſeinen Backentaſchen, wie det Hamſter, Vor⸗ tath auf den Winter ein. 7* No. 6. Das Georgiſche Eichhorn. (Sciurus anomalus L.) Das Vaterkand dieſes Eichhorns iſt Georgien in Aſten. Es iſt 11 Zoll lang; Rücken und Kopf find dunkelbraun, Kehle, Bruſt, Bauch und Beine aber rothgelb. Es lebt uͤbrigens und naͤhrt ſich wie unſer gemeines Eichhorn. Das Virginiſche Eichhorn. (Sciurus cinereus) Das graue Eichhorn im Norden von Europa und Aſten iſt bey der Geſchichte des ge⸗ meinen Eichhoͤrnchens erwaͤhnt worden. Das virginiſche graue Eichhorn wird von den Naturforſchern nicht, wie jenes, fuͤr eine Spielart, ſondern wegen gewiſſer bleibenden Merk⸗ male fuͤr eine eigene Gattung gehalten. In Virginien, und uͤberhaupt im noͤrdlichen Ame⸗ rika, findet man unfer gemeines brannes Eich hoͤrnchen auch; aber das hier abgebildete aſchgraue lebt unter jenem, ohne jemals die braune Farbe anzunehmen. Es iſt auch 17 Zoll laͤnger, als das geineine Eichhoͤrnchen, und uͤberhaupt groͤßer von Koͤrper. Der Kopf, der Ruͤcken, die Seiten des Leibes und die äußerlichen Seiten der Beine find aſchgrau von Farbe; das Haar iſt ſehr weich und fein, der Schwanz buſchig und ſchwaͤrz⸗ lich; der Unterleib ſchmutzig weiß. Sitten und Lebensart hat diefes Eichhorn ziemlich mit dem unſrigen gemein, Man trifft es nicht bloß in Virginien an, ſondern uͤberhaupt in Nordamerika. Es iſt den Mais⸗ feldern ſchaͤdlich, denn es zerbeißt die Koͤrner, und verzehrt das innere ſuͤße Mehl derſelben. Fuͤr den Winter traͤgt es die auserleſenſten Ruͤſſe und Eicheln zuſammen, und bringt ſie theils in Baumhoͤhlen, theils in aufgeſcharrten Loͤchern in der Erde in Verwahrung. Im Winter, wenn das Wetter zu rauh und kalt iſt, kommen dieſe Thiere nicht aus ihren Wohnungen; ſobald aber gelinde Tage eintreten, gehen ſte hervor, ſuchen einen Theil ihres Vorraths auf, und verzehten ihn. Doch kommen ihnen eee. und Schweine ſehr oft zuvor, und nehmen weg, was ſie eingefammlet haben. K Zu manchen Zeiten wandern dieſe Thiere in eine andere Gegend. Dies geſchieht theils in ſtrengen Wintern, wenn ſie Mangel an N. hrung leiden, theils im Herbſt, wenn ſie goße Kaͤlte ahnen. Sie finden ſich aber nachher in ihrer Heimath ein. Es ſind„gutartige Thiere, die ſich, beſonders wenn man bie jung fängt, leicht zaͤhmen laſſen. Ihr Fell wird als Pelzwerk nicht ſonderlich geachtet, aber das Fleiſch wird von Einige f gegeſſen. SRrSSSSrSSSSrrrr 6* Das FJavaniſche Eichhorn. (Sciurus Javanensisd Es iſt an Groͤße dem Vorigen gleich. Der obete Theil des Kopfes, der Ruͤcken, die Sei⸗ ten des Leibes und die auswendigen Seiten der Beine ſind gelblich ſchwarzbraun; der Un⸗ terleib ſieht faſt fuchsroth aus, eben ſo der buſchige Schwanz, welcher ſo lang iſt, als der ganze Koͤrper. In ſeinen Sitten und in der Lebensart weicht das javaniſche Eichhorn nicht von andern Gattungen ab⸗ 3 Das Zeyloniſche Eichhorn. —(Sciurus macrourlis) Das zeyloniſche oder langſchwaͤnzige Eichhorn iſt eins ber groͤßten des ganzen Geſchlechts. Das gemeine übertrifft es wenigſtens dreymal an Größe. BDer Scheitel, der Ruͤcken, die Seiten und Lenden auswaͤrts ſind ſchwarz Mzwiſchen den Ohren befindet ſich ein gelber Fleck, die Backen, die Schenkel und der Bauch ſind hellgelb; die Raſe iſt fleiſchfarben; an den Spitzen der Ohren ſtehen ſchwarze Haarpinſel. Der Schwanz iſt noch einmal ſo lang als der Leib, flach, an den beyden aͤußern Raͤndern ſtark mit Haaren beſetzt, und von Farbe aſchgrau. Rahe am Leibe ſtehen die Haare rund um den Schwanz. Von jedem Ohre läuft eine ſchwarze gabelfoͤrmige Linie an den Backen herab. Der obere Theil der Fuͤße iſt mit ſchwarzen Haaren beſetzt, der untere nackt und roth. Richt bloß auf Zeplon, ſondern auch auf der malabariſchen Kuſte iſt dieſes Eich⸗ born einheimiſch.— Das Malabariſche Eichhorn. (Solurlus maαmne. Das malabariſche Eichhorn uͤbertrifft alle andere an Groͤße; denn es mißt beynahe zlorzz Fuß von der Schnauze bis zum Anfange des Schwwanz's. In ſeinem Vaterlande wird es die große Waldratte genannt. Es hat einen dicken, wohlgeruͤndeten Koͤrper, deſſen Haar auf dem Obertheile ſchwarzbraun ausſieht. Der Schwanz iſt von eben der Farbe, fehr kuſchig und faſt laͤnger als das ganze Thier. Der Uaterleib, nebſt den intvendigen Sei⸗ ken der Beine, iſt mit einem gelbbraͤunlichen Haar bedeckt. Man findet dieſes Eichhorn ſehr hauftg auf den Cardamomen⸗Bergen, die einen Theil des Gebirges Gate ausmachen. Es lebt auf Baͤumen, und naͤhrt ſich vornaͤmlich von der Milch der Eocosnuͤſſe, oder vom Safte derſelben. Man kann es leicht zahm machen. CoOguů,mh,utanũlien. (Soidurus vari egatus.) Der Rame Coqualin iſt von Büffon zuerſt gebraucht worden. Er entſtand aus der Ab⸗ kuͤrzung eines ſchwer auszuſprechenden mexikaniſchen Ramens, Coztiocotequallin, welchen die Einwohner in den dortigen Gegenden dieſem Thiere geben. Es iſt etwas großer als ein gemeines Eichhoͤrnchen. Die Haarpinſel an den Spitzen der Ohren fehlen ihm gaͤnzlich; dennoch gleich es in der Bildung des Koͤrpers unſerm Einhorn ſehr. Das Haar, welches den Leib bedeckt, iſt ſchöͤn von Farbe. Das Ende der Schnauze und die Ohren ſind weiß; der Untertheil und die Seiten des Kopfes ſind ſchwarz mit einigen pomeranzen⸗ farbenen Schattirungen. Der Hinterkopf, der Obertheil und die Seiten des Halſes, die Ruͤcken und die Seiten des Leibes, der Schwanz, die Schultern und Außenſeiten, der Vorder⸗ und Hinterbeine haben eite vermiſchte ſchwarzpomeranzengelbe und roͤthliche Far⸗ be. Das Haar am Schwanze iſt uͤber drey Zoll lang; die Barthaare und Raͤgel ſind ſchwarz. 5 Der Coqualin iſt, wie es ſcheint, nur im füdlichen Amerika einheimiſch. Er lebt nicht, wie die meiſten uͤbrigen Eichhoͤrner, auf Bäumen, ſondern, wie das geſkreifte, und wie die Kaninchen, unter der Erde, wo er ſich eine Wohnung graͤbt, ſeine Jungen darin erzieht, und fuͤr den Winter Koͤrner, fammelt, Obſt und andere Nahrungsmittel ein⸗ Es iſt ſehr wild und mißtrauiſch, laͤßt ſich auch nicht zahm machen. Das Georgiſche Eichhorn (Cciurus anomallls.) Es kommt an Groͤße, Geſtalt, Farbe des Haars, in den Sitten und der Lebensart dem gemeinen braunen Eichhoͤrnchen ſehr nahe, und wird in den Waldungen von Georgien haͤufig angetroffen.—— — W0 5 9 I V N 00 5 9 5 Fiſche. XXIV. I, Fliegende Fiſche. ů——————— Die fliegenden Fiſche machen die Verbindung und gleichſam den Uebergang von den Fiſchen zu den Voͤgeln. Vermoͤge ihrer ſehr langen Bauchfloſſen, welche bis zur Schwanzfloſſe rei⸗ chen, koͤnnen ſte ſich aus dem Waſſer in die Luſt erheben. Sie fliegen gewoͤhnlich nur 2 bis 3 Füß hoch über die Oberfläche des Waſſers, und nicht viel uͤber zweihundert Schritte weit, weil dann die duͤnne Haut ihrer Floſſen trocken wird und ſich zuſammenziehet, wel⸗ ches ſte hindert, ſich laͤnger in der Luft zu erhalken. Sie fliegen Schaarenweiſe, wenn ſie von den Haien und Thunfiſchen verfolgt werden, haben aber in der Luft gleichfalls ihre Feinde, weil da die Pelicane, Fregattvoͤgel und andere Raubvögel auf ſie lauern, ſo daß ſte ſich oft auf die vorbeiſegelnden Schiffe werfen, und da gefangen werden, weil ſie eine gute Speiſe geben. Sie leben vorzüglich in den Meeren der waͤrmeren Gegenden aller vier Welttheile, und folgende Gattungen davon ſind uns vorzuͤglich bekannt. No. i. Der fliegende Seehahn. (Trigla volitans L.) Dieſer ſchöͤne Fiſch iſt ohngefaͤhr 1 bis 14 Fuß lang, lebt vorzuͤglich im mittel⸗ läͤndiſchen Meere, und iſt eßbar. Sein Kopf iſt violet, der Rumpf roth, und ſeine großen Bauchfloſſen olivengroͤn mit/ Reihen hellblauer Flecken. Seine Rahrung ſind Muſcheln, Schnecken und Krebſe. * No. 2. Der Springer. (Exocoetus exiliens L)Y/ Der Springer lebt gleichfalls im mittelläͤndiſchen Meere, iſt ſo groß wie der vo⸗ rige, naͤhrt ſich von Wuͤrmern und Seepflanzen, und ſein Fleiſch iſt ſehr leckerhaft. No. 3z. Der Hochflieger. (Exocoetus evolans L.) Der Hochflieger, welcher dem Springer ſehr gleicht, lebt vorzuͤglich an der Kuͤſt⸗ von Braſilien. No. 4. Deer Mittelfloſſer. (Exocoetus mesogastor L.) Der Mittelfloſſer lebt im atlantiſchen Meere, iſt auf dem Kopfe und Ruͤcken biolet colorirt, und hat gleichfalls violette und gelbe Hauptfloſſen, welches ihm ein ſchönes Anſehen giebt. 1 i ſche⸗ — ⏑8 2 Zoey Gattungen von fliegenden Fiſchen ſind bereits im erſten Bande Taf. 13. Fig. 1. und 2. beſchrieben worden. Hier ſind noch andere von dieſen merkwuͤrdigen Geſchoͤpfen vor⸗ geſtellt. 3 Der fliegende Seehahn. (Trigla volitans 2 Das ganze, aus 14 Gattungen beſtehende Geſchlecht, wozu dieſer Fiſch gehört, fuͤhrt den Namen Seehaͤhne, weil einige davon einen knurrenden oder kraͤhenden Ton hoͤren laſſen. Nicht alle koͤnnen fliegen. 3 Der fliegende Serhahn, oder der gtoße Flfeher Werd⸗ofündls 14 Fer lang. Es iſt ein ausneh mend ſchoͤn gezeichneter Fiſch. Sein Koͤrper iſt ſpindelfoͤrmig und mit harten rauhen Schuppen bedeckt. Der obere Theil des Koͤrpers ſieht roihbraun aus, der untere filberweiß. Der Kopf iſt breit, zwiſchen den Augen hohl und mit einer beinartigen Platte bedeckt, die gelb, blau und dunkelviolett ausſieht. Das Maul iſt weit geoͤffnet, und in den Kinnladen und dem Gaumen ſtehen kleine ſpitzige Zaͤhne. Die Bruſtfloſſen ſind 10 Zoll lang und 5 Zoll breit. Ihre Grundfarbe iſt olivenbraun und mit verſchiedenen himmel⸗ blauen Flecken und Strichen gezeichnet. Sie geben dem Fiſche ein ſchoͤnes Anſehen. Vor den Bruſtfloſſen ſitzen, wie bey allen Seehaͤhnen, gegliederte Anhaͤngſel, die mit den Bruſt⸗ floſſen an einem gemeinſchaftlichen Knochen befeſtigt ſind. Eigentlich ſind ſte voͤllig von ein⸗ ander abgeſondert; bey den fliegenden aber durch eine Zwiſchenhaut verbunden. Sie beſtehen aus mehreren kleinen Gelenken, und behalten jede Beugung, die man ihnen gibt; daher ſie auch Finger genannt werden. Man weiß eigentlich den Nutzen dieſer Gli⸗dmaßen nicht rcht genau; doch iſts h'ſcheinlich daß ſie, wie bey andern Fiſchen die Bartfaſern, zum Herbeylocken der Beute dienen. Die Scit alisie liegt dem Kuͤcken nahe, und laͤuft ge⸗ tade aus. In det Mitte des Koͤrpers befindet ſich det After. ———— 8*— 9 ebirge der d Raub⸗ Rau fliegt Truppweiſe. Im Waſſer n er beym Auffliegen oft zur Beule wind. gen Weltmeere. Am Vor 3 8 2 11 11 R SDer Springer. (Zæocoetus eæiliens. Von dieſen Fliegefiſchen kennt man nur 3 Gattungen. Sie haben einen mit Schuppen be⸗ ſetzten Kopf; ein rundes, runzliches und zahnloſes Maul. Die Kinnladen ſind auf beyden Seiten mit einander verbunden. Die Kiemenhaut hat 10 Strahlen; die Bruſtfloſſen ſind ſehr lang, und daher zum Fliegen geſchickt. Der Bauch iſt kantig und der ganze Koͤrper den Haͤringen aͤhnlich. Der Springer iſt gewöhnlich 1 Fuß lang; ſelten uͤberſteigt ſeine Länge dieſes Maaß. Auf dem Ruͤcken ſehen die Schuppen dunkelgrau, oder ſchwaͤtzlich, ar den Seiten filberweißlich aus; der Bauch iſt weiß, der Schwanz gabelfoͤrmig, von Farbe roͤthlich aſch⸗ grau, die Floſſen ſind ziemlich von gleicher Farbe. Man trifft dieſen Fiſch faſt in allen Meeresgegenden des heißen Erdſtrichs an; auch in der gemaͤßigten Zone wird er gefunden, nur nicht uͤber dem 40. Grad der Breite.— Er wird ebenfalls von Raubthieren häuſig verfolgt, und muß ſich deswegen uͤber die Waſ⸗ ferflächen erheben. Doch fliegt er nur o0, hoͤchſtens 200 Schritte weit, und faͤllt dann nieder, weil die Zloſſen leicht trocken werden.— Sein Fleiſch ſoll ſehr gut ſchmecken. 232— Der Sochfli e ge⸗ (Zæocoetas evolans) Dieſe Gattung iſt von der vorigen weder an Groͤße, noch an Geſtalt verſchieden. Nur Lelbe ie Farbe iſt etwas anders. Die Seiter des Kovfle ſehen gelblich aus, und auch am elb gemiſcht. Die langen Btuſtfloſſen, welche gleichfalls zum 5 älfte gelblich, ſonſt aber dunkelaſchgrau; die gabelförmise Schwanzfloſſe und die Bauchfloſſen haben einen roͤthlichen Anfkeich, beſond er? nach den En⸗ den zu. In den Gewaͤſſern um Braſilien iſt dieſer Fiſch beſonders haͤuftg. Er zeichnet ſich in der Lebensart vom vorigen, ſobiel man weiß, gar nicht aus. Det Rittelfloſſer⸗ (Zæocoetus mocsogasgtr!) Auch er unterſcheidet ſich wenig vom Springer, außer daß ſeine Floſſen, beſonders die an der Bruſt, einen dunkelvioletten Anſtrich haben. Der Kuͤcken iſt gleichfalls dunkelviolett. Die Bauchfloſſen ſtehen gerade in der Mitte des Unterleibes, und haben vermuthlich den Namen veranlaßt. Groͤße, Lebensart und alles uͤbrige hat er mit dem vorigen gemein. Er lebt im atlantiſchen Ocean, und kann gegeſſen werden. Pflanzen XLIII. Kaſt anien und Mandeln. —————— No. 1. Der Kaſtanienbaum. ECagus castanea L.) Die gute ⸗Ler ſuͤße Kaſtanie waͤchſt in den waͤrmern Läͤndern von Europa, z. E. in Italien wild, wird aber auch in dem ſuͤdlichen Deutſchlande, in Schwaben und Frankreich in mil⸗ den Gegenden als ein Obſtbaum gepflanzet, und traͤgt auch da zwar reichliche, aber weit kleinere Früchte als in Italien, welche letztere auch, zum Unterſchiede von den gemeinen Ka⸗ ſtanien, Maronen heißen. Der Baum wird ſo groß als eine Roth⸗Buche, welcher er auch in Anſehung des Blattes und der ſtachlichten Fruchthuͤlſe ſehr gleichet, und ſein Holz iſt ſowohl zu Bau⸗ als Rutzholz vortrefflich. Jeder Baum hat maͤnnliche und weibliche Bläten, welche an einem Faden über einander ſtehen. Seine Fiucht(Fig. b.), welche die bekannte eßbare ſuͤße Kaſtanie iſt, liegt in einer ſtachlichten Huͤlſe(Fig. a.), welche gewoͤhn⸗ lich 2, zuweilen auch 3 ſolche Rüſſe enthaͤlt. Aus Italien und Spanien kommen ganze Schiffladungen Maronen nach Deutſchland, und es wird ein anſehnlicher Handel damit getrieben. No. 2. Der Mandelbaum. (Amygdalus communis E. Der Mandelbaum wäͤchſt gleichfalls im ganzen ſuͤdlichen Europa wild, verlangt aber, wenn er gute Fruͤchte tragen ſoll, welche einen wichtigen Handelsartikel ausmachen, dennoch einige Wartung und Pflege. Es giebt ſuͤße und bittere Mandeln; beide Arten wer⸗ den auf verſchiedene Weiſe zum rohen Gerſpeiſen, zu Backwerk, zur Atznei, zum Oelypreſſen u. ſ. w. haͤufig gebraucht. Der Mandelbaum iſt klein und zart von Wuchſe, und gleicht an Blatt und Holze vollkommen dem Pfirſchenbaume. Er bluͤht ſehr ſchoͤn, blaß roth, und traͤgt gruͤne Ruͤſſe mit einer lederattigen Schale. Unter dieſer Decke liegt der Stein(Lig. 6.), + 75 der bald hart und feſt, bald dͤnn und zerbrechlich iſt.— lunter den Maudeln, mit welchen ein großer Handel aus dem ſuͤdlichen nach dem noͤrdlichen Europa getrieben wird, ſind die 5 ——— 7 2 Italieniſchen oder Florenzer— und die Spaniſchen oder Valenzer Mandeln, die heſten und beruͤhmteſten. Roſinen und Mandeln werden auch gewoͤhnlich zum Deſſert mit aufgeſeßt. . *⁰ Der Kaſtanienbaum. (Fagus oaotancd.) Zur Unterſcheidung von der ſogenannten Roßkaſtanie nennt man dieſen den echten oder ſuͤßen Kaſtanienbaum. Jener gehoͤrt zu einem beſondern Geſchlechte, dieſer zum Geſchlechte der Buchen. Er wird ein ſehr hoher und ſtarker Baum. Seine Rinde iſt glatt; an jungen Staͤmmen graugruͤn; an alten aſchfarben und braͤunlich; das Holz iſt hellbraun, von feſten Fibern und ſo dauerhaft, daß es, zur rechten Zeit gefellt, faſt nie verdirbt. Die Zweige ſind mit ſchoͤnen hellgruͤnen, lanzetfoͤrmigen Blaͤttern bekleidet, die vorn zugeſpitzt, am Rande ſaͤgeartig gezaͤhnt und auf der untern Flaͤche glatt und ohne Wolle ſind. Die Bluͤihen glei⸗ chen denen auf der Rothbuche. Maͤnnliche und weibliche ſind von einander getrennt, ſtehen jedoch auf Einem Stamme. Erſtere haben keine Blumenblaͤtter, ſondern blos eine glocken⸗ foͤrmige in 5 Theile getheilte Blumendecke, welche 12 Staubgefaͤße enthaͤlt. Die weiblichen Bluͤthen ſind gleichfalls ohne Blumenblaͤtter, ihr vierzaͤhniger Kelch ſchließt den Fruchtknoten mit 3 Staubwegen ein, und wäͤchſt endlich in eine ſtachliche vierſchalige Samenkapſel aus, welche 2, ſelten 3 glatte Nuͤſſe enthaͤlt, die man Kaſtanien nennt. Der Baum gehoͤrt, wie die Rothbuche, in die 2 uſte Klaſſe des Linneeiſchen Spſtems. Der Name Kaſtanie, oder Caſtanie ruͤhrt, wie man glaubt, von Caſtania in dem alten Magneſten her. Vermuthlich iſt auch der Baum aſtatiſchen Urſplungs und nur erſt nach den ſuͤdlichen Laͤndern von Europa aus verpflanzt worden, wo er nunmehr hie und da ganz einheimiſch und ſo zu ſagen verwildert iſt In allen Theilen Italiens, in Frankreich, Spanien, Portugal und im ſuͤdlichen Deutſchlande wachſen eine Menge Kaſtanienbaͤume. Ja, er kommt ſogar im noͤrdlichen Deutſchlande gut fort; nur vertraͤgt er hier die harten Winter nicht. Er erfriert, ſchlaͤgt wiederum aus der Wurzel aus, gelangt daher aber auch nie zu der Stärke und Hoͤhe, wie in waͤrmern Gegenden. In Deutſchland wachſen die meiſten und ſchoͤnſten Kaſtanienbaͤume in der Pfalz am Rhein, an der Bergſtraße, bey Uag⸗ ſtein im Leiningiſchen, um Landſtuhl, beym Donnersberge. Im Churfuͤrſtenthum Mainz ſind ganze Waldungen davon.— In manchen Gegenden von Italien werden Kaſtanienbaͤume don ſehr hohem Alter und einem ungeheuern Umfange angetroffen. Am Fuße des Aetna in Sicilien ſteht ein — 13 Baum, der unter dem Namen Castagnaro di cento cavalli bekannt iſt, deſſen Stamm nach Einigen 160, nach Andern gar 224 Fuß im Umfange hat. Dieſer erſtaunenswuͤrdi⸗ gen Dicke wegen haben viele geglaubt, der Stamm ſey aus mehrern zuſammengewachſen, allein neuere genaue Unterſuchungen haben das Gegentheil bewieſen. In einer Hoͤhlung dieſes Baums ſoll man Raum genug finden, die Fruͤchte, die er traͤgt, aufzubewahren. Ein andrer Baum hält 76 Fuß im Umfange. Faſt jeder Boden iſt fuͤr den Anbau dieſes nutzbaren Baums bequem. Leichter, duͤrrer und unfruchtbarer Sand, ſteinichtes und felſichtes Erdreich ꝛc. iſt ihm zuträglich; nur fetter feſter Thon iſt ſeinem Gedeihen hinderlich. Er ſoll, wie man verſichert, die beſondere Eigenſchaft haben, daß ſein Schatten dem Getreide nicht ſchadet; daher die Bauern in Suͤd⸗ europa den Boden bis auf einen Fuß weit vom Stamme der Kaſtanienbaͤume beſaͤen, und dennoch gute Aernte halten. Huͤgel und inſonderheit ihre Abhänge liebt der Kaſtanienbaum am meiſten. Wenn er rings umher Freyheit hat, ſeine Zweige auszubreiten, ſo waͤchſt er, wie die Pomeranzenbaͤume, und gewaͤhrt einen ſchoͤnen Anblick. Es gibt mehrere Spielarten. Einige bringen ſpaͤte, andere zeitige Fruchte. An einigen ſind ſie von beſonderer Schoͤnheit und Guͤte. Ob man gleich im fuͤdlichen Europa ganze Kaſtanienwaͤlder antrifft, ſo kultivirt man den Baum dennoch mit Sorgfalt und Fleiß. Bey der Kulkur muß man vor allen Dingen auf eine gute Baumſchule bedacht ſeyn. Der Boden, der dazu angeweadet werden ſoll, wird gut zubereitet⸗ und ſtark geduͤngt. Im Herbſt waͤhlt man die groͤßten und ſchoͤnſten Kaſtanien aus, hebt ſte, in Sand eingelegt, bis zur Pflanzzeit auf, und legt ſte— etwa im April— in Furchen 1 bis 11 Fuß weit von einander entfernt in die Erde. In manchen Gegenden nimmt man ſich nicht einmal die Mähe, eine Baumſchule anzulegen, ſondern graͤbt die aus verlorengegangenen Kaſtanien wild aufgeſchoßnen Staͤmme aus, und erſetzt durch ſie die ſchwachen und alten Bäume. Die aus eingelegten Fruͤchten aufgeſchoßnen jungen Baumchen werden im erſten Sommer ganz ſich ſelbſt uͤberlaſſen. Im andern Jahre läßt man den Acker zwiſchen ihnen leicht auf⸗ lockern und das Unkraut vertilgen. Im Maͤrz des dritten Jahres werden die Rebenzweige 1. weggeſchnitten, auch wohl die Staͤmme ſelbſt, wenn ſie krumm und ſchlecht gewachſen find. Letztere treiben dann von neuem und beſſer als vorher. Sobald die jungen Baͤumchen an⸗ derthalb Fuß hoch ſind, werden ſie linienweiſe und zwar etwa 5 bis 6 Klaftern von einan⸗ der entfernt, auf den Platz geſetzt, wo ſte ſtehen bleiben ſollen. Man bepflanzt große Stre⸗ cken damit. Hier muͤſſen ſie anfangs gegen die brennende Sonnenhitze, gegen ſtarke Kaͤlte und gegen Beſchadigung durch Thiere geſchuͤtzt werden. Von Jahr zu Jahr ſchneidet man die Spitzen der jungen Zweige ab, damit die Reiſer, auf welche gepfropft werden ſoll, deſto ſtaͤrker und kraftvoller werden. Dabey darf man aber das fleißige Umackern des Bodens nicht vernachläſſigen. Endlich nimmt man, wenn die Zweige die noͤthige Staͤrke erlangt haben, bey heiterm ſtillen Wetter zu Anfange des Mais das Pfropfen vor. Run ſorgt man dafär, daß das ausſchlagende Pfropfreis ſich gehoͤrig bilde, und daß es nicht beſchaͤdigt werde. f telbar auf dem Marke ſelbſt liegt. Die ungepfropften Baͤume werden viel groͤßer, als die veredellen, und uͤbertreffen nicht ſelten die hoͤchſten Eichen und Rolhbuchen. Ihr Holz iſt vortrefflicher und beſſer zum Verarbeiten; allein ihre Fruͤchte ſind weder ſo ſuß noch ſo groß, als von gepfropften Baͤu⸗ men, dazu tragen ſie auch nicht reichlich.— Die Fruͤchte ſitzen an den Spitzen der Zweige. Wenn die Krone des Baums der Sonne und Luft genugſam ausgeſetzt iſt, traͤgt er— ver⸗ edelt nämlich— ungemein reichlich. Vier bis fuͤnf Jahre nach dem Pfropfen erhaͤlt man ſchon Fruͤchte; doch nur in geringer Anzahl. Sie nimmt mit jedem Jahre zu, und ver⸗ mehrt ſich bis ins ſpaͤteſte Alter. Im Herbſte werden die Kaſtanien reif. Wenn ſich alsdann, wie gewoͤhnlich, re⸗ geuhafte Witterung einſtellt, ſo quellen ſie in den Kapſeln auf, und machen, daß dieſe zer⸗ platzen, und die Fruͤchte fallen laſſen muͤſſen. Dieſe lieſt man unter dem Baume auf, und nun mag die Witterung beſchaſſen ſeyn, wie ſie wolle, ſo kann das Einſammeln vor ſich ge⸗ hen. Von der Zeit an, wo die Kaſtanien zu fallen anfangen, begeben ſich die Leute alle Tage im Oktober und Rovember des Morgens in die Pflanzungen, und ſammeln dieſelben in Saͤcke ein. Zu Hauſe ſchuͤttet man ſie im Freyen zu Haufen auf, und nimmt laͤglich ſo viel davon, als man braucht. Wenn ſie anfangen, ſich zu erhitzen, muß man ſie ausbreiten, damit keine Gaͤhrung entſtehe, und das Mark verderbe. An einigen Orten pflegt man die Zeit nicht abzuwarten, bis die Fruͤchte von ſelbſt ahfallen, ſondern man ſchlaͤgt ſte ab; dadurch verdirbt man aber die jungen Zweige, die das naͤchſte Jahr wieder tragen muͤſſen. Auch haben die Kaſtanien nicht die gehoͤrige Reife, und ſchmecken daher nicht ſo gut. 5 Wenn die Baͤume gut ſind, der Boden und die Lage ihnen zutraͤglich iſt, und der Landmann es nicht an der noͤthigen Pflege fehlen läßt, ſo ſchlaͤgt die Aernte ſelten oder nie⸗ mals fehl. Die Baͤume tragen alle Jahre reichlich, und wenn ſie auch der Zahl nach ein⸗ mal weniger haben, ſo erſetzen ſte dies durch eine betraͤchtlichere Groͤße der Fruͤchte. Faͤlle, wo die Kaſtanien gar nicht gerathen ſollten, ſind unter obigen Bedingungen aͤußerſt ſelten. Was nun dieſe nuͤtzliche Frucht ſelbſt betrifft, ſo liegt ſie, wie geſagt, in einer gruͤ⸗ nen Schale oder Kapfel eingeſchloſſen, welche äufterlich mit vielen duͤnnen Stacheln von gleicher Farbe beſetzt iſt. Dieſe Kapfel theilt ſich bey der Reife von ſelbſt in 2 oder 3 Theile, und laͤßt die Frucht aus den Faͤchern fallen. Die Frucht iſt auf beyden Seiten rund, oben endigt ſie ſich in eine Spitze, die aus kleinen weißen Faͤden zuſammengeſetzt iſt, und eine Art von Buͤſchel bildet. Aus der Mitte deſſelben kommt der Keim hervor, der ſich bald entwickelt, wenn die Kaſtanie an feuchten Stellen liegt. Das Mark iſt weiß, und wird aͤu⸗ fterlich von einer braunen Schale umgeben, unter welcher noch ein duͤnnes Haͤutchen unmit⸗ 15 Man zählt auf 12 verſchiedene Arten von Kaſtanien. Die Maronen ſind die ſchönſten und koͤſtlichten. Man muß aber nicht glauben, daß ſie, wie Einige vorgeben, von veredelten, alle uͤbrigen aber von ungepfropften Baͤumen kommen. Es ſind vielmehr vorzüglich gute Arten. Ein gemeiner Kaſtanienbaum kann zwar durch Pfropfen veredelt werden; allein er wird nie Maronen tragen, wenn man nicht Zweige vom Maronen⸗ baume darauf pfropft.— Man nennt Maronen diejenigen Kaſtanien, welche eine lebhaf⸗ tere und dunkelbraunere Farbe, einen groͤßern Keim und weniger Hoͤhlungen auf der Oberfläche haben. Sie ſind auch gewoͤhnlich groͤßer und lieblicher von Geruch und Geſchmack. Es giebt in Suͤdeuropa noch andere gute Sorten von Kaſtanien, die zwar den Maronen untergeordnet ſind, ihnen aber dennoch im geringſten nicht nachſtehen. Die wilden Kaſtanien, d. i. diejenigen, welche auf unveredelten Staͤmnien wachſen, geben eben⸗ falls, wiewohl ſie klein und unanſehnlich ſind, eine geſunde Koſt. Die friſchen Kaſtanien find mancherley Unfaͤllen ausgeſetzt. Die feuchte Jahreszeit, in welcher ſie geſammell werden, macht, daß allemal eine Menge verderben, wenn man nicht ſogleich eilt, ſie auf trocknen luftigen Böden auszubreiten. Sie ſind friſch uͤberdies noch dem Wurmfraß und dem Schimmel unterworfen. Das Trocknen in der Sonne, wenn man es haben kann, iſt ein gutes Vorbeugungsmittel gegen alle dieſe Uebel. Gut getrocknete Kaſtanien halten ſich lange. Auch kann man ſte dadurch auf lange Zeit vor dem Verderben bewahren, daß man ſte 15 bis 20 Minuten gelinde in Waſſer kocht, hernach in einen Backofen ſchiebt, wenn das Brod aus demſelben genommen iſt, und dann an einem luftigen Orte aufbewahrt. Für die Bewohner von Suͤdeuropa iſt die Kaſtanie eine ſehr wohlthaͤtige Frucht. Viele Tauſende von Menſchen naͤhren ſich mehrere Monate hindurch faſt ganz allein da⸗ von, und bereiten ſie auf mancherley Art zur Speiſe zu. Mit dem Abgange oder den ſchlechtern Sorten maͤſten ſte Vieh. Auch wird ein ſtarker Handel damit nach noͤrdli⸗ chen Läͤndern getrieben, und viel dadurch gewonnen. Bey uns ſind ſte kein Nahrungs⸗ mittel fuͤr den Armen, weil ſie theuer ſind. Wir genießen ſie nur an andern Speiſen, zum Beyſpiel, an Braunkohl, oder in Aſche geroͤſtet, mit Butter und Salz. Sie koͤn⸗ nen auch geſchaͤlt, mit Zucker uͤberzogen und als Confekt gebraucht werden. Es laͤßt ſich ein dem Kaffee aͤhnliches Getrank daraus beteiten. Oel geben die Kaſtanien nicht; aber einen Saft, der in Weingährung uͤbergeht. Daß man Brod daraus backen koͤnne, wird von Vielen gelaͤugnet, von Andern dagegen behauptet. Es ſcheint allerdings unter gewiſſen Umſtaͤnden gelungen zu ſeyn. Auf Corſika, wo man Kaſtanien in unbeſchreib⸗ licher Menge gewinnt, weiß man ein gewiſſes Backwerk, Galette und Polenta ge⸗ nannt, daraus zu bereiten. Die Corſtkaner trocknen zu dem Ende ihre Kaſtanien vermuthlich auf Rauch⸗ barten, ſchaͤlen ſte, und laſſen ſie, ohne Kleyen davon zu nehmen, zu Mehl mahlen, 16 welches eine gelblichweiße Farbe hat, und ſich ſehr weich anfuͤhlt. Es wird mit heißem Waſſer ein Teig davon gemacht, den man auf Kaſtanienblätter legt, und der in dem Augenblick, wo er in den Ofen gebracht werden ſoll, mit der naßgemachten Hand platt gedrückt und darauf gelinde gebacken wird. Dies ſind die Galettkuchen, welche die taͤg⸗ liche Nahrung der Landleute auf Corſika ausmachen. Sie halten ſich 14 Tage, und ſchmecken angenehm 8 Eine andete Zubereitung des Kaſtanienmehls in Corſtka und in vielen andern Gegenden von Italien, beſteht darin, daß man es mit Waſſer in einem Keſſel uͤber Feuex kocht. Hieraus entſteht ein Brey, welcher ſo lange umgeruͤhrt wird, bis er ſo zaͤhe iſt, daß er ſich nicht mehr an den Finger haͤngt. Statt des Waſſers nimmt man auch Milch. Dieſe Speiſe heißt Polenta. Die beſte Zubereitungsart ſoll diejenige ſeyn, deren ſich dir Einwohner von Limo⸗ ſin, in Frankreich, bedienen, und die man daher a la Limoſine nennt. Man ſchaͤlt die Kaſtanien ſorgfältig, und nimmt ihnen auch die unter der Schale liegende duͤnne Haut, dann gietzt man Waſſer darauf, damit ſich das darin enthaltene bittere Weſen herausziehe. Run gießt man das Waffer wieder ab, thut die Kaſtanien mit ewas Salz in einen eiſernen Topf, und kocht ſie in Waſſer einige Minuten lang, damit ſich alle noch uͤbrigen bitteren Theile herausziehen. Hierauf wird das Waſſer zum zweytenmale abgegoſfen, und der Topf noch eine kurze Zeit lang uͤber das Feuer geſetzt, damit alles Extraktive verdampfe. So werden die Kaſtanien wie Brod, vom Oktober bis zu Anfange des Maimonats, von Rei⸗ chen und Armen gegeſſen. Die Einwohner von Limoſin eſſen dieſe Speiſe, ohne ihrer uͤber⸗ dröſſig zu werden, und befinden ſich ſehr wohl dabey. Sie giebt ihnen Kraͤfte und Aus⸗ dauer bey den beſchwerlichſten Arbeiten, und man ſieht hundertjaͤhrige Leute unter ihnen. Das Kaſtanienholz iſt ſehr gut zu gebrauchen. Zwar dient es nicht zur Feue⸗ rung, weil es nicht hell aufbrennt, und leicht ausgeht; aber deſto beſſer zu allerley Tiſchler⸗ und Drechslerarbeiten, desgleichen zum Bauen. Es nimmt eine ſchöne Politur an, und ſoll von Würmern gar nicht angegriffen werden. Nach Duͤhamel ſchickt es ſich ausneh⸗ mend gut zu Gefaͤßen, in denen man fluͤſſige Dinge halten will; denn es ſoll, wenn es ein⸗ mal feucht iſt, weder ſchwinden noch quellen, ſondern in demſelben Zuſtande bleiben. Die jungen hoch aufgeſchoſſenen Baͤume ſind zu Reifen ganz vorzuͤglich brauchbar. In Frank⸗ reich bindet man Weinfaͤſſer damit, und ſie machen daher einen anſehnlichen Handelsar⸗ tikel aus.—— Die Rinde des Stammes dient zum Gerben, und die Schale und ſeine Haut der Fruͤchte koͤnnte eine dauerhafte Farbe liefern. 88 — CK * RN Rrnl re 17 Der Mandelbau m. (Amigdalus commlunis.) Dieſe ſehr ſchoͤne Abbildung ſtellt eine andre Art von Mandeln vor, als wir bereits oben (Sd. I. Taf. 47, Fig. 6.) geſehen haben. Jene hatte eine glatte Frucht, dieſe hingegen iſt auf der ganzen Oberflaͤche durch weiche, borſtenaͤhnliche Faſern rauh: auch hat ſie eine andere, vorn etwas ſpißig zulaufende und auf den Seiten plattgedruͤckte Geſtalt. Der Mandelbaum hat alle Geſchlechtskennzeichen des Pfirſchbaums, und iſt uͤber⸗ haupt in mäncher Hinſicht demſelben ſehr aͤhnlich.— Aus Aſten wurde dieſer Baum zuerſt nach der Inſel Thaſos, im griechiſchen Archipelagus, gebracht. Von hier aus verpflanzte man ihn weiter nach Geiechenland, Italien und andern fuͤdlichen eüropäiſchen Ländern. Das milde Klima in der Pfalz und einigen andern Rheingegenden geſtattet, daß er dort im Freyen den Winter aushaͤlt. Ja, auch in unſern mehr noͤrdlichen Gegenden uͤberſteht er mittelmäͤßige Kaͤlte, ohne Schaden zu leiden, und in Jahren, die einen angenehmen Herbſt haben, werden auch die Fruͤchte reif. Sie bekommen einen ſehr guten Kern von angeneh⸗ men Geſchmack und die gehoͤrige Groͤße. Vor dem harten Winter zwiſchen 1789 und 1790 ſah man in den fuͤrſtl. Anhalt⸗Deſſauiſchen Gaͤrten mehrere ziemlich ſtarke Mandel⸗ baͤume, welche reichlich trugen; jener Winter aber toͤdtete ſie alle. Es waͤre wohl der Muͤhe werth, den ſchoͤnen Baum, der auch ſchon wegen ſeiner fruͤhen Bluͤthe eine Zierde der Gaͤr⸗ ten iſt, mehr anzupflanzen. Ohne Zweifel wuͤrde er ſich immer mehr an unſer Klima ge⸗ woͤhnen; Diejenigen ſcheinen die Kaͤlte am beſten zu vertragen, welche man auf wilde Pflaumenſtaͤmme pfropft oder okulirt, wie man mit Pfirſchen und Aprikoſen zu thun pflegt, um ſie deſto dauerhafter zu machen. Bey der Anpſlanzung des Mandelbaums muß dahin geſehen werden, daß man ihm einen warmen, lockern, mit Sand vermiſchten Boden giebt; auch will er eine Lage haben, die gegen Nord⸗ und Hſtwinde geſchuͤtzt iſt. Die friſchen Mandeln haben einen angenehmen ſuͤßlichen Geſchmack. Wenn ſte lange liegen, werden ſie des vielen Oels wegen, das ſte enthalten, leicht ranzig, ſchmecken dann nicht ſo gut, und moͤgen auch der Geſundheit nicht zutraͤglich ſeyn; dennoch iſt der Verbrauch der trocknen Mandeln, die oft viele Jahre gelegen haben, in unſern Gegenden ſehr ſtark, und der Handel, der damit getrieben wird, betraͤchtlich. In ſuͤdlichen Laͤndern genießt ſie ſelbſt der aͤßmere Theil des Volks als ein Rahrungsmittel; bey uns aber ſind ſte theuer, und koͤnnen nur von Wohlhabenden bezahlt werden. Die ſüßen Mandeln ſind es vornämlich, die man zu Confekten und allerley Backwerken braucht. Sie kommen theils in Schalen, theits ohne Schalen zu uns aus Frankreich, Italien, Spanien ꝛc. Richt alle ſind von gleicher Guͤte. Die Ambroſinmandeln 2tes Heft. E 18 8— aus Italien ſind ſehr groß und dick. Sie haben einen überaus angenehmen Geſchmack, und man haͤlt ſie nebſt den ſpaniſchen Valenſer⸗ Mandeln für die beſten. Dieſe letzter: kommen uͤber Alicante in Saͤcken zu 400 Pfund zu uns, und ſind vornamlich ſehr breit. Die aftikaniſchen Mandeln, welche aus der Barbareh uͤber Marſeille nach Europa gebracht werden, ſind die ſchlechteſten. Zerſtotzene oder zerriebene Mandeln, mit Waſſer vermiſcht, geben die Mandelmilch, ein ſchr kühlendes und geſundes Getraͤnk fuͤr Patienten. Pflanzen. XIII. Einheimiſche Gewürzpflanzen. AE No. 1 und. Der Hopfen. (Humulus lupulus L) 2 Der Hopfen iſt fuͤr das ganze nördliche Europa, als ein weſentlicher Beſtandtheil des Bie⸗ res, dem er Staͤrke, Gewuͤrz und Dauer giebt, eine hoͤchſt wichtige Pflanze. Er witrd daher auch haͤufig in England und Deutſchland gebauet, und macht einen großen Handels⸗ artikel von Europa aus. Der Hopfen iſt eine dauernde und rankende Pflanze, welche an Stangen oder Baͤumen, alle Jahre wohl 12 bis 18 Ellen hoch hinanlaͤuft. Er hat, wie der Hanf, maͤnnliche(Fig. 1.) und weibliche Pflanzen(Fig. 2.) Die männliche Pflanze, deren Bluͤthe Fig. o. zeigt, trägt kleinen Samen; die weibliche hingegen traͤgt im Herbſte braune, ſchuppichte weiche Zapfen, unter deren Blaͤtterchen ein ſehr kleiner Same(Fig a und b) mit einem balfamiſchen, harzichten Mehle liegt, welches kigentlich das Gewuͤrz des Bieres iſt. Dieſe Zapfen werden, ſobald ſie im Herbſte reif ſind, gefammelt, abgepfluͤckt, feſt in die Fäſſer oder Ballen zuſammengepreßt, damit ihr balſa⸗ miſcher Geiſt nicht verfliegt, und dann fuͤr die Btauereyen gebraucht. Im Handel iſt der Engliſche, Boͤhmiſche, Braunſchweigiſche und Fraͤnkiſche Hopfen am beruͤhmteſten. No. z. Der Coriander. (Coriandrum sativum. L.) Der Coriander gehoͤrt unter die inländiſchen Gewurzpflanzen, welche in Italien wild wachſen, in Deutſchland aber, ſonderlich in Thuͤringen und Franken, haͤufig auf dem Felde gebauet werden. Er hat eine zarte Pflanze, welche roͤthlich bluͤhet, und in kleinen Buͤſchlein(Fig. d.) braune runde Koͤrner(Fig. 6.) traͤgt, welche inwendig hohl ſind, und gedoͤrrt einen ſtarken gewuͤrzhaften Geruch und Geſchmack haben. Sie werden theils in der Mediein, theils zu Confituren, vorzuͤglich aber als Ge⸗ wüͤrz zu Speiſen gebraucht. 9 — —————.— F οο ο ν 8 Der dfen. (Humuluss lapllllus.) Der Hopfen iſt ein rankendes Gewaͤchs. Er gehoͤrt zu den Pflanzen, bey welchen männ⸗ liche und weibliche Bluͤthen auf zwey verſchiedenen Staͤmmen, alſo gänzlich getrennt, ſtehen. Die maͤnnlichen Blumen(Fig. 1.) haben einen fuͤnfblaͤtterigen Kelch. Die Blaͤttchen ſind ſtumpf, hohl und laͤnglich. Die Blumenkrone fehlt. Im Kelche ſtehen 5 kurze Staubge⸗ faͤße. In der Figur ſind alle mäͤnnliche Blumen noch als Knoſpen dargeſtellt. Wenn ſie aufgebluͤhet ſind, gleichen ſte einem kleinen fuͤufſtrahligen Sternchen von gelblich gruͤner Farbe. Die weiblichen Blumen(Fig. 2.) ſtehen in Buͤſcheln, welche einem Fichtenzapfen gleichen. Sie ſehen ebenfalls gelbgruͤn aus, und haben eine viertheilige gemeinſchaftliche und eine vier⸗ blaͤtterige, achtbluͤthige beſondere Huͤlle, deren Bluͤthen einen einblaͤtterigen großen Kelch oh⸗ ne Blumenkrone fuͤhren, und einen kleinen Fruchtknoten mit zwey zutückgelegten Staubwe⸗ gen enthalten. Der Same iſt im Grunde der Blumendecke eingeſchloſſfen. Die Blaͤtter haben einige Aehnlichkeit mit den Blattern des Weinſtocks. Sie ſitzen paarweiſe auf langen, rothen, rauhen Stielen, und ihre Oberflaͤche iſt rauh. Auch die Ranken ſind ſehr rauh anzufuͤhlen, und dieſe Eigenſchaft hat den Rutzen, daß ſte deſto eher und feſter an den Stangen, Baumzweigen ꝛc. feſt halten. Sie ſind allemal da mit einem Knoten verſehen, wo die Blaͤtter ſitzen. In gutem Boden winden ſie ſich zu einer Hoͤhe von 40 bis 50 Fuß und druͤber hinauf. Die Wurzel des Hoofens iſt ausdauernd. Die daraus aufgeſproßten Ranken aber dauern nur Einen Sommer. Im Fruͤhjahre treiben die Wurzeln, die ſich unter der Erde ſehr beſtauden, viele duͤnne Sproſſen hervor, welche aͤußerlich, die Dicke ausgenom⸗ men, den Spargelſprofſen gleichen. Sie entwickeln ſich nach und nach, wie der Spar⸗ gel, erhalten Blaͤtter und ſchmiegen ſich an andere nahe Gegenſtaͤnde feſt an. Der Hopfeniſt eine bey uns einheimiſche Pflanze. Man trifft ihn in Deutſch⸗ tand hin und wieder in dunkeln niedrigliegenden Waldungen an, unter Weiden und Er⸗ lengeſträͤuche. Hier waͤchſt er, ſich ſelbſt uͤberlaſſen mit ſeinen Ranken in Klumpen durch einander, und verſchlingt ſich ſo in ſich ſelbſt und in den Zweigen des Strauchwerks, 15 daß er faſt alles unter ſich etſtickt. Man pflanzt ihn daher auch an Zaͤunen an, wo er undurchſichtige und hohe Hecken bildet, die aber fleylich im Herbſte verſchwinden. Schon fruͤhzeitig lernte man ſeine ſtarken gewuͤrzhaften Eigenſchaften kennen, und hielt es fuͤr rathſam, ihn der Wildniß zu entreißen, und in Gaͤrten anzupſtanzen. Rach dieſer Verſchiedenheit heißt er der wilde und zahme Hopfen. Die weibliche Pflanze nenut man den Laufer, weil ſich ihre Blüthen bey warmen Sonnenſchein auf⸗ thun, und den Samen fallen(laufen) laſſen. Die maͤnnliche hingegen heißt, wie beym Hanf, Fimmelhopfen, tauber Hopfen. Unkundige, die nicht wiſſen, daß bey Pflanzen eben ſowohl Verſchiedenheit der Geſchlechter ſtatt findet, wie bey den Thieren, meinen naͤmlich, der maͤnnliche Hopfen ſey eine untaugliche Hopfenpflanze, die nicht trage. Durch die Kultur iſt dieſes Gewaͤchs ſehr beraͤndett, und man kann ſagen, ver⸗ edelt worden. Durch dieſelbe ſind aber auch, wie das gewoͤhnlich zu geſchehen pflegt, meh⸗ rere Verſchiedenheiten entſtanden. So hat man ſtuͤhzeitigen Staudenhopfen, kleinen ſpaͤten Hopfen, weißen, braunen Hopfen ꝛe. Nach der Beſch ein in Feld⸗ oder Gartenhopfen und in Raſenhopfer 1 Beſchaffenheit des Standorts theilt man ihn 1 Der brauchbare Theil von dieſer Pflanze ſind die weiblichen Bluthen oder Zapfen, Sie erſcheinen etwa im Anguſt. Zur Zeit der Reife des Samens, welcher ſchwärflich iſt, bildet ſich ein oͤliger, gelbgruͤnlicher ſehr gewuͤrzhafter Stanb um denſelben. Er heißt das Hopfenmehl, und er iſt es eigentlich, welcher der weiblichen Bluͤthe den durchdringenden Geruch mittheilt. Die maͤnnliche Bluͤihe wird gar nicht benutzt, daher man auch nur die weibliche Pflanze kultivirt. Vielleicht waͤre es aber gut, wenn man auch maͤnnliche Pflan⸗ zen unter die weiblichen ſetzte, weil alsdann die weiblichen Bluͤthen, und beſonders der Same, durch die Befruchtung mit dem maͤnnlichen Samenſtaube an Vollkommenheit, und wahr⸗ ſcheinlich auch an Wuͤrze und Kraft, gewinnen wuͤrde. Der Hopfenbau erſordert viel Arbeit und Sorgfalt. Der Boden, den er ver⸗ langt, muß niedrig und feucht, dabep) aber warm und feit ſehn. In Gegenden, wo Hopfen gebauet wird, ſucht man dazu immer das beſte Land aus. Je mehr dieſes der Sonne aus⸗ geſetzt iſt, deſto beſſer gedeihet der Hopfen. Wenn man ein Hopfenſtück anlegen will, ſo muß man den Platz dazu ſchon im Herbſte 2 bis 3 Fuß kief rajolen und ſtark duͤngen. So⸗ dann werden in der Laͤnge und Quere 1 Fuß tiefe und brrite Graben gezogen. Ztviſchen den Graben bleibt jedesmal zwey Fuß breit Land liegen. Dadurch wird das ganze Stuͤck Land in lauter Quadrate getheilt, die zwey Fuß Länge und zwey Fuß Breite haben. Da, wo ſich die Graben durchkreuzen, werden im Fruͤhjahre ſogenannte Fächſen, d. i. ſpannen⸗ lange Hopfenwurzeln, die man von einer Hopfenpflanzung nimmt, wit den jungen Sproſſen hingelegt, und mit der daneben liegenden Erde bedeckt. Sie treiben in Kurzem ihre Sptoſ⸗ ſen aus der Erde hervor, und ſteigen an niedrigen Stangen, die man ihnen giebt, empor. 2 Anfangs muͤſſen die Ranken angebunden werden, bis ſie ſich mit einigen Gelenken an den Stangen befeſtiget haben; dann umſchlingen ſie die Stangen von ſelbſt, und ſteigen in die Hoͤhe. In den erſten Jahren, wo die Pflanze ſich noch nicht ſtark bewurzelt hat, iſt der Trieb auch noch nicht ſo maͤchtig, und der Ertrag iſt ſparſam. Je mehr ſich aber die Pflanze unten in der Wurzel beſtaudet, deſto hoͤhet treiben die Ranken, und deſto reichlicher kommen die Bluͤthen hervor. Jaedes Hopfenſtuͤck muß im Fruͤhjahre fleißig bearbeitet, aufgelockert, vom Un⸗ kraute gereinigt und die hervorſproſſenden Pflanzen müſſen behackt und behaͤufelt werden. An dieſer Arbeit iſt ſehr viel gelegen Wird ſte nur obenhin gethan, und läßt man die jungen Pflanzen im Unkraute ſtehen, ſo gedeihen ſie nicht. Da jede Wurzel viele Sproſ⸗ ſen treibt, ſo muͤſſen die uͤberfluͤſſigen ſorgfaͤltig abgebrochen werden, damit eine oder ein Paar deſto mehr gedeihen. Rach dieſer Arbeit werden die Stangen, welche den Winter uͤber auf Hauſen liegen, neben den Pflanzen feſt in die Erde geſezt. Ein Hopfenacker, auf welchem alle Stangen dicht belaufen ſind, giebt im Sommer einen herrlichen Anblick. Schade, daß auch er manehen Uebeln unterworfen iſt. Das gefährlichſte für das Ge⸗ deihen des Hopfens iſt der Mehlthau. Er entſteht, wie auf allen Pflanzen, wenn die Blaͤtter, durch die Sonne erwaͤrmt, ſtark ausdänſten, und wenn dann auf einmal ein kalter Regen oder eine kuͤhle Luft erfolgt. Dadurch ſchließen ſich die Schweißloͤcher in den Blaͤttern, die Ausduͤnſtung wird plößlich gehemmt, die Säfte gerathen in Stockung, und die ausgehauchte Feuchtigkeit, welche ſich auf der Oberflaͤche der Blaͤtter befand, kann der Kuͤhlung wegen nicht verduͤnſten. Sie bleibt ſitzen, wird zu einem klebrigen Saft verdickt, und am Ende in den ſogenannten Mehlihau verwandelt, welcher alle Deff⸗ nungen in den Blaͤltern verſtopft, und eben die Wirkungen in der Pflanze hetvorbringt, sbgeſpuͤhlt wird. die aus zuruͤckgetretenem Schweiße und verſtopften Schweißloͤchern bey Menſchen und Thieren erfolgen. Ein Gluͤck iſts, wenn der Mehlthau durch Regen bey Zeiten wieder Die Reife des Hopfens— ſo nennt man die weibliche Bluͤthe allein— er⸗ kennt man daran, wenn ſich der oben erwaͤhnte gelbgruͤne Staub ſehen laͤßt. Alsdaun iſt es Zeit, den Hopfen zu pfluͤcken, ſonſt verliert ſich das gewuͤrzhafte Weſen. Man ſchneidet die Ranken etwa einen bis zwey Fuß hoch uͤber der Erde ab, ſtreift ſie mit der noͤchigen Vorſicht von den Stangen, und pfluͤckt die Fruchtzapfen ab. Dieſe werden forgfällig an der Sonne und Luft getrocknet, an einigen Orten dicht zuſammengepreßt und in Fäſſern aufbewahrt. In unſern Gegenden ſchuͤttet man den trocknen Hopfen auf Soͤden auf, bis er verkauft wird. Je laͤnger er liegt, deſto mehr berliert er an Kraft. Es iſt. dahet gut, einen Exkrakt davon zu machen, der ſich lange Zeit, ohne an Guͤte zu Verlieren, aufbehalten läßt. Zu dem Ende muß der Hopfen bey ſtarkem Feuer in Waſ⸗ ſer gekocht werden, bis alle Kraft herausgezogen iſt, Hierauf wird die Maſſe durch ein Tuch gepreßt, zu 15 Pfund des Extrakis ein Loth aufgeloͤſte Hauſenblaſe gethan, und 2³ dann die Miſchung bis zu einer gewiſſen Dicke unter beſtaͤndigem Umruͤhren eingekocht, Hat ſie etwa die Dicke des Syrups, ſo gießt man ſie in 1 Zoll hohe Formen von Blech, ſetzt dieſe zum Trocknen auf Backoͤſen, und hebt ſie zum Gebrauch an einem trocknen Orte auf. Zwey Pfund dieſes Extrakts thun eben die Dienſte, wie ein Scheffel Hopfen. Aus dem Geſagten läßt ſich leicht erachten, daß der Hopfenbau nicht nur ein möhſames, ſondern auch ein koſtbares Unternehmen ſeyn möſſe. Er wird dies immer mehr, dadurch beſonders, daß bey zunehmendem Mangel an Holze auch die Stangen im⸗ mer theurer und ſeltner werden. Viele rathen deswegen den wilden Hopfenbau an⸗ Dieſen ſoll man im Raſen, an Zaͤunen und Geſtraͤuchen anlegen, ſich ſelbſt uͤberlaſſen, und zur Aerntezeit die Bluͤthenzapfen davon ſammeln⸗ Dies ginge nun zwar allerdings wohl an, allein ſo gering die Mühe iſt, die man auf dieſe Weiſe auf den Hopfenbau zu verwenden braucht, ſo gering iſt auch ſein Ertrag. Die Zapfen bleiben viel kleiner und dͤͤnner, auch ſitzen die Ranken nicht ſo voll. Ferner erzeugt ſich am wilden Hopfen auch lange ſo viel von dem Mehle nicht, und er iſt daher unkraͤfliger. Endlich wird er wegen ſeines Standes, und weil er ſich in Klumpen verſchlingt, nicht zeitig genug, oder wohl gar nicht reif. Der Gebrauch, den man ſchon ſeit undenklichen Zeiten vom Hopfen macht, iſt be⸗ kannt., Er iſt die beſte Wuͤrze im Biere, und macht daher einen wichtigen Handelsartikel aus. Man verkauft ihn theils nach Scheffeln, theils nach dem Gewichte. In unſern Ge⸗ genden wird der Scheffel, je nachdem er gerathen iſt, mit 8 bis 12, in andern Gegenden mit 16 bis 20 Groſchen ꝛc. bezahlt. Gegenwärtig wird der Hopfenbau in vielen europäͤiſchen Ländern ſehr ſtark bekrie⸗ ben. England gewinnt jaͤhrlich eine große Menge Hopfen von beſonderer Guͤte. In Frank⸗ reich wird wenig gebauet. Man zieht ihn vom Auslande⸗ Deutſchland dagegen hat in ſehr vielen Provinzen einen anſehnlichen Hopfenbau. In Boͤhmen wird viel gewonnen, desgleichen in Franken, Ober⸗ und Niederſachſen. Außer den Fruchtzapfen, um welcher willen der Hopfen eigentlich gebauet wird, benutzt man auch die Ranken mit den Blättern, ſowohl gruͤn, als getrocknet, zum Futter fuͤr das Vieh. Die⸗entblätterten Ranken dienen auch zum Binden, ja man ſoll ſogar Flachs oder Hanf daraus verſertigen koͤnnen. In der Medizin werden die kraͤftigſten Fruchtzapfen gebraucht, und die jungen Hopfenſproſſen, welche im Fruͤhjahr als uͤberfluͤſſig abgebrochen werden, geben abgekocht und mit Eſſig, Pfeffer und Baumoͤl gemiſcht, einen wohlſchmecken⸗ den und ſehr geſunden Salat. 2————— Der Cori ande r. (Cortandrum cativum.) den dieſe Pflanze ſchon beym Plinius fuͤhrt, veranlaßte ihr zenartiger Geruch. Sie iſt ein Doldengewaͤchs, oder eine ſogenaunte der Kuͤmmel, der Dill ꝛc., und wird ein bis anderthalb Fuß hoch. An der Spißt des Slaͤngels erſcheint die Schirmbluͤthe. Der gemeinſchaftliche Schirm hat nicht viel Strahlen; der beſondere mehr. Die gemeinſchaftliche Huͤlle fehlt; die beſondere iſt dreyblaͤtteig und halb. Die Bluͤthen ſehen roͤthlichweiß aus, und haben einen fuͤnſzaͤhni⸗ und gleichfoͤrmige Kronen, wekche außen am Schirme groͤßer und in der Mitte unftuchtbar ſind. Die Frucht iſt kugelrund, glatt, mit ſechs undeutlichen Streifen, und enthaͤlt zwey hohle Samenkörner. Die Blatter an dem Staͤngel ſind verſchieden; die un⸗ terſten ſind geftedert, die mittlern doppelt geftedert und zerſchnitten, die obern doppelt gefie⸗ dert. Im Jauni iſt die Zeit det Bluͤthe. Als Schirimpflanze ſteht der Coriander in der fuͤnften Klaſſe. 5 In Itolien und andern ſuͤdlichen Laͤndern von Europa ſteht man den Corian⸗ der wild auf Acckern ſtehen. Er riecht, ſo lange er gruͤn iſt, durchaus widrig, und er⸗ regt ſogar Kopfweh, wenn man die Ausduͤnſtungen der Bluͤthe lange einathmet. Nach einem warmen Regen iſt der Geruch ſo ſcharf, daß er den Kopf einnimmt, und gewiſ⸗ ſermaßen Betaͤubung verurſacht, daher man ihn auch ehemals fuͤr giftig hielt, und dem Samen, der mit den uͤbrigen Theilen der Pflanze eine gleiche Wirkung zeigt, den Ra⸗ men Schwindelkoͤrner beylegte. Er wird in Frankreich, Italien, Deutſchland und Eng⸗ land im Großen gebauet. In Thüringen und Franken beſaͤet man ganze Felder damit. Der Same wird getrocknet, und in Saͤcken und Faͤſſern als Handelswaare verfendet. Der engliſche und italieniſche iſt der beſte; ſeine Koͤrner ſind viel groͤßer und kraͤftiget, als der hieſtge. Sonderbar iſts, daß ſich der haͤßliche Geruch, den die Körner friſch an ſich haben, nicht nur voͤllig verliert, ſondern daß er ſogar angenehm und gewuͤrzhaft wird. Eben ſo iſt auch ihr Geſchmack nicht mehr widrig, ſondern ſuͤß und gewuͤrzhaft. Die⸗ ſer Eigenſchaften wegen wird der Coriander auch als Gewuͤrz gebraucht. Man thut ihn unter den Teig, und baͤckt ihn im Brode mit, auch unter den Kaͤſe wird er, wie beß uns der Kuͤmmel, gemiſcht. Die Konditorn uͤbetziehen ihn mit Zucker, ziehen ihn mit Branntwein ab 16. In den Apotheken wird er ebenfalls gebraucht. Et treibt die Blaͤhungen ab, ſtaͤrkt den Magen, befoͤrdert die Ausdönſtungen und dergleichen. Bey Quartanftebern ſoll man dor dem Anfalle einen Aufguß von fuͤnf Unzen Wein auf ein Loth Samen austrinken. Man deſtilltrt auch ein Oel aus den Körnern, welches ebenfalls die Aus duͤnſtungen befoͤrdert. Die Aegypter genießen das friſche Kraut an den Speiſen eben ſo, wie wir die Peterfilie, und es ſoll ihnen nichts ſchaden; vermuthlich verliert es die belaͤubende Kraͤfte durchs Kochen. —— 3— aꝛztes Heft, 25 Juſecten. VII. e l ———— „. Der Floh und die Laus, die zbey peinigenden Inſecken fuͤr Menſchen und Thiere, gehoͤ⸗ ren eigentlich zu den Blulfaugern, und berdienen, da man ſie wegen ihrer Kleinheit mit bloßen Augen nicht recht betrachten kann, daß wir ſie vergroͤßert darſtellen, und ſo genauer kennen lernen. No. k. er F loh. (Pulex irritans. L.) Der Floh, von welchem Fig. a. das Maͤnnchen, und Fig. b. das Weibchen in ihrer natuͤrlichen Groͤße zeigt, erſcheint in Fig. 1., wie man ihn durch ein Mieroſcop er⸗ blickt. Er ſieht braun aus, und fein Koͤrpet iſt mit lauter in einander geſchobenen Schil⸗ den bedeckt; hat ſechs Fuͤße, davon die hinterſten ihm zum Springen dienen, borſtige Fuͤhlhoͤrner, und einen ſcharfen Saugſtachel am Kopfe, womit er ſticht und Blut ſaugt. Der Floh iſt unter allen ungefluͤgelten Inſecten das einzige, das ſich verwandelt. Das Weibchen legt naͤmlich ſeine Eyer, die unendlich klein ſind, wie Fig. o zeigt, in abgelegte Hemden, ſchmutzige Kleider, Betldecken, auf das Lager der Hunde, in die Ritzen der Fuß⸗ boden, ungehobelte Breter, Saͤgeſpaͤne oder faules Holz, aus welchen im Sommer nach 6, im Winter aber nach 12 Tagen weiße kleine Maden,(die Fig. d in natuͤrlicher Groͤße, und Fig. e vergroͤßert zeigt) hervorkommen, welche nach 11 Lagen ihre volle Groͤße errei⸗ chen, ſich im Staube ein eyförmiges Geſpinſte machen, und ſich in eine Puppe verwan⸗ deln, die Fig. k vergroͤßert zeigt, aus welcher nach einigen Tagen der vollkommene Floh aus ſchluͤpft. Außer den Menſchen findet ſich der Floh auch bey Hunden, Fuͤchſen, Katzen, Haſen, Eichhoͤrnchen und Igeln, doch nur in gemaͤßigten Climaten, und nicht im kalten Norden. Der Floh kann 200 mal weiter ſpringen, als er ſelbſt lang iſt, und eine Laſt ziehen, die 80 mal ſeine eigne Schwere uͤbertrifft. Er kann 6 Jahr alt werden. In Suͤd⸗ amerika giebt es den ſogenannten Sandfloh,(Pulex Penetrans) der dem gemeinen Floh gleicht, im Staube lebt, und ſeine Eyer den Menſchen unter die Naͤgel der Fußzehen legt, wodurch heftige Schmerzen, Entzuͤndung, und oft der Brand entſteht. le d d (Pediculus humanus. L) Die Laus,(Menſchenlaus) deren natäͤrliche Groͤße Fig. g., die Vergroͤßerung aber Fig. 2 zeigt, lebt bloß auf dem Menſchen, und auf keinem andern Thiere. Sie iſt 0 W 0 I 05 4 weiß beh den Europaͤern,(bey den Mohren ſchwarz) und ſo durchſichlig, daß ihre innern Thelle durchſcheinen. Sie iſt borſtig, und hat 6 Fuͤße mit Haken⸗Scheeren, um ſich an den Haaren feſthalten zu koͤnnen. Das Weibchen, deren man immer roo gegen 1 Maͤnn⸗ chen rechnen kann, legt in 6 Tagen 50 Etyer oder Riſſe, welche ſie an die Haare anleimet, und ihre Fortpflanzung geht ſo ſchnell fort, daß innerhalb 8 Wochen aus zwey Muͤttern 10,000 Läͤuſe eneſtehen koͤnnen. Fig. b zeigt ein befruchtetes, und Fig. i ein ausgeleertes dergleichen Ey, vergrößert. Sonderbar iſt es, daß die Kopflaus und die Leiblaus zwey ganz verſchiedene Gattüngen Inſeeten ſind, und jene nicht am Leibe, dieſe aber nicht auf dem Kopfe leben kann. Von ihren innern Theilen iſt ihr großer mit Blute gefuͤllter Ma⸗ gen beſonders ſichtbar. F loh und L a u 3 Der Floh und die Laus ſind ſehr gemeine und bekannte Inſekten, die aber, wie alles, was die Weisheit des Schoͤpfers hervorgebracht hat, eine naͤhere Betrachtung des Liebhabers der Ratur verdienen. Sowohl die Entſtehung und Ausbildung derſelben, als die Einrichtung und Bildung ihres Koͤrpers, haben ſo viel Wunderbares, daß man nicht ohne Staunen und Bewunderung bey dieſen ſonſt veraͤchtlichen Thierchen verweilt, —.— Deni o 5. ¶ Fuleæ rrritans.) Man kennt außer dem gemeinen Floh nur noch eine einzige Gattung, den Sandfloh, welcher ſich in den ſandigen Gegenden des mittlern Amerika aufhaͤlt, und ſich vorzuͤglich durch ſeinen Saugruͤſſel, der ſo lang, als der Leib iſt, unterſcheidet. Er iſt nicht bloß laͤſtig, ſondern wirklich gefaͤhrlich; denn er kriecht dem Menſchen unter die Raͤgel der Zehen und legt daſelbſt ſeine Eyer ab. Wenn die Eyer ausſchluͤpfen, ſo entſtehen Ge⸗ ſchwuͤre und oft ſo gefaͤhrliche Entzuͤndungen, daß die Fuͤße abgelöſet werden muͤſſen. Die Einwohner ziehen dichtgenaͤhete lederne Struͤmpfe an, um ſich gegen dieſe Inſckten zu verwahren. Der hieſtge gemeine Floh hat, wie jener, einen umgebogenen bo:ſtenartigen Saug⸗ ruͤſſel, welcher in einer gegliederten zweyklappigen Scheide liegt. Auf beyden Seiten des Kopfes ſitzen die kleinen Augen; vorn an der Stirn die beyden kurzen aus vier Glie⸗ dern beſtehenden Fuͤhlhoͤrner, welche das Inſekt, wie den Saugruͤſſel, herabgeſenkt träͤgt. Der Koͤrper iſt nicht, wie bey andern Inſekten, am Halſe und Unterleibe eingeſchnitten, ſondern Kopf, Rumpf und Hinterleib haͤngen dicht zuſammen. Erſterer iſt klein und nicht viel dicker als der Hals, oder Rumpf. Dieſer verdickt ſich allmaͤhlig nach dem —— 2 Auch iſt er von beyden Seiten etwas zuſammengedruͤckt. Von den ſechs Beinen ſitzen die beyden vorderſten am Kopf. Die begzden hinterſten ſind die laͤngſten, und reichen uͤber den ganzen Hinterleib hinaus. Jedes Bein beſteht aus drey Hauplgelenken, die ziemlich ſtatk und läng ſind. Der eigentliche Fuß hat fuͤnf kleine Gelenke, und unter zwey ſpitzige Raͤgel oder Haken zum Anhalten. Die Beine ſind zur Haͤlfte mit borſten⸗ artigen Haaren oder feinen Stacheln beſetzt. Der Floh beſitzt in ſeinen Beinen eine ver⸗ haͤltnißmaͤßig ungeheure Staͤrke, beſonders hat das hintere Paar eine ſolche Schnellkraft, daß vielleicht kein Thier ihm hierin gleichkommt. Der Floh bedient ſich derſelben zum Springen. Dies iſt denn auch ſeine gewöͤhnliche Art, ſich von der Stelle zu bewegen. Zum eigentlichen Gehen ſind die Beine ungeſchickt. Ein im Springen geuͤbter Menſch iſt auf gewoͤhnlichem Boden kaum im Stande zwey bis dreymal ſo weit zu ſpringen, als die Laͤnge ſeines Koͤrpers betraͤgt; ein Floh hingegen ſpringt wohl ſechszig und mehreremal wei⸗ ter, als er ſelbſt lang iſt. Wie viel groͤßer muß alſo nicht ſeine Staͤrke ſeyn!— Daß der Floh eine ungewoͤhnliche Släͤrke beſttzt, ſtht man auch daraus, daß man alle Muͤhe anwen⸗ den muß, ihn zwiſchen den Fingern zu erhalten; ehe man es ſich verſteht, hat er ſich durch⸗ gearbeitet, und entſpringt. Man hat Verſoche angeſtellt, das Gewicht zu erfahren, welches er fortzubewegen im Stande iſt. Zu dem Ende hat man ihn an kleine Kanonen, Wagen, Stuͤckchen Bley, Holz u. ſ. w. geſpannt, und gefunden, daß er eine Laſt fortzieht, die acht⸗ zigmal ſchwerer iſt, als er ſelbſt. Himierleibe zu, der ziemlich dick und groß iſt, im Verhältniß zu den uͤbrigen Körper. Der Floh iſt keinesweges auf dem ganzen Erdboden verbreitet. Nur die gemaͤ⸗ ßigten Zonen der alten Welt ſind ſeine Heimath. In Amierika wird er auch angetroffen. Er befindet ſich aber weder in ſehr heißen, noch in ſehr kalten Laͤndern. Auf der Fahrt nach Groͤnland machte Cranz die Bemerkung, daß ein Hund, der voller Flöhe war, zwiſchen den Inſeln Hittland und Island auf einmal gänzlich davon befteht wurde. In manchen Gegenden iſt er in unſäglicher Menge vorhanden. Pallas fand dieſe Juſekten auf ſeiner Reiſe durch Sibirien in den Riedrungen an der Wolga in ſo erſtaunlicher Anzahl in den Haͤuſern der dortigen Einwohner, daß ſte, wie er ſich ausdruͤckt, bey allen Hunden und bey der Haͤlfte des menſchlichen Geſchlechts nicht Raum genug würden gefunden haben. Den Pferden, welche auf den Riedrungen weideten, ſetzten ſie ſich ſo dick auf die Raſen, daß dieſelben ganz ſchwarz dabon ausſahen. Auch unter den Hottentotten fand le Vail⸗ lant eine unbeſchreibliche Menge. Die Nahrung dieſes Ungeziefers beſteht blos im Blute der Menſchen und einiger Thiere. Auf Hunden und Kagzn ſcheinen ſie am liebſten zu ſitzen. Sonſt werden auch Fuͤchſe, Haſen, Kaninchen, Eichhoͤrnchen, Affen, Igel, Marder, Wieſel, Maͤuſe und an⸗ dere Saͤugethiere von ihnen geplagt. Huͤhner und Tauben haben auch oͤfters Flöhe; allein andere Thiere, z. B. Pferde, Kuͤhe, Schaafe, Ziegen, Hirſche und Schweine bleiben ge⸗ woͤhnlich fley davon. Daß dem Floh nicht jedes Menſchenblut gut ſchmeckt, iſt bekannt, Pirſonen, die rine gewiſſe Schaͤrfe in den Saͤften bey ſich fuͤhren, werden lange ſo arg nicht von ihm be⸗ fallen, als andere, die ein ſuͤßes und leichtes Gebluͤt haben. Dies iſt unſtreitig der Grund, warum Kinder mehr als Alie, und Frauenzimmer mehr als Mannsperſonen vom Floh ge— plagt werden. Von ſeiner Eutſtehungsark machte man ſich ehemals aus Unwiſſenheit gar ſonder⸗ bare Begſiffe. Man glaubte naͤmlich, daß Faͤulniß und Unreinigkeiten uͤberhaupt an und fuͤr ſich ſchon hinreichend waͤren, Floͤhe zu erzeugen. Wenn man einen Topf mit Saͤgeſpaͤh⸗ nen anfuͤllte, ihn im Sommer an einen feuchten dunkeln Oit ſeßte, und fleißig mit Urin an⸗ fluchiete, ſo entſtuͤnden daraus nach einiger Zeit lauter Floͤhe. Allein dies iſt abgeſchmackt. Es werden zur Erzeugung dieſer Inſekten dieſelben Mittel erfordert, wie bey andern. Man unterſcheidet ſehr deutlich Maͤnnchen und Weibchen. Jenes iſt viel kleiner und ſchlanker. Die Paarung ſelbſt kann man leicht beobachten. Das beſruchtete Weibchen iſt ſehr dick. Es legt ſeine kaum ſichtbaren Eyerchen nicht leicht anders wohin, als an feuchte, oder un⸗ reinliche Oerter, beſonders in Betten unter dem mulmigen Stroh und Federſtaube in die Riben der Dielen und des Betigeſtelles. Die Anzahl der Eher, die Ein Weibchen auf Ein⸗ mal legt, beträgt etwa 20 bis 30. Aus denſelben ſchluͤpfen in den heißen Somme mona⸗ ten nach 6 Tagen kleine weißliche Maden und Larven mit gelben Köpfen. Sie ſind an⸗ fangs faſt unſichtbar. Nach und nach werden ſie groͤßer, denn ſie naͤhren ſich von den Feul gkeiten und dem Unrath ihtes Aufenthalts. Sie ſpringen wie Kaͤſemaden, Man kann ſich das Vergnuͤgen ſelbſt verſchaffen, dieſe kleinen Thierchen aus ſchluͤ⸗ pfen zu ſehen. Man faͤngt befruchtrte Weibchen, thut ſie in ein Zuckerglas, oder dergleichen, in welchem angefeuchtete Sägeſpahne und Staub liegen. Die Weibchen legen hier ihre Eyer ab. Die Maden kann man mit Fliegen und andern Jaſekten futtern. Wenn ſte ihre voͤllige Groͤße erreicht haben, welches nach 10 bis 12 Tagen grſchieht, ſo ſchicken ſte ſich zur Verwandlung an. Sie bereiten ſich aus Gemuͤlle ein kleines eyfoͤrmiges Zellchen, in welchem ſie ſich wie Raupen verpuppen, und etwa wiederum nach Verlauf von 10 bis 12 Tagen als vollkommne Floͤhe erſcheinen. Bey kaltem Wetter dauert die Verwandlung ein Paar Wochen laͤnger. Der Floh hat nicht gleich ſeine voͤllige Groͤße erreicht, ſondern er waͤchſt noch, wenn er Rahrung zu ſich nimmt; wenigſtens iſt es gewiß, daß er dicker wird. Das ge⸗ woͤhnliche Lebensziel des ausgebildeten Inſekls ſoll ſich nicht uͤber Ein Jahr erſtrecken; doch wollen es einige 6 Jahre lang lebendig erhalten haben. Der Floh iſt ſeines Springens wegen weit ſchwerer zu vertilgen, als die Laus und andere plagende Inſckten. S lbſt reinliche Menſchen koͤnnen es nicht verhuͤten, daß er ihnen anſpringt; doch niſtet er ſich bey dieſen nicht ein, und vermehrt ſich nicht. Unrein⸗ ———— —— —— ———-—-— — 827 lichkeit iſt hierzu unumgaͤnglich nothwendig. Durch Reinlichkeit kann daher der Menſch der Floͤhplage am ficherſten los werden. Wer beſtaͤndig reine Waͤſche und uͤberhaupt rein⸗ liche Kleider traͤgt, in der Stube und inſonderheit unter dem Bette keinen Unrath, urinoͤſe Feuchtigkeit, Staub ꝛc. duldet, den Fußboden öfters ſcheuern und mit Wermuthswaſſer be⸗ ſorengen laͤßt, der wird das Einniſten und die Vermehtung dieſer beſchwerlichen Gaͤſte ſicher⸗ lich verhindern. Ueberdies muß man dafuͤr ſorgen, daß die Betten oͤfters ausgeklopft wer⸗ den, und daß das Stroh in denſelben nicht zu lange liegen bleibe. Man raͤth auch ſtatt des Letztern lieber Moos zur Unterlage zu nehmen, weil dieſes den Floͤhen zuwider ſeyn ſoll. Wenn man Hunde und Katzen vorher von allen Floͤhen reinigt, ſo kann man ſich ihrer in Betten und Stuben zu Ableitern bedienen, denn bey ihnen halten ſich die Floͤhe lieber auf, als beym Menſchen. Die Thiere ſelbſt reinigt man am leichteſten dadurch, daß man ſie mit ſogenannter ſchwarzer Seife, oder mit altem Thran, Baumol ꝛc. waͤſcht. Auch Schnupftobak und eine Lauge aus demſelben ſoll die Floͤhe vertreiben. —AEAEAʒxÄ—.( 2„26“e— (Fediculus humanus.) Weit zahlteicher an Gattungen iſt das Geſchlecht der Lzuſ, Bis jetzt kennt man beyhnahe 20, und man wird ohne Zweifel noch eine anſehnliche Menge nach und nach entdecken. Denn faſt jedes Saͤugethier, jeder Vogel, und ſelbſt manche Fiſche und Inſekten haben ihre beſondern Laͤuſe. Die unterſcheidenden Kennzeichen dieſer Inſekten ſind zweh kleine ſchwarze Augen, 6 Gangfuͤße, am Munde ein pfriemenfoͤrmiger ſteifer Saugtuͤſfel, welcher in einer zweyklappigen Scheide ſteckt, ſchnurfoͤrmige Fuͤhlhoͤtner und ein plattgedruͤckter, brei⸗ ter und lappiger Hinterleib. Die Menſchen ⸗ oder eigentliche Kopflaus, welche in der Abbildung vorgeſtellt iſt, wohnt außer dem Menſchen nur noch auf dem Schimpamſe(Simia troglodytes.) Sie iſt von der Kleiderlaus der koͤrperlichen Bildung nach ſehr wenig, aber darin ganz ver⸗ ſchieden, daß ſie ſich nur auf dem Kopfe, in den Haaren, und nie auf andern Theilen des Leibes aufhaͤlt. Faängt man daher auch eine Kopflaus mit den Kleidern auf, ſo bleibt ſie doch nicht darin, ſondern zieht ſich nach dem Kopfe, noch weniger ſetzt ſie ihre Niſſe in den Kleidern ab. Die Kleiderlgus hingegen bleibt nur in den Kleidern, ſetzt ſich auf die Haut des Menſchen, wenn ſie ſaugen will, und begibt ſich alsdann zuruͤck. Sie legt auch ihre Niſſe in die Naͤhte und Falten der Kleider. Die äußere Haut der Laus iſt ſehr durchſichtig und pergamenkattig. Hin und wieder erblickt man auf derſelben kleine! Furchen oder Strahlen, welche den Rinnen ode Fuſchen auf der Haut unſcrer Finger ähneln, aber eines ganz andern Urſprungs ſind. Sie entſtehen durch die Veraͤſtlungen in en Luftroͤhren, welche unter der Hant hinlaufen. Hie und da ſieht man auf der Haut noch kleine Kuͤgelchen, wodurch ſte ein ſchagrinartiges An⸗ ſchen bekommt Die Beine haben viele Gelenke, und der Fuß endigt ſich in zwey unglei⸗ che, fehr ſpitzige, etwas gek uͤmmte Rägel oder Haken von hornarkiger Subſtanz Mit denſelben weiß ſich die Laus ſeht geſchickt an den Haaren feſt zu halten. Der Kopf iſt ziem⸗ lich klein und plattgedruͤckt. An demſelben ſitzt vorn der Ruͤſſel oder Saugſtachel, den man jedoch auch unter dem Vergroͤßerungsglaſe nur ſehr ſchwer unterſuchen kann. Er liegt in tine hautigen Scheide, deren Bewegung eben ſo beſchaffen iſt, wie die Bewegung der Schneckeuhörner. Der Geſtalt nach gleicht der Ruͤſſel einer geköpſten Weide. Die Stur⸗ zeln um deuſelben zeigen ſich durch verſchiedne Reihen kleiner Haͤkchen in der Scheide. Sie dienen dazu, daß die Laus ſich damit in der Haut anklammern, und den Ruͤſſel waͤhrend des Saugens feſthalten kann. Die vielen ſilberfarbnen glaͤnzenden Gefäaͤße, die unter der Haut liegen, und nichts anders als Luftröͤhren ſind, geben einen vraͤchtigen Anblick. Sie verbreiten ſich nach allen Theilen des Körpets in verſchiednen Kichtungen und bilden dadurch ein bewunderungswuͤr⸗ diges, ſehr ordnungsvolles Geſtricke. Die Laus ſcheint ganz' Luftroͤhre zu ſeyn; wenigſtens giebt es keinen Theil ihres Leibes, der nicht reichlich damit verſehen waͤre. Alle dieſe Luft⸗ gefaͤße entſtchen aus einem einzigen ſpriralformigen Faden, deffen verſchiedene Wendungen durch eine Haut befeſtiget werden, welche dem Gefaͤße die gehoͤrige Weichheit zu ſeinen Ver⸗ richtungen verſchafft. Die Luftroͤhren laufen nach den Wärzchen, als nach ihren Oeffnun⸗ gen hin. Man zäaͤhlt 14 dieſer Warzen, wovon 7 an jeder Seite ſtehen. Sie haben ganz das Auſehen kleiner Zitzen⸗ Die Hauptluftröhren, welche in dieſe Warzen ausgehen, greifen dicht in einander, und man bemerkt eine Menge dieſer Oeffnungen zwiſchen den Luftgekaͤßen der zweyten Ord⸗ nung. Unter der Haut ſteht man drey Arten von ſehr deutlich ausgezeichneten Muskeln. Sie entſtehen aus einem Haufen gleichlaufender Faſern, die ihtes Theils aus kiner Reihe Kuͤgelchen zu entſtehen ſcheinen. Raͤchſt der Einrichtung der Werkzeuge zum Athmen faͤlle bey, der Laus nichts ſo ſehr in die Augen, als der Darmkanal, welcher die Speiſeroͤhre, den Magen und die Gedaͤrme enthält; denn alle dieſe Theile finden ſich bey der Laus, wie beym vollkommenſten Thiece. Die Speiſttoͤhre erhebt ſich am Ende des Ruͤffels. Sie iſt ein äberaus feiner Kanal, der etſt dann recht ſichtbar wird, wenn der Ruͤſſel in Thaͤtigkrit geſetzt iſt. Eben ſo verhält es ſich mit dem Magen und den Gedaͤrmen. Sie beſtehen aus ſo feinen und durchfichtigen Haͤuten, daß ſie nicht eher recht ſichtbar werden, bis ſich die Laus voll Slut geſogen har. Der Magen iſt ſehr lang und ziemlich weit. Er liegt zum Theil in der Bruſt, zum Theil än Unterleibe. An ſeinem Obertheile finden ſich zwey ſehr deutliche RRrrrrr —— 35 Anſaͤtze. Gegen die Mikte des Mazens zeigt ſich ein kleiner gelblicher Köͤrper an den Wän⸗ den deſſelben, der etwas dichter iſt, als die uͤbrigen Eingeweide. Seiner veränderlichen und unregelmaͤßigen Geſtalt wegen laͤßt er ſich ſchwer bezeichnen. Schwammerdam nennt ihn die Gekroͤsdruͤſe; er hat aber hiebey zu viel auf die Aehnlichkrit der Lage geſehen; denn weiter findet ſich kein Grund zu dieſer Benennung, und der Rutzen iſt zur Zeit noch un⸗ bekannt. Vom untern Ende des Magens fangen die Eingeweide an. Es ſind ihrer vier an der Zahl, welche an manchen Stellen verſchiedene Falten hoben. Setzt die Laus, den Ruͤſſel auf ein Blutgefaͤ, ſo tritt das Blut mit ſolcher Menge und ſo ſchnell in den Darmkanal, daß der Beobachter daruͤber erſtaunen muß. Alsdann ereignet ſich ein un⸗ vermuthetet Auftritt: man ſieht das Blut in kutzer Zeit durch den Kanal laufen, und ihn gaͤnzlich anſuͤlen. Augenblicklich wird alles Innere befeelt, und durch wechfelweifes Zuſammenziehen und Ausdehnen wirkſam. Alle dadurch entſtehende Bewegungen dienen dazu, das Blut zu zerſtücken, zu ſcheiden, blaß zu machen, und es nach und nach durch die erſte Digeſtion in einen Rahrungsſaft zu verwandeln. Der Magen ſcheint alsdann ein neues Leben zu bekommen, und man moͤchte ihn beym Anblick dieſer ſeiner ſtarken Bewegungen fuͤr ein Thier halten, das in einem andern eingeſchloſſen iſt. Die Laus hat ein Gehien und ein Ruͤckenmark. Beyde ſind von dieſen Thei⸗ len in den Raupen und raupenaͤhnlichen Geſchoͤpfen in mancher Hinſicht verſchieden. Das Gehirn der Laus gleicht zwey Birnen, die mit den dicken Enden zuſammenſtoßen. Auf ſeiner Oberflaͤche laufen ſehr viele Luftroͤhren hin, und aus ſeinem Innern kommen ver⸗ ſchiedene Rerven, worunter die Sehenerven die kenntlichſten ſind. Die Augen, wohin jene fuͤhren, ſcheinen Facetten und eine Traubenhaut zu haben, welche Schwammer⸗ dam ſogar abloͤſte. Das Ruͤckenmark liegt, wie bey der Raupe, an der Seite des Balchs, erſtreckt ſich nur vom Kopfe bis zum Anfange der Hinterbeine, und nimmt daher nur die Gegend der Bruſt und des Bruſtſtuͤcks ein. Da, wo es aus dem Gehirn hervor⸗ kommt, gleicht es einem ſehr feinen Faden. Es hat nur drey Knoten oder aufgeſchwol⸗ lene Stellen, die aber verhaͤltnißmaͤßig groͤßer, als im Ruckenmark der Raupe ſind. Jeder dieſer Knoten liefert einen Rervenſtamm, der zu den Muskeln der Beine geht, und von dem hintern Ende des letzten Knotens entſpringen ſechs andere Staͤmme, die ſich zu den Eingeweiden vertheilen. Die Knoten, nebſt den daraus entſpringenden Rerven, ſind oben voller Luftroͤhren, deren Wirkung unter dem Glaſe ſehr ſchoͤn ins Auge faͤllt. Der fettartige Theil, der ſich in denjenigen Inſekten befindet, welche ſich verwan⸗ deln, und der bey der Verwandlung von ſo großer Bedeutung zu ſeyn ſcheint, findet ſich auch bey der Laus, ob ſich gleich dieſe nicht verwandelt. Er gleicht einer Gallerte, worin man eine Menge Theilchen, theils von kuglicher, theils von anderer Geſtalt antrifft. aatrs Heft. E Herz und Pulsader, konnte Sch wam mer dam bey ſeinen ſorgfäͤlligen Unter⸗ ſuchungen nicht entdecken Indeß laͤßt ſich daraus gar nicht ſchließen, daß dieſe Theile beiz der Laus fehlen. Vielmehr iſt es wahrſcheinlich, daß auch ſie vorhanden, aber ſo klein ſiad, daß ſelbſt das bewaffnete Auge nicht zureicht, ſte zu entdecken⸗ Eitter der fchönſten Theile in der Laus iſt der Eherſtock. Er iſt doppelt, nämlich an jeder Seite Einer. Der Geſtalt nach gleicht er einer Traube. Die Eyer ſind die Bee⸗ ren; doch ſitzen ſie nicht, wie dieſe, an Stängeln feſt, ſondern ſie liegen reihenweiſe in einer Art von Eingeweide, welches aus einer aͤußerſt feinen Haut beſteht und ebenfalls ſeine Luſtroͤhren hat. In dem Eyerſtocke zeigen ſich fuͤnf einander gleiche Gaͤnge oder Zweige, die mit den Spitzen zuſammenlaufen, und ſich in einen gemeinſchaftlichen Kanal endigen, der mit einem der Gebaͤrmutter ahnlichen Theile in Verbindung ſteht. Die naͤchſten Eyer an dirſem gemeinſchaftlichen Kangl ſind die groͤßten und zum Legen ausgebildet. Je weiter ſte ſich vom Kanal entfernen, deſto mehr nimmt auch ihte Groͤße ab. Die Oeffnung des Ka⸗ nals iſt vom Hintern unterſchieden, und liegt unter demſelben. Schwammerdam zählte in jedem Eyerſtock 54 Eyer. An dem obern Ende werden ſte ſo klein, daß ſie durch die beſten Linſen nicht mehr zu unterſcheiden ſind. Zu beyden Seiten der Gehaͤrmutter iſt ein Behaͤltniß mit einer klebrigen Feuchtigkeit, womit die Laus beym Legen die Eyer au⸗ klebt. Rach Schwammerdams Wahrnehmungen ſollte man faſt die Laͤuſe für Zwitter halten, denn unter 40 Laͤuſen, welche er zerlegte, fand ſich keine einzige ohne Eyerſtock. In⸗ deß iſt es jetzt ausgemacht, daß man Maͤnnchen und Weibchen, wie bey andern Inſekten, unter ihnen findet; aber unter 100 Weibchen trifft man im Durchſchnitt gewoͤhnlich nur Ein Männchen an. Der Hinterleib des Maͤnnchens iſt ſchmaler, und endigt ſich in einer Ait von Spitze, die unter den Bauch geſchlagen lverden kann; der Leib des Weibchens iſt brriter, hinten rund, und daſelbſt mit einer Spalte verſehen. ö Die Eyer oder Niſſe der Laus ſind auch ſehr wunderbar gebildet. Ihre Figur iſt colindriſch, das untere Ende rund, das obere faſt ganz platt und wie ein Deckel geſtaltet. Die Riſſe iſt gleichſam eine Buͤchſe, worin ein kleines lebendiges“ Thierchen eingeſpertt iſt. Wenn dieſes feine Vollkommenheit erlangt hat, ſo ſtößt es den Deckel auf, welcher ſich wie in einem Gewinde bewegt, und kommt herqus. Die Niſſe iſt hell durchſtchtig, wie Kry⸗ 9 ſtall, und man wird durch ein Vergroͤßerungsalas, noch ehe der Deckel ſich oͤffnet, das Laͤuschen nach allen ſeinen äͤußern Theilen gewahr. Die Kopfläuſe kleben ihre Eyer immer an ein Haar. Nach 6 bis 7 Tagen ſind ſie zur Enttsicklung reif, wozu vornämlich die warme Ausdünſtung des menſchlichen Kopfes viel beyträgt. Die jungen Läͤuſe haben gleich bey ihret Geburt ihre vollige Geſtalt, nur nicht die gehoͤrige Gröͤße. Anfongs ſind ſie wie Kaͤſemilben; aber bald ſuchen ſie ihre be⸗ ſtimmte Rahrung von den Saͤften des menſchlichen Koͤrpers, und wachſen. Sie haͤuten ſich waͤhrend des Wachsthums einigemal, und ſind dann nach 18 bis 20 Tagen ſaͤhig, ihr W ———— ——. 9 K— 85 Geſchlecht fortzupflanzen. Wie lange eine Laus lebe, laͤßt ſich nicht genau angeben, doch⸗ mag es nicht uͤber 1 Jahr ſeyn. Die der gtuße iſt ungcheuer, beſondrie wenn ſte durch Umſtände be⸗ Ä wird. Unreinlichkeit, ungeſunde Saͤfte im Koͤrper des Menſchen, Ausſchlag und gleichen ſind die Urſach einer ſchnelle en Vermehrung. Ein Weibchen kann in Einer 3 wohl 209 Eyer legen. Die ausgekommenen Juüägen ſind nach hoͤchſtens 4 Wochen wiederum im Stande, ein Gleiches zu thun. Welche Vermehrung! Wite der Floh, ſo liebt auch die Laus die Saͤfte von Kindern mehr, als von Alten. Kinder werden aus dem Glunde mehr von Laͤuſen gepiggf⸗ Es iſt—— wenn man behauptet, daß bey Kindern eine gewiſſe Anzahl von Laͤuſen gut waͤte, weil ſie die unreinen Saͤfte verzehrten. Man vethuͤte läber durch Pflege und die der Saͤfte, als daß man das Un⸗ geziefer uͤberhand nehmen laſſe. Es iſt⸗ ferner ein Benahi, wenn man glaubt, die Laͤuſe waͤren die⸗ Urſach von Kopfausſchlaͤgen. Sie ſind vielmehr gemeinig lich die Folge davon. Auch irrt man ſich, wenn man meint, die Laͤuſe fräßen Loͤcher in die Haut. Da dieſe 75 nur einen Saug⸗ ruͤſſel, aber eigentlichen Freßwerkzeuge haben, le iſt dies uumoͤglich. Der Stich mit dem Saugruͤſſel verurſacht viclmehr ein Jucken, und dies gie ebt Anlaß zum Kratzen, wodurch natuͤrlich Loͤcher entſtehen muͤſſen. Eine der fuͤrchterlichſten Krankheiten, die man kennt, iſt unſtreitig die ſogenaunte Laͤuſeſucht. Noch weiß man nicht gewiß, ob die Krankheit das Entſtehen der Läuſe, oder umgekehrt, dieſe Inſekten das Entſtehen der Krankheit verurfachen. Nach dem, was man von der Fortpflanzung der Laus weiß, ſollte man kaum das Letztere vermuthen. Nichts iſt wahrſcheinlicher, als daß der Same Laͤufen, wenn die Saͤſte des Koͤrpers durch ſchaͤnd⸗ liche Ausſchweifungen gͤͤnzlich verderbt, und, ſo zu ſagen, in Faͤulniß uͤbergegangen— ſchnell ausgebrutet werde, und daß die Laͤuſe durch eben ſo ſchnelles Wachsthum und ploͤtz⸗ liche Vermehꝛ ung ſich ſo anhaͤufen, daß ſie die mit Geſchwüten bedeckte Haut untergraben, und dann aus dem Innern hervorzukriechen ſcheinen.— Die ung dieſer ſchrecklich⸗ ſten aller Krankheiten erweckt Schauder und Abſcheu. Der Koöͤrper wird an vielen Stellen mit eiternden Geſchwuͤren bedeckt, welche aufbr⸗ echen und von Ungeziefer wimmeln. Aus der Naſe, den Augen und Ohren ſollen f ſogar Laͤuſe hervorkrie chen. Keine menſchliche Kunſt, kein ANä8al0el iſt im Stande, dieſem Uebel zu ſteuern. Der Ungluͤckli che Wuß langſam und unter den grauſamſten Qualen ſeinen Geiſt aufgeben. Sowohl die alte als neuere Geſchichte hat uns Wloſpieie von Menſchen aufgeſtellt, welche an dieſer ſtarben, z. B. Solla, Herodes und Philipp der Zweyte, König von Spanien“). ) Der vor einigen Jahren verſtorbene P. Gocßze in Quedli uburg ſahe ſelbſt einmal einen von der Läuſ⸗ fucht gepkagten Menſchen— wenn ich nicht irre, einen Handwerksburſchen— wovon er im IV. B, ſeines nuͤtzlichen rley Rachricht giebt. 2 Wenn, wie es oft geſchieht, Läͤuſe bey den Kindern zu ſehr überhand 005 E kann man ſteh ohne Schaden des Peterſilienſamens zu ihrer Vertilgung bedienen. Man zerſtößt ihn, und macht mit ungeſalzener Butter eine Salbe daraus, womit der Kocf beſtri⸗ chen wird. Die Laͤuſe ſterben alle davon. Sie mit Queckſilber zu loͤdten, iſt fuͤr die Ge⸗ ſundheit der Kinder eine hoͤchſt gefaͤhrliche Sache. V Merkwaͤrdig iſts, was ſchon die Alten wußten, daß ſich die Farbe der Laͤnſe nach der Farbe des Menſchen richtet. Bey den Mohren ſind ſie ſchwarz; bey den Blonden hel⸗ ler, als bey Braunen. Daß ſie ſich aber bey den Schiffern verloͤren, wenn dieſe die Linie paſſiren, iſt eine Fabel. Erſtaunen muß man, wenn man hoͤrt, daß die Neuſeelaͤnder, manche Neger, die Hottentotten und andere ſogenannte Wilde ein Inſekt, bey deſſen Namen wir Ekel empfin⸗ den, mit Appetit verzehren koͤnnen. Das Laͤuſeeſſen muß auch in Amerika Sitte geweſen ſeyn. Wenigſtens warſen es die Spanier den alten Merikanern vor, und brauchzen es zum Vorwande, warum ſte ihr Land eroberten. Nach der Einnahme von Mexiko bemaͤchtigten ſich die Spanier der Schatzkammer des Montezuma, und fanden daſelbſt unter andern mehrere Beutel voll Laͤuſe, die dem Koͤnige als Tribut waren eingereicht worden. —————— Vögel. Merkwürdige Sumpf⸗ und Waſſervoͤgel. 8———— No. 1. Der Fregattvogel⸗ (Pelecanus aquilus. L.) Der Fregattvogel gehoͤrt zu den Waſſer⸗ Raubvögeln. Er lebt auf den Inſelu des. Wekk⸗ meercs, ſonderlich auf einſamen Klippen und hohen Baͤumen des Ufers, auf denen er auch niſtet. Er ſteht am Leibe ſchwarz, an der Kehle und Bruſt grau aus, und hat einen ro⸗ then hakenformigen Schnabel. Seine Länge iſt vom Kopf bis zum Schwanze etwa andert⸗ halb Fuß, ſeine Fluͤgel ſind aber ausgebreitet 12 bis 14 Fuß lang; daher er auch ſo er⸗ ſtaunlich hoch in der Luft kliegt, daß man ihn faſt nicht mehr ſicht. Er iſt ein geoßer Fiſch⸗ rauber, und naͤhrt ſich beſonders von den fliegenden Fiſchen, die er in det Luft faͤngt. Nner Der kAühingzz 8(latus Anhinga. L.) 3 Der Anhinga oder Schlangenvogel bewohnt vorzuͤglich Braſtlien, lebt auf den Fluͤſſen und naͤhrt ſich von Fiſchen, wozu ihm ſein ſehr langer Hals dient, den er ſpiral⸗ foͤrmig wie eine Schlange zuſammenrollt, und auf die Fiſche, die er fangen will, losſchnellt. Er iſt von der Groͤße einer großen Ente, ſtehe ſchwarz und weiß aus, und hat einen glatten Kopf. No. 3z. Der Gannet oder Baſſaner. (Pelecanus Bassanus.) Der Gannet,(Baſſaner oder die Schottiſche Gans) lebt in Norden von Europa und Amerika, und bewohnt vorzuͤglich die Schottiſche Inſel Baß, wo ſte ſich ſonderlich zur Brüͤtezeit in ſo ungeheuerer Menge verſammeln, daß ſie wie Wolken den Himmel verdun⸗ keln, und man von ihrem Geſchrey betaͤubt wird. Sie bruͤten in ſchroffen hohen Felſen⸗ klippen, wo man ihre Eyer und Jungen zur Speiſe mit ſchaudervoller Lebensgefahr aus den Reſtern holt. Der Gannet hat die Groͤße einer kleinen Gans. Kopf, Hals und Ruͤcken ſind ſchwarz, der Bauch weiß. 33 No. 4. Der Gannet von Cayenne. Dieſer weicht vom Schottiſchen Gannet blos darin ab, daß er mehr aufgerichtet ſteht, und uͤber den ganzen Leib weißgefleckt iſt. No. 5. Der Egyptiſche Fbis. (Tantalus Ibis. L.) Der Ibis, den die alten Egypter goͤttlich verehrten, ihn wie ihre Mumien einbal⸗ ſamitten in cigenen großen Eatacomben begruben, und auf ihren Denkmaͤlern verewigten, lebt nur in Egopten an dem Ulfer des Rits, wo er ſich von Froͤſchen, Schtangen und andern Auphibien naͤhrt, und dadurch, daß er das Land bon dem Uuẽngezi ſer beim Zurüͤcktreten der Nik⸗ Uebesſchwemmungen reiniget, fuͤr das Land ſehr wohkthaͤtig wid. Er iſt etwas groͤßer als ein Storch, der Koͤrper roͤthlich weiß, das Geſicht roih, det Schnabel gelb. Man ſcheibt auch dieſem Vogel die Erfindung des Klyſtiers zu. No, 6. Der Brachvogel vom Cap. (Tantalus calvuss L) Der Courly oder Brachvogel vom Vorgebirge der guten Hoffnung, lebt im ſuͤdli⸗ = chen Afrika, iſt kleiner als der Ibis, hat ein denkel ſtahlgruͤnes Geſteder, einen nackten Kopf, auf demfelben aber eine hochrothe Kappe, welches ihm ein ſehr ſchoͤnes Anſehen giebt. Der Fregattvogſe l. 8 Pelecanus aglellis.) Ein bewundernswuͤrdiger Vogel!— Gewiſſer Aehnlichkeiten und beſonders des hohen Fluges wegen, nennt inan ihn auch den Meeradler, Adlerpelikan, gemeinhin aber die§e⸗ gatte. Er iſt ein wahrer Schwimmvogel aus dem Geſchlechte der Pelikane. An G öße übertrifft ſein Körper eine Haushenne meiklich. Er mißt von der Spitze des Schnabels 3 Fuß und beynahe 5 Zoll; die ausgebreiteten Fluͤgel aber meſſen r4 Fuß. Nach Verhaͤlt⸗ niß giebt es keinen Vogel, deſſen Schwingen ſo lang und groß waͤren. Auch der Schwanz iſt anſehnlich; denn er mißt bis zu der Spitze der aͤußerſten Federn 19 Zoll. Seine Ge⸗ ſtalt iſt gabelfoͤimig. Im Fluge breitet ihn der Vogel weit aus. Der Schnabel iſt unge⸗ faͤhr 8 Zoll lang, und beyde Kinnladen an der Sypitze ſind ſtark abwaͤrts gekruͤmmt Die großen ſchwarzen Augen kuͤndigen einen ſcharfen Blick an, und den beſttzt die Fregatte in der That. Er war aber auch zu ihter Lebensart nöthig. Man erſtaunt uͤber die Hoͤhe, von welcher herab der Vogel ſeine Beute, einen Fiſch im Waſſer, erblickt. Der Kreis um die Augen iſt nackt und ſchwarz; das Geſicht uͤbtigens rolh. Beym Männchen fin⸗ det ſich im Alter eine roͤthliche warzige Haut, faſt wie am Truthahn; dieſe mangelt dem Weibchen. Bey letzterm iſt auch der Schnabel ſchwatz, da er beym Maͤnuchen eine ko⸗ the Farbe hat. Die Beine ſind an bepden ſtark, kurz und ſchwarz, die Zehen mit dop⸗ pelt eingeſchnittenen Schwimmhaͤuten verbunden und mit ſtarken ſpitzigen Krallen be⸗ waffnet. Am Maͤnnchen iſt das Geſieder uͤber dem ganzen Koͤrper von einer blaͤulich ſchwarzen Farbe, unten an der Bruſt und an den Schenkeln eiwas blaͤſſer. Das Weib⸗ chen ſieht eben ſo aus; nur iſt ſein Bauch weiß. Einige dieſer Voͤgel haben auf dem Rucken, an den Flügeln und unter dem Bauche ein dunkelgraues Gefieder. Sie werden fuͤr Junge gehalten. Nicht ohne Abſicht gab die Natur dieſem Vogel die großen Fiktige. Sie ſind dem Aufenthalt und der Lebensart, die ſie ihm beſtimmle, eben ſo angeme ſen Und unent⸗ behrlich, wie ſein ungemein ſcharſes Grſicht. Man kann mit Grunde annehmen, daß die Fregatte ihre meiſte Zeit in den Luͤften ſchwebend zubringt. Sie fliegt mit Anbe⸗ 40 ſchreiblicher Leichtigkeit uͤber das weite Meer dabin, und ſchwingt ſich ſo hoch hinauf in die Luͤfte, daß ſie das Auge, ungeachtet der großen weeit ausgebreiteten Fluͤgel, verliert. Keiner von allen jetzt bekannten Voͤgeln des Erdbodens kann ſo lange im Fluge aus⸗ dauern, trie die Fregatte. Man weiß, daß ſie 8 bis 900 Stunden äͤber dem Metre zu ſchweben im Stande iſt, ohne auch nur ein einziges mal auszuruhen: denn ob ihr gleich die Ratur, als einem Vogel, der ſeine Nahrung aus dem Waſſer nehmen ſollie, die Schwimmfoͤße nicht verſagte; ſo hat man doch niemaks geſehen, daß ſte ſich auf die Meeresflaͤche niederlaͤßt. Es wuͤrde ihr aber auch ſchwer werden, ſich wieder zu erheben, weil ihre großen Schwingen dies vom Waſſer aus nicht geſtatten. Eben ſo wenig ſetzt ſie ſich auch auf ebenen Boden nieder; denn auch hier wuͤrde ihr das Auffliegen aͤußerſt beſchwerlich werden. Wenn ſie ausruhen will, ſo geht ſie nach ſteilen, ſpitzigen Klippen, auf Baͤume und dergleichen. Auch hat man ſie bey Stuͤrmen ſchon oft auf den Maſten der Schiffe ruhen ſehen, und ihr daher den Namen Sturmvogel heygelegt. Die Fregalte fliegt bald hoch, bald niedrig, und weiß ſich ſehr geſchickt zu wen⸗ den. Ihr Flug iſt ſchnell. Sie ſchwebt bisweilen ungewoͤhnlich laͤnge in der Luft auf Einem Punkte, ohne die Flügel zu bewegen. Ploͤtzlich ſchießt ſte herab, und faßt einen Fiſch, den ſie von oben erblickte. Sie entfernt ſich unter allen fliegenden Voͤgeln am weiteſten von der Kuͤſte ins Weltmeer. Schon 3 bis 400 Mlilen weit wurden ſie bon Srefahrern fern vom Lande angetrofſen„).— Meiſtentheils fliegt ſie fehr hoch, und ſchwebt felbſt in den Wolken. Hier erleichtert dern Vogel gewiſſermaßen die Atmosphaͤre ſelbſt den Flug, und läßt ihn ſo zu ſagen ausruhen. Ueberdies ſind ihm in dieſen Re⸗ gionen nicht Stuͤrme und Regen beſchwerlich, die tiefer unten ſein Geſteder ſtraͤuben und be⸗ netzen, und dadurch das Fliegen beſchwerlich machen wuͤrden. Daß große Weltmeer iſt der wahre Auſenthalt des Fregattvogels. Inſonderheit trifft man ihn haͤufig zwiſchen den Wendekreiſen an. Hier bewohnt er die Inſeln St. He⸗ lenä, St. Manritius, Bourbon und viele Sͤdſteinſeln. Er kommt aber auch nordwäts und ſogar nach Deutſchland. Im Januar 79 wurde auf der Weſer bey Hannooeriſch Minden einer geſchoſſen, der ſich einige Tage von Weſerſtſchen genaͤhrt hatte. Fiſche find feine einzige Nahrung. Er ſaͤngt ſie theils ſelbſt, theils jagt er ſie an⸗ dern Waſfervögeln ab. Eben deswegen haͤlt er ſich auch gern da auf, wo andere Rauboö⸗ gel uͤber dem Meere ſchweben. Es iſt ein Vergnuͤgen zu ſehen, wie der ſchlaue Vogel die andern noͤthigt, ihre Beute fallen zu laſſen. Faͤllt ſie, ſo faͤngt er ſte geſchickt mit dem Schnabel auf, che ſie noch ins Waſſer kommt. Mit dem Schnabel zieht er auch die Fiſche Dem twiderſpricht, was Forſter in tiner Anmerkung zu Be 1gt Ber gius uͤber die vecke⸗ eyen Th. 2 ſagt Dieſemnach ſoll ſich die Eregatte nie weit vom Lande entfernen.— Sollte dies wohl nur zur Zeit des Brütens der Fall ſehn 2 4˙ ſelbſt aus dem Waſſer herauf. Er verſteht ſehr gut, die Plaͤtze zu finden, die ihin einen guten Fang verſprechen. Auch den Raubfiſchen faͤngt er ihre Beute vor dem Maule weg. Das Reſt ſoll dieſer Vogel lheils auf Baͤumen, theils auf bloßen Felſen bauen. Das Weibchen legt zwey Eyer, die fleiſchfarbig und mit dunkelrothen Flecken beſtreuet ſind. Forſter ſagt: auf der Inſel Afcenſton konnte man die Fregatten, wenn ſie auf dem Neſte ſaßen, mit Haͤnden greiſen, und man mußte ſie wegwerfen, wenn man die Eyer haben wollte. Sie laſſen uͤberhaupt den Menſchen auch mit der Flinte nahe an ſich kom⸗ men, zumal wenn ſie hungrig ſind. Den Schiffen folgen ſie oft bis ans Land. Sie ſind daher keine Seltenheit in Naturalienkabinetten. Das Fleiſch ſoll nach Fiſchen ſchmecken; aber doch zu genießen ſeyn. Dem Fette ſchreibt man eine erweichende Kraft zu, und braucht es wohl noch an einigen Orten als Arzneymittel. 25 * D e r Alnn hin gea. Cuotut Anſinga) Der Anhinga oder Schlangenhalsvogel iſt ein ſonderbares Geſchöpf. Buͤffon ſagt ven ihm: der Anhinga zeigt uns ein kriechendes Thier, das auf den Leib eines Vogels ge⸗ pfropft iſt. In der That muß Jeder, der nur den Hals dieſes Vogels ſteht, wenn der üͤbri⸗ ge Leib auf dem Baume hinter dem Laube verſteckt iſt, ihn fuͤr eine Schlange halten, die ſich den Baum hinan gewunden hat. Die ganze Geſtalt des Halſes, die Farbe und alle Bewegungen ſind in hohem Grade taͤuſchend. Der Anhinga mag ſchwimmen, ſitzen oder liegen, immer iſt der lange duͤnne Hals, den er beſtaͤndig bewegt, der hervorſtechendſte Theil ſeines Leibes. Nur im Fluge haͤlt er ihn ausgeſtreckt und unbeweglich, ſo daß alsdann Kopf und Schwanz eine ſchnurgerade Linie bilden. Er gehoͤrt zu den Schwimmvoͤgeln. Am beſten ſcheint man ihm zwiſchen den Pelikanen und Tauchern ſeinen Platz anweiſen zu köͤnnen. Mit beyden Voͤgelarten hat er Aehnlichkeit. An Groͤße gleicht er einer Ente; doch iſt das Mäͤnnchen etwas gröſſer. Im Verhaͤltniß zum Leibe iſt der Hals ſehr— naͤmlich r Fuß— lang; der Kopf klein und laͤnglich; der Schnabel mißt 3 Zoll, iſt ſpitzig, vornher bis uͤber die Haͤlſte zu beyden Sei⸗ ten mit ruͤckwärts gebogenen Spißen ſcharf gezaͤhnelt, von Farbe grau, an den Wurzeln Wlb Die Augen ſind ſchwarz und mit einem— Ringe umgeben; das Geſicht iſt ꝛàgtes Heft. 12 tutt Federn beſetzt; alle vier Zehen ſind durch eine Schwimmhaut mit einander verbunden. Kopf end Hals ſind mit grauweißlichen, weichen, wolligen Federn beſetzt; der Ruͤcken iſt hräͤunlich und ſchwarz gemiſcht; jede Feder hat auf demſelben einen gelbllichen laͤnglichen Flecken. Der breite, 10 Zoll lange Schwanz hat 12 Ruderfedern, die tief gefurcht und ſos wie der ganze Unterleib von der Bruſt an von ſchoͤner ſchwarzer Farbe ſind. Maäͤnnchen und Weibchen haben etwas verſchiedene Farbet. Mon fiadet die Anhinga's in Aſien, Afrika und Amerika. Le Vaillant ſchoß zwey derſelben, Maͤnnchen und Weibchen, die ſich von denen in Braſilien und andern Theilen von Suͤdamerika unterſchieden. Das Waſſer iſt dieſem Vogel zwar zum eigentlichen Aufenthalt beſtimmt; man ſieht ihn aber doch hauftg auf dem Lande. Sein Reſt bauet er auf Bäͤumen und Felſen und bruͤtet daſelbſt feine Jungen aus. Er waͤhlt aber immer ſolche Stellen, wo er die Jun⸗ gen, ſobald ſie ſchwimmen köoͤnnen, oder, wenn ſie vom Feinde bedrohet werden, ins Waſſer ſtuͤtzen kann. Er iſt ein ſchlauer und zugleich ſehr vorfichtiger Vogel, dem man nur mit aͤußerſter Behutſamkeit und Liſt bepkommen kann. Als Le Vaillant die vorhin er⸗ waͤhnten beyden erblickte, und ſchießen wollte, rieth ihm ſein Begleiter ja nur in der Entfer⸗ nung zu ſchießen. Um deſto ſichrer zum Zweck zu gelangen, fuͤhrte er Hrn. Le Vaillant 2 bis 300 Schritte weit von dem Baum, auf welchem dieſe Voͤgel ſaßen, unterhalb weg, und ſagte ihm, daß er ſich verſtecken ſollte, und kehrte ſodann in die Gegend zuruͤck, wo die Voͤgel ſich befanden. Er meynte, daß ſie, ſobald er ihnen nahe käͤme, aufgeſcheucht werden, Herrn Le Vaillant uͤber den Kopf wegfliegen und ſo zum Schuß kommen wuͤrden; al⸗ lein die Voͤgel waren, wie ſich Le B ailkant ausdrückt, feiner als ihre Feinde. Sie ſa⸗ hen jetzt nur noch Einen Menſchen, und dies mochte ihnen Argwohn beybringen; daher flogen ſie von einer andern Seite davon. Um ſie nicht aus der Gegend zu verſcheuchen, wurden ſie für diesmal nicht weiter aufgeſucht. Abends nach Sonnenuntergang begab ſich Le Vaillant allein, und zwar geradewegs nach ſeinem Hinterhalt, und ließ ſeine Begleiter nach dem Baum zugehen, wo die Voͤgel wieder ſaßen Diesmal gelang die Liſt. Beyde flogen 20 Schritte vor dem Hinterhalt hin, und ſtuͤrzten beyde auf Einen Schuß mit der Doppelflinte zur Erde. Wenn man den Anhinga beym Schwimmen uͤberraſcht, gelingt es, wie es ſcheint, noch ſchwerer, oder gar nicbt, ihn zu ſchießen. Man kann alsdann nichts wei⸗ ter von ihm ſehen, als den Kopf. Mit dieſem taucht er in dem Augenblicke unter, wo der Hahn losgedruͤckt wird. Hat man ihn aber Einmal verfehlt, ſo iſt alle Muhe, ihm behzukommen vergeblich. Nun kommt er zwar aufs neue hervor, verſchwindet aber au⸗ genblicklich wieder. Nur nach langen Zwiſchen⸗äumen ſteckt er den Kopf in die Hoͤhe, und auch dann nur ſo lange, als er Zeit braucht zum Athmen. Er iſt ſo liſtig, daß er oft 200 Schritte oberhalb des Jäͤgets untertaucht, und uͤber 1000 Schtitte unterhalb 43 deſſelben Luft ſchöͤpft, waͤhrend man ihn immer noch oberhalb erwartel. Findet er end⸗ lich Schilf, ſo verſteckt er ſich darin, und kommt gar nicht wieder zum Vorſchein. Der großen Fluͤgel wegen fliegt diefer Vogel gut, und faſt eben ſo, wie der Pelikan. Er ſchwimmt aber auch geſchickt. Die Federn ſeines großen Schwanzes ſind ſtark elaſtiſch, und daher zum Steuern bequem, wenn ſich der Vogel unter dem Waſſer befindet, und die Fiſche verſolgt, welche ſeine einzige Rahrung ausmachen. Kleine Fiſche verſchlingt er gleich ganz im Waſſer; gröͤßere aber nimmt er mit auf einen Baum oder Felſen, tritt mit dem Fuß darauf, und zerlegt ſie mit dem Schnabel⸗ Beym Fiſchen foll er den Hals ſpiralſoͤrmig zuſammenwinden, und dann ploͤtzlich damit auf den Fiſch losſchnellen, und ihn erſchnappen. Das Fleiſch wird fuͤr unſchmackhaft gehalten. —ů— Der Gannet oder Bafſaner⸗ (Pelecanius Basganùus.) Da er zu dem Geſchlechte der Pelikane gehoͤrt, ſo hat er mit dem Fregattenvogel gleiche Kennzeichen. An Groͤße gleicht er einer Gans. Seine Laͤnge betraͤht 3 Fuß und die Breite bey ausgeſpannten Fluͤgeln 6 Fuß; das Gewicht elwa? Pfund. Der Schnabel iſt 6 Zoll lang und hellblau, die Raſenloͤcher liegen in einer Furche. Die Wurzel des Schnabels und die Augen ſind von einer kahlen blauen Haut umgeben; die Kehle iſt unbeſiedert und die Haut daran. ſehr ausdehnbar, ſo daß ſie einen Sack bildet, in wel⸗ chem 5 bis 6 Haͤringe Raum haben. Der Augenſtern iſt gelblich; das Geſicht dunkel⸗ blau; der Scheitel, der obere und hintere Theil des Halſes ſind lederfarben. Die Haupt⸗ farbe des Gefieders iſt uͤberhaupt weiß; nur die Afterfluͤgel und die großen Schwungfe⸗ dern ſind ſchwarz; die Fuͤße ſind von gleicher Farbe, vorn mit einem gruͤnlichen Striche; die Klaue der mittlern Zehe iſt kammfoͤrmig eingeſchnitten. Das Weibchen iſt vom Maͤnnchen faſt gar nicht verſchieden; aber die Jungen ſind braun und weiß geſprenkelt. Dieſer Schtwimmpogel iſt vornämlich in Nordſchotlland und den nahe liegenden Inſeln zu Hauſe. Auf der Baßinſet findet man ihn vorzuͤglich haͤufig, und von dieſer In⸗ ſel/fuͤhrt er auch den Namen Baſſaner. Außerdem bewohnt er die Kuͤſten von Norwegen, Island, dem ſuͤdlichen Groͤnland; in Amerika, die Kuͤſten von Reufundland. Verſchiedene 5 4⁴— G eefahrer trafen ihn auch in der Saͤdſee an. In Schottland erſcheinen dieſe Voͤgel den aͤtz und ziehen im Oktober oder Rovember wieder weg. Daß ſie zu verſchiedenen Zeiten vegziehen, beruhet darauf, ob ihnen die Einwohner das erſte Ey entweder laſſen, oder neh⸗ men. Das Weibchen des Gannets legt naͤmlich bald nach der Ankunft in den Sommerauf⸗ enthalt ein Ey(nie mehr auf einmal); wird dieſes weggensmmen, ſo legt ſte ein zweytes; laͤßt man auch dieſes nicht liegen, ein drittes; weiter aber keines. Nimmt man das dritte weg, ſo bruͤtet der Vogel dieſen Sommer gar nicht.— Sein Neſt macht der Gannet aus verſchiedenen Stoffen, aus Gras, Seepflanzen und allem, was er auf dem Meere ſchwim⸗ men ſieht. Er legt es auf ſteilen Felſen und Klippen an der Seekuͤſte an. Das Ey ſieht weiß aus, und iſt etwas kleiner als cin Gänſecy. Die Einwohner ſuchen mit der größten Lebensgefahr die Reſter dieſer Voͤgel auf Sie beſteigen die ſteilſten und gefaͤhrlichſten Klip⸗ pen und Felſenſpitzen befeſtigen daſelbſt ſtarke Seile, und loſſen ſich daran auf der entge⸗ gengeſetzten Seite der Felſen, wo die Reſter ſtehen, hinab. Viele kommen dabey ums Le⸗ ben; ſie ſtuͤrzen von den Klippen herab, und werden entweder zerſchmettert, oder muͤſſen im Waſſer ihren Geiſt aufgeben. Dennoch ſchreckt ihr trauriges Schickſal Andre nicht ab. Der Gannet naͤhrt ſich von Haͤringen und Sardellen, deren Zuͤgen er folgt. Die Fiſcher ſehen daher die Ankunft des Vogels fuͤr ein ſicheres Zeichen der Ankunft der Haͤringe an. Im Winter ziehet er nach Suͤden berab, und man trifft ihn im December ſelbſt an den Kaͤſten von Portugal und bey Gibraltar, wo er ebenfalls nach Sardellen untertaucht. Die⸗ jenigen, welche im Sommer an der Kuͤſte von Neufundland wohnen, und daſelbſt bruͤten, ziehen gegen den Winter nach Carolina hinab. Bisweilen verirren ſich einige auch ſelbſt nach Deutſchland. So hat man vor einigen Jahren einen Gannet auf dem Odenwalde, in der Gegend eines großen Teichs, geſchoſſen. Der Teich war faſt aller ſeiner Fiſche beraubt. Den Bewohnern von Rordſchottland, der Faroerinſeln und den Norwegern bringt dieſer Vogel wichtige Vortheile, da er ſich bey ihnen in ſo großer Menge findet. Einige kleinere felſichte Inſeln, unter andern vornaͤmlich die erwaͤhnte Baßinſel, ſind ganz mit Re⸗ ſtern, Eyern und Voͤgeln dieſer Art bedeckt. Wenn ſich die Schaar in die Luft erhebt, ſo verdunkeln ſie die Gegend, und vor ihrem Geſchrey kann man ſein eigen Wort nicht hoͤren. Kaum ſoll man einen Fuß auf dieſer Inſel fortſetzen koͤnnen, ohne Eher oder Junge zu zer⸗ treten; und die ganze Inſel ſoll von Eyerſchalen weiß ausſehen. Der Gannet iſt fetter als eine Gans, ſein Fleiſch aber— wenigſtens das von alten— ſchmeckt thranig; doch eſſen es die Einwohner. Die⸗ Jungen gehoͤren in Schott⸗ land zu den Leckereyen, und werden ſehr geſchaͤtzt. Man bringt viele nach Edinburg, we das Stuͤck mit 20 Stuͤvern bezahlt wird. Sie werden gebraten, und kurz vor dem Mittags⸗ eſſen aufgetragen, gleichſam um den Appetit zu reizen.— Die Einwohner auf der Inſel St. Kilda ſollen jaͤhrlich nicht weniger, als 22000600 junge Voͤgel nebſt einer erſtaunlichen Anzahl Euer verzehren. Sie betnahren Voͤgel und Eyer eine Zeit lang in pyramidenfoͤr⸗ migen ſteinernen Gebaͤuden unter Torfaſche auf, um ſie gegen Faͤulniß zu ſichern. π Der Gannet von Cayenne. (Pelecanus macdlatus) Da dieſer Gannet faſt bloß in der Farbe des Geſtedets von jenem verſchieden iſt, ſo haͤlt man ihn fur eine Spielart deſſelben. Vielleicht iſt er aber wirklich eine eigne Gattung. Er iſt ſo groß, wie der vorige, und hat einen hellbraunen, am Ende gelben Schnabel. Der ganze Oberleib iſt dunkelbraun, aber überall weiß gefleckt; Bruſt und Bauch ſind weiß mit dunkelbraunen Wellenlinien und Flecken: die Fluͤgel ſehr kurz; Schwungfedern und Schwanz einfarbig braun; die Fuͤße hellbraun. Er iſt in Cayenne zu Hauſe. pp—————— ů ů—————ᷣᷣß ——— 5 Det Aegyptiſche Fbis (Tantalus Lols.) Nach neuern und richtigern Beobachtungen ſoll der wahre Ibis nicht die Farbe haben„die man ihm bisher beylegte(ſtehe oben Band IL, Taf. 100., Fig. 4.), ſondern er ſoll viel⸗ mehr ſo ausſehen, wie ihn hier die Abbildung vorſtellt. Nach Bruce heißt er in Abyſ⸗ ſinien Abu Hannes, d. i. Water Johannes, weil er ſich hier zuerſt am Johannis⸗ tage, oder um die Zeit zeigt, wo die tropiſchen Regen einfallen, die auch den Nil anſchwellen. Zwey Drittel des Schnabels ſind gerade, das uͤbrige iſt krumm gebogen. Der Oberkiefer iſt gruͤn, hart und hornartig; der Unterkiefer ſchwarz, die Fuͤße ſind von gleicher Farbe. Vorn ſind 3 Zehen mit ſcharfen, geraden und ſchwarzen Klauen bewaffnet, hinten nur einer. Der Kopf iſt nicht roth, ſondern braun; eben dieſe Farbe zieht ſich von da herab auf dem Hinterhalſe bis uͤber den Ruͤcken. Der Vorderhals, die Bruſt, der Bauch und die Schen⸗ kel ſind weiß. Die groͤßten Schwungfedern, 13 Zoll vom Schwanze an gerechnet, ſind dunkelſchwarz; der Schwanz iſt ebenfalls ſchwarz. Die Hoͤhe des Vogels von der Fußſohle bis auf die Mitte des Ruͤckens fand Bruce 19 Zoll. Das Maaß des Schnabels, der Beine und anderer Theile ſtimmt nach ſeiner Angabe vollkommen mit eben dieſen Theilen an den einbalſamirten Voͤgeln dieſer Gattung uͤberein. Daraus ſchließt er, daß dieſer und kein anderer Vogel es ſey, der bey den alten Aegoptern goͤttlich verehrt wurde. Heut zu Tage kommt dieſer Vogel ſelten oder gar nicht nach Aegypten, und zwar deswegen, weil er dort ſeine Rahrung nicht mehr ſo finden wuͤrde, wie ſonſt. Ehemals, ſagt Brucſe, war Aegypten bis an die lbiſchen Wuͤſten mit Menſchen beſetzt. Man grub Seen und Kanäle, um das Waſſer in denſelben zu fangen, und damit das Land zu bewaͤſ⸗ ſern. Hier konnten ſich dann wohl Vipern und andere Schlangen auſhalten. Jetzt aber ſind alle dieſe koſtbaren Anſtalten in Aeghpten verfallen. Die ſchlechte, tytanniſche Regie⸗ rung, unter welcher das Land ſchon ſeit ſo vielen Jahrhunderten geſeuſzt hat, unterdruͤckt allen Kunſtfleiß der Bewohner gaͤnzlich. Da es jetzt alſo an jenen kuͤnſtlichen Waſſerbe⸗ haͤltern mangelt, und das Land, beſonders fern vom Ril, außer der Ueberſchwemmungszeit dieſes Fluſſes, duͤrr und öde iſt, ſo halten ſich auch keine Bipern mehr hier auf, welche den Ibis aus Aethiopien, ſeiner eigentlichen Heimath, dahin locken koͤnnten, det ſich hier einſt als heiliger, und von Menſchen beſchuͤtzter Vogel wohl befand, und vermehrte. Ob Bruce hierin vollkommen Recht habe, und ob der von ihm beſchriebene Vogel der Ibis der Akten ſey, muß die Zeit lehren. Die ſo ſhr verſchiedenen Ausſagen der Riſenden, wovon der eine den Ibis bald in Menge, der andere gar nicht; dieſer uͤber⸗ all, jener nur in Oberaͤgypten 3c. bemerkt haben will, laſſen ſich, duͤnkt mich, ſehr natuͤrlich erklaͤren. Es gibt ohne Zweifel mehrere Sumpfvoͤgel— vielleicht gar mehrere Gattungen vom Jois(tantalus)— in Argopten, wobon einige eine kängere oder kuͤrzere Zeit als Gaͤſte im Lande leben, andete vielleicht immer da bleiben. Hiezu kommit die Verſchieden⸗ heit der Jahreszeiten, in welchen die Reiſenden ſich in Aegypten befanden, oder ihre Unter⸗ ſuchungen anſtellten, und andere Umſtaͤnde. Daß faſt alle glauben, die von ihnen theils nach eigenen Beobachtungen, theils nach Ausfagen der Einwohner beſchriebenen Voͤgel ſeyen von der Gattung des bey den Alten göktlich verehrten und von ihnen als Munie bey⸗ geſetzten Ibis, kommt wohl daher, weil die jetzt entdeckten Ibismumien viel zu unkenntlich find, als daß ſie eine voͤllig genaue Entſcheidung zulaſſen, und wer buͤrgt dafuͤr, daß die Aegypter nur eine einzige Gattung mumiſfirten? Der Tradition zufolge verehrten ſie den Vogel darum, weil er ihr Land von einer Menge Schlangen u. ſ. w. reinigte, und ihnen hierdurch wohlthätig ward. Dies ihun nun aber die Sumpfoögel uͤberhaupt; lebten alſo mehrere Gattungen in Aegypten, warum ſollten die alten Bewohner dieſes Landes nur Eine beſtimmte Gauung durch Schutz und Verehrung fuͤr ihre Wohlthaͤtigkeit belohnt haben? ———————————— Der Brachvogel vom Cap. 8 Tuntalal valbs) Dieſer iſt zwiſchen 26 und 31 Zoll lang; ſein Schnabel mißt 33 Zoll, und ſieht roth aus. Der Kopf und ein Theil des Halſes ſind unbeſiedert und am hintern Theile mit Kanten be⸗ ſezt. Der gantze Scheitel iſt roth, der uͤbrige kahle Theil aber weiß; die Haut an der Kehle iſt ſchlaff, ausdehnbar und unbeftedert; der Augenſtern braun; das Geſieder uͤberhaupt ſchwarz mit grünem Glanze an den Deckſedern der Fluͤgel; die Spitzen derſelben haben einen Kupferglanz. Der 7 Zoll lange Schwanz beſteht aus 12 Federn; die Flüͤgelſpitzen reichen faſt bis aus Ende deſſelben; die Fuͤße ſind hellroth. Das Weibchen hat einen flachern Scheitel als das Männchen, und iſt abrihent ihm voͤllig gleich. SSS.·.....·· 35 Man ttifft dieſen Vogel nicht nur am Vorgebirge der guten Hoffnung an, ſondern auch in andern Theilen von Afrika. Er laͤßt ſich leicht zahmen. 7 Beierf. Thierr. XXXXCIIII. de Eichhörnchen. Fliegen So gut als es fliegende Fiſche gibt, gibt es auch fliegende vierfuͤßige Thiete, z. E. die Fledermaͤuſe, die fliegenden Eichhoͤrnchen, u. ſ. w. Bey letztern iſt zwiſchen den Vorder⸗ und Hinterfuͤßen eine Flughaut ausgeſpannt, welche ihnen zu einem Segel dienet, um einen 20 bis 30 Fuß weiten Sprung von einem Baume zum andern zu wagen. Das Thier kann aber damit nie aufwaͤrts, auch nicht gerade aus, ſondern nur von einer Hoͤhe ſchief herab ſtiegen. Wir kennen vorzuͤglich folgende 3 Arten von fliegenden Eichhoͤruchen. No. 1. Das Virginiſche fliegende Eichhörnchen. (Sciurus volucella. L.) Dieſes Eichhorn iſt 5 Zoll, ohne den Schwanz, lang, und lebt in den waͤrmeren Provinzen von Rordamerika. Seine Farbe iſt gelblichbraun, mit ſchwarzen Quetſtreifen auf dem Ruͤcken, und ſchwarzem Saume an ſeiner Flughaut. Es naͤhrt ſich von Fruͤchten, Ruͤſſen, Koͤrnern, ſchlaͤfſt am Tage, und geht des Rachts ſeiner Nahrung nach. No. 2. Das Aſiatiſchee fliegende Eichhorn. (Sciurus volans. L.) Es iſt um ein Drittheil groͤßer als das vorige, weißgrau von Farbe, und lebt meiſtens einſam in den Birkenwäldern von Sibirien. Es macht ſich in hohlen Baͤumen ein Reſt von zartem Mooſe, und naͤhrt ſich von Knoſpen, Schoͤßlingen und Samenkaͤtzchen der Birken und Fichten. Sein Balg giebt ein ſchlechtes Pelzwerk. 8 No. 3. a und b. Der Taguan. (Sciurus petaurista. L.) Der Taguan, oder das Indianiſche fliegende Eichhorn, iſt unter allen bekannten Eichhoͤrnern das goͤßte, denn es iſt ohne Schwanz 23 Zoll lang. Seine Farbe iſt ver⸗ ſchieden, denn es giebt ſowohl rothbraune(Fig. 3. à.), als auch graue(Fig. 3. b). Es bewohnt ganz Oſtindien, und iſt ſehr ſchen und wild. Rahrung und Aufenthalt hat der Taguan mit den andern Eichhoͤrnchen gemein. .9„ Das Virginiſche ſtiegende Eichhorn. 5(Sciurus voοοανοεαννα, Dieſes niedliche Thierchen kommt ganz mit den Eichhöͤrnern uͤberein; nur durch die zwiſchen den Beinen befindliche Haut zeichnet es ſich aus. Buͤffon beſchreibt es unter dem Namen Polatouche, und verwechſelt es mit dem Europäiſchen fliegenden Eichhorn. Seine Laͤnge betraͤgt etwas uͤber 4 Zoll; die groͤßten moͤgen an 5 Zoll meſſen. Der Schwanz allein iſt etwa 3 Zoll lang. Das Gewicht betraͤgt 2 bis 3 Unzen. Die Farbe des Haares auf dem Obertheil des Leibes iſt gemiſcht weißgrau; der Sbertheil des Kopfes und Halſes iſt hell⸗ aſchgrau mit gelblichen Stellen; der Ruͤcken, die obern Seiten der verlaͤngerten Haͤute und der Beine haben dieſelben Farben; nur iſt das Aſchgrau ſchwaͤrzlich und das Geloliche fehr dunkel. Die obere Flaͤche des Schwanzes. iſt graugelblich ſchattirt; die untere Flaͤche ſieht gelblich aus. Der ganze Unterleib des Thierchens, von der Schnauze bis zum After hin, iſt weiß, mit einigen gelben Streifen auf dem Rande der verlaͤngerten Haut des Leibes und auf den auswendigen Seiten der Beine und Schenkel. Die laͤngſten Schwanzhaare ſiad eiwa 8 Linien, die Barthaare aber 2 Zoll lang und ſchwarz. Die Haut iſt am Ruͤcken, am Bauche und an den Beinen verlaͤngert. Dieſe Ver⸗ läͤngerung ſpannt ſich ungefaͤhr 1 Zoll in die Läͤnge zu beyden Seiten des Leibes: 9 Linien weit uͤber die aͤußere Seite des Vorderarms; nur 3 Linien uͤber die aͤußere Seite des Beins, und 5 Linien an der Stelle, wo die Biegung des Ellbogens iſt. Die Verlaͤngerungen ſchließen den Ellbogen und das Knie ein, und hoͤren bey der Hendwurzel, desgleichen bey. der Fußwurzel auf, wenn das Thier in Ruhe iſt. Geht, laͤuft oder ſchwimmt es aber, ſo kommen die Verlaͤngerungen zum Vorſchein; wirft man es in die Luft, ſo dehnt es dieſel⸗ ben aus, und alsdann bildet der Vordertheil der verlaͤngerten Haut am Vorderarme gleich⸗—* ſam ein Ohrlaͤppchen, weil er von kinem langen duͤnnen Kuoͤchelchen getragen wird, das man unter der Haut fuͤhlt, und das mit der Handwurzel in ein Gelenke ſchließt. Durch dieſe Einrichtung iſt das Thier im Stande durch die Luft von einem Orte m zum andern zu kommen; es muß aber die Stelle, von welcher es abſpringt, erhabeuer ſeyn, als die, nach welcher es ſeinen Sprung hinrichtet, und zwar nach Verhaͤlmiß der Entſer⸗ aates Heft,. 8 G 6⁰ nung mehr oder weniger. Wäͤhrend das Eichhoͤrnchen ſo von einem Orte zum andern gleichſam fliegend ſpringt, ſchlaͤgt es mit der ausgeſpannten Haut die Luſt keineswegs wie di Voͤgel, ſondern haͤlt ſie unbeweglich aus nur mit dem Schwanze macht es von einer Seite und von einem Ende zum andern allerley wellenfoͤrmige Bewegungen und Wen⸗ dungen.— Es lebt in den Wäldern auf den Baͤumen, ſpringt, wie unſere Eichhoͤrnchen, von Zweig zu Zweig, und wenn es von einem Baume zum andern ſpringen will, ſo zieht es die vorher ſchlappe Haut ſtroff, und ſpannt 55 waͤhrend dem Springen noch mehr an durch die gegenſeitige Richtung der Vorderbeine, die ſteh vorwärts, und der Hinterbeine, die ſich rückwärts ausſtrecken. Durch das Ausſpannen der Haut wird nun natäörlich die Fläche des Koͤrpers vergroͤßert oder ausgedehnt, ohne die Maſſe, und alſo ohne das Gewicht deffel⸗ ben im mindeſten zu vermehren, es muß ſolglich nothwendig die Schnelligkeit des Fallens vermindeet werden, und das Eichhoͤrnchen eine weit betraͤchtlichere Diſtanz uͤberſpringen koͤn⸗ nen, als ohne die Ausſpannung der Haͤute moͤglich waͤre. Man ſteht hieraus, daß die Benennung Eichhorn, dem Ahier⸗ chen nur ſehr uneigentlich zukomme; denn ſeine Bewegung iſt durchaus nicht dem Fluge der Voͤgel, und nicht einmal dem Flattern der gleich. Die die es überſpringt, betraͤgt hoͤchſtens 30 Fuß. Außer Nordamerika und zwar den wärmern und gemaͤßigtern Gegenden deſſelben, trifft man dieſe Gattung nirgends an. Hier lebt es aber in manchen Laͤndern, wie z. B. in Luiſiana und Virginien, ziemlich haͤufig in den Waldungen. Es iſt ſcheu und furchtſam, klettert ſehr ſchnell, und ſchwimmt gut, ohne dabey ſein Fell auszudehnen. Kommt es wie⸗ der auf einen Baum, ſo kann es eben ſo gut nach ſeiner Art ſpringen und fliegen, als vor⸗ her, wenn auch gleich das Haar noch naß iſt.— Es ſcheint die Waͤrme ſehr zu lieben. Dies findet man beſonders an denen, welche lebendig nach Europa gebracht wurden. Man hat verſchiedne dieſer Thiere in Frankreich und Holland lebendig gehabt. Eins davon blieb in ſeinen Kaͤfig, den ganzen Tag in der Baumwolle liegen, die ihm als Lagerſtaͤtte diente, und verließ ſte ſelten anders, als des Abends, wenn es ſeine Rahrung erhielt. Eben ſo machten es undere, die im Haag gehalten wurden. Deckte man ſie auf, ſo verkrochen ſte ſich tiefer unter der Wolle. Zum Fliegen kann man ſte im Zuſtande der Gefangenſchaft nicht anders bringen, als wenn man ſie fallen läßt, oder noͤthigt, von einem Baum zum andern zu gehn. Die erwaͤhnten waren mehr des Rachts in Bewegung, und ruheten am Tage⸗ Vermuth⸗ lich iſt dies auch in ihrer Heimat der Fall. Sie haben hierin einige Wlichee mit den Fledermaͤuſen. Man kann dieſe Thiere leicht zahm machen, doch ſuchen ſie auch gern aus der Gefangenſchaft zu entfliehen. Wenn man ihnen te Wolle hinlegt, ſo—— ſie ſich Blaͤtter zuſammen, machen ſich davon ein Lager, und huͤllen ſich ein. Nν —— Er Die zahnren, welche man in Europa hielt, fraßen eingeweichtes Brot, Baum⸗ fruͤchte, Koͤrner und dergleichen. Im Fleyen, in ihrer Heimat, leben ſie nicht, wie die andern Eichhoͤrner, von allerley Nuͤſſen und Sämereven, ſondern von Knospen und jungen Sproͤßlingen der Fichten und Birken. Beym Freſſen ſitzen ſie aber, wie die andern, auf dem Hintern, und halten ihre Rahrung zwiſchen den beyden Vorderpfoten. Sie beißen heftig, ob gleich ihre Zaͤhne nur klein ſind. Die Stimme iſt ſchwach, und gleicht dem Pie⸗ pen einer Maus. Die zahmen ließen ſie nur hoͤren, wenn ſie von ihren Lagerſtaͤtten aufge⸗ trieben wurden. Sie entfalteten auch die Haut nicht anders, als wenn man ſie fallen ließ, da ſie ihnen dann, wie ein Fallſchirm, diente. Vron der Lebensart dieſer ſonderbaren kleinen Thiere weiß man uͤbrigens wenig. Sie iſt wahrſcheinlich in vielen Stuͤcken von derjenigen verſchieden, welche man an den zah⸗ men in Europa wahrnahm. In ihrem Vaterlande koͤnnen ſie kaum ſo zaͤttlich gegen die Kaͤlte ſeyn, wie bey uns, denn es finden dort, wenigſtens in den noͤrdlichen Gegenden, wo ſie leben, ſtrenge Winter ſtatt, welche ſie zu uͤberſtehen haben, und in Ftankreich durfte man es nicht wagen, ſie anders als in warmen Zimmern und in Reſtern von Baumwolle zu hal⸗ ten, weil ſie ſonſt bald wuͤrden umgekommen ſeyn. Das Klima muß alſo einen beſondern Einfluß auf ihre Koͤrper haben. Man meynt, daß ein Weibchen 3 bis 4 Junge zur Welt bringe. Sie leben ge⸗ ſellig, ſowohl, wenn ſie umherſtreifen, als im Winter, wo ſie, ohne hervorzukommen, in ihrem mit Moos weich ausgefuͤttetten Neſte liegen. Man hat ihrer 7, 12 und mehrere in einem Reſte beyſammen gefunden. Suͤr den Winter tragen ſte gemeinſchaftlich einen Vor⸗ rath von RNahrungsmitteln zuſammen, und bringen die ſtrenge Jahreszeit dabey im Reſte zu, ohne zu erſtarren. N ——— Das Aſtatiſche fliegende Eichhorn. (Soiurus vo¹iαu.) Das aſiatiſche, oder europaͤiſche ſtiegende Eichhorn, iſt von dem vorigen wirklich ſo ver⸗ ſchieden, daß es als eine beſondere Gattung angeſehen werden kann. Es heißt auch ſonſt das ruffiſche fliegende Eichhorn. In Europa trifft man es ſelten an, und nur an den aͤu⸗ ßerſten Enden deſſelben, nach Aſien hin; nach Andern ſoll es jedoch auch in Litthauen, Liefland, Finnland und Lappland leben. Es hat ungefaͤhr die Gröoͤße unſers gemeinen Eichhorus. Seine Laͤnge von der Schnauze bis zum Schwanze iſt 6 Zoll, die Schwere 5: Unze; doch iſt beydes nach dem 2 — Alter berſchieden. Der Schwanz hat etwa die Haͤlfte der Leibeslaͤnge, da er beym vorigen faſt der Laͤuge des Koͤrpers haͤlt. Der Kopf iſt kuͤrzer und runder als bey jenem; die Augen ſtehen der Naſe naͤher, und der Rand, der ſie umgiebt, faͤllt weit mehr ins Schwar⸗ ze; die Vorderbeine ſind kuͤrzer; die hintern laͤnger, und uͤberhaupt iſt der ganze Ban verſchieden. Die Farbe des Felles iſt oberhalb weißgrau, unten weiß. Das Haar iſt zwar fein, aber zottig, und das Fell zu duͤnn; daher faſt unbrauchbar. Es wird von den Jaͤgern nur durch Betrug unter die gemeinen Eichhornfelle gemiſcht. Doch verfertigt man an eini⸗ gen Orten in Sibirien ganze Kleider davon, und ſchickt ſie nach China.— Die Ruſſen nennen das Thier Ljctaga, welches ein fliegendes Geſchoͤpf bedeutet. Mit der Hautberlängerung hat es dieſelbe Bewandtniß, wie beh dem vorigen, und das ſogenannte Fliegen iſt gleichfalls nichts anders, als ein kuͤhnes Springen, deſſen Dauer durch die ausgeſpaunte Haut v⸗ rlaͤngert wird. Auch dieſes Eichhoͤrnchen AWeen nicht in horizontaler Richtung von einem Baume zum andern kommen, ſondern muß ſrinen Stand⸗ vunkt ſo nehmen, daß der Sprung abwärts geſchieht. Es ſptingt, durch ſeine Flughaut unterſtuͤtzt, wohl 20 Klafter weit, und druͤber, von den Zweigen und von der Spitze eines Baums zur andern. Die Geſchicklichkeit im Springen iſt bewunderungswuͤrdig, und das Thierchen weiß ſich darauf ſo ſehr zu verlaſſen, daß es gar nicht auf die Erde zu kommen braucht. Es geſchieht dies auch ſelten; doch aber alsdann immer, wenn es ſich ſeines Ua⸗ raths entledigen will, wozu es den Fuß des Baums erwaͤhlt, auf dem es ſich aufhäͤlt oder herumſchwaͤrmt. Iin Klettern ſind die fliegenden Eichhoͤrnchen cbenfalls ſehr geſchickt und flink. Wenn man ſte im Walde unten auf der Erde hinſetzt, ſo fliehen ſte ſehr unbehuͤlflich mit aufgerichtetem Schwanze in Spruͤngen davon; erreichen ſie aber erſt einen Baum, ſo klettern ſie mit der groͤßten Geſchwindigkeit und gleichſam huͤpfend hinan, und tragen dabey den Schwanz bald auf dem Kuͤcken, bald laſſen ſte ihn herabhaͤngen.— Wenn ſie von der Spitze eines Baums herabfallen, ſo halten ſte ſich mit ihter Flughaut auf, ſchwenken ſich in der Luft hin und her, und geben dem Koͤrper durch die mannichfalligen Bewegungen mit dem Schwanze allerley Richtungen. Pallas traf dieſe Thierchen auf ſeinen Rriſen ſehr haͤuftg an, und Hälte daher Gelegenheit genug, ſie genau kennen zu lernen. Er ſagt, vom Uraliſchen Scheidegebirge an durch das ganze noͤrdliche Aſten oder Sibirien, inſofern es Birkenwaldungen mit oder ohne Fichten und andern Baͤumen enthaͤlt, ſey das Eichhorn ſehr gemein. Es häͤlt ſich allzeit in der Hoͤhe auf, und niſtet in den Hoͤhlen der Baͤume, aus welchen es ſich nur in der Daͤm⸗ merung oder des Rachts begiebt, um ſeine Nahrung zu ſuchen. Dieſe beſteht in den ſoge⸗ nannten Schaͤſchen oder Kaͤhchen(maͤnnliche Bluͤthen) der Birken. Sie ſind bekanntlich im Winter klein und von brauner Farbe; im Fruͤhjahr bluͤhen ſte, und ſehen dann gelblich aus. Einen Theil des Sommers fitzen die weiblichen Fruchtzapfen mit Samen auf den Birken. Das Eichhoͤrnchen hat alſo foſt das ganze Jahr hindurch ſeine Nahrung von die⸗ ſen Baͤumen. Von der Fichte frißt es ebenfalls die Knoſpen. Rach dieſem letztern Fulter riethen die Eingeweide ſehr harzig, da ſie ſonſt einen Birkengeruch von ſich geben, und der Auswurf, der dem von Maͤufen ähnlich iſt, laͤßt ſich am Lichte anzuͤnden, brenat in heller Flamme ohne auszugehen, und verbreitet einen Harzgeruch. Dieſer Auswurf des Thieres liegt an der Wurzel des Baums, auf welchem es niſtet, in großer Menge aufgehäuft, und dient zu einem ſichern Zeichen fuͤr diejenigen, welche fliegende Eichhoͤrnchen in den Wälders aufſuchen wollen, die ſonſt ſchwer zu finden ſehn wuͤtden. Im Winter bleibt das Thierchen im Reſte, und verläßt es nur bey gelinder Wit⸗ terung. Es ſucht ſich alsdann ſeine gewoͤhnliche Rahrung, faͤllt auch bisweilen in die Fal⸗ len, welche die Jaͤger ſuͤr die gemeinen Eichhörnchen aufgeſtellt haben, und an denen ſie ein Stück von getrocknetem Fiſch als Lockſpeiſe aufzuſtecken pflegen. Daß es im Win⸗ ter nicht erſtarrt, ſondern wacht und ftißt, ſteht man außerdem auch aus dem Umſtande, daß wan ſelbſt bey der heſtigſten Kälte im December und Januar friſchen Rahrungsſaft in ſeinen Gedärmen findet.— Einen Wintervorrath ſammelt es, ſoviel man weiß, nicht ein; wenigſtens braucht es ſobziel nicht einzuſammeln, wie das vitginiſche fliegende Eich⸗ horn, welches im Winter durchaus nie ſein Neſt verlaͤßt. 5 llebrigens ſorgt auch das ſibiriſche fliegende Eichhoͤrnchen ſehr dafür, daß es im Winter nicht frieren darf. Es naͤgt in die Baumhoͤhlen, die ſchon ohnehin gegen die kalten Winde und Stürme geſchuͤtzt ſind, eine Menge Laub und weiches Moos zuſam⸗ men, und macht davon ſein Reſt. Doch leben nicht mehrere, wie dies beym vorigen der Fall war, in Einem Neſte bepfammen, ſondern jedes bleibt einſam fuͤr ſich, und nur zar Zeit der Begattung fiadet Geſelligkeit unter ihnen ſtatt. —— Die Jungen werden im Anfange, oder doch noch in der erſten Haͤlfte des Mai⸗ monats geboren. Gewoͤhnlich hat Eine Mutter 2 bis 3, ſelten aber 4 Junge. Dieſe kommen ganz kahl und blind zur Welt. Pallas fuͤhrte auf ſeiner Reiſe ein Reſt, welches er um die Mitte des Mais erhielt, einige Wochen lang in einem Kaͤfig mit ſich 8 herum, und ſtellte Beobachtungen uͤber die Thiere an. Es befanden ſich darin zwetz noch nackte und blinde Junge nebſt der Mutter. Dieſe ſaß den ganzen Tag uͤber ihren Kindern, und huͤllte ſie mit der Flughaut ein; des Abends aber, ſobald die Sonne un⸗ ter dem Horizonte war, deckte ſie dieſelben mit Moos zu, und ſuchte Rahrung, die man iht in den Kaͤfig warf. Sie ſchwärmte die ganze Nacht hindurch in dem engen Kerker herum. Die Augen dieſer Thierchen ſind auch ganz darzu gebildet, daß ſie in der Dun⸗ kelheit ſehen koͤnnen. Herr Pallas fand, daß ſie dieſelbe Einrichtung haben, wie die Augen der Nachteule. 8 3 Die Jungen wachſen äußerſt langſam. Das ſah der Beobachter an den er⸗ wähnten, welche ſchon uͤber 2 Tage alt ſeyn mußten, als er ſie erhielt. Erſt nach 6 Tagen brachen einige Zaͤhne durch, nun ſahe man auch allmaͤhlig Haare zum Vorſchein kommen. U Blind blieben ſie bis zum 1zten Tage; da oͤffneten ſich die Augen zwar, aber nun ſtarben die Thierchen, vermuthlich weil es gerade die Nacht ein wenig kalt war. Es fand ſich, daß ſte die Mutter, die auch bald darauf ſtarb, bereits angenagt hatte.— Wenn jene Jun⸗ gen auch nur 2 Tage alt waren, als ſie Pallas erhielt, ſo blieben dieſe Thiere doch uͤber vierzehn Tage blind, und zeichnen ſich mithin hierdurch vor allen andern Säͤugethieren aus, von denen kein einziges ſo lange verſchloßne Augen behaͤlt. 38 Wenn man dieſe fliegenden Eichhoͤrner faͤngt, und mit der Hand anfaßt, ſo bei⸗ ßen ſie ſo heftig, daß man es kaum aushaͤlt. Sie haben aber ein ſehr zartes Leben. In der Gefangenſchaft ſterben ſte bey der geringſten Veranlaſſung, befonders aber, wenn mau ihnen das Futter nicht ſchaffen kann, worauf ſie eigentlich angewieſen find. Im Sitzen und Gehen ziehen ſie den Rumpf krumm zuſammen; den Schwanz tragen ſie entweder, wie in einem Zirkel um das Gefaͤß gewunden, oder auf den Ruͤcken gebogen, und feſt ange⸗ ſchloſſen. Die Stimme, die faſt wie das Gepiepe einer Maus klingt, hoͤrt man ſelten, und gewoͤhnlich nur, wenn das Thier Schmerz empfindet; im Zorue brummt es ein wenig. In der Farbe des Felles fand Pallas ſchlechterdings gar keine Verſchiedenheit. Sie bleibt zu allen Jahreszeiten grauweiß, und dieſer Umſtand kommt den Thieren ſehr zu ſtatten. Da ſie auf Birken wohnen, deren Staͤmme faſt die nämliche Farbe hoben, ſo wird man ſie beym Hinauſklettern, zumal in der Daͤmmerung, nicht leicht gewahr. Sie ſind dadurch nicht nur vor Menſchen, ſondern beſonders vor Raubthieren, als Rardern und dergleichen, und auch vot naͤchtlichen Raubvoͤgeln geſtchert. Ihres zarten Lebens wegen gluͤckt es felten, daß man ſie lebendig bis nach Peters⸗ burg bringt. Ob ihr Fleiſch eßbar ſey, und ob ſich deſſen die Bewohner Sibiriens zur Rah⸗ zung bedienen, findet man nicht bemerkt. 8 Der a g ua n (Soiurus petaurictd.) Taguan iſt nach den Berichten einiger Reiſenden der Rahme, den die Eiuwohnet der phis lippiniſchen Inſeln dieſem Thiere geben. Sonſt nennen es Einige auch die fliegende Katze. Mit einem Eichhorn hat es aber die meiſte Aehnlichkeit und alle Geſchlechtskennzeichen deſ⸗ ſelben. Rur iſt ſein Kopf nach Verhaͤltniß, und mit andern Eichhoͤrnern verglichen, ſehr daͤnn und klein. An Groͤße uͤbertrifft es die beyden vorigen ſehr, denn ſeine Laͤnge betraͤgt — 33 7 N —5 . 55 von der Spitze der Schnauze bis zum Anfange des Sehwanzes uͤber 23 Zoll, der Schwanz allein iſt nur 2 Zoll kürzer. Die Verlängerungen der Haut ſind uͤbrigens eben ſo beſchaf⸗ ſen, wie bey den vorigen. Das Geſicht iſt ganz ſchwarz; die Seiten des Kopfs und die Backen ſind weiß und ſchwaͤrzlich gemiſcht. Hinter den Ohren fangen lange braͤunliche Haare an, welche die Seiten des Halſes bedecken. Der obere Theil des Kopfs, ſo wie det ganze Oberleib, iſt ſchwarz und weiß marmorirt; die ſchwatze Farbe ſticht jedoch hervor. Der Unterleib ſteht grauweiß aus. Einige ſind auf dem Rucken braun. Der Schwanz gleicht einem Katzenſchwanz und hat braͤunlich ſchwarze Haare. Die Hautverlaͤngerung iſt oberhalb mit graubraunen, unten mit aſchgrauen und gelblichen Haaren beſezt. Die Len⸗ den ſind ſchwäͤrzlich braunroth; die Raͤgel an den Zehrn, wie Katzenkrallen, und ziem⸗ lich lang. Dieſe Thiere ſind wild; aber furchtſam. Sie beißen heftig, ſo daß ſie in einer einzigen Racht einen hoͤlzernen Kaͤfig zernagen und durchbeißen koͤnnen. In der Lebensart gleichen ſte den vorigen. Mit ihrem ſogenannten Fluge hat es dieſelbe Bewandtniß. Die Flughaut iſt in der Mitte zwiſchen den Vorder⸗ und Hinterbeinen am duͤnnſten, ſo daß ſie feinem indianiſchen Papiere gleicht. Ihre Breite betraͤgt in dieſer Gegend auf jeder Seite vier Zoll. Nahe an den Vorder⸗und Hinterbeinen verdickt ſie ſich. 5 Man findet dieſes Thier in ſeiner Heimat nicht häͤuſig, und deshalb iſt es auch in europäiſchen Naturalienkabinetten ſelten.— Es lebt auf den philippiniſchen Inſeln, wo es, Rachrichten zu Folge, ſo groß wie ein Haaſe wird, und die Farbe des Fuchſes hat. Auch auf Ternate und in den Gegenden an der malabariſchen Kuͤſte wird es gefunden, und mag vermuthlich noch in mehreren Theilen Oſtindiens leben. 2 Pflanzen. XLV. Einheimiſche Gewürzpflanzen. No, i. Derr Sen f. (Sinapis. L) Der Senf, und beſonders ſein Same, gehoͤrt unter die beſten Gewuͤrze fuͤr unſere Speiſen. Nach der Farbe des Samens hat man ſchwarzen und weißen Senf; davon der erſte braun⸗ rothen, der letztere aber gelblichen Samen traͤgt. Die Senſpflanze hat große Aehnlichkeit mit dem Ruͤbſamen, indem er eben ſolche Blätter, gelbe Bluͤten und Samenſchoten als dieſer hat. Man zerreibt den Senfſamen auf kleinen Muͤhlen, und macht dieß Pulver mit Eſſig, Moſt und andern Gewuͤrzen an. Der Eugliſche iſt der beſte und beruͤhmteſte unter allen. Da der Senf ein eintraäglicher Handels⸗ artikel und der Gegenſtand mehrerer Fabriken in Deutſchland, Frankreich und England iſt, ſo baut man ihn auch ſorgfaͤllig auf den Feldern im Großen an. Man preßt auch aus dem weißen Senfſamen ein vortreffliches Oel, welches ſuͤß und milder iſt, und gar nicht den ſcharſen Geſchmack des Kornes hat. No. 2. Deur Döär a gu n. (Artemisia Dracunculus.) Der Dragun iſt gleichfalls eine angenehme einheimiſche Gewuͤrzpflanze, welche zum Wermuthgeſchlechte gehoͤrt. Ihr Vaterland iſt die Tartarey und das ſuͤdliche Sibirien, wo ſie wild waͤchſt. Die Pflanze hat ſchmale Blaͤtter, und ganz kleine weißgelbe Blumen. Man braucht die jungen Blaͤtter als Gewuͤrz unter den Sallat und an andere Speiſen. Vorzuͤglich aber wird ein ſehr angenehmer Kraͤutereſſig, der ſogenannte Draguneſſig, davon gemacht, den man ſehr an den Speiſen liebt. 5 —— Di J W Hele 0 rnrr een (Sinapis.) Der Senf iſt ein Sommergewaͤchs, aus der Klaſſe der Schotenpſtauzen. Mit dem Ruͤb⸗ ſamen und mit den Kohlarten uͤberhaupt hat er große Aehnlichkrit. Er erreicht unge⸗ faͤhr eben dieſelbe Hoͤhe, treibt einen ähnlichen Staͤngel, und hat dem äußern Anſehen nach faſt ganz dieſelben Blumen. Sie ſtehen, wie beym Ruͤbſamen, oben an der Spitze des Staͤngels und der kleinen Rebenzweige, und bilden gelbe Buͤſchel. Es ſind kreuz⸗ förmige Blumen. Ihre Kelchblaͤttet ſtehen ausgebreitet; die Raͤgel, d. i. die duͤnnen Stiele der Blumenkronblätter, aufretht. In der Mitte ſind 6 Staubgefaͤße befindlich, wovon 4 länger oder hoͤher(maͤchtiger) find, als zwey. Ein einfacher Fruchtknoten bil⸗ det hernachmals die aufrechiſtehenden Schoten. Zwiſchen den beyden kuͤrzern Staubge⸗ fäßen und dem Staubwege, und zwiſchen den läͤngern und den Kelchbtaͤttchen, befindet ſich eine Druͤſe. Die Schote iſt geſchnaͤbelt, aufſpringend mit Schalenſtuͤcken, die kuͤrzet als die Scheidewand ſind. Der Senl gehoͤrt in die fuͤnfzehnte linneeiſche Klaſſe(Te⸗ tradynamia, Viermaͤchtige). Sein Samen gleicht dem Kohlſamen, und iſt rund. Man braucht letztern als eine Art von Gewuͤtz, und zwar von zwey verſchie⸗ denen Gattungen der Senfpflanzen, wovon die eine der ſchwartze Senf(Sinapis ni⸗ gra), der andere der weißße, oder gelbe(Sinapis alba), genannt wird. Beyde Pflanzen find Schotengewaͤchſe, unterſcheiden ſich aber deutlich von einander. Der ſchwarze Senf hat glatie anliegende Schoten. Der Stängel iſt hin und wieder mit Bor⸗ ſten beſetzt. Seine Blätter ſind unterwärts groß, rauch, geſtielt und tief eingeſchnitten, die in der Mitte ſind mehr glatt, die oberſten dreyeckig und faſt ganz. Der weiße Senf hingegen hat borſtige lang geſchnaͤbelte Schoten. Am Staͤngel ſißen auch einige Borſten, und die Blätter haben faſt die Geſtalt, wie an den vorigen, außer daß die oberſten eyrund und ſaͤgeartig gezaͤhnt ſind. Die Samenkörner von dieſem ſehen nicht ſowohl weiß, als vielmehr gelblich aus. Beyde Gattungen werden jetzt in verſchiedenen Gegenden Deutſchlands und im übrigen Europa im Großen gebauet. Man trifft ſie auch wild an, beſonders den ſchwoarzen Senf, auf Feldern, an Daͤmmen und ungebauten Orten; doch glaubt man, daß er nur verwildert ſey. 5 aꝛtes Heft⸗ H 58—— Der Same des ſchwarzen Seufs iſt rund, etwas zuſammengedruͤckt, von Farbe rothbraun und mit Streifen bezeichnet, die ſich in einem gemeinſchaſtlichen Mittelpunkte en⸗ digen. Man haͤlt ihn fuͤr ſchaͤrfer, als den weißen. Sein Geſchmack iſt bitterlich und bei⸗ ßend. Zerſtoßen in heiße Milch gethan, bringt er ſie zum Gerinnen, und theilt dem Mol⸗ ken ſeine Schärfe mit. Durch die trockne Deſtillation erhaͤlt man von ihm aͤhaliche Be⸗ ſtandtheile, wie aus dem Hirſchhorn. Zieht man Waſſer daruͤber ab, ſo theilt er demſelben ſeine Schaͤrfe mit, und gibt uͤberdies noch ein weſentliches Oel, welches ſehr ſcharf iſt, und im Waſſer unterſinkt. Der Ruͤckſtand ſchmeckt nun weit gelinder. Ran kann auch Oel aus dem Samen auspreſſen, welches den uͤbrigen Samendlen gleicht, ſuͤß ſchmeckt, und —5 der dem Senfe eignen Schaͤrfe hat. Es enthält alſo der Same ein zweyfa⸗ ches Oel. Aus dem Senſſamen wird nun das ſo bekannte Speiſengewürz, der Moſtard oder Moͤſtrich, gemachl. Der engliſche Same, der gepuͤlbert nach Deutſchland kommt, iſt hierzu der beſte; denn er hat eine weit größere Schaͤrfe, ſo daß er ein Prickeln in der Naſe verurſacht, und Thraͤnen aus den Augen preßt. Man mahlt den Samen auf einer Muͤhle, ſtebet ihn ſodann durch, und vermiſcht ihn gewoͤhnlich mit Eſſig. Der Eſſig macht ihn aber nicht milder. Beſſer iſts, ihn mit heißem Waſſer, mit warmer Fleiſchbruͤhe oder auch mit Moſt anzufeuchten, und einige Stunden ſtehen zu laſſen. Auf dieſe Art zubereitet, genießt man den Senf mit und ohne Zucker zu Fleiſchſpeiſen, vornaͤmlich zu Rindfleiſch und Fi⸗ ſchen. Er befoͤrdert die Verdauung, erregt eine angenehme Empfindung im Magen, und heitert das Gemuͤth auf, welche letztere Wickung vielleicht der fixen Luft zuzuſchreiben iſt, die ſich aus dem Möͤſtrich im Magen entwickelt. Einer Sage zu Folge ſoll er auch das Ge⸗ daͤchtniß ſtaͤrken; allein ſichere Brobachtungen hat man darüber nicht. Haller war der Meinung, daß der häuftge Gebrauch des Senfs eine Reigung zur Faͤulniß in den Saͤften erzeuge, und hitzige Krankheiten gefaͤhrlicher mache. Der Senf wird auch als Arzney in verſchiedenen Atten bon Krankheiten ge⸗ braucht. Im Skorbut hat er ſeine Wirkung auf eine ſehr ausgezeichnete Ark bewieſen. Bey der Belagerung von Rochelle waren viele hundert Menſchen im hoͤchſten Grade fkorbu⸗ tiſch, und die Krankheit richtete ſchon die traurigſten Verwuͤſtungen im Munde an. Durch Senfſamen, den man zerſtoßen mit weißem Weine vermiſchte, wurden alle Kranke herge⸗ ſtellt. Dieſer antiſkorbutiſchen Eigenſchaften wegen verordnete man in Holland, daß auf jedem Schiſſe eine gewiſſe Quantität Senſſamen mitgenommen werden ſollte. Eine andere Krankheit, worin ſich der Senf ſchon nach der Bemerkung der Alten ſehr wirkſam beweiſen ſoll, ſind die Wechſelfieber. Es wied gerathen, waͤhrend der fieber⸗ frezen Zeit alle zwey Stunden, oder doch laͤglich vier⸗ bis fuͤnfmal, einen Eßloͤffel voll Koͤr⸗ ner zu verſchlucken, ohne ſie zu zerkaͤuen, und ohne darauf zu trinken. Einige neuere Aerzte beſtäͤtigen den gluͤcklichen Erfolg; ob er gleich nicht uͤberall wahrgenommen wurde.— Auch gegen Faulſi ber ſoll ſich der Senf, und zwar der engli 5 und doch a 59 ſche, ſehr twirkſam bewieſen haben. Ob er die Waſſerſucht heile, iſt noch nicht eniſchieden. Aeußerlich wird er vornämlich in Teigen gebraucht, wonon man ableitende und andere Umſchlaͤge macht. Die Haut wird roth davon, entzuͤndet ſich, und ſchnerzt. Wenn ein ſolcher Umſchlag lange liegt, zieht er ſogar Blaſen.— Baͤder mit Senfmehl lindern die Gichtſchmerzen, und ein Abſud von dieſem Mehl dient zum Waſchen der Froſtballen. Zerſtoßen und woͤchentlich etwas unter das Pferdeſutter gemiſcht, ſoll der Senf die Pferde geſund erhalten, und bey den Schweinen die Finnen verkteiben. Sonſt dient er auch noch zur Verfertigung des Chagrins.— Die gruͤnen Blaͤt⸗ ter köoͤnnen als Salat gegeſſen und auch zur Viehfutterung gebraucht werden, In England beſaͤet man ganze Felder mit Seuf, und laͤßt ſie durch Schafe und Rindvieh abweiden. Die Blumen geben den Bienen und andern Inſekten eine reichliche Nahrung. . u n. (Artemista draomun Culllls.. Mehrere Gattungen von Pflanzen, die mit dem Dragun oder Kaiſerſalat verwandt ſind, wachſen bey uns in Deutſchland wild, und ſind Jedermann bekannt. Dahin gehoͤren unter andern der gemeine Wermuth, ſeiner ausnehmenden Bitterkeit wegen beruͤhmt, und der Bei⸗ fuß, den man an gebratenen Gaͤnſen als Gewuͤrz ißt. Mit den Bluͤthen dieſer Pflanzen hat die luͤthe des Draguns viel Aehnlichkeit. Der Kelch beſteht aus rundlichen Schuͤpp⸗ chen, welche wie Dachziegel uͤbereinander liegen, und zuſammen ſchließen. Die Blumen ha⸗ ben keinen Strahl; der Blumenboden iſt nackt, und die Samen ſind ohne Haarkronen. Die Pflanze gehoͤrt nach linneeiſcher Eintheilung in die neunzehnte Klaſſe(Syngenesia, Verwachſene) Sie iſt ein ſtaudenartiges, zwey bis drey Fuß hohes Gewaͤchs, welches duͤnne, harie, eckige und aͤſtige Staͤngel treibt. Die Wurzel iſt bleibend; das Kraut aber vergeht im Herbſt, und ſchlaͤgt im Fruͤhjahre von neuem aus der Wurzel aus. Die Wunzelblätter ſind geſpalten, die an den Zweigen aber voͤllig ungetheilt, lang, ſchmal, dunkelgruͤn und glaͤnzend. Die Blumen ſitzen in anſehnlichen Aehren oben an den Eu⸗ den der Zweige. Alle Theile der Pflanze, beſonders aber die Blätter, haben einen beſondern ſchar⸗ ngenehmen, gewuͤrzhaften Geſchmack. Die Tatarey und Sibitien iſt das aterland derſelben. Sie wird bey uns als Gewuͤrfpflanze in Gaͤrten gezogen, wo ſte ohne alle Pflege recht gut fortkommt, und gar nicht gegen die Winterkaͤlte unſerer Himmelsge⸗ gend empfindlich iſt. Im Auguſt bluͤhet ſie, wird aber nicht durch Samen, ſondern ge⸗ woͤhnlich und ſehr bequem durch Ableger oder Wurzeln fortgepflanzt; da ahnedies der Same bey uns nicht leicht reif wird.— Aus den Blaͤttern wird ein ſehr wohlſchmeckender Kraͤuter⸗ ſalat bereitet; auch braucht man ſie ſonſt an Speiſen. In Eſſig gelegt, theilen ſie dieſem ihren angenehmen gewuͤrzhaften Geſchmack mit. Wenn man friſches Fleiſch damit einreibt, ſoll es keine Schmeißfliege beruͤhren, und ein Aufguß von Waſſer, das einige Tage uͤber den Blaättern geſtanden hat, ſoll die Erdfloͤhe vertreiben.— Man glaubt, daß der Gebrauch dieſer Pflanze die Saͤfte im Koͤrper verduͤnne, die Gefaͤße eroͤffne, Appetit etrege, und Blaͤ⸗ hungen treibe.