f —.... ˙———... 1 5 — , I 103 ieee ö Vierf. Thiere LIII. BVieee Affen Alen Nro. 1. Der Choras. (Simia mormon.) De Choras gehoͤrt zu der Gattung der Paviane. Er lebt in Guinea und Oſtindien in großen Wäldern, und naͤhrt ſich von Fruͤchten. Seine Laͤnge betraͤgt à bis 23 Fuß⸗ Er iſt ſtark, und in der Freyheit ſehr wild, ſo daß es gefaͤhrlich iſt, ihm zu begegnen. Sein Haar iſt zottig, und braungelblich ſchillernd. Er hat ganz glatte und fleiſchfarbne Menſchenhaͤnde, rothe/ nackte Geſaͤßſchwielen. Am meiſten unterſcheidet er ſich von allen andern Affen durch ſeinen Kopf, der eine verlaͤngerte Schnauze hat. Die Naſe iſt lang, flach, ſcharlachroth, das Maul hat Bartborſten, und ſeine Backen beſtehen aus langen hochblauen Hautfalten, die mit der Raſe parallel laufen, welche ihm ein wildes Anſehen geben. Nro. 2. Der Lovando. 8(Simia hamadiuas L.) Der Lovando lebt in Inneren von Afrika, iſt eben ſo groß als der Ehoras, und ſein Aus ſehen ſo fuͤrchterlich, als ſein Naturell wild. Er iſt an der Bruſt und den Armen ſtark zottig, das uͤbrige Haar aber ins Gruͤne ſchillernd. Er hat violette Hände, einen langen Hundskopf; das Geſicht iſt nackt, hat eine ſchwarze Schnauze, und der Hintertheil des Kopfs iſt ſo dick behaart, daß es ihm von vorn das Geſicht einer Peruque gibt. Sein Hintertheil hat rothbraune Geſaͤßſchwielen, und einen langen Schwanz. Er naͤhrt ſich, wie andere Affen, von Fröͤchten, und iſt daher den Gaͤrten und Pflanzungen ſehr ſchäͤdlich. Nro. 3. Der Pitheke oder gemeine Affe. (Simia Syluaumu L.) Dieſe Affenart iſt in Europa die bekannteſte. Der Pitheke iſt voͤllig ſchwanzlos, us bis 20 Zoll lang, ſchmutzig braungelb von Farbe, hat ein nacktes runzliches Geſicht, und ſchwarze nackte Haͤnde. Sein Vaterland iſt das noͤrdliche Afrika und ſuͤdliche Aſien. Sie freſſen allerley Fruͤchte, Nuͤſſe, Wurzeln, Slaͤtter⸗ Brod, auch Eyer und Inſekten, und ſaufen Waſſer, Milch, Bier und Wein. Sie ſind leicht zu zaͤhmen, und werden wegen ih⸗ rer Poſſirlichkeit, häͤufig in ganz Europa zum Vergnuͤgen in den Haͤuſern gehalten, und zu allerley Kuͤnſten abgerichtet. astes Heft⸗ Nro. 4. Der Mai mo n. (Simia nemectrind.)— Der Maimon lebt in den oſtindiſchen Inſeln vorzuͤglich auf Sumatra, iſt ohngefoͤhr 2 Fuß hoch, und hat einen kurzen Schweinsſchwanz. Sein Geſicht iſt nackt und ſchwarz⸗ braun, ſein Haar gelblichbraun und olivenfarbig. Sein Naturell iſt ſanft und einſchimei⸗ chelnd; da er aber ſehr empfindlich fuͤr die Kaͤlte iſt, ſo kann man ihn in Europa nicht erhalten. Vier ffen Ark G— * Der Choras. (Smia mormon.) D. Choras gehoͤtt zu der Familie der kurzſchwäͤnzigen Affen, welche kahle Geſaͤßſchwielen und Backentaſchen haben, und Paviane genannt werden. Er hat etwa die Groͤße eines zwölfjaͤhrigen Knabens. Seine Hoͤhe betraͤgt 2 Fuß und 3 Zoll; das Gewicht ungefähr 30 Pfund. Der Kopf iſt ſtark, eyrund und dicht behaart; die Schnauze verlaͤngert; die Naſe lang, flach, ſcharlachroth, und an den Spitzen flachgedruͤckt. Das Maul iſt mit Bartbor⸗ ſten beſetzt; die Backen beſtehen aus halbeylindriſchen Hervorragungen, welche nackt, glatt, ſchraͤg gefurcht und himmelblau ſind, und mit der Naſe gleichlaufen. Sie unterſcheiden die⸗ ſen Affen von allen ſeinen Geſchlechtsverwandten hinlänglich. Seine Ohren ſind den menſch⸗ lichen gleich, und faſt ganz nackt; der Hals iſt kurz; der Leib ſtark und mufkulös; doch unten am Bauche verdünnet. Die Haͤnde gleichen Menſchenhaͤnden, und ſind inwendig ganz glatt und fleiſchfarben; der After ſitzt in einer zinnoberrothen, kahlen und herzaͤhnlichen Her⸗ vorragung; die Geſaͤßſchwielen ſind ebenfalls kahl und fleiſchroth. Das Haar, welches den Koͤrper bedeckt, iſt an einigen Stellen zottig und dicht, wie beym Baren; an andern hingegen ſehr düͤnn. Der ſtarke, zugeſpitzte Bart, der bom Kinn herabhaͤngt, hat eine gelblichweiße Farbe. Von der Stirn herab zwiſchen den Ohten bis zum Hinterkopf verlaͤngern ſich die ſteifen, ſchwaͤrzlichgrauen Haare, und bilden eine zugeſpitzte Haube. Erſt im ſechſten Jahre bekommt der Affe ſeine gehöͤrigen Farben. Sein Oberleib iſt ſchwaͤrzlich grau, ins Olivengruͤne ſpielend; der Unterleib gelblich weiß. Die koͤrperliche Stärke dieſes Affen iſt anſehnlich, und ſteht mit ſeiner eben nicht be⸗ traͤchtlichen Groͤße dem Anſchein nach in keinem Verpaͤltniß. Ihm in Waldungen zu be⸗ 4 gegnen, muß daher gefaͤhrlich ſeyhn. Er beſitzt uͤberdieß eine außerordentliche Schnelligkeit und Behendigkeit in ſeinen Bewegungen. Will man einen gezaͤhmten wegen begangner Fehl⸗ tritte beſtrafen, ſo ſetzt er ſich in Poſitur, und weicht jedem Stockſchlage durch geſchickte Wendungen aus, ohne die Fiucht zu nehmen. Sein Gang iſt leicht, ſein Lauf ſchnell. Liſt und Neugierde ſind ihm, wie andern Affen, eigen. Man kann ihn gut abrichten. So un⸗ tuhig und unbaͤndig, wie andere Paviane, iſt er wenigſtens in der Gefangenſchaft nicht; je⸗ doch eben ſo wolluͤſtig. Unter den Zuſchauern weiß er maͤnnliche und weibliche Perſonen ſehr gut zu unterſcheiben. Dieß bemerkt man an gewiſſen ungeziemenden Stellungen, die er annimmt. Er geht ſowohl auf zwey, als auf allen vier Haͤnden. Im letztern Falle laͤßt er ge⸗ woͤhnlich eine grunzende Stimme hoͤren. Er geraͤth leicht in Zorn. Im Schlaf laͤßt er den Kopf abwäͤrts haͤngen, und ſchmiegt ſich an irgend einen Gegenſtand, z. B. auf den Baͤu⸗ men an einen Aſt an. Sein Vaterland iſt Guinea und Oſtindien. Dort lebt er in den Waͤldern, und naͤhrt ſich, wie andere Affen, von mancherley Fruͤchten, die er aus den Gaͤrten und Feldern ſtiehlt, oder im Walde findet. In der Gefangenſchaft wird er mit Brod, Semmel, Obſt, Moherk⸗ ben, Milchſpeiſen und dergl. unterhalten. Eyer frißt er ſehr begierig. Er iſt im Stande, acht Stuͤck Huͤhnereper in ſeine Backentaſchen zu ſtoßfen, ohne daß man eine merkliche Er⸗ weiterung derſelben wahrnimmt. Haͤlt man ihm mehrere Eyer auf einmal hin, ſo nimmt er ſich nicht Zeit, eins nach dem andern zu verzehren, ſondern ſtopft ſo viel, als er bekommen kann, ins Maul. Sieht er, daß er keine mehr erhäͤlt, ſo nimmt er eins nach dem andern heraus, beißt die Schale an einem Ende ab, und ſchlürft das Weiße und Gelbe heraus; die Schale leckt er rein ab, und wirft ſie von ſich. Fleiſch nimmt er auch an, twenn es ge⸗ kocht iſt. Sein Getraͤnk beſteht in Waſſer, Bier, Milch u. ſ. w. Er kann viel Wein und Branntwein vertragen, ohne trunken zu werden. In ſeinen Sitten und Betragen hat er mit andern Affen vieles gemein; doch iſt er ge⸗ ſetzter und nicht ſo gaukelhaft. Er liebt die Reinlichkeit, und verlangt in der Gefangenſchaft immer ein reines, trocknes Lager. An ſeinem Koͤrper vermeidet er allen Schmutz, und niamt ſich beym Eſſen ſehr in Acht, ſeine Haͤnde zu verunreinigen. Hat er es nicht vermeiden koͤn⸗ nen, ſo ſaͤubert er ſie ſorgfaͤltig, und waͤſcht auch ſein Geſicht mit Speichel ab, wenn er es unverſehens beſchmutzte. Ein Ehoras, der in Berlin gezeigt wurde, bediente ſich des Stro⸗ hes in ſeinem Kaͤfig, ſeinen Unrath datin zu laſſen, und ihn damit durchs Gitter des Kaͤfigs zu werfen. In der Gefangenſchaft häͤlt ſich dieſer Affe ziemlich gut. Man bringt ihn nicht ſelten nach Europa. noenha (Simia lamadiyas.) Man nennt dieſen Affen gewoͤhnlich den grauen Pabian, weil er viel Aehnlichkeit mit den Davianen hat, ungeachtet ſein langer Schwanz ihn von denſelben trennt. Seine gewoͤhnli⸗ che Laͤnge iſt uͤber 2 Fuß. Er hat einen faſt runden, und beſonders hinter den Ohren ſtark behaarten Kopf. Seine Schnauze iſt laͤnglichrund; das Geſicht iſt mit ſehr kurzen und dͤͤnnen, weißgrauen Haaren beſetzt. Man nimmt am Maule nur wenig Bartborſten wahr. Der Leib iſt dick, kurß und ſtark behaart. Die Fuͤße ſind gleich lang; der Schwanz iſt ſo lang, wie der Leib; das Geſaͤß ſteht gewoͤlbt hervor, iſt ganz kahl und ſo roth, wie rohes Fleiſch. Der ganze Oberleib ſieht braungrau aus; das Haar ſpielt aber ins Gruͤngelbe; der Bauch iſt weißgrau. Das Anſehn dieſes Affen iſt fuͤrchterlich. Er hat ein ungemein ſtarkes Gebiß; die Vor⸗ derzaͤhne ſind bey ihm groͤßer, als beym Menſchen; die Seitenzaͤhne ſind wahre Hauer. Im Janern von Afrika bis zum Vorgebirge der guten Hoffnung, im gluͤcklichen Ara⸗ bien und in Abyfſinien iſt er einheimiſch, und in manchen Gegenden in großer Menge. In bewohnten Laͤndern tichtet er in den Pflanzungen vielen Schaden an. In Arabien verwuͤſtet — e 4* E— er die Kaffeebaͤume, und am Vorgebirge der guten Hoffnung die Fruchtgaͤrten, die man deß⸗ wegen bewachen muß. Seine Gemuͤthsart iſt falſch und wild; dabey fehlt es ihm nicht an Staͤrke. Gute Hunde, die man auf ihn hetzt, und die erbittert auf ihn losgehen, werden oftmals ſchwer verwundet zurͤͤckgewieſen, und es koſtet Muͤhe, ihn zu erlegen. Wegen ſeiner Bosheit und Staͤrke ſcheuen ſich die Menſchen, ihn anzugreifen. Uageachtet der unbaͤndigen Wildheit laͤßt er ſich in der Geſangenſchaft dennoch leicht zaͤhmen, und muß am Kap haͤufig die Stelle eines Ket⸗ tenhundes vertreten. In Aegypten pflegt man ihn abzurichten, und ſeine Kuͤnſte fuͤr Geld zu zeigen. Sein Geſchlechtstrieb iſt aͤußerſt heſtig. Es fehlt nicht an Beyſpielen, daß er Frauen⸗ zimmer uͤberwaͤltigt hat. Die Pitheke oder gemeine Affe. (Simia gνονi¹ο.) Er gehdͤt zu den eigentlichen ungeſchwaͤnzten Affen, und iſt der dauerhafteſte und bekannteſte in den hieſigen Gegenden. Man ſieht nicht leicht einen Kameel⸗oder Baͤrenfuͤhrer, der nicht 6 einen oder einige von dieſen Affen als Poſſenreißer bey ſich hatte. Voͤllig ausgewachſen wird er 14 Fuß hoch, und ungefaͤhr 20 Pfund ſchwer. Er hat einen länglichen Kopf, und ein kurzes plattgedruͤcktes, menſchenaͤhnliches Geſicht, das in der Mitte kahl und runzlich iſt, Die Ohren ſehen faſt ganz den Menſchenohren gleich, ſtehen aber weit vom Kopfe ab, und ſind runder und breiter gerandet. Sein Hals iſt kurz; eben ſo die Arme; der Schwanz fehlt gaͤnzlich. Die Finger an den Haͤnden ſind vorwärts kahl, und mit laͤnglichen, halbeylindri⸗ ſchen, vorne breiten Naͤgeln bewaffnet; die Raͤgel am Daumen ſind flach und rundlich. aus; im Geſicht,(die Backen ausgenommen) fleiſchfarbig; am Halſe eben ſo; unter den Achſeln, auf der untern Seite der Arme und der inwendigen Seite der Beine bis zu den Wei⸗ chen hinauf, weißlich. Das Kinn iſt ohne Bart. Das Haar auf dem Kopfe hat eine brandgelbe, auf der Stirn bisweilen eine dunkelbraune Farbe. Der Ruͤcken iſt in der Mitte dunkelbraun, gelbbraun oder gelblich weißgrau mit eingemiſchten ſchwaͤrzlichen Haaren; dle Seiten fallen ins Graue; der Bauch iſt weißgrau. Auf den Haͤnden ſehen die Haare noch dunkler aus, als auf dem Ruͤcken; ihre Haut iſt, ſo weit ſie kahl erſcheinen, ſchwarzj an den Geſaͤßſchwielen und am After fleiſchroth. Auf dem Kopfe und am Leibe, beſonders auf der Bruſt, ſteht die Haut dunkelblaͤulich Das Vaterland der gemeinen Affen iſt die Barbarey, Aethiopien, Arabien, ein Theil von Indien und andere aſtatiſche Laͤnder. Vermuthlich iſt es dieſe Gattung, die ſich um Gibraltar in der Wildheit fortpflanzt. Es ſind ſchlaue und liſtige Thiere. Sie machen ſonderbare Grimaſſen, indem ſte das Geſicht auf allerley Art verzerren, beſonders bewegen ſie die Lippen ſchnell nach allen Seiten hin, und zeigen die Zaͤhne; auch klappern ſie mit den Zähnen. Durch dieſe Grimaſſen geben ſie ihre Begierden und Leidenſchaften, Zorn, Unwillen, Freude und Abſcheu zu erkennen. Wenn ſte gereizt oder geaͤngſtet weiden, laſſen ſie ein kurz abgebrochenes, aber heftiges Gekreiſch hoͤren. Gegen ihre Pfleger und Wohlthäͤter ſind ſie ſanft und folgſam; gegen ihren Feind aber muthwillig und beißig. Ungeachtet ihrer geringen Groͤße, befttzen ſie dennoch viel Staͤrke, Ein alter ausgewachſener Affe nimmt es mit dem Menſchen auf; wenigſtens hat der flaͤtkſte Mann genug zu thun, wenn er nicht uͤberwaͤltigt ſeyhn will.— Diejenigen, die alk gefangen werden, ſind ſehr unbaͤndig und ſchwer zu zaͤhmen. Die Junten hingegen ge⸗ woͤhnen ſich bald an den Menſchen. Man ſagt, daß man dieſe Affen vermittelſt eines ſtarken Getraͤnks fange. Dieß ſetzt man ihnen da hin, wo ſie ſich gewoͤhnlich aufhalten. Sie ſaufen es begierig, werden trunken, und ſchlafen ein. Indeß naͤhert man ſtch ihrem Lager, und nimmt ſie gefangen. Sie freſſen allerley Fruͤchte, Aepfel, Birnen, Nuͤſſe, Wurzeln, Blaͤtter, auch Brod, Semmel und Genuſe; deßgleichen Inſekten und Gewuͤrme. Fleiſch verabſcheuen ſie gaͤnz⸗ lich. Ihr Getränk iſt Waſſer, Milch, Bier und Branntwein. Wenn man ihnen Lecker⸗ biſſen gibt, ſo machen ſie es, wie der Ehoras. Sie ſammeln alles in den Backentaſchen, und freſſen es erſt dann auf, wann ihnen nichts mehr gereicht wird. Daß dieſe Thiere ſich ſehr vermehren muͤſſen, ſieht man aus der Menge, die es in Afrika gibt. Sie pflanzen ſich auch in Deutſchland ſehr leicht fort. Die Jungen werden von der Mutter zärtlich geliebt, und ein halbes Jahr lang bloß mit der Muttermilch geſäugt. Die Mutter gibt es aus Sorgfalt nicht zu, daß eins von ihren Kindern waͤhrend dieſer Zeit etwas anders genieße. Greift eins von den Kleinen nach irgend einem feſten Nahrungsmittel, ſo nimmt ihm die Mutter daſſelbe ſogleich weg. Drey Jahre bleiben die Jungen betz der Mut⸗ ter, und werden von ihr geſſchuͤtzt. Der Muth, mit welchem ſte ihre Kinder in Gefahren zu vertheidigen ſucht, iſt unglaublich. Manche Affenweibchen, die kein eignes Junge haben, ſtehlen ihren Geſpielinnen eins, und getathen oft daruͤber mit ihnen in große Streitigkeiten. Nicht ſelten wird dabeh das geraubte Kind erdruͤckt. Der gemeine Affe läͤßt ſich vortrefflich abrichten, und in allerleh Kuͤnſten uͤben. Seine poſſierlichen Stellungen und Geberden zwingen auch dem Ernſthafteſten ein Lachen ab. Er ſitzt faſt beſtäͤndig auf dem Hintern und in die Hoͤhe gerichtet; in dieſer Stellung ſchläft er auch, nimmt ſeine Nahrung zu ſich und dergl. mehr. In ſeinen Bewegungen iſt er geſchickt und ſchnell. Da, wo dieſe Affen einheimiſch ſind, richten ſie öſters betraͤchtlichen Schaden durch ihre Diebereyen in den Gaͤrten an. Sie fallen in Schaaren die Pflanzungen an, und pluͤn⸗ dern alles Obſt und andere Fruchte. Man nutzt in jenen Gegenden blos ihr Fell zu verſchie⸗ denen Zwecken; daß ihr Fleiſch gegeſſen werde, findet man nirgends angefuͤhrt. Die engliſchen und holländiſchen Matroſen bringen viele dieſer Affen mit nach Europa, und verkaufen jeden fuͤt 2 bis 3 Thlr. an Baͤrenfuͤhrer und Liebhaber. SDeindnon. (Semia nemestrina.) Der Maimon ſcheint den Uibergang von den Pavianen zu den Meerkatzen zu machen. Seine dicke, breite Schnauze und ſein ziemlich kurzer krummer Schwanz geben ihm viel Aehnlichkeit mit den Pavianen; durch ſeine weit geringere Groͤße und durch ſeine Sitten unterſcheidet er ſich aber wiederum von ihnen. Wann er voͤllig ausgewachſen iſt, betraͤgt ſeine Laͤnge 2 Fuß 3 und druͤber; der Schwanz iſt 4 bis 5; Zoll lang und nackt, wie ein Schweinsſchwanz; daher er auch den Ramen ſchweinsſchwaͤnziger Affe fuͤhrt. Sein Geſicht iſt nackt und ſchwarzbraun; die Raſe platt; die Lippen ſind duͤnn, mit einigen borſtenartigen Haaren beſezt; die Ohren, die Haͤnde und die Fuͤße ſind voͤllig unbe⸗ haart und bräunlich fleiſchfarben. Er hat Backentaſchen und Geſaͤßſchwielen. Am Oberlelbe iſt das Haar olivenfarbig und ſchwarz gemiſcht; am Unterleibe und an den vier Innenſeiten der Beine gelblich; am Bauche und an den Oberſchenkeln faͤllt es ins Roͤthliche. Er lebt auf Sumatra und in andern Theilen von Oſtindien. Das wilde unbäͤndize Naturell der Paviane bemerkt man an ihm durchaus nicht; er iſt vielmehr ſanft, geſchmeidig und ſogar einſchmeichelnd; doch fehlt es ihm nicht an Lebhaftigkeit. An unſer noͤrdliches Klima gewoͤhnt er ſich wegen ſeiner Empfindlichkeit gegen Kale nicht gut; er ſtirbt daher gewoͤhnlich hald in Europa. Vierf. Thiere LIV. Fünf Affen⸗Arten. Nro, 1. Der Duanderu. (Simia Silenlts, L.) De⸗ Ouanderu lebt vorzüͤglich in der Inſel Ceylon, iſt 2 Fuß lang, hat einen kurzen Schwanz, und am ganzen Leibe ziemlich langes ſchwarzbraunes Haar, welches ſonderlich am Hinterkopf ſeht dick iſt. Sein langer, weißer, breiter Bart, der bis uͤber die Bruſt herab⸗ reicht, gibt ihm ein Anſehen von Ernſt, Wuͤrde und Klugheit, welche er auch in allen ſeinen Handlungen zeigt. Er lebt in Waͤldern, und naͤhrt ſich von allerley Fruͤchten. Jung eingefangen läͤßt er ſich leicht zaͤßmen. Nro. 2. Der weiß maͤulige Affe. (Simia nictitans. L.) Dieſer Affe, deſſen Vaterland Guiana iſt, hat die Groͤße des gemeinen Affen, lange därre Arme, Haͤnde und Beine, einen langen Schwanz, ein ſchwarzbraunes Fell mit hellen Flecken. Naſe, Lippen und Kinn ſind weißlich, und er nickt unaufhoͤrlich mit dem Kopfe. Nro. 3. Der Duc. (Simia Mema'us.) Der Duc iſt 2 Fuß lang, und ſo lang auch ſein Schwanz. Sein Vaterland iſt Oſt⸗ indien und China. Er iſt recht bunt und mit lebhaften Farben gezeichnet; Leib, Bruſt, Vorderarme, Batt und Schwanz weiß, die Oberſchenkel, der Ruͤcken und die Oberarme ſchwarz, das behaarte Geſicht aber und die Unterſchenkel braunroth. Nro. 4. Der Saki. (Semia pitliecia.) Der Saei wohnt in Braſtlien und im ſüͤdlichen Amerika, iſt ohngefaͤht 17 Zoll lang, ſehr langhaarig, am Leibe gelbbraun und am Kopfe weitz. Sein Schwanz iſt ſonderlich ſehe langhaarig und dick Er hat ſchwarze Hände und Fuͤße mit langen Raͤgeln. In Amerika werden dieſe Affen haͤufig zahm gemacht. 28tes Heft. B Nro, 5. Der Palatin⸗Affe. (Simia Roloibal) Dieſer Affe lebt in Guinea. Er iſt ungefaͤhr 18 Zoll lang und ſehr zierlich von Ge⸗ ſtalt. Sein Geſicht iſt faſt dreyeckig, ſchwarz und mit einem ſchmalen Stteifen von weißen Haaren eingefaßt. Ruͤcken, Arme und Schenkel ſind ſchwaͤrzlich und ins Gröoͤne ſpielend; Bruſt, Bauch und Kehle aber weiß. Am Kinn hat er einen weißen Bart, der ſich in zwey lange Zipfel endigt, die ihm das Anſehen gehen, als haͤtte er eine Palatine um. Er iſt uͤberaus ſanft, artig und einſchmeichelnd. Fünf Affen⸗ Arten. Ser Qu anudeer u. (Simia Silenus.) Dieſer äußerſt ſonderbare Affe iſt auf Ceylon zu Hauſe, und wird daſelbſt Quanderu (Wanderu) genannt. Er mißt nur 2 Fuß in der Laͤnge, und hat einen etwa 6 bis 7 Zoll langen Schwanz. Sein ganzer Koͤrper iſt mit einem braunſchwarzen Haar bedeckt, das beſonders um den Kopf herum ſehr lang iſt. Der Bart ſteht voͤllig weiß aus, und reicht bis unter die Bruſt herab; das Haar deſſelben iſt feiner, als das uͤbrige. Dieſer Affe hat uͤbrigens Backentaſchen und Geſäͤßſchwielen, und gehoͤrt alſo zu den Pavianen. Seine Schnauze iſt dick und das Gebiß ſtark; nach unten verduͤnnt ſich der Leib ſehr. Gemeiniglich geht er auf vier Beinen; doch nicht ſelten auch auf zweyen. Wenn er aufgerichtet ſteht, betraͤgt ſeine Hoͤhe 3 Fuß und druͤber. Das Geſicht des Wanderu verrälh Ernſt und Nachdenken. In der That ſoll er auch in ſeinen Handlungen viel Uiberlegung zeigen, und man verſichert, daß die uͤbrigen dort einheimiſchen Affen große Ehrfurcht bor ihm haͤtten, und ſeine Superioritäͤt anerkennten. Die Großen in Indien erziehen diefen Affen, und ſchoͤtzen ihn ſeines ernſten und geſetzten Betragens und ſeiner Klügheit wegen vor andern. Man lehrt ihm allerley Spiele, und leitet ihn an, gewiſſe Ceremonien zu beobachten. Er nährt ſich von mancherley Fruͤchten, und häͤlt ſich faſt immer in den Waͤldern auf. Wenn man ihn jung einfoͤngt, ſo laͤßt er ſich bald zaͤhmen; alt aber haͤlt es ſchwer, ihn zu baͤndigen. Er iſt alsdann ſo boshaft, daß man ihn, zu Verhuͤthung des Schadens, den er anrichten wuͤrde, in einen eiſernen Kaßig ſperren muß. Hierin bezeigt er ſich ganz wuͤthend. Rach den Berichten verſchiedener Reiſenden ſtellen dieſe Affen den Weibern ſehr nach, entführen ſie in die Waͤlder, und töͤdten ſte zulezk.— Man bringt ſie bisweilen lebendig nach Europa. Der weißmaͤulige Affe. (Simia nictetans,) De. weißmäulige Affe wurde einmal in Amſterdam lebendig gezeigt. Er kommt an Groͤße dem gemeinen Affen bey, hat einen langen Schwanz, keinen Bart; aber ein behaartes Geſicht. Die Raſe, die Livven und das Kinn ſind weißlich; die Farbe des Haars auf allen uͤbrigen Tbeilen des Leibes iſt ſchwͤrzlich, mit hellern Schattirungen; Zuͤße und Schwanz ſind ſchwarz. 8 8 Er nickt unaufhoͤrlich mit dem Kopfe. Sein Vaterland iſt Guiana. Dert Duc. (Simia M emmd. Ae) E. iſt ungefaͤhr ſo groß wie der Wanderu, hat aber keine Geſäßſchwielen. Sein Schwanz iſt beynahe ſo lang wie der Leib, den Kopf ungerechnet. Das Geſicht iſt mit einem roͤthli⸗ chen Milchhaar uͤberzogen; die Haut deſſelben iſt ebenfalls roͤchlich. Die Ohren ſind kahl, und ſehen aus wie das Geſicht; die Lippen und Augenhoͤhlen haben eine braune Farbe⸗ Das Haar auf den uͤbrigen Theilen des Leibes ſpielt mit ſehr verſchiedenen, und zwor zum Theil recht lebhaften Farben. Das Kinn iſt, wie die Backen, bis zu den Ohren hinauf mit einem weißgelben Bart beſetzt; uͤber der Stirn und auf den Oberarmen iſt das Haar ſchwarz; eben ſo an den Schenkeln. Der Leib, die Unterarme und der Schwanz ſind weißlich. 2 3 Der Due geht ſehr häufig auftecht, und mißt in dieſer Stellung beynahe 4 Fuß. Wenn einem dieſer Affe im Walde begegnet, ſo denkt man anfangs, es ſey ein Menſch in ſo buntem Habit. 8 Cochin⸗China ſoll ſein Vaterland ſeyn. Von ſeiner Lebensort iſt nichts bekannt. Der Saki. (Simia pitſlecia.) De⸗ langen buſchigten Schwanzes wegen nenut man den Saki auch den Fuch sſchwanz⸗ 3 Affen. Er eiſt, obllig eiwachſen, noch nicht 1 Zoll lang, und hat weder Backentaſchen, f noch Geſaͤßſchwielen. Sein Geſicht iſt eigentlich roth, aber mit weichen, weißlichen Haa⸗ d ren beſetzt. Auf dem Oberleibe iſt das Haar beſonders ſehr lang, und wie das Schwanz⸗ haar von ſchwarzbrauner Farbe; am Unterleibe ſieht es gelbroͤthlich aus. Der Saki geht gewoͤhnlich auf 4 Fuͤßen. Er wohnt im ſuͤdlichen Amerikn. Sonſt iſt nichts von ihm hekannt. Der Palatin ⸗Affe. (Sumia Roloꝛbai,) Ein niedliches Aeffchen!— Es iſt ungefähr an derthalb Fuß lang, und hat ein plattes, 4 ſchwarzes, faſt dreyeckiges Geſicht, welches ringsumher mit einem ſchmalen Streifen von Haaren eingefaßt iſt. Der Rucken iſt ganz dunkelſchwarzbraun; der Kopf, die Seiten, die Arme und Beine ſind auswendig eben ſo, aber wie gepudert, weil jedes Haar eine weiß⸗ ***— liche Spitze hat. Die Bruſt, der Bauch, der Umfang der Geſäßſchwielen, nebſt der innern Oberflaͤche der Arme und Beine ſind weiß; doch ſagt man, daß dieſe Theile in der f Heimat des Thierchens pommeranzengelb ſiyn, und nur in kaͤlteren Gegenden weiß werden. — Der Schwanz iſt ſo lang, wie der Leib. 5 0 Det Palatinaffe oder Rolowai iſt ein ſehr munteres, gefaͤlliges und einſchmeichelndes Thier gegen Bekannte; mißtrauiſch aber gegen Fremde⸗ Er lebt in Guinea, und wird bisweilen lebendig nach Europa gebracht. Bögel XXX. 0 Meiſen verſchiedener Art, Di⸗ Meiſen ſind kleine, muntere und ſeht nuͤßliche Vögel, weil ſie ſich vorzuͤglich von Inſekten und ihren Eyern nähren, und daher Sommer und Winter hindurch eine unglaub⸗ liche Anzahl Raupen und ihre an den Baumrinden klebende Eyer vertilgen. Sie ſcheinen eben vom Schoͤpfer dadurch, daß ſie ſehr fruchtbar ſind, ig bis 20 Eyer legen, und ſich alſo ſehr vermehren, dazu beſtimmt ſind, die allzugroße Vermehrung der ſchädlichen In⸗ ſekten zu verhuͤthen, und hierin das Gleichgewicht im Gange der RNatur erhalten zu helfen. Die vorzuͤglichſten bey uns bekannten Arten ſind dieſe: — — Nro r. Die Kohlmeiſe. (Sarus major. L.) Iſt nicht allein bey uns, ſondern faſt in der ganzen alten Welt zu finden. Sie iſt 52 Zoll lang, Kopf und Bauch ſind ſchwarz, die Schlaͤfe weiß, Nacken und Seiten gelb, Kücken und Schwanz blaugrau. Sie bleibt üͤber Winter bey uns, und bruͤtet jaͤhrlich dreymal.—* Nro. 2. Die Blaumeiſe. (Parus cocruleus. L.) Sie bewohnt ganz Europa, und iſt ſehr ſchoͤn gezeichnet. Stirn und Backen ſind weiß, Scheitel und Fluͤgel hochblau, der Bauch gelbgrau. Sie bruͤtet jaͤhrlich nur einmal, 4 legt aber bis 22 Eyer, und vertilget ſonderlich die an den Aeſten der Fruchthaͤume klebenden Coer der ſchaͤdlichen Ringelraupe. J. 8 Nro. 3. Die Sumpfmeiſe. (FHarus paluotris. L.) Iſt ſo groß ols die vorige; der Kopf iſt ſchwarz, Rücken und Schwanz braungran, Hals und Bruß gelblich⸗weiß. Sie lebt einſam, mehr in Waͤldern als in Gaͤrten, und liebt ſumpfigte Orte. R— RRRRRREREEEEE —————— —— 15 Nro. 4l. Die Schwanzmeiſe. (Farus caudatus. L.) Sie iſt 53 Zoll lang, der Schwanz läͤnger als der Koͤrper; der Scheitel weiß, und der uͤbrige Koͤrper gelb, ſchwarz und grau gezeichnet. Sie bewohnt Europa und Weſtindien, iſt ſehr unruhig und lebhaft, klettert an den Baͤumen wie ein Specht, und baut ein ſehr kunſtreiches freyhaͤngendes Neſt. Nro. 6. Die Tannenmeiſe. (Sarus ater. L0 Sie bewohnt in Europa und Rordamerika Wölder und Gärten, iſt 4 Zoll lang; der Kopf, Schwanz, Nacken und beide Seiten der Bruſt weiß, Ruͤcken, Fluͤgel und Schwanz grau. Nro. 6. Die Haubenmeiſe⸗ (Furus crictatus. L.) Bewohnt ganz Eurspa, iſt 4 Zoll lang, ihre Farbe roͤthlich⸗ grau, um den Hals hat ſie einen ſchwarzen Ring, und auf dem Kopfe einen ſchwarz und weißen Federbuſch. Sie haͤlt ſich nur in großen Fichtenwaͤldern auf, lebt einſam, und laßt ſich nie zahm machen. Nro. 7. Die Bartmeiſe. (Parus Biarmiclis. 20 Lebt in Europa und im mittlern Aſten, an den llfern der Fluͤſſe im Schilfe, von deſſen Saamen ſie ſich naͤhrt. Sie iſt 6 Zoll lang, der Kopf grau, die Bruſt weiß, Ruͤcken und Schwanz gelbbraun. Unter beiden Augen hat ſie herabhaͤngende ſchwarze dreyeckige Federbuͤſche, welche wie ein Knebelbart ausſehen. Meiſen v erſchiedener Art. Di⸗ Meiſen ſind ſperlingsartige Voͤgel. Sie haben alle einen ſpitzigen, kurzen, unge⸗ kerbten Schnabel, der an der Wurzel müt borſtenartigen Federn bedeckt iſt; die ſtumpfe Zunge endigt ſich in vier borſtenaͤhnliche Faſern. Die einheimiſchen bleiben auch den Winter über bey uns, und beleben die unbelaubten Bäͤume und Straucher. Da ſie alſo die ſtrenge Winterkälte der noͤrdlichen Gegenden auszuhalten haben, ſo gab die Ratur ihnen eine ſehr ſtarke Bedeckung von geſchliffenen ſeidenartigen Federn. Es ſind lebhafte und muntere, dabey faſt ſaͤmmtlich(ſo zu ſagen) etwas grauſame Voͤgel, aber ſehr geſellig. Man ſteht ſie Sommer und Winter bey Hitze und Froſt, in beſtaͤndiger Bewegung. Sie fliegen und huͤpfen unaufhoͤrlich von Baum zu Baum, von Zweig zu Zweig; klettern an der riſſigen Rinde der Baͤume, an Mauern auf und ab, hängen ſich auf mancherley Art an, oft ſo, daß der Kopf ſich unten befindet. Bey ihrer Lebensart brauchen ſie die Beine faſt mehr als die Fluͤgel; darum erhielten ſie von der Na⸗ tur ſehr muſkulöͤſe Beine, die zu allen den angezeigten Verrichtungen ausnehmend geſchickt find. Aber auch ihr Hals, der ſehr leicht beweglich iſt, hat ſtarke Muskeln; der Hirn⸗ ſchaͤdel iſt hart. Die Meiſen ſind nicht zärklich. Rebſt der Lebhaſtigkeit beſitzen ſie nach Verhältniß ihrer Groͤße eine anſehnliche Staͤtke. Ihr Muth iſt ſo groß, daß ſte— wenigſtens mauche Gattungen unter ihnen— ſogar Raubvoͤgel anfallen, und ihnen die Augen auszuhacken ſuchen. Mit Kaͤhnheit verfolgen ſie die Eule. Wenn ſie ihren Feind angreifen wollen, ſo gibt das Straͤuben des Gefieders ihren Zorn und Muth zu erkennen. Sind ſie gefangen, ſo verſuchen ſie ſich durch heftiges Beißen mit dem harten Schnabel aus der Haud ihres uͤber⸗ legenen Feindes zu befteyen. Sie fuͤhren auch unter einander— beſonders gewiſſe Gat⸗ tungen— oft blutige Streitigkeiten; doch vertragen ſie ſich der Regel nach gut, und Ge⸗ ſellſchaft von ihres Gleichen ſcheint ihnen Beduͤrfniß zu ſeyn. 17 Ihre Nahrung beſteht theils in animaliſchen, theils in vegetabiliſchen Produkten, Im Sommer ſind es vorzuͤglich Inſekten und Wuͤrmer; im Winter Larven, Inſektenehet und allerley Geſaͤme, wovon ſie ſich erhalten. Faſt alle Gattungen ſind auf Einſammlung eines Vortaths bedacht; ſte thun dieß ſogar, wenn ſie koͤnnen, in der Gefangenſchäft. Ihre Magazine halten ſie ſehr geheim. Die Vermehrung dieſer Voͤgel iſt außerordentlich ſtark. Sie legen, in der Regel, 16, 18 bis 20 Eyer, und einige noch mehr. Sie ſuchen ſich zum Schlafen gern einen finſtern verborgenen Ort, und ſchlafen feſt, den Kopf unter die Fluͤgel geſteckt.— Die Erde betreten ſte nur ſelten. ˖ ge⸗ pfe 2 tet Die Kohlmei ſe. 01(Farus major.) Ein uͤber all bekannter Vogel. Er iſt ungefaͤhr ſo groß wie ein Sperling, mißt 54 Zoll und wiegt beynahe eine Unze. Unter den einheimiſchen iſt er unſtreitig die groͤtzte Gattung. Der Schnabel iſt etwas uͤber einen halben Zoll lang, ſtark und ſchwarz. Der Kopf und m die Kehle ſind mit pechſchwarzen Federn bedeckt; die ſchwarze Kopfbedeckung bildet eine Art n von Kappe. Die Backen ſind weiß; Ruͤcken und Fluͤgel olivengruͤn; der Bauch iſt gruͤn⸗ ab, lich gelb. Laͤngs der Mitte des Bauches laͤuft ein unregelmaͤßiger ſchwarzer Streif, der 3 ihn bis zum After hin in zwey Theile theilt. Der Steiß iſt blaugrau; die Schwungfedern ſta⸗ ſind dunkelfarbig mit grauen Raͤndern; die groͤßern Deckfedern haben weiße Spitzen, wo⸗ 1656 durch ein weißer Streif an den Fluͤgeln gebildet wird; der Schwanz iſt dunkelſchwarz, die — zußern Federn an der Außenſeite ſind weiß, die andern blaugrau; die Fuße bleyfarben. Man findet eine Abart von dieſer Gattung, welche die kleine Kohlmeiſe heißt, und niß wirklich faſt in keinem Stuͤcke von der beſchriehenen verſchieden iſt, als durch die geringere —5 Groͤße. ken ſo Was von den Sitten und dem Betragen der Meiſen uͤberhaupt geſagt iſt, gilt auch, en, und zwar vorzuͤglich, von dieſer. Sie iſt ſtark, und vielleicht unter allen die muthigſte und zornigſte. Gegen andere Voͤgel, beſonders wenn ſie mit ihnen eingeſperrt iſt, betraͤgt ak⸗ ſte ſich ſeht feindlich. Jungen Voͤgelu, die mit ihr in einem Gebauer ſich befinden, durch⸗ De⸗ ſtoßt ſie bald mit ihrem Schuabel die Hirnſchale, und frißt ihnen das Gehirn aus, Um Sgkes Heft 6 ſich von dieſem merkwuͤrdigen Inſtinkt zu uͤberzeugen, ſetzte ein Naturforſchet 8 bis 10 Kohlmeiſen nebſt einem Rothkelchen in einen Kaͤfig. Dieß geſchah um 9 Uhr Vormittags; zu Mittage war der Hirnſchaͤdel des Rothkelchens durchſtoßen, und die Meiſen hatten das ganze Gehirn ausgefreſſen.—— Roch ein anderer Verſuch beſtaͤtigte dieſen ihren ganz eigenen Appetit. Ungefaͤhr ein halbes Duzend Kohlmeiſen, die Jemand zuweilen in einem Zimmer herumfliegen ließ, in welchem zugleich Ammern, Finken und andere kleine Voͤgel mit verſchnittenen Fluͤgeln her⸗ umliefen, machten Jagd auf die uͤbrigen Voͤgel. Zuerſt griffen ſie die zartlichen ſchwachen Ammern an. Mehrere Meiſen unterſtuͤzten einander. Sie ſtießen unaufhoͤrlich mit den Schnaͤbeln nach dem Hirnſchaͤdel dieſer Vögel, und machten ſie nach und nach ſo matt, daß ſie fielen, worauf ſie ihnen das Gehirn ausfraßen. Die Meiſen, welche dieſes Einmal gethan hatten, wurden hernach ſo begierig auf dieſen Leckerbiſſen, daß ſte ſelbſt bey uͤber⸗ fluͤßigem andern Futter, dennoch nach und nach die uͤbrigen Voͤgel toͤdteten. Man hat ſogar Beyſpiele erlebt, daß dieſe Gattung von Meiſen, die man oͤfters in Stuben haͤlt, ſich auf ein ſchlafendes Kind ſetzten, und auf die Aüßzen deſſelben lospickten. Es iſt ein Beyſpiel dieſer Art bekannt, wo gewiß der Vogel dem Kinde die Augen würde ausgehackt haben, wenn nicht die Mutter von ungefaͤhr in die Stube getreten, und eilends zu Huͤlfe gekommen waͤre. Wie gefaͤhrlich es ſey, dieſen Voͤgeln in Stuben, wo ſich kleine Kinder aufhalten und zu ſchlafen pflegen, freyen Flug zu geſtatten, ſieht man aus die⸗ ſem Beyſpiele. ö Dagegen weiß man aber auch, daß ſich manche Kohlmeiſen mit andern Voͤgeln gut vertragen. Vielleicht findet in Anſehung der Gemuͤthsart dieſer Geſchoͤpfe ebenfalls, wie unter Menſchen und manchen Saͤugethieren Einer Gattung, ein Unterſchied ſtatt. Uibrigens ſind die Kohlmeiſen recht angenehme Voͤgel. Ihr Gefieder iſt ſchöͤn, ihre Geſtalt niedlich, alle ihre Bewegungen und Stellungen haben etwas Gefallendes, und auch ihre Stimme iſt nicht zu verachten. Letztere klingt beſonders beym Männchen im Fruͤhjahr ſehr anmuthig, und iſt in der That ſo abwechfelnd, daß man glauben ſollte es ſey der Geſang irgend eines andern Singevogels, weil die Stimme der Kohlmeiſen zu andern Jah⸗ reszeiten einfoͤrmig iſt. ö Das Vorgeben, als ſey die Zunge dieſes Vogels unbeweglich, iſt falſch; denn er kann ſte nach allen Richtungen ausſtrecken. Er ſoll ungefaͤhr fuͤnf Jahr alt werden. Sein Vaterland iſt von großer Ausdehnung. Man trifft ihn nicht nur in Europa allenthalben, ſondern auch in vielen andern Ländern der alten Welt an. Von Schweden bis zum Vorgebirge der guten Hoffnung ſieht man ihn. In Deutſchland iſt er ſehr gemein, 2 2 E *—9 8— es 19 und findet ſich beſonders haͤufig in waldigen Gegenden, ſte moͤgen gebirgig oder eben ſeyn. Im Sommer hält er ſich mehr in Gebuͤſchen und Waͤldern, doch aber auch in Gärten auf⸗ Im Winter zieht er ſich häufig nach den Wohnungen der Menſchen, beſonders wo Baum⸗ garten ſind. Sie leben mehrentheils zerſtreut; im Herbſt ſammeln ſie ſich aber oftmals in kleine Scharen, und fliegen zuſammen. Bey gelindem Wetter fangen die Kohkmeiſen ſchon im Februar an ſich zu paaren⸗ Gegen die Legezeit bauen ſie Neſter aus allerley weichen Sachen, aus Mooſen, Haaren, Federn und dergleichen, und zwar in einem Baumloche; aber auch in Mauerlochern ſolcher Gebaͤude, welche in oder neben einem Walde ſtehen. Im April legt das Weihchen 8 bis 20 Eyer. Sie haben die Groͤße der Sperlingsever, eine weiße Grundfarbe, und ſind mit kleinen und großen roͤthlichen Flecken und Puͤnktchen uͤberalt gezeichnet. Das Weibchen bruͤtet hoͤchſtens 12 Tage. Die Jungen haben die erſten Tage geſchloſſene Augen, und ſind anfangs mit einem feinen Wollhaar ſparſam bedeckt. Wenn die Federn anfangen zu wach⸗ ſen, faͤllt dieſes aus, und nach 14 Tagen fliegen ſie aus dem Neſte, ohne je in daſſelbe zuruͤckzukommen. Die jungen Meiſen locken ſich unaufhoͤrlich durch pfeifende Töͤne zufammen, und blei⸗ ben auch bis zum nächſten Fruͤhjahre bey einander, worauf ſte ſich trennen, um ſich zu paaren. Das Weibchen legt und bruͤtet in einem Jahre zweymal, daß ſie dreymal bruͤten, iſt ſehr zu bezweifeln. Noch am Ende des Juni findet man Junge in den Neſtern. Die Nahrung, welche dieſe Voͤgel das Jahr hindurch gebrauchen, iſt ſehr mannich⸗ faltig. Eigentlich ſcheinen ſie auf Inſekten, Infekteneyer und Larven, ſo wie auf Gewuͤrm, angewieſen zu ſeyn. Hieran kann es ihnen denn nun auch den ganzen Sommer uͤber nicht fehlen. Sie keſen von den Baͤumen und Geſträuchen eine unbeſchreibliche Menge ab. Da ſie in ihren Stellungen und Wendungen ſo ausnehmend geſchickt ſind, ſo finden ſie ihten Fraß in allen koͤchern, Spalten und Hoͤhlungen, und wiſſen ſich deſſen zu bemaͤchtigen. Wie die Spechte, bepicken ſie, vornaͤmlich im Winter, die Baumſtaͤmme, und ſuchen In⸗ ſekten und ihre Eyer davon ab. Sie verzehren viel; daher muͤſſen ſie auch auf andere Rah⸗ rungsmittel bedacht ſeyn, und dieſe finden ſie in mancherley Arten von Geſaͤmen, z. B. Hanf⸗ Tannen⸗Fichtenſaamen, Obſtkernen, Sonnenblumen, Mohn, deſſen Koͤpfe ſie geſchickt auszuleeren wiſſen. Dieſe letztern und das Mark von Wallnuſſen, Mandeln und dergl. ſind ihre Lieblingsſpeiſe. Sie ſuchen, ſelbſt wenn es an Infekten nicht fehlt, eifrig darnach. In harten Wintern freſſen ſie Aas, und wenn ſie eingeſperrt Hunger leiden, fal⸗ len ſie ſich einander ſelbſt an. Man kann ſie in Stuben auch mit gekochtem Fleiſch, mit Speck und Talg fuͤttern. In Pommern ſollen ſie den Winter in die Wohnungen kommen, und wie die Fledermäuſe den Speck behacken. Sie pochen ſogar den Winter an die Bienen⸗ ſtoͤcke, und freffen die ans Flugloch kommenden Bienen weg. 20 Da ſte nicht ſcheu ſind, und gern fteſſen, wo ſle etwas finden, ſo köanen ſie leicht gefangen werden. Eine ſehr gewoͤhnliche Art, ſte zu beruͤcken, brauchen auch Knaben, naͤmlich die Fallen oder ſogenannten Meiſenkaͤſtchen.— Ihr Fleiſch ſchmeckt nicht gut. Die Blaumei ſe. (Rau cdutub) Die Blaumeiſe oder Pimpelmeiſe iſt kleiner als die vorige, und nur 47 Zoll lang. Der ſchwaͤrzliche Schnabel mißt 42 Linie. Der Scheitel iſt blau; die Stirn und die Seiten des Kopfs ſind weiß; vom Schnabel laͤuft zwiſchen den Augen hindurch eine ſchmale ſchwarze Linie nach dem Hinterkopf hin, der, ſo wie der Hinterhals, ſchwarz iſt, und in eine ſchwarze Linie nach dem Schnabel ſich hinzieht. Dieſe Linie umgrenzt den untern Theil des Weißen an den Seiten des Kopfs. Der Ruͤcken iſt von gelblich⸗gruͤner Farbe; die Deckfedern der Fluͤgel ſind himmelblau; die Schwungfedern ſchwarz mit dunkelfarbigen Raͤndern; der Schwanz iſt blau; der äußere Rand heller; die untern Theile des Leibes ſehen blaßgelb, Beine und Naͤgel ſchwarz aus. Faſt wird man geneigt, dieſe Gattung fuͤr noch ſchoͤner von Gefteder zu halten, als die vorige. Dos Weibchen unterſcheidet ſieh dadurch, daß es auf dem Kopfe weniger blau iſt, und uͤberhaupt nicht ſo lebhafte Farben hat, Im Allgemeinen kommt ſie in der Lebensart der vorigen gleich. Sie iſt nicht ſo ſtark, und wie es ſcheint, nicht ſo zornig, wie jene; dagegen will man an ihr noch mehr Erbit⸗ terung gegen die Eule wahrgenommen haben. Sie beißt bey weitem nicht ſo beftig, ſey es aus Sanftmuth oder aus Schwaͤche. An Lebhaftigkeit, Munterkeit und Gewandheit fehlt es ihr gar nicht. Sie huͤpft eben ſo geſchickt von Zweig zu Zweig, und macht die kuͤnſtlich⸗ ſten Wendungen mit ihrem Körper. Im Winter entfernt ſie ſich ebenfalls nicht aus unſern Gegenden; ſie ſorgt aber mehr fuͤr ein warmes Lager, und waͤhlt dazu ein Loch in einem Baume, welcher nicht leicht zugaͤnglich iſt, Ihr Geſang, wenn man anders ihrem Gezwitſcher dieſen Namen geben darf, iſt eben nicht angenehm— Haß man ſie nicht im Kaͤfig ſolle erhalten koͤnnen, wie Einige behaupten, läßt ſich nicht als allgemeine Regel annehmen. 3 Die Blaumeiſe hat mit der Kohlmeiſe gleiches Vaterland. Man trifft ſie Auch im Norden von Europa, in Norwegen und Rußland an. Sie findet ſich bisweilen mit der Kohlmeiſe an einem Orte, vertraͤgt ſich aber nicht gut mit ihr. Im Herbſt kommt ſie gern nach den Gaͤrten. Durch die Art, ſich zu nahren, die ſie, im Ganzen genommen, mit audern Gattungen gemein hat, thut ſie den Obſtbaͤumen vielen Schaden. Sie zerbeißt nicht nur die Bluͤthenknos pen, um die Inſekten und Larven herauszuſuchen; ſondern ſie ſoll auch ſogar die ſchon ausgebildeten jungen Fruͤchte abbrechen und in ihre Hoͤhlen tragen; freylich tilgt ſte auch dabey eine Menge Inſekten. Nach Fleiſch iſt ſie ſehr luͤſtern und nagt es ſo rein von den Knochen ab, daß man ſte zum Skeletiren vorgeſchlagen hat. Al⸗ lerley Geſaͤmr frißt ſie ebenfalls gern. Ihr Reſt machen dieſe Voͤgel in Baumlöchern, und fuͤttern es gut mit Fedetn aus⸗ Das Weibchen legt im April eine große Menge Eyer. Nach Vieler Verſicherung ſoll ſich die Zahl derſelben auf 20 bis 22 belaufen; dagegen ſagt Beach ſtein, daß er noch nie mehr als 8 bis 10 in Einem Reſte gefunden habe. Die Eyer ſind etwas kleiner, als die Eyer der Kohlmeiſe; ſie ſehen weiß aus, und haben einige ſehr feine röthliche Punkte. Wenn man die Eyer nicht wegnimmt, und das Weibchen im Bruͤten nicht ſtoͤtt— ſie pflegt das Reſt leicht zu verlaſſen— ſo legt es nur Einmal im Jahre. Für die Jungen iſt die Mutter ſehr beſorgt, ob ſte gleich die Eher ſo wenig achtet. Sie vertheidigt ihte Kinder mit tuth gegen Feinde. Man fäͤngt dieſe Vögel auf gleiche Art, wie die Kohlmeiſen. Die Sumpfmeiſe. (Farus palustris.) Si iſt ein wenig groͤßer als die Blaumeiſe, mißt in der Laͤnge über vier, und mit ausge⸗ breiteten Flͤͤgeln ſteben Zoll. Mehrere halten ſie fuͤr eine bloße Abart von der Tannenmeiſe, ſie iſt aber ſo ſehr von derſelben unterſchieden, daß ſie mit allem Rechte als eine beſondere Gattung angeſehen werden kann. Auf dem Kopfe hat ſie eine ſchwarze Platte; Backen, Kehle, Bruſt und Bauch ſind ſchmutzig weiß; der Ruͤcken, die Fluͤgel und der Schwanz aſchgrau; an der Kehle iſt ein kleiner ſchwarzer Fleck befindlich; die Beine ſind bleyfarben. Es iſt ein ſehr ſchlankes und niedliches Vöͤgelchen, daß ſich in ſeiner Lebensart und in ſeinen Sitten beträchtlich von den uͤbrigen auszeichnet. Das grauſame Raturell der uͤbrigen ſcheint dieſe Meiſe nicht zu haben; ſie iſt ſanfter, aber auch zaͤrtlicher und empfind⸗ licher gegen den Verluſt ihrer Frepheit, und ſtirbt leicht in der Gefangenſchaft. 2 1 7 67 * 4 51 A 1472 3 1 1. 822 a Man trifft ſie in unſern Gegenden ſparſamer als erſtere; doch iſf ſte eben auch nicht ſelten. Sie bewohnt mehrere Laͤnder von Europa, und haͤlt ſich im Sommer am allerlieb⸗ ſten in ſumpfigen Gegenden in Erlengebuͤſchen auf. Gegen den Herbſt kommt ſie in kleinen Scharen nach den Gaͤrten. Sie zeichnen ſich dadurch aus, daß im Fluge immer eine der andern einzeln nachzieht. Hanfſamen iſt ihr Lieblingsfraß. Sie tragen ſich davon einen Votrath zufammen, und nehmen ihn zum Verdruß der Vogelſteller vom Heerde weg. Sie verſtecken die Beute ʒwi⸗ ſchen hohlen Baumrinden, zwiſchen Aeſten und in Loͤchern der Baͤume. Zur Zeit des Man⸗ gels im Winter zehren ſte dieſen Vorrath auf. Sonſt ſuchen ſte Diſtel⸗ Kletien⸗ und an⸗ dern Samen. Unter den Inſekten ſtellen ſie den Bienen vorzuͤglich nach. Ihr Neſt findet man ebenfalls in Baumlöchern. Es beſteht aus Moos, und enthaͤlt 10 bis 12 weifßtlich roſtfarbne Eyer mit gelbroͤthlichen Flecken. Die Schwanzmeiſe. (Saruut cauda 646.) Dirſe kunffreiche Vogek muß mit einem Geſchlechtsperwandken defftten, mit dem Pen⸗ dulin, nicht verwechſelt werden. Er unterſcheidet ſich im Aeußern gewifſermaßen von den übrigen Meiſen. Beſonders ſollte man ihn des langen Schwanzes wegen, eher fur eine Bachſtelze, als fuͤr eine Meiſe halten. Vom Schnabel bis zur Schwanzſpitze betraͤgt ſeine Laͤnge beynahe 6 Zoll; der Koͤrper ſelbſt iſt aber nicht voͤllig halb ſo lang. Die aus gebrei⸗ ieten Fluͤgel meſſen 6 ½½ Zoll, und das ganze Gewicht des Vogels benaͤgt etwas mehr als 2 Drachmen. Er hat einen ſchwarzen dicken Schnabel; einen nußbraunen Augenſtern. Der Leib iſt duͤnn und zart gebauet. Er durchſchneidet die Luft leicht wie ein Pfeil, und fliegt ſchnell. Sein Gefieder hat ſchoͤne Farben. Der ganze Kopf und Hals iſt weiß; die Seiten des Ruͤckens, der Steiß, der Bauch, die Seite und der After ſind matt roſenroth, haben aber an den untern Theilen eine Miſchung von Weißen; die kleinen Deckſedern der Fluͤ⸗ gel find ſchwarz, die groͤßern braun mit roſtfarbigen Raͤndern; die Schwungfedern dunkel⸗ farbig mit hellern Raͤndern. Die Schwanzfedern haben ungleiche Laͤnge; nehmen aber nicht, wie bey andern Voͤgeln mit keilfoͤrmigen Schwäͤnzen, verhältnißmaͤßig und ſtufenweiſe ab. Die Farbe der mittlern iſt ſchwarz; die dritte zu beyden Seiten eben ſo, aber mit grauen Rändern; die andern ſind ſchwarz und weiß; Fuͤße und Klauen ſchwarz. TTCTCCCCCCCCCCCC ů „ e icht ieb⸗ inen eine und wi⸗ an⸗ ans haͤlt N den kine eine rei⸗ als ern. und die ̃th, luͤ⸗ kel⸗ ht, ab. In ihren Sitten und in der Lebensart entfernt ſich die Schwanzmeiſe nur aͤußerß we⸗ nig von den üͤbrigen Gattungen. Sie iſt eben ſo lebhaft, fliegt und huͤpft nach allen Richtungen und unaufhörlich von Zweig zu Zweig, und laͤuft dieſelben mit großer Behen⸗ digkeit auf und ab. Auf das Geſchrey ihres Gleichen kommt ſie herbeygeeilt, und häͤngt ſich mit ihnen gern an Zweige an, denn ſie liebt die Geſellſchaft ihrer Gattung. Bis zum naͤchſten Fruͤhjahre, wo ſte den Trieb der Liebe fuͤhlen, leben Alte und Junge gemeinſchaft⸗ lich beyſammen. Ihre Stimme ſoll im Fruͤhjahr ganz anmuthig ſeyn. Dieſe Vöͤgel bewohnen das noͤrdliche und ſuͤdliche Euroya. Man trifft ſte in Schwe⸗ den, Deutſchland, England, Italien, Frankreich ze. an. Bey uns ſind die Wälder ihr gewöhnlicher Aufenthalt; doch kommen ſte im Winter auch nach den Gaͤrten. Im Fruͤhlinge paaren ſie ſich, und das Weibchen legt 10 bis 12 Eyer, welche grau⸗ röͤthlich ſind. Das Reſt, welches ſich dieſe kleinen Geſchoͤyſe bauen, iſt merkwuͤrdig. Die Materialien dazu beſtehen in Moos, Wolle, Haaren u. ſ. w. Es befindet ſich nicht in ei⸗ nem Baumloche, worin der Vogel auch des langen Schwanzes wegen ſehr unbequem wuͤrde arbeiten muͤſſen; ſondern es iſt an den Zweigen kleiner Baͤume oder Straͤucher befeſtigt, und zwar nur 3 bis 4 Fuß hoch uͤber der Erde. Dieſer Standort iſt aber nicht allgemeine Regel, ſondern oft findet man es auf hohen Eichen an einem ſtarken Aſt feſtgeklebt. Rur ſelten haͤngt es an einer kuͤnſtlichen Schnur. Zorn fand ein ſolches Reſt auf einem duͤr⸗ ren Haſelzweige, der drry Zacken hatte, zwiſchen welchen es feſt ſtand. Der Zweig bog ſich nieder. Das Neſt hatte eine eyfoͤrmige Geſtalt, und aͤußerlich eine Bekleidung von weißem breiten Baummooſe, oder vielmehr von Flechten, womit auch der ganze Zweig be⸗ wachſen war Die kleine Oeffnung war oberwaͤrts, und ſah einem Zapfen aͤhnlich. Es hatte gar nicht das Anſehen eines Neſtes; nur der herausſtehende Schwanz des Weibchens, das eben im Bruͤten begriffen war, verrieth es. Der hervorragende Zapfen vorn am Ein gange ſcheint dazu gebildet zu ſeyn, daß der Schwanz darunter verſteckt liege. Die Laͤnge dieſer künſtlicher Reſter beträgt gewoͤhnlich 8, die Breite 4 Zoll, und das Flugloch hat Zoll im Durchſchnitt. Manche Reſter haben auch zwey Eingaͤnge, damit der Bewohner die Unbequemlichkeit des Umdrehens vermeiden koͤnne. An vielen hat man auch den Anſatz am Eingange, den Zorn fand, nicht bemerkt. Die Seiten des Reſtes ſind aus den angezeigten Materialien ſehr kuͤnſtlich und mit gehoͤriger Feſtigkeit in einander verflochten; die Innenſeiten ſind glatt und weich ausgefüͤttert. Die Eyer liegen ganz in Federn verſteckt auf dem Gtunde des Neſtes. Sie haben kaum die Groͤße einer Haſelnuß, und ſind, ſo wie die ausgeſchluͤpften Jungen und die bruͤtende Mutter, in ihrer Wohnung geſichert gegen Sturm und Regen und gegen die Angriffe feindlicher Voͤgel. ⏑ e=— S 1 Die Tannenmeiſe. (Farus ater.) Es iſt bey der Beſchreibung der Sumpfmeiſe bereits erwähnt worden, daß dieſe mit der 3 nicht, wie Einige glauben, nur Eine Gattung ausmache. Sie iſt kleiner als Sumpfmeife, und wiegt nicht mehr als zwey Quentchen. Der ſchwarze Schna⸗ bel mißt fünftehalb Linien; Kopf und Kehle ſind ſchwarz; vom Schnabel laͤuft zu beiden Seiten ein breites weißes Band gerade unter den Augen weg nach den Seiten des Halſes hin; am Hinterkopfe iſt ein breiter weißer Fleck; der Hinterhals, der Ruͤcken und der Steiß ſind aſchfarben; von der Bruſt bis zum After iſt die Farbe gelbroͤthlich weiß: die Deckfedern der Fluͤgel ſind grau mit weißen Spitzen, welche auch weiße Baͤnder auf den Flügeln bil⸗ den. Schwung⸗ und Schwanzfedern ſind braͤunlich⸗ aſchfarben mit grauen Einfaſſungen. Der Schwanz felbſt iſt etwas gabelfoͤrmig; Fuͤße und Klauen ſind bleyfarben. Das Betragen und die Lebensart dieſes Vogels weicht nicht ſonderlich von den uͤßrigen ſeines Geſchlechts ab. Unter allen Gattungen ſcheint die Tannenmeiſe das wenigſte Miß⸗ nauen zu beſitzen. Sie faͤngt ſich in denſelben Schlingen wieder, aus denen ſte ſchon ein⸗ mal entkam. Es fehlt ihr ſonſt nicht an Muth und Munterkeit. Ihr liebſter Aufenthalt ſind Fichten⸗ und Tannenwaldungen; doch lebt ſte auch auf andern Baͤumen. In Deutſch⸗ land und uͤberhaupt in Europa iſt ſie ein gemeiner Vogel. Das Weibchen legt i im Frühjahre in einem aus zerbiſſenem Meoſe und Thierhaaren verfertigten Neſte, das in Baum⸗ und Felſenloͤchern bereitet wird, 6 bis 8 reinweiße mit blaßrothen Punklen beſtreuete Eyer. Man hat ſie anch in Amerika angetroffen. Die Saubenmeife, (Farus Haubenmeiſe oder Schopfmeiſe, wird dieſer Vogel genannt„wegen des ſpitzigen Federbu⸗ ſches vorn auf dem Kopfe. Sie iſt etwas uͤber Zoll laug und ungefaͤhr von der il⸗ 4 g li n is 36 25 Stöße der Blaumeiſe. Iht ſchwaͤrzlicher Schnabel mißt 6 ½ Linien. Die Stirn und die Seiten des Kopfs ſind weiß; der Scheitel iſt mit langen, ſchwarzen, weißgeräaͤndeten Haaren geziertz Kinn und Kehle ſind ſchwarz, und von hieraus laͤuft eine ſchwarze Linie nach dem Hinterkopfe zu, welche das Weiße an den Backen am untern Theile umgibt; an den Ohren iſt ein unregelmaͤßiger ſchwarzer Fleck; die obern Theile des Koͤrpers, die Fluͤ⸗ gel und der Schwanz üind gelbroͤthlich grau, die beyden letzten dunkler; die untern Theile des Leibes weiß; die Seiten haben einen gelbrothen Anſtrich; die Beine ſind bleyfarben. Der Vogel iſt in Deutſchland, in Schweden, Frankreich und andern Laͤndern zu Hau⸗ ſe. In der Rormandie ſieht man ihn ſehr häͤufig. Dunkle Tannen⸗ und Fichtenwaͤlder liebt er am meiſten. Man ſieht ihn nicht in großer Geſellſchaft, ſondern nur immer einzeln. Im Herbſt und Winter fliegt er vor den Tannenmeiſen und Goldhaͤhnchen her, und es ſcheint, daß dieſe Voͤgel ſeinem Geſchrey folgen, und hingehen, wohin er ſie fuͤhrt. Er iſt ſchwer zahm zu machen. Sein Neſt legt er in Baumloͤchern an. Auch bruͤtet er gern in verlaſſenen Neſtern von Eichhörnchen, Elſtern ꝛc. Man findet 8 bis 10 Eyer in einem Neſte. Sie ſehen weiß aus, und haben blaurothe Flecke, die oft zuſammenlaufen. Seine Nahrung ſind allerley Sämereyen und Inſekten. Er traͤgt ebenfalls gern Hanf⸗ ſamen von den Vogelheerden weg, und bleibt den Winter bey uns. In der Gefangenſchaft lebt er nicht lange, und iſt uͤberhaupt ſehr zärtlich. Die Geſellſchaft von Menſchen ſcheuet er, iſt uͤberhaupt mißtrauiſch, und laͤßt ſich nicht leicht auf die gewoͤhnliche Art fangen; eben deß wegen iſt er aber auch, obgleich einheimiſch, ſo wenig bekannt. Die Bartmeiſe. (Parus biarmicuis.) Der auffallendſte Zug in der Bildung dieſer Meiſe iſt ein ſchwarzer, faſt dreyeckiger Fle⸗ cken auf jeder Seite des Kopfes; die Baſis dieſes umgekehrten Dreyecks erhebt ſich ein we⸗ nig üͤber die Augen, und die nach unten zugekehrte Spitze geht auf dem Halſe 9 bis 10 Linien lang von der Baſis herab. Man hat in dieſen ſchwarzen Flecken einige Aehnlichkeit mit 1 8 gefunden, und davon Anlaß zur Bartmeiſe genommen. Die 28tes Heft. 26 Länge des Maͤnnchens— das Weibchen iſt ein wenig kleiner— beträͤgt etwas uͤber 6 1]J4 Zoll. Der Schnabel iſt an 6 Linien lang, orangefarben im Leben, aber gleich nach dem Tode des Vogels ſchmutzig gelb. Der Scheitel iſt grau, der Hinterhals und der obere Theil des Ruckens gelbroth; die Kehle weiß; die Bruſt fleiſchfarben; Bauch, Seiten und Schenkel ſind von der Farbe des Ruͤckens, nur heller; der After iſt ſchwarz. Der lange keilförmige Schwanz mißt beynahe 3 Zoll, und ſieht faſt wie der Ruͤcken aus; die Beine ſind ſchwarz. 5 Das Weibchen hat eine vom Maͤnuchen in folgenden Stücken verſchiedene Farbe; es fehlen ihm die ſchwarzen Flecke an den Seiten des Kopfes; der Scheitel iſt roſtrorh mit ſchwarzen Flecken, und die Federn am After ſind nicht ſchwarz, ſondern mit den uͤbrigen Theilen von gleicher Farbe. 5 Man will etwas Beſonderes in dem Betragen dieſer Voͤgel bemerkt haben. Das Mäͤnnchen ſoll, wenn es ſich mit ſeinem Weibchen zur Ruhe begibt, ſehr zäͤrtlich die Fluͤgel äber daſſelbe ausbreiten, und es auf dieſe Art zu beſchuͤtzen ſuchen. Dieſe niedlichen Voͤgel bleiben Sommer und Winter bey uns, ſind aber auch in meh⸗ rern andern europaͤiſchen Laͤndern anzutreffen. Sie bewohnen die mit dichtem Rohr und Schilf bewachſenen Ufer von Seen und Leichen; naͤhren ſich von Waſſerinſekten und Ge⸗ würmen; auch von Schilf und Rohrſamen. Sie ſollen aus der Wolle dieſer Pflanzen ihr Neſt bereiten, welches man mitten im Schilfe und Geroͤhrig verſteckt findet. Einige behaup⸗ ten, daß ſie auch in Baumloͤchern niſten. I. . ee. ehe. 7 Itte) Am phibien. IX. Einbeimiſche Froͤſche und Kröten. Nro. 1. Die gemeine Kroͤte. (Rana Bajo. L.) Die gemeine Kroͤte iſt ein garſtiges, widriges Thier von Anſehen. Sie hat einen dicken breiten Leib, kurzen Kopf, und eine mit ſehr vielen Warzen beſetzte gruͤn⸗braungelb und ſchwarz gefleckte ſchlaffe ſchmutzige Haut. Das Weihchen iſt größer, als das Maͤnnchen. Die Kroͤte lebt zwar gewoͤhnlich auf dem Lande, in feuchten Erdhoͤhlen, alten Mauern, hohlen Baumwurzeln ꝛc. und naͤhrt ſich von Inſekten, begattet ſich aber im Waſſer, und legt auch ihren Laich in 2 langen weißen ſchleimigen Schnuren darin ab, welche das Maͤnnchen be⸗ fruchtet. Die Kroͤte iſt nichts weniger als giftig, und ein ganz unſchuldiges Thier. Meh⸗ rere Sagen von ihr find Fabeln des Aberglaubens des gemeinen Mannes. Sie hat ein uͤber⸗ aus zaͤhes und langes Leben. Nro. 2. Die Hausunke. (Kana hpoftentosa geu Bilſo oalamita.) Die Unke, Hausunke oder Kreuzkröte, iſt nicht ſo groß, wie die gemeine Kroͤte, auf dem Rücken dunkelolioengrün mit einen gelben Striche, und vielen braunrothen Warzen, an den Seiten und Beinen aber ſchwarz, weiß und röihlich gefleckt. Sie lebt gerne in Haͤuſern, feuchten Kellern, Gewoͤlben und Staͤllen, im Fruͤbjahr aber in ſtehenden Süm⸗ pfen und Pfuͤtzen, wo ſie, ſonderlich des Abends und in der Nacht, ihre traurige Stimme hoͤren laͤßt, und zu allerhand aberglaͤubiſchen Maͤhrchen Anlaß gegeben hat. Sie ſtinkt wie angezuͤndetes Schießpuloer. Nro. 3. a, und b. Die Feuerkroͤte. Die Feuerkroͤte iſt kaum ſo groß, als ein Lauhfroͤſchchen, lebt beſtaͤndig in ſchlammigen ſtehenden Waſſern, iſt auf dem Ruͤcken mit vielen Warzen, auf dem Bauche aber, wie Fig. 3. b zeigt, feuerfarb und blau ſehr ſchoͤn gezeichnet. Sie hat eine traurige, melan⸗ tholiſche Stimme, naͤhrt ſich von Wafferinſekten und iſt han unſchaͤdlich. D 2 Nro. 4. Die Waſſerkroͤte. (Rana Fuoca.) Die Waſſerkröͤte iſt braun und weißß marmorirt, ſo groß als die gemeine Kroͤte, lebt aber beſtändig im Waſſer, und ſtinkt wie Knoblauch. Zur Paarungszeit gibt ſte ihren Laich 0 in einer weißen ſtarken Schnur, in welcher die Eperchen liegen, von ſich. Nro. 6. Der braune Gras⸗Froſch. (Rand kemporarid.) Dier braune Gras⸗Ftoſch lebt im Sommer in den Gaͤrten, auf feuchten Wieſen und in Wäldern, im Winter aber in Teichen, wo er auch im Fruͤhjähre ſo lange bleibt, bis er ſeinen Laich darin abgelegt hat. Er naͤhrt ſich von Inſekten, Raupen und nackten Schne⸗ cken, welche er ſehr geſchickt von niedrigen Pflanzen durch einen Sprung wegzufangen weiß. Er ſteht braun und ſchwarz gefleckt aus, huͤpft und iſt munter, und ſein Fleiſch iſt eßbar, i + Nro. 6. und J. Der gruͤne Waſſer⸗Froſch. Cana escullenta.) Der grüne bekannte Waſſer⸗ Froſch iſt unter den einheimiſchen Froͤſchen der groͤßte und ſtͤrkſte, die Weibchen Uig. 6. ſind großer als die Maͤnnchen. Er iſt gruͤngelblich von Farbe, hat gelbe Streifen und ſchwarze Fleckenmn. 4 Das Maͤnnchen hat an dem Kopfe 2 weiße Schallblaſen, welche ſeine weitſchallende Stimme im Fruͤhjahre noch verſtaͤrkt. 8 Dieſer Froſch lebt im Waſſer, ſonderlich in Teichen, geht aber auch haͤuftg auf das Land und naͤhrt ſich von Inſekten, Fiſchrogen und jungen Fiſchchen, Mäuſen u. dgl. Die Fig. 7. zeigt Maͤnnchen und Weibchen zuſammen, wie jenes den Laich des Weibchens, in⸗ dem ſie denſelben von ſich läßt, befruchtet. Die Folge der Entwickelung des Eyes bis zum ganzen Froſche, zeigen folgende Figuren. Fig. 4. die Froſcheyer in natuͤrlicher Groͤße; 55 TLig. b. C. d. E. K. dieſelben vergroͤßert, und wie ſich das Junge darin nach und nach 7 entwickelt; Fig. g. B. i. K. I. ml. n. die jungen Froͤſchchen außer dem Eye, oder Kaul⸗ guappen, welche erſt Schwaͤnze, nur 2 Beine, dann 4 Beine haben, und endlich die Schwaͤnze ganz verlieren. Das Fleiſch dieſer Froͤſche iſt eßbar und wohlſchmeckend. Fro. g. Der Laubfroſch. (Rana arborèa.) Dieſes uͤberaus zierliche und ſchoͤngezeichnete Froͤſchchen lebt im Winter und Fruͤhlin⸗ ge im Waſſer, wo es ſeine ſchallende Stimme(welche man das Schreyen des Roölings nenut), die ihm die Kehle zu einem großen braunen Kropfe ausdehnt, hoͤren laͤßt, im Sommer aber auf den Baͤumen, wo er bey Witterungsberaͤnderung ſchreyt. Seine Rahrung ſind Inſekten. 3 * Einheimiſche Kroͤten und Froͤſche. Kröten und Froͤſche gehoͤren nach der ſoſtematiſchen Naturgeſchichte zu Einem Geſchlechte. Die Kennzeichen deſſelben und die Eigenheiten der Gattungen, welche man zu dieſem Ge⸗ ſchlechte rechnet, ſind dereits in vorhergehender Tafel angefuͤhrt worden. Die gemeine Kröͤte. (Rand viofo.) Dir Verwandtſchaft dieſes Amphibiums mit dem Froſche zeigt ſein ganzer Bau. Durch den mit vielen Warzen beſetzten, gruͤn⸗braungelb und ſchwarzgefleckten Koͤrper unterſcheidet ſich die Ktoͤte. Sie hat einen kurzen Kopf, einen dicken breiten Leib und kurze Vorderfuͤße mit 4 Zehen, die unter einander verwachſen ſind. Der Groͤße nach ſind die Kroͤten ver⸗ ſchieden. Das Maͤnnchen iſt faſt immer viel kleiner; aber auch die Weibchen weichen in dieſer Hinſicht unter einander fehr ab. Ein gut genaͤhrtes voͤllig ausgewachſenes Kroͤten⸗ weibchen gelangt oft zur Groͤße einer flachen Hand; noch größere gibt es aber in waͤrmern Laͤndern, z B. in Guiana, wo man Stuͤcke antriſſt, die einem gewoͤhnlichen Sp'eiſeteller an Umfang nichts oder nicht viel nachgeben. Kröte iſt bey uns der gewoͤhnliche Name dieſes Geſchöpfs; an andern Otten heißt es abet auch Lork, Padde, Qua duͤße und Uetze. Den ziemlich allgemeinen Abſcheu gegen die Kroͤte ſchrint die Natur derſelben eini⸗ germaßen zu rechtfertigen. Ihr ſchmierigter, feuchter, widerlich riechender Kö'per; die ſchlap⸗ pe, weichliche Haut, womit beſonders der Unterleib bedeckt iſt; die ganze Geſtalt; der lang⸗ ſame, ſchleppende Gang und dann der Aufenthalt an verborgenen, duͤſten und dumpfigten 31 Oertern, wo man ſie gemeiniglich ganz unbermuthet erblickt/ oder wohl gar mit der Hand ergreiſt— alles dies mochte nicht wenig zu der Abneigung behtragen, welche die Menſchen gegen dieſes Geſchoͤyf ſaßten. So wie aber alles uͤbertrieben wird, ſo übertrieb man auch die ſchlimmen Eigenſchaften der Kroͤte. Man begnuͤgte ſich bald nicht mehr, ihr ſchauerli⸗ ches Anſehen als den Grund des Widerwillens anzugeben; ſondern man verſchrie das un⸗ ſchuldige Thier als giflig und hoͤchſt gefaͤhrlich. Dies iſt aber die Kroͤte durchaus nicht! Zwar ſagt man, daß ſte aus ihren Warzen einen aͤtzenden Saft von ſich gebe, oder daß ihr Urin ſchaͤdlich ſey; allein ſo weit meine eigenen Verſuche und Erfahrungen reichen, iſt dies voͤllig ungegruͤndet. Auch an zarten Theilen des Koͤrpers brachten die Feuchtigkeiten der Kroͤte nicht die geringſte Wirkung hervor; nur ein etwas widriger knoblauchartiger Geruch blieb zuruͤck, der aber nach leichtem Waſchen bald verſchwand. Bey alle dem will ich die Moͤglichkeit nicht leugnen, daß das Beruͤhren des Kroͤtenſafts bey irgend jemand nachthei⸗ lige Folgen haben konnte; aber dies war vielleicht die Wirkung des Schreckens und der Furcht. Eben ſo ungegruͤndet iſt die Sage, daß die Kroͤte Sperlinge und andere kleine Voͤgel, Inſekten, ja ſelbſt Maͤuſe durch ihren ſtarren Blick nach Art der Klapperſchlange ſo be⸗ zaubere, oder in Angſt ſetze, daß dieſe nicht von der Stelle kommen koͤnnten, ſondern iht zur Beute werden muͤßten. Wer die Nahrungsmittel der Kröͤke kennt, ſieht ſchon daraus das Ungereimte der Behauplung ein, daß ſie Maͤuſe und Voͤgel verſchlingen ſolle. iber⸗ dies iſt aber die Kroͤte auch ein naͤchtliches Thier, das nur erſt, wenn es dunkel wird, aus ſeinen Schlupfwinkeln hervorkommt. Wie käme ſte wohl mit den Voͤgeln zuſammen?— Kurz, man ſperre die kleinſten Voͤgel oder Maͤuſe mit mehteren Kroͤten Tag und Nacht zu⸗ ſammen ein, und man wird ſich von der Grundloſigkeit jener Behauptung uͤberzeugen. Eben ſo ungegruͤndet iſt die alte Sage, daß zwiſchen der Kreuzſpinne und Kroͤte eine toͤdtliche Feindſchaft Statt finde. Sobald, heißt es, die Kreuzſpinne eine Kroͤte anſichtig wird, laͤßt ſie ſich auf dieſelbe herab, ſetzt ſich in ihren Racken und— ſaugt ihr das Gift aus; die Kroͤ⸗ te aber ſtirbt unter graͤßlichen Zuckungen; vielleicht gar unter Geſchreh. Dieſe und aͤhnliche wunderbare Erzaͤhlungen ſind nach öſtern Verſuchen als unwahr befunden worden. Hingegen wird es ſelbſt von den groͤßten Naturforſchern als unleugbare Wahrheit angeſehen, daß Kroͤten bisweilen mikten in Baumſtämmen oder Felsſtuͤcken todt und lebendig gefunden worden, ohne daß man die geringſte Deffnung bemerkte, durch wel⸗ che ſie in jene finſtre Wohnungen gedrungen waͤren. Beyſpiele hievon, die zum Theil auf gerichtlich beſtaͤtigte Ausſage ſich gruͤnden ſollen, fuͤhrt man mehrere an. So erblickte man im J. 1795 den 26ſten Sezember, als in einem Steinbruche bey Kaſſel ein Felsſtuͤck von 4 Fuß Laͤnge und Fuß Breite und Dicke zerſchlagen wurde, drey lebendige Kroͤten in der Mitte in einer Hoͤhlung. Die Kroͤten ſchienen ſehr unzufrieden zu ſeyn, daß man ſle in ihrer Ruhe geſtoͤrt hatte; denn als man die eine hervorzog, ſchluͤpfte ſie, ſobald man ſie losließ, wieder zuruͤck in die Hoͤhle. Run ſehzte man alle drey ins Gras, wo ſie anfaͤnglich —————— 32 munter umherhüpften, bald aber ermatteten und ſtarben. Einen Zußgang zu der Hoͤhle, worin ſie ſaſten, fand man nirgends. Eben ſo wurde auch keine Oeffnung in den Baum⸗ ſtaͤmmen entdeckt, in deren Mitte man beym Spalten oder Zerſaͤgen Kroͤten in einer Hoͤhle liegen fand. 8 8 In Frankreich ereignete ſich dieſer Vorfall oͤfters, und veranlaßte Herrn Heriſſon fol⸗ genden Verſuch anzuſtellen: Er nahm den 2 iſten Februar 1771 drey lebendige Kroͤten, und ſchloß jede in eine Hoͤhlung von Gyps ein, die er in einen fichtenen Kaſten machte, und bedeckte ſte auf allen Seiten mit naß aufgetragenem Gypſe. Den 8ten Apreil 2774, alſo nach einer Zwiſchenzeit von mehr als drey Jahren, öffnete er das Kaͤſtchen, und fand die in der mittelſten Hoͤhlung eingeſchloſſene Kroͤte todt, vermuthlich weil ſie zu ſehr eingeengt war; die andern beyden lebten aber und befanden ſich wohl. In der That ein faſt unerklaͤtbares Phaͤnomen! Sellte es wohl, aller Zeugniſſe unge⸗ achtet, Erdichtung, oder doch die Erzaäͤhlung übertrieben ſeyn!— Wer war es, der die Er⸗ ſcheinung wahrnahm? In Steinbruͤchen und Holzfallen arbeiten doch immer nur gemeine Leute, welche die Dinge gern vergroͤbern oder entſtellen, damit ſie deſto mehr Wunderbares erzaͤhlen koͤnnen. Meines Wiſſens hat noch kein Naturforſcher ſelbſt die Beobachtung auf der Stelle gemacht. Herr Ith(ſiehe deſſen Verſuch einer Anthropologie 2c. 1. Th. S. 267. Anm.) aͤußert ſich darͤͤber ſo: Alle beträchtlichen Thiere, die ſichtbaren Jaſekten nicht aus⸗ genommen, bedürfen der Luft zum Leben. Riemand glaubt heut zu Tage der Fabel, daß lebende Froͤſche(Kröͤten) in hartem Marmor und Baumſtaͤmmen gefunden werden, die hie⸗ mit ſo lange ohne Luft gelebt haben mußlen, als der Stein und Baum alt iſt.“ Doch, wir laſſen dies dahin geſtellt ſeyn; ſo viel iſt wenigſtens gewiß, und erhellet auch ſchon aus dem eben angefuͤhrten Verſuch des Herrn Heriſſon, daß die Kroͤten Jahre lang an feuchten Orten in engen Ritzen oder in Gefaͤßen eingeſchloſſen, ohne alle Nahrung leben koͤnnen; ferner, daß ſie in unglaublich enge Ritzen und Spalten eindringen und ſich darin feſtſetzen köͤnnen. Man ſuche nur in den Kellern nach, ſo wird man Letzteres oft genug bemerken. Hieraus läßt ſich, wenn die Sache anders gegründet iſt, einigermaßen erklaͤren, wie die Kroͤten in Steinbloͤcke und Baumſtaͤmme kommen. Sie krochen vielleicht in den Stein, als ſeine Maſſe noch weich war, und in den Baumſtamm, als dieſer etwa eine Spalte oder ſonſt eine Oeffnung bekommen hakte, die ſich nachher zuzog oder zuwuchs. Als Ey kann die Kroͤte nicht hineingekommen ſeyn, denn zu deſſen Ausbruͤtung und Ernaͤhrung iſt Waſſer noͤthig. Die Nahrung dieſer Amphibien beſteht in kleinen fliegenden und andern Inſekten und Gewürmen. Sie fangen dieſelben ungefaͤhr wie der Froſch, mit dem weitgeoͤffneten Mau⸗ le. Den Tag uͤber halten ſie ſich in ihren Schlupfwinkeln in feuchten Erdhoͤhlen, unter Erdſchollen, in Mauerrizen, unter Pflanzen, hinter Zaͤunen und Hecken verborgen; drs E ‚‚ο ο ο “⏑⸗= Abends kommen ſie hervor, und gehn die Racht hindurch ihren Geſchäften nach. Junge Kroͤten ſteht man bey feuchter Witterung auch am Tage herumkriechen. Im Fruͤhlinge, wenn ſich dieſe, ſo wie andre Froſchgattungen paaren, hoͤrt man des Abends in Gäͤrten und auf Aeckern ein helles, nicht unangenehmes Getriller, welches dem Getoͤn der Laubfröſche aͤhnlich, nur viel ſchwaͤcher iſt. Dieß ruͤhrt hoͤchſt wahrſcheinlich vom Kroͤtenmaͤnnchen her, wodurch dieſes ſein Weibchen anlockt. Es iſt ſchwer, das Thier dabey zu entdecken. Es ſitzt immer in einer Erdhoͤhle, und hoͤrt ſogleich zu ſingen auf, wenn man ſich dem Orte auf einige Schritte nähert. Mir iſt es wenigſtens noch nie gelungen, die Kroͤte auf der That zu ertappen. Wer die gewoͤhnliche Abneigung uͤberwinden kann, und eine Kroͤte naͤher betrachtet, der wird ihre ſchoͤnen Augen, die wie Gold glänzen, gewiß bewundern. Merkwürdig iſt das Fortpflanzungsgeſchäft dieſer Amphibien. Die Figur ſtellt ſte in der Paarung vor. Dieſe geſchieht im Waſſer, wohin ſich die Kroͤten im Fruͤhjahre bege⸗ ben. Hier legen ſie auch die Eier ab, und die Jungen bleiben bis zur Ausbildung darin⸗ Die oben liegende iſt die männliche Kroͤte. Die Eier der weiblichen(in welchen man ſchon die jungen Kroͤten nach ihren vornehmſten Theilen entdeckt) ſind mik dem ſie umgebenden helldurchſichtigen Schleime wie eine Perlenſchuur oder wie ein Roſenkranz an einander ge⸗ reihet. Bei der Paarung bemuͤht ſtch das Weibchen das erſte Ei herauszubringen; fobald dies da iſt, uͤberlaͤßt es dem Maͤnnchen das Weitere. Dieſes umſchlingt mit feinen Vor⸗ derbeinen den Ruͤcken des Weibchens, und ſucht mit dem einen Hinterfuße das hervorgetre⸗ tene erſte Ei zu faſſen, welches gleichſam der Anfang eines langen Fadens iſt. Nun zieht er ein zweytes, darauf ein drittes, ein viertes und ſo nach und nach die gauze Eierſchnur heraus, und befruchtet nur dieſelbe. Die erſte Nahrung der jungen Kroͤten, die ſich ſtufen⸗ weiſe eben ſo ausbilden, wie die Froͤſche(fiehe oben Taf. 39.) beſteht in dem Schleime, wel⸗ cher die Eier umgibt. Wenn dieſer aufgezehrt iſt, nähren ſie ſich wie die Froſchlarven. Es gibt zwar in ganz Deutſchland, ſo wie uͤberhaupt in Europa und den Laͤndern, wo die Kroͤten leben, eine ziemliche Anzahl dieſer Geſchoͤpfe; allein ihre Menge wuͤrde groͤßer ſeyn, wenn ſie nicht theils als Brut, theils in ihrer vollkommnen Geſtalt ſo vielen Nach⸗ ſtellungen ausgeſetzt waͤren. Der Menſch koͤdtet ſie aus unverſtaͤndigem Abſcheu, wo er ſie findet, und martert nicht ſelten das arme ſchuldloſe Thier aufs ſchrecklichſte, weil ihm ſein Aberglaube ſagt, daß er daran recht thue. Der Fuchs, der Buſſard oder Maͤuſefalke, (Falco buteo,) der Igel und einige andere Thiere verzehren das Fleiſch der Kroͤte; der Hund ruͤhret es aber nicht an. Schaden ſtiftet die Kröte durchaus nicht, wenn man nicht die Gewohnheit hieher rech⸗ nen will, daß ſie ſich in Kellern immer gein in Gefaͤße und dergl. verkriecht. Dieß kann man 3 Bedeckung derſelben verhindern. Sie ſoll auch manchmal Gartengewaͤchſe und 288 Heft, E 34 andere im Keller befindliche Rahrungsmittel benagen. Daß ſte, wie der einfaͤltige Landmann ſich einbildet, darum ſo gern nach den Viehſtäͤllen kommt, weil ſie den Kuͤhen die Milch ausſauge, iſt eine alberne Sage. Ehemals hielt man die Kröte, oder gewiſſe Theile von iht, fuͤr ein kräftiges Arzney⸗ mittel in mancherley Krankheiten, und brauchte ſie daher in den Apotheken. Das Pulver von hart getrockneten Kroͤten eingenommen, ſollte nach Einigen den Harn, nach Andern den Schweiß ſtark treiben. Aeußerlich legte man ganze Kroͤten auf Peſtbeulen, und glaubte dadurch den Schmerz und die Entzuͤndung zu lindern. Lebendige ausgeweidete Kroͤten band man 9 TLage lang auf Druͤſenverhartungen, und verſprach ſich davon Zertheilung der Ge⸗ ſchwulſt. Pulver von zerriebenen Kroͤten in krebsartige Geſchwuͤre geſtreut, ſoll gute Wir⸗ kung gezeigt haben. Was eigentlich von dieſen Heilungsmitteln zu halten ſey, laͤßt ſich nicht entſcheiden, weil es an ſorgfältig angeſtellten Erfahrungen fehlt. Vor mehreren Jahren wurde die Kroͤte auch als ein trefliches Mittel wider den boͤſen Grind gerüͤhmt. Dieſes Mittel beſaß eine Privatperſon als Geheimniß. Der Großherzog von Toskana kaufte es an ſich, gab dem Beſitzer eine jahrliche Penſton von 2000 Livres, und machte es bekannt. Man verfaͤhrt alſo: Einige lebendige Kroͤten werden in einem irdenen Topfe, auf welchem ein irdener Deckel feſt angekittet iſt, in einen heißen Backofen geſetzt. Wenn ſie ſo gedoͤrrt ſind, daß man ſie zu Pulver reiben kann, nimmt man ſie heraus, und zerſtoͤßt ſie. Der grindige Köpf wird nun mit Schweinfett beſtrichen, und darauf von dem Kroͤtenpulver ſo viel geſtreut, daß der Grind voͤllig bedeckt iſt. Hieruͤber legt man eine wohl anpaſſende Haube von Schweinsblaſe und auf dieſelbe eine leinene Muͤtze. Nach 24 Stunden kann man die ganze Bedeckung abnehmen, und der Grind geht ohne alle Schmerzen los. Man fährt noch einige Tage auf dieſelbe Art fort,, und bedeckt dabey den Kopf ſehr ſorgfäaltig, damit ihn die aͤußere Luft nicht beruͤhre. Ende. Die Hausunke⸗ (Rana portentosa Blumenb. ſonſt Rauæ Sud]⁴e calamita.) Wenn die Narben geheilt ſind, iſt die Kur zu — Ulaſabrme Leute reden oͤfters von einem Geſchoͤpfe, das ſte Unke oder Hausunke nennen, wiſſen aber das Thier nicht naͤher zu beſchreiben, weil ſie es gewoͤhnlich nicht ſelbſt geſehen, ſondern nur davon gehoͤrt haben. Sie geben verſchiedenen Thieren dieſen Namen. Der Iltis, der bisweilen in Hauſern und Staͤllen große Haufen von Erde aufſtoͤßt; eine Gat⸗ tung von Soitzmaͤuſen, die gleichfalls Sand zwiſchen den ſchadhaften Dielen aufwerfen, und eine gluckende Stimme hoͤren laſſen; die Ringelnatter(Hausſchlange) Coluber natrix, y⸗ er En te nd Es ir⸗ ht en es es ik. krt er de un an ig, 35 die ſich gern nach den Häuſern und Skaͤllen ſchleicht, und endlich dieſe Kröͤte. So ſehr ſonſt der gemeine Mann Kroͤten, Schlangen und dergl. verabſcheut; ſo haͤlt er es doch fuͤr ein Gluͤck, wenn er eine Hausunke in ſeiner Wohnung hat, und traͤumt ſich davon mancherley außerordentliche Vortheile. Die Hausunke heißt auch Kreuzkroͤte. Sie kommt an Groͤße der vorigen nicht bey⸗ Ihr Ruͤcken iſt olivenbraun und gruͤnlich; dabey mit ſchmutzigen, rothbraunen Warzen be⸗ deckt. Vom Kopf bis zum After läuft ein gelber Strich, der zuweilen die Geſtalt eines Kreuzes annehmen ſoll; die Seiten fallen ins Roͤthliche. Die Schenkel ſind ſehr kurz; die Zehen ohne Schwimmhaut und die Enden derſelben verhaͤrtet. Dieſe Kroͤte hat ebenfalls ein widerliches Anſehn, iſt aber voͤllig unſchäͤdlich. Sie haͤlt ſich im Fruͤhjahre in ſtehenden Gewaͤſſern auf, worin ſte ſich begattet, und ihre Eier ablegt. Der traurige Ton, den ſie im Fruͤhjahre hoͤren laͤßt, und wobey ihr die Kehle dick aufſchwillt, ſoll auch bisweilen in den Haͤuſern bemerkt werden, wo ſie ihren Aufenthalt an feuchten, dumpfigten Stellen in Kellern nimmt. Er gibt dem Einfaͤltigen, welcher die Ur⸗ ſach davon nicht weiß, Gelegenheit zur Erdichtung allerley aberglaubiger Maͤhrchen. Sie⸗ läͤuft ziemlich ſchnell; klettert rauhe Waͤnde hinan, und riecht wie angezuͤadetes Schießpulver. Die Feuerkröte⸗ (Ranua bombina). Ein niedliches, ſchöͤn gezeichnetes Geſchoͤpf! Die Groͤße iſt ſehr verſchieden, welches hauptfaͤchlich vom Alter herruͤhrt; doch uͤberſteigt ſie kaum die Groͤße des Laubfroſches. Ober⸗ halb ſieht ſie ſchmarzbraun aus. Ihr ganzer Unterleib iſt ſehr ſchoͤn füuergelb und himmel⸗ blau marmorirt. An einem Vogel oder an einer Blume wuͤrde man dieſe Zeichnung be⸗ wundern; allein an der Ktoͤte verabſcheuet man ſte aus Vorurtheil. Der gemeine Mann haͤlt ſie irriger Weiſe fuͤr eben ſo giftig, ja fuͤr noch giftiger, als die große Kröoͤte, und waͤſcht ſich, wenn er zufaͤllig eine beruͤhrte, die Hand mit Leichſchlamm oder friſcher Erde, um die Entzündung zu verhuͤthen. Daß das Thierchen ganz unſchaͤdlich iſt,, leidet keinen Zweifel. Es ernaͤhrt ſich von Inſekten, die uͤber dem Waſſer ſchweben. Im Fruͤhling, wann die wiederkehrende Sonnenwärme alle Weſen belebt, kommt auch⸗ die, Feuerkroͤte aus ihrem kalten Schlamme herauf an die Oberflaͤche des Waſſers, und faͤngt 2 141 M 1 an, dem ſich kegenden Triebe zur Fortpflanzung zu folgen. Um dieſe Zeit läßt ſie auch, den Kopf uͤber dem Waſſer haltend, ihre dumpfe, melancholiſche, ganz einfoͤrmige Stimme hoͤren. Sie iſt in ſtehenden Gewaͤſſern in Menge anzutreffen, kommt aber niemals aufs trockne Land, außer etwa, wenn der Teich, oder die Pfuͤtze, worin ſie lebt, austrocknete; alsdann ſucht ſie jedoch bald wieder ihr— auf, Die Wafferkröte. (KRanad ſfuscd.) Si wird von vielen nur fuͤr eine Spielart der gemeinen Kroͤte gehalten, weil ſie ihr an Groͤße, Geſtalt und andern Eigenſchaften ſo aͤhnlich iſt; doch fieht ſie anders aus. Ihr Oberleib iſt braun mit ſchwarzen und weißgrauen Flecken gezeichnet und hin und wieder mit roͤthlichen Punkten beſtreut. Der Unterleib iſt weißgelblich; beym Weibchen dunklet und grau punktirt. Die Pupille iſt nicht, wie bey andern Kroͤten, in die Quere, ſondern in die Laͤnge geſtreift. Die Hinterfuͤße haben 5 Zehen, welche durch eine Schwimmhaut ver⸗ bunden, und an der Ferſe noch mit einer hornartigen Afterklaue verſehen ſind. Der knoblauchartige Geruch dieſer Gattung iſt außerordentlich ſtark. Sie iſt uͤbrigens unſchaͤdlich, haͤlt ſich in Suͤmpfen und— auf, und taucht ſogleich unter, wenn man 5 zu nahe kommt. Der braune Grasfrofc⸗ (Rana temporaria.) Di⸗ eigentlichen Froͤſche machen eine beſondere Familie aus. Sie unterſcheiden ſich in dieſer Hinſicht von den Kroͤten durch den mehr verlaͤngerten, warzenloſen, glatten, einiger⸗ maßien eckigten Körper. Sie haben nicht die aufgeblaſenen Seiten und die große gepolſterte Druͤſe an den Schlaͤfen; dagegen aber laͤngere, ſchlankere Hinterbeine, mit welchen ſie ſehr weit und ſchnell forthuͤpfen koͤnnen. Ihr ganzes Anſehn iſt nicht ſo ſchauerlich; ſte ſind reinlicher, munterer, halten ſich nicht ſo verborgen, huͤpfen bey Tage umher, und lieben ε ⏑ 158 n er⸗ te ehr die Geſelligkeit. Zur Begattungszeit treten an den Daumen des Maͤunchens rauhe Warzen hervor. Der braune Grasfroſch iſt einer der bekannteſten ſeiner Familie. Den ganzen Som⸗ mer über bewohnt er dunkle, feuchte Plaͤtze in Waͤldern, Feldern, auf Wieſen, Triften und in Gaͤrten. Gegen den Winter begibt er ſich in die ſtehenden Gewaͤſſer, um ſein Leben die rauhe Jahreszeit hindurch im Schlamme zuzubringen Im Fruͤhjahre, wo er mit ver⸗ änderter Farbe erſcheint, bleibt er ſo lange im Woſſer, bis er das Geſchaͤft der Fortpflan⸗ zung und Eyerlegung vollbracht hat. Waͤhrend dieſer Zeit laſſen die Maͤnnchen ihre ſtark⸗ tönende murkſende Stimme hoͤren. Dieſe Froͤſche lieben die Geſellſchaft der Kroͤten mehr, als die ihrer naͤhern Verwandten, der gruͤuen Waſſerfroͤſche. Ihr Koͤrper iſt ſchlank und nach Verſchiedenheit des Alters von verſchiedener Groͤße; man ſieht ſie von„J2 bis zu 2 J2 Zoll Laͤnge und druͤber. Sie ſehen oberhalb hell⸗ und dunkelbraun gefleckt aus, und haben einen flachen Ruͤcken. Der Unterleib iſt beyhm Maͤnn⸗ chen grau weißlich; beym Weibchen roͤthlich⸗braun und gelblich. Der Laich von dieſen Froͤſchen liegt im Maymonate klumpenweiſe in Waſſergraͤben, Leichen und Pfuͤtzen, und die Jungen, welche, wie bey andern Gattungen erſt Kaulpadden ( Froſchlarven) find, trifft man im Sommer oft in ungeheurer Anzahl an. Rach ihrer voͤlli⸗ gen Ausbildung verlaſſen ſie das Waſſer, und huͤpfen auf dem Lande umher. Sie halten ſich gern im Schatten und in der Feuchtigkeit auf, und kommen bey trocknem Wetter und heißem Sonnenſcheine nicht hervor. Sobald es regnet, verlaſſen ſie ihre Schlupfwinkel, und zrigen ſich in Menge. Ehemals bekuͤmmerte man ſich zu wenig um die Natur; man wußte daher nicht zu erklaͤren, woher nach einem Regen ploͤtzlich ſo viele vorher nicht geſehe⸗ ne Froſche kͤmen. Man behauptete alſo, ſte wären mit dem Regen aus den Wolken gefal⸗ len. Wie kamen ſie aber in die Wolken? Dies ſchien keine Schwierigkeit zu haben. Die Sonne, welche die Waſſerduͤnſte nach ſich zieht, hieß es, zoͤge auch Froſchlaich mit hinauf, der oben ausgebruͤtet wuͤrde Spaͤterhin fand man dieſe Erklärung ungereimt, und ſuchte das Phaͤnomen des Froſchregens auf eine andere Art, naͤmlich dadurch zu erklaͤren, daß Wirbelwinde, welche man allerdings bisweilen duͤrres Laub, Heu, Stroh und andere Sa⸗ chen, auch Waſſer aus Teichen und Seen mit ſich fortreißen und wirbelnd in die Hoͤhe he⸗ ben ſieht, auch junge Froͤſche in die Luft fortfuͤhren und dann wieder fallen ließen. Die Moͤglichkeit, daß Wirbelwinde in den ſogenannten Wafſerhoſen dies thun koͤnnen, iſt durch⸗ aus nicht zu leugnen, und es kann bisweilen wohl geſchehen ſeyn; allein der Regel nach iſt die Erſcheinung der Fröͤſche auf die oben angeſuͤhrte Art zu erklaͤtren. Hat man wirklich Fröſche auf Strohdaͤchern geſehen, wie einige Landleute behaupten, ſo koͤnnen ſie wohl auf andere Weiſe z B durch Voͤgel dahin gebracht ſeyn. Der braune Grasfroſch naͤhrt ſich von mancherley fliegenden Inſekten und von Ge⸗ 38 wurmen, inſonderheit von nackten Schnecken. Er feißt aber auch Schnecken mit Gehaͤu⸗ ſen und Kaͤfer mit harten Fluͤgeldecken. Seinen Raub weiß er ſehr gut zu belauern, und durch einen Sprung, faſt wie eine Katze, zu erhaſchen. Durch Vertilgung dieſer kleinen Geſchoͤpfe wird er nuͤtzlich; ſonſt iſt er uͤberhaupt auch ein unſchaͤdliches Thier. Rur den Bienen iſt er gefaͤhrlich; dieſe haſcht er, wenn ſie auf niedrigen Blumen ſißen, in Menge meg, ſo daß man ſeinen Magen voll davon findet. 5 Der Storch, verſchiedene Reiher, mehrere Falkengatlungen, Enten, Iltiſſe, Marder, Füchſe, Igel und Schlangen ſind ſeine Feindr. Sein Fleiſch iſt, gekocht, ſehr fein und weiß. Man genießt es in Italien, Frank⸗ reich, Schweden, Oſtindien, und in andern Laͤndern. Die Keulen ſchmecken beſonders gut. Wenn aber der Froſch giftige Inſekten verſchlungen hat, kann ſein Fleiſch der Geſundheit nachtheilig werden. Der gruͤne Waſſerfroſch. (Rana esculenta.) Durch ſeine Zeichnung und Farbe unterſcheidet ſich dieſer gleichfalls ſehr gemeine Froſch von allen andern hinlänglich. Unter den einheimiſchen Froͤſchen iſt er der groͤßte und ſtaͤrk⸗ ſie; man findet Stuͤcke, die vom Maule bis zum After 4 Zoll und druͤber meſſen; ihr Hin⸗ teriheil iſt einige Zoll breit. Der obere Theil ihres eckigten, auf dem Ruͤcken mit Hoͤckern beſetzten Koͤrpers iſt grasgruͤn, gelb geſtrichelt und ſehwarz gefleckt. Die Bauchhaut hat ei⸗ nen Rand; die Farbe des Bauchs, ſo wie des ganzen Unterleibes iſt voͤllig weiß. Im Fruͤhjahre, etwa im März oder zu Anfange des Aprils, wann dieſe Froͤſche aus dem Schlam⸗ me an dir Oberflaͤche des Waſſers heraufkommen, ſehen ſte oberwaͤrts aſchblau aus. Sie geben dann einen beſondern ſchluchzenden Ton von ſich. Spaͤterhin farben ſie ſich, wie ge⸗ wöhnlich, und um die Mitte des Aprils und im May, wenn die Begattung ſtatt findet, machen die Mäͤnnchen, vorzuͤglich des Abends und einen Theil der Nacht hindurch, ein ſo lautes Geſchrey, daß man es einige tauſend Schritte weit vernehmen kann. Die alten Rö⸗ mer ſagten davon in ihrer Sprache rana coaxat; und in der That druͤckt dies lateiniſche Zeitwort die Stimme des Froſches gut aus. Coak, Coak und Gaäͤk! Gaͤk! ſind die Laute, die er in mancherley Abwechſelungen und mit ſolcher Heſtigkeit ausſtoͤßt, daß es ſcheint, als 39 wolle er ſeine Eingeweide von ſich geben. Wirklich treten auch an den Seiten der Kehle aus den Maulwinkeln zwey weißliche Blaſen hervor, die großer als eine Gartenerbſe ſind, und den Schall noch verſtaͤrken. Das Weibchen, welches groͤßer als das Maͤnnchen iſt, hat nur eine ſchwache Stimme. Fig. 7. zeigt das Maͤnnchen und Weibchen in der Begattung. Dieſe erfolgt, wie beh andern Gattungen. Die Eyer, die hier theils in natürlicher Groͤße, theils ſtark vergroͤßert vorgeſtellt ſind, werden, ſobald das Weibchen ſte von ſich preßt, vom Maͤnnchen befruch⸗ tet. Jedes Ey iſt in eine Schleimkugel eingewickelt, und enthaͤlt ſchon das ausgebildete Junge, wie es Fig. g. vorgeſtellt iſt. Durch ſtufenweiſe Ausbildung erlangt es nach und nach alle die Geſtalten, die unter h, i, k, l, m, n, abgebildet ſind; bis ſich endlich der Siſchſchwanz verliert, und der Froſch, wie Fig. 6 erſcheint. Die Eyer ſind unter dem Ra⸗ men Froſchlaich bekannt genug; ſie ſchwimmen in großen Klumpen auf dem Waſſer. Ihrer Schluͤpfrigkeit wegen laſſen ſie ſich ſchwer mit der Hand aufnehmen; noch ſchwerer laͤßt ſich ein einzelnes Ey in ſeiner Schleimkugel zwiſchen den Fingern faſſen oder zerquetſchen. Un⸗ geachtet dieſe Schleimkugeln unter einander zuſammen haͤngen, und einen großen Klumpen bilden, ſo verlieren ſie doch ihre Geſtalt nicht, und der Schleim fließt nicht in einander. Der im Waſſer verduͤnnte maͤnuliche Beftuchtungsſtoff durchdringt ihn, und wirkt auf das Ey. Eben ſo wirken die Sonnenſtrahlen, und zwar concentrirt, durch die helldurch ſichtige Schleimkugel auf dieſe. Die kleine Froſchlatve entwickelt ſich mehr, zerſprengt durch ihre Bewegung das Häͤutchen, das ſie umgab, und befindet ſich nun im Mittelpunkte des Schleims, der ihr die erſte Rahrung gewaͤhrt. Iſt dieſe aufgezehrt, ſo ſchwimmt ſie frey äim Waſſer umher, und ſucht ihre Rahrung anderweitig. Die Vermehrung der grünen Waſſerfroͤſche iſt in manchen Jahren ungeheuer. Man ſieht im Sommer faſt alle Teiche und ſtehende Gewäſſer, ja ſelbſt langſam fließende Baͤche ganz voll davon. Sie koͤnnen zwar auf dem trocknen Lande ausdauern und herumhuͤpfen, halten ſich aber das ganze Jahr uͤber im Waſſer auf. Nur wenn die Sonne recht warm ſcheint, begeben ſte ſich der Waͤrme und des Inſektenfanges wegen herauf ans Ufer, wo ſte ſich hinſetzen. Geht man vor ihrem Aufenthaltsorte vorbey, ſo ſpringen ſie einer nach dem andern ins Waſſer hinab, und gehen auf den Grund. Sie ſchwimmen außerordentlich ge⸗ ſchickt und ſchnell; thun aber auch gewaltige Spruͤnge auf dem Lande. Ihre Nahtung beſteht in Inſekten, Fiſchrogen und vielleicht in einigen Theilen von Waſſerpflanzen. Man behauptet, daß ſie auch Maͤuſe, junge Enten und Fiſche verſchluck⸗ ten. Sie ſelbſt werden von den vorhin angefuͤhrten Thieren und von den Krebſen und Rin⸗ gelnattern aufgeſucht. Letztere gehen der Froͤſche wegen ins Waſſer, erhaſchen ſie ſehr ge⸗ ſchickt, und wuͤrgen ſie alles Straͤubens ungeachtet, ganz hinunter. Wenn man das Geſchrey dieſer Froͤſche nicht leiden will, ſo kann man ſie mit Feuer, Er das am Ufer des Teichs unterhalten wird, zum Schweigen bringen. Hohlwurg(fuma- ria bulbosa) ſoll ſie aus dem Waſſer vertreiben. Mon ſpeiſt ihr Fleiſch, und faͤngt ſie zu dem Ende mit Angeln, woran man ein Stuͤck⸗ chen rothes Tuch, und unter demſelben einen Angelhaken anbringt. Auch ſchnappen ſie gern nach den gelben Blumen des Hahnenfußes(ranunculus auricomus et bulbosus), und loſſen ſich auf dieſe Weiſe am Angelhaken herausziehen. Das Fleiſch iſt ganz weiß; fliſch iſt es zaͤhe; wenn es aber etwas liegt, wird es ſehr muͤrbe. Man haͤlt es fuͤr ſehr geſund urd nahrend. In Frankreich ſind vorzuͤglich die Keulen beliebt. Die Bäuche aßen ſchon die alten Griechen. Die Italiaͤner werfen vom Froſche nichts weg, als den Kopf und die Eingeweide. In China findet man Froͤſche auf allen Maͤrkten zum Verkauf. In unſern Gegenden genießt ſie auch der Aermſte nicht, und zwar aus Vorurtheil. Viele Perſonen, zu⸗ mal weiblichen Geſchlechts, ſcheuen ſich ſogar, den Froſch anzuruͤhren. Aus dem Schleime, welcher die Eher umgibt, wird das bekannte Froſchlaichpflaſter in den Apotheken bereitet. —6—— Der Laubfroſch. (HRana arbored.) Der Laubftoſch gehoͤrt nicht zu der Familie der bisher beſchriebenen Froͤſche, ſondern zu einer dritten in dieſem Geſchlechte, die man Baumfroͤſche nennt. Sie zeichnen ſich durch die außerordentlich langen Hinterſchenkel aus, womit ſie gewaltige Spruͤnge machen koͤn⸗ nen. Auch haben ſie an den Enden der Zehen, ſtatt der Räͤgel, feuchte Schildchen, die ih⸗ nen zum Anhalten an der Unterſeite der Blätter dienen. Alle dieſe Familienmerkmale finden auch bey dem allgemein bekannten Laubfroſche ſtatt. Dieſer niedliche Froſch brwohnt alle Länder Europens; nur England nicht; auch in Ame⸗ rika wird er geſunden. Seine Laͤnge beteaͤgt nach Verſchiedenheit des Alters und anderer Umſtände 1 und 112 Zoll. Oberhalb iſt ſein ganzer Koͤtper im vollkommenen Zuſtande hellgrasgruͤn; bey einigen auch apfelgrüͤn; nach Ablegung der ſchleimigten Haut aber roth⸗ grau und weißhefleckt, hierauf gelblich⸗gruͤn. Der Unterleib iſt weißgelblich und uͤberall mit 4 teinen erhabnen Waärzchen beſetzt, aus welchen eine äͤtzende Feuchtigkeit dringt, die zwar nicht an den Fingern und an andern harten Theilen, wohl aber an den Augenliedern, Lip⸗ pen, u. ſ. w. eine anhaltend beißende Empfindung erregt. Zu welchem Zweck ſte diene, meiß man bis jetzt nicht. An den Seiten des Koͤrpers macht ein hellgelber bräunlich gerun⸗ deter Strich die Graͤnze der gruͤnen und weißen Farbe. Den Winter bringt der Laubfroſch ſein Leben, wie andere, in Erſtarrung in den Suͤmpfen zu. Im Frühlinge, beſonders an ſchoͤnen Abenden am Ende des Aprils und im May, wo er ſich begattet, laͤßt das Maͤnnchen ſeine helltönende Stimme hoͤren, die, wenn mehrere im Tei⸗ che und in den umliegenden Gewaͤſſern ein Concert machen, die ganze Gegend erfuͤllt, und am ſchicklichſten mit dem klingenden Schellengeraſſel vieler ſchnellfahrenden Schlitten vergli⸗ chen werden kann. Der Froſch ſetzt ſich dabey auſſerhalb des Waſſers auf ein Schilfblatt, oder wo er es haben kann, auf ein Blatt der gelben oder weißen Seeblume(Seeroſe, nymphaea Iutea et alba), und ſchreyet aus allen Kiaͤften. Dabey tritt unter der Kehle ein gelblicher Kropf auf, der oft ſo groß iſt, wie der ganze Froſch. In unſern Gegen⸗ den nennt man dieſes Geſchrey das Singen der Rölinge, ohne zu wiſſen, daß es der Laubfroſch verurſacht. Unter Roͤling ſtellt ſich der Unerfahrne in den hieſigen Gegen⸗ den ein Thier vor, dergleichen gar nicht ekiſtirt, und wovon er ſelbſt keine deutliche Vor⸗ ſtellung hat. Anderwärts heißen die gruͤnen Waſſerfroͤſche, wenigſtens nach naturhiſtori⸗ ſchen Werken, Roͤlinge. Das Amphibienconcert an einem ſchoͤnen Mayabend iſt in der That einzig in ſeiner Art. In Einem Teiche von geringem Umfange erſchallen die Stimmen der Laubftoͤſche, die am durchdringendſten und anhaltend ertoͤnen; darunter hoͤrt man das unaufhoͤrliche dum⸗ pfe melancholiſche Rufen der Waſſerkroͤten, Unken und Feuerkroͤten; und dieſe uͤberſchreyet mit ſeiner murkſenden Stimme der große Waſſerfroſch, und alles iſt Ausdruck des Wohl⸗ befindens und der Liebe! An kuͤhlen Abenden ertoͤnt das Concert nicht, oder nicht vollſtim⸗ mig; gegen die Mitte des Juny, wo die lange Paarung⸗ dieſer kalten Geſchoͤpfe ein Ende nimmt, hoͤrt auch ihr Geſchrey auf. Der Laubfroſch ſchweigt um dieſe Zeit ebenfalls, und verlaͤßt das Waſſer. Die ganze Geſellſchaft, die im Teiche beyſammen wohnte, zerſtreut ſich, und man trifft nur einzeln hie und da einen Laubfroſch an Richt der Boden, ſondern Bäume und Straͤucher ſind nunmehr ſein Aufenthaltsort. Er ſitzt gewoͤhnlich auf der untern Seite eines Blattes, woran er ſich, ſo wie an den Wäͤnden eines glaͤſernen Gefaͤßes, mit ſeinen feuchten glatten Schildchen unter den Zehen und mit ſeiner Kehlhaut ſehr geſchickt an⸗ halten kann⸗ Seine Rahrung ſind Inſekten,, die er huͤyfend erhaſcht. Außer der Paarungszeit läßt er nur noch bey Veraͤnderung des Wetters ſeine Stimme hoͤren. Eben des halb haͤlt man ihn⸗ in einem Zuckerglaſe, worin ein Buxbaumzweig und etwas Waſſer befindlich iſt, und in Kaͤ⸗ ſigen mit friſchem Raſen, im Zimmer. Man wirft ihm von Zeit zu Zeit lebendige Fliegen astes Heft⸗ 5 42 zu, die et wegſchnappt; todte ruͤhrt er nicht an. Im Winter kann er zur Vertvunderung lange faſten. Er iſt hoͤchſt empfindlich gegen jede Veräͤnderung in der Atmosphäre. Badet er ſich unten im Glaſe, ſo folgt faſt immer Regen; verweilt er im Waſſer, ſo zeigt dies an⸗ haltenden Regen an. Waͤhrend deſſelben kommt er nur ſelten, etwa wenn ſich uͤber ihm an der Wand des Glaſes eine Fliege bewegt, aus dem Waſſer herauf, und daun zieht er ſich gleich wieder zuruͤck Bey ſehr ſtuͤrmiſcher Witterung macht er bisweilen krampfhafte Bewe⸗ gungen, oder liegt auch wie todt auf dem Boden. Heiteres Wetter verkuͤndigt er, wenn er ſich über dem Waſſer aufhaͤlt. Wenn das Männchen ſeine Stimme hoͤren läßt, ſo kann man auf anhaltend angenehme Witterung rechnen. In der That iſt dieſem Wetterprophe⸗ ten oft mehr zu trauen, als dem Steigen und Fallen des Queckſilbers im Barometer⸗ 8 5— 5 — N N V ſ N 64 65 15 „ P,, 6 6 1 ———— —— ͤ äWm2ʒ3V Die beyden auf der vorliegenden Tafel abge ihrer Schoͤnheit wird die ſe Amphibien. X. Furchtbare Schlangen⸗ .........„„„„„„„„¶.çꝗg:— bildeten Schlangen gehoͤten zu dem Geſchlech⸗ te der Rieſenſchlangen, die wegen ihrer ungeheuren Groͤße und Kraft dieſen Ramen mik Recht fuͤhten. Sie ſind uͤbrigens nicht giftig⸗ Fig. 1. Die Abgottsſchlange. (Bod constrietor.) Die Abgotts⸗ oder Koͤnigsſchlange, iſt die gröͤßte und ſtaͤckſte, nicht blos ihres Ge⸗ ſchlechts, ſondern aller Schlangen uͤberhaupt. Sie erreicht eine Laͤnge von 40 bis 50 Fuß und wird ausgewachſen Mannsdick. Suͤdamerika, Indien und die Inſeln des indiſchen Meers ſind das Vaterland dieſer furchtbaren Schlange. Ihre Rahrung beſteht aus Re⸗ hen, jungen Buͤffeln, Antilopen, und andern Thieren. Auf dieſe lauert ſie auf Baͤumen verſteckt, ſchießt dann, ſo wie ſie ſich naͤhern, auf ſie herab, haͤlt ſie mit den am After befindlichen Klauen feſt, und ſchlingt ſich ſo feſt um ſie herum, daß jene erſticken muͤſſen. Dann ſaugt ſie alles Blut aus, zerquetſcht durch ihre erſtaunliche Kraft alle Knochen des Koͤrpers, uͤberzieht hierauf das Thier mit einem aus ihrem Rachen fließenden Schleim, und ſchlingt es dann ſo ganz hinunter In Ermangelung großer Thiere frißt ſie auch Eidech⸗ ſen, Voͤgel und andete kleine Schlangen. Die Faͤrbung ihrer Haut beſteht aus unregel⸗ maͤßigen dunkelkirſchrothen, gelben, weißen und aſchblauen Flecken und Streifen. Wegen Hout, da die Farben uͤberdem noch glasartig glaͤnzen, in jenen Handel theuer verkauſt. Die Suͤdamerikaner erweiſen Ländern ſehr hoch geſchaͤtzt, und im 5 ſie auch den Namen Ab⸗ dieſer Schlange wegen ihrer Furchtbar keit goͤttliche Ehre, wohon gottsſchlange hat. Fig: 2. Der Hundskopf. (Bod canina.) Die Hundskopfſchlange, oder auch Bojobi, gehört gleichfalls zum Geſchlechte der Rie⸗ ſenſchlangen. Den Namen hat ſie von der Aehnlichkeit ihres Kopfes mit dem eines Hun⸗ des. Ausgewachſen erreicht ſie beynahe die Groͤße der vorigen. Ihre Farbe iſt ein ſchö⸗ nes Seladongruͤn mit weißen Flecken. Nahrung, Aufenthalt und uͤbrige Lebensget hat ſie mit der Abgottsſchlange gemein. 4 . Die Abgottsſchlange. (38 oα conetrictor.) Sie iſt die groͤßte ihres Geſchlechts und unter allen bekannten Schlangen uͤberhaupt. Ih⸗ re Dicke und Länge wird verſchieden angegeben, und iſt auch nach Beſchaffenheit des Alters und vielleicht des Wohnorts wirklich ſehr verſchieden. Adan ſon verſichert, daß ſte in Afrika eine Laͤnge von 40 ja 50 Fuß etreiche. Die groͤßten ſind gemeiniglich in der Mitte des Lei⸗ bes Mannsdick. Der Kopf gleicht einem Krokodilkopf, und hat einen weitgeöffneten Ra⸗ chen, der mit ſpizigen Zaͤhnen befetzt iſt. Dieſe Zaͤhne dienen, wie bey andern Schlangen, nicht zum Zerkauen oder zum Zerreißen der Beute, ſondern um ſte feſt zu halten. Die Haut iſt an Farbe und Zeichnung verſchieden. Vermuthlich thut auch hier das Alter und die Erd⸗ gegend viel. Gemeiniglich iſt der Unterleib der Grund⸗ oder Hauptfarbe nach dunkelroth oder rothbraun, mit verſchiedrnen aſchblauen„gelben und veißen unregelmäßigen und ohne Ordnung aufgetragenen Flecken und Streifen. In Suͤdamerika, zumal in Peru, gibt es eine große Schlange, die ausnehmend ſchöͤn gezeichnet iſt, und außer der Zeichnung und Far⸗ be in allen Stuͤcken mit der hier beſchriebenen übereinzukommen ſcheint. Sie wird Amarxu⸗ ſchlange genannt, und genoß— ehemals wenigſtens— die Ehre, von den Anteis in Peru an⸗ gebetet zu werden. Ob die Anbetung im eigentlichen Sinne zu nehmen ſey, oder ob damit nur hyperboliſch die Werthſchaͤtung des Thiers ausgedruͤckt werden ſoll, wollen wir nicht entſcheiden. So viel ſcheint ausgemacht, daß die Schoͤnheit der Haut und vielleicht auch der Mangel des Gifts dieſer Schlange jene Ehre zu Wege brachte. Auf Guinea gibt es rine noch nicht hinlänglich bekannte Schlange, die dort Judenſchlange heißt, und ebenfalls, wie die Amaruſchlange, verehrt wird. Sie ſcheint zwar auch eine Rieſenſchlange, aber doch eine andere Gattung zu ſeyn. Außer den beißen Gegenden von Afrika und Amerika, bewohnt die Abgottsſchlange auch Oſtindien und mehrere Inſeln des indiſchen Oceans. Sie haͤlt ſich auf Bäumen in der Naͤhe der Fluͤſſe auf, und ſchwimmt gut. Ihrer Beute be⸗ maͤchtigt ſie ſich im Hinterhalte lauſchend. Junge Buͤffel, Rehe, Antilopen, Hirſche und andere Saͤugthiere umſchlingt ſte ſo feſt, daß ſte erſticken muͤſſen, ſaugt ihnen das Blut aus, zerbricht ihnen dann durch Zuſammendruͤcken des ganzen Koͤrpers die Knochen, uͤberzieht ſie darauf mit einem ſchluͤpfrigen, aus ihrem Rachen fließenden Geifer, und wuͤrgt ſie, ˖˖. 5 2 45 nicht ohne Anſtrengung, voͤllig unzerſtuͤckt binunter. Daß dies moͤglich ſey, laͤßt ſich aus der großen Ausdehnbarkeit der Schlangenkoͤrper beweiſen. Auch unſere hieſigen gemeinen Schlangen verſchlingen, ob ſte gleich oft nur Daumensdick ſind, einen der groͤßten Waſſer⸗ froͤſche auf einmal. Knor erzaͤhlt in ſeiner Beſchreibung von Ceilon, daß es dort eine große Schlange— vielleicht die Abgottsſchlange, oder doch eine ihr verwandte Galtung— gebe, welche ſich mit dem Oberleibe um einen Baumſtamm ſchlinge, mit dem Schwanzen⸗ de aber ihre am Aſter befindlichen Klauen einem vorbeylaufenden Thiere, z. B. einem Hirſch oder Reh, ſo tief mit ſolcher Gewalt in den Koͤrper zu ſchlagen wiſſe, daß das Thier mit aller Kraftanſtrengung ſich nicht losmachen koͤnne.— Außer den angefuͤhrten Thieren frißt die Abgottsſchlange auch Voͤgel, ihre Eyer, Eydechſen und kleinere Schlangen.— In Oſt⸗ indien gibt es Gaukler, die dieſe Schlange, wie die Brillenſchlange, abrichten. Einige Volkerſchaften in Aftika und Amerika, welche ſie nicht göttlich verehren, eſſen ihr Fleiſch, und trocknen die Haut, welche unter ihnen ein koſtbarer Handelsartikel iſt. ——— Derr u (Boa canina.) Man ſand wahrſcheinlich den Kopf dieſer Schlange einem Hundskopfe ſehr aͤhnlich, und gab ihr daher den Ramen. In der That laͤuft derſelbe orn ſpitzig zu, wie bem Hunde. Die Farbe ausgenommen, unterſcheidet ſich dieſe Gattung wenig'oder gar nicht von der vo⸗ rigen. Sie iſt nach Linne nur 4 Fuß lang und verhältnißmaͤßig dick; allein das Exemplar, welches er vor ſich hatte, war ohne Zweifel eine junge Schlange; denn La Cepede verſichert, daß der Hundskopf, voͤllig ausgewachſen, der Abgottsſchlange beynahe an Gröͤße gleich kom⸗ me. Die Farbe ihres Oberleibes, ſo wie der Seiten, iſt ein ſchoͤnes Seladongruͤn, worauf man weiße marmorartige laͤngliche Querflecke erblickt, welche dem Thiere ein ſchoͤnes Anſe⸗ hen geben. Die Farbe des Bauchs iſt braungelb weiß. Nahrung, Aufenthall, und uͤbrige Eigenſchaften hat der Hundskopf mit der Abgottsſchlange gemein. U⸗ 19 Inſekten XV. Schädliche Fufekten. 4 Nro. 1. Der Kornwurm. (Fralaena tinea granella.) Der weiße Korntvurm,(die Kornmade) iſt eine vollkommene Raupe, aus welcher nach der Verwandlung ein Nachtſchmetterling, der zum Geſchlechte der Motten gehoͤrt, entſteht. Fig. 1. zeigt ſie in ihrer natuͤrlichen Groͤße. Sie iſt nicht ganz 2 Zoll lang, und ſteht gelblich weiß aus. In Fig. a. ſicht man ſte ſehr vergroͤßert von oben, und in ig. b. von unten. * Den Fruchtboͤden iſt ſie ſehr ſchaͤdlich, weil ſte ſich bloß von altem Korn, gen, naͤhrt, die Koͤrner ausfrißt, menzieht. Rach ihrer Verpuppung kommt ſie als eine kleine braungelb und weiß gefleckte Motte bervor, welche Fig. c. n. d. in ihrer natuͤrlichen, und Fig. e. u. f. vergrößert zeigt. In diefer Geſtalt fliegl ſie des Rachts in den Haͤuſern herum, paaret ſich, und legt ihre Eger⸗ chen in großer Zahl wieder auf die Kornhaufen.— ſonderlich Rog⸗ und ganze Klumpen davon mit ihrem Geſpinnſte zuſam⸗ Nro. 2. Die Wanze..— (Cimem lectalarius.) Die Wanze, oder richtiger die Bettwanze,(denn es gibt ſehr viele⸗ Wanzen) dieß widrige und ehr laͤſtige Inſekt, iſt nicht bey uns einh vor ungefaͤhr 300 Jahren mit Baumwollenladungen aus Aſten nach Europa gebracht wor⸗ den. Die Pig. 2. zrigt ſte in ihrer natüͤrlicher Groͤße, und ig. g. mikroſkopiſch vergroͤßert. 5 Sie iſt ungefluͤgelt, von Farbe braun, hat einen widrigen Geruch, und lebt vorzuͤglich bey uns in bewohnten Haͤuſern und Bettſtellen, Schlafzimmern, Lapeten, und in den Wäͤn⸗ den, wo ſte ſehr leßlich und ſchwer auszurotten ſind. Sie naͤhrt ſich wie der Floh und die Kopflaus, hauptſaͤchlich vom Blute der Menſchen und Chiere, ſonderlich der Huͤhner und Tauben, und vermehrt ſich ungeheuer ſchnell. Die Wanze wird bis 6 Jahre alt, und hat F ein aͤußerſt hartes und zaͤhes Lrben; ſo, daß der kaͤlteſte Winter ſie zwar erſtarrt macht, aber andere Gattungen von eimiſch, ſondetn erſt 8 — nicht lodtet ——————9— 2 * 5 W0 *— Schädliche Inſekten. ..——ů 2—²k(ͤ LR———L—:— Der weiße Kornwurm. ¶Vlalaena tinea granella.) Der weiße Kornwurm heißt eben ſo uneigentlich ein Wurm, wie die Seidenraupe. Er iſt vielmehr eine Inſektenlarve, oder Raupe, aus welcher ein kleiner Nachiſchmetterling entſteht⸗ Fig. 1. ſtellt uns dieſelbe in ihrer natuͤrlichen Groͤße dar. Sie iſt faſt einen halben Zoll lang und gelblichweiß von Farbe. Die Eig. a. zeigt ſie ſehr vergroͤßert von der obern Sei⸗ te. Man unterſcheidet hier die einzelnen Ringe ſehr deutlich, woraus der Koͤrper zuſammen⸗ geſetzt iſt. Es ſind deren 12, wovon jeder an den Seiten mit haarfoͤrmigen Borſten beſetzl iſt. Der roͤthliche Kopf hat eine aus regelmaͤßigen Linien beſtehende Zeichnung und vorn zwey ſtarke Freßzangen von rother Farbe. Mit denſelben kann die Raupe nicht nur die har⸗ ten Getreidekörner, ſondern ſelbſt Holz zernagen, und ſte ſind eigentlich die Werkzeuge, wo⸗ durch das Thierchen unſern Kornböden ſo großen Schaden zufügt. Fig. b. iſt die Raupe der Kornmotte auf der untern Seite. Man erblickt hier das Maul noch deutlicher; auch die 16 Fuͤßze erſcheinen deutlich. Sechs derſelben ſtehen auf den drey erſten Gliedern; acht auf dem ſechſten, ſiebenten, achten und neunten Gliede und zweh hinten, unweit dem Schwan⸗ 1e, auf dem letzten Gliede. Die Entſtehung des Kornwurms oder beſſer der Kornmottenraupe iſt folgende. Im May oder Junp fliegt des Nachts ein kleiner Nachtſchmetterling oder eine kleine Mot⸗ te, welche Fig. c. in natürlicher Groͤße und im Ruheſtande; Fig. d. aber fliegend vorge⸗ ſtellt iſt, umher; die Laͤnge dieſes kleinen Schmetterlings betraͤgt noch keinen halben Zoll; ſeine Oberfluͤgel haben eine gelbbraune, weiße und ſchwarze Zeichnung, uber die ſtch ein Silberglanz verbreitet. Die Unterfluͤgel, welche am Rande gezackt ſtnd, ſehen roͤthlich aus, wie der Leib; vorn am Kopfe ſtehn zwey lange borſtenaͤhnliche Fuͤhlhoͤrner. Im Ruheſtan⸗ Eeee de bedecken die Oberfluͤgel nicht nur die untern, ſondern auch den Leib, und liegen wie ein Dach uͤber demſelben. Nach hinten hin erheben ſie ſich merklich, weil ſie daſelbſt viel brei⸗ ter, als vorn find. Man trifft dieſe Motte auch in den Zimmern an den Fenſtern und an andern Oertern in Gebaͤuden an. Wenn ſie ſich gepaart haben, fliegt das Weibchen auf einen Koruboden, auf welchem altes Getreide aufheſchüte et liegt. Hier legt es ſeine Eyer auf die Koörner, auf jedes Korn eins oder zwey. Ein einziges Weibchen kann 70, 80 bis 90 ſolcher Eyer le⸗ gen Sie ſehr— gelbl lichweiß und mit einer leimartigen Feuchtigkeit gleichſam feſt aufgekuͤttet. Nach 1 4. Tagen ſchluͤpfen die oben belchriebenen Raͤupchen aus den Eyern. Dieſe ſind alsdann 855 merkbar, nehmen aber bieich nach ihrer Geburt die Rahrung zu ſich, auf welcher ſie ſitzen, und wachſen.⸗ Hier auf webt jedes einzelne Raͤupchen vermittelſt Faͤden, die es, wie die Seidenraupe, aus einem im Koͤrper befindlichen Safte ſpinnt, aus mehrern Koͤrnern ein Haͤuschen zuſammen, in deſſen Mitte es ſich aufhält. Dieſes Haͤus⸗ chen dient ihm zu gleicher Zeit zur Rahrung; denn das Raͤupchen hoͤhlt die 8— ganz aus, und laͤßt nur die Huͤlſen zuruͤck, welche dann immer noch zuſammenhaͤngen. Man findet unter dem Getreide oͤfters ſolche zufammengebackene Kluͤmpchen, die muͤlligtes Korn genannt werden. Sie ſind nichts anders, als die Häuschen der Kornmottenraupe. Zwi⸗ ſchen den Koͤrnern liegt auch der Unrath des Thierchens in Geſtalt feiner weißlichen Kuͤgel⸗ chen. Bis ans Ende des Auguſts oder zu Anfange des Septembers näͤhrt es ſich von den Koͤrnern; endlich ſchickt es ſich aber, ſo wie andere Raupen, zur Verwandlung an. Es verlaͤßt ſeine bisherige Wohnung, kiliecht unruhig auf dem Kornhaufen umher, den es mit ſeinen weißgrauen Faͤden uͤberzieht, und ſucht ſich einen ſichern Ort zum Verpuppen. Die⸗ ſen findet es in den Ritzen der Breter, Waͤnde, Dachſparren und Latten. Hier nagt es eine hin⸗ längliche Menge feiner Holzſpaänchen ab, und webt ſich vermittelſt derſelben und ſeiner Seide eine Huͤlle von laͤnglichrunder Geſtalt und weißgrauer Farbe, in welcher es den ganzen Winter über zubringt. Erſt im folgenden Jahre, im Maͤrz oder April, verwandelt ſich die Raupe in der Huͤlle in eine braunrothe Puppe, aus welcher dann im May der kleine Schmetterling Fommt. Bekanntlich thut dieſes Inſekt als Larve unbeſchrriblichen Schaden auf den Kornboͤden, indem es ſich oft in unfäglicher Menge vermehrt, und dann die Getreidekoͤrner verzehrt. Wo es ſich einmal eingeniſtet hat, iſt es aͤußerſt, ſchwer zu vertilgen. Beſſer iſts alſo, ihm zu⸗ vorzukommen. Dies geſchieht vorzi uͤglich durch eine zweckmaßige Einrichtung des Bodens. Er muß auf beyden Seiten im Dache etwa einen halben Fuß weite Zuglöcher haben, die anderthalb Fuß uͤber dem Boden erhoͤhet ſind. Das Getreide darf man nicht hoch aufſchuͤt⸗ ten, damit es ſich nicht erhitzt, und damit es von der Luft deſto eher koͤnne durchdrungen werden. Der brſtaͤndige Durchzug der Luft verhuͤthet nebſt oͤfterm Umſchuͤtten des Getrei⸗ des, das Entſtehen des Kornwurms. Will man ſich die Muͤhe nehmen, das Getreide zu dönren, ſo wird man ebenfalls die Ausbreitung dieſer ſchaͤdlichen a verhuͤthen. 49 Auch ſoll Hopfen, imgleichen Theer und deſſen Ausduͤnſtungen ihtem Aufkommen hinderlich ſeyn. Wenn ein Getreideboden ſchon zu ſehr von Kornwürmern angeſteckt iſt, ſo thut man am beſten, ein oder zwey Jahre kein Getreide darauf autzuſchuͤtten; denn hierdurch wird den Schmetterlingen ſowohl die Gelegenheit benommen, iht« Eyer an den gewohnten Ort zu le⸗ gen, als auch den etwa doch ausſchluͤpfenden Larven alle Nahrung entzogen, die alſo noth⸗ wendig umkommen muͤſſen. Will man das ſchon angeſteckte Getreide retten, ſo breitet man angefeuchtete hanfene Luͤcher uͤber daſſelbe, und laͤßt ſie eine oder anderthalb Stunden liegen. Beym Abnehmen wird man finden, daß ſich eine Menge der gefraͤßigen Raupen an denſel⸗ ben angeſetzt haben. Wie dieß zugehe, weiß man nicht. Ein anderes Mittel zur Vertil⸗ gung jener ſchaͤdlichen Gaͤſte, ſoll darin beſtehen: Man kocht eine hinlängliche Quantitäͤt Wermuth, mit einigen Haͤnden voll Hopfen und etwas grob zerſchnittenen Knoblauch, in ei⸗ nem Keſſel mit Waſſer, etwa vier Stunden lang. Hierauf läßt man die Maſſe erkalten, gießt den Abſud in ein beſonderes Gefaͤß ab, und drückt den Ruͤckſtand daruͤber aus. Nun ſetzt man ungefaͤhr 1 Maß Biereſſig und einige Haͤnde voll Kochſalz dazu, ruͤhrt alles wohl kutereinander, und beſprengt damit ſowohl den Kornboden, als das Getreide; ſchuͤttet leß⸗ teres um, und luftet es, damit es ſich nicht erhitze. Roch wird angerathen, Ameiſenhau⸗ fen auszugraben und auf die Getreideboͤden zu bringen. Die Ameiſen verzehren die Korn⸗ raupen, und thun dem Getreide keinen Schaden. Zum Berpeiſe, dat auch die fuͤr uns ſo verderblichen Geſchoͤpfe ſelbſt dem Menſchen unmittelbar nuͤtzlich werden koͤnnen, fuͤhren wir hier noch an, daß man in dem Kornwurm ein brauchbares Oel entdeckt hat. Man wußke ſchon laͤngſt, daß viele Inſekten, inſonder⸗ heit die Raupen dergleichen bey ſich fuͤhrten; allein der geringen Quantitaͤt wegen hielt man die Gewinnung deſſelben nicht der Muͤhe werth. Im ſogenaunten Kornwurm findet man verhältniß maͤßig viel Oel; denn aus 16 Lolh Wuͤrmern erhielt man 7 1J2 Loth. Es wuͤr⸗ de freylich uͤbel berechnete Oekonomie verrathen, wenn man um dieſes Oels willen den Korn⸗ wurm abſichtlich auf den Getreideboͤden dulden und ſeine Vermehrung beguͤnſtigen wollte; al⸗ lein es iſt doch barer Gewinn, wenn man ihn da, wo er einmal iſt, benutzen kann. Die Mähe, ihn aus dem Getreide zu ſchaffen, wird wenigſtens dadurch einigermaſſen, wenn auch nächt veichlich, belohnt. ——————ů—ů—— a8tes Heft. —————————— Die Wanze. (Cemeæ lectularius.) 30 Unter der ungeheuern Menge von Wanzen— man kennt beynahe 700 verſchiedene Gat⸗ tungen— zeichnet ſich die Bettwanze ſowohl durch ihr Aeußeres, als durch ihre Lebens⸗ art aus. Sie iſt eigentlich ein voͤllig ungefluͤgeltes Inſekt, und muͤßte daher zu der letzten Ordnung gerechnet werden; allein man ſetzt ſte in die zweyte, um ſte nicht von ihren Ge⸗ ſchlechtsverwandten zu trennen. Demnach nimmt ſie unter den Inſekten mit Halbfluͤgeln(he⸗ miptera) ihren Plaß ein. Das allgemeine Geſchlechtskennzeichen aller Wanzen iſt der um⸗ gebogene Saugruͤſſel am Munde; die Füͤhlhoͤrner, welche laͤnger ſind, als der Bruſtſchild, der flache Ruͤcken, das geſaͤumte Bruſtſchild u. ſ. w. Die Wanzen ſind einer gewiſſen Ver⸗ wandlung unterworfen; doch gleicht dieſelbe nicht der dreymaligen Verwandlung der uͤbrigen gefluͤgelten Inſekten. Wenn ſie aus dem Ehe kommen, haben ſte ſchon ihre voͤllige Geſtalt, die ihnen als vollkommenen Inſekten eigen iſt; nur mit den Unterſchiede, daß auch die ge⸗ fluͤgelten Wanzen noch ungefluͤgelt find. Die verſchiedenen Theile der jungen Wanzen ſind im Verhältniß gegen einander dicker und aufgetretener, als ſie in der Folge zu ſeyn pflegen. In einen eigentlichen Romphenzuſtand treten die Wanzen niemals; ſte bleiben vielmehr von ihrer Geburt aus dem Eye, bis zum libergange in den vollkommenen Zuſtand Larven. Denn ob ſie gleich vor der letzten Haͤutung ſchon mehr das Anſehen der vollkommenen Wanze ha⸗ ben, ſo kriechen ſie doch umher, und freſſen. Sie hauten ſich viermal, und erſcheinen nach der letzten Hautung, die Bettwanzen ausgenommen, mit Fluͤgeln. Die Bettwanze ſteht— völlig ausgewachſen— rothbraun aus, iſt ungefaͤhr 2 1 Einien lang und 2 Linien breit; daher ſie eine eyfoͤrmige, beynahe runde Geſtalt hat. Der Leib iſt, außer beym befruchteten Weibchen, ganz platt gedrückt und duͤnn. Die Jungen ſehen, wenn ſie aus dem Eye kommen, weißlich durchſcheinend, hernach aber hellbrauner aus. Der Kopf der Bettwanze iſt klein. Er hat vorn einen Mund, an welchem der eigentliche Saugruſſel ſitzt. Zu beyden Seiten befinden ſich, wie kleine hervorſtehende Kegel geſtaltet, die ſchwarzen netzfoͤremigen Augen. Zwiſchen denſelben und der Schnauze ſttzen die beyden borſtenähnlichen, viergliedrichten Fuͤhlhoͤrner, welche zweymal ſo lang ſind, als Kopf und Bruſtſchild zuſammengenommen. Der Hinterleib enthaͤlt 8 Ringe mit merklichen Fugen. Am erſten Ringe ſitzen da, wo man die Fluͤgel ſuchen muͤßte, zwey eyrunde, flache, horn⸗ artige Theile, die nach den Seiten zu gehen und ihn ganz bedecken. Die Fuͤße ſind ſtark, behaart und Lauffüße. Die Wanze laͤuft ſchnell, ſelbſt an glatten Bretern hinauf. Waͤh⸗ rend dem Laufen, ſo wie uͤberhaupt, wenn ſie nicht ſaugt, liegt der Saugruͤſſel in einer Rinne unter dem Bruſtſchilde und Bruſtſtuͤcke. Dasjenige, was man äͤußerlich wahrnimmt, iſt das Futteral oder die Scheide deſſelben. Dieſe iſt hornartig, und beſteht aus vier be⸗ weglichen Sluͤcken, die durch ſehr biegſame Gelenke zuſammen gegliedert ſind. Vermittelſt 61 dieſer Gelenke kann die Wanze die Scheide nach allen Richtungen hin bewegen. Der eigent⸗ liche Saugruͤſſel liegt in der Scheide, wie in einer Rinne, und iſt ſo duͤnn und weich, daß er ohne die Scheide ſich kruͤmmen wuͤrde, wenn ihn die Wanze zum Stechen brauchen woll⸗ te; deſſen ungeachtet iſt er nicht einfach, ſondern beſteht aus drey dicht aneinander liegenden feinen Borſten, die ſich trennen, wenn die Wanze ſaugt. Beym Saugen ſteckt ſie den Ruͤſ⸗ ſel in die Haut; die Scheide legt ſich dabey, wie ein Knie um. Man glaubt, daß dieſes haͤßliche Inſekt nicht eigentlich in Europa zu Hauſe gehoͤre⸗ ſondern aus andern Erdtheilen zu uns gekommen ſey. Vor dem Jahre 1670 wußte man in England nichts davon. In Preußen ſoll es(nach Bock) auch nur erſt ſeit 300 Jahren bekannt ſeyn. Der vornehmſte Aufenthalt der Bettwanzen, ſind in unſern Gegenden die Bettgeſtelle, Schlaßzimmer, Tapeten, Waͤnde und Hausgeräth. Man trifft ſte aber auch zuweilen an Gartenmauern, die der Witterung ausgeſeßt find, an. Wo ſie ſich einmal ein⸗ geniſtet haben, pflanzen ſie ſich fort, wenn auch gleich kein Menſch und kein Thier in der Raͤhe wohnt. Hieraus erhellet zugleich, daß Blut oder thieriſche Saͤſte uͤberhaupt nicht die einzige Rahrung der Wanze ausmachen. Lannen⸗ und Fichtenholz ſcheint ihnen das liebſte fuͤr ihren Aufenthalt zu ſeyn. Ob ſie aber in waͤrmern Laͤndern in Tannen⸗ und Fichtenwaldungen wild angetroffen werden, weiß man nicht. Eben ſo wenig kann man mit Gewißheit behaupten, daß ſie ſich in ſol⸗ chem Holze am meiſten vermehten, welches zu einer gewiſſen Jahreszeit gefaͤllt wurde. Sorg⸗ faͤltige Beobachtungen koͤnnen daruͤber erſt ſichere Aufſchluͤſſe geben.— In nöͤrdlichern Ge⸗ genden, als unſer Deutſchland, iſt die ſtrengere und anhaltendere Kaͤlte der ſtarken Vermeh⸗ rung der Wanzen gar ſehr zuwider. Bey uns und in waͤrmern Laͤndern nimmt dieſelbe in manchen Haͤuſern ungeheuer uͤberhand. Bey der Begattung vereinigen ſich die Männchen und Weibchen ſo mit den Hinterthei⸗ len des Leihes, daß ſie auf den Fuͤßen ſtehen bleiben. Das Weibchen legt hierauf in den Fugen und Ritzen der Bettgeſtelle und Waͤnde etwa 50 weiße, länglichovale Eyer, die an dem einen Ende etwas krumm und mit einem Wulſte verſehen ſind. Nach drey Wochen ſchluͤbfen die jungen Wanzen aus. Sie ſind Anfangs wie ein feines Sandkorn groß und weißlich; dabey haben ſie eine etwas andere Geſtalt, wie die alten. Wegen ihrer Durch⸗ ichligkeit kann man die Eingeweide wahrnehmen. Sie ſuchen bald ihre Nahrung, und wach⸗ ſen ſchnell heran; dabey haͤuten ſie ſich mehrmals, und man findet die leere Huͤlle immer no⸗ ben ihnen in den Ritzen und Fugen liegen. Die Paarung der alten Wanzen erfolgt in Einem Jahre drey bis viermal, im Maͤrz, May, July und September, und eben ſo oft legen ſie an 50, alſo zuſammen 200 Eper. Welch eine Vermehrung! G 2 ——— ¶p———— 52 Die Wanzen ſind wahre Rachtinſekten und laſſen ſich ſelten am Tage ſehen. In den heißeſten Sommertagen zeigen ſie die groͤßte Lebhaftigkeit. Sobald man ſich um dieſe Zeit des Abends ins Bett begibt, warm wird, und alſo ausdünſtet, laufen ſie aus ihren Schlupf⸗ winkeln hervot, und fallen den Menſchen begierig an, um ſich von ſeinem Blute zu ſaͤttigen. Ihr Stich iſt ziemlich ſchinerzhaft, und erregt eine aͤhnliche mit Jucken verbundene Ge⸗ ſchwulſt, wie der Muͤckenſtich. Wenn die Wanze ſich vollgeſogen hat, wird ihr Leib viel dicker, und ſie zieht ſich zuruͤck. Sie kann zum Erſtaunen lange hungern, wird aber dann auch äußerſt duͤnnleibig und dabey weißlich. Außer den Menſchen faͤllt ſie vornehmlich die Schwalben und Haushuͤhner an. Die Reſter der erſtern ſind bisweilen ganz voll von dieſen Inſekten; eben ſo ſieht man ſie in manchen Huͤhnerhaͤuſern zu Tauſenden an den Wäͤnden ſihen. 3 Die Käͤlte iſt ihnen ſehr läſtig; ſie lirgen in derſelben erſtarrt und ohne Bewegung. Ein kalter Sommer iſt aus dieſem Grunde ihrer Vermehrung auch ſehr zuwider. Die Kaͤl⸗ te bringt die Wanzen zwar zur Erſtarrung, toͤdtet ſie aber nicht. Man hat Wanzen in Glaͤſern der ſtrengſten Witterung ausgeſetzt; ſie ſchienen todt, lebten aber in der Waͤrme wieder auf. Ihr Leben ſcheint überhaupt, wenn ſie nicht erdruͤckt werden, ziemlich zaͤhe zu ſehn, und ihr Alter mag ſich etwan auf 6 Jahr erſtrecken. Die Wanzen ſind nicht bloß eine Plage fuͤr unreinliche, ſchmutzige Menſchen; ſie bewoh⸗ nen nicht bloß die niedrigen Huͤtten des Armen; auch den Pallaͤſten dringen ſie ſich auf und ſind hier eben ſo unvertilgbar, wo es doch gewiß an Reinlichkeit nicht fehlt. Außerdem daß ſie dem Menſchen durch ihren Stich beſchwerlich fallen, geben ſie auch einen aͤußerſt ekelhaf⸗ ten Geruch von ſich, der um deſto heftiger wird, je mehr man ſie betaſtet. Erdruͤckt man eine Wanze, ſo wird er vollends unausſtehlich.— Zur Verkilgung dieſes läſtigen Ungezie⸗ fers hat man mebrere Mittel vorgeſchlagen, von denen kein einziges das leiſtet, was man daͤvon erwarten moͤchte. Einige haben zur Abſicht, dieſe Inſekten zu toͤdten; andere, ſie nur zu vertreiben. Wir wollen die wichtigſten davon anfuͤhren. Vor allen Dingen muß man, ſo viel als moͤglich, die Ritzen, Fugen und andere Oeff⸗ nungen in Waͤnden, Bettgeſtellen, an Fenſtern, Thuͤren; Meublen u. ſ. w. zu verhuͤthen ſu⸗ chen, und dafuͤr ſorgen, daß alles dicht und feſt ſeh. Wenn ſich Wanzen in altem Haus⸗ geräthe hinter Tapeten, breternen Verſchlagen u. ſ. w. einmal eingeniſtet haben, ſo thut man am beſten, dieſe Dinge abzureißen. Wo dies nicht geſchehen kann, muß man öfters Nachſuchungen anſtellen, und die Waͤnde und Meublen reinigen, auch mit ſolchen Mate⸗ rien überſtreichen, deren Geruch den Wanzen toͤdtlich oder unertraͤglich iſt. Scheidewaſſer, Vitriol und friſche Rindsgalle iſt nicht nur fuͤr die Wanzen ſelbſt, ſondern auch fuͤr ihre Eyer ein toͤdtendes Gift. Man beſtreicht damit die Ritzen und Fugen, in welchen dieſe Inſekten zu ſitzen pflegen. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß der einmalige Gebrauch dieſes, ſo wie — 53 äbnlicher Mittel, noch nicht hinlaͤnglich iſt, und daß man ſo lange fortfahren muß, bis alle Wanzen vertilgt ſind. Starker Branntwein, der angezuͤndet keine Feuchtigkeit hinterlaͤßt, ſondern ganz ver⸗ brennt, und ftiſch deſtillirtes Terpentinoͤl, oder Terpentinſpirikus zu gleichen Theilen unter einander vermiſcht, und zu einem Maße dieſer Miſchung eine halbe Unze Kampher gethan, und damit die Aufenthaltsorte der Wanzen beſtrichen, ſollen dieſelben Dienſte thun. Wenn man nur Bettgeſtellen und andre Meublen mit heißem Waſſer, worin viel Vitriol aufgeloͤſt iſt, ſtark beſtreicht, ſo haͤlt dies die Wanzen ab, ſich daſelbſt einzuniſten. Roch beſſer thut man, wenn man einige in Stuͤcke zerſchnittene Coloquintenaͤpfel in das Vitriolwaſſer thut und die Bitterkeit ausziehen laͤßt. Zu gleichen Zwecken empfiehlt man 1]e Quentchen aͤtzenden Queckſtlberſublimat in 2 Quentchen Salzgeiſt aufgeloͤſt; dies unter 1 Maß Terpentingeiſt gemiſcht und beym jedesma⸗ ligen Gebrauch ſtark umgeſchuͤttelt. Ferner ſpaniſchen Pfeffer, Aſſa foͤtida und Schwefel, von jedem 2 Quentchen bey feſt verſchloſſenen Thuͤren und Fenſtern in den ausgeraͤumten Zim⸗ mern auf Kohlen geſtreut und ſie ſo 24 Stunden lang verſchloſſen gehalten. Ingleichen fri⸗ ſche Fliegenſchwaͤmme im Herbſte in einem irdenen Gefaͤße klein gerieben, und mit dem dar⸗ aus entſtandenen wohl verdeckten Brey die Aufenthaltoͤrter der Wanzen mehreremal uͤberſtri⸗ chen. Da indeß der Geruch von manchen dieſer Mittel fuͤr den Menſchen nachtheilige Fol⸗ gen haben kann, ſo iſt neuerlich ein in dieſer Hinſicht anwendbares, und, wie man behauptet, ſehr wirkſames Mittel zur Vertilgung der Wanzen und ihrer Brut bekannt gemacht worden. Man gießt 6 Roͤßel Waſſer in einen Topf, der noch einmal ſo viel faſſen kann, und ſchuͤt⸗ tet 2 Pfund Pottaſche hinein; ſodann uͤbergießt man 1 Pfund gut gebrannten Kalk in einer einer Schuͤſſel mit ſo viel Waſſer, daß derſelbe zu einem Brey wird. Run bringt man das Waſſer mit der Pottaſche aufs Feuer, und laͤßt es unter beſtaͤndigem Umruͤhren kochen. Wenn es kocht, ſo ſchuͤttet man in Zeit von einer Viertelſtunde den gelöſchten Kalk nach und nach hinzu, und laͤßt ihn ungefaͤhr 10 Minuten noch mit kochen. Hierauf nimmt inan den Topf vom Feuer, läͤßt ihn ruhig ſtehen, bis ſich der Kalk ſu Boden geſetzt hat, und gießt dann die oben ſtehende Fluͤſſigkeit in einen andern Lopf ab. Auf den im erſten Topfe zuruͤckgeblie⸗ benen Bodenſatz gießt man noch einmal 4 Roͤßel Waſſer, laßt es zuſammen etwa noch 10 Minuten kochen, und gießt die Fluͤſſigkeit, nachdem der Kalk ſich geſetzt hat, zu der erſtern. Dieſe Lauge iſt ſchon ſtark genug. Man kann ſte aber dadurch ſo ſcharf machen, daß ſte Fleiſch bis auf die Knochen wegbeizt, wenn man ſte bis zur Häͤlſte einkocht. Hiermit wer⸗ den Waͤnde, Hausgeraͤth, Fugen und Spalten recht ſorgfäaltig uͤberſtrichen, und man kann ſicher erwarten, daß die Wanzen mit ihrer Btut getoͤdtet werden. Ein natuͤrlicher Feind der Bettwanze iſt die Kothwanze(eimex personatus). Das vollkommene Inſekt iſt gefluͤgelt. Die Larve findet man zuweilen in den Stuben; ſte iſt be⸗ ſtaͤndig mit Staub bedeckt, der ihr ein ſonderbares Anſehen gibt. Auch verſchiedene Gattun⸗ gen von Baumwanzen dienen zur Vertilgung der Bettwanzen. Pflanzen LIII. Merkwürdige Pflanzen. iieeeee Nro. 1. Der Tulpenbaum. (Tiriodendron tulipiſera L) Der Tulpenbaum iſt ein nordamerikaniſcher Baum, von ziemlicher Größe und Dicke. Er iſt beſonders durch die engliſchen Gartenanlagen und Pflanzungen in Deutſchlaud beruͤhmt geworden, weil ſeine tulpenaͤhnlichen, gruͤngelb und rothen Bluͤthen dieſem Baume ein praͤch⸗ tiges Anſehen geben. Seine gruͤnen Blaͤtter gleichen zwar einigermaßen den Ahornblaͤttern, ſtud aber vorn breit abgeſtutzt, und ſehen aus, als wenn man die Spitze mit einer Scheere gerade abgeſchnitten haͤtte. Die Bluͤthen ſind ohne Geruch. Der Same bildet kleine ſchup⸗ pigte Zapfen Uig. a, und liegt wie Dachziegel uͤbet einander. Der Baum ſelbſt hat ein leich⸗ tes, weißes Halz, welches aber nicht ſonderlich zu brauchen iſt. Seine Rinde hingegen hat eine Aeznepkraft, und wird wie Chinarinde gebraucht. Nro. 2. Der Sternanis. QAllecium antisçatum. L) Der Sternanis iſt mehr Strauch als Baum, waͤchſt in Japan und China, und traͤgt in braunen ſternföͤrmigen Kapſeln Fig. b. einen braunen und mehligten Samen, der ein an⸗ genehmes, ſuͤßes und wie Anis ſchmeckendes Gewuͤrz iſt, und davon der Aufguß theils als ein angenehmer Thee getrunken, der Same ſelbſt aber beſonders in Branntweinbrennereyen gebtaucht wird. Der Baum luͤht roth, und hat weidenaͤhnliche Blaͤtter. Der Sternanis iſt eine Handelswaare, die theils uͤber England, theils uͤber Rußland zu uns kommt, und beſon⸗ ders in den Apocheken als ein Arzneymütel fuͤt Bruſtkrankheiten gefuͤhrt wird. 22 De II. Cee. Gy Merkwü tdig e Pflanzen. SιE——— Der Tulpenbaum. (Liriodendron tulipiſtera.) Dieſer ſchoͤne Baum wächſt in ſeiner Heimath zu einer anſehnlichen Höͤhe. Er wird ſo groß und ſtark, wie eine mittelmaͤßige Eiche. Seine Zweige verbreitet er weit umher. Sie wachſen ſperrig, und haͤngen nahe dem Erdboden herab. Die Krone, die ſie bilden, iſt da⸗ her ziemlich unregelmaͤßig, nicht ſehr buſchig, aber dennoch ſchoͤn. Der Stamm iſt glatt und graubraͤunlich. Gewoͤhnlich geht er nicht hoch, ſondern vertheilt ſich bald in meh'ere ſtarke Aeſte; doch macht hierin der Standort, wie beh allen Baumen, einigen 33 8N Die ſchönen Blumen kommen am Ende der Zweige hervor. Sie ſind zwar ſo hoch wie eine Tulpe, aber nicht von ſo großem Umfange; doch kommen ſte keiner Blume an Ge⸗ ſtalt ſo nahe, als den hollaͤndiſchen Tulhen. Sie ſtehen auf den etwas nach oben, wie die Arme von einem Armleuchter, gekruͤmmten Blumenſtielen aufrecht. Ihr Kilch b fle iht aus ehrund lanzetfoͤrmigen Blättern, welche eine gelblich⸗gruͤne Farbe haben, und ſich gegen die Zeit des Verblühens herabneigen. Die Krone iſt aus neun Blättern zuſammengeſetzt, die voͤllig die Geſtalt der Tulpenblaͤtter und ziemlich die Farbe der Kelchblalfer haben; doch faͤllt ſie mehr ins Gelbe. Auf der aͤußern Flaͤche erblickt man fein vermiſchte hell: othe Streifen, die aber ſelten ſo ſtark find, wie in der hier abgebildeten Figur. Mitten in der Blume ſte⸗ hen eine anſehnliche Menge gelblich gruͤner Staubgefäße und in der Mitte viele Staubw⸗ ge. Der Baum gehoͤrt in die 13zte Klaſſe des Syſtems(Polyandria, Vielmnaͤnnige). Di! Bluͤ⸗ then erſcheinen ungeſaͤhr mit dem Anfange des Juny. Der Baum iſt 13 voll davon, und ſie machen ſeine groͤßte Zierde; allein ſie dauern nicht lange, da ſie alle zu gleicher Zeit auf⸗ bluͤhen. In der ſchoͤnſten Bluͤthe find weder die Keleh⸗ noch Kronenblaͤiter berabg⸗ ſenkt oder oben umgebogen, ſondern ſie ſtehen, wie bey der bolländiſchen Tulpe, gerade in die Hoͤhe. Rach einigen Tagen aber ſie ſich allmaͤhlich herab, verlieren die ſchoͤne ſaufte Farben⸗ 66 miſchung, und fallen endlich eins nach 835 andern nebſt den vertrockneten und Ae ten Staubfaͤden herab. Nun ſteht der Fruchtzapfen entbloͤßt auf dem Stiele. Er ſieht grasgruͤn aus, und iſt ſchuppig, weil die Samen nach Art der Dachziegel uͤber einander liegen. Durch den Samen, der auch bey uns gut reift, pflanzt man die Bäume fort. Sie wachſen ſchnell in die Hoͤhe, wenn ſte in einem guten lockern, nicht zu feuchten Lehmboden ſtehen. Carolina und andere Provinzen von Rordamerika ſind das Vaterland des Baums. Hier wächſt er, wie bey uns Eichen und Buchen in den Waldungen, in großer Menge wild. In den milderen Gegenden ſteht man Tulvenbaͤume, die 60 bis 80, ja 100 Fuß Hoͤhe haben; weiter nach Rorden aber, wo die Kaͤlte fuͤr ihn zu groß iſt, gleicht er mehr einem niedrigen Buſche, als einem Baume. Die Reiſenden in Nordamerika ſahen den präch⸗ tigen Baum mit Entzuͤcken und Bewunderung an. Sie brachten Samen davon nach Eu⸗ ropa, wo er das Klima ſehr gut vertrug. Er iſt nunmehr auch ſchon in Deutſchland ſeit mehr als vierzis Jahren bekannt, und kommt recht gut fort. Selbſt die ſtrengſten Winter, in welchen im noͤrdlichen Deutſchlande die ſchon einheimiſch Wunken Obſtbaͤume groͤßtten⸗ theils erfroren, ſchaden dem Tulpenbaus nicht. In Luſtpflanzungen iſt er eine vorzuͤgliche Zierde, und wird daher auch alenthalben darin aufgenommen. Im Luiſium, einem der Fuͤrſtin von Anhalt Deſſau gehoͤrigen Gar⸗ ten, ſieht man zwey anſebnliche große 8 die ihre Se weit um ſich her verbrei⸗ ten, und alle Jahre ſehr ſchoͤn bluͤhen. Das Holz iſt nicht ſonderlich zu gebrauchen, denn es iſt Ebt weich und leicht. Unter unſern einheimiſchen Holzarten kommt es dem von der Eſpe oder Zitterpappel am naͤchſten. So lange der Baum noch jung iſt, ſteht es weißlich aus, im Alter nimmt es eine gelbliche Farbe an. Die Rinde brauchen die Amerikaner, um daraus Kaͤhne zu verfertigen. In der Arzney kann ſie ſtatt der Chinarinde dienen; doch iſt ſie noch nicht in den Apotheken aufgenommen. Das Holz wird zum Brennen, zum Bauen und Verkohlen angewendet, und aus ſtarken Stäͤmmen hauet man Kaͤhne, die ſehr leicht und bequem zu regieren ſind. Wenn man reifen Samen zu erhalten weiß⸗ ſo kann man den Baum auch durch Ab⸗ legen vermehren; nur wäͤhrt es lange, naͤmlich 2 bis 3 Jahre, ehe ſie Bänlersich Wur⸗ zeln Rutte R 8 Stieet à (Ilicium anicatum.) Sternanis„oder Badian, iſt ein bekanntes Gewuͤrz, welches man in allen Apotheken findet. Das Gewaͤchs, wovon es kommt, iſt noch nicht ganz genau bekannt; doch haͤlt man da⸗ fuͤr, daß es der Same von der Illicie ſey. Dieß iſt ein baumartiger Strauch, deſſen Blaͤt⸗ ter den Weidenblaͤttern gleichen. Das Holz ſieht ſchoͤn aſchgrau aus, und riecht anisartig. Man bringt es ebenfalls als Handelswaare nach Europa, wo es von Tiſchlern zu feinen eingelegten Arbeiten benutzt wird. Die Bluͤthen des Gewaͤchſes ſehen nach Einigen gelblich, der Abbildung zufolge aber roͤthlich aus. Wahrſcheinlich giht es Spielarten. Sie ſind ſternfoͤrmig, wenn ſie ganz auf⸗ gebluͤht ſind, und hangen an langen Stielen einzeln herab. Der Kelch beſteht aus ſechs, die Krone aus ſieben und zwaazig ſchmalen lanzetfoͤrmigen Blaͤttern. Der Staubgefaͤße ſind viele, und es gehoͤrt die Pflanze daher in dieſelbe Klaſſe, in welcher der Tulpenbaum ſteht. Die Frucht, welche ſich nach der Bluͤthe aus dem Fruchtknoten bildet, bekommt zur Zeit der Reife eine graubraͤunliche Farbe, und iſt gewoͤhnlich ſo geſtaltet, wie die Figur vörſtellt. Die einzelnen Kapſeln ſtehen naͤmlich in einem Kreiſe beyſammen, wodurch ein Stern von ſechs, ſteben und mehreren Strahlen gebildet wird; jedoch gelangen nicht alle Strahlen zur Vollkommenheit, und man ſieht nur den Anſatz davon. Jeder Snahl iſt alſo eine einzelne Kapſel, welche aus zwey Schalen beſteht, und zwey eyrunde, glatte, braͤunliche Samenkoͤr⸗ ner enthaͤlt, die beym Aufpkatzen der Kapſel herausfallen. Die beſte Kraft liegt in der Kap⸗ ſel; daher man auch die ganze Frucht ungetrennt zuſammen laͤßt. Die Koͤrner haben zwar aͤhnliche Kraͤfte, ſind aber weit ſchwaͤcher. Der Geruch ſowohl, als der Geſchmack dieſer Samenkapſeln iſt voͤllig unſerm Aniſe aͤhnlich, nur uͤbertriſſt er ihn an Staͤrke. Dieſe Eigenſchaft und die Form veranlaßt den Ramen Sternanis. Da nun die Illice voͤllig glei⸗ che Fruͤchte traͤgt, ſo ſchreibt man ihr die Handelswaare, den Sternanis, zu. Numpf fand jedoch den Anisgeſchmack nicht an den Fruͤchten des Baums. Er iſt in Japan, vermuthlich auch in Ehina und Oſtindien, einheimiſch. Aus dieſen Laͤndern wird auch der Sternanis zu uns gebracht. Die nach Indien und Ehina handeln⸗ den Rationen, Holländer, Engläͤnder u. ſ. w. bringen eine große Menge davon zu Waſſer nach Europa. Sehr viel kommt aber auch durch die Ruſſen uͤbet Land nach Petersburg, von wo er weiter verſendet wird. Er wird gemeiniglich in Kiſten von 250 bis 560 Pfund an Gewicht verhandelt. Guter Sternanis darf nicht zu alt ſeyn, weil er ſonſt an Kraͤften verlirrt. 28tes Heft, 8 88 In Ehina wird der Aufguß dabon als Thee getrunken. Auch wir brauchen ihn auf gleiche Art. Sonſt wird er in der Medizin verſchiedentlich, und von Branntweinbrennern zu Anisbranntwein benußt. Er erwärmt und verſuͤßt das Gebluͤt im menſchlichen Körper. In Indien oder China wird ein Arak von Sternanis abgezogen, auch ein Oel daraus de⸗ ſtillirt, welches dem Anisoͤle ſehr nahe kommt; aber doch weit feiner, heller und kroͤftiger iſt. Bepdes bringen die Hollaͤnder nach Europa. ede, . He Sueeebl. — Vermiſchte Gegenſtände XV. Der Planet Saturn mit ſeinen Ringen. eigt uns der Planet Satura, welcher, der Sonne iſt. Er iſt iozomal größer als die Sonne, und vollendet ſeinen Eine der merkwüͤrdigſten Erſcheinungen am Himmel z außer dem Uranus einer der entfernteſten Planeten von als die Erde, ſteht faſt zehnmal weiter von uns ab, Kreislauf um die Sonne erſt in ungefaͤhr 30 Jahren. Um in der großen Entfernung von der Sonne noch das noͤthige Licht zu ſeiner Beleuchtung zu erhalten, hat ihm der Schoͤpfer nicht allein 7 Monde, ſondern auch zwey breite flache Ringe, welche ſeine Kugel frey um⸗ ſchweben, und ſich um dieſelbe bewegen, gegeben. Man kann dieſen doppelten Ring des Sa⸗ turns zwar nicht mit bloßen Augen, wohl aber durch gute aſtronomiſche Fernroͤhre ſehr deut⸗ lich ſehen. Nro. 1. Der Saturn mit ſeinem Doppelringe. 185 7.8 Wenn man der Saturn von unſerer Erde aus betrachtet, ſo erſcheint er zuweilen ganz rund, hernach zeigt ſich der Ring, als eine gerade Linie zu beyden Seiten des Planeten. Dieſe Linie wird immer breiter, bis ſte ſich endlich oͤffnet, und wie zwey Handhaben bildet, ſo, daß man in ihrer größten Breite ſowohl zwiſchen dem innern Ringe und dem Koͤrper des Planeten, als auch zwiſchen beyden Ringen felbſt hindurch, und das dunkle Firmament ſehen kann. Der große engliſche Aſtronom Herſchel entdeckte erſt vor Kurzem, daß es nicht ein infacher, ſondern doppelter Ring, nemlich ein breiter und ein ſchmaler ſey, welche nebenein⸗ ander liegen; ſo, daß, wenn wir den Saturn von oben herab betrachten koͤnnten, er mit ſei⸗ nen beyden flachen Ringen eigentlich wie Fig. 2. ausſehen wuͤrde. Daß dieſer Doppelring ein feſter, dunkler und blos von der Sonne erleuchteter Koͤrper ſey, bewriſt ſein doppelter Schatten, den er auf den Koͤrper des Saturns wirft, wie Fig. 1.æ zeigt. Seine Groͤße iſt fehr betraͤchtlich, denn ſein ganzer Durchmeſſer iſt faſt 20mal groͤßer als der Erddurchmeſſer, und die Breite beyder Ringe zuſammen 64 Erddurchmefſer. Seine Dicke hingegen iſt ſehr gering, und wegen der großen Entfernung von der Erde nicht zu meſſen. Boepde Ringe ſind auch von ungleicher Breite, denn der aͤußere iſt kaum halb ſo breit, als der innere. 5 Der Planet Saturn mit ſeinen Ringen. Die⸗ unzählbaren leuchtenden Punkte, die unſer Auge des Rachts bey hellem Himmel an dem unermeßlichen Firmamente erblickt, ſind bekanntermaßen großie Weltkoͤrper. Sie haben theils ihr eignes Licht, wie unſere Sonne, und dieſe werden Fixſterne genannt, oder ſie erhalten ihr Licht von einem andern leuchtenden Himmelskoͤrper, und dieſe heißen dunkle Weltkoͤrper, Planeten, oder Wandelſterne. Ein Firſtern theilk ſein Licht mehrern dunkeln Koͤrpern, oder Planeten zugleich mit. Dieß iſt wenigſtens der Fall mit unſerer Sonne. Sonſt kannten die Aſtronomen nur ſechs Planeten, welche in regelmaͤßigen Bahnen um die Sonne liefen, und von ihr erleuchtet wur⸗ den. Jetzt ſind deren ſteben bekannt). Der zuletzt entdeckte heißt Uranos⸗ Er iſt un⸗ ter allen am weiteſten von der Sonne entfernt, Rach ihm folgt Saturn, ein beſonders merkwuͤrdiger Planet.— — Man kann den Saturn mit bloßen Augen ſehen. Er zeigt ſich als ein ziemlich kennt⸗ licher Stern mit einem bleichen, ins Roͤthliche ſpielenden Lichte, das an Staͤrke ſelbſt wenn der Planet der Sonne gegenüber ſteht, und am helleſten ſcheint— 8 Fixſternen erſter Groͤße nur ſehr wenig übertroſſen wird. Er ruͤckt von Abend gegen Morgen ſo fort, daß er, wenn er ſich bey der Sonne befindet, am ſchnellſten geht; ſteht man ihn aber der⸗ ſelben faſt gegenuͤber, ſo ſteht er ſtill, und geht dann auf 130 Tage lang zuruͤck. Saturn gehört zu den ſogenannten obern, d. i. zu den Planeten, deren Lauſbahn die Bahn der Erde umſchließen. Seine Bahn iſt excentriſch; doch nicht ſehr betraͤchtlich. Im *) Auch die alten Aſtronomen hatten 7 Planeten, die man noch in manchen Kalendern ange⸗ fuͤhrt findet. Sie rechneten aber, außer dem Merkur, der Venus, dem Mars, Jupiter und Saturn, nicht nur den Mond— der eigentlich nur ein Nebenplanet iſt— ſondern auch die Sonne dazu. Das Wort Planet nahmen ſie naͤmlich in einer andern Bedeutung, nach welcher es diejenigen Geſtirne anzeigt, die ihre Stelle unter den übrigen taͤglich aͤndern. 38 61 nittler“ Abſtande iſt er von der Sonne 9 5&roomal weiter, als die Erde entferknt. Man zann alſo, ohne auffallenden Fehler, ſeine Bahn als einen Kreis um die Sonne vorſtellen, ſeſſel Halbmeſſer 9 Jamal groͤßer iſt, als der Halbmeſſer der Erdbahn. Dieſe Bahn durch⸗ aͤuſt der Saturn erſt nach 10749 Tagen, 19 Stunden, 16 Minuten und 15 Sekunden; r braucht alſo, die Sonne zu umlaufen, ungefaͤhr 20 12 Jahr nach unſerer Rechnung. Folglich wuͤrde eine gleiche Summe von unſern Jahren fuͤr die Saturnusbewohner— vor⸗ ſusgeſetzt, daß es deren gibt— erſt ein einziges ihrer Jahre ausmachen. Aus dem Theile eines Kreiſes oder ſeiner Bahn, den er täglich zuruͤcklegt, verglichen mit der Groͤße derſel⸗ en, kann man nun die Schnelligkeit ſeines Laufes berechnen. Demnach legt er in einer inzigen Zeitſekunde eine Strecke von nicht weniger als 2 J4 Stunde Weges zuruͤck. Welche inermeßliche Geſchwindigkeit!— Längſt ſchon vermuthete man mit Wahrſcheinlichkeit, daß der Saturn ſich eben ſo, wie unſere Erde und andere Planeten, um ſeine Axe drehe; allein es fehlte an voͤlliger Gewiß⸗ heit. Flecken auf der Scheibe des Planeten, die man z. B. am Monde und der Venus be⸗ merkt, und welche auf eine Umdrehung um die Axe(Rotation) ſchließen laſſen, konnte man der ungeheuern Entfernung wegen nicht wahrnehmen. Roch weniger wußte man von der Zeit zu ſagen, in welcher dieſe Umdrehung geſchaͤhe. Rach vielen Hypotheſen und Vermu⸗ thungen, die man hierüber wagte, entdeckte endlich Herſchel mit ſeinen trefflichen Inſtru⸗ menten einige Streifen auf dem Saturn, aus deren Bewegung ſich eine Umdrehung deſſel⸗ ben nach eben der Richtung, wie bey den uͤbrigen, ſchließen ließ. Die Axe dieſer Umdre⸗ bung ſchien auf der Ebene des Ringes, welcher den Saturn umgibt, ſenkrecht zu ſtehen. RNun blieb aber noch übrig, die Zeit der Umdrehung zu beſtimmen. Dieß war ſo leicht nicht, und daher/entſtanden die verſchiedenen Angaben. Unmittelbare Beobachtungen ſetz⸗ ten jedoch bald Herſcheln in den Stand, die Zeit der Umdrehung beſtimmt anzugeben. Er ſetzt ſie aüf 16 Stunden 6 Minuten). Die merkwuͤrdigſte Erſcheinung am Saturn, wodurch er ſich vor allen andern Plane⸗ ten auszeichnet, iſt der Ring, der ihn umgibt. Er iſt gaͤnzlich von der Kugel des Plane⸗ ten abgeſondert, und gleicht einem breiten Reifen. Vor der Erfindung des Fernrohrs wußte man nichts von dieſem ſonderbaren Koͤrper; denn mit bloßen Augen kann er nicht vom Pla⸗ neten ſelbſt unterſchieden werden. Aber gleich nach der Erfindung jenes nuͤtlichen Inſtru⸗ ments, naͤmlich im Jahre 1610, bemerkte Galilaͤi dieſe wunderbare Geſtalt des Saturns, die er dreyfach nennt. Da er aber nachher, als der Ring verſchwunden war— welches zu beſlimmten Zeiten erfolgt— den Planeten voͤllig rund erblickte, ſo verfolgte er ſeine Entde⸗ ckung nicht weiter. Im Jahre 1640 ſah Gaſſendi die Erſcheinung wieder, Riccioli ) Prof. Bugge in Kopenhagen ſetzt ſie nur etwa auf 6 Stunden, welches Einlge fuͤr wahr⸗ ſcheinlicher halten. 62 nicht im Stande, ihre Urſachen zu erklaͤren. zentriſch herumlaͤuft, eine beſtaͤndig parallele Richtung nach einerley Gegend als wahr beſtaͤtigt, und noch genauer beſtimmt. Um den Saturnsring zu ſehen, bedarf es nur mittelmäßiger Fermöͤhre. hellern Sterns bekommt. 8 Zu manchen Zeiten ſieht man den Ring gar nicht, und der Saturn N erns grade ſo, wie Fig, 1. vorſtellt, umfaſſen. Nach dieſer Zeit nehmen die Deffnungen eben ſo allmaͤhlich wieder ab, und Grimaldi nahmen ſte ebenfalls wahr, und erweiterten ihre Beobachtungen varuͤber, Beyde ſahen den Saturn gleichſam mit Henkeln verſehen. Der unſterbliche Hevel wa der erſte, welcher mit ſeinen vollkommnern Fernroͤhren die ganze Erſcheinung und ihre funf zebnjahrige periodiſche Abwechſelung genauer beobachtete. Er ſetzte auch verſchiedene Phaſei (Lichtgeſtalten, Lichtabwechſelungen) mit beſondern Benennungen feſt; war aber freylich noc Huygens, der um das Jahr 1655 den Saturn mit 12 bis 23 Fuß langen Fernroͤh ten beobachtete, fand endlich, daß ſich alle Erſcheinungen dieſes raͤthſelhaften Planeten voͤl lig eiklären ließen, wenn man einen Ring annähme, der mitten um die Kugel deſſelben kon des Himmel! hinaus behaͤlt, und von der Sonne erleuchtet wird. Hu ygens erklaͤrt unter dieſer Vor ausſetzung alle Erſcheinnngen des Saturns mit ihren Abwechſelungen und die Beobachtun⸗ gen der neuern Aſtronomen haben ſeine Erklaͤrungen in der Folge voͤllig richtig gefunden, Die gewoͤhn⸗ lichen zwoͤlffuͤßigen, oder achromatiſchen und Spiegelteleſkope, die eben ſo viel vergrößern, ſtellen ihn dem Auge deutlich dar. Da wir ſchief gegen die Ebene ſeiner Oberflaͤche ſehen, ſo erſcheint er uns meiſtens in elliptiſcher Geſtalt. Sein Surchmeſſer verhäͤlt ſich zum Durch⸗ meſſer der Saturnskugel, wie 7 zu 3. Sein Abſtand von der Kugel iſt ungefaͤhr ſeiner Brei⸗ te gleich. Zu gewiſſen Zeiten verurſacht ſeine Stellung, daß der Saturn das Anſehen eines ö ruiff alsdann voll⸗ kömmen rund, wie ein anderer Planet. Dieß bemerkte, wie wir geſehen haben, ſchon Ga⸗ liläͤi, nachdem er doch vorher den Ring deutlich wahrgenommen hatte. Auch in den Jah⸗ ren 1745, 1759, 7J4, 1789 ſah anan den Saturn ohne Ring. Bald nach dem Ver⸗ ſchwinden zeigt ſich dieſer in Geſtalt einer geraden Linie zu beyden Seiten des Planeten Die⸗ ſe Linie wird immer breiter, bis ſte ſich endlich oͤffnet, und zu beyden Seiten der Kugel gleich⸗ ſam ein paar Handhaben bildet, welche nach 7 142 Jahren— von der Zeit an getechnet, wo man den Saturn ohne Ring ſah— die groͤßten Oeffnungen haben, und die Kugel wie ſie zunah⸗ men, und werden immer enger, bis endlich nach 15 Jahren— von der Zeit ſeiner er⸗ ſten Erſcheinung an— der ganze Ring verſchwindet. Er wird darauf von neuem ſichtbar, wendet ſich aber auf die andere Seite, wo er wieder nach 7· 1J2 am, meiſten groͤffnet iſt, und nach 29 12 Jahren— von der erſſten Erſcheinung an— wiederum verſchwindet. Wähiend dieſer 29 12 Jahre iſt Saturn gerade Einmal um den ganzen Himmel gegangen. —ůů———— 63 Beh ſeinem folgenden Umlaufe kommen dieſe Erſcheinungen in der erwaͤhnten Ordnung wieder. Die Abwechſelungen in den Erſcheinungen des Ringes laſſen ſich folglich eben ſo be⸗ ſtimmt und genau berechnen, wie die Lichtabwechſelungen des Mondes. Sie laſſen ſich auch vollkommen erklaͤren, naͤmlich aus der Reigung der Flaͤche des Rings gegen die Eklip⸗ tik oder Sonnenbahn. Unter Fig. 2. iſt der Ring ſo vorgeſtellt, daß er die Scheibe des Saturns als ein voͤllig runder konzentriſcher Kreis umgibt. So wuͤrden wir den Saturn nebſt ſeinem Ringe wirklich erblicken, wenn wir den Ring aus ſeinen Polen betrachten könnten. Dieß iſt aber fur uns Eidbewohner darum niemals moͤglich, weil unſer Planet (die Erde) immer in der Ebene der Ekliptik bleibt, und nie in die verläͤngerte Are des Sa⸗ kturns kommt. Eben aus dieſem Grunde muß uns der Ring meiſtentheils in elliptiſcher Ge⸗ ſtalt, wie Fig. 1. erſcheinen.— Wenn ſich der Ring unſern Augen am meiſten geöͤffuet hat, ſo kann man vermittelſt guter Fernroͤhre das Firmament zwiſchen dem Ringe und der Kugel ſehen. Auch iſt es moͤglich, Firſterne dadurch zu erblicken. Die Urſachen, warum der Ring fuͤr uns zu gewiſſen Zeiten verſchwindet, koͤnnen dreyer⸗ ley Art ſey. Wenn die verlängerte Fläche des Rings durch die Sonne geht, wobey nut die duͤnne Kante erleuchtet wird; 2) wenn dieſe Flaͤche zwiſchen der Sonne und Erde bindurch geht, wobey uns der Ring ſeine dunkle, von der Sonne abgewandte Srite zu⸗ kehrt; z) wenn eben dieſe Floͤche durch die Erde geht, wobez nur die duͤnne Kante geſehen wird. Der erſte und letzte Umſtand trifft nicht völlig zu gleicher Zeit ein; allemal aber kurz vor oder nach einander. Es kann daher Jahre geben, in welchen der Ring wech ſels⸗ weiſe ſichtbar unſichtbar wird, weil die Erde, wenn ſte der Flaͤche des Ringes nahe ſteht, bey ihrem Awꝛla die Sonne zweymal durch dieſe Flaͤche gehen muͤßte, ſo daß man 6 Monate käng die dunkle, un Monäle die erleuchtete Seite ſehen wuͤrde, wenn Saturn auf dieſer Stelle unbeweglich ſtehen bliebe. Dergleichen Abwechſelungen des Ver⸗ ſchwindens und Wiedererſcheinens ſah man in den Fahten 1760 und 1775 auch war ge⸗ gen das Ende des Jahres 1789 der Ring wieder unſichtbar, und den meiſten Beobachtern ſchon im Oktober verſchwunden, ob ihn gleich Herſchel mit ſeinem vierzigfuͤßigen Tele⸗ ſkop noch im Anfange des Rovembers als einen ſchmalen Strich ſah. Auf dieſe Erſcheinun⸗ gen ſowohl, als auf die Oeffnung der Ellipſe des Ringes hat auch die Breite des Saturne Einfluß. Es gibt in der ganzen Aſtronomie kein Phänomen, welches dem Ringe des Sakurns ähnlich iſt. Man hat jetzt durch die zuverläͤſſigſten Beobachtungen hinlaͤnglich bewieſen, daß dieſer Ring nicht, wie man ſonſt wohl glaubte, eine leuchtende Atmoſphaͤre iſt, welche die Stelle vieler kleinen Monde zu vertteten ſcheint; ſondern er iſt ein feſter, dunkler Koͤr⸗ per, der ſein Licht eben ſowohl, wie die Saturnskugel ſelbſt, von der Sonne erhaͤlt. Diek beweißt nicht nur der Schatten, den er auf die Scheibe des Saturns wirft, zur Genuͤger 64 ſondern auch ſein Verſchwinden, wenn er uns die von der Sonne abgewendete Seite zu⸗ kebrt; denn in dieſem Falle muͤßte man doch wenigſtens etwas Licht ſehen. Daß die Groͤße des Saturnringes betraͤchtlich ſeyn muͤſſe, laͤßt ſich leicht ſchließen. Er enthäͤlt mehr als 23 1Ja Erddurchmeſſer im Durchſchnilt. Seine Breite macht 6 113 Erddurchmeffet aus; ſeine Dicke dagegen iſt gering, und der großen Entfernung wegen nicht zu erkennen. Die Maſſe, woraus er beſteht, iſt ohne Zweifel gegen den Saturn ſchwer, und haͤlt ſich ver⸗ moͤge dieſer Schwere, bey ihrer runden Geſtalt oder Woͤlbung, im Gleich gewicht. Sie wuͤrde wahrſcheinlich auf die Kugel des Plancten herabſtuͤrzen, wenn die Woͤlbung unter⸗ brochen, und dadurch das Gleichgewicht geſtöͤrt wuͤrde. Uiber den Urſprung und den Rutzen diefes ſonderbaren Koͤrpers hat man mancherley Muthmaßungen angeſtellt; allein es laͤßt ſich daruͤber auch nicht das Mindeſte mit einiger Wahrſcheinlichkeit angeben. In den neuern Zeiten hat dieſes Phaͤnomen an Wunderbarkeit noch zugenommen. Man hat gefunden, daß der Saturnsring nicht einfach iſt. Schon vor mehr als 20 Jah⸗ ren wollten Aſtronomen bemerkt haben, daß der Ring nach innen, oder gegen den Sa⸗ turn zu, heller ſey, und daß ſich auf ſeiner Flaͤche Streifen zeigten, gleich als ob er aus mehreren Ringen beſtaͤnde. Mehrere, unter andern auch Eaſfini der aͤllere, und Ha d⸗ ley ſahen die Streifen. Herſchel beobachtete eine dunkle Zone auf der Rordſeite des Ringes 10 Jahre lang, und aͤußerte ſchon im Jahre 1790 die Vermuthung, daß der Sa⸗ turnsring eigenklich aus zwey verſchiedenen Ringen beſtehen moͤchte, und daß die dunkle Zone in einer zwiſchen beyden Ringen offen bleibenden Durchſicht beſtehe. Zugleich ſchloß er aus den hellen Flecken, die er auf dem Ringe erblickte, eine Umwälzus ⸗Feſſelben die er auf ungefaͤhr 10 Stunden 32 Minuten ſetzte. 5 Seit dem Auguſt 1791 beobachtete Herſchel die füͤͤdliche Ringflaͤche, und bey dieſer Gelegenheit fand er die Spaltung des Ringes noch wahrſcheinlicher. Zum oͤftern, und mit⸗ verſchiedenen Vergroͤßerungen, ſah er beſtaͤndig eine dunkle Zone auf dem bisher fuͤr einen einzigen angenommenen Ringe. Sie war auf bepden Seiten gleich breit, und ließ ſich auf jeder Hälſte des Ringes bis nahe an den Saturn verfolgen; mit ſechshundertfacher Vergroͤße⸗ rung etwa bis dahin, wo eine auf dem längſten Durchmeſſer des Ringes ſenkrechte Linie den dunkelg Raum zwiſchen dem Saturn und dem Ringe zur Haͤlfte iheilt. Hieraus zieht nun Herſchel den Schluß, daß Saturn zwey konzentriſche Ringe von ungleicher Groͤße und Breite um ſich habe. Sollte dieſer Schluß noch mehr gerechtfertigt' werden, ſo muͤßte man Sterne durch die zwiſchen bepden befindliche Oeffnung wahrneh⸗ men; doch koͤnnte der Zweifler auch hierbey noch einwenden, daß es helle Punkte auf des Oberflaͤche des Ringes waͤren.