3 1 derbuc 6 — hii Cuit, 35 N b, „„ 4 2 838 5 32 „ 8 ——— + JN D. — CU 42 Den Atlasholz⸗Baum wächſt vorzͤͤglich in J Pſtanzen. L. * RMerkwürdige Baͤume. Nro. 1. Das Atlas⸗ Holz. 1u amaica, wird ſehr hoch und dick, hat Blaͤt⸗ agt 241 ter wie die Acgkie, eine weiße Blume, und traͤgt ſeinen Samen in platten ſchwaͤrzlichen und meiſtens halbgedrehten Schoten. Er iſt votzuͤglich berühmt wegen ſeines uͤberaus ſchoͤnen gelben Holzes, welches einen gewaͤſſerten Glanz wie Atlas hat, und eben darum haͤufig nach England geht, wo es dann, eben ſo wie das Mahagony, zu dem ſchoͤnſten Meublen ver⸗ arbeitet wird. Von dem ſpielenden Atlas⸗Glanze ſeines Holzes hat eben der Baum ſeinen Rahmen Atlas⸗Holz(im Engliſchen Satin⸗ wood⸗tlee) erhalten. Nro 2. Der Acajou⸗Baum. (Anacardium occidentale. L) Der Acajon⸗oder Anacardien⸗Baum(der auch ſonſt der Nierenbaum, oder Elephan⸗ teulaus Baum heißt(iſt in doppelter Ruͤckſicht merkwuͤrdig; erſtlich wegen ſeiner ſonderba⸗ ren Frucht; und dann wegen ſeines ſchoͤnen rohbraunen geaderten Holzes, welches zur ſchön⸗ ſten Tiſchler⸗Arbeit, nebſt andern ſeinen Hoͤlzern gebraucht wird. Dieſer Baum wächſt in Jamaica, und auf mehreren weſt⸗ indiſchen Juſeln. Er wird ohngefaͤhr 20 Fuß hoch, hat ovale dunkelgrüne Blaͤtter, und an den Spitzen der Zweige rothe Bluͤthen in Buͤſcheln, welche ſehr angenehm riechen. Seine ſonderbar gebildete Frucht beſteht gleichſam aus zwey Theilen, naͤmlich aus einer fleiſchigten roth und gelben Frucht in der Groͤße eines Gaͤnſe⸗Eyes, welche innerlich ein weißes Fleiſch hat, deſſen angenehm faͤuerlichen Saft man auszuſaugen, das Fleiſch ſelbſt aber nicht zu eſſen pflegt. An dieſer fleiſchigten Frucht haͤngt unten eine ſchwarze Ruß in Form einer HaaſenRiere, deren aäu⸗ ßere harte Schaale aus zwey Hälſten beſteht, und einen mandelartigen wohlſchmeckenden Kern einſchließt, der meiſtens gebraten gegeſſen wird. Die Schaale aber enthaͤlt ein ſcharfes Gift Sobald ein Staͤngel verbluͤht hat, kommt zuerſt die nierenformige Ruß bervor und zu ihrer Vollkommenheit, und als dann erſt wächſt die fleiſchigte Frucht hinternach. Meiſtens haͤngen drey Fruͤchte an einem Stiele zuſammen⸗ 3558 Heft. 2 MRerkwürdige Bäu m e. Das Atlasholz⸗, (Ferolia gulanensis.) De⸗ Baum, von welchem das Atlasholz kommt, ſcheint noch nicht botaniſch beſtimnit zu ſeyn. Das Holz ſelbſt wird häufig nach Europa gebracht, und beſonders in England zu koſtbaren Meublen verarbeitet. Es fuͤhrt auch den Namen Fetole⸗oder Satinholz, und hat verſchiedene Farben. Das gewoͤhnlichſte und ſchoͤnſte Atlasholz gleicht an Fibern und Härte dem Rußbaumholze einigermaßen. Es ſieht gelb aus, wie ein Canarienvogel, und ſeine Poren geben ein ſchillerndes, ſehr angenehmes Anſehn. Auf der Oberfaͤͤche ſchattirt und nimmt eine ſcheint es gleichſam durchſichtig zu ſeyn; dabey iſt es hart, ſchwer, ſchoͤne Politur an. Unter dem Hobel und auf der Drechſelbank laͤßt es ſich vortrefflich bearbeiten. Das rothe Atlasholz iſt von ausnehmender Schönheit. Seine Faſern und die Zuͤge, welche das Atlasartige ausmachen, ſind ſehr fein. Die Farbe iſt eine Art von Purpur mit braunen Adern durchzogen, die man wahrnimmt, wenn man das Holz nahe vor Au⸗ gen hat; in der Ferne betrachtet erſcheint die Farbe ganz einfach. Uibrigens iſt dieſe Sorte eben ſo feſt, und laͤßt ſich gleich falls vortrefflich poliren. Guiana und die weſtindiſchen Inſeln erzeugen den Baum, von welchem dieſes koſtbare⸗ Holz herkommt. ö Der Acajoubau m. (Anacardium oceidentale.) Der Anacardien⸗odet Acajoubaum, ſonſt auch Nierenbaum und Elephantenlausbaum ge⸗ nannt, waͤchſt urſprünglich in Amerika; jetzt aber auch in Oſtindien. Er iſt hoch, ſtark und treibt viele Aeſte Seine ſchoͤnen, eyrunden und glatten Blaͤtter fitzen auf ganz kurzen Stielen, und ſind mit ſtarken Adern durchwachſen. Ihre obere Seite iſt ſchwarzgruͤn; die untere heller An den Spitzen der Zweige kommen in Buͤſcheln die kleinen tothen Bluͤthen bervor. Sie haben nach Plumier fuͤnf zuruͤckgebogene Blätter in einem abfallenden, fünfmal eingeſchnittenen Kilche. Rach neuern Beſtimmungen ſind die Bluͤthen von ver⸗ miſchtem und ganz getrenntei Geſchlechte. Demnach wuͤrde der Acajoubaum in die 23ſte Klaſſe(Poly gamia, Vielehige) gehoͤren. Die Frucht, welche nach der Bluͤthe erſcheint, iſt gar ſonderbar gebildet Ein fleiſchi⸗ ger, eptoͤrmiger und gleichſam gewundener Koͤrper, der anfangs ſehr klein, hernachmals ſo groß wie ein Gäͤnfech iſt, fißt an dem Stiele, wo die Bluͤthe ſtand. Jung ſieht er gruͤn aus, reif aber nimmt er eine glänzende Purpurfarbe an, die mit Gelb gemiſcht iſt. Seine äußere Schale iſt gauz glatt; das Fleiſch weiß. Auf dieſer Frucht ſitzt oben eine nüerenför⸗ mige Nuß, ungefaͤhr von der Groͤße einer Kaſtanie und von ſchwaͤrzlich glaͤnzender oder aſchgrauer Farbe. Die aͤußere harte Schale dieſer Ruß beſteht aus zwey Haͤuten, zwiſchen welchen ein ſchwammiges Weſen nebli einem ſcharfen Safte enthalten iſt. Innerlich liegt der Kern oder der Same, welcher ebenfalls die Geſtalt einer Riere hat. Der Baum trägt alſo gleichſam eine doppelte Frucht. Die untere, oder der ſogenannte Apfel, iſt kernlos, ſein Fleiſch faſerig und ſchwammigt, dabey ſo voll eines ſuͤßſaͤuerlichen Saftes, daß er herablaͤuft, wenn man in die Fiucht hineinbeißt. Dieſer ſogenannie Apfel macht eigentlich den Fruchtſtuhl(receptaculum) aus. Reif ſoll derſelbe einen ſehr ange⸗ nehmen und erquickenden Geſchmack haben. Der Saft des Fleiſches zieht zwar etwas zufſam⸗ men; doch ſoll eben dieſe Eigenſchaft die Lieblichkeit noch erhoͤhen. Der Geruch des Apfels iſt aͤberdieß auch ſehr angenehm. Mehtere Rriſende verſichern einmuͤthig, die Acajoufrucht ſeh eine wahre Leckerey. Amerika genießt man ſie nicht nur roh ſehr gern, ſondern auch gekocht Man preßt auch den Saft aus, miſcht Zucker darunter, und bereitet einen wohlſchmeckenden Wein davon, den man zum Punſche brauchen kann. ö Die Ruß iſt die eigentliche Ftucht, und durch ſie pflanzt ſich der Baum auch fort. Sie darf nicht mit den Zaͤhnen geoͤffnet werden, weil der Saft oder vielmehr das oligte A 2 Weſen swiſchen den bepden äußern Schalen ein Egzendes Sift iſt, das alle Theile des menſchlichen Körpers, die es derührt, anftißt und entzöndet. Bringt man es einem 1 Lichte nabe, ſo faͤngt es ploͤtzlich Feuer, und ſprudelt mit ſtarkem Geraſſel weit umher. Man kann mit dieſer aͤtzenden Feuchtigkeit auf Leinwand und baumwollenen Zeuge Figuren, Buchſtaben und dergl. zeichnen, welche ſchwarz werden. Uliberſtreuet man ſie naß mit Kalk⸗ ſtaud, ſo laſſen ſie ſich wieder auswaſchen. Die gruͤne Schale gibt zerſtoßen mit Eſſig und Lauge eine brauchbare ſchwarze Tinte. Wenn man den Kern genießen will, ſo oͤffnet man die Schale mit einem Meſſer, nimmt ihn heraus, legt ihn eine Zeitlang in kaltes Waſſer, und genießt ihn dann mit Salz oder mit Wein. Roh ſiebt er weiß aus, und iſt oͤligt. Seinen Geſchmack vergleichen virle mit den Wäͤlſchennuͤſen; Jaquin ſagt, der Kern ſey zart und ſuͤß, und uͤbertreffe an Wohlgeſchmock alle andern Kerne. Beſonders angenehm ſoll er ſiyhn, wenn man ihn auf gluͤhenden Kohlen roͤſtet. Auf dieſe Art zudereitet trägt man ihn in Amerika als Deſert auf. Man kann auch eine gute Chokolate daraus bereiten, die vorzuͤglich angenehm ſchmeckt, wenn man einen Theil Cacaobohnen dazu nimmt. Aeltere Aerzte rechneten den Kern zu den Arznepmittell. Er kommt als Handelswaare aus Surinam und Oſtindien zu uns. Das Holz des Acajoubaums iſt von verſchiedener Art. Ein Theil ſieht roth aus, und wird vom Wurm nicht angegriffen; das weiße iſt von geringerm Werthe. Man glaubt, daß das feine Acajouholz, welches die Ebeniſten verarbeiten, von dieſem Baum komme. In Europa hat man oft verſucht, dieſen ſonderbaren Baum zu erziehen; es iſt aber nicht gelungen, ob er gleich in ſeinem Vaterlande ungemein leicht fortkommt, und durch Zweige vermehrt werden kann. Der Samen geht in Europa zwar auf; allein die jungen Baͤumchen gedeihen nicht lange, ſondern gehen ſelbſt im beſten Treibhauſe nach wenigen Mo⸗ naten verloren. Man vermuthet, daß ſie das Verſetzen gar nicht vertragen koͤnnen. RRRRARRRR ——— —————. ——— ͤ————— + hen e* — — Vögel XXVII. Waſſervoͤgel vetſchiedener Art. Nro, i. Die Kriek Ente. (Anas crecca.) Di⸗ Kriek⸗ oder Kriech⸗ Ente unterſcheidet ſich theils durch ihre Kleinheit ſte iſt kaum 14 Zoll lang) von den gemeinen wilden Enten, theils auch da du irch, daß ſie vorzuͤg⸗ lich die See⸗Ufer von Eunne und Aſten bewohnt. Sie iſt braun und weiß gezeichnet, und hat einen gruͤnen Spiegel auf den Fluͤgeln Nro.. Die Taucher⸗ Gans. (Mergus Merganser. L.) Die Taucher⸗ Gans iſt 2 Fu b lang, bewohnt den ganzen Norden man den Seckuͤſten, iſt ſchwarz und weiß gezeichnet, und zeichnet ſich beſonders durch—.— hohen ſopitzigen Kopf qus. Sie niſtet auf Baͤumen am ÜUfer, 128 naͤhrt ſich von Fiſchen. Nro. 3. Der Meer⸗ Nachen. (Mergus ferrator.) Der Meer⸗Rachen bewohnt die noͤrdliche Seekuͤſte von Europa und Aſten, und lebt ſchaarenweiſe. Er iſt 21 Zoll lang, hat einen braunrothen Kopf und Hals, weiße Bluſt und Bauch, und grauen Ruͤcken. Er kaucht vortrefflich unter, und verfolgt ſo gar die Fi⸗ ſche unter dem Waffer. Seine Federn ſind faſt ſo gut als die Eyder⸗Dunen, unter welche ſie auch gemiſcht werden. Nro. 4. Die Täuchertaube. (Colymbus grylle. L.) Die Taͤucher⸗oder Grönländiſche Taube wohnt in Groͤnland, und der ganzen noͤrdlichen Erde, iſt 14 Zoll lang, taucht unter und naͤhrt ſich von Fiſchen. Sie iſt meiſtens ſchwarz 4 8 8 und weiß, oft auch ganz weiß. Aus ihret Haut machen ſich die Groͤnländer Kleider. 2 Nro. 5. Der geöhrte Taucher (Colymbus auritus. L) Iſt 12 Zoll lang, bewohnt die Land⸗Seen von Rorwegen und Schweden, hat um den Kopf einen Halskragen, und uͤber den Augen zwey Federbuͤſche, die wie Ohren ausſe⸗ hen, welches ihm ein ſonderliches Anſehen giebt.—— Nro, 6. Der kleine Taucher. (Colymbus minor. L) Der kleine Taucher, welcher oberhalb braun und unten weiß ausſt ht, bewohnt die einſamen Teiche und kleinen Sandſeen von Europa und Nord⸗ Amerika. Er bauet mitten auf dem Waſſer ein großes ſchwimmendes Neſt, und nährt ſich von Fiſchen und Juſeekten. Nro. 7. Die braune Meeve. (Larus fuscus. L.) Die braune Meeve, welche die gemeinſte iſt, bewohnt Europa, Nord⸗ Amerika und Aſien, und zieht im Winter nach Suͤden Sie iſt 23 Zoll lang, weiß, Ruͤcken und Fluͤ⸗ gel graubraun. Sie naͤhrt ſich von Fiſchen, beſonders von Heringen, daher ſie auch den Herings⸗Fiſchern immer folgen, und ihnen oft ihren Fang dreuſt vor den Augen weg nehmen. Nro. 3. Die See⸗Schwalbe⸗ (Sterna hirundo, L) Die See⸗ Schwalbe bewohnt die ganze noͤrdliche Erde; ſie iſt 16 Zoll lang und ihre Hauptfarbe aſchgran—Sie hat einen getheilten Schwalben⸗Schwanz und auch ſchwalben⸗ aͤhnliche Fluͤgel. Sie naͤhrt ſich von Fiſchen und ihr Fleiſch iſt ſehr wohlſchmeckend. Nro. 9. Das gemeine Waſſerhuhn. (Falica atra. L.) Das gemeine Waſſer⸗Huhn oder Bläͤßchen lebt in ganz Eurepa, Aſien und Amerike auf Sumpfen und Teichen, nährt ſich von kleinen Fiſchen und Inſekten, iſt 24 Zoll lang, und ſieht meiſtens ſchwarz aus. Uiber dem Schnabel hat es eine nakte hochrothe Slirn. Stin Fleiſch iſt thranigt und eßbar. — ——ε ——— Waſſervögel verſchiedener Art. Dire Ktiek üut e. (Anas cerecoa.) Di.⸗ Kriekente iſt kleiner als die gemeine, und nur 14 bis 16 Zoll lanzg. Ihre Breite betiagt uͤber 2 Fuß, und die Laͤnge ihres Schwanzes 3 Zoll. Sie hat einen ſchwarzen, etwas ausgebogenen Schnabel; einen bräunlichen Augenſtern und aſchgraue Beine. Der Kopf, der Hals und die Kehle ſind braumoth; uͤber und unter den Augen läuft eine weibe Binde hin. Der Oberleib iſt mit weißen und ſchwarzen Wellenlinien gezeichnet; die Bruſt iſt roͤthlich weiß mit rundlichen ſchwarzbraunen Flecken; der Bauch ſchmutzig weiß mit ꝛoͤth⸗ lichen Wellenlinien gewaͤſſert; die untern Deckfedern des Schwanzes ſind ſammtſchwarz; die Fluͤgeldeckfedern aſchgraubraun; die Schwingen roͤthlich graubraun; der Spiegel gruͤn ins Siahlblaue ſchillernd und vorn und hinten ſchwarz eingefaßt; der Schwanz dunkelaſchgrau. Das Weibchen iſt am Kopfe roͤthlich und braun geſprenkelt; ſein Oberleib iſt dunkel⸗ brann; di⸗ Bruſt rͤihlichgelb und ſchwarzbraun geflickt; der Bauch faſt ganz weiß; die Schwungfedern ſind ſchwarz; der Schwanz iſt dunkelbraun. Dieſe Ente hat von ihrem Geſchrey den Ramen Sie iſt zur Zeit der Begattung ſcheuer als ſonſt, und unterſcheidet ſich hierdurch von allen andern Voͤgeln. Im Fluge iſt ſie ſehr ſchnell; auch taucht ſie gut unter. In Europa trifft man ſie bis in den hohen Norden hinauf an; eben ſo in Aſten, we ſte ſich bis nach Kamtſchatka hin ousgebreitet hat. Sie lebt auch in Nordamerika. In Deutſchland iſt die Krüäkente gemein auf allen ſuͤßen Gewaͤſſern, auf Seen, Fluͤſſen und Teichen, beſonders auf ſolchen, welche mit Rohr und Schilf bewachſen ſind. Sie gehoͤrt 5 den Strichvoͤgeln, und begibt ſich nur im Winter von einem Otte zum andern, um die offenen Gewaͤſſer auſzuſuchen. 8 Ihre Rahrung ſind kleine Fiſche, Inſekten und Wuͤrmer; auch Sumpfpfianzen. Man findet ihr Reſt auf Binſenhuͤgeln, in Binſenſträͤuchern und im Schilf. Gemei⸗ niglich liegen 10 bis 12 Eyer in demſelben. Die ausgebruͤteten Jungen werden von der Mutter ſehr ſorgfaͤltig beſchuͤtzt. Man erlegt und faͤngt dieſe Enten, wie andere. Ihr Fleiſch ſchmeckt koͤſtlich. Die Taucher gaus. (Mergus Dieſer ſonderbare Waſſervogel gehoͤrt zu einem eignen Geſchlechte, deſſen Gattungen man Taucher oder Tauchenten, Tauchgaͤnſe nennt. Sie haben einen duͤnnen etwas nie⸗ dergedruͤckten Schnabel, der am Ende mit einem krummen Nagel verſehen iſt. Die Raͤnder beyder Kinnladen ſind ſcharf gezähnelt. Die Raſemöcher ſtehen in der Mitte der Kinnlade; die Fuͤße haben 4 Zehen, wovon eine hinten ſteht; die aͤußere vordere iſt länger, als die mittlere. Die Tauchergans wiegt beinahe 3 Pfund; ſie iſt 28 Joll kang und mit ausgeſpannten Fluͤgeln 3 Fuß und 8 Zoll breit. Der Schwanz mißt noch nicht 6 Zoll. Der 3 Zoll lange, gerade und ausgeſtreckte, am Grunde ſechseckige Schnabel iſt vorn erhaben, rund und mit einem niederwaͤrts gebogenen, loͤffelfoͤmigen Ragel verſehen, welcher über das Ende des Unterkiefers tief herab geht. Jede Seite des Oberkieſers hat 30, des Ulnter⸗ kiefers 32 Zaͤhne. Der Hberkiefer iſt oben und am Haken ſchwarz und an den Seiten dunkelroth; der Unterkiefer faſt ganz ſchwarz. Die kleinen Augen haben einen rothen Stern; die Fuͤße ſind orangenroth; die Schwimmhaut iſt roͤthlich ſchwatz. Kopf und Oberhals haben eine ſchöne Entenhalsfarbe; im Racken ſteht ein Feder⸗ buſch, welcher die Geſtalt eines ſpitzigen Pinſels hat. Der Untertheil des Halſes iſt 9 vorn und hinten gewöhnlich weiß, bisweilen auch graugelb. Vom Halſe laäuft ein ſchwar⸗ zer Strich herab nach dem Ruͤcken, deſſen Obertheil nebſt den daranſtoßenden Schulter⸗ federn ſchwarz iſt; der Untertheil ſieht aſchgrau aus; die obern Deckfedern der Fluͤgel ſind ſchwarz; die untern weiß; die vordern Schwungfedern dunkelbraun, die hintern weiß und ſchwarz eingefaßt. Sie machen mit den weiten Spitzen ihrer ſchwarzen Deckfedern einen weißen Spiegel. Der Unterleib iſt ſtrohgelb; der ſtumpfgerundete Schwanz aſchgrau. Das Weibchen iſt kleiner und unterſcheidet ſich auch in der Farbe vom Maͤnnchen ſehr. Sein Augenſtern ſieht braun aus; der Scheitel iſt graubraun; die Kehle weiß; der Oberhals uͤberall roſtbraun; die uͤbrigen Theile des Halſes ſind vorn weiß, grau gewellt, hinten aſchgrau. Dieſe Farben haben auch der Ruͤcken, der Steiß, die Seiten, die Schen⸗ kel und die kleinern Deckfedern der Fluͤgel. Bruſt, Bauch und After ſind ſtrohgelb; der Schwanz iſt grau; durch, den weißen Spiegel laͤuſt ein grauer Strich. Die Tauchergaͤnſe ſind geſellige Vögel, die ſich nur zur Zeit der Begattung paar⸗ weiſe trennen. Ihr Koͤrper iſt beym Schwimmen tief im Waſſer eingeſenkt, und dennoch bewegen ſte ſich ſehr ſchnell fort. Im Tauchen werden ſie nicht leicht von einem andern Waſſervogel uͤbertroffen. Sie bewohnen den Rorden von Europa, Aſien und Amerika. Im mittlern Deutſch⸗ lande ſieht man ſie nur im Herbſte und Winter. Seekuͤſten, Landſern, Fluͤſſe, Teiche und Suͤmpfe ſind ihre Aufenthaltsoͤrter. Sie gehoͤren zu den Zugvoͤgeln; denn ſoebald es kalt zu werden anfaͤngt, ziehen ſie in ſuͤdliche Laͤnder. Um dieſe Zeit trifft man ſie in Deutſch⸗ land in kleinen Geſellſchaſten auf ofſenen Gewaͤſſern an. Auf ihren Zuͤgen halten ſich die alten Maͤnnchen beyſammen, die Weibchen mit der jungen Brut maͤnnlichen und weiblichen Geſchlechts machen eine beſondere Schaar aus. Ihr Neſt machen dieſe Voͤgel ohne alle Kunſt aus Geniſte auf der bloßen Erde, auf Baumſtränken oder im Geſträuche. Das Weibchen legt 12 bis 14 weißliche Eyer, und brütet ſie nach 4 Wochen aus. Fiſche ſind die gewoͤhnliche Rahrung der Tauchgans. Sie weiß dieſelben ſehr geſchickt zu fangen; außerdem frißt ſie auch einige Waſſergewaͤchſe. Wegen ihrer Geſchicklichkeit im Untettauchen und weil ſte ſehr ſcheu iſt, kann man ihr nicht nahe kommen. Mit dem Entennetze laͤßt ſie ſich eher fangen Das Fleiſch ſchmeckt thranigt, konn aber von dieſem Geſchmack durch Zubereitung befreyt werden. In den Rordlaͤndern ißt man es eingeſalzen und geräuchert. Die Bewohner der Farderinſeln brennen das Fett in den Lempen. Die trefflichen Federn ſind faſt von gleichet Guͤte mit den Eiderdunen. 255 Heft. 10 Den Fiſchern werden dieſe Waſſervoͤgel dadurch nuͤtzlich, daß ſte ihnen die Fiſche aus der Tiefe des Meeres nach dem Strande zu treiben. Dieß thun ſte vornämlich im Herbſt, wo ſie ſich vom Lande nach dem Meere begeben, bis er ſehr kalt wird. Die Tau⸗ chergäͤnſe vertheilen ſich ordentlicher Weiſe zum Fiſchfange. Ein Theil taucht unter, und treibt die Fiſche mit den Schnaͤbeln vorwaͤrts; andere ſchwimmen im halben Monde, und ſchlagen mit den Fluͤgeln das Waſſer dermaßen, daß die Fiſche erſchtecken, ſich nach dem Meerbuſen oder dem Strande fluͤchten; aber hier theils von ihren Verfolgern, theils von den Fiſchern leich ertappt werden; letztere bauen ſich Huͤtten am Waſſer; worin ſte ſich verbergen, und ſtellen Reuſen auf.— Daß die Tauchergaͤnſe Fiſchteichen nachtheilig ſeyn muͤſſen, ergibt ſich aus ihrer Nahrung. ——— Der Meerrachen. (Mergus cerrator) Der Meerrachen iſt kleiner als die Tauchergans, mit welcher er uͤbrigens zu Einem Ge⸗ ſchlecht gehoͤrt. Er wiegt ungefaͤhr 2 Pfund, und iſt nicht voͤllig 2 Fuß lang. Zweß Fuß und faſt 10 Zoll meſſen ſeine ausgebreiteten Fluͤgel; der Schwanz iſt 4 Zoll lang. Der Schnabel hat die Geſtalt wie beym vorigen; die obere Kinnlade iſt mit 34 Zaͤhnen auf jeder Seite, die untere mit 42 bis 45 berſehen. Der Augenſtern iſt nußbraun; die Fuͤße ſind orangegelb. Der Kopf, der Federbuſch und ein Theil des Halſes ſieht ſchwarz aus und ſpielt ins Gruͤne. Die uͤbrigen Theile des Halſes und der Unterleib ſind weiß. Rach dem Halſe bin iſt der Ruͤcken glaͤnzend ſchwarz; der Untertheil des Ruͤckens braun und hellgrau geſtreift. Die Seiten ſind aſchgrau mit ſchmalen ſchwarzen Linien geſtreift; die Bruſt iſt oberwärts roſtgrau und ſchwarz und weiß gefleckt. Die obern Deckfedern der Fluͤgel find ſchwarz; die untern weiß; die vordern Schwungfedern dunkelbraun; die hintern weiß und ſchwarz eingefaßt; der Spiegel iſt weiß, und hat zwey ſchwarze Querſtriche, der Schwanz braun. ä 5 Das Weibchen iſt nicht an Groͤße, wohl aber der Farbe nach vom Männchen verſchieden. Der Kopf und der Obertheil des Halſes ſind dunkelroſtfarbig; die Kehle iſt weiß; der Vordertheil des Halſes und die Bruſt tief aſchgrau marmorirt; der Ruͤcken, die Schultern und die Deckfedern der Fluͤgel, ingleichen der Schwanz ſind braungrau. Die Figur ſtellt daher unſtteitig ein Weibchen vor. 8 — Dieſe Gattung hat mit der vorigen ziemlich gleiches Vaterland. Man ſteht ſte auch in Groͤnland. In Deutſchland findet ſie ſich haͤufiger als die Tauchergaus. Sie wohnt nicht allein am Meerſtrande, ſondern auch mitten im Lande auf Sahent Seen und Tei⸗ chen. Außer der Begattungszeit halten ſich mehrere zuſammen. Sie ſind aͤußerſt ſcheu und auf ihter Hut; im Schwimmen und Fliegen zur Verwunderung ſchnell und ſehr ge⸗ ſchickt im Tauchen. Diejenigen, welche nicht zu weit vom Meere wohnen, gehen nach der Bruͤtung mit ihren Jungen ſtromabwaͤrts nach dem Meere, und bleiben hier, bis es ſehr kalt wird, worauf ſie ſich nach ſuͤdlichern Gegenden begeben. Ihre Rahrung beſteht vornaͤwlich in Fiſchen, welche ſie in Geſellſchaft ungefaͤhr auf gleiche Art zu fangen ſuchen wie die Tauchergans. Sie wiſſen die Fiſche nicht nur liſtig in ihre Gewalt zu bekommen, ſondern ſie auch vermittelſt ihrer Zäͤhne ſehr feſt zu halten. Außerdem freſſen ſie und andere Vegetabilien. Gegen das Ende des Aprils macht das Weibchen in der Naͤhe eines Fluſſes, oder See's, oder am Meerſtrande auf bloßer Erde oder im niedrigen Strauchwerk ein kunſtloſes Reſt von duͤtrem Gräſe, in welchem man 8 bis 13 ſchmutzig weiße Eyer findet, die nach vier Wochen ausgebruͤtet werden. Man ißt in den Nordländern das Fleiſch des Mecrrachens, ob es gleich ziemlich ſtark nach Thran ſchmeckt. Die Ezer werden in der Kuͤche benutzt; das Beſte aber find die Fe⸗ dern, welche wegen ihrer ausnehmenden.— unter die Eiderdunen gemiſcht werden koͤnnen. Beym Fiſchfang chut der Meerrachen noch beſß ere Dinnſt als die Tauchergans. Die Tauchert aube. (Coſymũùus grylle.) Das Geſchleht, wozu dieſer Waſſervogel⸗ gerechnet wird, hat einen geraden, 1 5 ten, pfriemenfoͤrmigen, an den Seiten eingedruͤckten Ind ſcharf zugeſpitzten Schnabel; ei⸗ nen gezaͤhnten Schlund; und ſchmale, nahe an der Wurzel des Schnabels liegende Raſen⸗ löcher. Die Fuͤße haben flache Schenkel, und ſitzen nach hinten zu uͤber den Gleichgewichts⸗ B 2 punkt binaus, daher dieſe Voͤgel faſt gat nicht gehen, deſto geſchickter aber ſchwimnen und tauchen können. Bey einigen ſind die Zehen durch eine Schwimmhauk verbunden; bep an⸗ dern durch einen breiten ganzen Lappen. Der Schwanz ſehlt den mehreſten gaͤnzlich. Die Tauchertaube(Seetaube, groͤnlaͤndiſche Taube, der ſchwarze Taͤucher ec.) iſt faſt 15 Zoll lang und 2 Fuß breit. Der 1 3/4 Zoll lange Schnabel iſt ſchwarz; der Mund inwendig ſchoͤn roth; die Fuͤße ſind ſcharlachfarben, und die Rägel ſchwarz. Gleiche Farbe hat das Gefieder auf dem Kopfe, auf dem Halſe, dem Rücken, dem untern Theile des Lei⸗ bes und am Schwanze; die obern und mittlern Deckfedern der Fluͤgel ſind weiß; die uͤbri⸗ gen Deckfedern ſchwarz; die Schwungfedern dunkelbraun. Erſt nach fuͤnf Jahren erhalt der Vogel ſeine eigentliche Farbe, die er dann nicht wirder, weder im Sommer noch im Winter, verändert. Nach dieſer Zeit findet auch zwiſchen dem Maͤnnchen und Weibchen kein Unterſchied ſtatt. Außerdem, daß die jungen Vögel bis zum fuͤnften Jahre die Farbe ihres Geſiederz ſehr ändern, gibt es auch noch eine ziemliche Anzahl von Verſchiedenheiten in der Groͤße 15 und Farbe. Im Schwimmen und Tauchen iſt dieſer Vogel ſehr geſchickt, fliegt ober nicht hoch. Er häͤlt ſich faſt immer im hohen Meere auf und kommt nicht haͤufig nach den Ufern. Der hohe Norden von Europa, Aſien und Amerika iſt ſein Aufenthall; nach den Stekuͤſten des noͤrdlichen Deutſchlands kommt er nur ſelten. Seine Rahrung ſind Fiſche und Fiſchbrut, die er geſchickt zu faugen verſteht. Beyde Geſchlechter lieben ſich beſonders zur Begattungszeit ſehr zaͤrtlich und faſt wie die Tauben. Die Mutter baut gegen die Zeit, wo ſie legen will, in einer Felſenritze, oder in einem Loche am hohen Meeresufer, ein Neſt, in welches ſie ein, hoͤchſtens zwey Eyer legt; dieſe ſind weißlich und aſchgrau gefleckt. Die Jungen ſind im erſten Jahre hellgrau, oͤfters ganz weiß, und köͤnnen zahm gemacht werden. Sie nehmen alsdann auch andere Rahrungsmittel an, ſterven aber bald, wenn ſie kein Seewaſſer haben. Die Nordlaͤnder ziehen ſie mit Haken aus den Reſtern und verſpeiſen ihr Fleiſch, das ſehr gut ſchmeckt. Al⸗ te Voͤgel tödten die Jslaͤnder nicht. Der Groͤnländer genießt das Fleiſch von Jungen und Alten und die Eyer. Mit dem weichbefiederten Felle kleidet er ſtch.— 82 Der geöhrte Tauchet. (Coꝶymbæs auritat.) Er iſt 1 Fuß 1 Zoll lang and 4 Fuß und 6 Zoll breit; die Laͤnge ſeines Schnabels, ber ſchwarz und an der Spitze des Unterkiefers weiß iſt, beträgt 1 Zoll. Der Augenſtern iſt karmoiſtnroth; die Fuͤße ſind von außen ſchmutzig olivengruͤn; inwendig fleiſchroͤthlich. Der Kopf, der ganze Obertheil des Koͤrpers und die vordern Schwungfedern ſind dunkelbraun, hinter jedem Auge ſißt ein Buͤſchel roſtfarbiger Federn, die im Ruheſtande an den Seiten des Halſes anliegen; wenn ſich aber der Vogel bewegt, ruͤckwaͤrts in die Hohe ſteigen. Die hintern Schwungfedern und der ganze Unterleib iſt weiß. Weibchen iſt nur an den Ohren etwas heller; ſonſt in allem dem Maͤnnchen gleich. 33 5 Dieſer Vogel beſttzt eine große Geſchicklichkeit im Untertauchen blitzſchnell ſteckt er den Hals aus dem Waſſer, und eben ſo ploͤtzlich verbirgt er ihn wieder, und rudert eine ziem⸗ liche Strecke weit unter dem Waſſer fort, ehe er ſich wieder ſehen laͤßt. * * Im hoͤbern Rorden iſt er ein Zugvogel. Der kleine Laucher. (Colymbus menor) In Deutſchland und dem übrigen Europa ein gemeiner Waſſervogel. Er iſt noch keinen Fuß lang; ſeine ausgebreiteten Fluͤgel aber meſſen 1i Fuß und„ Zoll. Der Zoll lange Schnabel iſt dunkelbraun; die Naſenlocher liegen in der Mitte; der Augenſtern hat eine blaͤulich braune Farbe; die Fuͤße ſind ſchwaͤrzlich und fallen ins Gruͤne, 5 Der Kopf, der ganze Oberleib, die Deckfedern der Fluͤgel und die Bruſt ſind ſchwarz, ins Graue ſchimmernd; die Wangen, die Schlaͤfe und die Kehle hochrothbraun; der Bauch 44—8*—— iſt ſchmußig aſchgrau; die Schwungfedern ſind ſaſt eben ſo; außer dieſen letztern ſind alle Sedern wollenartidzßztt KSSS·. Das Weibchen iſt am Oberleibe dunkelbraun; an den Wangen und an der Kehle gelblich grau und der aſchgraue Bauch bisweilen gelblich uͤberlaufen. Deieſer Taucher hat ein ſcharfes Geſicht und ein feines Gehör. Er iſt ſo ſcheu, daß er ſchon untertaucht, wenn er den Menſchen auch nur in der Ferne erblickt. Im⸗ Tauchen iſt er unglaublich ſchnell; unter dem Waſſer geht er eine anſehnliche Strecke fort, und kommt nur erſt wieder hervor, wenn er ſich von aller Gefahr entfernt genug glaubt. Ungeachtet dieſer Vogel faſt in allen Gegenden Deutſchlands ſo gemein und haͤufig iſt, ſo kennen ihn doch nur wenige Menſchen; denn er haͤlt ſich immer vor ihren Augen verborgen, taucht iheils alle Augenblicke unter, theils verſteckt er ſich im Rohr und Schilf. Beſonders iſt dem Mänuchen ſehr ſchwer beyzukommen. Der Flug iſt zwar ſchnell; aber niedrig und ohne Dauer. Ueberhaupt fliegen dieſe Voͤgel nur im aͤußerſten Rothfalle. FIhr liebſter Aufentbalt ſind kleine Waldſeen und Leiche; in freyen offeten Gewaͤſſern halten ſie ſich nicht gern auf. Sie ſind beſtaͤndig bey uns, und ziehen nur in ſehr ſtrengen Winkern, wo hier alle Gewäͤſſer zuftieren, weiker nach Suͤden, um oſſene Teiche aufzufu⸗ chen. Im Sommer ſtreichen ſie nicht umher, ſondern bleiben an dem Orte, den ſie ſich einmal zum Aufenthalte erwaͤhlten. Sie naͤhren ſich von Waſſerinſekten und Waſſerpflanzen. Ob ſie Fiſche freſſen, weiß man nicht; doch bezweifeln es Einige.— Im Mai niſten dieſe Voͤgel. Beyde Gatten bringen einen Klumpen Waſſerpflanzen, nahe am Ufer des See's oder des Teiches, zuſammen, und machen daraus ein Neſt, wel⸗ ches ſie an einer Baumwurzel, oder an einem ins Waſſer heruͤberhaͤngenden Zweig befeſti⸗ gen. Darauf legt das Wribchen gewoͤhnlich Eyet von der Groͤße der Taubenever und von ſchmutzig blaßgelker Farbe, mit einigen bräunlichen Flecken. Sie liegen in einer kleinen Vertiefung des Neſtes, und ſind mik Waſſer umg⸗ben, welches durch die Bruͤthitze immet laulicht iſt. Wenn dir Jungen auskommen, welches nach 3 Wochen geſchieht, ſo laufen ſte gleich dem Waſſer zu, obgleich ihnen oft noch die Eyerſchale am Koͤrper haͤngt.— Billig muß man die Liſt und Schlauheit bewundern, mit welcher das Weibchen zur Zeit des Bruͤtens ihre Eyer vor Rachſtellungen zu ſichern weiß. Sobald es einen Menſchen nach dem Neſte hinkommen ſicht, bedeckt es mit den neben dem Reſte liegenden Waſſerpflanzen in der Geſchwindigkeit die Eyer, und verſteckt ſich entweder im Schilfe, oder taucht unter, und lauſcht in einiger Entfernung ſo lange, bis die Gefahr voräber iſt. Der Menſch, wilcher die Liſt nicht kennt, geht vor dem Reſte voruͤber, weil er es nut fuͤr einen Hauſen — 8 5 Waſſcipflanzen haͤlt. Dieß iſt die Urſache, warum das Reſt, ſo wie det Vogel, bielen Menſchen ganz unbekannt bleibt. Die Jungen ſind nicht ſo vorſichtig und ſchlau. Sie laſſen ſich leicht fangen, indem man ſie ins Schilf treibt. Man kann ſie zähmen mwenn man einen kleinen Leich im Gar⸗ ten fuͤr ſie haͤlt, und ihnen die Fluͤgel beſchneidet. Die Alten ſind ſchwerer zu ſchießen, als irgend ein Vogel. Wenn ihnen auch der Jaͤger bis auf Schußweite nahe kommt; ſo ſchießt er doch gewoͤhnlich uͤber ihren Kopf hin, weil ſie in dem Augenblick, wo der Hahn pickt oder das Pulyer auf der Pfanne brennt, untertauchen. Bey ſtuͤrmiſcher Witterung iſts faſt nur allein moͤglich, ſie zu erlegen. Ihr Fleiſch ſchmeckt zwar ein wenig toranigt; aber dieß ausgenommen, aͤbrigens gut. Die Federn ſind dunenartig und vortrefflich. ——————— Die braune Meeoe. 0 Larus Fuusolte.) Wieder ein ſonderbares Geſchlecht bon Waſſerbögeln, deren Gatteung man Meeven oder öͤbden nennt. Sie haben einen geraden, ungezaͤhnten, meſſerfoͤrmigen Schnabel, der an der Spitze gekruͤmmt iſt; die untere Kinnlade hat hinter der Spitze eine Hervorragung. Die ſchmalen, vorwaͤrks hreitern Naſenloͤcher, liegen in der Mitte des Schnabels. Der Koͤrper dieſer Voͤgel iſt leicht, die Fluͤgel ſind grofi, das Geſicht iſt ſcharf und ihr Flug ſehr ſchnell. Sie halten ſich meiſtens in der Luft auf. Die braune Meeve iſt noch mehr unter dem Namen Haͤringsmeeve bekaunk. Sie kommt an Groͤße der Hausente bey; iſt 2 Fuß lang und 4 12 Fuß breit; ihr Schwanz mißt 5 Zoll, und der Schnabel, welcher gelb iſt, 2 Zoll. Ihr Augenſtern iſt gelblich; die Augenlieder ſind toth; die Fuͤße blaß fleiſchſarben, bisweilen gelblich. Kopf, Hals und Schwanz deckt ein weißes Geſteder; die Ruͤcken⸗ und Fluͤgeldeckfedern ſind aſchgraubraun; die vordern Schwungfedern dunkelbraun mit einem weißen Flecke am Ende; die bepden außerſten an ude ſchwarz. 16 3 Das Weibchen iſt vom Männchen nieht verſchieden; die Jungen ſehen aber aſchfarben aus mit braunen Flecken. Die curopäiſchen Kuͤſten, ingleichen die Küſten von Nordaſten und Nordamerika ſind die Heimath dieſer Meede. Sie kommt auch auf Landſeen und Fluͤſſe; ſo werd ſie 3. B. in Schleſten gefunden. Auf dem ſchwarzen und caſpiſchen Meere lebt ſte in Menge. FIhte Rahrung ſind Häͤringe, die ſie haͤufig verſchlingt, und andere Fiſche. Sie fliegt faſt beſtändig über dem Waſſes, und ſchießt, wenn ſie unien einen Jiſch erblickt, ſchnell herab, um ihn zu erhaſchen, welches ihr ſelten mißlingt. Sie brütet im Saude an den Kuͤſten oder unker Felſenſtücken, und legt 3 weißlich⸗ Jöne, wit ſchwäzlichen Flecken gezeichnete Ever, die an Groͤße den Hühnereyern nicht nach⸗ ſtehen.— Man ſängt dieſe Voͤgel in Schlingen, und verſpeiſt ihr Fleiſch und ihre Eyer⸗ Die Haut mit den Jedern gibt den Nordläͤndern ein gutes Pelzweik. Die See ſchw a lbe. (Sterna ſirundo.) 3 8 Meecr⸗ oder Seeſchwalben nennt man ein Vogelgeſchlecht, deſſen Gattungen folgende ge⸗ meinſchaftliche Kennzeichen an ſich tragen: der Shnabel iſt ungezaͤhnt, pfriemenfoͤrmig, ziemlich gerade, etwas zuſammengedruͤckt, ſcharf und ſpitzig. Die ſchmalen Naſenloͤcher liegen an der Wurzel des Schnabels. Ale dieſe Merkmahle nimmt man auch an der bier abgebildeten Seeſchwalbe wahr, Dieſes niedliche Geſchöpf gleicht einer Taube an Groͤße, iſt 16 Zoll lang und uͤber 2 ila Fuß breit. Die Laͤnge des Schwanzes betraͤgt 6 Zoll und das Gewicht 4 14 Unze. Der 3 Zoll lange Schnabel iſt zugeſpitzt, karmoiſinroth und an der Spitze ſchwarz; der Rachen iſt ebenfalls roth; der Augenſtern dunkelbraun; die Fuͤße wie der Schnabelz die Rägel ſchwatz. Die Stirn, die Kehle und der ganze Unterleib ſind faſt ſchneeweiß; der Schtütel iſt ſchwarz bis in den Nacken, der Oberthril des Koͤrpers und die Deckfedern der Fluͤgel ſind blaß aſchgrau; die Schwanzfedern graulichweiß. Uibrigens iſt der Schwanz gabelfoͤrmig, wie bei der Schwalbe, und tief eingeſchnitten. Das Weibchen unterſcheidet ſich ſehr wenig vom Maͤnnchen. Auch dieſer Vogel, ob er gleich eigentlich zu den Waſſervoͤgeln gehoͤrt, ſchwimmt doch nur ſelten, ſondern ſchwebt faſt den ganzen Tag in der Luft uͤber dem Waſſer herum. Seine große Fittigen machen, daß er ohne Anſtrengung und fo zu ſagen, ohne zu ermuͤden, leicht da⸗ hin ſchwebt. Er ſenkt ſich im Fluge auf und ab, beſchreibt alſo lauter Schlangenlinien. Sein Geſicht iſt ſo ſcharf, daß er kleine Fiſche von einer anſehnlichen Hoͤhe herab erblickt. Rur ſelten ſetzt er ſich am Ufer oder auf einen aus dem Waſſer hervorragenden Pfahl oder Baumſtrunk nieder. Er bewohnt Europa, das noͤrdliche Aſten und Amerika. In Deutſchland iſt er ſo gemein, daß man ihn uͤber allen großen und kleinen Fluͤſſen im Sommer ſchweben ſieht. Auch auf Seen und Teichen, welche Fiſche enthalten, nimmt man ihn wahr.— Als Zug⸗ vogel verlaͤßt er die noͤrdlichen Gegenden der Erde und auch unſer Vaterland in Geſellſchaft gegen das Ende des Septembers, und kommt im April zurück.— Bey der Fortpflanzung haͤlt ſich ein Paar zuſammen. Das Reſt bauen ſie kunſtlos aus Schilf und Gras in einer kleinen Hoͤhle an einem ſumpfigen Geſtade; hierauf legt das Weibchen 3 bis 4 olivengruͤne, ſchwarzgefleckte Eyer, die es nach 14 Lagen ausbruͤtet. Die Jungen werden von Raubvö⸗ geln haͤuſig weggefreſſen, ob ſie gleich die Alten mit vereinigten Kraͤften zu vertheidigen ſu⸗ chen. Ihre Nahrung ſind Inſekten und Fiſche, welche ſie mit ihtem ſpitzigen Schnabel ſehr gut zu erhaſchen wiſſen.— Wegen ihrer Scheuheit ſind ſie ſchwer zu ſchießen, zumal da ſie im Fluge ſo viele Schwenkungen machen.— Ihr Fleiſch und ihre Eyer geben ein wohlſchmeckendes Gericht. —— Das gemeine Waſſerhuhn⸗ (Fulica atra.) Die⸗ Wafferhuͤhner gehoͤren zu der Ordnung der Sumpfoöͤgel. Sie zeichnen ſich durch ei⸗ nen erhabenen runden Schnabel aus, an deſſen Oberkiefer der Rand gewölbt iſt, und über den Unterkiefer herſchlaͤgt. Die länglichen RNaſenlöcher liegen in einer die Stirn iſt 359 Heft. 18 kahl und ſchwielig; die Fuͤße ſind breit gedruͤckt und mit 4 Zehen verſehen, die bey einigen geſpalten, dey andern mit einer rund gelappten Haut beſetzt ſind.— Wegen ihrer Aehn⸗ lichkeit mit den Haushuͤhnern hat man ihnen den Ramen Waſſerhuͤhner gegeben. Sie le⸗ ben in Seen, Teichen, Suͤmpfen und Moraͤſten. 3•· Das gemeine Waſſerhuhn iſt einem mittelmäͤßigen Haushuhn an Groͤße gleich; es müßt 1 Fuß und 6 Zoll in der Laͤnge und 2 Fuß in der Breite; der zugerundete Schwanz iſt etwas uͤber 2 Zoll; der Schnabel nur ein Zoll und 5 Linien lang. Letzterer iſt nicht roth, ſondern weiß und an der Spitze hornfarbig. Der Augenſtern iſt kaſtanienbraun; die Fuͤße ſind dunkelolivendraun, und die Raͤgel an den Zehen ſehr ſpitzig.— Kopf und Hals deckt ein dunkelſchwarzes, weiches, zartes Geſieder; die Stirnhaut iſt gewoͤhnlich weiß; roͤth⸗ lich oder fleiſchfarben nur zur Zeit der Paarung. Der ganze Oberleib ſieht nebſt den Deck⸗ und Schulterſedern ſchwarz aus, und aſchblau uͤberlaufen; der Unterleib dunkelaſchblau, an der Bruſt roſtgrau und am Bauche roͤthlich weiß uͤberlaufen. Die Deckfedern des Schwanzes ſind ſchwarz, die vordern Schwungfedern ſe waͤrzlich oder dunkelaſchgrau mit weißgrauen Spitzen; der Schuanz iſt ſchwarz und aſchgrau uͤberlaufen. Das Weibchen iſt eiwas kleiner und das Braun an der Gruſt höher. Seode Geſchlech⸗ Arr haben ein ſehr dichtes Gefieder, welches an der Bruſt und am Oberruͤcken ſo gerade iſt, als ob es mit det Scheere abgeſchnitten waͤre. Das Waſſerhuhn iſt in Deutſchland ein gemeiner Vogel. Es wird auch in andern europäͤiſchen Laͤndern, doch nicht im hohen Rorden angetroffen. In Aſien haͤlt es ſich ebenfalls mehr in dem gemäßigten Klima auf, z. B. in Perſien, China und anderwaͤrts. Man trifft es auch in Amerika au. Es liebt die Geſelligkeit; daher man meiſtens meh⸗ rere beyſammen findet. Sie vertragen ſich gut unter einander, außer zur Zeit der Begat⸗ tung, wo die Männchen bisweilen heftig kaͤmpfen. Um dieſe Zeit hoͤrt man auch einen belltönenden Laut von ihnen.— Sie ſind weder im Schwimmen, noch im Tauchen ge⸗ ſchickt; wenn ſie auch einmal untertauchen, ſo kommen ſie bald wieder hervor. Ihr Flug iſt ebenfalls ſchwer; ſte ſind nur im Nothfall zum Auffliegen geneigt, und halten ſich da⸗ bey ganz dicht uͤber der Erde. Dafür können ſie aber ziemlich ſchnell uͤber das Waſſer hin⸗ laufen. Sie bewegen dabey die kurzen Fluͤgel unaufhoͤrlich, und verurſachen dadurch ein großes Geräͤuſch. N Der Meeresſirand, Landſeen und große Leiche, die mit Rohr oder Schilf bewachſen ſind, werden von den Waſſerhuhnern zum Aufenthalt gewählt. Sie bleiben gern an einem Orte, wenn ſie nicht geſtoͤhrt werden. Im Schilf pflegen ſte auszuruhen.— Sie ſind Zugvoͤgel, und begeben ſich mit dem Eintritt der kalken Jahreszeit, etwa im Anfange des Oktobers, aus den noͤrdlichen in wärmere Laͤnder. Sie ziehen des Nachts mit Geſchrey „ 19 von tinem Sewäſſer zum andern und immer in Geſellſchaft. In den ſuͤdlichen Laͤndern von Europa, z. B. in Gtiechenland, Italien, Frankreich u. ſ. w., uͤberwintern ſie. Auf Sar⸗ dinien ſind im Winter alle Teiche voll, und die Fiſcher fangen ſie mit Retzen oder Garnſaͤ⸗ cken in Meuge. Im März kommen ſie, ſobald das Eis aufthauet, zuruͤck. Dann begat⸗ ten ſte ſich auch, und bald darauf macht das Weidchen im Schilfe ein Neſt von allerley Waſ⸗ ſerpflanzen. Da, wo es noͤthig iſt, wird das Reſt an Schilf⸗ oder Rohrpflanzen befeſtigt. Die 4 bis 6 Eyer, welche man gemeiniglich im Reſte findet, ſchen roͤthlichweiß aus, und ſind mit bräunlichen Flecken gezeichnet. Rach 20 Tagen ſchluͤpfen die Jungen aus den Eyern. Dieſe nähren ſich von Muͤcken und andern Inſekten; auch von Waſſerpflanzen. Die Alten bedienen ſich ungefaͤhr eben der Nahrung; Fiſche verzehren ſie ſchwerlich. Außer daß die Jungen von Raubvögeln verfolgt werden, ſucht auch der Menſch dieſe Voͤgel auf. Sie ſind zwar ſcheu, laſſen ſich aber doch aus einem Hinterhalte leicht ſchicßen. Bequemer ſind ſte in Garnſäcken zu fangen, die man im Schilf verſteckt. Ihr Fleiſch ſchmeckt thranigt; das von Jungen aber gut. 33 3 2 20 Pflanzen. XLIX. Speterer Yfangen. Nro. 1. Der Stor a R ba u m. (Liquidambar styraciflua.) D. Storaxbaum woͤchſt vorzuͤglich in Weſtindien und Miexico, wwird ein ſo großer Baum wie eine Eiche, hat fuͤnflappige Blätter wie der Ahorn, und gelbrothe kugelfoͤrmige, wollige Bläthen an den Spitzen der Zweige; er traͤgt hernach einen kugelfoͤrmigen braunen Samen. Geruch hat, beſonders zu Räucherwerk gebraucht wird, und eben deswegen in Spezerey⸗Hand⸗ Er hat eine aſchgraue Rinde, und darunter ein weiches weißes Holz, das ſich gut verar⸗ beiten läßt, und wie unſer Tannenholz zu verſchiedenem Hausgeraͤthe gebraucht wird. Zwi⸗ ſchen dem Holze und der Rinde, in welche Einſchnitte gemacht werden, fließt das wohlrie⸗ chende Gummiharz hervor, welches Storax heißt, braͤunlich ausſieht, einen vortrefflichen lungen einen guten Handelsartikel ausmacht. Nro.. Der Ma ſti x ba u m. Eistacia lentiscus L.)) Der Maſtirbaum iſt, wie der Lorber, ein immer gruͤner Baum, der in den warmen Morgenländern, ſo wie auch im untern Italien, Griechenland u. ſ. w. waͤchſt, und wohl an 50 Fuß hoch wird; er bluͤht gelb, und ttaͤgt eine gelbe Frucht, wie eine kleine Pflanze, welche ſehr ſuͤß ſchmeckt, und eßbar iſt. In den heißen Laͤndern ſchwitzt aus ſeiner Rin⸗ de ein Harz aus, welches weißgelb ausſteht, aus kleinen trocknen Koͤrnern beſteht, und theils in der Medizin, theils auch zum Räͤuchern und zu leichten weichen Lakfirniſſen uͤber Oehl⸗ gemaͤhlde und dergleichen gebraucht wird; daher es auch einen Handelsartikel ausmacht. I L 4 Spezerey⸗Pflanzen. Der Storarbau m⸗ —— ¶(Tiquidambar otyracitua.) Zur Unterſcheidung von einem andern Baum, welcher den Ramen Storaxbaum(Styrar) am gewöhnlichſten fuͤhrt, nennt man dieſen lieber Amberbaum. Es iſt ein ſehr anſehnli⸗ cher, 40 Fuß hoher Baum. Sein Stamm erlangt 15 bis 16 Fuß Hoͤhe; er iſt ganz nackt, da er während des Wachsthums die untern Zweige immer verliert. Die ſchoͤne Kro⸗ ne bildet ſich pyramidenformig. Die Blaͤtter gleichen Ahornblaͤtlern, ſind in fuͤnf Theile zerſchnitten, am Rande fein gezackt, oberwärks dunkel und unten hellgruͤn. Sie haben uber zwey Zoll lange Stiele, werden im Herbſte roth, und fallen ſodann ab. Maͤnuliche und weibliche Bluͤthen ſtehen getrennt auf einem Stamme⸗ Erſtere bilden lange, lockere, kegelfoͤrmige Kätzchen, haben eine gemeinſchaftliche, vierblätt ige Huͤlle, keine Blumenkrone und viele ſehr kurze Staubgefaͤße. Die weiblichen Bluͤthen ſitzen untet den männlichen in kleinen Kugeln. Sie haben eine gedoppelte vierblaͤttrige, gemeinſchaftliche Huͤlle, und ecki⸗ ge, glockenförmige Blumenkronen. Der Fruchtknoten iſt mit zwey Staub vegen verſehen; aus demſelben bildet ſich eine kugelige, zweyſchalige und vielſamige Kapſel. Der Bauen gehoͤrt uͤbrigens in die drepzehnte Klaſſe Polyandria, Vielmaͤnnige). 8 Virginien, Mexiko und andere Laͤnder von Amerika ſind das Vaterland deſſelben. Er liebt ſumpfige Gegenden, und wird hier nach Kalms Bericht ſo groß, wie eine anſehn⸗ liche Eiche. Man kann den Baum durch Samen erziehen. Dieß thut man in England, wo zwar die jungen Staͤmmchen gegen die Winterkaͤlte durch eine Bedeckung geſchuͤtzt, die groͤßern aber ohne Schaden im freyen Lande offen gelaſſen werden. In Deutſchland muß man dem Baum, wenn man ihn erziehen will, eine geſchuͤtzte Lage geben, und ihn gegen die ſtrenge Winterkaͤlte auf irgend eine Art verwahren. 22 Die Rinde ſteht achgtan, aus und iſt teftiſfg; das Holz bräunlich, weich, feinadrig und leicht, wenn es noch gruͤn iſt, trocken aber ziemlich ſchwer. Es läßt ſich trefflich poliren, und wird daher in Amerika zu allerley Geraͤthſchaften und Moͤbeln verarbeitet; doch hat es den Fehler, daß es die Feuchtigkeiten in der Luft leicht annimmt, und ſtch ſchr verwirſt. Im Zeehen fault es bald. Das Merkwuͤrdigſte an dem Storax⸗ oder Amberbaum iſt das wohlriechende Harz, welches im Frühjahre entweder von ſelbſt, oder aus Einſchnitten dem Stamme entfließt. Der Baum gibt zwar uͤberall etwas, nicht in allen Gegenden von Amerika gleichviel von dieſem Harz. In Penſylvanien lohnt ſichs kaum der Muͤhe, es zu ſammeln; weiter nach Suͤden herab erhaͤlt man deſto mehr. Catesby ſammelte von zwey Baͤumen in Carolina tinen Hutkopf voll Harz. In Virginien zerſchneidet man die jungen Zweige, kocht ſte im Waſſer, und ſchoͤpft die————— ab. welches als echtes Herz verkunſt wird. Man unterſcheidet eigentlich den ſogenannten Liquidambar noch von dem fluͤſſigen Sto⸗ kax; beyde kommen aber wahrſcheinlich von dieſem Baume. Der 8 25 darin, daß der letztere eine kuͤnſtliche Waesssz S8 Der—— ein dickes Harz, und bleibt in der Geſatt, Wir es aus der Rinde bervorquillt. s iſt noch mit dem Puloer derſelben vermiſcht, 85 ſich der Ges ruch deſto laͤnger—5 Dirſe Subſtanz wird mit der Zeit hart und zerbrechlich. Sie ſoll aͤußerlich gebraucht, aufloͤſen, ſtaͤrken und dem Gehirn und Magen zunaͤglich ſeyn. Jetzt braucht man ſie nur noch wenig. Ehemals gab man damit Salben, Leder und an⸗ dern Dingen einen angenehmen Geruch. Oer fläſſige Storax— ſur Weiefb von dem echten Storax ſo genannt— wird, ſo viel man weiß, durch das Auskochen zerſtuͤckter Zweige erhalten. Er iſt faſt durchſichtig, ſo dick, wie Honig, roth oder grau von Farbe Sein Geruch kommt dem Geruche des Storot in Koͤ nern bey. An Kaaͤſten gleicht er dem peruaniſchen Balſam ſehr, und ſcheint als ein auflöſend. 5, zertheilendes Mittel ſelbſt drſſen Stelle vertreten zu koͤnnen. Man wendet ihn Ieht z Salben 10 Pflaſtern an. ε ενεε EE ie te, ſt r, B. ———————— Der Maſſtir ba um. (Pictacid lenti scuus.) Zwweh Gattungen aus dieſem Geſchlechte, der Terpentinbaum und der wahre oder eigentliche Piſtazienbaum, ſind an einem andern Orte beſchrieben worden.(Cheil 2, Taf. 66, Fig. 2. und Taf. 2, Fig, 2) Da dort das Roͤthige von den Geſchlechtskennzeichen geſagt iſt, ſo brauchen wir es hier nicht zu wiederholen. Der Maſtixbaum iſt ein immergrunender Baum oder Strauch, der in ſeinem Valer⸗ lande zu einer anſehnlichen Hoͤhe gelangt. Seine Blaͤtter ſind unterbrochen geſiedert, und beſtehen aus dreh, vier und mehreren Paaren laͤnglicher, ſieifer, voͤllig ganzer und dunkel⸗ grüner Blaͤttchen, welche unter ſich durch eine haͤutige Hervorragung an der Rippe zuſam⸗ menhaͤngen. Maͤnnliche und weibliche Bluͤthen ſtehen, wie bey andern Piſtazien, auf ver⸗ ſchiedenen Suͤmmen; letztere hinterlaſſen eine fleiſchige Beere mit einem oder zwey Samen. Das Holß dieſes Baums iſt ſehr hart und feſt. Wegen ſeiner feinen Adern und der Politur, die es annimmt, kann es zu allerley Hausgeraͤth gebraucht werden. In Spanien und Frank⸗ reich macht man Zahnſtocher davon, und bildet ſich ein, daß durch ihren Gebtauch die Zaͤhne erhalten werden. Perſien, Syrien, Paläͤſtina, Aegypten, Griechenland, Italien und die uͤbrigen ſuͤd⸗ lichen Länder Europens bringen den Maſtixbaum wild hervor. Man vermehrt ihn theils durch Samen, theils und zwar ſehr leicht durch Ableger. Bey uns haͤlt er die gewoͤhnlichen Winter nicht im Freyen aus. Will man ihn erziehen, ſo muß er in Gefaͤßen ſtehen, und den Winter uͤber ins Gewaͤchshaus geſetzt werden. In England mag er eher gewoͤhnt wer⸗ den koͤnnen, im Freyen auszudauern, weil dort die Winter ſo ſtreng nicht ſind, wie bey uns. Doch wird er auch da nur wenige Fuß hoch und nicht ſo dick, ob er gleich in den Morgenlaͤndern zehn bis zwoͤlf Fuß Hoͤhe erlangt, und einen Fuß im Durchſchnitt mißt. Der Maſtix hat dieſen Baum beruͤhmt gemacht, und deßwetzen wird er auch auf Chi⸗ oder Scio ſorgfaͤltig angebaut. Auf dieſer Inſel werden die Blaͤtter des Baumes groͤßer, als im mittägigen Frankreich. Nicht alle Baͤume liefern Maſtir; diejenigen, welche ihn liefern, werden ſorgfaͤltig durch Ableger vermehrt. Die Einſammlung geſchieht im Auguſt. Man macht bey trockner und heiterer Witterung mit Meſſern Quereinſchnitte in die Rinde det Baums. Den folgenden Tag fließt aus dieſen Einſchnitten ein Harz in Tropfen auf dir Er⸗ de, welches ſich zu Klumpen von betraͤchtlicher Groͤße verhärtet. Dieſe Klumpen werden aufgeleſen, und vermittelſt eines Siebes von den meiſten Unreinigkeiten beſrepet. Der beſte Maſtix iſt ganz klar, und hat die Geſtalt von Tropfen. Dieſer wird meiſt vom Baume 3⁴ ſelbſt abgenommen, noch ehe er auf die Erde faͤlt. Der uͤbrige iſt immer mit etwas Erde vermiſcht und weder durchſichlig noch tropfenaͤhnlich. Der Maſtix gehoͤrt zu den Einkuͤnften des Sultans, oder wird ihm vielmehr von den Ein wohnern der griech iſchen Inſeln als Tribut abgeliefett. Chio allein gewinnt jaͤhrlich an 300000 Pfund.— Richt alle Baͤume geben gleich guten Maſtix. Verſchiedene Spielar⸗ ten lieſern beſonders ſehr ſchoͤnen und koſtbaren, welchen man maͤnnlichen Maſtix nennt. Im ſuͤdlichen Frankreich und Italien gibt der Baum ſelten ein wenig Maſtig. Daß dieſe koſtbare Subſtanz ein Harz ſey, laͤßt ſich leicht aus der Art der Gewinnung ſchließen. Die Koͤrner oder Stuͤckchen, woraus es beſteht, ſind gelblich von Farbe, mehr oder weniget durchſichtig, zerbrechlich, von leichtem, angenehmen Geruche; aber faſt ohne allen Geſchmack. Beym Zerkäuen wird es weich wie Wachs; auf Kohlen geſtreut, verfliegt ts, und gibt einen angenehmen Geruch von ſich. Wenn man den Maſtix in Waſſer kocht, ſo theilt er demſelben zwar ſeinen Geruch mit, loͤſet ſich aber faſt gar nicht darin auf. Im Weingeiſt hingegen und in Oelen wird er vollkommen aufgeloͤſt. 3 Er wird als ein äußerliches Heilmittel in marcherleh Beſehwderden gebraucht. Vorzüg. lich aber bedient man ſich deſſelben jum Raͤuchern, auch zu Salben und Pflaſt rfl. S ſtarkt, ohne zu reizen, und zieht gelinde zuſammen. Innerlich braucht man ihn ſelten. Die Damen im Harem des Großſultans käuen ihn des Morgens, um ihren Athem wohlriechend zu machen. Die Kuͤnſtler wenden den Maſtir zu durchſichtigen Firniſſen an. In den Apotheken gibt es Maſtixoͤl, Maſtixwaſſer, Maſtixſprup und Maſfirgeiſt Voͤgel XXVI... 9301* Enten verſchiedener Art. Di⸗ Ente findet ſich in Norden und Suͤden in allen drey Theilen der alten Welt. Ste bewohnt mehr ſtehende Waͤſſer, Land⸗Seen, Suͤmpfe und Leiche, als die Fluͤſſe, und naͤhrt ſich von Fiſchen, Froͤſchen, Schnecken, Inſekten und Feldfrüchten. Es gibt überaus vie⸗ le und ſehr ſchoͤne Arten davon, ſowohl unter den wilden, als auch zahmen Hausenten, welche von jenen abſtammen. Die gemeine wilde Ente. (Anas boschas L.) Nro. 1. Das Maͤnnchen. Nro. 2. Das Weibchen. Die wilde Ente iſt bey uns einheimiſch. Das Maͤnnchen(der Entrich oder Erpel) iſt etwa 20 Zoll lang, hat einen glänzend⸗gruͤnen Kopf und Hals, braune Bruſt, und iſt uͤbrigens fein grau geſprenkelt. Das Weibchen(die Ente) iſt kleiner, nur 18 Zoll lang und braun, weiß und ſchwarz gezeichnet. Nro. 3. Die Faſan⸗Ente. (Anas caudacuta.) Die Faſan⸗Ente, welche auch unter die wilden gehoͤrt, iſt auch in Deutſchland zu Hau⸗ ſe, aber ſelten. Sie iſt an 24 Zoll lang, ſehr ſchoͤn grau, weiß und ſchwarz gezeichnet, hat braune Schwingen, einen hellrothen Spiegel auf den Fluͤgeln, und einen ſpitzigen Fa⸗ ſanenſchwanz, wovon ſie auch ihren Nahmen hat. Nro. 4. Die Loöffel⸗Ente. (Anas clypeata L) Die Loͤffel Ente iſt wegen ihres vorn breiten, zugerundeten und umgekruͤmmten Schna⸗ bels merkwürdig. Sie bewohnt das ganze noͤrdliche Europa, Aſten und Amerika, nährt ſich von Fliegen und andern Waſſerinſekten; legt rothe Eyer, und iſt auf mancher⸗ ley Art ſehr ſchn bunt gezeichnet und colorirt. 3558 Heft, D Nro. z. Die Schnarr⸗Ente⸗ (Anas strepera L) Die Schnarr⸗ oder Krach⸗Ente hat ihren Namen von ihrem ſonderbar ſchnarrenden Geſchrey. Sie hat einen ſchwarzen Kopf, Hals und Schnabel, der aufwaͤrts gebogen iſt, ſchwarzen Ruͤcken, weiße und braune Bruſt und Fluͤgel; lebt in Europa und Rordaſien, und verbirgt ſich faſt immer im Schilfe der Landſeen. Nro. 6. Di e Kreuz⸗Ente. Die Kreuz⸗Ente iſt 18 Zoll lang, lebt gleichfalls wild in Europa, und iſt ſchwarz und weiß ſonderbar gezeichnet, indem ſie auf ihrem weißen Ruͤcken und öluͤgeln ein ſchöͤnes ſchwar⸗ zes Kreuz hat. Auf dem Kopfe hat ſte eine ſchwarze und weiße Kuppe. Die zahme Haus⸗Ente. (Anas domestica L.) Nro: 7. Das Maͤnnchen. Nro. 8. Das Weibchen. Der zahmen Haus⸗Enten gibt es gar vielerlepy Gattungen von Zeichnung und Farben, ohne und mit Kuppen. Die Maͤnnchen(Fig. 7.) gleichen meiſtens den wilden, ſonderlich wegen ihres gruͤnen Kopfes, braunen Bruſt, und des Spiegels auf den Fluͤgeln. Sie ge⸗ hoͤren unter das nuͤtczliche Hausgefluͤgel: weil ſowohl ihr Fleiſch wohlſchmeckend iſt, als auch ihre Federn brauchbar ſind. Die Biſam⸗Ente. (Anas moschata L.) Nro. 9. Das Maͤnnchen. Nro. 10. Das Weibchen. Die Biſam⸗Ente, welche auch oft die tuͤrkiſche oder indiſche Ente genannt wird, ſtammt aus Braſtlien her, iebt in Europa unter den zahmen Hausgefluͤgel, iſt 24 Zoll lang, und hat ſehr wohlſchmeckendes Fleiſch, außer dem Kopf, welcher nach Biſam ſchmeckt, wovon ſie auch ihren Ramen hat. Die Maͤnachen ſind braunſchwarz von Farbe, mit weißien Fluͤ⸗ 8 geln, und haben eine nakte rothe, warzigte Haut um die Augen. Die Weibchen ſind klei⸗ ner und braun, weiß und ſchwarz gezeichnet. Enten verſchiedener Art. De die Enten mit den Gaͤnſen ein Geſchlecht ausmachen, ſo haben ſte auch dieſelben Geſchlechtskennzeichen. Es iſt daher nicht noͤthig, ſie hier nochmals anzufuͤhren, ſondern wir verweiſen den Leſer auf die Beſchreibung der Gaͤnſe im 3. Band 4. Heft Seite 20. Tafel 12. ————— Die gemeine wilde Ente. (Ands boschds.) Das Männchen. Das Weibchen. Die wilde Ente(das Maͤnnchen) iſt über zwey Fuß lang, der Schwanz mißt beynahe fuͤnf Zoll und die ausgebreiteten Flügel haben 3 Fuß, vier Zoll. Das Gewicht betraͤgt 2 12 Pfund. Sie hat einen 2 1]2 Zoll langen gelblich gruͤnen Schnabel, deſſen Bau und Ge⸗ ſtalt bekannt und ihrer Lebensart angemeſſen iſt. Der Augenſtern ſteht hellbraun aus; die zwey Zoll hohen Beine find nebſt den Schwimmfuͤßen ſafrangelb. Kopf und Hals haben ein dunkel glaͤnzend gruͤnes Geſieder; von weitem ſcheint es ſchwarz; der Obertheil des Ruͤ⸗ ckens iſt roſtbraun; der Untertheil deſſelben grau mit ſchwarzpunktirten Quetlinien; die obern Deckfedern des Schwanzes ſind ſchwarz mit einem grünen ſeidenartigen Glanze. Auf der untern Seite des Vorderhalſes ſteht ein weißer Halbzirkel; die Bruſt iſt purpurroͤthlich; der Bauch grau mit ſchwarzpunktirten Querlinien; die Fluͤgel ſind oben braunlich, unten weiß; die großen Deckfedern aſchgrau, in der Mitte weiß, an— Spitzen ſchwarz; da⸗ O 2 23 her ein weißer und ſchwarzer Querſtrich uͤber die Fluͤgel läuſt. Ein Theil der Schwung⸗ federn iſt graubraun; der andere bildet den violetgruͤnen ins Blaue ſpielenden Spiegel. Das Weibchen iſt kleiner als das Männchen, und ſteht uͤberhapt auch an Farbe dem⸗ ſelben nicht aͤhnlich; doch hat es den blaugruͤn glaͤnzenden Spiegel. Sein Oberleib iſt braun und ſchwarz geſprenkelt; der Bauch ſchmutzig weiß. Die wilden Enten ſind ſcheue und furchtſame Voͤgel. Sie bemerken den Menſchen lange vorher, ehe er ſie zu Geſtchte bekommt, und erheben ſich ſogleich ploͤtzlich aus dem Waſſer, und meiſt gerade in die Hoͤhe. Ungeachtet ſte ziemlich plumpe und dazu ſchwere Voͤgel ſind, ſo koͤnnen ſie dennoch ſchnell die Luft durchſchneiden, und kommen dem Men⸗ ſchen bald aus den Augen. Das Maͤnnchen hat eine unangenehm koͤnende heiſere, nicht laute Stimme. Das Geſchrey des Weibchens, welches man im Fluge beſtaͤndig hoͤrt, iſt noch unangenehmer und ſehr laut. Mit ihren ſpitzigen Fluͤgeln, die ſehr ſchnell bewegt werden, erregen dieſe Voͤgel ein lautes Pfeiſen in der Luft. Sonſt gleichen ſte in den Sit⸗ ten den zahmen Enten. Ihre Heimath iſt der Norden von Europa, Aſten und Amerika; ſie kommen aber auch, wenigſtens im Winter, nach ſuͤdlichen Laͤndern. Nur ſumpfige, waſſerreiche Gegen⸗ den find zu ihrem Aufenthalte bequem. Wo es weder Seen, noch Fluͤſſe oder Leiche u. ſ. w. gibt, bleiben ſie nicht. Mehr als den Gaͤnſen iſt ihnen zu ihrem Gedeihen Waſſer noth⸗ wendig. Sie lieben die Waldſeen und die mit dichtem Gebuͤſch bewachſenen Teiche und Graben vorzüglich. Hier bleiben ſie den ganzen Sommer uͤber paarweiſe. Im Herbſte verſammeln ſich ganze Familien, und fliegen in Geſellſchaft von einem Teiche zum andern. In Deutſchland gibt es faſt uͤberall, wo nur Gewaͤſſer ſind, eine große Menge wilder En⸗ ten. Sie beſuchen auch die Fluͤſſe. Bey gelinden Wintern ſtreichen ſie nur von See zu See und von Teich zu Teich, und entfernen ſich nicht weit von ihrem eigentlichen Geburts⸗ orte; bey ſtrenger Kaͤlte hingegen, wenn die meiſten Gewaͤſſer zufrieren, muͤſſen ſie oft weite Strecken wandern, um ein offenes Gewaͤſſer zu finden. Meiſtens ziehen ſte des Nachts, auch ſelbſt wenn es ſehr finſter iſt. Sie folgen ihrem Fuͤhrer, der ſeine Stimme unguf⸗ hoͤrlich ertoͤnen laͤßt. 2 Schon im Maͤrz regt ſich bey den wilden Enten der Trieb zur Begattung. Von die⸗ ſer Zeit an haͤlt ſich das Männchen zu ſeiner Gattin; bepde ſind einander treu und lieben ſich zäͤttlich. Ein Gatte thut ohne den andern kaum einen Schritt; uͤberall folgen ſte ein⸗ ander. Im April legt das Weibchen zehn bis ſechzehn blaßgrüne Eyer, die an Größe die Huühnereyer übertreffen. Man findet ſie gemeiniglich in einem Binſenſtrauch, odet im Schilf nachläͤſſeg hingeworfen; bisweilen traͤgt das Weibchen doch auch einiges Gras und Geniſt mit dem Schnabel auf einen Haufen zuſammen, und bruͤtet darauf. In manchen Gegen⸗ den traͤgt es auch ſeine Eher einige hundert Schritte weit vom Waſſer weg in ein hiezu be⸗ quemes Strauchwerk, ja, bisweilen auf einen Weiden⸗ oder Erlenbaum in ein Elſterneſt U. ſ. W. Das Bruͤten wird von dem Weibchen ſehr emſtg betrieben. Das Maͤnnchen häͤlt da⸗ bey nicht nur Wache, ſondern loͤſt auch ſeine Gattin auf einige Stunden ab. Die niedli⸗ chen und lebhaften Jungen laufen bald aus dem Neſte, und gehen mit den Alten ins Wäaſ⸗ ſer. Bey Gefahren verbergen ſie ſich im Schilf und Geroͤhrig. Diejenigen, welche auf Baͤumen ausgebruͤlet werden, fallen oft todt oder beſchaͤdigt herab. Rach glaubwuͤrdigen Zeugniſſen werden ſie gemeiniglich von den Alten im Schnabel herunter getragen. Wenn man Cyer von wilden Euten durch zahme ausbruͤten laͤßt, ſo arten die Jun⸗ gen in keinem Stuͤcke aus. Sie behalten ihre natuͤrliche Wildheit meiſtens bey, ob ſte fich gleich jung zu ihren Pflegeaͤltern halten. Sobald die Fluͤgel ausgewachſen ſind, pfle⸗ gen ſie gern fott zu fliegen. Ihr Fleiſch behaͤlt lange Zeit den eigenthuͤmlichen Ge⸗ ſchmack bey. Die Nahrung der wilden Enten beſteht in Froͤſchen, Fiſchen, Laich, kleinen Schlan⸗ gen, Eidechſen, Wuͤrmern und Jaſekten. Sie leſen des Morgens, wenn es noch feucht iſt, von den Wieſen und andern Pläͤtzen die Regenwuͤrmer ab. Außerdem lieben ſte, wie die zahmen Enten, mancherley Waſſerpflanzen, junge Saat, Koͤrner und dergleichen. Auf Feldern, welche den Seen nahe liegen, thun ſie betraͤchtlichen Schaden. Es ſind gefraͤßige Thiere, die ſelbſt Unrath und Schlamm hinunter ſchlucken. 5 Sowohl die Alten, als die Jungen haben viele Feinde. Der liſtige Fuchs weiß die bruͤtende Mutter auf ihrem Reſte zu beſchleichen, und felbſt die Eyer, als einen delikaten Biſſen, wegzuſchnappen. Ein gleiches thut der Iltis und der Baummarder. Raubvoͤgel ſind für die Alten und Jungen gefäͤhrlich. Inſonderheit verzehren die Kraͤhen und Elſtern manche junge Ente. Die wilden Enten gehören zur niedern Jagd. Sie werden auf mancherley Art gefan⸗ gen. Um ſie auf dem Waſſer oder im Fluge zu ſchießen, muß man viel Behutſamkeit an⸗ wenden. Am beſten iſts, ſie mit gezaͤhmten Lock⸗Enten anzukirren. Dieſe laͤßt man im Fruͤhjahre bey der Paarung an einem langen Bindfaden auf dem Waſſer ſchwimmen, wo ſich Enten aufhalten, und verſteckt ſich, bis ſie herankommen, hinter einen Haufen von Zweigen. Lebendig werden ſte auf Heerden, in Netzen und an der Angel gefangen. Das letztere geſchieht auf folgende Art: Man ſchlaͤgt in einem Gewaͤſſer, wo ſich Enten auf⸗ halten, einige Pfaͤhle ſo ein, daß das obere Ende derſelben etwa einen Fuß tief unter der Oberflaͤche zu ſtehen kommt. Auf jeden Pfahl legt man einen fuͤnf bis ſechs Pfund ſchwe⸗ 30 ren Stein, an welchem eine ſtarke Angelſchnur etwa eine Elle lang befeſtigt iſt. An den Angelhaken werden kleine Fiſche, oder Kaͤlber- und Rindsleber geſteckt. Wenn eine Ente dieſen Fraß verſchluckt, ſo iſt ſie gefangen. In Indien, Aeghyten, Syrien und andern Morgenländern faͤngt man die wilden En⸗ ten auf eine ſehr poſſierliche At. Man ſtuͤlpt einen großen Kuͤrbiß, den man ausgehoͤhlt und mit zwey Loͤchern fuͤr die Augen verſehen hat, uͤber den Kopf, und geht damit bis an den Hals ins Waſſer nach der Gegend hin, wo ſtch Enten aufhalten. Dieſe erblicken zwar den Kuͤrbiß, aber nichts von dem Menſchen, und laſſen ſich daher durch die ſeltſame Erſcheinung gar nicht beunruhigen. Unterdeſſen naͤhert ſich ihnen der Menſch langſam, und faßt eine nach der andern an den Beinen unter dem Waſſer, bis er volle Ladung hat. Hier⸗ mit begibt er ſich weg, und wiederholt den Kunſtgriff, ſo oft es ihm beliebt. Liebhaber legen ſich eigene Gehege mit Waſſer und Gebuͤſch in ihren Gaͤrten an, um darin wilde Enten zu halten. Das Fleiſch von wilden Enten iſt ſeines Fiſchgeſchmacks wegen eben nicht beliebt; doch kann man ihm denſelben benehmen, wenn man dem Vogel das Fell nebſt der Fetihaut ab⸗ zieht, in welcher letztern eigentlich der thranigte oder fiſchige Geſchmack ſeinen Sitz hat. Im Herbſt ſind dieſe Voͤgel ſehr ſett. Wenn ſte Koͤrner gefteſſen haben, ſchmeckt ihr Fleiſch gar nicht ſchlecht. Die Federn koͤnnen eben ſo benutzt werden, wie von zahmen Enten. Das braͤchtige Haksgeſteder des Enterichs diente ſonſt zu Verbraͤmungen der Kleider, zu Muͤffen und dergleichen.— * Die F afan Enke (Ands cdudacutd.) Sie unterſcheidet ſich durch ihren langen Hals und durch den langen zugeſpitzten Schwanz, weswegen ſie auch den Ramen Pfeilſchwanz und Spießente fuͤhrt. An Groͤße kommt ſte ziemlich der gemeinen wilden Ente bey. Ihre Laͤnge iſt 2 Fuß 4 Zoll; die Breiee 3 Fuß und 2 Zoll; der Schwanz allein mißt 8 Zoll. Der ganze Vogel wiegt 2 1J Pfund. Weee n Der lange Schnabel ſteht in der Mitte ſchwarz, an den Seiten bläͤulich aus; der Augenſtern iſt gelblich; die Fuͤße ſind aſchgrau; Kopf und Hals zur Haͤlfte mit roſthrau⸗ nem Geſieder bedeckt. Von den Ohren bis zur Haäͤlfte jeder Halsſeile laͤuft eine weiße, ſchwarz eingefaßte Linie herab. Der Hintertheil des Halſes, der Ruͤcken und die Seiten ſind mit weißen und dunkelbraunen Wellenlinien geziert; die obern Deckfedern des Schwan⸗ zes ſehen ſchwarz aus; die Kehle iſt weiß und etwas gefleckt; der Vordertheil des Halſes, die Bruſt und der Bauch ſind auch weiß; die Fluͤgeldeckfedern aſchgrau; die unterſten mit dunkelorangegelben Spitzen; die ordern Schwungfedern dunkelbtaun; die hintern gruͤn, ſchwatz und weiß gezeichnet. graubraun gefleckt. Das Weibchen iſt kleiner, oben ſchwarz und braun gefleckt, unten ſchmutzigweiß und Dieſe Ente bewohnt den Rorden von Europa, Aſten und Amerika, und bruͤtet da⸗ ſelbſt. Wenn die Kaͤlte in ihrer Heimath eintritt, begibt ſie ſich in Schaaren nach Suͤden herab, und uͤberwintert hier. Im Deſterreichiſchen, in Italien, Frankreich und andern Laͤndern iſt ſte im Winter gemein. Am Baikalſee, an den Kuͤſten von China und in Reu⸗ york trifft man ſte in ungeheurer Menge an. Ihr eigentlicher Aufenthalt ſind immer die Seekuͤſten; auf ihren Zuͤgen kommen ſte aber auch arf Landſeen und Fluͤſſe, und werden daher im Winter oͤfters in vielen Gegen⸗ den von Deutſchland gefangen. Es ſind ſcheue Voͤgel, denen der Jaͤger nur durch Liſt beyp⸗ kommen kann. Ihre Rahrung beſteht in Sumpfgras, Fiſchen, Waſſerſchnecken und der⸗ gleichen. Sie legen nicht ſo viel Eper wie die gemeinen wilden Enten„und haben ein biel ſchlechteres Fleiſch. 4 Di e Löͤffel⸗Ente⸗ (Anas chypedtd.) Die LöffelEnte hat ihren Ramen von dem breiten Schnabel. Sie iſt noch nicht zwey Fuß lang, und mißt mit ausgebreiteten Flüͤgeln drey Fuß. Ihr Schnabel iſt ſchwarz, und wird gegen das Ende zu breiter und bauchig. Der Augenſtern iſt gelbroth; die Fuͤße find hellroth; der Kopf und der groͤßte Theil des Halſes goldgrun und violet; der Ruͤcken dunkelbraun mit gruͤnlicher Einfaſſung; der Steiß grauſchwaͤrzlich; Hals und Bruſt weiß, letztere bisweilen mit wellenföͤrmigen ſchwaͤrzlichen Flecken; der uͤbrige Unterleib iſt kaſtanien⸗ braun. Die Achſelfedern ſehen weiß, die kleinern Fluͤgeldeckfedern himmelblau, die groͤßern aber dunkelbraun aus. Der Spiegel iſt gruͤn und glaͤnzend; die Schwungfedern ſind hell⸗ braun, von den letztern aber zwey himmelblau; die uͤbrigen ſchwarz. Die Schwanzfedern ſind mehrentheils graubraun. Das Weibchen ſicht faſt aus wie die gemeine wilde Ente. Die Loͤffel⸗Ente iſt noch ſcheuer als die vorige, und laͤßt ſich durch Schießen faſt gar nicht erlegen. Im Fluge, der etwas ſchwerfaͤllig iſt, gibt ſie einen ſtarken pfeifenden Lau von ſich, der durch das heftige Schlagen mit den Schwingen entſteht. Sie hat ein ausgedehnteres Vaterland als die vorige, und wird nicht nur in ganz Europa, ſondern auch im noͤrdlichen und mittlern Aſten und im noͤrdlichen Amerika bis Carolina herab angetroffen. Als Zugvogel beſucht ſie im Winter die ſuͤdlichen Gegenden. Im November kommt ſie in Deutſchland an, und wird alsdann auf Seen und Teichen gefunden. Sobald dieſe aber zuftieren, geht ſie weiter nach Suͤden hin. Im Mai triſſt ſie auf ihrer Ruͤckkehr wieder in Deutſchland ein. Weder bey uns, noch in andern eben ſo ſͤdlich liegenden Laͤndern, bruͤtet ſie, ſondern nordwätts an den Seekuͤſten. Ihre Rahrung iſt dieſelbe, deren ſich auch andere Enten bedienen. Ihr Fleiſch iſt wegen ſeines widrigen Thrangeſchmacks zu manchen Zeiten gar nicht zu genießen; die dunenartigen Federn geben treffliche Betten. ..— —— — Die Schnarr⸗Ente. (Ands Strepera.) Das beſtaͤndige Schnattern, welches ſte hoͤren laͤßt, hat ihren Ramen veranlaßt. Sie iſt groͤßer als die gemeinen wilden Enten; aber nur 22 Zoll lang und 2 Fuß 9 Zoll breit. Der flache ſchwarze Schnabel mißt 2 1/4 Zoll. Der Stern iim Auge ſieht gelb aus; die Fuͤße ſind rothgelb; der Kopf und Obertheil des Halſes roͤthlich und ſchwarz gefleckt; der Obertheil des Ruͤckens, die Schultern und die Bruſt ſind mit bogenfoͤrmigen ſchwarzen und weißen Linien gezeichnet; der Bauch iſt ſchmutzigweiß; der Steiß ſchwarz; die Deckfedern find zum Theil roͤthlichbraun, zum Theil purpurroth; die vordern Schwungfedern dunkel⸗ braun; die naͤchſten am Leibe grau; der Spiegel iſt weiß und der Schwanz aſchgrau. Das Weibchen hat an der Bruſt ein roͤthlichbraunes, ſchwarzgeflecktes Geſieder. Die Heimath der Schnarr⸗ oder Schnatterente iſt der Rorden von Europa und Aſten, wwo ſie auch niſtet. In Deutſchland iſt ſie ſelten. Man erblickt ſte hier nur auf ihren Reiſen im Herbſte, wenn ſte in waͤrmere Laͤnder zieht. Wegen ihrer außerordentlichen Scheuheit iſt ſie ſchwer zu ſchießen und eben ſo ſchwer zu fangen. Ibre Nahrung ſind vorzüglieh Fiſche, die ſie in den Gewäſſern Abends und Morgens aufſucht. Am Tage kommt ſie wenig zum Vorſchein, ſondern haͤlt ſich im Schilf und Ge⸗ roͤhrig auf. Sie hat ein nnangenehm ſchmeckendes, thranigtes Fleiſch. 2558 Heft. iü Riz Entes (Anas Alligidd) Dieſe Ente iſt wahrſcheinlich keine andere, als die europäͤiſche Hauben Ente, die einzige in Enropa, deren Scheitel einen Federbuſch hat. Sie mißt in der Läͤnge 18 Zoll und in der Breite 30. Ihr Schwanz iſt 2 1Je Zoll lang, breit, blaͤulich und an der Spitze ſchwarz. Der Augenſtern iſt hellgelb; die Fuͤße ſind blaͤulich. Der Federbuſch iſt haͤn⸗ gend und weiß und ſchwarzbunt; der Oberleib ſchwarzbraun; bisweilen voͤllig ſchwarz; Kopf und Hals violet; der Unterleib und der Spiegel glänzend ſilberweiß; der After und der Schwanz braun; die vordern Schwungfedern ſind dunkelbraun; ein Theil der innern Seite weiß mit ſchwarzen Spitzen. Das Weibchen iſt mehr braun als ſchwarz; das Weiſie auf den Fluͤgeln nicht ſo merk⸗ lich; der Federbuſch iſt niedriget und fehlt oft gaͤnzlich. Dieſe Enten ſind nicht ſo ſchlau und ſcheu wie andere, und laſſen ſich daher eher bey⸗ kommen. Der pfeifende Ton, den ſte hoͤren lafſen, iſt außerordentlich ſtark. Sie ſehen nicht ſcharf, und tauchen auch nicht geſchickt unter, weßhalb ſie leicht zu ſchießen ſind. Sie bewohnen den Seeſtrand in Europa und im noͤrdlichen Aſien. In das Innere von Deutſchland kommen ſie nur auf ihren Zuͤgen; doch werden bisweilen auch mitten im Sommer einzelne Maͤnnchen geſchoſſen, die ſich verirrt haben, und einſam herum ſtreifen. Das Fleiſch hat einen widrigen Fiſch⸗ und Thrangeſchmack, welches von den Nah⸗ rungsmitteln herruͤhrt. Die zahme Haus⸗Ente. (Anas Loααε domeot.) Das Maͤnnchen. Das Weibchen. Das bekannte und nuͤtzliche Hausgefluͤgel, die Ente, wird jetzt in allen Theilen von Eu⸗ ropa, in einem großen Theile von Aſten und Amerika gehalten. Dieſe Boͤgel ſtammen von der gemeinen wilden Ente ab; haben ſich aber durch die Domeſtikation ſo veräaͤndert, daß manche Arten den wilden weder an Große, noch an Farbe gleichen; doch findet man bey weitem die Verſchiedenheit nicht, wie bey den Huͤhnern und Tauben. Das Maͤnnchen, welches den Namen Enterich oder Erpel fuͤhrt, und an den krummen Schwanzfedern zu erkennen iſt, unterſcheidet ſich durch ſeine anſchnliche Groͤße und durch die ſchoͤne Zeich⸗ nung und Farbe gar ſehr von dem Weihchen, welches ſchlechtweg Ente heißt. Einige zahme Enten haben anſehnliche Federbuͤſche auf dem Scheitel. Ihr Betragen und ihre Sitten ſind bekannt genug. Sie gleichen in ihrer Lebensart den Schweinen ſehr; denn ſie lieben eben ſo, wie dieſe, Suͤmpfe, Moraͤſte und Pfuͤtzen. Unaufhoͤrlich waden ſie darin herum, und befinden ſich nur dann recht wohl, wenn ſie immer Pfuͤtzen haben koͤnnen; doch baden ſte ſich auch nachher gern wieder in reinem Waſ⸗ ſer, und waſchen ſich. Sie muͤſſen beſonders in der Jugend ſchlechterdings Waſſer haben, wenn ſte gehoͤrig gedeihen ſollen. Es iſt daher auch nur da rathſam, Enten zu halten, wo man Glaͤben, Teiche oder Seen in der Raͤhe hat. Die Enten ſiad ſehr gefraͤßige und gierige Thiere, die faſt alles verzehren, was ihnen vor den Schnabel kommt. Im Somimer braucht man ſie kaum zu fuͤttern; denn ſie fin⸗ den auf den Teichen und Graͤben, auf Wieſen und Triften hinlaͤngliche Nahrung. Mit ihrem breiten Schnabel durchſchnattern fte alle Moraſtofuͤtzen, Goſſen, Rinnen, Miſtgru⸗ ben, und finden darin Froͤſche, Kroͤten, Blutigel, Eidechſen, Wuͤrmer, Inſekten, Laich u. ſ w Fetten Schlamm und Koth freſſen ſte auch. In den Baͤchen und Seen ſtellen ſte den kleinen Fiſchen begierig nach, ſchluͤrfen auch den Laich derſelben ein. Auf den Wie⸗ ſen, in den Gärten und Feldern ſuchen ſie des Morgens die Regenwuͤ mer, Schnecken, Raupen und andere Inſckten ab. Sie pflegen, wenn ſie freyen Lauf haben, ſich gern zu entfernen, und kommen oft einige Tage, bisweilen auch gar nicht wieder. Um dieß zu hindern, fuͤttert man ſie Abends und Morgens ein wenig, und zwar zu beſtimmten Stun⸗ 7 en. Wenn ſie hieran gewöͤhnt ſind, kommen ſte gern wieder. 5 erhalten ſie angefeucht te's Brod, Gerſtenſchrot, Meerlinſen, Gerſte, Hafer u.ſ w Gleich 86 Wo ſie nicht frey herumſtrrichen koͤnnen, muͤſſen ſie immer gefttert werden. Sie freſſen Gerſte, Hafer, Wetzen, Brod, Kleye, Kartoffeln, Ruͤben, zerhackten Kohl, Meer⸗ linſen oder ſogenanntes Entengries und allerley Abgaͤnge aus der Kuͤche; auch Gedaͤrme, Ratten und Maͤuſe. Traͤbein vom Bier und Brantewein ſind gleichfalls eine ſehr gute und nahrhafte Koſt fuͤr ſie. Im Maͤrz erwacht der Begattungstrieb. Man kann Einem Enterich ſechs bis zwoͤlf Enten geben. Eine oder zwey ſind fuͤr ſeine Begierden nicht hinlanglich; denn er iſt ſo hi⸗ hig, daß er ſelbſt Hüuͤhner anfällt, und ſich mit ihnen zu begakten ſucht. Bald nach dem Anfange der Paarung im Maͤrz und April legt die Ente ihre blaßgrünen Eper. Man be⸗ kommt von einer einzigen 20 bis 30, und nicht ſelten uͤber ein Schock, bevor ſte bruͤtet. Da ſie die Eyer nicht an einen beſtimmten Platz ſondern in alle Winkel umher, auf den Miſt, ins Waſſeren ſ. w. legt, ſo muß man darauf Acht geben. Die erſten beyden ſind meiſtentheils unbeftuchtet und faulen, wenn man ſie der bruͤtenden Ente unterlegt. Wenn eine Ente bruͤten will, macht man ihr ein Neſt aus Heu oder Stroh an ei⸗ nem ſtillen Orte, und legt ihr 13 bis 15 Eyer unter. Die meiſten bruͤten ſehr eifrig und bleiben ſitzen, bis ſie ein dringendes Beduͤifniß, das Reſt zu verlaſſen, zwingt. Zuweilen gehen ſie dennoch zu oft herunter, um ſich im Waſſer zu baden, und kommen alsdann 8 durchnaͤßt vom kalten Waſſer auf die Eyer zuruͤck, die dadurch verderben; daher pflegt man die Enteneyer lieber durch Hennen ausbruͤten zu laſſen. Nach vier Wochen kommen die Jungen aus den Ehern. Dieß ſind lebhafte, mun⸗ tere und gar nicht weichliche Thierchen, welche ſogleich aufs Waſſer gehen, und ſich baden. Man fuͤttert ſie in den erſten drey Tagen mit Brodkrumen und zerhackten Epern; hernach vom Anfang an muß ihnen Waſſet vorgeſetzt werden, weil ſie dieſes bey dem Freſſen beſtaͤn⸗ dig noͤthig haben. Die Enten ſind da, o Waſſer vorhanden iſt, ein ſehr nutzbares Hausgeflͤͤgel. Ihr Fleiſch ſchmeckt vortrefflich, und wird ſehr geſchaͤzt, und die Eber ſind eben ſo, wie Huͤh⸗ netever, in der Wirthſchaft zu gebrauchen. Einige haben das Vorurtheil, als waͤren ſie der Geſundheit nachtheilig; es läßt ſich aber davon kein vernuͤnftiger Grund einſehen, und uͤberdieß wird es ducch Erfahrung hinlaͤnglich widerlegt. Die Entenfedern vertreten die Stelle der Gaͤnſefedern vollkommen, wiewohl Einige meinen, man muͤſſe beyde nicht mit einander vermiſchen, weil ſie ſich zetreiben. Der jungen Saat und der Fiſchbrut koͤnnen Enten beträchtlichen Schaden doch kommt er mit dem Vortheil, den ſie gewaͤhren, in keinen Vergleich. 0 Die Biſi un Enke (Ands mogoſiata.) Das Maͤnnchen. Das Weibchen. 3 3 5 5 OIn manchen Gegenden Deutſchlands iſt dieſer Vogel unter dem Namen Tuͤrkiſche Ente bekannt. Er iſt urſpruͤnglich in Braſilien zu Hauſe, und hat ſich nunmehr in ganz Europa als zahmer Hausvogel verbreitet. An Größe und Gewicht uͤbertrifft er die gemei⸗ bel iſt roth, und am Nagel, an den Raſenlöchern und an der Wurzel braunſchwarz; die Fuͤße ſind gleichfalls roth. Einige haben auch einen gelblichen Schnabel und gelbliche Fuͤße. Beym Maͤunnchen iſt der Kopf ſchwarzgrän glaͤnzend; der uͤbrige Leib iſt meiſtens ſchwaͤtzlich oder ſchwarzbraun, bisweilen weiß gemiſcht; doch gibt es auch mancherley Ver⸗ ſchiedenheiten. Im Geſichte befinden ſich ziemlich betraͤchtliche Fleiſchwarzen, welche beym Weihchen viel kleiner ſind. Uiberhaupt iſt dieſes auch dem Koͤrper nach viel kleiner und leichter, als das Maͤnnchen. Letzteres gibt vorzuͤglich zur Zeit der Paarung einen biſamaͤhnlichen Geruch durch ſeine Fettdruͤſe von ſich. Der Gang von beyden Geſchlechtern iſt watſehelnd und unge⸗ ſchickt; eben ſo auch alle ihre Bewegungen und Stellungen. Sie gehoͤren überhaupt zu den traͤgen Voͤgeln, und bewegen ſich nicht viel. Auch baden ſie ſich nicht ſo haͤufig wie beſonders beym Fuͤitern. CC( Das Weibchen macht gegen die Zeit, wo es legen will, ein wohlgeordnetes Neſt aus Gras, Heu, Reiſern und Geniſte an einem dunkeln Otte, und fuͤttert es mit Dau⸗ nen bon ihrer Bruſt an. Sie legt 8 bis 14 laͤngliche, weißgruͤnliche Syer, biuͤtet 4 12 Woche, und wird dadurch ſo entkraͤftet, daß ſte eine blaſſe Farbe bekommt, ne Haus⸗Ente bey weitem. Manche ſind faſt ſo groß wie eine Gans. Der lange Schna⸗ andere Enten. Ihr Naturel iſt boͤsartig; ſte beißen und necken gern andete Hausbögel, 38 Die uͤbrige Lebensart, Rahrung und Pflege haben ſte mit den Hausenten gemein; ur ſind ſie zaͤrilicher, und muͤſſen gegen heftige Kaͤlte werden, weil ſie die Fuͤße f icht erfrieren. Man haͤlt ſte in der That mehe der Selkuhei als des Nutzens wegen; denn in oͤks⸗ nomiſcher Hinſicht ſind die gemeinen Enten 8 vorzuziehen. Von Alten ſchmeckt nicht ein⸗ mal das Fleiſch gut. Vierſuͤßige Thiere. XLIX. Maͤuſe verſchie dener Art. Nro. 1. Labradoriſche Maus) (Mus hudsonius. Pall.) Di⸗ labradoriſche Maus wohnt im Lande Labrador, an der Hudſonsbay, im noͤrdlich ſten Amerika, graͤbt nach Wurzeln in der Erde, und iſt 5 Zoll lang. Kopf und Ruͤcken ſind dunkelbraun, das uͤbrige Fell grau ſchillernd. Das Haar iſt fein, dicht und ziemlich lang, und ihr Fell gibt daher ein gutes Pelzwerk.— Nro. 2. Die Sand⸗Maus. (Mus arenarius. Pall.) Die Sand⸗Maus iſt beynahe 4 Zoll lang, der Ruͤcken groubraun, Bauch und Fuͤße weiß von Farbe; ſie lebt in den ſibiriſchen Sandſteppen, in kleinen Huͤgeln, und nährt ſtch von allerhand Wurzelwerk. ˖ Nro. 3. Die Reiß⸗Maus. (Mus phaeus. Pall.) Sie iſt kaum ſo groß, als die vorhergehende, und mit ihr faſt von gleicher Farbe. Sie wohnt im ſuͤdlichen Rußland auf Gebirgen, und nährt ſich vorzuͤglich vom Reiße, daher ſte auch ihren Namen hat. Nro. 4. Die Fleck⸗Maus. (Mus songarus. Pall.) Dieſe kleine niedliche Maus lebt auch in Sibirien im Sande, und naͤhrt ſich von al⸗ lerhand Grasſamen. Sie iſt z Zoll lang, Kopf und Ruͤcken grau und braun geſtriemt, Hals und Seiten haben graulich gelbe mit braun eingefaßte Flecken. Nro. 5. Die Ob⸗Maus. (Mus furunculus. Pall.) Die Ob⸗Maus lebt an dem ÜUfer des Ob⸗Fluſſes, iſt 3 Zoll lang, und ſehr ſchoͤn gezeichnet. Kopf und Ruͤcken ſind lichtbraun, mit einem ſchwarzen Streifen, der von den Ohren bis zum Schwanze geht, Kehle und Bauch ſind weiß. Sie naͤhrt ſich gleichſalls von Kraͤuterſamen. Nero. 6. Die Maulwurfs⸗Maus. 0(Mus talpinus. Pall.) Die Maulwurfs⸗Maus gehoͤrt zu den Erdmaͤuſen, die kleine Ohren und Schwanz, nnd einen dicken Kopf haben. Sie iſt beynahe 4 Zoll lang, von Farbe auf dem Ruͤcken braun, an der Seite gelblich. Sie lebt im ſuͤdlichen Rußland, wuͤhlt unter dem Raſen wie der Maulwurf, und naͤhrt ſich von allerhand Wurzeln. Nro.. Der Blesmoll⸗ (Mus capensis. Pall) Dieſes Thier wohnt vorzuͤglich auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung, wo es in der 9 Erde Roͤhren graͤbt, und den Gaͤrten Schaden thut. Es iſt beynahe 6 Zoll lang, lichtbraun und gelblich von Farbe, und iſt an den Ohren und der Schnautze hellgelb geſteckt. Es naͤhrt ſich von ſuͤßen Wurzeln und Gartenfruͤchten, und iſt ſchwer zu vertilgen. Maͤuſe verſchie dener A Die Labradoriſche Maus. (Mus hudsonlds. Fall.) Dieſe Maus weicht zwar in der aͤußern Bildung, beſonders des Kopfes, ſehr von unſe⸗ rer Hausmaus ab, hat aber dennoch alle Geſchlechtskennzeichen und in manchem Betrach⸗ te auch die Lebensart mit derſelben gemein. Sie iſt fuͤnf Zoll lang und ihr Leib iſt ziem⸗ lich dick. Der Kopf ſitzt ohne merkliche Halsvertiefung dicht am Rumpfe, und endigt ſich vorn in einer umpfen Schnauze. Oben ſteht der Kopf dunkelbraun aus; eben ſo der Nacken und Ruͤcken. An den Seiten des Kopfes verlaͤuft ſich das Braune allmaͤhlig in ein helleres Grau. Die Seiten und uͤbrigen aͤußern Theile des Koͤrpers ſind blaͤulichaſch⸗ grau; der Bauch iſt weißlich; der Schwanz ſehr kurz. Das Haar, welches den Leib be⸗ deckt, iſt von ziemlicher Laͤnge, und ſteht ſehr dicht. Es gibt ein gutes Pelzwerk. Die Heimath dieſer Maus iſt das Labrador in Nordamerika; beſonders die Gegend um Hudſonsbay. Sie naͤhrt ſich von mancherley Pflanzenwurzeln, die ſte mit ihren Naͤ⸗ geln geſchickt aus der Erde zu wuͤhlen weiß. 258 Heſt, des aſtatiſchen—— waͤchſt. Die Maus weiß die Samenkoͤrner geſchickt aus der Scho⸗ der Stimme des Hanſters, wenn man ſie boͤſe macht. Sie geht ihren Geſchaͤſten des Die Sandmaus. (Au. grendrtuue Pull.) Dieſes Thierchen wurde zuerſt im Jahre 177½ im Monat Juni vom Profeſſor Pallas auf ſeinen Reiſen durch verſchiedene Provinzen von Rußland entdeckt. Es iſt 3 Zoll und 8 Linien lang, und hat einen 10 Linien langen Schwanz. Mit unſerer Hausmaus hat dieſe Gattung weit mehr Achnlichkeit als die vorige. Die Geſtalt iſt niedlich und hat et⸗ was Gefallendes. Der Kopf laͤuft in einer ziemlich ſpitzigen Schnauzt aus. Die Schnau⸗ ze iſt beſonders an den Seiten mit ſehr langen Bareborſten beſetzt, welche dem Thierchen ein beſonderes Anſehen geben. Die Ohren ſind groß, eyrund und etwas behaart. Die Backen erweitern ſich in ziemlich große Taſchen; daher dieſe Maus auch Hamſtermaus genannt wird. Der Schwanz iſt duͤnn, laͤuft gerade aus und am Ende ſpitzig zu. Der ganze Kopf bis unter die Ohren, die Kehle, der Ruͤcken, die obere Haͤlfte der Schenkel ſind einfoͤrmig grau mit einzelnen braunen Haͤrchen vermiſcht. Der Schwanz, die Beine — der ganze Unterleib haben eine ſchneeweiße Farbe. ——————— Heimath des Thierchens iſt Sibirien. Es wohnt beſonders haͤufig am Irtis in Bauen und Gaͤngen, die es ſich i in zuſammengeſchwemmten Sandhuͤgeln macht. Seine Nahrung beſteht groͤßtentheils im Samen der verſchiedenen Aſtragalusgattungen, beſonders des Astragalus physocles, einer Pflanze, die häͤuftg am Irtis und in andern Gegenden te herauszuklauben. Sie pfropft ſich davon die Backentaſchen voll, und kommt damit be⸗ laden nach Hauſe, wo ſte ihre Beute zum übrigen Vorrath traͤgt. Ihre Stimme gleicht Nachts nach. 3 Männuchen und Weibchen ſcheinen getrennt zu wohnen. Im Reſte des letztern fand* man fuͤnf Junge. Die Verſuche, ſie zahm zu machen, gelangen nicht. 8 Reißmaus. (Mus pliaeus—— Die Ein 19 kleintrts, aber ebenfalls niedliches Mäuschen, Sie iſt drey Zoll lang, und hat einen nur wenige Linien langen Schwanz. Der ziemlich große Kopf läuft in eine ſtumpfe Schnauze aus; die Ohren ſind im Verhaͤltniß des Koͤrpers anſehnlich groß und faſt rund. Das Haar am obern Theile des Kopfs, des Ruͤckens und der iſt grau⸗ braun, der Unterleib iſt aber weiß. Man findet dieſes Thierchen im fuͤdlichen Rußland und andern Gegenden in Gebir⸗ gen. Da, wo Reiß gebauet kommt es auf die„und koͤrnt die Aehren aus; daher der Rame. Sleckmaus. (Alas gongarus Man kennt ſte erſt ſeit 1771, wo ſte ebenfalls vom Herrn P atl 3 entdeckk wurde. Auch ſie iſt ein ungemein niedliches und artiges Thierchen. An Geſtalt gleicht ſie dem Ham⸗ ſter auß“rordentlich und mehr als der Hausmaus; ihre Größe iſt aber viel geringer. Sit mißt in der Laͤnge drey Zoll, und hat einen ſehr kurzen Kopf und Bockentaſchen. Um das Maul herum ſtehen eine goße Menge Barthaare. Die Ohren ſind faſt kahl und ev⸗ rund; der Schwanz iſt ſehr kurz. Der Kopf iſt eben ſo wie der Ruͤcken braͤunlich aſchgrau. Einige ſchwaze Streifen ziehen ſich vom Racken bis beynahe zum Schwanze den Ruͤcken heſab. Blaune Flecken laufen winklich die Seiten und Schenkel herab; zwiſchen ihnen befinden ſich geoͤßere weißliche Flecke. Der ganze Unterleib, die Beine und die ſpitze fallen ins Weißliche. F Die Fleckmaus iſt gleichfalls in Sibirien zu Hauſe. Pallas fand ſie am Irtis. Sie bewohnt trockne hohe Sandgegenden. Hier graͤbt ſie ſich Gaͤnge unter der Erde, die aber nahe an der Oberflaͤche hinſtreichen. Die Wohnungen der Maͤnnchen ſind nicht ſo vielgaͤngig, als die Wohnungen der Weibchen. Im Juni bringen dieſe 6 bis 7 Junge, die ſchnell heranwachſen. Man fand einſt ein Reſt, worin ein Weibchen mit ſteben noch blinden Jungen lag. Dieſe zog man auf und machte ſie zahm. Sie fraßen allerley Saͤ⸗ mereven, beſonders von Schotengewächſen. Ihre Bewegung ging langſam von ſtatten; im Graben waren ſte aber deſto geſchwinder. Man hielt ſie in einem Kaſten mit Sande angefuͤllt. Sie waren am Tage wach, ſo wie denn auch die wilden des Tages ihren Ge⸗ ſchaͤften nachgehen und des Rachts ſchlafen. Wenn man die gezaͤhmten neckte, ſo gaben ſte einen piependen Laut von ſich, der dem Laut von der Fledermaus glich. Nach zwep Mo⸗ naten wurden ſie ſo fett, daß ſie erſtickten. Die Obmaus. ¶( Iſſus furunculus Pall.) Dieſe ſchoͤne Maus fuͤhrt ihren Namen von dem Ob oder Oby, einem Fluſſe zwiſchen Aſien und Europa. Sie iſt zwar nicht ſo dick, aber doch etwas laͤnger als die vorige. Der Obertheil ihres Koͤrpers und die äußern Seiten der Hinterſchenkel ſind braungelb. Die Ohren ſind mit einem weißen Saum eingefaßt; vom Racken laͤuft ein ſchwarzer Streif uͤber den Ruͤcken nach dem Schwanze zu. Der Schwanz iſt etwas langer als an der Sand⸗ maus; der Unterleib iſt ſchmutzig weiß. In der Eebensart ſcheint ſte der vorigen zu gleichen. Sie geht ihren Geſchöſten es⸗ falls am Tage nach. pfe und dem Ruͤcken ſieht ſie braun aus; nach den Seiten herab gelblich. am meiſten uͤberein. Es iſt bepnahe ſechs Zoll lang, hat aber einen ſehr kurzen Schwanz⸗ Die Maulwurfsmaus⸗. (Ilus alpimus.) Sie hat. ihren Mamen nicht ſowohl von ihrer Geſtalt, als vielmehr von ihrem Aufenthalte in unterirdiſchen Gaͤngen. Ihr ziemlich dicker Koͤrper mißt 3 Zoll in der Laͤnge. Der Kopf iſt faſt rund und vorn ſehr ſtumpf; der Schwanz iſt nur einige Linien lang. Auf dem Ko⸗ Ihre Heimath ſind die ſuͤdlichen Provinzen des ruſſiſchen Reichs. Sie liebt ein ſchwar⸗ zes lockeres Erdieich; beſonders hält ſie ſich gern auf Viehweiden auf. Hier wuͤhlt ſie, faſt wie der Maulwurf, klafterlange Roͤhren unter dem Raſen. Hie und da ſtoͤßt ſie auch einige kleine Erdhaufen auf, und gleicht alſo hierin voͤllig dem Maulwurfe. Sie arbeitet des Abends und des Morgens, und verlängert und reinigt ihre Roͤhren, wobey ſie manch⸗ mal den Kopf aus einem Loche hervorſteckt, um friſche Luft einzuathmen. Im Winter, wenn der Erdboden auf den Viehweiden und andern vom Gebuͤſch entbloͤßten Plaͤtzen tief gefriert, begibt ſie ſich in dickes Gebuͤſch oder unter Heuhaufen, und legt tief in der Erde ein Neſt und darneben eine Vorrathskammer an. Sie futtert jenes mit Heu und aͤhnli⸗ chen Dingen aus; in dieſe traͤgt ſie Wurzeln und Geſaͤme ein, und lebt davon. D Ser Blesmoll. (Mus capensis Haull.) Blesmoll, oder deutſch Bläßmaulwurf nennen die Holländer am Vorgebirge der guten Hoffnung dieſes Thier, weil es einen weißen Fleck vor der Stirn hat, und in der Lebensart dem Maulwurfe gleicht. Es iſt aber keinesweges ein wirklicher Maulwurf, ſon⸗ dern ein Ragethier. Dem aͤußern Baue nach hat es viel Aehnlichkeit mit den Marmot⸗ ten oder Murmelthieren; allein dem Weſentlichen nach kommt es doch mit den Maͤuſen — 8 2 Fe 4 5 al v bl In a¹ ei 16 αεν,ẽů Der Kopf iſt vorn an der Schnauze ſtumpf, die Ohren ſind ſehr klein, der Hals iſt ziem⸗ lich ſo dick wie der Kopf, und der Leib hinten dick. Das Haar uͤber dem ganzen Koͤrper hat eine braungelbe Farbe, und nur um die Ohren und an der Stirn iſt es weißlich gelb. Das Vorgebirge der guten Hoffnung iſt ſein eigentliches Vaterland. Hier graͤbt es, wie der Maulwurf, Koͤhren unter der Erde. Seine Rahrung beſteht in fuͤßen Wurzeln und Gartenfruͤchten. Es fuͤgt den Weinbergen und Gaärten vielen Schaden zu, und iſt ſchwer zu vertilgen. Gegen den Winter traͤgt es Zwiebeln in ſeine Hoͤhlen ein. Gegeſſen wird es ſelten. — ———— ———— ———— Vierfuͤßige Thiere. XLVIII. Mauſe verſchiedener Art. Nro. 1. Die Knoblauchsmaus. (Mus alliarius. Pall.) Sie lebt in Rußland und Sibirien, iſt dunkelgran gelblich von Farbe, über 4 Zoll lang, und naͤhrt ſich von den Zwiebeln des wildwachſenden Knoblauchs, welchen ſte ein⸗ traͤgt; weßwegen die Ruſſen ihren Hoͤhlen nachgraben, und ihre Vortaͤthe aufſuchen. Nro, 2. Die Zwiebelmaus. (Mus gregalis. Pall) Die Zwiebelmaus leht im oͤſtlichen Sibirien auf Gebirgen, wo ſie ſich unter dem Ra⸗ len ein Reſt mit vielen Oeffnungen graͤbt, welches immer eine ganze Jahresfamilie bewohnt. Sie iſt 4 Zoll lang, von Farbe gelbgrau, und naͤhrt ſich von den Zwiebeln verſchiedener Kraͤuterarten, welche ſte ausgraͤbt und eintraͤgt. Nro. 3. Die Wurzelmaus. (Mus oeconomus. Pall.) Dieſe Maus hat mit der vorigen an Groͤße, Geſtalt und Farbe viele Aehnlichkeit. Sie lebt in Sibirien und Kamtſchatka in feuchkem Boden, wo ſte große Vorraͤthe eßbarer und ſauber gereinigter Wurzeln eintraͤgt, welche die Kamtſchadalen zur Speiſe aufſuchen. Merkwuͤrdig an dieſen Maͤuſen iſt ihr Hang, greße Wanderungen in ganzen Schaaren in gerader Linie gegen Nordweſten anzuſtellen. Sie ſchwimmen kuͤhn durch Fluͤſſe und Seen; dieß geſchieht immer im Fruͤhfahre, und im Oktober kommen ſie auf eben dieſe Art wieder nach Kamtſchatka zuruͤck: unterwegs aber werden viele von Voͤgeln, Fuͤchſen und Fiſchen aufgefreſſen. von den Zwiebeln des wilden Schwertels. Sie wandert eben ſo wie die Wurzelmaus. Nro. 4. Die Tulpenmaus. (Mus socialis. Pall.) Dieſe lebt gleichfalls im ſuͤdlichen Rußland in ganzen Familien in der Erde, und naͤhrt ſich vorzäͤglich von den Zwiebeln der gemeinen wilden Tulpe, davon ſie auch den Namen hat⸗ Nro. z Die Schwertelmaus. (Mus lagurus. Pall.) Sie hat mit der vorigen grotze Aehnlichkeit, lebt in Sibirien, und nährt ſich vorzuͤglich Nre. 6. Di e Uralmaus. (Mus torquatus. Pall.) Die Uralmaus wohnt am Uralgebirge in Rußland, iſt 3 Zoll lang, braungelb von Farbe, auf dem Ruͤcken wie gewäſſert, und ſehr ſchoͤn gezeichnet. Sie nährt ſich von Renn⸗ thiermooſe und Wurzeln.— Nro. 7. Der Norwegiſche Lemming. IJro, 8. Der Ruſſiſche Lemming. (Mus Lammus L.) Dieſe merkwürdigen Mäuſearten theilen ſich in zwey Gattungen, in die Rorwegiſche und in die Ruſſiſche, ab. Beyde ſind gleich groß, ohngefaͤhr 4 Zoll lang. Der Norwegiſche iſt von Farbe gelb, braun gewaͤſſert mit ſchwarzen Flecken; der Ruſſiſche aber fuchsgelb, mit einzelnen eingeſprenkten ſchwarzen Haaren. Die Lemminge wohnen auf mittelhohen Gebir⸗ gen, wo ſie ſich von Rennthiermvoſe und Wurzelwerke naͤhren. Sie leben in der Erde, und graben ſich Röhren unter, und durch den Schnee. Sie vermehren ſich ungeheuer, und riechen zur Begattungszeit nach Biſam. Alle 10 Jahre wan⸗ dern die Lemminge ſchaarenweiſe in gerader Linie von einer Gegend in die andere, mehren⸗ theils in ſolchen Herbſten, auf welche ein harter Winter folgt. Der Zug geht des Abends und die Racht hindurch; am Tage liegen ſie ſtille. Diejenigen, welche nicht auf ſolcher Wande⸗ rung umkommen, kommen im folgenden Sommer wieder zuruͤck. ²Y M auſe o er ſch i ed ener Art. Die Kanblauch zům a u⸗ 22 allearius.) ie Knobläuchsimaus kömmt in der Geſtalt ihres Körpers der gemeinen Hausmaus bey, iſt aber groͤßer, und hat einen viel kuͤrzern und behaarten Schwanz. Ihre Leibeslaͤnge be⸗ traͤgt vier Zoll; der Schwanz iſt nicht halb ſo lang. Der Kopf laͤuft vorn ſpitzig zu; die Ohten ſind ziemlich groß und rundlich. Kopf, Ruͤcken und Schwanz ſehen braͤunlich aus; die Seiten ſind heller und fallen ins Graue; der Unterleib iſt weißlich. Rußland und Sibirien iſt die Heimath dieſer Maus: Sie naͤhrt ſich vorzuͤglich von den Zwiebeln eines dort wildwachſenden Knoblauchs. Hiervon traͤgt ſie im Herbſte einen anſehulichen Vorrath fuͤr den Winter ein. Die Einwohner der dortigen Gegend, welche die Knochlauchszwiebeln ebenfalls genießen, ſuchen die Woͤhnemgen dieſer Maͤuſe auf, und? nehznen ihnen den eingeſammelten Vorrath weg. 254 Heßl. G —.·˖··· N. 8 .———— + Die 3wiebelmaus. (AMus gregulis.) —— i iſt ungefähr von derſelben Bröße wie die vorige„hat aber eine andere Geſtalt und Farbe. Ihr Kopf iſt nicht ſo zugeſpitzt, ſondern runder; die Ohren ſind nicht ſo groß. Der ganze Körper iſt mit einem lichtgrauen Haar beſetzt, welehes nach den Seiten herab heller iſt, als auf dem Ruͤcken; am Unterleibe faͤllt es ins Schmußzigweiſie. Der ebenfalls behaarte Schwanz iſt ſehr duͤnn und kuz. Die Zwiebelmaus wird vornehmlich im öſtlichen Theile von Sibirien gefunden. Sie lebt in erhabenen Gegenden in Erdhoͤhlen, die ſie ſich felbſt graͤbt. Uiber ihrer Wohnung wirft ſie einen kleinen Hügel auf, um das Waſſer abzuleiten. Sie naͤhrt ſich von den Zwiebeln verſchiedener Gelvaͤchſe, die ſte ausgräͤbt und abbeißt · Für den Winter krägt ſie auch einen kleinen Vortath ein. In jedem Reſte, das man findet, liegt eine ganze Familie, d. i. Vater, Mutlet und Kinder von demſelben Sommer, Fuͤr das naͤchſte Jahr theilen ſie ſich in mehrere Familien. de War etn„„ (Muue oeconom Ein merkwͤrdiges Thierchen! Es kommk an Geſtalt, Farbe und Groͤße ſehr mit der Zwiebelmaus uͤberein. Das Männchen mißt ohne den Schwanz drey Zoll und drey bis ſechs Linien; der Schwanz iſt kaum Zoll lang; das Weibchen betraͤchtlich laͤnger als das Maͤanchen. Man trifft die durch ganz Sſibirien bis Kümt ſchaſka in Mge an. Sie leben in unterirdiſchen 5³ zhlen, die ſte ſich ſelbſt ausgraben. Bey jedem Neſte ſind re in welche die enſigen Thirre gegen den Herbſt eine beträͤ htliche Menge Wurzeln von verſchiedenen Pflanzen einſammeln. Sie ſuchen ſich diejenigen aus, die ſte am liebſfen geuna, und reinigen ſte auf der Stelle. Es iſt unglaublich, wie eiftig ſie bey dem Ausgraben der Wurzeln ſind„und welche Muͤhe ſte anwenden, um ſie aus dem zaͤhen Raſen hervor zu zichen. Sobald dieſe Arbeit und das Reinigen zu Ende gebracht iſt, ziehen ſie die Wurzel rückliags in ihre Höhlen, und ſchleppen ſte in die Votrathskammern. In manchen derſekben findet man oft zehn und mehrere Pfunde derſelben. Die Einwohner Füer Gegenden, die ſelbſt auch mit von Wurzeln leben, graben nach, und nehmen ben⸗ Mläuſen ihre Vorräthe weg. Die meiſten Wurzeln, welche von dieſen Thieren eingeſammelt werden, ſind auch fuͤr den Menſchen genießbar: doch tragen ſte auch einige von den gifeigen Pflanzen ein, welche der Menſch nicht genießen darf„die aber dennoch den Maͤuſen⸗ nicht ſchaden. Die Tungu⸗ ſen glauben, daß die Maͤuſe darum jene giftige und betaͤubende Wurzeln ſamineln, um ſie an Feſttagen zu genießen und ſich dadurch zu berauſchen. Gemeiniglich halten ſich nur Ein Paar Wurzelmaͤuſe in einem Neſte auf, und ſam⸗ meln den gemeinſchaftlichen Vorrath, um im Winter davon zu zehren⸗ Dieſe kleinen Thiere ſtellen in manchen Jahren Wanderungen aus ihrer Heimath in ſtemde Gegenden an. Sie ziehen beſonders von Kamtſchatka aus in gerader Linie gegen Rordweſten, gehen um den großen penſhiniſchen Meerbuſen herum, und dann fuͤdli ich bis ungefahr gegen den 57ſten Grad der Breite herunter, woſelbſt ſie um die Mitte des Ju⸗ li anzukommen pflegen. Die Zuͤge ſind oft ſo ungeheuer, daß einer nicht 5 en zwey vol⸗ le Slunden ununterbrochen ſortwährt. Im Oktober kommen ſie auf dieſelbe Art, wie ſte auszogen, wieder in Kamtſchatka an. Man häͤlt ſolche Auswanderungen fuͤr eine Auzeige von ſtͤrmiſcher, noſſer Witterung; die Ruͤckkehr hingegen für eine Vorbedeutung eines zum Fiſch⸗ und Wildfange vortheilhaſten Jahres, Die Wurzelmäuſe haben an den woilden Schweinen maͤchtige und gefährliche Feinde. Dieſe ſuchen ebenfalls nach dem Wurzelvorrathe in den Hoͤhlen, und freſſen nicht nur die Wurzeln, ſondern auch die Maͤuſe ſelbſt mit auf, Die Tulpenmaus. (Alus 15 17 Die Tulpenmaus, oder die geſellige Maus, iſt mit der vorigen ſo ziemlich von einerletz Groͤße und Geſtalt. Auch an Farbe gleicht ſie ihr ſehr. Ihr Oberleib ſteht blaß aſchgrau aus und der Unterleib weiß⸗ 8 Sie lebt in Daurien, am Zaik und in andern Gegenden des ruſſiſchen Reichs. Jn kräuterreichen Ebenen wird ſte in ungeheurer Menge angetroffen. Ihr Bau gleicht dem Bau der Wurz lmaus. Er befindet ſich gleichfalls etwa 1 Fuß tief unter der Erdoberflaͤche, und kann an dem aufgeworfenen Erdhaufen leicht erkannt werden. Im Innern deſſelben, mohin von außen mehrere Zugänge fuͤhren, finden ſich Kammern, in welchen die Maus einen Vorrath zuſammen trägt. Am Zaik ſind es die Zwiebeln der wilden Tulpen, die ſie ausgraͤbt und einſammelt; in Daurien haͤlt ſie ſtch an die Zwiebeln der zinnoberrothen Lilie(lilium pompomium) und eines kleinen geſchmackloſen Lauchs(allium tenuiſſimum.) Auch der Tulpenmaus nehmen die Einwohner ihren eingeſammelten Vorrath weg, um ihn zu verzehren, und die wilden Schweine ſind fuͤr ſie eben ſo gefaͤhrlich, wie fuͤr die Wurzelmaus. 8 Die Schwertelmanus (Ilase 0 Sie iſt 3 Zoll und g Linien lang, und hat einen dicken Körper, ſonſt ͤhnelt ſie der vori⸗ gen ſehr. Ihre Ohren ſind ſehr klein, und ragen nicht ſehr aus den Haaren hervor. Der Schwanz iſt außerordentlich kurz, nämlich nur 2 Linien lang, rauh, abgeſtumpft und faſt ganz von den Haaren des Hintertheils bedeckt. Der Oberleib ſieht blaßmaͤuſefahl aus; der Unterleib aber ſchmutzig weiß. Man krifft die Schwertelmaus in den ſuͤdlichen Gegenden um den Zaik, jedoch nur ſelten, an; viel haͤuſiger lebt ſie in den Sandebenen am Irtis und in der tatariſchen Wuͤ⸗ ſte Hier graͤbt ſte ſich Loͤcher in der Erde, zu denen zweh Zugaͤnge fuͤhren; der eine da⸗ von mißt etwa eine Querhandbreit in der Laͤnge, und geht ſenkrecht; der andete aber ſchraͤ⸗ ge; beyde laufen bisweilen vor dem Eingange in die Hoͤhle zuſammen. Dieſe kleinen Thierthen bringen in einem Jahre mehrmals Zunge lur Welt. Gi5 ſich von Pflanzen und Die UÜralmaus. (Aus torquatus), Ein niedliches Maͤuschen, welches an Geſtalt dem Murmekthiere gleicht. Es hat einen rundlichen Kopf; eine ſtumpfe Sehnauze und einen ſehr kurzen Schwanz. Die Farbe ſeines Oberleibes iſt bräunlich gelb, mit ſchwaͤrzlichen Querſtreifen, wie gewaͤffert. lüm den Hals geht eine weiße Binde. Der Unterleib iſt gelblich weiß.— Am Uralgebirge wird dieſe Maus—.—.— gefunden.—5— 5 ſich von Rennthierflechten und aller⸗ 2 f N Det notwegiſche Lemming. Der ruſſiſche Lemming⸗ (Alus lemmuo, Die Lemminge ſind ihrer Wanderungen wegen ſchon längſt berͤchtigt. Es gitzt zweß Raſſen, die aber nicht fpecifiſch von einander unterſchieden ſind. Der norwegiſche Lemming,, weicher die norwegiſchen Gebirge bewohnt, iſt 3 114 Zoll lang. Sein Schwanz mißt nur 7 Linien. Der Geſtalt nach kommt er der Utalmaus am naͤchſten. Der ziemlich große Kopf iſt eyfoͤrmig; die Schnauze ſtumpf; die Barthaare ſind ſteif und braͤunlich an der Spitze weiß. Die kleinen Augen ſtehen zwiſchen der Naſe und den Ohren in der Mikte. Die Ohren find klein, unter den Haaren verborgen und rundlich; die Beine kurz und⸗ ſtark; die vordern haben einige Aehnlichkeit mit den Pfoten des Maulwurfs. Vorder⸗ und Hinterfuͤße ſind mit funf Zehen und ziemlich ſtarken und ſpitzigen Naͤgeln verſehen. Der norwegiſche Lemming iſt ſchoͤn gezeichnet. Der Scheitel iſt zwiſchen der weißlichen Naſe und den Augen ſchwarz, und von den Augen geht der Laͤnge nach bis zu den Ohren ein ſchwarzer Strich; den Hinterkopf bedeckt ein ſchwarzer, mondfoͤrmig geſtreifter Flecken; dieſer geht in einen graßen, laͤnglich viereckigen Flecken von glricher Farbe über, der ſtch vom Anfang des Rackens bis zur Mitlte des Rückens erſtreckt; das übrige des Ruͤckens iſt gelbroͤthlich mit Braun ſchattirt. Die Seiten des Kopfs, die Kehle und der ganze Unter⸗ leib ſind weiß; die Seiten des Leibes ſpielrn aus dem Gelbbraunen ins Weiße, Der Schwanz and die Fuͤße ſind grauweiß. Der ruſſiſche Lemming, oder Piſtruſchka, iſt dem norwegiſchen an Bildung und Ge⸗ ſtalt gleich, mißt aber nicht viel uͤber drey Zoll in der Laͤnge. Sein Fell iſt nicht ſo ſchoͤn gezeichnet. Der ganze Oberleib ſieht gelbbraun aus; an den Seiten verliert ſich dieſt Far⸗ he allimaͤhlig ins Weiße, das den ganzen Unterleis drckl. Jin ruſſiſchen Reiche gibt es Lemminge vom weißen Meere an⸗ bis zum obyſchen Meer⸗ buſen; beſonders haͤuftg ſind ſie in den nordlichen Gegenden des Uralgebirges. Ob die gr⸗ ringere Groͤße des ruſſiſchen Lemmings dem Klima beyzumeſſen fey, laͤßt ſich nicht entſchei⸗ den. Die Lebensart beyder Arten iſt uͤbrigens dieſelbe. Sie wohnen, wie ſchon geſagt, in den Gebirgen, und an einigen Orten ſo haͤuſtg, daß man in jedem Erdhuͤgel eine ihrer Wohnungen antrifft. Dieſe Wohnungen oder Erdhoͤhlen ſind ſo weit, daß eine Menſchenhand Platz darin hat, aber kaum ſo hoch, als ein Finger, 65⁵ lang iſt. Die meiſten ſind nur fuͤr einen Bewohner eingerichtet. Die Lemminge, ſowohl in Rorwegen und Schweden, als in Rußland, ſtreifen den ganzen Winter herum, und er⸗ ſtarren ſelbſt beh der groͤßten Kaͤlte nicht, ſammeln auch ſelten einen Wintervorrath ein Sie haben unter dem hohen Schnee jener Gegenden ordeniliche Gaͤnge, von welchen eine Koͤhre nach der Oberflaͤche des Schnees fuͤhrt, wodurch ſte Luft ſchoͤpfen. Allerley Gewaͤchſe, Wurzelwerk und Geſaͤme ſind ihre Rahrung. Auf ihrem merk⸗ wuͤrdigen Zuͤgen, thun ſie, wo ſte hinkommen, ungeheuern Schaden; denn ſie freſſen, wie die Heuſchrecken, alles dicht bey dem Erdboden weg. In ihren Hoͤhlen findet man gewoͤhnlich 5 bis 6 Junge, und vermuthlich wirft das Weibchen mehrere Male im Sommer. Sie muͤſſen viel Liebe gegen ihre Jungen hegen; denn Linnee und andere verſichern, daß, wenn eine Mutter unterwegs gebiert, ſie eins ihrer Kinder auf den Ruͤcken werfe, ein anderes ins Maul nehme und fort trage, Das, was dieſe ſonderbaren Thiere eigentlich merkwuͤrdig macht, ſind ihre Reiſen, die ſte aus ihrer Heimath in andere Gegenden nicht jaͤhrlich, ſondern in unbeſtimmten Perio⸗ den, oft kaum nach a2s bis 20 Jahren zweymal anſtellen. Die eigentlichen Urſachen dieſer Wanderungen kennt man noch nicht voͤllig; doch ſcheint die ungeheure Vermehrung in den wuͤſten und unzugänglichen Alpen, gegenwaͤrtiger oder bevorſtehender Mangel an Rahrungs⸗ mitteln fuͤr die unzaͤhlbare Menge, und Vorempfindung eines außerordentlich heſtigen Win⸗ ters, die naͤchſte Veranlaſſung zu ſepu. Wenn die Lemminge ihre Heimath verlaſſen wollen, ſo verſammeln ſte ſich in Schaa⸗ ren in den benachbarten Ebenen und treten ihren Marſch an. Sie ſetzen ihn in getader Linie fort, ein Thier folgt dem andern nach, und ſo ziehen mehrere Kolonnen in parallelen Reihen neben einander hin. Jede Kolonne verurſacht in der Erde eine kaſt 2 Zoll tiefe Fur⸗ che, worin ſie fortlaͤuft. Dergleichen Furchen erblickt man da, wo ſie ziehen, mehrere neben einandet; einige ſind 1 bis 2 Spannen, andere wohl 1 oder 2 Ellen von einander ent⸗ fernt, und der Platz bekommt dädurch das Anſehen eines gepfluͤgten Feldes. Auf ihren Moͤrſchen loſſen ſich die Lemminge durch kein Hinderniß äbhalten. Sie weichen weder dem Waſſer, noch dem Feuer, keinem Fluſſe, keinem Strudel, kein m Sum⸗ pfe und dergl. aus, ſondern gehen kuͤhn vorwärts; daher oſt viele kauſende im Waſſer ihr Leben verlieren, und an den Ufern todt gefunden werden. Wenn ſie über einen Ser oder Leich ſchwimmen, und man bringt ſte durch Stoͤße mit Stangen in Unordnung, ſo ſchließen ſte ſich bald wieder an einander an; ja ſie ſuchen ſogar das Fahrzeug, das ihnen im Schwim⸗ men begegnet, zu überſteigen. Kommen ſie auf dem Lande an einen Gereide⸗ oder Heu⸗ haufen, ſo freſſen ſie ſich durch, und nehmen ihren Weg unler demſelben weg. Treffen ſte eine Felſenwand an, ſo ſuchen ſte dieſelbe entweder zu durchnagen oder zut uberſteigen; ge⸗ lingt ihnen das Lrtßßtere auch nicht, ſo umgehen ſte dieſes Hinderniß, und ſetzen auf der enks Seite ihren Weg in derſelben Richtung und nach derſelben Gegend fort. So klein ſte auch ſind, ſo widerſetzen ſie ſich dennöch ihten Feinden⸗ muthig. Wenn der Menſch mit einem Stocke der Kolonne den Weg zu hemmen ſucht, ſo beißt das naͤchſte Thier ſo feſt in den Stock, daß es ſich daran fortziehen läßt. Die Stimme der Lemminge gleicht dem Gebelfer eines⸗ Hundes.— So ſchr ſte auf ihren Zuͤgen auch alles berwuͤſten, ſo men ſie doch 5 in die Wohnungen der Menſchen. Sie richten ihre Matſchr nach dem Mecere hin. Die, wälche von ben norwegiſchen Al⸗ pen nach Weſten ziehen, endigen ihre Läufbahn am Weltmeere; diefenigen aber, welche ihre Richtung oͤſtlich nehmen, kommen nach dem botniſchen Meerbufen. Die ruſſiſchen Leimmin⸗ ge wandern vom noͤrdlichen Uralgebirge gegen Nordweſten bis ins ruſſiſche Lappland und gee gen Hſten bis an den Jeniſei. Es kommen aber nur wenige bis ans Meer⸗ herab; die aller⸗ meiſten finden unterweges auf mancherley Art ihren Tod. Taufende kommen im Waſfer, vor Hunger u. ſ. w. um. Eine Menge wird von den Menſchen etſchlagen. Viele finden in den Magen der Räubthiere, die ihnen nachziehen, ihr Grab. Bären, Füchſe, Marder, Wieſel, Vielfraße und Raubosgel nähren ſich von ihrem Fleiſche, und fangen ſte auf dem Marſche Die Nordländer ſehen daher infofern die Wanderungen der Lemminge gern, weil ſte. an den e wilden Thieren treffliche Beute machen. Die wenigen, welche uͤbrig bleiben, zerſtreuen ſich in die Ebenen, wohin ſie ſich begaben, und ziehen, wie man verſichert, in der nämlichen Ordnung den folgenden Sommer wieder zu⸗ ruͤck in ihre Heimath. Es ſind ihrer aber immer eine ſo geringe Anzahl, daß man den kaum bemerkt. Auf den Alpen bleiben in den Zeiten einer Wanberuns nur wenige zurn Die ploͤtzliche und unerwartete⸗ Erſchrinung⸗ dieſer Thicre in den bewohnten Ehenen ver⸗ anlaßt unter den Rördländern die alberne Meinung, däß ſie aus den Wolken fallen. Meh⸗ rere Naturforſcher verſtchern, daß wirklich bisweilen Lemminge aus der Luft auf die Erde kommen. Es ſind dieß aber ſolche, die von Kraͤhen und andern Raubvsgeln ergriffen und fortgefůͤhrt werden, aber— fanden, ſich ihren Klauen zu entwinden. Das Fleiſch der Lemminge wird nur biswrilen aus Rahe von den Laͤppen geoſin. E= foll dem vom gleichen. 2 N ..˖·· Iuſckten XII. gznfuſtons⸗Thierchen ———————— — — AInfuſions⸗Thierchen nennt man die unendlich kleinen Thierchen, welche ſich entwickeln und zum Vorſchein kommen, wenn man Waſſer auf Pflanzen„ Mehllleiſter oder alten Sauer⸗ teig gießt, und dieſe fanlen oder Biereſſig alt und dick werden laͤßt. Sie gehoͤren mehr zu den Wurmern als den Inſekten, ſind dem bloßen Auge faſt gar nicht ſichtbar, und zönnen nur durch gute Mikroſkope beobachtet werden. Es gibt, ſonderlich in ſtehenden Waſſern, gar viele Arten davon, und wir wollen hier nur ein Paar Gattungen davon kennen lernen⸗ Nro. 1. Der Sech lauſch wur m⸗ (Vibrio utriculus L.) Der Schlauchwurm entſteht ſogleich, wenn man nur eine Handvoll Heu in' ein Zu⸗ ckerglas thut, Waſſer darauf gießt, und etliche Tage im Zimmer ſtehen laͤßt. Es zeigt ſich dann auf der Hberfläche des Waſſers ein brauner Schaum, der, wenn man ihn mit dem Mikrofkope unterſucht, eine unzaͤhlige Menge dieſer Infuſtons⸗Thierchen enthaͤlt. Sie ſind halb durchſichtig, und haben weder eine beſtimmte Form noch Farbe, ſondern erſchei⸗ nen bald mit einer Gabel, wie Fig. a. zeigt, bald länglich breit, bald lang, bald rund, koͤnnen ſich ſehr ausdehnen, und bewegen ſich ſehr munter und ſchnell im Waſſer, meiſtens in ziner Spirollinie, wie Fig. b. zeigt. Nro. a. 3 und 4. Der Kleiſter aal. Vibrio glätinis L.) Bie Kleiſter⸗Aelchen, welche Sig. 2. in einem Tropfen Kleiſterwoſſer in ihret natürli⸗ chen Groͤße, und Fig. 3. vergröͤßert zrigt, fünd fadenformige 32 Schläͤngelchen, mit 255 Hoft. 5 3 38 kolbig zugerundetem Kopfe. Sie ſind durchſichtig, haben aber innerlich meiſtens einen dunklen Streifen. Sie leben in duͤnnem Buchbinderkleiſter, und vertrocknen mit demſelben; wenn man aber dergleichen vertrockneten Kleiſter nach etlichen Jahren mit lauem Waſſer wieder aufweicht und fluͤſſig macht, ſo leben dieſe Thierchen auch wieder auf, und ſind ſo munter als zuvor. Sie gebähren ihre Jungen lebendig, wie man aus der Vergroͤ Fig. 4 ſehen kann, wo ſich einige befruchtet und zerſchnitten liegen. ßerung Infuſi ons⸗ hierchen. Man ſollte freplich eigentlich nur diejenigen mikroſkopiſchen Geſchoͤpfe mit dem RNamen Jufuſions⸗Thierchen belegen, welche durch einen Aufguß ayf thieriſche oder vegetabiliſche Koͤrper erzeugt werden; allein in der Raturgeſchichte verſteht man unter Infuſtons⸗Thier⸗ chen alle diejenigen Geſchoͤyfe, die man nicht mit bloßen Augen, ſondern nur mit dem Vergroͤßerungsglaſe wahrnehmen kann. Sie leben in allrrhand faulenden und zum Theil auch friſchen Saͤften, ſowohl von Thieren als Pflanzen. Eine unendliche Menge trifft man beſonders in Gewaͤſſern an, worin verſchiedene Koͤrper des Thier⸗ und Pflanzenreichs in Faͤulniß uͤbergehen. Sie gehöͤren zu den Wuͤrmern, und machen den Beſchluß in der Reihe der belebten organiſchen Weſen. Man hat ſte alle in Eine Ordnung gebracht, weil ſte alle die Eigen⸗ ſchaft mit einander gemein haben, daß ſie dem bloßen Auge unſichtbar bleiben. Sie haben eine ſehr verſchiedene Geſtalt und Bildung; viele aber gar keine aͤußeren Organe. Dieſe letztern erſcheinen unter dem Mikrofkop bloß als einfache, durchſichtige und bewegliche Bläͤs⸗ chen; andere hingegen haben einen geſchwaͤnzten, oder einen mit längern oder kützern Haa⸗ ren beſetzten Körper. Ihre Bewegung iſt vollkommen willkuͤhrlich und von verſchiedener Art. Bald geſchieht ſte ſchnell, bald langſam; bald iſt ſie kreisrund, oder bogenföͤrmig; bald ſchlaͤngelnd oder gerade vorwarts. Rachtheiligen Einwirkungen ſuchen ſie durch eine ploͤtzliche Flucht zu entkommen. Verduͤnſtet allmaͤhlich die Feuchtigkeit in welcher ſie ſich befinden, ſo ziehen ſie ſich nach dem Orte, wo noch einige übrig blieb. Von vielen weiß man, daß ſie eine fehr beträchtliche Lebensdauer beſttzen. So leben 3. B. die Kleiſteraͤlchen wieder auf, wenu ſie auch gleich ſchon lange Zeit eingetrecknet ge⸗ 60 legen haben. Mehrere Gattungen ſollen durch die Hiße des ſtedenden Waſſers und durch die ſtrengſte Kaͤlte nicht getoͤdtet werden. Sonſt liegt ihre Oekonsmie noch ſehr im Dunkeln. Man weis nichts von der Ark und Weiſe ihrer Organiſation; nichts Zuverläͤſſiges und Gewiſſes von ihrer Fortpflanzung und Ernährung. Ihre Nahrung ſcheint wenigſtens in nichts anderem zu beſtehen, als im Woſſer, welches mit aufgeloͤſten Theilen von Pflanzen und Thieren geſchwaͤngert iſt; doch 99 es vielleicht noch kleinere organiſche Weſen, als ſie ſelbſt ſind, die ihnen zur Nahrung ienen. Uiber die Fortpflanzung dieſer kleinen Geſchöͤpfe hat man mancherkey Hypotheſen erſon⸗ nen. Man hat geglaubt, daß ſie aus aufgeloͤſten Theilen anderer organiſtcten Koͤrper ent⸗ ſtaͤnden; allein das iſt der gewoͤhnlichen Art der Fortpflanzung ſehr zuwider, und ſtuͤtzt ſich auf keine Erfahrung; vielmehr ſcheint der Keim oder der Same dieſer mikroſkopiſchen Thier⸗ chen uͤberall in den Dingen zu liegen, worin ſte ſich durch Aufguß erzeugen. Koͤnnte nicht der Keim der Infuſtons⸗Thierchen gewiſſen Koͤrpern eben ſo eigenthuͤurlich ſeyn, wie der Keimm oder Same zu den Eingeweidwuͤrmern gewiſſen thieriſchen Koͤrpern 2 Es beduͤrfte derſelbe ſo⸗ dann weiter nichts, als guͤnſtige Umſtaͤnde, um ſich zu entwickeln.— Von einigen dieſer klei⸗ 5 nen Geſchoͤpfe weiß man, daß ſie ſich wirklich durch Eyer oder lebendige Junge fortpflan⸗ zen); andere vermehren ſich dagegen durch Theilung. Man will bis jetzt 178 verſchiedene Gattungen von Infuſtons⸗Thierchen gefunden ha⸗ ben; dieſe theilen die Naturforſcher in 15 Geſchlechter. Daß es aber mit den angenomme⸗ nen Unterſcheidungsmerkmalen einzelner Gattungen noch nicht ſeine voͤllige Richtigkeit habe, laͤßt ſich bey Geſchoͤpfen von ſo erſtaunlicher Kleinheit, wohl erwarten. Wirklich haben auf⸗ merkſame Beobachter zwiſchen den Infuſions⸗Thierchen von verſchiedenen Koͤrpern, einen Un⸗ terſchied bemerken koͤnnen; doch fanden ſie in einer Infuſton Thierchen von ganz verſchiede⸗ ner Geſtalt und Groͤße. Die ſcheinbare Groͤße der Infuſtons⸗Thierchen iſt fehr verſchieden. Bey einer im Durch⸗ ſchnitt drephundertfachen Vergroͤßſerung kommen einige beynahe einer Wanze gleich; andere ſind von der Groͤße einer Laus; viele noch kleiner, und unter allen dieſen ſteht man z. B. in der Heuinfuſton eine unbeſchreibliche Menge lebender Puͤnktchen herum ſchwärmen, die unter der angegebenen, gewiß anſehnlichen Vergroͤßerung, dennoch nicht groͤßer, als die Y) Vielleicht findet bey den Infuſtons⸗Thierchen eben ſo gut eine Paarung ſtatt, wie bey andern Thieren, wenigſtens ſieht man öfters zwey Thierchen ſich einander innig nähern. Sie ſchei⸗ nen dann faſt Einen Körper auszumachen, liegen ohne Bewegung ſtill, und krennen ſich nach einiger Zeit wieder⸗ ——————iſ—— ———————ů ů 62 kleinſte Kͤͤſ⸗milbe oder als das feinſte Sandkorn erſcheinen. Sie ſind vielleicht noch ganz junge Thierchen. Man kann ſich von der Groͤße der Infuſtons⸗Thierchen einen noch deutlichern Begriff machen, wenn man zwiſchen ihnen und kleinen, dem unbewaffneten Auge ſichtbaren Koͤr⸗ pern, Vergleichungen anſtellt. Demnach findet ſich, daß 200 der groͤßten Inſuſtons⸗Thier⸗ chen ungefaͤhr auf den Saum eines ſehr feinen Sandkorns gehen. Eine kleine Kaͤſemilbe verhaͤlt ſich gegen ein großes Infuſtons⸗Thierchen ungefaͤhr wie ein Truthahn zu einem Sper⸗ ling. Dieſer unbeſchreiblichen Kleinheit wegen finden auch Millionen dieſer Thierchen in einem einzigen Waſſertroͤpfchen Platz. Man kann ſte uͤbrigens ſehr leicht erhalten, wenn man Waſſer auf Fleiſch, Heu und mancherley Blumen gießk. Thymian gibt beſonders eine große Menge. SSSrrYY YY Yοο]=— Der Schlauchwurm. (Vibrio atriculus.) Di⸗ ſchlauchähnliche Bildung ſeines Koͤrpers hat dieſem Infuſtons⸗Thierchen den Ramen gegeben. Was uͤbrigens von ihm zu ſagen iſt, findet man bereits im Texte des B. B. angeſuͤhrt. 8 F SE Der Kleiſter aal. (JViörio glutinis.) Nicht nur im Buchbinderkleiſter, ſondern auch in Staͤrke, die durch das Waffer fluͤſſig ge⸗ macht wird, erzeugt ſich dieß mikrofkopiſche Geſchoͤpf. Sein Kopf iſt kolbenfoͤrmig zugtrun⸗ det, und nahe auf dem Ruͤcken hat es einen dunkeln runden Schild, der mit einem weiß⸗ lichen Zirkel eingefaßt iſt. Die Kleiſterälchen pflanzen ſich ſowohl durch Eyer, als durch Junge ſort. Zerſchnei⸗ det man ſie in der Mitte, ſo ſchuͤtten ſte uͤber 100 Junge heraus. Jedes dieſer Jungen iſt in einem Ey eingeſchleſſen, aus welchem es ſogleich herauskriecht. Das Wachsthum geht ſehr ſchnell vor ſich.— Sobald die Feuchtigkeit vertrocknet, in welcher dieſe Thier⸗ chen leben, ſterben ſie unter Verzuckungen; ſie leben aber wieder auf, ſobald man Waſ⸗ ſer auf die Stelle gießt, und wenn es auch nach 20 Jahren geſchaͤhe. — Vermiſchte Gegenſtaͤnde. X. Mikroſkopiſche Gegenſtände. Di Erfindung des Mikroſkops oder Vergroͤßerungsglaſes iſt fuͤr die Raturkunde und Ra⸗ turgeſchichte erſtaunlich wichtig; denn dadurch haben wir eine Menge Dinge, die wir mit bloßen Augen gar nicht ſehen koͤnnen, entdeckt, und ſind in die unendlich feine Organiſation und Zuſammenſetzung der Thiere, Pflanzen und Mineralien eingedrungen, deren Wunder uns tauſendfaches Vergnuͤgen gewaͤhren. Man hat Mikroſkope von mancherley Art, einfache und zuſammengeſetzte, das wunderbarſte unter allen aber, und welches die ſonderbarſten Er⸗ ſcheinungen gibt, iſt das Sonnen⸗Mikrofkop, das wir in der Folge hier auch kennen lernen wellen, wodurch man die Gegenſtände in einem dunkeln Zimmer nach Belieben vergroͤßern, und einen Floh z. E. ſo groß als ein Pferd darſtellen kann. Durch das Mikroſkop betrachtet, erſcheinen alle natuͤrliche Gegenſtaͤnde immer ſchoͤn und vollkommner, alle Werke der Kunſt und des menſchlichen Fleiſches hingegen immer ſchlech⸗ ter und roher, als das bloße Auge ſte erblickt, wie wir gleich an dem Bienenſtachel und der feinen Naͤhnadelſpitze ſehen werden. Nro. 1. und 2. Feuerfunken. Wir haͤtten wohl nicht geglaubt, daß Feuerfunken, die wir ſo ſchnell entſtehen und ver⸗ ſchwinden ſehen, einen wirklichen Koͤrper haben, und doch ſehen wir dieß bier an Fig. 1. und 2. Feuerfunken vom Stahle ſind naͤmlich nichts anders, als unendlich kleine Theilchen oder Spänchen Stahl, die durch ſein Zuſammenſchlagen mit dem ſcharfen Feuerſteine los⸗ geriſſen, gluͤhend geworden, und hernach in eine Metallſchlacke verwandelt ſind. Wenn man alſo üͤber einem weißen Bogen Papier Feuer ſchlägt, ſo erſcheinen auf dem Papier äußerſt ſeine ſchwarze Puͤnktchen, wie Fig. 1. zeigt. Dieſe nun, unter das Mikroſkop gebracht, er⸗ ſcheinen in allerhand Geſtalten, wie Fig. 2. zeigt, und man ſieht gleich, daß a a. a. a. die abgeſchlogenen Stuͤckchen Feuerſtein, und b. b. b. b. die losgeriſſenen und gluͤhend gewe⸗ ſenen Stahltheilchen waren, die halb geſchmolzen ſind, und dieſe krauſen Fotmen angenom⸗ men haben. Nro. 3. und 4. Bienenſtachel und Naͤhnadelſpitze. Hier zeigt Fig. 3. die naturliche Groͤße bepder hoͤchſt feinen Spitzen, und Fig 4. ver⸗ grötzert hingegen, wie weit immer die Kunſt hinter der Ratur zuruͤck bleibt; denn die fein polirte Spiße der feinſten engliſchen Naͤhnadel, Fig. n. erſcheint gegen die vergroͤßerten, aber noch immer glatten und aͤußerſt ſpitzigen Bienenſtachel, Fig. m., als ein rauher loͤcheriger Pfahl, und doch hat dieſer hoͤchſt feine Bienenſtachel wieder noch feinere Theile und Glieder, wie wir gleich ſehen werden. Nro. 5. Die innern Theile eines Bienenſtachels. Der Bienenſtachel, den wit in der vorigen Figur nur von außen ſahen, theilt ſich, ſo bald die Biene ſticht, in zwey Häͤlften oder Scheiden(Fig e.6), aus welchen der eigentliche Stachel Fig. e. in die Wunde dringt, und durch welchen aus dem Giftbläschen Fig. d. ver⸗ moͤge der Muskeln, Fig. g. g. g. g. ein Tropfchen ätzender Saft in dir Wunde geſpritzt wird. Damit dieß aber geſchehen kann, hat der Stachel viele Widerhacken Fig. f. f., wo⸗ Ddurch er in der Wunde ſtacken bleibt, und ſie entzuͤndet. 8 Nro. 6. Die Zunge oder der Saugrüſſel einer Biene. Dieſer iſt nicht minder fein und bewundernswuͤrdig, als ihr Stachel. Fig. b. h. iſt ſeine Außerſte Schneide; Fig. i. i. die zweyte Schneide, Fig. k. k. die innerſte Schneide der Zun⸗ ge, und Fig⸗ l. die Zunge oder der Saugruͤſſel ſelbſt, womit die Bienen den Honig aus dem Honigbehälter der Blumen ſaugt.