, Jove K 4 0 , 4.,. un,, rdet dee O StSVI ,, 1. Vierfüß. Thiere, I.V. 8 Hirſche u n d eee Nro. 1. D e r A 0 u. Cœnuue I gafrgule.) 3 S Der Aßu bält das Mittel zwiſchen dein Edel⸗Hirſche und dem Rehe. Er iſt großer als das Reh, und oft ſo groß als der Dammhirſch, hat kleine Rehgtweihe, aber gar keinen Schwanz; daher er auch oft das ungeſchwanzte Reh genannt wird. Seine Farbe iſt mehr gelb⸗ grau, als die vom Rehe; ſein Fleiſch aber eben ſo zart und wohlſchmeckend, als das vom letz⸗ teren. Er lebt in Sibirien, Perſten, und uͤberhaupt im mittleren Aſien, mit den Gazellen und wilden Ziegen auf den hoͤchſten Bergen. Nro. 2. Der Axis, oder Ganges⸗Hirſch. 8(Cervus ab.) Oer Axis lebt vorküglich in Indien an den llfern des Ganges, daher er auch ſeĩ⸗ nen Ramen, der Ganges⸗Hirſch, hat. Er iſt ſo groß als ein Damm⸗Hirſch, hat aber das Gehörn vom Edel⸗Hirſche. Er iſt uͤberaus ſchoͤn gezeichnet: ſeine Farbe uͤber den Ruͤcken ünd die Seiten lichtbraun mit weißen Flecken. Sein Fleiſch iſt wohlſchmeckend, und er laͤßt ſich leicht zahm machen. Nro. 3. Der dickleibige Hirſch. Ceruds porcinue. B Der dickleibige Hirſch lebt in Bengalen, und auf den Indiſchen Inſeln. Wegen ſeiner kleinen dicken Figur heißt er auch oft der Schwein⸗Hirſch. Er iſt wenig uͤber 2 Fuß hoch, und nur 35 Fuß lang, braun von Farbe und weiß gefleckt. Sein Fleiſch iſt wohlſchmeckend, und er wird fuͤr ein gutes Wildpret gehalten. Nro. 4. Der Muntjac. (Cervus muntjac.) Der Muntjae iſt nicht ſo groß als ein Reh, und lebt vorzüͤglich auf der Inſel Java. Sein Kopf iſt klein und ſchmal; ſein Gehoͤrn ſehr kurz, und ſteht auf 2 ſtarken, A ag9tes Heft. EEEEE—— 2 knochigten Schwielen, welche von den Augen hinauf laufen. Von Farbe iſt er lichtbraun, am Halſe und Bauche grau. Sein Fleiſch ilt ſehr wohlſchmeckend, und wird geſucht. — Re h⸗ 0 Cærvus capreolus.) Nro. 5. Das Maͤnnchen. Nro. 6. Das Weibchen. Das Keh iſt ein aͤberaus ſchönes, ſchlankes und zierliches Thierchen, ohngefaͤhr 4 Fuß lang, 2 Fuß 8 Zoll hoch. Es lebt in ganz Europa(England ausgenommen), ſo wie im ganzen mittleren Aſten, nur nicht in zu kalten oder in zu heißen Laͤndern. Das Maͤnnchen hat ein kurzes, etwa 8 bis 10 Zoll langes, ſehr krauſes Gehoͤrn, und iſt graubraun, das Weibchen aber rothbraun von Farbe. Das Reh naͤhrt ſich vorzuͤglich von den Sproſſen und Spitzen des jungen Holzes, Saat und dergl. Sein Fleiſch iſt ſehr wohlſchmeckend, und wird allgemein fuͤr einen Leckerbiſſen gehalten. —— S e Abhu. Cervus pygargus Fall) Der Ahu, oder das ungeſchwänzte Reh, lebt in großer Menge in den gemäßigten Ge⸗ genden von Rußland, Sibirien und andern Ländern Aſtens; beſonders zahlreich trifft man ihn jenjeits der Wolga in den daſelbſt befindlichen Gebuͤſchen an. Er kemmt an Groͤße dem Dammhirſche nicht nur gleich, ſondern uͤbertrifft ihn wohl noch; iſt aber ſo ſehr von o wie von allen übrigen Hirſchgaltungen verſchieden. Die Farbe dieſem, als vom Reh, f. ö ſeines Haars und die Geweihe oder Hoͤrner ſind ziemlich, wie am gemeinen Rrhbock: letztere die Augenlieder und Augen⸗ haben an dem Wurzelende viele Knoten oder Knoͤpfchen.—— kreiſe ſitzen lange ſchwarze Haare; die Ohren ſind inwendig ſtark behaart und weiß; die Ra⸗ ſe und die Seiten der Unterlippe ſind ſchwarz, ihre Spitzen weiß. Um die Lenden herum befindet ſich ein großer ſchneeweißer Fleck, der ſich bis zum Ruͤcken erſtreckt. Das Fell iſl übrigens ſehr dick, und das Haar deſſelben im Fruͤhlinge rauh und aufrechtſtehend. Der Schwanz mangelt gaͤnzlich, und man bemerkt an der Sielle, wo er ſitzen ſollte, nur eine häulige Warze. Die Vorderbeine ſind laͤnger, als die hintern, beyde haben oberhalb die Farbe des Ruͤckens, unterwaͤtts ſind ſte, wie der Bauch, aſchgrauweiß. ö Auf den hoͤchſten maſander aniſben und gilaniſchen Bergen lebt der Ahn mit den europäiſchen und Bezoarziegen und mit dem orientaliſchen Schafe gemeinſchaf lich. Sobald der Winter eintritt, und der Schnee die Gebirgsgegenden bedeckt, zirht et ſich nach den offenen Ebenen herab.— Ahn iſt ſein perſiſcher Rame; die Tataren nennen ihn Saiga, d. i. Rehbock. Man muß ihn aber nach der letztern Benennung nicht mit der ſeyihiſchen Antilope verwechſeln. 8 8 A 3 2 4 Das Fleiſch des Ahn kommt unſerm Rehfleiſche beyh, und wird von den Bewoh⸗ nern jener Länder, in welchen das Thier lebt, gern gegeſſen. Die Tataren und Tſchuwa⸗ ſchen fangen den Ahnu am Ende des Winters in Schlingen und Fallen; im Winter jagen ſie ihn mit Schneeſchuhen, weil er init ſeinen Fuͤßen im Laufe ſehr oft durch die vom Froſt verurſachte Schneerinde bricht, und alſo nicht gut fortkommen kann. Der Axis oder Ganges⸗Hirſch— (Cervuus aανι.) Eʒ ſcheinen drey Spielarten des Apishirſches, naͤmlich der gefleckte, der mittlere und der groͤßere Axis vorhanden zu ſeyn. Der gefleckte Axis iſt der hier abgebildete Gan⸗ geshirſch. Er heißt ſo, weil er ſich vornehmlich in denjenigen Gegenden von Indien befin⸗ det, welche der Ganges durehſtroͤmt. Vom gemeinen Hirſche iſt er eben ſo wohl, als vom Dammhirſche verſchieden. An Leibesgeſtalt und Groͤße gleicht er dieſem; jenem aber in Ruͤckſicht ſeines Gehoͤrns. Dieſes iſt duͤnn, dreyzackigt, daß erſte Ende naͤchſt dem Grun⸗ de, das zwepte nahe an der Spiße, und jedes ſpitzt ſich aufwärts. Die Farbe drs Felles iſt lichtroth und weißgefleckt. Laͤngs dem untern Theile der Seiten befindet ſich nabe am Bauche eine weiße Linie. Der Schwanz iſt ſo lang, wie beym Dammhirſche, von Farbe oben roth, unten weiß. Das Thier laͤuft ſchnell, und hat ganz die Eigenſchaften des Dammhirſches. Es lebt nicht blos an den Ufern des Ganges, ſondern auch auf Ceplon, und, wie man vermu⸗ thet, auch in der Barbarey. Schon Plinius kannte es, und ſeine Beſchreibung davon iſt recht gut. Ob der Gangeshirſch gleich nur in heißen Laͤndern zu Hauſe geh oͤrt, ſo kann man ihn dennoch in dem europaͤiſchen Klima ohne Muͤhr lebendig erhalten. In Verſailles und im Haag gab es ehmals mehtere dieſer Lhiere. Sie pflanzen ſich ſogar in der Mena⸗ gerie fort, und ſollen auch mit dem Dammhirſche Baſtarde erzeugen. In dem natürlichen Zuſtande naͤhren ſte ſich von allerlet Vegetabilien. Zahimn gemacht, wo ſte ausnehmend kirr werden, freſſen ſte Brot, nur darf es nicht angehaucht ſeyn. Ihr Fleiſch wird genoſſen. Ner dick keibige Hürſch (Cæruus porcinus.) Das duͤnne drehgablichte Geweihe, welches nur 13 Zoll lang und ruͤckwäͤrts gelehnt iſf, machen nebſt dem dicken unfoͤrmlichen Leibe das Hauptunterſcheidungszeichen dieſer vor den uͤbrigen Hirſchgattungen aus Das ganze Thier hat ein ungeſchicktes unbeholfenes Anſehen, iſt wenige Zoll uͤber 2 Futß hoch, und von der Raſenſpitze bis zum Schwanze 3 Fuß 6 Zoll lang Der Schwanz mißt 8 Zoll. Der Oberleib iſt braun, bisweilen weißgefleckt, der Steiß und Bauch ſind etwas heller. Des dicken unfoͤrmlichen Lääbes wegen hat man dieſes Thier Schweinhirſch ge⸗ nannt. Es lebt in Bengalen und auch auf Borneo. Sein Lauf iſt wegen der feinen, ſchlanken Beine ziemlich ſchnell. Um es zu fangen, graͤbt man da, wo es ſich haͤuftg ſehen laͤßt, 4 Fuß tiefe Fallgruben, die oben leicht mit Zweigen bedeckt werden. Das Fleiſch gibt ein wehlſchmeckendes Gericht, und die Beine werden zu Labacksſtopfern gebraucht. 1 MW HEtk (Cervus muntjao.) Der Muntjac, oder gerippte Hirſch, zeichnet ſich durch dretz Laͤngsrippen oder Erhaben⸗ heiten aus, welche von den Augen bis zu den Hoͤrnern laufen. Die Hoͤrner ſelbſt ſind etwa 3 Zoll lang, und ſtehen auf einer knochenartigen, 3 Zoll uͤber der Hirnſchaale erhabenen Hervorragung, wie auf einem Piedeſtal. Die Hervorragung iſt mit Haaren beſetzt; die Hoͤrner ſind dreyendig, und das oberſte Ende iſt hakenfoͤrmig umgebogen. In jedem Hber⸗ kiefer ragt ein Eckzahn hervor. Der Geſtalt nach iſt der Muntjac mit dem Hirſche zu ver⸗ gleichen; er hat aber noch nicht einmal die Groͤße eines Rehbocks. Muntjae oder Munt⸗jak heißt das Thier auf der Inſel Java; hier und auf Cey⸗ lon iſt es zu Hauſe und gemein. Die Einwohner ſchaͤtzen ſein wohlſchmeckendes Fleiſch ſehr, und ſtellen deswegen dein Thiere nach. D a 8 h. (Cervus capreolus.) Das Maͤnnchen. Das Weibchen. Dieſes ſchlanke und uͤberaus niedliche Thier ſteht zwar an Größe dem edlen Hirſch nach, macht ihm aber in Ruͤckſicht auf Geſchwindigkeit, Behendigkeit und Lebhaftigkeit den Vor⸗ zug ſtreitig. Es iſt eins der anmuthigſten und ſchoͤnſten Saͤugthiere. Sein niedlicher Wuchs, das Ebenmaß in ſeinem Gliederbau, ſeine feurigen muntern Augen, das glaͤnzende und dichtanliegende Haar, die ſchlanken, ſchoͤngebildeten Beine und ſein ganzes Betragen, das Stolz und Muth verraͤth, geben dem Rehe ein ſehr gefaͤlliges Anſehen.— In ſeinem Aeußern ſowohl, als in ſeinen uͤbrigen Eigenſchaften hat es vieles mit dem Hirſche, man⸗ ches aber auch mit der Ziege gemein. Die gewoͤhnliche Länge betraͤgt 4 Fuß und einige Zoll, 2 Fuß und 8 Zoll die Hoͤhe des Korpers. Der kleine wohlproportionirte Kopf endigt ſich in eine ſtumpfe Schnauze; die großen Augen haben einen eyrunden blaͤulichen Augapfel; die Thraͤnenhoͤhlen fehlen. Die 6 Zoll langen, weit von einanderſtehenden Ohren ſind in⸗ und auswendig mit einem wolligten Haar beſetzt, und laufen an den Enden ſpitzig zu. Das Gebiß iſt dem der uͤbrigen Gattungen aus dem Hirſchgeſchlechte aͤhnlich. Das Maͤnnchen oder der Rehbock zeichnet ſich vor dem Weibchen(der Rieke) durch ſein kleines niedlich gebautes Gehoͤrn aus. Dieſes iſt o bis 9 Zoll lang, ziemlich ſtark, drey ⸗und mehrendig, aufrechtſtehend und mit Knoten oder Runzeln beſetzt. Auch an dem Haarzopfe, der ſich unter dem Bauche in der Gegend des Zeugungsgliedes befindet, erkennt man den Bock. Das Weibchen hat einen ſchmalern Kopf, einen laͤngern und duͤnnern Hals, eine ſchmalere Bruſt und einen ſchlankern Leib. Sehr ſelten trifft man auf ſcinem Kopfe ein 2 Zoll langes Gehoͤrn an, das denn auch, wie beym Maͤnnchen, jaͤhrlich abgeworfen wird. Es trägt den Hals niedriger, als das Mannchen, und iſt ſtatt des langen Haarzopfes mit einem gelblichen Haarbuͤſchel am Bauche verſehen. Das Haar hat beym Reh eben ſo wenig zu allen Jahrszeiten di⸗ſelbe Farbe, wie beym Hitſch. Vom Fruͤhjahr bis zum Herbſt iſt es gelbraun oder roſtäͤhnlich und dabey kurz und weich; im Winter ſieht es dagegen roͤthlichgrau ous, und iſt laͤnger und rauher. Die Raſe iſt bis an die Augen ſchwarz und weißgeſprengt, bis auf einen ſchwarzen Streich, der über dieſelbe an der Oberlippe weglauft. Das Untermaul hat eine weiße Farbe; die Ohren ſind mit einer ſchwarzen Einſaſſung geziert und an der Wurzel weiß; die Kehle iſt gelb, der Unterhals mit gweh weißen Flecken gezeichnet; der Bauch ſchmutzig weiß gelb, und der Hinterbacken ganz weiß, welches zugleich ein echtes Unterſcheidungszeichen beſondert bom Hinſche abgibt. Das Reh iſt ſchnell auf den Fuͤßen, und ſetzt mit unbeſchreiblicher Leichtigkeit und Behendigkeit uͤber Geſtraͤuche und andere im Wege befindliche Gegenſtaͤnde hinweg. Es ſchwimmt auch gut. Sein Geſicht iſt ſcharf und der Geruch ſo fein, daß es den Jäaͤger ſchon in einer Entfernung von 2 bis 300 Schtitten wittert. Um aller Gefahr deſto ſicherer zu entgehen, reckt es den Kopf in die Hoͤhe, um zu vernehmen, ob der Feind nahe ſey. Glaubt es ſich weit genug vom Menſchen entfernt, ſo ſteht es ſtill und gafft ihn neugierig an. Sein Springen gleicht dem Auf⸗ und Abgleiten eines Schiffes auf dem wogenden Meere.— Die Slimme, die man vorzuͤglich zur Brunſtztit hoͤrt, gleicht einem Gebell, und iſt ſehr helltoͤnend und ſtark. Das Lebensziel ſoll ſich auf 15 bis 10 Jahre erſtrecken, wenn es nicht verkůrzt wird. Das Reh iſt ſehr weit uͤber dem Erdboden verbreitet. Es lebt in Norden und in Suͤden; nur nicht in den kaͤlteſten Regionen. In Europa trifft man es in allen Ländern an, nur nicht in England. Es wohnt in Sibirien, in der Tatarey, in Perſten, China, in Oſtindien u. ſ. w. Rach Pennant ſoll es aber in Afrika nicht ſeyn. Ob man es in Amerika finde, iſt nach eben demſelben nicht zu beſtimmen; doch aber wahtſcheinlich; we⸗ nigſtens gibt es ganz gewiß in Nordamerika Thiere aus dem Hirſchgeſchlechte, die unſerm Reh ſehr aͤhnlich ſind, und auch Rehe genannt werden. Eine trockene, luftige Gegend, lichte helle Waldplaͤtze, mit niedrigem Strauchwerk, beſonders von Brombeeren, und ſolche Oerter, in deren Rähe gute Wieſen oder Felder ſind, waͤhlt das Reh am liebſten zu ſeinem Aufenthalte. Im Winter, wann die Kaͤlte zu ſtreng wird, zieht es ſich von ſeinem getvoͤhn⸗ lichen Aufenthalte in Dickichte, in ſchauerige Radelholzer, kommt aber hernach wieder zu⸗ ruͤck.— Rie trifft man die Rehe in Heerden an, wie den Hirſch, ſondern der Bock haͤlt ſich inimer nur mit ſeinen Rieken, deren er eine oder zwey, hoͤchſtens drey hat, zuſammen. Zu Ende des Novembers, oder mit dem Anfange des nächſtfolgenden Monats, faͤngt die Brunſtzeit an. Sie dauert nur wenige Wochen. Rach 21 Wochen bringt das Weiochen gewoͤhnlich 2 Junge von verſchiedenem Geſchlecht, die es vor dem Maͤnnchen ſorgfaltig verbirgt, und in dickes Gebuͤſch nabe an niedrigen Wieſen hinlegt. Es häͤlt ſtch nur acht Tage lang vom Moͤnnchen glaͤnzlich entfernt, und nach Verlauf dieſer Zett ſucht es den Galten wieder auf, und fuͤhrt ihn freudig hin zu den Jungen. Dieſe blicken ihn färtlich an, indeß die Mutter dem Vater liebkoſt. Von nun an uͤbernimmt derſelbe einen Theil des Erziehungsgeſchäͤfts ſeiner Kinder, ſorgt fuͤr ſie, und vertheidigt ſie aufs aͤußerſte. Die Mutter zeigt aber noch groͤßere Zaͤrtlichkeit fuͤr ihre Jungen; ſie ſcheuet ſogar den Menſchen um dieſe Zeit nicht, ſondern laͤuft auf ihn blindlings zu, wenn er ihre geliebten Kinder antaſtet. 8 Die jungen Rehe ſtad gar niedliche Thierchen. Sie ſehen rothbraun aus, und weißgefleckt. Nach 10 Tagen laufen ſie ſchon mit der Mutter davon; ſie ſaugen Wo⸗ chen. Maännliche, waan ſie 1 Jahr alt ſind, werden Spießer, odet Spießboͤcke; weibliche aber Schnalthiere, Schmalrieken genannt. Man kann ſie mit Ziegen⸗oder Kuhmilch vermitteſt einer Saugkanne, an welcher man vorne einen Schwamm bef ſtigt, aufziehen; noch beſſer gelingt es, wenn man ſie an einer milchenden Ziege ſau en laßt. Sie werden außerordentlich zahm und ſollen ſogar gewoͤhnt werden koͤnnen, mit in den Wald zu gehen, und ihrem Herrn zu folgen, wohin er will.) Das Reh genießt dieſelbe Rahrung, wie die uͤbrigen Thiere ſeines Geſchlechts; Gras, Laub von Weiden, Pappeln, Obſtbaͤumen, Brombeerſtrauchern und dergt. Im Winter benagt es die ſungen Wald ⸗ und Obſtbäume und ſtillt ſeinen Hunger mit der Rinde und den jungen Zweigen, kommt auch auf die Saatfelder. Im Sommer beſucht es die naheliegenden Aecker ebenfalls, und thut dem Landmanne an ſeinem Hafer, an den Linſen, Erbſen und Gemuͤſepflanzen betraͤchtlichen Schaden. Das Laub von Bohnen muß den Re⸗ hen inſonderheit gut ſchmecken; denn ihrer großen Furchtſamkeit ungeachtet kommen ſte dar⸗ nach in die Garten, und ſoringen über Verzaͤunungen. Abends und Morgens iſt die ge⸗ woͤhnliche Zeit, wo ſie auf Nahrung ausgehen. Sie betragen ſich dabey ſehr vorſichtig, um nicht üͤberraſcht zu werden. Der Bock geht voran, und ſieht ſich, wann er aufs Freye tritt, nach allen Seiten um; merkt er, daß Gefahr vorhanden iſt, ſo zieht er ſich zuruͤck; iſt er aber ſicher, ſo geht er voran, und ihm folgt ſein Weibchen und ſeine ganze Familie. In ſtrengen Wintern müſſen ſich dieſe Thiere manchmal ſehr kuͤmmerlich behelſen. Oft haben ſie dann weiter nichts, als einige Eicheln, Baumrinde, Moos und aͤhnliches fuͤr ſie ſchwer verdauliches Futter, wovon ſich Klumpen in ihrem Fallenmagen feſtſetzen, die nach und nach die Auszehrung und den Lod verurſachen. Andere Krankheiten ſind der Durchfoll. Er entſteht nach langem Faſten im Fruͤh⸗ jahre, wenn die Rehe viel junges Laub zu ſich nehmen. Auch die Engerlinge plagen ſte; dieſe ſollen ihnen bey lange anhaltendem Winter, und daher entſtehendem Mangel an Rah⸗ rung den Magen durchbohren, daß ſie elendiglich umkommen muͤſſen. Mehr als von Krankheiten wird das Reh von Raußthieren geplagt, die nach ſei⸗ nem Fleiſche geluͤſtet. llnter den Feinden des Rehes ſteht in bewohnten Laͤndern der Menſch oben an. Der Hund, der Wolf, die wilde Katze, der Fuchs und Luchs verfolgen alte und *) Zahme Boͤcke ſind jedoch ſehr ſtoͤßig. Erblicken ſie einen Fremden in ihrem Reviere, ſo laufen ſie blind auf ihn zu, und ſcheuen weder Stock noch Peitſche. Hier in meiner Nach⸗ bärſchaft mußte man einem ſolchen Thiere das Gehoͤrn abſaͤgen, weil unter andern ein Mann von ihm gefaͤhrlich verwundet worden war. 3. junge. An letztere wagen ſich ſogar das Wieſel und mehrere Gattungen von Raubvoͤgelt. Der Menſch bemaͤchtigt ſich ihrer auf die bekannte Art, mittelſt des Schießgewehrs. Den Bock pflegt man dadurch anzulocken, daß man die Stimme der Rieke auf einem Baumblat⸗ te oder einem Stluͤck Birkenrinde nachmacht. Die Wilden in Amerika kleiden ſich in eine Rehhaut, naͤhern ſich dem Thiere, auf Haͤnden und Fuͤßen gehend, und werfen ihm dann ſchnell eine Schlinge uͤber den Kopf. Das Rehfleiſch iſt nach Einigen das beſte und wohlſchmeckendſte von den Thieren aus dieſem Geſchlechte. Wenn die Weide gut iſt, ſo kann man dies allerdings annehmen; auf feuchten niedrigen Wieſen erhalt dagegen das Fleiſch keinen guten Geſchmack. Viel kommt darauf an, ob das Reh uͤber 2 Jahr alt iſt. Junge unter Einem Jahre ſchmecken am beſten.— Außer dem Unſchlitt benutzt man jetzt ſchwerlich noch etwas vom Reh in der Medizin. Das Fell wird zu allerley Kleidungsſtuͤcken verarbeitet, und das Haar davon zum Ausſtopfen verbraucht. ꝛ9tes Heft. Voͤgel XXXI. Hühner verſchiedener Art. Uaſere Haushuͤhner ſtammen aus Oſtindien ab, wo es noch wilde, von rothbrauner Farbe, in den Wäldern gibt. Sie haben ſich aber als Hausthiere faſt uͤber die ganze Welt verbrei⸗ tet, ſind auf mancherlei Weiſe ausgeartet, und daraus die verſchiedenen Arten von Huͤhnern entſtanden, die wir jetzt kennen. 73 Nro. 1. und 2. Der deutſche Haushahn und die Henne. (Placianus gallus. L.) Der deutſche Hahn iſt gewoͤhnlich 16 Zoll, und die Henne 14 Zoll hoch. Der Hahn iſt meiſtens ſehr ſchoͤn gezeichnet, und hat eine ſtolze, praͤchtige Figur. Seine Kuͤhn⸗ heit und Streitſucht zeichnen ihn vor allem andern zahmen Gefluͤgel aus. Nro. 4. Der engliſche Hahn. Nro. 3. Die engliſche Henne. Die engliſchen Huͤhner ſind gewoͤhnlich groͤßer, und von ganz anderer Figur, als 85 die deutſchen; der Hahn meiſt 17 und die Henne 16 Zoll hoch; der Hahn gelb und weiß, von kurzem Gefieder, die Henne gelb, weiß und ſchwarz gezeichnet, mit ſtarkem Federbu⸗ ſche und Barte, und einem hängenden Schwanze. Die Englaͤnder brauchen dieſe Haͤhne, wegen ihrer Staͤrke und Streitbarkeit, zu ihren Hahnenkaͤmpfen, welche eine Volksluſtbar⸗ keit ſind, und hohe Wetten veranlaſſen. Nro. 6. und 6. Das Kluthuhn. Der Hahn und die Henne⸗ Das Kluthuhn iſt etwas kleiner als das ordinͤre Huhn, und ſowohl Hahn als Henne voͤllig ohne Schwanz. Eine Abart des gemeinen Huhns, die ſich nun ſeit lange her ſchon vegelmäßig fortpflanzt. Nro. 7. Das Strüpphuhn. Das Strupphuhn, welches aus Frießland herſtammen ſoll, iſt gleichfalls eine ſol⸗ che durch Zufall eniſtandene Abart, die ſich nun fortpflanzt. Die Federn ſtehen ihm alle auſwaͤris und emporgeſtraͤubt, welches ihm kein ſchoͤnes Anſehen gibt. — . 55 ‚ — Nro. 8. nd 9. Das 3werghuhn. Hahn und Henne. Das kleine Zwerghuhn ſtammt aus China ber, iſt kaum 9 bis 10 Zoll hoch, weiß von Farbe, und hat rauhe, befiederte Beine. Die Huͤhner legen und bruͤten ſehr fleißig, werden ſehr fett, und haben ein ſehr wohlſchmeckendes Fleiſch. * Huͤhner verſchiedener Art. Daß das gemeine Haushuhn(Phasianus gallus) zu dem Faſanengeſchlechte gehöre, verräͤth ſchon die ſyſtematiſche Benennung. Roch mehr aber ſieht man es, wenn man den Faſan mit dem Haushuhn vergleicht. Beyde haben einen kurzen ſtarken Schnabel, und an den Backen eine nackte und glatte Haut. Unterſchieden iſt das Haushuhn wiederum durch den fleiſchernen Kamm auf der Stirn, durch die doppelten Lappen an den Backen und da⸗ durch, daß die Gegenden um die Ohren kahl, der Schwanz meiſtens zuſammengedruͤckt und in die Hoͤhe gebogen iſt. Schon ſeit undenklichen Zeiten var das Huhn der gemeinſte Hausvogel in einem ſehr großen Theile des Erdbodens in Norden und Suͤden, in Oſten und Weſten. Man findet es ſogar haͤufig auf den Inſeln in der Suͤdſee zohm. Rach Amerika kam es erſt durch die Europaͤer. Daß es unter dem Hausgefluͤgel eins der nuͤtzlichſten iſt, dafuͤr buͤrgt ſchon der Umſtand, daß man es faſt in allen Haushaltungen, wo Platz iſt, antrifft. Wild findet man es in Oſtindien in waldigten Gegenden, von wo aus es ſich wei⸗ ter in Aſien und den uͤbrigen Erdtheilen verbreitet hat. Der wilde Hahn, den man noch jetzt in manchen Gegenden Aſtens findet, iſt von mittler Groͤße, etwa 2 Fuß 1 Zoll lang. Sein Schnabel mißt fuͤnf Viertel Zoll. Der Kamm iſt groß, von lebhafter rother Farbe und gezähnelt; die Lappen ſind wie beym zahmen Hahn; die Schlaͤfe und eine Linie vom Kamm bis zu den Augen ſind nackt fleiſchfarben; neben den Augen befindet ſich ein perlfarbner kahler Fleck, der nur wenige ſehr kurze Federn hat. Die übrigen Hals⸗ und Kopffedern ſind ſchmal, lang, und an der Wurzel grau, in der Mitte ſchwarz und an der Spitze weiß. Die Federn auf dem übrigen Oberleibe ſind lang, ſchmal, graulich, mit einem weißen und ſchwarzen Striche; die Bruſt, Seiten und Schenkel, wie oben; doch ſpielen die Bruſtfedern etwas ins Roͤthliche. Die Schwungfe⸗ Ree 13 dern ſind ſchwatz; die großen Deckfedern der Fluͤgel rothbraun mit ſchlwarzen und weißen Querlinien; die Deckfedern des Schwanzes glaͤnzend violet; die uͤbrigen Schwanzfedern wie beym Haushahn. Die wilde Henne iſt um ein Orittel kleiner, als der Hahn. Es fehlen ihr ſo⸗ wohl der Kamm als die Fleiſchlappen. Kopf und Racken ſind grau; Kinn und Kehle weiß⸗ lich; der Hinterhals braͤunlich mit röͤthlich weiken Querſtreifen; der Vorderhals, die Buuſt und der Bauch braun, ſchmutzig weiß geſtreift; die Seiten grau; der Ruͤcken und die Deck⸗ federn der Fluͤgel blaßbraun, grau uͤberlaufen, mit einem blaßgelbrothen Streifen laͤngs den Schaͤften Beym Hahn findet ſich ein faſt anderthalb Zoll langer Sporn an den Beinen, bey der Henne aber an deſſen Stelle eine rundliche Erhoͤhung. Der deutſche Haushahn und die Henne. (Ffasianeis gallus domesticus.) Kein zahmgemachter Vogel iſt durch die Domeſtikation in aller Hinſicht ſo veraͤndert wor⸗ den, wie das Huhn. Die Groͤße, die Geſtalt, die Farbe und Beſchaffenheit der Federn ſind, wie Jedermann weiß, unendlich verſchieden; deſſen ungeachtet kann man die domeſti⸗ zirten Huͤhner recht fuͤglich in gewiſſe Raſſen eintheilen, wozu man denn alle die rechnet, wel⸗ che zwar in den Farben verſchieden ſind, doch aber in der Groͤße und Geſtalt einander ſehr nahe kommen. Der abgebildete Hahn nebſt ſeiner Henne ſind in Deutſchland die gemeinſte Raſſe, ob es gleich an vielen andern in unſerm Vaterlande gar nicht fehlt. Hahn und Henne fin⸗ det man auf allen Bauerhoͤfen und in gewöͤhnlichen Haushaltungen von dieſer Geſtalt. Frey⸗ lich haben nicht alle dieſelbe Farbe. Es gibt der Farbenmiſchungen und Schattirungen, wie geſagt, unendlich viele. Der Hahn zeichnet ſich nicht allein durch ſein ſchoͤneres Geſieder aus, ſondern er iſt auch gewoͤhnlich viel gröͤßer, als die Henne. Die großen Lappen, der große Kamm und der buſchige auftechtſtehende mit mehreren langen, ſtchelfoͤrmigen Federn gezierte Schwanz, der Sporn, die ſtolze mafeſtaͤtiſche Stellung, der Muth ꝛc. unterſchei⸗ den jeden Hahn von der Henne auf den erſten Blick vollkommen. Eine naͤhere Beſchreibung der äußern Geſtalt iſt weder bey jenem, noch bey dieſer noͤthig, da dieſe Voͤgel unter Jeder⸗ manns Augen ſind. — In der Wildheit ſind die Huͤhner, wie der Faſan ſehr ſcheu. Durch die Domeſti⸗ kation iſt auch in Hinſicht ihres Tem peraments eine große Veränderung bewiikt worden. 14 Einige find wilder und ſcheuer, oder zeigen mehr Unverträglichkeit, Hartnäͤckigkeit 1.; an⸗ dere ſind zutraulich, und gewoͤhnen ſich gern an den Menſchen. Der Hahn iſt beſonders ſtritſuͤchtig gegen ſeines Gleichen. Er duldet keinen fremden neben ſich, und kaͤmpft mei⸗ ſtentheils mit ſeinem Gegner ſo lange, bis entweder er ſelbſt oder jener entkraͤſtet den Kampf⸗ klatß verlaͤßt. In der Jugend haben Hahn und Henne einerley Stimme, die eine Art von Piepen iſt; hernach aber zeichnet ſich der Hahn durch ſein Kraͤhen aus. Er ſchreyrt zwan zu allen Zeiten; doch regelmaͤßig gegen den Morgen. Da er um dieſe Zeit die beſtimm⸗ ien Stunden nicht leicht verfehlt, ſo richtet ſich der Landmann oft nach ſeinem Rufe, wie nach dem Schlage einer Uhr. Die Stimme der Henne iſt zu verſchiedenen Zeiten und bey verſchiedenen Umſtaͤnden verſchieden. Anders lautet ſie, wenn ſie als Glucke die Kuͤchelchen fuͤbrt; anders wenn ſte ein Ey gelegt hat ꝛc. Bisweilen findet man auch Hennen, welche ei⸗ ne Art von Kraͤhen hoͤren laſſen. Den Aufenthalt weiſet man den Haushuͤhnern in eigenen dazu eingerichteten Staͤl⸗ len oder Verſchlaͤgen an. Ein ſolcher Verſchlag muß, wo moͤglich, an einem warmen Or⸗ te, etwa neben oder hinter einem Backofen, uͤber oder neben einem Pferde⸗ oder Kuhſtall angelegt werden, damit die Huͤhner im Winter Schutz gegen die Kaͤlte unſeres Klima's ha⸗ ben. Sie ſind urſpruͤngliche Bewohner warmer Gegenden; daher bleibt ihnen große Kaͤlte immer empfindlich. Sie ſcheuen inſonderheit den Schnre, und koͤnnen ihn an ihren Fuͤßen nicht vertragen; deßwegen kommen ſie auch im Winter, wenn es friert und der Schnee tief liegt, nicht gern vom Stalle herab. Wird die Kaͤlte gar zu ſtreng, ſo erftieren ſte, und man findet ſie haͤufig erſtarrt auf den Staͤllen. Die Huͤhner haben die Gewohnheit, immer erhoͤhet und auf einer Stange, oder eiwas dem Aehnlichen zu ſitzen. Man kann dieß deutlich ſehen, wenn man ihten gewoͤhnli⸗ chen Stall verſchließt. Sie ſetzen ſich dann nicht leicht auf dem Boden nieder, ſondern ſu⸗ chen bis ſpaͤt in den Abend einen erhabenen Ort. Daß dieß ein von der Ratur ihnen, ſo wie andern Voͤgeln, weislich eingepflanzter Inſtinkt ſey, leuchtet deutlich ein. Es war der⸗ felbe auch zur Sicherheit dieſer Voͤgel nothwendig, denn ſowohl in ihrem urſpruͤnglichen Va⸗ terlande, als auch bey uns, lauern ihnen befonders des Rachis viel Feinde auf, denen ſie nur dadurch entgehen, daß ſie ſich einen unzugaͤnglichen Platz zum Schlafen waͤhlen. Um dieſem unvertilgbaren Inſtinkt entgegen zu kommen, befeſtigt man ihnen in ihren Ställen mehrere etwas erhoͤhete Stangen, die kantig ſeyn muͤſſen, damit das Huhn dieſelbe mit ſei⸗ nen Zehen und Klauen umſchließen und ſich feſthalten kann. Den Huͤhnern iſt die Art beſonders eigen, den einmal gewohnten Aufenthalt nicht zu verlaſſen. Wenn man ihren Stall einreißt, und an einen andern Ort hinbauet, ſo ſetzrn ſir ſich doch immer noch in die Gegend, wo er vorher ſtand, wenn nu irgend Saͤulen oder Stangen vorhanden ſind, die ſie beſteigen koͤnnen. Man hat daher viele Muͤhe, Huͤhner an einen fremden Aufenthaltsort zu gewoͤhnen. Auf der andern Seite iſt dirß voriheilhaft Us 1s eĩ⸗ f⸗ 9 Ek n⸗ ie 9 en ri⸗ r IIl d⸗ tte ef eene. 15 für den Menſchet; denn er kann gewiß ſeyn, daß ſeine Huhner, wenn ſte auch den Tag über weit vom Hofe im Gebuͤſch und in Winkeln herumirren, ſich dennoch am Abend alle wieder einſtellen. An den Seiten des Huͤhnerſtalles werden die Neſter oder Koͤrbe ebenfalls auf Stangen oder dergleichen befeſtiget. In dieſelben gewoͤhnt man ſeine Huͤhner, die Eyer zu legen. Der Stall muß oͤfters von dem Kothe gereinigt und bisweilen mit feinem Sand ausgeſtreuet werden. Die Huͤhner halten ſich gern rein, daher ſieht man ſte beſtaͤndig an ih⸗ rem Geſteder putzen und reinigen. Sie koͤnnen auch weder Raͤſſe, noch zu große Hitze ver⸗ tragen. Wenn es regnet, tragen ſte den Schwanz herabgeſenkt, damit das Regenwaſſer von demſelben nicht auf ihren Leib herabfließe, und bey brennender Sonnenhitze ſuchen ſte den Schatten auf. Der Stall muß endlich gegen die nächtlichen Feinde der Huͤhner wohl berwahrt und des Abends zugemacht werden. Sobald der Tag anbricht, ſind ſie munter, und kommen herab. Am Tage zer⸗ ſtreuen ſie ſich, und beſuchen auf dem Lande die Gaͤrten, naheliegende Felder und Waldun⸗ gen. Der Hahn entfernt ſich nie weit von ſeinen Hennen, und zeigt uͤberhaupt viel Fuͤrſor⸗ ge fuͤr ſte. Er laͤßt keine aus den Angen, ſucht die entfernten auf, und bringt ſie oft mit Biſſen nach der Heerde zuruck. Er iſt der Anfuͤhrer, und die Hennen folgen ihm gern. Um ihnen ſeinen Willen und ſeine Empfindungen auszudruͤcken, bedient er ſich verſchiedener Töne, welche einer Sprache gleichen, die von den Huͤhnern gut verſtanden wird. Wird Futter hingeworfen, oder findet er dergleichen irgendwo, ſo lockt er in beſondern Toͤnen, und ſogleich kommen die Hennen herbey und freſſen; ſieht er in der Ferne einen Raubvogel an⸗ gezogen kommen, ſo gibt er wieder mit einem andern Lone ein Warnungszeichen, worauf die Huͤhner ſich ſchnell verbergen. Hier ſteht man beſonders, wie ſehr der Hahn ſuͤr ſeine Hennen beſorgt iſt. Waͤhrend dieſe ruhig und in aller Sicherheit nach Futter umherſtreifen, ſieht der Hahn ſich unaufhoͤrlich um, und ſpaͤhet, ob ſich Gefahr zeige. In manchen Gegenden Deutſchlands haͤlt man Huͤhner, wie Faſanen, wild in kleinen Gebuͤſchen. Sie pflanzen ſich hier ohne Pflege fort, und koſten kein Futter. Die, welche man ſchlachten will, werden eingefangen. Die Zeit der Paarung bey den Huͤhnern iſt nicht genau beſtimmt. Sie richtet ſich nach dem Eyerlegen. Sobald der Eherſtamm ſtark zu wachſen anfaͤngt, und die Henne em⸗ pfindet, daß ſie bald legen werde, laͤßt ſie den Hahn zu. Wenn es nicht gar zu kalt iſt, le⸗ gen die Huͤhner beh guter Futterung einige Wochen nach Weihnachten, und fahren damit fort, bis ſie ſich mauſern, welches im September geſchieht, und etwa ſechs Wochen lang dauert. Nicht alle Huͤhner legen gleich viel Eyer. Manche bringen drey bis vier Tage hin⸗ —— 16 ter einander jeden Lag ein Ey, und ſtutzen dann einen Tag; ſehr viele aber legen nur einen Tag um den andern. Mann kann von einer Henne das Jahr hindurch ein Schock, ja wohl 80 bis 90 Stuͤck Eyer erhalten. Rimmt man ſie der Henne nicht von Zeit zu Zeit weg, ſo faͤngt ſie an zu bruͤten, wenn ſie 13 bis 20 beyſammen hat. Doch hat auch in dieſer Hinſicht die Domeſtikation eine Veraͤnderung in der Ratur der Huͤhner hervorgebracht; denn einige bruͤten gar nicht. Bekanntlich pflegen die Hennen ihre Eyer gern wegzutragen, wenn ſie ſehen, daß ſie ihnen unaufhoͤrlich genommen werden. Sie verſtecken ſte dann an einen geheimen Ort, verlieren ſich von den uͤbrigen, und bruͤten. Es iſt nicht ſelten der Fall, daß man in großen Haushaltungen wider alle Erwartung eine Gluckhenne mit einer Schaar junger Kuͤchelchen aus irgend einem Schlupfwinkel hervorkommen ſieht. Unter den Huͤhnercyern fallen bisweilen monſtroͤſe Geſtalten, welche den Unwiſſenden Anlaß zu Aberglauben gegeben haben. Dahin gehsren beſonders die ſogenannten Sporeyer, welche ſehr klein und kaum ſo groß als ein Sperlingsey find; ferner die Hexen⸗oder Hah⸗ neneyer. Sie haben meiſtens keine Dotter, oft an deſſen Stelle einen wurmaͤhnlichen Koͤr⸗ per, welcher nichts anders als eine zuſammengedrehte Haut iſt. Daß der Aberglaube hier⸗ aus den fuͤrchterlichen Baſilisken entſtehen laͤßt, iſt an einem andern Orte mit mehrerem ge⸗ zeigt worden. Die ſogenannten Fließ⸗ und Windezer, welche keine harte Schale haben, kom⸗ men von allzufetten Huͤhnern, oder von ſolehen, die keine Gelegenheit haben, Kalk zu freſ⸗ ſen; denn dieß thun die Huͤhner zu der Zeit des des Eyerlegens. Aus der aufgeloͤſeten Kalk⸗ materie bildet ſich die harte Eyerſchale. Wenn eine Henne Reigung zum Brüten hat, fängt ſie an zu gluckſen, und ſucht die Eyerneſter auf, um ſich uͤber den Eyern abzukuͤhlen. Man legt ihr aber, wenn ſte bruͤ⸗ ten ſoll, doch nicht ſogleich Eyer unter, ſondern wartet erſt, ob ihre Reigung von Beſtand ſey. Iſt dieß der Fall, ſo legt man ihr 1s oder 17— die ungleiche Zahl iſt der Lage we⸗ gen die bequemſte— Stuͤck Eyer unter, welche unverſehrt, rein auf der aͤußern Flaͤche und nicht uͤber 20 Tage alt ſeyn muͤſſen. Das Reſt muß an einem dunkeln, ſtillen Orte ſtehen, wo die bruͤtende Henne nicht geſtoͤrt wird; doch darf ihr auch der Zugang der friſchen Luft nicht fehlen. Sie frißt waͤhrend dem Bruͤten nur ſehr wenig, und fitzt gewoͤhnlich nur 4 Wochen; nie unter 20 und nie über 22 Lage. 28 Es iſt hier der rechte Ort, dem wunderbaren Geſchaͤfte des Bruͤtens eine beſon⸗ dere Aufmerkſamkeit zu widmen, da man es beh der Henne ganz genau beobachtet hat. Die Wirkung des Aufſitzens der Henne iſt die naͤmliche, wie die Wirkung der Sonnenwaͤrme bey den Amphibien, Fiſchen und Infekteneyern, naͤmlich die Entwickelung des Keims zum Kuͤchelchen oder des Embryo. Sobald die Henne 5 bis 6 Stunden das Ey unter ihrem erhitzten Leibe gehabt hat, erblickt man ſchon ſehr deutlich die Wirkung davon, man ſieht den Kopf des Kuͤchelchens am Ruͤckgrad haͤngend in der Feuchtigkeit nen ja geit in bt; zen, an all, aar den her, ah⸗ oͤr⸗ ier⸗ ge⸗ om⸗ ref⸗ alk⸗ icht ruů⸗ and we⸗ und en, uft 5 on⸗ der ing as ing keit 17 ſchwimmen, womit die Blaſe mitten in dem Närbchen angefüllt iſt. Nach 24 Stunden hat ſich der Kopf ſchon gebogen, und iſt groͤßer geworden. Den zweyten Tag erblickt man den Anfang zu den Wirbelbeinen, in Geſtalt kleiner Kuͤgelchen zu beyden Seiten der Mitte des Ruͤckgrads. Auch die Fluͤgel, die Rabelgefaße, Hals und Bruſt ſieht man ihren An⸗ fang nehmen. Der Kopf bildet ſich immer mehr, und man bemerkt die erſten Spuren der Augen. Schon zu Eade des zweyten Tags nimmt man Leben wahr; das Herz faͤngt an zu ſchlagen, und das Blut kommt in Umlauf. Am dritten Tage iſt alles, was man ſchon vorher ſah, viel groͤßer, mithin auch deutlicher wahrzunehmen. Am vierten Tage ſteht man bereits den Stern im Auge und die kryſtallene Feuchtigkeit. Im Kopfe ſind fuͤnf mit Feuchtigkeit angefuͤllte Blaͤschen, welche die Grundlage zum Gehirn ausmachen. Sie nä⸗ bern ſich nun in den folgenden Tagen ihrer Vollkommenheit, und bilden endlich das Gehirn. Auch die uͤbrigen Theile machen immer inehr Fortſchritte im Wachsthume. Der Leib faͤngt an wit Fleiſch umgeben zu werden, die Fluͤgel dehnen ſich aus, und die Schenkel erſcheinen. Am fuͤnften Tage umgibt eine feine Haut das Herz, und den ganzen Leih ein ſchmieriges Fleiſch. Am ſechſten kommt die Haut, welche das Fleiſch bedeckt, und auf derſelben der Anfang zu den Federn zum Vorſchein. Am ſiebenten Tage iſt der Schnabel da, Gehirn, Fluͤgel, Fuͤße und andere Theile ſind völlig ausgebildet. Am Ende des neunten Tages er⸗ ſcheint die Lunge; am eilften vereinigen ſich die Pulsadern mit dem Herzen, und ſo eilt das Huͤhnchen ſeiner immer weitern Ausbildung entgegen. Den Tag vorher, ehe das Kuͤchelchen noch die Schale des Eyes zerbrochen hat, welches durch eine Bewegung mit dem Schnabelhoͤcker geſchieht, hoͤrt man es deutlich in ſeinem Gefaͤngniſſe pieven. Nun bekommt es immer mehr Kraft, die Schale zerplatzt durch die Bewegung des Koͤrpers, die Theile deſſelben dehnen ſich aus, auch zerplatzt die weiße Haut, die an der Schale feſt ſitzt, worauf endlich das neugeborne Huͤhnchen erſcheint, und von der entzuͤckten Mutter ſorgfaͤltig unter die Fluͤgel genommen, erwaͤrmt und beſchuͤtzt wird. Der Sicherheit wegen iſts jedoch bey Huͤhnern, ſo wie uͤberhaupt bey allen Hausvöͤ⸗ geln gut, daß man das Kuͤchelchen, ſobald es aus der Schale kommt, wegnimmt, und es ſo lang in einen Topf mit Federn ſetzt, bis alle uͤbrige ausgekommen ſind; denn die Muͤt⸗ ter pflegen oft aus Unbehutſamkeit die ausgeſchluͤpften Jungen zu erdruͤcken, wenn noch unausgeſchluͤpfte unter ihnen liegen, denen ſie zu Huͤlfe kommen wollen. Hernach ſetzt man die Jungen einen Tag lang unter die Mutter, ohne ihnen ei⸗ niges Futter zu geben. Sodann laßt man ſie laufen, und gibt ihnen in der erſten Woche zerſtampfte Hirſe, Gerſtenſchrot, weitzen Kaͤſe, Brodkrumen und dergleichen. Die Mutter kuͤhrt ſte ſorgfaͤltig, und ſchuͤtzt ſte gegen Gefahren. Sie ſetzt ſich muthig ſelbſt gegen den Menſchen zur Wehre, wenn er ein Kuͤchelchen greiſt. Waͤhrend ſie ihte Kinder fuͤhrt, hoͤrt man ein beſtaͤndiges Gluckſen, womit ſie dieſelben nach ſich lockt. Sie ſcharrt faſt den ganzen Tag über in der Erde, und ſucht Wuͤrmer fuͤr ihre Jungen. Dieſe haͤngen mit unbe⸗ * 33 naytes Heft.— — 8¹ ſchreiblicher Zuneigung an ihrer Mutter, laufen uͤberall ihr nach, und piepen äaͤngſtlich, wenn ſie dieſelbe aus den Augen verloren haben. 838——— Den Tag üuͤber lockt die Glucke ihre Jungen mehrmals unter ihre Fluͤgel. Rüh⸗ rend iſt die Sorgfalt, die ſie anwendet, um ihnen eine recht bequeme Lange zu verſchaffen. Sie nimmt die beſchwerlichſte Stellung an, und duldet alles, wenn nur ihre Jungen be⸗ ſchuͤtzt ſind. Sie ſcheint gleichſam ſtolz darauf zu ſeyn, daß ſie Mutter iſt. Mil gravitaͤti⸗ ſchen Schritten geht ſie einher, und uͤberſteht alle ihre Geſellſchafterinnen. Nur ihre Kü⸗ chelchen läßt ſte nie aus den Augen; auch duldet ſie nicht, daß andere Huͤhner ihnen nahe kommen. Wenn die Jungen etwa die Haͤlfte ihres Wachsthums erreicht haben, kuͤmmert ſie ſich nicht mehr um dieſelben. 3 Daß die Wärme die Urſache des Nusbrütens ſey, beweiſen angeſtellte Verſuche. Man kann naͤmlich das Eß durch einen Grad kuͤnſtlicher Waͤrme, welche der Hitze einer bruͤtenden Henne gleich iſt, eben ſo gut und eben ſo fchnell ausbruͤten. In waͤrmeren Laͤn⸗ dern, beſonders in Aegypten, bedient man ſich dieſer kuͤnſtlichen Bruͤungsmethode ſehr haͤu⸗ fig. Man erbauet dazu einige Oefen oder Kammern, in welche einige Tauſend Eyer auf einmal gelegt werden. Unter den Oefen wird beſtändig eine ſolche Hitze unterhalten, welche der Hitze einer Bruthenne gleich kommt. Rach 21 Tagen kriechen die Kuͤchelchen aus, und werden an Leute verkauft, die ſich mit der Erziehung derſelben beſchaͤftigen. In unſerm kältern Klima wuͤrde eine ſolche kuͤnſtliche Ausbrütung zwar ebenfalls gelingen, allein die Erziehung wuͤrde mit vielen Schwierigkeiten verknuͤpft ſeyn. Wer indeß Vergnuͤgen daran findet, junge Hͤͤhner auf eine kuͤnſtliche Art und ſelbſt im Winter zu erhalten, der kann ſich folgender in Amerika ſehr gewoͤhnlichen Metho⸗ de bedienen: SSSSS·.. 9 Man nimmt eine kalekutiſche Henne, rupft ihr etwa im Dezember, damit ſie die Kälte deſto mehr empfinde, und deſto eifriger beym Brüten bleibe, die Federn unter dem Bauche aus, und macht nun ein rundes feſtes Reſt aus weichem Stroh oder Heu. Rings um daſſelbe legt man Breter, und befeſtigt dieſelben mit Pfaͤhlen oder umhergelegten Steinen. Darauf nimmt mon ein Stuͤck von einem durchgeſaͤgten Faß, oder dergleichen, welches den Umfang des Reſtes hat, und ſo hoch iſt, daß die Trut⸗ henne darunter zwar ſitzen, aber nicht aufrecht ſtehen kann. Dieſer Deckel, durch deſſen Seiten und Boden man Löͤcher bohrt, um der Luft Zugang zu verſchaffen, wird auf das Reſt geſtälpt, nachdem man zuvor die Truthenne darauf geſetzt und ihr einige hartgekochte Eyer untergeiegt hat. Die Eyer muͤſſen deßwegen hart gekocht ſen, weil ſich die Henne in den erſten Tagen gegen das Auffitzen ſträubt und ſie zerbricht. Wären ſte roh, ſo wuͤrden ſie das ganze Neſt verunreinigen. Sie muͤſſen aber auch einen gewiſſen Grad von Wärme haben, damit es der Henne wohl behatzt, darauf zu ſitzen. Sieht man nun, daß ſie gern I ſitzen bleibt, ſo nimmt man die gekochten Eyer weg, und legt eine gehoͤrige Anzahl friſcher zum Ausbruͤten unter. Ein⸗oder ein paarmal des Tages wird die Decke abgenommen und die Henne gefuͤttert. Sie bleibt, wenn ſie ſich erſt daran gewoͤhnt hat, von ſelbſt und un⸗ gezwungen ſtzen. Wenn die Kuͤchelchen nach 21 Tagen ausſchluͤpfen, laͤßt man ſie noch einen Tag unter der Henne ſitzen, und alsdann von Kapaunen fuͤhren. Da ihnen aber dir Kaͤlte unertraͤglich iſt, ſo muͤſſen ſie in einen hellen Keller oder in ein warmes Zimmer ge⸗ bracht werden. Sie erhalten die gewoͤhnliche Rahrung, womit man die jungen Huͤhner im Sommer aufzieht. Die Nahrung der Huͤhner uͤberhaupt ſind Koͤrner, Inſekten und Würmer. Ge⸗ woͤhnlich werden ſte mit Gerſte gefuͤttert. Sie freſſen aber auch Hafer und Weizen ſehr gern, nur Roggen nicht leicht. Sonſt ſuchen ſte ſich, wenn ſie Freyheit haben herumzu⸗ ſtreifen, auch vielerley andere Samereyen von groͤßern und kleinern Pflanzen. Sie freſſen den Samen von Sonnenblumen, von Fichten, Tannen und dergl. gern. Auch leſen ſie begierig Johannis ⸗ und Stachelbeeren ab. Außerdem freſſen ſie allerley Gruͤnes, z. B. Gras, Salat, auch Obſt; inſonderheit lieben ſie Brod und gekochte Kaftoffeln ſehr. Mit den letztern, beſonders mit den ſogenannten Schweinekartoffeln, kann man ſie den Winter uͤber ohne alle andere Rahrung recht gut erhalten; nur ſcheint dieſe Nahrung dem Eyerlegen nachtheilig zu ſeyn; vielleicht weil ſie zu weich iſt. Fleiſch lieben die Hühner außerordentlich. Sie beißen ſich darum. Uiberhaupt ſcheinen Inſekten und Wuͤrmer dieſen Voͤgeln unentbehrlich zu feyn. Dazu gab ihnen auch die Natur die Klauen und den Inſtinkt zum Scharren in der Erde. Sie erkranken oft, wenn ſte auf gepflaſterten Hoͤfen eingeſchloſſen ſind, wo ſie nicht nach Wuͤrmern ſuchen koͤn⸗ nen. Der Pips und andere Krankheiten ſcheinen vornaͤmlich aus Mangel au thieriſcher Rahtung zu entſtehen. Die jungen Kuͤchelchen gedeihen da am beſſen, wo ihnen die Mut⸗ ter Wuͤrmer genug verſchaffen kann, und die kleinen Thierchen ſind weit begieriger nach ei⸗ ner Fliege oder nach einem Wurme, als nach dem beſten vegetabiliſchen Futter, das man ihnen vorwirft. Raupen, Schmetterlinge, Fliegen und ihre Maden, Käfer, Kaferlarven, inſon⸗ derheit Maikaͤfer und Engerlinge, Spinnen, Regenwuͤrmer ꝛc. ſind eine Leckerey fuͤr die Huͤhner, und es werden eine große Menge von ihnen verlilgt. Ibr gewoͤhnliches Geträͤnk iſt reines Waſſer; koͤnnen ſie aber zu Milch gelangen, ſo ſaufen ſte dieſelbe begierieg weg.— Auf Bauethoͤfen und Landguͤtern, wo viel Miſt auf dem Hofe liegt, und viet gedroſchen wird, beſonders wo die Huͤhner frey umherſtreifen koͤnnen, iſt es allerdings ſehr nuͤtzlich, eine Menge derſelben zu halten; denn 5 ernaͤhren ſie ſich faſt das ganße Jahr 5 20 hindurch von Abgängen und Miſtmaden; allein in Staͤdten, wo dergleichen nicht ſtatt ſin⸗ det, und wo man bloß mit Kornern aus dem Sacke fuͤltern muß, bringen die Huͤhner nichts ein, ſondern koſten mehr, als ihre Eyer werth ſind. Die Hüͤhner haben das mit den Hausthieren uͤberhaupt gemein, daß ſie mancher⸗ leh Krankheiten unterwerfen ſind. Eine der ſchlimmſten von allen iſt die Seuche, beßz der ſie oft in ſo großer Menge wegſterben, daß man nicht weiß, was die Urſache davon iſt. Man kann dieß Uibel dadurch verhindern, daß man eine Hand voll Aſche von Eſchenrinde in einem Maße Waſſer abkocht, und die⸗ Haͤhner davon ſaufen laͤßt. Eine der gemeinſten iſt der Pips. Er hat eigentlich ſeinen Grund in der Unrei⸗ nigkeit der Saͤfte und in dem daraus entſtehenden Mangel an Umlauf derſelben. Es erfolgt ſodann Verſtopfung der Druͤſen auf der Zunge, und dieſe geht in eine Verhärtung der Zun⸗ genſpitze uͤber, welche die Huͤhner am Freſſen und Saufen hindert. Unreines, faules Waſ⸗ ſer, heißes Brod, Roggenkoͤrner ꝛc. ſind die Urſache; vorzuͤglich aber Mangel an thieriſchen Eebensmitteln. Man heilt dieſe Krankheit dadurch, daß man die verhaͤrteie Haut auf det Zunge mit einem Meſſer oder mit einet Nadel wegnimt. Die Darre iſt eine Verſtopfung der Fettdruͤſe am After. Sie ruͤhrt von aͤhnlichen Urſachen her. Man ſchneidet entweder die Verhaͤrtung weg, oder läßt, wenn Geſchwulſt da iſt, den Eiter reif werdrn, druͤckt ihn rein aus, und waͤſcht die Wunde mit Weineſſig. Eine große Plage für die Hähner ſind die Laͤuſe. Es iſt eine beſondere Gattung, etwas kleiner, als die beym Menſchen. Sie niſten fich bey kraͤnklichen und mageren Huͤh⸗ nern gewaltig ein. Manche ſind ganz damit bedeckt, und werden von ihnen ſo ausgeſogen, daß falt nur das Gerippe mit der Haut noch uͤbrig bleibt, und das Thier ſterben muß⸗ Kuhutin und mehrere andere Mitlel kann man zu ihrer Vertilgung gebrauchen. Zoibbe ſind auch bey den Huͤhnern anzutrefſen. Daß Fuͤchſe, Marder, Iltiſſe, Wieſel und andere Thiere gefaͤhrliche Feinde— Huͤhner ſind, iſt bekannt. Daß aber Hausmaͤuſe die Eyer zu zerbeißen im Stande ſind, und ſie dann ausſaufen, iſt eine weniger bekannte Erfahrung, und dennoch gegruͤndet. DDer Nutzen, den die Menſchen von den Huͤhnern ziehen, iſt wirklich groß. Ihte Eyer ſind faſt ein unentbehrliches Nahrungsinittel geworden. Sie werden auf man⸗ cherley Art zubereitet und an Speiſen verbraucht. Dadurch, daß man ſie auf die Spißen neben einander ſtellt, und in einem Kaſlen oder Korbe zwiſchen Kleye oder Haͤckſel einſchich⸗ tet, kann man ſie im Winter mehrere Monate lang gegen die Faͤulung verwahren. 290 „K„„„„ e b E ſe 1n1 2 n 18 ih⸗ n, . der nd, roß. ian⸗ itzen ich⸗ 21 Außer den Ehern iſt das Hüͤhnerfleiſch fuͤr die allermeiſten Menſchen eine ſehr leckere Speiſe. Junge Huͤhner ſind freylich am leckerſten; das Fleiſch von alten iſt zaͤhe. Von manchen werden die weichgekochten Hahnenkaͤmme ſehr gern gegeſſen. Gemaͤſtete Ka⸗ paunen geboͤrten ſchon bey den alten Roͤmern zu den koͤſtlichſten Gerichten. Verſchnittene Hennen ſollen die Kapaunen an Wohlgeſchmack noch uͤbertreffen. Die Hüͤͤhnerſedern pflegen die Leute aus Aberglauben nicht in Betten zu ſtopfen; ſte meinen naͤmlich, daß man darauf unruhig ſchlafe, und einen ſchweren Tod ſterbe. Wer es probieren will, ſie in ſein Bette ſtopfen zu laſſen, wird ſich am beſten von der Thorheit dieſer Meinung uͤberzeugen köͤnnen; er wird indeß finden, daß ſte weder ſo warm halten, noch ſo weich ſind, wie Gaͤnſefedern. Die langen Schwanz⸗ und Halsfedern der Haͤhne werden zu Federbuͤſchen und dergleichen gebraucht. Das Fett iſt an Speiſen gut, und dient auch gegen das Aufſpringen der Lippen u. ſ. w. Der Duͤnger befoͤrdert die Vegetation un⸗ gemein. 2 3 Die engliſche Henne. Der engliſche Hahn. Die engliſche Henne iſt groß und anſehnlich. Sie hat auf dem Kopfe einen dichten Feder⸗ buſch, der ſo, wie der ganze uͤbrige Leib, bis auf die Schwung ⸗ und Schwanzfedern, ge⸗ leckt iſt. Der Hahn hat, was den Leib ſelbſt betrifft, ſelten die Groͤße des deutſchen Hahns, aber ſeine Beine ſind ſehr hoch, dabey ſtark und mit einem tuͤchtigen Sporn bewaffnet. Auf dem Kopfe ſttzt ein Federſtrauß, deſſen Federn zuruͤckgebogen ſind. Der Hals ſteht hoch aufgerichtet und der Schnabel freyer, als am deutſchen Hahn. Der Untertheil des Leibes iſt hell⸗, der Obertheil aber dunkelgelb; der Schwanz weißgelb; doch iſt das Geſieder auch nicht an allen gleich. An Muth und Staͤrke mag der engliſche Kampfhahn alle andere Raſ⸗ ſen uͤbertreffen. Er iſt es, der in England zu den bekannten Hahnengefechten abgerichtet wird. Dieſe Hahnengefechte ſind dort ſo beliebt, daß man um ihrentwillen ſogar koſtbare Umphitheater erbauet hat, von welchen man dem Kampfe zuſieht. Die Gefechte werden oͤffentlich angekuͤndigt, und während derſelben werden große Geldſummen verwettet. Schon an unſern einheimiſchen Hähnen ſieht man die groͤßte Erbitterung, wenn ſie kaͤmpfen: aber die der engliſchen Kampfhaͤhne uͤberteiſſt ſte bey weitem. Sehr haͤuftg ſteht man beyde Theile ſe lange kämpfen, bis ſie todt niederfallen; denn keiner will die Schande haben, unterzu⸗ —— 1 ——. 4— ˙ ——ꝙ—ꝙ— liegen. Beſchimpfung, blind auf den Gegner wieder los, und erneuert den Kampf. Dieſe Hahnengefechte fanden ſchon bey den Roͤmern ſtatt; und noch jetzt lieben ſie die Chineſer und einige indiſche Voͤlkerſchaften ſehr. Auf Sumatra ſtellt man hohe Wetten dabey an, und man hat Beiſpiele, daß ein Vater ſeine Kinder und ſein Weib, und ein Sohn ſeine Mutter undj ſeine Schweſtern dabey aufs Spiel geſetzt ha — Das Kluthuhn. Hahn und Henne. (Siaſianus gallaus ecaudatuo.,) Es wird auch das perſiſche und virginiſche Huhn genannt. Am meiſten zeichnet es ſich da⸗ durch aus, daß ſowohl dem Hahn als der Henne die Schwanzſedern gaͤnzlich fehlen. Ez ſoll aus Perſten ſtammen. Nach Andern kommt es von Virginien, wo, wie man ſagt, alle geſchwaͤnzte Huͤhner nach und nach in ungeſchwaͤnzte ausarten. In Deutſchland iſt es ſehr gemein und bleibend. Man vermuthet auch, daß es in unſerm Vaterlande entſtanden ſey. Wenn ſich Hahn und Henne mit einander begatten, ſo ſollen die Eyer dennoch unbe⸗ fruchtet bleiben, weil ſich jener dieſer wegen der harten herabgebogenen Federn, welche den Schwanz bedecken, nicht genug nähern kann. Es muͤſſen alſo andere Huͤhner mit einem Kluthahn, oder Kluthuͤhner mit einem gewoͤhnlichen Hahn ſich paaren. Hieraus entſtehen dann wenigſtens oft Kluthuͤhner.— Uibrigens findet man ſte von allen Farben. S ti οai (Piaſtanmus gallus ericpulse.) Das ſonderbare Gefieder hat das Eigene, daß es gar nicht auf dem Leibe anliegt, ſondern ſich verkehrt vorwaͤrts biegt. Dieß iſt ſogar der Fall an den Deckfedern und hintern Schwungfedern der Fluͤgel. Auf dem Kopfe ſteht ein dichter Federbuſch, der, wenn das Thier ſich buͤckt, bis auf den Schnabel herabfällt. Die Halsfedern ſind lang, und bilden gleichſam einen Kragen. Der Schwanz ſteht aufrecht und iſt gekrauſet. Wird ein ſchwacher von einem ſtaͤrkern uͤberwunden, ſo verlaͤßt er, niedergeſchla gen und beſchaͤmt den Kampfplatz; der Sieger hingegen bruͤſtet ſich ſtolz, und kraͤhet zum Hehne des Beſtegten. Fuͤhlt dieſer nur irgend noch einige Kraft, ſo rennt er aufgebracht uͤber die hne die ſie ten ein 8 Man vermuthet, daß ihr ſtruppiges Weſen in einem krankhaften Zuſtande feinen Grund habe, denn dieſe Häͤhner ſehen nie ſo geſund und munter aus, wie andere. Sie ſol⸗ len aus dem 33 Aſten herſtammen. In Japan und auf Java ſind ſie haͤufig. In Guiana und Surinam gibt es die meiſten. Sie ſind nunmehr auch in und an⸗ dern europaͤiſchen Laͤndern keine Seltenheit mehr. Einige meinen, ſie legten mehr Eyer, als 5 uͤbrigen Huͤhner; dieß haben aber Andere nicht gefunden. Eben ſo ſollen ſie auch ſo zaͤrtlich gegen das hieſtge Klima nicht ſeyn, wie Buͤffon und Latham ſagen,— die Jungen ſollen ſich Weerte laſſen. Das gwerghuhn. Hahn und Henne. (Pfaſtanus— pumilio.) Ez fuͤhrt auch den Namen Kriechhuhn. Richt nur der Ertes Beine wegen kann man dieſes Huhn den Zwerg nennen, ſondern auch darum, weil es— wenigſtens bey uns in Deutſchland— faſt nur halb ſo groß wird, wie das gewoͤhnliche Huhn. Manchr erreichen nur die Große eine Taube. Der Kopf iſt ſehr klein, die Beine bis auf die Zehen ſind mit Federn beſetzt. An den Zehen machen dieſe Federn Lalſchen, wie bey den hiernach benann⸗ ten Tauben. Das ganze Geſteder iſt gewoͤhnlich weik 2 Wiweilen 2 9 35 doch Wi- auch, obwohl ſelten, einige von andern Farben. Woher ſie ſtammen, iſt unbekannt. Auf den philippiniſchen Inſeln ſteht man ähnliche Huͤhner, ſo 3 Beine haben, daß die 8 auf der Erde ſchleppen. Vögel. XXXII. Merkwuͤrdige inlaͤndiſche Voͤgel. Nro. 1. Die Mandelkraͤhe. (Coracias garrula L.) Die Mandelkrähe oder der Birkhaher bewohnt faſt ganz Europa, vorzuͤglich gern aber Deutſchland, von da ſie im Herbſte in waͤrmere Länder zieht, und dort uͤberwintert. Sie iſt wegen ibres prächtigen hellgruͤn, dunkelblau und braun colorirten Gefieders einer der ſchoͤnſten Europäiſchen Voͤgel. Ihte Nahrung beſteht in vielerlei Inſekten, Gewuͤrmen, Froͤſchen, Fruͤchten, und Getreide. Sie iſt ſehr ſcheu, und laͤßt ſich durchaus nicht zahm machen. Ihr Fleiſch iſt eßbar. Nro. 2. Der Wiedehopf. 8—(Hpupà epopo 205 85 Der Wiedebopf iſt ein nicht minder ſchoͤner einheimiſcher Vogel. Auf dem 9 8 hat er eine ſchoͤne Federkrone, die er niederlegen und aufrichten kann. Kopf, Ruͤcken und 10 Bauch ſind gelbbräunlich, Fluͤgel und Schwanz ſchwarz, weiß, grau und gelb gezeich⸗ net. Er iſt mit dem Schwanze 16 Zoll lang. Er naͤhrt ſich von Inſekten und Wür⸗ mern, die er vorzuͤglich gern aus dem Miſte hohlt. Jung iſt er leicht zahm, und zu einem ſehr artigen Hausvogel zu machen. 5 Nro. 3. Der rothe Nro. 4. Der gelbe (Toæia curuiroctra.) Der Kreuzvogel gehoͤrt zum Geſchlechle der Kernbeißer, und iſt wegen ſeines ge⸗ kreuzten Schnabels, und beſonders deßwegen merkwuͤrdig, daß er, gegen die Gewohnheit aller andern Voͤgel, mitten in Winter bruͤtet, und ſein Neſt in Radelwäldern bauet. Er naͤhrt ſich am liebſten vom Samen der Fichten und Lannen. Er iſt ohngefaͤhr 7 Zoll lang. Er aͤndert ſeine Farbe gewoͤhnlich zweymal, nemlich die jungen Maͤnuchen ſind ſchoͤn gelbroth, und haben ſchwarzbraune Fluͤgel, wie Fig. 3. zeigt; bei der zweiten Mauſerung aber wer⸗ den ſie grungelb, wie Fig. 4. Sie laſſen ſich leicht zahm machen und in Kaͤſigen halten. Ihr Geſang iſt aber ſchlecht. LELLLLL ue,NXIl aber e iſt ſten hen, Ihr Nro. 5. Die Nachtigall. (Motacilla TLusointd. L.) Die Nachtigall iſt unter alken Voͤgeln der vortrefflichſte und allgemeine beliebte Sangvogel, ſo unanſehnlich, grau und braun auch ihr Geſieder ausſteht. Sie iſt 6 2 Zoll lang, und bewohnt das ganze mittlere Europa, Aſten und die Kuͤſten der Barbarey. Im Herbſte zieht ſie aus Deutſchland fort, und kommt im Fruͤhlinge wieder. Ihre Rahrung ſind Wuͤrmer und Inſekten. Ihres lieblichen Geſanges wegen wird ſie haͤufig in Kaͤſigen in Zimmern gehalten. 29tes Heft. Merkwuͤrdige inlaͤndiſche Voͤgel, ˖ MRWD (Coracias garrulsa.) Die Mandelkrähe, oder der Birkheher, iſt einer der ſchoͤnſten europäiſchen Voͤgel, der eben ſeines ſchoͤnen Gefieders wegen der europäiſche oder deutſche Papagey heißt. Er hat in der Geſtalt und Bildung, ſo wie der Groͤße nach, viel Aehnlichkeit mit den Kroͤhen. In manchen Gegenden heißt er der Ra cken, auch die blaue Krähe und Holzkrähe. Der Koͤrper iſt 13, der Schwanz 5 Zoll lang; die ausgebreiteten Fluͤgel meſſen 2 Fuß und 3 Zoll. Der meſſerfoͤrmige Schnabel iſt an der Spitze nach unten gekruͤmmt, anderthalb Zoll lang und ſchwaͤrzlich; die Raſenlöcher liegen bloß da; die Zunge iſt knorplich und ge⸗ ſpalten; die Augen ſind grau, hinter ihnen defindet ſich ein kahler Fleck mit einigen War⸗ zen, die zur Zeit der Begattung ſtark aufſchwellen; die Beine ſind ſchmutzig gelb; eben ſo die Zehen; die Nägel hornfarbig. Auf dem Kopfe, im Racken, an der Kehle, am Halſe, an der Bruſt, am Bauche und After iſt das Geſieder hellblaͤulich, gruͤn und glaͤnzend; gleiche Farbe haben auch die groͤßern Deckfedern der Fluͤgel und alle untern Deckfedern derſel⸗ ben. Der Ruͤcken, die Schultern und die drey letzten Schwungfedern ſehen lederfarben aus; die Deckfedern des Schwanzes und die kleinern Deckfedern der Fluͤgel ſind indigblau⸗ Die Schwungfedern an der äußern Fahne ſchwarz; die erſtern blaulichgruͤn eingefaßt. Die Schwanzfedern ſind am Ende abgerundet, außer der erſten, welche ſpißiz zulaͤuft; ihre Faube iſt faſt überall ſchmutzig blaugruͤn; an der Wurzel und unten reingrůn. An Farbe iſt das Weibchen von dem Männchen betraͤchtlich verſchieden. Kopf, Hals, Bruſt, Bauch und Schwanz ſehen braͤunlich aſchgrau aus. ..„ * ESGOSOe6 2 32 Dieſe Voͤgel haben ein ſehr weit ausgedehntes Vaterland. Es erſteeckt ſich von Rorwegen und Schweden herab bis an den Senegal. Sie ſind aber nicht in allen den da⸗ zwiſchen liegenden Laͤndern anzutreffen; auch ſteht man ſie an einem Orte haͤufiger, als am andern. In Deutſchland ſind ſie gar nicht ſelten. Hier bewohnen ſte vornaͤmlich die großen ebenen Kiefer- und Eichwaldungen. Im September zieht die Mandelkraͤhe aus den noͤrdli⸗ hen Gegenden nach Suͤden, und uͤberwintert daſelbſt. Auf ihrem Zuge durchſtreift ſie meh⸗ rere Gegenden, wo man ſte ſonſt gewöhnlich nicht ſieht. Zu Anfange des Mai's laͤßt ſie ſich ſchon wieder in unſern Waldungen hoͤren. Sie iſt ein ſehr ſcheuer und fluͤchtiger Vogel, deſſen Flug dem Fluge der Tauben gleicht. Mit ihres Gleichen zankt und ſpielt ſie faſt immer, und dabey läßt ſie unaufhoͤrlich ihre widrige Stimme hoͤren, welche dem Schreyen des Laubfroſches aͤhnelt. Sie iſt ſchwer zu ſchießen, und zaͤhmen laͤßt ſie ſich ſchlechterdigs nicht. Die Freyheit iſt ihr ſo lieb, daß ſiel, wenn man ihr auch die lieblte Rahrung vorſetzt, lieber ſtirbt, als ſich an die Gefan⸗ genſchaft gewoͤhnt. Ihre Nahrungz ſind allerley Inſekten und Gewuͤrme. Alles, was ihr vorkommt, Käfer, Raupen, Maden, Regenwürmer, Scehnecken u. dergl. frißt ſie. Sie faͤllt auch Froͤſche an, und ſucht knotige Wurzeln aus der Erde; Eicheln Beeren, Gerreide gehoren ebenfalls zu ihrem Fraß. Im Herbſt ſtreift ſie unter den Mandeln auf den Feldern umher, und frißt die Körner aus den Aehren. Zur Zeit der Begattung kaͤmpfen oft mehrere Maͤnnchen wuͤthend um ein Weib⸗ chen, welches ſich endlich der Sieger zueignet. Das Neſt wird am liebſten in Loͤchern di⸗ cker Birken, doch auch in den Loͤchern und Hoͤhlen der Eichen, Fichten und anderer Baͤume angelegt. Es beſteht aus einem Gemengſel von Heidekraut, Reiſern, Moos und dergl., inwendig iſt es mit Haaren und Federn weich ausgefuttert und oft ſehr verunreinigt. Das Weibchen legt 5 bis 7 glaͤnzend weiße Eyer, die etwa nach 20 Tagen ausgebruͤtet werden. Junge Weibchen legen, wider die ſonſtige Gewohnheit der Voͤgel, mehr Eher, als die alten. Erſt im dritten Jahre erlangt der junge Vogel ſeine Schoͤnheit. Das Fleiſch der Mandelkraͤhe wird von Vielen gegeſſen, und ſoll, beſonders nach der Aernte, wenn der Vogel die Getreidefelder beſucht hat, ſehr gut ſchmecken. rtrh 0 Upelpd epohs.) Der Wiedehopf, Stinkhahn, Kothheher, und wie man ihn ſonſt nennen mag, iſt ein recht ſtattlicher Vogel. Seine buſchige zierliche Federkrone, ſeine gefaͤllige Stellung, die ſchöͤne Zeichnung ſeines Gefieders und der ſchlanke Wuchs zeichnen ihn unter den einhei⸗ 4 miſchen Vögeln nicht wenig aus. Von dem Geſchlechte, wozu er gehoͤrt, wohnen mehrere ſt Gattungen in den ſuͤdlichen Theilen der alten Welt. Der Wiedehopf hat einen erhabenen, gebogenen, etwas zuſammengedruͤckten, ſtum⸗ n pfen und duͤnnen Schnabel, eine ſtumpfe, dreyeckige, ſehr kurze Zunge ohne Einſchnitt. ih Stine körperliche Läͤnge betraͤgt 1 Fuß 1 Zoll, die des Schwanzes allein uͤber 4 Zoll, und m⸗ die Breite der ausgeſpannten Fluͤgel 1 Fuß und 8 Zoll. Das ganze Gewicht des Vogels iſt ve nur 3 Unzen. fe Der Federbuſch beſteht aus zwey Reihen Federn, die von der Stien bis zum ſei Hinterkopfe reichen, in der Mitte am hoͤchſten ſind, und faͤcherartig vor und ruͤckwäͤrts be⸗ 1 wegt werden können. Der Schnabel iſt 2 Zoll lang, an der Wurzel fleiſchfarben, uͤbrigens ge ſchwaͤrzlich blau; der Augenſtern ſchwarzbraun, die Beine ſind 1 Zoll hoch und ziemlich von at der Farbe des Schnabels. Alle Federn der Krone ſind iſabellfarben mit ſchwarzen Spitzen; N der Kopf, der Racken, der Hals, die Bruſt und die Deckfedern der Unterfluͤgel ſind fleiſch⸗ w farben⸗braun; der Oberruͤcken und die kleinſten Deckfedern der Fluͤgel rolhgrau; der Unter⸗ be ruͤcken ſchwarz und gelbweiß bandirt; der Bauch und After weiß; die Schwungfedern ne 85 ſchwarz mit weißen Baͤndern, der Schwanz ebenfalls ſchwarz. Das Weibchen hat ein weniger lebhoftes Geſieder, die Bruſt iſt uͤberdieß weißlich ſp mit einigen ſchwäͤrzlichen Streifen. F Der Wiedehopf hat einen ſchnellen und ruckweiſen Lauf; er ſenkt dabey die Fluͤgel faſt auf die Erde nieder, und macht mit dem Kopfe viele Verbeugungen, wobey er jedesmal den Boden mit dem Schnabel beruͤhrt. Im Affekte ſchlaͤgt er den Federbuſch vorwärts und ruͤckwaͤrts. Er iſt ſcheu, und laͤßt ſich nicht gern nahe kommen; ſein Flug iſt flatternd und ſanft. Sein Geſchrey klingt faſt wie ſein lateiniſcher Name. Der Wiedehopf findet ſich weit in der alten Welt verbreitet. Im noͤrdlichen Euro⸗ pa iſt er ſeltner, als im mittlern und ſuͤdlichen. Er wohnt auch in Aegypten, in Indien und andern Ländern Aſiens. In Deutſchland iſt er ein gemeiner Vogel, den man auf Trif⸗ S ten in Waͤldern und um Doͤrfer haͤufig ſieht. Er liebt den Aufenthalt auf der Erde mehr me als auf Baͤumen, und laͤuft beſonders da gern herum, wo es viel Miſthaufen gibt. Da er iſt ing, ihei⸗ rere um⸗ nitt, und iſt zum bhe⸗ gens von tzen; iſch⸗ iker⸗ dern lich uͤgel zmal und und uro⸗ dien Trif⸗ mehr a er 29 den Winter uͤber in ſuͤdlichen Laͤndern zubringt, ſo ſehen wir ihn bey uns nur vom Anfange der waͤrmeren Jahreszeit bis zum Herbſt. Gewoͤhnlich kommt er am Ende des Aprils oder mit dem Anfange des Mal's, und zwar kurz vor dem Kuckuk hier an; daher nennt man ihn auch Kukukslakai. Seine Nahrung beſteht in Wuͤrmern und Inſekten. Letztere hohlt er vornaͤinlich aus dem Miſte der Thiete. Unter den Regenwuͤrmern richtet er große Niederlagen an, wenn ſie des Morgens auf dem bethauten oder beregneten Erdboden liegen. Der Wiedehopf legt ſein Reſt gern in Baumloͤchern, auf dem Stumpfe aufgehaue⸗ ner Baͤume, in alten Mauerlöchern und nur bisweilen auf der Erde an. Wenn der Platz ihn und die Jungen ſchon hinlänglich ſchuͤtzt und einſchließt, ſo nimmt er ihn in Beſtt, oh⸗ ne weiter daran zu bauen. Das Weibchen legt 2 bis 4 längliche aſchgraue Eher, welche von demſelben nach 16 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen ſowohl als die Mutter wer⸗ fen ihre Exkremente nur neben dem Reſte hin, ſo daß ſich um daſſelbe ein Haufen Koth be⸗ findet. Dieſer Umſtand hat zu der irrigen Sage Gelegenheit gegeben, daß der Wiedehopf ſein Reſt aus Koth baue. Die Jungen und Alten ſtinken auch nach dem Kothe, doch aber Rur ſo lange, als ſie ſich im Reſte befinden. Wenn man jene herausnimmt, und mit Re⸗ genwürmern oder zerhacktem Sleiſche aufziebt, ſu. verliert ſich der Geruch nicht uur, ſondern auch die natuͤrliche Scheuheit gaͤnzlich. Sie werden ſehr kirre, und gewoͤhnen ſich, dem Menſchen nach den Mienen zu gehorchen. Uiberhaupt iſt der Wiedehopf ſeiner Zierlichkeit wegen, und auch weil er durch die poſſierlichen Stellungen und Bewegungen ſeines Koͤrpers beluſtiget, ſehr zu einem Hausvogel geeignet. Es wird auch nuͤtzlich, indem er Kaͤfer, Spin⸗ nen und Regenwuͤrmer im Garten wegfrißt. Alte Wiedehopfe kann man mit Leimruthen fangen, wobetz man Wuͤrmer als Lock⸗ ſpeiſe gebraucht. Sie ſollen ſich aber nicht gut zahm machen laſſen. In Italien wird ihr Fleiſch gegeſſen. —————...——————: Detrothe Kreuzvo gel. (Loæia curpirostrà.) Das Vogelgeſchlecht, wozu der Kreuzvogel oder eigentlich Kreuzſchnabel gehoͤrt, kennt man unter dem RNamen Kernbeißer. Die Gattungen dieſes Geſchlechts haben einen ſtarken, oben und unten erhabenen Schnabel, welcher an der Wurzel ſehr dick und an der untern Kinnlade am Seitenrande eingebogen iſt. Beyde Kinnladen ſind Vannttch die Zun⸗ ſie ſaufen wollen. ge iſt ungetheilt und am Ende wie abgeſchnitten. Unter dieſen Voͤgeln zeichnet ſich der Kinbnobel durch ſeinen ſonderbaren Sübe laus. Er iſt elwas groͤßer als eine Lerche, mißt uͤher 7 Zoll in der Länge, mit ausgeſpannten Fluͤgeln 12 Zoll, und wiegt anderthalb Unzen. Der dicke Kopf, der kurze Hals, die breike Bruſt und der kurze Schwanz geben ihm ein plumpes Anſehen. Die Laͤnge des Schnabels betraͤgt 1 Zoll, der ſpitzig zulaufende Unterkiefer kruͤmmt ſich von unten hin⸗ aufwaͤrts, und der ebenfalls ſpitzige Oberkiefer nach unten herabwaͤrts, ſo daß beyde eine Art von Kreuz an der Spitze bilden. Es iſt merkwuͤrdig, daß dieſes Kreuz nicht bey allen Voͤ⸗ geln auf gleiche Weiſe gebildet wird. Bey einigen ſchlaͤgt der Oberkiefer von dem Unterkiefer zur Rechten, bey andern aber zur Linken vorbey; je nachdem er in der Jugend, wo der Schnabel noch weich, iſt, gebogen wurde; ubrigens iſt der Schnabel bornfarbig. Die Ra⸗ ſenkoͤcher ſind mit Federn bedeckt; der Augenſiern iſt nußbtaun; die Fuͤße wie der Schnabel; die Zehen haben ſchwarze ſcharfe NRaͤgel. Gewoͤhnlich nimmt man an, daß der Kreuzſchnabel die Farbe ſeines Gefeders wohl dreymal jährlich aͤndete; das iſt aber falſch. Junge Maͤnnchen, die anfangs graubraun ſind, bekommen, die ſchwaͤrzlichen Schwung⸗ und Schwarzfedern ausgenommen, eine rothe Faibe⸗ Dieſi geſchieht gewoͤhnlich im April oder Mai, und erſt bey der zweyten Mauſerung erſcheint das bleibende Gruͤngelb. Demnach iſt der Fig. 3. abgebildete rothe Kreuzſchnabel ein junges, und der Fig. 4. vorgeſtellte gelbe, ein aͤlteres Männchen. Das Gefteder eines alten Maͤnnchens hat folgende Farben: Stirn und Backen ſind grau und weiß gefleckt; der Scheitel bis zum Nacken iſt gruͤngelb; der Ruͤcken und die Schulterfe⸗ dern zeiſiggruͤn; die kurzen Steißfedern goldgelb; der Unterleib grüngelb; die mittlern After⸗ federn weiß und grau gefleckt; die Schenkel grau. Uiberall ſchimmert durch das Gelbe und Gruͤne des Geſt⸗ders der graue Grund deſſelben durch, und macht, daß beyde— ins Schmutzige fallen. Die Fluͤgel ſind ſchwaͤrzlich; eben ſo der Schwanz. Die Weibchen ſehen faſt uͤberall und zu aller Zeit grau aus, Walche Farbe an dem Kopfe und der Bruſt mit etwas Gruͤn vermiſcht iſt. Schlauigkeit und Liſt kann man dem Kreuzſchnabel NAba nicht zuſchreiben. Er be⸗ zeigt vielmehr viel Einfalt, daher er ſich auch leicht fangen laͤt. An ſeinem Geſange, der ſehr wenig Melodiſches hat, findet Mäncher viel Vergnügen. Der Vogel liebt die Geſell⸗ ſchaft von ſeines Gleichen; man findet daher immer mehrere beyſammen. Sie fliegen ſchnell, flattern aber dabey viel; ſte klettern auch geſchickt, wobey ihnen der Schnabel gute Dienſte thut, mit welchem ſie ſich, wie die Papageyen, anzuhalten wiſſen. Die gezaͤhmten klettern auf dieſe Art auch an den Seiten W⸗ Kaͤfigs Wähles⸗ Die Erde beruͤhren ſie faſt nur, wenn ger Zun⸗ daren mit kurze aͤnge hin⸗ Art Voͤ⸗ kiefer o der Ra⸗ abelz wohl raun röthe erung nabel grau terfe⸗ Ifter⸗ und ins Ropfe rbe⸗ der eſell⸗ hnell, ienſte ettern wenn 3* Sie bewohnen das ganze noͤrdliche Europa, Aſten und Amerika. In Deueſchland ſind ſie gemeine Voͤgel; wetzigſtens kommen ſie als Strichvoͤgel oft zahlteich in waldigen Gegenden an. Sie hallen ſich in Nadelwaͤl ern auf, und ziehen dahin, wo es die meiſte Nahrung fuͤr ſie gibt. Dieſe beſteht höüptſächlich in Lannen⸗ und Fichtenſamen, den dir Kreuzſchnäbel ſehr gut aus den Zapfen hervorzuziehen wiſſen. Meiſtens klauben ſie den Samen aus dem Zapfen, ohne dieſen abzubrechen; doch thun ſie auch dieß letztere, und zwar oft aus Muth⸗ willen. Wenn es ihnen an ihrer Lieblingsnahrung gebricht, freſſen ſie auch Erlenſamen und Knoſpen vom Nadelholz; ſie zerbeißen Obſt, um die Kerne herauszuziehen; Inſekten aber, 3. B. Wanzen, die ſich in den Fichtenzapfen aufhalten, freſſen ſie nicht; wohl aber in der Gefangenſchaft Ruͤbſaat und anderes Vogelfutter. 3 Außer dem ſonderbaren Schnabel zeichnet ſich dieſer Vogel noch durch einen andern ſehr merkwuͤrdigen Umſtand in der Lebenart aus; dadurch nämlich, daß er wider die Weiſe aller üͤbrigen hieſtgen Voͤgel im Winter niſtet. Er bauet ſein Neſt, und bruͤtet ſeine Jungen aus in den Monaten Dezember, Januar, Februar, Maͤrz, und oft noch im April. Die Bauart ſeines Neſtes verdient Bewunderung. Es iſt wie ein Napf geſtaltet, und beſtebt außerlich aus dicht in einander verflochtenen Tannen⸗ und Fichtenreiſern, welche eine dicht Lage von Moos einſchließen. Ausgefuͤttert iſt es mit einer Lage von feinen Baumflechten. Man hat hinzu⸗ geſetzt, daß das Reſt dicht mit Harz verklebt ſey; aber das iſt falſch. Die vorgebliche Sel⸗ tenheit dieſer Reſter lagt. ſich leicht daraus erklären iLſie verſteckt ſind, und man den Win⸗ ter uͤber weniger den Wald durchſuchk, als im Sommer. Die Eyer, deren man 3 bis 5 in Einem RNeſte findet, ſind wie eine Haſelnuß groß, grauweißlich und am ſtumpfen Ende ge⸗ fleckt und geſtrichelt. Nach 4 Tagen werden ſie ausgebruͤtet. Zu verwundern iſts, daß auch die heftigſte Källe das gluͤckliche Auskommen der Jungen nicht hindert. Man ſieht ſie in den kaͤlteſten Wintern, wo der Menſch ſich ſcheuet aus der Stube zu gehen, in Menge auf den Zweigen der Fichten ſitzen und herumhüpfen. Gerade dieſe kalte Jahreszeit war aber die beſte fuͤr die Erziehung der jungen Kreuzſchnaͤbel; denn da ſie auf den Samen des jungen Nadel⸗ holzes angewieſen ſind, ſo konnten ſie dieſen zu keiner Zeit in groͤßerer Menge finden, als im Wiunter. Uibrigens bruͤtet jedes Weibchen nur Einmal im Jahre. Dieſe Voͤgel ſind, wie gefagt, leicht zu fangen; auch verräͤth ſie ihr unaufhörliches Ge⸗ ſchrey bald. Im Herbſt und Fruͤhjahre darf man nur eine hohe Stange in die Erde ſtecken, worauf oben eine Leimruthe beſeſtigt iſt; unten ſtellt man einen Lockvogel dabey, welcher die vor⸗ uͤberziehenden anlockt. Man kann auch Sprenkel in den Gipfeln der Fichtenbaͤume aubrin⸗ gen; ſle fangen ſich vermittelſt eines Lockvogels gleichfalls darin. Man hält ſie hauſig in den Stuben, weil man glaubt, daß ſie die Krankheiten der Menſchen nach ſich ziehen. Allerdings wirken dieſe auf den Vogel; nur hilft es dem Men⸗ ſchen nichts. Der Kteuzſchnabel lebt aber aus dem Grunde auch nicht lange in den Stuben, weil ihm die boͤſen Ausduͤnſtungen der Menſchen Krankheiten verurſachen. Stcin Fleiſch iſt ein Leckerbiſſen 5 wenn es auf die rechte Art zubereitet wird. Gereinigte und halb gar gebratene Kreuzſchnaͤbel in Eſſig mit Gewuͤrz eingemacht, ſind fuͤr Viele eine zreffliche Koſt, und koͤnnen verſchickt werden⸗ 344 ——— ⏑— Her gelbe Kreuzvogel. Wir haben ſo eben geſehen, daß dieſer von dem vorigen nur durch das Alter verſchieden iſt, und brauchen daher nichts weiter hinzuzuſetzen. 5 — Dei e R a chti gal 1. (Motacilla LelscÜ.) Der lieblichſte Sanzvogel, die mit Recht bewunderte Nachtigall, gehoͤrt zu einem ſehr zahl⸗ reichen Geſchlechte, welches die meiſten Sänger in ſich faßt. Alle Gattungen haben einen weichen, duͤnnen, geraden und pfriemenförmigen Schnabel; kleine etwas eingedrückte Naſen⸗ Ioͤcher, und eine geſpaltene Zunge. An Groͤße iſt die Rachtigall dem Hausſperlinge gleich; 6 Zoll und 10 Linien lang und mit ausgeſpannten Fluͤgeln 10 Zoll und 6 Linien breit; der Schwanz mißt 2 Zoll 9 Linien; das Gewicht beiräͤgt eine halbe Unze. Der s Linien lange Schnabel iſt oben dunkel⸗ unten hellbraun; der Augenſtern nußbraun; die Fuͤße ſind braͤun⸗ lich fleiſchfarben. Das Gefteder am Oberleibe iſt graubraun und roſtfarben uͤberlaufen; bey ſehr alten Voͤgeka roͤthlich aſchgrau; der Steiß braunroth; die Kehle, der Bauch und die lan⸗ gen Afterfedern ſind weiß; Bruſt und Seiten weißlich aſchgrau. Die groͤßern Deckfedern der Fluͤgel haben kleine weiße Spitzen; die Schwungfedern ſind graubraun und roſtgelb eingefaßt; die beyden geraden Schwanzfedern ſchmutzig braunroͤthlich. Das Weibchen unterſcheidet ſich faſt gat nicht vom Maͤnnchen und iſt nur an ſeinen Sit⸗ ten und an ſeinem Betragen zu erkeunen. Uiberhaupt hat ſie mit dem Weibchen des gemeinen en, igte ine ahl⸗ neiz ſen⸗ der nge un⸗ bey an⸗ der ſitz Bit⸗ Nen 33 Rothſchwanzes ſo viel Aehnlichkeit, daß ein geuͤbtes Auge dazu gehoͤrt, beyde Vögel zu unter⸗ ſcheiden. Oft wird man hintergangen, und bezahlt einen Rothſchwanz fuͤr eine Rachtigall. Man ſchreibt der Nachtigall gewöhnlich große Neugier zu; aber mit Unrecht. Macht man ein Loch in der Erde, ſo kommt ſte freylich bald herangeflogen, und unterſucht es; dieß geſchieht jedoch nicht aus Reugier, ſondern weil ſte weiß, daß in der friſch gegrabnen Erde Maden und Wuͤrmer zu finden ſind. Der Begierde, Nahrung zu finden, hat man es auch eigentlich zuzuſchreiben, daß dieſer Vogel ſo leicht gefangen wird, und nicht, wie Manche glauben, ſeiner Einfalt. Die Nachtigall iſt nichts weniger als einfältig, ſie zeigt vielmehr in vielen Stücken eine Bedaͤchtigkeit und Vorſicht. Ihr Anſtand und ihr Gang verrathen gleichſam ein gewiſſes Selbſtgefuͤhl und einen Ernſt, der ihr ſehr wohl anſteht. Sie geht aufgerichtet und etwas huͤpfend. Erblickt ſie einen Gegenſtand, der ihre Aufmerkſamkeit zu verdienen ſcheint, ſo bleibt ſie einen Augenblick ſtill ſtehen, und ſchielt ihn gleichſam nur mit einem Auge und von der Seite an, bis ſie es fuͤr gut findet, ihm entweder naͤher zu treten, oder ſich zu entfernen. Die Stimme der Nachtigall iſt ſo verſchieden, daß man von gewiſſen Modulationen derſelben oft gar nicht glaubt, daß ſie von der Nachtigall herruͤhren. Fuͤr alle Arten von Leidenſchaften und Affekten hat ſie einen beſondern Ton. Das Maͤnnchen allein zeichnet ſich durch ſeinen lieblich toͤnenden melodiſchen Geſang(Schlag) aus. Mag es ſeyn, daß die Dichter übertreiben, wenn ſie uns den Geſang Philomelens reizender ſchil⸗ dern, als das lrefflichſte Concert! ——— Der Schlag der Nachtigall uͤbertrifft wenigſtens die Stimme aller uͤbrigen hieſtgen Voͤgel. Kein einziger hat ſo viel Melodie, ſo viel Abwechſelung in ſeiner Stimme; keiner ſtimmt ſein Lied mit der Staͤrke und dem Nachdruck an, wie die Nachtigall. Man erſtaunt uͤber die helldurchdringenden Toͤne, und die ſchmetternden Strophen, welche der Kehle dieſes kleinen Vogels entſttömen. Daß ſie ſelbſt das Trommelfell des menſchlichen Ohres ſtark erſchuͤttern, wiffen die, welche Rachtigallen in der Stube halten. Die Mufkeln in der Kehle der Nach⸗ nigall ſind ſtärker, als bey irgend einem andern Saͤnger. In der Hauptſache kommen alle Nachtigallen in ihrem Schloge uͤberein; doch hoͤrt man verſchiedene Modifikationen und fremd⸗ artige Toͤne. Einige ſcheinen ſich beſonders geuͤbt zu haben; ſie uͤbertreffen die uͤbrigen an Reinheit, Staͤtke, Dauer und angenehmer Modulation des Geſanges. Man kann ſie als Virtuoſen unter den Nachtigallen anſehen. Der Nachtigallgeſang iſt der Verküͤndiger der ſchoͤnen Jahreszeit. Sobald die Maͤnn⸗ chen im Fruͤhlinge ankommen, erſchallen auch die Haine von ihrem lieblichen Geſange. Sie kommen gewoͤhnlich zu Anfange oder um die Mitte des Aprils von ihren Wanderungen zurüͤck, und zwar einige Tage eher als die Weibchen. Man hoͤrt ſte ſowohl vor als nach Mitternacht, und ihre Abſicht iſt, die ankommenden Weibchen an ſich zu lecken Wenn dieſe ſich zu ihnen geſellt haben, ſchlagen die meiſten nur gegen Morgen und Tag uͤber bis in zgtes Heft. die ſpͤte Nacht. Einige fahren fort, die Nacht ihre Stimme hoͤren zu laſſen; daher die Un⸗ ‚ terſcheidung der Tag⸗ und Nachtvoͤgel. Ihr Geſang dauert nur 1o bis 12 Wochen, je nachdem ſie fruͤher oder ſpaͤter ankommen. Zur Zeit der Paarung iſt er am angenehmſten und lauteſten. Die Männchen ſcheinen um dieſe Zeit alle ihre Kräfte aufzubieten, ſo ſchön als moͤglich zu ſchlagen, gleichſam um ihren Weihchen deſto liebenswuͤrdiger zu werden. Wenn die Jungen ausgebruͤtet ſind, hoͤrt man den Geſang ſchon ſeltner, weil dann die Sorge fuͤr dieſelben auch dem Männchen einen Theil ſei⸗ ner Muße raubt. Kommt endlich Johannis heran, ſo hoͤrt man im Freyen gar keine Nachtigall mehr. Die eingeſpercten ſingen länger, oft wohl 7 Monate, und manche ſogar im Winter. 5 Das Alter der Rachtigall in ihrer Freyheit hat man bisher noch nicht beſtimmen koͤnnen. In der Gefangenſchaft kann man ſle bey guter Pflege 6 dis 8 Jahre und druͤber erhalten. Dieſer lieblichſte unter den Sangvögeln bewohnt faſt das ganze mildere Europa und Alten. Man trifft ihn von Schwedens ſuͤdlichern Provinzen bis nach Italien und Griechen⸗ land herab. In Syrien, Perſten, China, Japan, ſelbſt in Sebirien und auf Kamtſchalka hoͤrt man die Nachtigall ſchlagen. Ob ſie außer Aegypten noch ſonſt wo in Afrika wohne, weiß man nicht; eben ſo wenig laͤßt ſich der Ort ihres Winteraufenthalts angeben. In Deutſchland iſt die Nachtigall ein gemeiner Vogel, den man in groͤßern und kleinern Waldun⸗ gen, in Geſtraͤuchen und Gaͤrten antrifft. Laubhoͤlzer ſind ihm lieber, doch häͤlt er ſich auch 1 ſehr gern in vermiſchten Pflanzungen, z. B. in engliſchen Anlagen, auf. Schattige und zu⸗ gleich gegen die ranhen Rord⸗ und Oſtwinde geſchuͤßte Haine ſind der ſchoͤnſte, und wie es ſcheint, der angenehmſte Aufenthalt der Nachtigall. Hier thut ihr ſanft melancholiſches Lied vorzüglich des Abends unbeſchreibliche Wirkung. Den Standort, den eine Rachtigall im vorigen Jahre wählte, ſucht ſie im folgenden Jahre, wenn ſie nicht weggefangen wurde, oder ums Leben kam, jederzeit wieder auf. Sie 8 behaͤlt ihn auch meiſtentheils Zeitlebens, wenn man ſie nicht verſcheucht, denn ſo zutraulich ſie auch zu ſeyn ſcheint, ſo darf ſte doch nicht gar zu ſehr geſtört und beunruhiget werden.— Im Kuguſt, ſpaäteſtens im September, entfernen ſich alle Nachtigallen in der Stille nach und 15 nach aus unſern Gegenden, und uͤberhaupt aus ganz Europa. Sonderbar iſts, daß man in manchen Diſtrikten keine Rachtigall weder fteht noch boͤrt, wenn auch gleich Gebuͤſch da iſt. Mangel an Nahrung, hohe Berge, und vielleicht noch au⸗ dere Umſtände, die man nicht weiß, moͤgen ihnen den Aufenthalt daſelbſt zuwider machen. Da werden ſich immer Nachtigallen genug einfinden, wo beym fonſtigen Lokalerforderniſſen reich⸗ liche Nahrung vorhanden ift und Schonung ſtatt findet. Der Fraß der Nachtigallen beſteht in allerley kleinen Inſekten, Inſcktenlarven und Gewuͤrmen. Die kleinen Blattwicklerraupen eeeee, ne ee⸗ ernr 33 auf den Laubbaͤumen ſind ihnen im Mai eine leckere Koſt. Sie freſſen auch die kleinen Blatt⸗ wicklerphalaͤnen ſelbſt. Die Ameiſenpuppen(Ameiſeneyet) ſind beſonders eine geſunde und angenehme Rahrung für ſie.— Im Herbſt verzehren ſie aus Noth Hollunderbeeren und dergl. Den Eingeſpertten gibt man Ameiſenpuppen, Mehlkäferlarven(Mehlwürmer), Milch mit Semmel, zerhackte Eyer, kleingehacktes Rinderherz, Fleiſch u. ſ. w. Wenn die Nachtigallen im Fruͤhlinge ſich paaren, entſtehen nicht ſelten hitzige Kaͤmpfe des Standorts wegen unter ihnen. Das Weibchen legt 4 bis 6 bräunlichgruͤne Eyer in ein kunſtloſes Neſt, das äußerlich aus Laub, nach innen zu aus duͤrrem Gras oder Strobhal⸗ men zuſammengeſetzt und mit Thierhaaren ausgefuͤttert iſt. Man findet das Reſt in Geſtraͤu⸗ chen, Dornbuͤſchen und auf der Erde. Nach 14 Tagen ſchluͤpfen die Jungen aus, welche ſowohl von der Mutter als vom Vater gefuͤttert werden. Das Mäunchen bruͤtet auch abwech⸗ ſelnd mit dem Weibchen. Noch ebe die Jungen fliegen können, verlaſſen ſie das Neſt ſchon und ſetzen ſich auf den nahe ſtehenden Geſtraͤuchen nieder. Kommt die Nachtigall zeitig an, ſo bruͤtet ſie nicht ſelten zweymal; doch legt ſie beym zweytenmale weniger Eyer. Wenn man ihr die Eyer wegnimmt, legt ſie zwey bis dreymal andere wieder. Die Brut iſt den Räubereyen der Marder, Katzen, Iltiſſe, Wieſel u.[ w. ſehr ausgeſetzt, weil das Ne t chr Den Alken dirh am feiſten von Menſchen nachgeſtellt, ob gleich ihr Fang in vielen Laͤndern verboten iſt. Es laͤßt ſich faſt kein Vogel ſo leicht fangen, wie die Nachtigall, beſonders im Fruͤhlinge, zur Zeit der Paarung. Man darf dann nur ein Loch in der Erde machen, einige Mehlwmer oder Ameiſenever hineinle⸗ gen, und eine Leimruthe, Falle oder dergleichen dabey anbringen, ſo faͤngt ſie ſich. Sie läßt ſich auch mit Sprenkeln, Schlingen, Retzen und ſelbſt mit Meiſenkaſten beruͤcken. Bil⸗ lig ſollte man aber dieſe lieblichen Saͤnger auf alle Art ſchonen, da ſie uͤberdieß noch durch ihren Fraß den Menſchen nuͤtzlich werden; denn die Menge der kleinen gruͤnen Raͤupchen und anderer Inſekten, die eine einzige Nachtigall verzehrt, iſt ſehr betraͤchtlich. In Frankreich ißt man ihr Fleiſch. Dieß thaten auch manche Verſchwender der alten Zeit. Heliogabal ließ Gerichte von Rachtigallzunge auftragen. Das Fleiſch iſt fett, weiß und ſehr wohl⸗ ſchmeckend⸗ 36 Amohibien. XI.— Merkwürdige Schlangen. Fig. 1. Die gehoͤrnte Schlange. (Coluber naſicornis.) Uater den Schlangen giebt es auch mehrere gehoͤrnte Arten, wodurch das fuͤrchterliche An⸗ ſehen dieſer ohnehin gefaͤhrlichen Thiere noch um vieles vermehrt wird. Wir ſehen gegen⸗ wartig eine dieſer Arten, die in neuern Zeiten aus dem innere Afrika zu uns gebracht wur⸗ de. Auf ihrer Raſenſpitze ſizen die zwey Zoll langen hornartigen Verlaͤngerungen. Sie ſind rückwaͤrtsgektuͤnimt, und laſſen ſich etwas biegen. Vor jedem Horne ſteht noch eine ſtarke aufrechtſtehende Schuppe, die man fuͤr ein zweytes kleineres Hörnerpaar halten koͤnn⸗ te. Die ganze Laͤnge der Schlange betraͤgt 4. Fuß. Sie iſt ganz mit ſtarken Schuppen bedeckt. Der Grund ibrer Faͤrbung iſt ein gelbliches Olivenbraun. Darauf ſtßen ſchwar⸗ ze und braͤunliche Punkte, Flecken und Streifen. Sie iſt uͤbrigens ſehr giftig. Fig 2. Die Ringelnatter. (Coluber natriæ.) Die Ringelnatter iſt unter den Schlangenarten, die ſich in Teutſchland auſhalten, die gewoͤhnlichſte. Man findet ſie allenthalben in Hoͤlzern und Gebuͤſchen, auch haͤlt ſie ſich in Miſthaufen, Viehſtaͤllen und Kellern auf, weswegen ſie der gemeine Mann die Hausunke rennt. Sie wird gegen 4 Fuß lang iſt auf dem Ruͤcken grünlichblau, am Bauche aber ſchwatzblau, an den Seiten befinden ſich eine Menge weißer Flecken. Am Kopfe des Männchens ſleht man zwey hochgelbe Flecken in Form eines Ringels. Beim Weibchen ſind diefe Flecken weißlich. Im Junius und Julius legt letzteres ſeine wie eine Perlenſchnur an einander gereihten Eyer in Miſt⸗ und Erdhaufen. Die Ringelnatter iſt durchaus nicht giftig ſondern hat nur kleine ſpitzige Zaͤhne, womit ſie ihre Nahrung, die in Froͤſchen, Kröten, Eidechſen, Feldmaͤuſen u. ſ. w. beſteht, ergreikt und feſthaͤlt. Ihrer RNahrung wegen gehoͤrt ſie daher wohl mehr unter die nuͤtzlichen, als unter die ſchaͤdlichen Thiere. ————— ———— Juſckten. XVI. Schäd lih ekten, Nro. 1. 2. u. 3. Die Nonne. (Hfalaenabomila Monacha.) Die⸗ ſogenannte Ronne unter den Inſekten iſt ein gelblich weißer und ſchwarz gefleckter Nachtſchmetierling, davon Fig. 1. die Raupe oder Larve, Fig. 2. aber das Maͤnnchen, und Fig. 3. das Weibchen zeigt. Dieß Inſekt iſt wegen der ungeheuern Gefräßigkeit ſeiner Raupe beſonders merkwürdig; den dieſe nährt ſich von dem Laube faſt aller Baͤume, und iſt ſonderlich den Radelwaldungen außtrordentlich ſchaͤdlich. Sie vermehren ſich nemlich bey guͤnſtigen Umſtaäͤnden einige Jahre nach einander ſo erſtaunlich, daß ſte hernach ganze Wälder abfreſſen, worauf dann die Kiefern und Fichten ſonderlich abſterben. Dieß war der Fall in den letztern Jahren im Voigtlande; wo dieſe Raupe uͤher 50,000 Morgen Radel⸗ waldungen abgefreſſen und zu Grunde gerichtet hat. Nro. 4. 5. u. 6. Die Mücke, 5(Clleæ plpiens.) Die Muͤcke iſt wegen ihres ſchmerzhaften Stechens eines der laͤſtigſten Inſck⸗ ten. Sie lebt bey uns, und in allen gemaͤßigten, ja ſogar in den kalten Zonen der Erde, in ungeheuere Schwaͤrmen, liebt vorzuͤglich gern ſumpfigte und waſſerreiche Gegenden, weil ſie ihre Eyerchen auf das Waſſer legt, und ihre jungen Larven ſich, bis zur Verwandelung in Mücken, im Waſſer aufhalten, und von kleinen Waſſerpolgpen und andern Infekten naͤh⸗ ren. So bald die Muͤcke ihre Verwandlung gehabt hat: geht ſte in die Luft, wo ſte ſich, ſonderlich zur Zeit der Begattung, des Morgens und Abends in ungeheuren Schwärmen— die wir Muͤckentänze oder Muͤckenſpiele nennen— zeigt. Im Winter ziehen ſie ſich in Kel⸗ ler und ſchaurige Gewoͤlbe, wo ſie bis zum Fruͤhjahre bleiben. Sie werden des Rachts in Schlafzimmern durch ihr Summen und Stechen,(denn die Muͤcke naͤhrt ſich von Menſchen⸗ blute, und iſt ſehr begierig darnach) ſehr beſchwerlich. Fig. 4. zeigt dieß kleine Thierchen in ſeiner natürlichen Groͤße, und Fig. 5. beträchtlich vergroͤßert, Fig. 6. aber den noch weit mehr vergrößerten Kopfeiner maͤnnlichen Muͤcke, welcher wegen ſeines ſonderbaren Ruͤſ⸗ ſels, worin der unendlich ſeine Stachel liegt, höchſt merkwuͤrdig iſt. Sch d d li ch n ſe kten. Schäͤdliche Inſckten koͤnnen die auf dieſer Tafel abgebildrte Ronne und Muͤcke allerdings hei⸗ ßen; daß ſie aber in der Reihe der Geſchoͤpfe nicht uͤberfluͤſſig ſind, und daß ſie, wenn auch dem Menſchen nicht unmittelbar, doch dem großen Ganzen auf irgend rine Weiſe nützen, darf man wohl als gewiß annehmen. D i RN on n 2 (Szaluena bomlꝶr monadcha.) 5 Die Ronne, ein Nachtfalter mittler Giöße, iſt auf den Oberfluͤgeln weiß, ins Braunt ſpielend und mit ſchwarzen blitzfoͤrmigen unterbrochenen Streifen, welche hie und da ſchwar⸗ Kan en bilden, gezeichnet. and mit dunkelgrauen oder braunen Punkten. ſchwarzen Zeichnungen, die Ring chen endigt ſich der Leib in eine graue Buͤrſte, beym Weibchen in eine Spitze. Das Maͤnn⸗ chen iſt uͤberdies vom Weibchen auch durch ſeine geringere Größe und durch die ſtaͤrker be⸗ fiederten Fuͤhlhöͤrner leicht zu unterſcheiden. Im Ruheſtande decken die Oberfluͤgel die untern und den Leih, und die innern Raͤnder derſelben ſchließen genau an einander. Sie ſcheinen ein Ganzes zu ſeyn, und haben keinen dachformigen Abhang. Das Männchen iß weit munterer und lebhafter, als das Weibchen. Es flieg auch, wenn man es aufjagt, am Tage gut, und iſt daher ſchwer zu chen hingetzen ſind traͤger, und koͤnnen am Tage gar nicht fliegen, ſon h teeaaSe. Die Unterftüägel haben eine lichtgraue Farbe und einen hellern Der Leib iſt glatt, am Kopfe weiß mil inge ſind roſenfarben ſchwarz ſchattirt. Beym Männ⸗ ee erhaſchen. Die Weib⸗ dern fallen zzu Boden, S G ———————— 39 Dieſe Nachtſchmetterlinge erſcheinen um die Mitte des Juli, vornehmlich in den Radelhölzern, wo ſie ſowohl an den Staͤmmen der Baͤume, als auf den Zweigen ſttzen. Sie paaren ſich bald, und dann legt das Weibchen oben am Baumſtamme unter ſtarken Aeſten ungefaͤhr 60 bis 80 Eyer in den Ritzen der Rinde, die man gewoͤhnlich abblaͤttern muß, wenn man die Eyer finden will. Kurz darauf ſtirbt das Weibchen; die Maͤnnchen berlieren fich ebenfalls, und um die Mitte des Auguſts ſind keine Nonnen mehr zu finden. Die Eher, welche neben dem Weibchen abgebildet ſind, bleiben, den ſicherſten Er⸗ fahrungen zufolge, den Winter äber an den Baumſtaͤmmen, ohne zu erfrieren. Bringt man ſte in die Stube, ſo kommen viele ſchon im Herbſte aus. Sie ſehen bleygrau aus, faͤrben ſich aber roͤthlich, wenn ſich im Fruͤhlinge die junge KRaupe in denſelben mehr entwickelt. Die Zeit des Ausſchluͤpfens der Raupe richtet ſich nach der Witterung im Fruͤhjahre. Selbſt die erſten warmen Sommertage ſcheinen ſie herauszulocken. Die Mitte oder das Ende Aprils iſt die gewoͤhnliche Zeit. Die aus dem Epe gekommene Raupe iſt eine Linie lang, aſchgrau von Farbe, und hat einen ſchwarzen Kopf und lange Haare. Schon den folgenden Tag ver⸗ hei⸗ äͤndern ſle ſich, ünd nehmen eine ſchwarze Farbe an, die ſie drey Wochen lang behalten. auch Nun freſſen ſie, nach Art andrer Raupen, unaufhoͤrlich, und wachſen. Sie haben eine üben, mehr platte, als cplindriſche Geſtalt; der Leib beſteht aus re Gliedern, iſt mit Haarbuͤſcheln beſetzt, und der große Kopf hat 2 ſolcher Haarbuͤſchel auf den Seiten. Den Ruͤcken hinab läͤuft ein Streif von gruͤnlichgrauer oder braunet Farbe, welcher auf betzden Seiten bon einem andern bald gelben, bald grungelben, oft aber auch ganz weißen eingefaßt iſt. Auf den drey hiuterſten Gliedern zeichnen ſich drey ſehr deutliche ſcharlachfarbne Flecke aus. Die Farbe der Raupe iſt jedoch immer nach dem Futter verſchieden. Dieſes beſteht nicht allein in den Blaͤttern der Radelbäͤume, ſondern ſie frißt auch das Laub von Eichen, Buchen, Einden, Weiden, Kirſch⸗Pflaum⸗ und Apfelbaͤumen und andern. RNadelbaͤnme ſind ihr jedoch die liebſten; hier findet ſie auch gleich im Fruͤhjahre voͤllige Rahrung, und iſt hin⸗ länglich gegen Feinde geſichert. Sie lebt vorzüͤglich auf hohen Baͤumen und zwar einſam⸗ 1 Rachdem ſie ſich verſchiedenemal gehäͤutet und endlich ihre groͤßte Ausdehnung— etwa 1 Kaf ½ Zoll in der Länge— erhalten hat; fängt ſie an, ſich zu verpuppen. Dies geſchieht 5 gegen das Ende des Juni. Sie umgibt ſich mit einem duͤnnen, kaum ſichtbaren Gewebe, 11 kruͤmmt ſich in demſelben zuſammen, ſtreift nach einigen Tagen die Raußenhaut ab, und er⸗ 0 ſcheint als Puppe oder Nymphe von gewoͤhnlicher Geſtalt und glaͤnzend braungruͤner oder Ränn⸗ brozenartiger Farbe. Die mäͤnnliche Puppe, welche ſchlanker iſt, mißt 6 bis 5; die weib⸗ er be⸗ liche 8 bis 9 Linien. Beyde findet man an den Baumſtämmen in den Ritzen und unter den untern Aeſten meiſt horißontal angehaͤngt. Rach ungefähr 14 Tagen, alſo wie vorher bemerkt iſt, Heine um die Mitte des Juli, erſcheint der obenbeſchriebene Nachtfalter. Dieſes Inſekt iſt beſonders merkwuͤrdig, weil die Raupe in den Nadelwaͤldern ſo b fliegt ungeheuern Schaden anrichtet. Dies war inſonderheit in den letzten 5 Jahren der Fall im 20 Voigilaude, wo ſich die Raupe in den dortigen Nadelwaldern in unglaublicher Menge fand. Boden⸗ Die Urſachen der entſetzlichen Vermehrüng ſind vornehmlich in einer guͤnſtigen Witterung und in der Vertilgung der Voͤgel zu ſuchen, die ſowohl den Schmeterlingen, als ihren Raupen und Eyern ſchaden koͤnnen. Wenn die Naupen einen Baum ganzlich abgefreſſen haben, ſo erfolgt unausbleib⸗ lich ſein Untergang. Verſchiedene angeſehene Forſtmaͤnner erklaͤren das Abſterben des Nadel⸗ baums dadurch, daß dieſer, nachdem ihm auch die Spitzen des letzten Triebes abgefreſſen waren, aus demſelben ſein Wachsthum nicht weiter fortſetzen koͤnne, und daß er dann ver⸗ mocknen muͤſſe. Andere hingegen meinen, daß dieſe Behauptung zu allgemein und in vielen Fällen ganz ungegruͤndet ſey. Man finde, ſagen ſte, junge Staͤmmchen, deren oberſter Quiel völlig verzehrt wurde, ſo daß von den Haupt⸗ und Rebentrieben nur noch Reſte ubrig blieben; und die dennoch nicht abſtarben, ſondern an den Reſten neue Augen trieben, und dadurch ihr Wachsthum ſortſetzten. Ja, manche junge Fichten, die von den Raupen völlig abgefreſſen ſind, ſchlagen dennoch wieder aus. Richtiger ſcheint daher die Meinung, daß die Radelbaͤume darum abſterben, weil durch die Entblaͤtterung ihre Vegatation in Sto⸗ cken geräth. Zwar werden auch Laubbäͤume öfters ganz von Raupen abgefreſſen, allein dieſe ſind theils ſchon von Natur zur Entbehrung ihrer Blaͤtter auf eine Zeitlang gewoͤhnt; theils trei⸗ ben auch die hinter den abgefreſſenen Blättern ſchon vorraͤthig ſitzenden Laubknospen ſehr bald friſche Blaͤtter, ſo daß alſo die Bewegung der Saͤfte eher wieder hergeſtellt wird, als darin eine gänzliche Stockung und Faͤulung entſtehen kann. Bey den Nadelbaͤumen hingegen braucht die Entblaͤtterung gar nicht total zu ſeyn; ſie pflegen ſchon abzuſterben, wenn dieſelbe einen gewiſſen, freylich unbeſtimmten Grad erreicht. Alte und ausgewachſene Slaͤmme er⸗ holen ſich, auch ſelbſt nach einer nicht totalen Entblaͤtterung, am allerwenigſten. Das Holz von den durch Raupenfraß getoͤdteten Kiefernbaͤumen wird von Jahr zu Jahr ſchlechter, und verfault endlich auf dem Stamme. Tannen und anderes Holz leiſtet aber die nämlichen Dienſte, wie das geſunde, und wird zum Bauen, zum Brennen und zum Verkohlen gebraucht Bey dem allen ſind jedoch die Verheerungen dieſer Raupe fuͤr die Waldungen viel zu gefaͤhrlich, und der daraus in Kurzem entſtehende Holzmangel zu ge⸗ wiß, als daß man nicht alles aufbieten ſollte, dieſe Peſt der Radelwaͤlder zu vertilgen. Welcher Mittel ſoll man ſich aber hiezu bedienen?— Dieſe Frage hat ſchon mehrere brave Forſtmäaͤnner beſchaͤftigt und mancherley Vorſchtaͤge veranlaßt. Die beſten und zweckmaͤßigſten Mittel liegen unſtreilig in der Natur ſelbſt. Sie, die in manchen Jahren das Entſtehen diefer und anderer ſchaͤdlichen Inſekten ſo ungemein befoͤrdert, iſt auch am erſten im Stande ſie zu vertilgen. Unguͤnſtige Witterung, Kaͤlte, Raͤſſe, Winde, Nebel ꝛc. koͤnnen ſowohl den Raupen, als Schmetterlingen dieſer Wald⸗ verderber hoͤchſt nachtheilig werden. Uiberdies giebt es viele Vogel, denen die Raupen und Schmetterlinge zur Nahrung dienen, und die Schlupfweſpen oder Ichneumons toͤdten gleich⸗ rung ihten leib⸗ adel⸗ reſſen ver⸗ vielen erſtet Reſte ieben, aupen nung, Sto⸗ dieſe trei⸗ bald darin gegen ieſelbe ne er⸗ hr zu leiſtet und pe fuͤr u ge⸗ ilgen. brave Sie, emein Kaͤlte, Wald⸗ 1und leich⸗ 4 falls eine unzäͤhlbare Menge Raupen. Deſſen ungeachtet ſoll auch der Menſch zu ihrer Vertilgung beytragen. Dies iſt nun aber mit tauſend Schwierigkeiten verknuͤpft. Man hat vorgeſchlagen, die Eyer im Winter von den Stäͤmmen abzuſchaben; aber welche Menge von Menſchen, welche Zeit und Kraͤſte wuͤrde dies koſten, zumal da die Eyer oben an hohen Staͤmmen und noch dazu unter der Rinde ſttzen?— Ein andrer Vorſchlag, das geſunde Holz von dem beſchaͤdigten durch eine im Winter durchzuhauende Schlucht zu ſcheiden, iſt unausfuͤhrbar, weil ſich in den angeſteckten Waͤldern die Raupen nicht auf gewiſſe Strecken oder Gegenden einſchraͤnken, ſondern ſich uͤberall ausbreiten. Das Ableſen der Raupe ſelbſt iſt ſo gefaͤhrlich, als muͤhſam, und es wuͤrden mehrere Menſchen vielleicht einen ganzen Tag beſchaͤftigt werden, um Einen Kiefern⸗oder Tannenbaum zu reinigen. Von der Art ſind noch mehrere andere Vorſchläge. Zweckmaͤßige Rauchdaͤmpſe von ſolchen Materialien, die den Raupen und Schmel⸗ terlingen toͤdtlich ſind, in den angeſteckten Waldungen unterhalten, wuͤrden freylich vortreff⸗ liche Dienſte thun; aber wer kennt dergleichen Materialien? Und wenn es deren gibt, wie ſind ſie um einen leidlichen Preis in ſo großer Menge herbeyzuſchaffen? Der Vorſchlag, an mehteren Stellen Nachtfeuer zu unterhalten, nach welchen ſich bekanntlich die Rachtſchmet⸗ terlinge ziehen, und worin ſie haͤufig verbrennen, ſcheint noch das anwendbarſte von allen bisher vorgeſchlagenen Mitteln zu ſeyn; indeß darf man auch davon keine gaͤnzliche Vertil⸗ gung der Raupen, ſondern nur eine Verminderung derſelben erwarten. Das beſte, was ein vernoͤnftiger Forſtmann bey den Waldverheerungen durch die Nonne und andere ſchaͤdliche Inſekten thun kann, iſt, daß er das abgeſtorbne Holz ſo gut als moͤglich zu benutzen ſucht, und fuͤr baldige Anziehung neuer Holzungen ſorgt. Schaden wird immer, auch bey der zweckmaͤßigſten Benutzung, nicht zu vermeiden ſeyn, aber et kann doch daduich ſehr vermindert werden. (Culem piptens.) Beh näherer Betrachtung und Unterſuchung dieſes kleinen Inſckts entdeckt man überaus viel Merkwürdiges und Schoͤnes in ſeinem Bau und in der Einrichtung ſeiner Theile, was man beym erſten fluchtigen Blick gar nicht vermuthen ſollte. Die Singmucke— die von andern ihr ähnlichen Inſckien, den Schnaken, unterſchieden werden muß— gehoͤrt in die ſechſte Otdnung der Juſckten, zu denen alſo, die zwey Fluͤgel haben. Sie und ihre Ge⸗ ſchlechtsberwandten unlerſcheiden ſich von andern zweyfluͤclichten Inſekten dadurch, daß ihr agtes Heft. F 4²⁴ Saugruͤſſel aus 3 zugeſpitzten Borſten, die in einer roͤhrenfoͤrmigen Scheide liegen, beſteht. An der Seite dieſes Ruͤſſels liegen 2 Freßſpitzen; die Fuͤhlhoͤrner ſind fadenförmig. Uihri⸗ gens iſt die Singmuͤcke grau, und hat an ihrem Hinterleibe 8 braune Bauchringe. 5 Man ſteht faſt das ganze Jahr hindurch einige Muͤcken, und ſelbſt im Winter, wenn gelinde Witterung einfallt, ſpielen kieine Schwaͤrme davon in der Luft, aber der Auguſt iſt der Monat, wo ſie am haͤuſtgſten ſchwaͤrmen. Sie uͤberſtehen, ehe ſie vollkommene Jn⸗ ſekten werden, einige Verwandlungen, welche wir vom Eye an betrachten wollen. Schon das Eyerlegen hat bey dieſen Inſekten viel Beſonderes. Das beſtuchkete Weibchen begibt ſich, wenn es legen will, zu einem ſtehenden Gewaͤſſer, und laͤßt ſich da⸗ ſelbſt auf ein uͤber das Waſſer haͤngendes, oder auf irgend einen andern in ſolcher Lage be⸗ findlichen Koͤrper nieder. Es nimmt dabey eine ſolche Stellung on, daß der Hinterleib uͤber dem Waſſer hinausteicht. Jetzt ſtreckt es die Hinterfuͤße ſo uͤber einander, daß ſie einen Winkel bilden, und faͤngt nun an zu legen. Die Muͤckeneyer gleichen der Geſtalt nach den Tropfengläschen der Apotheker. Sie ſind länglichrund, haben oberhalb einen Hals, und ſind unten abgerundet zugeſpitzt. Nach der Abſicht der Ratur duͤrfen ſie weder unterſinken, noch umfallen, ſondern ſie muͤſſen in aufrechter Stellung oben ſchwimmen. Dofuͤr ſorgt nun das Muͤckenweibchen, indem es das erſte Ey in der obenbeſchriebenenen Stellung dicht in dem innern Winkel, den ihre beyden Hinterfuͤße bilden, legt; dann ſo das zwepte dicht darneben, das dritte und vierte eben ſo, und endlich nach und nach an 200 Eyer in auf⸗ rechter Stellung und auf der Oberflaͤche des Waſſers ſchwimmend hinſetzt. Damit dieſe Eyers chen nicht getrennt werden und umſallen, verbindet es eins mit dem andern vermittelſt einer klebrichten Feuchtigkeit. Das ganze Geſchäft, ſo kuͤnſtlich es auch iſt, wird in einer Vier⸗ telſtunde abgethan, und dann entfernt ſich die Muͤcke. Das Eyerkluͤmpchen, welches die Figur eines verſchobenen Vierecks bildet, und alſo einem Schiffchen gleicht, ſchwimmt nun ſich ſelbſt uͤberlaſſen auf dem Waſſer hin und her, bis es ſich endlich— wenn es nicht von irgend einem Geſchoͤpf verſchlungen wird— an ein Schilfblättchen oder ſonſt an irgend einen im Waſſer befindlichen Koͤrper anhaͤngt. Rach 2 bis 3 Tagen werden die Eyerchen durch die Sonnenwaͤrme ausgebrütet, und es kom⸗ men kleine Larven hervör, welche eine gar ſonderbare Bildung haben. Ihr Kopf iſt vorn mit zwey Zangen verſehen, welche zum Anpacken des Raubes dienen, das rundliche Bruſt⸗ ſtäck iſt ſehr groß; der Hinterleib, welcher aus 8 Ringen beſteht, deren jeder auf der Seite einen Haarbuͤſchel hat, endigt ſich in einen doppelten von der Seite gebognen Schwanz. Der kine iſt kegelformig und dient zum Athmen; der andere, welchen man mit einer Schau⸗ fel vergleichen koͤnnte, dient zum Rudern. Dieſe Mäckenlarben befinden ſich meiſtens an der Oberfläche des Waſſers; ſie ge⸗ hen aber auch dem GSrunde zu, und bewegen ſich nach allen Richtungen hin. Faſt immer iſt der Kopf und der ganze obere Theil des Koͤpers nach dem Grunde, der Schwanz aber, welcher immer etwas aus dem Waſſer hervorragt, nach oben gekehrt. Begeben ſich dieſe kleinen Geſchoͤpfe auch tiefer ins Waſſer, ſo kommen ſte doch bald wieder herauf, weil ſie athmen muͤſſen. Druͤckt man ſie mit Gewalt nieder, ſo ſterben ſie aus Mangel an Luft. In den heißen Sommertagen, im Juli und zu Anfange des Auguſts findet man faſt alle ſtehende Gewaͤſſer reichlich mit dieſen Larven angefuͤllt, kaum die kleinſte Pfuͤtze iſt frey davon. Will man ſte beobachten, ſo braucht man nur ein Glas voll ſolches Waſſers einzuſchoͤpſen, und ans Fenſter zu ſtellen. Sie naͤhren ſich von allerhand kleinen Waſſerin⸗ ſekten und Gewuͤrmen z. B. von Polypen, und ſind ziemlich gefraͤßig Sie wachſen zu⸗ ſehends, und hauten ſich in ihrem Larvenſtande einigemal. Nach der letzten Haͤutung, die etwa nach 10 Tagen, ſeit ſte aus dem Eye kamen, erfolgt, nehmen ſte eine ganz veränderte Geſtalt an. Ihr Vordertheil wird unfoͤrmlich dick, verlaͤuſt ſich aber nach hinten zu allmaͤh⸗ lich, und endigt ſich in eine platte Schaufel, die aber nicht zur Seite, ſondern gerade an der Spitze des Hinterleibes ſitt. Die vorigen beyden Schwaͤnze ſind nicht mehr vothanden; die Ringe aber ſind auch behaart, und der Kopf iſt vorne mit 2 Hoͤrnern beſetzt, die oben dicker ſind und nach der Wurzel ſpitzig zulaufen. Dieſe tutenfoͤrmigen Hoͤrner vertreten jetzt die Stelle des einen Schwanzes, und dienen zum Athmen. Die Stellung des Koͤrpers iſt nicht ausgeſtreckt, ſondern der Kopf iſt in die Bruſt eingezogen und das ganze Geſchoͤpf ge⸗ kruͤmmt. Die Bewegung iſt viel ſchneller und geſchickter, als im Larvenſtande. Einen Mund und Freßzangen nimmt man gar nicht wahr. Die Rymphe lebt und bemegt ſich ſo, ohne Rahrung zu gebrauchen, 7 oder 8 Tage, und bildet ſich unter der Rymphenhaut zur voll⸗ kommnen Muͤcke aus. Endlich zerſpringt jene Haut; es zeigt ſtch zuerſt der Kopf mit ſei⸗ nen Fuͤhlhoͤrnern; dann arbeiten ſich die Vorderfuͤße und ſodann die uͤbrigen hervor. Hat die junge Muͤcke erſt die Fuͤße und Fluͤgel frey, ſo ſtreift ſte den Reſt der Huͤlle vom Hinter⸗ theile mit Leichtigkeit ab, und fliegt, ob ſie gleich mit den Vorderfuͤßen an keinen Gegen⸗ ſtand feſthalten kann, von der Oberflaͤche des Waſſers in die Hoͤhe. Alles dieſes geht ſehr ſchnell von ſtatten, und ereignet ſich immer nur gegen Abend, weil dies die Zeit iſt, wo die Muͤcke herumſchwaͤrmt. Wie wunderbar!— Es gewaährt ein intereſſantes Schauſpiel, dieſe Inſekten aus der Nymphenhuͤlle ausſchluͤpfen zu ſehen. Man kann ſich dieſes Vergnügen ſehr leicht machen, wenn man ein Glas mit Teichwaſſer und Muͤckenlarven bis zur Verwandlung im Zimmer ſtehen laͤßt. Von der Zeit an haͤlt ſich die Muͤcke nicht mehr im Waſſer auf. Am Tage ſitzt ſte ſtill an ſchattigten dunklen Oertern, weil ihr Tageshelle zuwider iſt; ſobald aber die Abenddaͤmmerung hereinbricht, erhebt ſte ſich, ſchwaͤrmt in der Luft umher, und ſucht ihres Gleichen. Die Maͤcken haben die Gewohnheit, in Schaaren von einigen Tauſenden beyſam⸗ men in der Luft durch einander zu fliegen, welches man das Muͤckenſpielen oder den Muͤckentanz nennt. Dies ſteht gar ſonderbar aus; die kleinen Geſchoͤpfe fliegen auf und 44 nieder, und ſcheinen einander erhaſchen zu wollen; dabeh bleibt der Schwarm ziemlich auf demſelben Platze in der Luft. Die Muͤcken thun dies vornehmlich zur Zeit der Begattung, die eben dann in der Luft vor ſich geht. Gegen den Herbſt zerſtreuen ſie ſich mehr, und fliegen einſam des Abends herum. Unm dieſe Zeit kommen ſie des Abends und in der Morgendaͤmmerung— denn da fliegt die Muͤcke ebenfalls umher— haͤuftg durch die offnen Fenſter in die Zimmer, wo ſie den Menſchen des Rachts durch ihr Geſumme ſehr zur Laſt fallen. Dieſes Geſumme, welches man des Rachts, wo alles ſtill iſt, ausnehmend ſtark hört, iſt nicht etwa ein Geſchrey des Jnſekis; ſondern es entſteht durch das Reiben der Flů⸗ gel an den Schwingkoͤlbchen. Die Schwingkoͤlbchen laſſen ſich zwar ſchon mit bloßen Au⸗ gen, beſſer aber unter einem Vergroͤßerungslaſe unterſcheiden. Sie gleichen an Geſtalt den Stecknadeln; mit der Spitze ſtecken ſie unter oder neben den Fluͤgeln, und am Ende befin⸗ det ſich das runde Koͤlbchen oder Knoͤpfchen. Zunächſt dienen dieſe Schwingkoͤlbchen zur Unterſtuͤtzung der Fluͤgel. Die Nahrung der Muͤcken beſteht in vegetabiliſchen und thieriſchen Saͤften, beſon⸗ ders im Blute, welches ſie vermittelſt ihres Ruͤſſels aus dem thieriſchen Koͤrper herauszupum⸗ ven wiſſen. Nur die Weibchen ſind, wie man bemerkt haben will, ſo begierig nach Blut; die Maͤnnchen ſollen ſich dagegen mehr mit Pllanzenſaͤften ſaͤttigen. Der Kopf einer Ruͤcke mit allen ſeinen Theilen iſt aͤußerſt kuͤnſtlich und ſchoͤn. Fig. 6. wird der Kopf einer mäunlichen Muͤcke ſehr ſtark vergroͤßert vorgeſtellt. Er iſt von dem Kopfe des Weibchens durch die ſchoͤnen Fuͤhlhoͤrner, die wie zwey große Federbuͤſche zu beyden Seiten des Ruͤſſels vor der Stirn ſtehen, verſchieden. Schon mit bloßen Augen unterſcheidet man die Maͤnnchen hierdurch deutlich von den Weibchen. Die Augen, welche aus kleinen Faſſeiten, wie bey andern Inſekten, beſtehen, und glaͤnzend goldgruͤn ſchim⸗ mern, bedecken den groͤßten Theil des Kopfs. Das kuͤnſtlichſte Werkzeug iſt der Ruͤſſel. Dasjenige, was man aͤußerlich erblickt, iſt nur das Futteral deſſelben, worin die Theile ver⸗ borgen liegen, welche die Haut verwunden, und das Blut aus den unker derſelben liegenden feinen Gefaͤßen pumpen. Wenn die Muͤcke ſich ihres Ruͤſſels bedienen will, ſo thut ſich die Scheide von einander, und es zeigen ſich die obenerwaͤhnten z borſtenaͤhnlichen Spitzen, wel⸗ che den Saugruͤſſel eigentlich ausmachen. So fein ſte ſind, ſo dringt doch durch dieſelben in wenig Augenblicken ſo viel Blut ein, daß man den ganzen, vorher ſehr duͤnnen, durfch⸗ tigen Hinterleib der Muͤcke damit angefuͤllt und davon rothgefaͤrbt erblickt. Das Inſekt iſt aͤußerſt begierig auf das Blut, und laͤßt ſich, wenn es den Ruͤſſel erſt recht tief eingeſnkt hat, kaum ſtoͤren. Es zieht ſo viel ein, daß es oft ſchon waͤhrend des Einſaugens einen Theil deſſelben, aber in veränderter Geſtalt durch den After von ſich gibt.— Der Schn erz, den ein Muͤckenſtich verurſacht, iſt an ſich nicht groß; die Menge der Stiche aber macht ihn beſchwerlich. Am beſten haͤlt man dieſe laͤſtigen Gaͤſte vom Geſicht durch das Tabackrauck en entfernt. Uiberhaupt kann man ſie durch Rauchdampf vertreiben. Baumöl lindert das Ju⸗ cken, welches bey Perſonen von feiner Empfindung nach dem Stiche erfolgt. Von den ——— Schlafzimmern haͤlt man ſie ſehr leicht dadurch ab, daß man die Fenſter zu der Zeit oͤffnet, wenn ſie umherſchwärmen. Man kann ſie auch mittelſt einer brennenden Laterne fangen, welche man Abends ins Zimmer auf einen Tiſch ſetzt. Die Scheiben derſelben werden aͤu⸗ ßerlich mit einer klebrigten aber durchſichtigen Materie, eiwa mit dem Weißen vom Ehe oder dergl. beſtrichen. Die Muͤcken, welche, vom Licht geblendet, nach der Laterne fliegen, bleiben in Menge an den Scheiben kleben. 8 Sonderbar iſts, daß dieſe kleinen zarten Inſekten im ſpaͤten Herſte, wenn es ſchon rauh und ſo kalt iſt, daß keine Fliege mehr umherſchwärmen kann, dennoch behend umher⸗ ſunſen koͤnnen, ohne daß ihre zarten Gliedmaßen erſtarren. Die Muͤcken uͤberſtehen wenig⸗ ſtens großentheils den Winter in Kelleen und an andern der Kaͤlte nicht ſehr ausgeſetzten Oertern, und begatten ſich dann im Fruͤhjahre, um fuͤr Nachkommenſchaft zu ſorgen. — ———U —— Eoralen. II.—— EC t a en Atte n. 1* Fig. 1. Der Seefaͤcher. (Gorgonia Aabellum.) Dieſe ſchoͤne Coralle, die unter dem Ramen des Seefaͤchers bekannt iſt, findet ſich an den Kuͤſten des mittellaͤndiſchen Meers, und auch in den beyden Indien, wo ſte mit ihrem ſtarken lederartigen Stamme an den Felſen feſt ſizt. Ihr Stamm theilt ſich in mehrere Aeſte, die wieder durch ein netzartiges Gewebe unter ſich verbunden ſind; ſo daß das Ganze dadurch das Anſehen eines Baums bekömmt. Man findet dieſe Coralle bis zur Große von 5 Fuß. Ihre Farbe iſt ein ſchoͤnes Scharlachroth. Die Aeſte ſind mit kleinen Poren oder Loͤcherchen, die Fig. 1. d. vergroͤßert erſcheinen, gleichſam uͤberſaͤet. Dieſes ſind die Hoͤhlen einer Art von Polypen, welche dieſen wunderbaren Bau bilden, und wovon wir einen hier ver⸗ gröͤßert in Fig. 1. c. erblicken. Fig. 2. Die Secorgel. (LZubiporà mißſioa.) Die Seecorgel gehoͤrt zum Geſchlecht der Röhren⸗Corallen, und iſt gleichſalls ein Bau und die Wohnung von See⸗Polypen. Sie beſteht aus parallel neben einander liegen⸗ den duͤnnen Roͤhrchen, die man mit Orgelpfeifen verglich, und der Coralle daher den eben angefuͤhrten Ramen gab. Dieſe Roͤhrchen bewohnt ein Thiet, welches man bey Fig. 2. b⸗ in dem vergroͤßerten durchſchnittenen Stuͤck erblickt. Dieſes Corallen⸗Gewaͤchs findet ſich im Indiſchen, Amerikaniſchen und dem rothen Meere, wo es ſich in unfoͤrmlichen Maſſen an die Felſen anhaͤngt, und gleichfals roth ausſieht. Die Indianer brauchen die Seeorgel als Heilmittel gegen die Biſſe giftiger Thiere. * Pflanzen. LIV. ie%%½ ſji a un i e n. Nro. 1. Die China oder Fieberrinde. (Cincliona Micinalis. L) Das Vaterland des Fieberrindenbaums iſt Peru. Er hat kleine ovale, wolligte Blätter, bluͤht blaßroth, und trägt braunen Samen. Die ſpecifiſche Arzneykraft ſeiner hochberuͤhm⸗ ten Rinde gegen die Wechſelfteber wurde erſt vor anderthalb hundert Jahten durch Zufall entdeckt, und ſeitdem werden junge und alte Baͤume geſchaͤlt, und es gehen ungeheure Quantitäten von dieſer Rinde nach Europa. Die Rinde ſelbſt ſieht, wie Fig. a. zeigt, zußerlich graubraun aus, iſt von jungen Baͤumen und Zweigen am beſten, und zuſammen⸗ gerollt nicht uͤber 2. bis 3. Linien dick. Man hat dreperlei Sorten von dieſer Rinde, wei⸗ ße, gelbe und rothe, welche aber nicht von einerley Baume kommen. Die beſte Ehina⸗ rinde erhalten wir uͤber England, und ſte macht einen betrachtlichen Handelsartikel aus. Nro. 2. Die Falappe. (Convolvulus jalappa.) Die Jalappe, deren Wurzel wir als eine ſtarkpurgirende Arzuet kennen, gehoͤrt zu dem Geſchlechte der Winden, und ihr Vaterland iſt Mexico und ganz Weſtindien. Die Pflanze ſelbſt, welche ſich um andere Pflanzen und Baͤume herumſchlingt, und 8 bis 10 Fuß in die Hoͤhe klettert, hat ſebr ungleiche Blaͤtter, ſo daß faſt keines dem andern ähnlich ſioht. Die Wurzel iſt knollicht(Fig. b.), ſteht von außen ſchwarzbraun und von innen aſchgran aus, und wird in den Apotheken als ein ſtarkpurgirendes Arzuepmittel gebraucht. ee e e China⸗oder Fiebertinde. (Cahaobioιννj,lͤHicινjAlis.) China, Quinquina, Fieberrinde und peruaniſche Rinde ſind verſchiedene Benennungen eines und deſſelben Produkts. Man kennt wohl 8 bis 9 verſchiedene Gattungen des Fieberrin⸗ denbauens; der oſſizinelle aber iſt der berühmteſte. Lange kaunte man ihn nicht genau, ob⸗ gleich ſeine Rinde ſchon berühmt war. Diejenigen, welche die Rinde abſchlten und ver⸗ Fauften, hatten theils keine Kenatniß, um den Baum botaniſch zu beſimmen, theils dach⸗ ten ſie blos auf den Gewinn. Dela Condamine hat uns die beſten Nachrichten vom Chinabaum geliefett. Er unterſuchte ihn auf ſeiner Reiſe in Peru ſelbſt, im Jahre 1737, an Ort und Stille. Der Baum wird ziemlich hoch, und oft ſo dick, wie der Leib eines Mannes; de findet man dergleichen jetzt nur noch ſelten, weil ſie gewoͤhnlich weit fruͤher durch das Ab⸗ ſchaͤlen der Rinde abſterben, ehe ſie zu ſener Dicke gelangen. Gewoͤhnlich triſſt mon ſie jetzt von 8 bis 9 Zoll Dicke im Ducchmeſſer an. Condamine fand ſchon damals wenige, welche uͤber 12 bis 15 Fuß hoch und mehr als Armsdick waren. Die Farbe des Stam⸗ mes konn man ungefaͤhr aus den, bey der Abbildung befindlichen Rindeſtücken abnehmen. Der Baum kreibt oben viele Zweige. Die geſtielten Blätter ſind von elliptiſcher Form und von gelblich grͤner Farbe, oben glatt und unten haarig, und ziemlich dick. Der gemein⸗ ſchaftliche Bumenſtiel kommt aus den Blattwinkeln, und theilt ſich in viele kleinere, welche einen Böſchel bilden. Die Bluͤthen ſtehen einzeln auf den feinen Stielchen, und gleichen der Form nach ſo ziemlich den Blumen des Lilaks oder ſpaniſchen Hollunders. Sie ſehen 40 blaß zinnoberroth aus. Der fuͤnfzaͤhnige Kelch iſt glockenfoͤrmig; die Blumenkrone krichter⸗ foͤrmig, fͤnftheilig und an der Spitze der Lappen wollig. Sie enthaͤlt fünf Staubgefaͤße, einen einfachen Fruchtknoten, Staubweg und Narbe. Die Samenkapſel iſt durch zwey gleich⸗ laufende Scheidewaͤnde in zwey Fäͤcher getheilt, und enthaͤlt viele Samen, welche laͤnglich und plattgedruͤckt ſind. Das Koͤnigreich Peru iſt das eigentliche Vaterland des Fieberrindenbaums. Hier wächſt er vornämlich eine Meile von Loja oder Lora, auf Bergen und auf der ganzen Berg⸗ kette, welche ſich von da 25 bis 30 Meilen nordwaͤrts erſttekt. Hie und da waͤchſt er auch an den Ufern kleiner Fluͤſſe. Auch fand man ihn auf den Bergen im Gebiete von Cuenza. Hin und wieder trifft man ihn einzeln untet andern Baͤumen, gemeiniglich aber in Menge beyſammen. Die Kraft der Rinde ſoll ſchon vor der Ankunft der Spanier in Petu den Einge⸗ bornen bekannt geweſen ſehn. Sie bemerkten dieſelbe, wie man ſagt, zufäalligerweiſe. Ein Amerikaner, der mit dem Fieber behaftet war, trank aus einem Leiche, um ſeinen Durſt zu ſtillen. Neben dem Teiche ſtanden viele Fieberrindenbäume, von welchen einige mil den Staͤmmen in den Leich gefallen waren. Sie hatten dem Waſſer deſſelben ihre Kraft mitge⸗ theilt. Der Amerikaner ſand den Geſchmack des Waffers zwar bitter, wurde aber bald von ſeinem Fieber befreyt. Er vermuthete gleich, daß die Urſache der Heilkraſt des Waſſers in den hineingefallenen Baumſtaͤmmen laͤge, und rieth noch mehreren Fieberkranken davon zu trinken, welche denn auch gleiche Wirkung verſpuͤrten. So wurde die Rinde des China⸗ baums als ein vortreffliches Atzneymittel unter den Peruanern bekannt. Man ſagt, dieſe haͤtten die Heilkraͤfte der Rinde hernachmals vor den Spaniern geheim zu halten geſucht. Nach einer andern Erzahlung machte Jufſien, Condaminens Reiſegefaͤhrte, die Einwohner mit dem Rutzen der Fieberrinde erſt recht bekannt, und zeigte ihnen, daß ihre Furcht vor der erhitzenden Eigenſchaft derſelben voͤllig ungegruͤndet ſey. Beyde Erzaͤhlungen laſſen ſich ſehr gut vereinigen; man darf nur annehmen, daß von Eingebornen in verſchie⸗ denen Diſtrikten die Rede ſeyn koͤnne. Gewifß laͤßt ſich weder die Veranloſſung, noch die Zeit angeben, wo die Heilkraft der Ehina zuerſt entdeckt wurde. Fabelhaft ſcheint die Sage einiger Amerikaner, welche vorgeben, man haͤtte den Gebrauch von den(amerikaniſchen) Loͤwen gelernt, welche die Rinde aus Inſtinkt beym kalten Fieber genoͤßen. Zu Condamine's Zeiten ſtanden die Eingebornen in Peru noch in dem Wah⸗ ne, daß die Europaͤer die ungeheure Menge von Ehinarinde, die ſie wegfuͤhrten, zum Faͤr⸗ ben gebrauchten. In Europa lernte man dieſes wirkſame Arzneymittel weit ſpaͤter kennen. Die Veranlaſſung dazu war folgende: Die Ganin des Vicekoͤnigs von Peru, Grafen del Cin⸗ agtes Heft. G 60— chon, der in Lima reſidirte, wurde von einem heftigen Wechſelfteber befallen. Der Stadk⸗ richter(Corregidor) von Loja empfahl ihr die Rinde. Sie nahm davon und genas. Dieß geſchah im Jahre 1638. Sie theilte nun ſelbſt Pulder von der Rinde aus, und dieſe wur⸗ den weiter unter dem Ramen der Gräfin⸗ Pulfer(pulvis comitiſla) bekannt, Rach⸗ ber überließ ſie den dortigen Jeſuiten die Austheilung deſſelben und nach ihnen wurde es Je⸗ ſuitenpulver genannt. Als hierauf der Generalprokurator der Jefuiten zu Lima dem Cardinal de Lugo zu Rom eine Portion davon uͤberſchickte, erhielt es den Namen Car⸗ dinalspulver. Der erwaͤhnte Prokurator ſoll hernach auch auf ſeiner Reiſe nach Frank⸗ reich Ludwig den Vierzehnten, der damals noch Dauphin war, dadurch vom Fieber befreyt haben. Der Graf del Cinchon und ſeine Gattin kamen im Jahre 1648 aus Amerika wieder nach Spanien, und dieſe machten die Heilkraͤfte und den Gebrauch noch mehr in Europa bekannt. Nun wurde davon eine Menge nach Spanien geholt, ſo daß nach und nach um Loja herum ſchon Mangel an Baͤumen zu entſtehen ſchien, und die Einwohner der dortigen Gegenden wieder aͤhnliche Rinden unterſchoben. In Peru heißt die Rinde Corteza oder Caſcara de Loza, d. i. Rinde von Loja, auch Caſcarille, d. i. kleine Rinde. Vom September bis in den November woird die Ehinarinde von den Baͤumen geſchalt, denn nur in dieſen Monaten hoͤrt es auf, im Gebirge, wo der Baum waͤchſt, zu regnen. Man macht Einſchnitte in die Rinde bis auf das Holz, und hoͤrt nicht eher auf mit Abſchaͤlen, bis der ganze Baum von Rinde entbloßt iſt. Die abgeſchaͤlte Rinde legt man an die frehe Luft, und wendet ſie fleißig um, damit ſie trockne. Naß darf ſie gar nicht werden. Nach dem Abſchaͤlen geht der Stamm zwar verloren, es treiben aber neue Sproſſen aus der Wurzel hervor. Außerdem pflanzt ſich der Baum auch durch Ausſtreuung des Samens fort. Ob er ſich gleich ſelbſt ſo anſehnlich vermehrt, ſteht doch zu befuͤrchten, daß man mit der Zeit Mangel an dieſem nuͤtzlichen Heilmittel leiden werde; denn die Ein⸗ wohner denken nicht einmal an die noͤthige Schonung, geſchweige an Aupflanzung. Ehemals wurde die Rinde von den Bäumen auf dem Berge Cajanuma, dritte⸗ halb franzoͤſiſche Meilen von Loza, fuͤr die kraͤftigſte gehalten. Man unterſcheidet an Ort und Stelle drey oder vier Sorten: eine weiße, roͤthliche, gelbliche und eine mit Runzeln. Die weiße ſcheint nicht von dem offizinellen Chinabaum zu kommen, ſondern von einem aͤhn⸗ lichen Baume. Die roͤthliche und gelbe aber ſind wohl nicht weſentlich verſchieden. Die kaͤufliche iſt gemeiniglich auf der aͤußern Flaͤche bräunlich, zuweilen mit etwas Baumflech⸗ ten bedeckt; innerlich ſieht ſie mehr roͤthlich, faſt wie Eiſenroſt aus. Es gibt gröͤßere und kleinere Stuͤcke, je nachdem der Zweig oder Stamm ſtark war, von welchem man ſie ab⸗ ſchaͤlte. Die Rindenſtuͤcke vom Stamme ſind dick und nicht zuſammengerollt, die von den duͤnnern Zweigen bilden Roͤhrchen. Man ſieht auch wohl kleingebroͤckelte Rinde, die äußer⸗ lich weiß, inwendig gelblich iſt; dieſe ſoll von der Wurzel herkommen. Sie wird in Spa⸗ 5¹ nien ſehr geſchaͤtzt, und hoch im Preiſe gehalten. Die beſte ſoll die ſeyn, welche dem Zim⸗ met an Farbe ähnlich iſt, und bey ihrer Bitterkeit etwas Zuſammenziehendes und Gewuͤrz⸗ haftes hat. Ihr Geruch iſt ſchwach, etwas dumpfig und gewuͤrzhaft. Gute China muß überhaupt nicht holzig und hart, nicht faſerig, aber auch nicht ſchwammig ſeyn; ſie muß leicht zerbrechen, und ſech mit den Zaͤhnen leicht zerreiben laſſen.— Sie iſt, wie faſt alle dergleichen Artikel, der Verfaͤlſchung ſehr ausgeſetzt. Als man dieſe zu Ende des vorigen Jahrhunderts zu ſehr uͤberttieben, blieben im Hafen von Loja viele tauſend Pfund ungekauft liegen. Die China haͤlt ſich drey bis vier Jahre lang gut; dann aber verliert ſie ſehr an Kraft. Sie koinmt aus dem ſpaniſchen Amerika nach Cadir, in Faͤſſern von 5 bis 600 Pfund. Von Cadir aus wird ſie in Kiſten, die mit Leder uͤberzogen ſind, weiter verfuͤhrt. Die Preiſe dieſer Waare ſind nach ihrer Güte verſchieden. Auch uͤber London kann man Chinarinde erhalten. Was die Wirkſamkeit der Rinde betrifft, ſo wird daruͤber verſchieden geurtheilt. Man hat ihr manchmal vorgeworfen, daß ſte das nicht leiſte, was man ihr nachruͤhme; allein dieſe Vorwuͤrſe treffen wohl⸗ lediglich die faͤlſchlich fuͤr China ausgegebenen Rinden. Daß es ſo lange dauerte, ehe ihr Gebrauch allgemein ward, lag vornämlich in dem anfang⸗ lich ſo theuern Preiſe. In Rom hatte ſie erſt mit dem Silber gleichen Werth. In England verwarfen eigennuͤtzige Aerzte ihren Gebrauch deswegen, weil ſie ſo ſchnell heilte. Es fan⸗ den ſich auch an andern Orten Widerſacher; dennoch ward die China immer beruͤhmter⸗ Wechſelfteber waren die erſten Krankheiten, gegen welche man ſich ihrer mit ſehr gluͤcklichem Erfolge bediente. Die Art ihres Gebrauchs bey dieſen Krankheiten iſt verſchieden, und muß der Beurtheilung eines geſchickten Arztes uͤberlaſſen werden. Rach Einigen ſoll ſte gepuͤlvert die beſten Dienſte thun. Freylich iſt Manchem der Geſchmack ſo zuwider, daß er das Pulver in eine Oblate huͤllen muß, um es zu verſchlucken. Einige Aerzte verſetzen es mit Zucker und Zimmet. Auch kann man es in Mandelmilch, in Chocolade und andern fluͤ⸗ ßigen Subſtanzen einnehmen. Das Suͤßholz iſt eins der beſten Mittel, den Geſchmack der China zu verſtecken. Da nun aber ſchwache Magen das Chinapulver oft wieder von ſich geben, ſo bereitet man auch einen wäſſerigen Ahſud aus der Rinde, dem man ebenfalls durch Zucker und andere Zuſäaͤtze einen angenehmen Geſchmack gibt. Jetzt kocht man die Ehina nicht immer, ſondern bedient ſich auch eines kalten Aufguſſes derſelben, welcher dem Abſude auf keine Weiſe an Wirkſamkeit nachſteht Man kann auf eine Unze Chinapulber 8 bis 12 Unzen kaltes Wafſer gießen, und die Miſchung 12 bis 24 Siunden ſtehen laſſen. Die heilende Kratt der Rinde wird durch kaltes Waſſer eben ſo vollkommen ausgezogen, als durch heißes. luter gewiſſen Umſtänden iſt ein Aufguß von Wein oder andern geiſtigen Getraͤnken ſehr zutraͤglich. G 2 Merkwürdig iſt, daß die Fieberrinde, auch aͤußerlich gebraucht, gleiche Wirkungen bey Wechſelfiebern hervorbringt. Der Gebrauch geſchieht vermittelſt der Klyſtiere, der Um⸗ ſchlaͤge ꝛc. Ja, bloßes Pulver wirkt ſchon aͤußerlich. Ein Arzt ließ ein Kamiſol ohne Aer⸗ mel von doppelter Leinwand machen, ganz feines Chinapulver hineinnaͤhen, und auf den bloßen Leib anziehen. Er heilte hierdurch Wechſelſteber vollkommen. Wie ſehr dieſer Um⸗ ſtand bey Kindern und andern Perſonen, die nicht gern einnehmen, zu ſtatten komme, leuch⸗ tet von ſelbſt ein. Außer den Wechſelfiebern dient die Ching auch in Faul⸗ und Rervenfiebern vor⸗ trefflich. Nur muß der Patient ſich unter den Haͤnden eines geſchickten Arztes befinden, weil ſie ſonſt auch gemiß braucht werden kann. Bey boͤsartigen Blattern iſt ſie ein ſehr wirkſames Mittel. Sie befördert nicht nur den Ausbruch derſelben, ſondern ſetzt auch dem Eiterungsſiebet Schranken, und hindert die Faͤulniß. Sie hemmt ſogar die Wuth peſtartiger Krankheiten. In allen Zufaͤllen und Beſchwerden, die von Nervenſchwäche herrühten, iſt ihr Rutzen entſchieden. Aber auch ſchon bey aͤußer⸗ lichen Schaͤden iſt ſie mit glͤͤcklichem Erfolge angewendet worden. Sie hemmt Blutungen, und zwar nicht allein diejenigen, welche aus einer faulen Auflöͤſung des Geblüͤts berrühren, ſondern unter gewiſſen Umſtaͤnden auch ſolche, wo jene Auflöſung nicht ſtalt finde. Man bat ſie bedm Blutſpeyen, Blutharnen ꝛc. gebraucht, und den beſten Erfolg davon geſeben. Auch in der allerfuͤrchterlichſten Krankheit, im kalten Brande, laͤßt ſich von ihr, aber fren⸗ lich nur unter gewiſſen Umſtaͤnden, Huͤlfe erwarten. Man hat mehrere Beyſpiele, daß ſie nicht nur dem Brande, der aus einer fehlerhaften Beſchaffenheit der Saͤfte herruͤhrt, ſon⸗ dern auch de m Einhalt gethan, der auf Quetſchungen, Verrenkungen, Geſchwäre und Ver⸗ wundungen folgte. Merkwuͤrdig iſt inſonderheit ein Fall, wo ein hundertjähriger Greis, deſſen Kreuz vom Durchliegen bis auf die Knochen brandig geworden war, durch die China wieder hergeſtellt wurde. Es lirßen ſich außerdem noch eine Menge von Zufällen anfuͤhren, in welchen die China ſich wirkſam bewieſen hat; allein das Geſagte iſt hinlaͤnglich, um ſich zu uͤberzugen, daß dieſes Heilmittel eins der allervortrefflichſten iſt, welches die guͤtige Nakur dem Men⸗ ſchen zu ſeiner Erhaltung anwies. Verdient irgend ein Arzneymittel ſpeziftſch genannt zu werden, ſo iſt es die China. In den Apotheken bereitet man allerley Fieberrindenextrakte, einfache und zuſam⸗ mengeſetzte Tinkturen und Eſſenzen; Harz, Syrup, Pulver ꝛ. Beruͤhmt iſt vorzuͤglich das berliniſche Fieberrindenpulver, welches ein beruͤhmter Arzt, du Clos, in Berlin er⸗ fand. Seine Zuſammenſetzung iſt ein noch nicht entdecktes Geheimniß⸗ 63 Man bwbar neugierig zu wiſſen, welche Beſtandtheile die große Wirkſamkeit der China verurſachen. Zu dem Ende iſt auch die Rinde chemiſch zerlegt worden, allein dieß hat zur Erklaͤrung ihter Witkſamkeit wenig oder gar nichts betzgetragen. Bey der Unterſuchung brachke man harzige und gummoͤſe Theile heraus. Beyde betrugen am Gewicht etwa die Hälfte der Rinde; das Uibrige enthaͤlt noch erdige Theile und etwas Laugenſalz. Die Angabe des Ver⸗ haͤltniſſes der gummoͤſen und harzigen Theile iſt verſchieden. Nach Einigen iſt mehr Gummi, nach Andern mehr Harz vorhanden. Bey der Deſtillation mit Waſſer zeigen ſich auch Spu⸗ ren von einem weſentlichen Oel, wenn man das Feuer ein wenig verſtaͤrkt. Man nimmt es in Geſtalt kleiner Kuͤgelchen auf der Oberflaͤche, aber nur vermittelſt eines Vergroͤßerungsgla⸗ ſes wahr. Es erregt auf der Zunge eine ſtechende Empfindung, die zwar ſchwach, aber doch ſtärker iſt, als die vom Waſſer. Nach einigen Lagen laͤßt das abgezogene Waſſer einen ſchleimigen Bodenſatz fallen, und verliert nach und nach die Farbe und den aromatiſchen Geſchmack, den es anfangs hatte. Die zuſammenziehende Kraft ſcheint im Harze enthalten zu ſeyn, welches durch anhaltendes Kochen im Waſſer ausgeſchlemmt, aber nicht eigentlich auf⸗ gelöͤſet wird: daher denn der Abſud nach und nach truͤbe wird. Wenn das Harz durchs Kochen herausgebracht iſt, ſo bemerkt man in dem eingekochten Rückſtande nichts Zuſam⸗ menziehendes mehr, ſondern nur noch die bloße Bitterkeit. Die Kraft laͤßt ſich bey der China⸗ rinde, ſo wie bey andern bittern und zuſammenziehenden Mitteln aus dem Pflanzenreiche wie wir ſchon oben geſehen haben eben ſo gut durch kaltes als durch heißes Waſſer heraus⸗ ziehen. Durch bloßes Einweichen bringt man eben ſo viel Harz heraus, als durchs Kochen. Durchs Reiben wird die Aufloͤſang im Waſſer beſchleunigt, wodurch gleichwohl ein Theil des Riechbaren verloren geht, und ſich in der Luft umher verbreitet. Aber weder kaltes noch heißes Waſſer, noch auch der gereinigte Weingeiſt, ziehen einzeln alle wirkſamen Theile aus. Das kalte Waſſer zieht mehr aus als der gereinigte Weingeiſt; gewoͤhnlicher Brantwein aber mehr, als das Waſſer, und Rheinwein noch mehr. Das allerbeſte Aufloͤſungsmittel, wel⸗ ches alle aufloͤsbaren Theile auszieht, iſt eine Miſchung von Waſſer und gereinigtem Wein⸗ geiſt. Das Pulver der Rinde, aber nicht das Extrakt, enthaͤlt Eiſentheile. Ob die Rinde gleich, wenn man ſie koſtet, einen zuſammenziehenden Geſchmack erregt, ſo macht ſie doch die Vitriolaufloͤſung nicht, wie andere zuſammenziehende Mittel, ſchwarz, ſondern vielmehr grän. Doch fand ein Anderer, daß die grune Farbe ſich in die ſehwarze verwandelte, wenn 7s gehoͤrig verduͤnnt wurde. Man kann ein wahres Salz in Kryſtallengeſtalt aus der Fieber⸗ rinde erhalten, welches durchſichtig, blaß gelb und etwas ſalzig iſt, ſich an die Zaͤhne anhangt, und wie Rhabarbar riecht. Es laͤßt ſich im Waſſer leicht aufloͤfen, und die Aufloͤſung wird klar. Laͤßt man ſie abrauchen, ſo kommen die Kryſtallen wieder zum Vorſchein. Daß die China eine faulnißwidrige Kraft beſitze, die jedoch ſo ſtark nicht iſt, wie die von Kamillen und rinigen andern Pflanzen, ilt ſchon erwaͤhnt worden. Auf welche Art ſie der Faͤulniß entgegen wirke, iſt noch ungewiß. Manche glauben vermuthlich, daß die ganze Wirkung der Fieberrinde auf ihrer Bitterkeit und zuſammenziehenden Kraft beruhe; allein dieß iſt ein Irrthum. Ihte Wirkun⸗ gen ſind ſo mannichfaltig und ſo verſchieden, daß alle andern bekannten Mittel, die doch auch einen hohen Grad von Bitterkeit haben, umſonſt an ihrer Stelle verſucht wurden. Bey ge⸗ wiſſen Krankheiten iſt es ganz offenbar, daß die China vorzuͤglich auf die Nerven wirkt; die Meinungen uͤber die Art und Weiſe ihres Wirkens ſind ſehr verſchieden. Als Surrogate der Fieberrinde hat man in unſern Tagen die Rinde von verſchie⸗ denen Gewaͤchſen empfohlen. Es gehoͤren dahin der Tulpenbaum, die Roßkaſtanie, die Eſche, verſchiedene Weidengattungen und andere. Vom Holze der Quaſſie hat man eine gleiche Wirkung vermuthet, welche jedoch nicht erfolgt iſt. ir Rga g e. (Coαρννονινονσνα JabagD.) Die Jalappe gehört zu den Windengattungen, deren auch bey uns im Getreide und an Zaͤunen einige wild angetroffen werden. Den deutſchen Namen ſcheint man ihnen deßwegen gegeben zu haben, weil ſich der Staͤngel der meiſten um andere nahe ſtehende Geſtraͤuche, Zweige ꝛc. windet. Der lateiniſche Name hingegen hat Beziehung auf die Bluͤthe, welche vor dem Aufbrechen ſchraubenartig gewunden iſt. 8 Alle Winden haben an ihren Bluͤthen einen ſehr kleinen fuͤnftheiligen Kelch, glo⸗ ckenfoͤrmige gefaltete Kronen; fuͤnf Staubgefaͤße; einen einſachen Frucheknolen und Staub⸗ weg mit zwey Narben. Die Samenkapfel iſt zwey⸗ bis dreyfaͤcherig und jedes Fach enthaͤlt zwey Samen. Die Winden gehoͤren, wie der Chinabaum, in die 5te Klaſſe. Der Stäͤngel der Jalappenwinde iſt gruͤn und nicht dick. Er windet ſich an nahe ſte⸗ henden Gegenſtaͤnden hoch auf. Seine Blaͤtter ſind lang geſtielt, glatt und von verſchiede⸗ ner Geſtalt; theils ſind ſte herzfoͤrmig, theils lanzetfoͤrmig, mihr oder weniger laͤnglich und eckig. Jede Blume ſitzt auf einem beſondern Stiele. Derjenige Theil der Pflanze, den man als Arzneymittel in den Apotheken findet, iſt die Wurzel. Dieſe hat eine runliche Heſtalt. Sie gleicht einigermaßen den kleinen runden Retligen; nat iſt das dicke Ende nach unten germaß gen; und das duͤnne nach dem Staͤngel zu gekehrt, und die außere Fläͤche nich! ſo eben ſondern hoͤckerig und runzlicht. Sie ſiehl ſchwaͤrzlich aus, iſt dicht und ſchwer. Wenn man ſie „ 85 aufſchneidet, ſteht ſie weißlich oder grau aus, und es dringt ein milchartiger Saft aus den Zürkeln hervor. Nach Murraßzz iſt ſie inwendig dunkelgrau, mit ſchwarzen Streifen. In den Apotheken findet man ſie nur in Scheiben oder in Stücken zerſchnitten. Dieß geſchieht ſchon an Ort und Stelle, wo ſie waͤchſt. Man zerlegt ſie deßwegen, damit ſie ſich deſto beſſer erhalte, und trocknen laſſe. Richt alle kaͤufliche Jalappe iſt von einerley Guͤte. Je dichter und ſchweter, de⸗ ſto beſſer; dabey muß ſte feſt, innerlich faſt glänzend, ſchwarz und harzig, nicht mehlig noch weiß ſeyn. Gute Jalappe muß beym Zerſtoßen leicht zerſpringen, am Lichte ſich ent⸗ zuͤnden, und einen ſtarken widrigen Geruch von ſich geben. Die wurmſtichigen Wurzeln, welche man ſonſt nicht zu achten pflegt, ſind bey der Jalappe gerade, wie verſtchert wird, die beſten zum Gebrauche, und zwar aus dem Grunde, weil die Wuͤrmer, oder vielmehr In⸗ ſektenlarven, welche die Loͤcher verurſachen, nicht die harzigen Theile, ſondern nur die Holzfaſern angreifen und zerſtoͤren. Die wurmſtichigen enthalten alſo mehr Harz. Die leichten und weißlichen Wurzeln ſtnd ſolche, woraus das Harz ſchon ausgezogen iſt. Sie kommen auch unter den uͤbrigen im Handel mit vor. Die Jalappenwinde iſt eine ausdauernde Pflanze. Sie waͤchſt in Mexiko und andern Laͤndern des ſͤͤdlichen Amerika twild. IUlm die Städk Lalappe foll man eine un⸗ beſchreibliche Menge Jalappenwurzeln jaͤhrlich gewinnen, ſo daß davon 7 bis 8000 Zentner ausgefuͤhrt werden koͤnnen. So lange man die Jalappe nur noch als bloßes Arzneymittel, das durch den Handel in die Apotheken kommt, kannte, und die Pflanze, von der ſie herruͤhrt, noch nicht beſtimmt war, glaubte man, ſie waͤre die Wurzel einer andern Pflanze, die man Wunder⸗ blume(mirabilis jalappa) nennt, und die ihrer ſchönen vielfarbigen Blumen wegen auch bey uns in Gärten gezogen wird. Man wollte dieſes noch mehr damii bekraͤftigen, daß dieſe Pflanze ſogar im Elſaß im Großen angebauet wurde. Aber die Wurzel der Wunderblume hat eine ruͤbenaͤhnliche Geſtalt, ſie iſt ferner lange nicht ſo kraͤftig. Jetzt ſcheint es keinem Zweifel mehr unterworfen zu ſeyn, daß die Jalappe von der Winde komme. Ein franzöoͤſt⸗ ſcher Botaniker, Thierv de Menonville, ſammelte vor einigen Jahren bey Vera Crux die Wurzeln der Jalappenwinde ein, und zeigte ſie dem Apotheker dieſer Stadt, der ſie fuͤr die eigentliche Jalappe erkannte. Im Jahte 1610 kam ſte aus Kalappe nach Europa, und wurde ihrer heilſamen Eigenſchaſten wegen bald in den Apotheken aufgenommen. Jetzt treiben die Spanier den Handel damit. Man läßt ſie aus Cadir kommen. Sie wird, wie der ſpaniſche Indigo, in Sutonen verkauft. Man kann auch gemahlne aus Holland erhalten. Dirſe iſt aber oſt⸗ mals verfälſcht. 8 Uiber die Beſtandtheile der Jalappe ſind die Meinungen getheilt. Die chemiſchen Zerlegungen geben verſchiedene Reſultate. Zwoͤlf Uẽnzen-Wurzel gaben nach der Zerlegung zwey Unzen harziges Extrakt; ein andennal aber, da der waͤßrige Extrakt war ausgezogen worden, gab der Rückſtand nur eine Unze. Gmelin fand ſaſt den vierten Theil Harz in der Wurzel. Andere erhielten viel weniger. Wenn man die Jalappe in den Mund nimmt, ſo empfindet man ein leichtes Ste⸗ chen auf der Zunge. Schluckt man ſie hinter, ſo zeigt ſich das Stechen im Schlunde ſtaͤr⸗ ker. Gepuͤlvert gibt ſie einen widrigen Geruch von ſich. Je mehr harzige Theile ſte enthäͤlt, deſto wirkſamer iſt ſie. Das waͤſſrige Extrakt, welches faſt gar kein Harz enthaͤlt, fuͤhrt wenig oder gar nicht ab. In chroniſchen Krankheiten iſt die Jalappe ein treffliches Pargirmittel, das ſich zugleich durch ſeine Wohlfeilheit empfiehlt. Schade iſts, daß man ſich nicht immer auf die Wirkung beſtimmter Gaben verlaſſen kann, da die Wutzel nicht immer eine gleiche Menge Harz enthaͤlt. Wenn die harzigen Theile gehörig zerrieben werden, ſo erregt ſie beym Ge⸗ brauch weder Schneiden im Leibe noch anderr Zufaͤle. Sie ſchickt ſich ſehr gut fuͤr Perſo⸗ nen, die einen ſchwammigen ſchlaffen Koͤrper haben. Auch fuͤr Kinder iſt ſie gut, ſobald ſie uͤber ein Jahr ualt ſind.— Außer der abfüͤhrenden Kraft beſtzt die Jalappe auch noch andere ruͤhmliche Eigenſchaften. Man hat ſie mit ſehr gluͤcklichem Erfolge gegen die Wur⸗ mer gebraucht. Ja, ſelbſt der Bandwurm widerſteht ihr nicht. Von einer Frau, welche die beſten Wurmmittel ohne Rutzen gebraucht hatte, trieb ein halbes Quentchen Jolappr ei⸗ nen Bandwurm von ſechs Ellen, und bei einem fünfzehnjaͤhrigen Maͤdchen zwey Portionen Jalappe einen von vierzehn Ellen ab. Bey der Wafferſucht befoͤrdett ſie die Ausleerung des Waſſers durch den Darmkanal in ſolchen Faͤllen, wo bereits eine Geneigtheit zu Auslee⸗ rungen auf dieſem Wege vorhanden iſt. In England bedienen ſich die Bierbrauer und Brantweinbrenner ihrer als eines Gaͤhrungsmittels. In den Apytheken findet man die Wurzel auf verſchiedene Art zubereit. Man hat Jalappenharz, Jalappenextrakt, Jalappentinktur. Das Harz iſt ſehr ſcharf, und darf nur in getingen Pornionen und mit großer Behuthſamkeit gebraucht werden. nicht. Es aibt zweyerley Pflanzen LIV.. J.. Ser Granatapfel— ¶Punica granatum-) und iſt wegen ſeines erquickenden Saf⸗ Der Gronatapfel gehoͤrt unter die edlen Suͤdfruͤchte, tes, als eine labende Frucht in den heißen Laͤndern, wo er wächſt, bei uns aber als ein gutes Arzneymittel, ſein Baum aber, vegen der praͤchtigen Bluͤthe, als eine Zierde unſter Gaͤrten bekannt. Er wäͤchſt vorzüͤglich in der Barbarey, Aegypten, Sytien, Spanien, im ſuͤdlichen Framldich und in Italien im Freyen, verlangt aber ſorgfaͤltige Kultur, wenn er gute Fruͤchte nagen ſoll.— In ſehr heißen Laͤndern, z. E. im ſuͤdlichen Afrika und unter der Linie, gedeihet er Sorten Granat- Baͤume, newlich mit einfacher Bluͤthe(Fig. 1.) (Fig. 2.) Nur die mit einfacher Bluͤthe tragen Frucht; die andere Sorte hingegen wird eben wegen der Schoͤnheit ihrer hochrothen Bluͤthen bey uns in den Gaͤr⸗ ten unter der uͤbrigen Orangerie gezogen, und eben ſo gewartet. Der Granatapfel ſelbſt (Fig, 3.) welcher oft ſo groß wie unſte größten Aepfel wird, ſieht, wenn er reif iſt, von außen braungelb aus, hat eine zaͤhe lederarlige Schale, innerlich aber ein ſehr aftreiches gelbliches Fleiſch, faſt wie die Citrone oder Apfelſtne, OAbtheilungen, eine in welchem, in 8 bis 9 Menge rother wohlſchmecke und mit gefuͤllter Bluͤthe. agtes Heft. uder Kerne liegen, wie der Durchſchnitt der Frucht Fig. 4. zeigt. SSRSSrS˖rSrr 8 8 r. Oüra n à ktüäüßpfe. (Hunicad granatum.) ———— — Die Granataͤpfel hießen bey den alten Roͤmern Mala punica, d. i. puniſche ober carthagi⸗ ſche Aepfel; hieraus iſt der Geſchlechtsname dieſes Baums entſtanden, Wahrſcheinlich kamen die erſten Granatbaͤume aus der Gegend vonl Carthago, in Afrika, nach Italien, und wur⸗ den hernach weiter im ſuͤdlichen Europa ausgebreitet. Im Orient iſt der Baum ſche gemein, und waͤchſt in Syrien, Palaͤſtina, Perſten, Indien u. ſ. w.; auch in Weſtindien im Freyen und wild. Er ſoll hin und wieder ſelbſt im Oeſterteichiſchen und in der Schweiz angetroffen werden. Bey uns zieht man ihn zwar häͤufig ſeiner ſchoͤnen Blumen wegen, aber nur in Ge⸗ faͤßen, die den Winter uͤber in Gewaͤchshauſer gebracht werden. Vermuthlich wuͤrde er auch, wenigſtens bey gelinden Wintern, im Frehen aushalten, wenn man junge Staͤmme nach und nach daran gewoͤhnte; bey ſtrenger Kaͤlte koͤnnte man ihm einige Bedeckung geben. In der Pfalz ſind Verſuche dieſer Art recht gut gelungen. In der Wildniß hat der Granatbaum bey weitem das ſchoͤne Anſehen nicht, als wenn er ſorgfaͤltig gezogen wird. Er waͤchſt alsdann mehr ſtrauchartig, ſchlaͤgt Zweige von unten auf, und erreicht nur eine Hoͤhe von 8 bis 10 Fuß. Durch Kultur zieht man Baͤume, welche wohl i8 bis 20 Fuß hoch werden, einen ziemlich geraden Stamm und oben eine aus⸗ nehmend ſchoͤne Krone bilden. Der Stamm iſt knorrig, hoͤckerig, rauh, und mag hoͤchſtens 1 Fuß dick werden. Die kleinern Zweige ſind roͤthlich; eben ſo die Stiele der Blaͤtter; die Blaͤtter ſelbſt gleichen den Myrthenbläͤttern von mittler Groͤße, ſie ſind laͤnglich, glatt, glaͤn⸗ zend und von gelblich gruͤner Farbe. Im Winter fallen ſie ab. Die prächtigen ſcharlachro⸗ then Bluͤthen kommen mehrentheils einzeln aus den Winkeln der Zweige, doch in ſo großer Menge hervor, daß der Baum oft ganz damit bedeckt iſt. Sie haben einen dicken, fleiſchi⸗ gen, hochrothen und auf dem Fruchtknoten ſitzenden Kelch von glockenfoͤrmiger Geſtalt. Dieſer iſt oben durch fuͤnf Einſehnitte getheilt, und ſchließt die fuͤnfblaͤtterigen Blumenktonen mit vielen(zwanzig) Staubgefaͤßen ein. Nach lineeiſcher Eintheilung gehoͤrt der Granatbaum in die zwoͤſte Klaſſe([eosandria, Zwanzigmännige). Die Frucht gleicht der Rundung nach einem gemeinen Apfel. Oberwaͤtts ſtehen noch, in etwas veraͤnderter Geſtalt, die fuͤnf Ab⸗ ſchnitte vom Kelche; von da laufen herabwärts nach dem Stiele mehrere Vertiefungen, welche reif werden, ſon 8 59 die Faͤcher anzeigen in welche das Innere des Apfels getheilt iſt, und deren man gewöhnlich neun zaͤhlen ſoll. Anfangs ſieht zer Apfel aͤußerlich gruͤn aus; hernach faͤngt er an oben gelblichroth zu werden, welche Forbe nach und nach die ganze Oberflaͤche einnimmt; zur Zeit 0 er außerleh lichtbraun, innerlich gelblich aus. Fig. 4. zeigt einen rei⸗ der voͤlligen Reife ſieht d darin enthaltenen vielen Samen. fen Granatapfel quer durchſchnäten mit ſeinen Faͤchern un rothen ſaftigen Blaſe eingeſchloſſen, und ſchmecken ſcharf und Die Samenkörner ſind in eine⸗ Mund nimmt. Das ſchwammige Fleiſch, worin die Samen herbe, wenn man ſte in den ö liegen, iſt faſt lauter Saft/ der nach Beſchaffenheit der Art einen verſchiedenen Geſchmack hat, Die ſaute Sorte findet man am haͤufigſten. Der Saft iſt ungeachtet ſeiner Saͤure lieb⸗ lich und im Sommer ſeh⸗ erquickend. Man ſaugt ihn mit Vergnuͤgen aus der Frucht. Er dktegt Eßluſt. An einigen Orten ißt man die Kerne mit, und haͤlt reinigt den Mund va ſie fuͤr ſehr geſund. Im nördlichen Perſten, wo es der Granatbaͤume ſo viele gibt, genießt man die Frucht auf verſchiedene Art, theils roh, theils getrocknet; man macht auch Confituren davon und wuͤrzl Lie Speiſen damit. Daß die Granatäpfel in den Morgenläͤndern ſchon in den K e geſchaͤtzt wurden, ſieht man aus der Bibel(5 Moſ. 8, 8). Uibri⸗ gens iſt auch ſelbſt der Saft der ſauern Granatäͤpfel von verſchiedner Art, Behy manchen Sorten hat er einen lieblichen Weingeſchmack Süße Fruͤchte findet man ſelbſt ſchon im fͤͤdlichen Europa von guker Beſchaffenheit. Um Perona ſoll es treffliche und ſehr ſuͤße Granaten geben. Auch im ſuͤdlichen Frankreich trifft man ſehr wohlſchmeckende an. Noch beſſer ſind diejenigen, welche auf der entgegengeſetzten Kaͤſte des mittelländiſchen Meeres wachſen. Die Granataͤpfel in der Barbarehy und im Ma⸗ rokkaniſchen ſollen alle uͤbrigen an Wohlgeſchmack übertreffen. Weiter herab nach Suͤden ſcheinen ſie nicht mehr gedeihen zu wollen. In der Gegend von Guinea ſollen ſie gar nicht dern vor der Zeit auf den Bäͤumen faulen und abfallen. Die Gröͤße dieſer koͤſtlichen Früͤchte ſcheint eben ſo, wie ihr Geſchmack, verſchieden zu ſeyn. Selbſt in Perſien, z. B. in der Provinz Gilan, gibt es ſehr kleine, die noch nicht ſo groß ſind, wie ein mittelmäßiger Apfel; dagegen findet man aber auch ſehr große Sorten in Perſien, wovon manche einem Straußeney gleichen ſollen. In Aegypten gibt es, nach den Berichten einiger Reiſenden, Granatäͤpfel, die 6 Pfund wiegen, und Kerne von der Groͤße der Kirſchen haben. Um Aleppo ſoll eine Art ohne Kerne wachſen. Zu uns kommen zwar Granatäpfel aus Italien und Frankreich; doch, wie man denken kann, in einem Zuſtande, der von dem, worin ſie ſich ftiſch beym Abnehmen befinden, ſehr verſchieden iſt. Man findet ſie in Apotheken, wo ſie als ein gules Arzneymittel in verſchiede⸗ nen Krankheiten gebraucht werden. Der ſaure Saft hat küͤhlende, zuſammenziehende und der Faͤulniß widerſtehende Kräfte. Roch mehr äußert ſich dieſe Kraft in der aͤußern Schale der Frucht. In hitzigen und Faulſiebern zeigt ſie ſich ſehr wirkſam. 3 die Bluͤihen werden 2 . 60 in der Medizin gebraucht, und daher in Menge getrocknet aus dem gebracht. Sie beſitzen dieſelbe Kraft, aber nur im geringeen Gra von dem Samen. Die Rinde kann zum Gerben des Leders in einigen Faͤllen die Stelle der China vertreten. ſuͤdlichen Europa zu uns de. Das naͤmliche gilt gebraucht werden; auch ſoll ſie Die Granatbaͤume, welche in unſern Luſtgaͤrten gezogen nerden, tragen keine Fruͤchte. Man pflanzt ſie alſo bloß um der ſchoͤnen Bluͤthe willen, und ſhaͤtzt daher mehr die Abart Fig. 2 mit gefuͤllten Blumen, welche in der That ein kachtvolles Anſehen haben. Die Pflege iſt mit keiner ſonderlichen Muͤhe verbunden. Man behadelt den Baum ungefaͤhr eben ſo, wie Orangerie. Die Vermehrung iſt leicht. Groͤßere Bame ſchlagen eine Menge Nebenſchoͤßlinge aus der Wurzel, die man abſenken, oder wenn je gleich Wurzel haben, fortpflanzen kann. Auch aus Samen kann man ſchoͤne Granatbaͤum: ziehen. Man nimmt ihn aus reifen Fruͤchten, die durch den Handel aus Italien, Frankreich zc. kommen. Die jungen Staͤmmchen ſetzt man im Fruͤhjahre in gutes Land, und verpflanzt ſe den Herbſt in große Gefaͤße. Durch dieſe Behandlung erhaͤlt man beſſere Staͤmme, und das Wachsthum geht ſchneller vor ſich. Zum Abſchneiden der geilen und uͤberflußigen Tröse iſt der Herbſt die bequemſte Zeit; thut man es im Fruͤhjahre, ſo wird die Bluͤthe zuruͤckgehalten. jIããSrSW