Ueber die Nothwendigkeit geordneter Leibesübungen für die Gelehrtenschulen. Von Dr. Friedrich Straſs, Director des Gymnasiums zu Erfurt und Professor, Ritter des rothen Adlerordens III. Klasse. — Erü in der Maring'schen Buchhandlung. 1829. Ueber die Nothwendigkeit geordneter Leibesübungen für die Gelehrtenschulen. VorleSung, am Geburtsfeste sr. Majestät des Königs den 3. August 1828, gehalten in der öfflentlichen Sitzung der Königl. Akademie gemein- nütziger Wissenschaften au Erfurt, Von Pr. Friedrich Strals. ανπ ι⏑ααννι)Nονν)νοονννννννυν?iνiννννιννν⁰“ονν²ο²jνQ]³ᷓᷓον¹Ʒν²⁰ᷓο»—»« fõĨ ̃̃Cο̃̃ e 4 J e mehr in unsern Tagen die groſse Wahrheit anerkannt wird, daſs das Ge- deihen der Staaten und das Fortschreiten des Menschengeschlechts ganz vorzüg- lich durch die gehörige Bildung der nachwachsenden Geschlechter bedingt sey, je mehr Sorgfalt und Kosten daher weise und wohlwollende Regierungen auf die Verbesserung des Schulwesens und die Vervollkommnung der Bildungsmittel wenden, je kräftiger und ernster insonderheit der Sinn des erhabenen Monar-⸗ chen, dessen Geburtsfest wir heut als das froheste Fest des Vaterlandes feiern, auf die wahre Veredlung der heranwachsenden Geschlechter gerichtet ist, um s0 eher darf ich es heut Wagen, einige Gedanken über diesen— doch auch wol gemeinnützigen— Gegenstand der Prüfung einer hochansehnlichen Ver- sammlung zu unterwerfen. S0 unendlich viel nämlich, und so viel auch des Vortrefflichen über Er⸗ ziehung und Unterricht gedacht und geschrieben worden jist, 80 müssen wir doch gestehen, dals dieser vielseitige Gegenstand noch bei weitem nicht nach en Rücksichten ergründet, genau bestimmt und sicher geordnet, daſs bei noch nicht jede Meinungsverschiedenheit der Urtheilsfähigen besei- ligt ist. FFPR 6 Mithin verdient die Frage noch immer von neuem erwogen zu werden, ob wir durchaus mit unsern Bildungsanstalten auf dem rechten Wege sind, d. i. ob wir dahei nicht nur das rechte Ziel vor Augen haben, sondern auch, ob wir überall die rechten Bildungsmittel, ob wir sie in dem gehörigen Ver- hältniſs gegen, und in der zweckmälsigsten Verbindung unter einander an- wenden,— obh wir uns nicht hie und da an Ueberflüssigem, wohl gar Zweck⸗ widrigem abmühen und dagegen Wesentliches iibersehen und vernachlässigen; ob namentlich der itzt herrschende Typus in gelehrten und andern Schulen unbedingt, oder doch wenigstens für unsere Zeiten zuverlässig der beste sey. Wohl höre ich zahlreiche Stimmen mit leidenschaftlicher Heftigkeit jeden Zweifel an der Unfehlbarkeit ihres Systems verdammen; doch im Felde freier wissenschaftlicher Prüfung gelten Machtsprüche nicht, und sie dürfen uns eben s0 wWenig beunruhigen, als es befremden kann, dalſs noch immer von den- kenden Röpfen erhebliche Zweifel vorgetragen und neue Prüfungen vorgenom- men werden; denn jene Frage gehört zu den schwierigsten Aufgaben für den menschlichen Geist,— indem ihre vollständige Lösung nichts Geringeres vor- aussetzt, als Kenntnils des Menschen nach seiner gesammten Natur und B. stimmung, nach allen seinen Anlagen und Fähigkeiten, nach allen Mitteln, welche zur Entwickelung derselben angewandt werden können, und nach den Eigenthümlichkeiten der Gesellschaft, welche theils fördernd, theils vielfach störend auf die beabsichtigte Bildung einwirken. Wenn indessen auch glücklicher Weise in Hinsicht des letzten ZwWecks und des höõõchsten Grundsatzes der Erziehung mehr Uebereinstimmung herrscht, als man nach der Verschiedenheit ihn auszudrücken vermuthen sollte, s0 waltet desto gröſsere Verschiedenheit der Ansichten und Meinungen über die Wahl, die Verbindung und das Verhältniſs der anzuwendenden Mittel; und die Unsicherheit der Systeme verräth sich durch die häufigen Abär i sen, welche wir von Zeit zu Zeit in jedem derselben vornehmen se“ Ob Len.— — — gleich im Ganzen unläugbar groſse Fortschritte gemacht worden sind, 80 treten doch auch immer neue Mängel hervor, welche neue Abänderungen erwartelr lassen, und man kann ohne Seherkunst vorhersagen, dals die itzt herrschen- den Systeme in weniger als 10 Jahren sehr umgestaltet seyn werden. Mit Recht sucht man allerdings durch Abstellung der in der Erfahrung wahrgenommenen Mängel nach und nach dem Ideale näher zu kommen. Wie man aber auch an diesen Systemen ändern und bessern möge, 50 dürften sie doch dem Zwecke immer nicht genügend entsprechen, so lange die eine der beiden Seiten der Jugendbildung— die körperliche Erziehung- fast ganz übersehen und dem Zufall überlassen bleibt. Daſs es sich aber s0 verhalte, daſs besonders für die körperliche Ausbil- dung derjenigen Jugend, welche die wissenschaftliche Laufbahn wählt, im Allgemeinen nicht hinreichend gesorgt sey, glaube ich behaupten zu können, und in dieser Hinsicht sey es mir erlaubt, einige Bemerkungen über die Nothwendigkeit geordneter Leibesübungen insonderheit für die soge- nannten Gelehrtenschulen vorzutragen. Die Zöglinge dieser Schulen theilen sich itzt, wie zu allen Zeiten, in solche, welche bei guten Fähigkeiten alles Ernstes den Wissenschaften oblie- gen, und sowohl aus eigenem Triebe, als durch die vereinten Bemühungen der Eltern, Lehrer und Aufseher auf diesem Wege erhalten werden, und s0lChe, die nur des Herkommens wegen und etwa um die Zeit auszufüllen oder um zu Hause weniger lästig zu seyn, die Schule besuchen, auſser der- selben aber sich selbst oder bedenklicher Gesellschaft überlassen, bald auf Ab⸗ wege gerathen, mithin weder wissenschaftlich noch sittlich gedeihen. Daſs ge- ordnete Leibesübungen für beide Klassen sehr heilsam seyn würden, soll be- wiesen werden, doch wird billig zunächst und vornämlich von der zuerst be- zeichneten Klasse die Rede seyn. 68 Niemand zweifelt, daſs auch der Rörper seine Rechte habe, dals ohne ihn der Geist wenig vermöge, dals Gesundheit des Körpers die Bedingung sey, ohne welche eine frohe, freie, kräftig ausdauernde Wirksamkeit des Geistes nicht statt finden könne. Es scheint daher, daſs man das, was nach der herrschenden Sitte unserer Zeit für die Ausbildung des Körpers und die Er- haltung der Gesundheit geschieht, für hinreichend halte; es wird mithin nur darauf ankommen, zu untersuchen, ob dieſs wirklich genügen könne. Je reger der Wetteifer ist, mit welchem die gebildetsten Völker der Erde Weiter streben in Wissenschaft und Kunst, je ehrenvoller die Stelle, welche unter denselben unser Vaterland durch geistige Kraft errungen hat, je noth- wendiger es ist, diese Stelle durch die höchsten Anstrengungen zu behaupten, um so höher müssen sich auch die Forderungen an diejenigen steigern, welche die wissenschaftliche Laufbahn wählen, um 0 sorgfältiger müssen diese die Zeit nützen, um so mehr wird daher schon bei dem Rnaben der natiirliche Trieb zu Leibesübungen unmittelbar durch Warnungen und Verbote, mittelbar durch stete Beschäftigung mit Goistesübuligen gehemmt. Fordert nicht der Lehrer— der ihn freilich in einer gemessenen Zeit auf eine höhere Stufe vorbereiten soll,— daſs er seine Aufgaben vollende, bevor er an Erholung denkt, und,— fielen die vorgeschriebenen Arbeiten ungenü⸗ gend aus, muls er es dann nicht schwer verantworten, dals er gestern im Felde, beim Ballspiel, auf dem Badeplatze, oder, ist es Winter, mit dem Schlitten, auf dem Eise u. s. w. gesehen worden sey? Aber auch der Rörper hat seine Rechte, und der Rnabe wird, je leb- hafter er sie fühlt, der höheren Pflicht des Gehorsams ein um so schwereres Opfer bringen. Bringt er es nicht, 80 verletzt er nicht nur die höhere Pflicht, sondern fühlt sich vielleicht versucht, den Lehrer zu hintergehen und über- treibt, um nicht entdeckt zu werden, die Uebungen mit solcher Hast und Eile, daſs sie zugleich seiner Gesundheit viel mehr schaden als nützen. Die zu groſse Beschränkung der körperlichen Uebungen droht also drei- fachen Schaden, in physischer, sittlicher und selbst in wissenschaftlicher Hin- sicht: das zu lebhaft gefühlte Bedürfniſs körperlicher Thätigkeit stört Wäh⸗ rend der geistigen Beschäftigung, verleitet zu Unredlichkeit und— die heim- liche, übereilte Befriedigung desselben schadet der Gesundheit und kann das Leben gefährden. Gleichwohl soll, nach der Meinung der Vertheidiger der Herrschenden Sitte, hier nichts geändert werden; der der wissenschaftlichen Laufbahn be⸗- stimmte junge Mensch soll sich schon früh an ein geringes Maaſs körperlicher Thätigkeit gewöhnen; denn sie behaupten, die höhere Ausbildung des Geistes vertrage sich nicht mit vermehrten körperlichen Beschäftigungen; nur in einem zarten Rörper könne ein fein gebildeter Geist wohnen; der Philosoph, der Dichter, der Gelehrte überhaupt könne nicht zugleich die Kräfte des Hand- arbeiters besitzen. Als ob Geist und Leib sich feindlich entgegen ständen und der körperlich kräftige Mann ein Schwachkopf, der ausgezeichnete Geist ein Schwächling und jeder Thersites ein Genie seyn müſste! Als ob die Dimensionen, oder wenig- stens die Kräfte des Körpers im umgekehrten Verhältniſs zu den geistigen stän- den! 80 wären wir auf gutem Wege, unsere Philosophen, Dichter, Gelehrte und Künstler in den Krankenhäusern zu suchen, oder besser, unsere Schulen in Hospitäler zu verwandeln! Armer Kleanthes, der du von schwerer Handarbeit zu leben genöthigt, dich erkühntest, Zenos Nachfolger zu seyn! Armer Plautus in deiner Hand- mühle; wie durfte man dir Geist und Sprache der Musen zuschreiben! Jeder- mann sieht, es war nichts mit Socrates, der ja sogar in Schlachten den Preis der Tapferkeit errang, und nichts mit Plato, dessen breite, kräftige Brust auf den ersten Blick den geistlosen Ropf verrieth! 2 — 10— Das Wahre an der Sache ist, daſs je nachdem dem Rörper oder Geist die meiste Zeit und Uebung gewidmet wird, auch der eine oder der andere Theil das Uebergewicht gewinnt, daſs aber, wenn die Einseitigkeit der Aus- bildung über einen gewissen Grad getrieben wird, immer nur ein verküm⸗ merter Mensch herauskommen kann;— dals, wer sich bloſs körperlich be⸗- schäftigte, arm an geistiger Bildung— wer ausschlieſslich den Geist zu bil- den suchte, zum Schwächlinge wird, dem der vernachlässigte Rörper die Wesentlichsten Dienste versagt. „Wir läugnen nicht, sagen Andere, dals es zur Erhaltung der Gesund- heit gewisser Uebungen des Körpers bedürfe; aber wir behaupten, dals es daran bei der itzt herrschenden Erziehungsweise keineswegs fehle, und daſs auſser dem, Was geschieht, nichts nöthig sey.“ „Gewähren, sagt man, unserer Schuljugend nicht schon die Wege, welche sie täglich bei jeder Witterung nach und aus der Schule macht, eine wohlthätige Bewegung? Bleibt ihr nicht nach ihren Arbeiten manche Stunde zu beliebigen Erholungen, manche Veranlassung zu meilenweiten Gängen und zu mechanischen Uebungen? Lassen wir nicht die Unsrigen überdies die Tanz- stunden besuchen, und werden wir sie nicht zu seiner Zeit auch das Reiten und wohl gar das Fechten lernen lassen 2“ Ganz recht; das sind die kläglichen Trümmer jener herrlichen Gym- nastik, welche die Griechen und Römer der bessern Zeit an Leib und Seele zu tüchtigen und kräftigen Menschen machte, von welcher sich kein Gebilde- ter ausschloſs, an welcher dort der edle Socrates, hier der ernste Cato noch in spätern Lebensjahren eifrig Theil nahm, und welcher Plato m Protagoras) auſser der blühenden Gesichtsfarbe, dem Ebenmaals, der schönen Gestalt und Haltung der Athener, zugleich ein ähnliches Ebenmaals und eine sichere Hal- tung der Seele zuschrieb, jener Uebungen, deren Einfluſs auf die gesammte — 11— Bildung so sichtbar wirkte, dals ein griechisches Auge den, welcher sie trieb, von dem, welcher sie vernachlässigte— den οννννε vom Idiorie auf den er- sten Blick unterschied!(Xenoph. Apol. Socr. III. 12.) Wir wollen sehen, was von diesen Trümmern etwa noch brauch⸗ bar ist. Was ist denn vom Tanze noch übrig geblieben? Doch wohl wenig mehr, Als ein wildes Durcheinanderrennen ohne Haltung und Anstand, als ein noch wilderes, endloses Umherwälzen mit oder ohne Tact? Da giebt es freilich Bewegung vollauf, zumal im überfüllten Saale, in erstickender Hitze, aus welcher endlich die völlig erschöpften Figuranten glühend, triefend und keu- chend durch die eisige Nachtluft nach Hause eilen. Der Gewinn für die Ge- sundheit liegt am Tage! Zur Erlernung dieser einfachen Runst, im Galopp durchs Leben zu stürmen, bedarf es nicht einmal eines gebildeten Tanalehrers; ein miſsrathener Friseur oder Schneider reicht daau völlig aus! Ihm werden unsere Söhne und Töchter anvertraut, und während man es in Dorfschulen anstölsig findet, wenn Knaben und Mädchen in einem Zimmer unterrichtet werden, wWo doch die Geschlechter getrennt sitzen und von dem gestrengen Schulmeister in Ordnung gehalten werden, ist es hier nach dem entscheiden- den Ausspruche des Tanzlehrers zweckwidrig, die Geschlechter zu trennen; ja wesentlich, dals die jungen Paare sich in einer auſser dem Tanze jedenfalls für unschicklich geltenden Nähe befinden. Ist es nun ein Wunder, wenn All⸗ nungen und Gefühle erwachen, die noch lange hätten schlummern sollen; wenn die schöne, weislich geordnete Neutralität der Jugend zu früh aufhört, wenn die Gefallsucht der Mädchen mit ihrem Gefolge von Eifersucht, Necke-⸗ reien und kleinen Ränken zu früh geschäftig ist? Freilich haben manche Müt⸗ ter ihre Freude an der Manierlichkeit der Knaben, die, was keine Schule ver⸗ mochte, oder mochte, der Tanzmeister so schnell in artige Herrchen um⸗ schuf, und an den sprechenden Mienen der Mädchen, denen nun nichts fehlt, ———— —— —— — 12— als der vollendete Wüuchs.— Ob diese Züge Wahrheit enthalten, und ob das Tanzen, 80 gelehrt und betrieben, azu den heilsamen Leibesübungen gerechnet werden könne, bleibe der freien Beurtheilung überlassen. Das Reiten kunstmäſsig zu erlernen, finden unter hundert jungen Leu- ten nur einzelne Gelegenheit; es ist, soll es fortwährend geübt werden, mit Rosten verknüpft und taugt aus physiologischen und psychologischen Gründen durchaus nicht für Unerwachsene. Eben das gilt in noch höherem Grade vom Fechten. Einer einzigen, noch hie und da beibehaltenen Uebung, zu wel- cher man itzt am hiesigen Orte auf höhere Veranstaltung zurückzukommen scheint— dem Schwimmen— kann man, bei gehöriger Vorsicht, den Werth einer heilsamen Leibesübung nicht absprechen; doch eignet sie sich nur für einen kleinen Theil des Jahres und wird von den meisten aus Vorurtheil oder aus Rörperschwäche gemieden. Dies also wäre nun alles, wovon wir hinlängliche Kräftigung unserer Jugend erwarten sollen! Es ist also wohl klar, daſs für die körperliche Aus- bildung— wenigstens der Schuljugend— nach der herrschenden Sitte fast nichts geschieht, und man genug gethan zu haben meint, wenn man sich auf das Verhüten und Verbieten desjenigen beschränkt, was gefährlich seyn könnte, mithin rein negativ verfährt. „Und darin hat man Recht, erwiedern die Gegner, alles andere thut die Natur nach freiem Triebe besser als es durch besonders geordnete Uebungen geschehen kann.“ Diese Behauptung klingt so zuversichtlich, daſs sie sogar von Schulmän- nern wiederholt worden ist, von Männern, die doch sonst dem freien Triebe der Natur eben nicht zu viel zutrauen und ihm keineswegs die gesammte Ent- wickelung der Anlagen und KRräfte der Jugend überlassen wollen, sondern zu jeder andern— mechanischen sowohl als geistigen— Fertigkeit Anleitung durch Sachverständige und eine geordnete Folge der Uebungen, ein geregeltes Fort⸗ schreiten vom Einfachen und Leichtern zum Schwereren für unerläſslich erklä-⸗ ren. Und in der That, eine Ausnahme von diesem allgemeinen Entwickelungs⸗ gesetz ist gar nicht denkbar; denn unmöglich kann doch ein Vernünftiger be- haupten, dals körperliche Fertigkeit, Gewandtheit und KRraft ohne geregelte Vebung besser als durch sie gewonnen werde, dals wer sich im Klavierspiel, im Zeichnen, im Singen vervollkommnen will, sich selbst überlassen weiter komme und schnellere Fortschritte mache, als unter der Leitung eines tüchti⸗ gen Lehrers. Wir können also solche sich selbst und aller Erfahrung widersprechende Behauptungen nur als Nachklänge aus jener guten alten Zeit betrachten, Wo jede frohe, lebhafte Bewegung des Knaben als unanständlig und sündhaft ver- pönt war,— wo man, weil allen Verboten zum Trotz der dringende Trieb dennoch hefriedigt wurde, meinte, er sey gar keiner vernünftigen Leitung fähig und müsse daher möglichst unterdrückt werden! jene Behauptung sagt also, genauer erwogen, nichts anders, als: wir wollen die körperlichen Anlagen lieber hindern als fördern. Allerdings ist es auch beqduemer, von der Ausbildung des Rörpers keine Renntniſs zu neh- men, Uebungen, zu welchen man selbst nicht geschickt ist, zu verbannen und den Knaben so lange gefesselt und eingekerkert zu halten, bis er die groſse Tugend des Stillsitzens gelernt hat und von selbst vor der freien Himmelsluft Schutz im gewohnten Kerker sucht. Das nennt man dann, ihn hinsichtlich seiner körperlichen Uebungen dem freien Triebe der Natur überlassen! Bei solchen Ansichten und Grundsätzen, bei solcher Nichtachtung der Rechte des Werkzeugs wodurch die Seele wirkt— wie könnten sich seine Anlagen harmonisch und bis zu dem erforderten Grade der Kraft und Festig- keit entwickeln! — 14— Wir läugnen nicht, dals, wenn mancher Jüngling noch eine leidliche Gesundheit durch die Schul- und akademischen Jahre hindurchbringt, er dies, — neben einem übrigens regelmälsigen Verhalten— einzig der klugen Be- nutzung seiner wenigen Musestunden zu einer angemessenen Rörperlichen Thä⸗ tigkeit zu danken hat; aber die Erfahrung lehrt, daſs die wenigsten ihre Mulse dazu nützen;— und es bedarf wohl keiner Aufzählung der gewöhnlich- sken Arten der Erholung; keiner Schilderung der Gelage und der für den schlaffen Stubensitzer erfundenen Spiele mit ihrem Gefolge vergiftender Leiden- schaften, um unsere Behauptung zu beweisen. Man muſs aber auch so billig seyn, zu gestehen, dals es der Jugend fast überall an Gelegenheit fehlt, sich, ohne zu groſsen Zeitaufwand hinreichende und stärkende Bewegung Zzu verschaffen. Wie höchst wohlthätig würrde daher eine Veranstaltung seyn, wo sie zu gewissen Stunden mancherlei zweckmäſsige Leibesüübungen unter Anleitung eines Geübten anstellen könnte!— 80 würden wenige wöchentliche Stunden hin- reichen, dem Rörper sein Recht zu gewähren; das Gefühl erhöheter Rraft und der schnelle Fortschritt in Gewandheit und Fertigkeit würde den Uebungen immer neuen Reiz verleihen und ein befriedigter, gestärkter Körper die geistige Thätigkeit williger und kräftiger unterstützen. Aber nicht genug, daſs wir den Spielraum körperlicher Thätigkeit mög⸗ lichst beschränken; eine übelverstandene Sorgfalt vollendet oft noch den Weich- ling und Schwächling. Damit der Rnabe sich nicht erkälte, wird er nach Möglichkeit dermaſsen eingepelzt, daſs jede lebhafte Bewegung ihn in Schweiſs versetzt, und die nun iübermälsig erweichte Haut, von jedem Lüftchen berührt, Husten, Schnupfen und Entzündungen aller Art erzeugt, wogegen dann wieder eine noch wärmere * Umhüllung als das beste Mittel gilt und, hilft sie noch nicht, der arme Knabe das Zimmer und das Bett hüten muſs— bis endlich das Uebel für dies- mal weicht, um, da die Ursache verstärkt ist, bald schlimmer wiederzu- kehren. Doch hierbei bleibt die Zärtlichkeit mancher Eltern nicht stelen. Um die geliebten Kinder nicht Noth leiden, sondern sie wachsen und stark wer⸗ den zu sehen, nährt man sie überreichlich mit den kräftigsten Speisen, die um s0 weniger gedeihen können, da sie nicht durch hinreichende Bewegung verarbeitet werden. Man achte nur auf das Urtheil der Aerzte, die gerade dieser Ueberfüllung des Rörpers mit schweren sowohl als zu nahrhaften Speisen die meisten und bedenklichsten Kinderkrankheiten zuschreiben. In der That be⸗ finden sich diese bedauernswürdigen Rleinen im Treibhause, dem es nicht an nährenden Stoffen, wohl aber an frischer, reiner Himmelsluft fehlt. Man er⸗ zielt eine Frühreife, eine kraftlose Ueppigkeit; sie blühen früher als die Pflanzen im freien Garten und Felde, aber sie sind dahin, wenn diese sich in voller Kraft entfalten. * Darf es uns also Wunder nehmen, wenn unsere Jugend häufig kränkelt und durch körperliche Leiden in ihren Fortschritten gehemmt wird, wenn sie die Zeit, die der Uebung des gesunden Körpers versagt wird, dreifach der Pflege des verwöhnten, verzärtelten, kränkelnden Rörpers opfern und sei- nen zahlreichen Bedürfnissen unausgesetzt eine ängstliche Aufmerksamkeit wid- men muſs, die den Geist fast nie zur freien, anhaltenden Thätigkeit gelangen läſst!; wenn in andern die Fülle schlecht verarbeiteter Säfte die Nerven über- reizt und Triebe Weckt, die, bei der Unreife des Verstandes und der Grundsätze und bei den Gefahren des unbewachten Umgangs— schnell zum Verderben führen? Ist es ein Wunder, wenn auch die geistige Kraft erstirbt, wenn der trefflichste Unterricht wenig fruchtet, oder der Geist, von übel ge⸗ leiteten chemischen Prozessen des Rörpers umdüstert, auf Grillen geräth? — 16— wenn die sonst lebenskrohe Jugend, früh überreif, mit dem grämlichen Alter die Rollen tauscht und ihre Zerfallenheit mit der Maske philosophischen Ernstes zu decken sucht? wenn mehr aus Hypochondrie als aus nichtswürdiger Heu- chelei die jungen Ropfhänger immer zahlreicher werden? „Sey versichert, sagt Socrates dem Epigenes— einem Jünglinge, dessen schlechte Haltung verrieth, daſs er die Leibesübungen vernachlässigte, und der ihrer nicht zu bedürfen meinte— sey versichert, so wenig als im Kampfe, wirst du bei irgend einem andern Unternehmen Schaden davon haben, wenn du deinen Rörper wohl ausgearbeitet hast; denn bei allem, was Menschen vornehmen, leistet der Rörper seine Dienste, und, soll er sie gehörig leisten, muſs er tüchtig geübt seyn. Selbst da, wo du seiner am wenigsten zu be⸗ dürfen glaubst, bei dem Denken— ist es denn nicht bekannt genug, daſs auch dabei viele wegen übler Beschaffenheit des Körpers sehr straucheln? Ge— dächtniſsschwäche, Muthlosigkeit, üble Laune, Schwermuth— bis zum völ— ligen Irrwahn bemächtigen sich ihrer, und all ihr Wissen hilft ihnen nichts! (Xenoph. Apomn. Socr. III, 12.). Darf man es also als erwiesen ansehen, daſs Gesundheit des Rörpers und Reinheit der Sitten die wahren und ächten Grundlagen aller gelehrten Bildung sind und seyn müssen, weil bedeutende Kenntnisse ohne Gesundheit weder er- worben, noch gehörig angewandt werden können, ohne Sittlichkeit sogar oft schädlich werden, und ist es nicht minder erwiesen, daſs eine feste Gesund- heit nur durch angemessene Uebung des Rörpers erworben und erhalten wer⸗ den könne, so wird sich auch leicht ergeben, daſs eben diese geordneten Ue- bungen zur Beförderung reiner Sitten das beste Mittel darbieten,— indem sie Weichlichkeit und Ueppigkeit verbannen, Erholungen in trägem Mülsiggange— der reichsten Quelle der Unsittlichkeit— nicht dulden; die Kräfte des Rörpers unausgesetzt in Anspruch nehmen und einen regen Wetteifer unterhalten; in- dem sie den leichten und regelmäſsigen Umlauf der Säfte befördern und iene —17— Krankhafte Ueppigkeit verhüten, welche der Gesundheit und Sittlichkeit gleich gefährlich ist;„denn— sagt Solen in Lucians Anacharsis(H. 25.) wWas die 5‚Worfeler dem Weitzen, das leisten unsere Uebungen dem Rörper, indem sie „Hülsen und Spreu hinwegschaffen und die reine Frucht absondern und an- „häufen.“ Und kann es endlich eine bessere Schule der Selbsterkenntniſs und der ge- selligen Tugenden geben, als solche gemeinschaftliche Exheiterungen, solche friedliche Wettkämpfe zu gewähren vermögen? Können Verträglichkeit, Nach- siebigkeit, Gefälligkeit, Nachsicht und Billigkeit besser geübt werden, als im muntern, wohl geleiteten Spiele der Rräfte und Charaktere? Es war eine Zeit, wWo man dies alles, Wo man die Wohlthätigkeit ge- ordneter Leibesübungen ſür die Jugend lebhaft erkannte und mit grolsem Eifer beförderte;— aber— Vielleicht in der Meinung, das Versäumte nachzuholen — hie und da übertrieb— hie und da die Leitung der Uebungen in unrechte Hände gerathen und Miſsbräuche überhand nehmen lieſs, welchen leicht hätte vorgebeugt werden können. Anlagen, die ihrer Natur nach nur für einen un⸗ tergeordneten Theil des Jugendunterrichts bestimmt seyn konnten, erhoben sich zu unabhängigen Anstalten, die sich sogar einen höhern Werth beilegten als allen übrigen Unterrichtsanstalten und in Collisionsfällen den Vorrang forder- ten. Unruhige Röpfe, staatskluge Mondbürger suchten sich ihrer zur Errei- chung thõrichter und strafbarer Zwecke au bemächtigen. So wurde der trefflichen Sachie das Wohlwollen der Bessern, und der Schutz der Regierungen entzogen, und auch da, wo sie nicht ausgeartet war, schien Vorsicht zur einstweiligen Einstellung derselben zu rathen. Aber wenn ein treffliches Werkzeug durch Miſsbrauch seinen Werth nicht verliert, und wenn sich zeigen lälst, daſs den Miſsbräuchen dieses wohlthä⸗ 3 eeeeeee e — 181 tisen Erziehungsmüttels leicht und sicher vorgebeugt werden kann, so dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben, einen wesentlichen Theil der Jugendbildung in seine Rechte eingesetzt zu sehen, der jetzt— es ist schmerzlich zu sagen — bei keiner Nation mehr vernachlässigt wird, als bei der, deren ritterliche Kraft in allen Jahrhunderten glänzte! Wir dürfen dieser Hoffnung um so sichrer Raum geben, da bereits den Pflanzschulen für Landschullehrer ähnliche UDebungen mit höherer Genehmigung gestattet werden, einer Jugend, welcher sie allerdings auch wohlthätig aber, bei ihrer kürzern Vorbereitungszeit, keineswegs in eben dem Grade nothwendig und unentbehrlich sind als der der gelehrten Schulen. Mögen die Zöglinge jener Anstalten dem gröſsten Theile nach in ihren frühern Verhältnissen an Körperliche Thätigkeit gewöhnt, derselben während der Jahre ihres Unterrichts schwer entbehren, mögen sie auch, wenn sie zu ihrer Bestimmung übergehen, der körperlichen Tüchtigkeit des Eandmanns be- Aürfen, so sind doch unsere Zöglinge, wenn sie eine Reille von 12 bis 15 Jahren, wenn sie die ganze Zeit ihrer Vorbereitung, die ganze von der Natur auch zur körperlichen Entwickelung bestimmte Zeit hindurch, auf ein küm-— merliches Maaſs derselben beschränkt bleiben, in weit grölserer Gefahr und fordern weit dringender Berücksichtigung und Hülfe! Ja, vergebens werden die wohlwollendsten und preiswiir⸗ digsten Regierungen alles aufbieten, den Unterricht ihrer heranwachsenden Bürger zu vervollkommnen— wenn sie der schleichenden Ausartung der Volkssitten nicht vorzubauen ver— mögen, durch welche, nach aller Geschichte, die Grundlagen aller verschwundenen Staaten, gewöhnlich zur Zeit der höch- sten Blüthe der Wissenschaften und Künste, untergraben wor- den sind. Die Erben der von den Vätern erworbenen Güter und Vortheile — 11 wollen ihrer möglichst bald und möglichst uneingeschränkt genieſsen; jede neue Generation, von steigender Genuſssucht getrieben, kommt stillschweigend über⸗ ein, von der vermeinten Sittenstrenge der Väter mehr und mehr nachzulassen, — von Geschlecht zu Geschlecht nimmt das Verderben zu, bis es in Unter- gang endet! Giebt es ein Mittel, dem zu begegnen, s0 kann es wahrlich nur in der sorgfältiger geleiteten körperlichen Erziehung, verbunden mit sittlicher Gewöhnung von lugend auf, zu finden seyn, in einer Gewöh⸗ nung, welche Weichlichkeit und gemeine Genulssucht früh verabscheuen, durch Reinheit und Einfachheit der Sitten und weislich geleiteten Wetteifer körperliche zugleich mit geistiger Tüchtigkeit erstreben lehrt; welche nicht s0 ganz dem Zufalle preis giebt, was jeder Knabe aulser der Schule Schädliches lernen mag, sondern möglichst auch seine Erholungen leitet und ihn von verderblichen Einflüssen fern hält, bis seine Grundsätze erstarkt sind. Wie hätte Lykurgs seltsame Verfassung, welche der Unabhängigkeit des Staats von fremder Gewalt und der Gleichheit der Bürger allen freien Gebrauch der Leibes- und Geisteskräfte, alle Freuden des Eigenthums, der Erwerb- thätigkeit und des Familienlebens aufopferte,— wie hätte sich eine so gewalt⸗ same Verfassung behaupten, wie die von den Weisesten ersonnenen Verfassun- gen anderer Staaten weit überleben mögen, hätte sie nicht, trotz ihrer Män⸗ gel, ein ächtes Lebensprinzip enthalten! Und welches war dies anders als— ernste Gewöhnung von Jugend auf!— Während andere Gesetzgeber sich vergebens mühten, den erstarkten, verwilderten Leidenschaften der Erwachsenen(die sich sogleich auf die Her- anwachsenden fortpflanzen) Schranken zu setzen— bemächtigte sich Lykurg durch Erzichung und frühe Gewöhnung ihrer Keime und— gab ihnen die beliebige Richtung; und nur, dals diese Richtung eine s0 ganz einseitige war, daſs sie den mancherlei Anlagen und Kräften den Spielraum und naturgemäſsen Fortschritt versagte, war ihr Fehler und raubte ihrer * —— wahren und richtigen Grundlage die gerechte Anerkennung der spätern Ge- setzgeber. Sie wird ihr nicht für immer geraubt seyn,— man wird das einfache Mittel, wodurch der Staat seine wichtigsten Schulen zugleich zu Erziehungs- anstalten, zu wahren und praktischen Schulen aller bürgerlichen Tugenden er- heben kann, nicht immer verkennen! Wie groſs indessen auch immer die Vortheile gehörig geordneter Leibes- übungen für die gesammte Bildung der Jugend erschieinen mögen, 50 würde ich mich doch nimmermehr entschlieſsen, ihnen das Wort 2u reden, wenn ich auch nur von fern besorgen müſste, daſs dabei Miſsbräuche,— auf welclie die Gegner statt aller Gründe zurückzuweisen nicht aufhören— unvermeidlicli Wären, wenn ich nicht vielmehr die vollkommenste und auf Erfahrung gegrün- dete Ueberzeugung hätte, dals es nur auf die ihnen zu gebende Einrichtung ankommt, um sie vor jeder Ausartung sicher zu stellen. Es sey mir daher er- laubt, nur noch mit wenigen Worten diese Einrichtung zu bezeichnen.— Sofern diese Leibesübungen keinen andern Zweck haben, als die Gesund- heit der Jugend zu stärken und ihren körperlichen Anlagen den hinreichenden Grad der Entwickelung zu verschaffen, machen sie einen ergänzenden Theil des gesammten Unterrichts aus und dürfen daher durchaus unter keiner von diesem gesonderten Aufsicht stehen. Dies ist die wesentlichste und unerläſs- lichste Bedingung! Dieselben Männer, denen es obliegt, über die Zweck⸗ mälsigkeit des gesammten Unterrichts zu wachen, sind auch für jede Aus- artung dieses Zweiges desselben verantwortlich, und streng verpflichtet, sich stets von der Art, wie derselbe geübt wird, in genauer Kenntniſs zu erhalten, um sogleich im Entstehen alles Ungehiörige und Zweckwidrige zu entfernen. Sämmtliche Lehrer der Anstalt nehmen, in Folge ihrer allgemeinen Verpflich- tung, das Beste derselben nach Rräften zu befördern, Theil an der Aufsicht und den Berathungen über Angemessenheit, Maaſs und Verhältniſs der Uebun- gen sowohl, als über den Einfluſs derselben auf die Sittlichkeit. Der eigentliche Lehrer der Leibesübungen— wozu sich bald einer der zu- verlässigsten Schüler der Anstalt, späterhin vielleicht ein ordentlicher Lehrer derselben am besten eignen möchte— darf mit den als zweckmälſsig anerkann- ten und genehmigten Uebungen keine wesentliche Veränderung vornehmen, sondern hat diese nach den Regeln der Kunst und so zu leiten, daſs das Maaſs der Kräfte jedes Schülers genau berücksichtigt, der Wetteifer in gehörigen Schranken gehalten und nichts Fremdartiges vorgenommen werde, und jist über sein ganzes Geschäft der Schuldirection, so wie diese den ihr vorgesetzten Be- hörden verantwortlich. Damit fremden und bedenklichen Einfſüssen um so sichrer der Zugang verwehrt bleibe, so können in der Regel nur Zöglinge einer und derselben Anstalt an den Uebungen Theil nehmen. Nur ausnahmweise kann andern jungen Leuten die Theilnahme gestattet werden, jedoch nur solchen, deren Sittlichkeit bewährt ist, und die sich zur pünhktlichen Befolgung der Gesetze verpflichten. Dagegen nehmen sämmtliche Zöglinge der Anstalt an diesen, wie an allen andern öffentlichen Stunden Theil, wofern nicht ein ärztlichies Urtheil, oder etwa das Zeugniſs der Eltern, daſs ihr Sohn ihnen auſser der Schulzeit zu mechanischen Hülfsleistungen unentbehrlich sey, entgegen steht. Selbst Schwächlichen und Gebrechlichen können gewisse ihnen zusagende und vom Arzte gebilligte Uebungen mit Vorsicht gestattet werden. Die gemeinschaftlichen Uebungen werden nur in den bestimmten, am besten dazu geeigneten Stun- den, nur an ihrem Platze, und unter steter Aufsicht wenisstens eines ———* rr der ordentlichen Lehrer der Anstalt Vvorgenommen, welcher, ohne der unschul- digen Fröhlichkeit der Jugend Eintrag zu thun, allen Störungen begegnet, alles Ungehörige entfernt hält, und überliaupt der Sittlichkeit wahrnimmt. Hiedurch wird freilich den Lehrern der gelehrten Schulen ein neues mit Mühe und Verantwortung verbundenes Geschäft zugemuthet und die Muſse, welche ihnen zur Verfolgung ihrer literarischen Zwecke von hoher Wichtigkeit ist, noch mehr beschränkt. Hat sich aber der Staat einmal von dem groſsen Werthe dessen, was sie hier für völligeres Gedeihen des Schulwesens leisten können, überzeugt, so wird er auch nicht säumen, sie dafür schadlos zu halten; ihnen selbst aber wird es Freude seyn, der Anstalt, der ihre Rräfte gewidmet sind, noch niitzlicher ꝝu werden; das unter alle getheilte Ge- schäft wird für den Einzelnen keinen zu groſsen Zeitaufwand erfordern, und sie werden die Erholung, deren auch sie bedürfen, als ächte Schulmänner, am liebsten in der Nähe ihrer Schüler ſinden. Zu den fernern Bedingungen einer zweckmãſsigen Einrichtung dieser Ue- bungen gehört, daſs sie, wiewohl das Auge gesitteter Beobachter nie scheuend, unnöthige Oeffentlichkeit und Schaustellung durchaus vermeiden, daſs Ver- sammlungen und gemeinschaftliche Uebungen auſser dem Uebungsplatze, Auf⸗ sehen erregende Aufzüge und Fuſsreisen in Srolsen auffallenden Haufen durch- aus nicht Statt finden.— Werden die bezeichneten Uebungen unter diesen und ähnlichen Bedingungen, deren weitere Entwickelung nicht hieher gehört, von den dem Schulwesen Vorgesetzten Behörden in gleichmäſsige Aufsicht mit allen iibrigen Unterrichtsgegenständen Senommen, so ist wohl kein Grund denkbar, weshalb si e der Ausartung mehr als irgend ein anderer Theil des öflentlichen Unterrichts ausgesetzt seyn sollten. ———— Ich habe kiemit meine Ansichten über einen Gegenstand, der mir, je länger ich die Bedürfnisse der den Studien sich widmenden Jugend beobachtete, um 80 wichtiger erschien, Einer hochverehrten Versammlung ohne irgend eine Nebenabsicht und lediglich mit dem Wunsche vorgelegt, daſs erleuchtete und erfahrne Männer sie ihrer Prüfung würdigen mögen, um, wenn sie, wie ich mir schmeichle, nicht ganz verwerflich erscheinen, durch ihre Winke und Be⸗ merkungen sie der Vollkommenheit näher zu bringen, und zur Bekämpfung der entgegenstehenden Vorurtheile beizutragen, die freilich um so schwerer au besiegen seyn dürften, als sie sich auf miſslungene Versuche stiitzen werden; 15 1 s0 gewils es auch ist, dals ein gelungener Versuch, deren sich hier mehrere nachweisen lassen, die längste Reihe miſslungener aufwiegt und 80 gewils ein Gärtner, der einer noch unbekannten Pflanze einen zu schweren oder Zzu leich- ¹ ten Boden, zu viel oder zu wenig Wärme, Sonnenlicht und Nässe gab, Un- Aune recht haben würde, zu behaupten, daſs die Pflanze hier unter keinen Um-⸗ ständen gedeihe. Es bedarf hier, wie bei jeder Angelegenheit, welche den einmal herr- schend gewordenen Ansichten und Gewohnheiten. nicht ganz gemäls ist, des übereinstimmenden Urtheils vieler sachkundigen Männer, um dem Wahren und Nütalichen erst Anerkennung zu verschaffen. Steht dieses Urtheil erst fest, ist es erst lebendige Ueberseugung Vieler geworden, daſs unsere Schulanstalten zum volleren Gedeihen einer sorgfältigern Berücksichtigung des Rörperlichen durchaus bedürfen,— dann sind die Vorurtheile leicht beseitigt, welche sich dem örtlichen Gelingen entgegen setzen könnten; dann werden sich auch Wege finden, der guten Sache die Genehmigung und Unterstützung der höhern Behörden und den allbelebenden Schutz des Monarchen zu gewinnen, den die jahrbücher der Geschichte als unerreicht und einzig in der weisen und from- men Sorge für die Veredlung seiner Völker und für die Vervollkommnung ihrer Bildungsanstalten darstellen werden. — 24— Lange lebe der Rönig, den wir mit innigem Danke gegen Gott den unsri- gen nennen;— lange lebe der Rönig, dessen erhabene Tugend den Glanz des Thrones erhöht; lange lebe der Rönig, Preuſsens Stolz und Zuversicht! eeeeeee —2 Erfurt, gedruckt bei J. G. Cramer-