Trauerrede am Sarge KarlLudwigFriedrichs, Großherzogs zu Baden c. ꝛ6. gehalten aus Auftrag der Univerſität in Chot der Münſterkirche zu Freybutt am 31. Dezember 18186 v ön Guſtav Friedrich Wucherer, der Weltweisheit Doktor, ordentl. öffent⸗ lichem Profeſſor der Naturlehre und der Frankfurtiſchen Geſellſchaft zur Befoͤr⸗ derung der nuͤtzlichen Künſte und ihrer Huͤlfswiſſenſchaften kor⸗ veſpond. Mitglied⸗ Freyburg im Breisgau, gedruckt bei F. X. Kerkenmayer, Univerſitaͤts ⸗Büchdrucker, auf Koſten der Univerſttät⸗ Mansuræ. Qui satis superque memoriæ meæ tri- buent, ut majoribus meis dignum; rerum vestrarum providum; constantem in pericu- lis; offensionum pro utilitate publica non pavidum credant. Hæc mihi in animis ves- tris templa, hæ pulcherrimæ effigies, et Tacit. Ann, Läb. IV. Cap. XXXVIII. elblbi1 Hochgeehrte Vaͤter, Vielgeliebte Zoͤglinge der Albertina! Zunächſt an Sie, meine theueren ak a⸗ demiſchen Freunde, zugleich aber an alle uͤbrigen Hochanſehnlichen Theilnehmer dieſes traurigen Feſtes, an Alle, deren Klage heute in die unſrige toͤnt, und deren Thraͤnen mit den unſrigen ſich miſchen, ſey gerich⸗ tet das Wort meiner Rede. Wenn unter den Machthabern der Erde ein Mann von hohem Geiſt und einem edeln vortrefflichen Her⸗ zen ein halbes Jahrhundert und daruͤber in der ſegensvollſten Thaͤtigkeit zugebracht hat; wenn endlich das Gebäude ſeines Lebens und Wirkens in ſchöner/ 6553 herrlicher Vollendung unſern ſtaunenden Blicken ent⸗ gegenſtrahlt, und der ſchoͤpferiſche Meiſter dieſes ſchoͤn⸗ ſten aller Kunſtwerke, von der langen Arbeit muͤde ſich zur erſehnten Ruhe legt: dann iſt es nicht das Gefuͤhl eines tobenden Schmerzes, es ſind die ſanf⸗ tern Regungen der Wehmuth, womit wir dem Da⸗ hinſcheidenden unſeres Herzens heißeſten Dank und un⸗ ſerer Segnungen froͤmmſte nachrufen in's friedliche Grab; denn dann iſt es ja jener hohe Glaube an das Gelingen alles Guten, der uns beſeelt, und mit der Freudt dieſes koͤſtlichen Glaubens ſchmilzt auch der bitterſtt Schmerz in eine milde Wehmuth zuſammen. So, trauernde Freunde! war es einſt bei Karl Friedrichs Todtenfeyer— nicht ganz ſo iſt el heute am Sarge Karl Ludwigs.— Es bedarf allerdings einer nuͤchternen Beſinnunz und einer ernſten Sammlung des Gemuͤths, um an dem Geiſte, der in der Geſchichte der Voͤlker, wit im Leben jedes Einzelnen waltet, hier nicht irre 86 werden. Laſfen Sie zu dieſem Ende unſer Auge hinglel 1 cht 117 9 feche 16 U 1 ten uͤber das ſo fruͤh hinabgeſunkene, uns allen ſo theuer geweſene Leben, und es wird ſich uns hierbey eine Menge von Vetrachtungen darbieten, welche eben ſoſehr dem Verewigten zum wohlverdienten Lobe, els uns zur troſtvollen Beruhigung dienen werden. ——— Geboren wenige Jahre vor dem Ausbruch jenes fuͤrchterlichen Vulkans, der rings um ſich her alles Gute und Schöne, jede unſchuldige Freude und jeden reinen Lebensgenuß zerſtoͤhrt, und ſeine Feuerbraͤnde bis an die Grenzen Europa's und bis in ferne Welt⸗ theile geſchleudert hat— geboren kurz vor dieſer verhaͤngnißvollen und boͤſen Zeit entbehrte Karl Ludwig in den Tagen Seiner Jugend jener wohlthaͤtigen Ruhe von Auſſen, bey welcher ſich dle Bluͤthenknospe eines edeln und zugleich ſanften Ge⸗ müthes am freudigſten zu oͤfnen und zu entfalten pflegt. Nicht die mancherley herzerhebenden Seenen ei⸗ nes ſtillen haͤußlichen Vuͤrgergluͤcks, nicht die Fort⸗ ſchritte und Entdeckungen der Wiſſenſchaft, nicht die Er⸗ teugniſſe der menſchenbildenden und menſchenerfreu⸗ enden Kunſt— das Waffengetuͤmmel der Natienen, der Lärm der von Oſt und Weſt, von Suͤd und Nord ſich berbeydraͤngenden Heere, der Donner der Schlach⸗ ten und eine Neihe von Greuelthaten, wie ſie die Ge⸗ ſchichte nur Einmal ſah, machten in jener traurigen Zeit das Schauſpiel der Welt aus. Es war die Zeit, uͤber welche der Dichter wehklagte:„Das Jahr⸗ „hundert iſt im Sturm geſchieden, und das neue »oͤfnet ſich mit Mord.“ Vor dem damals zum klaren Selbſtbewußtſeyn und zu einer lebendigen Anſchauung der Auſſenwelt erwachenden Prinzen giengen nicht etwa in lieb⸗ licher Eintracht voruͤber die geſetzliche Ordnung und das ſchuͤtzende Recht, die heilige Pflicht und der kind⸗ liche Glaube, die laͤndliche Betriebſamkeit und der buͤrgerliche Gewerblleiß— nein, wild und trotziz ſtuͤrmte an Ihm voruͤber der Krieg, und vor dle⸗ ſem her floh die zitternde Angſt, und ihm nach folgte der Geſetzloſigkeit rohe Gewaltthat. Die Menſchheit im Ganzen erſchien Ihm nicht von einer erfren⸗ lichen, nicht von einer achtungswerthen und am we⸗ nigſten von einer liebenswuͤrdigen, ſie erſchien J hm von einer theils fuͤrchterlichen, theils abſcheulichen N 0 01 U 90 50 fah —(9— Seite; und wenn ſie Ihm damals veraͤchtlich ge⸗ weſen und geblieben, ſelbſt wenn Er daruͤber zum finſtern und argwoͤhniſchen Menſchenhaſſer geworden waͤre, ſo haͤtten wir dieſe ungluͤckliche und an einem Fuͤrſten ſchreckliche Eigenſchaft nur beklagen und bejam. mern, aber— eingedenk der Allgewalt jugendlicher Eindrücke— Jhn nicht ſtrenge darob tadeln koͤnnen. Doch Karl Ludwigs Seele blieb rein und lauter, blieb frey von jener unſeligen Mißſtimmung, und mild und linde ſchlug in Seiner fuͤrſtlichen Bruſt bis zum letzten Athemzuge derſelben ein Herz voll der heiligſten Waͤrme fuͤr Menſchenwerth und Menſchengluͤck. Dir, hoher Verklaͤrter! Der Du einſt mit dem edelſten Unwillen der frivolen Halbwahrheit zuͤrnteſt, daß der, welcher nicht heftig haſſen, auch nicht innig lieben koͤnne, Der Du mit uͤberwallendem Gefuͤhl hinzuſetzteſt:„Einen Men⸗ „ſchen verachten, einen Menſchen haſſen „iſt das Graͤßlichſte, was ich Mir denken „kann— Dir ſpricht heute, und Dir ſpreche fernhin die Geſchichte das ehrenvolle Zeugniß, daß, ungeachtet alles widrigen Einflußes von Auſſen, der Grundzug im Karakter Deiner großherzigen Ahnen, daß allgemeine Menſchenachtung und eine ausnahms⸗ loſe Menſchenliebe auch der Grundzug Deines Ka⸗ rakters war. Ja, auf Dir ruhte ſo ſichtbar Dei⸗ nes Vaters Geiſt, aus Dir ſprach ſo warm und ſo lebendig Deiner Mutter Herz. Darum ſegnen wir heute Dein Andenken, Du Guter! darum ſenden wir zu jener Macht uͤber den Sternen fuͤr unſere Kinder und Enkel den Wunſch empor, daß alle kuͤnftigen Fuͤrſten Badeus an Herzensguͤte D ir gleichen moͤchten. Wie aber aus der Einheit jeder Wurzel und ih⸗ res Stammes eine Vielheit von Aeſten und Zweigen, von Bluͤthen und Fruͤchten hervorgeht, ſo auch bey je⸗ ner Guͤte des Herzens, von der ich bisher geſprochen habe. Viele herrlichen Fruͤchte derſelben haben wir fruͤher dankbar genoſſen, nicht wenige ſahen wir freu⸗ dig heranreifen, und auf die noch groͤßere Zahl hoff⸗ nungsvoller Bluͤthen war der Blick der froheſten Er⸗ wartung gerichtet. Doch, ſie ſind gefallen dieſe Bluͤ⸗ then, von des Todes ſchauerlichem Wehen beruͤhrt, und umſonſt und nur qualvoll und marternd wuͤrde jede lebhafte Vorſtellung des Gluͤckes ſeyn, das uns durch den Vielbeweinten noch geworden waͤre, 1 ˙ Kehren wir nochmals in die Tage Seiner In gend zuruͤck, in jenes Alter des Lebens, in welchem der Menſch vom Reiz des Neuen und Ungewohnten zuweilen ſo maͤchtig angezogen und ſo zauberiſch feſt⸗ gehalten wird, daß er ſich von aller treuen und zarten Anhanglichkeit an die Penaten des vaͤterlichen Hauſes nicht ſelten ganz und fuͤr immer losſagt. Zwar will ich es nicht laͤugnen, daß in dem weltbuͤrgerlichen Sinn, welcher nirgends und welcher uͤberall ein Vaterland hat und findet, dem jede Stelle dieſes Erdenrunds fuͤr eine kuͤrzere Dauer des Aufenthalts gleich angenehm und fuͤr eine laͤngere gleich langweilig iſt, und bey dem ſich's unterm heimathlichen Dache nicht ruhiger und fanfter ſchlaͤft als unter dem fremden— zugeben will ich es, daß in jenem Sinn und Karakter des Welt⸗ buͤrgers eine gewiſſe, der Bewunderung nicht ganz unwuͤrdige Groͤße liege, aber zugeben wird man auch mir, daß meiſtens etwas Unnatuͤrliches damit verbun⸗ den ſey, und daß ſogar, je nachdem die Stellung des Menſchen in der Welt und ſein ihm angebornes Ver⸗ haͤltniß zu Andern beſchaffen iſt, etwas Trauriges und Verderbliches darin liegen koͤnne. Moͤchte immerhin der, welcher iſolirt daſteht unter den tauſend Milll⸗ onen, die alle ſeine Bruͤder ſind, und von denen kei⸗ —69ꝗe) ner auf ſeine beſondere und vorzuͤgliche Liebe einen gegruͤndeten Anſpruch machen kann, einen ſolchen Sinn haben und hegen, und einen ſolchen Karakter ſich aneignen— dem Fuͤrſten dagegen, den des Weltlaufs heilige Ordnung zum Vater einer kleinern oder groͤßern Volksfamilie beſtimmt hat, ihm ſollte allerdings nur in der Mitte dieſes Volkes und nur innerhalb der Grenzen ſeines Landes ganz wohl ſeyn. Gewohnt, an einem Zahringer jeder tref, lichen Eigenſchaft ſich freuen, jede erhabene Fuͤr⸗ ſtentugend bewundern zu koͤnnen, ſchauen wir auch hier auf Karl Ludwig. Wir ſehen Ihn als zehnjaährigen Prinzen, und zwar damals als Fluͤcht⸗ Ung ein Vaterland verlaſſen, das Ihm, ſeinen ent⸗ ferntern, ſeinen ſchoͤnern und kraͤftigern Theilen nach/ nur aus Erzaͤhlungen bekannt ſeyn konnte; und nicht lange nachher, nur etliche Jahre ſpaͤter erblicken wir Ihn im Goldgepränge nordiſcher Hoſe an der Schwe⸗ ſtern glanzumſtrahlten Thron. Der Kuͤſtenbewohner der Oſiſee ſah und kannte und begruͤßte den kuͤn f⸗ tigen Fürſten Badens weit eher als der al⸗ lemanniſche Landnmann am Rhein, und laͤngſt waren Ihm Standinaviens Gebraͤuche und Sitten aber 1 1 E 1 U . I it 0 —0 43— ſoch nicht die Ausdrücke jener Viederkeit belauut, womit ein teukſches freyes Herz an teutſche freyheit⸗ liebende Fuͤrſten ſich hingibt. Die Macht gebieteriſcher Umſtaͤude verlangte auch ſpaͤter noch, bald bier, bald dort Seine Gegenwart, und als Er wiederholt hinzog nach der prachterfuͤlten Kalſerſtadt Galliens, da folgte Ih m der ſorglichſte Wunſch, daß der va⸗ terlaͤndiſche Geiſt Ihn begleiten moͤchte. Endlich erſchlen die Zelt Seiner Rückkehr/ und was wir kaum zu erwarten berechtigt ſeyn konnten, was kaum im Reiche der Moͤglichkeiten zu liegen ſchien, das ſtand in der freudigſten Wirklichkeit vor uns. Keine ſchmerzliche Sehnſucht nach den verlaſſe⸗ nen Scenen der großen Welt, kein aͤngſtliches Gefuͤhl des Beengtſeyns im kleinern Kreiſe/ kein eitles Streben, mit der einzelnen und kleinen Kraft Daſſelbe zu bewirken, was nur eine Vielhelt großer Kraͤſte zu Stande brlu⸗ gen, was nur dieſer gelingen kann— keine dieſer Verkehrtheiten, uͤber welche die Geſchichte ſo manchen andern Fuͤrſten Seines Nanges tadeln muß, be⸗ merkten wir an Ih m. Zufrieden mit dem Loſe, das Ihm gefallen war, und von Herzen huldigend der Einfalt äͤchtteutſcher Sitte, weilte Er gerne unter uns, —06 14 und zum oftern vernahm man aus Seinem Munde das erfreuliche Bekenntniß:„Es iſt nirgends ſchoͤ⸗ „ner, nirgends beſſer, als in Meinem „Vaterland.“ Auch darum bleibt uns geſegnet a Dein Andenken und heilig Deines Namens Ge⸗ daͤchtniß, teutſcher, buͤrgerfreundlicher Karl!— Froh getroͤſten wir uns der Hoffnung, daß Deine hohen Nachfolger alle ihr Land und U ihr Volk ehren und ſchaͤtzen werden, wie Du. dl Moͤchte aber auch jeder derſelben— dieß der tauſendſtimmige Wunſch an Badens ſchuͤtzenden Ge⸗ nius— moͤchte jeder eine Reihe ruhigerer und gluͤckll-⸗ ſh cherer Jahre durchleben, als die Lebens⸗ und Regen⸗ f. tenjahre Knarl Ludwigs geweſen ſind!— Ich habe ſchon vorhin fuͤchtig des Geiſtes jener i Zeit gedacht, in welche die Geburt, das Leben und 0 die Handlungen des Hoch verewigten ſielen. Es war die Zeit, welche gewaltſam die Kette uralter Verhaͤlt⸗b6 niſſe in allen ihren Gelenken zerriß, in welcher bey⸗ 0 nahe jeder Tag etwas Neues und Unerhoͤrtes zur Schan ſtellte, und in welcher ſich die Begebenheiten an ein⸗ ander brachen, wie die Wellen des erzuͤrnten Oeeans. 0 1 l . fll U 01 1 I 0ů 1 0 —0ꝗͥe Zwar herrſchte, als Er, der nun Vollendete, das Ruder des Staats ergriff, eine gaͤnzliche Windſtille; ſie war aber von jener gefaͤhrlichen Art, welche dem erfahrnen Steuermann eines nahen Orkanes um ſo ungeſtuͤmmeres Toben verkuͤndet. Ueber Alles, was kurz nach jener verdaͤchtigen Ruhe geſchah und erfolg⸗ te, uͤber Alles, was ſich ſeitdem ereignet hat bis auf den heutigen Tag, uͤber alles Große und Kleine, uͤber alles Gute und Schlechte, uͤber alles Erhabene und Laͤcherliche, uͤber alles Edle und Schaͤndliche unſerer Zeit ſchweigt noch das nie voreilige Urtheil der Geſchich⸗ te. Einſt, wann keiner mehr von denen am Leben ſeyn wird, welche, weil heute die Niedertraͤchtigkeit ſie zu vergoͤttern und morgen die Frechheit ſie zu ver⸗ dammen pflegt, leicht jede Stimme des Lobes fuͤr Schmeicheley und jeden Tadel fuͤr Hochverrath halten koͤnnten; einſt, wann die Akten des Jahrhunderts ge⸗ ſchloſſen ſeyn werden dann wird jene unerbittliche Richterin wegreißen den truͤgeriſchen Schleier, worein ſich jede Gegenwart huͤllt, ungeachtet es gewiß iſt, daß auch ſie dereinſt als nakte Vergangenheit ihr ge⸗ rechtes Urtheil empfahen werde. Darum heute kein Wort uͤber jenes Weltereig⸗ iieeeeeee badbdee niß felöſt, worein auch Badens und ſeines Regenten Schickſal verflochten war; kein Wort uͤber den Werlh oder Unwerth derer, welche einen freythaͤtigen An⸗ theil daran genommen haben. Ohnehin handelt ſich's ja, wenn von ſolchen Ereigniſſen die Rede iſt, ſelten oder nie um das, was Staaten und Regierungen eines untergeordneten Ranges dabey thaten, ſondern um das wie ſie es thaten, indem gemeiniglich Je⸗ nes die Geburt einer eiſernen Nothwendigkeit, und nur Dieſes die Frucht der Freyheit zu ſeyn pflegt Gera⸗ de dieſes Wie aber iſt es, welches dem Hoͤch ſtſeli⸗ gen zum unſterblichen Ruhme gereichen wird. Treß blieb Er, und zwar nicht blos der leeren Form, ſondern der kraftvollten That nach, unerſchuͤtterlich treu dem Syſteme, das Karl Friedrich, det Weiſe, ergrifen hatte, um zu retten ſein Volk— treu bis zu jenem entſcheidenden Augenblick, wo eil laͤngeres Feſthalten deſſelben ebenſo verwerflich gewe⸗ ſen waͤre als ein früherer Wechſel in Seinem yo⸗ Ultiſchen Verhalten veraͤchtlich wuͤrde geweſen ſeyn Zwar ſuchte auch hier, wie gewoͤhnlich, die Welt da⸗ „Strahtende zu ſchwaͤrzen und das Erhabene in dein „Staub zu ziehen“, indem ſie Seinem wahrhaft tdeln Benehmen die Triebfeder einer gemeinen Klutß heit unterſchob Allein waͤre dieſe veraͤchtlicheRathgeberitz je die Seinige geweſen, noch Manches wuͤrde Er gethan haben, was Er haͤtte thun koͤnnen, ohne denTadel der Welt fuͤrchten zu muͤſen, woruͤber Ihm vielleicht, nach der damals herrſchenden, hoͤchſt leidenſchaftlichen Stimmung der Gemuͤther, das Jubelgeſchrey einer zahlloſen Menge erſchollen waͤre, und was Er zur Ehre Seines Herzens, zur Ehre Seines Hauſes, zur Ehre Seines Volkes nicht— wovon Er gerade das Ge⸗ gentheil that. Ich werde nicht noͤthig haben, mich deutlicher hieruͤber zu erklaͤren— genug, wenn ich fage: Nicht der Beyfall der Menge, die ganz etwas Anderes erwartet hatte, die tiefſte Verehrung, die teinſte Hochachtung, die innigſte Liebe einer dadurch Unausſprechlich gluͤcklichen und dieſes Gluͤckes wuͤrdi⸗ gen Gattin, und dann die ſtille Bewunderung aller derjenigen, welche den Edelmuth ſolcher Handlungen iu ſchaͤtzen wiſen, war Sein Lohn⸗ Wuͤßten wir auch von Seinem ſpaͤtern Leben gichts Weiteres, ſchon das eben Erwaͤhnte waͤre hin⸗ reichend genug um in den ſchoͤnen Kranz erhabener Fuͤrſtentugenden, womit wir dankbar Seine Urn“ 2 behängen wollen, auch die einer unerſchuͤtterllchen Fe⸗ ſtigkeit, auch die der entſchloſſenſten Standhaftigkeit mit einzuflechten. Doch der glänzendſte Beweis hier⸗ von war dem letzten Jahre Seiner Regierung und Seines Lebens vorbehalten. Wir brauchen nicht zu unterſuchen, was laͤngſt unterſucht worden iſt, wie brauchen nicht einzugehen auf die Frage, in wie weit die Politik jene Anforderungen an Ihn machen durf— te, die ſie wirklich gemacht hat; aber das wiſſen wir, daß es neben den mancherley traurigen Zeichen der Zeit mit zu den erfreulichſten, mit zu den muth⸗und herzerhebendſten derſelben gehoͤre, daß ein teutſcher Fuͤr ſt, im Gefuͤhle des Unrechts, das Ihm wider⸗ fahren ſollte, im ſchoͤnen heiligen Gefühle fuͤr Seines Volkes Wohl und im herrlichen Stolzgefuͤhle der früͤ⸗ her bewieſenen Standhaftigkeit von der Macht gehet⸗ mer Vertraͤge an die oͤffentliche Meinung appel⸗ lirt hat. Wie dieſe fuͤr Ihn entſchieden habe, it bekannt; und war ſchon Dieſes erfreulich, ſo war es noch mehr die Kunde, daß jene Hohen, weiche ſich gegenwaͤrtig ſo friedlich in Europa's Purpur theilen, der nemlichen Meinung geweſen ſind. Und ſo baft Du dann als Sieger vollendet., unerſchuͤtterli⸗ cher, ſtandhafter Karll— Dieſes Sieges gröͤ⸗ 1 0 * beren ſtreuen wir weinend auf Dein Grab, und hoffen und zwelfeln nicht, daß Jeder, welcher, nach der von Dir ſo wetſe beſtimmten und mit der zarteſten Pietaͤt feſtgeſetzten Erbſolge, den badiſchen Thron zleren wird, das von Dir ſterbend Errungene be⸗ haupten, und alle Rechte dieſes Throns noͤthigen Falls ehenſo ſtandhaft vertheidigen werde, wie Du. 2 2 Wir nahen uns nun, meine trauernden Freun⸗ de!— gleich dem Sohne, der der Wohlthaten unzählte aus vaͤterlicher Hand empfangen hat, und endlich, um auch des letzten Segens noch theilhaftig zu werden', vor der ſchon halbverklaͤrten Geſtalt des Scheidenden nlederkuiet— wir nahen uns dem Sterbelager Karl Ludwigs. Es lſt eine hoͤchſtmerkwuͤrdige, zum oͤf— tern ſchon gemachte und an Folgerungen uͤberaus rei⸗ che Erfahrung, die uns auch hier entgegen kommt— die Eefahrung, daß zuweilen der Menſch, und zu⸗ mal der gute und edle, wenn er auf halbem Wege des Lebeus ſich befindet, die noch uͤbrige große Stre— cke ſeiner Bahn gleichſam mit der Elle eines ſliegen⸗ den Pfeiles zuruͤcklege. Eine Menge von Veraͤnde, rungen, welche gewoͤhnlich durch eine lange Reihe von Jahren vertheilt ſind, und ſich ſo allmählig ean —06 20.2‚— einander kuͤgen, werden hier in den engen Raum weniger 1 Monate und Wochen, oft in den noch engern von weni⸗ gen Tagen und Stunden zuſammengedrängt, und nicht 6 ſelten ſchon ſah man den Jüngling von geſtern auf ſl hente retfen zum Mann, und dieſen von heute auf flt morgen altern zum Greiſe. Wie aber in dieſem Fall der Koͤrper dem Tode entgegeneilt, ebenſo ſchnell 0 reiſt dann, mit derſelben Eile ſeine Stadien durch⸗ laufend, der Geiſt fuͤr die Ewigkeit. Daher hat dann auch Alles, was ſolche Menſchen auf jener ſteilen ff neige ihres Lebens noch thun, einen ganz eigenthuͤm⸗ lichen Karakter. Es traͤgt den Stempel der ſichern, 60 zweifelsfreyen Einſicht und der feſten, unwandelbaren ſ Gerechtigkeit eines in ſchoͤnſter Kraftfuͤle des Lebens fi dadehenden Mannes und doch zugleich auch das Gepraͤge ſeh jener ſchon halbhimmliſchen Weisheit und Guͤte, wo⸗ inm mit der filberlockige Greis an die Pforten der Ewig⸗ lle kelt tritt. u Ich habe es verſucht, jene letzte und zugleich in gröͤßte Wohlthat zu bezeichnen, womit der ſterbende Fuͤrſt uns geſegnet hat; ſchildern wollte ich in wen nigen Worten den Geiſt einer Verfaſſung, welche ſ eheuſo verſtaͤndig, als gerecht, ebenſo weiſe als mild — 21 und guͤtig gerannt werden muß. Darum war es auch die Stimme des reinſten und herzlichſten Dankes, die ſich von allen Seiten erhob, und mitten unter dieſen ruͤhrenden Dankgebeten Seines Volkes entſchlief Er. Friede ſey mit Seiner Aſche und Seines Na⸗ mens ſegensvolles Gedaͤchtniß dauere unter uns fuͤr und fuͤr! Denn auch an uns, an die wiſſenſchaftliche An⸗ ſtalt, der wir, meine theueren akademiſchen Freunde! angehoͤren, auch an unſere Albertina hat der Schei⸗ dende mit der liehevollſten Sorgfalt gedacht. Wie haͤtte Er, der fruͤher die wiederholt gefaͤhrdete Exi⸗ ſtenz unſerer Hochſchule wiederholt in Seinen fuͤrſt⸗ lichen Schutz nahm, wie haͤtte Er ſcheiden koͤnnen fuͤr immer, ohne fuͤr immer ihre Fortdauer geſichert zu haben! Er that es, und da Er es that, ſo koͤnnen wir nicht wohl daran zweifeln, daß auch ſchon der Pian in Seiner großmuͤthigen Seele entworfen war, jene Fortdauer zu einem lebenskraftigen und lebensfreudigen Daſeyn zu erheben. Doch wie ſo Manches, was Er nur noch beginnen und nicht mehr vollenden konnte, hat Er auch dieſes Vor⸗ haben Seinem Durchlauchtigſten Thron⸗ kolger binterlaſſen. Getroſt ſehen wir der ſchöoͤn⸗ ſden, der herrlichſten Ausfuͤhrung deſſelben entgegen, denn Großherzog Ludwig, Dem Alle Her⸗ zen mit Wonne gehuldigt haben, iſt ja Karl Fried⸗ richs Sohn. Er, der vieljaͤhrige Zeuge aller Vor⸗ trefflichkeiten jenes ewig Unvergeßlichen, Er, der Selbſt einſt den kraͤftigſten Anthell nahm am groſ— ſen Tagewerk des Vaters, Er wird uns wiederbrin⸗ gen jene goldene Zeit, in welcher Vadens Volk ſtolz ausrufen konnte: Wo iſt ein Fuͤrſt 165 und beſſer als der unſrige— wo iſt el 1 Volk gluͤcklicher als wir! Ka“ͤ„r,dúù;.......... BLB Karisruhe IN N J R S 0⁰ S N K D Ka +