. Die Forschungsaufgaben im Walde. Festrede bei dem feierlichen Akte des Direktorats-Wechsels an der Grossh. badischen Technischen Hochschule zu Karlsruhe am 20. Oktober 1888 gehalten von dem für 1888 /1889 ernannten Direktor Forstrat K. Schuberg ord. Professor der Forstwissenschaft. Karlsruhe. Buchdruckerei von Malsch& Vogel. 1889. Eeit A 8 useum DIArr Duureſelduuclitiqsten Prins οο Locſiqcelintèe Herrei, liebè KOhLVdIIitonem! einer Pflegestätte der technischen Wissenschaften, deren Programm seit mehr als 50 Jahren auch den forstlichen Unterricht enthält— am nördlichen Ende eines wegen seiner schönen gepflegten Wälder berühmten und vielbesuchten Gebirgsstockes, des noch zu 40 0% seiner Fläche bewal- deéten Schwarzwaldes— wird es wWohl begründet erscheinen, wenn ich für den heutigen Festakt ein Thema aus meinem Berufsgebiet wähle, welches rein deutschen Ursprungs, vorzugsweise von den Völkern deutscher Zunge bis heute behandelt, innerhalb Badens seit Jahren gepflegt ist: „Die Forschungsaufgaben im Walde“. Zahlreichen Freunden des Waldes auch hier zu begegnen, dessen bin ich sicher. Für die Schilderung unserer wissenschaftlichen Arbeit in ihm ohne rhetorischen Schmuck Ihre Aufmerksamkeit auf kurze Zeit zu fesseln, Wage ich zu hoffen. Für alle Kulturvölker hatte von jeher der Wald mehrfache Aufgaben zu erfüllen: Seine Erzeugnisse und seine Tiere hatten viele wirtschaftliche Bedürfnisse zu befriedigen, sein grossartiger in sich geschlossener Aufbau den Ansiedelungen Schutz gegen Witterungsunbilden und bedrohliche Ereig- nisse zu bieten, dem freien Manne zur Stählung und Lust am frohen Waid- werk, Kllen zur Erholung, ja zur Erbauung zu dienen. Eine dünne Bevölkerung konnte lange sorglos die reichen Naturgeschenke geniessen, den Wald um der Jagd willen in seinem Naturzustande belassen und die Heerden darin zu reicherer Waide führen. Aber manches Volk )Seine Grossherzogliche Hoheit Prinz Karl von Baden beehrte den Festakt mit Seiner Gegenwart. 15 scheint im Aufbrauchen und Zerstören allzu sorglos gewesen zu sein. Wahrscheinlich sind hieraus manche verhéerende Ereignisse, Versiegen der Quellen, Versanden und Verschütten blühender Fluren zu erklären, welche zum Aufgeben der Wohnsitze gezwungen haben. HefmadchUdssin6eÿ des Waldes rächit sielt imimnend Eine Kunde darüber, ob die Bedeutung des Waldes von den alten Kulturvölkern begriffen wurde, fehlt fast ganz. Bei römischen Schriftstellern ist allerdings zu erfahren, dass sich zur Blütezeit römischer Kultur eine Forstwirtschaft mit leicht unterscheidbaren Formen entwickelt hatte, aber anregend und weckend scheint sie nach Aussen nicht gewirkt zu haben. Eine praktische Beobachtung der Natur, mit Landbuuuice,, Aliſfdsstind, führte zàur Anwendung aller unserer Fort— Pflanzungsverfahren aus Samen, Pflänzlingen, Wurzelloden, Stecklingen und Absenkern u. 8. w. Die Römer hatten Kastanien- und Eichenwälder aus Saat und Ausschlag— Weidenheger aus Setzstangen und Stecklingen, erzogen im Arbustum Ulmen, Eschen und andere Baumarten durch Pflanzung zu lebendigen Trägern ihrer Reben— alles im Dienst des Landbaues. Der dazu untaugliche Naturwald wurde nur in thunlichster Weise aus- genutzt. Eine Bewirtschaftung von Wald auf nachhaltige Erziehung von Starkholz lag dem sonst weitsichtigen Römer fern. Ihm diente ja ringsum die Erde und der billige Sklavendienst sowie die glückliche Lage Italiens liess ihn das Entfernteste beischaffen. Die Naturkenntnisse beschränkten sich auf einige Erfahrungen. Wissenschaftliche Grundlagen ererbten und erstrebten auch die Römer nicht. 5 Ebenso wenig lässt sich aus der Kulturgeschichte der folgenden Jahr- hunderte eine grundsätzliche Entwicklung der Waldwirtschaft nachweisen. Noch musste das eindringende Christentum im weiten Urwalde durch Rodungen zu festen Ansiedlungen siegenden Bestand erringen. Erst als mit der Befestigung geordneter Verbältnisse, der Vermehrung und Vergrösserung der Städte und Dörfer, mit der Zunahme des Verkehrs die Waldungen sich lichteten, ihr Umfang sich minderte, der Holzverbrauch stieg, zumal durch den Schiflsbau nach der Entdeckung der neuen Welt, da kam durch die jäherwachte Vurcht von Holænbolſi der wirtschaftliche Wert des Waldes den Völkern zum Bewusstsein. Nach der Verteilung der grossen gemeinen Mark zum Sondergebrauch — der Wald war am längsten Gemeingut geblieben— mussten die Ge- ——— —— 8 eeeee meinden unserer deutschen Heimat, namentlich die aufblühenden Städte, den Genuss einschränken und ordnen, um auszureichen. Die Anforderungen stiegen aber und die alten Holzvorräte der zugünglichen Waldungen erschöpften sich. Eine Einteilung in Jahresschläge bot zwaär ein einfaches Mittel zur Sicherung nachhaltiger Erträge, liess aber zugleich das Heran- nahen knappen Genügens deutlicher ersehen. Solche Abwägung zwischen dem Bedark an Holz, Mast und Futter ete. kür ein Gemeinwesen und zwischen dem Ertrag eines Waldes ist zudem äusserst unsicher. Lebens- und Bauweise, Art und Stand der Gewerbe bleiben nicht stabil— abgesehen von wettwerbenden Holzersatzstoffen und der Unterstützung der Landwirtschaft. Andererseits ist der Waldertrag nach Art und Grösse bedingt durch die Suαοeiui“, d. i. die Beschaffenheit des Bodens, Klimas und der Lage, sodann durch die Holzarten, die ererbten Bestandsvorräte und die Waldbehandlung.— uασ du0)u7 einmd! folil, ldlsst Sleli dureln den, Vuttschhαρ“νι ν Aulssen ein, so leiclito/. hslelien, Je nelin uund, bessere Teilehnsnittél ꝛ2u, Gebot, stelien. Hhbensd dben Jdsst sich den eigſen“ Uberscſiuss abseteen. Der Grossbesitzer hat immer Uber— schüsse und wird durch ihre vorteilhafte Verwertung seinem Walde den grössten nachhaltigen Reinertrag abzugewinnen suchen, um nach Er- füllung seiner Verpflichtungen noch die eigenen Zwecke zu fördern. Es sind somit ganz andere Gesichtspunkte, von welchen die wirtschaft- liche Gebahrung ausgehen muss, wobei der Staat gegenüber allem Waldbesit⸗ gewisse böhere Interessen zu wahren und die noch nicht völlig geklärten Aufgaben der Gesamtbewaldung im Auge zu behalten hat. Was aber der Wald, ob Schutz- ob Wirtschaftswald, bei sachigemdtsse, Beliuudlund leisten kann und wirklich leistet und was unter letzterer zu verstehen sei, lässt sich nur bei tieferer Einsicht in seine Natur sicher erkennen. In solch' grossartigem Gesellschaftsgebilde der organischen Schöpfung, wWo hohe und niedere Gewächse zusammenleben, entwickelt jede Art sich anders und stellt ihre besonderen Forderungen, führt ihren Kampf um das Dasein mit ihresgleichen und anderen Arten mit verschiedenem Erfolg. Die eine Baumart bleibt unansehnlich, die andere vergrössert mit Ausdauer ihre Höhe, Schaft- und Kronenmasse bis zum Baumriesen, jede in ihrer Weise, wird von wenigen Feinden kaum geschädigt oder vielartig oft bis zur Vernichtung heimgesucht. Die leistungsfähigste ist im Ertrag nicht immer die sicherste. Wie die Natur den Wald als Spielball zahlloser Zufälle der Jahr- als Uiymald leistèetè er nicht, was er wirklich hunderte uns überlieferte vermag. Von einem derartigen Gemenge gewaltiger Zeugen früherer Zeiten mit noch aufrechten oder gefallenen Baumleichen, auf und zwischen welchen junges Pflanzenleben sich durchringt oder wuchert, nimmt der Forstmann aus Neugier oder vergleichshalber Einsicht. Lehrreiche Schlüsse für seine Waldwirtschaft könnte er wenig gewinnen. Der Naturforscher schon cher. Die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen kann ihm eine reiche Quelle des Studiums werden. Wer nach den Gesetzen des organischen Wachstums korscht, geht den Einzelpflanzen und ihren Organen nach, indem er seine Untersuchungen nach persönlichen Idèen verfolgt. Festgestellte Thatsachen, gerogene Schlüsse lässt er sich durch wenige Wiederholungen bestätigen. Dass deſ, Horstind, ibegen, dler, voiftseſtd,flicι ¼ u⁰iU dde-, I SCbIIIsflöe, Eul b,folggen, Jiit, ist dUeIIu deiednt, 1toAen. Er hat das Waldganze als sein Objekt zu betrachten, welches durch eine lang- jährige grundsätzliche Behandlung zu bestimmten Waldformen sich ausbilden soll, um dem Eigentümer dadurch, dass er die Erzeugnisse in reichlichster Menge, Güte und Auswahl auf dem Markte anbietet, seinen reichlichen Anteil am Gesamteinkommen zuzuwenden. Seine Forschung setat wenig- stens einen Anlauf zu ausgeprägten Bewaldungsformen voraus. Die Einzel- Pflanze untersucht und misst er nur als Vertreterin eines Bestandsteils oder ganzen Bestandes. Aus vieljähriger gleicher Behandlung haben unsere meisten Waldungen die möglichen Hauptformen der Waldwirtschaft längst angenommen: aus Kernwuchs, natürlich oder künstlich, zu hochstümmigen Be— ständen erwachsener SdipeH, οer Hocſuundld, aus Ausschlag, Absenkern. Stecklingen mehr oder rein buschartig erwachsener Miedem- oder AUS50EUUNUα)d, in Vermischung von beidem, aus Unterholz vom Ausschlag und Oberholz vom Kernwuchs entstandener MIttellUaId. Jede dieser Waldformen und ihrer Unterarten Hat zeitlich und örtlich ihre Berechtigung und guten Erfolge. Nach Annahme einer rein ausgeprägten Form sind die Waldungen gleichwohl noch unvollkommen in mehrfacher Hinsicht und lassen darum noch keine sicheren Vergleiche zwischen ihren zeitlichen oder örtlichen Vorzügen zu. Störungen und Beschädigungen beeinträchtigen die Voll- ständigkeit und Wüchsigkeit und erschweren die Sammlung zuverlässiger Erfahrungen auf dem Wege der Vergleichungen. Ist die Bestockung mit den geringsten Störungen voll, wüchsig, tadellos in den Baumformen ge- worden, so heisst der Waldzustand ein nonmaler. Eine Begrenzung der Normalität, welche sich allseitiger Anerkennung erfreute, ist jedoch noch zu finden. Für jede Wirtschaftsform, Holzart oder Mischung, jeden Standort, jedes Alter ist sie eine andere. Sie fanun, ον einé eiſfenmdssigé Sein. Beim Niederwald leicht zu erreichen, weil der Lebenslauf meistens vor dem 40. Jahre abschliesst und die häufigen Abtriebe genug Gelegenheit zu Erfahrungen bieéten, ist die Normalität beim Mittelwalde schon viel schwerer festzustellen wegen der Unzahl der Kombinationen aus Holzarten, Ausschlag und Kernwuchs. Weitaus am wichtigsten ist sie beim Hochwald, weil er in den meisten Kulturländern, z. B. mit 87% der Waldfläche im Deutschen Reiche, die herrschende Waldform ist, beim Nadelholz auch bleiben muss, und am schwierigsten zu vereinbaren, weil die Waldbestände so hohe Alter (bis 120 Jahre und darüber) erreichen müssen, dass ihre Begründer die ganze Entwicklung nicht erleben, in so langen Zeiträumen viele Schä⸗ digungen unvermeidlich werden, die Behandlung wechselt und die frühere Bestandsgeschichte verloren geht. Den nonmalen Waclistuumtsgqamng gunee. Beésténdé muss aber der Forstwirt in Zahlen feststellen. Er muss erfahren, wie die vielen tausend Pflanzen des Jungwuchses auf dem Hektar bis zur Hiebsreife sich auf einige Hundert Stämme verringern. Dies grosse Sterben im Kampf um Licht und Boden- raum erfolgt von Natur zuerst in grossen Zahlenverhältnissen, 2. B. mit 50 binnen wenigen Jugendjahren, zuletzt in kleinen von 10 bis 5 0% und muss mit der Axt geregelt werden, damit nicht die Mehrzahl zu wertlosem Dürr- und Lesholz zusammenbricht und nicht der verzögerte Sieg der Ent- wicklung die endlichen Sieger selbst schädigt. Wie, wWie oft und stark aber zu letzteren Zwecken einzugreifen sei, ist nicht gleichgiltig, bis heute streitig, daher selbst noch Gegenstand der Untersuchung. Zweifellos ist nur, dass die sog. Lichtholzarten(die lichtbedürftigen) raschere Ausscheidungen fordern oder selbst energischer üben als die sog. Schattenhölzer(d. i. die schattenertragenden) und beide sie um so früher beginnen und endigen, je besser der Standort ist. In den Vordergrund der Forschung tritt der Normalzustand auch, weil pei ihm die Zuwachsgesetze sich am wenigsten verschleiern, die Arten, Grade und Ursachen anormaler Zustände zu zahlreich und zu unstüt, für die Vergleichung sind, der Normalzustand aber gerade den Massstab des Vollkommenen gegenüber dem anormalen 2u liefern hat und allein das sichere Mass der Leistungsfähigkeit für jeden Waldort geben kann. Das sehr ungleiche Verhalten der Holzarten und Wirtschaftsformen auf gleichem Standorte erschwert dann immer noch genug das Auffinden ausschlaggebender allgemeiner Kennzeichen und Erfahrungsgrössen. Keine Holzart stimmt ja bezüglich ihrer Ansprüche an den Standort, also auch bezüglich ihres Verbreitungsbezirks in horizontalem und verti— kalem Sinne mit den anderen überein. Es meidéet 2. B. die Eiche als Be- stand harte, nasskalte wie arme sandige Böden und in Süddeutschland Lagen über 700 m M.-H. Die Rotbuche dagegen steigt von der Meéeresküste bis über 1200 m, geht also über die Tanne empor, bleibt aber hinter der Fichte und Lärche zurück. Auch die Fähigkeit der Höhen-, Stärken- und Massenentfaltung ist sehr unterschiedlich. Auf gleichem Standorte wird z. B. bis zum 100. Jahre die Rotbuche 30 m hoch und liefert 700 cbm Holzmasse auf 1 ha, Wo Tanne und Fichte 35 m hoch werden und 1100 cbm Masse liefern, obgleich die junge Buche und Fichte fast gleichwüchsig und beide der Tanne lange Voraus sind. Beim Laubholz ist nebstdem der grosse Unterschied zwischen der Ent— wicklung des Stockausschlags und Kernwuchses zu beachten. Ersterer wüchst anfänglich rascher, lässt aber schon frühe nach; sein Vorkommen im Hochwalde führt also zur Wuchsentstellung. Einer weiteren grossen Schwierigkeit begegnet die Forschung dadurch, dass jeder Bestand eines Waldes und jeder Baum eines Bestandes im hart— näckigen Lebenskampf sich individuell entwickelt. Unter 638 Stämmen eines gefällten und baumweise genau vermessenen Tannenbestandes von ½ ha 2. B. deckten sich keine zwei Bäume völlig in Höhe, Schaftform und Krone. Niemals bewegt sich das Wachstum in einkachem arithmetischem Ver- hältnis, vielmehr zeigen bei graphischer Darstellung Höhen-, Stärke-, Form— und Massenwuchs der Bäume und Bestände mannigfaltige Kurvenlinien. Diese stimmen nur darin überein, dass— beim Kernwuchs— die an- fänglich minimale Entwicklung bis zu einem gewissen Kulminationspunkt steigt und dann nach kurzem Verharren wieder langsamer oder rascher fällt. Erst die neueren Forschungen stellten ausser Zweifel, dass jede Holzart desto früher kulminiert, je günstigeren Standort sie einnimmt und allzu dichter Stand der Bäume die Kulmination verzögert, überhaupt den Baum— wuchs beeinträchtigt. AIle, diehten Stamd ist freilich ein relativer Begriff; geschützte Lage und guter Boden fördert die Entwicklung, also auch den Austrag des Kampfes— die Stammzahl sinkt dann rascher; freie Hochlage und geringer Boden hemmen die Entwieklung, folglich erhält sich eine grössere Stammzahl desto lünger. Wirklich können bei geringstem Standort noch im 100. Jahre 2000 Stämme auf 1 ha stehen, welche bei bestem kaum im 50.—60. Jahre noch vorhanden sind. Die Bestände haben also caet. par. je nach dem Standort, der Be- gründung und Behandlung einen sehr unterschiedlichen Entwicklungsgang und die normalen Zustände steigern noch diese Unterschiede. Trotz des circulus vitiosus, dass die Normalitätsgrenzen noch unbe— stimmt sind und man doch den normalen Wuchs erforschen musste, erkannte man diese und damit verwandte gewichtige Thatsachen. Einzelne deutsche Forstleute nahmen schon im vorigen Jahrhundert Anläufe, die Wachstumsgesetze des Waldes zu erkunden und tabellarisch darzustellen. Der thüringische Forstbeamte Karl Christof Gttelt gab zuerst seiner Uberzeugung, dass man eine mathematische Grundlage und Methode kür jede Regelung des Forstbetriebs aufsuchen müsse, in seiner vielzitirten Schrift von 1765 Ausdruck:„Praktischer Beweis, dass die Mathesis bei dem Forstwesen unentbehrliche Dienste thue“. Sie gab die erste Anleitung zum Entwurfe von Wachstums- oder Ertragstafeln. Noch ehe das Jahrhundert abschloss, lagen von 3 Seiten solche Tafeln vor: 1. Von K. V. Hennert, einem krüheren Artillerie-Offizier, nachherigem Bautechniker, welcher, durch seine Aufsicht über Buchenwaldungen angeregt, seit 1780 sich mit forstwissenschaftlichen Untersuchungen beschüftigte; von G. L. Harti9, Sohn eines hessischen Forstbeamten, 1781—83 in Giessen wissenschaftlich ausgebildet, welcher als nassauischer 1 Landforstmeister in Dillenburg a. d. Lahn zugleich als Vorstand einer eigenen Forstlehranstalt wissenschaftlich thätig war und in einem seiner bedeutendsten Werke„Anweisung zur Taxation der Forsten“ 1795 Erfahrungstabellen über periodischen und Totalertrag von je 1 Morgen Hoch- und Niederwald der meisten Hauptholz- arten„aus oft wiederholten Versuchen im nördlichen Deutschland“ Veröffentlichte; 3. von Jofi. Chirist. Padulsen, Oberkörster in fürstlich Lippe'schen Diensten, dessen 1795 zu Detmold anonym erschienenes Haupt— werk„Kurze praktische Anleitung zum Forstwesen ete.“ die erste Nachweisung der Holzvorratsgrösse und des Nutzungsfaktors 2 nonma bestumndenen Betriebsſläclien, begründet auf exakte Unter— suchungen, enthielt(von Th. Hartig später in der Form von Ertragstafeln veröffentlicht). Im Laufe des 19. Jabhrhunderts erschien weiterhin eine grosse Reihe von Ertragstafeln. Die Werke der meisten forstlichen Autoritäten, H. Kotta, Hundeshagen, W. Pfeil, H. Burkhardt, enthalten solche, aber ohne die Grundlagen und die Grundsätze ihrer Herstellung 87 daher weder prüfungsfähig noch sicher verwendbar, weil die Merkmale für die Begriffe 9% oder Sehleult nicht mittelst Wachstumsgrössen gekennzeichnet sind(2. B. Baumböhen und and.). Gerade wegen ihrer auffallenden Mängel und Widersprüche verstumm— ten die Begehren nach zuverlässigeren Tafeln picht. Eingehend schilderte IK. Heſjen in Giessen ihre Schwächen in einem Aufrufe, welchen er an die Versammlung der süddeutschen Forstwirte zu Darmstadt 1845 zur Grün— dung eines forststatischen Vereins richtete. Aber er selbst beurteilte die Schwierigkeiten, Besseres zu liefern, nicht richtig; er misskannte sie nach zwei Richtungen. Seine Vorschläge, auf dem Vereinswege vorzugehen, batten nur Sinn, wenn die grossen Forstverwaltungen sich selbst vereinten für ein s0 weitaussehendes Werk. Nichtamtlichen Vereinen fehlt die feste Organi⸗ sation, die Einheit und Stetigkeit der Arbeit, fehlen die Mittel und Kräfte. Anderseits erachtete er die Forschungsarbeiten selbst für riesiger als sie wirklich sind— wenn man ausharrt! Auch die Anregungen Hundeshagens in Giessen, das Stellen von Preis— aufgaben(V. Wedekind,„über die Waldstreu“— in ½ Jahr zu lösen!) mussten fehlschlagen. Einzelne deutsche Forstverwaltungen hatten allerdings unterdessen wichtige Untersuchungen begonnen: Baiermn gab 1846 seine„Massentafeln zur Bestimmung des Inhalts der Vorzüglichsten deutschen Waldbäume“ heraus, eine wertvolle, zuerst zu wenig gewürdigte Leistung. Freilich die Landesmasse hinderten den Gebrauch. Umrechnungen für Preussen und Oesterreich nahmen zwei Oberförster auf eigene Faust vor. Später wurde sie für das Metermass wiederholt. Auch ansehnliche Leistungen Einzelner folgten: von I. Hartiy in Braunschweig„Vergleichende Untersuchungen über den Ertrag der Rotbuche“, 1847; von H. Bunélihiardt in Hannover„Hilfstafeln für Forsttaxatoren“, beides eigentlich halbamtliche Arbeiten. 3— +—˖ In Haden hatte die Forstverwaltung schon 1837 begonnen,„Erfahrungen über die Holzhaltigkeit geschlossener Waldbestände« sammeln zu lasseu. K. hil. Hriedir. Annspengen, zur néeuen Forstorganisation 1834 als Forstrat in die Grossh. Forstpolizeidirektion berufen und zum Referenten für die Vermessung und Einrichtung der Waldungen ernannt, kopnte schon im Jabre 1838 der amtlichen Herausgabe des ersten Heftes erwähnter„Erfah- rungen“ 278 Aufnahmen ganzer Bestände von sechs Holzarten, nach Boni- täten und zumteil nach Höhenlagen gegliedert, mitteilen. Ein zweites Heft folgte 1840. Der alleinige Weg zum sicheren Erfolg wurde 1842 beschritten: Die Fostlegutug, stümndigen, Vensbieſtsfideſten durch dauerhafte Abgrenzung und Ver- steinung, um den Wuchsgang in normalen Waldteilen aller Hauptholz- arten, rein und gemischt, längere Zeit zu verfolgen und durch periodische Messungen und Probefällungen die Höhen-, Stärken- und Massenzunahmen sowie die mittelst der Durchforstungen geregelte Stammzahlabnahme zifler⸗ müssig festzustellen— zu unbegrenzten Reihen vergleichender Studien und zur Ableitung zuverlässiger Erfahrungszahlensätze. Dieser Weg der For- schungsarbeit: Die Vinfichtung Sorglich, dulSgeοMοten Bestumdsfidkchen ndαν binhieitlichemt Arbeitsplane, in ꝙunossem Stil, Aben allèe Maldgegenden, des Lalldes hi,— ist erstmals von Baden in dieser Ausdehnung betreten und seither nicht mehr verlassen worden. In den Jahren 1862 und 1865 brachten die Hefte Nr. 3 und 4 der„Erfahrungen“ schon reichhaltigere Ergebnisse. Dass Arnsperger nicht lauter bewährtes Personal hatte, eine einfache flüchtigere Untersuchungsmethode wählen musste und wegen des vielfach noch ungeregelten Waldzustandes seine Ziele nicht nach Wunsch fördern konnte— schmälert seine Verdienste nicht. Die Sache war noch neu und langwierig. Dennoch bewährte sich sein Scharfblick und führte ihn bezüglich der Gesetze der Zuwachskulmination auf die richtige Spur. Nur waren die Beweise noch nicht durchschlagend. Die Vorstellung, als ob jeder volllkommene Waldbestand bei der Wie- derholung seiner Aufnahmen ein stetiges Wachstum ohne Wellenlinien zeigen müsse, ist eine ganz irrige. Jeder Bestand ist als ein organischer Verband aufzufassen, dessen Gesamtleben von wechselnden allgemeinen und örtlichen Wirkungen beeinflusst wird und demgemäss in seinem Wuchsgange indi⸗ viduelle Schwankungen erfährt. Ungenaue oder zu beschräukte Messungen steigern diese Schwankungen. Dies berechtigt aber noch Niemand, den Erfolg der Forschungsarbeiten anzuzweifeln und zu ironisieren. Erst die 2. 1 Ausdehnung derselben auf zahlreichere Objekte und längere Zeitrüume ver— mäg die Schwankungen zu mildern oder auszugleichen, die Mittel zur Be— richtigung zu liefern, zu sicheren Durchschnittszahlen und zu einem vollen Einblick in die Naturvorgänge und ihre Ursachen hinzuführen. Nach dem übereilten Rücktritte Arnspergers übernahm Forstrat Roth als Referent für Forsteinrichtungswesen auch die Leitung der Versuchs— arbeiten; ihm folgte Forstrat Seidel, dann vor 19 Jahren der jetzige Oberforstrat Krutina, unter dessen Redaktion das fünfkte Heft der„Erfah- rungen etc.“ im Jahre 1873 schon im Metermass erschien. Eine reiche Quelle von Erfahrungen ist in diesen fünf Heften geboten. Mit Benutzung dieser und der späteren Untersuchungs-Ergebnisse konnten vor kurzem„Mitteilungen über den Wuchs und Ertrag der Weisstanne“ im Druck veröffentlicht und andere wichtige Holzarten zur weiteren Folge Vorbereitet werden. Auch über den Wuchs der Holædftemmiseh¹¹ögſe, sind den drei letuten Heften noch lehrreiche Nachweise und wichtige Schlussfolgerungen abzugewinnen, namentlich bezüglich der Frage, was ein Standort für andere Holzarten verspreche, wenn erst seine Leistungsfähigkeit für eine Art festgestellt ist. Setzen zwei oder mehr Holzarten einen Bestand zusammen, so0 trägt jede nach ihrem Wuchsvermögen und ihren sonstigen Eigenschaften, 2. B. der Widerstandsfähigkeit, den Ernährungsansprüchen, dem Lichtbedürfnis u. s. w. zum Gedeihen des Ganzen bei. Da aber selten zwei Arten bis zu einem gewissen Lebensalter oder überhaupt auf gleicher Fläche eine gleichgrosse Masse erzeugen, noch in ihrer Stammzahl durch alle Alterstufen überein— stimmen, so müssen zur Klarstellung der Mischungsverhältnisse und ihrer Enderfolge besondere Untersuchungen stattfinden. Bisher ist kaum dazu ein rechter Anlauf genommen, weil erst die Wachstumskenntnisse für die reinen Holzarten erworben sein müssen. Noch schwieriger und noch weniger erforscht sind die ungleichalterigen Bestandsmischungen. Ein weites Gebiet der Forschung eröffnet sich hier noch. Im Jahr 1856 mahnte erstmals wieder G. Lleſßſe, in Giessen in seiner Allgem. Forst- und Jagd-Leitung, man möge doch durch Ausbildung des forst- lichen Versuchswesens der Wissenschaft eine festere Grundlage schaffen. In einem grossen forstwissenschaftlichen Gebiete müsse das Laplacesche Geset- der grossen Zahlen mehr Beachtung finden, was die bayerischen Massentafeln bewiesen hätten. Vom Jahre 1860 an begannen Baßſern und Sdueſisen, fust gleichzeitig — — —ꝛ forstliche Versuchsstellen anzulegen, um den Einfluss verschiedener Anbau— methoden, die Wirkungen verschiedener Durchforstungsgrade, den Ertrag an Waldstreu und die Wirkung ihrer Entnahme auf den Waldboden und den Holzwuchs kennen zu lernen, und gründeten forstlich-meteorologische Versuchsstationen. Resultate davon für Sachsen enthält das„Tharander Jahr- buch“, für Bayern Dr. E. Ebermeyers„Resultate der forstlichen Versuchs— stationen“, deren I. Band 1873 erschien. Unter sich nicht zusammenhängend, nach verschiedenen Gesichtspunkten und Methoden begonnen, daher— obgleich sonst wertvoll, schwer vergleich- bar, drohten die Versuche Bruchstücke zu bleiben. Von der Tagesordnung der Versammlungen eine Zeitlang verschwunden, erfuhr die forstliche Forschungsarbeit durch ein planmässiges„Versuchs— wWesen“ plötzlich wieder in Men gelegentlich der Versammlung deutscher Land- und Forstwirte im Jahr 1868 eine erneute Frörterung und Dr. F. Baurs„Weck- und Mahnruf“ in seiner Schrift„Uber forstliche Versuchs- stationen“ fand willigere Ohren. Ein dort gewählter Ausschuss von fünf NMitgliedern tagte noch im November in Regensburg und wendete sich dann in einer Denkschrift an die Forstbehörden Deutschlands und Gsterreichs. Baden und Sachsen eröflneten den Reigen im Jahre 1870 durch die An- nahme von Satzungen, worin der Anschluss an die übrigen Staaten vor— gesehen war. Preussen und Württemberg folgten nach dem Kriege 1872, dann Bayern, Braunschweig und Thüringen, später Hessen und Elsass- Lothringen. Osterreich begann für sich 1875, schloss sich aber nicht an. — Im Jahre 1872 nahmen die ersten deutschen Versuchsanstalten in Braun- schweig(1. Versammlung deutscher Forstmänner) als Verein gemeinsame Satzungen an, um die Lösung der grossen forstwissenschaftlichen Fragen durch Gemneinsuunleαt den Arbeit, sdelieνν‘‘ Aοοtstellui¹α?ι ονEs eineitliehe GeScHαιiHihm)̈ suclien Su, stellen. Die Vereinsthätigkeit sollte sich danach auf diejenigen wissenschaftlichen Gebiete erstrecken, welche eine vielseitige Bearbeitung unter verschiedenen Verhältnissen erfordern, und für jedes Arbeits- feld sollte ein gemeinsamer Arbeitsplan angenommen werden. Im Jahre 1873 begannen die Arbeiten, welche bald allgemein besonderen F0ν,ũen Hersllclisbednttem übertragen wurden, um einheitliche gleichartige Ergebnisse zu erzielen. Die naturwissenschaftlichen Untersuchungen, welche den Erscheinungen des Pflanzenlebens(Ernährung, Krankheiten, Feinde) nachgehen, werden den Vertretern der betreffenden Wissenschaftszweige zur freien Forschung überlassen. Es genügt, dass ihnen die Waldungen offen stehen, die besten Gelegenheiten zur Kenntnis gebracht, Mittel zur Verfügung gestellt werden. Auch den Bautechnikern böte sich reichliches Material. Die erste und wichtigste Vereinsaufgabe war die A/stelU¹, vονν“uis- lanen kür die Inangriffnahme aller gemeinsamen Versuche und Einrich- tungen und eine Vereinbamiug dben die tecſinus4‚e AlUSdnUCe, lν Dunstel— langstbelse, 1. B. für die Standortsbeschreibungen. Eine wichtige grössere Arbeit, welche den anderen vorausgehen musste: Die Untersuchnuugen uben den Hestgehiud,t uuαν αον̃ Huα⁰ꝗ⁵.tt des SeſticHHOiIννλ au¹ den Hinde— war nach wenigen Jahren abgeschlossen. Sie war nötig, um die Fällungsergebnisse, welche man in Verkaufsmasse aufschichten zu lassen pflegt, mit Hilfe sogenannter Festgehaltsfaktoren aus dem Raum— gehalt auf ihren Kubikinhalt umzurechnen. Für letzteren ist, im Gegensatz zum Raummeter, das Fesſnieten die gemeinsame Rechnungseinheit. Dazu waren aber auch die Begriffe der Holæsoftimentée— Reis, Prügels, Scheit-, Stangen- und Stammholz— festzusetzen. Ihnen wichen endlich die grossen und kleinen Fussmasse, die Klafter, Steécken, Malter und wie sie sonst biessen. Die gemeingiltigen Bestimmungen darüber wurden im Jahre 1875 von allen deutschen Forstverwaltungen angenommen. Damit war die unentbehr— liche Grundlage für ein gegenseitiges Verständnis weit über die Reichs- grenzen hinaus geschaffen. Die Ergebnisse der Festgehalts- und Gewichts-Untersuchungen konnten schon 1879, durch Dr. F. Baur im Namen des Vereins béarbeitet, im Druck erscheinen. Umfassendere Beratungen mit warmen Redekämpfen kosteten die wich— tigen Arbeitsplane zur AlstelU‚ nfον rñuh- uhν Muασαꝰοα)thuνά⁊,, vo-οι Holæeναe²- lafelnu, zur Anstellung vo Huutufupehstlueſue, mit den einheimischen und mit fremden Holzarten, zur Untersset den Streuνuͥoutetiig unν uο“ Hinflusss dluift die Haldbùden und Beéstànde, über die Mirſeuug, den Duurcliforstiugen, des Lichitungs- und Vuten- Halu-Betriebs im, Hocſubalde, die Instruktionen für die forstlich-meteorologischen und die phäno- logischen Beobachtungen und eine Anzahl von Spezialuntersuchungen. Manche kritische und mitunter recht schiefe Urteile flelen seitens Un⸗ beteiligter über diese mühevolle Thätigkeit. Die grosse Zahl, der Umfang, die Strenge dieser Arbeitsplane und manche Kompromisse derselben erschreck- ten einen Teil der forstlichen Welt. An kurze Näherungsverfahren im grossen Forsthaushalte gewöhnt, wWo Messungsfehler leicht spurlos vorüber gehen, übersah man, dass lässige Vorschriften nicht ausreichen, wWo es gilt, auf die Dauer das Wissen Aller zu bereichern, und lässige Duldung— Lüssige macht! Auch gegen die vermeintliche Fesselung der Forschungsarbeit durch strenge Formen und vorgezeichnete Verfahren sträubten sich Manche, denn die Forschung müsse frei sein. Aber bei solchen umfassenden Arbeiten müssen viele Hilfskräfte mitverwendet werden, welche gar nicht forschen. Wo die Ergebnisse nur für das Gesetz der grossen Zahl vollen Wert haben, muss Gleichheit der Waffen und ihrer Anwendung, Gleichheit der Rechnung und Darstellung als Norm gelten. Schon heute lässt sich dies ins Licht setzen. In den verschiedensten deutschen Waldgebieten sind bis zum J. August dieses Jahres über 26000 Fichten-, 21000 Kiefern-, 14000 Buchen-Stämme u. S. W. behufs genauester Inhalts- und Form Ermittlung gefällt und ver- messen worden. Dies massenhafte höchst wertvolle Material wird solchen Mitgliedern der Versuchsanstalten, je Einem für eine Holzart, welche vom Verein zur Bearbeitung sogenannter Massentafeln Auftrag annehmen, ins- gesamt ausgehändigt. Ihnen ist die Methode der Bearbeitung anheimgegeben und sie übernehmen die Verantwortung für die Endergebnisse. Wer wollte sich dazu hergeben, mit ungleichwertigem Material eine solche Aufgabe zu vollziehen? Und wWo liegt hier die Fesselung der wissenschaftlichen Arbeit? Derartige Forschungen im Walde haben zudem auch einen statistiscſlen Chiraleten, denn an den Wachstumserscheinungen sind ja ausser den natur— gesetzlichen alle jene Wirkungen zu verfolgen, welche ein menschliches Ein— greifen, Erziehen, Umformen, Erhalten und Pflegen zur Ursache haben. Ursache und Wirkung aufzusuchen, ist ja eine Aufgabe des Statistikers. Ein Samenwald, einmal auf Stockausschlag oder Mittelwald behandelt, wird inbezug auf Wuchs und Aussehen ein anderer Wald. Eine Rück⸗ umwandlung erfordert einen längeren anormalen Upergangszustand. Der reine Samenwald ist aus Urwald im Laufe langer Zeit dadurch 16 entstanden, dass man das Wachstum altersklassenweise geregelt hat. Jeder Waldteil wird aus natürlicher Aussaat oder künstlich in einer gewissen Reihenfolge neu bestockt, zeitweise vom Unwüchsigen und Unerwünschten befreit, bis ein hiebsfertiger Bestand von wenigen hundert vollformigen, massenreichen, höchstwertigen Stämmen erzogen ist. Der Spielraum der nätürlichen Zufälle ist auf ein Minimum eingeschrünkt, die höchste Vervoll- kommnung erstrebt. Dazu dienen oft durchdachte Hiebsführungen zur Frei— und Lichtstellung, Aufastungen, Unterpflanzungen u. s. W. Ganz sind die Zufälle, Missgriffe, Wechsel der Grundsätze freilich nicht auszuschliessen. Auch die Bedürfnisse wechseln; Steinkohle, Eisen und andere Stoffe treten in Wettbewerb mit dem Holze. Neue gewerbliche Richtungen, der internationale Verkehr beéeinflussen den Holzmarkt. An Stelle der Brenn— olz- tritt die Nutzholzwirtschaft. Uber die neuen Bedingungen des grössten Wirtschaftserfolgs muss auch neue Erkenntnis erstrebt werden. Dazu ist ein gleichartiges Zusammenwirken vieler Kräfte in Ausbreitung eines grossen organisirten Beobachtungsneétzes über alle bedeutenderen Waldgebiete oder gewisse Regionen unerlässlich. Will man nun für eine bestehende Wirtschaftskorm genau den Wachs— tumsgang erkunden, welcher zweifellos durch ein hestimmntes Gesete stetig beherrscht wird, so wäre dies dadurch erreichbar, dass man einen jungen Bestand oder mehrere abgrenzte und alljährlich oder periodisch seine Bäume bis zu höherem Alter stehend aufnähme. In der näheren Umgebung gefällte Probestämme jeder Form- und Stärkeklasse gäben dann die Rechnungsunter— lagen, um die Einzelheiten des Wuchses aufzuklären. Aber die Weitläufig⸗ keit solchen Verfahrens biesse die Lösung dringlicher Fragen in infinitum Vertagen. Eine stürmische Nacht, ein Schneefall, ein Waldbrand könnte zum Neubeginn nötigen. Umgekehrt hat die ungeduldige Wissbegierde zu dem Versuche geführt, eine grössere Zahl ausgesuchter Musterbestände jeglicher Alter und Stand— orte ein oder zweimal stehend oder nach der Fällung aufzunehmen und zu Wachstumsreihen zu verbinden. Da jedoch der logische Zusammenhang 7. B. zwischen den Fichten des Harzes und Schlesiens durch künstliche Unterstellungen, welche nicht immer zutreffen, hergestellt werden muss, 80 können solche obgleich sehr dankenswerte und oft sehr sinnreiche Kon— struktionen doch nur als Notbehelfe gelten. Ein Mittelweg erwies sich als der erfolgreichste: Für jede Holzart und ihre bewährten Standorte und Wirtschaftsformen viele Musterbestände verschiedenen Alters im Walde deutlich abzugrenzen und S0 oft alle 5 bis 10 Jahre aufzunehmen, bis die Ergebnisse in die Alter- stufen der anderen übergreifen. Dann lassen sich die in ihren Zahlenreihen übereinstimmenden Orte zu einer geschlossenen Wuchsreihe verbinden, 5o dass je vom besten, mittleren und geringsten Wuchs bei graphischer Behandlung sich Durchschnittskurven entwickeln und noch Jwischenstufen sich einfügen lassen. Jede Holzart zeigt alsdann den ihr eigenen Wuchsgang der Baumhöhen, Schaftstärken, Massen, ihre Stammzahlabnahme u. s. W. Schliesslich ergiebt sich durch Interpolation für gleichmässige Altersabstände oder von Jahr zu Jahr die ganze Bestandsmassenreihe und durch einfache Rechnung der Gesamtholzvorrat. In dieser Richtung haben die in Baden seit 1842 über das ganze Land ausgedehnten periodischen Wiederaufnahmen zu einem grossen Ergebnis hin- geführt, mit dessen Ergänzung, Verbesserung, Vertiefung, Ausdehnung und allmählicher Bearbeitung wir noch beschäftigt sind. Mängel der Auswahl, der Waldzustände, des Aufnahmeverfahrens konnten natürlich von Anfang nicht ausbleiben. Dennoch liess sich bald erkennen, dass die Naturgesetze, wWelche den Wuchs der Bäume und Bestände beherrschen, wegen der mannig- fachen Einflüsse auf den Zuwachs sehr verwickelt sind, so dass zur Ab- leitung dieser Zahlengesetze viele Umsicht und Geduld erforderlich ist. Bestüände aus allmählichem natürlichem Samenabfall, ungleich dicht und wüchsig, ungleichaltrig, oft mit Beimischungen, behalten lange Zeit einen anderen Stand und Wuchs als künstliche Saat- und Pflanzbestände— wie lange? ist noch nicht festgestellt. Auch die Extreme des besten und geringsten Wuchses sind wegen des seltenen Vorkommens noch zu ermitteln. Bei jeder Holzart sind sie andere. Beweise dafür liefern die bisherigen Ergebnisse: Bei der HRothuclis betrügt der grösste jährliche Zuwachs(in der Kulminationszeit) auf 1 ha besten Bodens höchstens 9 cbm, „„Serlngs 85„ Bei der Jaune und Hiclitè aut 1 ha besten Bodens bis zu 25 cbm „I„ geringst. noek se Reihe wichtiger waldwirtschaftlicher Fragen wird so, nament- lich in Verbindung mit sogenannten Stammanalysen(d. i. Zerlegung und eingehende Zuwachsuntersuchung gefällter Stümme) allmählich ihrer Lösung ine gro entgegengeführt. Bestätigte sich die Annahme Vieler, dass das Wachstum nach 2 —18 geographischen oder geognostisch-begrenzten Gebieten sich modificire, etwa nach Norden bei uns in Europa falle, gegen Süden steige, so müssten die Grade der Veränderungen ebenfalls ergründet und Differentialtabellen auf⸗ gestellt werden. Vermutlich ist Derartiges nur für sehr grosse Gebiets- grenzen der Fall und keinesfalls allein nach der Entfernung vom Nordpol, sondern in Kurvenlinien ähnlich den Isobaren. Vom deutschen Norden zum Süden werden freilich die Bedingungen günstiger und die meisten Holz- arten ersteigen im Süden mit noch gutem Wuchs grössere Meereshöhen, noch höhere in der südlichen Schweiz— variiert durch Lage, Bodenart u. a. Erst wenn der Verein unserer Versuchsanstalten noch einige Zeit seine gemeinsamen Arbeiten fortgesetzt haben wird, stehen uns sichere Lösungen in Aussicht. Nur schrittweise werden die verschiedenartigen Forschungen, welche unter sich auf das engste zusammenhängen, sich vollenden lassen und den Ubergang zu schwierigeren Aufgaben gestatten, welche die genaue Wuchs-Kenntnis unseèrer wichtigeren Holzarten voraussetzen. Nur auf dem Wege annähernder Rechnung vermag man bis héute die Grösse der im Waldboden und Holzvorrat stéckenden Kapitalien zu be— messen oder zu beèurteilen, welche Wirtschaft örtlich oder im allgemeinen die einträglichste sei? ob und welche Betriebsveränderung den Ertrag steigere und von welchem Zeitpunkte an? Die Antworten auf solche Fragen lauten noch 80 vielfach als z. B. die Ergebnisse der Bodenanalysen. Es bedarf ja auch der Erfahrung darüber, aus welchen Holzsorten an Nutz-, Brennholz und Rinde sich der jeweilige Ertrag zusammenseétze, mit welchen Preisen zu rechnen, mit welchem Produktionsaufwand örtlich und zeitlich der Rohertrag noch belastet sei— ein Gebiet statistischer Forschung, wofür die Gemeinsamkeit der Arbeit ebenfalls angestrebt, aber bis heute noch unerreicht ist. Der Wald vermag, wegen seiner langjährigen Entwicklung, in seinem ganzen Wesen der Entwicklung unseres Wirtschaftslebens nur ganz langsam zu folgen, leidet von allen Zeitstürmen und kann von Heimsuchungen auch nur allmählich sich wieder aufrichten. Aber die Statistik seiner Benutzung und seines Ertrags spiegelt getreu alle wirtschaftlichen Bewegungen, fühlt selbst den Einfluss entfernterer Vorgüänge. Darum bedarf die statische und statistische Forschung des planmässigen Zusammenwirkens in grossem Mass- stabe. Die Einigung der deutschen Stämme wird sich gewiss hierin auch bewähren. S0 verspricht die zielbewusste ernste germanische Forschungsarbeit im und am Walde zum Ausgangspunkte einer sich vertiefenden und um sich greifenden forstwissenschaftlichen Forschung zu werden. Gsterreich und die Schweiz sind schon in diese Arbeit eingetreten und lassen eine ergiebige Mithilfe erhoffen. Möge der gegenwärtige Eifer nicht erlahmen und im Lande Baden, der sog. Versuchsstation, die bisherige wohlwollende Förderung dem forst- lichen Versuchswesen seitens der höheren Behörden nie fehlen. Der ver— ehrte Fürst unseres Landes hat selbst die erfreulichsten Beweise seines regen Interesses schon öfter gegeben. Mögen die bisherigen Errungenschaften unter dem Segen eines dauer- haften Friedens, gesichert durch die weise Politik unseres erhabenen Kaisers und seiner Räte und durch die Stärke der treuvereinten ehernen Rüstung, selbst zu einem starken ruhmvollen Rüstzeug im friedlichen Wettkampf der Völker werden! 40²³ 38 00477 1 031