Die ſchönſten Perlen einer Fürſtenkrone. Fede Feier des hohen Geburtsfeſtes Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Samſtags den 29. Auguſt 1846 gehalten in der Synagoge zu Karlsruhe von Benjamin Willſtätter, Rabbinatsverweſer. Auf mehrfaches Verlangen zum Drucke befördert. Zum Beſten des Vereins zur Rettung ſittlich verwahrloster Kinder im Großherzogthum Baden. Karlsruhe. Verlag von A. Bielefeld. 1846. Gehet ein in feine Chore mit Dank, in feine Hofe mit Lobgeſang, danket ihm, preifet feinen Mamen, denn gütig ift der Herr, ewig wáhrt feine Gnade, und von Geſchlecht zu Geſchlecht ſeine Treue! Amen! (Pf. 100. V. 4 und.) Geliebte Gottesgemeindel Das erſte Gefühl, das heute bei dem Gedanken an das heutige Feſt in jedes treuen Badners Bruſt rege werden muß, iſt gewiß das Gefühl des innigſten, aufrichtigſten Dankes gegen den lie— ben Schöpfer droben, daß er uns einen Fürſten geboren werden ließ, unter deſſen ſegensreicher und gnadenvoller Regierung wir uns Alle ſo froh, ſo glücklich fühlen. Ja, Das iſt der Tag, den Gott gemacht, Der Heil dem Vaterland gebracht, Er ſtrahlt vor allen hell und klar, Weil er den Fürſten uns gebar.) Doch Geliebte, bringen wir uns dies Hochgefühl der Freude und des Dankes, in dieſer Gottgeweihten Stunde zum klaren ) Aus dem durch hohe Verfügung Großherzoglichen Oberraths der Iſ⸗ raeliten vom 17. Juli 1845. Nr. 494 angeordneten, von Herrn Ober⸗ rath Epſtein verfaßten, Synagogenliede. Bewußtſeyn. Prüfen wir, was iſt es eigentlich, das uns ſo voll aufrichtiger Liebe und Anhänglichkeit an unſern Fürſten knüpft? Welche Perlen ſeiner Fürſtenkrone ſind es, die unſere Blicke ganz beſonders feſſeln, und uns zu ſolcher aufrichtigen, innigen Ver— ehrung hinreißen? Drei Perlen ſind es, die uns aus der Krone unſeres Fürſten ganz beſonders hell und klar entgegenſtrahlen. Sie heißen Gottes furcht, Demuth, Gerechtigkeit. Dieſe drei Fürſtentugenden galten auch in jener alten Zeit, in welcher Iſrael noch ein eigenes Reich und einen eigenen König hatte, als die ſchönſten Zierden einer Fürſtenkrone. Sie ſind in dem Schriftworte*) angedeutet, Dag wir vorhin yerlefen hörten, und welches alſo lautet: Und es ſoll ſeyn, wenn er(der König) ſitzet auf dem Throne ſeiner Regierung, dann ſoll er ſich ſchreiben eine Abſchrift dieſer Lehre in ein Buch vor den Prieſtern, den Leviten. Er ſoll es bei ſich haben und darin leſen, alle Tage ſeines Lebeng, Damit er lerne, fürchten den Ewigen ſeinen Gott, halten alle Worte dieſer Lehre und dieſe Geſetze, um ſie auszuüben; auf daß ſein Herz ſich nicht erhebe über ſeine Brüder, und auf daß er nicht weiche von dem Gebote weder rechts noch links; auf daß er lange ver⸗ harre in ſeiner Regierung, er und ſeine Kinder in der Mitte Iſraels. In dieſem Schriftworte wird dem iſraelitiſchen Könige anem⸗ pfohlen, fleißig zu leſen und zu forſchen in der Gotteslehre, auf daß er lerne den Ewigen fürchten, auf daß ſein Herz ſich nicht erhebe über ſeine Mitbrüder und daß er nicht weiche von dem Gebote weder rechts noch links. *) Enthalten in dem Sabbathabſchnitte Schophtim V. B. Moſ. Kap. 17. V. 18— 20. Si J—.— Laſſen Sie uns nun nach Anleitung unſeres Textwortes, das Weſen der Tugenden, die dem israelitiſchen Könige anempfohlen werden, und die wir kürzer bezeichnen wollen, als: Den Geiſt der Gottesfurcht, Den Geiſt der Demuth, und endlich Den Geiſt der Gerechtigkeit, näher prüfen und erläutern. Der Herr erleuchte uns dabei mit dem Lichte ſeiner Weisheit und laſſe uns das Wahre und Rechte erkennen und finden, wie wir es ernſtlich und redlich ſuchen! Amen! I. Geliebte Gottesgemeinde! Gottesfurcht iſt der Weisheit Anfang, ſagt ſchon König David.(Pf. 111, 10.) Gottesfurcht, unſere Beziehung und unſer Verhältniß zu Gott und eine dieſem Verhältniſſe ent- ſprechende Denk- und Handlungsweiſe, muß in allen Verhält⸗ niſſen und Beſtrebungen unſeres Lebens den Anfang und das Ende bilden. Nur durch die ſtete Beachtung dieſes höhern Ver— hältniſſes zu Gott erhebt ſich der Menſch über den Kreis der Thier- und Pflanzenwelt, wird er Menſch im edlern Sinne des Wortes, und würdig, ein Ebenbild der Gottheit, die Krone der Schöpfung genannt zu werden. Alle jene edlern und höhern Gefühle, welche den Menſchen vor allen Geſchöpfen der Erde ſo vortheilhaft auszeichnen, haben in jenem Verhältniſſe zu Gott, in der Liebe zu ihm, und in der Verehrung und Beachtung ſeines heiligen Willens ihre Grundlage und ihren Mittelpunkt. Gäbe es auch im Leben einen ſicherern und kräftigern Haltpunkt gegen die Verſuchungen der Sünde und des Unrechts, als gerade dieſe Gottesfurcht? Wahrlich, da ſchützet kein Stand, kein Alter, kein Lebensverhältniß, kein Licht des Geiſtes. Gott iſt die ewige unverſiegbare Quelle, aus der wir ſtets und immer von neuem 6 ͤbↄ die Kraft und den Geiſt zu allem Guten und Edlen ſchöpfen müſſen. Darum kann Niemand dieſer Gottesfurcht im Leben leicht entbehren, wenn er nicht im Strudel der Lebensverhältniſſe und Lebensereigniffe untergehen will. Und je Höher wir im Le- ben ſtehen, je unumſchränkter und ausgebreiteter unſere Macht und Herrſchaft auf Erden iſt, je freundlicher uns das Leben Alles bietet, was uns Genuß und Freude gewährt, deſto weniger können wir jenes himmliſchen Leitſterns, der Gottesfurcht, im Leben entbeh⸗ ren. Schon von dieſem Geſichtspunkte aus betrachtet, macht es unſer Tert dem Könige mit Recht ganz beſonders zur Pflicht, daß er lerne Gott fürchten, und ſeine Gebote halten. Betrachten wir jedoch ferner, welches Heil auch für ein Volk, wenn deſſen Fürſt von dem Geiſte der Gottesfurcht beſeelt iſt. Bietet ja ein ſolcher Geiſt der Gottesfurcht auch dem Volke ge— genüber die ſicherſte Bürgſchaft einer gerechten und ſegensreichen Regierung. Kann wohl der Fürſt, der Gott im Herzen trägt, der ihn wahrhaft liebt und verehrt, kann ein ſolcher Fürſt ſich je verirren, ſeine Macht und Herrſchaft zu ungerechten, Gott mißfälligen Zwecken zu mißbrauchen? Wird er nicht ſtets an die Rechenſchaft denken müſſen, welche ér, wie jeder Sterbliche, einſt vor dem Richterſtuhle Gottes über ſein Streben und Wirken auf Erden abzulegen hat? Und wenn, wie die Wohlfahrt des Einzelnen, ſo die Wohlfahrt ganzer Völker und Staaten durch die Gottesfurcht wahrhaft begründet wird, wie heilſam auch in dieſer Rückſicht für ein Volk, wenn deſſen Fürſt von vieſem Geiſte durchdrungen iſt! Ein ſolcher Fürſt wird es zur heiligſten Aufgabe ſeines Strebens machen, den Geiſt Dér Gottes⸗ furcht, einen ächt religiöſen Sinn im Volke zu nähren, zu pflegen, zu unterhalten, und die dieſem Heiligen Zwecke geweihten Anſtal⸗ ten und Einrichtungen des Staates mit aller Kraft zu unter⸗ ſtützen und zu fördern. Nachhaltiger und eindringlicher aber noch, als durch ſolche äußere Maaßregeln und Anordnungen, wird ein ſolcher Fürſt auf den religiöſen Sinn des Volkes durch du e i fein eigenes Beifpiel wirfen. Wenn in den Höhern Kreifen der Geſellſchaft das Licht der Religion ſorgfältig gepflegt und unterhal⸗ ten wird, dann wirft es wohlthätige Strahlen, bis hinab in die un- terſten Schichten des Volkes, erzeugt dort einen freundlichen Wiederſchein und entzündet die im Volke ſchlummernden Keime der Gottesfurcht und der Sittlichkeit zu hellen Flammen, die er— leuchten, erwärmen, tröſten und kräftigen in allen Verhältniſſen des Volkslebens. IE. An dieſen Geiſt der Gottesfurcht, ſchließt ſich zunächſt und erzeugt ſich durch denſelben der Geiſt der Demuth. Auf daß ſein Herz ſich nicht erhebe über ſeine Mitbrüder. Stolz und Hochmuth, meine Lieben, ſind Untugenden, welche ſchon in den gewöhnlichen Kreiſen menſchlicher Verbindungen die Herzen gegenſeitig entfremden, und das Band der Liebe, der Achtung und des Vertrauens gegenſeitig zerſtören; während nichts geeigneter iſt, dieſes Band feſter und inniger zu knüpfen, es für die Dauer zu erhalten, als ein beſcheidener, demüthiger Sinn, welcher trotz der eigenen Macht und Größe in jedem Menſchen, wäre er auch, ſeiner äußern Stellung im Leben nach, einer der Geringſten, den Menſchen und Mitbruder achtet und liebt. Je höher wir im Leben ſtehen, deſto nothwendiger, deſto heilſamer iſt uns ein ſolcher Geiſt der Demuth. Müßte nicht das Band, das die Menſchen an die Menſchen knüpft, und ſie zu einer großen Familie vereinigen ſoll, allmählig lockerer werden und ſich endlich ganz auflöſen, wenn diejenigen, welche der Herr ge— ſegnet hat, mit Macht, Anſehen, Größe, Herrſchaft und Reich⸗ thum, fih in ihrem Hochmuthe höher dünkten, als ihre Mitmen⸗ ſchen, ſich aus dem Kreiſe derſelben zurückzögen, um nur den ei— genen Zwecken zu leben, unbekümmert um das Loos derer, die der Herr im Leben nicht ſo hoch geſtellt hat? Iſt es ja das edelſte und ſchönſte Vorrecht der Hochſtehenden und Geſegneten, daß ihnen vom Schöpfer Mittel und Gelegenheit vergönnt wur— den, denen, welche darben und Mangel leiden, von ihrem Segen und Ueberfluſſe mitzutheilen, und in die Hütten des Elends und der Noth die freundlichen Spenden des Troſtes und der Ret⸗ tung hinabzuſenden. Ja, nur wenn in den Herzen der Großen und Geſegneten der Geiſt der Demuth waltet, dann lebt auch in ihrem Innern der Geiſt des Mitgefühls und der Theilnahme für das Wohl und Wehe ihrer Mitmenſchen. Nur wer es ver— ſteht, aus dem Glanze und dem Glücke ſeiner Lebensverhältniſſe im Geiſte hinabzuſteigen in den hilfloſen Kreis des Elends und der Noth; nur wer es weiß, ſich ſelbſt in die Lage der Unglücklichen und Nothleidenden zu verſetzen, nur der wird auch ergriffen werden von einem edlen Mitgefühl für die Noth und das Elend ſeiner Mitbrüder, er wird den Geiſt der Liebe im Leben wahrhaft bethä—⸗ tigen, und in dieſer Bethätigung ſich wahre Größe, wahrhaften Adel erwerben. Da ift eg aber gerade die Gottesfurcht, die ſolche De— muth lehrt; die Gottesfurcht, der Gedanke an Gott, vor dem wir bei aller irdiſchen Macht und Größe gleich hinfällig und vergänglich ſind; der Gedanke an Gott, der, wie die Schrift ſagt,(Samuel I. Cap. 2. V. 7,.) reich macht und arm, er⸗ hebt und erniedrigt, der den Armen aus dem Staube aufrichtet, und den Dürftigen aus dem Kothe er⸗ hebt, um ihn neben Fürſten zu ſetzen und ihnen den Thron der Ehre zu Theil werden läßt; dieſer Gedanke iſt's, der am eindringlichſten Demuth lehrt, und jeden Sterb⸗ lichen, welche Stellung er auch im Leben einnehmen möge, ſelbſt den König vor Stolz und Hochmuth bewahrt, ihn ſchützt, daß ſein Herz ſich nie erhebe über ſeine Mitbrüder! III. Auf daß er nicht weiche von dem Gebote, weder rechts noch links, iſt die dritte Mahnung unſeres Textes. Wurde der iſraelitiſche König in den beiden erſten Theilen des— ſelben zur Gottesfurcht und Demuth, und ſo zur Beachtung ſeines Verhältniſſes und ſeiner Pflichten als Menſch, Gott und ſei— nen Mitmenſchen gegenüber, ermahnt, ſo wird ihm in dieſem Theile unſeres Textes die Beachtung ſeines Verhältniſſes und ſeiner Pflichten, als Regent ſeinem Volke gegenüber, an⸗ empfohlen. Auf daß er nicht weiche von dem Gebote, weder rechts noch links. Unter dieſem Gebote iſt wohl kein ande— res zu verſtehen, als das Gebot der Gerechtigkeit. „Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit ſollſt Du nachjagen!“) wird am Anfange unſeres Sabbathabſchnittes beſonders dem Richter zur Pflicht gemacht. Es galt dieß aber gewiß auch als eine heilige Pflicht für Denjenigen, der als der höchſte Richter und Geſetzgeber im Volke an der Spitze ſtand, und in ſich die höchſte Gewalt und Herr— ſchaft des Staates vereinigte. Das Gebot der Gerechtigkeit iſt das Gebot, von welchem der iſraelitiſche König nicht weichen ſollte, weder rechts, noch links. Die Bahn der Gerechtigkeit iſt eine ſcharf bezeichnete, ſchmale Linie, und die geringſte Ab⸗ weichung von derſelben führt auf Ab- und Irr-Wege. Sie gleichet jener Wagſchale, bei welcher der leiſeſte Luftzug das Gleichgewicht ſtört, und das Uebergewicht nach einer Seite hin— lenkt. Gerechtigkeit bildet die ſicherſte Grundlage einer jeden gegenſeitigen Verbindung im Leben, ſie muß auch die Grundlage ) V. B. M. 16, 20. des Verhältniſſes zwiſchen Fürſt und Volk bilden. Wenn darin der Geiſt der Gerechtigkeit waltet, wenn darin Jedem das Seine zuerkannt und zu Theil wird, dann wächst das gegenſeitige Ver— trauen, die gegenſeitige Achtung und Liebe, und das Band zwi— ſchen Fürſt und Volk wird ein inniges, unauflösliches. Wo die Gerechtigkeit ihre Herrſchaft begründet hat, da ſchwindet jede Rückſicht auf einſeitigen Vortheil oder Nachtheil; Alles wird geprüft an dem Prüfſtein der Gerechtigkeit, und was dieſe Prüfung beſteht, muß gelten als Recht und Geſetz. Und dieſe Gerechtigkeit muß ſich bewähren gegen Ale, die- fih ihrem Scepter unterwerfen, gegen Alle die fih unter- ihren Shug flüchten; die Gerechtigkeit iſt blind, ſie kennt kein Anſehen der Perſon und des Standes. Der Geiſt der Gottesfurcht aber iſt es, der auch ſolche Gerechtigkeit lehrt, der in dem Herzen des Fürſten ein ſolches Rechtsgefühl erzeugt. Der Fürſt, der von der Ueberzeugung durchdrungen iſt, daß er nach dem Willen Gottes, deſſen Geheiß in dem Größten, wie in dem Kleinſten auf Erden zur Ausführung kömmt, auf den Thron geſetzt iſt, daß er dieſer höhern Sendung gemäß berufen ſey, Recht und Ordnung in der Mitte ſeiner Unterthanen zu handhaben, daß er berufen ſey, nicht die eigenen Vortheile und Zwecke zu verfolgen, ſondern die Wohlfahrt und das Glück ſeines Landes zu wahren, und zu fördern, die Wohlfahrt ſeines Landes, von welcher, wie einſt der unvergeßliche Karl Friedrich ſich ausdrückte,) das Glück des Regenten unzertrennlich iſt; ein ſolcher Fürſt wird vom Geiſte der Gerechtigkeit erfüllt werden, er wird ihn be— währen und üben in allen Beſtrebungen und Maßregeln ſeiner Re⸗ gierung. Die Gerechtigkeit wird vor ihm hergehen und Bahn machen ſeinen Schritten.(Pſ. 85, 14.) So ſind es dieſe drei Fürſtentugenden: Gottesfurcht, Demuth und Gerechtigkeit, welche die edelſten Perlen der Fürſtenkronen bilden, ſie ſind aber auch die kräftigſten Stützen +) Sn jener denkwürdigen Rede an fein Geheimeraths-Collegium. E H E der Fürſtenthrone. Denn dann bewährt ſich an ihnen auch das Schlußwort unſeres Tertes: Auf daß er lange verharre in feiner Regierung, er und ſeine Nachkommen. Laſſen Sie uns nun, Geliebte, in furzen Zügen andeuten, in welch' hellem Glanz ſich jene Perlen in der Krone unſeres Fürſten ver— einigt finden. Ja, Gottesfurcht, Demuth und Gerechtig— keit durchdringen alle Beſtrebungen und Handlungen unſeres ge— liebten Fürſten. Von dem Geiſte der Gottesfurcht zeugt Sein unermüdliches Be— ſtreben, die Religion und die ihr geweihten Anſtalten und Ein- richtungen des Staates zu ſtets ſegensreicherer Wirkſamkeit zu fördern. Davon zeugt Seine hohe landesväterliche Fürſorge, welche Höchſtderſelbe den verſchiedenen Religionsbekenntniſſen un⸗ ſeres Landes zu Theil werden läßt. Mit freudigem Danke müſſen auch wir Iſraeliten Dies anerkennen. Auch uns iſt durch das Beſtehen und die Wirkſamkeit jener hohen Behörde, deren Für⸗ ſorge und Ueberwachung die Angelegenheiten unſeres Glaubens in unſerem Lande anvertraut ſind, Gelegenheit gegeben, unſer Heiligſtes auf Erden zu ordnen, zu wahren, das religiöſe Leben in unſerer Mitte zu läutern, zu fördern; und ſo kann auch in unſerem Bekenntniſſe der Geiſt der Religion ſich frei entfalten und entwickeln zu immer höherer Kraft und Blüthe! Mit dieſem Geiſte der Gottesfurcht paart ſich in dem edlen Herzen unſeres geliebten Fürſten der Geiſt der Demuth. Davon zeuget Seine herablaſſende Güte, Sein freundliches Wohl⸗ wollen, mit welchem der Edle allen Seinen Unterthanen begegnet. Wer hätte fih je mit einer Bitte dem Throne unſeres Fürſten genaht, der nicht erfüllt von neuer Hoffnung und freudigem Muthe von demſelben geſchieden waͤre? Davon zeuget ferner ſein edles Mitgefühl, ſeine hochherzige Theilnahme, überall, wo es gikt, eine Noth zu lindern, ein Elend zu erleichtern. Wäre je ein Unglück zur Kunde unſeres Fürſten gelangt, bei welchem der Hoch— herzige nicht unter den Erſten als ein Retter in der Noth er— ſchienen wäre, bei welchem er nicht eben dadurch die Herzen ſei— ner Unterthanen zu einem edlen Nacheifer entzündet hätte! Ja, Hilf' empfängt, wer zu Ihm flieht, Œr rettet, wo Er Elend fieht, Er ift der Armen Schutz und Wehr, Die Unterdrückten ſchützet Er. 5) Die Unterdrückten ſchützet Er, denn auch der Geiſt der Gerechtigkeit durchdringt unſern Fürſten. Davon zeugt das Be- ſtreben unſerer hohen Landesregierung, die Segnungen unſerer Verfaſſung dem Volke in ſtets reicherer Fülle zuſtrömen zu laſ— ſen, und die Rechte der Unterthanen in dem Maße zu erwei— tern, als es mit den höhern Rückſichten auf das Wohl des Staates und der Geſammtheit vereinbar erſcheint. Und wenn auch wir Iſraeliten noch nicht alles Dasjenige erreicht haben, was wir, nach unſerem Rechtsgefühle als dem Geiſte der Ge— vechtigkeit entſprechend halten, ſo verkennen wir dennoch den Geiſt der Gerechtigkeit in der hohen Verwaltung unſeres Landes nicht. Wir hoffen, daß die Macht der Verhältniſſe, welche bisher der vollen Gewährung unſeres Rechtes im Wege ſtand, allmählig ſchwinden, und es dem Geiſte unſerer fortgeſchrittenen Zeit ge— lingen werde, auch rückſichtlich unſerer Befugniſſe und Nehte dem Geiſte der Gerechtigkeit volle Geltung zu verſchaffen. Kann uns ja ein neues frohes Ereigniß in dieſer Hoffnung nur beſtär— ken, nur ermuthigen. Waren es vor wenigen Tagen die hohen Vertreter unſeres Volkes, welche die Erfüllung jener Hoffnung als eine Forderung der Gerechtigkeit anerkannt, und mit beredten Zungen ausgeſprochen haben. Und ſo hoffen wir denn, daß der ) Ebenfalls aus dem angeordneten Synagogenliede. Siehe Anm. S. 3. erlauchte Sohn des unvergeßlichen Karl Friedrich das edle Werk, das ſein höchſtſeliger Vater vor Jahren begonnen hat, in unſern Tagen vollenden, und ihm die Krone aufſetzen werde. Ein ſol— ches Werk wird gewiß den Glanz ſeiner fürſtlichen Krone erhö— hen, und man wird unſer Vaterland mit den Worten des weiſen Königs glücklich preiſen: Heil Dir Lande, deſſen Regent ein Sohn der Ed— len iſt!(Prediger, Kap. 10, V. 17.) Wir aber, Geliebte, wollen uns eines ſolchen Fürſten ſtets würdig zeigen durch ſtrenge und treue Erfüllung aller unſerer Unterthanenpflichten. Liebe, Treue und Ergebenheit gegen unſern geliebten Fürſten, treue Hingebung und aufopfernde Liebe für unſer theueres Vaterland, Gehorſam und Achtung vor der Verfaſſung und den Landesgeſetzen ſeyen uns heilige Tu— genden. Zeigen wir durch unſer ganzes Benehmen und Verhal— ten, daß wir treue und würdige Söhne des Vaterlandes ſind und ſeyn wollen. Zeigen wir durch ſtrengen Gehorſam gegen die Landesgeſetze, durch ſtrenge Rechtlichkeit und Redlichkeit im Ver- kehre, daß wir alle Genoſſen unſeres theuern Vaterlandes als unſere Mitbrüder achten und lieben, und es als ein heiliges Gebot der Religion anerkennen, alle Pflichten der Nächſtenliebe in vollem Umfange gegen ſie zu üben. Beurkunden wir eine ſolche Geſinnung namentlich in dieſen Tagen durch ein beſonderes Werk der Liebe, und laſſen Sie uns an das heutige Feſt und an das frohe Ereigniß, das wir vorhin berührt haben, ein bleibendes Denkmal allgemeiner mild— thätiger Menſchenliebe knüpfen. Laffen Sie ung, mie Dies be- reit von einer Geite þer angeregt wurde*), midthätige Spen- den vereinigen, zur Gründung eines Kapitals zum Beften eines Vereins, welcher ſeit Jahren in unſerem theuern Vaterlande in *) Von dem geſchäftsleitenden Ausſchuß des allgemeinen Landesvereins zur Verbeſſerung der innern und äußern Zuſtände der Juden im Groß— herzogthum Baden. ſo ſegensreicher Wirkſamkeit begriffen iſt, zum Beſten des Vereins, der ſich die hohe und heilige Aufgabe geſtellt hat, die ſittlich verwahrloste Jugend zu retten, ſie dem ſittlichen Ber- derben zu entreißen, ſie der edlen Menſchheit wiederzugeben. Es bedarf wahrlich keiner Worte, die Wichtigkeit und Heiligkeit einer ſolchen Aufgabe darzuſtellen, zu begründen, ſie wird wohl von keiner Seite verkannt. Die ſegensreiche Wirkſamkeit dieſes Ver⸗ eing iſt eine rein menſchliche, ſie will Menſchen retten, ſie iſt darum der Menſchheit geweiht ohne Unterſchied des Stan⸗ des und des Glaubens; zeigen wir nun auch unſerer Seits, daß wir als Iſraeliten, bei aller Liebe und Anhänglichkeit an unſern angeſtammten Väterglauben, doch auch Menſchen ſind, deren Herz warm erglüht, für Menſchenwohl, für Menſchen— rettung, ohne Unterſchied des Standes und des Glaubens! Wir werden durch eine ſolche Entſchließung den heutigen Tag, der zugleich der Stiftungstag jenes Vereins iſt, am würdig— ſten feiern. Wir werden ihn würdig feiern der hohen Vertreter unſeres Volkes, ſo wie der hohen Regierung unſeres Landes, welche in ſchönem Einklange ihre lebhafte Theilnahme für dieſe Sache der Menſchheit bereits beurkundeten. Wir werden ihn würdig Des⸗ jenigen feiern, dem dieſes Feſt beſonders geweiht iſt, und der uns im edlen Wohlthun und in der Uebung mildthätiger Liebe als ein ſo erhabenes nachahmungswürdiges Muſter ſtets voran⸗ leuchtet. Wir können dann von dieſem Tage in doppelter Bezie⸗ hung ſprechen: Das iſt der Tag, den Gott gemacht, Der Heil dem Vaterland gebracht! Laſſen Sie uns nun nochmals unſere Blicke aufwärts richten und dag weitere Wohlergehen und das theuere Leben unferes gez liebten Fürſten der Gnade Gottes empfehlen in andächtigem Ge⸗ bete: O, Herr! führ Ihn auf Seinem Pfad Und ſegne Ihn bei Rath und That; Denn unſer Fürſt vertraut auf dich, Drum ſteht Er feſt und ſicherlich. Sein Name ſey ſtets ſegensreich, Sein Ruhm ſey hell, der Sonne gleich, Er ſey des Landes Glück und Freud', Er ſey vom Volk' gebenedeit. O, Herr! erhalt' noch lange Ihn, Sein edler Stamm mög' ewig blüh'n! Die Sproͤßlinge ſey'n für und für Des Volkes Freud', des Thrones Zier. Gelobt ſey Gott in Ewigkeit! Der Name ſeiner Herrlichkeit! Es ſey der Erde Jubelſchrei: „Gelobt ſey Gott!“ Es ſey! Es ſey!*8 Amen! Hallelujah! ) Ebenfalls aus dem angeordneten Synagogenliede. Siehe Anm. S. 3. Der Druck dieſer Rede wurde durch ein kleines Hinder— niß verſpätet. Gedruckt bei Ch. Th. Groos. SAN,